Darmstädter Tagblatt 1928


25. September 1928

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Dienstag, den 25. September 1928.

191. Jahrgang

England vor den Wahlen

Die vielſeitigen General=Akte.
hrepraktiſche Bedeutung infolge ihrer Elaſti=

nahm die Verſammlung die bereinbarte vorläuſige Regelung an.
die das Projekt weiterer Unterſuchung überläßt, während die
ſchweizeriſche Regierung den Bau einer Station für mittlere
Wellen bereits in Angriff nimmt. Die Konferenz für die
Vereinheitlichung des Internationalen Rechtes
die im Haag ſtattfinden wird, ſoll nach dem Beſchluß der Bundes=
verſammlung
vom Völkerbundsrant noch im Laufe des Jahres
1929 einberufen werden. Zu ihrer Vorbereitung werden die
Regierungen telegraphiſch aufgefordert, bis zum 31. Oktober die
ihnen vorliegenden Fragebogen über ihre Haltung zu den ver=
ſchiedenen
Rechtsprinzipien fertigzuſtellen und zurückzuſenden.
Die Ausarbeitung eines allgemeirien Plans über die Rechts=
kodifikation
ſoll einem Juriſten=Dreierkomitee übertragen werden.
Der Berichterſtatter Rolin=Belgien ging in dieſem Zuſammen=
hang
auf die allmähliche Schaffung eines neuen Völkerrechts ein,
auf welchem Wege der Kellogg=Pakt einen neuen Fortſchritt
darſtelle. Die
Entſendung einer Opiumkommiſſion
nach dem Fernen Oſien.
zu der der Völkerbund einen Beitrag von 100 000 Franken leiſtet,
wurde von der Verſammlung ebenfalls angenommen. Die Unter=
ſuchungen
ſollen ſich auf den Gebrauch von Rauch=Opium er=
ſtrecken
und in den Staaten vorgenommen werden, die ſich damit
einverſtanden erklären. Der chineſiſche Delegierte Wang King=ky
erklärte, China habe ſelbſt den durch den Bürgerkrieg unter=
brochenen
Kampf gegen das Opium in ſeinem Land wieder auf=
genommen
; aber das Opium ſei heute nicht der gefährlichſte
Feind, ſondern die Opium=Derivate, die mit Hilfe der anormalen
Ausländerprivilegien nach China impſortiert würden. Infolge des

lanents, geherſcht hate, geht dem Ende entgegen, London be=
Anfang der nächſten Woche erwartete Rückkehr Stanley
Baldwins nach Nr. 10, Downing Street, daß die neue
Phaſe im großen Kampfe um die Macht nun ernſtlich anſetzt.
Leute, die Mr. Baldwin kürzlich in Aix=les=Bains beſucht haben,
berichten, daß er ſich zur Zeit einer beneidenswerten Vitalität
erfreut und daß er voll des Eifers ſei, ſich mit Wucht und Wonne
in den Wahlkampf zu ſtürzen. Hierzu wird ihm ſofort nach
Betreten des engliſchen Bodens Gelegenheit geboten werden.
Bereits im 27. September hat er in Yarmouth auf dem Partei=
tag
der Konſervativen eine große Rede zu halten. Er
wird vor ſeiner Zuhörerſchaft Rechenſchaft darüber abzulegen
haben, was ſein Regiment bisher für die Wohlfahrt Großbritan=
niens
getan hat und was es in Zukunft zur Behebung der noch
beſiehenden Schwierigkeiten zu tun gedenkt. Den Dingen voraus=
eilend
kann aber ſchon heute geſagt werden, daß Baldwin auf
keinem ſchwanken Boden ſteht. Denn die wirtſchaftlichen und poli=
tiſchen
Vorausſetzungen, unter denen die Konſervativen jetzt mit
der Wahlkampagne beginnen, ſind für dieſe Partei, und ihren
Führer im allgemeinen keine ungünſtigen.
Das Kabinett Baldwin hat ſich in den vier Jahren ſeines
Beſtehens als eine Regierung erwieſen, die langſam und ohne
viel Worte in mannigfacher Hinſicht poſitive Arbeit geleiſtet
hat. Ihr größtes Verdienſt wird ſtets die Tatſache bleiben, daß
ſie 1926 mit wirklich bewundernswerter Ruhe und Geſchick das
ſeit 1910 über England laſtende Geſpenſt des Generalſtreiks über=
wunden
und hiermit den Weg zu einem Ausgleich zwiſchen Arbeit=
nehmern
und Arbeitgebern geebnet hat. Die Finanzreformpläne
der Regierung ſind auf 15 Jahre voraus angelegt und ſorgfältig
ausgearbeitet, und jedem Engländer leuchtet es ohne weiteres
ein, daß es nur bei einem beharrlichen Fortſchreiten auf dieſem
Wege mit der Zeit gelingen wird, das Land von der ſchweren
Laſt der Arbeitsloſigkeit zu befreien. Endlich plauſibler als
alles andere und das vernünftige Wirtſchaften der Regierung
beweiſend, iſt die nicht fortzuleugnende Tatſache, daß die Ausfuhr
britiſcher Waren bereits ſeit vielen Monaten in einem bemerkens=
werten
und ſtändigen Steigen begriffen iſt. Für den Auguſt die=
ſes
Jahres beläuft ſich die Ausfuhrziffer auf ganze 170 Millionen
Pfund Sterling. Woraus ſich ergibt, daß die Unterbilanz im
britiſchen Außenhandel zurzeit 22 Millionen Pfund Sterling
weniger als im Auguſt vorigen Jahres und gar 40 Millionen
Pfund Sterling weniger als zu Anfang des Jahres 1926 beträgt.
Das ſind Ziffern, die es kaum geſtatten, von einem Niedergang
des britiſchen Handels zu ſprechen.
Ermuntert durch dieſe Tataſchen, verſucht Baldwin nun ener=
giſch
dem Problem der Arbeitsloſigkeit zu Leibe zu rücken. Ein
völliges Niederringen dieſes größten engliſchen Nationalübels
wird natürlich erſt in Jahren zielbewußter Anſtrengungen erreicht
werden können. Aber weſentliche Milderungen ſind bereits jetzt
möglich. Zu dieſem Zwecke plant die Regierung ſchon, für die
nächſte Zukunft eine ganze Reihe praktiſcher Maßnahmen, welche
die Zahl der Arbeitsloſen zum mindeſten um 100 000 Mann, wenn
nicht mehr, vermindern dürften. Es iſt erſtens mit der kanadiſchen
Regierung eine Abmachung getroffen worden, wonach dieſe es
übernommen hat, bei ſich nicht weniger als 20 000 engliſchen
Familien die Niederlaſſung zu ermöglichen. Zweitens ſollen durch
Zutun der Regierung etwa die gleiche Anzahl von Menſchen aus
den notleidenſten Bergwerksbezirken nach anderen Teilen Eng=
lands
und des Reiches verpflanzt werden. Und drittens ſoll in
Zukunft auf einem anſehnlichen Teil der Staatsländereien (etwa
1 750 000 Acker) mit ſyſtematiſcher Anpflanzung von Jungwald
begonnen werden. England importiert jährlich für etwa 50 bis
60 Millionen Pfund Sterling Holz. Dieſe Einfuhr belaſtet das
Budget dauernd in ſtärkſtem Maße. Der Weltkrieg hat zudem

EnSesverſammlung ſind heute vormittag ſchon ſehr früh zur
bitung des Weltſchiedsgerichtsvertrages zuſammengetreten.
9 Generalakte ſind in den Unterkommiſſionen ſo umgearbeitet
mden, daß es nach der heutigen Faſſung den Staaten vollkom=
u
frei ſteht, entweder die Generalakte oder zweiſeitige Schieds=
pträge
oder einzelne Teile der Generalakte, ſei es das Ver=
ntl
ungsverfahren, ſei es die Schiedsgerichtsbarkeit für juriſtiſche
Girtfälle oder Schiedsgerichtsbarkeit für alle alſo auch poli=
üh
Streitfälle zu unterzeichnen. Dieſe außerordentliche
Gfizität des Beitritts=Modus iſt auf engliſche Forderungen
zurkzuführen. Die Grundzüge der Generalakte bleiben unver=
ivert
. Der Weltſchiedsgerichtsvertrag wird durch den Präſi=
ditn
der Bundesverſammlung und den Generalſekretär des

Gebrauchs dieſer Gifte fei der Anbau von Mohn ſchon ſtark
zurückgegangen. Man könne das Opium=Problem nicht löſen,

wenn man nicht die Unterſuchung auch auf alle Mohn anbauen=
den
Länder und Produzenten=Länder von Opium=Derivaten aus=
dehne
. Wenn man nur eine Seite der Frage in Angriff nehme,
werde man ſpäter mit den gleichen Koſten noch einmal dieſelbe
Arbeit leiſten müſſen. China werdef der Unterſuchungskommiſſion
nicht zuſtimmen, aber mit eigener Kraft den Kampf gegen das
Rauſchgift fortſetzen.
Darauf ſchloß Präſident Zahle um 8 Uhr die Vollſitzung. Er
vertagte ſie auf Dienstag vormittag 10 Uhr.
Franzöſiſche Unzufriedenheiten
Aufregung wegen der anterikaniſchen Ent=
hüllungen‟
. Konfliktsmöglichkeiten in der
Innenpolitik.
Von unſerem A=Koxreſpondenten.
Paris, 24. September.
Die Entwicklung der Abrüſtungsverhandlungen wird hier
recht luſtlos betrachtet. Gewiß gelang es Paul Boncour in Genf
in mancher Beziehung ſeinen Stanzpunkt durchzudrücken, aber
das kann an der Tatſache nichts ändenn, daß die Verhandlungen
über die Abrüſtung eine tiefe Verſtinmung verurſachten. Man
wünſchte hier, ſoweit es nur möglich iſt, die Beſprechungen über
die Seeabrüſtung hinauszuſchieben. Die amerikaniſche Preſſe hat
den engliſch=franzöſiſchem Marinepakt einmal aufgegriffen und
gibt ſich nicht zufrieden. Die Angriffe des New York American
werden hier äußerſt unangenehm empfunden.
Die Stimmung in Amerika iſt ſchon früher dem Marine= Ab=
kommen
feindlich geweſen. Nach der Enthüllung des New
York American war eine heftige Preſſekampagne gegen Frank=
reich
und England unvermeidlich. In Amerika herrſcht eine bis
aufs äußerſte geſpannte Stimmung wegen der Präſidenten=
wahlen
. Die Wirkung des Marinegbkommens iſt alſo vielfach ſtär=
ker
, als es in normalen Zeiten geweſen war. In Paris fängt man
an, Zeichen der Unruhe an den Tag zu legen. Die Oeffentlichkeit
fragt, wozu eigentlich die ungeſchickte Geheimhaltung des Marine=
abkommens
diente, und wie es möglich geweſen war, daß ein
Oeffentlichkeit gelangen konnte. Die Folgen des engliſch=franzö= dern auch ein weiteres dazu beitragen, die Unterbilanz der briti=
ſiſchen
Marineabkommens zeigen ſich immer mehr. Die amerika= ſchen Außenhandelsziffern zu vermindern. Alle dieſe Maßnahmen
niſche Preſſe befaßt ſich jetzt auch mit der Frage der interalliierten
Schulden, und zwar in einer Form, die für Frankreich höchſt un= Hebung und Ausnutzung derwirtſchaftlichen Reich=
angenehm
iſt.
Man weiß aber nicht, ob dies nicht die Ruhe vor dem Sturm iſt.
Der Budgetentwurf für 1929 erfuhr zwar die beſten Kritiken, aber
in den politiſchen Kreiſen iſt man mit ihm nicht zufrieden. Die
Offenſive gegen die Regierung vor. Bis jetzt haben ſie zwar keine ſammenwirkens mit allen Teilen des Reiches iſt es, auf dem
Erfolge zu verbuchen, aber ſie haben unzweifelbar eine gute
Handhabe. So vorzüglich und brillant auch der von Poincaré licher Blüte entgegenführen zu können.
ausgearbeitete Budgetentwurf vom Standpunkt der Sicherheit
auch ſein mag, ſo iſt es doch wahr, daß in ihm für eine große
Reihe von unbedingt nötigen Reformen kein Platz blieb. Poin= ſowie die Summe des bisber Erreichten machen es ſchon heute
caré iſt vor grundſätzlichen Neuerungen zurückgeſchreckt. Die
Hauptſehler der Union nationale treffen ſich in dem Budget von
1929 alle wieder.
In bezug auf die Gehaltserhöhungen hat aber Poincaré der
neuen Lage, wenn auch vorſichtiger Weiſe, Rechnung getragen.
Das war unvermeidlich, wird aber auf allen Gebieten eine ganze
Reihe von Lohnkämpfen nach ſich ziehen. Die Streiks in der
Textilinduſtrie gehören auch in dieſe Rubrik. Nach der Stabili=
ſierung
laſſen ſich die Löhne in Frankreich nicht mehr ſo niedrig 1
hälten, wie ſie bisher waren. Das muß eine ganze Reihe von
Konflikten nach ſich ziehen.

Asesverſammlung mit der Mitteilung ein, daß die Negierung
mCoſtarica von ihrem Parlament die Bewilligung der Beiträge
zN Völkerbund verlangt habe. Dieſe Mitteilung, die einer An=
hdigung
des Wiedereintritts Coſtaricas in den Völkerbund
eichkommt, wurde von Guerrero=Salvador und Palazios=
Kamien dahin erweitert, daß die Verſammlung hoffe, im nächſten
ihre nicht nur die Delegation Coſtaricas, ſondern auch diejenige
kargentiniſchen Repubkik in ihren Reihen zu ſehen. Dies führte
einer allgemeinen Sympathiekundgebung für den Wieder=
anitt
Argentiniens. Auch der deutſche Delegierte Staatsſekretär
m Schubert ſchloß ſich dieſem Wunſche lebhaft an. Argentinien
s geiſtigen Eigentums herbeizuführen.
Die Verſammlung nahm ohne Debatte die Entſchließung über
Kontrolle des Schmuggels mit gefährlichem
II ohol an. Die Kontrolle ſoll ſich nicht auf Wein, Bier oder
bielwein erſtrecken, ſondern nur dem Mißbrauch gefährlichen
ik hols entgegenarbeiten. Ebenſo wurde auch ohne Debatte der
erecht über die Tätigkeit der Tranſitkommiſſion und eine Ent=
eßung
angenommen, in der der Völkerbundsrat aufgefordert
ſie, die Frage zu prüfen, ob gemäß Artikel 14 des Völkerbunds=
iles
der Völkerbundsrat oder die Vollverſammlung berechtigt
nd. mit einfacher Stimmenmehrheit Gutachten des Ständigen
ntgernationalen Gerichtshofes im Haag einzuholen. In der

England einige intereſſante Lehren erteilt: während des Krieges
waren mehr als die Hälfte aller engliſche Häfen anlaufenden
Handelsſchiffe damit beſchäftigt, Holz nach England zu bringen.
Das hat man ſich gemerkt. Vor allem würde aber die Beſchaffung
ſelbſt begrenzter Mengen daheimgewachſenen Holzes nicht nur
Geheimdokument der franzöſiſchen Diplomatie in die amerikaniſche einer großen Anzahl von Arbeitsloſen Beſchäftigung geben, ſon=
ſind
jedoch nur Teile eines großen Projektes einer ſyſtematiſchen
tümer des geſamten britiſchen Imperiums. Jede
In der franzöſiſchen Innenpolitik herrſcht nach wie vor Ruhe, in den Dominien und Kolonien gemachte Inveſtierung, ſagt man
ſich, ſteigert die Kaufkraft dieſer Länder und kommt letzten Endes
dem Mutterlande zugute. Auf dieſes Ziel Empire develop-
ment
iſt daher das Hauptaugenmerk der Regierung gerichtet,
Sozialiſten und der linke Flügel der Radikalen bereiten eine und auf dem Wege eine von Jahr zu Jahr immer engeren Zu=
Baldwin hofft, England allmählich einer neuen Epoche wirtſchaft=
Dieſe Zuverſicht Baldwins in bezug auf Englands Zukunft,
mehr als wahrſcheinlich, daß bei den nächſten Wahlen wohl kaum
eine maſſenhafte Abkehr von den Konſervativen erfolgen dürfte.
Die bisher ſtattgehabten Nachwahlen bekräftigen
dieſe Mutmaßung recht augenfällig. Sich auf die Regel vom
Schwingen des Pendels zu berufen und daher für die kommen=
den
Wahlen ein Zurückfluten der Maſſen nach links zu prophe=
zeien
, wäre heute kaum zutreffend. Man vergeſſe nicht, daß 1923
und 1924 außerordentliche Umſtände vorlagen, wie zuerſt der
Kampf um Freihandel und Schutzzoll und ein Jahr ſpäter der
Bolſchewiſtenſchreck. Die Wahlen von 1922 dürften eher als die

ilie den Appell als einen ſpontanen Ausdruck allgemeiner Sym=
ſthie
betrachten und wieder intenſiver an den Arbeiten des
bilerbundes teilnehmen. Die Verſammlung begann dann ihre
Litungen mit der Annahme einer Entſchließung über die Arbei=
nDer
Kommiſſion und des Inſtituts für internationale geiſtige
uſmmmenarbeit, in der die Mitgliedsſtaaten des Völkerbundes
ifgefordert werden, ſich mit der Notwendigkeit einer ſyſtemati=
ſer
Organiſation zum Schüleraustauſch während
r Ferien zu beſchäftigen. Der Rat wurde aufgefordert, in
bereinſtimmung mit den Konventionen von Bern und Buenos
ſess eine internationale Konvention zum Schutze

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tigeren engliſchen Wahlpropheten ziehen es daher vor, die Reſul=
tate
des bisher erfolgten Nachwahlen lieber mit dem Ergebnis
von 1922 als mit dem von 1924 zu vergleichen. Die Schlußfolge=
rungen
, zu denen man hierbei gelangt, dürften gewiß Anſpruch
auf Beachtung haben.
Verglichen mit den Reſultaten von 1922 haben bei den im
Laufe der letzten vier Jahre ſtattgefundenen Nachwahlen die
Konſervativen 21 Sitze beibehalten reſp. neugewonnen
und 28 Sitze verloren reſp. nichtgewonnen. Die Liberalen haben
in der gleichen Zeit 11 Sitze gewonnen und 25 verloren, während
die Arbeiterpartei 21 Sitze gewonnen, und nur 3 verloren hat.
(Die Verſchiedenheit der Geſamtziffern ergibt ſich daraus, daß bei
jeder Nachwahl nicht immer alle drei Parteien Kandidaten aufſtel=
len
konnten). Von den 25 als verloren angegebenen Sitzen der
Konſervativen haben nur 11 Sitze als Neuverluſte zu gelten. Die
Verluſte der Liberalen ſind weit größer, und die Behauptung
von einer Wiedergeburt der Liberalen Partei erweiſt ſich als
eine Illuſion. Wirklich gewonnen haben bei den Nachwahlen nur
die Vertreter der Arbeiterpartei, jedoch noch lange nicht in dem
Maße, daß ihre Gewinſte als genügend für Sicherung einer Mehr=
beit
bei den allgemeinen Wahlen genannt werden könnten. Es iſt
feit jeher Regel geweſen, daß die jeweilige Regierungspartei bei
den Nachwahlen Sitze verliert, die Oppoſition dagegen gewinnt.
Aber dieſe Erſcheinung iſt bisher in durchaus normalen Grenzen
geblieben. Ein wirklich ſtarker Rückgang der konſervativen Stim=
men
iſt nicht zu verzeichnen geweſen, und ſofern im Laufe der
nächſten acht Monate nichts Außergewöhnliches eintritt, dürfte ſich
für die kommenden Wahlen folgende Vorausſagung, die ein un=
parteiiſches
Londoner Blatt kürzlich aufſtellte, wohl als zutreffend
erweiſen: Im Laufe der kommenden Monate bis zu den Neu=
wahlen
hat ſich die Regierung darauf gefaßt zu machen, daß ſie
bei den Nachwahlen noch weitere Stimmen verlieren wird. Sie
braucht aber dieſem Umſtand nicht mit Unruhe zu begegnen.
Selbſt für den Fall, daß bei den allgemeinen Wahlen die Verluſte
der Konſervativen 60 bis 80 Stimmen erreichen ſollten, werden
ſie trotzalledem nach Weſtminſter mit einer Mehrheit zurückkehren,
die zum Regieren mehr als ausreichend ſein wird . . ."

Wahlkampfvorbereitungen in London
Der erſte engliſche Kabinettsrat
nach den Ferien.

EP. London, 24. September.
Das engliſche Kabinett trat am Montag um 15 Uhr zu ſeiner
erſten Sitzung nach der Erholungspauſe unter dem Vorſitz Bald=
wins
zuſammen. Es verlautet, daß Lord Cuſhendun einen Be=
richt
über die außenpolitiſchen Ereigniſſe unter beſonderer Berück=
ſichtigung
des engliſch=franzöſiſchen Marine=Abkommens erſtattet
habe. Im übrigen habe ſich das Kabinett mit innerpolitiſchen
Fragen befaßt, worauf auch der Beſuch des Leiters der Konſer=
vativen
Partei, Davidſon, hindeutet, der der Sitzung vorausging.
Am Vormittag hatte der Arbeitsminiſter eine beſondere Beſpre=
chung
mit dem Premierminiſter.
Zu der außenpolitiſchen Lage, wie ſie durch die in England
vielfach ſcharf getadelte Handhabung der engliſch=franzöſiſchen
Marinebeziehungen geſchaffen iſt, bemerkt der Evening Stan=
dard
, die jüngſte Entwicklung in der auswärtigen Politik hätte
das wenig befriedigende Ergebnis gehabt, daß in Deutſchland die
Tendenz zunehme, die jüngſten Aeußerungen engliſch=franzöſiſcher
Zuſammenarbeit als eine Wiederbelebung der engliſch= franzöſi=
ſchen
Militär=Entente zu betrachten. Es ſei nur eine natürliche
Folge, daß unter dieſen Umſtänden Deutſchland an ſeiner weſt=
lichen
Orientierung verzweifte und ſich andere, vielleicht gefähr=
lichere
Alliierte ſuche.
Die diesmalige Sitzung war aber auch ſonſt ein Ereignis
von mehr als gewöhnlicher Bedeutung, da ſie die Eröffnung des
Feldzuges der Regierung in dem großen politiſchen Kampf be=
deutet
, der mit den wahrſcheinlich im Mai oder Juni kommenden
Jahres durchgeführten Neuwahlen zur Entſcheidung gebracht
werden wird. Während der ganzen Woche werden in der Konſer=
bativen
Partei Beratungen über die Wahlvorbereitungen abge=
halten
. Am Donnerstag wird die Konſervative Parteikonferenz
in Yarmouth eröffnet und man erwartet mit großer Spannung
die Rede des Premierminiſters Baldwin am Donnerstag nach=
mittag
.
Die Arbeiterpartei wird am nächſten Montag in Birming=
ham
zuſammentreten zur Erörterung des Programms, mit dem
die Arbeiterpartei in den Wahlkampf treten will. Die darauf=
folgende
Woche, am 11. und 12. Oktober, werden in Yarmouth
die Liberalen ihre Konferenz abhalten, auf der das Programm
für die Wahlen feſtgeſetzt werden ſoll.

Der Reichsrat tritt am Donnerstag, den 27. Sep=
tember
1928, zu ſeiner erſten Sitzung nach den Sommerferien zu=
ſammen
. Auf der Tagesordnung ſtehen nur kleine Vorlagen.
Der Reichspräſident ſtattete, vom Manöverfelde kom=
mend
, der Stadt Lauban die aus dieſem Anlaß feſtlich ge=
ſchmückt
war, einen kurzen Beſuch ab.
Wie bekannt wird, iſt der Bürgermeiſter von St. Ingbert,
Dr. Kempf durch die Regierungskommiſſion ſeines
Amtes enthoben worden, da er als mitverantwortlich für den
Sparkaſſenſkandal angeſehen wird.
Unter Führung des ehemaligen Direktors der Rumäniſchen Natio=
nalbank
, Omololu, und des früheren Finanzminiſters Lapedatu iſt die
rumäniſche Delegation, nach Berlin zurückgekehrt,
um die Verhandlungen mit Deutſchland fortzu=
ſetzen
.
Graf Bernſtorff wird heute nachmittag in der Voll=
ſitzung
des Völkerbundsrates das Wort ergreifen.
Er wird über die deutſche Stimmenthaltung Aufklärung geben und auch
andere Punkte, die nicht unwiderſprochen bleiben dürfen, zur Sprache
bringen. Man rechnet damit, daß die Bundesverſammlung am Mitt=
woch
ihre Arbeiten wird beenden können, der Völkerbundsrat am
Donnerstag.
Der Bozener Stadtpfarrer erließ eine Verfü=
gung
, nach dee der deutſche Religionsunterricht aub
in dem deutſchen Tcil der Trienter Diözeſe ein=
geführt
wird.
Der deutſche Geſchäftsträger in Dirana, Buſſe, begab
ſich am Sonntag zu dem albaniſchen Miniſterpräſidenten und teilte
ihm mit, daß die deutſche Regierung das albaniſche
Königreich anerkenne.

Muſſolini und Venizelos haben im Palais Chigi den
italieniſch=griechiſchen Freundſchafts= und Ver=
gleichsvertrag
unterzeichnet.
Die amerikaniſche Regierung hat 1500 Mitglieder der
Prohibitionspolizei wegen Unzuverläſſigkeit im Dienſt ent=
laſſen
. Auf einen Aufruf für die Neubeſetzung der Stellen haben
ſich nicht weniger als 10 000 Bewerber gemeldet.

Herbſimanöver in Schleſien.

Der italieniſch=griechiſche
Freundſchaftsvertrag.

Erklärungen Venizelos.

EP. Rom, 24. September.
Muſſolini erklärte im heutigen Miniſterrat, der ſoeben mit Griechenn
land abgeſchloſſene Vertrag vervollſtändige und ſtabiliſiere zuſammem=
mit
dem mit der Türkei eingegangenen Vertrag die italieniſche Politius
im öſtlichen Mittelmeer. Der italieniſch=griechiſche Freundſchafts=, Vor
gleichs= und Schiedsgerichtsvertrag iſt auf fünf Jahre abgeſchloſſen worn
den. Er ſieht die automatiſche Verlängerung vor, wenn ein halbes Jahru
vor Ablauf keine Kündigung erfolgt. Die Vertragsſtaaten verpflichtem=
ſich
zur gegenſeitigen Unterſtützung und freundſchaftlichen Zuſammen=n
rbeit für die Erhaltung der von den Friedensverträgen beſtimmtem=
rdnung
, für die Achtung und Ausführung der Verpflichtungen dieſen
Verträge, ſoweit ſie von ihnen unterſchrieben wurden. Falls einer dern
beiden Staaten ohne Provokation von einer oder mehreren Mächtem=
angegriffen
würde, verpflichtet ſich der Vertragspartner, während dern
ganzen Dauer des Konfliktes Neutralität zu bewahren. Wenn Sicher.n
heit und Intereſſe einer der beiden Staaten durch gewaltſame Einfällen
von außen bedroht würden, verpflichtet ſich der andere, ihm ſeine poli=6.
tiſche und diplomatiſche Unterſtützung zu leihen, um die Urſache denu
Bedrohung zu beheben. Wenn im Falle internationaler Verwicklungem
die beiden Staaten darin übereinſtimmen, daß ihre gemeinſamen Inter=n
eſſen bedroht ſind oder betroffen werden könnten, verpflichten ſie ſich5.
ſich über die zu ihrem Schutz geeigneten Maßnahmen miteinander ins
Benehmen zu ſetzen. Ferner enthält der Vertrag die üblichen Beſtimer
mungen über das Vergleichs= und Schieds=Verfahren und die Anrufung
des Internationalen Gerichtshofes im Haag im Falle von Meinungs=8
verſchiedenheiten.

der
ger 208
zie Wdeke Seit
chaubtet.
rumſtän
inund 9.
gin ander
ungen ſe

Anläßlich der Unterzeichnung des griechiſch=italieniſchen Freuns=
ſchaftsvertrages
erklärte Venizelos den Preſſevertretern unter anderem.n
er ſei bereit, mit allen Nachbarſtaaten Freundſchaftsverträge abzuſchliess
ßen. So habe er Muſſolini mitgeteilt, er wäre glücklich, vor allenm
mit der Türkei einen Freundſchafts=, Schlichtungs= und Schiedsgerichts=s
vertrag einzugehen und dann mit Bulgarien, Albanien und Südſla=o
wien. Den beſtehenden Vertrag mit Rumänien möchte er erweiternn
Mit Südſlawien hoffe er, die Frage des Tranſitverkehrs über Salonikiy
zu regeln und dann einen Freundſchaftsvertrag abzuſchließen. Ueber diei
Entwicklung der griechiſch=italieniſchen Beziehungen ſagte er u. a.: Jch
weiß, daß man mich in Italien für einen Italien=Feind hält. Dasu
ſtimmt aber nicht, denn ich bin ein kluger Mann und habe volles Vermn
ſtändnis für die Bedeutung des italieniſchen Faktors in der europäiſchemu
Politik. Lebte Griechenland mit Italien nicht in gutem Einvernehmenn
ſo müßte es ſich für ſeinen Schutz und ſeine Unterſtützung an Londorm
und Paris halten und würde ſo immer mehr in eine ſchwierige Lagog
kommen. Steht es mit Italien gut, ſo hat es keinen Schutz nötig, dien
Unabhängigkeit Griechenlands wird erheblich gewinnen.

Beunruhigung in Paris.

Die Unterzeichnung des italieniſch=griechiſchen Freundſchaftsvertragsut
ſcheint in franzöſiſchen politiſchen Kreiſen eine gewiſſe Beunruhigungu
hervorgerufen zu haben, wenigſtens ſpiegelt der Kommentar dess
Temps eine ſolche unzweideutig wieder, obwohl die Zeitung danrm
ihre Befürchtungen ſelbſt zu zerſtreuen ſucht. Der Vertrag ſei vor allenn
ein Beweis dafür, daß Venizelos Griechenland wieder eine aktive außenn
politiſche Rolle zugedenke. Es ſei zu hoffen, daß, wenn der Vertragy
veröffentlicht werde, der Wortlaut mit den geſtrigen Erklärungen vorm
Muſſolini und Venizelos übereinſtimen werde, wonach der Vertrag,
lediglich ein friedliches Gleichgewicht anſtrebe. Dadurch könne amm
beſten der Verdacht zerſtreut werden, den die italieniſch=griechiſche An=n
näherung in gewiſſen Balkan=Staaten hervorgerufen häbe. Gine B=r
ſtätigung dafür, daß der Vertrag nicht eine Spitze gegen Südſlawiemu
enihalte, will der Temps vor allem in der Ankündigung neuer griest
chiſch=ſüdſlawiſcher Verhandlungen über die Frage der Saloniki=Eiſen=r
bahn erblicken. Es ſei zu hoffen, daß die Unterhandlungen erfolgreiche
ſein werden, denn es müfſe feſtſtehen, daß das Balkan=Locarno nurs
zuſtandekommen könne, wenn die Beziehungen zwiſchen Südſlawien unf.
Griechenland freundſchaftliche ſeien.

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wird, daß
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nde Milli=
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deutſche Ban=
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gen zu machen, d.
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und wer die Vor
Rechtsſtaates iſt
eiuer ſtaatlichen
zb und unter w
taatsanwaltiſche
ſcheidung vielleich
die der Uebeltäte

Ein Beamte
Gebiete

Ein Auslieferungsgeſetz.

Reichspräſident von Hindenburg
bei Beobachtung von Gefechtsübungen.

Das große Herbſtmanöher in Mittelſchleſien hat am Sonntag
unter Teilnahme des Reichspräſidenten begonnen. Der Reichs=
wehrminiſter
Gröner, der Chef der Heeresleitung General Heye
ſowie viele hohe Offiziere freider Armeen wohnen den Manö=
vern
bei. Die Uebungen werden von dem Oberbefehlshaber des
Gruppenkommandos I v. Tſchiſchwitz geleitet. Die Bevölkerung
nimmt großen Anteil, ſchon um den Reichspräſidenten zu ſehen.
Führer der Blauen Armee iſt der Kommandeur der 4. Diviſion
General v. Wöllwarth, Fühner der Roten Armee iſt der Kom=
mandeur
der 2. Kavallerie=Däviſion Generalleutnant v. Graberg.

* Berlin, 24. September. (Priv.=Tel.)
Langſam beginnt ſich das Material anzuſammeln, das der
Reichstag in ſeiner Herbſttagung beſchäftigen wird. Am raſches
ſten iſt das Reichsjuſtizmiiſterium bei der Hand geweſen, dasu
den Entwurf eines deutſchen Auslieferungsge
ſetzes ferniggeſtellt hat. Der eigentliche Zweck iſt, anſtelle deu
Auslieferungsverträge, mit denen wir bisher arbeiteten, eine ges‟
ſetzliche und allgemein gültige Grundlage für die Ausliefe
rung von Verbrechern zu erhalten, natürlich unter de
Vorausſetzung der Gegenſeitigkeit. Danach ſollenn
ausländiſche Staatsangehörige ausgeliefert werden können, wenn!
ſie im Sinne des deutſchen Strafgeſetzes ein Verbrechen oder Ver
gehen begangen haben. Die Auslieferung ſoll nicht erfolgen, wenr!
die Tat nach deutſchem Recht nur mit einer nicht in Gefängni=n
umandelbaren Vermögensſtrafe bedroht wird. Der Kernpunk
der Vorlage, die Auslieferung politiſcher Verbrecher, iſt der Vorn
ſchlag des Juſtizminiſterums, daß politiſche Verbreche
generell nicht ausgeliefert werden ſollen, dafn
aber Ausnahmen zuläſſig ſind, wenn die Tat unter
Berückſichtigung aller Umſtände beſonders verwerflich erſcheint!

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16. deutſches Bachteſt in Kaſſel.

20.23. September 1928.
Zu dem Bachfeſt in Kaſſel hatten ſich zahlreiche Mitglieder
der Neuen Bachgeſellſchaft aus ganz Deutſchland und dem Aus=
lande
zuſammengefunden und verlebten Tage tiefen Inhalts und
reichſter Anregung. Mancher mochte mit einem gewiſſen Zweifel
nach Kaſſel gereiſt ſein, denn ob die muſikaliſchen Kräfte einer
Stadt dazu genügen, ein großes mehrtägiges Bachfeſt zu beſtrei=
ten
, iſt ſchwer zu beurteilen und muß bei zahlreichen Städten
mittlerer Größe unbedingt verneint werden. Um ſo größer war
die Ueberraſchung, daß die Chöre, die den Erfolg des Feſtes in
erſter Linie beſtimmten, ausgezeichnet ſangen und in der Hand
ihres hervorragenden Leiters, Herrn Dr. h. c. Robert Laugs, ein
ſicheres und klangvolles Inſtrument waren. Den Hauptanteil
beſtritt der Konzertchor des Kaſſeler Lehrer=Geſangvereins, der
wie der Name ſchon andeutet vor anderen gemiſchten Chören ſich
in dem großen Vorteil befindet, genügend Männerſtimmen zu
beſitzen; weiter zeichneten ſich aus der vorzügliche Kaſſeler
a capella=Chor, der Oratoriumsverein, der unter den Kaſſeler
Vereinen die älteſte Tradition beſitzt, und zwei Kirchenchöre.
Auch die ſtaatliche Kapelle des Theaters wurde ihren Aufgaben
in ausgezeichneter Weiſe gerecht, ſei es, daß ſie bei den großen
Konzerten als Ganzes wirkte, ſei es, daß ſie in Kammermuſik=
gruppen
ſpielte. Vorzüglich iſt bei den Bachfeſten ferner ſtets die
Wahl der Soliſten, bei denen nicht nur der große Name für die
Auswahl maßgebend iſt, ſondern vor allem ihr perſönliches Ver=
hältnis
zur Bachſchen Kunſt und ihrem Stil. Am Vorabend
des Feſtes hörte man im Staatstheater Glucks Orpheus in einer
Neuinſzenierung, die im weſentlichen der Auffaſſung ähnlich war,
die wir vor nicht langer Zeit in Darmſtadt kennen lernten. Da=
durch
, daß unter der Intendanz Legals, Jakob Geis und Schenk
vow Trap für die Inſzenierung verantwortlich zeichneten, fühlte
man ſich faſt in das Darmſtädter Landestheater vergangener
Jahre verſetzt. Der Abend hatte ſeinen Erfolg durch die reife
Kunſt der Darſtellerin des Orpheus, Margarethe Kloſe.
Der erſte Feſttag war ganz Heinrich Schütz gewidmet, deſſen
enge Beziehungen zu dem Landgrafen Moritz dies rechtfertigten.
In der Mitgliederverſammlung hielt Profeſſor Dr. Max Schnei=
der
=Breslau, der vorzügliche Kenner deutſcher Muſik im 16. und
17. Jahrhundert, einen hochintereſſanten und aufſehenerregenden
Vortrag über Heinrich Schütz und ſeine Zeit, in dem er die
heutige Art der Schützpflege zum Teil ſcharf angriff und
nachwies, wie ſtark die Schützſche Kunſt an das Wort gebunden
iſt, und wie darum kleine, faſt ſoliſtiſch wirkende Chorbeſetzung,

freie rhythmiſche Ausdeuturgg und ſtilentſprechende Dynamik den
Werben in erſter Liwie dienlich iſt. In dem Abendkonzert, bei
dem die große Martinskirchſe bis auf den allerletzten Platz beſetzt
war, erklang zuerſt das letzte Werk von Heinrich Schütz, das
doppelchörige deutſche Magnificat, das der Meiſter etwa ein Jahr
vor ſeinem Tode im Alter von 86 Jahren geſchrieben hat, dann
nach zwei Sologeſängen die Totenmeſſe (Exequien), die erſtmalig
in der neuen Bearbeitung von Georg Schumann aufgeführt wur=
den
. Den Schluß machte die vollſtändige Wiedergabe der
Mathäuspaſſion des Meiſters, die ſtilgerecht ohne Inſtrumental=
begleitung
, ganz auf Geſang geſtellt, vorgetragen wurde. Der
Chor ſtand auf der großen Empore unter der Orgel, Jeſus und
die Einzelperſonen darüber auf dem Orgelbalkon, während der
Evangeliſt, Anton Maria Topitz=Berlin, am anderen Ende des
Raumes vor dem Aldar ſtand, alſo den Liturgen vertrat. Leider
verſuchte dieſer Künſtler, allzuviel ſubjektives Gefühl in ſeinem
Vortrag zu zeigen, während ſchlichte Deklamation beim Evange=
liſten
beſſer am Platz iſt. Daß in dieſem Konzert, bei faſt drei
Stunden Dauer an die Aufmerkſamkeit und das Auffaſſungs=
vermögen
der Zuhörer allerhöchſte Anforderungen geſtellt wur=
den
, teilte es wit den übrigen Veranſtaltungen, deren Pro=
gramme
ausnahmslos zu lang waren. Zwar iſt das Feſtpubli=
kum
bei ſolchen Gelegenheiten, beſonders ſoweit es von auswärts
kommt, leicht imſtande, ſich nur den muſikaliſchen Eindrücken der
Feſttage zu widmen, und anderen Anſtrengungen aus dem Wege
zu gehen. Trotzdem aber dürfte es ein Uebermaß bedeuten, wenn
man am gleichen Tag in zwei Konzerten ſechs Stunden lang
Bachs Tönen lauſchen ſoll, deren Konzentration ſo bedeutſam
iſt, daß der Zuhörer mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit folgen muß.
Der Kammermuſikvormittag des zweiten Feſttages brachte als
intereſſanteſtes Werk das Muſikaliſche Opfer in der Einrich=
tung
von Dr. Joſeph Neyſes. Sie iſt inſofern ſehr geſchickt und
wirkungsvoll, als durch die Art der Inſtrumentierung die
Stimmführung beſonders klar hervortritt, dabei genügend klang=
liche
Abwechſlung geboten wird, daß der Hörer nicht ermüdet.
Die Bearbeitung folgt den Spuren, die Dr. Wolfgang Gräſer,
der leider ſo früh Verſtorbene, in ſeiner Einrichtung der Kunſt
der Fuge gewandelt iſt. Dieſe wurde am vierten Feſttage in
dem letzten Konzert zur Aufführung gebracht. Dieſe beiden
Spätwerke des Meiſters, die ſeine kontrapunktiſche Kunſt im hell=
ſten
Lichte zeigen, intereſſieren uns heute vielleicht mehr denn je,
weil uns die neueſte Muſik zum Teil wieder vor ähnliche Pro=
bleme
ſtellt. Ihre künſtleriſche Vertiefung läßt ſie in einer Linie
mit den ſpäten Beethovenſchen Quartetten ſtehen.
Ein Kantatenabend in dem großen Feſtſaal der Stadthalle
beſcherte vier bedeutſame Kirchenkantaten, darunter Wie ſchön

leuchtet der Morgenſtern und Der Himmel lacht, die Erde jubnn
lieret. In dem großen Orgel=, Orcheſter= und Chorkonzern
glänzte beſonders Günther Ramin, der unübertreffliche Leißy
ziger Thomasorganiſt. Hier hörte man ferner die Konzerte ik
D=Moll und C=Dur für drei Klaviere und Orcheſter, dann zwen
intereſſante weltliche Kantaten und ſchließlich das gigantiſche
Kantatenfragment Nun iſt das Heil und die Kraft für Doppelk
chor. Am Abend des dritten Tages erklang in einer herrlichei
Aufführung die hohe Meſſe in H=Moll. Faſt Uebermenſchliche=
leiſtete
Robert Laugs, der all dieſe Konzerte leitete und ſie vorg
der erſten bis zur letzten Probe perſönlich vorbereitet hatte. I57
dieſer Beziehung iſt Kaſſel noch eine von den glücklichen Städten!
in denen ein bedeutender Muſiker lange Zeit dem Muſiklebel?
vorſteht und ihm dadurch eine einheitliche Richtung gibt. Man
darin unter Umſtänden auch eine Einſeitigkeit liegen, ſo ſind docn
die Vorteile für das Muſikleben ſo bedeuſam, daß ſie unbedinch
dem häufigen Perſonen= und Syſtemwechſel vorzuziehen ſind, des
heute in den meiſten Städten Gewohnheit geworden iſt.
Mit dem Bachfeſt war eine intereſſante Ausſtellung in des
Landesbibliothek verbunden, wo reiche Schätze an Handſchriftel=
und Druckwerken beſonders aus dem 15. bis 17. Jahrhundert din
Aufmerkſamkeit der Kenner feſſelten. Beſonderes Intereſſe bes
anſpruchte hier eine Partitur, die Schütz ſelbſt von einem eigenel=
Werke niedergeſchrieben hatte, für die Zeit, in der allgemein hun
Stimmen veröffentlicht wurden, eine große Seltenheit. Alle Verh
anſtaltungen waren dazu angetan, die Feſtteilnehmer zu begell
ſtern und zu erheben, ſo daß nicht nur die Konzerte Feierſtundel
im höchſten Sinne des Wortes waren, ſondern überhaupt an 4
Tage des Kaſſeler Bachfeſtes den Charakter des Außergewohſe
lichen und Bedeutungsvollen erhielten.
In Verbindung mit dem Feſt hielt der deutſche evangeliſche
Kirchengeſangverein eine Vertreterverſammlung ab, zu der aue=
Profeſſor Dr. Arnold Mendelsſohn nach Kaſſel gereiſt war. Lel
der erlitt dort der Meiſter am erſten Abend ſeines Aufenthalie.
einen bedauerlichen Unfall, der glücklicher Weiſe ohne ernſte F0l.
gen verlief. Mendelsſohn kam auf der Straße zu Fall und muß.
wegen einer Fleiſchwunde und zahlreichen Hautabſchürfunge.
ins Krankenhaus gebracht werden, wo der Meiſter während de
ganzen Feſttage log. Zahlreiche Sympathiebeweiſe und d0e
innige Anteilnahme der bedeutendſten anweſenden Pevſönlich=
lichkeiten
zeigten, wie hoch unſer Mendelsſohn in ganz Deunal=
land
verehrt wird, und wie er vielleicht der bedeutendſte Fühle
der evangeliſchen neuen Kirchenmuſik genannt werden muit
Glücklicherweiſe war Mendelsſohn bald ſo wieder hergeſtellt, d0
iner Heimreiſe nichts mehr im Wege ſtand.
Friedrich Noack.

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Dienstag den 25 September 1928

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Ausdehnung der Schiebungen
Die Rolle des franzöſiſchen Abgeordneten
ſahlmon. Gerüchte über die Reichsſchulden=
verwaltung
. Eine eigenartige Praxis.
* Berlin, 24. September. (Priv.=Tel.)
Der Kriegsanleiheſkandal, der ſich zuerſt um den Namen
Hinnes gruppierte, zieht immer weitere Kreiſe. Die Anklage
exen Stinnes ſelbſt ſcheint ſoweit zum Abſchluß gebracht, als
er Tatbeſtand im weſentlichen feſtſteht. Tagtäglich aber kommen
ene Meldungen, die eine Ausdehnung der Schiebun=
en
auch auf Beamte in dem betreffenden Miniſterium hin an=
e
ten und dem Unterſuchungsrichter immer neue Aufgaben zu=
päſen
. Aber das iſt nur die eine Seite. Vielleicht noch peinlicher
ſt die andere Seite der Angelegenheit. Es wird namentlich öffent=
ſch
behauptet, daß die Reichsſchuldenverwaltung
mter Umſtänden hätte Gnade vor Recht ergehen
ſſen und von der ſtrafrechtlichen Verfolgung
uchin anderen Fällen abgeſehen habe, wenn es
ilungen ſei, die gefaßten Täter entſprechend
u. ſchröpfen. Nicht beſtritten werden kann das wohl mit
em franzöſiſchen Abgeordneten Calmon, von dem
ei agt wird, daß er für über 20 Millionen Kriegs=
rleihe
zu Unrecht als Altbeſitz angemeldet hatte,
ſaß er aber dieſen Anſpruch fallen ließ und eine
unde Million als Strafe zahlte, um ſich den Un=
mriehmlichkeiten
eines Eingreifens der Staatsanwaltſchaft zu
mEziehen. In dem gleichen Zuſammenhang werden auch andere
utſche Banken und Bankiers genannt. Was man
her von ſeiten des Reichsfinanzminiſteriums als Antwort hört,
ſt reichlich unbeſtimmt. Nachdem aber die Gerüchte einmal einen
ochen Umfang angenommen haben, wird das Reichsfinanzmini=
terium
nicht mehr darum herumkommen, eingehendere Mitteilun=
ſeri
zu machen, ob in der Tat eine derartige Praxis bei der Reichs=
culdenverwaltung
beſtanden hat, von wem ſie veranlaßt war
and wer die Vorteile davon gehabt hat. Mit dem Begriff eines
ſiechtsſtaates iſt es nicht mehr zu verbinden, wenn in die Hand
ſiner ſtaatlichen Behörde die Entſcheidung gelegt wird darüber,
iᛋ und unter welchen Umſtänden eine Betrugsanzeige bei der
S aatsanwaltſchaft erſtattet werden ſoll, zumal wenn dieſe Ent=
ch
eidung vielleicht noch beeinflußbar iſt durch die Höhe der Buße,
die der Uebeltäter anbietet.
Ein Beamter des Miniſieriums für die beſetzten
Gebiete in die Angelegenheit verwickelt.
Die Unterſuchung in der Stinnes=Affäre beſchränkte ſich nicht
nehr auf den Perſonenkreis um Stinnes, ſondern hat nunmehr
uu f die Behörden übergegriffen, da im Verlaufe der Unterſuchung
dern Unterſuchungsrichter, Landgerichtsrat Brühl, Zweifel nach
de Richtung aufgeſtiegen waren, ob die Beſchuldigten wirklich
oh ne beſtimmte Verbindungszweige ihre jetzt unter Anklage
tchenden Handlungen haben durchführen können. Die Unter=
ſuchung
hat ergeben, daß gegen Regierungsrat
Stteiger, dem Preſſereferenten im Miniſterium
ur die beſetzten Gebiete, das Diſziplinarver=
ahren
eingeleitet worden iſt und Steiger ſeit
wei Tagen ſeines Amtes enthoben wurde. Re=
zierungsrat
Steiger beſtreitet aufsenergiſchſte,
ſich irgendwie ſchuldig gemacht zu haben.
Zur Vorgeſchichte der Angelegenheit ſind folgende Einzel=
häten
zu berichten: In Wien, nach der Verhaftung Bela Groß,
ſtieß man auf beſtimmte Spuren, die nach Berlin führten. Groß
nachte nämlich eine Andeutung, als ob er in Berlin ſehr gute
Beziehungen zu einer amtlichen Behörde gehabt habe. Sein
Freund habe ihm wiederholt mitgeteilt, daß er in Berlin mit
einem hochſtehenden Beamten, der auch Beziehungen zum Reichs=
finanzminiſterium
beſitze, geſprochen habe, und habe die feſte
Ueberzeugung, daß die Transaktionen, auf die Groß auf Ver=
an
. laſſung der Stinnesdirektoren ſich eingelaſſen hatte, nicht ſtraf=
bar
ſein könnten. Man verſuchte nun aus Groß herauszubekom=
men
, wer der angebliche Verbindungsmann zu einer Berliner
Behörde geweſen ſei, da man zunächſt den Worten des tſchecho=
lpwakiſchen
Kaufmanns nicht unbedingt Glauben ſchenken konnte.
3err Ueberraſchung der unterſuchenden Beamten nannte Groß
daraufhin den Namen des Kaufmanns Hausmann, der mit ihm
tatſächlich in enger Fühlung geſtanden hat. Hausmann hielt ſich
*Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheatern.
Helia.
Der ſeltſame Fall eines Arztes, der erſte Con=
rad
=Veidt=Film aus der Amerika=Tournée dieſes Künſtlers;
ein ſicher intereſſanter, leider aber nicht ſo überragender Film
nie er der ſtarken Künſtlerſchaft Conrad Veidts entſprechen ſollte.
Nwar der Anfang iſt ausgezeichnet. Die Szenen in dem Gefängnis
von Mont Noir ſind ſowohl regietechniſch wie filmiſch und in
Conrad Veidts Darſtellung von unglaublich packender Wirkung.
Conrad Veidt als Meiſter der Maske ebenſo hervorragend wie
in dem auch die feinſte Nuance inneren Empfindens plaſtiſch ein=
dringlich
zum Ausdruck bringenden Spiel. Einzelne Bilder und
Eizenen aus dieſem erſten Teil ſind von erſchütterndem Realis=
mus
. Glänzend herausgearbeitet der Gegenſatz zwiſchen dem
dunklen Sträflingscharakter und dem lichteren des Leutnants
Deſtin. Damit aber iſt das Senſationelle dieſes Veidt=Films
läder erſchöpft. Das Intereſſe konzentriert ſich dann nur noch
auf die Fortführung der Handlung, die wie immer mit einem
appy end ſchließt und Conrad Veidt nur noch wenig Gelegen=
heit
gibt, ſein wundervolles Mienenſpiel ſchauſpieleriſch zu ver=
erten
. Dafür entſchädigt allerdings eine Reihe wirklich guter
Lrandſchaftsaufnahmen und Szenerien aus Algier und dem geſell=
ſchaftlichen
und Eingeborenenleben.
Die Handlung iſt nach dem Bühnenwerk Das Diplom
on Emmerich Földes geſtaltet: Der Arzt Dr. Loroche ſchmach=
te
tin einem der furchtbaren franzöſiſchen Gefängniſſe, weil er aus
Mitleid einen unheilbar Kranken ſchmerzlos getötet hat. Halb
bertiert ſchon, wird er eines Tages zur Hilfe für den Gouverneur
des Gefängniſſes gerufen, der bei einer Gefangenenmeuterei töd=
lah
verwundet wurde. Der Leutnant Deſtin verſpricht dem Ge=
ſangenen
Freiheit, wenn er den Gouverneur errettet. Dieſes Ver=
ſprechen
kann der Leutnant nicht einlöſen, weil der geneſende
Eouverneur es verhindert. Loroche gelingt aber die Flucht. Ein
Studienfreund, gleichfalls Arzt, gibt ihm Unterſchlupf, und als
däeſer erblindet, nimmt Loroche deſſen Namen und Praxis an.
Das iſt im weſentlichen der Grundzug der Handlung, in den dann
läs zur endgültigen Löſung noch Liebeskonflikte hineinſpielen, bis
der Verfolgte endlich, nachdem er ſeinem letzten Feinde ebenfalls
das Leben errettet, begnadigt wird. Jan Keith ſpielt, den
Freund Dr. Fontaine und findet namentlich in den Szenen, da
er als Blinder zu ſpielen hat, ſtarke Momente. Barbara Bed=
ſtord
(Yvonne), Arthur Ed. Carew (Deſtin), Karl Huſzar

in Berlin auf, und ſo konnte der Unterſuchungsrichter ihn ſehr
ſchnell zu einer Vernehmung veranlaſſen. Hausmann gab an, er
ſei in Berlin zu Regierungsrat Steiger vom Miniſterium für die
beſetzten Gebiete gegangen und habe dieſen um Aufſchluß über
die Anmeldung von Kriegsanleihen gebeten. Er habe geglaubt,
daß ihm Regierungsrat Steiger deshalb beſonders wertvolle
Aufſchlüſſe geben könne, weil ihm bekannt geweſen ſei, daß Stei=
ger
über gute Beziehungen zum Reichsfinanzminiſterium verfüge.
Er will mit Regierungsrat Steiger geſprochen haben, machte aller=
dings
keine genauen Angaben, in welcher Weiſe er von Steiger
informiert worden ſei. Daraufhin wurde von Landgerichtsrat Brühl
die Unterſuchung auch auf Regierungsrat
Steiger ausgedehnt.
Da er zunächſt jedoch gegen einen Beamten des Miniſteriums
nicht direkt vorgehen wollte, teilte er der zuſtändigen Behörde die
Ausſage Hausmanns mit und bat, daß das Miniſterium eine
diſziplinariſche Unterſuchung gegen Steiger einleiten möge, damit
auf dieſe Weiſe der Angeſchuldigte Gelegenheit zur Ausſage habe.
Dies iſt nunmehr erfolgt. Nach der Darſtellung Steigers iſt
eines Tages der Kaufmann Hausmann mit einer Empfehlung zu
ihm gekommen und habe ſich erkundigt, wie es ſich mit der An=
meldung
von Kriegsanleihe=Altbeſitz verhalte, welche Formali=
täten
zu erfüllen ſeien und ob es ſtrafbar ſei, wenn man Kriegs=
anleihe
=Altbeſitz anmelde, die man von anderen Perſonen im
Auslande erworben habe. Er. Regierungsrat Steiger, habe ſich
nicht kompetent gefühlt, in dieſen Fragen eine Auskunft zu er=
teilen
und habe Hausmann an die zuſtändige Behörde, nämlich
an die Altbeſitz=Anmeldeſtelle und an das Reichsfinanzminiſterium
verwieſen. Hausmann habe jedoch erklärt, daß ihm an dieſen
Auskünften wenig gelegen ſei. Er beabſichtige, mit einem Bank=
anwalt
in Verbindung zu kommen, um mit dieſem die nach
ſeiner Anſicht nicht ganz klaren juriſtiſchen Fragen zu beſprechen.
Daraufhin habe ihm Regierungsrat Steiger den Namen eines
bekannten Bankanwaltes genannt, und mit dieſem habe Haus=
mann
mehrfach konferiert. Schließlich ſei der in Frage kommende
Anwalt auch mit nach Paris gefahren, wo man dort die ganze
Angelegenheit erörtert habe. Für ſeine Tätigkeit habe der An=
walt
eine Summe von 50 000 Mark erhalten. Wenn jetzt be=
hauptet
werde, daß Regierungsrat Steiger ein Endgelt für ſeine
Auskunft von 50 000 Mark erhalten habe, ſo ſei das irrig. Die
Unterſuchung erſtreckte ſich darauf, ob Regierungsrat Steiger mit
hochſtehenden Beamten des Reichsfinanzminiſteriums über dieſe
Angelegenheit geſprochen hat. Seitens der zuſtändigen Stelle iſt
das Beſuchsbuch beſchlagnahmt worden, das im Vorzimmer des
Regierungsrates Steiger aufgelegen hat und in das ſich alle Per=
ſonen
eintragen mußten, die mit Steiger eine Unterredung zu
haben wünſchten. Ob Steiger in dieſer Angelegenheit noch vor
Abſchluß des Diſziplinarverfohrens vom Unterſuchungsrichter ge=
hört
werden wird, ſteht zunächſt noch nicht feſt, iſt aber ſehr wahr=
ſcheinlich
, weil ſonſt der Abſchluß der Unterſuchung gegen Stin=
nes
, Direktor Nothmann und Herrn v. Waldow allzulange hin=
ausgezögert
werden würde.
Wie die Kriegsanleihe=Fälſcher arbeiteten.
Noch vor Abſchluß des gegen ihn eingeleiteten Diſziplinar=
verfahrens
iſt Regierungsrat Steiger am Montag vormittag vom
Unterſuchungsrichter vernommen worden über die Art und Weiſe,
wie die Kriegsanleihefälſcher gearbeitet haben, um ſich amtliche
Beziehungen zu verſchaffen. Das Fälſcherkonſortium iſt dabei
in der denkbar rafſinierteſten Weiſe zu Werke gegangen. Bela
Groß hatte in Wien einen Prokuriſten namens Hausmann, einen
Tſchechoſlowaken, der eines Tages ſeinen Poſten bei Groß verlor,
und nun als Vertreter für das Bankhaus Groß weiter arbeitete.
Hausmann kam nach Berlin und ſuchte hier zunächſt zu erkunden,
durch wen er Eingang in das Finanzminiſterium finden könne.
Durch Mittelsleute erfuhr er, daß Regierungsrat Steiger über
weit reichende Verbindung verfüge. Er hatte ſehr bald heraus,
daß Steiger in Wohnungsfragen viel mit Mietervereinigungen zu
tun hatte und ließ ſich nun durch einen Vertreter der Mieterſchaft
zunächſt den Regierungsrat vorſtellen ohne anfänglich direkt auf
ſein Ziel loszugehen. Vielmehr deutete Hausmann an, er habe
weitgehende Verbindungen nach der Tſchechoſlowakei und Polen,
erfahre viel über die Lage der dortigen Deutſchen und könne dem
Miniſterium der beſetzten Gebiete unter Umſtänden wertvolle In=
formationen
geben. So gelang es Hausmann, ſich in das Ver=
trauen
des Regierungsrates einzuſchleichen und nun kam er im=
mer
wieder zu Steiger, den er ſchließlich um einen Geldbetrag
anborgte. Steiger hörte dann nichts mehr von Hausmann und
ſtrengre ſchließlich die Klage auf Rückgabe des geborgten Geldes

(Gefängnisarzt), George Siegmann als Gouverneur komplet=
tieren
das gute Geſamtenſemble.
Der Sohn des Hannibal, ein zweiter Großfilm, iſt
eine Verlebendigung des gleichnamigen Romans von Ludwig
Wolff. So ſollte man einen Roman nicht verfilmen. Anfäng=
lich
wird gut in die Handlung eingeführt. Liane Haid, Alfons
Fryland, vor allem Siegfried Arno, dann auch Ferdinand
von Alten, Murski, Malikoff, Manaſſe Herbſt und
Bruno Arno ſind durchweg gute Darſteller, die die Handlung
treffſicher beleben; die Regie aber hat verſagt. Sie verliert ſich
vom zweiten Viertel des Films ab in Einzelheiten, die auf die
Hälfte zuſammengeſchnitten unbedingt vorteilhaft wären. Die
Bilder im einzelnen, beſonders die Szenen auf den Rennplätzen,
ſind ſehr gut. Eine reichhaltige neue Wochenſchau vervollſtän=
digt
das Programm.
Palaſt=Lichtſpiele.
In den Palaſt=Lichtſpielen läuft der Aſta=Nielſen=Großſilm
Das gefährliche Alter eine Verfilmung des vielgeleſe=
nen
Romans von Karin Michaelis, dem die Dichterin die
Tragik der alternden Frau ſehr ernſt und eindringlich ſchildert.
Der Frau, die ungleich altert, d. h. die nicht merken will
oder abſichtlich ihr äußeres Atern überſieht und an die Ju=
gend
des Herzens und der Sinne glaubt, bis bittere Enttäuſchung
ihr die Ueberzeugung gibt, daß das Geſpenſt des Alterns nur
gebannt werden kann, wenn man ſich liebt und zuſammen alt
wird. Der Typ dieſer Art alternder Frauen wird verkörpert durch
die Gattin eines Univerſitätsprofeſſors, die ihren Mann nach
20jähriger Ehe verläßt, und durch eine Frei/tn, die den ihren
betrügt. Beide ſuchen Verſtändnis und Liebe bei jungen Stu=
denten
, und beide finden hier noch herbere Enttäuſchung.
Eine Reihe erſtklaſſiger Darſteller bemühen ſich, den Roman
lebendig zu geſtalten, was trotz ausgezeichneter ſchauſpieleriſcher
Leiſtungen nicht reſtlos gelingt. Deſſenungeachtet iſt der Film als
Eigengebilde gut. Aſta Nielſen trägt fabelhafte Toiletten,
weint viel echte Tränen und zeigt ebenſo oft den berühmten
Aufſchlag ihrer ſchönen Augen. Mit ihr ſpielen gut und eindring=
lich
Bernhard Götzke, Walter Rilla, H. A. Schledow,
Maria Paudler, Lucie Höflich und andere.
Blaue Jungens iſt eine luſtige amerikaniſche Marine=
Groteske mit Lloyd Ha ton in der Hauptrolle, und endlich
wird noch ein intereſſanter Lehrfilm gezeigt: Ein moderner
Druckereibetrieb oder wie eine Zeitſchrift entſteht. Ein
guter Film, der allerdings immerhin eine gewiſſe Kenntnis vor=
*
ausſetzt, wenn er ganz verſtanden ſein ſoll.

Seite 3
an. Nachdem Hausmann das Geld zurückerſtattet hatte, kam er
wieder zu Steiger und verſuchte bezüglich der Kriegsanleihe
Auskünfte zu erhalten. So brachte er eines Tages unvermittelt
Bela Groß mit und ſtellte dieſen dem Regierungsrat vor. Groß,
der von nun an allein in das Miniſterium kam, ging anfänglich
ebenfalls ſehr taſtend und vorſichtig vor, bis er während einer
Unterhaltung ganz unverblümt den Wunſch ausſprach, Steiger
möge ihm doch in all dieſen Fragen beraten.
Beſiechungsverſuche an Beamten.
Dabei deutete Bela Groß an, daß er eine ſolche Tätigkeit
nicht umſonſt verlange. Das lehnte Steiger, wie er betont, aus=
drücklich
ab, verwies Bela Groß jedoch an Regierungsrat Voß,
der früher im Miniſterium für die beſetzten Gebiete tätig geweſen
war. Trotzdem kam Bela Groß noch einige Male zu Regierungs=
rat
Steiger, dem inzwiſchen Bedenken aufgeſtiegen waren. Er be=
merkte
dann einen ſehr intimen Verkehr zwiſchen Regierungsrat
Voß und den anderen Herren und es lamen ihm auch ſonſt
Dinge zu Ohren, die nach ſeiner Bekundung in ihm den Verdacht
erweckten, daß Groß und Hausmann offenbar verſuchten, ſich auf
dem Wege der Beſtechung Beamte fügbar zu machen. Deshalb
teilte er am 4. Januar d. J. dem Stoatsanwalt alles mit, was
ihm bekannt geworden war.
In Regierungsrat Voß glaubten die Anleiheſchwindler den
Mann gefunden zu haben, den ſie ſuchten. Voß war inzwiſchen
aus dem Miniſterium für die beſetzten Gebiete ausgeſchieden und
nach Paris venſetzt worden, wo er ſich um die Abwicklung der
Kriegsanleihealtbeſitzanmeldungen zu kümmern hatte. In dieſer
Stellung war dem Regierungsrat Voß auch die geringſte
Kleinigkeit bekannt, die ſich auf dieſen Fragenkomplex bezog und
er konnte aus ſeiner Stellung heraus den Frageſtellern natürlich
die beſten Antworten geben. Regierungsrat Voß hatte allerlei
Beziehungen in Paris, er kannte den früheren Deputierten Cal=
mon
, der durch ihn den Reichskommiſſar Heinzmann kennen
lernte. Wieweit Voß das Spiel der Bela Groß und Genoſſen
durchſchaut hat, wie weit ſeine Beziehungen zu ihnen gingen,
muß noch aufgeklärt werden.
* Die neue Parole des Stahlhelms.
Einleitung eines Volfsbegehrens gegen das
parlamentariſche Eyſiem.
Der Vorſtand des Stahlhelms hat in Magdeburg Fan=
faren
geblaſen. Er hat eine Parole ausgegeben, die das un=
mittelbare
Eingreifen in die Politik darſtellt und gewiſſermaßen
ſein Geſellenſtück ſein ſoll, in dem er ein Volksbegehren
gegen das parlamentariſche Syſtem einleitet. Leider
iſt dieſe Ankündigung mit dem Beſchluß ſelbſt und der ſehr lang=
atmigen
Begründung ſo verſchwommen gehalten, daß man nicht
recht erkennen kann, wie und wann der Stoß einſetzen ſoll. Aber
eins iſt unbeſtreitbar, daß der Stahlhelm damit die po=
litiſche
Neutralität endgültig aufgibt und zu
einer politiſchen Partei wird, deren Stellung unmittelbar in der
Nähe der Deutſchnationalen zu ſuchen iſt, wie ſich ja zum Teil
auch aus der neuerdings auffallenden Rednergemeinſchaft zwi=
ſchen
dem Stahlhelm und den Deutſchnationalen erkennen läßt,
was ſich auch ergibt aus der Verurteilung der Großen Koalition,
die der Bundesvorſtand ebenfalls in ſeiner letzten Sitzung be=
kannt
gegeben hat. Wir bedauern dieſe Entwicklung, weil ſie
geradezu einen Druck auf andere Parteien wie z. B. auf die
Deutſche Volkspartei ausübt, ſich nun vom Stahlhelm zu trennen
und weil ſich die bündiſche Bewegung, von der in unklaren Wor=
ten
ſoviel die Rede iſt, ſehr raſch verbraucht, ſobald ſie mit den
harten Tatſachen der Politik in unmittelbare Berührung kommt.
Allerdings ſo einfach, wie die Verteidiger des Parlamentarismus
ſich die Folgen vorſtellen, geht es doch nicht. Die Germania,
möchte aus der Abſicht des Stahlhelms nur die eine Schluß=
folgerung
ziehen, daß der Weg zum Volksentſcheid in der Ver=
faſſung
allzu leicht un dfrei gemacht worden iſt. Sie hätte beſſer
oaran getan, das ſchon bei dem kommuniſtiſchen Panzerkreuzer=
Antrag zu merken. Es ſoll doch nicht verkannt werden, daß rein
gefühlsmäßig, zu dem Antrag des Stahlhelms Millionen von
Enttäuſchten ſtehen, die aus der inneren Unzufriedenheit heraus
den Kampf gegen das parlamentariſche Syſtem als einen Ver=
ſuch
zu einer Beſſerung begrüßen werden. Daß es zuletzt gerade
20 Millionen ſein werden, wie ſie von der Verfaſſung verlangt
werden, glauben wir nicht. Aber es wäre gefährlich, unterſchätzen
zu wollen, wie ſtark ſich die Kräfte bei einem ſolchen Volksent=
ſcheid
exploſiv äußern können. Allerdings wird auch der Bundes=
vorſtand
des Stahlhelms noch erkennen lernen müſſen, daß die
eigentlichen Schwierigkeiten erſt einſetzen, ſobald er aus der
Theorie in die Praxis kommt, ſobald er den Verſuch machen
will, eine Formel zu finden, wie der Kampf gegen das parla=
mentariſche
Syſtem mit einer Geſetzesvorlage im Volksentſcheid
geführt werden ſoll.

* Oresdner Erſtaufführung
von Puccinis Manon Lescaut.
Dieſes Werk gehört als drittes von Puccinis Opernſchaffen in
die Jahre erſter Reife. 1893 entſtanden, trägt es den Stempel
romantiſcher Jugendlichkeit, d. h. lyriſche Breite (2. Akt), Anklänge
an Wagner (Triſtan), inſtrumental der Abhängigkeit von Verdi.
Die Melodik iſt von unverbrauchteſter Friſche und Urſprünglich=
keit
. Das Manonthema iſt leitmotiviſch behandelt und vielharmo=
niſch
variiert. Die Handlung bleibt ohne tiefere innere Motivie=
rung
, die Manon leidet eigentlich unſchuldig, die Figur des Bru=
ders
iſt faſt ohne jeden dramatiſchen Schwerpunkt. Hermann
Kutzſchbachs muſikaliſche Einſtudierung hätte vielleicht beſſer
getan, den lyriſchen Duoſzenen mehr Tempo zu geben. Alle
Schönheiten des Werkes, die orcheſtralen Feinheiten, das Finale
des 1. Aktes, das Liebesduett im 2. Akt (ein Ereignis für ſich!)
uſw. waren durchweg liebevoll behandelt. Waldemar Staege=
mann
ſtellte Inſzenierung, Bühnenbilder und Beleuchtung auf
die düſtere Grundſtimmung (3. Akt). Meta Seinemeyer war
von vorbildlicher Geſangskultur, ebenſo Max Hirzel als des
Grieux. Robert Burg geſtaltete den Lescaut ſehr eindrucksvoll,
im 2. Akt geſanglich ganz ausgezeichnet. Das Publikum ſpendete
Hirzels Arie im 1. Akt und dem Liebesduett im 2. Akt offenen
Applaus und war, beſonders am Schluß, ſehr beifallsfreudig.
H. A. R.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Heidelberg: Auf der Freiburger Tagung der deutſchen Guſtab=Adolf=
Vereine teilte der Dekan der theologiſchen Fakultä: der Univerſität
Heidelberg, Geheimrat D. Bauer, mit, daß die Fakultät den Profeſſor
der Pathologie Aſchoff=Freiburg, Kirchenrat D. Schulz=Karlsruhe
und Pfarrer Wilhelm Ziegler, in Lahr zu Ehrendoktoren der Theo=
logie
ernannt habe.
Nürnberg: Der Orbinarius der Wirtſchaftswiſſenſchaften an der
Handelshochſchule, Hochſchule für Wiſſenſchafts= und Sozialwiſſenſchaften,
Dr. rer, pol., Dr. jur. Emil Wehrle, hat einen Ruf an den Lehr=
ſruhl
der Volkswirtſchaftslehre an der Techniſchen Hochſchule in Karls=
ruhe
erhalten und zum Sommerſemeſter 1929 augenommen.
Leipzig: Am 9. September verſchied der a.o. Profeſſor für prak=
tiſche
Aſtronomie, 1. Obſervator an der Sternwarte der Univerſität,
Dr. Friedrich Hayn, im Alter von 65 Jahren.
Wien: In ſeiner Heimat Bozen iſt der emer, ordentl. Profeſſor der
Aſtronomie und Direktor der Sternwarte der Wiener Univerſität Hof=
rat
Dr. phil. Hepperger im Alter von 73 Jahren geſtorben.

[ ][  ][ ]

den 25. September 1928

Nummer 267

Familiennachrichten
Die Geburt einer Tochter
zeigen an
Med.=Rat Dr. Meher
Erika Meher, geb. Heußinger
Darmſiadt Goddelau
Klinik v. Dr. Hoffmann Philippshospital
u. Dr. Wolff
23. September 1928.
(*24906)

Die Eheleute Lokomotivführer Jakob
Götz und Frau Anna, geb. Stößel,
Schuknechtſir. 60 II., begehen am 26. Sep=
tember
das Feſt der
Silbernen Hochzeit.
(15223
Glückauf zur Goldenen!

Für die vielen Glückwünſche und Ge=
ſchenke
zu meinem 70. Geburtstage
herzlichſten Dank
Clemens Nörpel
Obergärtner der Firma K. Horſt.
(*24896)

Dankſagung.
Für die vielen Betveiſe herz=
licher
Teilnahme, ſowie für die
ſchönen Blumenſpenden beim
Heimgang unſerer lieben Ent=
ſchlafenen
ſagen herzlichen Dank
Familie Heinrich Schäfer
Familie Wilhelm Petry
Familie Heinrich Schäfer.
Darmſtadt, den 24. Sept. 1928.
24954)

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ohne Aufſchlag
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1998 Zum Schluß erlaube ich mir noch
Ihnen mitzutellen, daß ich mit meiner ganzen
Famille schon seit langen Zahren zu Ihren
eifrigsten Kunden gehöre und wir mit Ihrem
Kaffee Hag sehr zufrieden sind. Zwar bin
nur ich etwas herzleidend, aber troßdem zieht
auch meine ganze Famille den Hag-Kaffee
allen anderen Kaffees wegen seines Wohl-
geschmacks
und seiner Bekömmlichkeit vor.
Huch werbeich immer unter meinenBekannten
weitere Kunden für Sie und habe Ihnen aus
innerster Ueberzeugung schon vlele zu-
Dictor Litzelmann.
geführt.
18841 Selt olelen Zahren trinke ich nur
Kaffee Hag. Ich war früher immer nervös.
Durch den Genuß von Kaffee Hag haben sich
tatsdchlich dlese nervösen Erscheinungen nicht
mehr gezeigt. Ich bin viel ruhlger geworden.
Bei Einladungen erkundige ich mich immer,
ob coffeinfreier Kaffee Hag serplert wird. 9st
es nicht der Fall, soverzichte ich auf eine Tasse
Kaffee. Ich bin dann immer angenehm über-
rascht
, bei der nächsten Einladung Kaffee Hag
zu bekommen. Frau Frey-Steiger.

(77
Be=
2.
e
Aat

W
A 2

1972) Hir haben uns nun so an Ihren
Kaffee gewöhnt, daß wir ihn nicht mehr missen
möchten, spezlell da er auch neben seinem
feinen Aroma den Nerven gar nicht schadet.
Gerne werden wir den Kaffee Hag unseren
Bekannten, die ihn noch nicht kennen, aufs
wärmste empfehlen.
Frau Winteler-beuzinger.
1906) Sch konnte nachts sehr schlecht
schlafen, auch flel mir das Treppenstelgen
Immerschwer, sowie das weite lraufen. Dakam
ich auf die Sdee, einmal den Kaffee Hag zu
kaufen und anderen Kaffee zu melden. Schon
nach einer Woche merkte ich Besserung und
ſetzt bin ich wieder frisch und munter. Ich bin
54 Zahre alt und mache ſetzt dle größten Aus-
flüge
ohne Beschwerden und Bufregung. Huch
meiner Familte bekommt der Kaffee gut. Ich
habe Kaffee Hag schon vielen empfohlen, dle
mit den Nerven zu tun hatten, aber dennoch
fühle ich mich veranlaßt, Ihnen zu schrelden,
vie vorzüglich Ihr Getränk ist. Es sollte in
keiner Familie fehlen.
Frau Anna Urbach.

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heute morgen nach längerem Leiden, zu ſich
zu nehmen
Die trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Baldauf
Karl Baldauf
Gretel Baldauf.
Darmſtadt, den 24. September 1928.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. Sep=
tember
1928, nachmittags 3 Uhr, auf dem alten Friedhof
ſiatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten. (24949

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Küchenschaben verderben
Deine Nahrungsmittel!

Weil die Küchenschaben
als Bazillenträger auf
ihren Wegenalle Küchen-
geräte
und Nahrungs-
mittel
berühren, sind sie
eine große und stän-
dige
Gefahr für den
Menschen.
An den Beinhaaren die-
ser
widerlichen Insekten
haften in Schmutz und
Unrat die schlimmen
Krankheitserreger, die
auf die Nahrung über-
tragen
werden.
Befreie Dein Heim von
den gefährlichen Küchen-
schaben
. Zerstäube Fllt!
In wenigen Minuten
tötet Flit mit absoluter
Sicherheit alle wider-
lichen
und gefährlichen
Insekten, wie Fliegen,

Mücken, Wanzen, Flöhe,
Schaben.
Fllt tötet nicht allein
dieses Ungeziefer, son-
dern
zerstört auch dessen
Bier, weil es in die Ritzen
und unzugänglichen Ver=
stecke
dringt, in denen
sich das Ungeziefer ver-
borgen
hält.
Flit rötet Motten und
ihre Larven, ohne die
Stoffe anzugreifen oder
einen üblen Geruch zu
verbreiten.
Flit ist unschädlich für
den Menschen und wegen
seiner 100%igen Wirk-
samkeit
sparsam im
Gebrauch. Anwendung
mittels des Flit= Zer-
stäubers
. Erhältlich
in allen einschlä-
gigen
Geschäften.

Flit-Packung
LR
mit dem schwuarzen Band.
VERNTCHTBT, Fliegen, Mücken, Schnaken,
Motten, Schaben, Bettwanzen, Flöhe, Ameisen
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft
Hbteilung Spezialprodukte / Hamburg 36

Altveterang
wafſig, Darr
Pertretertag des
am 16. Septemb
Uingeſetzt:
deutſchen
Notſa
bent
Kueiſ
Altbete
erſten Not a.
den Altvetere
dieſer drin
ſehen
verſat
lrten ſich n
bariat der
beiden zu wo

ſeier komme
Eteinſtraße 24,
der Vortrag I
rird von
ruhnt.
ier Geſchäf

[ ][  ][ ]

Nummer 267

Dienstag, den 25. September 1928

Geite’5

Aus der Landeshauptſiadt. Aus der Heſſiſchen Sängerbundbewegung.

Darmſtadt, 25. September.

In den Ruheſtand verſetzt wurde am 18. September der Lehrer
am der Volksſchule zu Wendelsheim (Kreis Alzey) Auguſt Nelius auf
ffin Nachſuchen vom 1. Oktober 1928 ab. Auf Grund des 8 1 des
Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw.
dr Dezember 1923 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1925
(ieg.=Bl. S. 249) treten am 1. Oktober 1928 in den Ruheſtand: der
ſwektor an der Volksſchule zu Nidda (Kreis Büdingen) Peter Gatzert,
der Rektor an der Volksſchule zu Biblis (Kreis Bensheim) Xader
7rieb.
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
gwurde dem Pfarrverwalter Adam Höfle zu Rothenburg die evange=
lIche
Pfarrſtelle zu Rothenberg (Dekanat Erbach) übertragen.
Reichsbahnoberſekretär a. D. Heinrich Spöhrer, Aliceſtraße 6,
hegeht morgen in voller geiſtiger und körperlicher Rüſtigkeit ſeinen
7jährigen Geburtstag. Der Jubilar iſt noch heute eifriges Mitglied
inr Unteroffiziersverein ehem. Heſſiſcher Leibdragoner Nr. 24 ſowie im
Yeerband Heſſiſcher Regimentsvereine, in welchen er die Geſchäfte des
Aechners führt.
Heſſiſches Landestheater. Zum Kayßler=Fehdmer= Gaſt=
ſSiel
, das am Freitag, 28. September, im Großen Haus zur Feier
ton Tolſtois 100. Geburtstag das Schauſpiel Und das Licht ſchei=
net
in der Finſternis in der deutſchen Uebertragung von Aug.
ewcholz bringt, werden heute Dienstag noch Karten an Mieter zu Vor=
zugspreiſen
(0,808,00 Mark) ausgegeben. Tauſchſcheine gelten für
d eſen Abend nicht; auch Karten zu ermäßigten Preiſen können nicht
(Sgegeben werden. Der allgemeine Vorverkauf zu Preiſen von 110
ATark beginnt morgen Mittwoch.
Heute Dienstag wird im Großen Haus Strindbergs Traum=
ſwiel
wieder in den Spielplan aufgenommen. Es ſind folgende Mol=
lm
neu beſetzt: Mutter: Mela Wigandt, Offizier; Bernhard Minetti,
Awvokat: Fritz Valk, Dichter: Hans Jungbauer, Juriſt: Rolf Abranj=
achk
. Morgen Mitwoch wird Honeggers Judith für die Miete B
näederholt. Am Donnerstag geht anſtelle der urſprünglich angeſetzten
2 orſtellung Wie es euch gefällt infolge längerer Erkrankung von
Fnitty Stengel Hehnickes Luſtſpiel Wer gewinnt Liſette? wie=
dr
in Szene, das nach dem Erfolg der Darmſtädter Uraufführung im
Aai dieſes Jahres von einer großen Anzahl deutſcher Bühnen zur Auf=
frhrung
erworben wurde.
Der Vorverkauf zur Erſtaufführung von Flotows komiſcher Oper
Fatme, die am Donnerstag, 27. September, im Kleinen Haus ge=
geben
wird, hat begonnen.
Vortuagsabend im Gemeindehaus Kiesſtraße. Im neu hergerich=
trten
großen Saale des Gemeindehauſes trug auf Veranlaſſung des
(Sangeliſchen Frauenvereins Walter Lehmann in bunter Folge Balla=
a
n und Gedichte vor. Die recht mäßige Akuſtik des Saales, die wahl=
b
ſe Aufeinanderfolge der Vorträge, die einen inneren Aufbau vermiſſen
lß, eine trotz mancher ſchwacher Anſätze nicht den Anforderun=
g
n, die man füglich ſtellen kann, gewachſene Stimme ließen zwiſchen
0 m Vortragenden und dem übrigens wenig zahlreich erſchienenen
Aaublikum keinen rechten Kontakt aufkommen.
Johanuesgemeinde Südbezirk. Dienstag, den 25. Sept., nach=
urittags
5.30 Uhr, findet im Gemeindehaus eine Helferſitzung
ſiatt. Die Konfirmandenſtunden werden in dieſer Woche
arn Freitag, den 28. September, abgehalten; 5 Uhr: Buben, 6 Uhr:
ATädchen.
Altveteranen und Kyffhäuſerbund. Die Kriegerkameradſchaft
Saſſia‟, Darmſtadt, Ahaſtraße 5, teilt uns Nachſtehendes mit: Der
Tertretertag des Deutſchen Reichskriegerbundes Kyffhäuſer hat ſich
am 16. September 1928 für die Altveteranen in folgender Entſchließung
emgeſetzt: Die auf dem Kyffhäuſer verſammelten Vertreter aller
d utſchen Landeskriegerverbände weiſen mit Nachdruck auf die roße
Dotlage hin, in der ſich die Mehrzahl der Teilnehmer an den deutſchen
Cänigungskriegen befindet. Durchweg handelt es ſich um hochbetagte
ute im Alter von 80 und mehr Jahren, für die es Verdienſtmöglich=
käten
nicht mehr gibt. Ihre Exſparniſſe, ſoweit ſolche vorhanden waren,
ſaid durch die Inflation aufgezehrt worden. Obſchon der ihnen ge=
nrhrte
Ehrenſold von 12,50 RM. monatlich zuzüglich weiteren 12,50
SN. Zulage den Betrag der in der Vorkriegszeit gezahlten Veteranen=
biihilfe
überſteigt, rechtfertigen doch die jetzigen Verhältniſſe den wei=
tiwren
Ausbau der Veteranenbeihilfe bis zu einer ſolchen Höhe, daß der
Lebensabend dieſer bedürftigen Veteranen einigermaßen vor Not ge=
ſwützt
iſt. Desgleichen wird auf die Notlage der Witwen ſolcher Alt=
teranen
hingewieſen, welche die Veteranenbeihilfe bezogen haben.
Auich für ſie wird dringend eine laufende Unterſtützung gefordert, wie
ſie in ähnlicher Weife das Reichsverſorgungsgeſetz als Eltern= oder
A=itwenbeihilfe vorſieht, um dieſe Frauen, die jahrzehntelang mit den
ATtveteranen gelebt haben, nicht in ihren letzten Lebensjahren der bit=
umſten
Not auszuſetzen. Angeſichts der geringen Zahl der noch leben=
den
Altveteranen und ihrer Witwen dürften der befriedigenden Löſung
dieſer dringlichen Fragen finanzielle Schwierigkeiten nicht entgegen=
ſiehen
.
Zehn Akademie=Konzerte. Wir machen nochmals darauf auf=
werkſam
, daß es ſich empfiehlt, wegen Zuteilung von Abonnements=
k
.rten ſich nicht mehr ſchriftlich, ſondern perſönlich an das Sekre=
t
riat der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36,
wenden zu wollen.
Bühnenvolksbund. Der Bahreuther Bund hat zu ſeiner Morgen=
füer
kommenden Sonntag, vormittags 11 Uhr im Muſikvereinsſaal,
Stteinſtraße 24, eingeladen. Unſere Mitglieder erhalten Ermäßigung.
Der Vortrag behandelt das Thema Der junge Richard Wagner und
gärd von Muſikſtücken, Jugendkompoſitionen Richard Wagners, um=
ruhmt
. Wir embfehlen den Mitgliedern den Beſuch. Karten in unſe=
ur
Geſchäftsſtelle bei Chriſtian Arnold am weißen Turm.
Vermehrung der Beſchäftigungs= und Verkaufsſtunden am Meß=
ſonntag
. Da aus Anlaß der Meſſe am Sonntag, 30. September, für
die Stadt ein geſteigerter örtlicher Geſchäftsverkehr zu erwarten iſt,
heiſen wir darauf hin, daß für dieſen Tag folgende Beſchäftigungs=
urid
Verkaufszeiten nach der Bekanntmachung des Kreisamts Darmſtadt
vom 26. November 1925, betreffend Sonntagsruhe im Bezirk der Stadt
Darmſtadt, zugelaſſen ſind: I. Es iſt erlaubt: 1. der Verkauf von
Backwaren von 710 Uhr und von 1116 Uhr; 2. der Verkauf von
Kuonditoreiwaren von 710 Uhr und von 1116 Uhr; 3. der Verkauf
on Fleiſchwaren von 710 Uhr und von 1618 Uhr; 4. der Handel
wit Blumen und Kränzen von 1118 Uhr; 5. der Verkauf von Roh=
eis
von 613 Uhr; 6. der Betrieb in allen übrigen Handelsgewerben
ton 1118 Uhr. II. Ferner iſt auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plät=
zen
oder anderen öffentlichen Orten am Meßſonntag erlaubt: 7. die
usübung des Gewerbes im Umherziehen von 1118 Uhr; 8. der
ſenbulante Gewerbebetrieb, d. h. der Hauſierbetrieb am Wohnort, von
IA Uhr bis 18 Uhr.
E Polizeiverordnung, betreffend den Schutz gegen Uebertragung
voon Krankheiten durch die gewerbsmäßige Haar= und Bartpflege. Das
olizeiamt weiſt darauf hin, daß nach § 1 der Polizeiverordnung, be=
teffend
den Schutz gegen Uebertragung von Krankheiten durch die ge=
werbsmäßige
Haar= und Bartpflege, alle zur Verhütung der Ueber=
tragung
von Krankheiten geeigneten Vorkehrungen zu treffen ſind.
Soanach iſt es auch verboten, zum Abſtreifen des Seifenſchaums von den
Waſiermeſſern bedrucktes Papier zu benutzen, da mit dieſem Verfahren

hebliche Gefahren verbunden ſind.

Zur Vorbereitung des 2. Heſſiſchen Sängerbundesfeſtes,
das in den Tagen vom 12.15. Juli 1929 in Darmſtadt ſtattfindet wird
am kommenden Samstag, 29. September, nachmittags 3 Uhr, im Bahn=
hofshotel
in Darmſtadt der Muſikausſchuß zuſammentreten, um
die Bundesmaſſenchöre feſtzulegen, die während der ganzen Veranſtal=
tungen
zum Vortrag gebracht werden ſollen.
Eine große Bundesvorſtandsſitzung des Heſſiſchen Sängerbundes
findet am 27. Oktober in Wetzlar ſtatt, die ſich mit dem am 28. Okt.
in Gießen ſtattfindenden Bundesſängertag beſchäftigen wird.
An dem Bundesſängertag werden ſich die Vertreter ſämtlicher ange=
ſchloſſenen
Bundesvereine beteiligen. Die Bundesvorſtandsſitzung wird
das vollſtändige Programm für das Sängerbundesfeſt 1929 ausarbeiten
und dem Sängerbundestag unterbreiten. Auf dem Bundesſängertage
wird auch die Ehrung von 21 Dirigenten für 25jährige Tätigkeit ( Er=
nennung
zu Ehrenchormeiſtern des Heſſiſchen Sängerbundes) und 41
Vorſtandsmitgliedern von Bundesvereinen, die 25 Jahre für ihren Ver=
ein
im Vorſtand aktiv tätig waren. Letztere erhalten das Abzeichen
für Verdienſte. Die Anmeldung für Auszeichnungen iſt ſeit 10. Sept.
geſchloſſen. Weitere Anmeldungen für dieſes Jahr ſind demzufolge
zwvecklos.
Sängerjubiläen.
Für 40jährige aktive Sangestätigkeit wurden vom
Heſſiſchen Sängerbund mit der Ehrenurkunde ausgezeichnet: Geſang=
verein
Liederkranz Büdingen: Johann Knaf 7. und Ludwig Weitzel;
G.V. Liederkranz Erfelden: Chriſt. Glock; G.V. Germania Glattbach:
Joh. Ad. Sahm, Rud. Schuck, Gg. Morhard; M. G. V. Nieder=Olm:
Adam Seeger, Hch. Friſch, Jak. Karl Sieben, Peter Fauſt 4.; G.V.
Liedertafel Weiſenau: Nikol. Pertchen; G.V. Frohſinn Darmſtadt: Wil=
helm
Wiemer; G.V. Liederkranz Weitershain: Hch. Kaufmann 6.: G.V.
Sängerkranz Beerfelden: Adam Lang; G.V. Liederkranz Stockheim:
Wilh. Grall, Jak. Kredel, Wilh. Heim; G.V. Liederkranz Bensheim:
Karl Völker; G. V. Liederzweig Darmſtadt: Adam Chriſt; G.V. Wem=
bach
=Hahn: Joh. Phil. Lantelme; G.V. Harmonie Goldbach: Herm.
Fuchs; G.V. Liederluſt Ober=Seemen: Kaſpar Peppel 6.; G.V. Lieder=
kranz
Keſſelbach: Hch. Schnell 1.; G.V. Eintracht Rohrbach: Karl
Bert 2., Gg. Bayer: M. G.V. Ueberau: Leonh. Schönberger und Phil.
Waldhaus, Hilaria; Andreſcher Männerchor Offenbach: Peter Brehm,
Jul. Oerter.
Provinzialſängertage.
Der Provinzialſängertag für Starkenburg im Heſſiſchen Sänger=
bund
wird am 14. Oktober, vormittags 9.30 Uhr, im Reſtaurant
Perkeo in Darmſtadt ſtattfinden. Am gleichen Tage wird in
Worms der Provinzialtag für Rheinheſſen ſtattfinden.

Gereitans

15122a

WOIZ

Vier Tage in München und ſeiner Umgebung.
München! Ein Städtenamen, der allen Deutſchen geläufig iſt und
deſſen Klang lebendige Vorſtellungen erweckt. Wer wüßte nicht von
dem unendlichen Reichtum der Bahriſchen Metropole, von ihren künſt=
leriſchen
Schätzen, von ihrem ſtrahlenden Glanz und den tauſendfältigen
Naturſchönheiten, die ſich unmitelbar vor ihren Toren auftun? Obgleich
ſich München anſchickt, Weltſtadt zu werden, hat es ſeine eigene Note
behalten und von einer humordurchtränkten Behaglichkeit und Gemüt=
lichkeit
nichts aufgegeben. München hat eben ſein Eigenleben und hält
zähe daran feſt. Es iſt eine Stadt, nach der wir immer voll Sehnſucht
hinſchauen, ein beſonders gern gewähltes Ziel aller Deutſchen, die im
Haſten und Hetzen des Alltags noch nicht ſeelenlos und blind für die
Schönheiten der Natur geworden ſind. Wer Leib und Seele an der
Schönheit der Bergespracht neu beleben will, benutze den Aufenthalt in
München und fahre über Brannenhurg mit der Wendelſteinbahn auf
den Wendelſtein, vielleicht den lohnendſten Ausſichtsberg der bayeriſchen
Alpen, oder fahre von Garmiſch=Partenkirchen mit der Seilſchwebebahn
ins Bayeriſche Hochland zum Kreuzeck. Wer noch höher hinauf will,
der fahre über Garmiſch=Partenkirchen nach Ehrwald und benutze die
Zugſpitzbahn zur Fahrt nach dem ſtolzeſten deutſchen Berggipfel, der
Zugſpitze mit dem Münchnerhaus. Der Reiſeplan enthält noch weitere
Vorſchläge, die mühelos und ohne große Koſten durchgeführt werden
können. Dem Wunſche vieler, München ſelbſt und ſeine nähere und
weitere Umgebung kennen zu lernen, kommt die Reichsbahndirektion
Mainz entgegen, indem ſie am 28. September ds. Js. einen Sonderzug
nach München fahren läß:, der den Reiſeteilnehmern auch Gelegenheit,
bietet, ſowohl die Strecke Würzburg, als auch Ulm, Stuttgart kennen zu
lernen oder wieder einmal zu befahren. Außerdem wird auf der Nück=
fahrt
noch Ulm beſucht, ſein Münſter mit dem höchſten ſteinernen Kirch=
turm
der Erde (161 Meter) beſichtigt und ein Münſterkonzert angehört.
Wer ſchon an den Sonderfahrten der Reichsbahndirektion Mainz teil=
genommen
hat, der weiß, wie gut ſichs hier reiſt, wie preiswert dieſe
Fahrten ſind und wie bequem und reibungslos das aufgeſtellte Pro=
gramm
bewältigt werden kann. Wer rechnen kann, wird ſich die jetzt
bietende Gelegenheit vor der Fahrpreisänderung auch nicht entgehen
laſſen und unter dieſen Umſtänden ſchon jetzt eine größere Fahrt aus=
führen
, die er ſpäter auszuführen gedachte. Da für einen Geiſt und
Körper ſtärkenden Ausflug gerade die Tage des frühen Herbſtes beſon=
ders
gut geeignet ſind, wird mit einer guten Beteiligung zu rechnen
ſein. Bahern und Schwabenland erwarten Euch und werden Euch
gaſtlich empfangen.
gen Staub----ein Mittel nur /
O-Cedan Mop und Politur.

TaPt0op
G
Politur 1 A A.
SPART ZEIT UND MÜHE

Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Sonntag, 30. September,
findet die 11. Programmwanderung mit dem Endziel Nonrod
ſtatt. Von Darmſtadt wird um 6.40 Uhr ab Tierbrunnen mit Autos
nach Ernſthofen gefahren, woſelbſt die Wanderung beginnt. Um die
Zahl der nötigen Autos feſtzuſtellen, iſt Meldeſchluß der Beteiligung
am Freitag abend. Wer nicht im Beſitze einer Autofahrkarte iſt, iſt
von der Mitfahrt ausgeſchloſſen. (Näheres ſiehe Anzeige.)
+ Schachlehrkurſus. Am Montag, den 1. Oktober, abends 8.15 Uhr,
beginnt im Reſtaurant Kaiſerſaal (Grafenſtraße 18) ein Schachlehr=
kurſus
für Anfänger, veranſtaltet vom Schachklub Darmſtadt
1875. Leiter iſt Herr Dipl.=Ing. Prager. Die Teilnahme koſtet für
Vereinsmitglieder 2 Mk., für Nichtmitglieder 5 Mk. Der Kurſus findet
allwöchentlich Montags abends ſtatt. Anmeldungen werden im Klub=
lokal
nachmittags zwiſchen 6 und 8 Uhr, Mittwochs abends und am
Eröffnungstage entgegengenommen. (Siehe Anzeige.)

Jubiläzmstagung des Heſſiſchen
Landes=Lehrervereins.
Lp. Wenn die im Heſſiſchen Landes=Lehrerverein
organiſierten Lehrerinnen und Lehrer Heſſens in der zweiten Oktover=
woche
in der Landeshauptſtadt zu ihrer Jubiläumstagung zu=
ſammentreten
, dann dürfen ſie mit Stolz auf das 60jährige Beſtehen
ihres Vereins und die von ihm in ſechs Jahrzehnten geleiſtete Arbeit
zurückblicken, denn dieſe war ſtark mit den öffentlichen Intereſſen und
dem allgemeinen Volkswohl verflochten. Hatte doch ſchon der ſeit 1848,
wenn auch nur für kurze Zeit beſtehende Heſſiſche Volksſchullehrerver=
ein
als erſten Programmpunkt auf ſeine Fahne geſchrieben: das
vaterländiſche Schulweſen nach Kräften zu fördern
Und dieſer Parole iſt der im Jahre 1868 neu gegründete Heſſiſche
Landes=Lehrerverein durch allen Wandel der Zeiten treu geblieben,
denn nach ſeinen Satzungen bezweckt auch er Hebung des vater=
ländiſchen
Schulweſens und der Volksbildung ſowie
Förderung und Wahrung der Belange der Lehrer=
ſchaft
.
Die Jubiläumstagung ſelbſt trägt ſelbſtverſtändlich internen Cha=
rakter
. Sie wird am Montag, den 8. Oktober, in Anweſenheit zahl=
reicher
ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden durch einen Feſtakt in den
neu hergerichteten Räumen des Städtiſchen Saalbaues in
Darmſtadt eingeleitet, wobei der Obmann des Landes=Lehrervereins,
Herr Rektor und Landtagsabgeordneter Reiber=Darmſtadt, in einer
Rückſchau die leitenden Ideen der Lehrerbewegung in Heſſen während
des vergangenen Jahrhunderts beleuchten wird. Verbunden mit dem
Feſtakt iſt eine Ehrung der Jubilare, von denen noch 140 am
Leben ſind, davon 18 aus der Gründungszeit des Jahres 1838, und wei=
tere
122, die dem Verein ſeit über 50 Jahren als Mitglieder angehören.
Zur Begrüßung aller Feſtteilnehmer und ihrer Angehörigen wird
am Montag der Darmſtädter Lehrerverein einen Feſt=
abend
veranſtalten, der wegen überaus zahlreicher Anmeldung in
der Feſthalle auf dem früheren Exerzierplatz ſtattfinden muß. Am
Dienstag werden die Teilnehmer wiederum im Saalbau zu einer
Hauptverſammlung zuſammentreten. Der Vortrag des Prof.
Dr. Julius Goldſtein von der Techniſchen Hochſchule in Darmſtadt
über Die Schule im Dienſte der Volksverſöhnung
und der Völkerverſöhnung, der im Mittelpunkte der Ver=
anſtaltung
ſteht, wird zeigen, daß die heſſiſche Lehrerſchaft getreu der
Reichsverfaſſung die Schule bewußt in den Dienſt des ſtaatlichen
und zwiſchenſtaatlichen Lebens ſtellen will. Ihren Abſchluß finden die
feſtlichen Veranſtaltungen durch eine Feſtvorſtellung im Heſſiſchen
Landestheater, bei der die Oper Lohengrin in neuer Aufmachung in
Szene geht. Sie wird der heſſiſchen Lehrerſchaft aus allen Teilen des
Landes Gelegenheit geben, ſich von der Leiſtungsfähigkeit des Landes=
theaters
und ſeiner Daſeinsberechtigung als eines ernſten Kulturfaktors
zu überzeugen und ſomit zu dem guten Ruf des Hauſes weithin bei=
tragen
. Soweit es die Zeit erlaubt, finden zwiſchen den einzelnen Ver=
anſtaltungen
Führungen durch die ſtaatlichen und ſtädti=
ſchen
Sammlungen, ſowie Autorundfahrten und Ausflüge in die
nähere und weitere Umgebung ſtatt. Mittwoch, 10. Oktober, iſt für
die Vertreterverſammlung vorgeſehen, wobei die geſchäft=
lichen
Dinge des Vereins zur Erörterung ſtehen. Bei genügend großer
Beteiligung ſoll am Donnerstag, 11. Oktober, ein Fahrt an den
Rhein oder in die Bergſtraße ſtattfinden, um die außerheſſiſchen
Beſucher mit den Schönheiten des Heſſenlands bekannt zu machen.
Darüber hinaus wird der Verein auch der Oeffentlichkeit Gelegen=
heit
geben, Einblicke in die moderne Schularbeit zu tun, indem er in
mehr als 20 Sälen der Mornewegſchule (Hermannſtraße) in Darmſtadt
eine große Lehr= und Lernmittelſchau, verbunden mit einer
Ausſtellung von Arbeiten aus dem Werk=, Zeichen= und Schreibunter=
richt
, veranſtaltet. Zahlreiche Verlage werden ihre Verlagswerke an
Schul= und Lehrbüchern ausſtellen und viele Lehrmittelfirmen werden
ſowohl die Lehrerſchaft als auch intereſſierte Elternkreiſe mit den
modernſten Lehr= und Unterrichtsmitteln vertraut machen. Die ſtaat=
liche
Beratungsſtelle für Werkunterricht in Heſſen wird Arbeiten aus
dem Verkunterricht, dem modernen Zeichenunterricht
und den Unterrichtsverſuchen mit den Reformſchriften nach
Sütterlin, Koch und Wagner in überſichtlicher Weiſe grup=
pieren
, ſo daß auch Beſucher aus Elternkreiſen ſich ein Bild über die
neuen Beſtrebungen der Volksſchule auf dieſen Gebieten machen können.
Die Ausſtellung wird am Sonntag, 7. Oktober, vormittags 11 Uhr, er=
öffnet
und am darauffolgenden Mittwoch, um 6 Uhr abends, geſchloſſen.
Sie iſt täglich von 96 Uhr geöffnet und mit der Straßenbahnlinie 8
zu erreichen. Der Eintritt iſt frei.

Preußiſch=Süddeutſche Klaffenlotterie. Die Haupt= und Schluß=
ziehung
der 31. (257.) Lotterie iſt am 11. September beendet worden.
Es fielen die beiden Hauptgewinne von je 500 000 RM. auf Nr. 359 651
in den beiden Abteilungen I und II, die beiden Prämien von ebenfalls
je 500 000 RM mit je 1000 RM. Gewinn auf Nr. 146 500 in den beiden
Abteilungen I und II. Die neue 32. (258.) Lotterie beginnt am 19.
Oktober mit der Ziehung 1. Klaſſe. Für die bisherigen Spieler bleiben
die gehabten Loſe bis zum 26. September aufbewahrt. Es emp=
fiehlt
ſich, bis zu dieſem Tage die Loſe abzuholen oder dem zuſtändi=
gen
Lotterie=Einnehmer jedenfalls mitzuteilen, daß die Loſe weiter ge=
ſpielt
werden, ſelbſt wenn die Bezahlung erſt ſpäter erfolgt. Bei nicht
rechtzeitiger Abholung oder Benachrichtigung muß über die Loſe bei
der großen Nachfrage anderweit verfügt werden. Neuen Spielern wird
ebenfalls empfohlen, ſich frühzeitig ein Los zu ſichern, da ſolche kurz
vor Beginn der Ziehung 1. Klaſſe nicht mehr zu haben ſein dürften.
Um irrtümlichen Auffaſſungen zu begegnen, bemerken wir ausdrücklich,
daß der Lospreis, zu dieſer neu beginnenden Lotterie unverändert wie
bisher beſtehen bleibt.
p. Kleine Strafkammer. Ein jetzt als Kaufmann tätiger junger
Mann iſt des Betrugs angeklagt; er hat eine Ingenieurſchule beſucht
und iſt als Maſchinenbauer tätig geweſen. Der Betrug wird darin ge=
funden
, daß bei Beſtellungen von Farbbändern der Irrtum erregt wurde,
als ob ein großer Fabrikbetrieb beſtehe, auch deuteten die Briefbogen in
ihrer Aufmachung auf ein größeres Unternehmen hin, das in Wahrheit
aber nur aus dem Angeklagten als Leiter und 1 oder 2 Arbeitern be=
ſtand
. Am 29. Juli 1926 hat Angeklagter den Offenbarungseid ge=
leiſtet
. Aus der vorgelegten Korreſpondenz ergibt ſich, daß Druckfor=
mulare
benutzt wurden, die den Vordruck Abteilung Buchhaltung und
die Erläuterung Bürobedarf enthielten, ſo daß der auswärts woh=
nende
Lieferant zu der Meinung kam, es ſtecke ein größeres Unterneh=
men
dahinter. Die Beſtellungen ſollten poſtwendend effektuiert werden.
Das Amtsgericht hat 1 Monat Gefängnis ausgeſprochen; Angeklagter
und Staatsanwalt haben Berufung verfolgt. Das Urteil verwirft die
Berufungen.
Widerrechtliche Benutzung der Fußſteige. In der letzten Zeit
mehren ſich die Fälle, daß Fuhrwerke zum Be= oder Entladen entgegen
der Polizeiverordnung vom 25. März 1913 und Nachtragsverordnung
vom 26. Januar 1920 auf den Fußſteigen aufgeſtellt werden. Insbeſon=
dere
nehmen ſich u. a. Fuhrleute das Recht, in Straßen, in denen die
Straßenbahn verkehrt, ihre Fuhrwerke auf die Fußſteige zu ſtellen, um
möglichſt bequem und ungeſtört das Auf= bzw. Abladen von Frachtgütern
vornehmen zu können. Es werden hierdurch nicht nur die Fußſteige
beſchädigt, ſondern die Fußgänger werden dadurch auch vielfach auf
die Fahrbahn gedrängt und ſomit den Gefahren des geſamten rollenden
Straßenverkehrs ausgeſetzt. Desgleichen wird immer wieder von ande=
ren
Perſonen in der Benutzung ihrer Handwagen gegen die vorgenannte
Verordnung verſtoßen, indem ſie ebenfalls die Fußſteige zum bequeme=
ren
Fahren benutzen. Die Polizeibeamten ſind angewieſen, auf die
widerrechtliche Benutzung der Fußſteige beſonders zu achten und gegen
Zuwiderhandlungen Anzeige zu erheben.

Aa
Rt
8
Gaf

Das unerreichte, wissenschaftl. begründete Mittel
für den Haarwuchs. Arztlich empfohlen gegen
Haarausfall und Kopfschuppen. Zugleich das er-
Frischende und Ideale Pflegemittel für die Frisur,
von höchster Eigenart der Duftkomposition.

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[ ][  ][ ]

Heimatverein der Heſſen und Heſſen=Naſſauer
Wilhelmshaven=Rüſiringen.
Kerb im Heſſenlande, das ſchöne Feſt, auf das ſich Jung und Alt
von einem Jahr zu anderen freut, das haben auch die heimatfernen
Heſſen in Wilhelmshaven am Samstag, den 15. ds. Mts., in ihrem
Feſtes, das mit einem Promenadenkonzert im Garten eingeleitet wurde,
hatten ſich die inneren Räume mit Kerbegäſten gefüllt. Und ſie waren
nicht umſonſt gekommen. Der Vorſitzende das Heſſen=Vereins, Herr gegenwärtig wieder beim Latwergkochen. Am Samstag wurde eine
Mertz, mit ſeinen Getreuen hatte alles aufs beſte vorbereitet, um das
Feſt ſo zu geſtalten, daß ſich die Heſſen auf ein paar Stunden in die
alte Heimat verſetzt fühlten. Der Saal war herrlich mit Tannengvün
geſchmückt und luſtig flatterten die Fahnen in den Landesfarben. Junge
Burſchen und Mädchen tanzten in der Heimatstracht um die Kirmes=
krone
, ein Reigen von Kindern im Schwälmer Tracht, ſowie ein rhein=
heſſiſcher
Winzertanz von luſtigen Winzern und Winzerinnen getanzt,
fand reichen Beifall. Ein Vortrag Die Kerb in heſſiſcher Mundart
erregte viel Heiterkeit. Auch für leibliche Genüſſe war geſorgt, es gab
worme Flaaſchworſcht und Quetſchekuche‟. Zwei Winzerinnen kre=
denzten
rheiniſchen Wein vom Faß und hatten viel Zuſpruch. Es
herrſchte eitel Freude und ſelbſt den Norddeutſchen, die an dem Feſte
teilnahmen, wurde das Herz warm bei all der Fröhlichkeit. Uns Heſſen
aber ging das Herz auf, eingedenk der ſchönen Worte, die der Darm=
ſtädter
Dichter Herr Robert Schneider in ſeinem Vorſpruch, den er uns
gewidmet hat, ſo ſchön ſagt:
Hier fiehle mir uns wie dehaam
Im Freindeskreis, im traute,
Hier heern mir ſchlicht und unverfälſcht
Die liewe Mutterlaute.

Aus Heſſen.

Parlamentariſches aus Heſſen.
Der Landtagsabgeordnete Gußmann=Eberſtadt (Heſſiſcher
Landbund) hat beim Landtag folgende Kleine Anfrage ein=
gereicht
:
1. Iſt der Regierung bekannt, daß infolge übertriebener Jagdſchutz=
beſtrebungen
die Zahl des Wildbeſtandes in einzelnen Gebietsteilen
Heſſens und beſonders im hinteren Odenwald ſich derart vermehrt hat,
daß unerträgliche Verhältniſſe für Land= und Forſtwirtſchaft eingetre=
ten
ſind? 2. Iſt der Regierung bekannt, daß die Wildſchweine und
Hirſche an Zahl bedeutend zugenommen und an einzelnen Stellen, wie
zum Beiſpiel in Ober=Sensbach, beſtentwickelte Kartoffelfelder grötzten=
teils
verwüſtet haben?. Auch in anderen Orten iſt desgleichen feſtzu=
ſtellen
, und einwandfreie Beſichtigungen in Hebſtahl, Ober= und Unter=
Sensbach geben zu den ſchlimmſten Befürchtungen Anlaß. 3. Iſt der
Regierung bekannt, daß Neuanlagen von Waldungen nicht mehr hoch=
kommen
und die dringende Gefahr beſteht, daß infolge der Trockenheit
ein überſetzter, ausgehungerter Wildbeſtand im Laufe des Winters die
Einſaaten der Landwirtſchaft und alle jungen Waldbeſtände vernichten
kann?. Will und kann die Forſtbehörde vermehrte Koſten für Kulturen
verantworten und kann man ſolches den anderen Beſitzern zumuten,
lediglich aus Rückſicht auf übertriebene Jagdintereſſen? 4. Iſt der
Regierung bekannt, daß die Bildung großer Heegeringe und großer
Jagdſchutzbezirke durch Geſellſchaften eine Gefahr für Land= und Forſt=
wirtſchaft
bedeutet, und billigt die Regierung die Verweiſung der Ge=
ſchädigten
durch Kreisämter auf das lückenhafte Wildſchadengeſetz mit
all ſeinen unliebſamen Begleiterſcheinungen, anſtatt die Urſachen die=
ſer
Schäden beſeitigen zu helfen? 5. Iſt die Regierung bereit, unter
Zuziehung von Vertrauensperſonen der Landwirtſchaft die vorhan=
denen
Schäden alsbald feſtzuſtellen und gegebenenfalls ſofort durchgrei=
fende
wirkſame Gegenmaßnahmen anordnen zu wollen?

Lokale Veranſtaltungen.

Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind aueſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in leinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kriſſ.
Baſtlerbung der Sendung, Ortsgruppe Darmſtadt. Am
Mittwoch, den 26. Sept., 20 Uhr, im Deutſchen Haus (Alexanderſtraße
Nr. 18): Vortrag des Herrn O. Holdenreuter: Wechſelſtromkreis
Kriegsbeſchädigte und Kriegerhinterbliebene
des Kameradſchaftlichen Verbandes der Kriegsteilnehmer. Am nächſten
Samstag, 29. September, abends 8 Uhr, Verſammlung im Mathilden=
höhſgal
.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nſcht beantwortet. Die Beantiwortung erfolgt ohne Rechtsverbindſchkeit.
G. E. Das im Weltkrieg 1918 zur Beſchießung von Paris ange=
wandte
Ferngeſchütz hatte eine Reichweite von 136 Klm.
K. 30. Selbſtverſtändlich können Sie im Cut.=Anzug zur Trauung
gehen.
H. V. 73. Das Soziale Muſeum in Frankfurt a. M. wird Aus=
kunft
geben können.
Tageskalender für Dienstag, den 25. September 1928.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 19½ Uhr, Ende 22 Uhr,
F 3: Ein Traumſpiel Kleines Haus: Keine Vorſtellung
Orpheum, abends 20,15 Uhr, Revue: Große Kleinigkeiten‟
Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee Rheingold, Hotel Schmitz, Reſtau=
rant
Vender. Kinovorſtellungen: Helia, Palaſt=Lichtſpiele,
Reſidenz=Theater.
*

An. Arheilgen, 24. Sept. Wahl der Schöffen und Ge=
ſchworenen
. Die Urliſte über die in hieſiger Gemeinde anſäſſigen
Perſonen, die zu dem Amte eines Schöffen oder Geſchworenen berufen
werden können, liegt bis zum 1. Oktober d. J. zur Einſicht auf der Bür=
Vercinslokal Werfterholungshaus gefeiert. Schon lange vor Beginn des germeiſterei offen und können daſelbſt während der Offenlegungsfriſt
Reklamationen erhoben werden. Da die Zwetſchen= und Bir=
nenernte
in dieſem Jahre ein ziemlich gutes Ergebnis hatte, iſt man
unſerer älteſten Ortseinwohnerinnen, Frau Marie Werkmann,
geb. Traſer, zu Grabe getragem. Sie hatte ein Alter von nahezu 84
Jahven erreicht. Ferner verſtarb Herr Landwirt Philipp Hechler 2.
im Alter von 79 Jahren.
Weiterſtadt, 24. Sept. Geſtern früh 6,05 Uhr wurde die Ein=
wohnevſchaft
durch Feueralarm aus dem Schlafe geweckt. Die Dreſch=
halle
ſtand in hellen Flammen. Schon nach 6 Minuten traf die Feuer=
wehr
auf dem Brandplatze ein und konnte durch tatkräftiges Eingreifen
nach faſt einſtündiger Arbeit die Halle in ihrer Bauart erhalten. Jedoch
iſt dem Beſitzer ein großer Sachſchaden dadurch entſtanden, daß die in der
Halle befindlichem Holzbearbeitungsmaſchinen, und zwar ein Sägegatter
und Kreisſäge ſehr ſtark in Mitleidenſchaft gezogen wurden. Ueber die
Urſache des Brandes iſt noch nichts näheres bekannt. Die Feuerwehr
konnte nach Zuricklaſſung einer Brandwache um halb 8 Uhr wieder ab=
rücken
.
Aa. Eberſtadt, 24. Sept. Sturz vom Motorrad. Infolge
einer durch Regenſchauer hervorgerufenen Glätte ſtürzte am Sonntag
nachmittag in der Heidelbergerſtraße unweit der Modaubrücke ein aus=
wärtiger
, von Bickenbach kommender Motorradfahrer mit ſeiner
S.D. Maſchine. Er kam mitten auf die Fahrbahn der Straße zu liegen und
wäre beinahe von einem nachfolgenden Automobil überfahnen worden.
Die Maſchine wurde ſtark beſchädigt. Glücklicherweiſe kam der Motor=
radfahrer
mit Hautabſchürfungen davon. Familienabend. Die
Turngefellſchaft E. V. hielt am Samstag abend im Vereinslokal Zum
Bergſträßer Hof einen Familienabend ab, der aufs beſte verlief. Ge=
burtstagsfeier
. Die gemeinſame Geburtstagsfeier der diesjähri=
gen
30jährigen findet, wie nunmehr feſtſteht am Samstag, den 13. Okto=
ber
, ſtatt. Die Veranſtaltung wird im Saale des Gaſthauſes Zur
Eiſenbahn abgehalten. Die Kegelſportwoche des Kegel=
klubs
Gut Holz Eberſtadt, die auf der Kegelbahn des Gaſthaufes Zur
Tiaube abgehalten wird, dauerte auch unter zahlreicher Beteiligung
über das Wochenende fort. Sie ſchließt evſt am Mittwoch, dem 26. Sep=
tember
. Zuſammenſtoß. In der Neuen Darmſtädter Skraße
ſtieß in der Nähe der Oberförſterei ein Arbeiter aus Eberſtadt, der mit
ſeinem Fahrrad zur Arbeitsſtätte fahren wollte, mit einem Motorrad=
fahrer
(mit Beifahrer) zuſammen. Der Radfahrer wurde verletzt. Auch
der Beifahrer erlitt Verletzungen, und zwar am Fuß, dagegen kam der
Motorradfahrer ſelbſt ohne nennenswerte Verletzungen davon. Das Un=
glück
geſchah in der Dunkelheit. Der Motorradfahrer war aus Seehein.
42. Eberſtadt, 22. Sept. Geburtstagsfeier. Die diesjäh=
rigen
Vierzigjährigen Eberſtadts feiern am Samstag, dem 29. Septem=
ber
, eine gemeinſame Geburtstagsſeier. Die Veranſtaltung wird im
Saale des Gaſthauſes Zur Giſenbahn abgehalten. Für Unterhaltung
aller Art hat ein vorbereitender Ausſchuß alle Vorkehrungen getroffen.
Aa. Eberſtadt, 24. Sept. Arbeitsmarkt. Der hieſige Arbeits=
markt
hat infolge der vorgeſchrittenen Jahreszeit eine kleine Verſchär=
fung
erfahren. Die Zahl der Arbeitsloſen iſt auf 135 angewachſen.
Unter dieſen befinden ſich 15 Kriſenbetreute, eine Zahl, die größten=
teils
in der letzten Zeit konſtant blieb. Hoffentlich wird die Zahl der
Arbeitsloſen in dieſem Winter nicht allzu groß.
Aa. Nieder=Beerbach, 24. Sept. Kirchweihe. Wenn auch das
diesjährige Kirchweihwetter nicht allzu ſchön war, erfreute ſich dennoch
die hieſige Kirchweihe eines guten Beſuches. Die Lokale und Tanzſäle
wanen gut beſetzt. Mitglieder des hieſigen Turnvereins nahmen
am Sonntag an den Mannſchaftskämpfen der Deutſchen Turnerſchaft in
Nieder=Modau teil. Turner Roß konnte im Einzelkampf ſogar den
enſten Preis der B=Klaſſe erringen.
G. Ober=Ramſtadt, 22. Sept. Verkehrs= und Verſchöne=
rungsverein
. Auf öffentliche Einladung hin verſammelten ſich am
Donnerstag abend im Gaſthaus Zum Adler (Diehl) eine Anzahl Per=
ſonen
, um zu der Frage der Gründung eines Verkehrs= und Verſchöne=
rungsvereins
in Ober=Ramſtadt Stellung zu nehmen. Herr Bürgermeiſter
Rückert begrüßte die Erſchienenen und gab in packenden Worten ſeiner
Anſicht über die Gründung eines derartigen Vereins Ausdruck. Aus dem
Kreiſe der Anweſenden ſprachen dann noch Herr Braband und Herr
Rektor i. R. Hofmann zur Sache. Alle waren der Anſicht, daß ein Her=
ausgehen
aus der Reſerve geboten ſei, um die Allgemeinheit für das,
was dringend not tut, zu intereſſieren. Der zu gründende Verein ſolle
durch Aufklärung, Propaganda und Anregungen unſerem Orte zu der
Stellung verhelfen, die ihm ſeiner Naturſchönheiten wegen zukomme. An=
gelegenheit
des Vereins müſſe es ſein, das Ortsbild zu verſchönern, wich=
tige
Ausſichtspunkte dem Publikum zugänglich zu machen, die Wochen=
endbewegung
nach Kräften zu unterſtützen, und zu fördern. Alle An=
weſenden
erkannten die dringende Notwendigkeit einer in dieſem Sinne
wirkenden Organiſation an und erklärten ſich mit der Bildung eines
Verkehrs= und Verſchönerungsvereins einverſtanden. Man konnte daher
ſofort einen Ausſchuß bilden, deſſen Tätigkeit zunächſt in vorbereitenden
Formalitäten (Statutenentwurf uſw.) beſtehen müſſe. Die per Akklama=
tion
hierzu beſtimmten Anweſenden erklärten ſich zur Uebernahme bereit
und werden in Kürze eine konſtituierende Verſammlung einberufen. Es
wäre zu wünſchen, daß ſich nicht nur die Geſchäftswelt, ſondern alle
Kreiſe der Einwohnerſchaft für die das Gemeinwohl fördernde Sache
intereſſierten. Gedacht iſt hierbei auch an die ſtaatlichen und kommunalen
Behörden und örtlichen Vereine.

C. Ober=Ramſtadt, 24. Sebt. Erfolge des Turnvereinss
e. V. 1877 Ober=Ramſtadt beim Bezirksmannſchaftsturnen des 4. Be
zirks des Main=Rhein=Gaues der Deutſchen Turnerſchaft in Nieder=n
Modau. Bei dem am 22. September in Nieder Modau ſtattgefundenenn
Bezirksmannſchaftsturnen des 4. Bezirks Main=Rhein=Gau D. T. hattes
der Turnverein e. V. 1877 Ober=Ramſtadt außerordentliche Erfolge zun
verzeichnen. Der Verein ſtellte neben einer 4=Mannſchaft mit Zuſtiwes
mung des Bezirlsausſchuſſes ein zweite (B)Mannſchaft mit zuſammen=
11 Turnern. In der A=Klaſſe turnten weiter die Turngeſellſchaft Darm=
ſtadt
, Turnverein Nieder=Ramſtadt, Turnverein Roßdorf und die Turn= Traiſa. B=Mannſchaften ſtellten Turnverein Ober=Ramſtadt:
(neben der A=Mannſchaft), Turngeſellſchaft Ober=Ramſtadt, Turn= undo
Sportverein Nieder=Modau, Turnverein Waſchenbach und Turnvereinn
Nieder=Beerbach. Zuerſt traten die B=Mannſchaften zum Turnen an.
In dieſer Klaſſe belegte die Mannſchaft des Turnvereins Ober=Ramſtadti
mit einem Weniger von 5 Punkten hinter dem Turn= und Sportverein;
Nieder=Modau den 2. Platz mit 216 Punkten. Mit einem weiteren Ab= von 29 Punkten folgte hiernach die Turngeſellſchaft Ober=Ramſtadt:
mit 187 Punkten und Turnverein Wembach mit 185 Punkten. Turn= Nieder=Beerbach trat mit nur zwei Turnern an und erreichte=
119 Punkte. Noch günſtiger als in der B=Klaſſe ſchnitt der Turnverein;
Ober=Ramſtadt in der A=Klaſſe ab. Dort belegte er mit 273 Punkten;
den 1. Platz, und zwar ſetzte er ſich ſchon bei den Freiübungen mit einem:
Vorſprung von 4 Punkten an die Spitze und holte bei den anderen 3:
Geräteübungen (Pferd, Barren und Neck) weitere 3 Punkte auf. Dann;
folgte die Turngeſellſchaft Darmſtadt mit 266. Turnverein Nieder==
Ramſtadt mit 238, Turnverein Roßdorf mit 235 und Turngemeinde
Traiſa mit 216 Punkten. Außer dem Mannſchaftswettkampf wurden
die Leiſtungen der einzelnen Turner beſonders gewertet. Dabei erhiel,
ten vom Turnverein Ober=Ramſtadt Turner Kuhn mit einem Weniger=
von
1 Punkt hinter Turner Schneider=Darmſtadt mit 54 Punkten den
2. Preis, Turner Herm. Kehr den 3. Preis mit 52, Turner W. Fiſcher
den 5. Preis mit 49 und die Brüder Jakob und Fritz Obmann je den
7. Preis mit 47 Punkten. In der B=Klaſſe erhielten Turner P. Dintel=
mann
und Fritz Ehrhardt je den 3., K. Breitwieſer und Hans Vöckel je=
den
5. und Gg. Stuckert den 6., Chriſtian Stuckert den 13. Sieg. Dieſe
Erfolge des Turnvereins Ober=Ramſtadt beweiſen erneut, daß der Ver=
ein
über ausgezeichnete Kräfte verfügt. Den wackeren Turnern aber
ein kräftiges Gut Heil.
Le. Groß=Umſtadt, 22. Sept. Am Mittwoch abend fand der erſte
diesjährige Vereinsabend der hieſigen Ortsgruppe des Evangeliſchen
Bundes ſtatt. Obwohl die Zeit für die Landbewohner etwas ungünſtg
gewählt war, ſo war der Saal des Gaſthauſes Zur Krone, doch dicht
gefüllt. Herr Generalſekretär Thiel aus Berlin hielt einen 1½ſtündigen:
hochintereſſanten feſſelnden und überzeugenden Vortrag über die Ge=
fahren
, die dem Proteſtantismus drohen. Mit Freuden konnte Herr
Pfarrer Thger, der das Begrüßungs= und Schlußwort ſprach, eine Reihe
neuer Mitglieder aufnehmen und eine anſehnliche Summe, die bei einer
Tellerſammlung eingegangen war, dem Redner des Abends zum Beſten!
der Arbeit des Evangeliſchen Bundes einhändigen. Gleichzeitig wurde
in Ausſicht geſtellt, daß wohl am 28. Oktober Herr Pfarrer Bernbeck aus;
Mainz einen Lichtbildervortrag über eine Reiſe nach Aegypten und dem
heiligen Lande halten wird.
Av. Seckmauern, 22. Sept. Mik einem gewiſſen Lokalpatriotismus
weiſen die Bewohner von Seckmauern darauf hin, daß es in der ganzen
weiten Welt nur ein einziges Seckmauern gibt. Was dieſes freudige
Hochgefühl noch weſentlich vermehrt, iſt der Gedanke, daß das Dorf auf
die Römer ſeinen Urſprung zurückführen kenn: Auri Seceayi die
Mauern des römiſchen Legions=Führers Seccanus. Daß die Römer
ihren Wachtturm gerade eine halbe Stunde von der Eiſenbahn ent=
fernt
aufgebaut haben, war zwar weniger ſchön wie ein Schlau=
berger
einmal feſtſtellte , aber der Kurfremde aus der Großſtadt freut
ſich um ſo mehr, einmal ganz den Frieden eines ſtillen Dörfchens ge=
nießen
zu können. Hier gibt es keine giftigen Gaſe, die rauchenden
Fabrikſchloten entſtrömen, kein raſſelndes Telephon ſtört den Mittags=
ſchlaf
es ſei denn, daß der Schweinehirt mit tiefem Baß ſein Horn
ertönen läßt. Die Berge und Wälder des Odenwaldes locken zu ſchö=
nen
Spaziergängen. Allerdings zieht es die meiſten mehrs ins Bahe=
riſche
, denn nahe am Dorf ſteht der bayeriſche Grenzpfahl, der noch die
alte ſtolze Inſchrift Königreich Bayern trägt. Leicht iſt der Engels=
berg
bei Heubach zu erreichen über Klingenberg und Miltenberg. Es
lieten ſich die beſten Möglichkeiten zu ſchönen Wanderungen im Main=
tal
. Wer aber nicht gerne wandert, kann ſich im nahen Walde ein
ſrilles Plätzchen ſuchen und der Ruhe für die verbrauchten Nerven
pflegen.
I. Michelſtadt, 22. Sept. Ausflug des Gewerbevereins.
Wie alljährlich, ſo unternimmt auch dieſes Jahr der Gewerbeverein einen
Ausflug, der am 29. September, dem Michaelistag, ausgeführt wird.
Ueber Lindenfels, woſelbſt die Grabſteinfabrik beſichtigt werden ſoll,
wird die Fahrt nach Winterkaſten führen, das uns durch das Entgegen=
kommen
des Herrn Präſidenten der Landesverſicherungsanſtalt mit der
Eleonoren=Heilſtätte bekannt machen wird. Neunkirchen iſt als Raſt=
platz
zur Einnahme des Mittagstiſch vorgeſehen, während den Beſucher
in Lichtenberg Stunden gemütlichen Beiſammenſems erwarten. Ge=
ſellenprüfung
1928. Der Vorſitzende des Geſellenprufungs=
ausſchuſſes
des Orssgewerbevereins Michelſtadt, Herr Schreinermeiſter
Joh Ihrig, weiſt darauf hin, daß die diesjährige Herbſt=Geſellenprüfung
im Oktober ſtattfindet und entſprechende Meldungen bis zum 13. Okto=
ber
an denſelben vorzunehmen ſind. Der Gemeinderat der Stadt
Michelſtadt hat in ſeiner Sitzung vom 18. September 1928 eine Polizei=
verordnung
beſchloſſen, die die Lagerung von Knochen, Häuten, tieri=
ſchen
Abfällen und Lumpen behandelt. Auf der Bürgermeiſterei liegt
dieſe Polizeiverordnung ab 24. September für die Dauer von 8 Tagen
während der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags zur
Einſicht offen. Einſprüche, gleich welcher Art, können mündlich oder
ſchriftlich zu Protokoll gegeben werden.

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[ ][  ][ ]

Nummer 267

Dienstag den 25. Geptember 1928

Geite 7

der Ei der Ferſorekafger.
S 5214 des Ingenieurs Gieſe aus Offenbach von dem Perſonen=
zng
3930 überfahren. Von den vier Inſaſſen wurden getötet:
1. der Wagenlenker Ingenieur Oskar Gieſe aus Offenbach a. M.,
2. der Knecht Karl Sörg aus Frankfurt a. M., 3. eine Perſon,
daren Namen nicht feſtgeſtellt werden konnte. Außerdem iſt ein
Schwerverletzter, deſſen Name ebenfalls mangels genügender
grusweispapiere nicht feſtgeſtellt werden konnte, in das Kreis=
ankenhaus
Langen gebracht worden.
L. Michelſtadt, 22. Sept. Auswärtige Kommunalver=
tweter
im Stadion. Unter Führung der Herren Bürgermeiſter
D.r. Sehd=Friedberg, Kreisdirektor Rechthien=Friedberg und Landtags=
SSgeordneten Lux=Nieder=Florſtadt beſuchten zirka 5060 Herren aus
S tadt und Kreis Friedberg die Sportparkanlage in Erbach und nach
tm im Hotel Friedrich in Michelſtadt eingenommenen Mittageſſen in
teu Nachmittagsſtunden das Stadion der Stadt Michelſtadt. Eine wei=
t
re Deputation aus Bensheim nahm ebenfalls eine Beſichtigung des
Stadions vor, da bekanntlich in Bensheim die Abſicht beſteht, zuſammen
it Auerbach ein Familienbad zu errichten. Die Bensheimer Abord=
ruing
wurde durch Herrn Bürgermeiſter Dr. Angermeier geführt. Die
Gräſte wurden im Auftrag des durch Krankheit verhinderten Bürger=
eiſters
durch den erſten Beigeordneten willkommen geheißen. Die er=
frderlichen
Informationen über den Werdegang des Stadions erteilte
S=tadtinſpektor Wöber. Für die Gäſte ſprachen die Herren Bürger=
r
eiſter Dr. Angermeier=Bensheim und Abg. Lux=Nieder=Florſtadt den
D ank für die herzliche Begrüßung und das Gebotene aus; die Stadion=
arrlage
fand begeiſterte Anerkennung. Es wurde zum Ausdruck gebracht,
taß eine ſo geſchickt in die Natur hineingeſtellte Anlage nicht kurzer=
kand
nachgeahmt werden kann. Die Stadt Michelſtadt wurde zu dieſem
WBerke beglückwünſcht. Während am Anfang der Woche unſer Städt=
cen
und insbeſondere das Stadion den Beſuch des Gemeinderats von
lindenfels empfing, konnte es in dieſen Tagen die mittels Sonderzugs
tach hier gekommene Oberrealſchule der Stadt Aſchaffenburg mit ihrem
Lehrkörper begrüßen. Die etwa 800 Teilnehmer dieſer Fahrt trennten
fh nach ihrer Ankunft in Michelſtadt in verſchiedene Gruppen, von
tenen die eine den Ritterſaal und ſonſtige Sehenswürdigkeiten in dem
k=nachbarten Erbach beſichtigten, andere wieder das Jagdſchloß in Eul=
kach
aufſuchten und der Reſt hier verblieb, um unſer Städtchen mit
ſ inen vielen und hiſtoriſchen Schätzen näher kennen zu lernen. Am
2 achmittag traf ſich alsdann die Schar im Stadion der Stadt Michel=
fadt
, das ihnen bei freiem Eintritt mit ſeinen vielen Möglichkeiten
zur ſportlichen Betätigung zur Verfügung ſtand. Das herrliche und
de Bewunderung aller auslöſende Schwimmbad wurde in ergiebigem
Maße benutzt, waren doch alle entzückt über das klare, gut temperierte
Baſſer, das ſo recht zu einem erquickenden Bade einlud. Erſt ſpät am
2rachmittag wurde die Heimfahrt mit dem Sonderzug angetreten, der
ne luſtige Schar, voll befriedigt von dem Geſehenen, und mit den
Bunſchen, bald bwieder in den Mauern dieſes herrlichen Odenwald=
fEidtchens
weilen zu können, nach Hauſe brachte.
L. Sleinbach i. O., 22. Sept. Hohe Ehrung. Durch Verfügung
tes preußiſchen Miniſters für Kunſt, Wiſſenſchaft und Volksbildung
trurde ein Sohn unſerer Gemeinde, Herr Dipl.=Ing. Wilhelm Rein,
tchniſcher Leſter des Deutſchem Eiſenbau Verbandes in Berlin,
z im ordentlichen Profeſſor für der Lehrſtuhl Eiſenbau und Eiſenbeton=
kazu
und zum Mitglied der Fakultät für Bauweſen an der Techuiſchen
Ceoclſchule Breslau ernannt. Im Jahre 1880 als Sohn des Fabrit=
1ſitzers W. Rein zu Steinbach i. O. geboren, genoß Prof. Rein ſeine
Ausbildung an der Hochſſchule zu Darmſtadt, woſelbſt er im Jahre 1904
in Diplom=Examen ablegte. Rein wandte ſich nun in der Hauptſache
ter Bauinduſtrie zu und betätigte ſich vornehmlich im Brückenbau.
egen Ende des Krieges wurde R. die Leitung der Statiſchen Abtei=
lung
des Luftſchiffbaues Schitte=Lanz in Mannheim=Rheinau über=
tragen
. Durch ſeine hervorragenden Kenntniſſe war es ihm möglich,
Eur der Verbeſſerung und dein Ausbau der Schütte=Lanz=Luftſchiffe zu
Ssreigneten und brauchbaren Kriegswaffen weſentlich beizutragen. In
ter riätigen Erkenntnis der Fähigkeiten wurde bei der Gründung der
nzernationalen Studiengeſellſchuft zur Erforſchung der Arktis, mit
Tm Luftſchiff Prof. Nein durch Geheimrat Schitte zu deren Mitglied
lSrufen. Der Deutſche Eiſenbau=Verband beſetzte im Jahre 1919 die
Leitung ſeiner wiſſenſchaftlichen Verfuche und techniſchen Arbeiten durch
gerrn Prof. Rein. Hier bot ſich R. ein Arbeitsfeld, das ihm zur vollen
(entfaltung ſeines tiefgrundigen und vielfeitigen Wiſſens Gelegenheit
frab, ſo daß auch bald ſein Name ſowohl im Juland als auch im Aus=
lrnd
cinen beſonderen Ruf als Fachmann genoß. Als Schriftleiter
faoßer Fachzeitſchriften trat Rein in den letzten Jahren ebenfalls hervor
mid hat derſeibe durch große Vorträge, wiſſenſchaftliche Arbeiten und
4:eröffentlichungen wrtvolle Beiträge zur Löſung ſchrieriger Fragen
ſeines Fachgebietes geliefert. Wir freuen uns mit ſeiner hochbetagten
Mutter über die durch die Beuufung auf dieſen wichtigen Lehrſtuhl zum
A-usdruck gebrachte Anerkennung ſeiner Erfolge.
Ag. Lindenfels, 21. Sept. Zur Stadionanlage. Die gemein=
ame
Beſichtigung des Wieſen= und Feldgeländes unterhalb des hieſigen
Schwimmbades hat ſtattgefunden. Obwohl keine genauen Meſſungen
wvorgenommen wurden, läßt ſich jetzt ſchon ſoviel ſagen, daß, nachdem in
teen letzten Tagen das Stadion in Michelſtadt eingehend von den Inter=
iſenten
beſichtigt wurde, das ganze Gelände unterhalb des Schwimm=
hades
freigegeben werden muß. Ein muſtergültiges Stadion, wie es
lſier geſchaffen werden ſoll, bedingt einen großen, bewegungsfreien
Naum. Dank ſeiner ganz vorzüglichen Lage iſt der große Platz unter=
halb
des Schwimmbades als geeignet auserſehen. Der Turnverein will
der Bevölkerung und den Kurgäſten im Sommer und im Winter Ge=
legenheit
zu ſportlicher Betätigung aller Art geben. Die geſamte hie=
ſ
ge Anlage würde dann ein Schwimmbad für Schwimmer und Nicht=
ſhwimmer
, ein Luft=, Licht= und Sonnenbad, einen Kinderſpielplatz,
einen Ballſportplatz für Fußball, Fauſtball, Handball, Rugby, Plätze für
geichtathletik und eine Vierhundertmeterlaufbahn ſowie einen Tennis=
Mlatz umfaſſen. Die genze Ausführung, wie ſie hier gedacht iſt, braucht
(äinige Jahre Bauzeit, bis alles vollendet ſein wird. Wir können zur
Freude aller Intereſſenten mitteilen, daß ſich Herr Stadtbaumeiſter
Maier von Michelſtadt, der Erbauer des Stadions in Michelſtadt, gern
hereit erklärt hat, uns hier in Lindenfels mit Rat und Tat zu helfen.
Auch Herr Bürgermeiſter Nitzel, M.d.L., der kürzlich auch unſer Linden=
ſels
kennen lernte, wird demnächſt angegangen werden, uns hier einen
Vortrag zu halten. Nach den ganzen Erkundungen, die bisher einge=
wgen
wurden, ſteht feſt, daß die Gemeinde Lindenfels ſchon bei Errich=
wung
des Schwimmbades einen unverzeihlichen Fehler begangen hat.
Schon damals war es möglich, einen Staatszuſchuß in anſehnlicher
Söhe zu erhalten. Wir bemerken nur, daß Michelſtadt einige Zehn=
muſend
vom Staat erhalten hat. Und wenn hier nachgewieſen wird,
hier ein Werk zum größten Teil von Arbeitsloſen errichtet werden
wll, wobei mindeſtens 2000 Tagewerke erreicht werden können, iſt der
Staatszuſchuß ohne weiteres geſichert. Die Deutſche Turnerſchaft gibt
Cbenfalls Zuſchüſſe, deren Höhe noch nicht feſtſteht. Auch von dem Ver=
wrenen
Zuſchuß, der vom Gemeinderat ſchon Jahrelang nicht in An=
wruch
genommen worden iſt, wird diesmal ausgiebig Gebrauch gemacht
werden. Wer heute die wandernde Jugend beobachtet, wer heute ſieht,
wie ſich deutſcher Sport unaufhaltſam vorwärts bewegt, dem geht das
Serz auf!. Welche frohe Zuverſicht blitzt aus hellen Augen! Eine ſchö=
mere
Zukunft dämmert ferne empor! Genau ſo, wie der Verſchönerungs=
verein
, ſeine Schwimmanlage auf eigene Rechnung übernommen hat,
wird der Turnverein, ſeine Sportanlage übernehmen, wenn ſie fernig=
geſtellt
iſt. Die Gemeinde Lindenfels muß zunächſt Trägerin der An=
age
werden, damit die nötigen Zuſchüſſe erreicht werden. Die kleinen
Wieſenloſe, die dabei eingehen, ſollen erſetzt oder abgleöſt werden. Das
ſind jedoch alles Fragen zweiter Ordnung. Zur Zeit wird ein Bebau=
ingsblan
der geſamten Anlage bearbeitet. Nach Fertigſtellung wird

derſelbe der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat vorgelegt wer=
den
. Wie herrlich, wenn jetzt ein amerikaniſcher Stifter käme mit vollen
Beuteln zur Unterſtützung dieſer idealen Sache; dieſer Wohltäter könnte
ſich das beſte Denkmal ſetzen. Ein Friedhofsportal für zirka 10 000 Mk.
iſt ſchon geſtiftet. Und dieſer Deutſch=Amerikaner, der kürzlich wochen=
lang
hier weilte, das Deutſche Turnerfeſt in Köln beſuchte, ſelbſt früher
ein bedeutender Turnwart war, ſollte er uns nicht jetzt ſchon helfen
können? Friſch auf!
A. Ellenbach, 24. Sept. Motorradunfall. Beim Spielen
lief hier ein 10jähriger Knabe hinterrücks einem Motorradfahrer von
der Seite her ins Rad. Da der Fahrer ziemlich langſam fuhr, geſchah
glücklicherweiſe kein Unglück. Der Knabe wurde auf die eine und der
Motorradfahrer mit ſeinem Fahrzeug auf die andere Straßenſeite ge=
ſchleudert
. Es gab nur einige Niſſe in Nock und Hoſen und zerſchundene
Hände und Knie. Nach dieſem unfreiwilligen Zwiſchenfall und Aufent=
halt
konnte der Motorradfahrer ſeine Fahrt fortſetzen. Da auch der
Verkehr mit Autos und Motorrädern hier gerade durch unſer Tal immer
lebhafter wird, dürfte es ſich empfehlen, die Kinder beim Spielen von
den Hauptſtraßen fern zu balten.
Rimbach, 22. Sept. In den Tagen vom 15. bis 19. September
war die Heſſiſche Wander=Ausſtellung für Geſundheitspflege und ſoziale
Fürſorge dank der Bereitwilligkeit der Gemeinde=Verwaltung zur finan=
ziellen
Unterſtützung auch in Rimbachs Mauern eingekehrt, um die Be=
wohner
Rimbachs und ſeiner Umgebung zum Kampfe gegen die Volks=
ſeuchen
: Tubertuioſe, Geſchlechtskrankheiten und Alkoholismus mit dem
beſtgeeigneten zurzeit verfügbaren Rüſtzeug zu verſorgen. In dem
geräumigen Saale des Gaſthauſes Zum Weſchnitztal hatte das um=
fangreiche
, inſtruktive Bild= und Modellen=Material zur Aufſtellung Platz
gefunden. Unter ſachkundiger Leitung und Beratung des Ausſtellungs=
leiters
, Herrn Avemarie, war in Verbindung mit der Bürgermeiſterei,
dem Gemeinderate den Geſangvereinen Liederkranz und Vorwärts
der Turngenoſſenſchaft Nimbach und dem Kirchenchor ein umfaſſendes
Programm für die einzelnen Ausſtellungstagungen mit ihren entſprechen=
den
Referaten zuſtande gekommen. An jedem der vier Abende wurden
die zahlreich erſchienenen Beſucher aus berufenem Munde in leicht faß=
licher
Weiſe über die zur Zeit ſchlimmſten Volksſeuchen aufgeklärt und
durch Wort und Bild ſoweit als möglich unterwieſen, dieſe furchtbaren
Feinde des deutſchen Volkes tatkräftig und wirkungsvoll zu bekämpfen
und einzudämmen. Dankbarer, reicher Beifall lohnte jedesmal den be=
treffenden
Referenten. Voller Befriedigung konnte ſowohl der Aus=
ſtellungsleiter
als auch Herr Bürgermeiſter Schäfer mit herzlichen
Dankesworten, an alle, die ihre Kraft in den Dienſt der eölen, ſo ge=
meinnützigen
Sache geſtellt hatten, die Ausſtellung ſchließen, welche von
nahezu 1400 Erwachſenen und faſt 400 Schulkindern beſucht worden war.
Von Rimbach aus wurde dieſe lehrreiche, heilbringende Ausſtellung
nach Wald=Michelbach gebracht.
m. Vom ſüblichen Odenwald, 21. Sept. Neckartal= Sänger=
gau
. In Ober=Finkenbach hielt der Neckartal=Sängergau des Heſſiſchen
Sängerbundes ſeinen diesjährigen ordentlichen Sängertag ab. Vormit=
tags
berieten Gauvorſtand und Muſikausſchuß über die aktuellen Fragen,
hierbei hielt Herr Bundesſchatzmeiſter Bitter=Darmſtadt ein Referat
über den nächſtjährigen Liedertag, für den auch der Komponiſt Herr
K. Grim=Darmſtadt ſeine Mitwirkung in Ausſicht geſtellt hat. Den
Gauſängertag am Nachmittag eröffnete der Gauvorſitzende Herr Mer=
ſcher
=Neckarſteinach; beſonderen Gruß entbot er Herrn Bitter= Daru=
ſiadt
. Das Protokoll der letzten Gautagung, der vom Vorſitzenden er=
ſtattete
Jahresbericht und die Kaſſenprüfung wurden gutgeheißen. Was
am Vormittag über den nächſtjährigen Gauliedertag beraten und vor=
geſchlagen
wurde, fand den Beifall der Verſammelten; die Mitarbeit
des Herrn Grim=Darmſtadt wurde freudigſt begrüßt. Herr Merſcher
beſprach nun das im kommenden Jahre in Darmſtadt ſtattfindende
zweite Heſſiſche Bundesfeſt, deſſen Beſuch der Gau in Ausſicht nahm.
Die unter Vorſitz von Herrn Bitter vorgenommene Vorſtandswahl fand
raſche Erledigung, da man mit der Tätigkeit des ſeitherigen Vorſtandes
ſehr zufrieden war. Anſchließend folgte ein Vortrag des Herrn Bitter
über das 10. Deutſche Sängerbundesfeſt in Wien. Redner hoffte, daß
auch das nächſtjährige Heſſiſche Sängerbundesfeſt ähnliche Eindrücke
hinterlaſſen möge wie das Feſt in Wien. Am Schluß der Tagung er=
nannte
der Gau Herrn Bitter zu ſeinem Ehrenmitglied als Anerken=
nung
der Verdienſte, die derſelbe ſich um den Neckartal=Sängergau er=
worben
hat. Dem Geehrten wurde eine ſilberne Ehrenplakette des
Gaues überreicht. Die Gauvereine Gammelsbach, Ober=Finkenbach und
Ober=Hainbrunn trugen Chöre vor und verſchönten ſo das Beiſammen=
ſein
noch weſentlich.
W. Heppenheim a. d. B., B3. Sept. Autounfall. Ein in der
Richtung LorſchHeppenhein kommender Laſtwagen wollte einen zwei=
ten
überholen, geriet aber dabei zu weit nach rechts und blieb mit der
Karoſſerie an einem Obſtbaum hängen. Die rechte und hintere Wand
des Wagens wurden abgeriſſen und der im Wagen befindliche Zucker
auf die Straße geſtreut. Perſonen wurden keine verletzt. Die
Trauben. Die Trauben enzwickeln ſich in der Reife verhältnismäßig
ſehr ſchnell. Sie ſind geſund wie ſeit Jahren nicht mehr. Die Blatt=
fallkrankheit
tritt nur ſelten auf auch der Sauerwumm iſt nicht allzu
häufig und kann durch die gute Witterung keinen großen Schaden mehr
anrichten. Die Weißweintraubenernte fällt im allgemeinen befriedi=
gend
aus. Man rechnet wegen der bedeutenden Wetterſchäden jedoch
nur mit einem halben Herbſt. Beſonders gut iſt der Behang der Ries=
Uinganlagen. Den Beginn der Weinleſe will man ſolange wie möglich
hinausziehen, um gute Onalität zu erzielen. Im benachbarten Ham=
bach
haben die dortigen drei Winzergenoſſenſchaften den Beginn des
Portugi=ſerherbſtes auf Montag, den 24. September, feſtgeſetzt.
Bu. Hirſchhorn, 21. Sept. Schwarzwaldwanderung des
Odenwaldklubs Hirſchhorn, 23 Wanderer und Wanderinnen
fanden ſich am vergangenen Samstag um 14.15 Uhr am Bahnhof ein
zur programmäßigen 2tägigen Septemberwanderung in den Schwarz=
wald
. Nach Ankunft in Baden=Baden traf die Wanderſchar, entlang
der Badeanlagen und der Lichtertaler Allee, gegen 7 Uhr in Lichtental
ein, wo in den Hotels Zum goldenen Kreuz und Zum goldenen
Löwen übernachtet wurde, nachdem man vorher einige vergnügte
Stunden verbracht hatte. Am Sonntag vormittag um 8 Uhr verſammel=
ten
ſich die Teilnehmer zum Abmarſch zur eigentlichen Wanderung, für
die als Endziel des erſten Tages die Hornisgrinde vorgeſehen war.
Nach kurzer Wanderung ging es entlang der Geroldsauer Waſſerfälle,
vorbei an der Bühler Höhe, nach dem 885 Meter über dem Meer ge=
legenen
Kurhaus Sand, wo in der dortigen Reſtauration die erſte län=
gere
Ruhepauſe eingeſchaltet wurde. Nach etwa einſtündigem Aufenthalt
ging es weiter, über Kurhaus Wundseck. Unterſtmatt, und man ge=
langte
gegen halb 5 Uhr am Endziel des erſten Tages, Hornisgrinde,
1166 Meter über dem Meere, an, wo man in gemütlichem Beiſammen=
ſein
die Abendſtunden verbrachte. Am letzten Tage, Montag, wurde
der Abmarſch etwas ſpäter angeſetzt, und erſt gegen halb 10 Uhr ver=
ließen
die Wanderer die gaſtliche Hornisgrinde‟. Der durch ſeine idyl=
liſche
und romantiſche Lage bekannte Mummelſee mit ſeinen herrlichen
Kurhausanlagen war in knapp einer halben Stunde erreicht. Nach
kurzem Aufenthalt ging es weiter bergab und bergauf, an der herrlich
gelegenen Darmſtädter Hütte vorbei, bis man gegen Mittag an dem
Kurhaus Ruheſtein an der badiſch=württembergiſchen Grenze, auf
württembergiſchen Gebiet gelegen, anlangte. Hier gab’s Mittagsraſt.
Da diejenigen Wanderinnen und Wanderer, deren Zeit nur auf zwei
Tage bemeſſen war, von hier aus gegen halb 2 Uhr den Weitermarſch,
der Heimat entgegen, antrat, trennte man ſich von den übrigen Wan=
derfreunden
, die ihre Wanderung noch mehrere Tage fortſetzten. Nach
ungefähr 2ſtündigem Marſch trafen die Heimkehrer an der Kleinbahn=
ſtation
Ottenhöfen ein, von wo aus mittelſt Kleinbahn durch das Acher=
tal
die Station Achern erreicht wurde. Hier trat man nun die Weiter=
reiſe
an und traf über Mannheim, Heidelberg, in der Heimatſtation
Hirſchhorn ein mit dem Bewußtſein, herrliche und gemütliche Stunden
verlebt und eine prachtvolle romantiſche Gegend geſehen zu haben.
Hirſchhorn, 94. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
22. Sept.: 0,47 Meter; am B. Sept.: 0,46 Meter; am 24. Sept.: 0.38
Meter.
* Gernsheim, 24. Sept. Waſſerſtand des Rheins am
22. Sept.: 0,54 Meter; am B. Sept.: 0,56 Meter; am 94. Sept.:
0,66 Meter.

Studium des landwirtſchaſtlichen Genoſſen=
ſchaftsweſens
an der Heſſiſchen Landes=
univerſität
in Gießen.
Bei den Maßnahmen zur Beſſerung der Lage der deutſchen
Landwirtſchaft ſtehen die Beſtrebungen zur Verbeſſerung der Abſatz=
verhältniſſe
an erſter Stelle. Die landwirtſchaftliche Praxis als auch
die Landwirtſchaftswiſſenſchaft haben ihr Hauptaugenmerk bisher in
erſter Linie auf die Förderung der Produktion gerichtet und die Fragen
des Abſatzes nicht gebührend berückſichtigt. Die veränderten Preis=
und Marktverhältniſſe und die geſunkene Kaufkraft der Bevölkerung in
der Nachkriegszeit verlangen für die Zukunft eine vermehrte Berück=
ſichtigung
des Abſatzproblems ſowohl im Studium als auch im prak=
tiſchen
Leben. Dieſe Erkenntnis und die Tatſache, daß gegenwärtig ein
Mangel an genügend vorgebildeten Diplomlandwirten beſteht, die in
erſter Linie berufen ſind, an der Beſſerung der Abſatzverhältniſſe mit=
zuwirken
, hat zu dem Entſchluß geführt, mit dem kommenden Winter=
ſemeſter
an der Univerſität in Gießen einen Studiengang für das land=
wirtſchaftliche
Genoſſenſchaftsweſen neu einzuführen. An Vorleſungen
ſind in Ausſicht genommen: Genoſſenſchaftsweſen, Genoſſenſchaftsrecht,
Genoſſenſchaftliche Finanzierungsfragen, Geld und Kredit, Markt und
Konjunkturlehre, Einrichtung und Geſchäftsführung von landwirtſchaft=
lichen
Genoſſenſchaften, ausgewählte Kapitel aus der genoſſenſchaftlichen
Praxis, Agrarweſen und Agrarpolitik einſchließlich Produktions=
und Preisſtatiſtik), das Abſatzproblem in der Landwirtſchaft
Marktbeobachtung, Standirdiſierung und Qualitätserzeugung
Landwirtſchaftliche. Handelskunde, Genoſſenſchaftsſeminare mit
Lehrausflüigen. Die Einführung einer Zuſatzprüfung
im lindwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsweſen, iſt in Ausſicht genom=
men
. Außer Studierenden können an den Vorleſungen als Hörer auch
Genoſſenſchaftsbeamte, Rechner ſowie Vorſtands= und Aufſichtsratsmit=
glieder
teilnehmen. Nähere Auskünfte über den Studiengang, Beginn
der Vorleſungen uſw. erteilt das Sekretariat der Heſſiſchen Landes=
univerſität
in Gießen.
Bn. Hirſchhorn, 24. Sept. Steinbruch=Unfall. In dem
am ſogenannten Hungerberg bei Hirſchhorn gelegenen Sandſteinbruch
des Steinbruchpächters Gg. Wilhelm Emmerich 2. zu Kortelshütte ſtürzte
am Samstag vormittag der Steinbrecher Peter Schwöbel aus Kortels=
hütte
ab. Glücklicherweiſe fiel er nicht aus beträchtlicher Höhe, und er
ſcheint mit Verletzungen am Kopf davongekommen zu ſein. Er wurde
durch die zugezogene Aerztin Frl. Dr. E. Fritzſch mittels deren Auto
nach dem St. Bonifatiuskrankenhaus zu Hirſchhorn verbracht.
D. Klein=Rohrheim, 24. Sept. Brand einer Scheune. Vor=
geſtern
abend gegen 9 Uhr ertönte Feueralarm in unſerem ſonſt ſo
ſtillen Ort und brachte im Nu die geſamte Bevölkerung auf die Beine.
Im Anweſen des Landwirts und Gemeinderats Seb. Müller war auf
bis jetzt noch unaufgeklärte Weiſe Feuer ausgebrochen und ſtand die
Scheune, ehe überhaupt Feueralarm ertönte, in hellen Flammen. Das
Kind eines benachbarten Lehrers hatte das Feuer zuerſt bemerkt. Die
geſamte Einwohnerſchaft, vereint mit der hieſigen Wehr, gab ſich die
beſte Mühe, das Feuer auf ſeinen Herd zu beſchränken, und es gelang
auch, das ſehr bedrohte Wohnhaus zu retten. Nach wenigen Minuten
trafen auch die Feuerwehren von Gernsheim und Groß=Rohrheim hier
ein und halfen mit am Rettungswerk. Es war zwar kein direkter
Waſſeruangel, jedoch machte ſich das Fehlen von Hydranten immerhin
bemerkbar. Vorzügliche Arbeit leiſtete die Motorſpritze des Anweſens
Delp, die ſofort am Brandherd erſchien. Wie eine rieſige Fackel leuch=
tete
die bis unter den Dachfirſt mit Heu und Stroh vollgepfropfte
lichterloh brennende Scheune, und das Feuer war in der dunklen Nacht
kilometerweit ſichtbar. Schaurig brüllte das Vieh im Stalle, der in die
Scheune eingebaut war, dazu miſchte ſich das ängſtliche Wiehern der
Pferde. Nur mit knapper Not konnte man das Vieh dem verheerenden
Elemente entreißen. Von der Scheune ſelbſt iſt kein Balken und Spar=
ren
mehr übriggeblieben, nur die Umfaſſungsmauern ragen öde zum
Himmel. Seit faſt 100 Jahren iſt dies der erſte Brand in unſerem
Dorfe und rief derſelbe begreiflicherweiſe große Aufregung hervor. Zum
Glück war ſchon vor einiger Zeit gedroſchen worden und ſoll, wie ver=
lautet
, der Beſitzer auch gegen Feuergefahr verſichert ſein.
z. Offenbach, 24. Sept. Der Kampf um den evangeli=
ſchen
Rektor. Der Schulausſchuß der ebangeliſchen Geſamtgemeinde
faßte folgende Entſchließung: An den hieſigen Volksſchulen ſind näch=
ſtens
zwei Rektorſtellen, darunter eine evangeliſche, zu beſetzen. Nach
dem heſſiſchen Schulgeſetz iſt bei der Beſetzung der Lehrerſtellen auf das
Bekenntnis der Schüler weſentlich Rückſicht zu nehmen, und es iſt kein
Grund vorhanden, bei Beſetzung von Rektorſtellen von dieſem rechtlich
fundierten Brauch abzuweichen, zumal die oberſte Schulbehörde bei Be=
ſetzung
der letzten drei katholiſchen Schulratsſtellen deutlich zum Aus=
druck
gebracht hat, daß ſie die Einhaltung der Parität auch bei Schul=
aufſichtsſtellen
für recht hält. Wenn der Lehrerausſchuß nun am 17. Sep=
tember
mit allen gegen drei Stimmen beſchloſſen hat, bei ſeinen Vor=
ſchlägen
zur Beſetzung der obengenannten Nektorſtellen auf das Be=
kenntnis
der Bewerber keine Rückſicht zu nehmen, ſo hat er ſich in
Widerſpruch zu dem von der oberſten Schulbehörde gehandhabten
Brauch geſetzt. Wenn er unter ſeinen Vorſchlägen einen freireligiöſen
Lehrer aufgenommen hat, ſo erblicken wir darin den Verſuch, die evan=
geliſche
Lehrerſchaft um eine Beförderungsſtelle zu kürzen. Wir erh. ben
ſchon heute gegen den Beſchluß des Lehrerausſchuſſes und alle weiteren
Verſuche, dem evangeliſchen Volksteil, eine Rektorſtelle zu entwinden,
den allerentſchiedenſten Widerſpruch und fordern die evangeliſche Ge=
ſamtgemeinde
auf, unſeren Einſpruch mit allen Mitteln zu unterſtützen.
Lpd. Offenbach a. M., 24. Sept. Ein ſchreckliches Unglück ereignete
ſich am Sonntag nachmittag in der Nähe von Bieber. Von einem ſtädti=
ſchen
Autobus wurde dort ein ſtark betrunkener Mann, der über die
Straße torkelte, erfaßt und totgefahven. Bei der gräßlich verſtümmelten
Leiche war eine Feſtſtellung der Perſonalien nicht gleich möglich. Erſt in
den Mittagsſtunden des Montags iſt die Perſönlichkeit des Toten feſtge=
ſtellt
worden. Es handelt ſich um den 38jährigen Arbeiter Andreas
Albert aus Offenbach a. M.
UI. Nieder=Ingelheim, 24. Sept. Im Alter von 72 Jahren verſtarb
hier der frühere Vorſteher des hieſigen Poſtamts, Herr Poſtmeiſter i. R.
Wilhelm Andres. Der Verſtorbene hat ſich als Gründer des
hieſigen Obſtmarktes, des älteſten im nördlichen Rheinheſſen, wie auch
als Obſtzüchter beſondere Verdienſte um die Gemeinde erworben. Der
Aufſchwung, den der Obſtbau, heute ein Hauptzweig der Landwirtſchaft
im Ingelheimer Grund, in den letzten Jahren genommen hat, iſt nicht
zuletzt der unermüdlichen Arbeit des Verſtorbenen zu verdanken. Herr
Andres gehörte auch einige Jahre dem Gemeinderate als Mitglied an.
In der letzten Gemeinderatsſitzung nahm Herr Bürger=
meiſter
Muntermann Veranlaſſung, in ehrenden Worten des verſtor=
benen
Herrn Poſtmeiſters i. R. Andres zu gedenken. Die weitere
Tagesordnung umfaßte Konzeſſionsgeſuche und Vergebungen von Bau=
arbeiten
. Die Neuregelung der Gehälter der Gemeindebeamten wurde
nach dem vorliegenden Vorſchlag genehmigt. Weiter wurde beſchloſſen,
den iſrgelitiſchen Friedhof an der Saalſtraße, der vor Jahrhunderten
innerhalb der alten Kaiſerpfalz angelegt wurde und heute als hiſtoriſche
Stätte gilt, in Verwahrung der Gemeinde zu übernehmen. Der Platz,
der ſeither einen ziemlich verwahrloſten Eindruck macht, ſoll wieder
einigermaßen inſtandgeſetzt werden. Die Strenge, mit der in der
letzten Zeit die Beſtimmungen über den 7=Uhr=Ladenſchluß ſei=
tens
der Aufſichtsorgane durchgeführt wird, hat einen Proteſtſturm der
betroffenen Ladenbeſitzer zur Folge gehabt. In ſeiner letzten Sitzung
befaßte ſich auch der Gewerbeverein Ingelheim mit der Angelegenheit.
Es wurde beſchloſſen, die Kreiſe der Bevölkerung (Landwirte, Arbeiter
uſw.), die vor 7 Uhr infolge ihres Berufs nur ſchwer ihre Einkäufe be=
ſorgen
können, mobil zu machen, damit die Regierung nicht glaube,
daß nur die Ladenbeſitzer ein Intereſſe an einem ſpäteren Ladenſchluß
hätten. Man will Unterſchriften ſammeln, die dartun ſollen, daß ein
großer Teil der Bevölkerung die Möglichkeit haben will, noch am ſpäte=
ren
Abend einkaufen zu können.

AamA Noh lad VelmelLTeKAAS T

(TV.13781

SUNLICHT GES. MANNHEIM.

z290

[ ][  ][ ]

Tagung des beſſiſchen Chordirigenten=
verbandes
in Mainz.
* Am 22. und 23. September fand in Mainz die erſte Tagung des
im Jahre 1927 gegründeten Heſſiſchen Chordirigentenverbandes ſtatt.
Ueber 100 Teilnehmer aus allen Teilen Heſſens hatten ſich eingefunden,
um in Arbeit und Frohſinn die gewonnene Einheit zu feſtigen. Ein=
geleitet
wurde der Verbandstag durch eine Akademiſche Feier im
Stadtſaal, bei der verſchiedene muſikaliſche Darbietungen, die einleiten=
den
Vorträge ſowie die Begrüßungsanſprachen der Behörden umrahm=
ten
. Nach einer Anſprache des Verbandsvorſitzenden Simrock= Offen=
bach
wurden Grüße im Namen der Stadt Mainz von Bürgermeiſter
Hiemenz überbracht. Wichtig und intereſſant war auch, was Herr
Hauptſchriftleiter Geis=Frankfurt a. M. zu dem Thema Zweck und
Ziele des Verbandes zu ſagen hatte. Am Nachmittag wurde im Büh=
nenſaal
der Stadthalle die erſte Hauptverſammlung eröffnet, die vor
allem die Wahl des Vorſtandes ſowie einige Aenderungen an den bis=
herigen
Satzungen des Verbandes vornahm. Als Verbandsorgan wurde
die großdeutſche Dirigenten= und Sängerzeitung erwählt. Am Abend
traf man ſich zu einem Rheiniſchen Abend wieder im Rhein=
goldſaal
der Stadthalle. Der erſte Vorſitzende der dieſigen Ortsgruppe,
Lehrer Uihlein begrüßte die Gäſte mit freundlichen Worten. R.=A.
Dr. Reen=Mainz überbrachte die Grüße und Glückwünſche des Vor=
ſitzenden
des Heſſiſchen Sängerbundes. Der Abend wurde verſchönt

durch Violinvorträge, Flötenſpiele, Tänze und Klaviervorträge verſchie=
dener
Soliſten ſowie durch Chorlieder und Muſikſtücke des Mainzer
Konzertorcheſters. Der Sonntag vormittag brachte im Rheingold=
Saale Vorträge des Muſikdirektors K. Werner=Frankfurt a. M.,
des Profeſſors Dr. Noack=Darmſtadt und eine Chorgeſangsſtunde des
Lehrerſängerchors unter Leitung des Kapellmeiſters Naumann. Eine
Schubert=Gedächtnis=Feier
beſchloß die Tagung.
Der Gau Mainz=Stadt (Mainzer Sängerſchaft) des Heſſiſchen Sän=
gerbundes
veranſtaltete am Sonntag nachmittag im großen Saale der
Stadthalle ſeinen erſten Liedertag im Gedenken an Franz Schubert. Die
Feier wurde eröffnet durch die Mainzer Sängerſchaft mit dem deutſchen
Sängergruß: Gr. Gott mit hellem Klang unter Leitung des Kon=
zertmeiſtersStauffer
. Hierauf hielt der Bundesvorſitzende Miniſte=
rialrat
Dr. Siegert=Darmſtadt die Gedächtnisrede auf Schubert und
ſein Wirken. Hierauf gelangten durch die Geſangvereine Männer=
quartett
Waldluft (Dirigent H. Schilp), Einigkeit (Dirigent Uih=
lein
), Scherffiusſcher Männerchor (Dir. Scherffius), Frauenlob (Dir.
Stauffer), Liederkranz (Dir. Dr. Ullmer), Harmonie 1926 (Dir.
Geſſer), Liederzweig (Dir. Kellerſch), Geſangsabteilung der Bäcker=
Innung (Dir. Lehrer F. Balbach), Liederkranz=Koſtheim (Dir. Breit=
mann
), Quartett Frauenlob (Dir. Arnold), Sängerkreis, Mainzer
Doppelquartett, Quartett Moguntia (Dir. Grölls), Männergeſang=
verein
(Dir. König), Wolfſche Vereinigung (Dir. Wolf), Lehrerſänger=
chor
(Dir. Naumann) und Sängerbund (Dir. Gläſer) Schubertchöre

in chronologiſcher Reihenfolge zur Aufführung. Die Chöre fanden au,
gemeinen Beifall. Als Soliſt wirkte beim Lehrerſängerchor der belieht=
Opernſänger vom Mainzer Stadttheater Hans Hoefflin unfen
beſtem Gelingen mit. Bürgermeiſter Hiemenz war als Vertreten
der Stadt Mainz erſchienen. Der Liedertag wies einen guten Beſug
auf.
u. Gießen, 24. Sept. Die feierliche Ueberreichung von
345 Meiſterbriefen an die Jungmeiſter aus Oberheſſen und den
angrenzenden preußiſchen Gebieten fand geſtern im Feſtſaal des Kaffees
Leib im Beiſein der Behördenvertreter und Vertreter des Handwerks
und Gewerbes ſtatt. Der Direktor der hieſigen Gewerbe= und Maſchi=
nenbauſchule
, Schulrat Dr. Bünnings, betonte, daß trotz hoher Anfor=
derungen
die Ergebniſſe der diesjährigen Meiſterprüfung recht zufrie=
denſtellend
ſeien. Unter den Jungmeiſtern befanden ſich 39 Schreiner
31 Bäcker, 32 Weißbinder, Maler und Anſtreicher, 28 Schuhmacher. g
Elektro=Inſtallateure, 24 Maurer, 19 Wagner, 16 Schneider, 17 Metzger
13 Friſeure, 12 Schneiderinnen u. Weißzeugnäherinnen. Glückwünſche der
Behörden und Fachvereine überbachten: für die Handwerkskammer Bau=
unternehmer
Becker, für die Heſſiſhe Handwerkskammer. Direkton
Schnittler=Darmſtadt, für die Heſſiſche Regierung Ober=Regierungsrat
Heß, für die Stadt Gießen Beigeordneter Dr. Harm, für den Gewerhe=
verein
Prof. Dr. Krausmüller=Gießen, für die Handwerkskammer= Neben=
ſtelle
Friedberg=Büdingen=Schotten Dr. Reif=Friedberg, für die Neben=
telle
Gießen=Alsfeld=Lauterbach Röhr=Gießen. Den Dank der Jung=
meiſter
ſprach Schriftſetzermeiſter P. Chr. Klein=Gießen aus.

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Jauban
dergest
Salatöle
hand,

Alm

[ ][  ][ ]

Mummer 267

Dienstag, den 25. September 1923

Seite 9

ürcione Dandmiaſttogge m Mnetib.
dras Theater Novedades ein Raub der Flammen. Große Panik unter den
deeſuchern. Mehrere hundert Tote und Schwerverletzte. Ein ganzer
Häuſerblock niedergebrannt.
Die Beſtie Menſch.
Tragiſche Szenen.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 25. Sept. 12.30: Kaſſel: Konzert des Funkorch.
15.55: Hausfrauendienſt. 0 16.35: Funkorch.: Opernmuſik. Mitw.:

Grete Krüger (Sopran). 0 18.10: Aus Maler Nolten von Mörike.
2 18.30: Kaſſel: Ratſchläge für Mutter und Kind. O 18.45: Kaſſel:
Dr. Brauer: Ernährungsprobleme. O 19.15: Dr. Strohecker: Die
Schädlinge unſerer Lebensmittelvorräte. o 19.45: Sterographie.
O 20.15: Jagd=Abend. Weilert: St. Hubertus, Marſch für Wald=
hörner
und Orcheſter. Einl. Worte. Jagdlieder. Ernſtes

dmnderte von Theaterbeſuchern wurden zu
Boden geriſſen und erſiickten.
Madrid, 24. September.
Geſtern abend ereignete ſich hier ein Theaterbrand, der in
vem Ausmaß an die Kataſtrophen von Chikago und Paris in
r Vorkriegszeit erinnert. Das Theater Novedades wurde durch
n roßfeuer vollſtändig zerſtört. Der Brand ereignete ſich wäh=
no
der Vorſtellung. Das Thcater kann 3000 Zuſchauer faſſen
nd. war bis faſt auf den letzten Platz gefüllt, da gegenwärtig ein
ſctllager geſpielt wird. Es umfaßt ſechs Stockwerke. Kurz vor
führ entſtand auf der Bühne ein Brand, der zunächſt nur gerin=
in
. Umfang hatte. Um das Publikum zu beruhigen, ſpielte das
ſncheſter einen Marſch. Plötzlich aber gewann das Feuer an Aus=
hriung
und ergriff in kurzer Zeit den ganzen Theaterbau, der
ſuy. Flammen reichlich Nahrung bot, da das Gebäude ganz aus
ſols gebaut iſt. Es entſtand eine furchtbare Panik unter den Zu=
ſeutern
, die alle den wenigen Ausgängen zuſtrebten. Dabei wur=
In, Hunderte von Zuſchauern buchſtäblich zu Tode gedrückt.
ſille der Theaterbeſucher erſtickten, bevor ſie überhaupt ins Freie
llrngen konnten. Spät abends wurde mitgeteilt, daß die Zahl
Toten auf 500 geſchätzt werde. Unter denjenigen, die ins Freie
ſlrngen konnten, zählt man außerdem 232 Verletzte, darunter
Schwerverletzte. Drei der Verletzten ſind mittlerweile geſtorben.
ſpuno de Rivera und ſämtliche Miniſter begaben ſich ſofort nach
ſu Schauplatz der Kataſtrophe. Alle Automobile in weiter Um=
hrung
wurden requiriert, um die Verwundeten und Toten zu
ansportieren. Nicht nur das Theater wurde durch das Feuer
lſtändig zerſtört, ſondern der ganze Häuſerblock. Das Feuer
wann um ſo mehr an Ausdehnung, als der Häuſerblock durch=
ſex
aus alten Holzhäuſern beſtand. Das Theater Novedados
ect in einem der am dichteſten bevölkerten Viertel von Madrid
wer Nähe der Zentralhallen.
Einzelheiten des Theaterbrandes.
Ueber den Rieſentheaterbrand in Madrid werden nunmehr
vS folgende Einzelheiten bekannt: Gegen Ende der letzten
ſa iſe ſprang plötzlich eine große Flamme von der Bühne in den
ſu chauerraum über. Die Flammen verbreiteten ſich mit unge=
eierer
Schnelligkeit. In wenigen Augenblicken brannten die
iten hölzernen Einrichtungsgegenſtände. Die Zuſchauer, die den
h=aterraum bis auf den letzten Platz füllten, erſtürmten die alten
n ureichenden Ausgänge, wobei zahlreiche Perſonen zu Boden
eniſſen wurden. Das Orcheſter machte einen Verſuch, durch Muſik
ſe Ruhe wiederherzuſtellen, aber vergebens. Außer der Feuer=
ſeor
beteiligten ſich alle verfügbaren Polizeimannſchaften und ein
ſeniment Infanterie an den Rettungsarbeiten. Die Feuerwehr
enſuchte, den Brand auf ſeinen Herd zu beſchränken, war aber
4chtlos.

Die Löſcharbeiten mußten ſich im weſentlichen darauf konzen=
trieren
, die Flammen, die auf die Gebäude in der Umgebung
des Theaters übergriffen, zu erſticken. Die genaue Feſtſtellung
der Zahl der Opfer wird erſt im Laufe des heutigen Tages mög=
lich
ſein, da faſt bei ſämtlichen Rettungsſtellen in Madrid im
Laufe der Nacht Verwundete eingeliefert worden ſind. Augen=
zeugen
berichten, daß, als der Theaterſaal bereits ein einziger
Brandherd war, noch etwa 30 Perſonen in Flammen gehüllt ſich
zwiſchen den Sitzreihen den Weg zum Ausgang zu erkämpfen
ſuchten. Von den zahlreichen furchtbaren Epiſoden, die ſich wäh=
rend
der Panik abſpielten, wird der Fall eines Zuſchauers her=
vorgehoben
, der unzählige Verletzungen erlitt, weil er ſtürzte und
Hunderte von flüchtenden Zuſchauern über ihn hinwegſtrömten.
Ohne ſich um ſeinen eigenen beſorgniserregenden Zuſtand zu
kümmern, erkundigte er ſich bei ſeiner Rettung in höchſter Beſorg=
nis
nach ſeiner Frau und ſeinen fünf Kindern, mit denen er ins
Theater gegangen war, weil ſeine Frau gerade ihren Namenstag
feierte. Aehnliche tragiſche Szenen haben ſich in großer Zahl ab=
geſpielt
. Miniſterpräſident Primo de Rivera hat im Laufe der
Nacht noch einmal den Brandplatz aufgeſucht. Er wies auf die
Notwendigkeit hin, Maßnahmen zu treffen, die ähnlichen Kata=
ſtrophen
für die Zukunft vorbeugen. Es ſind Pioniere heran=
gezogen
worden, die große elektriſche Scheinwerfer am Schauplatz
der Kataſtrophe aufſtellen, da die Gas= und die elektriſche Be=
leuchtung
infolge des Brandes abgeſchnitten ſind. Die Gerichts=
behörde
begann mit der
Unterſuchung der Brand=Kataſtrophe.
Auf einem Treppenabſatz fand man ungefähr 25 Leichen aufein=
andergehäuft
. Die in verſchiedenen Teilen des Theaters herr=
ſchende
Dunkelheit zwingt die Beamten, ſich der Fackeln zu bedie=
nen
, was die genaue Feſtſtellung der Leichen verhindert, die ſich
auf den Treppen und den Gängen befinden. Während das Par=
kett
nur eine beſchränkte Anzahl von Toten umfaſſen ſoll, ſind
dieſe in den oberen Rängen, zu denen man noch keinen Zugang
hat, recht zahlreich. Die Zahl der Verwundeten, von denen die
meiſten ſchwer verletzt ſind, ſoll ſich nach anderen Mitteilungen
auf 300 ſtellen. Ueber die mutmaßliche Urſache des Brandes mel=
det
die B. Z. aus Madrid folgendes: Die Vorſtellung brachte
ein luſtiges Singſpiel. In einem Akt traten Tänzerinnen auf, die
bei verdunkelter Bühne mit durch Glühbirnen verzierter Stäben
tanzten. Vielleicht war dieſe elektriſche Einrichtung ſchlecht kon=
ſtruiert
, denn die Kataſtrophe entſtand durch Kurzſchluß. Plötzlich
zuckten Fünkchen an den elektriſchen Stäben entlang, und mit
einem Male zerplatzten alle Glühlampen, ſo daß im Hauſe völlige
Dunkelheit eintrat. In dieſem Augenblick ſchlugen auch helle
Flammen aus den Umkleideräumen der Tänzerinnen. Im Nu
fingen die Kuliſſen Feuer, und dichter Rauch verhüllte die Bühne,
über die in raſender Eile Schaufpieler und Arbeiter flüchteten.
Der leichte Vorhang fing ebenfalls ſofort Feuer und fiel bren=
nend
in den Zuſchauerraum. Ein eiſerner Vorhang war nicht
vorhanden (!).

Vortrag) Kammerſänger Gläſer Tenor). O 21.45: Franifurter
Lokal=Dichtung. Eine Stunde alte Bekannte. Lone Obermeyer
und Hans Nerking, beide vom Frankf. Schauſpiel.
Stuttgart.
Dienstag, 25. Sept. 10.30: Schallplatten. O 15.45: Fräulein
L. Lampert: Was kann man in der Stuttgarter Mütterſchule
lernen? o 16.15: Konzert. Mitw.: Hedel Heß, Funkorch. 6 18.15:
C. Mayer, Kirchheim=Teck: Aus der Geſchichte des deutſchen Schützen=
weſens
. o 18.45: Prof. Wunderlich: Albrecht Penk zum 70. Ge=
burtstag
. 8 19.15: Prof. Kapff. Pirmaſens: Ein deutſcher Ordens=
geiſtlicher
als Koloniſator m Südamerika. 0 20: Um Friedrich II.
König von Preußen (17121786). Was ſagen die Freunde die
Feinde die Außenſtehenden und der Volksmund. Mitw.: Fran=
Konrad, Hoefert, Berlin. Philharm. Orch. Stuttgart. Anſchl.:
Unterhaltungskonzertübertr.
Berlin.
Dienstag, 25. Sept. 10: Hauptverſammlung des Städtetages,
(Uebertr. aus Breslau.) 6 12.30: Viertelſtunde für den Landwirt.
16: Dr. Wegner: Wettercharaktere im Herbſt und Winter,
6 16.30: Stunde mit Büchern. 17: Kapelle Rooßz. Wallace:
Ouv. Maritana. Godard: Auf dem See. Brogi: Arietta
all antica. Delibes: Fant. Coppelia. Brunetti: Romanze
ohne Worte Ryder: Bolero. Lehar: Potp. Zarewitſch.
Schubert: Wiegenlied. Goſſec: Gavotte. Stolz: Wien wird
bei Nacht erſt ſchön. Ilona, Potp. ung. Volkslieder. 0 19: H.
Wrede: Wirtſchaftsförderung durch Beleuchtungswettbewerbe. 0 19.255
Prof. Weil: Jeruſalem. O 19.55: Prof. Reichenbach: Das Prinzip
der Vermehrung der Entropie. O 20.30: Paracelſus. Einleitung=
Dr. Döblin. Leſeproben: P. Bildt. 0 21.15: Brahms: Trio C=dur,
op. 87. Beethoven: Variationen über Ich bm der Schneider
Kakadu aus. Die Schweſtern von Prag,
Stettit. 20.30: Romaniſcher Abend. Einf.: Chefredakteur Darius.
Mitw.: Konzertorch., Dr. phil. Eliſabeth Falkenberg (Klavier)
Maryela Baumann (Rezitat.), Kurt Bautz (Violine), Gerda Schmitt
(Sopran).
Deutſche Welle. Dienstag, 25. Sept. 10: Hauptverſammlung
des Städtetages in Breslau: Anſprache des Reichskanzlers Müller.
Reden der Miniſter Severing und Erzeſinſki. Vortrag Dr. Mulert,
Präſident des Deutſchen Städtetages: Reichsaufbau und Verwaltungs=
reform
. Franzöſiſch für Schüler. O 12.25: Rektor Karſelt:
Praktiſches Rechnen. o 12.55: Nauener Zeit. o 13.30: Neueſte
Nachrichten. o 14.30: Kinderſtunde. E. Dreckſler: Wie baue ich mir
ein Rundfunkempfangsgerät? o 15.35: Wetter und Börſe. 6 16:
Dr. Klopfer: Erziehungsberatung. 6 16.30: Alois Melichar: Ein=
führung
in die moderne Muſik: Bela Bartok. o 17: Leipzig:
Nachmittagskonzert. o 18: Dr. Neſtriepke: Das Volkstheater einſt
und jetzt. O 18.30: Franzöſiſch für Anfänger. 0 18.55: Dr. Kaphahn:
Moderne Volksbildungsfragen. 19.20: Dr. Karl Hagemann: Der
Herrenfahrer. 0 20.15: Frankfurt a. M.: Jagd=Abend. St. Hubertus,
Marſch für Waldhörner und Orch. Einl. Worte. Jagdlieder.
Ernſtes und Heiteres von der Jagd. Alte Hornſignale der
Heſſ. Jägerei. Hirſchbrunſt und Blattzeit Vortrag. Jagdlieder!
Sinfonie Auf dem Anſtand (Nr. 31) von Haydn. Ausf.3
Prof. Zimmer (Vortrag), John Gläer (Tenor), Funkorch.
Mf
Verantwortich für Polltit und Wirtſchaft: Rudolſ Mauve; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. cugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreat Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Neite; für den Inſeraientell: Willv Kuble; Drus
und Verlag: L. C. Wiitich ſämtlich in Darmſſadt
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Das
kästleig
Bchmuek
der deutschen Frau, die Küche, kann nicht reiner sein als die
weissgeizachelten Räume und nickc.. den LLstianen der grossen
Blauband-Werke, in denen jetzt auch die neue Marke Alma‟
hergestellt wird. Grosse Mengen bester Milch, feine Speisefette,
Salatöle und Eigelb werden hier, ohne Berührung durch Menschen-
hand
, zu fertigverpackter Margarine. Wozu also noch Vorurteile?
Alma, die Margarine für Alle ist ein wirklich gesunder,
nahrhafter, butterduftender Brotaufstrich.
Das ganze Pfund für nur 85 Pfennig.

[ ][  ][ ]

Seite 10

Reich und Ausland.
Einſchwerer Schiffszuſammenſioß
bei Keſiert.
Ein ſchwerer Schiffszuſammenſtoß bei Keſtert.
Ein holländiſcher Perſonendampfer kchwer beſchädigt.
Ein Matroſe ſchwer verletzt. 1000 Tonnen Carbid
auf einem Dampfer.
Lpd. Oberlahnſtein. Freitag gegen 8 Uhr
abends ſtießen bei Keſtert zwei auf der Bergfahrt be=
findliche
Schiffe zuſammen, nämlich das holländiſche
Paſſagierſchiff Chriemhilde und das ſchweizeriſche
Dieſelmotorſchiff Uri von der Baſeler Schiffahrts=
geſellſchaft
, wobei der Perſonendampfer ſchwer be=
ſchädigt
wurde und vorn ſank. Dazu erfahren wir
noch folgendes: Infolge Nebels hatte der holländiſche
Dampfer, als er in Oberlahnſtein ankerte, um hier
größere Gütermengen aufzunehmen, ſchon faſt zwei=
ſtündige
Verſpätung. Von Oberlahnſtein aus waren
nur noch 16 Paſſagiere an Bord. Kurz vor Keſtert
begegnete dem Dampfer das Dieſelmotorboot Uri
von der Baſeler Schiffahrtsgeſellſchaft, wobei beide
Schiffe auf der Kiellinie fuhren. Durch einen rechts
vorbeifahrenden Schleppzug waren die beiden Schiffe
Chriemhilde und Uri in ihrer Manövrierfähigkeit
ſtark behindert, ein Ausweichen nach links iſt infolge
des niedrigen Waſſerſtandes nicht möglich geweſen.
Trotz ſofortigen Stoppens kamen ſich die beiden
Schiffe ſo ſchnell gegenüber, daß der Zwiſchenraum
nicht mehr genügte, um aneinander vorbeifahren zu
können. Uri ſtieß in die Backbordſeite der Chriem=
hilde
ein Loch von zirka 2 Meter im Quadrat und
blieb darin ſtecken. Dadurch, daß der Strom jetzt die
Uri erfaßte, geriet dieſelbe quer in den Strom und
riß dabei die Wohnung des Anhängerſchiffes des
Schleppzuges fort. Dem glücklichen Umſtande, daß die
Beſatzung dieſes Schiffes auf dem vorderen Schiffs=
teile
ſtand, iſt es zu verdanken, daß Menſchenleben bei
dem Wegreißen des Hinterteiles des Schleppſchiffes
nicht zu beklagen ſind. Inzwiſchen ſank die Chriem=
hilde
vorn, und die Uri lief Gefahr, mit hinunter
gezogen zu werden, es gelang jedoch in letzter Minute,
die Uri aus der Chriemhilde, herauszuziehen.
Wäre die Uri ebenfalls geſunken, dann wäre ein
furchtbares Unglück entſtanden, die Uri hatte näm=
lich
1000 Tonnen Carbid geladen. Bei dem Zuſam=
menſtoß
mit der Chriemhilde wurde ein Leicht=
matroſe
, welcher ſich ſchon zur Ruhe begeben hatte,
ſchwer verletzt. Die 16 Paſſagiere der Chriemhilde‟
wurden von der Strompolizei in Salziger Hotels
untergebracht. Noch während der Nacht wurde ver=
ſucht
, die Chriemhilde zu heben, ein Auspumpen iſt
jedoch nicht möglich, ſo daß Hebezeuge zur Abſchlep=
pung
herbeigerufen werden müſſen. Die Rheinſchiffahrt
iſt ſeit Samstag vormittag wieder frei, jedoch iſt der
Bergverkehr durch das in der Fahrtrinne liegende
Schiff hier iſt die Rinne ſehr ſchmal ſehr be=
hindert
. Die beiden Kapitäne ſchieben ſich gegenſeitig
die Schuld an dem Unglück zu, der Leichtmatroſe
dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.
Der Brandſtifter von Rückershauſen verhaftet.
Rückershauſen (Oberlahnkreis). Die Urſache
des Brandes bei dem Tabakwarenhändler Schäfer iſt
nunmehr aufgeklärt. Der Oberlandjäger Becker nahm
nachts gegen 12 Uhr einen Schlag wahr, als wenn
in einem Steinbruch geſchoſſen worden wäre, und
ſchon ſtand auch die Scheune des Schäfer in Flam=
men
. Becker drängte darauf, möglichſt das Haus zu
retten. Als dies gelungen war, ſtellte er feſt, daß
nach der Scheune zu eine Zündſchnur von 80 Zenti=
meter
Länge gelegt war, außerdem lagen dort ver=
ſtreut
ſieben Dynamitpatronen und große Papier=
maſſen
. Am Deckenbalken war eine Oeffnung ge=
ſchaffen
worden, um das Ueberſpringen des Feuers zu
erleichtern. Auf Grund dieſer Tatbeſtände wurde
Schäfer verhaftet.
Schweres Autvunglück.
Landeshut. Ein mit ſieben jungen Leuten
beſetztes Auto, das von einer Kirmesfahrt zurück=
kehrte
, prallte in der Nacht zum Montag in einer
ſcharfen Kurve mit ſolcher Wucht gegen einen
Chauſſeebaum, daß das Auto ſich überſchlug. Ein
Inſaſſe wurde ſofort getötet, der Führer lebensge=
fährlich
verletzt. Vier junge Damen erlitten Arm=
und Beinverletzungen. Das Auto iſt vollſtändig zer=
trümmert
. Die Verletzten konnten nur mit Mühe aus
den Trümmern gezogen werden. Der ſchwerverletzte
Chauffeur wurde in das Landeshuter Krankenhaus
gebracht. Bei dem ſchweren Unglück ſoll es ſich um
eine Schwarzfahrt handeln.
Geheimrat Penck 70 Jahre alt.
Ehrentag des großen deutſchen Geographen.

Geheimrat Prof. Dr. Albrecht Penck,
der weltbekannte deutſche Geograph, begeht am
25. September ſcinen 70. Geburtstag. Er war 1883
bis 1885 Dozent in München, ſodann einundzwanzig
Jahre lang in Berlin, wo er auch die Direktion des
Muſeums für Meeveskunde und des Geographiſchen
Inſtituts übernahm. Seine zahlreichen Forſchungs=
reiſen
haben ihn 1878 bis 1927 in alle Weltteile und
Polargebiete geführt. Seine Morphologie der Erd=
oberfläche
und ſein dreibändiges Werk Tie Alpen
im Eiszeitalter ſind von höchſtem Werte.

Dienstag den 25 Seplember 1928

Dr. Eckener am Kartentiſch des Führerraumes.
Das Rieſenluftſchiff Graf Zeppelin wird zu neuen großen Rundflügen gerüſtet. Ein Flug vom
Bodenſee über Mitteldeutſchland und Berlin zur Oſtſee ſteht vor der Verwirklichung.

Berlin ehrt unſere gefallenen Helden.

Das Krieger=Ehrenmal an der Kaiſer=Wilhelm=Gedächtniskirche zu Berlin
erinnert inmitten des heftigſten Weltſtadttrubels an die tapferen Söhne des Vaterlandes, die im
Weltkriege ihr Leben gelaſſen haben. Das Relief iſt ein Werk Profeſſor Hoſgeus. Die feierliche
Enthüllung fand am 23. September ſtatt.

Verbandstagung
der chriſilichen Metallarbeiter
Deutſchlands.
Vom 16. bis 21. September fand in Saarbrücken
die diesjährige Tagung des Verbandes der chriſtlich
organiſierten Metallarbeiter ſtatt. Die außerordent=
lich
zahlreich beſuchte Verſammlung wurde eröffnet
und geleitet von dem Gründer und Vorſitzenden
Wieber, M. d. R. Nach einer Feſtverſammlung
am Abend des 16. wickelte ſich das Programm der
folgenden 4 Tage ordnungsgemäß unter reger Be=
teiligung
in der Diskuſſion ab. Am 1. Tage wurde
die allgemeine Lage der Metallarbeiter in Deutſch=
land
und beſonders in den Grenz= und beſetzten Ge=
bieten
behandelt. Starkem Intereſſe begegnete ein
Referat des Münchener Profeſſors Kölſch über die
gewerbehygieniſchen Gefahren, denen die Metallar=
beiter
auch heute noch in großem Maße ausgeſetzt
ſind. Das Referat lief auf die Forderung hinaus, der
gewerbehygieniſchen Ausbildung der Ingenieure und
Techniker beſondere Aufmerkſamkeit zu widmen, damit
techniſche Neuerungen die Berufsgefahren auf ein
Mindeſtmaß einſchränken könnten. Der 3. Verhand=
lungstag
wurde mit einem Vortrag des Verbands=
beamten
Kreil über Forderungen zum Arbeiter=
ſchutzgeſetz
eingeleitet, der ebenfalls mit großem Bei=
fall
aufgenommen wurde. Auch die Ausführungen des
Jugendführers Föcher=Duisburg, der die Forde=
rungen
der chriſtlichen Arbeiterjugend vertrat, riefen
lebhaftes Intereſſe hervor. Am Schlußtag ſtanden
vorwiegend innnerorganiſatoriſche Fragen zur De=
batte
, insbeſondere die Einführung einer Alters= und
Invalidenverſicherung von ſeiten des Verbandes.
Nach kurzer Ausſprache über das diesbezügliche Re=
ferat
des 2. Vorſitzenden Schmitz=Duisburg wurde in
dieſer Frage eine Einigung erzielt, die dem alten
und invaliden Verbandsmitglied eine Rente von im
Höchſtfall 504 RM. pro Jahr ſichert, die früheſtens
nach 12jähriger Beitragsleiſtung zur Auszahlung ge=
langt
. Mit der Annahme dieſes Berſicherungsent=
wurfes
iſt eine notwendige und alte Forderung des
Verbandes erfüllt worden. Damit war die Arbeit
der diesjährigen Generalverſammlung erledigt, ſo
daß nur noch die Wahl des Vorſtandes zu vollziehen
war, die im weſentlichen eine Beſtätigung der bis=
herigen
Zuſammenſetzung brachte. Mit dem Dank
des Verbandes an die Stadt Saarbrücken und dem
Gelöbnis, auch ſeitens des chriſtlichen Metallarbeiter=
verbandes
alles zu tun, um den bedrängten Grenz=
landen
nach Möglichkeit beizuſtehen, ſchloß der Vor=
ſitzende
die 12. Generalverſammlung.

Vertretertag des Deutſchen
Afademiſchen Verbandes
in Breslau.
Die Tagung des Verbands, die Vertretung der wiſ=
ſenſchaftlichen
Aſſiſtenten an den Univerſitäten und
Techn. Hochſchulen des deutſchen Sprachgebiets, wurde
unter reger Beteiligung in dieſen Tagen in Breslau
abgehalten. Eröffnet wurde ſie durch einen Feſtakt in
der Aula der Friedrich=Wilhelms=Univerſität, zu der
auch Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behör=
den
ſowie der Preſſe erſchienen waren. Im Mittel=
punkt
ſtand die Feſtrede von Univerſitätsprofeſſor
Dr. Brugſch=Halle über die Stellung der medizini=
ſchen
Wiſſenſchaft im Rahmen der universitats lite-
rarum
Unter den verſchiedenen Begrüßungsan=
ſprachen
fanden die Worte, die der Rektor der Uni=
verſität
, Geheimrat Prof. Dr. Wollenberg, den Ver=
tretern
des Verbandes vor allem auch der auslands=
deutſchen
Hochſchulen zurief, warmen Anklang.
Empfänge durch die Stadt und verſchiedene Ver=
bände
bildeten den äußeren Rahmen der Tagung und
gaben Gelegenheit, in der Berührung der Vertreter
verſchiedenſter deutſcher Landſchaften und Stämme
das Gefühl der Gemeinſamkeit deutſcher Kultur wach=
zurufen
und zu feſtigen. Das eigentliche Programm
des Vertretertags befaßte, ſich mit wirtſchaftlichen
Fragen, insbeſondere der Beſoldung der Aſſiſtenten,
die als völlig unzureichend und ungerecht aufgebaut
gekennzeichnet wurde. Eine der wichtigſten Forde=
rungen
des Verbandes wird ſein, hier eine Aende=
rung
herbeizuführen, die auch materiell der von dem
Aſſiſtenten verlangten und geleiſteten Arbeit gerecht
wird.
Schneefall im Schwarzwald.
Der Temperaturrückgang in der Nacht vom Sams=
tag
zum Sonntag ließ auf dem Hochſchwarzwald das
Thermometer bis auf den Gefrierpunkt ſinken, und
während des ganzen Sonntags war es auf den Höhen
empfindlich kalt. In den erſten Nachmittagsſtunden
ſetzte im Feldberggebiet vereinzeltes Schneetreiben,
vermiſcht mit Hagelſchauern, ein. Wenn der Schnee
auch nicht lange liegen blieb, ſo hüllte er doch Feld
und Flur für kurze Zeit in ein winterliches Gewand.
Schnee im Allgäu.
Kempten. Nach dem ſchönen Wetter der letzten
Woche hat es in der Nacht zum Samstag einen jähen
Witterungsumſchlag gegeben, der in den Pfrontener
und Obersdorfer Bergen bis über die Waldgrenze
herab Schnee brachte.

Nummer 2671

Die Fahrtpläne
des Graf Zeppelin
Friedrichshafen. In die Fahrtpläne
Graf Zeppelin kommt allem Anſchein nach
neue Note hinein dadurch nämlich, daß der Plomm=
wogen
wird, auch eine Reiſe nach Aegopt
und dem Orient überhaupt zu unternehmen.
Anregung dazu ſtammt von den amerikaniſchen 9 der Luftſchiffbaugeſellſchaft, die ſich5.
Amerika das Monopol an den großen Reiſen
ſichert haben. Dr. Eckener hat den Wunſch durchſ.
günſtig aufgenommen, und es gilt als wahrſcheinn=
daß
dieſe Reiſe eingeſchoben wird. Natürlich miſie
vorher alle möglichen Erwägungen, Wetterben;
nungen uſw. angeſtellt werden. Namentlich dürſta‟
Frage der Temperatur eine Rolle ſpielen. Es mt.
aber darauf hingewieſen, daß auch bei der Atlarn
fahrt des 3. R. III ſich außerordentlich große 23
peraturunterſchiede gezeitigt haben, ohne daß ſie
Schiff irgendwie beeinträchtigen konnten.
Der Graf Zeppelin wird nun am Mittwochr
ſeiner nächſten Fahrt klar ſein. In der Halle am=
Tag und Nacht an ihm gearbeitet. Bei den Verbaie
rungen ſpielt namentlich die bereits mitgeteilte 29,
änderung an den Motorgondeln eine Rolle. A.
hofft aber, die Verlängerung der Streben, die
einer Ableitung des Propellerſtromes vom Nuru
führen ſoll, bis Mittwoch fertig zu haben. Geſtatzu
die Wetterverhältniſſe am Mittwoch einen Auffn
das Wetter hat ſich in den letzten Tagen erhehl
verſchlechtert ſo würde das Schiff wahrſcheinm
nur in der Nähe des Bodenſees bleiben. Die arn
Fahrt nach Berlin und vielleicht noch weiter mi
Nord= und Oſtdeutſchland kann unter Umſtänden
Samstag ſtattfinden. Wenn es zu dieſer Fo.
kommt, ſo würde das Schiff ſchon morgens 5 u0
aufſteigen. Daran würde ſich dann in der nächſen
Woche eine weitere größere Fahrt vielleicht
Aegyptenfahrt anſchließen, und das Schiff wüüde
dann für die Amerikafahrt bereit ſein.
Dr. Eckener rechnet damit, daß die Blaugasrt=
duktion
ſo ſchnell fortſchreitet, daß er ſpäteſtens a
10. Oktober, vorausſichtlich aber früher, z zu
Amerikafahrt ſtarten kann. Er will
Programm offenſichtlich zeitlich mehr zuſammendrau
gen, um die erſten Atlantikfahrten nicht Ende Oktoa=
oder
im November während der ſtarken Stünn
durchführen zu müſſen. In der erſten Hälfte
Oktober herrſcht über dem Atlantik meiſt gutes AZ.M
ter, das die Seeleute mit dem Wetter vergleichen, i1
man bei uns Altweiberſommer nennt. Die Vorber.
tungen für die Amerikafahrt ſind demnach weiter
vollen Gange. Intereſſant iſt die Form der Waſff.
mitnahme. Damit immer friſches Waſſer an Bord 1.
wird das Trinkwaſſer zu Eisblöcken gefroren,
dann ſtückweiſe verbraucht werden. Mit beſonderr
Aufmerkſamkeit werden die Wetterverhältniſſe für
Amerikafahrt verfolgt.
Aufregende Verbrecherjagd.
Kaſſel. Eine aufregende Verbrecherjagd nalu
Sonntag nachmittag im Orte Wanfried ihren Arl=/
gang. Ein fremder Mann, der bei einem Fahrrei=
händler
ſein Rad verkaufen wollte und die Ango= Perſonalien verweigerte, ſollte von einem Po.
zeibeamten verhaftet werden. Er ſetzte ſeiner Vit=
haftung
Widerſtand entgegen und gab mehrere Schüi=
auf
den Beamten ab und entfloh in der Richtuuy
nach der Werra, wo er in einen Kahn ſprang u)0
ſich über den Fluß treiben ließ. Dabei gab er m.i
eine Anzahl Schüſſe auf die verfolgenden Beamti
ab, die das Feuer ohne Erfolg erwiderten. Der
brecher ſetzte dann ſeine Flucht nach Völkershauſſ.:
fort, indem er auf der Landſtraße unter Bedrohuu
mit ſeinem Revolver einem Radfahrer ſein Fahrr.)
entriß und in raſendem Tempo davonfuhr. Z
Polizeibeamten nahmen mit einem Auto und vi
bewaffneten Leuten die Verfolgung auf. In Burſckh.
konnte der Verbrecher, der auf der Flucht mit ſeinan
Rcvolver alle Leute eingeſchüchtert hatte, eingehrſ
werden. Als er die Gewehr= und Karabinerläufe au
ſich gerichtet und keinen Ausweg mehr für ſich ſen
ergab er ſich. Er wurde ins Amtsgerichtsgefängnn
in Wanfried gebracht, wo er jede Auskunft verwul
gerte. Die Polizei glaubt, es mit einem ſchwer n
Jungen zu tun zu haben.
Schweres Autounglück.
Solingen. In der Nacht zum Montag ſchlr.
ein von Cronenberg kommender, mit Forſtleuten E
ſetzter, Laſtkraftwagen infolge Verſagens der Bremn
in der Kurve um. 12 Verletzte mußten ins Kranke2
haus gebracht werden. Bei einigen Verletzten beſte*
Lebensgefahr.
Schwerer Unfall des D=Zuges Warſchau-Poſei=
Warſchau. Der D=Zug Warſchau-Poſen ſtie!
am Sonntag in der Nähe von Kutno in voller Fah’(
auf einige von einem Güterzug abgeriſſene Wage
die auf dem Gleiſe ſtehen geblieben waren. 9C
Güterwagen wurden völlig zertrümmert. Der Führe;
des D=Zuges erlitt bei dem Zuſammenſtoß ſchwer=
Verletzungen. Einige Fahrgäſte trugen leichtere Ve2
letzungen davon.
Die weiblichen Karabinieri.
Mailand. Der Kaſſier einer großen Metal
warenfabrik von Caſtellammare bei Neapel, de‟
ſchon längere Zeit von zweifelhaften Individuen un
bemerkt verfolgt wurde, begab ſich, wie gewohnt, a.2
Freitag auf die Bank, um 500 000 Lire abzuhebel
Als er ſich in einem Automobil außerhalb der Stau
befand, wurde er von einigen Leuten angehalten um
mit erhobenem Revolver zur Herausgabe des Gelden
gezwungen. In dieſem Augenblick kam ein anderer
Automobil des Weges, das mit Damen beſetzt war.
Dieſe Damen ſtiegen aus, zogen Revolver und ver
hafteten die Räuber. Die Damen waren nämlich
verkleidete Karabinieri.
Ein Zyklon über Porto Alegre.
London. Ueber Porto Alegre in Braſilien !
nach Berichten aus Buenos Aires ein ſchwerer Zytlol?
der einen Schaden von fünf Millionen Mark and
richtete, hinweggegangen. Eine große Anzahl Pem
ſonen wurde getötet und verletzt. Hunderte vo.
Flüchtlingen ſuchen in Kirchen Zuflucht. Durch dib
Uberſchwemmung des Fluſſes Guahyba, der um fün
Meter ſtieg, wurde bedeutender Schaden angerichten
Schweres Eiſenbahnunglück in Amerika.
New York. Nach einer Meldung aus Chicag:
ſtieß am Sonntag ein Güterzug mit einem nack
Granite City in Illinois fahrenden Perſonenzug zu.
ſammen. Fünf Perſonen wurden getötet und 44
verletzt.

wärt
Deutſche

Sichnung

[ ][  ][ ]

Sport, Spiel und Zurnen.
Schwimmen.
Radfahren.
Der S.V. Göppingen in Darmſiadi.
Bahn=Rennen des Pelociped=Clubs.

Gegner Jung=Deutſchlands am Sonntag im Schwimmbad.
Mit einem bedeutenden Klubzweikampf gegen den bebannten
wimmerein Göppingen eröffnet der Darmſtädter Schwimmklub
Zrang=Deutſchland am kommenden Sonntag die diesjährige Hallenbad=
hwimmzeit
. Jung=Deutſchland hatte ſich mit den Göppingern keinen
Dhten Gegner ausgeſucht, ſind doch die Württemberger Schwimmer
unch ihre glänzenden Erfolge weit über die Grenzen Süddeutſchlands
us bebannt. Seit Jahren ſtehen die Gegner des kommenden Sonn=
unter den ſüddeutſchen Schwwimmvereinen an der Spitze, was ſie
z. in der diesjährigen Sommerzeit durch die vielen Erfolge bewieſen
ren. Zum erſten Male fand ein Kampf zwiſchen beiden Vereinen im
ſai dieſes Jahres in Göppingen ſtatt, der bekanntlich unentſchieden
arete. Geſpannt iſt man daher auf das neue Zuſammentreffen der bei=
Mannſchaften. Der Kampf, auf den wir noch näher zurückkommen
den, ſetzt ſich aus drei Freiſtilſtaffeln: 10mal 50 Meter, 10mal 100
7rter, 6mal 20 Meter, und einem Waſſerballſpiel zuſammen.
Ternes Schwimmfeſt des Reichsbahn=Turn= und Sportv. Darmſtadt.
Uns geht folgender Bericht zu: Der Reichsbahn=Turn= und Sport=
in
Darmſtadt veranſtaltete am Samstag, den 22. September, 20 Uhr,
n. Städtiſchen Hallenſchwimmbad ſein erſtes internes Schwimmfeſt. Die
ſanſtaltung war gut beſucht und iſt jeder Anweſende voll und ganz
ui ſeine Rechnung gekommen. Der erſte Vorſitzende, Herr Oberingenieur
)tz, begrüßte die Feſtverſammlung ſowie die geladenen und erſchienenen
engäſte aus Darmſtadt und Mainz in einer kernigen Anſprache, wo=
1. ihm der nötige Beifall gezollt wurde. Sodann erhielt Herr Adolf
Schwimmwart das Wort, unter deſſen Leitung ſich folgendes Pro=
mm abwickelte:
1 Freiſtilſchwimmen 50 Meter (Vereinsmeiſter): Sieger Mitſchdörfer
in 36,3 Sekunden.
2 Bruſtſchwimmen für männliche Jugend unter 16 Jahrem: Sieger
Guſt. Pitzer, in 48,3 Sek.
3. Bruſtſchwimmen für Damen, 50 Meter: Siegerin Gretel Schmidt in
55,5 Sek.; 2. H. Schröder in 57,9 Sck.
4 Schauſpringen: Hier wurden von den Herven Hopp und Eitel vor=
zügliche
Leiſtungen vollbracht.
5. Bruſtſchwimmen für Herren, 50 Meter: Sieger Habich in 43,15 Sek.
6. Freiſtilſtaffel, 50 Meter, Rb. T.=u. Spv. Darmſtadt gegen den gleichen
Verein von Wiesbaden: Sieger Wiesbaden in 2.23 Sek.
7. Rückenſchwimmen für Herren: Sieger Mitſchdörfer in 39,3 Sek.
8 Freiſchwimmprobe für Nichtſchwimmer, 10 Minuten: Von 8. Damen
und 9 Herren erfüllten 3 bzw. 5 die geforderten Bedingungen.
9. Streckentauchen: Sieger Hopp, 30 Meter in 77 Sek.
0. Seitenſchwoimmen, 25 Meter: Sieger Habich in 45 Sek.
1. Tellertauchen: Hier wurde Vorzügliches geleiſtet.
2 Waſſerballſpiel: Rb.=T.=u. Spb. Darmſtadt gegen dieſelbe Abteilung
Wiesbaden: Sieger Wiesbaden 7:0, war doch letztere Abteilung tech=
niſch
überlegen.
Damit war das Programm beendet und kann die erſt drei Monate
I Abteilung ſtolz auf die Vevanſtaltung ſein. Ganz beſonders ſei dem
4teilungsleiter, Herrn Adolf, für ſeine Arbeit und Mühewaltung an
üiſſer Stelle nochmals gedankt.

Erich Rademacher wird nun doch in Japan ſtarten, weil das Aus=
v
rtige Amt aus diplomatiſchen Gründen ſich darum bemühte und der
Srutſche Schwimmverband entſprechend dieſem Wunſche ſtattgab.
Seinen 100. Sieg in dieſer Saiſon feierte Jockey Otto Schmidt
ſtr: Sonntag in Hamburg=Großborſtel mit Portia. Das Championat
vud Schmidt nicht mehr zu nehmen ſein.
Jaenicke=Berlin gewann beim Berliner Junioren=Tennsturnier ken
Landmann=Pokal gegen Hartz 1:6 6:4 6:3 6:4.

Die am letzten Sonntag auf der Rot=Weiß=Sportanlage vom Velo=
ziped
=Club veranſtalteten Bahnrennen brachten dieſes Mal weſentlich
beſſere Leiſtungen als die vorausgegangenen Erſtveranſtaltungen. Durch
die Zulaſſung weiterer Gaue des BDR. wies die Meldeliſte eine Be=
ſetzung
guter, bekannter Fahrer aus Köln, Barmen, Mannheim, Frank=
furt
, Mainz und Darmſtadt auf. Insbeſondere war man auf die Köl=
ner
Fahrer Perelär und Kleimann geſpannt, die Sonntag für Sonntag
ſiegreich waven. Der ſtärkere Fahrer war Perelär der hier in Darm=
ſtadt
letztmalig als Amateur an den Start ging und ſich durch ſeine
hervorragende Fahrweiſe ſchnell die Sympathien der Zuſchauer erwarb.
Die Einzelrennen waren ſeine ſichere Beute, im Ausſcheidungsfahrem
mußte er durch Defekt in der Spurtrunde ſeinem hartnäckigſten Wider=
ſacher
Franke vom VCD. den Vortritt laſſen. Im Mannſchaftsfahren
dagegen trat eine Ueberlegenheit der Darmſtädter Fahrer Franke=Gleim
zudage, die bewies, daß Darmſtadt mit dieſem Paar eine hoffnungsvolle
Mannſchaft ſtellen kann. Schon bei ihrem erſten Start in München
zeigte ſich dieſe gute Zuſammenſtellung und nur durch unglücklich ge=
wählte
Ablöſung kamen Franke und Gleim damals um den verdienten
erſten Platz. Das eingelegte Motorrad=Geſchicklichkeitsrennen geſtaltete
ſich ſehr intereſſant, da hierbei zum Teil ſehr ſchiwerige Uebungen zu
erfüllen waren. Kleine Mängel in der Organiſation dürften damit zu
entſchuldigen ſein, daß nach jahrelanger Pauſe im Darmſtädter Bahn=
rennſport
hier erſt geeignete Kräfte angelernt werden müſſen. Die
Ergebniſſe:
Erſtfahren. Preis von Frankenſtein: 1. Kornmeier=Darmſtadt, 2. Ger=
nand
=Darmſtadt; 3. Edler, Mainz. Hauptfahren, Hans Borné=
Rennen: 1. Perelär=Köln; 2. Franke=Darmſtadt; 3. Gleim=Darmſtadt;
4. Pfirſchin=Darmſtadt. Ausſcheidungsfahren: 1. Fvanke=Darmſtadt;
2. Böhmert=Barmen; 3. Perelär=Köln; 4. Battenbeva=Frankfurt. 25
Kilemeter Mannſchaftsfahren: 1. Franbe=Gleim=Darmſtadt (das ganze
Feld überrundet); 2. Perelär=Kleimann=Köln; 3. Tietſch=Diemer= Darm=
ſtadt
. Mutorrad=Geſchicklichkeitsfahren: 1. Hugo Neurohr, 3. Straf
purnkte, 126 Sek.; 2. Willi Kanzler, 4 Strafpunkte, 100 Sek.: 3. Willi
Menges, 4 Strafpunkte, 125 Sek.; 4. Willi Engel, 6 Strafpunkte, 122 S.

Kraftſport.

Athletenverein Vorwärts Groß=Zimmern Eiche 03 Hanau 14:6.
Wiederum war Groß=Zimmern der Schauplatz eines faiven und
ſchönen Kampfes im Ringen. Hanau mußte dieſes Jahr in die Kreis=
liga
abſteigen und am Sonntag gegen die Groß=Zimmerer 2. Mann=
ſchaft
zum fälligen Vorkampf antreten. Die Kämpfe lagen in den Hän=
den
des Unparteiiſchen Liller=Dieburg, welcher einwandfrei und korrekt
ſeines Amtes waltete.
Im Fliegengewicht zeigte Weiher (Gr.=Z.) gegen Schmitt (H.) gute
Form und konnte in 3,20 Minuten durch Halbnelſon am Boden den
Sieg für ſich entſcheiden. 3:0. Im Bandamgewicht ſtehen ſich Eck
(Gr.=Z.) und Müller (H.) gegewtber. Eck hatte wieder Ringerpech,
mußte mehrere Hüftzüge hinnehmen und erhielt in der 16. Minute eine
Niederlage durch Selbſtverſchulden, 3:3. Im Federgewicht ſiegt Göbel
(Gr.=Z.) über Stütz (H.) ſchon in 0,45 Min, durch Armzug am Baden,
6:3. Im Leichtgewicht iſt Weidner (G.=Z.) wieder in beſter Verfaſſung
und ſiegt in 3,25 Mimten gegen Mädicke (H.) durch Doppelnelſon, 9:3.
Im Mittelgewicht A war der junge Danz (Gr.=Z.) gegen den kampf=
erprohten
Grasmück (H.) überlegen und ſiegt nach 20 Minuten als ver=
dienter
Punktſieger, 11:3. Im Mittelgewicht B ſtand Brunner (Gr.=
Z.) gegen Nelde (H.) auf verlorenem Poſten und ſchon nach 2 Minuten
kam er nach einem Hüftzug auf die Schultern, 11:6. Im Schwer=
gewicht
machte Krauß (Gr.=Z.) gegen Schultheiß (H.) den kürzeſten Sieg
des Tages, indem er ſeinen Gegner ſchon nach 0.15 Minuten durch einen
gut ausgeführten Schleudergriff auf beide Schultern legt. 1416 für
Groß=Zimmern.

Ballon=Wettfliegen in Frankfurt.
In Frankfurt fand am Sonntag ein Freiballon= Wett=
fliegen
als Ausſcheidungsrennen zum Wanderpreis des Deutſchen
Luftfahrt=Verbandes ſtatt, das einen nicht normalen Verlauf nahm,
weil zwei Ballons in einen Schneeſturm gerieten und ſchon nach ſehr
kurzer Fahrt wieder zur Erde geriſſen wurden. Es handelte ſich um
die Ballons Leipziger Meſſe (Stüben) und Ortizon (Dr. Landmann),
weich letzterer die Meiſterfechterin Helene Mayer an Bord hatte. Sieger
wurde der Ballon Barmen (Kaulen), der fchon beim Gordon=
Bennett=Wettfliegen den zweiten Platz belegt hatte und der bei Berg=
zabern
landete. Ihm am nächſten kam Drory (Jul. Hahn), der an
gleicher Stelle niederging, vor Eſſen (Leimkugel) deſſen Landungsort
Germersheim war. Das Wanderpreiswettfliegen auf der Ila in Ber=
lin
am 14. Oktober wird alſo von Ballon Barmen unter Leitung von
Hugo Kaulen beſtritten werden.
Geſchäftliches.
Der Erfolg im Leben hängt nicht allein vom Wiſſen und Können
ab, ſondern der wird den größten Erfolg haben, der neben dieſen
Eigenſchaften das meiſte Selbſtbewußtſein, das ſicherſte Auftreten beſitzt.
Nur er wird die Macht ſeiner Perſönlichkeit am vorteilhafteſten ent=
falten
können, ſei es nun im geſchäftlichen oder geſellſchaftlichen Leben.
Solche Leute ſind in der Regel gut gekleidet. Denn nichts ſtärkt das
Selbſtvertrauen mehr als das Bewußtſein, gut gekleidet zu ſein. Ein
Mittel hierzu, für Jedermann erſchwinglich, iſt die chemiſche Reinigung,
wie ſie in beſter Weiſe für alle Arten Herren= und Damenkleider, ſowie
Dekorationsartikel für das Heim durch die Firma Braubach u. Fiſcher,
Wilhelminenſtraße 19, ausgeführt wird.
Wetterbericht.
Druckſtörungen haben zum weiteren Abbau des nordweſtlichen Hoch=
druckgebietes
geführt und bereits den Witterungsumſchlag eingeleitet.
Mehrere Böen, die geſtern in Begleitung der Kaltluft ſüdwärts vorge=
drungen
ſind, brachten auch unſerem Gebiet unfreundliches, kühles Herbſt=
wetter
und mehrfache Regenſchauer. Beſonders ſtark war der Tempera=
turrückgang
über Frankreich, wo während der vergangenen Nacht und
heute morgen ſtellenweiſe leichter Froſt auftrat. Ueber der Nordſee
und Belgien liegt noch eine Störung, die bereits unter Südweſtluft=
zufuhr
zu Bewölkung führte. Sie wird zunächſt weiter zu veränder=
lichem
Wetter und vereinzelten Regenſchauern führen.
Ausſichten für Dienstag, den 25. September: Wechſelnd wolkig mit Auf=
heiterung
, kühl, einzelne Regenſchauer.
Ausſichten für Mittwoch, den 26. September: Noch kühles und zeitweiſe
bewölktes Wetter mit ſtrichweiſen leichten Niederſchlägen.

Ort: Wetter: Temp.
in Ce Wind: Miee
ſchlag
in mm Gee
decke
in em Gießen: bedeckt N. 3,5 Aachen: wolkig SW. 0,6 Hamburg: Berlin: bedeckt SW. München: Regen WSW. Königsberg: Regen 10 NNW. 3 Breslau: wolkig 8 NW. Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen. Feldberg:
Taunus wolkig 2 NNW. Waſſerkuppe Nebel W. Feldberg:
(Schwarzw.) bedeckt 2 02 Zugſpitze: Nebel 12 NNWs Kahler Aſten: Fichtelberg: Nebel WNW. Schneekoppe: Schnee 3 N.

Die heutige Nummer hat 16 Geiten.

Preußiſche Pfandbrief=Bank
Gegründet 1862 Berlin W 9
Staatsaufſicht
Aktienkapital . . .
RM 21000 000.
Reſerven ... . . . . . . . (a.
12 000 000.
Darlehnsbeſtand . . . . . . ca. 400 000 000.

Niedr Kontorabſchluß,
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8ige Gold=Hypotheken=Pfandbriefe Em. 47
neue Erweiterungsausgabe
unkündbar bis 1. Juli 1935
Abſchnitte zu GM 100., 500., 1000. und 3000.
mit Hinsſcheinen Januar/Juli
Zeichnungskurs 97½.
GM 5000000.
8’bige Gold=Kommunal=Obligationen Em.20
unkündbar bis I. April 1935
ſtaatsmündelſicher, Abſchnitte zu GM 100., 500., 1000.
und 3000. mit Hinsſcheinen April/Gktober
Zeichnungskurs 94.o
Zeichnungsfriſt: vom 26. September bis 17. Oktober d. 9.
vorbehaltlich früheren Schluſſes.
Zeichnungsſtellen: Banken und Bankſirmen, Kredit= Genoſſen=
ſchaften
, Spar= und Girokaſſen und die Emiſſionsbank.
Proſpekte und Unmeldungsſcheine ſind bei vorbezeichneten
Stellen erhältlich.
Der Vorſtand.
Berlin, im September 1928.

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[ ][  ][ ]

Vom Holzmarit

ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Beurteilung der Geſchäftslage iſt
verſihiedenartig. Im Freiſtaat Sachſen haben die Platzholzhandlungen
befriedigend zu tun, ſind aber nicht in der Lage, die Preiſe für Stamn=
kiefer
beim Konſum zu erzielen, die ſie auf Grund ihrer Einkaufspreiſe
haben müßten. In der Provinz Sachſen laſſen zur Zeit Breslauer und
Berliner Holzhändler durch beſondere Vertreter die Kundſchaft im
Holzverbrauch beſuchen. Billige Angebote ſind oft an der Tagesorö=
nung
. Im Rheinland und in Weſtfalen iſt der Abſatz beim Platzholz=
handel
etwas beſſer geworden. Stockend iſt nur das Geſchäft in aſt=
reinen
Seitenbrettern, da die Küchenmöbelinduſtrie wenig aufnahme=

fähig iſt. Selbſt billige Preiſe bieten, keinen Anreiz zu Abſchlüſſen.
Aus Polen werden dem Holzhandel aſtreine Seiten in großen Mengen,
nneiſt 20 und 26 Millimeter ſtark, zu 90 bis 95 Mark je Kubikmeter an=
geboten
. Blaue aſtreine Seiten ſollen 75 Mark frei deutſch=peiniſcher
Grenze bei Bentſchen, deutſcherſeits unverzollt, koſten, es iſt wenig
Material angeboten. Die Leiſtenfabriken ſind zum Teil bereits in Ver=
legenheit
. Da die Fabrikation von Leitern ſehr zurückgegangen iſt, ſind
kurze aſtreine Seitenbretter ſcher abſetzbar. Das Geſchäft in
Erlem hat ſich belebt, gefragt ſind namentlich Bohlen von 40 Milli=
meter
aufwärts. Auch ſogenannte Hutmgcherbohlen in Abmeſſungen
von 100 Millimeter auſrärts waren geſuht. Der Balkenmarkt hat ſich
etwas befeſtigt, ebenſo ſind Kanthölzer geſucht. Der Eichenſchnittholz=
markt
liegt ruhig.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Preußiſche Pfandbriefbank, Berlin. Der heutige Anzeigenteil ent=
hält
eine Bekanntmachung der Bank, wonach eine neue Erweiterungs=
ausgabe
im Betrage von 10 Millionen Goldmark 8prozentiger Gold=
Hypotheken=Pfandbriefen Em. 47 und ein Betrag von 5 Millionen 8 pro=
zentiger
Gold=Kommnnal=Obligatioeen Em. 20, ſtaatsmündelſicher, zur
Zeichnung aufgelegt werden. Die Zeichnungskurſe ſind 97½ Prozent
für die Pfandbriefe und 94½ Prozent für die Komunal=Obligationen.
Die Anmeldefriſt läuft vom 26. September bis 17. Oktober d. Js. Zeich=
nungsſtellen
ſind Banken und Bankfirmen, Kreditgenoſſenſchaften, Spar=
und Girokaſſen und die Emiſſionsbank ſelbft, bei denen auch Proſpekte
mit anhängenden Zeichnungsſcheinen erhältlich ſind.
Preiserhöhung für Thomasmehl. Mit Wirkung vom 1. Oktober ab
erhöht ſich der Preis für Thomasmehl von 2,5 Pfg. auf 28 Pfg. je
Kilogranm. Mitgeteilt wird, daß ſich der Abſatz von Thomasmehl gut
entwickele und daß mit einer ſtarken Abſatzerhöhung auch weiterhin zu
rechnen iſt.
Neuer Brückenauftrag der Phil. Holzmann A.=G., Frankfurt a. M.
Wie wir erfahren, iſt der Firma Phil. Holzmann A.=G., Frankfurt a.
M., die Ausführung des Baues der neuen Ruhrbrücke im Verlauf der
Verbindungsſtraße von Eſſen nach Düſſeldorf übertragen worden. Die
Koſten der Brücke, die gemeinſam von der Stadt Müſheim=Ruhr und dem
Ruhr=Siedlungsverband aufgebracht werden, belaufen ſich auf insgeſamt
1,2 Millionen RM. Es handelt ſich bei dem vorliegendem Profekt um
eine Betonbrücke von 950 Meter Länge, wobei die eigentliche Brücken=
überquerung
der Ruhr 374 Meter beträgt und auf die Gänge beiderſeits
573 Meter entfallen und 12 Meter auf die Breite.
Mumm u. Co. A.G., Frankfurt a. M. Die Geſellſchaft ſchließt das
am 31. März 1928 abgelaufene Geſchäftsjahr mit einem Warengewinn
von 131 848 RM. (74 272 RM.), dem Handlungsunkoſten von 94 877
(59 835) RM. gegenüberſtehen. Unter Berückſichtigung des Vortrages
aus 1926/27 in Höhe von 20 158 RM. berbleibt em Reingewinn von
57 128 (21 158) RM., deſſen Verwendung nicht erſichtlich iſt. Bei einem
Aktienkapftal von 1,005 Mill. RM. erhöhten ſich die Kreditoren von
90 63 auf 488355 RM. Auf der Gegenſeite ſind ebenfalls geſteigerte
Debitoren mit 129 514 (294 112) RM. auffgeführt. Die Warenbeſtände
ſind mit 11729;9 (1053 741) RM. ausgewieſen. Aus dem Aufſichts=
rat
iſt Hans v. Paſſahant=Frankfurt a. M. ausgeſchieden.
Hanauer Straßenbahn A. G., Hanau. In der G.V. der Hanauer
Straßenbahn A. G., in der die Aktionäre Stadt Hanau, die Gemein=
den
Groß= und Kſein=Steinheim das geſamte Aktienkapital vertraten,
wurde mitgeteilt, daß das abgelaufene Geſchäftsjahr mit einem Verluſt
von 3753 Mark abſchließt. Der Aufſichtsrat erhielt die Ermächligung,
den vor einiger Zeitz eingerichteten Autobusverkehr ſeiter auszubauen.
Weiter erteilte die G.V. die Genehmigung zur Aufnahme eines Dar=
lehens
von 282000 RM., das zur Verbeſſerung der Anlagen und zur
Anſchaffung weiterer Autobuſſe beftimmt iſt.
Auslandsauleihe der Stadt Küln. Zu der bereits gemeldeten Aus.
landsanleihe der Stadt Köln in Höhe von 1 150 000 Pfund Sterling
erfahren wir noch von maßgeblichſen Seite, daß es ſich bei dieſer An=
leihe
, die am Donnerscag auch in gehsmer Sitzung die Zuſtimmung
der Stadtverordneten gefunden hat, um die Regelung des von der
Beratungsſtelle genehmigten Teiles der ſchon ſeit längerer Zeit beſchloſſe=
nen
Auslandsanleihe handelt. Die Anleihe wird durch das Bankhaus
Higginſon u. Co. in London aufgelegt. Der Erlös iſt etwa zur Hälfte
für die Elektrizitätswerke und zu je ein Viertel für das Gaswerk und
Las Waſſerwerk beſtinmt.
Hauptverſammlung des Zentralverbandes der Deutſchen Holz= Iuter=
eſſenten
. Die zweitägige Jahreshauptverſammlung des Zentvalverbands
der Deutſchen Holzintereſſenten (Sitz Berlin) nahm in Kaſſel in Gegen=
wart
der Vertreter der Reichs= und Staatsbehörden zu der Geſchäftslage
am Holzmarkt eingehend Stellung und ſtellte feſt, daß dieſe infolge des
ſchlechten Baujahres 1928 und durch die Ueberzahlung der Rundholz=
preiſe
im Winter 1927/28 unbefriedigend geworden ſei. Um die Notlage
des Sägegewerbes zu vermindern, ſoll bei den zuſtändigen Reichs= und
Staatsſtellen verſucht werden, eine zinsloſe Stundung der Holzkaufgelder
gegen Hinterlegung von Holzwechſeln auf die Dauer von ſeihs Monaten
zu erreichen. An die Stelle des turnusmäßig ausſcheidenden erſten Vor=
ſitzenden
, Dr. Oſtermann=Herzberg a. H., wurde Kommerzienrat Adolf
Mohr=München mit der Leitung des Vorſitzes im engeren Vorſtand des
Zentralverbandes betraut.
Der ungariſche Pfandbriefmarkt. Die Budapeſter Pfandbriefemiſ=
ſionsinſtitute
haben in der jüngſten Zeit wiederholt Verſuche unter=
nommen
, auch im Inland einen Markt für ihre Emiſſionen zu ſchaffen.
Sie haben dabei die Erfahrung gemacht, daß Einlagen zurückgezogen
und auf dieſe Weiſe frei gewordene Kapitalien in Pfandbriefen ange=
legt
wurden. Allerdings nahmen dieſe Veränderungen in der Anlage
keinen größeren Umfang an, da dem inländiſchen Publikum angeſichts
der höheren Verzinſung deutſcher Goldpfandbriefe die 7prozentigen un=
gariſchen
Pfandbriefe keine verlockende Verzinſung bieten. Nun hoffen
aber die Emiſſionsinſtitute, daß ſich binnen kurzem eine Beſſerung voll=
ziehen
wird, indem einesteils Mündelgelder wieder in ſtärkerem Maße
in Pfandbriefen angelegt werden. Aber eine noch viel günſtigere Wen=
dung
erwartet man von dem Tätigkeitsbeginn des Sozialverſicherungs=
inſtitutes
, das im erſten Jahr bereits über ein Kapital von 30 Mill.
Pengö verfügen wird und defſen Gelder ſich weiter erheblich vermehren
werden, da das Inſtitut erſt nach zehn Jahren die Penſionszahlungen
aufnimmt. Dieſe Gelder werden zum größten Teil in Pfandbriefen
und Kommunalobligationen angelegt werden, ſo daß die Emiſſionsinſti=
tute
in Zukunft ſich allmählich von den ausländiſchen Märkten werden
unabhängig machen können.
Die Sowjetregierung führt wieber Kohle ein. Die Sowjetregierung
ſoll erneut zur Einfuhr von ausländiſcher Kohle gegriffen haben. In
Moskau iſt der Vertreter der polniſchen Kohleninduſtrie, Graf Potozki,
eingetroffen, um mit der Sowjetregierung über die Lieferung von pol=
niſcher
Kohle für die Leningrader Induſtrie zu verhandeln. Die pol=
niſche
Kohle ſoll über die Geſellſchaft Ruspoltorg eingekauft werden.
Auch engliſche Kohle wird der Sowjetregierung zur Lieferung ange=
boten
. Diesbezügliche Verhandlungen werden in London und Moskau
geführt.

Metallnotierungen.

Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 24. September
ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz: unregelmäßig): Standard p. Kaſſe
64½½, 3 Monate 65½½, Settl. Preis 64½, Elektrolyt 71½7134,
beſt ſelected 6869½, ſtrong ſheets 94, Elektrowirebars 71½; Zinn

prompt 247., entft. Sichten 247/o, Settl. Preis 24½, Aluminium für
Inland (inoff. Not.) 95 für Ausland (inoff. Not.) 100, Antimon Reg.
engl. Erzeug.

Weißblech (inoff. Not.) 181/ Kupferſulphat (inoff. Not.) 24½25½,
Clebeland Eußeiſen Nr. 8 (inoff. Not.) 66, Gold 8411½,

Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 24. September.

Zum Wochenbeginn war das Geſchäft unter der Einwirkung des
isrgelitiſchen Feiertages im allgemeinen gering, die Stimmung jedoch
weiter freundlich. Die günſtige Außenhandelsbilanz wirkte nach, vor
allem aber glaubte man zum morgigen Prämienerklärungstag mit keinem
ſtärkeren Angebot mehr rechnen zu können, da die Engagements im all=
gemeinen
bereits ſtark verringert worden ſind. Auch für den Geldmarkt
befürchtete man im Hinblick auf die international eingetretene Erleichte=
rung
keine beſonderen Schwierigkeiten, wenn auch eine ſtarke Anſpan=
nung
erwartet wird. Gegen die Schlußkurſe vom Samstag war die
Kursentwicklung nicht einheitlich. Ueberwiegend bis 1 Prozent feſter er=
öffneten
die Montanwerte auf die weiter etwas erhöhten Förderungs=
ziffern
und den Rückgang der Feierſchichten im Ruhrbergbau. Auch Elek=
trizitätsaktien
lagew etwas feſter: Schuchert konnten 2 Prozent anziehen,
ACG., Felten und Siemens um Bruchteile eines Prozentes erhöht. J. G.
Farben blieben weiter vernachläſſigt und knapp behaupter, Scheideanſtalt
gaben den Kursgewinn vom Samstag wieder her (minus 1,75 Prozent).
In Anbetracht des für NSU. eingetretenen Kursrückganges waren Auto=
iktien
ſtärker beachtet. Kleher verloren 1.25 Prozent, Daimler blieben
auf dem ſtark ermäßigten Berliner Schlußkurs vom Samstag behauptet.
In NSU. kam ein Kurs zunächſt wieder nicht zuſtande. Taxe 38 bis 39
Prozent. Schiffahrtswerte und Banken zogen bis etwa 1 Prozent an.
Deutſche Anleihen lagem ſtill, auch ausländiſche Renten geſchäftslos, nur
Türken etwas gefragt. Im Verlaufe ſtagnierte das Geſchärt faſt voll=
kommen
, die Kurſe konnten jedech verſchiedentlich weiter leicht anzieben.
Verlangt waren wieder AEG. (plus 0,5 Prozent). Auch J. G. Farben
gelvannen 1 Prozent. Der Geldmapkt war wenig verändert. Tägliches
Geld 6 Prozent. Am Deviſenmarkt war der Markkurs befeſtigt, das
Pfund lag weiter abgeſchwächt. Mark gegen Pfunde 20,343: gegen Dollar
4.,1946; London-Kabel 4,8495; Paris 124,13; Mailand 92,73; Madrid
29,37 und Holland 12,09½
Berlin, 24. September.
Die Börſe eröffnete heute in einheitlich freundlicher Haltung; da die
Vorbereitungeu zum Ultimo beendet ſind und auch am bevorſtehenden
Zahltag infolge reichlicher Geldbereitſtellung keine Schwierigkeiten zu er=
warten
ſind, war die Stimmung allgemein zuverſichtlich. Nach Fet=
ſetzung
der erſten Kurſe blieb die Tendenz weiter freundlich und die
Kurserhöhungen konnten teilweife geringe Fortſchritte machen.
Im weiteren Verlauf der Börſe urde das Geſchäft allgemein ruhiger
und das Intereſſe konzentrierte ſich lediglich auf einige Spczialwerte.
Gegen Schluß des offiziellem Verkehrs engte ſich das Geſchär weiter ein.
Die Börſe ſchloß in feſter Haltung. Auch nachbörslich blieben die Kurſe
behauptet.

Augsb.=Nürnb. 9
Baſalt .."
Bergmann.
Berl. Karlsruh
Berl. Hand.=
Braunkohl. Brike

Deutſche

Deutſche Petrol=
Dynamit Nobel
Elektr. Lieferung
J. G. Farben.
Gelſenk. Berg.
G. f. elektr. Unte
Han. Maſch.=Eg
Hanſa Dampfſch
Hapag.
Harpner.
Hemoor Zement. . . .

22 24. 9. 22. 9. 186.75 187.75 Hirſch Kupfer 137. 100. 101.5 Höſch Eiſen 4137. 72.5 72.5 Hohenlohe Werke 72 200. 200 75 Kahla Porzellan. 128 72.5 71.75 1Kali Aſchersleben 298.25 299. Salzdetfurth . 4469. 1463. 178.5 178. Weſteregeln 285. 232. 231.75 Lindes Eismaſch. . .. 1178. 1177.
L. Loewe & Co.. 283. 284.876 169.5 169.5 Lingel Schuh ... 47. 165. 165. Mannesmann Röhren /138. 138 171. 171. Niederlauſitzer Kohle 170. 51.5 51.25 Nordd. Lloyd .. 152.75 138.875 139.625 Orenſtein. . . . . . 117,5 87. 89. Polyphon .. 482.5 122.25 122.25 Rütgerswerke. 103.87 1815
262.12: 183.75 Sachſenwerke", 123. S8. Siemens Glas 127.5 129 Ver. Glanzſtoff 578. 271.875 273.625 Ver. Stahllverke. T98. 46.5 46. Volkſtedter Porzellan / 66. 67.25 192 75 Wanderer Werke. 135. 160.75 161.5 Wiſſner Metall. 153. 152.
268,5 151.75
267. Wittener Gußſtahl. 55.5

24. 9
135.75
137.
72.
139.5
280. l283.25
287.75
252. 1255.
47.
170.
154. 875
119.
485.25
104.875
133.
144. 1144.
574.
98.375
138.
158.
55.5

Deviſenmarkt.

Selſingfors
Wien ..."
Prag ..."
Budapeſt
Sofia ...
olland ..
Cslo ...
lopenhagen
Stockholm.
ondon ..
Buenos Aires
Neu=York
Belgien ...."

22. . 24. 9. 22. 9. Geld / Brief Geld Brief Geld Brief 10.55 10.57 10.55 10.57 Italien ......." 21.92 21.98 59.01 59.13 (58.99 19.11 Paris ..... 16.365 16.405 12.421 12.441 2.42 2.44 Schweiz .. 39.605 80.76 73 02 73.16 73.02 73.16 Spanien.. 69.16 63 30 3.027 3.033 3.027 3.033 Danzig. 81. 21/ 81.3: 168.05 68.3 68.06 168. 4/ JFapan. . 1.9231 1.927 11f.70 111.92 111.6 111.90 Rio de Janeiro 19.4995/0.5015 111.73 11.95 111.7 111.9. Jugoſlavien .. 7.368 7.282 112.06 112.28 12.09 112 31 Portugal 18.83 18.87 20.32 20.364/20.322120.362 Athen ...." 5.425/ 5.435 1-763 1.767 1.761 1.76: Lonſtantinopel 2.171/ 2.17: 4 1910 4. 1990 4.1910 4.1990 Kanada. . . . . . . 4. 191/ 4.19 58.23 58.35 58.22 8.34 Uruguag 4.268 4.274

24. 9.
Gelb Brief
1.925121.965
6.36 16.40
30.625/83.785

69. 16/ 69.30

81. 25
1.918
1.4995
7.365
18.83
5.425

81.41
1.922
0.5015
7.379
18.87
5.435

2.171 2.175
4.191 4.199
4.266/ 4.274

Berliner Produktenbericht vom 24. September. Die Produktenbörſe
wies zu Beginn des neuen Berichtsabſchnittes infolge des jüdiſchen Feier=
tages
nur ſehr ſchwachen Beſuch auf, ſo daß ſich die Geſchäftstätigkeit in
engſten Grenzen hielt. Vom Auslande lagen beſondere Anregungen nicht
vor, die Cifofferten waren kaum verändert. Auch die Preiſe für In=
landsbrotgetreide
hielten ſich etwa auf Samstagbaſis, das Angebot war
ſpärlich. Vom Exportgeſchäft iſt im Augenblick nichts zu hören. Am
handelsrechtlichen Lieferungsmarkt kamen Notierungen für die Septem=
ber
=Sichten bei Eröffnung nicht zuſtande, die ſpäteren Sichten konnten
ſich für Weizen und Roggen um 1 bis 1,5 Mark befeſtigen. Mehl in
ruhiger Marktlage, am Maikte für Hafer und Gerſte kamen Umſätze
infolge des ſchwachen Beſuchs kaum zuſtande, das Preisniveau iſt wenig
verändert.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Chikago, 24. Sept. (Prib.=Tel)
Weizen: Am heutigen Markt ergaben ſich nur geringfügige Preis
ſchwantungen. Die Mühlen zeigten gutes Kaufintereſſe und der Exporin
verkauf war belebter. Später verſtimmten die großen Ankünfte 7m

Winnepeg und den Stapelplätzen. Gegen Schluß trat eine Erholung eim=
Mais: In Dezember=Ware waren größere Liquidationen zu bou
obachten auf die Schwäche der Märkte in Buenos Aires. Späder tro=
dann
ein Umſchwung ein auf den hauſſegünſtigen Wochenbericht, ſodas
die Termine bis 1½ C. höher ſchließen.
Roggen: Die beſſere Exportnachfrage und mäßige Ankünfte bewirh=
ten
eine überwiegend feſte Haltung.

Hafer: Der Markt verlief überwiegend ſchwächer auf Liquidationers
in September=Ware und die Abſchwächung in Winnepeg. Gegen Schluu

trat eine Erholung ein auf gebeſſertes Deckungsbedürfnis.
* New York, 24. Sept. (Ppiv.=Tel.)
Kaffee: Der Markt verlief in ziemlich ruhiger Haltung. Der
Kandel ſchritt zu Käufen auf Berichte über Froſt in Argentinien.

Zucker: Anfangs herrſchte beſſere Nachfrage auf die Schätzungenn
daß durch die Sturmſchäden 150200 000 Tonnen Ernteausfall entſtünn

den. Später ergaben ſich die Liquidationen aus Preisſicherungsse
verkäufen.
Baumwolle: Der Markt verkehrte unter mehrfachen Preisſchwanm
kungen in lebhafter Haltung. Anfangs ergaben ſich aus den Bevichtein
über die entkörnte Baumpolle und die Wetterberichte Preisgewinnen
Auf Abgaben für ſüdliche Rechnung gingen dieſe zum Teil wieder vern
loren. Kommiſſionäre nahmen dann wieder Käufe vor. Gegen Schlußn
bemerbte man teilweiſe größere Realiſationsneigung.

ruf
M 0 Me.
chie einen

Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 24. Sept.;
Getreide: Weizen, Sept. 11478, Dez. 11834, März 123: Mais:
Sept. 94½, Dez. 77½8, März 792; Hafer, Sept., Dez. 4238, Märn
44½; Roggen, Sept. 105½, Dez. 101½, März 10334.
Schmalz: Sept. 12,325, Okt. 12,30, Dez. 12,55, Jan. 1929 12,855
Fleiſch: Rippen, Sept. 14, Okt. 13,75, Dez. 13,50; Speck locr:
14,50; leichte Schweine 1112,60, ſchwere Schweine 11,6012,600
Schweinezufuhr Chicago 31 000, im Weſten 95 000.
Chicagoer Baumwolle: Okt. 18,19, Dez. 18,3018,31.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 24. Sept.
Getreide: Weizen, Rotwinter 164½, Hartwinter 131½; Maisi
neu angek. Ernte 92½; Mehl ſpr. wheat clears 5,606; Frach 6
nach England 1,32, nach dem Kontinent 813.
Schmalz: Prima Weſtern loco 13,20; Talg extra loſe 834.
Kakav: Tendenz ſtetig, Umſatz in lots 92, loco 10½, Oktober=
10,53, November 10,75, Dezember 10,96, Januar 1929 11,G7, Fe*
bruar 11,15.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.

Infolge des hohen jüdiſchen Feiertages war die Börſe kaum be=, ſodaß Geſchäfte nicht zum Abſchluß kamen. Die Notierungenu
fallen deshalb aus.

Die Berliner Metallnotierungen vom 24. September fielen auss

Infolge des jüdiſchen Feiertags iſt die Mannheimer Produktenbörſeſ
am Montag ausgefallen.

Die Mitgliederverſammlung des Siegerländer Eiſenſteinvereinss
beſchloß, die Verkaufspreiſe und Bedingungen für das letzte Viertel des
Jahres unverändert beſtehen zu laſſen.

In Berlin trat dieſer Tage die Internationale Viscoſe=Kunſtſeiden=
Convention für Oeſterreich und die Tſchechoſloſvakei zuſammen. Nac.*
eingehender Ausſprache über die derzeitigen Marktverhältniſſe wurden
beſchloſſen, die beſtehenden Verkaufsbedingungen aufrecht zu erhalten.n

u. id ſocher.
ee e
H ne
zudere Sichte
m Einfthrung.
undete Auerge
von der geh
mef=Induſtrie
diur Auergefellſchaf
Wie großen Fabrie
MArundſätzen arbeit
Hlung einen Flächen
Mgergefellſchaft hat
Tuerglühſtrüumpie
n Jahre 1897 el
und 1a08 das Ge
verzeugen allgen
Auer iſt Ehrer
hochſchulen Wien,
ügied der Akademie
Aus Mitglied der p
zin und Auswärt
zder Wiſſenſchaſten
zund iſt Ehrenmitg
EVereins Deutſcher
zund Waſſerfachmi
uund amerikaniſche
PMedaillen, und z
MMedal und fern
NGewerbevereins.
üFreiherrnſtand e
WWelsbach, weil
füiſt. Seine Ertau
auf die Dienf
2 Auer arbeitet ſeit
Müber ſeltene Erde
Jein aus ſechs 3
Aſtattetes Laborator
Wihn ſeine Chemiſd

Am heutigen Dienstag ſind 25 Jahre verfloſſen, ſeit Generaldirek=
tor
a. D. Dr. jur. Dr.=Ing. e. h. Dr. rer pol. e. h. Paul Silverberg,s
Leiter der Rheiniſchen A.G. für Braunkohlenbergbau und Brikettfabri=
kation in Köln iſt. Dr. Paul Silverberg iſt auch Präſidialmitglied des
Reichsverbands der Deutſchen Induſtrie.

Nach bei der Verwaltung der Frankfurter Hypothekenbank einge=!
laufenen Nachrichten von dem Amſterdamer Emiſſionshaus der in dei
letzten Tagen der vorigen Woche aufgelegten 3,75 Mill. RM. 7proz.z
ſieuerfreien Pfandbriefe iſt die Emiſſion überzeichnet worden.

Die Ciments luxembourgeoiſes (Verkaufskontor der luxemburgi=
ſchen Hüttenwerke für Zement) werden ihr Aktienkapital von 2,7 auffl
6 Mill. Frs. erhöhen.

Nach den ſoeben veröffentlichten Angaben des ruſſiſchen Handels=
kommiſſariats
betrug die Ausfuhr der Solvjetunion im Anguſt über
die europäiſche Grenze 62 Mill. Rbl. und tie Einfuhr 95 Mill. Rbl.I
Somit belief ſich der Paſſivſaldo auf 33 Millionen Rubel.

Mit dem letzten Samstag ſind in der Schweiz die Samstagbörſenm
wieder aufgenommen worden. Der offizielle Börſenſchluß erſolgt umm
11.45 Uhr.

Wie aus Athen gemeldet wird, hat eine deutſche Firma der Stadtl
Korinth ein Anleiheangebot für den Wiederaufbau der Stadt unters
breitet, die von dem an Griechenland zu zahlenden deutſchen Repara=
tiensanteil abgezogen werden ſoll. Weitere Anleiheangebote ſind vonn
britiſchen und franzöſiſchen Firmen erfolgt.

Mohalsant, Kommandttgefrafchefta
Frankfurter Kursbericht vom 24. September 1928.

Wie ie e
anleihe von 1927
60 Baden Frei=
ſtaat
von 1927
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 ....."
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927..
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927.

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. + 1
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe

8O Bad.=Bad. p.26
6%Berlin v. 24
8% Darmſtdt. v. 26
7% Frlf. a. M. v. 26
8%Mainz v. 26
8½Mannh. v. 26
8%Nürnberg v. 26

8% Berl. Hyp.=Bk.
8% Frkf. Hyp. Bk.
89
Pfbr.
180 Heſi. Landesot
6
8% Kom. Landes=
bank
. Darmſtadt
8% Mein. Hyp.Bk.
8% Pfälz. Hyp.Bk.
8½ Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. . . . .

87.5
78
79.5

84.25

52.3
16.625

Da
% Rhein.=Weſtf.=
Bd. Credit.....
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank
8% Württ. Hyp.=B.

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+* Ausl. Ser. I.
Ser. I

6.75

93

6% Daimler Benz
von 27
Klöckn=Werke
Berlin v. 26.
70 Mainkrw. v. 26
2 Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 2e
8% Voigt & Häffner
26

98
97.5
97.5
97.5

93:1,
97.5
97

5% Bosn. L. E. B.v.
1914..........
4½% Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
4O Oſt. Goldrente
4½% Rum. Gold
von 1913.
420 Türt. Admin.
4%
1. Bagd
42
Zollanl.
4½% 1913 Ungarn
1914
4% Ung. Godr.

Aktien

Ree
97.75
98

51.75
68.5

76

93
85.25

85.75
92

40

24
11.75

Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank..."
Eff.=u. Wechſel=
bank

...
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſellſch
Dresdner Bank
Frankf. Bank.
Hyp.=Bk...
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B
Mein. Hyp.=Ban
Metallbank. .
Nitteld. Creditbl
Nürnb. Vereinsbk.)
Oſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Bank
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbank
Hyp.=Bank
Südd. Bob.-Cr. Bk.
Wiener Bankvereir

151
305

A.=G.f. Verkehrswv
Dt. Eiſenb.=Geſ...
7% Dr. Reichsbahn=
Vorzge.

Hapag ........"
Nordd. Lloyd.
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ...
Comm. u. Privatb. 189

Accum. Berlin.
Adlerw. (v. Kleher//129.75
% AEG. Vorzug/ 83.25
SG. Stamm
Baſt N:
Bergm. El. W
BrownBoverickCie 1158.5
Brüning & Sohn. 1126.5

285
169.5

127
102
165
171.25
113
143.75
153
139
139
137.25
198.5
160

197.75
15.25

185
63

92.25

Re

80
187

en
Cement Heidelberg
Karlſtadt
Chem. WerkeAlbert.
Fabrik Milch
Daimler=Benz
Dt. Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin
Erdö. .....
Gold= u. Stib.=Anſtalt
Zinoleumwert
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Licht u. Kraft
Liefer.=Geſ.
Eſchw. Bergwverk
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei
Faber, Fo)., Bleiſt.
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. Fetter)
Frkft. Gas ......."
vof...."
Geilinz E Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. elektr. Un=
ternehmungen

Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün + Bilfinger.
Hafenmihle Frift.
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf,
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kuvfer ....
Hochtief Eſſen ...
Holzmann, Phil. . .

135.75
170
83

101
40

38.1

21971,
362

218
182

25

35
2621
159,
82

123

274
03
126.5
167

140
150

KRa He
Iſſe Bergb. Stamn
Genüſſe
Funghan: Stamm
Ku Aſchersleben.
Salzbetfurth
Weſteregeln
Kammgarnſpinn
Karſtadt, R...."
Klein, Schan/
Klöcknerwerke
Kraftw Alt=Württ.
Lahmeye:& Co.
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Hebr. Darmſt.
Main W. Höchſt
Main;. Akt.=Br.
Mannesn Röhren
Mänsfeld. Bergb
Mars=Werke
Metallgeſ. Franlft
Miag, Mühlenbau
Notorenfb. Darmſt
Neckav . Fahrzeug.
Nicolag, bofbr
Oyebenter
Oſterr. Alpine Mon.
Otavi Minen ... ..
Peter; mon Frkf.
Phönix Bergbau
Retntie: Geßb...
K) Braunkohlen..
Flektr. Stamm
Stahlwerke . .
Riebeck Montan
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke ....!

F

255
115.5
90

281.5

284.5
240

105
90

114
325

120
264
138.5
117
108
189
141
55.25

36.5

15.25
54

108.5
95.25

155
145.5

Schachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfrb.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Eleſtr.,
Schwarz Storcher
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Dalske
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ver.
Tell us Bergbau
Thür. Lief.=Geſ.
Tucher Brauere:
Unterfr. Ner .- Elel=
r
.=Ver).
Ve thwer!
Ver. f. Chem. Ind
Gummifabrik
Berlin=Fran!
Laurahütte
Stahlwer!e
Ultramarin.. .
Zellſt. Berlin
Vgtländ. Maſchinen
Voig & Haefmner
Wayß & Freniag.
Wege lin Rußfabrit
Werger Brauere‟
Zellſt. Aſchaffenbg.
Memel ...
Waldho

201
342
128.75
15

181

382.25
96

107

09

34.5
84.25

3is
170

86.5
216

144
2on

09.5
142.25
285.1

Altanz u. Stutg.
Verſicherung ..
Frkft. Allg. Verſ.=G/185
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . . . . 1136
Mamh. Verſich.

[ ][  ][ ]

Nummer 9

DARMSTADTER TAGBLATT HESSISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

25. September 1928

Auer 70 Jahre.
Von
Dr. Ing. F. M. Feldhaus, Berlin.
Am 1. September ds. Js. wurde Carl Freiherr Auer von
gialbach, der auf ſeinem Schloß Welsbach in Kärnten lebt, 70
ung alt. Er iſt ein Sohn des berühmten Alois von Auer, der
Staatsdruckerei in Wien zu einem Muſter=Inſtitut machte.
hr. ſtudierte in Heidelberg bei Bunſen. Chemiſche Unterſuchun=
a
Der ſeltenen Erden führten Auer ſowohl, zu bedeutſamen
vieriſchaftlichen Entdeckungen, als auch zu grundlegenden tech=
nhen
Erfindungen. 1885 zerlegte Auer das Didym in
Arisodym und Neodym. 1905 zerlegte er das Ytterbium in
9eSaranium und Caſſiopeium.
Eluf Grund ſeiner Arbeiten über ſeltene Erden, erfand Auer
15 das als Auer=Licht bekannte Gas=Glühlicht. Dieſe Erfin=
nig
brachte einen Umſturz in der Gas=Beleuchtung. Der alte
= und flackernde Schnittbrenner verſchwand und der ſoge=
mn
te Auer’ſche Gas=Strumpf konnte mit dem elektriſchen Licht
ylsreich konkurieren. Die durch die Erfindung des Auerlichtes
gſtandene Glühſtrumpf=Induſtrie wird vorwiegend durch die
Einführung der Erfindung Auers Anfang der 90er Jahre
grändete Auergeſellſchaft in Berlin verkörpert. Um einen Be=
gſ
von der gewaltigen Ausdehnung zu geben, die die Glüh=
ſtmpf
=Induſtrie genommen hat, ſei geſagt, daß in den Fabriken
Auergeſellſchaft 4000 Angeſtellte und Arbeiter beſchäftigt ſind.
2großen Fabrikanlagen dieſer nach modernſten fabrikatoriſchen
gundſätzen arbeitenden Werke bedecken in Berlin und Oranien=
rg
einen Flächenraum von über 120 000 Quadratmeter. Die
ger geſellſchaft hat die unter dem Namen Degea eingeführten
Le.=Glühſtrümpfe in allen Ländern der Welt bekanntgemacht.
Jahre 1897 erfand Auer die Glühlampe mit Osmiumfaden
w 1903 das Cer=Eiſen, das wir in den Gas= und Taſchen=
ſte
: zeugen allgemein verwenden.
2luer iſt Ehrendoktor der Univerſität Graz und der Techniſchen
ſtfchulen Wien, Karlsruhe und Graz. Er iſt Wirkliches Mit=
d
. der Akademie der Wiſſenſchaften in Wien, Korreſpondieren=
* Mitglied der preußiſchen Akademie der Wiſſenſchaften in Ber=
und Auswärtiges Mitglied der Kgl. Schwediſchen Akademie
a Wiſſenſchaften in Stockholm. Er beſitzt den Siemens=Ring
uriſt Ehrenmitglied der Deutſchen Chemiſchen Geſellſchaft, des
Ariins Deutſcher Chemiker, des Deutſchen Vereins der Gas=
w
:Waſſerfachmänner und vier anderer Vereine. Von engliſchen
ud amerikaniſchen Geſellſchaften beſitzt er die großen goldenen
drillen, und zwar die Birmingham=Medal, die Elliot=Creſſot=
Rdl und ferner die große Medaille des Niederöſterreichiſchen
Cwerbevereins. Im Jahre 1900 wurde Auer in den erblichen
Zeicerrnſtand erhoben. Auer lebt zurückgezogen auf ſeinem Schloß
Alsbach, weil er ſeit mehr als 20 Jahren ſchwer gehörleidend
MSeine Ertaubung iſt wohl wie auch bei Werner Siemens
auf die Dienſtzeit bei der ſchweren Artillerie zurückzuführen.
Aei arbeitet ſeit Jahren an intereſſanten chemiſchen Verſuchen
ſier ſeltene Erden. Zu dieſem Zweck hat er ſich in ſeinem Schloß
g aus ſechs Zimmern beſtehendes, ganz hervorragend ausge=
ſtietes
Laboratorium eingerichtet. Für größere Arbeiten ſtehen
ſinz ſeine Chemiſchen Werke in Traibach zur Verfügung.

Bildrundfunk
im eigenen Heim.

Von
Dr. Alfred Gradenwitz.
Von verſchiedenen Seiten bemüht man ſich gegenwärtig, die
ſilvtelegraphie, das heißt, die telegraphiſche Fernübertragung
ſn. Bildern, Schriftproben uſw. weiten Kreiſen zugänglich zu
nShen. Durch die Schaffung billiger und leicht zu bedienender
br arate will man es dem Rundfunkliebhaber ermöglichen, im
geien Heim Photographien und Zeichnungen zu empfangen.
ſie nur dem Ohr geltenden Darbietungen der Sendeſtationen
ilen auf dieſe Weiſe eine Ergänzung finden, an der das Auge
tiiligt iſt.
Begründete Ausſichten auf baldige Verwirklichung haben
ſe Pläne des engliſchen Erfinders Kapitän Fulton, der jahre=
ing
in Wien tätig war und dort die Vorbedingungen für die
alwige Einrichtung eines Bildrundfunkdienſtes ſchuf. Er will
i. den Schwerpunkt ſeiner Tätigkeit, ſoweit ſie den europäi=
hem
Kontinent betrifft, nach Berlin verlegen: Von dort aus
ilen die in großen Mengen fabrizierten Bildfunkempfänger
aw allen mitteleuropäiſchen Ländern, nach dem Balkan und
iderwärts exportiert werden. Für die lateiniſchen Länder
uropas ſoll Paris das Zentrum bilden, während England
ſide das britiſche Weltreich von London aus verſorgt werden.
n Wien und Paris ſoll die Einführung des Apparates, am
Oktober d. J erfolgen; über den Zeitpunkt, zu dem die
emtſche Rundfunkgeſellſchaft die Einführung geſtattet, liegt
oS keine endgültige Entſcheidung vor.
Der Fultograph ſo nennt der Erfinder ſeinen Empfangs=
ara
: iſt einfach konſtruiert, in ſeinen Leiſtungen aber
imeswegs primitiv. Die Wiedergaben ſind vielmehr, wie die
ſorführungen zeigten, von ſehr weitgehender Feinhcit und
ufprechen in allen Einzelheiten getreu dem Original. Das
nofangene Bild kann in ſeinen Halbtönen ganz nach Wunſch
hrreſtimmt werden und erhält durch ſeine braunrote Färbung
in an den photographiſchen Kunſtdruck erinnerndes Ausſehen.
Zeichnungen, Checks, Briefe, Tahellen uſw. werden direkt
iit. Harztinte auf metalliſiertem Papier hergeſtellt und ſind in
teſ er Form für die telegraphiſche Verſendung unmittelbar ge=
miet
. Photogradhien müſſen hingegen zunächſt auf ein bieg=
zies
Kupferblech übertragen werden, und zwar unter Ein=
haltung
eines Raſters, ſo daß die Wiedergabe aus leitenden
no nichtleitenden Stellen beſteht; erſt dann kann die Fernſen=
unig
erfolgen.
Aehnlich wie bei den meiſten bildtelegraphiſchen Verfahren
uid die Sendefolie um eine rotierende Walze gelegt, über die
ine Metallfeder in enganeinander liegenden Spiralen gleitet.
vierbei wird jedesmal, wenn eine leitende Stelle (entſprechend
in em hellen Bildpunkt) vorbeipaſſiert, ein Stromkreis geſchloſ=
en
, während er umgekehrt bei jeder dunklen Bildſtelle unter=
iwchen
wird. Bei jedem Stromſchluß geht aber ein kurz
amernder Stromſtoß (etwa /uooo Sekunde) durch, der entweder
ileer eine Drahtleitung oder drahtlos zum Empſänger geleitet,
ſnt von einem gewöhnlichen Rundfunkempfänger, und zwar
ntweder von einem Detektor= oder einem Röhrengerät, aufge=
engen
und in einen Arbeitsſtrom zurückverwandelt wird. Der
beitsſtrom geht nach einem kleinen Gleichrichter und von dort
ſanh dem Bildſchreiber, wo er eine getrene Wiedergabe des ur=
br
ünglichen Bildes herſteüt, und zwar nicht photographiſch,
gidern durch ein chemiſch=techniſches Verfahren mittels eines
a f präpariertem Papier zeichnenden Platinſtiftes. Das Pa=

Glühstrumpf, Osmiumlampe und Cer-Eisen,
drei wertvolle Ertindungen des Freihern Auer von Welsbach.

pier iſt auf eine ähnliche Walze aufgerollt wie die Metallfolie
des Senders; ſo oſt durch den Platinſtift ein Stromſtoß hin=
durchgeht
, zerſetzt er die das Papier durchtränkende Jodkali=
löſung
; auf dem Papier ſcheidet ſich ein feines Jodpünktchen
aus, und aus derartigen Elementen baut ſich die Wiedergabe auf.
Zwiſchen den beiden Walzen beſteht natürlich vollkommener
Synchronismus (Gleichtakt); beide machen in der Minute 45
Umdrehungen, und bei beiden kommen auf jeden Millimeter
ztvei Bildlinien, ſo daß ein Bild im Format 9X12 Zentimeter
in etwa 4 Minuten übertragen wird. Bei einer Neukonſtruk=
tion
ſoll die Liniendichte jedoch um 25 Prozent geſteigert und
hierdurch das Bild entſprechend verſeinert werden. freilich
mit einem kleinen Opfer an Geſchwindigkeit; die Uebertragung
wird dann etwa 5 Minuten beanſpruchen.
Durch den Bildfunk ſollen z. B. als Ergänzung zu den bis=
herigen
Hörſpielen auch Szenenbilder übermittelt, Vorträge
durch bildliche Darſtellungen erläutert, Sportnachrichten und
Tagesberichte durch aktuelle Aufnahmen ergänzt und das In=
tereſſe
an den mitwirkenden Künſtlern durch die Uebertragung
von Porträts erhöht werden. Freilich werden derartige Ueber=

Kapitän Fulton mit seinem Apparat vor dem
Fürstenhof zu Berlin.
tragungen nicht gleichzeitig mit den für das Ohr beſtimmten.
ſondern kurz vorher oder in den Pauſen erfolgen können. Auch
gefunkte Wetterkarten und Preisrätſel dürfen zur Bereicherung
des Programms beitragen.
Ebenſo wie in Verbindung mit dem Rundfunk kann der
Fultograph auh im Zuſammenhang mit dem Telephon, und
zwar zu einem Wechſelverkehr zwiſchen den einzelnen Fern=
ſprechteilnehmern
, benutzt werden. Außerdem ſoll er aber auch
rein praktiſchen Zwecken dienen, z. B. die Polizei durch Fern=
übertragung
von Fingerabdrucken, Steckbriefen und anderen
Dokumenten, deren Empfaug auch auf Schiffen und Flugzeugen
möglich iſt in ihrer Tätigkeit zu unterſtützen. Auch Aerzte
werden im Fuliographen gelegentlich ein wertvolles Hilfsmittel
finden, wenn es ſich z. B. in dringenden Krankheitsfällen um
die Verſendung von Röntgenbildern handelt, auf Grund deren
eine beſchleunigte Operation möglich wird. Die telegraphiſche
Verſendung von Konſtruktionszeichnungen dürfte in der Technik
eine gewiſſe Bedeutung erlangen, und in noch größerem Um=
fange
dürfte das geſamte Bankweſen durch die Fernübertra=
gung
von Unterſchriften und anderen Dokumenten aus dem
neuen Apparat Nutzen ziehen.
Mit allen dieſen Anwendungen würde der Fultograph
natürlich über ſein eigentliches Gebiet, den Bildrundfunk,
hinaus gehen.

Schienen-Ueberhöhung
und Spurerweiterung.
Von
Dipl.-Ing. A. Lion, Berlin.
Die letzten Urſachen der ſchweren Eiſenbahnunglücke in Bahern
ſind noch nicht einwandfrei aufgeklärt. Man weiß noch nicht, ob
plötzlich ſich verhängnisvoll auswirkende Fehler am rollenden Ma=
terial
oder Unregelmäßigkeiten am Unterbau letztes Endes die
Urſache der ſchrecklichen Kataſtrophen geweſen ſind. Unter anderm
iſt ja behauptet worden, daß die Geſchwindigkeit von 80 Klm.
während des Unglücks bei Fürth in der fraglichen Kurve im Ver=
hältnis
zum Krümmungsradius der Kurve und zur Schienen=
überhöhung
an der fraglichen Stelle zu groß geweſen ſei. Ob
dieſer Vonwurf berechtigt iſt, oder ob das Unglück auf ganz andere
Gründe zurückgeführt werden muß, kann hier natürlich nicht
unterſucht werden. Man darf nicht vergeſſen, daß im allgemeinen
an beſtimmten Stellen des Schienenſtranges doch immer wieder
dieſelben Geſchwindigkeiten erreicht und eingehalten werden, und
daß wohl ohne Weiteres dieſe Geſchwindigkeiten nicht verhäng=
nisvoll
werden können, wenn nicht irgend ein, wenn auch noch ſo
kleiner Umſtand unerwarteterweiſe eingreift und ſich zu einer
ſchweren Kataſtrophe auswirkt. Wenn nicht Fehler, die auf menſch=
liche
Unzulänglichkeit zurückgeführt werden können, wie beim
letzten Unglück nahe dem Münchener Hauptbahnhof, die Urſache
einer Kataſtrophe ſind oder Natrereigniſſe, wie beim Unglück
der Harzbahn im vorigen Sommer, das letzten Endes durch plötz=
lich
einſetzende ſchwere Wolkenbrüche und Ueberſchwemmungen
verurſacht worden iſt, dann können es Umſtände ſein, die ſo
geringfügig ſind, daß man ſie ohne weiteres nicht erkennt und ſie
nie für derartige Ereigniſſe verantwortlich machen würde, ſelbſt
wenn man ſie vorher bemerkte.
Derartige Urſachen können z. B. ganz feine Schienenbrüche
ſein, die man mit dem bloßen Auge gar nicht bemerkt. Da aber
infolge der ſog. Kerbwirkung jeder Sprung im beanſpruchten
Material was ja die Schiene iſt allmählich weiter vordringt
und langſame Zerſtörung, auch durch Roſt uſw. verurſacht, ſo
cann durch einen unſichtbaren Sprung unter unglücklichen Ver=
hältniſſen
ſchon ein ſchweres Eiſenbahnunglück verurſacht werden.
Man hat ſchon früher verſucht, ſolche feinen Sprünge automatiſch
feſtzuſtellen, aber das damals in Amerika ausgearbeitete mag=
netiſche
Verfahren hat ſich nicht bewährt. Ein neues amerika=
niſches
Verfahren des Ingenieurs Sperry beruht auf dem Um=
ſtand
, daß Brüche im Material, alſd praktiſch kleine luftgefüllte
Einſchnitte, eine Vergrößerung des elektriſchen Widerſtandes an
der betreffenden Stelle zur Folge haben, alſo einen Spannungs=
abfall
eines durch den Schienenabſchnitt fließenden elektriſchen
Stromes. Auf Einzelheiten des Verfahrens, das die fehlerhafte
Stelle ſofort durch Farbſpritzer markiert und außerdem auf einem
Papierſtreifen die Stärke des Bruches anzeigt, ſoll hier nicht ein=
gegangen
werden; es iſt bereits auf einer Verſuchsſtrecke der
New Yorker Zentralbohn praktiſch erprobt worden.
Gegen derartige kleine, verhältnismäßig ſelten auftretende
Urſachen von Kataſtrophen kann man ſich natürlich ſehr ſchwer
ſchützen, höchſtens durch Beſchränkung auf nur das beſte Material
für Unterbau und Wagen. Die eingangs erwähnte Behauptung,
die eine zu große Geſchwindigkeit im Verhältnis zur vorhandenen
Ueberhöhung der Schienen für das Unglück verantwortlich machen
will, weiſt aber auf Zuſammenhänge hin, durch die allgemein
verhindert wird, daß nicht in jeder Kurve die Gefahr einer Ent=
gleiſung
beſteht, vor allem auf die Begriffe Ueberhöhung und
Spurerweiterung.
Wenn man in der Eiſenbahn fährt, ſieht man oft an den
Kurven Tafeln angebracht, wie Bild 1 zeigt. Auf ihnen ſind die
Werte des Halbmeſſers (Radius) der Kurve, ihre Bogenlänge, die
Ueberhöhung und die Spurerweiterung eingetragen. Welche Be=
deutung
haben nun dieſe Zahlen, und was haben ſie mit der
Sicherheit des Reiſenden zu tun? Der Halbmeſſer der Kurve
wird ſo feſtgelegt, daß man ein kleines Bogenſtück der Kurve als
Teil eines Kreiſes annimmt, deſſen Radius dann leicht zeichneriſch
oder rechneriſch zu beſtimmen iſt. Natürlich gilt dieſer Halbmeſſer
nur für einen kleinen Teil der im allgemeinen ja nicht kreis=
förmigen
Kurve. Die Bogenlänge iſt leicht abzumeſſen und ſpielt
nur eine untergeordnete Rolle. Mit den beiden anderen Begriffen
hat es folgende Bewandtnis:
Schleudert man einen. an einem Faden befeſtigten Gegenſtand
im Kreiſe herum, dann ſpürt man deutlich eine Zugkraft im
Faden, die unter Umſtänden ſo groß werden kann, daß der
Faden reißt. Dieſe Kraft wird im allgemeinen mit Zentrifugal=
oder
Fliehkraft bezeichnet. Sie tritt bei allen krummlinigen Be=
wegungen
auf und kann als in Richtung des jeweiligen Kurven=
halbmeſſers
nach außen wirkend gedacht werden. Dieſe Kraft
wächſt unmittelbar mit der Maſſe des ſich krummlinig bewegen=
den
Gegenſtandes, d. h. ſie iſt ihr direkt proportional, ſie iſt um=
gekehrt
proportional dem Krümmungshalbmeſſer und wächſt mit
dem Quadrat der Bewegungsgeſchwindigkeit, iſt alſo mehr als
von den beiden anderen Einflüſſen von der Größe der qugenblick=
lichen
Geſchwindigkeit abhängig. Dieſe Fliehkraft tritt auch auf,
wenn ein Eiſenbahnzug ſich in einer Kurve bewegt. Sie werde
mit F. bezeichnet (Bild 2). Iſt keine Ueberhöhung vorhanden,
d. h. liegen die beiden Schienen in gleicher Höhe, dann werden
ſich unter der Wirkung dieſer Fliehkraft die Radflanſchen an die
äußere Schiene anlegen. Die Folge iſt eine Reibung zwiſchen
den Radflanſchen und den Schienen, die durch erhöhte Zugkraft
überwunden werden müßte, während gleichzeitig dieſe Reibung
eine erhöhte Abnutzung des Materials zur Folge hat. Wenn die
Fliehkraft zu groß wird, dann zerſtört ſie die äußere Schiene, der
Zug ſpringt aus der Schienenführung, entgleiſt! Das wird ver=
mieden
durch paſſend gewöhlte Ueberhöhung der äußeren Schiene
gegenüber der inneren. Beim in der Kurve fahrenden Zug wir=
ken
, wie Bild 2 zeigt, gleichzeitig zwei Kräfte, nämlich das Zug=
gewicht
G und die Fliehkraft E, die man ſich beide zu einer Re=
ſultierenden
R zuſammengeſetzt denken kann. In der Kurve wird
nun die äußere Schiene ſo weit gehoben, daß dieſe Reſultierende
ſenkrecht auf den Unterbau drückt, alſo nicht mehr ſchräg ſeitlich
gegen eine der beiden Schienen. Auf dieſe Weiſe kommt die
Ueberhöhung zuſtande. Im Bild h genannt. Wie groß ſie ſein
muß, iſt ſehr leicht zu errechnen, da ja die Größe der Fliehkraft
bekannt iſt.
Auf die Rechnung ſelbſt ſoll nicht näher eingegangen werden.
Man ſieht ja aus der Zeichnung, daß zwei ähnliche rechwwinklige
Dreiecke vorhanden ſind, eins mit den beiden bekannten Kräften
F und G, das andre mit den Größen der Ueberhöhung h und der
Spurweite der Schienen s. Aus den Beziehungen dieſer beiden
ähnlichen Dreiecke iſt ganz leicht die Größe der Ueberhöhung h zu
berechnen, wobei ſich herausſtellt, daß das Zuggewicht keinen Ein=
fluß
auf die Größe hat, daß ſie aber unmittelbar abhängt von der
Spurweite s der Bahn und mit dem Quadrat der Fahrgeſchwin=
digkeit
wächſt, dagegen umgekehrt proportional iſt dem Helbmeſſer
der Kurve. Hat man alſo ausgerechnet, wie groß bei einer be=
ſtimmten
Geſchwindigkeit in einer beſtimmten Kuroe die Ueber=

[ ][  ][ ]

Dienstag, 25. September 1928.

Techmk der Gegenwert

höhung auf einer deutſchen Bahnſtrecke mit der Normalſpur
1435 mm ſein muß, dann muß die Ueberhöhung auf einer Strecke
der ruſſiſchen Bahn mit der Spur 1600 mm unter den gleichen
Verhältniſſen entſprechend größer ſein, entſprechend kleiner aber
auf einer Schmalſpurbahn in Indien. Wird die Kurve enger,
geht alſo z. B. ihr Halbmeſſer von 500 m herunter auf 250 m,
dann muß die Ueberhöhung doppelt ſo groß ſein. Jedermann
kennt ja die ſtarken Ueberhöhungen bei engkurvigen Radrenn=
bahnen
. Wird aber die Geſchwindigkeit des Zuges doppelt ſo
groß, vielleicht weil auf der Strecke Schnellzüge eingelegt werden,
dann muß die Ueberhöhung viermal ſo groß gemacht werden.

Bild 1. Kurventafel an den Krümmungen der Bahnen.
Deshalb kann, um ein Beiſpiel zu nennen, der Opel=Sander=
Raketenwagen nur auf einer geraden Strecke der Reichsbahn ſeine
Probefahrten machen, weil für derartig hohe Geſchwindigkeiten
keine entſprechenden Ueberhöhungen auf krummlinigen Strecken
vorhanden ſind. Natürlich kann die Ueberhöchung immer nur für
eine beſtimmte Geſchwindigkeit berechnet werden. Iſt die Fahr=
geſchwindigkeit
größer, dann legen ſich die Radflanſchen an die
äußeren, iſt ſie kleiner, an die inneren Schienen an.
Um noch einmal auf die Zahlen der Dafel Bild 1 zurückzu=
kommen
: Berechnet man aus den Angaben des Kunvenhalb=
meſſers
und der Ueberhöhung die theoretiſch zuläſſige Höchſtge=
ſchwindigkeit
des Zuges in dieſer Kurve, dann ergibt ſich eine
Sekundengeſchwindigkeit von 15 Metern oder eine Stundenge=
ſchwindigkeit
von 54 km, alſo eine gute Perſonenzuggeſchwindig=
keit
. Bei dieſer Geſchwindigkeit wird ſich der Zug gut in die
Kuwe legen, und der Reiſende hat noch nicht einmal das Gefühl,
in einer Kurde zu fahren, es ſei denn, daß er aus dem Fenſter
ſieht und es ihm auffällt, daß die Landſchaft an der einen Seite
zu ſteigen oder zu fallen ſcheint.

Bild 2. Skizze zur Erläuterung der Ueberhöhung in Kurven.
Die Tafel Bild 1 trägt aber noch eine vierte Angabe, nämlich
die der Spurewweiterung, in dieſem Fall 10 mm. Dieſe Angabe
hat folgende Bedeutung: In einer Kurve muß die äußere Schiene
länger ſein als die innere, wovon man ſich leicht überzeugen kann,
wenn man um einen Mittelpunkt zwei verſchieden große Kreiſe
gieht. Die Folge iſt, daß das äußere der beiden an der Wagen=
achſe
ſitzenden Räder einen größeren Weg zurücklegen müßte als
das innere, daß es, weil ja beide ſtarr miteinander verbunden
ſind, ſchleifen müßte, was ſtärkere Abnutzung verurſachte und eine
größere Zugkraft erfordern würde. Um dem abzuhelfen, ſind die
Laufflächen der Räder koniſch abgedreht (Bild 3). Die Räder
haben im allgemeinen zwiſchen den Schienen einen Spielraum
von 10 mm, in den Kurven gleiten ſie nach außen, ſo daß, wie
eine einfache Ueberlegung mit Hilfe von Bild 3 ergibt, das äußere
Rad auf einem größeren Raddurchmeſſer läuft als das innere,

Bild 3. Die konische Form der Radreifen ist wegen des
sicheren Durchtahrens von Kurven notwendig.
und zwar ganz von ſelbſt als einfache Folge der koniſchen Ab=
drehung
der Laufflächen. Dadurch wird das Schleifen auf den
Schienen vermieden, die Räder ſtellen ſich von ſelbſt richtig in den
Kurven ein. Bei ſtarken Krümmungen aber, im allgemeinen bei
ſſolchen mit Halbmeſſern unter 600 m, reicht unter Umſtänden der
vorhandene Spielraum von 10 mm nicht aus, und man muß eine
Spurerweiterung vorſehen, wie ſie die Tafel Bild 1 angibt. Dann
läuft zwar das äußere Rad auch nur auf dem größten vorhan=
denen
Durchmeſſer der Lauffläche, das innere aber läuft in der
Kurve auf einem Hleineren, als es ihm ohne Erweiterung der
Spur möglich wäre. In ſcharfen Kurven iſt die Spurerweiterung
recht beträchtlich, z. B. bei einem Halbmeſſer von nur 200 m ſchon
24 mm. Für die Sicherheit des Reiſenden haben alſo die kur=
zen
Angaben auf den kleinen Tafeln in den Kurven eine außer=
erdentliche
Bedeutung.

Einsturzursachen
bei Betonbauten.
Von
Alfred Ott, Kassel.
Anm. d. Schriftltg.: Herr Prof. Kleinlogel hat
uns freundlicherweiſe zugeſagt, das angeſchnittene
Thema in einem Aufſatz ſelbſt noch naher dar=
zulegen
.
Anläßlich einer Berufungsverhandlung vor der Großen
Strafkammer in Kaſſel am Freitag, 10. Auguſt, machte der u. a.
als Sachverſtändiger zugezogene Prof. Dr.=Ing. Kleinlogel
von der Techniſchen Hochſchule in Darmſtadt erſtmalig ſehr lehr=
reiche
Mitteilungen über Forſchungsergebniſſe, die auch für die
weitere Fachwelt von Intereſſe ſein dürften. Es handelte ſich um
den bereits am 26. November 1922 infolge Zubruchgehens einer
Säule erfolgten Einſturz eines in Ausſchaltung begriffenen Eiſen=
beton
=Fabrikbaues der Maſchinenfabrik Benno Schilde in Hers=
feld
, wobei 5 Montagearbeiter erſchlagen wurden. Nachdem das
Verfahren wiederholt eingeſtellt war, kam das erweiterte Schöf=
fengericht
in Kaſſel am 12. März ds. Js. zu einer Verurteilung
des bauleitenden Ingenieurs S. wegen fahrläſſiger Tötung zu
6 Monaten Gefängnis; der Betonpolier ſowie der die Ausſcha=
lung
beſorgende Zimmermann wurden freigeſprochen. Das Ge=
richt
ſah damals, die Fahrläſſigkeit des S. in der Hauptſache
darin, daß er zwar am 21. Tage nach der Betonierung der be=
treffenden
Bauteile eine Prüfung auf genügende Erhärtung vor=
genommen
hatte, die an ſich befriedigend ausfiel, daß er aber
dann am 35. Tage, als er den Auftrag zur Ausſchalung erteilte,
ſich nicht noch einmal von dem Zuſtand des Bauwerkes überzeugt
hatte. Das Gericht war der Anſicht, daß dieſe nochmalige Prü=
fung
beſonders deshalb am Platze geweſen wäre, weil inzwiſchen
Regenwetter und Froſt eingetreten war. Wenn Herr S. am Tage
des Beginnes des Ausſchalens zugegen geweſen wäre, ſo hätte
er auch den in der fraglichen Säule aufgetretenen Riß bemerken
müſſen, der mach übereinſtimmender Anſicht der Sachverſtändigen
den unmittelbaren Anlaß zum Einſturz gegeben hatte. In dem
betreffenden Geſchoß waren aber, entgegen der ausdrücklichen An=
ordnung
des bauleitenden Ingenieurs, von den Arbeitern einer
anderen Firma, welche die Eiſen= und Dachbinder zu montieven
hatten, eine große Anzahl von Sprießen und Notſtützen unbefug=
terweiſe
entfernt worden, der leitende Monteur hatte für den
Flaſchenzug ſeiner Aufzugswinde (er ſoll dies ſelbſt zugegeben
haben) die fragliche Säule mit als Stützpunkt benützt, wodurch
leicht eine Beſchädigung der fraglichen Säule entſtanden ſein
kann; volle Klärung war in dieſer Hinſicht durch die Zeugen nicht
zu ermitteln. In den ſeit dem Einſturz vergangenen nahezu
6 Jahren wurde eine große Anzahl Sachverſtändigen=Gutachten
eingefordert, darunter auch ein ſolches von Prof. Dr.=Ing. Klein=
logel
. Dieſer hatte aber gerade dieſes Bauunglück zum Anlaß
genommen, um eine ganze Reihe von Laboratoriumsverſuchen
anzuſtellen, da er ſich mit Vermutungen nicht zufrieden geben
wollte. So hatte er u. a. feſtgeſtellt, daß der aus Portlandzement,
Sand und Baſaltſplitt beſtehende Beton ſelbſt bei aller labo=
ratoriumsmäßigen
Sorgfalt bei der am Bau üblichen flüſſigen
Konſiſtenz, nur ganze geringe Feſtigkeiten erreichte, während ſich
bei erdfeuchter Miſchunng ſehr hohe Zahlen ergaben. Es war zwar
bebannt, daß bei größerem Waſſerzuſatz die Feſtigkeit ſinkt, jedoch
nicht in ſo überraſchendem Maße. Die weiteren Forſchungen
Kleinlogels führten dann zu der Erkenntnis, daß beſonders der
im Baſalt enthaltene Baſalt=Grus, und hier insbeſondere die
ſtaubfeinen Teile, eine beſonders nachteilige Wirkung ausüben.
Die damalige Art und Weiſe, den Erhärtungsgrad von Beton
durch das berüchtigte Anſchlagen zu prüfen, war völlig unzu=
reichend
: heute ſtehen ganz andere Prüfungsmittel zur Ver=
fügung
. Bei der Eigenart des Baſaltmaterials entſtehe oft eine
ſog. Scheinfeſtigkeit, wobei z. B. Säulen außen auf 23 Zenti=
meter
eine genügende Erhärtung aufweiſen, während der Kern
der Säulen noch völlig weich iſt, beſonders wenn noch Regen=
wetter
während und nach der Herſtellung des Betons mitwirkt.
Der Angeklagte S. hat damals übrigens nicht nur eine Säule,
ſondern mehrere Säulen angeſchlagen, er hätte am Tage der
Ausſchalung auch nichts anderes feſtſtellen können; von dem Riß
war ihm keinerlei Meldung zugegangen. Prof. Kleinlogel hat ſich
auch noch ausführlich über die Fraglichkeit der nachträglichen
Beſtimmung von Miſchungsverhältniſſen ausgeſprochen, und
zwar dahingehend, daß ſolcher nachtröglichen Beſtimmung nur
dann eine Bedeutung zuzuerkennen iſt, wenn die urſprünglich ver=
wendeten
Bauſtoffe (Bindemittel und Zuſchlagſtoffe) bei der
Unterſuchung noch vorhanden ſind. Auf Grund ſeiner umfang=
reichen
Forſchungen, deren einzelne Wiedergabe hier zu weit füh=
ren
wünde, iſt Prof. K. der Anſicht, daß auch andere Bauunfälle
der letzten Zeit in der Kaſſeler Gegend auf ähnliche Urſachen zu=
rückzuführen
ſind, deren Aufdeckung nur durch Verſuchsforſchung
möglich war.
Die Strafkammer, unter dem Vorſitz des Landgerichtsdirek=
tors
Hübner, machte ſich das auf Gründlichkeit und eingehendes
Wiſſen beruhende Gutachten des Prof. Kleinlogel im Gegenſatz
zu anderen Gutachten vollinhaltlich zu eigen, da ſeine Forſchungen
auf dieſem Gebiet auch für das Gericht überzeugend ſeien. Die
Fdrſchungsergebniſſe des Hr. Prof. Kleinlogel, welche den drei
Angeklagten zur Freiſprechung verhalfen, werden in den nächſten
Wochen von ihm ſelbſt der Oeffentlichkeit unterbreitet werden.
Beutscher Schiffbau
für England.
Von
Dipl.-Ing. H. Harms, Hannover.

Im vorigen Jahre konnten wir über 5 ſchnellfahrende Fracht=
motorſchiffe
, welche die Deutſche Werft, Hamburg, für eine eng
liſche Reederei erbaut hat, berichten. Auch in dieſem Jahre
wieder iſt Deutſchland am Schiffbau für England beteiligt. Die
Deutſchen Werke Kiel A.=G. (ehem. Kaiſerl. Werft) haben kürzlick
2 hochwertige Doppelſchrauben=Frachtmotorſchiffe für die Britiſh
Transoceanie Steamſhip Co. Ltd., London, zur Ablieferung ge
bracht, welche die Namen Pacific Preſident und Pacific Grove
erhalten haben. Die Pacific Grove beſitzt eine Länge vor
137,20 Meter, eine Breite von 18,50 Meter und eine Seitenhöh
bis Hauptdeck von 13,00 Meter. Die Tragfähigkeit beträgt etwa
10000 Tonnen. Das Schiff iſt auch für die Beförderung von
Fahrgäſten eingerichtet, und zwar können 12 Kajütpaſſagiere
untergebracht werden.
Die Hauptmaſchinenanlage beſteht aus 2 einfachwirkenden
Sechszylinder=Viertaktmotoren eigener Bauart der Werft von
etwa insgeſamt 4200 PS, welche dem Fahrzeug eine Geſchwindig
keit von 12,5 Seemeilen pro Stunde geben ſollen, doch wurden
auf der Probefahrt 14 Seemeilen erreicht. Die ſämtlichen Hilfs=
maſchinen
auf und unter Deck werden elektriſch betrieben.
Es ſei noch erwähnt, daß in dieſem Jahre eine ganze Reihe
weiterer Auslandsaufträge, vor allem für nordiſche Staaten, fer=
ner
aber auch für Frankreich, Amerika, Spanien und Rußland
zur Ablieferung gelangen wird. Der bemerkenswerteſte Bau iſt
die bei Blohm u. Voß, Hamburg, der Vollendung entgegen=
gehende
Rungsholm der Schweden=Amerika=Linie, ein Motor=
Fahrgaſtſchiff von 17 000 Br.=Reg.=To.

* Die Deutſche Reichsbahn auf der Preſſa. Der Preſſedienſt =
Deutſchen Neichsbahn hat anläßlich der Ausſtellung der Reichsbabin
geſellſchaft auf der internationalen Preſſe=Ausſtellung in Köln eimn
kleines Druckſchriftchen herausgegeben, das als Führer zu dieſer Ant
ſtellung angeſehen werden kann. Das Heftchen zeigt, wie es die Aufel
ſtellerin verſtanden hat, unter kluger Beſchränkung auf das Anes.
weſentlichſte ſehr anſchaulich die Beziehungen zwiſchen Preſſe und Babun=
verkehr
darzuſtellen. Die Preſſe benötigt den Bahnverkehr zur Herarp,
ſchaffung des Druckpapieres und zur Beförderung der gedruckten Za=
tungen
. Sie benötigt auch die Bahnhofsbuchhandlungen, die dem rw=
ſenden
Publikum die Zeitungen in da3 Bahnabteil liefern. Umgekeh=n
enötigt aber auch die Bahn die Preſſe als vorzüglichſtes Propagand, o=
mittel
, als Anreiz zum Reiſeverkehr.

* Bauweltkatalog. Branchekenntniſſe ſind etwas, das in einem kaup.
männiſchen Betrieb zu den notwendigen Fähigkeiten des Perſonals m=
hört
. Die Bauwelt muß auch ihre Branche kennen. Es iſt ihr ab .
nicht möglich, für all die vielartigen Buteile eines Hauſes Bezua=
zuellen
im Kopfe haben, insbeſondere wenn es ſich um Spezialartikiu
handelt, die nur von wenigen Firmen hergeſtellt werden. Bezugsaus,
lenverzeichniſſe gehörten daher immer zum eiſernen Beſtand techniſchem
Zeitſchriften. Sie waren aber inſofern mangelhaft, als meiſt vur dc.
inſerierenden Firmen aufgenommen wurden. Der Bauwelt=Verlag bego.
ſichtigt, nun einen Bauweltkatalog in Zuſammenarbeit mit dem Stit.
dienausſchuß für zeitgemäßes Bauen (Studau) des Bundes deutſchw
Architekten (B. D. A.) herauszugeben. Dieſer Katalog paßt ſich einem i
Amerika ſeit 22 Jahren beſtehenden ähnlichen Werk an: Sweettl
Architectural Katalogue‟. Nach Fachgruppen getrennt ſollen hierin oller
Bauſtoffe, Baubeſtandteile und Bauleiſtungen aufgezählt werden, die dau
Markt anbietet. Der Katalog wird den Baubehörden, Privatarchitekten
und Bauunternehmern jährlich unentgeltlich zugeſtellt. Die benannts=
Stellen werden dieſes Werk, da es zweifellos einem Bedürfnis gerest
wird, ſicherlich gerne aufnehmen.

* 25 Jahre Damefturbinenbau bei der Allgemeinen Elektrizität./
Geſellſchaft. Anläßlich dieſes Jubiläums hat die A. E.G. das Julihes I
ihrer Mitteilungen als Sonderheft ihrer Turbinenbau=Abteilung be=
ausgegeben
. De: erſte Aufſatz dieſes Heftes handelt von dem Werdä
gang der A.E.G.=Turbinen. Er iſt von Dipl.=Ing. H. Treitel verfaſſ.
und ſtellt einen Auszug au= dem einleitenden Aufſatz einer demnächth
erſcheinenden Druckſchrift dar. Die beiden folgenden Aufſätze übee
Aufbau, Herſtellung und Betrieb von Turbinengetrieben und zwes
gehäuſige Schiffsturbinen haben den jetzigen geiſtigen Führer der Turn
binenfabrik, Herrn Profeſſor Dr.=Ing. E. A. Kraft zum Verfaſſer. Dau
Heft enthält weitere Aufſätze über ein 120 at.=Kraftwerk, über den We
zur Vorwärmturbine und die Turbine im Rahmen der Elektrizität= t=
wirtſchaft
. In der kurzen Zeit ihres Beſtehens hat ſich die Damp
turbine eine beherrſchende Stellung im Rahmen der Krafterzeugungss
maſchinen erobert, insbeſondere dann, wenn große und größte Leiſtun
gen zu erzielen ſind. Mit Nückſicht auf den reichen Inhalt dürfte dan
Heft ganz beſonderer Beachtung wert ſein.
* Kältemaſchinen ſind bei uns noch ein Genuß, den ſich im Priva=u
haushalt nur ſehr Reiche leiſten können. Das Gewerbe, das ſie zunr
Friſchhalten der Waren braucht, iſt bereits beſſer damit ausgeſtattes
In Amerika, das unter ſeinen Hitzewellen mehr leidet als Europa, ſinn
bereits 350 000 Wohnungen im Jahre 1927 mit elektriſchen Kältemaſch6
nen ausgerüſtet worden.
* Internationale Straßenfahrordnung. Durch den wachſendes
Automobilverkehr hat auch der Verkehr über die Landesgrenzen hinamu
in Europa ſehr zugenommen. Dem aufmerkſamen Beobachter entgehll
es nicht, daß ausländiſche Wagen auch in Deutſchland von Jahr z=u
Jahr immer mehr zu ſehen ſind. Die Regierungen der europäiſchers
Länder haben deswegen Verhandlungen aufgenommen, die zu eine
Einheitlichen Straßenfahrordnung führen ſollen. Im Herbſt dieſe=
Jahres ſoll auf einem Internationalen Kongreß eine Entſcheidun
über dieſe Fahrordnung getroffen werden.

* Von der Normung. Von dem Gegenſtand ſelbſt greift die Noru
mung ſchon ſeit einiger Zeit auch auf die Verpackung über. Vielfac
gibt es Dinge, die ohne großen Zwang in einheitliche Behälter vern
packt werden können. Beſonders die ſchmiegfamen Erzeugniſſe der BS
kleidungsinduſtrie eignen ſich hierzu. Die Intereſſenvertretungen der
beteiligten Induſtrien haben einheitliche Kartongrößen für Stehkragenn
Stehumlegkragen, halbſteife Kragen, Oberhemden, Nachthemden, Handch
ſchuhe, Taſchentücher und Damenſtrümpfe vereinbart. Es wird auchh
dem Nichtfachmann einleuchten, daß hierdurch weſentliche Vorteile!
gegenüber dem fetzigen Zuſtand erzielt wurden, wo jeder Kaſten ſeim=
eigenes
Maß hatte. Und warum ſoll man ſich mit vielerlei Abmeſſungen
plagen, wenn nenige dem Bedürfnis genügen und der Inhalt die Best
ſchränkung ve trägt?

* Robrleitungen im Boden ſind, wenn die Rohre aus Metall bs‟
ſtehen, leicht Zerſtörungen ausgeſetzt, die ſehr mannigfache Urſache haberu
können. Am häufigſten treten wohl Zerſtörungen durch Feuchtigkeit ir1
Verbindung mit dem Sauerſtoff der Bodenluft auf. Dancben wirker=
vielfach
die Bodenarten ſelbſt zerſtörend auf die Rohre, außerdem kom
men noch Bodenſäuren, vagabundierende elektriſche Ströme und ander
äußere Umſtände in Frage. Die Wirkungen all dieſer Angriffe werdem:
unter dem Sammelbegriff Korroſionen zuſammengefaßt. Vielfach bes
ſteht noch Unklarheit darüber, welche Urſachen im Einzelfall zu den Zern
ſtörungen führen und wieweit das eine oder andere Rohrmatrial zu=
Zerſtörungen neigt. Großzügig, wie alles in Amerika angefaßt wirdd
hat ſich das amerikaniſche Burequ of Standards der Aufgabe untern
zogen, dieſe Erſcheinungen zu klären. Nicht weniger als 14 000 Metall!
rohre verſchiedener Arten ſind in 47 verſchiedenen Bodewarten verleg:)
worden. Die Unterſuchungen ſollen ſich über zehn Jahre erſtrecken.

NEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEM

Tage der Technik 1929. Illuſtrierder techniſch=hiſtoriſcher Tagesabreiß=;
kalender von Feldhaus. (Verlag Otto Salle, Berlin W 57.) Mit.
365 Abbildungen auf 365 Blättern. Preis 5. RM.
Erfreulicherweiſe liegt bereits jetzt der für jeden techniſch Intereſ=
ſierten
in erſter Linie zum Kauf in Betracht kommende Jahrgang 1922
vor. Auf 365, mit künſtleriſchem Geſchmack ausgeführten Blättern be= ſich wieder eine kleine Kulturgeſchichte der Technik aller Zeiten!
und Völker. Es iſt geradezu erſtaunlich, mit welcher Geſchicklichkeit dem
Verfaſſer es verſtanden hat, die geeigneten Abbildungen mit den ges
ſchilderten Ereigniſſen, den hiſtoriſchen Erinnerungen und den paſſenden.
Ausſprüchern von Dichtern und Denkern in wohl durchdachtem Zuſam=
menhang
zu bringen. Der Kalender wird wie alle ſcine Vorgänger
mit dem Ende des Jahres ſeinen Wert behalten. In Anbetracht der ge Ausſtattung u. a. beſitzt der Kalender ein ſiebenfarbiges=
Titelbild einer Nürnberger Porträtmalerei aus dem Jahre 1617 unc)
der Originalität iſt der Preis von 5. RM. im Vergleich mit anderen:
Kalendern gering zu nennen.

* Willkür oder mathematiſche Ueberlegung beim Bau der Cheopspyras=
mide
? Von Ing. K. Kleppiſch. Verlag von R. Oldenbourg, Mün=
chen
und Berlin. UI und 38 S. Mit einem Textbild. Preis 1 Mk.
Seit Max Eyth in ſeinem Kampf um die Cheopspyramide das
mathematiſche Problem dieſes Bauwerk behandelte, iſt dieſes Thema m3
weiteren Kreiſen bekannt und wegen ſeiner Eigenart intereſſant ge
worden. Der Stoff beſchäftigt ſeit beinahe 100 Jahren die europäiſches
Gelehrtenwelt und hat ſchon eine Fülle von Literatur hervorgerifen.
Das vorliegende Streitſchrifichen bejaht die von ihm ſelbſt geſtellte:
Frage. Wenn man den Dingen ferner ſteht und ſich bei dem Wider=*
ſtreit der Meinungen den Blick frei hält, ſo muß man mehr noch als
die mathematiſchen Fähigkeiten der Erbauer ihre vermeſſungstechniſchen
Fertigkeiten bewundern. Abgeſehen davon, daß die Grundkanten in
ihren Längenabmeſſungen nur ganz geringe Differenzen voneinander
aufweiſen, iſt vor allen Dingen erſtaunlich, daß die Grundfläche mit un
erhörter Genauigkeit wagrecht gelegt werden konnte. Der größte Unten
ſchied bei einem Umfang von 900 Metern beträgt höchſtens 21 Müll=
meter
.
Da das Schriftchen weiter ausholt und von der Mathematik bei
den alten Aegyptern überhaupt handelt und beſonders im Schlußteil
viel Bemerkungen zur Geſchichte der Mathematik bringt, dürfte es Lech
nikern und Mathematikern vielfache Anregung geben.

DERBONLICHES AUS DER TECHNIK
Das Deutſche Nationale Komitee der 1930 in Berlin ſtattfindenden
Weltkraftkonferenz hat Exz. Oskar v. Miller das Ehrenpräſidium
der zweiten Weltkraftkonferenz übertragen.
Der Miterbauer des erſten deutſchen Motorrades, Zivil=Ingenieur
Heinrich Hildebrand, iſt in Berlin im Alter von 73 Jahren
geſtorben.
Zum Dr.=Jnng. e. h. wurde Dr. Max Hülſenbeck, Vorſtands
mitglied der Bergmann=Werke A.=G., Berlin, ernannt.

[ ][  ][ ]

Nummer 267

Die drau anfchen zwöri

Roman von Ludwig von Wohl.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin 1927.

Das Sauſen verſtärkte ſich zu einem ſchrillen, ſchmerzenden
Seulen und dann kam es heran von ferne eine
nieſige, tiefſchwarzdrohende Wand eine Raubtierpranke, zum
Schlag erhoben und groß, wie ein mittlerer Berg
Sie patſchte auf aber es gab keinen Laut.
Kein menſchliches Trommelfell vernahm ihn wenigſtens, den
Söllenton, der hundertmal über die Grenze menſchlicher Gehör=
eiſtungsfähigkeit
hinausging.
Ziſchend ſchoß das Waſſer heran, riß ſie in ſchmerzendem An=
ſrall
hoch und fegte mit ihnen landeinwärts.
Es konnte nur noch Sekunden dauern dann ſchlug man
egen die Steinhäuſer die Villen der Straße
Mit Rieſenanſtrengung hielt Ted Moran, den Kopf über
Waſſer und ſah
Die Villen waren ſo haarfein, ſo erbarmungslos kahl ab=
raſiert
, als hätten ſie nie geſtanden -
Durch tauſend Abgründe und Schluchten, über himmelhohe
Zacken, Schroffen und Berge ging das raſende Treiben.
Kopfüber ſtürztc man hart auf eine Steingrube, bedeckt
rnit Schlamm, der die Gewalt des Sturzes milderte.
Betäubt, tierhaft hockte man da, winzig und erbärmlich.
Und ſah ſo Grauenerregendes, daß man ſchreien mußte,
mmerfort ſchreien!
Das beſinnungsloſe Ungeheuer, der amoklaufende Zyklon war
in Teufel! Ausgeſpien, verächtlich beiſeite geſpuckt, glotzte man
hn an bei der Würgarbeit.
Ein Haus flog vorbei.
Es hatte unweit des Hotels geſtanden. Ausgerupft, entdacht,
Srüllend raſte die Steinmaſſe gegen den Palmenwald, wo noch

Dienstag, den 25 Geptember 1928
geſtern nachmittag zierliche Kindermädchen niedliche Kinder ſpäzie=
ren
geführt hatten.
Steif auf plumpte der Rieſenkaſten unter die brechenden
Stämme und legte ſich, eine Staubwolke ausſtoßend, ſanft nach
allen Seiten auseinander. Glitzernd fließt die grünblanke Rieſen=
ſchlange
Waſſer durch die Trümmer und frißt ſich ein, hier und
da und dort
Die Luft iſt voll eines gleichmäßig brüllenden Krachens, das
keine Gedanken zuläßt.
Unter dieſem Krachen heran ſegelt in ſchwefelgelbfahler Wolke
ein Rieſe nicht gerade nahe poltert er in groteskem Schwunge
landeinwärts mit fauchendem Atem.
Im praſſelnden Regen verziſcht eine glührote Flammenzunge,
die aus dem Schlunde des Rieſen quoll.
Ganz hoch wimmern die Kehlen von tauſend Stück Menſchen=
vieh
, die der Rieſe verſchluckt hat. Er legt ſich auf die Seite,
neben, nein, hinter das Haus, das den Palmenwald vernichtet
hat und erbricht Eiſentrümmer und weiche Schlacken aus Holz und
Menſchenfleiſch nach allen Seiten.
Als es noch eine Welt gab, hat er Preſident Taft geheißen
und war ein Zwölftauſendtonnen=Dampfer. Jetzt hat er keinen
Namen wie nichts mehr einen Namen hat.
Er liegt auf dem Lande begraben, und die grünblanke Rieſen=
ſchlange
ſchnuppert neugierig an ſeiner Leiche herum und ſtürzt
ſich dann in den Steinbruch.
Ein ſchwarzes Körperlein wird gleich von der Schlange ge=
freſſen
. Aber man reißt es beiſeite viel zu weit, mit viel zu
viel Kraft und preßt es an ſich, als hätte man’s geboren, das
dumme Niggerkind.
Die Waſſer quellen im Steinbruch hoch
Aber ſie ſchwippen plötzlich zurück und man ſelbſt klammert
ſich an einen Felsblock und hält ſich feſt mit Eiſennieten, ſtatt Fin=
gern
. Denn der ganze Steinbruch ſteht ſchief und es hüpft und
ſpringt um einen herum von Felsdämonen, die wie irrſinnige
Tänzer davonſtürmen.
Man torkelt, taumelt und rennt um ſein Leben, patſcht durch

K

knietiefe Pfützen über Brettergerieſel, unterläuft praſſelnde Stein=
ſchläge
und landet auf der breiten Automobilſtraße, auf der ſchäu=
mend
gelbbraunes Waſſer berabläuft, Autos und Wagen vor ſich
herſchleppend, rollend, hetzend
Mitten in dem Straßenfluß ſteht man und hat den Mund
offen und kann noch nicht denken, nur ſtaunen, daß man lebt, daß
nan auf zwei abgeſchürft brennenden, aber ſonſt leidlich heilen
Beinen leidlich heil ſteht, das dumme, faſſungsloſe Niggerkind an
der Hand.
Und dann heult man ein paarmal auf und freut ſich, wohlig=
tieriſch
bis in den Bauch erſchüttert, daß man nicht taub geworden
iſt ein Wunder.
Ein Wunder, daß man lebt!
Wer lebt noch?
Wer lebt noch
Hummons, wimmerte Iskander Girgis und faltete bittend
die Hände. Lieber Hummons
Der Diener lachte.
Halt den Mund, Dummkopf!
Er befreite ſein Bein aus einem Keſſel von Steintrümmern
und Baumſtrünken und machte ein paar Schritte auf die Prin=
zeſſin
zu.
Erſt ich, Maxwell dann du, ich bin älter.
Schnell dann aber, ſagte er. Vielleicht ſind wir in zehn
Minuten hinüber wie die alte Whiſley!
Die Köchin lag mit eingedrückter Bruſt irgendwo unter den
Trümmern. Ein ſcharfer metalliſcher Geruch lag in der Luft.
Zehntauſend Dollar für jeden, wenn ihr Ruhe gebt, ſchrie
Girgis verzweifelt.
Die beiden Diener lachten.
Warum nicht gleich ine Million? höhnte Hummons. Der
Dollar iſt nichts mehr wert nichts mehr wert! Die Welt geht
kaput was ſoll man da mit Papierfetzen?! Nein mein
Lieber aber amüſieren will man ſich noch mal, ehe man verreckt!
(Fortſetzung folgt.)

Der erste Abschnitt unseres großzügigen Bau-
Programms ist beendet, und man darf wohl
behaupten, Großartiges ist geschaffen worden.
Das ganze Haus mit ca. 10000 qm Flächen-
raum
bictet ein vollkommen neues Bild. Licht
und Raum in verschwenderischer Fülle ge-
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größte Bequemlichkeit bei Ihren
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der Beklcidung der Damenwelt gewidmct sind,
werden Sie sich bei uns bchaglich fühlen.
Eine besondere Schenswürdigkeit bilden der
imposante, in unserer Stadt wohl einzig da-
stchende
große Lichthof, und die neu ge-
schaffene
, interessante große Passage mit ih-
ren
14 Fenster-Auslagen. Hier können Sie zwang-
los
und vorm Wetter geschützt jederzcit all
das betrachten, was schön und modern ist.
Alle Abtcilungen sind wescntlich vergrößert
worden und gefüllt mit Waren auserlesener -
te
, unter denen Sic das Schönste vom Schönen
finden die hochwertigsten Fabrikate des In-
wie
des Auslandes wahrlich, eine Hochburg
der Schönhcit und des kultivicrten Geschmacks.
Jctzt können wir allen, auch den verwöhntesten
Ansprüchen gerccht werden, und es ist dabei
unser besonderer Stolz, daß wir trotz, des
hohen Nivcaus der Waren, die Sic im neuen
Lindemann finden, doch infolge unserer ge-
waltigen
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Dienstag den 25 Geptember 1928

Nummer 267

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A: Am 17. September 1928 hin=
ſichtlich
der Firma: Merkur, Aus=
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Handel und Gewerbe, Karl Bauer,
Darmſtadt: Die Prokura des Kaufmanns
Anton Gruber in Stuttgart iſt erloſchen.
Abteilung B: Am 18. September 1928
hinſichtlich der Firma: Radio=Werk,
Tonfrequenz, Geſellſchaft mit be=
ſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Die
Vertretungsbefugnis des Liquidators iſt
beendet und die Firma erloſchen. Am
18 September 1928Neueintrag: Firma:
A. J. Licht & Co., Geſellſchaft mit
beſchränkter Haftung. Hauptnieder=
laſſung
: Frankfurt a. M., Zweignieder=
laſſung
: Darmſtadt. Gegenſtand des
Unternehmens: Der Vertrieb von Möbeln,
Haushaltungs= und Einrichtungsgegen=
ſtänden
aller Art, insbeſondere gegen
Abzahlung, ſowie der Abſchluß ander=
weitiger
Geſchäfte, welche mittelbar oder
unmittelbar hiermit zuſammenhängen.
Stammkapital: 20 000 Reichsmark. Ge=
ſchäftsführer
: Adolf Schweizer, Kauf=
mann
in Frankfurt a. M., und Anton
Johannes Licht, Kaufmann in Mainz=
Koſtheim. Der Geſellſchaftsvertrag iſt
am 7. Oktober 1927 feſtgeſtellt. Die Ge=
ſellſchaft
wird vertreten, wenn ein Ge=
ſchäftsführer
vorhanden iſt, von dieſem,
wenn mehrere Geſchäftsführer vorhanden
ſind, durch zwei Geſchäftsführer oder
durch einen Geſchäftsführer und einen
Prokuriſten. Als nicht eingetragen wird
mitveröffentlicht: Die Bekanntmachungen
der Geſellſchaft erfolgen nur durch den
(15209
Deutſchen Reichsanzeiger.
Darmſtadt, den 22. Sept. 1928.
Amtsgericht I.

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