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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 137
Donnerstag, den 12. Mai 1928.
191. Jahrgang
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Konkurs oder gerichtlicher Beitreibung fälli ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deuiſche Bank und Darm=
Kädter und Nationalbank.
Lanton über Welthandel,
Zoll=
ermäßigung und die
Behand=
lung des Dumping=Problems.
Unterordnung des nationalen
Wirtſchaftsinter=
eſſes unter die Intereſſen der freien
Welt=
wirtſchaft.
* Genf, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
In der Mittwochvormittagsſitzung des Wirtſchaftsrates des
Völkerbundes ſetzte der bekannte engliſche
Wirtſchafts=
politiker Layton die Generaldiskuſſion fort, die
voraus=
ſichtlich noch heute zu Ende gehen wird. Layton wies darauf
hin, daß die fühlbare Tendenz, die Zolltarife
hin=
aufzuſetzen, in vielen freihändleriſchen Ländern ſehr große
Beunruhigung hervorgerufen habe. In England ſei von den
Wirtſchaftskreiſen die Anſicht vertreten worden, abzuwarten,
welche Ergebniſſe ſich aus den Beſchlüſſen der
Weltwirtſchafts=
konferenz ergeben würden. Man habe ſich jedoch ſchon mit dem
Gedanken vertraut gemacht, falls nicht in abſehbarer Zeit ein
Schritt zur Wiederherſtellung des Freihandels unternommen
würde, ebenfalls zu einem ſtärkeren Protektionismus
überzugehen. Der Welthandel habe im vergangenen
Jahre, ſoweit es ſich überſehen laſſe, ſeinen
Vorkriegs=
umfang wieder erreicht, und er ſei im Verhältnis zu
1926 um mindeſtens 5—7 Prozent geſtiegen. Es gelte immer
noch den Verluſt der 15 Kriegs= und Nachkriegsjahre nachzuholen.
Trotz dieſer Beſſerung ſei jedoch der heutige Zuſtand
nicht mit dem Vorkriegszuſtand zu vergleichen.
Vor dem Kriege habe man ſtabile oder fallende Zolltarife gehabt,
die jedoch infolge der ſteigenden Preiſe in ihrer Bedeutung
ge=
mindert worden ſeien. Heute jedoch ſei das Bild umgekehrt;
man habe ſteigende Zölle, hingegen fallende Preiſe, ſo daß die
Erhöhung der Zolltarife ſich weſentlich ſchärfer bemerkbar mache,
weshalb in Ländern mit erhöhten Zolltarifen es ſchon zu einer
Stagnation des Handels gekommen ſei. Als eweis für die
Richtigkeit der Forderung nach Herabſetzung der Zolltarife
führte Layton das ungariſche Beiſpiel an. Ungarn habe in der
letzten Zeit ſeine Zölle teilweiſe herabgeſetzt; trotzdem hätten ſich
ſeine Staatseinnahmen aus den Zöllen geſteigert. Der von
Serruys vorgeſchlagene Weg, die Zolltarife Schritt für
Schritt für beſtimmte Produkte herabzuſetzen, erſcheine auch
ihm richtig, jedoch ſolle man ſich bei den Beratungen nicht auf
einzelne eng gefaßte Artikel beſchränken, ſondern nach Möglichkeit
ganze Gruppen von Warengattungen behandeln, da auf dieſe
Weiſe ein Ausgleich, zwiſchen den Intereſſen der verſchiedenen
Länder leichter zu erreichen ſei. Es erſcheine ihm auch
vorteil=
haft, zu dieſen Beratungen, wie Balfour ſchon vorgeſchlagen
habe, die intereſſierten Juduſtriellen und Produzenten zuſammen
mit den Vertretern des Wirtſchaftsausſchuſſes des Völkerbundes
heranzuziehen. Eine eingehende Behandlung des
Dum=
ping=Problems werde ſich im Rahmen der Beratungen
über die Zolltarife nicht umgehen laſſen. Desgleichen ſei es
not=
wendig, regelmäßig den Stand des allgemeinen Zolltarifniveaus
zu verfolgen und bekannt zu geben.
Layton legte dem Wirtſchaftsrat einen entſprechenden
An=
trag vor und beantragte weiter unter Berufung auf die
Be=
ratungen der Wirtſchaftskonferenz von Genua, das Problem der
Weltwollkäufe durch den Finanz= und Wirtſchaftsausſchuß des
Völkerbundes ſtudieren zu laſſen. Nachdem die in Genua
an=
geregte Stabiliſierung der Weltwährungen auf Goldbaſis zum
größten Teil zur Tatſache geworden ſei, handle es ſich jetzt
dar=
um, die Schwankungen infolge der Goldkäufe und =verkäufe
zwi=
ſchen den verſchiedenen Ländern zu beſeitigen, die auf die
allge=
meine Preisgeſtaltung für Induſtrie, Handel und Landwirtſchaft
einen großen Einfluß hätten.
Layton wies zum Schluß darauf hin, daß der Wirtſchaftsrat
nicht weitergehen könne, als es die öffentliche Meinung in den
verſchiedenen Ländern den Vertretern erlaube. Man dürfe jedoch
nicht vergeſſen, daß das nationale Wirtſchaftsintereſſe nicht über
dem internationalen Intereſſe an einer freien Weltwirtſchaft
ſtehen dürfe.
Die internationale Handelskammer für
Be=
ſeitigung der Zollſchranken und
Vereinheit=
lichung der Zollformalität.
Die Vertreter der Internationalen
Handels=
kammer im Wirtſchaftsrat des Völkerbundes haben einen
Reſolutionsentwurf eingebracht, in dem ſie fordern, daß die
Kon=
ferenz zur Beſeitigung der Ein= und
Ausfuhrver=
bote im Juli in Genf zu einem internationalen Uebereinkommen
gelangen möge, das die von den Staaten angemeldeten
Aus=
nahmen auf das geringſte Minimum beſchränke. Der Entwurf
zur Vereinheitlichung der Zollnomenklatur möge
gleichfalls von allen Staaten angenommen und in Kraft geſetzt
werden, da von ihm ſowohl der Erfolg der Herabſetzung der
Zolltarife, als auch die zukünftige Geſtaltung der
Meiſtbegünſti=
gungsklauſel abhänge. Die Vertreter, die den notwendigen
Ab=
bau für beſtimmte Warengruppen als eine der
erfolgverſprechend=
ſten Methoden anſehen, fordern weiter, daß keine Erhöhung
der Einfuhrabgaben erfolgen ſoll, ſolange der
Wirt=
ſchaftsausſchuß des Völkerbundes ſeine Studien über den
not=
wendigen Abbau auf kollektivem Wege nicht beendet habe.
Des=
gleichen ſoll der Wirtſchaftsrat nochmals die Ratifikation der
Konvention über die Vereinheitlichung der
Zoll=
formalitäten den Regierungen empfehlen und auf die
Be=
endigung des adminiſtrativen Protektionismus
in allen ſeinen Formen eintreten.
Der amerikaniſche Vertreter verlangt das
Studium der wirtſchaftlichen Urſachen des
Weltkriegs.
Im Verlaufe der Diskuſſion im Wirtſchaftsrat verlangte der
amerikaniſche Delegierte Allyn Young das Studium der
wirtſchaftlichen Urſachen des Weltkrieges, die
heute zum größten Teil noch in gefahrdrohender Weiſe
weiter=
beſtünden. — Der franzöſiſche Landwirtſchaftsvertreter Gautier
begrüßte die zunehmende Erkenntnis, daß die
Landwirt=
ſchaft die Baſis und das Fundament aller
Wirt=
ſchaft ſei und ſprach die Hoffnung aus, daß die beiden der
Tagung vorgeſchlagenen großen Aktionen zum Studium des
Landwirtſchaftsproblems keine leere Formel bleiben mögen. —
Der italieniſche Delegierte Michaelis erläuterte die
Arbeitsmetho=
den und Konferenzpläne des Landwirtſchaftlichen Inſtituts in
Rom. — Gérard=Belgien beantragte, die Kohlenkriſe und
die Zuckerfrage durch Sachverſtändigen=Unterkomitees
prü=
fen zu laſſen, um ſo einen Anfang mit der Erörterung dieſer
beiden wichtigen Wirtſchaftsprobleme zu machen. — Peherimhoff=
Frankreich gab eine Darlegung des engliſch=polniſch=deutſchen
Kohlenkampfes vom franzöſiſchen Standpunkt aus, bei dem die
Regierungen in vielen Fällen eine wirtſchaftlich nicht zu
recht=
fertigende Doppelrolle ſpielten, jedoch ſeien Anzeichen dafür
vor=
handen, daß der Kohlenkonflikt allmählich in ein Stadium
ge=
lange, in dem alle Teile einem Löſungsverſuch zugänglich ſeien.
Aus dieſem Grunde ſchloß er ſich dem Antrag Gerards an.
Loucheur gegen überſtürzte Durchführung des
Freihandelsprinzips.
Loucheur verlieh in einem Schlußwort ſeiner Befriedigung
über die bisher erreichten Reſultate der Wirtſchäftspolitik des
Völkerbundes Ausdruck. Angeſichts der obwaltenden
Schwierig=
keiten könne man vernünftigerweiſe kaum mehr erwarten. Vor
einer allzu ſchnellen und überſtürzten
Durch=
führung des Freihandelsprinzipes müſſe
ge=
warnt werden, da der Zollabbau nur nach Löſung der
großen Fragen der internationalen Induſtrievereinigungen
her=
beigeführt werden könne. Kohle und Zucker ſeien zwei
Gelegenheiten, den Gedanken der Induſtrie=Entente zu
verwirklichen. Für die Landwirtſchaft, deren Bedeutung heute
von Induſtrie und Handel in vollem Umfange anerkannt ſei,
empfehle ſich die Aufrechterhaltung eines gemäßigten
Protek=
tionismus. Die Wirtſchaftspolitik Europas müſſe angeſichts der
ungeheuren Machtentfaltung Amerikas auf eine Steigerung der
Kaufkraft und dadurch auf eine Beſeitigung der Arbeitsloſigkeit
gerichtet ſein. Der Wirtſchaftsrat ſolle ſich ſtets daran erinnern,
daß er wie die Weltwirtſchaftskonferenz als letztes Ziel die
Errichtung eines dauerhaften
Wirtſchaftsfrie=
dens und damit die Sicherung des Weltfriedens im
Auge behalten müſſe.
Der Wirtſchaftsrat wird morgen ſeine Arbeiten in drei
Unter=
kommiſſionen fortſetzen, und zwar wurden gebildet: ein Komitee
zum Studium der Kohlenfrage unter dem Vorſitz
Lou=
cheurs, dem deutſcherſeits Lammers und Trendelenburg
ange=
hören; ein Komitee zum Studium der Zuckerfrage unter
Vorſitz von Chatterjee=Indien, in dem Deutſchland durch Dr.
Hermes vertreten iſt; ein Generalkomitee zum Studium des
In=
halts aller bisher eingebrachten Anträge und Vorſchläge. Dieſes
dritte Komitee wird ſich u. a. auch mit einer heute nachmittag
eingebrachten Reſolution Gautier=Hermes=Lauer zugunſten der
Landwirtſchaft zu beſchäftigen haben.
Die Durchführung des
Kriegsſchädenſchluß=
geſetzes.
Berlin, 16. Mai.
Seitens des Reichsentſchädigungsamtes wurden die neuen
Arbeiten am 13. April aufgenommen. Bis zum 14. Mai waren
5639 der dringendſten Fälle mir über 14 Millionen Mark erledigt.
Ausgezahlt worden ſind 6,25 Millionen. In den übrigen Fällen
war die Rechtskraft der Entſchädigung abzuwarten. Das Amt
beſchäftigt 937 Kräfte, davon nach Abzug der unteren Bedienſteten
an ſachlichen Arbeitern 164 Referenten und 396 Aſſiſtenten. Eine
Auskunftsſtelle iſt neu eingerichtet und erledigt täglich 130
Be=
ſucher. Man hofft, daß die Arbeit des Amtes noch weiter
geſtei=
gert werden kann. Die großen Verbände der Geſchädigten
arbei=
ten in dankenswerter Weiſe mit. Einige kleinere Verbände ordnen
ſich leider nicht ein, ſondern ſtören den Fluß der Arbeiten durch
Vermehrung ausſichtsloſer Anträge, durch Demonſtrationen und
durch Störung der arbeitenden Beamten. Zunächſt werden die
kleineren Fälle bis zu 20 000 Mark bearbeitet.
Der Kampf um den Nationalfeiertag.
Preußen hat nun doch mit ſeinem plötzlichen Vorſtoß im
Reichsrat wegen des Verfaſſungstages als Nationalfeiertag
keinen ganzen Erfolg errungen. Es hatte ſich zwar die
Unter=
ſchriften von 12 Ländern geſichert und damit die Mehrheit hinter
ſich bekommen. Der bayeriſche Vertreter wandte aber ein, daß
nach der Geſchäftsordnung des Reichsrates bei wichtigen
Vor=
lagen eine Einreichungsfriſt von 3 Wochen vor der Beratung
ge=
geben werden müßte, wenn ein Drittel der im Reichsrat
vertre=
tenen Stimmen ſich auf dieſe Friſt berufe. Dieſes Drittel kam
nicht zuſtande, der bayeriſche Antrag wurde vielmehr mit 49
gegen 19 Stimmen abgelehnt. Bayern erreichte aber, daß die
Beratung und Beſchlußfaſſung auf die nächſte Woche vertagt
wurden. Die ganze Eile wäre natürlich nicht nötig geweſen, da
der Reichstag doch erſt nach dem 15. Juni ſeine Beratung
auf=
nehmen wird.
*Beneſch in Berlin.
Nach zehn Jahren Jgnoranz. — Die politiſche Bedeutung des
Beſuches.
Von unſerem Prager H=Korreſpondenten.
Prag, Mitte Mai.
Durch die Erkrankung des deutſchen
Reichsaußen=
miniſters mußten, wie wir ja bereits meldeten, die
Dispoſitionen für den Berliner Beſuch Dr. Beneſchs
eine Aenderung erfahren, wodurch jedoch ſich an
ſeiner politiſchen Bedeutung kaum etwas änbern
dürfte.
Die Schriftleitung.
Von Prag nach Berlin iſt es weiter wie von Prag nach Paris
oder London. Das heißt: nicht für den gewöhnlichen Sterblichen,
wohl aber für die offizielle tſchechiſche Politik, die ſich, zehn lange
Jahre hindurch, den wirklichen oder angenommenen Abſichten der
Weſtmächte anzupaſſen eifrigſt bemühte. Mochte die reine
Ver=
nunft in dieſen zehn Jahren ſeit der Verwirklichung der
Selbſt=
ſtändigkeit des tſchechoſlowakiſchen Staates tauſendmal die
Un=
ſinnigkeit einer Gefühlspolitik, die für ein paar ſchöne Worte das
Land in ſtändig zunehmende Schwierigkeiten führte, auch noch ſo
deutlich dartun — es blieb dennoch in Prag alles beim alten,
und es wurde ängſtlich der Kurs eingehalten, der, wie man
an=
nahm, den Verbündeten zu Wohlgefallen und dem Volke
ſym=
pathiſch war und der am beſten durch die Feſtſtellung
charakteri=
ſiert wird, daß es, trotz aller geographiſchen Grundſätze, für Prag
nach Berlin und Wien weiter iſt als nach Paris, London oder
ſogar Moskau.
Um ſo überraſchender kommt die Nachricht, daß Dr. Beneſch,
der tſchechiſche Außenminiſter, im Zuge einer von längerer Zeit
angetretenen Urlaubsreiſe (die ihn nach Frankreich und England
geführt hat) diesmal — und es iſt das erſte Mal ſeit Beſtand
der tſchechoſlowakiſchen Republik — Berlin beſuchen und ſich bei
Dr. Streſemann zu einer Beſprechung einfinden wird, die, wie
von tſchechiſch=offiziöſer Seite beſonders betont wird, „
ſelbſtver=
ſtändlich einen rein privaten Charakter” haben ſoll. Man weiß
im allgemeinen, was von ſogenannten Privatunterhaltungen
her=
vorragender Staatsmänner zu halten iſt und darf daher in den
amtlichen Mitteilungen über den Verlauf ſolcher
Auseinander=
ſetzungen wohl zwiſchen den Zeilen das herausleſen, von dem
nicht gerne offen geſprochen wird. Im Falle des Beſuches
Beneſch’ ſind zudem die Motive, die zu einem ſo plötzlichen
Ent=
ſchluß geführt haben, in dem bisher ängſtlich gemiedenen Berlin
Stimmung für jene Pläne zu machen, die das Um und Auf der
Prager Außenpolitik bilden, nicht ſo ſchwer zu finden.
Feſtſtehend iſt, daß dieſer Berliner Aufenthalt Beneſch’ von
einem Teile ſeiner Landsleute, vor allem von dem
national=
demokratiſch eingeſtellten, der immer noch von dem Wahne
be=
fangen iſt, die Tſchechoſlowakei ſei als Freund der Weſtmächte
vor jeder Gefahr geſchützt, mit ſehr gemiſchten Gefühlen
aufge=
nommen wird. Dieſe Leute waren und ſind zum großen Teil
auch heute noch der Meinung, das Bündnis mit den
Sieger=
ſtaaten ſei eine ausreichende Garantie für die Fortentwicklung
ihrer Republik, die ſich von allem Anfang an eine Politik
zurecht=
gelegt hatte, die wohl der tſchechiſchen bzw. ſlawiſchen Pſyche
ent=
ſprach, den nüchternen Tatſachen aber in keiner Weiſe Rechnung
trug. Die Folgen dieſer Einſtellung konnten nicht ausbleiben.
Sie ſind es, die Beneſch jetzt nach dem gleichen Berlin führen,
das die Prager Politik bisher in ſo weitem Bogen umkreiſt hat,
und ſie ſind es, die dartun, wie falſch die von der Tſchechoſlowakei
in langen zehn Jahren befolgte außenpolitiſche Linie geweſen iſt.
Die Einſtellung Deutſchlands gegenüber der Tſchechoſlowakei
war, das wird man auch in Prag nicht leugnen können, von allem
Anfang an die eines freundlichen Nachbarn, und die 1918 zwiſchen
den beiden Staaten durchgeführten Wirtſchaftsverhandlungen
be=
wieſen deutlich genug den guten Willen auf deutſcher Seite, mit
dem tſchechiſchen Staate, der ſich gerade in der Zeit knapp nach
dem Umſturze zahlreiche feindſelige Ausfälle gegen das Reich
hatte zuſchulden kommen laſſen, in ein freundliches Verhältnis
zu kommen. In Prag war man ſchließlich auch klug genug, durch
eine geſchickte Auswahl der nach Deutſchland beorderten Geſandten
Sorge dafür zu tragen, daß die deutſche Bereitwilligkeit zu
fried=
lichem Bündnis mit der Moldau=Republik nicht von der
enten=
tiſtiſchen Politik, der man ſich mit Haut und Haaren verſchrieben
hatte, erſchüttert werde. Auch Dr. Beneſch hat in ſeinen
außen=
politiſchen Referaten immer wieder einmal auf die
Notwendig=
keit eines freundſchaftlichen Verhältniſſes zu Deutſchland
hinge=
wieſen, aber im Grunde genommen blieb das Reich, dem nun
einmal geopolitiſch die Tſchechoſlowakei untergeordnet iſt, immer
der Gottſeibeiuns, vor dem man auf der Hut ſein zu müſſen
glaubte, weshalb denn auch die Freundſchaftsverſicherungen
Beneſch wenig aufrichtig erſcheinen mußten, um ſo mehr, als
der auch das Reich tangierende Kampf gegen das Deutſchtum in
der Tſchechoſlowakei wenig geeignet ſein konnte, eine Atmoſphäre
abſoluter Friedlichkeit zu ſchaffen.
Dr. Beneſch, dem das Kompliment gemacht werden darf, daß
er zu den hervorragendſten Köpfen in der tſchechiſchen Politik
ge=
hört, hat — es war vielleicht nicht einmal ſeine eigene Schuld —
zehn Jahre gebraucht, um nach Berlin zu finden, es hat ein
volles Dezennium gedauert, bevor Prag einſehen gelernt hat, daß
der größte Fehler aller außenpolitiſchen Handlungen in der
Ver=
kennung natürlicher Gegebenheiten gelegen iſt, die nun einmal
Deutſchland für die Tſchechoſlowakei zu einem Faktor gemacht
haben, mit dem ſie, ſoll ſie lebens= und entwicklungsfähig bleiben,
zu rechnen hat. Zweifellos iſt daher der Beſuch des tſchechiſchen
Außenminiſters bei Streſemann von politiſcher Bedeutung, weil
er eine Beſtätigung der Kombinationen hinſichtlich der
Liquida=
tion der bisher von Beneſch befolgten reinen Entente=Politik zu
ſein ſcheint, um ſo mehr, als von engliſcher Seite darauf
hinge=
wieſen wird, daß die Tſchechoſlowakei bei aller gefühlsmäßigen
Verbundenheit zwiſchen Paris und Prag ihre Bedeutung
als franzöſiſcher Wachtpoſten im Oſten verloren
habe und daß einſlußreiche Wirtſchaftskreiſe in der
Tſchecho=
ſlowakei an die Berliner Ausſprache Erwartungen knüpfen,
„wvelche ihnen ausſiehtsreiher erſcheinen als die verſchiedenen
Kombinationen, welche ſich um die Donau gruppieren, oder als
Seite 2
Donnerstag, den 12. Mai 1928
Nummer 133
Handelsverträge mit geographiſch entfernt gelegenen oder
wirt=
ſchaftspolitiſch weniger wichtigen Staaten . . . Ergänzt man
dieſe Auslegung des Berliner Beſuches durch die Erwägung, daß
die ſchwerſte Beſorgnis des tſchechiſchen Außenminiſters die Frage
des Anſchluſſes Oeſterreichs an Deutſchland iſt, den er durch die
Gewinnung des Reiches für ein Wirtſchaftsbündnis mit den
Nachfolgeſtaaten zu paralyſieren bemüht iſt, dann iſt es kaum
noch ſchwer, die tieferen Beweggründe zu der Auseinanderſetzung
Beneſch—Streſemann zu erkennen, von der zu hoffen bleibt, daß
ſie nicht Komplikationen in das Verhältnis zwiſchen Oeſterreich
und Deutſchland trägt nur deshalb, weil die Tſchechoſlowakei
einem Bündnis dieſer zwei Staaten keinen Geſchmack
abzuge=
winnen vermag und in dieſer Hinſicht eigenſüchtiger Motive nicht
völlig freigeſprochen werden kann.
*9
Neutegelung der deutſch=perſiſchen
Peziehungen.
Berlin, 16. Mai.
Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, iſt es nunmehr
gelungen, ein Proviſorium zuſtande zu bringen, das bis zum
Abſchluß eines endgültigen Handels= und Freundſchaftsvertrages
geeignet iſt, die deutſch=perſiſchen Beziehungen zu regeln. Dieſes
Abkommen, das mit einer Friſt von 30 Tagen gekündigt werden
kann, iſt am Dienstag nachmittag um 12 Uhr in Teheran von
dem deutſchen Geſandten Grafen von der Schulenburg und dem
Hofminiſter Timurtaſch unterzeichnet worden. In dieſem
Ab=
kommen ſichern ſich Deutſchland und Perſien gegenſeitig die
Meiſt=
begünſtigung ſowohl in bezug auf diplomatiſche und konſulariſche
Behandlung, als auch in der Frage des Tarifrechts und
Waren=
verkehrs zu. Praktiſch genießt Perſien die Meiſtbegünſtigung in
Deutſchland, während für die deutſchen Waren der perſiſche
Mimimaltarif zur Anwendung kommt. Perſien hat überdies
zu=
geſagt, Konzeſſionen, die es über den Minimaltarif hinaus
an=
deren Ländern zugeſtehen ſollte, auch Deutſchland zugute kommen
zu laſſen. In der Frage der Reichsgarantien ſind Deutſchland
alle Rechte zugeſagt worden, die auch die engliſche Regierung
für ihre Staatsbürger erhalten hat.
Reichskabinett und Eiſenbahn=Tariferhöhung.
Berlin, 16. Mai.
Das Reichskabinett beſchäftigte ſich in ſeiner heute unter
dem Vorſitz des Reichskanzlers abgehaltenen Kabinettsſitzung
mit der Frage der Tariferhöhung der Reichsbahn. Hierbei
er=
ſtatteten der Vorſitzende des Verwaltungsrates, Dr. v. Siemens,
und der Generaldirektor, Dr. Dorpmüller, Bericht über die
Fi=
manzlage der Reichsbahngeſellſchaft und erläuterten die einzelnen
Punkte der über die Tariferhöhung verfaßtem Denkſchrift. An
dieſe Darlegungen ſchloß ſich eine eingehende Ausſprache, welche
durch eine Beſprechung der beteiligten Reſſortminiſter ihre
Er=
gänzung finden ſoll. — Eine Antwort der Reichsregierung auf
den Antrag der Reichsbahngeſellſchaft wird nach Abſchluß dieſer
Bergtungen in kurzer Friſt mitgeteilt werden.
Der Verwaltwngsrat der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft
tagte vom 14. bis 16. Mai in Berlin. Der Geſchäftsbericht und
die Bilanz für das Geſchäftsjahr 1927 wurden genehmigt. Die
Ausſchüttung einer Tprozentigen Dividende auf die ausgegebenen
Vorzugsaktien Serie 1 bis 4 wurde beſchloſſen. Alsbann wurde
die Tagung unterbrochen. Sie ſoll fortgeſetzt werden, ſobald die
Andwort der Reichsregierung auf den Tariferhöhungsantrag
vorliegt.
Berichtigung.
Bei der Berichterſtattung über die Ausführungen des Abg. Donat
im Landtag ſind uns Irrtümer unterlaufen, die hiermit richtiggeſtellt
ſeien. In unſerer Nr. 124 heißt es im Landtagsbericht: Abg. Donat
beanſtandet die hohen Beiträge zu der Sozialverſicherung und „wünſcht
ſtärkere Heranziehung der Arbeitgeber”. Tatſächlich warnte Abg. Donat
vor einer ſtärkeren Belaſtung der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber,
da die Belaſtung für beide Teile kaum noch erträglich ſei. — In Nr.
130 ſteht verſehentlich: Eine Ausdehnung der Gewerbeſteuer auf die
freien Berufe hält er nicht für zweckmäßig. Tatſächlich hat Abg. Donat
nach dem Stenogramm geſagt: „Aus dieſem Grunde werde ich und
erhebliche Teile meiner Fraktion durchaus für die Beſteuerung der
freien Berufe eintreten.”
Frühling im Mittelmeer.
I.
An Bord der „Oceana”
Es gibt keine ſchönere Form des Reiſens als eine Seefahrt.
Zwiſchen blauem Himmel und blauem Waſſer zieht das Schiff
auf der ſpiegelglatten Fläche des Mittelmeeres dahin. Man liegt
auf dem Sonnendeck, blickt nach dem Himmel, blickt nach dem
Meer und überzeugt ſich von Zeit zu Zeit aus dem Treiben der
Wolken und dem Spiele der Wellen, daß das Schiff fährt. Man
hängt Gedanken nach oder man lieſt ein Buch, das dem Gleichmut
der Stimmung ſich anpaßt oder in Geſchichte und Kultur des
kommenden Landes einführt. Man plaudert mit Menſchen, die
neu auftauchen und von gleichen Abſichten geleitet ſind.
Die „Oceana” ein Dampfer von 9000 Tonnen, iſt von der
Hapag ſeit einigen Mongten für Vergnügungsreiſen muſterhaft
eingerichtet. Es gibt keinen Unterſchied nach Klaſſen. Die Zahl
der Paſſagiere iſt auf 260 beſchränkt; jede Kabine iſt ſeit Monaten
vergeben. Die Gäſte kommen aus allen Teilen Deutſchlands. Das
fröhliche Rheinland iſt ſtark vertreten; die Berliner, die als
Einzelperſönlichkeiten netter als in der Maſſe ſind, überwiegen
glücklicherweiſe nicht.
Das Schiff iſt ein ſchwimmender Hotelpalaſt. Ohne in
über=
triebenen Prunk zu verfallen, bietet es jede Bequemlichkeit. Je
nach der Stimmung kann man ſich auf ein ſtilles Deck zurückziehen
oder in Geſellſchaft plaudern. Von Genua ausgehend und in
Genua ſchließend, berühren wir die ſchönſten Stätten des
mitt=
eren Mittelmeeres. Die Nacht wird meiſt zur Fahrt benutzt; am
Drgen ſteht man vor der Ueberräſchung eines neuen Hafens,
eines neuen Landes. Das Schiff führt Kapitän Lück, ein
Mit=
kampir der Skagerrakſchlacht, ein bewährter Führer der Hapag,
der Lie nswürdigkeit und Zurückhaltung vorbildlich vereinigt.
Auf dem Lande betreut ine veſoidere Reiſeabteilung unter der
Leitung von Far. Peterſen, einem tatkräftigen, unermüdlichen
Hamburger, die der Führung bedürftigen Gäſte.
II.
Sizilien.
Für Sizilien hatte ich einen angenehmen Reiſebegleiter:
Johann Wolfgang Goethe. Am 29. März 1787 war er von
Neapel abgefahren: „Die ganze Nacht ging das Schiff ruhig fort,
Es war in Amerika gebaut, ſchnellſegelnd, inwendig mit artigen
Kämmerchen und einzelnen Lagerſtätten eingerichtet.” Vier Tage
fuhr der Segler, von widrigen Winden getrieben, bis er mit
Vom Tage.
Unter Führung des Präſidenten der oſtchineſiſchen Eiſenbahn, Kwo,
traf in Berlin eine aus 17 Herren beſtehende chineſiſche
Stu=
dienkommiſſion zu 14tägigem Aufenthalt ein.
Der portugieſiſche Geſandte in Berlin, de Freitas,
iſt vorgeſtern an den Folgen einer ſchweren Operation geſtorben.
de Freitas vertritt ſein Land ſeit 1926 in Berlin.
Am Mittwoch fand ein großer Empfang der deutſchen
Botſchaft in London ſtatt, wobei das diplomatiſche Korps, die
Miniſter, unter ihnen Baldwin, der Erzbiſchof von Canterbury, ſowie
Perſönlichkeiten aus der Finanzwelt und des Militärs uſw. vertreten
waren.
Die Antwort der einzelnen Dominions auf die Aufrage der
eng=
liſchen Regierung iſt in London eingetroffen. Man erwartet, daß noh
vor Ende der Woche die Antwort Englands an Amerika
abgeſandt werden kann.
Geheimrat Felix Deutſch, der Führer der
deutſchen Eleftrizitätsinduſirie, 70 Jahre alt.
Am 16. Mai feierte Geheimer Kommerzienrat Dr. Felix
Deutſch, der Vorſitzende des Direktoriums der A. E.G., ſeinen
70. Geburtstag. Felix Deutſch wurde im Jahre 1858 in Breslau
geboren und kam mit 15 Jahren zu einem Unternehmen ſeiner
Vaterſtadt in die Lehre, das ſich mit dem Bau und der
Aus=
rüſtung von Zuckerfabriken beſchäftigte. Dank ſeiner Umſicht und
ſeiner organiſatoriſchen Fähigkeiten gelangte Deutſch ſchon in
ungen Jahren zu einer verantwortungsvollen Stellung. Im
Jahre 1882 trat Deutſch zu dem Berliner Banken=Konſortium
über, das ſich zur Auswertung des Strontianit=Verfahrens in
der Zucker=Induſtrie gebildet hatte. Im Auftrage dieſes
Kon=
ſortiums wurde er mit dem Bau und der Leitung der damals
größten und modernſten Zucker=Raffinerie Deutſchlands in Roſitz
betraut. Die erfolgreiche Durchführung dieſer Aufgabe führte
dazu, daß Deutſch, der ſchon während ſeiner Roſitzer Tätigkeit
im Winter 1882/83 verſchiedentlich mit Emil Rathenau in
Füh=
lung gekommen war, im Jahre 1883 in die Leitung der
neuge=
gründeten, den maßgebenden Banken des Zucker=Konſortiums
naheſtehenden „Deutſchen Ediſon=Geſellſchaft für angewandte
Elektrizität” der Vorgängerin der A.E.G., berufen wurde. So
wurde Deutſch bereits im Alter von 25 Jahren mit der
kauf=
männiſchen Leitung eines Unternehmens betraut, das ſich im
Laufe der 45 Jahre ſeines Beſtehens in ſtändigem Wachſen zu
immer größerer Bedeutung entfaltet hat und heute eines der
mächtigſten Unternehmen der Welt darſtellt. Seine Tätigkeit, die
der Geſchichte der deutſchen Induſtrie angehört, umfaßte
insbe=
ſondere den organiſatoriſchen Auf= und Ausbau des
Unterneh=
mens, vor allem die Schaffung der in= und ausländiſchen
Orga=
niſation und die Pflege der induſtriellen und finanziellen
Be=
ziehungen, von denen nur die Verbindung der A.E.G. mit der
amerikaniſchen General Electric Company hervorgehoben ſei. Die
entſcheidende Mitwirkung Deutſchs an der Entwicklung der A. E.G.
und ſein Anſehen im deutſchen Wirtſchaftsleben machten es
ſelbſt=
verſtändlich, daß er im Jahre 1915, als Emil Rathenau die Augen
ſchloß, zum Vorſitzenden des Direktoriums des Unternehmens
ernannt wurde. In die Zeit, die ſeitdem verfloſſen iſt, fallen die
Kriegs= und Inflationsjahre, durch deren Wirrniſſe und
Fähr=
niſſe Felix Deutſch die A. E. G. mit ſicherer Hand geleitet und zu
immer ſtärkerer Entwicklung emporgeführt hat. Die Tätigkeit
Deutſchs hat durch zahlreiche Ehrungen die Anerkennung der
Oeffentlichkeit gefunden.
ſeinen ſeekranken Fahrgäſten Palermo erreichte. 139 Jahre ſpäter
ging die Fahrt raſcher vonſtatten: wir ſetzten uns noch im Hafen
von Neapel zu einem ſonntäglichen Souper nieder, tanzten bis
Mitternacht und erwachten in der ſonnigen Bucht von Meſſina.
„Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele:
hier iſt erſt der Schlüſſel zu allem”, ſprach Goethe zu mir, und
er hatte recht.
Die Geſchichte von Jahrtauſenden ſpiegelt ſich in Sizilien.
An ſeine Geſtade ſchlagen die Wellen der Ereigniſſe zweier
Erd=
teile. Aus dem Oſten kamen die Phöniker, aus Afrika Karthager
und Berber; herrliche Temipel künden von griechiſchen Kolonien;
die puniſchen Kriege begründeten die Herrſchaft Roms; aus dem
Norden erſchienen die Oſtgoten, ſpäter Normannen und
Hohen=
ſtaufen.
Erſchütternd wirken im Dom von Palermo die mächtigen
Porphyr=Sarkophage, in denen Kaiſer Friedrich II., der
Hohen=
ſtaufe, in arabiſche Gewänder gehüllt, mit der Krone auf dem
Haupte, und neben ihm ſeine Gattin und ſein Vater beſtattet ſind.
Ein Palmenhain führt in wenigen Schritten vom Dom zu
dem königlichen Schloß mit der Capella Palatina, die Roger II.
ein Jahrhundert vor Friedrich dem Zweiten errichtet hat. Die
dreiſchifſige Baſilika iſt ein Wunderwerk der normanniſchen
Bau=
kunſt. Leuchtende Glasmoſaiken auf goldenem Grund ſchmücken
die Wände, ernſt und feſtlich zugleich.
Drei Tagen ritten Goethe und Kniep zwiſchen Meer und
Felswänden von Taorming nach Meſſina. Wir legten den gleichen
Weg in entgegengeſetzter Richtung im Speiſewagen eines
inter=
nationalen D=Zuges in knapp einer Stunde zurück. Das
griechi=
ſche Theater in Taormina, großzügig in ſeinen Maßen und
prächtig gelegen, war mit einem Holzgerüſt für 8000 Zuſchauer zu
Feſtſpielen bedeckt und hierdurch in ſeiner Schönheit
beeinträch=
tigt. Wir hielten uns in dem verunſtalteten Raum nicht
allzu=
lange auf und fanden zum Fünfuhrtee einen um ſo ſchöneren
Platz auf den Gartenterraſſen des hochgelegenen alten
Domini=
kaner=Kloſters, das jetzt zu einer der eigenartigſten Gaſtſtätten
umgewandelt iſt, dem Inſelhotel in Konſtanz vergleichbar. Wir
ſitzen unter Orangen und Palmen, ein leichter Wind trägt den
Duft berauſchender Blüten über die Terraſſe, der Blick ſchweift
auf die blaue Meeresbucht und den blauen Himmel, und zwiſchen
beiden ſteht der in der Sonne leuchtende, ewige Schnee des
rau=
chenden Aetna. Vom Dorf klingen die Oſterglocken”.
III.
Tunis.
Spiegelglatt lag die blaue See, als der Dampfer gegen Abend
von Sizilien abfuhr. Allmählich ſenkte ſich die Dämmerung nie=
Von Streſemanns Krankenbe
Leichte Beſſerung im Befinden Streſemanlz.
* Berlin, 16. Mai. (Priv=Tel.
Das Befinden des Reichsaußenminiſters hat ſich auch
Mittwoch wwieder etwas gebeſſert, vor allem, da die Niere ke
Tätigkeit wieder aufgenommen hat. Die Aerzte ſind der 2
nung, daß die akute Gefahr geſchwunden iſt, daß aber immer ich
mit der Möglichkeit von Komplikationen gerechnet werden n ß.
Auch das allgemeine Befinden des Miniſters hat ſich gebeſ 11
Trotz allem wird mit einem längeren Krankenlager des Miniſ ks
gerechnet, dem ſich ein mehrmonatiger Urlaub anſchließen m ß.
Der abute Zuſtand wird auf eine Infektion, die vermutlich
nh=
rend des Heidelberger Aufenthalts nach dem Genuß eines X
gerichts entſtanden iſt, zurückgeführt.
Franzöſiſche Blätter weiſen auf die merbwürdige Erſchein jg
hin, daß auch Briand an Paratyphus erkrankt geweſen iſt, un
ſt=
telbar nach der Tagung des Rates im März, woraus ſie
Schlußfolgerung ziehen, daß irgendein beſtimmter
Zuſamnſ=
hang beſtehen müſſe. Sie deuten an, daß vielleicht ein anar
ſtiſcher Diener ein Vergiftungsexperiment mit Bazillen, vo
b=
nommen hätte. Der behandelnde Art hält aber daran feſt, iß
es ſich um ein verſchlepptes Leiden handle, das nur deshalk ſo
gefahrdrohende Formen annehmen konnte, weil der
Körperu=
ſtand infolge Ueberarbeitung der Infektion ſo geringen
Wilk=
ſtand entgegenſetzen konnte. Da aber die Nierentätigkeit wie ſr
begonnen hat, rechnen die Aerzte beſtimmt damit, daß es
k=
lingen wird, die Gefahr zu beſeitigen. Der Zuſtand des Miniſt ’8
werde aber noch einen längeren Erholungsurlaub, notwen ſg
machen.
Die ſranzöſiſche Preſſe zur Erkrankung
Dr. Streſemanns.
Paris, 16. Mai.
Mit außerordentlichem Bedauern iſt die Nachricht von
Erkrankung des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann in
ſämtlichen franzöſiſchen Kreiſen aufgenommen worden. M
wünſcht eine baldige Wiedergeneſung. Die Krankheit Bria8
wird mit der Krankheit Streſemanns in Verbindung gebrat,
wie z. B. „Paris Midi”, der die Verbundenheit der bei
Namen Briand und Streſemann ſelbſt bis in die Krankheit ſ
ſtellt und die Fortſetzung der Analogie auch für die Geneſih
wünſcht. Der „Petit Pariſien” ſchreibt: In Frankreich, wo jel
mann Streſemann als einen der Begründer der Politik 15
Locarno und als einen Verteidiger der fpanzöſiſch=deutſchen §
näherung kennt, werden die Phaſen der Krankheit mit Inter e
verfolgt. Man hofft, daß die robuſte Konſtitution des Miniſt 8
ſchließlich über die ernſte Erkrankung, die er ſich im Verla k
ſeiner Wahlkampagne zugezogen hat, obſiegen wird, damit *
auch weiter daran arbeiten kann, das europäiſche Friedenswe
das er gemeinſam mit Chamberlain und Briand unternomm
hat, zu konſolidieren.
Auslandsanleihe des Deutſchen Sparkaſſe
und Giroverbandes.
Berlin, 16. Mat
Die Beratungsſtelle für Auslandskredite beim Reichsfina
miniſterium hat die Aufnahme des erſten Teilbetrags der A= des Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverbandes
Betrage von 17 500 000 Dollar endgültig befürwortet. Vor
haltlich der mimiſteriellen Genehmigung der Anleihe ſeite
der preußiſchen Staatsregierung, die nach den gepflogenen V
handlungen mit Sicherheit zu erwarten iſt, hat der Deutſe
Sparkaſſen= und Giroverband den Verkauf der Anleihe mit in
in Berlin anweſenden Vertretern des Bankhauſes Harris F
bes u. Co. abgeſchloſſem. Die Anleihe iſt mit 6 Prozent
verzit=
lich und wird bis zum Jahre 1947 mit 2,96 Prozent zuzüglh
erſparter Zinſen zum Nennwerte planmäßig getilgt. Die
pli=
mäßige Tilgung ſoll nur durch Ausloſung erfolgen. Dem V
bande iſt das Recht vorbehalten, die Anleihe nach Ablauf rn
fünf Jahren verſtärkt oder im ganzen zur Rückzahlung zu
ki=
digen. Die Rückzahlung der gekündigten Beträge erfolgt v.
5. bis zum 10. Jahre zu 102 Prozent und vom 10. Jahre ab zu
Nennwert. Das Bankhaus hat die Anleihe zum Kurſe von 95
Prozeut zuzüglich Stückzinſen übernommen und wird die 2/
leihe vorausſichtlich bereits am 21. Mai in New York zur Zei
nung auflegen.
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der und mit ihr zog Stern um Stern an dem ſich verdunkelnd
Himmel auf. Schwer trennte man ſich von dem ſtillen Oberd
zum Schlaf in der Kabine.
Als wir erwachten, tauchte die afrikaniſche Küſte auf, 1
Dampfer legte bei La Goulette, der Hafenſtadt vor Tunis, c
Wie der „Mantel des Propheten” breitete ſich das weiße Häuſe
meer von Tunis über die Bucht und ſtieg zur Kasba an. D
erſte Gang führte uns in den Kern der Stadt, die Medina, d
alte mohammedaniſche Viertel.
Es iſt eine vollkommen fremde =Welt von märchenhaft
Schönheit! Die wundervolle Wirklichkeit übertrifft die Vorſte
lung, die die Phantaſie aus Büchern, Bildern und Filmen ſ
gebildet hat. Man wandert durch enge, gewundene Gaſſen: al
Portale, vergitterte Fenſter mit reichem Maßwerk, hier und
eine weiße Moſchee mit zierlichem Minarett.
Um die ſtattliche Zitouma=Moſchee ſchließen ſich die
Souk=
die bunten mittelalterlichen Bazargaſſen, wie lauſchige Gewölk
Sie ſind überdacht und nachts unbewohnt. Laden ſteht nebe
Laden, Werkſtatt neben Werkſtatt. Jede Gaſſe iſt einem beſo
deren Gewerbe geſvidmet. Der Souk der Stoffe bringt die vo
nehmen Teppiche aus Kairuan, Decken aus Djerid, Seidenſtof
und Wollwaren. Im Souk der Sattler blendet der Glanz d
ſilber= und goldgeſtickten Decken und der Pferdeſchmuck für
Fa=
taſias. Im Souk der Frauen kaufen verſchleierte Araberinnen g
webte Kleider, Pantoffeln aus Saffian, händgearbeitete Kette
und Armbänder. Der Gewürzmarkt duftet von Jasmin ur
Roſenöl zwiſchen Ambra und Hennablättern; darüber die mäc
tigen, mehrarmigen Leuchter für Heiligengräber und Hochzeitei
das ganze belebt von einer buntgekleideten, ganz fremden B
völkerung!
Berauſcht von der Fülle und Schönheit dieſer Eindrück
ſteigen wir aus dem Gewirre der Gaſſen auf die Höhe der Stal
nach der Place el Halfaouine, dem Platze der Halfagras=Flechte
Regſtes Leben herrſcht am Spätnachmittag. Ringsum arabiſch
Kaffeehäuſer: Araber beim Schachſpiel oder bei der Waſſerpfei
oder in ſtille Gedanken verſunken. Auf dem Platze ſammeln are
biſche Volksſänger, Schlangenbeſchwörer, Märchenerzähler phar
taſtiſche Kreiſe um ſich. Die Araber ſehen auf dieſem von de
Fremden ſelten beſuchten Platze uns erſtäunt an. Ich werfe
ei=
heiteres Wort franzöſiſch hin, es wird aufgegriffen und alsbal
iſt eine freundliche Unterhaltung im Gange. Beſonderes Inter
eſſe erregt der photographifche Axdarat, wir bilden aus der ara
liſchen Jugend maleriſche Gruxpen und machen die luſtigſter
Aufnahmen. Aus der Ferne grüßt das geſaltige weiße Kuppel
werk einer Moſchee im Scheine der letzten Sonnenſtrahlen,
Nummer 137
Donnerstag den 17. Mai 1928
Seite 3.
Die Rolle des Spitzels Riebl.
Riehl notierte ſich jede franzoſenfeindliche
Aeußerung
* Kolmar, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Der heutige Vormittag begann mit einer Anregung des
Generalſtaatsanwaltes, der darauf hinweiſt, daß eine nochmalige
Beſchränkung der Debatte notwendig ſei, wenn man nicht über
Pfingſten hinaus ſitzen wolle. Er verzichte auf ſeine Zeugen
mit zwei Ausnahmen. So könne die Verteidigung am Freitag —
am morgigen Donnerstag wird nicht verhandelt — ihre
Ent=
laſtungszeugen aufrufen laſſen und man könne am Montag mit
den Plaidoyers beginnen. Die Verteidigung iſt mit dieſer
Pro=
zedur einverſtanden. Die Vernehmung des Zeugen Riehl wird
fortgeſetzt. Sie ergab, daß Riehl, nicht nur
autono=
miſtiſche, ſondern auch ſozialiſtiſche und andere
Verſammlungen beſpitzelte. So eine Verſammlung in
Mülhauſen, in der Grumbach und Renaudel ſprachen. Riehl
notierte ſich jede franzoſenfeindliche Aeußerung. Seine Ausſagen
verſuchten namentlich Schweizer zu belaſten. Als ihn der
Präſi=
dent aufforderte, deutlicher zu ſprechen, entſchuldigt ſich Riehl, er
ſei nicht gewohnt, Reden zu halten, er ſei das erſte Mal hier.
Berthon ruft ironiſch: „Der Anfang einer ſchönen Karriere.”
Riehl ſetzt ſeine Ausſagen fort, während ſich, wie geſtern abend
ſchon, über den Saal eine aus Abſcheu entſtehende Lähmung
legte. Er ſagt, der Heimatbund habe über einen
Nachrichten=
dienſt und eine Art Tſcheka zur Aburteilung unzuverläſſiger
Mit=
glieder verfügt. Eingehend äußert ſich Riehl über die
Schutz=
truppe, das deutſche Theater, die geforderte Volksabſtimmung.
Als Riehl vom deutſchen Radio ſprach, fordert die Verteidigung
erneut, er müſſe deutlicher reden, denn ſie möchten gerne erfahren,
wie man die deutſchen Wellen daran hindern könne, ins Elſaß
zu kommen. Der Angeklagte Stürmel ſoll, wie Riehl ſagt,
ein=
mal erklärt haben, „wir müßten darnach trachten, in jedem Dorf
den Pfarrer für uns zu gewinnen, da dieſer eine Sektion des
Heimatbundes aufwiegt.” Kleine Zwiſchenfälle unterbrechen von
Zeit zu Zeit die Ausſagen des Zeugen. Rufe fliegen ihm von
den Bänken der Verteidigung an den Kopf, ohne daß dieſe vom
Präſidenten gerügt werden. Unbeirrbar ſetzt Riehl ſeine
Aeuße=
rungen fort. Er war auch mit Ley in Verbindung. Er traf deſſen
Sekretär namens Blaul. Dieſer war bemüht, Verbindungen
zwi=
ſchen Ley und dem Straßburger Kommuniſten, dem früheren
Deputierten Hueber, herzuſtellen. Blaul verlangte von Riehl,
wie dieſer ſagt, auch militäriſche Auskunft. Riehl ſprach dann
von den Beziehungen zwiſchen Dr. Robert Ernſt, Dr. Streſemann,
Pinck und Fashauer. (Froniſche Heiterkeit.) Riehl äußert ſich
ferner über die Beziehungen zwiſchen Kohler und Ley und
be=
zeichnet Ley als Spion. (Rufe: Ein Kollege!) Riehl erhielt auch
von Dr. Ernſt Briefe, und Ley gab ihm auch die Adreſſe
Hugen=
bergs.
Neue Unruhe entſteht im Saale, als ſich Riehl geringſchätzig
über Dr. Ricklin äußert und angibt, wie er jenen Brief aus
Ricklin herauszog, in welchem Ricklin ſagt, die Autonomie von
Elſaß=Lothringen müſſe, wenn möglich, auch außerhalb des
Rah=
mens Frankreichs erwirkt werden. Dadurch, daß er ſich als
opferbereiter, hingebender Anhänger der Autonomiebewegung
ausgegeben habe, habe er großes Zutrauen gewonnen. Erſt
ſpä=
ter habe man Verdacht gegen ihn geſchöpft. Riehl ging dann
auf die Haegy=Preſſe und die „Volksſtimme” ein. Sodann geht
Riehl über auf angeblich verſprochene Waffenſendungen aus
Deutſchland für die Schutztruppe. Die Schutztruppe von
Straß=
burg ſollte auf eine Stärke von 1000 Mann gebracht werden.
Vor Unterbrechung der Sitzung äußert ſich Riehl noch über ein
angebliches Geſpräch, das er mit einem früheren deutſchen
Offi=
zier namens Möbius gehabt haben ſoll. Dann hält die
Ver=
teidigung dem Riehl eine Reihe von Briefen vor mit
Aeußerungen, die für Frankreich wenig
ſchmeichelhaft ſind.
U. a. ſagt Riehl in einem ſeiner Briefe, daß kein Elſäſſer
Fran=
zoſe ſein könne, ſonſt ſei er ein gemeiner Heuchler. Er erzählt in
einem anderen Brief von einem Beſuch Poincarés, den er den
„Totengräber des Elſaß” nennt. Dieſer Beſuch ſei nichts anderes
als ein großes Affentheater geweſen. Auf eine Frage der
Ver=
teidigung hin behauptet Riehl, daß er nie weder von der
Regie=
rung noch von der Polizei für ſeine Tätigkeit bezahlt worden ſei.
Es kommt dann weiter zu einem ſcharfen Zuſammenſtoß zwiſchen
Riehl und der Verteidigung, als Riehl gefragt wird, ob es wahr
ſei, daß er Papier von den Beſtänden der Haegyſchen „Alſatia”
entnommen und das Geld dafür in ſeine Taſche geſteckt habe.
Riehl wehrt ſich dagegen mit aller Leidenſchaft. Es iſt ihm aber
nicht möglich, dieſe für ihn peinliche Sache reſtlos aufzuklären.
Er ſchreit dann: „Mein Vater und ich ſind von Haegy von einem
Tag zum anderen auf die Straße geworfen worden, und zwar
als Rache für meine Tätigkeit. Iſt denn der Elſäſſer ein
Ver=
räter, der Frankreich im Land verteidigt?” Nach ſcharfen
Aus=
einanderſetzungen zwiſchen der Verteidigung, dem Vorſitzenden
und dem Generalſtaatsanwalt wird die Sitzung auf den
Nach=
mittag vertagt.
Die letzten Belaſiungszeugen.
Der Polizeikommiſſar Boltz aus Mülhauſen, der heute
nach=
mittag vernommen wurde, äußerte ſich über die
Heimatbund=
bewegung in Mülhauſen und über die Rolle der Angeklagten
Schweizer und Stürmel. Neues erfährt man dabei nicht.
Inter=
eſſant iſt nur die Mitteilung Riehls an den Zeugen, daß
Stür=
mel einmal von einer Waffenkiſte geſprochen habe, die er im
Beſitz habe. Während der Vernehmung dieſes Zeugen kommt
es wiederum zu ſehr heftigen Zuſammenſtößen zwiſchen der
Ver=
teidigung und dem Vorſitzenden, doch kann am Ende
Rechts=
anwalt Thomas dem Zeugen beſcheinigen, daß ſeine Ausſagen
durchaus fachlich und ruhig geweſen ſeien. Als letzter
Bela=
ſtungszeuge kommt der Inſpecteur de UAcadémie, Bourgoin, zu
Wort, der ſich über die Tätigkeit Roſſés und über die Rolle
aus=
ſpricht, die dieſer politiſch und kulturell geſpielt habe. Es ſei
nicht zu beſtreiten, daß Roſſé an dem Generalſtreik von 1920
aktiben Anteil gehabt habe und auch an den Vorbereitungen für
einen Generalſtreik im Jahre 1926 beteiligt geweſen ſei. Was
die Kulturpolitik des Heimatbundes und Roſſé vor allem
anbe=
lange, ſo könne geſagt werden, daß ſie ſich mit dem Programm
des Vereins für das Deutſchtum im Ausland vollſtändig decke.
Im ganzen könne der Zeuge feſtſtellen, daß durch Roſſés
Tätig=
keit und durch ſeine Kritik an allen franzöſiſchen Einrichtungen
im Lande eine Frankreich nicht förderliche Stimmung geſchaffen
worden ſei, die für das Land eine Gefahr bedeute.
Roſſé weiſt eine Reihe von ſachlichen Unſtimmigkeiten zurück,
die dem Zeugen unterlaufen ſind. Die Tätigkeit ſeiner
Kultur=
politik ſei die im Rahmen Frankreichs mögliche und nach ſeiner
Auffaſſung ein Dienſt am Elſaß. Der Angeklagte wird ſich wohl
noch einmal zu den Ausführungen ſeines, früheren dienſtlichen
Vorgeſetzten am Freitag vormittag äußern.
Dann wird als erſter Entlaſtungszeuge, der aber auch von
der Anklagevertretung geladen war, Abbé Hägy zu Wort kommen.
Erfolg der franzöſiſchen
Konfoli=
dierungsanleihe.
Die Franken=Stabiliſierung unaufſchiebbar.
Poincaré bremſi.
* Paris, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Die franzöſiſche Konſolidierungsanleihe, die in der
vergan=
genen Woche von Poincaré aufgelegt worden war, hat einen
Erfolg gezeitigt, der die Regierung in ernſte Verlegenheit gebracht
hat. — Es iſt erinnerlich, daß Poincaré vor den Kammerwahlen
auf wiederholte Anfragen im Parlament über den Zeitpunkt der
von ihm beabſichtigten Stabiliſierung des Franken ſtets
aus=
weichende Antwort gab und eindringlich vor einer „überſtürzten”
Stabiliſierung warnte. Die Gründe, die für den
Miniſterpräſi=
denten und Finanzminiſter für dieſes Zögern maßgebend waren,
ſind nach ſeinen eigenen Worten techniſcher Natur geweſen.
Poin=
caré ſetzte auseinander, daß die Vorausſetzungen für eine
Stabili=
ſierung der franzöſiſchen Währung allmählich geſchaffen werden
müßten, obwohl ſeine Gegner ihm ſtets vorhielten, daß der
Fran=
ken tatſächlich bereits ſtabil ſei, ſo daß der geſetzgeberiſche Akt
lediglich als amtliche Beſtätigung eines bereits beſtehenden
Zu=
ſtandes auſzufaſſen wäre.
Für den Miniſterpräſidenten ſind aber in Wahrheit ganz
andere Gründe für ſein zögerndes Verhalten maßgebend geweſen,
als die techniſcher Natur. Es iſt bekannt, daß Poincaré, der
Schöpfer des Kabinetts der nationalen Konzentration, allgemein
in Frankreich als der Retter des Franken angeſehen wird. Als
ſolcher wollte der Miniſterpräſident auch die Früchte ſeiner Tat
genießen und ſeinen Rücktritt möglichſt weit hinausſchieben. Einen
Zerfall ſeiner gegenwärtigen Koalition ſah Poincaré aber kommen
für den Fall, daß der Kitt der Finanzmiſere nicht mehr die
poli=
tiſch an ſich heterogenſten Elemente zuſammenhält. Deshalb
ver=
ſchob Poincaré aus Gründen der politiſchen Taktik den
endgül=
tigen Zeitpunkt der geſetzlichen Stabiliſierung von einem Monat
zum andern. Wie richtig dieſe Berechnung geweſen iſt, beweiſt
der Ausfall der Kammerwahlen. Nur der Parole der
Notwen=
digkeit einer weiteren Zuſammenarbeit unter dem Geſichtspunkt
der endgültigen Durchführung der Finanzſanierung iſt es
gelun=
lungen, der Koalition der nationalen Einigkeit in den
Kammer=
wahlen zu einem Sieg zu verhelfen.
Von der in der vergangenen Woche aufgelegten
Konſolidie=
rungsanleihe erhoffte ſich nun Poincaré die Möglichkeit, die in
den nächſten zwei Jahren fällig werdenden kurzfriſtigen
Verbind=
lichkeiten zu tilgen und darüber hinaus die Möglichkeit zur
Ver=
ringerung des ſtaatlichen Vorſchußkontos bei der Bank von
Frank=
reich zu erhalten. Nun hat die Konſolidierungsanleihe aber
be=
reits bisher zu einem einzigartigen Erfolg geführt, der es der
Regierung ermöglichen würde, nicht nur die kurzfriſtigen
Ver=
bindlichkeiten zu tilgen, ſondern auch die Vorſchüſſe der Bank von
Frankreich in einer ſolchen Höhe abzutragen, daß der endgültigen
Stabiliſierung keine Hinderniſſe mehr im Wege ſtehen würden.
Die Anleihe hat bis heute über ſechs Milliarden an Bareingängen
gebracht. Wenn Poincaré bei einem derartigen Erfolg auch jetzt
noch mit der Vornahme der Stabiliſierung zögern würde, müßte
er mit Recht ſich den Vorwurf machen laſſen, daß er bewußte
Verſchleppungstaktik verfolgt. Deshalb iſt überraſchend
angekün=
digt worden, daß die Friſt für die Zeichnungen heute oder morgen
geſchloſſen werden ſoll. — Poincaré ſieht ſich alſo vor der Gefahr,
von dem Vertrauen, das Frankreich in ihn ſetzt, direkt
überwäl=
tigt zu werden. Man darf neugierig darauf ſein, wie die Kammer
auf derartige finanzpolitiſche Methoden reagieren wird.
* Die franzöſiſchen Amgruppierungen.
Der Kampf zwiſchen Rechts und Links um die
einflußreichen Poſten.
Von unſerem A.=Korreſpondenten.
Paris, 16. Mai.
Die Kammer kann ſich noch immer nicht in die neue Lage
finden. Nicht nur gehen die Umgruppierungen äußerſt langſam
und ſchwierig vor ſich. Auch um die Einflußſphäre von Links
und Rechts iſt neuerdings ein heftiger Kampf entbrannt. Die
Linke ſteht auf dem Standpunkt, daß die Wahlen den „status
quo” gutgeheißen haben und will keine einzige der früher
erwor=
benen Poſitionen preisgeben. Und damit hat ſie unbedingt recht.
Die Rechte dagegen weiſt auf die Tatſache hin, daß ſie die Wahlen
gewonnen hat, daß die Zahl der rechtsſtehenden Deputierten
be=
deutend größer geworden iſt, daß ſie es alſo nicht dulden kann,
wenn alle einflußreichen Poſten — insbeſondere denkt man dabei
an die Präſidentſchaft der Kammer und der einzelnen
Kommiſ=
ſionen — von linksſtehenden Politikern befetzt werden. Unleugbar
hat auch dieſes Räſonnieren etwas für ſich.
Der vielumſtrittene Präſident der Kammer, Fernand Bouiſſon,
gehört den Sozialiſten an; aber er hat der Linken nicht ſo viel
Gutes getan, als daß man es verſtehen könnte, weshalb die Rechte
ihn jetzt um jeden Preis ſtürzen möchte. Denn er iſt in ſeinem
Amte das Muſter der Parteiloſigkeit und dabei ſo energiſch, daß
er gewöhnlich noch mehr tut, als Poincaré wünſchen kann. Bei
den Wahlen wurde er ja von der Rechten offen unterſtützt.
Viel erwogen wird auch, wer Gouverneur von Indochina
ſein wird. Das Mandat Varennes iſt bekanntlich abgelaufen, und
nur mit Rückſicht auf die Wahlen hat man ſich noch nicht
ent=
ſchieden, wer ſein Nachfolger werden ſoll. Die Bedeutung
Indo=
chinas hat in jeder Beziehung in den letzten Jahren unglaublich
ſtark zugenommen, und es iſt ganz ernſthaft die Rede davon,
daß man den Gouverneurpoſten von Indochina, was Einfluß und
Macht betrifft, mit ſolchen Vorrängen ausſtatten will, wie ſie der
Vizekönig von Indien beſitzt. Es wird immer wieder behauptet,
daß der gegenwärtige Innenminiſter Sarraut Gouverneur von
Indochina werden wird, und es ließen ſich tatſächlich zwei
Argu=
mente für dieſe Prophezeiung aufbringen. Erſtens kennt Sarraut
die Verhältniſſe in Indochina ſehr gründlich, da er dort längere
Zeit, und zwar mit großem Erfolg, tätig war, und zweitens
möchten viele ſeiner Anhänger, daß das Portefeuille des
Innen=
miniſters von jemand anderem übernommen werde. Deshalb
invitiert man ihn ſo herzlich nach Indochina, aber es iſt ſehr
frag=
lich, ob er auf die Miniſterſchaft verzichten wird.
TV.
Conſtantine.
Intermezzo: ein Ausflug in das Innere Nordafrikas!
Durch gepflegtes Land zwiſchen Weinbergen, Orangenhainen,
wilden Oliven und Palmen kommt man von dem Hafen
Philippe=
ville in dreiſtündiger Bahnfahrt nach der alten Berberſtadt
Con=
ſtantine.
Auf einer hohen, ſchrägen Felsplatte aus Kreidekalk liegt die
„Stadt der Luft” wie die Araber ſie nennen. Das Muſter
einer Berberſiedlung, die ſich durch Jahrtauſende gegen Feinde
berteidigen mußte, ein afrikaniſches Carcaſſonne. Nach drei
Sei=
ten fallen die Wände der Felsplatte ſteil ab, unzugänglich für die
Angreifer. Die Steinhäuſer ſind in engen Gaſſen
zuſammenge=
ſchloſſen. Die alten, verwitterten Lehmdächer weiſen in die
Ver=
gangenheit, die Störche, die faſt auf jedem Hauſe ſitzen, in die
Zukunft!
Unter den numidiſchen Königen war Conſtantine ein
Mittel=
bunkt der Kultur im Innern des Landes, ſeit dem zweiten
Jahr=
hundert vor Chriſtus der Sitz der Könige. Im Mittelalter hatten
ſeine Gelehrtenſchulen, heute haben ſeine Schafwollbörſe und ſein
Getreidehandel einen weiten Ruf.
Das maleriſche Araberviertel mit den engen Gaſſen und den
bunten, bewegten Läden und Werkſtätten iſt faſt unverſehrt
erhalten.
Die Rummel=Schlucht, die wildeſte Klamm des Tellatlas,
ſchneidet im Norden das Felsplateau ab und ſteigert mit ihren
Klüften und Waſſerſtürzen die Romantik der alten Berberfeſte.
V.
Algier.
Als Tartarin in Algier landete, um auf die Löwenjagd
zu ziehen, war er erſtaunt, daß er nicht eine geheimnisvolle
orien=
taliſche Märchenwelt traf, ſondern daß zunächſt alles gerade ſo
war wie daheim in Tarascon. Wie Tartarin erging es auch uns,
nur daß diesmal die algeriſche Militärkapelle auf dem
gut=
gebflaſterten Platz in der Nähe des Hafens nicht eine Polka von
Offenbach, ſondern ein ſchneidiges Tipperarry zu Ehren der im
Hafen liegenden engliſchen Kriegsſchiffe ſpielte.
Seit Tartarins und ſeit Maupaſſants Beſuch hat ſich
21gier immer mehr als große franzöſiſche Provinzſtadt mit dem
Harakteriſtiſchen Einſchlag eines bedeutenden Hafens entwickelt.
Sie neue Stadt zieht ſich nach dem hochgelegenen, geſunden
Vor=
drr Muſtapha. Hier ſind die vornehmen Villen reicher Algerier
und Franzoſen mit ihren Tropen=Gärten; hier iſt inmitten eines
Palmenparks das in mauriſchen Formen gehaltene
Sommer=
ſchloß des franzöſiſchen Gouverneurs, hier liegt in einem ſchönen
Zark das Muſeum, das Moſaiken und Teppiche, Schmuck und
Waffen aus allen Gegenden und allen Zeiten Nordafrikas
ver=
einigt. Nicht weit von hier liegt auch der einzigartige Botaniſche
Garten mit ſeinen Alleen von Dattelpalmen, Feigen,
Bambus=
rohr und den ſeltenſten Gewächſen Afrikas.
Das anziehendſte aber iſt doch das alte Algier der
tür=
kiſchen Zeit, das ſich unter der Kasba, der Burg, mit ſeinen engen,
verſchwiegenen Straßen nahezu unverändert erhalten hat. Iſt
ſein Typus auch nicht ſo rein wie in Tunis, ſo bietet es doch
maleriſche Bilder aus Tauſendundeiner Nacht.
Wir bummeln durch ſchmale, belebte Straßen mit hohen
Häuſern, die durch ihre anſteigende Führung reizvolle Durchblicke
geben: hier eine kleine Araberſchule, in der der Lehrer im
Halb=
dämmer im Kreiſe der bildhübſchen Araberkinder auf Matten auf
der Erde ſitzt und einen Geſang pſalmodiert, dort ein kleines
ara=
biſches Kaffee, dort der Blick durch ein ſchönes altes Portal in
einen ſtimmungsvollen Patio.
Mit Hilfe eines neugewonnenen arabiſchen Freundes entdecke
ich zum Abend inmitten des Kasba=Viertels ein ausgezeichnetes
arabiſches Reſtaurant; wir ſind die einzigen Fremden unter den
würdigen Scheiks, die in weißen Burnuſſen ſchweigend ihre
Mahl=
zeit berzehren. Wie die meiſten Gäſte nehmen wir Couscous
das algeriſche Nationalgericht: gedämpfter Reis mit Stücken von
Huhn mit Gemüſen belegt, in einer Tonſchale angerichtet,
mit roter Tunke gewürzt, eine ſehr ſchmackhafte Speiſe; zum
Nachtiſch friſche Erdbeeren und Datteln. Den Eifer, mich den
Sitten des Landes anzuſchließen, konnte ich doch nicht bis zu
der Entſagung treiben, mich — wie die arabiſchen Freunde
rings=
um — auf ein großes Glas Milch als Getränk zu beſchränken; ein
weißer ſüßer Mascara floß wie Oel in das Glas und trug die
Glut der afrikaniſchen Sonne in ſich, — wie überhaupt auf einer
ſolchen Reiſe der Wein das Weſen des Landes ſpiegelt: auf der
Durchfahrt durch die Schweiz der kühle, ſpritzige Fendant, in
Genua zum Eintritt nach Oberitalien einen vollen, herben, roten
Chianti, unter der Sonne Neapels einen durchglühten, weißen,
ſüßen Orvieto, auf Sizilien den ſtark ins Blut ſchießenden roten
Mascalucia vom Abhange des Aetna, in Afrika weißen Mascara
oder roten Milcana und ſo fort in der Reihe ſchöner Reben.
VI.
Barcelona.
Ein Blick nach Spanien: von Algier fährt die „Oceana” über
die Inſel Mallorka nach Barcelona.
Barcelona iſt die Stadt der größten Gegenſätze in
Spa=
nien: dem raſendſten Tempo modernſter Großſtädtiſchkeit ſteht der
erſchütternde Ernſt feierlichſter Kirchen gegenüber.
Von dem Hafen, der der größte und lebhafteſte des Landes
iſt, durchzieht die Rambla, ein breiter Platanenboulevard, gegen
den die Pariſer Boulevards verſchwinden, die Stadt und
ſchon findet die Rambla nach der Außenſtadt ihre
Fort=
ſetzung in einem noch glänzenderen Boulevard, der im
ame=
rikaniſchen Zeitmaß wächſt und von den neueſten Theatern,
den neueſten Hotels und den neueſten Autohallen umgeben
iſt. Gewaltige Straßenzüge werden durch die Altſtadt gehauen;
modernſte Architekten verſuchen ſich. In der aktivſten Stadt
Spa=
niens flutet das Leben Tag und Nacht ohne Unterbrechung.
The=
ater beginnen um 10 Uhr, die eleganteſten Tanzbars öffnen erſt
nach Mitternacht.
Inmitten dem rauſchenden Treiben ſteht die gotiſche
Kathe=
drale, die die Könige von Aragon der Santa Eulalia, der
Schutzheiligen Barcelonas, weihten. Tritt man aus dem
Palmen=
garten des Kreuzganges in die Kirche, ſo wird man von
vollkom=
mener Dunkelheit und Stille umfangen. Die laute Welt iſt
aus=
gelöſcht. Erſt allmählich gewöhnt ſich das Auge an die
Dunkel=
heit, und indem nach und nach die Konturen des Chores und der
Kapellen erſcheinen, indem der hohe, vielgegliederte Dom Geſtalt
gewinnt, verſchmilzt die Stimmung des Beſuchers mit der
Stim=
mung des Gotteshauſes zu einer ernſten, feierlichen Einheit: die
wunderbare Wirkung ſpaniſcher Kirchen!
K.
*Araufführung in München.
„Meier Helmbrecht”, Tragödie von Eugen Ortner.
In den Münchener Kammerſpielen erlebte nach langer Pauſe,
vorwiegend von Kaſſenſtücken ausgefüllt war, ein Werk von
rem literariſchen Gehalt eine ſehr erfolgreiche Uraufführung.
Irtner verwandte als Thema die alte Ballade vom „verlore=
Sohn”, die bereits im 13. Jahrhundert in dem altbayeriſchen
ksepos von Wernher dem Gartenaere in gebundener
m ihren Dichter fand. Eine vortreffliche Bearbeitung in
neu=
deutſcher Sprache erfuhr das Epos durch Joſef Hofmüller.
Irtner war es vorbehalten, dieſen Stoff zu dramatiſieren, und
r mit weſentlichen Veränderungen, die die Handlung mehr
plizieren, als in der Tiefenwirkung verſtärken. Die von
Falckenberg und O. Reigbert glänzend vorbereitete
Auffüh=
bewies jedoch zur Genüge, daß E. Ortner eine
vielver=
hende dramatiſche Begabung beſitzt. Der reuige Strauchdieb
in Schweickart eine ideale Verkörperung, ihm ebenbürtig
rührende Mutter Th. Giehſes und der harte, dabei liebe=
Vater Otto Framers, der den eigenen Sohn zur Sühne
Schergen ausliefert. Auch die übrigen Mitwirkenden trugen
) ihr einwandfreies Spiel weſentlich zu dem Premierenerfolg
den ein beifallsfrendiges Publikum dem Dichter und den
tellern bereitete.
A. G.
Geite 4
Donnerstag den 12 Mai 1928
Nummer 137
Der preußiſche Miniſterpräfident
als Parteiagitator.
Die Antwort der Reichsregierung.
* Berlin, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Der preußiſche Miniſterpräſident Braun hat am Dienstag
abend in Braunsberg eine Rede gehalten, die mehr als ſeltſam
anmutet und rein auf den partei=agitatoriſchen Ton abgeſtellt
war. Nach dem Bericht des „Vorwärts” hat er behauptet, daß er
kurz vor ſeiner Abreiſe aus Berlin ein dringendes Telegramm
aus Oſtpreußen erhalten habe, worin ſeine Hilfe gegen die
„deutſchnationale Reichsregierung”, angerufen wurde, die ſich
gegen die Durchführung eines Teiles des Oſtpreußen=
Notpro=
gramms gewendet habe. Nach ſeiner Darſtellung hat der
Reichs=
finanzminiſter plötzlich ſeine Zuſtimmung zur Auflegung der
Oſtpreußen=Anleihe verweigert, und Herr Braun hat hinzugefügt,
ich ſoll nun dieſe Sabotage der deutſchnationalen Reichsregierung
verhindern. Das iſt ſo ziemlich das ſtärkſte, was bisher der
Wahlkampf geboten hat. Klar genug, daß die Reichsregierung
ihr Befremden über dieſe Rede des Miniſterpräſidenten Braun
zum Ausdruck bringen wird. Es kann kein Zweifel beſtehen, daß,
falls der preußiſche Miniſterpräſident derartige Formulierungen
wirklich gebraucht haben ſollte, eine ſehr ſcharfe Zurückweiſung
erfolgen muß und wird. Daß der Reichsfinanzminiſter in dieſer
Form Einſpruch gegen die Oſtpreußen=Anleihe eingelegt hat, iſt
ganz ausgeſchloſſen. Es wäre höchſtens denkbar, daß auch
dies=
mal wieder von dem Reparationsagenten Einwände geltend
ge=
macht worden ſind, die von der Reichsregierung berückſichtigt
wer=
den müſſen, und daß daraus bei der Auflegung der Anleihe ſonſt
Schwierigkeiten entſtehen könnten, die erſt beſeitigt werden müſſen.
Amtlich wird mitgeteilt: Nach Mitteilung des „Abend” vom
15. d. M., der Abendausgabe der „Voſſiſchen Zeitung” vom
glei=
chen Tage, hat der preußiſche Herr Miniſterpräſident in einer
Verſammlung in Braunsberg zu der Oſtpreußen=Anleihe erklärt,
daß der Reichsminiſter der Finanzen der „deutſchnationalen
Reichsregierung” plötzlich ſeine Zuſtimmung zur Auflegung einer
Anleihe verweigert habe, die einen weſentlichen Beſtandteil der
Oſtpreußenhilfe darſtelle. Nach den zahlreichen Erörterungen, die
über die ganze Anleihefrage und die politiſchen Zuſammenhänge,
in denen dieſe Fragen ſtehen, zwiſchen der Reichsregierung und
der preußiſchen Landesregierung gepflogen worden ſind, kann
nicht angenommen werden, daß der preußiſche Herr
Miniſter=
präſident Aeußerungen dieſes Inhaltes getan hat. Waren doch
der preußiſchen Staatsregierung die für die Stellungnahme der
Reichsregierung maßgebenden, insbeſondere reparationspolitiſchen
Geſichtspunkte bekannt. Die Bedenken, die von ſeiten der
Reichs=
regierung erhoben worden ſind, haben in dieſem Falle wie in
allen früheren Fällen gleicher Art nur der Notwendigkeit
Rech=
nung getragen, dafür Vorſorge zu treffen, daß nicht der
Miß=
erfolg irgend einer ſolchen Anleihe die für Deutſchland
unerläß=
liche Kreditfähigkeit ſeiner öffentlichen Körperſchaften
zuſammen=
ſchlägt, und zwar in einem Augenblick, in dem der Wiederaufbau
für den unverzichtbaren Anleihebedarf nach mühevoller Vorarbeit
gelungen iſt. Es iſt demnach völlig unverſtändlich, wie dieſes im
wahren Intereſſe Oſtpreußens gelegene Vorgehen der
Reichs=
regierung einer ſolchen Verkennung ausgeſetzt ſein könnte, trotz
des vollen Einblicks in die Opfer, zu denen gerade die
Reichs=
regierung ſich in dem Notprogramm bereit erklärt hat, um mit
allen möglichen Kräften Oſtpreußen zu helfen.
Geldquellen der Sozialdemokratie.
* Berlin, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Die Sozialdemokratie empfindet die Exiſtenz der Alten
Sozial=
demokratiſchen Partei, die ſich von Sachſen aus verbreitet hat,
als eine Art unlauterer Konkurrenz. Sie hat die Bewegung
tot=
ſchlagen zu können geglaubt, mit der Behauptung, daß die
hin=
ter dieſer Bewegung ſtehenden Geldgeber doch nur die böſen
Herren von der Schwerinduſtrie ſeien. Sie hat damit in ein
Weſpenneſt geſtochen. Ein höherer frühever Sozialdemokrat
Erd=
mann iſt zu den Altſozialdemokraten übergegangen und hat
ſchlagfertig entgegnet, daß die Sozialdemokratie ſich ja früher
auch nicht geſcheut habe, Gelder von allen möglichen Stellen
ent=
gegenzunehmen. Auf allerhand Umwegen läßt er jetzt eine
Quit=
tung veröffentlichen, die vom 26. Mai 1920 namens des
Vor=
ſtandes der Sozialdemokratiſchen Partei Deutſchlands von dem
derzeitigen Präſidenten des Preußiſchen Landtags, Barthels,
aus=
geſtellt iſt, wworin dieſer ihm E
er ſür den Wahlfonds
250 000 Mark habe,
i ge2n ien Sinne Verwendung
finden” werden acder „Welt am Abend” der wir dieſe
Mit=
teilung entnehmen, ſind der Sozialdemokvatie ſpäter Bedenken
aufgeſtiegen. Sie hat Erdmann erſucht, die Quittung zu
ver=
nichten, as auch in deſſen Beiſein geſchah, aber nicht ohne daß
Erdmann vorher ein Fakſimile hätte herſtellen laſſen, mit dem er
jetzt herausrückt. Wir wollen nicht ohne weiteres annehmen, daß
die Behauptung richtig iſt, dieſer Betrag ſtamme von Stinnes
und ſei den Sozialdemokraten gegeben worden unter der
Be=
dingung, daß ſie den Kampf nicht nur nach rechts, ſondern auch
nach links führe. Immerhin, Menſchen, die 250 000 Mark in einen
Wahlfonds ſtecken können, wuchſen auch 1920 in Deutſchland nicht
viel. Die Sozialdemokratie hat alſo ein gewiſſes Intereſſe daran,
nachzuweiſen, woher ſie dieſes Geld bekam und zu welchem „
be=
ſtimmten Zweck” es verwendet werden ſollte.
Auch Hölz?
* Berlin, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Der ehewalige Bandenführer Max Hölz iſt auch eines der
Paradepferde der Kommuniſten. Sie haben uber ihn bereits eine
Unmenge Druckerſchwärze und Stimmaufwand verſchwendet, um
nachzuweiſen, daß dieſer heute noch als Opfer der kapitaliſtiſchen
Juſtiz im Zuchthaus ſitze. Tatſächlich aber ſcheint ihr Wunſch,
ihn freizubekommen, nicht allzu groß zu ſein. Aus Frankfurt wird
jetzt ein Brief bekannt, den Hölz an einen dort wohnenden
Ge=
noſſen geſchrieben hat. Darin beklagt er ſich bitter über die Art,
wie ſeine Angelegenheit behandelt wird. Er ſpricht von „
Schwei=
nereien”, Fälſchungen und Verdrehungen, nennt den Leiter des
Verlages, der den Druck des Wiederaufnahmeantrages
über=
nommen hatte, einen „zyniſchen Strolch” und kündigt an, das
Erſte, war er tun werde, was er vornehme, wenn er frei ſei,
vürde darin beſtehen, dieſem und ſeinen Helfershelfern mit einer
Hundepeitſche das ſchmutzige Fell zu gerben. Gleichzeitig habe er
ſich an die Parteileitung der Kommuniſten gewandt und mit
ſchwerwiegenden Entſchlüſſen gedroht. Der berüchtigte Spaitpilz
ſcheint ſich alſo auch in die Beziehungen zwiſchen Hölz und der
Kommuniſtiſchen Partei einzumiſchen.
Familiennachrichten
Statt Karten.
Sophie Zickler
Philipp Huck
Eberstadt b. D.
Verlobte
17. Mai 1928.
Wixhausen
(18824
Dr. Karl Gruber
Profeſſor
Albertine Gruber
geb. Haas
Vermählte
Darmſtadt
Mannheim
Alfred=Meſſelweg 42
16. Mai 1928.
(13439
Das Feſt der
Dr. Elge Lentz
Paul Müller
Verlobte
Griesheim
17. Mai 1928
Darmstadt
(13184
*
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
und Blumenſpenden bei dem uns ſo ſchwer
be=
troffenen Verluſie unſeres lieben Kindes ſagen
wir hiermit Allen unſeren tiefgefühlten Dank.
Otto Welker und Frau.
Darmſtadt, den 15. Mai 1928. (13862
Silbernen Hochzeit
erfreuen ſich zu erleben
Familie Wilhelm Ihrig u. Frau
Himmelfahrttag 1928
Darmſtadt, Gervinusſtraße 38
Glückauf zur Goldenen. (13371
Für die anläßlich unſerer
Silbernen Hochzeit
erwieſenen Aufmerkſamkeiten ſagen
herz=
lichen Dank
Otto Seelbach und Frau
B. 8577)
geb. Müller.
Todesanzeige.
Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß unſer
liebes Kind
Sanft entſchlief heute abend mein lieber Mann, unſer guter Vater,
Großvater, Bruder und Onkel
Votic Thrhatdi
Fabrifdirektor a. D.
Hauptmann der Reſerve im ehem. Großh. Feldartillerie=Regt. Nr. 25
im 77. Lebensjahr.
Tiefbetrübt im Namen der Hinterbliebenen:
Bina Ehrhardt, geb. Kohl.
Bacharach, den 15. Mai 1928.
Hirſchapotheke.
(18418
Die Einäſcherung erfolgt in aller Stille zu Darmſtadt.
Blumenſpenden im Sinne des Verſtorbenen dankend verbeten.
Ludwig
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem Hinfcheiden unſeres lieben Vaters und
Schwiegervaters
Herrn Gendarmerie=Inſpektor
Ludwig Heid
ſagen herzlichen Dank
Aenne Strunk
Emilie Held
Hans Walter Strunk, Dipl.=Ing.
Wilhelm Lohnes, Rechtsanwalt.
Darmſtadt, den 17. Mai 1928.
(*13422
Schloßgartenplatz 14.
im Alter von 2½ Jahren am 16. Mai
nach kurzer, ſchwerer Krankheit
ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen:
Familie Ludwig Keller
Wixhauſen.
Die Beerdigung findet am Freitag,
den 18. Mai, nachmittags 4 Uhr,
von Seegartenſtraße aus ſtatt.
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Statt Karten.
Für die herzliche Teilnahme
und die zahlreichen Blumen=
und Kranzſpenden während der
Krankheit und beim Heimgang
unſeres lieben. teueren
Ent=
ſchlafenen ſagen wir innigſten
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Dr. Hans Köhres und Familie.
Dr. Georg Köhres und Familie.
Dr. Schuchardt
Nervenarzt (13374
verreist bis Pfingsten
Trauergarderoben
Stunden chwarz gefärbt
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Kranichſteinerſtr. 28
Telephon 736
Telephon 736
Marktpaſſage
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ACH, BLEIB MIT DEINER GNADE
BEl UNS, HERR UESUS CHRIST
Für alle Bekundungen der Anteilnahme während des
langen Krankenlagers, bei dem Hinſcheiden und nun am
Grabe unſerer lieben Dora ſagen wir in ihrem Andenken
allen Teilnehmenden, beſonders auch dem getreuen Arzte
Herrn Dr. Günther und Herrn Pfarrer Bogel, dem Bund
techniſcher Lehrerinnen, dem Heſſ. Landes=
Lehrerinnen=
verein, dem Kollegium der Alice=Eleonorenſchule und der
Seminare und allen freundlichen Seminariſtinnen, ihren
B. K.=Schweſtern, ſowie dem Vorſtand des Alicevereins
für Frauenbildung und=Erwerb, unſeren herzlichen Dank.
DARMSTADT, SEITERSWEG 12, MITTE MAI 1928.
Familie Gottfried Schneider.
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Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 17. Mai.
Himmelfahrt.
Von Reinhold Braun.
Der Dichter Otto Ernſt ſchreibt ſchlicht und innig, wie er einſt
als Knabe an ſeines Vaters Hand am Tage Himmelfahrt durch
lenzbegrüntes Land ſchritt, ganz hingenommen von dem Wunder
des Tages:
Und ſah auf dunklem Tannengrund
Ein ſelig=lichtes Birkengrün.
Das ſtaunt ich an mit offnem Mund,
UInd ganz zugleich fühlt’ ich ein Glühn,
Das aus der Hand des Vaters kam
Und rieſelnd ſüß mich übernahm
Da dacht’ ich ſtill nach Kinderart:
Nun weiß ichs: Das iſt Himmelfahrt!
Ja, ſo iſt’s die rechte Feier; ſprechen laſſen das Holde,
Lenz=
hafte da draußen und ſprechen laſſen das Unausſprechliche da
innen!
So einigt ſich beides zu einer Schönheit und Kraft des
Erleb=
niſſes, zu der glückvollen Lichtheit eines herrlichen Unvergeßlichen.
Himmelfahrt will unſere ganze Seele. Das Gedicht von Otto
Ernſt iſt eigentlich ein feiner, leiſer Hymnus auf die
Urſprüng=
lichkeit. Denn dem Feſte kommt man nicht mit dem Verſtande
nah, ſondern nur mit dem Willen des ſeeliſchen Menſchen, des
innerlich kindhaft Beſchwingten! Himmelfahrtsfähigkeit bleibt
eine Angelegenheit des Herzens. Sie bedeutet zugleich wahre
Kulturfähigkeit!
Wie man Feſte feiert, ſo iſt man!
Das erhobene Gemüt wird zum Spiegel echten
Menſchen=
adels. Nicht der Auftrieb in eine traumhafte, mit bunten
Bil=
dern angefüllte Leere macht Himmelfahrt zu dem, was es ſein
ſoll, ſondern der Auftrieb iſt ein großes Ziel!
Das Feſt iſt trotz des fröhlich lenzhaften Charakters eine
ernſte Angelegenheit, weil es eine Fahrt in die Weſentlichkeit
be=
deutet. Nein, nicht Traum und Rauſch iſt es, ſondern das Feſt,
das als Symbol daſteht, in das wir mit dem ganzen Menſchen
hineintauchen ſollen, auf daß es uns Lebenshelfer, Sinnprediger
werde, damit wir hinaufgehoben werden in die Region des
wah=
ren Seins.
O du beglückende Himmelfahrts=Entführung aus den alten
Trägheiten und Müdigkeiten! O einmal wirklich entſchwert ſich
zu fühlen, zu fühlen den Zauber der freiwirkenden Seelkraft!
Dies zu empfinden in einer ſchöpferiſchen Einſamkeit oder
Hand in Hand mit einem Menſchen der gleichen Sehnſucht: das
iſt des Feſtes Gnade!
Biſt du einmal in einem Kreiſe von Freunden geſtanden, die
ſich im heiligen Impulſe die Hand reichten! Wie ein Strom des
Lebens alle Scelen trug!
Wie die reine Glut des anderen Menſchen der eigenen zur
Kraft wurde! Wo Glanz des inneren Aufbruchs die Stunde
er=
füllte, daß ſie ein ganzes Leben lang mit uns geht!
Was war denn eure Stunde, die ihr einander liebt, als ihr
euch dieſe Liebe offenbartet, anderes als eure unvergeßlichſte
Himmelfahrt! Wie ſchön wäre es, wenn ihr am Feſte, von dem
die Rede iſt, ſie von neuem feiertet, euch Rechenſchaft gäbet, ob
ure Liebe noch himmelfahrtsfähig iſt!
chaft, in jedem ſchöpferiſchen Menſchenkreiſe, in eigener Welt= wurde die venia legendi bei der Philoſophiſchen Fakultät, 2. Abteilung,
uſchauung, im religiöſen Empfinden!
Das wäre eine köſtliche Nutzanwendung des
Himmelfahrts=
gedankens!
Ja, ſtellt eures Herzens Glut, euern Glauben und was in
euch an Liebe, Sehnen, Hoffnung, Echtheit lebt unter den
Him=
mel des Feſtes! Dann werdet ihr ſehen, ob es vorwärts oder
rückwärts mit euch ging!
Das iſt die rechte, weſenhafte Feier! Und ihr Segen bleibt
nicht aus!
— Das Landesmuſeum iſt am Himmelfahrtstage von 10—1 Uhr
unentgeltlich geöffnet.
— Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Heute findet im Großen
Haus die zweite und letzte Aufführung von Wagners „Parſifal”, Tanzbein und wurden die Tanzpauſen durch Herrn Kraft ausgefüllt,
ſtatt, Beginn: 17 Uhr; im Kleinen Haus zum letzten Male Rollands
1,Spiel von Liebe und Tod”, Beginn: 20 Uhr.
tag” am Samstag, dem 19. Mai, beginnt nicht, wie verſchiedentlich
an=
gekündigt, um 19.30 Uhr, ſondern erſt um 20 Uhr.
iſt auf Montag, den 28. Mai, angeſetzt worden.
Als letzte Aufführung der Hefſiſchen Spielgemeinſchaft wird im
Kleinen Haus am Freitag, dem 18. Mai, das Dialektluſtſpiel „Das Fackeln ausgerüſtet hatte, heimwärts, wo ſich der Zug, am Vereinslokal
graue Elend” von Joſef Nerking zum erſten Male gegeben.
Ner=
king, der als Doktor vieler Fakultäten in Düſſeldorf lebt, iſt geborener
Darmſtädter. Er hat unter der Mitarbeit von Franz Harres eine
An=
ſzeniert wird.
hannes Fiſcher kann am 22. Mai auf den Tag zurückblicken, da er dieſer urſprünglichen Heiterkeit gut Gebotenes” — „Frankfurter
Nach=
vor 40 Jahren in den Dienſt des Heſſiſchen Staatsverlags trat, Herr richten”: „Das Operetten=Theater hat einen guten Griff mit der Neu=
Fiſcher iſt geborener Darmſtädter, der nach beendetem Schulbeſuch in einſtudierung der Operette „Frühlingsluft” getan. Das Publikum
ſpa=
dem früheren Bankhaus von Joſef Mainzer ſeine kaufmänniſche
Aus=
bildung erhielt. Im Jahre 1888 trat Fiſcher bei dem G. Jonghaus= lingsluft nach Hauſe.” — „Rhein=Mainiſche Volkszeitung”: „Hübſche Me=
Verlag, der die Geſchäfte des Heſſiſchen Staatsverlags beſorgte, in lodien, Walzer, Märſche, Polkas, dazu ein Libretto, hübſch in den
Stellung. Am 2. Mai 1896 wurde er vom Miniſterium des Innern und Einzelheiten und in den Einfällen, mit prächtigen Typen und einem
der Juſtiz zum Stellvertreter des damaligen Dirigenten Fr. Maurer und richtigen Chor. Alles in allem eine ſehr hübſche und vom Publikum
1910 bei Uebernahme des G. Jonghaus=Verlags durch den Staatsverlag begeiſtert aufgenommene Sache. — „Volksſtimme‟: „Frühlingsluft
ſum Geſchäftsführer bei dieſem beſtellt. Seit Beſtehen der „Darmſt. Ztg.” weht durch dieſe liebenswürdige Operette, deren feſche und anmutige
ſt Fiſcher der einzige von allen im Verband dieſer Zeitung tätig ge= Melodien man immer wieder hören kann.” (Beachte heutige Anzeige.)
veſenen Angeſtellten, der dieſe langjährige Dienſtzeit erreicht hat.
Neben ſeiner geſchäftlichen Führung betätigte ſich Fiſcher in früheren
Jahren auch redaktionell bei der „Darmſtädter Zeitung”. Hierbei hatte frägen am Freitag, 18. Mai, 20½ Uhr, in der Städtiſchen Akademie für
eu Gelegenheit, auf allen Gebieten von Kunſt und Literatur bedeutende Tönkunſt, Eliſabethenſtraße, geleitet von Martha Heimeran=
Frank=
ich vielfach gern in dem Dienſt der Wohltätigkeit geſtellr und ſich auf zur Fragenbeantwortung. Die Aufgaben des Chriſtentums in den
Che=
nieſem Gebiete recht verdient gemacht. Mit umſicht und großer Ge= ſchwierigkeiten der Gegenwart ſind vielfache. Am zentralſten laſſen ſie
viſſenhaftigkeit ſeinen nicht immer leichten, verantwortungsvollen ſich darſtellen ausgehend vom chriſtlichen Sakrament der Trauung.
Poſten verſehend, erwarb ſich Fiſcher das Vertrauen ſeiner Vorgeſetzten (Pal. die Anzeige.)
und aller Behörden, die mit ihm in Geſchäftsverkehr ſtehen. In allen
Rreiſen des hieſigen Publikums erfreut ſich der Jubilar durch ſein
reundliches und zuvorkommendes Weſen des beſten Wohlwvollens.
— 10jähriges Dienſtjubiläum. Auf eine 40jährige Tätigkeit im
dienſte der Stadt konnte in dieſen Tagen Her= Amtmann, Ernſt, durch den Hof, ohne zu bezahlen, unter Mitnahme eines dort aufgeſtell=
Deppenheimer zurückblicken. Aus dieſem Anlaß verſammelten ten Fahrrades. Er wurde dem Amtsgericht zugeführt. — Im hieſigen
ich, nachdem die Stadtverwaltung dem treuen und verdienſtvollen
Be=
imten Dank und Glückwünſche ausſprach, ſämtliche Mitarbeiter, der men, der gegen eine beſtimmte Anzahlung Aufträge für zu machende
Stadtkaſſe in ſeinem mit Blumen geſchmückten Arbeitszimmer, um ihrem Filmaufnahmen ſuchte. Es handelt ſich um den am 10. April 1901 zu
derehrten Kollegen ihre Huldigung darzubringen. Herr Direktor Hebe= Bonn geborenen Regiſſeur Emanuel Seidel, der in vielen Städten
be=
eer widmete dem Jubilar namens allen Beamten und Bedienſteten von
Herzen kommende Worte der Anerkennung und Wertſchätzung und über= zahlungen iſt, verläßt er ſofort die betreffende Stadt, ohne an die
Aus=
reichte ihm ein von dem Herrn Miniſter des Innern eingegangenes
Blüchpunſchſchreiben, in dem ebenfalls der Verdienſte des Herrn Heppen= auswärtigen Behörden zur Feſtnahme ausgeſchrieben. Er kam in
zeimer in gebüh
rm gedacht wurde.
Moderne Orgelmuſik in der Johanneskirche.
Zu der geiſtlichen Abendmuſik am 18. Mai wird uns geſchrieben:
Die deutſche Orgelkunſt, die unter Joh. Seb. Bach ihren Höhepunkt
erreichte, erlebte nach einem tiefen Niedergang im 19. Jahrhundert der Deutſchen Bonspariet.
einen neuen Aufſchwung durch Max Reger. Dieſer vielſeitige
Ton=
ſchöpfer gibt gerade auf dem Gebiete der Orgelmuſik ſein Innerſtes,
Beſtes, und in den ſieben großen Choralfantaſien haben wir den ſtärk= Deutſchen Volkspartei im großen Saale der Turnhalle, am
ſten Ausdruck der Regerſchen Eigenart. Die Fantaſie über „Wie ſchön
leuchtet der Morgenſtern” bringt in der Einleitung die dem Choral
zu überſehen, daß das Anfangsmotiv mit den beiden erſten Noten des
Chorals übereinſtimmt. Nach weiteren Anlehnungen an markante
Mo=
tive des Chorals ſetzt unter zuckendem Rhythmus der Begleitſtimmen
der Cantus kirmus im Tenor ein, in welcher Stimme auch die Melodie
der zweiten Strophe bleibt, von bewegten Triolen der anderen Stimmen
umrahmt. Die Melodie der dritten Strophe liegt verziert im Sopran,
ſo wird zum Adagio, das für die Fantaſie dasſelbe bedeutet, wie der
langſame Satz für die Srnatenform; in der vierten Strophe liegt ſie im
Baß. Die äußerſt bewegten Begleitfiguren beruhigen ſich allmählich
und nach zarter Wiederholung des erſten Teiles ſetzt die Fuge ein.
Das Fugenthema iſt wohlklingend, flüſſig und von großem Ausdruck;
der dazutretende Choral erſcheint zunächſt im Baß und ſchwingt ſich dann ehemaliger Militärmuſiker unter der ſtraffen Stabführung
über den Tenor zum Sopran hinauf, der die Führung bis zum Schluß
behält. Bei der Stelle. Jubilieret, triumphieret” wird die übergroße und dann die rauſchende „Feſt=Quvertüre” von Laſſen. Hierauf ſprach
Freuide durch glanzvolle Triller zum Ausdruck gebracht. Auf eine ſcharfe
Auswveichung nach B=Dur folgt eine intereſſante Rückführung zum formſchön und von warmer Empfindung getragen „Der Langobarde‟
Schluß in Ls=Dur, wobei, das Choralthema noch einmal im oberen
Pedal erſcheint.
Als tüchtiger Orgelkomponiſt iſt auch Hermann Grabner,
Lehrer am Konſervatorium in Leipzig, geſchätzt, von dem eine Fantaſie
für Orgel über das liturgiſche „Pater nuster” zur Aufführung kommt.
Das thematiſche Material, das zu Anfang im Baß und dann öfters in
den übrigen Stimmen auftritt, iſt dem monumentalen und dabei ſchlicht
einfachen gregorianiſchen Pater noster entnommen. Bei der kanſtvoll
durchgeführten thematiſchen Verarbeitung löſt ſich der Komponiſt von
dem Bach=Regerſchen Einfluß los; ſie iſt trotz ihrer Klangfülle einfach,
„Tjat Foluntas tia” und der meiſterhaft gebaute, melodiſch weniger
bewvegte Mittelſatz. In dem Schlußfugato wird die Bitte einer
kindlich=
frommen Seele um das Reich Gottes wiederholt.
Als dritter neuzeitlicher Tonſchöpfer kommt der Wiener
Akademie=
direktor Franz Schmidt mit vier kleinen Choralvorſpielen zu
Gehör. Seine Muſik iſt ausgeſprochen romantiſch, auf Stimmung und
die Choralmelodie in deutlich erkennbarer Führung über dem begleitenden
Rankenwerk, im erſten und dritten arbeitet der Komponiſt mit den
feinſten thematiſchen und harmoniſchen Mitteln. Beſonders das
Vor=
ſpiel zu „O wie ſelig ſeid ihr doch, ihr Frommen”, dürfte ſich bald
Freunde erwerben.
Die an ſich nur ſpärlich bedachte Originalliteratur für Violine und
Orgel iſt durch eine Fantaſie des bekannten Geigenkünſtlers Henri
Marteau vertreten. Das vierſätzige Werk, von dem die drei erſten
Sätze dargeboten werden, läßt den Einfluß Bachs nicht verkennen, doch
gibt es auch reichlich Proben Marteauſcher Originalität. Beſonderes
Intereſſe dürfte noch die Darbietung zweier Geſänge für Sopran und
Orgel von unſerem hochgeſchätzten Meiſſer Arnold Mendelsſohn er=
I.
wecken.
Jedes Handwerk muß erlernt ſein
darum ſollten alle, die auf gute, ſachgemäße und ſchonende
Behand=
lung ihrer Haushaltungs= und Stärkwäſche Wert legen, ihr teures Gut,
um es ſo lange a’s möglich zu erhalten, nur einem erprobten
Fach=
mann anvertrauen. Die fachmänniſche Wäſchebehandlung gewährleiſtet
beſtens Ludwig Hering, Darmſtadt. in ſeiner ſeit über 72 Jahren
be=
ſtehenden und vielfach ausgezeichneten Dampfwäſcherei. Telephon 3949.,
8147a
Annahmeſtellen in allen Stadttellen.
L.U. Von der Landesuniverſität Gießen. Dem Aſſiſtenten am Inſtitut
Und dieſes gleiche Rechenſchaft=ſich=geben in Familie, Freund= für Wirtſchaftswiſſenſchaft an unſerer Univerſität Dr. Georg Meyer
für das Fach der wirtſchaftlichen Staatswiſſenſchaften erteilt.
— Obenwaldklub „Frankonia”. Am Sonntag unternahm der
Oden=
waldklub „Frankonia” ſeinen Familienausflug nach Traiſa. Wie bei
allen Ausflügen und Wanderungen, ſo hatten auch diesmal wieder eine
ſtattliche Zahl Landsmänner mit Angehörigen und Güſten der
Ein=
ladung Folge geleiſtet. Unter Vorantritt einer Abteilung der
Muſik=
vereinigung „Harmonie” ging es ab Botaniſchen Garten auf
Zickzack=
wegen durch den neugrünenden Wald, die Teilnehmer entwickelten eine
vorzügliche Stimmung, und ſo gelangte man um 4 Uhr nachmittags am
Ziele, Gaſtwirt Scheerer in Traiſa, an. Ständig kamen noch
Nach=
zügler an, die den Weg mit der Bahn oder auf weiteren Umwegen
zurückgelegt hatten. Den vollbeſetzten Saal durchwob bald eine heitere
Stimmung. Die Kinder wurden mit Fähnchen und gebackenen Ringen
überraſcht und war die Freude bei den Kleinen ungeheuer. Die reifere
Jugend, ſowie die älteren Damen und Herren ſchwangen tüchtig das
der mit ſeinem urwüchſigen, ſprühenden Humor Rezitationen
dar=
brachte, die ihm reichen Beifall eintrugen. Leider vergingen die Stun=
Die Erſtaufführung von Georg Kaiſers Schaufpiel „Oktober= den ſehr ſchnell, ſo daß man ſehr bald zur Heimkehr rüſten mußte.
Jedem Beteiligten wird dieſer Tag wvieder in Erinnerung bleiben, wo
man wieder mal die Alltagsſorgen vergeſſen durfte. Auch ſei an dieſer
Die Erſtaufführung von Krenneks Oper „Jonny ſpielt auf” Stelle nochmals Herrn Gaſtwirt Scheerer gedankt, der bemüht war, wie
immer, ſeine Gäſte auf das beſte zufrieden zu ſtellen. Fröhlich bewegte
ſich der Zug unter Vorantritt der Muſik und Jugend, die man mit
angelangt, auflöſte.
— Orpheum. Gaſtſpiel des Neuen
Operetten=
zal von Stücken in Darmſtädter Mundart verfaßt, die in früheren Theaters Frankfurt a. M. Samstag, 19, und Sonntag, 2.
Jahren hier ſchon mit Erfolg geſpielt wurden; das erfolgreichſte von Mai= Der Aufführung der Joſef=Strauß=Operette „Frühlingsluft” in
ihnen war „Das graue Elend”, das jetzt von Gduard Göbel neu in= Franfurt ſelbſt hat die dordige Preſſe einſtimmig das größte Lob
ge=
zollt. So ſchreibt u. a. die „Frankfurter Zeitung”: „Alle drei Aufzüge
wurden ſtark beklatſch und mehreres wiederholt. Mag verläßt die Auf=
— 40jähriges Dienſtjubiläum im Staatsverlag. Herr Prokuriſt Jo= führung mit ehrlichem Dank für etwas aus ſich heraus Luſtiges und in
zierte befriedigt von der hübſchen Aufführung durch die echte Früh=
— „Die Ehe”, öffentlicher Beſprechungsabend moderner Lebens=
Perſönlichkeiten kennen zu lernen. Außerhalb ſeines Berufes hat er furt a. M., Pfarrer i der Chriſtengemeinſchaft. Es iſt Gelegenheit
Fahrraddieb und Betrüger feſtgenommen. Wegen Zechbetrugs
und Fahraddiebſtahls wurde der auf der Durchreiſe befindliche 19jährige
Mechaniker Eugen Bartholomäi aus Plochingen feſtgenommen.
Bartho=
lomai machte in einer hieſigen Wirtſchaft eine Zeche und verließ dieſe
Hauptbahnhofe wurde ein mehrfach vorbeſtrafter Betrüger
feſtgenom=
reits erfolgreich aufgetreten iſt. Sobald Seidel in dem Beſitz der
An=
führung der Aufnahmen zu denken. Seidel iſt auch von verſchiedenen
Unterſuchungshaft.
Vaterländiſcher Abend
Geſter abend veranſtaltete die Ortsgruppe Darmſtadt der
Woogsplatz einen von wertvollen künſtleriſchen Darbietungen
umrahm=
ten Vaterländiſchen Abend. Es iſt etwas Merkwürdiges um den
Wahl=
entgegengeſetzte Stimmung: Finſternis, Nacht, Grauen; dabei iſt nicht kampf vor dieſer Reichstagswahl am 20. Mai. Sporadiſch ebbt er auf
und ab und ſpielt ſich zuweilen mit ganz beſonderer Schärfe ab. So
iſt es doppelt zu begrüßen, daß die Deutſche Volkspartei dieſen
Vater=
ländiſchen Abend veranſtaltete und noch einmal mitten im Wahlkampf
Gelegenheit gab zu einem Beſinnen, zu einer Betonung der
gemein=
ſamen, nicht der trennenden Geſichtspunkte. Und der Erfolg gab der
Veranſtaltung recht; während ſonſt die eigentlichen Wahlverſammlungen
im allgemeinen nicht einen übergroßen Beſuch aus Wählerkreiſen
auf=
weiſen können, hatte die vaterländiſche Kundgebung der Deutſchen
Volkspartei es vermocht, den großen Saal der Turnhalle und die
Gale=
rien zu füllen.
Zunächſt ſpielte die ſchneidige Kapelle der Vereinigung
von Kapellmeiſter Buslau den Marſch „Heſſentreue” von Spielberg
Herr Ulrich Folkmar, Mitglied des Heſſiſchen Landestheaters
von Löns, dann den präcktigen „Frühlingsgruß an das Vaterland” von
Schenkendorff und „Deutſche Zuverſicht” von Hartmaun. Herr Hans
Komregg, Mitglied des Heſſiſchen Landestheaters, ſang ſodann
„Freiſinn” von Schumann, „Prinz Eugen” (Loewe) und „Mahnung”
von Hermann, die wiederholt werden mußte. Das glänzende
Stimm=
material und der ausgezeichnete Vortrag vereinigten ſich zu
hinreißen=
der Wirkung. Am Bechſtein=Flügel begleitete Herr Robert Becker
einfühlend.
Die Anſprache hielt der Landesvorſitzende ber Deutſchen Volkspartei,
Herr Rechtsanwalt Dingeldey, M. d. L., der etwa folgendes
aus=
dem objektiven Geiſte des Themas entſprechend. Wie innig klingt das führte: „Wir Deutſche haben die Stunden ſchon vergeſſen, in denen das
Leben des deutſchen Volkes an einem ſeidenen Faden hing. Das waren
jene bangen Tage im Spätſommer 1923, als wir dem rohen Machtgriff
des Eindringlings preisgegeben waren. Damals haben auch die Beſten
um den Entſchluß ſchwer gerungen, ob nicht ein Weg gefunden werden
mußte, um das Band zwiſchen dem Rheinland und dem übrigen
Vater=
land vorläuſig zu zerſchneiden. Aber die Treue des Volkes war ſtärker
als alle Bedenken. Dazu kam im Innern der Aufmarſch der fanatiſchen
Gefühlsrichtung eingeſtellt. Im zweiten und vierten Vorſpiel herrſcht Hitlertruppen. In dieſen ſchweren Stunden nahm Dr. Streſemann
das Steuer des Reichsſchiffes in ſeine Hand, in tiefſter menſchlicher
Ein=
ſamkeit, während die Hiobsbotſchaften aus allen Teilen des Reiches
ein=
liefen, und in dieſen Tagen reifte der Politiker Streſemann zum
Staatsmann. Heute wiſſen wir, wenn damals nicht ein Kanzler mit
dem Mut der Verantwortung an der Spitze des Reiches geſtanden
hätte, dann wäre damals das Reich zerbrochen. Eine klare,
unverrück=
bare Linie für die Außenpolitik wurde damals gefunden, die einmal
den Weg zur Freiheit bedeuten wird. Vergeſſen wir nicht, daß die
Geg=
ner an den Verhandlungstiſch gezwungen werden mußten, Auge in
Auge. Gewiß iſt in all dieſen Jahren vieles geſchehen, vieles mußte
hingenommen werden, gegen das ſich unſer vaterländiſches Empfinden
empörte. Aber einen anderen Weg gab es nicht. Wir wollen auch jetzt
in dieſem Wahlkampf nicht die kleinlichen Intereſſengegenſätze, ſondern
die Lebensnotwendigkeiten und die vaterländiſchen Intereſſen betonen.
Die Außenpolitik darf nicht zum Gegenſtand parteipolitiſcher
Ausein=
anderſetzungen gemacht werden. Wir freuen uns heute feſtſtellen zu
dürfen, daß die Außenpolitik unſeres Miniſters Streſemann, die von
der letzten Regierung vertreten wurde, auch von den
Deutſchnatio=
nalen in allen Stadien feierlich gebilligt wurde. Fünſviertel Jahre
hindurch waren die drei großen Parteien der Reſchsreglerung in allen
Fragen der Außenpolitik, wenn Streſemann nach Genf ging, wenn
Stroſemann von Genf kam vollkommen einig. Größe und Freiheit
des Vaterlandes kann nur im Zuſammenwirken erreicht werden, nicht
von einer einzelnen Partei. Wir halten es daher für eine
verhängnis=
volle Entwicklung, daß die Führer der Deutſchnationalen Volkspartei
nicht den Mut haben, die Veuantwortung für die Politik der letzten
Jahre, für das, was politiſch notwendig iſt, zu tragen. Die
Deutſch=
nationale Volkspartei kann mit allen ausgeklügelten Verſuchen nicht
be=
weiſen, daß ſie die Außenpolitik Dr. Streſemanns nicht gebilligt habe.
Immer wieder hören wir auf der rechten Seite nur Kritik, nichts aber
von einem poſitiven Programm, wie denn nun eine andere Außenpolitik
geführt werden ſoll. Es iſt unſerem deutſchen Volke ſehr ſchwer
ge=
worden, ſich zuſammenzufinden auf dem Wege der aufrichtigen
Verſtän=
digung, der auf lange Jahre hinaus der einzige Weg ſein wird, um zur
Freiheit zu gelangen. Dieſe kalte, nüchterne Welt der Realität zu
er=
kennen, war für das deutſche Volk eine ſchwere Umſtellung. Die Front
der Bejahung der Außenpolitik, die Politik der Verſtändigung muß von
einem Staatsmann geführt werden, der wie Streſemann unbedingt
national zuverläſſig und unbeſtechlich iſt. Das Ziel der Befreiung
un=
ſeres Vaterlandes und unſerer Wirtſchaft kann nur auf dem bisherigen
Wege erreicht werden. Dem neuen Reichstag muß es gelingen, die
Feſt=
ſetzung einer endgültiger Summe der Reparationen zu erzwingen.
Die Vorbereitungen hierzu ſind getroffen. Wir müſſen anerkennen
und räumen offen ein, daß in der Politik von Locarno ſchwere
Rück=
ſchläge eingetreten ſind. Dr. Streſemann hat aber immer vor
über=
triebenen Hoffnungen gowarnt. Und doch ſteht Deutſchland heute ganz
anders unter den Völkern, wie im Jahre 19B. Immer noch nicht
leuch=
tet die deutſche Sonne über ſeinem freien Land, aber heute werden
alte Weltmärkte ſchon wieder erobert, iſt in dieſen fünf Jahren
Bewun=
derungswertes geleiſtet worden. Wir wollen in dieſen Stunden nicht
dem Beiſpiel anderer folgen, die kleine Tagesfragen erörtern, wir
wiſſen, daß nur eine Partei der nationalen Volksgemeinſchaft die großen
Fragen der Zukunſt löſen kann. Nicht kann eine ſolche Löſung gefunden
werden von der Engſtirnigkeit kleiner Intereſſenvertretungen her. Wir
treiben keinen Byzantinismus, aber wir wollen dem Manne folgen,
der in nimmermüder Selbſtverleugnung uns führt. Wer die Stunden
in Mainz neulich miterlebt hat, weiß, daß in unſerem Führer der heiße
Wunſch lebt, unſer Volk wieder langſam zu führen zu größerer
Frei=
heit.” Lebhafter Beifall folgte der zündenden Anſprache, die in das
begeiſtert aufgenommene Hoch auf das Vaterland und das
Deutſchland=
lied ausklang.
Dann betrat noch einmal Herr Komregg die Bühne und ſang
die wundervollen, in die ernſte Mahnung ausklingenden Worte aus den
Meiſterſingern: „Ehret Eure deutſchen Meiſter”.
Einen brauſenden, klangfrohen Abſchluß des „Vaterländiſchen
Abends” bildete der Vortrag zweier Fanfaren=Märſche, die jubelnd
auf=
genommen wurden. So geſtaltete ſich dieſer Abend dank dem
glänzen=
den Rahmen und dem würdigen, eindrucksvollen Verlauf zu einer
macht=
vollen Kundgebung.
H. W. W.
— Der Literariſche Verein hielt in ſeiner Bibliothek (
Alexander=
ſtraße 1) ſeine Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende, Herr
Oberſtudienrat Kißner, erſtattete den Jahresbericht, aus dem
hervor=
ging, daß der Verein durch reiche Neuanſchaffungen ſeiner Aufgabe
gerecht geworden iſt, ſeine Mitglieder mit den beſten Erzeugniſſen des
deutſchen Schrifttums bekannt zu machen. Den Mitgliedern ſteht jetzt
eine ſtattliche Bücherei zur Verfügung. Dauernd erfolgen
Neuerwer=
bungen auf Vorſchlag eines Sachverſtändigen=Ausſchuſſes; dadurch iſt
die Gewähr geboten, daß nur wirklich wertvolle Literatur in die Häuſer
der Mitglieder kommt. Bei der reichen Auswahl, die den Benutzern
der Bücherei zur Verfügung ſteht, iſt der Jahresbeitrag von 8 RM.
beſcheiden. Beſonderer Dank gebührt den Bibliothekarinnen, die
un=
eigennützig und eifrig ihres Amtes walten und die Mitglieder beraten.
Jahresrechnung und Veranſchlag wurden genehmigt, der Vorſtand
wie=
dergewählt.
Lokale Veranſialtungen.
Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krife.
Orangeriehaus. Wie aus dem geſtrigen Inſeratenteil
erſichtlich, veranſtaltet das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapell=
meiſters Willy Schlupp im Orangeriehaus heute abend 8 Uhr ſein
4. populäres Konzert. Vielen Wünſchen Rechnung tragend, iſt das
Kenzert als Strauß=Abend geplant und enthält das Programm nur
Werke von den aus der Strauß=Dynaſtie hervorgegangenen Meiſtern.
— Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) findet.
Himmel=
fahrt Konzert mit Tanz ſtatt. (Siehe Anzeige.)
Seite 6
Donnerstag den 12. Mai 1928
Rummer 1332
Von Quellen und Brünnchen im Darmſtädter Wald.
Von Ph. Weber.
* Es gibt wenig Städte, die in bezug auf Naturſchönheiten eine ſo
bevorzugte Lage beſitzen, wie Darmſtadt. Rings umgeben von einem
weiten Wälderkranz mit wohlgepflegten Wegen, Waldanlagen und
lauſchigen Plätzchen; zu letzteren gehören auch die vielen friſch
ſprudeln=
den Brünnchen, die den Wanderer zum Bleiben einladen und an deren
kühlen Quelle ſich gut raſten läßt. In dankenswerter Weiſe hat die
Stadt die Brunnen, die in ihrem Waldgebiete liegen, wieder
inſtand=
ſetzen laſſen, und der Waldfreund wird hier zu einem Beſuch dieſer
Naſtſtätten, wo ihm eine kühle Labe winkt, eingeladen. Am
Stadt=
ausgang hinter der Meierei, im Wieſengrund beim Waldeingang, ſind
die „Dreibrunnen”, deren Anlage mit der alten Waſſerleitung
unter Georg I. (1568) und der Errichtung des Marktbrunnens
zuſam=
menhängt. 1538 wurde ſchon daran gearbeitet und mit der Leitung
auch der Brunnen im Schloßhof geſpeiſt. Neben gutem Waſſer liefern
die Dreibrunnen nach der Erzählung unſerer Ahnen noch etwas
ande=
res, es entſtammen ihnen alle „ächte Darmſtädter‟. Wir wenden
uns von hier in den Wald, gehen über den Heuweg, Backofenſchneiſe
bis zur Oppermannswieſenſchneiſe, biegen hier rechts ab und kommen
an ein lauſchiges Plätzchen, an den „Albertsbrunnen”, der ſchon
ziemlich alt iſt und früher Schwefelbrunnen hieß. Eine kurze Strecke
weiter, den Schnampelweg entlang, nahe beim unteren Pürſchweg, am
Oberjägermeiſtersteich, ſprudelt die Darmquelle”, die
Urſprungs=
ſtätte unſeres Darmſtroms” an deſſen Geſtade unſere Stadt ſich
an=
geſiedelt hat. In demſelben Waldbezirk über der Stellwegſchneiſe, den
Kirchweg entlang, kommen wir in einer Niederung zum „
Kahlert=
brünnchen” benannt nach dem Bürgermeiſter Kahlert (1848).
Wan=
dern wir von hier aus den ſogenannten Kotlettpfad weiter bis zum
Lud=
wigstempel, kommen wir zu dem ſagenumwobenen „
Diebsbrun=
nen” und wenn wir uns von hier wieder rückwärts wenden nach der
Roßdörfer Landſtraße, in der Nähe der Moltkehütte, im Waldbezirk
Dietersſchlag, einem ehemaligen Köhlerbezirk, lädt uns der „
Dieters=
brunnen” zur Raſt ein.
Dann wieder über die Oppermannswieſen= nach der Katzenſchneiſe
bis zur Woogsbergſchneiſe gelangt man bei der Küchlereiche zu dem
„Küchlerbrünnchen” benannt nach dem ehemaligen heſſiſchen
Finanzminiſter Wilhelm Küchler. Von hier aus kann man auf der
Oppermannswieſenſchneiſe weiter wandern und nahe beim
Opper=
mannswieſenweg am „Rücksbrünnchen” Halt machen. Ein
Ab=
ſtecher von hier, die Bernhardsackerſchneiſe entlang, bei der Rutzenbach,
führt uns zu dem alten Darmſtädter „Bernhardsbrünnchen”.
Wir wandern von hier zum Kranichſteiner Park. Hier iſt an der
öſt=
lichen Seite der Kranichſteiner Allee, zwiſchen der Dörrwieſen= und
der Rottwieſenſchneiſe eine Quelle, die heute nicht mehr bezeichnet iſt,
ſich auch in keinem guten Zuſtande befindet und einſt „
Ludwigs=
brunnen” hieß. Die Kranichſteiner Allee entlang bis zum
Bahn=
wärterhäuschen 58, dann über die Bahn in linker Richtung — hier liegt
der „Georgenbrunnen”, einſtmals ein beliebter Ausflugsort der
Darmſtädter zu Himmelfahrt. Hier war ein Herd mit Kochgelegenheit,
und manche Jagdgeſellſchaft hat hier in alten Zeiten Raſt gehalten,
aber auch manches frohe Familienfeſt wurde hier gefeiert. Dann
zu=
nächſt der Dianaburg — bei der Hartwieſenſchneiſe — befindet ſich der
Friſch auf in den grünen Odenwald und in die
lieblichen Täler des Neckars und des Mains,
jetzt iſt es die richtige Zeit! Und der nicht gerade nach weiter
entfern=
ten Gebieten ſtrebende Wanderer wird wohlgemut bekennen, daß es
nicht nur in der Ferne ſchön iſt, ſondern erſt recht ſchön in den
näher=
gelegenen, prächtigen heimatlichen Gauen. Zum genußreichen Wandern
gehört vor allem eine gute Karte, drum ſeien die empfehlenswerteſten,
über das vorbezeichnete Gebiet im Verlag von A. Bergſträßer in
Darm=
ſtadt evſchienenen und in allen Buchhandlungen käuflichen, mit der vom
Odenwaldklub geſchaffenen farbigen Wegbezeichnung verſehenen Blätter,
nachſtehend kurz erwähnt:
1. Die vom Odenwaldklub im Maßſtabe 1:150 000 herausgegebene
Karte der farbig bezeichneten Touriſtenwege im Odenwald und in der
Bergſtraße, ſowie im Main= und Neckartal. Die Karte bietet eine
vor=
zügliche Ueberſicht der ſich über das geſamte Klubgebiet — einſchließlich
des ſüdlich und weſtlich des Neckars gelegenen ſogenannten „Kleinen
Odenwaldes” und des „Kraichgaues” — und auf das Maintal aufwärts
bis Wertheim und das Neckartal aufwärts bis Wimpfen ſih
erſtrecken=
den farbigen Wegbezeichnung. In den beigehefteten, gedruckten „
Erläute=
rungen” ſind die ſämtlichen Wanderlinien unter Angabe der
Marſch=
zeiten kurz, aber treffend beſchrieben. Dieſe Karte nebſt den „
Erläu=
terungen” koſtet in den Buchhandlungen 2,50 Mark, für Mitglieder des
Odenwaldklubs durch Vermittlung der betreffenden Ortsgruppe aber
nur 2 Mark.
2. Ferner ſind im Maßſtab von 1:25000 bis jetzt erſchienen:
a) Karte der heſſiſchen Bergſtraße (herausgegeben für den
Oden=
waldklub vom Heſſiſchen Landesvermeſſungsamt), beginnend im
Nord=
oſten mit Seeheim, im Nordweſten mit Asbach (bei Schloß Lichtenberg),
endigend im Südweſten mit Laudenbach a. d. B. und im Südoſten mit
Zotzenbach (bei der Tromm).
b) Wanderkarte des Odenwaldklubs, Blatt 3, Weinheim beginnend
im Nordoſten und Nordweſten im Anſchluß an das vorbezeichnete Blatt,
endigend im Südweſten mit Schriesheim und im Südoſten mit
Kortels=
hütte (bei Hirſchhorn).
c) Wanderkarte des Odenwaldklubs, Blatt 4, Heidelberg, beginnend
im Nordoſten und Nordweſten im Anſchluß an das vorbezeichnete Blatt,
endigend im Südweſten mit Leimen (ei Heidelbera) und im Südoſten
mit Reichartshauſen (im ſog. „Kleinen Odenwald‟). Der
Buchhandlungs=
preis beträgt für jedes dieſer unter a—e bezeichneten Blätter je 2 Mk.,
auf Leinwand aufgezogen 4,50 Mk. Für Mitglieder des Odenwaldklubs
durch Vermittlung der betreffenden Ortsgruppe das erſtbezeichnete Blatt
120 Mk., die zwei weiteren Blätter je 70 Pf., auf Leinwand aufgezogen
jedes Blatt je 2 Mk. mehr.
Aus den Parteien.
— Deutſche Demokratiſche Partei. Zur Fahrt zum
Sommerfeſt auf der Landskrone bei Oppenheim am Himmelfahrtstag
ſtehen Auwomnibuſſe zur Verfügung. Abfahrt 1,30 Uhr vom
Monu=
ment. Rückfahrt 8,30 Uhr ab Fähre Oppenheim. Der Preis für die
Hin= und Rückfahrt beträgt 2,80 Mk. Anmeldungen werden erbeten
an das Parteibureau, Eſchollbrücker Straße 5, Telephon 4298 und 2892.
— Deutſchnationale Volkspartei, Ortsgruppe
Darmſtadt. Oeffentliche Wählerverſammlung am Freitag, 18. Mai,
abends 8 Uhr, im großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz. Es
wer=
den ſprechen: 1. der Reichstagsabgeordnete Bäckerehrenobermeiſter Carl
Kieſeberg=Quedlingburg, 2. unſer Spitzenkandidat für die
Reichstags=
wahl Generalmajor a. D. Frhr. von Preuſchen, 3. Herr
Landesgeſchäfts=
führer Dr. Brehm. Alle vaterländiſch geſinnten Wähler der Stadt,
ins=
beſondere auch aus den Kreiſen des gewerblichen Mittelſtandes, ſowie
die Mitglieder der hieſigen vaterländiſchen Verbände, ſind zu der
Ver=
ſammlung herzlichſt eingeladen.
— Deutſchorden. Alle Ordensbrüder werden gebeten, zum
Begrüßungsabend am 2. Juni, 8,30 Uhr abends, bei Sitte, zum
Gottes=
dienſt am 3. Juni, 9,30 Uhr morgens — pünktlich —, im Hauſe
Treuenau, zum Ordenskapitel am 3. Juni, 3 Uhr nachmittags, im
Bürgerhof und zum zwangloſen Beiſammenſein um 8 Uhr abends bei
Sitte zu erſcheinen. Anzug zum Gottesdienſt und Kapitel möglichſt
Ordenstracht, ſonſt dunkler Anzug. Der Knappſchaftsabend
fällt wegen des Himmelfahrtstages aus.
„Dreiprinzenbrunnen”. Von hier durch die Speierhügelſchneiſe
nächſt des Stockſchlagweges beim Landgrafenteich, nicht in beſonders
gutem Zuſtande, iſt eine Quelle, einſtmals „
Landgrafenbrun=
nen” genannt.
Wenden wir uns nunmehr in das ſüdliche Waldgebiet,
dann kommen wir wieder zu einer Reihe wohlgepflegter Brunnen. In
der Nähe der Weberbuche, an der Kohlſchneiſe, iſt ein einladender Platz
zum Ruhen mit dem „Eleonorenbrunnen”. Von hier geht man
zu den Vorderwieſen, den Eſchenpfad entlang und kommt zu dem
„Jägersbrünnchen”, ein Platz mit einer Felsgruppe und
Trink=
platz für die Vögel. Eine kurze Strecke weiter an der Klipſteineiche
vorbei, bei den „du Thiel=Eichen” im ſchönen Wieſengrunde,
an der Ruthſenwieſe, finden wir das „Wilbrandsbrünnchen”
zur Erinnerung an den Forſtmann Geh. Forſtrat Wilbrand. Wenn
wir dann jenſeits der Nieder=Ramſtädter Straße die Hüttenſchneiſe bis
zum Ludwigsweg wandern, kommen wir nicht weit von der
Dörnberg=
buche zum „Ludwigsbrunnen”, der an Ludwig I. erinnert.
Dann am Südabhang des Prinzenbergs, in einer Talſenkung, liegt der
„Viktoria Melita=Brunnen”; von da zurück nach dem
Herr=
gottsberg, am Herrgottsbrunnenweg, iſt die Quelle des „
Herrgotts=
brunnen”.
Wer einen Gang durch das Oberfeld macht und den Judenpfad
wei=
ter geht, kommt auf der Mitte dieſes Weges an einer Bank vorbei, die
unter einer ſchattigen Kaſtanie zum Raſten einlädt; unten im Grund iſt
hier der „Molkenbrunnen”, der ſeinen Namen nach einer
Ge=
wannbezeichnung trägt. Sein Waſſer iſt nicht genießbar. Wenn man
von hier aus den Gang durch den Brunnersweg fortſetzt, gelangt man
zu der am Rande der Scheftheimer Wieſen gelegenen „Scheftheimer
Eiche”, ein freundlicher Platz, wo es ſich wieder gut ruhen läßt. Hier
iſt ein Pumpbrunnen bei dem Platz des ehemaligen „Schefttums” einſt
ein Falltorhaus im Oberwald, früher als „Brunners Haus” bezeichnet.
(Auch dieſe Pumpe hat kein Trinkwaſſer.) — Pumpbrunnen ſind noch
in der Tanne, wenn man durch die Trauben= nach der Wieſenſchneiſe
geht; hier ſtößt man auf ein ſchönes Ruheplätzchen mit Futterplatz für
Vögel und eine Pumpe, die gutes Waſſer liefert. Wer von hier aus
einen Spaziergang nach dem Darmſtädter Waſſerwerk machen will, geht
durch die Brunnenſchneiſe, dann weiter in der Richtung nach Pfungſtadt.
Hier iſt bei einem Pflanzgarten an, der Sandbachbrücke wieder eine
Pumpe, und von da geradeaus über die Brücke bis zur
Klingsacker=
ſchneiſe beim Pflanzgarten gleichfalls ein Pumpbrunnen.
Aus den aufgezählten Quellen und Brünnchen, die ſo ziemlich in
jeder Richtung unſerer ſchönen Wälder vertreten ſind, erſieht der
Wan=
derer, daß er bei ſeinen Spaziergängen reichlich Gelegenheit zur kühlen
Labe hat und auch bei einem ausgedehnten Waldrundgang nicht zu
verdurſten braucht. Aber ich will ihm auch verraten, daß neben Quellen
und Brunnen allüberall gute Gaſtſtätten vorhanden ſind.
Drumm, wanns an Himmelfahrt unn Pingſte grad kah
Backſtaa rejene duht — enaus in unſer ſcheene Wälder!”
Und noch eins: Hegt und pflegt unſere Quellen und Brünnchen und
Wälder.
Der Brieftauben=Sport.
Die Taubenzucht allgemein iſt eine recht unterhaltende und ideal zu
bewertende Liebhaberei. Mit viel Herzlichkeit und Liebe hängt der
Taubenfreund an ſeinen Tierchen. Und es gibt wohl recht wenig
Men=
ſchen, die dieſen gefiederten Symbolen der Sanftmut nicht ihre
Sym=
pathie entgegenbrächten. Die Tauben ſind aber auch als ſchnelle Flieger
bekannt, und Berechnungen haben ergeben, daß ihre Flugleiſtungen
neben großer Ausdauer von vortrefflichem Orientierungsvermögen
be=
gleitet ſind. Dieſe Eigenſchaften reizten von jeher die Züchter und
ſpe=
ziellen Freunde der Tauben, und daraus entwickelte ſich im beſonderen
die Ausbildung der Brieftaube, die als Ueberbringerin von
Nachrichten ſchon im grauen Altertum eine beachtliche Stelle einnahm.
Schon Noah ſoll ſich nach der bibliſchen Erzählung der Taube als
Auf=
klärungsboten bedient haben.
Bekannt iſt, daß ſich die Heeresorganiſationen aller Länder die
orien=
tierenden Eigenſchaften der Tauben zunutze machen. Piloten und
Bal=
lonfahrer nehmen ebenfalls auf ihrer Reiſe durch die Lüfte Tauben mit,
um Nachrichten über ihre Landung ſchnell zu übermitteln. So wurde
die Taube alſo ein Objekt des Sportes in der Züchtung und Zuchtwahl.
Ueberall finden wir Brieftaubenzüchter, die ſich dieſer Liebhaberei mit
großem Intereſſe und unter Aufbringung von Opfern hingeben. Es
werden Wettflugveranſtaltungen arrangiert; mit fieberhaftem Intereſſe
ſitzt der Brieftaubenzüchter ſtunden= und tagelang in ſeinem
Tauben=
ſchlag und erwartet mit der Stoppuhr in der Hand das Eintreffen der
erſten Tauben. Reger Austauſch der Meinungen unter den zu
beſon=
deren Reiſevereinigungen zuſammengeſchloſſenen Brieftaubenliebhabern,
eigene Literatur und Zeitſchriften verbinden die Züchter untereinander.
Der Brieftaubenſport iſt alſo eine wenn auch ſtille, ſo doch recht
weit=
verzweigte Vereinigung von Intereſſenten.
Auch in Darmſtadt wird dieſem Sport lebhaft gehuldigt. Unter
der Bezeichnung ,Brieftauben=Klub Darmſtadt Sport”
wurde vor einigen Wochen im Reſtaurant Heß (Kirchſtraße) unter der
Leitung des in Brieftaubenzüchterkreiſen bekannten und geſchätzten
Vorſitzenden des Bundes heſſiſcher Brieftaubenvereine, Herrn Ludwig
Stoll=Darmſtadt, ein Klub gegründet, in dem ſich eine größere Zahl
von Brieftaubenzüchtern zuſammengeſchloſſen haben. Der Klub will all
die Ideale, die die Pflege der lieben Tierchen erfordern, ebenſo auch
die Leiſtungen der Tauben fördern und die Intereſſenten von
Darm=
ſtadt und Umgebung durch zeitgemäße Berichte auf dem Laufenden
hal=
ten. Auskunft über alle das Gebiet des Brieftaubenſports betreffenden
Fragen erteilt jederzeit Herr L. Stoll, Darmſtadt, Heinheimerſtr. 4.
Der Bund heſſiſcher Reiſevereinigungen ſchickte am Samstag, den
12. Mai, ſechs Waggon mit 6130 Tauben nach Ansbach i. B. — 210 Klm.
Wegen einſetzenden Regens und ſtarker Bewölkung konnten die Tauben
am Sonntag nicht ſtarten. Am Montag, den 14. Mai, konnten bei guter
Fernſicht morgens 8.45 Uhr die Tauben geworfen werden. Die erſte
Taube erreichte mit einer Fluggeſchwindigkeit von 1200 Metern in der
Minute 10 Uhr 43 Minuten (160 — 220 Kilometer) ihren heimatlichen
Schlag.
— Die Ziehung der 2. Klaſſe der Preußiſchen Klaffenlottevie ergab
in der geſtrigen letzten Ziehung gleich in der erſten Stunde das
100 000Mark=Gewinnlos. Die glücklichen Beſitzer der Nummer 145 987
gehören größtenteils dem wenig bemittelten Handelsſtand an. Die
Num=
mer wurde in kleinen Abſchnitten in Berlin und Halle geſpielt.
Tageskalender für Donnerstag, den 17. Mai 1928.
Heſſ Landestheater Großes Haus, Anfang 17 Uhr, Ende
29 Uhr: „Parſifal” — Kleines Haus, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr:
„Das Spiel von Liebe und Tod”. — Orpheum: Geſchloſſen
Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee Rheingold, Hotel Schmitz,
Wein=
haus Maxim, Hotel Prinz Karl, Waldſchlößchen, Rummelbräu Kaffee
Jöſt, Hotel Prinz Heinrich. — Ludwigshöhe, vorm 5 Uhr und
nachm. 16 Uhr: Konzert. — Drangeriehaus, abends 20 Uhr:
4. Populäres Konzert. — Frühkonzerte: Hotel Einſiedel bei
Darmſtadt, Kaffee Henn. — Kinovorſtellungen: Helia,
Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Theater.
Verſteigerungskalender für Freitag, den 18. Mai 1928.
Verſteigerung von Perſonen= und Laſtkraftwagen,
vorm. 9 Uhr, in der ehemal. Dragoner=Kaſerne, Holzhofallee B.
—Verſteigerung von Möbeln uſw., vorm. 9½ Uhr,
Hei=
delberger Straße 47 (rtillerie=Kaſerne, hinteres Stallgebäude).
.
Aus
Liedertag in Arheitgen.
Der Liedertag, den der Geſangverein „Frohſinn” in Arheilgen am
vergangenen Sonntag veranſtaltete, zeigte aufs neue, zu welch einen
wichtigen kulturellen Faktor ſich die Männergeſangvereine auf dem
Land=
großenteils emporgearbeitet haben. Es ſangen 12 Vereine, von denen
einige ohne ihren eigentlichen Leiter auftraten; es wurden aber faſ.
ausnahmslos Leiſtungen gezeigt, die ſich mir denen der beſten Stadt
vereine zu meſſen imſtande ſind. Jeder Verein ſang zuerſt einen
ſchwie=
rigeren Kunſtchor oder eine Ballade, darauf ein Volkslied. Unter den
hervorragenden Leiſtungen ſeien genannt die Vorträge des
veranſtalten=
den Vereins, der unter Herrn Simmermacher die gewaltige Ballade
„Hagen” von dem jüngſt verſtorbenen Matthieu Neumann vortrug,
Auch mit ſeinen anderen Vereinen legte Herr Simmermacher höchſte Ehre
ein. Seine Kunſt, Balladen atemraubend zu geſtalten, bewies er mit
„Sängerluſt” Pfungſtadt, die Neumanns Feuerreiter virtuos vortrug
mit „Liederkranz” Langen, der die ſchwierige „Ernte” von J. Schwar;
mit ebenſolchem Gelingen ſang wie die hübſche Volksliedbearbeitung
ſeines Dirigenten „Wenn ich ein Vöglein wär”. Unter der gleichen
Lei=
tung ſang „Konkordia‟ Darmſtadt dann zwei ihrer neulich im
Darm=
ſtädter Konzert zu Gehör gebrachten Werke, und „Sängerluſt‟ Dieburg
die „Meeresſtimmen” von L. Kämpter. Beſonderen Eindruck machten
ferner die vorzüglich klangſchönen Vorträge des „Liederzweig” Arheilgen,
der unter R. Herber ſteht, am Sonntag aber unter einem ſehr
geſchick=
ten jungen Vertretungsdirigenten ſang. Ebenfalls erſtklaſſia war „
Ein=
tracht” Arheilgen unter Herrn Gg. Jäger=Frankfurt mit dem Vortrag
von Hegars „Rudolf von Werdenberg”. In würdiger Weiſe beſtanden
ferner als vorzügliche Vereine „Rheingold‟ Darmſtadt und „Konkordia”
Roßdorf, während zwei Vereine aus Gundernhauſen dieſen außerge.
wöhnlich guten Mitwirkenden noch nicht völlig ebenbürtig waren. Daß
der Vortrag der Volkslieder ebenſo guten künſtleriſchen Erfolg hatte wie
der der ſchwierigen Kunſtchöre, iſt ein erfreuliches Zeichen dafür, daß ſich
die Pflege des Volksliedes im Männergeſang als gleichberechtigt durch
geſetzt hat.
Eine willkommene Abwechſlung bot der vierte der großen Arheilger
Geſangvereine, der Arbeitergeſangverein „Treue”, der als ſtarker
ge=
miſchter Chor auftrat und Schumanns „Im Walde” mit warmem
Emp=
finden und beſtem Gelingen vortrug. Unmittelbar an das Singen ſchloß
ſich eine wündliche Kritik der Leiſtungen an der Hand der Partituren an,
eine Einrichtung, auf die in den Chorkreiſen in ſteigendem Maße Wert
gelegt wird. Tatſächlich hat ſich auch dieſe Gepflogenheit als ein ſtarker
Faktor des Fortſchrittes bisher ausgewirkt, zumal da eine ſolche
münd=
liche Kritik meiſtens bedeutend ſchärfer gehandhabt wird als Berichte,
die ſonſt von Vereinsveranſtaltungen in die Preſſe gelangen, und weil
an der Hand der ſchon vor dem Singen dem Kritiker übergebenen
Par=
tituren ſelbſt Aleinigkeiten beſprochen werden können, die dem
ſachver=
ſtändigen Kritiker, der ohne Partitur zuhört, zum Teil entgehen würden,
Es darf feſtgeſtellt werden, daß eine große Anzahl der am Sonntag
ge=
hörten Vereine ſich zu den beſten in unſerem Heſſenlande zählen können,
Friedrich Nogck.
E. Wixhauſen, 15. Mai. Oeffentliche Gemeinderats)itzung.
Der Bürgermeiſter gab bekannt, daß ein Einſpruch gegen den
Voran=
ſchlag für 1928 nicht erfolgt iſt und daß demgemäß derſelbe beſtehen
bleibt, wie er feſtgeſetzt wurde. — Bei Punkt 2 wurden die
Steueraus=
ſchlagſätze für 1928 wie folgt feſtgeſetzt: Für Gebäude bei 100 Mark
40 Pfg., für Grundbeſitz 80 Pfg., Gewerbeſteuer vom Anlage= und
Be=
triebskapital 60 Pfg.: ſtaatl. Gewerbe=Ertragſteuer=Soll 70 Pfg. von
1 Mk., für Sondergebäudeſteuer von 100 Mk. 35 Pfg. — Das Baugeſuch
des Georg Baumann wurde dahingehend genehmigt, daß deſſen
geplan=
ter Umbau 40 Zentimeter von der ſeitherigen Stelle zurückgeſetzt wird,
ſo daß die Straße dort 8 Meter breit wird. Außerdem wurde beſchloſſen,
bei der Kommunalen Landesbank in Darmſtadt 3000 Mark
Betriebs=
mittel aufzunehmen, welche im Laufe des Geſchäftsjahres zurückgezahlt
ſein müſſen.
Aa. Eberſtadt, 15. Mai. Selbſtmordverſuche. Innerhalb
weniger Tage haben hier einige junge Leute Selbſtmordverſuche durch
Erſchießen oder Vergiften verübt.
F. Eberſtadt, 16. Mai. Desalten Sängersletzte Fahrt.
Unter ſehr großer Beteiligung wurde geſtern nachm. Jakob Knieß 3.
zu Grabe getragen. Ein einfacher, ſchlichter Mann von treuer
Geſin=
nung und lauterem Charakter iſt mit ihm dahin gegangen. Ein treuer
Sänger zugleich. 50 Jahre ſtand er unentwegt zur Fahne des
Geſang=
vereins „Frohſinn‟. Das dankten ihm ſeine Sänger, die ihm das letzte
Geleit gaben. Am Grabe ſenkte ſich die alte Fahne des Vereins zum
letzten Gruß, ſang „Frohſinn” ſeinem toten Sänger zum Abſchied das
ſchottiſche Bardenlied von Silcher: „Stumm ſchläft der Sänger” und
„Auferſteh’n, ja auferſtehn wirſt du” dirigiert von Lehrer Roth.
Pfarrer Paul legte ſeiner tiefempfundenen, troſtreichen Grabrede die
Bibelworte zugrunde: „Sei getreu bis in den Tod” und zeichnete damit
ein feines Charakterbild des Verſtorbenen. Am Schluſſe der Feier legte
der Vorſitzende des Geſangvereins „Frohſinn”, Brückner, und der
Direktor, Herr Bickel, namens der Vereinsbank, in deſſen Dienſten
der Verſtorbene 14 Jahre ſtand, drachtvolle Blumenſpenden, begleitet
von warmen Nachrufen, am Grabe nieder. Füir das Perſonal der
Vereinsbank widmete Herr Nickel Worte des Gedenkens und einen
Kranz. So ruht nun der Sänger, undergeſſen, nicht nur von ſeinen
Sangesbrüdern, ſondern von allen, die ihn gekannt haben.
F. Eberſtadt, 16. Mai. Eröffnung des
Gemeinde=
ſchwimmbades. Das Schwimmbad iſt heute eröffnet worden.
Die Badezeiten und die Badepreiſe ſind die gleichen wie im Vorjahre.
Aa. Pfungſtadt, 16. Mai. Kirchengeſangvereinsfeſt.
Das 16. Jahresfeſt der Kirchengeſangvereine des Dekanats Eberſtadt
findet am Sonntag in Pfungſtadt ſtatt. Die Veranſtaltung hat dadurch
beſondere Bedeutung, daß gleichzeitig der evangeliſche Kirhenchor
Pfungſtadt die Feier ſeines Bjährigen Beſtehens feiern kann.
Nach=
mittags findet in der Kirche zu Pfungſtadt ein Feſtgottesdienſt ſtatt, in
dem Pfarrer Bürſtlein=Offenbach die Predigt hält, Pfarrer Zinn=
Pfung=
ſtadt die Liturgie und Lehrer Eidemüller als Organiſt tätig iſt. Die
Leitung der Chöre liegt in den Händen von Lehrer Julius Hofmann.
Nach dem Feſtaottesdienſt findet im evangeliſchen Gemeindehaus eine
Nachfeier ſtatt. Von auswärtigen Kirchengeſangvereinen haben ihre
Mit=
wirkung zugeſagt die Kirchenchöre von Biebesheim, Crumſtadt,
Eber=
ſtadt, Gernsheim, Goddelau, Nieder=Beerbach, Nieder=Ramſtadt, Ober=
Beerbach, Ober=Ramſtadt, Pfungſtadt, Seeheim, Stockſtadt und
Wolfs=
kehlen.
G. Ober=Ramſtadt, 16. Mai. Für die am Sonntag, den 20. Mai,
ſtattfindende Reichstagswahl iſt die Gemeinde Ober=Ramſtadt
wie ſeither in zwei Abſtäimmungsbezirke eingeteilt, die die gleichen
ge=
blieben ſind, wie bei vorhergegangenen Wahlen. Abſtimmungslokal für
den 1. Bezirk iſt das Schulhaus. Darmſtädter Straße 60, für den 2. Be
zirk der untere Rathausſaal. Die Abſtimmung erfolgt in der Zeit von
8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags. Als Abſtimmungsvorſteher
wurden ernannt, für den 1. Bezirk Bürgermeiſter Rückert, für den
2. Bezirk Rektor Lehr, als deren Stellvertreter Gemeinderat Braband
bzw. Gemeinderat Obmann.
r. Babenhauſen, 16. Mai. Ernennung. Herr Forſtaſſeſſor Dr.
Franz Eidmann von hier wurde als Aſſiſtent an das Forſtinſtitut
der Univerſität Gießen berufen. — Der Turnverein 1891 beteiligt
ſich zu Ehren des früheren Vorſitzenden der Deutſchen Turnerſchaft, Dr.
Ferd. Götz, an der Himmelfahrtswanderung, der ſogenannten „
Götz=
wanderung”. Sie geht von Heigenbrücken im Speſſart aus und erſtreckt
ſich bis Lohr. Gutes Wanderwetter vorausgeſetzt, wird dieſer
Turn=
wandertag, an dem ſich im vergangenen Jahr über 12000 Turnvereine
mit etwa einer halben Million wandernder Turner und Turnerinnen
beteiligten, wieder zu einer machtvollen Kundgebung für die deutſche
Turnſache.
— Brensbach i. O., 16. Mai. Die Deutſche Volkspartei ſtellte geſtern
in der hieſigen Ortsſtraße einen Lautſprecher auf. Nach den Klängen
eines flotten Marſches waren die Straße und Fenſter dicht beſetzt, um
die Rede des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann zu hören, welche von
allen gut aufgenommen wurde.
Eine intenessante Nachnicht fün alle Hausfpauen?
I. St 3914
Es gibt vielerlei Süßspeisen, wie Flammeris, rote Grütze,
Cremespeisen, Aufläufe usw., die Sie nur aus dem
einzig-
artigen Mondamin bereiten. — Zwischendurch kochen Sie
aber auch Puddings aus fertigem Puddingpulver. Daher
wird es Sie gewiß interessieren, daß Ihr Kaufmann neben
den bekannten Mondamin-Paketen jetzt auch ein fertiges
Puddingpulver aus echtem Mondamin führt. Dieser
„Mondamin-Puddingt ist in Päckchen zu 10, 15oder25 Pfg.
erhältlich. Er wird Ihnen bestimmt sehr fein schmecken;
denn nur dieses Puddingpulverwird aus echtem Mondamin
hergestellt! Und deshalb werden Sie es nicht bereuen, wenn
Sie schen beim nächsten Einkauf daran denken:
min gibt s auch
Tdding!
Neben
Nummer 132
Donnerstag, den 17. Mai 1928
Seite 27
*Die Ried=Entwäſſerung.
Die Entwäſſerungsanlagen und ihre Folgen für die
landwirt=
ſchaftlichen Verhältniſſe im Gebiet des Aſtheim—Erfelder=
Entwäſſerungs=
verbands, dem Ried, finden nach wie vor das größte Intereſſe
tech=
miſcher und landwirtſchaftlicher Kreiſe. Dieſe Woche fand eine
Beſich=
tigung durch die führenden Herren der Bodenkultur=A.=G. ſtatt, um
feſt=
zuſtellen, welche Anlagen mit den bereits zur Verfügung geſtellten
Mit=
teln geſchaffen ſind, und ob es berechtigt iſt, eine Zinsverbilligung für
weitere Darlehen zu gewähren. An dieſer Beſichtigung nahmen u. a.
teil der Präſident der Rentenkreditanſtalt, Exz. Lentze, Staatsſekretär
Hoffmann vom Reichsernährungsminiſterium, der Präſident des
Deut=
ſchen Landwirtſchaftsrats, Regierungspräſident a. D. Kutſcher, Vertreter
des Reichsarbeitsminiſteriums, der Bodenkultur=A.=G. und des Oberſten
Rechnungshofs.
Präſident Uebel vom heſſ. Wirtſchaftsminiſterium begrüßte die
Ver=
treter und ſprach die Hoffnung aus, daß dieſe ſich davon überzeugten,
welch Wertvolles bereits in Heſſen geſchaffen, wie viel aber auch noch
zu leiſten ſei. Die Führung im Ried hatten Miniſterialrat Heyl, der
intereſſante Erläuterungen über die großen, noch vorliegenden
Ent=
wäſſerungsaufgaben in der Rheinebene gab, Oekonomierat Dr. Dehlinger
und Oberbaurat Hauck übernommen.
Bei ſämtlichen Beteiligten beſtand kein Zweiſel, daß durch die
ge=
ſchaffenen Anlagen alle Vorbedingungen vorhanden ſind, um das Land
zur höchſten landwirtſchaftlichem Kultur zu bringen. Im Anſchluß an
die Riedbeſichtigung überzeugten ſich die Herren von den verheerenden
Folgen des Unwetters an der Bergſtraße.
Al. Höchſt i. Odw., 16. Mai. Das 4. Konzert der
Orcheſtervereini=
gung Höchſt i. O. unter Stabführung des Muſiklehrers Adolf Jöſt=
Höchſt darf als voller Erfolg gebucht werdn. Der geräumige Saal des
Gaſthauſes „Zur Poſt” war dicht beſetzt. Das Konzert bes 20 Kopf
ſtarken Orcheſters, das ſich zum größten Teil aus Jugendlichen von
Höchſt und Umgebung zuſammenſetzt, kann im allgemeinen als gut
be=
zeichnet werden und berechtigt bei fleißigem Ueben zu den ſchönſten
Hoffnungen
Az. Neuſtadt i. O., 16. Mai. Geſchäftsjubiläum. In
unſe=
rem Städichen, das in der alten Zeit mehr noch wie heute Sitz und
Pflege eines allſeits vertretenen Gewerbeſtandes war, begründet durch
die damaligen beſonders gearteten wirtſchaftlichen Verhältniſſe feiert
heute ein ehrbares Gewerbe, das Weißbinderhandwerk, in der Familie
Koch ſein 70jähriges Jubiläum. Ein tüchtiger
Handwerks=
meiſter, namens Joh. Philipp Koch 1., übte vom Jahre 1858 ab ſeinen
Beruf aus, nachdem er ſich zuvor in den damals üblichen und
vorgeſchrie=
benen Wanderjahren in der Fremde, beſonders in Norddeutſchland, die
notwendigen Vorausſetzungen geſchaffen hatte. In der Folgezeit
arbeitete er durchſchwittlich mit 3 Geſellen. Vom Jahre 1890 ab lag das
Geſchäft in den Händen des älteſten Sohnes Philipp, der dann 20 Jahre
Geſchäftsinhaber war. Während dieſer Zeit erfreute ſich das Geſchäft
eines geſteigerten Zuſpruches. Am 1. April 1910 erfolgte die
Abmel=
dung des Gewerbebetriebes wegen Uebernahme des
Bürgermeiſter=
poſtens. Dieſes Amt bekleidet der jetzige Iphaber Philipp Koch 3. noch
heute. Von jenem Zeitpunkt an übernahm deſſen Bruder Juſtus die
Geſchäftsleitung, die in durchaus aufwärtsſtrebender Weiſe bemüht iſt,
der Familienüberlieferung Ehre zu machen. Auch für die Zukunft dürfte
dieſe Bahn nicht verlaſſen werden und das Geſchäft weiterhin in der
Familie Koch weiter beſtehen, da in dem Sohn des Weißbindermeiſters
Juſtus Koch Pinſel und Farbe meiſterlich weitergeführt werden wird.
b. Erbach i. Odemw., 16. Mai. Heſſiſche
Wanderausſtel=
lung für Geſundheitspflege und ſogiale Fürſorge.
Die Eröffnung der Ausſtellung fand unter Mitwirkung Erbacher
Ge=
ſangvereine und verſchiedener erſtklaſſiger muſikaliſcher und geſanglicher
Kräfte ſtatt. Der Männergeſangverein „Liederkranz” eröffnete die Feier
mit zwei wirkungsvoll vorgetragenen Chören. Herr Bürgermeiſter
Dengler=Erbach begrüßte die Erſchienenen, beſonders den Schöpfer der
Ausſtellung, Herrn Dr. H. Neumann, Präſident der
Landesverſicherungs=
anſtalt für Heſſen, als Vertreter des Kreisamtes Herrn Kreisdirektor
von Werner=Erbach und den Leiter der Ausſtellung, Herrn Avemarie=
Darmſtadt. Herr Bürgermeiſter Dengler führte aus, daß es die Stadt
in Erkennung der Wichtigkeit der Aufklärung weiteſter Volksſchichten
über die wichtigen Fragen zur Erhaltung bzw. zur Beſſerung der
Volks=
geſundheit übernommen habe, die wunderbar zuſammengeſtellte
Ausſtel=
lung hierher zu bringen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß ſie ihren
Zweck in weiteſtem Maße erfüllen möge. Er erteilte ſodann das Wort
dem Referenten des Abends, Herrn Dr. H. Neumann, der über das
Thema: „Volksgeſundheit, die Grundlage jeglicher Kultur” in längeren,
feſſelnden Ausführungen ſpricht. Redner führt an Hand reichen
ſtatiſti=
ſchen Materials Vergleiche mit dem Stande unſerer Volksgeſundheit
von 1913—1918 und 1926. Aus den Ausführungen ſind Tatſachen zu
ent=
nehmen, die jedem denkenden Menſchen ein Bild des Grauens vor
Augen führen. Insbeſondere die größten Volksſeuchen, die Tuberkuloſe
und die Geſchlechtskrankheiten, haben während der unſeligen
Kriegs=
jahre unter dem Einfluß der Entbehrungen einen ungeheuren Umfang
angenommen. Für die Bekämpfung dieſer Volksſeuchen werden wohl
heute durch den Staat und andere Körperſchaften des öffentlichen und
privaten Rechts ungeheure Summen ausgegeben, die ſich aber durch den
Umfang, die die Seuchen bereits angenommen haben, immer und immer
wieder als unzulänglich erweiſen. Er weiſt darauf hin, daß man im
Gegenſatz zu früher, wo man die Fürſorge für Erkrankte auf deren
Behandlung beſchränkte, heute zur Erkenntnis gekommen ſei, daß
Krankheiten zu verhüten beſſer ſei, denn Krankheiten heilen”. Redner
ſieht unſere geſamte kulturelle Entwicklung in Gefahr, wenn es nicht
in letzter Stunde gelingt, unter Aufbietung aller Mittel und mit der
finanziellen und moraliſchen Unterſtützung der dazu berufenen Kreiſe
der Seuchen Herr zu werden. In erſter Linie bezeichnet er die einen
unerträglichen Umfang angenommene Wohnungsnot als eine der
Haupt=
urſachen der geſchilderten Mißſtände in geſundheitlicher Hinſicht.
Be=
ſonders hier müſſe mit aller Kraft eine Beſſerung erſtrebt und unter
allen Umſtänden mehr Mittel als bisher zur Verfügung geſtellt werden.
Die Ausführungen des Rebgers wurden von dem wit größtem Intereſſe
gefolgten Publikum durch reichen Beifall belohnt. Herr Bürgermeiſter
Dengler dankt dem Referenten für ſeinen wertvollen Vortrag und macht
auf den übrigen Teil des Programms aufmerkſam, der eigentlich durch
ſeinen unterhaltenden Charakter in kraſſem Widerſpruch zu den eben
gehörten, ſehr ernſten Ausführungen ſtehe. Er betont jedoch, daß
Froh=
ſinn und Heiterkeit bei der Inangriffnahme ernſthafter Arbeiten eine
der Hauptſtützpunkte der menſchlichen Kraft darſtelle, und in dieſem
Sinne möge das Publikum die Darbietungen genießen. — Die
muſikali=
ſchen Unterhaltungen, die von den Herren H. Mertz, E. Stephan und
W. Volk beſtritten wurden, löſten ebenſo wie die wundervollen
Lieder=
vorträge der heimiſchen Künſtlerin Frl. Hildegard Schulz=Erbach den
verdienten Beifall des Publikums aus. Der Gemiſchte Chor des
Ar=
beiter=Geſangvereins „Vorwärts” brachte zwei anſprechende Volkslieder
zu Gehör. Ueber den Inhalt der reichhaltigen Ausſtellung erfolgt
ſpäterer Bericht. — Die Untererhebeſtelle Erbach macht darauf
aufmerk=
ſam, daß die Gewerbeſcheine zur Einlöſung bereit liegen. — Am
Sonn=
tag, den 20. Mai ds. Js., findet im Stadion in Michelſtadt ein Sport=
Lehrgang bes Odenwaldgaues der Deutſchen Turnerſchaft ſtatt.
Unter=
richtet wird nach den Methoden des Herrn Stadiondirektors Buſch=Köln,
des Trainers der Teilnehmer der D.T. an der Olympiade 1928 in
Am=
ſterdam. Leiter des Lehrgangs iſt der Gauſportwart, Herr
Oberpoſt=
ſekretär Diehl=Erbach, der an einem entſprechenden Kurſus in Bad=
Kreuznach teilgenommen hat. — Anläßlich des Himmelfahrtstages
ver=
anſtaltet die Okva folgende Nundfahrten: „Je eine Fahrt ab vormittags
7 Uhr und nachmittags ab 12.45 Uhr nach Michelſtadt, Eulbach,
Amor=
bach, Ernsthal, Waldleiningen, Kailbach, Krähenberg, Erbach,
Michel=
ſtadt, Ankunft etwa 12 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends. Eine zweite
Tour führt ab 12.45 Uhr von Erbach-Michelſtadt, Eulbach, Laudenbach,
Miltenberg, Amorbach, Boxbrunn, Erbach, Michelſtadt. Sonderwagen
nach Eulbach laufen wie folgt: ab Erbach-Michelſtadt 2.10 und 3.10
Uhr nachmittags. Anmeldungen wüſſen an die Geſchäftsſtelle gerichtet
werden.
ng. Des großen Intereſſes wegen,
dem die Ausſtell!
Freiſen begegnet, iſt dieſelbe bis
Donners=
tag, den 17. ds. Mts., verlängert worden. Bericht über dieſelbe folgt
an dieſer Stelle. — Waldgottesdienſt. Alter Ueberlieferung
entſprechend findet am Himmelfahrtstag, nachmittags 4 Uhr, in der „Not
Gottes” im Brudergrund ein Waldgottesdienſt unter Mitwirkung des
Poſaunenchors ſtatt. — Sommerfahrplan der Okva. Geſtern
trat auf den Strecken Erbach-Heppenheim und Erbach-Wiebelsbach
der Sommerfahrplan in Kraft. Der Fahrplan weiſt beſonders auf der
Strecke Erbach-Heppenheim verſchiedene Verbeſſerungen auf, die ſicher
beim Publikum entſprechenden Anklang finden. Die Nachtverbindung
Erbach-Wiebelsbach, die immer eine gute Frequenz zeigte, wird an
allen Sonn= und Feiertagen wieder durchgeführt. Dieſe Fahrt wird in
der Folge beſonders dadurch wichtig, als ſie in Erbach Anſchluß an den
Spätzug von Eberbach, der hier endet, nach Wiebelsbach vermittelt. Bei
der Rückfahrt ſind Anſchlüſſe an die letzten Abendzüge von Darmſtadt
und Frankfurt in den Odenwald garantiert. Bedauerlicherweiſe kann
der Sommerfahrplan für die Linie Erbach-Reichelsheim-Lindenfels
noch nicht in Kraft treten, da unverſtändlicherweiſe einige Gemeinden
im Gerſprenztal dem getroffenen Abkommen noch nicht beigetreten ſind.
Sommerfahrpläne können bei der Geſchäftsſtelle der Obva erworben
werden. — Ein 100 PS=Preſſewagen der Firma Magirus=
Ulm, der der Leitung der Okva hier vorgefahren wurde, erregte das
Staunen des Publikums. Der Wagen, ausgerüſtet mit einem 100 P8
Maybach=Mokor, hat neben allen verſchiedenen nur denkbaren
Bequem=
lichkeiten, eine Radioanlage, kann eine verhältnismäßig hohe
Geſchwin=
digkeit auch in gebirgiger Gegend herausbringen und ſtellt ſo ein direkt
ideales Reiſefahrzeug für Preſſevertreter bei größeren Fahrten dar. —
Fremdenverkehr. Einen überaus ſtarken Fremdenverkehr brachte
der letzte Sonntag. U. a. hatten ſich die Teilnehmer an dem Süddeutſchen
Marineoffizierstag, der, mit einer Skagerrak=Gedenkfeier verbunden, in
Heidelberg ſtattfand, hier unter Führung des Erbprinzen von Leiningen
eingefunden. Nach Beſichtigung der Sammlungen im Schloß Erbach
jahm man im „Schützenhof” gemeinſamen Mittagstiſch. Die Teilnehmer
verließen nach 5 Uhr Erbach in beſter Stimmung.
— Hirſchhorn, 16. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
15. Mai 0,86 Meter, am 16. Mai 0,89 Meter.
Trotz des hohen Milchgehalts unbegrenzt haltbar;
selbst in der heißesten Jahreszeit also die
richtige Nahrung für Ihr Kind ist
ZIS
N
MEA
KM
EHL
A. Aus dem Schlierbachtal, 16. Mai. Wahlbewegung. Nur
noch einige Tage trennen von der am Sonntag ſtattfindenden
Reichstags=
wahl. Aber in den Gemeinden unſeres Tales merkt man noch wenig
Intereſſe an der Wahl. Bis jetzt haben ſich nur Sozialdemokraten und
Bauernbund in Verſammlungem in Ellenbach, Schlierbach und
Seiden=
buch verſucht, die faſt alle wicht ſehr ſtark beſucht waren und meiſtens
nur von Parteianhängern. Wenn nicht alles trügt, ſcheint die Partei
der Wahlmüden leider am kommenden Sonntag ſehr groß zu werden,
was ſicher auch auf dem derzeitigen Wahlmodus zurückzuführen iſt. Hier
dürfte ſich im Verhältnis der Parteiſtärhem am Wahlreſultat am
kommen=
den Sonntag wenig ändern.
Ag. Lindenfels, 14. Mai. Aus dem Gemeinderat. Die
Bautätigkeit iſt in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen. Die
Folgen davon ſind die Klagen, der Bauhandwerker, die ihre Betriebe
eingerichtes haben, ſich aber nicht entwickeln können, und damit weniger
Verdienſt haben. Der Gemeinderat hat nunmehr der Poſtverwaltung
einen ſchönen Bauplatz zu einem verbilligten Preis zur Verfügung
ge=
ſtellt, worauf ein Zweifamilien=Wohnhaus errichtet werden ſoll. Neben
dem Aufbau von einigen Einfamilienhäuſern und ſonſtigen kleineren
Neparaturen iſt bisber nichts bekannt geſvorden. Es wären noch eine
ganze Anzahl Privatleute da, die gern bauen würden wenn die
Be=
ſchaffung der Baugelder nicht ſo ſchwierig und nicht ſo teuer wäre.
(Vielleicht kommt bei der kürzlich aufgenommenen 6 Millionen=Anleihe,
welche der heſſiſche Staat in Amerika, aufgenommen hat, etwas Geld
un=
ter die kleinen Landkaſſen, die dann in der Lage ſind, erhöhte Kredite
zu geben. Der Ber.) — Die Genehmigung zum Betrieb einer
Kaffee=
wirtſchaft hat der Gg. Vetter in der Bensheimer Straße nachgeſucht.
Bevor der Gemeinderat Stellung zu dieſer neuen Konzeſſion nimmt,
rurde ein Beſchluß von den bereits hier beſtehenden 15 Wirten
vor=
geleſen, weiche eine Schädigung in ihrem Gewerbe erblicken. Nach einer
ausgedehnten Debatte, welche einerſeits die Schädigung der beſtehenden
Betriebe zur Folge hat, andererſeits aber die Gewerbefreiheit
unterbin=
det, bringt die geheime Abſtimmung eine Mehrheit zur Genehmigung
zuſammen. Es bleibt abzuwarten, wie ſich das Kreisamt hierzu
ver=
hält. — Nachdem die Provinzſtraße vom Nordeingang bis zum Zentrum
der Stadt mit Kleinpflaſter verſehen worden iſt, haben die Hausbeſitzer
die Bürgerſteige wieder mit Kies eingeebnet. Die Provinz gibt nämlich,
obwohl das ganze Gelände (Straße und Bürgerſteige) Eigentum der
Provinz iſt, zu dieſen Unterhaltungskoſten nichts dazu Die Hausbeſitzer
haben das Opfer allein übernommen, und haben damit gezeigt, daß ſie
in einer Kurſtadt mit gutem Beiſpiel voranzugehen haben und noch den
nötigen Gemeinſinn beſitzen. Für die Ampohner der
Gumpenerkreuz=
ſtraße iſt es für das nächſte Jahr dieſelbe Angelegenheit, dem Beiſpiel
der Bensheimer Straße zu folgen. Der Gemeindevat hat nun
beſchloſ=
ſen, damit der Bürgerſteig einen einheitlichen Belag bekommt, durch die
Bürgermeiſterei bekannt geben zu laſſen, daß alle Hausbeſitzer nur ſolche
Platten verwenden, wie ſie zurzeit vor dem Poſtgebäude liegen. Dadurch
bekommt der ganze Bürgerſteig em einheitliches Bild und das
einhei=
miſche Gewerbe lohnenden Verdienſt. — Der Gemeinderat hat die
ordent=
liche Fleiſchbeſchau einem Kriegsbeſchädigten zukommen laſſen wollen.
Die neuen Geſetze nehmen leider auf dieſe Kriegsopfer keine Rückſicht,
denn wie nunmehr verfügt wurde, iſt dem Tierarzt Helbig in
Reichels=
heim mit Wirkung vom 1. Juni die Fleiſchbeſchau in den Gemeinden
Lindenfels, Winterkaſten, Laudenau und Kolmbach amtlich übertragen
worden. Dem zweiten Beſchauer Johs. Schnellbacher bleibt es
über=
laſſen, im Monat Januar jeden Jahres die Fleiſchbeſchau auszuüben. —
In geheimer Sitzung werden Unterſtützungen, Kinderkuren, Hausmieten
uſw. erledigt. Der Eiſenbahnwagen wird demnächſt auch bezogen
wer=
den; bekanntlich wurde derſelbe angeſchafft, um einer kleinen Familie
Unterkunft zu bieten. — 30 Jahre Hotel Odenwald! Am
Himmelfahrtstage werden es 30 Jahre, daß der Beſitzer des Hotel „
Oden=
wald”, Herr Adam Vogel, die Tore des Hotels geöffnet hat. Unſerer
älteren Generation iſt noch der alte Bau mit der denkwürdig hohen
Treppe am Eck der Burgſtraße in Erinnerung, ferner die umliegenden
kleinen Fachwerkhäuſer, von denen eins nach dem anderen umgelegt
werden mußte, um die Räumlichkeiten und den Autoplatz zu ſchaffen,
wie es heute verlangt wird. In klugem Fernblick hat der Beſitzer ſeinen
groß angelegten Plan in drei Jahrzehnten in die Wirklichkeit umgeſetzt;
er ſah die kommenden Dinge, den Aufſchwung unſeres Luftkurortes
voraus und verſtand es, ein modernes Hotel zu ſchaffen.
j. Von der Bergſtraße, 16. Mai. Das 2½jährige Söhnchen Ehrhard
Martin des Kaufmanns Ehrhard Martin in Weinheim a. d. B. ſtürzte
in einen am Boden ſtehenden Topf mit heißem Waſſer. Das Kind zog
ſich dabei ſo ſchwere Verbrühungen zu, daß der Tod bald darauf eintrat.
H. Aus dem Löhrbacher Tal, 16. Mai. Hohes Alter, Frau Barb.
Scheuermann in Kallſtadt feierte am Montag ihren 90.
Ge=
burtstag. Trotz des patriarchaliſchen Alters iſt die ehrwürdige Greiſin
ioch körperlich und geiſtig friſch und geſund und verrichtet vor wie nach
noch ihre täglichen Geſchäfte.
Bundestag 1928 des Heſſ. Anglerbundes
zu Romoach.
Der Bundes=Vorſitzende, Herr Laun=Mainz, begrüßte die
Ab=
geordneten=Verſammlung aufs herzlichſte und heißt die Gäſte
willkom=
men. Herr Laun=Mainz erſtattet Bericht über die ungehener
umfang=
reiche Tätigkeit des Bundes=Vorſtandes. Hierbei wird auch die
ſegens=
reiche Tätigkeit der jungen Arbeits=Gemeinſchaft Deutſcher Angler=
Büinde geſtreift. Dort werden augenblicklich wichtige Anträge behandelt,
die u. a. ſich mit folgenden Gegenſtänden befaſſen: „Verkauf
minder=
maßiger Fiſche”, „Fiſchſterben durch Induſtriewäſſer” „Negulierung der
Waſſerſtraßen.” — Herr Laun referierte weiterhin über ſtrittige Fälle,
die im Laufe des Jahres im Verkehr zwiſchen Sport=Anglern und
be=
hördlichen Aufſichts=Organen eingetreten waren. Zum größten Teil
konnten ſie zur beiderſeitigen Zufriedenheit geklärt und erledigt werden.
Der Bundes=Schatzmeiſter, Herr Knußmann=Mainz, gibt den
Kaſſenbericht, der von den Kaſſenprüfern für richtig befunden wurde,
und wiederum ein erfreuliches Reſultat zeigt. Ihm wird Entlaſtung
und Beifall zuteil, beſonders auch für ſeine vortreffliche Arbeit in der
Inſeraten=Werbung. Der bisherige altbewährte Bundes=Vorſtand findet
Entlaſtung und wird in corpore wieder gewählt. — An die Stelle des
verſtorbenen Rechnnugsprüfers, Herrn Zipſe=Mainz, tritt Herr
Wiegand=Mainz. Der Beirat des Vorſtandes ſetzt ſich zuſammen
aus den Herren: Nietzſche=Lampertheim, Zurkuhlen=Worms,
Wolpert=Oppenheim und Herz=Biſchofsheim. Im Fiſcherei=
Aus=
ſchuß wirken weiter die Herren Laun=Mainz, Bauer=Darmſtadt,
Wedekämper=Worms.
Nach der Mittagspauſe, in der eine flotte Kapelle die Tiſchmuſik
be=
ſorgte, brachte die Geſangs=Abteilung der Orts=Gruppe Mainz I.
(Chorleiter: Herr Guckert) zwei ſchöne Lieder unter reichem Beifall
zu Gehör. — Der Bundesbeitrag blieb wie ſeither beſtehen. — Dev
nächſtjährige Bundestag wird auf Antrag der Orts=Gruppe I. und
ein=
ſtimmigen Beſchluß, in Mainz ſtattfinden.
Behandlung der eingegangenen Anträge: „Auf Antrag des Bundes=
Vorſtandes wird zur Ausſetzung von Brut der gleiche Betrag (200 RM.)
wie im Vorjahre einſtimmig bewilligt. Um verſchiedene wichtige Fragen,
die ſich auf Anträge des Angler=Vereins Darmſtadt hin entwickeln,
entſtehen anregende und belehrende Debatten, an denen ſich außer
ver=
ſchiedenen Abgeordneten von den Gäſten Herr Baron v. Heyl, Herr
Oberforſtrat Weber, Herr Stolz von der A.D.A. und Herr Gillet vom
Fiſcherei=Verein Mainz in dankenswerter, aufklärender Weiſe beteiligen.
Es handelt ſich vor allem um Individual= und Hechtſchonzeit. Es muß
nach wie vor darauf hingearbeitet, werden (im Vorſtand wie im
Fiſche=
rei=Ausfchuß), im Einvernehmen mit den Nachbarſtaaten, eine allgemeing
Schonzeit durchzuſetzen. — Herr Gillet, Geſchäftsführer des Fiſcherei=
Vereins Mainz, hält einen hochintereſſanten fiſchbiologiſchen Vortrag,
der mit reichſtem Beifall belohnt wird. Die Geſangs=Abteilung der Orts=
Gruppe Mainz I. des H.A.B. erfreut die Verſammlung durch zwei
weitere Lieder. — Ein beſonderes Lob gebührt der gaſtgebenden Orts=
Gruppe Mombach, die unter Führung ihres bewährten 1. Vorſitzenden,
Herrn Banf, dafür geſorgt hatte, die arbeitsreiche Tagung auch zu
einer feſtlichen zu geſtalten.
Ar.
Bb. Bensheim, 16. Mai. Am vergangenen Sonntag wurde das im
Anweſen der Weinhandlung und Weinwirtſchaft G. G. Mühlum
neu=
erbaute Keglerheim der hieſigen Keglervereinigung eingeweiht und dem
Verkehr übergeben. Der Vorſitzende, Gaſtwirt Tietz, eröffnete am
Vor=
mittag in Gegenwart zahlreicher geladener Gäſte das Heim mit einer
Anſprache, worauf auch der Gauvorſitzende des Keglerbundes, Hartmann,
das Wort nahm. Bürgermeiſter Dr. Angermeier beglückwünſchte den
Bauherrn Mühlum zur Vollendung ſeines Neubaues, der als eine
Zierde der Stadt zu bezeichnen iſt. Es ſind in ſehr geräumigem Bau
drei parallel laufende, moderne, nach den Vorſchriften des Keglerbundes
erſtellte Bahnen vorhanden. Sehr praktiſche und freundliche, große
Geſellſchaftsräume ſind aufgeführt. Am Eröffnungstage hatten ſich
viele auswärtige Keglervereinigungen eingefunden, die das eine Woche
dauernde Preiskegeln mit Erfolg begannen. — Der Verband katholiſcher
kaufmänniſcher Vereine tagte Samstag und Sonntag hier anläßlich
einer Verbandsſitzung, wozu ſich zahlreiche Vereine eingefunden hatten.
Die Verhandlungen begannen am Sonntag vormittag nach
gemein=
ſamem Kirchgang und nach einem am Vorabend verlebten gemütlichen
Zuſammenſein, das im katholiſchen Volkshauſe ſtattgefunden, im großen
Saal des „Deutſchen Haus”; es ſchloß ſich im gleichen Hauſe das
gemein=
ſame Mittageſſen an, dem ein Spaziergang folgte, worauf im
Volks=
haus eine Shlußfeier abgehalten wurde.
Bm. Bürſtadt, 16. Mai. Der für den Himmelfahrtstag feſtgelegte
Waldgottesdienſt der evangeliſchen Gemeinde Bürſtadt fällt zugunſten
des am Sonntag, den 20. Mai, ſtattfindenden Waldfeſtes des Dekanats
Zwingenberg aus. Das Waldfeſt findet im Gemeindewald hinter den
Waldſportplätzem ſtatt und wird durch die Miwwirktng verſchiedener
Poſaunenchöre und Kirchengeſangvereine (zirka 300 Sänger) verſchönert
werden.
D. Biblis, 16. Mai. Liederabend des Groß=
Rohrhei=
mer Kirchenchors. Am Sonntag veranſtaltete der evangeliſchs
Kirchenchor Groß=Rohrheim hier im Gaſthaus „Zum Deutſchen Haus”
einen wohlgelungenen Liederabend, der alle Erwartungen weit übertraf.
Die zahlreichen Beſucher konnten nur ſtaunen über die großen
Leiſtun=
gen, die geboten wurden. Man wartete mit einem erſtklaſſigen
Pro=
gramm auf. Fräulein Hanna Menger, die Leiterin des Chores, war ſich
ihrer großen Aufgabe wohl bewußt, konnte ſie jedoch in jeder Hinſicht
meiſterhaft bewältigen. Großen Anklang fanden auch die weiteren
Mit=
wirkenden von der Akademie für Tonkunſt in Darmſtadt. Alles in allem,
auch dieſe Veranſtaltung batte, ähnlich wie die Veranſtaltung des
hieſi=
gen Geſangvereins „Liederkranz” vor einigen Wochen, einen
Rieſen=
erfolg, und diesmal ſogar in zweifacher Hinſicht, wurde doch vor allem
künſtleriſch Vorzügliches geleiſtet, ſodaß ſicher derjenige etwas verſäumt
het, der dem gemütlichen Liederabend nicht beiwohnen konnte, und
zweitens wurde ein anſehnliher Ueberſchuß zur Erbauung einer
evan=
geliſchen Kirche erzielt.
— Gernsheim, 16. Mai. Wafſerſtand des Rhem s am
15. Mai 0,45 Meter, am 16. Mai 0,37 Meter.
Rheinheſſen.
t. Alzey, 16. Mai. Abſchiedsfeier. Zu einer Abſchiedsfeier
hatte im Kaffee Does der Verein der Hundefreunde ſeine
Mitglieder eingeladen, um von einem ſeiner eifrigſtem Mitglieder,
Gen=
darmerie=Hauptwachtmeiſter Müller, Abſchied zu nehmen. In einer
län=
geren Anſprache hob der Vorſitzende des Vereins die Verdienſte hervor,
die ſich Wachtmeiſter Müller um die Förderung des Vereins erworbem
hat. Auf einſtimmigen Beſchluß wurde Müller zum Ehremmitglied des
Vereins ernannt unter Ueberreichung einer Ehvenurkunde.
Hauptwacht=
meiſter Müller dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung ſeitens des
Vereins und betonte ganz beſonders, wie ſchwer ehm das Scheiden von
Alzey würde, wo er faſt acht Jahre gweilt hatte, und nun auf Wunſch,
infolge ſeiner Beförderung, in ſeinen Heimatkreis verſetzt wurde.
Müller war recht vielſeitig, und wo er ſich betätigte, ſei es im
Steno=
graphenverein, ſei es im Turnverein oder ſei es in der
Dienſthunde=
bewegung, überall kehrte er preisgekrönt nach Hauſe. Auch ſeitens der
Bevölkerung wird das Scheiden des bei allen Schichten beliebten
Be=
amten bedauert. Stets ein heiteres und zuvorkommendes Weſen,
jeder=
zeit auskunfts= und hilfsbereit, hat er ſich die Achtung bei der
Bevölke=
rung und große Wertſchätzung bei den Behörden erworben.
Oberbeſſen.
Bad=Nauheim, 16. Mai. Ein reuiger Dieb. Aus den
Keller=
räumen eines hieſigen Hotels wurde am vergangenen Freitag ein
Fahr=
rad geſtohlen. Gleichzeitig mit einer Poſtkarte, auf der er mitteilte,
man möchte die Ermittlungen einſtellen, ſandte der Dieb das Fahrrad
aus Mainz per Eilgut wieder nach Bad=Nauheim zurück, wo es dem
Eigentüimer ausgehändigt werden konnte.
In den ersten 10 Jahren
sollte jede Mutter ihr Kind nur mit der reinen, milden
KINDER
HANLA SEIFE
waschen und baden. Das
Kind wird es ihr einst
danken, weil ihm dadurch
später manche Sorge um die
Erhaltung seines guten
Teintserspart bleibt. Nivea=
Kinderseife ist überfettet
und nach ärztlicher
Vor=
schrift besonders für die
empfindliche Haut der
Kin=
der hergestellt.-Preis 70Pf.
I. Hbg.5670
Sonnengebräunt
wirdlhr Körper, wenn Sie ihn vorLuſt= und Sonnenbädern, vor Fahrten und Wanderungen mid
1AA ULIA
einreiben; denn Nivea=Creme verstärkt die bräunende Wirkung)
der Sonnenstrahlen. Gleichzeitig beugt Nivea=Creme
schmerz=
haftem Sonnenbrand vor.
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Nur Nivea=Creme enthält Eucerit, und
darauf beruht ihre einzigartige Wirkung.
Seite 8
Nummer 132
Donnerstag, den 12. Ma 1928
Das Fliegerkreuz den Ozeanfliegern.
Präſident Coolidge dekoriert die Ozeanhelden.
Die erſten Bezwinger des Atlantik im Oſt=Weſt=Flug ſind durch den Präſidenten der Vereinigten
Staaten mit dem Fliegerkreuz dekoriert worden. Unſer Bild zeigt ganz links den deutſchen
Bot=
ſchafter Dr. v. Prittwitz, in der Mitte den Präſidenten Coolidge und Freiherrn v. Hünefeld und
ganz rechts Hauptmann Köhl und Major Fitzmaurice.
82000 Bücher dem deutſchen Staat geſchenkt!
Eine Abteilung der von Prof. Queſada dem Staate Preußen geſchenkten Bibliothek.
(Links: Der Spender Prof. Queſada.)
Der namhafte argentiniſche Juriſt und Soziologe Prof. Dr. Erneſto Queſada hat ſeine 82000
Bücher umfaſſende Bibliothek dem preußiſchen Staat zur Errichtung eines „Südamerika=Inſtituts”
geſchenkt. Nun iſt der edle Spender mit ſeiner aus Deutſchland ſtammenden Gattin in Berlin
eingetroffen, um Vorleſungen an der Friedrich=Wilhelm=Univerſität zu halten.
Das Ozeanflugprojekt der Frau Dillenz
geſcheitert.
Reich und Ausland.
Delegiertenverſammlung des
All=
gemeinen Eiſenbahner=Verbandes
Die Tagung des Allgemeinen
Eiſenbahnerver=
bandes ſtellte in ihren Mittelpunkt eine große
öffent=
liche Kundgebung. Dazu waren außer den
Delegier=
ten viele Verbandsmitglieder aus Köln und deſſen
engerer und weiterer Umgebung, eine große Anzahl
von Angehörigen des Gewerbſchaftsbundes der
An=
geſtellten, des Deutſchen Bankbeamtenvereins, der
Hirſch=Dunckerſchen Gewerkvereine und der anderen
Ringverbände erſchienen. Das Mitglied des
Preu=
ßiſchen Landtags und des Reichsbahnrats Oswald
Riedel=Charlottenburg ſprach über das Thema:
„Reichsbahn und Reparationsproblem”. Er ſchilderte
die Entſtehung der Reparationsgeſetzgebung und
übte Kritik daran, daß Partikularismus in der
Poli=
tik und innerhalb des Reichsbahnperſonals die
recht=
zeitige Durchführung von Artikel 92 der
Reichsver=
faſſung verhindert habe. Die jetzige Belaſtung der
Reichsbahn aus den Reparationen betrage
unmittel=
bar 950 Millionen, mittelbar aber ſogar bis zu
1½ Milliarden jährlich. Das bedeute, daß ein durch
Friedensvertrag und Abwehrkampf um mehr als
10 Milliarden in ſeiner Subſtanz geſchwächter
Reichs=
bahnbetrieb dreimal ſoviel Betriebsüberſchuß
heraus=
wirtſchaften ſolle, wie vor dem Kriege. Das ſei auf
die Dauer ganz unmöglich und vorläufig nur
durch=
zuführen, wenn Verwaltung und Perſonal treu
zu=
ſammenhielten. Als zweiter Redner ſprach der
Reichstagsabgeordnete Guſtav Schneider=Leipzig über
„Wirtſchafts= und Steuerdruck”. Ausgehend von der
ſchweren Zeit der Ruhrbeſetzung, behandelte
Schnei=
der die Auswirkungen der Inflation für die
Arbeit=
nehmer und gab eine anſchauliche Darſtellung
dar=
über, wie der Steuerdruck die deutſche
Arbeitneh=
merſchaft erfaßt. Sowohl in der Inflationszeit, wie
auch in den darauffolgenden Jahren ſſei die
Lohn=
ſteuer die einzige verläßliche Einnahmequelle des
Reiches geweſen. Die vom Reichsfinanzminiſter
Reinhold eingeleitete Steuerſenkungsaktion blieb,
ob=
wohl ſich einige günſtige Vorzeichen bemerkbar
mach=
ten, infolge eines Regierungswechſels im Keime
ſtecken. Nachdem noch ausführlich die
Rationaliſie=
rungsbeſtrebungen und die damit zuſammenhängende
Lohnfrage, ſowie die falſchen Abbaumaßnahmen
be=
leuchtet wurden, ſchloß Schneider ſeinen mit
ſtür=
miſchem Beifall aufgenommenen Vortrag.
Der „Rheingold”= Zug.
Die von der Deutſchen Reichsbahn gebauten
Sonderwagen für FF=D=Züge wurden am 15. Mai
dem öffentlichen Verkehr übergeben. Sie ſind zunächſt
dazu beſtimmt, den internationalen Reiſeverkehr von
Holland durch Deutſchland nach der Schweiz zu
be=
dienen und ſollen gegen Leiſtung eines geringen
Zu=
ſchlages zu den bisher gültigen Fern=D=Zug=
Fahr=
preiſen den Reiſenden der 1. und 2. Klaſſe beſondere
Annehmlichkeiten bieten, durch ſſorgfältig ausgeſtattete
Innenräume, erhöhte Bequemlichkeit auf den
Plätzen und jederzeit zur Verfügung ſtehende
Be=
diewung. Die Wahl des Zuglaufes und der hierfür
feſtgeſetzte Fahrplan ermöglichten außerdem eine
weſentlich kürzere Reiſezeit als bisher. Ab 15. Mai
1928 verkehrt zwiſchen Hoek van Holland und Baſel
ein aus dieſen Sonderwagen zuſammengeſtellter
Fern=D=Zug unter dem Namen „Rheingold” in
bei=
den Fahrtrichtungen. Im Fahrplan führen dieſe Züge
die Bezeichnung FF=D 101/102. Ein Flügelzug wird
von Amſterdam gefahren und in Utrecht mit dem
von Hoek van Holland kommenden Zugteil vereinigt.
Der „Rheingold”=Zug Hoek van Holland/Amſterdam
—Baſel verkehrt das ganze Jahr über. Vom 1. Juli
bis 10. September wird der „Rheingold” bis Luzern
durchgeführt. In der Zeit vom 11. September bis
29. Juni, in der der „Rheingold” nur bis und von
Baſel verkehrt, iſt in Baſel SBB. für einen guten
Anſchluß mach Luzern geſorgt. Desgleichen beſteht
von London her über Harwich unmittelbarer
Ueber=
gang auf den Rheingold=Zug in Hoek van Holland.
Eröffnung der Dresdener
Aus=
ſiellung: „Die techniſche Stadt”.
Dresden. Die im Rahmen der „Jahresſchauen
deutſcher Arbeit” ſtattfindende Ausſtellung „Die
tech=
niſche Stadt” wurde geſtern in Dresden feierlich
er=
öffnet. Dabei überbrachte der Staatsſekretär des
Reichsarbeitsminiſteriums Dr. Geib nach Anſprachen
des Stadtrates Dr. Krüger als Präſidenten der
Jah=
resſchau und des ſächſiſchen Miniſterpräſidenten Held,
in einer kurzen Rede die Grüße der Reichsregierung.
Er zollte dem Grundgedanken der Ausſtellung, den
techniſchen Fortſchritt in Rahmen des Stadtweſens
darzuſtellen, volle Anerkennung. „Die Aufgaben der
Städte auf techniſchem Gebiet ſind”, ſo führte
Staats=
ſekvetär Dr. Geib aus, „bei dem raſchen
Entwick=
lungstempo der letzten Jahrzehnte immer
umfaſſen=
der und dringlicher geworden. Dabei muß es eines
der wichtigſten Ziele der heutigen kommunalen
Po=
litik ſein, mit allen Mitteln die Lebensbedingungen
der Stadtbevölkerung zu erleichtern, die unter
be=
ſchränkten Wohnungsverhältniſſen, fern von der
Na=
tur und angeſpannt in das aufreibende Getriebe der
Werkarbeit leben muß. Wie die moderne Stadt dieſer
Probleme auf den verſchiedenſten Gebieten — wie
der. Lebensmittelverſorgung, der Verſorgung mit
Licht und Kraft, des Verkehrs= und
Wohnungs=
weſens — Herr geworden iſt, oder doch Herr werden
kann, das zeigt die Ausſtellung in anſchaulicher Weiſe.
So wünſche ich” ſchloß der Staatsſekretär, „der
Aus=
ſtellung, die durch die Hundertjahrfeier der Dresdener
Techniſchem Hochſchule noch einen beſonders feſtlichen
Charakter erhält, den gleichen Erfolg, wie den
früheren Veranſtaltungen der „Jahresſchau deutſcher
Arbeit”. Gleich dieſen, gibt ſie auch ein Bild der
ſteigenden Entwicklung und des hohen Standes
deut=
ſcher Oualitätsarbeit, die, gegründet auf die
Lei=
ſtungsfähigkeit des deutſchen Kopf= und Hadarbeiters,
die ſicherſte Gewähr für eine Aufwärtsentwicklung
enſerer Wirtſchaft bildet.”
4600 Kilogramm Kaviar verbrannt.
Warſchau. Auf dem Bahnhof in Krakau
burde vor cinigen Tagen eine Sendung von
1600 Kilogramm Kabiar verbrannt, weil der Inhalt
der Sendung verdorben und für den menſchlichen
Benuß unbrauchbar geworden war. Der Schaden
bird auf 100000 Zlety geſchätzt.
*Torpedoboot „Albatros”
in Dienſi geſiellt.
W. F. Wilhelmshaven. Von den nach
dem Kriege erbauten deutſchen Torpedobooten waren
bisher vier, „Möve‟, „Greif”, „Seeadler” und
„Falke”, in Dienſt geſtellt worden. Zu der erſten
doboote „Albatroß” und „Condor”, erſteres am zu betrachten. — Dagegen intereſſieren ſich, wie wir
Wilhelmshaven vom Stapel gelaufen. Die zweite
Gruppe von ebenfalls ſechs Torbedobooten iſt nach demnächſt ein neues Ozeanflugprojekt mit dieſer
Ma=
abweichenden Plänen nach erfolgtem Zuwaſſerlaſſen
noch im Ausbau. Die Verzögerung der Fertigſtellung
von „Albatroß” und „Condor” iſt einmal auf
ver=
ſpätete, Lieferung von Zubehörteilen, zum anderen
aber auch darauf zurückzuführen, daß für die erſte
Neubaugruppe eine andere Anerdnung der
Decksauf=
bauten ſich als vorteilhafter herausſtellte und die brande in den ausgedehnten Forſten zwiſchen Deutſch=
Die „Möve”, das Verſuchsboot der Torp=
Soboots=
neubauten, das bekanntlich während ſeiner Erpro= Geſamtſchaden kann auf zwei Millionen Mark
bezif=
bungsfahrten im November 1926 von einem ſchweren fert werden. Weit über 1000 Menſchen waren bei
Exploſionsunglück betroffen warde, ſteht heute auf den Löſcharbeiten tätzig. In 12 Kilometer Breite
der Wilhelmshavener Marinewerft vorübergehend
außer Dienſt. Anſchließend ſtellte die Beſatzung
dieſes Schiffes das Torpedobovt „Alöatroß” in daß ſich die Mannſchaften oft nur unter Lebensgefahr
brücke erhalten, das mittlere Geſchütz iſt tiefer mon= troſtloſes Bild, einen Schauplatz verzweifelten
tiert, der achtere Maſt iſt in Fortfall gekommen, der
Ladebaum für die Beiboote befindet ſich jetzt hinter
der Kommandobrücke. Achterer Kommandoſtand, war ſo groß, daß es mühelos eine 300 Meter breite
Scheinwerfer, Baſisgerät und eine kurze F.=T.=Stenge
ſind um den zweiten Schornſtein herum montiert. fortpflanzte. Schwer hat auch das Wild gelitten.
Die „Möve” ſoll in ähnlicher Weiſe umgebaut
wer=
den. Zu dem gleichen Zweck wird im Laufe des Som= Deutſch=Krone und Schneidemühl und der
Schutz=
mers, wenn die anderen Neubauten zur
Indienſt=
ſtellung bereit ſind, auch „Greif” „Seeadler” und
„Falke” vorübergehend außer Dienſt geſtellt werden.
Um die neuen Boote, die nicht mehr wie früher einen
ſtrich tragen, auch von weitem kenntlich zu machen,
führen dieſe zu beiden Seiten des Bugs in weißer
Farbe zwei Buchſtaben ihres Namens in etva
Mannsgröße.
Schiffsunglück im Perſiſchen Golf.
London. Nach einer Meldung der „Chicago ein Scheck über 1 Million Franben eingelaufen, der
Tribune” aus Teheran, ſtieß am Dienstag abend im
Perſiſchen Golf ein Segelſchiff, auf dem ſich 72 Per= ſoll, die an der Suche nach dem vor burzem auf dem
ſonen, darunter zahlreiche Frauen befanden, mit
einem Dampfer zuſammen, der ohne Licht fuhr. Das
Segelſchiff ſank innerhalb weniger Minuten. Nur
vier Perſonen konnten gerettet werden. Die übrigen Belohnung, die die Pariſer Polizei bisher jemals
ſind ſämtlich ertrunken.
Berlin. Die Optionsfriſt, die der Frau
Dil=
lenz von den Junkers=Werken für die
Schweſter=
maſchine des Ozeanflugzeuges, die „Europa” gewährt
worden war, iſt am Dienstag abgelaufen, ohne daß
Frau Dillenz die entſcheidende Erklärung abgegeben
hat. Die Verkaufsverhandlungen, und damit die Kom=
Baugruppe dieſer Schiffe gehören noch die Torpe= bination Dillenz—Riſticz, ſind ſomit als geſcheitert
15. Juli 1926, das andere am 22. September 1925 in erfahren, anderweitige Kreiſe für dieſes Flugzeug
und ſſeinen Führer Riſticz, ſo daß möglicherweiſe
ſchine auftauchen wird.
Sterbende Wälder.
Die Brandwalze von 12 Kilometern Breite.
Millionenſchaden.
Deutſch=Krone. Bei dem rieſigen
Wald=
beiden Boote dewentſprechend umgeſtalltet wurden. Krone und Joſtrow ſind mach amtlicher Feſtſtellung
mehr als 3100 Morgen Wald vernichtet worden. Der
ſchritt die Brandwalze über die Wälder. Das Feuer
raſte mit ſolcher Schnelligkeit durch die Schonungem,
Dienſt. Der „Albatroß” hat eine andere Kommando= retten konnten. Die ſterbenden Wälder bilden ein
Ringens mit dem raſenden Element. Teilweiſe
waren es Wipfelbrände. Die Gewalt des Feuers
Talſemkung überſprang und ſich im jenſeitigen Wald
Die Eindämmung des Brandes iſt den Garniſonen
polizei und Techniſchen Norhilfe Schneidemühl zu
danken.
Ein gefährlicher Mauereinſturz.
Trieſt. Wie aus Genua gemeldet wird, ſtürzte
ſchwarzen, ſondern einen grauen, bzw. grünen An= dort eine 30 Meter lange Mauer auf eine Villa. Die
Bewohner der Villa konnten ſich rechtzeitig retten.
Der Schaden beträgt eine Viertelmillion Lire.
Eine Million Franken Belohnung für Pariſer
Polizeibeamte.
Paris. Bei der Pariſer Sicherheitspolizei iſt
den Polizeibeamten als Belohnung zugeſtellt werdem
Poſtweg zwiſchen Paris und London verſchwundenen
Perlenkollier im Werte von ſieben Millionen Franken
erfolgreich mitgewirkt haben. Es iſt dies die größte
erhalten hat.
Nobiles Polar=Expedition.
Die „Italia” erneut aufgeſtiegen.
EP. Kingsbay, 16. Mai.
Da ſich das Wetter vollſtändig aufgeheitert hatz,
iſt General Nöbile geſtern zum zweiten Polarflug
aufgeſtiegen. Es hat erſt am Montag mitdag ganz
zu ſchneien aufgehört, und einige Stunden ſpäten
iſt herrlicher Sonnenſchein zurückgekehrt. Die ganze
Kingsbay iſt jedoch wie eingeſchneit, und der
Trans=
port der Gasbehälter vom Hilfsſchiff „Citta di
Mi=
lano” bis zur Luftſchiffhalle geſtaltete ſich infolge der
hohen Schneemaſſen ſchwieriger als je. Nobile hat
das Luftſchiff wieder vollſtändig mit Gas und Benzim
füllen laſſen, nachdem die Benzinbehälter am
Sams=
tag entleert worden waren, um das Luftſchiff
wäh=
rend des Schneefalles leichter zu wachen. Vom
Hilfs=
dampfer ſind jetzt alle Mineure von Ny Aeſund
auf=
geboten worden, um die Eisdecke mit Dynamit zu
ſpvengen, die den Dampfer noch vom Lande trennt,
damit er ſpäteſtens in einer Woche endlich die Küſte
erreichen kann. Das Luftſchiff iſt wieder vollſtändig
für einen möglichſt langen Flug mit
Zwiſchenlan=
dung ausgerüſtet. Ebenſo wurde das geſamte
Ma=
terial für eine evtl. Notlandung auf der Arktis
wie=
der an Bord gebracht. Diesmal gedenkt Nobile, je
nach der Wetterlage über dem Polarkreis zuerſt nach
dem Nikolaus II.=Land oder nach dem Nordpol zur
fliegen.
General Nobile iſt geſtern nachmittag um 1.20
Uhr mit der „Italia” zu einem neuen Flug
aufge=
ſtiegen, nachdem der erſte Verſuch vor einigen Tagen
an der Ungunſt des Wetters geſcheitert iſt. Der Flug
iſt auf 50 Stunden Dauer berechnet. Die Wetterlage
wird vorläufig als günſtig bezeichnet.
Der neue Flug der „Italia”.
Kopenhagen. Der neue Flug ſoll ſich
ber=
mutlich nach Grönland oder nach dem Nikolaus II.=
Land ausdehnen. Wie die letzten Meldungen beſagen,
iſt Nobile nach 1½ſtündigem Flug auf Nebel
ge=
ſtoßen und hat daher auf eine Höhe von 150 Metern
über dem Meeresſpiegel heruntergehen müſſen. Sonſt
werden die Witterungsverhältniſſe als ſehr günſtig
bezeichnet. Die „Italia” wird vewmutlich erſt am
Donnerstag oder Freitag von ihrem Fluge
zurück=
kehren.
Kingsbay. Nach den vom Luftſchiff „Italia”
des Generals Nobile weiter eingegangenen
Mel=
dungen, ſetzte das Luftſchiff mach dem Paſſieren des
Nordkaps von Spitzbergen ſeinen Flug in der
Rich=
tung auf das Franz=Joſef=Land fort. Wenn das
klare Wetter anhält, wird Nobile zweifellos weiter
nach dem Nikolaus II.=Land fliegen, das er im Laufe
des Mittwoch erreichen könnte. Diensdag abend 22 Uhr
hat General Nobile folgende Botzſchaft an den
italie=
niſchen Unterſtaatsſekretär der Luftſchiffahrt, Balbo,
gefunkt: „Unſere Stellung iſt 81 Grad, 29 Minuten
nördlicher Breite und 35 Grad, 50 Minutem öſtlicher
Länge von Greenwich. Seit einigen Stunden fliegen
wir über das Gebiet zwiſchen Spitzbergen und dem
Franz=Joſefs=Land, in einer Höhe von 150—200
Me=
tern, unter dem Nebel, mit einem Sichtkreis von
etwa 10 Meilen. Wir haben mit einem Gegenwind
von etwa 30 Kilometern in der Stunde zu kämpfen,
was unſere Geſchwindigkeit auf ungefähr 50
Stun=
denkilometer herabſetzt. Der Nebel hat auf der
Luft=
ſchiffhülle eine Eiskruſte gebildet, wodurch das
Luft=
ſchiff erheblich ſchwerer geworden iſt. Sonſt geht alles
gut. Bisher wurde keine Spur von Land entdeckt.
Das Eis iſt feſter als beim Nordkap von Spitzbergen.”
Die verheerenden Brände im rumäniſchen
Petroleumgebiet.
Bukareſt. Aus einer Entfernung von vierzig
Kilometern konnte man am Dienstag die rieſigen
Flammen, die beſonders auf den Bohrtürmen 298 und
268 wüten, ſehen. Der Schaden der Brände im
Petroleumgebiet beträgt vorläufig über 100
Mil=
lionen Lei. Die ganze Gegend iſt vom Feuer
be=
droht. 12 Bohrtürme der Aſtra Romana und ſechs
Bohrtürme der Credit Minier ſind vernichtet
wor=
den. Drei Arbeiter ſind dabei ums Leben gekommen.
Man iſt gegenwärtig mit dem Bau eines Tunnels
beſchäftigt, um das Erdöl in eine andere Richtung
abzuleiten. Es iſt aber nicht ſicher, ob dies zur
Ein=
dämmung des Brandes führen wird. Es ward mit
dem Fällen der Wälder begonnen, die ſich in der
Nähe des Brandhenrdes Gefinden und in denen bereits
einige Bäume Feuer fingen. Hunderte von
Sand=
ſäcken wurden in die Schlünde der brennenden
Bohr=
türme geworfen, um das Feuer zu löſchen, jedoch
ohne Erfolg. Die Gefahr für die nächſte Umgebung
wächſt von Stunde zu Stunde. Einige Dörfer ſind
bereits geräumt worden. Die bisher ergriffenen
Maßnahmen haben ſich als nutzlos erwieſen.
Eine neue Erdbebenwelle.
London. Die Montag abend von einer ganzen
Anzahl von Erdbebenwarten verzeichneten ſchweren
Erderſchütterungen haben nach den bisher
vorliegen=
den Meldungen ſowohl Japan, wie Ecuador,
Geor=
gien, Batavia und verſchiedene andere Gebiete
heim=
geſucht. Der amerikaniſche Radioamateur Davis, der
als erſter die Nachricht von den ſicheren Ankunft der
„Bremen” auf Greenly Island aufgefangen hatte,
berichtet, einer Reutermeldung aus New Hampſhire
zufolge, daß er folgende Meldung aus Japan
aufge=
fangen habe: „100 Menſchen umgekommen,
Verbin=
dungen abgeſchnitten, Hilfswerk organiſiert”.
Wäh=
vend für dieſe Meldung eine Beſtätigung noch
aus=
ſteht, iſt ſicher, daß in Ecuador durch ein Erdbeben
ſchwerer Schaden angerichtet wurde. Auch in Tiflis,
in Geongien, wurde ein Erdbeben verſpürt und
be=
deutender Schaden angerichtet. — Die vulbaniſche
In=
ſſel Krakatau in Holländiſch=Indien hat in den letzten
Stunden große Aktivität entwickelt. Mit weiteren
ſchweren Erderſchütterungen iſt nach einer kurzen
Ruhepauſe zu rechnen, wobei als größte
Gefahren=
gebiete die Mittelmeergebiete von Spanien nach Klein=
Aſien, die amerikaniſchen Anden, Mexiko und China,
und vielleicht Japan, angeſehen werden. Die
Haupt=
ſtöße werden für kommenden Sonntag angekündigt.
Erdbeben in Peru.
London. Nach hier eingetroffenen Meldungen
iſt die Hauptſtadt des Amazonasbezirks in Peru,
Chachapoyas, am Dienstag abend von einem ſchweren
Erdſtoß heimgeſucht worden. In der Stadt wurden
große Zerſtörungen angerichtet. Nach den bisherigen
Feſtſtellungen ſollen drei Perſonen ums Leben
ge=
kommen ſein.
Nummer 137
Geite 9
Am Ewigen Lict.
Eine Augenblicksaufnahme aus dem Empfang der „Bremen”=
Flieger in New York.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
A. G. A. New York, 1. Mai 1928.
Wenn all der Jubel verrauſcht, die Begeiſterung zerronnen
ſein wird, wenn die tauſend überwältigenden Eindrücke längſt
neinander zerfloſſen, verwiſcht, derweht ſein werden — ein Bild
von dem toſenden Empfang, den New Yorks Millionen den drei
Musketieren der Luft Köhl, v. Hünefeld und Fitzmaurice
berei=
eten, wird ſich im Kaleidoſkop unſeres Erinnerns immer wieder
uſammenfinden und in ſtiller Stunde in all ſeinem Glanz und
Schimmer und ſeiner atemloſen Feierlichkeit vor uns hintreten
ils das größte, das Erlebnis großer Tage ..
Am Madiſon Square, dort, wo der neuen Welt berühmteſte
Straßen, Broadway und Fünfte Avenue, ſich kreuzen, iſt den im
Veltkrieg gefallenen Söhnen New Yorks ein anſpruchsloſes
Denk=
nal errichtet worden. Eine nie verlöſchende Flamme brennt vor
inem Flaggenmaſt, und der Granitſockel trägt die Inſchrift:
Ein ewiges Licht und eine Verheißung dauernden Friedens”
dier hatte die Stadtverwaltung eine rieſige Tribüne erbauen
aſſen, von der aus die Flieger der „Bremen” die Parade über
ſie zehntauſend Mann amerikaniſcher Soldaten und Seeleute
bnehmen konnten, die ihnen zu Ehren von der Südſpitze der
Nanhattan=Inſel heraufmarſchiert waren, drei Meilen weit in
Schritt und Tritt, zu Trommelgeraſſel und Pfeifenton und den
Narſchweiſen etlicher zehn Muſikkapellen.
Als die Spitze des Zuges das „Ewige Licht” erreicht hatte,
nachte das Ganze halt, die Truppenkolonne teilte ſich in der
Nitte, und durch die Gaſſe kamen die Kraftwagen mit den drei
Ehrengäſten, mit Frau Köhl, Frau Fitzmaurice und Herta
Jun=
ers, den Mitgliedern des ſtädtiſchen Empfangsausſchuſſes und
en ſchreibenden und photographierenden Preſſevertretern
ange=
ahren. Im Wagen der Flieger fuhr auch „unſer Jimmie‟, Mayor
Valker, mit. Es war das erſte Mal, daß der Bürgermeiſter von
Lew York Gäſte der Stadt alſo ehrte. Dem Erſcheinen der
Auto=
nobile war vom Süden her das Branden und Brauſen von
underttauſend Stimmen vorangegangen, das zum Orkan
an=
chwoll, als das funkelnde, mit Flaggen und Bändern geſchmückte
Mayorsauto” langſam vorrollte.
Die drei Flieger ſaßen erhöht auf dem zurückgeſchlagenen
dach des Wagens, die Füße auf dem Sitz. Dem dicken Köhl war
Donnerstag den 17. Mai 1928
das krebsrote Geſicht vor Frei
al aus dem Leim gegangen,
Fitzmaurice in der Mitte grinſte Lis an die Ohren, und
feld ſchwenkte ſeine Kieler Jachtklub=Mütze nach rechts u. ach
links mit einer Verve, daß das Publikum aus bewunderndem
Staunen gar nicht mehr herauskam, wie er es bloß fertig kriege,
ſein Monokel nicht bei jeder Bewegung, jeder Verbeugung zu
verlieren. Den New Yorkern wird, ſolange die Erde die Sonne
umkreiſt, ein Mann, der ein Einglas auch unter den
ſchwierigſten Verhältniſſen im Auge
feſtzuhal=
ten vermag, immer wie eine Art Zauberkünſtler
und Hexenmeiſter vorkommen, bei dem man ſich
eigent=
lich nicht ſonderlich zu wundern braucht, wenn ihm Dinge glücken,
die Anderen unmöglich ſind.
Bürgermeiſter Walker und Grover Whalen, der Vorſitzer des
ſtändigen Ausſchuſſes zur Begrüßung diſtinguierter Gäſte, ſtiegen
zuerſt aus. Dann Köhl, lächelnd und mit beiden Händen die am
Seidenband um ſeinen Hals hängende goldene
Tapferkeits=
medaille feſthaltend, die ihm und ſeinen Fluggefährten im
Auf=
trage des Gouverneurs des Staates New York überreicht worden
war. Ihm folgte Fitzmaurice, feſch und adrett in ſeiner friſch
aufgebügelten iriſchen Fliegeruniform, und dann der Freiherr
mit dem Zyklopenauge. Mehrere Perſonen durchbrachen den
Polizeikordon, um auf Hünefeld zuzueilen und ſeine Hand zu
erhaſchen.
Blauberockte Poliziſten öffneten den Fliegern eine Gaſſe zu
dem kleinen vergitterten Raſenplatz am Fuße des Denkmals. Man
reichte ihnen Kränze, Fitzmaurice Lorbeer mit roten und weißen
Roſen, Köhl Lorbeer mit roten Nelken und Maiglöckchen und
Hünefeld Lorbeer mit blutroten dunklen Roſen. Sie traten
zu=
ſammen vor, legten die Kränze nieder und verharrten in ſtrammer
Haltung, während ein Trompeterquartett „Lights out” — den
Zapfenſtreich — blies. Wie drei in Erz gegoſſene Statuen
ſtan=
den ſie, bis der letzte Trompetenton verklungen war. Und der
war kaum verhallt, als die Kapelle eines der paradierenden
amerikaniſchen Regimenter „Deutſchland, Deutſchland
über alles” anſtimmte. Von den Köpfen der Ziviliſten flogen
die Hüte und Kappen, der Soldaten, Offiziere und
Polizeibeam=
ten Rechte hob ſich zum militäriſchen Gruß an die Mützen, und
tauſend und abertauſend Augen wandten ſich den beiden
Deut=
ſchen zu ..
Wer uns vor zehn, vor acht, vor fünf Jahren geſagt hätte,
daß hier im Herzen von New York, an einem Denkmal, das dem
ewigen Gedächtnis der im Weltkriege gefallenen New Yorker
Jungens gewidmet iſt, zehn oder acht oder fünf Jahre ſpäter zwei
deutſche Flieger, Kampfflieger, umringt von zehntauſend ameri=
kaniſchen Soldaten und Seeleuten, unter den Klängen der
deut=
ſchen Nationalhymne Kränze ni
würden, daß
zehn=
tauſend Ziviliſten das deutſche Lieb a hauptig mit anhören
wür=
den, daß die Spitzen der Stadtverwaltung nichts ungetan laſſen
würden, um hier durch beiſpielloſe Ehrung zweier deutſcher
Männer zu zeigen, daß ſie die Inſchrift auf dem Denkmalſockel
nicht als leere Phraſe betrachten — wer uns geſagt hätte, daß
wir das noch einmal erleben würden, den hätte ein jeder von
uns Deutſchen in Amerika ohne Ausnahme als reif fürs Tollhaus
angeſehen.
. . . tauſend und abertauſend Augen wandten ſich den beiden
Deutſchen zu. Köhl, der zuvor mit gefalteten Händen und
ge=
ſenktem Kopf ſinnend dageſtanden, riß ſich mit einem Ruck
zu=
ſammen, und der Freiherr, vorher der elegante, liebenswürdige,
ritterliche Gentleman, war mit einemmal wieder ganz Soldat,
Wie verſteinert blieben ſie ſtehen, den Blick auf die Inſchrift am
Denkmal gebannt, und in der Luft zogen Fliegergeſchwader
rat=
ternd und rollend ihre Kreiſe über ſie hin. Hünefeld iſt ein
Dichter. Wenn je die Saiten ſeiner Seele geklungen haben, muß
es in dieſem feierlichen Augenblick geweſen ſein.
Dem Deutſchland=Lied folgte das iriſche Soldatenlied „
Sol=
diers of Erin”, dann das Star Spangled Banner”, und darauf
ſetzte ſich die Parade wieder in Bewegung, — — — „Du, du liegft
mir im Herzen” klang es die Fünfte Avenue herab, als die drei
Musketiere der Luft, die Stadtbeamten, die Vertreter des
deut=
ſchen Generalkonſulats, der baumlange Konſul Dr. Eugen Klee
an der Spitze, die Fliegerfrauen, die kouragierte, raſch
entſchloſ=
ſene Herta Junkers und der Troß der Zeitungsſchreiber und
=Lichtbildner und Kurbeldreher wieder in ihre Automobile
kletterten . .
Hünefeld und Köhl, Köhl und Hünefeld — mit einer großen
Tat haben ſie in der neuen Welt unſerer Heimat mehr Ehre
er=
rungen, als wir auf irgend welchen anderen Wegen den
Ameri=
kanern in einem Vierteljahrhundert hätten abnötigen können.
Arthur G. Abrecht.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich unk
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Druck
und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
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Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
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Seite 10
Donnerstag, den 17. Mai 1928
Nummer 137
Groß=Staffellauf
des Ausſchuſſes für Leibesübungen.
Der heute (Himmelfahrtstag) vormittag vom Ausſchuß für
Leibes=
übungen Darmſtadt veranſtaltete Groß=Staffellauf beginnt um 11 Uhr
30 Minuten mit dem Ablauf der einzelnen Mannſchaften. Das Ziel
be=
findet ſich am Schloß, woſelbſt die Läufer in der Zeit von 11.45 Uhr
bis 12,10 Uhr eintreffen. Nach Beendigung des Laufes verſammeln ſich
ſämtliche Teilnehmer zum Teil im Schulhofe des Realgymnaſiums (
Kirch=
ſtraße), zum Teil auf dem Marienplatz. Sie veranſtalten einen
Werbe=
lauf, von dem ſie ſpäteſtens um 12.45 Uhr vor dem Landesmuſeum
ein=
treffen werden. Anſchließend findet auf dem Paradeplatz die
Preisver=
teilung vom Groß=Staffellauf ſtatt.
Sportliche Wettkämpfe am 17. Mai 1928 des Ausſchufſes für Leibesübung.
Der Ausſchuß für Leibesübung teilt mit: Anläßlich der am
Himmel=
fahrtstag (17. Mai) ſtattfindenden großen Staffelläufe ſollten am
Nach=
mittag ſportliche Wettkämpfe ſtattfinden, vor allem ein Handballſpiel
zwiſchen Turner und Sportverband. Leider haben ſich in letzter Minute
dem Zuſammenarbeiten der beiden großen Verbände derartige
Schwie=
rigkeiten in den Weg geſtellt, daß das Spiel nicht zuſtande kommen kann.
Der Vorſtand des Ausſchuſſes für Leibesübung bedauert das
außer=
ordentlich und muß deshalb die ganze Nachmittagsveranſtaltung abſagen.
Sportverein 1898.
Die Mitglieder des Sportvereins 1898, die am Staffellauf
teilneh=
men, finden ſich um 9.30 Uhr im Realgymngſium ein.
Rot=Weiß I. — Polizeiſportverein I.
Wir verweiſen heute ſchon auf obiges Treffen am Sonntag, welches
dem Polizeiſportverein hoch anzurechnen iſt, gegen einen zweifellos
ſchwächeren Gegner dieſen Abſchluß getätigt zu haben. Bei dieſem
Spiel ſoll es aber weniger um Torerfolge gehen, ſondern der
eigent=
liche Zweck iſt der, die Sxielweiſe der ſtark verjüngten Mannſchaft der
Rothoſen in andere Bahnen zu bringen. Dafür ſchien die
Polizeimann=
ſchaft mit ihrem durchdachten Spielſyſtem die richtige zu ſein. Wenn
auch bei „Rot=Weiß” einige frühere Ligafrieler mitwirken, ſo fehlt doch
der Mannſchaft, gerade bei den neu eingeſtellten jüngeren Kräften,
noch das gegenſeitige Verſtändnis. Schnelleres Abſpiel, genaues
Zu=
ſpiel können dieſe Spieler nur durch Verpflichtung erſtklaſſiger Gegner
lernen. Doch wird dieſes Hindernis, wenigſtens bis zu den
Verbands=
ſpielen, behoben ſein, da die Fußball=Abteilung durch Zuwachs guter
Kräfte, welche allerdings noch keine Spielerlaubnis beſitzen, ſehr
ver=
ſtärkt wurde. Die Ordnungshüter werden vorausſichtlich in ſtärkſter
Aufſtellung antreten. Der Platz wird nach der Feſthalle zu abgeſperrt
werden; eine Maßnahme, zu der die Leitung des „Rot=Weiß” zweifellos
gezwungen iſt. Der Spielbeginn iſt auf halb 11 Uhr feſtgeſetzt.
Sportklub „Haſſia 1913‟ Dieburg.
In dieſem Jahre kann der Sp.C. „Haſſia 1913‟ Dieburg auf ein
15jähriges Beſtehen zurückblicken und iſt ſomit als einer der älteſten
Fußballvereine der Umgegend zu betrachten. Aus kleinen Anfängen
entſtanden, ſpielte er damals als ſogen. Verein. Trotzdem weiß die
Vereinschronik ſchon von damals von ſchönen Erfolgen zu berichten.
Während des Krieges ruhte der Sportbetrieb, wie faſt überall, faſt
voll=
ſtändig. Nach Kriegsende trat dann der Klub dem Süddeutſchen
Fuß=
ballverbande bei und abſolvierte im Jahre 1919 die erſten
Verbands=
ſpiele im Dreieſchaau. Im nächſten Jahre ſehen wir dann den Klub
als C=Meiſter im Speſſartgau, um ihn dann im darauffolgenden Jahre
1922/B als B=Meiſter beglückwünſchen zu können. Von da ab ſpielte
er in der A=Klaſſe des Gaues Bergſtraße und iſt dort jedes Jahr in
der Spitzengruppe der Tabelle zu finden, ohne jedoch infolge der
Aus=
geglichenheit der Gauvereine zu höheren Ehren kommen zu können. Bei
einem Anhalten der derzeitigen Spielſtärke darf man aber mit den
beſten Hoffnungen im die diesjährigen Verbandsſpiele eintreten. — Zur
Feier des 15jährigen Beſtehens wurden der 14. und 15. Juli d. J. in
Ausſicht genommen. Das ſportliche Programm ſieht folgende
Ginzel=
heiten vor: Am Samstag, 14. Juli, nachmittags, Fußballſpiel
Sport=
verein 1922 Roßdorf, B=Meiſter, gegen Haſſia 1913 1., verbunden mit
einem Stil=Werbelauf der hieſigen Turn= und Sporwereine durch
Die=
burg. — Am Sonntag, 15. Juli, Fußball=Werbeſpiele 2. Mannſchaft
gegen Sportverein 1913 König i. O. 1. 1. Mannſchaft gegen „Kickers”
Obertshauſen, A=Meiſter, Gau Offenbach, ſowie das Jubiläumsſpiel
Fußballſportverein Frankfurt a. M.—Sportverein, Mannheim=Waldhof
(verſtärkte Erſatzliga Mannſchaften). — Ferner ſind noch Jugend= und
Schülerſpiele vorgeſehen. — An geſellſchaftlichen Veranſtaltungen
ſollen ſtattfinden: Samstag, 14. Juli, abends Kommers im „Mainzer
Hof”, Sonntag, 15. Juli, abends, Ball im „Mainzer Hof”. — Wir
bitten die verehrlichen Brudervereine, ſich dieſe beiden Tage
vorzumer=
ken, zumal auch in ſportlicher Hinſicht ſicher Vorzügliches geboten
wer=
den wird. Weitere Einzelheiten werden noch ergehen.
*Kreisliga Südheſſen.
Die Fußballſpiele der ſüdheſſiſchen Kreisligabereine nehmen
durch=
ſchnittlich allgemein einen normalen Verlauf. Auch der letzte Sonntag
brachte in dieſer Hinſicht keine Senſation, müßte man ſchon die 3:1=
Nie=
derlage von Olympia Lorſch gegen F.C. Langen als ſolche bezeichnen.
Es war dies das einzige Aufſtiegſpiel in Heſſen, konnte jedoch nicht
ſonderlich überzeugen, da die Leiſtungen beider Mannſchaften ziemlich
mäßig waren. Die Lorſcher ſind von ihrer ehemals ſo überzeugenden
Form ſehr abgekommen; mit derartigen Leiſtungen wird uns der Meiſter
in der Kreisliga evtl. ſchlecht vertreten können. In Bürſtadt ſtanden ſich
zwei alte Rivalen gegenüber, und zwar war Olympig Lampertheim bei
V. f. R. Bürſtadt zu Gaſt. Zur Ehre beider Parteien ſei geſagt, daß
das Spiel ſtets im Rahmen des Erlaubten blieb, wie überhaupt der
ganze Kampf einen ſehr guten Eindruck machte. Lampertheim, als die
etwas beſſere Elf, konnte das Spiel dank vorzüglicher Stürmerleiſtungen
ſchließlich 2:1 für ſich entſcheiden. In Biblis waren Leute aus
Mann=
heim=Waldhof zu Gaſt und mußten ſich trotz ihrer vorzüglichen
Spiel=
weiſe letzten Endes 2:1 geſchlagen geben. Auch Olympia Worms konnte
einen glatten 3:0=Sieg über V. f. R. Dggersheim erzielen, während ſich
Normannia Pfiffligheim von Alemannia Worms (Liga Reſ.) 3:2
ſchla=
gen ließ. — Spiele ganz großen Formats ſteigem am Himmelfahrtstag
in unſerem Kreis. So ſpielt V. f. R. Bürſtadt gegen dem Meiſter der
Bezirksliga Wormatia Worms, und kann hier ſicher mit einem guten
Erfolg in jeder Hinſicht gerechnet werden. Die Wormſer Olympianer
fahren nach Frankenthal, um dort gegen F.V. Frankenthal das Rückſpiel
auszutragen. Das Vorſpiel endete unentſchieden, doch dürften die
Olympianer diesmal wohl ſicher nicht ſo glücklich ſein. Olympia
Lam=
pertheim trägt auf eigenem Platze das Rückſpiel gegen Plankſtadt aus
und dürfte evtl. einem kngppen Sieg erringen.
Deutſche Schwimm=Meiſterſchaften 1928.
Der Berliner Schwimm=Verein von 1878, der für die Durchführung
der Deutſchen Schwvimm=Meiſterſchaften 1928 verantwortlich zeichnet, hat
die Vorbereitungen für die Meiſterſchaften, die gleichzeitig mit der
50jährigen Jubiläumsfeier des veranſtaltenden Vereins verbunden
wer=
den, ſoweit gefördert, daß das Programm bereits fertiggeſtellt iſt. Zum
erſten Male werden ſich die Meiſterſchaften über drei Tage anſtelle von
nur zwei erſtrecken, und zwar vom 13. bis 15. Juli. Dadurch wird eine
Ueberfüllung der Konkurrenzen vermieden und die Aktiven ſind auch
nicht mehr im gleichen Maße beanſprucht wie bisher. Für die
Ver=
teilung der einzelnen Rennen waren beſondere Geſichtspunkte maß= 2 Gewinne zu je 2000 Mk. auf Nr. 32 150: 2 Gewinne zu 1000 Mark
geben. So wurden die Prüfungen, die für die Beſetzung der
Olympi=
ſchen Staffeln entſcheidend ſind, wie 200=Meter=Freiſtilſchwimmen für
Herren und 100=Meter=Freiſtil für Damen, auf den zweiten Tag
(14. Juli) gelegt. Die Vcrläufe zum 1500=Meter=Schwinzmen werden
geſondert vom Eadlauf einen Tag vorher ausgetragen. Die Sprung= gezogen: 80 Gewinne zu je 300 Mark und 260 Gewinne zu je 180 MT.
wettbewerbe ſind gleichmäßig auf alle drei Tage verteilt worden. Hier
ſind auch die D.T.=Schwimmer beteiligt, denn alle Wettbewerbe außer
denen für Vereine ohne Winterbad gelten als endgültige Entſcheidungen 15 996, 165 966; 10 Gewinne zu je 800 Mk. auf. Nr. 12 404, 33 514.
für die Zuſammenſtellunug der deutſchen Olympia=Vertretung bei den
Amſterdamer Schwvimm=Konkurrenzen. Der Umbau des Schwimm= 155 700, 21 452, N7138, 277 540, B4 142, 299 288, 357 250; ferner
beckens im Deutſchen Stadion, wo die Teutſchen Meiſterſchaften ent= wurden gezogen: 90 Gewinne zu je 300 Mark und 250 Gewinne zu je
ſchieden werden, iſt inzwiſchen vollendet.
Handball.
Die Vorentſcheidung um die Süddeutſche
Handball=Pokalmeiſierſchaft in Daxmſiadt auf
dem Stadion.
Wie der ſüddeutſche Verbandsſpielwart Herr Schiff mitteilt, iſt das
am letzten Sonntag in Mannheim trotz zweimaliger Verlängerung
un=
eutſchieden 5:5 ausgegangene Spiel um die Vorentſcheidung der
Süd=
deutſchen Handballpokalmeiſterſchaft zwiſchen Verein für
Raſen=
ſpiele Mannheim und dem Allgemeinen Sportverein
München auf kommenden Sonntag, den 20. Mai, nachm. 3½ Uhr,
nach Darmſtadt auf den Sportplatz des Sportvereins 1898 erneuk
ange=
ſetzt worden. Alles Nähere folgt.
Aus dem Main=Rheingau D. T.
Nachdem die Ausſcheidungskämpfe für das Deutſche Turnfeſt in
Köln innerhalb, des Kreiſes erledigt ſind, gilt es nochmals, alle
Wett=
kämpfer des Gaues zu einer gemeinſamen Uebungsſtunde, die gleichfalls
für das am 17. Juni in Büttelborn, ſtattfindende Gau=Männerturnen
grundlegend ſein wird, zuſammenzufaſſen. Die Uebungsſtunde findet im
Mittelpunkt des Gaues, und zwar in Darmſtadt am Sonntag, den 20.
Mai, vormittags 8½ Uhr, im Turnhauſe der Turngemeinde 1846
(Woogsplatz) ſtatt. Die Leitung unterliegt dem Gau=Oberturnwart
Hofferberth=Darmſtadt ſowie dem Gauwart für das
Männer=
turnen, Gg. Bauer=Rüſſelsheim. — Die Ausbildung der
Schiedsrich=
ter für das Handballſpiel findet ihre Fortſetzung in dem für Sonntag,
den 20. Mai, vormittags 9 Uhr, angeſetzten Lehrgang, der als
Tagungs=
ort das Turnhaus der Turngemeinde Beſſungen 1865 vorſieht.
Götz=Wanderung des Odenwaldturngaues.
Wie alljährlich, ſo veranſtaltete der Odenwaldgau auch dieſes Jahr
zu Ehren des großen Turnerführers Götz die übliche Götz=Wanderung,
die die Turner und Turnerinnen des Odenwaldes am letzten Sonntag
nach dem Krähberg führte. Leider litt die Wanderung ſehr unter der
ungünſtigen Witterung. Die Anmarſchwege nach dem Krähberg waren
ſehr ſchmierig, und keuchend und ſchwitzend kamen die verſchiedenen
Wandergruppen erſt um 1 Uhr mit größerer Verſpätung auf der Höhe
an. Aber wider Erwarten hatte ſich eine ſtattliche Zahl Jugendturner
und turnerinnen (annähernd 200) eingefunden, die von
Gauwander=
wart Steinbach recht herzlich begrüßt wurden. Bald entwickelte ſich da
oben auf grünem Raſen ein munteres Treiben. Spielbetrieb wurde
ge=
macht und gemeinſame Lieder geſungen. Neckſpiele für Buben und
Mädels, bei denen es manchen freiwilligen, aber auch unfreiwilligen
Purzelbaum gab, trugen zur fröhlichen Turnerſtimmung bei. Die
Aus=
tragung des Gauwimpels wurde der Verhältniſſe halber auf,den Herbſt
zur Schmuck=Gedächtniswanderung zurückgeſtellt. — Gegen Nachmittag
wurde das Wetter beſſer, die Sonne lachte auf einmal wieder über den
Wandern, und eine herrliche Ausſicht bot ſich dem Auge dar. Unten
im grünen Wieſental lag Kailbach=Schöllenbach und aus der Ferne
grüß=
ten die bewaldeten, dampfenden Höhen des hinteren Odenwaldes. — Alle
Teilnehmer waren der Meinung, daß es trotz des ungünſtigen Wetters
nach Turnerart wieder einmal ſchön war. Sie haben geſehen, daß es
auch ohne den gewöhnlichen Wirtshausrummel mit Tanzmuſik geht, daß
es ſchön, ja viel ſchöner ſein kann, wenn man ſchöne alte und neue
Lie=
der ſingt, alte liebe Volkstänze auf grünem Raſen tanzt und in
mun=
teren Spielen ſich Freude ſucht. Hoffentlich bricht ſich auch bei uns
deutſchen Turnern der Gedanke immer mehr Bahn, alle zur fröhlichen
Wanderung zu gewinnen und zu Ehren ihres alten Führers durch die
Frühlingswelt deutſcher Heimat zu ziehen.
Privilegierte Schützengeſellſchaft Darmſtadt.
Zu dem am Sonntag, 13. Mai, in Frankfurt a. M. auf den
Bürger=
lichen Schießſtänden ſtattgehabten Allgemeinen Deutſchen
Städtewettkampf für Kleinkaliber=Schießen, veranſtaltet durch
den Gau Groß=Frankfurt des Mitteldeutſchen
Kleinkaliberſchützenver=
bandes, hatte die Privilegierte Schützengeſellſchaft eine Kampfmannſchaft
entſandt. Dreißig Kampfmannſchaften aus allen Teilen Deutſchlands
nahmen an dem Schießen teil, und errang die Privilegierte
Schützen=
geſellſchaft Darmſtadt den fünfte Preis mit 1382 Ningen. Es
ſchoſſen: Herr Auguſt Gunſchmann 254, Karl Endres 238, Albert Boſch
230, Leo Raſt 227, Walther Storck 221 und Hermann Schönberger
212 Ringe. — Es iſt dieſe Leiſtung um ſo höher zu bewerten, als der
Geſellſchaft ihre Schießſtände durch die franzöſiſche Beſetzung nicht
zu=
gänglich ſind und die Mannſchaft auf den Ständen befreundster Vereine
üben mußte, was immer mit Schwierigkeiten verbunden iſt.
Darmſtadt bei dem 1. Allgemeinen Deutſchen Städtewettkampf in
Frank=
furt a. M. an 4. Stelle.
An dem vom Mitteldeutſchen Kleinkaliber=Schützenverband
erſt=
malig abgehaltenen Allgemeinen Deutſchen Städtewettkampf beteiligte
ſich auch der Schieß=Sportklub „Windmühle” mit ſeiner Mannſchaft und
konnte bei der äußerſt ſtarken. Beteiligung (26 Mannſchaften) den
4. Platz belegen. Um ſo höher iſt der Erfolg zu werten, als es ſtatthaft
war, Mannſchaften zuſammenzuſtellen aus Verbänden, Gauen und
Städten, wovon auch zum größten Teil Gebrauch gemacht wurde.
6 Schützen bildeten eine Mannſchaft und hatte ein jeder 30 Schuß
ſtehend freihändig auf 10er Ringſcheibe und 50 Meter Entfernung
abzu=
geben, und erzielte die Mannſchaft das Geſamtreſultat von 1398 Ringen.
Auch wurden die Höchſtleiſtungen der einzelnen Schützen mit
wunder=
baren Ehrenpreiſen bedacht, und konnte auch hierbei Schütze Preſtel
von den 156 Schützen, die angetreten waren, den 4. Preis erringen
Re=
ſultat: B4 Ringe. Gräf 13. Preis 249 Ringe, Schneider 14. Preis
249 Ringe.
Geſchäftliches.
2000 Kilometer durch Deutſchland.
Am Freitag, den 4. Mai 1928, nachmittags 4 Uhr, ſtartete von
Berlin eine Naſh=Karawane, die aus 10 Wagen beſtand, zu einer
Fahrt 200 Kilometer durch Deutſchland. Die Tour, die von Berlin
über Leipzig, Erfurt, Gotha, Eiſenach, Fulda, Frankfurt a. M., Mainz,
Wiesbaden, Mannheim und Speher ging, war von ſo großem Erfolg
begleitet, daß ihre Fahrzeit bis zum 26. Mai 1928 verlängert wurde
und ihre weitere Route nummehr über Darmſtadt, Würzburg,
Nürn=
berg, Bamberg, Bayreuth, Kulmbach, Hof (Bayern), Reichenbach
i. V., Chemnitz, Halle, Hannover, Braunſchweig, Magdeburg geht, um
am 26. Mai 198 in Berlin einzutreffen. Ueberall, fanden die
pracht=
vollen Naſh=Wagen mit ihrer raſſigen Linienführung und ihrer enormen
Leiſtungsfähigkeit die Bewunderung des Publikums, das ſpontanen
Beifall ſpendete. Sichenlich iſt dieſes ein hervorragendes Zeugnis von
der ragenden Qukalität der Naſh=Wagen, die ſich mit Recht: „Naſh—
die führende Weltmarke” nennen dürſen.
Unſerer heutigen Geſamtauflage liegt ein Flugblatt der
Deutſchen Volkspartei bei, worauf wir unſere Leſer an dieſer
Stelle aufmerkſom machen.
8574
3 1. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotierie.
Erſter Tag der 2. Klaffe. In der Vormittags=Ziehung
vom 15. Mai fielen: 2 Gewinne zu je 5000 Mark auf Nr. 123 659;
auf Nr. 181 179; 14 Gewinne zu 800 Mk. auf. Nr. 11116, 31 254,
89 B2, 24 122, 260 261, 264 383, 347 B6; 26 Gewinne zu 500 Mark
auf Nr. 2463, 82 059, 959B, 130 8R7, 155 609, 179 422, B5 947,
R3 172, R6 119, B88330, 317 597, 330 031, 344 401; ferner wurden
— In der Nachmittagsziehung vom 15. Mai fielen: 2 Gewinne
zu je 5000 Mk. auf Nr. 261 351; 4 Gewinne zu je 1000 Mk. auf Nr.
73 575, 1B8 253, 292 308; 16 Gewinne zu je 500 Mk. auf. Nr. 79 164,
180 Mark. — (Ohne Gewähr.)
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 17. Mai. 8: Kaſſel: Morgenfeier, veranſtaltet
von der Evangeliſchen Landeskirche in Heſſen=Kaſſel. Mitw.: Dela
Reuffurth (Violine), Friedrich Schröder (Geſang), Organiſt G. Claus,
Poſaunenchor der Chriſtuskirche. o 11.30: Gartenbaudirektor Stier:
Gartenkunſt=Geſtaltung. O 13.30; Kaſſel: Konzert. Mitw.: Suſanne
Rathie (Alt). Leitung: Kapellm. Bodart. o 15.30: Suſanne Horn=
Darmſtadt ſingt Lieder. Am Kaimkantator: E. Kohlhöfer. O 16.30:
Funkorcheſter: Operetten. 17.45: Aus den Novellen von Nicolai
Gogol O 18.15: Vereinsnachrichten, Mitteilungen. O 18.30: Kaſſel:
Garten=Ing. K. Hinze: Blumen am Fenſter. 8 18.45:
Rezitations=
ſtunde: Käte Graber=Berlin. o 19.15: Direktor O. E. Sutter:
Die Nationalverſammlung in der Frankfurter Paulskirche. 2 20 15:
Sport=Dichtung. Sport, ein kultureller Entwicklungsvorwand (
Vor=
trag). — Rez.: Martial: An den Wagenlenker Scorpus. — Zehnte
Olympiſche Hymne des Pindar. — Kaul: Die Geſchichte eines
Voll=
hlutpferdes. — Karſt: Die Weltmeiſter (Gene Tunney und Jack
Dempſen). — Nürnberg: Die Siegesfahrt des Automajors Segrave.
— Küpper: 327 Stundenkilometer: Der fliegende Fiſch. — Simon:
Der Erſatzmann (Fußball=Groteske). — Küpper: Suzanne Lenglen.
— He, he, the Fron=Man! (Von der „Literariſchen Welt”,
preis=
gekröntes Gedicht auf den amerikaniſchen Sechstagechampion Mac
Namara.) Vortragender: Hannes Küpper. O 21.15: Kaſſel: „Im
Wald und auf der Heide” Anläßlich der „Grünen Waiwoche‟
Weber: Ouv. „Der Freiſchütz”. — Graener: Fünf Lieder nach
Ge=
dichten von Hermann Löns. — Niemann: Ein deutſches Waldidyll.
— Haarhaus: Die Kronhirſchſtangen, aus Blattſchüſſe‟ — Sibelius:
Ouv. „Die Jagd‟. — Deutſches Jägerleben, eine Jagdphantaſie.
— Volkslieder: „Jägers Morgenſtändchen: Frühlingswanderung;
Sankt Hubertus. — Handn: Auf dem Anſtand. — Brahms: Der
Ueberläufer. — Schubert: Der Alvenjäger. — Mendelsſohn=
Bar=
tholdy: Jagdlied. — Marſchner: Kurioſe Geſchichte. — Sibelius:
Marſch der finniſchen Jäger. Mitw.: Funkorcheſter, Funkchor, Dela
E. Gotthelft (Alt), Rudolf Buchner (Bariton). — Anſchl.: Kaſſel:
Spätkonzert.
Donzerstag 17. Mai. 11.15: Freihurg: Katholiſche
Morgen=
feier. Anſchi.: Schloßplatz Stuttgart: Promenadekonzert. Anſchl.:
Schallvlattenkonzert. O 15: Alice Fliegel lieſt eigene Dichtungen.
Am Flüge:: Seufiert. — Anſchl.: Im Volkston. Leit.: Struve.
Mitw.: Lieſel Olmesdahl. Baudiſiel, Mönch, Funkorch. Fetras:
Wandervogeimarſch. — Gberle: Paraphrafe über Ein Vöglein ſang
im Lindenbaum. — Laſſen: Feſtouvertüre — Und der Hans ſchleicht
ich läuten. — Mickenſchreiber: Frühlingsſehnen. — Schumann: Im
wunderſchönen Monat Mai. — Maria auf dem Berge. — Heinrich:
Die Spitzenklöpplerin. — Wenniger: Paraphraſe über das
Wolga=
lied. — Mädele, guck raus, ſchwäbiſch. — Smetak: Aus
ver=
gangenen Zeiten. — Der Lindenbaum — Abendlied. — Mönch:
Unter dem Dreizackſtern, Ma ſch. o 18.15: Sofie Tſchorn: Zum
80. Geburtstag von Toni Schumacher. 18.45: A. Dobsky:
Himmelfahrt und das Problem der chriſtlichen Kunſt. 19.30:
Lautenabend Ernſt Duis. Es flattern die grünen Standarten.
20.30: Wiener Abend Leit.: Köſtlin. Mitw.: Mila Kopp,
Elſa Pfeiffer, Brandt. Resni a G., Hanus, Höger, Funkorch.
Muſik und Lieder von Mozart, Lanner, Strauß. Schubert.
Wein=
zirl. Suppe Eysler, Verſe und Proſa von Raymund, Neſtroy,
Saphir Grillparzer, Anzengruber Altenberg, Polgar, Friedell.
„Frührere Verhältniſſe”, Poſſe in einem Akt von Neſtroy. Muſik
von Kahn. Perſ.: Herr von Scheitermann, Holzhändler; Joſephine,
ſeine Frau; Anton Muffl. Hausknecht: Peppi Amſel Köchin. Ort der
Handlung: Eine große Stadt. — Anſchl.: Nachrichten.
Berlin.
Donnerstag 17. Mai. 9: Morgenfeier. Setz” dich zu meiner
Rechten! A. Preuß und St. Marien=Frauenchor. Othmar Wolky
(Bariton). Max Kehrig=Korn (Rezit.) Anſprache des Pfarrers
Siebert, Berlin=Neukölln. o 11.30: Feiertags=Konzert. ausgeführt
von dem Neuen Tonkünſtler=Orch. Leit.: Kapellm. Schulze=
Witten=
berg. Lindemann: Mailiedermarſch. — Suppe: Ouv. Die Frau
Meiſterin. — Roſenkranz: Ein Immortellenkranz auf das Grab
Lortzings. Fant. — Hildach: Lenz, Lied für Tromba ſolo —
Strauß: Dorfſchwalben aus Oeſterreich. — Conradi: Offenbachiana.
— Translateur: Was Blumen träumen, Walzer=Intermezzo. —
Seifert: Kärntner Liedermarſch. a 15: Forſchungsreiſender Dr.
Berger: Afrikaniſche Völkerwanderungen. o 17: Teemuſik der
Kapelle Ilia Livſchakoff o 19: W. Bonwitt: Hunderennen.
0 19.25: Wulf Bley: Aus den Wachstumsjahren der Fliegerei.
19.55: Miniſterialrat Dr. Kaiſenberg: Wahlrecht iſt Wahlpflicht!
Betrachtungen zum Wahltag am 20. Mai. O 20.30: Orcheſter=
Konzert. Mitw: Berliner Funkorch. Dir.: Seidler=Winkler: A.
Kirchner (Tenor), Gretry: Ouv. Ländliche Prüfung. — Gluck:
Arie aus Iphigenie auf Tauris. Suite Paris und Helena
Mozart: Ouv. Coſi fan tutte. Arie Der Odem der Liebe. Marſch
Cdur. — Roſſini: Ouv. Wilhelm Tell. — Ponchielli: Arie aus
Gioconda. Ballett aus Gioconda. — Puccini: Arie aus Das
Mädchen aus dem goldenen Weſten. — Mascagni: William Rateliff.
Intermezzo. — Nedbal: Kavalier=Walzer. — Anſchl.:
Tages=
nachrichten 8. 2.
): Tanzmi
Deutſche Welle. Donnerstag, 17. Mai. 9: Berli: Morgenfeiet.
Anſchl.: Glockengeläut vom Dom. o 11.30: Feiertagskonzert,
ausgef. von dem neuen Tonkünſtler=Orch. Leit.: Kapellm. Schulze=
Wittenberg. 15: Forſchungsreiſender Dr. Berger: Afrikaniſche
Völkerwanderungen, o 17: Teemuſik der Kapelle Ilia Lwpſchakof
19: Hamburg: Mit dem Mikrophon um Hamburg herum. 0 22.
Bunter Abend. — Anſchl.: Preſſenachr. 0 22.30: Tanzmuſi
aus Berlin.
Wetterbericht.
Die geſtern im Norden und Süden lagernden Tiefdruchwirbel habe.
ſich zu einer Depreſſion vereinigt, deren Kern heute morgen über Nork
deutſchland lag, und vielenorts Niederſchläge gebracht. Die an der Rüd
ſeite des Tiefs vordringenden ozeaniſchen halten Luftmaſſen werdel
morgen den Witterungscharakter noch unfreundlich geſtalten und ver
einzelt Schauerregen auftreten laſſen.
Witterungsausſichten für Donnerstag, den 17. Mai 1928.
Meiſt wolkig, Serhältmismäßig kühl, vereinzelt Schauerregen, w
licha bis nordweſtliche Winde.
Witterungsausſichten für Freitag, den 18. Mai 1928.
Wolkig mit zeitweiſer Aufheiterung, Temperaturen wenig veränd
noch vereinzelt leichte Niederſchläge.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:
Ort: Wetter. Temp.in C0 Wind: Mee
ſchlag
in mm Ffte
decke
in em Gießen: Regen „O. lachen: Regen SWs Hamburg: wolkig SSO Berlin: wolkig ſtill München: wolkig SWg Königsberg: Regen ONO, Breslau: wolkig WNW.
Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen:
Feldberg: Schnee (Taunus)Waſſerkuppe: wolkig SW Feldberg: Nebel WSH (Schwarzw.)
Zugſpitze: Schnee Kahler Aſten: wolkig „. Fichtelberg: wolkig WVSIV. Schneekoppe: Nebel WSW. [ ← ][ ][ → ]
Nummer 137
Donnerstag, den 17. Mai 1928
Geite 14
die Oxaustiagerin.
14,
Roman von Ferdinand Gradl.
(Nachdruck verboten)
Sie erzählte ſachlich, warum Bäſecke den Flug jetzt nicht
unternehme. Aber es ſei wohl möglich, daß in einigen Monaten
die Unzulänglichkeit der Maſchine behoben ſei.
„Solange kann ich nicht warten”, entgegnete er heftig. „Und
überhaupt iſt es mir lieber ſo. Endlich einmal muß ich mich vom
Gängelband dieſes ſekkanten Jäniſch losmachen.”
„Ach, Carry ... ich habe ſo Angſt um dich”, flüſterte ſie.
Aber er wollte keine Beſorgniſſe gelten laſſen. Amerika ſei
fein Feld. Hier erſticke er im kleinlichen Krämergeiſt. Und als
könne er es gar nicht mehr erwarten, aus der europäiſchen Enge
herauszukommen, ſah er nach der Uhr, und es war richtig Zeit,
zum Zug nach Büſum zu gehen. Vika wollte ihm einen Imbiß
aufnötigen. Aber er ſah am Werktiſch ein Stück ſchwarzes Brot
mit Speck liegen und fühlte kein Verlangen nach ſo derben
Ge=
nüſſen. Vika wollte ihn zum Bahnhof fahren. Aber er lehnte ab.
In die Arbeit geht man zu Fuß”, ſagte er mit forcierter
Luſtigkeit. In Wahrheit beſorgte er, mit ſeinem eleganten
Reiſe=
dreß in einer wackeligen Bauernkutſche einen lächerlichen Eindruck
zu machen.
So tauſchten ſie einen Abſchiedskuß und er ging.
An die Hofplanke angelehnt, blickte ihm Vika nach, ſah ihn
im Dunkeln verſchwinden ſah ihn mit hellſeheriſcher Schärfe
über’s Meer fahren, dort an der Arbeit verſagen, an der erſten
Lebensklippe ſcheitern, ſah ihn verſinken in Not und Armut, ſah
ihn verkommen in Elend und Schande. Und mit einmal ſtand in
ihrer Seele wie eine eherne Säule der Gedanke feſt:
„Ich muß ihn retten! Und nicht nur ihn . . . uns alle, den
Vater, Haus und Hof und alles!“
Und als ſie dieſen Gedanken gefaßt, da war ihr, als ſei alle
Erdenſchwere von ihr abgefallen, als folgten ihre Glieder nur
mehr dieſem geheimen Befehl, ohne daß ſie etwas dafür oder
da=
gegen tun könne.
Sie lief in die Küche. Sigbrit hockte vor dem offenen Herd
und ſtarrte in das Feuer. Mit ihrem eisgrauen Haar ſah ſie wie
eine irrſinnige Drude aus.
„Schau, Vika, da iſt der Grabſtein” kicherte ſie, mit dem
Schürhaken auf einen Stein an der Feuerſtelle ſchlagend, „den
reißen wir dann heraus, aber erſt zerhack ich den Drachen.”
„Ein Käufer war da” ſagte Vika ohne nachzudenken, und
ſtaunte, woher ihr die Ausflucht kam. Als ob eine andere aus ihr
reden würde. „Er will das Flugzeug kaufen.”
„Der Herrgott ſei gelobt und geprieſen”, rief die Alte, die
Hände zuſammenſchlagend. „Was will er zahlen? Langt’s auf
die Hypothek?”
„Es langt” entgegnete Vika. „Er iſt aus Hannover. Morgen
früh ſoll ich’s ihm dort übergeben. Ich flieg gleich hin. Du ſagſt
zu niemanden ein Wort. Hörſt du, Sigbrit?”
„Iwo werd’ ich denn”, verwahrte ſich die Alte.
„Niemand braucht’s zu wiſſen, daß das Flugzeug nicht mehr
in der Diele iſt.”
Die Alte war mit einem Male ganz Geſchäftigkeit. Der Drach
kam aus dem Hauſe. Das Glück! Der Segen! Vika ließ ein
Dutzend Eier hart ſieden, eine geſelchte Bauernwurſt, Brot und
Butter aus dem Speicher holen. Das wollte ſie als Wegzehrung
mitnehmen.
Die Alte humpelte eifrig ab.
Vika ging in ihr Stübchen, zog ihre Mädchenkleider aus, legte
ihr ledernes Fliegerkleid an. Dabei verſuchte ſie zu überlegen.
Aber ihre aufgeregten Nerven duldeten kein ruhiges Nachdenken.
Wirre, kaum zuſammenhängende Bilder jagten durch ihre Seele.
Bald ſah ſie den Vater und Bäſecke bei dem Berliner Kapitaliſten.
Der Geldmann machte Schwierigkeiten, es folgte ein endloſes
Verhandeln und Zögern, hier und da eine kleine Zahlung, die
verſchwand wie ein Waſſertropfen auf glühender Herdplatte,
dann ſah ſie wieder den Gerichtsvollzieher auf dem Willumshof
eintreten, alles weggepfändet und Vater und Sigbrit bettelarm
in die Fremde wandern, gleich darauf erſchien ihr Carry,
herunter=
gekommen, vernachläſſigt, bald ſah ſie ihn unter einem ſchweren
Gepäckſtück zuſammenbrechen, bald in einer Verbrecherſpelunke,
bald in Polizeigewahrſam . . . und dieſer ganze Schreckſpuk
zer=
ſtob mit einem Schlage vor dem klaren, feſten Entſchluß:
„Ich fliege nach Amerika!”
Es ſchien ihr ſo einfach, daß ſie gar nicht begriff, wieſo ihr
der Gedanke nicht früher gekommen war. Da ſtritten ſich Vater
und Bäſecke ſtundenlang um 30 Kilo Benzin herum, und ſie war
genau 30 Kilo leichter als Bäſecke. Sie konnte genau 30 Kilo
Benzin mehr mitnehmen als der dicke Berliner. Mit dem
Flug=
zeug wußte ſie genau ſo Beſcheid wie Vater und Bäſecke. Sie
hatte ſein Werden geſehen, ſtundenlang in der unfertigen Maſchine
geſeſſen und mit den Hebeln geſpielt. Daß ſie den Weg verfehlen
könnte, fiel ihr gar nicht ein. Was war das für ein großes
Kunſtſtück? Immer nach Weſten! Immer der ſtrahlenden Sonne
nach. Und daß ſie die Anſtrengung nicht aushalten würde und
am Lenkrad einſchlafen könnte? Sie mit ihrer Jugendkraft? Mit
ihren geſunden Nerven? Ah bal Lindberg iſt 35 Stunden
ge=
flogen! Wie oft hatte ſie ſchon 35 Stunden nicht geſchlafen! Zum
Beiſpiel am Geburtstag ihrer Schülerin, der ſie engliſchen
Unter=
richt gab. Da war ſie früh um ſechs aufgeſtanden, hatte gerudert,
hann in die Schule, dann zum Geburtstagsfeſt, dann die ganze
Nacht durchgetanzt, umgekleidet und ſofort wieder in die Schule
und war erſt um 10. 1hr abends in’s Bett gekommen.
Das waren 40 tunden geweſen. Und friſch und kregelt hat
ſie ſich gefühlt, wie ein Fiſch im Waſſer.
Da kam auch ſchon Sigbrit mit Wurſt und Brot herbei.
„Jetzt das Benzin, Sigbrit” ſagte das Mädchen. „Es wird
ein hartes Stück Arbeit werden.”
Seid nur mehr eine Kuh am Willumshof gehalten wurde,
wurde die Milch im Speicher aufbewahrt. Der ganze Milchkeller
war voller Benzinbarrels.
„Sorg nicht, Töchterchen,” kicherte die Alte „wenn’s gilt, den
Drachen vom Hofe zu jagen, halten’s meine alten Beine aus.”
Sie brachte Kanne auf Kanne, und Vika goß das Benzin in
die Reſervoire. Gegen Mitternacht waren ſie fertig. Vika legte um
die Achsſtücke der Laufräder eine Kette und ſpannte die beiden
Wallachen vor. Sigbrit kutſchierte. Der Drachen verließ den
Willumshof.
Auf freiem Feld ſpannte Vika die Gäule aus, ſchlug ein
Kreuz und beſtieg das Flugzeug.
„Bete für mich ein Vaterunſer, Sigbrit,” rief ſie aus der
Führerkabine.
„Tag und Nacht werde ich beten, mein Töchterchen”,
entgeg=
nete die Alte.
Der Propeller begann zu ſurren. Wenige Minuten ſpäter
ſchraubte ſich das Flugzeug gegen den finſteren Nachthimmel.
Die Wolken ſtanden etwa 300 Meter hoch. Das Flugzeug
ſtrich längs der Wolkendecke. In der Tiefe brüllte wie ein
un=
geheures Raubtier die Nordſee.
Das gleichmäßige Surren des Propellers beruhigte Vika.
Die praktiſche Einrichtung der Fliegerkabine erfüllte ſie mit
Zu=
verſicht. Sie hatte vor ſich den kardaniſch aufgehängten
Fluid=
kompaß, daneben hing die Tabelle über die vorzuhaltenden Grade
bei Seitenwind, unter der Buſſole, gut ſichtbar, auf einem
dreh=
baren Tiſch die Karte der Nordſee, auf der der fürſorgliche
Ober=
lehrer die Flugrichtung mit einem dicken, roten Strich
eingezeich=
net hatte. Vika war es, als höre ſie die Stimme des Vatersy
„Immer Weſt zum Süd! Einen Strich unter Weſt kommt
man vom Willumshof direkt nach New York.”
Wie oft hatte er ihr das im Scherz geſagt, und nun flog ſie
im vollen Ernſt hin. Wenige Minuten nach dem Abflug ſah ſie
direkt unter ſich das Leuchtfeuer des Eiderſchiffes und auf der
Karte führte der rote Strich genau über die Signatur des
Eider=
ſchiffes. So hatte ſie unwillkürlich die Richtung getroffen, und
Bäſecke hatte recht mit ſeinem: „Det Mächen hat’n Inſtinki
wie’n Zugvogel.”
Sie wurde immer froher, immer ſorgloſer.
(Fortſetzung folgt.)
ANe
*
1I
Z
AA
Te Migte n
Persit
Das ist der richtige Helfer!
Einsti m m
8
klingt das Lob aller, die es kennen. Mlit
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V.1056
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Waſch=
bütten und Fäſſern. Nur Handarbeit.
Mehrfach prämiſert.
Fachm. Weinbehandlung, geſfützt auf langjähr.
Erfahrungen.
Küferei J. Schanz
Teichhausſtr. 40 • Telephon 2923
Aelteſtes Spezialgeſchäft am Platze. (6569a
Nummer 137
Donnerstag, den 17. Mai
blatte
Frankfurter Effeitenbörſe.
Frankfurt a. M., 16. Mai.
An der heutigen Börſe ließ der Kursdruck merklich nach, und nach
den geſtrigen Abſchlägen zeigte ſich etwas Deckungsbegehr. Die
Speku=
lation ſchritt verſchiedentlich zu Rückkäufen, die aber ſelten größeres
Ausmaß annahmen. Die Nachricht, daß im Befinden des
Reichsaußen=
miniſters eine Beſſerung eingetreten ſein ſoll, brachte der Börſe eine
gewiſſe Beruhigung. Andererſeits veranlaßte die morgige
Unter=
brechung des Geſchäftes durch den Feiertag ſtärkere Zurückhaltung.
Unangenehm fühlbar machte es ſich, daß ſeitens des Auslandes die
Kaufluſt erheblich nachgelaſſen hat. Da auch das pribate Publikum
ſich abwartend verhielt, war die Umſatztätigkeit im allgemeinen nicht
groß. Bei der erſten Notierung wurde die Kursentwicklung
uneinheit=
lich. Die Abweichungen gegenüber der geſtrigen Abendbörſe waren
meiſt gering. Am Chemiemarkt lagen J. G. Farben 1 Prozent feſter,
Scheideanſtalt mit plus 3 Prozent ſtärker erholt. Von Elektrowerten
waren Gesfürel mit minus 21 Prozent und Bergmann mit minus
Prozent eher angeboten, AEG., Schuckert und Siemens konnten ſich
dagegen leicht erholen. Lebhaftes Intereſſe machte ſich für Reichsbank
geltend, die ſchließlich 9 Prozent gewannen. Danatbank zogen 2½
Prozent an. Montanwerte lagen ſtill und meiſt nur wenig verändert.
Phönix 1½ gebeſſert, Buderus aber minus 1 Prozent. Von den
Zell=
ſtoffwerten gaben Aſchaffenburger 2 Prozent und Waldhof 1 Prozent
nach. Karſtadt konnten ihre Kursſteigerung um 1½ Prozent fortſetzen.
Ablöſungsſchuld blieben knapp behauptet, Schutzgebiete waren etwas
ſchwächer. Von Auslandsrenten gaben Türken etwas nach. Im
Frei=
verkehr nannte man American Bemberg 105—152, Victor Talking 98
bis 99 Dollar. Für Rumänen erhielt ſich das Intereſſe. Im
Ver=
laufe konnte ſich die Stimmung weiter etwas beſſern.
Der Geldmarkt war etwas leichter. Tägl. Geld 6½ Prozent.
Deviſen waren weiter angeboten. Mark gegen Dollar 4,1784, gegen
Pfunde 20,/403. London=Kabel 4,8820, Paris 124,02, Mailand 92,60,
Madrid 29,12, Holland 12,093
Wegen der ungeklärten Frage einer eventuellen Veränderung der
New Yorker Diskontrate neigte man zur größten Zurückhaltung, Kurſe
konnten ſich nicht ganz bebaupten und zeigten nochmals Rückgänge von
½—1½ Prozent. Harpener minus 1½. Die Farbenaktien waren ſehr
gut behauptet. Feſter lagen Nordd. Llcyd, um ³, Wayß u. Freytag
auf die Termineinführung 4 Prozent. Anleihen gleichfalls ſehr ruhig
und abgeſchwächt. Neubeſitzanleihe auf 19,20, Schutzgebiete auf 9,20
zurückgegangen. Auch die Nachbörſe ſchloß außerordentlich ruhig, doch
ſehr gut behauptet.
Im einzelnen nannte man: Commerzbank 182,75, Deutſche 166,
Metallbank 142,5, Gelſenkirchen 140, Hartener 170,5, Mannesmann 156,
Rheinbraun 302, Stahlverein 102, Hapag 163, AEG. 166,5, Licht und
Kraft 231,5, Farben 276,5, Gesfürel 297,5, Rütgers 97,5, S huckert 207,
Siemens 341, Wahß und Freytag 152, Waldhof 319,75.
Abenddeviſen: Im Abendeviſenverkehr lag die Reichsmark weiter
außerordentlich feſt. London=Paris 124,02, Mailand 92,65, Holland
12.096, Madrid 29,12, Zürich 25,32¾, New York 488,25. Pfunde—Mark
20,40, Dollar=Mark 4,1780.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 16. Mai.
Die Berliner Börſe begann in uneinheitlicher Tendenz. Das nach
den geſtrigen Kurserſchütterungen herausgekommene Angebot war ſehr Augsb.=Nürnb. Maſch /108.— 1105.125
gering. Andererſeits verhielten ſich aber auch die Käuferſchichten wegen
mangelnder Anregungen zurückhaltend. Die Spekulation nahm hier
und da Deckungskäufe vor, ſodaß ſich verſchiedene Kurſe leicht erholten,
doch mußten ſich andere Papiere noch mehrprozentige Abfchläge gefallen / Berl. Hand.=Geſ..
laſſen. Im ganzen war die Stimmung unſicher und das Geſchäft
un=
bedeutend. Am Montanmarkt wurden z. B. Harpener wegen
Intereſſe=
loſigkeit bei der erſten Kursfeſtſtellung nicht notiert. Die Erkrankung
Dr. Streſemanns bildete immer noch den Gegenſtand von Beſorgniſſen, Diskontogeſ.
ebenſo ſtimmte die am Geldmarkt ſeit geſtern eingetretene Verknappung
abwartend. Tagesgeld 6—7½ Prozent, für erſte Firmen 5½—6½.
Monatsgeld 7½—8½. Warenwechſel mit Bankgiro 634—7 Prozent. Deutſche Vetroleum,
Am Deviſenmarkt ſchwächte ſich das engl. Pfund gegen New York auf
4,8822½ gegen Berlin auf 20,4012 ab. Die Marktdeviſe lag gegen
New York mit 4,1781 feſt. London=Brüſſel angeboten 34,975, Alle 1 J. G. Farben...
übrigen Valuten wurden zu kaum veränderten Kurſen genannt.
Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe hielt die Unſicherheit an. Die
zu=
nächſt befeſtigten Werte konnten ihre Gewinne nicht voll behaupten.
Im weiteren Verlauf nahm die Spekulation in Spezialwerten
Rück=
käufe vor, die mehrfach zu anſehnlichen Kurserhöhungen um 3—7 Proz. Harpner.
führten. Vereinzelt traten kräftige Kursſteigerungen im Zuſammenhang
mit Intereſſenkäufen ein. Aus ſolchem Anlaß ſtieg u. a. der Kurs für
Schleſ. Elektrizitäts= und Gas um faſt 10,5 Prozent. Die
Geſamt=
tendenz der Börſe wurde von den Sonderbewegungen günſtig
beein=
flußt und war in der zweiten Börſenſtunde wieder allgemein freundlich.
Die Kursgewinne kontten ſich aber bei Schluß des Verkehrs nicht
be=
haupten, weil bei Notierung der Kaſſekurſe Ware herauskam und auch
auf den Stand der Terminnotierungen drückte. Privatdiskont
unver=
dert 6¾ Prozent für beide Sichten.
An der Nachbörſe ſtagnierte das Geſchäft. Die Tendenz neigte
eher zur Schwäche, doch hielten ſich die Abſchläge in Grenzen von 1—2 Lslo.
Prozent. J. G. Farben; verloren gegenüber dem Schlußkurs ein
Prozent (276,5)., Rheiniſche Braunkohlen minus 2,5 (300). Zellſtoff
Waldhof minus 2 (318), Bergmann minus 1 (204,5), Polyphon gingen Buenos Ai
um 3 Prozent auf 438 zurück. An den Anleihemärkten wurde die
Schutzgebietsanleihe mit 9,35 Prozent angeboten.
Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von unſerem K=Korreſpondenten.
Paris, 15. Mai.
Das franzöſiſche Wirtſchaftsleben ſteht gegenwärtig im Zeichen
großer Aktivität. Die Flüſſigkeit auf dem Geldmarkt iſt außerordentlich
groß und der Zufluß ausländiſcher Kapitalien hält weiter an. Man
glaubt, daß die neu zur Herausgabe gelangende ſogenannte Punktions=
Anleihe, welche zugleich auch eine Konſclidierungsanleihe iſt, Erfolg
haben wird. Die dadurch entſtehende Verminderung des Notenumlaufs
wird durch den Zufluß ausländiſcher Deviſen jedenfalls kompenſiert.
Die weitere Beförderung von Goldmengen aus Amerika deutet auf das
Bevorſtehen der Stabiliſierung hin.
Die Lage gewiſſer Induſtriezweige hat ſich entſchieden gebeſſert.
Dies trifft vor allem für die Schwerinduſtrie und Maſchineninduſtrie
zu; ferner für die Textilinduſtrie. Auf dem Rohſtoffmarkt gibt es —
den ſenſationellen Preisſturz des Kautſchuks ausgenommen — nur
wenig Aenderungen.
Auf dem Kohlenmarkt verurſacht die ausländiſche Konkurrenz
weitere Sorgen. In der letzten Zeit importierte man ſehr große
Koh=
lenmengen, ſo daß dies an der franzöſiſchen Handelsbilanz ſchon
erheb=
lich zu merken war. Der Preis des importierten Brennſtoffmaterials
ſoll ſich für 1927 auf 190 Millionen Goldfranken belaufen. Ohne
Kon=
kurrenz dieſes Imports könnte der franzöſiſche Markt die geſamte
in=
ländiſche Produktion aufnehmen. Man rechnet damit, daß es dem
Zen=
tralkomitee der Kohlenbergwerksbeſitzer gelingen wird, bei der
Regie=
rung Schutzzollmaßnahmen zu erzielen. Zu einer internationalen
Eini=
gung iſt wenig Ausſicht vorhanden. Die engliſchen und polniſchen
Pro=
duzenten führen einen erbitterten Kampf um den Markt. Das einzige,
was man auf dieſem Gebiet erreicht hat, iſt ein Abkommen zwiſchen
dem Zentralkomitee und dem Importſyndikat betreffs der Briketts.
Trotz alledem iſt die Lage des franzöſiſchen Kohlenbergbaues nicht
be=
unruhigend. Man arbeitet zwar nur fünf Tage, abe= der Aufſchwung
der Shwerinduſtrie ſowie der chemiſchen Induſtrie ſichert einen
ſtändi=
gen, wenn auch zur Zeit noch ungenügenden Abſatz. Die
Geſamtpro=
duktion ging in den letzten Monaten etwas zurück. Die Kohlenwerte
lagen feſt.
Auf dem Eiſen= und Stahlmarkt herrſcht durchweg reger
Betrieb. Die Betriebe ſollen für ein halbes Jahr mit Beſtellungen
reichlich verſehen ſein. Die Käufe treten regelmäßig auf und die Lage
iſt keineswegs ſpekulativer Natur, wie früher. Die Preiſe, den
engli=
ſchen Preiserhöhungen folgend, ſind bedeutend geſtiegen und zeigen
weiter feſte Tendenzen. Der größte Teil des Abſatzes wird durch den
Innenmarkt aufgenommen, aber auch der Export iſt befriedigend. Die
Produktion des Jahres 1928 verſpricht eine Rekordproduktion zu
wer=
den. Sie iſt bedeutend höher als die Produktkion des Vorjahres, ja
ſo=
gar höher als die durchſchnittliche Tagesproduktion von 1926, die
be=
kanntlich ſehr hoch war. Man nimmt an, daß die franzöſiſche
Produk=
tion die vom Stahlkartell feſtgeſtellte Qucte überſchreiten wird. Eine
günſtige Wirkung haben auf die franzöſiſche Schwerinduſtrie die
neuer=
dings zwiſchen den großen Unternehmungen geſchloſſenen Abkommen
betreffs der Fertig= und Halbtrodukte ausgeübt. Auch haben dieſe
Fir=
men eine förmliche Arbeits= und Auftragsverteilung unter ſich
einge=
führt. Man plant noch weitere internationale Vereinbarungen. Die
Schwerinduſtriewerte haben eine ſtarke Hauſſe durchgemacht.
Der Metallmarkt lag ſchwach. Auch in London herrſcht
Ruhe, oder richtiger, Geſchäftsloſigkeit, wie ſeit langem nicht. Der New
Yorker Markt iſt ebenfalls gedrückt, was beſonders auf die Kupferpreiſe
nachhaltig und drückend wirkt. Die Kupferpreiſe wurden vor kurzem in
Amerika herabgeſetzt. — Der Bleimarkt iſt noch relativ feſt.
Da=
gegen iſt der des Zinns relativ ſehr ſchwach. Die Zinnpreiſe ſind ſeit
ungefähr einem Jahre um 25 Prozent geſunken.
Der Kaliverbrauch iſt im Steigen begriffen. Man glaubt,
daß die Pottaſchenproduktion in Frankreich bald große Fortſchritte
er=
fahren wird. Der Phosphatmarkt iſt ruhig. Die Kaliwerte und auch
die meiſten Phosphatenwerte lagen ſchwach.
Das Fallenlaſſen des Stevenſonplanes für den 1. November rief
auf dem Kautſchukmarkte eine richtige Panik hervor, da dieſes
Fallen=
laſſen des Planes das baldige Aufhören der Produktionseinſchränkung
zur Folge haben wird. Der Stevenſonplan beſtand ſechs Jahre lang
und die Nachricht von ſeiner Aufgabe kam ziemlich unerwartet. Die
Kautſchukproduktion ſoll, wie man ſagt, in einem halben Jahre um 40
Prozent höher werden; eine Erhöhung, die jedoch kaum erfolgen wird,
da die Plantagen ſich auf die jetzigen Mengen eingeſtellt haben. Nach
hieſigen Berechnungen wird die Produktion aber im nächſten Jayre um
etwa 100 000 To. höher ſein als die diesjährige. Man darf dabei aber
nicht vergeſſen, daß die Vorräte bereits 200 000 To. betragen. Es iſt
wohl anzunehmen, daß der Verbrauch, angeregt durch die niedrigen
Preiſe, Fortſchritte machen wird und daß der Kautſchuk neue
Verwen=
dungsmöglichkeiten finden wird. Das alles geht jedoch ſehr langſam,
in keinem Falle kann der Verbrauch ſich ſo ſchnell entwickeln wie die
Produktion. Die Herſtellung des regenerierten Kautſchuks wird kaum
mehr lohnend ſein. Bei den jetzigen Kautſchukpreiſen beträgt der
Her=
ſtellungspreis des regenerierten Kautſchuks faſt ebenſoviel oder noch
mehr als der des natürlichen Kautſchuks. Die einzige vorteilhafte Löſung
für den Markt wäre ein Abkommen mit den holländiſchen Produzenten,
ob aber die diesbezüglichen Verhandlungen zum Ziele führen werden,
iſt ſehr fraglich. Hier beurteilt man die Lage immerhin optimiſtiſch.
Die Verhandlungen würden jedenfalls lange dauern, und ein Abbruch
der Konferenz gehört in das Bereich der Möglichkeiten. Die
Kautſchuk=
werte erfuhren — der Baiſfe der Rohſtoffe entſprechend — in relativ
kurzer. Zeit einen Preisſturz von mehr ils 50 Prozent.
Der Petroleummarkt war feſt. In Amerika ſoll nämlich
die Einſchränkungspolitik weitere Fortſchritte gemacht haben. Die
angloſächſiſchen Werte wurden deshalb feſter. Die rumäniſchen Werte
waren ebenfalls etwas feſter, da die Regierung dort jetzt beſtrebt iſt,
die übrigens ſchwierige Lage der Unternehmungen zu erleichtern. Ueber
die Mengen des auf den Markt gelangenden ruſſiſchen Petroleums
gehen die Meinungen noch immer weit auseinander.
A. E. G
Baſalt.
Bergmann.
Berl. Karlsruhe F1
Braunkohl.= Briketts
Bremer Wolle.
Danatbank. .
Deutſche Bank.
Dresdner Bank.
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl.
Dynamit Nobel ....
Elektr. Lieferung ...
Gelſenk. Berg. . . . . . 1138.
G. f. elektr. Untern..
Han. Maſch.=Egeſt..
Hanſa Dampfſch. . .
Hapag.
Hemoor Zement. . .
Helſingfors ..
Wien ....
Prag ..."
Budapeſt.
Sofia ...
Solland ..
Kopenhagen
Stockholm
London".
New=York
Belgien.
166. 16. 5.
167.125 Sirſch eupfer. 15. 5 Höſch Eiſen. 152.25 88.— 88.— Hohenlohe Werke 202.— 205.75 Kahla Porzellan. 118.— 68.75 69.5 Kali Aſchersleben 182.— Je70 — j275.625 Salzdefurth. 323.5 1326.5 178.25 178 25 Weſterregeln 194.25 Ja66 253.— Lindes Eismaſch. 184.— 1268.5 276.— 2. Loewe & Co. 12625 166.5 167.— Lingel Schuh. 58.75 162.75 164.— MannesmannRöl 154.,75 162.75 164.— Niederlauſitzer K 166.— 49.— 5o. Nordd. Lohyzd 159.5 H135.— 1137,5 Orenſtein. 67.— 68.— Polyphon 443.5 131.- 132.25 Rütgerswerke 98.— 1178.— 179.— Sachſenwerke. 133.5 1275.75 1278.— Siemens Glas 147 75 140.— Ver. Glanzſtoff 831. 1292.375 298.— Ver. Stahlwerke. 100.625 61.125 62.— Volkſtedter Porzellan 53.5 1217.25 217.— Wanderer Werke. 172. 1163.— 162.5 Wiſſner Metall. 154.— 9170.25 171.— Wittener Gußſtahl 231.— 231.5
16. 5.
130.— 131.25
153.—
95.—
116.—
182.—
195.—
182.—
265.—
156.5
159.—
159.5
127.— 1127.5
448.—
98.—
131.5
148.—
885.—
101.25
54.5
178.5
154—
715
Metallnotierungen.
Deviſenmarkt.
15 5. 16. 5. Geld Brief Geld /Brief 10.511 10.53 10.508 10.528 158.73 58,85 58.72 158.34 12.374 12.33 12.371h12.391 72.94 73.04 72.32/ 73 06 3.017 3.02: 3.019/ 3.025 168.59 168.9 168. 45/168.79 111.87 112.08 111.80 112.02 112.04 12.26 112.00 112-22 112.00 112 22 12.00 112.221 20.385 120.42: 20.379 20.419 1.795 1.7891 1.795/ 1.789 4.174 iſa. 1825 4.1740 4. 182 158.21 58.40 58.335 58.351 Italien.
Paris ...
Schweiz.
Spanien. ..
Danzig ......
Japan.. . . . . . ."
Rio de Janeiro
Jugoflavien,
Portugal .
Athen ...
Konſtantinopel
Kanada. ..
Uruguay.
I. 1. Reichs=,
Länder= und
Schutz=
gebietsanleihen
6% Dtſche
Reichs=
anleihe von 1927
6% Baden
Frei=
ſtaat von 1927.
6% Bay. Freiſtaat
von 1927..
6% Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927.
7% Thüringer
Frei=
ſtaat von 1927.
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. * 1
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Diſche.
Schutzge=
bietsanleihe
2, Stadtanleihen
8% Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24
8% Darmſtdt. v. 26
7% Dresden v. 26
7% Frkf. a. M.v. 26
78 Heibelb. v. 26
8% Ludwahf v. 26
8% Mainz v. 26..
10% Mannh. v. 25
8% Mannh. v. 26/ 94.5
8% Nürnberg v 26
80 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 26
3. Pfandbrieſe
und
Schuld=
verſchreibungen
7% Bad. Gold.
Kom.Anleihev.2
8% Berl. Hhp.=Bk.
4½%n „ Lig.=
Pfandbriefe.
830 Frkf. Hyp.Bk.
68
7½%p „Lig.=Pfl
87.4
79
98.25
54.1
19.1
9.4
93
87
85.5
102.25
95.05
87.75
97.,5
33
96.5
92.5
89
87.5
8% Frkf. Pfbrfbank!
4½% Gotha Gr.=
Cred. Lig.=Pfbr.
4½% Hamb. Hyp.
Bk. Lig.=Pfdbr.
8% Heſſ. Landesbk.
82 Kom. Landes.
bank. Darmſtadt
8% Landesbank d.
Rheinprovinz
8% Landeskr. Kaſſ
% Mein. Hhp. Bk.
75 Naſſ. Landesbr.
8% Pfälz. Hhp. Bk.
4½
„ . Lig.
Pfandbriefe ..
8% Preuß. Ctr.,
Bod.=Cred.
4½% Preuß. Ctr.=
Lig. Pfandbr. . .
8% Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft.
8% Rhein Hyp.=B
„ Lig
4½%
Pfandbriefe
890 Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit
L=Pf.
41
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank
„Lig.,
Pfdbr.
82 Württ. Shp.=B.
Di. Komm. Sam.=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I.
Dt. Komm. Sam.=Ablöſ.=Anl.
* Ausloſ. Ser, III
955
86.5
84
78.25
32,5
91.75
89
94.5
100
100
9ö
94.5
96.5
92
100.5
89.5
94.75
92
75.25
98.5
97
90.5
98.5
91.5
7.6
96.5
91.5
88.25
95.1
Mitgte
Pfandbr. und
Kommunal=Obl.
Frkf. Hyv.=Bk. K.,
Obl. Ser. 1 u. 2
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Heſſ. Lbs=Hyp.=Bk.
Vorkr.=Pfdbriefe
dgl. Kom.=Obl.
S 1-16
Kom.=Obl.
S. 17-24
Mein. Hyp.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Nordd. Grunder.=
Vorkr.=Pfdbriefe
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefe
Rh. Hyp.=Bk.
Vor=
kr.=Kom.=Oblig.,
Weſtd. Bodencred. Vorkr.=Pf
4. Induſtrie=
Obligationen.
8% Dt.
Linoleum=
werke Bln. v. 26
8% Heſſ. u.
Herku=
les=Brau. v. 26
8% Klöckn=Werke
Berlin v 26.
10% Kom Elektr.=
Mark.
7% Mainkrw v. 26
7% Mitteld
Stahl=
werke von 27
8% Neckarſulm v. 26
82 Salzmann & Co.
Kaſſel v. 26.
7%0 Ver Stahlw.
mit Opt. v. 26
7%0 Ver. Stahlw.
ohne Opt. v. 26
II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz.
5%Badenwv. Kohl. .....
6% Heſſ. Braunk.=
. Roggenanleihe
5% Heſſ. Volksſt.
Roggenanleihe. .
18
7.4
2.46
2 Preuß.
Kali=
wertan eihe ....
5% Preuß.
Roggen=
wertanleihe ....
5% Sächſ.
Roggen=
wertanleihe ...
5% Südd. Feſtw.=
Ha
96.5
94.5
94
102
86
90
88
90.5
87.75
III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. B. v.
1914..........
5% Bosn. L.=Inv.=
Anl. v 1914 ...
4½% Bosn. v. 02
5% Bulg. Tab. v02
1,6% Griech. v 90
1½% Griech. Mon.
5% Mex inn. (abg.)
„ äuß. „
Goldan=
49
leihe (abg.)
inn. (abg.)
% Irrig.=
Anl. (abg.)
Tamau=
lipas (abg.)
4½% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914
(C. C.=Stücke)...
4% Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke)
4½% Rum. Gold
von 1913
4% Schweiz. Bds.=
Bahnen v. 1912
4% Türk. Admin.
48
1. Bagd.
2. Bagd.
Zollanl.
%o ungarn von
1913 C.C.=St.)
4½0 dito von
1914 (C. C.,St.)
42 dito Goldr.
CC. C.=St.)
dito von
1910 (E.C.=St.)
42o dito Kron. (abg.) ....
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (abg=
4½ Kopenh. v. 01
8.65
45.5
44
18.5
34.25
95.5
26.3
58.5
92
4½ Liſſab, b. 18861
4% Stockh. v. 1880
3. Obligationen v.
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb.
von 1891 .....! 11.75
4% Eliſabethbahnf
von 1883 .... ..
4% Lemberg=Ezer.
ſteuerpflichtig. . 11.8
4% Lemberg=Czer.
ſteuerfrei ......
2.,%0 Oſt. Südb.
(Lombard.) ....
4% Oſt. Staatsb.v.
1883 „....."
3% Raab=Odenbg.
v. 1883 ...
23.25
420 Rudolfb. i. S.
3.9
t. G.
4½% Anatolier I.
TV.1. Bank=Altien
Allg. Dt. Creditanſt. /141.
Badiſche Bank. . . . 162.5
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Banrverein/148.5
Bahr. Hyp.= und
Wechſelbank . .
Verl. Handelsgeſ..
„ Hypoth.=Bk. .
Comm. u. Privatb. /182
Darmſt. u. Nt.=Bk. /275
Deutſ e Bank ... /168.5
Eff.=u.
Wechſel=
bank
119
Vereinsbank 163
Diskont.=Geſellſch. 164
Dresdener Bank 1647
Frankf. Bk
106
Hyp.=Br. 1156.75
Pfdbr.=Bi. 157
Gotha Grundkr. B./140
Mein. Hyp.=Bankl 142
Metallbank.
1142.5
Mitteld. Creditbk. /213
Nürnb. Vereinsbk. /160
Oſt. Creditanſtalt. 37.75
Pfälz. Hyp.=Bank/164
Pr. Bod.=Creditbk. 141
Hhp.=Akt.=Bk. /145
Reichsbank=Ant. 1262
Rhein. Creditbank/128.5
Hyp.=Bankl198
Südd. Bob.Fr.Bk.
Disc.-Geſ..
Wiener Bankverein
2.
Berkehrs=
unternehmungen
A..G.f. Verkehrswſ.
Allg. Lokalb.= und
Kraftwagen
Dt. Eiſenb.=Geſ
7%Dt. Reichsbhn=
Vorzge.
Hapag ...."
Nordd. Lloyd..
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ
3. Induſtrie
Adt. Gebr.
Accum. Berlin..
Adler & Oppenh.,
Adlerw (v. Kleher)
6% AEG. Vorzue
AEG. Stamm.
Bad. Maſchf.=Durl.
Bamag=Meguin
Baſt Nürnberg
Beck & Henkel
Bergm. El. Werke
Brem.=Beſigh.=Ol
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen
Bürſtenfbr Erlang
Cementwerte
Heidelberg
Karlſtadt
Lothr. (Karlsr.).
Chem.WerkeAlbert.
Brockhues ..!"
Fabrik Milch
Daimler=Benz I
Dt Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin!
Erdöl ..
11
Golde u. Silb.=Anſtalt /201
Linolwerk. Berl.
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen
Dürrwerke Rating.
138
16
219
202.5
162
163
160
125
41.5
164.5
261
94
81.25
167.5
150
23
230
206
91.25
36
141
188
91.
100
112
90
137.25
328
Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn. 23
Elektr. Licht u. Kraft /236
Elektr. Liefer.=Geſ. /181.5
Elſäſſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft. 84.6
Enzing. Unionwke.
Eſchw. Bergwer
Eßling. MaſchitEn
Ettling. Spinnerei
Faber, Foh., Bleiſt.
Faber & Schleicher/104
Fahr, Gebr., Pirm. 47
J. G. Farbenindſtr. 278
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Fetter)
Frkft. Gas.
Hof..
Maſch. Po=
Polorny & Wittek.
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwerk 139.5
Geſ. f. elektr.
Un=
ternehmungen . . 297.5
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger. 1184
HafenmühleFranrfl138
Haid & Neu".
Hammerſen (O3n.)
Hanfw. Füſſen
Hanſa=LlohydBrem.
Harpener Bergbaul
Hartm. * Braun
Henninger, Kempf,
Stern Brauerei. 183
Heſſen=Naſſau Gas/116
Heyligenſtaedt
27.5
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm. /115
Hirſch Kupfer 130
Hochtief Eſſen
Holzmann Phil. 1159.2
Holzverk.=Induſtriel 81
Diſe Bergb. Stamm!.
Genüſſe/126
ag
99
Funghans Stamm.
Kali Aſchersleben . 185
Salzbetfurth. 327
Weſteregeln. . 1196
Kammgarnſpinn. .
1150
103
Karſtadt, R.
Ker. Werke Offſtein
Klein, Schanzl.. .
Klöcknerwerke ..
Knorr, Heilbronn
Konſervfabr. Braun
Kraftw. Alt=Württ.
Krauß & Co., Loko.)
Lahmeyer & Ce
Lech, Augsburg ... /120
Lingel, Schuhw..
Löhnberger. Mühle
Löwenbr. Münch.
Ludwigshaf. Walz
Lüdenſcheib Metalll
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br..
Mannesm. Röhren!=
Mansfeld. Bergb.
Mars=Werke..
Metallgeſ. Frankft.
Miag, Mühlenbau/
Moenus Stamm
Motorenfabr. Deutz
Münch. Lichtſpielk.
Neckarſ. Fahrzeug.
Reckarw. Eßl.
Nicolay, Hofbr.
Oberbedarf
Oſterr. AlpineM
Otavi Minen
Peters Unton Frrf.
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps A.=G.
Phönix Bergbau
Porzellan Weſſel
Reiniger Gebb. &
Schall
Rh Braunkohlen..
Elettr. Stamm
Stahlwerke.
Rhenania, Kunh.
Riebeck Montan
Rütgerswerke 1 97.5
SalzwerkHeilbronn!“
Schneider & Hanau
Schnellpr. Frankth
Schöfferhof=Bind..
Shramm, Lackfbr./1
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr. . .
185
164
164.5
75.75
61
37.5
328
157.25
121
115.5
150.5
65
63
Oberurſel/ 82.25
70.1
144.25
109
58
99.5
23
105.5
170.5
186
K e
eſſel.
Schuhfabr. Herz.
Schultz Grünlack.
Schwarz Storchen
Seilindſtr. Wolff.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ver. 1300.5
Tellus Bergbau 1123
Thür. Lief.=Gef.. . . 1106
Tucher, Brauerei.
Unterfr. Krs.=
Elek=
tr.=Verſ.
Veithwerke. .
Ver. f. Chem. Ind. /101
deutſch. Slfabr. 72
Faßfabr. Cafſel/ 49
Gummifabrik.
Berlin=Frankf. 103
Königs= und
Laurahütte ../ 81
Pinſelfabriken 76
Stahlwerke 1101.25
Ultramarin . . 154
Zellſt., Berlin/146
Bgtländ. Maſch.
Voigt & Haeffner/190.5
Voltohm. Seil 85
Wanß & Freytag. 1147.5
Begelin Rußfabrik
Werger Brauerei.
Bellſt. Aſchaffenbg. /206
147.5
Memel
Waldhof 321
Zuckerf Rheingau=
4. Berſicherungen
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung 282
Frkft Allg. Verſ.=G.
Frankong Rück= u.
Mitv
Mannh. Berſich.”
DarmſtädterBerte
Bahnbedarf
Dampfk. Rodberg.
Gebr. Lutz
Motoren Darmſtadt
Gebr. Roeder ... . 11341
25
Za
75.5
343
110.5
48
Die Metallnotierungen in Berlin am 16. Mai ſtellten ſich für je
100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder
Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz)
auf 135,75 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in
Deutſch=
land für prompte Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original=
Hüttenaluminium, 98= bis 99proz. in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren
210 RM., desgl. in Walz= oder Drahtbarren, 99proz 214 RM.,
Rein=
wickel, 98= bis 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 93—98 RM.,
Fein=
ſilber (1 Kilogramm fein) 88,00—83,50 RM.
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 16. Mai
ſtellten ſich für Kupfer: Januar bis März 127 (197½), Mai 125
(126½), Juni 1253 (126½), Juli 125¾ (126½), Auguſt 126½ (126¾),
September 126½ (127), Oktober und November 126¾ (127), Dezember
127 (127). Tendenz: ſtetig. — Für Blei: Januar 41½ (41¾), Febr.
und März 413/ (4134), April 41¾ (42), Mai 40½ (40½), Juni 40½
(40¾), Juli 4034 (41), Auguſt 41 (41½), Sept. und Oktober 41½
(41½), November 41½ (41½), Dezember 41½ (413/). Tendenz: ſtetig.
— Für Zink: Januar und Februar 51 (51½, März 51½ (51½4),
April 51 (51½), Mai 52 (53), Juni 5134 (52¾), Juli 51½ (52), Auguſt
511 (52) September 51½ (51¾), Oktober 51½ (51¼), November 51½
(51½), Dezember 51½ (51½). Tendenz; ruhig. — Die erſten Zahlen
bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Die Mctallnotierungen an der Londoner Börſe vom 16. Mai ſtellten
ſich für Kupfer: (Tendenz: ſtetig) Standard per Kaſſe 622/18—62½,
drei Monate 69/½—62¾, Settl. Preis 625, Elektrolyt 67—67½, beſt
ſelected 65—66½, Elektrowivebars 67½; für Zinn: (Tendenz: willig)
Standard per Kaſſe B2—332½, drei Monate B1½—231½; Settl.
Preis B2, Banka (inoff.) 239, Straits (inoff.) 2361 für Blei:
(Tendenz: ſtetig) ausländ, prompt 20½, entf. Sichten 20½, Settl. Preis
20¾; für Zink: (Tendenz: ruhig) gewvöhnl. prompt 261) entf. Sichten
2513/us, Settl. Preis 26½. — Inoffiziell: Queckſilber 2238—22½,
Wolf=
ramerz 15½8.
. Frankfurter Kursbericht vom 16. Mai 1928.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 132
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Auslandsanleihe des Deutſchen Sparkafſen= und Giroverbandes.
Die Beratungsſtelle für Auslandskredite beim Reichsfinanzminiſterium
hat die Aufnahme des erſten Teilbetrages der Auslandsanleihe des
Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverbandes im Betrage von 17 500 000
Dollar endgültig befürwortet. Vorbehaltlich der miniſteriellen
Geneh=
migung der Anleihe ſeitens der preußiſchen Staatsregierung, die nach
den gepflogenen Verhandlungen mit Sicherheit zu erwarten iſt, hat der
Deutſche Sparkaſſen= und Giroverband den Verkauf der Anleihe mit den
in Berlin anweſenden Vertretern von Harris Forbes u. Co.
abge=
ſchloſſen. Die Anleihe iſt mit 6 Prozent verzinslich und wird bis zum
Jahre 1947 mit 2,96 Prozent zuzüglich erſparter Zinſen zum
Nenn=
werte planmäßig getilgt.
Pfälziſche Mühlenwerke, A.=G., Mannheim. In der G.=V. war
durch ſieben. Aktionäre ein A.=K. von 3 520 200 RM. mit 88 255 Stimmen
vertreten. Die Regularien wurden einſtimmig genehmigt, und die
ſatzungsgemäß ausſcheidenden A.=R.=Mitglieder wiedergewählt. Aus
einem Reingewinn von 559 595 (535 974) RM. werden der geſetzlichen
Reſerve 30 000 (30 000) RM. und der Reſerve T 70000 (50 000) RM.,
dem Konto „Obligationsgenußſcheine” wieder 6 000 RM. zugewieſen
und auf das A.K. von 4 Mill. RM. wieder 10. Prozent ausgeſchüttet.
In der Bilanz erhöhten ſich eenerſeits Kreditoren auf 8 636 (4 727) RM.,
andererſeits Effekten und Beteiligungen von 1,655 (1,622), Waren auf
z,75 (3,614), Debitoren auf 2,75 (2,12) Mill. RM. Nach dem
Geſchäfts=
bericht war der Beſchäftigungsgrad zufriedenſtellend. In das neue Jahr
ſar man mit einem hohen Auftragsbeſtand hinübergegangen, der eine
normale Beſchäftigung für mehrere Monate gewährleiſtete. Die
Aus=
ſichten für das neue Jahr werden trotz der in den erſten Monaten
ein=
getretenen außerordentlich drückenden Abſatzſtockung nicht als ungünſtig
beurteilt.
Produktenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 16. Mai. Der hieſige
Produkten=
markt verkehrte in luſtloſer Haltung. Obwohl höhere
Auslandsnotie=
rungen gemeldet wurden, blieben die Händler reſerviert, und Umſätze
kamen daher kaum zuſtande. Die Preiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt:
Weizen T 26,50, Roggen 28,50, Hafer inl. 27,75—23,25, Mais für
Futter=
zwecke 24,76—2, Mais für andere Zwecke 24,75—25, Weizenmehl 38
bis 39,75, Roggenmehl 39,50—40,50, Weizenkleie 15,50, Roggenkleie
17,50—17,75.
Berliner Produktenbericht vom 16. Maf. Die gegenſvärtige feuchte
Witterung wird für die Saaten als ſehv vorteilhaft angeſehen und maht
die Käufer dementſprechend vorſichtig. Wenn ſich dennoch
Preisbefeſti=
gungen im Berliner Getreidegeſchäft durchſetzen, ſo iſt dies nur auf die
mäßige Befeſtigung der amerikaniſchen Börſen wie der Cifforderungen
zurückzuführen. Weizen wird außerdem wieder von Polen gefragt. Im
Zeitgeſchäft war beſonders der Juli mit einer Steigerung von über
2 Mk. bevorzugt. Roggen hat mäßiges Angebot, wird aber in Deckung
für frühere Verkäufe gefragt. Für Mai war eine kräftige Erholung
durchgekommen. Hafer tendiert ſtetig bei kleinem Angebot und wenig
Geſchäft.
Piehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 16. Mai. Aufgetrieben waren: 131
Kälber, 5 Schafe, 5 Ziegen, 3 Ochſen. Die Preiſe ſtellten ſich für
Käl=
ber a) 76—82, b) 68—75, c) 62—67, für Schafe 38—42 Pf. pro Pfund.
Marktverlauf: lebhaft, geräumt.
Donnerstag, den 17. Mai 1928
Geite 13
Frankfurter Viehmarkt vom 16. Mai. Der Auftrieb des heutigen
Nebenmarktes beſtand aus 102 Rindern, 1154 Kälbern, 54 Schafen und
492 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Nebenmarktes der
Vorwoche waren 50 Schafe und 180 Schweine weniger angetrieben,
während 140 Kälber mehr zum Verkauf ſtanden. Bezahlt wurde pro
Zentner Lebendgewicht: Kälber b 78—82, c 70—77, d 60—69. Schafe
a 50—55, b 42—49. Schweine b 55—56, c 55—57, d 55—58, e 52—54.
Im Vergleich zu den Notierungen vom letzten Hauptmarkte gaben
Kälber 2—3 Mark und Schweine 1 Mark nach. Schafe konnten dagegen
1—2 Mark anziehen. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege,
ausver=
kauft. Schweine ruhig, Ueberſtand. Fleiſchgroßmarkt: Ohſen= und
Nindfleiſch I 95—100, IT 90—95, Bullenfleiſch 80—90, Kuhfleiſch I
70—80, II 60—70, IIT 20—55. Kalbfleiſch II 105—110, Hammelfleiſch
100—105, Schweinefleiſch 68—75. Gefrierfleiſch, Vorderviertel 48 und
Hinterviertel 60.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chieago, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt nahm unter dem Eindruck von günſtigen
Wetter= und Saatenſtandsberichten und die geringere Exportnachfrage
einen ſchwachen Verlauf.
Mais: Auch hier bewirkten die gleichen Umſtände eine ſchwache
Ten=
denz. Später trat hingegen eine Erholung ein auf Käufe der
Produ=
zenten in einigen Zentralſtaaten. Der Schluß war wieder ſchwach.
Roggen: Roggen hatte heute ein ſchwächeres Ausſehen auf günſtige
Wetterberichte und Abgaben des Handels.
Hafer: Größere Maiandienungen übten einen Preisdruck aus, der
burch die günſtigen Wetter= und Felderſtandsberichte mitveranlaßt
wurde.
* New York, 16. Mai. (Priv.=Tel.)
Zucker: Am Rohzuckerterminmarkt hielt ſich das Geſchäft heute in
engen Grenzen. Anfangs wurden Deckungen für kubaniſche Rechnung
vorgenommen, dann aber ließen Abgaben die Kursgewinne wieder
ver=
loren gehen.
Baumwolle: Die allgemeine günſtige Wetterlage und der nicht ſehr
flotte Abſatz an Fertigwaren löſten eine Verſtimmung am heutigen
Markt aus. Auch die Schwäche der Fondsbörſe verfehlte ihre Wirkung
nicht. Das herauskommende Angebot ſchien jedoch gut aufgenommen
zu werden.
Es notierten nach Melbungen aus Chieago am 16. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 149½, Juli 150½, Sept. 150¾;
Mais: Mai 102½, Fuli 105, Sept. 106½; Hafer: Mai 6358, Juli
56½, Sept. 472; Roggen: Mai 1323, Juli 128½, Sept. 11978.
Schmalz: Mai 11,87½, Juli 12,10, Sept. 12,42½
Fleiſch. Rippen: Mai 12,00, Juli 12,15, Sept. 12,57½; Speck,
loko 12,00; leichte Schweine 8,25—9,80, ſchwere Schweine 9,10—
9,60; Schweinezufuhren: Chicago 23000, im Weſten 70 000.
Baumwolle: Mai 20,68, Juli 20,57.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 16. Mai:
Getreide. Weizen: Rotwinter 213½, Hartwinter 170½; Mais,
neu ank. Ernte 115¾1 Mehl, ſpring wheat clears 7.10—7,65;
Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent
8—10 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,60; Talg, extra, loſe 88.
Kakav. Tendenz: willig: Umſatz in Lots: 141: Loko: 15;
Mai 14,75, Juni 14,80, Juli 15,05, Auguſt 15,19, September 15,27,
Oktober 15,12, Nobember 14,83, Dezember 14,33: Januar 1929:
14,13.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Geſchäftsſtelle des Kupferblechſyndikates in Kaſſel hat den
Grundpreis für Kupferblechfabrikate mit Wirkung vom 16. Mai auf
193 RM. für 100 Kg. feſtgeſetzt. Der Preis betrug ſeit dem 8. Mai
192 RM.
Unter dem Namen A.=G. für Deutſche Elektrizitätswirtſchaft wurde
von der Elektrowerke A.=G., der Preußiſchen Elektrizitäts=A.=G. und
der Bahernwerk A.=G. eine Geſellſchaft gegründet, die die
Zuſammen=
arbeit zwiſchen den Geſellſchaften durch Löſung gemeinſchaftlicher
Auf=
gaben fördern wird. Der Beitritt weiterer Energieverſorgungsgebiete
zu der Geſellſchaft iſt offen gehalten.
Ein unter Führung der Preußiſchen Staatsbank (Seehandlung)
ſtehendes Bankenkonſortium legt in der Zeit vom 18. bis einſchl. 24.
Mai ds. Js. 6 Millionen Reichsmark 8prozentige Magdeburger
Stadt=
anleihen auf Feingoldbaſis zur öffentlichen Zeichnung auf.
Unter dem Vorſitz den Vandevyper tagte am 15. ds. Mts. der
Internationale Schiffahrtskongreß in Gent. Unter den geladenen
Ver=
tretern aus vielen Ländern war auch Deutſchlands Vertreter anweſend.
Es wurde der Beſchluß gefaßt, der Einladung der italieniſ hen
Regie=
rung, den nächſten Kongreß in Italien abzuhalten, Folge zu leiſten.
Der engliſche Kunſtſeideverbrauch ſtellt ſich im erſten Viertel des
Jahres 1928 auf 12,5 Mill, Ibs. gegen 7,75 Mill. Ibs. in der
entſprechen=
den Zeit des Vorjahres.
Die ſüdſlawiſche Regierung hat der tſchechoflowakiſchen mitgeteilt,
daß ſie bereit ſei, im Juni ds. Js. die Handelsvertragsverhandlungen
aufzunehmen und als Verhandlungsort Karlsbad vorſchlage.
Die Verordnung über die gänzliche Freigabe des Deviſenverkehrs
in der Tſchechoflowakei bildet gegenwärtig den Gegenſtand
interminiſte=
rieller Beratungen, die bald beendet ſein dürften. Die Freigabe ſoll,
Prager Meldungen zufolge, zum 1. Juli erfolgen.
Die vor einiger Zeit eingeleiteten Beratungen zwiſchen Vertretern
der tſchechoſlowakiſchen und deutſchen Hohlglasfabriken ſollen, wie aus
Prag gemeldet wird, in den nächſten Tagen wahrſcheinlich in Dresden,
fortgeſetzt werden. Im Hinblick auf die verſchärften
Zollſchutzbeſtre=
bungen in England iſt zunächſt ein Abſatzübereinkommen für das
eng=
liche Konſumgebiet in Ausſicht genommen.
Vom 16. Mai 1928 ab ſind die Aktien der Compania Hiſpano
Ameri=
cana de Electricidad zu Madrid (Chade) in Abſchlüſſen von 2500 Peſ.
und einem Mehrfachen hiervon zum Börſenterminhandel in Frankfurt
a. M. zugelaſſen.
Nachdem wir vor einigen Tagen melden konnten, daß die chileniſche
Regierung trotz der für den Export von Chileſalpeter beſtehenden
Schwierigkeiten keine Verminderung der Exportabgaben auf Salpeter
vorgenommen habe, und auch nicht vor dem 1. Juli ds. Js. tun werde,
ſoll ſich die Regierung Chiles jetzt nach einer engliſchen Meldung
ent=
ſchloſſen haben, eine Subvention in Höhe von 10 Mill. Peſeten für die
Salpetergewinnung zur Verfügung zu ſtellen.
Die Schätzungen für die Maisernte Argentiniens lauten für das
Berichtsjahr auf 7,7 Mill. To. gegenüber einer Schätzung von 7,5 Mill.
To. i. V. und einem endgültigen Ergebnis von 8,15 Mill. To. 1926
ſtellte ſich die Schätzung auf 7,08 Mill. To. und das Endergebnis auf
7,1 Mill. To.
Die Herſtellung von
Kanalanſchlüſſen
ſowie die Ausführung der ſtädtiſchen
Kanalarbeiten kleineren Umfangs im
Verwaltungsjahr 1928 ſollen vergeber
werden. Preisverzeichniſſe und
Bedin=
gungen liegen beim Tiefbauamt,
Zim=
mer Nr. 6, während der Dienſtſtunden
zur Einſicht offen. Geeignete
Ueberneh=
mer für dieſe Arbeiten werden zur
Ein=
ſichtnahme und Anerkennung der
Ver=
dingungsunterlagen bis ſpäteſtens
Mittwoch, den 23. Mai ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
eingeladen. Auswärtige Bewerber
kön=
nen nicht berückſichtigt werden.
Darmſtadt, den 14. Mai 1928. (st855!
Städt, Tiefbauamt.
Peianntmachung.
Vorbehaltlich der Genehmigung durch
die Aufſichtsbehörde wird am Samstag
den 19. ds. Mts., die Bahnſtrecke zwiſchen
Eberſtadt (Wartehalle) bis Friedho
(Frankenſtein) der Vorortlinie 8 dem Be
trieb übergeben.
Die Abfahrtszeiten von der
Endhalte=
ſtelle „Frankenſtein” ſind: 6.17, 6.47
vor=
mittags uſw. alle ½/, Stunde, bis 104,
Uhr abends.
Zwiſchenhalteſtellen ſind, wie folgt
eingerichtet:
Heidelbergerſtr., Ecke Pfungſtädterſtr.
und Heidelbergerſtr., Ecke Schulſtraße
(Kirche).
(8554
Darmſtadt, den 15. Mai 1928.
Heſſiſche Eiſenbahn=A.=G.
Darmſtadt.
Am Freitag, den 18. Mai 1928
vormittags 10 Uhr, ſollen in meinem
Verſteigerungslokale Bleichſtraße 40
folgende Pfänder zwangsweiſe gegen
Bar=
zahlung verſteigert werden, insbeſondere
2 Schreibtiſche, 2 Schreibtiſchſeſſel, ein
Rollſchrank, 1 Schreibmaſchine (
Conti=
nental), 1 Schreibmaſchinentiſch, eine
Schreibmaſchine (Mercedes), 5
Regu=
lateure, 1 Kaſſenſchrank, 1
Schreib=
maſchine (Naumann), 2 Büfetts, zwei
Schreibmaſchinen (Odoma und Ideal)
2 Sprechapparate, 1 Sekretär, 1
Spie=
gelſchrank, 16 Wollſchals, 7 Wollſchals
mit Mützen, 2 Paar Strümpfe, 3 Paar
Sportſtutzen, 5 Damenweſten, 2 Herren
weſten, 9 Kinderröckchen, 17
Herren=
unterhoſen, 10) Damenunterhoſen, zwei
Kopftücher, 8 Unterjacken für Herren,
2 Unterjacken für Damen, Möbel aller
Art u. and. mehr.
Ferner im Anſchluß hieran an Or
und Stelle im Lokal Holzhofallee 27:
1 Kaſſenſchrank, 3 Schreibtiſche, eine
Garnitur ohne Ueberzug, 1 Rollſchrank
1 Schreibtiſchſeſſel, 1 Kleiderſchrank.
1 Gläſerſchrank, 1 Schreibtiſch (Zteil.),
2 Materialſchränke, 4 Konſoltiſchchen,
2 Nähtiſchchen, 2 Kommoden. (8604
Darmſtadt, den 16. Mai 1928.
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Verkäufeß
Elektroökonom, faſt
neu, bill. abzug.
Vik=
toriaſtr. 95, I. (*13369
Ver aufe einen
Citrvän=
Perſonen=
wag., 4=Sitzer, 5 fach
bereift, 6/20 PS, ruh.
laufend, im prima
Buſtande. Ein
Motor=
rad, Marke Jlo,
fahr=
bereit, 1,5 PS. 90 ℳ.
Johannes Merz
Groß=Umſtadt.
(8562a)
1 Grudeofen
1 Kinderwagen und
1 Kinderſportwagen
umzugshalber billig
abzugeben
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weg 43. (*13381
Tüfle
8311a
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Reichsgebiet, mit den Anschlüssen
nach dem angrenzenden Ausland —
mit Fernverbindungen und
Flug-
verkehr — gältig vom 15. Mal bi=
S. Oktober ist erschlenen und für
M. 4.— Hberall erhältlich.
Kurs-
buch- und Verkehrs-
Verlags-
gesellschaft m. b. H., Berlin SW68
Serſteigerangs Andeig
Am Freitag, den 18. Mai 1928,
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meinen
Verſteigerungslokale hier, Hügelſtr. 27,
eine Anzahl gepfändete Gegen
ſtände öffentlich zwangsweiſe gegen
Barzahlung.
(860
Beſtimmt verſteigert wird:
1 Nähmaſchine, 1 Hächſelmaſchine
1 Warenſchrank, 1 Konzertzither, ein
Klavier, 1 Klubſeſſel, 1 Wäſcheſchrank,
1 Sofa, 1 Standuhr, 1 Vertiko, eine
Kredenz, 60 Spazierſtöcke, 1 Orga=
Privat, 1 Sekretär.
Darmſtadt, den 17. Mai 1928.
Portner
Gerichtsvollzieher.
Am Freitag, den 18. Mai 1928,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ic
hier, Pallaswieſenſtraße 85, einen von
mir dort untergeſtellten
Möbelwagen
öffentlich zwangsweiſe gegen Barzählung
Darmſtadt, den 17. Mai 1928. (8608
Portner
Gerichtsvollzieher.
abzugeben. Dittmar,
Barkhausſtr. 22. *13396
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Ihre Mitredner die Haltung der Deutſchnationalen
Reichs=
tagsfraktion bei der Aufwertungsgeſetzgebung in ſehr
abfäl=
liger und den Tatſachen durchaus widerſprechender Weiſe
beurteilt. Wir fordern Sie hierdurch auf, in unſerer am
Freitag, den 18. Mai, 8 Uhr abends, im großen Saal der
Turnhalle ſtattfindenden öffentlichen Verſammlung Ihre
Aus=
führungen zu wiederholen. Volle Redefreiheit iſt Ihnen oder,
falls Sie verhindert ſein, ſollten, einem von Ihnen zu be=
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nunmehr auf mich übergegangen ſind.
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fernerhin auf mich übertragen zu wollen und werde,
wie ſeither, bemüht ſein, meine werten Gäſte auch
fernerhin in jeder Hinſicht durch Speiſen und Getränke
in bekannter Güte und in allen Anforderungen zufrieden
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Darmſtadt, Dienstag, den 15. Mai 1928
Nummer 20
Wahl=Moſaik.
4Gebote zum Wahltag
„Genoſſen” als Arbeiigeber.
Es iſt intereſſant, einmal feſtzuſtellen, wie die Sozialiſten als
Arbeitgeber handeln. Dafür ein Beiſpiel. Die „Volkshaus=
Lö=
wen=A.=G.” in Villingen im Schwarzwald entließ vor zwei
Jah=
ren den bei ihr als Wirt, angeſtellten Geſchäftsführer friſtlos
wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in der Geſchäftsführung.
Die „Volkshaus=Löwen=A.=6.” iſt das Heim der freien
ſozialiſti=
ſchen Gewerkſchaften, und ihr „ehrenamtlicher” Geſchäftsführer
war der freigewerkſchaftliche Metallarbeiterſekretär Schifferdecker.
Zunächſt wurde in der Erſtentſcheidung das Volkshaus zur
Zah=
lung der eingeklagten Summe und zur Tragung der Koſten
ver=
urteilt, aber damit hatten die Genoſſen noch nicht genug. Sie
legten Berufung ein. Das Landesarbeitsgericht Konſtanz
ent=
ſchied aber gegen das Volkshaus, trotzdem ſich die ſozialiſtiſche
Volkshaus=A. G. als Rechtsvertreter den Syndikus des
Arbeit=
geberverbandes der Uhreninduſtrie verſchrieben hatte und ſogar
der Vorſitzende des Arbeitsamts, der ſozialdemokratiſche
Stadt=
rat Uebler, als Geſchäftsführer des Volkshauſes vorgeſchickt
wurde. 1614 Mark, dazu 7 Prozent Zinſen für zwei Jahre,
Koßten des Verfahrens und Rückgabe der Kaution war das
Ende vom Liede. Der Fall zeigt, wos von den ſchönen Worten
der Solidarität unter den Genoſſen zu halten iſt.
Bauern, aufgepaßt!
„Chriſtlich=nativnale Bauernpartei und Reichsſchulgeſetz.”
Unter dieſer Ueberſchrift bringt die heſſiſche „Demokratiſche
Wochenſchrift” folgende intereffante Notiz:
In einer demokratiſchen Wahlverſammlung am Sonntag,
den 22. April, in Bubenheim erklärte einer der führenden
Män=
ner der Freien Rheinheſſiſchen Bauernſchaft — Herr Atorf —
daß man in den Kreiſen der Freien Rheinheſſiſchen Bauernſchaft
annehme, daß die Chriſtlich=nationale Bauernpartei 25
Abgeord=
nete durchbringen werde. Dieſes Ziel ſei ausreichend,
um mit dem Zentrum ein Kompromiß (Kuhhandel!
Die Redaktion,) abzuſchließen, dahingehend, daß die
Chriſtlich=nationale Bauernpartei dem
Zen=
trum in der Frage des Reichsſchulgeſetzes
ent=
gegenkommen würde, wenn das Zentrum in der
Frage der Zölle Entgegenkommen zeige.”
Marke „Zentrum.”
Ju einer dem ſozialiſtiſchen „Offenbacher Abendblatt”
bei=
liegenden humoriſtiſchen Wochenbeilage „Der Spatz” finden wir
folgende hübſche Geſchichte:
Ein Zentrumsabgeordneter durchwandelte die Friedrichſtraße
und hörte aus einer Nebenſtraße, wie ein Straßenhändler ſein
Federmeſſer mit dreißig Klingen anpries.
„Wenn ich Ihnen das nochmal zeigen darf, Damen und
Herren — mit dieſem Werkzeug können Sie heute dies und
morgen jenes machen. Ja, Sie können ſogar mehrere
Arbei=
ten zugleich verrichten, können mit dieſem Univerſalwerkzeug
ſozu=
ſagen verſchiedene Zwecke verfolgen.”
„Wenn er ſein Werkzeug jetzt noch Marke „Zentrum”
nennt,” murmelte der Abgeordnete entrüſtet, „dann verklage ich
ihn wegen Beleidigung.”
Religion iſt keine „Privatſache” mehr!
Die Sozialdemokraten haben in ihrem neuen Heidelberger
Programm den Satz: „Religion iſt Privatſache” ausgemerzt. Dr.
Nölting hat dort (1925) in ſeinem Schlußwort geſagt: „Wir
können den weſtfäliſchen Bauern nicht ſagen, wir ſchaffen den
lieben Gott ab und ſozialiſieren dein Land. Damit gewinnen
wir nicht einen Bauern.‟ Die Sozialdemokratie hat damit
taktiſche Geſichtspunkte in den Vordergrund geſchoben, ohne
ſich innerlich geändert zu haben. Das beweiſt auch ein
Vor=
gang in der Sitzung des Provinzialtages der Provinz
Starken=
burg am 30. März 1928. Die Sozialdemokraten beantragten in
jener Sitzung, in dem Voranſchlag der Provinzialpflegeanſtalt
Eberſtadt 1600 Mark, die als Gebühren für zwei Geiſtliche und
zwei Organiſten unter „Seelſorge” eingeſtellt ſind, zu ſtreichen.
Die bürgerlichen Abgeordneten ſtimmten gegen dieſen Antrag, ſo
daß er mit 18 gegen 16 Stimmen der Kommuniſten und
Sozial=
demokraten abgelehnt wurde. Religion iſt aber trotz dieſes
An=
trages keine „Privatſache” mehr!
Sozialdemokratiſche Entſtellungen.
In Wahlzeiten treten die Gegenſätze der einzelnen Parteien
naturgemäß ſtark in Erſcheinung. Man wird auch jeder Partei
das Recht zuſprechen, ihre Auffaſſungen in der entſprechenden
Form zu bertreten. Um ſo kritiſcher muß man jedoch
Darſtellun=
gen verurteilen, bei denen für Unterrichtete, von vornherein
Har iſt, daß ſie wider beſſeres Wiſſen abgefaßt worden
ſind. Solche Darſtellungen ſind im Wahlaufruf der
Sozialdemo=
kratie enthalten und können dementſprechend auch gekennzeichnet
werden. Wenn der Wahlaufruf mit Schlagworten wie Reaktion,
Gefährdung der Sozialpolitik um ſich wirft, dann nehmen wir
das nicht ernſt, denn ſolche Unrichtigkeiten werden durch die
reiche ſozialpolitiſche Arbeit des alten Reichstages widerlegt,
Man kann auch aus ſozialdemokratiſchen Kreiſen anerkennende
Stimmen anführen. So hat kürzlich der Allgemeine Deutſche
Gewerkſchaftsbund in ſeinem Maiaufruf gnerkannt: „Die
Sozial=
politik, für die wir am 1. Mai unſere Stimme erheben, hat
Heichfals von Jahr zu Jahr an Boden geſvonnen, wir erkennen
2n Bortſchritt an, ſehen aber auch Lücken.” Eigentümlich iſt
1. Wählt!
. Wählt keine Splitterparteien!
T. Tauſende von Stimmen gehen dadurch verloren!
Einſeitige Intereſſenpolitik — betrieben von der Wirt=
J. ſchaftspartei — iſt vom Abel ſchädſgt das Gemeinwohl.
Stärkt den bürgerlicheni Einfluß im Reich und Staat
T. Sammelt Euch um die Deutſche Volkspartei,
wählt Liſte 4
man allerdings ſchon berührt, wenn dann die Sozialdemokratie
für ſich in Anſpruch nimmt, im Reichstag das
Arbeitsgerichkts=
geſetz und vor allem die Arbeitsloſenverſicherung durchgeſetzt zu
haben, denn ſchließlich iſt allgemein bekannt, daß die
Sozial=
demokratie in den letzten Jahren im Reiche Oppoſitionspartei
war. Dann wird aber ausgeführt: „Der Achtſtundentag in
Deutſchland macht den Achtſtundentag zum internationalen
Geſetz.‟ Dieſe Darſtellung iſt bewußt unrichtig. Denn es mußte
den Verfaſſern des Wahlaufrufes genau bekannt ſein, daß
gerade in dieſen Tagen im Internationalen Arbeitsamt in Genf
erneut über den Antrag der britiſchen Regierung auf Aenderung
des Waſhingtoner Abkommens verhandelt wurde und daß die
engliſche Regierung an eine Ratifikation des Waſhinatoner
Ab=
kommens nicht denkt. Selbſt die Regierung Maedonalö hat
wäh=
rend ihrer Regierungszeit, ſolange ſie alſo die Verantwortung
trug, eine Ratifikation nicht vorgenommen.
Eine noch größere Unwahrheit iſt es aber, wenn die
Sozial=
demokratie im Wahlaufruf ſchreibt: „Steigerung der
Lohn=
ſteuer, rückſichtsloſe Ausſchaltung der Maſſenbelaſtung, Schonung
des Beſitzes, das war die Finanzpolitik des Bürgerblocks.” Im
Gegenteil iſt gerade die Lohnſteuer im Verlauf von 3 Jahren
nicht weniger als dreimal in ganz großem
Aus=
maß herabgeſetzt worden. Dadurch iſt der Haushalt
der Arbeitnehmer um einen Jahresbetrag von
mindeſtens 600—700 Millionen Reichsmark
gegen=
überdemSteuertarifvon 1924entlaſtetworden.
Für die gering bezahlten Arbeitnehmer bis zu einem
monat=
lichen Einkommen von 250 Mark, insbeſondere für die
Ver=
heirateten mit Kindern, bedeutet das eine Steuermäßigung von
durchſchnittlich 40—60 Prozent. Was aber, die Schonung des
Beſitzes aubetrifft, ſo muß umgekehrt feſtgeſtellt werden, daß
gerade der letzte Reichstag die ganz großen Einkommen
weſent=
lich ſchärfer erfaßt hat. Für die großen Einkommen von 150 000
RM. und mehr wurde der Steuerſatz von 33½ Prozent auf 40
Prozent heraufgeſetzt. Ausſchöpfung der Maſſenbelaſtung kann
es doch auch nicht bedeuten, wenn beiſpielsweiſe die Luxusſteuer,
die für viele Qualitätsarbeiter von größter Bedeutung war
völlig aufgehoben, wenn außerdem die Umſatzſteuer von 2½ auf
34 Prozent herabgeſetzt worden iſt.
Man fragt ſich, wie kann eine Partei, die den Anſpruch
er=
hebt, ernſt genommen zu werden, derartige Behauptungen
auf=
ſtellen, die von vornherein unrichtig ſind.
Deutſchnationale Selbſiverhöhnung!
Die Hauptgeſchäftsſtelle der Deutſchnationalen Volkspartei
verbreitet einen Wahlvees, der die deutſchnationale Politik in
einer Weiſe lächerlich gemacht und verhöhnt, wie der ſchlimmſte
Feind der Deutſchnationalen nicht beſſer könnte. Die
Deutſch=
nationale Vollspartei hat bekanntlich als Regierungspartei die
Politik Streſemanns fünſzehn Monate lang mitgemacht. Vor
Landwirte! Aufgepaßt!
Die Chriſtlich=Nationale Bauernpartei gibt die
Simultanſchule preis!!
Folgendes ſteht im „Rhein= und Heſſe=Bauer” vom
Donnerstag, den 10. Mai 1928:
„Gau=Weinheim, 9. Mai.
Am Montag abend fand auch in unſerem Ort eine
Verſammlung der Chriſtlich=Nationalen Bauern= und
Landvolkpartei ſtatt, die einen zufriedenſtellenden Beſuch
aufwies. Die Herren Wolf=Alzey und Dr. Krebs=
Winters=
heim referierten über Zweck und Ziel der Partei. Die
Ausführungen aller zwei Redner fanden allgemeine
Zu=
ſtimmung. Die anſchließende Diskuſſion war ſehr rege.
Sie drehte ſich insbeſondere um die Stellung der
Bauern=
partei zu den übrigen Parteien und die Haltung der
Par=
tei in kulturellen Fragen. Die Anfragen wurden in dem
Sinne beantwortet, daß die Chriſtlich=Nationale Bauern=
und Landvolkpartei im bürgerlichen Lager ſtehe und alles
daran ſetzen werde, um die bürgerliche Seite zu ſtärken.
Auch ſtelle ſie ſich auf den Boden der
Kon=
feſſionsſchule und erblicke überhaupt in
der Schule und in der Kirche die Grundpfeiler für die
Erhaltung deutſchen Volkstums. Auch hier wird die
Chriſtlich=Nationale Bauern= und Landvolkpartei am
20. Mai viele Stimmen bekommen.”
Schützt die Simultanſchule!
Wählt nur Deutſche Volkspartei
Liſte 4!
Eintritt in die Regierung hat ſie ſich auf die innerpolitiſchen
und außenpolitiſchen Richtlinien verpflichtet und dann bis heute
praktiſch die Politik Streſemanns geſtützt, ohne nur ein
ein=
ziges Mal mit eigenen Gedanken hervorzutreten und auch
nur den Verſuch zu machen, andere gangbare außenpolitiſche
Wege vorzuſchlagen. Mit vollem Recht kennzeichnet deshalb die
Hauptgeſchäftsſtelle der Deutſchnationalen Volkspartei die
Politik ihrer Partei durch folgenden Vers:
„Wer nicht ſelber denken kann,
Macht Politik wie Streſemann.
Die deutſchnationalen Wähler können daraus nur den Schluß
ziehen, jetzt bei den Wahlen direkt Deutſche
Volkspar=
tei, Liſte 4, zu wählen. Dort iſt für ſie, nach der
Ueber=
zeugung der Hauptgeſchäftsſtelle ihrer bisherigen Partei, der
richtige Platz! Dieſer Anſicht waren wir ſchon lange.
Eine gute Antwort an das Zentrum.
Die „Mittelrheiniſche Volkszeitung” in Bingen, ein
Zen=
trumsblatt, zeichnet ſich dadurch aus, daß es jeden Tag gegen
das Gebot „Du ſolſt nicht falſch Zeugnis reden wider Deinen
Nächſten” ſündigt. Mit Vorliebe bringt es falſche Berichte über
die Deutſche Volkspartei, deren Veranſtaltungen es zu
verklei=
nern ſucht.
Als am 7. Mai das Lautſprecher=Auto in Bingen weilte und
am Rheinkai rund 700 Menſchen den Reden zuhörten, ſchrieb
das Blatt: „Bingen, 8. Mai. Ein Propaganda=Auto der
Deut=
ſchen Volkspartei paſſierte geſtern auch unſere Stadt und
ver=
ſuchte, durch Ablaufenlaſſen von Wahlreden des Miniſters Dr.
Streſemann von Schallplatten, ebenſo des Deutſchlandliedes,
Stimmung für dieſe Partei zu machen. Die Bevöllerung ſtand
dieſer Neuerung ſehr reſerviert gegenüber, denn ſie nahm von
der geiſtestötenden Mechaniſierung des Wahlkampfes faſt keine
Notiz.”
Der Geſchäftsführer der D.V.P. in Bingen hat darauf dem
Blatt folgende hübſche Mitteilung zugehen laſſen:
„Nach Ihrer geſtrigen Veröffentlichung zu urteilen, ſcheint
es bei Ihnen Gewohnheit zu ſein, Kritik nur aus der Ferne zu
üben. Andernfalls hätten Sie wohl merken müſſen, daß im
Großlautſprecher nicht Dr. Streſemann, ſondern der heſſiſche
Spitzenkandidat RA. Dingeldey zu hören war. Die Rede des
erſteren, mußte ich ausfallen laſſen, da unſer Reichsaußenminiſter
den Rheinheſſen — auch der Redaktion der M.V.3. Bingen —
die Ehre angetan hat, perſönlich in Mainz zu erſcheinen und mit
einer glänzenden Nede beſſer zu überzeugen, wie mir dies mit
Hilfe von Grammophonplatten möglich geweſen wäre.”
Dunkles Treiben der Wirtſchaftspartei.
Aus verſchiedenen Landesteilen wird der Reichsgeſchäftsſtelle
der Deutſchen Volkspartei mitgeteilt, daß die Wirtſchaftspartei
in der ſtillen, nicht öffentlichen Agitation, vor allem in
Beſpre=
chungen mit Vertretern von Hausbeſitzervereinen, Innungen
uſw., nicht nur unkontrollierbare, ſondern geradezu tolle
Be=
hauptungen über die Deutſche Volkspartei aufſtellt. In einer
ſolchen Beſprechung in Neumarkt in Schleſien hat ein Redner
der Wirtſchaftspartei aus Liegnitz behauptet, Dr. Streſemann
habe ein Einkommen von einer Million Mark, er ſtehe außerdem
noch an der Spitze zweier Konzerne, und daher ſei es nicht
ver=
wunderlich, daß die Deutſche Volkspartei den Mittelſtand nicht
verſteht. Dr. Streſemann habe ja ſelbſt zugegeben, daß die
Sta=
biliſierung nur auf Koſten des Mittelſtandes geſchaffen werden
konnte. Wer zu derart törichten und unwahrhaften
Behauptun=
gen greift, beweiſt damit nur, wie ſchwach ſeine eigene Poſition
iſt, und zeigt dadurch gleichzeitig an, daß er nicht in der Lage iſt,
mit anſtändigen Mitteln ſeine Politik zu verteidigen.
Streit in junger Ehe.
Die „Reformationspartei” des Hofpredigers Döhring —
gegen die ſich übrigens alle großen Verbände des
Proteſtantis=
mus durch eutſchiedene Erklärungen gewandt haben — iſt mit
den „Völkiſchen” und ähnlichen Splittern zu einem „
Völkiſch=
nationalen Block” verbunden. Die Döhring=Partei hat nun ein
Flugblatt herausgegeben, in dem es heißt:
„Dieſer Block hat nichts gemein mit den
National=
ſozialiſten und lehnt auch die kirchenfeindliche
Hal=
tung Ludendorffs auf das entſchiedenſte ab."
Dieſer Satz iſt den völkiſchen Blockgenoſſen höchſt
unange=
nehm. Daher antwortet das „Deutſche Tageblatt” „auf mehrere
Anfragen” in Nummer 111 wie folgt:
„Wenn wir auch die Schwierigkeiten der Deutſchen
Reformationspartei ihren Wählern gegenüber, die doch reſtlos
aus kirchlichen Kreiſen kommen, nicht verkennen wollen,
ſo wäre es doch beſſer geweſen, wenn dieſes Flugblatt vor
ſeiner Veröffentlichung der Leitung des Völkiſch=Nationalen
Blockes vorgelegt worden wäre. So können wir nur
feſt=
ſtellen, daß der Geſchäftsführer des Völkiſch=Nationalen Blocks,
Herr Fahrenhorſt, und auch der Führer der Konfervativen in
Groß=Berlin, Exz. Kracker von Schwarzenfels, ſofort gegen
dieſen Satz Proteſt eingelegt und auch die Zuſicherung von
der Deutſchen Reformationspartei erhalten haben, daß das
Blatt nicht weiter verbreitet würde.”
Wie man ſieht, hat die junge Ehe zwiſchen Herrn Döhring
und Herrn von Gracfe ihre erſte Trübung erfahren. Mit der
herrlichen „Einigkeit” der „völkiſchen” Mannen iſt es wieder
ein=
mal nichts.
10 Locarno=Fragen.
Da die Deutſchnationale Volkspartei aus rein
innerpoliti=
ſchen und wahltaktiſchen Gründen die Außenpolitik in die
Wahl=
agitation hineingezogen hat, ſo ſeien an ſie folgende Fragen
geſtellt:
Aau
geht uns Frauen der 20. Mai an!
Wir wählen,
weil wir uns als Staatsbürgerinnen verantwortlich fühlen für das große Ganze, für Wohl und Wehe von Volk
und Vaterland.
Wir wählen politiſch,
denn die politiſche Einſtellung einer Partei ſoll maßgebend ſein für die Führung unſerer Geſamtpolitik. Nicht die
Intereſſen einzelner Stände und Schichten dürfen vorherrſchen, ſondern ſie müſſen der Staatsnotwendigkeit
untergeordnet werden.
Wir wählen die Deutſche Volkspartei,
denn ſie hat als einzige den richtigen außenpolitiſchen Weg erkannt und hat den nationalen Mut gehabt, ihn
zu gehen;
denn ſie hat trotz ihrer inneren Abneigung gegen die neue Staatsform in ſchlimmſter Zeit ihre Kräfte zur
Ver=
fügung geſtellt und dadurch der Mißwirtſchaft der Linksregierung ein Ende gemacht;
denn ſie hat in allen Kulturfragen ihre liberale und verantwortungsbewußte Einſtellung bewieſen und ſo auch
beim Reichsſchulgeſetz eine einſeitig ſchematiſche Regelung, die nicht der Entwicklung der einzelnen Landesteile
Rechnung trug, abgelehnt;
denn ſie hat ſich ſtets für Schutz deutſchen Familienlebens eingeſetzt, hat auf Beſſerung im Wohnungsweſen
im Intereſſe der Familie hingewirkt und Erleichterung für kinderreiche Familien gefordert;
denn ſie hat auf ſozialpolitiſchem Gebiet gegen die Sozialiſten wirklich ſoziale Forderungen durchſetzen geholfen,
wie den Ausbau der Angeſtelltenverſicherung, die Berufskrankenkaſſen; ſie erſtrebt bei der Arbeitsloſenverſicherung
eine mehr individuelle Regelung;
denn ſie hat die Arbeit der Frau im öffentlichen Leben, im Berufsleben gefördert, ſie iſt für ihre
Gleichberech=
tigung, für Aufſtiegsmöglichkeiten eingetreten.
Am 20. Mai ſollen wir die Vertreter für den Reichstag und Landtag benennen.
Die polltisch denkende Frau wählt
Seaddute Tebbalten
Liste 4
1. Iſt es richtig, daß der erſte Vorſchlag an Frankreich zum
Ab=
ſchluß eines Rhein= und Friedenspaktes unter Anerkennung
der beſtehenden, durch den Vertrag von Verſailles geſchaffenen
Grenzen von einem deutſchnationalen Außenminiſter gemacht
wurde?
Antwort: Jawohll Durch den deutſchnationalen Miniſter
Roſenberg, der Außenminiſter im Kabinett Kuno war. Die
Oeffentlichkeit hat davon zum erſten Male Kenntnis erhalten
durch eine Rede Kunos vom 31. Dezember 1922. Poincars
ging bloß nicht darauf ein, weil er auf den Zerfall
Deutſch=
lands und eine Gelegenheit hoffte, die Ruhr zu beſetzen, was
er kurze Zeit darauf getan hat.
2. Iſt es richtig, daß die Deutſchnationalen ſich wenigſtens
ſtill=
ſchweigend mit dem Angebot Streſemanns vom 9. Februar
1925 einverſtanden erklärt haben?
Antwort: Jawohl, denn ſie ſind in der Regierung
ge=
blieben und haben das Memorandum Streſemanns in keiner
Weiſe zum Anlaß genommen, die Beteiligung an der
Regie=
rung zu kündigen, obwohl gerade damals der Augenblick
da=
zu gegeben war.
3. Ift es richtig, daß die Deutſchnationale Volkspartei im
Gegen=
teil der deutſchen Note vom 20. Juli 1925 zugeſtimmt hat,
ob=
wohl dieſe Note erſt die genauen Grundlagen für die
Verhand=
lungen in Locarno ſchuf und nicht weniger als fünfmal auf
das Februar=Memorandum Bezug nimmt und außerdem
aus=
drücklich feſtſtellt, daß die Verhandlungen ſich nicht auf eine
Aenderung des Verſailler Vertrags beziehen ſollten?
Antwort: Jawohl! Denn der Antrag der
Regierungs=
parteien, der die Billigung dieſer Note verlangt, trägt an
erſter Stelle den Namen des Grafen Weſtarp. Zugeſtimmt
haben alle Parteien mit Ausnahme der Völkiſchen und der
Kommuniſten.
4. Iſt es richtig, daß die Deutſchnationale Volkspartei damit bie
volle Verantwortung für die Verhandlungen in Locarno
über=
nommen hat?
Antwort: Ohne allen Zweifel. Deutſchnationale
Tages=
zeitungen haben damals noch ausdrücklich feſtgeſtellt, daß es
durch dieſe Note gelungen ſei, für Locarno „eine einheitliche
Linie und einen einheitlichen Weg für alle
Regierungspar=
teien zu finden”.
Aan
nnnnnnnnnnnnnnnnnpnnnt
Deutſche Arbeiter!
Eure Ziele ſind die unſeren: Arbeit, Brot,
Lohn, Wohnung, deutſche und chriſiliche
Jugenderziehung, ſoziale Gerechtigkeit für
Alle! Wer das ohne Klaſſenkampf, auf dem
Boden vaterländiſcher Politik erreichen will,
wählt die
Deutſche Volkspartei (Ciſte 4)
5. Iſt es richtig, daß die deutſchnationalen Miniſter in der
Sitzung des Reichskabinetts am 20. Oktober 1925, nach der
Rückkehr der deutſchen Delegierten aus Locarno, einem unter
dem Vorſitz Hindenburgs gefaßten Beſchluß zugeſtimmt haben,
der die Haltung der deutſchen Delegation billigt und die
Fort=
ſetzung der dort begonnenen Politik verlangt?
Antwort: Jawohl! Dieſe Tatſachen wurden allen
deutſchnationalen Leugnungsverſuchen gegenüber noch einmal
durch ein amtliches Kommunigué vom 30. Oktober 1925
feſt=
geſtellt.
6. Iſt es richtig, daß der deutſchnationale Miniſter Schiele bereits
in einer Kabinettsſitzung vom 19. Oktober erklärt hat, daß er
mit einem lauten „Ja” die Billigung ausſprechen würde?
Antwort: Jawohl! Auch dieſe Tatſache wurde durch
eine weitere amtliche Erklärung der Reichsregierung vom
4. November 1925 der Oeffentlichkeit gegenüber feſtgeſtellt.
7. Iſt es richtig, daß die Deutſchnationalen fich durch die
An=
nahme der Richtlinien des Zentrums im Januar 1925
ver=
pflichtet haben, die in Locarno begonnene Politik fortzuſetzen?
Antwort: Jawohl! Denn dieſe Forderungen wurden
ausdrücklich in den Richtlinien erhoben, auf die ſich die
Deutſchnationalen beim Zuſtandekommen der letzten
bürger=
lichen Regierung verpflichtet haben.
8. Hat die Deutſchnationale Volkspartei alſo allen entſcheidenden
Schritten, die die Politik von Locarno vorbereiteten,
zuge=
ſtimmt und hat ſie ſich dann ſpäter, im Jahre 1927, zur
Fort=
ſetzung dieſer Politik entſchloſſen?
Antwort: Ganz unbeſtreitbar, wie aus den mitgeteilten
Tatſachen hervorgeht.
9. Kann die Deutſchnationale Volkspartei alſo die
Verantwor=
tung für die deutſche Locarno= und Verſtändigungspolitik
Streſemanns leugnen?
Antwort: Nein! Sie handelte nicht nur ehrlich,
ſon=
dern auch klug, wenn ſie ſich offen zu dieſer Politik, die der
einzig mögliche Weg zur Befreiung und zum außenpolitiſchen
Aufſtieg Deutſchlands iſt, bekennen würde.
10. Was beweiſen die deutſchnationalen Leugnungsverſuche?
Antwort: Sie beweiſen die politiſche Haltloſigkeit und
Unzuverläſſigkeit einer Partei, die ſich deutſch und national
nennt.
AnHnnnannnnnnnnnnnnnnarnnnnnngnngnnnnng
Deutſche zerſplittert Euch!?
Bei der Reichstagswahl vom 7. 12. 24 ſind
660 000 meiſt bürgerliche Stimmen ohne
Mandat geblieben durch die Wahl von
Splitter= und Intereſſenparteien. 262000
un=
gültige Zettel wurden außerdem abgegeben.
Aber 7 Million gingen gar nicht zur Wahl.
Soll das ſo weiter gehen?
Den Erfolg wird die Linke haben: Sozialiſten
und Kommuniſten. Deshalb unſer Ruf:
Sammelt Euch
in der großen nationalen, aller Stände
er=
faſſenden Staatspartei: der
Deutſchen Volkspartei (Eiſte 4)
Das Vaterland über Partei und Sonderbündelei!
m
IHBHHanan W EH HEgngennnä
Der Weg zum Du.
Em Künſtlerroman von Charlotte Köhn=Behrens.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W. 62.
Ebenſo unvermittelt wie ihr Plaudern war ihr
ſekunden=
langes Schweigen. Hatte ſie eigntlich Angſt? Und wovor?
Sie war gewohnt, das Unvermeidliche raſch und klar zu
er=
ledigen. Und Klarheit hatte die letzte Nacht unweigerlich
ge=
bracht. E8 galt nur noch, die vorgezeichnete, klare und lieblos
helle Straße, aufrecht zu Ende zu wandern, ohne rechts und
links zu ſchauen.
„Ich glaube, gnädige Frau, der Herr ſchließt,” Fräulein
Kriede ſchnellte empor und ging auſ die Diele.
„Guten Morgen, Herr Marwede.”
„Guten Morgen. Iſt meine Frau ſchon auf?”
„Ja, ſie ſitzt im Frühſtückserker. Soll ich friſchen Tee nach
vorn bringen?”
„Nein, danke, Fräulein Frieda, ich brauche nichts!”
Er trat in das Zimmer, durch deſſen ſechs Erkerſcheiben
breit und hart das Geleucht einer ſpäten Winterſonne fiel. Nun
zuckte Fee doch zuſammen. Mein Gott, was hatten dieſe
vier=
undzwanzig Stunden aus dem Mann gemacht. Das großflachige
Geſicht war plötzlich alt und zerfallen, und es ſchien, als wäre
das Haar an den Schläfen heller als fonſt.
Aber dieſer Augenblick glitt raſch vorüber. Es galt die helle
Straße ohne Umſchau vorwärts zu ſchreiten. Ein höheres Geſetz
ſprach vom heiligen Egoismus ſtarker Perſönlichkeiten.
Sie gab ihm freundlich die Hand und ſagte:
„Es iſt gut, daß du da biſt, Hans. Wir kommen ſo ſchneller
zu Ende.
„Zu Ende”, tönte es wieder in Hans Marwede. „Und
ein=
mal wird Alltag in uns ſein . . ." Jetzt war es ſo weit. Seine
Stimme aber war von der immer gleichen geruhſamen Würde.
„Bitte, Fee, ſprich. Deine wenigen Worte verraten einen
Entſchluß. Sprich alſo zuerſt.”
Und nun kam doch eine Stille. Ein Schweigen, das laſtend
und ſchwer ſich auf horchende Herzen ſenkte, das mit
unheim=
lichen Augen zwei wartende Seelen anſah und in tückiſcher
Vor=
freude, wie ein boshaftes Tier, ſich an den kommenden
Schmer=
zen ſeiner Opfer weidete.
Kennt Ihr das Schweigen, das ſchlimmer iſt, als die
ſchlimmſten Worte? Doch da war wieder die Stimme der Frau,
hart und klar:
„Ich werde dir weh tun müſſen, Hans. Wahrheit iſt
Höhen=
luft, die meiſten erſticken an ihr. Aber dein Herz iſt ſtark genug,
ſie zu ertragen. Unſere Ehe iſt im Beſten zerbrochen, ich habe
keinen Glauben mehr an die Kraft unſerer Liebe. Als ich geftern
dieſe Worte ſprach, ſchlugſt du die Tür hinter dir zu. Vielleicht
war auch das ein Symbol, vielleicht ſielen auch die Tore deiner
Seele ins Schloß. Ich weiß es nicht.
Ich weiß auch nicht, ob ich dich liebe oder nicht. Ich fühle
nur, daß es ſo nicht weitergeht. Das Beſte iſt tot. Und
Men=
ſchen wie du und ich ſetzen ſich nicht an abgegeſſene Tiſche —‟
Schweigen — — Und ſchmerzlicher wurden die Worte der
Frau.
„Glaub' mir, es wird mir nicht leicht, das zu ſagen. Wir
waren uns doch einmal Hoffnung, Erfüllung, Krönung unſeres
Ichs, Hans —
Wieder Schweigen —
„Ich tu mir ſelber am meiſten weh, ſo glaub' mir doch. Wir
Künſtler ſind Utopiften des Lebens. Wir ſind Ewig=Einſame
und führen in Wahrheit ein Leben ohne Verſtehen, ohne Gnade
— und im Allertiefſten — ohne rechte Liebe. Denn unſere Liebe
iſt ein Traum wie unſer Leben. Wenn wir erwachen, ſind wir
nichts anderes — als frierende Kinder.
Und wir müſſen doch vorwärts, allein, ohne Stab und
Stütze, einen Weg ſuchen, der nur der unſere iſt.”
Tränen kamen in ihrer Stimme, und es gab nun für ſie
doch Blick und Umſchau auf dem liebeleeren Wege, den ſie ging.
„Unſere Ehe war ein tiefer, ein köſtlicher Traum, der uns
über die begrenzten Gefühle unſeres armen Herzens trug und
Ziel und ewige Ruhe im Unendlichen ſuchte. Aber doch nur ein
Traum . . . Die Wirklichkeit iſt anders. Der Alltag hat alles
erſtickt — und die Ehe, dieſe ewige Feſſel, die Leiber und Seelen
aneinander ketten will, ohne Rückſicht und Gnade für den
Ein=
zelnen.”
Sagte der bleiche Mann noch immer nichts? Grauenvoll
und majeſtätiſch war dieſes Schweigen.
„Ich gehe, Hans — du wirſt mich, nicht zu halten ſuchen,
wenn ich dir ſage, daß ich nicht mehr die Kraft des Gefühls
habe, den ſchimmernden Mantel der Liebe, der aus Glauben und
Zuverſicht gewebt iſt, dir und mir um die Schultern zu legen.
In mir iſt die große Leere.”
Das Geſicht des Mannes blieb ganz ruhig. Keine einzige
Muskel erzählte von ſeinem Schmerz.
Undurchdringlich. Fremd. Nichtfühlend.
Auch die Stimme war klar und feſt:
„Du weißt, ich ehre das Recht, deiner Perſönlichkeit. Du
ſelbſt haft über dein Leben zu beſtimmen, und die Gemeinſchaft
der Ehe braucht dir keine Feſſel zu ſein. Du kanré deinem
Herzen ſo wenig gebieten als irgendein andrer. Zerbrochene
Liebe iſt Schickſal, das man tragen muß.
„Aber”, die Worte wurden ein wenig mühſam, „ich glaube
dir die zerbrochene Liebe noch nicht. Ich kenne dich beſſer, als
du dich kennſt. In dir meldet ſich das Wanderblut. Du wirſt
nicht viel Gutes auf dem Wege finden, Fee. Denn du wirſt
Schiffbruch erleiden.
„Ich will nicht. Ich habe längſt angefangen, dieſe ſchreckliche
Großmut und Ueberlegenheit an dir zu haſſen, mit der du immer
den andern vergewaltigſt. An dieſer Gewalt ſtarb meine Liebe.”
„Du ſollſt einen Hafen behalten, ſage ich; denn du wirſt
Schiffbruch erleiden. Du haſt den richtigen Weg, auf dem wir uns
ſelber befinden, noch nicht erkannt, Fee. Durch dein ganzes Leben
geht ein einziger, tönender Glockenſchlag, und der heißt „Ich”.
Durch alle deine Tage geht ein leuchtendes Licht, und das heißt
wiederum: „Ich”. Und über Leiden, Glück, Liebe und Erleben
erſtrahlt dir ein Stern, den du abermals nennſt: „Ich”. Wir
fin=
den aber den Weg zu uns nur durch das „Du”. Nur durch die
Hingabe. Die aber kennſt du nicht!”
„Iſch — ich — keine Hingabe?!"
„Nein! Du kennſt ſie nicht. Du gibſt dich und fühlſt nur
immer wieder die eigene Kraft, die da verſtrömt. Geh’ nur ruhig
hinaus in die Welt, wie du es willſt. Ich will nichts für mich,
ſondern nur für dich, wenn ich dir jetzt ſage: ich laſſe dich
endgül=
tig, früheſtens nach einem Jahr von mir gehen, Fee. Du ſollſt
eine Heimat haben!"
Sie ſah ſtarr und geradeaus und antwortete nicht.
„Das iſt mein endgültiger Wille und du weißt, daß ich nie
um eines Haares Breite von meinen Entſchlüſſen abgehe.”
„Du wirſt es bedauern”, ſagte Fee, verſtockt und unſanft
an=
gerührt von der Wahrheit, die in ſeinen Worten lag. „Ich fühle
mich während dieſer Zeit als völlig Freie.
Riß da etwas in der Bruſt des Mannes? Tat ſein Herz einen
Schrei der Qual? „Wenn du nach einem Jahr auf der Scheidung
beftehſt, Fee, werden wir eine geeignete Form der Löſung finden.
Ich ſage dir noch einmal: Ich will nichts für mich — alles für dich.”
Sie ſah über ihrem Geſicht die großen, gütigen Augen
leuch=
ten. Mit ſchmerzhafter Deutlichkeit kam es ihr zum Bewußtſein,
von wieviel helfender Liebe ſie heute ſchied. Sie griff nach ſeiner
kräftigen Hand, die ſo lange alle Steine aus dem Wege geräumt
hatte und ſagte weich:
„Gut, ich werde eine Studienreiſe machen. Wie lange, weiß
ich noch nicht. Und du?‟
„Ich gehe in unſer Landhaus nach Wildenroth und ſchreibe
mein Buch über die Ehe fertig. Wie du ſiehſt — ein aktuelles
Thema!”
Seine ſchmerzliche Ironie tat ihr weh. „Nicht dieſen Ton zum
Abſchied, Hans. Vitte nicht!”
(Fortſetzung folgt.)
STRESEMANN
an die deutſche Jugend
auf dem Reichsjugendtage der Deutſchen Volkspartei,
Oktober 1927:
„Nun noch ein beſonderes Wort an die Jugend, eine
Mahnung: Hütet Euch vor allem unvernünftigen
Klaſſen=
hochmut und Bildungsdünkel! Der einzige Adel iſt der
Adel der Tüchtigkeit und der Arbeit. Wir bekennen uns
ſtolz zum ſozialen Gedanken, wie ihn ſchon die alte
natio=
nalliberale Partei zu verwirklichen ſuchte. Aber wir
wollen nicht wieder in den Fehler der Vergangenheit
verfallen, durch Hochmut und Standesdünkel die ſozialen
Gegenſätze zu vertiefen. Das iſt in gewiſſem Sinne eine
Frage der Erziehung. Auch die Erziehung muß den
Menſchen gemeinſam faſſen. Dies Ideal hat ſich bewährt
im Weltkrieg und darüber hinaus in der Nachkriegszeit,
und das iſt wahrer Liberalismus. Unſer Denken muß
darauf gerichtet ſein, die Jugend in erſter Linie national
zu erziehen. Wir haben einen Teil unſerer Größe als
Partei drangeben müſſen; aber lieber mit einer kleinen
Partei dem Vaterland dienen, wie als große Partei von
Phraſen leben. Wir haben den Wagen herausgeriſſen,
als er am tiefſten im Dreck ſteckte. Aber wir ſind ein
Stück vorwärts gekommen. Man muß nur glauben, daß
man vorwärts kommt, dann hat man auch die ſeeliſche
Kraft zur Arbeit. Darum geht mein Ruf an die Jugend
heute: Seid deutſch, dient, arbeitet für Euer Vaterland!”
Allerhand Glückwünſche.
Zu Streſemanns Geburtstag.
Die Freunde?
Fürſt Bülow.
Der bedeutendſte Kanzler der Nach=Biswarckſchen Kaiſerzeit,
Fürſt Bülow, ſchreibt im Berliner „8 Uhr Abendblatt”: „Die
Enwwicklung Streſemanns hat die Ewwartungen beſtätigt, die auf
ihn geſetzt wurden. Er iſt die markanteſte Figur des
neuen parlamentariſchen Deutſchland und hat
als Außenminiſter Qualitäten gezeigt, die ihm
im Auslande Beachtung verſchafften. Seine
Auffaſſung von nationaler Würde iſt
grad=
linig. Sie iſt in ſeinem Weſen eingewurzelt. Jeder ſeiner
Ver=
handlungsgegner rechnet damit als mit einer gegebenen Größe.
Er hat in Genf Sympathien gewonnen, die nicht zu unterſchätzen
ſind. Ein Staatsmann von ſolchen Eigenſchaften
iſt ein Beſitz, den Deutſchland ſich zu ſichern und
zu erhalten allen Anlaß hat.”
„Deutſche Allgemeine Zeitung”:
Streſemann weiß aus perſönlicher Erfahrung, wie es in den
Gäuſern des Mittelſtandes ausſieht. Als junger Syndikus
in Dresden hat er mit 1000 Mk. Jahresgehalt begonnen. . . Der
Politiker Streſemann, ſeit Jahren etne der
ſtärkſten Energien der deutſchen Politick nach innen
und außen, iſt nach alter deutſcher Art in der waßloſeſten Weiſe
bekämpft worden. Alle die Fortſchritte Deutſchlands, ſeitdem
er Reichskanzler wurde — niemand kann ſie und Dr.
Streſe=
manns Anteil an ihnen leugnen —, ſind im ſchwerſten Kampf
wach außen und innen erſtritten worden. Es iſt nicht wahr,
daß er der Konjunktur der öffentlichen
Mei=
nung nachläuft: Er hat in jeder Phaſe ſeiner Politik erſt
Widerſtände niederringen, Habinettskriſen überwinden und
Be=
ſudelung ſeiner Ehre auf ſich nehmen müſſen, um ſich
durchzu=
ſetzen. Und der „Silberſtreifen!” Wo wäre das deutſche
Reich heute, wenn Streſemann 1923, als viele
verzagten, nicht ſeinen Optimismus erhalten
hätte.”
Die „Tägliche Rundſchau”:
„Streſemann iſt heute als Staatsmann anerkannt in
der ganzen Welt. Sein Wirken gehört der Geſchichte
an, die ihn viel gerechter und wohlwollender behandeln wird
als viele ſeiner deutſchen Zeitgenoſſen. Es iſt unrichtig, ihn als
den glücklichen Fortſetzer der Erfüllungspolitik von Wirth und
Rathenau zu bezeichnen, deren theoretiſche, paſſive und auf
irr=
tümlicher Einſchätzung unſerer Gegner beruhende
Erfüllungs=
politik mit dem Ruhreinbruch Schiffbruch gelitten hat, während
Streſemann ſtets für aktive Annäherungs= und
Gleichbe=
rechtigungspolitik, Leiſtung der Kriegsentſchädigung
gegen die Gegenleiſtung der Erleichterung unſerer Laſten
und Löſung unſerer Feſſeln eingetreten iſt und ſeinen Weg mit
Erfolg zu beſchreiten vermochte.”
Die Gegner:
Die „Germania”, das führende Berliner Zentrumsblatt:
„Die Perſönlichkeit Streſemanns mag in ihren politiſchen
Handlungen und Zielen noch ſo umſtritten ſein, wer willens iſt,
ſeinem Urteil Aufrichtigbeit zugrunde zu legen, wird mit der
Anerkennung nicht zurückhalten, auf die Streſewann
in jahrelanger Arbeit an ſichtbarſter Stelle im Dienſt von Reich
und Volk gerechterweiſe An ſpruch hat.”
„Vorwärts” — „Rote Fahne‟:
Beide ſtellen feſt, daß Streſemann ihr Gegner iſt, beide
geben aber auch zu, daß er zu den klügſten Gegnern ſowohl
der Sozialdemokratie wie der Kommuniſten gehört.
Der „Vorwärts” ſchreibt: „Herr Streſemann iſt aber auch —
zum Unterſchied von ſeinen meiſten Parteigenoſſen (2) ein kluger,
politiſcher Gegner und als ſolcher uns willkommen.”
Die „Rote Fahne” ſtellt nach denbbar ſchärfſten Ausfällen
feſt: „Streſemann iſt zweifellos der weitaus bedeutſamſte Kopf
unter den Führern der deutſchen Bourgeoiſie der Nachkriegszeit.
Dieſe feiert ihn mit Recht."
Und — die Deutſchnationalen und Völkiſchen:
„Deutſche Zeitung”:
Der völkiſch=radikale Herr von Sodenſtern wiederholt ſein
bekanntes Sprüchlein: „In dieſem Manne ſehen wir die größte
Gefahr für Deutſchlands Gegenwart und Zukunft. Seine Redner=
Babe geſtattet es ihm, ſelbſt ſcharf national eingeſtellte Deutſche
F zu führen und an ſeine Bismarckähnlichkeit glauben zu
machen. Seine Amtstätigkeit aber, wenn ſie nach den Wahlen
noch fortgeſetzt werden ſollte, führt zu dem Endziel, daß dem
beutſchen Volke der letzte Reſt an Rückgrattraſt gebrochen und
DAs Deutſche Reich zu einer politiſchen und wirtſchaftlichen
Aus=
beuterkolonie des Auslandes gemacht wird. Wir wüßten nicht,
was wir dieſem Manne zu ſeinem 50. Geburtstage wünſchen
ſollten, und bleiben daher lieber abſeits ſtehen. Für unſer
deutſches Volk aber haben wir den Wunſch, daß dieſer in Ver=
Zaugenheit wie Gegenwart gleich verhängnisvolle Mann,
mög=
lichſt bald von der politiſchen Bühne verſchwindet.
Die deutſchnativale Preſſeſtelle.
Der Leiter der deutſchnationalen Preſſeſtelle, Herr von
B Eles, wünſcht dem deutſchen Reichsaußenminiſter zum 59. Ge=
WBarum nicht Evangeliſche
K
oirsgemeinſchaft
Was will die Evangeliſche Volksgemeinſchaft?
Sie will alle Evangeliſchen ſammeln, um dem Sentrum wirkſam entgegenzutreten!
Pas aber hat ſie getan?
Sie hat bei der Landtagswahl im Vorjahre ihren Anhängern Stimmenthaltung anempfohlen.
Sie hat damit erreicht, daß die Deutſche Volkspartei einen Abgeordnetenſitz im Heſſiſchen Landtag verlor, das
Sentrum zwei gewann.
Dadurch iſt nicht die Deutſche Volkspartei, ſondern wieder das Sentrum in die Heſſiſche Regierung gekommen.
Die Evangeliſche Volksgemeinſchaft hat alſo dem Zentrum zur
Regierungs=
gewalt in Heſſen verholfen!
Kann ein evangeliſcher Chriſt eine ſolche Partei wählen?
NNelAZS
Die evangeliſchen Belange ſind immer beſtens von der Deutſchen Volkspartei gewahrt worden; ſie hat auch jetzt
wieder
das Reichsſchulgeſetz zu Fall gebracht und damit den klerikalen Vorſtoß zum Konkordat
abgewehrt! Die Evangeliſche Volksgemeinſchaft iſt alſo überflüſſig, denn die Evangeliſchen
Intereſſen ſind in der O. V. P. ſo vorzüglich gewahrt, daß es keiner neuen Partei bedarf.
Fort mit dem Stumpfſinn der kleinen Parteien, hin zur großen
Deutſchen Polkspartei!
Liſte 4
Gegen parteipolitiſchen Mißbrauch
in der Perſonalpolitik der Verwaltungen,
gegen Klaſſenkampf
und Kaſtengeiſt,
gegen ſchwächlichen Pazifismus
Ir delmangeſharftunfere icselte.
gegen alle Einſeitigkeit
auf wirtſchaftlichem und ſozialem Gebiete,
für die Volksgemeinſchaft
aller ehrlich ſchaffenden Deutſchen
für den nationalen Staat
für konfeſſionellen Frieden
für die deutſche Freiheit
die Streſemann angebahnt hat
kämpft die
Liſte
Deutſche
Volkspartei!
urtstag zwei ... Särge. Herr W. von Kries ſchreibt: „Herr
)r. Streſemann möge ſich zwei Särge bauen laſſen, um darin
dwohl den Kulturkampf wie den Liberalismus, die ihm eine
lißgünſtige Fee in die Wiege gelegt hat, endgültig begraben
er verbrennen zu laſſen.”
Herr von Kries meint allerdings am Schluß ſeines
ſonder=
aren Gratulationsartikels, Herr Dr. Streſemann und ſeine
freunde müßten den Humor haben, auch über ſolche Witze zu
lachen. Wir wiſſen nicht, zu welcher Dages= oder Nachtſtunde
ſerr von Kries ſeinen Artikel geſchrieben hat, wiſſen auch nicht,
ie die Deutſchnationale Parteileitung, Graf Weſtarp und die
utſchnationalen Miniſter, über ſeine Qualitäten denken, ſondern
nd leider gezwungen, in ihm nach wie vor den verantwortlichen
eiter der deutſchnationalen Preſſeſtelle zu ſehen, alſo einen
kann zu ſehen, der innerlich wiſſen müßte, daß weder
rr Dr. Streſemann noch die Deutſche Volkspartei jemals zu
gen Kreiſen gehört haben, die man — oft ſehr zu Unrecht —
18 libevale Kultunkämpfer bezeichnet. Sie haben dafür ober,
r. Streſewann ſowohl wie die Deutſche Volkspartei, ſtets mit
ürde und Energie die Intereſſen der deutſchen und auch der
bangeliſchen Kultur verteidigt, wo es notwendig war. Wenn der
zutſchnationale „Gratulant” dem deutſchen Reichsaußenminiſter
trotzdem zu ſeinem 50. Geburtstage zwei Särge wünſcht, ſo
drängt er damit jedem einen Schluß auf, den wir aus mancherlet
Gründen nicht näher kennzeichnen möchten. Wir begnügen uns
für heute zu ſagen: „Pfui Teufel! Niedriger
hän=
gen!” Kein Feind Streſemanns aus irgendeinem Lager hat die
Gemeinheit dieſes — Koglitionsfreundes erreicht.
Und ſchließlich: Die „Heſſiſche Landeszeitung”:
Noch ein Wort über Streſemann als Redner. Jedermann,
der ihn gehört hat, weiß, mit welch geſchickter Dialektik
Streſe=
mann ſeine Zuhörer feſſeln und die Maſſe der Kritikloſen
ſchließ=
lich auch überzeugen kann. Im Gegenſatz zu ſeinen Leiſtungen
auf außenpolitiſchem Gebiet hat Streſemann hier eine gewiſſe
Meiſterſchaft. Doch auch ſeine Rede iſt, ſieht man näher zu,
fehlerhaft. Es liegt uns fern, ſeine Sätze nach grammaniſchen
Unrichtigkeiten, die jedem, der frei ſpricht, unterlaufen, zu
unter=
ſuchen, aber wenn ein Dichter von der Bedeutung eines
Her=
mann Burte, des berufenen Schirmers deutſcher Sprache, ſich
gedrängt fühlt, ganz allgemein ein vernichtendes Urteil zu fällen,
ſo iſt es gut, wenn man den Redewendungen unſeres
Außen=
miniſters einmal Eritiſch nachgeht. Franz Leſchnitzer hat in der
Wochenſchrift „Die Weltbühne” kritiſche Bemerkungen über den
Schriftſteller Streſemann unter Anführung zahlreicher Beiſpiele
gemacht, die Hermann Burte zu folgenden Schlußfolgerungen
veranlaſſen:
„Wir können durch dieſes brillante Feuerwerk nicht geblendet
werden, aber in Spaß oder Ernſt betrachtet ergibt ſich die
pein=
liche Tatſache, daß ein deutſcher Miniſter des Auswärtigen ein
ſehr ſchlechtes Deutſch ſchreibt, ſchroffer geſagt, nicht richtig
Deutſch kann. Der Stil iſt der Mann. Wer die Worte ſeiner
Mutterſprache nicht mit voller Geiſtesgegenwart in ihrer wahren
Bedeutung empfindet, ſondern den Hauptwörtern falſche
Bei=
wörter gibt, die Zeiten der Zeitwörter verwechſelt, mit
ver=
manſchten Ausdrücken arbeitet: der denkt unrichtig, urteilt
fehler=
haft, greift daneben und iſt nicht geiſtig Herr ſeiner Umwelt,
ge=
ſchweige ſeines Gegenübers, ſondern das Spiel der Andern;
ihren Denkläuften verfallen und folgſam.”
Der Mittelſtand lehnt ab die Sozialdemokratie, die
geſchworene Feindin des Privateigentums.
Der Mittelſkand will vernünftige Wirtſchaft,
Spar=
ſamkeit, Ermäßigung des Steuerdrucks.
Der Mitteiſiand fordert (inigkeit des Bürgertums.
Deshalb lehnt er die Wirtſchaftspartei und
alle Splitterliſien ab.
Der Mittelſtand iſt der Kern des Deutſchen Volkes.
Die Deutſche Volkspartei iſt Mittelpunkt und
Kern deutſcher Politik.
Deshalb gehören zuſammen:
MittelſtandundDeutſche Volkspartei
N Liſie 4 —
Te Ae=
UIr dar!
Die Deutſchnationale Volkspartei greift auch in dieſem Wahlkampf die Deutſche Volkspartei in einer
Weiſe an, als ob die Deutſchnationalen aus der letzten Zeit gar nichts gelernt hätten.
Haben die Wähler vergeſſen, was ihnen die Deutſchnationalen einſt erzählt haben?
Die Deutſchnationalen wollten das Verſailler Diktat zerreißen, ſie wollten ſofort die ſchwarz=weiß=rote Flagge
einführen, wenn ſie zur Regierung kommen,
Die Kriegsſchuldlüge ſollte dem Feinde ins Geſicht geſchleudert werden,
die Republik wurde in ſchärfſter Form abgelehnt,
nur durch Machtpolitik wollte man andere Zuſtände ſchaffen Verſtändigungsolitik ſei abzulehnen.
Alle Parteien, die ſich zu realpolitiſſchen Wegen bereit erklärten, wurden heftig und perſönlich angegriffen,
beſonders die Deutſche Volkspartei und Dr. Streſemann.
Und was haben die Deutſchnationalen getan?
Sie haben den Verſailler Frieden nicht zerriſſen,
ſie haben feierlich erklärt, die Republik und ihre Farben zu ſchützen,
ſie haben ſich an der ſogenannten „Verſklavung Deutſchlands” dadurch beteiligt, daß die Hälfte ihrer
Abge=
ordneten die Dawes=Verträge annahmen,
ſie haben die Außenpolitik Dr. Streſemanns wiederholt gebilligt,
ſie haben alle Zollgeſetze und Handelsverträge mitgemacht. (Heute möchten ſie das leugnen.)
Was verſprachen uns die Deutſchnationalen?
einen völligen Umſchwung in der ganzen inneren und äußeren Politik,
Niederkämpfung des Marxismus.
„individuelle” Aufwertung, in der Privatwirtſchaft bis zu 100 Prozent!,
Aus alledem iſt nichts geworden!
Die Deutſchnationalen haben gelernt, Realpolitik zu treiben, ſie erreichten bei praktiſcher Arbeit nicht
mehr, als die Deutſche Volkspartei ſchon lämgſt vor ihnen geleiſtet hat.
Jetzt vor der Wahl kehren die alten Ladenhüter der deutſchnationalen Verſprechungen wieder, ebenſo
der unſchöne Kampf gegen die Deutſche Volkspartei.
Man wird ihnen nicht glauben!
Beſonders beim Reichsſchulgeſetz hat ſich gezeigt, daß die Deutſche Volkspartei allein die chriſtlichen und
vaterländiſchen Ideale verteidigte. Sie verhinderte ein Geſetz, das den Schulbeſtimmungen im bayeriſchen
Konkordat weitgehende Rechnung tragen wollte. Sie verhinderte die Zerſchlagung unſeres bewährten chriſtlichen
Schulweſens in Splitterſchulen, verhinderte die Bevorzugung weltlicher Schulen uſw., verhinderte eine neue
gewaltige Belaſtung der Steuerzahler. Die D.V. P. hat die Lage beſſer erkannt als die Deutſchnationalen.
72
„Unſer Banner hat nie geſchwankt!“
So riefen im Jahre 1924 mit Stolz die Deutſchnationalen. Heute ſagen ſie das nicht mehr.
DAZ
dIe Talt AdZIO
Maßvoll, beharrlich, verantwortungsbewußt, den Blick feſt auf die Aufgaben der Zeit und die Ziele
einer beſſeren Zukunft gerichtet, ſteht die Deutſche Volkspartei im Wahlkampf! Sie hat den Wählern nie etwas
vorgetäuſcht, ſie tat ihre Pflicht, ſie verdient das Vertrauen des deutſchen Volkes. Deshalb:
DOMIO MIOT
Volkspartei, nicht Klaſſenpartei.
Von Verbandsſekretär Phil. Groß, Stuttgart.
Wahlzeiten ſind immer noch Kampfzeiten geweſen, aber
ge=
rade heute, wo aufgepeitſchte Parteileidenſchaften hohe Wogen
aufwerfen und alle Sachlichkeit zu überſchwemmen drohen, iſt es
notwendig, ſich Klarheit über die Fragen der deutſchen
Lebens=
notwendigkeiten zu verſchaffen. Im Leben und in der Politik
lieben es die Menſchen, an Tagen die einen Abſchnitt bedeuten,
rück= und vorwärts zu ſehen. Knapp 3½ Jahre hat die
Lebens=
zeit des letzten Reichstages gewährt und wir ſtehen wieder
davor, Frauen und Männer unſeres Vertrauens in den
neuzu=
wählenden Reichstag zu entſenden.
Rückwärtsſchauend ſehen wir den gewaltigen, ſelbſt unſeren
Feinden Achtung gebietenden Lebenskampf, den das deutſche
Volk geführt und ſich mit ſeinem zähen Arbeitswillen und nicht
verſiegender Lebenskraft wieder aus dem Chaos
herausgearbei=
tet hat.
Um dieſen Arbeitswillen betätigen zu können, iſt die
Außen=
politik, wie ſie unſer verehrter Führer Streſemann treibt, die
einzig mögliche für unſer Volk geweſen und wird ſie auch für
die Folge ſein. Es nützt nichts, wenn unſere politiſchen Gegnuer
nur kritiſieren und uns Ehrloſigkeit zum Vorwurf machen, ohne
uns andere Wege u zeigen, auf denen es wieder vorwärts und
aufwärts gehen kann, vor allen Dingen beſſer wie bisher. Die
Auswirkung der Locarnopolitik hat wirtſchaftliche Früchte
getra=
gen. Ohne dieſe Verſtändigungspolitik hätte Deutſchland keine
Handelsbeziehungen zu vielen Staaten mehr bekommen. Wie
notwendig wir aber weitere Abſatzgebiete für deutſche
Handels=
güter brauchen, erklärt ſich allein aus der Tatſache, daß durch dieſe
Handelsbeziehungen die Zahl der Erwerbstätigen in ſtetem
Wachſen begriffen iſt. Sie ſind alſo eine Lebensnotwendigkeit
in erſter Linie für die Arbeitnehmer.
Eine Politik, eine Partei, die ſich dem ganzen Volk
verant=
wortlich fühlt, darf nicht nur Klaſſen= und Standesintereſſen
verfölgen. Sie muß die Grundlage der deutſchen Nation, die
deutſche Volksgemeinſchaft als oberſtes Prinzip
aner=
kennen. Keine Abſchnürung der tauſendfachen Adern, und
Blut=
ſtröme, ſondern ein fruchtbares Ganze ſchaffen, die
naturgewollte Schickſalsverbundenheit der Stände und Schichten
gilt es zu fördern. Jeder Stand ſoll ſeine höchſte Vollendung
finden in der Volksgeſamtheit, Standesintereſſen ſind daher den
Intereſſen, den Lebensfragen des Volkes unterzuordnen. Ja, es
kann. Notzeiten eines Volkes geben, wo die Erhaltung der
Exiſtenz des Geſamtvolkes die Einzelintereſſen, auch die
Einzel=
rechte eines Standes aufheben kann. Das iſt Lebensgeſetz des
Volkes, daß ſeine Glieder in Zeiten höchſter Not Opfer bringen
müſſen, um die Nation zu erhalten. Dabei dürfen wir uns
aber nicht der ſozialiſtiſchen Meinung hingeben, als ob das Volk
nur die unterern Schichten ſeien. Volk ſind alle und jeder im
Rahmen unſerer Nation, für deren Exiſtenz jeder zu opfern
bereit ſein muß. Verlangen wir von den beſitzenden Schichten
den Eingriff in Vermögens= oder Wertſubſtanz um z. B.
aufer=
legte Reparationen leiſten zu können, ſo müſſen wir von der
Arbeitnehmerſchaft Hingabe ihres Gutes, der Arbeitskraft,
ver=
langen. Die Opfer müſſen aber gerecht verteilt werden, auch hier
Schickſalsverbundenheit und Volksgemeinſchaft.
Die Arbeitnehmer aller Gruppen ſind auf Gedeih und
Ver=
derb mit den übrigen Volks ſchichten und Volksgenoſſen
ver=
bunden. Jedem Stand und jedem Volksgenoſſen iſt ein
be=
ſtimmter Anteil an nationaler Wertarbeit und an kulturellem
Streben gegeben, aber die Anteile ſind verſchieden, mit ſeinem
Talent, d. h. auf ſeinem Gebiet hat jeder zu wirken und erſt in
der Vereinigung aller ſchaffenden Kräfte wird das Maß
natio=
naler Spannkraft erreicht, deſſen ein Volk zu einem tätigen
Fort=
leben — nicht zum Vegetieren — bedarf. Man verſuche doch
ein=
mal, die Stände aus dem Geſellſchaftsverband loszureißen, ſie
nieberzudrücken, ihre Lebenshaltung auf ein unwürdiges Maß
zu ſenken, oder den einen beiſeite ſchieben zu wollen; es entſtünde
eine unausfüllbare Lücke, die den Beſtand des
Geſellſchafts=
organismus überhaupt in Frage ſtellt.
Die günſtige Entwicklung eines Volkes hängt von ſeiner
inneren Fertigkeit ab. Deshalb iſt die Partei wahre
Volks=
partei, die dazu beiträgt, dieſe Fertigkeit zu ſtärken und zu
fördern. Der deutſche Volksgemeinſchaftsgedanke fundiert auf
dem Boden der berechtigten Intereſſen eines jeden Standes, die
ſich aber alle dem Wohl des Geſamtvolkes unterzuordnen haben.
In unſerem Volk liegen die Wurzeln der
deut=
ſchen Kraft, durch deutſche Arbeit und Geiſt gilt es
heute gegen die übrige Welt um unſere Exiſtenzberechtigung zu
kämpfen.
Die Deutſche Volkspartei, die Partei, die die Glieder aller
Volksſchichten in ſich vereinigt, geht dieſen beſchwerlichen Weg,
ohne ſich hemmen zu laſſen durch Gekläff von rechts oder links,
geht ihn, getragen von dem Gedanken an das große Ziel,
Deutſchlands Geltung und Achtung in der Welt
wieder herzuſtellen.
Unſer bisheriger Kurs, frei von klaſſenegoiſtiſchen Gründen,
in einheitlicher Aufbaulinie ſich für das Volkswohl einſetzend,
die Pflege der deutſchen Volksgemeinſchaft wird, unſerer hohen
Aufgabe zum Sieg verhelfen. Für Recht und Gerechtigkeit
kämp=
fende Frauen und Männer aller Schichten, ſtellt euch in unſere
Reihen. Helft wit, den inneren Wert der D.V.P. noch weiter
auszubauen und ſie zu einer Volkspartei im wahrſten Sinne
des Wortes zu machen. Es können und dürfen alſo nach dem
hier Geſagten, in der D.V.P. keine Klaſſenunterſchiede und
gegenſätze beſtehen und geduldet werden, denn es gilt, allen
Schichten gerecht zu werden, allen notleidenden Volksgenoſſen zu
helfen; denen aber am meiſten, die es am notwendigſten haben.
Klaſſenparteien haben es viel leichter als unſere Volkspartei.
die ſich ihrer Verantwortung für Volk und Vaterland bewußt
iſt und danach handelt. Alle Berufsſtände und Volksſchichten,
insbeſondere auch wir als Arbeitnehmer, haben Platz in der
D.V.P. und werden uns dort durchſetzen können, wenn wir
mitarbeiten für die Belange aller Stände und mithelfen, etwa
vorhandene Gegenſätze zu überbrücken. Daß in der D.V.P.
all=
ſeitiges Verſtändnis für die Nöten der Arbeitnehmerſchichten
be=
ſteht, hat ſie durch ihre hervorragende Mitarbeit an der ſozialen
Geſetzgebung im letzten Reichstag bewieſen. Die D.V.P. hat aber
nicht nur dadurch, ſondern auch durch ihr ſonſtiges Verhalten
den Nachweis erbracht, daß ſie nicht Klaſſenpartei, ſon=
(ern Volkspartei iſt.
Aus dem Parteileben.
Bensheim, 11. Mat. — Herr Dr. Lohmann aus Weilburg
a. d. Lahn, der ehemalige Vizepräſident des Preußiſchen
Land=
tages; ſprach am Donnerstag abend im „Deutſchen Haus” in
öffentlicher Wahlverſammlung. Nachdem Herr
Staatsanwalt=
ſchaftsrat Kleinjung die Verſammlung eröffnete und kurz des
Geburtstages des verehrten Parteiführers und
Reichsaußen=
miniſters Dr. Streſemann gedachte, ſprach Herr Dr. Lohmann in
anderthalbſtündiger Ausführung über die politiſche Lage. Er
be=
ſprach eingehend und ausführlich die drei hauptſächlichſten Gebiete
des politiſchen Lebens, die ſeit geraumer Zeit das Staatsgebilde
bewegen: das Reichsſchulgeſetz, Außenpolitik und
Wirtſchaftspoli=
tik. Zum Reichsſchulgeſetz bemerkte Dr. Lohmann, daß das
Zen=
trum das Scheitern derfelben aus taktiſchen Gründen bewirkte.
Wir haben ja an der Politik des Zentrums ſchon zur Genüge
ge=
ſehen, daß ſie vieles zurückſtellt, nur um ihre kulturpolitiſchen
Forderungen durchzudrücken. Den Segen der Simultanſchule
haben wir ja am eigenen Leibe erfahren, und auch manche
Zentrumspolitiker, zum Beifpiel Wirth, treten auch heute noch
für deren Erhaltung ein. Das Kabinett Fehrenbach ſtimmte
ſeinerzeit ebenfalls der Simultanſchule zu. Scheinbar ändern ſich
die Grundſätze des Zentrums ſehr raſch, daß das, was früher
KRANHE
und ſolche Perſonen, die nicht zum Wahllokal
gehen können, werden am Wahliag durch unſere
Autos abgeholt. Meldungen an Geſchäftsſielle
der D.V.P., Rheinſir. 22, Fſpr. 3504, 1304.
gebilligt wurde, heute bekämpft wird. Zum Gebiete der
Außen=
politik übergehend, betonte Dr. Lohmann, daß der Friede im
Innern mit allen Mitteln von der Deutſchen Volkspartei
aufrecht=
erhalten wird, um außenpolitiſch dadurch nicht geſchwächt zu
wer=
den. Haben wir denn vergeſſen, daß unter der Führung
Streſe=
manns Köln, Dortmund und Eſſen geräumt wurden, haben wir
weiter vergeſſen, daß unſere Wirtſchaft ſich erholte und die
Arbeitsloſenziffer ganz erheblich geſunken iſt? Den unleugbaren
Zuſammenhang zwiſchen der Außenpolitik Dr. Streſemanns und
der Geſundung der deutſchen Wirtſchaft betonte Dr. Lohmann
beſonders. Zur Wirtſchaftspolitik bemerkte Herr Dr.
Loh=
mann, daß ſich das Bürgertum hoffentlich auf ſeine
Wahl=
pflicht endlich beſinnt und nicht durch Wahlfaulheit in logiſcher
Folgerung ein Anſchwellen der Sozialdemokratie hervorruft, die
dann die Poſten als Finanz= und Wirtſchaftsminiſter für ſich in
Anſpruch nimmt und damit als Reſultat neue Lohnkämpfe und
dadurch Konkurrenzunfähigkeit hervorruft. Weiterhin wandte
ſich Herr Dr. Lohmann der Not der Landwirtſchaft zu und
unter=
ſtützt eine tatkräftige Abhilfe, warnt jedoch vor der
Alleingangs=
politik, da einſeitige Berufsintereſſen einer Vernunftspolitik nur
ſchaden könne. Mit einem Wort von Fichte, das ausklingt „Tu‟
deine Pflicht” beſchließt Redner ſeine Ausführungen. Seine
kla=
ren und ſachlichen Erläuterungen fanden den lauten Beifall der
Anweſenden. Da ſich trotz zweimaliger Aufforderung niemand
zur Diskuſſion meldete, ſchloß Herr Staatsanwaltſchaftsrat
Klein=
jung, nachdem er Herrn Dr. Lohmann den Dank der
Verſamm=
lung ausſprach, gegen 11 Uhr die Verſammlung.
Offenbach, 12. Mai. — Die Deutſche Volkspartei hatte
für=
ihre heutige Wählerverſammlung angekündigt, daß ſich Abg.
Din=
geldey darin mit der Behauptung des Reichstagsabgeordneten
Dr. Quaatz, wonach es völlig unwahr ſei, daß die
Deutſchnatio=
nalen der Politik Streſemanns zugeſtimmt hätten, eingehend
aus=
einanderſetzen werde. Abg. Dingeldey führte dann auch unter
anderem aus, die Darſtellung des Herrn Dr. Quaatz und der
Deutſchnationalen über die Vorgänge beim Ruhrkampf müſſe zum
mindeſten tendenziös genannt werden. Es müſſe der
Deutſch=
nationalen Partei der Vorwurf gemacht werden, daß ſie heute die
Verantwortung für die Außenpolitik, die ihre Miniſter
mit=
gemacht hätten, ablehnen wollten. Dieſe Ablehnung ſei lediglich
ein durchſichtiges Wahlmanöver. Der hieſige Vorſitzende der
Deutſchnationalen, Profeſſor Richter, ſuchte die Richtigkeit der
Auffaſſungen ſeiner Partei nachzuweiſen und die Deutſche
Volks=
partei als Angreiferin in diefem Wahlkampfe hinzuſtellen. In
ſeinem Schlußwort ging Abg. Dingeldey nochmals auf die
Ein=
wendungen der Deutſchnationalen ein und erklärte, daß ſich die
Deutſche Volkspartei entſchloſſen habe, diesmal die Angriffe der
Deutſchnationalen nicht mehr ruhig hinzunehmen, ſondern den
Fehdehandſchuh aufzunehmen. Der Kampf müſſe ausgetragen
werden. Die Rede des Herrn Dr. Quaatz (vom 4. Mai in unſerer
Stadt) ſei von Anfang bis zu Ende ein einziger Angriff auf die
Deutſche Volkspartei geweſen.
Dreieichenhain, 11. Mai. — In einer Wählerverſammlung der
Deutſchen Volkspartei ſprach geſtern Handwerksmeiſter
Mott=
ſcheller=Offenbach über „Das Handwerk und die Deutſche
Volkspartei‟. Durch den Umſturz von 1918, ſo führte der Redner
aus, ſei die Sozialdemokratie unverhofft für ſie und vielleicht
auch ungewollt zu dieſem Zeitpunkte zu Einfluß und Macht
ge=
kommen. Es fühle ſich aber heute kein Menſch durch ſie beglückt
und zufrieden. Sie konnte nicht halten, was ſie jahrelang
ver=
ſprach. Sie hätte ſich ſogar, um ſich überhaupt gegen noch weiter
links ſtehende Volkskreiſe halten zu können, nur mit bürgerlicher
Hilfe und mit bürgerlichen Mitteln, den Zeitfreiwilligen, in der
Regierung behaupten können. In ſehr unbehaglicher Lage befinde
ſich im heutigen Staate auch das Handwerk. Die Demokraten
ſähen zwar in Dr. Reinhold den Steuerſenker und den Beglücker
des ſelbſtändigen Handwerks. Er habe aber doch nur die vollen
Kaſſen Schliebens vorgefunden und die ſchon begonnene
Steuer=
ſenkung fortgeſetzt. Es möge heute Finanzminiſter Höpker=Aſchoff
in Preußen ähnlich vorgehen, wenn er könne. Die mit ſo großen
Hoffnungen begrüßte Demokratiſche Partei habe zudem überall
den Rückmarſch angetreten. Der Handwerkerſtand ſei kein
über=
lebter Volksteil. Er ergänze ſich im Gegenteil immer noch aus
dem Stande der Handarbeiter, dem ſogenannten Proletariat. Der
Handwerker müſſe den Stolz haben, den Sohn immer wieder dem
väterlichen Berufe zuzuführen. Die Sozialdemokraten ſeien
im=
mer bemüht, das Handwerk ſteuerlich zu belaſten und durch
Er=
richtung von Gemeindebetrieben ihm das Leben ſauer zu machen.
Das Handwerk ſolle eben nach ihrer Meinung zugrundegehen, um
das Proletariat zu vermehren. Die Mittel für handwerkliche
Ge=
meinde= und Staatsbetriebe ſolle man dem Handwerke zu
billi=
gem Zinsfuße zur Verfügung ſtellen. Das Handwerk müſſe ſich
auch mit dem Stimmzettel mehr wehren. Es ſei ſchon immer der
Träger hoher Kultur und dürfe nicht untergehen. Der
Hand=
werker wiſſe aber leider noch immer nicht, wohin er politiſch
gehöre, meine ſogar, um ſich die Kundſchaft nicht zu verſcherzen,
dürfe er überhaupt keiner Partei angehören. Der Handwerker
müſſe in die politiſchen Parteien eintreten und ſich dort
durch=
ſetzen. Auf dieſem Wege komme er ſchließlich in die
Volksvertre=
tung, wo er zum Beſten ſeines Standes wirken könne. Das
Hand=
werk möge am 20. Mai die Deutſche Volkspartei, die anerkannte
Beſchützerin und Förderin des Handwerks, wählen. An der
eben=
falls anregenden Ausſprache beteiligten ſich zwei Wähler, ſo daß
um 1 Uhr die Verſammlung, die einer Sparkaſſenverſammlung
wegen erſt in vorgerückter Stunde eröffnet werden konnte, mit
Dankesworten des Vorſitzenden an die „ſeßhaften” Teilnehmer
geſchloſſen werden konnte.
Jugenheim a. d. B. — An Stelle des durch Krankheit
ver=
hinderten Oberlandesgerichtsrats Altendorf ſprach hier in einer
allerdings nur mäßig beſuchteh Wahlverſammlung der
General=
ſekretär der D.V.P. Seine überzeugenden Ausführungen, vor
allem über die Außenpolitik und Streſemann, veranlaßten einen
deutſchnationalen Diskuſſionsredner, in recht kleinlicher Form
Kritik an Streſemann zu üben, wobei er es ſogar fertig brachte,
die gewaltige Streſemannkundgebung von Mainz als weniger
bedeutſam darzuſtellen, wie es die Preſſe aller Parteirichtungen
getan hat. Mit Recht wies der Verſammlungsleiter darauf hin,
daß die Kampfesweiſe der Deutſchnationalen gegen Streſemann
Die Mitglieder und Wähler der Deutſchen
Volkspartei treffen ſich am Sonntag abend ab
8 Uhr zur Entgegennahme der Wahlreſultate
in der Turnhalle.
Kon zert
der Vereinigung ehemaliger Militärmuſiker.
Was iſt national?
Nicht wer große und ſchöne Redensarten macht .. ſondern
die Partei und der Deutſche, der mit dem Mut der
Verant=
wortung in die vorderſte Linie tritt, um dem Vaterlande
zu dienen, ohne Rückſicht auf parteipolitiſchen Vorteil. Das
tat Dr. Streſemann und die Deutſche Volkspartei!
w
W
wenig vornehm und nicht dazu angetan ſei, das Verhältnis
zwi=
ſchen beiden Parteien zu ſtärken.
Beerfelden, 13. Mai. — Am vergangenen Sonntag ſprach
hier der heſſiſche Landtagsabgeordnete Chr. Scholz in einer gut
beſuchten Verſammlung. Die Verſammlung verlief ruhig und
würdig; eine kurze Ausſprache ergab Zuſtimmung zu allen
an=
geſchnittenen Fragen. Es ſcheint, daß auch in Beerfelden, wo
zeitweilig die Völkiſchen einen großen Anhang hatten, die Wähler
ſich zur Politik der Vernunft zurückfinden.
Büttelborn, 8. Mai. — Hier ſprachen Landtagsabgeordneter
Haury und Generalſekretär Welkow. Erſterer behandelte die
Fra=
gen der Steuer=, Wirtſchafts= und Sozialpolitik und verſtand es
in ganz vorzüglichem Maße, aus dem Born ſeiner reichen
Erfah=
rung ſchöpfend, ein Bild unſerer Lage zu geben. Der
General=
ſekretär behandelte die Fragen der Außenpolitik. Beide Redner
konnten ſich der Zuſtimmung der Verſammlung erfreuen.
Biſchofsheim. — Die Deutſche Volkspartei hielt am Sonntag,
den 13. Mai, im Gaſthaus von Wilhelm Schad in Biſchofsheim
eine Wählerverſammlung ab, in welcher ihr Reichstagskandidat
Reichsbahnoberſekretär Fahrenholz=Hannover ſprach. Der
Ein=
ladung waren in der Hauptſache Eiſenbahnbeamte gefolgt. Sehr
erfreulich war beſonders die Tatſache, daß die Führer der
Eiſen=
bahnergewerkſchaften anweſend waren. In Anbetracht dieſer
Tat=
ſache ging Herr Fahrenholz in ſeiner Rede neben ſeinen
tempe=
ramentvollen Darlegungen auf dem allgemeinen politiſchen
Ge=
biete ganz beſonders auf ſpezielle Beamtenfragen ein. Er
behan=
delte ſo zum Beiſpiel im Zuſammenhange mit der Innenpolitik
die eventuelle Tariferhöhung der Reichseiſenbahn, ihre
Auswir=
kungen, die ſich dann zeigen werden in bezug auf die
Reichsbahn=
beamten wie auf die übrige Bevölkerung ſowie auf die Wirtſchaft
ſelbſt. Gute Ausführungen widmete Herr Fahrenholz der neuen
Beſoldungsordnung, dem Arbeitszeitgeſetz und ganz beſonders
der Organiſation der Reichsbahnbeamten. Nachdem er einige
Fragen der Sozialverſicherung behandelt und Ausführungen über
die Not der deutſchen Landwirtſchaft und des gewerblichen
Mit=
telſtandes gemacht hatte, legte er am Schluſſe der Rede den
Schwerpunkt auf die Fragen der Außenpolitik. Es iſt ihm auch
hier gut gelungen, alle Anweſenden von der Richtigkeit des
außenpolitiſchen Kurſes, wie ihn der Parteiführer Dr.
Streſe=
mann ſeit Jahren eingeſchlagen hat und ihn unentwegt fortſetzt,
zu überzeugen. Er erntete geſchloſſenen, und ehrlichen Beifall.
In der Diskuſſion ſprach zunächſt ein demokratiſcher Führer, der
jedoch den Ausführungen des Herrn Fahrenholz nichts
entgegen=
ſetzen konnte, vielmehr faſt alles nur unterſtrich. Er rief die
Ver=
ſammlung auf, am 20. Mai demokratiſch zu wählen, und ſprach
die Hoffnung aus, daß die Demokratiſche Partei doppelt ſo ſtark
in den neuen Reichstag einziehen wird. Seine Ausführungen
löſten allgemeine Heiterkeit aus. Als zweiter Diskuſſionsredner
ſprach Herr Zugführer Erich. Er unterſtrich nochmals
nachdrück=
lich die Ausführungen des Herrn Fahrenholz, dem er großes
Ver=
trauen ſchenkt. Nach ſeinen in ganz überzeugender Weiſe
ge=
ſprochenen Schlußausführungen, in welchen ſich Herr Fahrenholz
als guter Kenner der Beamten= und Eiſenbahnerfragen erwies,
erntete der Redner großen Veifall und aufrichtigen Dank.
Laubenheim. — Am 10. Mai fand in Laubenheim eine
öffent=
liche Wahlverſammlung ſtatt. Der Geſchäftsführer von Mainz
ſprach über „Die Schädlichkeit der Parteibildungen nach
Sonder=
intereſſen einzelner Berufsſtände‟. Eine ſehr angeregte lange
Diskuſſion über die Verbundenheit der verſchiedenen Wirtſchafts= — Das Reichsſchulgeſetz.
zweige brachte die Teilnehmer der Verſammlung einander näher
und ließ die Hoffnung berechtigt erſcheinen, daß durch weitere
Arbeit des Vertrauensmannes, Herrn Lehrer Bitz, eine neue
Ortsgruppe in Laubenheim gebildet wird.
Wendelsheim. — Hier ſprach am 9. Mai in einer
Wahlver=
ſammlung der D.V.P. Landtagsabgeordneter Dr. Niepoth.
Seine vorzüglichen Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall
der Erſchienenen. Eine Diskuſſion fand weiter nicht ſtatt, nur
einige Anfragen wurden an den Redner geſtellt.
Harxheim, 11. Mai. — Hier fand eine Verſammlung der
D.V. P. ſtatt, die weitaus am beſten beſucht war von allen, die
bisher dort ſtattgefunden hatten. Der Geſchäftsführer von Mainz
legte ſeiner Rede den Gedanken zugrunde, die einzelnen
Partei=
programme und die tatſächlichen Leiſtungen der Parteien kritiſch
zu beleuchten, wobei er näher ausführte, weshalb eine beſondere
Bauernpartei für unſer ganzes Wirtſchaftsleben und für die
Landwirtſchaft ſelbſt nicht von Nutzen ſein wird. Herr Stadt= 5 Konkordatsbeſtimmungen
berordneter Strohauer ſprach in zu Herzen gehenden Worten
von unſerre äußeren und inneren Not. Er richtete den warmen
Appell an die Zuhörer, die Deutſche Volkspartei zu wählen, die
das Intereſſe der Landwirtſchaft wirkſam vertritt, — und ſich
nicht in Sonderbeſtrebungen zu verlieren. Bis 1 Uhr dauerte die 7
äußerſt angeregte. Diskuſſion über politiſche und wirtſchaftliche
Fragen. Man hatte den Eindruck eines ſchönen Erfolges.
Ginsheim, 9. Mai. — In einer hier ſtattgefundenen
Wähler=
verſammlung ſprach Generalſekretär Welkow. Er wies darauf
hin, daß in der Gegenwart die großen politiſchen Geſichtspunkte
im Vordergrund zu ſtehen hätten, und man ſich daher nicht in
Berufs= und Sonderintereſſen verlieren dürfe. Die Deutſche
Volkspartei habe allen Grund, auf die außenpolitiſche
Entwick=
lung und Entſpannung hinzuweiſen, die das Verdienſt ihres
Führers, des Reichsaußenminiſters Streſemann, ſei. Es ſei
töricht, wenn heute ein Berufsſtand glaube, auf Koſten des
ande=
ren Vorteile irgendwelcher Art erzielen zu können. Wir ſeien in
allen Gliedern des Volkes aufeinander angewieſen und dürften
nicht neben=, ſondern nur miteinander arbeiten. — Die
Ausfüh=
rungen erzielten lebhaften Beifall; eine Diskuſſion wurde nicht
5
gewünſcht.
Pſeddersheim, 8. Mai. — Landtagsabgeordneter Dr. Keller A
ſprach hier in einer Wahlverſammlung, die aus allen
Berufs=
kreiſen beſucht war. Die Stimmung war ſehr gut und zuverſicht= rufsſtandes unter allen Umſtänden zu verwerfen iſt. Die
Ver=
lich, alle Ausführungen des Redners wurden mit Zuſtimmung ſammlung folgte dem klaren und ſachlichen Vortrag des Redners
und Beifall aufgenommen.
Oppenheim. — Die Deutſche Volkspartei hielt am 13. Mai in
Oppenheim im Saal Hilbig eine öffentliche Wahlverſammlung ab. der vergangenen Woche öffentliche Wahlverſammlungen in Ober=
Den Vorſitz führte der Kreisvorſitzende, Herr Weingutsbeſitzer Gleen, Ruppertsburg, Kirtorf, Flenſungen und Echzell abgehal=
Jungkenn, und als Redner war Herr Landtagsabgeordneter Dr. ten. Die Verſammlungen zeigten durchweg einen zufriedenſtel=
Niepoth gewonnen. Der Redner legte in ſeinen Ausführungen lenden Beſuch. Die Ausführungen des Redners wurden mit
zunächſt das Programm der Deutſchen Volkspartei dar und be= großem Intereſſe aufgenommen und verſchiedentlich durch eine
tonte, daß dies Programm vor allem „Streſemann” heiße, indem anregende Ausſprache ergänzt.
er gleichzeitig einen umfaſſenden Rückblick über die ſeitherigen
Verdienſte Streſemanns gab. Im weiteren Verlauf ſeiner Rede am Sonntag, den 6. d. Mts., vor einer ſehr gut beſuchten
Ver=
kam er auf die Frage der Schutzzölle zu ſprechen und betonte hier, ſammlung Herr Weißer für die Deutſche Volkspartei. In
Laß die Deutſche Volkspartei grundſätzlich die Partei eines ber= äußerſt klaren Worten entwickelte der Redner den intereſſiert
Zu=
nünftigen Schutzzolles iſt. In der Beſprechung der Notlage der hörenden die Schwierigkeiten in der deutſchen Außenpolitik. Unſere
Landwirtſchaft führte der Redner aus, daß dieſe zum Teil durch Kriegslaſten könnten wir nur durch einen verſtärkten Export
til=
die Preisſpanne zwiſchen Erzeuger und Verbraucher und zum gen. Wir müßten dann aber auch den anderen hochentwickelten
Seil durch die Höhe der öffentlichen Laſten bedingt iſt. Das Be= Induſtrieländern einen gleichen Export zugeſtehen und ihnen
ſreben der Deutſchen Volkspartei geht dahin, die Realſteuern zu unſere Grenzen öffnen. Hier hätte die Deutſche Volkspartei in
ſenken. Der Redner ſprach dann noch über die Schulfrage und ſchwierigen Verhandlungen Ausgleich der Parteigegenſätze ge=
Lehandelte zuletzt das traurige Kapitel der Splitterparteien. Hier= ſchaffen zum Wohle unſeres Landes. Die Fragen der Landwirt=
Dei kam er auf die Chriſtlich=Nationale Bauernpartei zu ſprechen ſchaft behandelte der Redner ausführlich und zeigte den Zuhörern
uu9 führte aus, daß wohl eine Organiſation des Bauernſtandes. Wege, die Schwierigkeiten und Notlage der Landwirtſchaft zu
22 Vegrußen iſt, daß aber eine politiſche Partei irgend eines Be= überwinden. Am ſozialdemokratiſchen Agrarprogramm könne die
Machtkampf der Sogialdemekratie
Aa dossen kosten!
Seit zehn Jahren, ſeit dem 9. November 1918, ſuchen Sozialdemokraten und Kommuniſten das politiſche
und wirtſchaftliche Leben Deutſchlands maßgebend zu beeinfluſſen, ohne den Beweis erbringen zu können, daß
ſie imſtande ſind, poſitive Arbeit zu leiſten. Zunächſt iſt es ihnen gelungen, jahrelang im Reichstag zu regieren.
Zentrum und Demokraten waren nicht in der Lage, abwehrend auszugleichen.
Erſt ſeitdem die Deutſche Volkspartei im Auguſt 1923 in die Reichsregierung eintrat, hat ein langſamer aber
tatſächlicher Aufſtieg Deutſchlands und eine Stärkung der deutſchen Wirtſchaft begonnen.
In dieſem Wahlkampf ſucht die Sozialdemokratie erneut die alte Machtpoſition wieder zu gewinnen
und durch Wahlerfolge den Sozialismus zum Siege zu führen.
Die Freie Wintschaft soll wernichtet werden,
Kampf gegen das Privateigentum, Herrſchaft des Proletariats iſt dabei das ſozialdemokratiſche Ziel. Das hat
ohne Hemmung der ſozialdemokratiſche Reichstagsabgeordnete Hilferding, der zurzeit anerkannte Theoretiker
der Sozialdemokratie, auf dem letzten Parteitag in Kiel ausgeſprochen, wenn er erklärte:
„Wir müſſen die ganze Arbeiterklaſſe als politiſche Partei konſtituieren. Die ökonomiſche Entwicklung läuft
immer mehr in der Richtung zum Sozialismus. Immer klarer wird das Programm vor die
Arbeiter=
kreiſe geſtellt, die Kreuzung von Staat und Wirtſchaft zu vollziehen. . . ." „Das Proletariat muß die
Staatsmacht zur Verwirklichung des Sozialismus erobern. Wir kennen den Weg, wir kennen das
Ziel, unſere Ausſichten ſind gut”.
Hilferding will — wie er ſagt — den Arbeitslohn zu einem politiſchen Lohn machen, ſeine Höhe werde
abhängen von der politiſchen Macht, — Alſo nicht mehr Fleiß, Leiſtung, Eignung uſw. ſollen die entſcheidenden
Faktoren ſein. Das würde zu Perhältniſſen der Willkür, der Parteiwirtſchaft und Rechtloſigkeit führen, wie
in Rußland.
Deutſche Wähler des Mittelſtandes, des Arbeitnehmertums, der freien Berufe: Wollt ihr die Herrſchaft
dieſes „Proletariats”, die Vernichtung jeden Eigenſtrebens, die Diktatur der Maſſen, die ſchließlich die Diktatur
einiger Machthaber über die Maſſen ſein wird?
Wollt ihr Deutſchland 4 Jahre lang Theoretikern ausliefern, die unſeren volkswirtſchaftlichen Problemen
ratlos gegenüberſtehen, die nur verneinen und zerſetzende Kritik üben? Wollt ihr Deutſchland ſoziaiſtiſchen
Wirtſchaftsexperimenten ausliefern?
Wieder greift die Sozialdemokratie nach der ſtaatlichen Alleinherrſchaft. „Der Parteikampf iſt im
kapita=
liſtiſchen Staat nichts anderes als Klaſſenkampf. Der Kampf der Parteien geht um den Staatsinhalt und den
Einfluß auf die Führung des Staates.” (Hilferding.) Oder ſoll wirtſchaftliche Vernunft, freie unbefangene
Gemeinſchaftsarbeit, auf dem Boden der Gleichberechtigung zwiſchen allen Ständen vorhanden ſein?
Nicht internationale Phraſeologie, ſondern geſunde reale nationale Politik, nicht Klaſſenkampf
im Innern, ſondern Volksgemeinſchaft zwiſchen allen Ständen, nicht das marriſtiſche Wirtſchaftsſyſtem,
ſondern geſunde Eigenwirtſchaft und Erhaltung des Privateigentums ſichern Deutſchlands
Wieder=
aufſtieg!
An einer geſunden Sozialpolitik zur Erhaltung der deutſchen Volkskraft und zum Schutze wirtſchaftlich
Schwacher hat die Deutſche Volkspartei führend mitgearbeitet. Wir nennen einige ihrer bekannteſten Vertreter
aus Arbeitnehmerſchichten: die Abgeordneten Otto Thiel, Heidenreich, Langer, Winnefeld, Streiter uſw.
Kapital und Wirtſchaft, beide wären längſt untergegangen, hätten nicht die viel geſchmähten
Wirtſchafts=
politiker, insbeſondere die wirtſchaftlichen Köpfe der Deutſchen Volkspartei, mit zugegriffen und gemeinſam mit
verſtändigen nationalgeſinnten Vertretern der nationalen Arbeiter= und Angeſtelltenverbände am Neuaufbau
unſeres Vaterlandes gearbeitet. Deshalb wählt die Partei des Wiederaufbaues, die
Peatsttle
Volkspartei
Liste
iſi nicht an der Deutſchen Volkspartei
ge=
ſcheitert. Dieſe war zur Mitarbeit an einem
chriſtlichen und deutſchen Schulgeſetz bis zum
letzten Augenblick beteiligt. Das Geſetz
ſcheiterte am
Machtwillen des Zentrums,
das eine Klerikaliſierung des geſamten
Schul=
weſens wollte, gleichzeitig um die ihm verhaßten
chriſtlichen Simultanſchulen
in Südweſideutſchland zu beſeitigen, gegen die
es früher nichts einzuwenden hatte. Im
Hintergrunde ſtand die Abſicht des Zentrums
in die Reichsgeſetzgebung hineinzubringen,
wie jatatjächlich eine Reihe von Anträgen beim
Reicheſchulgeſetz dem bager. Konkordat
nach=
geſchrieben ſind. Hierbei macht allerdings die
Deutſche Volkspartei nicht mit.
Darüber, und daß ſeine Ziele diesmal nicht
er=
reicht wurden, herrſcht der Zorn des Zentrums,
Die Deutſchnationalen
haben leider die weitreichenden Abſichten des
ihm geholfen. Wer für ein
chriſtliches und deutſches Schulgeſetz
unter Wahrung der Staatshoheit und unter
Ablehnung der Zentrumsziele eintritt, muß
am Wahltage für die
9 Deutſche Volkspartei ſimmen. (Liſtie 4)
Aanga2
mit großem Intereſſe und ſpendete ihm reichen Beifall.
Oberheſſen: Provinzial=Geſchäftsführer Weißer hat in
Kreis Alsfeld. — In Obergleen, Kreis Alsfeld, ſprach
Aunnnnnnnnnntt nnnnnnn -nnnnnnnnnnnnnngnng Landwirtſchaft nicht geneſen, — dieſes Programm zeige mit
deut=
lichen Worten, den Landwirt von ſeiner Scholle und ſeiner
Hei=
mat zu bringen. Der Redner bat um Anfragen und Forderungen
aus der Verſammlung heraus, der leider nicht nachgekommen
wurde. Mit einer Mahnung an die Wähler, am 20. Mai zahlreich
zur Urne zu gehen und die Wahlmüden mitzunehmen, ſchloß der
Kreisgeſchäftsführer die Verſammmlung.
Offſtein, 10. Mai. — Am 50. Geburtstage unſeres
hochver=
ehrten Führers Herrn Dr. Streſemann hielt Herr
Landtagsabge=
ordneter Oberſtudiendirektor Dr. Keller vor gut beſuchter
Ver=
ſammlung einen Vortrag, der anläßlich des Ehrentages unſeres
Führers in einer eingehenden Würdigung unſeres Herrn
Außen=
miniſters und ſeiner Politik beſtand. Außerdem ſtreifte er Fragen,
die uns für die kommende Reichstagswahl lebhaft intereſſieren.
Die Rede, die ausklang in einem Aufruf, der Deutſchen
Volks=
partei und ihrem Führer die Treue zu halten und für ſie zu
wer=
ben im Intereſſe des Vaterlandes, fand außerordentlich lebhaften
Beifall. In der Diskuſſion, in der außer einigen Parteifreunden
auch der Führer des hieſigen chriſtlichnationalen Bauernbundes,
Herr Andres, ſich beteiligte, ſetzte ſich der Referent noch einmal
eingehend mit den Splitterparteien, ſpeziell mit den
landwirt=
ſchaftlichen Parteien auseinander. Er wies auf das überaus
Schädliche der einſeitig wirtſchaftlich eingeftellten Parteien hin,
die auf Grund dieſer Einſtellung in großen kulturellen und
welt=
wirtſchaftlichen Fragen wegen ihrer Kleinheit und des Mangels
an einer großen weltanſchaulichen Idee zu keiner fruchtbringenden
Arbeit kommen können.
Butzbach. Am Dienstag abend hielt die hieſige Ortsgruppe
der Deutſchen Volkspartei im kleinen Saale des „Heſſiſchen Hof”
ihre Wahlverſammlung ab. Als Redner war der heſſiſche
Partei=
führer und Fraktionsvorſitzende Herr Rechtsanwalt
Dingel=
dey gewonnen. Nach einigen Begrüßungsworten ſeitens des
Verſammlungsleiters ergriff der Referent das Wort zu ſeinen
Zentrums nicht verſtanden, fondern haben A tiefgründigen und temperamentvollen Ausführungen. Der
Redner zog anfangs einen Vergleich zwiſchen den Vorbereitungen
zu den Wahlen in Frankreich und in Deutſchland. Hier wie dort
geringe Beteiligung der Wähler an den Wahlverſammlungen.
Dort aber 80 Prozent Wahlbeteiligung. Der Redner kam dann
auf die eindrucksvolle Kundgebung in Mainz zu fprechen, in
welcher das beſetzte Gebiet dem Führer der Deutſchen
Volkspar=
tei, dem Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann, zugejubelt und
dadurch ſeinen Dank dem Leiter der Deutſchen Außenpolitik zum
Ausdruck gebracht hatte. Eindrucksvoll ſchilderte der Redner
die entſagungsvolle und harte Arbeit des derzeitigen
Reichs=
außenminiſters. Vor den Augen der Zuhörer entſtanden noch
einmal jene verzweifelten Monate des Jahres 1923, als
Be=
ſatzung, Inflation, Arbeitsloſigkeit und Separatismus das Reich
auseinanderzuſprengen drohten. Dank der unermüdlichen Arbeit
Streſemanns herrſcht heute, nach knapp diereinhalb Jahren,
wie=
der Ruhe und Ordnung im Reich, und groß iſt das Anſehen und
die Achtung vor den Leiſtungen des deutſchen Volkes im
Aus=
land. Wie klein demgegenüber die Kritik derjenigen, denen das
Erreichte nicht genügt, die aber nicht in der Lage ſind, Mittel
und Wege anzugeben, wie mehr erreicht werden konnte. Welche
innere Unwahrhaftigkeit liegt jetzt in dieſer Kritik zu Zeiten des
Wahlkampfes, nachdem vier deutſchnationale leitende Miniſter
jeden Schritt der Außenpolitik im Einvernehmen mit dem
Reichs=
präſidenten gebilligt haben. Teutſche Außenpolitik kann auf die
Dauer erfolgreich nur geführt werden, wenn ſie ſich ſtützt auf das
geſamte Volk. Der Redner kam im weiteren Verlauf auf die
wirtſchaftlichen Fragen zu ſprechen. Die Geſundung der
Wirt=
ſchaft ſah er in einer Steigerung des Exports und einer
Hinde=
rung des Imports. Auch bei Wirtſchaftsfragen dürfe nicht nur
das Wohl eines Standes, ſondern das der Allgemeinheit im
Vordergrunde ſteher. Es gibt keine Wirtſchaftspolitik, die vom
Standpunkt des Produzenten oder Konſumenten allein beſtimmt
wird. Eingehend beſchäftigte ſich der Redner mit der Not der
Landwirtſchaft, die er in dem Mißverhältnis zwiſchen Preiſen
und Vetriebsrente begründet ſieht. In ſeinem Schlußwort ſetzte
Wirtſchafts=Partei?
Der Abg. Eiſenberger ſagte über ſeine eigene Reichstags=Fraktion (Wirtſchaftliche Vereinigung):
Wir ſind die Frahtion der heiligen Dreifaltigkeit
Wie meinte er das? Die Fraktion beſteht aus Welfen, Bayr. Bauernbund und Wirtſchaftspartei. Bei allen
wichtigen Fragen ſtimmt ein Teil für das betreffende Geſetz, ein Teil dagegen, ein Teil enthält ſich der Stimme
— oder fehlt.
Der deutſche Mittelſtand muß es ablehnen, ſeinen guten Namen politiſch durch ſolche „Politiker” diskreditieren
zu laſſen.
Die Partei des deutſchen Mittelſtandes in Stadt und Land, iſt die
Deutſche Volkspartei
Sie hat durch ihren Miniſter Dr. Streſemann dem deutſchen Volke einen Führer geſtellt, der ſelbſt aus dem
Mittelſtand ſtammt. Die Deutſche Volkspartei hat in ihrem Wirtſchaftsminiſter Dr. Curtius einen Miniſter, der
gezeigt hat, daß er nicht mit Worten, ſondern mit Taten für Handwerk und Einzelhandel eintritt.
Ihre Politik ging darauf aus, dem Volke
Arbeit und Ruhe
zu geben, und damit dem Mittelſtande die Möglichkeit ſeiner Exiſtenz. Die Arbeitsloſigkeit ging unter Dr.
Curtius auf ein Drittel des früheren Beſtandes zurück. Die Reichsſteuern (Umſatzſteuer uſw.) wurden geſenkt.
Die Realſteuern in Heſſen uſw. wurden in ihrer Höhe von uns bekämpft, Sozialdemokraten, Zentrum und
Demokraten ſitzen hier in der Regierung.
Die Wirtſchaftspartei hat nicht das Geringſte geleiſtet. Einmal iſt ſie zu ſchwach, um Einfluß zu haben, dann
aber ſitzt ſie nicht in der Regierung.
Wo ſie aber in der Regierung iſt,
in Sachſen, werden die höchſten Gewerbeſteuern erhoben. (Der ſächſiſche Finanzminiſter Weber iſt Mitglied der
Wirtſchaftspartei). In Sachſen zahlen, anders als in ſonſtigen Ländern, die Konſumvereine keine Gewerbeſteuer.
Das ſind Tatſachen und Beiſpiele!
Ihnen gegenüber zerfällt die laute Agitation der Wirtſchaftspartei in Nichts. Die maßgebenden Spitzenverbände
von Handwerk und Einzelhandel lehnen dieſe Partei als ihre beſondere Vertretung ab und
warnen vor Zerſplitterung.
Der Spitzenkandidat der Wirtſchaftspartei in der Pfalz, Herr Kaufmann Pallmann=Kaiſerslautern, ſagte in einer
Verſammlung in Landſtuhl:
„Die Deutſche Volkspartei ſei die einzige Partei, die etwas für den Mittelſtand getan habe, aber ſie ſei zu
ſchwach, ihre Anſichten durchzuſetzen”.
Der Mann hat recht.
Stärkung der Deutſchen Volkspartei
iſt für den Mittelſtand nötig, nicht Eigenbrödelei und Splitterparteien. Deshalb:
Wählt die bewährte Partei des deutſchen Bürgertums:
Sodddtie Tesbalter
Liste 4
ſich der Redner noch mit den Splitterparteien auseinander, die
eine Schädigung des Bürgertums mit ſich bringen, ohne in der
Lage zu ſein, etwas Poſitives zu leiſten. — In der Ausſprache
unterſtrich Herr San.=Rat Dr. Vogt die Ausführungen des
Redners und dankte der Deutſchen Volkspartei für ihre
tatkräf=
tige politiſche Arbeit. Mit einem Dankeswort an die
Erſchie=
nenen ſchloß der Verſitzende die Verſammlung, die bei dem
glän=
zenden Ruf, der Herrn Rechtsanwalt Dingeldey als Redner und
als Abgeordneter vorausgeht, hätte beſſer beſucht ſein können.
Ober=Hilbersheim, 9. Mai. — Vor einer dichtgedrängten
Zuhörerſchaft ſprach Landtagsabgeordneter und Bürgermeiſter
Schott=Uffhofen zuerſt über die Bedeutung der vor der Tür
ſtehenden Reichstagswahl. Im Landtag ſei die Zahl der
Abge=
ordneten ſtets 70, unabhängig davon, wieviel Wähler abgeſtimmt
hätten, während im Reichstag bei geringerer Stimmenabgabe auch
die Zahl der Abgeordneten entſprechend geringer wäre. Leider
ſei der Antrag des Abgeordneten Dr. Beſt, die Wahlpflicht durch
ein Geſetz feſtzulegen, an dem Widerſpruch der Sozialdemokraten
geſcheitert. Dies iſt erklärlich, wenn man bedenkt, daß durch das
Zuſtandekommen eines ſolchen Geſetzes die geſamte Rechte
erheb=
lich geſtärkt worden wäre zum Schaden der Sozialdemokratie die
eine Wahlmüdigkeit nicht kennt. Diesmal komme es darauf an,
eine friedliche Weiterarbeit wie in den letzten Jahren unter
Lei=
tung Streſemanns zu gewährleiſten. Wir müßten immer wieder
bedenken, daß das deutſche Volk den größten aller bisherigen
Kriege verloren habe. Man habe Streſemann vorgeworfen, er
ſei zu verſöhnlich: es wäre jedenfalls beſſer geweſen und vielleicht
ſogar der Krieg vermieden worden, wenn wir früher etwas
nach=
giebigere, weitblickende Außenpolitiker gehabt hätten. Weiterhin
ſchilderte er eingehend die Erfolge Streſemanns ſeit dem
Ruhr=
kampf und wehrt ſich dann dagegen, den Wahlkampf allzu ſcharf
zu führen, denn wir ſeien ja doch alle Deutſche. In Wirklichkeit
gäbe es nur drei Weltanſchauungen; die konſervative, die liberale
und den Marrismus. Jede weitergehende Zerſplitterung ſei ein
Unſinn und zum Schaden des geſamten Volkes. Die Induſtrie
wäre vor dem Kriege nur mit 5 Milliarden verſchuldet geweſen,
heute dagegen mit 13,7 Milliarden; die Landwirtſchaft hätte vor
dem Kriege 14 Milliarden Schulden gehabt zu etwa 4 bis 5
Pro=
zent Zinſen, am 1. Januar nur 11 Milliarden, aber zu bedeutend
höherem Zinsſatz, etwa 9 bis 10 Prozent. Damit ſei die derzeitige
Not der Landwirtſchaft in der Hauptſache zu erklären. Darauf
er=
wähnte Redner noch die große Bedeutung der Deutſchen
Volks=
partei bei Beſeitigung der Zwangswirtſchaft auf allen Gebieten.
Die Not der Landwirte ſei nur zu lindern durch Verhinderung
der übergroßen Einfuhr von landwirtſchaftlichen Produkten aus
dem Ausland, beſonders von Getreide, Fleiſch, Obſt und Gemüſe.
Gerade die Sozialdemokratie und das Zentrum hätten aber
nichtsdeſtoweniger das Gefrierfleiſchkontingent von 80 auf 120
Millionen Tonnen erhöht, während es der Deutſchen Volkspartei
gelungen ſei, dieſes wieder auf etwa 70 Millionen Tonnen
her=
unterzuſetzen. Unſere Hauptaufgabe ſei es, den Innenmarkt zu
ſtärken und den Export zu heben unter Anpaſſung an die
Welt=
marktpreiſe. Abgeordneter Schott ſchloß ſeinen ſehr intereſſanten
Vortrag, dem alle Zuhörer in größter Aufmerkſamkeit und Stille
folgten, mit der Behandlung der Frage des Reichsſchulgeſetzes
und der Splitterparteien. Als Diskuſſionsredner meldete ſich
Herr Referendar Diplomlandwirt Lahr, Ober=Hilbersheim, der leitung das zweite Referat über wirtſchaftspolitiſche Fragen aus=
Kandidat der Deutſchnationalen. Er ſchob insbeſondere der
Deut=
ſchen Volkspartei die derzeitige ſchlechte Lage der Landwirtſchaft
in die Schuhe und machte ſie ferner für den erſten in bezug auf ſtellter Diskuſſionsredner in die Debatte eingriff. Jeder
Ver=
den Winzer ſo unvorteilhaften ſpaniſchen Handelsvertrag verant= ſammlungsteilnehmer hatte das Empfinden, daß dieſer
Sozial=
zuerſt mit aller Energie eine Beſſerung anſtrebte und auch
durch=
führte. Nach verſchiedenen in jeder Verſammlung und
Landtags=
ſitzung immer wiederkehrenden Anfragen gelang es dem Abgeord= D.V.P. in Bad=Nauheim wird von dieſer Veranſtaltung ihren
neten Schott, die Zuhörermenge hierüber genaueſtens aufzuklären
und zu überzeugen, was aus dem Beifall am Schluſſe der
Dis=
kuſſion deutlich zu ſchließen war. Im allgemeinen kongte man
Durch schöne Worte und geschickte Hände
Erzeugt er leicht die stärkste IIlusion
Ist seine Zauberkunst jedoch z Ende,
Folgt schnell Ernüchterung als Lohn!
Bad=Nauheim. — Zu einer machtvollen
Kund=
gebung für die Deutſche Volkspartei und ihren Führer
Streſe=
mann wurde unſere heutige erſte Wahlverſammlung im Sprudel=
Hotel. Die den großen Saal dicht füllenden Zuhörer — es
hat=
ten ſich erfreulicherweiſe auch eine große Anzahl Kurgäſte
einge=
funden — folgten den glänzenden Auslaſſungen des Referenten
Oberſtudiendirektor Dr. Becker aus Kaſſel in immer
ſteigen=
dem Maße und quittierten am Schluß mit langanhaltendem
Bei=
fall. Unter dieſem Eindruck entſchloß ſich die
Verſammungs=
fallen zu laſſen. — Der Geſamteindruck konnte auch micht
abge=
ſchwächt werden, als ein von der Sozialdemokratiſchen Partei
ge=
wortlich; dabei vergaß er aber, daß gerade Dr. Becker es war, der demokrat durch die glanzvolle Rhetorik des Dr. Becker ſo
beein=
druckt war, daß von der ſonſt üblichen Agitation der
Sozial=
demokraten bei ihm gar nichts mehr zu bemerken war. Die
Nutzen haben. Wir ſchulden hierfür Herrn Dr. Becker großen
Dank und ſprechen die Hoffnung aus, daß wir ihn auch ſpäterhin
bei Veranſtalturgen unſerer Paxtei hier als Redner wirken ſehen.
während der Diskuſſion ohne weiteres erkennen, daß Herr Lahr
doch nicht in der Lage war, einem ſeit 30 Jahren im politiſchen
Leben ſtehenden Parlamentarier auch nur das Waſſer zu reichen,
wenn er ſich auch alle Mühe gab, jeden Satz zu widerlegen. Die
Verſammlung ſelbſt verlief zwar ſehr erregt unter Teilnahme der
geſamten Zuhörerſchaft, verlief aber in anſtändiger Weiſe.
Beumegdalgeßänn.
Wie ſtehen die Oemokraten
zu Euch?
Hört, was ihr Spitzenkandidat in Hefſen, Prof.
Hellpach, ſagt. Er hat in ſeinem Buch „Politiſche Prognoſe
für Deutſchland” auf Seite 213 folgendes über die Beamten
geſchrieben:
„Es gibt eine in den modernen Staaten ſehr ſtark
ange=
ſchwollene Schicht, das ſind die Staatsbeamten. Ihre
Organiſationen haben in den letzten Jahren eine große politiſche
Rolle geſpielt, und die Demokratiſche Partei hat ſtark mit ihnen
gerechnet und pperiert. Doch kann dies nur eine Epiſode
bedeuten. In der ganzen Beamtenfrage iſt ja das
Verfaſſungs=
werk von Weimar zwieſpältig geblieben. Man hat ſich nicht
ent=
ſchließen können, das lebenslängliche Berufsbeamtentum der
demokratiſchen Wahl auszuſetzen und damit dem richtigen
In=
ſtinkt der Maſſen auch in der Berufung ihrer
Verwaltungs=
männer zu vertrauen wie in der Schweiz; zu ſtark ſetzten ſich ſo
feurige Demokraten wie Max Weber für die Unantaſtbarkeit der
traditionellen deutſchen „Beamtentugend” ein; aber dieſen
Be=
rufsſtand, deſſen Mitglieder „wohlerworbene Rechte” beſitzen, die
ihnen bis ans Lebensende nicht mehr beſchnitten werden können,
hat man im Artikel 130 gleichzeitig die ſchrankenloſe politiſche
Betätigungsfreiheit geſchenkt! Praktiſch iſt das ein Ding der
Unmöglichkeit. Dem Beamten, dem der Staat Exiſtenzſicherung
verleiht, wie kein anderer Stand ſie kennt, kann unmöglich zu
dieſem Staat jede beliebige Stellungnahme erlaubt ſein.”
Hell=
pach will alſo entweder bei uns amerikaniſche Verhältnifſe
ein=
führen, oder dem Berufsbeamtentum die politiſche Freiheit
nehmen.
Solche Beſtrebungen, wie ſie Hellpach hier vertritt, ſind im
Intereſſe der Allgemeinheit entſchieden abzulehnen. Jedenfalls
hat die Deutſche Volkspartei durch die Ausführungen ihres
Führers Dr. Streſemann klar und deutlich die weitere Erhaltung
des Berufsbeamtentums als Notwendigkeit bezeichnet.
Deshalb: Wählt Liſte 4!
Deutſche Volkspartei!
Altenſtadt. — Geſtern ſprach hier unſer Landtagsabgeord= Ageſtimmt. D
neter Bürgermeiſter Dr. Niepoth=Schlitz in verhältnismäßie
recht gut beſuchter, öffentlicher Wahlverſammlung. Es hatter /Dem.) Unbe
ſich 54 Zuhörer eingefunden, die alle Berufsſtände vertraten und Wfolger
mit großem Intereſſe den Vortrag des Redners mitanhörten, De=
und es überaus wohltuend empfanden, daß ſich die vortrefflichen
Ausführungen unſeres Landtagsabgeordneten freihielten von
jeder Verunglimpfung anderer Parteien und nicht, wie man dies
anderswo gewöhnt iſt, in den größten und lieblich klingender
Verſprechungen für die Zukunft gipfelten, ſondern in reinſter
Sachlichkeit und gründlichſter Kenntnis der Dinge mehr einer
Rechenſchaftsbericht über die ſeitherige Tätigkeit der D.V.P. in
Reich und Land darſtellte als eine der üblichen, wirklich nicht zu
letzt auf Stimmenfang , berechneten Wahlreden. Der Eindrue
der großen Sachlichkeit des Vortragenden kann nicht beſſer dar
getan werden als durch den Umſtand, daß ein bekannter, zu jede=
Diskuſſion immer bereiter, ſozialdemokratiſcher Vertreter ſich in
Anfang des Vortrages wohl Notizen machte, dann mit größten
Intereſſe zuhörte und nach der Eröffnung der Ausſprache kein!
Verlangen zu Gegenäußerungen mehr trug. Der Vortrag, der
für unſere Sache allgemein einen Gewinn bedeutete, war beſon
ders für die in letzter Zeit bezüglich ihrer Hingehörigkeit
etwa=
unſchlüſſig gewordenen Angehörigen des Handels, Gewerbes und
Handwerks richtunggebend, wie es aus Aeußerungen derſelbei
deutlich hervorging.
Freienſeen, Kreis Schotten. — Hier ſprach Stadtv. Kirch
ner=Gießen über die bevorſtehende Reichstagswahl. Der Red
ner gedachte zunächſt der großen Verdienſte unſeres Reichsaußen
miniſters Dr. Streſemann und gab dann ein anſchauliches Bill
über die Tätigkeit der Deutſchen Volkspartei im letzten Reichstag
Weiter erläuterte er die Stellung der Parei zu wirtſchaftlichen
kulturellen und Steuerfragen, wies auf die ſchwere Schädigum
des Bürgertums durch die Splitterparieien hin und fordert
ſchließlich zum Kampf gegen Mießmacherei und Wahlmüdigkei
auf. An die Ausführungen des Referenten ſchloß ſich eine
an=
regende Ausſprache.
Merkenfritz, Kreis Büdingen. — Am 11. Mai fand hier eine
außerordentlich gut beſuchte Wahlverſammlung der Deutſchet
Volkspartei ſtatt. Es ſprach Stadtv. Kirchner=Gießen über die
Bedeutung der Reichstagswahl. Der Redner zeigte zunächſt die
Erfolge des Paretiführers Dr. Streſemann auf dem Gebiete de
Außenpolitik, behandelte alle wichtigen Fragen der Wirtſchaſts
und Sozialpolitik, um ſich dann eingehend mit der Stellung de
Deutſchen Volkspartei zum Reichsſchulgeſetz, ſowie zu landwirt
ſchaftlichen und Mittelſtandsfragen zu beſchäftigen. Außerden
nahm der Redner Stellung gegen die Splitterparteien, die ein
außerordentliche Schwächung des Bürgertums verurſachen. Aue
die Gleichgültigkeit vieler Wähler gegenüber politiſchen Frage
wurde von dem Redner entſprechend kritiſiert.
Selzen. — Es war für die Gemeinde Selzen ein Ereignis
einen unſerer bedeutendſten heſſiſchen Politiker, den Landtags
abgeordneten, Herrn Bürgermeiſter Dr. Nieporth=Schlitz, 3
hören. Diejenigen welche herbeigeeilt waren, bereuen es den
auch ſicher micht. Was ſie hörten von deutſcher Politik, deutſcher
Wirtſchaftsleben und deutſchen Kulturaufgaben, im Geſichtswir
kel deutſchvolksparteilicher Auffaſſung, waren nicht Worte der Ge
häſſigkeit, ſondern Worte einer unbedingten Sachlichkeit. Alle
leicht verſtändlich, zeichnete er das Bild unſerer heutigen Lag
ſo wie ſie geſchaffen iſt unter dem großen Einfluß eines klar b.
herrſchten und klar abwägenden, weit ausſchauenden und veran
wortungsbewußten Dr. Streſemann. Der Redner verſtand es i
meiſterhafter Weiſe, die Aufmerkſamkeit aller auf ſich zu ziehe.
— Und daß ſie mit ihm eins in der Meinung waren, bewies de
freudige Beifall am Schluſſe ſeiner eineinhalbſtündigen Ausfül
rungen. Herr Bürgermeiſter Binzel leitete die Verſammlun
und forderte, ebenſo wie der Redner, zur reſtloſen Wahlbeteil
gung am 20. Mai d. J. auf. Möge es gelingen, unſerem Führe
Dr. Streſemann eine machtvolle Vertrauenskundgebung dur
einen Sieg der deutſchvolksparteilichen Sache bei den bevorſteher
den Wahlen zu bereiten.
Wemten Ant
Weimarer
Wer
Verantwortlich für den Inhalt: Erich Welkow.
Druck: L. C. Wittich, Darmſtadt.
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Freitga ben 18. Mai, 19 Uhr: „Hoffmanng
Erzählungen”, Oper von Offenbach.
Samstag, den 19. Mai, 19½ Uhr: Zum
erſten Male: „Oktobertag”, Schaufbiet
von Katſer.
Sonntag, den 20. Maf, 19 Uhri „Di=
Zauberflöte”, Oper von Mozart,
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Donerstag, den 17. Maf 20 Uhr: „Das
Spiel von Liebe und Tod”.
Freitag, den 18. Mai: Keine Vorſtellung.
Samstag, den 19. Mai, 19½ Uhr: „Zau
und Zimmermann”, komiſche Oper von
Lortzing.
Sonntag, den 20. Mai, 20 Uhr: „Wer
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werblichen Mittelſtandes iſt die Deutſche
Volkspartei (Liſte 4). Sie vertritt
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entwegt den Schutz der nationalen
Arbeit in Stadt und Land, daher die
Erhaltung und Wieder=Erſtarkung der
deutſchen Landwirtſchaft als eines
Grundpfeilers deutſcher
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ſchaft. Keine Partei hat die D. V. P.
in eifriger Arbeit für unſeren
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