Darmstädter Tagblatt 1928


13. Mai 1928

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Pirf
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten

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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 133
Sonntag, den 13. Mai 1928.
191. Jahrgang

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(röffnung der Preſſa in Köln.

Der feierliche Feſtakt.
Die Begrüßungsanſprache des Oberbürger=
meiſters
Adenauer.
Köln, 12. Mai.
Die Eröffnung der großen Juternationalen Preſſeausſtellung
fand heute vormittag mit einem feierlichen Feſtakt in der großen
Meſſehalle in Gegenwart der Vertreter der Reichs= und Staats=
behörden
, 43 auswärtiger Staaten und von 7000 geladenen
Gäſten ſtatt. Das Halleluja des Oratoriums Der Meſſias von
Händel, vorgetragen vom Städtiſchen Orcheſter unter Leitung
von Generalmuſikdirektor Profeſſor Dr. Abendroth bildete die
ſtimmungs= und eindrucksvolle Einleitung. Dann ergriff Ober=
bürgermeiſter
Adenauer in ſeiner Eigenſchaft als Vorſitzender
des Präſidiums der Preſſa zu folgender Eröffnungsanſprache
das Wort:
Mit aufrichtiger, von Herzen kommender Freude heiße ich
Sie im Namen der Internationalen Preſſeausſtellung willkom=
men
. Ich folge nicht nur meiner Pflicht, ich folge einem Drange
meines Herzens, wenn ich in erſter Linie der Reichsregierung,
dem Reichstage und dem Reichsrate, dem preußiſchen Herrn
Miniſterpräſidenten und den übrigen Vertretern Preußens den
Tribut der Dankbarkeit zolle für, die tatkräftige Unterſtützung,
welche unſer Ausſtellungsplan bei ihnen gefunden hat. Ohne
die fördernde Zuſtimmung, ohne die moraliſche
Unterſtützung der Reichsregierung wäre dieſe
internationale Ausſtellung nicht möglich gewe=
ſen
. Oberbürgermeiſter Dr. Adenauer bat dann Reichsminiſter
Dr. Brauns, dem Herrn Reichspräſidenten und dem Herrn Reichs=
kanzler
den Ausdruck dankbarer Verehrung zu übermitteln. So=
Hann gedachte der Redner aller Mitarbeiter an dem großen Werke
aund fuhr fort: Die Ausſtellung hat zum Gegenſtand die Welt des
in Wort oder Bild gefaßten und vervielfältigten Gedankens: Die
(Beſchichte des menſchlichen Wortes iſt die Geſchichte der Menſch=
heit
, ihrer Kultut, ihrer Religionen, ihrer Geſinnung, ihrer
Hämpfe, ihrer Revolutionen, ihres Ringens und Strebens.
Die Entwicklung und Geſchichte des menſch=
lichen
Wortes,
feine Vielfältigkeit, ſeinen beſtimmenden Einfluß in Kultur und
Geſchichte, die Macht, die es gerade in unſeren Tagen in der
Form der Zeitung ausübt, darzuſtellen: das iſt der Zweck dieſer
Ausſtellung. Der menſchliche Geiſt muß wurzeln in dem Boden
er eigenen Nation, aber die Landesgrenzen dürfen ihn nicht ein=
angen
, er muß bei aller Wahrung ſeiner berechtigten nationalen
Eigenſchaften ſeiner Natur nach über ſie hinausſtreben zur gei=
tigen
Gemeinſchaft und Verbundenheit aller Kulturvölker. Auch
dieſe Ausſtellung muß, auf deutſchem Boden entſtanden, die Züge
dieſes Landes tragen. Aber auch ſie mußte ihrem Weſen und
hrer Beſtimmung nach hinaufſtreben über die Landesgrenzen.
Dr. Adenauer hieß dann mit wahrer und aufrichtiger Freude
die Vertreter von 43 Staaten und des Völker=
undes
willkommen und begrüßte an ihrer Spitze die Bot=
chafter
und Geſandten und den Generalſekretär des Völkerbun=
es
. Seien Sie verſichert, meine Herren, führte er aus, daß
anz Deutſchland der Beteiligung Ihrer Länder und Ihrem
Erſcheinen am heutigen Tage die größte Bedeutung beilegt. Möge
reſe Ausſtellung die Ueberzeugung von der Gemeinſamkeit in
en erhabenſten und weſentlichſten Grundlagen der menſchlichen
ultur, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer großen, in Gedeih
rid Verderb miteinander verflochtenen Völkerfamilie ſtärken
nd mehren, möge dieſe Ausſtellung werden ein
Zerkzeug des Friedens!
Beneraldirektor Eſch über Werden, Aufbau,
Bedeutung und Ziele der Preſſa.
Generaldirektor Eſch, der geſchäftsführende Vorſitzende des
räſidiums, gab ſodann in längerer Rede einen Ueberblick über
serden, Aufbau, Bedeutung und Ziele der Preſſa. Er führte
rter anderem aus: Die Internationale Preſſeausſtellung, die
ſte ihrer Art, wird heute, in ihren Grundlinien vollendet, Ihrer
chlichen Kritik und Ihrer freundlichen Geſinnung übergeben.
je Zielſetzung der Ausſtellung war: In erſter Linie die Bedeu=
ng
der Preſſe als geiſtige Macht, als Kulturfaktor, als verant=
ortlich
für den Geiſt der Nation und der Welt darzuſtellen, als
reites, ihre Bindungen an Wirtſchaft und Technik zu zeigen,
S drittes, die Weltgeltung und Weltbedeutung der Preſſe vor
er Welt offenzulegen. Vor allem war unſer Beſtreben, den
eveglichen und lebendigen Geiſt der Preſſe als treibende und
gweiſende Kraft in ſeiner Verbundenheit mit Kultur und
irtſchaft, mit dem politiſchen und ſozialen Geſchehen, nachzu=
aren
und die Zeitung als geiſtige Leiſtung ausſtellungstechniſch
weit als möglich zu erfaſſen und darzuſtellen. Daraus ſollte
f der einen Seite die Erkenntnis der Rieſenverantwortung für
Schaffung und den Gebrauch dieſes gewaltigen Inſtrumen=
, auf der anderen die Anerkennung für die in ihm verkörperte.
ſumme hochwertiger geiſtiger und techniſcher Arbeit entſprin=
r
. Generaldirektor Dr. Eſch ſchilderte dann in großen Zügen den
Aufbau der Ausſiellung
v den Gehalt der einzeluen Abteilungen. Am Anfang der Aus=
Cung, führte er aus, ſteht die kulturhiſtoriſche Abteilung. Sie
rt in lebendiger Darſtellung von den Uranfängen des Nach=
tenweſens
bei den Naturvölkern bis zur modernen Tages=
uing
. In einer ſtatiſtiſch=wiſſenſchaftlichen Abteilung wird ver=
2t, die in der modernen Preſſe wirkenden geiſtigen, wirtſchaft=
en
und techniſchen Kräfte ſinnfällig zu machen, von der Nach=
+ angefangen bis zum fertigen Produkt mit allen geiſtigen und

techniſchen Faktoren, deren Zuſammenwirken in ſteter Wechſel=
beziehung
die Zeitung ihr Erſcheinen verdankt. Die bedeutend=
ſten
deutſchen Zeitungsverlage wetteifern in großzügigen Einzel=
ausſtellungen
, den hohen Stand des deutſchen Zeitungsweſens
im In= und Auslande praktiſch vor Augen zu führen. Dasſelbe
Ziel verfolgt eine andere große Abteilung: die Zeitſchriftenſchau.
Weiterhin ſchilderte Generaldirektor Dr. Eſch die große Zahl der
Sondergruppen, an deren Spitze er die Ausſtellungen der Reichs=
regierung
und der preußiſchen Staatsregierung nannte. Er gab
ferner einen Ueberblick über die Beteiligung des Auslandes an
der Preſſa, die 45 Länder und den Völkerbund umfaßt, und ſtellte
mit Genugtuung und Freude feſt, daß die Bitte, ſich an der Preſſa
zu beteiligen, bei allen zuſtändigen Stellen und Perſönlichkeiten
des Auslandes mit Intereſſe und Anerkennung, bei,den meiſten
Staaten ſogar mit ſpontaner Begeiſterung aufgenommen wor=
den
ſei.

Reichskommiſſar der Preſſa
Reichsminiſter a. D. Dr. Külz.

Oberbürgermeiſter von Köln
Dr. Adenauer.

Für die preußiſche Regierung ſprach Miniſier=
präſident
Dr. Braun,
der zunächſt ſeiner Freude darüber Ausdruck gab, daß eine preu=
ßiſche
Stadt, das altehrwürdige, durch Geſchichte und Sage für
alle Deutſchen verklärte Köln, den Vorzug genießt, wieder einmal
ein Mittelpunkt zu ſein, auf den ſich heute die Blicke unzähliger
geiſtig intereſſierter Menſchen in faſt allen Teilen der bewohnten
Welt richten. Der Miniſterpräſident fuhr fort: Daß gerade das
Rheinland es iſt, dem dieſe zentrale Stelle zuteil wird, gereicht
der preußiſchen Staatsregierung zur beſonderen Genugtuung,
weil ja dieſer Landesteil, dieſe alte Stück deutſchen Kulturbodens
ſo ſchwer unter den Folgen des Krieges in all den Jahren der
Nachkriegszeit zu leiden hatte und zum Teil noch heute leidet.
Das neue Preußen, die junge Republik, weiß ſich frei von allem,
was man früher in dem Begriff Polizei= und Militärſtaat zu=
ſammenfaßte
, und iſt ſtolz darauf, daß es ſich in den zehn Jahren
ſeit der Staatsumwälzung zum modernen, freien Volksſtaat im
beſten Sinne des Wortes entwickelt und als zuverläſſigſte und
feſteſte Stütze der deutſchen Republik erwieſen hat. Das neue
Preußen achtet und ſchützt die Preſſefreiheit und hält ſie für eine
der wertvollſten und unentbehrlichſten Errungenſchaften der Neu=
zeit
, ohne die das geiſtige und politiſche Leben eines modernen
Kulturvolkes nicht mehr denkbar iſt. Jedoch erſt die Paarung
von Preſſefreiheit und journaliſtiſchem und verlegeriſchem Ver=
antwortungsgefühl
ergibt die Preſſe, die ihrer Bedeutung und
ihren großen Aufgaben im modernen freien Volksſtaat gerecht
werden kann. Die Preſſe ſieht jetzt zum Glück mit wenig Aus=
nahmen
in wachſendem Maße ihre wahre und größte Aufgabe
darin, ausgleichend und verſöhnend zu wirken, für den Abbau
der nationalen Gegenſätze, für die Verſtändigung der Völker und
für die friedliche Erledigung internationaler Differenzen einzu=
treten
. Möge von der impoſanten Zeitungsſchau der Preſſa die
Erkenntnis ausgehen, daß das große Inſtrument, die moderne
Preſſe, erſt dann zum höchſten Wert herangereift ſein wird, wenn
es in allen Ländern plaumäßig und uneingeſchränkt in den Dienſt
der Völkerverſöhnung und des Menſchheitsfriedens geſtellt wird.
Darauf vollzog als Vertreter der Reichs=
regierung
Reichsminiſter Dr. Brauns die
offizielle Eröffnung der Ausſiellung,
wobei er nachſtehende Anſprache hielt: Hochanſehnliche Verſamm=
lung
! Von ſachkundiger Seite ſind Zweck und Aufgaben der
Preſſeausſtellung, die zu eröffnen wir uns anſchicken, ſoeben dar=
gelegt
worden. Unter den vielen Ausſtellungen der letzten Jahre
verdient dieſe zweifellos beſondere Achtung. Sie iſt von großer
nationaler, aber nicht minder auch von hervorragender inter=
nationaler
Bedeutung. Die Reichsregierung hat ihr deshalb auch
wärmſtes Intereſſe entgegengebracht und wünſcht ihr guten Ver=
lauf
und Erfolg. Auf allen Gebieten menſchlichen Daſeins und
Lebens wirkt die Preſſe beſchreibend und belehrend, kritiſch ur=
teilend
, mahnend und werbend. Sie regiſtriert alles Geſchehen,
ſie nimmt aber auch beſtimmenden Einfluß auf die Geſtaltung.
Selber eine Großmacht, dient ſie großen Mächten, nimmt ſich
aber auch der Kleinen und Schſvachen an. Ihrer bedient ſich das
Schlechte zu ſeiner Verbreitung, mehr aber dient ſie Gott ſei
Fortſetzung auf Seite 2, 3. Spalte.

Die Woche.

Nur noch eine Woche trennt uns von dem Tag der Reichs=
tagswahlen
, von dem Tag, an dem das deutſche Volk wieder ein=
mal
entſcheiden ſoll über die Geſtaltung ſeines politiſchen Ge=
ſchicks
. Nur noch eine Woche, und trotzdem iſt von irgendwelcher
Erregung, wie ſie ſonſt wohl in Wahlzeiten zu verſpüren war,
nichts zu merken. Intereſſeloſigkeit? Gewiß, das deutſche Volk
iſt ein unpolitiſches Volk, und nur die unmittelbare an die Tür
jedes einzelnen pochende Not konnte den tönenden Schlagworten
eine ſo ſtarke Reſonanz im Volke geben, wie wir das in den
Wahlkämpfen vergangener Jahre erlebt haben. Dieſe Zeiten des
Taumels einer ganzen Nation ſind hoffentlich endgültig
vorüber. Die Gefahr eines Rückſchlags, eines Ausſchlags des
Pendels nach der anderen Seite hin iſt ſicherlich in erheblichem
Maße vorhanden, die Gefahr, die darin beſteht, daß das deutſche
Volk nunmehr dem politiſchen Geſchehen mit dumpfer Gleich=
gültigkeit
gegenüberſteht. Ihr zu begegnen, iſt jedes Einzelnen
Pflicht. Wir haben es ſchon oft ausgeführt und müſſen es immer
wieder beionen, daß das darlamentariſche Syſtem von der Mit=
arbeit
des geſamten Volkes lebt, daß es nur funktionieren
kann, wenn in dem Wahlergebnis der politiſche Wille des ge=
ſamten
Volkes zum Ausdruck kommt. Gewiß, wenn wie bei
den letzten heſſiſchen Landtagswahlen etwa die Hälfte der Stimm=
berechtigten
zu Hauſe bleibt, ſo kann man natürlich ſagen, daß
dieſe Zuhauſegebliebenen ſich ja ſelbſt ihrer politiſchen Rechte
begeben haben, und daß ſie ſich infolgedeſſen nicht darüber be=
ſchweren
können, wenn ſie nun praktiſch von denen beherrſcht
werden, die ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Das würde formell
durchaus richtig ſein, aber es wäre recht bedenklich, wenn man
ſich dabei beruhigen wollte. Eine Diktatur behält immer ihre ſehr
bedenklichen Seiten, auch wenn ein Teil des Volkes dem anderen
das Recht einräumt, dieſe Diktatur über ihn auszuüben. Bei
alledem aber iſt noch keineswegs geſagt, daß es unbedingt auf
politiſche Jutereſſeloſigkeit der Maſſen zurückzuführen iſt, wenn
die Wahlverſammlungen aller Parteien ſich durch gähnende Leere
auszeichnen, und zwar auch dann, wenn Redner auftreten, die
jedenfalls etwas zu ſagen haben. Auch in Frankreich waren bei
dem letzten Wahlkampf die Verſammlungen leer, ſo daß von den
Führern bereits die ſchwerſten Befürchtungen gehegt wurden.
Trotzdem aber war nachher die Wahlbeteiligung außerordentlich
ſtark. Es hat alſo doch den Anſchein, als ob die Methoden, mit
denen man nun ſchon arbeitet, ſeitdem überhaupt gewählt wird,
etwas veraltet wären. Brauchen auch wir zur Aufrüttelung des
politiſchen Intereſſes der Maſſen Muſikkapellen und Umzüge?
In anderen Ländern begegnet man ja ſchon ſeit längerer Zeit
derartigen Erſcheinungen. Das wäre ganz gewiß nicht erfreulich.
Zu wünſchen wäre vielmehr, daß eine ſachliche Darlegung von
Gründen und Gegengründen genügen würde, um auch den letzten
Wahlberechtigten daran zu erinnern, daß er Pflichten gegen den
Staat hat.
Vorausſetzung dafür allerdings iſt und bleibt, daß die Kampf=
fronten
klar erkennbar ſind. Das war in Frankreich der Fall, wo
der Kampf für oder gegen die Union nationale geführt wurde,
und daraus erklärt ſich ſicherlich auch die ſtarke Wahlbeteiligung
trotz ſchlecht beſuchter Wahlverſammlungen. Um was aber
geht es bei uns? Das iſt eine Frage, deren Beantwortung
auch für denjenigen nicht ganz leicht iſt, der mitten im politiſchen
Getriebe ſteht. 31 Parteien ſind es ſchließlich geworden, die ſich
um die Stimme des Wählers am kommenden Sonntag bewerben.
Weltrekord! Und jede dieſer 31 Parteien, die alle 31 natürlich
wiſſen, daß nach Lage der Dinge keine von ihnen dazu berufen
ſein kann, die Führung der deutſchen Politik für ſich allein in die
Hand zu nehmen, jede dieſer 31 Parteien kämpft für ſich. Man
marſchiert zwar getrennt, ob man aber beabſichtigt, hinterher ver=
eint
zu ſchlagen, bleibt recht fraglich.
Daß nach der Wahl ſich einige Parteien zuſammenſchließen
müſſen, um gemeinſam die Führung und Verantwortung zu
übernehmen, ſteht feſt. Was aber auch heute noch nicht feſtſteht,
iſt, welche Parteien ſich zuſammenſchließen werden und welchen
politiſchen Kurs ſie einzuhalten gedenken. Welcher Zentrums=
wähler
zum Beiſpiel weiß, wenn er am kommenden Sonntag die
Stimme für ſeine Partei abgibt, ob er ſie für einen Rechtskurs,
einen Linkskurs oder für eine Politik der Mitte abgibt? Unſere
Parteien warten das Wahlergebnis ab in dem Gedanken, daß ſich
nachher ſchon alles finden werde. Das iſt zwar eine bequeme
Methode, aber eine Methode, die ganz gewiß nicht geeignet iſt,
das politiſche Intereſſe der breiten Maſſen aufzurütteln. Man
ſollte ſich endlich darüber klar werden, daß die alten Partei=
programme
allein nicht mehr ziehen. Es war unter Umſtänden
ſehr anerkennenswert, daß der Reichswirtſchaftsminiſter letzthin
die Frage der Koalitionsbildung nach der Wahl als erſter öffent=
lich
anſchnitt. Er hätte ſogar noch deutlicher werden können, am
beſten ſo deutlich, daß die anderen Parteien dadurch gezwungen
worden wären, auch ihrerſeits Farbe zu bekennen. Mit einer
Wiederkehr der Koalition, auf welche ſich die zurzeit noch amtie=
rende
Reichsregierung ſtützt, iſt wohl kaum zu rechnen. Weder
dürften die zahlenmäßigen Vorausſetzungen dafür gegeben ſein,
noch dürfte der Wille zu einer Fortſetzung dieſer Koalition bei
einem Teil der daran beteiligten Parteien vorhanden ſein. Daß
die Deutſche Volkspartei in ihren leitenden Kreiſen der Auf=
faſſung
iſt, auch mit der Linken zuſammen eine vernünftige Poli=
tik
der Mitte machen zu können, insbeſondere auch mit Rückſicht
auf die entſcheidenden Fragen der Außenpolitik, ſcheint nach den
Ausführungen Dr. Curtius nicht mehr bezweifelt werden zu
können. Was aber erſtrebt das Zentrum, was erſtrebt die Demo=
kratiſche
Partei, was vvollen die Sozialdemokraten? Hängen hier
die Herzen immer noch an der alten Koalition von Weimar, etwa
mit Herrn Breitſcheid als Außenminiſter, oder erſtreben ſie die
große Koalition, und zwar die große Koalition auf Grund wirk=
licher
politiſcher Erwägungen, nicht etwa nur als kleineres Uebel
im Vergleich mit der bisherigen Regierungskoalition? Die Par=
teien
ſollen doch ehrlich ſagen, welche praktiſche Politik ſie
nach den Wahlen zu machen gedenken, dann werden ſie auch das
Intereſſe der Maſſen finden.
Es iſt unſerer Auffaſſung nach erfreulich, daß insbeſondere
die Verhandlungen über das Reichsſchulgeſetz gezeigt haben, daß
die Gegenſätze zwiſchen der Deutſchen Volkspartei und den Demo=

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Geſte 2

Sonntag den 13 Mai 1928

Nummer 433

kraten keineswegs mehr ſo unüberbrückbar ſind, wie das zeit=
weilig
in der Vergangenheit den Anſchein hatte, und daß es auf
der anderen Seite manche Berührungspunkte gibt, die eine poli=
tiſche
Zuſamimenarbeit geradezu wünſchenswert erſcheinen laſſen.
Es iſt freilich nicht ganz leicht, in ſolchen Fällen deutliche Konſe=
quenzen
zu ziehen. Die Demokratiſche Partei Heſſens zum Bei=
ſpiel
hat ſich bei den Verhandlungen über die heſſiſche Regie=
rungsbildung
dazu noch nicht aufzuſchwingen vermocht. Bei den
Fragen der großen Politik aber, die im Reichstag zur Erörte=
rung
ſtehen, ſollte man ſich doch einmal ganz nüchtern die Frage
ſtellen, welche Ziele können wir gemeinſam verfolgen, und was
trennt uns auf der anderen Seite?, um dann aus der Beant=
wortung
dieſer Fragen die politiſche Bilanz zu ziehen. Das dürfte
nicht nur für beide Parteien, ſondern auch für das deutſche Volk
von Nutzen ſein. Schon vor Jahren hat der deutſche Reichsaußen=
miniſter
Dr. Streſemann einen ſtarken Block der Mitte zu ſchaffen
verſucht, weil er glaubte, dadurch die Außenpolitik, die er für rich=
tig
hielt, am beſten ſichern zu können. Er konnte damals ſein Ziel
nicht erreichen, weil die Führung der Demokratiſchen Partei die
Zeichen der Zeit nicht verſtand. Die Hemmungen, die damals
beſtanden, dürften heute nicht mehr vorhanden ſein. Mut zur
Konſequenz! Die Fragen der Außenpolitik ſind es, die letzten
Endes entſcheidend ſind für unſer ganzes ſtaatliches und wirt=
ſchaftliches
Leben. Wenn man in dieſen entſcheidenden Fragen
der gleichen Meinung iſt, ſoll man es auch offen erklären, ſoll man
ruhig die Folgerungen ziehen. Dadurch wird man das politiſche
Intereſſe der Maſſen ſehr viel nachhaltiger aufrütteln als durch
Wahlaufrufe. Dadurch wird man eher auch den letzten Wähler
an die Uirne rufen als durch Umzüge und Schlepper.
M.

Vom Tage.

Der Wirtſchaftsrat des Pölkerbundes.
Der augenblickliche Stand der Weltwirtſchaft
EP. Genf, 12. Mai.
Zu der am Montag, den 14. Mai, in Genf beginnenden erſten
Tagung des neugebildeten Wirtſchaftsrates des Völkerbundes
veröffentlicht die Wirtſchaftsabteilung des Völkerbundes in einem
Grünbuch eine eingehende Darſtellung der augen=
blicklichen
Situation der Weltwirtſchaft, und der
Präſident des Wirtſchaftsrates ein intereſſantes Reſumé über
die zukünftige Aufgabe des neuen Organs, dem er in erſter Linie
eine beratende und vermittelnde Funktion zuſchreibt.
Die beiden vorliegenden Rechenſchaftsberichte, das Grünbuch
und das Präſidentenreſums, ſtellten übereinſtimmend feſt, daß
vorläufig auf dem Gebiete der Induſtrie, wo die allgemeine
Stimmung der Kartellbildung nicht günftig ſei,
und auf dem Gebiete der Landwirtſchaft noch
keine weiteren Maßnahmen unternommen wor=
den
ſeien. Dagegen habe ſich die Tätigkeit des Völkerbundes auf
das dritte große Feld der Weltwirtſchaft, den Welthandel, kon=
zentriert
. Hier ſind handelspolitiſch, beſonders was die Beſeiti=
gung
der Ein= und Ausfuhrverbote angeht, gewiſſe Fortſchritte
erzielt, andere in der Vereinheitlichung und Ausgleichung der
internationalen Zollnomenklatur, der Wechſel= und Scheckgeſetz=
gebung
uſw.
Die wichtigſte Aufgabe des Rates in ſeiner erſten Tagung
dürfte die Beratung der internationalen Zoll=
politik
und der damit in engſtem Zuſammenhang ſtehenden
Frage der Meiſtbegünſtigungsklauſel in den
Handelsverträgen bilden. Die beiden Berichte an den kegierung unterſtellte Gebiet. Tſchiang Kai=ſchek wird zu einer
Rat konſtatieren hier, daß ſich ſeit dem Abfchluß der Weltwirt=
ſchaftskonferenz
im allgemeinen eher eine Tendenz zur Erhöhung
der Zolltarife feſtſtellen laſſe, wenn auch in einzelnen Fällen
Herabſetzungen eingetreten ſeien. Im ganzen wiberſpreche dieſe
Tendenz den auf Abbau der hohen Zollſätze drängenden Ent=
ſchließungen
der Weltwirtſchaftskonferenz. Ebenſo hätten die von
der Konferenz empfohlenen individuellen oder zweiſeitigen Aktio=
nen
der Staaten zur Tarifherabſetzung, abgeſehen vom deutſch=
franzöſiſchen
Handelsvertrag und ſeinen Auswirkungen, keinen
Fortſchritt gebracht, weshalb das Grünbuch analog dem Vorgehen
der Häute= und Knochenkonferenz die Anwendung der von der
Konferenz ebenfalls vorgeſchlagenen kollektiven Verhandlungen
zwiſchen mehreren Staaten über beſtimmte und begrenzte Waren=
kategorien
als erfolgverſprechendes Mittel zur ſchrittweiſen Sen=
kung
des Zollniveaus empfiehlt.
die prinzipielle Haltung der Staaten entſcheidenden Frage der gibt. Die Verhaftung von Engländern darf nur in ganz be=
Tarifherabſetzung wird ſich der Wirtſchaftsrat noch mit dem Stu=
dium
der Lage der Kohleninduſtrie, der Zuckerinduſtrie und mit
dem Dumping zu befaſſen haben und das Problem der Indu=
ſtriekartelle
ſowie verſchiedene Empfehlungen für die weiteren
Arbeiten auf dem Gebiete der Landwirtſchaft prüfen.

Der Reichspoſtminiſter hat eine Verfügung erlaſſen, nach der im
geſamten Deutſchen Reiche in Zukunft eine große Anzahl von
Poſtannahmeſtellen bei privaten Kaufleuten errichtet dank dem Edlen und Guten, dem Wahren und Schönen, dewg
werden ſollen.
die bilfsmaßnahmen des Reiches für umſchuldungs=
kredite
.
Wie aus Moskau gemeldet wird, iſt fetzt endgültig der Begiun des Fortſchritt zum Siege verhelſen möge? Möge die Ausſtellung
Prozeffes gegen die deutſchen Jugenieure auf den 18. Mai feſtgeſetzt
worden.
Medikamenten uſw. haben zu einem befriedigendem Ergebnis geführt, dienſtes auſweiſt und die Weltverbundenheit der Preſſe dartut.
Das Abkommen wurde von Mufſolini und dem deutſchen Botſchafter Auch hier liegen gute und böſe Schickſalsloſe in der Hand der
Baron von Neurath unterzeichnet.
Der amerikaniſche Senat hat die Schiedsgerichtsverträge mit Deutſch=
land
und Italien geſtern genehmigt.
Nach einer Prager Meldung beabſichtigt der rſchechoſlowakiſche
Außenminiſter, Dr. Beneſch, zu einer Befprechung mit
zu kommen.
Der frühere Außenminiſter der Nanking=Regierung, Wu, hat ſich
zur Unterrichtung der öffentlichen Meinung Ame=
rikas
über die Lage in China in Schanghat nach Amerika ein=
geſchifft
.
Wie in Paris verlautet, beabſichtigen die europäiſchen Groß=
mächte
die nächſte Völkerbundsratstagung in Genf dazu
zu benutzen, die dort anweſenden juriſtiſchen Berater der Außenmini=
ſterien
mit der Prüfung der Kelloggſchen Vorſchläge
und der franzöſiſchen Vorbehalte zu beauftragen.
Die franzöfiſche Regierung hat endgültig dahin ent=
ſchieden
, daß Kelloggs Vorſchläge für die Aechtung des
Krieges in ihrer augenblicklichen Geſtalt, d. h. ohne Hinzufügung der
vier in der letzten franzöſiſchen Note vorgeſchlagenen Vorbehalte, un=
annehmbar
ſeien.
Laut Journée Induſtrielle ſtehen die franzöſiſch= öſter=
reichiſchen
Handelsvertragsverhandlungen vor=
dem
Abſchluß. Der Vertrag wird wahrſcheinlich heute paraphiert
werden.

Einſtellung der japaniſchen Offenſibe.
Japaniſche Forderungen an China.
PU. Tokio, 12. Mai.
Auf Anordnung des japaniſchen Kriegsminiſters wird die
japaniſche Offenſive in China mit der Beſetzung der Tſinanfu
Schantung=Bahn vorläufig eingeſtellt. Gleichzeitig werden ver
Nankingregierung folgende Forderungen vorgelegt: Voller Erſatz
für jeden Materialſchaden ſowie Beſtrafung ſämtlicher an dieſen
Zerſtörungen beteiligten Soldaten und Offiziere. Sollten dieſe
Forderungen angenommen werden, wird ſich Japan mit der
ſoweit beſetzten Zone als Sicherheit für die Erfüllung ſeiner
Anſprüche begnügen. Die von China vorgeſchlagene Vermittelung
des Völkerbundes wird abgelehnt. Japan hat weitere Truppen=
verſtärkungen
nach Schantung entſandt.
Ein Aufruf der Peking=Regierung.
FU. Peking, 12. Mai.
Der Miniſterpräſident der Peking=Regierung hat im Namen
des Marſchalls Tſchang Tſo=lin an das chineſiſche Volk einen
Aufruf gerichtet, in dem erklärt wird, daß die chineſiſche Regie=
rung
die Abſicht habe, mit dem Süden Frieden zu
ſchließen. Der Norden habe keine Abſichten auf das der Süd=
Beſprechung eingeladen, um die Möglichkeiten des Friedens=
ſchluſſes
zu erwägen. Dieſer Aufruf iſt von der Peking= Regie=
rung
auch dem Doyen des diplomtiſchen Korps zur
Kenntnisnahme unterbreitet worden. Der japaniſche Geſandte
erklärte, Japan ſei bereit, die Rolle des Vermittlers zu über=
nehmen
, um den Bürgerkrieg möglichſt raſch beizulegen.
Der engliſch=perſiſche Vertrag.
EP. London, 12. Mai.
Der in Teheran unterzeichnete engliſch=perſiſche Vertrag ent=
hält
außer den Beſtimmungen über die Zölle und gegenſeitige
Meiſtbegünſtigung auch ein Abkommen bezüglich des
Ueberfliegens perſiſchen Gebiets durch eng=
liſche
Flugzeuge wodurch die Eröffnung der Luft=
verbindung
nach Indien möglich wird. Ferner iſt in
einem Anhang die Stellung der engliſchen Staatsangehörigen in
Neben dieſer, wie Theunis hervorhebt, kritiſchſten, weil über. Perſien geregelt, die ſich nach Aufhebung der Kapitulationen er=
ſtimmten
Fällen durch beſondere Haftbefehle erfolgen. Den Eng=
ländern
muß die Möglichkeit gegeben ſein, eine Kaution zu ſtellen
und jederzeit mit ihrem Konſul verkehren zu könnnen. Es
bleiben noch zu regeln die Probleme der Verhältniſſe an der und möge ſie eine Brücke bilden für die geiſtige und kulturelle An=
perſiſcheirgliſchen
Grenze und die Rückzahlung gewiſſer engliſcher näherung der Völker im Sinne gegenſeitigen Verſtehens ud
Anleihen an Perſien.

(röffnung der Preſſa in Köln
Fortſetzung von Seite 1, 2. Spalte.
Fortſchritt auf allen Gebieten. Was können wir ſehnlicher wün=
Der Reichsanzeiger veröffentlicht heute die Richtlinien für ſchen, als daß ſie im Dienſt am Guten und Edlen erſtarke, daß
ihre Macht ſich in dieſer Richtung weiten und dem wahren
das ihrige dazu beitragen. Eine beſondere Note erhält dieſe
Ausſtellung dadurch, daß ſie die Preſſe als Weltmacht zeigt, die
Die deutſch=italieniſchen Verhanblungen über die Zollbehandlung von weltumfaſſende Organiſation des internationalen Nachrichten=
Preſſe. Möge ſie wirken für den Frieden und für das Erſtarten
einer friedfertigen Geſinnung der Völker im Dienſte der großen.
alles umſpannenden Menſchheitsidee! Durch und über die Nation
zur Menſchheit! das ſei ihr Wahlſpruch! Wo hätte eine inter=
nationale
Preſſeausſtellung einen ſchöneren Boden finden können
Dr. Streſemann in den nächſten Tagen nach Berlin als hier am Rhein, in dem Herzen alter ununterbrochener deut=
ſcher
Kultur, wo am Rhein der Strom der Zeiten vorbeigebrauſt.
wo das ehrwürdige Köln erzählt von Römermacht, vom erſten
Wachſen und Blühen des Chriſtentums auf deutſchem Boden.
vom mittelalterlichen Glauben, Denken und chriſtlichem Bürger=
ſinn
und ſvo auch heute der Puls neuzeitiger Endwicklung ſchlägts
Im Anſchluß an die Rede des Miniſters ſangen die An=
weſenden
die drei Strophen des Deutſchlandliedes. Mit einem
Finale mit Schlußchor aus Schillers: Ode an die Freude des
ſtädtiſchen Orcheſters fand die eindrucksvolle Feier ihr Ende,
Anſchließend unternahmen die Feſtteilnehmer einen Rundgang
durch die weitläufigen Ausſtellungsgebände. Für heute abend
hat die Stadt Köln die anweſenden ausländiſchen und inlän=
diſchen
Staatsvertreter, Ausſchußmitglieder ſowvie die übrigen
Beteiligten zu einem Feſtbankett im Gürzenich eingeladen.
Abends fand im herrlich geſchmückten Gürzenich, der Stadt=
halle
von Köln, ein
Feſteſſen
ſtatt, zu dem die ausländiſchen Vertreter, ſowie die Spitzen der
Behörden geladen waren. Der Gürzenich=Sgal bot in ſeiner
mittelalterlichen Schönheit einen prächtigen Rahmen für das ge=
ſellſchaftliche
Bild. Oberbürgermeiſter, Dr. Adenauei hielt
eine kurze Begrüßungsanſprache, in der er auf die Bedeutung
der Stadt Köln als Brücke und Mittlerin zwiſchen den abend=
ländiſchen
Nationen hinwies. Nach ihm ergriff Reichsarbeits=
miniſter
Dr. Brauns das Wort, der erklärte, was Köln in der
Preſſa unternommen und geleiſtet habe, ſei eine Tat von größter
Bedeutung, nicht nur für das Rheinland, ſondern für das ganze
Reich. Die Preſſa iſt eine Schau, die vor allem den deutſchen
Wiederaufbau zeigt. Die Zeit, wo Europa die Welt war, iſt vor=
bei
, aber jahrtauſendealte Geſchichte iſt nicht wegzuleugnen. Sie
gibt der Stadt höln die Berechtigung zu einer ſolchen Tat. Man
ſagt wohl, Europa iſt alt, man darf aber nicht von einem altern=
den
Europa ſprechen. Deutſchland und das Rheinland ſtellen
den beſten Beweis dafür. Das neue Köln, das alle umliegenden
Wirtſchaftsgebiete zuſammenſchweißt zu einem großen Ganzen,
iſt auf dem beſten Wege, wieder ſeine mittelalterliche Bedeutung
zu erobern. Dr. Brauns ließ ſeine Rede in einem dreifachen Hoch
auf die Stadt Köln ausklingen. Darauf überbrachte Reichs=
miniſter
a. D. Dr. Külz, der Reichskommiſſar für die Preſſa
im Namen der deutſchen Reichs= und Ländervertreter die herz=
lichſten
Wünſche, Anerkennung und Dank für dieſe Kulturtat zum
Ausdruck. Er begrüßte vor allem ſodann die Vertreter der aus=
ländiſchen
Staaten und den Generalſekretär des Völkerbundes
und dankte ihnen für ihre tatkräftige Unterſtützung. In ſeinen
weiteren Ausführungen zeichnete er dann ein Bild von dem
Wert der Preſſe für die Völkerverſtändigung. Nach ihm ſprahn
noch der Generalſekretär des Völkerbundes Sir Erie Drun=
mond
, der ſpaniſche Botſchafter, für den Verein der Deutſchen
Zeitungsverleger Profeſſor Julius Wolff, für den Reichsver=
band
der Deutſchen Preſſe Dr. Dovifat und zum Schluß Pro=
feſſor
Volkmann=Leipzig.
Glückwunſch der deutſchen Zetungeverleger.
Als erſter Glückwunſch zur Preſſa=Eröffnung iſt ein Tele=
garmm
des Vorſitzenden des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger,
Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, an Oberbürgermeiſter Dr. Ade=
nauer
eingetroffen, in bem es heißt: Die Weltſchau des Zeitungs=
weſens
iſt erwachſen aus Ihrer kraftvollen Initiatiwe, aus dem
opferbereiten Mut der Stadt Köln und dem tarkräftigen Zu=
ſammenwirken
aller in der Preſſe tätigen Kräfte. Aufrichtiger
Dank gebührt all den Männern und Körperſchaften, die zur Vor=
bereitung
und zum Gelingen des großen Werkes beigetrageit
haben, in erſter Linie der Stadt Köln und ihrem Oberhaupt.
Möge die Preſſa ihre weltgeſchichtliche Miſſion in vollem Um=
fang
erfüllen, möge ſie die Aufklärung der Oeffentlichkeit über die
Aufgaben, die Bedeutung und die Wirrſchaftlichkeit der Preſſe.
fördern, möge ſie vor dem In= und Auslande Zeugnis ablegen
für den Hochſtand deutſchen Geiſteslebens und deutſcher Kultul,
einer auf Gerechtigkeit beruhenden Befriedung.

*Die Preſſa iſt eröffnet.
Von unſerem Sonderberichterſtatter.
Der 12. Mai iſt ein Markſtein in der Geſchichte der Stadt
Köln. Wie vor Jahrhunderten ſchon treffen ſich die Völker der
Erde im Zeichen des heiligen Stromes, wie immer ſchon tut der
Rhein ſeine große Vermittlungsaufgabe und hilft die Befriedung
der Völker vorbereiten. Die Flaggen von faſt allen Kulturlän=
dern
der Erde grüßen von den Ausſtellungsbauten, ein buntes
Gewirr von Sprachen tönt uns entgegen, und im Staatenhaus
ſind alle großen Länder von Eurrpa und lieberſee nebeneinander=
geſtellt
. Dieſe Tatſache ſei als ein köſtliches Symbol gewertet. In
den Stunden, da dieſer Bericht geſchrieben wird, leuchten zum
erſten Male die gewaltigen Lichtketten aus den Bögen der mäch=
tigen
Rheinbrücken auf. Das alte behagliche Ufer mit dem Dom
im Hintergrund wird durch dieſe leuchtenden Bänder verflochten
mit der großen Ausſtellungsſtadt, in der das alte Köln ſeine
Gegenwartsbedeutung beweiſen will.
Die Preſſa iſt eröffnet. Sie ſoll eine Kulturtat ſein, ein
Dienſt am Geiſtigen, aber auch ein Dienſt an Wirtſchaft, Induſtrie
und Verkehr. All dem dient die Preſſe und iſt vielfältig mit ihm
verflochten. Das gibt der ganzen Ausſtellung ihr Gepräge; wir
werden eingefangen vom unendlich geſteigerten Rhythmus der
Gegenwart, aber auch die Tradition wird nicht verachtet. Aus
Vergangenheit und Gegenwart löſen ſich aus dieſer gewaltigen
Ausſtellung die Kräfte, die an der Zukunft bauen ſollen und
bauen werden. Perſpektiven öffnen ſich, die dem Ringen und der
Not der nachkrieglichen Gegenwart einen tieferen Sinn geben.
Man wird das Gefühl nicht los, daß dieſe Ausſtellung nicht etwas
Einzelnes iſt, nicht ein unorganiſcher Verſuch, ſondern daß ſie
einfach die klare Fortſetzung einer hiſtoriſchen Linie iſt. Nun, wo
ſich die Pforten der Preſſa geöffnet haben, iſt verſtändlich ge=
worden
, daß man dieſer Ausſtellung den Namen Weltſchau am
Rhein gegeben hat. An dieſer Stelle ſoll lediglich verſucht wer=
den
, aus der Fülle der vielen Eindrücke ein Weniges herauszu=
heben
und in Worte zu bannen.
Die Ausſtellungsbauten erſtrccken ſich auf dem Deutzer Ufer
des Rheines in einer Länge von mehr als 3 Kilometern, über=
ragt
von dem gewaltigen Preſſa=Turm, der wie ein Gleichnis

eines neuen Wollens dem Dome gleichſam ein Bruder geworden
iſt. Mächtige Hallen dehnen ſich aus, durchpulſt vom Rhythmus
der großen Zeitungsmaſchinen, unterbrochen von beſinnlichen
Ausſtellungen, die die Verleger unter Wahrung landsmannſchaft=
licher
Geſichtspunkte veranſtaltet haben. Alles das, dem die Zei=
tung
dient, erfährt ſeine beſondere Behandlung. Die Wirtſchaft,
deren jeweiliger Zuſtand in ſtarken Zuſammenhängen mit dem
Preſſeweſen ſteht, hat ſich auch auf dieſer Schau eingeſtellt. Wir
finden die deutſchen Großfirmen in jeweils charakteriſtiſchen
Einzelkojen ſich repräſentieren. Die Induſtrien, die irgendwie ur=
ſächlichen
Zuſammenhang mit der Zeitung haben, zeigen ihre
Produkte, und es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die großen Verkehrs=
inſtitute
ihre Arbeit ausſtellen. Gewaltige Modelle zeigen die
Methode der modernen, techniſch unendlich verfeinerten Nachrich=
tenvermittlung
. Wir erleben vor unſeren Augen den Zeitungs=
druck
, wir ſtehen an den Setzmaſchinen und an dem Mettagetiſch,
die neuzeitlichen und größten Rotationsmaſchinen treiben ihre
Räder vor unſeren Augen.
Der ganze Betrieb der modernen Tageszeitung, von der
Nachrichtenergreifung und der redaktionellen Bearbeitung bis hin
zum Verſand des fertigen Blattes fängt uns in ſeinen Bann.
Die Zeitſchriften wiſſenſchaftlicher, erzieheriſcher, aber auch all=
gemein
bildender Art haben hier eine große Sonderſchau erfah=
ren
. Bei dieſer Gelegenheit iſt auch zu betonen, daß dem deutſchen
kolonialen und auslandsdeutſchen Gedanken beſonders gedient
wird. Es gibt ſchlechthin keine Materie, die für die Preſſe von
Bedeutung iſt und deren Behandlung ein öffentliches Intereſſe
erheiſcht, die hier nicht ihre Spiegelung erfährt. Technik, Wirt=
ſchaft
, Handel, Induſtrie und Verkehr haben ſich auf der Preſſa
vermählt und erbringen hier den Beweis ihrer inneren Kräfte
und ihrer äußeren Leiſtungen.
Aber auch der Vergangenheit wird ein breites Recht gegeben,
das ihr, unter geiſtesgeſchichtlichem Geſichtswinkel geſehen, ge=
bührt
. Die kulturhiſtoriſche Abteilung iſt eine Leiſtung einzig=
ſtehender
Art. Die politiſche und kulturelle Geſchichte Europas,
aber auch der Welt erfährt hier ihr genaueſte Spiegelung. Zei=
tungsgeſchichte
erſcheint hier als allgemeine Kulturgeſchichte. Wir=
werden
zurückgeführt bis in die Anfänge des Nachrichtenwefen?
lange ehe die eigentliche Zeitung begann. Dabei iſt darauf hin=
weiſen
, daß dieſe geſchichtliche Darſtellung in Einzelrätnken
boten wird, die Anſpruch auf abſoluteſte Milieu=Echtheit machen

dürfen. Angefangen mit der chineſiſchen Zeitung King 300
die 800 Jahre v. Chr. erſchien, weitergehend über die Nachrichtele
vermittlung der primitiven Völker und der Antike, hinüberreichend
zu bem Lied als Zeitung in der Zeit des Minnegeſangs, dee
Moritat und des Bänkelſängerweſens ſteigen wir an bis zu
Gutenbergs epochemachender Erfindung, nachdem wir vorhe‟
noch den Aviſenſchreibern in Nürnberg und den Kloſterbrüdern,
ſchreibend an dicken Folianten, begegnet ſind. Dann kommt die
Zeit der Einblattdrucke, aus denen ſich dann über die moraliſchen
Wochenſchriften hinaus die Preſſe Friedrichs des Großen, Jolele
des Ziveiten und Napoleons entwickelt hat. Der behagliche
Biedermeier und die verträumte Romantik ſprechen uns alt, de
Poeſie der Poſtkutſchenzeit begegnet uns, und ſo rundet ſich das
Bild bis zur Schwelle der Gegenwart. All dieſe Epochen ſind in
Räumen dargeſtellt, aus denen uns die Vergangenheit lebenoie
und ganz anſchaulich anſpricht. In der kulturhiſtoriſchen Abtel
lung, die vor dem exakteſten Zeitungswiſſenſchaſtler beftehen kanle
liegt auch der beſondere Wert der Preſſa für die Allgemeinheit
weil gerade hier eine volksbildende Aufgabe von eminenter Wich
tigkeit geſtellt und erfüllt iſt. Es liegt im Charakter einer neuzei!
lichen Fachausſtellung, daß ſie in die Breite und Tiefe ausho!=
Solches iſt hier geſchehen.
Gegenwart und Vergangenheit ſind auf der Preſſa erfaß:
aber ein beſonderer Gedanke dieſer Ausſtellung verdient n90
Erwägung, das iſt ihre internationale Bedeutung, die uns i
dem Staatenhaus recht zum Bewußtſein kommt, wo 43 Staatei
und der Völkerbund im Zeichen der ſchwarzen Kunſt ſich zu
ſammenfanden. Hier iſt ein Stück Weltgeſchichte lebendig gewvor
den und ſpricht uns an. Von dieſer Ausſtellung glauben die
Veranſtalter, daß ſie über die Gegenwart hinaus der Zukunf
klare Wege weiſt. Im Nahmen einer kurzen Ueberſicht iſt natür
lich nicht möglich, Weſen und Bedeutung, Sinn und Zweck
Methode und Viefalt klar zu ſpiegeln.
Cine Vielzahl von Politikern, Diplomaten, Wirtſchaftler:
und Zeitungsfachleuten iſt in Köln in dieſen Tagen zuſammel
gekommen und wird ſich im kommenden Sommer in der Domt
ſladt noch treffen. Die Preſſa iſt ein Werk, das bei der Wahrun
iner geſunden Tradition die Gegenwart berückſichtigt, um au=
ieſen
beiden Elementen die Zukunft zu formen. Die glanzvoll
röfſnung iſt voxbei und man darf der Wunſch ausdrücken, dar
die Wirkung ebenſo lichtvoll uind bedeutend ſei, wie dieſer Auftark

[ ][  ][ ]

Nummer 133

Sonntag, den 13. Mai 1928

Seite 3

Der deutſch=amerikaniſche Vergleichs=
und Schiedsgerichts=Verirag.
Einſetzung einer ſtändigen internationalen
Kommiſſion zur Regelung von Streitfragen.
Verurteilung des Krieges als Werkzeug der
internationalen Politik.
Berlin, 12. Mai.
Die am 5. Mai in Waſhington unterzeichneten Verträge
zwiſchen dem Deutſchen Reich und den Vereinigten Staaten zer=
fallen
in einen Vergleichs= und einen Schiedsge=
richtsvertrag
. Der Vergleichsvertrag ſieht vor, daß alle
ziiſchen den Vertragspartnern entſtehenden Streitfragen, welcher
Natur ſie auch immer ſei mögen, wenn ſie auf dem gewöhn=
lichen
diplomatiſchen Wege nicht beigelegt werden konnten, und
die vertragsſchließenden Parteien nicht die Entſcheidung eines
zuſtändigen Gerichts anrufen, zur Unterſuchung und zum Bericht
einer innerhalb ſechs Monaten nach Vertragsſchluß zu bildenden
Ständigen internationalen Kommiſſion unterbreitet werden, die,
wie folgt, zuſammengeſetzt wird: Je ein Mitglied wird durch die
Regierung jedes der beiden Länder gewählt, je ein weiteres Mit=
glied
wird von jeder Regierung aus einem dritten Lande gewählt,
das fünfte Mitglied wird auf Grund einer Verſtändigung beider
Teile gemeinſam gewählt und darf nicht Angehöriger eines der
beiden Länder ſein. Die internationale Kommiſſion kann auf
Grund eines einſtimmigen Beſchluſſes auch von ſich aus ihre
Dienſte zur Unterſuchung einer Streitfrage anbieten. Sie hat in
allen Fällen ihren Bericht innerhalb eines Jahres fertigzuſtellen,
falls nicht die Vertragspartner ſich über eine Verlängerung oder
Verkürzung der Friſt einigen. Beide vertragsſchließenden Par=
teien
behalten ſich das Recht vor, hinſichtlich des Gegenſtandes der
Streitfrage nach freiem Ermeſſen zu handeln, ſobald der Bericht
der Kommiſſion erſtattet worden iſt. Der Vertrag ſoll fortlaufend
in Kraft bleiben, bis er von einem der Vertragspartner ſchriftlich
mit einjähriger Kündigungsfriſt aufgelöſt wird.
In der Einleitung des zweiten, nämlich des Schiedsgerichts=
vertrags
, wird beſonders betont, daß die Vertragspartner beſtrebt
ſind, durch ihr Beiſpiel nicht nur zum Ausdruck zu bringen, daß
ſie den Krieg als Werkzeug der internationalen Politik in ihren
gegenſeitigen Beziehungen verurteilen, ſondern auch den Eintritt
des Zeitpunktes zu beſchleunigen, in welchem der Abſchluß inter=
nationaler
Uebereinkommen zur friedlichen Regelung internatio=
naler
Streitfragen für immer die Möglichkeit eines Krieges
zwiſchen irgend welchen Mächten der Welt beſeitigen wird. Der
Vertrag ſieht vor, daß alle zwiſchen den Vertragspartnern ent=
ſtehenden
Streitigkeiten, bei welchen die eine Partei gegenüber
der anderen auf Grund eines Vertrags oder auf anderer Grund=
lage
ein Recht in Anſpruch nimmt, ſofern ſie weder auf diplo=
matiſchem
Wege, noch durch Anrufung einer Vergleichskommiſſion
nicht geregelt werden konnten und ſo weit ſie nach den Grund=
ſſätzen
von Recht und Billigkeit entſcheidbar und ſomit für ein
Rechtsverfahren geeignet ſind, dem Ständigen Schiedshof oder
einem anderen Gericht vorgelegt werden, und zwar auf Grund
einer in jedem Einzelfall durch beſondere Vereinbarung zu tref=
fenden
Entſcheidung, die nötigenfalls auch die Bildung des Ge=
richts
regeln und ſeine Befugniſſe beſtmmen ſoll. Von der
ſchiedsgerichtlichen Behandlung ausgeſchloſſen ſind alle Streit=
fragen
, deren Gegenſtand entweder unter die einheimiſche Ge=
richtsbarkeit
eines Vertragspartners fällt oder in die Intereſſen
Hritter Parteien eingreift oder auf der Aufrechterhaltung der
Monroe=Doktrin beruht bzw. in die Aufrechterhaltung der Dok=
trin
eingreift oder auf der Beobachtung der Deutſchland nach der
Völkerbundsſatzung obliegenden Verpflichtung beruht bzw. in
die Beobachtung dieſer Verpflichtungen eingreift. Auch dieſer
Vertrag ſoll fortlaufend in Kraft bleiben, bis er ſchriftlich mit
einjähriger Kündigungsfriſt aufgelöſt wird.
Noch immer Zuriſien=Konferenz.
* Berlin, 12. Mai. (Prib.=Tel.)
Obſvohl Herr Kellogg mit nicht mißzuverſtehender Deutlich=
leit
erklärt hat, daß er eine Juriſtenkonferenz über ſeinen Anti=
riegspakt
ablehnt und obwohl auch Chamberlain ſich ihm ange=
chloſſen
hat, ſpukt das Geſpenſt dieſer Konferenz immer noch.
Italien hat ſich ja auf Bitten Frankreich bereitgefunden, den
Vorſchlag offiziell aufzunehmen und es ſcheint, als ob Frankreich
hinter den Kuliſſen in der gleichen Richtung fleißig weiterarbeitet
u der Form, daß bei der nächſten Ratstagung im Juni, wo die
ztriſtiſchen Sachverſtändigen gewohnheitsmäßig mit ihren Außen=
rriniſtern
anweſend ſind, durch das zufällige Anweſendſein eine
tvangloſe Juriſtenkonferenz zu arrangieren. Dagegen wäre auch
qum etwas einzuwenden, ſoweit es ſich nur um unverbindliche
Tnterhaltungen handelt, nicht aber um offizielle Verſuche zur
Zerwäſſerung oder Umbiegung des Kelloggſchen Vorſchlages.

Freie Literariſch=Künfkleriſche Geſellſchaft.
Die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft widmete in dem
ſeſtreben, junge Kunſt zu fördern und zu pflegen, die achte Ver=
rſtaltung
dieſes Winters jungen heſſiſchen Dichtern, deren Werke
arch den Mund von Eliſabeth Stieler=Mannheim zu Gehör
men.
Einleitend wies Wilhelm Michel in feinſinnigen Worten
rrauf hin, wie die heutige Zeit nicht mehr die Seele, ſondern
IS Ding an ſich in den Vordergrund ſtellt. Die Mechaniſierung
* Zeit ſteht der Kunſt und namentlich der Lyrik entgegen. Die
Linſt aber will ſich nicht gegen die Zeit ſtellen und auch nicht in
rre ſtille Oaſe ſich zurückziehen. Neben der Zeit und mit der
eit will ſie ihr eigenes Leben, das Leben der Seele führen und
eitertragen.
Von Dr. Fritz 1i ſinger ſind nach dem Ewigen Kampf
ro der Großen Elegie neue Sonette erſchienen, von denen
iſabeth Stieler ausgenählte Stücke vortrug. Sie ſind ſtark ge=
nklich
erfüllt, gepflegt in der Form, bisweilen etwas herb.
Eliſabeth Langgäſſers Erzählung Claudia und die
cneiderinnen zeigte die feine, zarte Empfindung der jungen
chterin und ihr Vermögen, der Empfindungsadäquate Form
geben.
Naturverbundenheit und Frömmigkeit ſprechen aus Paul
pels Gedichten, ſprechen aus ſeinen ſchönen Rhythmen
ked‟. Abſchied von der Mutter Der Dichter.
Eine ſtarke und feinempfindende Perſönlichkeit ſteht hinter
er Gedichten von Ludwig Strauß=Bensheim; in dem ge=
riklichen
Inhalt ſpürt man eine Linie zu Martin Buber, mit
ſen Tochter er verheiratet iſt. Der Ruf aus der Zeit iſt eine
öne und tiefe Auseinanderſetzung mit den Kräften der Zeik
D der Ewigkeit.
Eliſabeth Stieler wurde der jungen Dichtkunſt eine ber=
ridnisvolle
Vermittlerin; ſie gab jeder Dichtung den ihr eigenen
ri und erſchöpfte ihren geiſtigen Gehalt. Der lebhafte Beifau,
ſie beim Kommen begrüßte und ihr am Schluſſe dankte, zeigte
warmen Sympathien, die ihr ſeit der Zeit ihrer Tätigkeit an
F.
ri Darmſtädter Theater zu eigen ſind.

Zur Oonez=Anklageſchrift.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Berliner Blätter veröffentlichen jetzt längere Auszüge
aus der Anklageſchrift im Schachty=Prozeß. Es ſtehen darin ſehr
merkwürdige Dinge, die ſtark ins Diplomatiſche hinüberſpielen,
weil der ruſſiſche Staatsanwalt offenbar der polniſchen und der
franzöſiſchen Regierung den Vorwurf macht, daß ſie durch reich=
liche
Geldmittel im Donezgebiet zu wirken verſucht haben.
Darüber wird wohl in dem Prozeß trotz aller diplomatiſchen Zu=
rückhaltung
oder vielleicht gerade, weil die Ruſſen ein In=
tereſſe
daran haben, dieſe Dinge breitzutreten , mancherlei zu
hören ſein. Uns intereſſiert in erſter Linie der Teil der Anklage=
ſchrift
, der die deutſchen Ingenieure betrifft. Viel klüger werden
wir daraus allerdings auch nicht. Wie die Anklage zu dem Vor=
wurf
der konterrevolutionären Tätigkeit der deutſchen In=
genieure
kommt, iſt uns vorläufig unverſtändlich. Was ihnen zum
Vorwurf gemacht wird, beſteht hauptſächlich darin, daß ſie Be=
ſtechungsberſuche
gemacht haben ſollen. Die deutſchen Angeſchul=
digten
beſtreiten das nach wie vor. Nur von dem Monteur Bad=
ſtieber
ſcheint ein Teilgeſtändnis vorzuliegen, von dem aber noch
zu prüfen wäre, wie es zuſtande gekommen iſt. Gerade das
Kapitel über die deutſchen Ingenieure macht ſtark den Eindruck,
als ob die Ruſſen einſehen, wie ſchwer ſie ſich verhauen haben
und nun künſtlich Kleinſtes und kleinlichſtes Material zuſammen=
tragen
, um die Verhaftung der Deutſchen wenigſtens nachträglich
einigermaßen zu rechtfertigen. Sie werden damit allerdings den
Eindruck nicht verwiſchen können, daß die ganze Anklage politiſch
aufgezogen iſt, und eben deshalb nicht verhindern können, daß die
Folgen dieſes ganzen Verfahrens ſich nicht nur wirtſchaftlich, ſon=
dern
auch politiſch auswirken.
Weiterer Rückgang der Arbeitsloſigkeit.
Berlin, 12. Mai.
Die Beſſerung des Arbeitsmarktes hat in der zweiten Hälfte
des April weitere Fortſchritte gemacht. Wenn auch die Zahl der
Hauptunterſtützungsempfänger in der Arbeitsloſenverſicherung
nicht ganz ſo ſtark abgenommen hat wie in den vorhergehenden
14 Tagen, ſo ſank ſie doch von 844800 am 15. April auf 729 300
am 30. April, alſo um rund 115 500 oder um 13,7 v. H. Dieſer
Nückgang entfällt mit 113 200 faſt ausſchließlich auf Männer, wäh=
rend
ſich die Zahl der unterſtützten Frauen nur um 2300 ( 1,5
v. H.) verringerte. Die Zahl der Hauptunterſtützungsempfänger
in der Kriſenunterſtützung, die bisher nur langſam zurückgegan=
gen
iſt, weiſt diesmal einen erheblich ſtärkeren Rückgang auf; ſie
ſank in der Berichtszeit von rund 182 000 auf 162 000 oder um
11 v. H. Die Zahl der Notſtandsarbeiter iſt in der zweiten
Hälfte des April wiederum geſtiegen, und zwar um 2,9 v. H. Sie
betrug am 30. April rund 90 200; davon waren vorher, in der
Arbeitsloſenverſicherung 69 500 und in der Kriſenunterſtützung
20 700. Auf 100 Hauptunterſtützungsempfänger in der Arbeits=
loſenverſicherung
entfielen ſomit 9,5 auf 100 Hauptunterſtützungs,
empfänger in der Kriſenunterſtützung und 12,8 Notſtandsarbeiter
Einzelheiten aus der Reichsbahn=Oenkſckrift.
* Berlin, 12. Mai. (Priv.=Tel.)
Obwohl die Reichsbahndenkſchrift über die beantragte Tarif=
erhöhung
noch immer geheimgehalten wird, gelangen doch immer
mehr Einzelheiten aus dem Dokument in die Oeffentlichkeit. So
iſt bereits bekannt geworden, daß die Reichsbahn die Einführung
des Zweiklaſſenſyſtems bei einer Erhöhung des jetzigen
Preiſes der 4. Klaſſe um 12 Prozent für die Holzklaſſe
plant. Die Deutſche Allgem. Zeitg. veröffentlicht jetzt ein wei=
teres
Bruchſtück aus der Denkſchrift. Nach dieſem dürfte die
Reichsbahn für das Jahr 1928 noch etwas beſſer abſchließen als
im Vorjahre. Die Reichsbahn ſelbſt rechnet mit einer Einnahme
von 5060 Millionen Mark, während im Vorjahre nur 5040 Mil=
lionen
vereinnahmt wurden. Trotzdem iſt aber rein rechneriſch
unter Berückſichtigung der Einſchränkung der Ausgaben ein De=
fizit
zu erwarten, das außergewöhnlich groß ſein wird, wenn die
Reichsbahn ihren vorgeſchriebenen Rückſtellungsverpflichtungen
nachkommt. Es wird in der DMZ. eine Möglichkeit aufgezeigt,
wie man ohne Tariferhöhung auskommen könnte. Vermutlich
iſt dieſer Ausweg auch in der Denkſchrift angezeigt, daß nämlich
das Reich die Reparationen der Reichsbahn auf den Etat über=
nehmen
ſoll. Damit würde allerdings dieſe Sorge von der
Reichsbahndirektion genommen und auf das Reichsfinanzminiſte=
rium
übergegangen ſein.

Bewegungsſchule Gretel Pfuhl.
Am. Am Freitag abend ſahen wir im Fürſtenſaal Vorfüh=
rungen
der Schule für gymnaſtiſche Körperbildung
und Bewegung von Gretel Pfuhl. Schülerin und Dipl.=
Lehrerin der Ausdrucksgymnaſtik. Dr. B. Bode, kam Gretel
Pfuhl vor etwa einem halben Jahr nach Darmſtadt, und man
muß zunächſt ihren Mut anerkennen, daß ſie nach ſo verhältnis=
mäßig
kurzer Zeit mit einem Vorführungsabend an die Oeffent=
lichkeit
zu treten wagte und konnte!
Es wäre zunächſt einiges Grundſätzliche über die Ausdrucks=
gymnaſtik
von Dr. B. Bode zu ſagen. Bode will wie ſeine Lehrer
Jacques=Dalcroze die Reaktions= und Ausdrucksfähigkeit des ge=
ſunden
Körpers ſteigern und betont gleichmäßig die völlige Ent=
ſpannung
(Syſtem der Hantelübungen), wie die kräftigſte Inner=
vation
. Als Endziel ſoll die freie Entladung des Gefühls durch
die Gewalt des Maßes im Ausdruck gebändigt werden. Laban
hat 1920 den prägnanten Satz gefunden: In jedem Menſchen
ſteckt ein Tänzer. Heute verſtehen wir dieſe Erkenntnis dahin,
daß in jedem Körper eine Seele ſteckt, die nach Ausdruck verlangt.
Gretel Pfuhl und vier junge Damen aus ihrer Schule zeig=
ten
nun die Reihe der Uebungs= und Ausdrucksbewegungen vom
Gang (Gehen, Laufen, Springen und Hüpfen), über Entſpannung
und Schwung (Tiefſchwung, Hochſchwung und Seitſchwung) zu
den reinen Ausdrucksbewegungen (Schlag, Druck, Sroß und Zug).
Die Ausführung der auch an die körperliche Leiſtungsfähigkeit
der Schülerinnen hohe Anforderungen ſtellenden Bewegungen
war ſauber und exakt, die ſtraffe und diſziplinierte Leitung ſicht=
lich
erkennen laſſend. Gretel Pfuhl ſelbſt verfügt über einen voll=
kommen
durchtrainierten, ſicher beherrſchten Körper. Ihre Arbeit
an den vier jungen Damen und deren Leiſtungen ſelbſt ſind um
ſo mehr anzuerkennen, als, wie ſchon geſagt, die Bewegungs=
ſchule
hier erſt ſeit einigen Monaten beſteht.
Im zweiten Teil des Abends wurden einige Improviſationen,
von Doppel=Tamburinſchlägen begleitet, gezeigt. Neben ein oder
zwei nicht ſo ganz gelungenen legten auch dieſe Improviſationen
Zeugnis ab für die erfolgreiche Arheit der Lehrerin an den Schü=
lerinnen
, für die gründliche Durcharbeitung der körperbildenden
Probleme.

Der Kolmarer Prozeß.
Der franzöſiſche Spitzeldienſt.
* Kolmar, 12. Mai. (Prid.=Tel.)
In der heutigen Vormittagsſitzung wird ein Brief verleſen,
deſſen Verfaſſer mit dem des geſtern verleſenen Schreibens
identiſch iſt, wo von dem Angebot eines halbjährigen Gratisnach=
richtendienſtes
die Rede war. Der Angeklagte Heil erklärt dazu,
daß er ſich nunmehr erinnere, daß der Brief von einem da=
maligen
Beamten der Telegvaphen=Umion namens Seeger her=
rühre
, deſſen Bekanntſchaft er 1910 in Straßburg gemacht habe.
Wenn er dem Unterſuchungsrichter gegenüber einen anderen Ur=
heber
des Briefes genannt habe, ſo rühre das daher, daß man
ihm ſeinerzeit nicht Zeit gelaſſen habe, den Brief zu leſen. Nach
verſchiedenen Zwiſchenfragen erklärt der Angeklagte u. a. noch,
er habe, da ihm die Volksſtimme ſympathiſch erſchien, und er
Erfahrung im journaliſtiſchen Dienſt in Deutſchland gehabt habe,
geglaubt, daß der Dienſt der Telegraphen=Union, beſonders auch
wegen ihres unpolitiſchen Teils, auch im Auslande Verwendung
finden könne und ſich deshalb an Seeger gewandt. Rechtsanwalt
Fournier beantragt darauf, daß der Verteidigung vom Gericht
ausdrücklich beſtätigt wird, daß der Vorſitzende den des Franzö=
ſiſchen
nicht genügend mächtigen Angeklagten in franzöſiſcher
Sprache verhört hat, daß den Verteidigern das Wort zu einer
Richtigſtellung verweigert worden iſt und daß der Vorſitzende die
Sitzung aufgehoben hat, gerade als die Anwälte auf Grund der
Ausſagen Fragen an Heil ſtellen wollten. In der Begründung
erklärt Fournier, daß der genannte Brief ſich nicht politiſch deuten
laſſe, auch nicht das angebotene Gratis=Abonnement. Er bean=
tragt
die Ernennung eines journaliſtiſchen Sachverſtändigen und
ſchlägt William Martin vom Journal de Geneve vor; nachdem
noch die Rechtsanwälte Klein, Berthon und Thomas zu dieſer
Frage wie auch zu der fehlerhaften Ueberſetzung des vielgenann=
ten
Briefes Stellung genommen haben, tritt die Mittagspauſe
ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung im Autonomiſtenprozeß
erklärte die Verteidigung, ſie müſſe jede Verantwortung dafür
ablehnen, daß die Verhandlungen doch wieder in die Länge ge=
zogen
würden, da man nicht, wie geplant, am Freitag abend mit
der Vernehmung der Angeklagten zu Ende gekommen ſei, ſondern
noch ſechs Angeklagte zu verhören ſind. Dann wurde das Ver=
hör
des Lithographen Schlägel aufgenommen, der vor allem über
die Organiſation der Schutztruppe
befragt wird. Er ſagte aus, daß die Schutztruppe nur etwa vier
bis ſünf Monate beſtanden habe, und zwar nach dem blutigen
Sonntag von Kolmar, dem 22. Auguſt 1926, und dann einge=
ſchlafen
ſei und erſt nach Gründung der Autonomiſtenpartei wie=
der
aufgelebt ſei, nämlich am 11. Oktober 1927, als neue Drohun=
gen
gegen die heimattreuen Elſäſſer ausgeſtoßen wurden. Der
Schutztruppe hätten ſowohl Elſäſſer rein elſäſſiſcher Herkunft als
auch Elſäſſer gemiſcht elſäſſiſch=deutſcher Herkunft angehört.
(Dieſe Unterſcheidung wird einer Einrichtung der franzöſiſchen
Behörden entnommen, die nämlich Perſonalausweiſe Modell A.
für Elſäſſer rein elſäſſiſcher Herkunft und Perſonalausweiſe
Modell B für Elſäſſer gemiſcht elſäſſiſch=deutſcher Herkunft aus=
geſtellt
hat.) Im Oktober 1927 habe die neugebildete Schutztruppe
auch das Erwinia=Gebäude, und zwar durch Anlegung von
Drahtverhauen in Verteidigungszuſtand geſetzt. Dies ſei durch
die neuen Drohungen notwendig geworden, denn die Heimat=
bundleute
hätten auf den Schutz der Gendarmerie nicht rechnen
können. Alsdann wurden noch einäge Protokolle über Zuſammen=
künfte
des Heimatbundes und dabei gefaßter Beſchlüſſe verleſen,
u. a. betreffend
die Ausrüſiung der Schutztruppe,
wobei erwähnt wird, daß man von einer Uniformierung abge=
ſehen
habe und als Ausrüſtung Stöcke gewählt habe. Dann wurde
davon geſprochen, daß eine Vereidigung der Mitglieder geplant
geweſen ſei, und zwar auf Burg Niedeck. Der Vorſitzende er=
klärte
darauf, wenn eine Vereidigung vorgeſehen war, dann
handele es ſich alſo um ein gemeinſam verabredetes Komplott.
Zum Schluß erklärte Schlägel noch, daß diejenigen Mitglieder
der Schutztruppe, die bei den einzelnen Verſammlungen am
eifrigſten ſich hervortaten und die weiteſtgehende militäriſche Or=
ganiſation
vorſchlugen, zwei Spitzel geweſen ſeien, nämlich
Schneider und Hoffmann, die von Polizeikommiſſar Bauer in=
ſtruiert
worden ſeien. Die weitere Verhandlung wurde darauf
auf Montag früh vertagt.
Beſuch Beneſchs in Berlin.
Berlin, 12. Mai.
Der tſchechiſche Außenminiſter, Beneſch, hat wiſſen laſſen, daß
er auf der Rückreiſe von London in Berlin Station machen will.
Das Datum ſeiner Ankunft ſteht noch nicht feſt. Es wird ſich
nicht um eine politiſche Konferenz handeln, ſondern der Beſuch
trägt vorwiegend privaten Charakter. Es iſt auch nicht ein Pro=
gramm
etwa zu behandelnder Themata feſtgeſetzt.

Die Begleitung am Klavier beſorgte Fräulein Ingeborg
Felgner, Schülerin der Städt. Akademie für Tonkunſt, zweck=
entſprechend
und rhuthmiſch betont. Fräulein Pfuhl darf mit
dem Erfolg dieſes erſten Abends, der reichen Beifall fand, recht
zufrieden ſein.

4Broadwatz.
(Erſtaufführung im Neuen Theater in Frankfurt.)
Broadway in New York: Nachtklub Paradies! Lichter flam=
men
auf, Jazzband ſchrillt! Künſtler=Garderobe.
Glockenzeichen, Beginn der Vorſtellung. Sechs Tanzgirls üben
letzte Schritte und raſen auf die Bühne. Der Tanzkomiker ſtürzt
nach. Die Nachtgeſtalten des Broadway, treffen ſich in der
Künſtler=Garderobe: die Alkoholſchmuggler, die größten Geld=
macher
. Kampf zwiſchen den allmächtigen Gruppen der Schmugg=
ler
. Der Häuptling der einen Gruppe fällt zu Boden, durch laut=
loſen
Revolverſchuß getötet; Leiche in Auto. Die unheimliche
Geſtalt des ſchlanken Detektivs beginnt durch das Stück zu wan=
deln
. Entdeckung? Flucht? Spannungen!! Das Tanzgirl des
Ermordeten erſchießt lautlos den Mörder: der Detektiv, von ſo=
viel
Treue gerührt, ſtellt Selbſtmord feſt!
Dazwiſchen faſt ohne Unterbrechung Jazzband, Tanz=
girls
, Varieté=Hetze!
Unter Arthur Hellmers ſicherer Regie=Hand raſt Broad=
wpay
, der neueſte amerikaniſche Reißer von Dunning und
Abbott, über die Bühne des Neuen Theaters in Frankfurt.
Kein Gegenſtand hoher Kunſt, aber der die Nerven mitreißende
Rhythmus eines Jazz!
Das Tempo und die Eleganz der Aufführung ſchaffen den
Erfolg. Theo Lingen: beweglichſter Tanzkomiker, S. Nürn=
berger
und Hch. Fuchs: Schmuggler=Häuptlinge, Karl
Günther: der unheimliche Detektiv, Liſelotte Henke und fünf
andere hübſche Mädchen: die behenden Tanzgirls, die mit ihren
Beinen den Takt zu der jagenden Handlung ſchlagen.
Ein Kaſſenerfolg in Frankfurt wie in New York und
Berlin!
L.

[ ][  ][ ]

Gonntag, den 13. Mai 1928

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Nummer 133

Sonntag, den 13. Mai 1928

Seite 3

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 13. Mai.
Zum deutſchen Muttertage am 13. Mai!
Vom echten Mutterweſen.
Von Reinhold Braun.
Mutterweſen, Mutterſein:
Wunderquelle, tief und rein,
ſei bedankt in Freud’ und Leid,
ſei geſegnet alle Zeit!
Unvergeßlich iſt mir das: Mit der totſiechen Mutter fuhr ich ins
Krankenhaus. Sie lag auf der Bahre, weich gebettet; ich ſaß neben
ihr und hielt ihre Hand. In dem weißen Innern des Krankenwagens
mit den großen Milchglasſcheiben ſaßen wir in einem Schneelicht, das
von den vorbeijagenden Schatten der tauſend Großſtadtdinge durch=
peitſcht
war. Mutter ſprach zu mir, ſprach mit müder, aber ruhig klarer
Stimme Worte des großen Abſchieds . . . Von meinen Lieben ſprach
ſie zärtliche Mutterworte, ſie, die manchmal im Leben ſo überherb ge=
weſen
war. Es war, als wenn von dieſer Mutterſeele die letzten
Schleier wichen und alle Tiefe und aller Reichtum nun ſichtbar wurden.
Und dann redete ſie davon, wo ich dies und jenes finden würde, redete
von ſehr nebenſächlichen Dingen, die zu dem großen Abſchiede in gar
keinem Verhältniſſe ſtanden. Und doch erkenne ich heute nach Jahren:
Es war ja die bebende, bis zum Letzten mich umſorgende Mutterſeele,
für die die Dinge, die mir nebenſächlich erſchienen, durchaus nicht neben=
ſächlich
waren. Ihre ganze, von hundert Kleinigkeiten zärtlich erfüllte
WVelt ſchenkte ſich mir reſtlos und unergründlich. Das alles erkenne ich
jetzt in einer tiefen dankſtrömenden Erſchütterung. Und wenn ich an
jene letzte Fahrt in der weißen Abgeſchloſſenheit des Krankenwagens
denke, ſo fühle ich mich mitten in der ewig reichen Offenbarung echten
Mutterweſens. Es iſt ein Licht um mich und in mir von der Weihe der
Muttertreue, die uns noch innig umfangen hält, wenn ſchon das andere
Land die Seele magiſch hinüberzieht. .
Als ich dann am anderen Morgen ins Krankenhaus kam, war Mut=
ter
tot.
Mutterweſen, jedem in anderer Weiſe immer wieder und vielleicht
auch einmal ganz erſchütternd offenbart, iſt Lichtweſen, des leuchtender
Kern ſich nährt von einem Lichte, das nicht von dieſer Welt iſt. Darum
nur kann es wie ein Wunder uns anmutenn, unirdiſch ſtrahlend mitten
in der ſchwerſten Nacht. Das Göttliche wird durch das echre Mutter=
weſen
uns offenbar wie ein Wehen, ein Glanz aus dem Urſprung
alles Seins.
Menſch, werde weſentlich! In der wahren Mutter wird dieſes
alte Wort immer wieder wundervolle Erfüllung. Ohne Krampf geſchieht
ſolche Verweſentlichung. Denn ein Wachſen iſt es durch allen Wechſel
hindurch, und noch in der härteſten Kälte des Lebens iſt es ein Schaffen,
ſtill und groß, unter der Decke, die das Unſichtbare vom Sichtbaren
trennt. Die große Triebmacht aber bleibt die Liebe. Und alles Lächeln
unter dem Leid geſchieht aus Tapferkeit dieſer Liebe.
Ja, Mutterweſen iſt Tapferkeit und jener herrliche Lebensmut, der
ſich nicht unterkriegen läßt, der in der Geduld des Kreuztragens ſich
unermüdlich übt.
Mutterweſen iſt Weisheit, jene ungeſchriebene, köſtlich gelebte und
mit dem Herzblut erlebte Weisheit, die da wunderbar baut an der
Mutter=Sinngeſtalt, aus der alles Tun quillt, leiſe, ſelbſtverſtändlich,
mitten im Kleinkram königlich ragend! Es iſt jene Weisheit, von der
einer ſagt: Eine Mutter, die ſieben Kinder geſund groß zieht, hat
etwas geleiſtet, was durch Philoſophieren nicht zu erreichen iſt.
Meine Mutter iſt die Sonne! ſo ſprach ein Kind. Ja, Mutter=
weſen
iſt Freude, die da iſt ein Glanz aus des Ewigen Land. Die
höchſte Menſchenfreude iſt ſie, die zur Lebens= und Gottesfreude wird!
Und alſo zur Gotteskraft durch ein ganzes noch ſo notgeſchlagenes
Leben hindurch! Anna Schieber ſpricht ſehr mit Recht, daß der
Muttertag ein Buß= und Freuden= und Danktag ſein ſolle! Laſſet uns
in ſolcher dreifachen Innigkeit den Mutter= und Maienſonntag erleben!
Alles, was mütterlicher Menſch iſt, und alles, was eine Mutter hatte
und noch hat! Innerlich bleibe der Tag, der dem Mutterweſen, dem
echten, ernſten, deutſchen geweiht iſt! Ja, weſenhaft bleibe er! Dein
urſprünglicher Sinn werde nicht wieder der Aeußerlichkeit geopfert, dem
Drum und Dran!
Laſſet uns immer mehr inne werden ſeines tiefen Inhaltes, ſeiner
großen Freude, ſeines heiligen Ernſtes!
Seid gegrüßt, ihr Mütter und alles, was mütterlicher Menſch iſt!
Es leuchte jedes Mutterweſen und ſchenke Glanz in die Zukunft!

Hefſiſches Landestheater. Im Großen Haus wird heute zum
erſten Male Hoffmanns Erzählungen von Offenbach in
neuer Inſzenierung gegeben. Es wirken mit die Damen Albrecht,
Kiesling, Landwehr, Liebel, Penſe, Walter, und die Herren Ebert=
Beher, Grauert, Grohm, Karen, Komregg, Kuhn, Ney, Poerner, Vogt.
Muſikaliſche Leitung: Max Rudolf, Inſzenierung: Arthur Maria
Rabenalt und Wilhelm Reinking. Beginn der Vorſtellung:
19 Uhr.
Im Kleinen Haus wird Rollands Spiel von Liebe und
Tod wiederholt. Die Aufführung wird zu Einheitspreiſen (14 M.)
gegeben
Die nächſte Neuheit der Oper iſt Jonny ſpielt auf von
Ernſt Krenek. Die Heſſiſche Spielgemeinſchaft bringt noch am Ende
dieſer Spielzeit eine Aufführung heraus: Das graue Elend
von Dr. Nerking.
Für die zweite und letzte Aufführung von Parſifal, die am
Himmelfahrtstag, Donnerstag, den 17. Mai, ſtattfindet, werden für die
Mieter Karten im Vorverkauf ſowie Wahlkarten nur noch heute Sonn=
tag
und morgen Montag ausgegeben.
Der Abonnementsverkauf für die Sommerſpielzeit Harprecht iſt
Beute, Sonntag, von nachmittags 3 Uhr bis 6 Uhr an der Kaſſe des
Orpheums.
Zehntes Akademie=Konzert. Nach zweijähriger Pauſe tritt am
Montag, den 14. Mai, 20 Uhr, im Großen Haus des Heſſiſchen Landes=
Xheaters im 10. (letzten) Akademie=Konzert dieſes Winters kein Gerin=
gerer
als Rudolf Serkin mit einem Klavier=Abend wieder vor das
Darmſtädter Publikum. Das Programm enthält Perlen der Klavier=
Literatur wie die Eroica=Variationen Opus 35 von Beethoven, Schu=
Herts A=Dur=Sonate, kleinere Kompoſitionen von Max Reger und Felig
Mendelsſohn=Bartholdy, und zum Schluß drei Paganini=Etüden von
Franz Liſzt. Karten im Sekretariat der Akademie, Eliſabethenſtr. 36.
Deutſche Jugendherbergen, Gau Südheffen. Am Himmelfahrts=
age
wollen wir unſere neue Bleibe, das Dr. Erich Winterhelt=
Heim im ſchönen Miltenberg, einweihen. Für die Hinfahrt
werden uns von Darmſtädter Firmen Laſtwagen in freundlicher Weiſe
rnentgeltlich zur Verfügung geſtellt. Ein gutes Mittageſſen ſpendet
ie Stadt Miltenberg! Abfahrt Donnerstag 5.45 Uhr Mathildenplatz
Marſtall.) Die Fahrt geht über Reinheim, Höchſt, NeuſtadtWörth
is Amorbach. In Amorbach Beſuch des Gottesdienſtes (große
Orgel und Muſikantengilde Darmſtadt); anſchließend Kundgebung auf
em Marktplatz. Nachmittags 3 Uhr Weihefeier in Miltenberg. Rück=
ahrt
18 Uhr. Beitrag zu den Unkoſten 1 Mk., Geſchwiſter 50 Pfg.
Tuswärtige, die Bahnfahrt haben, frei. Meldungen bis ſpäteſtens den
4. Mai an die Geſchäftsſtelle, Mathildenplatz 17. Auswärtige können
rnentgeltlich in den Darmſtädter Bleiben übernachten. Heil!
Der Gabelsberger Stenographenverein, gegr. 1861, macht darauf
ufmerkſam, daß er neue Anfängerkurſe in Einheitskurzſchrift am Mon=
ag
, den 14., und Montag, den 21. Mai, in ſeinen Unterrichtsräumen
Zallonſchule und Beſſunger Knabenſchule beginnt. An=
reldungen
können in den erſten Stunden erfolgen. Gleichzeitig wird
rif die eigene Maſchinenſchreibſchule, Heinheimer=
raße
42, hingewieſen. Anmeldungen werden zu jeder Zeit ange=
ommen
. Näheres ſiehe heutige Anzeige.
Die Auszahlung der laufenden Zuſatzrente für nicht im Erwerbs=
aben
ſtehende Schwerbeſchädigte, Kriegshinterbliebene, Altrentner und
Ultrentnerinnen erfolgt am Dienstag, den 15. Mai, vormittags

vn 812 Uhr durch die Stadtkaſſe.

Darmſtädter Fahrplanbuch.
Die Sommerausgabe iſt ſoeben im Druck erſchienen und
wird von Montag ab zum ſeitherigen Preis von 60 Rpfg. überall er=
hältlich
ſein. Die Vermehrung der Züge bedingte auch eine Vergröße=
rung
des Umfanges um 16 Seiten gegenüber der vorjährigen Sommer=
ausgabe
. Einzelne Strecken wurden neu aufgenommen oder erweitert.
Hierzu gehören die Strecken Offenburg=Konſtanz mit An=
ſchlüſſen
an den Bodenſee und die Schweiz, nach Freudenſtadt, Schram=
berg
, Bad Dürrheim uſw., Appenweier-Bad Peterstal,
MannheimWürzburg mit Anſchlüſſen nach Stuttgart-Zürich,
Crailsheim-NürnbergBayreuth, Bad Mergentheim uſw., Mann=
geim
-Karlsruhe über Schwetzingen u. a. Bei den Autobuslinien
ſind hinzugekommen: DarmſtadtEinſiedel und Meſſel, Darm=
ſtadt
GräfenhauſenMörfelden, Groß=Umſtadt
SemdDieburg, Heubach und Raibach. Weggelaſſen
wurde gegenüber der letzten Ausgabe wegen Platzmangel nur das Ver=
zeichnis
der Stationen, die von Darmſtadt mit Kurswagen zu erreichen
ſind. Dies kann in einer ſpäteren Ausgabe wieder gebracht werden,
wenn Intereſſe dafür bekundet wird. Es ſei hierbei beſonders bemerkt,
daß über Darmſtadt während des ganzen Sommers erſtmalig wie=
der
Kurswagen durchlaufen nach und von Salzburg in den Zügen
D 93/94, und nach und ven BregenzInnsbruck-Graz in den
Zügen D 135/136. Vorgeheftet ſind dem Darmſtädter Fahrplanbuch
acht farbige Seiten mit Streckenüberſichtskarte, Portotarif und wich=
tigen
Mitteilungen der Heſſ. Induſtrie= und Han=
delskammer
Darmſtadt und einiger Verkehrsverbände.
Heute nicht vergeggen
die 2 Strumpfwerbefenster bei Elite,
Wilhelminenstr. 11, zu besichtigen.

Not hilft Not lindern!

Trotz der großen Not in den eigenen Reihen ihrer alten, arbeits=
unfähigen
Mitglieder hat ſich die Genoſſenſchaft Deutſcher Bühnen=
angehöriger
bereit erklärt, auch ihrerſeits die Hilfsaktion der Unwetter=
geſchädigten
der Bergſtraße nach Kräften zu unterſtützen. Da die Ge=
noſſenſchaft
Deutſcher Bühnenangehöriger zur Zeit eine Lotterie zu=
unſten
ihrer Penſionskaſſe veranſtaltet, werden ab Montag, 14. Mai,
bis Montag, den 28. Mai, von jedem Los, das in der Hauptverkaufs=
ſtelle
der Genoſſenſchaft, Darmſtadt, Ernſt=Ludwigsplatz (im Blumen=
geſchäft
Müller) verkauft wird, fünf Pfennig an die Sammelſtelle für
die Unwettergeſchädigten abgeführt. Jeder, der in der angegebenen Zeit
ein Los erwirbt, lindert gleichzeitig doppelte Not und hat außerdem
noch den Vorteil, für die geopferten 50 Pfg., die ein Los koſtet, an
Wochenendhaus oder einen anderen wertvollen Gewinn zu erhalten.
Wir begrüßen den edlen Schritt der Genoſſenſchaft Deutſcher Bühnen=
angehöriger
und wünſchen ihr einen vollen Erfolg auch im Intereſſe
unſerer Unwettergeſchädigten, und geben uns der Hoffnung hin, daß
auf dieſe Weiſe die weiteſten Kreiſe der Bevölkerung mithelfen, die dop=
pelte
Not zu lindern.

Martinsgemeinde. Am Sonntag abend findet ein Gemeinde=
abend
, im Gemeindehaus Liebfrauenſtraße ſtatt. Beginn 8 Uhr.
Er iſt dem Andenken an Dr. Max Rieger gewidmet. Herr Landes=
kirchenrat
D. Waitz wird über Dr. M. Rieger, ſein Leben
und Wirken, ſprechen. Bekanntlich hat ſich am 8. April d. Js.
zum 100. Male der Geburtstag Riegers gejährt. Die Martinsgemeinde
hat ſchon an Oſtern durch die Weihe der Rieger=Linde vor der Mar=
tinskirche
dieſes Mannes gedacht, der nicht nur für Darmſtadt, ſondern
beſonders für die Martinsgemeinde durch ſeine hochherzige Stiftung
von Bedeutung iſt. Es wird für viele von beſonderem Intereſſe ſein,
Näheres über R. als Menſch, Wiſſenſchaftler, Chriſt zu hören. Der
zweite Teil des Abends gilt dem Gedächtnis Albrecht Dürers aus An=
laß
der 400. Wiederkehr ſeines Todestags. Pfarrer Köhler ſpricht
über Dürer, der Menſch und Maler, und wird dazu die
ſchönſten ſeiner Werke im Lichtbild vorführen. Eintritt frei. Kollekte
für den Kirchbau.
Alldeutſcher Verband. Wir laden unſere Mitglieder und Freunde
hiermit zu unſerer Monatsverſammlung am Dienstag, den
15. Mai, abends 8 Uhr, bei Chriſt (Grafenſtraße 18) ein. (Siehe Anz.)
Es werden u. a. Mitteilungen über die Tagung des Geſchäftsführenden
Ausſchuſſes und des Geſamtvorſtandes in Eiſenach gemacht werden,
beſonders auch zur bevorſtehenden Reichstagswahl. Eine Aus=
ſprache
darüber ſoll ſich anſchließen. Gäſte ſind willkommen. Wir
machen ferner ſchon jetzt darauf aufmerkſam, daß auch die folgende
Monatsverſammlung wie gewöhnlich am dritten Dienstag des Monats,
alſo am 19. Juni, ſtattfindet (nicht, wie irrtümlich auf den Ein=
ladungskarten
ſtand, am 28.)

Orangeriehaus. Sonntag, den 13. Mai, 8 Uhr abends, veran=
ſtaltet
das Stadtorcheſter ſein drittes populäres Konzert unter
Leitung ſeines Kapellmeiſters Willy Schlupp im Rahmen eines
Operettenabends. Das Programm enthält Walzer, Lieder,
Märſche und Potpourris der bekannteſten Operetten von Strauß, Mil=
löcker
, Beyer, Lincke, Suppé, Fall, Kalman und Kollo. Der Abend
verſpricht wieder einige unterhaltſame, genußreiche Stunden. (S. Anz.)
Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875. Deutſche Turnerſchaft. Wie in
den verfloſſenen Jahren, ſo wird die Turngeſellſchaft auch diesmal am
Himmelfahrtstag eine Waldpartie veranſtalten. Der Ab=
marſch
iſt um 7 Uhr am Turnhaus mit Muſik nach dem Woogsberg
(hinter dem Steinbrücker Teich). Dortſelbſt gelangt das beliebte Anker=
Bier zum Ausſchank. Für Speiſen iſt auch beſtens geſorgt. Die Muſik=
kapelle
(Stadtorcheſter) wird für die nötige Stimmung ſorgen. Wir
laden alle Mitglieder und Freunde zu dieſem Waldausflug freundlichſt
ein. (Siehe Anzeige in dieſer Zeitung.)
Bayreuther Bund der deutſchen Jugend, Gau Heſſen/Mittelrhein.
Heute abend um 8.30 Uhr Kirchenkonzert in der evang. Kirche
in Jugenheim a. d. B. Mitwirkende: Frau Folkmar=Wießner,
Fräulein Renz, Dr. Kulz, Organiſt Weber. Gemeinſchaftliche Rück=
fahrt
der Darmſtädter Mitglieder im Autobus.
Verein ehemaliger Eleonoren= und Frauenſchülerinnen. Am Frei=
tag
, den 18. Mai, abends 8 Uhr, findet im Singſaal der Eleonoren=
ſchule
ein Vortrag über Die Frau und der Sport ſtatt, wozu
herzlich eingeladen wird. (Näheres ſiehe Anzeige in heutiger Nr.)
Johannesgemeinde. Kirchliche Nachrichten. Sonntag,
vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt, Pfr. Marx; 11.15 Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Die Johanneskirche iſt wochentags von 77 Uhr zu
ſtiller Andacht geöffnet.

Zum Tode des Geh. Regierungsrates
Dr. Hieſemag.
Am 10. Mai verſtarb nach ſchwerer Krankheit der Direktor der
Heſſiſchen Landesbank (Staatsbank) Herr Geheimer Negierungsrat Dr.
Freſenius.
Der Verſtorbene war als Sohn des Oberamtsrichters Guſtav Fre=
ſenius
am 1. Februar 1875 in Butzbach geboren. Nach Ablegung der
Reifeprüfung widmete er ſich dem Studium der Rechtswiſſenſchaften,
legte im Herbſt 1896 die Fakultätsprüfung und im Frühjahr 1900 die
Staatsprüfung ab. Im Dezember 1896 trat er als Gerichtsakzeſſiſt in
den heſſiſchen Staatsdienſt ein und war von September 190) an als
Gerichtsaſſeſſor bei den Amtsgerichten Fürth, Gießen, Groß=Umſtadt
und Darmſtadt, bei der Staatsanwaltſchaft in Darmſtadt und in dem
Finanzminiſterium verwendet. Im Februar 1902 wurde er zum Dr.
juris promoviert.
Nachdem die Heſſiſche Staatsregierung ſich im Jahre 1902 dazu ent=
ſchloſſen
hatte, eine eigene Landesrealkreditanſtalt zu errichten, wurde
Freſenius zum rechtskundigen Vorſtandsmitglied bei der Heſſiſchen Lan=
deshypothekenbank
berufen, bei der er dann am 18. Juli 1903 zum
Direktor ernannt wurde. Hier zeigte er ſeine große berufliche Begabung
und eine ganz beſondere organiſatoriſche Befähigung. Die ſtetig fort=
ſchreitende
Entwicklung der Heſſiſchen Landeshypothekenbank aus den
kleinen Anfängen ihrer Aufbaujahre iſt nicht zum mindeſten das große
Verdienſt ſeiner Arbeit. Ganz auf die wirtſchaftlichen Verhältniſſe ſei=
nes
heſſiſchen Wirkungskreiſes eingeſtellt, hat er ſchon damals die Be=
handlung
gerade der kleinen und mittleren Hypothekdarlehen des heſſi=
ſchen
berufstätigen Mittelſtandes ſeine beſondere Aufmerkſamkeit ge=
widmet
.
Am 1. Oktober 1913 wurde er vom Reichskolonialamt zum Direktor
der Nealkreditanſtalt für Deutſch=Südweſtafrika (Landwirtſchaftsbank)
in Windhuk berufen. Freudig folgte er dieſem Ruf, der ihm Gelegen=
heit
bot zum Wirken in deutſchem Neuland, in einem größeren, verant=
wortungsreicheren
Wirkungskreiſe. Fern von der Heimat unterzog er
ſich in ganz fremden Verhältniſſen der ſchweren, verantwortungsvol=
len
Aufgabe, die ihm geſtellt war in einem Aufgabenkreiſe, in dem er
ſeine hervorragenden beruflichen Eigenſchaften, ſeine ſcharfe Auffaſ=
ſungsgabe
, ſein raſches Arbeiten und ſein verantwortungsfreudiges
Handeln in ſichtbare Tat umſetzen konnte.
Dort in der Fremde überraſchte ihn der große deutſche Krieg. Als
begeiſterter Anhänger tes deutſchen Volks in Waffen und der deutſchen
Wehrmacht, der er immer war, eilte er alsbald zu den Waffen, und er=
wies
ſich in den Kolonialkämpfen Deutſchſüdweſtafrikas als tüchtiger,
vorbildlicher Offizier. Nachdem der Kampf der deutſchen Schutztruppe
gegenüber feindlicher Uebermacht für die deutſche Truppe ehrenvoll
beendet war, wirkte Freſenius weiter gegenüber der jetzt aufziehenden
Beſatzungsmacht und demnächſt gegenüber der Mandatsgewalt als heißer
Streiter für deutſches Recht. Allen Deutſchen, die ſich dort an ihn
wandten, war er ein ſorgſamer Berater und Verteidiger ihrer An=
ſprüche
. Zahlreiche perſönliche Beziehungen verbanden ihn gerade aus
dieſer Zeit bis in die letzten Tage ſeines Lebens mit den Deutſchen
aller Stände und Berufsklaſſen, die er draußen in ſeinem kolonialen
Wirkungskreis kennen gelernt hatte.
Nach ſeiner Rückkehr von Deutſchſüdweſtafrika im Juli des Jahres
1921 war er bei der kolonialen Zentralverwaltung in Berlin im Wie=
deraufbauminiſterium
beſchäftigt. Auch in dieſer Tätigkeit hat er ſich
den Dank vieler Auslandsdeutſchen geſichert.
Nach vorübergehender Beſchäftigung in dem Heſſiſchen Finanzmini=
ſterium
und in dem Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft wurde er,
als die Heſſiſche Landesbank den Auftrag erhielt, das früher von der
Landeshypothekenbank wahrgenommene Realkreditgeſchäft neu aufzu=
bauen
, im Jahre 1926 zum Leiter der Heſſiſchen Landesbank berufen.
In dieſer Tätigkeit hat er trotz aller entgegenſtehender Schwierigkeiten
erneut in zäher Arbeit ſein Organiſationstalent bewieſen. Auch hier
hat er ſich wieder in ganz beſonderem Maße der wirtſ haftlich Schwa=
chen
angenommen. Seine reichen Erfahrungen, ſeine Gewandtheit in
Wort und Schrift und ſeine verantwortungsfreudige Entſchlußfähigkeit
ließen ihn gerade in den ſchwierigen Zeiten der Jahre 1926 bis jetzt
einen wirklichen Förderer beſſiſcher Wirtſchaftsintereſſen werden. Seine
perſönliche Liebenswürdigkeit machte ihn zum Ausgleich auftretender
Gegenſätze beſonders geeignet. Sein entgegenkommendes Weſen und
ſein vornehmes Denken, das immer verbunden war mit einer ſchätzens=
werten
Aufrichtigkeit, mit der er freimütig in dienſtlichen und außer=
dienſtlichen
Angelegenheiten ſachliche, nie perſönliche Kritik übte, wird
allen, denen er als Beamter und Menſch nähertrat, unvergeßlich bleiben.
Vom heſſiſchen Finanzminiſter iſt folgendes Schreiben
an die Witwe des verſtorbenen Geh. Rat Freſenius eingegangen: Sehr
verehrte Frau Geheimerat! Die Nachricht vom Hinſcheiden Ihres Herrn
Gemahls hat mich tief erſchüttert. Der Heimgegangene hat bei der
Gründung und erfolgreichen Entwicklung der Heſſiſchen Landeshypo=
thekenbank
und der Heſſiſchen Landesbank in hervorragender Weiſe
mitgewirkt und hat ſich dadurch um die wirtſchaftlichen Verhältniſſe des
Landes unvergeßliche Verdienſte erworben. Seiner außergewöhnlichen
Tatkraft iſt es im weſentlichen zu verdanken, daß zahlreichen Land=
wirten
und Gewerbetreibenden in wirtſchaftlicher Not geholfen werden
konnte. Seine beſondere Fürſorge galt aber auch der Förderung des
gemeinnützigen Wohnungsbaues. Die Heſſiſche Landesbank verliert
in ihm den ausgezeichneten Leiter, die heſſiſche Finanzverwaltung einen
beſonders wertvollen und hochgeſchätzten Berater. Ich werde ſein An=
denken
ſtets in hoher Ehre halten und darf Ihnen und Ihrer Familie
meine wärmſte Anteilnahme ausſprechen. Mit dem Ausdruck vorzüg=
licher
Hochachtung Ihr ſehr ergebener gez.) Kirnberger, heſſiſcher
Miniſter der Finanzen.
Ihren 80. Geburtstag in geiſtiger und körperlicher Friſche feiert
am 15. Mai die hier, Beſſunger Straße 110, II wohnende Frau Marg.
Hoffmann geb. Groh.
Bemerkenswerter Wachstum einer Glyeine. Wer in dieſen Tagen
ſeinen Weg durch die untere Schüitzenſtraße nimmt, wird vor dem Hauſe
Nr. 5 überraſcht verweilen und die Pracht der unzähligen Blütentrauben
bewundern, mit denen eine einzige Glyeine die ganze Front des drei=
ſtöckigen
Hauſes bedeckt. Der mächtige Stamm dieſer Pflanze hat einen
Umfang von nahezu einem Meter, er wurzelt in dem überbauten Tor=
bogen
des Hauſes. Gepflanzt wurde die Glyeine als mehrjähriger Stoch
vor nunmehr 58 Jahren.
EI Oeffentliche Impftermine werden demnächſt abgehalten. Um
Andrang zu vermeiden und den Weg nach dem Impflokal abzukürzen,
werden dieſes Jahr außer in der Rundeturmſchule erſtmals auch In pf=
termine
in der Mornewegſchule (Hermannſtraße 21) und in der Ohly=
ſchule
(Friedrichſtraße 1) abgehalten. (Näheres ſiehe heutige Bekennt=
machung
.)
Verzinfung von Aufwertungs=Sparguthaben. Zur Beiſchreibung
der 1927iger Jahreszinſen aus den Pprozentigen Aufwertungsbeträgen
werden laut Anzeige in der heutigen Nummer von der Städtiſchen
Sparbaſſe Darmſtadt die reſtlichen Sparbücher Nr. 150 001 bis 212000
aufgerufen. Hiermit ſind alle der Aufwertung unterliegenden alten
Sparbüicher Nr. 1 bis 212000 aufgerufen. Die Einleger werden auch
an dieſer Stelle hierauf aufmerkſam gemacht und gebeten, die alten
Sparbüücher ſoweit noch nicht geſchehen zur Beiſchreibung der Jah=
veszinſen
vorzulegen. Wie bereits früher bekanntgegeben, werden die
19R7iger Jahreszinſen auf Wunſch in bar ausbezahlt. Die nicht abge=
hobenen
Zinſen werden dem Konto beigeſchrieben und ohne weiteres
mitverzinſt.
DDie im Waldgebiete nächſt der Stadt ſich befindenden Brünn=
chen
, deren Ueberwachung und Inſtandhaltung ihr obliegt, ſind wieder
in Ordnung gebracht und das Waſſer auf ſeine Güte ſowie Verwend=
barkeit
zu Trink= und Brauchzwecken unterſucht wordea. Rücksbrünn=
chen
, Bernhardtsbrunnen, Dieterbrunnen, Kahlertbrunnen, Albert=
brunnen
und Jägerbrunnen liefern gutes Trinkwaſſer, die Pumpe bei
der Scheftheimer=Eiche ſowie der Molkeabrunnen führen dagegen nur
Brauchwaſſer, was durch ein Schild mit der Aufſchrift: Kein Trink=
waſſer
nochmals beſonders zur Kenntnis gebracht wird. Wir empfehlen
die Anlagen dem Schutze der Beſucher mit der Bitte, Beſchädigungen,
Unregelmäßigkeiten im Waſſer= und Abfluß uſw. umgehend der Direk=
tion
der ſtädtiſchen Betriebe zu melden.

Tattzint

Tarrasktaift
Olr Dorg
Ugortarain 98

Aate nasmittan 4 Uhr im Mauien

[ ][  ][ ]

Gft.6

Sonntag, den 13. Mai 1928

Nummer 133

Beantenverſammlung.
Am. Anläßlich des am 12. und 13. Mai in Darmſtadt ſtattfinden=
den
6. Verbandstages des Deutſchen Beamten= Genoſ=
ſenſchaftsverbandes
fand am Samstag abend im Saale der
Vereinigten Geſellſchaft eine allgemeine öffentliche Veamtenverſamm=
lung
ſtatt, zu der das Landeskartell Heſſen des Deutſchen
Beamtenbundes eingeladen hatte.
Herr Nektor Dr. Claß, der Vorſitzende des Landeskartells Heſſen,
begrüßte mit herzlichen Worten die Vertreter der Behörden, des Lan=
desfinanzämtes
, des Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft, der Ober=
poſtdirektion
und des Verſorgungsamtes, ferner Vertreter benachbarter
Organiſationen und der Preſſe. Der Oberbürgermeiſter und verſchie=
dene
Landtagsabgeordnete hatten ſich entſchuldigt.
Als erſter Redner ſprach Herr Generalreviſor Leonhardt=
Berlin über das Thema: Werden und Wirken der Beam=
tenbanken
. Gegenüber den landwirtſchaftlichen und gewerblichen
Genoſſenſchaften ſind die Beamtenbanken inſofern günſtiger geſtellt, als
ſie ſich auf Mitglieder in ſicheren Stellungen und mit feſtem Einkom=
men
ſtützen können. Für die Beamtenbanken iſt in erſter Linie von
Bedeutung das Spargeldweſen, dann die Kreditgewährung. Wie man=
chen
Beamtenhaushalt hat die Beamteng=noſſenſchaft ſchon in Ordnung
bringen können. Um auf genoſſenſchaftlicher Grundlage weiter helfen
zu können, iſt eine weitere Ausdehnung der Beamtenbanken und unter
dieſen ein noch engerer Zuſammenſchluß erforderlich. Die Beamten=
banken
wollen und können ſich ſelbſt weirer helfen, eine Staatshilfe iſt
nicht notwendig. Die Erfahrung lehrt, daß die Kredite, die von den
Beamtenbauken gegeben werden, produktio angelegt ſind. Dadurch,
daß die Beamten kein Streikrecht beſitzen, iſt die Stellung der Beamten=
banken
viel geſicherter als die anderer Arbeitnehmerbanken. Wenn bei
den faſt 80 Beamtenbanken auch an 200 000 Beamte angeſchloſſen ſind.
ſo iſt doch aus dieſer Zahl zu entnehmen, daß noch viele hunderttauſende
von Beamten den Beamtenbanken feruſtehen. Trotzdem haben ſich die
beſtehenden Beamtenbanken gut entwvickelt, und die Beamtenbaak Darm=
ſtadt
gehört zu den etwa 15 Beamtenbanken, deren Bilanzſumme über
eine Million Mark beträgt. Es muß der Genoſſenſchaftsgedanke auch
innerhalb der Beamtenſchaft Fuß faſſen, es muß Ehrenpflicht eines
jeden Beamten ſein, Mitglied einer Beautenbank zu werden. Der
Sberband will durch eine ſtrenge und geregelte Reviſion
das Vertrauen der Beamten und der Behörden zu den Beamtenbanken
ſtärken. Die ſogenante Beamtenbank in Mannh=im war eine wilde,
außerhalb des Genoſſenſchaftsberbandes ſtehende Gründung, deren Kre=
ditgewährung
über die Grenzen hinausging. Gedacht werden foll
hier auch der Meiſter des Genoſſenſchaftsiveſens, Schulze=Delitzſch, Raiff=
eiſen
und V. Haas. Wir brauchen den genoſſenſchaftlichen Geiſt und
hoffen, daß die heſſiſche Beamtenſchaft dezu beiträgt, daß auch in ihr
der Genoſſenſchaftsgedanke wachſe, blühe und gedeihe!
Als nächſter Reduer ſprach Herr Bankdirektor Ehlers=Bremen
über Beſoldungsreform und Beamtenſelbſthilfe,
Dieſe beiden Begriffe ſcheinen ſich zu widerſprechen, aber dieſer Wider=
ſpruch
iſt nur ſcheinbar. Die Geſchichte der Beſoldungsreform iſt lang
und ſchwierig. Reichsfinanzminiſter Dr. Luther ſtabiliſierte die Wäh=
rung
, Schlieben den Reichshaushalt, Dr. Reinhold die Wirtſchaft durch
Steuerſenkung und der jetzige Reichsfinanzminiſter Köhler endlich die
Beſoldung der Beamten, deren Wirtſchaft, durch die vorhergehenden
Stabiliſierungen erſchittert wurde. Man hat aber nicht, wie erwartet
wurde, hierbei in den Beamtenbanken ein Moment erblickt, das der Be=
ſoldungsreform
hemmend gegenüberſtand. Der Wirtſchaft iſt durch die
Zuſammenfaſſung der Beamtenbanken gewieſen worden, wie produktiv
die Beamtenbanken und damit die Gehälter der Bezmten wirken. Die
Wahlen ſtehen vor der Tür, aber die Beamtengenoſſenſchaften treiben
keine Politik und können gerade dadurch politiſchen Einfluß ausüben.
Es hat auch nur eine Partei, die Wirtſchaftspartei, ſich gegen das Koa=
litionsrecht
der Beamten gewandt. Das Beamtengenoſſenſchaftsweſen
iſt eine freie, auf keinem Zwang aufgebaute Vereinigung. In der
heutigen Zeit iſt aber alles organiſiert; in den Wirkſchaftsverbänden
wird nach politiſchen Einſtellungen nicht gefragt; nur bei den Beamten,
die ſich nicht als Wirtſchaftsſubiekte fühlen können, gelt der Zuſammen=
ſchluß
langſam vorwärts. Die Beamtenſchaft überſpannt nie ihre Stärke,
nur ihre Schwäche. Die Beamtenſchaft muß alſo ſchrittweiſe vorgehen,
und ſo müſſen zunächſt aus der Beſoldungsreform die nötigen Non=
ſequenzen
gezogen werden. Auf eine ganze Reihe von Jahren darf
mit einer neuen Beſoldungsreform nicht gerechnet werden. Aber ſie
beginnt ſchon, zu überaltern. Die Kohlenpreiſe ſind erhöht worden, die
Eifenpreiſe mußten folgen. Nach dieſer Preisſteigerung der Schlüſſel=
induſtrie
, die an ſich nicht ſehr erheblich iſt, wird eine allgemeine Preis=
ſteigerung
kommen. Dies bedingt die Mahnung, planmäßig ſich ſelbſt
zu entſchulden, planmäßig zu ſparen. Planmäßig auf dieſem Gebiete
junkturſchwankungen ausgeſetzt iſt. Welche Einrichtung könnte den ländiſchen Abend, der allen Mitgliedern unentgeltlich zugänglich
Beamten in dieſer Hinſicht einer konſequenten Wirtſchaftsführung dieu=
licher
ſein als die Beamtenbank? Dieſe iſt eine Staatsbank aus Zwang.
Man behauptet nun, die Beamtenbanken iſolieren ſich, ziehen das Geld Abend wirken die Heuren Komregg (Bariton) und Folkmar ( Nezita=
aus
der Wirtſchaft heraus und laſſen es nicht in ihr arbeiten. Eine tion) vom Heſſiſchen Landestheater, außerdem die Vereinigung ehemali=
Beamtenbank, die das tut, iſt keine Beamtenbank. Das Beamten=
geld
kann und muß in der Wirtſchaft arbeiten, und die Wirtſchaft muß deh wird über die Fragen der Gegenwartspolitik, mit beſonderer Berück=
auch
wiſſen, daß dies geſchieht. Der Beamte ſoll aber durch ſeine Ban=
ken
Einfluß gewinnen auf die Wirtſchaft; er ſoll wiſſen, wo und wie Die Parteifreunde und Wähler werden um zahlreiches Erſcheinen ge=
ſein
Geld arbeitet. Und auf welche andere Weiſe als z. B. durch Be= beten.
amtenbanken kann Wohlfahrtspflege für Beamte in größerem Maß=
ſtabe
getrieben werden?. Das heutige Staatsleben iſt ganz anders wie
früher; wie gehen mit Rieſenſchritten dem Stände=, dem Berufsſtaat 5
entgegen. Auch Italien hat ſchon ein ſtändiſches Parlament. Die Ge= der Miniſter der Steuerſenkung Dr. Peter Reinhold ſprechen wird.
noſſenſchaftsbewegung greift überall in der Welt um ſich. Und hier
muß der Beamte mitmachen, um künftigen Aufgaben gewachſen zu ſein, ſtadt. Oeffentliche Wählerverſammlung am Montag, 14. Mai, abends
um als ein Wirtſchaftsſtand dazuſtehen mit wirtſchaftspolitiſcher Macht.
Beiden Rednern wurde für ihre intereſſanten Ausführungen Ib=
hafter
Dank zuteil, den der Vorſitzende nochmals in Worte kleidete.
Eine Ausſprache wurde nicht gewünſcht.

Ohne Umſchlag verſandte gedruckte einfache Pfingſtkarten, die
den Beſtimmungen für Poſtkarten entſprechen müſſen, koſten ſowohl im
Ortsbereich des Aufgabeortes als auch im Fernverkehr 3 Rpfg. Es dür=
fen
auf dieſen Karten außer den ſogenannten Abſenderangaben ( Ab=
ſendungstag
, Name, Stand und Wohnort nebſt Wohnung des Abſen=
ders
uſw.) noch weitere fünf Worte, die aber mit dem gedruckten Wort=
laut
in leicht erkennbarem Zuſammenhang ſtehen müſſen, handſchriftlich
hinzugefügt werden. Als ſolche zuläſſige Nachtragungen gelten z. B. die
üblichen Zuſätze ſendet, Ihre‟. Dein Freund, ſendet Dir ſendet
mit den beſten Grüßen Ihre uſw. Werden ſolche Karten im offenen
Umſchlag verſandt, ſo koſten ſie ſowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts
wie auch nach außerhalb 5 Rpfg. Ungenügend freigemachte Sendungen
werden mit Nachgebühr belaſtet. Es kann daher den Verſendern nur
bringend geraten werden, die Beſtimmungen zu beachten.
Lokale Veranſtaltungen.
Der Geſangverein Frohſinn‟ Darmſtadt macht am
Himmelfahrtstag einen Frühſpaziergang mit Muſik nach der Bismarck=
eiche
(Brunnersweg). Abmarſch um 7 Uhr vom Ballonplatz. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) findet heute
Sonntag abend Konzert mit Tanz ſtatt. Der Beſuch wird beſonders
empfohlen.
Die Internationale Frauenliga für Frieden
und Freiheit (Deutſcher Zweig), Gruppe Darmſtadt, veranſtaltet
Dienstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, im Lehrerinnenheim Gerbinus=
ſtraße
68, einen überparteilichen Vortrag mit Ausſprache über Warum
müſſen die Frauen am 2. Mai wählen? Rednerin iſt Frau Aug.
Kirchhoff=Bremen, die bekannte Vorkämpferin für Volkswohlfahrt. (Vgl.
Anzeige.)

Sonderzug an die Lahn an Chriſti Himmel=
ſahrt
den 47.Mal.
Eines der reizvollſten, landſchaftlich ſchönſten und kulturhiſtoriſch
iutereſſanteſten Seitentäler des Rheing iſt das der Lahn. Mühelos iſt
es für uns zu erreichen, und zwar auf den beidem Rheinſtrecken ſowohl
wie auf den, von Wiesbaden über Langenſchwalbach nach Diez und von
Wiesbaden über Niedernhauſen nach Limburg führenden Taunuslinien.
Und doch wird es von hier aus nicht ſo häufig und gern beſucht, wie
man das eigentlich amnehmem ſollte und wie es das wirklich verdiente.
Die Intereſſenſphäre von Mainz liegt mehr ſüdlich, und ſo kommt es,
daß es hier und in der Umgegend gar viele Leute gibt, die wohl die
balbe Welt bereiſt und durchwandert haben, denen aber die intimen
Schönheiten des Lahngebietes umbekannt geblieben ſind.
Es iſt deshalb ſehr zu begrüßen, daß die Reichsbahndirektion Mainz
im Programm ihrer ſommerlichen Sonderfahrten dieſes Gebiet wieder
berückſichtigt hat und am Donnerstag, den 17. Mai d. J., einen Sonder=
zug
dorihin leitet. War im vorigen Jahre die Perle des Lahntales,
Bad Gus, mit einem ganztägigen Beſuch bedaht worden, fo ſoll diesmal
den Teilnehmern Gelegenheit geboten werden, auch andere Städtchen
und bevorzugte Landſchaftspunkte des unteren Lahntals kennen zu ler=
nen
, neben Bad Ems, das lieblich gelegene, von den Burgen Naſſau
und Stein überragte Städtchen Naſſau, die Heimat des Freiherrn von
und zum Stein, das altertümliche Balduinſtein mit ſeinen Mauern
und Toren und der aus Mäldergrün aufragenden Schaumburg,
dem beliebteſten Ausflugziel der ganzen Gegend. Ferner Diez, das
freundliche Kleinſtadtidyll zu Füßen des alten Oranienſchloſſes und
Limburg, die machtvoll aufſtrebende gewerbsreiche Stadt mit ihren
maleriſchen Winkeln und Gaſſen, ihren ſchmucken Villen und ihrem
ſtolzen Dom, einem Kleinod deutſcher Baukunſt. Für Bad Ems, Bal=
duinſtein
und Limburg (Lahn) werden beſondere Fahrkarten ausgegeben
und es bleibt dem Belieben der Teilnehmer aheimgeſtellt, wo ſie die
zur Verfügung ſtehende Zeit verbringen wollen.
Gerade im Frühliug iſt das untere Lahngebiet von unvergleichlicher
liche Grüße tauſchem, wo ſich die grünen Wellen des Fluſſes durchs enge,
blühende Dal drängen, wo lichtes Buchengrün die ſtolzen Zeugem ver=
ſunkener
Jahrhunderte umſchmeichelt, wo tauſend Erinnerungen leben=
dig
ſind und doch die Zeit nicht ſtille ſteht, die Entwicklung nicht ſtockt
gerade hier iſt ein ſonniger Frühlingstag ein wahres Gottgeſchenk.
Und ſo dürfte denn auch die geplante Lahnfahrt der Reichsbahndirek=
tion
Mainz vielen willkommen ſein als das beſte Mittel, den Alltag
zu überwinden und das Wunder des Werdens aufs neue zu erleben in
einem der anmutreichſten und vielgeſtaltigſten Landſchaftsgebiete des
deutſchen Vaterlandes.

Rich

K.

11

Verzinsung von Aufwertangssparguthaben.
Zur Beischreibung der Jahreszinsen für 1927 werden
hiermit neu aufgerufen:
Die alten Sparbücher Ar. 150 001212030
Aufgerufen sind jetzt
alle alten Sparbücher Hr. 1212000
Kassestunden: Vormittags 81 Uhr, nachmittags von
34), Uhr.
Samstags Nachmittags geschlossen.
Aufwertungsstelle im I. Stock.
Städtische Sparkasse Darmstadt.

Aus den Parteien.
Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt.
Die Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt, veranſtaltet am Mitt=
kann
die Beamtenbank am beſten arbeiten, die nicht ſo ſehr den Kon= woch, den 16. Mai, an Stelle einer Wahlverſammlung einen vater=
iſt
. Für Aichtmitglieder iſt eine Anzahl Karten zum Preiſe von 0,50 Mk.
auf der Geſchäftsſtelle der Partei, Rheinſtr. D, zu hoben. An dem
ger Militärmuſiker mit. Abgeordneter und Reichstagskandidat Dingel=
ſichtigung
des 50. Geburtstages des Parteiführers Streſemann, ſprechen.
Deutſche Demokratiſche Partei. Wir verweiſen
nochmals auf die am Sonntag, den 13. Mai, abends 8.15 Uhr, in der
Turnhalle am Woogsplatz ſtattfindende öffentliche Verſammlung, in der
Deutſchnationale Volkspartei, Ortsgruppe Darm=
8 Uhr, im großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz. Es werden
ſprechen: Vizepräſident des Preußiſchen Landtags Herr Dr. von Kries=
Berlin und Frau Julie Heraeus=Offenbach. Alle vaterländiſch geſinnten
Bewohner der Stadt, insbeſondere auch alle vaterländiſch geſinnten
Verbände, ſind zu dieſer Verſammlung herzlichſt eingeladen.
Volksrecht=Partei (Reichsvartei für Volksrecht und Auf=
wertung
), Wahlliſte Nr. 15. Nächſten Dienstag, den 15. Mai, abends
8 Uhr, findet in der Turnhalle am Woogsplatz eine öffentliche Wähler=
verſammlung
der Vollsrechtpartei ſtat, in der Herr Oberlandesgerichts=
präſident
i. R. Dr. Beſt, Spitzenkandidat der Reichsliſte der Partei
und der Wahlkreisliſten von Heſſen=Darmſtadt und Heſſen=Naſſau, ſo wie
Herr Juſtizrat Brink=Berlin, Kandidat auf der Reichsliſte der Par=
tei
und hervorragender Kenner der deutſchen Wirtſchaftsverhältuiſſe,
ſprechen werden. (Siehe Anzeige in heutiger Nummer)

I.Mch. 5396

Kips Fieckenlasseh
biennt nicht- hinterläßt keine Ränden
5O985

Togeskalender i. Sonntag den 1a. Na 199.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 19 Uhr Ende 22 Uhr,
1. 19: Hoffmanns Erzählungen. Kleines Haus, Anfang 20 Uhr.
Ende 22 Uhr: Das Spiel von Liebe und Tod. Orpheum:
Geſchloſſen Konzerte: Schloß=Kaffee, Kaffe Rheingold. Hotel
Schmitz, Weinhaus Magim. Waldſchlößchen, Sportkaffe, Beſſunger
Turnhalle, Rummelbräu, Orangeriehaus, Kaffee Jöſt, Hotel Prinz
Heinrich, Frankfurter Hof. Kinoborſtellungen: Helia,
Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Phegter.
Verſteigerungskalender für Montag, den 14. Mai 1928.
Freivillige Verſteigerung von Baugeräten und Materialien
vormittags 9½ Uhr auf dem Lagerplatz Heinrich=Fuhrſtr. 49.

Starkenburg.
Aa. Eberſtadt, 12. Mai. Der Plan über die Herſtellung einer
oderirdiſchen Telegraphenlinie an dem Alten Eberſtädter Weg liegt
gegenwärtig beim hieſigen Poſtamt zur Einſichtnahme auf. Wande=
rung
. Der Turnverein Eberſtadt unternimmt am Sonntag ſeine
5. Wanderung. Dieſe fällt mit der Gauwanderung zuſammen und hat
als Endziel den Felsberg.
Aa. Pfungſtadt, 12. Mai. Ausflug. Das Männerquartett
Pfungſtadt unternimmt am Sonntag einen Familienausflug nach See=
heim
. Krankenkaſſenrechner Heinrich Schupp und Ehefrau, geb. Riehl,
feiern am Sonntag das Feſt der Silbernen Hochzeit. Vor Beginn
des Zollamtsneubaues. Die Arbeiten für den Zollamtsneu=
hau
ſiud in dieſen Tagen von der Gemeinde vergeben worden. Mit
Inangviffnahme der Arbeiten iſt alſo in Kürze zu rechnen. An=
käufe
der Gemeinde. Die Gemeinde hat dieſer Tage wiedar
drei Waldparzellen angekauft. Es handelt ſich insgeſamt um rund
13 670 Quadratmeter Walb, die für 2848 RM. angekauft wurden,
Außerdem hat die Gemeinde das Anweſen des Rektors Neſf. Ecke Main=
ſtraße
und Eberſtädter Straße, zum Preiſe von 18500 RMl. angekauft.
Der Verkauf dürſte aus verkehrstechmiſchen Gründen erfolgt ſein, da
dort die Eberſtädter Straße ſehr eng iſt und infolge des ſtarken Ver=

holze3, das nsbeſondere an dem turglichen Uneterſonas enl=

Haäie n Seen. Der Ganf den Geich de F eie
an der Filmpropaganda beteiligen wird. Senkung des Licht=
ſtrompreiſes
. Der Lichtſtrompreis wird von der nächſten Ab=
Schönheit. Geuade hier, wvo Taunus und Weſterwald freundnachbar= leſung ab auf 40 Pf. für die Kilowattſiunde herabgeſetzt werden. Fer=
ner
iſt eine erneute Staffelung in den Gebrauchsgebühren für Kraſt=
ſtrom
eingetreten. Der Gemeinderat hat übrigens den Voranſchlag
des Elektrizitätswerkes genehmigt. Auch der Voranſchlag des Waſſer=
werks
hat die Genehmigung des Gemeindevorſtandes gefunden.
Gundernhauſen, 11. Mai. Der hieſige Stenographenver=
ein
Gabelsberger weilte am Sonntag auf dem großen Bez’rlswett=
ſchreiben
des Bezirks Darmſtadt in Michelſtadt i. O. Würdig hoben
die wenigen Teilnehmer die Farben ihres Vereins und ihres Heimat=
ortes
vertreten. Einen Ehrenpreis, drei erſte Preiſe und einen zueiten
Preis konnten ſie ihr Eigen nennen. Die Unterrichtskurſe ſtehen nach
nie vor noch unter der bewährten Leitung des Herrn Reichsbahnanufr=
ters
Wilh. Seipel, Darmſtadt. Für die Preisträger und nicht zuletzt
aber für die jetzigen Kursteilnehmer heißt es: Feſt an die Arbeit für
den kommenden Herbſt=Gautag 1928
0. Münſter bei Dieburg, 12. Mai. Tot aufgefunden. In
der Nähe der Brücke, die an der Provinzialſtraße Eppertshauſen Mün=
ſter
über die Gerſprenz führt, wurde ein 24 Jahre altes Mädchen aus
Münſter tot aus dem Waſſer gezogen. Man nimmt an, daß das junge
Mädchen Selbſtmord verübt hat, obwohl ſtichhaltige Gründe zur Tat
bisher noch nicht feſtſtehen. Das Mädchen war in einer Urberacher
Fabrik als Arbeiterin beſchäftigt.
r. Babenhauſen, 10. Mai. Einen ſchönen Erfolg errang bei dem
am vergangenen Sonntag in Michelſtadt i. O. ſtattgeſundenen Bezirks=
wettſchreiben
der hieſige junge Verein der Neichskurzſchriftler. Unter
360 Teilnehmern wurden von ihm folgende Preiſe errungen: Ein Ehren=
preis
von Herrn Luft und fe ein 1. Preis von den Herrn Fengel,
Schäfer und Löbig in der Abteilung 60 Silben; einen erſten Preis Herr
Hrch. Mohrhardt in der Abteilung 100 Silben und einen zweiten Preis
Herr Ad. Nock in der Wbteilung 140 Eilben. Im Intereſſe der weiteren
Ausbildung ſeiner jungen Mitglieder und der Pflege der Einheits=
kurzſchrift
iſt dem jungen Verein eine weitere geſunde Entwicklung zu
wünſchen.
r. Babenhaufen, 11. Mai. Mußidenn, muß i denn zum
Städtele hinaus. Unter denn Klängen dieſes Volksliedes mar=
ſchierten
vorgeſtern die nach Offenbach a. M. verſetzten Beamten der
teugebildeter 11. Bereitſchaft durch die Hauptſtraße zu dem Nordaus=
gang
unſeres Städtchens. Die in Babenhauſen bleibenden Teile der
Abteilung und eine Muſikkatelle gaben den Scheidenden das Geleite.
Nach Abſchiedsworten des Heurn Majors Wagner wurde die 11. Bereit=
ſchaft
vor der Stadt auf dort harrende Laſtkraftwagen verladen, u
nach ihrem neuen Standorte Offenbach a. M. gebracht zu werden. Von 7
der Bereitſchaftspolizei des Polizeiamts Offenbach a. M. bleiben die
7. und 8. Bereitſchaft weiter hier. Zum Führer der nach Offenbach
verlegten Bereitſchaft wurde Polizei=Hauptmann Brendel ernannt, die
8. Bereitſchaft übernahm anſtelle des nach Darmſtadt verſetzten Polizei=
Oberleutnants Rückert Polizei=Oberleutnant Schmitt von dort. Zur
Offenbacher Bereitſchaft kommen von hier die Oberleutnants Klemenz
und Stock, ferner Oberleutn. Auwärter, bisher bei der Landespolizei=
ſchule
.
N. Reichelsheim i. L., 11. Mai. Hochbetrieb im hieſigen
Karoſſeriewerk. Das Karoſſeriewerk des Herrn Friedrich Dingel=
dein
von hier, in dem die Holzteile der Automobile für die Großfirma
Opel in Rüſſelsheim hergeſtellt werden, entwickelt ſich immer mehr. Aus
kleinen Anfängen erſt vor kaum drei Jahuen von dem Beſitzer gegnucht=
werden
in dem Werk allwöchentlich 810 Waggon Holz von 350 und
700 Zentner Ladegewicht verarbeitet. Jede Woche gehen durchſchnitlich
5 Waggon zugeſchnittene Hölzer mit der Bahn nach Nüſſelsheim. Das
Abfallyolz der Fabrik bildet eine verhältnismäßig ſehr billige Brennholz=
quelle
für die ganze Umgegend. Demnächſt beabſichtigt Herr Dingeldein
ſeinen Betrieb noch bedeutend zu erweitern, ſo daß das Werk Tag ud
Nacht viele Arbeiter beſchäftigen wird.
* Fränkiſch=Crumbach, 9. Mai. Mit der Uebernahme der Straßen
auf die Provinzen erhoffte mancher Intereſſent von guten Straßn
eine weſentliche Beſſerung des Verkehrsnetzes ſotvie auch der beſtehen=
den
Straßen. Nachdem nun die Ueberführung der Verwaltung laum
ein Jahr her iſt, wäre es übereilt, wollte man irgendwelche Schüſſe
von einer Beſſerung oder umgekehrt ziehen, doch darf nicht aus dem
Auge gelaſſen werden, daß gerade die Umgeſtaltung des Straßergeſend
zu dem Zwuecke erfolgte, um ein einheitliches, gleichmäßig gutes Staßel
netz zu ſchaffen. Der Gedanke war gut, bedarf aber jetzt der Vertilk=
lichung
. Wenn man zum Beiſpiel ſieht, wie zurzeit die Vorlkeſtſl
für das Einwalzen der Straße Groß=Bieberau-Brensbach vorgenell=
men
werden, und bedenkt, welchen ungeheuren Umweg ſämtliche Fal
zeuge machen müſſen, die entweder nach Reinheim oder Darmſtdt
wvollen, ſo iſt jehem klar, daß hier eine Verbeſſerung des beſtehendel
Verkehrsnetzes ein Gebot der Stunde iſt. Vor allem wäre von Rei
heim nach Reichelsheim der Bahnkörper zu verlegen, einmal aus Grüls=
den
der Sicherheit, zum andern würde die Straße eine größere hal=
barkeit
erlangen. Außerdem muß baldigſt die Herſtellung einer Vel=
bindungsſtraße
GerſpenzFiſchbachtal erfolgen. Dieſe ſchon Jahrzehnte
diskntierte Straße würde zugleich eine kurze Automobilſtraße Erbach=
Darmſtadt ſchaffen, mit geringen Koſten verbunden ſein, da die Strecke
kaum mehr als 5 Kilomnter beträgt und Steinmaterial an Ort und
Stelle zu beſchaffen iſt.
Be. Aus dem Kainsbachtal, 12. Mai. Faſt jedes Jahr um die Tage
der Eisheiligen täuſcht uns der Frühling mit ſeinen kalten Tagen, alles
Grüne ſchimmert gelb, die Singvögel haben ihren liebliche: Geſang
eingeſtellt und auch groß enttäuſcht ſind die Bienenzüchter, die Arbeits=
bienen
, dieſe fleißigen Tiere, haben ſich wieder, in ihre Behauſung
zurückgezogen und warten auf wärmere Tage. In unſerem Dörſchen
hat der Butterhändler Adam Vogel, welcher als fleißiger Bienenzüchter
bekannt iſt, ſchon am 3. Mai einen Zuwachs von einem fungen Bienen=
ſchwarm
erhalten, gewiß ein ſeltenes Ereignis. Hoffentlich werden
dieſe rauhen Tage bald durch warme abgelöſt, damit auch der Imler
wieder für ſeine mühevolle Arbeit auf ſeine Rechnung kommt.

Reichsfinanzminister a. D. Dr. Reinhold

Beutsche Benokratische Partei

Spricht Bonntag, den 13- Hai.
abends d.18 dhr in der
Tarnhalie an Todgsplatz

8199a

[ ][  ][ ]

Nummer 133

Eonntag, den 43 Mai 1973

Cete 7

DMelich Mal. Gre fi i derſcht en Frse
tag muf Samstag wurden gegen 1 Uhr die in friedlichem Schlaf liegen=
den
Bewohner unſeres Städtchensddurch Feuerglarm aufgeſchreckt. Schon
bald ſah man den ganzen Horizont in ein feuriges Not gehüllt, das von
dem in dem Fabrikanweſen der Firma Wahl u. Großkopf (früher L. u.
N. Arzt) ausgebrochenen Feuer kam. Das Hauptgebäude der Fabrik,
ſowie das Maſchinenhaus wurden ein Raub der Flammen und ſind bis
auf die Grundmauern niedergebrannt. Nach langen Bemühungen ge=
lang
es der Feuerwehr, den Brand auf ſeinen Herd zu beſchränken und
die umliegenden Holzſchuppen zu ſchützen. Der Sachſchaden iſt bedeutend,
dürfte jedoch, wie man hört, durch Verſicherung gedeckt ſein. Haus=
verkauf
. Bei der geſtern abend ſtattgefundenen Verſteigerung des
ehemaligen zweiten Pfarrhauſes in der Oberen Pfarrgaſſe wurde ein
Verkaufspreis von 14000 Mark erzielt. Bekanntlich mußte dieſe Ver=
ſteigerung
wiederholt werden, da bei der erſten die Genehmigung des
Kirchenborſtandes und der Gemeindevertretung verſagt blieb. Gegen=
über
der erſten Verſteigerung wurde bei der geſtern abend ſtattgefunde=
nen
ein Mehrpreis von 2000 Mark erzielt.
b. Erbach i. O., 9. Mai. Ausflug der Gendarmerie=
beamten
des Kreiſes Erbach. Treu der Ueberlieferung der
letzten Jahre fanden ſich die Gendarmeriebeamten ſämtlicher Stationen
des Kreiſes Erbach geſtern in gemeinſchaftlichem Ausflug mit Familien=
angehörigen
in der Marbach bei Hetzbach zu gemütlicher Raſt zuſammen.
Nach gemeinſam eingenommenen Mittagsmahle fand man die ſämt=
hichen
Teilnehmer um die fröhliche Jugendſchar verſammelt, die ſich
in allen möglichen kindlichen Spielen und Scherzen tummelte, die Her=
zen
der Eltern erfreute und die bereits vorhandene glänzende Stim=
mung
auf den Höhepunkt brachte. Die junge Schar wurde nach ihren
mit Beifall aufgenommenen Leiſtungen mit Kaffee und Kuchen reichlich
bewirtet, was dem kleinen Volk ſichtlich ſehr behagte. In einer län=
geren
Rede begrüßte Herr Gendarmerieinipektor Jöſt=Erbach zunächſt
die Vertreter des Kreisamts Erbach, Herrn Kreisdirektor von Werner
und Herrn Regierungsrat Eibach mit Gemahlin. Er führte aus, daß
die Amweſenheit der genannten Herren und das Jutereſſe, das die vor=
geſetzte
Behörde ſtets an den Veranſtaltungen der Gendarmeriebeamten
nehme, der beſte Beweis für ein ſchönes Verhältnis und ein enges Zu=
ſammenarheiten
zwiſchen Vorgeſetzten und Untergebenen ſei. Nach Be=
grüßung
ſeiner Kollegen und deren Familienangehörigen gedachte er
des Herrn Gendarmeriewachtmeiſters Ebert=Hainſtadt, der am 1. Juni
ds. Js. ſeinen Dienſt auf Grund des Geſetzes betreffend die Alters=
grenze
der Staatsbeamten quittieren muß, und widmete dem ſcheiden=
den
Kameraden herzliche Abſchiedsworte und den Dank für ſeine jeder=
zeit
bereitwillige und vorbildliche Mitarbeit und Gewiſſenhaftigkeit, ſo=
wie
für die echt kameradſchaftliche Geſinnung, die er jedem einzelnen
bei ſich bietender Gelegenheit oft bewieſen habe. Er überreichte ihm
namens der ſämtlichen Beamten einen Pokal mit entſprechender Wid=
mung
. Bei anſchließendem Tanz verbrachte man noch gemütliche Stun=
den
, bis die vorgerückte Zeit die Feiernden allzufrüh zur Heim=
kehr
gemahnte. So gingen ſämtliche Teilnehmer gegen 7 Uhr nach
allen Richtungen, mit dem Bewußtſein, einen wirklich ſchönen Tag im
Kreiſe der Kollegen verlebt zu baben. Beſondere Anerkennung gebührt
noch Herrn Kreisgendarmerieinſpektor Jüſt=Erbach, deſſen vorzüglichem
Organiſationstalent das Gelingen des Tages, wie ſo vieler voraus=
gegangener
Veranſtaltungen, in erſter Linie zu danken iſt.
m. Beerfelden, 11. Mai. Erfreuliche Erfolge. An den
Ausſcheidungskämpfen des Mittelrhein=Turnkreiſes für das 14. Deutſche
Turnfeſt in Köln beteiligte ſich auch der hieſige Turnverein. Dabei er=
rang
der Turner Heinrich Schott im Zehnkampf den 15. Sieg mit 138
Punkten. Turner Heinrich Beyſel erreichte im Zwölfkampf 148 Punkte.
die Turnerin Luiſe Wilhelm im Siebenkampf 91 Punkte. Hiernach iſt
zu erwarten, daß zu den Wettkämpfen beim Deutſchen Turnfeſt in Köln
in dieſem Jahre auch hieſige Turner und Turnerinnen antreten wer=
Den. In den letzten Jahren beſtaunte man gelegentlich der Familien=
abende
des hieſigen Turndereins die Leiſtungen des Turners W. Rein=
hard
in Oagersheim; dieſer wurde bei den Ausſcheidungskämpfen im
Turnkreis Nfalz I. Sieger im Zwölfkampf. An dem Bezirkswett=
ſchreiben
in Michelſtadt anr letzten Sonntag beteiligten ſich auch die hieſi=
gen
Stenographen. Auch ſie haben ſchöne Erfolge zu verzeichnen, denn
folgende Preiſe wunden errungen: Abteilung 180 Silben: Frl. Dorg
Heilmann=Mosbach 1 und Ehrenpreis: Abteilung 100 Silben: Frl.
Tilly Braner=Beerfelden, Frl. Eliſabethe Reig und Herr Adam Seip=
Jalken=Geſäß je 1. Preis; Abteilung 60 Silben: die Herren Guſtav
Stierle, Georg Empalter, Karl Schäfer, Heinrich Lenz je 1. Preis;
A. Sauter=Falken=Geſäß, Kredel und Hering=Beerfelden je 2. Preis.
Wohltätige Autofahrt. Der Heidelberger Auto=
mobilklub
ſtellte ſich am letzten Sonntag in den Dienſt der Nächſten=
liebe
und war gern dabei, als ein Ausflus für die Schwerkriegsbeſchä=
digten
ausgeführt wurde. In 20 Wagen waren zirka 40 Schwerkriegs=
Heſchädigte untergebracht, deren Fahrt um 12 Uhr begann und über
Fürth, die Wegſcheide nach Grasellenbach führte. Bei froher Raſt
auſchte man den Reden ſprechfroher Klubiſten, und gegen 6 Uhr begann
vie Fortſetzung der Fahrt, die über Olſen und den Höheuweg nah Veer=
elden
führte; von da gings beragab nach Hirſchhorn und weiter.
m. Vom füdlichen Odenwald, 11. Mai. Wieder Schnee. Geſtern
rüh präſentierten ſich unſere Höhen als Winterlandſchaft und des
ofteren im Laufe des Vormittags herrſchte ſtarkes Schneetreiben. So
hald aber die Sonne durchs. Gewölk bricht, zerrinnt des Winters weiße
Pracht, nur ein kühles Lüftchen erinnert noch an das eben Geſchaute.
Vie wohl die in üppigſter Blütenpracht ſtehenden Apfelbäume dieſe
rachträglichen Winterlaunen aufnehmen werden?!
Bn. Hirſchhorn, 12. Mai. Eröffnung der Neckar= Per=
vnen
=Schiffahrt. Am Sonntag, den 13. Mai, wird der Per=
onenſchiffahrtverkehr
zwiſchen HeilbronnGberbach-Heidelberg und
mgekehrt durch das prächtige burgenreiche Neckartal von der Neckar=
hiffahrt
A.=6. Heilbronn wieder aufgenommen. Abfahrt. Heilbronn
Eiſenbahnbrücke) Sonntags: 7.40 und 9.10 Uhr; Donnerstags: 740
Chr. Abfahrt Heidelberg, lt. Fahrplan in den Kursbuichern, durch die
Zerkehrsbüros und die Direktion in Heilbronn, Fernſprecher Nr. 38.
* Hirſchhorn, 12. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
1. Mai: 0.90 Meter: am 12. Mai: 0.90 Meter.
i. Von der Tromm 9. Mai. Das von der Ortsgruppe Weinheim
er Naturfreunde errichtete Unterkunftshaus auf der Tromm iſt im
kohbau ſoweit fertiggeſtellt, daß nunmehr das Nichtfeſt begangen wer=
en
konnte. Die Einweihung des neuen, mit allem Komfort ausgeſtat=
ten
Naturfreundehauſes iſt für den Monat Jali vorgeſehen. Die
Zaukoſten wurden durch freiwillige Spenden der Ortsgruppe Weiu=
Eim gebeckt.
* Reichenbach bei Bensheim, 9. Mai. Am vergangenen Sonntag
ind hier im feſtlich geſchmückten Saale des Kameraden Hochgenug die
Ziederſehensfeier der Angehörigen des früheren 1. Bataillons des
andwehr=InfanterieRegiments Nr. 116 ſtatt. Wohl an die 400 Ka=
eraden
mochten erſchienen ſein. Das Bataillon hatte ſich hauptſächlich
rs der Provinz Starkenburg rekrutiert, und ſo waren faſt aus allen
rten Kameraden zu dieſer alljährlich ſtattfindenden zwangloſen Zu=
mmenkunft
erſchienen. Vor Beginn der eigentlichen Feier marſchierten

emrchte e erehelhit. arerin Ddeterie
heim mit herzlihen. Worten, der im Felde gebliebenen Kameraden
gedachte und einen Lorbeerkranz am Denkmal nieder=
legte
. Die Muſik ſpielte das Niederländiſche Dank=
gebet
und Ich hatt einen Kameraden. Nach dem Mittagstiſch füllte
ſich der geräumige Saal bis in die letzte Ecke. Kamerad Dieter hieß
die Erſchienenen herzlich willkommen. Das zahlreiche Erſcheinen der
Kameraden beveiſe, daß man mit der Veranſtaltung keinen Fehlgriff
tue. Gelte der Tag voch einzig und allein dem Wiederfehen. Er bitte,
damit baldigſt zum gemütlichen Teil übergegangen werden könne, die
ſchäftlichen Angelegenheiten roſcheſtens zu erledigen. Die Koſtenfrage
wurde durch eine Tellerſammlung erledigt. Als Ort der nächſten Zu=
ſammenkunft
in den erſten Maitagen 1929 wurde Hofheim im Ried
(bei Kamerad Lameli) beſtimmt. Es ſprachen u. a. noch die Kameraden
Studienrat Heymann=Gießen, der die Grüße des früheren Komp.= Füh=
rers
von L. 116, Uniberſitätsprofeſſor Eger=Gießen, überbrachte, Stu=
dienrat
Dr. Schuſter=Oſfenbach, Kamerad Maus=Griesheim Kamerad
Herweck=Lampertheim und Kamerad Lehrer Schmidt=Pfungſtadt. Alle
Anſprachen gaben der Freude Ausdruck, feſtſtellen zu können, daß die
in Leid und Not geſchloſſene Freundſchaft und Kameradſchaft auch heute
noch beſtehe. Die überaus herzlichen gegenſeitigen Begrüßungen zeigten
dies ja auch zur Genüge. Bei gemeinſchaftlichen Liedern, die in Form
einer Feſtzeitung, mit Bildern aus dem Kriege zuſammengeſtellt, eine
ſchöne Erinnerung ſind, bei Vorträgen einzelner Kameraden und unter
den Klängen der fleißig konzertierenden Kapelle verflogen die Stunden
im Nu. Der Abſchied klang immer wieder aus in einem fröhlichen
Auf Wiederſehen nächſtes Jahr in Hofheim‟. Gern ſei auch des Gaſt=
gebers
, Kamerad Hochgenug, gedacht, der alles aufgeboten hatte, um
es ſeinen Gäſten in Reichenbach gemitlich zu machen.

1. Me

Ay. Bensheim, 11. Mai. Aus der Bensheimer Stadt=
verordnetenverſammlung
. Die am Mittwoch, den 9. Mai,
ſtattgehabte öffentliche Sitzung der Bensheimer Stadtverordnetenver=
ſammlung
hatte ſich zuvörderſt mit einer Frage von außerordentlicher
und außerörtlicher Bedeutſamkeit zu beſchäftigen, eine Angelegenheit,
die übrigens einen Gradmeſſer und ein Spiegelbild für die Zerrüttung
rechtlicher und ſittlicher Grundbegriffe mancher Volkskreiſe abzugeben
bermag. Der ſtrengeren neuen Wohnungsgeſetzgebung und Recht=
ſprechung
zufolge ſtehen nämlich in Bensheim, wie Bürgermeiſter Dr.
Angermeier eingangs bekannt gibt, 7 bis 8 Fälle von Mieter=
exmiſſäonen
bevor, für die auf dem Wohnungsmarkt keinerlei
Erſatzwohnung beſchafft werden könne. Es handele ſich hier durchweg
um böswillige Mietſchuldner, die, aus der mittlerweile unrichtig ge=
wordenen
Auffaſſung heraus, eine Exmittierung könne für ſie ja doch
nicht praktiſch werden, dem Vermieter für Mongte den Mietzins ſchul=
dig
bleiben, obwohl ſie bei Arbeitſamkeit bzw. ordentlicher Haushalt=
führung
dazu ſehr wohl in der Lage wären. Auf Grund der neueren
Mietgeſetzgebung hat der Vermieter die Möglichkeit, ein gegen den
ſäumigen bw. unverträglichen Mietſchuldner ergangenes Räumungs=
urteil
vollſtrecken zu laſſen, ohne ſeinerſeits etwa für die Beſchaffumg
einer Erſatzwohnung verantwortlich zu ſein. Die anderweite Unter=
bringung
ſolcher Exmittierter wäre zwar im Grunde Sache der Poli=
zei
(Obdachloſenfürſorge), der in Notfällen heute ſogar ein Recht zur
Beſchlagnahme bzw. zur Einweiſung in irgend einen verfügbaren Raum
zugebilligt wird. Da jedoch derartige polizeiliche Maßnahmen immer
nur einen vorübergehenden Charakter tragen können, ſteht die Bens=
heimer
Stadwverwaltung vor der Notwendigkeit, irgendwie Unterkunfts=
räume
für gerichtlich Exmittierte zu ſchaffen, wobei beſonders zu be=
tonen
iſt, daß es ſich hier allerdings nur um die Beſchaffung von Not=
unterkünften
handeln könne. Eine erzieheriſche Einwirkung auf aſoziale
Mieterelemente dank des abſchreckenden Charakters ſolch primitiver
Wohnungsbauten ſei eine notwendige und durchaus erwünſchte
Nebenwirkung. In dieſem Zuſammenhange war es ſehr intereſſant
(und für ſozialiſtiſche Experimente übrigens ſehr lehrreich), zu hören,
daß der Mietzinsrückſtand aus den im Eigentum der Stadt ſtehenden
Häuſern mittlerweile auf die Summe von 9000 RM. angewachſen iſt.
Nach langer und teilweiſe erregt geführter Debatte, in welcher übrigens
das Verhalten aſozialer Mieter von der Rechten bis zur Linken ſcharf
verurteilt wurde, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und
Kommuniſten ein Kredit von 23000 Rm. bewilligt, der zum Ankauf
und zur Aufſtellung von zunächſt vier ausrangierten 4.=Klaſſe= Eiſen=
bahnwagen
verwandt werden foll. Dieſelben ſollen alsdann für bös=
willige
und unverträgliche Mietſchuldner als Notunterkunftsräume
bereitgehaiten werden. Bürgermeiſter Dr. Angermeier hatte zuvor noch=
mals
den behelfsmäßigen und außerordentlichen Tharakter, zugleich
aber auch die in der Nebenabſicht verfolgte erzieheriſche und abſchreckende
Einwirkung dieſer Maßnahme beſonders hervorgehoben. Die Linke be=
gründete
ihre ablehnende Haltung damit, daß aus der vorübergehenden
Unterbringung daſelbſt wahrſcheinlich ein dauernder Zuſtand werden
würde, wozu ſie ihre Hand nicht bieten könne. Sie ihrerſeits hatte die
ſtädtiſcherſeits zu bewerkſtelligende Eruichtung von weniger primitiven,
aber teureren Maſſibbauten vorgeſchlagen.

W
WÜNKER
BTUMEAMERRE unin UN

m 1A. M Mch.ee"
13. und 14. Mai. Soeben wird die ausführliche Feſtfolge des 19.
Provinzial=Feuerwehrtags der Provinz Starkenburg, der am 12., 13.
und 14. Mai in Heppenheim abgehalten wird, bekannt. Feſtfolge:
Samstag, den 12. Mai, ab 11 Uhr vorm.: Empfang der Abgeordneten
am Bahnhof. Nachnr. 2,30 Uhr: Tagung der Abgeordneten im Saalbau
Kärcmer, Wilhelmſtr., anſchließend gemeinſchaftliches Eſſen im gleichen
Lokal. Abends 8 uhr Abholen der Abgeordneten und Feſtgäſte von
dem Verſammlungslokal nach dem Feſtplatze. Dortſelbſt Kommers unter
gütiger Mitzwirkung bieſiger Vereine. Beleuchtung der Starkenburg.
Sonntag, den 13. Mai, 6 Uhr früh, Weckruf, ab 7 Uhr vorm. Emp=
fang
auswärtiger Wehven 10,30 Uhr vorm. Uebung der Freiw. Feuer=
wehr
Heppenheim. Anſchließend Brandangriff. 1230 Uhr Mittags=
pauſe
. 2 Uhr Aufſtellung des Feſtzuges in Main= und Rheinſtraße.
Spitze Poſtſtraße. Anmarſch dunch Bahnhof= und Lorſcherſtraße, 230
Uhr Abmarſch des Feſtzuges durch die Hauptſtraßen der Stadt. An=
ſchließend
Begrüßung, Feſtrede und großes Volksfeſt mit Feſtball auf
dem Feſtplatz. Montag, den 14. Mai. Nachmittags Velksfeſt und
Kindepbeluſtigung. Sämtliche Feſtlichkeiten werden auf dem Turn= und
Spielplatz des Turnvereins Heppenheim (D.T.) abgehalten. Die Ver=
anſtaltungen
finden in großen Hallen ſtatt. Die Feſtmuſik wird ausge=
führt
von der verſtärſten Feuerwehrkapelle Heppenheim. Erwerbs=
lofenſtatiſtik
. In der Stat Heppenheim waren am 1. Mai 71
männliche und 3 weibliche Erwerbsloſe, ſowie 25 männliche Kriſemunter=
ſtützungsempfänger
. Die Geſamtzahl der Unterſtützungsberechtigten im
Kreis Heppenheim waren 609 männliche und 9 weibliche Perſonen, ſo=
wie
25 männliche Krifenunterſtützungsempfänger. Diejenigen Arbeits=
loſen
, die ausgeſteuert ſind und der öffentlichen Wohlfahrtspflege zur
Laſt fallen, ſind im den Zahlen nicht enthalten.
* Gernsheim, 12. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
11. Mai: 0,57 Meter; am 12. Mai: 0,62 Meter.
a. Dreieichenhain, 11. Mai. In einer Wählerverſammlung der
Deutſchen Volkspartei ſprach geſtern Handwverksmeiſter Mottſcheller=
Offenbach über: Das Handwerk und die Deutſche Volkspartei‟. Durch
den Umſturz von 1918, ſo führte der Redner aus, ſei die Sozialdemo=
kratie
unverhofft für ſie und vielleicht auch ungewollt zu dieſem Zeit=
rumkte
zu Einfluß und Macht gekommen. Es fühle ſich aber heute kein
Menſch dunch ſie beglückt und zufrieden. Sie konnte nicht halten, was
ſie jahrelang verſerach. In ſehr unbehaglicher Lage befinde ſich im heu=
tigen
Staat auch das Handwerk. Der Handwerkerſtand ſei kein über=
lebter
Volksteil. Er ergänze ſich im Gegenteil immer noch aus dem
Stande der Handarbeiter, dem ſogenamten Proletariat. Der Hand=
werker
müſſe den Stolz haben, den Sohn immer wieder dem väterlichen
Berufe zuzuführen. Die Sozialdemokraten ſeien immer bemüht, das
Handwerk ſteuerlich zu belaſten und durh Errichtung von Gemeinde=
betrieben
ihm das Leben ſauer zu machen. Das Handwerk ſolle eben
nach ihrer Meinung zugrunde gehen um das Proletaviat zu ver=
mehren
. Die Mittel für handwerkliche Gemeinde= und Staatsbetriebe
ſolle man dem Handwerk zu billigem Zinsfuß zur Verfügung ſtellen.
Das Handwerk müſſe ſich auch mit dem Stimmzettel wehren. Es ſei
ſchon immer der Träger hoher Kultur und dürfe nicht untergehen. Der
Hondwerker wiſſe aber leider noch immer nicht, wohin er politiſch
gehöre, meine ſogar, um ſich die Kundſchaft nicht zu verſcherzen, dürfe
er überhaupt keiner Partei angehören. Er müſſe in die politiſchen Par=
teien
eintreten und ſich dort durchſetzen. Auf dieſem Wege komms er
ſchließlich in die Volksvertretung, wo er zum Beſten ſeines Standes
wirken könne. Das Handwerk möge am 2. Mai die Deutſche Volks=
partei
, die gnerkannte Beſchützerin und Förderin des Handwerks,
wählen.
a. Dudenhofen, 10. Mai. Stadtverordneter Joſt (Offenbach) ſprach
geſtern hier im Auftrage der Deutſchen Volksbartei über die bevor=
ſtehenden
Reichstagstoahlen. Der Redner gab zunächſt in gedrängter
Kürze einen Uebepblick über die Regierungen im Reiche ſeit 1918 und
ſchilderte dann, wie die Deutſche Volkspartei zielbewußt und unter
Opfern bemüht geweſen ſei, die Deutſchnationalen, die in der Oppoſi=
tion
groß geworden ſeien, zur Mitvepantwortung an der Regierungsbil=
dung
hemanzuziehen. Es ſei endlich im Januar 1927 gelungen, die erſte
Rechtsregierung im Reiche ſeit Nobember 1918 zu bilden. Von ihren
Gegnern ſei ſie mit leicht durchſchaubarer Abſicht oft der Beſitzbürger=
block
genant worden. Die Deutſchnationalen mußten bei ihrem Ein=
tritt
in die letzte Regierung die Außenpolitik Dr. Streſemanns aus=
drücklich
anerkennen, und die Angriffe der Deutſchnatonalen auf dieſe
Politik, die mu wieder einſetzten, ſeien deshalb innerlich unwahr. Die
deutſche Außempolitik, geführt von dem Führer der Deutſchen Volks=
partei
, ſei heute haum noch umſtritten. Sozialpolitiſch und wirtſchafts=
politiſch
habe die letzte Rechtsregierung den bewährten Weg ihrer
Vorgänger eingeſchlagen. Innenpolitiſch wolle die Partei die Brücke
zwiſchen dem alten und dem neuen Deutſchland ſein. Die ſozialen
Leiſtungen fänden dort ihre Grenze, wo die Belaſtung durch ſie den
Wettbewerb mit dem Auslande unmöglich moche. Für die Beſeitigung
der unbeſtreitbaren Notlage der Landwirtſchaft einzutreten, ſei für die
Partei eine politiſche und vaterländiſche Aufgabe erſten Grades. In deu
Frage des Reichsſchulgeſetzes ſei die Partei ihrer liberalen Vergangenheit
tren geblieben, und ſie werde das auch femer tun. Die Deutſche Volks=
partei
ſei, wie Bismarck ihr ausdrücklich beſcheinigt habe, die Partei der
Neichsgründung, ſie wolle auch die Partei der Reichs erhaltung ud
Reichserneuerung ud damit eine große Staatspartei ſein. Sie
gebe treu und uneigennützig wie unſer erhabener Reichspräſident dem
Neiche und dem Volke ihr Beſtes. Sie liebe das alte Deutſchland, lebe
für das Deutſchland der Gegenwart und glaube an das größere Deutſch=
land
einer beſſeren Zukunft.

Ah. Oppenheim a. Rh., 11. Mai. Haſſia=Bezirkstagung.
Die Bezirkstagung, die in dieſem Jahre in Ludwigshöhe ſtatt=
fand
, war von 20 Vereinen beſucht. Als Vertreter für den Bezirk
Hppenheim wurde Präſident Einemann gewählt und als Stellvertreter
Blum=Nierſtein beſtellt. Es wurde der Antrag eingebracht, daß der
Verbandstag 1929 nach Oppenheim verlegt und mit einem Bezirks=
feſt
verbunden wird. Für Bjährige Tätigkeit im Vorſtand des Orts=
vereins
wurden Spindler, Borngäſſer, Bertl=Dalheim und Schmack=
Frieſenheim mit dem Haſſia=Ehrenkreuz ausgezeichmet: für über Bjäh=
rige
Mitgliedſchaft überreichte Bürgermeiſter Weber 25 Mitgliedern das
Haſſia=Abzeichen mit der Zahl B. Die zweite Bezirkstagung findet im
Herbſt in Dienheim ſtatt.
Ah. Stadecken (Rheinh.), 11. Mai. Proteſt gegen die Bür=
germeiſterwahl
. Bei der letzthin ſtattgefundenen Bürgermeiſter=
wahl
wurde der bisherige Bürgermeiſter mit 278 Stimmen gegen den
Beigeordneten Wolf mit 270 Stimmen wiedergewählt. Die unterlegene
Partei hat gegen die Wahl Ginſpruch erhoben und das zuſtändige
Kreisamt in Mainz wird in Kürze die Einwendungen prüfen und ent=
ſcheiden
, ob die Wahl wiederholt werden muß.

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Sonntag, den 13 Mai 1928

Die glückliche Geburt eines prächtigen

Nummer 133

Mädels zeigen an in dankbarer Freude
Wilhelm Scheld und Frau
Gretel, geb. Erbes.
Darmstadt, den 10 Mai 1928.

Klappacherstraße 17.

(*13006

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FRANKFURTa. M.
TAUNUSSTRASSE 12
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Todeg=Anzeige.
Geſtern entſchlief ſanft nach
ungem ſchweren Leiden mein
lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwiegervater, Bruder, Schwager
und Onkel
Palentin Härting
im Alter von 54 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Härting
nebſt Angehörigen.
Darmſtadt, den 11. Mai 1928, (e13026
Die Beerdigung findet Montag,
den 14. Mai, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Dankſagung.

Allen denen, die meinen heißgeliebten

Fried

mit ſo viel Liebe umgaben und ſeiner gedachten, für die überaus reichen Blumenſpenden
und für das letzte Geleit, ſowie für die mir erwieſene liebevolle Teilnahme bitte ich auf
dieſem Wege meinen innigen Dank entgegen zu nehmen, da es mir unmöglich iſt, jedem
Einzelnen, wie ich gerne möchte, zu danken.
Frau Johanna Feix=Gröger.
Darmſtadt, Herdweg 55, im Mai 1928.

Ueberbauter Hand=
Federwagen preis=
wert
zu verkaufen.
Näh. Geſchſt 130/4

Todes=Anzeige.
Gott der Allmächtige hat meinen lieben Mann,
unſeren treuſorgenden Vater, Großvater, Schwieger=
vater
, Schwiegerſohn, Bruder und Onkel
Philipp Bangert I.
Obſthändler
durch einen ſanften Tod im Alter von 64 Jahren von
ſeinem mit großer Geduld ertragenem Leiden erlöſt.
In tiefem Schmerz:
Die trauernden Hinterbliebenen:
In deren Namen:
Marg. Bangert, geb. Born.
Fränk.=Crumbach, Werſau, Unter=Moſſau, 12. Mai 1928
Die Beerdigung findet Montag, 14. Mai 1928,
nachmittags 1 Uhr ſtatt.
51

Nachruf.

Am 10. Mai ſtarb nach langem ſchweren
Teiden mein lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwiegervater und Großvater, der
Kaufmann
Otto Thiem
im vollendeten S6. Lebensjahr.
In tiefer Trauer:
Henriette Thiem und Kinder.
Darmſiadt, Klappacherſtraße 14.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſiatt. (8342

Am 10. Mai berſchied nach ſchwerem Leiden
unſer hochgeſchätzter Vorſitzender
Herr Geheime Regierungsrat Dr. Freſenius
Nach jahrelangem Wirken in echt deutſchem Geiſte
in D.=S.=W.=Afrika war er auch als Vorſitzender un=
ſerer
Geſellſchaft ein vorbildlicher Kämpfer für die
Verbreitung des kolonialen Verſtändniſſes. Er er=
warb
ſich durch ſeine ausgezeichneten Eigenſchaften,
ſeine ſtete Hilfsbereitſchaft und große Opferwilligkeit
die Liebe und Achtung Aller.
Deutſche Kolonialgeſellſchaft
Darmſtadt, den 12. Mai 1928.

Dankſagung.
Fär die zahlreichen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem Heimgang unſerer lieben Entſchlafenen
Frau Berta Fiſcher
geb. Glas
ſagen wir innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Einterbliebenen:
Rudolf Fiſcher
Darmſtadt, den 11. Mai 1928.
(8353
Beckſtraße 63.

Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die vielen ſo aufrichtigen und wohlwollenden Be=
weiſe
herzlicher Anteilnahme an unſerem ſo ſchwer be=
troffenen
Verluſte anläßlich des Ablebens unſerer unver=
geßlichen
, treuen, herzensguten Mutter
Frau Karl May Wwe.
geb. Katz
iſt es uns ein Herzensbedürfnis, auf dieſem Wege herz=
innigſt
zu danken, beſonders all den lieben, guten Menſchen,
die ſchon während ihres längeren Krankſeins unſere teure
(Eniſchlafene des öfteren ſo liebevoll erfreuten. Insbeſondere
aber von Herzen unausſprechlichen Dank ihren verehrl.
Freundinnen, welche opferwillig in ſchweſterlicher Hingabe
ſo rührend die Treue hielten, ſowie allen denſenigen aus
ihrem ſo großen Freundes= und Bekanntenkreiſe, welche
ihr in dankbarer Liebe und Verehrung den letzten Liebes=
dſenſt
erwieſen haben.
In tiefer Trauer:
Die Kinder:
Jacob und Johanna Meg.
Darmſitadt, den 13. Mai 1928.
Palſaswieſenffr, 14.
Du warſt ein Vorbild ſeliener Pflichttreue
und wahrer Menſchenliebe, Dein Andenken
bleibt uns ewig unauslöſchbar.
((13047

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme während der Krankheit
und beim Hinſcheiden meines lieben Mannes, unſeres guten Schwagers
und Onkels
Schornſteinfegermeiſter
Heinrich Zibulski
insbeſondere Herrn Pfarrer Hartmann für die tröſienden Worte am Grabe,
der Schweſter Katharine für die liebevolle Hilfe, der heſſiſchen Schornſtein=
feger
=Innung, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Kreisverband Dieburg, dem
Provinzialverband Starkenburg, dem Landesverband Heſſen und dem Landeg=
ausſchuß
der freiwilligen Feuerwehren, dem Geſangverein Liederkranz, dem
Turnverein, dem Ziegenzuchtverein, dem Kreis=Ziegenzuchtverband, Herrn
Bürgermeiſter Lampe als Vertreter der Stadt, für die ehrenden Nachrufe,
dem Liederkranz noch für das Grablied und allen Kranzſpendern ſagen wir
herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
In deren Namen:
Eliſabethe Zibulski Wwe., geb. Scheuer.
Groß=Umſtadt, den 11. Mai 1928.
(8359

Dankſagung.
Für die überaus zahlreichen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem Heimgang unſeres
lieben Entſchlafenen
Herin Hans Haupt
Fabrikant
ſagen wir Allen unſeren herzlichſien Dank.
Beſonders danken wir Herrn Pfarrer Lebrecht
für ſeine tröſienden Worte, ſowie unſeren Ar=
beitern
und Arbeiterinnen; dem Kegelklub
Gut Holz, Männerquartett Harmonie,
Turnverein 1863 und Freiwillige Feuer=
wehr
für die letzte Ehre und Kranz=
ſpenden
.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Hildegard Haupt, geb. Krauß.
Groß=Zimmern, den 12. Mai 1928

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Dankſagung.
Für die zahlreiche und herz=
liche
Teilnahme, die uns bei
dem ſchweren Verluſie unſerer
guten, treuſorgenden Mutter er=
wieſen
wurde, ſagen wir Allen
innigſien Dank.
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trauernden Hinterbliebenen:

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Melne Damen und Herren! Gestützt auf dos Verkreuen, das ich
mir entgegendringe und unvorbereitet, wie ich mich habe, stelle lch miet
vor als Kandidat der grösten Portei, dle die brennende Areno des Wonl.
kompfes besteigt: der rlele Millllonen umfossenden Kuklrol-Fartell ic
bin ein schlichter Mann des Volke= und die groben Töne llegen mi
nicht, ober das verspreche ich Ihnen, daß ich, sobold ich unfer die
fünthundert Beherrscher Deutschlands eingezogen bin, sofort die R.
rlchtung eines Reichsministerlums für Fußpllege bis zum Knie mi
Elilslen in München und Stittgart beantrogen werde. Denn, meihe
Damen und Herren, wir brauchen unbedingt mehr Mlnister / Sie misßell.
die Steuern sind hoch und wie sollten wir sie anders unterbringen!
Bis dahin meine Damen und Herren, halten Sie voll und ganz Aneie
wegt zur Fahne der Kuktrol-Partei!
Kukirolen Sie!
Damit werden Sie wenigstens Ihre Fühnereugen und den üblen Fle‟
geruch los und das wird der beste Gerinn sein, den Ihnen der one
Reichstag bisher gebracht hat.
Nutzen Sie diesen einzigen Gewinn wenigstens gehörig aus! Lae
sind ihnen Hornhaut und Hühneraugen zu schr ons Fierz gewochsen!
Foxt mit den Qußlgeistern! Durch das rielmilllonenjoch bewonne
Kukirol-Hühneraugen-Pdaster werden Sle dovon schnell, schmerz- und
gefohrlos und ohne Blutversieben befrelt. Es trsgt auch nicht auf und
drückt nicht, wie die in neuerer Zeit angebotenen Hühneraugen-Kinße
Fußschmerzen, Brennen, Wundlauten
und Mädigkeit in den Füßen beseltigt das Kukirol-Fußbod. Bodei
Sie Ihre Füße 2 bis 3 mal wöchentlich in dem wohltuenden Kuſrol-
Fusbad und reiben Sie sle tüchtig mit dem erfrischenden Kuhrol:
Streupuder ein. Sie wverden donn stundenleng gehen und sichen
können, ohne mdde zu werden. Das Kuktrol-Fußbod stärkt die Fane
und macht sie wieder frisch und leistungsfählg. Eine Sparpochune
Kuktrol-Fußbad für 8 Böder ausreichend kostet nur 1 Mark.
Ein Kuktrol-Föhneraugen-Plaster kostet 85 Pig., die ganre Kukirol
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[ ][  ][ ]

Nummer 133

Sonntag den 13 Ma 1928

Seite 9

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Mur 25
18
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1 Pzjama
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e Lux Seifenflocken ſind ſo
ausgiebig, daß man kaum ein
I.
halbes Paket braucht, um dieſe vielen
Gegenſtände wieder wie neu zu
waſchen. Die Lebensdauer der
Kunſtſeide hängt von der Behandlung
ab. Zu vermeiden lind vor allem
ſcharfe Waſchmittel, die die zarten
Genebe und Parben beſchädigen.
ſowie ales Reiben.
Die Lux Seifenflocken ſind das
ablolut zuverlällige und ſchonende
Waſchmittel für Kunſtſeide.
Ihr wunderbarer Schaum rei=
nist
alles was die Berührung mit
bloßem Walſer verträgt

Ein Esslöffel LUA-
Seifenflocken
8ibt ein Achussel
voll Scbaum

Führende Fabrikanten von Kunſti=
ſeide
, wie Bemberg und Glanzſtoff, em-
pfehlen
, die milden Lux Seifenflocken zur
Reinigung und Pflege aller empfindlichen
Gewebe. Befolgen Sie deren Rat; ge=
fährden
Sie nicht Ihre koſtbare Wäche
durch ſcharfe Wachmitel.

Beachten Sie
folgende Anweiſung für Kunſtſeide:
Bereiten Sie Ihre lauwarme Schaumlöſung wie auf
Paket erlichtlich. Drücken Sie darin die Wäſcheltücke
(hnell durch, ohne zu reiben. Spiilen Sie ſehr gründ=
lich
lauwarm. Drücken Sie dann die Stücke recht gut
aufs, ohne zu wringen, und legen Sie lie zum Trocknen
formgerecht fach hin; vermeiden Sie Sonne und Ofen=
nähe
, Bügeln Sie, wenn erwünſcht, mit leichtem Druck
und mäßig warmem Eiſen.

Lux Seifenllocken
werden nie loſe
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[ ][  ][ ]

Sonntag, den 13. Mai

Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkt.
Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenwarkt hat ſich gegemüüber der Vor=
ſwoche
inſofern grundlegend geändert, als nu die Preiserhöhung, mit
der nach erfolgter Kohlenpreiserhöhung zu rechnen war, tatſächlich ein=
getreten
iſt. Mit ſofortiger Wirkung hat der Stahlwerksverband am
11. Mai 1928 die Verbandspreiſe für Form= und Stabeiſen um 4 RM.
pro Tonne, für Bandeiſen um 6 RM., fürr Grobbleche um 7 RM. er=
höht
. Der Verkauf war von Verbandsſeite ſchon ſeit einigen Tagen ein=
geſtellt
worden. Die Erhöhung bam ſomit nicht überraſchend. Ueber=
vaſcht
hat lediglich, das Ausmaß der Erhöhung. Selbſt gut orientierte
Kreiſe hatten nur mit einer Erhöhung von 2 RM. pro Tonne gerechnet.
Demgegenüber war das Beſtreben, ſich zu bisherigen Preiſen mit Mate=
rial
einzudecken, nicht allgemein, ſo daß die neuen Maßnahmen Händler
und Verbraucher faſt durchweg in ihrem ganzen Ausmaße treffen.
Es war auf Anfrage auch feſtzuſtellen, daß an Mengen zu bisherigen
Notierungen ſo gut wie nichts mehr am Markte iſt. Die reinen Ver=
bandspreiſe
ſtellen ſich unter Berickſichtigung der Erhöhungen wie folgt:
Formeiſen 132 RM. pro Tonne; Stabeiſen 135 RM. pro Tonne,
Baſis Neunkirchen; Bandeiſen 160 RM. pro Tonne, Baſis Homburg;
Grobbleche 158 RM. pro Tonne, Baſis Dillingen oder Eſſen.
Die emtſprechende Feſtlegung der Weiterverkaufspreiſe durch die
füddeutſchen Händlerorganiſationen ſteht noch aus, doch iſt damit zu
rechnen, daß dieſe nicht über die vom Stahlwerksverband getroffenen
Sätze hinausgehen. Allerdings wurden die Zonenpreiſe der Süddeut=
ſchen
Eiſenzentrale für Mengen unter 15 Tonnen wiederholt als unge=
nügend
bezeichnet, inſofern als bedeutende Lagerſpeſen damit nicht ge=
deckt
werden konnten. Es bleibt daher abzuwarten, inwieweit eine
Regulierung in dieſer Hinſicht vorgenommen wird.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 12. Mai.
Nach der glatten Ueberwindung des Medio ſetzte die Wochenſchluß=
börſe
lebhaft und feſt ein. Wie an der geſtrigen Abendbörſe waren
keine beſonderen Spezialbewegungen zu beobachten, da faſt ſämtliche
Aktienmärkte ſich regen Intereſſes erfreuten. Zwar liegen heute keine
beſonderen Anregungen vor, doch verweiſt man auf die Eiſenpreis=
erhöhung
und auf das Ausbleiben der Diskonterhöhung in New York
und auf das Anhalten von Auslandsaufträgen von verſchiedenen
Plätzen. Auch regte es an, daß die Auslandsbörſen ihre feſte Haltung
behaupteten. Innerhalb der einzelnen Märkte gab es wenige Werte,
die ſchärfer anzogen. Die Kursbeſſerungen lagen durchſchnittlich zwi=
ſchen
13 Prozent. Montanaktien ziemlich lebhaft und freundlich. Hier
regte die Eiſenpreiserhöhung an. Ver. Stahlwerke nach langer Zeit
erſtmals wieder über Pari und 2 Prozent feſter. Der Farbenmarkt
hatte zwar große Umſätze, die Farbenaktie gab jedoch leicht nach. Rhein=
ſtahl
dagegen 1 Prozent höher. Elektrowerte durchweg feſter, mit Aus=
nahme
des Siemens=Konzerns, der ziemlich ruhig lag. Auch Zellſtoff=
Aktien freundlich und höher. Sehr rege lagen Schiffahrtswerte, wo
größere Auslandsaufträge zu erledigen waren. Bauwerte ſämtlich er=
holt
. Motorenwerte ſetzten ihre Aufwärtsbewegung nur teilweiſe fort.
Variable Aktien gut gehalten. Lebhaftes Geſchäft war in Ablöſungs=
rente
, die bis 20 geſteigert wurden, ſpäter bis 19,90 wieder nachgaben.
Von fremden Renten nur Ungarn feſter. Der Börſenverlauf zeigte bei
großen Umſätzen noch weitere Steigerung um 0,51 Prozent, die jedoch
ſpäter durch Wochenſchlußglattſtellungen wieder verloren gingen. Geld
iſt leicht, Tagesgeld 5,5, Monatsgeld 78, Privatdiskont 6,5, Waren=
wechſel
6,757 Prozent. Am Deviſenmarkt ſind weſentliche Aende=
rungen
nicht eingetreten.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 12. Mai.
Die Samstagbörſe mahm einen lebhaften und feſten Verlauf. Das
Geſchäft war größer als ſonſt am Wochenſchluß üblich, da aus der Pro=
vinz
zahlreiche kleinere Kaufaufträge einliefen und ſich die Spekulation
nach endgültiger Ueberwindung des Medios wieder neu engagierte. Es
fehlte außerdem nicht an ausländiſchen Käufen, die ſich heute hauptſäch=
lich
auf Schiffahrtsaktien und Banken erſtreckten. In den ſonſt noch
führenden Spezialpapieren trat inſofern eine Umſchichtung ein, als der
Montanaktienmarkt ſtärker beachtet wurde und dafür die bisherigen Fa=
voriten
die Polyphon=, Kunſtſeidewerte, Schwachſtromwerte uſw., ver=
nachläſſigt
blieben. Das Rheinland nahm in einigen Kohlen= ud Eiſen=
papieren
größere Anſchaffungen vor, da die Preiserhöhungen für Kohle
und Eiſen ſtimulierten. Die Geldverhältniſſe geſtalteten ſich flüſſig, ins=
beſondere
für Tagesgeld, das ſich für erſte Adreſſen auf 4,5 Prozent
ſtellte. Der offizielle Satz lautete auf 57 Prozent, Monatsgeld 7,5 bis
8,5 Prozent, Warenwechſel 6,757 Prozent. Im Deviſenverkehr gab
der Dollar gegen die Reichsmark auf 4,1802 nach. London lag gegen
New York mit 4,8814 freundlich; London-Berlin 20,405. Die übrigen
Debiſen wurden bei ſtillem Geſchäft etwa zu ihren letzten Kurſen genannt.
Im weiteren Verlauf der Börſe war die Haltung nicht ganz ein=
heitlich
, überwiegend aber feſt. Im Vordergrunde des Intereſſes ſtanden
auch jetzt wieeder einige Spezialbewegungen, von denen zu erwähnen
ſind Berliner Handelsgeſellſchaft plus 8,5; Hamburg=Süd plus 3,25;
A.=G. für Verkehr plus 5 Prozent. Sehr reges Geſchäft fand auch bei
einigen Elektroaktien ſtatt. So ſtellten ſich Geſ. für Elektr. auf 307,5
nach 299,75; ferner Schleſ. Elektrizität und Gas plus 7,5. Am Montan=
markt
gewannen Oberbedarf, Eſſener Steinkohle und Max.=Hütte je 3
Prozent; J. G. Farben gingen nach 28,5 auf 286,75 zurück. Auch

Spritwerte lagen ſchwächer, Oſtwerke verloren 3; Schultheiß 4,5 Proz.,
konnten ſpäter aber wieder dieſen Verluſt aufholen. Neubeſitzanleihe:
war vorübergehend auf 20,1 erhöht, ging ſpäter aber auf 19,65 zurück.
Privatdiskont unverändert 6,5 Prozent für beide Sichten. Die
Nachbörſe verkehrte uneinheitlich. Die Grundtendenz blieb allerdings
freundlich. Beſonders hervorzuheben ſind Zellſtoff Waldhof, die um
3,12 anzogen, auf 322,5. Ferner gewannen Glanzſtoff 2: Polyphon 1;
Siemens 1,5 Prozent. Darmſtädter und Nationalbank um 1 auf 282
zurück. J. G. Farben bröckelten leicht ab auf 286,5; Karſtadt auf 270,5.
Ferner hörte man u. a. noch folgende Kurſe: Schleſ. Elektrizitätswerke
232,5; Schuckert 217,25; Schultheiß 385: Oſtwerke 341,5; Geſ. für Elektr.
307: Gelſenkirchen 145; Nordd. Lloyd 165,5; Hapag 168,25; Commerz=
dank
188,25; ferner Anleihegblöſung 1 und 2 51,8; dito 3 54,3.

A. E. G
Augsb.=Nürnb. 9
Baſalt
Bergmann.
Berl. Karlsruhe
Berl. Hand.=Geſ.
Braunkohl. Bri
Bremer Wolle
Danatbank.
Deutſche Bank
Diskontogeſ
Dresdner Bank. .. . .
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl ...."
Deut che Petroleum
Dynamit Nobel ..
Elektr. Lieferung .. . /179.25
F. G. Farben ..
Gelſenk. Berg. .
G. f. elektr. Untern. 1297.5
Han. Maſch.=Egeſt. . / 60. 61.
Hanſa Dampfſch. . . .
Hapag ....."
Harpner. .. . . . ... ..
Hemoor Zement.. . .

11. 5. 12. 5
169.5 174.75 Hirſch Kupfer 11. 5.
130. 104. 105. Höſch Eiſen". 154. 87. 89.75 Hohenlohe Werke. 93. 198. 1208.5 Kahla Porzellan .. 71.25 71. Kali Aſchersleben 189. 1270. 280 8751 Salzdefurth. . . . 335.25 178. 179.75 Weſterregeln
Lindes Eismaſch. 204. Je47.5 266 185. 1280. 1283. V. Boewe & Co. 259.25 1166. 171.5 Lingel Schuh 60. l162.5 166. MannesmannR 156.625 162.5 166.5 Niederlauſitzer 161. 50. 51.5 Nordd. Loyd 164.5 135. 141.75 Orenſtein.
Polyphon 126.75 73. 73-74.5 485. 135 5 137.75 Rütgerswerke 100.125 183.5 Sachſenwerke 141.5 285. 287. Siemens Glas. 147.875 1141. 144 875 Ver. Glanzſtoff 858. 306.75 Ver. Stahlwerke. 97.375 Volkſtedter Porzellan 53.5 224.875 Wanderer Werke.. 183. 1167.75 168.125 Wiſſner Metall. . . . . ( 153 172. 1175.25 Wittener Gußſtahl. 67. 1249. 1236.

12.
130. I
159.
113
191:
336
6
2o8
190:
274,5
160.875
180.
165.5
131.
485.
101.5
142.
147 875
88S.
102.
54.5
184.
154.

Deviſenmarkt.

Helſingfors
Wien
Prag.
Budapeſt.
Sofia.
Solland.
Lslo.
Kopenhagen
Stockholm ...
London
Buenos Aires
New=York
Belgien .....

11. 5. 12. 5. Geld Brie Geld Brief 10.51 10.5* 10.5 10.53 158.765 53.885/58.755 58.87 12.377/12.39, 12.377 12.397 72.93 730 72.93 73.07 3.024 3.030 3.017 3.023 168. 51/168.85 188.5 168.8: unn.s4 112.08/111.8: 112.05 112.06 12.28/112.03 112.2: 112.04 112.261112.04 12 26 20.384 20.422 20.386 20.426 1.786 1.790 1.786 1.790 4.17654 18451 4.176 4.184 58.285 58.405 58.31/ 58.431

Italien.
Paris ..
Schweiz..
Spanien.
Danzig".
Japan. .
Rio de Janeiro
Fugoſlavien.
Portugal".
Athen ......"
Konſtantinopel
Kanada. . . . ."
Uraguay . . . .

11 5. 12. 5. Geld Brie Geld Brief 21.01 22.0. 22.01 22.05 16.43/ 16.4: 16.43 16.47 80.485 80.64 80.48 80.64 69.97 70 11 70.01 70.15 s1. 47 81.63 81.48 81.64 1 945 1.949 1.945 1.949 0.5028 0.5048 0.5028 1.5048 7.346 7.360 7.353 7.367 17.93 17.98 17.98 18.02 5.425 5.435 5.425 5.435 2. 130 2. 134 2 133 2.137 4.1745 4.18251 4.173 4.181 4.296 4.304 4.306 4.314

Produkienberichte.
Berliner Produktenbericht vom 12. Mai. Der Erholung der über=
ſeeiſchen
Terminmärkte iſt zwar nur eine mäßige Erhöhung der Cif=
offerten
gefolgt, das dauernd ſehr geringe Inlandsangebot ließ aber
auch hier eine leichte Befeſtigung Platz greifen. Die Provinzmühlen
klagen dauernd über Rohmaterialknappheit und bewilligen nach wie
vor höhere Preiſe als der hieſige Platz; größere Umſätze können ſich
für beide Brotgetreidearten lediglich infolge mangelnden Angebots nicht
entwickeln. Die Berliner und auch die größeren Mühlen in der Pro=
vinz
bekunden regere Nachfrage nach Auslandsweizen und =roggen. Die
Forderungen und die Gebote ſind jedoch ſchwer in Uebereinſtimmung
zu bringen. Am Lieferungsmarkte zeigte ſich regere Deckungsnachfrage,
die vor allem eine Befeſtigung von Majroggen bewirkte. Bei Weizen
waren alle Sichten feſter gehalten. Roggen= und Weizenmehle waren
in den Offerten unverändert, das Geſchäft blieb recht ſchwerfällig. Hafer
lag faſt gänzlich umſatzlos. Das Angebot hielt ſich weiter in engſten
Grenzen, Käufer zeigten aber auch wenig Unternehmungsluſt. Gerſte
und Mais ſtill.
Vom Rohhäutemarkt. Am Rohhäutemarkt verhalten ſich die Käufer
weiterhin abwartend, weshalb die Preiſe der Vorauktionen in dieſer
Woche nicht erreicht werden. Der Beſuch der Verſteigerungen war zwar
nach wie vor gut, es mußten jedoch manche Loſe wegen Unterangeboten
zurückgezogen werden. Auf der eben ſtattgefundenen Berliner Haute=
verſteigerung
mußten ſich Ochſen= und Farrenhäute gegen die Vorauktion
einen Abſchlag bis zu 10 Prozent gefallen laſſen, und nur Kuhhäute
konnten knapp letzte Preiſe erzielen. Leichte Ochſenhäute m. K. galten
98,00, ſchwere 89,00, leichte Farrenhäute 103,25, ſchwere 70,2570,75,
leichte, Kuhhäute 90,5, ſchwere 85,7588,75 Pfg. pro Pfund.
Viehmärkte.
* Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am Samstag, den
12. Mai, waren 357 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 284 Stück.
Milchſchweine wurden verkauft das Stück von 1019 Mk., Läufer das
Stück von 2032 Mk.
Verlegung des Frankfurter Viehmarktes. Wegen des Himmel=
fahrts
= und Pfingſtfeſtes finden folgende Verlegungen der Vieh= und
Fleiſchmärkte ſtatt: 1. von Donnerstag, den 17., auf Mittwoch, den
16. Mai; 2. von Montag, den 28., auf Dienstag, den 29. Mai.

Vom ſüddeutſchen Produktenmarkt.
An den ſüddeutſchen Produktenmärkten blieb die Umſatztätigkeit i
Brotgetreide in dieſer Woche ohne größere Bedeutung, und auch di
Preisveränderungen nahmen keinen großen Umfang an. Es zeigte ſie
erneut, daß die MMühlen ſich gut vorverſorgt haben und deshalb kaun
beſondere Kaufneigung zu bekunden Anlaß haben, ehe ſich das Mehl
geſchäft wieder hebt. Der neue amerikaniſche Saatenſtands
bericht entſprach mit einer Beſſerung von rund 5 Prozent gegenübe
dem April=Bericht den gehegten Crwartungen, eine Wirkung war ſchor
vorweggenommen. Die Angebote der Ablader in den Vereinigter
Staaten, Kanada und Argentinien blieben ziemlich unverändert. Si
ſtellten ſich zuletzt für 100 Kg. Baruſſo, 78 Kg., Mai=Abladung au
14,55, Juni 14,60; desgl. 79 Kg. Mai 14,70, Jun: 14,75 Fl., für Rof
jeweils 5 Cts. (1 am. Cts. 0.4,18 RM.) höher. Manitoba I7
Atlantic=Mai=Juni=Abladung, koſtete 14,75 Fl. (1 Fl. 1 holl. Gu
den 1.68,68 RM.), Pacific, ſeeſchwimmend, 14,85 Fl., Auſtral=Weizer
je nach Poſition, 15,5016,60 Fl., eif (fracht= und verſicherungsfrei
Scehafen. Von inländiſchem Weizen war ſolcher pfälziſcher und Oden
wälder Herkunft zu 2823,75 RM., frei Mannheim, die 100 Kg. an
geboten, wogegen Auslandsweizen im Waggongeſchäft 30,5032,75 R9N
(Vorwoche 30,2532,50) koſtete. Für Roggen blieb die Stimmun
bei kleinem Umſatz feſt. Nachrichten aus Norddeutſchland wollten wiſſen
daß der ſchneearme Winter teilweiſe ſtarke Auswinterung zur Folg
gehabt hat. Pfälzer Roggen in Ausſtichqualität koſtete ab Station 2
bis 29,50 RM., badiſcher Roggen 2929,25 RMM., heſſiſcher 23,253.7.
Reichsmark, Parität Mannheim, Auslandsroggen, waggonfrei, 31 bi
31,50 RM. (30,5031 RM.). Für fränkiſche Braugerſte wurden ab Sta
tion 30,5031,25 RM. verlangt; das Geſchäft auf dieſem Marktgebie
lag ſtill. Kleine Umſätze vollzogen ſich in Futtergerſte zu unveränderter
Preiſen. Hafer konnte ſich infolge kleinen Angebots von Inlandsware
noch etwas befeſtigen auf 27,5028,50 RM. (R728 RM.), waggonfrei
Mannheim, Auslandshafer auf 2829,25 (27,5023) RM. Mais feſt
auf höhere Plata=Offerten. Disponibler Plata=Mais gegen Bezugsſchein
kcſtete 24,50 RM., Juni 22,75, Juli 22, AuguſtSeptemberOtober
21,75 RM. Neue Mehlabſchlüſſe von Bedeutung wurden nicht
bekannt, auf alte Abſchlüſſe iſt der Abruf etwas beſſer geworden, der
Handel klagt über ſehr ſchleppenden Verlauf bei der Bäckerkundſchaft.
Die Mühlenforderungen vergleichen ſich mit der Vorwoche wie folgt;
Weizenmehl, Spezial Null, m. S. ab Mühle 3940 25 (3940) RM.
Roggenmehl, je nach Ausmahlung, 40,5041,50 (39,5041) RM. Ein
an der Produktenbörſe vorgenommene Verſteigerung gemäß § 37.
H.B. G. erbrachte für eine Partie Weizenmehl, Spezial Null, Fabrika
der Rheinmühlenwerke Mannheim, für die 100 Kg. 37,70 RM. Futter
mittel lagen feſt ohne beſondere Preisveränderungen; Kraftfutter
mittel gegen die Vorwoche etwa 2550 Pf. die 100 Kg. erhöht.
*
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Mit inländiſchen Tabaken hat
das Geſchäft infolge der hohen Preiſe, die bei den Einſchreibungen
Holland für Auslandstabake angelegt werden müſſen, weiterhin lebha
geſtaltet. Beſonders angeregt war das Intereſſe für Schneidemateri,
und Zigarrentabake, worin umfangreihe Abſchlüſſe ſtattfanden. D
Preiſe bewegten ſich auf der bisherigen Höhe. Auch nach Nippen e
hielt ſich Nachfrage bei unveränderten Preiſen.

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 9. Mai. Die auf den Stie
tag des 9. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſtiſche
Reichsamtes iſt mit 140,5 gegenüber der Vorwoche (140,2) um 0,2 v.
geſtiegen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarſtof
mit 134,8 (134,3) um 0,4 v. H. und diejenige für Kolonialware
mit 137,2 (1363) um 0.7 vom Hundert angezogen. Die Indexziffer f1
induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren iſt um 0,2 v. H. auf 134,9 (134/
geſtiegen. Die Inderziffer für induſtrielle Fertigwaren ſtellte ſich
158,2 (158,0).
Maſchinenfabrik Badenia vorm. Wm. Platz Söhne A.=G., Weinheit
Die der Heinrich Lanz A.=G., Mannheim, naheſtehende Geſellſchaft e
zielte per 31. Dezember 1927 einen Rohgewinn von 597 794 (580 51
RM., dem Geſchäftsunkoſten von 456 948 (511 667) RM. und Abſchre
bungen von 62 725 (60 063) RM. gegenüberſtehen. Einſchl. Gewinnvo
trag ergibt ſich ſomit ein Ueberſchuß von 16 917 RM., der vorgetragt
werden ſoll. Trotz der Mißernte der beiden letzten Jahre zeigte d
Abſatz der landwirtſchaftlichen Maſchinen eine gewiſſe Stetigkeit. D
Vorräte an Lokomobilen ſind der Maſchinenfabrik Buckau R. Wo
A.=G., Magdeburg, zum Verkauf übertragen. Die Herſtellung vo
Dreſchmaſchinen hat entſprechend der Aufteilung der Fabrikationszwe
die Heinrich Lanz A.=G. übernommen. Die Hauptfabrikation der G.
ſellſchaft bilden die kleineren Maſchinen, insbeſondere Häckſelmaſchine.
Rübenſchneider und Kelter. Der Abſatz im Inland ſei nicht unbefried
gend, dagegen werde der Export durch Zölle und Konkurrenz erſchwer
Die bekannte Umſtellung des Betriebes iſt im weſentlichen vollende
Grundſtücke ſtehen unverändert mit 400 000 RM., Gebäude mit 561 75
nach 579 600 RM., Anlagen mit 205 433 (254 000) RM. Den bei einen
A.=K. von 0,298 RM. nach wie vor ſehr hohen Warenvorräten vor
1031 765 (1343 641) RM. und Bankguthaben einſchl. Debitoren vor
478 901 RM. (331 747 RM.) ſtehen Kreditoren einſchl. Bankſchulden vor
1869 174 (1979 478) RM., Anzahlungen auf Beſtellungen mit 23358.
(332 457) RM. und Akzepte mit 30 662 RM. () RM. gegenüber.
v. H.=V. am 18. Mai 1928.

. Brantfärter Kardoeriche vonr TarMaftaebe

I. 1. Reichs=,
Länder= und Schutz=
gebietsanleihen

6% Dtſche, Reichs=
anleihe
von 1927
6% Baden Frei=
ſtaat
von 1927.
6% Bah. Freiſtaat
von 1927 ... .."
8% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927..
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927..

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. + 1
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.)

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
.
2. Stadtanleihen
8% Bad.=Bad. v. 26
60 Berlin v. 24
8% Darmſtdt. v. 26
70 Dresden v. 26
7%0 Frkf. a. M. v. 26
7% Heidelb. v. 26
8½ Ludwghf v. 26
8% Mainz v. 26..
10% Mannh. v. 25
8% Mannh. v. 26
8% Nürnberg v. 26
80 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 26
3. Pfandbriefe
und Schuld=
verſchreibungen

7% Bad. Gold=
Kom. Anleihev. 26
80 Berl. Hhp.=Bk.
Lig.=
4½
Pfandbriefe.
% Frkf. Hyp.Bk.
7½½, Big.=B

87.4
78.25

87

102.25

88

8% Frrf. Bfbrfbank
4½% Gotha Gr.=
Cred. Lig.=Pfbr.
4½½ Hamb. Hhp.=
Bk., Lig.=Pfdbr.
0 Heſſ. Landesbk.
0 Kom. Landes
bank. Darmſtadt
8% Landesbank d.
Rheinprovin=
2o
8% Landeskr. Kaſſ
80 Mein. Hhp.Bk.
8% Naſſ. Landesbl.
%0 Pfälz. Hyp. Bk.
Lig.
Pfandbriefe
8% Preuß. Ctr.,
Bod.=Cred..
4½2 Preuß. Ctr.=
Lig. Pfandbr. ..
8% Preuß. Ctr.,
Stadtſchaft.
8% Rhein. Hyp.=Bk
4½% Lig
Pfandbriefe.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit.
4½
L.=Pf.
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank ..
13
Lig.=
Pfdbr.
..
8% Württ. Hyp.=B.

D.S
B7.5

96.25
91
89
94
100

97

95.75

94.5

Dt. Komm. Sam.=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I.
Dt. Komm Sam.=Ablöſ.=Anl.
+ Ausloſ. Ser.77

Papiermark=
Pfandbr. und
Kommunal=Obl.
Frkf. Hyp.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2/ 9.5
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr. 18.2
Heſſ. Lds=Hyp.=Bk.
Vorkr.=Pfdbriefe
dgl. Kom.=Obl.
S.1-16/ 13.35
Kom.=Obl.
S. 17-24
Mein. Hyp.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Nordd. Grundcr.=
Vorkr.=Pfdbriefe
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefe
Rh. Hyp.=Bk. Vor=
kr
.=Kom.=Oblig..
Weſtd. Bodencred. Vorkr.=Pf
4. Induſtrie.
Obligationen.
8% Dt. Linoleum=
werke
Bln. v. 26/ 96.5
8% Heſſ. u. Herku=
les
=Brau. v. 26/ 94
0 Klöckn=Werkel
Berlin v 26.... 94
10% Kom. Elektr.=
Mark.
... . . 1102.5
70 Mainkrw v. 26
7% Mitteld. Stahl=
werke
von 27.../ 90
80 Neckarſulm v. 26
8½ Salzmann & Co.
Kaſſel v. 26.. . .
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 26
7% Ver. Stahlw.
ohne Opt.v. 26

II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Vad.=Bad. Holz.
5%Badenw. Kohl.
6% Heſſ. Braunk.. Roggenanleihe
5% Heſſ. Volksſt.
Roggenanleihe. .

2aa

5% Preuß. Kali=
wertan
eihe ....
5% Preuß. Roggen=
wertanleihe
.. ..
5% Sächſ. Roggen=
wertanleihe
. .
5% Südd. Feſtw..
III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. B. v.
1914 ........."
50 Bosn. L.=Inv.=
Anl. v 1914 ...
4½ Bosn. v. 02
5% Bulg. Tab. v02
1,6% Griech. v. 90
1¾% Griech. Mon.)
5% Mex. inn. (abg.)
äuß.
4% Goldan=
leihe
(abg.)
inn. (abg.)
4½% Irrig.=
Anl. (abg.)
Tamau=
5%
lipas (abg.)
4½% Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
(C. C.=Stücke)..."
4% Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke)
4½% Rum. Gold
von 1913
40 Schweiz. Bds.=
Bahnen v. 1912
40 Türk. Admin..
1. Bagd.
2. Bagd.
Zollanl.
4½%o ungarn von
1913 CC. C.=St.)
4½% dito von
1914 (C. C.,St.
4½ dito Goldr.
(C. C.=St.)
2 dito von
1910 (C. C.=St.)
4% dito Kron. (abg.) ..."
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (abg.)
4½ Kopenh. v. 01.

2.22

46

1.9

4½ Liſſab. v. 1886
4½ Stockh. v. 1880
3. Obligationen v.
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb.
von 1891 .....
4% Eliſabethbahn
von 1883 ....."
49 Lemberg=Czer.
ſteuerpflichtig. . .
4½ Lemberg=Czer.
ſteuerfrei".
2‟/.% Oſt. Südb.
(Lombard.) .. . . 15.25
4% Oſt. Staatsb.v.
1883 ...."
3% Raab=Odenbg.
v. 1883 .. . . .."
4% Rudolfb. i. S.
i. G.
4½% Anatolier I.
TV.1. Bank=Aktien!
Allg. Dt. Ereditanſt.
Badiſche Bank. . . . /160
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Bankverein/131
Bahr. Hyp.= und
Wechſelbank ..
Berl. Handelsgeſ.. . 1278
Hypoth.=Bk.
Comm. u. Privatb:/188
Darmſt. u. Nt.=Bk./28
Deutſche Bank .. . 169
Eff.=u. Wechſel=
bank
. . . . . . . . 120
Vereinsbank . . /104
Diskont.=Geſellſch. 163
Dresdener Bank .. /164
Frankf. Bk.
1117
Hyp.=Bk. 155
Pfdbr.=Bk. 160
Gotha. Grundkr. B./143
Mein. Hyp.=Bank/141
Metallbank. .
135
Mitteld. Creditbk. /220
Nürnb. Vereinsbk. 160
Oſt. Creditanſtalt. . 36
Pſälz. Hyp.=Bank
Pr. Bod.=Creditbk. /140.5
Hyp.=Akt.=Bk. /145
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbank/129
Hyp.=Banki200

Südd. Bob.=Cr. Bk.
Disc.=Geſ...
Wiener Bankverein
2. Berkehrs=
unternehmungen

A.=G.f. Verkehrswſ
Allg. Lokalb.= und
Kraftwagen . . ."
Dt. Eiſenb.=Geſ..
70 Dt. Reichsbhn=
Vorzge.
Hapag .."
Nordd. Lloyd.
Schantung=Eiſenb
Südd. Eiſenb.=Geſ.
3. Induſtrie
Adt. Gebr.
Accum. Berlin. . .
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleyer
6% AEG. Vorzug
Ieo Samm.-
Bad. Maſchf.=Durl.
Bamag=Meguin ..
Baſt Nürnberg ...
Beck & Henkel ..
Bergm. El. Werke
Brem.=Beſigh.=Ol
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen .."
Bürſtenfbr Erlang.
Cementwerte
Heidelberg".
Karlſtadt ......
Lothr. (Karlsr.).
Chem. WerkeAlbert.
Brockhues..!
Fabrik Milch
Daimler=Benz
Dt. Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin!
Erdöl
Gold= u. Silb.=Anſtalt
Linolwerk. Berl.
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen .
Dürrwerke Rating.!

220
215
162

150
168,

125.5

41
265
98.5
80
174.5
50

55
190

Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn.
Elektr. Licht u. Kraft
Elektr. Liefer.=Geſ.
Elſäſſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft.
Enzing. Unionwke.
Eſchw. Bergwerk.
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnerei
Faber, Foh., Bleiſt.
Faber & Schleicher
Fahr, Gebr., Pirm.
J. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas
Hof.
Maſch. Po=
Pokorny & Wittek.
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
..
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
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Hammerſen (Osn.)
Hanfw. Füſſen
Hanſa=Lloyd Brem.
Harpener Bergbauſ.
Hartm. & Braun
Henninger. Kempf,
Stern Brauerei.
Heſſen=Naſſau Gas
Heyligenſtaedt
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ....
Hochtief Eſſen
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Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Inag
Junghans Stamm.
Kali Aſchersleben.
Salzdetfurth.
Weſteregeln. . 1244
Kammgarnſpinn. .

278
24
235
181

64
04
48
286
136
90
150
103

176
143

304
109

138.5
4
166

74

184

29.9
87

126.5
98

189
204

Karſtadt, R. .270
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Klein, Schanzl.
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50
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Thür. Lief.=Geſ.. 105
Tucher, Brauerei.
Unterfr. Krs.=Elek=
1112
tr.=Verſ.
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[ ][  ][ ]

Nummer 133

Sonntag, den 13 Mai 1928

Geite 11

Portland=Zementwerke A.G., Heibelberg Mannheim=Stuttgart. Die
G.V. genehmigte 10 Prozent (8 Prozent) Dividende für 1927. In den
erſten Monaten des laufenden Geſchäftsjahres ſei der Abſatz ſeyr gün=
ſtig
geweſen, habe aber in den letzten Wochen eine Stockung erfahren.
Da die Geſellſchaft bis zum Jahresſchluß mit Kohlen zum alten Preiſe
eingedeckt ſei, und auch die Lohnverhältniſſe bis zum Jahresſchluß gelten
würden, hofft man wieder auf einen ebenſo günſtigen Abſchluß wie im
Vorjahre.
Ehemiſch=Pharmazeutiſche Aktiengeſellſchaft, Bad Homburg. Die
Geſellſchaft, wwelche die kaufmänniſche Abteilung ſowie einen Teil der
Fabrikation in das im vergangenen Jahr von ihr erworbene Fabrik=
anweſen
Frankfurt a. M., Daimlerſtr. 25, verlegt hat, ſchließt 1927 bei
weiterer Umſatzſteigerung nach RM. 58 294,20 (i. V. 22 210,60) Abſchrei=
bungen
mit einem Reinge inn von RM. 23 463,34 (22 383,55) ab; davon
ſollen 8 Prozent (6) Dividende ausgeſchiittet, während RM. 3 463,34
(2 383,55) vorgetragen werden. RM. 250 000 A.=K. und RM. 223 734,45
(79 063,10) Kreditoren ſtehen RM. 148 820,24 (86 419,91) Debitoren und
Vorräte RM. 103 940,50 (109 569,09) gegenüber. Die mit RM. 185000
(5000) Hypothek belaſteten Immobilien haben infolge des Erwerbs des
Frankfurter Grundſtüicks einen Zugang von RM. 285000 auf RM.
403 000 (124 000). Die Einrichtungen ſtehen mit RM. 39 050 (45 700) zu
Buch. Nach Mitteilung der Verwaltung haben ſich im neuen Geſchäfts=
fahre
die Umſätze weiter gehoben, ſo daß auch für das laufende Jahr mit
einem befriedigenden Abſchluß zu rechnen ſein dürfte.
Verein für chemiſche Induſtrie A. G., Frankfurt a. M. Nach Preſſe=
meldungen
ſollen Verhandlungen im Gange ſein, die zwiſchen der Ge=
ſellſchaft
und der Algemeen Norit Mj. in Amſterdam ſeit der Kündi=
gung
der Intereſſengen einſchaft ſchwebenden Streitigkeiten beizulegen
und die Intereſſengemeinſchaft wieder herzuſtellen. Die Verwaltung
erklärt hierzu ausdrücklich, daß keinerlei Verhandlungen zwiſchen beiden
Geſellſchaften liefen, weder über die Beilegung der juriſtiſchen Streitig=
keiten
noch über die Wiederherſtellung der Intereſſengemeinſchaft. Ein
von den beiderſeitigen Rechtsvertretern in den letzten Wochen gemachter
Verſuch, die von beiden Seiten erhobenen Feſtſtellungsklagen durch eine
Verſtändigung zurückziehen zu laſſen, ſei ergebnislos geblieben. Die
Verwaltung ſehe auch nicht die Möglichkeit, die ſchwebenden Streitig=
keiten
auf friedlichem Wege aus der Welt zu ſchaffen.
Rückgang der Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen
Berechnungen wurden in der Zeit vom 29. 4.5. 5. im Ruhrgebiet in
ſechs Arbeitstagen 2 125 847 To. Kohle geförbert gegen 2345 592 To.
in der vorherigen Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die Koks=
erzeugung
ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 525 177
Tonnen gegen 533 247 To. in der vorherigen Woche, die Preßkohlen=
herſtellung
auf 61357 To. gegen 65 361 To. in ſechs Arbeitstagen. Die
arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 29. 4.5. 5.
354 308 To. gegen 390 932 To. in der vorherigen Woche. Die tägliche
Kokserzeugung ſtellte ſich auf 75 140 To. (76 178 To.), die arbeitstägliche
Preßkohlenherſtellung auf 10 226 (10 894) To. Wegen Abſatzmangels
duurden in der Berichtswoche 6964 (arbeitstäglich 1161) Feierſchichten
eingelegt.
Zuſammenſchluß in der Waggoninduſtrie. Die ſeit Monaten ſchwe=
benden
Verhandlungen über den Zuſammenſchluß in der oſt= und mit=
teldeutſchen
Waggoninduſtrie zwiſchen der Linkc=Hofmann Werke=A. G.,
der Waggon= und Maſchinenfabrik A. G. vorm. Buſch in Bautzen und
Weimar und der Sächſiſchen Waggonfabrik Werdau ſind nunmehr, vor=
behältlich
der Zuſtimmung der Generalverſammlung der Aktionäre
Dieſer Geſellſchaften, zum Abſchluß gekommen. In den am 11. Mai ab=
gehaltenen
Aufſichtsratsſitzungen wurden die Anträge der Vorſtände
Liber die Fuſion genehmigt.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 12. Mai. (Prib.=Tel.)
Baumwolle: In Teilen von Weſt=Texas ſind Regenfälle nieber=
gegangen
, wodurh die Trockenheit in dieſen Gegenden vorerſt behoben
iſt. Dieſe Tatſache wirkte ebenſo wie die vorliegenden niedviger lauten=
den
Kabelmeldungen verſtimmend, ſodaß es am Baumwollterminmarkte
zum Wochenſchluß zu Preisrückgängen kam. Der heimiſche Handel,
Wallſtreet=Kreiſe und ſüdweſtliche Firmen waren als Abgeber am
Markte.
Zucker: Bei ruhiger Stimmung übten am Rohzuckerterminmarkte
Verkäufe angeblich für europäiſche Rechnung einen Druck auf das Preis=
nivean
aus.
* Chikago, 12. Mai. (Prit.=Tel.)
Fettwaren. Die Abſchwächung am Maismarkte wirkte ſich am
Schmalzmarkte heute in einem Abgleiten der Preiſe aus, umſomehr
als der Schweineauftrieb größer als erwartet wwar.
Weizen: Nachdem der Weizenmarkt auf Grund von Meldungen
über ungünſtige Regenfälle in Texas ſowie infolge einer privaten
Schätzung des Ernteertrags in Oklahoma auf 40 Millionen Buſhels
erivas feſter eröffnet hatte, kam es im Verlaufe zu einem Kurseinbruch,
wofür neben der ſihleppenden Exportnachfrage vor allem die aus
Deutſchland und Polen vorliegenden, günſtig lautenden Felderſtands=
berichte
verantwortlich waren. Ein weiteres Baiſſemotiv boten Mel=
dungen
, nach denen in Teilen von Kanſas und Colorado wohltuende
Regenfälle niedergegangen ſind. Die Schlußnotierungen lagen 27/s-
Cents unter denen des Vortages.
Mais: Nachrichten über größere Farmbeſtände in Nebraska ſowie
die Vorausſage wohltuender Regenfälle für das Zentrum und das nord=
weſtliche
Anbaugebiet ließen Mais zunä hſt ſchwach tendieren. Später
führten Nachrichten, denen zufolge in Illinois Froſtwetter herrſche, zu
einer leichten Erholung.
Roggen. Am Roggenmarkte traten öſtliche Firmen als Abgeber
in den entfernteren Sichten auf. Da das Exportgeſchäft nur geringen
Umfang hatte und ferner wohltuende Regenfälle vorausgeſagt wurden,
waren die Vorausſetzungen für ein leichtes Abgleiten der Preiſe gegeben.
Hafer: Der Hafermarkt tendierte aufangs auf Grund von Nach=
richten
über kaltes Wetter im nördlichen Teil des Anbaugebietes und
infolge von Klagen, daß in Kanſas und Illionois der Felderſtand nicht
befriedigend ſei. Später trat im Einklang mit der Abſchwwächung an
den übrigen Märkten eine Reaktion ein.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 12. Mai:
Getreide: Weizen, Mai 150½, Juli 1503½, Sept. 150½; Mais,
Mai 103½, Juli 106½, Sept. 107½; Hafer, Mai 65¾, Juli 5978,
Sept. 48½; Roggen, Mai 13358, Juli 131½, Sept. 122.
Schmalz: Mai 11,90, Juli 12,15, Sept. 12,47½,
Rippen: Mai 12,00, Juli 12,20, Sept. 12,57½: Speck loco 121
leichte Schweine 8,501225, ſchwere Schweine 9,3510,05;
Schweinezufuhr Chicago 4000, im Weſten 20000.
Chicagver Baumwolle: Mai 21, Juli 20,91.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 12. Mai:
Getreide: Weizen Rodwinter 210½, Hartwinter 170½: Mehl
ſpr. wheat clears 7,257,75; Fracht nach England 1,62,3, nach
dem Kontinent 79.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,60, Talg extra loſe 8½.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Holding=Geſellſchaft des Browu=Boveri=Konzerns legt eine 5 pro=
zentige
Anleihe in Höhe von 12 Mill. Frs. zur Zeichnung auf. Die An=
leihe
iſt von einer Bankengruppe bereits feſt übernommen und zur Rück=
zahlung
bzw. Konvertierung zweier in dieſem Herbſt fälliger Anleihep
von insgeſamt 15 Mill. Frs. beſtimmt.
Der Röhrenverband hat in Auswirkung der Kohlenpreiserhöhung
mit ſofortiger Wirkung die Preiſe für geſchweißte und nahtloſe Gasrohre
um 0,5 Prozent brutto und für Siederohre um 1 Prozent brutto erhöht.
Die Lazard Speyer=Elliſſen Kommanditgeſellſchaft auf Aktien in
Frankfurt a. M. und Berlin iſt nunmehr mit einem Kommanditkapital
von 20 Mill. RM. und einer offenen Reſerve von 5 Mill. RM. konſti=
tuiert
worden.
Seitens des Drahtverbandes ſollen in den nächſten Tagen Verhand=
lungen
ſtattfinden, um eine Preisvegelung entſprechend den verteuerten
Nohſtoffpreiſen herbeizuführen. Es wird danach getrachtet, die etwaigen
Erhöhungen auf das notwendigſte Maß zu beſchränken. Für neue Ab=
ſchlüſſe
ſind die Preiſe einſtweilen um 1 RM. bis 1,50 RM. ie 100 Kg.
erhöht worden.
In der geſtrigen Beſprechung wurde der Lagerpreis für Stabeiſen,
wvie folgt berechnet: Einkaufspreis Mk. 140,70 plus Mk. 8 Durchſchnittg=
fracht
gleich 154,70 plus 25 Prozent Lagerzuſchlag gleich 193,50 Mk.
Eine von 1 200 bis 1 300 Perſonen beſuchte Funktionärverſammlung
des Metallarbeiterderbandes in Leipzig hat ſich dahin entſchieden, daß
die Arbeit am kommenden Montag geſchloſſen wieder aufgenommen wer=
den
foll.
Der Wochenausweis der Bank von Frankreich zeigt eine Verminde=
rung
der ſtaatlichen Vorſchüſſe um 400 Mill. Dagegen iſt der Noten=
umlauf
um 265 Mill. erhöht worden.
Der dritte Verſteigerungstag der derzeitigen Londoner Kolonialwoll=
auktionen
brachte ein Geſamtangebot von 6985 Ballen; hiervon 2089
Ballen Neuſüdwales und Queensland, 1951 Neuſeeland, 1634 Viktoria,
640 Cap und 571 Ballen Weſtauſtraliſche Wollen. Der Käuferwettbewerb
war unverändert ſcharf, und die Tenbenz im allgemeinen feſt.
Der auf Betreiben engliſcher und iriſcher Intereſſenkreiſe beantragte
Schutzzoll auf Taſchentücher und Leinewparen gelangte jetzt vor dem zu=
ſtändigen
engliſchen Regierungskomitee zur Verhandlung und wurde
nach ſehr eingehenden Erörterungen endgültig abgelehnt.
Die tſchechiſche Handelsbilanz für den Monat April zeigt das gleiche
Bild wie die vorangehenden Monate, verſtärkt burch ein weiteves Zu=
nehmen
der Rohſtoffeinfuhr. Der Eiſenhandel entwickelt ſich weiter
günſtig. Die Rohſtoffbezüge betragen 706 Mill. Ke. gegen 582 Mill. Kc.
im Vorfahre, die Fertigwarenexporte 1130 Mill. Kc. gegen 1015 Mill.
Ke. im Vorjahre.
Aus London wird gemeldet, daß die ruſſiſch=fernöſtlichen und ſibiri=
ſchen
Genoſſenſchaften in Verhandlungen mit amerikaniſchen Firmen
ſtehen wegen Lieferung von Butter für chemiſche Zwecke nach Amerika.
Demnächſt ſoll ein entſprechender Vertrag abgeſchloſſen werden.
Ruſſiſcherſeits wird in Vorſchlag gebracht, eine Geſellſchaft mit ameri=
kaniſchem
Kapital zur Errichtung von Butterfabriken in Sibirien zu
gründen.
In die erſte amerikaniſche Sammelanleihe der Deutſchen Girozen=
trale
ſollen auch die baheriſchen Gemeinden einbezögen werden, ſoweit
ſie Auträge bei der Beratungsſtelle für Auslandsanleihen eingereicht
haben. Die Stadt München gehört allerdings zu den Großſtädten, deren
Begebung von Einzelanleihen erſt für den Herbſt vorgeſehen iſt.

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Geite 12

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In dieſem Jahre werden öffentliche
unentgeltliche Impftermine wie folg
abgehalten:
Mittwoch, 16., 23. u. 30. ds. Mts
jeweils von 15 Uhr ab in dern
Rundeturm=Schule, Rundeturm=
ſtraße
11.
Hamstag, den 19. Mai von 15
Uhr ab in der Ohlyſchule, Fried=
richſtraße
1.
Samstag, den 2. Juni von 15
Uhr ab in der Mornewegſchule,
Hermannſtraße 21.
Zu dieſen Impfterminen ſind alle im
Jahre 1927 geborenen Kinder vorzuführen.
Auch ältere Kinder die bis jetzt noch
nicht geimpft ſind, können zu dieſer
Impfterminen vorgeführt werden. Nach=
ſchau
jeweils 8 Tage ſpäter in der
gleichen Schule. Kinder, die in dieſen
Impfterminen nicht geimpft werden, ſind
bis zum Jahresſchluß auf Koſten der
Eltern impfen zu laſſen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende
Krankheiten, wie Scharlach, Maſern,
Diphterie, Krupp, Keuchhuſten, Fleckthy=
phus
, roſenartige Entzündungen oder die
natürlichen Pocken herrſchen, dürfen Impf=
linge
zum allgemeinen Termin nicht ge=
bracht
werden. Die Eltern des Empflings
oder deren Vertreter haben den Impf=
arzt
vor der Ausführung der Impfung
frühere oder noch beſtehende Krankheiten
des Kindes mitzuteilen.
Die Kinder müſſen zum Impftermin
mit reingewaſchenem Körper und mit

reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 10. Mai 1928.
St8337) Der Oberbürgermeiſter
Einträge in das Handelsregiſter Ab=
teilung
4: Am 9. Mai 1928 hinſichtlich
der Firma: Hermann Roſenthal,
Darmſtadt: Friedrich Pfeiffer, Kaufmann
in Darmſtadt, iſt zum Prokuriſten be
ſtellt. Am 10. Mai 1928 hinſichtlich der
Firmen: 1. J. Bruchfeld, Darmſtadt:
Die Prokura des Werkführers Heinrich
Heyl iſt erloſchen. Geſchäft ſamt Firma
iſt auf die im Handelsregiſter bereits
eingetragene offene Handelsgeſellſchaft
Bruchfeld & Bracher übergegangen. Der
Uebergang der im Betriebe des Geſchäfts
begründeten Forderungen und Verbind=
lichkeiten
iſt beim Erwerbe des Geſchäfts
durch die offene Handelsgeſellſchaft Bruch=
feld
& Bracher ausgeſchloſſen. 2. Bruch=
feld
& Bracher, Darmſtadt: Die Firma
iſt geändert in: J. Bruchfeld. Die Ge=
ſellſchaft
hat das ſeither unter der Firma
J. Bruchfeld im Handelsregiſter einge=
tragene
Geſchäft, ſamt Firma erworben.
Der Uebergang der in dem Betriebe des
Geſchäfts begründeten Forderungen und
Verbindlichkeiten iſt bei dem Erwerbe
des Geſchäfts durch die Geſellſchaft ans=
geſchloſſen
. Adolf Bruchfeld und Emil
Bracher junior, beide Kaufleute in Darm=
ſtadt
, ſind zu Einzelprokuriſten beſtellt.
Abteilung B: Am 7. Mai 1928 hin=
ſichtlich
der Firma: Ferd. Adolf
Pertſch, Conventionsbureau, Ge=
ſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt: Wilhelm Dietrich, Kaufmann!
in Darmſtadt, iſt zum Geſamtprokuriſten
beſtellt derart, daß er gemeinſam mit
einem anderen Prokuriſten zeichnungs=
berechtigt
iſt. Am 10. Mai 1928 hin=
ſichtlich
der Firma: Heſſiſche Lichtſpiel=
Theater=Aktiengeſellſchaft. Darm=
ſtadt
: Durch Beſchluß der Generalver=
ſammlung
vom 4. Februar 1928 iſt der
Geſellſchaftsvertrag geändert. Die Gene=
ralverſammlung
vom 4. Februar 1928
hat die Erhöhung des Grundkapitals um
einen Betrag von 350000 Reichsmark be=
ſchloſſen
. Die Erhöhung iſt durchgeführt,
das Grundkapital beträgt jetzt 600000
Reichsmark. Als nicht eingetragen
wird mitveröffentlicht: Es ſind ausge=
geben
350 junge Aktien im Nennwert
von je 1000 Reichsmark. Sie lauten
auf den Inhaber und ſind ab 1. Januar
1928 gewinnberechtigt. Der Mindeſtaus=
gabekurs
beträgt 110%, zuzüglich Börſen=
umſatzſteuer
und Aktienſtempel. (8391
Darmſtadt, den 12. Mai 1928.
Amtsgericht I.
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werbsbeſchränkte

Abteilung: Fliegende Kolonne
erledigt
Gelegenheitsarbeiten und = Beſor=
gungen

jeder Art für alle Wirtſchaftszweige, Be=
hörden
und Haushaltungen
durch zuverläſſige Kräfte,
gegen äußerſte Vergütung,
bei Stellung von Arbeitsbehelfen
nach Wunſch.
Ihre Inanſpruchnahme begründet
keinen Arbeitsvertrag,
keine Pflichten aus der Sozial=
verſicherung
.
(st8340
Fernruf: Stadtamt.

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für das Gebiet der hieſigen Stadt, we
den koſtenfrei bei dem hieſigen Stande
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den Dienſtſtunden abgegeben. (83
Darmſtadt, den 12. Mai 1928.
Heſſiſches Amtsgericht Darmſtadt I.
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bei Oberpoſtdirektion in Frankfurt g. A.
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ſelbſt und beim Poſtamt Langen wäl
rend der Dienſtſtunden aus. Die ver
ſchloſſenen Angebote mit der Aufſchrif
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Darmſtadt, den 8. Mai 1928.
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Diele, 70 neue ungebrauchte Diele (4,50
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genwinden, 2 Flaſchenſeile, Rollſeile,
3 vierrädr. Wagen, zweirädr. Hand
wagen, 2 Schwenkkrane mit Drahtſei=
u
. Aufziehkaſten. 2 Patentflaſchenzüge,
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eiſ. Bogen u. Schließen. 1 Partie Ton=
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Darmſtadt, den 10. Mai 1928.
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Telephon 4133.
Annahme von Verſteigerungen. !
Taxationen.

Ziegler
Steuerſekretär.

Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur 5e
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Name
der Friedrich Karl Schlamp Ehefrau, Luiſe, geb. K0
in Darmſtadt, im Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 22. Mai 1928, nachm. 3½, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 2
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangspd
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 13. September 1924
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſt
gerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich war
ſind, ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der A
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichnel
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſprie
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellu
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der 2
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gie
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen.
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Ge9
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 17. Februar. 1928.
Heſſiſches Amtsgericht II.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XIl, Blatt b4
Betrag 1!
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am Schätzu
T 233 Hofreite Nr. 20 Große
48 2500 R.:
Ochſengaſſe

[ ][  ][ ]

Nummer 133

Sonntag den 13 Mai 1928

Seite 13

Reich und Ausland.
Der Rheingold=Zug.
Deutſchlands modernſter Luxus=Zug.

Oben: Innenanſicht eines Salonwagens.
Anten: Außenanſicht eines FD=Wagens 1. Klaſſe.

Die Preſſefahrt im Rheingoldzug.
Köln. Die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft führte
den am 15. Mai zum erſten Male zwiſchen Hoek van
Solland, Köln, Baſel und Luzern verkehrenden
Rheingoldzug der Preſſe vor. Die Fahrt, an der
twa 200 Perſonen teilnahmen und die unter Füh=
uing
des Leiters des Preſſedienſtes der Reichsbahn,
Teichsbahndirektors Dr. Baumann, ſtattfand, führte
on Mainz nach Köln. Ein kurzer Aufenthalt in
Zacharach gab Gelegenheit zur genauen Beſichtigung
es neuen Zuges. Nach einer Begrüßungsanſprache
es Staatsſekretärs Dr. Kumbier machte Reichsbahn=
Ɨrektor Dr. Baumgarten bemerkenswerte Ausführun=
en
über den Sommerfahrplan und erwähnte u. a.,
die Durchſchnittsgeſchwindigkeit der F.D.=Züge
veiter heraufgeſetzt worden ſei, daß der ſchnellſte
D.=Zuge eine Stundendurchſchnittsgeſchwindigkeit
on über 80 Kilometer haben werde Reichsbahn=
irektor
Ackermann ſprach über Bau und Konſtruk=
vn
des neuen Rheingoldzuges, der als eine Spitzen=
iſtung
des deutſchen Waggonbaues bezeichnet wer=
m
könne. Die künſtleriſche Innenausſtattung der
alonwagen, die ſich durch reichliche Verwendung von=
Helhölzern für die Täfelung der= Wände, von neu=
tigen
Beleuchtungskörpern, elektriſchen Ventilations=
lagen
und bequemen Lehnſeſſeln auszeichnet, bietet
m Reiſenden ſowohl in den Saalräumen wie auch
den einzelnen Abteilen jede Bequemlichkeit. Vo=
tlichen Sitzplätzen ſind Tiſche angeondnet. Für je
gei Salonwagen iſt eine Küche vorhanden, ſo daß
e Fahrgäſte, ohne daß ſie ihre Plätze zu verlaſſen
guchen, ihre Mahlzeiten in ihren Abteilen ein=
hmen
können. Ein Vertreter der holländiſchen
Fenbahnverwaltung beglückwünſchte die deutſche
ichsbahn zu dieſer hervorragenden neuen Einrich=
rig
und wünſchte dem erſten deutſchen Pullmanzuge
ten Erfolg.
Frankfurter Chronik.
Ein ſchwerer Autounfall ereignete ſich Freitag
end in der Nähe des Oſtparkes. Ein aus Hanau
rmmendes Perſonenauto wollte einen Radfahrer
erholen. Dabei wurde der Radfahrer leicht ge=
eift
, zur Seite geſchleudert und leicht verletzt. Durch
S ſtarke Herumreißen des Steuers prallte das Auto
* großer Wucht gegen einen Baum. Dabei wurden
beiden Inſaſſen ſchwer verletzt, während der
Brer, ein Arzt, mit leichten Schnittwunden davon=
n
. Die altbekannte Frankfurter Möbelfirma
u. S. Langenbach hat mit einer Schuldenlaſt von
000 Mark, denen etwa 100 000 Aktiven gegen=
ſtehen
, die Zahlungen eingeſtellt. Der Zuſam=
rabruch
dürfte mit den großen Verluſten zuſammen=
rgen
, die die Firma bei dem Konkurs des Cafés
gold erlitten hat.
Dirigent des Berliner Sinfonie=Orcheſters
tödlich verunglückt.
Berlin. Auf einer Autofahrt iſt am Freitag
ymittag in der Nähe von Paſewalk der bekannte
rimermuſiker und Divigent des Berliner Sinfonie=
Heſters, Emil Bohnke, tödlich verunglückt. Er
rnd ſich mit ſeiner Gattin auf der Fahrt nach
Ɨnemünde. Der Wagen fuhr infolge Verſagens der
zierung gegen einen Baum und ſtürzte um. Die
aſſen wurden herausgeſchleudert und fielen in den
uſſeegraben, wo ſie bewußtlos liegen blieben.
ſanten brachten die Verunglückten ins Paſewalker
nkenhaus, wo Bohnke, ohne das Bewußtſein
Dererlangt zu haben, unmittelbar nach ſeiner Ein=
rung
ſtarb. Seine Gattin, die einen ſchweren
Xdelbruch davongetragen hat, ſchwebt in Lebens=
hr
. Der Chauffeur Grätzner erlitt ſchwere Bruſt=
Rippenverletzungen. Bohnke war 40 Jahre alt
hinterläßt drei Kinder, von denen das jüngſte
ein Jahr alt iſt.
Zerlin. Zu dem ſchweren Automobilunglück,
am Freitag bei Paſewalt der Dirigent Emil
rike zum Opfer fiel, iſt mitzuteilen, daß auch die
Ein Bohnkes, eine Tochter des Bankiers und
Delskammerpräſidenten Franz v. Mendelsſohn,
rſchweren Verletzungen erlegen iſt. Der Chauf=
kam
mit einem Schlüſſelbeinbruch, Hautabſchü=
en

d einem Nervenſchok davon,
Dreiſter Diebſtahl.
Is am Freitag vormittag im Reichsbankgebäude
ipzig der Kaſſierer einer Großbank einen Betrag
10 000 Mark abheben wollte, legte er das Geld
erdelt auf ein Zahlbrett. Als er ſich dann einen
abbbandte, wurde ihm der Betrag von
kannten Männern envwendet, die ſofort

Ozean Flieger=Gedenkmünze.

Zur Verewigung des Oſt=Weſt=Ozeanfluges der Bremen, dieſer Großtat deutſchen Mutes und
deutſcher Technik, gelangt zu Ehren dieſer kühnen Flieger die Ozean=Flieger=Gedenkmünze nach
dem beſonders anſprechenden künſtleriſchen Entwurf des Münchener Bildhauers Joſef Bernhart in
kleiner Auflage zur Ausgabe. Dieſe Gedenkmünze in der Größe eines Fünfmarkſtücks trägt Stem=
pelglanz
und zeigt auf ihrer Hauptſeite den vortrefflich gezeichneten Kopf Hauptmann Köhls mit
der Umſchrift Erſter Oſt=Weſt=Ozeanflug 13. April 1928 auf der Rückſeite die Bremen fer=
ner
die Aufſchrift Ein Wille eine Tat ein Sieg und die Namen der Flieger. Die Ehren=
münze
kann in Silber 900 fein zum Preiſe von 7 Mark, in Gold 900 fein zu 100 Mark durch alle
Banken und Sparkaſſen, ſowie durch die Hauptwerbeſtelle der Ozean=Flieger=Gedenkmünze,
München, Reitmorſtr. 26 Poſtſcheckkonto München 16 309 , portofrei bezogen werden.

Köhl am Grabe des unbekannten Soldaten in New York.

Ozeanflieger Köhl legt einen Kranz am Grabe des unbekannten Soldaten nieder.

Der Ozeanbezwinger Hauptmann Köhl iſt in Begleitung des New Yorker Bürgermeiſters Walker
und ſeiner Flugkameraden am Grabe des unbekannten Soldaten erſchienen und hat das Andenken
aller toten Helden des Weltkrieges durch die Niederlegung eines Kranzes geehrt.

In 48 Stunden über den Ozean.

Der Ozeangleiter des Erfinders Remy
wird demnächſt aus Frankreich nach Amerika ſtarten. Das eigenartige Waſſergleitboot hat einen
geringen Tiefgang und wird in 48 Stunden über den Ozean gleiten. Ingenieur Remy will in
Le Havre ſtarten, Horta auf den Azoren anlaufen und in New York landen.

Gedopte Nennpferde.
Berlin. Unter der Beſchuldigung, Rennpferde
gedopt zu haben, iſt auf Anzeige des Verbandes der
konzeſſionierten Buchmacher Deutſchlands gegen den
früheren Rennſtallbeſitzer Fritz Friedländer=Berlin ein
Strafverfahren eingeleitet worden. Friedländer iſt
wegen betrügeriſcher Machenſchaften ſchon ſeit lan=
ger
Zeit von den deutſchen Rennbahnen verwiefen
worden. Friedländer beſtritt anfangs alles, was ihm
zur Laſt gelegt wurde. Bei einer Hausſuchung wur=
den
jedoch Briefſchaften gefunden, die ihn belaſten.
Außerdem ermittelte die Polizei zwei Futtermeiſter,
die wiederholt von Friedländer Doping=Mittel er=
halten
haben, die den Pferden eine Stunde 40 Min.
vor dem Start in einer ausgehöhlten Mohrrübe ein=
gegeben
werden ſollten. Die Futtermeiſter beſtreiten
aber, jemals einem Pferde die Mittel vergbreicht zu
haben. Die Kriminalpolizei hat das von ihr geſam=
melte
Material der Staatsanwaltſchaft übergeben.
Von einer Feſtnahme Friedländers iſt Abſtand ge=
nommen
worden, weil er krank iſt

Eine Londoner Poſtagentur geplündert.
Berlin. Der Berliner Lobalanzeiger meldet
aus London: Ein Raub gelang am Freitag am
hellen Tage in der belebteſten Gegend Londons. Wäh=
rend
die Beamten zum Lunch waren, hielt ein Poſt=
wagen
vor der Poſtfiliale Chapel Street. Ein
paar Männer öffneten mit einem bereitgehaltenen
Schlüſſel die Tür, die von ein bis zwei Uhr nach=
mittags
ſtets geſchloſſen iſt, ſchleppten den Stahl=
ſchrank
zu ihrem Wagen, fuhren mit ihrer Beute
davon, und der Poſtwagen ſtellte ſich als eine ge=
ſchickte
Verkleidung eines Rennautos heraus. Wäh=
rend
des Schranktransportes kamen übrigens einige
Leute, die Briefmarken kaufen wollten, in das Poſt=
amt
. Ihnen wurde geſagt, daß gerade Inventur,
gemacht würde und ſie deshalb nicht bedient werden
könnten. Das Tollſte abee war, daß vor dem Ge=
bäude
ſechs Taxameter auf Kunden warteten und ein
paar Chauffeure den Räubern noch behilflich waren,
den ſchweren Schrank in den Wagen zu ſchieben. Der
Wert der Beute beträgt 30000 Mark.

Nobiles Nordpolflug.
Start der Italia nach Leninland
Oslo, 12. Mai.
Geſtern früh um 7 Uhr iſt die Italia zum Fluge
nach Leninland aufgeſtiegen. Urſprünglich war der
Start auf vier Uhr früh feſtgeſetzt geweſen, ver=
zögerte
ſich aber, weil die Mannſchaft des Hilfsſchiffes
nur unter Schwierigkeiten über das Packeis zum Luft=
ſchiff
kommen konnte, um ihm beim Abflug behilflich
zu ſein. Der Entſchluß zum Start ſoll darauf zu=
rückzuführen
ſein, daß eine ruſſiſche Expedition nach
Leninland unterwegs iſt, der General Nobile zuvor=
kommen
möchte. Der General hofft, zwei bis drei
Mann ausſetzen zu können, die Lotungen und mete=
orologiſche
Forſchungen anſtellen und ſpäter wieder
an Bord genommen werden ſollen. Der Flug dürfte
unter günſtigen Umſtänden mrindeſtens 40 Stunden
in Anſpruch nehmen.
Es ſteht übrigens noch nicht feſt, ob ſich Nobile
nicht anſchließend gleich zum Nordpol wenden wird.
Nobile will für den Polflug die Geſchwindigkeit und
Aktionsfähigkeit ſeines Luftſchiffes aufs äußerſte an=
ſtrengen
, deshalb hat er auch nur die nötigſten Leute
mitgenommen. Auch am geographiſchen Nordpol ſoll
eine Landung vorgenommen werden. Sollte ſich eine
Landung auf dem Meere als notwendig erweiſen, ſo
kann das Luftſchiff durch eine pneumatiſche Vorrich=
tung
auf das Waſſer niedergehen und dort ſchwim=
mend
verankert werden. Das Luftſchiff hat ſchließlich
für geographiſche Exkurſionen und Fahrten Schlitten,
Schneeſchuhe, Jagdgewehre und Feldausrüſtungen an
Bord.
Die Wetterlage iſt nach den Berichten der Deut=
ſchen
Seewarte in Hamburg für den Abflug von
Spitzbergen günſtig. Dagegen iſt das Wetter auf
Leninland ungünſtig. Ein ausgedehntes Tiefdruck=
gebiet
liegt über dieſem, welches ſtürmiſche Winde
und Schneetreiben zur Folge hat.
Ein Mithelfer der Poſträuber Hein und Larm
verhaftet.
Jena. Nach langen Bemühungen iſt es der hie=
ſigen
Polizei gelungen, feſtzuſtellen, daß an dem am
4. Dezember 1977 auf das Poſtamt in Kloſterlausmitz
verübten Raubüberfall außer den bekannten und in
Haft befindlichen Verbrechern Hein und Larm ein
dritter Täter in Frage kommt, der jetzt überführt
und ebenfalls feſtgenommen wurde. Er war auch an
dem in der Nacht zum 27. November b. J. in Wei=
mar
verübten Einbruchsdiebſtahl beteiligt, bei dem
ein Geldſchrank geſprengt und dabei das ganze
Bureau verwüſtet wurde. Der Name wird von der
Polizei nicht bekanntgegeben, doch handelt es ſich um
eine nur beſchränkt erwerbsfähige Perſon, die von
Larm verführt wurde.
Warum die Italia zurückkehren mußte.
Ein Motor bei der Landung beſchädigt.
Oslo. Nach hier vorliegenden Nachrichten iſt die
Rückkehr der Italia, die am Freitag morgen von
Kingsbay zu ihrem erſten Polflug ſtartete, darauf
zurückzuführen, daß das Luftſchiff in ſehr ſcharfe
nardweſtliche Pinde, ſowie in Nehel und Schnee=
treiben
geriet. Obgleich die Italia ſowohl in 100,
wie in 1000 Meter Höhe freie Sicht zu erreichen
ſuchte, waren die Nebel ſo dicht, daß an ein Vor=
wärtskommen
nicht mehr zu denken war. Daher ent=
ſchloß
ſich Nobile, wieder nach Kingsbay zurückzu=
kehren
, wo das Luftſchiff um 4 Uhr nachmittags wie=
der
eintraf. Da das Wetter ſich inzwiſchen gebeſſert
hatte, hoffte man auf eine glatte Landung, doch ſtieß
das Luftſchiff bei der Landung ſo ſtark auf den Erd=
boden
, daß ein Motor ſchwer beſchädigt wurde. Allem
Anſchein nach wird eine längere Reparatur nötig
ſein. Nobile hat nunmehr die Abſicht, vor der Vor=
nahme
weiterer Flüge beſſeres Wetter abzuwarten.
Ueberſchwemmungen in Ungarn.
Budapeſt. Wie aus Miskoler gemeldet wird,
iſt der Fluß Sajo über die Ufer getreten und hat
große Gebiete überſchwemmt. Das Ueberſchwem=
mungsgebiet
beträgt bereits mehrere tauſend Joch.
Mehrere Gemeinden wurden durch die Fluten von der
Außenwelt abgeſchnitten.
Kampf zwiſchen Flugzeug und Heuſchrecken.
London. Die britiſche Luftverteidigungsbaſis
in Koweit, die urſprünglich für die Verteidigung der
Stadt gegen die Ueberfälle der Wahabi geſchaffen
wurde, iſt in den Verteidigungszuſtand gegen einen
neuen Feind, die Heuſchrecken, gebracht worden. Ver=
ſchiedene
Flugzeuge, die zu ihrer Bekämpfung auf=
geſtiegen
waren, mußten niedergehen, da die Heu=
ſchrecken
ſich in ſo zahlreichen Mengen auf die Flug=
zeuge
warfen, daß die Motoren mit Sicherheit außer
Betrieb geſetzt zu werden drohten.
Vier Perſonen bei einem Tunneleinſturz getötet.
Londen. Am Freitag nachmittag ſtürzte ein
Teil des Coſton=Tunnels auf der Hauptſtrecke der
London=Midland=Schottland Eiſenbahn in der Nähe
von Birmingham ein. Vier Arbeiter wurden dabei
getötet und eine Anzahl verletzt.

Zur Erdrutſchkataſtrophe
in Italien.

Die Karte des Unglücksgebiets.
Ein gewaltiger Erdrutſch längs der Bahnlinie An=
cona
Brindiſi hat 12 Menſchen getötet, 27 ſchwer
verletzt, viele Bauten zerſtört und Landſtraßen und
Bahndamm ſtellenweiſe 68 Meter hoch verſchüttet.
Beſonders bei Grottamare ſind die Auswirkungen
der Kataſtrophe groß.

[ ][  ][ ]

Seite 14

Sonntag, den 13. Mal 1928

Nummer 433

Ouglas Fairbanks
Mttitift
er Caucho
17.

Die Insel der destrandeten
Tom, der Rächer
Gnoßpapa tanzt

Auch beute
letzter Tag!
Beginn 2 Uhr.

Reuge
Beginn 2 Uhr.

Ietzten Male

Abends 81/ Uhr.

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Der braue Soldat Schweik an der Front

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Pat und Patachon als Polizisten
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Beginn 2½ Uhr

Beginn 2½ Uhr

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Eintritt frei. ( 13066
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(Philharmonischer Verein)
Dirigent:
Kammer-Virtuos Louis Kümmel
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Sitz und Probelokal:
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Rückfahrten von Jugenheim ab 5.00 Uhr ſtündlich.
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7

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Das Abonnement
Die Werkiage
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Landestheaters; Leiter: Direktor
Adalbert Steffter, Bonn.
werden an der Tageskaſſe des Kleinen
Hauſes, ab Montag entgegengenommen,
umfaßt 6 Vorſtellungen (6 Opereiten).
können ſämtlich gemieiet werden.
bewegen ſich zwiſchen Mk. 6. bis 18.
für 6 Vorſiellungen.
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Logen 18. 10. 8.
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Heſſ., Landestheaters
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von Kapellmeiſter Buslau
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Nichtmitglieder zahlen 0. 30 (Eintritt.

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Sonntag, den 13. Mai 1928
End= 22.00 uh
Anfang 19 Uhr
In neuer Inſzenierung:
Hoffmanns Erzählungef
Oper in drei Akten mit Vor= und Nach
ſpiel von Jacques Offenbach
Muſikaliſche Leitung: Max Rudolſ
In Szene geſetzt von Artur Marig Raſl
alt und Wilhelm Reinking
iwirkende
Margarete Albrecht, Ellen Kiesling
Landwehr, Martha Liebel, Greie Penſe
Käthe Walter, Karl Ebert=Beyer, Oed
Grauert, Herberr Grohm. Alfred Karen
Hans Komregg, Heinrich Kuhn, Hans Nek=
Joſef Poerner, Eugen Vogt
Spielwart: Fritz Bohne
Preiſe der Plätz: 1 10 Mar'

Kleines Haus
Außer Miete
Sonntag, den 13. Mai 1928
Ende 22 u.
Aufang 20 Uhr
Vorſtellung zu Einheitspreiſen
Das Spiel
von Liebe und Tod
in drei Akten von Romain Rolland
Inſzenierung: Theodor Haerten a. G.
Buhnenbild: Lothar Schenc von Trap
Mitwirkende:
Johanna Blum, Annelieſe Born, Charld
Jaeke=Joſt, Hausjoachim Büttner, Herma
Gallinger, Nichard Jürgas, Rutzolf K
Karl Paryla, Gothart Portloff.
P= lonen=Verzeichnis:
Jérome von Couroviſier,
Mitglied d. Konvents Rudolf Klis
Sophie von Courvoiſier,
. . Charlot. Jaek=.
ſeine Frau".
Claude Vallée, geächteter
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des 14v Jfahrtsausſch. Gothart Pork!
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Horace Bouchet Karl Parhla
Lodolscka Cerizier . . . . Annalieſe B01
Ehloris Souey Johanna Blur
Ergpart, Deligierter des
Sicherheits=Ausſch. Herm. Gallut
Spielwart: Joſef Kreuter
Preiſe der Plätze: 1. 2, 3, 4 Mark

[ ][  ][ ]

Nummer 133

Sonntag den 13 Mai 1928

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und Frauenſchülerinnen
Freitag, 18. Mai, abends 8 Uhr
Vortrag von K. Spamer 8
Die Frau und der Sport
Internationale Frauenliga
für Frieden und Freiheit
Deutſcher Zweig Gruppe Darmſtadt
Oeffentliche Frauen=Verſammlung
Dienstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr,
im Lehrerinnen=Heim, Gervinusſtr 68,
Vortrag von Frau Auguſte Kirchhofſ=Bremen:
Warum müſſen die Frauen
am 20. Mai wählen? (1z121

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Darmſtadt
Moutag, d. 14. Mai 1928,
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u der Reſtauration Chriſt, Grafenſtraße
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b. die A. S G.=Verſammlung in Würzburg;
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Mainz, den 11. Mai/1928.
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Rummer 133

Sonntag, den 13. Mai 1928

Seite 13

Oporn Thler und Tarnen.

Sportverein Darmſtadt 98
Sportklub Wien.
Die Wiener Gäſte ſind geſtern Nachmittag mit 18 Spielern
und 2 Reiſebegleitern wohlbehalten in Darmſtadt angekommen.
Nach Angaben der Reiſebegleiter und des Spielführers werden
ſie das Spiel gegen die 98er in folgender Aufſtellung beſtreiten:
Nobotny
Pinkardt Voßböck
Erlbeck Müller Kraus
Potz berger Koth Battlehner Hengl Riedl.
Die Gäſte verſichern, daß dies die ſpielſtärkſte Kombination
ſei, die ſie ſtellen könnten; ſie glauben nämlich ob mit Recht,
bleibe dahingeſtellt in den 98ern den ſtärkſten Gegner auf
ihrer Wettſpielreiſe in Deutſchland anzutreffen.
Wir wünſchen dem Spiel, deſſen Beginn auf 4 Uhr feſtgeſetzt
iſt, den angenehmſten Verlauf. Da es weder um Punkte noch um
Meiſterſchaft geht, wird das Treffen, das ja rein als Propa=
gandaſpiel
gedacht iſt, dieſem Charakter voll und ganz Rechnung
dragen. Die Darmſtädter Mannſchaft und das Darmſtädter
Publikum wird Sorge zu tragen wiſſen, daß die Wiener Gäſte
Darmſtadt und das Spiel gegen den ſüddeutſchen Meiſter ſtets in
angenehmſter Erinnerung behalten werden.

Schwimmen.

9. Kreisſchwimmfeſt des Mittelrheinkreiſes der D. T.
Nach vorausgegangener Sitzung des Kreisſchwimmausſchuſſes des
Mittelrheinkreiſes der D.T. in der Turnhalle am Woogsplatz und an=
ſchließender
Sitzung des Kampfgerichts, beide unter Leitung des Kreis=
ſchwimmwartes
Emil Bitſch, Frankfurt a. M., und der Teilnahme des
Schwimmwarts der Deutſchen Turnerſchaft, Robert Braun, Frankfurt
a. M., begannen geſtern abend 8 Uhr im ſtädtiſchen Hallenbad Darmſtadt
die Wettkämpfe des 9. Kreisſchwimmfeſtes der mittelrheiniſchen Turner=
ſchwimmer
. Die Wettkämpfe ſind bekanntlich die Ausſcheidungskämpfe
für das Deutſche Turnfeſt in Köln. Deshalb ſind die ermittelten Sieger
teilnahmeberechtigt in Köln. Leider lag bei 4 Wettkämpfen des Abends
nur je 1 Meldung vor, ſo daß die Kämpfe ausfallen mußten. Der Be=
ſuch
war ein zufriedenſtellender. Nachfolgend einige Ergebniſſe:
100 Meter Bruſt für Altersturner: Sieger Ludwig Penk. Darmſtadt
Tgde. 1846, in 1:43,4 Min.
4mal 100 Meter Bruftſtaffel für Turner: Sieger Tgde. Beſſungen 1865
in 5:59,1 Min. (Mannſchaft: Heck, Schäfer, Schäfer, Späth.)
Von den Waſſerballſpielen der Gegner aus den Gauverbänden fand
nur das Spiel Tv. 1860 Frankfurt a. M. gegen Tgſ. 1875 Darmſtadt
ſtatt. Da Mainz nicht antrat, blieb Saarbrücken ſpielfrei. Das Spiel
Frankfurt-Darmſtadt gewann dagegen ſtarkes Intereſſe. Beide Mann=
ſchaften
zeigten ſich ziemlich gleichwertig, was Schnelligkeit und Ballbe=
handlung
betraf. Das Spiel artete ſchließlich durch allzu ſtarke gegen=
ſeitige
Behinderung aus. Herausſtellungen und Strafwürfe wechſelten
ab. Der Schiedsrichter, Kreiswaſſerballwart Henkel=Offenbach, griff aber
ſcharf durch. Bei Halbzeit ſtand das Spiel 4:2 für Frankfurt. Sieger
blieb nach härteſtem Kampfe Frankfurter Tv. 1860 mit 6:5 Toren.
Im Endſpiel tritt ſomit morgen Frankfurt 1860 gegen Saarbrücken
1848 an. Die Fortſetzung der Wettkämpfe am heutigen Sonntag beginnt
vormittags 8 Uhr und nachmittags 3 Uhr. Die Mehrkämpfe und Sprin=
gen
, ſowie die übrigen Einzel= und Staffelſchwimmen dürften eine Reihe
weiterer hochintereſſanter Wettbewerbe bringen.
Berbeſchwimmen, des. PfL. Mat Weiß, 1973 Darmſtadt in Gr. Bimmern.
Am Sonntag, den 2. Mai 1928, findent in dem herrlichen
nd ideal gelegenen Gemeindeſchwimmbad in Groß=Zimmern das dies=
jährige
Wiedereröffnungs=Schwimmfeſt ſtatt. Der Veranſtalter desſelben,
der Bademeiſter Emil Hillers, hat keine Mühe geſcheut, um ein Feſt
durchzuführen, das in jeder Beziehung für den Schwimmſport werben=
den
Erfolg haben wird.
Den ſportlichen Teil der Ausführungen hat der VfL. Rot=Weiß
Darmſtadt übernommen, der mit einer größeren Schwimm= und
Waſſerballmannſchaft gur Verſchönerung des Feſtes beitragen will.
Außer einigen intereſſanten Staffelwettkämpfen werden die Schwimmer
und Schwimmerinnen von Rot=Weiß ſämtliche Stilarten vorführen, fer=
ner
Kunſtſchwimmen, Streckentauchen, humoriſtiſche Vorführungen uſw.
Ein Schauſpringen wird ebenfalls nicht fehlen. Eine beſondere Note
erhält das Feſt durch den Start der Auswahlnegermannſchaft
aus Krambambulla. Dieſelbe wird dieſes Jahr auf den olym=
piſchen
Spielen in Amſterdam Südafrika in Waſſerball vertreten und be=
findet
ſich fetzt ſchon in Europa, um ſich nach und nach an das Klima
zu gewöhnen. Als Gegner ſtellt ſich in Groß=Zimmern die erſte Mann=
ſchaft
des VfL. Rot=Weiß. Wenn auch die ſchwarzen Leute ſich noch
nicht ganz mit der halten Witterung abgefunden haben, und ſicherlich
darunter leiden, ſo werden doch die Darmſtädter Waſſerballſpieler einen
harten Stand gegen die Auswahlmannſchaft aus Krambambulla haben.
Die afrikaniſchen Gäſte treffen nachmittags 2,15 Uhr, zuſmmen mit den
Schwimmern des VfL. Rot=Weiß in Groß=Zimmern ein, wo ſie mit
Muſik abgeholt werden. Die Muſikkapelle wird auch während der
ſchwimmſportlichen Vorführungen die Pauſen durch gutes Konzert aus=
füllen
.
Auch der voriges Jahr gegründete Schwimmverein Groß=
Zimmern 1927 wird ſich an dem Werbeſchwimmen beteiligen. U. a.
wird er mit einer Waſſerballmannſchaft gegen eine komb. Mannſchaft
der Darmſtädter ſpielen.
Dem Schwimmfeſt wäre in Anbetracht der großen Vorbereitungen
und Arbeiten, der ſich der Veranſtalter unterzogen hat, ein guber Beſuch
und günſtiges Wetter zu wünſchen.
u
Bier im Hauſe

Neue Schwimmbäder in Süddeutſchland.
Zwei neue Schwimmanlagen ſind in Süddeutſchland geſchaffen
worden. Der Frankfurter Vorort Fechenheim hat ein Hallenbad
geſchaffen, das ſchon im Oktober begonnen wurde und im Sommer 1923
wenigſtens im Rohbau beendet ſein dürfte. Das Bad beſitzt eine
Schwimm= und eine Badehalle, die Fläche des Schwimmbeckens beträgt
20 mal 10 Meter. In Schwenningen (Neckar) ſind die Mittel
zur Erſtellung eines Freibades mit erwärmbarem Waſſer bereitgeſtellt
worden. Auf dieſe Weiſe wird hier einem dringenden Bedürfnis ab=
geholfen
und die Möglichkeit geſchaffen, den Schwimmſport in Schwen=
ningen
weit länger als bisher auszuüben. Die Arbeit wird ſofort in
Angriff genommen, ſo daß die Fertigſtellung vielleicht im Sommer ſchon
erfolgen kann.
Groß=Staffellauf 1928
des Ausſchuſſes für Leibesübungen.
In äußerſt anerkennenswerter Weiſe ſind dem Ausſchuß für Leibes=
übungen
in Darmſtadt für den von ihm alljährlich zur Durchführung
kommenden Groß=Staffellauf eine Anzahl wertvoller Ehrengaben zur
Verfügung geſtellt worden. An Stiftungen ſiend beteiligt: der Volks=
ſtaat
Heſſen, die Stadt Darmſtadt, der Verlag des Darmſtädter Tag=
blattes
, die Opelwerke in Rüſſelsheim, die Firma Merck Darmſtadt, die
Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft, der Verkehrsverein Daumſtadt und
von einem ungenanten Gönner der Alkoda=Wanderpreis. Dieſe geſtif=
teten
Wanderpreife gehen erſt nach dreimaligem hintereinander folgen=
den
Siege außer der Reihenfolge in ein und derſelben Klaſſe kei den in
den nächſten Jahren ſich wiederholenden Groß=Staffelläufen in das
Eigentum des betreffenden Vereins über. Die einzelnen Ehrengaben
ſind Kunſtgegenſtände von hohem Werte. Der Ausſchuß für Leibes=
übungen
weiß einesteils die Ueberlaſſung derſelben in ganz beſonderem
Maße zu ſchätzen, und anderenteils nimmt er mit Befriedigung von
dieſen Stiftungen Kenntnis, weil er in ihnen ein äußeres Zeichen der
Wertſchätzung und Unterſtützung ſeiner Beſtrebungen von maßgebenden
Stellen aus erblickt. Die Wanderpreiſe, die bereits beim vorjährigen
Staffellaufe von einzelnen beteiligten Vereinen erſtmalig gewonnen
werden konnten, ſind bei dem in dieſem Jahre am Himmelfahrt=
tag
, vormittags 11 Uhr, ſtattfindenden Groß=Staffellauf 1928
erneut zur Verteidigung ausgeſchrieben worden. Dieſe Maßnahme läßt
erwarten, daß dem diesjährigen Lauf in gewiſſer Beziehung ein ſport=
licher
Reiz nicht abzuſprechen iſt.

Geſchäftliches.

Der Aeltere Sterbekaffeverein Darmſtadt V. a. G., gegründet 1870,
verſichert Perſonen beiderlei Geſchlechts im Alter von 1850 Jahren
ohne ärztliche Unterſuchung und ohne Wartezeit. Auf das in der heu=
tigen
Nummer dieſes Blattes erſcheinende Inſerat wird beſonders hin=
gewieſen
. Die Kaſſe ſteht unter Reichsaufſicht und gewiſſenhafter Lei=
tung
. Sie bietet alſo eine ſichere Kapitalanlage.
Wetterbericht.
Gießen, 12. Mai.
Ueber der Nordſee lagert ein Tiefdruckwirbel, unter deſſen Einfluß
es beſonders in Norddeutſchland zu Schnee= und Regenfällen und in
unſerem Gebiet zu ſtärkerer Bewölkung kam. Die zufließenden kühleven
Luftmaſſen an ſeiner Rückſeite laſſen zunächſt keine weitere Erwärmung
aufkommen. Außerdem dürften ſie auch bei uns noch zu veränderlichem
Wetter und gelegenheitlich zu Schauern führen.
Ausſichten für Sonntag, den 13. Mai: Wechſelnd wolkig wit Aufheite=
rung
, mäßig warm, vereinzelte Niederſchläge.
Ausſichten für Montag, den 14. Mai: Wolkiges, auch vielfach aufheitern=
des
Wetter, wärmer, meiſt trocken.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:

Ort: Wetter: Temp.
in C‟ Wind: Mieee
ſchlag
in mm Ke
decke
in cm Gießen: Aachen: wolkig WSW. Hamburg: wolkig NNW. Berlin: Reg. u. Schnee SW. München: heiter W. Königsberg: wolkig SW. Breslau:

Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen:

Feldberg:
(Taunus) wolkig 0 NW. Waſſerkuppe: Schnee NW. Feldberg:
(Schwarzw.) wolkig 2 NW. 0,1 15 Zugſpitze: Nebel NNW 0,3 245 Kahler Aſten: Schnee WSN. 0,2 Fichtelberg: wolkig WNW. gef. 10 Schneekoppe:

Hauptſchriftleitung. Rudolf Maupe
Verantwortlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudelf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handei: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willp Kuhle: Drud
und Verlag: Z. C. Wittſch ſämtlich in Darmſtadt
Fär unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

ſelbſt zubrauen, iſt eine ganz natürliche Sache mit Brankratt
Hopfen und Malznotwendige und richtige Brauſtoffe nach
dem Reinheitsgebot enthaltend. Das hausgebraute Flaſchen=
bier
iſt gehaltreich, nahrhaft und durch hohen Kohlenſäurege=
halt
von prickelnder Friſche und voll mouſſierend. Die erſte
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Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag 13. Mai. 8: Morgenfeier, veranſtaltet vom Wart=
burgverein
e. V. Frankfurt a. M. Mitw.: Pfarrer Marhold von
der evangel. Johannisgemeinde, der Kirchenchor der Johannis=
gemeinde
Leitung: Lehrer Gaſche, Muſikdirektor G. Bauer (Organiſt).
Bläſerchor des Wartburgvereins. O 11: Rektor Chr. Bartſcher;
Vogelgeſchichten, Erlebniſſe mit unſeren gefiederten Freunden zu Luſt
und Lehr. o 11.30: Mannheimer Roſengarten: Feier des 25jähr.
Beſtehens der Mannheimer Feſthalle Roſengarten Mozart:
Andante aus dem Streichquartett C=dur. Begrüßungsanſprache
des Oberbürgermeiſters. Schubert: Quartettſatz in C=moll.
Anſprache. Mendelsſohn: Rezitativ und Finale aus der Sonate
für Orgel. Ausf.: Kergl=Quartett, Kirchenmuſikdirektor Arno Land=
mann
. O 12.30: Kaſſel: Konzert der Kapelle des Deutſchen Muſiker=
verbandes
. Leitung: Muſikdir. Kneifel. o 13.30: Für die Land=
wirtſchaft
. o 15.45: Hanna Lüngen: Märchen aus 1001 Nacht.
o 16.45: Funkorcheſter: Beethoven. Ouv. zu Goethes Trauer=
ſpiel
Egmont. Zweiter Satz aus Eroica‟ Viertes Konzert
für Pianoforte und Orcheſter in G=dur. Muſikal. Leitung: Alfred
Meinel. Soliſtin: Melitta Meinel (Klavier). o 18: Stunde des
Rhein=Mainiſchen Verbandes für Volksbildung. Gerdi v. Hirſch=
heydt
: Frauengeſtalten der Bibel: Debora, Ruth. Eſther, Judith.
O 19: Sportnachrichten. 19.30: Engliſche Literaturproben.
D 19.45: Engliſcher Sprachunterricht. O 20.30: Sinfonie=Kanzert.
Verſtärktes Funkorch. Leitung: Kavellm. Dr. Rottenberg. Soliſt;
Licco Amar. Anſchl.: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Sonntag 13. Mai. 11.30: Roſengarten Mannheim: Feier des
25jährigen Beſtehens der Städt. Feſthalle Roſengarten. Mitw.;
Kergl=Quartett. Mozart: Andante aus dem Streichquartett in C=dur.
Begrüßungsanſprache des Herrn Oberbürgermeiſters Heimerich.
Schubert: Quartettſatz in C=moll. Anſprachen. Mendelsſohn;
Rezitativ und Finale aus der Sonate für Orgel. Anſchl.: Schall=
plattenkonzert
. O 15: Bernhard Grügor: Zwiſchen dem Atlanti
Ozean und dem Miſſiſſippi. o 15.30: Funkheinzelmann. o 16:
Muttertag. Leitung: Carl Struve. Mitw.: Ellen Beck, Thea
Struve=Jöhnſſen, H. Hanus, Funkorch. Mendelsſohn: Ouv. Heim=
kehr
aus der Fremde‟. Schnock: Das Muttel=Lied. Mozart:
Aus der Suite Les petits riens, Kahn: Huſch, huſch; Marien=
lied
. Wottik: Mammi, du biſt für mich die ſchönſte Frau der
Welt. Wagner: Siegfried=Idyll. Anderſen: Die Mutter.
Langer: Großmütterchen. Kahn: Das kranke Püppchen: Die
Trommelpartie. Mei Mutterl war a Wienerin. Dvorak;
Adagio aus der Sinfonie Die neue Welt. Kindergedichte.
Heykens: Ständchen. Reger: Mariä Wiegenlied. Berger;
Kinderlied. Ziehrer: Kinderliedermarſch. O 18.15: Dr. Löwen=
berg
: Die Geſelligkeit in Vergangenheit und Gegenwart. o 18.45;
Alte Muſik. Ausführende: Käte Grundmann, Käte Welzel. Am
Flügel: Artur Haagen. 6 20.15: Bunter Abend. Mitw.: Con=
ſtantin
=Sadko, Emma Eichenbrenner=Teſter, die Sendeſpielbeſetzung.
Funkorch. Beethoven: Ouv. Egmont Gliere: Lieblich ſang
die holde Nachtigall. Rimſky=Korſakow: Lied des indiſchen Gaſtes
aus der Oper Sadko. Openſhaw: Liebe bringt Roſen. Perez=
Freire: Ay, Ay, Ay, Serenade. Naparawnik: Serenade aus
Don Juan Muſſorgſky: Hopak. Der Einſiedler. Luſtſviel
in einem Aufzug von Benno Jacobſon. Perſ.: Sanitätsrat Dr.
Schlomann; Berta, ſeine Frau; Dr. Siegfried Cornelius; Edith, ſeine
Frau; Ferdinand, Oberkellner; Anna, Zimmermädchen; Friedrich,
Hausknecht. Handlung: Im Hotel zum Einſiedler in einer kleinen
Stadt am Rhein. Cowler: Kokolores Fox. Lehar: Wienen
Lied. Trunk: Auf dem Maskenball. Kyber: Lups, eine
Spatzengeſchichte. May: Paſſen Sie mal auf! Drdla: Serenade.
Benatzky: Das Engelstelephon. Meyer=Helmund: Rokoko=
liebeslied
. Heitere Poeſie. Greer: Wo find’ ich das Glück?
Kumok: Siaida, Tango. Arnold: Kind, komm, küſ
Clutſam: Negerwiegenlied. Roſen: Am Neckar ſind die Mädels
blond. Fresco: Heut nacht. Padilla: Paris! Oneſtep.
Anſchl.: Nachrichten.
Berlin.
Sonntag 13. Mai. 9: Morgenfeier. Wer ſeine Mutter ehrt,
der ſammelt einen guten Schatz! Mitw.: Schulzke (Liturg)
Chor;der Gethſemanekirche, Leit.: Noth. Elſa Fleiſcher (Sopran
Doris Rackwitz (Rezit.). Anſprache des Pfarrers Magerſtädt, Berlin,
O 1I.30: Vormittagskonzert des Tonkünſtler=Orch. Potsdam. Leit.
Ailbout. Teike: Kameradentreue, Marſch. Lincke: Ouv. Im
Reiche des Indra. Boutail: Galante Abenteuer, Walzer.
Meyer=Helmund: Zauberlied. Yoſhitomo: Palma di Mallorca,
Delibes: Fant. aus Coppelia. Blon: Triumph der Schönheit,
Niel: In Sansſouci, dort, wo die alte Mühle ſteht.
Translateur: Hochzeitszug in Liliput. Ailbout: Greenly Island.
O 14: Kurzſchrift. O 14.30: Mitteilungen und praktiſche Winke
für den Landwirt. 14.55: Prof. Dr. Römer, Halle: Landwirt=
ſchaftlicher
Pflanzenbau. Getreidebau, 2. Teil. O 15.30: Funkheinzel=
manns
Großſtadtmärchen. O 17: Teemuſik der Kapelle Geza Komor.
O 19: Zoltan Glaß: Die Bildtelegraphie im Dienſte des Zeitungs=
weſens
. O 19.30: H. Siebert von Heiſter: Die diesjährige
Große Berliner Kunſtausſtellung. O 20: Dir. Cohn: Die B
deutung der Krankenverſicherung unter beſonderer Berückſichtigung
des Berliner Krankenkaſſenweſens. 20.30: Im Freien. Mitw.;
Johanna Hofer; Berliner Funkorch. Leit.: Seidler=Winkler.
Anſchl.: Tagesnachrichten. O 22.30: Tanzmuſik Kap. Hoffmam;
Deutſche Welle. Sonntag, 13. Mai. 9: Berlin: Morgenfeier,
Anſchl.: Glockengeläut des Doms. O 11.30: Berlin: Konzerk
des Potsdamer Tonkünſtler=Orch. Leit.: Ailbout. o 14.30: Mitt,
und praktiſche Winke für den Landwirt. O 14.55: Prof. Dr. Römer,
Halle: Landwirtſchaftlicher Pflanzenbau. Getreidebau. 15.30:
Funkheinzelmann. O 17: Berlin: Teemuſik der Kapelle Geza
Komor. O 18: C. Scheffler: Kunſtgeſchichte in Anekdoten. o I
E. bin Gorion: Die Weltſeele in der Volksdichtung. Das deutſ
Märchen. O 19.30: Fr. Mahlke: Der deutſche Muttertag, die
Mutter im Spiegel der Dichtung. O 20: Dir. Cohn: Die Bedeutung
der Krankenverſicherung unter beſonderer Berückſichtigung des Verl
Krankenkaſſenweſens. O 20.30: Berlin: Im Freien. Mitw.:
Hofer Berliner Funkorch. Dir.: Seidler=Winkler. Anſchl.: 47
nachrichten. O 22.30: Tanzmuſik.

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[ ][  ][ ]

D
P
K
Aa4sſpiegel 1i Bild und
DrA

13. Mai 1928

Illuſtrierte Wochenbeilage

Nummer 2o

Waaan
varnn

Bauchladen, Schuhputzkaſten und Seitung.

Wurſtverkäufer Nr. 19.
Von Gerhard Fink.
Nach dreimonatiger Stellungsloſigkeit in meinem Beruf
als Mechaniker leſe ich eines Morgens folgendes Inſerat:
Vertreter für prima Würſtchen geſucht.
Nach erfolgreicher Vorſtellung und Beſorgung eines Ge=
werbeſcheines
werde ich zum nächſten Cage zur. Arbeit er=
wartet
.
Morgens 7½ Uhr antreten zum Dienſt! Nin in die weiße
Kluft, Empfang der Würſtchen und Schrippen uſw. Der
Keſſel wird in Betrieb geſetzt. Die Würſtchen und Schrip=
pen
in die dazugehörigen Beutel getan, alles umgehangen,
und los geht’s in die eingeteilten Neviere. Ein Nevier um=
faßt
ein bis zwei Straßen. Bevor ich den Naum verlaſſe,
leſe ich die von der Sirma angemachten Plakate wie Ver=
geſſen
Sie nicht Spiritus, Celler, Senf und Sange! und
Achtet auf reine Hände und Singernägel!
Kaum habe ich die Straße betreten, höre ich Hallo,
hallo, Wurſtmaxe! Ein Paar Heiße!. Die Hantierung
und Bedienung geht ja noch langſam, aber das erſte Paar
Würſtchen iſt verkauft, oder wie man unter Händlern lagt:
Handgeld iſt gemacht.
Nun geht es von Büro zu Büro, von Arbeitsſtätte zu
Arbeitsſtätte. Man wird angeſtaunt wie ein Wundertier
oder auch gefoppt. Dies Creppauf und Creppab dauert nur

... und ich einen geſunden Bengel drin feſiſtellte.
einige Cage, bis man die Frühſtücks= und Mittagspauſei
der einzelnen Betriebe raus hat.
Nun iſt ſchon ein kleiner Kundenkreis geſichert. Komne
ich heute zu meinen Kunden, ſo heißt es ſchon Ach, da iſt ja
unſer Wurſtmaxe. Wo waren Sie denn geſtern?, d. h.
wenn ich die Pauſe am vorigen Cage nicht einhalten konnte.
Dam gibt’s die ewigen Nörgler, die immer etwas auszu=
letzen
haben an Qualität, Größe und Ausſehen der Wurſt.
Werde ich da neulich empfangen: Menſchenskind. Deine
Wurſt wird ja immer dünner und kürzer. Ich darauf: Sie

wollen wohl eine wie ein transatlantiſches Kabel? Dann
großes Gelächter und meine Poſition iſt wieder gefeſtigt.
Nun die Frauen und Mädchen, die Weichherzigen, die
ewig Mitleidigen. Betritt man den Naum, hört im Moment
das Klappern der Schreibmaſchinen auf. Die neueſten
Cagesereigniſſe werden ſchnell beſprochen, das Wohlbefinden
feſtgeſtellt, und dabei verläßt ein Paar Würſtchen nach dem
anderen meinen Keſſel. Manchmal fährt auch die Stimme
des Chefs dazwiſchen und treibt die Säumigen wieder an die
Arbeit. Und nun zum nächſten Kunden. Was iſt denn bier
los? Der Eirgang zum Haus bekränzt mit Girlanden, in
der Mitte eine goldene 50. Hier iſt’s richtigl denke ich.
Aber mit des Geſchickes Mächten . . . Auf dem Creppen=
abſatz
begegne ich dem Pförtner. Nee, Männeken, heute
iſt hier niſcht zu machen, ſagt er. Wir haben Jubiläum.
Ach, lage ich, dann darf ich doch wenigſtens gratulieren?
Nach vielen Einwendungen leinerleits und nachdem ich ihm
lecker eine Wurſt ſerviert habe, erlaubt er es gnädig. Ich
mache nun meine Neverenz bei den Herren Chefs, und meine
Ahnung hat mich nicht betrogen. Das Geſchäft blüht. Für
jeden Angeſtellten ein Paar Würſtchen auf Geſchäftskoſten!
Und bald bin ich ausverkauft.
Schuhputzen gefällig?
Den nachfolgenden Bericht eines als
Original bekannten Schuhputzers des Ber=
liner
Sentrums geben wir ablichtlich faſt
unverändert wieder.
Eigentlich iſt ein Cag aus meinem Leben gar nicht in=
tereſſant
, wenigſtens kommt er mir lelbſt nicht ſo vor. Na=
türlich
habe ich mir in den fünf Jahren, wo ich meinem
Handwerk nachgehe, ſchon eine gehörige Portion Menſchen=
kenntnis
beigelegt. Meine Frau bewundert mich immer
WGMAN

Eine beſondere Klaſſe iſt der mentwegte Naritätenſucher.
darum. Nee, Georg, du biſt doch zu klug! ſagt ſie regel-
mäßig
zu mir, wenn ſie mir mittags mein Beſperbrot bringt
und dann ein Weilchen neben mir ſtehen bleibt, um meine
Kundſchaft zu begutachten.
Morgens früh gehe ich ſchon um 7 Uhr von Haus weg,
denn um 8 Uhr kommt meine erſte Stammkundſchaft, die ich
im Abonnement bediene. Darunter ſind auch verſchiedene
Damen, und da wären wir gleich bei einem Kapitel unſerer
Cätigkeit, üder das man graue Haare kriegen könnte. Alſo
die Damen!. Was die immer zu meckern haben! Mal faßt
man zu derbe zu und dann beklagen ſie ſich wieder, daß man
den Mantel nicht genug in die Höhe zog und daß er nun
Wichsflecke bekäme. Als ob die Schuhputzmittel von heute
überhaupt noch etwas mit Wichſe zu tun hätten. Und dann
putzt man den Damen entweder zu ſchnell oder viel zu.
langſam. Richtig Platz zum Putzen hat man bei ihnen
überhaupt nicht, denn wo ſo ein ordentlicher Schuh beim
Mann anfängt, hört er bei den ſogenannten ſchönen Ge=
ſchlecht
ja bekanntlich ſchon wieder auf. Daher auch die
ewige Angſt von den Frauen, daß man mit den Schuhbürſten
in den Strümpfen hängen bleibt und das Seidengewebe zer=
reißt
. Nee, nee, ich ziehe mir die männliche Kundſchaft zehn=
mal
vor.
Sum Schluß will ich Ihnen noch ein Erlebnis erzählen,
das ich im Sommer hatte. Da kommt ſo eine junge Frau
mit einem Bündel zu mir, läßt ſich ein Paar ganz keſſe perl=
graue
Schuhe von mir putzen und bittet mich, ich ſoll mal
5 Minuten auf das Bündel aufpaſſen, weil ſie ſchnell noch
was beſorgen ginge.
Na, man iſt doch nun ſchließlich kein Unmenſch nicht, und
was lollte denn auch weiter dabei ſein? Aus den 5 Minu=
ten
wird eine Stunde, die Nieke kommt nicht zurück. Na,

ich hatte nun andauernd flott zu tun und wurde auf das
Bündel erſt wieder aufmerkſam, als es zu quarren begann
und mein Freund, der Schutzmann von der Ecke, einen ge=
ſunden
Bengel darin feſtſtellte.
Na, wer nicht wiederkam, war die Frau Mama, und ich
hatte ſo viel Scherereien und Laufereien von meiner Ge=
fälligkeit
, daß ich ein für allemal von ſowas die Neeſe pläng
habe, was mir wohl niemand übelnehmen kann.
Was der Seitungsverkäufer erzählt.
Ja Sie, Sie ſtellen ſich das ſehr einfach vor, wie alle
anderen auch. Sie denken: man ruft ſeine Seitung aus und
wenn einer kommt, iſt’s gut, und wenn er nicht kommt, bleibt
es dabei, denn ich kann nichts dagegen tua. Ich muß die
Dinge nehmen, wie ſie kommen . . . Aber das iſt es eben:
Ich hab es imer wieder erlebt, daß Leute glauben, mein
Beruf wäre mn mal der einfachſte auf der Welt. Schreien
kann ſchließlich jeder hat mir einmal einer geſagt.
Ich weiß nicht, ob das bei mir eine Art Einbildung iſt,
oder ob ſich das die mehr gebildeten Leute irgendwie er=
klären
können, aber ich behaupte, daß ich es den Suß=
gängern
anſehen kann, od ſie eine Seitung kaufen wollen
oder micht. Unſer Geſchäft zerfällt eben in wei zeitliche
Abſchnitte. Wenn der Seitungswagen kommt, dam waiten
auch viele aus dem Publikum ſchon auf die neuen Blätter,
es iſt ein gewiſſes Stammpublikum, das jeden Cag zur ſelden
Seit die friſche Zeitung holt. In dieſen Minuten genügt
es vielleicht, wem man die Seitung ausruft, das Stamm=
publikum
kommt dann von ſelbſt. In dieſer Seit geht es
wohl allen Verkäufern ganz gut. Aber am üdrigen Cage,
da ſind wir alle Gelegenheitsverkäufer.
Ich glaube nun jeder iſt ſich im Klaren, welche Sei-
tung
er kaufen will. Er wird nicht die andere nehmen, weil
ihr Verkäufer lauter den Namen ſchreit. Der Mann, der
eden über die Straße kommt, überlegt gerade, ob er eine
Seitung kaufen will . . . Sehen Sie ich bin vorgetreten
und habe ihm das Blatt gleich hingehalten. Er hat es ge=
nommen
, weil ich ihm entgegengekommen bin, weil er nicht
zu Ende überlegen mußte und weil ich ihm die Mühe er=.
ſparte, mich anzureden. Die Leute haben es fa alle ſo eilig.
Da hier das war nun wieder ſo ein Fall, den ich Ihnen
erklären kann. Sehr viele Leute wollen die Seitung in der
Bahn leſen. Sie denken ſich: es hat Seit, ich kann das Blatt
auf dem Bahnhof kaufen. Aber wenn ich ihm die Seitung
gleich hinhalte, dan denkt er: das trifft ſich ja gut und
nimmt ſie. Ich habe ihm Zeit und Ueberlegung erſpart.
Ich weiß, was Sie ſagen wollen: Ich kann doch die Seitung
nicht jedem Menſchen unter die Naſe halten. Das ſtimt
ich tue es ja auch gar nicht. Ich kann Ihnen beim beſten
Willen nicht erklären, welches Gefühl mir ſagt: dieſer Mann
will kaufen. Denn wenn ein Menſch darüber nachdenkt, ob
er eine Seitung nehmen ſoll oder nicht, dann macht er nicht
ſo ein nachdenkliches Geſicht, das auf 20 Meter auffällt. Es
ſind auch nicht etwa die gutgekleideten Menſchen allein, die
lich Seitungen kaufen. Alſo auch damach kann ich mich nicht
richten.
Der Eine kann dies, der Andere jenes. Ich kann eben
Seitungen verkaufen und war, unter uns geſagt, ganz gut!

[ ][  ][ ]

Sizilianiſcher Frühling.

Von Erich K. Schmidt.

Die meiſten Deutſchen, Oeſterreicher, Schwei=
zer
, die hier ſeit langem anſäſſig ſind, verteidigen,
lebhaft und eigenſinnig wie Lokalpatrioten, die
Anſicht, daß dieſer letzte ſizilianiſche Winter der
längſte, regenreichſte, ſonnenärmſte ſeit undenk-
lichen
Seiten geweſen ſei. Ich will ihren guten
Glauben, den nachzuprüfen ich nach einmaliger
Ueberwinterung auf der Sonneninſel noch keine
Gelegenheit habe, gar nicht in Sweifel ziehen;
aber ich muß doch verraten, daß Vereinzelte unter
ihnen, ganz im Vertrauen, zugeben, im vorigen
Winter ſei es genau ſo geweſen. Und alte Leute
behaupten, der ſizilianiſthe Winter ſei erſt in den
letzten zehn Jahren ſchlechter geworden. In jedem
Sall aber gehört die Anſicht, Sizilien habe eigent=
lich
gar keinen Winter, ins Reich der Legende,
wie ſo vieles über klimatiſche Verhältniſſe begün-
ſtigter
Landſtriche, das ſich als kliſcheehafte Sor=
mel
von Generation zu Generation vererbt.
Sizilien hat ſeinen Winter. Doch es mag ſein,
daß Nordländer, die ſich hier gehörig akklimati=
ſiert
, vor allem in den langen, heißen Sommer=
monaten
viel Wärme in ſich aufgeſpeichert haben,
ihn beſſer überſtehen als jemand, der zum erſten
Male den kalten Simmern mit dem eiſigen Stein=
fußboden
und dem winzigen Petroleumöfchen aus=
geliefert
iſt. Wenn aber ſoviel Regen fällt wie
diesmal im Januar und Sebruar, wenn man, in
mehrfacher Periode, die Häupter fernerer Berge
im Schneeglanz leuchten ſieht, dann ſcheint auch
der Wärmevorrat, weder den waſchechten noch
den Wahllizilianern zu helfen.
Um aber den Winter auf Sizilien nach Mög=
lichkeit
abzukürzen, hat die Verwaltung der königlichen Staatseiſenbahnen dem ſizilianiſchen
Frühling (der Primavera Siciliana) befohlen, bereits am 1. Februar einzuſetzen. Wenn
die berühmte ſiziljaniſche Frühlingswärme dieſer behördlichen Verfügung auch nicht prompt
folgte, ſo werden doch immerhin in der Seit vom 1. Februar bis zum 15. Juni Jahrpreis=
ermäßigungen
um 50 Prozent von ſämtlichen italieniſchen Stationen nach Palermo wie im
Innern von Sizilien wirkſam. Dieſe Einrichtung iſt nicht neu, ſie hat ſchon früher manchen
Reiſeluſtigen hergelockt, weil die Fahrpreiſe ja doch einen beträchtlichen Jaktor im Budget
darſtellen. Und dieſer Propaganda hat der Frühling ſchließlich nicht mehr ganz widerſtehen
können: er macht ſich nun pflichtgemäß deutlicher fühlbar. Die Cage werden länger, die Regen=
perioden
kürzer, die Sonne ſcheint auch in den Morgen= und Nachmittagsſtunden, und wenn ſie
im Senit ſteht, dann brennen ihre Strahlen erregend ſüdlich herab. Darauf warteten natürlich
voll Sehnſucht alle Hoteliers und
Penſionsinhaber, für die das ver=
gangene
Vierteljahr, i dem ihre
Simmer leerftanden (trotzdem die
Preife im vorigen Herbſt ſchon um
20 Prozent geſenkt wurden), mehr
noch bedeutet als für deutſche
Hotelbeſitzer, in deren Häuſern,
wenigſtens m den Berggegenden,
oft ſchon umittelbar nach den letz=
ten
Herbſtgäſten die erſten Wmter=
Npörtler emzichen.
Sizilien iſt als Inſel, auf die
viel emgeführt werden muß, noch
immer nicht billig, zumal die Stadt-
zölle
alle Waren unſinnig verteuern
(Sucker, Petrolemm und eie An=
zahl
ausländiſcher Jabrikate koſten
dreimal ſoviel als m Deutſchland).
Aber man kam m mmerhin für
den Preis von 10 bis 15 Mark
mit voller Verpflegung in beſſeren
Penſionen, für etwa 20 Mark in
renommierten Hotels leben; bei
Luxusbedürfniſſen muß natürlich
mit einem größeren Aufwand ge=
rechnet
werden.
Beginnt der ſizilianiſche Früh=
ling
alſo nicht ſo früh, wie der
Italienfremde glaubt, ſo fängt es
für Nordländer immer noch hin=
reißend
frühzeitig an, auf Sizilien
ſchön zu werden. In den Straßen

Palermos regt ſich das Leben heftiger und lauter
noch als in den vergangenen Monaten, obwohl
auch da die Hauptſtraßen tagsüber niemals leer
werden. Die Polizei ſucht jetzt den dichten Ver=
kehr
zu regeln, indem ſie überall Settel anbringen
ließ mit den Worten: Pedoni a sinistra‟, Suß=
gänger
nach links, aber die Sizilianer ſind
damit noch nicht ganz einverſtanden, und die
patroullierenden Beamten haben die (im übrigen
ſehr gutwilligen) Palermitaner immer wieder auf
die andere Seite zu ſchicken. Die jungen Männer,
enragierte Eckenſteher, ſind von den Straßen=
kreuzungen
nicht fortzubringen; namentlich bei
Quattro Canti, wo die Hauptſtraßen der Stadt
einander ſchneiden, kann man ſich kaum einen Weg
bahnen. An dieſen Ecken haben ſie die beſte Ge=
legenheit
, ebenſo wie bei den Korſofahrten den
eleganten, kurzröckigen Palermitanerinnen nach-
zuſchauen
, die an den endloſen Schaufenſterreihen
entlang ſtolzieren oder, graziös chauſſiert, in der
Carozzo lehnen. Das Pelzwerk, ſolange maleriſch
geſchlungen, verſchwindet allmählich von ihren
Schultern, die Mäntel flattern geöffnet, wie bei
unſeren Damen im Mai, und auch die Männer
beginnen, den treu über der Weſte getragenen
Pullover daheimzulaſſen.
In den alten und engen Straßen der Stadt,
auf den Diazzen, im Innern aber wandert das
interne Leben wieder nach außen, alle Gewerbe
klappern und hämmern, alle Hausfrauen verrich=
ten
, unter ſtarkem Stimmenaufwand, ihre Arbeit
vor der Cür, alle Kinder toben, alle Straßen=
händler
ſingen endlos die Schlußvokale ihrer viel=
fältigen
Produkte; die Maultiere brüllen, und die
zahlreichen Drehorgeln ſprudeln ihre luſtigen Con=
reihen
durch ſämtliche Gaſſen. Palärmol Die Konturen der nahen Berge, die die Stadi
von drei Seiten umrahmen, liegen wieder ſcharf und klar im Sonnenlicht tagelang waren ſi
vordem unſichtbar unter drängenden Wolken. Ein bläulicher Hauch ſchwebt über den ſchräger
Slanken der Höhen, und ihre Nänder ſind, beſonders am Abend, jaspishart in den roſigen Him
mel geſchnitten. Die Wegemauern des Monte Pelegrino, ſerpentinförmig in der Mitte de
Berges hängend, leuchten ſo nah, als könne man ſie im Fluge durcheilen, und dennoch dauer
es ſtundenlang, bis man zum Sipfel kommt.
Ueber den öſtlichen Straßen, die ſich dem Meer entgegenſenken, aber ſteht, bezaubernd bla
der Golf, wie ein ſenkrechter Streifen von Ultramarin. Wenn man dem Hafen näherkomm
dann ſieht man die Schlote auslär
diſcher Dampfer ragen, ande
ſtechen in See, und die Boote d
Fiſcher ſtehen, mit ihren dreieckig
Segeln, weißleuchtend draußen
Meer. Unzählige junge Burſch
ſpielen auf dem weiten Hafenpl=
ihre
alten lizilianiſchen Kugelſpie
Hinter der Stadt, zwiſch
hohen Bergzügen, dehnt ſich d.
fruchtbare Cal der Conca dor
ſchön wie ihr Name: Goldmuſch.
voll grüner Orangen= und Sitrone
plantagen; die Apfelſinen, zu
größten Ceil ſchon abgeerntet, häf
gen nur noch vereinzelt im dunkl
Laube, aber überall drängt de
Gelb der Sitronen aus dem Blat
werk hervor, und die grau
Olivenbäume wiegen ihre ſilbe
ſanften Sweige im Frühlingswind
Nur die ſpitzen Agaven und 4
ſtachligen Opuntien ſtehen ſtarr u.
reglos wie immer. Blumen in alle
Farben blühen in den Gründ
ebenſo wie an den Abhängen d
Berge.
Einen ſizilianiſchen Winter gi.
es wohl, das hat man geſpürt; do
er iſt, zum Glück, nur kurz, ur
wenn die Sonne erſt ſiegreich d
Negenwolken verdrängt, dann ver
gißt man ihn ſchnell. Nun, da de
Aa

Sum Muttertag.
Eine Geſchichte ohne Citel.
Von Frank Highman.
Ein armer verlaſſener Boy hat es nicht leicht, dachte
Bobby Kenſington, als er vor feuchterKälte zitternd am Broad=
wau
ſtand und ſein ſtereotypes shoestrings den eilenden Paſ=
ſanten
entgegenrief. Die naſſe unfreundliche Witterung brachte
es mit ſich, daß Bobbus Geſchäft an dieſem Cage durchaus paſſiv
war. Bei dieſem Wetter blieb keiner der Vorwärtshaſtenden
ſtehen, um ſeinen Bedarf an Schuhriemen bei dem kleinen fliegen=
den
Händler zu decken. Man hätte erſt umſtändlich den hoch=
geſchloſſenen
Mantel öffnen, dann in die Caſche greifen müſſen;
mittlerweile wäre der gebügelte Anzug naß geworden und die
Negentropfen hätten auf die geſtärkte Hemdbruſt geklatſcht. Und
ein Gentleman ohne glatte Hemdbruſt iſt doch eben kein Gent=
leman
. Wenn man derlei Kleinigkeiten braucht, geht man zum
Wannamaker. Dort bekommt man für fünf Cent nicht nur vier
tsdelloſe Schuhbänder fein ſäuberlich eingepackt, ſondern auch
noch ein vorzügliches Orcheſter, vierundvierzig Mann ſtark, zu
hören und der Anzug bleibt dabei trocken. Und was die Haupt=
lache
iſt, die Hemdbruſt iſt glatt, ſo wie es ſich für einen rich=
tigen
Gentleman ſchickt. Dies alles ſah Bobbu Kenſington durch
and durch ein, aber ein elternloſer Junge wil! doch ſchließlich
auch leben.
Wannamaker würde meine Konkurrenz ſogar ertragen,
wenn ich mir ebenfalls vierundvierzig Muſiker engagieren würde‟
brummte er, um gleich darauf ſein shoestrings! shoestrings!
in den Negen zu brüllen. Aber es war für dieſen Cag vergeblich.
Mit einem abgrundtiefen Seufzer machte ſich der kleine Schuh=
riemenhändler
auf den Heimweg.
Weit draußen in Coneu Ssland ſtand ein halbverfallenes
Bootshaus, vom Eigentümer längſt verlaſſen, dort hatte Bobby
einen Unterſchlupf gefunden, als er nach dem Ableben ſeiner
Mutter der Vater war drei Jahre vorher bei einem Fabrik=
brand
ums Leben gekommen die kleine Wohnung in der 324.
Straße verlaſſen mußte. Sew=York iſt ein hartes Pflaſter für

einen ſiebenjährigen Jungen, der ganz allein in der Welt ſteht
und ſättigendes Brot ein rarer Artikel für ein Kind, das die
kaufmänniſche Organiſation eines Wannamaker zum Konkurren=
ten
hat. In dieſer Nacht dachte Bobby ernſtlich daran, ſich auf
einen anderen Artikel zu werfen. Seitungskolportage mußte ein
äußerſt lukrativer Erwerbszweig ſein. Er hatte einmal einen
Jungen, der mit dem New York Herald lief, eine Speckwurſt
eſſen ſehen. Oh, eine fettpralle rote Speckwurſt, eine Symphonie
aus Fleiſch, Speck und einer roſig glänzenden Haut. Das Ge=
ſchäft
mußte ſeinen Mann nähren. Aber welche Nedaktion
würde ihn denn nehmen, wo ſie doch große, ſtarke, beinah er=
wachſene
Burſchen dutzendweis bekamen. Nein, mit der Speck=
wurſt
war es nichts!
Da ſollte ein gütiges Geſchick eine jähe Wendung in Bobby
Kenſingtons freudloſes Daſein bringen. Als er an einem der
nächſten Abende müde und heiſer geſchrien den Broadway
verließ, um ſeine Lagerſtatt in Coney Osland aufzuſuchen, hatte
er beim Smothing=iron eine Begegnung, welche für ſein fer=
neres
Leben ausſchlagebend werden ſollte. Smothing=iron heißt
Bügeleiſen und iſt der Spitzname für einen New=Yorker Wol=
kenkratzer
, deſſen Grundriß ganz die Form eines Plätkeiſens auf=
weiſt
und an der ſcharfen Ecke Fifth Avenue und Madiſon
Square ſteht. Boby ſchwenkte gerade um den ſpitz zulaufen=
den
Bug des Bügeleiſens in die Fifth Avenue ein, als er mit
großer Heftigkeit an einen Burſchen anſtieß, der aus der ent=
gegengeſetzten
Nichtung kam.
Hallo, biſt du blind, Knirps? rief der Burſche und wollte
weiter eilen.
Selber Hallo! gab Bobby wütend zurück, doch als er den
Jungen, der zwei oder drei Jahre älter ſein mochte als er, näher
ins Auge faßte, ſetzte er erſtaunt hinzu: Oh, Jimmu Snatch, du
biſt ja ein feiner Herr geworden, wie ich ſehe. Fährſt du nicht
mehr Milch aus?
Der Angeſprochene lächelte wohlwollend, ſah geſchmeichelt an
ſeinem hellgrauen Baſaranzug herunter und meinte verächtlich:
Milch ausfahren? Ich bin doch kein verblödeter Nigger,
der von frühmorgens bin in die ſpäte Nacht ſchuftet, um ſeinem
Boß den Beutel zu füllen! Der alte Leuteſchinder ſoll ſich ſeine

Milch ſelbſt ausfahren! Ich bin ſeit einer Woche ſeit eier
Woche bin ich . . . nun ja, bin ich Detektiv!
Bobbu riß Mund und Augen auf, dam ſtotterte er 29
furchtsvoll:
Was du nicht ſagſt, Jimmy! Vielleicht gar bei Pinkerton
Ach, wol. Was iſt Pinkerton! Pinkerton bezahlt ja ſein
Leute nicht viel beſſer wie Caglöhner. Ich bin bei einem Oen!
leman, der mir täglich zehn Dollar gibt und außerdem noch d.
Speſen bezahlt.
en! Da verdier
Gehn Dollar und Sp
du ja beinahe ſoviel wie Wannamaker! entſetzte ſich Bod=
Kenſington, um nach kurzer Weile zu fragen: Du Jimmy, 9.
iſt dem das eigentlich: Speſen?
Jimmy Snatch lachte verächtlich:
Du weißt nicht, was Speſen ſind? Speſen entſtehen, We.
du zum Beiſpiel in einem Caxi fährſt oder in eine Bar gehll 1
einige Sandwiches vertilgſt oder auch wenn du dir Eisſre
kaufſt. Das alles ſind Speſen, und die vergütet mir mein nel
Boß jeden Cag.
Sage, lieber Jimmu, brauchſt du brauchen Sie nicht eit
Diener, Miſter Snatch?
Hm, darüber ließe ſich eventnell reden! Erwarte mich me.
gen früh um ſieben Uhr hier an derſelben Stelle, dann werde
dir Beſcheid ſagen!
Allright! Ich werde ſchon um fünf Uhr hier ſein, 2ull
Snatch! Good night, Miſter Snatch!. Mit dieſen Wor
machte Bobby eine Verbeugung, wie er nur noch eine ein?ige
ſeinem Leben fertig gebracht hatte. Das war, als ihm nach
Code ſeiner Mutter der Neverend Brown ſanft über den Lock!
kopf geſtrichen und mit einer ſirupſüßen Stimme ermahnt 94.
immer und ſtets auf dem Pfade der Cugend zu wandeln, C.
wenn beſagter Pfad noch ſo dornenvoll ſein und das ferit
Leben noch ſo ſchwere Stunden bringen ſollte. Und das EE
eines armen, verlaſſenen Jungen iſt wahrlich nicht arm an irn.
Stunden, das hatte Bobby Kenſington ſeit jenem Augenblicke 1
räglich einigemal beſtätigt gefunden, und manchmal auch 9e
die kluge Vorausſicht des Neverend Brown bewundern mill

[ ][  ][ ]

Frühling ſich allgemach entfaltet, verſpürt man ſchon dankbar
den begnadenden Reiz dieſer Inſel, und man wünſcht ſich fort aus
dem Häuſergewirr der großen Stadt nach Coarmina, an die
Oſtküſte der Inſel, wo ſchon die Mandelbäume roſig erblühen,
während der nahe Aetna mit ſchneebedecktem Sipfel ſich kühn
m einen blauen Himmel reckt.

Hinter den Kuliſſen des Silms.
Die Betriebe der Ufa in Neu=Babelsberg bei Berlin.
Von Fritz Carl Roegels.
An der Bahnſtrecke BerlinPotsdam liegt 4½ Kilometer
vor Potsdam das Oertchen Neu=Babelsberg. Es iſt eine kleine
Villenkolonie, am Nande des Grunewalds, von der Havel und
dem Celtowerkanal begrenzt. Hier, an dieſem idylliſch=ruhigen
Sleckchen Erde hat die Ufa vor Jahren ein rieſiges Gebäude er=
woiben
und dieſen Beſitz in kurzer Seit in eine der modernſten
Silm=Atelier=Anlagen verwandelt. Die Anlagen der Ufa m
Babelsberg ſind vorbildlich und die größten auf dem Kontinent.
Sie werden nur durch die gewaltigen Geſamt=Anlagen der ameri=
Taniſchen Filminduſtrie in Hollywood übertroffea.
Die Geländegröße des Betriebes beträgt etwas über 300000
Quadratmeter, das iſt eine Bodenfläche, wie ſie eine mittel=
eutſche
Kleinſtadt von etwa 40005000 Einwohnern aufweiſt.
Die Abſicht bei der Emrichtung des Betriebes war, ein
WVerk zu ſchaffen, das in der Lage iſt, jeden Film und alle darauf
rotwendigen Bauten herzuſtellen, ohne von anderen Betrieben

Im verfallenen Bootshaus auf Coneu Island ſpiegelie der
jitige Craumgeiſt einem kleinen Jungen rieſige Platten mit
ppetitlichen Sandwiches und monſtröſe Gefäße voll buntfarbig=
er
, obſtduftenden Eiscreme vor. Und hinter all dieſen Herrlich=
eiten
ſtand das Zauberwort: Speſen!
Als um fünf Uhr morgens die Neger, welche die Neinigungs=
rbeiten
in den vielen hundert Büroräumlichkeiten des Smoo=
dingriron
beſorgten, in das Gebäude ſtrömten, ſtand am ſchar=
n
Bug des Bügeleiſens ein Boy und blickte mit großen hoff=
ungsfrohen
Kinderaugen abwechſelnd in die Nichtung Madiſon
quare, dann wieder die Fifth Avenue hinauf. Als um acht Uhr
e diverſen Clerks von dem Nieſenbau eingeſogen wurden, ſtand
er kleine Junge noch immer an der Ecke, furchſam wie ein Häs=
in
ſpähend. Madiſon Square hinunter, Fifth Avenue hinauf,
d immer dazwiſchen durch einen ängſtlichen Blick auf die Lurm=
Ir des Cimes Building werfend.
Endlich, endlich kam ein Burſche in einem hellgrauen Baſar=
rzug
dahergeſchlendert. Eine vehemente Verbeugung:
Good morning, Miſter Snatch!
Morning, Bobby, hier haſt du fünfzig Cents, hole dafür von
rt drüben türkiſche Sigaretten! Nachher gehen wir früh=
icken
!

Bobby Kenſington raſte wie aus einer Piſtole geſchoſſen über
2 Straße und verſchwand in einem Cabakladen. Er war ein=
chplatt
vor Hochachtung. Aicht nur, daß ſein neuer Boß, der
ch nur um zwei oder drei Jahre älter war als er, überhaupt
Lichte, nein, türkiſche Sigaretten mußten es ſein! Das klang
wie kaliforniſche Pflaumen oder franzöſiſche Schokolade.
ahrlich ein feiner Herr!. Und als er ihm ſpäter in der kleinen
Zihſtücksſtube gegenüber ſaß und das blaugraue Nauchgeringel
Frachten durfte, welches Jimmy Snatch mit diskreter Vor=
mheit
in die Luft blies, da fiel ihm ein Bild aus einer alten
Ɨtung ein, die er irgendwo einmal gefunden hatte. Darau
* ein junger Mann vor einem hohen, dunkeln Marmorkamin
ſehen, welcher verträumt in die Ferne ſah und dabei nuch=
1g eine Sigarette zwiſchen den ſchlanken, weißen Fingern hielt.
ker dem Bilde ſtanden drei Worte, ſeine Mutter hatte geſagt:

cbhängig zu ſein. Dieſer Grundgedanke iſt verwirklicht: von
der erſten Kurbeldrehung bis zur Fertigſtellung der Muſterkopie
wird alles im eigenen Betriebe innerhalb der Grenzen des Ba=
belsberger
Ufawerkes angefertigt. Die Seele jeder Aufnahme
iſt das Licht, welches weder bei Frei= noch Atelieraufnahmen
fehlen darf. Selbſt bei Aufnahmen im hellſten Sonnenlicht ſind
geringe Mengen künſtlichen Lichtes erforderlich. Um die hierzu
benötigten Strommengen für die etwa 1000 Scheinwerfer,
Streuer und ſonſtigen Beleuchtungsapparate, die der Betrieb
beſitzt, zu transformieren und in Gleichſtrom zu verwandeln, iſt
eine umfangreiche Maſchinenanlage notwendig. Der dem Be=
triebe
Neu=Babelsberg von dem benachbarten Eleſetrizitäts=
werk
Potsdam in Form von Hochſpannungsdrehſtrom von
10 000 Volt in 3 Kabeln zugeleitete Strom erfährt in den Crans=
formatoren
und Umformern des Betriebes eine Umwandlung in
2 mal 110 Volt Gleichſtrom. Die Aufnahmetechnik bedient ſich
vorwiegend und zwar mit etwa 90 Prozent Beleuchtungs=
apparate
, welche mit Gleichſtrom geſpeiſt werden. Daher be=
trägt
auch die zu den Aufnahmen notwendige Gleichſtrommenge
zurzeit 10000 Ampere Maſchinenleiſtung. Durch eine nach
den neueſten Erfahrungen der Cechnik ausgeſtattete Hoch= und

Niederſpannungsſchaltanlage und einem Erſatzkabelnetz von rie=
ſigen
Kupferquerſchnitten (6000 Quadratmeter) wird der Strom
nach den Verbrauchsſtellen geleitet, und zwar nach den Ateliers
und den Speiſepunkten für das Freiaufnahmegelände. Strah=
lenförmig
von dieſen Punkten aus gehen die oberirdiſch vorüber-
gehend
ausgelegten ſchweren flexiblen Kabel nach den Filmbauten
im Gelände, wo zwiſchen Holz= und Putzwänden die Scheinwerfer
mit ihren Vorſchaltwiderſtänden und Schalttafeln aufgeſtellt ſind.
Mit Vorliebe arbeitet der Operateur mit den Queckſilberlampen,
die ein ſehr weiches, gleichmäßiges Licht geben.
Der Betrieb verbraucht für die Aufnahmebeleuchtung täglich
2000 bis 3000 Kilowattſtunden, eine Menge, mit welcher ſich
etwa 150 Haushaltungen mittlerer Größe einen Monat lang mit
Strom verſehen können.
Nun iſt es nichts Außergewöhnliches, daß bei mehreren Auf=
nahmen
, es arbeiten zeitweilig 5 bis 6 Negiſſeure zu gleicher Seit,
die vorhandene Stromenergie von 1000 Ampére bei 110 Volt
nicht ausreicht. In einem ſolchen Fall wird die Strommenge
durch Drehſtrom und durch die vorhandenen 10 Lichtmaſchinen
vergrößert. Dieſe Lichtmaſchinen ſind teilweiſe ſelbſtfahrbare
Wagen, auf denen ein Benzinmotor ſkeht, der mit einem Gleich=
ſtromgenerator
gekoppelt iſt. Die größte liefert 2 mal 500 Amp.
Strom und beſteht aus einem Kraftwagen mit Anhänger.
Bis vor einiger Heit war der Betrieb in Babelsberg vor=
wiegend
auf Außenaufnahmen eingeſtellt wurden doch Bauten
bis zu 25 m Höhe errichtet. Das hatte natürlich den Nachteil, daß
man bei den Aufnahmen auf ſchönes Wetter angewieſen war,
und oft genug hat der Wettergott die mühſam aufgeſtellten Kal=
kulationen
und Dispoſitionen über den Haufen geworfen. Um
Junger ſchottiſcher Edelmann hieße das. Genau ſo ſah nun
Jimmy Snatch aus. Ueberhaupt wünſchte Bobby augenblicklich
tichts ſehnlicher, als daß ſeine liebe, gute Mutter ihn nun in
dieſer feinen Frühſtücksſtube hätte ſehen können. Neverend
Brown hatte zwar damals geſagt, Bobby werde ſeie Mutter
beſtimmt einmal wiederſehen, aber er hatte nur wenig Hoffnung
daß ſie gerade jetzt, im ſchönſten Momente ſeines bisherigen aum=
ſeligen
Lobens, vorbeikommen werde.

Extraausgabel Extraausgave!
brüllten die Seitungsbous, indem ſie die noch druckfeuchten Blät=
ter
in der Luft ſchwenkten und über den Aſphalt raſten.
Der Inhalt der Extraausgabe war folgender:
Attentat auf Wannamaker!
Der Warenhauskönig unverletzt! Ein kleiner Shoeſtrmgbor
rettet das Leben des Sinanzmannes!
Als heute früh der Chef der bekannten, über die ganze Union
verbreiteten Warenhäuſer Wannamaker, John D. Wanna=
maker
, ſein Palais in der Fifth Avenue verließ, um ſich in ſein
Citybüro zu begeben, explodierte zirka zwanzig Schritte von
ſeinem Auto entfernt eine Höllenmaſchine. Der Wagen wurde
leicht beſchädigt, Wannamaker ſelbſt blieb unverletzt. Die ſofort
eingeleitete Unterſuchung durch die Polizei ergab folgenden Cat=
beſtand
:
Eine Gruppe Anarchiſten, welcher auch die verſchiedenen An=
ſchläge
auf Banken, Bankgewaltige und bekannte Induſtrielle
der letzten Monate zur Laſt gelegt werden, erkundſchaftete durch
einen halbwüchſigen Jungen, Jimmy Snatch, die Lebensgewohn=
heiten
Wannamakers, um die günſtigſte Gelegenheit für einen
Anſchlag auf das Leben Wannamaker zu ermitteln. Snatch
prahlte damit einem kleinen Schuhriemenboy gegenüber; Bobby
Kenſington iſt der Name dieſes Brapen, der im letzten Moment
die Bombe von der Straße weg, in einen Garten warf, wo
auch explodierte. Bobby Kenſington wurde durch einen Splitte
leicht am Oberarm verletzt. Weitere Nachrichken ulw. uſw.

auch hier unabhängig disponieren zu können, iſt jetzt ein
Rieſen=Atelier errichtet worden, deſſen Ausmaße ſogar
für Amerika etwas Nichtdageweſenes darſtellen. Mit ſeinen
100 000 Kubikmetern Naummhalt ſteht er von allen Silm=
Ateliers der Welt an erſter Stelle. Hier können ſelbſt die größ=
ten
Bauten hergeſtellt werden und dann kann auch das ſchlechteſte
Wetter die getroffenen Dispoſitionen nicht mehr ſtören.
Wie ſchon am Anfange erwähnt, wird alles im eigenen Be=
triebe
hergeſtellt. So kommt es, daß ca. 50 Berufskategorien
auf dem Gelände tätig ſind. Neben den Negiſſeuren, Darſtellern,
Komparſen, Beleuchtern, Bühnenarbeitern uſw. ſind ſämtliche
Handwerkergruppen vertreten, da eine eigene Ciſchlerei, Sim=
merei
, Gipſerei, Modellieranſtalt, Schloſſerei, Schmiede, Fein=
mechaniker
=Werkſtatt, Entwicklungs= und Kopieranſtalt, ein
eigenes Holzlager und Schneideratelier, eine Seuerwehr=Wache,
Druckerei, ein eigenes photographiſches Atelier, eine Capezier=
werkſtatt
, Stellmacherei und vieles andere vorhanden iſt. Weiter
findet der Beſucher einen regelrechten Cierpark mit Faſanen,
Katzen, Rehen, Wildſchweinen, Affen, verſchiedenen klemen
Raubtieren, Negern und allerhand anderen Swei= und Vier=
füßlern
.
Viele der Nieſenbauten aus älteren Silmen ſtehen noch auf
dem Gelände, um zu gegebener Seit wieder einmal verwandt zu
werden. Zum Beiſpiel wurde die große Verkehrsſtraße aus dem
Film Der letzte Mann in 14 anderen Filmen wieder gebraucht,
natürlich jedesmal in einem neuen Gewande. Hier wird ein
Giebel angeſetzt, dort eine Front geändert uſw., ſo daß ein ganz
neues Bild erſcheint. Wo vor 10 Cagen z. B. em großes
Cheater ſtand, ſteht heute ein rieſiger Hoteleingang. Durch reſt=
loſe
Ausnutzung alles vorhandenen Materials werden der Ver=
brauch
von Material und die Koſten der Aufnahme auf das
äußerſte beſchränkt. Nechnet man nun neben dem immerhin lehr
großen Materialverbrauch weiter noch die gewaltige Menge
Kohle, die erforderlich iſt, um die jährliche Strommenge von rund
1000 000 Kilowattſtunden zu erzeugen, ſo muß man ſagen, daß
dieſer Betrieb mit zu den größten Filmwerkſtätten gerechnet
werden darf.
Ein beſonderes Kapitel ſtellt im Betriebe Babelsberg die
Biologiſche Station der Kulturabteilung dar. Dieſe Abteilung
beſitzt ein beſonderes kleines Atelier, in deſſen anſchließenden
Näumen ſich Aquarien und Cerrarien mit allen möglichen Cier=
chen
, Siſchen, Amphibien und Inſekten befinden. In langwieri=
ger
Kleinarbeit werden hier die kleien wiſſenſchaftlichen Silme
hergeſtellt, die für die Belehrung und für den Anſchauungsunter=
richt
in Schulen beſtimmt ſind.
So ſieht man, daß hier draußen vor den Coren Berlins nicht
allein Arbeit geleiſtet wird, die auf Unterhaltung und Hebung des
künſtleriſchen Niveaus eingeſtellt iſt, ſondern daß auch für die
Allgemeinbildung der großen Maſſe und für den Wiſſenſchaftler
Werte geſchaffen werden.

In einem lichten, großen Simmer des Wannamakerſchen
Dalais in der Jifth Avenue lag auf einem koſtbaren perſiſchen
Ruhebett ein kleiner Junge, deſſen linker Arm dick bandagiert
war, und ſah mit großen ungläubigen Kinderaugen auf alle
Pracht rings um ihn her. Vor ihm ſtand ein junger vornehmer
Herr, es war der Privatſekretär Wanamakers, und ſagte:
Alſo Bobby, in drei Minuten kommt Miſter Wanamaker
und wird ſich bei dir für deine Heldentat bedanken. Wahrſchein=
lich
wird er dich fragen, ob du irgend einen Wunſch haſt. Was
wirſt du dir denn da wünſchen?
Bobby dachte eine kurze Weile nach, dann ſagte er zögernd:
Glauben Sie, daß Wanamaker, wenn ich ihn bitte . . .
glauben Sie, daß er die . . . ſeine Schuhbänderabteilung auf=
löſt
?
Der Sekretär ſchüttelte ſich vor Lachen:
Aber Bobby, das iſt doch kein vernünftiger Wunſch. Du
wirſt doch nicht weiter mit Schuhriemen hauſieren, wenn du einem
Wanamaker das Leben gerettet haſt. Du kannſt dir etwas ganz
Großes wählen, glaube mir, Miſter Wanamaker kann dir alles,
alles erfüllen, was du nur begehrſt!
Al . . . les??
Ja, alles, mu boy! Nun auf Wiederſehen!
Und als gleich darauf der Finanzmagnat vor dem Lager ſeines
Retters ſtand, flüſterte der Kleine:
Lieber, guter Miſter Wanamaker, der Herr, der ſoeben
fortging, ſagte, daß Sie alles könnten und mir jeden Wunſch
erfüllen werden ..
Nun und was wünſchſt du denn, mein Junge?
Geben Sie mir . . . meine Mutter wieder!
Der harte, abgebrühte Buſinesmann wandte ſich ab. Und
als in dieſem Augenblick ſein Sekretär eintreken wollte, rief er
ihm mit einer Stimme, die aus einem vertrockneten Kehlkopf zu
kommen ſchien, zu:
Warten Sie draußen, Sirder, ich komme bald!
Ein Mann, der über achtzigtauſend Angeſtellte gebietet und
den amerikaniſchen Geldmarkt entſcheidend beeinflußt, darf auch
ſeinen Privatſekretär keine Cränen ſehen laſſen .. !

[ ][  ][ ]

Eine Reparaturwerkſtatt undihr Inhalt.
Jedes Mädchen und jeder Junge müßten eine Neparatur=
werkſtatt
haben. Büchor und andere Beſitztümer werden oft
zerriſſen oder ſind nicht in Ordnung und ſollken eiligſt ausgebeſſert
werden. Dies kannſt du in einer ruhigen, geſchäftsmäßigen Art
machen, wenn deine Werkſtatt fertig und geöffnet iſt. Du kannſt
deine Werkſtatt in einer Kommodonſchieblade oder in einer Ecke
des Kellers oder in einem Kaſten, der in einem bequemen Winkel
ſteht, haben. Es iſt ſowieſo beſſer, dein Werkzeug und deine
Sachen in einem oder mehreren Käſtchen aufzubewahren, ſo daß
ſie immer ordentlich und gebrauchsfertig ſind. Du wirſt wahr=
ſcheinlich
zuerſt an die größeren Werkzeuge, wie Hammer und
Säge, denken oder aber du brauchſt dieſe lange nicht lo oft, als
die kleinen Sachen, die man oft nicht jinden kann, wenn man ſie
nötig hat.
Fange deine Werkſtatt mit dem an, was du gerade da haſt,
und verſuche jede Woche etwas hinzuzufügen. Du drauchſt zuerſt
Klebſtoff und eine Schere. Du brauchſt eine Nolle Bindjaden
und etwas ſtarke Schnur hebe auch alle farbigen Bindfaden und
Bänder, die ins Haus kommen, auf, denn dieſe kann man zu
Büchelchen, Päckchen, zur Verzierung und zu vielen Nepara=
tren
gebrauchen. Beſorge dir einen Vorrat an Gummiringen
in verſchiedenen Größen; halte dir ein Käſtchen mit kleinen
Nägeln und Meſſingnägelchen und einigen Neißſtiften. Du wirſt
emn Pächchen Nähnadela in verſchiedenen Größen und feineren
oder ſtärſteren Zwirn nötig haben. Die Buben brauchen dieſes
ebenſo wie die Mädchen, weil oft ein zerbrochenes Spielzeug oder
Buch genau ſo gut wie die zerbrochene Puppe mit ſtarkem Zwirn
geflickt werden kann. Eine Nolle Klebſtreifen (ungefähr 3 Genti=
meter
breit) iſt ſehr nützlich für Veparaturen von Büchern,
Spieljachen, und ſie kann übermalt oder mit Kreide gefärbt wer=
den
in genau denjelben Farben, wie die Sachen, wofür du es
drauchſt.
Mit ſolch einer modernen Neparaturwerkſtatt wirſt du keine
Entſchuldigung für gebogene oder abgenutzte Sachen haben, und
wahrſcheinlich werden deine Spielkameraden in deine Werkſtatt
kommen, um arbeiten zu laſſen, und du wirſt vollauf deſchäftigt
ſein.
Freundſchaft mit den Vögeln ſchließen.
Sich mit den Vögeln anzufreunden, verlangt viel Geduld und
Freundlichkeit. Die Vögel ſehen i dem Menſchen ihren natir=
lichen
Feind. Dies iſt nicht zu verwudern, wenn wir uns über=
legen
, wie Männer und Knaben ſie als rechtliche Zielſcheibe für
ihre Gewehre betrachtet haben. Daher, um die Vögel kennen geſtattet ſein. Vorherrſchen werden dunkle, ſchwere Möbel.
zu lornen, müſſen wir ein mitfühlendes Verſtändnis für ihre Ge=
wohnheiten
haben.
traen zu erwocken. Dieſes hann durch das Futter oder durch
das Verſehen anderer Bodürfniſſe gemacht werden; bietet aber
dem Vogel kein Korn oder Krümel zu einer Seit an, zu der er
Würmer oder Inſekten ohne menſchliche Hilfe bekommen kamn.
Man kann nicht vorſichtig genug ſein, wenn man ſich einem
jede ſchnelle Bewegung als ein Alarmzeichen an. Sein Wahr=
nehmungsſinn
iſt lohr ſcharf. Man ſollte lich nie dem Vogel in
einer geraden Linie nähern, noch ihn direkt anlehen. Man kann
viel näher darankommen, wemn man einen Sickzackweg macht.
geſtellt werden. Eine Art, um dieſes fertigzubringen, iſt, irgend= auf dramatiſche Höhepunkte eingeſtelt ſind.
wo hinzuſehen oder einige Schritte zurückzugehen. Beſonders
die Wintermonate bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit, in ruhigere Farben gekleidet. Ihrem Weſen entſpricht das vor=
um
eine nche Bekamtſchaft mit den Vögelchen zu machenz denn nehm lachliche Marineblau, das harbe Schwarz oder die gelb=
das
Futter iſt dann ſpärlich und der Hunger macht ſie vortrau= weiße Elfenbeintönung. Man ſtellt ſie ſich vor im tadellolen
ensvoller. Ein dequemer Futterplatz lollte hergeſtellt werden,
weil die Vögel immer nach Nahrung ausſchauen. Mit Geduld,
aus der Hand freſſen. Es iſt etwas Wunderbares, ſich mit don teagomns, die Kleider, die ſie zu Hauſe trägt, werden immer dieſe
winnen, lockt das Beſte aus den Menſchen hervor, dem es vor= Verkörperinnen des Andersartigen, und die Lila Oris, am mei=
langt
Samfthett, Mitgefühl und Geduld.
Aus dem Chriſtian Science Monitor.
Sarbe und Perſönlichkeit.
Von Minni Vrieslander.
Es beſteht eine enge Verbindung, eine Wechſelwirkung zwi=
ſchen
uns und der Farbe. Sie iſt in beſonderem Maße Weſens=
ausdruck
. Nie war die Vielſeitigkeit der Farbenſkala lo groß
wie in unſerer Seit, in der die Sehnlucht nach Helligkeit und
Freude ſich überall fühlbar macht. Dieſe merkwürdig feinen
Zwiſchenfarben, die heute modern ſind, kannte man früher kaum.
Man beſchränkte ſich auf die Grundfarben in der Kleidung und
im Heim. Alles war auf die dunkleren Cöne abgeſtimmt. Und
doch vermag nichts in ſo hohem Grade Lebensluſt und Heiterkeit
auszuſtrahlen wie die Farbe. Die Orientalen und Südländer,
Frauen dieſer Naſſen paßte das Not, das kraſſe Grün, die Bunt= war es noch nicht gekommen. Er hatte den Prozeß noch um=
heit
war immer Ausdruck ihrer Daſeinsfreude. Wenn ſich ſolch gehen können, aber nur auf dem Wege durch ein ſcheußliches
ein Mädchen den glühendroten Schal um das ſchwarze Haar win= kaudiniſches Joch.
det, ſo hat ſie eine ätſthetiſche Wirkung erreicht, die ihr manche

Endſpielſtudie 27.
Nummer 258
Franz Sackmann (Kaiſerslautern).
(Deutſche Schachblätter 1910.)

lammenſtellung nicht nachmachen kann. Der Impuls ſiegt immer.
Spiegel ihres Weſens. Die lebensſcheue, unverſtandene Frau
bevorzugt meiſt die lubtilen Paſtelltöne, Süßlila, blaßblau. Alle
ausgeſprochen betonten Farben empfindet ſie wie die Härte der
Diſſonanz, wie eine Indiskretion, die beleidigend, geräuſchvol
eindringt in ihre ſtille Verſchloſſenheit. Die ſentimentale, etwas

lebensſchwache Frau, die unter der Gegenſätzlichkeit ihrer Gefühle
leidet, kleidet ſich in Weiß, je nach dem Stande ihres Stimmungs=
barometers
. Ihr Heim wird auch nicht farbig leuchtend aus=
Die unkomplizierte, körperlich voll entwickelte, heitere Frau liebt
lachsrofa und lichtblau, das heute bleu=madonne heißt und dem
Der erſte Schritt Mt, ihre Furcht zu überwinden und ihr Ver= Frühlingshimmel gleicht. Das köſtliche Blau, das an die Madon=
nengowänder
erinnert, wie lie die alten Meiſter malten, im wun=
derſamen
Gegenſatz zu dem reichen, goldblonden Haar. Dieſer
Frauentup iſt in leinem Denken durchaus poſitiv. Darum wird
auch ſeine Umgebung hell und freudig ſein.
Die Frauen der Senſationen, die Abenteuerhungrigen, die
Bogel nähert. Er iſt ein äußerſt ompfindliches Geſchöpf, und ſieht leidenſchaftlich dem großen Erlebnis entgegenſtürmen, werden
ihre Kleidung auf giftgrin abſtimmen; weil ſie für das ſportlich
neutrale Cageskleid nicht angebracht iſt, deſchränßen ſie ihre
Lieblingsfarbe auf das bezaubornde Abendkleid. Dazu der grüne
Jaſpis=Stein. Grün iſt die Farbe der Zauberer, ſagt Sweden=
Wem der Vogel mit Singen aufhört, dann iſt es Heit, einen borg. Und damit meinte er wohl gerade diele Nuance. Auch
Augendlick ſtille zu halten. Das Vertrauen muß wieder her= karminrot entſpricht dem Weſen der Abenteurerinnen, die immer
Die kluge, kühl beherrſchte, ſebſtbewußte Frau ſieht man meiſt
tailor-made.
Die überſchlanke, nervös ſubtile Künſtlerin mit geſteigertem
Freundlichkeit und Cakt werden die Vögel bald ſo zahm, daß ſie Seglenleben zeigt ſich in Fliederfarbe oder in nilgrün. Ihre
Vögeln anmfreunden. Das Beſtreben, ihr Vertrauen zu ger Jarbe haben, ſo wie ſie ſeltenon märchenhaften Orchideen als
ſten liebt.
Die Frau i den mittleren Jahren wählt Ockerbraun, zu=
weilen
auch Biſchofslila, die Farbe des Myſtiſchen.
Der alten Dame iſt das vornehme Silbergrau beſtimmt, es iſt
viel lebensfroher als das illuſionsloſe Schwarz. So ſehr auch die
Mode wechſelt, bald dieſe, bald jene Farbe krönt, ihrer auser=
ſorenen
Nuance bleibt jede Frau treu, wenn ſie auch noch ſo
ſtreng die Gebote der Modegöttin befolgt. An dieſer ganz in=
timen
Nuance könnt ihr ſie erkennen. Das Exempel iſt wohl
nicht ganz ſo einfach wie eine Additionsaufgabe, aber mit etwas

Scharfblick und ſicherem Inſtimnkt iſt das Vätſel doch zu löſen.
Die Abbitte.

Von Peter Nobinſon.
Beinahe hätte Krenkel ſich einen unangenehmen Prozeß zu=
die
unter der heißen Sonne aufwachlen und dem tiefblauen Him= gezogen wegen übler Nachrede oder Verleumdung, oder wie es
mel, liebten von jeher die ſtarken Farben. Zu den glutäugigen ſonſt hätte genannt werden müſſen zur juriſtiſchen Oefinition

Eine demütigende Niederlage hatte er erlitten, und deshalb
Prüfſtellung: Beiß: Ka8 8b3 c3 Ba6 d6 h5 (0;
Schwarz: Eh8 Te8 111 g1 (4); B. gew.
Löſung der Endſpielſtudie 26.
F. J. Prokop. 4. Preis, Sachmatnt Liſtok 1925. (Ka6 Tg7 Lf2: Kd8 Lf6
g2 Bd3 g4: ſchlicht.) 1. Lf2h41 Lf6Xh4 2. Tc 74g4 Uh4121 3. 794½g9
(3d2 4. Tg2g5l 4241 D 5. Tg5db.4D91405 patt: ober 2..
Lg2113. Tg4Xh4 dZd2F 4. Kaßa5ld2d1 05. Th4d4t Dd1sd4patt.
Durch die Wiederholung identiſcher Pattführungen iſt der Echo=
gedanke
vom Problem auf das Endſpiel übertragen.
Löſerliſte: Reutzel, A. b. S., Georg Peter; Leo Schott imn
Pfaffen=Beerfurth.

ätſe

Hafee= AN EN En EN FE RI RI ZI zI

WiN R e

rechten und ſenkrechten Reihen gleichlautende Wörter. Carl Deubel.
Streichholz=Rätſel.

1

Durch Umlegung der 13 fetten Hölzchen bilde man aus Schwefel
ein modernes Verkehrsmittel.
Carl Deubel.

mtelllgent derechnende Dame mit der ausgekſügetten Sordenz= erfüillten In Wut, Sorn, Groll, Boß es gibt gar nicht ges
nug Worte dafür, kurzum: eine ſowohl quantitativ wie auch
Die Farbe, die eine Frau zu lich gehörig empfindet, iſt der qualitativ ganz außerordentlicze Aüiſchung ſolcher Vegungen be=
leelte
ihn gegen Benno Hahn.
Denn Benno Hahn war der Sieger geweſen; er hatte ihm
triumphierend gedemütigt, und Krenkel hatte wie der bekannts
begoſſene Pudel daſtehen müſſen. Kein Knirſchen mit den künſt=
lichen
Sähnen, kein heimliches Händeballen hatte ihm genützt.
Krenkel hatte ob aus leichtſinniger Schwatzhaftigkeit oden
Gemeinheit, das braucht hier nicht unterſucht zu werden einige
Aeußerungen getan, die geeignet waren, Benno Hahn in der
Achtung ſeiner Mitbürger herabzuſetzen. Da Benno Hahn aus
allgemeinen, beſonders aber auch aus geſchäftlichen Gründen an
dieſer Achtung gelegen war, hatte er mit Hilfe eines Nechts=
anwalts
eine Attacke gegen Krenkel geritten.
Und weil nun Krenkel die Wahrheit ſeiner Behauptungen
nicht im geringſten nachweiſen konnte, hatte er darüber mußte
er noch froh ſein in den ſchmerzhaften Vergleich willigen
müſſen. Er hatte für fünfzig Mark ſtädtiſche Suppenbillets kau=
fen
und ſie dem Gegner aushändigen müſſen, der nun, wie Kren=
kel
ſich ſchaudernd vorſtellte, die nächſten Wochen mit der Aiene
des Menſchenfreundes und Wohltäters umherwandeln und an
den Ecken den Bettlern großartig ſolche Verpflegungs= Anteil=
ſcheine
in ausgeſtreckte Hände drücken konnte.
Außerdem aber hatte Krenkel im Cäglichen Morgenbotent
dieſe Anzeige erſcheinen laſſen müſſen:
Erklärung.
Die von mir über Herrn Benno Hahn gemachten Behaup=
tungen
ſind unwahr. Ich nehme ſie mit Bedauern und der
Bitte um Entſchuldigung zurück und erkläre Herrn Hahn für
einen Ehrenmann.
Albert Krenkel.
Groß und fett ſtanden nun dieſe Seilen im Cäglichen Mor=
genboten
. Alle Leute in der Stadt oder doch jehr viele konnten
ſie leſen und ihre Freude daran haben, wohl weniger, weil da
jemand für einen Ehrenmann erklärt wurde, als weil ein anderen
hatte zu Kreuze kriechen müſſen.
Krenkel ſchmeckte an dieſem Morgen das Grühſtück gar nichtz
er war, wie geſagt, zu ſehr von Horn, Groll uſw. erfüllt.
Dieſer Sorn, Groll uſw. waren zunächſt ohnmächtig. Allmäh=
lich
aber ſchwand die Ohnmacht, verſcheucht durch einen ganz
hübſchen Einfall. Am nächſten Cage Krenkel lein Frühſtück
ſchon wieder mit Appetit, und am zweiten Morgen nach ſeiner
Abbitte ſchmeckte es ihm wie noch nie.
Gerade war er damit fertig und hatte ſich eine Sigarre a=
geſteckt
, als gewaltig an ſeiner Cür geklingelt wurde: Bemo
Hahn kam an mit zwei Freunden, die ihm als Seugen dienen
ſollten. Benno Hahn zeigte ein wütendes, die Freunde entrüſtete
Gelichter, ein Untorſchied, der durchaus der Verſchiedenheit der
Intereſſen entſprach.
Benno Hahn hielt Krenkel eine Seitung vor die Nale, den
eben erſchienenen Cäglichen Morgenboten. Er fauchte: Alſo,
da hört doch alles aufl. Bin ich Ihnen darum in der liebens=
würdigſten
Weiſe mit einem Vergleich entgegengekommen? Wie
können Sie ſich herausnehmen, dieſe Anzeige loszulaſſen?
Und mit überſchnappender Stimme las Benno Hahn vor:
Erklärung.
Die geſtern erſchienene, angeblich von mir herrührende An=
zeige
iſt ohne mein Wiſſen erfolgt und entſpricht nicht den Cat=
ſachen
.
Albert Krenkel.
Ja, viel größer und fetter noch als die dem Herrn Benno
Hahn ausgeſtellte Ehrenerklärung ſtanden dieſe Seilen m Cäg=
lichen
Morgenboten, und es war zu begreifen, daß Hahn ſich
ſchändlich ärgerte.
Krenkel aber blieb ganz gelaſſen. Ja, was wollen Sie
eigentlich? Da ſteht doch ausdrücklich: geſtern erſchienene An=
zeige
. Die Erklärung, die Sie beanſprucht haben, iſt aber ſchon
vorgeſtern erſchienen. Wo iſt da ein Suſammenhang? Weshab
regen Sie lich auf?
Benno Hahn lachte höhniſch, leine Freunde lächelten ironiſch.
Das iſt eine dumme Ausrede. Ob geſtern oder vorgeſtern
darauf achtet doch kein Menſch, daran denkt ja niemand. Das
iſt ein hinterliſtiges Manöver von Ihnen, das iſt eine Gemein=
heit
. Jeder, der das heute lieſt, ſagt ſich natürlich
Krenkel unterbrach Benno Hahn. Bitte, reden Sie nicht
von Gemeinheit. Sie ſind hier in meiner Wohnung. Meine
Herren er wandte lich an Hahns Freunde wollen Sie ſich
gefälligſt anſehen, was geſtern beachten Sie: geſtern in der
Seitung geſtanden hat!
Damit breitete er den Cäglichen Aorgenboten vom vorigen
Cage vor ihnen aus. Aber er mußte die beiden Herren beinahe
mit den Naſen darauf ſtoßen, denn ganz winzig, ganz verſteckt,
verdorgen wie ein Veilchen, ſtand da unter den vermiſchten An=
zeigen
:
Fette junge Hunde verſchenkt Albert Krenkel.
Sehen Sie, meine Herren: da hat ſich irgend jemand einen
dummen Witz mit mir erlaubt. Was meinen Sie, wie viele Leute
geſtern gekommen ſind und fette junge Hunde von mir gewolt
haben!:. Dagegen, mußte ich mich doch wehren, das war doch mein
gutes Necht. Krenkel ſprach das mit den Cönen des Bieder=
mannes
.
Aber Benno Hahn wollte nicht an den Biedermann glauben.
Er ſagte, er würde gleich zu ſeinem Nechtsanwalt gehen, und
das wird er auch wohl getan haben. Was nun aus der Sache
werden wird das muß man erſt einmal abwarten.
Anflöſung der Rätſel ans Nr. 19:
Schachbretträtſel.

ſEI 77 RT TEN aI II 1SI a, 18 E 4 Fa NI 10 I9 E IS IEI. 101 U 77h. 18 UEl. Tu UN 6 fof 8I FI IEI 8 Tal Iof. IE E Hei. U EEI FII. (e RR 1 Al. 10 EI. 175 8l. 4 UT7

Zerleg=Aufgabe.

Magiſches Quadrat.
B 1BER
RBNB
BBUGE
ENGBL
RBRLI

Druck u. Verlag: 2. C. Witich ſche Hofbuchdtuckersi, Rheinſtr. B. Verantwortlich f. d. Redaktion: D. 6. Nette. Fernſpr. 1. 289392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. Kliſchees: F Haußmann, alle in Darmſtat.

ſaner
achdung
nan
IM
No m
eichene Le
ins gar
wann die
* ich!

[ ][  ][ ]

Alſo ich hab im allgemeine dorchaus nix degääche eizuwenne,
wann ſich aaner, der wo e bische äbbes is, un e bische äbbes
vorſtellt, wann ſich der aach dodruff e bische äbbes eibilde dhut,
dann mer ſeegt net vergäwens: Wer nix aus ſich macht, aus dem
wärd nix gemacht. Bloß iwwerdreiwe ſoll mer’s net,
ſunſt machts en ſchlechte Eidruck.
Awwer leider muß ich ſage, es gibt zum Beiſpiel welche, die
ſin derardich eigebild, un vun ihre eichene Wichdichkeit iwwer=
zoge
, un vun ſich ei genumme, daß ſe dauernd un krambfhaft
der Maanung ſin, ſie mißte ihrem Name unner alle ſiwwenun=
zwanzich
Umſtend Ehr mache, ſunſt ging am End die Welt unner,
odder die Sunn aus, odder die Reacktzion los; während härn=
gääche
aach net en aanzicher Menſch en Wert dodruff leeche dhut,
ob die Wichdichduer in ihrm Graggel, un in ihrm krankhafte Ehr=
geiz
ihrm Name Ehr mache, odder ſunſt was, ſundern vielmehr
weern mir allmitnanner derch die Bank vun Härze froh, wann
ſich die Beträffende, net gor zu viel aus ſich ſälbſt mache dhete,
ſundern ganz maischesſtill weern, beſcheide un klaawunzich. Un
zu dene, wo ſo e Geſchicht un ſo en Krimskrams mit ihrm Name
verfiehrn, un ſich ſo hochnäſich un dickduerich uffſpiele, daß ja
gewiß jeder ſeegt: do guckt hie, däß is emol aaner, un der macht
awwer mal ſeim Name Ehr, alle Reſchbäckt un allerhand Hoch=
achdung
! alſo zu dene geheern unner annerm aach die ſoge=
nannte
Eisheiliche, nemlich der heiliche Pankratzius, de heiliche
Särwelatzius un de heiliche Bonnefatzius, un laſt not liſt
die naßkalt Soffie.
Wie geſagt, dieſe drei ſunnerbare Heiliche, mit ihrm weibliche
Ahang, die geheern aach zu dene, wo baddu mane, ſie mißte
uff alle Fäll un nooch beſtem Vermeeche ihrm Name Ehr mache.
No un was dodebei erauskimmt, daß ſieht mer jo un kann’s am
eichene Leib verſpiern. Un wann’s aach die drei Geſtrenge, odder
ſin’s gar vier, wann mer de Mammerduß noch dezuzehlt, alſo
wann die’s aach mit dere Ehrmacherei immer noch ſo mache, daß
es ſchließlich ſteh und geh kann, awwer die Soffie, die wo däß=
halb
ärdra die kalt, odder die naß, odder baades haaßt,
die muß nadierlich den Sport un däß is leider echt weiblich!
nooch Kräfte iwwerdreiwe, is naß un kalt zu gleicher Zeit, um
net bloß ihrm Name, ſundern aach ihre baade Uname, odder
Spitzname gerecht zu wärrn.
Alſo die ſchei heiliche Eisheilige, un däß ewich verſchnubbte
Geſteck, die Soffie, die ſpucke momendan widdermol in de Gää=
chend
erum un zeiche uns kaltlächelnd die kalte Schulter, un ſin
em Lenz gäächeiwwer kiehl bis ans Härz hinan, ſo daß dieſer
Dag mei Blattöfche e richdich Genshaut hott krickt, un’s Quäck=
ſillwer
in meim Därrmomeder die Fallſucht, un mich hott’s ſo
geſchuggert, daß ich mer, ganz gääche mei Gewohnheit, anſtatts
de Awend vorm Schlafegeh ſchun de Morjend zum Kaffee en

Stoltenkamp eigeflößt hab. Wie geſagt, die ſcheiheiliche Eis=
heiliche
, näbſt däre ekelhafte Pärſon, däre Soffie, die meeche
wohl vun ihrm Wert un ihre Wichdichkeit kolleſal iwwerzoge ſei,
un ihrm Name noch ſo viel Ehr mache, awwer Kulldur hawwe
ſe kaa, un bun wääche de Räbräſſendatzion, do is es aach
net weit her.
Do ſin mir doch, was unſer geſtrenge Herrn bei de Stadt
abelange dhut, beſſer dra. Die wiſſe, was Kulldur un Räbbräſ=
ſendatzion
bedeit; wenichſtens hab ich däß aus em Rudolf
Mueller ſeim Ebbilog erausbuſchſtawiert, den wo er uff’s
ſtädtiſche Buddgädd for’s Johr anno neunzehrhunnerachtunzwan=
zich
verfaßt hott. Ich hab drum aach zu meine Zwangsmiedern
geſagt: Wiſſe Se, ſagt ich, des Wichdichſte in=eme geordente
Gemeindewäſe, däß is letzten Endes die Kulldur un die Räbbräſ=
ſendatzion
. Die guckt mich dodruffhin e Weil ganz verdutzt a,
un ſeegt dann, daß däß ganz ungeheier wichdich weer, däß dhet
ſe ſchließlich eiſſähe, awwer ich ſollt ihr doch wenichſtens aach
ſage, was mer ſich dodrunner vorſtelle kennt, unner Kulldur un
Räbräſſendatzion, un ob ſich’s do valleicht widder um neie Steiern
hannele dhet.
So dummkkann nadierlich nor mei Zwangsmiedern froge.
Awwer no, ich ſag als, mer därf ſei Weisheit net for ſich behalte,
un mer ſoll ſei Licht net unnern Scheffel ſtelle, ſundern mer ſoll
im Gäächedaal im Indräſſe vun ſeine Mitmenſche ſage, was mer
waaß. Däßhalb hab ich mich mordsmeßich in Poſſidur geſchmiſſe,
hab mei Zwangsmiedern ſo e bische vun owe erunner a geblinzelt
un hab geſagt:
Die Dummheit is zwar e Gab Goddes, awwer wer ſe miß=
braucht
, däß is e Rindsviech. Mei Zwangsmiedern hott

druff geſagt, dodrum dhet ſich’s jetzt net hannele, ſundern ſie
wollt klibb un klar wiſſe, was däß haaße dhet: Kulldur un
Rabräſſendatzion. Ich hab druff geſagt, ſie ſoll gefällichſt Wei dezu odder net. Im Iwwriche weer ihr däß aach ganz
ihrn borwitziche Schnawwel halte, ſie weer net im Landdag; un gleichgildich, bloß, mer ſollt ſie mit ſo Redensarte verſchone, vun
dann hab ich losgeleegt und hab geſagt: Alſo Kulldur un wääche Kulldur und Räbbräſſendatzion, wann däß bische
Räbräſſendatzion is, wann mer odder wo mer
odder agenumme alſo, Kullbräſſendatzion un Rebbe=
radur
naa Räbbkulldatzion un Präſſendadur Herrgott
Kullräbberadur un Präſſendatzion Un do bin ich
ſtecke gebliwwe. Nemlich mer macht ſich kaan Begriff, wie ſchwer
däß is, wann mer eme beſchrenkte Menſchekind un mei
Zwangsmiedern is beſchrenkt, arſch beſchrenkt ſogar äbbes
erkleern will. Ich hett beinoh in meine Wut geſagt: Kulldur un meßiche Zuſtend, die wo do härrſche, ſowohl die Warteſaal=
Räbbräſſendatzion is Kulldur un Räbbräſſendatzion, Sie Kamehl,
Sie dummes awwer ich hab’s grad noch raſch enunner ge=
ſchluckt
, un hab noch emol vun vorne a gefange un hab geſagt:
Alſo die Sach is ſo: Kulldur is, wann die Stadt 30000 Mack
for die Tonkunſt ausgibt; un Räbbräſſendatzion is, wann de
Rudolf Mueller uff unſer Koſte for zwaa Mack zu Nacht ißt un
drinkt e Flaſch Weil dezu; ſo jetzt wiſſe Se’s.
Awwer mei Zwangsmiedern hot’s noch net verſtanne, un
deitlicher kann mer däß aam gewiß net ausenanner ſetze. Sie
hott bloß ſo en blaſſe Dunſt vun däre Sach gehatt, däß hab ich
dadra gemärkt, daß ſe mich e Weil ganz dumm a geguckt hott, un
daß ſe dann ganz ſpitzfinnich geſagt hott, däß dhet ſe aach eiſähe,
daß die Muſick ärchendwie was mit de Kulldur zu dhu hetti un
wann die ganz Räbräſſendatzion mit=eme Nachteſſe for zwaa Mack
un=ere Fleiſch Wei' abgemacht weer, ſo wollt ſe gärn aach däß
Obfer bringe; aawer, ſeegt ſe, wie ſtehts dann do mit unſerm
Balleegadde, fellt der unner die Kulldur, odder zehlt der
zu de Räbbräſſendatzion?
No ich muß geſteh, doruff war ich im erſte Momend net ge=
faßt
, un daß die de Stiel erum dreht, un kimmt mir ſo, däß hett
ich hinner däre net geſucht. Awwer recht hott ſe! Un
ich mach de Vorſchlag, daß diß Johr unſer Stadtgewaldiche ihr
Summerfriſch im Balleegadde zubringe ſolle, damit ſe mol en
Begriff krieje, vun wääche Kulldur un Räbbräſſendatzion.
In dem Sinn hab ich mich aach zu meine Zwangsmiedern ge=
aißert
. Awwer do ſeegt die, däß weer aach nir Hallwes un nig
Ganzes, un wann mer do ſchun was mache wollt, dann ſollt mer
den Balleegadde an den Tierimporteer Göbel in de Schuchard=
ſtroß
vermiede, der kennt valleicht e paar in Freiheit dräſſierte
Harzer Roller eneiſetze, un en Kewwich mit weiße Mais, un

en Aff odder zwaa, an Mondkälwer dhets jo aach net fehle, un
dann kennt mer den Balleegadde als Tierpack Hagenbeck aus=
gäwwe
, valleicht kennte ſich aach e paar vun unſere ſtadteichene
Ziſcheuner als Somali=Neger drinn ſähe loſſe . Jawohl,
ſagt ich zu=ere, un Sie als Marsweib, de Hals hawwe Se
dezu. Awwer ſie hott den Eiworf iwwerheert un hott geſagt:
Zweidens, wie ſtehts mit unſerm Oſtbahnhof, hott der aach
was mit Kulldur un Räbbräſſendatzion zu dhu?
Halt, ſagt ich, äwe verwäxele Se die Kulldur mit de Ziffi=
liſatzion
, un vun=ere Ziffiliſatzion kann mer bei unſerm Oſt=
bahnhof
ſchun iwwerhaubt net redde, dann derart vorſinnflut=
liche
Verhältniſſe, die find mer noch net emol in Gallitzien;
folglich is es aach mit de Räbbräſſendatzion Eſſig. Awwer
dreeſte Se ſich, es beſteht nemlich der Blan
Heern Se mer uff, ſeegt ſe, vun wääche Blan=beſteh, do gäb
ich nix druff, dann bis der zur Ausfiehrung kimmt, do gondele
mer lengſt mitm Opel ſeim Racheede=Flugzeich ärchendwo in
heechere Sfäre erum, un de Verkehrs=Verein macht Brobaganda
uffm Mond, un uffm Mars un ſeine ſemtliche Drawande.
No ich hab ſe dodruff gefrogt, was ſe nor immer mitm Verkehrs=
Verein wollt, der dhet doch ſei Meechlichſtes, un erſt neilich hett=er
widder dorchgedrickt, daß en Fern=D=Zug anſtatts nachts, am
helle Dag an Darmſtadt vorbeifahrn dhet. Awwer däß hott ſe
net gälte loſſe, un hott geſagt, ihr weers Worſcht, ob en D=Zug
am Dag odder in de Nacht an Darmſtadt vorbeifahrn dhet,
for ſie kemte nor ſo Zieg in Betracht, die wo an Darmſtadt net
vorbeifahrn, ſundern wo Leit nooch Darmſtadt bringe dhete.
Un däß weern in erſter Linnie die Zieg aus=em Odewald. Wer
dohärngääche aus weiter Färne nooch Darmſtadt kumme wollt,
der kemt net däßhalb, weil grad en D=Zug dra vorbei fehrt, ſun=

dern der kemt doch, ganz aanerlaa, ob ihm zu lieb en Borjer=
maaſter
awends for zwaa Mack zu Nacht ißt und drinkt e Flaſch
Muſick un däß bische Nachteſſe alles weer, was debei
erausgucke dhet
Noja, ſo is ſe halt, mei Zwangsmiedern, un do kann mer
nir dro mache, un mer muß halt die Menſche verbrauche, wie ſe
ſind, ſo aach die .."
Awwer was ſe do iwwer’n Oſtbahnhof geſagt hott, däß
unnerſchreib ich voll un ganz, es ſin mit aam Wort ſau=
frag
, wie die Fahrkadde=Ausgab, die Gepäckverhältniſſe, wo mer
erſt die Kärch um’s Dorf drage muß, un beſunners, wann mer
mal wohie muß. Un die Verhältniſſe ſin jedem Darm=
ſtädter
, un erſt recht jedem Odewäller bekannt (ja valleicht ſogar
em Herr Landdags=Abgeordnete Ritzel!), bloß die, die wo ſich
drum zu bekimmern hawwe, die wiſſe’s ſcheints net, odder
loſſe’s, nooch liewer Gewohnheit, henge un bammbele. Un
däß is karrackteriſtiſch, wenichſtens for Darmſtadt!
Jedenfalls, geſchähe muß awwer was, ſo kann die Sach am
Oſtbahnhof net weider geh. Un wann’s wohr is, daß an=eme
weißgedeckte Diſch oft e beſſer Bolledick gemacht wärd, wie an=
eme
griene bidde, meine Herrn, lade ſe ſich die ganz Eiſe=
bah
=Diräcktzion zum Nachteſſe ei, un dhun ſe=re die Gorjel
ſchwenke, wenn’s hilft, is es ganz egal. Awwer geſchähe muß
was, ſo odder ſo, am griene, odder am weiße Diſch.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Mer wärd die Woch geläſe hawwe,
daß de Odenwaldklub=Geſamtverein en Uffruff losgeloſſe hott,
vun wääche de Wäddergeſchädigte in de Bergſtroß. Un domit net
e falſch Maanung uffkemt, als wann däß erſt uff mein heefliche
Wink mitm Scheierdor erfolcht weer, ſoll ich effentlich erkleern,
daß im Hauptausſchuß der Blan ſchun vorher geblant war.
No däß will ich hiermit gern dhu, un es kimmt mer in dem Fall
uffn Rickzieher net a. Ich bitt alſo vielmols um Entſchuldichung,
daß ich ſo vorſchnell war. Awwer ich konnt däß freilich net wiſſe
ich weiß zwar viel, doch alles iſt mir nicht bekannt! daß
ſchun ohne mei Zudhu was in de Wähk gelidde war, un daß
mer’s nor verhältnismeßich ſo ſpeed weiß is worrn! Nemlich
wie daß volle acht Dag erum warn, un es hott vum Ohka nix
in de Zeidung geſtanne, do hab ich gedenkt, ſo un ſo . Be=
ſunners
weil ſunſt die Berichterſtaddung brombt funktzioniert,
und weil mer raſch im Bild is, wann Sunndags e Tur war:
wo’s nausgange is, daß es gut war, un wer die Redd ge=
halte
hott . . . No, die Haubſach is, daß der Abberad jetzt
brummt, un daß er bei de Odewaldklübbler in gude Hend is.
Meine Münchner un ſunſtiche Freunde, die was gäwwe wolle,
die ſolle’s alſo, weil ſunſt kaa Zeichnungsliſt ufflickt, an de Ode=
waldklub
ſchicke Adräß: An den Rechner der Hauptkaſſe, Herrn
Inſpecktor Schött, Darmſtadt, Emilſtraß, Poſtſcheckkonto Frank=
furt
a. M. 27 015, Stichwort Unwetterhilfe Bergſtraße‟ Viel=
leicht
legt awwer de Odewaldklub in e paar Geſchäfte beim
Robert Bergmann in de Wilhelmineſtroß, un ſo eEi=
zeichnungsliſt
uff, dann mitm Schicke, däß is ſo e Sach. Es muß
awwer jeder Fennich erfaßt weern, un viele Wenich gibt aach
e Viel. Un wie haaßt der ſcheene Vers vun de Eſchenbach:
Nur der das Leiden kennt,
Kennt auch ein heiß Erbarmen.
Der ſelber darbt, der gibt
Großmütig ſind die Armen! . . .
Awwer weil ich ſchun emol am Odewaldklub bin, do mecht
ich doch emol mei Hand in e offe Wund lege. Nemlich daß der
Ohka aus eichene Mittel nix gäwwe kann, däß is jedem klar,
dann der Mitgliedsbeitrag is ſo klaa 6,60 Mack 18 ganze
Johr! un die Uffgawe ſo groß, ſo daß der Kaſſierer aus
de graue Haarn net eraus kimmt. Un leider wärd die gemein=
nützich
Tädichkeit vieler zu wenig aerkannt. Dann ſtreng ge=
numme
mißt eichentlich Jeder un Jedes Mitglied ſei. Nem=
lich
Alles wannert heit (Gottſeidank!), un benutzt die Markie=
rung
, die Hitte, die Tärm, die Benk unſoweiderfort awwer
Mitglied zu wärrn, dodefor ſtraibt mer ſich. Un dodebei
is mir däß ich bin ſchun bald zwanzich Johr Mitglied de
bequemſte Verein, do bezahl ich alle Johr mein Beitrag, un
domit bin ich alles los, un brauch mich net drum agucke zu loſſe,
wann ich Sunndags odder ſunſt allaans im Odewald erum=
ſtiwwel
, un richt mich nooch de Markierung un ſo. Alſo, wer
ſälbſt net mitwannern will, der ſoll wenichſtens ſich dankbar
erweiſe, un ſoll for den Nutze, den wo er dorch de Odewald=
klub
hott, Mitglied bei em wärmn. Sechs Mack ſächzich
8 Johr e Baggadäll!
Un wer noch was for ſei Geſundheit dhu will, der kann ſich
noch e billich Abbonnemang leiſte for die Summerſpielzeit im
Orfeum. De Fink hott nemlich, zur Hewung vum Fremdeverkehr,
den göttliche Bruno Habrecht nadierlich mit ſeim Enn=
ſemble
anggaſchiert, un die wolle uns 18 Lache beibringe. Sie
ſolle uns willkumme ſei!

Der zeitgemäße Haushalt.

Einmachgläſer keimfrei zu machen. Obwohl
jede Hausfrau nach Gebrauch ihre Konſervengläſer aufgewaſchen
aufbewahrt, ſo ſollte ſie dieſe doch vor ihrer Wiederverwendung
noch einmal auskochen. Dazu wähle ſie einen großen Topf,
ſchichte in dieſen alle Gläſer einer Größe ſo, daß ſie beim Kochen
nicht klappern‟. Dann mit 10 Liter kaltem Waſſer vollgefüllt,
dem ſie 2 Eßlöffel voll Bleichſoda beifügte, wird das Ganze lang=
ſam
erhitzt, mit ſauberem Lappen, etwas abgekühlt, ausgewaſchen,
dann die Gläſer in kaltem Waſſer, dem man 12 Eßlöffel
Waſſerſtoffſuveroxyd beifügte, geſpült und auf ein auf
dem Tiſch ausgebreitetes ſauberes Leinentuch zum Auslaufen
geſtürzt.
Um das Feſtkleben des Eiſens beim Glanz=
plätten
zu verhüten. Diejenigen Hausfrauen, die die
Feinwäſche ihres Geſtrengen ſelbſt bügeln, werden oftmals über
das Ankleben und Anhängen von Stärke am Bügeleiſen zu
klagen haben. Dieſes Uebel fällt fort, wenn man der Stärke=
miſchung
entweder einen Eßlöffel Borax oder Kochſalz beifügt,
die die Stärke glatt machen.
Vie Fleiſchreſte noch zuverwerten find. Wenn
hin und wieder von der Mittagsmahlzeit Reſte von gekochtem
oder gebratenem Fleiſch übrigbleiben, die zu geringfügig ſind
um noch eine ſelbſtändige Mahlzeit zu ergeben, kann man ſie auf
die vielfältigſte Weiſe verwenden. Grobgewiegt oder in Würfel
geſchnitten, mit Gurke, reichlich Zwiebel mit Butter in heißer
Pfanne durchgedünſtet, mit wenig Mehl überſtäubt und etwas
Fleiſchbrühe oder heißem Waſſer aufgefüllt, mit Kapern, Sar=
dellenbutter
und Paprika abgeſchmeckt, in Muſcheln gefüllt, er=
geben
ſie eine würzige Vorſpeiſe. Feingewiegt, mit einer Butter=
einbrenne
etwas verlängert und bikant gewürzt, eine Füle nur

Eierkuchen, die, zuſammengerollt, mit irgend einem ſauren
Salat als Beilage, ſowohl eine Mittag= wie Abendmahlzeit er=
geben
. Dieſelbe Fülle, in ausgehöhlte längliche Brötchen gefüllt,
in Ausbackteig getaucht und in ſchwimmendem Fett gebacken,
ergibt falſche Paſtetchen, als Vorſpeiſe oder Abendbrot
ſtets willkommen. Auch in ausgehöhlte Tomaten, Zwie=
beln
oder rohe Kartoffeln gefüllt und mit einer pikanten
Soße gereicht, ergeben ſie ein vollwertiges Gericht, zumal, wenn
ihm eine Suppe vorausgeht. Sind die Fleiſchreſte jedoch zu klein,
ſo kann man ſie auch feingeſchnitten einem Heringsſalat
untermiſchen oder als Einlage einer Suppe beifügen.
Brecht mit der veralteten Kochweiſe des Spi=
nats
und Mangolds. Trotz aller Aufklärung begehen noch
ſehr viele Hausfrauen den Fehler, die Gemüſe mit zuviel Waſſer
zum Kochen aufzuſetzen und dieſes dann abzugießen. Welche
Nährwerte und =ſalze auf dieſe Weiſe verloren gehen, wird ihnen
oft gar nicht bewußt. Um Nährwerte und =ſalze der Gemüſe voll=
kommen
zu erhalten, ſetze man ſie mit nur fingerhoch Waſſer zum
Kochen auf oder dämpfe ſie im Gemüſe= und Kartoffeldämpfer.
In erſterem Falle verwende man das Abwellwaſſer beim weiteren
Zubereiten und in letzterem füge man dem Gemüſe das nötige
heiße Waſſer bei.
*
Speiſezettel.
Sonntag: Rhabarberſuppe mit Schneeklößchen, gefüllte
Hammelkeule mit eingemachten Bohnen, Weingelee. Mon=
tag
: Grünkernſuppe, gefüllte Zwiebeln. Dienstag: Peter=
ſiliengemüſe
mit Spargel und gekochter Rinderbruſt. Mitt=
woch
: Kerbelſuppe, geſpicktes Kalbsherz. Donnerstag:
Eierkuchen mit geſchmortem Rhabarber. Freitag: Fiſch in
der Form gebacken mit grünem Salat. Samstag: Kartoffel=
mus
mit Bratwurſt.

Iſt es geſtattet, die Altertümer des Schloſſes zu beſichtigen?
Bedaure, die Gräfin und die Komteſſe ſind verreiſt!

C.K. Der Lohn. Der Schotte gibt nicht gern, und unzählige Ge=
ſchichten
erzählen von ſeinem Geiz. Die neueſte lautet: Wollen Sie
ſich nicht ein bißchen revanchieren für meine Darbietung? fragt der
Straßenſänger einen Schotten, in deſſen Hof er ſeine Lieder ertönen
ließ. Aber gerne, erwidert dieſer, Was ſoll ich Ihnen vorſingen?
C.K. Die Attrappe. Um Mitternacht komme ich ſo erzählt ein
Mitarbeiter des Stachelſchweins in einem kleinen ſächſiſchen Städt=
chen
an und bin ſelig, eine Autodroſchke am Bahnhof ſtehen zu ſehen.
Natürlich ſtürze ich auf ſie los und ſteige ein. Aber der Chauffeur
ſchmeißt mich wieder heraus. Fahrn gann ich Sie nich! verſichert er.
Eener muß immer am Bahnhof halldn!

[ ][  ][ ]

Kommende Moden für
das Kind.
Reues für Haus und Promenade; originelle
Strickſachen für Ausflüge.
Es iſt ganz ſelbſtverſtändlich, daß ſich die
allgemein vorherrſchende Schlichtheit der Linie
vor allen Dingen auf die Mode des Kindes
überträgt, die ſich ja unter allen Umſtänden von
jeder Uebertriebenheit und überflüſſigem Auf=
putz
fernhalten ſoll. Ein Kinderkleid hat vor
allen Dingen ſeinem Verwendungszweck gerecht
zu werden, muß alſo ganz beſonders praktiſch
ſein. Sehr weſentlich iſt auch der Umſtand, daß
man die betreffenden Sachen leicht reinigen
kann, denn ein Garderobeſtück, bei dem man
darauf keine Rückſicht genommen hat, iſt un=
hygieniſch
und darum rundweg abzulehnen.
Viel wichtiger als die Linie, die wirklich
herzlich einfach ſein kann, weil ja das Kind
keiner beſonderen Aufmachung bedarf, um rei=
zend
zu wirken, iſt die Farbe. Man wird gut
daran tun, hier dem Geſchmacke des Kindes
freien Lauf zu laſſen und kann dann immer
wieder feſtſtellen, daß nur grelle Schattierungen
den Beifall der Kleinen finden. Tatſächlich
ſieht das Kind in den verſchiedenen Zwiſchen=
tönen
, wie beige, grau uſw., niemals gut aus,
ſondern bringt grelle Farben weit beſſer zur
Geltung, wobei man jedoch auch dunkelblau
nicht vergeſſen darf, das immer wieder als
Standardfarbe der Garderobe des größeren
Kindes zu betrachten iſt.
Die Materialien, die heuer für die Garderobe
der Kleinen Verwendung finden, ſind ſehr ver=
ſchiedenartig
und ganz von dem jeweiligen Be=
darf
abhängig zu machen. Gerne wird man
A
natürlich Reſte verarbeiten, die ſich in jedem
Haushalt vorfinden.
Da ſich wie in der übrigen Tagesmode auch bei den
neuen Kinderkleidern die Tendenz nach Zweiteilung des betref=
fenden
Garderobeſtückes (alſo heller oder geblumter Oberteil zu
einer einfarbig=dunklen Rockbartie oder Hoſe) geltend macht, iſt
der Kombination verſchiedenartiger Reſtſtücke jede Möglichkeit
gegeben.
Für Strapazierzwecke ſucht man natürlich nur nach gut waſch=
baren
Geweben und entſchließt ſich in den meiſten Fällen zu
Waſchflanell, Leinen, Panamaſtoffen aller Art, gerne auch zu den
neuen Modegeweben, wie Woll=Georgette und Fresko, die dauer=
haft
, dabei aber porös ſind, alſo der Temperatur und den Er=
forderniſſen
der Saiſon Rechnung tragen.
Auch die Umhüllen der Kleinen ſind ſehr ſchlicht und
zweckentſprechend. Die Mädchen tragen meiſt einen einfachen

Mantel in einer flotten Farbe, die Knaben den halblangen
Reefer=Paletot in dunkler Schattierung (meiſt marineblau mit
Goldknöpfen).
Die ſportliche Mode ſteht hingegen ganz im Zeichen der immer
beliebter werdenden Vollerzeugniſſe, und ſelbſt die Aller=
kleinſten
nehmen ſich in den flott gemuſterten Strickſachen, die in
ganz erſtaunlichem Maße auf die Eigenart und den Geſchmack
des Kindes eingehen, vortrefflich aus.
Wie man mit verhältnismäßig geringen Mitteln und bei größ=
ter
Einfachheit ein Kind für Schule und Haus gut anziehen kann,
zeigen wir im erſten Abſchnitt unſeres Bildes: Der kleine Junge
wird ſicherlich mit einer dunklen Stoffhoſe und einer in der Mitte
geknöpften, mit ausgeſchlagenem Kragen verſehenen und mit
einem ſchmalen Ledergürtel zuſammengehaltenen Bluſe ſehr zu=

frieden ſein; dunkle Beſchuhung und weiße
Halbſtrümpfe ſind als beſte Fußbekleidung an=
zuſehen
, wenn auch das Kind nicht immer Halb=
ſchuhe
tragen, ſondern ſie fallweiſe durch Schnür=
ſtiefel
ablöſen ſoll, um dem Fuße den ſicheren
Halt zu geben und die Gelenkmuskeln zu ſtärken.
Unſere kleinen Damen werden ſich in einem
gefältelten Röckchen mit einem aus buntem
Material verfertigten ärmelloſen Jumper, der
unten in Zackenform abſchließt und beim Aus=
ſchnitte
und bei den Armlöchern einfarbig=bunt
abgekantet iſt, ungemein wohl fühlen, insbeſon=
dere
, wenn die Muſterung des Jumpers eine
farbenreiche und ins Auge fallende iſt.
Die Allerkleinſten aber tragen das Hemd=
kleidchen
mit einem durch eine große, getupfte
Maſche zuſammengehaltenen Bubenkragen.
Für die Straße (Mittelbild) nimmt ſich über
dem früher beſprochenen Jumperkleidchen ein
Mantel in einer grellen Farbe (man wählt am
beſten die in dem Jumpermuſter dominierende
Schattierung) mit einer durch einen Gürtel feſt=
gehaltenen
tiefen Quetſchfalte am beſten aus,
während den Knaben der Reefer=Paletot
ſicherlich am beſten gefällt.
Die Kopfbedeckungen ſind einfach und eng=
anliegend
, um dem Kinde nicht läſtig zu fallen.
Die Pullmann=Kappe in greller Tönung iſt ſo=
wohl
für Knaben, als auch für Mädchen geeig=
net
, die Matroſenkappe zum halblangen Paletot
iſt aber auch aus der Mode kaum wegzudenken.
Die Strickmode mit ihren mannigfalti=
gen
Möglichkeiten wäre inſofern ſehr zu emp=
fehlen
, als ſie nicht nur für den Sport, ſondern
auch für Strapazierzwecke vortreffliche Dienſte
leiſtet und mit ihrer geſchmackvollen Farb=
gebung
und Deſſinierung den Wünſchen des
Kindes in weiteſtgehendem Maße entgegen=
kommt
. (Bildabſchnitt rechts.)
Man kann ſich wohl nichts Flotteres denken,
als das kleine Mädchen in einem ſportlichen
Jumperkleid aus Trikot, den Rock ſtrick=pliſſiert
(ſo daß er niemals aufgehen kann, da die maſchinelle Fältelung
immer ſtandhält und ſogar das Waſchen verträgt), die Bluſe wo=
möglich
zweifarbig, mit einer geſtreiften Seiden= oder Wollbinde
garniert. Ebenſo nett ſieht der Junge mit einer Knickerbocker=
hoſe
und wollenen Wadenſtrümpfen aus, wenn er dazu einen
ſchräg=geſtreiften Pullover trägt, deſſen eigenartige Muſterung
und Farbgebung die Wiener Note hat.
Für den Sport trägt das Kind gerne die praktiſchen derben
Halbſchuhe mit der ausgefranſten Laſche, die das Eindringen des
Waſſers verhindern ſoll. Bei beſonders feuchter Witterung im
Gebirge zieht man über die Wadenſtrümpfe noch ein Paar Halb=
ſtrümpfe
, die über den Schuhrand gerollt werden und immer gut
ausſehen, wenn ſie in der Farbe mit dem Pulloder überein=
geſtimmt
werden.
Willy Ungar.

Neue
Nachmittagskleider.
Mit den erſten wirklichen Frühlings=
tagen
iſt das Ende der offiziellen Geſellig=
keit
gekommen. Aber wenn man auch hier
und da ſchon ernſthafte Reiſepläne ſchmie=
det
, wenn man ſich auch mehr auf dem
Tennisplatz als im Abendkleid trifft, ſo
ganz wird die Geſelligkeit repräſentabler
Art doch nicht ausgeſchaltet ſie nimmt
nur leichtere, mehr ungezwungene Formen
an! Früher würde man von Kaffeekränz=
chen
geſprochen haben, heute iſt man ſtil=
voller
geworden und beſucht einander zur
Teeſtunde. Aber ganz im tiefſten Grunde
genommen, iſt es dasſelbe geblieben: Eine
Angelegenheit vorwiegend für die Damen.
Man iſt unter ſich, was ſoviel ſagen will,
als: man wird ſtreng kritiſiert, weil ja
Sachverſtändige aus den Kreiſen der Evas=
töchter
unſeren Anzug muſtern. Und wer
wollte beſtreiten, daß gerade die Damen
einen ſehr ſcharfen Blick für modiſche Vor=
ſchriftsmäßigkeit
haben?
Das klingt nun ſchlimmer, als es tat=
ſächlich
iſt. Denn wir haben ja ſchon ſeit
langem eine Mode, die nach dem Grund=
fatz
arbeitet, daß erlaubt iſt, was gefällt!
Nicht eine Modelinie iſt als alleingültig
und vorbildlich anerkannt, ſondern nur ein
Grundprinzip: am Nachmittag zeigt das
Kleid weiche, liebenswürdige, alſo mit
einem Wort: weibliche Tendenzen. Wie
man ſie ausprägt, bleibt dem perſönlichen
Belieben und Geſchmack überlaſſen. Weib=
liche
Tendenzen das bedeutet ſeit alters=
her
eine gewiſſe Freude am Aufputz auch
der ſchlichteſten Formen. Und da wir nun
wirklich die Idealform des einfachen Klei=
des
gefunden haben, das immer noch, und
ſicher noch ſehr lange, beliebte Jumperkleid,
kann man wirklich nicht darum verlegen
ſein, wie man dieſer Grundform durch
neue Variationen der Garnitur und des
Aufputzes immer neue Reize abgewinnen
kann. Material und Farbe allein bieten
da ſchon eine Fülle von Abwechſelung: weil
es ſommerlich wird, iſt natürlich das Reich
der Seiden bevorzugt; man ſieht alſo neben
dem Georgette= und Chinakrepp allerlei Neuheiten, wie eine
neue waſchbare Seide, Traviſé genannt, Bordürenſtoffe, Fou=
lards
, daneben auch Baumwollſtoffe wie Voiles, Muſſelines und

andere, die man früher zwar ſchon kannte, aber jetzt feiner ge=
tpebt
und mit reizenden Muſtern erſcheinen, um ſchließlich auch
den immer und überall regierenden Kaſha, der trotz ſeiner Zu=

gehörigkeit zum Reich der Wolle ſo leicht
hergeſtellt wird, daß auch er in die warme
Jahreszeit hineinpaßt. All dieſe Stoffeer=
ſcheinen
in zarten Paſtellfarben: piſtazien=,
nil= und weidengrün, ein feines Graugrün,
Orient benannt, azurblau ſeien hier als
die neueſten und beliebteſten aufgeführt.
Aus dieſen Materialien und Farben kaſſen
ſich nun immer wieder neue Gebilde her=
vorzaubern
, die jedem, aber auch jedem
weiblichen Herzen Freude machen. Ganz
ſchlicht und am klarſten die Jumperkleid=
form
erkennen laſſend, zeigt ſich da ein
Modell (C), das ſcheinbar ſeitlich bogen=
förmig
geſchloſſen erſcheint. Natürlich ſind
die Kuöpfe auf den einzelnen Bogen nuß
Zierde und ſollen zu der intereſſanten Rock=
geſtaltung
überleiten: einem Waſſerfallteil,
das gleichſam unterhalb des letzten Bogens
hervorquillt. Den Effekt des Waſſerfallteils,
das ſo ſchön ſchlankmachend wirkt, nutzt
man überhaupt ſehr fleißig! Wir begegnen
ihm an einem anderen Modell, bei dem
Leibchen, Unterärmel und Rock in Stufen
gearbeitet ſind, als geſchickte Gegenwirkung
gegen die ſtets etwas die Figur verbrei=
ternde
Fülle wagerechter Linien; er be=
ginnt
am Leibchen mit der zweiten Stufe,
überſteigt den Gürtel mit der eleganten
Straßenſchnalle und ſetzt ſich von dieſem
aus auch ſeitlich am Rock fort, deſſen Saum
ſeine Spitze noch überſchneidet. (B) Als fei=
nes
, pliſſiertes Jabot aus Crepe de Chine
belebt er das Oberteil eines Jumperkleides
mit angeſchnittenem Gürtelteil, deſſen ſeit=
liche
Rockfalte im oberen Fünftel feſt=
geſteppt
iſt und ihr Widerſpiel in einer
kleinen eingeſchnittenen Taſche auf der an=
deren
Seite findet. Dieſem Jabotteil ent=
ſprechen
eingeſetzte Volants, die den Unter=
ärmel
ſchmücken (D). Solche Betonungen
neuartiger Aermelformen tragen natürlich
auch dazu bei, dem Kleid Eleganz und Ori=
ginalität
zu geben: der Aermel öffnet ſich
am Unterarm zu zwei übereinanderliegen=
den
Stufen über dem enganliegenden Unter=
ärmel
. Sinngemäß muß dann auch der Rock
dieſe aufgelöſte Leichtigkeit bekommen; er
fällt in ſchuppenartig übereinandergreifen=
den
, bogig geformten Teilen über ein enges
Unterkleid. Das Leibchen aber muß als
ruhender Punkt in der Flucht dieſer ſchwe=
benden
Linien Zurückhaltung üben: neben
dem Seidenband, das den ſpitzen Ausſchnitt umrahmt, zeigt es
kediglich intereſſant geformten Bieſenſchmuck (A4). Zu allen
Modellen ſind Lyon=Schnitte erhältlich.

[ ][  ][ ]

Nummer 135

Sonntag, den 13. Mai 1928

Seite 23

Oin Usaamatanlm.

11)

Roman von Ferdinand Gradl.
(Nachdruck verboten)

Ich habe überhaupt nicht ſpekuliert, entgegnete er endlich
leiſe, mit dem nach innen gerichteten Blick des Grüblers, der
Gedanke kam mir wuchs in mir verdrängte alles andere.
trieb mich immer tiefer herein . . . immer tiefer . . . immer wei=
ter
. . . Ich war nichts gegen den Drang . . . nichts. Du wirſt
mich vielleicht nicht verſtehen . . . aber ich mußte! Die letzten
Worte ſtieß er faſt keuchend hervor.
Bäſecke ſah dem Freunde in die Augen und begriff in dieſem
Moment die Tragik des Erfinders, den ein unerbittliches Schickſal
treibt, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen.
Eine Weile ſaßen ſie ſich ſchweigend gegenüber. Ruß ent=
zündete
ſeine Pfeife wieder, und mit einmal wurde er beredt.
Unheimlich beredt, aus jedem Wort klang die ſuggeſtive Ueber=
zeugungskraft
eines Menſchen, den eine fixe Idee im Banne hält.
Da war es Vika, als dringe nicht mehr die Stimme des Va=
ters
an ihr Ohr, ſondern die Stimme eines Wildfremden, mit dem
ſie nichts gemein hatte. Was ſuchte der in dem alten Willums=
hofe
? Das Blut der Willums begann ihr in den Ohren zu ſau=
ßen
. Sie war keine Ruß. Sie war eine Willum. Eine dithmarſche
Bäuerin wie ihre Mutter. Wie ihre Großmutter. Sie fühlte ſich
eins mit der Umgebung, als ſei ſie ſelbſt ein lebendes Stück die=
ſes
Herdes, dieſes uralten Bauernhofes. Ihre Muskeln ge=
wannen
ein unheimliches Eigenleben, wie ein Erwachen aus un=
bewußten
Tiefen ſtieg drohend das Erbteil ihrer bäueriſchen
Ahnen auf, jene urſprüngliche Wut, die dreinſchlägt, wenn jemand
an Haus und Hof greifen will . . . und plötzlich hielt Vika die
Holzhacke in der Rechten ..."
Recht ſo, Töchterchen, raunte Sigbrit, hau den Drachen
in Stücke. Dieſes Luder verſchlingt ſonſt den ganzen Hof.
Und in der Stube ſprach Ruß weiter.
Die Bedenken Bäſeckes ſeien ihm nichts neues. Das habe er
ſich ſchon alles ſelbſt geſagt. Unzählige male. Schlafloſe Nächte
hätten ihm dieſe Beſorgniſſe verurſacht. An eine Verwendung
des Flugzeuges, wie ſie Bäſecke vorſchwebe, ſei nicht zu denken.
Nein. Die Maſchine müſſe eine Flugleiſtung vollbringen, welche
die Aufmerkſamkeit der ganzen Welt mit einem Schlage feſſelt.
Erſt dann habe er gewonnen, dann kämen die Intereſſenten von
ſelbſt nachgelaufen.

Und dieſer Schlager wäre ſiel der Flieger geſpannt ein.
Nach Amerika hinüber! entgegnete Ruß.
Det jloob ick, lachte Bäſecke, dann könnteſt du dir uf deine
Jeldſäcke aalen."
Und ich habe mir gedacht, fügte Ruß ſchüchtern hinzu, du
könnteſt herüberfliegen.
Als wie icke?! rief Bäſecke in namenloſer Verblüffung und
ſchlug mit der breiten Handfläche auf die Tiſchplatte.
Dann kehrten ſich auch ſeine Blicke in ſein eigenes wertes
Innere und begegneten dort den aufmunternden Blicken des
Ozeanfliegers Bäſecke, der in einem ehrgeizigen Winkel ſeiner
Stunde harrte. Seit Lindbergs Flug hockte wahrſcheinlich in
jedem Flieger ſo ein heimlicher Kandidat. Nicht ſo wie manche
Flieger, die ſich wie gedankenloſe Chauffeure in die Maſchine
ſetzen, und die Tücken von Wind und Motor wie unabänderliche
Gewalten über ſich ergehen laſſen, war Bäſecke ein gewiſſenhafter

Kin derwagen
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aller Art, neueste Modelle eingetroffen. Es ist Inr Vorteil,
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1. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25½

Mann, der das Problem des Ozeanfluges gründlichſt ſtudiert hat.
Er wußte, daß die meteorologiſchen Verhältniſſe für einen Flug
nach Weſten viel ungünſtiger ſind, als umgekehrt, wußte, daß in
der Mitte zwiſchen dem alten und neuen Kontinent ein baro=
metriſches
Maximum wie eine ungeheure Luftoaſe ſtilliegt, um
welche die ſtändig vom Aequator abſtrömende Luftmenge immer
weſtwärts, immer gegen Europa zu, weht . . . .
Aber Ruß wußte das auch. Wußte auch, daß ſich die Luft=
bewegung
zwiſchen dem atlantiſchen Maximum und dem ſtän=
digen
grönländiſchen Minimum nicht in einer gleichmäßigen
Windſtrömung auswirkt, ſondern in breiten Zyklonen und Anti=
zyklonen
, von denen ein geſchickter Luftſchiffer ebenſo gut profi=
tieren
könne, wenn er die richtige Seite des Wirbels aufſucht, wie
es Kapitän Eckener gemacht hat, als er das Zeppelinluftſchiff nach
Amerika hinübergeführt hat . . . und mit einmal gerieten Ruß
und Bäſecke in einen wütenden Streit miteinander.
Als ſie ſich eine zeitlang gegenſeitig angeſchrien, griffen ſie
zu Papier und Bleiſtift und begannen zu rechnen. Bäſecke rechnete
nete durchſchnittlich mit einem ſtändigen Gegenwind von zehn
Sekundenmetern, Ruß wollte nur für zwei Drittel des Weges
Gegenwind zugeſtehen. Das ergab zwiſchen den beiden Berech=
nungen
eine Differenz von neunzig Kilo Benzin. Um jedes Kilo
gab’s endloſen Hader.

Und günſtigen Wind und Gleitflug rechneſt du nicht?! er=
eiferte
ſich Ruß. Natürlich! Dafür biſt du blind!
Ick will ſicher fliejen un nich Lotterie ſpielen! knurrte der
Berliner.
Da fiel Ruß ein Ausweg ein. Er hatte bei der Nutzlaſt=
berechnung
an einen Flieger und eine Begleitperſon gedacht.
Wenn Bäſecke allein flöge, könnte er ſtatt des Begleiters Benzin
mitnehmen.
Allerdings habe ich normale Perſonen von höchſtens achtzig
Kilo Gewicht im Auge gehabt,, fügte er bei, die maſſige Figur
des Berliners mit einem beſorgten Blick umfaſſend.
Willſte damit ſagen, entgegnete Bäſecke gereizt, det ick mit
meine 210 Pfund ein abnormaler Maſtochſe bin?
Nee, aber in Angſthaſe! ſchrie Ruß, auch wild werdend.
Jut! Ich flieje! rief Bäſecke wütend. Ick nehme ſtatt in
Begleiter paar Kannen Benzin mit. Nach Adam Rieſe fehlen
zwar noch immer fünfzig Kilo. Aber duht niſcht. Ick flieje!
Seine Stimme ſteigerte ſich zu einem orkanartigen Gebrüll. Er
ſprang mit drohend erhobener Fauſt auf. Du ſollſt nicht ſagen,
det ick eene Bangbüre bin! Ick fliefe! Aber wenn ick zwee Sta=
tionen
vor New York ins Waſſer plumpſe und mitſamt deiner
Erfindung verſauf, dann ſtehſte da wie’t Kind beim Dreck. Aber
duht niſcht! Jck flieje!
Nun wollte aber Ruß nicht. Sein Hab und Gut hatte er ein=
geſetzt
, das Leben des Freundes wollte er nicht riskieren. Sie
griffen wieder zu den Bleiſtiſten und rechneien mit heißen Köpfen.
Bäſecke ließ ſich von ſeinem Sicherheitskoeffizienten etwas abhan=
deln
, Ruß dämpfte ſeinen Erfinderoptimismus, und ſie kamen zu
einer Art Einigung: Dreißig Kilo mehr Benzin, und das Flug=
zeug
hat Chance, den Ozean zu überfliegen. Aber die dreißig
Kilo waren nicht unterzubringen. Die Nutzlaſt war mit pein=
licher
Genauigkeit berechnet, jedes Mehr beeinträchtigt die Flug=
leiſtung
.
Gehäuſe umbauen! ſchlug Bäſecke vor. In der Strom=
linienführung
die neueſten Ergebniſſe der ſtaatlichen Perſuchs=
anſtalten
berückſichtigen, die Ruß beim Bau noch nicht dekannt
waren. Dadurch könnte man den Luftwiderſtand beträchtlich ver=
mindern
.
Umbauen? ächzte Ruß. Dann ſtützte er die Ellbogen auf
den Tiſch und barg das Geſicht in die Hände.
Warum nicht? meinte Bäſecke unternehmungsluſtig, wir
erſparen vielleicht fünfzig Kilo.
Ich kann nicht, entgegnete Ruß hoffnungslos, ich bin mit
meinen Mitteln zu Ende . . . total fertig! ſetzte er heiſer hinzu.
(Fortſetzung folgt.)

Schlechte Säfte,
unreines Blut
ſind die Grundurſache vieler Krankheiten. Im
Frühjahr iſt bekannklich der Organismus beſon=
ders
geneigt, durch Reichels Wacholder=Extrakt
Schärfen und Unreinigkeiten auszuſcheiden, wes=
halb
wir gerade jeßt zu einer Auffriſchung des
Blutes mit dieſem nafürlichen Heilſioff raten
können. In Apokhehen und Drogerien erhälflich,
der vielen Nachahmungen wegen achte man
aber auf die Marke Medico und die Firma
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