Darmstädter Tagblatt 1928


21. April 1928

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Nummer 111
Gomstag, den 21. April 1928.
191. Jahrgang

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ſtädter
und National

Geſpannte Lage im Ruhrbergbau.
Der Schiedsſpruch ſieht eine 8½ige Lohnerhöhung vor. Die Gewerkſchaften
drohen mit dem Streik. Der Zechenverband befürchtet 50ſigen Verluſt des
Auslandsabſatzes an die Engländer.
Laſten auf ein geſundes Maß herunterdrückt, wodurch der Bar=
Die Ruhr=Nachverhandlungen verdienſt des Bergmannes ſich erhöhen würde, ohne daß dadurch
die Leiſtungsfähigkeit der ſozialen Einrichtungen, die auch einen

Abbruch der Verhandlungen. Gegenſätze
innerhalb des Reichskabinetts. Die Ver=
antwortung
des Reichsarbeitsminiſters.
Am Freitag haben im Reichsarbeitsminiſterium die letzten
Einigungsverſuche zwiſchen den Vertretern der Ruhr=
gewerkſchaften
und des Zechenverbandes ſtattgefunden. Die
Sitzung begann um 11 Uhr, und die Parteien ließen zunächſt
noch einmal ihren Standpunkt darlegen. Von den Gewerk=
ſchaften
wurde betont, daß der Schiedsſpruch mit ſeiner
8prozentigen Lohnerhöhung und den verſchiedenen Arbeitszeit=
veränderungen
unbefriedigend ſei und daß man am
1. Mai auch dann in den Streik treten werde, wenn
der Schiedsſpruch für verbindlich erklärt wer=
den
ſollte. Von den Unternehmern dagegen wurde
die Verbindlichkeitserklärung abgelehnt. Man
wies an Hand des Schmalenbach=Gutachtens und eines weiteren
umfangreichen Materials nach, daß jede noch ſo geringe Er=
höhungder
Laſten zu einer Verſchärfung der Kriſe
führen müſſe und damit zu einer Verminderung der
Konkurrenzfähigkeit der deutſchen Kohle. Ein
Streik werde die gleichen Folgen auslöſen wie eine Verbindlich=
keitserklärung
. In beiden Fällen ſei mit einem 50 prozen=
tigen
Verluſtdes Abſatzes nach den beſtrittenen Gebieten
an die Engländer zu rechnen, was für 50= bis 80 000
Arbeiter die Entlaſſung zur Folge haben werde.
In den Mittagsſtunden ging der Vorſitzende Dr. Mewes zu
den letzten Verhandlungen mit den Parteien über und verſuchte
noch einmal, die Parteien zu bewegen, ſich auf die vom Schlichter
vorgeſchlagene Formel zu einigen, fand aber kein Entgegen=
kommen
. Die Beſprechungen zogen ſich bis in die ſpäten
Abendſtunden hin, worauf ſie ſchließlich abgebrochen wurden.
Der Vorſitzende Dr. Mewes, dem als Beiſitzer Oberregierungsrat
Claſſen zugeteilt war, begab ſich darauf zum Reichsarbeitsmini=
ſter
, um dieſem Vortrag über den Verlauf der Beſprechungen zu
geben.
Nachzutragen iſt noch, daß man ſich bei den Verhandlungen
auch darüber ſtritt, ob die Förder= und Abſatzziffern des Vor=
jahres
den Tatſachen entſprechen oder nicht. Die Gewerkſchaften
wollen herausgefunden haben, daß 118 Millionen Tonnen geför=
dert
, aber 124 Millionen Tonnen abgeſetzt wurden. Sie rechnen
heraus, daß unter Zugrundelegung eines Durchſchnittserlöſes von
15 M. pro Tonne der Ruhrbergbau 90 Millionen Mark mehr ver=
einnahmt
habe. Bei einer ermittelten Lohnſumme von 935 Mil=
lionen
Mark würden 8 Prozent 74,8 Millionen Mark ausmachen,
ſo daß nach gewerkſchaftlicher Auffaſſung die Gelder für die Lohn=
erhöhung
vorhanden ſeien. Demgegenüber hören wir, daß die
vom preußiſchen Handelsminiſterium herausgegebenen Ziffern
über den Abſatz durchaus nicht hieb= und ſtichfeſt ſind. Außer=
dem
dürfte dieſer Irrtum in der Berechnung des Ab=
ſatzes
noch dadurch zuſtande gekommen ſein, daß zahlreiche
Zechen Kohlen zur Kokserzeugung weiterverkaufen, der Koks
aber nachher wieder auf Kohle zurückgerechnet wird, ſo daß da=
durch
eine doppelte Rechnung entſtanden ſein mag. Es iſt in den
Verhandlungen auch noch darauf hingewieſen worden, daß, falls
erhebliche Mengen Kohlen nicht erfaßt worden ſein ſollten, auch
an dieſer Förderung die gleichen Koſten kleben, die ja nach dem
Schmalenbach=Gutachten ſo erheblich ſind, daß ein Durchſchnitts=
verluſt
von 27 Pfg. pro Tonne herauskommt. Man hat ſchließ=
lich
den Streit um dieſe Differenz anſcheinend abgeſetzt und ſich
dem eigentlichen Kernproblem, der Lohn= und Arbeits=
zeitfrage
, zugewendet.
Der Reichsarbeitsminiſter, der dieſe Verhandlungen über den
Ruhrbergbau mit einiger Sorge betrachtet und bereits vor einigen
Tagen mit dem Reichskabinett Fühlung geſucht hat, hat im Laufe
des Freitag, während man ſich in ſeinem Miniſterium zum letzten
Male zu einigen verſuchte, erneut probiert, im Kabinett zu=
gunſten
einer Verbindlichkeitserklärung des Schiedsſpruches eine
Mehrheit zuſtande zu bringen, mindeſtens aber ſich eine Rücken=
deckung
zu ſchaffen. Er iſt dabei aber auf den energiſchen
Widerſtand des Vertreters des Reichswirtſchaftsminiſters,
Miniſterialdirektor Trendelenburg, geſtoßen Reichswirtſchafts=
miniſter
Curtius befindet ſich aus geſundheitlichen Gründen zur=
zeit
in Karlsbad , ſo daß er mit leeren Händen wieder die
Kabinettsſitzung verlaſſen mußte. Das Reichswirtſchaftsminiſte=
rium
muß natürlich dafür ſorgen, daß der Bergbau durch den
Kohlenexport mit rund einer halben Milliarde in der Außen=
handelsbilanz
auftaucht und nicht durch eine Ueberſpitzung der
Lohn= und Sozialpolitik, die letzten Endes auf die Arbeiter ſelbſt
ausſchlägt, zugrunde gerichtet wird. Bei einer Verbindlichkeits=
erklärung
des Schiedsſpruches muß allerdings mit einem Verluſt
der Hälfte des Auslandsabſatzes gerechnet werden, während die
ſchon beſtehende Paſſivität unſerer Außenhandelsbilanz um wei=
tere
250 Millionen Mark ſteigen wird. Die Entſcheidung liegt
alſo nunmehr beim Reichsarbeitsminiſter, dem man nachfühlen
kann, wenn er aus rein ſozialen Erwägungen der Bergarbeiter=
ſchaft
eine 8prozenrige Lohnerhöhung gewähren will. Dem ſteht
aber immer gegenüber, daß dieſe Erhöhung ein enor=
mes
Arbeiterheer im Laufe der nächſten Zeit
brotlos machen kann. Die Lage iſt außerordentlich ernſt.
Sie könnte allerdings gemildert werden, wenn der Arbeitsminiſter
etwa den alten Tarifvertrag verlängerte, dafür aber die ſozialen

Rationaliſierungsprozeß durchmachen könnten, in Mitleidenſchaft
gezogen würden.
Das gefährdete Arbeitsſchutzgeſetz.
* Berlin, 20. April. (Priv.=Tel.)
Durch den vorzeitigen Abſchied des Reichstages iſt das
Schickſal des Arbeitsſchutzgeſetzes wieder in Frage
geſtellt worden. Es handelt ſich hier bekanntlich um einen Ge=
ſetzentwurf
, der in ſieben Teile zerfällt und alle Beſtimmungen,
die ſich auf den Arbeiterſchutz beziehen, zuſammenzuziehen ver=
ſucht
, gleichzeitig aber auch die Arbeitszeit grundſätzlich und end=
gültig
auf den Achtſtundentag feſtlegen will. Dieſes Geſetzes=
werk
, das wohl als eine der bedeutſamſten ſozialpolitiſchen Vor=
logen
der Bürgerblockregierung anzuſprechen iſt, iſt im Oktober
1926 nach langwierigen Vorarbeiten an die Parlamente gegan=
gen
. Bevor ſich Reichsrat und Reichstag mit ihm ernſthaft be=
faßteu
, wurde noch ein Gutachten durch den Reichswirtſchaftsrat
eingeholt, der ſehr eingehende Unterſuchungen über die Zweck=
mäßigkeit
und die Auswirkungen des Geſetzeswerkes anſtellte.
Ein Jahr ſpäter konnte dann der Reichsrat, an die Vorlage
herangehen, ſo daß jetzt der Reichstag im Begriffe war, in die
Einzelleſungen und Kommiſſionsberatungen einzutreten. Durch
ſeine Auflöſung ſind aber alle Berechnungen wieder umgeſtürzt
worden. Man weiß auch nicht, wie der neue Reichstag ausſehen
wird, und welches Geſicht die Länderparlamente bekommen wer=
den
. Infolgedeſſen kennt auch kein Menſch die Koalitionen und
deren Regierungen. Die Möglichkeit iſt nicht von der Hand zu
weiſen, daß ſowohl im Reichsrat als auch im Reichstag zu dem
vorliegenden Geſetzentwurf dann Anträge geſtellt werden, durch
welche die bisherigen Arbeiten hinfällig werden, ſo daß dann die
kommende Reichsregierung den Entwurf zurückziehen müßte,
um einen neuen vorzulegen. Man wird alſo gut tun, mit einer
Verabſchiedung des Arbeitsſchutzgeſetzes im Herbſt und Winter
noch nicht zu rechnen.
Die Denkſchrift der Reichsbahn.
Berlin, 20. April.
Die Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahn hat die
Denkſchrift, die die Tariferhöhung begründet, abgeſchloſſen, aber
noch nicht dem Reichskabinett zugeleitet. Es iſt damit zu rech=
uen
, daß dies in den letzten Tagen dieſer Woche, ſpäteſtens am
Anfong nächſter Woche, geſchieht. Die Denkſchrift iſt umfangreich
und faßt alle bisherigen Begründungen noch einmal zuſammen.
Nach dem Inhalt der Denkſchrift zu ſchließen, dürfte kaum die
Hoffnung beſtehen, daß zwecks Vermehrung der Einnahmen aus
der Perſonenbeförderung die Umſtellung auf das Zweiklaſſen=
ſyſtem
ſchneller als bisher gefördert wird. Die Umſtellung dürfte
vielmehr auch noch zunächſt erhebliche Unkoſten bei ungewiſſen
ſpäteren Mehreinnahmen verurſachen.
Reichsverkehrsminiſter Koch wird nunmehr die Tariſwünſche
der Eiſenbahn nachprüfen und wahrſcheinlich auch dem Reichs=
kabinett
Vortrag halten. In ſeiner Hand liegt es, zu entſcheiden,
ob den Wünſchen der Reichsbahn nachgegeben werden ſoll oder
nicht. Im Durchſchnitt ſordert die Reichsbahn eine Erhöhung
der Tarife um 5 Prozent, tvoraus ſie eine Mehreinnahme von
250 Millionen erwartet. Bisher hat ſie aber damit nirgends Ge=
genliebe
gefunden, vielmehr iſt ſie im Reichstag wie bei der Wirt=
ſchaft
auf ſcharfen Widerſpruch geſtoßen. Wir können uns nicht
gut vorſtellen, daß Miniſter Koch der Reichsbahn freie Hand
geben wird, zumal da die Tariferhöhungen im einzelnen ein
ganz verſchiedenes Bild darbieten und dort, wo erhebliche Mehr=
einnahmen
winken, bis zu 10 Prozent hinaufgehen. Schon mit
Rückſicht auf die Geſamtwirtſchaft wwird Herr Koch ſich nicht dazu
entſchließen dürfen, vor dem Kabinett für eine Tariferhöhung
einzutreten, weil dann ſofort die Wirtſchaft verſuchen wird, die
ihr aufgebürdeten Laſten von 250 Millionen von ihren Schultern
abzuwälzen.
Verhaftung eines öſierreichiſchen Lokomotiv=
führers
auf dem Brenner.
Innsbruck, 20. April.
In der Station Brenner wurde der öſterreichiſche Loko=
motivführer
Faſching während eines kurzen Dienſtaufenthaltes
von den Italienern verhaftet und nach Verona übergeführt.
Nach einer Mitteilung des italieniſchen Bahnhofskommandanten
ſoll die Verhaftung erfolgt ſein, weil Faſching angeblich einen
italieniſchen Soldaten zur Deſertion aufgefordert habe. Die
Bahndirektion Innsbruck leitete ſofort eine Unterſuchung ein,
die ergab, daß Faſching vollſtändig unſchuldig iſt und das Opfer
eines italieniſchen Fasciſtenſpitzels wurde. Der Vorfall hat in
Tiroler Eiſenbahnerkreiſen große Empörung hervorgerufen. Die
Tiroler Landesregierung hat ſofort bei der Bundesregierung in
Wien Schritte unternommen, bamit dieſe einſchreite.

Steuerreform.

Von
Miniſterialdirektor a. D. Dr. Meidenbauer.
Wir bringen die nachſtehenden Ausführungen, die
unſer Steuerproblem einmal grundſätzlich aufrollen,
ſehr gern zur Kenntnis unſerer Leſer, ohne die Auf=
faſſung
des Verfaſſers allerdings in allen Punkten
zu teilen.
Die Schriftl.
Es iſt bei uns üblich, daß von links der Vorwurf der Rück=
ſtändigkeit
immer dann erhoben wird, wenn von rechts einmal
etwas wirklich Förderliches und Sachgemäßes vorgeſchlagen wird.
Die Parteien, die früher bekanntlich allein den Fortſchritt ver=
traten
, empfinden es immer als Rückſchritt, wenn einer kommt
und Halt! ruft, weil die Karre ihm allzu raſch in den Abgrund
zu raſen ſcheint. Eine ſolche Kritik als rückſtändig und von
geradezu rührender Unbekümmertheit hat auch der Oberregie=
rungsrat
Franz v. Lilienthal wegen ſeines Buches Steuerreform
als wirtſchaftliche Nothilfe Berlin, 1928 (Verlag Otto Lieb=
mann
) erfahren. Er hat es gewagt, ſich für weitgehende Ein=
ſchränkungen
, zum Teil auch Aufhebung der direkten Steuern auf
Einkommen, Lohn, Vermögen, Körperſchaftsgewinn und Erb=
ſchaft
auszuſprechen und ihren Erſatz durch Erhöhung der mit
Rückſicht auf den Export beſonders auszubauenden Reichsumſatz=
ſteuer
gefordert. Er hat ausgezeichnet begründete Vorſchläge für
das Problem des Finanzausgleichs gemacht, das mit den jetzt
noch im Vordergrund ſtehenden direkten Steuern wohl unlösbar
iſt. Lilienthals Erwägungen laufen daher darauf hinaus, den
Bedarf der Gemeinden auf Zuſchläge zur Umſatzſteuer, die not=
falls
als Kleinhandelsſteuer ausgeſtaltet werden könnte, zu ver=
weiſen
. Die Einzelvorſchläge werden im ganzen getragen von
einer beſonders ſcharf herausgearbeiteten Theorie der Ab= und
Ueberwälzung der Steuerlaſten, die zwar von der bei uns offi=
ziell
noch vertretenen Richtung erheblich abweicht, mir aber die
Kenntnis des wirtſchaftlichen Lebens für ſich zu haben ſcheint.
Es iſt jedoch nicht ſo ſehr das eigentlich Steuerliche im tech=
niſchen
Sinne, das das Buch Lilienthals anziehend macht; auch
nicht die auf der Gegenſeite ſtark anſtößige Bemerkung, daß es
aus privatwirtſchaftlichen Anſchauungen erwachſen ſei, ſondern
es iſt die grundſätzliche Ablehnung der geſamten kapitalfeind=
lichen
Einſtellung unſeres Staates als Steuergläubiger, wie ſie
ſich gleich nach dem Zuſammenbruch unter dem Einfluß wirtſchafts=
gegneriſcher
Ideen entwickelt hatte und die trotz mancher Beſſe=
rungen
im einzelnen noch in den Hauptzügen fortbeſteht.
Folgen wir dem Verfaſſer in einigen wenigen Punkten.
Die unſer Steuerſyſtem immer noch beherrſchende Auffaſſung
meint die Lage der kapitalloſen Arbeit dadurch am beſten zu
fördern, daß ſie das Kapital bekämpft, wo und wie ſie kann,
gleichzeitig aber die ſtädtiſchen und induſtriellen Arbeiterſchichten
weiteſtgehend entlaſtet. Darum eine übermäßig hohe Einkommen=
ſteuer
, die aber das dieſer Steuer immer angedichtete Ideal der
Verteilung nach der Leiſtungsfähigkeit nie auch nur annähernd
erreicht. Sie kann es nicht, denn die wirtſchaftlichen und juriſti=
ſchen
Grundbegriffe ſind zu unklar, als daß ſie durch noch ſo gut
arbeitende Behörden und einen noch ſo vielgeſtaltigen Rechtszug
in ihren Grundſätzen klargeſtellt werden könnte. So herrſcht ge=
rade
auf dem Gebiet dieſer Steuer allgemeine Rechtsunſicherheit
und das deutliche Gefühl, daß ſie wie eine Beſtrafung der Tüch=
tigkeit
gegenüber dem Mittelſtande und den zu ihm gehörigen
geiſtigen Arbeitern aller Beruſe wirkt. Nimmt man die ſtarke
Progreſſion hinzu, ſo wird deutlich, daß der heutige radikal=
demokratiſche
Staat in der Tat ſchon hier alles tut, um das
Prinzip der Leiſtungsvergütung, ohne das wirtſchaftliches Arbei=
ten
undenkbar iſt, überall da von Staatswegen aufzuheben, wo
es ſich trotz aller Widrigkeit mit Mühe einmal ans Licht wagt.
Die Körperſchaftsſteuer ſrirkt ähnlich durch die ſchematiſche
Negelung der Abſchreibungen; ein Unternehmen will über die
anerkannten Sätze hinaus abſchreiben. Die Steuerbehörde ſetzt
die Mehrabſchreibungen dem Reingewinn hinzu und belegt ſie
mit einer Sonderſtrafe von 20 Prozent. Andererſeits wird das
Lohnkonto unter dem Druck der organiſierten Maſſen durch
Schiedsſpruch einſeitig feſtgeſetzt. Ergebnis: Beſchäftigung zu hoch
bezahlter Leute an zu hoch zu Buch ſtehenden Maſchinen. Weitere
Folgen: Angriff des Kapitals und der Reſerven, Einſtellung des
Betriebes. Dann Entrüſtung, Schrei nach Sozialiſierung. Das
Körperſchaftsſteuergeſetz geht bewußt darüber hinweg, daß nach
den Grundſätzen der doppelten Buchführung eine ſtarke Abſchrei=
bung
des einen Jahres dem einen der folgenden zugute kommen
muß. Es wird bewußt überſehen, daß freie
Arbeitsmöglichkeit nur da iſt, wo eigenes Kapi=
tal
iſt. Wo fremdes Kapital iſt, beſteht Sklavenarbeit. Wo
wenig oder gar kein Kapital iſt, lauert die Arbeitsloſigkeit.
Die Ausführungen über die Vermögens= und Erbſchafts=
ſteuer
können hier des Raumes wegen auch nicht andeutungsweiſe
wiedergegeben werden. Doch ſei noch Stellung genommen zu der
grundſätzlichen Auffaſſung Lilienthals über die Abwälzung der
Abgaben. Er räumt mit dem Märchen von dem unſozialen Druck
der indirekten Laſten gründlich auf. Schon Bismarck, deſſen groß=
artige
Finanzpläne uns Nachfahren mit Bewunderung und dem
Schmerz darüber erfüllen, daß widerſtrebender Parteigeiſt ſie
nicht reifen ließ, vertrat in immer neuen Wendungen die Lehre,
daß ſich indirekte Laſten von ſelbſt verteilen, wenn ſie eine Zeit
lang beſtanden haben und ſich waſſergleich in das richtige Nivean
ſetzen (Rede vom 12. Juni 1882). Nach dem Kriege iſt dieſe
Erſcheinung immer augenfälliger geworden. Kaum ein gewerb=
liches
Unternehmen kann die wahllos aufgebürdeten Laſten ohne
Abwälzung tragen. Die Steuer iſt ein Unkoſtenfaktor des Indu=
ſtriellen
und des Händlers. Noch beſſer freilich wälzt die Induſtrie=
arbeiterſchaft
ihre Steuer weiter. Das Steuerabzug vom Lohn,
die Verſicherungen wer trägt ſie? Das Unternehmen, dem die
zuſammengeſchloſſene Arbeiter= und Angeſtelltenſchaft Lohn und
Gehalt vorſchreibt! Nur die Geiſtesarbeiter, Beamten, freien Be=
rufe
, höheren kaufmänniſchen Angeſtellten können nicht abwälzen.
Sie tragen nicht nur ihre eigene Einkommens= und Vermögens=
ſteuer
, ſondern auch die Abwälzungen der anderen günſtiger ge=
ſtellten
Volksſchichten. Sie können ſich nicht organiſieren. In der

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Seite 2.

Nummer 141

Samstag, den 21. April 1928
Vom Tage.

Der Beginn des Prozeſſes gegen die 22 elſäfſi=
ſchen
Autonomiſten, die der Verſchwörung gegen die Staats=
ſicherheit
beſchuldigt werden, iſt endgültig auf den 1. Mai feſtgeſetzt
worden. Die Verhandlungen dürften etwa 14 Tage in Anſpruch
nehmen.
Miniſterpräſident Poincaré wird ſich am 5. Mai wie=
derum
nach Straßburg begeben, um dort die Generalver=
ſammlung
der Geſellſchaft der Freunde der Univerſität Paris, deren
Vorſitzender er iſt, zu präſidieren.
Der franzöſiſche Abgeordnete Doriot iſt, nach
Schluß einer Wahlverſammlung, in der er geſprochei hatte, ver=
haftet
worden.
Eine amtliche Mitteilung beſagt, daß der franzöſiſche
Außenminiſter Briand infolge ſeiner Grippeerkran=
kung
noch immer das Bett hüten müſſe und aus dieſem Grunde am
kommenden Sonntag nicht zu der angeſagten Wahlverſammlung nach
Nantes fahren könne.
Wie aus New York berichtet wird, wurde dort eine neue Gold=
ſendung
von 12 Millionen Dollar, die für die Bank von
Frankreich beſtimmt iſt, an Bord des Dampfers Pacis ver=
laden
. Die geſamte Goldausfuhr für die Bank von Frankreich ſeit
Dezember 1927 beläuft ſich nunmehr auf 119 Millionen Dollar.
In Tientſin iſt eine Vereinbarung über eine ge=
meinſame
chineſiſch=britiſche Verwaltung der bri=
tiſchen
Konzeſſionszone getroffen worden, derzufolge künf=
tig
der Gemeinderat aus fünf chineſiſchen und fünf britiſchen Mit=
gliedern
beſtehen werde.
Miniſterpräſident Tanaka hat vom Mikado Vollmacht zur
Auflöſung des japaniſchen Parlaments erhalten.
Im Kronrat erklärte Tanaka, daß die Mißtrauensanträge der Oppo=
ſition
in einem ſolch ernſten Augenblick die Regierung veranlaßten, alle
Verhandlungen mit der Oppoſition über eine Zuſammenarbeit zunächſt
abzubrechen.

eine ſtarke Außenſchuld beſitze, und zwar als Gegenſtück zu der
rieſigen Verſchuldung, die der Krieg für Frankreich und England
zur Folge gehabt habe. Wenn der Dawesplan einmal revidiert
werde, ſo ſei es klar, daß die Hauptgläubiger Deutſchlands ihre
Poſitionen nicht verſchlechtert ſehen möchten. Heute könne Frank=
reich
aus den Daweseinkünften England und Amerika voll be=
zahlen
und es verbleibe ihm ein Ueberſchuß, der nach Erlöſchen
der deutſchen Reparationsſchuld 50 Milliarden Franken betragen
würde. Frankreich werde auf alle Fälle auf dieſen Ueberſchuß
nicht verzichten wollen. In England und noch mehr Italien
beſtehe die Tendenz, die Schulden an Amerika nur im Verhält=
nis
der Daweseinkünfte zu bezahlen. Letzten Endes werde ſomit
die Herabſetzung der Geſamtſchuld von 132 Milliarden, ſeien zwei
wenn Amerika ſich bereit erkläre, ſeine Forderungen an ſeine
früheren Alliierten zu reduzieren. Seydoux behauptet dann, daß
nach der Anſicht verſchiedener Sachverſtändiger des Dawesplanes
Deutſchland bedeutend mehr Bargelder transferieren könne als
bisher. Die Anleihen, die es in den Vereinigten Staaten erhalten
habe, hätten ihm geſtattet, ſich bedeutend zu bereichern. Es ſei
in dieſer Beziehung bezeichnend, daß die letzten Transferierungen
zur Hauptſache aus ausländiſchen Deviſen beſtanden hätten.
Der Krieg in China.
Chineſiſcher Proteſi gegen die militäriſche
Intervention Japans.
Schanghai, 20. April.
Wie gemeldet wird, hat die nationaliſtiſche Regierung bei
dem japaniſchen Generalkonſul wegen Entſendung von japa=
niſchen
Truppen Einſpruch erhoben. Die japaniſche Regierung
begründet in einer amtlichen Erklärung die Entſendung von
Truppen nach China und ſagt dabei, ſie habe, als ſie letztes Jahr
ihre Kräfte aus Schantung zurückzog, der chineſiſchen Regierung
mitgeteilt, daß ſie zum Schutze des Lebens und der Güter ihrer
Staatsangehörigen dieſe Truppen von neuem entſenden würde,
wenn Friede und Ordnung noch einmal bedroht würden. Die
Erklärung betont, daß die gegenwärtige Expedition weder eine
feindliche Maßnahme gegen China, noch eine Einmiſchung zu=
gunſten
einer oder der anderen Partei bedeute.
Habas meldet aus Schanghai, die Abſendung japaniſcher
Truppen nach Tſingtau und nach der Schantung=Provinz habe
in nationaliſtiſchen Kreiſen Erregung hervorgerufen. Man
glaube, daß die Folge davon eine Boykottierung Japans ſein
werde, und daß die Fremdenfeindlichkeit im allgemeinen wieder
aufleben werde. Man betrachtet dieſe Entſendung japaniſcher
Truppen als einen Verſuch Tokios, wieder auf die Bucht von
Kiautſchou Hand zu legen, die Japan während der Waſhing=
tener
Konferenz hat aufgeben müſſen.

Die Friedenspaktkontroverſe.
Frankreichs Gegenſpiel gegen Waſhington.
Am Donnerstag iſt die neue franzöſiſche Note zur Außer=
geſetzerklärung
des Krieges im franzöfiſchen Miniſterrat unter
Vorſitz Poincarés beſprochen worden und alsdann den diploma=
tiſchen
Vertretern Frankreichs in Waſhington, Berlin, London.
Rom und Tokio zur Weitergabe an die entſprechenden Regie=
rungen
übermittelt worden. Faſt ſchien es ſo, als ob ſich die
Angelegenheit noch weiter verzögern würde infolge der wie es
ſcheint etwas diplomatiſch verkleiſterten Grippeerkrankung des
franzöſiſchen Außenminiſters, denn ganz offenſichtlich ſteht Herr
Poincaré mit Herrn Briand wieder einmal auf dem bekannten
geſpannten Fuße. Der Miniſterpräſident hat jedoch dann nach
der Miniſterkonferenz Briand perſönlich aufgeſucht, und man hat
ſich bei dieſer Gelegenheit im letzten Augenblick, eben um des
guten Eindrucks willen, entſchloſſen, die franzöſiſche Parallelnote
unverzüglich abzuſenden. Von einem weiteren Begleitbriefe iſt
jedoch Abſtand genommen worden. Vielmehr ſollen die franzö=
ſiſchen
Botſchafter bei Ueberreichung der Note mündlich erläu=
ternde
Erklärungen zu derſelben abgeben.
Im weſentlichen iſt ja der Inhalt der Note bekannt. Sie iſt
ſo angelegt, daß ſie ſich dem Gedankengang der letzten amerika=
niſchen
Note anſchmiegt, ohne die vier franzöſiſchen Vor=
behalte
aufzugeben. Letzten Endes beharrt alſo Ame=
rika
auf dem Standpunkt einer Ausdehnung
des Paktes auf alle Mächte, wie darauf, daß der Ver=
trag
erſt dann in Kraft treten könne, wenn eine gewwiſſe Anzahl
von Staaten ſich zum Beitritt bereit gefunden haben. Das fran=
zöſiſche
Gegenſpiel bemüht ſich jedenfalls, wenn auch in etwas
verſchleierter Form, wie bisher auch weiterhin der Bedingungs=
loſigkeit
auszuweichen, mit der der amerikaniſche Vorſchlag jede
Kriegsentfachung verurteilt. Andererſeits aber wünſcht Pavis
überhaupt nur unter der Vorausſetzung mit im Spiel zu ſein,
ſofern die ſeinem Konzern angehörenden mittel= und ſüdeuropäi=
ſchen
Vaſallen, mit denen es militäriſche Verträge abgeſchloſſen
hat, ebenfalls in den Pakt einbezogen werden. Dieſes Gegenſpiel
gegen Waſhington ergibt ſich aus der Stellungnahme des Ma=
tin
, deſſen Außenpolitiker über die Abſichten des Quai d’Orſay
ſtets ausgezeichnet unterrichtet iſt.
Es beſteht ja längſt kein Zweifel mehr darüber, daß die Wen=
dung
, die die Dinge durch die Haltung Kelloggs genommen haben,
zu einer empfindlichen Niederlage Frankreichs geführt haben,
Man hat in Waſhington ſofort den Pferdefuß erhannt, nämlich
die Abſicht, ein Mäntelchen über jene Machtpolitik zu breiten, von
der bisher immer wieder die Abſicht Frankreichs auf lange Sicht
hinaus diktiert wurde; dieſe Politik geht eben fortgeſetzt darauf
aus, für alle Zeiten die Aufrechterhaltung der durch den Welt=
krieg
errungenen Vormachtſtellung auf dem europäiſchen Konti=
nent
, mit dem Hauptziel einer Verewigung der Niederhaltung
Deutſchlands, ſicherzuſtellen. Die urſprüngliche Anregung
Briands, einen ewigen Frieden zwiſchen Paris und Waſhington
vertraglich zu ſanktionieren, war ein wohlüberlegter Schritt im
Sinne jener Abſichten, der glücklicherweiſe durch den diploma=
tiſchen
Scharfſinn Kelloggs zuſchanden geworden iſt.
Die Niederlage der Nordchineſen.
EP. London, 20. April.
Uebereinſtimmende Berichte aus China beſagen, daß die Süd=
chineſen
erhebliche Fortſchritte gemacht haben und die nordchine=
ſiſchen
Truppen ſtarke Rückſchläge erlitten. Die Chicago Tri=
bune
meldet, daß die ſüdchineſiſche Armee ſich in der Richrung
nach Norden bewegt, auf die Hauptſtadt der Provinz Schantung,
Tſinanfu. Die nördlichen Streitkräfte ſeien in Unordnung ge=
raten
; ſieben Diviſionen ſeien vollkommen geſchlagen, während
andere Truppenteile ſich den Gegnern ergeben hätten. Die Ver=
ſuche
Sun Tſchuan=ſangs, eine Gegenoffenſive auszuführen,
ſcheiterten an den Erfolgen des Generals Feng. General Sun
Tſchuan=fang ſoll 20 000 Mann verloren haben, während General
Feng die Stadt Tſining beſetzte. Infolgedeſſen ſind die Truppen
des Generals Tſchang Tſchung=tſchang bis nach Yenchohpfu zurück=
gegangen
. Nach Meldungen aus Schanghai beſtätigt ſich die
Nachricht von einem großen Siege der Südchineſen an der Eiſen=
bahnlinie
Tientſin=Nanking. Die Einnahme von Tſinanfu ſteht
unmittelbar bevor. Die Nationaliſten hätten die Parole ausge=
geben
, vor den japaniſchen Truppen in Tſinanfu einzuziehen. In
den wationaliſtiſchen Kreiſen hat die Entſendung japaniſcher
Truppen nach Tſingtau und in die Provinz Schantung große
Erregung hervorgerufen, da man in dieſer Maßnahme einen Ver=
ſuch
ſieht, ſich der Bucht von Kiautſchau zu bemächtigen, die die
Japaner auf der Waſhingtoner Konferenz aufgeben mußten. Man
rechnet mit der Ausrufung des Boykotts gegen Japan.

Demokratie gilt aber der Nichtorganiſierte nichts. Dieſe Zuſtände
bedürfen keines Beweiſes. Unſere Steuergeſetzgebung zertritt den
gebildeten Mittelſtand, weil er ſich nicht wehren kann.
Doch genug: Wir haben wohl bürgerliche Regierungen, aber
wir haben eine ganz kurzſichtige, nur auf Teilung ausgehende
Steuergeſetzgebung. Vielleicht, daß ſie zeitweiſe und in der Not
ſo gemacht werden mußte. Dann aber hätte ſie lange geändert
werden müſſen. Statt Kapitalbildung, Ausfuhr zu fördern,
Mittelſtand und Landwirtſchaft auch auf dem Steuergebiet zu
ſchützen, entlaſtet der Staatsbau ſchließlich die ſtädtiſchen und
induſtriellen Maſſen. Er ſieht darin ſein nächſtes Ziel, weil er
durch die Verfaſſung gezwungen iſt, ſich ganz nahe Ziele zu
ſtecken. Fernziele auch nur aufs Korn zu nehmen, verbietet der
raſche Wechſel der jeweils formell Verantwortlichen. Darum
kuriert der Staat Symptome. Seine jeweiligen Regierungen er=
leben
den Tod des gerade behandelten Patienten verfaſſungs=
mäßig
ja doch nicht. So geht die Ueberfremdung des Reiches
mit geborgtem Auslandsgeld, ſo geht der Verfall der Landwirt=
ſchaft
und des Mittelſtandes ſeinen Weg weiter. Und doch ſind
die Finanzen des Reichs, der Länder und der Kommunen durch
einſeitige Beeinfluſſung der Verteilung des Sozialprodukts nicht
zu halten. Nach den letzten amtlichen Verlautbarungen muß an=
genommen
werden, daß man ſchon jetzt zuviel verteilt hat, und
daß die den Dingen innewohnende Vernunft ſchon ſehr bald die
Umkehr erzwingen wird. Dann wird man gern zu der Arbeit
F. v. Lilienthals greifen und zu der Auffaſſung kommen, daß ſie
nicht ganz ſo rückſtändig iſt, wie ſie von der Linken heute noch
hingeſtellt wird.
Ein italieniſch=amerikaniſcher
Schiedsgerichtsvertrag.
Unterzeichnung in Waſhington. / Beiderſeitige
Vorbehalte.
EP. Waſhington, 20. April.
Staatsſekretär Kellogg und der italieniſche Botſchafter de
Martino haben geſtern im Staatsdepartement den ivalieniſch=
amerikaniſchen
Schiedsgerichtsvertrag nach dem Muſter des fran=
zöſiſch
=amerikaniſchen unterzeichnet.
Der geſtern m Waſhington unterzeichnete Schiedsgerichts=
vertrag
zwiſchen Italien und den Vereinigten Staaten erneuert
einen ähnlichen Vertrag, der zwiſchen beiden Ländern bereits
beſtand und 1924 verfallen war. Der heutige Vertrag
hat ewige Dauer, wenn er nicht mit einem Jahre
Voranzeige von einem der Vertragſchließen=
den
gekündigt wird. Im Vergleich zum früheren Vertrag
ſind die folgenden drei Fragen ausgeſchloſſen: Diejenigen
Fragen, die mit den Verpflichtungen gegenüber dem
Völkerbund in Verbindung ſtehen, die die Monroe=
Doktrin berührenden Fragen und diejenigen Fragen, die
dritte Staaten intereſſieren. Zur Vermeidung des
Krieges wird ein beſonderes Verfahren verfolgt, d. h. Konflikts=
fälle
müſſen von den Vertragspartnern einer Schiedskommiſſion
von fünf Mitgliedern unterbreitet werden, die ſich aus zwei
Amerikanern, zwei Italienern und einem Neutralen, die als
Schiedsrichter auftreten, zuſammenſetzt. Die Kommiſſion hat eine
Löſung zu ſuchen, die den Krieg vermeidet und die Konflikts=
urſache
ausſchaltet. Die Blätter erwarten von dem neuen
Schiedsgerichtsvertrag mit den Vereinigten Staaten eine Feſti=
gung
der Beziehungen zwiſchen den beiden Ländern.
Gendoux über die Reviſion des Oawesplanes.
EP. Paris, 20. April.
Im Petit Pariſien veröffentlicht der frühere Sachverſtän=
dige
im Quai d’Orſay, Jacques Seydoux, einen Artikel über die
Frage der Reviſion des Dawesplanes, der gegen die Reviſion
gerichtet iſt. Seydoux möchte zunächſt feſtgeſtellt wiſſen, daß Poin=
caré
ſich keineswegs mit der Herabſetzung der Geſamtſchuld von
132 Milliarden einverſtanden erklärt habe. Er habe lediglich von
der Mobilmachung der Eiſenbahn= und Induſtrieobligationen ge=
ſprochen
, was eine normale, im Dawesplan ſelbſt vorgeſehene
Operation ſei. Er zweifelt auch, ob es möglich wäre, für eine
Anleihe zu nur 5 Prozent genügend Zeichner zu finden. Die
Ausgabe einer großen Anleihe und die Reviſion des Planes, d. h.
die Herabſetzung der Geſamtſchuld von 132 Milliarden, ſeien zwar
ganz verſchiedene Dinge. Es frage ſich, ob der Augenblick ge=
kommen
ſei, um die Reparationsſchuld zu reduzieren. Zunächſt
müſſe geſagt werden, daß es notwendig ſei, wenn Deutſchland

*Forſchungsergebniſſe
der inneren Medizin.
Wiesbadener Kongreſſe im April 1928. Stoffwechſel in der
Krebszelle. Frühſymptome der Lungentuberkuloſe.
Geſchwulſt der Inſeldrüſe. Leberdiät.
Die großen Entdeckungen und Fortſchritte auf dem Gebiete
der Heilkunde ſind ebenſowenig wie die auf techniſchem Gebiete
plötzlich und unerwartet aufgetaucht, ſondern ſie ſind in den
meiſten Fällen Ergebniſſe langjähriger und mühſamer Kleinarbeit
tüchtiger und erfahrener Männer, aus denen der eine oder andere
mit genialem Blick eine neue grundlegende Idee entwickelte.
Wiſſenſchaftliche Kongreſſe ſind auch nicht, wie man vielleicht glau=
ben
könnte, dazu da, um bisher unbekannte Ergebniſſe der For=
ſchung
zu veröffentlichen, ſondern ſind Sammelpunkte der Gelehr=
ten
, um die bisherigen Ergebniſſe zu beſprechen und gemeinſam
neue Richtlinien zur Weiterarbeit aufzuſtellen.
Von dieſem Geſichtspunkt aus müſſen wir auch die wiſſen=
ſchaftlichen
Tagungen, die zurzeit in Wiesbaden ſtattfinden, be=
trachten
. Im Mittelpunkt dieſer Tagungen ſteht der 40. Kon=
greßder
Deutſchen Geſellſchaft fürinnere Medi=
z
in vom 16. bis 19. April, dem die Sitzung des Deutſchen Zentral=
komitees
zur Erforſchung und Bekämpfung der Krebskrankheiten
vorausging und an den ſich die Verhandlungen der Deutſchen
pathologiſchen Geſellſchaft anſchließen. Als Hauptreferat des Kon=
greſſes
für innere Medizin ſtanden die modernſten Probleme der
Krebsforſchung, Krebs und Stoffwechſel, zur Diskuſſion,
und die Mitarbeit aller drei Forſchergruppen machen die Verhand=
lungen
ganz beſonders intereſſant. Es iſt bemerkenswert, daß von
Krebserregern ſo gut wie überhaupt nicht mehr die Rede iſt. Man
darf wohl heute ſagen, daß die Theorie von der paraſitären Krebs=
entſtehung
überwunden iſt und daß Bazillen oder ſonſtige Klein=
lebeweſen
bei der Krebsbildung höchſtens als unſpezifiſcher Reiz
mitwirken können. Nach den grundlegenden Unterſuchungen von
Prof. Warburg=Berlin und ſeinen Mitarbeitern beruht das
Weſen der Krebskrankheit auf einer Aenderung im Stoffwechſel
der Zellen. In der Zelle ſpielen ſich zwei wichtige Stoffwechſel=
vorgänge
ab: ein Atmungsvorgang, bei dem Sauerſtoff verbraucht
wird, und ein Gärungsvorgang, bei dem Zucker in Milchſäure
umgewandelt wird. Bei der geſunden Körperzelle ſteht die Zell=
atmung
beherrſchend im Vordergrund der Stoffwechſelvorgänge,
bei der krankhaft wuchernden Krebszelle überwiegt der Gärungs=
vorgang
. Auch in jugendlichen, wachſenden, ſowie embryonalen
Zellen werden ähnliche Vorgänge beobachtet. Die Bösartigkeit der
Krebszelle iſt aber dadurch gekennzeichnet, daß die Zellatmung
durch die Zellgärung erſtickt wird. In ſeinem Referat betonte

Warburg, daß der Stoffwechſel in der Krebszelle der Art nach
nicht anders ſei als in der geſunden Zelle, daß aber in der
Stärke der Gärungsvorgänge ein grundlegender Unterſchied be=
ſtehe
. Die Erforſchung dieſer Stoffwechſelvorgänge war nur mög=
lich
durch ein von dem Amerikaner Carrel und anderen zuerſt
angegebenes und durch die deutſche Aerztin Fräulein Roda Erd=
mann
weiter ausgebautes Verfahren der Gewebezüchtung. Dieſe
Methode geſtattet, lebendes Gewebe, Bindegewebe, Organgewebe
aus dem lebenden Körper herauszunehmen und in einer beſon=
deren
Nährflüſſigkeit weiter zu züchten. Auf dieſe Weiſe gelingt
es auch, Krebsgewebe außerhalb des Körpers lebendig zu erhalten
und das Wachstum direkt zu beobachten. Der Krebsſtoffwechſel
iſt aber nicht nur an dieſen kunſtvollen Präparaten ſtudiert, ſon=
dern
auch am lebenden Tier und am Menſchen nachgeprüft und
beſtätigt worden. Dadurch entfallen die Bedenken, die man zu=
nächſt
gegen die unter künſtlich nachgeahmten Bedingungen be=
obachteten
Lebensvorgänge hatte. Weitere Referate zu dem glei=
chen
Thema erſtatteten Prof. Grafe=Würzburg und Prof.
Sachs=Heidelberg. Der Einfluß des Krebſes auf den Geſamt=
ſtoffwechſel
, die Frage der Krebsauszehrung und die Wirkung
der Ernährung auf die Krebsbildung wurde in zahlreichen Vor=
trägen
maßgebender Kliniker und Krebsforſcher beſprochen. Fried=
rich
Müller=München, Lubarſch=Berlin, Blumental=
Berlin, Vollhard=Frankfurt und andere. Fräulein Roda
Erdmann berichtete über experimental erzeugte Geſchwülſte an
Ratten durch Aenderung der Ernährung. Es wurde u. a. feſt=
geſtellt
, daß einſeitige Vitamin= oder Rohkoſternährung das Zell=
wachstum
begünſtige, damit aber zugleich den Boden, für eine
Krebsbildung bereiten könne. Praktiſche Verfahren zur Behand=
lung
der Krebskrankheit können aus dieſen theoretiſchen Erkennt=
niſſen
nur mit größter Vorſicht gezogen werden und eignen ſich
noch nicht zur Beſprechung in der Oeffentlichkeit. Auch in dieſer
Beziehung will der Kongreß nur Anregungen zu weiterer Arbeit
geben. Als wichtigſtes Geſamtergebnis der Krebsdiskuſſion dürfte
die allgemeine Anerkennung der oben ſkizzierten Warburgſchen
Lehre über den Stoffwechſel in der Krebszelle anzuſehen ſein.
Einen bedeutenden Fortſchritt hat die innere Medizin in
ihrem Forſchungskampf gegen eine andere ſchwere Plage des
Menſchengeſchlechts, die Lungentuberkuloſe, erzielt. Schon
vor einigen Jahren hat der Leipziger Kliniker und Röntgenologe
Prof. Aßmann auf gewiſſe Früherſcheinungen der Tuberkuloſe
in den unterhalb des Schlüſſelbeins gelegenen Partien der Lun=
gen
hingeſieſen. In ſeinem Kongreß=Vortrag berichtet Prof.
Aßmann über ſeine weiteren Unterſuchungen an einer großen
Anzahl von Kranken und ſtellt feſt, daß die Lungentuberkuloſe nur
in einer geringen Anzahl von Fällen in den oberen Lungenſpitzen
beginnt. Meiſt iſt ſchon dorher eine akute Erkrankung in tieferen
Lungenpartien vorangegangen, die kliniſch den Charakter einer

vorübergehenden grippeartigen Krankheit zeigt, aber bisher meiſt
nicht als tuberkulös erkannt wurde. Bei der Röntgendurchleuch=
tung
zeigt ſich aber ſchon auch nach Abklingen der akuten Erkran=
kung
eine charakteriſtiſche Lungenverdichtung. Durch dieſe Röntgen=
befunde
iſt man auf ein häufiges Frühſymptom der Lungentuben
kuloſe aufmerkſam geworden, und es hat ſich bei der weiteren
Beobachtung gezeigt, daß auch bei der erſten akuten Erkrankung
vorübergehend Tuberkelbazillen nachgewieſen werden können. Is
der Ausſprache beſtätigten namhafte Kliniker d. Romberge
München, Naegeli=Zürich u. a. die Beobachtungen =
manns
und wieſen darauf hin, daß dadurch die bisherigen An=
ſchaungen
über den Beginn der Lungentuberkuloſe eine bedeut
ſame Erweiterung erfahren haben, und daß man durch Beachtung
des Frühſymptoms und ausgiebige Verwendung der Röntgen=
unterſuchungen
bei gefährdeten und belaſteten Perſonen viel
früher als bisher und unter günſtigeren Ausſichten eine gründ=
liche
Heilbehandlung vornehmen könne. Als Heilverfahren kommt
heute neben der Heilſtättenbehandlung vor allem auch in friſchen
Fällen die Anlegung des Pneumothorax in Anwendung. Der
künſtliche Pneumothorax beſteht in Einblaſung von Luft in den
Bruſtfellraum. Dadurch wird die Lunge nach Bedarf ruhig geſtellt,
und dieſe Ruhigſtellung begünſtigt die Ausheilung des Krank=
heitsprozeſſes
. Die Frühdiagnoſe ermöglicht es dem Arzt, die
Lufteinblaſung zu einem Zeitpunkt vorzunehmen, in dem der
Prozeß örtlich begrenzt iſt und keine Bruſtfellverwachſungen be=
ſtehen
, die das Eindringen von Luft erſchweren.
Mit einer gewiſſen Spannung erwartete man den Vortrag
eines amerikaniſchen Forſchers, des Prof. Wilder von der be=
rühmten
Maye=Klinik in Rocheſter. Dieſe amerikaniſche
Klinik wird wegen der hervorragenden Leiſtungen auf dem Ge=
biete
der Chirurgie von Kranken aus allen Teilen der Union auſ=
geſucht
. Neben der operativen Tätigkeit wird dort aber auch eine
bedeutende Forſcherarbeit auf allen anderen Gebieten der Medi=
zin
geleiſtet und die ärztliche Arbeitsleiſtung iſt dort in ganz er=
ſtaunlicher
Weiſe durchgeführt. Prof. Wilder berichtete in aus=
gezeichnetem
Deutſch über ein ganz neuartiges, bisher nicht be=
kanntes
Krankheitsbild. Es handelt ſich um eine Krankheit, deren
Symptome ein Gegenſtück zur Zuckerkrankheit bilden. Durch bös=
artige
Wucherungen von Zellen der Langerhansſchen Inſeln in
der Bauchſpeicheldrüſe war bei einem vierzigjährigen Manne eine
Ueberproduktion an Inſulin, dem Sekret der Inſeldrüſe, entſtan=
den
. Die bedrohlichen Krankheitserſcheinungen konnten längere
Zeit durch Einſpritzungen von Traubenzuckerlöſung und Ernäh=
rung
mit Zucker ausgeglichen werden. Nach dem Tode des Kran=
ken
wurde die Wucherung der krebſig entarteten Inſelzellen nach=
gewieſen
. Es iſt hierbei beſonders intereſſant feſtzuſtellen, daß
auch eine bösartig entartete Zelle ihre Funktion beibehalten kann.
Nachdem durch die Beobachtungen der Amerikaner das Krank=

[ ][  ][ ]

5

Nummer 111

Samstag den 21 April 1928

Geite 3

Am Porabend der franzöſiſchen Wahlen.

Franzöſiſche Wahlſorgen.
Nur die Stichwahlen bringen die Entſcheidung.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 20. April.
Es gibt in Paris nicht weniger als 855 Kandidaten für 50
Wahlbezirke. Das bedeutet: im Durchſchnitt 16 Kandidaten für
jeden Bezirk. Zwiſchen dieſen Kandidaten gibt es mannigfache
Kategorien. Da ſind einmal die Kandidaten der großen Parteien,
zum anderen Kandidaten, die in den Wahlen ein Glücksſpiel
ſehen und die ſchon um des Ruhmes willen, Kandidaten zu ſein,
kandidieren, und endlich gibt es ſolche, die ihre Aufgabe nur
darin ſehen, ſoviel Stimmen wie nur irgend möglich vor dem
Kandidaten einer beſtimmten Partei zu erhaſchen und dann bei
den Stichwahlen den Kandidaten jener Partei zu unterſtützen,
der ſie in Wirklichkeit dienen. Denn letzten Endes geht alles auf
die Stichwahlen hinaus. Bei einer ſo ſtarken Zerſplitterung der
Kräfte kann dies auch nicht anders ſein. In der Provinz ſteht
es nicht viel beſſer, wenn auch die Zahl der Kandidaten nicht ſo
erſchreckend hoch iſt immerhin gibt es 3740 Kandidaten für 612
Wahlbezirke, was ungefähr ſechs Kandidaten pro Wahlbezirk be=
deutet
, aber dennoch gilt auch für die Provinz die bittere
Wahrheit: nur die Stichwahlen werden die Ent=
ſcheidung
bringen. Eine vollkommene Konfuſion iſt die
Folge dieſes in den Wahlbeſtimmungen wurzelnden Zuſtandes;
denn die kleinen Kombinationen und Wahlpakteleien bei den
Stichwahlen werden alles entſcheiden, und die großen Richtungen
kommen nicht zum Durchbruch
Die vielbeklagte unpolitiſche Einſtellung ſcheint übrigens nicht
ein Privileg der Wähler zu ſein, die ſelbſt auf die ſchärfſten Lock=
mittel
nicht mehr reagieren und an den bunteſten und grellſten
Plakaten gleichgültig vorübergehen; ſie trifft auch nicht mehr aus=
ſchließlich
auf die Kandidaten der Union mationale zu, ſie umfaßt
immer weitere Kreiſe. Und wenn man gewiſſe Aeußerungen von
außerhalb der Regierung ſtehenden führenden Parteimännern be=
denkt
, ſo fragt man ſich, ob in Frankreich nicht ſehr viel von dem,
was man vor noch nicht ſo langer Zeit Politik nannte, veraltet
iſt. Ueberall wünſcht man nur ſachliche Arbeit, und in vertrau=
lichen
Geſprächen kann man ſehr wegwerfende Urteile über Fra=
gen
und Prinzipien hören, die jahrzehntelang den Stoff zu den
heftigſten Debatten im Lande und in der Kammer abgaben und
noch heute die Grunddogmen von großen Parteien ſind . .
Man darf ſich aber auch in dieſem Sinne keinen Täuſchungen
hingeben. Es gibt wohl wenig Länder, wo man ſo empfindlich
alle politiſchen Stimmungen der Welt in ſich aufnimmt wie in
Frankreich, nirgendswo bringen die Wahlen ſo große Ueber=
raſchungen
, und nirgends bleiben die Dinge doch ſo ſehr beim
alten.
Die Wahlausſichten des autonomiſtiſchen
Gedankens im Elſaß
* Straßburg, 20. April. (Priv.=Tel.)
Wenn jemals ein autonomiſtiſcher Abgeordneter nach Paris
ginge, ſo würde kein franzöſiſcher Deputierter neben einem ſol=
chen
in der Kammer ſitzen wollen. Der franzöſiſche Präfekt von
Lothringen, Manceron, war es, der dieſes Wort ausſprach, und
er fügte hinzu: Ich halte daran, dies zu ſagen, obſchon es
eigentlich nicht notwendig iſt. Die Auffaſſung, die aus die=
ſen
Worten ſpricht, iſt typiſch dafür, wie die franzöſiſchen Be=
hörden
in Elſaß=Lothringen ihre nationale Pflicht ſehen. Denn
mit ſolchen Feſtſtellungen hat es natürlich für gewöhnlich nicht
ſein Bewenden, vielmehr ziehen die Behörden in Flſaß= Lothrin=
gen
, wenn ſie gute franzöſiſche Nationaliſten ſind und nur
ſolche werden in die befreiten Provinzen entſandt aus die=
ſer
Sachlage auch die Schlußfolgerungen und ſuchen auf Pa=
riſer
Geheiß alles das mit jedem Mittel zu unterdrücken, dem
auch nur ein Hauch von Autonomismus anhaftet.
So ſteht denn der Kampf gegen den autonomiſti=
ſchen
Gedanken im Mittelpunkt des Wahlkampfes in
Elſaß=Lothringen. Er bleibt dabei vielfach unausgeſprochen
und hält ſich im Hintergrund des elſäſſiſchen Wahlgeplänkels;
man iſt vorſichtig geworden und übt Zurückhaltung, denn man
weiß alle Daten der im Verlauf des letzten halben Jahres durch=
geführten
franzöſiſchen Bedrückungsmaßnahmen aufzuzählen,

beginnend mit dem Beſchluß des Miniſterrats über das Verbot
der Volksſtimme der Zukunft und, der Wahrheit über die
zahlreichen Verhaftungen, Hausſuchungen und Einkerkerungen,
und bis zum Verbot des Neuen Elſaß, des Erſatzblattes für
die ſämtlichen inzwiſchen verbotenen Preſſeorgane der Heimat=
rechtler
. Die eigentliche autonomiſtiſche Bewegung iſt damit
praktiſch lahmgelegt, die autonomiſtiſche Idee an ſich zwar aus=
geſchaltet
, aber genau ſo, wie ſie im Hintergrund einer jeden
Wahlverſammlung ſteht und bei der Aufſtellung eines jeden
Wahlaufrufs die größte Rolle ſpielt, genau ſo ſind nicht nur
ſämtliche Maßnahmen der offiziellen franzöſiſchen Verwaltung
auf die Bekämpfung des Autonomismus eingeſtellt, ſondern
auch die offiziell geduldeten Wahlmachenſchaften der nationalen
franzöſiſchen Parteien allein gegen ihn gerichtet.
Dabei iſt es von ſämtlichen größeren politiſchen Parteien
in Elſaß=Lothringen nur eine einzige, die offen den autonomiſti=
ſchen
Gedanken vertritt. Das ſind die Kommuniſten, die
es ſich nicht haben nehmen laſſen, mit dem Kampfruf für den
Autonomismus in die Wahlen einzutreten. Dieſe Par=
tet
hat mit ihrer Forderung der Volksabſtimmung
geradezu die Wiederaufrollung der elſaß= loth=
ringiſchen
Frage als internationales Problem
in ihr Programm aufgenommen. Die größte elſäſſiſche Partei,
das ehemalige Zentrum, die Elſäſſiſche Volkspartei, hat unter
dem Geſichtspunkt der Heimatbewegung inzwiſchen notgedrungen
eine Wandlung durchgemacht. Zu deutſcher Zeit der Sammel=
punkt
aller autonomiſtiſchen und partikulariſtiſchen Tendenzen
im Elſaß, iſt dieſe Partei jetzt national zuverläſſig geworden.
Obwohl das offizielle Frankreich im Verlauf des Kampfes gegen
den elſäſſiſchen Autonomismus dieſe klerikale Partei ſtets ge=
ſchont
hat, ergab ſich für ſie doch die Notwendigkeit, ſich eher
als andere Parteien mit den neuen Verhältniſſen abzufinden,
ja, Erklärungen über Erklärungen der Löhalität und treuen Er=
gebenheit
loszulaſſen, wenn ſie nicht in Frankreich erledigt
ſein wollte. Dieſe Notwendigkeit ergab ſich um ſo gebieteriſcher,
als die Autonomiſten=Affären notgedrungen auch weit bis in
die Reihen dieſer Partei hinüberſpielten, und als ſie von ihren
Gegnern immer wieder in Paris angeſchwärzt und ihre natio=
nale
Zuverläfſigkeit angezweifelt wurde. Schließlich hatte dieſe
Partei auch noch einen rechten, nationaliſtiſchen Flügel, der
offenſichtlich nach Frankreich tendierte und die autonomiſtiſche
Gefahr wütend bekämpfte. Teils aus wahltaktiſchen, teils
aus nationalpolitiſchen Rückſichten hat ſich die Elſäſſiſche Volks=
partei
im Unterelſaß mit den Demokraten als Union Nationale‟
verbunden. Das Wahlmanifeſt der beiden Parteien verweiſt
auf die Notwendigkeit, das finanzielle Sanierungswerk zu Ende
zu führen, tritt außenpolitiſch für eine Politik der Verſöhnung
ein, für eine durchgreifende Verwaltungsreform auf dem Ge=
biete
der Innenpolitik, und deutet den autonomiſtiſchen Gedan=
ken
nur in einem Satze an, indem es für einen geſunden Regio=,
nalismus eintritt.
Eine ebenſo elaſtiſche Parteipolitik wie die elſäſſiſche Volks=
Partei hat auch die ſozialiſtiſche Partei im Elſaß bewieſen. Zu
deutſcher Zeit eiferte ſie dem Zentrum in den autonomiſtiſchen
Beſtrebungen nach. Jetzt verſucht ſie dieſes bei jeder Gelegen=
heit
bei den Franzoſen als verdächtig anzuſchwärzen und ge=
bärdet
ſich ſelbſt als Frankreich treu ergeben.
Nach außen hin entſteht damit der Eindruck, daß der auto=
nomiſtiſche
Gedanke, wie erwähnt, programmatiſch nur
von den Kommuniſten vertreten wird. In Wahrheit ſind natür=
lich
die Grundforderungen der Heimatrechtler im ganzen elſäſſi=
ſchen
Volk tief verankert, und aus dem ganzen Volk kommen
ſtarke Antriebe zur Selbſtbehauptung von Volkstum und Sprache.
Man hat es nur in Paris und bei den franzöſiſchen Provinzial=
behörden
durch die unverhüllten Gewaltmaßnahmen ſo zu mahen
verſtanden, daß die meiſten Parteien, um nicht national anrüchig
zu werden, ſich gegenüber dem Autonomismus paſſiv verhalten.
Alle Gegenſätze im Lande wurden geſchickt ausgenutzt, eine Par=
tei
gegen die andere ausgeſpielt, der innere Zwiſt wurde geſchürt
und ſchließlich von Paris aus immer wieder mit ſolcher Ein=
dringlichkeit
die Parole vom vorbehaltloſen Franzoſentum aus=
gegeben
, begleitet durch die mannigfachen Einſchüchterungsmaß=
nahmen
, daß der Kommunismus, ſchließlich offiziell als der
alleinige Vertreter des Heimatrechtsgedanken daſtand. Ja, ſelbſt
die Vertretung dieſes Gedankens durch die Kommuniſten ſcheint
man gefördert zu haben, um auf dieſe Weiſe die Idee ſelbſt zu
diskreditieren.
Es ſteht aber noch keineswegs feſt, ob Frankreich nicht noch
verſchiedene Ueberraſchungen im Elſaß erlebt. Den Autono=
miſtenprozeß
hat man wohlweislich auf einen Termin nach den

Wahlen verlegt. Schon heute aber iſt bekannt, daß die Anklage
völlig zuſammengebrochen iſt. Was man in Poris unter dem
Schlagwort Autonomismus bekämpft, das iſt für die Elſäſſer
eine Zuſammenfaſſung ihrer national= und kulturpolitiſchen
Grundrechte, die ſie nie aufgeben werden, ganz gleich wie die
Wahlen ausfallen werden. Auch das taktiſche Aufrollen der
blau=weiß=roten Fahne ändert nichts an dieſer Tatſache. Das
wiſſen auch die Franzoſen.
Der Sinn des Autonomiſien=Prozeſſes.
* Straßburg, 20. April. (Priv.=Tel.)
Die elſäſſiſche Preſſe nimmt weiter ausführlich zu dem Ab=
ſchluß
der Unterſuchung gegen die elſäſſiſchen Autonomiſten Stel=
lung
. Faſt ausnahmslos wird von den Blättern jetzt nur noch
in ſehr ironiſcher Weiſe von dem Komplott der Autonomiſten
geſprochen, nachdem die Anklageſchrift erwieſen hat, daß faſt
alle Beſchuldigungen, die gegen die Autonomi=
ſten
vom Staatsanwalt erhoben wurden, in nichts zer=
fallen
ſind. Der Anklagevertreter, ſo heißt es, werde jetzt kaum
noch ſeine alte Behauptung aufrecht erhalten können, daß die
Verhafteten die Regierung hätten ſtürzen wollen. Die von der
Polizei veröffentlichte angebliche Miniſterliſte des autonomiſtiſchen
Kabinetts hätte ſich als Fälſchung erwieſen; gefälſcht ſei gleich=
falls
der Brief geweſen, worin den Autonomiſten die Abſicht un=
terſchoben
wurde, eine ſizilianiſche Veſper zu veranſtalten. Von
den angeblichen Waffendepots, die in der Anklage gleichfalls eine
große Rolle geſpielt hätten, ſei keine Spur entdeckt worden. Von
einem Komplott könne demnach gar keine Rede mehr ſein. Wenn
zwei oder mehrere Perſonen ſich zuſammenſchlöſſen, um durch
parlamentariſche Mittel ihre Abſichten zu verwirklichen, ſo könne
dann noch nicht von einer Verſchwörung die Rede ſein. Beſitze
denn das Elſaß nicht mehr das Recht, frei Kritik an Mißſtänden
zu üben, weil dies im Ausland einen ſchlechten Eindruck erwecken
könnte? Das ſcheine aber der uneingeſtandene Sinn des ganzen
Prozeſſes zu ſein.
Die polniſch=litauiſche Ausſprache.
Fortſetzung der Königsberger Verhandlungen
in Berlin.
Berlin, 20. April.
Die polniſchen Delegierten zu den litauiſch=polniſchen Ver=
handlungen
, der Leiter der Oſtabteilung im polniſchen Außen=
miniſterium
, Holowko, und der Leiter der Völkerbundsabteilung
im polniſchen Außenminiſterium, Tarnowſki, ſind heute morgen
mit dem Warſchauer Zuge in Berlin eingetroffen. Der dritte
polniſche Delegierte, der Chef des politiſchen Sekretariates im
polniſchen Außenminiſterium, Miniſterialrat Szumlakowſki, iſt
ebenfalls heute mittag aus Rom kommend in Berlin eingetroffen.
Die polniſchen Delegierten ſtatteten einen Beſuch in der litauiſchen
Geſandtſchaft ab, den die litauiſchen Delegierten um 15½ Uhr
im Hotel Eſplanade erwiderten. Um 17 Uhr begann die erſte
Sitzung in den Räumen der litauiſchen Geſandtſchaft.
Zaleſki über ſeine Rom=Reiſe.
Paris, 20. April.
Kurz vor ſeiner Abreiſe von Rom nach Warſchau äußerte
ſich Zaleſki über die Angriffe verſchiedener Blätter im Zuſammen=
hang
mit ſeiner Romreiſe. Er erklärte, daß die aufrichtige und
ernſtliche Freundſchaft zwiſchen den Ländern durch ſeine Ver=
handlungen
mit Muſſolini nicht gelitten hätten. Polen wiſſe die
franzöſiſche Freundſchaft zu ſchätzen und habe ſchon oft Gelegen=
heit
zu gemeinſamem Vorgehen mit Frankreich gehabt. Polen
wie Frankreich ſeien an der Auftechterhaltung der gegenwärtigen
Grenzen intereſſiert. Zaleſki hält eine ſolche Außenpolitik für
die nächſten 25 Jahre für die einzig richtige. Seine Romreiſe
hätte nur den Zweck gehabt, durch ſeine perſönliche Fühlung=
nahme
die Beziehungen zwiſchen Italien und Polen noch freund=
ſchaftlicher
zu geſtalten. Er ſei betroffen geweſen über die Be=
fürchtungen
verſchiedener franzöſiſcher Blätter, die ſie über ſeine
Romreiſe zum Ausdruck gebracht hätten.

heitsbild einmal bekannt geworden iſt, dürften ähnliche Fälle, die
bisher nicht geklärt werden konnten, eine neue Beurteilung er=
fahren
. Prof. Snapper=Amſterdam konnte in der Diskuſſion
über einen ähnlichen Fall berichten. Die weiteren Vorträge über
Inſulin, an denen auch der Entdecker eines künſtlich hergeſtellten
neuen Heilmittels gegen die Zuckerkrankheit, Synthalin, Prof.
Frank=Breslau teilnahm, bezogen ſich auf die Verwendungs=
möglichkeiten
dieſer neuen Heilmittel.
Das große Aufſehen, das die Entdeckung zweier Amerikaner,
Maynard und Murphy, hervorgerufen hat, kam in dem Referat
Seyderhelm=Frankfurt über Leberdiät bei bösartiger
Blutarmut (perniziöſer Anämie) zum Ausdruck. Referent ſtellte
feſt, daß die perniziöſe Blutarmut vermutlich durch ein bisher un=
bekanntes
Gift hervorgerufen wird, das das blutbildende Knochen=
mark
ſchädigt und zur Bildung minderwertiger, bald zerfallender
roter Blutkörperchen führt. Durch Ernährung mit Leber wird
dieſe Giftwirkung ausgeglichen und das Blut erlangt, ſolange
dieſe Leberdiät eingehalten wird, normale Zuſammenſetzung. Zu=
gleich
verſchwinden die lebensbedrohenden Krankheitserſcheinun=
gen
. In der Ausſprache beſtätigten die bedeutender Kliniker die
bisher unerreichten Heilerfolge mit Leberdiät. Rückhaltlos wurde
anerkannt, daß aber das Weſen des Heilvorgangs noch nicht ge=
klärt
ſei. Schilling=Berlin und Roſental=Berlin gaben
wichtige Unterſuchungen bekannt, die geeignet ſind, die biologiſche
Wirkung der Leber bei der Blutbildung in einem neuen Licht
erſcheinen zu laſſen. Außerdem wurden eine Reihe von Leber=
extrakten
bekannt gegeben, die gut wirken und die den Erſatz der
vielen Patienten unangenemen Lebernahrung durch beſſer
ſchmeckende Präparate in kleinen Doſen ermöglichen.
Der Kongreß war außerordentlich gut beſucht und hat gezeigt,
daß wiederum auf vielen Gebieten der Heilkunde erhebliche Fort=
ſchritte
erzielt ſind und manche aufgenommene Beobachtungen und
Heilverfahren allgemeine Anerkennung gefunden haben.
Dr. Georg Kaufmann.
*Die Münnerſtädter Kilianslegende‟

in München.
In der Aelteren Pinakothek ſind zurzeit, drei Flügeltafeln
vom ehemaligen Hochaltar in Münnerſtädt ausgeſtellt, die vor
kurzem durch Prof. H. Braune=Breslau als Frühwerke des
M. Grünewald veröffentlicht wurden. Die Bilder erfuhren eine
durchgreifende Reinigung im Reſtaurierungsatelier und kommen
nächſtens zur großen Dürerausſtellung nach Nürnberg. Hiermit
iſt den Kunſthiſtorikern erwünſchte Gelegenheit geboten, die Be=
hauptungen
H. Braunes, eines Gelehrten von Ruf und bekannt
durch die Entdeckung von M. Grünewalds Verſpottung Chriſti
in der Münchener Univerſität, ernſthaft nachzuprüfen. In einem

80. Geburtstag des großen Pſhchologen Stumpf.

Geheimrat Prof. Dr. Carl Stumpf
begeht am 21. April das Feſt ſeines 80. Geburtstages. Er wurde
1870 Dozent in Göttingen, 1873 ordentlicher Profeſſor in Würz=
burg
, 1879 in Prag, 1884 in Halle, 1889 in München und lehrte
von 1894 bis 1921 in Berlin. Seine 1883 erſchienene Tonpſycho=
logie
, ſeine erkenntnistheoretiſchen Werke und ſeine 1919 ver=
öffentlichten
Spinoza=Studien ſichern ihm einen unvergänglichen
Platz in der deutſchen Geiſteswiſſenſchaft.

längeren Aufſatz der M. N. N. wies Dr. E. Büchner, Konſer=
vator
der Bayeriſchen Staatsgalerien, an Hand von archivaliſchen
und ſtilkritiſchen Unterſuchungen überzeugend nach, daß die
frühere Zuweiſung des Altars an den großen Nürnberger Bild=
ſchnitzer
Veit Stoß zu Recht beſteht. Abgeſehen von der uns
im Münnerſtädter Kirchenarchiv, überkommenen Quittungsnote
des Künſtlers, herrſcht zwiſchen den Bildtafeln und den Stoßſchen
Kupferſtichen engſte Verwandtſchaft. Das Hauptſtück des
Altars, das Gottesgericht mit ſeiner derb=realiſtiſchen Darſtellung,
wie die Mörder des heiligen Kilian ſich ſelbſt zerfleiſchen, iſt ein
wichtiges Dokument ſpätgotiſcher Malerei, hat aber gleich den
übrigen Tafeln, anſcheinend unter der Einwirkung des Sonnen=
A. G.
lichtes, in der Farbengebung gelitten.

*Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. Freitag, den 20. April 1928.
Letztes Gaſtſpiel Konrad Dreher mit Enſemble.
Der alte Feinſchmecker.
Ein Münchener Schwank in vier Aufzügen von Ludwig Thoma.
Der alte Feinſchmecker iſt ein echter Thoma. Ein Schwank
von köſtlichem Humor, der, obſohl mit ſatiriſchem Einſchlag, nie
und niemand verletzt, der aber ganz ausgezeichnete Typen= und
Milieuſchilderungen gibt. So meiſterhaft, wie nur Thoma es
fertig gebracht hat. Ein echter Thoma und ein ebenſo echter
charakteriſtiſcher Münchener Schwank. Freilich, die FFr Preiß’n
kommen ſchlecht weg dabei, wie das bei Thoma und bei allen
echten Münchnern üblich iſt, aber auch das iſt mit köſtlichem
Humor gewürzt.
Der alte Feinſchmecker iſt der 50jährige verwitwete Privatier,
ehemalige Schweinemetzger Kiermeier, dem ein Spezi das
Töchterchen ſeines Freundes, eine kleine bildhübſche Berlinerin,
in Penſion gibt. Sie iſt ſo entzückend, daß der alte Feinſchmecker
ſeinen Preußenhaß vergißt und bald Feuer und Flamme iſt. Er
glaubt ſich auch wiedergeliebt, und aus all dem ergibt ſich wieder
köſtliche Situations= und Verwechſlungskomik. Aus dem tränen=
und kopfwehgewürzten Liebesſchmerz tröſtet die erwachende Sehn=
ſucht
nach Leber=Nockerln den alten Feinſchmecker in die Wirk=
lichkeit
zurück.
Der Blaſius Kiermeier, ſein Freund, Xaver Feſtl, und des
erſteren Schweſter und Hauskreuz gehören zu den köſtlichſten
Typenzeichnungen, die Thoma ſchuf. Sie fanden in Konrad
Dreher, Joſef Berger und Franziska Liebing wunder=
volle
Verkörperung. Was dieſe drei Rollen an naivem, urwüch=
ſigem
Humor im Text entbalten, wurde durch das Spiel nicht
nur reſtlos erſchöpft, ſondern erhielt noch Lichter aufgeſetzt durch
Maske und Eigengabe, daß ein gar koſtbarer Humor herauskam,
der nicht zu übertreffen iſt. Die übrigen Darſteller, von denen
noch Marie Brand als Köchin Lieſi, Elfriede Ferra als ent=
zückendes
Julchen Poppendieck, Hermann Neſſelträger als
gut charakteriſierter Berliner, der ſich von jeder Uebertreibung
fernhielt, und Albert Martens als Rochus Hingerl zu nennen
ſind, fügten ſich in ſtraffem Zuſammenſpiel dem Enſemble ſehr
gut ein. Franz Loskarns Negie ſorgte ſicher führend für
flottes Spiel. Von biederber Natürlichkeit war beſonders die
fidele Schlußſzene des dritten Aktes mit feuchter Maßkrugverbrü=
derung
in einem idylliſchen Münchener Gartenlokal.
Das faſt austerkaufte Haus bereitete den Gäſten mehr als
herzliche Sympathiekundgebungen. Konrad Dreher darf wieder=
kommen
.
**

[ ][  ][ ]

Seite 4

Samstag, den 21. April 1928

Nummer 141

Schluß der allgemeinen Etat=Oebatte
im Heſſiſchen Landtag.
Beginn der Einzelberatung.
Präſident Delp eröffnet um 10 Uhr 15 Mi. die Sitzung.
Nach Beantwortung zweier Kleiner Anfragen ſetzt das Haus die
Generalausſprache über den heſſiſchen Staatsvoranſchlag fort.
Abg. Dr. Werner (Dntl.) vertritt den Standpunkt, daß das
heſſiſche Parlauent ſehr wohl berechtigt ſei, ſich über Fragen der Außen=
politik
zu unterhalten angeſichts der wenige Kilometer vor Darmſtadt
verlaufenden franzöſiſchen Beſatzungsgrenze. Er ſpricht die Hoffnung
aus, daß die Erwartungen der Linken bezüglich der Räumung des be=
ſetzten
Gebietes ſich erfüllen möchten. Ueber die Erzbergerſche Finanz=
reform
ſei man vielfach auch in Zentrums= und demokratiſchen Kreiſen
geteilter Meinung. Die Zentraliſierung der Finanzpolitik habe keines=
wegs
verbilligend gewirkt. Daß der endgülrige Finanzausgleich und
die Neuregelung des Steuerverteilungsſchlüſſels noch nicht erfolgt ſei,
ſei dem häufigen Wechſel im Reichsfinanzminiſterium zuzuſchreiben,
Redner vertritt bezüglich der Hefrag dieſelbe Anſicht, wie ſie geſtern der
Abg. Kindt geäußert hat. Wenn die Forderung auf Demokratiſierung
der Verwaltung ſich durchſetzen ſollte, wären der Korruption Tür und
Tor geöffnet. Redner verſucht ſodann, die Haltung ſeiner Partei im
Reichstag und in der Reichsregierung zu rechtfertigen. Zum Schluß
kommt Redner auch auf die heſſiſche Regierungsbildung zu ſprechen,
wobei er die bereits bekannte Auffaſſung ſeiner Partei vertritt.
Redner beklagt ſich darüber, daß das Darmſtädte: Tagblatt Infor=
mationen
gehabt habe, die er ſelbſt offenbar nicht hatte.
Finanzminiſter Kirnberger gibt die Erklärung ab, daß die
Gerüchte, der Hefrag=Vertrag mit Frankfurt ſei anſtatt vor dem Gericht
bei einem Notar abgeſchloſſen worden, was mehr als 22 000 Mark Koſten
verurſacht habe, nicht ſtimmten. Der Vertrag ſei vor einem in Heſſen
nicht unbekannten Frankfurter Notar abgeſchloſſen worden, was keines=
wegs
höhere Koſten verurſacht habe, als wenn man den Vertrag vor
dem Gericht abgeſchloſſen hätte.
Abg. Eberle (Dem.) ſetzt ſich mit den Angriffen der Deutſch=
nationalen
auseinander, wobei er feſtſtellt, daß es doch auffallend ſei,
daß man heute die Tätigkei, des früheren Finanzminiſters Henrich doch
immerhin anerkenne, während mit früher immer von Mißwirtſchaft
und von Bettelgängen nach Berlin geſprohen habe. Man könne nicht
einfach, wie es vielfach geſchehen ſei, die Defizite der Länder mitein=
ander
vergleichen, da man dafüir eben nicht den für alle paſſenden Maß=
ſtab
habe. Dieſe Betrachtungsweiſe gebe ein ganz falſches Bild. Red=
ner
bezweifelt, ob die von dem Landbund auf die neugebildete Bauern=
partei
geſetzten Hoffnungen bei den kommenden Reichstagswahlen in
Erfüllung gehen

Abg. Prof. Axt (V.R.P.) vertritt die Auffaſſung, daß die Auf=
blähung
des Verwaltungsapparates noch eine Folgeerſcheinung der In=
flatuonszeiten
ſei, zum mindeſten aber dadurch begunſtigt wurde. Heſſen
hätte die Vereinfachung des Staatsweſens etappenweiſe vornehmen
ſollen und bereits vor dem Eingreifen des Reichsſparkommiſſars ener=
giſchere
Sparmaßnahmen ergreifen müſſen. Der übermäßig hobe Zins=
fuß
ſei letzten Endes das Grundübel der Notlage der Landwirtſchaft.
Den beſten Weg, die Kaufkraft zu ſtärken und die Wirtſchaft zu beleben,
erblickt Redner in einer gerechten Aufwertung. Ueber die in Heſſen
mögliche und anzuſtrebende Aufwertung habe bereits in der geſtrigen
Sitzung Präſident Beſt berichtet. Die Forderungen der Volfsrechts=
partei
ſeien in Anträgen niedergelegt.
Die Generaldebatte iſt damit beendet. Nach einer Reihe perſönlicher
Bemerkungen wird über die Vorbemerkungen zum Etat in erſter Leſung
abgeſtimmt. Das Haus beſchließt gemäß den Ausſchußanträgen.
Zu dem Kapitel Forſt= und Kameralgüter ſprechen die Abgeord=
neten
Angermeier (Komm.), Spärh (Zentr.), Anthes (Soz.)
und Glaſer (Lbd.).
Herr Landesforſtmeiſter Heſſe nimmt zu den Anregungen und
Wünſchen der genannten Abgeordneten Stellung. Er ſtellt feſt, daß
Heſſen das einzige Land iſt, das eine ſtaatliche Verſorgung ſeiner Forſt=
arbeiter
kenne. Er kündigt eine reichsgeſetzliche Regelung der Hinter=
bliebenenfürſorge
an. Die Arbeitszeit könne wicht wie auf anderen
Gebieten für die Forſtarbeiter ſchematiſch geregelt werden. Daher
beſtünde auch eine beſondere Lohnverrechnung. Die für den Wegebau
aufgowandten Mittel ſtellten eine gute Kapitalanlage dar. Die freudig
begrüßten Mehreinnahmen von Holz ſeien eine Folge der guten Kon=
funktur
und der Raſſenholzverwertung. An eine Aufgabe der Regie=
jagden
ſei nicht gedacht und könne wicht gedacht werden.
Die Abſtimmung über das Kapitel Forſt= und Kameralgüter wird
ausgeſetzt. Schluß der Sitzung gegen 2 Uhr. Nächſte Sitzung Diens=
tag
, den 24. April, vormittags 10 Uhr.
Schulſireit in Braunſchweig.
Berlin, 20. April.
Am 6. Januar 1928 wurde der Erlaß des früheren braun=
ſchweigiſchen
Miniſters Marquardt, der den Charakter der
braunſchweigiſchen Schulen als evangeliſch=lutheriſche Be=
kenntnisſchule
wieder hergeſtellt hatte (vom 19. September 1925),
von Miniſter Sievers, dem Vertreter der jetzigen ſozialiſtiſchen
Regierung, wieder aufgehoben. Er betonte, daß die braun=
ſchweigiſchen
Schulen keine Bekenntnisſchulen ſeien, vielmehr
den Charakter von Gemeinſchaftsſchulen trügen. Im Januar
traten darauf der Elternbund und das Konſiſtorium mit der
Bitte an den Reichsminiſter des Innern heran, einzuſchreiten.
Nach eingehender Prüfung der ganzen Sachlage hat, wie die

Blätter berichten, der Reichsminiſter des Innern den Stand=
punkt
eingenommen, daß die Schulen in Braunſchweig nach dem
Braunſchweiger Landesgeſetz evangeliſch=lutheriſche Schulen
ſeien, und daß nach Artikel 174 der Reichsverfaſſung dieſer Cha=
rakter
der Volksſchulen vor Erlaß eines Reichsſchulgeſetzes nicht
abgeändert werden dürfe. Der Reichsminiſter des Innern ver=
tritt
die Auffaſſung, daß der Erlaß vom 6. Januar 1928 im
Widerſpruch mit Artikel 174 der Reichsverfaſſung ſtehe. Er hält
die Anrufung des Reichsgerichts für erforderlich, um die Klä=
rung
dieſer Frage herbeizuführen. Dem braunſchweigiſchen
Miniſterium iſt mitgeteilt worden, daß der Reichsminiſter des
Innern die Eutſcheidung des Reichsgerichts anrufen werde, falls
die Regierung in Braunſchweig nicht bis zum 1. Mai bereits
eine Erklärung abgeben ſellte, daß ſie einen Ausgleich der gegen=
ſätzlichen
Auffaſſung für möglich hält.
Vermutlich wird dem Reichsminiſter von der Linken dieſes
Vorgehen im Wahlkampf ſtark angekreidet werden. Es ſcheint
uns aber, daß der Reichsminiſter gar nicht anders handeln
konnte, nachdem der Streit einmal vor ihn gebracht worden
war. Durch die Beſtimmungen der Verfaſſung, daß Reichsrecht
Landesrecht bricht, war er gezwungen, an das Reichsgericht zu
gehen, falls die braunſchweigiſche Regierung ſich nicht zu einer
Nachprüfung ihrer Entſcheidung entſchließen konnte.
Miniſter Krohne Kandidat der OVP.
* Berlin, 20. April. (Priv.=Tel.)
Die Deutſche Volkspartei hat auf den dritten Platz ihrer
Liſte in Pommern nach den Kandidaten Dr. Mittelmann und
Frau Dr. Matz den früheren Reichsverkehrsminiſter geſetzt, der
bekanntlich im Januar vorigen Jahres von ſeinem Amt zurück=
treten
mußte, um einem Deutſchnationalen Platz zu machen. Die
Volkspartei hat bei den letzten Wahlen in Pommern gerade einen
Kandidaten durchbekommen und brauchte noch einen Zuſchuß
an Stimmen aus Mecklenburg, um 60 000 Stimmen zu erreichen.
Sie hat aber inzwiſchen ihre Organiſationen ausgebaut und
rechnet mit einem größeren Stimmengewinn. Da Frau Dr. Matz
an führender Stelle der Reichsliſte als Vertreterin der Frauen
ſteht, liegt es keineswegs außerhalb des Bereiches der Möglich=
keit
, daß Dr. Krohne gewählt wird. Sein Eintritt in den Reichs=
tag
wäre gerade wegen ſeiner beſonderen Fachkenntniſſe auf dem
Gebiete des Verkehrsweſens ein Gewinn.

wohnt Darmſtadt,

Sprechſt. tägl. 8-12, Mont.
u. Donn. a. 36 Uhr.
Urin bringen
5745a)

Heilmagnetopath
Eliſabeth Fiſcher
Hornberger
Paul Wagner
Waldſtraße 49
Verlobte
Darmſtadt
Heinheimerſtr. 20 Beſſungerſtr. 41
Bſſe
Ihre heute nachmittag 3½ Uhr in der Stadt-
kapelle
stattfindende Trauung beehren sich
anzuzeigen
Elma Grauer
Wilhelm Ritserk

Darmstadt
Kiesstr. 67

(10794)

Neuwied a. Rh.
Kastellstr. 25

Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Mittag 12 Uhr
meinen lieben, guten Mann, unſeren Schwager und Onkel
Heiin erutg Aachſter
Eiſenbahn=Oberinſpektor i. R., Rechnungsrat
nach kurzem, ſchweren Krankſein, im Alter von nahezu 77 Jahren,
zu ſich in die Ewigkeit zu rufen. In tiefer Trauer:
Babette Nüchter, geb. Dieter.
Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 86, Paſſau, den 19. April 1928.
Die Feuerbeſtattung findet Montag, den 23. April, nachmittags
3 Uhr, auf dem Waldfrie hof ſtatt.
( 10778

Dankſagung.

Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
beim Hinſcheiden unſerer lieben Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter ſagen wir
unſern herzlichen Dank. Ganz beſonders danken
wir auch Herrn Pfarrer Beringer für ſeine
tröſtenden Worte beim Beerdigungsgottesdienſt
und dem Geſangverein Tiederkranz, für
ſeinen erhebenden Geſang.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fritz Hauck.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir
hiermit die tie ſchmerzliche Mittei ung, daß es Gott dem
Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben. guten Mann,
unſeren treuſorgenden Vater, Schwiegervater und Groß=
vater
, Bruder, Schwager und Onkel
Heiet Soh Arn
Landwirt und Gaſtwirt
nach ganz kurzem Krankenlager heute Nacht 3 Uhr im
Alter von 52 Jahren zu ſich zu rufen.
Wir bitten um ſtille Teilnahme.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Peter Höhl XVl. Wwe.
Philipp Höhl IV. und Familie
Ernſt Lindner und Frau.

Griesheim, den 20. April 1928.

(7052

Am 19. April 1928 verſchied nach kurzer
Krankheit
Frau Bertha Pfeffer
die in größter Pflichttreue nahezu 45 Jahre
in meinem Haushalte tätig war.
Ich bewahre ihr herzliche Dankbarkeit
auch über das Grab hinaus.
Baronin Ooris Hehl.
Darmſtadt, den 20. April 1928.
Heilshof.
Die Beſtattung auf dem Waldfriedhof findet am Montag,
den 23. April, nachmittags 3½ Uhr ſtatt. (*10905

Die Beerdigung findet Sonniag Nachmittag 3 Uhr
vom Trauerhauſe, Ofungſtädterſtr. 53 aus ſtatt.

Schaafheim, den 20. April 1928.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Anteilnahme an dem uns ſo ſchwer be=
troffenen
Verluſte unſerer lieben Tochter
und Schweſter

Martha

ſowie für die reichen Blumen= und
Kranzſpenden ſagen wir auf dieſem
Wege Allen herzlichen Dank. Beſonders
danken wir Herrn Pfarrer Kleeberger für
die troſtreichen Worte am Grabe, ſowie
den Herren Aerzten und Schweſtern des
Städt. Krankenhauſes für ihre liebe=
volle
Pfilege.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Ludwig Götz.
Darmſiadt, den 21. April 1928.
Nieder=Ramſtädterſtr. 20.

Herzliche Bitte.

Für eine gebildete, ſchwerkranke Witwe
nit 4 unmündigen Kindern biite ich warm=
herzige
Men chen um gütige Unterſtützung zur
Pflege und Schaffung einer Exiſienz.
Berlin N. W. 6, Philippsſtr. 5, I.
7071)
Pflug, Vormund

Todes=Anzeige.
Am Donnerstag nachmittag verſchied nach
kurzem, ſchwerem Leiden meine liebe Frau, unſere
gute Mutter, unſere liebe Tochter, Schweſter,
Schwägerin und Schwiegertochter
Frad Malte Meit
geb. Drach
im Alter von 27 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Hans Melk und Kinder
Karl Drach und Familie.
Darmſtadt, den 19. April 1928.
Die Beerdigung findet am Samstag, den 21. April,
nachmittags 4 Uhr, auf dem alten Friedhof an der
(7067
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt,

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme beim Heim=
gange
unſerer teueren ( Ent=
ſchlafenen
, ſowie für die zahl=
reichen
Kranzſpenden ſagen wir
unſeren aufrichtigen Dank. Ganz
beſonderen Dank Herrn Pfarrer
Marx für ſeine troſtreichen
Worte am Grabe.
Im Namen der
trauernden Hinterbliebenen:
Georg Schäfer
Wagenaufſeher i. W.
Blumenthalſtr. 34. (*10774

Dr. B. Dorr-Asa
Kinderärztin
nimmtam MMontag den 23. April,
ihre ärztl. Tätigkeit wieder auf.
Sprechstunde:
Rheinstraße 7
Montag bis Freitag von 34½ Uhr.
Telefon 3448
(*10810

BESEITIGUNG
1OMARR.GARANTIE.
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FRANKFURTm.
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9. Joseph, Bentist
Darkt 4, am Pischhaus Fertig

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Arten Flechten
ſowie andere Leiden
heilt Natur= und
Kräuterheilk. Dies=
bezügl
. Aufrag unt.
J 135 Geſchſt. (*10851

RhhthmiſcheShmnaſti
für Damen u. Herren erteilt bei mäß, Honorar
Wally Martin
Darmſtadt
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Hügelſtr. 37
Warne jeden
meiner Frau etwas zu borgen,
da ich für nichts aufkomme. (*104
Guſtav Fiſcher, Mollerſtr. 2

Emaille=Lack alle Farben empf. Drog. Secher
Nachf. Ludwigshöhſtraße 1.
(B 5085

Für Kräuter-Kuren

alle erforderlie

Tees bei Brogen
uisenslr. 4 -Ferur.62 Liebig
V.658.

Sterbekaſſen=Verein
Ruhe‟
48. Hauptverſammlung
Samstag, den 28. April 1928, abds.
8 Uhr, in der Stadt Koburg, Waldſtr. 2.
Die geprüfte Rechnung liegt bei dem
Rechner bis 26. April zur Einſicht der
Mitglieder offen. Die verehrl. Mit=
glieder
werden dringend gebeten, zahl=
reich
zu erſcheinen.
(210775
Der Vorſtand.

Bibliſcher Vortrag
von Prediger N. Rudnitzky
im Verſammlungsſaale der Gemeinde gläubig getaufter
Chriſten (Baptiſten) Mauerſtraße 17.
Sonntag vormitt. 10 Uhr und nachm. 4 Uhr:
Auferſtehungsgewißheit und der
Herrlichkeitsleib der Auferſtandenen
Jedermann, ſauch jüdiſche Mitbürger) freundlichſt
eingeladen.
(* 10783

Wer krumm mit Hühneraugen
geht,
Muß Lebewohlek sich
kaufen,
Nur wer gesund auf Füßen steht,
Kann immer aufrecht laufen!

Gemeint ist natürlich das berühmte, von vie en Aerzten
empfohlene Hühneraugen -Lebewohl mit druckmilderndem
Filzring für die Zehen und Lebewohl-Ballenscheiben für die
Eußsohle Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl-Fußbad
gegen empfindl che Füße und Fußschweiß. Schachtel (2 Bäder)
50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben!
Gg Liebig & Co., Dogerie, Luisenstr. 4, Palais-Drogerie
Paul Pohl, Ecke Saalbau- un /Elisabethenstr., Fr. Schaefer,
Ludwigsplatz 7, Engel-Drog. H. Schaub, Karlstr. 18, Gebr:
(1I. Dr. 3844
Vierheller, Drogerie, Schustergasse 14.

[ ][  ][ ]

Nummer 111
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 21. April.
Ernannt wurde: Am 14. April: die Kanzleigehilfin Emma Caſt
zu Offenbach a. M. zur Kanzliſtin, mit Wirkung vom 16. April 1928.
Verſetzung in den Ruheſtand. Am 1. Mai 1928 tritt der Förſter
Philipp Wade 1. zu Nieder=Roden auf Grund des 8 1 des Geſetzes
über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzwv. 19. Dezem=
ber
1923 in Verbindung mit Artikel 2 des Geſetzes über die Einſtellung
des Perſonalabbaues in Heſſen und zur Aenderung des heſſiſchen Per=
ſonalabbaugeſetzes
vom 8. Oktober 1925 in den Ruheſtand.
Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehreu an
der Volksſchule in Alsheim, Kreis Worms; Dienſtwohnung iſt vor=
handen
und frei.
Jubiläum. Heute ſind 25 Jahre verfloſſen, daß Herr Oberſtadt=
ſekretär
Ludwig Merkel, zurzeit am Städtiſchen Wohlfahrtsamt
tätig, in den Dienſt der Stadt eingetreten iſt. Herr Merkel beſitzt nicht
nur das Vertrauen ſeiner Behörde, ſondern iſt auh in weiten Kreiſen
der Bevölkerung wegen ſeines Entgegenkommens und ſeiner Hilfsbereit=
ſchaft
geſchätzt und beliebt.
Im Schloßmuſeum finden Führungen täglich vorm. 11 und 11½
Uhr, nachm. 3½ und 4 Uhr ſtatt. Samstag geſchloſſen.
Heſſiſches Landestheater. In der heutigen Candida= Auf=
führung
, die im Großen Haus ſtattfindet, ſpielt Hans Schalla
vom Stadttheater in Altona als Gaſt auf Anſtellung den Marchbanks
In der Schinderhannes=Aufführung am Dienstag, den
21. April, gaſtiert als Bückler Walter Kuliſch, der neulich bereits mit
beſonderem Erfolg dieſe Rolle geſpielt hat.
Die Aufführung von Cavalleria ruſticana und Ba=
jazzo
in der heute Richard Dresdner vom Stadttheater in Kre=
feld
gaſtiert, beginnt um 15 Uhr.
Die Bühnenbilder zu Strindbergs Traumſpiel, das Ende
nächſter Woche im Großen Haus zum erſten Male geſpielt wird, ſtam=
men
von Lothar Schenck von Trapp.
Morgen Sonntag wird im Kleinen Haus das Märchen Humſti=
Vumſti wiederholt. Die Aufführung beginnt um 14 Uhr 30.
Die letzte Vorführung des erfolgreichen Films Die Jungfern
reiſeder Cap Arcona morgen Sonntag beginnt um 11 Uhr.
Mittwoch, den 25. April, wird zum letzten Male in dieſer Spiel=
zeit
Aubers Stumme von Portici gegeben.
Manda von Kreibig hat für ihren am Montag, den B. April,
abends 8 Uhr, im Kleinen Haus ſtattfindenden letzten Tanzabend ein
auserleſenes künſtleviſches Progranmn zuſammengeſtellt. Den Beginn
machen vier Tänze heiteren Charakters, die bereits bei dem letzten
Abend der Künſtlerin vom Pnblikum mit großer Begeiſterung auf=
genommen
wurden. Es folgt als ganz neue Darbietung ein Illuſions=
tanz
nach Ideen von Profeſſor Oscar Schlammer (Bauhaus Deſſau),
ein Tanz (Fandango) nach Manuel de Falla, zwei Stücke aus der
Puvazetiiſuite von Caſella und als Abſchluß ein Epilog. Die Tänze
werden von den Herren Hans A. Hayn und Karl Dictrich am Flüigel
begleitet.
Darmſtädter Hütte. Wie wvir erfahren, ſind die Schneeverhält=
niſſe
im Gebiet der Darmſtädter Hütte für Ski und Rodel ausgezeichnet.
Die Schneedecke beträgt zirka 70 Zentimeter. Sonntagskarte iſt bis
Achern erhältlich.
Kirchenmuſikaliſche Abendfeier. Am Samstag abend (21. April)
um 8 Uhr wird das Hornquartett Pfarrer Kalbhenns und ſeiner
vier Söhne in der Johanneskirche der Gemeinde eine Feier=
ſtunde
bereiten. Oſter= und Pfingſtweiſen werden in Bachſchen Sätzen
erklingen. Dazwiſchen werden verbindende Bibel= oder Liederworte
geſprochen werden. Die Geſangbücher ſind mitzubringen. Jedermann
iſt herzlich zu dieſer Feier eingeladen. Programme ſind am Eingang
für 20 Pfg. zu haben. Am Schluß der Feier werden an die Konfir=
manden
des Nordbezirks die Konfirmandenſcheine ausgeteilt werden.
Markusgemeinde. Unſer Gemeindeverein veranſtaltet Montag,
den 23. Abril, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, wieder
einen Vortragsabend. Pfarrer Vogel wird ſprechen über Unerhörte
Gebete und damit ein beſonders ſchwieriges Gebiet aus der Welt
des Gebets behandeln. Es wird gebeten, Geſangöücher mitzubringen.
An dieſen religiöſen Vortragsabenden ſollen die Zuhörer zugleich mit
weniger bekannten aber wertvollen Liedern des Gefangbuches vertraut
gemacht werden.
Der diesjährige Muttertag findet im ganzen Deutſchen Reiche
am 13. Mai ſtatt. Für Darmſtadt iſt eine Verlegung auf 10. Juni in
Ausſicht genommen. Eine Kommiſſion aus prominenten Perſönlich=
keiten
wird am kommenden Diensrag zuſammentreten. An dem Mutter=
tag
werden ſich alle Vereine und Korporationen beteiligen.
Mozart=Verein. In dem Konzert am 25. April ſingt die
Japaniſche Nachtigall Hatſue Yuaſa aus Tokio in deutſcher
Sprache Mozart und Reger; um aber auch einen Einblick zu bieten
in das Lied ihrer Heimat, wird ſie Lieder von Koſaku Yamada
und Hindemar Konoge in ihrer Mutterſprache zum Vortrag
bringen. Die aſiatiſche Künſtlerin wird begleitet von dem Pianiſten
Walther Karl Meißner aus Berlin. Stimmen aus aller
Welt vereinigen ſich in dem Lob hoher Künſtlerſchaft dieſer jungen
Sängerin. Sie iſt mit ihrer lieben Stimme ein Stückchen Kirſchblüten=
feſt
, und bei der Eroberung des deutſchen Liedes iſt ihr ein voller Sieg
ſicher. Zu dieſen Darbietungen geſellt ſich ein Chorprogramm, von
Kapellmeiſter Rehbock vorbereitet, unserſtützt durch die Mitwirkung
der Sängerin Helene Kühling, des Drummquartetts, eines
Hörner=Trios und des Pianiſten F. Fiſcher, ſo daß der Mozart=Verein
mit einem vielverſpreihenden Konzert ſein 84. Vereinsjahr beſchließen
kann. Karten für Mitglieder bei O. Titze, Eliſabethenſtr.
Kunſtverein. Die derzeitige Ausſtellung der Freien Vereinigung
der Graphiker zu Berlin in der Kunſthalle am Rheintor erfreut ſich)
lebhaften Intereſſes. Nachzutragen wäre noch, daß auch Prof. Maz
Liebermann mit 5 handſignierten Blättern vertreten iſt. Von den
ausgeſtellten Arbeiten ſind für die Weihnachtsverloſung des Kunſtver=
eins
die folgenden in je einem Exemplau erworben worden: E. Con=
ſentius
: Eisbären, E. Fähndrich; Alter Rocke, G. Auguſtin
Rothenburg, Prof. E. Orlik: Friedrich Kraus, Prof. Schmoll
von Eiſenwerth: Litauerin, und E. Halleur: Schneeballen.
Von der letztgenanuten Künſtlerin ſind außerdem 4 farbige Handdrucke
in Privatbeſitz übergegangen. Da gerade eben die Möglichkeit gegeben
iſt, zu verhältnismäßig kleinen Preiſen gute Arbeiten zu erwerben,
kann der Beſuch der Schan nur empfohlen werde
Darmſtüdter Juriſtiſche Geſellfchaft. An 10. Vortragsabend,
Freitag, den 27. April 1928, abe
Uht, im Saale des Hotels
Trauße ſpricht Herr Regierungsrat Dr. Kreßs vom hieſigen Miniſte=
rium
des Innern über Verkehrsrecht, Verkehrswirtſchaft und Verkehrs
politik
Das Aſta=Nielfen=Gaſtſpiel abſoldiert heutte Sat
g im Orpheum
ſeine dritt= und letzte Aufführung von Alexander Dumas Schauſpiel
in 5 Aufzügen Die Kameliendam=
Haſtſpiel, das in künſtleri=
ſcher
Beziehung einen großen Erfolg darſrellt, wurde von ſeiten des
Publikums und der Preſſe mit einmütigem und beaihtenswertem Enthu=
ſiasmus
aufgenommen. Eine weitere Verlängerung oder Wiederholung
iſt nicht möglich, es empfiehlt ſich daher, die heutige letzte Auf=
führung
nicht zu verſänmen. Kartenverkauf wie vekannt. (Siehe
Anzeige.
Schiedsſpruch für die kaufmänniſchen und techniſchen Anſtellten.
Vom Zentralverband der Angeſtellten wird mitgeteilt: Nachdem die
Verhandlungen über den Neuabſehluß des Manteltarifs ſowie des Ge=
haltsabkommens
ergebnislos verlaufen ſind, hatten die beteiligten An=
geſtelltenorganiſationen
den Schlichtungsausſchuß angerufen. Die Vei=
handlungen
fanden geſtern mir folgendem Ergebnis ſtatt: Für die An=
geſtellten
der unteren Gruppen 8 und für die oberen Gruppen 7 Pr=
zent
. Erklärungsfrift bis kommenden Mittwoch.
Zur Warnung. In der letzten Zeit mehren ſich die Fälle, daß
Fuhrwerke zum Be= und Entladen, entgegen der Polizeiverordnung
vom 25. März 1913 und Nachtragsverordnung vom 26. Januar 1920 auf
den Fußſteigen aufgeſtellt werden. Insbeſondere nehmen ſich u. a. Fuhr=
leute
das Recht, in Straßen, in denen die Straßenbahn verkehrt, ihre
Fuhrwerke auf die Fußſteige zu ſtellen, um möglichſt bequem und un=
geſtört
das Auf= bziv. Abladen von Frachrgütern vornehmen zu können.
Es werden hierdurch nicht nur die Fußſteige beſchädigt, ſondern die
Fußgänger werden dadurch auch vielfach auf die Fahrbahn gedrängt
und ſomit den Gefahren des geſamten vollenden Straßenverkehrs aus=
/geſetzt. Desgleichen wird immer wieder von anderen Perſonen in
der Benützung ihrer Handwagen, gegen die vorgenannte Verordnung
verſtoßen, indem ſie ebenfalls die Fußſteige zum bequemeren Faüren
benutzen. Die Polizeibeamten ſind angewieſen, auf die widerrechtliche
Benutzung der Fußſteige beſonders zu achten und gegen Zuwiderhan=
delnde
Anzeige zu erbeben.

Samstag, den 21. April 1928

Zu Ehren Juſtus von Liebigs.
Darmſtadt iſt eine Stadt der Erinnerungsſtätten. Aus den
vergangenen Jahrhunderten bis in unſere Tage überall ſtoßen
wir auf Zeichen, daß da und da ein großer Mann, eine bedeu=
tende
Frau lebte und arbeitete, die zu Darmſtadt in irgend einer
näheren Beziehung ſtand, von dieſer Stadt einer vornehmen
Lebenskultur irgendwie beeindruckt wurde.
Und ſo iſt man nun in dieſem Jahre mit Eifer und Energie
daran gegangen, Darmſtadts größtem Sohne, dem Chemiker
Fuſtus von Liebig, eine Erinnerungsſtätte zu weihen, wie
ſie ſchöner nicht gedacht werden kann. Sein Geburtshaus in der
Großen Kaplaneigaſſe wurde nach langen Jahren eines unwür=
digen
Bauzuſtandes wiederhergeſtellt und wird am 7. Juli in
einer ſchlichten Feier ſeiner Beſtimmung übergeben werden,
Schlicht und einfach wie der Mann war, ſo ſoll auch die Feier der
Uebergabe ſein. Zwar wird die Verſammlung, die zu Ehren des
großen Toten anweſend iſt, weltumſpannend ſein. Haben doch
faſt alle Kulturſtaaten der Erde, bzw. deren führende Fachvereini=
gungen
, ihr. lebhaftes Intcreſſe an dieſer Feierlichkeit bezeigt.
Verbunden iſt dieſer Akt mit einer Liebig=Wöhler=Feier in der
Otto=Berndt=Halle.
Darmſtadt wird an dieſen Tagen Mittelpunkt eines Welt=
intereſſes
ſein. Es ehrt ſich ſelbſt, indem es ſeinem Juſtus von
Liebig, dem treuen Sohn ſeiner Vaterſtadt, eine Erinnerungs=
ſtätte
errichtet.

Der Menſch in geſunden und franken Tagen.
Zur Eröffnung der Ausſtellung am Samstag vormittag 11 Uhr.
Eigentlich ſollte uns nichis näher liegen, als unſer eigener Kör=
per
. Niht nur, weil Krankheiten, die ihn befallen, außerordentlich
ſtörend, oft ſchmerzhaft und gefährlich ſind, weil ſie uns wirtſchaftlich
ſchaden, nein, auch weil unſer Körper an ſich ja die Grundlage
unſeres ganzen Daſeins iſt, und weil wir im Tiefſten ver=
pflichtet
ſind, dieſen Körper nicht nur kräftig zu erhalten, ſondern ihn
in ſeiner Leiſtungsfähigkeit möglichſt noch zu ſteigern.
Merkwürdigerweiſe aber diſſen nur ſehr wenige Menſchen über
ſich ſelbſt, d. h. über ihren Körper, Beſcheid, und ſo kommt es auch,
daß nur ſehr wenige Menſchen Sinn für Pflege und Ent=
wicklung
dieſes Körpers haben. An dieſer Unkenntnis ſchei=
tern
auch ſehr viele ſozialhygieniſchen Maßnahmen und Beſtrebungen,
ſcheitert vieles in der öffentlichen Geſundheitspflege.
Deshalb hat die Ausſtellung Der Menſch in geſunden
und kranken Tagen, die hier vom 21. April bis 6. Mai ſtatt=
findet
, es ſich zur Aufgabe gemacht, die Menſchen zunächſt einmal über
den Körper in geſunden Tagen zu unterruhten. Erſt wenn alle die
normale Tätigkeit und den nornalen Bau des Menſchenkörpers be=
griffen
haben, können ſie Krankheitsvorgänge in ihm verſtehen und mit
Erfolg und Ueberlegung ſolchen Krankheitszuſtänden vorbeugen reſpef=
tive
bekämpfen.
Das Beſondere der Ausſtellung beſteht niht darin, daß nicht tote
Buchweisheit gebracht wird, ſondern daß der Körper anſchaulich,
in voller Tätigkeit und Bewegung vorgeführt wird. Im
Spiel geradezu lernt der Beſucher alles, was für ihn wiſſenswert und
wichtig iſt
Außerdem ſind die dargeſtellten Dinge zum Teil von hohem Schön=
heitswert
. Wir erinnern nur an den durchſi tigen Menſchen, jene
Sammlung ſpundervoller, durchſcheinende Präparate. Mit immer
neuer Begeiſterung ſtrömen allerorten die Menſchen m Den Menſchen,
und nachdom ſie den geſunden Menſchen ſchätzen und lieben gelernt
haben, ſtudieren ſie mit Eifer die Feinde der Geſundheit, und anſchlie=
ßend
die Mittel und Wege, geſund zu bleiben oder wieder zu werden.
Es iſt wohl ſelbſwverſtändlich, daß auch in dieſen Abteilungen von der
bewährter Unterühtsmethode nicht abgegangen wird, daß alles in
lebendiger, anſchaulicher Weiſe dargeboten wird. Doch
das wird ia der Beſucher ſelbft ſehen und braucht hier nicht näher er=
örtert
zu werden. Es iſt nur zu wünſchen, daß möglichſt jeder ſich
Ausſtelluny Der Meuſch in geſunden und kranken Tagen anſieht.
bei Ludwig Saeng
Mldases Kirenstrasse 20, nte=

Heſſiſches Rotes Kreuz. Zur Ausſtellung Der Menſch die
in der Zeit vom 21. April bis 6. Mai d. J. in dem Ausſtellungsgebäude
der Künſtlerkolonie ſtattfindet, können unſere Mitglieder (ſowohl des
Heſſ. Landesvereins vom Roten Kreuz als auch des Alice=Frauen=
Vereins) auf den Geſchäftsſtellen Paradeplatz 4 und Dieburger Straf
Eintrittskarten zum ermäßigten Preiſe von 30 Pfg. beziehen.
Der Mittelrheiniſche Architekten= und Ingenieur=Verein
ſchäftſtelle Liebigſtraße 25, Telephon 4277) macht die Heſſiſche Fach=
genoſſenſchaft
auf zwei äußerſt lohnende Studienfahrten aufmerkſam.
1. Studienreiſenach Holland und England. Die Deutſche
Gartenſtadt=Geſellſchaft, Berlin W. 35, Flottwellſtr. 2 (Telephon Lützow
6923), veranſtaltet in der Zeit vom 30. Mai bis etwa 10. Juni eine
Studienreiſe nach Holland, England und Belgien. Die Koſten betragen
bis Antwerpen 400, RM., einſchl. 2. Kl. Eiſenbahn, 1. Kl. Schiff,
Autofahrten, Hotels, Verpflegung und Trinkgelder, aber ausſchließlich
der Getränke. Die Teilnahme von Damen iſt erwünſcht. Baldige An=
meldung
erbeten. Bei der Aumeldung ſind 50, RM. auf das Poſt=
ſcheckkonto
Berlin 29 182 einzuzahlen. 2. Ingenieur= und Tech=
nikerfahrt
durch Oeſterreich. Das Deutſche Verkehrsbüro
in Wien, I. Burgring 1, veranſtaltet am 27. Auguſt 1928 gemeinſam
mit der Deutſch=Oeſterreichiſchen Reiſe=Vereinigung Nord=Süid, in
Graz, Radetzkyſtraße z eine Ingenieur= und Technikerfahrt nach
Oeſterreich von 14= bzw. 18 rägiger Dauer, bei welcher die wichtigſten
öſterreichiſchen Induſtriewerke, die neueſten Waſſerkraft= und Elektrizi=
tätsanlagen
unter fachmänniſcher Führung beſichtigt und die ſchönſten
Punkte Oeſterreichs beſucht werden. 1. Route: Linz, Wien, Graz,
Leoben, Klagenfurt, Villach, Bad=Gaſtein, Salzbuug. 2. Route außer=
dem
Innsbruck, Bregenz. Die Reiſekoſten (Fahrtkoſten, Unterkunft,
Verpflegung einſchl. Trinkgeld, Rundfahrten uſw.) betragen, Route 1:
(14 tägig) Endpunkt Salzburg Mk. 250,; Route 2: (18 tägig) Endpunkt
Bregenz Mk. 330,. Anfragen und Anmeldungen ſind zu richten an:
Deutſches Verkehrsbüro, Wien I, Burgring 1. Die Reiſerouten können
auch auf dem Verkehrsbüro in Darmſtadt, Ernſt=Ludwigs=Platz, ei=
geſehen
werden.
Gemeinverſtändliche Darſtellung des Kriegsſchädenſchlußgeſetzes.
Eine vom Bund der Auslandsdeutſchen herausgegebene gemeinderſtänd=
liche
Darſtellung des Kriegsſchädenſchlußgeſetzes, welihe die erſte Aus=
führungsbeſtimmung
des Präſidenten des Reichsentſchädigungsamtes
zum Kriegsſchädenſchlußgeſetz mit enthalten wird und in einem Anhang
den Wortlaut des Geſetzes und der Härtefondsrüchtlinien widergibt,
ſoll dem Aufklärungsbedürfnis der Geſchädigten Rechnung tragen. Die
Schrift, welche etwa 72 Seiten umfaßt, kann von dem Bund der Aus=
landsdeutſchen
, Berlin C 2, Kloſterſtraße 75, bezogen werden. Auch
etwaige Anfragen Geſchädigter wegen ihrer Vertretung durch die Rechts=
ſchutzabteilung
des Bundes ſind an die gleiche Stelle zu vichten.
Polizeiberſcht. Warnung vor einem Betrüger. In
verſchiedenen Städten tritt zurzeir ein Betrüger mit Erfolg auf, der ſich
als Kriminalbe mter ausgibt und bei ſeinen Opfern ein Familienmrit=
ied
eines Gelddiebſtahls bezichtigt. Eu nimmt dann ſofort eine Durch=
ſuihung
nach Geld vor. Das vorgefundene Geld beſchlagnahmt er und
verſchſuinder damit. Als Legitimation bedient er ſich eines Ausweiſes,
den er abe= bei Verlangen niecht aus der Hand gißt. Nach den Ermit=
telungen
handelt es ſich um den aus dem Krankenhaus in Elberfeld
entwichenen Unterſuchungsgefangenen Emil Hilpert, geboren am 2. De=
zember
1891 zu Weida. Hilpert iſt 1,72 Meter groß, hat dunkle Haare,
hehe Stirn, braune Augen, dunkle Augenbrauen, geradlinige Naſe, ge=
ſunde
Zähne und friſche Geſicltsfarbe. Es wird um ſofortige fern=
mnündliche
Benachrichtigung der Kriminal=Abteilung gebeten, wenn Hil=
bſtähle
. In einem Hauſe in
pert auch hier auftreten ſollte.
der Waldſtraße wurde in ein Manſardenzimmer eingebrochen und außer
verſchiedenen Damenkleidern ein vergoldete. Damenarmbanduhr
ſtohlen. Im Schlachthof wurde ein Herrenfahrrad, Marke Miele, ent=
wendet
. Tödlicher Treppenabſturz. Geſtern ahend ſtürzte
in dem Hauſe Obergaſſe 36 ein 51jähriger lediger Transportarbeiter
beim Nachhauſegehen rüchwärts die nach ſeinem Zimmen" führende
Treppe herab. Durch den Srurz erlitt er derart ſchwere Verletzungen.
daß er alscald verſtarb. Lehensmüde. In ſelbſtmörderiſcher
Abſichr ſprang geſtern nachmittag ein 17jähriges Mädchen am ſudbiche
Ufer in den Woog. Durch einen vorübergehenden Spaziergänger wurde
das Mädchen wieder aus dem Waſſer gezogen.

Seite 5

Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
Großes Haus.
Sonntag, den 22. April, 19 Uhr, Ende 22 Uhr. Sonntagsfremden=
miete
weiß (13), grün (9). Egmont, Schauſpiel von
Goethe. Preiſe: 1.20 bis 12 M.
Montag, den 23. April: Keine Vorſtellung.
Dienstag, den 24. April, 19½ Uhr, Ende 22½ Uhr. A 17.
Schinderhannes, Schauſpiel von Zuckmeyer.
Preiſe: 1 bis 10 M.
Mittwoch, den 25. April, 19½ Uhr, Ende gegen 21½ Uhr. B 18.
Die Stumme von Portici Oper von Auber.
Preiſe: 1 bis 10 M.
Donnerstag, den 26. April, 19½ Uhr, Ende 22 Uhr. D 18. Dia=
mileh
Oper von Bizet. Hierauf: Barabau Ballett
von Rieti. Hierauf: Gianni Schicchi, Oper von
Puccini. Preiſe: 1 bis 10 M.
Freitag, den 27. April: Keine Vorſtellung.
Samstag, den 28. April, 19½ Uhr, Ende 22 Uhr. I. 17. Zum
erſten Male: Ein Traumſpiel von Strindberg.
Preiſe: 1 bis 10 M.
Sonntag, den 29. April, 19 Uhr, Ende 22½ Uhr. Sonntags=
fremdenmiete
weiß (14). Die Zauberflöte‟, Oper
von Mozart. Preiſe: 0.70 bis 7 M.
Kleines Haus.
Sonntag, den 22. April, 11 Uhr: Film Die Jungfern=
reiſeder
Cap Arcona, Preiſe: 0.80 bis 2 M.
14½ Uhr: Das Märchen Humſti=Bumſtit. Preiſe:
0.40 bis 2 M.
19½ Uhr, Ende 22 Uhr. Zuſatzmiete TV (10). Der
Barbier von Sevilla, Oper von Roſſini. Preiſe:
1.50 bis 7.50 M.
Montag, den 23. April, 20 Uhr: Tanzabend Manda von
Kreibig. Preiſe: 1, 2 und 3 M.
Dienstag, den 24. April: Keine Vorſtellung.
Mittwoch, den 25. April: Keine Vorſtellung.
Donnerstag, den 26. April, 20 Uhr, Ende nach 22 Uhr. G 15
(Darmſt. Volksbühne), Gruppe I und II. Candida,
Schauſpiel von Shaw. Preiſe: 1 bis 5 M.
Freitag, den 27. April, 19½ Uhr, Ende 22 Uhr. Der Bar=
bier
von Sevilla, Komiſche Oper von Roſſini.
Preiſe: 1.20 bis 6 M.
Samstag, den 28. April, 20 Uhr: Letzter Kammermuſik=
abend
des Drumm=Quartetts. Preiſe: 1, 2 und
3 Mark.
Sonntag, den 29. April, 14½ Uhr, Ende 16½ Uhr: Das Märchen
Humſti=Bumſti. Preiſe: 0.40 bis 2 M.
20 Uhr, Ende 22 Uhr. G 15 (Darmſt. Volksbühne), Gruppe
II und IV. Das Spiel von Liebe und Tod,
Schaufpiel von Rolland. Preiſe: 1 bis 5 M.

Die Morgenfeier der Volkshochſchule am Sonntag, den 22. April,
beginnt um 11½ Uhr im Feſtſaal des Realgymnaſiums, Kirchſtraße 22.
Die Vortragskünſtlerin Frau Meerwarth=Sebold wird Ge=
dichte
verſchiedener Literatur=Epochen zum Vortrag bringen, und die
beſtens bekannte Konzertſängenin Frau Horn=Stoll wird unter
anderem Lieder des Darmſtädter Komponiſten Arnold Mendelsſohm
Am Montag, den 23. April, beginnt unſer neuer Arbeits=
brin

abſchnitt. Neben anderen Kurſen wird die Vorleſung über Baukunſt
und Stilarten, die Verſtändnis vermitteln ſoll für die Schönheiten der
verſchiedenen Bauperioden, durch die Kunſthiſtovikerin Frl. M. Frö=
lich
fortgeſetzt. Es werden behandelt die Gotik in Frankreich und
Deutſchland (mit Lichtbildern). Ammeldungen umgehend an die Ge=
ſchäftsſtelle
der Volkshochſchule, Mathildenplatz 17.
Schazfenſterdekoration. Es wird uns geſchrieben: Durch beſon=
deres
Rundſchreiben ging den Darmſtädter Geſchäftsleuten geſtern die
Mitteilung zu, daß am Sonntag, den 6. Mai d. J., der Blumentag des
Heſſiſchen Fechtvereins Waiſenſchutz verbunden mit großer
rdekoration in Darmſtadt ſtattfindet. Der
Schau
Veranſtaltung iſt für Unterſtützung Darmſtädter Halb=
Reinerlö=
waiſenkinde
: beſtimmt. Wir bitten nochmals auf dieſem Wege ſämt=
liche
Ladanbeſitzer, der guten Sache näher zu treten, damit der
Erfolg ein guter iſt. In den Städten Mainz und Offenbach war der
Erfolg ein glänzender. Sollte ein Geſchäftsinhaber mit Rundſchreiben
rergeſſen worden ſein, ſo iſt unſer Mitglied Herr Koch Zigarren=
geſchäft
, Markt 3, gerna bereit, Auskunft zu erteilen. Weitere Mittei=
lungen
über den Blumentag erfolgen durih Anzeigen in dieſer Zeitung.
Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund, Ortsgruppe Darmſtadt. Die
Jahresverſammlung findet Dienstag, den 24. April, nachmittags 4 Uhr,
im Gemeindeſaal der Pauluskirche ſtatt. Sie bringt außer Jahres= und
Kaſſenbericht einen Vortrag von Frau Käthe Deinhard: Caroline von
Heſſen, die große Landgräfin, ein Lebens= und Charakterbild. Der
Name der Rednerin und das Thema des Vortrags verſprochen eine
genußreiche Stunde. Gäſte ſind willkommen. Tee und Gebäch in der
Teepaufe (50 Pr
Lokale Veranſtaltungen.
Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritif.
Bibliſcher Vortrag. Herr Prediger N. Rudnitzky, in
vielen chriſtlichen Kreiſen durch ſeine tiefe Schriftauslegung und den
Vortrag über ſeine Paläſtinareiſe bekannt, ſpricht am Sonntag, den
22. April, im Verſammlungsſaale Mauerſtraße 17 über Auferſtehungs=
gewißheit
und der Herrlichkeitsleib der Auferſtandenen. (Näheres ſiehe
Anzeige.)
Sängerluſt 1849. Unſer Konzert am 29. April, nachmit=
tags
4 Uhr, in der Otto=Berndt=Halle (Alexanderſtraße 22) dürfte die
Oeffentlichkeit beſonders intereſſieren. Neben den Uraufführungen von
Hermann Heiß enthält die Vortragsfolge außer Chören von Knörzer,
Schubert und Hegar Chöre von Ludwig Thuille und Armin Knab als
Erſtaufführungen. Armin Knab, der in Rothenburg o. d. Tauber lebt,
iſt ein Reformator der Chormuſik, der den polyphonen Stil in origi=
neller
Weiſe anwendet. Sein Chor Geſellenliebe, ein Jugendwerk,
wandelt noch in den hergebrachten Bahnen; dagegen wendet er in dem
Chor Die ſtille Stadt ſeine originelle Methode an, die ſich aus ſeinem
Schaffen und Streben herauskriſtalliſiert hat. In einem dreiſtimmigen
Chorſatz führt er jede Stimme linear melodiſch durch, ſo daß nur Zu=
fallsharmonien
entſtehen. Es iſt ein Kabinettſtückchen von tiefgehender
Wirkung. Wir bringen hier zum erſtenmal Chöre des anerkannten
Meiſters zur Aufführung.
Deutſhorden Kommende Darmſtadt. Am Mon=
tag
, den 23. Aprik 1928, abends 8 Uhr 15 Min., Meiſterſchaftskapitel im
Reſtaurant Sitte Ka=lſtraße 15. Die Meiſter werden gebeten, zu diefem
Kaditel pünktlich; zu erſcheinen.

Tageskalender für Samstag, den 21. April 1928.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, Anfang 15 Uhr, Ende
Uhr, Samstagsfremdenmiete: Fidelio Anfang 194 Uhr,
Ende 22½ Uhr, HI 11: Nathan der Weiſe Kleines Haus, Anfang
20 Uhr: Letzter Kammermuſikabend des Schnurrbuſch=Quartetts
Orpheum abends 20 Uhr: Gaſtſpiel Aſta Nielſen, Die Kamelien=
dame‟
. Konzerte: Schloßtaffee, Kaffee Rheingold, Hotel
Schmitz, Taunusburg, Weinhaus Maxim, Darmſtädter Hof, Franrfur=
ter
Hof, Bismarckeck, Kaffee Haſſia, Waldſchlößchen, Stadt Nürnberg,
Kaffee Egenrieder, Reichshof. Ausſtellung Der Menſch
von 1121 Uhr, auf der Mathildenhöhe. Kinovorſtelungen:
Helia, Union=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Theater.

Die Entwöhnung Ihres Kindes macht selbst in
heißen Monaten keine Schwierigkeit, wenn Sie ihm
eine leichtverdauliche, seinem Magen zuträgliche
Kost geben, nämlich
A
A Ge
K IMDERMEHL

[ ][  ][ ]

Seite 6

Samstag, den 21. Aprll 4928

Nummer 144

Heift Jugendherbergen ſchaffen!
Der Wandertvieb iſt wieder in ſtarkem Maße evwacht und erfüllt die
geſamte deutſche Jugend. Die ſozialen Verhältwiſſe in der Großſtadt, die
Induſtrialiſierung und Mechaniſierung der Wirtſchaft fordern für den
arbeitenden Menſchen mehr denn fe einen Ausgleich. Je vielgeſtaltiger
und umfaſſender wir dieſen Ausgleich ſchaffen, um ſo eher werden wir
den Menſchen heraus aus der entnervenden Großſtadt zum Jungbrunen
Natur bringen. Es iſt eine bekannte Tatſache, daß das Wandern den
Menſchen anregt und vertieft und geſundheitlich fördernd und erzieheriſch
auf ihn wirkt.
Hier mitzuhelfen iſt Aufgabe aller. Die gewaltige Entwicklung des
Herbergswerkes zeigt die Notwendigkeit der Schaffung von guten Jugend=
herbergen
.
Was kaunft du aber für das Jugendherbergswerk tun?
Zur Mitarbeit am Herbergswerk iſt jeder willkommen. Viel Klein=
arbeit
iſt nötig, ehe eine Jugendherberge entſteht. Die Mitgliedſchaft im
Verbande für Deutſche Jugendherbeugen fördert unſere Beſtpebungen.
Die Jugendheubergen ſtehen allen Jungwanderern jeden
Standes ohne Frage nach religiöſem oder politiſchem Bebenntnis bis zu
20 Jahren offen, ſoweit ſie im Beſitz des Bleibenausweiſes ſind, der nur
50 Pfg. für das Jahr koſtet. Bei Jugendgruppen, die unter ver=
antwörtlicher
Führung wandern, bedarf der Führer nur des Führeraus=
weiſes
, der für eine Jahresgebühr von 25 Pfg. durch die dem Verband
für Deutſche Jugendherbergen angeſchloſſenen Vereine ausgeſtellt wird.
Die Uebernachtungsgebühr beträgt fe nach Anſpruch 250 Pfg. Aber
auch der Wanderer über 20 Jahre iſt in den Jugendherbergen willkom=
men
, wenn er die Mitgliedskarte des Herbergsverbandes beſitzt. Die
Jugend hat jedoch ſtets den Vorzug. Nikotin und Alkohol ſind
in den Jugendhebergen verboten nur der Ofen
darf rauchen! Der geringe Jahresbeitrag von 3 Mark ermöglicht
wohl jedem die Mitgliedſchaft, zumal dafür auch noch die monatlich er=
ſcheinende
Zeitſchrift geliefert wird. Wie oft gibts du im Monat 25 Pfg.
unnütz aus!
Werdet deshalb Mitglieder des Verbandes
Deutſche Jugendherbergen und vevanlaßt eure Vereine, ſichl
ihm als körperſchaftliches Mitglied anzuſchließen. Ihr helft damit
am Jugendherbergswerk zur Geſundung der deutſchen
Jugend!
Achtung! Brfefſendungen nach dem Ausland richtig freimachen!
Trotz wiederholter Hinteiſe werden immer noch in großer Zahl Brief=
ſendungen
nach dem Ausland von den Abſendern unzureichend frei=
gentacht
. Volle Freimachung der Sendung liegt im eigenen Vorteil
der Abſender, da ſie den Empfängern auf dieſe Weiſe die Bezahlung
von Nachgebühren ſparen, die in der Regel in doppelter Höhe des Fehl=
betrages
bei der Aushändigung der Sendung erhoben werden. Außer=
dem
laufen die Abſender nicht Gefahr, daß die Annahme der Sen=
dungen
von den Empfängern wegen der Belaſtung mit Nachgebühren
verweigert wird und daß die Nachgebühren dann von ihnen eingezogen
werden. Als Gebührenſätze kommen in Betracht: 1. Nach Freie
Stadt Danzig, Litauen und Memelgebiet, Luxem=
burg
ſowie Oeſterreich die Inlandſätze. 2. Nach der
Tſchechoſlowakei: Briefe bis 20 Gr. 20 Pf.; jede weiteren 20

20 Pf., jede weiteren 20 Gr. 10 Pf.; Poſtkarten 10 Pf.; Druckſachen:
die Inlandsſätze; Geſchäftspapiere: die Inlandsſätze, mindeſtens 20 Pf.;
Warenproben: die Inlandsſätze. Nach demübrigen Ausland
(auch PolniſchOberſchleſien und die an Polen außer=
dem
abgetretenen preußiſchen Gebiete): Briefe bis 20
Gr. 25 Pf., jede weiteren 29 Gr. 15 Pf.: Poſtkarten 15 Pf.; Druck=
ſachen
je 50 Gr. 5 Pf.; Geſchäftspapiere je 50 Gr. 5 Pf., mindeſtens
25 Pf.; Warenproben je 50 Gr. 5 Pf., mindeſtens 10 Pf. 5. Eil=
zuſtellgebühr
nach den Ländern zu 2 bis 4: 50 Pf.
Fernſprechverkehr mit der Tſchechoſlowakei. Darmſtadt iſt neuer=
Lings mit folgenden Orten in der Tſchechoflowakei zum Fernſprechver=
kehr
zugelaſſen worden: Aſch, Außig, Braunau, Bad Budweis, Boden=
bach
, Brünn, Brüx, Eger, Frauzensbad, Freiwaldau, Fviedland i. B.
Gablonz a. d. Neiße, Graslitz, Iglau, Karlsbad, Komotau, Leitmeritz,
Loboſitz, Marienbad, Olmütz, Pilſen, Prag, Reichenberg. Saaz,
St. Joachimsthal, Tetſchen, Trautssiau und Tropsan. Die Gebühr be=
trägt
für die Geſprächseiheit (3 Minuten) je mach der Entfernung zwi=
ſchen
2,50 und 4,50 RM.

Heſſiſcher Siraßenbericht
für die Woche vom 22. bis 28. Aprfl 1928.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
Hauptdurchgangsſtraßen in Heſſen.
DarmſtadtDieburgBabenhauſenAſchaffenburg bei Bahnhof Ba=
benhauſen
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Beſondere Umleitungs=
ſtraße
, auf der Wagen bis 5,5 Tonnen 20 Kilometer, Wagen über 5,5 Ton=
nen
12 Kilometer fahren dürfen.
BensheimWorms iſt an folgenden Stellen geſperrt:
1. BürrſtadtWorms, Km. 40,741,539 vom 12. bis 26. 4. Um=
leitung
: Hofheim- Bobſtadt;
2. Lorſch-Bürſtadt, Km. 28,735,6 vom 20. 4. bis 25. 5. geſperrt.
Umleitung: Klein=Hauſen-JägersburgBiblis-Bobſtadt.
DarmſtadtMörfeldenFramkfurt a. M. (zwv. Mörfeſden und Frank=
furt
a. M., Km. 9,812,2) vom 16. bis 30. 4. geſperit. Umleitung
Langen bzw. Neu=Iſenburg.
BensheimReichelsheimMichelſtadt (Ortsdurchfahrt Lindenfels,
Km. 34,0 bis 35,6) vom 15. bis 9. 4. geſperrt. Umleitung: Fürth i. O.
MainzWorms iſt an folgenden Stellen geſperrt:
1. Mainzerſtraße in Nierſtein vom 16. bis 25. 4. Umleitung über
Breitgaſſe, Langgaſſe, Bleichweg, Rheinallee.
2. Zwiſchen Guntersblum umd der Abzweigung nach Alsheim, Km. 29,0
bis 32,0, vom 10. 4. bis auf weiteres. Umleitung: Guntersblum
Alsheim.
MoinzAlzeh-Landesgrenze (Km. 8,6011,20 zwiſchen Klein=
Winternheim und Nieder=Olm) vom 10. 4. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Klein=WinternheimOber=OlmEſſenheim-Nieder=Olm.
MainzBingen, Km. 18,422,4 (Abzweigung nach Gau=Algesheim
Gaulsheim), vom 23. 4. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Gau=
AlgesheimOckenheimGaulsheim.
GießenMarburg (zwi’ſchen Lollar und Sichertshauſen) vom 12. 3.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: OdenhauſenFrohnhauſen
Vellnhauſen.
Frankfurt a. M.Gießen iſt an folgenden Stellen geſperrt:
1. Zwiſchen Landesgrenze und Vilbel vom 16. 4. bis auf weiteres.
Umleitung: Bad=HomburgFriedberg.
2. KloppenheimVilbel, Km. 47,05348,300, vom 11. 4. bis auf wei=
teres
. Umleitung für den Durchgangsverkehr: Bad=Homburg
Friedberg. Für den übrigen Verkehr: Ober=Erlenbach.
3. Ober=WöllſtadtFriedberg, Km. 37,3637,52, vom 16. 4. bis 1. 5.
geſperrt. Umleitung für dem Durchgangsverbehr: Bab=Homburg
Friedberg. Fürr den lokalen Verkehr: Bruchenbrücken.
4. Nieder=Mörlen-Nieder=Weiſel vom 16. 4. bis auf weiteres. Um=
leitung
: Steinfurth, Rockenberg, Griedel, Butzboch.
GießenGrünbergAlsfeld (zw. Gießen umd Reiskirchen, Km. 5
bis 7), vom 16. 4. bis auf weiteres geſperrt.
Lauterbach-Fulda (zwiſchen Laudenhauſen und Müs) vom 23. 4.
bis auf weiteves geſperrt. Umleitung: SolzſchlirfGroßen=Lüder.
Lautzerbach-Herbſtein (zwiſchen Lauterbach und Blitzenrod) vom
18. 4. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Friſchborm bzw. Rudlos
Angersbach.
Sonſtige Straßen in Heſſen.
Offenbach-BürgelRumpenheim (von Staudenſtraße bis Gemar=
kungsgrenze
) vom 28. 2. bis 8. 5. geſperrt. Umleitung: Ueber Villen=
kolonie
Waldheim bzw. Mühlheim a. M.
Langen-Mörfelden (Ortsdurchfahrt Langen, Bahnſtraße, vom
22. 3. bis auf weiteres für Laſtwagen über 5 Tonnen geſperrt. Um=
leitung
: Egelsbach.
Ortsdurchfahrt Ueberau (im Zuge der Straße ReinheimUeberau
Einmündung in die Straße Reinheim-Lengfeld) vom 2. bis 30. 4. ge=
ſperrt
. Umleitung: Reinheim-Lengfeld.
Fränkiſch=Crumbach. Gemäß Polizeiverordnungg vom B. 2. 1928
dürfen in den Ortsſtraßem der Gemeinde Fränkiſch=Crumbach Kraftfahr=
zeuge
bis zu 5,5 To. Höchſtgewicht nur 25 Km., über 5,5 To. Höchſt=
jewicht
nur mit einer ſolchen von 15 Km. fahren. Die Dammſtädter=
ſtraße
und die Allee ſind für Kraſtfahrzeuge über 5,5 To. verboten.
Ortsdurchfahrt Nack im Zuge der Straßen Erbes=Büdesheim
NackNieder=Wieſen und Wendelsheim-Nack-Bechenheim vom 13. 2.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Für den Verkehr Erbes Büdes=
heim
Nieder=Wieſen über Wendelsheim und für den Verkehr Wendels=
heim
-Bechenheim über Nieder=Wieſen.

WöllſteinFrei=Laubersheim (Ortsdurchfahrt Wöllſtein) vom 20. 3.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung von der Alzeyerſtraße über Sie=
fersheim
WonsheimNeu=Bamberg und Volxheim-Hackenheim.
Wegen Vornahme von Sprengarbeiten für die Zerkleinerung der
Betontrümmer bei Marienborn und Ebersheim werden folgende
Straßen geſperrt:
1. Die Gauſtraße an der Abzweigung der Militärſtraße nach dem Keſſel=
tal
vom 19. 3. bis 30. 4.
2. die Verbindungsſtraße EbersheimGauſtraße vom 19. 3. bis 30. 4.
Die Sperrung erfolgt während jeder Sprengung durch Arbeiter mit
roten Flaggen auf kurze Zeit; dieſen iſt unbedingt Folge zu leiſten.
GeuſingenKreuznach (Km. 8,213,2) vom 23. 4. bis auf weiteres
geſperrt. Umleivung: Genſingen, Nahebrüche, Lamgenlonsheim bzw.
Boſenheim, Hackenheim.
Ortsdurchfahrt Rodheim v. d. H. im Zuge der Straßen Rodheim
Köppern und RodheimHolzhauſen vom 19. Januar bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Ober=Erlenbach reſp. KloppenheimPetterweil oden
Ober=Roßbach-Nieder=Roßbach.
Ortsdurchfahrt Rodheim v. d. H. in Richtung Nieder=Wöllſtadt vom
22. 3. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung erfolgt über Ortsſtraßen.
Ortsdurchfahrt Großen=Buſeck (Zeilgaſſe) vom 16. Februar bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung über die Kaiſerſtraße in Großen=Buſeck.
Gonterskirchen-LaubachSchotten (Ortsdurchfahrt Einartshauſen)
vom 1. März bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Laubach oder Ulfa=
Eichelsdorf.
Ortsdurchfahrt Holzhauſen v. d. H. in Richtung Friederichsdorf
und Rodheim vom 22. 3. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Ober=Erlenbach.
Ober=Nosbach Nieder=Rosvach einſchließlich Ortsdurchfahrt
Nieder=Roshach vom 29. März bis auf weiteres geſperrt. Um=
leitung
: Nieder=WöllſtadtRodheim v. d. H.
Lich-LaubachSchotten (Ortsdurchfahrt Lich) vom 16. 4. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung erfolgt innerhalb der Stadt Lich.
NonnenrothGrünberg (Ortsdurchfahrt Röthges) vom 2. 4. bis auf
veiteres geſperrt. Umleitung über die Ortsſtraßen (mit Richtungs=
ſchild
)
OſſenheimNiede=Florſtadt, Km. 5,28,0, vonr 19. 4. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: BruchenbrückenAſſenheim-Bönſtadt.

4 Bezirksſchöffengericht.
p. 1. Wegen fahrläſſiger Körperverletzung hat ſich der Kraftwagen=
führer
einer hieſigen Firma zu verantworten. Er wird beſchuldigt,
am 23. November 1927 gegen Abend in der Nähe des Cafés Henn in
der Gemarkung Eberſtadt einen Handkarren fahrenden Hausburſchen
mit dem Auto angefahren zu haben, infolgedeſſen dieſer außer einer
Beinverletzung eine Gehirnerſchütterung erlitt. Der Angeklagte war
an dem genannten Tage von ſeinem Prinzipal nach Eberſtadt mit Auto
beordert worden, um einen Angeſtellten der Firma um 5 Uhr dort abzu=
holen
, der dort einem Begräbniſſe beigewohnt hatte. Der Verletzte fuhr
von Eberſtadt nach Darmſtadt mit einem unbeleuchteten leeren Hand=
karren
; er will einen Schlag gegen das Knie erhalten haben und dana
bewußtlos geworden ſein. Der Angeklagte beſtreiter entſchieden, mit
dem Auto jemand an= oder überfahren zu haben; er iſt ſeit 9 Jahren
bei der Firma und wird als durchaus zuverläſſig und vorſichtig im
Fahren bezeichnet. Der Wagen des Angeklagten trägt die Nummer
V S1508. Verſchiedene Zeugen, die den Unfall am Café Henn beobachtet
haben, bekunden, daß der Wagen, der den Handkarren anfuhr, die
nämliche Nummer trug. Im Gegenſatz hierzu bekunden andere Zeugen.
daß die Beerdigung erſt um 5 Uhr beendigt war und die Abfahrt erſt
kurz nach 5½ Uhr von Eberſtadt erfolgte. Ein Unglüksfall iſt dem
Wagen während dieſer Zeit bis zu der um 36 Uhr erfolgten Ankunft
in Darmſtadt nicht paſſiert. Der Staatsanwalt erachtet, daß der An=
geklagte
nach Ausſage der Entlaſtungszeugen als Täter nicht in Betracht
kommen kann. Es wird mangels Beweiſes die Freiſprechung beantragt.
Die Verteidigung beantragt die Freifprechung, weil die Unſchuld des
Angeklagten nachgewieſen ſei. Das Urteil ſpricht frei. Der
Alibibeweis iſt gelungen.
2. Ein Reiſender hat im Jahre 1927 für die Deutſche Kinderwohl=
fahrt
E. V., in Köln, unter Verkauf von Bildern, Gelder geſammelt
und eine Einzeichnungsliſte vorgewieſen, die fälſchlicherweiſe Namen von
Spendern enthielt. Die Sammlung geſchah zudem ohne behördliche
Erlaubnis. Urteil: 3 Monate Gefängnis.

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[ ][  ][ ]

Nummer 141

Samstag, den 21. April 1928.

Seite 7

Aus Heſſen.

An. Arheilgen, 18. April. Konfirmandenabend. Da das
burch Mitglieder des Jünglingsvereins aufgeführte Gudrun=Spiel, ſo
großen Beifall fand und einen tiefen Eindruck hinterließ, ſoll dasſelbe auch
bei dem nächſten Sonntag für die weiblichen Konfiumanden geplanten
Konfirmandenabend nochmals zur Aufführung kommen. Im ganzen
wurden in dieſem Jahre 180 Kinder konfirmiert, und Auar 89 Knaben
und 91 Mädchen. Die von der Heag von der Station Kranichſtein nach
dem Kabinettsgut Kranichſtein neu errichtete 6000=Volt= Hochſpannungs=
freileitung
wurde in Betrieb genommen. Das Schulhaus in der
Mühlſtraße wird mit einem Neuverputz und Anſtrich verſehen.
Ma. Weiterſtadt, 20. April. Auf der Straße nach Darmſtadt ereis
nete ſich ein Unglücksfall dadurch, daß eim Motorradfahrer vor ein,
von einer Dame geſteuertes Perſonenauto fuhr und mit dieſem zuſam=
menſtieß
. Der Motorradfahrer erlitt einen Armbruch und das Motorrad
wurde erheblich beſchädigt.
J. Griesheim, 19. April. Am Sonntag, 22. April, nachm. 3 Uhr,
findet eine Uebung der beiden Züge der Freſſilligen Feuerwehr im
Schulhofe und nach der Uebung die Generalverſammlung der Wehr
im Feſtſaal Zum grünen Laub ſtatt. Nachdem die Heag ihren Licht=
ſtrompreis
ab 1. April d. J. auf 40 Pfg. pro Kilowattſtunde herabgeſetzt
hat, iſt die Allg. Gas= u. Elektrizitäts=Geſellſchaft in Bremen dieſer
Herabſetzung für die hieſige Gemeinde mit Wirkung vom gleichen Zeit=
punkt
ab ebenfalls gefolgt. Die hieſige Gewerbe= und Handwverker=
Vereinigung hält am Samstag, den 21. April, abends 8½ Uhr im
Kaiſerſaal hier eine Monatsverſammlung ab. Gleichzeitig macht die
Vereinigung ihre Mitglieder und die ihr angeſchloſſenen Innungsmit=
glieder
auf die am Sonntag, B. April, nachm 2 Uhr, im Adlerſaal
in Groß=Gerau ſtattfindende Vollverſammlung des Bezirksverbandes, in
der Herr Bäckermeiſter Hourtz aus Bochum, Mitglied des Preußiſchen
Landtags, ſprechen wird, aufmerkſam.
F. Eberſtadt, 20. Abril. Gemeinderatsſitzung. Geſtern
abend fand im Rathausſaale unter der Leitung des Bürgermeiſters
Dr. Uecker eine Gemeinderatsſitzung ſtatt, in der in vierſtündiger Be=
ratung
eine reichhaltige Tagesordnung erledigt wurde. Zunächſt ſtimmte
der Gemeinderat den Vorſchlägen des Bauausſchuſſes zu, welche die Ver=
gebung
gemeindlicher Lieferungen von Kies, Steingeröll und Mate=
vialien
ſowvie derſchiedene Arten von Fuhrleiſtungen für das Rj. 193
betrafen. Gegem die von Paul Daßler geplante Erweiterung der Tank=
anlage
vor ſeinem Anweſein findet man nichts zu erinnern. Das Bau=
geſuch
des Konrad Waßmann findet Genehmigung, ebenſo dasjenige
des Konditors Theodor Volkmann, der einen Umbau ſeines Hauſe3
plgait, und dasienige des Johannes Becker (Wohnhausneubau im hin=
teren
Steckenborn). Die mit den Geſuchew vorgelegten Baupläne wur=
den
wicht beanſtandet. Der von der Verwaltung vorgelegte Entwurf
einer den Verkehr in den Durchgangsſtraßen regelnden Polizeiverord=
nung
wird gutgeheißen und ſoll deren behöndliche Genehmigung alsbald
erwirkt werden. Friedrich Roßmann plant einen Umbaur ſeines An=
ſüeſens
in der Frankenſteinerſtraße. Der Bauplan wird genehmigt. Eine
Verfügung des Kreisamts erteilt Weiſung über die Verteilung der der
Gemeinde für das Ri. 1928 zur Verfürgung geſtellten Baudarlehen. Die
Verwaltung wird ermächtigt, das weitere hierwegen zu veranlaſſen.
Auf Anregumg des Bürgermeiſters beſchließt das Plenum, daß von der
Gemeinde darauf hingewirkt wird, die Fürſorgeverbände zur Tragung
* Koſten für die Grabſtätten verſtorbener Pfleglinge der Provinzial=
Pflegeanſtalt heranzuziehen. Den beiden ſtaatlichen Förſtern Kirſchner
und Pfänder wird für beſondere Dienſtleiſtungen im Intereſſe der Ge=
meinde
anläßlich der Holzhquerei eine Entſchädigung von je 25 Mark
gewährt. Entſprechend dem Vorſchlage des Finanzausſchuſſes wird be=
ſchloſſenr
, die Tanzſteuer, die ſeither mit einem Satze von 50 Pfg. für je
10 Qugdratmeter benutzte Fläche und fe drei angefangene Stunden er=
hoben
wurde, auf 10 Pfg. herabzuſetzen, was dem in der Verordnung
über die Erhebung einer Vergnügungsſteuer vom 12. Juni 1927 (RGB
Nr. 35) vorgeſchriebenen Mindeſtſatze dieſer Steuer entſpricht. Zu einer
Vorrangs=Einräumung für die Hypothekenforderumgen der Heſſiſchen
Landesbank von 3200 und 4800 Mk. gegenüber der Hypothekforderung
der Gemeinde von 340 Mk. (Bauplatzkoſten) für Georg Reiß 2. und des=
gleichen
für Georg Schuchmann, ſowvie für die Uebernahme der Bürg=
u
Zwiſchenkredit von 8000 Mk. für
ſchaft ſeitens der Gemeinde für
das Bauvorhaben des Lehrers Oſtheimer in der Villenkolonie, wird Zu=
en
wird die Bürafchaftsübernahme der Ge=
ſtimmung
erteilt. Da
meinde für einen Reſtkaufſchuldöetrag von 1200 Mk. für die Eberſtädter
Wohnungsbaugeſellſchaft abgelehnt. Dem Geſuch des Theodor Thill, das
der Gemeinde den Ankauf eines Grundſtückteils von ſeinem Anweſen
auf dem Marktplatz anbietet, will der Gemeinderat nicht nähertreten.
ſch ausgedehnter Debatte beſchließt der Gemeinderat auf den Antrag
r Verwaltung, die Bedinguggen zur Abgaße von Gemeindegelände in
der Villenkolonie dahin zu ergänzen, daß künſtig verlangt wird, bei
ung von Villen nur Eberſtädter
Vergebung, der Arbeiten
hrerſeits verpflichtet ſwerdem ſollen
Unternehmer zu berückſich
ur beſchäftigen. Der Vertrag zwiſchen
dabei nur einheimiſche A=
ſung
im Steckenborn betreffend, wird
Gemeinde und Fiskus, die
geänderten Faffung genehmigt. Der
v vorliege
unter Bereiligung der Gemeinde
Gründung
Bürgermeiſter wird die erforderli hen
einde
ſtim
dem Marktplatz ſoll eine Bedürfnis=
Schritte
Krodit hierfüir foll im Voranſchlag 1928
anſtalt
fſtellung einer Litfaßſäule an der neuen
vorgeſſehen, we
rſtraße wird der Firma Franz Sinon über=
Anlage in de
ihrung des Kanaliſationsorofektes erforder=
tragen
.
Ausfühvung dem Dr.=Ing. Heyd=Darm=
Bebauun
ein Kredit von 3200 Mk. bereit geſtellt wer=
tadt

Vertragsentwurf finder Zuſtimmung. Ein An=
3 Gemeinderates Gärtner auf Beſeitigung der Freitreppen in der
Heidelbergerſtraße, wird genehmigt, und die Verſvaltung beauftragt
die erforderlichen Schritte einzuleiten. In geheimer Sitzung; Stun
dungsgeſuche und Wohlfahrtsſachen. Verbeſſerung des Stra=
ßenbildes
. Das Straßenbild der Neuen Darmſtädterſtr. hat ſich
nachdem geſtern der alte Lokomotioſchupßen auf dem Gelände der Hea
zum Abbruch gekommen iſt weſentlich verbeſſert. Die auf Be
ſeitigung des Schuppens gerichteten regen Beſtrebungen der Gemeinde in
letzter Zeit ſind alſo von Erfolg begleitet geiveſen. Mit dem Schuppen
fiel der letzte Reſt, der noch an die alte Damofſtraßenbahn erinnerte.
Untegricht. Der hieſige Stenograbhen=
Stenogra
nimmt mit Schulbeginn am Montag (23. April)
verein Gabels
ſeinen Unterricht in den Räumen der Eleonorenfchule wieder auf.
Aa. Eberſtadt, 20. April. Soldatenkameradſihaft. Die
erſte Quartalsverſammlung der Soldatenkamerasſchaft findet am Sam=
tag
abend (21. April) im Gaſthaus Zur Poſt ſtatt.
42. Pfungſtadt, 20. April. Junglandbund. Der Junglaud=
bund
Pfungſtadt hält am Samstag abend (21. April) in ſeinem Vereins=
lokal
Zum Gambrinus ſeine diesjährige Generalverſammlung ab.
Außerdem hält der Verein der Hundefreunde am Samstag abend in
ſſeinem Vereinslokal eine wichtige Verſammlung ab. Auch der zweite
Gaswerbevortrag der Direktion der Städtiſchen Betriebs=A.=G
Daumſtadt war bis auf den letzten Platz beſucht. Lehrer Eidenmüller
hielt Ende der Woche einen Einführungsvortrag zu dem Oratorium Die
Schöpfung von Haydn, das am 29. April unter Mitwirkung von 100
Perſonen in der hieſigen Kirche aufgeführt ſverden ſoll. Berufs
jubiläum. Der Schreiner Georg Kramer, Bergſtraße zvohnhaft,
konnte am Freitag auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Export=
brauerei
Juſtus Hildebrand zurückblicken.
4a. Hahn b. Pfungſtadt, 20. April. Zuſammenſtoß dreier
Nadfahrer. Auf der Landſtraße zwiſchen Hahn und Gernsheim
fuhren in der Dumkelheit drei Nadfahrer, die aus Hamm bzw. Worms
waren, aufeinander. Sie wurden alle drei durch Herunterfallem von den
Rädern verletzt und mußten von einem Privatauto zu einem Geuns=
heimer
Arzt gebracht werden.
Traiſa, 20. April. Die Jugendgemeinde veranſtaltet am
Sonntag nachmittag einen Jugendgottesdienſt, verbunden mit der Auf=
nahme
der Neukoufirmierten.
G. Ober=Ramſtadt, 19. April. Brennholzverſteigerung.
Die einzige diesjährige Brennholzverſteigerung aus dem Gemeinde=
wald
findet am Dienstag, den 24. ds. Mts., vormittags 8,30 Uhr be=
ginnend
, im Saalbau Eliſenbad (Suppes) ſtatt. Wie die Bürger=
meiſterei
bekannt gibt, iſt unter dem Pferdebeſtand des Landw. G.
Spengler, Schachenmühlen, die anſteckende Blutarmut der Pferde feſt=
geſtellt
worden. Die Jahl der Erwverbsloſen iſt in den letzten Tagen
etwas zurückgegangen. In Unterſtützung ſtehen gegenwärtig noch 110,
in Kriſenfürſorge 20 Perſonen. Der Unterricht in den hieſigen
Schulen wird am Montag, den 23. April, wieder aufgenommen. An
dieſem Tage findet auch die Aufnahme der ABC=Schützen und der Fort=
bildungsſchulpflichtigen
ſtatt. Zur erſten diesjährigen Feuerſvehr
übung, bei welcher auch die Einteilung der neu zugehenden Mannſchafter
ſtattfindet, ſind die Mannſchaften der Freiw, und Pflichtfeuerſvehr auf
Sonntag, den 22. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr an das Rathaus be=
rufen
worden.

Zur Einweihung des Lehrlingsheims
für Krüppel in Nieder=Ramſiadt
Seite 7, in unſerer Nummer 110, wird uns mitgeteilt, daß als Vertreter
der Heſſiſchen Regierung außer dem Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft
vom Miniſterium des Innern geſandt arem: Miniſterialrat Dr.
Schrohe, Regierungsrat Dr. Krebs und Frau Regierungsrat Keller.
Herr Miniſterialrat i. N. Dr. Groos hat nicht als Vertreter des Mini=
ſteriums
des Inmem, Abteilung für öffentliche Geſundheitspflege, ge=
ſprochen
, ſondern als Mitglied des Verwaltungsrats der Nieder= Ram=
ſtädter
Anſtalten. Die Grüße und Wünſche des Miniſteriums des In=
nern
waven inbegriffen in der Begrüßung durch den Herrn Miniſter
für Arbeit umd Wirtſchaft, der im Namen der Heſſiſchen Regierung ge=
ſprochen
hat.

f. Roßderf, 20. April. Lehrerſtellen. Die beiden hieſigen
Lehrerſtellen wurden den Lehrern Alt zu Eicheſſachſen und Merz zu
Fränkiſch=Crumbach übertragen. Brenholzverſteigerung
Die letzte Brennholzverſteigerung im Gemeindewald findet am nächſten
Montag und Dienstag, jedesmal um 9 Uhr vormittags beginnend, im
Gaſthaus des Philipp Barth 3. ſtatt. Es gelangen die Nummern von
2138 bis 3701 zur Verſteigerung. Auswartige Steigerer ſind zugelaſſen.
Neuaufnahme von Schulkindern. Die Bürgermeiſterei
hat bekanntgegeben, daß die Aufnahme der ſchulpflichtigen Kinder am
nächſten Montag, vormittags 9 Uhr, in der Schule Erbacherſtraße ſtatt=
findet
; Impfſcheine ſind mitzubringen. In Betracht kommen alle Kin=
der
, die bis 30. September 1928 das ſechſte Lebensjahr zurückgelegt
haben. Ortsbauplan. Die vom Gemeinderat beſchloſſene Ab=
änderung
der Fluchtlinie in der Trgiſgergaſſe hat miniſterielle Geneh=
migung
gefunden. Laut Bekanntmachung der Bürgermeiſterei liegt der
Plan eine Woche lang zur Einſicht bei der Bürgermeiſterei offen.
Gewerbeſcheiwe. Am nächſten Montag ſind die Gewerbeſcheine
für 1928 gegen Zahlung einer Gebühr von 2 Mark jie Schein bei der
Untererhebſtelle erhältlich.
Groß=Zimmern, 20. April. Am Sonntag, den 22. April d. J.
kaun die Firma Georg Reitzel 9., Baugeſchäft, Groß=Zimmern, auf
ein 20jähriges Beſtehen zurückblicken. Bei dieſer Gelegenheit ſei noch
bemerkt, daß Heinrich Pullmann als Maurerpolier 20 Jahre, Johannes
Eckardt als Zimmerpolier 10 Jahre bei obengenannter Firma ſind.
Habitzheim, 2. April. Am nächſten Sonntag, den 22. April,
abends 8 Uhr, findet im Deutſchem Haus (L. Kopp) eine öffentliche
Verſanmbug des Jungdeutſchen Ordens ſtatt. Als Redner iſt Bruder
von Hollander aus Arolſen gewonnen; er wird über das Thema Jung=
deutſcher
Orden und die Parteien ſprechen.
r. Babenhauſen, 20. April. Die 67jährige, in letzter Zeit ſtark zu
Schwermant neigende Frau Groß aus dem nahen Sichenhofen, wird
ſeit drei Tagen vermißt. Alle Nachforſchungen nach der Fehlenden
ſind bis jetzt ergebnislos verlaufen.
Reichelsheim i. Odw., W. April. Der Deutſche Turnverein unter=
nimmt
am kommenden Sonntag, dem 22. ds. Mts., eine Wanderung nach
Lichtenberg, welche mit einem Waldlauf verbunden iſt. Der Abmarſch
erfolgt 12 Uhr vom Vereinslokal mit Muſik. An der Maul=Feier in
Mickelſtadt, am 29. April, beteiligt ſich der Turnverein mit zwei Riegen;
Abfahrt der Kraftwagen vormittags 8 Uhr. Dos diesjährige Gau=
ſchwimmfeſt
findet am 19. Auguſt dahfer ſtatt und ſind bereits jetzt ſchon
die Vorbereitungen dazu getroffen.

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Al. Höchſt i. Odw., 19. April. Kirchenkonzert. Das weithin
bekannte Hornquintett von Pfarrer Kalbhenn und ſeinen 4 Söhnen aus
Großen=Buſeck, gab in unſerer Kirche einen Konzertabend, deſſen Rein=
ertrag
hälftig dem Krüppelheim in Nieder=Ramſtadt und ortskirchlichen
Zwecken zufließt. Zum Vortrag kamen der Zeit des Kirchenjahres ent=
ſprechend
, Oſter=, Himmelfahrts= und Pfingſt=Choräle nach den Sätzen
von J. S. Bach, Nikolgi und Bortniansky, die von einer großen Zu=
hörerzahl
mit größter Andacht dankbar aufgenommen wurden. Ein
ſehr harmoniſches, gefühlvolles Zuſammenſpiel, auch ſchwierige Par=
tien
klangrein zu Gehör bringend, zeugte von hohem Können des
Quintetts und war abgeſehen von dem guten Zweck des Konzertes ein
voller Kunſtgenuß. Gemeinſamer Geſang von Kirchenliedern fügte
ſich gut in die Vortragsfolge des Programms ein. Odenwald=
klub
. Die Jugendgruppe des Odenwaldklubs Höchſt führt anſtatt der
vorgeſehenen Wanderung nach HetzbachEberbach am Sonntag, den 22.
April, eine Tour nach der Bergſtraße gemeinſam mit der hieſigen
Ortsgruppe aus. Fremdenverkehr. Der Verkehrs=Ausſchuß
des Odenwaldklubs hält am kommenden Freitag, abends 8,30 Uhr, im
Gaſthaus Zur Poſt eine Beſprechung über die Ergreifung erforder=
licher
Maßnahmen zur Förderung des hieſigen Fremdenverkehrs ab.
In Anbetracht der nicht zu unterſchätzenden Bedeutung eines regen Kur=
betriebes
und Fremdenverkehrs für alle Berufskreiſe wird ſtärkſte Be=
teiligung
aller Intereſſenten, insbeſondere der Gaſtwirte und Geſchäfts=
inhaber
, an der Beſprechung erwartet.
P. König, 19. April. Der Bezirk Mümlingtal des Oden=
waldklmbs
hielt geſtern in Erboch eine Gauberſammlung ab. Der
Vorſitzende, Herr Rektor Schäfer=König, begrüßte die Vertreter der
Orisgruppen und gedachte in ehrenden Worten des ſo plötzlich verſtor=
benen
, verdienſtvollen Führers der Erbacher Ortsgruppe, Herrn Sommer.
Die Amweſenden erhoben ſich von ihren Sitzen. Danach trat man in
die Tagesordnung ein. Die gemeinſame Sonmvendfeier wurde Kirch=
brombach
übertragen. Verſchiedene Gründe zwangen dazu, als Tag den
30. Juni zu beſtimmen. Mit dem geſvünſchten Redner ſoll ſich der Vor=
ſitzende
alsbald in Verbindung ſetzen. Wegen der Zugderbindung wurde
König als Sammelplatz gewählt, um von dort durch die Steinert nach
der Feuerſtelle zu wandern. In Kirchbrombach wverden die Ortsgruppen
ngeh dem Feuer noch einige Stunden gemütlichen Zuſammenſeins ver=
bringen
. Für entſtehende Unkoſten garantierem die Ortsgruppen. Es
ſoll die Möglichkei geſchaffen werden, unſer ſchönes Tag der Länge nach
zu durchwandern, ohne die Landſtraße benutzen zur nwiſſen. Dieſer
Randweg wird nicht durch Farbzeichen kenntlich gemacht, ſondern kleine
Täfelchen mit entſprechender Aufſchrift werdem den Wanderer führen.
Zunächſt ſvird die Weſtſeite des Tales in Angriff genommen. Es er=
folgte
nun eine eingehende und lange Ausſprache über den Stand der
Angelegenheit betreffend Errichtung eines Ehrenmals auf denr Lärm=
fiuer
. Der Hauptausſchuß ſoll ernent erſucht werden, für dieſen ruhigen,
inmitten großer Wälder gelegenen Platz einzutreten. Die Dorflinde‟
wird weiteres berichten. Vergeſſen möge ma nicht, daß der hintere
Odenwald auch zum Geſamtklub gehört und bis jetzt noch kein Mal,
Turm oder Stein, errichtet von der Geſamtheit, aufweiſenv kann.
Zum Schriftführer des Bezirks wurde Herr Delta=König gewählt.
Hiermit war die Tagesordnung erſchöpft und Herr Schäfer ſchloß die
Verſammlung.
L. Michelſtadt, 19. April. Familienabend. Der Evangeliſche
Kirchengeſangverein Michelſtadt wird, wie alljährlich, ſo auch in dieſem
Jahre, und zwar am Samstag, 21. April, und Sonntag, 22. April, im
Saale des Schmerkers Garten einen Familienabend veranſtalten. Das
Programm des Abends wird von den Mitgliedern des Vereins beſtrit=
ten
werden und ſieht neben Geſangsuorträgen des Chors die Wieder=
gabe
des Singſpiels Aennehen von Tharan vor.
b. Erbach i. O., 20. April. Durnverein 1860. Die geſtrige
Verſammlung ließ in bezug auf Beſuckerzahl zu wünſchen übrig. Der
Vorſitzende, Herr Hübner, gab zunächſt Bericht über die von dem
ſtädtiſchen Amt ür Leibesübungen bis jetzt ergangenen Beſchlüſſe bezüg=
lich
der Sportplatzeinweihung. Das Verhältnis der Spielabteilung zum
Verein löſte eine lebhafte Ausſprache aus. Allgemein wird bedauerk,
daß durch die immer noch andauerndem Aubeiten an demr Gelände des
Sport= und Erholungsbarks jedes Training unmöglich gemacht wird
Dieſes Uebel wiud ſich öhne Zweiſel bei den Veranſtaltungen anläßlich
der Einweihung, die im Juni (2) ſtattfinden ſoll, bemerkbar machen.
Zum Notbehelf ſoll für die Folge an den verſchiedenen Wochentager
in dem Saal des Café Glenz Turnſtunde abgehalten werden. D
Anteilſcheine, die anläßlich der Erſverbung des Platzes ausgegeber
den, werden in beſtimmtemr Prozentſatz jährlich ausgeloſt.
ſammlung nimmt dieſelbe vor. Die Urkundsperſonen verk
endes Reſultat: Es komien zur Ausloſung auf nachſtehende
ein Antcilſchein mit 1040 RM. 38, 12, 14, 1. 39, 4. 69
letzte Nummer erhält die ausgeſetzte Prämie mit 10 MON.
Der größte Teil der Beſitzer der ausgeloſten Anteilſcheine
ugititige finanzielle Lage des Brrtm mi ſchentt den Betigg.

Aaſſe, was mit damfbarem Beifall aufgenomen wird. Nach Beſpre=
chung
einiger interner Fragen wird die Vevſammlung geſchloſſen.
Odenwaldklub. Die diesjährige vierte Wanderung findet am kom=
nnendem
Sonmtag, den 22. April ds. Js., ſtatt. Sie führt von Erbach
nach Unter=MoſſauHiltersklingen-Lindelbrunnen-(Gras=Ellenbach)-
Güttersbach nach Erbach zurück. Abmarſch 8 Uhr an der Fachſchule.
N. Aus dem Odenwald, 18. April. Frühblühende Kinder
Floras am Waldrande. An ſonnigen Waldrändern grüßen den
Wanderer jetzt ſchon im ſchönſten Blütenſchmuck viele Kinder Floras:
blühende Erd= und Heideibeeren ſowie Ginſter, Hundsveilchen u. a.
Fvühlingsblumen konnten wir zum Beweiſe deſſen der Schriftleitung
überſenden. Alles ein Beleg dafür, daß Mutter Natur in dieſem Früh=
jahr
dank der günſtigen Witterung trotz vereinzelter Schneeſchauer ver=
hältnismäßig
ſehr früh zu neuem Leben erwacht. Auch der grüne Teppich
der Fluren iſt ſchon von dem hochgewachſenen Rapsgoldgelb geſtickt,
worin ſich die weißen Kirſchbäume wunderbar abheben.
Hirſchhorn, 2. April. Waſſerſtand des Neckars am
19. April 1,51 Meter, am 20. April 1,38 Meter.
Bn. Hirſchhorn a. N., 19. April. Stärkung der Fiſcherei.
Durch Vermittlung des Deutſchen Fiſchereivereins wurden zum Beſatz
der hieſigen Flußwäſſer eine größere Menge Aalbrut zugewieſen. Für
das hieſige Neckargebiet ſind 40 000 Stück Jungaale angekommen, die
den langen Transport aus England gut überſtanden haben und gefund
und friſch eingeſetzt werden konnten. Die Neubeſetzung unſerer Ge=
wäſſer
erweiſt ſich als dringende Notwendigkeit, da das Aufſteigen der
Jungbrut vom Rhein und Main her durch Schleuſen= und Wehr=
anlagen
immer mehr beeinträchtigt und erſchwert wird. Auf dem
hieſigen Rathauſe liegt der Voranſchlag der Gemeinde für
das Rechnungsjahr 1928 in der Zeit vom Mittwoch, den 18. ds. Mts.,
bis Dienstag, den 24. ds. Mts., zur Einſicht offen. Innerhalb dieſer
Zeit können die Bürger den Voranſchlag einſehen und etwaige Einwen=
dungen
dagegen vorbringen. Die vorgeſehene Einnahme für Waldſtreu
ſoll nicht unter die Ortsbürger verteilt werden, ſondern in die Ge=
meindekaſſe
fließen.
H. Aus dem Weſchnitztal, 19. April. Bannerweihe. Am näch=
ſten
Sonntag findet in Reiſen eine große Kundgebung mit Bannerweihe
der Hakenkreuzleute, die daſelbſt ſtark vertreten ſind, ſtatt. Man er=
wartet
eine rege Beteiligung von auswärts und ſpricht von 1000 Mit=
gliedern
. Die Kundgebung beginnt mittags um 2 Uhr. Laſtauto
derbrannt. Auf der Straße nach Mitlechtern geriet das Laſtauto
der Syenitwerke Erlenbach in Brand und verbrannte vollſtändig bis auf.
die Eiſenteile.
1. Von der Bergſtraße, 19. April. Der Hebammenverein für den
Kreis Heppenheim hielt geſtern in Weinheim ſeine Frühjahrsberſamm=
lung
in der Bahnhofswirtſchaft Menges ab. Dabei wurden die beiden
Hebammen Frau Kohl aus Oberabtſteinach und Frau Jäger aus Fürth
i. O. anläßlich ihres 40jährigen Dienſtjubiläums durch eine Ehrengabe
ausgezeichnet. Neben Wirtſchafts= und Standesfragen wurde in der
Verſammlung das Thema Die Hinzuziehung des Arztes durch die
Hebammen eingehend beſprochen.
Ay. Bensheim (Bergſtr.), 19. April. Der neue Direktor an
der Bensheimer Aufbauſchule. Unter dieſem Kennwort
konnten wir kürzlich melden, daß der Direktor der Heppenheimer Ober=
realſchule
, Dr. Beißinger, auf den bakant gewordenen Direktorpoſten
an der Bensheimer Aufbauſchule berufen wurde. Den Bemühungen
von Bürgermeiſter Dr. Schiffers=Heppenheim ebenſo wie denen des
Lehrerkollegiums der Heppenheimer Oberrealſchule iſt es jedoch gelun=
gen
, Dr. Beißinger zum Verbleib in Heppenheim, ſomit zur Nichtan=
nahme
des Bensheimer Direktorpoſtens, zu bewegen. Ein Beweis für
die Wertſchätzung, die ſich Dr. Beißinger in Heppenheim erworben hat.
Statt ſeiner wurde jetzt Studienrat Prof. Jakob Como, bisher am
Gymnaſium zu Bingen, zum Direktor der Bensheimer Aufbauſchule
berufen. Der Neuernannte iſt Neuphilologe und ſteht im 50. Lebens=
jahre
. Um die Fortexiſtenz der Arbeitsämter Bens=
heim
und Heppenheim. Sicherem Vernehmen nach iſt die Frage
des Fortbeſtandes der beiden Arbeitsämter Bensheim und Heppenheim
in negativem Sinne entſchieden worden. Auf Grund der Ver=
fügung
des zuſtändigen Landesarbeitsamtes werden nämlich die Bezirke
der Aemter Bensheim und Heppenheim demjenigen des Arbeitsamtes
Weinheim angegliedert. In Bensheim und Heppenheim bleiben
jedoch Weinheim unterſtellte Dienſtſtellen beſtehen. Längere Zeit hin=
durch
war allerdings an der Bergſtraße die Auffaſſung verbreitet, die
Arbeitsämter Bensheim und Heppenheim würden dem Arbeitsamt
Darmſtadt angegliedert werden. Wenn jetzt die Entſcheidung unter
Ueberſpringung der Landesgrenze zugunſten des badiſchen Weinheim
gefallen iſt, ſo kommt darin gewiß die eine Tatſache zum Ausdruck, daß
die vor den Toren Mannheims und Weinheims liegenden ſüdheſſiſchen
Randgebiete wirtſchaftlich=induſtriell nicht kulturell mit dem nord=
badiſchen
Wirtſchaftsgebiete heute in einer engeren Kommunikation mit=
einander
ſtehen. Die endgſtltige Entſcheidung über die hier bevor=
ſtehenden
Veränderungen ſteht bei dem Reichsarbeitsamt Berlin.
Bg. Scheuerberg, 18 April. Unglücksfall. Beim Bremholz=
ſchneiden
mit einer Kreisſäge kam der Landwirt B. Bitſch von hier mit
der rechten Hand der Säge zu nahe, ſo daß demſelben drei Finger faſt
vollſtändig abgeſchnitten wurden. Der vierte Finger iſt verletzt. Nach
Anlegen eines Verbandes durch einen ſchnell herbeigerufenen Arzt ſurde
der Verletzte in das ſtädtiſche Krankenhaus nach Heppenheim überführt.
D. Biblis, 20. April. Konzerr des Geſangvereins Lie=
derkrang‟
Am kommenden Sonntag, den 22. April, findet im
Saale Zur Krone ein großes Konzert des Geſangvereins Lieder=
kranz
ſtatt und iſt der Zuſpruch, nach den bereits verkauften Karten
zu urteilen, ſehr groß. Es iſt deshalb ratzſam für alle Beſucher, ſich
rechtzeitig einen Platz zu ſichern, zumal das Konzert nicht, wie zuerſt
feſtgelegt war, um 8 Uhr beginnt, fondern bereits um 7¾4 Uhr, und
zwar wegen der Abreiſe der auswärtigen beteiligten Künſtler. Der
Verein hat keine Mühe geſcheut, dieſes Konzert zu einer muſikaliſchen
Feierſtunde werden zu laſſen, und werden ſich nur erſtklaſſige Künſtler
aus Darmſtadt, Alzey uſw. beteiligen. Die Abendkaſſe wird bereits
ſchon vor 7 Uhr geöffnet, damit jedermann Gelegenheit hat, ſich einen
guten Platz zu ſichern.
Gernsheim, 20. April. Waſſerſtand des Rheins am
19. April 0,62 Meter, am 20. Aprile0,65 Meter.
O. Nauheim bei Groß=Gerau, 19. April. Beginn des Nau=
heimer
Spargelmarktes. Der von der Gemüſe= und Obſt=
großmarkt
=Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftung veuanſtaltete, ſeit
Jahren weithin bekannte Nauheimer Spargelmarkt iſt am Mittvoch
wieder eröffnet worden. Am erſten Maukttag waren die Zufuhren noch
nicht außerordentlich ſtark. Auch war die Zahl der Intereſſenten noch
nicht beſonders groß. Der Markt findet von jetzt ab täglich in der Ver=
ſteigerungshalle
in der Aliceſtraße ſtatt und dürfte ſich in Kürze zahl=
reicher
Beſchickung erfreuen. Die Spargelpreiſe ſind noch verhältnis=
mäßig
hoch.
Ma. Offenbach, 2. April. Dem hieſigen Chirurgen Dr. Königer
wurde die Leitung in dem neu errichteten Krankenhmife zu Schotten
üibertragen.
Rheinheſſen.

Al. Oppenheim a. Rh., 20. April. Der Kampf gegen die
Frühjahrsfröſte im Weinbau. Im Nachgang zu unſerer
Meldung über die Froſtbekämpfung in der hieſigen Gemarkung teilen
wir berichtigend mit, daß für 400 Klafter Weinbergsfläche fünf Rauch=
entwicklungsrohre
nötig ſind (nicht je Klafter fünf Rohre) und daß ſich
der Preis auf 1,10 Mk. je Rohr ſtellt.
Ad. Oppenheim, 18. April. Probealarm. Die Nachtübung ber
Freiwilligen Sanitätskolonne verlief in befriedigender Weiſe. Kurz nach
Mitternacht erſcholl das Alarmſignal uind ſchon 10 Minuten ſpäter
konnten 2 Sanitäter mit der Bahre nach der Unfallſtelle abrücken. Im
Zeitraum von 25 Minuten hatte ſich die ganze Mannſchaft der Kolonne
eingefunden.
f. Nieder=Olm, 18 April. Tödlicher Unglücksfall. Als der
Fuhrmann Bertz aus Sörgenloch, der die Milch der Sörgemlocher Land=
wirte
regelmäßig nach hier zur Bahn brachte, mit ſeinem leeren Wagen
auf dem Bahnſteig entlang führ, kam plötzlich ein Laſtkraftwagen über
den Bahnübergang, das Pferd ſcheute, ſo daß der Wagen mit der einen
Seite in die Schienen gelangte und umkippte. Der Fuhrmann fiel
herab und wurde von einem Rad am Leib überfahren. Er erlitt ſtarke
Quetſchungen und eine Kopfverletzung. Inzſiſchen iſt er ſeinen Ver=
letzungen
erlegen.
Oberheſſen.

Bad=Nauheim, 19. April. Ein neuer Leiter des Bad=
uheimer
ſtaatlichen Kurorcheſters. Heinz Bon=
utz
. der erſte Kapellmeiſter der Meininger Landeskapelle, iſt für
Kurzeit 1928 als erſter Kapellmeiſter des ſtaatlichen Kurorcheſters in
d Nauheim mit der Dienſtbezeichnung Generalmuſikdirektor, ver=
htet
worden. Bongautz, der in Krefeld und Köln ſeine muſikaliſche
Zbildung erhielt, wirkte zunächſt in Düren und München=Gladbach
Divigent und Operndirekto= und übernahm 1925 neben Oskar Fried
Leitung des Berliner Sinfonieorcheſters. Im Jahre 1926 wurde er
ur thüringiſ hen Staatsminiſterium zum Leiter der Meininger Staats=
elle
ernannt. Der künſtleriſche Ruf, de= dem erſt 34jährigen Diri=
iten
vorangeht, berechtigt zu den Frwartung, daß der rühmlich be=
nten
Tradition des Bad=Nauheimer Muſiklebens eine würdige Fort=
uig
geittt i

[ ][  ][ ]

Seite 8

Samstag, den 21. April 1928

Nummer 111

AOfene Stellen
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Leonharb Menger,
D., Bismarckſtr. 58

ca 20-25 Jahre, im
Packen bewand., per
ſof. geſucht. Nur Be=
werber
, welche ähnl.
Poſten ſchon bekleid.,
wollen ſich Montag.
22. April, vormittags
melden. Zeugn. un=
bedingt
erforderlich,
Georg Engelhard
Bismarckſtr. 54
Fabrikgebäude, 1. St.
(*10832)

Weiblich

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I. Arbeiterin
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segenspen

Onne 1m

Ause.

Wenn aus schwarzen Wolken plötz-
lich
die goldene Sonne bricht, welche
Freude! Die Sonne bewirkt das
Wachstum. Sie wärmt und verklärt.
Trachten wir nicht alle nach einer
sonnigen Wohnung? Weshalb?
Um die Sonne sorgsam auszusper-
ren
, damit die Wände ja nicht ver-
schiessen
. Wäre es nicht klüger,
die Wände richtig zu kleiden, mit
einem Wandkleid, das die Sonne
erträgt, nein, das sogar am grellen
Lichte gewinnt wie Linnen an der
Sonnenbleiche? Es gibt solche
Wandkleider. Sie heissen Salubra
und Tekko und beste-
hen
aus Olfarbe und
lubra und Tekko blei-
selben
, selbst unter der
Sonne der Sahara. Die

lichtecht, waschbar

zäher Papiermasse. Sa- Der=Nk.Z0.000 spendende Sonne im
Mähltenert
ben neben den Bildern Wenn Sie nüchstens Räume heute noch Proben und
gleich wie hinter den- mit Salubra oder Tekko aus- Was andere Leute von
zustatten gedenken, versäu-
der
schönsten Raumpartie
dem Preisgericht einzusen-
den
. Es werden 400 einfache
und Prunkräume prämiiert
mit M. 4000.-, 3000.-, 2000.-,
1200.-, 800.- u. s. w ge-
mäss
den Wettbewerbsbe-
dingungen
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C. A. Stützer Nachf.
Darmstadt, Schützenstraße 5.

reiche ursprüngliche Farbenpracht
von Salubra u. Tekkowird Ihre Räume
bleibend verklären, wie am ersten
Tage. Flecken können Sie mit Bürste
und Seifenwasser wegwaschen. Salub-
ra
und Tekko adeln Ihre Möbel u.
Bilder, wie die Goldfassung den Edel-
stein
. Und ist es draussen finster
und kalt, so strahlt von Ihren Wän-
den
ein Sonnenschein aus den edeln,
reinen Farben von Salubra und
Tekko. Sehen Sie sich diese stim-
mungsvollen
Muster vorerst unver-
bindlich
bei uns an. Einen Tag
früher Tekko oder Salubra an
der Wand, heisst ei-
nen
Tag mehr segen-
Hause. Verlangen Sie
men Sie nicht, ein Lichtbild Salubra und Tekko
halten, kostenlos von

C
lichrecht, waschbar

(V 111

R
T 7040
General-Vertreter
der bei Lebensmittelgeſchäften uſw. gut ein=
geführt
iſt. Off. u. F. M. 16076 an Ala-
Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M.

Auf 1. Mai zuverläſſ.
Mädchen
geſucht, das ſelbſtänd.
kochen kann u. etwas
Hausarb. übernimmt.
Vorzſt. 57 Uhr nach=
mittags
. Am Erlen=
berg
17, 1. Tr. (6876a

Aelteres, im Kochen
und Haushalt erfahr,
Mädchen
zum 1. Mai geſucht.
Beſte Empfehlungen
u. Zeugn. erwünſcht.
Näh. Geſchſt. (*10804

Ehrl. Mädchen
mit guten Empfeh=
lungen
über Mittag
geſucht. Vorzuſtellen
ab 9 Uhr
10792
Martinſtraße Nr. 47

Tauffrau
geſucht 2mal =
chentl
. Frankfurter=
ſtraß
e76, II. (*10824

Wir geben hierdurch bekannt, daß nach er-
folgter
Einrichtung die Serienfabrikation
unseres neuen Achtzvlinder-Wagens mit 5 Wagen
täglich beginnt. Unrere Belegschaft so1 bi=
Juni ds. Js. von 250 auf 600 Mann erhöht
werden. Guten Facharbeitern,
Breher, Fräger,
Bchleifer, Bohrer
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angelernten Maschinenarbeitern bis RM. 1.10.
Bei Bewährung übernehmen wir Wohnungsbe-
schaffung
sowie Umzugsvergütung.
Melden wollen sich besonders Leute, die gute
Dauerstellung suchen.
Lehrlinge werden nocn angenommen.
Röhr-Aute A.-G.
Ober-Ramstadt (Hessen)

Haustochter.
Einfaches, gebildetes
Frl., nicht unter 18
Jahren, evgl., kann
das Kochen u. Haus=
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bild
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Maſchſchr., die ſich z.
Hilfeleiſtung i. ärztl.
Sprechz. eign., halb=
tags
geſ. Angb. unt.
J113 a. Gſchſt. (*10793 Geſucht zum 1.
i
Mia
Faen
mit guten Zeugniſſ.,
n. unt. 20 Jahr., tags=
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(*108621 Tücht. Mädchen
nicht unt. 18 J, tags=
über
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[ ][  ][ ]

Nummer 114

Samstag den 21 April 1928

Seite 9.

Die Erſatzteile
für die ,Bremenunterwegs.
Weitere Verzögerung des Starts
nach New York.
EP. Ottawa, 19: April.
Nachdem die nötigen Erſatzteile, u. a. der
Propeller des Junkersflugzeugs B 13 mit der
Eiſenbahn nach der Marray=Bucht befördert
worden ſind, von wo ſie nach Greenly Island
zur Ausbeſſerung der Bremen weitergehen,
pechnet man damit, daß der Start der Bremen
in Bälde erfolgen kann, jedoch auf keinen Fall
vor Sonntag. Major Fitzmaurice, der die Ent=
ſendung
der Erſatzteile für die Bremen über=
wacht
, befindet ſich noch immer in Murray Bay.
Preſſeberichte kündigen an, daß die Flugbedin=
gungen
ungünſtig ſeien, ſo daß Major Fitz=
maurice
wahrſcheinlich früheſtens am Samstag
nach Greenly Jsland werde zurchkehren können.
Die Ankunft der drei Atlantikflieger in New
York därfte ſich dann bis in die zweite Hälfte
der nächſten Woche verzögern.
Starker Siurm
an der amerikaniſchen Nordoſiküſie
New York, 20. April.
Der an der ganzen Nordoſtküſte herrſchende
ſtarke Strm, der, wie gemeldet, den Flugver=
kehr
zwiſchen Greenly Jsland und der Außen=
welt
erneut beeinträchtigt hat, hat an der ganzen
Nordoſtküſte der Vereinigten Staaten beträcht=
lichen
Schaden angerichtet. So iſt u. a. eine
ganze Reihe von Waldbränden zu verzeichnen,
unter denen einer bei New Jerſey in Pennſyl=
banien
einige tauſend Acres Wald vernichtet
und zahlreiche Häuſer zerſtört hat. Die Bevöl=
kerung
der in den Waldbezirk eingebetteten
Siedlungen mußte ihre Wohnſtätten im Stich
laſſen und flüchten.
Eintreffen der Bremen
in New York nächſie Woche?
New York, 19. April.
In hieſigen Fliegerkreiſen wwird die Meinung
geäußert, daß, falls die Erſatzteile für die Bre=
men
noch heute in der Murray=Bucht eintref=
fen
, die Bremen für Montag in New York
erwartet werden könnte. Das hieſige Büro des
Norddeutſchen Lloyd erhielt einen Funkſpruch
von Freiherrn von Hünefeld, in dem er mitteilt,
er beabſichtige auf alle Fälle mit der Bremen
nach New York zu fliegen. Die Bremen werde
dank der Mithilfe von Cuiſinier und ſeiner Ge=
ſellſchaft
Transcontinental Airways bald ſtart=
bereit
ſein. Er und ſeine Kameraden hofften,
Montag oder Dienstag in New York einzutref=
fen
. Er werde noch die Startzeit telegraphiſch
mitteilen. Möglicherweiſe würde eine Zwiſchen=
kandung
vorgenommen werden. Es wird ver=
mutet
, daß eine Zwiſchenlandung in Lake
Sainte Agnes oder Murray Bay zwecks Brenn=
ſtoffergänzung
erfolgen wird.
Flugpläne der deutſchen Ozean=
flieger
.
EP. London, 20. April.
Ein Flugzeug, das von dem Begleiter des
Ozeanfliegers Byrd, Balchen, und von dem
Flieger Bennet geſteuert wird, iſt heute, um
7 Uhr vormittags amerikaniſche Zeit, von De=
troit
nach Murray=Bucht aufgeſtiegen, um dort
den Major Fitzmaurice und einen Mechaniker
der Junkerswerke mit Reſervematerial für die

Amerikas Luftpolizei in Bereitſchaft.

Zwei Flugzeuge der amerikaniſchen Luftpolizei im Inſpektionsdienſt.
Im Kreiſe: Ein Offizier der amerikaniſchen Luftpolizei.
Seit Eintreffen der deutſchen Flieger jenſeits des Ozeans befindet ſich auch die amerikaniſche Luft=
polizei
in erhöhter Bereitſchaft.

Bremen an Bord zu nehmen und nach
Greenly Island weiterzufliegen.
Die kanadiſche Preſſe verbreitet Gerüchte, daß
die deutſchen Flieger die Abſicht haben, mit der
Bremen von Amerika nach Deutſchland zu=
rückzufliegen
. Dieſe Meldung ſtammt von einem
kanadiſchen Zeitungskorreſpondenten, der in
einem Flugzeug angeblich Greenly Island be=
ſucht
und Hauptmann Köhl geſprochen hat.
In ähnlichem Sinne äußerte ſich auch Major
Fitzmaurice, der hinzufügte, daß in dem Reiſe=
programm
der Ozeanflieger auch ein Ueberland=
flug
über die Vereinigten Staaten und Kanada
vorgeſehen ſei. Nach den Angaben des Kor=
reſpondenten
wird die Reparatur der Bremen
ſechs Tage, vom Eintpeffen der Reſerveteile an
gerechnet, dauern. Fitzmaurice gedachte wäh=
rend
ſeines Aufenthalts in Murray=Bucht der
Flieger, die ihr Leben bei dem Verſuch einge=
büßt
haben, den Atlantiſchen Ozean von Oſten
nach Weſten zu überfliegen. Er berichtete auch,
daß Baron von Hünefeld nach der Landung
zweimal im Eiſe einbrach, daß ſich aber ſeine
Rettung, wenn auch unter großen Schwierig=
keiten
, bewerkſtelligen ließ.
Das Mißgeſchick bei der Landung
der Bremen.
Der Spezialkorreſpondent der New York
Times in der Murray Bay veröffentlicht in ſei=
nem
Blatte auf Grund weiterer Unterhaltungen
mit Fitzmaurice noch folgende neue Tatſachen:
Das Aufſetzen der Bremen bei der Landung
in Greenly Island war infolge des Einbruchs
des Eiſes ſo hart, daß Köhl und Fitzmaurice
gegen das Inſtrumentenbrett geſchleudert wur=
den
, während der hinten ſitzende v. Hünefeld
nach vorn rückte. Fitzwauvice fand ihn, den Kopf
nach unten und mit den Füßen in der Luft, wie
er verſuchte, die Oeffnung hinter ſich zu er=
reichen
. Als Fitzmaurice ihm dann hinausge=
holfen
hatte, trat von Hümnefeld einen Schritt
rückwärts und fiel in das eiskalte Waſſer, Fitz=
maurice
zog ihn raſch wieder heraus, aber da
Hünefeld Gummiſtiefel trug, rutſchte er ſofort

wieder aus und fiel, den Kopf voran, nochmals
ins Waſſer; nochmals holte ihn Fitzmaurice
heraus. Da es bitter kalt war, froren die Klei=
der
von Hünefelds ſofort auf dem Körper feſt,
und er wurde ſchnellſtens zum Auftauen in den
Leuchtturm gebracht.
Vor der 3. Etappe des deutſchen
Ozeanfluges.

uen

Mfe

Von Grernly Jsland nach New York.
Unſere Karte zeigt das Gebiet der dritten Etappe
des deutſchen Ozeanfluges. Die erſte führte von
Berlin nach Irland, die zweite von Irland nach
Greenly Island und die dritte ſoll die tapferen
Flieger nach New York bringen. Die genaue Flug=
route
von Greenly Island nach Ncw York ſteht noch
nicht feſt.

New York rüſtet ſich.
Die Vorbereitungen für den
Empfang.
New York, 20. April.
Hier wird jetzt angenommen, daß die Bre=
men
am Mittwoch in Mitchellfield eintreffen
werde. Der ſtädtiſche Empfangsausſchuß, der
mit einem außerordentlichen Andrang nicht nur
der Menſchenmenge, ſondern auch von Flug=
zeugen
rechnet, erſuchte Hoover, beſondere luft=
polizeiliche
Vorſchriften zu erlaſſen, ſo daß nur
eine Militäreskorte von Flugzeugen, ferner
Preſſe=, Film= und offizielle Flugzeuge die Er=
laubnis
erhalten werden, ſich der Bremen
während ihres Fluges nach Mitchellfield auf
eine halbe Meile zu nähern.
Die Empfangsfeierlichkeiten
in Waſhington.
Waſhington, 20. April.
Wie die Aſſociated Preß erfährt, ſind außer
den bereits gemeldeten Programmpunkten fol=
gende
Feierlichkeiten für die Ankunft der Bve=
men
=Flieger vorgeſehen: Entgegenflug eines
Geſchwaders von Armeeflugzeugen, Empfang
auf dem Flugplatz Bollingfield durch Staats=
ſekretär
Kellogg und andere Mitglieder des Ka=
binetts
, durch den deutſchen Botſchafter und den
iriſchen Geſandten. Sodann finden Bankette
in der deutſchen Botſchaft und in der iriſchen
Geſandtſchaft ſtatt. Außerdem iſt ein Beſuch des
Grabes des unbekannten Soldaten vorgeſehen
und offizielle Begrüßungen in beiden Häuſern
des Parlaments geplant.
Einladung Fords
an die Bremen=Flieger.
Edſel Ford richtete an die Bremen=Flieger
durch den hieſigen Fordvertreter die Einladung
zum Beſuch der gegenwärtig in Detroit veran=
ſtalteten
Flugſchau. Er bot den Fliegern für die
Dauer ihres Aufenthalts ſein Heim in Dearn=
born
an, erbot ſich, die Flieger mit einem Ford=
Flugzeug von New York nach Detroit zu beför=
dern
und ſtellte ihnen ferner Lincoln= Automo=
bile
mit Chauffeuren für die ganze Dauer ihres
Aufenthalts in Amerika zur Verfügung.
Ein Lob auf die Bremen.
Lehren aus dem Ozeanflug.
Murray Bay (Quebec), 19. April.
Im Verlaufe eines Preſſeinterviews ſagte
Major Fitzmaurice, die Bremen ſei das beſte
Flugzeug, das er je kennen gelernt habe. Er
erklärte: Der Motor funktionierte die ganze Zeit
vorzüglich. Das Flugzeug ſchwebte durch jede
Sturmboe wie ein großer Vogel. Ich habe nie=
mals
eine Maſchine gekannt, die der Kontrolle
des Flugzeugführers ſo gut gehorchte und die
alle Arten bon atmoſphäriſchen Veränderungen
mit ſo geringen Störungen überſtand. Auf die
Frage, ob es richtig ſei, daß Baron v. Hünefeld
bereit geweſen ſei, im Falle einer Kataſtrophe
ſeinen Rebolver zu gebrauchen, erwiderte der
Major, ihm ſei nichts derartiges bekannt. U. a.
erklärte der iriſche Flieger noch, daß, wenn an
der Küſte von Neufundland nicht dichter Nebel
aufgetreten wäre, die Bremen leicht. New
York erreicht hätte, da die Flieger in der Nacht
ſich nach den Landlichtern hätten richten können.
Als einen Fehler bezeichnete es Fitzmaurice, daß
man keine Funkvorrichtung mitgenommen habe.
In anderem Falle hätten ſich die Flieger nach
Erreichung der Küſte von Neufundland mit den
Küſtenſtationen in Verbindung ſetzen können.
Zum Schluß erklärte Fitzmaurice, daß die Oſt=
Weſt=Flüge in Zukunft ſo angetreten werden
müßten, daß die Flugzeuge die amerikaniſche
Küſte bei Tagesanbruch erreichten, da die Orien=
tierung
während der Nachtzeit doppelt ſo ſchwie=
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[ ][  ][ ]

Geite 10

Samstag, den 21. Aprit 1928

Nummer 114

Reich und Ausland.
Jla 1928, Berlin.
Juternationale Luftfahrt=Ausſtellung.
Nach dem bisher vorliegenden Meldeergebnis
ſcheint die Ausſtellung des Reichsverbands der Deut=
ſchen
Luftfahrt=Induſtrie, die in der Zeit vom 7. bis
28. Oktober 1928 in den Hallen des Ausſtellungs=,
Meſſe= und Fremdenverkehrs=Amtes der Stadt Berlin
am Kaiſerdamm ſtattfindet, recht umfangveich zu wer=
den
. Außer deutſchen Flugzeugen wird man am Kai=
ſerdamm
die führenden Flugzeug= und Motortypen
des Auslandes ſtudieren können. Von feſtgemeldeten
Ausſtellern ſeien erwähnt: Farman=Frankreich, Avia=
Prag, Armſtrong/Siddeley=England. Ebenſo werden
die einſchlägigen Induſtrien und Zubehör=Induſtrien
des Auslandes auf der Ausſtellung vertreten ſein.
Gemeldet haben Belgien, Bolivien, Dänemark, Eng=
land
, Frankreich, Griechenland, Italien, Mexiko,
Rußland, Oeſterreich, Schweden, Schweiz, Tſchechoflo=
wakei
, Türkei, Ungarn und USA. Durch die bereits
vorliegenden Anmeldungen können die beiden großen
Autohallen voll beſetzt werden. Mit Rüchſicht auf die
zahlreichen noch ſchwebenden Beteiligungsberhand=
lungen
mit Firmen des In= und Auslandes iſt in
Ausſicht genommen, auch die zurzeit im Bau befind=
liche
neue Funkhalle in das Ausſtellungsgebiet hinein=
zubeziehen
. Auch das die Hallen umgebende Freige=
lände
wird voll belegt werden. In den Vereinigten
Staaten beabſichtigt man, den nordamerikaniſchen Be=
ſuchern
der Ila 1928 in möglichſt großem Umfange
Erleichterungen zuteil werden zu laſſen. So hat ſich
bereits jetzt ein Komitee gebildet, das Gemeinſchafts=
reiſen
zur Ila 1928 veranſtalten will. Wie wir er=
fahren
, hat ſich bereits eine größere Reiſegeſellſchaft
zuſammengeſchloſſen, um mit dem Dampfer Colum=
bus
einige Wochen vor Eröffnung der Ila in
Bremen eintreffend, Flüge durch Deutſchland mit
eigens für dieſen Zweck bereitgeſtellten Flugzeugen zu
veranſtälten.
Zur Bluttat bei der J.=G. Farbeninduſtrie
Ludwigshafen.
Mannheim. Wie gemeldet, rächte ſich im
Ludwigshafener Anilinwerk der J.=G. Favbenindu=
ſtrie
am Mittwoch ein wegen tätlichen Angriffs auf
ſeinen Meiſter entlaſſener Arbeiter dadurch, daß er
vier Werkangeſtellte durch Revolverſchüſſe ſchwer ver=
letzte
. Inzwiſchen ſind zwei der Schwerverletzten im
Krankenhaus Ludwigshafen verſchieden, ein dritter
ſchwebt noch in Lebensgefahr.
Tödlicher Betriebsunfall in der J.=G. Farben=
Induſtrie.
Ludwigshafen. An einem zum Zwecke der
Ueberholung geöffneten Rührbehälter im Werk Op=
pau
löſte der ledige Schloſſer Eugen Blatz aus Frie=
ſenheim
vorzeitig die Verſchraubung des Rührers
mit der Welle. Der Rührer fiel infolgedeſſen herun=
ter
und verletzte Blatz ſo ſchwer, daß er bereits auf
dem Wege zur Ambulanz ſtarb.
Aerztekongreß in Baden=Baden.
Baden=Baden. Geſtern vormittag iſt hier
der 3. Allgemeine ärztliche Kongreß für Pſycho=
therapie
zu ſeinen wiſſenſchaftlichen Beratungen, die
ſich bis Sonntag hinziehen werden, zuſammenge=
treten
. Ueber 500 Aerzte aus allen Teilen Deutſch=
lands
weilen aus dieſem Anlaß in Baden=Baden.
Eröffnet wurde die Sitzung durch den Voxſitzen=
den
, Geheimrat Sommer=Gießen, der betonte, daß die
Gventual= und Charakterpſychologie im Vordergrund
der Beratungen ſtehe.
14 Jahre Zuchthaus wegen Tötung eines
Förſters.
Bayreuth. Donnerstag abend wurde das
Urteil im Förſtermordprozeß gegen den Porzellan=
arbeiter
Hirſchmann auf Sofienthal bei Weidenberg
verkündet. Es lautet auf 14 Jahre Zuchthaus und
10 Jahre Ehrverluſt wegen Totſchlags. Der Staats=
anwalt
hatte die Todesſtrafe beantragt. Es handelt
ſich um die Ermordung des Förſters Popp bei Un=
terſteinach
im Fichtelgebirge, die lange Jahre in
Dunkel gehüllt blieb.
Ein Mord?
Saarbrücken. Donnerstag morgen wurde
an der Dillinger Hütte, in der Nähe der Hochöfen,
die Leiche des 62 Jahre alten Hilfshüttenmeiſters
Barth aus Pachten unter einem Kohlenhaufen aufge=
funden
. Barth wurde ſeit Mitwwoch vermißt. Nach
den Feſtſtellungen liegt zweifellos ein Mord vor, doch
muß das Ergebnis der Obduktion abgewartet werden.
Die Leiche iſt beſchlagnahmt worden.
Zur Taine=Kundertjahrfeier.

Hippolyte Taine,
der große franzöſiſche Gelehrte, wurde vor hundert
Jahren, am 21. April 1828, geboren. Er hat das
franzöſiſche Geiſtesleben in der zweiten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts entſcheidend beeinflußt. Ihm
ſſt zu verdanken, daß die naturwiſſenſchaftliche Be=
trachtungsweiſe
der Dinge auch in den Geiſteswiſ=
ſenſchaften
, inſonderheit in der Philoſophie und Ge=
ſchichte
, zur Geltung kam. Seine Philoſophie der
Kunſt iſt ein unſterbliches Werk. Um ſo amüfanter
iſt es, daß er 1851 gerade in der philoſophiſchen Prü=
fung
durchfiel. Seine Origines ſtellen die beſten
ſranzöſiſchen Geſchichtsſtudien ſeiner Zeit dar. 1878
burde Taine Mitglied der Akademie. Am 5. März
1893 iſt er geſtorben.

Neues Erdbeben in Bulgarien.

Der Hauptplatz von Sofia mit der Kathedrale.
Bulgarien iſt erneut von einem ſchweren Erdbeben heimgeſucht worden. Mit paniſchem Schrecken
flüchtete die Bevölkerung aus den vielfach beſchädigten Häuſern. Der Mittelpunkt des Bebens
liegt etwa 150 Kilometer ſüdöſtlich von Sofia. Der Schaden iſt noch nicht zu überſehen, doch über=
trifſt
er denjenigen der Vorwoche.

Ein 15jähriger reiſt in 44 Tagen
um die Welt.

Der däniſche Pfadfinder Palle Huld nach ſeiner
Ankunft in Berlin.
Der 15jährige Palle Huld ging im Auftrag der
Kopenhagener Zeitung Politiken auf eine Reiſe um
die Welt und hat den bisherigen Rekord um einen
Tag verbeſſert. Mit Ausnahme des Flugzeuges durfte
der mutige Knabe alle Verkehrsmittel Eiſenbahn,
Schiff, Auto, Schlitten uſw. benutzen. Am 44. Tag
ſeiner Reiſe, die ihn über den Atlantic, Kanada, den
Stillen Ozean, Japan, Sibirien, Rußland und Polen
geführt hat, traf er in Berlin, zehn Stunden ſpäter
in Kopenhagen ein. Er war ſparſam. Von den tau=
ſend
Dollars, die er für die Reiſe mitbekommen hatte,
hat er noch etwas übrig behalten.
Der Aktendiebſtahl im Amtsgericht Werder.
Das Verſchwinden alter Aufwertungs= und Straf.
akten aus dem Amtsgericht Werder an der Havel
hatte im vorigen Jahre, wie berichtet, großes Auf=
ſehen
erregt. Als Täter waren der 23jährige Juſtiz=
anwärter
a. D. Walter Beck und der 32jährige
Kanzleiangeſtellte Kurt Fuhrmann ermittelt worden,
die ſich jetzt vor dem Potsdamer Schöffengericht zu
verantworten hatten. Nach dem Antrage des Staats=
anwalts
wurde Beck zu insgeſamt 1 Jahr 5 Monaten
Zuchthaus und 3000 Mark Geldſtrafe verurteilt.
Fuhrmann erhielt zwei Monate Gefängnis, bei einer
Bewährungsfriſt von drei Jahren.
Haltloſe Vorwürfe gegen den Straßenbahn=
führer
Redlich.
Berlin. Der Straßenbahnführer Redlich, der
am Donnerstag vormittag noch einmal vernommen
werden ſollte, aber nicht in ſeiner Wohnung ange=
troffen
wurde, hat ſich am Donnerstag nachmittag bei
der Kriminalpolizei zu der Vernehmung eingefunden
und iſt nochmals verhört worden. Entgegen einer
anonymen Behauptung, daß Redlich in der Nacht vor
dem Unglückstage als Kraftwagenführer tätig ge=
weſen
und das Unglück auf Uebevmüdung zurückzu=
führen
ſei, iſt feſtgeſtellt worden, daß Redlich das
letztemal im Jahre 1927, während ſeines Urlanbs,
bei einem Moabiter Kraftwagenbeſitzer ein paar Tage
aushilfsweiſe als Chauffeur gefahren iſt. Es beſteht
die Vermutung, daß die unwahre Behauptung einen
Racheakt darſtellt.
Amtliche Unterſuchung des oberſchleſiſchen
Grubenunglücks.
Berlin. Am 17. d. M., 18.45 Uhr, iſt in Ober=
ſchleſien
, in der Umgegend der Stadt Beuthen, eine
erdbebenartige Erſchütterung ſwahrgenommen worden.
Ungefähr zur gleichen Zeit ſind auf der Karſten= Zen=
trumsgrube
unter Tage Grubenbaue zu Bruche ge=
gangen
. Vier Bergleute wurden verſchüttet. Nach
anſtrengenden Rettungsarbeiten gelang, es nur, ſie
als Leichen zu bergen. Wie der Amtliche Preußiſche
Preſſedienſt mitteilt, hat die Bergbehörde die Un=
terſuchung
aufgenommen. Es ſteht noch nicht feſt, ob
die Erſchütterung über Tage eine Folge des Zuſam=
menbruchs
unter Tage iſt, oder ob beide Ereigniſſe
auf ein tektoniſches Beben zurückzuführen ſind. Der
Unfallausſchuß der Grubenſicherheitskommiſſion Bres=
lau
wird in der nächſten Woche auf der Unfallgrube
zuſammentreten. Auch der beſondere Ausſchuß zur
Erforſchung der Gebirgsſchläge im oberſchleſiſchen
Steinkohlenbergbau wird ſich mit dem Unglück be=
ſchäftigen
.

Das Erdbeben in Bulgarien.
Sofia. Die letzten Meldungen, die im Laufe
der Nacht über die Erdbebenkataſtrophe in Bulgarien
eingelaufen ſind, beſagen; daß das Erdbeben bedeu=
tend
größer iſt, als man urſprünglich annahm. Man
ſpricht von dem größten Erdbeben, das ſich in den
letzten Jahrzehnten überhaupt abgeſpielt hat. Bis
zum Abend wurde die Zahl der durch das Erdbeben
zerſtörten Häuſer mit 2136 angegeben, wovon 1036
vollſtändig zerſtört ſind, die übrigen ſind ſchwer be=
ſchädigt
. Die Zahl der Toten hat ſich auf 30 erhöht.
60 Perſonen ſind ſchwer und über 100 leicht verletzt.
Aus fünf Dörfern der Umgebung von Philippopel
werden 25 Tote und viele Verletzte gemeldet. Die
Erdſtöße dauern noch an und werden ſogar in Sofia
verſpürt. Die internationalen Züge, die durch Bul=
garien
verkehren, ſind eingeſtellt. Südlich und öſtlich
von Philippopel ruht jeder Bahnverkehr, da die
große Maritzaflußbrücke unbefahrbar iſt. König
Boris reiſt nach Philippopel. Aus dem ganzen Erd=
bebengebiet
werden ſchreckliche Verwüſtungen berichtet.
Die Häuſer an den Abhängen der Stadt Philippopel
ſtürzten bei den Erdſtößen aufeinander. Die Bevöl=
kerung
kampiert im Freien und leidet unter der zu=
nehmenden
Kälte und unter Mangel an Lebensmit=
teln
. Zwei Ortſchaften in der Umgegend von Phi=
lippopel
ſind gänzlich zerſtört.
Erdſtöße auch in der Türkei und in Kleinaſien.
Angora. Mittwoch abend 9 Uhr wurde im
Adrianopel ein heftiges Erdbeben verſpürt, das fünf
Sekunden dauerte. Zehn Minuten ſpäter folgten vier
ſchwache Erdſtöße in kurzen Abſtänden voneinander.
Sie wurden auch in Stambul und Oſtthrazien wahr=
genommen
. In Smyrna ereigneten ſich zwanzig Se=
kunden
lange Erdſtöße, mit einer kurzen Zwiſchen=
pauſe
. Am Donnerstag wurden an den Dardanellen
um 1 Uhr und um 3 Uhr nachmittags neue ſchwache
Erdſtöße verſpürt.
Zahlreiche Todesopfer der Ueberſchwemmung
im Altaigebiet.
Kowno. Wie aus Moskau gemeldet wird,
nimmt die Ueberſchwemmung im Altaigebiet immer
größeren Umfang an. Bei Semſplatinſk am Irtyſch
ſteht ein Gebiet von ſechs Quadvatkilometern unter
Waſſer. Zahlreiche Häuſer ſind von den Waſſer=
maſſen
weggeſpült worden, wobei auch viele Men=
ſchenleben
vernichtet wurden.
Geſchützexploſion in Thorn.
Warſchau. Auf dem Polygon bei Thorn
explodierte während artilleriſtiſcher Uebungen ein
Geſchütz. Zvei Soldaten wurden getötet, zuvei an=
dere
verwundet, einer davon ſchwer.
Großfeuer in Mailand.
Mailand. Auf dem hieſigen Obſt= und Ge=
müſemarkt
brach ein Brand aus, durch den für zwei=
einhalb
Millionen Lire Schaden angerichtet wurde.
Sabotageakt gegen eine Eiſenbahn in Tirol.
Bozen. Im Grödner Thal iſt ein Sabotageakt
auf die Eiſenbahnlinie Klauſen-Plan entdeckt wor=
den
. Nur der Geiſtesgegenwart des Lokomotivführers
iſt es ze verdanken, daß der Zug nicht tief ins Tal
geſtürzt iſt. Gerade an der Stelle, wo die Bahn=
böſchung
ſenkrecht ins Tal abfällt, hatten Unbekannte
ſchwere Felsblöcke und einige Balken auf die Strecke
gewälzt, die den Zug unbedingt zum Entgleiſen und
zum Abſturz gebracht hätten. Der Maſchinenführer
konnte jedoch, als er das Hindernis ſah, den Zug
noch zum Stehen bringen und ſo zahlreichen Men=
ſchen
das Leben retten.
Ein ſpaniſches Verkehrsflugzeug verunglückt.
Madrid. Ein Verkehrsflugzeug der Linie Bar=
celona
-Madrid wurde bei Terne durch eine Böe zu
Boden gedrückt. Die ſieben Fluggäſte ſowie der
Führer und ſein Begleiter wurden verletzt. Nach
Blättermeldungen iſt der Unfall des Flugzeuges der
Linie Madrid-Barcelona darauf zurückzuführen, daß
das Flugzeug in dem Augenblick von einem heftigen
Windſtoß ergriffen wurde, als es verſuchte, wegen
Motordefekts auf freiem Felde zu landen. Der Stoß Ozeandampfer Montroſe nach dem Zuſam=
gegen
den Boden war ſo heftig, daß die Paſſagiere
aus ihren Sitzen geſchleudert wurden. Das Flugzeug Der Dampfer Montroſe der Canadian Pazifie
iſt vollſtändig zerſtört. Landleute, die Zeuge des Linie ſtieß am 9. April im Nordatlantic, etwua 13/0
Unglücks waren, eilten ſofort herbei und ſorgten
für die Ueberführung der Verletzten in das Kranken= einem Eisberg zuſammen. Nur die Geiſtesgegenwark
haus von Minueſa. Nach den letzten Meldungen ſind
die einzigen Unverletzten ein Deutſcher namens hindern. Auch ſo haben zwei Mann der Beſatzung
Schiller, der Bordfunker und ein aus Chaux=de= ihr Leben verloren und wurden zwei von den zwe‟
Fonds ſtammender Schlveizer namens Samuel Ditis= hundert Paſſagieren ſchwer verletzt. Unſer Bild
heim. Sehr ſchwver verletzt ſind der deutſche Pilot zeigt den im Sandon Dock zu Liverpool in Reba=
Kuſtler und ein Spanier namens Farres aus Bar= ratur befindlichen Ozeandampfer mit dem zertrüm=
gelona
.

DemGedächtnis des Fliegerbeiden
Manfred v. Richthofen.

Rittmeiſter Manfred Freiherr von Richthofen
iſt vor zehn Jahren, am 21. April 1918, kurz vor
Vollendung ſeines 26. Lebensjahres bei einer Not=
landung
im Somme=Gebiet gefallen. In den zwei
Jahren ſeiner Tätigkeit als Kampfflieger hat er
80 feindliche Flugzeuge abgeſchoſſen. Er war Ritter
des Ordens pour le Merite, des Roten Adlerordens
mit den Schwertern und Beſitzer des Eiſernen
Kreuzes 1. Klaſſe.
Fünfzig durch Giftgas getötete deutſche Soldaten
aufgefunden.
Das Journal veröffentlicht eine Meldung aus
Chevregny, derzufolge man beim Säubern eines
Kellers den Eingang zu einem Unterſtand entdeckte,
in dem man die Leichen von etwa 50 deutſchen Sol=
daten
vorfand, die, zum Teil am Tiſch ſitzend, zum
Teil auf Feldbetten liegend, vermutlich durch ein=
Bombe mit Giftgas ums Leben gekommen waren.
Ihre Waffen hingen noch an der Mauer.
Keine harten Gegenſtände aus dem Zug werfen!
Zahlreiche Unfälle hat die Reichsbahn dadurch zu
verzeichnen, daß Reiſende trotz aller Warnungen
Flaſchen und andere harte Gegenſtände aus dem Fen=
ſter
des fahrenden Zuges werfen. So warf auf der
Strecke ErfurtEiſenach aus einem Eilzug em Rei=
ſender
eine leere Flaſche. Dieſe traf mit voller Wucht
den linken Arm des Heizers einer Schnellzugsloko=
motibe
, die in entgegengeſetzter Richtung fuhr. Dabet
wurde dem Heizer der Ellbogen zerſchmettert und die
Sehne des Armes zerſchnitten. Reiſende ſollen dar=
aus
die Lehre ziehen, keine feſten Gegenſtände aus
dem fahrenden Zug zu werfen, da dadurch unüber=
ſehbarer
Schaden angerichtet werden kann. Der Ur=
heber
wird außerdem noch ſtrafrechtlich verfolgt.
Expeditionen.
Nach einer Meldung aus Peking iſt von dort aus
eine aus 36 Perſonen beſtehende Expedition unter
Führung des Naturforſchers Andrews aufgebrochen,
um in der Wüſte, 300 Kilometer nordweſtlich von
Kalgan, Nachforſchungen nach den Spuren der erſten
Menſchen anzuſtellen. Andrews glaubt, daß dort be=
reits
vor zwei Millionen Jahren die erſten Menſchen
der Erde lebten. Die Expedition führt 125 Kamele
mit. Andrews iſt ſeinerzeit durch die Entdeckung des
Skeletts Balchitheriums, des größten vorzeitigen
Sauriers, hervorgetreten.
Demnächſt wird im Auftrag der amerikaniſchen
Regierung eine Expedition ſich nach Neu=Guinea be=
geben
, um dort nach Zuckerrohrarten zu ſuchen, die
nicht den in den Vereinigten Staaten in den letzten
Jahren verheerend aufgetretenen Zuckerrohrkrankhei=
ten
unterliegen. Die amerikaniſchen Zuckerrohr=
arten
ſtammen aus Neu=Guinea, und es ſollen dorr
wild mehrere hundert Arten Zuckerrohr vorkommen,
von denen man annimmt, daß ſie der Krankheit nicht
unterliegen.
Schiff ſiößt auf Eisberg!

menſtoß.
Kilometer von der Kanadiſchen Küſte entfernt, mit
des Kapitäns konnte eine größere Kataſtrophe ver=
merten
Vorderteil.

[ ][  ][ ]

Nummer 111

Samstag den 21 April 1928

Seite 11

Sport, Spiel und Zurnen.

Handball.
Sportverein Darmſtadt 1898 in Halle.
Die Vorrunde um die Deutſche Meiſterſchaft ſieht den Süddeutſchen
Meiſter, den Sporwerein Darmſtadt 1898, im Kampfe mit dem Meiſter
von Mitteldeutſchland, dem Polizeiſportverein Halle. Beide Landes=
meiſter
haben gemein, daß ſie ſchon ſeit etlichen Jahren Meiſter ihres
Heimatverbandes ſind. Während nämlich die Darmſtädter in dieſem
Jahre zum 4. Male Süddeutſchlands höchſten Titel erworben haben,
ſind die Hallenſer Poliziſten ſogar ſchon ſeit dem Spieljahr 1922/B un=
unterbrochen
Meiſter von Mitteldeutſchland. Trotzdem iſt über das
Stärkeverhältmis der beiden Manmſchaften wenig bebannt. Die drei Be=
gegnungen
von Halle mit der Liggmannſchaft der 9er können heute
wohl kaum mehr als Vergleichsmaßſtab herangezogen werden, da dieſe
Spiele zeitlich zu weit zurückliegen. Bekanntlich haben die Darmſtädter
im Spieljahre 1925/26 in Halle die Vorrunde mit 6:3 verloren, nach=
dem
ſie ſchon einmal mit 6:5 (ebenfalls in Halle) einige Monade vorher
in einem Privatſpiel unterlegen waren. Halle war bisher einmal in
Darurſtadt, und zwar im Sommer 1926 zu einem Privatſpiel, in welchem
ſich die Darmſtädter in einem außerordentlich aufregenden Kampf mit
einem 9:7=Sieg revanchierten. Wir wiſſen nun nur, daß die Darmſtädter
ſeit dieſer Zeit mit ihrem Können weſentliche Fortſchritte gemacht haben.
Ob ud inwieweit dies bei dem Mitteldeutſchen Meiſter der Fall iſt,
iſt uns aus eigener Anſchauung nicht bekannt, wenn man auch ohne
weiteres unterſtellen kann, daß von der Steigerung der Handballſpiel=
ſtärke
gerade in Mitteldeutſchland hauptſächlich der Verbandsmeiſter
broftiert hat.
So dürfte immerhin ſoviel feſtſtehen, daß die Darmſtädter in Halle
zumindeſt auf einen völlig gleichwertigen Gegner treffen, der unter Be=
rüchſichtigung
aller Vorteile, die die gaſtgebende Manſchaft nu einmal
hat, die größeven Siegeschancen an ſich zuzuſchreiben ſind. Jedoch ſollte
gerade dieſer Umſtand in erſter Linie geeignet ſein, die Darmſtädter
Mannſchaft zur Hergabe des letzten Könnens und gur vollſten Aufopſe=
rung
zu veranlaſſen. Auch im Spiel SüddeutſchlandBvandenburg hat
im Ernſt wiemand an einen derartig imponierenden Sieg geglaubt, wie
er dann doch Wirllichkeit geworden iſt. Wir erinnenn die Darmſtädter
Stürmer an die Glanzform jenes Tages, an dem ſie dem Berliner Tor=
wächter
13 mal das Nachſehen gaben. Was damals möglich war, ſollte
es in Halle völlig unmöglich ſein? Und daß die Darmſtädter Hinter=
mannſchaft
ebenfalls eine ſtarke Gegenwehr bilden kann, hat ſie ſchon in
vielen ſchwenen Spielen gezeigt, ſo daß es mit Beiſpielen nicht belegt
zu werden bnaucht. Wenn alſo auch den Darwſtädtern ein ſchwerer
Kampf bevorſteht, ſo gehen ſie keineswegs ausſichtslos in den Kampf.
Begeiſtewumg und Aufopferung hat ſchon manchen nicht erwarteten Sieg
zuſtande gebracht; deſſen ſollen und müſſen ſich die Lilienträger bewußt
ſein, wenn ſie am morgigen Nachmittag 4 Uhr den Kampf mit dem
Polizeiſportverein Halle aufnehmen.
Die Anhänger der Sportvereinsmannſchaft dürfte vielleicht noch in=
tereſſieren
, daß die Darmſtädter am Samstag mittag 12.33 Uhr nach
Halle abfahren. Das Reſultat wird auf dem Sportplatz am Böllenfall=
tor
in der Zeit zwiſchen 5 und 6. Uhr eintreffen und dort bekannt ge=
geben
werden. Für alle Wißbegierigen wird die Zeit des Wartens da=
durch
abgekürzt ſein, daß um ½4 Uhr die Liggerſatzmannſchaft (Fußball)
in einem Privatſpiel gegen Germania Eberſtadt, um 5 Uhr die Hand=
ballreſerven
gegen die 1. Mannſchaft des Poſtſportvereins Frankfurt am
Main, die am letzten Sonntag durch die ganz knappe Niederlage (1:3)
gegen die Heſſ. Poliziſten zu impomieren verſtand, antreten.
Fußball.
V. f. R., e. V., Darmſtadt.
Kommenden Sonntag trifft ſich der A=Meiſter nachmittags 4.30 Uhr
auf der Rennbahn (Heidelbergerſtraße) mit der Ligamannſchaft des FC.
Union zu einem Freundſchaftsſpiel. Die 2. Mannſchaft trägt ihr letztes
Verbandsſpiel gegen Germania Eberſtadt aus. Das Spiel findet vor=
mittags
10 Uhr auf dem Exerzierplatz ſtatt. Anſchließend empfängt die
3. Mannſchaft die gleiche des Fußballvereins Sprendlingen, während
die Schülermannſchaft das Pribatrückſpiel gegen Sportw. 98 auf dem
Exert um 1½ Uhr austrägt.
Pol. Sp.V.Eintracht.
Nach langer Ruhepauſe eröffnet wieder der Heſſ. Polizeiſportverein
e V. mit ſeiner Fußballmannſchaft die Privatſpielſerje. Zu einem Pri=
batſpiel
am Samstag abend auf dem Platz an dem Finanzamt wurde
die als anſtändig und fair beſtens bekannte Mannſchaft des F.C. Ein=
tracht
Darmſtadt verpflichtet. Die Poliziſten ſind, bedingt durch die Um=
organſation
der Polizei, gezwungen, eine neue Mannſchaft auf den
Plan zu bringen, um für das nächſte Verbandsjahr eine eingeſpielte
Mannſchaft zu beſitzen. Das Spiel verſpricht auf Gpund der anſtän=
digen
Spielweiſe beider Mannſchaften eine ſportliche Delikateſſe zu wer=
den
, und iſt der Beſuch jedermann zu empfehlen.

In glänzender Form iſt der Allenſteiner Hirſchfeld, der beim
D. S. B.=Kurſus in Ettlingen beim Training die Kugel 15,39 Meter, alſo
weit über deutſchen und nahe an Weltrekord ſtieß.
Zur Waldaufmeiſterſchaft der Deutſchen Turnerſchaft, die am 22. 4.
in Erfurt zur Durchführung kommt, meldeten 68 Einzelläufer und
13 Mannſchaften.

Aut der enſſchenf Turmprſchaft
Turnen.
Odenwald=Turngau.
Alfred Maul=Feier.
Nachdem bereits durch den Vorſtand und Hauptausſchuß der D.T.,
durch Abordnungen der babiſchen und Karlsruher Turnvereine und durch
viele Vertreter der Behörden eine Gedenkfeier, für Alfred Maul im
Karlsruhe, an der Stätte ſeines Wirkens, ſtattgefunden hat, veranſtaltet
auch der Odenwaldturngau am 29. April zur Erinnerung an den vor
100 Jahren geborenen großen Turnführer und Erzieher in ſeiner Ge=
burtsſtadt
in Michelſtadt i. O. eine Alfred Maul=Feier. Einfach, ſchliht
und doch würdig will der Odenwaldturngau einen großen, verdienten
Durnführer ehnen. Von ſämtlichen Vereinen des Odenwaldgaues wer=
den
Fahnenabordnungen erſcheinen, um am Sonntagmorgen an einer in
der Kirche von Michelſtadt ſtattfindenden Feierſtunde teilzunehmen.
Hierauf wird ſich ein großer Zug von Turnern durch die Straßen der
Stadt nach dem Geburtshauſe Alfred Mauls bewegen, wo von berufe=
nem
Munde die Verdienſte des ausgezeichmeten TurnMethodikers und
=Technikers gewürdigt werden ſollen. Anſchließend werden am Nach=
mittag
auf dem ſchönen Michelſtädter Stadion ſportliche Kämpfe aller
Art für Unterhaltung und Abwechſlung ſorgen.
Handball.
Tv. Walldorf 1. Tgd., Beſſungen 1.
Nach einer Reihe auswärtiger Spiele hat die Tgd. Beſſungen wieder
einen bekamten Gegner nach hier verpflichtet. Die Gäſte aus dem Ried
verfügen über eine gut eingeſpielte Elf, wobei ſich der Sturm beſonders
auszeichnet. Das Spiel beginnt um 1½4 Uhr auf dem Sportplatze an
der Heidelberger Straße. Mit den volkstümlichen Eintrittspreifen iſt
jedem Gelegenheit geboten, ein ſchönes Handballſpiel zu ſehen.
Unmittelbar vorher ſtehen ſich die 2. Mannſchaften beider Vereine
gegenüber. In dieſem Spiele iſt der Ausgang offen, da dies das erſte
iſt, welches von den beiden Vereinen ausgetragen wird. Beſſungen ſpielt
in folgender Aufſtellung:
Henß
Heck
Schmidt
Bauer
Müller
Sieß
Geher Seifert
Hofmam
Cloos N. Scherer.
Turwerein Zwingenberg-Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt.
Die 2. Mannſchaft der Tgf. 1875 hat ſich am kommenden Sonntag,
nachmittags 133 Uhr, nach Zwingenberg gegen die dortige 1. Mann=
ſchaft
zu einem Freundſchaftsſpiel verbflichtet. Das Spiel der 1. Mann=
ſchaft
gegen Nauheim fällt aus und ſt dies auf den 6. Mai verlegt.

Field Handball und Le Jeu de Ballon z la Main,
ſind die offiziellen Bezeichnungen für das Handballſpiel in England
und Frankreich. Unter dieſen Namen ſind die deutſchen Handballregeln
in engliſcher und franzöſiſcher Sprache erſchienen.
Dieſe für den internationalen Handballſpiel=
betrieb
maßgebenden Regeln, erhalten damit internatio=
nales
Kleid. In den engliſch und franzöſiſch ſprechenden Ländern wer=
den
die Regeln der Werbung für das Handballſpiel dienen, ſo daß zu
hoffen iſt, daß dieſes Spiel nunmehr auch in dieſen Ländern ſeinen
Siegeszug antritt.
Bekanntlich verwaltet den Handball in der Welt die Inter=
national
Amateur Athletie Federation. In dem von der FAA.F.
dafür eingeſetzten Handball=Komitee ſind, neben dem erſten
Vorſitzenden der DSB., R.A. Lang als Präſident, der Spielwart der
DSB., Burmeiſter=Hamburg, als ehrenamtlicher Sekretär,= und
Vertreter von Auſtralien, Frankreich, Frland, Schweden, Nordamerika
und Oeſterreich vertreten. Die fremdſprachlichen Regeln können zum
Preiſe von je 1,20 R. M., einſchließlich Verſandſpeſen von der Deut=
ſchen
Sportbehörde für Leichtathletik, München 38, Romanſtraße 67,
(Poſtſcheckkonto Nr. 31 690) bezogen werden.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Samstag, 21. April. 13: Kaſſel: Hauskapelle. O 15: Aus dem
deutſchen Liederkranz. Chor des Kindergärtnerinnen=Seminars. Chor=
leiterin
: Studienrätin Cäcilie Geis. o 16 30: Rundfunkorch.: Neue
Tanzmuſik. 0 17.45: Aus dem Roman Maler Nolten von Eduard
Mörike. 18.15: Vereinsnachrichten; Mitteilungen. o 18.30:
Briefkaſten. 0 18 45: Dr. Köhner: Die Entwicklung des Arbeits=

Mie Si uet De
Edm. Evsler. O 23: Stadthalle Mainz: Konzert.

Stuttgart.
Samstag, 21. April. 12.30: Schallplatten. 14: Jugendſtunde.
0 15: Aus beliebten Opern. Leitung: Carl Struve. Mitw.: Herm.
Lingor, M. v. Wiſtinghauſen, Männerſertett des Württ. Landes=
theaters
, Rundfunkorch. O 18 15: Freiburg i. Br.: Stadtarchiprat
Dr. Friedr. Hefele: Das Alemannenland. o 18.45: Dr. Karl
Loewenberg, Stuttgart: Hippolyte Taine zu ſeinem 100. Todes=
tag
,) 19.15: Oberregierungsrat Dr. Kümmerlen, Stuttgart:
Aus der Spruchpraris der Militärverſorgung 8 19.45: Landes=
arbeitsamt
Südweſtdeutſchland über die Arbeitslage. 0 20.15:
Bruder Straubinger. Operette in drei Akten von M. Weſt und J.

fräulein von Himmliſch: Bruder Straubiger; Okuli, das wilde
Mädchen; Schwudler, Schaubudenbeſitzer: Liduſchka, ſeine Frauz
Bonifaz, Deſerteur; Ruckmich, Ratsherr; Wimmerer, Schreiber;
Bierſchopf, Amtsdiener. Ort der Handlung: Am Rhein, im 18.
Jahrhundert. O 21.15: Kammermuſikvereinigung des Philharm. Orch.
Frank: Sonate im A=dur für Violine und Klavier. Saint=
Saens: Sonate für Violoncell und Klavier. O 22.45: Nachrichten,
Berlin.
Sonnabend, 21. April. 15.30: Dr. med. Mosbacher: Seele
und Körper im Frühling. Eine ärztl. Plauderei. o 16: Rittm. a. D.
Bolle, Leiter der Deutſchen Verkehrsfliegerſchule: Zum Gedächtnis
Manfred Frhr. von Richthofens (geſt. 21. 4 18). o 16.30:
17

Aufführung. Hinter den Kuliſſen der Opernpremiere. o 19257
Prof Deſſoir: Carl Stumpf zum 80. Geburtstag. 1955:
Regierungspräſident a. D. Dr. Junghann: Ziele der Minderheiten=
politik
. O 20.30: Heiteres Wochenende. Mitw.: L. M. Lommel,
Funkorch. Dir: Seidler=Winkler. Boieldieu: Ouv. Kalif von Bagdad,
Moſzkowſky: Boabdil, Scherzo=Valſe. Jones: Potp. aus
Die Geiſha. Waldteufel: Dolores=Walzer Anſchl.: Tages=
nachrichten
. 22.30: Tanzmuſik. Kapelle Hoffmann.

Ziderfaunde. Boſtelandes Seite ud eine Maftade gechant.
O 15: Graef: Sprechtechnik. O 15.35: Wetter und Börſe. 0 167
Prof. Dr. Lampe: Bericht über Oſtertagungen des Zentralinſttuts:
6 16.30: Geh. Rat Falkenberg: Die Baamten des Völkerbundes:
o 17: Hamburg: Dvorak=Nachmittag. O 18: Prof. Cunow: Geld=
mächte
der Fuggerzeit. 18.30: Spaniſch für Anf. o 18.553
Dr. Dietrich: Prof. Dr. Stumpf zum 80. Geburtstag. o 19.23
A Ebel: Bachpaſſionen. 2 20.30: Berlim: Heiteres Wochenende,
Mitw.: L. M. Lommel, Berliner Funkorch. Dir.: Seidler=Winkler.
Anſchl.: Preſſenachr. T 2230: Tanzmuſik
Miche
Das isländiſche Hochdruckgebiet hat ſich weiter oſtwärts nach Stan=
dinavien
hin ausgebreitet, und ſeine Kaltluſtmaſſen füllen das mit dem
Kerngebiet über Dänemark liegende Tief weiter auf. Somit dürfte
auch der Störungseinfluß weiter abnehmen und die Wetterlage einer
Beruhigung entgegengehen. Wenn auch tagsüber eine langſame Ep=
wärmung
einſetzt, ſo gehen doch nachts die Temperaturen bis m Ge=
frierpunktsnähe
und ſtellenweiſe ſogar etwas darunter zuräck.
Witterungsausſichten für Sonntag, den 22. April 1928.
Zeitweiſe bewölkt, vorwiegend trocken und weitere Erwärmung
wahrſcheinlich.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:

Ort: Wetter. Temp.
in & Wind: Se
ſchlag
in mm Schnes
decke
in em Gießen: Miee 1,8 Aachen: R. 1,0 Hamburg: 1. 1,0 Berlin: 3 W. 1,0 München: heiter 3 wsW. 0,1 Königsberg: wolkig Windſtille Breslau: heiter 5 WSV. gef.

Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen:

Feldberg: Nebel NW. (Taunus)
Waſſerkuppe: Nebel Nw. 30 Feldberg: wolkig Sw. (Schwarzw.)
Zugſpitze: Nebel NW 245 Kahler Aſten: wolkig *5 nnt 30 Fichtelberg: Schnee Sw. Schneekoppe: heiter WSV. 20


Beranwornich fr Polin und Wirtſchaft: Rudelf Maupei für Feuſleion, Reich md
Ausland und Heſſche Nachrſchten: Max Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. 8. Que tſch: für den Schlußdſenſf: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willp Kuble: Hruck
und Verlag: C. C. Wiitlch ſcmtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſkrivte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.

Die heutige Nummer hat 16 Geiten.

Mus der amerikaniſchen Automobil=Indaſtrie

Rund 12 Jahre ſind es her, ſeit Mr. Naſh begann.
in eigner Fabrik Automobile herzuſfellen. Und wenn er
heute von der Höhe ſeines Induſirie=Magnatentums die
P aſen ſeines eigenen Werdegangs überblickt, kann er
über die Reſultate ſeiner Erfolgsarbeit zutrieden ſein.
Mr. Naſh, ein echt amerikaniſcher Selfmademan, zählt
heute zu den markanteſſen Führern, der amerlkaniſchen
Automobil=Induſtrie.
Vom eintachen ungelernten Arbeiter brachte er es in
kurzer Zeſt zum Werfmeiſter, und vorwärts getrieben
von ſeinem ruheloſen Schöptergeiſt, zum Generaldirek=
tor
eines führen en Automobil=Konzerns, um bald darauf
Präſdent der General=Motors=Companc zu werden.
Von ſeher gingen ſeine konſtruktiven Veſtrebungen
dahin, ein erſtklalſiges Automobil zu bauen, das voll=
kommen
bis zur kleinſten Schraube die allerletzten Er=
rungenſchaften
der Automobil=Konſtruktion aufweiſt, aus
edelſiem Material gebaut, aber trotzdem billiger ſein
ſollie als jeder gleichwertige Wagen der Welt.
Im Jahre 1916 verw rilichte Mr. Nalh dieſes Ideal
in ſeinem eigenen Unternehmen, und ſeine großen Er=
fahrungen
, die er als Teiter des größten Automobil=
Konzerns der Welt geſammelt hatte, unterſtätzten ihn
bei der Löſung ſeiner Aufgabe.
Bereits die erſien Naſh=Wagen, die die Fabrik ver=
ließen
, brachten ſchon damals einen Umſchwung in der
Automobll=Konſtruktion init ſich, deren Fußtapfen bald
alle führenden Ingenieure folgten, die zuerſi die Technit
von Mr. Nalh abgelehnt hatten. Heute bauen 43000 be=
währte
Arbeſter und Ingenieure in fünf Fabriken mit
einer Geſamtfläche von 3840000 gm tagein, tagaus
nur Naſh=Wagen.
Jede Fabrik ſitellt in ſpezialiſierter Arbeit nur ein Mo=
dell
her und ſchafft durch ſeine Konzentration Präziſons=
wagen
, deren Aberlegenheit wir alle kennen Tauende
von Spezialmaſchinen, teilwei e ür den eigenen Bettieb
konſitru eri, ſind notwendig, um die ſändig wachſende
Zahl der Aufträge aus aller Welt auszuführen. Und
Naih hat neulich bereits Schritte unternommen, um
größere Flächen für ſeine Werie zu ſchaffen, bei denen
ländig neue vollkommenere Maſchinen hinzukommen.

Eine der 5 Fabriken, das
Hauptwerk in Kenoſha, und
der Schöpfer der Naſh=
Ampmoble, Mr. Naſh.

Mit ſeinen großen Beſtänden an Arbeitsträften, Ma=
ſchinen
und Kapital iſt Naſh heute eines der beſfausge=
rüſtſeten
und eintlußreſchſten Unternehmen der ganzen
Automobil=Induſtrie, das trotz der rieſigen Ausdehnung
finanziell vollſtändig unabhängig geblieben iſt.
Der letzte Jahresbericht weiſt allein ein Aktſo von
86500000 Dollar auf.
Die Firma hat weder Bank= noch Hgpoihekenſchulden,
und arbeitet nur mit eigenem Kapital.
Mit anderen Worten, es gibt keine andere Geſellſchaft
in der Induſtrie, die ſich in einer ſo glänzenden pekuni=
ären
Lage beſindet. Ein Rieſenunternehmen groß
an der Zahl der darin ſchaffenden Köpfe und Hände
groß in inveſiertem Kapital und groß in der Aus=
dehnung
der Fabrikanlagen und groß in der Qualität
ſeiner Erzeugniſſe.
25 herrliche Modelle in den Stärken 12/55 PS,
14/70 PS und 18/80 PS werden von Mr. Naſh gebaut.
Alle ſind 6=39l.=Wagen mit dem weltberühmten, ge=
räuſchloſen
Raſh=Motor alle haben die ſiebenmal
gelagerie Kurbelwelſe alle die ſicheren Bremſen
die leich e Steurung überlegenen Anzugsmomente
alle die herrliche Polſerung und die ralſige Linienfüh=
rung
, einer prächtiger als der andere. 220 000 Naſh=
Wagen verließen im vorigen Jahre das Werk, um in
103 verſchiedenen Ländern zufriedene Kunden zu ſchaffen.
Bei ſeinen effekiven Vorzügen, die der Nalh zu ſeinen
niedrigen Preiſen bietet (ſchon von 5950. RM. an er=
hält
man einen 12155 6=39l.=Naſh), nimmt es nicht
wunder, daß er auch in Deutſchland lebhattes Käufer=
intereſſe
gewonnen hat. Nicht nur ſeine ſchnittige Linien=
führung
, die in verſchiedenen Schönheitskonkurenzen
des Vorſahres erſte Prelſe errang, ſondern auch ſeine
Qualität und ſeine abgelegten Proben der Leiſtungs ähi=
keit
zeigen ſeine Aberlegenheit. So gewann Naſh den:
1. Preis der Mitteldeutſchen Zuverläſſigkeitsfahrt 1926
1. Preis auf der Mansfelder Gebirgsprüfungsfahrt 1926
1. Preis auf d. Weſideutſchen Gebirgsprüfungsjahrt 1927
und fährt ſtrafpunkttrei auf der Weſifalen=Lippe=
Dauerprüfungsfahrt 1927
(Bln 675
und ſo geht die Liſie ſeiner Erfolge weiter, die ihn
zum Idealwagen unſrer Zeit prägen. E. 5.

[ ][  ][ ]

Börſe und Geidimarki.
Es war nicht ſchwer vorauszuſehen, daß die ſprunghafte Hauſſe=
bewegung
einer größeren Anzahl der in Berlin gehandelten Aktien auf
die Dauer nicht in dieſem Tempo weitergehen konnte, ſo daß wir bereits
in der vergangenen Woche unſerer Börſenüiberſicht den Hinweis auf die
Möglichkeit ſcharfer Reaktionen anfügten. Diefe Mahnung hat ſich in=
zwiſchen
nur als zu berechtigt heumisgeſtellt, ſtanden doch die erſten Tage
der laufenden Woche im Zeichen außerordentlich ſchaufeu, in dieſer
Stärke natürlich ebenfalls übertriebener Kursſenkungen. Die führenden
Terminwerte gaben, ſoweit ſie vorher von der Spekulation beſonders
ſtark in die Höhe getrieben waren, täglich über 10 Prozent nach. Auf
dieſe Weiſe iſt nunmehr eine ſtarke Unſicherheit und Nervoſität in das
Börſengeſehäft getragen worden; vor allem aber das Publikum zu einer
tveitgehenden Neſerve veranlaßt, weil es den Ueberblick über die Si=
tuation
infolge der ſcharfen täglichen Schwankungen verloren hat. Im=
merhin
iſt trotzdem kein direkter Peſſimismus an der Börſe aufgekom=
men
. Der Stoß konnte im Gegenteil von den Banken raſch abgefangen
zuerden, ſo daß jetzt ſchon wieder allmählich Beſſerungen eintreten und
die Spekulation damit beginnt, beſtimmten Sonderpapieren von neuem
Aufmerbſamkeit zuzuwenden. Dieſe Zuverſicht wird durch Hoffnungen
auf günſtige Ergebniſſe des deutſchen Außenhandels im März und die
am Geldmarkt nricht umbefriedigende Lage genährt. Regere Beachtung
finden neuerdings vor allem wieder Polyphon=Akrien, derem Einführung
an der Londoner Börſe beabſichtigt ſein ſoll, ferner Deutſch=Atlantiſche
Telegraphen, Tvansradio und Zellſtoff=Aktien. Vor kurzem wurde ge=
meldet
, daß die deutſchen Sulfitzellſtoff verkaufendem Unternelmungen
ein Preiskartell gegründet haben, das mehr als 2 Firmen vereinigt
u. a. Zellſtoff Waldhof, Zellſwoffverein, Aſchaffemburger Zellſtoff, Feld=
mrüihle
Papier und Koholyth. Außenſeiter ſeien nicht vorhanden. Die
Gerüchte über bevorſtehende Transaktionen bei der Rheiniſchem Braun=
kohlem
A.=G. ſvollen nicht verſtummen und geben dem Geſchäft in dieſem
Papier immer wieder Anregungen. Die Befeſtigungen ſind um ſo be=
merkensiverter
, als die übrigen Montanaktien uter dem Eindruck der
Lohnbewegung im Ruhrbergbau und des nunmehr veröffentlichten
Schmalenbach=Gutachtens vernachläſſigt bleiben und eher realiſiert wer=
den
. Die Aktien der J. G. Farbeninduſtrie A.=G. werden von der Speku=
lation
ebenfalls wieder gefragt. In der nächſten Woche findet die A.N.=
Sitzung der Farbengruppe ſtatt, von der man ſchon heute weiß, daß ſie
außerordentlich erfreuliche Mitteilungen über die wveitere Entwicklung
des Unternehmens im vergangenen Jahre bringen werde. Im Anſchluß
daran dürfte wohl auch die offizielle Börſeneinführung der Farbenbonds
in Angriff genommen werden. Der Elektrizitätswarkt empfängt vor
allem aus dem Intereſſe des Auslandes für dieſe Aktiengruppe An=
regungen
. Weniger Freude haben die Aktionäre der Berlin=Karlsruher
Induftriewerke an ihrem Wertpapierbeſitz. Eie am Mittwoch abgehal=
tene
A. R.=Sitzung fand hinter verſchloſſenem Türen ſtatt, ſo daß niemand
weiß, ob eigentlich noch mit einer Kapitalzuſammenlegug, wie vor Mo=
naten
von der Verwaltung angekündigt, oder nicht zu rechnen iſt. So=
weit
ſich in Erfahrung bringen ließ, ſind die entſcheidenden Beſprechun=
gen
bis Anfang Mai vertagt worden. Die Verſchiebung der Bilanz=
ſitzung
gibt auch inſofern zu Bedenken Anlaß, als ſie ſehr wohl auf
einem Scheitern oder ſchwierigen Verlauf der Verhandlungen mit der
General Motors Company beruhen kann. Vielleicht iſt man aber auch
nur über den Verkaufspreis der Wittenauer Anlage nicht einig gewor=
den
und will bis zum 8. Mai eine neue Fühlungnahme der amerika=
niſchen
Unterhänöler mit ihrem Stammhaus ermöglichen.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 2. April.
Die Börſe hatte erneut einen Stinrmungsurmſchwung nach unten
zu verzeichnen. Man befürchtet eine Diskonterhöhung in New York,
nachdem bereits einige andere Bundesreſerbebanken ihre Raten herauf=
gefetzt
haben. Vor allem aber drückt ſich eine gewiſſe nervöſe Stim=
mung
in den Verhältniſſen des Lohnkonfliktes im Nuhrrevier aus, wo
bereits von Arbeitnehmerſeite für die Ablehnung auch des Schlichtungs=
ſpruches
propagiert wird, und auf der anderen Seite Stimmen laut
warden, daß der untragbare Lohnſpruch zur Stillegung Veranlaſſug
gebe, daß mindeſtens aber die Werke im Grenzgebiet aufgegeben wer=
den
müßten, was volksrirtſchaftlich ſehr ernſte Folgen haben muß.
Dazu kommmt, daß das Publikum wieder faſt vollkommen ſich vom Börſen=
geſchäft
fernhält, was eine Kursabſchwächung erfahrungsgemäß immer
begünſtigt. Das Börſengeſchäft wickelte ſich in kleinſtem Rahmen ab.
Zu Beginn lagen einige Elektrowerte nennenswert ſchwach. Die Farben=
aktie
eröffncte 1 Prozent niedrigec, in Verbindung dait Rheinſtahl
minus 34 Prozent. Auch die übrigen Werte leicht abgeſchwächt. Am
Anleihemarkt ſetzten bosniſihe Renten ihre Aufpärtsbewegung fort. Im
Verlaufe entwickelte ſich lebhaftes Geſchäft in Neubeſitzanleihe, die von
17,10 auf 17,55 anzogen. Der Börſenverlauf liegt zunächſt außerordent=
lich
ruhig, jedoch zu den ermäßigten Kurſen ſehr widerſtandsfähig, um
ſpäterhin von den anfänglichen Kursrüickgängen teilweiſe wieder zurück=
zugewinnen
. Beſonders einige Spezialwerte konnten ſich gut erholen.
Das Geſchäft an der Abendbörſe war außergewöhnlich klein, ſo daß
nur einige wenige Werte zur Erſtnotiz gelangten. Trotzdem war feſt=
zu
ſtellen, daß das am Mittag nachbörslich ermäßigte Kursniveau ſich gut
behaupten konnte. Der Verlauf brachte ſogar auf Interventionen am
Farbenmarkt leichte Kurserhöhungen, ſo daß man allgemein etwas
feſter ſchloß. Etwas lebhafter lagen Ablöſungscente, die gegen Mittag
gut gehalten waren. Von ausländiſchen Kunſtſeidewerten Enca feſt
A
und 76 Dollar.

Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 20. April.
Die Börſe neigte bei Beginn des Verkehrs zur Schwäche, ohne daß
eine ausgeſprochene Verſtimmung herrſchte. Man glaubte aber, die
Diskonterhöhungen in Chicago und Boſton als Vorläufer einer New
Yorker Diskönterhöhung anſehen zu ſollen, und wau gleichzeitig durch
die allmählich nachlaſſende Flüſſigkeit am hieſigen Geldmarkt verſtimmt.
Einen ung’inſtigen Einfluß übte außerdem die rückläufige Bewvegung
der Montanaktien aus. Karſtadt wurden vorbörslich mit 233 nach 241
an der geſtrigen Nahbörſe gehandelt, da die Spekulation, durch die
Bilanzziffern nicht ganz befriedigt wurde, erholten ſich jedoch raſch wie=
der
auf 238 Prozent. Aus Süddeutſchland und dem Rheinlande liefen
Verkauforders für Montanerte ein, während die Kundſchaft im Reich
ſonſt größere Zurüickhaltung zeigte. Ausnahmen machten von der
ſchwvächeren Geſamttendenz nur Kunſtſeideverte, in denen man Lon=
doner
Anſchaffungen beobachtet habem wollte, und die Neubeſitzanleihe
des Reiches mit 17,2 nach 16,9. Bei der leichten Erhöhung der Tages
geldſätze handelte es ſüch weniger um ein Nachlaſſen des Angebots, als
vielmehr um den Beginn von Ultimovorbereitungen Infolgedeſſen
waren Gelder für erſte Firmen mit 4,55 Prozent nicht mehr ſo billig
wie in den letzten Tagen. Offiziell ſtellte ſich Tagesgeld auf 57 Pvo=
zent
und Monatsgeld auf 7½8½ Prozent. Warenwechſel wit Bank=
giro
zirka 6½8 Prozent. Im Deviſenderkehr ermäßigte ſich das eng=
liſche
Pfund gegen New York auf 4,8816, London-Mailand angeboten
92,60, LondonAmſterdam ſchwächer 12,11½. Dollar gegen Mark 4,1815.
Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe wurde die Tendenz zeitweiſe etwas
ſchlechter, doch gab das Kursniveau infolge neu einſetzender leichter Ab=
gabe
der Börſe bald weiter nach. Deutſch=Atlanten zogen noch um
1 Prozent an.
Im weiteren Verlauf ging von einer Befeſtigung der Farbenaktie
auf Grund weitgeſpannter Ausſchlußerwartungen (268 nach 270) eine
allgemeine Erholung aus, die wegen des geringen Geſchäfts meiſtens
gerade ausreichte, um die Anfangsverluſte wieder auszugleichen.
Privatdiskont lange Sicht 658, kurze Sicht 6¾ Prozent. An der
Nachbörſe ſtagnierte das Geſchäft, da die Erhöhung der Privatdiskont=
notierungen
der Spekulation jede Unternehmungsluſt nahm.

A. E. G
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Oeviſenmarkt.

Helſingfors
Wien
Prag .
Budapeſt
Sofia".
Holland
Eslo ..
Kopenhagen".
Stockholm
London".
Buenos Air
Nei=York
Belgien

19. 4. 20. 4. 19. 4. Geld Brie Geld /Brief =Geid Brie 10.513 10.53 10.513/10.53 Italien 22.055 22.09 58.7 58.905 58.78558.904 Paris". 16.45 16.49 12.379 12.394 12.378/1 2.398 Schweiz. 80.56 80.72 72.97 73.1 72.95/ 73.09 Spanien. 70.03 70.1 3.01 3.02* 3.017 3.023 Danzig s1.54 81.7 168.55 68.8 168.36/168.70 Japan. 1.992 1.99/ Hurf. 82 12.04 11.76/111.9 Rio de Janeir 0.503. 0.5055 112.08112.30 12.05/112.2 Jugoſlavien 7.358 Hire ioltte 4il 112.14/112.36 Portuga 18.03 18.0 eo-401120.441 20.382/20.43. Athen. 5.514 5.526 1.787 1.791 1.785/ 1.784 Konſtantinopel 2.142 2.146 H.1780 4.186014. 17754 185= Kanada. . . . . ." 4.17 4.189 158.33558.4551 58.32/ 58.44 Uruguay .. . . . . 4.321 4,326

20, 4.

Geld
22.03
16.44
20.52
70.03
81.53
1.992
0.503
7.372/ 7.3.58
17.93
5.544
2. 134

Brie
R.GI
16.48
80.68
70.17
81.69
1.996
0.505
7.372
17.97
5.556
2.138

1.177 14.185
4.321/ 4.329

Produktenberichte.
Wormſer Produktenbörſe vom 20. April. Bei feſter Tendenz
tiotierten heute: Weizen 25,527,75, Roggen 28,5, Gerſte ohne An=
gebot
, Ausſtich ohne Angebot, Futtergerſte 25,526, Hafer 27,528,5,
Weizenmehl (Baſis Null) 39,2539,75, Roggenmehl (60proz) 41, Wei=
zenfuttermehl
1723,5, Roggenfuttermehl und Nachmehl 18,524,5,
Roggenkleie 17, grobe Weizenſchale 1616,5, feine Weizenkleie 15 bis
15,5, getrocknete Biertreber 18,7519, Malzkeime 18,2518,75, Mais=
ſchrot
27, Trockenſchnitzel 14,5, Hen 8,7510, Stroh 24,5, Kartoffel
6,57,40.
Frankfurter Produktenbericht vom 20. April. Bei feſter Tendenz
notierten je 100 Kilogramm: Weizen T 27,50, Roggen 29,50, Hafer inl.
27,5028,25, Mais für Futterzwecke 24,2524,50, Mais für andere
Zwecke 25,2525,75, Weizenmehl ſüdd. 38,5039,50, Roggenmehl 39
bis 40,50, Weizenkleie 15,2515,50, Roggenkleie 16,2516,50.

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Neue Erweiterung des Internationalen Giroverkehrs der Reichs=
bank
. Der zwiſchen der Reichsbank einerſeits, der Bank von Danzig
und der Schweizeriſchen Nationalbank andererſeits beſtehende Girover=
kehr
hat eine weſentliche Erweiterung erfahren. Es ſind nämlich von
jetzt an nicht nur Ueberweiſungen an Kontoinhaber der Notenbanken,
ſondern auch Ueberweiſungen an Poſtſcheckkontoinhaber und Ueberwei=
ſungen
zur Auszahlung an Perſonen oder Firmen in Danzig und der
Schweiz geſtattet, die weder ein Girokonto bei der betreffenden Noten=
bank
, noch ein Poſtſcheckkonto beſitzen. Damit ſind im Verkehr mit
Danzig und der Schweiz dieſelben Ueberneiſungsmöglichkeiten gegeben,
wie ſie ſchon ſeit längerer Zeit im Giroverkehr nach Holland beſtehen,
Die deutſchen Sparkaſſen im Monat Februar 1928. Die Sparein=
lagen
bei den Sparkaſſen des Deutſchen Reichs ſind nach den Ermitt=
lungen
des Statiſtiſchen Reichsamtes im Monat Februar 1928 bei
542,21 Mill. RM. Einzahlungen und 309,52 Mill. RM. Auszahlungen
von 5 094,06 Mill. RM. Ende Januar 1928 auf 5 326,78 Mill. RM.
Ende des Berichtsmonats geſtiegen. Im Scheck=, Giro=, Kontokorrent=
und Depoſitenverkehr haben ſich die Einlagen von 1 218,28 Mill. RM.
Ende Januar 1928 auf 1291,45 Mill. RM. am Ende des Berichts=
monats
erhöht.
7proz. Deutſche Kommunal=Gold=Schatzanweiſungen des Deutſchen
Sparkaſſen= und Giroverbandes. Im Anzeigenteil der geſtrigen Aus=
gabe
wird die Zeichnungsaufforderung auf 50 000 000 RM. Tproz.
Deutſche Kommunal=Gold=Schatzanweiſungen von 1928 des Deutſchen
Sparkaſſen= und Giroverbandes mit ſeiner Bankanſtalt, der Deutſchen
Girozentrale Deutſchen Kommunalbank rückzahlbar am 1. April
1931 zum Nennwert veröffentlicht. Die Schatzanweiſungen ſind auf
Feingoldbaſis geſtellt und in Stüche zu 500, 1000, 2000, 5000 und 10000
Reichsmark eingeteilt. Die Erklärung der Reuhsmündelſicherheit iſt für
die Schatzanweiſungen beantragt worden. Die Verzinſung erfolgt mit
7 Prozent jährlich, in halbjährlichen Raten am 1. April und 1. Oktober.
Der erſte Zinsſchein iſr am 1. Oktober 1928 fällig. Die Zulaſſung der
Schatzawweiſungen an der Berlinev Börſe wird beantragt werden. Die
Zeichnung findet ſtatt in der Zeit vom 20. bis 26. April d. J. Der
Zeichmungspreis beträgt 96½ Prozent, zuzüglich 7 Prozent Stückzinſen
vom 1. April bis zum Zahlungstage. Die Bezahlung hat nach Wahl
der Zeichner in der Zeit vom 1. bis 5. Mai zu erfolgen. Die Börſen=
Umſatzſteuer geht zu Laſten der Zeichner. Zeichnungen auf Sperrſtücke
(6 Monate) werden vorzugsweiſe berückſichtigt. Zeichnungsſtellen ſind
die Mitglieder des unter Führung der Preußiſchen Staatsbank ( See=
handlung
), Berlin, ſtehenden Konſortiums und deren Zweiganſtalten,
ſowie ſämtliche Girozentralen und die dem Deutſchen Sparkaſſen= und
Giroderbande angeſchloſſenen Landesbanken.
Mafſenkündigungen in der Rheinſchiffahrt. Mit Rückſicht auf die
Ende dieſes Monats ablaufenden Lohn= und Arbeitszeitabmachungen
iſt den ſämtlichen Arbeitnehmern in der Rheinſchiffahrt mit der tariflich
vorgeſehenen Kündigungsfriſt zum Ende des laufenden Monats, die
Kündigung ausgeſprochen worden. Die Arbeitgeber erklären, die Kün=
digung
nicht zum Zwecke der Entlaſſung vorgemommen zu haben, ſon=
dern
um die Möglichkeit zu gewinnen, falls die noch andauernden
Tarifverhandlungen nicht zu einem Ergebnis führen, mit den Arbeit=
nehmern
Einzelverträge abzuſchließen.
Hilfsaktion für die Mannheimer Gewerbebank. Die badiſchen ge=
werblichen
Kreditgenoſſenſchaften haben ſich in Karlsruhe zu einer Be=
ſprechuug
über die Verhältniſſe der Mannheier Gewerbebank zu=
ſammengefunden
und ihre grundſätzliche Bereitwilligkeit zu einer Hilfs=
aktion
zum Ausdruck gebracht. Vorausſetzung dafür iſt, daß die für die
Sanierung nötigen Maßnahmen von ſeiten der Mitglieder beſchloſſen
und durchgeführt werden. In dieſem Falle ſind die Genoſſenſchaften
überzeitgt, daß für die Gläubiger Verluſte nicht entſtehen.
Bayeriſche Motorenwerke, München. Die ordentliche Generalver=
ſammlung
beſchloß die beantragte Verkeilung einer Dividende von 14
Prozent und wählte die ausſcheidenden Aufſichtsratsmitglieder wieder.
Der Vorſitzende, Direktor der Deutſchen Bank Dr. v. Stauß=Berlin, be=
merkte
, daß im Laufe des Geſchäftsjahres die Entwickelung noch günſti=
ger
als im Vorjahre geweſen ſei.
Die Notlage der Grubeninduſtrie in England. In der geſtern dem
Premierminiſter übergebenen Denkſchrift über die Lage im Gruben=
gebiet
von Südwales, die von einer Sonderkommiſſion aus Vertretern.
der Grubenbeſitzer wie Abgeordneten aller Parteien ausgearbeitet
wurde, heißt es, wenn die Belaſtung der Induſtrie nicht erleichtert
werde, dann ſtehe eine Kataſtrophe bevor, und die Zahl der Arbeits=
loſen
in Südſvales werde ſich um Zehntauſende vermehren.
Metallnotierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin am 20. April ſtellten ſich für je
100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfer=
notiz
) auf 134.75 RM. Die Notierungen der Kommifſion des Ber=
liner
Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich aber Lager in
Deutſchland, für prompte Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für
Original Hüttenaluminium, 98= bis 99proz., in Blöcken, Walz= oder
Drahtbarren auf 210 RM., desgl. in Walz= oder Drahtbarren, 99proz.
214 RM., Reinnickel, 98= bis 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 89 bis
94 RM., Feinſilber (1 Kilogramm fein) 7980 RM.
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom
20. April ſtellten ſich für Kupfer: Januar 123½ (123½), Februar
und März 123½ (123¾), April 1221 (123½), Mai 122¾ (123), Juni
und Juli 123 (123½), Auguſt bis November 123½ (123½), Dezember

I. 1. Reichs=,
Länder= und Schutz=
gebietsanleihen

6% Dtſche. Reichs=
anleihe
von 1927
6% Baden Fre
ſtaat von 1927
6% Bah. Freiſtaat
von 1927 ..
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927

Otſche. Anl. Ausle
ſungsſch. *
Ablöſungsanlei
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub

Dtſche. Schusge
bietsanleihe
2. Stadtanleihen
8% Bad.=Bad. v. 2
30 Berlin v. 2
Darmſtdt. v. 2
Dresden v. 20
7% Frtf. a. M.v.
70 Heidelb. v. 2
8% Ludwahf. v. 26
8% Mainz v. 26.
10% Mannh. v. 2:
80 Mannh. v. 26
8% Nürnberg v. 26
89 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 2
7. Pfandbriefe
und Schuld=
verſchreibungen

7% Bad. Gold=
Kom.Anleihev. 26
80 Berl. Hyp.=Bk
Lig.=
Pfandbriefe
7%0 Frkf. Hyp. Bk.
7½%, Lig.=Pf

871.
80.4
81.25

88

51.85
17.5

7.45

95.75
95.2

87.5
85.75

103
95
95
93

88.75
92.5
93

96.5
92.5
78.1

Frkf. Pfbrfbank
4½% Gotha Gr
Cred. Lig.=Pfb.
4½% Hamb. Hhp.
Bk. Lig.=Pfdbr.
% Heſſ. Landesb=
8% Kom. Landes=
bank
. Darmſtadt
8% Landesbank d
Rheinprovinz
Landeskr. Ka
Mein. Hyp.B
Naſſ. Landesb
80 Pfälz. Hyp.B
Eig
Pfanddrief
8%0 Preuß. Ctr.,
Bod.=Cred.
1 0 Preuß. Ctr.
Lig. Pfandbr.
0 Preuß. Ctr.
Stadtſchaft.
% Rhein. Hyp.=B!
Lig
Pfandbriefe.
8% Rhein.= Weſtf.=
Bd.=Credit
L.=Pf
Südd. Bod.
ed.=Bank
Lig.=
Pfdbr. ...
8% Württ. Hhp.=T

98
89.5
88.5
78.1
79.5
98
91.75
89
95
100
100
96
92
98.5
92
101.25
89.5
96.5
93
76.24
97.2

O
92
98.5
93
77.75
96
89.5
75‟g
95.25
92
87.75
95

Dt. Komm. Sam.
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I. / 51.5
Dt. Komm. Sam.=Ablöf.=Anl.
* Ausloſ. Ser,III 68

Meientee
Pfandbr. und
Kommunal=Obl.
Frkf. Hyp.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Borkr.=Pfandbr.
Heſſ. Lds=Hyp.=Bk
Vorkr.=Pfdbriefe
bgl. Kom.=Obl.
S.1-16
Kom.=Obl.

18.1

7.4

S. 17-24
Mein. Hyp.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr. 14
Nordd. Grunder
Vorkr.=Pfdbriefe 14.1
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefe/ 13.5
Rh. Hyp.=Bk. Vor=
kr
.=Kom.=Oblig.
Weſtd. Bodencred.
anſtalt Vorkr.=Pfl 141/,
4. Induſtrie=
Obligationen.
8% Dt. Linoleum=
werke
Bln. v. 26/ 96
8% Heſſ. u. Herku=
les
=Brau. v. 26 94.5
Klöckn=Werke
Berlin v. 26.. . . / 94
109 Kom. Elektr.=
Mark.
. .... . 102
Maintrw v. 26
26 Mitteld. Stahl=
werke
von 27.../ 90.5
3½ Neckarſulm v. 26/ 86.5
8% Salzmann & Co.
Kafſel v. 26...
7½ Ver. Stahltv.
mit Opt. v. 26/ 90.75
%o Ver. Stahlw
ohne Opt.v. 26 88.75

II. Auf Sachwerte
aut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz.
5%Badenw. Kohl. . ..."
6% Heſſ. Braunk.. Roggenanleihe
5% Heſſ. Volksſt.
Roggenanleihe. .

21.6

9.25

5% Preuß. Kali=
wertan
eihe ..."
5% Preuß. Roggen=
wertanleihe

5% Sächſ. Roggen=
wertanleihe

50 Südd. Feſtw.

III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. B. v.
1914
50 Bosn. L.=Inv.
Anl. v. 1914 ...
4u0 Bosn. v. 0
5 Bulg. Tab. v02
1,6 Griech. v. 90
21 O Griech. Mon.
5% Mex inn. (abg.)

9.4
8.65
N5

49
47
18
57.5
47.5

äuß.
Goldan=
leihe
(abg.)
inn. (abg.)
Irrig.=
Anl. (abg.)
Tamau=
lipas
(abg.)
4½% Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
(C. C.=Stücke)
4% Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke)
4½% Rum. Gold
von 1913.
49 Schweiz. Bds.
Bahnen v. 1912
40 Türk. Admin..
1. Bagd.
2. Bagd.
Zollanl.
Ungarn von
1913 CC. C.,=St.)
dito vor
1914 CC. C.,St.)
*2o dito Goldr.
(C. C.=St.)
6 dito von
1910 (C. C.=St.)
% dito Kron. (abg.)
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (aba.
4% Kopenh. v. 01

181
89.5
12.5
21
27.5
26
26
2
58.25
92

½ Liſſab. v. 1886/ 13.25
2o Stockh. v. 1880

3. Obligationen v.
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb.
von 1891
4% Eliſabethbahn
von 1883,
490 Lemberg=Czer.
ſteuerpflichtig..
4% Lemberg=Czer
ſteuerfrei
Ptg?o Oſt. Sübl
(Lombard.) .
20 Oſt. Staatsb.v.
1883
3% Raab=Odenbg.
v. 1883
4%0 Rudolfb. i. S.
i. G.
4½% Anatolier I.

TV. 1. Bank=Aktien
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank. 155
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Bankverein
Bayr. Hyp.= und
Wechſelbank . . . . 158
Berl. Handelsgeſ.
Hypoth.=Bk.
Comi. u. Privatb. /173.5
Darmſt. u. Nt.=Bk. /241
Deutſche Bank
Eff.=u. Wechſel=
bank

Vereinsbank ..
Diskont.=Geſellſch. 1151.9
Dresdener Bank 153.5
Frankf. Bk.
Hyp.=Bk. 1151
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B. /133
Mein. Hyp.=Bank/135
Metallbank. . . . . . 132.5
Mitteld. Crebitbk.
Nürnb. Vereinsbk.
Oſt. Creditanſtalt. .
Pſälz. Hyp.=Ban
Pr. Bod.=Creditbk. /133
Hhp.=Akt.=Bk.
Reichsbank=Ant. . . 210.5
Rhein. Creditbank /125.25
Hyp.=Bank.

12.1
2I.
11:
17
15.25
4.3
22.5
2.5

136.5
140.25
254
163
.... . 123.75
104
112.,5
147
211.5
160
37.75
151
149
193

Südd. Bod.Cr.Bk.
Disc.=Geſ... 135.5
Wiener Bankverein/ 16.75

2. Verkehrs=
unternehmungen

A.=G.f. Verkehrswſ.
Allg. Lokalb.= un
Kraftwagen.
Dt. Eiſenb.=Geſ.
%o Dt. Reichsbhn
Vorzge.

Hapag.
Nordd. Llohzt
..
Schantung=Eiſenb
Südd. Eiſenb.=Geſ.
3. Induſtrie
Adt. Gebr.
Accum. Berlin.
Adler E Oppenh..
Adlerw (v. Kleyer)
60 AEG. V
AEG. &
Bad.M
url.
Bamag
guin

Baſt Nürn

Beck E
Bergm. El. Werte
Brem.=Beſigh.=Ol
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn
Buderus Eiſen ...
Bürſtenfbr Erlang.
Cementwerte.
Heidelberg".


Karlſtadt
Lothr. (Karlsr
Chem. WerkeAlbert.
Brockhues..!
Fabrik Milch
Daimler=Benz..."
Dt. Atl.=-Zelegr.
Eiſenh. Berlin
Erdöl

Gold=- u. Si
ſcheide=Anſtalt
Linolwerk. Berl.
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen
Dürrwerke Ruting.

198.5
207.5
160.5
98
154
153
40

48.75
240
93.5
80.25
74
184
141
24.5
230
63
183.5
63.5
51.
124.25
97.75

152
180
85
87.5
103.5
87.5
133.5
188
259.5
128
61.5

Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn.
Elektr. Licht u. Kraft
Elektr. Liefer.=Geſ.
Elſäſf. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft.
Enzing. Unionwke.
Eſchw. Bergwerk".
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnere
Faber, Joh., Bleiſt.
Faber & Schleicher
Fahr, Gebr., Pirm.
7. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas
.
Naſc
Prokorny EWittek.
Geiling E Cie.
Gelſenk. Bergwerk);
Geſ. f. elektr. Un
ternehmungen
Goldſchmidt Th. .
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
HafenmühleFrankf
Haid & Neu"
Hammerſen (Osn
Hanfw. Füſſen
Hanſa=LloydBrem.
Harpener Bergbau
Hartm. & Braun
Henninger, Kempf,
Stern Brauerei.
Heſſen=Naſſau Gas
Hehligenſtaedt
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer ....!.
Hochtief Eſſen
Holzmann. Phil.
Holzverk.=Induſtrie
Iiſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm
Kali Afchersleben",
Salzdetfurth.
Weſteregeln..
Kammgarnſpinn. .

275
24
224
170
91
52
2o1
61
66
103
52
268.5

150
109.5
82
79
1381

106
132
198.5
133.25
42-

172
70
180
115
24
90
121
81.5
166
72
131
99.2.
183
239
196
221

Karſtadt, R.
239
Ker. Werke Offſtein
Klein, Schanzl. . . . 105
Klöcknerwerke
1124
Knorr, Heilbronn
Konſervfabr. Braun/ 70.25
Lraftw. Alt=Württ.
Krauß & Co., Loko.
Lahmeyer ECo. /183
Lech, Augsburg
Lingel, Schuhw
Löhnberger. Mühlel 38
Löwenbr. Münck
Ludwigshaf. Walz 129.5
Lüdenſcheid Metall

Mainkr.=W. Höchſt/119.75
Mainz. Akt.=Br.. . 27
Mannesm. Röhren/152.75
Mansfeld. Bergb. 124.25
Mars=Werke.
1217
Metallgeſ. Frankft. /178

Miag, Mühlenbau
Moenus Stamm.
Motorenfabr. Deutz
Oberurſel
Münch. Lichtſpielt
Neckarſ. Fahrzeug
Neckarw. Eßl
Nicolay. Hofbr. ..
Oberbedarf ..
Oſterr. AlpineMon.
Otavi Minen
Peters Union Frrf.
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps A.=G.
Phönix Bergbau".
Porzellan Weſſel
Reiniger. Gebb. E
Schall
Rh. Braunkohlen..
Elektr. Stamm
Stahlwerke
Rhenania, Kunh.
Riebeck Montan
Rütgerswerke 1104
SalzwerkHeilbronn/196.5
Schneider & Hana:
Schnellpr. Frankth 71.5
Schöfferhof=Bind.. 1358
Schramm Lackfbr. 123
Schriftg. Stempel. 128
Schuckert Elektr. . .1190

38.5
72
73
120.25
58
50
13
14
44
102.5
45
101.5

281.5
158.5
161

49.5

Schuhfbr. Berneis
Weſſel..
Schuhfabr. Herz
Schultz Grünlack.
Schwarz Storchen
Seilindſtr. Wolff.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens &. Halske
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff, Ver.,.
Tellus Be
Thür. Li

Tucher,
Unterfr. Krs.=Ele
tr.=Ver
Veithwerke.
Ver f. Chem
deutſch. Olfal
Faßfabr. Caſſel
Gummifabrik.
Berlin=Frank
Königs= und
Laurahütte
Pinſelfabriken
Stahlwerke
Ultramarin
Zellſt., Berlin
Vatländ. Maſch.
Voigt &. Haeffne
Voltohm. Seil
Wahß & Freytag.
Wegelin Rußfabrit
Werger Brauerei.
Zellſt. Aſchaffenbg.
Memel ....
Waldho ... "
Zuckerf. Rheingau
4. Berſicherungen
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung
Frkft. Allg. Verſ.=G
Frankona Rück= u.
Mitv.
Mannh. Verſich.
Darmſtädter Werte
Bahnbedar
Dampfk. Rodberg.
Gebr. Lutz
Motoren Darmſtadt
Gebr. Roeder ... . 1134.W

84.2
17.25

295.25
106
144
308.75
111
108
55
115
98.75
73.5

94.5

87.5
156
153
71
180.5
81
142
141
170
194
46
AAfé

198.5
204
458

[ ][  ][ ]

Nummer 111

Samstag, den 21. Aprll 1928

Geite 13

123½ (1), Tendenz: ſtetig. Für Blei: Januar und Februar
41¾ (42), März 42 (42), April 41 (40½). Mai 41 (41½), Juni 41 (41½),
Juli bis September 41½ (41½), Oktober und November 41½ (41½),
Dezember 4134 (42). Tendenz: befeſtigt. Für Zink: Januar und
Februar 51 (51½), März 51 (51½), April und Mai 51 (52), Juni 51½4
(51½), Juli bis Oktober 51 (51½), November und Dezember 51 (51½).
Tendenz: feſter. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 20. April ſtell=
ten
ſich für Kupfer: (Tendenz: träge) Standard per Kaſſe 61½ bis
6114/, drei Monate 61½61½/, Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 66½ bis
67, beſt ſelcted 64½65½, Elektrowirebars 67;, Zinn: (Tendenz: feſt)
Standard per Kaſſe B4½B4¾, drei Monate B4½34½, Settl.
Preis 23438, Banka (inoff.) 242½, Straits (inoff.) B9½; Blei: ( Ten=
denz
: feſt) ausländ, prompt und entf. Sichten 201tſyo, Settl. Preis 20¾;
Zink: (Tendenz: feſt) gewöhnl. prompt B1)y, entf. Sichten 2514/u,
Settl. Preis 26; Queckſilber (inoff.) 22½42½; Wolframerz (inoff.)
15½.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 20. April (Priv.=Tel.).
Weizen: Die Termine erlitten heute empfindliche Rückgänge auf
die ſchwachen Liverpooler Kabel und Meldungen, daß in Argentinien
ein Exportüberſchuß von 80 Mill. Buſhels vorhanden ſei.
Mais: Auch Mais mußte nachgeben auf die Schwäche in Buenos
Aires, und größere Esprrte Argentiniens verſtimmten.
Roggen: Hier kam es ebenfalls zu einem ſtarken Rükgang der Ter=
mine
, weil die Lokofirmen Abgaben vornahmen und Meldungen ein=
trafen
, daß deutſche Firmen verſchiedene der letzten Aufträge inhibiert
hätten.
Hafer: Hafer war heute ſchwach veranlagt im Zuſammenhang mit
der Meldung eines argentiniſchen Exportüberſchuſſes von 22½ Mill.
Buſhels u id Liquidationen der Kommiſſionäre.
* New York, 20. April (Priv.=Tel.).
Baumwolle: Anfangs gaben die Termine leicht nach auf günſtige
Wetterberichte. Im Verlauf kam es zu einer vorübergehenden Er=
holung
wegen der Meldungen über das Auftreten des Baumwoll=
kapſelkäfers
. Der Schluß war ſchwächer auf Liquidationen.
Kaffee: Die Preiſe gaben leicht nach auf Liquidationen und Ver=
käufe
europäiſcher Firmen. Später ſetzten teilweiſe Deckungen ein.

Zucker: Der Markt eröffnete unregelmäßig. Im Verlaufe ſetzten
dann Deckungen ein. Sräter wurde die Haltung wieder ſchwächer auf
kubaniſche Abgaben,
Anleihe der Stadt Nürnberg. Der Stadtrat in Nürnberg hat in

hauſes und Wöchnerinnenheimes dienen ſell.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 20. April:
Getreide. Weizen: März 154½, Mat 155½, Juli 151½: Mais:
März 104½, Mai 1088, Juli 1087; Hafer: März 6238, Mai 56½,
Juli 48: Roggen: März 127½, Mai 123½, Juli 116½.
Schmalz: März 12,10, Mai 12,37½, Juli 12,70.
Fleiſch. Rippen: Mai 11,65, Juli 11,95, September 12,40;
Speck, loko 11.62½; leichte Schweine 9,7510,40, ſchwere Schweine
9,5010,20; Schweinezufuhren: Chicago 20 000, im Weſten 75 000.
Baumwolle: Mai 19,7819,79, Juli 19,6419,65.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 20. April:
Getreide. Weizen, Hartwinter 173,5; Mais, neu ank. Ernte
118½; Mehl, ſpring wheat clears 7007,25; Fracht: nach Eng=
land
1,62,3 Schilling, nach dem Konnnent 810 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, lolo 12,75; Talg, extra 8½,
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 229: Loko: 14;
April 13,90, Mai 13,95, Juni 14,11, Juli 14,26, Auguſt 1432, Sep=
tember
14,43, Oktober 1429, November , Dezember 13,60,
Januar 1929: 13,42.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Infolge des verhältnismäßig geringen Angebots von Privatdis=
konten
wurde am Berliner offenen Geldmarkt der Privatdiskontſatz
erhöht, und zwar für kurze Sicht von bisher 5½ auf 534, und für
längere Sicht von 6½ auf Gſo Prozent.
Die Verhandlungen zwiſchen den Vertragsfirmen der Deutſchen
Schrottvereinigung und der Zentralſtelle Deutſcher Schrotthändler e. V.
haben geſtern zu einer grundſätzlichen Verſtändigung über die Rege=
lung
der Schrottlieferung an die Werke der Deutſchen Schrottvereini=
gung
geführt.

Die Verhandlungen im Neichsarbeitsminiſterium über den
Schiedsſpruch im Ruhrbergbau haben geſtern um 11 Uhr begonnen. Sie
werden vorausſichtlich von langer Dauer ſein.
Die Deutſche Golddiskontbank hat den im vorigen Jahr mit einem
amerikaniſchen Bankenkonſortium vereinbarten Bereitſchaftskredit, der
vereinbarungsgemäß am 1. Juli 1928 abläuft, verlängert. Eine In=
anſpruchnahme
des Kredits hat bisher nicht ſtattgefunden und ſteht
auch nicht in Ansſicht.
Die Zeichnungen auf die ſeit 13. April aufgelegte Anleihe der
Stadt Berlin verliefen ſo günſtig, daß bereits ſeit Tagen mit einem
Erfolg der Emiſſion gerechnet werden konnte. Die Preußiſche Staats=
bank
(Seehandlung) gibt bekannt, daß die Zeichnungsliſten auf die
25 Millionen RM. Hprozentigen Goldſchatzanweiſungen infolge Ueber=
zeichnung
am 19. April, vormittags, geſchloſſen worden ſind.
Die deutſch=litauiſchen Wirtſchaftsverhandlungen, die geſtern mit
einer formalen Begrüßungsſitzung, bei der die gegenſeitigen Entwürfe
ausgetauſcht wurden, begonnen haben, wurden heute fortgeſetzt. Zur=
zeit
iſt man mit der Prüfung der Entwürfe beſchäftigt.
Der Wert des Danziger Außenhandels hat ſich im Februar bei der
Einfuhr geſteigert, wihrend die Ausfuhr einen weiteren Rückgang auf=
weiſt
. Die Einfuhr ſtieg, von 42,6 Mill. Gulden im Januar auf
46,8 Mill. Gulden im Februar; die Ausfuhr ging von 32,6 Mill. auf
28,1 Mill. Gulden zurück.
Wie wir erfahren, wird ſich der öſterreichiſche Nationalrat in der
nächſten Woche mnit dem kürzlich abgeſchloſſenen Handelsvertrag mit
Ungarn befaſſen. Der neue Vertrag wird aller Vorausſicht nach noch
in der erſten Hälfte des Monats Juni in Kraft geſetzt werden, ſo daß
die erhöhten öſterreichiſchen Getreide= und Mehlzölle noch vor dem
Beginn der neuen Importkampagne ins Leben treten werden.
In Brüſſeler Börſenkreiſen rechnet man mit einer geringen Herab=
ſetzung
des Diskonts der Nationalbank, der zurzeit 4½ Prozent be=
trägt
. Eine Entſcheidung wird jedoch erſt für die nächſten Tage en=
wartet
.
Der Leiter der Ueberſeeabteilung, Douglas Harking, unternimmt
gegenwärtig eine Reiſe durch die verſchiedenen Teile Englands, um mit
den engliſchen und ſchottiſchen Handelskammern einen Plan für die
Steigerung der britiſchen Ausfuhr zu erörtern.
Der Bankdiskont der Reſervenbanken von Boſton und von Chicago
iſt von 4 auf 4½ Prozent erhöht worden. Die Behörden der New
Yorker Effektenbörſe haben beſchloſſen am Samstag nicht zu arbeiten
und die Börſe zu ſchließen, um den Baaken die Möglichkeit zu geben,
die Rückſtände aufzuarbeiten.

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Samstag, den 21. April 1928
Anfang 15.00 Uhr Ende 17.45 Uhr
Cavalleria rusticana
Melodrama in einem Aufzug
von Pietro Maseagnt
Muſikaliſche Leitung: Berthold Sander
Mitwirkende: (.7058
Martha Liebel, Roſe Merker, Käthe Walter;
Richard Dresdner grefeld a. G.,
Hans Komregg

Der Bajazzo (Pagliaccl)
Drama in zwei Aufzügen und einem
Prolog von Leoncavallo
Muſikaliſche Leitung: Berthold Goldſchmidt
Mitwirkende:
Paula Kapper, Richard Dresdner a. G.,
Herber: Grohm, Joſef Herrmann, Hans
Komregg, Ludwig Wenzel
Chöre: Berthold Sander
Spielwart: Fritz Bohne
Preiſe der Plätze: 0.707 Mark
Miete H (11. Vorſtellung)
(Bühnenvolksbund)
Anfang 20,00 Uhr Ende nach 22.00 Uhr
Candida
Ein Myſterium in drei Akten
von Bernard Shaw
Mitwirkende:
Charlotte Jaeke=Joſt, Martha Ziegler, Carl
Ebert, Werner Fink, Rudolf Klix, Karl
Paryla
Preiſe der Plätze: 0.309 Mark

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Sonntag, den 22. April,
nachm. 3 Uhr
Verlosungsrennen. Jede fürden
22. April gelöste Eintrittskarte
nimmt an der Verlosung ohne
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oder 1500 RM. in bar. (1V.6681
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Hamstag, den 28. April,
in der Turnhalle am Woogsplatz
Tagesordnung:
1. Jahresbericht; 2. Abrechnung; 3. Vor=
anſchlag
1928/29: 4. Jahnfeier; 5. Satzungs=
anderung
: 8. Neuwahl des Vorſtandes
7. Verſch edenes.
Anträge ſind bis zum 24. April an den
Vorſitzenden zu richten.
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Samstag, den 21. April 1928
Anfang 20.00 Uhr Ende gegen 22.00 Uhr
Letzter Kammermuſikabend
Schnurrbuſch=Quartetts
(Brahms=Zyklus)
Konzertmeiſter P. Schnurrbuſch
Kammermuſiker K. Jäger, W. Horn,
K. Klammer
Mitwirkende: Karl Steinmar (Violg
Paul Tilling (Cello)
Vortrags fol ge:
1. Streichquintett op. 111, G-Dur
2. Streichſextett op. 18, B.Dur
Preiſe der Plätze: 1, 2, 3 Mark

a) Hente Samstag u.
Achtung: morgen Sonntag Achtung!
Ausnahmepreis:
Rippchen mit Kraut
. .0.70 Mk.
Bratwurſt ..
0.50 Mk.
Schnitzel ......"
0.80 Mk.
Koteletts.
. .0.60 Mk.
Hausmacher Wurſt mit Brot 0.40 Mk.
An beiden Tagen Konzert
wozu freundlichſt einladet.
(7088
Franz Buttler
Landwehrſtr. 62
Telephon 3187

Beginn der
Spargel=Saiſon
Seeheim
Hotel Hufnagel.

Hatsue kuasa aus Tokio singt im Konzert des Mozartvereins am 25. April

[ ][  ][ ]

Seite 14

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt.
Geſtorbene. Am 12. April: Lang, Anton, Bauamtmann i. R., 65
J., Speſſartring 16. Am 13. April: Braun, Ludwig Friedrich, Amts=
gehilfe
, 58 J., Wingertsbergſtr. 9. Am 12. April: Pfeifer, Margarete,
geb. Franz, 74 J., Witwe des Rentners, Hochſtr. 18; Buchhammer,
Ludwig, Lackierermeiſter, 70 J., ledig, Magdalenenſtr. 9. Am 13.
April: Berz, Ottilie, geb. Waldhauer, 75 J., Witwe des Weißbinders,
Gräfenhauſen, hier, Grafenſtr. 9. Am 12. April: Biallowons, Emil,
Hermann, Student, 28 J., ledig, im Duisbung, Scheffelſtr. 14, hier
Gvafenſtr. 9. Am 13. April: Fuchs, Martha Emilie Mavie, geb. Götz,
28 J., Ehefrau des Hilfsarbeiters, Schützenſtr. 17: Lambert, Cornelie
Auguſta, geb. Tillmanns, 52 J., Witwe des Kaufmanns, Beckſtr. 91;
Jäger, Johann Jakob, Metzger und Wirt, 61 J., ledig, Unter=Moſſau,
Kr. Erbach, Gardiſtenſtr. 23. Am 14. April: Hauck, Marie, geb.
Roth, 69 J., Witve des Bürgermeiſters, in Schafheim, Kr. Dieburg,
hier, Grafenſtr. 9; Horn, Marie, geb. Röhrig, 52 J., Ehefrau des Kauf=
manns
, Neuyſtadt i. O., hier, Erbacherſtr. B. Am 15. April: Stauder,
Roſa, 6 Monate, Bauſchheim, hier, Heinheimerſtr. 21; Schäfer, Eliſa=
bethe
, geb. Büüdinger, 66 J., Ehefraut des Wagenaufſehers, Blumenthal=
ſtraße
34; Mylius, Karl, Tapezier, 73 J., ledig, Pallaswieſenſtr. 60.
Am 14. April: Fückel, Marie, geb. Roth, 77 J., Witwe des Werkführers,
Emilsſtr. 1; Schnabel, Ida Lina, geb. Krietzſch, 63 J., Witwe des
Schveiners, Rhönring 133. Am 16. April: Feldermann, Frieda, Dienſt=
mädchen
, 62 J., ledig, Erbacherſtr. 25. Am 17. April: Coelſch, Joſe=
phine
, geb. Gerard, 70 J., Ehefrau des Taglöhners, Große Kaplanei=
gaſſe
36. Am 16. April: Weicker, Eliſabeth, Näherin, ledig, 73 J.,
Roßdörferſtr. 28. Am 17. April: Gehrhardt, Adam Helmut, 1 Mon.,
Erbacherſtr. 17. Am 18. April: Büittel, Karl Friedrich, Rechmungsrat
i. R., 72 J., Soderſtr. 5. Am 17. April: Axt, Johann Philipp 1.,
Taglöhner, 80 J., Ernſthofen, hier, Grafenſtr. 9. Am 18. April: Wirtz,
Eliſabethe Roſalie Franziska, ohne Beruf, ledig, 43 J., Hoffwannſtr. 44.
Am 17. April: Kreuter, Wilhelm, Hauſierer, 65 J., ladig, Große
Bachgaſſe 19. Am 18. April: Biſſantz, Elſa, 1 J., Heidelbergerſtr. 8;
Brückner, Georg Hermann Wilhelm, 31 J., Kaufmann, Sonderſtr. 18.
Am 19. April: Strecker, Rudolph, Architekt, 62 J., Nieder= Ramſtädter=
ſtraße
65; Nüchter, Hans Georg, Eiſenbahn=Oberinſpektor i. R., 76 J.,
Heidelbergerſtraße 96; Vogel, Georg Nikolaus, 7 Mon., Groß=Umſtadt,
hier, Heinheimerſtraße 21: Dingeldein, Sebaſtian Erich, Monteur,
29 Jahre, Hof Hayna (Kreis Groß=Gerau), hier, Grafenſtraße 9; Melk,
Marie, Karoline Eliſabetha, geb. Drach, 27 J., Kranichſteinerſtraße 1;
Pfeffer, Bertha, geb. Triller, 78 J., Heinrichsſtraße 74. Am 20. April;
Höhl, Peter 16., Landwirt, 57 J., Griesheim, hier, Grafenſtraße 9.

Kirchliche Nachrichten
Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Miſericordias Domini (22. April 1928).
Stadtkirche. Samstag, 21. April, abends 8½ Uhr: Andacht.
Sonntag, 22. April, vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Kleberger. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Lautenſchläger.
Freitag, N7. Aril, abends 8 Uhr: Die Allmacht Gottes und die eher=
ven
Naturgeſetze‟. Paſtor Flemming aus Hamburg. Samstag,
28. April, abends 8 Uhr: Ehe und Kinderglück. Paſtor Flemming
aus Hamburg.
Zu dieſen öffentlichen Vorträgen über brennende Fragen der
Gegenwart, die täglich bis zum 6. Mai ſtattfinden, laden ſämtliche
Kinhenvorſtände der evangeliſchen Gemeinden in Darmſtadt und Beſ=
ſungen
und der Heſſiſche Landesverein für Innere Miſſion herzlich ein.
Geſangbuch mitbringen.
Die Stadtkirche iſt wochentags von 97 Uhr zu ſtiller Andacht ge=
öffnet
. Eingang Nordtüre.
Stadtkapelle. Vorm. 8½ Uhr: Morgenandacht. Pfarrer Wagner.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Kleberger. Vorm.
11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Kleberger. Abends 6 Uhr:
Abendgottesdienſt. Pfarrer Lautenſchläger. Samstag, 2. April,
wachm. 4½ Uhr: Der Chrift und die Not. Paſtor Flemming aus
Hamburg.
Schloßkirche. Vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre. Pfarrer Zimmermann.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Zimmermann.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdiemſt. Pfarrer Zimmermann.
Konfirmandenfaal im Schloß. Sonntag, 22. April, abends 8 Uhr:
Chriſtlicher Jugendverein. Montag, 23. April, abends 8 Uhr: Jugend=
vereinigung
der Stadtgemeinde (jüngere Abteilung), Poſaunenchor.
Dienstag, 24. April, abends 8 Uhr: Mädchenvereinigung der Schloß=
gemeide
. Filmaufführung: Frühlingsbilder. Mittwoch, 25. und
Samstag, 28. April, nachm. 24 Uhr: Handarbeitsſchule der Stadt=
gemeinde
.
Gemeindehaus (Kiesſtr. 17). Sonntag, 22. April, vorm. 9 Uhr:
Chriſtenlehre" für die Reformationsgemeinde (Oſt). Pfarrer Lauten=
ſchläger
; 11½ Uhr: Chriſtenlehre für die Reformationsgemeinde (Weſt).

Samstag, den 21. April 1928

Pfarrer Wagner. Abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadt=
gemeide
(ältere Abteilung). Montag, 23. April, abends 8 Uhr: Vor=
tragsabend
der Markusgemeinde (Gemeindeverein): Unerhörte Gebete‟.
Pfarrer Vogel. Geſangbuch mitbringen. Jugendbuch der Lukas=
gemeinde
. Dienstag, 24. April, abends 8 Uhr: Kirchenchor der Stadt=
kirche
. Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (füngere Abteilung).
Mädchenvereimigung der Reformationsgemeinde (jüngere Abteilung).
Mittwoch, 25. April, nachm. 3 Uhr: Dankesgroſchengemeinde der Epilep=
tiſchen
=Anſtalt zu Nieder=Ramſtadt. Jungſchar der Stadtgemeinde,
Gruppe 2. Abends 8 Uhr: Kirchenchor der Stadtkapelle und Schloß=
kirche
. Jugendbund der Markusgemeinde (ältere Abteilung). Don=
nerstag
, 26. April, abends 9 Uhr: Mädchenvereinigung der Stadtge=
meinde
: Lichtbilderabend. Jugendbund der Lukasgemeinde ( Sing=
kreis
). Freitag, R7. April, abends 8 Uhr: Mütterabend der Stadt=
gemeinde
. Jugendbund der Kaplaneigemeinde. Jugendbund der
Markusgeweinde (füngere Abteilung). Samstag, B. April, nachm.
3 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinde, Gruppe 2, Sportplatz am alten
Arheilger Weg.
Feierabend (Stiftsſtraße 51). Mittwoch, B. April, nachm. 4 Uhr:
Jungſchar der Stadtgemeinde, Gruppe 1.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer Marx.
Krankenpflege durch Diakonen: 1. Hauptſtation Heidelbergerſtr. 21,
Fernſprecher 2883; 2. Nebenſtation Mauerſtraße 5 (in der Kleinkinder=
ſchule
der Martinsgemeinde).
Evang Wohlfahrtsdienſt: Gemeindehans, Kiesſtraße 17. Sprech=
ſtunden
vormittags von 1012 Uhr. Fernſprecher 2379.
Gemeindeamt für kirchliche Steuerangelegenheiten: Gemeindehaus,
Kiesſtraße 17, Vorderhaus, 1 Treppe. Geſchäftsſtunden vorm. von
812 und nachm. von 36 Uhr. Fernſprecher 2379.
Martinskirche. Vorm. 7 Uhr: Frühgottesdienſt. Pfarrer Bergér.
Vorm. 8½ Uhr: Chriſtenlehre für die Martinsgemeinde (Weſt), 1. Ab=
teilung
, im Gemeindehaus. Pfarrer D. Waitz; für die Martinsgemeinde
(Oſt), 1. Abteilung, in der Kirche. Pfarrer Beringer. Vorm. 10 Uhr:
Hauptgottesdienſt. Pfarrer D. Waitz. Im Anſchluß daran Einweiſung
des Gemeidediakons W. Uſchmner in ſeinen Dienſt durch den Direktor
des Brüderhauſes Hephata, Pfarrer Happich. Vorm. 11 Uhr: Kinder=
gottesdienſt
für die Martinsgeweinde (Oſt). Pfarrer Köhler. Mitt=
woch
, 25. April, abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Bibelſtude.
Altersheim. Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Bergér.
Martinsgemeinde (Verſammlungen). Montag, B. April, abends
8 Uhr im Gemeindehaus: Mädchenvereimigung Weſt; im Martinsſtift:
Mädchenvereinigug Oſt. Dienstag, 24. April, abends 8 Uhr, im
Gemeindehaus: Jugendvereinigung; im Martinsſtift: Kirchenchor.
Donnerstag, 26. April, abends 8 Uhr, im Gemeindeheus: Mädchenver=
einigung
Weſt; im Martinsſtift: Mädchenvereinigug Oſt; Mauerſtr. 5:
Poſaunenchor. Freitag, 27. April, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus:
Jugendvereinigug (ältere Abteilung); im Martinsſtift: Mütterabend Oſt.
Johanneskirche. Samstag, abends 8 Uhr: Kirchenmuſikaliſche Abend=
feier
in der Kirche (Hornquartett). Somtag, vorm. 10 Uhr: Heupt=
gottesdienſt
. Pfarrer Marx. Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Die Johanneskirche iſt wochentags von 77 Uhr zu ſtiller Andacht
geöffnet.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Georgi. Vorm. 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt.
Beſſunger=Kirche (Petrusgemeinde). Vorm. 8½ Uhr: Chriſtenlehre
für die Konfirmanden, 1. Abteilung. Pfarvaſſ. Lic. zur Nieden.
Vorm. 10 Uhr: Hauwptgottesdienſt. Pfarraſſ. Lic. zur Nieden. Vorm.
11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſ. Lic. zur Nieden. Abends
8½ Uhr: Jugendvereinigung. Montag, abends 8½ Uhr: Begrüßungs=
abend
der veukonfirmierten Mädchen in der Mädchewereinigung.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Kirchenchor. Freitag, abends 8½ Uhr:
Kirchenchor.
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Dr. Wendel. Vorm. 11¾ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Dr. Wendel. Abends 8 Uhr: Jugendvereinigung. Montag, abends
8 Uhr: Jugendbumd. Dienstag, abends 8 Uhr: Kirchenchor. Sams=
tag
, abends 8 Uhr: Turnen.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Hickel.
Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Ev. Sonntagsverein. Nachm.
47 Uhr: Vereinsſtunden. Donnerstag, 26. April, abends 8 Uhr:
Betſtunde.
Stadtmifſion (Mühlſtr. 24). Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde.
Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachm. 3½ Uhr: Bibelſtunde.
Prediger Semmel. Montag, nachm. 4 Uhr: Miſſionsarbeitsſtunde.
Dienstag, nachm. 4 Uhr: Frauenbibelſtunde. Abends 8½ Uhr: Blau=
kreuz
=Bibelſtunde. Prediger Semmel. Mittwoch, abends 8½ Uhr:
Gem. Chor. Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Prediger
Semmel. Vom N. April bis 6. Mai: Beteiligung an der Volks=
miſſion
. Paſtor Flemming.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtr. 24). Sonntag, nachm. 2½ Uhr:
Jugendbundſtunde für junge Männer. M. Gaiſer: Der Einmarſch
in dunkles Gebiet‟ Nachm. 4½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde für Mäd=
chen
. Dienstag, abends 8½ Uhr: Mädchenkreis. (Miſſionarin Elevnore

Nummer 111

Schröder.) Mittwoch, abends 8¼ Uhr: Freundeskreis für junge
Manner. Donnerstag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für junge Män=
ner
. Vom N7. April bis 6. Mai: Volksmiſſion.
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V. (Alexanderſtraße 22, In=
fanteriekaſerne
, Hof links.) Sonntag, 22. April, abends 8 Uhr: Licht=
bildevvortrag
über die Gärten Darmſtadts. Herr Dr. Avemarie.
Montag, B3. April, abends 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde (J.=C.).
Dienstag, 24. April, abends 8 Uhr: Poſaumenſtunde. Mittwoch, 25.
April, nachm. 4 Uhr: Jungſcharſtunde. (Turnen und Sport.)
Abends 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde. Donnerstag, 26. April, abends
8 Uhr: Heiwabend. Freitag, 27. April, abends 8 Uhr: Turnen und
Körperſchule (Ludwigsoberrealſchule). Samstag, 28. April, nachm.
3 Uhr: Jungſcharſtunde. (Schnitzeliagd.) Treffen 15 Uhr am Böllen=
falltor
.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Evangeliſche Gemeinſchaft. Eliſabethenſtr. 44. Sonntag, 22. April,
vormittags 10 Uhr: Predigt. 11 Uhr: Sonntagsſchule. Abends 8 Uhr:
Pvodigt; anſchließend Feier des hl. Abendmahls. Prediger Rieker aus
Fellbach wird die Gottesdienſte leiten. Montag: Männliche Jugend=
abteilung
. Dienstag: Singſtunde für Gemiſchten Chor. Mitt=
woch
: Frauenmiſſionsverein. Donnerstag: Bibelſtunde. Freitag:
Mädchengruppe, geleitet von einer Schweſter aus Jugenheim. Sonn=
tag
, 29. April, abends 8 Uhr, iſt Gliederaufnahme. Weiterſtadt:
Am Mittwoch, 25. April, im Saal Zum Schwanen: Predigt.
Jedermann iſt herzlich eingeladen. Prediger Sauer.
Die Chriftengemeinſchaft (in der Städt. Akademie für Tonkunſt,
Eliſabethenſtr.) Sonntag, 22. April, vorm. 10 Uhr: Menſchenweihe=
handlung
mit Predigt. Freitag, 27. April, fimdet ein öffentlicher Vor=
trag
ſtatt.
Chriftliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40) Sonntag, den
22. April, vormittags 9½ Uhr: Andacht. Nachmittags 3½ Uhr: Jugend=
bund
. Abends 8½ Uhr: Evangeliſation. Mittwoch, abends 8½ Uhr:
Bibelſtunde. Jedermann herzlich willkommen.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauerſtraße 17.
Sonntag, den 22. April, vorm. 10 Uhr und nachm. 4 Uhr: Bibliſcher
Vortrag Auferſtehungsgewißheit und der Herrlichkeitsleib der Auf=
erſtandenen
. (Prediger N. Rudnitzky.) Um 11 Uhr: Sonntagsſchule.
Mittwoch, den 25. April, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde (Philipper 2)
(Prediger N. Rudnitzky). Jedermann iſt freundlichſt eingeladen
Chriſtl. Verſammlung, Zimmerſtr. 4: Sontag, vorm. 11 Uhr:
Kinderſchule; nachm 4½ Uhr: Wortverkündigung; Mittwoch, abends
8½ Uhr: Gebetſtunde; Freitag, abends 8½ Uhr: Wortbetrachtung.
Jeder herzlich eingeladen.
Möttlinger Freundeskreis. Montag, den 23. April, abends 8½ Uhr,
im Feierabend, Stiftsſtr. 51: Bibelſwmde.
Auswärtige Kirchen.
Evang. Gemeinde Traiſa. Sonntag, den 22. April, vorm. halb 10
Uhr: Hauptgottesdienſt; nachm. 2 Uhr: Jugendgottesdienſt. Diens=
tag
: C. J. G. Mädchenabend. Mittwoch: C. J. G. Jungenabend.
Donnerstag: Frauenabend.
Evangeliſche Gemeinde Roßdorf. Sonntag, den 22. April, vorm.
9½ Uhr: Hauptgottesdienſt. Gottesdienſt zum Schulbeginn. Vorm.
10½ Uhr: Kindergottesdienſt. Abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Diens=
tag
: Kirchengeſangverein und Poſaunenchor. Donnerstag: Jung=
mädchenwerein
.
Evang. Kirche Nieder=Ramſtadt. Sonntag, den 22. April ( Miſeri=
cordias
Domini): Vorm. 9,30 Uhr: Hauptgottesdienſt; vorm. 10,30 Uhr:
Chriſtenlehre. Montag: Jugendvereinigung. Dienstag: Kirchen=
chor
. Mittwoch: Jugnmädchenverein. Donnerstag: Frauenverein.
Evangeliſche Kirche zu Eberſtadt. Sonntag, den 22. April, vor=
mittags
834 Uhr: Chriſtenlehre der Knaben. Vormittags 9½ Uhr:
Gottesdienſt. 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Abends 8 Uhr: Kirchenmuſika=
liſche
Abendfeier (Orgel, Violine, Flöte, Geſang). Montag, 8 Uhr:
Mädchenvereinigung. Mittwoch, 8 Uhr: Kirchengeſangverein. Donners=
tag
, 8 Uhr: Wartburgverein. Freitag, 8 Uhr: Poſaunenchor.
In der Provinzial=Pflege=Anſtalt: Gottesdienſt 1½ Uhr.
Katholiſcher Gottesdienſt.
Sonntag, den 22. April 1928.
St. Liebfrauen (Klappacherſtraße). Vor Sonn= und Feiertagen:
Nachmitrags von 57 Uhr und abends von 8 Uhr an Beichtgelegen=
heit
. An Sonn= und Feiertagen: Vormitrags von 6 Uhr an Gelegen=
heit
zur hl. Beichte. 7 Uhr: Frühmeſſe. Vor und in der hl. Meſſe
Austeilung der hl. Kommunion. 9½ Uhr Hochamt und Predigt. Vor=
her
Austeilung der hl. Komunion. Nachmittags 2 Uhr: Chriſtenlehre;
2½ Uhr: Andacht. Werktagsmeſſe: L/. Studen vor Schulbeginn.
Martinskapelle (Herdweg). An allen Sonn= und Feiertagen: 8 Uhr
hl. Meſſe mit Predigt. Vorher Beichtgelegenheit. Vor und in der
hl. Meſſe Austeilung der hl. Kommunion. Während der Schulzeit:
Dienstags und Freitags ½/, Stunden vor Schulbeginn hl. Meſſe mit
Austeilung der hl. Kommunion in der hl. Meſſe. Vorher Beicht=
gelegenheit
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Darmſtadt und den Bekanntmachungen de
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Filigranohrring. 1 hellgraues Ledermäpp=
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den Sonntagsdienſt und in der daran ſic
inſchließenden Woche den Nachtdienſt vom
1. April bis einſchließlich 28 April die
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtr. 9,
Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße 101

Letzte

Am Montag, den 23. und Diens=
tag
, den 24. April 1928, vormittags
9 Uhr, werden im Gaſthaus Bartl
dahier aus verſchiedenen Abteilungen
des Roßdörfer Gemeindewaldes ver=
teigert
:
230 rm Kiefern=Scheiter
18 Fichten=
52 Buchen=Knüppel
8 Eichen=
470 Kiefern=
66 Fichten=
22
=Stöcke
1900 Stück Buchen=Wellen
3300 Kiefern=
Auswärtige Steigerer ſind zugelaſſen
Noßdorf, den 19. Aprik 1928. (707
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Lyrenz.

Bekanntmachung.
In der Zwangsverſteigerungs=
ſache
gegen den Landwirt Georg
Ruths III., Darmſtadt, Eckhardtſtr. 33,
fällt der Verſteigerungstermin vom 24.
April 1928 aus.
(7075
Darmſtadt, den 18. April 1928.
Heſſiſches Amtsgericht I.

Nutz= und

Brennholz=Verſteigerung
Montag, den 30. April, Dienstag,
den 1., und Donnerstag, den 3. Mai
1928, von vormittags /,10 Uhr ab, wer=
den
aus dem Zeilharder Gemeindewald,
Diſtrikt Mark, das Stammholz am 1. und
2. Tag bei Gaſtwirt Heberer an der
Station Meſſel, das Brennholz an Ort
und Stelle verſteigert.
Stammholz.
3 Eichen=Stämme mit 2.57 Feſtm Inhalt
1 Kiefern=
0.86
3 Lärchen=
1.72
687 Fichten=
218,27
356 =Derbſtangen , 25,23
Brennholz.
3 Rm. Buchen=Scheiter, 20 Rm. Eichen=
Scheiter, 16 Rm. Kiefern=Scheiter, 2 Rm.
Fichten=Scheiter, 37 Rm. Fichten=Knüppel,
74. Rm. Buchen=Knüppelreiſig, 10 Rm.
Eichen=Knüppelreiſig, 16 Rm. Fichten=
Knüppelreiſig, 20 Rm. Fichten=Stöcke.
Kaufliebhaber werden erſucht, das
Stammholz vor der Verſteigerung ein=
zuſehen
. Nähere Auskunft erteilt Herr
Förſter May, Markhaus.
Zeilhard, den 20. April 1928.
Bürgermeiſterei Zeilhard.
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[ ][  ][ ]

Nummer 111

Samstag, den 21 April 1928

Seite 15

orAsse

Von Carl Martin.
Auf der kahlen Höhe des Karlſteins ſtand Profeſſor Gous=
zaat
und ſchaute verſonnen auf das altersgraue Gemäuer, das
unmittelbar vor ihm aufragte. Er war ein Mann von mittleren
Jahren. Sein Aeußeres ließ unſchwer den Gelehrten erkennen;
ganz leicht hervorſtehende Backenknochen ſowie die etwas ſchief
ſtehenden Augen wieſen hinſichtlich ſeiner Abkunft auf einen ge=
wiſſen
Einſchlag der mongoliſchen Raſſe hin.
Viel war über den vor ihm liegenden Steinkoloß geredet und
geſchrieben worden, doch alle Forſchung hatte bisher keine Klar=
heit
über Herkunft, Sinn und Zweck dieſes merkwürdigen Gebil=
des
ſchaffen können. War dieſer ungeheuere granitne Würfel von
faſt zehn Meter Kantenlänge ein Denkmal oder war er ein ſym=
boliſches
Zeichen der alten Wiſſenſchaft? Niemand wußte es, nur
die mündliche Ueberlieferung, die Sage, erzählte, daß es das Grab
eines Lebendigbegrabenen ſei. War in dieſer Sage, wie ſo oft,
vielleicht doch ein wahrer Kern?
Der ewig forſchende, nach Erkenntnis ſuchende Geiſt der Men=
ſchen
würde gewiß ſchon längſt die gewaltigen Quadern geſprengt
haben, hätten nicht die faſt magiſch wirkenden Zeichen auf der
Südſeite eine zurückhaltende Wirkung ausgeübt. Dort ſtand in
großen eckigen Ziffern 20572557. Alle Wahrſcheinlich eit ſprach
dafür, daß es ſich um Jahreszahlen handelte. Die erſtere mochte
die Zeit der Errichtung des Males angeben; aber was hatte die
zweite zu bedeuten?
Das Jahr 2557 neigte ſich gerade jetzt ſeinem Ende zu, würde
in den wenigen noch fehlenden Tagen etwas Beſonderes an die=
ſem
Platze geſchehen?
Was bedeutete der Zeitraum von fünfhundert Jahren, den
beide Zahlen einſchloſſen?
Der einſame Beſucher hatte langſam den Kubus umſchritten
und war eben im Begriff, ſich abzuwenden, als er plötzlich wie
erſtarrt ſtehen blieb. Er ſah, und wollte doch ſeinen Augen nicht
trauen, wie ſich ein mittleres Felsſtück in dem Denkmal langſam
und ſtetig nach innen ſchob. Einen Augenblick ſpäter erſchien in
der entſtandenen dunklen Oeffnung eine gebückte Geſtalt in alt=
modiſcher
Tracht und trat ins Freie. Sie blinzelte eine kleine
Weile in den hellen Tag und bewegte dann lebhaft Rumpf und
Glieder.
Der Gelehrte wich unwillkürlich einige Schritte zurück, da be=
merkte
ihn auch ſchon die Geſtalt. Sie ſchritt auf ihn zu, grüßte
ſich verneigend und fragte mit etwas heiſerer Stimme:
Bitte, ſagen Sie mir, in welchem Jahre leben wir?
Wir ſchreiben das Jahr 2557, wie es dort oben eingemeißelt
iſt war die erſtaunte Antwort, und der Gelehrte fügte hinzu:
Wie kommen Sie in jenes Bauwerk, und warum ſprechen Sie
eine altdeutſche Sprache? Wäre ich nicht zufällig ſelbſt Sprach=
forſcher
, ich würde keines Ihrer Worte verſtehen.
So ſtimmt auch das Letzte, entgegnete der Fremde mit
leuchtenden Augen; ich ruhte fünfhundert Jahre in dieſem Ge=
bäude
in hypnotiſchem Schlafe, ſcheintot, aber nicht tot. Heute
bin ich erwacht. Es war ein wiſſenſchaftlicher Verſuch, dank genau=
eſter
Berechnung iſt er, wie Sie ſehen, vollkommen gelungen."
Aber wie iſt ſo etwas möglich? fragte erſtaunt der Gelehrte.
Geſtatten Sie zunächſt die Gegenfrage: iſt der Wiſſenſchaft
von heute das Verfahren nicht bekannt?
Nicht, daß ich wüßte; allerdings ſind durch die langjährigen
Kriege zwiſchen den Erdteilen in Europa unermeßliche Schätze
alter Kultur verloren gegangen.
So laſſen Sie ſich kurz erzählen! Die Geſetze der Hypnoſe
waren der Wiſſenſchaft auf das genaueſte bekannt. Es gehörte ſo=

zuſagen zur Abgangsprüfung der Schule, die dieſe Wiſſenſchaft
lehrte, daß der Schüler ſich auf einige Tage oder Wochen lebendig
begraben ließ. Die Erfolge ſtellten die bis dahin bekannten der
indiſchen Fakire vollkommen in den Schatten.
Der Wetteifer, die Zeit der künſtlichen Lebensunterbindung
durch geſteigerte Willenskonzentration immer länger auszudehnen,
brachte jedoch die Erkenntnis, daß einige Vorausſetzungen zu
ihrer glücklichen Durchführung gegeben ſein müſſen. So findet
zum Beiſpiel trotz der vollkommenen Körperſtarre eine wenn auch
äußerſt geringe Atmung durch die Haut ſtatt, ferner muß bei
längerer Dauer des Schlafes der noch winzigere Verluſt an
Wärme durch Zufuhr von Nahrung erſetzt werden. Das konnte
natürlich nicht auf gewöhnliche Weiſe geſchehen, da ja ebenſo wie
das Herz ſämtliche Organe in vollkommener Ruhe verharren. Da
gelang es der Wiſſenſchaft, ein Nährgas zu finden, das vollſtändig
ſelbſttätig durch die Haut in den Körper eindringt und von dieſem
als Wärmebildner unmittelbar verbraucht wird.
Mit dieſer Entdeckung war es möglich, den hypnotiſchen
Schlaf unter günſtigen Bedingungen unbegrenzt auszudehnen.
Verſuche, die ſich auf ein und zwei Jahre erſtreckten, beſtätig=
ten
dies.

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anerkanntes Schutz= und Desin=
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für Mund u. Rachen.

Bei einer wiſſenſchaftlichen Tagung tauchte dann der Gedanke
auf, den Scheintot auf 500 Jahre zu verlängern. Ich glaube, es
war ein Amerikaner, der ihn als erſter ausſprach. Obwohl an=
fangs
verlacht, befaßte ſich doch bald darauf ein kleinerer Kreis
mit dem Problem und beſchleß nach eingehender Prüfung, einen
Verſuch zu wagen.
Da alle Beteiligten ſich zur Verfügung ſtellten, mußte das
Los entſcheiden. Es traf den Jüngſten des erlauchten Kreiſes,
mich, Profeſſor Dugelow. Der Fremde verneigte ſich bei dieſen
Worten leicht vor dem Gelehrten, ſchwieg einen Augenblick nach=
denklich
und fuhr dann fort:
Wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten mit den beftehen=
den
Geſetzen mußte über den Verſuch das ſtrengſte Stillſchweigen
gewahrt werden und die Vorarbeit unauffällig geſchehen. Das
war nicht ganz einfach, da die Vorbereitungen außerordentlich
langwierig und umfangreich waren. Doch was ſoll ich Ihnen die
Einzelheiten erzählen; vielleicht folgen Sie mir in meine bis=
herige
Wohnung, wo Sie ſich durch den Augenſchein ſogleich ſelbſt
überzeugen können.
War in Profeſſer Gouszaat auch noch ein inneres Grauen
vor ſeinem Gegenüber, ſo war er doch viel zu ſehr Wiſſenſchaftler
und daneben auch von Neugierde erfüllt, um es nicht zu über=
winden
. Därum folgte er dem Voranſchreitenden ohne Zögern
durch die dunkle Oeffnung in das Innere des ſonderbaren Hauſes.
Dugelow ſetzte dort ſeine Erklärungen fort:

Sie werden ſofort bemerken, daß das Innere nicht nur einen
einfachen Schlafraum darſtellt, ſondern daneben ein phyſikaliſch=
chemiſches
Laboratorium allermodernſter Art wenigſtens
fügte er mit leiſem Lächeln hinzu, nach dem Stande vor fünf=
hundert
Jahren.
Benutzen wir den Reſt der noch vorhandenen, nun nicht mehr
erforderlichen Energie dazu, um Licht zu machen.
Er taſtete mit der Hand die eine Wand ab, dann flammte
in der Mitte des ſehr hohen Raumes eine gläſerne Kugel auf,
die das ganze Gemach mit naturgetreuem Sonnenlichte erfüllte.
Hier links ſehen Sie das wichtigſte Inſtrument des Labora=
toriums
, die fünfhundert Jahre gehende Uhr. Der große Glas=
zylinder
, der ſie einſchließt, iſ: vollkommen luftleer. Sie hat eine
magnetiſche Selbſtkorektion und wird elektriſch angetrieben unter
Ausnutzung erdelektriſcher Ströme. Die Apparatur hierzu befin=
det
ſich in einem zehn Meter tiefen Schacht unter der Uhr. Die
Herſtellung koſtete faſt drei Jahre. Die größte Sorgfalt war nötig,
um zu erreichen, daß die Abnutzung des Getriebes infolge der un=
vermeidlichen
Reibung das zuläſſige Maß nicht überſchritt. Sie
betätigt an jenem Metallkeſſel dort alle vierundzwanzig Stunden
ein Ventil, durch welches jedesmal zwei Kubikzentimeter Nährgas
mit Sauerſtoff vermiſcht in den Raum gelaſſen werden. Dort in
der Ecke die Einrichtung zur Normalhaltung des Luftdrucks und
Regelung der Raumtemperatur, die, wie die Thermometer zeigen,
in der ganzen Zeit den vorgeſchriebenen Werk von 35 Grad Cel=
ſius
weder unter= noch überſchritten hat.
Hier ſehen Sie mein Lager; ſeine kunſtgerechte Herrichtung
machte die weitaus größten Schwierigkeiten. Bei der vorgeſehenen
langen Ruhezeit mußte darauf Rückſicht genommen werden, daß
das Gewicht des Körpers vollkommen gleichmäßig auf die geſamte
Auflagefläche verteilt wurde, damit keine Quetſchungen entſtan=
den
. Die Verteilung wurde ſo durchgeführt, daß auf jedes Qua=
dratzentimeter
Körperfläche der gerade noch zuläſſige Druck von
zwanzig Gramm wirkte. Und hier damit wies Dugelow auf
eine flache Schachtel, die halbgeöffnet auf einem kleinen Tiſch lag,
ſind ſogar noch die Tabletten, deren Einnahme nötig war, um
die chemiſchen Vorgänge in den Verdauungsorganen zum Still=
ſtand
zu bringen ſowie die dort vorhandenen Bakterien abzu=
töten
.
Die Uhr war ſo eingeſtellt, daß ſie nach genau fünfhundert
Jahren drei Glockenſchläge ertönen ließ. In der Erwartung dieſer
Glockentöne begann die Selbſtverſenkung, wie ſie heute das Er=
wachen
brachten.
Aber, warf Profeſſor Gouszaat, der aus dem Staunen nicht
herauskam, ein, auf welche Weiſe konnten Sie ſich aus dem Ge=
fängnis
befreien, denn ſoviel ich begreife und ſehe, iſt doch alles
nach außen hin luftdicht abgeſchloſſen.
Nichts einfacher als das entgegnete Dugelow. Sehen
Sie hier dieſe hydrauliſche Vorrichtung, mit ihrer Hilfe ließ ſich
der Verſchlußſtein mühelos herausziehen. Er war ſehr genau
eingepaßt, die ſchmalen Verſchlußſpalten ſind mit unzerſtörbarem,
elaſtiſchem Quarz verkittet. Dieſer ſchließt zwar luftdicht ab, geht
aber dennoch keine zu feſte Verbindung mit dem Geſtein ein.
Wirklich erſtaunlich, äußerte Gouszaat, ich muß ſagen, daß
ich vor der alten Wiſſenſchaft die größte Hochachtung habe, obwohl
wir heute in manchen Dingen wohl erheblich weiter ſind als vor
fünfhundert Jahren.
Dieſe Ihre heutigen Einrichtungen kennen zu lernen und
mit den Augen einer vergangenen Welt betrachten zu können, war
der Zweck unſeres Verſuches. Vielleicht bietet ſich Gelegenheit zu
wertvoller Zuſammenarbeit zwiſchen alter und neuer Zeit.
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Sch ukenſpeck, um Roheſſen, p. Pfd. 1.40
Schweinebraten m. Beil., auch gerollt, Pfd. 0.30
Koteletts, geſchnitten per Pfund 1.10