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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 109
Donnerstag, den 19. April 1928.
191. Jahrgang
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Im Falle, höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichiſcher Beſtreſbung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Dr. Sitefemann uber Bierſcafts
und Handelspolitik.
Alarmruf für Europa. — Der Tiefſtand des Handelsverkehrs und der Produktion
ſollte Europa zu wirtſchaftlicher Verſtändigung und Zuſammenarbeit zwingen.
Die Tagung des Deutſchen
Induſtrie= und Handelstages.
Kritik am Dawesplan.
Berlin, 18. April.
Heute vormittag trat im Reichstag der Deutſche Induſtrie=
und Handelstag zu ſeiner 48. Vollverſammlung zuſammen. Zu
der Tagung waren zahlreiche Vertreter der Reichsregierung
darunter Reichsminiſter des Auswärtigen Dr. Streſemann und
Reichswehrminiſter Gröner — ſowie Vertreter der
Länderregie=
rungen erſchienen. Präſident von Mendelsſohn eröffnete die
Tagung mit einer Anſprache, in der er die Vertreter des Reiches
uund der Länder begrüßte und dann u. a. weiter ausführte:
Ich bedauere, daß der Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Curtius nicht
anweſend ſein kann, dem wir auch heute unſern Dank für ſeine,
von aufrichtiger Sorge getragene und umſichtige Führung der
Geſchäfte ſeines Reſſorts gerne perſönlich geſagt haben würden.
Wenn wir ihn heute entbehren, ſo ſind wir damit freilich nicht
ohne Wirtſchaftsminiſter; denn wir haben deren in Deutſchland
ja mehrere. Einer davon iſt zweifellos der Herr
Reichsfinanz=
miniſter, ja, er iſt mehr als das, er iſt ſtiller, aber ſehr energiſcher
Teilhaber unſerer Unternehmungen. Noch echter kann gewiß der
Herr Reichsaußenminiſter als Wirtſchaftsminiſter gelten, da die
Pflege der handelspolitiſchen Beziehungen heute in ganz
beſon=
derem Maße eine volkswirtſchaftliche Notwendigkeit iſt.
Der Reduer kam im Laufe ſeiner Ausführungen dann auf
den Dawesplan und das Londoner Abkommen zu
ſprechen und erklärte hierzu: Heute wiſſen wir noch deutlicher
als vordem, daß in dieſem Abkommen nicht der
Weisheit letzter Schluß liegt. Wir ſühlen die
unge=
heure Belaſtung, die es auf die deutſche Wirtſchaft gelegt
hat, aber wir fühlen auch zugleich, wieviel ſeitdem doch erreicht
und geſichert wurde, nicht nur für uns allein, ſondern auch für
das Zuſammenleben und die Wohlfahrt aller Völker. Der Redner
ſtreifte ferner die Freigabe des deutſchen
Eigen=
tums in Amerika, die er als beſonders erfreulich
bezeich=
nete. Die Freigabe, ſo führte er aus, wäre nicht zu erreichen
geweſen ohne ein lebendiges Gefühl jenes großen, mächtigen
Volkes, jenſeits des Ozeans für die Unverletzlichkeit des
Privat=
eigentums auch im Kriege und ohne die kluge und ſichere
Füh=
rung, die dieſe Angelegenheit bei den führend beteiligten Herren
des Auswärtigen Amtes fand, die ſich damit um Recht und
Wirtſchaft im höchſten Maße verdient gemacht haben. Der Redner
ſchloß mit dem Hinweis, daß auch für den Induſtrie= und
Han=
delstag die Aufſchriſt des Hauſes, in dem die Tagung ſtattfindet,
gelte: „Dem deutſchen Volke‟.
Die Vorarbeiten für die Regelung
der deutſchen Reparationsſchuld.
Hierauf nahm Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
von der Verſammlung mit lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort.
Der Miniſter erinnerte an Ausführungen, die er auf einer
Kund=
gebung des Induſtrie= und Handelstages im Auguſt 1923
ge=
macht hatte. Er habe damals davon geſprochen, daß wir im
deutſchen Volk doch den Kampf um die Staatsform zurückſtellen
ſollten, bis wir aus den ſchweren Zeiten heraus wären und
wie=
der normale Zeiten hätten. Dieſe Worte hätten ihre Bedeutung
für die Gegenwart noch nicht verloren. Wir leben noch in einer
Zeit, ſo erklärte der Miniſter, die als weniger normal bezeichnet
werden kann, als es äußerlich in der Welt erſcheinen mag. Wir
ſind noch ganz weit davon entfernt, daß wir die Wunden des
Krieges überwunden hätten. In den anderen Erdteilen haben
normalerweiſe der Handelsverkehr und die Produktion
gegenüber 1913 etwa um 30—40 Prozent zugenommen, während
Europa noch nicht einmal den Stand von 1913
erreicht hat. Dieſe Tatſache ſollte wie ein
Alarm=
ruf in Europa wirken und die europäiſchen Länder zu
einer wirtſchaftlichen Verſtändigung und
Zu=
ſammenarbeit zwingen. Wir haben unter dieſen
Ver=
hältniſſen in Deutſchland vielleicht am meiſten zu leiden. Der
große Handelsapparat, den wir in jahrzehntelanger Arbeit
auf=
gebaut hatten, iſt durch die Liquidation faſt ganz zerſchlagen
worden. Die Freigabe des deutſchen Eigentums in Amerika hat
über die materielle Bedeutung hinaus auch für die ganze
Zu=
kunft der Völker grundſätzlichen Wert. Es war ein Verſtoß
gegen alle Grundſätze des Verkehrs der Völker, dem Einzelnen
ſein Eigentum zu nehmen, weil die Staaten miteinander in
Fehde lagen.
Wir können die Welt nicht wieder aufbauen, wenn wir
nicht zurückkehren zu den Grundſätzen, die bei allen
zivili=
ſierten Völkern Geltung haben müſſen.
Wenn die Wirtſchaft den Reichsfinanzminiſter als ihren ſtillen
Teilhaber bezeichnet, dann darf ſie nicht vergeſſen, daß wir leider
auch andere Teilhaber in der deutſchen Wirtſchaft haben und der
Reichsfinanzminiſter nicht nur der Vollſtrecker deutſchen Willens,
ſondern daß unſere ganze Steuerpolitik
voraus=
belaſtet iſt durch die Neparationsleiſtungen und durch die
ſtarken finanziellen Belaſtungen, die im Innern infolge des
Krieges aufzubringen ſind. Wir müſſen uns darüber klar ſein,
daß wir mit dieſen erhöhten Abgaben noch lange Zeit rechnen
müſſen. Wenn wir den Aufbau der deutſchen Wirtſchaft wollen,
müſſen die Unternehmungen auch in der Lage ſein, von einem
Ueberſchuß wieder etwas in die Unternehmungen hineinzuſtecken.
Alle Wirtſchaft wird zerſchellen, wenn ſie nicht mehr in
der Lage iſt, ſich ſelbſt zu behaupten.
Der Miniſter beſprach dann die Handelsverträge und erklärte,
daß alles, was auf dieſem Gebiet geſchaffen werden konnte,
ge=
ſchaffen worden iſt. Er würde es außerordentlich bedauern,
wenn man glaubte, man könne die Meinungsverſchiedenheiten
hier auf die Gegenſätze bringen: Hie Inlandsmarkt, dort
Export=
markt! Wir hätten weder eine politiſche, noch eine
wirtſchaft=
liche Autarkiemöglichkeit innerhalb unſerer ganzen geographiſchen
Lage. Das Schlagwort von der Reviſion des Dawespaktes
be=
deute doch nur, daß wir eines Tages eine feſte Summe
ver=
zinſen ſollen. Das könne nur aus Ueberſchüſſen der Ausfuhr
möglich ſein. Da könne man ſehr wohl die Frage aufwerfen, ob
nicht in unſerem Volke bei ſeinem Verbrauch eine Vorliebe
für Auslandsprodukte beſtehe, die bei keinem anderen
Volk ſo ausgebildet iſt und die ſo wenig berechtigt iſt wie bei
uns. Wir müßten uns klar werden, daß wir ſo nicht weiter
keben können. Die außerordentlich ſchwierige Lage
der Landwirtſchaft, namentlich in den öſtlichen
Bezir=
ken Deutſchlands, erkenne er in jeder Beziehung an.
Im Rahmen der Handelsverträge müſſen wir
aber auch von der Landwirtſchaft
Entgegen=
kommen erwarten.
Wirtſchaftspolitik müſſe nach allgemeinen Geſichtspunkten
getrieben werden. Eine parteipolitiſche Wirtſchaftspolitik
ſei eine Unmöglichkeit.
Die Landwirtſchaft müſſe, dafür Verſtändnis haben, daß wir
heute mehr als in der Vorkriegszeit, zur Ausfuhr gezwungen
ſind. Die Periode der endgültigen Handelsverträge werde erſt
nach einer Reviſion der Zollſätze in den einzelnen Ländern zu
Beginn des nächſten Jahrzehnts kommen. Der Miniſter wandte
ſich dann gegen die ſogenannten Pränumerando=Peſſimiſten und
forderte, daß man zunächſt einmgl an die Zukunft
glauben müſſe. Man ſpreche oft von dem bewußten
Gegen=
ſatz zwiſchen national und internationol. Bei der Wirtſchaft
könne man aber nicht beſtreiten, daß die
Wiederanknüp=
fung internationaler Beziehungen die beſte
Arbeit für unſere nationale Wirtſchaft iſt.
Manche unnötigen Hemmungen des Handels und Verkehrs
ſollten noch mehr und mehr beſeitigt werden.
Der Zollſchutz müſſe auf das berechtigte und zuläſſige Maß
zu=
rückgebracht werden. Man ſehe auch die Empfindung in den
anderen Ländern wachſen, daß es in Europa nicht ſo bleiben
könne. Der Völkerbund mache auf dieſem Gebiet nützliche
Vor=
arbeit. Die Reporations= und Wirtſchaftsfrage ſtehe in engſtem
Zuſammenhang. Ich glaube, ſo erklärte der Miniſter, daß wir
ſchon die Vorarbeit für die große Frage der
deut=
ſchen Reparationspflicht ſehen. Entſcheidungen
wer=
den wohl im nächſten Herbſt fallen. Ich hoffe auf Ihre Mitarbeit
in dieſer großen Frage und erwarte, daß wir, wenn es ſich um
wirtſchaftspolitiſche Entſcheidungen haudelt, keinen Kampf der
Parteien haben, ſondern, daß ſich alle zuſamenfinden in dem
Gedanken, daß ohne ein blühendes Deutſchland keine Löfung
ge=
funden werden kann, die uns zur Freiheit bringt und uns die
Möglichkeit zur Uebernahme der Laſt gibt.
Sodann überbrachte Staatsſekretär Dr. Seefeld die Grüße
des preußiſchen Hadelsminiſters.
Als erſter Redner der Tagesordnung ſprach Generaldirektor
Tgahrt=Neunkirchen (Saar) über
die Lage der deutſchen gewerblichen Wirtſchaft.
Der Redner ging davon aus, daß ſich in den letzten Jahren in
Deutſchland eine ſtarke Bewegung zeige, unter Hinweis auf das
Vorbild der Vereinigten Staaten vornehmlich die Hebung des
Binnenmarktes unter Zurückſtellung der Außenhandelsintereſſen
anzuſtreben. Nach Anſicht des Redners iſt jedoch die Hebung der
inländiſchen Kaufkraft nur im Rahmen der weltwirtſchaftlichen
Verflechtung Deutſchlands möglich. Der Redner ſchilderte dann
die Schwierigkeiten, die ſich der deutſchen Ausfuhr entgegenſtellen:
Den Rückgang der dentſchen Stellung auf dem Weltmarkt, den
Ausfall Rußlands als natürlichſtes Abſatzgebiet Deutſchlands und
die Konkurrenz der weſtlichen Schwerinduſtrien. Generaldirektor
Tgahrt behandelte dann das Rationaliſierungsproblem, zu dem
er u. a. ausführte: In Deutſchland wäre es vielfach leichter, auf
eine weitgehende Mechaniſierung zu verzichten und dafür mehr
Arbeiter beizubehalten, wenn nicht die Ueberſteigerung der
Lohn=
forderungen die wirtſchaftlichen Möglichkeiten der
Rationaliſie=
rung immer mehr erweitern würde. Der Redner wandte ſich
dann außenpolitiſchen Fragen zu und erklärte, daß man vom
Standpunkt der Volkswirtſchaft mit der Außenpolitik
einverſtan=
den ſein müſſe. Schon heute beginne die Welt einzuſehen, daß
der Dawesplan auf die Dauer undurchführbar ſei, ohne ihn aber
wäre die Welt wahrſcheinlich heute noch in phantaſtiſchen Zahlen
befangen. Zum Schluß gab Generaldirektor Tgahrt ſeinem
Glauben Ausdruck, daß die deutſche Induſtrie den ihr geſtellten
Aufgaben trotz aller entgegenſtehenden Schwierigkeiten gerecht
werden werde. — Der Vorſitzende des Verwaltungsrats der
Reichsbahn, Karl Friedrich v. Siemens, rechtfertigte ſodann
die Tarifpolitik der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft. Im weiteren
Verlaufe ſeiner Ausführungen ging Friedrich v. Siemens
ein=
gehend auf
die Wirtſchaftslage der Reichsbahn
ein. Die Reichsbahn könne trotz der herrſchenden Hochkonjunktur
keine Reſerven für die Zeit magerer Jahre anſammeln. Sie ſei
vor allem noch mit Bauverpflichtungen aus der Inflationszeit
(Fortſetzung auf Seite 2, 2. Spolte.)
Eine amerikaniſche Intrigue
in China.
Zum Scheitern des engliſchen Ausgleichs
mit der Nanking=Regierung.
Von unſerem Berichterſtatter.
F. S. Schanghai, Anfang April 1928.
Merkwürdige Dinge ereignen ſich: die Rückkehr
Tſchiang=
kaiſcheks und die erneute Befeſtigung der Nanking=Regierung
haben ein ſeltſames Ergebnis gezeitigt. Die Mächte, die
zweifel=
los am wenigſten zu dieſen Ereigniſſen beigetragen haben,
die Engländer, Amerikaner und Franzoſen, haben ein Wett=
Buhlen um die Gunſtder Nanking=Regierung
be=
gonnen. Die Angelſachſenpreſſe, die bisher den von den Japanern
ſo ſchmählich im Stich gelaſſenen chineſiſchen „Napoleon” mit
„kühler Reſerve”, ja mit offenem Uebelwollen behandelte, iſt wie
umgewandelt, und Engländer und Amerikaner ſchickten ſogar ihre
Geſandten in Peking, Herrn Miles Lampſon und Herrn
Macmurray, perſönlich nach dem Süden, um die ſo
unan=
genehme Hankau=Affäre, die ſeit etwa einem Jahre hindernd der
Anerkennung der Nanking=Regierung durch die beiden
Groß=
mächte entgegenſteht, aus der Welt zu ſchaffen. Auch die
Fran=
zoſen haben ſich nicht abſentieren können, und ſo fähe denn vieles
auch politiſch im Süden Chiras nach neuem Frühling aus, wenn
nicht inzwiſchen eine neue Lage entſtanden wäre, die die
inter=
nationalen Beziehungen der einzelnen Mächte zueinander ſtark
zu trüben droht — die Tatſache nämlich, daß es bei dieſer
Ge=
legenheit den Amerikanern gelungen iſt, einen Ausgleich in der
Hankau=Affäre herbeizuführen, während der engliſche Geſandte
erfolglos nach Norden zurückkehren mußte, und die Franzoſen
zurzeit noch, wie es heißt, nicht übermäßig ausſichtsreich verhan=
deln, ohne zum Ziel gelangt zu ſein.
Dieſer engliſche Mißerfolg — denn anders kann man
trotz aller Freundſchaftseſſen in Schanghai, Hongkong und
Kan=
ton die vergebliche Reiſe Lampſons kaum bezeichnen — ſcheint auf
eine niedliche kleine Intrigue zurückzuführen zu ſein, die nicht
ohne Intereſſe iſt, da ſie die grundſätzliche Einſtellung
der Mächte zumchineſiſchen Problem erkennen läßt.
Um die Bedeutung und die Art des Ereigniſſes richtig
einzu=
ſchätzen, muß jedoch noch vorausgeſchickt werden, wie die Lage
der europäiſchen Vertreter in China überhaupt liegt. Trotz aller
Nivalität der Mächte beſteht nämlich im Grunde genommen für
alle Vertreter an Ort und Stelle (die Deutſchen nicht
ausge=
nommen) ein Interefſe an einer gewiſſen
Solida=
rität, das immer dann beſonders groß wird, wenn Leben und
Eigentum der Ausländer bedroht ſind und ſich der Einſatz von
Streitkräften als notwendig erweiſt. In Hankau haben denn
auch vor einem Jahr ,als der Janhagel von roten Aufwieglern
aufgeputſcht wurde, Amerikaner, Engländer, Franzoſen und
Japaner in trautem Verein die Stadt bombardiert, als alle
Fried=
fertigkeit die berüchtigten Zwiſchenfälle nicht mehr verhinderte.
Man war daher der Anſicht zugeneigt, daß in dieſer
Angelegen=
heit die Intereſſen der betroffenen Mächte dieſelben wären, und
gab ſich, als man Peking verließ, gegenſeitig die
Verſiche=
rung, man werde bei den Verhandlungen in
Nanking bzw. Schanghai nur dieſe Frage und
nicht etwa die Frage der Reviſion der Verträge
aufrollen, weil dies die Engländer in eine ſehr unangenehme
Situation gebracht haben würde, die ſich wohl am beſten mit
dem Hinweis auf die engliſch=japaniſche
Wieder=
annäherung erklärt, die man ſeit der Einſetzung des
Kabi=
netts Tanaka allgemein erwartet.
Als die Geſandten in Schanghai eintrafen, war man ſomit
allgemein guten Mutes, da es ſich offenſichtlich um ein
Unternehmen handelte, zu dem Engländer, Amerikaner und
Fran=
zoſen gemeinſam auszogen, während gleichzeitig Japan, das
ja bekanntlich bei Tſchiangkaiſchek und der Kuomintang nicht ganz
ohne Einfluß iſt, ſein ſtillſchweigendes Einverſtändnis zu geben
ſchien. Da es ſich um eine Friedensaktion handelte und auch die
Nanking=Regierung erklären ließ, daß ſie die Aktion der
Kommuniſten in Hankau bedauere und zugleich kaum zu
über=
ſehende Zeichen ihres Wohlwollens gab — von den
angeblich an den Ausſchreitungen Beteiligten wurden eine Anzahl
hingerichtet —, war man allgemein auch der Anſicht, daß keinerlei
Schwierigkeiten auftauchen würden. Die Chineſen begrüßten den
britiſchen Geſandten denn auch mit ausgeſuchter Freundlichkeit,
und der, der etwa die Zeiten des Boykottes britiſcher Waren zum
Maßſtab ſeiner Anſichten über das chineſiſch=engliſche
Verhältnis gewählt haben würde, hätte nicht nur über die
Schnelligkeit des Wechſels der Geſinnung der
Chineſen, ſondern auch über die Art und Weiſe, wie dieſer
Wechſel ſich vollzog, geſtaunt.
Die Verhandlungen zwiſchen den maßgeblichen
Leu=
ten ergaben jedoch, zum nicht geringen Staunen der Briten, ein
erheblich anderes Bild. Die Chineſen waren zwar
verbind=
lich in der Form und kamen den britiſchen Forderungen —
Be=
dauern wegen der Vorfälle, Gewährung von Schadenerſatz und
Einſetzung einer undarteiiſchen Kommiſſion zur Feſtſtellung des
Umfanges des Schadens — weitgehendſt entgegen. Sie ſtellten
aber zwei Gegenforderungen auf, die für die
Briten unmöglich waren: ſie verlangten, daß auch die
Engländer ihrem Bedauern über die Vorkommniſſe in
Hankau Ausdruck geben ſollten, und machten ihre Zuſagen von
einer engliſchen Erklärung abhängig, wonach
England zuſagen ſollte, Verhandlungen über
die Abſchaffung der ungleichen Verträge
auf=
zunehmen. Das war für die Engländer eine bittere Pille.
Denn erklärten ſie das Bombardement von Hankau für
bedauer=
lich, dann ſprachen ſie eine moraliſche Verurteilung ihrer A—zion
aus und nahmen der „Verſöhnung” ihren eigentlichen politiſchen
Wert. Lehnten ſie die chineſiſche Forderung jedoch ab, ſo war
die ganze Propaganda und die diplomatiſche Arbeit der letzten
Monate umſonſt. Deswegen verſteiften ſie ſich auf das
For=
male und erklärten, daß das Verlangen auf Abgabe eines Ven=
Seite 2
Nummer 109
Hoffnungsloſe Lage des
Ruhr=
bergbaus.
ſprechens in der Angelegenheit der „ungleichen Verträge” „über
den vorgeſehenen Rahmen der Beſprechungen hinausgehe”, und
ließen — in der ſicheren Erwartung, daß, gemäß
den Vereinbarungenin Peking, auch die anderen
Mächte ſo handeln würden, wie ſie — die
Verhand=
lungen in die Brüche gehen. Herr Miles Lampſon kehrte am
25. März nach Peking zurück, mit dem Bewußtſein, einer
Situa=
tion entronnen zu ſein, die ihn in die peinlichſte Verlegenheit,
ſowohl den Amerikanern wie den Japanern gegenüber, hätte
bringen können, da jede von den beiden Mächten das britiſche
Bedauern auf fich bezogen haben würde, bzw. in der Abgabe
des Verſprechens auf Verhandlungen über die Aufhebung der
„ungleichen Verträge” einen Bruch der Vereinbarung geſehen
hätte.
Wer beſchreibt aber die Ueberraſchung der
Englän=
der, als nur wenige Tage ſpäter der amerikaniſche
Ge=
ſandte wieder in Nanking eintrifft, ſämtliche
Forde=
rungen der Chineſen bewilligt und nach nur
zweitägigen Verhandlungen am 1. April ein
Ab=
kommen unterzeichnet, das die Hankau=
Ange=
legenheit zwiſchen Amerika und der Nanking=
Regierung „voll und ganz” bereinigt! Wie eine
Bombe ſchlug die Nachricht bei den Engländern ein, was man
ſich denken kann, wenn man ſich vor Augen hält, was alles die
Engländer durch ein gleiches Abkommen hätten gewinnen können.
Die Wut auf die Amerikaner war denn auch nicht gering. Von
„Betrug” bis zu „Verrat” konnte man jede Kennzeichnung
minder=
wertigen Verhaltens aufgezählt erhalten, wenn man ſich mit
Eng=
ländern über die Angelegenheit unterhielt, während die engliſche
Preſſe ſich natürlich ſehr zurückhaltend zeigte. Die Amerikaner
blieben jedoch die Quittung nicht ſchuldig. Nur wenige
Stun=
den genügten, um ihnen die „Rechtfertigung” des
ame=
rikaniſchen Geſandten zum gefälligen Gebrauch zu
über=
mitteln: Er habe nur über die Beilegung der
Hankau=Angelegenheit verhandelt, da man die
Abgabe eines Verſprechens Verhandlungen
über einen gewiſſen Komplex künftig
aufzuneh=
men, nicht als Verhandlungen über dieſer
Komplex bezeichnen könne! Im übrigen ſei nichts
Be=
ſonderes dabei, wenn man bedauere, daß man durch die
beſon=
deren Umſtände in Hankau zum Eingreifen gezwungen worden
ſei ..."
Eine, wie man zugeben muß, nicht ungeſchickt zurechtgelegte
Kaſuiſtik, die von ihrem „eigentümlichen” Reiz dadurch nichts
ein=
büßt, daß die Amerikaner weiter erklären ließen, ſie ſeien im
übrigen über die britiſchen Verhandlungen nicht
informiert geweſen, weil der amerikaniſche Geſandte
ab=
weſend (auf einem Jagdausflug nämlich!) geweſen wäre und
die Verhandlungen durch das Konſulatsperſonal geführt worden
ſeien.
Jedenfalls ein Vorfall, der deutlich genug zeigt, wie groß der
Intereſſengegenſatz der Mächte in China iſt und wo die Fronten
heute ſtehen. Denn während die Amerikaner das „korrekte‟
britiſche Verhalten ausnutzten, taten die Japaner dies
wohl=
weislich nicht. Daß dies nicht um der ſchönen Augen der
Eng=
länder willen geſchehen iſt, das dürfte die Zukunft wohl bald
lehren, während die Frage, ob die Amerikaner mit ihrem
Ver=
halten klug gehandelt haben, vorerſt wohl noch nicht beantwortet
werden kann. Ein engliſch=japaniſches Zuſammengehen dürfte
nämlich kaum ohne weiteres auch für Amerika vorteilhaft ſein.
Ein neuer Gewaltſireich der Litauer gegen die
„Memelländiſche Rundſchau”
Heydekrug, 18. April.
Der Kriegskommandeur für das Memelgebiet hat dem
Haupt=
ſchriftleiter der „Memelländiſchen Rundſchau”, Walter Schell,
durch den Zenſor in Heydekrug die Mitteilung zugehen laſſen, daß
er wegen eines angeblichen Verſtoßes gegen die Zenſurvorſchriften
entweder die „Memelländiſche Rundſchau” verbieten oder den
Hauptſchriftleiter für längere Zeit nach dem Konzentrationslager
Worny bringen laſſen werde. Die Begründung für dieſe
Maß=
nahme ſteht noch aus. Chefredakteur Schell war bekanntlich ſchon
vor einiger Zeit einmal feſtgenommen und ins Gefängnis gebracht
worden, wurde aber damals wieder auf freien Fuß geſetzt.
Dieſer unerhörte und unbegründete Gewaltſtreich der
litau=
iſchen Verwaltung gegen das deutſche Blatt muß um ſo mehr
be=
fremden, als gerade heute eine litauiſche Abordnung zur
Füh=
rung von Handelsvertragsverhandlungen in Berlin eingetroffen
iſt. Man wird ſich in Litauen darüber klar ſein müſſen, daß
der=
artige Herausforderungen nicht geeignet ſind, eine reibungsloſe
Zuſammenarbeit zu fördern.
Der eine Teil.
Von Ernſt Fuhrmann.*)
In der letzten Zeit haben ſich einige Männer die freundliche
Mühe gegeben, dem Publikum etwas über mich zu ſagen, und
ich bin den Herren Hofmannsthal, Döblin, Mühleſtein und
be=
ſonders Rudolf Pannwitz für alles dankbar, was ſie von mir
ge=
ſagt haben, aber ſie haben dabei oft außerordentliche Ausdrücke
gebraucht, und ich habe immer die Vorſtellung gehabt, daß es ſehr
leicht wäre, über mich ein richtiges Bild zu geben, wenn man die
einfachſten Ausdrücke anwendet.
Heute möchte ich mich mit dem einen Teil meiner Arbeit
be=
ſchäftigen, — denn ich glaube, ſie geht die Deutſchen etwas an
Als ich eine Weile Gedichte und Dramen geſchrieben habe
wie ſie auch andere Menſchen ſchreiben, kam ich eines Tages zur
Beſinnung darüber, daß ich immer von Gott und Menſchen
ſprach, aber beide Inhalte in ihrer ganzen Ausdehnung gar nicht
vor Augen gehabt hatte, ſondern beide nur in mir und meinen
inneren Grenzen zu ſehen glaubte. Dann ging ich daran, mir
das Daſein Menſch über die ganzen Zeiten hinüber anzuſehen,
und es war wohl ein Schickſal, daß ich dabei ſchon ſehr früh auf
das merkwürdigſte menſchliche Dokument ſtieß, das es auf der
Erde gibt. Und das ſind ohne Zweifel die ſchwediſchen
Fels=
bilder bei Göteborg und auch die bei Norrköping. Ueber dieſes
Dokument habe ich in der Fachliteratur faſt nichts gefunden, aber
ich ſah auf dieſen Felsbildern viele Tauſend Schiffe auf vielen
hundert Quadratmetern Felſen eingeritzt und war von Anfang
an überzeugt, daß dieſe Felszeichnungen ein unumſtößliches
Doku=
ment der Vorzeit waren, mit einer geſchichtlichen Tradition nicht
in Verbindung zu bringen, wenn man ſie ſo auffaßte wie bisher,
und ſo habe ich alles Material der Mythen und Sagen, der
Sprachen und Sitten von Völkern verſucht, dazu zu verwerten,
eine Geſchichte hinter der bekannten Geſchichte aufzubauen.
Mit der übrigen Forſchung bin ich dabei im Grunde nie in
Berührung gekommen, denn bei der Betrachtung der Sprachen
und Sagen, bei jeder Ueberlieferung kam es für mich auf ganz
andere Probleme an, ganz einfach auf die Geſichtspunkte, die „die
Schiffe der Felsbilder” in ihrem Daſein beſtätigen konnten, und
weil es ſich bei dieſer Geſchichte „hinter der Geſchichte” um einen
neuen Zweig der Forſchung handelte, ſo waren Irrwege und
Zweifel dabei genau ſo unvermeidlich, wie ſie in allen anderen
*) Die völkerkundlichen Arbeiten Ernſt Fuhrmanns — der andere
Teil ſeines Schaffens liegt im Biologiſchen — ſtellen einen großen
Verſuch dar, in das Dunkel der Vorgeſchickte einzudringen, auf den man
hinweiſen muß, weil das Werk in ſeiner Geſamtheit bishe weder
wür=
digend noch kritiſeh die gebührende Beachtung gefunden hat.
Donnerstag, den 19. Aprll 1928
Vom Tage.
Vor einigen Tagen haben ſich in Wien die Führer der deut
chen und polniſchen Wärtſchaftsdelegation
getrof=
fen, um zu beraten, wvie die Verhandlungen weitergehen ſollen. Nachdem
Dr. Hermes zurückgekehrt iſt, wird ſich das Reichskabinett in den nächſten
Tagen mit dieſer Frage beſchäftigen.
Dr. Streſemann wird in der nächſten Kabinettsſitzung ſeinen
Vortrag über den Kelloggſchen Paktentwurf halten.
Ein Kabinettsbeſchluß iſt jedoch nicht zu erwarten, da der angekündigte
franzöſiſche Gegenentwurf noch nicht eingegangen iſt.
Bei der Kreistagswahl in Apenrade gelang es
den Deutſchen, die bisher im Kreistag nicht vertreten waren
einen Sitz zu erhalten. Es wurden acht Dänen, zwei
Sozial=
demokraten und ein Deutſcher gewählt.
In Paris wurde geſtern die Tangerkonferenz mit der
Fortſetzung der Erörterung der von Italien unterbreiteten Wünſche
wwieder aufgenommen.
Für die franzöſiſchen Wahlen am nächſten Sonntag ſind
für Frankreich und Kolonien insgeſamt 3735 Kandidaten
aufgeſtellt worden.
Montagu Normann iſt zum Gouverneur der Bank
von England wiedergewählt worden.
Am Mittwoch nachmittag traf der tſchechoſlowakiſche
Außenminiſter Dr. Beneſch in London ein. Hauptzweck
ſeines Beſuches iſt eine erneute Fühlungnahme mit den führenden
poli=
tiſihen Perſönlichkeiten.
Deutſcher Induſtrie= und Handelslag.
(Fortſetzung von Seite 1, 2. Spalte.)
belaſiet. Für ſie ſei die Aufnahme neuer Gelder ſchwierig, denn
eine direkte Beteiligung am ausländiſchen Geldmarkt ſei ihr —
vorläufig wenigſtens — verſchloſſen. — Hierauf ſprach
Reichs=
miniſter a. D. Hermes über
die Aufgaben der deutſchen Landwirtſchaft
innerhalb der deutſchen Wirtſchaft.
Der Redner erkannte die große Leiſtung der deutſchen
Landwirt=
ſchaft an, die darin liege, daß ſie trotz der ſchnellen Zunahme der
Bevölkerung ihre Produktion in ungefähr gleicher Weiſe geſteigert
habe. Um ſo unerfreulicher ſtehe es mit der wirtſchaftlichen Seite
der landrirtſchaftlichen Betriebe. Der Redner erörterte die
be=
kannte große Verſchuldung der Landwirtſchaft und ſtellte drei
Urfachen feſt: einmal, daß die Induſtrie bereits im Jahre 1923
zur Goldrechnung übergegangen ſei, während die Landwirtſchaft
in Papiermark bezahlt wurde; 2. daß die Induſtriezölle erhöht
worden ſeien, während die Agrarzölle größtenteils wegfielen und
3. daß die landwirtſchaftlichen Realkapitalien größtenteils
vernich=
tet worden ſeien. So ſehr ſich der Redner für alle berechtigten
Wünſche nach Zollſchutz der deutſchen Landwirtſchaft einſetze, ſo
ſehr betone er auch, daß man ſtets die deutſche Wirtſchaft als
Ganzes betrachten müſſe.
Es folgte der ehemalige Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Hamm,
der über deutſche Wirtſchaftspolitik ſprach, die ſich ſtets auf dem
Boden der privatwirtſchaftlichen Ordnung aufbauen müſſe.
Des=
halb müſſe ſich der Staat von allen nicht zwingend berechtigten
Eingriffen in die Privatwirtſchaft fernhalten. Auf der anderen
Seite müſſe in der Privatwirtſchaft immer feſtgehalten werden,
daß auch durch die Zuſammenſchlüſſe nur Rationaliſierung und
geſunde Geſchäftsbetriebe angeſtrebt werden dürften. Der Redner
ſetzte ſich für einheitliche Führung bei politiſchen Entſcheidungen
in allen großen Fragen durch das Reich ein und erörterte zum
Schluß die Lage der deutſchen Handelspolitik, die er als nicht ganz
befriedigend bezeichnete.
Eine Entſchließung des Induſtrie= und
Handelstages.
Die 48. Hauptverſammlung des Deutſchen Induſtrie= und
Handelstages nahm eine längere Entſchließung an, die die
Not=
wendigkeit der Einſtellung aller Kreiſe auf Verbeſſerung und
Ver=
billigung der Produktion und die Steigerung des Abſatzes
hin=
weiſt. Die Staatspolitik ſoll auf die wirtſchaftlichen Eingriffe
verzichten. Die Staatsreform iſt den neuen Verhältniſſen
ent=
ſprechend in Angriff zu nehmen. Die öffentlichen Auflagen ſeien
zu entlaſten, die Selbſtverantwortung im Finanzausgleich und
in der Steuergeſetzgebung zu ſtärken. Die Eingriffe des Staates
in das Lohnweſen müßten auf das unentbehrliche Maß
vermin=
dert werden. Eine kraftvolle und einheitliche Politik auf allen
dieſen Gebieten diene zugleich der Wiederherſtellung voller
poli=
tiſcher Freiheit Deutſchlands und zur Feſtigung der Stellung der
deutſchen Wirtſchaft in der Weltwirtſchaft.
Wiſſenſchaften bis heute vorkommen, in denen — Gott ſei gedankt
fortgeſetzt Berichtigungen und neue Entdeckungen kommen.
Aber ſo iſoliert iſt meine Arbeit denn auch nicht ſtehen
ge=
blieben. Ueberall, wo ich Annahmen einſchalten mußte, haben ſich
nach und nach viele kleine und wichtige Beſtätigungen gefunden.
Stand es damals für mich feſt, daß dieſe Nordvölker ſüdlich bis
Spanien und darüber hinaus nach Afrika gekommen waren, ſo
fand dann Prof. Schulten die ſüdſpaniſchen Dokumente. Hatte
ich ebenſo vorausgeſetzt, daß die ganz frühen Völker ſchon von
der Oſtküſte Aegypiens weiter gefahren waren, zum Perſiſchen
Golf und an die indiſchen Küſten kamen, ſo hat man an der
Indusmündung Kulturen geſunden, die ſich an die allerälteſten
Sumererſchichten anſchließen, und ſo weiſt der alte
Schiffahrts=
weg hinein in den letzten Winkel der Südſee.
Ich bin auf Grund dieſes einen Dokumentes in Schweden
dem Glauben gefolgt, daß die menſchliche Vorgeſchichte vor allen
irgendwie bekannten Völkerwanderungen eine großartige
Schiff=
fahrtszeit erlebt hat. Was wiederum vor dieſer vorhanden war,
iſt ungleich ſchwieriger zu enträtſeln.
Aber dieſe Geſchichte „hinter der Geſchichte” und der Glaube
an das Schiff diktierten einige außerordentliche Tatſachen. See
fahrer reichen ſich viel leichter auf weite Fernen die Hände,
See=
fahrer ſind viel wißbegieriger als die ſeßhaften Menſchen.
See=
fahrer brauchten eine ſehr ſorgfältige Sternkenntnis. Seefahrt
und Entdeckung waren einfach eine große Paſſionsperiode der
Menſchen geweſen — und ein Seemann verläßt das Waſſer nicht
leicht, der Landmann aber bleibt ſitzen, wenn er nur irgendwie
die Möglichkeiten zur Exiſtenz findet.
Und dann habe ich im Laufe der Jahre alle jene Entdeckungen
der einſtigen Seevölker miteinander verbunden und verknüpft, —
heute iſt es ſicher geworden, daß Amerika ſeit vielen
Jahrtauſen=
den bekannt geweſen iſt.
Das Ergebnis iſt alſo, daß vor ſehr vielen Tauſend Jahren
(aber die praktiſche Datierung findet nirgends einen
Anhalts=
punkt) der Menſch unter ganz beſonderer Beteiligung der
Nord=
ſeevölker ſeine Erde mit Bewußtſein entdeckt hat, nicht durch
Zu=
fall, wie Columbus, ſondern in einem Rauſch, der über viele
Jahrhunderte gedauert haben muß, und durchaus nicht, un
irgend einen materiellen Erfolg zu erreichen, ſondern um die
Sehnſucht ſeiner Seele bis zu den letzten Folgen zu treiben, ganz
gewiß unter den furchtbarſten Opfern.
Es iſt ganz natürlich, daß dieſer Fanatismus die Zeit der
wertvollſten Leiſtungen geweſen iſt. Die als Verkehrsmittel
taug=
lichen Sprachen ſind damals gemacht worden — gemacht —, daran
iſt kein Buchſtabe mehr zu rütteln, und jeder verſtändige Menſch
muß das einſehen, denn zwiſchen feſtſitzenden Bauern, die ſich
von ihrem Wohnſitz zu entfernen keine Urſache haben, wäre ein
ſolches Verkehrsmittel nie entſtanden, der Verkehr ſelbſt mußte
Das Schmalenbach=Gutachten. — Die
Be=
rechnungsart des Sozialdemokraten Bade.
Der Auslandsabſatz in Gefahr. —
Unren=
tabilität der Betriebe.
Obwohl das Schmalenbach=Gutachten erſt Ende der
Woche veröffentlicht werden ſoll, iſt die „Tägl. Rundſchau”
be=
reits in der Lage, einiges aus dieſem Gutgchten, das ſich ba.
kanntlich mit der Lage im Ruhrbergbau beſchäftigt, vor allem
aber den Wortlaut des Sondergutachtens des ſozialdemokratiſchen
Mitglieds der Schmalenbach=Kommiſſion, Dr. Bade, mitzuteilen.
Das mit Mehrheitsbeſchluß gefaßte Gutachten der Schmalenbach=
Kommiſſion ſtellt feſt, daß in den unterſuchten Betrieben nicht
mit Gewinn, ſondern mit Verluſt gearbeitet werde. Selbſt untg
Einrechnung der Gewinne aus der Koksproduktion und aus der
Handelsgeſellſchaften ergebe ſich gegenüber einem Selbſtkoſten.
preis von 15,62 Mk. bei einem Erlös von 15,35 Mk. ein Verluſt
von 0,27 Mk. pro To. Das Sondergutachten des Dr. Bade ſieht
die Lage der Zechen etwas günſtiger an, geht aber auch von
an=
deren Berechnungsvorausſetzungen aus, und ſetzt die Summe
für Bergſchäden und Abſchreibungen weſentlich niedriger an.
Trotzdem muß auch Dr. Bade feſtſtellen, daß nur für wenige
Zechen ein mäßiger Ausgleich zwiſchen Selbſt
koſten und Erlös gegeben iſt, während für einen
gewiſſen Teil von Grenzbetrieben eine
hoff=
nungsloſe Unrentabilität vorliegt. Er kommt aut
Grund ſeiner Berechnungsart zu einem Gewinn von 0,62 Mk.
pro To., während die Mehrheit der Kommiſſion einen Verluſt
von 27 Pfg. pro To. herausrechnet. Nach den endgültigen
Feſt=
ſtellungen des Ruhrbergbaues wird durch die neue Lohnerhöhung
auf Grund des neuen Schiedsſpruches eine Mehrbelaſtung von
0,85 Mk. pro To. erzielt. Bei einer Verbindlichkeitserklärung
des Spruches würde alſo unter Zugrundelegung des Bade=
Gut=
achtens ein Verluſt von 23 Pfg. die Tonne in Zukunft eintreten.
Dr. Bade ſetzt dabei für Bergſchäden 15 Pfg., das
Mehrheitsgut=
achten 30 Pfg., für Abſchreibungen berechnet Dr. Bade 1 Mk.,
das Mehrheitsgutachten 1,74 Mk.
Wie wir hören, betrachtet mo in Kreiſen des Bergbaues
die Lage ſehr peſſimiſtiſch. Kommt es zu einer
Verbindlichkeits=
erklärung, dann dürfte ſich die Stillegung ſehr bald nicht mehr
ve hindern laſſen. Die erſten Auswirkungen einer
Verbindlichkeitserklärung wären der Verzicht
auf den Abſatz von Ruhrkohlen in den
beſtritte=
nen Gebieten, alſo das Ausland, die Küſtengebiete
und Süddeutſchland. Mit der Schaffung der Kohlen für
dieſes beſtrittene Gebiet ſind etwa 100 000—120 000 Bergarbeiter
beſchäftigt. Der Ruhrbergbau hat ſich mit dem Abſatz in die
be=
ſtrittenen Gebiete durch das dauernde Unterbieten der
Engländer jetzt weißgeblutet, ſo daß auch ohne eine
Er=
höhung der Löhne es ſehr fraglich erſcheint, ob auf die
Dauer der Auslandsabſatz noch weiter aufrecht
erhalten werden kann. Es iſt in den letzten Tagen
an=
geregt worden, den Kohlenpreis zu erhöhen, um auf
dieſe Weiſe einen Ausgleich zwiſchen Selbſtkoſtenpreis und Erlös
zu erzielen. Der Wirtſchaftsminiſter hat ſich aber
dieſer Erhöhung aus berechtigten Gründen
widerſetzt. Man erklärt auch in bergbaulichen Kreiſen, daß
die Verluſte durch den Abſatz in die beſtrittenen Gebiete ſelbſt
bei einer Preiserhöhung der Kohle die gleichen bleibem würden,
andererſeits aber die Eiſeninduſtrie durch eine
Koh=
lenpreiserhöhung ungünſtig beeinflußt und
dort ebenfalls Preiserhöhungen ausgelöſt
werden könnten. Außerdem muß damit gerechnet werden,
daß eine Kohlenpreiserhöhung die Verbraucher
veranlaßt, die billigeren engliſchen Kohlen zu
beziehen. Der Ruhrbergbau ſieht daher hoffnungslos in die
Zukunft. Sein Peſſimismus wird nicht nur durch das
Schma=
lenbach=Gutachten, ſondern auch durch das Sondergutachten des
ſozialdemokratiſchen Sachverſtändigen Dr. Bade unterſtrichen.
es ſchaffen. Daß man dann ebenſo, wie man die Sprache zu
machen verſtanden hat, auch lernte, die Sprache wieder als Brücke
abzubrechen, wo man von den Menſchen und Nachbarn nichts
mehr wiſſen wollte, — das ift eigentlich die Urſache der
verſchie=
denen Sprachen, die wir in ſo großer Zahl auf der Erde gefunden
haben, nicht nur bemüht, dieſe wieder aufzuheben, ſondern der
Verkehr ſelbſt läßt ſie abbröckeln. Auch über die Sprache als
Hindernis der Verſtändigung ſind uns ſchon manche Tatſachen
bekannt. —
Es hat ſich für mich, wenn ich auf den Anfang zurückkomme,
beſtätigt, daß Menſchen in der Vorzeit, als Geſamtes genommen,
eine außerordentlich vordringende, kühne, leidenſchaftliche Seele
gehabt haben, bis ſie die Grenzen ihrer Erde erkannt hatten.
Nichts konnte eine größere Kataſtrophe der menſchlichen Seele
ſein, als die irdiſchen Grenzen eingeſehen wurden. Dieſer
Zeit=
punkt liegt, wie ich glaube, ſchon vor dem Jahre 5000 vor Chriſti.
Bis dahin galt es für den Menſchen, alle Erdtatſachen kennen zu
lernen, und ſehr viele der größten Geheimniſſe waren damals
mit dem Erſcheinen der Sonne verbunden. Man ſuchte nicht
immer nur die Erdgrenzen, ſondern den Ort, wo die Sonne
ge=
boren wurde, wo ſie ſich verjüngte, wo ſie ſtarb. Das waren die
großen Lebensmotive der Menſchen. Und auf dieſe Zeit kam eine
große Periode, in der man ſich mit der Seele und mit
Gott=
jenſeits=der=Sonne unter ganz anderen Geſichtspunkten befaſſen
mußte.
Nachdem ich über dieſe Fragen ſoviel Material, wie mir irgend
zugänglich war, durchgearbeitet habe — und das iſt eine
enzh=
klopädiſche Arbeit —, bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß
mit einer äußeren Kenntnis der Erde die Möglichkeiten für ung
nicht erſchöpft ſind, ſondern daß wir dieſe Erde in ihren
Lebens=
faktoren ganz anders wie bisher lebendig ſehen müſſen, um über
uns ſelbſt ein verſtändiges Urteil zu haben. Das iſt der andere
Teil der Arbeit, mit der ich mich ſeither beſchäftige, eine Arbeit,
die mir zeigt, daß zu unſerer heutigen geiſtigen Anarchie und
Ver=
zweiflung keine Urfache vorhanden iſt.
*
Aümerkung: Alle Bücher über dieſe Materie im Folkwang=
Auriga Verlag, Friedrichsſegen (Lahn).
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Marburg: Der hieſige Profeſſor Dr. Martin Heidegger hat
den Ruf auf den Lehrſtuhl der Philoſophie an der Univerſität Freiburg
i. Br. als Nachfolger von Geheimrat Huſſerl zum 1. Oktober ale
genommen.
München: Dr.=Ing. Eugen Feifel iſt zum ordentlichen Profeſſor
für den Bau der Waſſerkraftmaſchinen und Pumpen an der Techniſchen
Hochſchule in Wien berufen worden.
Nummer 109
Donnerstag den 19. Aprfl 1928
Geite’3
Die (tat=Ausſprache im Landtag.
Der beſſiſche Finanzminiſter
zum Staatsvoranſchlag.
Die Finanzlage ernſt, aber nicht troſtlos.
* Bei der geſtrigen Generalausſprache über den
Staats=
voranſchlag iſt auch über den Staatsvoranſchlag geſprochen
wor=
den, und zwar noch ganz zu guterletzt, als das „hohe Haus” ſich
ſchon zum mittäglichen Aufbruch rüſtete. „Das Wort hat der Herr
Finanzminiſter.‟ Ein Regiefehler. Die Etatrede des
Finanz=
miniſters ſollte man nicht auf einen Zeitpunkt verlegen, zu dem
die meiſten Abgeordneten im allgemeinen ſchon Mutters
Koch=
töpfen zuzuſtreben pflegen. Auch manchem der fehlenden
Abge=
ordneten hätte es ſicher nichts geſchadet, wenn er die ruhigen und
ſachlichen Ausführungen Herrn Kirnbergers mit angehört hätte.
Eine ſehr unpathetiſche Rede und daher bei einem Finanzminiſter
recht ſymdathiſch, auch wenn natürlich weſentlich Neues nicht
ge=
ſagt werden konnte.
Im übrigen kam auch der Humor zu ſeinem Recht. „Ihr
habt Fasciſten im Leib!” rief der kommuniſtiſche Redner mit
donnernder Stimme ſeinen ſozialdemokratiſchen Freunden zu, die
ob dieſer kühnen Behaustung erſchrocken an ſich herunterſahen.
Auch Herr Kindt, der deutſchnationale Sprecher, hatte mit einigen
Stilblüten einen Heiterkeitserfolg. Auch ſonſt war er nicht gerade
ein glücklicher Kämpfer. Falſche Behauptungen werden dadurch
nicht richtiger, daß man ſie immer von neuem wiederholt. „Die
Deutſche Volkspartei hat der Sozialdemokratie zum heſſiſchen
Innenminiſterium verholfen, während das Zentrum feſt
entſchloſ=
ſen war, um keinen Preis nachzugeben. Das ſtelle ich hiermit
offiziell feſt” — ſagt Herr Kindt. Du ahnungsvoller Engel, du!
Es gibt Menſchen, und zwar Menſchen, welche über die
verſchie=
denen Beſprechungen und Verhandlungen während der
Regie=
rungsbildung recht gut orientiert waren, die über die Feſtigkeit
des Zentrums hinſichtlich des Innenminiſteriums weſentlich
an=
derer Meinung waren, und die zu dieſer Meinung allen
An=
laßhatten. Aber Herrn Kiudt hat (hinterher?) ein
Zentrums=
mann erklärt, daß ſie ſicherlich feſtgeblieben wären, wenn die böſe
Volkspartei nicht dazwiſchengefahren wäre. Ebenſo feſt wie
da=
mals, als es ſich um eine Regierungsbildung ohne
Sozialdemo=
kratie handelte?? Aber man ſoll Herrn Kindt nicht in ſeinem
optimiſtiſchen Glauben an die Menſchen ſtören. Freuen wir uns,
daß es auch in dieſen verderbten Zeiten noch ſo gläubige
Men=
ſchen gibt. So etwas iſt immer erfreulich, insbeſondere natürlich
für den Betreffenden ſelbſt, wenn er noch dazu glaubt, auf dieſe
Weiſe ein kleines Wahlgeſchäft machen zu können.
*
Präſident Delp eröffnet um 10 Uhr 30 Min. die Sitzung.
Min.=Rat. Vornemann antwortet auf eine Kleine Anfrage
Dr. Werners (Dntl.), daß die Regierung die Neuherausgabe eines
beſſiſchen Bürgerbuches nach Abſchluß der Reform der
Verwaltungs=
geſetze empfehle. Das heſſiſche Staatshandbuch wird demnächſt in neuer
Ausgabe erſtmals wieder erſchrinen.
Abg. Galm (Komm.) entwickelt die kommuniſtiſchen Ideengänge
über den Staat, das Parlament und die Geſellſchaftsordnung. Er
kün=
digt an, daß ein Verbot des Roten Frontkämpferbundes den ſtärkſten
Widerſtand der Komuniſten wecken werde.
Staatspräſident Adelung gibt darauf folgende Erklärung ab:
Die heſſiſche Regierung, an die der Reichsminiſter des Innern auch
das E=ſuchen gerichtet hat, den Roten Fronttkämpferbund zu verbieten,
iſt nach ſorgfältiger Prüfung zu dem Entſchluß gekommen, das
Er=
ſuchen des Reichsminiſters des Innern abzulehnen. Die heſſiſche
Re=
gierung wird auf Grund des Geſetzes zum Schutze der Republik die
Entſcheidung des Staatsgerichtshofs anrufen.
Abg. Reiber (Dem.) befaßt ſich zunächſt mit den Ausführungen
des Abg. Dr. Leuchtgens zum Staatsvoranſchlag. Er erklärt, ſeine
Melodie dazu ſei ja betannt, ſie werde jährlich wiederholt. Er rede
mmer vom Sparen. Bemerkenswert ſei, daß ihm geſtern ein Lob für
den früheren Finanzminiſter durchgeſchlüpft ſei, indem er geäußert
habe, dieſer habe auch nein zu ſagen gewußt. Es müſſe feſtgeſtellt
wer=
den, daß das Defizit des heſſiſchen Voranſchlags ſeit Jahren die
Teu=
denz zeige, kleiner zu werden. Dieſe Beſſerung habe allerdings eine
zelative Unterbrachung durch die zwangsläufige Beamtenbeſoldung
er=
fahren. Es ſei ſchwer verſtändlich, warum der Reichsſparkommiſſar
auf die eine Frage, die ihm lediglich geſtellt worden ſei, mämlich, ob er
anerkenne, daß Heſſen infolge der Beſetzung einen Anſpruch auf
Reichs=
unterſtützung habe, eine Antwort noch nicht gegeben hade. Man werde
das Gutachten des Sparkonmniſſars aufmerkſam zu prüfen haben. Aber
das ſtehe heute ſchon feſt, daß die Reichsunterſtützung nicht abhängig
gemacht werden könne von dem Eingehen Heſſens auf die eventuellen
Vorſchläge des Sparkommiſſars in bezug auf die Verwaltung. Redner
kommt dann auf die Angriffe gegen die Beamtenpolitik der Regierung
zu ſprechen. Es ſei bezeichnend für den Bauernbund, daß er eine
größere Ausnutzung der Beamtenſchaft fordere. Bei dem Erlaß der
Ausführungsbeſtinunungen zur Beſoldungsreform müſſe die Regierung
die Intereſſen der Beamten vor das fiskaliſche Intereſſe ſtellen. Er
glaubt, feſtſtellen zu können, daß über die Demokratiſierung der
Verwal=
tung von den Sozialdemokraten bis hinüber zu der Deutſchen
Volks=
partei keine Meinungsverſchiedenheit darüber beſtehe, daß es im
parla=
mentariſchen Betrieb möglich ſein müſſe, in Ausnahmefällen
Perſönlich=
keiten auch ohne den vorgeſchriebenen Bildungsgang in Stellen der
inneren Verwaltung zu bringen. Es ſei deshalb um ſo mehr zu
be=
dauern, daß die Große Koalition nicht zuſtande gekowmen ſei. Bei
der Entſchließung des Mittelrheiniſchen Fabrikantenvereins vermißt der
Redner, daß die Herren der Induſtrie, die doch ſonſt dafür ſeien, daß
derjenige, der etwas leiſtet, vorwärts komme, bei den Beamten nicht das
gleiche gelten laſſen wollten. Redner bedauert, daß es trotz des
zehn=
jährigen Beſtehens der Republik noch nicht ſoweit gekommen ſei, daß
überall dort, wo man ſie brauche, republikaniſche Beamte zu finden
ſeien. Die Stellung der Demokraten zum Einheitsſtaat ſei bekannt.
Bedauerlich ſei, daß bei der Neueinteilung der Arbeitsämter
Nachbar=
länder in unverſtändlicher Weiſe gegen Heſſen vorgegangen ſeien. Abg.
Reiber unterſtreicht die Ausführungen des Abg. Dingeldey bezüglich
der weittragenden Bedeutung der Entſcheidungen des Sparkommiſſars.
Eine wichtigere Entſcheidung werde aber der 20. Mai bringen, denn die
Reichstagswahl ſolle die Mehrheit ſchaffen, die uns auf dem Gebiete
der Außenpolitik wieder einmal einen Schritt weiter bringe, ſo daß
dadurch vielleicht die Urſache zu unſerer augenblicklichen Notlage
beſei=
tigt werden könne. Auf dem Gebiete der Außenpolitik ſeien wir keinen
Schritt weiter gekommen, wir lebten in einer vollkommenen Stagnation,
ſeitdem die Deutſchnationalen in der Reichsregierung ſitzen.
Abg. Kindt (Dntl.) ſieht die Urſache der Defizite in den Reichs=
und Länderetats in den Maßnahmen gewiſſer Parteien auf
ſteuerpoli=
tiſchem Gebiet. Die Erzbergerſche Finanz= und Steuerpolitik habe die
Gemeinden zur Verſchwendung veranlaßt. Redner kommt dann auf die
Verhandlung im Sechſerausſchuß zu ſprechem und ſtellt feſt, daß
Spar=
maßnahmen nur durch das energiſche Auftreten der Oppoſition des
Sechſerausſchuſſes beſchloſſen worden ſeien. Auch ſeine Partei erwarte
mit größter Spannung den Bericht des Sparkommiſſars. Man müſſe
mit Sparmaßnahmen aufangen, auch wenn es dabei um einen
Partei=
genoſſen gehe. Er fragt an, in welcher Stellung Herr Kullmann im
Arbeitsminiſterium angeſtellt ſei. Redner kommt ſodann auf den Fall
Wölfersheim zu ſprechen, wobei er die ſchon oft aufgeſtellte Behauptung
wiederholt, Regierung und Landtag hätten ihre Pflicht nicht getan.
Seine weiteren Ausführungen ſtellen eine Polemik gegen die Deutſche
Volkspartei dar, gegen deren Haltung bei der letzten Regierungsbildung.
Wenn die Deutſche Volkspartei ihre Grundſätze aufrecht erhalten hätte,
wären die Deutſchnationalen ſehr wohl damit einverſtonden geweſen,
wenn die Deutſche Volkspartei in der Regierung vertreten wäre. Aber
dadunch, daß ſie durch ihr Verhalten das Innenminiſterium den
Sozial=
bemokraten in die Hände geſpielt hätte, hätte ſich die Deutſche
Volks=
partei ſtark in Widerſpruch geſetzt zu den Deutſchnationalen. Abg.
Rei=
ber habe ſich als ein enkaut terrible der Induſtrie entpuppt. Der große
Einfluß gerade des Mittelrheiniſchen Fabrikantenvereins, deſſen Haltung
zur Beamtenpolitik Abg. Reiber ſo ſcharf kritiſiert habe, habe doch
be=
kanntermaßen einen großen finanziellen Einfluß bei der
Demokrati=
ſchen Partei. Im der Beamtenpolitik zeige ſich die Freiheit, wie die
Demokratiſche Partei ſie auffaſſe. Die Einfuhr ausländiſcher Waren,
vom Auto bis zur Apfelſine, müſſe mit allem Nachdruck eingeſchränkt
tyerden. Die Landwirtſchaft, die die Grundlage der geſamten
Wirt=
ſchaft darſtelle, müſſe in jeder Weiſe Unterſtützung erfahren. Gerade
bei den großen Lebensfragen müſſe ſich die Volksgemeinſchaft zeigen,
ſonſt ſei der Ruin des Volkes unvermeidlich.
Finanzminiſter Kirnberger
nahm ſodann das Wort zu folgenden Ausführungen:
Wenn der Herr Abg. Leuchtgens in den Mittelpunkt ſeiner
Aus=
führungen das Defizit des heſſiſchen Voranſchlags geſtellt hat, ſo
hat er damit den Finger auf die Wunde der heſſiſchen Finanzen
ge=
legt. Es iſt richtig, daß die heſſiſchen Voranſchläge der letzten Jahre
regelmäßig mit einem erheblichen Fehlbetrag abſchloſſen. Die 8
Millionen des Jahres 1925 kehren in den nächſten Jahren in
annähern=
der Höhe wieder.
In dem Voranſchlag von 1928 den noch mein Vorgänger
aufge=
ſtellt hat, für den ich aber im weſentlichen die Verantwortung
über=
nehme, iſt der Betrag trotz größter, bisweilen kaum noch zu
verantwor=
tenden Sparſamkeit ſogar auf über 11 Millionen angewachſen. Nach
dem günſtigen Rechnungsabſchluß von 1925 war das Defizit faſt
ver=
ſchwunden. Die große Arbeitsloſigkeit in 1926 mit ihren ungeheuren
Ausgaben für Erwerbsloſenfürſorge (8,3 Millionen) har es
dann auf über 11 Millionen anwachſen laſſen. Obwohl nunmehr die
Erwerbsloſenfürſorge auf das Reich übergegangen iſt, konnte der
Fehl=
betrag doch nicht beſeitigt werden. Er hat vielmehr durch die neuen
Anforderungen der Beſoldungsreform ſeine jetzige Höhe erreicht.
Ohne Beſoldungsreform würde er allerdings nur 2,7
Mil=
lionen betragen und aller Wahrſcheinlichkeit nach im nächſten Jahr
dann verſchwunden ſein. Dieſe Fehlbeträge ſind in der Tat kein
er=
freuliches Bild, aber die Urſache davon iſt nicht in einer Mißwirtſchaft
zu ſuchen, was ſchon daraus hervorgeht, daß Heſſen ſeine ſchlechte
Finanzlage mit vielen anderen Ländern teilt. Wir müſſen uns
hüten, die heſſiſchen Finanzen als troſtlos zu be=
* Tagung des ſüdweſideutſchen Verbandes
für Altertumsforſchung in Trier.
Unter den Römerſtädten auf deutſchem Boden teilen ſich zwei
in die erſte Stelle: Mainz, allzeit Militärſtation, und Trier,
die Kaiſerreſidenz ſpäterer Zeit. In Trier wurde vor 27 Jahren
der ſüdweſtdeutſche Verband für
Altertums=
forſchung begründet. Die diesjährige Tagung (die vorjährige
hatte in Wiesbaden ſtattgefunden) hatte allergrößte
Anziehungs=
kraft ausgeübt und war ausnehmend ſtark von Fachgenoſſen aus
allen deutſchen Ländern und auch aus ungewöhnlich zahlreichen
fremden Ländern beſucht (Schweiz, Oeſterreich, Elſaß,
Luxem=
burg, Ungarn, Bulgarien und Türkei). An Schwere und
Bedeu=
tung des Inhaltes ſowie an guter Vorbereitung hat fie kaum
ihresgleichen in der Geſchichte des Verbandes. Der erſte Tag war
außer geſchäftlichen Sitzungen den vorrömiſchen Ringwällen
gewidmet. Der Vormittag brachte eine Reihe von einſchlägigen
Vorträgen von Forſchern verſchiedener Gebiete, der Nachmittag
einen Ausflug auf den gewaltigſten aller Ringwälle, den „
Hunnen=
ring” bei Otzenhauſen im Hunsrück. Der zweite Tag wurde
eröffnet durch einen Gedenkvortrag des derzeitigen Trierer
Muſeumsdirektors Prof. Dr. Krüger über den Gründer und
hervorragenden Organiſator des Trierer Provinzialmuſeums
Felix Hettner. Es folgten darauf zwei hochbedeutſame Vorträge,
zuerſt der von Prof. Krencker=Charlottenburg über die
Grundrißentwicklung der römiſchen Thermen, der für das
Ver=
ſtändnis der großen Trierer Kaiſerthermen (früher irrtümlich
Kaiſerpalaſt genannt) wertvoll war; dann ſprach Geheimrat Dr.
R. Schultze=Bonn über die antike Baſilika und ihr Fortleben
ins Mittelalter, ein Vortrag, der ſehr wichtige Hinweiſe gab. für
das Verhältnis der frühmittelalterlichen Kunſt zur antiken. Der
Nachmittag gehörte einer eingehenden Beſichtigung der vielen
römiſchen Baudenkmäler Triers. Der Abend brachte den üblichen
öffentlichen Vortrag eines der Teilnehmer, es ſprach der Direktor
der Römiſch=Germaniſchen Kommiſſion, Prof. Dr. Drexel, in
außerordentlich feinſinniger Art über antikes Sagengut auf
römi=
ſchen Denkmälern des Rheinlandes, vorzugsweiſe der Trierer
Gegend. Der Samstag brachte Vorträge über die drei großen,
zurzeit von der Notgemeinſchaft deutſcher Wiſſenſchaft
veranſtal=
teten Ausgrabungen. Zuerſt berichtete der Denkmalpfleger für
die Bodenaltertümer der Provinz Starkenburg, Prof. Dr. Behn=
Mainz, über die von ihm geleitete Unterſuchung an der
karolin=
giſchen Kloſterkirche zu Lorſch, dann der Erforſcher der römiſchen
Augsburg, Dr. Ohlenroth, über die Topographie der
Römer=
ſtadt, am Nachmittag der Erforſcher des römiſchen Tempelbezirkes
en: Trier, Prof. Dr. Loeſchcke, mit anſchließender Führung
durch das Ausgrabungsgelände. Am Abend hatte die Stadt
Trier die Teilnehmer der Tagung bei ſich zu Gaſt geladen. Für
den Sonntag und Montag waren eine Reihe von
wiſſenſchaft=
lichen Ausflügen in die Umgegend vorgeſehen, nach Luremburg
und Gerolſtein.
Dr. B.
*Wedekinds „Frühlings Erwachen”
als Oper.
Uraufführungder Vertonung von Max Ettinger
im Leipziger Stadt=Theater.
Es hat ſeinerzeit lange gewährt, bis ein deutſcher
Theater=
direktor es wagte, Wedekinds Kindertragödie auf die Bühne zu
bringen. Erſt im Jahre 1906 erſuhr das 1891 entſtandene Werk
eine Anfführung in Max Reinhardts Kammerſpielen. Das Stück
hatte damals einen ſtarken, kaum je erhofften Erfolg und machte
darauf die Runde über die deutſchen Schauſpielbühnen.
Mittler=
wveile ſind aber die Probleme, um die es ſich in dem Stück handelt,
ziemlich begrifflos geworden. Die wie mit chineſiſchen Mauern
umgebene ſtarre, bürgerliche Welt des Ausgangs des vorigen
Jahrhunderts iſt verſchwunden und das heikle Thema der
Puber=
tät iſt inzwiſchen ungezählte Male auf der Schauſpielbühne
ab=
gewandelt worden. Wenn alſo heute ein Komponiſt von dem
vor=
nehmen Geſchmack Max Ettingers das Werk wieder hervorholte,
um es auf der Opernbühne zu neuem Leben zu erwecken, ſo darf
man ſich von vornherein ſagen, daß es ihm dabei nicht etwa
dar=
auf ankam, die ſozialen und ſexualen Fragen wieder aufzurollen,
die ſeinerzeit Wedekind mit Einſatz ſeines ganzen Temperaments
in dem Stück behandelte. Ettinger fand vielmehr in dieſem
ſchein=
bar ſo kraſſen und exzentriſchen Werk doch eine tief poetiſche Idee,
die muſikaliſche Saiten in ihm zum Klingen brachte. Und ſo iſt
denn aus dem beißend ſcharfen Zeitſtück der neunziger Jahre eine
lyriſche Oper geworden, die freilich immer noch bedrückend ſchwer
genug iſt, um den ganzen fürchterlichen Ernſt des behandelten
Themas erkennen zu laſſen. Ettinger hat aus der zugrunde
lie=
genden Dichtung Wedekinds die Kindertragödie in aller
Konzen=
triertheit herausgelöſt. Von den im Stück Wedekinds
auftauchen=
den Elternfiguren iſt nur die Mutter der Wendla übrig geblieben.
UInd die Szene im Konferenzzimmer des Rektors, die im
Schau=
ſpiel beſonders bitter und aufreizend wirkt, iſt in der Oper zu
einer grotesken Epiſode umgebildet. Im übrigen ſind auch einige
Szenen des Schauſpiels, die das Seruelle in gar zu brutaler und
verzerrter Form in den Vordergrund ſtellen, verſchwunden, ſo die
recht heinliche „Prügelſzene” im Waide und die Szenen mit
Hänschen Nilow und Ernſt Röbel. Geblieben ſind alſo nur die
beiden Sauptfiguren auf der Seite der Anaben Melchier Gabor
zeichnen oder gar politiſche Schlüſſe daraus zu ziehen, als ob Heſſen
kein lebensfähiger Staat mehr wäre. Das entſpricht nicht der
Wirk=
lichkeit. Damit dienen wir auch nicht unſerem Land.
Wir ſind in unſerer Finanzgebarung gegenüber der Vorkriegrzeit
erheblich eingeengt. Ein Teil unſerer Finanzhoheit iſt an das Reich
übergegangen. Unſere ſteuerlichen Einnahmen werden zum Teil vom
Reich feſtgeſetzt. Auch für die uns verbliebenen Steuern ſind uns
ver=
hältnismäßig enge Grenzen gezogen.
Ebenſo werden uns aber auch vom Reich ſowohl verfaſſungsmäßig,
wie moraliſch erhebliche Ausgaben aufgezwungen, ich
erin=
nere nur an die Beſoldungsreform. Dazwiſchendurch muß der
Finanz=
miniſter des Landes ſein Schiffchen ſteuern. Ich bin überzeugt, daß die
Fahrt glücken wird, wenn erſt gewiſſe Vorausſetzungen geſchaffen ſind.
Ich muß allerdings beſtreiten, daß Heſſen unabhängig vom Reich, wie
der Herr Abg. Leuchtgens meint, ſeine Finanzen ordnen kann.
Zu den Vorausſetzungen gehört vielmehr:
1. der endgültige Finanzausgleich. Mit dem Uebergang der
Finanzhoheit auf das Reich iſt zunächſt für Reich und Länder ein
Zuſtand der Unſicherheit und des Experimentierens geſchaffen.
Dauerhafte Verhältniſſe können ſich erſt herausbilden, wenn einige
Erfahrungen vorliegen. Dann kann auch erſt über den von Herrn
Abg. Ritzel geforderten innerſtaatlichen Finanzausgleich geſprochen
werden.
Die mechaniſche Art der Berechnung der Länderanteile
an den Reichsſteuern nach dem Steueraufkommen der
Län=
der kann ſich für ein Land ſehr ſchlimm auswirken und darf nicht
das letzte Wort bleiben. Der Schlüſſelanteil an den Reichzſt uern
iſt für Heſſen von 2,28 Prozent auf 1,86 Prozent zurückgegingen als
Folge des Ruhrkampfes und der Beſatzung. Hier wirkt ſich alſo
der Schlüſſel als finanzielle Beſtrafung aus für die Leiden,
die wir für ganz Deutſchland erdulden. Eine Aenderung des
Ver=
teilungsſchlüſſels allein könnte ſchon eine Geſundung der doch
weſentliche Beſſerung unſerer Finanzen bewirken.
2. Man muß einſehen, daß die Notlage Heſſens auf beſonderen,
von den übrigen Ländern verſchiedenen Urſachen beruht. Wir
ſind Grenzland und haben naturgemäß unter dem Krieg beſonders
gelitten. Wir tragen von allen Ländern die ſtärkſte Beſatzung. Weil
Heſſen für das Reich größere Laſten trägt, muß das Reich auch in
beſonderer Weiſe Abhilfe ſchaffen. Ein deutlicher Beweis für das
Geſagte iſt die Tatſache, daß die größeren Vermögen in
Heſſen ſtärker zurückgegangen ſind als im
Durch=
ſchnitt des Reichs. Die Urſachen dafür liegen
ſelbſtverſtend=
lich nicht in einer mangelnden Rührigkeit und wirrſchaftlichen
Tüch=
tigkeit der heſſiſchen Bevölkerung, ſondern müuſſen eben in
Grun=
den geſucht werden, auf die wir keinen Einfluß haben.
3. Alle Sparmaßnahmen, die zu einer Beſſerung der Finanzen
und einer ſteuerlichen Entlaſtung führen können und ſich ſachlich
irgendwie rechtfertigen laſſen, müſſen unbedingt ergriffen werden.
Der Bericht des Sparkommiſſars ſoll uns Anlaß zur
gründ=
lichen Ueberprüfung werden, was in Heſſen geſchehen kann, um die
Verwaltung zu vereinfachen und, wenn möglich, noch
leiſtungs=
fähiger zu machen. Um die Tätigkeit des Sparkommiſſars haben
ſich wahre Legenden gebildet. In Wirklichkeit iſt ſeine Aufgabe
einfach und klar. Der Sparkommiſſar ſoll die Erfahrungen, die er
an anderen Stellen gemacht hat, auf unſere Verhältniſſe anwenven,
wie er auch die Erfahrungen bei uns wieder in anderen Ländern
nutzbar machen wird. Im übrigen iſt ja der Sparkommiſſar nicht nur
bei uns tätig, ſondern wirkte oder wirkt auch in Braunſchweig,
Thüringen und Württemberg und wird ſicher auch noch
in andere Länder kommen. Sein Bericht iſt übrigens im Sommer
zu erwarten. Ob ſich ſeine Tätigkeit für Heſſen zum Segen
aus=
wirkt, wird weſentlich von uns ſelbſt abhängen. Die
Sparmaß=
nahmen dürfen übrigens nicht ſo weit gehen, daß unabweisbare
Bedürfniſſe des Staates unbefriedigt bleiben.
Eine Beſſerung der heſſiſchen Finanzen wird weſentlich auch von der
Entwicklung der wirt ſchaftlichen Verhältniſſe
ab=
hängen. Die Konjunktur hat wohl ihren Höhepunkt erreicht, wenn nicht
ſchon überſchritten. In Heſſen iſt die Wirtſchaftslage im allgemeinen
noch leidlich günſtig. Die Sparkaſſeneinlagen ſteigen
fortge=
ſetzt: vom März 1927 bis März 1928 von 88 Millionen auf 127
Millio=
nen. Dieſe ſtarke Steigerung hängt allerdings wahrſcheinlich auch mit
der Einſchränkung der Bautätigkeit zuſammen. Eine etwaige
Ver=
ſchlechterung der Wirtſchaftslage würde ſich zunächſt bei der Umſatzſteuer
und Lohnſteuer zeigen. Die Landesſteuern werden dabor weniger
be=
einflußt.
Die Reichsſteuereingänge zeigen noch ſteigende Tendenz.
Als Maßnahme zur Abdeckung des Defizits von 11,3 Millionen
kom=
men zunächſt in Betracht Verhandlungen mit dem Reiche, und zwar:
1. wegen der beſonderen Verhältniſſe Heſſens, 2. wegen Erſatzes
der Koſten für die Beamtenbeſoldung, 3. wegen der
Eiſen=
bahnſchuld. Was weiter von uns aus geſchehen kann, iſt ſtrengſte
Sparſamkeit, möglichſte Abdroſſelung aller neuen Ausgaben,
Verwal=
tungsreform auf Grund des Berichts des Sparkommiſſars, außerdem
aktive Beeinfluſſung des Wirtſchaftslebens. Es darf auch erhofft
wer=
den, daß die Reichsſteuern etwas mehr bringen, als der Voranſchlag
angibt. Auch kann ich die erfreuliche Mitteilung machen, daß die
Holz=
einnahmen aus den Forſten 15 Millionen mehr bringen
werden, als veranſchlagt.
Ein klareres Bild über unſere finanzielle Lage
wird ſich vielleicht im Herbſt dieſes Jahres ergeben, wenn einmal
ein Ueberblick über die zubuchſchlagenden Sparmaßnahmen gegeben iſt,
und wenn die Verhandlungen mit der neuen Reichsregierung im
Gange ſind. Ich darf wiederholen als Ergebnis meiner
Ausfüh=
rungen, daß unſere finanzielle Lage, ähnlich wie in anderen Ländern,
ernſt, aber nicht troſtlos iſt.
Aber manches und wichtiges wird demnächſt geſchehen müſſen. Das
Gewerbeſteuergeſetz liegt zur Entſcheidung vor. Der bisherige
Zuſtand iſt unhaltbar. Die Grundſteuer ſoll geändert werden,
und Moritz Stiefel, und die weibliche Hauptfigur Wendla. Nur
durch derartige Kürzungen war es möglich, den Stoff auf der
Opernbühne überhaupt erträglich zu machen.
Den Komponiſten Ettinger zeigt uns dieſe Partitur kaum von
einer neuen Seite. Man weiß aus ſeinen früheren Opernwerken,
daß er es verſteht, wohllautend zu inſtrumentieren und den
Sing=
ſtimmen dankbare Aufgaben zu geben, daß er aber hohen
Anfor=
derungen nach der Seite muſikaliſcher Charakteriſtik nicht immer zu
entſprechen weiß. Dieſen Geſamteindruck hinterläßt auch dieſes
jüngſte Werk Ettingers. Es gibt darin einige mit großem Können
geſchriebene und dankbare Geſangspartien, wie insbeſondere die
Partie der Wendla und die als lyriſche Baritonpartie geſtaltete
des Melchior, und es gibt auch eine Reihe ſehr ſchöner
muſika=
liſcher Stimmungsbilder, etwa in Wendlas Soloſzene im Garten
oder bei der Begegnung Wendlas und Melchiors im Walde, und
dieſe geſchickte muſikaliſche Stimmungsmalerei ſetzt ſich zum
gro=
ßen Teil auch in den ſinfoniſchen Zwiſchenſpielen fort, die durch
den häufigen Szenenwechſel notwendig werden. Trotz dieſer
wert=
vollen lyriſchen Stellen kommt das Werk aber nicht zu einem
ein=
heitlichen muſikaliſchen Geſamtſtil. Wenn die tolpatſchige
Trieb=
haftigkeit der jungen Menſchen etwa durch kecke karikierende
Bläſermotive charakteriſiert werden ſoll, ſo iſt das eine
ebenſo=
wvenig befriedigende Löſung wie die bereits angedeutete
Umwand=
lung der von Wedekind bitter ernſt gemeinten Szene vor dem
Lehrerkollegium in eine Groteske mit atonalem Klaviergeklimper
im Hintergrunde. Auch für die beiden Kirchhofsſzenen fehlt es
Ettinger an wirklich wuchtigen und überzeugenden muſikaliſchen
Akzenten, ſo daß die Anteilnahme des Hörers an dieſen Stellen
notwendig erlahmen muß. Dagegen iſt die ſchauerliche Oede der
Nacht, in der ſich der in der Schule zurückverſetzte Moritz das
Leben nimmt, in einem eindrucksvollen muſikaliſchen Bilde
ein=
gefangen.
Die Leipziger Oper hatte ſich dieſes Werkes, wie ſchon
frühe=
rer Schöpfungen Ettingers mit großer Liebe angenommen und
verhalf ihm zu einem freundlichen Erfolg. Die eindrucksvolle
In=
ſzenierung ſchuf Walther Brügmann, das Muſikaliſche
geſtal=
tete Guſtad Brecher mit der ganzen ihm eigenen Intenſität und
Beſorders glücklich war
nert (Moritz) zugeſellten.
Ob Wedekinds Werk in dieſer neuen opernmäßigen Geſtalt
noch einmal die Runde über die Bühnen machen wird, dürfte
da=
von abhängen, ob es dem Komponiſten gelingt, das Werk durch
eine nochmalige Ueberarbeitung konzentrierter und ſtiliſtiſch ein=
Dr. Adolf Aber.
heitlicher zu geſtalten.
Nummer 109
Seite 4
Donnerstag, den 19 April 1928
obald die reichsrechtlichen Unterlagen vorhanden ſind ud die
Neu=
bewertung durchgeführt iſt. Die Sondergebäudeſteuer wird
vorausſichtlich durch die Gebäudeentſchuldungsſteuer wahrſcheinlich ab
929 abgelöſt, die auch eine Ermäßigung der Sonderſteuer bringen
wird. Auch die Auswirkungen der Tätigkeit des
Sparkommiſ=
ſars werden mancherlei geſetzgeberiſche Arbeiten erforderlich machen
Landtag und Regierung werden deshalb im kommenden Herbſt und
Winter eine große Arbeit zu bewältigen haben, die übergroß werden
wird, wenn die Etatsberatungen ſür 1929 noch dazu kommen. Die
Re=
gierung wird Ihnen alſo große geſetzgeberiſche Arbeiten unterbreiten.
Das Ergebnis derſelben in Verbindung mit unſeren Verhandlungen
mit dem Reich auf den verſchiedenen erwähnten Gebieten wird uns
deſſen bin ich ſicher — ein gut Stück vorwärts bringen.
Ueber eines freilich müſſen wir uns klar ſein: Die alten Zeiten,
wie ſie vor dem Kriege waren und wie ſie in der Erinnerung aus der
Ferne in einem Glanz erſcheinen, den ſie vielfach nicht hatten, kehren
nicht wieder. Der Verluſt in einem vierjährigen Krieg an Menſchen
und Sachmaterial wird immer fühlbarer werden. Es wird auch nicht
miöglich ſein, die Folgen eines verlorenen Krieges von
cinem Teil auf andere Teile des Volkes abzuwälzen. Wir alle müſſen
die Laſten auf unſere Schultern nehmen. Wohl aber können wir auch
unter dieſen erſchwerten Umſtänden wieder Herr über die Verhältniſſe
werden. Wenn es dem deutſchen Volke gelingt, ſich von ſeinem tiefen
Fall wieder aufzurichten, was wir nicht nur alle wünſchen und hoffen,
ſondern auch felſenfeſt glauben, dann wollen wir Heſſen nicht
ab=
ſeits dabei ſtehen, ſondern an unſerem Teil redlich mitarbeiten.
Mit den alten Heſſentugenden der Nüchternheit, der Beſonnenheit, der
Zähigkeit und des Fleißes, werden wir auch Herr über die
augenblick=
lichen finanziellen Nöte werden.
Nächſte Sitzung heute vormittag 10 Uhr.
Anträge der Deutſchen Volkspartei
im Heſſiſchen Landtag.
Betreffend Neufeſtſetzung des Steuertarifs für Wanderlager.
Im Herbſt 1927 hatte die D.V.P. den Antrag geſtellt:
„Der Landtag wolle beſchließen, die Regierung zu erſuchen, eine
Neufeſtſetzung des Steuertarifs für Wanderlager mit dem Ziele einer
weſentlichen Erhöhung der Sätze vorzunehmen.”
Der Antrag wurde damals wie folgt begründet:
„Die Beſteuerung der Wanderlager erfolgt heute lediglich auf
Grundlage der Einwohnerzahl der Gemeinde, in der die Waren zum
Verkauf kommen, und nimmt weder darauf Rückſicht, daß die
Bevölke=
rung eines ganzen Bezirks als Käufer auftritt, noch auf Umſatz und
Er=
trag des Betriobes.
Es liegt im Intereſſe der Gewerbetreibenden und der Bevölkerung,
wenn Vorſorge getroffen wird, daß eine ſteuerliche Begünſtigung
gegen=
über der ortsanſäſſigen Geſchäftswelt auf keinen Fall eintritt.”
In der Sitzung des Landtags vom 30. September wurde dieſer
Antrag einſtimmig angenommen, ohne daß man bisher vom
Maß=
nahmen der Regierung in Ausführung des Landtagsbeſchiuſſes etwas
gehört hätte.
Wir fragen daher an:
Iſt die Regierung bereit, die geſetzlichen Vorausſetzungen zu
ſchaffen, damit die Steuererhöhung für Wanderlager ſpäteſtens am
1. Juli in Kraft treten kann?
Darmſtadt, den 17. April 1928.
Betr. Abänderung des Geſetzes über das Liegenſchaftskataſter
vom 9. 1. 1926 (Reg.=Bl. Nr. 2, 1926).
Nach dieſem Geſetz darf nach Artikel 8 ein Grenzpunkt erſt
abge=
markt werden, nachdem er durch einen heſſiſchen Vermeſſungsbeamten
oder einen hierzu befugten heſſiſchen Geometer ermittelt worden iſt.
Durch dieſes Geſetz iſt den Feldgeſchworenen einer Gemarkung gänzlich
unterſagt, den Parzellenſteinſatz, wie es bisher in Heſſen üblich geweſen
war, auszuführen. Es wird auch durch dieſes Geſetz überhaupt den
Feldgeſchworenen die Fähigkeit zum Steinſatz abgeſprochen. Daß der
Steinſatz von Flur= und Gewannenſteinen nur von geprüften Geometern
vorgenommen werden kann, verſteht ſich von ſelbſt, aber daß der
ein=
ſache Parzellenſteinſatz dunh Feldgeſchworene nicht mehr verrichtet
wer=
den könnte, kann man in der Bevölkerung nicht mehr verſtehen. Da ſeit
Erlaß dieſes Geſetzes faſt ein Parzellenſteinſatz in einem großen Teil der
Gemarkungen nicht mehr erfolgte, ſind große Unregelmäßigkeiten und
Streitigkeiten entſtanden. Im übrigen iſt der von Geometern
aus=
geführte Parzellenſteinſatz viel zu teuer. Wir erſuchen, das Geſetz in
Artikel 8 und die mit dieſem Artikel im Zuſawmenhang ſtehende
Ver=
ordnung abzuändern, damit der einfache Parzellenſteinſatz durch
Feld=
geſchworene wie früher wieder ausgeführt werden darf.
Darmſtadt, den 18. April 1928.
Der Kampf um Rot=Front.
Widerſpruch Preußens und Heſſens. —
An=
rufung des Staatsgerichtshofes. — Der
Ueber=
wachungsausſchuß des Reichstages tritt
zu=
ſammen.
Der Verſuch des Reichsinnenminiſters, die Möglichkeit eines
Terrors bei den Wahlen durch den Roten Frontkämpferbund
aus=
zuſchalten, iſt — wie zu erwarten war — von dem rein ſachlichen
Gebiet ſofort auf das politiſche hinübergeſpielt worden. Die
linksſtehenden Parteien gaben ſich gar nicht erſt die Mühe — wohl
aus ihrer grundſätzlichen Einſtellung gegen den deutſchnationalen
Innenminiſter heraus —, die Gründe für das Vorgehen des
Miniſters zu prüfen. Sie hauen darauf los und machen ihm den
Vorwurf, es handle ſich nur um ein deutſchnationales
Wahl=
manöver. Mit großem Stürſinn ſind ſie der Frage nachgegangen,
wieweit das Reichskabinett der Sache zugeſtimmt habe. Sie
glauben triumphierend feſtſtellen zu können, daß Herr v. Keudell
irgendwelche Rückendeckung beim Kabinett nicht habe. Er hätte
ſie zunächſt einmal gar nicht nötig. Das Vorgehen gegen
den Bund iſt eine reine Reſſortangelegenheit,
und bei der Empfindlichkeit des Reichsinnenminiſters wäre es
verſtändlich, wenn er gehandelt hätte, ohne ſeine Miniſterkollegen
zu Rate zu ziehen. Das hat er aber nicht getan. Er hat zwar
eine Zuſtimmung nicht verlangt, hat aber doch den Reichékanzler
ins Bild geſetzt und ebenſo eine Reihe von anderen Miniſtern,
ohne daß ihm, ſoweit wir wiſſen, irgendwelche Bedenken geltend
gemacht wurden. Herr v. Keudell hat ja auch genug Material
hinter ſich. Die vergangenen Wochen haben in zahlreichen
Bei=
ſpielen den Beweis erbracht, wie der kommuniſtiſche
Heerbann den Wahlkampf zu führen gedenkt. In
Berlin gab es bisher bereits 50 Verwundete bei
derartigen Zuſammenſtößen. Wenn es ſo weiter geht, wird
dies=
mal jeder Rekord gebrochen. Durch den Widerſpruch
Preußens und Heſſens iſt nunmehr der Fall vor den
Staatsgerichtshof gekommen, deſſen Urteil wir vorerſt abwarten
wollen. In dieſem Fall möchten wir doch wenigſtens darauf
bin=
weiſen, daß gerade Preußen den Roten Frontkämpfern gegenüber
onſt auch anders konnte. Die Nationalſozialiſtiſche Arbeiterpartei
alſo eine richtige Partei — iſt bié vor wenigen Wochen in
Preußen verboten geweſen, und der Grund dieſes Verbotes war
recht weit hergeholt. Der Verband Wiking iſt heute noch
ver=
boten, obwohl das Reichsgericht die Gründe für unzureichend
erklärt hat. In beiden Fällen handelt es ſich allerdings um
Ver=
tretungen rechtsradikaler Gedanken. Selbſtverſtändlich haben die
Kommuniſten auch den Reichstag mobil gemacht und dafür
ge=
ſorgt, daß der Ueberwachungsausſchuß für den nächſten Dienstag
einberufen worden iſt,
Schwankungen und Wandlungen
bei den Deutſchnationalen.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Auch die Deutſchnationalen treten jetzt mit ihrem
Wahl=
aufruf vor die Wähler. Sie haben ihn in vier Teile geteilt: einen
allgemeinen Wahlaufruf für die Reichstagswahlen, einen
beſon=
deren für die preußiſchen Wahlen, wozu noch ein
Verfaſ=
ungsprogramm und ein Agrarprogramm tritt. Die
Deutſchnationalen ſind wohl von allen am ſchwierigſten bei der
Aufſtellung ihres Aufrufes daran geweſen. Sie ſahen ſich vor
der Notwendigkeit, ihre Politik zu verteidigen und doch ihr
grundſätzliches Programm aufrecht zu erhalten, vielleicht noch nach
der oppoſitionellen Seite hin zu unterſtreichen, um die Gefahr
eines Abwanderns des rechten Flügels zu verhüten. Kein
Wun=
der, daß deshalb die Bevatungen der Parteileitung ſehr lange
dauerten. Es handelte ſich darum, ob der Aufruf eingeſtellt ſein
ſollte auf eine künftige oppoſitionelle Stellung oder
die Möglichkeit eines Wiedereintritts in die
Regierung offengehalten werden ſollte. Was dabei
heraus=
kam, mutet ſtark nach einem Kompromiß an, wobei aber un
verkennbar die Gruppe des Grafen Weſtarp gegenübch
den Unentwegten die Oberhand behalten hat.
Eine auffällige Tatſache allerdings muß vorweggenommen
werden, die vielleicht noch durch das beſondere
Verfaſſungspro=
gramm korrigiert werden kann: während im Wahlaufruf zum
Dezember 1924 noch der Satz ſtand, daß nach deutſchnationaler
Auffaſſung die beſte Staatsform für das Deutſche Reich die
don=
ſtitutionelle Erbmonarchie ſei, fehlt diesmal dieſes
ausge=
prochene Bekenntnis zum Monarchismus
voll=
kommen. Es iſt erſetzt durch den „Stolz auf die
tauſendjährige deutſche Geſchichte, die Größe
des Kaiſergedankens, die ruhmbedeckten
ſchwarz=
weiß=roten Farben und die Heldentaten der
alten Wehrmacht”, alſo lediglich das
Zurück=
greifen auf die Tradition, nicht mehr unvere
brüchlich auf die Prinzipien. Weiter unterſtreichen die
Deutſchnationalen, daß ſie bei ihrem Eintritt in die Regierung
völkerrechtliche Tatſachen vorgefunden, die gegen ihren
Willen zuſtandegekommen ſeien. Das innenpolitiſche Programm
verlangt u. a. die Rettung der Landwirtſchaft vor dem
Zuſam=
menbruch, hält an dem Schulgeſetz feſt und proklamiert
Deutſch=
tum und Chriſtentum als Wurzel unſerer Kraft.
Auch die deutſchnationale Reichstagsliſte iſt fertiggeſtellt. Sie
wird mit ihren über vierzig Namen von dem Grafen Weſtarp
geführt weiſt aber doch eine Reihe von Veränderungen auf. Die
Führerin der Heimarbeiterinnen, Margarethe Böhm, iſt abgeſägt
und durch Frau Müller=Otfried erſetzt. Die Induſtriellen Reichert
und Klönne ſind geblieben, auch Dr. Quaatz, der in Sachſen
hei=
matlos geworden iſt, ſteht an ſicherer Stelle, ebenſo wie der
Generaldirektor der Stahlwerke, Haßlocher, während Dr. Spahn
ſehr gefährdet iſt. Der frühere Adjutant des Kronprinzen Graf
Schulenburg ſteht an hoffnungsloſer Stelle, ebenſo wie der
bis=
herige Vertreter der Preſſe, Paul Becker.
Von einer Ueberſpannung der Forderungen im Wahlkampf
kann man alſo nicht reden. Es iſt deshalb einigermaßen
zweifel=
haft, ob die Konſervativen den Aufruf billigen werden, beren
Beziehungen zu den Deutſchnationalen bereits ziemlich enkaltet
ſind.
Familiennachrichten
Für die anläßlich unſerer
Ver=
lobung erwieſenen
Aufmerkſam=
keiten danken herzlichſi
Pauline Baumann
Erich Get.
Darmſiadt, Schloßgraben 11.
10613
Statt Karten.
Freunden, Bekannten und
Ver=
wandten hiermit die ſchmerzliche
Nachricht, daß der Herr über Leben
und Tod unſer liebes Kind
Karl Erich
nach kurzem Krankenlager zu ſich
genommen hat,
In tiefem Schmerz:
Familie Lehrer Kaffenberger
Pfaffen=Beerfurth, den 18. April 1928.
Die Beerdigung findet am Freitag,
den 20. April, nachmittags 1 U r
beginnend, vom Hauſe der
Groß=
eltern. Wir ſchaft Heckmann) zu
Unter=Moſſau ſtatt. (6953
Dieburg
Löwenstr. 4
Emma Schulz
Willi Knoblauch
Verlobte
19. April 1928
(10611)
Darmstadt
Schwanenstr. 63
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme, ſowie für die zahlreichen
Kranzſpenden bei dem Heimgang
meiner lieben Frau
rie Reshau
Mart Duroct a Schuchmann
geb. Ackermann
preche ich hiermit Allen meinen
herzlichſten Dank aus. Ganz
be=
ſonderen Dank Herrn Pfarrer
Hof=
mann für ſeine troſtreichen Worte
am Grabe.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Georg Adam Schuchmann II.
Schreinermeiſter.
Frankenhauſen, den 17. April 1928.
(6927
Unſer lieber Bruder, Schwager und Onkel
Matt Taftef
Rechnungsrat i. R.
iſi heute Nacht 2½ Uhr in Folge einer
Lungen=
entzündung ſanft entſchlafen.
Im Namen der trayernden Hinterbliebenen:
Emil Büttel.
Darmſtadt, den 18. April 1928.
Die Beerdigung findet Samstag, den 21. April,
vor=
mittags ½12 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſtatt.
10635
Heilmagnetopath
Hornberger
wohnt Darmſtadt,
aId
tuaß
Wuldſtluße 49
Sprechſt. tägl. 8-12, Mont.
u. Donn. a. 3—6 Uhr.
Urin bringen.
(5745a)
Gasherd. (3 (lamm.)
nit Backofen, noch
wie neu, zu verkauf,
Näh. Geſchſt. (*10591
Schutranzen
prima Sattlerarbeit
zubilligſten Preiſen.
Koffer=Kold
nur Ecke
Schuchard=
u. Luiſenſtr.
und Eli abethenſte. 1
am Ludwigsplatz,
(6944)
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme, ſowie für die ſchönen Kranz=
und Blumenſpenden bei dem Heimgang
unſeres lieben Entſchlafenen
Herrn
Andreas Büchſel I.
ſagen wir auf dieſem Wege unſern
innigſien Dank. Insbeſondere danken
wir auch Herrn Dr. Kurz und Schweſter
Eliſabeth für die aufopfernde Pfiege,
Herrn Pfarrer Gompel für die
troſt=
reichen Worte am Grabe, ſowie allen
denjenigen, die ihm während ſeiner
ſchweren Krankneit ſo viel Liebe bewieſen
haben.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Büchſel
geb. Kehres.
Gräfenhauſen, den 17. April 1928.
26935
20Xiſchdecken u.
Wirt=
ſchafts=Porzellan zu
10650
verkaufen
Friedrichſtr. 18, pait
Kind w. tagsüo, in
Pflege gen. Ang u.
J 36 Geſchſt. (*10581
Todes=Anzeige.
Heute nacht verſchied plötzlich
und unerwartet infolge eines
Schlaganfalls meine jebe Frau,
unſere gute Mutter,
Schwieger=
mutter, Großmutter, Schweſter
Schwägerin und Tante (6969
9)
gnggrotk
vau
Gruu Miärgeteine Wallel
geb. Bogel,
im Alter von 57 Jahren
Die trauernd. Sinterbliebenen.
Traiſa, 18. April 1928.
Die Beerdigung findet Freitag,
20 April, nachm. ½4 Uhr, ſtatt.
Sanergarbersoen
werden in einigen Stunden
NA
Hoshilfe
jeder Art Bestes Verfahren (*10661
GÜZL., Schloßgartenstr. 7, Hochsch.
m9
chwarz gefärbt
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Kranichſteinerſtr. 28
Alifabetſienſtr. 28
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Gelbe Läden am Schillerplatz
Faushalts/klauerei!
Adamit ist Schluß!
i Oder werden Sie sich noch von
früh bis spät mit Ihren Böden u.
Treppen abplagen, uo es doch
pLobal gibt,
„LOBA-WACHST glänzt sonnenhell u.
stahl-
hart Parkett und Linoleum,
„LOBA-BEIZET, gelb, braun oder rotbraun,
das „uasserechte‟ Farbbohneruachs,
färbt und glänzt alle Bretterböden
wie schönstes Parkett,
„LOBALIMT reinigt mühlos alle Böden
ohne Späne, ohne Seife.
Also rationell auch im Haushalt, das heißt:
Immerdoda fürden Boden! 4
Nummer 109
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 19. April.
Adreßbuch für die Provinz Starkenburg
(Geſchäftsadreßbuch) — Ausgabe 1928.
Auf wiederholte Anfragen weiſen wir darauf hin, daß dieſes
wichtige Geſchäftsadreßbuch für die Provinz Starkenburg am
26. April ausgegeben wird. Es enthält die Kreiſe Bensheim,
Darmſtadt, Dieburg, Erbach, Groß=Gerau, Heppenheim,
Offen=
bach und iſt für Induſtrie und Geſchäftswelt unentbehrlich, da es
auf Grund amtlichen Materials alle wichtigen Adreſſen
der Induſtrie, Handel= und Gewerbetreibenden
auch der kleinſten Gemeinden angibt und von allen Orten der
Provinz die amtlichen Daten (Kreis=, Gemeinde=, Kirchen= und
Schulbehörden uſw., Eiſenbahn=, Poſt= und Autoverbindungen)
nachweiſt. Bei den Kreisſtädten iſt eine Chronik beigegeben und,
ſoweit kein Ortsadreßbuch bereits gedruckt vorliegt, auch ein
Ver=
zeichnis der Hausbeſitzer. Eine ausführliche Einleitung
(24 Seiten) von Miniſterialrat Dr. Meller erhöht ſeine
Bedeu=
tung. Für Kundenwerbung iſt das Buch wegen ſeines
tpichtigen und reichen Adreſſenmatcrials unentbehrlich.
Um=
fang XXXII und 432 S. in 8', in Halbleinenband: RM. 12.—.
Beſtellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen: wo nicht
er=
hältlich, wende man ſich direkt an den Verlag (L. C. Wittich,
Darmſtadt).
Heſſiſches Laudestheater. Heute beginnt Konrad Dreher
und ſein Enſemble Münchener Künſtler das Gaſtſpiel im Kleinen Hau
des Landestheaters mit der Aufführung der Poſſe „Der Schwiegervater”
von Anno, die er ſelbſt neu bearbeitet hat; außer ihm wirken mit:
Franzi Berry, Mary Brand, Wilhelmine Führlbeck, Elfriede Jerra,
Franziska Liebing, Fritz Bark, Joſef Berger, Fritz Helfer, Emik Hütter
Franz Loskaun, Aibert Martens, Hermann Neſſelträger, Karl Nall.
Regie: Joſef Berger. Anſang 20 Uhr.
Roſſinis „Barbier von Sevilla” wird heute zum erſten Male im
Großen Haus gegeben. Beginn 1930 Uhr.
Die Erſtaufführung von Strindbergs „Traunsſpiel” im Großen
Haus wird Freitag, den N7. April, ſtattfinden.
In Bizets Opfer „Dinmileh”, die, von Rudolf Scheel neu
iſze=
niert, morgen zum erſten Male gegeben wird, wirken mit: Margarethe
Albrecht, Rudolf Balde und Herbert Grohm.
Die auf Samstag, den 21. April, angeſetzte Aufführung des
Mär=
chens „Humſti=Bumſti” (Rumpelſtilzchen) muß wichtiger Proben wegen
ausfallen; die Wiederholung am Sonntag bleibt beſtehen.
Im Kleinen Haus wird in Anbetraht des großen Erfolges der
Kulturfilm „Die Jungfernreiſe der Cap Arcona” kommenden Sonntag,
vorm. 11 Uhr, nochmals vorgeführt. Eintrittspreiſe 1 Mk., für
Kin=
der die Hälfte.
4a. Rücktritt des Präſidenten des Haſſiaverbandes. Mit Rückſicht
darauf, daß Freiherr von Preuſchen, Generalmajor a. D. in
Darm=
ſtadt, ſich als Kandidat für die Reichstagswahl zur Verfiigung geſtellt
liat und er dies mit ſeiner Stellung als Präſident der parteipolitiſch
neutralen Kriegerkameradſchaft „Haſſia”, Landesverband Heſſen, für
un=
dereinbat hielt, iſt er als 1. Präſident des genannten Verbandes
zurück=
getreten. An Stelle des Freiherrn von Preuſchen wird bis zu dem am
10. Juni in Wimpfen ſtattfindenden Verbandstag der 1. ſtellvertretende
Präfident, Dr. Vogt in Butzögch, die Leitung des Verbandes
über=
nehmen.
Volkshochſchule. Mit dem neuen Arbeitsabſchnitt beginnt am
Montag, den 23. April, auch wieder ein Kurſus zur Verbeſſerung der
Handſchrift. Die Teilnehmer werden gebeten, Tinte und Redisfeder
Millimeter mitzubringen. Die Kurſe in Deutſch, Mathematit und
Fremdſprachen werden fortgeſetzt. Eine Einführung in die Elemente
der darſtellenden Geometrie beginnt neu. Anmeldungen zu allen
Kur=
ſen umgehend. — Am Sonntag, den 22. April, Morgenfeier
Frau Meerwarth=Sebold und Frau Horn=Stoll) im
Feſtſaal des Realgymnaſiums, Kirchſtr. 22.
Mozart=Verein. Mit dem nächſten Konzert am 25. April bleibt
der Mozart=Verein ſeiner Aufggbe treu, ſeiner Gemeinde von
Mitglie=
dein und Freunden eine gediegene Auswahl der Männenhorliter
ur
unter Rehbocks feinfühliger Leitung zu geben und die
Konzert=
beſucher mit einer bedeutenden Perſönlichkeit des Liederſanges bekannt
zut rachen. Diesmal iſt die Japanerin Hatſue Yuaſa aus Tokio
veröflichtet, der füngſt die Wiener das Podium ſrürmten, ergriffen von
dem Wunder des Einfühlungsvermögens der kleinen Aſiatin in
germa=
niſches Liederſchaffen und in den Kreis romantiſchen Empfindens.
Albrecht Dürers Botſchaft an das Chriſtentum. In der
Städti=
ſchen Akademie für Tonkunſt hält Martha Heimeran, Pfarrer in der
Chriſtengemeinſchaft, am Freitag, 20. April, abends 8½ Uhr, einen
Lichtbildertortrag aus Anlaß von Dürers 400. Todestag. Der Abend
will einführen in den „Mythos” von Dürers Leben: ſeinen
Schickſals=
kreis und ſeine Lebensſtufen, — in Dürers Chriſtusverkündigung, in
ſeine Naturerkenntnis und ſeinen „Okkultismus”. Aus dieſer
Be=
trachtung kann ſich das Verſtändnis beleben fii Düirers Botſchaft an
die Gegenwart. (Vgl. die heutige Anzeige.)
Vortrag. Am vergangenen Freitag hatten der Direktor der
Heſ=
ſiſchen landwirtſchaftlichen Verſuchsſtation, Herr Profeſſor Dr.
Roeß=
ler, ſowie der Leiter des Deutſchen Kaliſyndikats Darmſtadt, Herr
Diplomlandwirt Böttrich, zu einem Vortragsabend im „Weißen
Saal” des Reſtaurants Fürſtenſaal (Grafenſtraße) eingeladen, woſelbſt
„Herr Profeſſor Frederick G. Krauß D. SC. von der Univerſität Hono=
Inlu auf Hawai einen Lichtbildervortrag über die Ananaskultur auf
Hawai hielt. Bei den zahlreich erſchienenen Anweſenden fanden die
hochintereſſanten Ausführungen und insbeſondere die ſcharfen und
an=
ſchaulichen Lichtbilder größten Beifall. Herr Profeſſor Krauß zeigte
zum Schluſſe der Verſammlung noch einen Film über die
Vulkanaus=
brüche auf Hawai, der ebenfalls in durchaus klarer und faßlicher Weiſe
die Tätigkeit eines Vulkans und ſomit die Bewegungen der
ausſchütten=
den Lava zeigte. Es ſei noch bemerkt, daß Herr Profeſſor Krauß in
Amerika ſtets für die deutſchen Intereſſen eingetreten iſt. Seine Eltern
ſtammen aus Deutſchland und ſind ſeinerzeit nach Amerika
ausgewan=
dert. Es wäre ſehr zu wünſchen, daß des öfteren ſolch allgemeinbildende
und lehrreiche Vorträge abgehalten werden.
— Wanderabteilung der Turngemeinde 1846 Darmſtadt. Als letzte
Wanderung im Wanderjahr 1927/28 iſt für Sonntag, den 22.
April I. J., eine Wanderung von Bensheim über den Knoden, die
Neunkircher=Höhe, den Rodenſtein nach Fränkiſch=Crumbach feſtgeſetzt.
Die Marſchzeit beträgt etwa 6 Stunden. Abfahrt Darmſtadt=
Haupt=
bahnhof 7,01 nach Bensheim, Zuſammenkunft Haſelbſt am Eingang um
½7 Uhr. Für Jugendliche liegr Liſte beim Hausmeiſter offen. Der
Fahrpreis von 1 RM. iſt bei der Einzeichnung zu entrichten. Es iſt
Ruckſacbverpflegung vorgeſehen. Mittagsraſt findet auf der
Neun=
kircher=Höye ſtatt. Da die Wanderung über ausſichtsreiche Höhen und
kurch enen Teil des Odenwaldes führt, der mit zu den ſchönſten
ge=
hört, was unſer Heimatgebirge bieket, ſo wird um recht zahlreiche
Be=
teiligung gebeten.
— Die Hauptverſammlung der Darmſtädter Turnerſchaft findet am
Samstag, den 28. April, in der Woogsplatz=Turnhalle ſtatt. Anträge
hierzu ſind bis zum 23. d. Mts. an den Vorſitzenden einzureichen.
Näheres ſiehe Anzeige.
— Odenwaldklub — Ortsgruppe Darmſtadt. Hoffentlich bei
ſchö=
nem Frühlingswetter findet am Sonntag, den 22. April, die vierte
Wanderung von Darmſtadt nach Zwingenberg ſtatt, damit die
Wanderer das Blütenmeer der Bergſtraße recht genießen können. Der
Abmarſch am Böllenfalltor iſt pünktlich um 7 Uhr. — Näheres ſiehe
Anzeige.
Feſtnahmen. Ein 62jähriger arbeitsloſer Weißbinder von hier
wurde wegen dringenden Verdachts der Blutſchande feſtgenommen und
dem Amtsgericht zugeführt. — Auf Grund eines Ausſchreibens einer
auswärtigen Behörde wurde der Fenſterputzer Heinrich Hofmann,
ge=
boren am 15. Juni 1887 zu Kolberg, hier aufgegriffen.
Domerstag, den 19. Hprll 4923
Juſtus von Liebigs Heimat.
Dr. Abolf Müller.
* In dieſen Tagen jahrt es ſich wieder, daß Juſtus von Liebig,
Darmſtadts größter Sohn, in München beſtattet wurde. (2. April
1873.) Jacob Vollhard berichtet, der große Forſcher habe noch 1870
den Wunſch ausgeſprochen, in Darmſtadt begraben zu werden. Aus
Liebigs Briefen und Geſprächen geht hervor, daß er bis in ſein hohes
Alter in treuer Liebe an ſeiner Heimatſtadt hing. Auch mit ſeinen
alten Darmſtädter Freunden, beſonders mit Auguſt Walloth, tauſchte
er bis zu ſeinem Tode Briefe aus. Immer wieder lud er den
Jugend=
gefährten ein, zu ihm nach München zu kommen, um mit ihm von alten
Zeiten plaudern zu können. Wie viel ſchöne Erinnerungen knüpfen
ſich für Liebig an die Darmſtädter Jugendzeit, vor allem an die
Mut=
ter, Frau Marie Caroline. Das Stadtmuſeum beſitzt einen Brief, den
der 23jährige aus Paris an Walloth ſchrieb. Er erzählt dem Freund
von der Weltſtadt, in der er ſich trotz wiſſenſchaftlicher Anregung und
Erfolge einſam fühlt.
„.. . . zu manchen Stunden ſehne ich mich herzlich wieder, voll
von dem Geräuſche der großen, in unſere kleine ſtille Stadt zurück ..
bemerke doch noch (in Deinem nächſten Brief) ein paar kleine
Neuig=
keiten; Kleinſtädtereien intereſſieren mich am meiſten, wie Du weißt.”
Einmal ſchilt er den Vater, weil er in der Fremde von Fremden habe
erfahren müſſen, daß der Nachbar geſtorben ſei.
Dieſes Heimatgefühl blieb auch dem Greiſe eigen. Als Liebig im
Winter 1869/70 in München, ſchwer erkrankt, ſein baldiges Ende
er=
wartete, ließ er ſeinen jungen Darmſtädter Freund und Schüler Jacob
Vollhard rufen und trug ihm auf, in Darmſtadt anfragen zu laſſen,
ob auf dem Kirchhofe für ihn eine Familiengruft errichtet werden
dürfe. „Ich will nicht in München begraben ſein” äußerte er zu ſeiner
Umgebung. Frei von jeder Todesfurcht, beſtellte Liebig damals ſein
Haus bis in die kleinſten Einzelheiten. Er ließ ſeinen Sarg anfertigen
und gab Vollhard genaue Anweiſung, wie ſeine Leiche zur
Ueberfüh=
rung nach Darmſtadt in Holzkohle verpackt werden ſolle.
In jenen Jahren ſprach er zuweilen vom Sterben. Es ſind
köſt=
liche Worte eines Vollendeten:
„In meinem Alter ſieht man den Tod, ſo hart er auch die
Ange=
hörigen trifft, nicht mehr als ein großes Uebel an. Ich habe in den
letzten Jahren eine ganze Anzahl meiner beſten und älteſten Freunde
verloren, und durch ſolche Verluſte wird man daran erinnert, daß wir
die nächſten in der Reihe ſind. Es ſoll ſo ſein, und indem wir die verlieren,
die wir lieben, werden allmählich die Bande immer ſchwächer, die uns
an das Leben knüpfen, und ſo ſehen wir denn zuletzt ohne Bangen dem
Augenblick entgegen, der uns mit unſeren vorangegangenen Lieben
wieder vereint . . . ." für unſereins hat das Leben keinen Reiz mehr,
wenn die Schwächen des Geiſtes und Leibes uns verbieten, an dem
gewaltigen Schaffen und der Bewegung der Zeit uns zu beteiligen . . .
religiöſe Bedürfniſſe, ſoweit ſie ſich nur auf die törichte Furcht beziehen,
was nach dem Tode aus uns wird, habe ich nicht. Dies iſt wohl der
Hauptgewinn, den meine Beſchäftigung mit der Natur und ihren
Ge=
ſetzen mir gewährt hat. Ich finde alles ſo unendlich weiſe geordnet,
daß gerade die Frage, was nach dem Abſchluß des Lebens aus mir
wird, mich am allerwenigſten beſchäftigt. Was aus mir wird, iſt
ſicher=
lich das Beſte, darüber bin ich ganz vollſtändig beruhigt
Liebigs jüngſte Schweſter, Frau Profeſſor Knapp, ſchrieb in jener
Zeit ihrem Sohn Karl, der als Aſſiſtent bei Liebig arbeitete:
„Wenn Onkel wirtlch. . . . ſterben ſollte, ſo hielte ich’s für die
größte Gnade Gottes, gegen ein langſames Hinſiechen an einem
Gehirn=
leiden. Erinnere Onkel Juſtus, er möchte mir auch ein Andenken geben.
Scheue Dich gar nicht; wir Kinder von meiner großen Mutter haben
keine Furcht vor dem Tod. Ich möchte Onkel Juſtus um keinen Tag
üiberleben, und doch iſt mir’s lieb, daß er meinen Tod nicht betrauern
muß; das ginge ihm hart an. Vergiß nicht, ihn zu grüßen und ihm
das zu ſagen.
Heimat — nur Mutterliebe kann Heimat ſchaffen. Wie reich an
ſorgender Liebe und edlem Vorbild muß das Leben der Kinder der
ſchlichter Darmſtädter Frau Marie Caroline Liebig geweſen ſein, daß
ſie noch im Alter ſo viel Kraft aus der Erinnerung an die Mutter
ſchöpfen konnten, daß noch an der Schwelle des Todes die Bedanken
und die Sehnſucht hingeflogen in die Stadt, da ſie Kinder waren,
Kinder dieſer Mutter.
*Das Haus L. Tietz
wurde geſtern in den früheren Verkaufsräumen des Ma=Wa (auf dem
Markt) eröffnet. Schon vormittags fand eine zwangloſe Beſichtigung
ſtatt, an der Vertreter des Einzelhandels, der Induſtrie= und
Handels=
kammer und der Darmſtädter Preſſe teilnahmen. — Bereits nach
Fertigſtellung des erſten Umbaues vor etwa einem halben Jahre wurde
die praktiſche und architektoniſch ſchöne Inneneinrichtung dieſes
Waren=
hauſes eingehend beſprochen. Neuveränderungen ſind im Innern
in=
ſofern vorgenommen worden, als einzelne Spezialabteilungen verlegt
oder erweitert und ſo überſichtlicher wurden. Dagegen erhielt die
äußere Faſſade im erſten Stock durch das breite Flachfenſterband ein
anderes, modernes Ausſehen. Mit dieſer äußeren Veränderung wurde
glcichzeitig eine beſſere Beleuchtungsmöglichkeit für die inneren
Ver=
kaufsräume geſchaffen, als auh hauptſächlich die dezente und doch
wirk=
ſame Lichtreklame am Abend nach außen noch erhöht. Auch die
Beleuch=
tung der Verkaufsräume nach Einſetzen der Dunkelheitz wurde durch
zweckmäßige Anlage der Tagesbeleuchnungskörper noch verbeſſert. In
der Schaufenſterdekoration werden die jüngſten Erfahrungen auf
die=
ſem Gebiete zur Erreichuing mröglichſt großer Reklamewirkung
aus=
genützt.
Es iſt erfreulich, daß durch die Eröfnung des Warenhauſes Tietz
der aufſtrebenden und leiſtungsfähigen Darmſtädter Geſchäftswelt ein
neuer Impuls gegeben wird, zumal dieſe Neueröffnung durch die
Ueber=
nahme des ſeitherigen Ma=Wa keine neue Konkurrenz bedeutet, ſondern
die Geſchäftsleitung bemihr iſt, in dem ſeitherigen Rahmen zuſammen
mit den einſchlägigen Fachgeſchäften am Platze die Intereſſen des kau=
Publikums wahrzunehmen. Auch Herr Direktor
enden Darmſtädter
Baumann als Vertreter der Direktion des Staymhauſes Tietz
unter=
ſtrich be: dem ſich an die Beſichtigung anſchließenden zwangloſen
Bei=
ſammenſein in ſeiner herzlichen Begrüßungs= und Eröffnungsanſprache
dieſe Abſichten. Er betonte, daß durch das weitere Verbleiben des
Herrn Marx in leitender Stellung des Geſchäftsbetriebs, ſowie durch
Uebernahine des geſamten Perſonals des Ma=Wa die Ausführung
die=
ſer Abſichten erheblich erkeichtert und gefördert werde. Zahlreiche
Glüchwunſchanſprachen wurden gehalten, u. a. von Herrn Anspach
er für die
Induſtrie=
für den Einzelhandel, von Herrn Dr. Schäf
und Handelskammer, von Vertreter der Darmſtädter Preſſe. Durch
die fleißige Mita=beit des Perſonals war es gelungen, die Eröffnung
des Hauſes Tietz in kürzeſter Zeit zu ermöglichen. Die Bauleitung lag
in Händen des Herrn Architekten Söder. An dem Um bzw. Ausbau
waren ausſihließlich Darmſtädter Handwerker beſchäftigt.
Kleines Haus des Landestheaters
Heute, 20 Uhr,
v4
Apg
aines aaushier Kenlan Bieker
(6970
mit Ensemble
„Der Schwiegervater‟ — Münchner Posse von Anno
— Jubiläum. Am heutigen Tage feiert Herr Prokuriſt Georg
Becker im Hauſe der Firma Fritz Hufeld hier ſein 25jähriges
Berufs=
jubiläum. Nach Beendigung ſeiner Schulzeit kam er als Lehrling in
die damals noch weniger bekannte Samen= und
Blumenzwiebelgroß=
handlung, in welcher er ſich durch ſeinen unermüdlichen Fleiß und ſein
elbſtloſes Weſen das volle Vertrauen nicht nur der Geſchäftsinhaber,
ſondern auch der Mitangeſtellten erwarb und ſich zur heutigen Poſition
emporarbeitete.
— Orpheum. Das heutige zweite Gaſtſpiel Aſta Nielſen
be=
ginnt pünktlich abends 8 Uhr, und bittet man, umr Störungen zu
ver=
meiden, die Anfangszeit zu beachten. Karten im Vorverkauf bei de Waal,
Rheinſtraße 14, im Verkehrsburean und Zeitungskiosk, Ernſt=
Ludwigs=
platz. Vergünſtigungen ſind aufgehoben.
Die Entwicklung des Sparverkehrs bei der Städtiſchen Sparkaſſe
Darmſtadt. Der Sparverkehr bei der Srädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt
hat ſich nach früheren Veröffentlichungen im Jahre 1927 in erfreulicher
Weiſe entwickelt, und die Summe der Spareinlagen war am 1. Januar
1928 b=reits auf 12,6 Millionen Mark angewuchſen. Auch im Jahre 1928
iſt das Ergebnis bis jetzt ein gleich günſtiges. Für die Zeit vom 1.
Ja=
nuar 1928 bis Ende März 1928 ſind auf Sparbücher neu eingelegt
wor=
den zuſammen rund 4 Millionen Mark. Abgehoben wurden in der
gleichen Zeit rund 2 Millionen Mark, ſo daß ſich für die genannten
drei Monate ein Einlagenzuwach3 von rund 2
Millio=
nen Mack ergibt, gegenüber einem Einlagenzuwachs von 1,4 Mil=
Der
Geſamt=
lionen Mark im gleihen Zeitraum des Vorjahres. —
einlagenbeſtand it alſo ſeit 1. Januar 1928 bis zum 1. April 1928 von
12,6 Millionen Mark auf 14.6 Millionen Mark geſtiegen.
Warnung vor einem Wechſelgeldſchwindler. In einer hieſigen
Buch= und Kunſthandlung erſchien ein beſſer gekleideter Mann und
der=
langte eine Zeitſchrift. Er bezahlte mit einem 50=Marrſchein. Als
das Wechſelgeld hingezählt war, erklärte der Unbekannte plötzlich, mit
Kleingeld bezahlen zu können. Durch geſchickte Redewendungen lenkte
der Unbekanute die ihn bedienende Perſon von dem Gelde ab und
be=
nutzte dieſe Gelegenheit, das Wechſelgeld und den 50=Markſchein
einzu=
ſtreichen. Nachdem entfernte er ſich eiligſt aus dem Laden. Der Täter
iſt etwa 25—30 Jahre alt, 1,80 Meter groß, kräftig, ſpricht hochdeutſche
Mundart und war mit gelblich=weißem, modernem Uebergaugsmantel
und grauem Filzhut bekleidet. Er trug ſchwarze Hornbrille. Beim
Wiederauftreten wird um ſofortige fernmüindliche Benachrichtigung der
Kriminalabteilung gebeten.
*Aprilſitzung der familiengeſchichtlichen
Vereinigung.
* In der letzten Sitzung ſprach Regierungsrat Schäfer über einen
Bunten Ahnentafelausſchnitt ſeines Arbeitsgebiets,
ſämt=
lich Vorfahren von Darmſtädter Bewohnern. Zuerſt kamen die
Vor=
fahren des Juriſten und Politikers Gottfried Julius
Siegfrie=
den deſſen Leben ſein Enkel, Prof. Dr. K. Lindt, in den Heſſ.
Bio=
graphien II. beſchrieben hat. Er geht zurück auf den Oberſt und
Kriegs=
kommiſſariatsdirektor Joh. Theodor Siegfried, 1669—1750 In
Gotha, der ſich nach ſeiner Verheiratung mit einer Gräfin Matn
tioti aus Italien adelig de Siegfrieden nannte. Sein Sohn
Joh. Gottlieb S. war mit einer geb. Saul zu Gotha verheiratet,
deren Großmutter aus der alten Salzunger Familie Fulda ſtammt.
Ihr weiblicher Einſchlag geht durch die Bachoffs von Echt nach
Holland. Deſſen Sohn Julius Gottl. Chxiſt. S. war kaiſerlicher
Notar zu Friedberg, dann ſeit 1815 Geheimrat in Darmſtadt. Er war
verheiratet mit Charlotte Minnigerode Tochter des
Als=
feider Stadtſyndikus und Anhänger der franzöſiſchen Revolution (geſt.
1:89). Benjamin M., unehelicher Sohn der weſtfäliſchen
Adels=
familie, aus der der bekannte Jägermeiſter von M., der in dem Spus
um das Griesheimer Haus eine Rolle ſpielt, herſtammt, und der
Lu=
cia Romeiſer deren Mutter aus der alten Scharfrichterfamilie
Baſt ſtammte. Ihr Großvater Johannes Baſt, um 1700 vom
Kaiſer ehelich geſprochen, war dann Amtschirurg in Gießen. Er hat
lauter Scharfrichter als Ahnen.
Benjamin Minnigerode war verheiratet mit einer Tochter
des Rentmeiſters Joh. Philipp Schenck zu Grünberg aus der alten
Darmſtädter Beamtenfamilie, die um 1400 aus Augsburg über
Wer=
lingen und Donauwörth 1615 nach Darmſtadt gekommen waren.
Schenck ſche Ahnen ſind die Darmſtädter Familie Nungeſſer im 16.
und 17. Jahrhundert reiche Müller in Nieder=Ramſtadt, die Familie
Sachs aus Straubing und Nürnberg, die Straßburger Patrizier=
und Gelehrten=Familie Schrag und vor allem die bereits im 13.
Jahr=
hundert hoch angeſehene Reurlinger Familie Becht. Die Mutter der
Frau Minnigerode war eine geborene Bindewald mit ihrem
Groß=
vater, dem 1671—1735 lebenden Oberhofprediger Joh. Philipp B.
und leitet über zu oberheſſiſchen Bauern= und oberheſſiſch und
Darm=
ſtädter Beamten= und Bürgerfamilien Foktenius Geiſelmann.
Helffmann, Leuchter und zu den auf faſt keiner altheſſiſchen
Ahnentafel fehlenden berühmten Familie Orth in Marburg und
Murhard in Vacha. Der Vortrag brachte viele für die heſſiſche
insbeſondere Darmſtädter Familiengeſchichte, wichtige Einzelheiten. Es
folgte noch eine lebhafte Ausſprache. Staatsrat Schliephake teilte
u. a. mit, daß in Gießen bei den Menſuren im 17. Jahrhundert infolge
einiger Todesfälle den Aerzten eine Zeitlang die Mitirkung als
Pauf=
ärzte verboten war, da hätten die Scharfrichter die Studenten derbunden,
Ferner wurden noch anziehende Nachrichten über den jetzt faſt ganz
ver=
zcſſenen Darmſtädter hervorragenden Maler Minnigerode
mit=
geteilt, von dem Bilder in hieſigen Familien noch zahlreich vorhanden
ſind, Geh. Medizinalrat Dr. med. Arthur Hofmann erwähnte,
daß von ihm das bekannte Bild im Alice=Krankenhaus mit
den 9. Aerzten, das ſog. „Neuntöter”=Bild, gemalt ſei. K. Noack.
— Vom Landesbeirat für Leibesübungen in Heſſen. In ſeiner
letzten Sitzung hat der Landesbeirat einen kleineren Arbeitsausſchuß
gebildet. Dieſer ſoll dauernd Fühlung nach allen Seiten halten, ſoll
ſofort alle brennenden Fragen aufnehmen und in allen erforderlichen
Fällen durch ſeine Vorarbeit das Eingreifen des Geſamtlandesbeirats
unterſtützen und ſchnellſtens möglich machen. Vorgelegt wurden weiter
Nichtlinien für Ehrungen durch den Staat. — Die Frage der
Turn=
lehrerausbildung in Heſſen wurde durchgeſprohen. Verſchiedene
Löſun=
gen ſind vorgeſchlagen. Ihre Durhführbarkeit wird geprüft werden.
Vereinbarungen zwiſchen den einzelnen Ländern erſcheinen unbedingt
nötig. Grundſätzlich müßten endlich auch geprüfte Turnlehrer als
Turn=
lehrer ve wendet werden. Eine Denkſchrift über dieſe Frage iſt in
Vor=
bereitung. — Die Einführung von Turnprüfungen in den Schulen
Heſſens, wie das in anderen Ländern ſchon der Fall iſt, ſoll vom
Landes=
beirat eingehend geprüft und durchberaten werden. — Der Antrag, das
Spielverbot für Palmſonntag und Karfreitag aufzuheben, ſoll dem
Landesausſchuß zur Entſcheidung vorgelegt werden. — Wann kommt
der Landesturnrat (Erſatz für die weggefallene Landesturninſpektion)
in Heſſen? Dieſe überaus dringliche Angelegenheit ſoll durch eine
Denk=
ſchriſt erneut in Fluß gebracht und durch eine Abordnung dem Herrn
Staatspräſidenten vorgetragen werden. — Weiter erſ heinen die für
Leibesübungen bereitgeſtellten Geldmittel zu gering. Es ſoll deshalb
darauf hingewirkt werden, daß von Staat und Behörden mehr Geld
für dieſe Zwecke zur Verfügung geſtellt wird, damit auch wirklich
ge=
holfen werden kann.
— „In die Blüte der Bergſtraße” heißt die zweite, diesjährige
Wan=
derung, zu der der Gabelsbeuger Stenographenverein
1861 Darmſtadt (am Ballonplatz) ſeine Mitglieder, deren
Angehörige und Freunde auf Sonntag, den 22. April 1928,
eingeladen hat. Die Teilnehmer treffen ſich an der Halteſtelle der
Stra=
ßenbahn in Eberſtadt (Abfahrt am Luiſenplatz 6.55 Uhr, an der
Wein=
bergſtraße 7.05 Uhr). Unſere bewährten Wanderführer Meyer und Oſt
führen uns von Eberſtadt über Malchen nach Seeheim, über die
Tannen=
burg, Frankenſtein nach unſerer Stadt zuriick. Den Teilnehmern iſt —
wenn der Wettergott einige Einſicht hat — für einige frohe Stunden
garantiert. Die Fahrtkoſten betragen 30 Pfg. Verpflegung nach
Belieben.
Flechten, Hautausſchläge.
Von Dr. med. W.
Flechten, ganz beſonders die überaus läſtige Schuppenflechte
Psoriasis) und Bartflechte, ſind gar arge und läſtige Uebel, denn
ſie verunſtalten nicht nur die Haut, ſondern ſchmerzen, jucken,
ſchuppen, brennen und näſſen oft auch ganz erheblich und
andau=
ernd. Außerdem ſind ſie meiſt hartnäckiger Natur, und nicht ſelten
ſind ſie von der Wiege bis zum Grabe der treue Begleiter des
Menſchen. Man ſollte deshalb nie den Weg zum Arzt ſcheuen,
denn jede Flechte iſt anders, und jede Haut verlangt eine indivi=
duelle Behandlung. In dielen Fällen hat ſich nach meinen
Erfah=
rungen folgendes Verfahren gut bewährt: Man nehme ein Stück
Zuckers Patent=Medizinal=Seife, reibe mit der Hand oder noch
beſſer mit einer naſſen Bürſte, einem naſſen Pinſel und dergl.
möglichſt viel dicken Schaum, läßt ihn eventuell noch einige Zeit
ſtehen, bis er ſo dick iſt wie Brei, Salbe oder Sirup und trägt ihn
dann leicht, ohne zu reiben, auf die zu behandelnden Haut
ſtellen auf. Am beſten geſchieht das Auftragen des Abends, damit
der Schaum genügend Zeit hat, auf der Haut einzutrocknen und
die Nacht über liegen bleiben kann. Morgens erweicht man ihn
mit etwas Waſſer, ſpült ihn dann leicht ab und trocknet hierauf
die Haut, ohne zu reiben oder zu frottieren, ſanft
mit einem weichen Tuch. Nachher ſtets die Haut mit Zuckooh=
Creme, die ebenſo wie Zuckers Patent=Medizinal=Seife in jeder
Apotheke, Drogerie und Parfümerie zu haben iſt, nachbehandeln.
Dieſe Prozedur wiederhole man ſo lange, bis Beſſerung erfolgt.
Geite 6
Donnerstag, den 19. April 1928
Nummer 109
*Die Eröffnung des Wahlkampfes
in Darmſtadt.
Im Konkordiaſaal ſprach geſtern abend Frau Dr. Gertrud
Bäu=
mer auf Einladung der Demokratiſchen Partei. Jede politiſche
Be=
trachtung und Willensentſcheidung in unſerem Vaterlande, ſo führte
Rednerin u. a. aus, wird unter dem Geſichtspunkt der Frage nach der
Wiedererſtarkung Deutſchlands zu innerer und äußerer Kraft ſtehen.
Die Wochen vor den kommenden Reichstagswahlen müſſen Wochen der
Ueberlegung und Rechenſchaft darüber werden, ob es bei uns politiſch,
wirtſchaftlich, geiſtig aufwärts geht, oder ob wir noch um den Aufſtieg
zu ringen haben. Bei uns herrſcht im allgemeinen bezüglich des
Auf=
ſtiegs ein gewiſſer Peſſimismus. Beſſer aber als wir kann das
Aus=
land beurteilen, wie es mit der Wiedererſtarkung Deutſchlands ſteht
Dort bewunder: man allgemein die Energie des deutſchen Volkes, das
ſich nicht unterkriegen läßt, das keinen Augenblick verloven hat, um
wieder aufzubauen. Die Frage iſt nun, wie weit die Politik der
Er=
ſtarkung geholfen hat, und ob ſie dabei den richtigen Weg eingeſchlagen
hat. Da gehen die Meinungen nicht mehr ſo ſchroff auseinander wie
bei der letzten Reichstagswahl. Die Wiedereinſchaltung in die Politik
mit den Feinden iſt auch den Demokraten nicht leicht geworden. Die
Hauptfragen, die noch der Löſung harren, ſind die Reparationsfrage,
die Frage des beſetzten Gebiets und der Oſtgrenze. Ueber ihre Löſung,
glaubt die Rednerin, ſei bis weit in die Reihen der Deutſchnationalen
kein Zweifei. Der Weg, der mit der Politik des Eintritts in den
Völkerbund und mit der Politik von Locarno beſchritten iſt, iſt der
richtige geweſen. Die Locarnopolitik iſt als eine Politik auf lange Sicht
zweifellos die für Deutſchland allein mögliche Politik. Trotz der au
der Erde noch beſtehenden politiſchen Spannungen ſind die Nationen
im Grunde davon überzeugt, beſonders die europäiſchen Nationen, mit
Ausnahme der fasciſtiſchen Regierungen, daß das Schickſal Europas
davon abhängig iſt, ob es gelingt, in Europa den Frieden durch das
Mittel der Sicherheitsverträge oder andere Mittel zu ſichern, um ſo den
europäiſchen Völkern die Möglichkeit des wirtſchaftlichen Aufſtiegs und
Erſtarkung zu geben. Rednerin ſpricht ſodann von der Bedeutung des
Cintritts Deutſchlands in den Völkerbund und von der Rolle, die
Deutſchland darin ſpielt. Der Völkerbund und überhaupt eine geſunde
Außenpolitik beruhen nicht auf der Art Internationalismus, der
über=
haupt kein Gefühl mehr hat für die gewaltigen Lebenskräfte und
Lebensintereſſen der Nationen, ſondern beruht auf dem
Internatio=
nalismus, der gerade, weil er die Nation als etwas ſo ungemein
Leben=
diges und Gewaltiges empfindet, auch das Selbſtbeſtimmungsrecht der
Nationen und die internationale Gerechtigkeit auf andere Grundlagen
geſtellt wiſſen will, als auf die Gewaltentſcheidung
Reönerin geht dann auf innerpolitiſche Fragen ein und beſchäftig
ſich hier vor allem mit der Forderung nach dem deutſchen
Einheits=
ſtagt. Sehe ſtark ſtehe diesmal dieſe Forderung im Vordergrunde des
Wohlkampfes. Das brauche nicht zu bedeuten, und ſolle zunächſt auch
nicht bedeuten, daß man mit einem neuen Artikel der Verfaſſung die
Länder hinwegfegt. Daß das nicht gemacht werden kann, iſt jedem
Po=
litiker ſelbſtverſrändlich klar. Wir können es uns einfach nicht mehr
leiſten, dieſes Nebeneinander der Verwaltungen, die alle mehr oder
weniger dasſelbe machen, zu bezahlen und den entſtehenden
Reibungs=
verluſk mitzutragen. Das Reichsſchulgeſetz iſt die zweite Zentralfrage
des Wahlkampfes. Mir dem Scheitern bes Neichsſchulgeſetzes iſt die
Gefahr, die mit dieſem Geſetz dem deutſchen Volke drohte, noch nicht
endgültig übervunden. Dem Zentrum liegt unter allen Umſtänden
Laran, ein Reichskulturrecht zu bekommen. Das berührt nicht nur die
Frage der Schule, ſondern auch die Frage von Staat und Kirche, das
berührt das Problem, das mit dem Wort Konkordat bezeichnet wird.
Das Zentrum wird dieſes Beſtreben in jede neue Koalition hinein
bringen. Mit der Möglichkeit, daß die Sozialdemokratie bei
entſprechen=
der Situation in bieſer Frage mit dem Zenkrum zuſammengeht, iſt zu
rechmon.
Redne in ſchloß mit der Mahnung, ſich nichſt den Splitterparteien
anzuiſchließen, ſondern einer der großen Parteien die Stimme zu geben.
— Von der „Debewag‟, Darmſtädter Bewachungs=Geſellfchaft
G. m. b. H., hervorgegangen aus der ſeit 198 beſtehenden Kaſſeler
Geſellſchaft, ſind im verfloſſenen erſten Vierteljahr außer deu
regel=
mäßigen Zu= und Nachſchließen der Grundſticke 427 offene Türen
ge=
ſchloſſen, 247 offene Türen vorgefunden, die nicht geſchloſſen werden
konnten, 121 Lichter ausgelöſcht, 13 offene Geſchäftslokale, 6 defekte
Türen vorgefunden, 15 zerſchlagene Fenſter und Rolläden gemeldet,
1 Einbrecher verjagt, 5 defekte Zäune, 22 offene Fenſter und Rolläden
feſtgeſtellt, 16 ſteckengebliebene Schlüſſel abgeliefert und 7 abgebrochene
Türgriffe vorgefunden. (S. Anz.)
Dampferexpeditionen des Norddeutſchen Lloyd, Bremen. Nach
New York ab. Bremen=Bremerhaven: D. Republic 18. 4., D.
Dres=
den 19. 4., D. Karlsruhe 24. 4., D. Preſ. Harding 25. 4., D. Columbus
28. 4. Nach New York ab Southampton: D. Republic 19. 4., D.
Preſ. Harding 26. 4., D. Columbus 29. 4. Nach Kanada (
Hali=
fax), New York ab Bremen=Bremerhaven: D. Karlsruhe 24. 4.,
D. Derfflinger 3. 5. Nach Hapanna-Galveſton, Ausreiſe
über Halifax, ab Bremen=Bremerhaven: D. Derfflinger 3. 5.
Nach Kanada: D. Lahn ab Hamburg 22. 4., ab Bremen 24. 4.
Nach Philadelphia-Baltimore-Norfolk: D.
Weſt=
falen ab Bremen 22. 4. Nach Nordamerika, Weſtküſte: D.
Witram ab Bremen B. 4. Nach dem La Plata ab Bremen=
Bremerhaven (Paſſagiereinſchiffung): D. Gotha 21. 4., D. Sierra
Mo=
rena 5. 5., D. Madrid 12. 5. NachNordbraſilien: D. Anatolia
ab Bremen B. 5., ab Hamburg 27. 5. Nach Mittelbraſilien:
D. Nürnberg ab Hamburg 2. 4. Nach Kuba—New Orleans:
2. Riol ab Hamburg 10. 5., ab Bremen 12. 5. Nach Oſtaſien:
D. Saarbrücken ab Hamburg 18. 4., S.M. Königsberg ab Bremen
21. 4., ab Hamburg 25. 4., D. Remſcheid ab Bremen 28. 4., ab
Ham=
burg 2. 5., D. Graudon ab Bremen 5. 5., ab Hamburg 9. 5., D. Koblenz
ab Bremen 12. 5., ab Hamburg 16. 5. NachAuſtralien: D. Aller
ab Bremen 1. 5., D. Moſel ab Bremen 2. 6. Nach Südamerika,
Weſtküſte, durch den Panamakanal: D. Holger ab Bremen 1. 5.,
durch die Magelhaensſtraße: D. ** ah Hamburg 19. 5. Nach
Weſt=
küſte Zentralamerika und Mexiko: D. ** ab Bremen
16. 6., ab Hamburg 23. 6. Fruchtfahrt Kanariſche Inſeln
nach Bremen—Hamburg: D. Orotaba B8. 4., D. Arucas 12. 5.,
D. Orotava 26. 5. Nachder Levante ab Bremen: Abfahrten alle
3 bis 10 Tage. Nach Finnland ab Bremen: 14tägiger Dienſt nach
allen Haupthäfen. Nach Reval ab Bremen: Abfahrten alle 10 Tage.
Nach Leningrad ab Bremen: Abfahrten alle 8—14 Tage. Nach
England ab Bremen: 2 bzw. 4 Abfahrten in der Woche. Nach
Afrika (Weſtafrika): D. Immo ab Bremen 20. 4. Geſellſchaft
s=
reiſen; Mittelmeerfahrt D. Stuttgart ab Genua 11. 5. Adria=
Italienfahrt D. Lützow ab Venedig 10. 5., Mittelmeerfahrt ab Genua
24. 5. Polarfahrt D. Berlin ab Bremerhaven 9. 7. Skandinavien=
Oſt=
ſeefa.
n D. Lützow ab Bremerhaven B, 6. und 3. 8. Nordkapfahrten
D. Sierra Cordoba ab Bremerhaven 14. 7. und 4. 8. Nordkapfahrt
D. e
erra Ventana ab Bremerhaven 24. 7. Mitgeteilt vom Vertreter
Anton Fiſcher, Darmſtadt, Frankfurter Str. 12/14, Telephon 186.
Lofale Veranſtaltungen.
Die hierunter erſcheinenden Notlzen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Die Vereinigung früherer Leibgardiſten
Darmſtadt unternimmt, wie aus heutiger Anzeige erſichtlich, am
Sonntag, den 22. April, nachmittags 2 Uhr, einen Familienausflug nad
Meſſel, worauf die Mitglieder der Vereinigung nochmals beſonders
aufmerkſam gemacht werden.
— Verein ehem. 25er. Jahreshauptverſammlung am
Sams=
tag, den 21. April, abends 8.30 Uhr, in der „Kanone‟. (Nur für
Mit=
glieder.)
Aus den Parteien.
— Deutſchnationale Volkspartei, Ortsgruppe
Darmſtadt. Außerordentliche Mitgliederverſammlung am
Donners=
tag, 19. April, abends 8.15 Uhr, im Fürſtenſaal bei Chriſt (
Grafen=
ſtraße 20). Es ſprechen unſer Spitzenkandidat für die Reichstagswahl
Generalmajor a. D. Frhr. von Preuſchen über „Vaterländiſche Politik”
Landesgeſchäftsführer Dr. Brehm über „Reichstagswahl und
Wirt=
ſchaftsnot‟ Die Mitglieder der Ortsgruppe, durch Mitglieder einge
führte Freunde der Partei, die Mitglieder des Deutſchnationalen
Arbei=
terbundes, des Deutſchen Offizierbundes und die vaterländiſchen
Ver=
bände ſind zu der Verſammlung herzlichſt eingeladen.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt.
Am kommenden Freitag, den 20. April, abends 8 Uhr, findet
im Jagdzimmer des Saalbaureſtaurants wiederum ein
„Politiſcher Abend” ſtatt. Es ſoll dabei über die Durchführung
des Wahlk dfes, die Streſemann=Verfammlun und andere aktuelle
Dinge geſprochen werden. Generalſekretir Welkow wird einen einlei
tenden Vortrag über unſere Einſtellung zu den anderen Parteien
halten. Die Mitglieder werden um zahlreiche3
Er=
ſcheinen gebeten.
*Das Egelsbacher Autounglück vor dem
Bezirfsſchöffengericht.
p. Der fahrläſſigen Tötung iſt der Autounternehmer Hch.
Hau=
müller von Mannheim angeklagt.
Haumüller war früher Schneider von Beruf; er gab dieſen vor
zwei Jahren auf, beſchäftigte ſich mit Autovermietung und iſt ſeit einem
halben Jahre Autounternehmer. Die Prüfung für Klaſſe 3a beſtand er
in Mannheim 1922, für Klaſſe 3b im Jahre 1925. Der Angeklagte
wurde in Mannheim zu geſchäftlichen Zwecken für eine Fahrt nach
Frankfurt in Anſpruch genommen. Am 20. Januar 1928 wurde in
Mannheim abgefahren und ein längerer Halt in einer Wirtſchaft in
Bensheim gemacht. Von dort ging es ſpät abends mit zwei weiblichen
Fahrgäſten nach Frankfurt a. M., wo man im „Ruſſiſchen Hof” erſt um
2 Uhr nachts etwa anlangte. Für den 21. Januar morge is war die
Rückfahrt nach Mannheim in Ausſicht genommen, und ſollten die
ge=
nannten Fahrgäſte in Bensheim wieder abgeſetzt werden. Die Anklage
beſchuldigt nun Haumüller, den auf dem Rad befindlichen Bürgermeiſter
Wannemacher von Egelsbach mit dem von ihm in großer
Geſchwindig=
keit gefahrenen Opelwagen 4 B 28509 an der Straßenkreuzung
Egels=
bach-Darmſtadt erfaßt und ſo den am 17. Februar 1928 erfolgten Tod
des Verletzten verurſacht zu haben. Der Angeklagte gibt an, er habe,
als er des Radfahrers anſichtig geworden, gebremſt und verſucht, nach
links auszuweichen. Eine an der Straße ſtehende, auf die Straßenkreu
zung aufmerkſam machende Warnungstafel hat der Angeklagte nicht
geſehen.
Der Verteidiger ſtellt den Antrag auf Einnahme eines richterlichen
Augenſcheins, deſſen Entſcheidung das Gericht vorerſt zurückſtellt. Aus
der Beweisaufnahme geht hervor, daß ae Abend des 20. Januar die
Vierradbremſe des Autos nicht gut funktionierte und daß am
Unglücks=
tage ſehr ſcharf gefahren wurde.
Der ärztliche Sachverſtändige ſtellt eine klaffende Schädelwunde, die
bis auf den Knochen ging, wahrſcheinlich auch eine Schädelbaſisfraktur,
ferner den Bruch don zwei Rippen, einen Oberarmbruch rechts und
eine Schenkelfraktur feſt. Der Tod, der eine Folge des Unfalls iſt, iſt
infolge von Komplikationen eingetreten. Der weitere Gutachter
be=
zeichnet es als ein Wunder, daß der Kraftwagen nicht umgeſchlagen iſt
Der Angeklagte hoffte, bei der von ihm entwickelten Geſchwindigkeit,
die eine ſehr große war, offenbar an dem Radfahrer noch links
vorbei=
zukommen. Wenn die Vierradbremſe in Ordnung war, mußte ſie den
Wagen auf kürzeſte Entfernung zum Halten bringen können.
Der Staatsanwalt betont, daß der Angeklagte anſcheinend zu wenig
Nachtruhe gehabt und nach Hauſe gedrängt habe; der ſchwere Unfall
fordere eine energiſche Sühne. Es wird eine Gefängnisſtrafe von einem
Jahr beantragt.
Der Verteidiger weiſt darauf hin, daß der Autofahrer bei freier
Sicht und offener Strecke an Geſchwindigkeit aus dem Wagen
heraus=
holen dürfe, was er könne. Es werde deshalb der Antrag auf
Ein=
holung eines Augenſcheins wiederholt. Unmöglich ſei es für den
Fah=
rer, auf 30 Meter Entfernung den Radfahrer zu ſehen. Das Dorf
Egelsbach liege nicht direkt an der Straße. Der Angeklagte, als
Mann=
heimer, habe nicht beurteilen können, daß es ſich an der Unfallſtelle um
einen geſchloſſenen Ortsteil handle. Das Warnungsſignal ſtehe in ,ner
Form da, daß es überſehen werden könne; der Autofahrer habe da
keine Veranlaſſung gehabt, abzubremſen. Ein Radfahrer müſſe an der
Unfallſtelle gerade eine beſondere Vorſicht anwenden. Ohne Rüc ,ſcht
auf den Erfolg, müſſe die Schuldfrage geprüft werden, dies müſſe auch
bei der Bemeſſung der Strafe berückſichtigt werden. Der Angeklagte
ſei als beſonnener, ruhiger und nüchterner Fahrer bekannt. Kein
An=
laß beſtehe, eine Freiheitsſtrafe auszuſprechen.
Der Urteil erkennt auf fünf Monate Gefängnis.
*Große Strafkammer.
). 1. Wir berichteten ſeinerzeit ausführlich über eine Verhandlung
des Bezirksſchöffengerichts, nach welcher ein junges Mädchen aus dem
Nied wegen zahlreicher Betrügereien zu 3 Jahrem Gefängnis verurteilt
wurde. Die Bernfung richtet ſich allein gegen die Strafhöhe und die
An=
geklagte möchte die Umwandlung der Strafe in eine zeitlich geringere
Zuchthausſtrafe erreichen, um, wie ſie meint, ſo raſcher bei ihrem (
un=
ehelichen) Kinde zu ſein.
Nach Beratung verkündet das Gerih= Beſchluß dahin, daß nach
ſeiner Meinung eine unbeſchränkte Berufung vörliegt und eine
be=
dingte Rücknahme der Berufung unzuläſſig iſt. Der geladene ärztliche
Sachverſtändige ſtellte vorſorglich und informatoriſch den Antrag, die
Angeklagte in einer Anſtalt auf ihren Geiſueszuſtand beobachten zu
laſſen; jedoch ſollen zunächſt noch weitere Zeugen vernommen werden,
und von dem Reſultat dieſer Vernehmung wid es abhängen, ob und
inwieweit der von dem Sachverſtändigen geſtellte Antrag ſich als
not=
wendig ertbeiſt.
2. Anr 10. Auguſt 1927 fand in Neu=Iſenburg am Bahnhof beim
Ueberfahren eines ſchrankenloſen Geleiſes ein Zuſammenſtoß eines
Frankfurrer Laſtkraftwagens mit Anhänger mit der Lokomotive eines
Güterzugs ſtatt. Der Beifahrer des Anhängewagens wurde von dieſem
heruntergeſchleudert und erlitt, ebenſo wie ein Kind, Verletzungen. Die
Eiſenbahnbzamten trifft keine Schuld an dem Unfall, der Güterzug
hatte das Vorfahrtrecht. Der wegen fahrläſſiger
Eiſenbahntranspori=
gefährdung angeklagte Lenke= des Laſtautos hat vom
Bezirksſchöffen=
gericht Offenbach einen Monat Gefängnis erhalten. Staatsanwaltſchaft
und Angek agter haben Berufung verfolgt, letzterer beſchränkt
nachträg=
lich die Berufung auf das Strafmaß. Ein Verſchulden liegt auch darin.
daß keine Verbindung zniſchen dem Führer des Laſtautos und dem
2
dem Anhänger ſitzenden Bremſer, wie vorgeſchrieben, möglich war
* Verteidiger betont hinſichtlich der Strafzumeſſung, daß gerade der
Angeklagre der Hauptleidtragende bei dem Zuſammenſtoß geweſen ſei
und damals den Führerſchein erſt ſeit einem Jahr beſeſſen habe. Mithin
beſtehe kein Anlaß, auf eine infamierende Gefängnisſtrafe zu erkennen.
eine angemeſſne Geldſtrafe möge genügen. Der Staatsampalt erwidert,
daß der Angeklagte in eines geradezn unglaublichen Fahrläfſigkeit
ge=
fahren ſei, auch der Umſtand, daß er erſt ein Jahr den Führerſchein
beſeſſen habe, vermöge ſein Verſchulden nicht geringer erſcheinen zu
laſſen. Der Eiſenbahnzug ſei in hohem Maße gefährdet geweſen, zum
Glück habe ein Premſer desſelben den Gefahrzuſtand noch rechtzeitig
er=
kannt. Der Staatsanwalt verweiſt dabei noch auf die vielen Eiſenbahn.
unfälle gerade der letzten Zeit. Das Urteil verwirft beide Berufungen.
*Amtsgericht I.
p. Wegen Vergehens gegen Art. 1 88 1 und 4 des Notgeſetzes vom
24. Februar 1923 war gegen einen hieſigem Einwohner ein Strafbefehl
über 300 Mark, eventuell 60 Tage Haft, erlaſſen worden, weil er im
Zentrum der Stadt mit Wirkung vom 10. November 1927 zwei Zimmer
für Spiel= und Klubzwvecke während der Zeitz von 8 Uhr abends bis
8 Uhr morgens gemietet habe, weil fortgeſetzt Schankwirtſchaft in
frag=
lichem Räumen betrieben worden ſei. Die Anklage hebt hervor, es ſei
daſelbſt Wein, Sekt und Mokka gegen Bezahlung verabreicht worden,
ohne daß Wirtſchaftskonzeſſion vorliege. Einen gleichen Strafbefehl
hat eine jetzt nach Berlin verzogene Geſchäftsführerin erhalten.
Unter den geladenen Zeugen befinden ſich auh eine Anzahl hier
beſchäftigter Bardamen. Auf erhobenen Einſpruch hatte ſich das
Amts=
gericht mit der Sache zu beſchäftigen.
Der Staatsanwalt bejaht die Frage des Wirtſchaftsbetriebs im
Unionklub, der nicht konzeſſioniert war. Die im Strafbefehl
ausgewor=
fene Strafe ſei mit Recht hoch. Nach Schluß der Polizeiſtunde dürfe
nicht geſchlemm: werden zu einer Zeit, wo zahlreiche Volkskreiſe
darbten. Der Angeklagte will davon überzeugt geweſen ſein, daß keine
Konzeſſion nötig ſei. Die Preiſe ſeien niedrig geweſen, alle Einnahmen
in die Klubkaſſe gefloſſen. Das Urteil erkennt wegen Vergehens gegen
die Gewerbeordnung, verſchärft durch das Notgeſetz von 1923, auf eine
Geldſtrafe von 300 Mark.
In allen Apotheken erhältlich.
Tageskalender für Donnerstag, den 19. April 1928.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, Anfang 19½ Uhr, Ende
22 Uhr, C 18: „Der Barbier von Sevilla”. — Kleines Haus, Anfang
20 Uhr, Ende 22 Uhr, außer Miete, Gaſtſpiel Konrad Driher mit
Enſemble: „Der Schwiegervater”. — Orpheum, abends 20 Uhr:
Gaſtſpiel Aſta Nielſen „Die Kameliendame‟. — Konzerte:
Schloß=
kaffee, Kaffee Rheingold, Hotel Schmitz, Taunusburg, Weinhaus
Maxim, Waldſchlößchen. — Kinovorſtellungen: Helia,
Union=Theater, Palgſt=Lichtſpiels, Reſidenz=Theater.
Aus Heſſen.
Starkenburg.
J. Griesheim, 17. April. Auf einem wichtigen Abſchnitt bann die
hieſige Gewerbe= und Handwerker=Vereinigung wunmehr zurüchblicken,
nachdem die diesjährige theoretiſche Geſellenprüfung ſtattgefunden und
die Prüfung der einzelnen Arbeiten durch die einzelnen
Prüfungskom=
maſſionen erfolgt iſt. Im Saale des „Darmſtädter Hofes” waren mit
Rüchſicht auf die außergewöhnlich hohe Zahl der Prüflinge im
Einver=
nehmen mit der Schulleitung bei dieſer Gelegenheit die Arbeiten der
gewerblichen Fortbildungsſchule ausgeſtellt und wurden neben den
Zeich=
nungen uſw. eine ſtattliche Zahl von Modellen und ſonſtigen praktiſchen
Arbeiten der Schule gezeigt, beſonders fielen hierbei die für die
Volks=
ſchule geſtrichenen Modelle auf. Der überaus ſtarke Beſuch von Eltern,
Lehrmeiſtern und ſonſtigen Intereſſenten gab Zeugnis, daß man auch von
der Weiterbildung der aus der Volksſchule entlaſſenen Jugend allgemein
intereſſiert iſt. Die gezeigten Arbeiten bewieſen, daß auch theoretifche
Weiterbildung neben der parktiſchen Tätigkeit den jungen Leuten in
aus=
reichendem Maße zuteil wurde. Jedenfalls konnten die Beſucher mit
voller Genugtuung feſtſtellen, daß die jungen Handwerker heute dem
fortſchreitenden Geiſte der Tecknik entſprechend unterrichtet werden, und
daß weiterhin zwiſchen dem Handwerk und der Schule das beſte
Einver=
nehmen beſteht.
F. Eberſtabt, 18. April. Gemeinderatsſitzung. Am Don
nerstag (19. April), abends 8 Uhr beginnend, findet im Rathausſaale
eine öffentliche Gemeinderatsſitzung ſtatt. — Für die von der Gemeinde
ausgeſchriebene Schutzmannsſtelle haben ſich 17 und ſür die Stelle eines
Aſſiſtenten bei der Gemeindekaſſe 60 Bewerber gemeldet. Bekanntlich
müſſen beide Stellen mit Verſorgungsanwärtern beſetzt werden. Der
Finanzausſchuß wird im Laufe der nächſten Woche die Bewerbungen
einer Durchſicht unterziehen, ſo daß die Wahl unter den Bewerbern in
der übernächſten Gemeindcratsſitzung wird getroffen werden können,
Au. Eberſtadt, 18. April. Kirchenkonzert. Am kommenden
Sonntag findet in der evangeliſchen Kirche eine kirchenmuſikaliſche
Abendfeier ſtatt. Unter anderem wirken Organiſt Weber aus
Darm=
ſtadt, die Violinkünſtlerin A. Renz aus Darmſtadt und Margarethe
Albrecht (Geſang) vom Landestheater mit. In der Hauptſache ſollen
klaſſiſche Werke von Reger, Wolf, Händel und Bach zu Gehör gebracht
werden. — Von der Bürgermeiſterei. Die Bürgermeiſterei
weiſt darauf hin, daß die bei der Gemeindekaſſe noch befindlichen
Ab=
fuhrſcheine über Nutzholz und Brennholz bis Ende dieſer Woche,
ſpä=
teſtens bis zum 21. April, eingelöſt werden müſſen. Andernfalls wird
nämlich das betreffende Holz von der Gemeinde nochmals verſteigert,
Ueberhaupt iſt angeordnet, daß alles verſteigerte Holz bis ſpäteſtens zum
28. April aus dim Walde entfernt ſein muß. — Ferner weiſt die
Bür=
germeiſterei darauf hin, daß jegliches Fuß= und Handballſpiel in den
Ortsſtraßen im Intereſſe der Sicherheit unbedingt verboten iſt.
Ins=
beſondere wird darauf aufmerkſam gemacht, daß Eltern für ihre Kinder
haftbar gemacht werden.
Aa. Pfungſtadt, 18. April. Kleinkinderſchule. Die
Auf=
nahme der Kinder in die Kleinkinderſchule findet am Montag, den 23,
April, ſtatt. Es werden Kinder aufgenommen, die bis September 3
Jahre alt werden. — Der Gemeinderat hat das Baugeſuch der
Holzwaren= und Zelluloidfabrik genehmigt. Es handelt ſich um einen
Neubau, der für die Erweiterung des Betriebes unbedingt notwendig
iſt. Außerdem beſchloß der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung,
aus verkehrstechniſchen Gründen zwei Hofreiten käuflich zu erwerben.
r. Babenhauſen, 17. April. Aus dem Gemeinderat. Am
Dienstag abend fand unter dem Vorſitz des Herrn Bürgermeiſters
Rühl eine gutbeſuchte öffentliche Gemeinderatsſitzung ſtatt, zu der
vom Kulturbquamt Darmſtadt die Herren Oberbaurat Hauck und
Reg.=Baumeiſter Kraus, vom hieſigen Elektrizitätswerk die Herren
Baurat Schöberl und Starke erſchienen waren. Die Frage der
Stromlieferung für das Waſſerleitungspumpwerk, die in letzter Zeit im
Mittelpunkt des öffenrlichen Intereſſes ſtand, ſollte in gemeinſamer
Aus=
ſprache geklärt werden. Nach Worten der Begrüßung ſtreift der
Vor=
ſitzende die Vorgeſchichte, die den Gemeinderat dazu beſtimmt hatte, ſich
ſeither für Wechſelſtrom zu entſcheiden und zwei Drehſtrommotoren bei
der Rhein=Elektra=Geſellſchaft Mannheim zu beſtellen. Als Beſitzer des
hieſigen Elektrizitätswerks nimmt Herr Baurat Schöberl in einem
aus=
führlichen, den Fachmann verratenden Vortrage Stellung zu der
Kar=
dinalfrage: Gleickſtrom oder Drehſtrom? Ausgehend von dem mit der
Stadt abgeſchloſſenen vertraglichen Necht, wonach das Werk dieſe mit
Gleichſtrom verſorgt, gibt der Redner ſachliche Erläuterungen zu den
verſchiedenen in Betracht kommenden Stromlöſungen. Er ſpricht über
das Weſen des reinen Dreh= und Gleichſtroms, die Kombination von
beiden Stromarten, beleuchtet die finanziellen Auswirkungen und
ſchil=
dert eingehend die Vorteile und Nachteile für die Gemeinde und das
Elektrizitätswerk. Im Intereſſe der ſteigernden Wirtſchaftlichkeit des
Werkes befürwortet der Vortragende die Verwendung mit
Gleich=
ſtrom. Am der Ausſprache beteiligen ſich Herr Oberbourat Hauck und
berſchiedene Vertreter des Gemeinderats. Ein definitwver Beſchluß,
welche Stromart man endgültig berwenden will, wird in dieſer Sitzung
nicht gefaßt, die Abſtimmung wird einem Antrage gemäß auf die nächſte
Sitzung am Samstag abend verſchoben. Nach kurzem Ausführungen des
Herrn Bourats Schöberl über Erzielung einer noch beſſeren
Straßen=
beleuchtung an manchen Stellen der Stadt, wird von einem
Gemeinde=
vertreter die Frage geſtellt, ob das Werk nicht, wie es in anderen
Ge=
meinden ſchon geſchehen ſei, zu einer Stvompreisermäßigung ſchreiten
wolle. Eine Prüfung dieſer Frage wird zugefagt. Nach Kenntnisnahme
eines Schreibens, betreffend öffentliches Anſchlagen von Druckſchriften,
beſchließt der Gemeinderat im Hinblick auf die kommende
Reichstags=
wahl das Anbringen mehrerer neuer Anſchlagstafeln an geeigneten
Plätzen. Die Zuſammenſetzung der Reichstagswahlkommiſſion ergibt
folgendes Bild: Vorſteher ſind in den zwei Stimmbezirtem
Bürger=
meiſter Rühl und Beigeordneter Hauff, ihre Stellvertreter die
Ge=
meinderäte Brenger und Müller. Zu Beiſitzern werden beſtimmt im
Bezirk 1 die Gemeinderäte Kloos, Mohr, Held 1. und Poſt; im Bezirk 2
die Gemeinderäte Mahla, Melk und Jauchzy und Ph. P. Mohr.
Ab=
gelehnt wird ein Geſuch der Südweſtdeutſchen Bühne um Uebernahme
einer Ausfallgarantieſumme von 300 Mark durch die Gemeinde. Den
Schluß der Sitzung bilden die Gewährung einer Beihilfe für
Opera=
tionskoſten und die Beratug über die Anzahl der Zapfſtellen in denn
gemeindlichen Häuſern.
r. Babenhaufen, 17. April. Im Gaſthaus zum Löwen fand die
diesjährige Generalverſammlung der
Schützengeſell=
ſchaft ſtatt. In ſeiner Begrüßungsanſprache wies der
Oberſchützen=
meiſter, Herr Studienrat UIImann, auf die Bedeutung des 18.
Deut=
ſchen Bundesſchießens für die geſamte Fortentwicklung des Schießweſens
im Deurſchen Schützenbunde hin. Er betonte, daß nur der engſte
Zu=
ſanrmenſchluß zur weiteren Aufbauarbeit und Durchführung der idealen
Ziele des oberſten Verbandes führen könne. Nach Erſtattung des
Ge=
chäftsberichts über das verfloſſene und einem kurzen Ausblick auf das
kommende Jahr wurde die Tagesordnung unter reger Mitwirkung aller
anweſenden Schützem erledigt. Der diesjährigen Generalverſammlung
war es vorbehalten, die Kleinkaliberabteilung der Hauptgeſellſchaft
ſatzungsgemäß zu genehmigen. Die von Herrn Fritz Kehr angefertigte
Gründungsurkunde der Kleinkaliberabteilung Babenhauſen—
Harreshau=
ſen wird der hieſigen Schützengeſellſchaft für immer eine ſtolze Zierde
ſein und bleiben. Der Kleinkaliberabteilung iſt zu wünſchen, daß ſie
eine ſtarke Förderin des Schießſportes bleibt, und daß ihr eine ſtändige
Weiterentwicklung beſchieden ſein möge. — Einen Luſtſpielabend
hielt am vergangenen Sonntag der Verein der Theaterfreunde 1925
im Saalbau „Deutſcher Hof” ab. Der große Saal war gut beſetzt, und
das zahlreich erſchienene Publikum unterhielt, ſich mehrere Stunden
lang aufs beſte. Bei guter Darſtellung und recht lebendigem Spiel der
Damen und Herren des rührigen Vereins gelangten zur Aufführung
die beiden urkomiſchen Schwänke „Die Dollarprinzeſſin” und „
Bliem=
chen als Wachsfigur‟ Die Hauptprobe am Nachmittag war auch von
der Jugend recht gut beſucht. Für treffliche und den Stücken paſſende
Unterhaltungsmuſik ſorgte die einheimiſche Kapelle Lautz. — Zu einer
außerordentlichen Generalderſammlung lädt die
neul=
gegründete Obſt= und Gemüſeabſatzgenoſſenſchaft an
dieſen Donnerstag in den kleinen Saal des Gaſrhauſes „Deutſcher Hof”
ein „Auf der Tagesordnung ſtehen als Hauptpunkte: 1.
Berichterſtat=
tung über den Abſchluß mit dem Obſt= und Gemüiſegroßmarkt Nauheim,
2. Errichtung von Annahmeſtellen in den Erzeugerorten.
O. Groß=Bieberau, 17. April. Die Wanderausſtellung für
Geſundheitspflege und ſoziale Fürſorge ſoll auch den hieſigen
Bewohnern Aufklärung und Verſtändnis über das wichtigſte Gut des
Menſchen geben und kommt im großen Saale bei Gaſtwirt Schellhaas
zur Aufſtellung. Am kommenden Samstag findet die feierliche Eröffnung
ſtatt. — Der hieſige Schuhmachermeiſter Philipp Schiemer konnte ſein
90. Lebensjahr vollenden. Zahlreiche Glüchwünſche wurden ihm
zuteil. — Die Frühjahrsſaaten auf den Feldern ſind längſt
be=
endet und zeigen dieſe cinen guten Stand. Auch das Kartoffelſtechen har
bereits begonnen und wurde nun durch das Regenwetter unterbrocken.
Das Satkartoſfelgeſchäift nahm in dieſem Jahre einen ruhigeren
Vei=
lauf als früher. Auch die Preiſe waren niedriger. Die Geldcnappheil
macht ſich da recht bemerkbar. — Der letzte Ferkelmarkt hatte umter
dem ungünſtigen Wetter zu leiden. Bei geringer Anfuhr und veelen
Käufern waren die Preiſe geſtiegen.
Seite 7
Domerstag, den 19. Aprf 1928
Nummer 109
23 Jahre Kreiskrankenhaus in (rbach i. O.
* Eine ſoziale Arbeit! Wer ſich dem Odeuwald vom Jahre 1899
noch vorſtellen kann, wird auch begreifen können, mit welcher Freude
man den Gedanken begrüßt hat, ein Kpankenhaus für den Kreis Erbach
zu errichten. Wurde in der damaligen Zeit jemand ernſtlich krank, ſo
war ihm kaum eine ausreichende Hilfe zu beſchaffen. In ſchwierigen
Fällen mußten die Kranken mit der Bahm nach der entfernten Stadt
in die Kronkenhäuſer gebracht werden. Man vermißte die Möglichkeit,
Kranke in einer Anſtalt innerhalb des Kreiſes unterzubringen. Die
Verſuche, die Krankenhausfrage zu löſen, gehen weiter zurück als zum
Jahre 1899. Der Kreis Erbach iſt ein ſehr ausgedehnter
Verwaltungs=
bezirk, und faßte man ins Auge, drei Krankenhäuſer zu errichten.
Da=
mit wollte man der Oberzent, der Unterzent und der Reichelsheimer
Zent Nechnung tragen. Von politiſchem Geſichtspunkte aus war gegen
dieſe Löſung nichts einzuwendem. Hingegem war die Frage der
Zweck=
mäßigkeit unerledigt geblieben. In einem ländlichen Bezirk mit damals
etwa 40 000—50 000 Einwohnern konnten drei Kraukenhäuſer nicht
lei=
ſtungsfähig werden, weil die Frequenz eine mzureichende geblieben
wäre.
Es war deshalb ganz richtig, daß der Kreistag des Kreiſes Erbach
am 13. Mai 1899 beſchloſſen hat, ein Kreiskrankenhaus für den Kreis
Grbach zu errichten. Dabei ſollte das Kreiskrankenhaus in demienigen
Orte errichtet werden, der die von dem Kreis geſtellten Bedingungen
eingehe. Es folgten hierauf noch Verhandlungen über die Geſtellung
des Platzes, über die Verwaltung und den Betrieb des Krankenhauſes.
Der Gemeinderat der Gemeinde Erbach beſchloß, die Bedingungen des
Kreiſes einzugehen. Im Jahre 1903 wurde die Erbauung vorgenommen.
Die feierliche Einweihung erfolgte am 6. April 1903. Es wurde damals
ausdrücklich bemerkt, daß man in erſter Linie ein Krankenhaus erbauem
wolle, nicht aber ein Siechenhaus. Dieſen Chauakter des Krankenhauſes
konnte man bis zum heutigen Tage beibehalten.
Es verlohnt ſich, nach 25 Jahren einen Rückblick zu werfen über die
Entwicklung des Kreiskrankenhäuſes. Nur allzu natürlich iſt es, daß
die Einrickitung des Kreiskrankenhauſes lange Zeit recht primitiv war.
Mit den Krankenhäuſern der benachbarten Großſtädte konnte es lange
Zeit in keiner Weiſe konkurrieren. Es galt alſo, Vertrauen bei der
Ve=
völkerung zu erwecken. Dies war ſelbſtverſtändlich nicht ſehr leicht.
Das Krankenhaus war etwas unzweckmäßig gebaut, was ſich allerdings
erſt während der erſtem Betriebsjahre herausſtellte. Der Betrieb des
Kreiskrankenhauſes erforderte erhebliche Unkoſten, die Frequenz des
Hauſes ſtand in keinem Verhältnis zu den Aufwendungen. Auch das
Intereſſe der Bevölkerung an ihrem Kreiskrankenhaus war im Anfang
nicht ſehr erheblich. Vielfach dachte man erſt an das Krankenhaus, wenn
man jemand einliefern wollte, der ſich zum Sterben anſchickte. Die
außerordentlich hohe Zahl der Todesfälle in den erſten Jayren des
Be=
ſtehens des Kreiskrankenhauſes legt dafür einen durchſchlagenden
Be=
weis ab. Man begegnete dem Haus oftmals nicht mit der notwendigem
Nückſicht. Darunter hat das Krankenhaus im Anfang ſehr gelitten. Auch
die Löſung der Arztfrage zuar ſtets ſehr ſchwierig. Einen Arzt für
das Krankenhaus anzuſtellen, war nicht möglich. Das Haus war hie
für nicht groß genug. Man konnte deshalb nur einen Chefarzt mit
teil=
weiſer Beſchäftigung mit der Aufſicht über das Haus betrauen. Die
übrigen Aerzte konnten das Haus nach Bebauf belegen.
In einenr längeren Expoſé forderte am 30. Dezember 1919
Bürger=
meiſter Dengler von dem hieſigen Kreisamt eine Abſtellung aller dem
Krantenhaus anhaftenden Fehler baulicher und betriebstechniſcher Art.
Bürgermeiſter Dengler wurde von ſeiner Deputation, die großes
Ver=
ſtändnis für ſeine Pläne hatte, weitgehendſt unterſtützt. Die Forderung,
das Kreiskrankenhaus zu erweitern, konnte im Jahre 1920 nicht ſofort
erfüllt werden. Die ſtändig zunehmende Teuerung (Inflation) ſtellte
ſich hindernd in den Weg, dies um ſo mehr, als man den Charakter
der Inflation damals nicht richtig erkannt hatte. Immerhin wauen die
Bemühungen des Bürgermeiſters der Stadt Erbach nicht ohne Erfolg
geblieben. Am 21. Mai 1921 beſchloß der Kreistag des Kreiſes Erbach
dem Umbau und die Erweiterung des Krankenhauſes zu Erbach nach
Maßgabe der vorgelegten Pläne und Koſtenvoranſchläge. Die zum
Aus=
bau erforderlichen Mittel von zirka 700 000 Mark ſollten aus den
Er=
ſparniſſen des Kommunalverbandes zur Verfügung geſtellt u
ng.
die lang erſtrebte, durckaus notwendige Erweiterun.
haufes zur Tat geworken. Es iſt ſicherlich nicht zuviel
des Kreistranken
geſagt, wenn man behauptet, daß das Freiskrankenhaus ſich heute eines
guten Rufes erfreut. Als ſckönſten Beweis für dieſe Behauptung kann
man lvohl die Tatſache auführen, doß täglich Patfenten abgewieſen wer=
Den miſſen, meil es an dem arforderlichen Platz mangelt.
Das Jahr 1977 brachte bezüglich der Verpflegungstage eine
bedeu=
tende Verſchiebung gegen die Vorjahre. Hier war eine Steigerung auf
8377 Verpflegungstege gegenüber 4387 im Jahre 1926 und rund 3000
dem fortgeſetzten Zuſpruch, deſſen ſich das Krankenhaus erfreut, iſt man hannoverſcher landwirtſchaftlicher Genoſſenſchaften, vollendet am 2.
im Jahre 1428 in der Lage, bei vorſichtigſter Berechnung 10 000
Ver=
pflegungstage mit insgeſamt 350 Patienten anzugeben. Es iſt auch die
Mitteilung der Verwaltung ſehr bemerkenswert, wonach mit der zu= Johannßen an die Spitze dieſer Organiſation, die mit ihren 27
Provin=
uehmenden Patientenzahl und der Zahl. der Verpflegungstage die
Zu=
ſchußwirtſchaft auf das denkbar geringſte Minimum eingeſchränkt
wor=
den iſt. Der Prozentſatz der Zuſchüiſſe verringert ſich mehr und mehr,
je größer die Belegungszahl des Krankenhauſes iſt. Wäre nun das
Kranbenhaus nur vergrößert worden und hätte nicht gleichzeitig ein
Ausbau des Haüſes in heiltechniſcher Beziehung ſtattgefunden, ſo wäre
dieſer Erfolg zweifellos nicht zu erzielen geweſen. Es war deshalb
richtig, daß das Kreiskraukenhaus ſtändig an Verbeſſerungem gearbeitet
hat. Wie wvir erfahren, ſind weitere Verbeſſerungen geplant. Man kann
es wirklich begrüßen, wenm es der Verwaltung gelingt, ihre Pläne
durch=
zuſetzenn.
Wenn man nun nach Ablauf von 25 Jahren die Entwicklung des
Kreiskrankenhauſes überblickt, ſo muß man zu der Ueberzeugung
kom=
men, daß die Verwaltung ihre Plichten nicht nur voll und ganz erfüllt,
ſondern auch darüber hinaus insbeſondere in der Nachkriegszeit das
Krankenhaus im der muſtergüfltigſten Weiſe ausgebaut hat. Aus dem
an=
fänglich kleinen Berrieb entſtand in dieſem Vierteljahrhundert eine
An=
ſtalt, die im ganzen Odenwald ihresgleichen ſucht. Hand in Hand mit
den vorgenommenen baulichen Erveiterungem vollzog ſich auch der
Aus=
bau der ſanitären Einrichtungen. So hat man in den letzten Jahren
einen Röntgen= und Höhenſonnenapparat beſchafft und eine Einrichtung
zur Abgabe der verſchiedenſte Arten von Bädern geſchaffen. Dieſe
überaus ſegensreichen Einrichtungen kommem heute nicht wur den
Pa=
tienten des Kreiskrankenhauſes ſelbſt zugute, ſondern ſie dienen auch
den Aerzten bei Ausübung ihrer privatem Ppaxis als wertvolle Stütze
und damit den übrigen Patienten als Förderer ihrer Geſundheit. Die
im ganzen Haus vorhandene, in Verbindung mit der Erweiterung
ge=
ſchaffene Zentralheizungsanlage ſei nur nebenbei erwähnt. Allen von
der Verwaltung unter der Führung des Bürgermeiſters Dengler
ge=
troffenen Maßnahmen war ein voller Erfolg beſchieden. Der heute
müh=
ſam gewonnene gute Ruf des Kreiskrankenhauſes iſt einerſeits auf die
erfolgreiche Arbeit und die tatkräſtige Untenſtützung der Beſtrebunge
dr.
Verwaltung durch die hieſigen Aerzte, beſonders den Chefarzt
de
rgſträßer und deſſen Stellbertreter und Röntgenamzt Dr. Beck,
an=
dererſeits aber vor allen Dingen auch der nimmermüden Tätigkeit der
Schweſtern des Krantenhauſes, unter Leivung der Schweſter Julie Hundt
und derem Vorgängerin Schweſter Johanna Herbſt, zu verdanken. Auf
peinlichſte Sauberkeit, vorzügliche Verpflegung und eine möglichſt allen
Wünſchen Rechnung tragende Behamdlung der Patienten wird heute in
alleverſter Linie geachtet. Dem beſten Beweis für den gutem Ruf liefert
wvohl, die im letztem Jahre ſtets vorhandene Ueberfüllung des
Kreis=
kranfenhauſes, die die Verwaltung bereits veranlaßte, abermals einen
Antrag auf Erweiterung des Kreiskrankenhauſes zu ſtellen. Wenn auch
dieſer Antrag ſeitens des Kreisausſchuſſes vorläufig zurückgeſtellt wurde
und man die zu dieſem Beſchluß führenden Gründe keinesfalls verkennt,
ſo darf man aber trotzdem der Hoffnung Ausdruck geben, daß der
Kreisausſduß ſich einer Erweiterung nicht verſchließen wird, dies um
ſo mehr, als über die Notwendigkeit keinerlei Zweifel beſtehen und ſich
die für dieſe Erweiterung aufzuwendendem Zinſen in Anbetracht der
gutem Vermögenslage des Kreiskrankenhauſes durch Einſparungen im
Betrieb ſicherlich größtenteils decken laſſen. Andererſeits wird man aber
auch der günſtigen Entwicklung des Kreiskrankenhauſes nicht hindernd
im Wege ſtehen wollen.
Heuts iſt es nun gelungen, faſt alle Kraukheiten im hieſigen
Kreis=
krankenhaus zu behandeln und damit vornehmlich für die Bevölkerung
des hinteren Odenwaldes weſentliche Vorteile zu erreichen. Die
vorzüg=
liche Entw
vicklung des Kreiskrantenhauſes iſt in allererſter Linie dem
hieſigen Bürgermeiſter Dengler zu verdanken, der in verſtändnisvoller
Weiſe die vor 25 Jahren begonnene ſoziale Arbeit weiterführte und in
unermüdlicher Tätigkeit beſtrebt war, das Anſehen des
Kreiskranken=
hauſes in jeder Hinſicht immer weiter auszubauen. Hoffen wir, daß
es der Verwaſtung unter der Leitung des Bürgermeiſters Dengler
ge=
lingen möge, den gewonnenen Ruf des Kreiskrankenhauſes aich
ferner=
hin zu erhalten und zu fördern.
4I. Höchſt i. Odw., 18 Abril. Ausdem Gemeinderat. Eine
Verfügung des Miniſteriums des Innern über Unterhaltung des
Duſen=
bacher=Weges wurde zurückgewieſen, da es nicht angängig und die
Ge=
meinde nicht gewillt iſt, für eine Straße, die über 30 Jahre vom Kreis
unterhalten wurde, die Unterhaltungspflicht zu übernehmen. — Zur
Teilnahme an einer Beſprechung über die Koſtenzahlung Bahnbau
Höchſt—Aſchaffenburg in Neuſtadt i. Odw. wurde Bürgermeiſter Wolf,
Gemeinderechner Lohnes und Gemeinderatsmitglied Vogt beauftragt.
Die vom Miniſterium verfügte Aufſtellung von Ortstafeln an den
Ortsausgängen wurde vorerſt zurückgeſtellt; die Anfertigung der Tafeln
ſoll zu gegebener Zeit von hieſigen Geſchäftskeuten vorgenommen
wer=
den. — Die Vergebung des Karuſſellplatzes ſoll nach vorheriger
Rück=
ſprache mit einem Bewerber vorgenommen werden. — Als Delegierter
für die Hauptverſammlung der Kommunalen Landesbank wurde
Bür=
germeiſter Wolf beſtimmt. Ein Antrag der Kohlen=Union=Geſellſchaft
um Errichtung einer Benzin=Tankſtelle auf dem Auweſen des Leonhard
Schnellbacher 2. fand Annahme.
b. Erbach i. O., 17. April. Verkehrsvercin. Die
General=
verſammlung des Verkehrsvereins Erbach fand im Gaſthaus „zum
Kirſch” ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Rechnungsrat Fehr, eröffnet die
Verſamulung und gedenkt zunäclſt in warmen Worten des verſtorbenen.
Vorſtandsmitgliedes, Herrn Betriebsleiter Sommer. Die Verfammlung
eihebt ſich zu Ehren des Heimgegangenen von den Sitzen. Der
Ge=
ſchäftsbericht, der die Ueberſchrift „Fünf Jahre Erbacher
Verkehrs=
verein” trigt, wird den Mitgliedern, in je einem gedruckten Exemplar
uberreicht. Wir entnehmen demſelben in grsben Zügen folgendes: Des
Verein wurde am 14. April 1323 von 12 Erbacher Herren im Café Glenz
gegründet. In dem Vorſtand iſt neben den ordentlichen Mitgliedern
die Staot Erbach, de Ortsgewerbeverein Erbach, der
Kleinhandelsver=
land Erbach und die Ortsgruppe des Odenwaldklubs durch je einen
Herrn vertreten. Der Verein hat es durch intenſive Arbeit verſtanden,
den Fremdenverkehr in den letzten Jahren ganz erheblich zu ſteigern.
Einen zuverläſſigen Maßſtao findet man darin, daß die Sammlungen
des Schloſſes Erbach in dem Geſchäftsjahr 1. April 1927 bis dahin 1928
von 11 235 zahlenden Fremden beſucht warer. Hier iſt noch zu
berückſich=
tigen, daß die Samrmlungen von einer ganz erheblichen Zahl beſucht
wurden, die die Sammlungen durh eingeräumte Vergüinſtigungen durch
die Standesherrſchaft ohne Eintrirtsgeld beſichtigen konnten, über die
keinerlei Kontrolle geführt wird. Der Verein iſt Mitglied des Heſſ.
Verkehrsverbandes, welch Letzterer dem Reichsverband deutſcher
Ver=
kehrsvereine angeſchloſſen iſt, und des Odenwaldverrehrsbundes. Großen
Anklang fand überall der von dem Verein herausgegebene Führer durch
Erbach und Umgebung. Der Vorſitzende ſpricht deſſen Schöpfer, Herrn
Archivrat Morneweg, für die ganz hervorragende Aubeit den Dank des
Vereins und der Allgemeinheit aus. Außer dieſem Führer wurde im
Verein mit dem Odenwaldflub eine Umgebungskarte herausgebracht,
die auch großen Anklang fand. Der Referent gibt noch einen kurzen
Ueberblick über die verſchiedenen, durch den Verein ins Leben gerufenen
Veranſtaltungen und erteilt ſodann dem Kaſſenwart, Herrn A.
Lam=
berth, das Wort zur Erſtattung des Kaſſenbrichtes. Der Vorſitzende
würdigt die Verdienſte des nach Darmſtadt verzogenen Mitgliedes,
Herrn Kammerrat a. D. C. L. Külz. Derſelbe wird auf einſtimmigen
Verſammlungsbeſchluß zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Die
Vorſtandswahl brachte folgendes Reſultat: 1. Vorſitzender Herr
Rech=
nungsrat Fehr, 2. Vorſitzender und Schriffführer Herr 9. Planz,
Kaſſenwart Herr A. Lamberth, Vertreter der Stadt Erbach Herr Bür=
germeiſter Dengler, des Ortsgewerßevereins Herr Eberhard Volk, des
Kleinhandelsverbandes Herr J. Stetter der Ortsgruppe Erbach des
Odenwaldklubs Heru Lehrer Schwamb, Beiſitzer S. Erl. Erbgraf zu
Erbach und Her: J. Theſing. Für den ausgeſchiedenen Herrn Külp
wird Herr Dönig neu gewählt. In der Ausſprache wurde eine Reihe
von Anregungen gegeben, deren beſtmöglichſte Verwertung im Intereſſe
der Allgemeinheit durch den Vorſtand zugeſagt wurde. Möge die
Eu=
bacher Geſchäftswelt die Wichtigkeit des Vereins für die Entwicklung
unſeres Städtchens erkennen und denſelben mehr als bisher in ſeiner
nicht immer leichten Aufgabe unterſtützen, dann wird dies dem Verein
und damit unſere Heimatſtadt nah allen Richtungen zum Beſten dienen.
m. Beerfelden, 17. April. Volksbank. Die hieſige Volksbank
hielt am Montag im Hotel Beyſel, wo auch die Lokalitäten der Bank
ſich befinden, ihre ordentliche Generalverſammlung ab. Sie blickt auf
ein ſiebenundzuvanzigjähriges Beſtehen zurück, das im großen und ganzen
ein ſtetes Auſſpärts Gedeutete. Der Beſuch war ſehr gut und zeigte das
Jutereſſe des von ſeiten der Mitglieder dieſem Inſtitut entgegengebracht
wird, das für das Wirtſchaftsleben von hier wvie auch Umgebung ein
unentbehrlicher Faktor gelvorden iſt. Der Aufſichtsratsvorſitzende, Herr
Willenbücher, leitete die Verſammlung mit gewohntem Geſchick. Der
Rendant der Kaſſe, Herr Hofmann, erſtattete für den Vorſtand den
Ge=
ſchäftsbericht, der den Mitgliedern in gedruckter Form überreicht wurde
Dieſelben ſollen dadurch einen Einblick erhalten in die Ereigniſſe
de=
abgelaufenen Geſchäftsjahres und den jeſveiligen Stand ihres
Kredit=
inſtituts, ſvodurch das Vertrauensverhältnis geſchaffen wird, das einen
reibungsloſen Geſchäftsverkehr und ruhige Entwickelung der Kaſſe
garan=
tiert. Aus den Ausführungen des Reduers ging hervor, daß auch das
ab=
gelaufene Jahr die Volksbank wiederum ein Stück aufwärts kam, was
die vorliegenden Zahlen aufs beſte beweiſen. Anſchließend wurden
Vor=
ſtand und Aufſichtsrat entlaſtet. Wie im Vorjahre erhalten die
Mit=
glieder 8 Prozent Dividende, für Aufwertung der alten Spareinlagen
wurden 1000 RM. gutgeſchrieben, der Meſt des Gelvinns wurde den
Re=
ſerven beigeſchrieben. Die ausſcheidenden Mitglieder des Bopſtandes wie
Aufſichtsrates wurden wiedergowählt. Der ſeitherige G ſchäftsanteil von
500 RM. wwurde auf 100 RM. ermäßigt, dadurch ſwird der Geſchäftsanteil
auf die Höhe der ſeitherigen Einzahlungen gebracht. Nach Abwvicklung
der Tagesordnung dankte der Verſammlungsleiter den Anweſenden für
ihr Erſcheinen und ihre Mitarbeit, ein ſchon ſeit Gründung der
Ge=
noſſenſchaft angehörendes Mitglied dankte namens der Mitglieder den
Veuwaltungsorganen für ihre treue Mitarbeit im Dienſte wie zum
Ge=
deihen der Volksbank.
Hirſchhorn, 18. Aſil. Waſſerſtand des Neckars am
17. April 1,46 Meter, am 18. April 1,60 Meter.
II. Von der Bergſtraße, 17. April. Bahnſchranke
umge=
rannt. Am Sonntag raunte am Hauptbahnhof in Großſachſen ein
Auto gegen die geſchloſſene Bahnſchranke. Auto und Schrance ſwurden
ſtark beſchädigt. — Zuſammenſtoß. Auf der Straße gegen
Heddes=
heim ſtießen zwei Autos gegeneinander, wobei an dem einen Auto das
Vorderrad glatt abgeriſſen wurde. Perſonen kamen dabei nicht zu
Schaden. — Lebensmüde. Eine etva 50jährige Frau in Ladenburg
ſprang aus Lebensüberdruß in den Neckar. Ein 70jähriger Bäckermeiſter
ſprang in das Waſſer und rettete die Frau. Häusliche Zwiſtigkeiten
ſollen die Urſache ſein. Die Lebensmüde ſpurde zu ihrer Schſveſter nach
Heidelberg gebracht. — Eine elektriſch, Standuhy
umge=
rannt. Ein Laſtauto rannte in Mannheln gegen eiſe eleſtriſche
Standuhr und riß ſie glatt vom Boden ab.
20. Geburtstag des Präſidenten des
Reichs=
verbands der deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften.
Landesökonomierat Peter Johannßen=Hannover, Präſident
des Reichsverbands, der deutſchen
landwirtſchaft=
in früheren Jahren möglich. Nach dem Betriebsergebnis von 1977 und lichen Genoſſenſchaften und Verbandsdirektor des Verbands
April ſein ſiebenzigſtes Lebensjahr. Nach dem im 1913 erfolgten
Ab=
leben des Gründers des Reichsverbands, Wilhelm Hags, wurde
zial= und Landesverbänden und derem 26 000 Einzelgenoſſenſchaften
den größten genoſſenſchaftlichen Zuſammenſchluß
der Welt darſtellt, berufen.
Johannßen, als Sohn eines ſchleswig=holſteiniſchen Hofbeſitzers 1858
geboren, war nach Abſchluß ſeines landwirtſchaftlichen Studiums
zu=
nächſt mehrere Jahre als Landwirtſchaftslehrer in Annaberg, Chemnitz
und Hildesheim tätig, bis 1889 ſeine Wahl zum Generalſekretär der
Königl. Landwirtſchaftsgeſellſchaft in Hannover erfolgte. Dieſe
Geſell=
ſchaft ging 1899 in der Landwirtſchaftskammer der Provinz Hannover
auf, deren erſter Hauptgeſchäftsführer und Direttor Johannßen wurde,
um es bis zu ſeinem Ende 1924 erfolgten Uebertritt in den Ruheſtand
zu bleiben. Auf ſeine Anregung und unter ſeiner Mitwirkung kam
es 1889 zur Gründung des Verbands hannoverſcher landwirtſchaftlicher
Genoſſenſchaftem, deſſem Leitung Johannßen 1891 übernahm. Dieſes Amt
hat er auch jetzt noch inne und damit nahezu 40 Jahre praktiſcher
ge=
noſſenſchaftlicher Arbeit hinter ſich. In ſeiner Eigenſchaft als Präſident
m Genoſſenſchaften
des Reichsverbands der deutſchen landwirtſchaftlia
bekleidet Johannßen eine große Zahl von Ehrenämtern, ſo iſt er u. a.
rtretender Vorſitzender des Engeren und des Geſamtausſchuſſes der
ſtellbe.
Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe, ſtellvertretender Vorſitzender des
Verwaltungsrats der Deutſchen Rentenbank und der Deutſchen
Renten=
bank=Kreditanſtalt, ferner Mitglied des Reichswirtſchaftsrats und des
Reichskalirats.
Landesökonomierat Johannßen hat ſich in ſeiner jahrzehntelangen
Tätigkeit als Leiter einer Landwirtſchaftskammer umd insbeſondere als
Genoſſenſchaftsführer bleibende Verdienſte um die Entwicklung der
han=
noverſcheir und darüber hinaus in hohem Maße auch für die geſamte
ſt erworben, ſo daß an ſeinem Ehrentage weite
ge=
deutſche Landwirtſchaf
noſſenſchaftliche und landwirtſchaftliche Kreiſe ſeiner in Dankbarkeit
ge=
denken werdem.
Ag. Lindenfels, 17. April. Straßenfperre. Infolge
Aus=
führung von Kleinpflaſterarbeiten iſt die Ortsdurchfahrt am
Nordein=
gang bis zum 25. ds. Mts. geſperrt. Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke
jeder Art werden durch Schilder aufmerkſam gemacht, einen kleinen
Um=
wueg zu machen, damit ſie Lindenfels doch erreichen können. Am geſtrigen
Sonntag kamen nun doh un wartek viele Autos hierher. Die
Mehr=
sahl hatte den Weg Weinheim—Heppenheim-Fürth-Lindenfels
ge=
wählt. Aber dennoch kamen viele von Darmſtadt oder Bensheim,
welche von der Straßenſperre an unſerem Nordeingang nichts wußten.
Unſere Gendarmerieſtation hatte nun wieder den Verkehr zu regeln, und
wenn auch keine 2000 Autos wie am 2. Oſterfeiertag hier durchfuhren,
ſo iſt doch anzuerkennen, wie ſich die Beamtn um die Verkehrsfrage
an=
genonrmen haben und ihre neue Sonntagsarbeit im Intereſſe unſeres
Kurbetriebs erledigen. Es iſt ſehr bedauerlich, daß die neue Straße.
welche die Gemeinde Winterkaſten unter vielen Opfern am Oſt= und
Nordabhang des Schenkenbergs angelegt hat, noch nicht fahrbar iſt. Die
Umleitung könnte dann hier glatt erfolgen. Vielleicht nimmt ſich
nun=
mehr die Provinzial=Direktion Starkenburg um die Fertigſtellung dieſer
wichtigen Nebenſtraße an, welche eine direkte Linie Winterkaſten—
Gum=
vener Kreuz—Fürth zur wichtigſten Bahnſtation eröffnet. Trotz der
Straßenſperre am Nordeingang iſt Lindenfels durch die Umleitung von
Kolmbach nach Glattbach-Winkel—Schlierbach—Ellenbach-Fürth—
Gum=
pener Kreuz—Lindenfels zu erreichen. Ebenfalls iſt Lindenfels von
Rei=
chelsheim zu erreichen über das Gumpener Kreuz, ſodaß für die Autos,
welche Lindenfels aufſuchen wollen, immerhin noch mehrere
Möglich=
keiten gegeben ſind. Ein gewiſſer Verkehrsrückgang iſt dennoch zu
ver=
zeichnen, was unvermeidlich iſt. Wir hoffen jedoch, daß der Verluſt
bei Oeff
efnung der Verkehrsſperre bald wieder nachgeholt iſt. —
Kon=
it Be inn der Kurzeit nehmen auch die Konzerte und
Gaſt=
ſpiele ihren Anfang. So hat der berühmte ungariſche Geigenkünſtler
Syberto im Saale des Hotel „Odenwald” ein Gaſtſpiel gegeben mit
Harfen= und Klavierbegleitung. Werke von Paganii, Saraſate,
Mo=
zart, Brahms u. a. wurden zu Gehör gebracht und beifällig
aufgenom=
men. Der Geigenkünſtler brachte ebenſo erſtaunliche Kunſtfertigkeiten
auf ſeinem Inſtrument fertig. Im Kurhaus hat die Leitung ebenfalls
einen Gaſtſpielabend veranſtaltet. — Baumblüte. Die letzten kalten
Tage haben die diesjährige Baumblüite verzögert. Die nur vereinzelt
hier angepflauzten Pfirſiche dürften erfroren ſein. Kirſchenblüten
ent=
falten ſich ſehr ſchön, ebenfalls Pflaumen. Birn= und Apfelblüten ſind
noch zurück. In den Wäldern ſind die Länchen und Buchen mit ihrem
zarten, jungen Grün dem Auge wohltuend. Die ſaſtig=grünen Wieſen
*.
verden unterbrochen von den gelben Rapsfeldern, welcher Anbau in den
letzten Jahren wieder zurückgegangen iſt.
W. Heppenheim a. d. B., 18. April. Gewitter. Geſtern abend
entlud ſich über Heppenheim und Umgebung ein Gewitter, das zuerſt
von kurzem Hagel, ſpäter von heftigem Regen begleitet war. — Orts=
*
bauplan Heppenheim. Für das Bauquartier „Lange Acker
ſind durch Beſchluß der Stadtverordnetenſitzung neue Ortsbaupläne
auf=
geſtellt und die Straßen= und Baufluchtlinien neu feſtgeſetzt worden.
Die Pläne liegen bis zum 1. Mai auf dem Stadtbauamt zur Einſicht
offen. — Das Holzabfahren aus dem Heppenheimer Gemeindewald iſt
wegen der ſchlechten Witterung verboten.
17. April. Das gemeinſame Bühnenwerbe=
Bm. Hofheint (Ried),
vereins ſowie des Turnvereins 1910 Worms
turnen des hieſigen Turnv
seigte in Freiübungen, Keulenſchwingen und in allen Gerätübungen
duuchſchnittlich gute Leiſtungen und dürfte der guten Turnſache wieder
manchen näher gebracht haben.
— Gernsheim, 18. April. Waſſerſtand des Rheins am
17. April 0,36 Meter, am 18. April 0,49 Meter.
Rheinheſſen.
Ac. Worms, 17. April. Rieſenprozeß vor dem
Worm=
ſer Schöffengericht. Heute begann hier der große Prozeß gegen
den Zahnarzt Dr. Thoma wegen Betrugs. Er wird beſchuldigt,
ver=
ſchiedene Krankenkaſſen um erhebliche Beträge geſchädigt zu haben,
in=
dem er Behandlungsſcheine vorlegte, auf denen Behandlungen
verrechl=
net waren, die zum Teil überhaupt / ſcht, zum Teile in mur geringerem
Umfange ſtattgefunden haben ſollen. Der Angeklagte, der jede
Betrugs=
abſicht beſtreitet, hat dadurch von der Allg. Ortskrankenkaſſe im Jahre
1926 etwvar 12 000 Mk. Honorar erhalten. Zu der Verhandlung ſind
170 Zeugen und 4 Sachverſtändige geladen, und es ſind bis
tzt 18 Tage Dauer für den Prozeß vorgeſehen. In die Sache iſt noch
Schwiegervater des Angeklagtem, der frühere und jetzt entlaſſene
Direktor der Ortskrankenkaſſe, Geiger, mitverwickelt, der nach der
Ent=
deckung der Angelegenheit ſie gütlich beilegen und einige Tauſend Mark
bezahlen wvollte, vie ein Mitglied der Unterſuchungskommiſſion der
Kraukenkaſſe ausſagte. Aur erſtem Tage wurde der Angeklagte, ſein
Schwviegervater und verſchiedene Beamte und Vorſtandsmitglieder der
rtskrankenkaſſe vernommen, und das Gericht beſchloß auf Antrag des
ſerteidigers, daß die Unterſuchung der Zeugen bezüglich ihrer
Zahnbe=
handlung nicht, wuie beabſichtigt, im Gerichtsſaal hinter ſpaniſchen
Wän=
den, ſondern aus hygieniſchen Gründen bei Bedarf an einem geeignetem
Orte vorgenommen wverden ſoll.
Oberbeſſen.
v Grünberg, 16. April. In der hieſigen Stadtkirche wurden unter
der Leitung des Herrn Detan Schmidt die diesjährigen 59 Konfirmanden
konfirmiert, und zwwar aus Grünberg 12 Kuaben und 23 Mädchen, aus
Lehnheim 4 Knaben und 5 Mädchen, aus Lumda 5 Kuaben und 4
Mäd=
cen und aus Stangeurod 5 Knaben und 1 Mädchen. Die Vorträge
einzelner Chöre durch) das Muſikkorps trug weſentlich zur Verſchönerung
der Feier bei.
Zum
Festhalten —
von Vesbanden
Wichtig für Haushalt, Werkstatt, Sport (Radfahrer, Radio-Bastler, Kanufahrer usw.)
——1 Achten Sie auf den Namen Leukoplast, da Nachahmungen im Handel sind.
2 Erhältlich in Apotheken, Drogerien, Bandagengeschäften in Rollen von 30 Pf. an.
Gummischlaucb
Leukoplast ist immer gut,
Wenn man sich vorwunden fuk.
Aber nicht nur zu Verbänden
Kann man Leukoplast verwendent
Pappe, Porzellan und Glas,
Alles, Alles kittet das.
Ansteckdosen, Bilderrahmen,
Schachteln, Schirme, Puppendamen.
Gummischläuche, Badekappen.
Regenn äntel, Aktenmappen,
Noten, Bilder, Thermometer,
Goethes Faust und Struvwelpefer,
Alles klebt das LEUKOPLAST.
Sarg; da8 Du’s im Hauaa hast)
Geite 8
Donnerotag, den 19. Aprk 1928
Nummer 10 9
Die Zukunft der höberen Schulen Heſſens.
Wir dürfen vertrauen, daß auch in unſerem Heſſenlande die
Erkennt=
nis der Notwendigkeit dieſer Zuſammenhänge und die freudige Bereit=
Ein Mahnwort.
willigkeit beſteht, den Kindern der engeren Heimat nach wie vor die
gründliche und gediegene Schulbildung auch im der höheren Schule zu
Von Staatsrat Block, Darmſtadt.
Das alte heilige römiſche Reich deutſcher Nation iſt dahingeſunken,
das Bismarck’ſche Reich, der ſtolze Bau i ſeinen Feſten unerſchüttert,
mußte ſich wandeln. Das dritte Reich, das Reich der deutſchen Volks=
und Kulturgemeinſchaft, ſoll erſtehen, das friedliche Reich des
Hundert=
millionenvolkes, das in einer völkerverſöhnten Welt die Aufgaben
er=
füllen will, die ihm ſeiner kulturellen Bedeutung nach zufallen. Das
dritte Reich muß das geiſtige Groß=Deutſchland ſein. In ihm müſſen
die Aufgaben der Erziehung und des Unterrichts, Kunſt und
Wiſſen=
ſchaft die Grundlage bilden auch für alle realen und wirtſchaftlichen
Aufgaben und Bedürfniſſe des Alltags. Das dritte Reich iſt Kulturreich,
in ihm muß der „Kulturbeamte” eine führende Stellung haben, ein
all=
ſeitig anerkanntes Anſehen genießen. Der Kulturbeamte aber iſt der
Lehrer, der verantwortlich iſt für die kommende Generation, der Lehrer
des Volkes in allen ſeinen Schichten; die Stätte ſeiner Wirkſamkeit aber
iſt die Schule, die Volksſchule, die höhere Schule, die Hochſchule. Sie
bilden bei aller Verſchiedenheit in den Sonderaufgaben eine Einheit,
die nur dann geſund iſt, wenn jedes Glied gedeiht.
Die Shulo des dritten Reiches bedarf der pfleglichſten Behandlung,
wenn das Deutſchland der Zukunft ſo werden ſoll, wie es werden muß,
um Beſtand zu haben. Das deutſche Volk muß ſeine Schule lieben und
für ſie ſorgen. Jeder Volksgenoſſe — nicht nur die Eltern der jeweils
die Schule beſuchenden Kinder — muß Pfleger und Schützer der Schule
ſein, die mitverantwortlich iſt für die kulturelle Höhe des Volkes; denn,
und das ſei recht wohl beachtet, die kulturelle Höhe ſichert auch die ſoziale
und wirtſchaftliche Nangſtellung im Kreis, der Völkerfamilie; ſie
ver=
birgt allein die Lebensfähigkeit der Nation. Die Volksbildung muß
Herzensſache, ſie muß aber auch Angelegenheit ernſten Nachdenkens
eines jeden Volksgenoſſen werden. Jeder Einzelne muß wiſſen und
fühlen, daß er ſich ſelbſt dient, wenn er der Schule und damit der
All=
gemeinheit dient. Aber die ganze Schule muß es ſein, nicht nur die
Volksſchule im engeren Sinne. Zum Volke gehören alle, dem Volke
dienen follen alle, je nach Kraft, Neigung und Begabung. Die
Volks=
aufoaben kömen aber nicht nur erfüllt werden durch das Können und
Wiſſen, das ſich auf der Volksſchule aufbaut, die Mitgift der ſog.
böheren Shule und auch der Hochſchule iſt nötig für die Volksbildung
und Ausbildung der Volksgenoſſen, denen im Rahmen des Volksganzen
die Aufgaben zufallen, die im allgemeinen mit der Volksſchnlbildung
allein nicht gelöſt werden können.
In einem Kulturvolk kann die Bildung keiner Schicht ſtillſtehen,
ſtetiger Fortſchritt iſt unerläßlich und ſtellt jedem Glied in der Kette der
Bildungsſtätten dauernd neue und erweiterde Ziele. Volksſchule, höhere
Schule Hochſchule ſie alle ſtehen im Fluß der Weiterenwicklung;
keine der drei Schulſtufen darf verkümmern ohne Schaden des
Schul=
ganzen, der Schnleinheit, die ſie bilden. Dieſe Ueberzeugung muß
Ge=
meingut unſeres Volkes werden. Alle Länder unſeres deutſchen
Vater=
landes müſſen wetteifern in der Fürſorge, für ihre Kulturſtätten, für
ihre Schulen. Jedes Land, auch das jeweils finanziell bedrängte, muß
wiſſen, daß an den Kulturaufgaben in letzter Lime geſpart werden darf,
weil das Einzelland nicht geiſtig ärmer werden darf als das
Nachbar=
land, weil auch ſeine Benohner teilhaben ſollen an den kulturellen
Gütern und an dem materiellen Aufſtieg, der daraus erwächſt.
ſichern. Es darf dankbar anerkannt werden, daß ſich Staat und
Ge=
meinden in Heſſen ſtets bereit gefunden haben, nicht nur für die
Volks=
ſchule zu ſorgen — das iſt ohne Zweifel die erſte Pflicht —, ſondern
auch für die höhere Schule. Es iſt ein Nuhmesblatt gerade in der
Ge=
ſchichte der heſſiſchen Städte und Gemeinden, daß ſie ſtets offene Hand
für ihre höheren Schulen hatten, und es hat den Heſſen nie zum
Scha=
den gereicht, daß ſie ein engmaſchiges höheres Schulweſen hatten, daß
ſie lange Zeit leichter den Zugang zu den höheren Bildungsſtätten
fan=
den, als es in manchen — nicht in allen — anderen Ländern möglich
war. Abe= unſer Land iſt eingeholt worden, und man kann wohl nicht
mehr behaupten, daß es im Verhältnis mehr höhere Schulen habe als
andere Länder, jedenfalls kann man nicht ſagen, daß es zu viel höhere
Schulen unterhalte. Die Bildungsmöglichkeit muß dem dauernd
wach=
ſenden Bildungsbedürfnis, das nicht nur zum Ausbau der Volksſchulen
durch Klaſſen mit erweiterten Lehrzielen, ſondern auch zu einem ſtark
vermehrten Andrang nach den höheren Schulen führt, entſprechen.
Eine gute Schulbildung iſt heute oft die einzige Mitgift, die von
ſor=
genden Eltern den Kindern auf den Lebensweg mitgegeben werden kann.
Und wenn man wohl auch zugebem mag, daß von Staat und
Gemein=
den deon Drängen aller Berufsverbände auf erweiterte Volksbildung
oft auch da entſprochen wird, wvo die innere Berechtigung für geſteigerte
Anforderungen nicht gegeben iſt, ſo darf, doch nicht verkannt werden,
daß mit fortſchreitender Entwicklung auc) die Anſprüche an die
Volks=
bildung zu ſteigern und bewirken, daß da wo früher etwa die
Ein=
jährigen=Prüfung” oder die Oberſekundareife genügte, heute die
Voll=
reife auf der Vollanſtalt erworben werden muß.
Für das ganze Reich hat der Satz Gültigkeit, und Heſſen kann
ſich dieſer Tatzſache nicht verſchließen, daß die in den letzten Jahren
ein=
getretene Entwicklung des Umfanges und der Ausgeſtaltung des
höhe=
ren Schulweſens mit Mitteln der Schulverwaltung nicht aufzuhalten iſt,
weil ſie auf allgemeinen Triebkräften des geſellſchaftlichen und
wirtſchaft=
lichen Lebens beruht. Dieſe Triebkräfte wirken mit elementarer
Ge=
walt. Weder Staat, noch Gemeinde, noch freie Berufe, weder Gewerbe
noch Handel verſchließen ſich dieſem wirtſchaftlichen und geſellſchaftlichen
Druck, der ja zum Teil eine Folge den Tragik des deutſchen Volkes iſt,
der Trogik, „das Volk ohne Raum” zu ſein.
Solange wir die wirtſchaftliche Lage nicht ändern können, ſolange
brauchen wir alſo auch im Heſſen unſere jetzigen höheren Schulen und
düirfen ſie wicht aufgeben, wenn auch hier und da einmal eine
Einſpa=
rung einer Klaſſe oder dergleichen möglich iſt. Es genügt aber nicht,
daß wir den Wunſch haben, ſie zu behalten, wir müſſen auch den Willen
haben, die Opfer zu bringen, die nötig ſind, um ſie für die Zukuft zu
erhalten. Und da iſt es nötig, zu wiſſen, daß ihr Beſtand im
Augen=
blick gefährdet iſt wegen der finanziellerr Enge unſeres Landes, die aus
der Not der Zeit geboren iſt, welche gerade uns, die Weſtmark,
beſon=
ders fühlbar trifft.
Die Rechtsgrundlage, für die Tragung der Koſten der höheren
Schulen in Heſſen bildet das Geſetz vom 21. März 1914 und — ſoweit
die höheren Bürgerſchulen und die höheren Mädchenſchulen in Betracht
kommen — da3 Geſetz vom 11. Mai 1901, unweſentlich abgeändert durch
das Geſetz vom 15. Juli 1922. Die Unzulänglichkeit der ſtagtlichen
Mittel hat es nicht zugelaſſen, daß auch die perſönlichen Koſten der
höheven Schulen ganz von dem Staat übernommen wurden, wie dies
durch das Volksſchulgeſetz von 1921 für die Volksſchulen der Fall iſt.
Auch die Schulgeldfreiheit kann nicht gewährt werden, im Gegenteil,
ein immer höheres Schulgeld muß den Eltern auferlegt werden und die
Gemeinden müiſſen ganz beträchtlich zu den perſönlichen Koſten der
höheren Schulen beitragen und die ſachlichen Koſten ganz übernehmen.
Dazu kommt, daß der Staat auch den in den letzten Jahren nach den
obigen Darlegungen begreiflicherweiſe immer ſtürmiſcher geforderten
Ausbau von kleineren Schulen zu Vollanſtalten ablehnen mußte und el
den opferwilligen Gemeinden überließ, dieſen Ausbau mutig auf die
eigenen Schultern zu nehmen. Und ſo iſt es denn gekommen, daß der
Stat für die Volksſchulen des Landes nach dem neuen Hauptvoranſchlag
etwa 20,7 Millionen aufwendet, für die höheren Schulen aber nur etwa
3,3 Millionen (ohne Berückſichtigung der neuen Beſoldungsordnung)
und daß die Gemeinden gan; beträchtliche Mittel beiſteuern müſſen, um
den Beſtand der höheren Schulen unſeres Landes zu ſichern. Die
Ge=
meinden aber erklären, daß ſie am Ende ihrer Kraft ſind, daß ſie die
übermäßigen Laſten nicht mehr tragen können, daß ſchon ſofort, noch
mit Veginn des neuen Schuljahres, eine Koſtenentlaſtung für ſie
ge=
funden werden müſſe, zumal die ſeither ſchon nahezu unerſchwinglichen
Koſten gerade jetzt noch geſteigert würden durch die neue
Beſoldungs=
ordnung, die den Geeminden nach dem beſtehenden Schultoſtengeſetz
weſentliche neue Laſten bringe. Man ruft und ſucht nach neuen
Laſten=
trägern, weil ſonſt der Beſtand der kleinen Schulen auf dem flachen
Land und insbeſondere auch die lediglich mit Gemeindemitteln in den
letzten Jahren errichteten Vollanſtalten dem Untergang geweiht und
auch die Schulen in größeren Städten in ihrem Beſtand oder in ihrer
Aufnahmefähigkeit gefährdet ſeien. Man kann das Schulgeld nicht mehr
erhöhen, ehne die Eltern — die große Mehrzahl der Eltern unſerer
„höherer” Schüler ſind „kleine Leute”, was die Statiſtik unzweidentig
beweiſt — zu erdrücken. Man wehrt ſich und ſträubt ſich gegen den
Verluſt der meiſt recht alten, lieb gewonnenen und als unentbehrlich
erkannten Bildungsſtätte und hofft, durch ſog. „Gaſtſchulbeiträge” aus
ſolchen Gemeinden, die Vorteil aus den höheren Schulen einer
Schul=
ortgemeinde ziehen, ohne einen Pfennig beizuſteuern, die Mittel
herein=
holen zu können, die den Untergang oder den Rückgang der Schule
ver=
hüten. Aber auch die Gaſtſchulbeiträge, wenn man ſie fordern oder
ein=
ziehen will, ſind begrenzt, und die Frage bleibt beſtehen: wo kommt die
Hilfe her für unſere bedrohte heſſiſche höhere Schule?. Man hat daran
gedacht, die Pflichtſtundenzahl der Lehrer und die Klaſſenziffer erhöhen
zu können. Das geht nicht! Beide Ziffern ſind ſchon überſpannt. Es
iſt Sünde an der Geſundheit der Lehrer, es iſt Sünde an der Jugend,
noch über die Grenzen hinauszugehen, die man erſt vor drei Jahren
us der finanziellen Not heraus ſo weit geſteckt hat. Der preußiſche
Kultusminiſter hat im preußiſchen Abgeordnetenhaus vor kurzem
Maß=
nahmen dieſer Art als „brutal” bezeichnet. Es iſt auch keine Erſparnis:
der Lehrer bricht zuſammen, er braucht Vertretung, ſicher aber verliert
er an Spannkraft, der Erfolg ſeinev Arbeit mindert ſich. Nein, wer
die höhere Schule will, muß auch dem Lehrer gerecht werden und dem
Schüler. Es müſſen die notwendigen Opfer gebracht werden, für die
Sicherung der Kulturaufgaben, wieder muß es die Geſamtheit ſein, die
dieſe Opfer bringt, wie für die Volksſchuſe, ſo auch für die höhere Schule.
Nicht etwa nur die Eltern der aben die höheren Schulen beſuchenden
Kinder ſind berufen, mitzuraten, mitzutaten, auf daß wir das blühende
heſſiſche Schulweſen erhalten, ſondern jeber einzelne Volksgenoſſe,
wir alle, die wir wiſſen, daß die kulturelle Lage des
Lan=
des, daß ſeine wirtſchaftliche Blüte und die Fähigkeit erfolgreichen
Wett=
bewerbs mit den Nachbarn von der Pflege des geſamten
Schul=
tſens abhingt. Man darf hoffen, daß das heſſiſche Volk und ſeine
Vertreter den Weg zum Ziel finden werden.
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Nummer 109
Donnerstag den 19 April 1928
Gatt3
Die Landungsinſel unſerer Amerika=Flieger.
Greenly Jsland, wo die Ozeanflieger landeten.
Der Siurmflug
der „Bremen”
In Murray Bay, einem Ort von 4800
Ein=
wohnern, der ſich bisher haum beſonderer
Beach=
dung in der Welt erfreute, iſt das Zeltlager der
Journaliſten aufgeſchlagen, die auf die Ankunft
des iriſchen Fliegers Fitzmaurice warten, der
als erſter Greenly Island verlaſſen hat.
In=
zwiſchen iſt es aber ſchon gelungen, die erſten
authentiſchen Berichte über den Ozeanflug zu
bekommen und in die Welt zu funken. Wenn
man von den Schwierigkeiten hört, die die
Flie=
ger zu überwinden hatten, ehe ſie Americka
er=
reichten, wenn man rückblickend überlegt, welcher
Mut und welche perſönliche Tapferkeit dazu
ge=
hört, um dieſe Widrigkeiten zu überwinden,
dann vergrößert ſich die Leiſtung der Beteiligten
noch ganz weſentlich.
Gewiß war der Start einigermaßen günſtig
verlaufen, wenn auch nicht alles ſo geklappt
hatte, wie man es erwarten durfte, aber das
Flugwetter war herrlich, und ſo waren die
erſten 500 Kilometer ſchnell und glücklich
zurück=
gelegt. Schon ſeit Stunden ſahen die Flieger
nur Waſſer unter ſich und Sonne und Himmel
über ſich. Aber ſchon veränderte ſich die
Situa=
tion: eine Nebelwand kam herauf und
machte jede Sicht unmöglich. Die
Flieger legten das Höhenſteuer um; es ging
aufwärts, weil ſie hofften, die Nebelwand
über=
fliegen zu können. Dieſe Hoffnung ſchlug fehl.
Da verſuchte man, unter dem Nebel
durchzu=
kommen. Aber die Nebelſchwaden reichten bis
dicht auf das Waſſer, und die Wellen ſchlugen
bis an die „Bremen” und gefährdeten ſie. Es
blieb nichts anderes übrig, als durch den Nebel
durchzuſtoßen. Da verſagte plötzlich die
Licht=
leitung. Das Armatuvenbrett mit den wichtigen
Meßinſtrumenten und Kontrollapparaten war
in Dunkel gehüllt. Es mußte eine Notleitung
hergeſtellt werden; eine Aufgabe, die nur Köhl
und Fitzmaurice löſen konnten. Was blieb dem
Freiherrn von Hünefeld, der noch nie darauf
Anſpruch erhoben hatte, als Flugzeugführer
par excellenee zu gelten, übrig, als ſich an das
Steuer zu ſetzen. Endlich flammte das Licht
wieder auf, es war gelungen, eine
Reſervebat=
terie einzuſchalten. Da ſtellte ſich ſchon wieder
ein Schaden heraus, eine Kleinigkeit vielleicht
nur, in der Benzinzuleitung, aber ſie mußte
ſo=
fort von den beiden Fliegern gemeinſam
beſei=
tigt werden. Hünefeld mußte weiter am Steuer
ſitzen, eine Aufgabe, die ihm nicht gerade
zu=
ſagte. Schließlich fand man die Zeit, das
Be=
ſteck aufzunehmen. Mit Hilfe der navigatoriſchen
Inſtrumente mußte allerdings ziemlich hoch der
Stand des Flugzeuges feſtgeſtellt werden. Zu
ihrer Beſtürzung entdeckten die Flieger, daß ſie
ſtatt nach Weſten, nach Norden, und
zwar viele hundert Kilometer
ge=
flogen waren. Das bedeutete nicht nur
einen Zeitverluſt, viel ſchwerer wog,
daß dadurch eine Menge koſtbaren
Brennſtoffes nutzlos vertan war.
Dazu blieb das Wetter von jetzt an weiter
un=
günſtig. War eine Nebelwand endlich
durch=
flogen, ſo geriet die „Bremen” in eine andere
oder in ein Sturmgebiet, das ſich meiſt ſoweit
ausdehnte, daß ein Umfahren ſich als unmöglich
erwies. Immer wieder mußte der kräftige
Jundersmotor mit voller Kraft gegen den oft
orkanartigen Sturm ankämpfen. Er
er=
füllte die höchſten Anſprüche. Gleichmäßig lief
er ſeine Touren und ſetzte nicht einmal aus.
Dennoch ſchien den Fliegern die Lage
außer=
ordentlich ernſt. Der Vorrat an Brennſtoff
wurde immer geringer. Geſpannt forſchte man
nach der rettenden Küſte. In dieſer letzten und
ſchwerſten Nacht faßten die Flieger einen
furchtbaren Entſchluß: ſollte es nicht
gelingen, das Land zu erreichen, ſollten ſie mit
ihrem Flugzeug ins Meer ſinken, dann wollten
ſie ihre Qualen abkürzen — ein Schuß aus dem
Revolver, den von Hünefeld mitführte, würde
ihr Ende bereiten, das ihnen würdiger ſchien,
als ein nutzloſer Kampf in den eishalten Fluten
des Ozeans. Glücklicherweiſe kam es nicht dazu.
Köhl, der am Steuer ſaß, erblickte zuerſt das
Land, und wenn man auch nach der erſten
flüch=
tigen Orientierung glaubte, man ſei über
Grön=
land, ſo bedeutete das doch die Rettung. Um ſo
größer war die Freude der Flieger, als ſie nach
der Landung auf Greenly Island — die wir
bereits geſchildert haben — hörten, ſie hätten
ihr Ziel erreicht. Sie hatten den Ozean
über=
quert, ſie waren in Amerika.
Die beiden deutſchen Flieger haben in den
erſten Tagen auf Greenly Island verſucht, die
„Bremen” wieder flugbereit zu machen. Nach
den letzten Nachrichten ſcheint das unmöglich.
Sie werden ſich vielmehr entſchließen, mit dem
Schweſterſchiff der „Bremen”, das bereits nach
Quebeck unterwegs iſt, nach New York
weiter=
zufliegen, wo ſie ein Empfang erwartet, der
noch den Lindberghs nach ſeiner Rüchbehr nach
Amerika übertreffen wird. Allerdings erwartet
man die drei Flieger gemeinſam, und es ſcheint,
als ob ſich Fitzmaurice, der wohl eine
Extra=
tour machen wollte, ſich in Murray Bay
ein=
finden wird, um dann mit Köhl und Hünefeld
gemeinſam mit dem Junckersflugzeug nach New
York zu fliegen.
Der Helfer der „Bremen”
Kanadiſcher Pilot Tuke Schiller.
kam als Erſter den deutſchen Ozeanbezwingern zu
Hilfe. Nach ſchwerem Flug landete er glücklich auf
Greenly Island, nahm Major Fitzmaurice auf und
flog mit dem „Bremen”=Flieger an Bord nach Kanada
zurück.
*
Die aus Kanada in New York
eingetrof=
fenen Meldungen, denen zufolge die „Bremen”=
Flieger Greenly Island mit dem Flugzeug
Schillers verlaſſen haben ſollen, haben bisher
keine authentiſche Beſtätigung gefunden.
Die Abſichten
der „Bremen”=Mannſchaft.
Widerſprechende Nachrichten.
EP. Ottawa, 18. April.
Der Leiter des kanadiſchen Regierungs=
Tele=
graphendienſtes hat über die Abſichten der
deut=
ſchen Ozeanflieger folgendes Telegramm
er=
halten:
Seven=Island=Bucht berichtet, daß die
Mann=
ſchaft der „Bremen” beabſichtigt, ſich ſo bald als
möglich an Bord des Flugzeuges, das von Duke
Schiller geführt wird, nach Murray=Bucht zu
begeben. Das Junkersflugzeug von New York iſt
bereits in Murray=Bucht angekommen und dazu
beſtimmt, die beiden deutſchen Flieger
Haupt=
mann Köhl und Baron von Hünefeld, ſowie
Major Fitzmaurice nach New York zu bringen.
Der kanadiſche Regierungsdampfer „Montcalm”
der jetzt nur noch 40 Seemeilen von Greenly
Island entfernt iſt, wird die „Bremen” an Bord
nehmen und zur Reparatur nach Halifax
bringen. Es iſt jetzt als unmöglich erkannt
wor=
den, die „Bremen” an ihrem Landungsplatz zu
teparieren, beſonders auch im Hinblick darauf,
daß die Flieger infolge der Anſtrengungen und
der Kälte ſehr erſchöpft ſind.
Nach einer ſpäter eingegangenen Meldung,
iſt der Start des Flugzeuges Schillers mit den
deutſchen Fliegern bereits erfolgt.
Die Deutſchen werden mit der
„Bremen” nachNewYorkkommen
TU. New York, 18. April.
Bürgermeiſter Walker erhielt folgendes
Telegramm von Freiherrn v. Hünefeld: „
Hof=
fen, in einigen Tagen mit „Bremen” in
Mit=
chellfield landen zu können”. Hier werden die
Empfangsvorbereitungen fortgeſetzt. Eine
Flug=
ſtaffel liegt in Mitchellfield zum Aufſtieg bereit,
da man noch nicht weiß, wann die Flieger
an=
kommen werden.
Was beabſichtigt Fitzmaurice?
EP. New York, 18. April.
Bis zur Stunde weiß man noch nicht, was
der Kommandant, der iriſchen Luftſtreitkräfte,
Major Fitzmaurice, unternehmen wird. In New
York wünſcht man bekanntlich, daß er
zuſam=
men mit den deutſchen Fliegern dorthin komme,
um mit ihnen an den Empfangsfeierlichkeiten
teilzunehmen. Andererſeits verlautet aber, daß
er ſich zunächſt nach Montreal begeben werde,
Nach anderen Berichten ſchließlich wird ſich
Fitz=
maurice direkt nach Waſhington begeben, um
dort dem Präſidenten Coolidge einen Brief zu
überreichen, der ihm vom Präſidenten des
Iri=
ſchen Freiſtaates, Cosgrave, mitgegeben
wor=
den iſt. „Canadian Preß” meldet aus Father
Point in der Prooinz Quebee, daß Schillers
Flugzeug mit Fitzmaurice in Clarke City
ein=
getroffen ſei. Die Landung des Flugzeuges
Schillers mit Fitzmaurice an Bord in Clark City
erfolgte um 3.50 Uhr nachmittags, örtlicher Zeit.
Das Flugzeug traf unterwegs ein kanadiſches
Flugzeug mit Preſſevertretern, das von Seben
Island nach Greenly Island flog. Die beiden
Flüge wurden durch eine Beſſerung des Wetters
ermöglicht.
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verfing ſich mit dem Verdeck in einen Abſpanndraht
einer Telegraphenſtange. Durch dieſen glücklichen
Zufall wurde ein weiterer Sturz des Wagens in
die noch tiefer liegende Uſa verhindert und die
In=
ſaſſen kamen mit dem Schrecken unverletzt davon.
Ueberfall auf die eigene Mutter.
München. In Neu=Aubing, bei München,
überfiel gemeinſam mit einem Genoſſen der aus der
Erziehungsanſtalt Birkeneck entwichene
Fürſorgezög=
ling Joſef Lang ſeine Mutter in ihrer Wohnung.
Die beiden Burſchen würgten die Frau und
verſuch=
ten Geld zu rauben. Als die Ueberfallene um Hilfe
rief, ergriffen ſie die Flucht und entkamen.
Geheimer Rat D. Oskar Pank +.
Der Geheime Rat D. Oskar Pank, der ſeit
mehreren Jahren am Bodenſee bei Sohn und Tochter
ſeinen Lebensabend verbrachte und in der Zeit ſeiner
Wirkſamkeit an der durch Schleiermacher berühmt
ge=
wordenen Dreifaltigkeitskirche in perſönlicher
ſeelſor=
geriſcher Beziehung zu Bismarck und ſeiner Familie
ſtand, iſt im Alter von 90 Jahren geſtorben.
Eiſenbahnunglück bei Olpe.
Olpe (Weſtfalen). Dienstag abend, kurz vor
20 Uhr, entgleiſten von dem in den Bahnhof Eichen
bei Olpe einfahrenden Perſonenzug 1193 drei Wagen.
Ein Wagen 4. Klaſſe ſtürzte um. Hierbei wurde eine
Lehrerin aus Olpe getötet und ein Arbeiter ſchwer
verletzt. Fünf weitere Reiſende erlitten wewiger
ſchwere Verletzungen und wurden nach Anlegung
von Notverbänden in das Kranbenhaufs nach Olpe
übergeführt. Aerztliche Hilfe ſowie der Hilfszug der
Reichsbahndirektion waren in kürzeſter Zeit zur
Stelle. Der Perſonenverkehr wurde durch Umſteigen
aufrecht erhalten.
Erneuter Bergrutſch an der Moſel.
Trier. An der Moſel, zwiſchen Mehring und
Pölich, wo ſchon vor einigen Tagen eine
Weinberg=
fläche abgerutſcht war, iſt erneut ein Bergrutſch
ein=
getreten. Ober er wit dem Bau der Mittel=Moſel=
Straße zuſammenhängt, durch den der Berg
ange=
ſchnitten werden mußte, iſt noch nicht feſtgeſtellt. Die
Erdbewegung beträgt in der Breite etwa 80, in der
Höhe etwa 200 Meter. Sicherheitsmaßnahmen ſind
getroffen.
1½ Jahre Gefängnis für einen fahrläfſigen
Chauffeur.
Berlin. Das Spandauer Schöffengericht
ver=
urteilte den Chauffeur Emil Rauſcher aus
Charlot=
tenburg wegen fahrläſſiger Tötung zu einem Jahr
ſechs Monaten Gefängnis. Bewährungsfriſt wurde
abgelehnt. Ranſcher war am 22. Auguſt v. J. nach
Staaken gefahren, wo er mit zwei Bekannten zechte.
Zu dritt fuhr man dann über Spandau nach
Ruh=
leben zurück. In der Nähe der Siedlung fuhr
Rau=
ſcher gegen einen Baum. Das Auto wurde
zertrüm=
mert. Ein Inſaſſe ſtarb auf dem Transport ins
Krankenhaus, der andere wurde ſchwer verletzt. Der
Angeklagte gab zu, daß er betrunken geweſen, er
wollte aber auch durch einen Scheinwerfer geblendet
worden ſein.
Selbſtmord auf offener Straße.
Berlin. Geſtern früh gegen 4½ Uhr erſchoß
ſich vor einem Haufe in der Invalidenſtraße, im
Norden Berlins, ein gurgekleideter, etwa 60 Jahre
alter Mann. Ein Arzt, der zufällig des Weges kam,
konnte nur noch den Tod feſtſtellen. Die ſofort
be=
nachrichtigte Kriminalpolizei beſchlagnahmte die Leiche
und ließ ſie nach dem Schauhauſe bringen. Die
Per=
ſonalien des Toten ſind noch nicht bekannt.
Schüſſe im Grunewald.
Berlin. Am Bahnhof Grunewald wurden am
Dienstag in den ſpäten Abendſtunden ein Mann und
eine Frau mit ſchweren Schußverletzungen bewußtlos
aufgefunden. Es ſcheint ſich um eine Liebestragödie
zu handeln. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen
ſind ſofort aufgenommen worden.
Die Tragödie im Grunewald.
Berlin. Die beiden Perſonen, die am
Diens=
tag abend mit ſchweren Schußverletzungen am
Bahn=
hof Grunewald aufgefunden wurden, konnten als ein
zwanzigjähriger Privatſekretär Fränkel und ein 21 Mädchen namens Kaminſki identifiziert
wer=
den. Fränkel hat erſt auf das Mädchen geſchoſſen, das
gegenwärtig noch in bedenklichem Zuſtand
beſin=
nungslos im Krankenhaus liegt, und ſich dann ſelbſt
eine Kugel durch den Kopf gejagt. Er iſt ſeinen
Verletzungen erlegen. Seine Leiche wurde nach dem
Schauhaus gebracht.
Zwei Tvte bei einem Brande.
Bockhorn (Oldenburg). Dienstag morgen
urde das Wohnhaus eines Landwirts durch Feuer
vollſtändig vernichtet. Trotzdem die Feuerwehr bald
zur Stelle war, konnte nichts mehr gerettet werden.
Von den fünf dort wohnenden Perſonen kamen ein
86 Jahre alter Avbeiter und ſein 55 Jahre alter
Sohn in den Flammen um. Die Entſtehungsurſache
des Brandes iſt unbekannt.
Eiſenbahnattentat bei Dirſchau.
Danzig. Auf der Strecke nach Dirſchau ſind
an einem der Hauptgleiſe die Laſchen entfernt
wor=
den. Die beſchädigte Stelle liegt am Ausgange einer
Kurve, die über eine ſechs Meter hohe Böſchung
führt. Man nimmt an, daß fünf Züge, darunter ein
D=Zug, die gelockerte Stelle bereits überfahren
hat=
ten. Allem Anſchein nach handelt es ſich um ein
ge=
plantes Attentat. Vier jüngere Burſchen wurden
verhaftet. Sie leugnen jedoch jede Schuld.
Nummer 109
Die Landung der „Italia” in Stolp.
Miniſterialdirigent Dr Brandenburg begrüßt die Flieger.
Im Namen des Reiches wurde Miniſterialdirigent Dr.
Brandenburg, der Leiter des Luftfahrweſens im
Reichs=
verkehrsminiſterium, zur Begrüßung der italieniſchen
Nordpolflieger nach Stolp entſandt. Auch der
Negierungs=
präſident, der Oberbürgermeiſter von Stolp und der
Ver=
treter des italieniſchen Botſchafters waren bei der
Lan=
dung zugegen.
Die „Italia” wird in die Halle gezogen.
Nach ſchweren Kämpfen mit Wind, Wetter, Gewittern und Apparatftörungen hat das
Nordpol=Luftſchiff „Italia” die harten Proben glänzend beſtanden und die
Luft=
ſchiffhalle in Seddin bei Stolp erreicht. Mit Hilfe der bereitgeſtellten
Reichswehr=
mannſchaften — 400 Stolper Reiterhände packten zu — wurde das Luftſchiff in die
Halle gezogen.
Das Nordpolkreuz des Papſtes.
Kardinal Toſi überreicht das vom Papſt geſandte Kreuz der „Italia”=Beſatzung.
Papſt Pius XI. hat dem Kommandanten des Nordpol=Luftſchiffs „Italia”, General Nobile, ein
Kreuz geſandt, das am Nordpol vom Luftſchiff herabgeworfen werden ſolle. Der Erzbiſchof von
Mailand, Kardinal Eugenio Toſi, wurde beauftragt, das päpſtliche Geſchenk der Beſatzung der
„Italia” zu überreichen.
Internationaler Autorenkongreß in Berlin.
Der Vorſtandstiſch.
Der diesjährige Kongreß der internationalen Autorenverbände tagt im Plenarſaal des ehemaligen
preußiſchen Herrenhauſes in Berlin und vereinigt die Führer der Schriftſteller= und
Komponiſten=
vereinigungen aus allen Kulturländern. Unſer Bild zeigt im Präſidentenſtuhle den Italiener
Morello. Rechts iſt das deutſche Vorſtandsmitglied, der berühmte Komponiſt Generalmuſikdirektor
Profeſſor Dr. Max v. Schillings zu ſehen.
Vier Bergleute bei einem Stolleneinſturz tödlich
verunglückt.
Beuthen. Bei den am Dienstag hier
ver=
ſpürten Erderſchütterungen ſind auf der Karſten=
Zentrums=Grube durch den Einſturz eines Stollens
vier Bergleute verſchüttet worden. Die
Rettungs=
mannſchaften, die die ganze Nacht hindurch tätig
waren, fanden die Verunglückten nur noch als Leichen
auf, deren Bergung jedoch bisher noch nicht
ge=
lungen iſt.
Ein Laſtkraftwagen in die Chemnitz geſtürzt.
Chemnitz. Dienstag abend fuhr ein mit drei
Perſonen beſetzter Laſtkraftwagen gegen das ſteinerne
Geländer der über die Chemnitz führenden
Becker=
brücke, durchbrach es und ſtürzte ins Waſſer. Der
Wagenführer wurde auf der Stelle getötet, die
bei=
den Mitfahrenden, ein Mann und eine Frau, kamen
mit leichteren Verletzungen davon. Nach den
bis=
herigen Ermittlungen hat der Chauffeur das Unglück
durch zu ſchnelles Fahren verſchuldet.
Deutſche Reichsbahn und,„Preſſa”
Die Deutſche Reichsbahn wird ſich, wie
mitge=
teilt wird, in größerem Umfang an der
Internatio=
nalen Preſſeausſtellung in Köln beteiligen, um zu
zeigen, wie eng das moderne Verkehrsmittel der
Eiſenbahn mit der Preſſe verknüpft iſt. Zunächſt wird
dargeſtellt, was die Eiſenbahnen für die Preſſe
leiſten. Ihre Dienſte bei der Beförderung von
Pa=
pier, Büchern und Zeitungen ſowie ihre Hilfe beim
Vertrieb der Preſſeerzeugniſſe durch den
Bahnhofs=
buchhandel werden veranſchaulicht. In den Dieng
des Nachrichtenweſens ſtellt ſich der Preſſedienſt der
Reichsbahn. Seine Organiſation und ſeine Tätigkeit
werden plaſtiſch dargeſtellt werden. Wie andererſeits
Preſſe= und Drucktechnik im inneren Dienſt der
Reichsbahn verwendet werden, erweiſen Apparate für
Fahrkartendruck, ferner Fahrpläne, Kursbuch,
Amts=
blätter, Bücher und Zeitſchriften, Plakate und
Werbe=
ſchriften. Auch die moderne Nachrichtentechnik mit
Telegraphie, Telephonie und Funk ſehen wir im
Dienſte der Reichsbahn. Eine hiſtoriſche Schau bietet
wertvolle Urkunden aus der Entſtehungszeit der
Eiſenbahn und aus dem Kampf der Preſſe für das
neue Verkehrsmittel. Modelle von Lokomotiven, von
Wagen, ferner eine große Tafel, die das Netz der
Reichsbahn mit ihren wichtigſten Verkehrsleiſtungen
als Transparent zeigt, ſowie ein Bücherraum
vervoll=
ſtändigen das Bild.
Die Pariſer Großmarkthalle eingeſtürzt.
Paris. Ein Teil der Pariſer Großmarkthalle
ſtürzte am Mittwoch, während der lebhafteſten
Ge=
ſchäftszeit in den Vormittagsſtunden ein. Man
be=
fürchtet, daß mehrere Menſchenleben zu beklagen ſind.
Die Trümmer verſchütteten die umſtehenden
Ver=
kaufsſtände. Die Feuerwehr arbeitet fieberhaft, um
die Verwundeten aus den Trümmern zu befreien.
Eine Frau, die zwiſchen dem Verſchlagsraum und
dem Erdboden der Halle hängen blieb, konnte aus
ihrer gefährlichen Lage erſt nach längerer Zeit befreit
werden. Die Unglücksſtelle iſt abgeſperrt. Der
Po=
lizeipräfekt befindet ſich an Ort und Stelle. Als
Ur=
ſache des Einſturzes wird das Nachgebens eines
Hauptſtützpfeilers angenommen.
Schwerer Schiffszuſammenſtoß.
Ein deutſcher Dampfer geſunken.
Kopenhagen. Wie aus Nyköbing gemeldek
wird, iſt der Schleppdampfer „Laviator” aus
Ham=
burg in der Nacht zum Dienstag etwa zehn
See=
meilen ſüdlich von Gjedſer von dem däniſchen
Motor=
ſchiff „Lalandia” gerammt worden und in wenigen
Minuten geſunken. Der Zuſammenſtoß war ſo
hef=
tig, daß der deutſche Dampfer faſt in zwei Teile
ge=
ſpalten wurde. Die „Lalandia” ſetzte fofort
Rettungs=
boote aus und es gelang, acht Mann der deutſchen
Beſatzung zu retten, während der zweite
Maſchinen=
meiſter Müller den Tod fand. Die „Lalandia” konnte
mit den deutſchen Seeleuten ihre Fahrt nach
Kopen=
hagen fortſetzen.
Erdbeben in Bulgarien.
Die Karte des Unglücksgebiets.
Starke, wellenartige Erdſtöße haben in Bulgarien
große Zerſtörungen zur Folge gehabt. Am ſchwerſten
wurde die Stadt Tſchirpan, öſtlich von Philippopei,
getroffen. Sie iſt völlig unbewohnbar geworden.
Etwa vierzehn aufeinanderfolgende Erdſtöße haben
die Häuſer in ihren Grundfeſten erſchüttert und viele
Bauten umgelegt. Man rechnet mit 30 Toten und
zahlreichen Verletzten. Auch in Boriſſingrad, in
Stara Zagora und in Philippopel ſelbſt ſind Tote
und Verwundete zu beklagen.
Nummer 109
Donnerstag, den 19. Aprül 1928
Geite 14
Sport, Spiel
Sportliche Rekordſeiſtungen
von Naturvölkern.
Von Oberregierungsrat Dr. Dannert.
Der Sport iſt noch jung und noch in Verbreitung begriffen;
ſport=
liche Höchſtleiſtungen werden erſt nach wenigen Jahrzehnten
einwand=
frei feſtgeſtellt. Dieſe Umſtände berechtigen zu der Erwartung, daß die
heutigen Höchſtleiſtungen im Sport noch keineswegs die Höchſtgrenze
menſchlichen Könnens erreichen. Einen Anhaltspunkt für dieſe
Auf=
faſſung gibt uns auch die Beobachtung von Naturvölkern, deren
Lebens=
weiſe und Lebensbedingungen ſie auf gewiſſen Gebieten zu beſonderer
körperlicher Leiſtungsfähigkeit führen. Insbeſondere kommen in Frage
die Krieger=, Jäger= und Nomadenvölker. Davon ſeien hier einige
ver=
burgte Beiſpiele erzählt.
Es iſt bekannt, daß der mächtige Zulukönig Dinizulu, mit deſſen
wilden Kriegern Buren wie Engländer noch in den achziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts blutig= Kämpfe zu beſtehen hatten, ganze
Ba=
taillone ſchwarzer Krieger beſaß, die in geſchloſſenem Laufe, gleichſam
egerziermäßig, die ſchnellſten Gazellen müde liefen und lebend für ihren
König einfingen, und ähnliche Leiſtungen ſchwarzer Läufer haben
Rei=
ſende wiederholt auch aus Mittel= und Oſtafrika berichtet.
Mir ſelbſt iſt aus meiner in Südweſtafrika, im Hererolande
ver=
lebten Jugendzeit folgender Fall einer einzigartigen Leiſtung im
Dauer=
lauf bekannt: Im Jahre 1888, als Südweſtafrika weder Bahnen noch
Telegraphenlinien kannte und der ganze Seeverkehr von Walfiſchbai
nach Kapſtadt noch in vierteljährlichen Fahrten durch die Schonerbrigg
Louis Alfred” bewältigt wurde, weilte der deutſche Kaufmann D. als
Gaſt guf der Miſſionsſtation Omaruru. Er hatte von dort aus
um=
fangreiche Geſchäfte nach Deutſchland eingeleitet und entſprechende
An=
weiſungen ſchon brieflich nach Walfiſchbai geſchickt, von wo ſie die
„Louis Alfred” nach Kapſtadt mitnehmen ſollte. Zwei Tage vor der
feſtgelegten Abfahrt des Schiffes entſchied ſich D. indeſſen noch zu einer
wichtigen Ergäuzung ſeiner Anweiſungen. Doch wie ſollte er die noch
rechtzeitig nach Walfiſchbai gelangen laſſen, das von Omaruru 250
Kilo=
meter in der Luftlinie entfernt liegt? In ſeiner Notlage wandte er ſich
an den Miſſionar mit der Bitte, ihm einen zuverläſſigen Hereroreiter
ausfindig zu machen, den er als reitenden Boten nach Walfiſchbai ſenden
könnte. Der erfahrene Miſſionar wies darauf hin, daß der zu einem
großen Teile durch die waſſerloſe Namibwüſte führende Weg von 250
Kilometer von einem Reiter nicht in zwei Tagen bewältigt werden könne,
erbot ſich aber, dem erſtaunten Kaufmann einen zuverläſſigen Läufer zu
ſtellen, der die Aufgabe ſicherer erfüllen werde als ein Reiter. Er ließ
einen jungen, fehnigen Herero namens Kaupuka, (der Läufer) kommen,
deſſen Name ſchon andeutete, daß er einer der beſten Läufer ſeines
Stammes war. Als Kaupuka hörte, daß ihm als Lohn ein Jagdgewehr
mit 24 Patronen winke, falls er den Brief des Kaufmanns binnen zwei
Tagen nach Walfiſäſbai bringe und mit der Empfangsbeſcheinigung des
Kapitäns zurückkehre, erklärte er ſich ſofort zum Start” bereit und
erkat ſich nur noch einige Pfund gekochten Reis als Wegzehrung, die er
in einem kleinen Säckchen mitnahm. Um die Mittagszeit ſetzte er ſich
dann in Trab.
Es war gegen 5 Uhr nachmittags, als der Kaufman D. von einem
Spazierritt in höchſter Empörung und Aufregung zurückgaloppiert kam
und den Miſſionar mit Vorwürfen überhäufte, daß er ihn mit der
Ge=
ſtellung des Läufers falſch beraten habe; er habe dieſen einige Kilometer
vor dem Orte unter einem Buſche feſt ſchlafend angetroffen und
feſt=
geſtellt, daß von ſeinem ganzen Speiſevorrat auch nicht ein Korn mehr
vorhanden ſei. In dieſer Verfaſſung ſei Kaupuka natürlich viel zu
faul, auch nur einen Schritt zu laufen. Der Miſſionar ſuchte ihn zu
beruhigen; er kannte ſeine Eingeborenen und wußte zu gut, daß ſie
lieber „auf Vorrat eſſen und ſchlafen”, als ſich mit unnötigem Gepäck
zu behängen, und in der Tat: 8 Tage ſpäter traf Kaupuka von
Wal=
fiſchbai wieder ein. In einer Stockgabel überreichte er dem erſtaunten
und zugleich erfreuten Kaufmann die Empfangsbeſtätigung des Kapitäns
der „Louis Alfred”, aus der hervorging, daß er den Brief noch
recht=
zeitig vor Abgang des Schiffes überbracht und mithin die in der
Luft=
linie etwa 250 Kilometer lange Strecke von Omaruru nach Walfiſchbai
ohne Weg und Steg in nicht ganz 2 Tagen bewältigt hatte.
Eine noch weit erſtaunlichere Leiſtung konnte ich jedoch im Jahre
Ich berührte auf einer Ge=
1911 ebenfalls in Südweſtafrika feſtſtellen.
richtstagsreiſe auch den Bezirksort Gobabis im Oſten des Schutzgebietes.
Gelegentlich einer Unterhaltung mit dem damaligen Diſtriktschef, dem
Grafen S., kam das Geſpräch auch auf die Nachrichtenübermittelung in
dem vom Verkehr abgelegenen, ſehr ausgedehuten Bezirke. „Wir ſind
dafür im allgemeinen nur auf unſere berittene Polizei angewieſen”
meinte Graf S., „nur in ganz beſonders eiligen Fällen habe ich noch den feſtgelegt:
beſſere Erfahrungen mit Buſchmannläufern gemacht”. Als ich über
dieſe Mitteilung mein Erſtaunen äußerte, erzählte er mir folgenden
Einzelfall: Im Jahre zuvor habe der Gouverneur des Schutzgebietes
mit der Regierung der ſüdweſtafrikaniſchen Union eine Vereinbarung
über die Sperrung der ganzen Oſtgrenze des Schutzgebietes zwecks
Ver=
hinderung des Uebergreifens des Oſtküſtenfiebers getroffen und angeord= Wandepheim des Kanuklubs „Rheinbrüder”=Karlsrnhe), eine
Juyend=
net, daß die ſämtlichen Grenzpolizeiſtationen des ſüdlichen Teiles der
Oſtgrenze bi3 zu einem gewiſſen Tage benachrichtigt ſein ſollten. Zwei
Tage vor dieſem Termin ſei in Gobabis jedoch noch der Befehl
einge=
gangen, auch die Polizeiſtation Rietfontein=Nord noch rechtzeitig zu be= „Not=Weiß”, Darmſtadt). Die genauen Daten worden noch
bekannt=
rachrichtigen. Rietfontein=Nord lag im äußerſten öſtlichen Grenzwinkel
des Shutzgebietes, in der Luftlinie 220 bis 230 Kilometer von Gobabis
eutfernt. Zwiſhen beiden Orten aber ſprang die engliſche Grenze in
einem rechten Winkel vor, ſodaß Polizeireiter infolge der Umgehung
dieſes Winkels mit einem Wege von mindeſtens 260 Kilometer rechnen
und der bis dahin von der Leiſtungsfähigkeit der Buſchmannläufer noch
nichts wußte, hatte ſchon einem Polizeiſergeanten Beſehl erteilt, ſich
ſofort zum Abritt bereit zu machen und für den Dauerritt noch ein
Handpferd mitzunehmen, als der alte, erfahrene Bezirksamtsſekretär C.
ihm vorſchlug, in dieſem Falle lieber zwei erprobte Buſchmänner mit
dem Befehl nach Rietfontein abzuſenden, da die Pferde vorausſichtlich
doch verſagen würden. Ungläubig zauderte der junge Diſtriktschef
zu=
erſt; als aber auch der vom Sekretär inzwiſchen zugezogene Miſſionar
von Gobabis beſtätigte, daß die Buſchmänner die ſicherſte Gewähr für
und Turnen.
die rechtzeitige Uebermittelung des Befehls nach Rietfontein böten und
für dieſen Zweck auch gleich zwei erprobte Läufer mitbrachte, wurde
dieſen kurz entſchloſſen der Auftrag erteilt, und ihnen als Belohnung
für rechtzeitige Uebermittelung des Befehls wunſchgemäß „viel Tabak”
in Ausſicht geſtellt. Vier Tage ſpäter trafen beide Buſchmänner mit
der Empfangsbeſtätigung der Polizeiſtation wieder in Gobabis ein. Sie
hatten die Strecke — in der Luftlinie hin und zurück etwa 460
Kilo=
meter — in 4 Tagen ſpielend bewältigt und man merkte ihnen eine
be=
ſondere Ermüdung kaum an.
„Damit Sie ſich perſönlich überzeugen können”, ſchloß Graf S. feine
Erzählung und ſchlug dabei ein Aktenſtück auf, das er mir „vorlegte,
hier iſt der aktenmäßige Nachweis!‟ Dabei wies er auf einen
Akten=
vermerk hin, der etwa den Wortlaut hatte: „Gouvernementserlaß
vom .. ., abgeſandt mit Buſchmannläufern nach Rietfontein=Nord am
Empfangsbeſtätigung eingegangen am . . . ."
Die Zeitdauer
aber betrug in der Tat nur 4 Tage. „Ja”, meinte er dabei, als ich noch
kopfſchüttelud den Vermerk las, „für eine gute Portion Tabak läuft ein
Buſchnnann das beſte Pferd tot”.
Von außerordentlichen Rekordleiſtungen Eingeborener, die als
„Sportleiſtungen” im engeren Sinne angeſprochen werden können,
wurde wiederholt auch aus Deutſch=Oſtafrika berichtet. So hielt der
große Sulian Mſinga von Ruanda an ſeinem Hofe ein eigenes Korps,
in welchem die Söhne des Adels ſeines Landes wie im einem
Pagen=
oder Kadettenkorps erzogen und körperlich ertüchtigt wurden.
Wieder=
holt hat Sultan Mſinga ſich das Vergnügen bereitet, europäiſchen
Gäſten die Leiſtungen ſeiner jungen Krieger zu zeigen, und hier iſt es
möglich geweſen, dieſelben auf der photographiſchen Platte feſtzuhalten.
Aus den heute noch vorhandenen Bildern läßt ſich erkennen, mit welch
greziöſer Leichtigkeit dieſe Naturkinder im Freihochſprung über 2 Meter
hoch ſpringen, und das Erſtaunlichſte dabei iſt: Es ſind das keine
Son=
derleiſtungen einzelner von ihnen, ſondern Durchſchnittsleiſtungen des
ganzen Korps.
Kanuſport.
Das diesjährige Sommer=Program des Oberrhein= und Main=
Kreiſes des Deutſchen Kanu=Verbandes.
Traditionsgemäß veranſtaltet der Oberrhein= und Main=Kreis des
D.K V. auch in dieſem Jahre wieder eine gemeinſame Pfingſtfahrt, zu
welcher außer den verbandszugehörigen Vereinen und Einzelmitgliedern
auch alle anderen Kanufahrer eingeladen ſind. Die
Pfingſt=
fahrten des Oberrhein= und Mainkreiſes bedeuten ſeit Jahren ein
waſ=
ſerſportliches Ereignis erſten Ranges; ſo beteiligten ſich an der
Neckar=
fahrt im Jahre 1926 etwa 350 Boote und an der Obernheinfahrt im
Jahve 1977 rund 500 Boote mit 850 Fahrtteilnehmern. Die herzliche B
grüßung und hilfsbereite Unterſtützung, die den Teilmehmern an dieſen
Verbandsfahrten überall ſeitens der Bevölkerung und der Behörden
ent=
gegengebracht wird, beweiſt, welchen Eindruck dieſe geſchloſſenen Fahrten
überall hervorrufen, die den Umfang des deutſchen Kanuſports aufs
Beſte dokumentieren.
Die diesjährige Pfingſtfahrt findet auf der Moſel von Trier
bis Koblenz ſtatt. Alle anzulaufenden Orte werden wetteifern, die
Fahrt den Teilnehmern ſo angenehm wie möglich zu machen, und die
organiſatoriſche Erfahrung der Veranſtalter bürgt gleichfalls für jede
denkbare Erleichterung.
Freitag den 25. Mai: Eimtreffen der Kanuſportler in
Trier. Begrüßung durch die Vertreter der Behörden und Vereine.
Zwangloſer Feſtkommers.
Samstag, den 26. Mai: Vormittags Führung durch die
Hauptſehenswürdigkeiten der Stadt (Porta Nigva Amphitheater);
vor=
mittags 10 Uhr: Wbfahrt der Flotille; ſpätnachmittags: Ankunſt in
Piesport, Begrüßung durch die Behörden, hiſtoriſcher Feſtzug,
Zelt=
lager Feuerwenk”.
Sonntag, den 27. Mai: Gemeinſamer Kirchgang, Fahrt
nach Traben=Trarbach; nachmittags 5 Uhr: Auffahrt der
Ruder=
vereine, gemeinſchaftlicher Korſo der befreudeten Waſſerſportler,
Zeſt=
lager (Stroh ſtellt die Gemeinde), Feſtabend mit Feuerwerk,
Gellerbeſich=
tigung mit Freitrunk.
Montag, den 28 Mat: Fahrt nach Bullay; a
nds
Zeltlager bei der Ruine Stubben; ſonſtige Quartiere im nahen Brehm.
Dienstag, den 29. Maj:, Fahrt Stubben-Moſellern.
Be=
ſichtigung der Burg Eltz.
Mitkwoch, den 30. Maf: Fahrt Moſelkern—Koblenz
(Deutſches Eck).
Es ſei noch einmal ausdrücklich bemerkt, daß auch die nicht um
Ver=
band gehörigen Waſſerſportler zu dieſer Fahrt eingeladen ſind:
Aurs=
kunft über Einzelheiten jederzeit durch Herrn M. Bätz, Trier,
Nord=
allee 44.
As weitere Veranſtaltungen des Obernhein= und Main=Kreiſes wur=
0. Juni: Kurzſtreckenwettfahrt (Mannheim).
29. Juli: Langſtreckenwettfahrt Speher—echarau.
Die diesjährige Kreisfugendwanderfahrt wähnend der Sommerſerien Gießen:
wird vorausſichtlich in drei Veranſtaltungen zerlegt, und zwar in eme
Fahrt auf dem Oberrhein mit Standquartier bei Au a. Rh. (Klub=
Wanderfahrt auf der Lahn und ein vierwöchiges Standquartier
am Erfelder Altrhein, das auch der mnicht zum Verband zächlen= Königsberg:
den Schuljugend offenſtehen wird (Protektorat: Verein f. Leibesübungen
gegeben.
Dem Deutſchen Nanu=Verband gehören in Darmſtadt an: Hanuklub
Darmſtadt, mit Bootshaus in Erſelden a. Rh., Paddlergilde des V. f. L.
Not=Weiß” mit Bootshaus in Stockſtadt
Rh., ſowie etwa fünfzig (Taunus)
Einzelmitglieder. — Auskunſt über den Eir
tritt in den D.K.V. durch
mußten. Graf S., der den Bezirk erſt kurz zuvor übernommen hatte Herrn Heinrich Hehter, Fpankfurt a. M., Schifferſtraße 46, fowie
die Mitglieder genannter Vereine.
Oaupiſcheinenung. Rudo0 Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Radolf Mauve; für Feullleton Reich und
Ausland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſf: Andrea” Bauer: für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Neite; für den Inſeratemell: Wlllv Kuhle: Druc
und Verlag: C. C. Wiitich — ſchmtich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 19. April. 13.30: Kaſſeler Hauskapelle. O 15.30:
A. Hering: Die Lampe. o 16.30: Funkorch. Rococo. o 17.45:
Aus den Novellen von Gogol. O 18.15: Vereinsnachrichten.
Mit=
teilungen. O 18.30: Kaſſel: Die Stunde der Frau. 18.45:
Kaſſel: Vortrag. 19.15: P. Kother: Chriſti Gottheit bei
Matthäus, Markus und Lukas. O 19 45: Dr. Ludw. Schütz: Die
Kunſt des Ueberſetzers aus fremden Sprachen. O 20.15: Konzert.
Haydn: Violinkonzert in G=dur. — Bach: Violinkonzert in E=dur.
Ausf.: Licco Amar (Violine), Rundfunkorch Muſikal. Leitung:
Kapellm. R. Merten. 21.15: Kammermuſik. Krein: Die
Aller=
zarteſte. Morgens weckt mich meine Träne.
— Gladſtein: Drei
Meereslieder. Text Jehuda=Halevi=Bialik Erſtaufführung). —
Mil=
haud: Der Schmied. Gloire a Dieu — Milner: Ad anah (Pſalm
13). — Engel: Kadiſch des Rabi Israel von Berditſchew. Ausf.:
Leo Riaſanzeff (Geſang), Reinh. Merten (Klavier). — Anſchl.:
Tanz=
programm der Kapelle Pinkus=Langer.
Stuttgart.
Donnerstag, 19. April. 12.30: Schallplatten. O 16.15:
Rund=
funkorch. Einlagen: Käte Jvers. 0 18.15: Freiburg i. Br.:
Polizei=
hauptmann Kamp: Polizei, Publikum und Straßenverkehrsordnung
vom 6. Juli 1926. O 18.45: Die neuen Forſchungen und
Behand=
lungsmethoden der Zuckerkrankheit. O 19.15: Schachfunk. o 2:
Symphoniekonzert des Philharm. Orch. Stuttgart. Leitung: Efrem
Kurtz. Bach: Suite in H=moll. — Beethoven: Erſte Symphonie.
Reger: Serenade. — Anſchl.: Das deutſche Gedicht und die deutſche
Proſa der letzten 100 Jahre: Gottfried Keller und Konr. Ferd.
Meyer. Mitw.: Elſe Rüthel=Schaber, Th. Brandt, P. Enderling,
A. Haagen (Klavier), K. F. Meyer: Huſſens Kerker. In einer
Sturmnach. Ueber einem Grabe. Der Daxelhofen: Bettlerballade.
Aus „Huttens letzte Tage‟.. — Brahms: Intermezo A=moll und
E=dur. — Gottfr. Keller: Alt gewohnt jung getan.
Frühlings=
glaube. In der Stadt. Abendlied. — Brahms: Rhapſodie in
G=
moll. — Keller: Aus dem Roman „Der grüne Heinrich”, O 2245;
Nachrichten.
Donerstag, 19. Bpril. 12.30: Für den Landwirt. 15.30=
Köhler=Schwerdtfeger: Korfu und die Ausgrabungen Dörpfelds.
16.15: Jüngſte Dichter. Einl. Worte und Leſeproben aus Werken
von: Erich Günther, Martm Raſchke und Georg Dobo. Geſpr. von
H. Kaſack. O 17: Ballette. Konzertorch. Kermbach. O 18.30: Prof.
Dr. Altmann: Einf. zu dem Sendeſpiel „Des Teufels Anteil” am
20. April. o 19: Spaniſcher Vortrag. 6 19.30: Dr. Cohn=Wiener:
der Siegeszug des Iſlam. O 20: Dr. Bachmann: Die kirchenmuſikal.
Beſtrebungen von heute. — Anſchl.: Kirchenmuſik. Mitw.: Emmy
von Stetten (Sopran) J. Berger (Violoncello). Funkchor und
Funkorch. Bachmam: Introitos So ruheſt du, o meime Ruh aus
dem Oſterſang. — Schütz; Kyrie eleiſon aus der deutſchen Meſſe.
Bach: Kantate Der Himmel lacht, die Erde jubiliert. — Schütz
Ehre ſei Gott in der Höhe. — Bachmann: Chriſt iſt erſtanden,
geiſtl. Volkslied aus dem Mittelalter — Bach: Mein gläubiges
Herz frohlocke, aus der Oſterkantate Alſo hat Gott die Welt geliebet.
Der Glaube in reſponſoriſcher Form. — Heilig, heilig, heilig.
— Wach auf, mein Herz die Nacht iſt hin aus dem Oſterſang.
S 21.20: Stunde der Lebenden. Gerhart Pohl. Vortr. u.
Leſe=
proben: A. Kerr. — Anſchl.: Tagesnachrichten. O 22.30: Tanzmuſik.
Dr. Becce’s Sinfoniker.
Wetterbericht.
Gießen, 18. April.
Der Kaktlufteinbruch hat zu weiterem Luftdruckanſtieg und zu einer
weiteren Ausbreitung des hohen Druckes auch in unferem Gebiet
ge=
führt. Unter dem Einfluß hohen Druckes wird ſich zunächſt die
Wetter=
lage etwas freundlicher geſtalten, aber jedoch noch nicht zu einer
ausge=
ſprochenen Hochdruckwetterlage kommen.
Witterungsausſichten für Donnerstag, den 19. April 1928.
Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, nachts Temperaturen um
Nall, keine oder wur unbedeutende Niederſchläge.
Witteruugsausſichten für Freitag, den 20. April 1928.
Zeiwweiſe woltig, kühl, ſtrichweife etwas Niederſchlag.
Hefſiſche Wetterdienſtſtelle.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:
in C‟ Wind: H
ſchlag
im. Cr
decke
in em wolkig 7 Aachen: Hamburg: Regen 2 Berlin: wolkig München: wolkig N90, 10 Schnee Breslau: Schnee 2 gef. Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen: Feldberg: Schnee —4 2 3 Waſſerkuppe: Nebel A Feldberg:
(Schwarzw.) wolkig 5 SR, — * Zugſpitze: Nebel — 15 gef. 2 Kahler Aſten: Schnee —4 Fichtelberg: Nebel Schneekoppe: Schnee — 8 1
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
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Pom ſüddeutſchen Bau= und Bauſioffmarkt.
Allmählich ſcheint ſich der Baumarkt doch beleben zu wollen. In
der letzten Woche hat die Bautätigkeit ſtärker als bisher eingeſetzt, wenn
auch gegenüber dem Verjahre dieſe immer noch beträchtlich geringer iſt.
Neben der Fortführung der bereits früher angefangenen Bauten kamen
diesmal auch eine ganze Reihe von Neubauaufträgen heraus. Die
Be=
lebung wirkte ſich in erſter Linie auf den Arbeitsmarkt aus, wo die
Zahl der ſtellungsloſen Baufacharbeiten in vielen Bezirken um 30
bis 50 Prozent ſank. Nach ſachverſtändigen Schätzungen iſt die Zahl
der in dieſem Jahre bisher zur Anmeldung gelangten Bauvorhaben um
etwa 30 Prozent geringer als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Einer
weiteren Belebung am Baumarkt ſtehen die Lohnbewegungen immer
noch hemmend entgegen, die in faſt allen Teilen Süiddeutſchlands noch
im Gange ſind.
Am Bauſtoffmarkt konnte ſich das Geſchäft trotz der Feiertage
merk=
lich beleben. Die Ziegeleien haben überall ihren Betrieb wieder
auf=
genommen und der Ziegelabſatz hat ſich vermehrt. Die Preiſe für
Mauerſteine und Ziegel ſind gut behauptet, in Norddeutſchland ſind ſie
für Ziegel bereits etwas geſtiegen. Der Abſatz in Kalkſandſteinen konnte
befriedigen. Auch am Zementmarkt iſt die Abſatztätigkeit lebhafter
geworden. Die Nachfrage nach Kalk iſt größer geworden. Am
Bau=
holzmarkt hat ſich die Geſchäftsbelebung nur in geringem Umfange
ausgewirkt. Frachtbaſis Berlin notierten im Großhandelseinkauf:
Bal=
ken nach Liſte 78—82 NM., Kanthölzer 58—64, 20 Millimeter Schalung
40—50, Dechlatten 70—74, Baubohlen 74—77, Rüſtbretter 72—75 RM.
Das Baueiſengeſchäft läßt Anſätze zur Belebung erkennen. Der Bau
koſtenindex iſt mit 1,72, der Bauſtoffindex mit 1,57 unverändert
ge=
blieben.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 18. April.
Wie ſchon an der geſtrigen Abendbörſe, wurden zu Beginn des
heutigen Börſenverkehrs ſeitens der Spekulation einige Deckungskäufe
vorgenommen, da geſtern auf verſchiedenen Märkten Material
vorgege=
ben worden war. Andererſeits kam die offenbar ängſtlich gewordene
Kundſchaft verſchiedentlich mit Kauforders an den Markt, ſo daß die
Kursgeſtaltung uneinheitlich war. Ueberhaupt war eine gewiſſe
Un=
ſicherheit in der Grundſtimmung nicht zu verkennen. Der
Reichsbank=
ausweis, der die erwartete ſtärkere Entſpannung gebraht hat, wurde
zwar günſtig aufgenommen, konnte jedoch keinen nachhaltigen Einfluß
auf die Stimmung ausüben. Die Umſatztätigkeit bewegte ſich wieder in
äußerſt engem Rahmen. Bei der erſten Notierung hielten ſich die
Kursbeſſerungen und Verluſte von 1 bis etwa 2 Prozent die Waage.
Am Chemiemarkt eröffneten J. G. Farben 1 Prozent ſchwächer, auch
Scheideanſtalt leicht gedrückt. Goldſchmidt konnten ſich dagegen 2
Pro=
zent erholen. Am Elektromarkt büßten Gesfürel 1½ Prozent ein,
während Lahmeyer 3½ Prozent anzogen. Sonſt blieben die Werte
hier nur knapp behauptet. Montanwerte hatten außerordentlich ſtilles
Geſchäft, wobei nennenswerte Kursveränderungen kaum eintraten.
Gelſenkirchen verloren 1 Prozent. Barunternehmungen lagen
durch=
weg 1 Prozent höher. Von den Zellſtoffwerten gewannen
Aſchaffen=
burger 1 Prozent und Waldhof 2 Prozent. Deutſche Erdöl eröffneten
1 Prozent niedriger, Rütgerswerke waren behauptet. Schiffahrtswerte
waren wenig verändert. Deutſche Anleihen lagen etwas abgeſchwächt.
Von Auslandsrenten waren Serben gefragt. Im Freiverkehr lagen
amerikaniſche Kunſtſeidewerte weiter feſt. Amerikaniſche Enka 70½
Prozent Dollar Geld.
Im weiteren Verlaufe ſchwächte ſich die Tendenz allgemein ſtärker
ab. Als Grund dafür wurde die Befürchtung angegeben, daß auf der
Tagung des Deutſchen Induſtrie= und Handelstages peſſimiſtiſche Reden
zu erwarten ſeien. J. G. Farben verloren 2½ Prozent, Rheiniſche
Braunkohlen 5 Prozent. Tagesgeld war zu 6½ Prozent etwas leichter.
Am Deviſenmarkt zog das Pfung ſtärker an. Mark gegen Pfunde
20,431, gegen Dollar 4,1816. London=Kabel 4,8875, Prris 124,02,
Mai=
land 92,50, Madrid 29,06, Holland 12,122/g.
Die Abendbörſe war außerordentlich geſchätfsunluſtig und
verlief ſehr ſtill. Spezialbewegungen traten an keinem Markte hervor
Aufträge ſcheinen ſo gut wie keine vorgelegen zu haben. Die
Anfangs=
kurſe lagen gegenüber der Mittagsbörſe größtenteils weiter leicht
ab=
geſchwächt. Etwas ſtärker gaben nach Weſteregeln um 2, Darmſtädter
Bank um 1,12, Waldhof um 15, Karſtadt um 3,5 Prozent. Gesfürel
im Verlaufe 1 Prozent höher gefragt. Das Börſengeſchäft lag bis zum
Schluß faſt vollkommen ſtill und beſchränkte ſich auf nur wenige Werte.
Im einzelnen nannte man: Commerzbank 185, Dresdner 153,
Metall=
bank 133, Gelſenkirchen 129,12, Harpener 166, Weſteregeln 195,
Man=
nesmann 152, Rhein. Braunkohle 282, Rheinſtahl 156,5, A. E. G. 160,75.
Zement Heidelberg 148, Daimler 101,5, Licht u. Kraft 224,25, Farben
260,75, Holzmann 163, Lahmeher 178,5, Rütgers 101, Siemens Halske
294, Wayß u. Freytag 136,5, Zellſtoff Waldhof 288,25. Abenbdeviſen:
London gegen Paris 124,02, gegen Mailand 92,50, gegen Holland
12,10/s, gegen Madrid 29,05, gegen Zürich 25,33½/, gegen New York
4,8834, Pfunde gegen Mark 20,42/s, Dollar gegen Mark 4,1825.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 18. April.
Die ſcharfe Abſchwächung der Aktienkurſe während der letzten
bei=
den Tage ſetzte ſich im heutigen Vormittagsfreiverkehr nach
vorüber=
gehenden Erholungen tveiter fort, da neue erhebliche Baiſſeabgaben
ſtattfinden. Man behauptete, daß angeblich auch Verkäufe von
indu=
ſtrieller Seite erfolgt ſeien. Eine ſtärkere Beunruhigung ging von
New Yorker Meldungen aus, daß der dortige Diskontſatz noch in dieſer
Woche erhöht werde, falls die Uebertreibungen an der New Yorker
Börſe bis dahin nicht aufhören. Die Stimmung wurde aber kurz vor
Beginn der Berliner Börſe ruhiger, da bereits geſtern in New York
eine Abſchwächung eintrat, der Reichsbankausweis eine gute Aufnahme
fand und außerdem am Geldmarkt große kurzfriſtige Beträge über
den Bedarf hinaus angeboten wurden. Die Tendenz war bei Beuinn
nicht einheitlich, im ganzen aber relativ gut gehalten, da das
Aus=
land Intereſſe für einzelne Werte zeigte. (Kunſtſeidenpapiere,
Poly=
phon, Deſſauer Gas.) Das Rheinland verhielt ſich im Hinblick auf die
am 20. April ſtattfindenden Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau
zu=
rückhaltend. Am Geldmarkt wurde Tagesgeld mit 4½—6½ Prozent
und Monatsgeld mit 7½—8½ Prozent genannt. Warenwechſel mit
Bankgiro 6¾—6‟/ Prozent. Im Deviſenverkehr befeſtigten ſich die
ausländiſchen Valuten infolge der Nachfrage zur Unterbringung der
am Geldmarkt überſchüſſigen Beträge erneut, und zwar das Pfund auf
20,425, der Dollar auf 4,1829, die übrigen Valuten waren nur
un=
weſentlich verändert. Man nannte London=New=York 4,8836, London=
Mailand 92,51, London=Madrid 29,09, London=Oslo 18,24.
Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe war die Stimmung ſehr nervös,
nur Spezialwerte, wie Berger Tiefbau plus 4½, Polyphon plus 4,
Zell=
ſtoff Waldhof plus 2, Kali Aſchersleben plus 2, Danatbank, die ihren
Verluſt wieder einholten, und Siemens plus 1 Prozent, lagen feſter,
Karſtadt minus 2½ Prozent. Das Geſchäft war ruhig.
Im weiteren Verlauf zeigte die Spekulation für Spezialwerte
großes Intereſſe. Im Vordergrunde ſtanden Transradio, die nach 152
mit 162 gehandelt wurden, und Deutſch=Atlantiſche Telegraphen mit
161 nach 154. An der Börſe rechnet man bekanntlich für die Zukunft
mit einem Zuſammengehen der beiden Geſellſchaften und vermutet
hin=
ter den Käufern zum Teil auch ſtaatliche Behörden. Polyphon
be=
feſtigten ſich zeitweiſe bis über 400, gingen dann aber wieder auf 390
zurück. Zellſtoff Waldhof waren zeitweiſe wieder ebenfalls gut erholt.
Im übrigen hielt die Unſicherheit bei uneinheitlichen Kurſen an.
Pri=
vatdiskont unverändert 6½ Prozent für beide Sichten.
Die Börſe ſchloß bei ſtillem Geſchäft in gedrückter Stimmung.
Transradio und Deutſch=Atlantiſche Telegraphen behaupteten mit 160,5
bzw. 163 annähernd ihre Tagesgewinne, dagegen hatten die meiſten
übrigen Aktienwerte mehrprozentige Tagesverluſte zu verzeichnen. An
der Nachbörſe bröckelte das Niveau leicht ab. Man nannte u. a. J.
G. Farbeninduſtrie 260,5, Polyphon 389, Zellſtoff Waldhof 288 (
Schluß=
kurs 291), Karſtadt 235, Rheiniſche Braunkohlen 281,5, Siemens 293.
A. E. G. 162, Norddeutſcher Lloyd 152,75, Hapag 154,75, Danatvank
240; junge Chadeaktien wurden erſtmalig mit 616.— Mark notiert. Die
alten ſtellten ſich auf 608.— Mark. Berger Tiefbau 389,25, Stöhr ſchwach
222,75, Deſſauer Gas 202,5, Neubeſitzanleihe 16,75, Ablöſungsanleihe
und II 52,10, dito III 55.
A. &. G..........."
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Baſalt ....... .. ...
Bergmann. . . . .
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Berl. Karlsruhe
und.
Berl. Hand.=Geſ....
Braunkohl. Brikett
Bremer Wolle... . . ."
Danatbank. . . . . . . .
Deutſche Bank. . . . ..
Diskontogeſ. . . . . . . .
resdner Bank. .. ..
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl ...."
Deutſche Petroleum
Dynamit Nobel ....
Elektr. Lieferung ...
J. G. Farben .... .."
Gelſenk. Berg. .. .."
G. f, elektr. Untern. .
Han. Maſch.=Egeſt. .
Hanſa Dampfſch. . . .
Hapag ...........
Harpner. .. . . . . . . ..
Hemoor Zement. . . .
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„5 Kali Aſchersleben ..." 180. 59. Ff Salzdefurth. . . . 282. 77.— 176.5 Weſterregeln .."
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— 3.
15 150.— Mannesmann Röhren 2.25 52. 151.— 152.— Niederlauſitzer Kohle 156.5 AINS 15.8 Norbd. Loyd ......." 152.625 1.53. 130. 133.— Orenſtein. . . . . . . . ." 131. 131.75 67.— 64.5 Polyphon ........." 378. 390.— 125.— 124 625 Rütgerswerke ... . ." 168.— 0.— Sachſenwerke .. . . ." 2. 63. Siemens Glas..... 46 — 146.— 1.-
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258.— 165.75
259.— Wittener Gußſtahl .." 60,5 60.5
Oeviſenmarkt.
Helſingfors".
Wien ......."
Prag ......."
Budapeſt . . . .
Sofia .. . . . ."
olland .. . . .
Eslo ........
Kopenhagen"
Stockholm ..
London ....."
Buenos Aire
New=York ..
Geld /Brief
10.51/ 10.53
58.755/58.875
12.38/ 12.401
72.92/ 73.0
3.022/ 3.028
68.55 168.8
11.78/112.00
12.071112.29
112.15/112 37
20.399 20.439
1.787/ 1.79
4.17704.1850
Belgien .. . . . /58.355 56.4751
Italien ........
Paris .........
Schweiz .. . . .."
Spanien. . . . . . .
Danzig ........
ſapan . . . . . . . ."
Rio de Janeiro".
Fugoſlavien ...
Portugal ......
Athen ........"
ſonſtantinopel".
Kanada. . . . . . ..
ruguah . . . . . .
45 16.49 80.5. 80.68 20.56 80.72 70.23 70.37 70.1 81.5 81.6 81.58 81 1.9‟ 1.998 194 1.9 0.5 0.505 0.503. 0.505 7.358 7.372 7.3. 7.369 7.98 18.02 18.1: 18.17 5.594 5.506 5.564 5.576 2 144 2.148 2.14 2.144 4.178 4.186 .179 4.187 4.321 4,328 4.321 4.329
Bayeriſche Kommunal=Goldanleihe 1928. Ueber die Bayeriſche
Kommnal=Goldanleihe von 1928 erfahren wir, daß 33 000 000 RM.
emittierk werden, von denen 26 000 00) RM. Son
der Bayeriſchen
Ge=
meindebank (Girozentrale) München in ihrer eigenem Organiſation
pla=
ciert werden, wahrend der reſtliche Betuag von 7 000 000 RM. zum
Kurſe von 96 Prozent zur offiziellen Zeichnung aufgelegt werden.
Das Konſortium ſteht unter Führung der Bayeriſchen Gemeindebank
(Girozentrale) und der Bayeriſchen Hypotheken= und Wechſelbank in
München.
Produktion, Einfuhr und Ausfuhr von Getreide
in Deutſchland.
Die Verſorgung Deutſchlands mit den wichtigſten Getreidearten iſt
taturgemäß im weſentlichen mit gewiſſen Schwankungen durch den
Ausfall der Ernte bedingt. Zu der verhältnismäßig regelmäßigen
In=
landsproduktion kommt ein Einfuhrbetrag, der bei allen Getreidearten
in den letzten Jahren mehr oder weniger angeſtiegen iſt — es geht
davon ab die Ausfuhr, die überall nur einen ſehr geringen Betrag
aus=
macht und nur heim Roggen zeitweiſe die Einfuhr überſchritten hat.
An erſter Stelle ſteht in der Produktion der Roggen mit
durch=
ſchnittlich etwa 6,5 Mill. Tonnen Jahresernte. Dementſprechend iſt die
Einfuhr von Roggen derhältnismäßig unbedeutend.
Ebenſo erweiſt ſich bei Hafer nur ein ſehr geringer Einfuhr=
Zu=
ſatzbetrag als nötig, um neben der großen Eigenproduktion den
Be=
darf zu decken.
Bei Weizen dagegen und ebenſo bei Gerſte wird die
beträcht=
lich geringere Inlandernte durch eine ſehr bedeutende Einfuhr
er=
gänzt. So ſteht im Jahre 1927 einer Eigenernte von 3,3 Mill. Tonnen
Weizen eine zuſätzliche Einfuhr von 2,6 Mill. Tonnen gegenüber und
bei Gerſte einer Inlandproduktion von 2,7 Mill. Tonnen eine Einfuhr
von 2,0 Mill. Tonnen. Bei weitem der größte Teil der
Gerſtenein=
fuhr dient der Viehfütterung, während nur ein kleiner Teil anderen
Zwecken, alſo insbeſondere den Brauereien, zugeführt wird.
Die erſte 220 00 Volt=Kraftübertragung in Europa. Bekanntlich hat
das Rheiniſch=Weſtfäliſche Elektrizitätsr ik in Eſſen in den Jahren
1925/26 eine Hohlſeilfreileitung für 220000 Volr Betriebsſpannung von
Köln bis Manheim gebaut. Dieſe Anlage wird jetzt nach Süden
wei=
tergeführt und ſoll im Vollausba einem Kraftaustauſch zwiſchen den
Tiroler Waſſerkräften und den Kohlenkraftwerken des R. W.E. in
Rhein=
land und Weſtfalen herbeiführen. Wie derlautet, iſt der Auftrag auf
die Ausrifftung von ſiebem Freiluft=Transformatorenſtationen für 220000
Volt vor kurzem an die Siemens=Schickertwerke vergeben worden.
Neben der erforderlichen großem Anzahl von Oelſchaltern und
Trans=
formatoren haben die Siemens=Schuckertwerke für etwa 1,2 Millionen
Pferdeſtärken Transformatoren für 220000 Volt zu liefern. Die
An=
lage iſt die erſte europäiſche Anlage für eine derartig hohe
Betriebs=
ſpanung.
Gebrüder Roeder A. G., Darmſtadt. Die in Nr. 108 vom 18. April.
1928 im Anzeigenteil enthaltene Bekanntmachung der Gebrüder Roeder
A. G., betr. Umtauſch deren Aktien, wurde irrtümlicherweiſe als 1.
Be=
kanntmachung bezeichnet. Es war bereits die 2. Bekanntmachung.
Mannheimer Gewerbebank G. m. b. H., Mannheim. Die
Mann=
heimer Gewerbebank e. G. m. b. H. hat geſtern vormittag ihre Schalter
geſchloſſen und ihre Zahlungen eingeſtillt. Die Verwaltung gibt eine
offizielle Erklärung ab, wonach die Zahlungseinſtellung infolge
unver=
antwortlicher Kreditgewährung des Vorſtandes und zu enger
Ver=
quickung des eigenen Geſchäftes mit der Mannheimer Beamtenbank
G. m. b. H. erfolgen mußte. Man hofft bei ruhiger Abwicklung, daß
die Gläubiger der Bank keine Verluſte erleiden. Die
Gläubigerverſamm=
lung findet vorausſichtlich am 25. April, die Generalverſammlung am
30. April ſtatt. Bemerkenswert iſt, daß die Bank auf ihre
Geſchäfts=
anteile 1926 noch 8 und 1925 10 Prozent Dividende verteilte.
Enzinger Unionwerke A. G., Mannheim. Der Abſchluß für 1927
weiſt einen Reingewinn von 368 270 RM. aus, um der ſich der vom
Vorjahre übernommene Verluſt von 867 883 RM. ermäßigt. Der Reſt
des Verluſtes ſoll durch entſprechende Heranziehung des Refervefonds
gedeckt werden.
I. 1. Reichs=,
Länder= und
Schutz=
gebietsanleihen
6% Dtſche.
Reichs=
anleihe von 1927
5% Baden
Frei=
ſtaat von 1927..
8% Bah. Freiſtaat
von 1927 ...."
8L Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927.
Thüringer Frei
ſtaat von 1927..
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. *
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Otſche.
Schutzge=
bietsanleihe . . .
2. Stadtanleihen
89 Bad.=Bad. v. 26
% Berlin v. 24
2 Darmſtdt. v. 26
7% Dresden v. 26
7% Frkf. a. M. v. 26
ſeidelb. v. 26
* Ludwahf. v. 26
ainz v. 26..
2 Mannh. v. 25
* Mannh. v. 26
% Nürnberg v.
%6 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 26
3. Pfandbrieſe
und
Schuld=
verſchreibungen
7% Bad. Gold=
Lom. Anleihev. 26
8% Berl. Hyp.=Bk.
727
430
„ Lig.=
Pfandbriefe...
7% Frkf. Hyp. Bk.
8½ „
72. „Aa.=Bf
871.
80
81.25
—
87.5
51.85
16.95
7.25
K
94.5
88
AI.S
85.75
A4
95
95
K3
89
97.5
93
.5
92. 5
75
8% Frkf. Pfbrfbank
6O
41 Gotha Gr.=
Cred. Lig.=Pfbr
4½½ Hamb. Hyp.. Lig.=Pfdbr.
½⁄ Hefſ. Landesbk.
8% Kom.
Landes=
bank. Darmſtadt! 95
8% Landesbank d.
Rheinprovinz
720
Landeskr. Kaſſ.
„ Mein. Hyp. Bk.
8‟ Naſi. Landesbk. 101.25
Pfälz. Hyp. Bk.
110
„ „ Lig
Pfandbriefe
30 Preuß. Ctr.,
Bod.=Cred...
%⁄ Preuß. Ctr.
4:
Lig. Pfandbr. .
8½ Preuß. Ctr.
Stadtſchaft. . . . .
70
8% Rhein. Hyp.=Bl
4½.%6
Lia
Pfanbbriefe..
8% Rhein.=Weſtf.=
Bb.=Credit ... .."
70
„ L.=P
333
Südd. Bod.
Cred.=Banl ....
A.
48
Lig.=
Pfdbr. . ... ...
8% Württ. Hyp.=B.
98
89.5
88.5
78.5
79.5
98,
91.75
89
100
10
33
89.5
9.
93
76
97.2
76.25
6
93
7771,
8‟
75.75
95.25
92
95
Di. Komm. Sam.=Ablöf.=Anl.
Ausl. Ser. 1. 51.75
Dt. Komm. Sam
mel=Ablöſ.=Anl.
* Auslof. Ser, III 68
Papiermark=
Pfandbr. und
Kommunal=Obl.
Frkf. Hyv.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr. 18.25
eff. Lds=Hyp.=Bk.
orkr.=Pfdbriefe/ 13.56
bgl. Kom.=Obl.
S.1-16 —
Kom.=Obl.
S. 17-24 —
Mein. Hhp.=Bank.
Vorkr. Pfandbr. 14
Nordd. Grundcr.=
Vorkr.=Pfdbriefel 14.2
Preuß. Pfandbrbk
Vorkr.=Pfdbriefe/ 13.5
Rh. Hyp.=Bk.
Vor=
kr. =Kom.=Oblig. 4.85
Weſtd. Bodencred. Vorkr.=Pfl 14.05
4. Induſtrie=
Obligationen.
8% Dt. Linoleum
werke Bln. v. 26
Heſſ. u. Herku
les=Brau. v. 26
P.
Klöckn=Werke
Berlin v. 26...
100 Kom. Elektr.,
Mark. . .. .. . .
70 Mainkrw v. 26
86 Mitteld.
Stahl=
werke von 27..
8½ Neckarſulm v. 26
8½ Salzmann & Co.
Kaſſel v. 26...
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 26
7% Ver. Stahliv.
ohne Opt.v. 26
II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz=
%Badenw. Kohl.
anleihe . ...."
3% Heſſ. Braunk.. Roggenanleihe
% Heſſ. Volksſt.
Roggenanleihe. .
98.5
94.5
102
86
90.5
86.5
90.25
88.75
21.6
—
D
9.25
5% Preuß.
Kali=
wertan eihe .. . .
5% Preuß. Roggen
wertanleihe ..."
5% Sächſ.
Roggen=
wertanleihe . . .
5% Südd. Feſtw. .. . . . . . . .."
III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. V. v.
1914 .........
Bosn. L.=Ino.
Anl. v. 1914 ..
4½
Bosn. v. 0
5% Bulg. Tab. v
Griech. v. 90
% Griech. Mon.
% Mex inn. (abg.)
ſo
4%o
3%o
5%0
äuß. „
Golban=
leihe (abg.
inn. (abg.
4½% Irrig..
Anl. (abg.
Tamau=
lipas (abg.
4½% Oſt. Schatz
mnw. v. 191.
(C. C.=Stücke)...
4% Oſt. Goldrent
.C.=Stücke)..
4½% Rum. Gold
on 1913 ....."
Schweiz. Bds.=
Bahnen v. 1912
Türk. Admin..
1. Bagd.
2. Bagd.
Zollanl.
4½% uingarn von
13 (C. C.=St.
dito vor
1914 (C. C.,St.
4% dito Goldr.
(C. C.=St.
40 dito von
1910 (C. C.=St.
o dito
Kron=
rente (abg.) ..."
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (abg.)
4X Kopenh. v. 01
9.5
8.65
2.23
18.5
5
47.5
34.25
18.5
89.5
10
21.75
22
68.1
92
4½ Liſſab. v. 1886: 12.5
4½ Stockh. v. 1880
3. Obligationenv
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb
von 1891 ...
12.2
4
Eliſabethbahn
von 1883 ... . . . 2.875
4% Lemberg=Ezer
ſteuerpflichtig. ../ 11.5
Lemberg=Czer
ſteuerfrei ..."
11.75
2‟/„0%0 Oſt. Südb.
(Lombard.) . . .
15
4% Oſt. Staatsb.v.
1883 „......! 4.5
% Raab=Odenbg.
1883 . . . . . . . . 23
40 Rudolfb. i.
4.15
2
1. G. 2.6
4½%0 Anatolier I./ 18.75
TV. 1. Bank=Aktien
Allg. Dt. Creditanſt
Badiſche Bank. . .
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Bankverein
Bahr. Hyp.= un
Wechſelbank . . ."
Berl. Handelsgef..
„ Hypoth.=Bk.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Ban!
.
Eff.-u.
Wechſel=
bank . . . . . . ..
Vereinsbank.
Diskont.=Geſellſch..
Dresdener Bank".
Frankf. Bk. ....."
Hyp.=Bk..
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank
Metallbank. . . . . . .
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsbk.
ſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Ban
Pr. Bod.=Creditbk.
Hyp.=Akt.=Bk.
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Ereditbank),
Hyp.=Bank/493
136.75
159
142
158
186
159
123.75
103.5
150
3
15
112.
148.25
144
139.5
3225
21
160
36‟,
15,
133
14
205.25
125
Südd. Bod.=Cr. Bk
Disc.=Geſ... 136
Wiener Bankverein/ 16.75
2.
Berkehrs=
unternehmungen
A.=G.f. Verkehrswſ. /197
Allg. Lokalb.= und
Kraftwagen . . . 211
Dt. Eiſenb.=Geſ.. 1158
2 Dr. Reichsbhn=
Vorzge. . .... . . 96.5
Hapag ... . . . . . . . 1541
Nordd. Lloyd. . . . . 153.25
Schantung=Eiſenb
Südd. Eiſenb.=Geſ. 140
3. Iuduſtrie
Adt, Gebr. .....
Accum. Berlin. . ."
Adler E Oppenh.
Adlerw (v. Kleyer)
6% AEG. Vorzu
59
AEG. Stamm.. .
Bad. Maſchf.=Durl
Bamag=Meguin ..
Baſt Nürnberg
Beck & Henkel.
Bergm. El. Werk
Brem.=Beſigh.=
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen ..
Bürſtenfbr. Erlang.
Cementwerke
Heidelberg ..."
Karlſtadt .. ...!"
Lothr. (Karlsr.).
Chem. WerkeAlbert.
Brockhues
Fabrik Milch
Daimler=Benz...!
Dt. Atl.=Telegr..
Eiſenh. Berlin
Erdöl ......"
Gold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linolwerk. Berl
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen
Dürrwerke Rating.
Aa
91.25
80.5
7210.
1647,
141
24
68
185
63.5
152.5
124.25
99.25
41.5
149
180
80
101
87.5
101.5
134.25
199
257.5
128
S3.5
Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn
Hlektr. Licht u. Kraft
Elektr. Liefer.=Geſ.
Elſäſſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft
Enzing. Unionwke
Eſchw. Bergwerk".
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnere
Faber, Joh., Bleiſt.
Faber & Schleicher
Fahr, Gebr., Pirm
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas .......
Hof... .. . .."
Maſch. Po=
Pr. korny & Wittek.
Geiling & Cie...
Gelſenk. Bergwer
Heſ. f. elektr.
Un=
ternehmungen ..
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
DafenmühleFrankf
daid & Neu ....."
Hammerſen (O3n.)
Hanfw. Füſſen ...
hanſa=LloydBrem.
Harpener Bergbau
Hartm. & Braun
Henninger, Kempf
Stern Brauerei.
Heſſen=Naſſau Ga=
Heyligenſtaedt.."
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer .... 118
Hochtief Eſſen ..
Holzmann. Phil. . . 164.25
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Inag
...."
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben
Salzdetfurth. 1288.5
Weſteregeln.
Kammgarnſpian .4:18
275
24
225
91
49
24
59
224
71
104
52.7
261.75
84.5
150
109.5
81.5
78.25
1.38.5
1061,
13
188
139.5
40
147.5
165
180
115
90.5
81
72.5
—
129.75
85.5
183
194.5
Karſtadt, R. . . . . .
Ker. Werke Offſtein/ 165
Klein, Schanzl. . . . 106
Klöcknerwerke . . . . 122.5
Knorr, Heilbronn
166.5
Konſervfahr. Braun/ 21.75
Kraftw. Alt=Württ.
—
Krauß & Co., Loko
Dahmeher & Co. ./181.5
Lech, Augsburg .. . 1122
Lingel, Schuhw.
Löhnberger. Mühlel 36
Löwenbr. Münch..
Ludwigshaf. We
Lüdenſcheid Metal.
Mainkr.=W. Höchſt/12
Mainz. Akt.=Br.
Nannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werle.... .
Netallgeſ. Frankft.
Niag. Mühlenbau 142
Moenus Stamm
Motorenfabr. Deu
berurſel
Münch. Lichtſpielk. /120
Neckarſ. Fahrzeug. 57
Neckarw. Eßl. . . .
Nicolay, Hofbr.
Oberbedarf ..."
Oſterr. AlpineMon./ 14.5
Otavi Minen ...."
Peters Union Frrf. /103
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps A.=G. . .
Phönix Bergbau ./101.75
Porzellan Weſſel ./ 26.5
Reiniger. Gebb. &
99
Schall ... ..."
Ry. Braunkohlen..
Elektr. Stamm 1460.5
Stahlwerke . ./157
Rhenania, Kunh. / 697,
Riebeck Montan".
Rütgerswerke .. . . /102.25
SalzwerkHeilbronn /196
Schneider & Hanau
9.5
Schnellpr. Frankth. / 73.5
Schöfferhof=Bind.. /36
Schramm Lackfbr. 122.5
Schriftg. Stempel. 1128.5
Schuckert Elektr. . . 1188.75
1128
56
=
179
68.5
150
111
Schuhfbr. Berneis=
Weſſel. . . . . . . . . 85.25
Schuhfabr. Herz.. / 17
Schultz Grünlack..
Schwarz Storchen 116
Seilindſtr. Wolff
75
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske/295.75
Südd. Immobilien 103.
Zucker=AG. /145
Strohſtoff, Ver.,. . 312
Tellus Bergbau /11
Thür. Lief.=Geſ.. . . 108
Tucher, Brauerei
Unterfr. Krs.=Elel
tr.=Verſ. . . . . . . 116
Veithwerke. ...
go
Ver. f. Chem. Ind.
deutſch. Olfabr. 73.5
Faßfabr. Caſſel
Gummifabrik.
Berlin=Frankf. / 94.5
Königs= und
—
Laurahütte
Pinſelfabriken 88
86.5
Stahlwerke ..
15‟
Ultramarir.
Zellſt., Berlin /149
Vgtländ. Maſch.. 71.5
Voigt & Haeffner/1
Voltohm, Seil ..."
Wanß & Frehztag 1137
Wegelin Rußfabrir 141
Werger Brauerei,
Jellſt. Aſchaffenbg. /191.75
14
Memel .. .."
Waldho . . . 293.5
Zuckerf. Rheingau
4. Verſicherungen
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung .. . 275
Frkft. Allg. Verſ..G 197.76
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . . . . 202
Mannh. Berſich.
Darmſtädter Werte
Bahnbedarf
Dampfk. Rodberg
Gebr. Lutz ....."
Motoren Darmſtadt
Gebr. Kocder .... la3.5
Nummer 109
Donnerstag, den 19 April 1928
Geite 13
Metallnotierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin am 18. April ſtellten ſich für je
100 Kilogramm: Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder
Nrtterdam (Notierung der Vexeinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz)
134.75 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metall=
börſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für
prompte Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original=
Hüttenalu=
minium, 98= bis 99proz. in Blöcken, Walz= oder Drahtbarven 210 MM.,
desgl. in Walz= oder Drahtbarren, 99proz. 214 RM.; Reinnichel, 98= bis
99proz. 350 RM., Antimon Regulus 86—91 RM., Feinſilber (1
Kilo=
gramm fein) 78,50—79,50 MM.
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom
18. April ſtellten ſich für Blei: Januar bis März 41½ (41¾4), April
40 (41), Mai 40½ (40¾), Juni und Juli 41 (41), Auguſt und
Septem=
ber 41 (41½), Oktober 41½ (41½), November 41½ (41½), Dezember
41½ (41¾). Tendenz: feſter. — Für Zink: Januar 50¼ (50¾),
Februar 50 (50½), März 50¼ (50¾), April 501/ (50½), Mai 49¾
(51½), Juni und Juli 50 (51), Auguſt 50 (50¾), September und
Okto=
ber 50 (50½), November und Dezember 50¼ (50¾). Tendenz: ſtetig.
— Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Produktenberichte.
Frankfurter Pwoduktenbericht vom 18. April. Infolge der
ſchwäche=
ven Auslandsnotierugen verkehrte der hieſige Produktenmarkt in
luſt=
loſer Haltung. Die Preiſe blieben jedoch durchweg gut behauptet, da
verſchiedentlich Derkungsbedürfmis beſtand. Sonſt blieben die Umſätze
im allgemeinen ſehr beſcheiden. Die Preiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt:
Weizen I 27,50, Noggem 2,50, Hafer 27,50—38,25, Mais für
Futter=
zwecke 24—24,25, Mais für andere Zwecke 25—25,50, Weizenmehl 38,50
bis 39,50, Roggenmehl 39—40,50, Weizenkleie 15,25 und Roggenkleie
16,25—16,50.
Beuliner Produktenbericht vom 18. April. Nachdem der hieſige
Markt ſchon in den letzten Tagen der Weltmarkthauſſe nur ſehr zögernd
gefolgt war und immer wieder beachtliche Rückſchläge aufzuweiſen hatte,
trat heute auf die ſchwächeren Meldungen von Ueberſee und die
Er=
mäßigung der Cifofferten für Weizen und Roggem eine Abſchwächung
ein. Vom Inlande zeigte ſich für Weizen auch reichlicheres Angebot zu
nachgiebigeren Preiſen, es beſtand jedoch kautm Kaufluſt, da das
Weigen=
mehlgeſchäft wieder ins Stocken geraten iſt. Roggen iſt zum Export nach
Polen weiter geſucht, die von dort vorliegenden Gebote lauten heute
etwa 2 Mark niedriger als geſtern und auch die Inlandsmühlen wollen
nur zu 2—3 Mk. niedrigeren Preiſen kaufen. Das Angebot von Noggen
iſt jedoch keineswegs ſtärker gewonden und die Abgeber ſind zu
Kon=
zeſſionen wenig geneigt. Für Roggenmehl ſind bei ſehr geringem
An=
gebot geſtrige Preiſe nicht durchzuholen. Am Lieferungswarkte waren
die Preiſe für beide Brotgetreidearten rückgängig. Für Hafer beſteht
be: den unnachgiebigen Forderungen der Provinz wewig
Untereh=
mungsluſt. Von Gerſten ſind gute Futterqualitäten weiter gefragt.
Viehmärkte.
Friedberger Schweinemarkt vom 18. April. Der Auftrieb auf dem
heutigen Schweinewarkt wurde zahlenmäßig mit 896 Ferkeln feſtgeſtellt.
Bei flottem Geſchäft wurden bezahlt für 6. Wochem alte Tiere 15—N
Mk., 6—8 Wochen alte 2—25 Mk., 8—12 Wochen alte 25—30 Mk. Es
veublieb etwas Ueberſtand.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 18. April. (Priv.=Tel.)
Beizen: Auf die günſtigen Wetterberichte begann der Markt in ſtark
abgeſchwächter Haltung. Auf die Liverpooler und Winnipeger Berichte
trat dann eine kräftige Erholung ein.
Mais: Der Markt verlief heute in feſterer Haltung auf den
ungün=
ſtigen Wochenwetterbericht und kleine Zufuhren an den Stapelplätzen.
Auch die Lokofirmen nahmen belangreiche Käufe vor.
Roggen: Auch hier entwickelte ſich eine recht feſte Haltung auf Käufe
der lokalen Firmen und beſſere Exportnachfrage nach Deutſchland und
Norwegen.
Hafer: Auch hier wurden größere Käufe beobachtet. Die
Wetter=
berichte aus Illinois und Kanſas wirkten ebenfalls anregend.
New York, 18. April. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Die feſteren braſilianiſchen und europäiſchen Marktberichte
im Zuſommenhang für Kaufluſt braſilianiſcher Firmen bewirkten eine
Preiserhöhung. Später drückten Realiſationen auf das Preisniveau.
Zucker: Bei kleinem Geſchäft erfuhren die Rohzuckertermine auf
Deckungen eine Befeſtigung. Auch Käufe für kubaniſche Firmen wirkten
preisſtützend.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. April:
Getreide. Weizen: Mai 156½, Juli 157½, Sept. 153½;
Mais: Mai 104½, Juli 108½, Sept. 108½; Hafer: Mai 63,
Juli 55½, Sept. 48½; Roggen: Mai 131½, Juli 126½, Sept.
119½.
Schmalz: Mai 11,67½, Juli 11,97½, Sept. 12,27½.
Fleiſch. Rippen: Mai 11,37½, Juli 11,75, Sept. —: Speck,
loko 11,37½; leichte Schweine 9,25—9,90, ſchwere Schweine 9,10
bis 9,70; Schweinezufuhren: Chicago 22 000, im Weſten 105 000.
Baumwolle: Mai 19,86, Juli 19,72—19,73.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. April:
Getreide. Weizen, Hartwinter 175½; Mais, neu ank. Ernte
117½; Mehl, ſpring wheat clears 7,00—7,25; Fracht: nach
Eng=
land 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—10 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,30; Dalg, extra 8½.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 59; Loko: 14:
April 13,76, Mai 13,82, Juni 13,98, Jurli 14,11, Auguſt 14,15,
September 14,25, Oktober 14,13, Nobember —, Dezember 13,53,
Januar 1929 13,35.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Roheiſenverband hat den Verkauf für den Monat Mai dieſes
Jahres zu unveränderten Preiſen aufgenommen. Auch die
Zahlungs=
bedingungen haben keine Aenderung erfahren.
Wie wir erfahren, iſt die litauiſche Kommiſſion für die
Handels=
vertragsverhandlungen in Berlin eingetroffen. Die Verhandlungen
beginnen heute.
Der Auftrag der holländiſchen Negierung zum Bau von 10
Loko=
motiven iſt nunmehr doch an die deutſchen Firmen gefallen, und zwar
geht er laut „F. Z.” zur Hälfte an die Hohenzollern A.=G. für
Loko=
motivbau in Diſſeldorf und an die Berliner Maſchinenbauanſtalt vorm.
Schwartzkopff A.=G., Berlin.
Der Reichsverband der Lackierbetriebe Deutſchlands, Sitz Barmen,
veranſtaltet anläßlich ſeiner diesjährigen Haupttagung in Magdeburg
vom 3. bis 12. Auguſt eine Ausſtellung.
Im Gegenſatz zu anders lautenden Nachrichten wird aus Dresden
gemeldet, daß es ſich bei dem Beſuch des ſächſiſchen Finanzminiſters
Weber in London nicht um den Abſchluß einer neuen Anleihe, ſondern
um die Unterzeichnung der im vorigen Jahr von der Aktiengeſellſchaft
Sächſiſche Werke abgeſchloſſenen Anleihe handelt.
Wie uns mitgeteilt wird, hat im Tarifkonflikt des Bankgewerbes
das Reichsarbeitsminiſterium die Parteien zu einer Ausſprache für
heute eingeladen.
Der enge Zuſammenhang, der ſchon bisher zwiſchen den deutſchen
Sulfitzellſtoff verkaufenden Unternehmungen beſtand, iſt neuerdings zu
einem Gebilde verdichtet worden, das den Namen „Sulfitzellſtoff G. m.
b. H.” trägt und als Preiskartell fungieren ſoll. Die Verhandlungen
über die Kartellbildung ſind zwar noch nicht völlig abgeſchloſſen, aber
doch ziemlich perfekt.
Mit Wirkung vom 18. April hat die Süddeutſche
Zinkblechhändler=
vereinigung, Sitz Frankfurt a. M., die Preiſe um ca. 1½ Prozent
er=
höht, nachdem ſie am 17. März um etwa 1 Prozent herabgeſetzt
wor=
den waren.
Die luxemburgiſchen Erzgruben förderten im Februar dieſes
Jah=
res 530 767 Tonnen Eiſenerz, d. h. 73 131 Tonnen weniger als im
Februar 1927.
Geſtern begann in Krakau eine polniſch=öſterreichiſche Eiſenbahn=
Konferenz zum Zweck einer Verbilligung der Eiſenbahntrife im
pol=
niſch=italieniſchen Güterverkehr, durch die der beabſichtigte polniſche
Kohlenexport nach Italien ermöglicht werden ſoll.
Zurzeit finden Verhandlungen über eine Einigung aller
Guß=
röhrenfabriken in Polen ſtatt. Zweck des Zuſammenſchluſſes ſou e
ſein, eine zu ungünſtige Preisgeſtaltung für Kanaliſations= und
Waſſer=
leitungsröhren zu vermeiden.
Die bedeutenden amerikaniſchen Seidenband=Fabriken Mieſch
Mann=
facturing Co. und Buſer Silt Co. in Paterſon (N. J.) haben ſich zu
einer Geſellſchaft zuſommengeſchloſſen. Das Kapital beträgt 3
Millio=
nen Dollar. Die Firmen beſchäftigen 2000 Arbeiter.
Gemeinschaftsgruppe
Uf Deutsoher Aypothekenbanken.
T Deutsche Hypothekenbank in Meiningen,
II Frankfurter Pfandbrief-Bank Aktiengesellschaft in Frankfurt a. Main
III Leipziger Hypothekenbank in Leipzig,
IV Mecklenburgische Hypotheken- und Wechselbank in Schwerin,
V Norddeutsche Grund-Credit-Bank in Weimar,
VI Preußische Boden-Credit-Actien-Bank in Berlin,
VII Schlesische Boden-Credit-Actien-Bank in Breslau,
VIII Westdeutsche Bodenkreditanstalt in Köln.
In den heutigen Generalversammlungen wurde beschlossen, für das
Ge-
schäftsjahr 1927 eine Dividende von 92, zu verteilen, deren Auszahlung
ge-
gen Rückgabe der mit dem Eirmenstempel oder dem Namen des
Einreichen-
den zu versehenden Dividendenscheine vom 18. April ab, unter Abzug der
10%igen Kapitalertragssteuer an den Kassen der Gemeinschaftsbanken stattfindet.
„Die Dividendenscheine lauten, soweit sie zu ehemäligen Papiermark-Aktien gehören,
im Text auf das Geschäftsjahr 1927; soweit sie zu neuen Reichsmark-Aktien
ge-
hören, tragen sie bei I die Nr. 21, bei II die Nr. 40, bei III die Nr. 5, bei 1V die
Nr. 6, bei V die Nr. 60, bei VI die Ne. 55, bei VII die Nr. 5 und bei VIII die Nr. 34.
Meiningen, Frankfurt a. M., Leipzig, Schwerin Weimar, Berlin,
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Hauptausgabe Oktober 1927. Er umfaßt Lund 5000 Nummern und
Adressen und enthält alle Veränderungen, alsg alle Neuzulassungen,
Ummeldungen und Streichungen vom September 1927 bis 1. März
1928 und nur diese. Die Kraftfahrzeugbesitzer der größeren Städte
sind mit genauer Adresse (Straße und Hausnummer) aufgeführt.
Im übrigen sind, wie in der Hauptausgabe, die Besitzer von
Per-
sonenkraftwagen, Lastkraftwagen und Krafträdern nach Provinzen
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Seite 14
Donnerstag, den 19. April 1928
Nummer 109
Die „Chang=Hwa”=Perſe.
Von Norton Flight, New York.
Adrian ſah, daß einige Perlen ganz reſpektabel waren, aber
der Prinz ſchob ſie verächtlich beiſeite.
„Gut genug, die Hühner damit zu füttern,” ſagte er, „reden
wir nicht mehr darüber, ſagen Sie nuir lieber, Hauptmann
Atkin=
ſon, ob Sie mit auf mein Schloß kommen wollen.”
Er goß in Adrians Glas friſchen Champagner, und dieſem
wollte es ſcheinen, als halte der Prinz in der hohlen Hand ein
Kriſtallgläschen wit einer weißen Flüſſigkeit verborgen.
Adrian ſchob das Glas beiſeite. „Danke, ich trinke nie mehr
als ein Gias. Aber um auf die Perlen zurückzukommen; ich
finde einige davon ganz ſchön.”
„Ach, Prinz, wenn Sie noch euvas Schöneres haben wollen,
ſehen Sie her!” ſagte der chineſiſche Perlenverkäufer. Er grif
in die Taſche und entnahm ihr eine ſchwarze Perle, glänzend,
anſcheinend fehlerlos. Der Prinz beugte ſich in atemloſer
Be=
wunderung über die Perle und flüſterte ſchier andächtig: „
Wun=
dervoll, wundervoll.”
„Ja, die Perle iſt wundervoll”, ſagte der Chineſe
ge=
ſchmeichelt, „es gibt nur noch eine, die ſchöner iſt, die ſogenannte
Chang=Hwo=Perle. Haben Sie auch ſchon von ihr erzählen hören,
Hauptmann?”
Geſpannt ſah die Tafelrunde Atkinſon an. Dieſer rückte
ver=
legen auf ſeinem Stuhle hin und her, tat, als ob er vor Müdig
keit kqum mehr die Augen offen halten könne und ſtotterte dann:
„Die Chang=Hwa=Perle?” „Ja, ich . . . ich glaube, ich habe ſchon
von ihr erzählen gehört.”
Die Tafelrunde wechſelte Blicke. Tallboys, der
Opiumhänd=
ler, lächelte mit ſeinen dünnen, blaſſen Lippen.
„Ich wette ſogar, Hauptmann”, ſagte er, „Sie haben die
Perle ſchon geſehen.”
Atkinſon goß ſich noch ein Glas Soda ein. „Was meinen
Sie?” ſtammelte er. „Ich meine” Tallboys hatte ſich plötzlich
er=
hoben, „daß Sie die koſtbarſte Perle der Welt bei ſich haben und
daß wir darauf brennen, ſie zu ſehen. Wir ſind ja alle Ihre
Freunde. Zeigen Sie uns alſo die Chang=Hwa=Perle.”
Adrian blickte höchſt konſterniert von einem zum anderen. Alle
Blicke ruhten in wilder Gier auf ihm.
„Die Chang=Hwa=Perle ſoll ich zeigen?” ſtammelte er, „die
Chang=Hwa=Perle?” Mr. Mackintoſh lächelte ihm vergnügt zu.
„Keine Sorge, alter Burſche”, ſagte er, „wenn Sie die Perle
wirklich haben; ich ſelber würde ſie ſehr gerne ſehen.”
Wdrian blickte ihn halb betäubt an. „Nun, wenn Sie es auch
wünſchen!” ſagte er. „Ich weigerte mich bisher nur, weil ich die
Augen vor Schlaf nicht offen halten konnte.
Er griff in die rüclwärtige Rocktaſche und zog die
juwelen=
beſetzte Schmtckkaſſette hervor. „Nur einen Blick auf ſie!”, ſagte
er mit rauhem Auflachen, „nur einen Blick!”
Und er öffnete die Kaſſette ſo weit, daß jeder die Perle
er=
blichen konnte. Dann ließ er das Schloß wieder einſchnappen, die
Kaſſette entfiel ſeiner Hand und Atkinſon ließ den Kopf in tiefem
Schlaf auf die Tiſchplatte ſinken.
Als Adrian am nächſten Morgen erwachte, ſtand die Sonne
ſchon hoch am Himmel. Sein Kopf ſchmerzte ihn. Als auf ſein
Läuten der Stewand erſchien, fragte er: „Wo ſind wir?”
„Hundert Meilen von Honolulu. Wie fühlen Sie ſich, Herr
Hauptmann? Der Steward vom Deck brachte Sie geſtern in Ihre
Kajüte, da er Sie im Salon eingeſchlafen fand.”
„Ja, ich war ermüdet”, eriderte Adrion ablenkend. „Wiſſen
Sie vielleicht, ob Mr. Mackintoſh im Salon iſt?”
„Er iſt nicht mehr an Bord, Herr Hauptmann. Er verließ
das Schiff ganz unerwarteter Weiſe in Honolulu.”
„Ah, und der Miſſionär?”
„Auch er ſtieg in Honolulu aus. Und noch einige andere
Her=
ren. Wir haben uns ſehr darüber gewundert.
Adrian tat einen tiefen Atemzug.
„Um ſo ſchlimmer für ſie”, murmelte er vor ſüch hin, und als
ihn der Steward verwundert anſah, fügte er hinzu: „Und nun
mein Frühſtück, aber ein ausgiebiges.
Eine ſchwarz geſtrichene kleine Jacht nahm in der
ſüdweſt=
lichen Richtung von Honolulu ihren Weg ſo eilig dahin, als ihre
Durbinen es nur erlauben wollten.
Es war die „Opoe”, die in dem ſchlechten Ruf ſtand, mit
Schmggelei behannt zu ſein. In der großen, einzigen Kabine
ſaßen fünf Männer um den mit Getränken reich beſetzten Tiſch.
Ein ſechſter war im Vorrcum mit Schiffsarbeiten beſchäftigt.
Dieſe fünfe um den Tiſch waren die von Atkinſon als Dr.
Mackintoſh, Tallboys, der chineſiſche Perlenhändler, der Miſſionär
und der Zuckermognat gekannten.
Der ſechſte, der ſoeben die Kabine betrat, hätte für den
hawa=
iſchen Prinzen gelten können, wenn ſein Geſicht noch dieſelbe
braune Farbe gezeigt hätte. So aber entpuppte er ſich einſach als
Anthony Salomon, ein in Hongkong übel beleumdeter
Handels=
agent.
Er ſtürzte ein großer Glas Rum herunter und ſagte lachend=
„O, war das aber leicht, war das aber leicht! Wie ein Wölflein
ging er uns in die Falle. Und wir hatten ſchon gefürchtet, ihn
töten zu müſſen. Nur einen Augenblick dürfen Sie die Perle
an=
ſehen, ſagte er, nur einen Augenblick! Und was geſchah dann?
Und der Pſeudoprinz gröhlte vor Fröhlichkeit.
„Und dieſer Eſel”, rief Tallboys, ,war viele Jahre der
ge=
fürchtete Sekretär des Mandarins!”
Peaſe, oder wie wir ihn früher kannten, Mr. Mackintoſch,
ſchüttelte nachdenklich den Kopf. „Wißt Ihr Burſchen, mir will
es ſcheinen, als ſei die Sache zu leicht gegangen. Ich habe den
Hauptmann beſſer gekannt als Ihr alle. Wenn er ein Eſel iſt,
dann ſind wir alle Kamele.”
„Was krächzeſt du da Unheil?” ſchrie Salomon. „Die
Haupt=
ſache iſt ja doch, daß wir die Perle haben und mit ihr ein
uner=
hörtes Vermögen. Gib doch die Schatulle her, Charlie, wir
wol=
len uns unſeren Schatz jeder einmal anſehen.”
Charlie Chang, der Chineſe, reichte das Etui vorſichtig über
den Tiſch hinüber, Salomon ergriff es mit ſeinen fetten Fingern
und verſuchte, es zu öffnen. Ein=, zwei=, dreimal drückte er den
goldenen Druckknopf, am Schluß ſchon wit heftiger Ungeduld,
aber das Eti öffnete ſich nicht. „Zum Teufel! Das Ding
ſcheint zugenagelt!” rief er wütend.
„Gib es wir her!“
Es war die kühle Stimme des Miſſionärs.
Zitternd vor Aerger reichte Salomon ihm die Kaſſette. Dann
zog er ſein Taſchenuich hervor und wiſchte drei große
Bluts=
tropfen von ſeinem Daumen ab, den er ſich am Druckknopf
verletzt hatte.
Der „Miſſionär” drehte die Kaſſette vorſichtig nach allen
Seiten, als ſuche er nach einem Geheimverſchluß.
„Oeffne ſie doch!” ſchrie Tallboys. „Oder gib ſie wir her!”
Und er entriß ſie Ben Peaſes Händen.
Plötzlich ſprang Salomon in die Höhe. Er ſchnappte nach
Luft und griff ſich mit den Händen nach der Kehle.
„Was iſt das denn? Zum Teufel, was iſt denn los?” ſchrie
er mit heiſerer Stimme und riß ſich den Halskragen ab. „Gebt
mir ſchnell einen Schluck Waſſer!”
Ueberraſcht wandten ſich ihm die anderen Männer zu.
Salo=
mons Augen waren blutunterlaufen, und die Adern an ſeinem
Hals ſchwollen hoch an.
Peaſe hielt ihm ein Glas Whiſky an die Zähne, die aber ſo
heftig aneinander ſchlugen, daß das Glas in Scherben zu Voden
ſplitterte.
(Schluß folgt.)
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änderung; 6. Neuwahl des Vorſtandes;
7. Verſchiedenes.
Anträge ſind bis zum 24. April an den
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