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Darmstädter Tagblatt

28. März 1928

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Einzelnummer 10 Pfennige

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geffattet.
Nummer 88
Mittwoch, den 28. März 1928.
1941. Jahrgang

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Konlkurs oder gerichticher Beltreibung fäll ſeder
Nabat weg. Banflonfo Deutſche Vank und Darme
ſädter und Jiationalbank

Der Marine=Etat im Reichstag.

Geßler=Friede.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Liquidation der Geßlerſchen Erbſchaft iſt Marineleitung von den Subventionen gewußt habe. Wenn das Reichs=
n
. Dienstag vom Reichstag endgültig vorgenommen worden.
hiut einer Dauerſitzung gerechnet und daher die Abgeordneten nicht richtig unterrichtet geweſen ſei. Im Gegenſatz zu der Kanzler=
ſton
um 10 Uhr morgens zuſammengetrommelt. Es zeigte ſich Eiklärung treffe es zu, daß Mittel des Manneetats im die Sache geſteckt
iter bald, daß die raſende See mit dem Rücktritt Dr. Geßlers
euug der Opfer verlangt hatte, und daß auch bei den Oppoſitions=
errteien
Neigung beſteht, über das ganze unerquickliche Kapitel ten und die deshalb zu prüfen ſeien. Der Redner erklärte zum Schluß,
hinwegzukommen. Nur die Nationalſozialiſten machen eine Aus= ſtimmen werde, aber auch einen kommuniſtiſchen Antrag annehmen
ahme. Sie ſehen wohl ein, daß allzuviele von ihnen im nächſten
Rrichstag nicht mehr vorhanden ſein werden, und wollen deshalb teiligten in vollem Umſange vegreßplichtig machen will.
i, ſonſt des Landes nicht der Brauch iſt, und gegen den Reichs=
vehrminiſter
Groener in einer Art maſſiv wurde, daß dieſer es der ehemalige Finonzminiſter Dr. Reinhold, der die Bürgſchaft für
berrzog, den Saal zu verlaſſen. Dann aber war nach ſtürmiſchen
aus=Rufen des Hauſes offenbar der ganze Exploſivſtoff aus=
gräumt
. Die einſt ſo großen Senſationen des Streites um den
Panzerkreuzer und den Lohmann=Konflikt wickelten ſich ziemlich
ſechm ab. Der Panzerkreuzer wurde gegen Sozialdemokraten,
äwmmuniſten, Demokraten und den Bayeriſchen Bauernbund an=
zmommen
. Die Reformporſchläge des Hauptausſchuſſes zum Abg. Schneller (Komm) behauptete, daß die Lohmam=Ulnter=
Phöbusfall fanden ebenfalls Zuſtimmung. Nach Ablehnung des
eenmuniſtiſchen Antrages, die Miniſter ſämtlich vor den Staats=
grrichtshof
zu ſtellen, war bamit die zweite Leſung des Etatwerkes
os auf die allgemeine Finanzausſprache zu Ende geführt.
Der Kampf um den Panzerkreuzer.
* Berlin, 27. März. (Eig. Bericht.)
ſntehm, begann zunächſt die zweite Lelung des Marineetats, ligudiert, ſondern zu einer geheimen Miltärpoltik verwendet wurde,
AEs erſter Redner ſprach Abg. Kuhnt (Soz.), der die ſozialdemokra= die zwar vom nationalen Standpunkt aus habe gut ſcheinen können.
ti chen Anträge auf Streichung zahlreicher Poſitionen des Etats, unter aber doch dem Reiche keinen Nutzen gebracht habe. Im übrigen nahm
ſepiffe im Auslande nach Anſicht des Redners ungeeignet und daher ein leiter des Reichswehrminiſteriums Glauben ſchenken mußte.
unſinniger Luxus. Wenn Deutſchland ſeine Schiffe ohne Unterieeboote
und ohne Flugzeuge, die der Verſailler Vertrag ihm verboten habe, Haushaltsausſchuſſes zu und legte beſonderen Nachdruck auf die Ver=
ge
gen einen Feind ſchicke, ſo würde das nach Meinung von Fachleuten
miner Selbſtmord ſein. Gegenwärtig ſeien in der Oſtſee 50 fremde ſäumt habe, die Tätigkeit der von Lohmam geleiteten Abteilung zu
Unterſeeboote ſtationiert. Der Redner wandte ſich dann gegen die Zahl
der Marineoffiziere, die für die kleine Flotte viel zu hoch ſei und er=
öcterte
dann noch verſchiedene Einzelfragen.
Im Gegenſatz zu dem ſozialdemokratiſchen Redner luar Abg. Tre=
iranus
(On.) der Anſicht, daß die anderen Sachockſtändigen über
den Wert des Panzerſchiffbaues ganz anderer Meinung ſeien. Der Rechnung getragen habe, als er ſich einen perſönlichen Stab unterſtellt
ertragsbeſtimmungen beſchränkten Heimatſchutz ſei das neue Schiff Nechnungshofe zuſammenzuarbeiten.
von größter Bedeutung. Im weiteren Verlauf ſeiner Ausfuhrungen
vrteidigte der Redner die Flottenbaupolitik des Großadmirals von liche Verfolgung der Anſprüche des Reiches zweckmäßig ſei, durch ein
2 ikpls vor dem Kriege.
Abg. Wegmann (Ztr.) bezeichnete die vom Neichsrai und von
der zreußiſchen Regierung gegen die Bewilligung des neuen Pauzer=
7 Millionen für den Ausbau des Opernhauſes bewuillige, tuenn es für neue Panzerſchiff gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommu=
Miniſterialzulagen mehr als das Reich ausgeben könne, dann ſei es
ſciffes die Mittel für die Kinderſpeiſung beeinträchtigen werde. Das Der Marineetat wurde nach den Vorſchlägen des Ausſchuſſes genehmigt,
ter uns noch verbliebenen alten Linienſchiffe. Es müſſe auch derhitet lionen Mark. Die
merden, daß wir bei einem etwaigen Ueberfall vor vollendete Tatſachen
gsſtellt werden. Aus dieſen ſachlichen Gründen bewillige das Zentrum
die Mittel für das Schiff.
Abg. Brüninghaus (D.V.P.) war der Anſicht, daß, wenn wurde ebenfalls angenommen, nachdem ein kommuniſtiſcher Anirag,
der Linken behauptet werde, daß mit dem Bau des neuen Panzerſchiffs ſtammen, ſind etatsmäßig angewieſene Mittel; ſie der Kontrolle der
ſicherlich.
führungen des deutſchnationalen Redners über Tirpitz. Zur Panzer= eigenen Einnahmen des Reichs hätten zugeführt werden müſſen, iſt eine
Eshiffes militäriſch oder politiſch erwünſcht ſei, verneint, dagegen die außerhalb des Etatsrechts; ſoweit Verantwortlichkeiten anderer Stellen
ſchädliche Wirkungen haben könne. Die demokratiſche Fraktion lehne eifolgt. Die urſprüngliche Generalermächtigung für den Kapitän bezog
deshalb die Panzerſchiffrate ab.
ine Schwarze Marine in Vorbereitung ſei.
ſoes Reiches nicht einmal die Ausnutzung der durch den Verſailler Ver= pflichtungen aus Bürgſchaftsverſprechen des Kapitäns wahrzunehmen.
nrag gebotenen Wehrmöglichkeiten geſtatte. Um ſo mehu begrüße er
ſoie Forderung des Miniſters, wenigſtens den Bau des einen Panzeu= Stand der Liquidation vorzulegen. Im übrigen erwartet der Hauptaus=
kreuzers
zu bewilligen. Wenn man überhaupt eine deutſche Marine ſchuß, daß die Auflöſung des Ruhrfonds hei den Miniſterien und die
ſgaben wolle, ſo müſſe man ſie wenigſtens auch modern geſtalten.
Abg. Graf Reventlow (Natſoz,) ſtimmte dem Bau des Schiffes wehretat umgehend erfolgt.)
an ſich zu, richtete jedoch ſehr ſcharfe Angriffe gegen Reichswehrmini=
Uter Dr. Groener, wobei er mit dem Präſidenten in Konflikt geriet und der hekanntlich einen großen Teil des Notprogramms enthält.
mnebſt ſeinem Parteigenoſſen Straſſer wiederholt zur Ordnung gerufen
zwurde.
Reichswehrminiſter Dr. Groener, der während der Rede des
llängere Rede, ſondern wandte ſich nur kurz gegen die demokratiſche
Behauptung, wonach der Bau des Panzerkreuzers außenpolitiſch ſchäd=
Uich ſei. Der Miniſter teilte mit, daß noch vor wenigen Stunden Reichs=
aaußenminiſter
Dr. Streſemann ihm ſein Einverſtändnis mit dem Bau
Ges Panzerkreuzers bekundet habe. Weiter bat der Miniſter um die
Bewilligung des Etats.
(dann zurückgeſtellt.

Das Haus begann dann die Bergtung des Ausſchußberichtes über
die Lohmann=Unternehmungen.
zee war, man kann ſchon ſagen durch monatliche Verhandlungen Zeit ſich aufs Dementieren verlegt hätte, dann wäre viel außenpoli= kaufmänniſche Kenutniſſe vorausgeſetzt werden. Es wird ſchon
2 gründlich vorbereitet, daß dem Plenum eigentlich nicht allzu= Dr. Marx vom 20. Januar d. J. wäre nach Anſicht des Redners in wurden: Was, Sie können auch doppelte Buchführung und eine
il ziu tun übrig blieb. Trotzdem hatte der Reichstagspräſident vielen Punkten falſch geweſen, aber nur, weil der Reichskanzler ſalbſt Bilanz aufſtellen? Es ſpukt eben immer noch der Begriff des
worden ſeien. Aufſehen erregte eine Andeutung des Redners über be=
Zwecken wie die Geheimfonds des Reichswehrminiſteriums gedient hät= gutem Gemüſe und Obſt beſchränken.
daß die Sozialdemokratie den Anträgen des Haushaltsausſchuſſes 3u feln, das gute Obſt und der gute Wein eine große Menge von
Abg. Treviranus (Ontl.) betonte, daß das jetzige Kabinett
gen Untergang mit einem Analfeuerwerk abſchließen. Nur ſo iſt feöiglich die Hinterlaſſaſchaft, früherer Kabinette ligudiere. Die Ver= den verſchiedenſten Zweigen ſein müſſen, ſind alle dieſe Produkte
zu verſtehen, daß Graf Rebentlow eine Tonart anſchlug, wie gutwortung für die politiſche und etatrechtliche Soite trage in vollem uns unſerem kärglichen Boden in dieſer Güte kaum hervorzuzau=
Umſange der ehemalige Reichswehrminiſter und im gewiſſem Sinne auch bern. Daß dazu die verſchiedenſten Formen der landwirtſchaft=
ganz
beiſeite geſchoben habe. Die Phöbus=Bürgſchaft fehlte auch in der
vorgelegten Bürgſchaftsnachweiſung. Bezüglich Lohmanns Perſönlich=
des
Reiches verantwortlich und beſonders ſein Verhalten bei den faulen
Bürgſchaſten ſei aufs ſchäufſte zu verurteilen.
geheimen Kriegsrüſtugen ſei. Der Nedner fonderte, daß die Miniſter
Luther, Marx, Geßler und Neinhold vor den Staatsgerichtshof geſtellt
werden müßten.
Abg. Brüninghaus (DVP.) mißbilligte die Geſchäftsgebarung
des Kapitäns Lohmann auf das Schärſſte, ohne aber an der perſönlichen
Integrität des Mannes zu zweifeln. Lohmonn ſei übrigens genug be=
ſtraft
dadurch, daß er ſein Leben lang nur Bezüge bis zur Pfändungs=
avenze
erhalte.
Abg. Freiherr v. Richthofen (Dem.) führte die erſten Urſachen
Der Reichstag, der heute ſeine Beratungen ſchon um 10 Uhr auf= der ganzen Affäre darauf zurück, daß der Ruhrfonds ſeinerzeit nicht
anderem auch der Mittel für das neue Panzerſchiff, eingehend beg=un= der Redner den Reichsfinanzminiſter Dr. Reinhold in Schlutz, der über
dite. Die deutſche Marine ſei auch als Schutz der deutſchen Handels= die ganzen Vorgänge nicht informiert geweſen ſei und dem Abteilungs=
Abg. Wegmann (Zentr.) ſtimmte den Entſchließungen des
urteilung des Vorgehens des Reichswehrminiſters, der lange Zeit verab= und Oſten der Fabrikbetrieb, vergleichsweiſe, in der Landwirt=
kontrollienen
. Auch Reichsfinanzminiſter Dr. Reinhold hätte nach der
Anſikt des Redners auf einer Kontrolle beſtehen müſſen.
Reichswehrminiſter Dr. Gröner ſtimmte den Ausſchuß=
anträgen
im Namen der Reichsregierung zu und wies im übrigen dar=
auf
hin, daß er ſelbſt den Wünſchen des Reichstages ſchon imſofern
Kau ſei durchaus notwendig. Für den an ſich ſchon durch die Verſtiller habe, um in engſter Fühlung mit dem Reichsfinanzminiſter und dem brauchspflanzen, Verſuchen der beſten Bodenbearbeitung mit
Abg. Pfleger (BVP.) meinte, daß die Frage, ob eine gericht=
Gutachten des Juſtizmimiſteriums geklärt werden müſſe.
Hierauf wurde die Ausſprache geſchloſſen.
ſciffes angeführten Gründe als nicht ſtichhaltis. Wenn Preußen nommen und vor allem der Antrag auf Streichung der Mittel für das wenig bekannt, und wird auch häufig aus politiſchen Gründen
miſten, Demokvaten und einiger Mitglieder der Wirtſchaftlichen Vereini=
umaufrichtig
, die Sachlage ſo darzuſtellen, als ob der Bau des Panzer= gung abgelehnt, ſowie ſämtliche weiteren Streichungsanträge der Linken. Arbeit, Erfahrungen und Geld in den Pflanzenzüchtungen liegen.
(Seld für das Panzerſchiff ſei beſſer aufgewendet, als für die Neparatur ebenſo die zur Deckung der Phöbns=Verluſte angeforderten ſieben Mil=
Entſchließunz zur Lohmann=Angelegenheit
weutſchland nicht ſeine Flotte in dem vom Verſailler Vertrag gelaf= die Miniſter Geßler; Reinhold, Luther und Marx regreßpflichtig zu e8 in unſerem recht ungünſtigen Klima, das vielfach ſchon an die
genen Rahmen ausbaue, dies politiſcher Selbſtmord ſei. Deutſchland machen, abgelehnt worden war. Die Lohmann=Entſchließung hat fol= Grenze der Kulturpflanzen herangeht, erreicht worden iſt, daß
würde dann der Spielball jedes abente erluſtigen Nachbars. Wenn von genden Wortlaut: Die Lohmannmittel, ſoweit ſie aus dem Ruhrfonds, vom Jahre 1880 ungefähr bis zum Jahre 1913 die Durchſchnitts=
eäne
neue imperialiſtiſche Politit begonnen werde, ſo ſei das einfach Haushaltzabteilung des Reichswehrminiſteriums zu entziehen, war un= Dabei ſind wir auf dem Wege, dieſe Zunahme durch Neuzüch=
zuläſſig
, wenn auch für die Zeit der Ruhrbeſetzung erklärlich. Die Ver= tungen noch weiter ſteigern zu können. Es iſt wohl den Wenig=
Abg. Frhr. von Richthofen (D.) wandte ſich gegen die Aus= ſtärkung des Nuhrfonds mit Mitteln, die ihrer Herkunft nach den
tweuzerfrage gab der Redner eine formulierte Erklärunz ſeiner Partei ſchwere Verletzung der Reichshaushaltsordnung. Die von Kapitän
Ab. In dieſer Erklärung wird die Frage, ob der Bau des Panzer= Lohmann aufgenommenen Kredite und gegebenen Bürgſchaften ſtehen Zeutner auf den Morgen betrug, während 1913 mau mit 120
Befürchtung ausgeſprochen, daß der Bau des Schiffes außenpolitiſch entſtanden ſind, iſt eine Verletzung des Etatsrechts durch jene Stellen landwirtſchaftlichen Betrieben und heute in einigermaßen gün=
ſich
auf die Verwaltung etatsmäßig bewilligter Mittel. Die Ausdeh=
Abg. Neddermeyer (Komm) lehnte den Bau des Panzer= nung des Aufgabenkreiſes des Kabitäns Lohmann über die ihm ge= Seltenheiten gehören. Ich ſpreche hier nicht von Nekordernten,
ſtchiffes als Vorbereitung eines imperigliſtiſchen Weltkrieges gegen Ruß= gebenen Anweiſungen ſind mit dem Ctatsrecht unvereinbar. Es hat bei denen 230 bis 260 Zentner erreicht worden ſind= Iim Deles
hand ab und behauptete, daß neben einer Schwarzen Reichswehr auch die völlige Liquidation aller Lohmann=Unternehmungen zu erfolgen. Reſultat zu erzielen, gehört bei einer Kartoffelſorte allein eine
Abg, Loibl (BVP.) bedauerte, daß die ſchwierige Finanzlage uſtw. alle Möglichkeiten der Erſparniſſe durch Ablehnungen von Ver= ſive Arbeitsleiſtung dazu. Innerhalb dieſer acht Jahre wird von
Dem Haushaltsausſchuß iſt am 1. Juli 1998 ein Bericht über, den
Abg. b. Rebentlow den Saal verlaſſen hatte, verzichtete auf eine Einberufung des Ausſchuſſes für Verfaſſungs= den Markt kommt. Auch große Verſuche mit Maſchinen, Verſuche
reform.
Berlin, 27. März.
Das Reichsdabinett hat beſchloſſen, den auf Grund der Ent=
ſchließungen
der Länderkonferenz eingeſetzten Ausſchuß zur Be= 1
Dann ſprach Abg. Eiſenberger (B.B.), der den Bau des vatung einer Verfaſſungsreform einzubenrfen. Der Zuſammen= dringend notwendige Aufgaben in der Volkswirtſchaſt zu erfüllen,
Schiffes ablehnte. Die Abſtimmungen über den Marineetat wurden tritt des Ausſchuſſes ſoll nach Oſtern erfolgen, wahrſcheinlich
t
Ende April, aber ſpäteſtens Anſang Mai.

Perechtigung von Groß= und Klein=
betrieben
in der Landwirtſchaft.
Ein Vorwurf, der in Geſprächen über die Landwirtſchaft und
ihre Notwendigkeiten immer und immer wieder von unbeteiligter
Seite gemacht wird, iſt die angebliche Rückſtändigkeit der Land=
Abg. Heinig (Soz) ſtellte zunächſt feſt daß auch der Chef der wirtſchaft in der Betriebsform. Gs geht ſogar ſo weit, daß ſelbſt
beim Großgrundbeſitzer, der doch immerhin eine neunenswerte
wehrminiſterium gleich den Mut zur Wahrheit gefunden und nicht lange Lebensmittelfabrikation ſein eigen nenut, nicht ohne weiteres
tiſcher Schaden vermieden worden. Die Grklärung von Neichskanzler vielen größeren Landwirten paſſiert ſein, daß ſie erſtaunt gefragt
Zuwachſens ohne Arbeit und ohne Kenntniſſe in den meiſten
Köpfen, die mit der Landwirtſchaft nichts zu tun haben und ſich
ſtimmte. Fonds im Reichsverkehrsminiſterium, die vielleicht ähnlichen auf das Verzehren von leckerer Wurſt, gut gezogenen Kartoffeln,
Daß dieſe gute Wurſt, das gute Gemüſe, die guten Kartof=
wolle
, der die verantwortlichen Miniſter, Vorgeſetzte und ſonſtige Be= Vorarbeiten vorausſetzt, für die eine erhebliche Menge von Spe=
zialkenntniſſen
notwendig iſt, iſt leider wenigen klar.
Ohne dieſe Kenntniſſe, die zum Teil recht erheblicher Art in
Lohmann übernommen und damit die etatrechtlichen Grundſätze leider lichen Betriebe ſowohl in der Art der Betriebsführung als auch
in ihrer Größe notwendig ſind, möchte ich im folgenden kurz aus=
im
Dezember 1926 von Dr. Reinhold im Haushaltsausſchuß vertraulich einanderſetzen, um den verſchiedenen Schlagworten, die gegenüber
der Landwirtſchaft auch neuerdings wieder beliebt ſind, entgegen=
keit
war der Redner der Anſicht, daß ſeine perſönliche Makelloſigkeit er= zutreten. Dazu gehört auch das berühmte Schlagwort von der
wieſen ſei. Nichtsdeſtoweniger ſei Lohmann fir die Millionenverluſte Aufteilung des Großgrundbeſitzes, weil er angeblich ſchädigend
wirke, in die ſogenannte Ackernahrung.
Wir ſind ein Volk ohne Raum! Denn penn wir einem
nehmungen nur ein Teil der von der Reichsregierung durchgeführten jeden Deutſchen Boden zur Verfügung ſtellen wollten, ſo kämen
auf den Kopf nur wvenige Qugdratmeter, mit denen wirklich
nichts anzufangen wäre. Eine Verteilung des Bodens nach halb=
kommuniſtiſchen
Grundſätzen kann ſich höchſtens ein ſo boden=
reiches
Land wie Rußland leiſten. Wir müſſen uns auf die
Formen beſchränken, die ſich in der Landwirtſchaft in Jahrhun=
derten
entwickelt haben. Daß der Norden und Oſten des Deut=
ſchen
Reiches vorwviegend Großlandwirtſchaft beſitzt, hängt ein=
mal
mit ſeiner Geſchichte, des weiteren und zu einem erheblichen
Grund aber auch mit ſeinem ungleich ungünſtigeren Klima,
ſeinem zum größten Teil leichteren, unfruchtbaren Boden, ſeinen
ſchlechten Verbindungen und ſeinen großen Abſatzſchwierigkeiten
zuſammen.
Hier im Süden Deutſchlands, wo die Verhältniſſe mit Klima,
Boden und Abſatz ſo ſehr viel beſſer liegen, iſt die Exiſtenzmöglich=
keit
für erheblich kleinere Betriebe gegeben. Dadurch iſt hier und
im Weſten der Bauernſtand überwiegend. Während im Norden
ſchaft vorherrſcht, kommt man hier zu einer Annäherung an den
Selbſtverſorgerſitz. Beide Größen haben ihre vollſtändige Berech=
tigung
und ſind hervorragend geeignet, ſich gegenſeitig zu ergän=
zen
. Weder aus geldlichen Gründen, noch aus Mangel an Raum
iſt der Kleingrundbeſitzer im allgemeinen in der Lage, die Auf=
gaben
des Großgrundbeſitzers hinſichtlich Züchtung von Ver=
Maſchinen, Düngungsverſuchen, Züchtungsverſuchen von Pferden
und Vieh, zu übernehmen. Auch Verſuche mit der günſtigſten
Art von Wirtſchaftsgebäuden, Konſervierung von Futtermitteln,
der Art zu ſäen uſw. werden dem Großbetrieb meiſtens vorbehal=
Gs wuuden zunächſt die Abſtimmungen über den Marineetat vorge= ten bleiben müſſen. Es iſt leider in Deutſchland, noch viel zu
wohl mit Abſicht unterdrückt, welch ungeheuere Summen von
Man kann häufig in illuſtrierten und ähnlichen Zeitungen die
herrlichſten Berichte und Abbildungen über die fabelhaften Züch=
tungsergebniſſe
in Kalifornien uſw. leſen, während noch nicht
einer unter zehntauſend Menſchen weiß, daß wir mindeſtens
Gleichwertiges vorzuzeigen haben. Es iſt ganz entſchieden ein
Zeichen einer beſonders hoch entwickelten Landwirtſchaft, wenn
erträgniſſe an Ernte um 30 bis 100 Prozent zugenommen haben.
ſten bekannt, daß um das zweite Drittel des vorigen Jahrhun=
derts
die Durchſchnittserute z. B. an Kartoffeln ca. 40 bis 60
Zeutner gerade zufrieden war wohlgemerkt, auf gut geleiteten
ſtigen Jahren Ernten his 180 Zentner durchaus nicht zu den
Dabei ſind alle Möglichkeiten der Negreßanſprünche gegen Treuhänder Inveſtierung von rund 200 000 Mark und eine achtjährige inten=
40= bis 80 000 Pfänzlingen jede einzelne Pflanze in ihrer Ab=
ſtammung
, ihrer Entwicklung, ihren Krankheitserſcheinungen uſw.
buchmäßig verfolgt. Was das heißt, davon kann ſich nur der=
vom
Neichskanzler angekindigte Kontrolkommiſfon für den Neichs=, jenige einen Begriff machen, der ſelber dieſe Arbeit gerſehen hih=
geleiſtet
hat. Hand in Hand damit gehen Laboratoriumsverſuche
Angenommen wurde auch der geſtern zurückgeſtellte Ergänzungsetat, aller möglichen Art, die gleichfalls recht koſtſpielig ſind. Lazu iſt
dieſe Züchtung, wie faſt jede andere, ein Riſiko, denn man weiß
Sodann vertagte ſich das Haus auf Mittwoch vorm. 10 Uhr. häufig im fünften und ſechſten Jahre noch nicht, ob die Züchtung
auch im achten Jahre brauchbar iſt, wenn ſie zum erſten Male auf
zur beſten Bodenbearbeitung, Verſuche mit Dünger und mit der
Art des Ausſäens der Saat wird man beſſer der leiſtungsfähi=
geren
Großlandwirtſchaft überlaſſen.
Die Kleinbetriebe, die ſelbſt aus Mangel an Betriebsmitteln
und aus Mangel an Raum nicht dazu in der Lage ſind, derartig
können und müſſen ſich hierbei auf dieſe Intenſivierungsvorarbei=
ten
und die hochwertigen Saat= und Verſuchsgüter ſtützen. Das,

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was der eine in langwieriger, man möchte ſagen feinmechaniſcher
und feinchemiſcher Arbeit hervorgebracht hat, kann ſich nun der
andere, der Kleingrundbeſitzer, zur ſtärkeren Nutzbarmachung ſei=
ner
Betriebe zunutze machen.
Es iſt ohne weiteres zuzugeben, daß vielfach eine beſſere Aus=
bildung
der Leiter von Betrieben, vor allem in der Kleinland=
wirtſchaft
, zu wünſchen wäre. Die Bilder, die der Fachmann
manchmal, und leider muß man ſagen häufiger im Klein= wie im
Großgrundbeſitz, zu ſehen bekommt, ſind wirklich nicht ſchön und
dringend der Verbeſſerung bedürftig. Das, was am meiſten die
Bildung des Betriebsleiters jeder Größe zu einem tüchtigen, vor=
wärtsſchreitenden
Manne macht, iſt, abgeſehen von Fortbildungs=
ſchulen
, Winterſchulen uſw., die Beſichtigung von Lehr= und
Muſterwirtſchaften. Auch die Induſtrie hätte, ſoweit ſie in enger
Verbindung mit der Landwirtſchaft ſteht, vor allem ſoweit ſie ihr
Geld aus der Landwirtſchaft zieht, die Verpflichtung, derartige
Muſterbetriebe in den verſchiedenen Ecken Deutſchlands aufzu=
machen
. Das iſt bis heute bedauerlicherweiſe noch nicht der Fall
aus einer uns vielfach nicht verſtändlichen Zurückhaltung heraus,
die ſich eines Tages an der betreffenden Induſtrie vielleicht doch
rächen wird. Der mittlere und Kleingrundbeſitzer wird ſich, wie
geſagt abgeſehen von einzelnen beſonders günſtig liegenden
Fällen anderer Art im allgemeinen auf einen weiteren Aus=
bau
der von den großen Saat= und Zuchtbetrieben geleiſteten
Arbeit beſchränken müſſen. Eins bleibt jedoch den Kleinbetrieben
wohl zur Hauptſache vorbehalten: das iſt die Ernährung des
Volkes mit Schweinefleiſch, alſo die Schweinehaltung, und in
weiterem Sinne die Viehhaltung überhaupt, ebenſo Spezialkul=
turen
wie Tabak, Wein und ähnliche Kulturpflanzen, die ſich dem
Luxusgebiet nähern und eine bis ins Kleinſte liebevolle Arbeit
auf kleinem Raum bedingen.
Beim Großgrundbeſitz wird ſich die ſchärfere Intenſivierung
der Betriebe durch eine Belehrung und Beratung des Betriebs=
leiters
erreichen laſſen, mit deſſen Perſon und perſönlicher Ini=
tiative
der Betrieb, wie in allen anderen Zweigen, ſteht und fällt.
Beim Kleingrundbeſitz könnte die Intenſivierung jedoch durch
einen engeren Zuſammenſchluß des Kleingrundbeſitzes auf genoſ=
ſenſchaftlichem
Wege herbeigeführt werden. Ich denke dabei an
die gemeinſame Haltung von koſtbaren Maſchinen, Beregnungs=
anlagen
, Futtertürmen, periodiſchen dauernden Wechſel von Saat=
gut
, gemeinſamen Bezug von Dünger und gemeinſamen Verkauf
einer gleichmäßigen Ware. Das wäre leicht im Anſchluß an die
beratenden Stellen der Landwirtſchaftskammern und durch ge=
meinſam
gewählte Vertrauensperſonen in die Wege zu leiten.
Aus dem Vorliegenden iſt wohl eins erſichtlich, daß jede
Betriebsgröße, ſoweit ſie ihre Aufgabe erfüllt, auch heute noch,
mögen die politiſchen Schlagworte heißen wie ſie wollen, ihre
Wirtſchafts= und Exiſtenzberechtigung innerhalb der Volkswirt=
ſchaft
haben. Allerdings muß immer wieder, darauf hingewieſen
werden, daß wir in unſerer heutigen Not keinen Platz für ſchlecht

bewirtſchaftete Betriebe und erſt recht keinen für ſogenannte
Luxus= und Jagdgüter haben. Jeder landwirtſchaftliche Betrieb,

der heute nicht verſucht, das Höchſte zu leiſten, hat innerhalb der
Wirtſchaft eigentlich ſeine Exiſtenzberechtigung verloren.
In Verfolg dieſer Bemerkungen iſt es wohl auch angebracht,
einige grundlegende Worte über die Siedlung zu ſagen. (Die
Sieblungsfragen ſelber ſollen einem ſpäteren Artikel vorbehalten
werden.) Zur Siedlung eignen ſich nur Güter, mit den beſten
Abſatzmöglichkeiten und vor allem den beſten Bodenverhältniſſen.
Sonſt iſt das Ende bei einer blindwütigen Siedlung, wie ſie leider
aus politiſchen Zwecken heute vielfach betrieben worden iſt, die
Pleite und der Selbſtmord des Siedlers, wofür wir Beiſpiele in
der letzten Zeit genug haben. So erziehen wir uns keine geſunden
und zufriedenen Menſchen, ſondern legen wiederum den Keim zu
neuer Unzufriedenheit, neuer Krankheit und neuer Leiſtungs=
unfähigkeit
.
enm.

Der Lohnkonflikt bei der Reichsbahn beigelegt.

Berlin, 27. März.
Im Lohnſtreit bei der Deutſchen Reichsbahn wurde heute
im Reichsarbeitsminiſterium zwiſchen der Hauptverwaltung der
Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft und den beteiligten Gewerkſchaf=
ten
eine Vereinbarung getroffen. Die Vereinbarung deckt ſich im
weſentlichen mit dem Schiedsſpruch, geht aber inſofern über ihn
hinaus, als im Lohngebiet III und in der Lohngruppe 5 des
Lohngebietes II die Sätze um je einen weiteren Pfennig erhöht
wurden. Der Tarifvertrag ſoll bis zum 31. Januar 1929 Geltung
haben.

Die rheiniſch=weſtfäliſche Induſtrie betrachtet die Forde=
rungen
der Reichsbahnarbeiter mit ernſteſter Sorge. Sie fürch=
tet
, daß die Erhöhung der Löhne nicht nur einen Einfluß auf die
Induſtrielöhne nehmen wird, ſondern auch zu einer ungünſtigen
Geſtaltung der Reichsbahntarife führen wird. Jede Tariferhöhung
würde Erſchütterungen des Wirtſchaftslebens zur Folge haben.

Vom Tage.

Reichskanzler Dr. Marx wurde geſtern von der Vertreter=
verſamlung
als Spitzenkandidat das Zentrums in Düſ=
ſeldorf
=Oſt aufgeſtellt.
Der Bayeriſche Landtag hat geſtern gegen die Stimmen der
Sozialdemokraten, Kommuniſten und des Bayeriſchen Bauernbundes die
Beſoldungsvorlage angenommen.

Der Viſumszwang zwiſchen Deutſchland und der
ſchechoſlowakei iſt zwiſchen den beiden Ländern mit Wirkung
vom 5. April ds. Js. aufgehoben.

Das frühere Mitglied der Regierungskommiſſion des Saargebietes,
Landrat a. D. Land, der 1924 von ſeinem Poſten als ſaarlän=
diſches
Mitglied der Regierungskommiſſion zurück=
getreten
war, iſt in Saarlouis an einem Schlaganfall ver=
ſchieden
.
Der Befehlshaber der ruſſiſchen Baltikumflotte
während des Krieges, Admiral Skalowsky, iſt in Antibes, wo er als
landwirtſchaftlicher Arbeiter tätig war, geſtorben.
Der Berliner Polizeipräſident Zörgiebel hat der
Polizeipräfektur in Paris einen Beſuch abgeſtattet und verſchie=
dene
Abteilungen der Kriminalpolizei beſichtigt.
Die franzöſiſchen Kammerwahlen ſind endgültig auf
den 22. April und der zweite Wahlgang auf den 29. April feſtgeſetzt.
Der Papſt äußerte ſich in einer Anſprache gegen den Fas=
eismus
. Der Abdruck der Anſprache ſoll darauf von Muſ=
ſolini
für ganz Italien verboten worden ſein.
Der polniſche Außenminiſter Zaleſki reiſt Mitte
April auf Einladung Muſſolinis nach Rom.
Die bisherigen Verhandlungen der Pariſer Tanger=
Konferenz haben England nicht befriedigt.

Der engliſche König hat den bisherigen Geſandten in
Durazzo, William Seeds, zum Oberkommiſſar der In=
teralliierten
Rheinlandkommiſſion ernannt.

Sir Auſten Chamberlain betonte im einer Rede, daß an der
Echtbeit des Sinowjews=Briefes nicht mehr gezwei=
felt
werdem könne.
Nach dem Abbruch der Verhandlungen zwiſchen
dem britiſchen Geſandten, Sir Lampſon, und der
Nankinger Regierung hat der britiſche Geſandte den engliſchen
Generalkonſul in Schanghai mit der weiteren Erledigung der Angelegen=
heit
betraut. Er ſelbſt wird nach Peking zurückbehren.

Arbeiterſekretär Daves erklärte im Senat, daß es augenblicklich in
en Vereinigten Staaten 1874000 Arbeitslofe gegen=
über
23 849 000 beſchäftigten Pevſonen gebe. Die Arbeitsloſigkeit ſei
gegenütber dem Jahre 1925 um 7,4 Prozent zurückgegangen.

*Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags.

Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags, beſchäftigte ſich in
ſeiner Dienstagſitzung mitz der Beſoldungsordnung, deren Beratungen
am letzten Freitag bis zur Gruppe 9 gediehen waren. Im weſentlichen
wurden die Verhandlungen zu Ende geführt; über die letzten Stufen
ſoll noch in einer am Mittwoch abzuhaltenden Sitzung entſchieden wer=
den
. Zu den Beſtimmungen über die einzelnen Gruppen lagen zahlreiche
Anträge vor, doch wurden nur die von den Koalitionsparteien, teilweiſe
mit geringfügigen Abänderungen, angenommen. Die wichtigſten dieſer
Anträge ſeien hier verzeichnet. Zur Beſoldungsgruppe 7 wird hinzu=
gefügt
: Strafanſtaltsoberwachtmeiſter an den Strafanſtalten, den Land=
gerichtsgefängniſſen
und den Amtsgerichtsgefängniſſen Offenbach und
Worms. Geſtrichen wird Kellermeiſter bei der Wein= und Obſtbauſchule
in Oppenheim, der bei der Beſoldungsgruppe 6 hinzugefügt wird. Bei
Beſoldungsgruppe 5 werden geſtrichen: Obermaſchinenmeiſter bei der
mediziniſchen und Frauenklinik der Landesunierſität und der Oberwerk=
meiſter
am Kraftwerk und am phyſikaliſchen und elektrotechniſchen Inſtitut
der Techniſchen Hochſchule. In Gruppe 4e wurde eine Anmerkung hin=
zugefügt
mit dem Wortlaut: Die am 30. Septomber 1927 im Amt ge=
weſenen
Becmten erhalten für ihre Perſon die Bezüge der Gruppe 4d.
Hinzugeſetzt werden der erwähnte Obermaſchinenmeiſter der Landes=
univerſität
und der Oberwerkmeiſter der Techniſchen Hochſchule. Geſtri=
chen
werden: der Betriebsführer am Elektrizitätswerk Bad Nauheim
und der Betriebsoberſekretär in Bad=Nauheim; beide wurden in die
Beſoldungsgruppe 44 eingereiht. Zur A=Gruppe 1a wurde beſchloſſen,
auf einen Antrag der Koalitionsparteien hin, daß die Endſtufe dieſer
Gruppe mit 12000 Mark ſtatt mit 12600 Mark einzuſetzen iſt. Die
Stelle der Kreisdirektoren in Offenbach und Worms wurden geſtrichen.
Ferner wurde beſchloſſen zur Gruppe 1b: Der Bad= und Kurdirektor in
Bad=Nauheim iſt zu ſtreichen. Der Kreisdivektor in Friedberg iſt zu
ſtreihen und als neue Zeile iſt zu ſetzen Kreisdirektoren. Zur Gruppe 2a:
Der Direktor der Zellenſtrafanſtalt Butzbach und der Regierungsbaurat
als Vorſtand des Betriebsamtes Vad=Nauheim iſt zu ſtreichem und die
Stelle Bad= und Kurbirektor in Bad=Nauheim hinzuzuſetzen. Zur
Gruppe 2b: Der Direkkor der Zellenſtrafanſtalt Butzbach und der Re=
ierungsbaurat
als Vorſtand des Betriebsamtes Bad=Nauheim iſt hier
nzuführen. Die Worte Landgerichtsräte und Staatsanwälte ſind
hinter Amtsgerichtsräte hinzuzuſetzen. Zur Gruppe 2e: Die Stelle
des Polizeiſchulrats iſt hier aufzuflhren. Der Regierungsrat als Ver=
waltungsdirektor
am Landestheater iſt zuzuſetzen und die Stelle des

erſten Konzertmeiſters iſt neu aufzuführen. Zur Gruppe 2d: Die Stelle
des Polizeiſchulrats iſt hier zu ſteſchen. Zur Gruppe 3a: Taubſmim=

men= und Blindenlehrer ſind hier neu aufzuführen. Zur Gruppe 3c:
Taubſtummen= und Blindenlehrer ſind zu ſtreichen und neu hinzuzufü=
gen
: Reallehrer und Reallehrerinnen an höheren Schulen. V.

Die Eröffnung des polniſchen Sein

Lärmſzenen beim Erſcheinen Pilſudſkis.
Polizei entfernt die Ruheſtörer. Niedes
lage der Regierungspartei.

Warſchau, 27. März..
Der neue Seim wurde um ½6 Uhr im neuen Sitzungsſaal
bei überfüllten Tribünen durch den Stellvertreter des abweſes
den Staatspräſidenten, Miniſterpräſident Marſchall Pilſurdſſki. S=
öffnet
. Bei Erſcheinen des Marſchalls evfolgte von den Bänken
der Kommuniſten, der vadikalen Ukrainer und der polniſchem
Bauernpartei ein großer Lärm. Man hörte Ruufe wie: Niedol
mit dem polniſchen Fascismus! Auf Befehl des Marſchalls es
ſchien Staatspolizei im Saal und entfernte mit Gewalt die Ruhö=
ſtörer
. Es waren dies zwei Kommuniſten, zwei Abgeordnete due
raditalen Bauernpartei Wyzwolenie und drei radikale uckvainiſcht
Abgeordnete. Als dann wieder Ruhe eingetreten war, verlas di
Marſchall eine Kundgebung des Staatspräſidenten an den neuten
Seim, worin der Wunſch ausgeſprochen wird, daß er erfolgreick.
und erſprießliche Tätigkeit für den Staat entfalten möge. E
erfolgte dann die Vereidigung der neugewählten Abgeordneten
durch den Alterspräſidenten Boſko. Nach Beendigung der Ve=
idigung
verlangte der Führer der radihalen Bauernparte=,
Wyzwolenie, in forwaler Angelegenheit das Wort. Da ihm dier=
nicht
erteilt wurde, entſtand ein großer Lärm, ſſo daß die Sitzum
um ½7 Uhr zeitweilig unterbrochen wurde.

Bei den darauffolgenden Sejmmarſchallswahlenen
litt die Regierungspartei ihre Niederlage. Mf=
205: 132 Stimmen wurde der Sozialiſtenführer Saſzynfri
zum Präſidenten des Seim gewählt. Darauf verlie:;
ie Regierungspartei oſtentativ den Saal.

Franzöſiſche Wahlpolitik.
Von unſerem A=Korreſpondenten.

Paris, 27. Mär.
Die Wahlkampagne hat mit unerwarteter Kraft und Schnel=!
ligkeit eingeſetzt. Die Rede Painlevés in Thoiry war, die erſt=
offizielle
Programmrede; die Rede Poincarés in Bordeaux gil!
eingeſtandenermaßen auch der Wählerſchaft. Das war übrigens
ſchon bei der Straßburger Rede des Miniſterpräſidenten der Fald
jedoch verſuchte man damals den Wahlcharakter der Rede Pom
carés zu verwiſchen.
Schon damals hat man von einer bevorſtehenden Bordeauxen
Reiſe Poincarés geſprochen. Aber anſcheinend brauchte mar
längere Zeit, um den Boden in Bordeaux vorzubereiten, als mar
gedacht hatte. Es war dies allerdings keine leichte Aufgabe. Bor=
deaux
iſt rot und neigte von jeher nach links. Der ganze Süder
neigt ja nach links, aber zwiſchen Südweſt und Südoſt gibt eS
einen großen Unterſchied. Der Südoſt mit den Pyrenäen iſt die
Hochburg der äußerſten Linken. Der linke Flügel der Sozialiſtem
und die Kommuniſten ſind hier die Herren der Lage. Der =
weſten
mit Bordeaux dagegen iſt ein wenig gemäßigter. Die=
meiſten
linksſtehenden Mitglieder der Regierung wie Qeuille,
Leygues und Sarraut, der Innenminiſter haben in dieſem Ge=
biet
ihre Bezirke. Trotzdem wird die Reiſe Poincarés nach Bor=
deaux
als eine kühne Geſte dargeſtellt. Der Bürgermeiſter von
Bordeaux, ein waſchechter Sozialiſt, hat verlauten laſſen, daß er
den Miniſterpräſidenten nur als Privatperſon privat ſchätzt er
ihn hoch empfängt, und die Sorge für die Sicherheit des hohen
Gaſtes dem Präfekten der Gironde überläßt.
Uns ſcheint jedoch, daß man die Gefahr etwas übertrieben
hat. Man iſt ja rechts wie links gar nicht ſo böfe aufeinander, wie
man tut. Etwas iſt man aber auch den Wählern ſchuldig. Und
die eigentlichen Anhänger Poincarés ſitzen hauptſächlich, in der
Bretagne und haben es mit einigem Kopfſchütteln vernommen,
daß ihr Führer, von Kartellminiſtern umgeben, nach Bordeaus
ging . . .."
Wenn aber auch der Wahlkrieg nicht ſo heftig iſt, wie der
Kriegslärm groß, ſo ſoll man doch nicht glauben, daß es dem
franzöſiſchen Wahlkampf an wirklicher Intenſität fehlt. Er iſt
aber trotzdem man ſo viel von Sachlichkeit geſprochen hat
perſönlicher als je. Im Südweſten gibt es faſt in jedem Bezirke
ſieben oder acht Kandidaten, von denen im allgemeinen zwei, die
ſich mit dem Kampfruf Union nationale! in die Schlacht be=
geben
, zwei oder drei Radikalſozialiſten verſchiedener Färbung,
welche die Union nationale, nur im Parlament zu unterſtützen
gedenken, einen oder mehrere Sozialiſten, welche nur im Gehei=
nen
daran denken, daß ihre Partei an der Union nationale viel=
leicht
teilnehmen wird, und endlich einen Kommuniſten, der die
Union nationale aufrichtig bekämpft.

30 Jahre Freie Vereinigung
Darmſtädter Künſtler.

Am heutigen Mittwoch kann die Freie Vereinigung Darm=
ſtäbter
Künſtler auf den Tag zurückblicken, da vor 30 Jahren ihre
Gründung erfolgte. Am 28. März 1898 traten in Adolf Beyers
Werkſtatt eine kleine Anzahl jüngerer Künſtler zuſammen und
gründeten die erſte heſſiſche Gruppe zunächft mit acht Mitgliedern.
Es waren dies Wilhelm Bader, Adolf Beyer, Ludwig Habich,
Richard Hoelſcher, Melchior Kern, Paul Rippert, Philipp Otto
Schaefer und Auguſt Wondra. Schon am 20. September 1898
wurde die erſte Ausſtellung dieſer Freien Vereini=
gung
Darmſtädter Künſtler im Kunſtverein eröffnet
unter dem Schutze des Großherzogs Ernſt=Ludwig, der mit
Freude und warmer Teilnahme die Beſtrebungen der Künſtler
gefördert hatte. Außer von den Genannten waren noch Werke von
Eugen Bracht, Eduard Selzam, Ludwig von Hofmann und Aka=
demiedirektor
Ludwig von Löfftz, die nachher als Mitglieder bei=
traten
, ſowie Gemälde und Zeichnungen des drei Jahre vorher
verſtorbenen Heinz Heim ausgeſtellt. Dazu kamen noch in ſieben
Zimmern und Kofen vollſtändig eingerichtete Innenräume in
modernem Stil, ſogar Küche und Wintergarten, alle Räume vom
Boden bis zur Decke neuzeitlich hergerichtet. Dieſe kunſtgewerb=
liche
Abteilung hatte auf Einladung der Freien Vereinigung
Verlagsbuchhändler Alexander Koch in ſehr verdienſtvoller Weiſe
geleitet. Der Erfolg dieſer erſten Ausſtellung war, ein durch=
ſchlagender
, war ſie doch die erſte derartige in ganz Mitteldeutſch=
land
. Von weither kamen Beſucher, ja ganze Vereine hierher.
In den fünf Wochen der Ausſtellung war ein Verkauf von über
20 000 Mark erzielt worden. Das war im Jahre 1898 für Darm=
ſtadt
und den ſonſt ſo ſtillen Kunſtverein ein ſenſationelles, gänz=
lich
beiſpielloſes Ereignis. Der Erfolg hatte gute Folgen. Drei
Jahre ſpäter fand die erſte in aller Welt Auffehen machende
Künſtlerkolonie=Ausſtellung ſtatt, nachdem die Freie Vereinigung
1899 und 1900 ähnliche Veranſtaltungen wie die erſte, 1898, ge=
macht
hatte.
Mittlerweile hatte ſich die Vereinigung, die nicht auf die
künſtleriſche Richtung, ſondern auf die Qualität ihrer Mitglieder
ſah, von 8 auf 24 Mitglieder vergrößert, es waren ihr die meiſten
der bekannten in= und außerhalb Heſſens ſchaffenden namhaften
Maler und Bildhauer beigetreten, talentvoller Nachwuchs kam
dazu. So finden wir die bekannteſten Namen heſſiſcher Kunſt da
zuſammen, außer den ſchon genannten Georg Altheim, Wilhelm

Altheim, Carl Bontzer, Anna Beyer, Alexander Bertrand, Ernſt
Eimer, Ludwig Enders, Otto H. Engel, Edmund Harburger,
* Peter Halm, Hans Albert Hofmann, Conrad Hommel, Karl
Huber, Heinz Hohmann, Franz Huth, Johann Hammann, Leo
Kayſer, Hugo Kunz, Kurt Kempin, Carl Küſtner, Karl Friedrich
Lippmann, Joh. Lippmann, Paul Meyer=Mainz, Müller= Tenk=
ſoff
, Bruno Panitz, Gerhard Pfaff, Emil Preetorius, Willy Pree=
torius
, Karl Schmoll von Eiſenwerth, Fritz Schmoll von Eiſen=
werth
, Rudolf Schott, Karl Scheld, Eduard Selzam, Hans
Sutter, Carl Schwalbach, Auguſt Soeder, Paul W. Reiske,
F Wilhelm Thielmann, Carl Thylmann, Walter Waentig, Otto
Ubbelohde, Hans Vielmetter, Jakob Weinheimer, Richard Throll,
Annelieſe Lichtenſtein, Richard Daenzer, Julius Kaufmann u. a.
Zwanzig Mitglieder hat die Vereinigung in den 30 Jahren
durch den Tod verloren, davon fielen drei im Weltkriege.
Eine lange Reihe der künſtleriſch wertvollſten Ausſtellungen
heſſiſcher Kunſt mit wechſelndem Programm in den Räumen des
Kunſtvereins und im Olbrichbau auf der Mathildenhöhe, ſo die
ausgezeichnete Deutſche Ausſtellung 1911, die große Eugen=Bracht=
Ausſtellung zur Feier des 70. Geburtstages des Ehrenmitglieds,
die allgemeine heſſiſche Ausſtellung mit der prachtvollen Ludwig
von Hofmann=Sonderausſtellung 1917, Veranſtaltungen in vielen
Städten, z. B. Dortmund, Mainz, Frankfurt a. M., Chemnitz,
beſonders 1920 eine große und hervorragend eindrucksvolle heſ=
ſiſche
Ausſtellung in Nürnberg, haben wir der Freien Vereini=
gung
Darmſtädter Künſtler zu danken.
Den Vorſitz der Vereinigung, den nach Prof. Wilhelm
Baders ſchwerer Erkrankung Prof. Adolf Beyer bis zu ſeiner
gelegentlich des 25jährigen Beſtehens erfolgten Ernennung zum
Ehrenmitglied führte, hat ſeitdem Prof. Richard Hoelſcher inne,
die Mitgliederzahl beträgt zurzeit über fünfzig.

Das Jubiläum berechtigt wohl auch dazu, mit einigen Wor=
ten
der beſonderen Verdienſte des eigentlichen Gründers der
Freien Vereinigung, Herrn Prof. Adolf Beyer, in Dank und
Anerkennung zu gedenken. Der Künſtler, deſſen eigene Tätigkeit
als Porträtiſt ebenſo bekannt wie geſchätzt iſt wie ſeine lebendigen,
farbenfreudigen Blumenſtücke und Landſchaften, hat ſich als
langjähriger Leiter der Vereinigung um das Kunſtleben nicht nur
in Darmſtadt, ſondern weit über Darmſtadt und auch Heſſen hin=
aus
außerordentlich verdient gemacht. Er war der Anreger zahl=
reicher
Unternehmungen, die für die Belebung der werdenden
Kunſtſtadt Darmſtadt von größter Wichtigkeit waren. Er hat
neben ſeiner umfangreichen eigenen künſtleriſchen Tätigkeit, be=
ſonders
in den Jahren vor dem Krieg, eine ganz immenſe

Arbeitsleiſtung vollbracht und im Intereſſe der Künſtlerorgani=
ſation
nie Opfer an Zeit und Arbeitskraft geſcheut. Die Ver=
einsgalerie
, die heute noch nicht öffentlich zugänglich iſt,
bildet eine höchſt wertvolle, umfangreiche und künftleriſch faſt ein=
zigartige
Sammlung heſſiſcher und deutſcher Kunſt. Sie verdankt
ihre Entſtehung und Entwicklung allein der Tatkraft und un=
eigennützigen
Sammeltätigkeit Prof. Beyers, die der Vereinigung
einen koſtbaren Beſitz ſicherte.
In den Jahren des Kampfes der Richtungen, da der Expreſ=
ſionismus
und die Neo=Ismen alles Vorherbeſtehende in Acht
erklärten und die große Mehrzahl der Künſtler in Zweifel kamen,
wie ſie überhaupt arbeiten ſollten, als allenthalben Nachahmun=
gen
von Picaſſo, Klee, Nolde, Pechſtein, Lehmbruck uſw. auf=
tauchten
, als der umſtrittene Kampfruf Los von der Natur,
überall laut ward, haben Meiſter wie Bantzer, Bracht, Eimer,
Engel, Beyer, Alkheim, Hoelſcher uſw. in ihrer klaren Aus=
geglichenheit
und Unbeirrtheit ihre klare künſtleriſche Vernunft
bewahrt. Die Zeit hat ihnen wohl recht gegeben. Wir wiſſen
heute wieder, daß wahre Kunſt ohne Naturgefühl oder Natur=
ſtudium
unmöglich iſt. Das auszuſprechen gibt berechtigten An=
laß
dieſes Jubiläum, gibt aber auch weit darüber hinaus das
Albrecht Dürer=Jahr, zu dem man in Nürnberg rüſtet.
Der Freien Vereinigung Darmſtädter Künſtler und ihren
Mitgliedern Glück zu ihrem bedeutſamen Jubiläum und auch für
die Zukunft zu wünſchen, werden mit uns eine große Anzahl von
Kunſtfreunden vereinen.

Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus. Dienstag, den 27. März.
Die Zauberflöte.

Oper von Schikaneder, Muſik von W. A. Mozart.
Das zweite Gaſtſpiel von Annie von Stoſch als Pamina
gab erwünſchte Gelegenheit, ſie als Mozartſängerin zu prüfen.
Sie beſtand die Probe ausgezeichnet. Das Vornehme ihrer kulti=
vierten
Perſönlichkeit, die Sicherheit und Feinheit ihrer Stil=
beherrſchung
nahmen für ſie ein. Vor allem aber die ſtarke Fähig=
keit
, aus dem Innern einer tiefen Seele zu geſtalten. Ihre Stimme
hat bei großem Umfang viel Wärme und gehört zu jenen, die
auch im zarteſten Piano, das ſie oft verwendet, weithin tragenden
Klang beſitzen. Spiel und Dialog beweiſen Intelligenz und vol=
liges
Aufgehen in der Rolle. Eine echte und fertige Künftleri,
deren Anſtellung bei uns warm zu begrüßen wäre. v. H.

[ ][  ][ ]

Mummer 88

Mittwoch den 28 März 1928

Seite 3

Wahlgroptampftag am 20. Mat.
MAben den Reichstagswahlen auch Landtags=
Nablen in Preußen, Bayern und Württemberg.
Der Rundfunk in der Wahlagitation.
Der 20. Mai wird für uns ein Großwahltag werden: mit den
Ehstagswahlen werden, auch die Landtagswahlen in
ſpeußen, Bayern und Württemberg verbunden ſein.
em Wunder, daß die Parteien alle Anſtrengungen machen, ſich
mtlicher Mittel für die Wahlagitation zu bedienen. Es wird
u auch der Verſuch gemccht, den Rundfunk als Propa=
amdamittel
einzuſchalten. Bei den letzten Wahlen 1924
üllte er eine verhältnismäßig noch geringe Rolle, hat inzwiſchen
drr ſeinen Siegeszug bis ins letzte Dorf durchgeführt. Es iſt
ſſe ſchon richtig, daß hier eine Möglichkeit gegeben iſt, an alle
sühler heranzukommen, wie es keine Wahlverſammlung ſo gut
e et. Der letzte Verſuch iſt bei den Präſidentenwahlen gemacht
urden, wo der Reichspräſident und der Reichskanzler Marx eine
ewe hielten. Heute möchten die Parteien ſehr viel mehr von den
Nieglichkeiten des Rundfunks Gebrauch machen. Dem ſteht aber
negegen, daß bei redneriſchen Darbietungen wenigſtens eine Zen=
u
vorgeſehen iſt, die Ausſchreitungen vermeiden und die partei=
ofitiſche
Neutralität des Rundfunks wahren ſoll. Gerade die
öitzzialdemokraten haben neuerdings heftige Anklagen gegen die
ſanſur vorgebracht, obwohl ihre eigenen Genoſſen in der Zenfur
ine große Rolle ſpielen. Immerhin, der Schein der Neutralität
ſt doch gewahrt worden, und er würde verſchwinden, wenn alle
Frrteien auf den Rundfunk losgelaſſen würden. Was dem Einen
echt iſt, muß aber dem Andern billig ſein. Was dem Zentrum
ſertattet wird, kann man den Kommuniſten nicht verwehren.
Sellte alſo der Rundfunk benutzt werden, dann müßten auch die
Rferate der Parteien nüchtern und ſachlich, unter Ausſchluß
ei=licher Polemik ſein, würden alſo ſehr langweilig werden, oder
ſikeer, man müßte den Rednern freie Hand laſſen, und dann wäre
eie Zenſur geſprengt.
Das Reichskabinett hat ſich am Dienstag mit dieſer
Frage beſchäftigt, iſt aber zu dem Ergebnis gekommen,
onß bei der Eigenart des Rundfunks ſeine Be=
iutzung
für Wahlzwecke untunlich ſei. Die Par=
ien
haben ſich dieſer Auffaſſung nicht reſtlos
griſchließen können. Es ſoll daher verſucht werden, eine
Aink gprache zwiſchen dem Kabinett und den Par=
ihrern
herbeizuführen. Es iſt aber kaum anzunehmen,
hmgewie ablehnende Haltung der Regierung dadurch irgendwie
behrtußt werden könnte.
Gerüchte über das Reichskabinett. Recht=
mäßig
oder geſchäftsführend?
Der Reichskanzler hat am Dienstag zum erſtenmal nach
ſiiner Erkrankung dem Reichspräſidenten Vortrag gehalten. An
dieſe Unterhaltung ſind die wildeſten Gerüchte geknüpft wor=
den
, die ſich ſogar dazu verſtiegen, daß das Reichskabinett
im der nächſten Woche nach der Auflöſung des
Feichstages ſeine Demiſſion einreichen und bis
zuir Neubildung der Regierung nach den Wahlen nur noch
a.ls geſchäftsführendes Miniſterium im Amte
b leiben werde. Dieſe unmögliche Konſtruktion iſt wohl nur
de Shalb in die Welt geſetzt worden, um das Kabinett in der näch=
ſen
Woche in ſeiner Arbeitsfähigkeit zu hemmen. Tatſächlich hat
ſch das Reichskabinett nach der Kündigung der Koalition durch
das Zentrum auf den Standpunkt geſtellt, daß es nach wie, vor
vom Vertrauen des Reichstages getragen, alſo im Vollbeſitz
ſeiner Verantwortlichkeit ſei. Die Verſuche, Mißtrauensanträge
egen einzelne Miniſter durchzudrücken, ſind ja auch tatſächlich
unternommen worden, haben aber zu keinem Erfolg geführt. Für
Herrn Marx liegt alſo nicht die geringſte Veranlaſſung vor, zurück=
zjutreten
. Im Gegenteil, mit überſtürzten Demiſſionen haben wir
m der Vergangenheit ſo ſchlechte Erfahrungen gemacht, daß man
bamit vorſichtig ſein ſollte. Alle Anzeichen ſprechen dafür, daß es
auch diesmal nicht möglich ſein wird, eine neue
Regierung nach den Wahlen zu bilden. Wenn das
Rabinett Marx Ende Mai nach dem Vorliegen der Wahlergebniſſe
was eine Selbſtverſtändlichkeit iſt ſeinen Rücktritt beſchließen
ollte, dann wäre auch dann noch vorſichtige Ueberlegung über
wen Zeitpunkt am Platze, damit nicht bei einer vielleicht wochen=
Tangen Regierungsbildung Deutſchland keine aktionsfähige Regie=
rung
beſitzt, was unter Umſtänden auch außenpolitiſch recht un=
Gequem werden könnte. Vorläufig fühlt ſich das Kabinett noch
recht lebensluſtig und trägt ſich zum Entſetzen der Oppoſition mit
Dem Gedanken, den von der Länderkonferenz eingeſetzten Ver=
Faſſungsausſchuß einzuberufen, obwohl man hier vielleicht ſagen
kkönnte, daß jetzt bereits ſoviel Zeit verloren iſt, daß es praktiſcher
wväre, die Berufung dem nächſten Kabinett zu überlaſſen.

*Hauskonzert.
V. An Veranſtaltungen der öffentlichen Muſikpflege iſt im
allgemeinen kein Mangel, aber durch das ſtarke Angebot auf die=
ſem
Gebiete iſt die private Muſik, die Hausmuſik, ſehr zurück=
gedrängt
worden. Damit hängt ohne Zweifel der Rückgang der
Muſikkultur in weiten Schichten unſeres Volkes zuſammen. Der
privaten Muſikpflege erwachſen daher große Aufgaben, denn ſie
iſt in erſter Linie die Trägerin der Muſikkultur, und wenn es ihr
gelingt, ſich wieder mehr zur Geltung zu bringen, ſo wird damit
auch die muſikaliſche Kultur wieder gehoben. Das Mittel hierzu
iſt die Pflege künſtleriſcher Muſik. In einem Hauskonzert der be=
kannten
von Mannheim nach hier übergeſiedelten Konzertſängerin
und Gefangspädagogin Fräulein Walburg Emma Schick ( Schü=
lerin
von Aglaja Orgeni), zu dem Freifrau von Bellers=
heim
am Montag einen größeren Kreis in ihre Wohnung in der
Eichbergſtraße geladen hatte, wurde eine ausgeſucht künſtleriſche
Muſik zur Unterhaltung der Anweſenden geboten. Bach, Händel,
Mozart, Schumann und Cornelius waren die Namen, die die
Vortragsfolge ſchmückten; außer Fräulein Schick wirkten noch mit
Herr Hermann Heiß (Klavier), Freifrau v. Bellersheim
(Flöte) und Freiherr K. v. Bellersheim (Horn). Fräu=
lein
Walburga Emma Schick derfügt über eine ausgiebige, wohl=
geſchulte
Sopranſtimme, die ſehr anſpricht und von der die Künſt=
lerin
den rechten Gebrauch zu machen verſteht. Sie iſt ſich ihrer
ſtimmlichen Mittel wohl bewußt, was für ihren Beruf als Ge=
ſangspädagogin
nur von Vorteil ſein kann. Ihre Begabung weiſt
Fräulein Schick, die bereits mit ſtarkem Erfolg hier in einem
öffentlichen Konzert aufgetreten iſt, auf die Pflege eines ernſten
Stils, den des Oratoriums hin; größere Liedformen und er=
habene
Stimmungen liegen der Ausdruckskraft ihres Organs
günſtiger als Geſänge mit pointierter Stimmungsmalerei. Arien
von Bach und Händel bezeichneten demgemäß die Gipfelpunkte
der eindrucksvollen Geſamtleiſtung, die bei der Zuhörerſchaft
durch lebhafte Beifallskundgebungen ausgezeichnet wurde. Frei=
frau
v. Bellersheim begleitete einige Geſänge auf der Flöte mit
ſchönem Erfolg; für die anderen Lieder erwies ſich Herr Hermann
Heiß als ein ſtilſicherer Begleiter auf dem Klavier. Dieſer bot
noch die Chromatiſche Fantaſie und Fuge für Klavier von Bach,
worin ſich reifes Künſtlertum offenbarte, das ſich bei der Zuhörer=
ſchaft
lebhafte Anerkennung errang. Eine ausgezeichnete Wieder=
gabe
fand auch das Hornkonzert in Es=Dur von Mozart, an deſſen
Erfolg Freiherr v. Bellersheim ſtarken Anteil hatte.

Der Deutſche Städtetag für kommunale Aus=
lands
=Anleihen, für Selbſiverwaltung und
Selbſiverantwortung!
Künſtliche Abſperrung der Gemeinden vom Auslandsmarkt
ſchädigt die deutſche Geſamtwirtſchaft!
Der Vorſtand des Deutſchen Städtetages hat ſich auf ſeiner
letzten Tagung erneut mit der finanz= und wirtſchaftspolitiſchen
Lage befaßt und einſtimmig nachfolgender Entſchließung
zugeſtimmt:
Der Vorſtand des Deutſchen Städtetages iſt mit der Auf=
faſſung
, daß das geſamte deutſche Volk in allen ſeinen Teilen
den durch die Revarationsverpflichtungen des Reiches bedingten
wirtſchaftlichen und finanziellen Verhältniſſen Rechnung tragen
muß. Die deutſchen Städte ſind ſich ihrer Verantwortung dem
Volksganzen gegenüber benußt und gewillt, auch ihrerſeits der
außenpolitiſchen und wirtſchaftspolitiſchen Lage Deutſchlands bei
ihren finanz= und wirtſchaftspolitiſchen Maßnahmen voll Rech=
nung
zu tragen.
Schon vor Monaten hat der Vorſtand des Deutſchen Städte=
tages
mit allem Nachdruck auf die Notwendigkeit, hingewieſen,
nichtdringliche Ausgaben zurückzuſtellen. Angeſichts der Entwick=
lung
der Geſamtlage richtet er an ſeine Mitgliedsſtädte erneut die
Bitte, alle Ausgaben zu unterlaſſen, die nicht für unmittelbar
kommunalproduktive Zwecke beſtimmt ſind. Durch Beſchluß vom
23. Januar 1928 hat ſich der Vorſtand des Deutſchen Städtetages
aus eigenem Antrieb bereit erklärt, der Oeffentlichkeit alle not=
wendigen
Unterlagen zugänglich zu machen, um ihr fortlaufend
einen Ueberblick über die kommunale Finanzgebarung und ins=
beſondere
über die Verwendung der aufgenommenen Anleihe=
beträge
zu ermöglichen.
Die deutſchen Städte ſind infolge Verſagens des inländiſchen
Kapitalmarktes zur Befriedigung ihrer dringenden wirtſchaftlichen
und produktiven Ausgaben auf den ausländiſchen Kapitalmarkt
angewieſen. Eine unterſchiedliche Behandlung der privaten Wirt=
ſchaft
und der öffentlichen Wirtſchaft iſt in keiner Weiſe gerecht=
fertigt
. Durch künſtliche Abſperrung des ausländiſchen Kapital=
marktes
werden die deutſchen Städte gehindert, ihren internatio=
nal
anerkannten hohen Kredit zugunſten der geſamten deutſchen
Wirtſchaft auszunutzen. Die Gemeinden ſind bereit, für das Jahr
1928/29 an der Aufſtellung eines Geſamtplanes für den dring=
lichſten
Auslandsanleihebedarf mitzuarbeiten, der den repara=
tionspolitiſchen
Geſichtspunkten und den Verhältniſſen am aus=
ländiſchen
Kapitalmarkt Rechnung trägt.
Von der Ueberzeugung erfüllt, daß die den deutſchen Städten
obliegende Arbeit für Staat und Volk nur auf der Grundlage
gemeindlicher Selbſtverwaltung und Selbſtverantwortung geleiſtet
werden kann, richtet der Vorſtand des Deutſchen Städtetages an
die Reichsregierung das dringende Erſuchen, nunmehr mit größter
Beſchleunigung die Hemmungen zu beſeitigen, die einer ſofortigen
Erſchließung des ausländiſchen Anleihemarktes entgegenſtehen.
Wirth. Das Angebot der Demokraten.
Das Zentrum.
* Berlin, 27. März. (Priv.=Tel.)
Das Angebot der Demokraten, Reichskanzler a. D. Dr. Wirth
in Düſſeldorf als Kandidaten aufzuſtellen, hat begreiflicherweiſe
in Kreiſen des Zentrums wie eine Bombe gewinkt. Die Fraktion
hat am Montag abend über den Fall beraten, weiß aber offenbar
ſelbſt nicht recht, was ſie machen ſoll, da der Nächſtbeteiligte ſich
ausſchweigt, und nur durch eine ihm politiſch naheſtehende Kor=
reſpondenz
erklären läßt, daß er ſellbſtverſtändlich jede Möglichkeit,
für die Zentrumspartei zu kandidieren, dem demokratiſchen
Vorſchlag vorziehen würde. Das iſt ein Wink, den man im Zen=
trum
vermutlich verſtehen wird. Die Germania zitiert bereits
eine, wie ſie meint, offiziöſe Stimmung der Freiburger Tages=
poſt
, worin ausgeſprochen wird, daß der Vorſchlag des Badiſchen
Zentrums andere Möglichkeiten für Herrn Wiruh gar nicht aus=
ſchließe
, alſo eine Kandidatur in einem anderen Wahlkreiſe oder
auf der Reichsliſte, wo allerdings die ſicheren Kandidaturen ſwohl
alle vergeben ſind, und die Plätze auf der Reichsliſte werden, wie
bei den anderen Parteien, auch beim Zentrum zehnfach überfragt
ſein. Immerhin clingt die einzig poſitive Stellungnahme, die wir
in der Germania finden, nicht allzu zuverſichtlich, wenn ſie die
Ueberzeugung ausſpricht, daß Dr. Wirth ſich nicht zu einem
Schritt bewegen laſſe, der alle Sophiſterei habe keinen Zweck
in Wirklichkeit die Loslöſung vom Zentvum bedeute‟,

Hans Simons Orcheſtervariationen.
Zur Erſtaufführung im 8. Akademiekonzert, Freitag, den 30. März,
im Großen Haus des Heſſ. Landestheaters.
Die Variationen über ein Originalthema für großes Orcheſter Op. 2
von Hans Simon, dem hieſigen, hier nicht mehr unbekannten und
mehrfach erfolgreich hervorgetretenen Komponiſten, die nächſten Freitag
im 8. Akademiekonzert im Großen Haus des Landestheaters unter
Leitung des Komponiſten ihre hieſige Erſtaufführung erleben, ent=
ſtammen
der frühſten Schaffensperiode des jungen Muſikers. Sie ſind
größtenteils während des Krieges konzipiert und kurz nach deſſen Be=
endigung
abgeſchloſſen. Trotzdem zeigen ſie in markanter Weiſe die
Eigenart ihres Schöpfers ausgeprägt, der von der Grundlage einer
unkomplizierten lebendigen muſikantiſchen Veranlagung heraus ſich
primär mit den klangſinnlichen Vorausſetzungen ſeiner Kunſt auseinan=
derſetzt
. Es iſt daher bezeichnend, daß er ſich dazu hauptſächlich des
Orcheſters bedient, das in der unerſchöpflich reichen Farbenſkala eines
von der Neuromantik perſönlich weiterentwickelten Formbeſtandes die
dem Künſtler angemeſſene Ausdrucksmöglichkeiten bietet.
Das klaſſiſche Schema der Variationform erſcheint hier fortgebildet
und ſtellt nicht nur eigene und eigenartige Abwandlungen eines herben
düſteren, hauptſächlich durch die Baßklarinette repräſentierten Themas
(C=Moll) dar, ſondern ſteigert ſich gegen Schluß auch zu ſinfoniſchen
Verarbeitungen großen Stils. Während die erſte Variation noch im
melancholiſchen Charakter des Haupteinfalls verharrt, bieten die 2., 3.
und 5. die Ueberſetzung derſelben in leichte, tänzeriſche Bezirke. Die
ziveite iſt eine Art Scherzino, die dritte ſehr ausgelaſſen, ungemein
ſpritzig in der Inſtrumentation und nach einem lyriſchen Intermezzo
(Andante) der vierten Variation bietet die fünfte eine Paſtorale von
idylliſcher Heiterkeit im muſikaliſchen Paſtellfarbenſtil. Die ſechſte
Variation ſodann, eine unheimlich düſter beginnende Tarantella, führt
in bewegtem Aufſchwung zu glänzenden Preſtiſſimoſteigerungen, die
nach kurzer Andanteunterbrechung zum ſinfoniſchen Finale der ſiebenten
Variation überleiten. Nach kurzer Rückkehr in die Anfangsſtimmung
und ſeiner Fortführung in blühender Klangentfaltung ſetzt ein ſin=
foniſcher
Marſch ein, dem aber bald das Baßklarinettenthema des
Anfangs folgt. In glänzendem Aufſchwung wird es zum Höhepunkt,
einer prächtig triumphierenden Ausgeſtaltung des Themas geführt. Eine
kurze, wirkungsvolle Steigerung gipfelt in dem im Blechbläſerklang
hell erſtrahlenden C=Dur Schluß des im ganzen knappen, klangvollen
Werkes.

Zum Dürerjahr Nürnberg 1928.
Albrecht Dürers Leben wurzelt tief in ſeiner Vaterſtadt
Nürnberg. Nicht weniger als 16= bis 1700 Werke, die in der gau=
zen
Welt verſtreut ſind, zeugen heute noch von dem Reichtum
ſeiner Gedanken und ſeines Schaffens. Nürnberg, des großen
Meiſters Vaterſtadt, wird anläßlich ſeines 400. Todestages
(6. April 1928) den größten Teil ſeiner Werke zum erſten Male

Lohmann macht Schule.
Die Reichspoſt als Benzinproduzent? Ein
koſiſpieliges Experiment. Und die Gebühren=
herabſetzun
. . . .?
Die Verwendung von Reichswehrgeldern für die Ausbeutung
von Patenten und Beteiligung an Handels= und Induſtrieunter=
nehmungen
hat zu Folgen geführt, die eigentlich allen übrigen
Reichsbehörden eine Warnung ſein ſollten, die ihnen zur Ver=
fügung
ſtehenden Mittel nur in der Weiſe anzulegen, wie das
von vornherein vereinbart iſt und ſich dem Parlament gegenüber
vertreten läßt. Die Reichspoſt, die zwar ein ſelbſtändiges Unter=
nehmen
iſt, aber doch unter der Kontrolle des Reiches und des
Reichstages ſteht, ſcheint der Anſicht zu ſein, daß auch ſie einmal
ähnliche Experimente wie Kaditän Lohmann verſuchen könne.
Irgendein findiger Beamter ſcheint auf den Gedanken gekommen
zu ſein, daß ſich die Reichspoſt eine eigene Benzinbaſis ſchaffen
könne, wenn ſie ſich an einem Braunkohlenunternehmen beteiligt,
das die Abſicht hat, künſtlichen Betriebsſtoff aus Braunkohle her=
zuſtellen
. Der Verwaltungsrat der Reichspoſt hat ſich in ſeiner
letzten Sitzung tatſächlich mit dieſer Anregung beſchäftigt, aller=
dings
einen endgültigen Beſchluß noch nicht gefaßt.
Wir hätten es lieber geſehen, wenn er eine Beteiligung der
Reichspoſt aus finanziellen Gründen abgelehnt hätte, und zwar
auch aus folgenden Gründen: Vorgeſehen iſt eine Beteiligung in
Höhe von 2,6 Millionen Reichsmark. Ein derartiges Werk, wie
es geſchaffen werden ſoll, koſtet aber rund 7 bis 8 Millionen
Mark. Wenn es fertiggeſtellt iſt, wird man vielleicht feſtſtellen
müſſen, daß die einſchlägige Induſtrie weitere Fortſchritte gemacht
hat, ſo daß die Benzingewinnungsanlagen wieder umgebaut wer=
den
können. Daß es dann bei der Summe von 2,6 Millionen
nicht bleiben wird, iſt ſehr wahrſcheinlich. Darüber hinaus müßte
dann ein umfaſſender Abſatzapparat geſchaffen werden, da die
Poſt die Geſamtproduktion doch wohl kaum ſelbſt verbraucht.
Und die Verwertung der Nebenprodukte muß auch ausgenutzt
werden. Vielleicht ſtellt ſich dann die ganze Sache aber auch als
Fehlſchlag heraus, ſo daß die Poſt die 2,6 Millionen oder mehr
auf Verluſtkonto buchen muß. Noch vor kurzer Zeit erklärte die
Reichspoſt, daß ihre finanzielle Lage geſpannt ſei.
Wenn ſie jetzt 2,6 Millionen für ein Experiment
ausgeben kann, dann kann das wohl nicht aanz
ſtimmen. Jedenfalls wird damit bewieſen, daß die Reichspoſt
über überflüſſiges Geld verfügt und getroſt im Intereſſe unſerer
Wirtſchaft zu einer Gebührenherabſetzung ſchreiten kann.
Wir glauben nicht, daß der Reichstag mit einer derartigen Ver=
wendung
von Poſtgeldern einverſtanden iſt, die ſchließlich aus
den Taſchen der Allgemeinheit herausgeholt werden.
Das Amneſtie=Kompromiß von den Sozial=
demokraten
abgelehnt.
* Berlin, 27. März. (Priv.=Tel.)
Es wird nun doch nichts werden mit der Amneſtie: Im
Reichstag hatte ſich die eigenartige Konſtellation gebildet, daß
Deutſchnationale und Deutſchvölkiſche, Kommuniſten und Sozial=
demokraten
, wenigſtens in ihren Führern, ſich auf einen gemein=
ſamen
Antrag verſtändigt hatten, dem eine Mehrheit im Reichstag
ſicher geweſen wäre. Die ſozialdemokratiſche Fraktion hat aber
jetzt ihre Zuſtimmung zu dem Kompromiß verweigert, weil ſie den
Fememördern nicht dasſelbe Entgegenkommen zeigen wollte,
das ſie den kommuniſtiſchen Verurteilten ohne weiteres zubilligte.
Der Vorwärts begründet dieſen Umfall in einem längeren
Artikel, um vor allem den Kommuniſten gut zuzureden und
ihnen klar zu machen, daß die Sozialdemokraten eigentlich nur im
Intereſſe der Kommuniſten gehandelt haben. Die Kommuniſten
ſind aber anderer Meinung. Sie kennzeichnen die Haltung der
Sozialdemokraten in dem einen Satz: Das iſt zur Gemeinheit
der blanke Hohn.
Unnötige Aufregung.
* Berlin, 27. März. (Priv.=Tel.)
Von deutſchnationaler Seite Bayerns iſt dem Reichsaußen=
miniſter
der Vorwurf gemacht worden, daß er amtliche Gelder des
Auswärtigen Amtes mißbraucht habe, um Einfluß auf den
Fränkiſchen Kurier in Nürnberg zu gewinnen. Nach unſerer
Kenntnis iſt das falſch. Richtig iſt lediglich, daß der volkspartei=
liche
Abgeordnete Dr. Cremer mit privatem Kapital ſich in irgend=
iner
Form an dem Verlage der genannten Zeitung beteiligt hat.
Der Reichsaußenminiſter hat aber, damit nicht das Geringſte
zu tun.

in ſeinen Mauern vereinigen, und zwar in der großen Dürer=
Ausſtellung, die am 11. April im Germaniſchen Nationalmuſeum
eröffnet wird. Bei der am Abend des Vortages im großen Rat=
hausſaal
ſtattfindenden Gedenkfeier wird einer der beſten Dürer=
kenner
, Geh. Rat Dr. Wölfflin=Zürich, die Feſtrede halten. Eine
zweite große Ausſtellung, die am 12. April in der Norishalle er=
öffnet
wird und bis 1. September währt, wird ausſchließlich die
lebende Kunſt der Gegenwart veranſchaulichen. Ihr folgt vom
9. bis 30. September eine Pfälziſche Kunſtausſtellung, ebenfalls
in der Norishalle. Weitere Ausſtellungen im Stadt= und Staats=
archiv
und in der Stadtbibliothek werden einen Einblick in Dürers
Zeit gewähren. Zahlreiche eigenhändige Schreiben des Meiſters,
ferner die ihm erteilten kaiſerlichen Urkunden, endlich die Nachrich=
ten
über einige ſeiner bedeutendſten Gemälde und deren Schickſale
werden hier zu ſehen ſein. Das ganze geiſtige Leben und die
Kultur Nürnbergs zu Dürers Zeit, ferner die über ihn vorhan=
dene
Literatur werden in Wort und Bild dem Beſucher einen
Ueberblick über Jahrhunderte geben. Im Neuen Stadttheater
werden im Rahmen einer am 11. April beginnenden Feſtſpiel=
woche
Wagners Meiſterſinger Veit Stoß, Das Nürnbergiſch
Ei und andere charakteriſtiſche Opern und Schauſpiele gegeben.
Vom Mai bis September, erſtmals am 4. Mai, gehen ferner volks=
tümliche
Veranſtaltungen auf öffentlichen Plätzen in Szene
(Schönbartlaufen, Geſellentänze uſw.); die Zeit Dürers und des
Hans Sachs wird durch Hans Sachs=Spiele in der ehemaligen
Meiſterſingerkirche eindrucksvoll wieder wachgerufen werden. End=
lich
ſind Burgbeleuchtungen und Serenaden ſowie Führungen
durch Nürnbergs alte Höfe vorgeſehen. So wird man in Deutſch=
land
im Dürergedenkjahre 1928 einen der größten Meiſter des
Pinſels ehren.
Ein wertvoller Altertumsfund.
Ju öſtlichen Teil der Seulberger Feldmark in Richtung auf
Holzhauſen und Friedrichsdorf wird gegenwärtig ein weitver=
zweigtes
Drainagenetz verlegt. Dabei iſt eine ſolche Menge römi=
ſcher
Mauerzüge auf einer weiten Fläche verteilt angeſchnitten
worden, daß man unbedingt mit einer bedeutenden römiſchen
Siedlung, die nach einigen Scherbenfunden eine Vorgängerin in
der Hallſtattzeit hatte, rechnen muß. Ein römiſcher Meierhof iſt
dort ſchon vor Jahren auf dem Gewann nach der Hunburg zu
ausgegraben worden. Die Geſchichte der alten, einſt viel Töpferei
betreibenden Ortſchaft wird ſicher eine wertvolle Bereicherung
erfahren, wenn im Herbſt mit den Ausgrabungen begonnen wer=
den
kann. Einſtweilen verbieten die Rückſichten auf die Landwirt=
ſchaft
die Vornahme weiterer Ausgrabungen.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Mittwoch, den 28. März 1928

Nummer 88

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Nachklänge zu den Genfer
Abrüſtungsverhandlungen.

Proteſiſchreiben Litwinows an Loudon.
EP. Genf, 27. März.
Die ruſſiſche Delegation hat an den Präſidenten der Vor
bereitenden Abrüſtungskommiſſion, Loudon, einen Brief gerichtet,
von dem eine Abſchrift auch an den Direktor der Abrüſtungs=
abteilung
des Völkerbundsſekretariats, Colban, gegangen iſt. Der
Wortlaut wird erſt veröffentlicht, wenn ſich der Brief, in den
Händen Loudons befindet. Die Ruſſen legen in dem Schreiben
Verwahrung gegen einen Paſſus in der Schlußrede Loudons ein,
in dem dieſer die Ruſſen auffordert, nicht als Zerſtörer in Gen
zu erſcheinen, ſondern in aufbauendem Sinne an den Abrüſtungs=
arbeiten
mitzuwirken. Die Ruſſen betonen nochmals, daß ihre
eifrige und ſorgfältige Mitarbeit an dem Problem ihren ernſten
Willen zur Genüge beweiſe und verlangen im übrigen von dem
Präſidenten, auf dem gleichen Fuße und mit derſelben Loyalität
behandelt zu werden, wie dies mit den anderen Delegationen
geſchieht.
Litwinow, der urſprünglich mit ſeiner Gattin zu einem kur=
zen
Erholungsurlaub nach Monthier in Frankreich reiſen wollte,
hat ſich entſchloſſen, heute mittag um 11 Uhr 35 Min. ſich mit den
übrigen ruſſiſchen Vertretern nach Berlin zu begeben, wo ſich die
Delegation zwei Tage aufhalten wird.
Der Temps zum Genfer Ergebnis.
Paris, 27. März.
Der Temps beſchäftigt ſich in ſeinem heutigen Leitarvikel
mit der Erregung, die i Deutſchland der Mißerfolg der zu Ende
gegangenen Tagung der vorbereitenden Abrüſtngskonferenz her=
vorgerufen
hat. Das Blatt will von einem Fiasko nichts wiſſen.
Das, was man in Deutſchland ſo nenne, ſei in Wirklichbeit das
Fiasko der ruſſiſch=deutſchen Manöwer, über das ſich die deutſche

Familiennachrichten

Preſſe beſchwere. Es ſei nur zu wahr, daß die Debatte über die
Wbrüſtung ſehr langſam voranſchreite angeſichts der Schwierig=
keiten
, die darin beſtehen, die wichtigſten Sonderintereſſen der
verſchiedenen Regierungen miteinander in Einklang zu bringen.
Das Blatt vertritt dann den etwas ſeltſamen Standpunkt, daß
alles viel beſſer gegangen wäre, wenn man 1924 das Protokoll
angenommen hätte. Im übrigen will es nicht daran glauben,
daß Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann öffentlich zu dem
Fiasko von Genf Stellung nehmen werde. Wenn er es aber tue,
werde es intereſſant ſein, zu vernehmen, welche Auffaſſung er
von der deutſchen Mitarbeit an der Politik der Organiſierng des
Friedens habe. Man wüſſe nämlich ein für allemal aufgeſlärt
werden über den wahren Geiſt, in dem die Reichsregierug in
Genf zu behandeln gedenke. Die Halvung des Grafen Bernſtorff
habe ein Unbehagen geſchaffen, deſſen Beſeitigung nowwendig ſei.
Man könne zur Not verſtehen, daß Deutſchland ſeine Theſe von
der allgemeinen Abrüſtung als nowwendige Folgerung ſeiner
Entwaffnung aufrecht erhalte; aber daß es ſich entſchließe, den
Erfolg dieſer Theſe, der rechtlich und tatſächlich falſch ſei, ſeine
geſamte Völkerbundspolitik unterzuordnen, könne man kaum
glauben. Deutſchland ſei nach Locarno und nach Genf nur ge=
gangen
, weil ſeine Zuſammenarbeit mit den anderen Mächten
ihm allein Ausſicht auf eine politiſche und wirtſchaftliche Wieder=
erhebung
ſichern konnten. Dieſe Taktik habe ihm ſchon beträcht=
liche
Vorteile gebracht und es erwarte auch noch die Löſſung an=
derer
wichtiger Probleme. Wenn Deutſchland einen großen
Fehler gegen ſeine eigenen Intereſſen begehen wollte, könnte es
ſich dahin führen laſſen, aus den Arbeiten des Abrüſtungsaus=
ſchuſſes
Schlußfolgerungen zu ziehen, die geeignet ſeien, die
deutſche Politik gegenüber dem Völkevbund weſentlich zu ändern.
Das ſei eine Drohung, die niemand beeindrucken werde, und die,
wenn ſie zur Ausführung gelangen ſollte, nur geeignet ſei, die
Deutſchen ſelbſt zu beunmchigen.

Amerika gegen die engliſchen Flottenvorſchlägy
EP. Waſhington, 27. März.
Die neuen engliſchen Vorſchläge für die Flottenabrüſtunn
ſind in amerikaniſchen politiſchen Kreiſen mit wenig Intereſſe gufz
genommen worden. In Regierungskreiſen erklärt man, daß ſioe
Amerika nicht in eine neue Debatte einlaſſen werde, wenn nicht
von vornherein Ausſicht dafür beſtehe, daß beſſere Ergebniſſe en;
zielt würden als auf der letzten Konferenz in Genf. Auf alle Fäul
könne lediglich über die Herabſetzung der Kreuzer=Tonnage unten=
handelt
werden, nicht aber über die Herabſetzung der Tonnagg
der Großkampfſchiffe. Man iſt der Anſicht, daß die Diskuſſion übes
dieſes Problem der nächſten Konferenz in Waſhington vorbehag!
ten werden müſſe.
Japan und die engliſchen Marinevorſchläge=
Der japaniſche Marinemiiſter hat verlauten laſſen, daß diß
engliſchen Vorſchläge betreffend die Herabſetzung der Tonnagy
von Linienſchiffen eingehend beachtet werden ſollen. Es werdn
jedoch beſtimmt ſchwierig ſein, zu einem Abkommen zu gelangem,
da die Verhältniſſe für Japan ganz verſchieden ſeien. Infolges
deſſen erhebe er dieſelben Einwände wie auch die amerikaniſchem
Marinekreiſe, daß England ſich auf lange Jahre hinaus eine un=
beſchränkte
Ueberlegenheit geſchaffen habe, mit dem Beſitz der
Linienſchiffe Nelſon, Rodney und Hood.
Bomben=Attentate in Ch’cago
EP. New York, 27. März.
Aus Chicago wird gemeldet, daß dort geſtern abend zwei=
Bomben zur Exploſion gebracht wurden, die eine vor dem Hauſc
des Senators Deneen, und die zweite eine Viertelſtunde ſpäter untem
dem Hauseingang des Richters Swanſon. Menſchen damen nichtt
zu Schaden. Am Tage vopher waren bereits vier Bomben vorn
den Häuſern verſchiedener Beamten explodiert. Man nimmt an.,
daß dieſe Bombenanſchläge in Zuſammenhang ſtehen mit der
gegenwärtig heftigen Kontroverſe um den Bürgermeiſter von
Chicago, Thompſon, der bekanntlich durch ſeine Englandfeindlich=
keit
hervorgetreten iſt.

Die Geburt eines
kräftigen Sonntags=
mädels
zeigen in dank=
barer
Freude an
Reg.=Banmeiſter K. B. Kohl
und Fran Mia, geb. Smits.
Darmſiadt, Zwingenberg a. d. B.,
den 25. März 1928. (5676

Das Feſt der

Silbernen Hochzeit
begehen am heutigen Tage Herr Julius
Strauß und Frau, Holzſtraße 10.
(*8426)

Sein 30 jähriges Dienſt=Fubiläum
begeht am 28 März der Bierfahrer
Guſtav Kokohn, Arheilgerſtraße 25, in
der Brauerei Karl Fay.
Wir wünſchen dem im 61. Lebens=
jahr
ſtehenden treuen Arbeitspionier
a s echtem Schrot und Korn, daß er
noch lange ſeines Amtes walten möge.
(*8495)

Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, meinen heißgeliebten
Gatten, unſeren teuren Vater.
Großvater, Schwiegervater, Schwa=
ger
und Onkel
Sohann Michael Heynen
im 62. Lebensjahre nach langem,
ſchwerem, mit großer Geduld er=
tragenem
Leiden, verſehen mit den
Tröſtungen der heil, Kirche, am
Montag, den 26, März 1928 zu ſich
in die ewige Heimat zu berufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Luiſe Heynen, geb. Schwab Bwe.
Fam. Audolf Heynen
Fam. Noter=Syben.
Darmſtadt, Heidelberg, Köln=Nippes,
Aachen.
(5664
Die Beerdigung findet Donners=
tag
Nachm 3 Uhr von der Kapelle
des Waldfr edhofes aus ſtatt.

Dankſagung.
Für die überaus vielen Beweiſe
liebevoller Teilnahme bei dem
Hinſcheiden meiner unvergeßlichen
Gattin, unſerer lieben Mutter
Frau

ſagen wir unſeren herzlichſten
Dank.
Karl Braun
und Kinder.
Darmſiadt, den 28. März 1928.

Statt beſonderer Anzeige.
Unſere liebe, treubeſorgte Mutter, Schwie=
germutter
, Großmutter, Schweſter, Schwägerin
und Tante

geb. Kiſtinger
Witwe des Rechnungsrats Heinrich Maher
iſt am Samstag Abend nach kurzem Kranken=
lager
in Düſſeldorf, wo ſie ihren Lebensabend
verbrachte, ſanft entſchlafen.
In tiefem Leid:
Anna Aupff, geb. Maher miſt Gatten
Elſe Freund, geb. Maher m. Gatten u. Kindern
und Anverwandten.
Düſſeldorf, Sieg=Str. 16, München und
Darmſtadt, den 24. März 1928.
Die Beerdigung findet im Erbbegräbnis auf dem
Beſſunger Friedhof am Mittwoch, den 28. März um
3½ Uhr nachmittags ſtatt.
8500

Geſtern nachmittag entſchlief ſanft im
Alter von 82½ Jahren unſere gute, treu=
beſorgte
Mutter, Großmutter und Schwieger=
mutter

Frau

Um ſiille Teilnahme bittet
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lorenz Dörſam.
Darmſiadt, Erbacherſir. 3, Oberachern,
den 27. März 1928.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag ½4 Uhr
auf dem alten Friedhof ſtatt.
(28481

Todes=Anzeige.
Am Sonntag Judica, Nachmittags 2½ Uhr, ver=
ſchied
im Eliſabethenſtift ſanft und ſtill an Herzſchwäche
meine innigſtgeliebte Frau, unſere herzensgute Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Frau Emma Hellwig
geb. Klenk.
Ein Leben voller Liebe und Güte iſt vollendet.
Die Einäſcherung geſchah nach dem Wunſche der
Heimgegangenen in aller Stille.
M. Hellwig, Zollrat a. D.
Willy Metz, geb. Hellwig
Tierarzt Dr. Carl Metz
Carola Metz.
Darmſtadt, Soderſtr. 107I., Dilsburg b. Saarbrücken,
den 27. März 1928.
85

Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es in ſeinem uner=
forſchlichen
Ratſchluſſe gefallen, Montag abend
6 Uhr meine herzensgute, innigſt geliebte Frau,
unſere liebe Tochter, Schweſter, Schwägerin und
Tante
Doru kiemann
geb. Höfle
nach kurzer, ſchwerer Krankheit an den Folgen der
Lungenentzündung im Alter von 29 Jahren zu ſich
in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fritz Niemann
Adam und Anna Höfle, als Eltern
Carl und Greiel Höfle
Karl Heinz Höfle, als Neffe.
Darmſtadt, den 26. März 1928.
Riedeſelſtr. 40.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. März,
nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des alten
Friedhofes aus ſtatt.
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Dankſagung.
Wir ſagen allen Verwandten, Freunden, Bekannten
und allen denen, die unſeren lieben Entſchlafenen
Herrn Karl Klein
durch liebevolle Teilnahme, letztes Geleit und Blumen=
ſpenden
ebrten, herzlichſten Dank. Beſonderen Dank ſagen
wir Herrn Pjarrer Waitz für die erhebenden Worte während
der Krankheit und am Grabe, Herrn Dr. Wißmann für
die ſorgſame Behandlung und den beiden Diakonen für
die gute Pflege.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſitadt, den 26. März 1928.
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[ ][  ][ ]

Mummer 88

Mittwoch, den 28. März 1938

Seite 5

Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 28. März.
Ernannt wurde am 20. März Adam Bleſſing aus Krum=
ſa
: zum Pfleger bei der Landes=Heil= und Pflegeanſtalt Heppenheim
ii. Wirkung vom 1. März 1928 ab.
Hefſiſches Landestheater. In der Aufführung von Mozarts
britführung aus dem Serail am Freitag ſingt als Gaſt
et trud Stocks vom Stadttheater in Aachen das Blondchen.
Döe erſte Aufführung des Egmont in der neuen Inſzenierung
ug leider nochmals verſchoben werden, da die zahlreichen Grippe=
nankungen
im Perſonal nicht weniger als vier Hauptdarſteller:
e Herren Folkmar, Klix, Klupp und Paryla waren viele Tage lang
eitsunfähig den Gang der Proben dauernd aufgehalten haben;
e Premiere wird alſo von heute Mittwoch auf Sonntag, den
April, verlegt; ſie wird der Miete D zugeteilt, die am Sonntag
e Fidelio=Aufführung erhalten ſollte. Heute wird für die Miete I.
au Egmont Gogols Reviſor gegeben, und zwar wie bereits
eklich, im Kleinen Haus. Diejenigen Mieter der Miete I, die
jat der Zuſatzmiete UI angehören, erhalten ihre Karten durch die
ſurt. Die Vorſtellung beginnt um 19 Uhr.
Die bereits für die Egmont=Premiere gekauften Karten ſowie die
sThlkarten der Mieter können von heute ab zurückgegeben oder von
ugen Donnerstag ab gegen Karten für Sonntag eingetauſcht werden.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Die Käthe= Kollwitz=
asſtellung
für die ſich ein überaus reges Intereſſe zeigt, kann
u bis zum 4. April geöffnet bleiben. Für das vom 23. bis 25. Mai
attfindende Heidelberger Muſikfeſt under Furtwängler hat
ſie Bücherſtube für Darmſtadt und Umgebung den Kartenvorverkauf
hernommen; ebenſo auch wieder für die in dieſem Sommer ſtattfinden=
ei
Heidelberger Feſtſpiele. Näheres wird noch bekannt=
eiceben
.
Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt.
de ute abend um 8 Uhr findet unſere achte Winterverſammlung, und
nar im Fürſtenſaal des Reſtaurants Chriſt (Grafenſtraße) ſtatt.
der Syndikus Dr. Kollbach ſpricht über Zeitgemäße
3Sobleme aus der deutſchen Reichsverfaſſung‟. Wir
uwpfehlen, recht zahlreich zu dieſem Lichtbildervortrag zu erſcheinen.
5unde des Handwerks ſind herzlich willkommen.
Lichtbildervortrag Albrecht Dürer. Der bekannte Kunſt=
iſttoriter
Dr. Zeh=Heppenheim wird Anfang nächſter Woche in
der: Räumien der Buchhandlung Heinrich Schroth, Rheinſtr. 15,
ur Feier des 400jährigen Todestages Albrecht Dürers einen
im ſorgfältig ausgewählten Lichtbildern begleiteten Vortrag
ier Dürer halten. Näheres wird in den nächſten Tagen be=
arint
gegeben.
Johanneskirche. Es wird hiermit nochmals beſonders darauf
uingewieſen, daß heute abend um 8 Uhr die erſte Aufführung von dem
,C=hriſti Leiden=Spiel ſtattfindet. Dieſes Spiel iſt nicht als
ſt den Kirchenraum verlegtes Theater anzuſehen, um zu unterhalten
u d zu zerſtreuen, ſondern als gottesdienſtliches Geſchehen aufzufaſſen,
des erheben und ſammeln ſoll, und an dem die Gemeinde innerſten An=
ell
nehmen muß. Es kommt deshalb auch im Spiele alles leicht an
Tyeater Erinnernde, wie Geißelung und Kreuzigung Chriſti, in Fort=
al
. In ſtillen und eindringlichen Szenen begegnen ſich Jeſus, die
M utter, Magdalena und die Jünger. Als Geſtalten einer anderen
Welt treten der Tod, der Höllenfürſt Luzifer und Engel in Erſcheinung.
Es wird von den Beſuchern vorausgeſetzt, daß ſie ſelbſt jedes Wort der
Trauer und der Freude in eigener Seele miterleben. Der geringe Ein=
ſtrttspreis
von 20 Pfg. gibt jedermann Gelegenheit, der Aufführung
büzuwohnen. Eintrittsfolgen bei Muſik=Arnold (Weißer Turm), Pg=
verhandlung
Paul (Wendelſtadtſtraße) uſw.
Voklshochſchule. Am Samstag, den 31. März, abends 8 Uhr,
urd Herr Profeſſor Dr. O. V. Ludwig von Kloſterneuburg bei
Tiien einen Vortrag halten über Die Kunſtſchätze an der
2onauſtraße‟. Das Thema wird lebhaftes Intereſſe bei allen
2wnaureiſenden auslöſen, denen hierdurch die beſte Einführung in die
ungemein anziehende und lehrreiche Kulturgeſchichte des öſterreichiſchen
Suonauweges geboten wird. Prächtige Aufnahmen landſchaftlich reiz=
bleller
Szenerien und der bedeutendſten Sehenswürdigkeiten illuſtrieren
ds geſprochene Wort. Karten ſind in der Geſchäftsſtelle der Volkshoch=
ſchule
, Mathildenplatz 17, zu haben.
Verkehrsverein. Die Oberpoſtdirekkion teilt mit, daß vom
1. April ab auf Antrag des Verkehrsvereins zwiſchen 12,15 Uhr und
u5,45 Uhr eine weitere Briefkaſtenentleerung ſtattfindet. Auf dem Ver=
Uhrsbureau liegen neßen ſämtichen Eiſenbahnfahrkarten
4-roſpekte für Geſellſchaftsreiſen nach Finnland, nach Italien, Sizilien,
ar die Riviera, nach Spanien und Portugal, Nordafrika, Paris, Wien
rmd zum Beſuche der Kriegsgräbev in Frankreich und Belgien auf. Wäh=
tend
des Sommers beabſichrigt die Oberpoſtdireltion, Geſellſchaftsfahrten
wit offenen und geſchloſſenen Kraftomnibuſſen nach dem Odenwald, in
dre Bergſtraße, OppenheimNierſtein, MainzWiesbadenFrankfurt,
ir den Taunus, an den Rhein uſw. auszuführen. Ein Verzeichnis mit
Arngabe der Abfahrten und Preiſe iſt auf dem Verkehrsbureau ein=
zrſehen
.
Schlußfeier in der Jägertorſchule.. Die Jägertorſchule hat neun
Nahre beſtanden und wird mit dom neuen Schuljahr aufgelöſt. Sie lud
geſterm zu einem letzten Elternabend ein. Wie üblich, trugen die
Einder ihre beſten Gedichte vor, und der Chor der Schülerinnen ſang
anter der Leitung des Herrn Rieger ſeine ſchöuſten Lieder. Ein
noller, ſaftiger Chor, dem die Vierzehnjährigen einen geradezu wuch=
ägen
Baß unterſchoben, und auf dieſem Baß erhoben ſich die feierlich=
ſren
Engelſtimmen. Solch ein Kinderchor iſt immer ein Erlebnis, und
wer ſeinem Herzen einen Feiertag ſchuldig iſt, der beſuche die Wieder=
olung
des glorreichen Abends am Donnerstag. Beſuche ſie auch ſchon,
um einmal feſtzuſtellen, wie in der Volksſchule ein neues Leben wach
raworden iſt, denn ſolcherlei Dinge prägen ſich am beſten aus, wenn ſie
m Faltenwurf der Kunſt ſich darbieten. Herr Rektyr Page hielt eine tigt war, ſondern findet heute Mittwoch, abends 8 Uhr, im Saal
Unſprach= an Eltern und Gäſte, und dann hob ſich der Vorhang vor
iner paradieſiſchen Landſchaft, und die Neunjährigen führten ein
Mänchenſpiel auf, das, von Schauſpielern unmöglich, nur von wirblichen
Englein kann dargeboten werden. Dieſe Kinder bewegen ſich noch dies=
eits
der Verbildung und abſeits des verſtandlichen Gebarens. Sie ſind rung bzw. Erhöhung und ſonſtige aktuelle Fragen des Miet= und Woh=
noch
völlig unbelaſtet und können luſtig drauf los ſpielen. Ihre Stim=
men
, ihre Augen, ihre Hände beziehen die Befehle unmittelbar aus dem
bewahrten Herzen, und es iſt eine Wonne, ihnen zuzuſehen. Anmut
und Würde trugen dieſe winzigen Frauen auf die Bretter, die die Welt

Sener Dien und demn ſeſo it Sch Du de Drse ſcnde Ve=
rvie
das auf der großen Bihne ſo häufig geſchieht, ſtatt des Zauber=
Fädchens nur einen Kehrbeſen zur Verfügung hat! Aber: Herrgstt, was
Eteckt alles in dieſen kleinen Schauſpielerinnen! Sie ſingen, ſie tanzen,
Tie minnen, ſie haſſen, ſie lachen, ſie weinen wirkliche Tränen, gleich
Ser Käte Dorſch. Es beſchleicht einen ein ſeltenes Gefühl, wenn man
Sargeſtellt ſieht, wvie man diesſeits der großen Leidenſchaften doch auch
Sinmal ſo glücklich war. Die große Spielleiterin des Abends war Frl.
Vitzendorff, die ſich zum Schluß vor der erſtaunten Menge zeigen
mußte. Die zweite Aufführung am Donnerstag, um 7½ Uhr,

ſim Mathildenhöhſaal, ſei aufs wärmſte empfohlen. Die
Bühnenbilder ſtammen von Heinrich Bender, Darmſtraße 12.
Hohes Alter. Seinen 90. Geburtstag feiert in geiſtiger und
Körperlicher Rüſtigkeit am Freitag, den 30. März, der Regimentsſattler=
mneiſter
i. R. Herr Emil Kroll in Darmſtadt, Plonniesſtraße 18.
t=Herr Kroll iſt Altveteran von 1870/71, Ehrenmitglied des Kriegerver=
gins
1874 ſowie der kameradſchaftlichen Vereinigung ehemaliger Garde=
ODragoner 23. Täglich kann man dieſen alten Herrn bei ſchönem Wetter
fim Stadtgarten verweilen ſehen.
Frau Marg. Delp Wwe. geb. Mahr feiert am 29. März in
geiſtiger Friſche ihren 80. Geburtstag; gleichzeitig ſind es 20 Jahre,
daß ſie in dem Hauſe Frankfurter Straße 19 wohnt.

Die Lichtbildervorträge des Volksbundes
Deutſche Kriegsgräberfürſorge‟

Die Orts= und Bezirksgruppe Darmſtadt des Volksbundes Deut=
ſche
Kriegsgräberfürſorge hielt in den letzten Wochen in
einer Anzahl Gemeinden des Kreiſes Darmſtadt Lichtbildervorträge
über das Thema Unſere fernen Gräber und die Arbeit
des Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfürſorge‟
ab. Alle Veranſtaltungen waren gut beſucht. Faſt in allen Gemeinden
hatten ſich angeſichts des edlen Zwecks, dem der genannte Volksbund
dient, Vereinigungen zur inſtrumentalen oder vokalen Umrahmung des
Vortrags zur Verfügung geſtellt. So trugen Poſaunenchöre und andere
Muſikvereinigungen, Kirchengeſangvereine und Geſangvereine welt=
licher
Art in der Kirche, im Gemeindehaus, im Rathaus oder Gaſt=
hausſaal
zum guten und würdigen Verlauf des vom Volksbund ver=
anſtalteten
Abends bei. Orgel, Harmonium und Klavier traten auch
mancherorts in den Dienſt der guten Sache. Es ſei auch an dieſer
Stelle all den Mitwirkenden für die freundliche und ſelbſtloſe Unter=
ſtützung
des Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfürſorge herzlicher
Dank geſagt. Beſonderer Dank gebührt noch Fräulein Käthe Tietze
aus Darmſtadt, die an einzelnen Abenden paſſende, tiefergreifende Lie=
der
zum Vortrag brachte. Den Erſchienenen wurde allerorts die Volts=
bundveranſtaltung
zu einer hehren Weiheſtunde. Denen, die einen oder
gar mehrere ihrer Lieben draußen in fremder Erde ruhen haben, wurde
ſie zugleich auch eine Stunde herzerquickenden Troſtes. Erfuhren doch
bei dieſer Gelegenheit die Angehörigen unſerer lieben Gefallenen, daß
es im deutſchen Vaterland zahlreiche Männer und Frauen gibt, die
gerne und freudig mithelfen, daß die letzte Ruheſtätte derer, die für uns
alle geſtorben, gehegt und gepflegt und da, wo ſie in einem unwürdigen
Zuſtande iſt, deutſchem Volksempfinden entſprechend hergeſtellt wird.
Der Vortrag ſelbſt bot viel Intereſſantes und Wiſſenswertes. Es
wurden zu ſeiner Veranſchaulichung Bilder von kleinen und großen
Friedhöfen in Frankreich, Belgien, Polen, Rußland, Italien, Jugo=
ſlawien
uſw., die durch den Volksbund inſtand geſetzt wurden oder
noch inſtandgeſetzt werden ſollen, gezeigt. Auch eine Anzahl Einzel=
gräber
erſchien vor den Augen der Beſchauer. Den tiefſten Eindruck
hinterließen aber die Bilder der Sammelfriedhöfe. Es ſind dies rieſige
Todesſtätten, die durch Zuſammenlegung kleinerer Friedhöfe und vieler
Einzelgräber entſtanden. Auf einem einzigen derartigen Sammelfried=
hof
liegen 38000 deutſche Soldaten begraben. Auch ein Maſſengrab,
80 Meter lang und 60 Meter breit, wurde im Bilde gezeigt. In ihm
ruhen 35 000 unſerer unbekannt gefallenen Brüder. Auch drei ſehr
gute Aufnahmen von dem Darmſtädter Kriegerfriedhof waren zu ſehen.
Zum Vergleich erſchienen auf der weißen Leinwand aber auch Fried=
höfe
, auf denen Amerikaner, Engländer und Belgier ihren letzten

Petrusgemeinde. Männer=Vereinigung. Die Monats=
verſammlung
für April wird wegen der nahenden Oſterzeit auf Freitag,
den 30. März nicht, wie urſprünglich vorgeſehen, auf Donners=
tag
, abends 8½ Uhr, verſchoben. Herr Studienrat Dr. Vetter
wird einen Vortrag mit Lichtbildern halten über Deutſches Volkstum
i Siebenbirgen. Aus eigener Anſchauung mit Land und Volk be=
kannt
, wird der Redner in der Lage ſein, den Zuhörern eine innere
Bereicherung zu bieten durch ſeine Ausführungen. Mitglieder und
Freunde der Männer=Vereinigung, auch ſonſtige Gäſte, ſeien herzlich
eingeladen. Insbeſondere ſei dieſer Ruf an die erfreulicherweiſe in
letzter Zeit zahlreich Neueingetretenen gerichtet.

Sparen

heißt
Berdienen.
Wir haben unſeren Spareinlegern an Zinſen
vergütet:
für das Jahr 1924 rd. 66,000 Mk.
für das Jahr 1925 rd. 255 000 Mk.
für das Jahr 1926 rd. 3 7 8,000 Mk.
für das Jahr 1927
556 Tauſend Mk. Zinſen
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt.

Generalverſammlung des Hausbeſitzer=Vereins. Die Hauptver=
ſammlung
des Darmſtädter Hausbeſitzervereins kann wegen baulicher
Veränderungen nicht im Städtiſchen Saalbau ſtattfinden, wie beabſich=
des
Bürgerhofs (Eliſabethenſtraße 2) ſtatt, wie in der Sonntags=
Nummer unſeres Blattes bekannt gemacht worden iſt. Nach Erledigung
der vorgeſchriebenen Formalitäten wird der Vorſitzende eingehend über
die Tätigkeit des Vereins, die Frage der Steuer= und Gebühreneinfüh=
nungsweſens
berichten. Die Mitglieder des Vereins ſind zu der Ver=
ſammlung
freundlichſt eingeladen.

TAPE

S
N Z

WILHELM EHRHARBT
AM WElSSEN TURM
Zu Oſtern gelten die Sonntagsrückfahrkarten: Zur
Hinfahrt am Gründonnerstag von mittags 12 Uhr an, am Karfrei=
tag
, am Sanstag, am Oſterſonntag, am Oſtermontag. Zur Rück=
fahrt
au Karfreitag, am Samstag bis 9 Uhr vormittags, am Oſter=
ſonntag
, am Oſtermontag, am Dienstag bis 9 Uhr vormittags.

Schlaf ſchlafen. Gerade ſie beweiſen aufs deutlichſte, daß auf deutſcher
Seite noch viel mehr als bisher getan werden muß, um unſeren Krie=
gergräbern
ein dem deutſchen Volk würdiges Ausſehen zu geben. Der
Volksbund Deutſche Kriegsgräberfürſorge will keine protzigen An=
lagen
ſchaffen. Einfach und ſchlicht, einem verarmten Volke würdig,
ſo ſollen unſere Kriegerfriedhöfe draußen in der Ferne ausſehen. Sie
müſſen aber viel beſſer ausſehen, als dies heute der Fall iſt. Deutſche
Ehre und deutſches Anſehen erfordern dies gebieteriſch.
Dieſes echt nationale Ziel zu erreichen, dazu hat ſich der Volks=
bund
Deutſche Kriegsgräberfürſorge gebildet. Seine Mitglieder ſpen=
den
gerne ein Scherflein und ſind glücklich darüber, daß ſie etwas dazu
tun dürfen, die hehre Sache der Kriegsgräberfürſorge zu fördern.
In dem ſchon mehrfach genannten Volksbund haben ſich viele Volks=
genoſſen
in allen Teilen unſeres Vaterlandes, ohne Unterſchied der
Parteiſtellung, ihres religiöſen Glaubens und ihres Standes zuſam=
mengefunden
. Um die Bevölkerung Darmſtadts über die Tätigkeit dieſes
Bundes durch Wort und Bild zu unterrichten, wird, vielfachen An=
regungen
zufolge, am Montag in der Karwoche, alſo am
2. April, abends 8.15 Uhr, im Fürſtenſaal hier ein Vortrag
gehalten über das Thema: Unſere fernen Gräber und die
Arbeit des Volksbundes Deutſche Kriegsgräber=
fürforge‟
. Etwa 70 Bilder werden die Darlegungen, die Herr
Lehrer Germann=Darmſtadt gibt, unterſtützen. Es darf wohl der
Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß auch die Bevölkerung unſerer
Vaterſtadt angeſichts der edlen Ziele, die ſich der Volksbund geſteckt hat,
recht zahlreich zu dem erwähnten Vortrag erſcheint. Der Eintritt hier=
zu
iſt völlig frei. Reſtaurationsbetrieb findet nicht ſtatt. Dankenswer=
terweiſe
hat ſich auch diesmal wieder Fräulein Käthe Tietze zur Ver=
fügung
geſtellt, um mit ihren ergreifenden Geſängen den Lichtbilder=
vortrag
zu umrahmen. Die Klavierbegleitung lingt in den bewährten
Händer von Fräulein Uecker=Darmſtadt. Das Klavier wird liebens=
würdigerweiſe
von der Firma Karl Arnold u. Sohn, Ecke Mühl=
und Erbacherſtraße, zur Verfügung geſtellt. Auch die hieſige Muſik=
vereinigung
Harmonie wird, unter Leitung des Herrn Kammer=
virtuoſen
Kümmel uneigennützigerweiſe zum guten Gelingen des
Vortragsabends beitragen. Es ſei zum Schluß noch geſagt, daß jeder=
mann
zu der Veranſtaltung des Volksbundes herzlich willkommen iſt.
Eine ganz beſondere Einladung ergeht hiermit an die, die draußen in
der Ferne einen ihrer Lieben, der fürs Vaterland geſtorben, ruhen
haben. Auch die, denen das größte Leid erſpart geblieben iſt, ſollten
nicht verſäumen, zu dem Vortragsabend zu erſcheinen.

* Freimaurerei.
Am Montag ſprach im Saale der hieſigen Freimaurer=Loge in der
Sandſtraße vor einer geladenen Hörerſchaft der durch ſein auſſehen=
erregendes
Buch Die Freimaurerei im Lichte der Religions= und
Kirchengeſchichte bekannte Stuttgarter, Pfarrer Dr. Schenkel. Die
Kulturkriſis der Gegenwart und die Freimaurerei war der Gegenſtand
ſeiner Betrachtungen. Er wandte ſich zunächſt gegen Spengler und
Frank Thieß und betonte, daß wir im Gegenteil von einem klaren
Willen zum Leben erfüllt ſind. Dunh die gewaltigen Fortſchritte der
Techmik ſind zwar alle Lebensbelange verändert, Vorfahrenweisheit iſt
abgetan, die Gemeinſchaftsbildung iſt anders geworden. Damit hat
aber unſere ethiſche Grundlage nicht Schritt gehalten. Wir ſuchen daher
nach einem neuen Ethos, um die Beziehungen unter uns und mit an=
deren
Völkern zu regeln nach einem dem heutigen Weltbild angepaßten
Ethos. Ohne Kämpfe geht es aber nicht ab, genau wie alle Religionen
bei ihrem Auftauchen ſich kämpfend durchſetzen mußten. Dazu gehörte
auch der Schutz d

Dnr ehre i die Hrn ener eifie eltenst.
über, wies in ruhiger, ſachlicher Form die verſchiedenen Angriffe ihrer
Gegner zurück und ſtreiſte mit vornehmer Zurückhaltung die unerhörten
Behauptungen des Ludendorffiſchen Ehepaares.
Des Vortrag war geradezu ein äſthetiſcher Genuß. Meiſter Mehmel
verſtand, ihn dunch ſeine ſchöne Kunſt würdig einzurahmen. Ir.

Der Saarverein Ortsgruppe Darmſtadt E. V. ſchreibt un8:
In der ſchwerſten Zeit der Not, die je ein Volk erdulden und ertragen
mußte, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, in den Kämpfen am
Rhein und der Saar unſeren Volksbrüdern und Landsleuten hilfreich
zur Seite zu ſtehen. Wie kein anderer Vollsſtaum innerhalb der
Grenzen unſeres Vaterlandes iſt des Volk an der Saar vom Schickſal
dazu beſtimmt, an die Spitze der Kümpfer in den Entſcheidungskämpfen
am Rhein und der Saar zu treten. Dort haben die jahrelangen Machen=
ſchaften
einer uns feindlichen Negierung das ganze Volk zu einem Gan=
zen
zuſammengeſchweißt. Die bittere Not hat die Einigkeit unſerer Hei=
mat
gefsſtigt und die inneren Parteikämpfe vor der gewaltigen Forde=
rung
unſerer Zeit zurücktreten laſſen, und dieſe hohe Forderung der
Zeit iſt für alle Volksmitglieder die gleiche: Deutſch ſein. Deutſch denken
und Deutſch fühlen!. Das Ziel, das wir alle verfolgen, iſt die Erlangung
unſeves guten Rechtes in der Heimat. Wir bitten Gott um ein Gelin=
gen
unſerer Befreiung vom Joch der Unterdrücker. Um die Ziele wirk=
ſam
zu erreichen, ſtehen uns, wie am Rhein und an der Saar, nur die
geiſtigen Waffen, die Waffen der Einigung und der Begeiſterung zur
Verfügung. Es iſt Pflicht aller Saarflüchtigen und Ausgewieſenen, ſo=
wie
aller Saardeutſchen im unbeſetzten Deutſchland, ſich um unſere Fahne
zu ſcharen. Um unſere Ziele zu erreichen, iſt es aber auch unbedingt
notwendig, daß auch unſere Volksbrüder einig mit uns und begeiſtert
an unſere Seite treten: Deutſche jeder Partei und jeden Sinns! Es
iſt ein deutſches Land, nach dem die gierige Fauſt welſcher Eroberungs=
ſucht
greiſt. Es ſind deutſche Schweſtern ud Brüder, die unter der
gewaltſamen Unterdrückung franzöſiſcher Machtpolitik leiden. Es ſind
deutſche Herzon, die an der Saar wegen ihrer Treue zum deutſchen
Vaterlande verbluten. Helſt uns das Leid zu lindern. In unſeren Ver=
ſamlungen
ſchlagen euch unſere Herzen warm entgegen, dort findet ihr
die Richtlinien und Beſtrebungen unſeres Vereins. Als Mitglieder un=
ſerer
gerechten Sache ſchließen wir euch in unſere Arme zur machtvollen
Zuſammenarbeit an dem gewaltigſten Werk unſerer Zeit, der Wieder=
erlangung
der uns in Verſailles geſtohlenen Freiheit! Das Saargebiet
hat bei der Jahrtauſendfeier ſein Deutſchtum bewieſen und mit Flam=
menſchrift
in das ewige Buch der Geſchichte eingetragen: Deutſch iſt
die Saar, jetzt und imerdar! Unſere Verſammlung findet diesmal
am Mittwoch, den 4. April d. J., püinktlich abends ½9 Uhr,
in unſerem Vereinslokal Sitte, Karlſtraße (Alpenzimmer), ſtatt. Herr
Pullmann, ein in Darmſtadt nicht unbekannter Redner, wird einen Vor=
trag
über Franzöſiſches Vordringen, zum Rhein im
Spiegel der Zeiten halten. Zum Schluß geſelliges Zuſammen=
ſein
mit muſikaliſchen Darbietungen. Freunde und Gönner ſind hierzu
bei freien Eintritt herzlichſt eingeladen.
Der deutſche Verein für Geſundheitspflege veranſtaltet ſechs
öffentliche ſozialhygieniſche Vorträge über folgende
Themen: 1. Die bedrohte Voltsgeſundheit und ihre Urſachen, 2. Licht=
bildervortrag
: Geſundheitspflege, Säuglingspflege; 3. Religion und
Geiſteskrankheiten; 4. Lichtbildervortrag: Erkrankungen im Kindes=
alter
; 5. Die hygieniſche, ſoziale und ethiſche Grundlage im Dekalog
und in den moſaiſchen Geſetzen; 6. Geſundheitspflege und richtige Er=
nährung
. Geſchichte der Ernährung. Der erſte Vortrag findet am
Freitag, den 31. März, abends 8 Uhr, im Vortragsſaal Waldſtraße 18
ſtatt. Referentin: Frau Oberfürſorgerin Hulda Foſt=Düſſeldorf,
ſtaatlich anerkannte Wohlfahrtspflegerin. Eintritt iſt frei. Jedermann
iſt freundlichſt eingeladen.

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Seite 6

Mittwoch den 28. März 1928

Nummer 88

Sonderzug nach Berlin und Potsdam.
Zum erſtenmal hat die Reichsbahndirektion Mainz im Programm
ihrer ſommerlichen Sonderzüge auch Berlin und Potsdam be=
rückſichtigt
, denen in der Zeit vom 14.17. April ein Beſuch zugedacht
iſt. Hiermit wird vielen die ſicherlich ſehr willkommene Gelegenheit
geboten, die Reichshauptſtadt aus eigener Anſchauung kennen zu lernen,
ihre tauſendfältigen Sehenswürdigkeiten zu bewundern und für kurze
Friſt Anteil zu haben an dem buntſchillernden, vom raſenden Tempo
unſerer Zeit gehetzten Leben, das ihr eigen iſt. Wir Süddeutſchen ſind
immer etwas mißtrauiſch gegen alles Berlineriſche, haben gewiſſe Vor=
wrteile
gegen den Geiſt, der an den Ufern der Spree herrſcht und dem
ſich die Provinz, ſo oft gegen ihren Willen beugen muß. Aber das iſt
gerade eine der beſonderen Aufgaben dieſer Fahrt, mitzuhelfen, die vor=
gefaßte
Meinung richtigzuſtellen, Berlin zu zeigen, nicht, wie es uns
ſcheint, ſondern wie es wirklich iſt, dieſes ganz gewaltige kosmopolitiſche
Stadtgebilde mit ſeiner ſeltſamen Miſchung von ſtählerner Energie und
oberflächlicher Vergnügungsſucht, von reichſter Kultur und beängſtigen=
der
Brutalität.
Aber damit nicht genug. Der Sonderzug führt uns auch über das
Weichbild Berlins hinaus durch die vielverläſterte märkiſche Streu=
ſandbüchſe
, die an intimen Naturſchönheiten doch ſo reiche und einzig=
artige
Mark Brandenburg, nach der alten Krönungsſtadt der preußi=
ſchen
Könige, nach Potsdam und Sonsſouci, wo heute noch der Geiſt
Friedrichs des Großen lebendig iſt.
Die geplante Fahrt geht am 14. April über Frankfurt=Süd zu=
nächſt
nach Erfurt und dann, nach einem Erfriſchungsaufenthalt, weiter
über Sangerhauſen und Magdeburg nach der Reichshauptſtadt ( Pots=
damer
Bahnhof). In Berlin iſt für die Unterbringung der Fahrtteil=
nehmer
in guten Hotels zu billigen Preiſen (für eine Nacht und das
Bett, mit gutem Frühſtück und Bedienung: 6 RM.) weitgehend ge=
ſorgt
. Der erſte Abend ſteht zur freien Verfügung der Teilnehmer,
denen Gelegenheit zum Beſuch von Theatern, Konzerten, Varietes uſw.
geboten wird. Sonntag, 15. April, bringt u. a. eine Beſichtigung des
Schloßmuſeums (ehemal. Kaiſerl. Schloß am Luſtgarten), eine Rund=
fahrt
durch Berlin in Geſellſchaftsautos und nachmittags einen Beſuch
des Reichstagsgebäudes unter ſachkundiger Führung. Der Abend bleibt
wieder dem Ermeſſen der Einzelnen freigeſtellt. Am Montag, 16. April,
begeben ſich die Reiſeteilnehmer mit dem Sonderzug nach Station Wild=
park
, von wo aus unter Führung die Wanderung nach Schloß Sans=
ſonei
und Potsdam angetreten wird. In Potsdam ſelbſt erfolgt die
Beſichtigung der Garniſonkirche und des Stadtſchloſſes. Um 17 Uhr
wird die Rückfahrt nach Berlin angetreten. Am Dienstag, 17. April,
fahren die Sonderzügler um 10.50 Uhr wieder in Berlin, Potsdamer
Bahnhof, ab, um über Magdeburg, Sangerhauſen, Eichenberg, Bebra,
Frankfurt a. M.=Süd noch am ſpäten Abend die Heimat zu erreichen.
Bei der Rückfahrt iſt die Ankunft auf den Uebergangsſtationen ſo feſt=
geſetzt
worden, daß die Weiterfahrt mit Anſchlußzügen erreicht wird.
Näheres iſt aus der amtlichen Bekanntmachung und den Aushängen
auf den Bahnhöfen zu erſehen.
Mit dieſer Wochenendfahrt nach Berlin und Potsdam glaubt die
Neichsbahndirektion, den beſonderen Wünſchen weiter Volkskreiſe ent=
gegenzukommen
. Hoffentlich bleibt denn auch die Teilnehmerzahl hinter
den Erſpartungen nicht zurück, ſo daß dieſe erſte diesſommerliche
Wochenendfahrt den beabſichtigten guten Erfolg haben wird.

Dus Karfreitagskonzert des Muſikvereins bringt in dieſem Jahre
die ſeit längerer Zeit hier nicht gehörte Johannes=Paſſion
von Bach in ſorgfältiger Neueinſtudierung. Die Aufführung findet
am Karfreitag, die öffentliche Hauptprobe am Gründonnerstag, abends
7 Uhr, im Großen Haus des Heſſiſchen Landestheaters ſtatt. Der
Kartenverkauf beginut am Donnerstag, den 2. März, bei Konzert=
Arnold, Wilhelminenſtraße. Die Eintrittspreiſe ſind in der heutigen
Anzeige mitgeteilt. Das vierte Konzert des Muſikvereins mußte,
wie ſchon mitgeteilt, bis Mai verſchoben werden. Zur Aufführung kom=
men
König David von Honegger (als Erſtaufführung) und Tod und
Verklärung von Rich. Strauß.
Nerother Wandervogel. Karl Oelbermann ſpricht am Freitag,
den 30. März, abends, in der Aula der Baugewerkſchule, Neckarſtr. 3,
an Hand zahlreicher Bilder über eine Nordſee=Piratenfahrt der Nevother.
Alljährlich zur Ferienzeit rüſten ſih die Nerother zur großen Fahrt.
Eine ſtattliche Anzahl friſcher Jungeus hat ſich diesmal in Köln um die
Wimpel geſchart. In Norddeich, dem Ausgangspunkt der Fahrt, kapern
ſich die Jungens einen Fiſchkutter, und nun geht es mit vollen Segeln
hinaus in die Nordſee. Luſtig iſt’s Matroſenleben Zahlreiche
Bilder erzählen uns von einem freien ungebundenen Zeltlager= und
Badeleben auf Borkum, von einem Fiſchzug auf Juiſt, von der Vogel=
inſel
Memmert, künden von einer Sturmfahrt nach Langeoog und
Spiekervog. Von Helgoland geht die Fahrt weiter nach Sylt, Amrum,
Föhr und zu den Halliginſeln, die die ganz beſondere Aufmerkſamkeit
der Jungens in Anſpruch nehmen, lernen ſie doch hier einen ſelten
zähen Menſchenſchlag kennen. Karl Oelbermann ſchildert die Nöte und
Gefahren, deuen die Halligbewohner ausgeſetzt ſind, ihre unerſchütter=
liche
Liebe zur Scholle. Von hier aus geht es wieder in die Heimat,
den Pflichten des Alltags entgegen. Karten im Vorverkauf bei Zetzſche,
Ernſt=Ludwvigſtraße, und Arnold, Wihelminenſtraße. (Siehe die heu=
tige
Anzeige.)
Wiederſehensfeier der ehemaligen 118er. Am 5. und 6. Mai
findet ein Wiederſehenstag der ehemaligen 118er in Bensheim
ſtatt. Der wichtigſte Punkt der Tagesordnung iſt die Beſchlußfaſſung
über ein in der früheren Garniſonsſtadt Worms zu errichtendes Denk=
mal
für die gefallenen 118er. Zu dieſem Zweck ſoll ein beſonderer
Denkmalausſchuß gewählt werden.
*p. Amtsgericht I. 1. Wegen Zuwiderhanölung gegen 8 5 des
Stellenvermittlungsgeſetzes vom 2. Juni 1910 (Ueberſchreitung des vom
Kreisamt feſtgeſetzten Gebührentarifs) hat ſich die Inhaberin eines
Stellenvermittelungsbureaus zu verantworten. Aus der Beweisauf=
nahme
geht hervor, daß Beſchwerden über Anſatz zu hoher Gebühren
an die Polizeibehörde gelangten, Gebühren waren bis zu 100 Prozent
überſchritten. Eine Reviſion der Geſchäftsbücher ergab die Richtigkeit
der Gebührenüberhebung. Die Sache wird auf 3. April, mittags 12 Uhr,
vertagt, da eine Zeugin ausgeblieben iſt. 2. Ein Parteiſeknetär der
Kommuniſtiſchen Partei in Offenbach hat einen Strafbefehl über 30
Mark erhalten, weil er am Sonntag, 21. Auguſt 1927, anläßlich des
Rote=Frontkämpfertages auf dem Marienplatz hier kommuniſtiſche Lite=
ratur
(Die Trommel), ohne Wandergewerbeſchein zu beſitzen, verkauft
habe. Der Angeklagte beſtreitet, daß ein Gewerbebetrieb vorliege, die
vereinnahmten Beträge ſeien in die Kaſſe des Bundes gefloſſen. Das
Oberlandesgericht in Dresden habe auf Freiſprechung erkannt; auch
in eiuem Falle wie dem vorliegenden habe erſt jüngſr das Amtsgericht
Groß=Gerau freiſprechend entſchieden. Das Gericht beſchließt, die Sache
zu vertagen, insſeſondere ſoll der Abgeordnete Angermeier vernommen
werden.
Lokale Veranſtaltungen.
Stahlhelm B. d. F. Die Kameraden ſind alle herzlichſt
aufgefordert, an der Geburtstagsfeier der Königin Luiſe, veranſtaltet
vom Königin Luiſe=Bund teilzunehmen. Die Feier findet Mittwoch,
den 28. März, 8 Uhr abends, bei Sitte (Gelber Saal) ſtatt. Pfarrer
Berck hält die Feſtrede. Eintritt frei. Alle Kameraden werden auf=
gefordert
, möglichſt zahlreich zu erſcheinen.
Deutſchorden. Die Ortsgruppe des Bundes Königin Luiſe
hat alle Ordensbrüder zu der am Mittwoch, den 28. März, 8 Uhr
abends, bei Sitte Kerlſtraße ſtattfindenden Geburtstagsfeier der
Königin Luiſe eingeladen.
Aus den Parieien.
Der Landesausſchuß des Heſſiſchen Landbun=
des
hat in ſeiner Sitzung vom 26. März 1928 in Frankfurt a. M.
nachſtehende Entſchließung angenommen:
Die in dem Notprogramm der Reichsregierung vorgeſehenen Mit=
tel
und Maßnahmen ſind nicht hinreichend, um die ſchwere Notlage der
heſſiſchen Laudwirtſchaft mit Ausſicht auf Erfolg zu beheben.
Die von der Heſſiſchen Regierung bisher getroffenen oder in Aus=
ſicht
geſtellten Maßnahmen auf ſteuerlichem Gebiete laſſen keine Hoff=
nung
auf eine auch nur einigermaßen ſpürbare Erleichterung in der
Ueberlaſtung des heſſiſchen Bauernſtandes durch die Landesſteuern er=
kennen
,
Im vollen Bewußtſein unſerer Verantwortung dem Volk und
Staat, aber auch unſerem Berufsſtand gegenüber erklären wir heute:
Wir können und werden nicht weiter Zahlungen an die öffentliche
Hand leiſten, ſo lange uns die entſprechende Einnahme aus dem
Betriebe fehlt. Wir werden keine Käufe tätigen, für die uns bare
Mittel fehlen.
Wir lehnen die Aufnahme weiterer Schulden, füc welchen Zweck
es auch immer ſei, zunächſt ab.
Der Bauer kann die Leiſtungen, die Reich, Land und Gemeinden
von ihm fordern, erſt dann aufbringen, wen ihm ausreichende Ein=
uahmen
aus ſeiner Arbeit und die Rentabilität ſeines Betriebes ſicher=
geſtellt
ſind. Der heſſiſche Bauernſtand iſt nicht gewillt, ſich weiter
zum Ausbeutungsobnekt eines Shſtems der Verantwortungsloſigkeit
machen zu laſſe

Hurſtenungen vont Schmlerinenrarsenen
der faugewerloncen Katfe ver. Aniee Eieonorenchaa

Der Aliceverein für Frauenbildung und Erwerb
hat geſtern, unter auffallend ſtarkem Andrang von Beſuchern, inſonder=
heit
Beſucherinnen, eine Ausſtellung von Schülerinnen=
Arbeiten eröffnet, deren ganz ungewöhnlicher Umfang ein be=
redtes
Zeugnis von der Tätigkeit einer Frauenſchule ablegt, deren faſt
400 Schülerinnen, die im Alter von 1416 Jahren ſtehen, ſich, aus allen
Schichten der Bevölkerung zuſammenſetzen. Ungewöhnlich iſt dieſe
Ausſtellung nicht nur wegen ihres Umfanges, ſondern auch wegen der
Qualität der ausgeſtellten Arbeiten, die eine unerſchöpfliche Fülle von
Erzeugniſſen fraulicher Haus= und Berufstätigkeit, vor allem auf dem
weitverzweigten Gebiet der Handarbeiten, der Anfertigung von Wäſche,
Kleidungsſtücken, Konfektion, von den einfachſten Gebrauchsgegenſtänden
bis zu den komplizierteſten Erzeugniſſen des Kunſtgewerbes, zeigen.
Ungewöhnlich darum auch in dieſer Beziehung, weil es ſich hier aus=
ſchließlich
um Arbeiten von Schülerinnen im Alter von 1416 Jahren
handelt, die außer dem hier Gelernten keinerlei Vorbildung mitbrachten
als eben die Schulbildung. Dabei ſtammen die Schülerinnen wie ſchon
bemerkt, aus allen Schichten der Bevölkerung, aus Volksſchulen, ebenſo
wie aus höheren Schulen. Die Ausſtellung zeugt von einer zielbewuß=
ten
, den modernſten Zeitanſprüchen Rechnung tragenden Leitung der
Schule, ebenſo wie für die ausgezeichnete Qualität der Lehrkräfte.
Die Leiterin iſt zur Zeit Frl. Kühne, der 14 Lehrerinnen zur
Seite ſtehen, dazu in der Sonderabteilung Kunſtgewerbe die bekannte
Lunſtgewerblerin Frau Müller=Berbenich. Es wäre vergeblich,
und iſt auch nicht Zweck der Sache, an dieſer Ausſtellung oder an Einzel=
heiten
irgendwie Kritik zu üben. Die Qualität der ausgeſtellten Ac=
beiten
zeugen ebenſowohl für die Lehrerinnen wie für den Fleiß und
die Arbeitsfreudigkeit der jungen Mädchen. Der Zweck der Ausſtel=
lung
, die in faſt allen verfügbaren Räumen der Schule untergebracht
iſt, iſt ja in erſter Linie der, zu zeigen, was in den fachgewerblichen
Kurſen diefer Schule gelehrt wird und zu welchem Grade der Fertig=
keit
die Schülerinnen gelangen. In dieſer Beziehung ſpricht die Aus=
ſtellug
ein ganz hervorragendes Zeugnis aus.

Die Autoſtraße wird gebaut.
Zunächſt FrankfurtMainzWiesbaden über Darmſtadt.
Der Vorentwurf der reinen Autoſtraße Hanſeſtädte Frank=
furt
-Baſel mit Koſtenanſchlag iſt für die ganze Strecke in prüf=
fähiger
Form fertiggeſtellt und im Laufe der letzten Monate in
zahlreichen Städten des Einflußgebietes durch Ausſtellungen der
Oeffentlichkeit zugänglich gemacht.

FFurt

Ka
Weanheim
farlsruhe
.
Rbu

Felinzons


Mrin u

AGents

Die BROIEKrIERre
AuTOSTRASSE

Der Bau ſoll nun ſtreckenweiſe dort begonnen werden, wo
die verkehrswirtſchaftlichen Verhältniſſe beſonders günſtig liegen.
Die Teilſtrecke Wirtſchaftsgebiet Frankfurt=Mainz= Wies=
baden
über Darmſtadt nach dem Wirtſchaftsgebiet Heidel=
berg
=Mannheim=Ludwigshafen iſt als erſter Bau=
abſchnitt
unter Einbeziehung der in baureifer Vorbereitung be=
findlichen
Autoſtraße MannheimHeidelberg in Ausſicht genom=
men
. Bau und Betrieb ſollen einem Unternehmen privatwirt=
ſchaftlicher
Art übertragen werden.
Der verkehrswirtſchaftliche Ausſchuß des Vereins Hafraba
ſtellte feſt,
1. daß der Bau einer erſten Teilſtrecke vom Wirtſchaftsgebiet
Frankfurt=Mainz=Wiesbaden über Darmſtadt nach dem Wirt=
ſchaftsgebiet
Mannheim=Ludwigshafen=Heidelberg am beſten
die Möglichkeit ſchaffen würde, Erfahrungen für den Bau,
Betrieb und die Finanzierung der Hafraba=Straße zu ge=
winnen
:
2. daß das Projekt einer Autoſtraße zwiſchen Mannheim und
Heidelberg bereits baureif iſt.

Nünnbeng ruft zum
(11. April bis Ende
September 1928) Durenjann!
Einzigartige Ausstellung der Originalwerke Dürers
(1471-1528), eines der größten Künstler aller Zeiten,
deutsche Kunstausstellungen, historische Ausstel-
lungen
, Theaterfestspiele,HansSachs-Spiele, volks-
tümliche
Veranstaltungen aus demMittelalter, Burg-
beleuchtung
, Serenaden usw. Auskunff durch den
Fremdenverkehrsverein, Hauptbahnhof. Mittelhalle

Die ausgeſtellten Arbeiten ſind in allen Räumen ausnahmslos
ausgelegt, daß nicht nur jedes einzelne Stück zur Geltung kommt, ſan
dern daß auch das geſamte Arrangement unter Zuhilfenahme vom
Blumen, Möbeln und Deforationsſtücken, zu denen zahlreiche Darm
ſtädter Firmen beigeſteuert haben, einen höchſt ſympathiſchen Geſarm.)
eindruck vermittelt, bei dem in einzelnen Abteilungen mit Recht ar.b
Wert gelegt iſt auf harmoniſche Farbenzuſammenſtellung. Die Anz=
ſtellung
umfaßt Erzeugniſſe aus allen Kurſen, die der Unterrichtspllln
in verſchiedenen Lehrgängen zuſammenfaßt. Dieſe Kurſe erfaſſiſy
Weißnähen, methodiſchen Schneiderunterricht (Schnittzeichnen, Moß=
nehmen
, Zuſchneiden, Kleidermachen und das Arbeiten vor Konfektro=n
und in einem Sonderkurſus Bluſenherſtellung: ferner Weißſticku
(Stielſtich, Hochſtickerei, Lochſtickerei, Richelieu, Filet, Hedebo, Hardan=
ger
), Stopfen mit Hand und Maſchine in allen Stoffarten, Flicken mi
Hand und Maſchine, Bügeln mit Einſchluß von Kunſtwaſchen, Spite= und chemiſches Waſchen, Kunſthandarbeit (Applikation, Gog/
ſtickerei, Nadelmalerei, Spitzenarbeit, Durchbruch, Knüpfarbeit (05N./
kramé), Filet=Guipure, Spitzenklöppeln, Hausarbeit und Kochen.
Auch aus dieſer Zuſammenſtellung ergibt ſich das Unterrichtszu
der Schule: die jungen Mädchen ſowohl für den eigenen Bedarf =
Familie als auch für etwaige berufliche Ausnutzung des Gelerntin
praktiſch durchzubilden. Tatſächlich zeugen viele der ausgeſtellten Geger.
ſtände von der Fähigkeit der Herſtellung erſtklaſſiger Wäſche und Rle!
dungsſtücke, wie ſie auch von erſten Modehäuſern kaum beſſer gezeint
werden können. In dieſe Rubrik fallen beſonders, neben den in erſtü=
Linie ins Auge fallenden Erzeugniſſen des Kunſtgewerbes (Taſche=
Kiſſen, Deckchen, entzückende Stickereien für Luxus und Gebrauch, Bau
arbeiten und ſonſtige Handfertigkeitserzeugniſſe) vornehme Damen= um
Herrenwäſche, Geſellſchaftskleider, Mäntel uſw.
Die Fülle der ausgeſtellten Arbeiten iſt zu groß, um auf Einze‟
heiten eingehen zu können. Eins aber iſt ſicher: Keine Beſucherin wir=
dieſe
Ausſtellung verlaſſen, ohne ungemein wertvolle Anregungen mit
zunehmen.

Die Raubtierfilme
des Kapitäns Alfred Schneider.
Der durch die Aufnahme ſeines Filmwerkes Quo vadis in Rox=
berühmt
gewordene Kapitän Alfred Schneider mit ſeinen 100 Löwe=
iſt
unter die Zirkusdirektoren gegangen.
Es dürfte für jedermann intereſſant ſein, aus dem Werdegang des
Meiſterdompteurs einiges zu erfahren. Kapitän Schneider darf für ſioe
in Anſpruch nehmen, daß er der erſte Dompteur geweſen iſt, der m
Raubtieren Filmaufnahmen gemacht hat. Das bekannteſte Filmwer=
das
ſeine Löwen als Filmſchauſpieler zeigt, iſt der auf Roms hiſtor
ſchem Boden aufgenommene Quo=vadis=Film. Dieſer Film iſt bekanns=
lich
zweimal gekurbelt worden, erſtmalig im Jahre 1912, dann 19B5/9
mit Emil Jannings in der Rolle des Nero. In beiden Werken finde
wir die Schneiderſchen Löwen als Filmſchauſpieler. Jederuiann weißs
daß ſie ihre Sache ſehr gut gemacht haben. Aus der großen Reihe de
Zilme, bei denen die Löwen des Kaditäns der Kunſt im Kino dienſtba
gemacht worden ſind, ſei nur an die Produktionen der John=Hagenbech
Film=Geſellſchaft erinnert. Wer z. B. die Werke: Der Herr de
Beſtien, Eine Schreckensnacht, Unter Räubern und Beſtien Alleim
im Urwald uſv. geſehen hat, der wird ſich gern an die wundervollem
Löwenaufnahmen erinnern. Aber auch in anderen Filmen, wie un
nur einige zu nennen Das Haus der Qualen. Der Mann ohns
Namen. Der Kaiſer der Sahara, Nero. Die letzten Tage vorn
Pompeii, Kleopatra Wildnis uſw. bieten die Löwen des Kapitäns=
Schneider prächtige Schauobiekte. Das große Geſchick, mit dem der Be=
ſitzer
der größten Löwengruppe ſeine Tiere dem Film dienſtbar gemachd
hat, iſt ſehr oft und eingehend von der Preſſe anerkannt worden.
Der Lebenslauf dieſes Manues, der vor kurzem 50 Jahre alt Am
worden, gleicht einem ſpannenden Roman, denn er iſt voller Abenteuen
lichkeit und Originalität. Sein Vater war ein angeſehener Leipziger
Baumeiſter. Schneider wurde zunächſt Architekt. Seine Abenteurerluſt
aber trieb ihn hinaus in die Welt. Er wurde Seemann. Kurze Zeit
ſpäter ſchwang er ſich auf den Radfahrſattel und wurde Rennfahrer. Iu.
Jahre 1900 erfuhr er ſich die Weltmeiſterſchaft. Alles Gefährliche zeßi
ihn magnetiſch an. Eines ſchönen Tages hatte er einen Todesſprung
konſtruiert. Auf dem Fahrrade ließ er ſich durch den leeren Rauns
zwiſchen Zirkuskuppel und Manege ſchleudern. Das tat er insgeſamt=
998 mal. Dann lohnte ſich die Geſchichte nicht mehr, weil ihm zu diele=
Nachahmer entſtanden waren, die die Honorane drückten. Er vertauſchte.
daher kurz entſchloſſen das Fahrrad mit der Peitſche des Dompteurs=
und wurde Löwenbändiger. Ganz klein fing er an, bis er mit der Zeit=
100 Löwen um ſich hatte. Nebenbei wurde die Löwenzucht ſeine Leiden=
ſchaft
. Durch Kreuzung verſchiedener Naſſen erzielte er vorzügliche
züchteriſche Erfolge. Ueber 200 Lölven hat der Kapitän großgezogen;
über 100 an die verſchiedenſten Tiergärten Euvopas verkauft, auch viele
Zirkuſſe, wie Sarraſani, Hagenbeck, Kludsky, Coßmy und einige auslän=
diſche
haben Schneiderſche Löwen im Beſitz. Dunch unermüoliche Arbeit
hat ſich Kapitän Schneider (der Titel Kapitän iſt ihm anläßlich ſeiues
Gaſtſpiels in Brüſſel von König Leopold von Belgien verliehen worden)
ſeine allſeits anerkaunte Vormachtſtellung unte= den europäiſchen Domp=
teuren
erworben.
Nun iſt der Schneiderſche Betrieb, für die Zirkusbeſitzer ſo koſt=
ſpielig
geivorden zu 100 Löwen gehört eine rieſige Zahl geſchulter
Pfleger und Wärter, ein gevaltig großer Wagenpark uſw. , daß es
keiner mehr riskieren möchte, den Kapitän und ſeine 100 Lieblinge
gegen ein Fixum zu engagieren. So hat ſich denn der weltberühmt ge=
wordene
Züchter und kühne Bändiger kurzerhand eutſchloſſen, einen
eigenen Zirkus aufzumachen, mit dem er nun ſeine erſte Tour durch
die deutſchen Provinzen unternimmt. Daß Alfred Schneider, der Welt=
gereiſte
, ſeine reichen Erfahrungen und vielſeitigen Kenntniſſe bei der
Begründung, Einrichtung und Führung ſeines gigantiſchen Unterneh=
mens
beſtens verwertet, kann als ſelbſtverſtindlich vorausgeſetzt werden.
Der Zirkus Schneider wird, wohin er auch kommen mag, mit unwider=
ſtehlicher
Gewalt jung und alt und arm und reich in ſeinen Zeltpalaſt
locken und jedermann ein Erlebenis bieten, das man niemals vergeſſen
wird.
Der Zirkus Kapitän Alfred Schneider wird ab Donnerstag auch
unſerer Stadt einen Befuch abſtatten.
Im Städtiſchen Leihamt findet am Mittwoch, den 4. April,
vormittags 8.3013 Uhr, Verſteigerung verfallener Pfänder
ſtatt. (Siehe heutige Anzeige.)
*p. Schwurgericht. Zwei Einwohner von Biſchofsheim ſind des
Meineids angeklagt, der in einem dor dem Amtsgericht Groß=Gerau
anhängigen Alimentationsprozeſſe geleiſtet ſein ſoll. Einzelheiten können
hier nicht wiedergegeben werden. Das Urteil lautet freiſprechend man=
gels
ausreichenden Beweiſes. Der Haftbefehl wird aufgehoben.

I. Mch. 5688

Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die ſetzte Bezugsquſtiung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkeit.
Gg. Sch. in M. Nach § 1 des Patentgeſetzes werden Patente erteilt
für neue Erfindungen, welche eine gewerbliche Verwertung geſtatten.
Die Löſung der Dreiteilung des Winkels, lediglich mit Zirkel und
Lineal, iſt demnach keine patentfähige Erfindung.
A. V. Soviel wir wiſſen, beſteht ein ſolches Verbot nicht. Wenden
Sie ſich an das zuſtändige Polizeirevier.
L. S. Zwiſchen dem unehelichen Kinde und deſſen Vater beſteht
auch im Falle der Anerkenuumg der Vaterſchaft grundſätzlich kein
Verwandtſchaftsverhältnis. Dieſer Grundſatz greift auch in erbrecht=
licher
Beziehung Platz. Demgemäß beſteht zwiſchen dem unehelichen
Kinde einerſeits und dem Vater andererſeits keinerlei Erbreilt und
Pflichtteilsrecht.

Tageskalender für Mittwoch, den 28. März 1928.
Landestheater, Großes Haus, Anf. 19 Uhr Ende nach 22 Uhr,
I. 13: Egmont‟ Kleines Haus: Keine Vorſtellung. Or=
pheum
: Keine Vorſtellung. Konzerte: Schloß=Kaffee, Kaffee
Rheingold, Hotel Schmitz, Taunusburg, Spaniſche Bodega, Weinhaus
Maxim, Zum Schicferſtein. Ortsgewerbeverein u. Hand=
werkervereinigung
im Fürſtenſaal, abends 20 Uhr: Licht=
bilder
=Vortrag Dr. K. Kollbach. Vortragsſaal Waldſtr 18,
abends 20 Uhr, Vortrag: Entwicklung oder Schöpfung, Redner
G. Knecht. Alice=Verein: Ausſtellung der Schülerinnen=
arbeiten
im Schulhaus Friedrichſtr. 4 von 105 Uhr. Atelier=
ausſtellung
Auguſte von Bellersheim, Wilhelminen=
ſtraße
42 I. von 111 Uhr und 3½5 Uhr. Kinovorſtellun=
gen
: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpicle, Helia.
Verſteigerungskalender für Donuerstag, den 29. März 1928.
Holzverſteigerung vormittags 10 Uhr zu Burg Frankenſtein.
Brennholzverſteigeuung aus dem Pfungſtädter Stadt=
wald
, nachmittags 3 Uhr, im Rathausſaal zu Pfungſtadt.

[ ][  ][ ]

Die moue Rafschari

Cigarette ist aus edelsten ung ausgereiften Orienk-
tabeben
tochnisch und hogienisch vollendlet hor=
geftellt
. Alle 7ünsche geschmachsicherer Cigaretten.
nucher sind besonders berücksichtigt. Die rackung ist
schlicht. aber duchaus zwechmasig. Ades für den Jabae
nichts für den AusstattungsLzzus. Das sind die Venn-
zeichen
der Batscha: REKORDagarette. Die Qualität witot.

NICHTS FÜR
USTANUNGS

Mummer 88

Mittwoch, den 28. März 1928

Seite 7

Aus Heſſen.

ſe. Erzhauſeu, 27. März. Bei den Frühjahrswaldläufen
Bezinks der Deutſchen Turnerſchaft evhielt vorige Woche in See=
u
. von der hieſigen Turn= und Sportgemeinde Hans Joſt den erſten
2Willy Dieter den ſiebten Preis Das neue Volksbad i
Friedrich=Ebert=Schule wird am 30. März eröffnet und iſt Freitags
58 Uhr nachmittags für weibliche und Samstags von 48 Uhr
männliche Badegäſte geöffnet.
AAn. Arheilgen, N. März. Mietertag. Kommenden Samstag
6)Sonntag wird hier der Heſſiſche Mietertag abgehalten. Aus die=
Anlaß findet am Samstag obend im Gaſthauſe Zur Sonne ein
uuers ſtatt, auf den jetzt ſchon hingewieſen wird, und wird es ſich
Thieſige Mieterverein angelegen ſein laſſen, den Beſuchern einige
Fßreiche Stunden zu bieten. Das Konzert der hieſigen Or=
ſticervereinigung
, das als Volkskonzert der Allgemeinheit
mo Vortrag charakteriſtiſcher Stücke und beſonders dreier Ouvertüren
Hervorragendes bot, nahm einen durchaus glänzenden Verlauf
d reihte ſich in jeder Beziehung würdig an die früher veranſtalteten
Dietungen an. Der am gleichen Tage dunh den Turnverein
1876 ſtattgefundene Unterhaltungsabend, bei dem die beiden
rke Geinmoh und Der fidele Bauer zur Aufführung kamen,
rute ſich eines beſonders guten Beſuchs und fand das Gebotene den
grteilten Beifall aller Beſucher. Die Freireligiöſe Ge=
ſeande
wird am Oſtermontag unter Mitwirkung des Geſangvereins
neue ihre Jugendweihg abhalten. An derſelben werden drei Mäd=
und ein Knabe teilnehmen. Vorgeſtern wunde hier Herr Phi=
Kunz 1. durch die Freiwillige Feuerwehr mir den üblichen Ehren
ſigeſetzt. Der Verſtorbene war Ehrenmitglied und Mitbegründer
ri Wehr.
J. Griesheim, 27. März. Obſt= und Gartenbauverein.
im Kaiſerſaal abgehaltene Mitgliederverſammlung legte Zeugnis
m einem regen Vereinsleben ab. Nach Erledigung der allgemeinen
e einsangelegenheiten fand eine Ausſprache über die Förderung der
elhgemüſekultur unter Glas und Maſſenanbau von Frühobſt in
ierer Gemarkung ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Laurenſchläger, ver=
7d es, in längeren Ausführungen über dieſes Thema die Mitglie=
er
zu feſſeln. Die Gemüſegärtnerei iſt nach der Landwirtſchaft der=
uge
Beruf, der die härteſte Arbeit zu verrichten hat, den Witte=
ugsunbilden
und Geſchäftsſchwankungen am meiſten ausgeſetzt iſt
ni. der den ſchlechteſten Nutzen für die allerſchwerſte Arbeit erhält.
ie. Pflanzenbeſtände müſſen auf lange Sicht herangezogen werden, und
iernand kann wiſſen, wie bei der Reife der Preis ſteht und ob die Ware
brrhaupt abgeſetzt werden kann und ob nach monatelangem Warten
Ue. aufgewendete Arbeit und Mühe nicht nutzlos geweſen iſt. Deshalb
B auch der Gärtner wie der Landwirt vom Scheitel bis zur Sohle
4aliſt ſein und Freude an ſeinem Beruf finden und alle Hinderniſſe
Geduld, Fleiß und Strebſamkeit zu überwinden ſuchen, die ſich
m auf ſeinem Geſchäftsweg entgegenſtellen. Nur ein Gärtner, der
eimen Kulturen alles zu Liebe tut, der ſeine Pflanzen gleich Menſchen
eiſteht, wird ein wirklicher Gärtner ſein.
Aa. Eberſtadt, 27. März. Verkehrsunfall. In der letzten
kocht wurde ein Motorradfahrer auf der Landſtraße zwiſchen Eberſtadt
Darmſtadt, und zwar in der Nähe der Rennbahn, von dem
Zäwagen eines anderen Motorradfahrers geſtreift und infolgedeſſen
n ſeiner Begleiterin vom Rade geſchleudert. Während der Motor=
aofahrer
ſelbſt mit leichteren Verletzungen davonkam, erlitt ſeine
* dem Soziusſitz mitfahrende Schweſter einen Beinbruch. Film
der Schule. Am Montag wurde den oberen Klaſſen der Schule
ü ſehr intereſſanter Film über die Südſee vorgeführt, der die Geo=
imphieſtunden
und die darin erworbenen Kenntniſſe der Jugend in
rkungsvoller Weiſe ergänzte.
Aa. Eberſtadt, N. März. Ausſtellung von Schüler=
beiten
. Am Sonntag fand im Saale 2 der Gutzenbergſchule eine
Ansſtellung von Schülerarbeiten ſtatt, die von der gewerblichen Abtei=
rig
der Knabenfortbildungsſchule veranſtaltet wurde. Die Ausſtel=
irig
war ſo zahlreich beſchickt und beſucht, daß ſich der betreffende
2chulſaal als viel zu klein evwies. Eine ganze Anzahl der ausgeftellten
Cegenſtände mußte auf dem Vorplatz untergebracht werden, weil Tiſche
1.d Wände vollkomnen mit Ausſtellungsgegenſtänden überladen waren.
2usgeſtellt waren Stühle, Tiſche, Nachttiſche, Matratzen, Papierſchneide=
ſchinen
, Schilder, Kachelöfen, Uhrgehäuſe, Maurer= und Steinhauer=
aTbeiten
, Töpferwaren, Schloſſer= und Schmiedearbeiten, Arbeiten in
Tement und Stuck uſw. Die einzelnen Gegenſtände zeigten, mit welch
gr oßer Liebe ſich die jungen Leute an ihre Auſgabe herangemacht hatten
und welhe Begeiſterung ſie für ihren Beruf empfinden. Die Arbeiten
zſgten aber gleichzeitig, daß es die beiden hauptamtlichen Fortbildungs=
ſchrer
Berth und Rodemer verſtehen, zu freiwilliger Arbeit und
Smitiatibe anzuregen. Die Ausſtellung wan von Mitgliedern des Schul=
verſtandes
, des Gemeindevorſtandes, Intereſſenten aus dem Gewerbe=
v
rein, überhaupt aus weiten Kreiſen der Einwohnerſchaft, nicht zu=
Iwzt der Eltern und Lehrer, gut beſucht. Vielleicht lohnt es ſich, im
hEchſten Jahre eine Geſamtausſtellung zu veranſtalten, die die Hand=
4beiten der Mälchen, die Werkarbeiten der Knabenfortbildungsſchule
id die ſchmackhaften Erzeugniſſe der Kochſchule zu einer großen Schau
piteinander vereinigen könnte.
Aa. Eberſtadt, 27. März. Konfirmandenausflug. Die
1esjährigen Konfirmanden unternahmen am geſtrigen Montag den
iwblichen Ausflug. Diesmal war Miltenberg als Ziel der Tagesfahrt
4aisgewählt worden.
Aa. Pfungſtadt, 27. März. Ringerwettkämpfe. Am Sonn=
ing
fanden hier größere Ringerwettkämpfe ſtatt. Der Sportverein
SSiegfried hatte den Sportverein Alemannia 1912, Nackenheim zu
(Baſt. Die Pfungſtädter Mannſchaft verlor gegen Nackenheim 6 :8.
ußerdem hatte die Kraftſportvereinigung 1914, Pfungſtadt, zwei
Ringerwettkämpfe ausgetragen. Ihr Gegner war der Kraftſportverein
Seeheim. Während die 2. Mannſchaft verlor, konnte die 1. Mannſchaft
us Pfungſtadt mit 9:5 ſiegreich beſtehen. Wanderung. Die
Wanderabteilung des Turnvereins (D.T.) unternahm am vergangenen
Sonntag einen Ausflug an die Bergſtraße, der ſehr ſchön verlief.
Spargelpflanzerverfammlung. Am Mittwoch dieſer Woche

findet im Saale des Gaſtwirtes Vögler eine Verſammlung aller Spar.
gelpflanzer ſtatt, die Einzelheiten übee den Abſatz der Spargelernte
feſtlegen ſoll. Insbeſondere hat der Spargelmarkt Nauheim ein be=
ſonderes
Intereſſe an den Spargelerzeugniſſen aus der hieſigen Ge=
markung
.
G. Ober=Ramſtadt, 27. März. Der hieſige Zweigverein des Evan=
geliſchen
Bundes hielt im Saale Zum goldenen Löwen hier einen gut
beſuchten Familienabend ab. Im Mittelpunkt ſtand ein Vortrag
von Herrn Pfarrer Dr. Dorn aus Los Angelos in Nordamerika, der
zurzeit hier in Ober=Ramſtadt weilt, über ſeine Romreiſe. Der Vor=
tragende
gab ein äußerſt lebendiges Bild von dem, was er in Rom
geſehen hatte. Der Vortrag klang aus in die Mahnung zur Treue zum
evangeliſchen Glauben. Frau Hein=Reinheim gab auf Grund ihrer
Reiſeerfahrungen einige Ergänzungen zu dem Vortrag, der Kirchen=
geſangverein
umrahmte ihn durch den Vortrag einiger Lieder.
Hohes Alter. Am 28. ds. Mts. begeht Frau Witwe Hofmann,
Sonngaſſe 4, bei noch verhältnismäßig guter Geſundheit ihren 93. Ge=
burtstag
. Sie iſt zurzeit die älteſte Einwohnerin Ober=Ramſtadts.
f. Roßdorf, 27. März. Amtstage beim Hochbauamt
Darmſtadt. Die Bürgermeiſterei gibt bekannt, daß Amtstage beim
Hochbauamt wöchentlich nur Dienstags und Freitags abgehalten werden
und die Einwohnerſchaft dies beachten ſell. Einſperren der
Tauben zur Saatzeit. Lt. Bekanntmachung der Bürgermeiſterei
ſind die Tauben in der Zeit vom 29. März bis 12. April eingeſchloſſen
zu halten. Zuwiderhandlungen werden nach Artikel 39 Ziffer 2 des
Feldſtrafgeſetzbuches beſtraft. Dem Polizei= und Feldſchutzperſonal iſt
eine ſcharfe Ueberwachung der Anordnung zur Pflicht gemacht.
Poſtaliſches. Endlich iſt man dazu übergegangen an Sonntagen
eine Poſtbeſtellung einzuführen. Dadurch iſt einem langgehegten Wunſch
der Einwohnerſchaft Rechnung getragen und einem dringenden Bedürf=
nis
abgeholfen.

altbewährt bei
Nieren-,
Blasen-,
Harnleiden.
Rf
Wi
Friedrich Schaefer, Darmſtadt, Ludwigspl. 7, Tel. 45/6
Bk. Groß=Zimmern, N. März. Gemeinderatsſitzung.
Unter Punkt Mitteilumgen gibt Herr Bürgeweiſter Brücher das Urteil
des Provinzialasſchuſſes Starkenburg vom 25. Januar d. J. bezüglich
der Beerdigungsfreiheit bekamt. Es iſt anzunehmen, daß der Kreis=
direktor
von Amtswegen Reviſion beim Vewwaltungsgerichtshof ein=
legen
wird. Ebenſo gibt er Auffchluß üüber den ergebnislos verlaufe=
nem
Termin des Enteignugsverfahrens von Staßengelände im Weiher.
Das Enteignngsverfahren geht jetzt an den Provinzialausſchuß weiter.
Weiter wird eine uverbindliche Mitteilung betr. Zuveilung vom
Darlehen durch das Kreisamt bekamt gegeben. Die mit einem
Zimmermeiſter aus Darmſtadt geführten Unterhandlugen über Abgabe
von Eichenſtammholz führten zu keinem Ergebwis und ſollen dieſe Eichen
mit dem bis jetzt aufgearbeiteten Kiefernſtammholz zur Suubmiſſion aus=
geſchrieben
werden. Bei Gewährung von Konfirmanden= und Kom=
munikantenboihilfen
kommen nach Vorſchlag der Hauwtkommiſſion neun
Beihilfen in Frage. Einen Teil der Koſten trägt das Kreisamt, die Ge=
meinde
hat einen Zuſchrß von zirka 100 Mark zu leiſtem, der von dem
Gemeinderat gebilligt wird. Das Geſuch des Wirtſchaftsausſchuſſes
der landwirtſchaftlichen Schnile zu Darmſtadt um Gewährung eines Zu=
ſchuſſes
wird abgelehnt. Die mit der Provinzialdirektion beſchloſſene
Feſtſetzung der Baufluchtlinie am Garten von Hch. Sproß 1. in der
Klein=Zimmeverſtraße wird gutgeheißen, ebenſo die vom Hochbquamt
vorgeſchlagene Aenderung der Baufluchtlinie in der verlängerten Ring=
ſtraße
von der Gerſprenzbrücke bis zur Beineſtraße. Die von der
Kommnalen Landesbank Darmſtadt zur Aufwerturng angemeldeten
Papiermarkdarlehen aus 1923 von 100 Millionem Mark werden gutge=
heißen
. Die von der Forſtverwaltng in Vorſchlag gebrachte erhöhte
Abſchußprämie von Raben wird abgelehnt, ſo daß es künftighin bei
der alten Prämie von 35 Pfg. bleibt. Das Geſuch des Verwaltungs=
rates
des allgemeinen Sportplatzes um Herſtellung umd Einfriedung des
Sportplatzes durch die Gemeinde wird der Baukommiſſion zur weiteren
Bearbeitung überwieſem. Nach der wuuhig verlaufenen öffentlichen
Gemeindevatsfitzung fand noch eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt.
J. Griesheim, 273 März. Am Donnerstag, den 29. März d. J.
abends 8 Uhr, findet auf dem Rathaus eine Gemeinderatsſitzung ſtatt.
Groß=Umſtadt, 26. März. In der Ende Januar in Auerbach
a d. B. ſtattgefundenen Delegierten=Verſammlung des Odenwälder
Schützenbundes wurde einſtimmig beſchloſſen, das diesjährige Verbands=
ſchießen
dem Schützenverein Groß=Umſtadt zu übertragen und die
Mannſchaftskämpfe für Großkaliber und laufend Wild in Auerbach, für
Klcinkaliber in Roßdorf auszutragen. Mitbeſtimmend für die Ueber=
tragung
des Verbandsſchießens an unſeren Verein war die Tatſache,
daß derſelbe im vorigen Jahr eine allſeitig anerkannte muſtergültige
Schießanlage hat erſtehen laſſen, wodurch die glatte Abwickkung eines
größeren Schießens gewährleiſtet wird. Der Schutzenverein hat nun
in der letzten Vorſtandsſitzung beſchloſſen, das Verbandsſchießen am
3., 4., 9., 10. und 11. Juni I. J. abzuhalten und ergehen noch nähere
Einladungen mit Schießprogramm den angeſchloſſenen Vereinen zu. Da
das Verbandsſchießen das erſte größere Schießen iſt, das in Gr.=Umſtadt
abgehalten wird, und da zahlreicher Beſuch von auswärtigen Schützen=
vereinen
zu erwarten iſt, wird der Verein alles aufbieten, den Gaſten
den Aufenthalt ſo angenehm wie möglich zu machen, und die Mitglieder
und Gönner unſeres Vereins werden es ſich angelegen ſein laſſen, durch
Stiftung von zahlreichen wertvollen Preiſen zum Wettkampf um dieſe
anzuregen.

Eenſthofen, V. März. Diamantene Hochzeit. Herr. Wik=
helm
Heyd, der am 20. März in bewundernswerter körperlicher und
geiſtiger Friſche ſeinen 85. Geburtstag begehen konnte, feiert Sonntag,
den 1. April, mit ſeiner Frau Eliſabeth Heyd, geb. Hofferbert, das
ſeltene Feſt der diamantenen Hockzeit. Unſere Gemeinde bringt die
herzlichſten Glüchwünſche dem ehrwürdigen Jubelpaar dar, das ſich nicht
erinnern kann, daß in unſerem Dorf während ſeiner Lebenszeit eine
dimmantene Hochzeit gefeiert wurde.
N. Reichelsheim i. Odw., 26. März. Schlußfeier der Land=
wirtſchaftlichen
Winterſchule. Am Samstag vormittag
wurde die erſt vor einigen Jahren mit dem allgemeinen Ausbau der
Landwirtſchaftsämter hier neu errichtete Landwirtſchaftliche Winterſchule
im Saale des Gaſthauſes Zum Engel durch die Herren Landwirt=
ſchaftslehrer
unter Aufſicht des Herrn Oberlandwirtſchaftsrats Bauer
von Darmſtadt mit einer Prüffung der Schüler der Anſtalt geſchloſſen.
Von den ſeitens der Leitung der Schulle zu dem Schlußaßt Eingeladenen
waren erſchienen die Herren Kreisdirektor von Werner aus Erbach, Bür=
germeiſter
Heißt von hier mit einigen Vertretern des Gemeinderats,
mehrere Bürgermeiſter der benachbarten Ortſchaften ſowie Väter der
Schüler und ſonſtige Intereſſenten. In Vertretung des erkrankten
Divektors des Landwirtſchaftsamts Herrn Dr. Keil, eröffnete Herr
Landwirtſchaftsaſſeſſor Dr. Sang die Schlußfeier mit Worten der Be=
grüßung
und gab bekannt, daß die Anſtalt im verfloſſenen Winterhalb=
jahr
von 34 Schäilern beſucht wurde, 16 in der Ober= und 18 in der
Unterſtufe. Er bemerkte daß die Schüler nur dann den rechten Nutzen
haben, wenn ſie den zweijährigen Kurſus durchlaufen. Die hierauf vor=
genommene
Prüfung, die ſich auf Chemie, Bodenkunde, Pflanzenbau
(Kartoffelkranbheiten), Tierzucht und Staatsbürgeukunde ( Friedensver=
trag
von Verſailles und ſeine wirtſchaftlichen Auswinkungen) erſtreckte,
ergab ein ſſehr günſtiges Reſultat; ſie zeigte, daß die Schüler mit Erfolg
an dem Unterricht teilgenommen hatten, was auch Herr Obeplandwirt=
ſchaftsrat
Bauer in ſſeiner Anſprache zum Ausdruck brachte. Dieſer be=
tonte
, daß der kleine Ausſchnitt aus dem behandelten Unterrichtsſtoff
gezeigt habe, wie nützlich den jungen Landwirten der Beſuch der Win=
terſchule
ſei, denn die Landwirtſchaft habe heute unter weit ſchwierigeren
Verhältniſſen als früher zu kämpfen. Es ſei falſch und räche ſich, wenn
die Landwirte unter dem Vorwande ihre Söhne nicht zur Anſtalt
ſchicken, weil ſie fwüher auch beine Winterſchule beſucht haben. Die an=
gehenden
Landwirte müſſen mit dem Zuſammenhang und der Einſicht
in die wirtſchaftlichen Verhältniſſe mit theoretiſchen und praktiſchen
Kenntniſſen ausgerüſtet werden, wenn ſie in dem Konkurrenzkampf be=
ſtehen
wollen. Der Landwirt ſei heute mehr denn je auf den Weg der
Selbſthilfe und des Zuſammenſchluſſes angewieſen. Wichtig ſei es, daß
die Landwirtsſöhne auch in fremden Wirrſchaftsbetrieben ſich betätigen.
Um dies ohne Koſten zu ermöglichen, ſei die Landwirtſchaftskammer bei
dem Austauſch von jungen Landwirten behilflich. Schließlich ermahnt
dieſer Beamte die Schüler zu weiterem Streben und erinnerte ſie daran,
ihren Eltern dafür zu danken, daß ſie ihnen die Gelegenheit zu ihrer
Ausbildung unter Opfern gaben. In den Schlußworten des Herrn
Landwirtſchaftsaſſeſſors Dr. Sang wurde der Wunſch zum Ausdruck ge=
bracht
, daß die Schüler auch ſpäter ſich vertrauensvoll an das Landwirt=
ſchaftsamt
wenden möchten; dieſes gebe bereitwilligſt Rat. Mit guten
Wünſchen und der Austeilung der Zeugniſſe ſchloß der ſtellbertretende
Leiter der Schule die Prüfung. Wie wir hörten hat ſich Herr Ober=
landwirtſchaftsrat
Bauer auch über die innere Einrichtung und Aus=
ſtattung
des Landwirtſchaftsamts lobend ausgeſprochen und ſeine Arbeit
als vorbildlich bezeichnet.
H. Aus dem Ueberwalb, D7. März. GroßeNutz= und Brenn=
holsverſteigerung
. Das Forſtamt Lörzenbach hält am Freitag,
den 30. März, im der Wirtſchnft von Krämer in Unterſcharbach eine
große Brenn= und Nutzholzverſteigerung aus den Diſtrikten Hammel=
berg
, Lenzenbuckel, Schardt, Wagenberg und Kochert ab. Auskunft gibt
Förſter Kirſchner in Wahlen.
T. Michelſtadt, N. März. Elternabend der Stadtſchule
Michelſtadt. Die Stadtſchule Michelſtadt hatte die Eltern und
Freunde der Schuljugend zu einem Elternabend in den Saal des Städ=
tiſchen
Saalbau eingeladen. Pünktlich wurde das Programm durch
einen Geſangsvortrag des Schülenhöres unter der bewährten Leitung
des Herrn Lehrers Hartmann eröffnet. Eine Kinderſymphonie von Haydn
geſpielt von einigen Kindern der Schule mit Unterſtützung eiwiger Jung=
lehrer
ſowie dirigiert von Herrn Lehrer Barnewald fand den unge=
teilten
Beifall des Publikums. Der Leiter der Stadtſchule Michelſtadt,
Herr Rektor Mader, entbot allen Eltern und Freunden der Jugenb
den herzlichſten Willkommengruß, wobei er ſeiner beſonderen Freude
über den überaus zahlreichen Beſuch Ausdruck gab. In ſeinen weiteren
Ziel und Zweck der Elternabende ſtreifenden Ausfsührungen wies er
darauf hin, daß hierdurch das Band engſter Zuſanmenarbeit und inmig
ſter Freundſchaft zwiſchen Eltern und Schule gefeſtigt werden ſoll.
Nahbem der Redner noch den Mitwirkenden des Abends, insbeſondere
den Mitgkiedern des Lehrerkollegiums, die in wochenlanger, miihevoller
Arbeit die Proben und Einſtudierungen mit der Jugend durchführten
Dank geſag hatte, ſchloß er mit dem Wunſche, daß alle von dem Ge=
botenen
befriedigt nach Hauſe kehren möchten, ſeine Anſprache. Das
Spiel Wohin? wird von den Beſuchern ebenfalls mit großem Beifall
dankbar aufgenommen. Die vorzügliche Wiedergabe der Symphonie:
Eine heitere Schlittenpartie von Chwatal, deren überaus ſchwierige
und zeitraubende Einſtudierung Herr Lehrer Barnewald leitete, war
mit eine der beſten Leiftungen des Abends, für die den Ausführenden
in reichſtem Maße Anerkennung gezollt wurde. Den Abſchluß des Pro=
gramms
bildete ein Märchenſpiel mit Geſängen und Reigen von Clauß,
das ſich Die Bremer Stadtmiſikanten betitelt. Es war eine Freude,
hier die Kleinen bei dieſem wirkungsvollen Spiele in ihrer ungezwun=
genen
, ntürlichen Art beobgchten zu dürfen. Die Bühnendekoration
ſowie die den einzelnen Szenen angepaßte ſtimmungsvolle Beleuchtung
verdienen beſonders erwähnt zu werden. Allen, die an der Ausgeſtal=
tung
und Verſchönerung des Abends Anteil haben, ſei auch an dieſer
Stelle herzlichſt gedankt.
4i. Vielbrunn, 27. März. Beigeordnetenwahl. Da außer
dem auf den ſeitherigen Beigeordneten, Herrn Heinrich Weyrich, Kauf=
mann
, lautenden Wahlvorſchlag, weiter Wahlvorſchläge nicht eingereicht
waren, erübrigte ſich eine Wahl und gilt derſelbe als wiedergewählt.

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Seite 8

Mittwoch, den 28. März 1928

Nummer 88

Dertſcles das venn Boenwale.

m. Herr Oberlandmeſſer Buxbaum, Michelſtadt, von der Ver=
einigung
für Kunſt und Wiſſenſchaft, Erbach, hielt im Saal Zum
Ochſen, in Beerfelden, einen Vortrag über: Die hiſtoriſche
Entwicklung der Gemarkungen und des Beſitz=
ſtandes
im Odenwald, Redner ging auf die Zeit zurück, da
Cäſar im alten Germanien eindrang und zeigte, wi ſchon damals
die Siedlungen der einzelnen Stämme getrennt waren durch Oedland,
das zugleich ein Schutz für ſie war. Als ſpäter die volksmäßigen
Siedlungen erfolgten, kann von ihrer Abgrenzung dasſelbe geſagt wer=
den
. Die erſten Anſiedlungen waren gemeinſchaftlicher Art, jeder
Markgenoſſe bekam von dem zur Kultur geeigneten Laid ein Stück,
während das nicht kulturgebräuchliche Land gemeinſam benutzt wurde.
Das Wort Mark hatte eine doppelte Bedeutung, einmal die von
Grenze und dann die von Gebiet‟. Die trennenden Oedländer ge=
wannen
im Lauf der Zeiten an Bedeutung; ſo iſt bekannt, daß die
Bataver in das Oedland eindrangen, es eroberten und beſiedelten.
Solche Eroberungen erreichten unter Karl d. Gr. ihren Höhepunkt.
Damals entſtanden die Marken Michelſtadt und Heppenheim, erſtere
als grundherrliche Mark war 169 qkm groß, die Mark Heppenheim
war doppelt ſo groß. Die Abgrenzung dieſer Gebiete geſchah vorwie=
gend
durch natürliche Grenzen: Gewäſſer uſw. doch auch künſtliche
Abmarkungen waren üblich: Schneiſen uſw. Die Mark Michelſtadt
erfuhr durch Einhardt ſorgliche Pflege, ſpäter ſcheakte er ſie dem
Kloſter Lorſch, als dieſes 1232 aufgehoben wurde, kamen die Marken
Michelſtadt und Heppenheim in andere Hände. Beerfelden wird zum
erſtenmal erwähnt im Jahre 1058. Zu Anfang des 8. Jahunderts
entſtanden die Hubengüter, das Verfahren, wie ſie entſtanden, iſt nir=
gends
erwähnt, doch wurden erſt die äußeren Grenzen feſtgelegt, und
zwar meiſt durch natürliche Grenzen, dann wurde der fiskaliſche Teil

feſtgelegt. Dieſer war meiſt das Randgebiet, bemerklich iſt, daß die
Waldungen meiſtenteils im Randgebiet liegen. Als der innere Beſitz
nach und nach koſtbarer wurde, treten mehr und mehr künſtliche Grenzen
auf: Gräben, Steinſäulen, Steine uſw. Damals ſchon kannte maan
Feldgeſchworene. Zur Sicherung der Grenzzeichen nahm man ſeine
Zuflucht zu lebenden Zeugen, zu Jugendlichen, ja Kindern. Um letz=
teren
die Grenzmale ſicher ins Gedächtnis einzuprägen, wurden allerlei
Hilfen angewandt: Wettlaufen nach den Grenzpunkten uſw.; neben den
lebenden Zeugen wählte man tote Zeugen in Form von geheimen
Unterlagen unter die Grenzſteine: Tonſtücke, Schiefer, Ziegelſtücke uſw.
So heilig wie die Grenzzeichen waren, ſo ſchwer wurde der Grenzfrevler
beſtraft, man grub ihn zum Teil in die Erde ein und ließ dann ein
Geſpann über ihn weggehen, bis der Tod eintrat. Die weiteren
Ausführungen beſchäftigten ſich mit der Entſtehung und Veränderung
der grundherrlichen Gemarkungen. Der zweite Teil des Vortrags
wurde unterſtützt durch Lichtbilder, die Herr Rektor Schultz, Erbach,
erſtehen ließ. Die Zeichnungen hatte der Vortragende angefertigt in
einer Zahl und Ausführung, die bewundernswert iſt. Dieſe Bilder mit
den dazu gegebenen Erklärungen zeigten ſo klar den Beſitzſtand der
Gemeinde, des Fiskus, der Herrſchaften und die Veränderung derſelben.
Man ſah, wie in abſeits liegenden Gegenden die Größe und Form
des Beſitzes ſich erhielt, während dort, wo wirtſchaftliches und anderes
Leben pulſiert, tiefgreifende Veränderungen feſtzuſtellen ſind. Den
Schluß des Vortrags bildeten viele Bilder auf den Markſteinen: Buch=
ſtaben
, Zahlen, Jeichen, Bilder alles wußte der Vortragende zu
erläutern und zu erklären. Lebhafter Beifall wurde dem hochinter=
eſſanten
Vortrag geſpendet. Herr Bürgermeiſter Löb kleidete den Dank
der Anweſenden in Worte und bedauerte, daß nicht alle Plätze beſetzt
waren. Es waren wirklich genußreiche Stunden, die den Hörenden
durch den Vortrag geboten wurden.

b. Erbach i. O., 27. März. Die Jahreshauptberſammlung der Orts=
gruppe
Erbach des Odenwaldklubs fand im Klublokal (Gaſthaus
Zum Adler) ſtatt. Der Beſuch war gut. Mit herzlichen Begrüßungs=
worten
an die Erſchienenen eröffnete der 2. Vorſitzende der Ortsgruppe,
Herr Julius Lang, die Verſammlung. Der Bericht über das laufende
Geſchäftsjahr ſei hier in großen Umriſſen wiedergegeben: Im ganzen
wurden 13 Wanderungen unternommen, die Ortsgruppe vertrat den
Geſamtodenwaldklub mit 30 Teilnehmern bei dem großen deutſchen
Trachtenfeſt in Herborn. Die Klubmitglieder zeigten ſich außerdem
in Heimattracht gelegentlich der Deutſchlandfahrt des Automobiltlubs
von Deutſchland (A.v.D.), weiter gelegentlich der 700 Jahrfeier unſerer
Nachbarſtadt Eberbach, bei der Deutſchlandreiſe des Heſſen=Darmſtädter
Vereins aus Neſ York und gelegentlich des Eulbicher Marktes. Die
Stadt trat dem Klub als korporatives Mitglied bei. Die Vorſtandswahl
brachte folgendes Reſultat: 1. Vorſitzender: Herr Lehrer Schwamb.
Weiter gehören dem Vorſtand an: die Herren: Baumeiſter Glenz, Rech=
nungsrat
Fehr, Julius Lang, Fritz Heim, Wilhelm Kolmer, und Joh.
Baſel. Die Aemter verteilt der Vorſtand unter ſich. Das noch lebende
Gründungsmitglied Herr J. Flächſenhaar wird zum Ehrenmitglied er=
nannt
. Bezüglich der Errichtung des Ehrenmals ergeht ein Antrag
ſämtlicher Ortsgruppen des Mümlingtals auf Einberufung einer drin=
genden
Sitzung, der eine Reſolution der Ortsgruppe Erbach vocliegen
wird. Der neue Vorſitzende, Herr Schwamb, wird in den Vorſtand des
Verkehrsvereins entſandt, während Herr Fehr an ſeine Stelle im Orts=
ausſchuß
für Leibesübungen tritt. Der Siegfriedsbrunnen bei Hütten=
thal
wird auch in dieſem Jahre unterhalten. Odenwaldgau
Gabelsberger Stenographen. Eine gut beſuchte Gauver=
vertreterverſammlung
fand im Gaſthaus Zum Adler in Erbach ſtatt.
Der 1. Vorſitzende des Gaues, Herr Noſtatt, Michelſtadt, hieß die Er=
ſchienenen
herzlich willkommen. Den Kaſſenbericht gab Herr Johe=
Beerfelden. Er ergibt einen kleinen Einnahmeüberſchuß. Aus der
Vorſtandswahl ging mit großer Mehrheit der derzeitige Ehrenvor=
ſitzende
Fleckenſtein als geſchäftsführender Vorſitzender hervor. Die
übrige Liſte der Vorſtandsmitglieder nennt folgende Namen: Georg
Heim=Erbach, W. Schweitzer=Michelſtadt, Vogel=König, Johe=Beerfelden,
Weber=Beerfelden, Stellwag=Erbach, Noſtadt=Michelſtadt und Joſt=Groß=
Umſtadt. Der Wettſchreibeausſchuß ſetzt ſich aus den Herren Lenz= Beer=
felden
als Wettſchreibeobmann, Wöber=Michelſtadt, als Stellvertreter,

Schmucker=Michelſtadt, Gerſtenſchläger=Erbach und Lang=König als Bei=
ſitzer
zuſammen. Der Gautag wurde dem Verein Erbach übertragen,
der mit demſelben ſein 30jähriges Stiftungsfeſt verbinden will. Die
Vereine wurden auf den am 5. und 6. Mai ds. Js. in König ſtatt=
findenden
Bezirkstag hingewieſen. Außerdem ſoll das 25jähriges Jubi=
läum
des Vereins König in dieſem Jahre gefeiert werden. Die
Generalverſammlung des Radfahrervereins 1900 e. V. fand
im Vereinslokal Zur Stadt Erbach ſtatt. Herr Volk gab den Jahres=
und Herr Schöpp den Kaſſenbericht. Der Vorſtand wird in der alten
Form durch Zuruf wiedergewählt. Das Sportprogramm für das lau=
fende
Jahr weiſt bis jetzt folgende Daten auf: 29. April: Saalſportfeſt
mit Radballſpielen zwiſchen den Nachbarvereinen Erbach, Michelſtadt
und König. 17. Juni: 100 Km. Straßenrennen um den Wanderpreis
des Grafen Erbach. Die neue Rennſtrecke führt über MichelſtadtGroß=
UmſtadtDieburgRoßdorfObert=RamſtadtGadernheim-Lindenfels
ReichelsheimGerſprenzRehbach-Michelſtadt nach Erbach zurück Das
Gaufeſt des Bundes 70 des BDR. in Groß=Bieberau am 1. Juli 1928,
wird beſucht. Die Vereinswanderfahrten werden in Zurunft von
Monat zu Monat feſtgelegt. Es ſollen in der Hauptſache Früh= und
Abendwanderfahrten unternommen werden.
* Hirſchhorn, N. März. Wafſerſtand des Neckars am
26. März: 0,97 Meter; am 27. März: 100 Meter.
Bb. Bensheim, 26. März. Das Leipziger Soloquartett für Kirchen=
geſang
veranſtaltete geſtern nachmittag in Auerbach und am Abend hier
in den evangeliſchen Kirchen muſikaliſche Feierſtunden, die den zahl=
reichen
Beſuchern einen hohen Genuß bereiteten. Vom unvergleichlich
ſchöner Klangwirkung waren die ſeelenvoll vorgetragenen Paſſions=
und Oſterlieder mit ihrem wundervollen Ausklang der ergreifend
ſchönen Muſik und dem ganz vollendeten Verklingen der Lieder. Das
war wirklich erhebende Feierſtunden=Muſik, die da von den 4 Stimmen
des Quartetts geboten wurde. Im nahen Lorſch geriet das Auto
eines Metzgermeiſters bei einer nächtlichen Fahrt vom Wege ab in den
nahe der Straße vorbeifließenden Landgraben, nachdem ein Brücken=
geländer
durchbrochen worden war. Die Inſaſſen kamen mit dem
Schreckent davon, das Auto wurde jedoch ſchwer beſchädigt. Im hie=
ſigen
katholiſchen Volkshaus wurde geſtern der erſte Männer= Einkehr=
tag
veranſtaltet, der eine ſtattliche Zahl von Katholiken in Bensheim

zuſammenführte. Eine bis ins einzelne gut durchgeführte Tagesordmungt
die neben einem kirchlichen Teil auch verſchiedene Vorträge umfaßtey
hielt die Teilnehmer bis zum Abend zuſammen.
A. Zell, 26. März. Beerdigung des Beigeordnete:;
Helfrich. Am Freitag nachmittag wurde der Beigeordnete Helfrioi
der hieſigen Gemeinde unter großem Trauergefolge zu Grabe getragens
0 Jahre bekleidete er dieſes Ehrenamt und bei 40 Jahre das einend
Feldgeſchworenen. So war er bei Behörden und in der ganzen Geſ
meinde geachtet, was bei den Kranzniederlegungen am Grabe beſondern
zum Ausdruck kam.
Bm. Bürſtadt, 27. März. Unüberlegter Bubenſtreickh
Einem in voller Fahrt befindlichen Perſonenauto, das von Frankzur,
kommend, hier durch die Mainſtraße fuhr, wurde von vier von Bohd
ſtadt kommenden, jungen Lausbuben mit einem Stein durch die Windd
ſchutzſcheibe geworfen. Der Wagenführer wurde durch die Glasſplitter
erheblich verletzt. Nach der Tat ergriffen die rohen Burſchen die Fluchta
konnten aber einen Tag ſpäter durch die Polizei ermittelt werden. .
Eine weſentliche Verkehrsverbeſſerung bedeutet die nunmehs
angelegte elektriſche Beleuchtung des großen Bahnübergangs am Orts=
eingang
von Bobſtadt kommend.
* Gernsheim, 27. März. Waſſerſtand des Rheins am
26. März: 0,51 Meter; am 27. März: 0,50 Meter.
* Rüſſelsheim, 26. März. In die Stanzmaſchine gen
raten. Der 2jährige Stanzer Paul Schleicher aus Koſtheiun
geriet am Samstag in einer Fabrik in Rüſſelsheim mit der linken
Hand in die Stanzmaſchine, wobei ihm der Zeigefinger abgequetſchc
wurde. Der Verletzte wurde durch das Sanitätsauto des Betriebes nach
Mainz ins Städliſche Krankenhaus gebracht.
Bp. Nauheim bei Groß=Gerau, 26. März. Wo befindet ſiche
der größte Konfirmand? Nachdem vor eiigen Tagen ausſ
Oberheſſen gemeldet wurde, daß dort ein Junge von 180 Mtr. Größ=ß
konfirmiert werde, regte ſich gleich Griesheim bei Darmſtadt mit der
Mitteilung, daß dort ein Konfirmand von 1,84 m aus der Schule entᛋ
laſſen werde. Nunmehr kann Nauheim bei Groß=Gerau für ſich inn
Anſpruch nehmen, den größten Konfirmanden zu haben, nämlich deri
Sohn Georg des Fabrikanten Friedrich Vogel, der 1,86 Mtr. groß iſt4
Gegenvärtig wird der Spargel= und Obſtgroßmarkt neu organi=)
ſiert. Gemäß einem vorjährigen Beſchluß wurde der Bankbeamte,
Ludwig Zimmermann zum Geſchäftsführer des Marktes beſtellt.
Aa. Erfelden a. Rh., 26. März. Schutz den Entwäſſerungs=
anlagen
. Die Endwäfſerungsanlagen in unſerer Gegend, die einemn
Teil der großen Riedenwwäſſerung bildet, bedürfen das ganze Jahru
hindurch eines ausreichenden Schutzes. Um dieſen ſicherzuſtellen, wurdes
der Pumperwärter auf dem Pumpwerk Wächterſtatt bei Aſtheim mitt
dem ausdrücklichen Hinweis auf den ſtets notwendigen Schutz der Gra= des Aſtheim=Erfelder Entwäſſerungsverbandes beſonders auff
den Feldſchutz der Gemarkungen Aſtheim, Berkach, Dornheim, Geins=, Leeheim, Trebur, Wallerſtädten und Erfelden verpflichtet. Der
gegewwärtige Pumpenwärter, der erſtmalig mit dieſſer Aufſicht betraut 1
wurde, heißt Janker.
A. Alzey, 24. März. Strafſitzung am Amtsgericht. Ein!
ſtellungsloſer Fuhrmann aus Darmſtadt, der bereits mehrfach wegen!
Rückfalldiebſtahls, Betrug und Urkundenfälſchung vorbeſtraft iſt, hatte:
im Februar 1928 zu Alzey gebettelt und dabei aus einer unverſchloſ=
ſenen
Wohnung einen Ueberzieher entwendet. Er wurde jedoch dab=
erwiſcht
und verhaftet. Der Angeklagte behauptet, im Zuſtand der An=
getrunkenheit
gehandelt zu haben. Die Staatsanwaltſchaft beantragte
ein Jahr Gefängnis wegen des Diebſtahls und vier Wochen Haft wegen
Bettelns. Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umſtände
zu und verurteilte ihn wegen Rückfalldiebſtahls zu einer Gefängnis=
ſtrafe
von fünf Monaten und wegen Bettelns zu einer Haftſtrafe von
vier Wochen. Ein Bettler, der wegen Bettelns vorbeſtraft iſt, erhielt
zwei Wochen Haft.
Grünberg, R7. März. In der ſchön geſchmückten Turnhalle fand
am Sonntag die Schulfeier zur Entlaſſung der Abiturienten ſtatt,
Die Halle konnte die Teilnehmer von nah und fern nicht alle faſſen,
Die Muſik wurde von der eigenen Kapelle der Oberrealſchule ausgeführt.
Die verſchiedenartigen Darbietungen in Muſik, Geſängen, Vorträgen
und einem Luſtſpiel waren vorzüglich wiedergegeben und emteten
reichen Beifall. Eine Anſprache im allgemeinen und im beſonderen an
die Abiturienten hielt Herr Oberſtudiendirektor Angelberger und zeigte
hierbei die ernſten Anforderungen und Aufgaben des Lebens. Die
Schüler, die die beſten Zeugniſſe hatten, bekamen in dieſem Jahr das
erſtemal Geſchenke in Büchern, auch der dreihundertſte Schüler die
Schule wird gegenwärtig von 301 Schülern beſucht wurde mit einem
ſolchen Geſchenk bedacht.

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Nummer 88

Mittwoch, den 28. März 1928

Seite 11

Reich und Ausland.
SHauptverſammlung des Verbandes Deutſcher
Annoncen=Expeditionen in Mainz.
Auf der am 25. März in Mainz ſtatrgefundenen
Khauptverſammlung des VerbandesDeutſcher
Yennoncen=Expeditionen wurde folgende
Fb=eſolution angenommen, die den Zeitungsverlegern
zugeleitet werden ſoll: Die zur ordentlichen Haupt=
merſammlung
des Verbandes Deuvſcher Annoncen= Ex=
zeditionen
e. V. am 25. März 1928 in Mainz ver=
e
nigten Verbandsmitglieder nahmen zuſtimmend da=
on
Kenntnis, daß engliſche Zeitungsverleger An=
eigenaufträge ausländiſcher Annoncen=Expeditionen
wr durch Vermittlung anerkannter engliſcher Agen=
taren
annehmen. Sie empfehlen den deutſchen Zei=
tungsverlegern
dringend, in ihren Organiſationen
pleichartige Beſchlüſſe zu faſſen und mit allen Konſe=
Auienzen durchzuführen.
Tödlich verunglückt.
Afchaffenburg. Bei Umbauawbeiten in der
Akuntpapierfabrik kletterte der 26jährige Schreiner
weauck auf einen elektriſchen Leitungsmaſt, um die
Aprähte zu durchſchneiden. Plötzlich fiel der Maſt,
am dem ſich Hauck in etwa 13 Meter Höhe ange=
hnallt
hatte, um, und riß den Arbeiter mit ſich,
her ſo ſchwer verletzt wurde, daß der Tod auf der
KStelle eintrat.
ſein 14½jähriges Mädchen von einem Franzoſen
entführt.
Limburg. Seit Sonntag früh wird die
94½jährige Maria Kalbfuß aus Limburg vermißt.
SSie wurde zuletzt in dem Achtuhrgottesdienſt der St.
Unnenkirche geſehen. Es wird vermutet, daß ſie von
ginem in Limburg anſäſſigen Franzoſen namens
ysllion entführt wurde, der ſeitdem ebenfalls ver=
hwunden
iſt. Illion hat geäußert, daß er das Mäd=
wen
nach Paris mitnehmen wolle; man nimmt daher
un, daß er ſich mit ihm nach Frankreich begeben hat.
Möglicherweiſe hält er ſich aber noch mit dem Mäd=
en irgendwo im beſetzten Gebiet auf. Illion hat
eine Familie in Limburg völlig mittellos zurück=
Arelaſſen.
Und der Amtsſchimmel trabt . . .
Krenznach. Einem hieſigen Einwohner, der
aSrundbeſitzer im Kreiſe Meiſenheim (Pfalz) iſt,
urde ein Steuerbeſcheid über den monatlichen Be=
rag
der Grundvermögensſteuer in Höhe von einem
Wfennig zugeſandt. Der Grundbeſitzer hatte für die
griit eingeſchriebenem Brief überſandte Benachrich=
högung
45 Pfennig, d. h. den Steuerbetrag von 45
Monaten, als Porto zu zahlen. Die Steuer wird er
ionatlich mit Poſtanweiſung an die zuſtändige
SSteuerkaſſe entrichten. Dafür zahlt er im Jahre 2,40
MNark Porto. Die Steuerkaſſe bucht nach dieſem ganz
minfachen Verfahren 12 Pfennig. Die Poſt nimmt
fütr die Beſtellung dieſer Summe 2,85 Mark ein. Es
bebe der Amtsſchimmel!
Seinem eigenen Söhnchen das Genick gebrochen.
Kaſſel. Ein hieſiger Händler, deſſen 1½jähr.
Rind nach ſeinen Angaben durch einen Sturz aus
einem Bettchen ſich Verletzungen zugezogen hat, die
wen Tod des Kindes herbeiführten, ſtand unter dem
hrringenden Verdacht, die Verletzungen des Kindes
eurch brutale Mißhandlungen ſelbſt verurſacht zu
kaben. Die Polizei nahm den Händler feſt und
honnte ihn nunmehr infolge erdrückender Beweiſe zu
erinem Geſtändnis bewegen. Danach hat der Händler
boas Kind ſo ſchwer mißhandelt und auf die Erde ge=
wworfen
, daß es hierbei das Genick brach. Der Roh=
ging
wurde dem Gerichtsgefängnis zugeführt.
Aus der Irrenanſtalt entwichen.
Berlin. Dreimal aus der Irrenanſtalt ent=
wwichen
iſt ein 20jähriger Gärtner, der am Montag
woie Bevölkerung des Berliner Weſtens dadurch in
KAlufregung verſetzte, daß er an dem ſehr belebten
Wittenbergplatz ohne jede Hilfsmittel die Außen=
g’ront
eines vierſtöckigen Hauſes erbletterte. Er wurde
unzwiſchen verhaftet und als ein gemeingefährlicher
(Beiſteskranker erkannt, der bereits zweimal aus
/rrenanſtalten entwichen iſt. Er wurde noch am
ᛋſpäten Abend nach der Irrenanſtalt Dalldorf ge=
bracht
, entfloh aber bereits nach Erledigung der
ufnahmeformalitäten über die hohe Umfaſſungs=
mnauer
der Anſtalt, von deren Bekrönung aus er dem
WWächter, der ihn nach ſeiner Station hatte bringen
hſollen, mehrfach freundlich zuwinkte. Trotz ſofort
einſetzender Verfolgung blieb er dann verſchwunden.
Zwei Falſchmünzerwerkſtätten ausgehoben.
Berlin. Zwei Falſchmünzevwerbſtätten, die un=
bhängig
voneinander in Vorder= und Hofräumen
eines Hauſes im Norden der Stadt betrieben wur=
en
, ſind von Beamten der Reichsbank= Falſchgeldab=
keilung
überraſchend ausgehoben worden. Die Falſch=
umünzer
ſtellten aus anderem Metall Nachahmungen
Der broncenen und Nickel=50=Pfennig=Stücke und der
Milbernen 1=, 2= und 5=Mark=Stücke her. Feſtgenom=
men
und dem Unterſuchungsrichter vorgeführt wur=
en
ein Klempner und zwei Schnellphotographen,
Männer von 25 und 30 Jahren, und ein 3 5Jahre
halter Tiſchler, mit ihnen der weibliche Anhang, der
hals Helfer und Vertreiber tätig geweſen war. Die
FFrauen wurden nach dem Verhör vorläufig wieder
bauf freiem Fuß geſetzt.
Schadenfeuer durch Brandſtiftung.
Alt=Kamnitz (Rieſengebirge). Am Montag
früh brannte hier das an der Bahnlinie gelegene
RRaiffeiſenlager nieder. Auch der dem Unternehmen
gehörende Schuppen der Kirſchmühle brannte ab.
EVerbrannt ſind außer dem Inventar 250 Zentner
EWeizenmehl, 300400 Zentner Futtermittel, evwa
11100 Zentner Düngemittel und einige hundert Zent=
uner
Getreide. Nach mehrſtündiger Tätigkeit der an
die Brandſtätte geeilten Feuerwehren der umliegen=
den
Ortſchaften konnte der Brand auf ſeinen Herd
beſchränkt werden. Der entſtandene Schaden, der zum
großen Teil durch Verſicherung gedeckt ſein dürfte,
wird auf etwa 50 000 Mark geſchätzt. Man vermutet
Brandſtiftung.
Aufklärung einer Bluttat.
Löwenberg (Schleſien). Der unter dem Ver=
lacht
, den Arbeiter Müller in der Nacht zum Montag
lpſchoſſen zu haben, verhaftete Maurer Volker aus
Bobten am Bober hat ein Geſtändnis abgelegt. Er
libt an, er habe ſeinen Nebenbuhler auflauern wol=
den
und als Müller die Treppe herabkam, habe er
geglaubt dies ſei der Nebenbuhler und habe auf ihn
geſchoſſen. Die Abſicht, Müller zu erſchießen, habe

Er durchaus nicht gehabt.

Nach dem Rieſen=Dammbruch in Kalifornien.
Die erſte authentiſche Aufnahme vom Kataſtrophental.

Der geborſtene Sankt Francis=Damm mit dem Santa Clara=Tal.
Unſer Bild zeigt den Damm nach dem Rieſenunglück und das Tal, in welches ſich die Waſſermaſſen
ergoſſen haben. Im Vordergrund des Bildes iſt deutlich zu ſehen, daß der beſonders verſtärkt ge=
weſene
Mittelteil des Dammes ſtehen geblieben iſt, während der Bau links und rechts davon
weggeriſſen wurde. Die reißenden Fluten haben die Bewohner des friedlichen Tales im Schlafe
überraſcht und getötet.
Gefährlicher Brand in Berlin.

Die völlig ausgebrannte Klavierfabrik Drehmann.
Erſt nach ſtundenlanger ſchwerer Arbeit gelang es der Feuerwehr, den Brand, in der Klavier=
fabrik
Drehman, der die umliegenden Häuſer in der Berliner Holzmarktſtraße durch den herr=
ſchenden
Wind gefährdete, einzudämmen. Seit fünf Jahren gab es keinen gefährlicheren Brand
in Berlin.
Der neue Gleiskraftwagen der Reichsbahn.

Ein Mercedes=Benz=Schienenwagen
machte dieſer Tage auf der Eiſenbahnſtrecke StuttgartUlm ſeine erſte Verſuchsfahrt. Der
3/38 PS ſtarke Schienen=Wagen iſt mit ſechs Sitzplätzen ausgeſtattet und ſoll dienſtlichen Zwecken
der Reichsbahn dienen.

Selbſtmord des Enkels Negrellis
Wien. Der Leiter der Baufirma Pittels Neffe
Negrelli u. Cie., Oskar Negrelli, der nach einem
Schlaganfall dauernd leidend war, verübte Selbſt=
mord
, indem er ſich aus ſeiner Wohnung in den Hof
ſtürzte. Er war ein Enkel des Architekten Negrelli,
von dem der Plan zum Bau des Suez=Kanals
ſtammte, deſſen Familie jahrzehntelang Prozeſſe mit
der Suez=Kanal=Geſellſchaft wegen Anerkennung ihrer
Anſprüche führte.
10 norwegiſche Schiffe geſunken.
Moskau. Zehn norwegiſche Jägerſchiffe gingen
während eines Sturmes am Eingang des Weißen
Meeres am Kap Kanin unter. 45 Mann wurden von
vier Schiffen geborgen; das Schichſal der übrigen iſt
unbekannt. Sorjetſchiffe mit Lebensmitteln und
Kleidung ſind zur Hilfeleiſtung ausgelaufen.

Die angebliche Grabſtätte Hildegards
eingeſtürzt.
Paris. In Tours ſtürzte am Montag ein im
Jahre 800 n. Chr. erbauter Turm ein, der wie man
ſagt, die Grabſtätte Hildegards, eine der Frauen
Karls des Großen, bergen ſoll. Zwei neben dem
Turm befindliche Häuſer wurden durch den Einſturz
ſtark in Mitleidenſchaft gezogen. Menſchen ſind nicht
zu Schaden gekommen, da man im Hinblick auf die
Einſturzgefahr, ſämtliche Vorſichtsmaßnahmen ge=
troffen
hatte.
Die Opfer der Autos in Amerika.
London. Wie eine amerikaniſche Statiſtik be
ſagt, ſind im vergangenen Jahre durch Autounfälle
26 618 Perſonen getötet und 798 700 verwundet wor=
den
. Gegenüber dem Vorjahre bedeutet das eine
Steigerung der Toten um 1316.

Guido Thielſcher,
der beliebte und im ganzen Reiche bekamnte Komiker,
feiert, wie gemeldet, ſein fünfzigjähriges Bühnen=
jubiläum
.
Im Walde überfallen.
Düren. Im Walde zwiſchen Stockheim und
Niederau wurden am Montag nachmittag zwei Mäd=
chen
im Alter von 16 und 17 Jahren von einem
etwa 22jährigen Mann angeſprochen, der die Her=
ausgabe
ihrer Barſchaft verlangte. Als die Mädchen
erklärten, kein Geld bei ſich zu haben, drängte der
Mann ſie etwa 30 Meter in das Dickicht hinein, be=
drohte
ſie mit Erſtechen, ſobald ſie einen Laut von
ſich gäben, feſſelte ſie mit einem Strick und beging
an einem der Mädchen ein ſchweres Sittlichkeitsver=
brechen
. Erſt gegen abend konnten ſich die Mädchen
befreien.
Entſcheidung in dem Erbſchaftsprozeß um den
Nachlaß des Prinzen Philipp von Sachſen=
Koburg und Gotha.
Prag. In dem Rieſenerbſchaftsprozeß um den
Nachlaß des Prinzen Philipp von Sachſen=Koburg
und Gotha, der von der Herzogin Marie Dorothea
gegen den Prinzen Joſias und den Prinzen Kyrill
von Bulgarien geführt wird, iſt durch die Entſchei=
dung
des oberſten Gerichtshofes in Brünn eine über=
raſchende
Wendung eingetreten. Es handelt ſich um
die rieſigen Güter des Verſtorbenen in der Tſchecho=
ſlowakei
im Werte von insgeſamt 128 Millionen
Goldkronen. Der Erblaſſer hat ſeine einzige Tochter,
die Herzogin Maria Dorothea, auf Pflichtteil geſetzt.
Obgleich ſeit dem Tode des Prinzen Philipp 7 Jahre
vergangen ſind, wurde der Herzogin Marie Dorothea
ihr Pflichtteil nicht ausgefolgt und deshalb hatte ſie
die beiden Erben auf Ausfolgung ihres Erbes ver=
klagt
. Die Entſcheidung des oberſten Gerichts beſagt
nun, daß Prinz Joſias gleich nach dem Tode des
Erblaſſers der alleinige Beſitzer des geſamten Fidei=
kommißvermögens
geworden und nur er allein be=
rechtigter
Erbe ſei. Infolge dieſer Entſcheidung dürfte
Prinz Kyrill von Bulgarien dieſen Prozeß, der aus
formalen Gründen an die erſte Inſtanz zur neuer=
lichen
Entſcheidung zurüchverwieſen wurde, überhaupt
nicht mehr fortſetzen, ſo daß ſich die Herzogin nun=
mehr
mit dem Prinzen Joſias auseinanderzuſetzen
hat. Durch die Entſcheidung, die den Prinzen Joſias
als den alleinigen Beſitzer der Güter anerkennt, ſind
auch für den tſchechoſlowakiſchen Staat die Ver=
handlungen
ſehr erleichtert. Das Bodenamt ver=
handelt
bereits wegen Uebernahme des Geſamtbeſitzes,
mit Ausnahme eines Schloſſes. Der Wert des ehe=
maligen
Fideikommiſſes allein wird vom Bodenamt
auf 58 Millionen Kronen geſchätzt.
Verhaftung von Falſchmünzern in Bukareſt.
Bukareſt. Die Polizei hat in Bukareſt eine
Bande von Dollarfälſchern entdeckt, unter der ſich
zwei Rechtsanwälte befinden. Die vorgenommenen
umfangreichen Hausſuchungen und Beſchlagnaymun=
gen
haben, wie die Agentur Orientradio meldet, eine
ausgedehnte Korreſpondenz mit den Sowjets zutage
gefördert. Neue Verhaftungen ſtehen bevor.
Ueberſchwemmungen in Oberitalien.
Rom. Meſſagerro berichtet über große Ueber=
ſchwemmungen
in ganz Venetien. Aus Vicenza wird
mitgeteilt, daß eine ganze Reihe Gemeinden der
Provinz von Hochwaſſer heimgeſucht wurde, da be=
ſonders
in San Pietro und in San Sebaſtiano
großen Schaden anrichtete. Dort ſind einige Häuſer
eingeſtürzt. Aus Benedig wird gemeldet, daß in der
Umgebung von Meſtre die Kanäle über ihre Ufer
getreten ſind und daß u. a. die Vilen des Finanz=
miniſters
Grafen Volpi überſchwemmt worden iſt, ſo
das das ganze Erdgeſchoß unter Waſſer ſteht. Die
elektriſche Bahn nach Treviſo hat ihren Dienſt ein=
geſtellt
. Auch aus Padua werden Ueberſchwemmungen
gemeldet und geſagt, daß einige Stadtviertel unter
Waſſer ſtehen.
Ueberſchwemmungen in Frankreich.
EP. Paris. Aus verſchiedenen Teilen Frank=
reichs
kommen Berichte über große Ueberſchwem=
mungsſchäden
, beſonders von den Küſtenplätzen, wo
die Flut im Zuſammenhang mit der Frühjahrs=Tag=
und Nachtgleiche in dieſen Tagen außerordentlich
ſtark aufgetreten iſt. In Gruiſſan (Departement
Aude) iſt das ganze Dorf üb ſchwemmt worden.
Die Bewohner mußten ſich in die oberen Stochwerke
flüchten. Das Hochwaſſer hat auch die Weinberge
überſchwemmt. In den überfluteten Kellern ſind be=
deutende
Vorräte an Düngemitteln, Schwefel und
Kupfervitriol vernichtet worden. In der Bretagne
mußte die Schiffahrt zwiſchen La Rochelle und den
Inſeln und Oloron eingeſtellt werden. Von allen
Küſtenplätzen wird gemeldet, daß Fiſcherboote ver=
mißt
werden. In Convarneau hat die Flut plötzlich
den Fiſchmarkt überraſcht; die meiſten Fiſch= und
Krabbenvorräte wurden ins Meer hinausgeſchwemmt.
In der Nähe dieſer Ortſchaft wurden mehrere
Dämme zerſtört. In Roscoff, wo ein Hcfendamm
durchbrochen wurde, wird der Schaden auf 400 000
Franken geſchätzt. In der Gironde war die Flut mit
einem heftigen Sturm verbunden. Die Drahtver=
bindungen
ſind in den meiſten Orten der Küſte unter=
brochen
. Viele Dämme ſind unterwühlt worden. Die
Züge aus Spanien ſind mit mehrſtändiger Ver=
ſpätung
in Biarritz eingetroffen. In Bayonne wurde
feruf des Dampfers Landros aufgefangen.

50 Jahre Schauſpieler.

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Seite 12

Mittwoch, den 28. März 1928

Nummer 88

Köhls Vorbereitungen zum Ozeanflug.

Die Landung der D 1167 in Baldonell. Warum Baldonell?=
Große Ueberraſchung in Amerika.

London, 27. März.
Die iriſchen Militärbehörden erwarteten von
geſtern mittag an das Flugzeug D 1167. Ein
vom Gouverneur des Flugplatzes Fitzmaurice
geſteuertes Flugzeug flog über Dublin, um nach
D 1167 Ausſchau zu halten. Kurz nach 5 Uhr
kam das deutſche Flugzeug in Sicht. Es flog
ziemlich tief und wurde von einem iriſchen Flug=
geug
begleitet. D 1167 flog nach Baldonnel wei=
ter
und landete dort wohlbehalten. Die 1600
Kilometer lange Strecke nach Baldonnel haben
die Flieger in knapp 9½ Stunden bei einer
Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 170 Std.= Kilo=
meter
durchſlogen. Der deutſche Flieger Köhl
ſagte in einer kurzen Erklärung, bei ſeinem
Fluge nach Irland habe er mit ſtarken Gegen=
winden
zu kämpfen gehabt, doch habe ſich das
Flugzeug glänzend gehalten. Ueber ſeine wei=
teren
Pläne gab Köhl keine Erklärug ab.
Der deutſche Flieger Lohſe und einige Mecha=
niker
erwarteten mit Betriebsſtoff für das Flug=
zeug
die Andunft der D 1167 bereits ſeit einigen
Tagen in Baldonnel. Die endgültigen Vorbe=
reitungen
für den Weiterflug werden im Bal=
bonnel
zu Ende geführt. Bei ihrer Landung in
Baldonnel heute nachmittag hatten die Flieger
einige Schwierigkeiten; ſie umkreiſten den Flug=
platz
mehrmals, bevor ſie niedergehen konnten.
Da die Flieger die ganze letzte Nacht hindurch
mit den Flugvorbereitungen beſchäftigt waren,
fühlten ſie ſich ſehr ermüdet.

Freiher v. Hünefeld hat dem Vertveter des
Berliner Mittag der ihn in Baldonnel auf=
ſuchte
, u. a. erklärt: Entgegen der in Deutſch=
land
weit verbreiteten Auffaſſung, daß der
Somer die geeignetſte Zeit zu einem Ozean=
flug
wäre, ſind Haupptmann Köhl und ich der
Anſicht, daß dies der Frühling iſt. Wir wiſſen
uns darin mit allen meteorologiſchen Kapazi=
täten
eins und glauben, keine Vorſichtsmaß=
regeln
außer Acht gelaſſen zu haben. Warum
wir nicht von Deutſchland aus geſlogen ſind?
Die Frage iſt leicht zu beandworten. Wir haben
hier keinen geeigneten Platz. Deſſau kommt nach
ben gewachten Erfahrungen gar nicht in Be=
tracht
. Berlin, das als Verkehrsflughafen ge=
radezu
ideal iſt, ſcheidet ebenfalls aus. Alſo
blieb uns nur das Ausband, und da haben wir
Irland gewählt, weil dort einmal die örtlichen
Verhältniſſe äußerſt günſtig ſind und da bei
einem Start von hier aus die Unwetterzone des
Ozeans leicht in nördlicher Richtung zu um=
gehen
iſt.

Die Wetternachrichten.

EP. NewYork, 27. März.
Der Vorſteher der Wekterwarte in Waſhing=
ton
, Dr. Kimball, hat erklärt, daß nach ſeiner
Anſicht die Ausſichten für das Gelingen des
deutſchen Ozeanfluges gegenwärtig nicht gün=
ftiger
ſeien als zu der Zeit, als Hincheliffe die
Ueberquerung des Ozeans verſuchte. Er habe
zwar keine Kenntnis von Sprmen über dem

Ozean, doch ſtelle er feſt, daß die Temperatur
ſehr tief liege. Zum Teil betrage ſie 14 Grad
unter Null.

Die Wetterberichte melden für Diens=
vag
und Mitwwoch ungümſtiges Wetter. Starte
Winde bewegen ſich in weſtlicher Richtung auf
die Küſte zu, begleitet von Regenſchquern bei
gleichzeitig fallender Temperatr, ſo daß der
Gefrierpunkt vielfach ſchon erreicht iſt. Sollten
die Flieger die beabſichtigte Startzeit innehalten,
würden ſie auf hoher See in ein Sturmgebiet
geraten. Selbſt wenn ſie dieſes Suurmgebiet
überwinden würden, würden ſie von Neufund=
land
bis New York Regen und Schneeſtürme
antreffen. Man erwartet, daß dieſes ungünſtige
Wetter den Dienstag und Mitvwoch vorherrſchen
wird. Die Wettermeldungen unterſtreichen, daß
an der Weſtküſte Irlands wahrſcheinlich günſti=
ges
Wetter herrſcht, daß die deutſchen Flieger
möglicherweiſe zum Start veranlaſſen könnte.

Vorausſichtlicher Start.

NewYork, 27. März.
Nach hier vorliegenden Meldungen beabſich=
tigen
die deutſchen Ozeanflieger am Mitwwoch
früh 5 Uhr iriſcher Zeit zum Flug über den
Ozean zu ſtarten. Der bekannte Pilot Lohſe ſoll
anſtelle des Monteurs Spidler den Flug über
den Ozean mitachen. Sollten die Wetterver=
hältniſſe
ungünſtig ſein oder der Benzinvorrat
nicht ausreichen, iſt auf Neuſundlland eine Zwi=
ſchenlandung
beabſichtigt.

Amerika in Erwartung.

Der Start der deutſchen Flieger hat in New
York große Ueberraſchung hervorgerufen. Die
Zeitungen bringen die Startmeldungen groß
aufgezogen und veröffentlichen die Bilder und
Lebensbeſchreibungen der Flieger. Man hofft,
daß der Flug gelingt. Auf dem Flugplatz Mit=
chell
Field beabſichtigt wan, für Donnerstag
Vorbereitungen für den Empfang der Ozean=
flieger
zu treffen. Die geſomte Belegſchaft des
Flugplatzes wird in Alarmbereitſchaft gehalten
werden. Sämtliche Scheinwerfer, darunter einer,
deſſen Licht 90 Meilen weit ſichtbar iſt, ſollen
den ankommenden Fliegern den Weg weiſen.
Falls die Flieger tagsüber eintreffen, wird
ihnen eine Anzahl Flugzeuge entgegenfliegen
und ihnen das Ehrengeleit geben. Der Flug=
platz
wird reich geſchmückt werden.

Das Ausland
zum deutſchen Ozeanflug.

Das Ausland betrachtet das Unternehmen der
deutſchen Flieger mit großer Scepſis, und es
fehlt in dem Preſſekonzert nicht an Stimmen, die
die Abſicht einfach als einen Selbſtmordwerſuch
bezeichnen. Die Pariſer Preſſe wümſcht trotz der
ſchweren Bedenken dem Unternehmen alles
Glück, und das haben die Flieger nach unſerer

Anſicht wohl im größten Maße nötig. Das
Petit Journal weiſt in ſeiner Stellungnahme
u. a. darauf hin, wie viele Opfer die Ozeanflüge
ſchon gekoſtet haben und welche Schwierigkeiten
die zu überwinden hatten, deren Abſicht geglückt
ſei. Der Nebel und die Kälte von Neufundland
ſtellen Gefahren dar, gegen die ein Flugzeug
noch nicht gerüſtet iſt. Alcock und Brown, Lind=
bergh
und Chambenlin, Bink und Bruce, haben
es erzählt, wie ſehr ſie bei ihrem Flug durch
Nebel und Kälte behindert worden ſind und ſie
haben ihre Flüge noch dazu mitten im Sommer
ausgeführt. Wir wollen den Fliegern Köhl und
Hünefeld wünſchen, daß ſie durch ein Wunder
ähnlich wie Miß Elders gerettet werden.
Es ſind alſo Stimmen, wie ſie auch in der
deutſchen Preſſe zum Ausdruck gebracht werden.
Man ſieht daraus, wie die Stimmung in
Deutſchland gegenüber Ozeanflügen mit ein=
motorigen
Maſchinen umgeſchlagen iſt. Nur in
Amerika betrachtet man die Abſicht der Deut=
ſchen
rei ſportlich und trifft bereits alle Vorbe=
reitungen
zum Empfang der Flieger. Der Fehl=
ſchlag
vom vergangenen Jahr hat alſo das Ver=
trauen
zu den deutſchen Fliegern nicht erſchüttert.
Freilich ſind auch dort Bedenken laut geworden
gegen den Start am Mitwwoch, weil die Wetter=
lage
auf dem Ozean nach übereinſtimmender
Auffaſſung aller amerikaniſchen Wetterſtationen

durchaus ungünſtig ſei. Nach allem aber, wasu
man bisher von Hauptmann Köhl geſehen undu
gehört hat, wird er ſich von ſeinem einmal ges
faßten Plan nicht mehr abbringen laſſen. Wenn,
nach ſeiner Meinung das Wetter am Mitwwoch
günſtig iſt, wird er den Abflug wagen.

Neue Ozeanflugkandidaten.

EP. London, 27. März.
Trotz des nicht eben ſehr ermutigenden Very
laufs der letzten Transozeanflüge finden ſich
immer wieder neue Selbſtmordkandidaten, undä
was vielleicht noch ſchlimmer iſt, Kondidatinnen
So kündigt jetzt ein weiteres Mitglied der engg
liſchen Ariſtokratie, Lady June Charlton, diü
Tochter des Earl of Carrick, die Abſicht an, zuv
ſammen mit ihrem Gatten, Toby Charlton, im
allernächſter Zeit einen Flug nach Amerita zu
unternehmen. Charlton will ein Flugboot bes
nutzen, das zur Beförderung von 12 Paſſao
gieren eingerichtet iſt; der für die Paſſagiere=
berechnete
Platz ſoll natürlich durch Benzimnbes
hälter ausgefüllt werden. Der Apparat iſt min
drei Motoren und mit den modernſten drahtt
loſen Einrichtungen ausgerüſtet. Charlton err
Mlärte den ihn befragenden Preſſevertretern, er=
ſei
noch nicht entſchloſſen, ob er ſeine Gattirn
mitnehmen ſolle oder nicht.

Erdbebenkataſtrophen.

Aufzeichnung eines Erdbebens
in München.
München, 27. März.
Dienstag vormittag 9,33 Uhr zeichnete der
Seismograph der Erdphyſikaliſchen Warte bei
der Sternwarte in München ein heftiges Nah=
beben
auf, deſſen Herd 190 Kilometer von
München entfernt iſt. Die Bodenbewegung
wurde in den höheren Stochwerken unmittelbar
wahrgenommen. In Roſenheim, Bad Franken=
hall
und zahlreichen anderen Orten Oberbayerns
wurde heute vormittag das ſchon gemeldete
Erdbeben wahrgenommen. In hochgelegenen
Wohnungen blieben Uhren ſtehen, die Fenſter
klirrten, ſitzende Perſonen verſpürten eine leicht
ſchwantende Bewegung. Desgleichen verzeich=
neten
heute vormittag um 9.33,32 Uhr die Seis=
mographen
der Erdbebenwarte in Karlsruhe
wiederum ein äußerſt heftiges Erdbeben mit
einer Herdentfernung von ziuka 350 Kilometer.
Nach den Aufzeichnungen der Apparate dürfte
es ſich um ein kataſtrophalles Erdbeben handeln.
Die Schreibvorrichtungen der Apparate wurden
vollkommen außer Tätigkeit geſetzt. Ebenſo ver=
zeichneten
die Meteorologiſchen Stationen in
Udine und Treviſo heftige wellenförmige
Erdſtöße, die mit den anhaltenden Nieder=
ſchlägen
in Zuſamenhang gebracht werden.
Nach dem Seismographen von Livorno, der um
10 Uhr 17 ein über 9 Sekunden dauerndes
Beben regiſtrierte, befindet ſich der Herd des
Bebens in den Apenninen in einer Entfernung
von 350 Kilometer. In Tolmezzo bei Udine
ſtürzten einige Dächer ein.

Erdſioß in Mexiko.

Wie aus Pochutla im Staate Oaxaca ge=
meldet
wird, ſid infolge von Erdſtößen, die ſich

ſechs Tage hindurch fortſetzten, die im La Se=
reng
=Gebirge liegenden Weiler Plumas Hidalgeu
und Xodani durch Erdrutſch vollkommen zer=
ſtört
worden. In den Gebirgshängen zeigen ſichh
meterbreite Erdſpalten.

Starkes Erdbeben in Italien.
12 Tote, 40 Schwerverletzte.
EP. Mailand, 27. März.
Nach dem am Montag nachmittag im Iſtrieng
und im Friaul verſpürten Erdbeben wird ſo=
eben
ein weiteres bedeutend, ſtärkeres wellen-
artiges
Beben aus dem Friaul gemeldet, das
heute, Dienstag vormittag 9 Uhr 35 von dem
Seismographen in Trieſt, Venedig und Turim
regiſtriert und dort teibweiſe von der Bevölle=
rung
deutlich wahrgenommen wurde. Das Be=
ben
hat die Bevölkerung des Friaul in großer
Panik verſetzt. In Tolmezzo, wo die Erdſtöße=
20 Sekunden andauerten, hoben ſich die Be=
wohner
ins Freie geflüchtet. Die erſten Alarm=
meldungen
über die kataſtrophalen Folgen des
Bebens treffen aus Udine ein, wo bis heute=
abend
6 Uhr 12 Tote und 40 teilweiſe Schwer=
verletzte
aus den am ſtäubſten heimgeſuchten Orte
ſchaften der Provinz, beſonders aus den Ab=
ſchnitten
Cavazzo=Carnico und Caneva=Tol= eingeliefert wurden. In Caneva mußte:
ſich das Militär aus den einſtürzenden Kaſernen
ins Freie flüchten. Von Udine ſind zwei Hilfs=
züge
mit Militär und Ziviliſten nach den am
ſchwerſten betroffenen Gebieten abgegangen.
Auch aus Trevis und Pontebba werden Haus=
einſtürze
mit Menſchenopfern gemeldet. Aus
anderen nicht weniger ſtark heimgeſuchten Ge=
genden
der Probinz fehlen nähere Nachrichten,
da die Telephon= und Telegpaphenverbindungen
unterbrochen ſind.

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[ ][  ][ ]

Rummer 33

Mittwoch, den 28. März 1928

Geite 15

Sport, Spiel und Turnen.

Handball.
Der Oeſterreichiſche Handballmeiſier
in Darmſiadt.
Der Sportverein Darmſtadt 1898 hat für den 18. Maf den Wiener
Swortklub, der im Spieljahre 1926/27 die Meiſterſchaft von Oeſterreich
ungen hat, zu einem Privatſpiel nach Darmſtadt verpflichtet.
Sportverein Darmſtadt 98 OSV München
Am kommenden Sonntag findet das entſcheidende Spiel um die
Eääddeutſche Meiſterſchaft ſtatt. Für die 98er gilt es, in München zum
gtndeſten ein Unentſchieden zu erzielen, um ſich dadurch wiederum den
Trtel Süddeutſcher Meiſter zu ſichern; im Falle eimer Niederlage wäre
em weiteres (3.) Entſcheidumgsſpiel auf neutvalem Platze notwendig.
2 e Münchener haben ſich in Darmſtadt ſehr ſpielſtark gezeigt, ſo daß
dm Spielausgang in München vollkommen offen iſt; gelingt es aller=
igs, dem Sturm der 98er, feine Form vom vergangenen Sonntag zu
emeichen, dann kann der Enderfolg ruhig abgewartet wevden. Die 98er
fSrem am Samstag vormittag mit dem fahrplanmäßigen D=Zug um
1 Uhr (Strecke HeidelbergStuttgartMünchen). Der Sportverein
buabſichtigt, durch eine Geſellſchaftsfahrt eine Ermäßigung des Fahr=
reiſes
zu erzielen. Während der reguläre Fahrpreis für die ein=
ſirche
Fahrt 20,60 RM. beträgt, würde ſich bei einer Beteiligung von
mandeſtens 20 Perſonen der Fahrpreis aurf 15,45 RM. ermäßigen. Da
de Spieler und Reiſebegleiter allein ſchon die Zahl 14 ausmachen, iſt
auzunehmen, daß die Geſellſchaftsfahrt zuſtandekommt. Es iſt jedoch
notwendig, daß jeder, der vor hat, ſich an der Fahrt zu beteiligen, am
Scmstag vovmittag ſpäteſtens 9½ Uhr im der Bahnhofshalle ſich ein=
fndet
.
Main=Rhein=Turngau D. T.
Am verfloſſenen Sonntag nahmen die Privatzſpiele innerhalb des
Gaues ihrem Fortgang und konzentrierte ſich das Huptintereſſe der
Handballanhänger vorwehmlich auf das Spiel der Gauauswahlmann=
ſHaft
gegen Tv. Vowwärts Langen, das mit einem 9:6 (5:3) Sieg für
dm Verbandsmeiſter Langen endete. Langen war ohne Zweifel die
heſſere Mannſchaft, bei der dem Tormann und der Verteidigung der
Hamuptanteil des Sieges zuzuſchreiben ſein dürfte. Die Auswahlmann=
Saft konnte ſich nicht recht zuſammenfinden und keinesfalls gefallen
trotz allem Eifer, den ſie an den Tag legte. Auch dürfte an der Nieder=
ge die Umſtellug der Mannſchaft, welche der Gauſpielausſchuß vorge=
mmen hatte und die als eine wicht beſonders glückliche bezeichnet wer=
4m kann, weſentlich mit beigetragen haben. Beſſungen 1 hat ver=
brenk
über Worfelden 1. mit 4:3 (2:2) gewonmen. Worfelden enttäuſchte
2=esmal ſehr und konnte trotz dem harten Spiel nicht den Erfolg des
Niorſonntags wiederholen. Die zweitem Mannſchaften beider Vereine
4:ennten ſich nach ausgeglichenem Spiel 4:4 (2:3). Wem Worfelden ver=
ſacht
hätte, mehr mit dem Ball als dem Mumd zu ſpielen, ſo wäre das
Endergebnis ſicherlich ein andeves geworden. Die Jugend von Beſ=
fungen
fevtigte die gleiche aus Arheilgen mit 6:1 (5:0) ab. Gut war
der Mittelläufer der Beſſunger, der allein 5 Tove ſchoß. Büttelborn
igte ſich ſeimen Gäſten aus Guſtavsburg ebenbürtig in einem ſehr
Työn durchgeführten Spiel, das für die Gäſte mit 3:2 (1:1) verloren
gäng. Weniger gümſtig ſchnitt Büttelborns zweite Mannſchaft in Er=
f
lden ab. Erfelden ſtellte eine gut eingeſpielte Mannſchaft, die Büttel=
lwrn
um den wohlgemeinten Ausgleich brachte. Ueberragend war der
(Erfelder Torhüter. Nach einem ruhigen und ſchönen Spiel, wie es ſel=
ten
von zweiten Mannſchaften gezeigt wird, konnte der Schiedsrichter
zeide Parteien mit 6:1 (3:1) für Erfelden trennen. Goddelau Er=
ſelden
6:3 (5:1). Dem ſehr guten Stürmerſpiel der Goddelauer, haupt=
ſäichlich
in der erſten Halbzeit, war Erfelden nicht gewachſen und ließ
eſſen Uebung vermiſſen, von dem der Mittelſtürmer eine rühmliche
Ausnahme zu mahen ſchien. Bei guter Schulung der vorhandenen
guten Kräfde, über die Erfelden verfügt, dürfte noch manches von der
Mannſchaft zu erwarten ſein. Die Spiele in Erfelden zogen eine ver=
hältnismäßig
große Zuſchauermenge an und läßt dies erkennen, daß
man dork eine beſondere Sympathie der Spielbewegung der Turner=
haft
entgegenbringt. Arheilgen 2. empfing als Gegwer Alsbach 1.
Während Arheilgem in der erſten Halbzeit den Gäſten vielfach überlegen
Sar, konnte Alsbach in der zweiten Halbzeit den Ausgleich ſchaffen. Er=
webnis
: 5:5 (4:1). In Nauheim wußte Tgſ. Darmſtadt eine ver=
ichtende
Niederlage mit 10:3 (5:1) erleiden. Das wunderbare Stürmer=

Fußball.

Die Frühjahrskurſe der DSB. zur Vorbereitung auf die Olympi=
hen
Spiele haben im Franbfurter Stodion mit einem Kurs der Mittel=
eckler
, an dem auch Dr. Peltzer teilnimmt, ihren Anfang genommen.
Engel und Fricke vertreten beim diesjährigen Großen Preis von
openhagen für Berufsfahner die deutſchen Intereſſen.

Motorrad=Länderfahrt.
Begeiſterte Empfänge der Länderfahrer.
Schwere Stürze.
(Von unſerem 8D.=Sonderberichterſtatter.)
Bremen, 2. März.
Den guten Straßen des erſten Fahrtages folgten heute ſehr ſchlechte.
Und erſt ab Vavel im Oldenbug bis Bremen gab es wieder, dank
tadellos hergerichteter Chauſſeen flotte, reibuungsloſe Fahrt. Leider
brachte dieſer zweite Tag der ADAC.=Motorradländerfahrt ſchwere
Stürze. Rösbe (Leipzig) auf NSU. kam bei Leer zu Fall. Röske und
ſeim Beifahrer wurden verletzt und fanden im Krankenhauts Leer Auf=
nahwe
; ſie waren bald wieder bei Kräften. Auch Joſeph Amfalder
(Köln) kam mit ſeiner Gillet=Maſchine zu Fall und mßte aufgeben.
Tragiſch aber iſt es, daß es vor Wilhelmshafen, zwiſchen Lanten und
Hortum, einen Todesſturz gab. Eutgen Huttzenlocher (Eßlingen), der
eine Schüttoff=Maſchine mit Beiwagem fuhr, ſollte überholt werden. Er
ſah ſich nach ſeinem Gegner um, geriet dabei in den Sand dieſes
Sommerweges, verriß die Steuerung, und überſchlug ſich. Infolge
Schädelbaſisbruchs war er ſofort tot. Sein Beifahrer dagegen blieb
völlig unverletzt, und auch die Maſchine blieb heil, ſo daß es ſich hier
um einen faſt rätſelhaften, bedauerlichen Unglücksfall handelt. Es hat
den Anſchein, als ob einige Fahrer, trotzdem erſt der zweite Fahrtag iſt,
ſchon wervös geworden ſind und auf den freien Strecken mehr riskieren
als notwendig iſt. Erfreulicherweiſe gibt es wiederum Junioven, die zum
erſten Male an einem Wettbewerb teilnehmen ud ſich ſogleich in diefe
3400 Kiloweter=Fahrt gewagt haben, und die dennoch mit abgeklärter
Ruhe fahren und wichts Unnötiges riskieren. Herzerfriſchend war auch
heute wieder jene den erſten Fahrtag noch überſteigende Anteilnahme
der Bevölberug. In Friesland und in Oldenburg, in Weſthannover
und in Bremen, überall viele Dauſende von Menſchen, die ſtndenlang
Spalier bildeten und die Fahver grüßten, bis der letzte der Länderfahrer
paſſiert hatte. Schulen hatten ihren Kindern Urlaub gegeben, hatten
an die Kinder Fähnchen verteilt, und klaſſenweiſe geovdnet ſtand das
junge Volk an der Straße, ſchrie Hurpah und winkte. Man muß es
eben dem ADAC. laſſen: er verſteht ſeine Sachen ppopagandiſtiſch und
organiſatoriſch miſtergültig aufzuziehen. Verpflegt wurden die Fahrer
koſtenfrei, Blumen und Süßigkeiten gab es, feder Gau des ADAC., jede
Ortsgwuppe, auch die ländlichen Einzelwitglieder hatten ſich willig in
dem Dienſt der Sache geſtellt. Und wem drun leider auch Unfälle zu
beklagen ſein werden Sport verlangt Kühnheit, ud ſcharfe Fahr=
ten
ſind ebenſo ſchön wie gefährlich, ſo kann der großen itermationalen
ADAC.=Länderfahrt doch bisher das Zeugmis ausgeſtellt werden: ſport=
lich
und organiſatoriſch dadellos!
Auch die zweite und dritte Etappe erreichten die Darmſtädter
Fahrer, wie uns telegraphiſch mitgeteilt wird, ſtrafpunktfrei.

Kraftſport.

Chattia Wolfskehlen 1. Germania Leeheim 1. 9:1 (2:1).
Unter der vorzüglichen Leitung des Herm Müller=Griesheim trafen
ſich obige Mannſchaften vergangenen Sonntag in Wolfskehlen. Die
Säſte waren den Platzherven in beiner Weiſe gewachſen. Obwohhl Lee=
Geim das erſte Tor gleich nach Beginn erzielte, wickelte ſich das ganze
Spiel in der Hälfte des Gegners ab. In gleichmäßigen Abſtänden ſchoß
Her junge Wolfskehler Sturm 9 Tore und bewies erneut ſeine Schuß=
Fveudigkeit, ohne ſich hierbei voll auszugeben. In Anbetracht der nicht
zu berkennendem Fortſchritte in Wolfsbehlen darf man ſchon jetzt auf die
Oſterſpiele, und zwar am erſten Feiertag in Wixhwuſen gegen die dortige
Ab der Union, und am zweiten Feiervag gegen die Privatliga des beſt=
Gekannten VfL. Mannheim=Neckarau geſpannt ſein.
FC. Alemannia Mannheim=Rheinan Union Darmſtadt 4:6 (1:3).
Mit obigem, torreichen Reſultat konnte Union, wie wir bereits am
Montag kurz mitteilten, im evſten Privatzſpiel als Sieger aus Mann=
eim
zurückkehren. Es tat allen Spielern und auch den Zuſchauern
nvohl, nach all den harten Verbandsſpielen einen ſolch ſelten ſchönen
uund ſairen Spielverlauf zu erleben.
Mannheim=Rheinau, eine körperlich kräftige Maſchaft, pflegt ein
halbhohes, auf weite Vorlogen eingeſtelltes rationelles Flügelſpiel, wo=
won
der linke Flügel einſchließlich dem Mittelſtürmer der gefährlichere
Eſt. Auffallend war die eminente Schnelligkeit und der Kampfeseifer,
rit denen die Mannſchaft trotz ihrer Schwere das ganze Spiel durch=
Gielt. Darmſtadts Fußballintereſſenten haben ſchon in 4 Wochen beim
Mückſpiel auf der Rennbahn, Gelegenheit, dieſe ſympathiſche Elf, die
uch den zweit=dritten Tabellenplatz einnimmt, kennen zu lernen.
Umion gefiel durch ſein flaches und verſtändwisvolles Zuſammen=
ſpiel
, und war den Mannheimern techniſch und in punkto Ballbehand=
Tung überlegen. Rückerr, der Verteidiger, mit eiſiger Ruhe und Sicher=
Eheit, wurde im Mannheimer Lager als der ruhende Pol und der
Beſte ſeiner Mannſchaft bezeichnet. Seelbach aſſiſtierte ihm zufrieden=
Fſtellend. In der Läuferreihe ſtach Frdr. Noller hevvor; ebenſo konnte
Beck mach ſchwachen 20 Minuten wieder zu ſeiner gewohnten Form auf=
laufen
. Mir Da mſtädter in der Mitte geben dieſe drei wieder die
beſte und zuverläſſigſte Läuferreihe ab. Im Sturm enttäuſchte der
fugendliche Linksaußem Arnold nach der angenehnyſten Seite; neben ihm
konnten noch Mühlbach, Hch. Noller und Frey am beſten gefallen, nur
muß letzterer genauer zuſpielen. Die Tore fielem für Mannbeim burch
die erwähnte gefährlichere linke Sturmſeite; allerdings begünſtigt durch
bas Abfalſen des rechten Erſatzläufers in der zveiten Halbzeit und das
unſichere Verhalten des Torwächters Flaig.
Für Darmſtadt zeichnete Müfhlbach 3. Freh 2 und Hch. Noller 1mal
für die Torerfolge verantwortlich. Der Schiedsrichter hatte leichtes
Amtieren.
Spielvereinigung 21 Darmſtadt 2. Mefſel 1. 3:4 (1:1).
Bei dieſew Shiel konnte die 21er Elf überhaunk nicht gefallen. Ob
das auf die Mannſchaftsumſtellung zurückzuführen iſt. zeigt uns die Zu=
kunft
. Meſſel dagegen zeigte als junger Verein großen Eifer und In=
tereſſe
. Das Reſultat entſpricht dem Spielverlauf. Als verdiente Sie=
ger
konnten die Gäſte mit neuem Mur wieder heimfahren. Wie das
Nückſpiel im Meſſel ausgehen wird, iſt eine andere Frnyr. Der Schieds=
richter
konnte im allgemeinen gefallen.
Arheilgen 1. Jgb. Spielvereinigung 21 1. Jgd. 1:1 (0:1).
Bei dieſem Treffen ſpielte Darmſtadt durchweg überlegen, verſtand
es aber nicht, in Tore auszudrücken. Schiedsrichter gut.

Kraftſportabtlg. des Tv. Nieder=Ramſtadt K.=C. Arheilgen 1910 8:6.
Am verfloſſenem Sonntag weilte die Kraftſpontabteilung des Tv.
Nieder=Ramſtadt in Arheilgem, um den fälligen Rückbampf gegen den
obengenanmten Klub auszutragen. Nieder=Ramſtadt trat in ſeiner üb=
lichen
Aufſtellung an, nuur im Schwergewicht war eine Umſtellung vorge=
women
worden, ſo daß Wilh. Bender für R. Falterman rang. Das
erzielte Ergebnis entſprach im allgemeinem dem Erwartungen. Die
Hauptſtütze der Nieder=Ramſtädter Mannſchaft lag in den leichten Klaſ=
ſen
(Fliegengewicht, Bamtamgewicht, Federgewicht), während bei der
Arheilger Mannſchaft mehr in den ſchlvereren Gewichtsklaſſen der
Vorteil lag. Duch dieſen beiderſeitigen Ausgleich war es ſchon im
voraus zu erſehen, daß ſich zwei gleichwertige Gegner gegenüberſtanden.
Sämtliche Kämpfe boten hervorragende Leiſtungen. Für Nieder= Ram=
ſtadt
bedeutet dieſer Sieg eine neue Sicherſtellung in der Spitzengruppe
der A=Klaſſe. Nachſtehend der Kampfverlauf:
Fliegengewicht: Ph. Lautenſchläger=N.=R. gegen Bauer=Arheilgen.
Lqutenſchläger, der Bauer ſchon im Vorbampf beſiegte, fertigte ihn
auch diesmal in überlegener Weiſe ab. 2:0.
Bantamgewicht: K. Beck=Nieder=Ramſtadt gegen Storck=Avheilgem. Beide
Ringer eröffnen einen lebhaften Kampf, den der beſſeve Beck für ſich
entſchied.
Febergewicht: Gg. Schanz gegen Anthes 1.=Arheilgen. Der Arheilger,
der dem Federgewichtler Schanz nicht gewachſen war, mußte, nachdem
er ſchon ein pgarmal der Niederlage nahe war, ſich nach 4 Minutem
für beſiegt erklären. 6:0.
Leichtgewicht: Göbel=Nieder=Ramſtadt gegen Fiſcher=Arheilgen. Dieſen
Kampf gewann der beſſeve Fiſcher, nachdem Göbel bis zu ſeiner
Niederlage ſich tapfer hielt. 6:2.
Leichtmittelgewicht: Aug. Schanz=Nieder=Ramſtadt gegen Fiedler I.= Ar=
heilgen
. Von dieſem Kampf verſprach wan ſich viel, aber er ent=
täuſchte
fehr, denn der Unparteiiſche entſchied Fiedler zum Sieger, ob=
wohl
Schanz keine korvekte Niederlage erlitten hatte. 6:4.
Halbſchwergewicht: Lautenſchläger=Nieder=Ramſtadt gegen Anthes 2.= Ar=
heilgen
. Der körperlich überlegene Anthes gewann dieſen Kampf 6:6.
Schwergewicht: Wilh. Bender gegen Fiedler 2. Bender, ein alter
Kämpe von früher noch, erledigte feine Aufgabe voll und ganz, indem
er Fiedler in 3,45 Minuten auf beide Schulterm legte

Fechten.

Um die Wanderpreiſe der Fechterſchaft der Turngemeinde 1846.
Zu den diesjährigen Kämpfen um die Vereins=Wanderpreiſe der
Fechterſchaft war eine erfreulich große Anzahl Fechter angetveten. Schon
das Fechten der Anfänger bewies, daß man in der Fechterſchaft un=
ter
der Leitung des Herrn Hochſchulfechtmeiſters A. Kaiſer auf eine ge=
diegene
und gründliche Ausbildung großen Wert legt. Man ſah über=
all
vorzügliche Anſätze einer lebhaften Klingenführung und gut geſchulte
Beinarbeit. Von den 5 Fechtern konnte beſonders K. Langsdorf ge=
fallem
, der ſich mit den meiſten Schönheits= und Trefferpunkten den erſten
Platz ſichern konnte. Dieſes Fechten, das wur dem Anſporn dient, wei=
ter
an der Ausbildung zu arbeiten, darf allerdings nicht als fertige
ſportliche Leiſtung gewertet werden.
Größere Anſprüche konnten ſchon an das Fechten der Jungman=
nen
geſtellt werden, die in beiden Waffen, Florett und Säbel, ein=
wandfreie
Gefechte lieferten. Im Florett, zu dem 12 Fechter angetreten
zwaren, mußte eine Schlußrunde ausgefochſten werden, die ſehr ſcharf und
lebhaft geführt wurde. Hier errang Fechter H. Getroſt, hart bedrängt
von G. Seip, zum zweiten Male den Wanderpreis.
Im Säbel ſtanden ſich ſechs Fechter gegenüber, von denen O.
Burkhardt durch ſeine außerordentliche Behendigkeit den Wanderpreis
gewann.
Die Fechterinnen waren zahlenmäßig nicht ſo ſtark, da einige
nicht antreten konnten. Unter den drei Fechterinnem leiſtete Frl. E.
Weber das Beſte. Durch ſichere Deckungen und flinke Nachſtöße konnte
ſie den Wanderpreis verdient nach Hauſe tragen.
Bei dem Altmannenfechten kamen Fechter und Zuſchauer
voll auf ihre Rechnung. Die beiden alten Gegner Dr. Byauns und
R. Haun zeigten ihr ganzes Können. Hervorvagend waren die beiden
Gefechte um die Führung, die in beiden Waffen Dr. Brauns nicht zu
nehmen war. Er iſt damit unter den zehn angetvetenen Fechtern der
ſicherſte und behendeſte. Dem ſtarken Talent R. Hauns fehlt leider die
ſo notwendige Gelegenheit zum Ueben. Er folgte dem Sieger mit nur
je einem Treffer Untenſchied. Dr. Brauns iſt damit Inhaher des
Wanderpreiſes im Säbel und zum zweiten Male Träger des Wander=
preiſes
in Florett.
Die Kämpfe, die auf mehrere Abende verteilt werden mußten, gaben
ein erfreuliches Bild über den Stand des Fechtens in der Turngemeinde
und waren ein würdiger Abſchluß eines erfolgveichen Arbeitsjahres.

Geſchäftliches.
Aus Rad= und Motorfahrzeug=Induſtrie.
Ein neuer deutſcher Volkswagen.
Das Jahr 1928 verſpricht an automobiliſtiſchen Neuerſcheinungen be=
ſonders
reichhaltig zu werden. Nach Ford tritt nun die Eiſenacher Fahr=
zeugfabrik
mit ihrem neuen Dixi=Volkswagen an die Oeffentlichkeit. Der
nieue Dixi iſt zur Aufnahme von zwei Erwachſenen und zwei bis drei
Kindern beſtimmt, und zwar iſt die Anordnung der Plätze ſo getroffen,
daß ein Herausfallen, aber andererſeits auch eine Störung des Führers
durch Beläſtigung nicht erfolgen kann. Trotz des recht erheblichen Faſ=
ſungsbermögens
übertrifft der kleine Dixiwagen nicht weſentlich die
Außenmaße des Hanomags. Sein Gewicht beläuft ſich komplett auf nur

430 Gilo. Mit dieſem Gigengewicht ſteht dieſes neueſte Fahrzeug im Ver=
hältnis
zu ſeiner Tragfähigkeit unbedingt wit an der Spitze aller Auto=
mobile
, und es iſt klar und eine logiſche Folgerung dieſer Tatſache, daß
dieſes günſtige Verhältnis ſich in der Fahrweiſe und in der Leiſtungs=
fähigkeit
dieſes Wagens auswirken muß.
Der Dixi=Wagen beſitzt als Antriebsquelle einen vierzylindrigen
Motor von drei Steuer=PS, mit einer effektiven Leiſtung von 15 Pferde=
ſtärken
. Die geringe Größe des Motors mag zunächſt befremden und
einige Zweifel aufkommen laſſen, dennoch iſt die Beförderungstraft, ge=
meſſen
an dem Eigengewicht, ungewöhnlich günſtig, ſo daß der kleine
Dixi ganz beſonders in den Bergen eine unerwartete Leiſtungsfähigkeit
entwickelt. In der Ebene erreicht er eine Höchſtgeſchwindigkeit von
etwa 80 Kilometern und genügt ſomit allen Anſprüchen. Das Bemer=
kenswerte
an dem Fahrzeug iſt die imponierende Einfachheit und Ueber=
ſichtlichbeit
des Aufbaues und die hierdurch bewirkte Erleichterung in der
Betätigung ſowohl, als auch in der Pflege. Wir evachten gerade dieſe
Tatſache für einen Volkswagen von außerordentlicher Wichtigkeit, und
da das kleine Fahrzeug auf vier Räder wirkende Bremſen, elektriſchen
Starter und elektriſchen Sucher beſitzt und auch ſonſt mit allem aus=
geſtattet
iſt, was der moderne Automobilbau bisher an Vervollkomm=
nung
aufzuweiſen hat, fällt es wirklich ſchwer, etwas Nachteiliges über
dieſen Wagen auszuſagen.
Wildbad im Schwarzwalb.
Während aus den ſüdlichen Ländern große Kälte gemeldet wird,
herrſcht zur Zeit in Wildbad, dem Heilbad der Gichtiker und Rheuma=
tiker
, ſchönſtes Frühlingswetter mit beinahe ſommerlicher Wärme. Es
haben ſich ſchon zahlreiche Gäſte eingefunden und angeſagt, die ſich die
billigen Penſions= und Zimmerpreiſe der Vorſaiſon, die Kurtaxfreiheit
(bis 30. April) und die ermäßigten Bäderpreiſe (bis 15. Mai) zunutzen
machen wollen.
Iſt Ihr Haus für den Einzug des Lenzes bereit? Jedes Jahr,
wenn die Natur zu neuem Leben erwacht, hält auch die Hausfrau ihren
großen Frühjahrskehraus. VTA., das vorzügliche Putzmittel in der
handlichen Streudoſe, erleichtert den Hausputz außerordentlich und macht
Böden und Tiſche, ſowie alle Gegenſtände aus Holz, Metall, Marmor
und Glas blank und rein.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 23. März. 13.30: Kaſſel: Hauskapelle. O 15.30:
Rektor Wehrhan: Vom täglichem Leben in einem Kloſter. O 16.30:
Rundfunkorcheſter: Operetten. O 17.45: Bücherſtunde. o 18.15:
Vereinsnachrichten, Mitteilungen. O 18.30: Prof. Dr. Franz Schultz:
Das deutſche Drama und Theater vom 17. Jahrhundert bis zur
Gegenwart. O 19: Alfons Paquet: Maxim Gorki. o 19.30:
Frankfurter Opernhaus: La Traviata. Oper in drei Akten von
G. Verdi. In der Titelrolle Margherita Salvi.

Stuttgart.

Mittwoch, 28. März. 12.30: Schallplatten. o 15: Kinder=
ſtunde
: Tante Gretle und Onkel Ott, Funkorch. O 16.15: Funkorch.
Einl.: H. Engſtler. O 18: Landwirtſchaftsnachr. O 18.15: Karlsruhe:
Muſikdir. Caſſimir: Unſere Muſik vor hundert Jahren. o 18.45:
Freiburg: Gutsbeſitzer Dr. v. Wogau: Der landwirtſchaftliche
Beruf. O 19.30: Städt Opernhaus Frankfurt: La Traviata",
Oper in drei Akten von Verdi. Gaſtſpiel Marguerita Salvi von der
Scala in Mailand. Perſ.: Violetta Valery; Flora Bervoix; Annina,
Violettas Dienerin; Alfred Germont; Georg Germont, ſem Vater;
Baron Douphal; Gaſton; Dr. Grenvil, Arzt. Anſchl.: Nachr.
Berlin.
Mittwoch, 23. März. 15.30: Margarete Caemmerer: Ausdrucks=
möglichkeiten
der Frauenerſcheinung durch die Kleidung. o 16.15:
Jugendbühne (Unterhaltungsſtunde). Maxim Gorki. Einf.: Dr. M.
Georg. Rezit.: W. Franck. O 17: Kapelle Emil Rooſz. O 18.20:
Gartendirektor L. Leſſer: Vom Säen und Pflanzen. O 18.50: Dr.
Würzburger: Wie ſieht der moderne Mann die moderne Frau?
(Im Beruf.) O 19.20: Dr. Osborn: Die Nationalgalerie ( Klaſſizis=
mus
und Romantik). o 19.50: Prof. Brunſtäd, Roſtock: Die
Weltanſchauung des Nationalismus. O 20.30: Oscar Straus. Mitw.:
Elſe Kochhann (Sopran); B. Bötel (Tenor), Funkorch. Ouv. Ein
Walzertraum. Komm, komm, Held meiner Träume. Ich geb: dir
morgens einen Kuß aus. Der tapfere Soldat, Vorſpiel zu Rund
um die Liebe‟. Ich weiß ſchon, was ich möcht. Ei Schwipſerl
möcht’ ich haben! aus Rund um die Liebe‟. Heut wolln wir
luſtig ſein, Marſchlied aus Der letzte Walzer. Ouv. Der Zigeuner=
primas
. Das Lied vom Siebenbürgermädel, aus Die Csardas=
fürſtin
. Einleitungsmuſik zu Die Faſchingsfee‟ Ein Glaſerl Wein,
aus Das Hollandweibchen. Meine Reſidenz, Marſch aus Der
Zigeunerprimas‟. Dirigent: Eugen Donathi.
Anſchl.: Tages=
Par 9.

theater. Der Froſchkönig 15: Aus dem Kultusminiſterium.
D 15.35: Wetter und Börſe. O 16: Ob.=Stud.=Dir. Dr. Stroh=
meyer
: Das neuſprachliche Gymnaſium. o 16.30: Prof. Dr.
Mersmann: Einf. in das Verſtehen von Muſik. O 17: Hamburg:
Soliſtenkonzert. Kreisleriana, Konzertm. Geſterkamp (Violie). o 18:
Ing. Behr: Techn. Lehrgang. 18.30: Franzöſiſch für Anf.
D 18.55: Prof. Dr. Stang: Möglichkeit und Notwendigkeit der

Dohna: Völkerbund und Schule. O 20.30: Berlin: Oscar Strauß
Emmerich Kalman. Soliſten: Elſe Kochhann (Sopran), Bernh.
Bötel (Tenor), Berliner Funkorch. Dir.: Donathi. O 22: Preſſe=
nachrichten
. O 22.30: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Eine flache Tiefdruckſtörung, die heute morgen üüber Oſtdeutſchland
lag, brachte dort vereinzelte Niederſchläge. Der ſpaniſche Hochdruckor=
ſtoß
wurde durch die weitere Ausdehnung des ſüdlich von Island liegen=
den
neuen Tiefdruckgebietes zurückgedrängt. Infolgedeſſen wird dem vor=
übergehend
aufheiterndem und trockenem Wetter unter der Zufuhr neuer
ozeaniſcher Luftmaſſen Bewölkung folgen, wobei ſchon vereinzelte Nie=
derſchläge
nicht ausgeſchloſſen ſind. Die Temperaturen werden ſich nur
wenig ändern.
Ausſichten für Mittwoch, den 28. März: Zeitweiſe ſtärker bewölkt, mild,
ſpäter Neigung zu Niederſchlägen.
Ausſichten für Donnerstag, den 29. März: Wolkiges, mildes Wetter mit
vereinzelten Niederſchlägen.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:

Ort: Wetter: Temp.
in Co Wind: Nieder= Schnee=
ſchlag
decke
in mm
in cm Gießen: heiter N0. Aachen: Nebel WSW. Hamburg: heiter W. Berlin: wolkig
Regen NNW. München: Königsberg: Nebel Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen: Feldberg: heiter (Taunus)
Waſſerkuppe: Nebel NNO, Feldberg: Nebel (Schwarzw.)
Zugſpitze: Nebel NW. Kahler Aſten: Nebel NW. Fichtelberg: wolkig SW.,

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verautwortlich für Polltik und Wiriſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herdert Neite: für den Inſeratenteil: Willp Kuhle: Druck
und Verlag: C. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen,

Die heutige Nummer hat 20 Geiten.

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Nummer 88

Mittwoch, den 28. März

DeſſNeueſte Nachrichten

Das Schmalenbachſche
Braunkohlen=Gutachten.
Erſparnismöglichkeiten in Produktion
und Abſatz oſtelbiſcher und mitteldeutſcher
Braunkohlenbriketis.
Das auf Veranlaſſung des Reichswirtſchaftsminiſters von Profeſſor
Schmalenbach Geheimrat Brecht und Dr. Baade erſtattete
Gutachten über Erſparnismöglichkeiten in Produktion und Abſatz oft=
elbiſcher
und mitteldeutſcher Braunkohlenbriketts liegt nunmehr mit
einer Stellungnahme der Braunkohlenproduktion und des Kohlenhan=
dels
der Oeffentlichkeit vor.
Nach der Darſtellung der Großhandelsorganiſationen im oſtelbi=
ſchen
wie im mitteldeutſchen Braunkohlenſyndikat behandelt das Gut=
achten
Erſparnismöglichkeiten, die ſich nach der Auffaſſung der Kom=
miſſion
aus der Verringerung der Rabattſätze, die die Syndikate dem
Großhandel gewähren, und aus der Herabſetzung der Syndikatskoſten
ergeben. Die Kommiſſion beziffert den zuläſſigen Großhandelsnutzen
ohne Syndikatsunkoſten für den Abſatz in den oſtelbiſchen Gebieten auf
U,85 Mark je Tonne, für das mitteldeutſche Gebiet auf 0,95 RM. Die
geſamten Großhandelsunkoſten ſeien im oſtelbiſchen Gebiet mit 1,05
RM. je Tonne, im mitteldeutſchen mit 1,15 RM, je Tonne zu leiſten.
Da gegenwärtig für dieſe Leiſtungen 1,41 bzw. 1,49 RM. aufgewendet
würden, liege auf dem Gebiete der Großhandelsorganiſationen eine
Erſparnismöglichkeit von 0,36 RM. in Oſtelbien und von 0,34 RM. in
Mitteldeutſchland. Nach Behandlung der Erſparnismöglichkeiten in den
Abſatzorganiſationen würden die Erſparnismöglichkeiten zur Vermei=
dung
unwirtſchaftlicher Transporte durch die Ausſchaltung unrationeller
Betriebe und durch Verzicht auf verluſtbringenden Abſatz in dem be=
ſtrittenen
Gebiete unterſucht. Durch beſſere organiſatoriſche Vorſchrif=
ten
könne das mitteldeutſche Braunkohlenſyndikat die nach Anſicht der
Kommiſſion vo handenen unwirtſchaftlichen Transporte vermeiden. In
der Stillegungsfrage reiche nach dem Eindruck der Kommiſſion das
Selbſtintereſſe der Produktionskonzerne vollſtändig hin, den beſten
wirtſchaftlichen Zuſtand herbeizuführen, ſoweit es ſich um das Verhält=
nis
der Werke innerhalb eines Konzerns handele. Die bisherige Ent=
wicklung
im mitteldeutſchen Braunkohlenbergbau ſei unökonomiſch ge=
weſen
. Man hätte nur bevorzugte Werke mit ſehr niedrigen Selbſt=
koſten
ausbauen und zugleich auf Abſatz in Unterpreisgebieten verzich=
ten
ſollen. Der mitteldeutſche Braunkohlenbergbau habe ſich zum
eigenen Schaden über das geſunde Maß hinaus aufgebläht. Ob die
Preisgabe von entlegenen Abſatzgebieten, verbunden mit der Still=
legung
von nicht oder von ſchlecht rentierenden Werken eine Erſpar=
nismöglichkeit
einſchließe, iſt nach Anſicht der Kommiſſion zu vermuten.
In der Verfaſſung des mitteldeutſchen Braunkohlenbergbaues ſind nach
dem Gutachten tatſächlich große organiſatoriſche Mängel vorhanden.
Es ſei daher zu fordern, daß eine Form der Organiſation gefunden
werde, die eine wirtſchaftliche Geſtaltung der geſamten Verkaufstätig=
keit
gewährleiſte.
Gegenüber den Ausführungen des Gutachtens nimmt die Braun=
kohlenproduktion
ſowohl hinſichtlich der zahlenmäßigen Darlegungen
wie der Schlußfolgerungen in ihrem Gegenbericht im weſentlichen eine
ablehnende Stellungnahme ein. Auch der Kohlenhandel verhält ſich
ablehnend, begrüßt aber den Vorſchlag der Kommiſſion, durch Schaf=
fung
eines Mengenrabatts für den Platzhandel die Nivellierung der
Preiſe zu durchbechen und damit einer rationelleren Geſtaltung des
Kohlenvertriebs den Weg zu bahnen.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 27. März.
Zur heutigen Prämienerklärung war die Börſe zunächſt von außen
her etwas angelegt durch die überroſchende Kapitalserhöhung bei Glanz=
ſtoff
mit günſtigem Bezugsvecht für die Aktionäre. Bekanntlich hat bis
zuletzt die Glanzſtoff=Verwaltung eine ſolche Transgkvon dementiert.
Weiterhin wurde die weitere Entlaſtung der Reichsbank günſtig aufge=
nomen
. Auch ſcheint der Ultimo bereits in den Vortagen ziemlich
abgewichelt zu ſein. Die Geſamthaltung der Börſe war jedoch über=
wiegend
beeinflußt durch Sonderbeivegungen, die zunächſt vom Kunſt=
ſeidemarkt
aus dem angegebenen Grund ausgingen. Neben Kunſtſeide
dor allem Elektrowerte auf internationale Käufe etwas freundlicher
unter Führung von Chade=Aktien, Geſ. für Eſeftr. um 3,5; Siemens
um 8: Schuckert um 2,75: Licht u. Kraft um 1,5 Prozent gebeſſert. Auch
der Farbenkurs zog vorübergehend um 1,5 Prozent an; offenbar will
man einen ziemlich günſtigen Liquidavionskurs vorbereiten. Freigabe=
zuerte
zogen um 0,251 Prozent an. Montanwerte knapp behauptet.
NSU. weiter angeboten, auch Daimler 0,25 Prozent ſchwvächer. Am
Anleihemarkt Neubeſitzanleihe bis 14,90 erholt. Fremde Renten ohne
beſonderes Intereſſe. Der weitere Verlauf zeigte mehrfach Schwankun=
gen
, blieb jedoch unter Führung der erwähnten Spezialpapiere ziemlich
widerſtandsfähig. Der Geldmarkt liegt in Vorbereitung zum Zahltag
erſpas knapper. Tagesgeld 6,5; die üübrigen Sätze ohne Veränderung.
Aluch Deviſen nicht nennenswert verändert.
An der Abendbörſe war das Geſchäft etwas belebter, wobei

0,5 Prozent anziehen, in Verbindung damit Rheinſtahl 1,25 Prozeut
höher. Die übrigen notierten Werte ebenfalls freundlich und bis zu
0,25 Prozent gegenüber den Nachbörſenkurſen befeſtigt. Der Verlauf
blieb etwas angeregt, wobei vereinzelt noch kleinere Kurserhöhungen
zu verzeichnen waren.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 27. März.
Die Ueberraſchung des heutigen Vormittagsverkehrs war die Be=
kanntgabe
in der geſtrigen Aufſichtsratsſitzung der Vereinigten Glanz=
ſtoff
=A.=G., eine Kapitalserhöhung um 15 Millionen vorzunehmen und
den Abtionären ein Bezugsrecht 8 zu 1 zu 125 Prozent anzubieten.
Noch vor wenigen Tagen waren diesbezügliche Gerüchte von der Ver=
waltung
dementiert worden und hatten damals zu einem Rückſchlag ge=
führt
. Heute früh konzentrierte ſich das Intereſſe der Spekulation nun
wieder völlig auf dieſen Markt und ließ den Kurs vorübergehend über
740 Prozent hinausgehen. Zur erſten Notiz kam aber erhebliches Mate=
rial
heraus, und ſie ſtellte ſich enttäuſchend auf 729 Prozent. An den
übrigen Märkten war die Grundſtimmung freundlich, der Ordereingang
klein, und die Umſatztätigkeit ſehr gering. Der heutige Liquidationstag
hemmte das Geſchäft etwas, zumal Reportgeld eher geſucht blieb. Trotz=
dem
konnten die erſten Notierungen in Nachwirkung des Deutſchen Bank=
Berichtes und auf die weiteve Entſpannung des Reichsbankausweiſes
per 23. d. M. (zirka 133 Millionem Wechſel= und Lombardabnahme und
zirka 122 Millionen verringerter Notenumnlauf) überwiegend Beſſerun=
gen
von 1 bis 2 Prozent erzielem. Einige Spezialwerte wie Kanada,
Chadeaktien, Geſ. für Elektr., Berliner Maſchinen, Berger, Bemberg
und Glanzſtoff waren darüber himaus gebeſſert, während z. B. Rhein.
Elektrizitätswerke, Akkumulatoven, Feldwühle Papier, Schleſ. Textil,
Leonhard Tietz und Hammerſen bis 2½ Prozent ſchwächer einſetzten.
Im Verlaufe ließ ſich eine einheitliche Tendenz an den Kurſen nur
ſchwer erkennen, da per Medio und per Ultimo durcheimander gehandelt
wurde. Es wurde ſehr unſicher. Nur wenige Papiere fielen auf.
Danatbank wurden lebhafter gehandelt, Telephon Berliner zogen bis
57 Prozent an, Siemens warem vorübergehend bis 270 Prozent er=
höht
und Farbenaktien wurden bei 247,5 per Medio lebhaft umgeſetzt.
Für letztere regte die im Verlaufe der Börſe einſetzende Aufwärts=
bewegung
der Bonds an, die mit 142,5 nach 140 geſucht waren. An=
leihen
ruhig, Ausländer geſchäftslos, teibweiſe eher feſter. Pfandbriefe
uneinheitlich; Liqwidationspfandbriefe meiſt ſchwwächer, Anteile feſter.
Kolonialpapiere etwas gefragt. Debiſen etwas gefragt, der Yen weiter
feſt. Der Geldwarkt iſt unverändert. Bis zum Schluß der Börſe hielt
die fveundliche Stimmung an und die Aufwärtsbewegung machte bei
Bevorzugung von Spezialwerten weitere Fortſchritte. Die Nachbörſe
hatte feſte Tendenz.
6. 3
27. 3.
26. 3. 1 27. 3.
A. E. G.
150. 151.25 Hirſch Kupfer.
111.75 1112.
99. Höſch Eiſen
136. 137.5
99.
Augsb.=Nürnb.
84.5 Hohenlohe Werke. . . / 88. 88.
Baſalt.
85.
Bergmann.
169.875/171 Kahla Porzellan.
105.5 105.25
Berl. Karlsruk
78. Kali Aſchersleben .. ./167. 1 169.
Berl Hand.=Ge
255. 257.
250,5 1250. 1 Salzdefurth.
Brau.nkohl. B
Weſterregeln".
177.5 178.
168.5 1168.5
Bremer Wolle.
212 1141.
147. 148.
Lindes Eismaſch.
Danatbank.
233.5 1235. IL. Lvewe & Co. . . . . / 232.5 236.
Deutſche Bank
161.75 1162.5 Lingel Schuh.
61.5
62.25
Diskontogeſ.
156.25 158.75 Mannesmann Röhren 144. 1 145.5
Dresdner Ban
157. 1158. Niederlauſitzer Kohle/ 161. 163.25
Deutſche Maſchk
47.125/ 47.5 Nordd. Loyd
148.75 1148.875
Deutſche Erdöl
129.
121.5 123. Orenſtein.
128.5
Deutſche Petroleum / 61.5 1 62. Polyphon".
305.5 309.5
118. 1118.25 Rütgerswerke
Dynamit Nobel
99. 100.25
164.5 1166.5 / Sachſenwerke
Elektr. Lieferung
118. 119.5
243.5 1246.5. Siemens Glas.
J. G. Farben.
145. 145.
Gelſenk. Berg.
132. 1132.1251 Ver. Glanzſtoff
720. 725.
G. f, elektr. Unt
101.25 102.75
265.5 1271.5 Ver. Stahlwerke.
Han. Maſch.
59 25
Volkſtedter Porzellan) 58.5 58.5
Hanſa Da
232. 1220 exl.) Wanderer Werke.
178 25 179.
149. 1149. Wiſſner Metall..
Hapag".
132.5 133.
Harpner.
168. 1170.5 Wittener Gußſtahl.. / 60.5 61.

Hemoor Zement

Deviſenmarkt.

Wien
Prag".
Holland ..
London
Belgien ..

26, 3.

eld

Brie
Helſingfors . . /10.518/10.538/ 10.52 10.54 Italien.
Budapeſt .. . . / 72.97/ 73.111 72.96/ 73. 101 Spanien.
Sofia ....... / 3.019/ 3.025/ 3.019/ 3.025/Danzig

27. 3.

158.775/58.895/ 58.775 58.8951Paris
12.378/12.3981 12.38 1 2.40 Schwei

Geld /Brief

New=York ... M.1770/4.1850/ 4-1775 4 1855/Kanaba..
58.271 58.391 58.31/ 58.431Uruguah

70.131 70.271 70.031 70.17
21.54/ 81.70 81.55/ 81. 71
168. 28/168.62/ 168.24 168.581Japan..
1.9881 1.9921 2 0031 2.009
Lslo ... . . . . . /111.49/111.711 111.52/111.74/ Rio de Janeiro . / 0.501/ 0.503/0.502 10.504
Kopenhagen .Hr1.97/112.191 111.96/112.18/ Fugoſlavien.
7.355/ 7.3691 7.350 7.364
Stockholm . . . 1112,14/112 36/ 112.16/112.38) Portugal".
17.681 17.721 18.18 18.22
20.393/20.4331 20.395 20.435/Athen ..
5.5941 5.6061 5.494/ 5.506
Buenos Aires/ 1.786/ 1.790/ 1.787 1.791)Konſtantinopel . / 2.116 2.120/ 2.115 2.119
4.181/ 4.189/ 4.181/ 4.189
4.326/ 4.334/ 4.316/ 4.324
Dividendenrückgang bei den Chemiſchen Werken vorm. E. und E.
Albert A.G., Amöneburg. Das Geſchäftsjahr 1927 litt beſonders durch
die große Konkurrenz für Stickſtoff (Thomasmehl und Superphosphat),
vas das Geſamterträgnis beeinflußte. Wie wir erfahren, iſt demnach
beſtimmt mit einem Dividendenrückgang (i. V. 6 Prozent) zu rechnen,
während die Börſe bis jetzt ſogar mit einer Dividendenſteigerung ge=
rechnet
hatte. Ob man vielleicht von einer Dividendenzahlung ganz
abſieht, ſoll erſt in der am 26. April ſtattfindenden Bilanzſitzung feſt=
gelegt
werden.

25. 3.
Geld / Brie

7. 3.
Geld/ Brief
22.085/22.1251 22.081 22.12
16.445/16.485116.445/16.485
80.495 80.655180.505 80.665

Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. März iſt die geſamta
Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks, Lombards und Effelk=
ten
um 132,9 Millionen auf 2053,1 Mill. RM. zurückgegangen. Iny
einzelnen haben abgenommen die Beſtände an Wechſeln und Schecks unm
73,1 Mill. auf 1927,6 Mill. RM., und die an Lombards um 59,7 auy
31,3 Mill. RM. Die Anlage in Effekten iſt mit 94,2 Mill. RM. weiters
hin annähernd unverändert geblieben.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 130,B
Mill. RM. aus dem Verkehr in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen.
und zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 122,7 Mill. autu
3763,1 Mill. RM., derienige an Rentenbankſcheinen um 7,6 Mill. aufu
596,5 Mill. RM. verringert. Dementſprechend und unter Berückſichti=
gung
daß 1,0 Mill. an Rentenbankſcheinen gemäß § 7a des Renten=u
bankliquidierungsgeſetzes in der Berichtswoche getilgt worden ſind
haben ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 45
Millionen erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 495,2 Mill. RM.;
eine Zunahme um 3,1 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen insgeſamt ſindh
mit 2135,7 Mill. RM., im einzelnen die Goldbeſtände mit 1908,9 Mill!
RM., diejenigen an deckungsfähigen Deviſen mit 226,8 Mill. RM7.
ausgewieſen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 48,6 Pro=
zent in der Vorwoche auf 50,7 Prozent, die durch Gold und deckungs=
fähige Deviſen von 55,3 auf 56,8 Prozent.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Hefſiſche Landesbank Staatsbank in Darmſtadt legt laudt
Bekanntmachung im Anzeigenteil reichsmündelſichere Goldſchuldder= zu 94,50 Prozent bei den Banken und Bankiers bis zum=
20. April 1928 zur Zeichnung auf.
Vereinsbank Worms, e.G.m.b.H. Nach dem Geſchäftsbericht der
Vereinsbank Worms e.G.m.b.H. wuchs die Bilanzſumme im Laufe dess
Jahres 1927 um 650 000 auf rund 5 Millionen RM., und die Umſätze=
ſind
auf beiden Seiten des Hauptbuches gerechnet von 256 695 22m
RM. auf 311 879 698 RM. geſtiegen. Der Reingewinn beträgt 119155
(i. V. 94 948) RM. Es ſollen 9 Prozent Zinſen auf Geſchäftsanteil=
vorauszahlungen
und 9 Prozent Dividende (wie im Vorjahr) verteilz:
werden.
Knorr=Bremſe A.G. Die Generalverſammlung ſetzte die Dividendo
auf das 50 Millionen RM. betragende Aktienkapital auf 10 Prozen=
feſt
. Einſchließlich des Vortrages 1926 beträgt der Bruttogewinn RM
16 501 515 RM. Nach Abſetzung der Unkoſten von 8845 144 RM. undd
der Abſchreibungen von 2020 447 RM. verbleibt ein Reingewinn vorn
5 635 923 RM. Dem Reſervefonds werden 500 000 RM. zugeführt. Die
Dividende erfordert 5 Millionen RM., und auf neue Rechnung werdem
135 923 RM. vorgetragen. An den erhöhten Umſätzen ſei vornehmlick
das Ausland beteiligt.
N. S.U., Vereinigte Fahrzeugwerke A. G., Neckarſulm. Ueber die=
derzeitige
Geſchäftslage bei derN. S.U. Vereinigten Fahrzeugwerke. A. G.
erfahren wir, daß befriedigende Aufträge vorliegen und daß ſich dass
Motoradgeſchäft auch im Winter über günſtig entwickelt hat, ſo daß die=
gegenüber
dem Vorjahre erheblich geſteigerte Produktion glatt abgeſetztt
werden konnte. Auch der Verkauf von Automobilen und Fahrrädern:
hat ſich entſprechend der Marktlage gut angelaſſen. Dagegen hat der,
Geſchäftsgang bei den Berliner Autodroſchkengeſellſchaften, an denen1
die Geſellſchaft beteiligt iſt, infolge der niedrigen Tarife nicht den Er=
wartungen
entſprochen, ſo daß das Jahresergebnis durch die bei den
Droſchkengeſellſchaften vorzunehmenden Abſchreibungen ungünſtig be=
einflußt
wird. Finanziell hat ſich dadurch in letzter Zeit eine gewiſſe
Anſpannung bemerkbar gemacht, doch wird das Fabrikationsprogramm
in keiner Weiſe behindert. Der Geſellſchaft ſind umfangreiche Bank=
kredite
zur Verfügung geſtellt worden.
Metallnotierungen.
Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 27. März: Elektro=, prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam (Notierung der
Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz) 134,75 RM. Notierungem
der Kommiſſion des Berliner Metalſbörſenvorſtandes (die Preiſe ver=
ſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Be=
zahlung
): Original Hüttenaluminium, 9899 Prozent, in Blöcken, Walz=
oder
Drahtbarren 210 RM., desgleichen in Walz= oder Drahtbarren,
99 Prozent, 214 RM., Reinnickel, 9899 Prozent, 350 RM., Antimorn
Regulus 8388 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) 7980 RM.
Die amtl. Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 27. Märs
ſtellten ſich für Kupfer: Januar, Februar 122,75 (123), März 121
(121,75), April 121,25 (121,50), Mai 122 (122,25), Juni 122,25 (122,50½.
Juli 122,50 (122,50), Auguſt, September, Oktober 122,75 (122,75), No=
vember
122,75 (122,75), Dezember 122,75 (123). Tendenz: befeſtigt. Für.
Blei: Januar, Februar 41, (41,,25) März 40 (41), April 40,25 (40,5))-
Mai 40,25 (40,75), Juni 40,25, (41), Juli 40,75 (40,75), Auguſt, Sep=
tember
, Oktober, November 40,75 (41), Dezember 41 (41,25). Tendenz
ſtetig. Für Zink: Januar, Februar 49,25 (49,75), März 49 (51), Aprik.
49 (50,50) Mai, Juni, Juli 49 (50), Auguſt, September, Oktober, No=
vember
, Dezember 49,25 (49,75). Tendenz: ruhig. Die erſten Zahlen
bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.

BLandfatter Kardderiche von . Mürz ko40-

I. 1. Reichs=,
Länder= und Schutz=
gebietsanleihen

6% Dtſche. Reichs=
anleihe
von 192
60 Baden Frei=
ſtaat
von 1927../ 80
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 .... . . / 81.25
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927.. / 81.5
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927.. / 88.25

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. +
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
.
2. Stadtanleihen
80 Bad.=Bad. v. 26
68 Berlin v. 24
2 Darmſtdt. v. 26
Dresden v. 26
Frkf. a. M. v. 26
Heidelb. v. 2
8% Zudwghf. v. 26
8L Mainz v. 26..
10% Mannh. v. 25
80 Mannh. v. 26
8% Nüurnberg v. 26
30 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v.2
3. Pfandbriefe
und Schuld=
verſchreibungen

7% Bad. Gold=
Kom. Anleihev. 26
8% Berl. Hyp.=Bk.
Si.S
6% Frkf.

87.25
51.925
14.75
6.7
95

85.
86.75
93

95.25

*
93

89.5
98
93

74

98.25
93
Lig.=Pfl 77.1

Frrf. Pfbrfbank.
2o Gotha Gr.
Cred. Lig.=Pfbr
41 ½ Hamb. Hyp.
Bk. Lig.=Pfdbr.
8 Heſſ. Landesbk.
8% Kom. Landes=
bank
. Darmſtadt
8½ Landesbank d
Rheinprovins/;
z.
Landeskr. Kaſſ.
0 Mein. Hyp. Bk.
25 Naſſ. Landesbl
Pfülz. Hyp.Bk
Lig.
Pfandbriefe‟..
70 Preuß. Ctr.=
Bod.=Cred.. . . . .
4½%6 Preuß. Ctr.=
Lig. Pfandbr. . .
8% Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. . . .
8% Rhein. Hyp.=Bk
19
Lig.
Pfandbriefe.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit . . . ..
4½% L.=Bf
Südd. Bod.=
Cred.=Bank ....
Lig.
Pfdbr. ....
8% Württ. Hyp.=B

98
90.5
88.5
77.5
85.3s
93
90
95.25
00
95
96
92
98.5
92
101.25
96.75
96.75
93.5
75.55
97.2
79
99
94
89.5
96
77.25
96
92.75
87.75
95

Dt. Komm. Sam.
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I. / 51.5
Dt. Komm. Samn.=Ablöſ.=Anl.
* Ausloſ. Ser, III 67.5

Papiermark=
Pfandbr. und
Kommunal=Lbl.
Frkf. Hyp.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2/ 9.5
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr. 17,
Heſf. Lds=Hyp.=Bk.
Vorkr.=Pfdbriefel 13.4
bgl. Kom.=Obl.
S. 1-16 7.36
Kom.=Obl.
S. 17-24/ 2.42
Mein. Hhp.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr. 14.1
Norod. Grundcr.
Vorkr.=Pfdbriefe/ 14.1
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefel 13.6
Rh. Hyp.=Bk. Vor
kr.=Kom.=Oblig.. 4.625
Weſtd. Bodencred. Vorkr.=Pf 13.9
4. Induſtrie-
Obligationen.
8% Dt. Linoleum=
werke
Bln. v. 26
8 Heſſ. u. Herku=
les
=Brau. v. 26/ 94
8% Klöckn=Werkeſ
Berlin v. 26.... 94
100 Kon. Elektr.=
Mark. ...... .
70 Maintrw v. 26/ 88.25
7% Mitteld. Stahl=
werke
von 27... 91.8
8O Neckarſulm v. 26
8½ Salzmann E Co.
Kaſſel v. 26....
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 26/ 90.25
7% Ver. Stahllv.
ohne Opt.v. 26 88.25
II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz. / 21.5
5½Badenw. Kohl. .
6% Heſſ. Braunk.
u. Roggenanleihe
5½ Heſſ. Voltsſt.
Roggenanleihe..

MeMe ue
wertan eihe ..."
5% Preuß. Roggen=
wertanleihe
. .
5% Sächſ. Roggen=
wertanleihe

5% Südd. Feſtw. .. . .. ...."

III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. B. v.
1914........"
5% Bosn. 2.=Inv.=
Anl. v. 1914 ...
4½½ Bosn. v. 02
5% Bulg. Tab. 002
1,60 Griech. v. 9
1¾% Griech. Mon.
5½ Mex. inn. (abg.)
äuß.
Goldan=
leihe
(abg.
inn. (abg.
4½% Irrig.=
Anl. (abg.)
5% Tamau=
lipas
(abg.)
4½%0 Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
(C. C.=Stücke)..
4½ Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke).
4½% Rum. Gold
von 1913 ......
42 Schweiz. Bds.=
Bahnen v. 1912
428 Türk. Admin..
1. Bagd.
4%
2. Bagd.
4%
Zollanl.
420
4½e ungarn von
1913 (C. C.=St.
4½% dito von
1914 (C. C.=St.)
42 dito Goldr.
(C. C.=St.
4½ dito von
1910 (C. C..=St.
42 dito Kron.
rente (abg.) ..
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (abg.
4½ Kopenh. v. 01

9.25
Nefe
2.23
40

18.5
57.25
47.5

24.6

14.25
96.25

21.9
22.8
25.3
AJ

58.25
92

4½ Liſſab. b. 1886/ 11.25
4½ Stockh. v. 1880/ 98
3. Dbligationen v.
Transportanft.
4% Dux=Bodenb.
von 1891 ...
49 Eliſabethbahn
von 1883 .. . . . . 215
4½. Lemberg=Czer.
ſteuerpflichtig. . . 9.75
40 Lemberg=Czer
ſteuerfrei .."
10.25
2‟/.,% Oſt. Südb.
(Lombard.) . . .
426 Oſt. Staatsb.v
1883 .....! 4
3% Raab=Odenbg.
v. 1883 .. . . . . . . 18
4% Rudolfb. i. S.
4% i. G./ 2.05
4½% Anatolier I./ 17.5
TV.1. Bank=Aktien
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank. . . . /155
Bk. f. Brauinduſtr. /167
Barm. Bankverein/145.25
Bahr. Hyp.= und
Wechſelbank . . . . 155.25
Berl. Handelsgeſ.. .
Hypoth.=Bk.
Comm. u. Privatb. /172.75
Darmſt. u. Nt.=Bk. /235.4
Deutſche Bank
162
Eff.=u. W
bank
120.2
Vereinsbank . . /101.5
Diskont.=Geſellſch.. 1151.5
Dresdener Bank .. /157.25
Frankf. Bk.
113
Hyp.=Bk.. 1142.5
Pfdbr.=Bk. 143
Gotha. Grundkr. B. /1.39
Mein. Hyp.=Bank/134.5
Metallbank. . . . . . . 126
Mitteld. Creditbk. 1206
Nürnb. Vereinsbk./160
Oſt. Creditanſtalt. 37
Pſälz. Hyp.=Bank 158
Pr. Bod.=Creditbk. /135
Hhp.-Akt.-Br./147
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbank 129
Hyp.=Bank 182.5

Südd. Bod. Cr.Bk.).
Disc.=Geſ... 141
Wiener Bankverein! 16.9
2. Berkehrs=
unternehmungen

A.=G.f. Verkehrswſ. /187.5
Allg. Lokalb.= und
198
Kraftwagen
Dt. Eiſenb.=Geſ. /152.5
7% Dt. Reichsbhn=
96.75
Vorzge.
148.75
Hapag.
1149:,
Nordd. Lloſ
Schantung=Eiſenb
Südd. Eiſenb.=Geſ./136

3. Induſtrie
Adt, Gebr. ..
Accum. Berlin. . .
Adler & Oppenh..
Adlerw. (v. Kleher
6 AEG. Vorzug

50

R e
78
72.25
26.75
235.5
64
e 171.5

AEG. Stamm.. . . 151.1
Bad. Maſchf.=Durl. /138.5
Bamag=Meguin
Baſt Nürnberg
Beck &. Henkel
Bergm.
Brem.=Beſigh.=Ol / 62
BrownBoverickCie /159
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen.
Bürſtenfbr Erlang. / 48
Cementwerke:
Heidelberg.
144
1175
Karlſtadt
Lothr. (Karlsr.). 75
Chem. WerkeAlbert. /111.75
Brockhues
85
Fabrik Milch/ 38.25
Daimler=Benz
88
Dt. Atl.=Telegr..
Eiſenh. Berlin!
Erdöl".
Gold= u. Silb.=Anſtalt 190
Linolvverk. Berl. 264
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen .1123
Dürrwerke Rating.! 60

Eichbaum, Brauer.
iſenw. Kaiſersltn.
Elektr. Licht u. Kraft
Flektr. Liefer.=Geſ.
Elſäſſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft
Enzing. Unionwke
Eſchw. Bergwerk
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnereiſt
Faber, Foh., Bleiſt.
Faber & Schleiche=
Fahr, Gebr., Pirm.
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas ..."
Hof.
Maſch. Po=
korny
& Wittek.
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwer
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
..
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
DafenmühleFrankf
Haid & Neue.
Hammerſen (Osn.)
Hanfw. Füſſen ..."
Hanſa=LloydBrem.
Harpener Bergbau
Hartm. & Braun
Henninger, Kempf
Stern Brauerei.
Heſſen=Naſſau Gas
Heyligenſtaedt .. ..
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer ....
Hochtief Eiſen
Holzmann Phil. ..
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Inag
Junghans
Rali Aſchersleber
Salzdetfurth.
Weſteregeln
Kammgarnſpinn. .

275
Ra.6
165
31
88
48
64
35
102
51.25
246.5
91
150
110.5
72
131.5
274
105.25
145
180
135
47.1
175
141.75
167.5
168
175
23.5
88
112
143
80.5
121
99
90
163.5
257
177.5
211

Karſtadt, R.. . . . ..
Ker. Werke Offſtein
Klein, Schanzl.. . .
Klöcknerwerke ....
Knorr, Heilbronn
Konfervfabr. Braun
Kraftw. Alt=Württ.
Krauß & Co., Loko.
Lahmeher ECo. ..
Lech, Augsburg ...!.
Lingel, Schuhw..
Löhnberger. Mühle
Löwenbr. Münch..
Ludwigshaf. Walz
Lüdenſcheid Metall
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br..
Mannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werke. . . . . .
Metallgeſ. Frankft.
Miag, Mühlenbau
Moenus Stamm.
Motorenfabr. Deutz
Oberurſel
Münch. Lichtſpielk.
Meckarſ. Fahrzeug.
Neckarw. Eßl. . . . .
Nicolay, Hofbr. ..
Oberbedarf
Oſterr. AlpineM
Otavi Minen.
Peters Union Frkf.
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps A.=G.
Phönix Bergbau
Porzellan Weſſel.
Reiniger. Gebb. &
Schall
Rh. Braunkohlen.
Elektr. Stamm
Stahlwerke ..
Rhenania, Kunh.
Riebeck Montan
Rütgerswerke . .
SalzwerkHeilbronn
Schneider & Hanau
Schnellpr. Fran kth.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfbr.
Schriftg. Stempel.
huckert Elektr. . .

95
156
106
114.75
66
101

117n5
A
309.5
138

120
253
145
113.75
114
170.25
139.5
65.25
63
72
125
52,
134
145
95.5
43
95
45.25
98.5
28

151
151
61.25
100.5
196
46
63
332
122
118.5
68.4

77.5

K eee
Weſſel. . .. .
Schuhfabr. Herz../ 17
Schultz Grünlack.
Schwarz Storchen 158
Seilindſtr. Wolff
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske 269.5
Südd. Immobilien! 98
Zucker=AG./131.5
Strohſtoff, Ver.,. . /308
Tellus Bergbau .1111
Thür. Lief.=Geſ... . 1112
Tucher, Brauerei .1150
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Verſ. . . . . . 113.5
Veithwerke . . . . . . 43.5
Ver f. Chem. Ind./ 89.
deutſch. Olfabr. 67
Faßfabr. Caſſel
Gummifabrik.
Berlin=Frankf. 88
Königs= und
Laurahütte .
Pinſelfabriken 88
Stahlwerke.
Ultramarin 137.5
Zellſt., Berlin/142
Vgtländ. Maſch.. / 70
Boigt &. Haeffnerl
Voltohm. Seil 70.25
Wanß & Frentag . 1127.5
Wegelin Rußfabrik 136.5
Werger Brauerei. 170
Zellſt. Aſchaffenbg. 168
132
Memel ..
Waldhof ... 259.75
Zuckerf. Rheingau.
4. Berſicherungen
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung .. . 275
Frkft. Allg. Verſ.=G 173.5
Frankona Rück= u.
Mitv.
195
Mannh. Verſich. 162
Darmſtädter Bertel
33
Bahnbedarf

Dampfk. Rodberg
Gebr. Lutz
Motoren Darmſtadt! 56
Gebr. Roeder ... .1131.5

[ ][  ][ ]

das ideale Düngemittel für Gartenbau
ſollte in keinem Garten fehlen
Geflügelfutter
in nur beſter Qualität, wie Weizen Wichken Mais
Maisſchrot Gerſte Gerſtenſchrot Hafer
Haferſchrot Kleie Garnelen Fiſchmehl
Trockenhefe Muſchelkalk Knochenſchrot Kohle
Fleiſchmehl Spratt’s Kückenfutter Hirſe Reis
Muskator Trockenfutter

Saathafer la Qualität

ſowie Futterhafer (auch gequetſcht) Heu und Stt
Melaſſe Weizenſchalen Hächſel Tor
Lieferung auch in die Vororte frei Haus.

Mummer 88

Mittwoch, den 28. März 1923

Seite 17

DDie Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 27. März ſtell=
ſiſich
für Kupfer (Tendenz: feſt): Standard p. Kaſſe 61//1F,
An onate 61¾1/1s, Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 66½67, beſt ſelec=
S4½65½, Elektrowirebars 67; Zinn (Tendenz: unregelmäßig);
mrdard p. Kaſſe 239½40, 3 Monate 2B9½½, Settl. Preis 240,
ſura (inoff. Not.) 246, Straits (inoff. Not.) 244; Blei (Tendenz:
Uag): ausländ. prompt 20, entft. Sichten 20/a, Settl. Preis 20; Zink
ſer denz: ruhig): gewöhnl. prompt 2½, entft. Sichten 25, Settl. Preis
S Queckſilber (inoff. Not.) 22½½; Wolframerz (inoff. Not.) 14½.
Viehmärkte.
Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 27. März. Die Zufuhr zum
uy=gen Großbiehmarkt war bei Ochſen geringer als vor acht Tagen.
äi Kühen und Färſen verzeichnete die Auftriebstaſel eine Zunahme
gar die Vorwoche, ſo daß im geſamten 10 Stück Großvieh mehr ange=
enen
waren. Das Geſchäft verbief für die beſſeren ausgeſuchten Tiere
Left. Nachdem dieſe aus dem Markt genommen, flaute der Handel
Fum Schluſſe ab. Die Preiſe blieben unverändert. Am Kälber=
1It war eine höhere Auftriebsziffer zu verzeichnen, und zwar von
Stück. Die mittleren und beſten Saugkälber zogen im Preiſe 2 Mk.
Auf beiden Märkten wurde ausverkauft. Der Schweinemarkt
um 92 Stück weniger beſchickt wie auf dem letzten Markt. Neben
Tieren der leichten Gewichtsklaſſen war auch eine große Anzahl
Schweine vorhanden. Die Preiſe blieben bei ruchigem Geſchäft
rändert und wurde der Markt nicht ganz geräumt. Ange=
geben
waren: 16 Ochſen; 21 Bullen; 549 Kühe und Färſen; 362
und 1066 Schweine. Im einzelnen wurden für 100 Pfund
gewicht je nach Qualität folgende Preiſe bezahlt: Ochſen 45
3:54; Bullen 3545; Fänſen 5060; Kühe 2545; 2535; 1822;
Ger. 5470; 4554; Schweine 5759; 5659 und 5457.

Produktenberichte.

Fraukfurter Produktenbericht vom 27. März. Weizen 1. 26,50; Rog=
27,2527,50; Somengerſte ; Hafer inl. 26,75R; Mais für
zverzwecke 24,50; dito für andere Zwecke 25,25; Weizenmehl ſüdd.
538,50; Roggenmehl 37,7538,50; Weizenkleie 14,75; Roggenkleie
516,25 je 100 Kg. Die Tendenz war ſtetig.
Berliner Produktenbericht vom 27. März. Im Gegenſatz zu den
nkhweg feſterem überſeeiſchen Derminmärkten zeigten ſich die Cif= For=
rrngen
micht ganz allgemein befeſtigt. Auch im Berliner Getreide=

ſpäft war die Tendenz uneinheitlich. Für Weizen bleibt das Offer=
nsMaterial
mehr als reichlich, die Kaufaufträge ſind aber recht klein.

Für effektibe Beſtände bildete ſich zu Beginn noch eine ſtetige Preis=
geſtaltung
hevaus, im Lieferungshandel iſt aber der Markt etwwas
ſchwächer; Juli konnte wenige Pfennige anziehen. Für Noggen warem
die Sichtem bis zum Juli niedriger, September erzielte ein kleines Auf=
geld
, Hafer iſt verhältnismäßig ruhig und in den Preiſen kaum ver=
ändert
.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, N7. März. (Priv.=Tel.)
Weizen: Günſtige Wetter= und Saatenſtandsberichte aus den An=
bau
=Gebieten bewirkten anfangs eine ſchwächere Holtug. Beſſere Loko=
Nachfrage und hauſſegünſtige Meldungen aus Kanſas bewirkten ſpäter
eine Erholung.
Mais: Starke Poſiitionslöſungen hatten anfangs eine ſchwache Hal=
tung
zur Folge, die durch mangelnde Exportwachfrage und für die
Erntebewegung günſtiges Wetter mitbewirkt wurde. Gegen Schluß
wurden Deckungen beobachtet.
Roggen: Größere Ankünfte und fehlende Exportnachfrage ließen
den Markt ebenfalls ſchwach tendieren. Der Schluß war auf die Er=
holung
der übrigen Märkte etwas freundlicher.
Hafer: Nach ſchwächerer Eröffnung auf größeres Angebok und
günſtige Wetverberichte trat auch hier eine Erholung ein, da die Loko=
firmen
zu Anſchaffungen in Mai= und Juliware ſchritten.
* New York, N. März. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Größene Kaufaufträge, die über nacht eingegangen
wazen, ließem die Termine anfangs etwas anziehen. Später ſetzten
Realiſationen ein. Die Verluſte wurden im Verlaufe des Marktes
größtenteils wieder eingeholt.
Kaffee konnte ſich etwas befeſtigen auf die höheren braſilianiſchen
Frachten und Deckungskäufe. Gegen Schluß zeigte ſich einige Neigumg
zu Realiſationen.
Zucker: Die Tatſache, daß ſich beim gegenwärtigen Preisnivea
immer noch Käufer finden, bewirkte am heutigen Markt Deckungskäufe.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 27. März:
Getreide: Weizen, März 140½, Mai 13934, Jurli, 138, Sept.
135½: Mais, März 97½8, Mai 99½, Juli 102½; Hafer, März 57½,
Mai 56½, Juli 51½; Roggen, März 119½, Mai 119½, Juli 113½r
Schmalz: März 11,50, Mai 11,775, Juli 12075.
Fleiſch: Mai 11,/45, Juli 11,70, Sept. 12,05: Speck loco 11;
leichte Schweine 7,508,55, ſchw. Schweine 7,658,25; Schweine=
zuſuhr
Chicago 25 000, im Weſten 120 000.
Baumwolle: Mai 19,25 Juli 19,05.

Es notierten wach Meldungen aus NewYork am 27. März:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 175¾, hart 158½: Mais neu ank.
Ernte 113½: Mehl ſpr. wheat clears 6,606,90; Fracht nach Eng=
land
1,62,6, nach dem Kontinent 910 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,25; Talg extra 8¾.
Kakao: Tendenz: ſtetig, Umſatz in lots 45, März 1334
April 13,44, Mai 13,59, Juni 13,72, Juli 13,83, Augurſt 13,83,
September 13,85, Oktober 13,7, Dezember 13,24.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Zur Abwendung des Konkurſes bei der Rheimiſchen Handelsbank
A.=G. iſt über die Geſellſchaft das gerichtliche Vergleichsverfahren eröff=
net
worden. Zu Vertvauensperſonen wurden Bankdirektor Röbig und
Dipl. Kaufmann Kieſel, Mannheim, beſtellt. Auf den 16. April wurde
eine Gläubigerverſammlung einberufen.
Die Eilagen bei den preuciſchen Sparkaſſen haben ſich im Monat
Februar 1928 um 124,0 Mill. RM. (Einzahlmgen: 337,6 Mill. RM.,
Rückzahlungen: 213,6 Mill. RM.) erhöht. Der Spareinlagenbeſtand
belief ſich Ende Februar auf 3 352,2 Mill. RM. Im Giro=, Scheck=,
Kontokorrent= und Depoſitenverkehr erfolgten im Berichtsmonat Ein=
zahlungen
im Betrage von 1 961,6 Mill. RM. und Rückzahlungen im
Betrage von 1913,3 Mill. RM. Der Beſtand der Guthaben Ende
Februar betrug 875,1 Mäll. RM.
Kennzeichnend für die Verhältniſſe im Ruhrbergbau iſt das lang=
ſame
Abſinken der Förderung und des Abſatzes in allen Sorten. Auf
den Arbeitstag gerechnet, lagen Förderung und Abſatz im Februar rund
6000 Tonnen wiedriger als im Januar; die Märzergebwiſſe werden ver=
wutlich
eine weitere Verſchlechterug aufweiſen. Der Rückgang erſtreckt
ſich (abgeſehen von Hochofen= und Gießereikoks) auf faſt alle Gebiete und
auf beinahe alle Sorten.
Wie der Zentralverband der Angeſtellten, Gau Rheinland=Weſtfalen,
mitteilt, haben die Angeſtelltenverbände beſchloſſen, die Einkommen=
regelung
für die Angeſtellten in der Nordweſtlichen Gruppe für Ende
April zu kündigen.
Die Verhandlungen der deutſchen ud der perſiſchen Regierung über
den Abſchluß eines Vertrages, der an Stelle des zum 10. Mai d. J.
gebündigten bisherigen Freundſchafts= und Handelsvertrages treten ſoll,
haben bisher zu keinem Abſchluß geführt.
Der norwegiſche Diskontſatz iſt von 6 auf 5,5 Prozent here
worden.

mi den Amtsverkündigungen des Kreisamts
uanſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Hebelgriff von einer Ma=
yimie
. 1 kleines braunes Kinderportemon=
uie
mit 1 Mk. 1 ſilberne Lorgnette mit
er em Stiel. 1 ſilberne Bleifeder. Eine
imlederne Brieftaſche 1 braunes Porte=
tmina
e mit 3,50Mk. 1 Fahrrad. 1 Doublé=
t
narmbändchen. 1 älteres Portemon=
2 mit 2,94 Mk. 1ſchwarzer Regenſchirm
me Gri f. 1 braune Aktentaſche mit
efßrSchürze uſw. 1 braune Aktentaſche
ü einem Laib Brot, Raſier= und Bade=
eisg
1 Autoreſerverad (Continental/. Ein
olwener Ohrring mit Perlenanhänger.
trauner Damenglacéhandſchuh. Zu=
eimufen
: 1 gelber Schäferhund. 1 hell=
ſce
iner Wolfshund mit ſchwarzem Rücken.
Baſtard 1 gelbbrauner rauhhaariger
ſchkel lan Faſtnacht

Verſteigerung
sm ſtädt. Leihami, Kirchſtr. 9
EMittwoch, den 4. April 1928,
wormittags 8 ,13 Uhr, Ver=
Iteigerung der bis Ende März
Ds. Js. verfallenen Pfänder.
Wold= und Silberwaren, Ta=
Schenuhren, Herren= und Da=
menkleider
, Wäſche, Stiefel,
Operngläſer, Photoapparate,
Fahrräder, Muſikinſtrumente
Schreibmaſchinen uſw.
Am Dienstag, den 3. April
11928, bleibt das Amt wegen der
Worarbeiten zur Verſteigerung ge=
(st5683
Tſchloſſen.
Darmſtadt, den 1. April 1928.
Städtiſches Leihamt.

Zeichnung.
Die Heſſiſche Landesbank Staatsbank in Darmſiadt
legt zur alsbaldigen Zeichnung r eich s mündelſichere
82oige Goldſchuldverſchreibungen
unkündbar bis 3 1. März 1932, zum Vorzugspreiſe von ok,0uo
bei den Banken und Bankiers auf. Schlußtermin 20. April 1928;
früherer Schluß vorbehalten. Abnahmefriſt bis 15. Mai 1928.
Darmſtadt, den 26. März 1928.
5651)
Das Direktorium.

Maurerarbeiten.
Die bei der Errichtung eines Schweine=
ſtalles
auf dem Stadtgut Gehabornerho
vorkommenden Maurer= und Eiſenbeton=
arbeiten
ſollen vergeben werden.
Die Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtr. Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis Mittwoch, den
4. April 1928, 10 Uhr, einzureichen.
Darmſtadt, den 27. März 1928. (st5681
Städtiſches Hochbauamt.

Am Donnerstag, den 29. März
1928, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ch. in meinem Verſteigerungslokale, Lu=
ſeenſtraße
32, zwangsweiſe meiſtbietend
(5709
gegen Barzahlung:
U Stück Leinen für Bettücher, 1 Schreib=
maſchine
, 1 Bild, 1 Ladentheke, eine
Standuhr, 1. Klavier, 1 Schreibtiſch,
H Warenſchrank, 18 Flaſchen Likörrum,
H Schweißapparat, 1 Klublampe, eine
Wadenkaſſe, 1 Gasbadeofen, 1 Perſonen=
wagen
, 10 PS., ſowie Möbel aller Art.
Anſchließend um 4½, Uhr verſteigere
Heidelbergerſtraße 28:
I komponierte Kreisſäge, 1 Hobel=
maſchine
, 1 Schleifmaſchine, 1 Four=
riereinrichtung
mit Zinkzulage, ein
Handwagen.

Darmſtadt, den 28. März 1928.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher.

Am Donnerstag, den 29. März
1928, vormittags 10 Uhr, verſteigere
ich an Ort und Stelle im Lokal Schloß=
gartenſtraße
41 folgende Pfänder ge=
(5713
gan Barzahlung:
460 Meſſinghahnen, 1 Kaſſenſchrank,
2 Doppelſchreibtiſche, 1 Aktenſchrank,
1 Schreibmaſchine (Adler), 2 Akten=
geſtelle
(Eiſen), 1 Warenſchrank ( zwei=
türig
), 1 Handaktenſchrank, 1 Regu=
lator
, 2 Schreibtiſchſeſſel, 1 Seſſel, ein
polierter Ausziehtiſch, 1 Sofa, ein
Sekretär, 1 Konſol mit Spiegel (antik),
1 Tiſch mit Marmorplatte, 5000 guß=
eiſerne
Verbindungsſtücke, 12 Steingut
waſchtiſche.
Verſteigerung beſtimmt.
Darmſtadt, den 27. März 1928.
Jungermann
Werichtsvollzieher in Darmſtadt

Möbel=Verkauf.
Nachſtehende Möbel ſtehen in meinen
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Speiſezim., einf.,Rollpuit u Rollſchrank
Diplomat u. D.=Schreibtiſch, Glas= und
Bücherſchränke, Kleiderſchr., 1= u. 2=ür.,
Büfett, eiche, kl. Büfett, Vertiko, Aus=
zug
, runde u and. Tiſche u. Stühle
Schreib=, Korb= u. Plüſchſeſſel, Trumeau
und Spiegel, Waſchkom. mit Marm. u.
Spiegel. Nachtriſche, Kommode, Diwan,
Sofa, Sofa m. 6 gep. Stühlen, kleiner
Diwanm. 2 Seſſeln, Bettſtellen, Spiral=,
Woll= u. Roßhaarmatratzen, Regulator=
u
. Standuhr, Bilder, Spiegel, Eisſchrank
Badewanne, Vitrine, uußb., rund. Tiſch
n. 6 gep. nußb. Biederm=Stühle, Näh=
tiſch
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Johannes Krummeck
Außtionator und Taxator
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und Berſteigerungen. (5643

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Mittanosäte Uueſwalsberſchrewsängen
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Kommunalen Landesbank in Darmſtadt
werden bei ſämtlichen hieſigen Banken, der Städtiſchen
Sparkaſſe Darmſtadt und an unſerer Kaſſe (Paulusplatz a)
freibleibend zum jeweiligen Tageskurs
z. Zt. 95%
abgegeben.
Für die Verbindlichkeiten der Kommunalen Landesbank
und damit auch für vorſiehende Goldſchuldverſchreibungen
hafienneben dem eigenen Vermögen derBank deren Mitglieds=
körperſchaften
(Heſſiſche Städte, Landgemeinden und Kommu=
nalverbände
) mit ihrem ganzen Vermögen, ihren Einkünften
und ihrer Steuerkraft ſolidariſch und unbeſchränkt. Zu den
Mitgliedskörperſchaften zählen die Provinzen Starkenburg
und Rheinheſſen, eine Reihe von Kreiſen, die Städte
Darmſiadt, Gießen, Mainz, Offenbach a. M., Worms u. a. m.

5351a)

Kommunale Landesbank.

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[ ][  ][ ]

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rige
mer
biet
der
ie
rumn
ut
ber
am
ſta,
an=
we

Zu
in
Er
Rr
du

Geite 18

Mittwoch, den 28 März 1928

Nummer 88

Palast-Lichtspiel
m m
Ber grche ensckankte

Krausneck, La Fayette, Jack Trevor,
Kurt Gerron, Werner Kahle, Eri Eva.
Ernst Reicher, Siegfr. Arno u. a. m.
Do Air screh i Haenbars Harten
Die Begierde des Weibes
Nach dein Bühnenstück Die Strecke‟
mit Maly Delschaft u. a. m. (5695
Eingeschlossen in enge bürgerliche Verhältnisse sehnt
sich ein junges Weib nach dem ternen Treiben der
lockenden Welt. Da tritt Mit einem Male in ihr
Leben der Versucher in Gestalt eines lebenslustigen,
lockeren Mannes an sie heran. Mit der fascinierenden
realistischen Psychologie der letzten großen Russen-
filme
zeigt der Film den fesselnden Kampf des Weibes
mit dem sieggewohnten Frauenbezwinger

Houfste Lischbann!
Heute noch schnell Karten besorgen, damit Sie
nicht das Ereignis versäumen, das eine Vor-
stellung
des
Kapitän
Oiteus Hired Benkerael

Union-Theaen
Gleichnamig und vertilmt nach dem bekannten Roman in der
Berliner Illustrierten‟
von Dr. Willi Wolff
Müert Neoll chäfte,

Residenz Theater

Jedem soll Gelegenheit geboten sein, das grandioseste deuts
Filmwerk der Saßon geschlossen in einem

Der erste deutsche teilweise in Amerika gedrehte Film!
Hauptdarsteller:
Ellen Richter, Anfon Pointner u. a. m.
7 Akte!
7 Akte!
(*8531
dürord Hosa, der Bbort Biadein.
Ein interessanter Sportpropaganda-Film in 7 Akien

Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus
Mittwoch, den 28. März 1928
Geſchloſſen

Progracm anzusehen:

Kronprinzessin Luige
I. Teil und

Königin Luise
II. Teil
(e8532
zuermäßigten
Teinstorsichang Preisen!

Jugendliche haben Zutritt.

Schloß-café
Rheinstr. 2
: Rheinstr. 2
Schloß-Café-Ensemble
Leitung: Kapellmeister Kurt Fischer
Mittwoch, den 28 März
Grosses Sonder-Konzert
(Beginn 4 Uhr)
Abends 8½ Uhri
Gesellschafts-Abend
Eigene Konditorei-
Ausschank von Tucherbräu ( Närn-
berg
), Fürstenbergbräu ( Donau-
eschingen
)
(5680

Samslt

Jedermann bedeutet.
Vorstellungen, nachm 3 Uhr.
abds. 8 Uhr. Kinder nachm.
halbe Preise Geschlossen ge-
tührte
Schulklassen besond.
Ermäßigungen.
3
Vorververkauf: Zigarrenhaus Hugo de Wal,
Rheinstr. 14, Tel. 656, u. a. den ab 10 Uhr vorm.
geöffneten Cireuskassen.
Löwenfarm /Zool. Park /Marstall
Raubtierfütterung. Proben tägl. ab 10 Uhr vorm.
Morgen Donnerstag, 29. März, abends 8 Uhr
Gala-Eröffnungs-Vorstellung
Darmstadt
Meßplatz

Reſtaurant zum Schieferſtein
Lichtenbergſtr. 72 im Martinsviertel
Heute Mittwoch, 28. März, bis einſchl.
Sonntag, 1. April
Blütenfeſt mit Bockbierrummel
Täglich ab 7½ Uhr abends Konzert der
bekannten Ja z=Kapelle (8497
Bockbier aus der Brauerei Hanauer Hof
Es ladet freundl, ein Fritz Salomon,

Täglich
Künstler-Konzert
Kaffee Hassia (8465

Café und Weinstuben
Taunasbars
Bis aut weiteres täglich
Urobes Biätchest

mit Tanz. (4915a
Im Anstich: Wikron hell.

Fremde und Beſucher
Darmſtadts!
Vergeßt nicht, einen Ausflug an die
allbekannte, herrliche Bergſtraße
(Malchen. Frankenſtein, Seeheim, Ju=
genheim
, Melibokus) zu machen.
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12 00 Uhr, nachmitt. 2.30, 5.00, 7.00, 8.30,
10.30Uhr u ebenſobequeme Rückfahrten.
Fahrzeit 30 Minuten,
Fahrpreis 0.701.00 .
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Darmſtadt
Grafenſtraße 21
nächſt Rheinſtra ße

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Mittwoch, den 28. März 1928
Anfang 19.00 Uhr Ende nach 21.30 uh6
Miete L, (13. Vorſtellung)
In der neuen Inſzenierung
Der Reviſor
Komödie in vier Aufzügen von Nikolauzu
Gogol, deutſch bearb. von Wilhelm Langeg
Inſzenierung: Friedrich Neubauer
Bühnenbild: Wilhelm Reinking
Mitwirkende (V.57000
Margarete Carlſen, Paula Karſtedt, Käthe/
Meißner, Mela Wiegandt, Hans Baumeiſtern
Hansjoachim Büttner, Eduard. Domeck,5
Werner Finck, Hermann Gallinger, Eduard.)
Göbel, Friedrich Jachtmann, Rich. Jürgas, /
Hugo Keßler, Joſef Kreuter, Paul Maletzfi,)
Hans Ney, Karl Paryla, Gothart Portloff,f
Hans Schambach, Kurt Weſtermann
Spielwart: Joſef Kreuter
Preiſe der Plätze: 1.206 Mk.

Nerother Wandervogel
Einladung!
Karl Oelbermann ſpricht am Freitag, den
39. März 1928, abends 8 Uhr, in der Aulau
der Bausewerkſchule, Neckarſtraße 3, an
Hand zahlreicher Lichtbilder über eine
Nordſeefahrt‟
der Nerother. Karten zu 1. K und
1.50 im Vorverkauf bei Zetzſche, Ernſt=
Ludwigſtr und Arnold, Wilhelminenſtr.,
und an der Abendkaſſe.
(5646a

SOgtbllädt

St. Aventinus-Weizenbier
Absohieds abende
der Kapelle
Alice Gerch

Billiger Wochenendzug nach
Berlin und Potsdam.
Am Samstag, den 14. April verkehrt
ein Sonderzug 4. Kl, mit 33½, v. H, Fahr=
preisermäßigung
und Sitzplätzen in beque=
men
Wagen von Darmſtadt Hb', nach
Berlin. Am Montag, den 16. April ver=
kehrt
der gleiche Sonderzug von Berlin
Potsdamer Bahnhof nach Wildpark
(Sansſouci) und zurück von Potsdam nach
Berlin. Die Rückreiſe mit Sonderzug in
die Heimat erfolgt am 17. April.
Hinfahrt am 14. 4. Darmſtadt Hbf. ab
7,48 Uhr. Berlin Potsdamer Bahnhof an
20,25 Uhr. Rückfahrt am 17. 4. Berlin
Potsd. Bhf. ab 10,50 Uhr, Darmſtadt Hbf.
an 22,24 Uhr.
Fahrpreis ab Darmſtadt Hbf. für Hin= und
Rückfahrt nach Berlin 25.10 RM. Fahrpreis
zur Fahrt Berlin Potsd., Bhf. Wildpark
und zurück ab Potsdam nach Berlin Potsd.
Bhf. 1,40 RM.
Näheres iſt aus den Aushängen auf
den Bahnhöfen zu erſehen oder durch die
Fahrkartenausgaben und Mitteleuropäiſchen
Reiſebüros zu erfragen. S. a. Abhandlung
im allgemeinen Teil dieſer Nummer.
Mainz, den 24. März 1928.
Reichsbahndirektion. (1V 5690

und
eiwas he
Tatzjana
Eit glaubte,
Muren Bruder
Müitzt dem
nerten Reiſt
Keligen Aug=
belte
um il
Nur an
MMhkentomple
Er ſtand
ſtrage marte
Läft die Notb
Während
KAuftrengung
Aber er
dann
bon einem
Drittbrett 1
Der Zu
Aber
Dann
Nr. und
Se
andt:

20

Baum

[ ][  ][ ]

Ntummer 88

Mittwoch den 28. März 1928

Seite 49

Sürstin Tamaret

Roman von P. van der Hurk.

(Nachdruck verboten)
ellida hatte ihn alſo abgeſetzt, und der Student tat das.
s auch Kemp hätte tun ſollen: er ſtrich zärtlich über das Haa=
um
Geliebten und küßte ſie ſo lange, bis ihr Kopf an ſeine
hi ſank.
Das war ganz einfach und wiederholt ſich täglich bei den
f iedenſten Paaren mit nur geringen Variationen.
Statt deſſen hatte Kemp die lächerliche Frage geſtellt:
ſtr. ich die Stelle Ihres Bruders einnehmen?
Dasſelbe hat Alexei auch einmal geſagt dachte Tat=
ta
. Der Zufall wollte es, daß jetzt, ebenſo wie damals, der
irle Pfiff einer Lokomotive ſie erſchreckte. Blitzſchnell tauchte
Wgrauſamſte und erſchütterndſte Szene ihres Lebens wieder
trhr auf, nur fehlte ihr jeder Begriff für die Reihenfolge der
Eegniſſe.
Jetzt kommt der Zuſammenſtoß, dachte ſie, und der Angſt=
ſtEiß
trat ihr auf die Stirn.
SSie ſtieß einen heiſeren Schrei aus und zog die
zpremſe.
DDer Zug, der in voller Fahrt war, bremſte ſo ſtark, daß die
(arockenen Reiſenden wirklich an einen Zuſammenſtoß glaub=
und einige Sekunden ſpäter, als ſie ſich von dem erſten
Greck erholt hatten, ſenſationslüſtern und mit dem herzklopfen=
u
Gefühl, etwas Gewaltiges erlebt zu haben, an die Fenſter
ſürgten.
Der junge Student und Alida waren mit den Köpfen hart
ſammengeſtoßen, und eine korpulente Dame, die ſich vor einigen
ſinuten etwas zurückgezogen hatte und in ihrer Angſt die Tür
ſt1 der Aufſchrift W. C. nicht gleich aufbekam, riß das Fenſter
ſranter und begann aus Leibeskräften und das wollte bei
eetwas heißen um Hilfe zu ſchreien.
Tatjana lag mit geſchloſſenen Augen in den roten Polſtern.
11 glaubte, das Leben ſei zu Ende. Sie dachte nochmals an
ſan Bruder und dann an Alexei, aber ihre Erinnerung galt
ſ4t dem Taſchendieb und Hochſtapler, ſondern dem liebens=
lekten
Reiſegefährten, als den ſie ihn mit ihren vertrauens=
Uiszen Augen geſehen hatte, und ein verſöhnendes Lächeln
ſäkte um ihren Mund.
Nur an Kemp duchte ſie nicht; denn in der Zeit dieſes Ge=
itkenkomplexes
kannte ſie ihn noch gar nicht.
Er ſtand vollkommen faſſungslos, vor ihr, und nur eine
ſtarge marterte ſein Gehirn: Warum?! Warum hat
Die Notbremſe gezogen?!
Während er ſich an die Stirn faßte, dachte er mit größter
ſyftrengung nach, und als ſie die Augen aufſchlug, fragte er
ſort: Warum haben Sie
Aber er ſah an ihrem Geſichtsausdruck, daß ſie es nicht mehr
Dann wurde die Tür geöffnet, und der Zugführer, gefolgt
or einem Beamten des Ueberwachungsdienſtes, ſtieg auf das
uttbrett und fragte, zunächſt mit großer Teilnahme:
IIſt etwas paſſiert, Mynheer?
Ich glaube nicht ſagte Kemp.
Der Zugführer wurde jetzt unliebenswürdiger:
Aber Sie haben doch die Notbremſe gezogen!
Dann fiel ſein Blick auf Tatjang, die noch immer ſehr blaß
dirr, und er witterte ein Sittlichkeitsdelikt:
Oder hat vielleicht die Dame
und an Tatjana
ewandt.
Mebrouw, iſt etwas geſchehen?"
Ich habe die Notbremſe gezogen, ſagte Kemp, als er ihr
iffloſes Geſicht ſah.

Miir
Zum Glick ſchrie die dicke Dame im Abteil W. C. immer
noch, wenn auch etwas ſchwächer, um Hilfe.
Weil eine Dame nebenan ſurchtbar, um Hilfe geſchrien
hat, antwortete er, einer plötzlichen Eingebung folgend.
Das Fenſter mit der Mattſcheibe befand ſich an der anderen
Seite des Wagens. Die Beamten kletterten in das Abteil, wo
Femp und Tatjana ſaßen, und klopften gegen die Tür des ver=
ſchloſſenen
Kabinetts.
Wer iſt da? hörte man eine zaghafte Stimme
Der Zugführer! Machen Sie mal auf! Jetzt auf
einmal ging es.
Warum haben ſie ſo geſchrieen?
Weil die Tür nicht aufging.
Das koſtet vierzig Gulden.
Vierzig Gulden?
Mitgngan

aller art, neu este Modelle eingetrolfen. Bs ist Ihr Vortell,
nenn Sie unsere Wagen besichtigen und die Preise hören. Paron Kemp.
1. Donges & Wlest, Ellsabethenstraße 25½

Ja, weil man die Notbremſe ohne zwingenden Grund ge=
zogen
hat.
Ich habe die Notbremſe nicht gezogen.
Nein, aber Sie haben geſchrieen.
Aber Schreien koſtet doch keine vierzig Gulden?
Kemp hätte anſtandslos das Geld bezahlt, wenn er nur ein
Wort der in praſſelndem Tcmpo geführten Unterhaltung, die
jetzt im Damenkupee fortgeſetzt wurde, hätte verſtehen können.
Tatjana hatte ihren Hut abgeſetzt und betupfte ihre heiße
Stirn mit Eau de Cologne. Der Zug ſetzte ſich ſchon wieder in
Vewegung. Sie faßte leiſe Kemps Hand und ſagte:
Das war ſehr lieb von Ihnen, Sie haben mich aus einer
peinlichen Situation gerettet!!
Wie nah ſie jetzt war ihre Knie ſtreiften ihn, ſie lehnte
ihre Schulter gegen ſeinen Arm und ſah ihn, allerdings nur
eine halbe Sekunde lang, mit einem Augenaufſchlag an, um den
Henny Porten ſie beneidet hätte mehr konnte ſie nicht
tun, und als darauf nichts geſchah, rückte ſie wieder etwas ab.
Einen Augenblick hatte er ſpontan ſeinen Gefühlen nach=
geben
und ſie küſſen wollen, aber dann hatte er gedacht und
das war in dieſem Fall verſtändlich: Halt! Vielleicht zieht
ſie wieder die Notbremſe!
Gibt es etwas Unangenehmeres als warten? Warten
lahmt die Energie, betäubt die Liebe und den Haß, ſchläfert den
Mut ein und iſt imſtande, einen Menſchen, der von ſeiner Wil=
Bocké.
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Bewährtes Mund- und Zahnpllegemittel.
Wirkt blutstillend bei Wundsein des Gaumens und 8
Bluten des Zahnfleisches. Bewahrt die Zähne vor
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lenskraft und Eutſchloſſenheit überzeugt iſt, vollkommen aus
dem Gleichgewicht zu bringen. Nur die Mttbürger, die noch mit
einem Bein im Zeitalter der Poſtkutſchen ſtehen, die Roman=
tilker
, haben das Warten noch nicht verlernt, ſie machen noch
Fenſterpromenaden, ſie ſchreiben noch Gedichte und legen ver=
trocknete
Veilchen bei, und wenn ſie warten müſſen, empfinden
ſie es als ſüße Qual: Keine Roſe ohne Dornen, keine Liebe
ohne Leid.
Die Frauen, auch die emanzipierteſten, liebäugeln noch gern
mit der Romantik. Daraus folgt vielleicht ihre Vorliebe für das
Warten laſſen.
Utta Jürgen war durch und durch romantiſch. Daß Erich
Rothe ihretwegen zwiſchen Befängnismauern ſchmachtete,
hatte bei ihr eine ſchwärmeriſche Verehrung für ihn ausgelöſt,
und ſie wäre beſtimmt ſtatt in einem D=Zug auch in einer Poſt=
kutſche
nach Scheveningen gefahren, wenn es hätte ſein müſſen.
Aber ſie ſaß ſeit einigen Stunden in der ſehr komfortablen Hall
des Hotels und wartete, bisher vergebens, auf die Rückehr von
Dieſes Warten zerſtörte nach und nach das ſilberne Netz der
Romantik, bis es ihr zum erſtenmal einfiel, daß ein Fernge=
ſpräch
aus Berlin mit Voranmeltung ihr die Reiſe hätte er=
ſparen
können.
Als Kemp und Tatjana endlich zurückamen und ihre
Schlüſſel in Empfang nehmen mollten, flüſterte der Portier
ihm zu:
Es wartet ſeit einiger Zeit eine Dame auf Sie.
Wie heißt die Dame?"
Frau Dr. Jürgens ich glaube, ſie iſt jetzt im Leſe=
zummer

und dann hat noch ein Herr nach Ihnen
gefragt
Wer
Mein Kollege hat
Kemp hatte ſich ſchon abgewandt; denn Tatjaua machte ein
ungeduldiges Geſicht.
In den letzten vier Jahren hatte ſie nur eine Nebenrolle
geſpielt. Alexei hatte beſtimmt, und ſo wurde es gemacht. Er
hatte ſie gar nicht nach ihrer Meinung gefragt. Wenn er geſagt
hatte: Sei bitte um 6 Uhr zum Diner unten, ſo hatte ſie es
nicht gewagt, auch nur fünf Minuten ſpäter zu kommen. Aber
ſie mußte oft auf ihn warten, oft ſtundenlang; dann waren es
immer Geſchäfte und Konferenzen, mit denen er ſich entſchul=
digte
, und wenn ſie ſchmollte, ſagte er: Wir ziehen, doch an
einem Strang, der Schornſtein muß doch rauchen!
Seitdem Kemp bei ihr, war, hatte ſie das unbeſchränkte
Gefühl, die Hauptperſon zu ſein. Sie merkte es an Kleinig=
keiten
. Am Vormittag hatte er vorgeſchlagen, ins Mauritzhaus
zu gehen, und ſie hatte eigentlich nur aus Oppoſition
lieber ſpazierengehen wollen. Natürlich waren ſie ſpazieren ge=
gangen
. Alexei hätte geſagt: Haſt du Luſt, mit ins Muſeum
zu gehen? und das hatte ſo viel geheißen wie: Wenn du
nicht wilſt, gehe ich allein.
Nun ließ Kemp ſie eine Minute warten, und da machte ſie
ſchon ein ſo ungeduldiges Geſicht, daß er gleich mit eiligen
Schritten ankam und ſie mit vielen Entſchuldigungen bat, einſt=
weilen
hinaufzufahren, da er noch mit jemand ſprechen müſſe.
Als ſie im Lift ſtand, fiel ihr ein, daß ſie wiſſen, möchte, mit
wem er zu ſprechen hatte. Sie zog mit bewundernswerter Eile
eine Abendtoilette an und fuhr wieder hinunter.
Der Portier, den ſie fragte, ob er wiſſe, wo Baron Kemp ſei,
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