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Darmstädter Tagblatt

27. März 1928

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Kinzelnummer 10 Pfennige

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Franiſurt a. M. 4304.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 87
Dienstag, den 27. März 1928.
191. Jahrgang

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Konlurs oder gerichtſcher Beiteibung fällt ſeder
Nabatt weg. Banſkionto Deutſche Bank und Darme
ſädter und Nationalbank.

Annahme des Nachtragsetats im Reichstag

Raſche Arbeit im Reichstag.
ſchaften mit knapper Mehrheit abgelehnt.
urrecht halten. Es wird alſo auch für ihn gut ſein, wenn der der Kinder nicht verletzt werden ſollen. Als Zuſchuß zur Frankfur=
Reichstag möglichſt bald zu Ende kommt, damit er ſeinen Er=
Fſurnde dauerten. Der Innenetat iſt ja eigentlich die Schuttab=
a
eſtelle von Eingaben, die andererſeits nicht unterzubringen.
lup, die aber jetzt mit Rüchſicht auf den Wahlkompf beſonders
MSFfeitigung der einzelſtaatlichen Geſandtſchaften wurde mit knap= Dienstag 10 Uhr. Schluß 19.15 Uhr.
e- Mehrheit abgelehnt. Dabei ging die Abſtimmung mitten
urch die einzelnen Parteien hindurch. Die Deutſche Vollspartei
per geſpalten. Auch beim Zentrum trat ſchließlich eine Gruppe
linter Führung des Arbeitsminiſters Brauus für Beſeitigung der
Biſandtſchaften ein. Genau dieſelbe Gruppierung zeigte ſich bei
ſem Antrag auf Schaffung eines Reichsbürgerrechtes, bei dem
benfalls die Gruppe Brauns, wenn man ſo ſagen darf, unitariſch
ürmmte.
v. Keudell — Sollmann.
nedlen Metallen angenommen. Der Antrag auf Verkürzung der
enr Steuerausſchuß übevwieſen. Dann ſetzte das Haus die Beratung
enommen würden. Solche geſundheitsgefährlichen Experimente ſeien über die Bedenken des Handels, des Handwwerks und der In=
chaftlichen
Nutzen vorgenommen worden.
In einer kurzen Rede äußerte ſich Reichsinnenminiſter Dr. von politik iſt gekennzeichnet durch eine niemals
VeFüdell zu verſchiedenen in der Debatte aufgeworfenen Einzelfragen, vorher gekannte Zielloſigkeit. Es iſt eine der größ=
heburtenrückganges
an. Was die Frage der Entlaſſung des Miniſterial=
uch
die Gründe mitgeteilt wurden, mit denen Miniſter Sollmann den weite Sicht endlich in Angriff zu nehmen.”
ötaatsſekretär von Welſer und Miniſter Kooſter den Staatsſekretär
ſewald entlaſſen habe.
uung der Notlage Oſtpreußens. Hinwiederum beantragten die Sozial=
nnderung
der Sänglingsſterblichkeit. Auch die Ausbreitung der In=
leltionskranbheiten
ſei vermindert, ebenſo wie die Verbreitung der Ge=
grechtskrankheiten
zurückgegangen ſei, namentlich in Hamburg.
Es kam dann zu neuen Auseinanderſetzungen zwiſchen dem Abg.
180 Umann (S.) und Reichsinnenminiſter von Keudell. Der Abgeordnete
ichtete an den Miniſter die Frage, ob es zutreffe, daß der Miniſter die
1Beförderung der beiden Regierungsräte Wallraf und Nießen in ſeinem
Mäniſterium zu Oberregierungsräten angeordnet habe und daß durch
naliftzierte übergangen worden ſeien. Dieſe Haltung des Miniſters mit 1490 Räumen, davon 639 Bürgerwohnungen. In den ge=
uberſpreche
ſeiner kürzlich im Reichstage abgegebenen Erklärung. Der
Sollmann habe ihn mißverſtanden. Er, der Miniſter, habe nicht zu=
geichgültig
, ob der Reichstag verſammelt ſei oder nicht. Er wiſſe die
vrrandwortlich ſei.
Abg. Sollmann ſtellte darauf feſt, daß der Miniſter ſeine Be=
Beamten im Innenminiſterium nicht beſtritten habe, von Keudell habe
dermit beſtätigt, was er vor einigen Tagen, ins Reich der Fabel ver=
äeſen
habe.
Abg. Torgler (Kom.) hieli die Vorwürfe gegen den Miniſter
fur berechtigt, erklärte aber, die Sozialdemokraten hätten alle Urſache,
enſt einmal vor ihrer eigenen Tür zu kehren.
und derſelben Partei mehreremal hintereinander ſprachen. In der
mugen für die Kleinrentnerfürſorge ſtark bemängelt.
tnngen zur grt
folgten dann die zurückgeſtellten

Abſtimmungen.

Aie Beſeitlgung der einzeſſiagtlichen Gefandi= amtrag der Kommuniſten gegen den Aeiſchsinnenminiſter verfiel gleich= welle und ruinierten Motoren nach ſeinem Heimatshafen zurück=
Man muß es dem Reichstag laſſen, er macht jetzt naſche Ar= reichen Entſchließungen des Ausſchuſſes wurden angenommen, darunter eigentlich die Haparien des Dampfers wirklich beſtanden hatten,
die Entſchließung, die den Vertretern der Behörden zur Pflicht machen
ſet. Er hat am Montag die zweite Beratung des Innenetats will, an Veranſtaltungen in amtlicher Eigenſchaft nur dann teilzuneh= und während über das Unglück ſelbſt nur eine ganz kurze, faſt
ſeendet, hat auch den Nachtragsetat und den Ergänzugsetat im men, wenn die Neichsfarben an hervorragender Stelle gezeigt werden, nichtsſagende Notiz erſchien, brachte unlängſt der „Lavoro
beäentlichen durchberaten. Damit iſt die zweite Leſung des gan= ſerner die Entſchließung, die für alle Deutſchen anſtelle der Staatsange= d’Italia” in Rom die Meldung, daß der „Auguſtus” deshalb
er Etatswerkes, mit Ausnahme des Phöbusfalles, der für hörigkeit eine deutſche Reichsangehörigkeit wünſcht. Abgelehnt habe umkehren müſſen, weil die Schraubenwellen aus Krupp=
bienstag
reſerviert iſt, und der Grenzfragen, beendet. Wenn wurde die Ausſchußentſchließung, die die Neichs= ſchem Gußſtahl nichts getaugt und die Motoren aus der München=
lnen
vom Dienstag ab mit den Sitzungen ſchon morgens um regierung erſucht, auf die Länder einzuwirken, daß die überflüſſi=
10 Uhr beginnt, wird es vielleicht möglich ſeim, das ganze Pen= gen und koſtivieligen Geſandtſchaften der Länder untereinander auf= Augsburger Maſchinenfabrik verſagt hätten. Dabei wurde hinzu=
gehoben
werden. Für dieſe Entſhließung ſtimmten nur die Linke und gefügt, daß die Garantiefriſt für dieſe Teile des Schiffes noch
un ſchon am Freitag fertig zu haben. Der Reichskanzler Dr. ein kleiner Teil des Zentrums unter Führung des Neichsarbeitsmini= nicht abgelaufen geweſen ſei, weshalb auch ein deutſcher Inge=
ſtarx
hat nach ſeiner Erkrankung am Montag dem Reichstag ſters Dr. Brauns, während ſich der andere Teil des Zentrums ſich der nieur von Krupp mitgefahren ſei. Dieſe Meldung war ebenſo
mn en Beſuch abgeſtattet, und Glückwünſche für ſeine Geneſung Stimme enthält. Annahme fand die Ausſchußentſchließung, wonach intereſſant wie offenbar — ſagen wir ſanftmütig — „tückiſch”
Irtealten. Er ſieht aber noch ſehr erholungsbedürftig aus, muß der Religionsunterricht in den Schulen nach den Beſtimmungen der Intereſſant war es zu hören, daß in dieſem vielgeprieſenen Schiff
m. Stock gehen und kann ſich offenbar nur mit größter Mühe Reichsverfaſſung erteilt und im Geſamtunterricht die religiöſen Gefühle wichtige Konſtruktionsteile deutſcher Herkunft eingebaut waren.
ter Internationalen Muſikausſtellung wurden auf Antrag aller Par= Man hatte doch in Italien das Loblied dieſes Neubaues, der mit
cungsurlaub antreten kann. Beim Abſchluß des Innenetats Grenzländer beſchäftigen, wurden bis zur dritten Leſung zurückgeſtellt, ſchönſte Lurusſchiff der Welt bezeichnet wurde, gerade deshalb
as es den üblichen Schwanz von Abſtimmungen, die ſaſt eine Im übrigen wurde der Etat des Reichsinnenminiſteriuns in der Aus= ſo tief empfunden geſungen, weil es ein nationales Werk ſei.
ſchußfaſſung angenommen. Der Geſetzentwurf über Schußwaffen und
Munition wurde in zweiter Beratung angenommen. Die dritte Be=
ratung
ſoll ſpäter ſtattfinden. Der Nachtragsetat für 1927 wurde gleich=
Uei=bhaltig ſind. Dabei gab es ein ziemliches Durcheinander. Die falls in der Ausſchußfaſſung genehmigt. Das Haus, vertagte ſich auf Arbeit iſt, ſondern auch Maſchinen und ſonſtige weſentliche Teile
Der Hanſa=Bund
gegen das Agrar=Notprogramm.
Berlin, 26. März.
Präſident des Hanſabundes, Reichstagsabgeordneter Hermann gleich aber auch, daß ihre Qualität vollkommen gut und jeden
Reichstags=Sitzungsbericht. — Rededuell politiſche Lage. Es bedeute eine Figskoerklärung für das Hals Krupp=Wellen, die auf gar vielen anderen Dampfern nicht
über Kopf zur Durchführung gelangende Notprogramm, ſo führte brechen, und die berühmten Dieſelmotoren, die auf allen mög=
der
Redner aus, wenn man für 1928 die gleich hohe Lebens= lichen Weltmeeren ruhig und ohne Habarien ſonſt laufen, aus=
Der Reichstag erledigte heute zunächſt eine Reihe kleiner Vorlagen. mitteleinfuhr wie für 1927 vorausſetze. Aber Mangel an Ziel=
Es wurde u. a. die Verlängerung des Geſetzes über den Vekehr mit klarheit ſei ja das Hauptzeichen dieſes Notprogramms. „Wir
alle haben”, betonte Fiſcher, „das größte Intereſſe an einer gut=
(ärſten für die Rückzahlungen au Sder Zigarettenbanderolenſteuer wurde, gehenden Landwirtſchaft. Aber über dieſes Problem kann man
18 Gtats des Reichsinnenminiſteriums fort. Abg. Dr. Moſes (S) nicht Herr werden, wenn man ſich auf das Gebiet der ſtaatlichen, man wußte auch, daß kaunt ein italieniſches Blatt einen Wider=
1e urteilte unte: lebhafter Zuſtimmung die Experimente, die Subbention begibt. Wer für den Warenaustauſch der verſchiede= ruf gebracht hätte. Man ſah jedoch in der deutſchen Preſſe eine
In Kindern in öffentlichen Klnifen und Krankenhäuſern vor= den Wirtſchaftszweige eintrit, könne nicht dulden, daß mau ſich verſteckte Notiz, die kurz beſagte, daß der italieniſche Vorwurf
mer anderem in Düſſeldorf an Kindern ohne jeden wiſſen= duſtrie, über die einſeitige Begünſtigung der Landwirtſchaft hin= unwahr ſei, daß vielmehr die Unterſuchung ergeben habe, daß
15. lindigte u. a. eine wiſſenſchaftliche Unterſuchung des Problens des ten Sorgen der deutſchen Wirtſchaft, ob der künftige Reichstag in man aus informierten Kreiſen der Genueſer Schiffahrt ſo nach
üiektors Brecht anbetreffe, ſo ſei ihm nicht erinnerlich, ob ſeinerzeit der Lage ſein wird, eine Wirtſchafts= und Finonzpolitik auf und nach, was ſich ereignet hat, ohne daß natürlich von dieſer
Wie andere Spitzenverbände hatte auch der Hanſabund über
Im weiteren Verlaufe der Debatte beantragten die Sozialdemo= ſen. Miniſterialrat Keding=Schwerin, dem dieſe Arbeit über= „Conte Roſſo”, „Conte Verde” und „Conte Biancamano” ge=
Ureten die Aufhebung des Poſtens des Reichskommiſſars für öffentliche tragen wurde, berichtete über ſeine bisherigen Feſtſtellungen. Für hören, überall aus, daß der eine dieſer Dampfer die ſchnellſte
lachnung. Die Deutſchnationalen verlangten größere Mittel zur be= Mecklenburg=Schwerin berechnete Keding entſprechend den Zah= Reiſe zwiſchen Europa und Südamerika volbracht habe. Er ſei
emokraten die Streichung der Mittel für die Techniſche Nothilfe. Im len des Etats von 1928 Erſparungsmöglichkeiten von 6,4 Mil= ſchneller — und zwar um einen Tag ſchneller — von Genua aus
lpifteren Verlaufe der Sitzung gab der Präſident des Reichsgeſundheits= lionen Mark. So würde, von Mecklenburg auf das Reich ge= in Rio de Janeiro geweſen als der raſcheſte deutſche Dampfer von
Umtes einen kurzen Ueberblick über den gegenwärtigen Geſundheitszu= ſchloſſen, ſich durch die Neuformung des Reiches in Verbindung Hamburg aus. Damit iſt zunächſt noch nicht einmal geſagt, ob
und in Deutſchland, den er als befriedigend bezeichnete. Die Steußlich= mit einer Rationaliſierung der geſamten Verwaltung, eine Er= der Italiener beſſer als der Deutſche gelaufen iſt, man müßte
eirsziffer ſei allgemein zurückgegangen, beſonders erheblich iſt die Ver= ſparnis von mindeſtens 600 Millionen Mark im Jahre ergeben, erſt mal die Zahlen für die täglichen Seemeilen kennen. Aber
Unerträgliche Beſatzungslaſien
der Stadt Mainz.
N. Ernennung der beiden Regierungsräte fünf oder ſechs andere gleich= 1498 Wohnungen mit 9490 Räumen, ferner 655 Teiſwohnungen nieuren und Arbeitern montiert worden, daß man ſich über die
Nadner erklärte weiter, daß der Miniſter im Falle Brecht nun endlich ſamten beſetzten Gebietsteilen waren am 15. März 1927 beſchlag= den. Auch die Dieſelmotoren ſind nicht richtig gelagert worden.
zusgegeben habe, daß er Brecht entlaſſen habe, weil er Republikaner ſei. nahmt 4492 Bürgerwohnungen, davon in Mainz 639, das ſind Aber — und das iſt ſpäter der Grund geweſen, warum der
Reichsinnenminiſter von Keudell ewwiderte, der Abg. 192 Prozent. Die Bevöllerung von Mainz macht 29 Prozent Dampfer, der ſchon auf der erſten Reiſe, zu Anſtänden Anlaß
gsgeben, daß er Brecht entlaſſen hobe, weil er republikaniſſch goſinnt ſei, der geſamten Bevöllerung der beſetzten Gebiete aus. In 129 gegeben hat, bei der letzten Fahrt plötzlich, vollkommen hilflos
Auff den Vorwurf des Abg. Sollmann, daß er, der Miniſter, noch vor Fällen beſteht in Mainz gemeinſame Küchenbenutzung mit der wurde, — dieſe ſchlecht montierten Teile wurden obendrein einer
Schluß des Reichstages ſeinen „deutſchnationalen Beamtenſchub” vor= Beſatzung. Hinzu kommt noch die Beſchlagnahme einer großen Ueberbelaſtung unterzogen, die auch richtig eingebaute Maſchinen
nchmen wolle erklärte der Miniſter, bei ſeinen Amtshandlungen ſei Ss Anzahl von gewerblichen Anlagen, ferner vieler hundert Buregu= nicht ausgehalten hätten. Man wollte den Rekord brechen und
6-enzen zwiſchen Legislative und Exekutwe genau einzuhalten. Damit räume von Lagerhäuſern von 140 Zimmern mit 300 Betten im nicht weniger als 40 Seemeilen in der Stunde erzielen (ſo wird
Aube es nichts zu tun, daß er für ſeine Handlungen dem Reichstage Städt. Krankenhaus, und vor allem die Belegung der Schulen, nur für eine viel geringere Schnelligkeit konſtruiert und garan=
hauptungen
über die bevorſtehenden Beförderungen deutſchnationaler Eineamerikaniſche Entſchließung gegen Kredite doch ſollen bis 32 Seemeilen garantiert worden ſein. Vierzig
an das Ausland.
New York, 26. März.
kaniſchen Induſtrien hat eine Entſchließung angenommen, die da= nach Geuuc geſchlennt werden.
Es folgte dann die zweite Leſung des Ergänzungsetats, bei der für eintritt, die Kreditgewährung amerikaniſcher Bankiers an das
uäederum ohne Einhaltung einer beſtimmten Reihenfolge Redner ein Ausland einzuſchränken und das amerikaniſche Kapital ſtatt deſ= heiten bei italieniſchen Schiffen gehören, ergeben weitere Mittei=
Lebatte wurde von ſozialdemokratiſcher Seite die Einſetzung eines ſen zu öffentlichen Arbeiten im Lande ſelbſt zu verwenden, um lungen in Genug, wonach der große Dampfer „Orazio” unlängſt
veberwachungsausſchuffes beantragt, der dafür, ſorgen ſoll, daß die ſo eine Abhilfe gegen die Arbeitsloſigkeit zu ſchaffen. Die Ent= ſeine Schraube verleren hat und zwei Tage hilflos trieb. Ein
Fäffsmittel des Notprogramms auch der Bauernſchaft und nicht bloß ſchließung ſtellt die Forderung auf, daß das Kapital nur dann ähnliches Unglück wie bei der „Mafalda” wurde nur dadurch
dem Großgrundbeſitz zugute kommen. Von demokratiſcher Seite und ins Ausland gegen dürfe, wenn eine eigens dazu geſchaffene verhitet, daß diesmal beim Verluſt der Schraube der Verſchluß
vuen dem einzigen Vertreter der Volksrachtspartei wurden die Beſtim= Kommiſſion ihre Erlaubnis gegeben habe. Amerika, ſo heißt es gegen das Schiffsinnere funktionierte. Ferner hat der ebenfalls
Damit ſchließt die Ausſprache. Ohne Ausſprache genehmigte das am Schluſſe der Entſchließung, iſt das einzige Land der Welt, zu den größten Schiffen der italieniſchen Handelsmarine gehörige
beaus eine Entſchließung des Volkswirtſchaftlichen Ausſchuſſes zu= das mit der Schaffung von Sicherungen gegen die Arbeitsloſig= Dampfer „Duilio” einen Teil des Prua” des Vorderſtevens,
gunſten der Roggenpfandbriefſchuldner. Es ſoll insbeſondere geprüft keit im Rückſtande iſt, während Großbritannien dank ſolcher verloren. Durch alle dieſe Hadarien gehen die Verluſte der italie=
narden
, ob Mittel zur Verfügung geſtellt werden können, um Umſchul= Schierungen einem der ſchwerſten Stürme in der Geſchichte des niſchen Handelsmarine in dieſem Jahre, ganz abgeſehen von der
engliſchen Wirtſchaftslebens Widerſtand leiſten konnte.

Havarien.

Aus Genua wird uns geſchrieben:
Bald nachdem das größte Motorſchiff der italieniſchen Han=
delsmarine
, der „Auguſtus”, auf ſeiner Reiſe nach Braſilien
— es war, wenn wir nicht iuren, die zweite, die der eben erſt vom
Der kom. Antrag auf Streichung des Gehalts des Miniſters von Stapel gelaufene Lurusdampfer unternahm — hinter Barcelona
Keudell wurde gegen die Antragſteller abgelehnt. Der Mißtrauens= ſeine Fahrt unterbrechen mußte, um mit gebrochenen Schrauben=
falls
der Ablehnung, und zwar gegen die Stimmen der Kommuniſten, zukehren, tauchten in der italieniſchen Preſſe ganz merkwürdige
der Sozialdemokraten und des größten Teils der Demokraten. Die zahls Gerüchte auf. Während man nicht erfahren konnte, worin nun
teien 150 000 Mark bewilligt. Die Titel, die ſich mit der Fürſorge der allen Neuerungen der heutigen Zeit ausgerüſtet war und als das
Nationale Arbeit will doch aber eigentlich beſagen, daß nicht nur
die Konſtruktion des Schiffs oder die Montage eine italieniſche
aus italieniſchen Fabriken hervorgegangen ſind. Nun auf einmal
hörte man, daß die wichtigſten Teile dieſes Dampfers gar nicht
aus Italien, ſondern aus dem vielgeſchmähten Deutſchland
ſtammten. Mit dem natiovalen Werk war’s alſo nichts. Aber
dieſe feſſelnde Nachricht bekam man merkwürdigerweiſe erſt zu
hören, als man zugleich den deutſchen Lieferanten die Schuld an
dem Verſagen des Dampfers zuſchieben konnte. Nur haben
Der wirtſchaftspolitiſche Geſamtausſchuß des Hanſabundes Lügen eben kurze Beine. Es iſt zwar wahr, daß die wichtigſten
iſt heute vormittag im Hotel Eſplanade zuſammengetreten. Der Teile des „Auguſtus” aus Deutſchlands Fabriken ſtammen, zu=
Fiſcher, erſtattete ein eingehendes Referat über die wirtſchafts= Fehlers bar war. Es war ja auch zu merkwürdig, daß die guten
gerechnet beim italieniſchen neueſten Dampfer untauglich ſein
ſollten.
Man wunderte ſich zunächſt allerdings, daß man weder von
Krupp noch von Augsburg=Nürnberg ein Dementi hörte, aber
wegſetze. Die jetzige Etats= und Wirtſchafts= Fehler bei dem von der Firma Krupp gelieferten Material nicht
vorlagen, ſondern „nach anderer Richtung zu ſuchen ſeien”.
Was iſt nun eigentlich vorgekommen? Jetzt erſt vernimmt
Wahrheit auch nur ein Ton in die italieniſche Oeffentlichkeit der
zenſurierten Preſſe dringt. Dafür trompetete ſeit ein paar Tagen
die Frage der Reichsreform eine Unterſuchung vornehmen laſ= die italieniſche Geſellſchaft, der die großen Südamerikadampfer
man ſieht daraus, daß die Italiener alles daran ſetzen, Rekorde
zu erzielen. Und dieſer Sucht iſt auch der „Auguſtus” zum Opfer
gefallen. Die Mitteilungen aus Genua beweiſen es ſchlagend.
Zunächſt — ſo wird in Genuc erklärt — ſind die von Krupp
Mainz, 26. März. gelieferten Schraubenwellen von tadelloſer Beſchaffenheit ge=
Insgeſamt wurden in Maünz am 1. Mai 1927 beſchlagnahmt weſen. Sie ſind aber in einer Weiſe von den italieniſchen Inge=
Havarie auf offenem Ozean nicht wundern darf. Sie ſind erſtens
falſch und zweitens auch noch in allzu großer Eile eingebaut wor=
glaubwürdig
verſichert), während die Motoren und die Wellen
tiert waren. Die zahlenmüßige Unterlage iſt hier nicht bekannt,
Seemeilen bei ſchlechter Montage und wenig guter Behandlung
der Maſchinen ſind natürlich zuviel. Die Motoren liefen heiß und
klemmten, und die Schraubenwelle brach. Nicht einmal mit eige=
Das Inſtitut für Arbeitsfragen des Zentralrates der ameri= ner Kraft konnte der Dampfer heimkehren, ſondern mußte bis
Daß derartige Haparien augenblicklich nicht zu den Selten=
ſchlechten
Geſchäftslage, in die Millionen.

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Seite 2

Oſenstag, den 27. März 1928

Frankreich im Wahlkampf.

Poincarés Programm=Rede. — Das Echo
in der Pariſer Preſſe.
EP. Paris, 26. März.
Mit Ausnahme der großen Informationsdebatter, die im
Prinzip immer Regierungspolitik betreiben, iſt die Parteipreſſe
allgemein geſprochen nicht ſehr befriedigt von der geſtrigen Rede
Poincarés in Bordeaux. Die nationaliſtiſchen Blätter hätten eine
vernichtende Anklage gegen das Kartell und eine Lobrede auf die
nationale Einigung vorgezogen, da ſie offenbar der Anſicht ſind,
daß die Ausſichten für die Wiederherſtellung des Nationalen
Blocks und die erfolgreiche Bekämpfung der Radikalen günſtig
ſind. Die Linksblätter zeigen ſich zum Teil ungehalten über die
zwar diskrete, aber trotzdem deutlich genug formulierte Kritik
Poincarés an der Finanzpolitik des Kartells und ſind vor allem
verlegen darüber, daß die Radikalen nun gezwungen ſein wer=
den
, entweder offen eine Poincariſtiſche Wahltaktik einzuſchlagen
oder ſich aus der Regierungsmehrheit verdrängen zu laſſen und
damit ihre Führer Herriot und Painlevé zu desavouieren.
Die „Victoire” iſt geradzu entrüſtet darüber, daß Poin=
caré
die frühere Kartellpolitik gewiſſermaßen mit Blumen zu=
gedeckt
und ihren Führern Abſolution erteilt habe. Es genüge
nicht, die Schönheiten der Nationalen Union zu rühmen, man
müſſe ſich mit den praktiſchen Fragen der Wahltaktik näher be=
faſſen
. Im zweiten Wahlgang aber werde man totſicher erleben,
daß die Radikalen aller Schattierungen immer eher mit den
Sozialiſten oder den Kommuniſten zuſammengehen werden als
mit den Gemäßigten. — Die „Volonté” glaubt dagegen, daß
man mit der Rede zufrieden ſein könne. Poincaré habe geſtern
wahrſcheinlich die Rechte befriedigen wollen, um am nächſten
Sonntag in Carcaſſonne der Linken einige Befriedigung geben zu
können, indem er ſein Programm mehr im Sinne der Radikalen
geſtalten werde. — Die „Ere Nouvelle” iſt in der Hauptſache
befriedigt, beſonders weil Poincaré ſich für die Laiengeſetze aus=
gefprochen
hat. Es werde nach dieſer Aeußerung Poincarés den
Rechtsparteien ſchwer fallen, Poincaré als einen Mann der Rech=
ten
anzuſprechen.
Berlin und die Poincaré=Rede.

Berlin, 26. März.
Wie wir aus unterrichteten politiſchen Kreiſen hören, müſſe
die geſtrige Rede Poincarés in Bordeaux zwar in erſter Linie als
Wahlrede betrachtet werden, die alſo im weſentlichen der Wähler=
ſtimmung
angepaßt war. Trotzdem muß es, ſo wird erklärt, von
deutſcher Seite als ſehr bedauerlich angeſehen werden, daß
Poincaré jetzt nichts Beſſeres zu tun hat, als
auf den Ruhrkampf zurückzugreifen, auf jene Zeit
alſo, die für die deutſch=franzöſiſchen Beziehungen nach dem
Kriege die traurigſte Periode darſtellt. Wenn Poincaré unter
anderem betont hat, daß ohne die Ruhrpolitik der Dawesplan
nicht angenommen worden wäre, ſo iſt dieſe Behauptung nur
zum Teil richtig. Richtig iſt ſie allerdings inſofern, daß gerade die
Ruhrpolitik Poincarés der Grund war, weshalb der Dawesplan
geſchaffen wurde. Ohne Ruhrbeſetzung hätten Frankreich und
England nicht ſo ſchnell Entſcheidungen getroffen, um dem
Treiben Poincaré8 — wenigſtens in reparationspolitiſcher
Hinſicht — mit dem Dawesplan einen Riegel vorzu=
ſchieben
.

Franzöſiſche SchuldenverHandlungen
mit England und Amerika.
Paris, 26. März.
Nach dem „Echo de Paris” führt die franzöſiſche Regierung
gegenwärtig Verhandlungen mit den Regierungen Englands und
Amerikas über die in dieſem Budgetjahre zu leiſtenden Zahlun=
gen
für Begleichung der franzöſiſchen Schulden. Ohne ſich in
irgend einer Weiſe für die Zukunft feſtzulegen, werde Frankreich
vorausſichtlich an England den im Caillaux=Churchill=Abkommen
vom 12. Juli 1926 feſtgelegten Jahresbetrag von 8 Millionen
Pfund Sterling auch in dieſem Jahre zahlen und an Amerika
wie im vergangenen Jahre 30 Millionen Dollars, einen Betrag,
der den erſten Annuitäten des Mellon=Berenger=Abkommens vom
April 1926 entſpricht.

Vom Tage.

Auf der Kandidatenliſte der Sozialdemokratiſchen
Partei im Bezirk Brandenburg=Grenzmark für die
Reichstags= und Landtagswahl ſteht der Sohn des verſtorbenen
Reichspräſidenten Friedrich Ebert.

Der deutſche Geſandte Dr. Voretzſch und der portugieſiſche Miniſter
für auswärtige Angelegenheiten tauſchten die Ratifikationen
über den Rechtshilfevertrag zwiſchen Portngal und
Deutſchland aus.

Nach Meldungen aus Moskau ſoll der afghaniſche Geſandte
für Rußland in Leningrad damit beſchäftigt ſein, Vorberei=
tungen
für den Beſuch des Königs Aman Ullah zu
treffen. Der König von Afghaniſtan wird Anfangs Mai in Ruß=
land
erwartet. Sein Aufenthalt in Rußland wird ungefähr drei Wochen
dauern.
Der tſchechiſche Außenminiſter Dr. Beneſch wird demnächſt
nach Brüſſel kommen, um im Völkerbundsverein eine Rede über
ein noch nicht bekanntes politiſches Thema zu halten.

Am 28. März 1928 wird der Telephonverkehr zwiſchen
Frankreich und Amerika eröffnet werden.

Der ſpaniſche Kriegsminiſter iſt plötzlich zurückge=
treten
. Seine Demiſſion ſoll eine erzwungene ſein, da im ſpaniſchen
Offizierkorps ſich ſtarker Widerſtand gegen das Regime Primo de Ri=
veras
bemerkbar machen ſoll. Das Kriegsminiſterium ſoll dem gegen=
wärtigen
Innenminiſter, General Anido, übertragen werden.

General Carmona iſt wiederum zum Präſidenten
der Republik Portugal gewählt worden.
Die italieniſche Kammer hat am Samstag mit der Geneh=
migung
des Etats des Miniſteriums der öffentlichen Arbeiten ihre
gegenwärtige Seſſion geſchloſſen.

Nach Meldungen aus Buenos. Aires hat die Radikale
Bürgerpartei ihren Führer Irigoyen zum Kandidaten
bei den Staatspräſidentenwahlen aufgeſtellt.

Das amerikaniſche Staatsdepartement in Waſhington hat das
Verbot für die Ausfuhr von Handelsflugzeugen
nach Mexiko aufgehoben.

Vereinigung Waldecks mit Preußen.

Karte des Freiſtaates Waldeck.
Der Staatsvertrag über die Vereinigung Waldecks mit
Preußen wurde unterzeichnet. Nach Annahme des Vertrags im
preußiſchen und waldeckſchen Landtag hört die ſelbſtändige Exi=
ſtenz
des im ganzen nur 1055 Quadratkilometer und 55 000 Ein=
wohner
umfaſſenden Freiſtaates Waldeck auf. Die innere Ver=
waltung
des ſeit 1682 als Reichsfürſtentum, vordem als Graf=
ſchaft
regierten Landes Waldeck ging bereits am 1. Januar 1868
durch Staatsvertrag auf Preußen über. Nun kommt der letzte
Schein der Unabhängigkeit des Zwergſtaates in Fortfall.

Steuerverweigerungen in Tirol.

Bozen, 26. März.
In der Provinz Trient weigerten ſich die Bauern, die
Steuren zu zahlen. Die Steuereintreiber können nur mit Hilfe
der Karabinieri die Pfändungen durchführen. In der Gemeinde
Tuenne im Nonns=Tal revoltierten die Bauern gegen den faszi=
ſtiſchen
Bürgermeiſter, ſo daß ein Komwando Karabinieri zur
Wiederherſtellung der Ruhe herangezogen werden mußte.
64 Bauern wurden verhaftet.

Oas Genfer Fiasko.

Der deutſche Standpunkt zum Scheitern
der Abrüſtungs=Kommiſſion.
* Berlin, 25. März. (Priv.=Tel.)
Der Führer der deutſchen Abrüftungsdelegation, Graf Bernn
ſtorff, iſt am Montag nachmittag in Berlin eingetroffen und wirß!
in den nächſten Tagen dem Kabinett über das völlige Figska)
der Genfer Arüſtungskonferenz Bericht erſtatten. An amtt
lichen Stellen iſt man ſich natürlich in Uebereinſtimmung mind
der geſamten deutſchen Oeffentlichkeit darüber klar. Es ſcheinm
jedoch, als wenn beabſichtigt iſt, aus taktiſchen Gründen kurz zun
treten und zu vermeiden, irgendwelche unmittelbaren Folgerun= politiſcher Art aus dem Scheitern des Abrüſtungsgedonkens)
zu ziehen, was natürlich nicht ausſchließt, daß von ſeiten des
Außenminiſters bei der nächſten Gelegenheit nachdrücklich daraufu
hingewieſen wird, daß Deutſchland ſich eine ſolche Behandlung=
der
Angelegenheit nicht gefallen laſſen kann. Insbeſondere iſt es
wachgerade ungeheuerlich, wem jetzt von Frankreich die Parolgt
ausgegeben wird, daß Deutſchland aus dem Verſailler Vertrag
nur ein moraliſches Recht auf eine allgemeine Abrüftung habem
darf. Im April noch hat der damalige Vertreter Frankreichs./
Paul=Boncour, ausdrücklich die rechtliche Verpflichtung dern
Siegerſtaaten auf den Abbau ihrer Rüſtungen anerkannt. Dern
Reichsaußenminiſter wird am Mittwoch auf dem Empfangs—
abend der ausländiſchen Preſſe ſprechen. Es iſt möglich, daß ern
bei der Gelegenheit ſchon ſagt, was von deutſcher Seite aus zu
bemerken iſt; wenn er es nicht vorzieht, ſeine Antwort auf die
dritte Leſung ſeines Etats am Donnerstag oder Freitag zu 1 Kduken aus
verlegen.
Die ruſſiſche und türkiſche Delegation
noch in Genf.
EP. Genf, 26. März.
Die türkiſche und die ruſſiſche Delegation, die an den Veu
handlungen der vorbereitenden Abfrüſtungsckommmſſion teilge
nommen haben, weilen noch in Genf. Die ruſſiſchen Vertreter
werden worgen bis auf Litwinow Genf verlaſſen, und zwar
reiſem Lunatſcharſki und Stein nach Bern, während Litwinow
ſich nach Frankreich begibt. Gerüchte, daß die ruſſiſche Delego=
tion
im Laufe des heutigen Tages mit dem türkiſchen Außen=
miniſter
und mit franzöſiſchen Stellen Verhandlungen geführt
habe, werden von den Ruſſen dementiert.

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Nr.

Die Seemächte über die Einſchränkung
der Seerüſiungen.
Paris, 26. März.
In einer Würdigung der neuen engliſchen Vorſchläge zun
Einſchränkung der Seerüſtungen teilt das „Echo de Paris” mit,
daß ſeit einiger Zeit ſehr aktive Verhandlungen mit dem Ziel
einer Verringerung der Tonnage der „Kriegsflotten gefüht
würden.
Eine Stellungnahme der amtlichen Kreiſe Waſhingtons zu
dem engliſchen Vorſchlage, den Tonnengehalt der Linienſchiffe
zu verringern, das Kaliber der Geſütze herabzuſetzen und die
Lebensdauer der Schiffe zu verlängern, liegt noch nicht vor, aber
inoffiziell wird erklärt, daß dieſe Vorſchläge nichts neues ſeien.
Die britiſche Delegation habe ſie ſchon im Juni in Genf gemacht.
Damals habe die amerikaniſche Delegation feſtgeſtellt, daß durch
eine Herabſetzung des Tonnengehaltes der Linienſchiffe der
ſtrategiſche Wert der amerikaniſchen Flotte vermindert werde,
obwohl dieſe infolge des Fehlens von Flottenſtützpunkten an ſich
bereits benachteiligt ſei. Jeder Vorſchlag, den Tonnengehalt
unter 30000 Tonnen herabzudrücken, werde die britiſche Ueber=
legenheit
zur See in entſprechendem Grade ſteigern.
Auch der japaniſche Marineminiſter iſt nach Meldungen aus
Tokio der Anſicht, daß es ſchwierig ſein werde, den neuen eng=
liſchen
Vorſchlägen zuzuſtimmen, weil Großbritannien, das
modernere Schiffe beſitze, bei Annahme ſeiner Vorſchläge größere
Vorteile gewinne als die anderen Mächte.

bot
Heiten Deutſ
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Guido Thielſchers 30 jähriges Bühnenjubiläum.

Zum 27. März.
inf. Ein ganzes Menſchenalter Berliner Komik zieht an dem
Betrachter vorüber, wenn man das Lebenswerk Guido Thielſchers
würdigt. Dieſer „echteſte Berliner” ſtammt aus Oberſchleſien,
denn er iſt am 10. September 1859 in Königshütte geboren. Er
hat aber den Wandlungsprozeß zu einem Vertreter des urwüch=
ſigen
Berlinertums in verhältnismäßig ſehr kurzer Zeit und mit
großem Erfolge durchgemacht, denn er gilt ſchon lange als älteſter
und beſter Vermittler der komiſchen Art der Reichshauptſtadt.
Schon in jugendlichem Alter von 19 Jahren kam er als junger
Anfänger nach Berlin, wo er im Belle=Alliance=Theater ſeine erſte
Anſtellung erhielt. Für jugendliche Helden= und Liebhaberrollen
war er ſeiner Figur nach nicht geſchaffen, und ſo mußte er ſich
zuerſt daran gewöhnen, kleine Backfiſche darzuſtellen, da ſein
Aeußeres ihn für ſolche Aufgaben geſchaffen erſcheinen ließ. Er
war aber klug genug, ſich ſchon nach kurzer Bühnentätigkeit dem
komiſchen Fach zuzuwenden, da er dafür nicht nur das Ausſehen,
ſondern auch ein ungeſöhnliches Talent mitbrachte. Seine kugel=
runde
, queckſilberartig bewegliche Geſtalt erregte ſchon beim Er=
ſcheinen
auf der Bühne ſtürmiſche Heiterkeit, und er wurde bald
derartig ein Liebling des Publikums, daß die Poſſendichter ihm
beſondere Rollen auf ſeinen feiſten Leib ſchrieben. Den größten
Erfolg hatte er als „Charleys Tante” aufzuweiſen. Monatelang
war das Theater ausverkauft, denn jeder mußte Thielſcher als
Tante geſehen haben. Viele Komiker verſuchten ihm in dieſer
Poſſe, die über alle Theater der Erde ging, die Heiterkeitswirkung
abzulauſchen. Aber keinem iſt es gelungen, denn nur Thielſcher
brachte den leichten Sinn mit, der ſich ſelbſt und die Welt zu ver=
ſpotten
verſteht, und die große komiſche Begabung, die im Spiel
und ſchönen Schein die Narretei des Lebensernſtes aufzeigt. Er
war nie ein Poſſenreißer, der nur beluſtigen wollte, ſondern trotz
allen Gelächters ein großer Künſtler, der nur die haarfeinen
Grenzen zwiſchen dem Tragiſchen und Komiſchen im Leben mit
einer luſtigen Gebärde zu verwiſchen wußte. Das hat der große
Theaterleiter Otto Brahm auch erkannt, als er Thielſcher im
Jahre 1896 vom Metropol=Theater wegholte, um ihm die großen
komiſchen Rollen der Weltliteratur zu übertragen, die einen Ge=
ſtalter
vom Range Thielſchers wohl noch nicht gehabt hatten.
Unter ſeinen Händen wurden anſcheinend verſtaubte Rollen, die
dem Geiſte der heutigen Zeit ſcheinbar nicht mehr genügten, zu
menſchlichen Charakteren von ewiger Jugend, und es erwies ſich,
daß die Geſtalten großer Dichter ſtets zeitgemäß und lebendig
ſind. Mehr als drei Jahre blieb Thielſcher im Verbande des

Deutſchen Theaters. Aber Direktor Schulz, der jüngſt verſtorbene
kluge Leiter des Metropol=Theaters, erkannte bald, daß Thielſcher
ihm unentbehrlich ſei und holte ihn wieder zurück, wo der große
Komiker den Schwänken und Revuen zu großen Erfolgen verhalf.
Das Aufblühen des Metropol=Theaters unter Direktor Schulz iſt
mit in erſter Linie auf den großen Erfolg zurückzuführen, den
Thielſcher beim Publikum hatte, wenn auch allerdings Giampetro
und die anderen großen Künſtler nicht vergeſſen werden dürfen.
Thielſcher hat die Entwicklung der modernen Poſſe, der letzten
50 Jahre nicht nur miterlebt, ſondern auch maßgebend beein=
flußt
. Noch heute ſteht er in der Gunſt des Publikums ſo hoch,
wie in den großen Jahren des Glanzes des Metropol=Theaters,
denn ſeine Kunſt hat noch nichts von ihrer Wirkung verloren. Im
Gegenteil, ſie iſt reifer und vertiefter geworden. Während der
ganzen 50 Jahre hat er der Reichshauptſtadt ſeine Kunſt gewid=
mit
, und er iſt mit ihr darum verwachſen, wie wohl ſelten ein
Künſtler neben ihm.

* Wilhelmine Enke
und König Friedrich Wilhelm II.

Ap. In dem großen Film „Der alte Fritz” wird auch das
Verhältnis des Kronprinzen Friedrich Wilhelm zu Wilhelmine
Enke berührt, ohne daß man jedoch eine richtige Vorſtellung
von dieſem bis zum Tode des Königs andauernden Verhältnis
bekommt. Wilhelmine Enke war die Tochter eines Trompeters
in der Kapelle Friedrichs des Großen. Noch ſehr jung erregte
das ſehr ſchöne Mädchen die Aufmerkſamkeit des Kronprinzen,
der ſie zu ſich nach Potsdam nahm und dann zu ihrer weiteren
Ausbildung nach Paris ſchickte. Er unterrichtete ſie ſelbſt und
beſchäftigte ſich auch ſonſt geiſtig viel mit ihr. Da ſie bildungs=
fähig
war und es verſtand, ſich dem Charakter des Prinzen an=
zuſchmiegen
, ſo entſtand zwiſchen ihnen ein inniges Verhältnis,
das auch beſtehen blieb, nachdem der intime Verkehr aufgehört
hatte. Der Prinz ſchenkte ihr ein Landhaus in Charlottenburg
und ſpäter ein Haus in der Mehrenſtraße in Berlin. Das Ver=
hältnis
, aus dem 5 Kinder hervorgingen, dauerte ungetrübt bis
zum bayeriſchen Erfolgekrieg. Dann erkaltete es, und ſie lebten
nun wie Geſchwiſter miteinander. Der Prinz ſuchte ſich von
ihr zu trennen und vermittelte eine Scheinheirat zwiſchen ihr
und ſeinem Kämmerer Reitz, der dann nach Deſſau überſiedelte.
Aber ſie kehrte bald wieder nach Berlin zurück und verſtand, das
frühere herzliche Verhältnis zum Kronprinzen wieder herzu=
ſtellen
. Nach der Thronbeſteigung Friedrich Wilhelms II. wurde
dieſes Verhältnis trotz der Verbindung des Königs mit Frl.

von Voß und der Gräfin Dönhoff noch vertrauter und inniger.
Sie gewann durch ihre Klugheit großen Einfluß auf den König,
der ihren Rat in allen öffentlichen und perfönlichen Angelegen=
heiten
einholte. Es muß anerkannt werden, daß ſie dieſe Macht
nachweisbar nicht mißbraucht hat. Wegen einer Erkrankung
mußte ſie im Jahre 1795 nach Italien, wo ſie mit der Lady
Hamilton Freundſchaft ſchloß. Da ſie am neapolitaniſchen Hofe
keinen Zutritt erhielt, erhob ſie der König zur Gräfin von
Lichtenau unter Rückdatierung des Patents. In den Jahren
1796 und 1797 nahm ſie der König, der ſie immer um ſich haben
wollte, mit nach Pyrmont, und in ſeiner ſchweren Krankheit vor
ſeinem Tode war ſie allein beſtändig um ihn. Der König hatte
ihr für ſich und ihre Kinder noch ein Haus Unter den Linden
in Berlin und die in der Neumark gelegenen Güter Lichtenau
und Breitenwerder und ein Kapital von 500 000 Talern ver=
macht
.
Tm Todestage des Königs wurde die Gräfin Lichtenau ver=
haftet
. Obwohl die für die Unterſuchung gegen ſie eingeſetzte
Kommiſſion zu dem Beſchluß gelangte, daß ſie nichts Strafwür=
diges
begangen habe, ließ König Friedrich Wilhelm III. ihre
Güter einziehen und ſie mit einer jährlichen Penſion von 400
Talern in Glogau internieren. Nach zweijährigem Aufenthalt
erhielt ſie ihre Freiheit wieder und behielt ihre Penſion. Sie
ging darauf nach Breslau und verheiratete ſich im Alter von
48 Jahren im Jahre 1802 mit dem 21jährigen Dichter Franz
von Holbein, der ſich aber nach 4 Jahren wieder von ihr trennte.
Im Jahre 1811 erhielt ſie vom König, der das an ihr begangene
Unrecht bereute, ihre Güter zurück und ſpäter noch bedeutende
Geldunterſtützungen. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris
in den Jahren 1811 und 1812 ſtarb ſie im Jahre 1820 in Berlin.
König Friedrich Wilhelm II. hat durch ſeinen Lebenswandel
vielen Anſtoß erregt, obwohl die damalige Zeit ſein Verhältnis
zu ſeiner Mätreſſe nicht in demſelben ſittlichen Maßſtab beurteilte,
wie die heutige.

Die Katakomben von Glauchau.

Auf Grund von Häuſerſenkungen, die in den letzten Jahren
um den Marktplatz von Glauchau in Sachſen ſtattfanden, wurde
ein Ingenieur beauftragt, die unterirdiſchen Gänge der Stadt zu
unterſuchen. Dabei hat er ausgedehnte Gänge feſtſtellen können,
die insgeſamt 6000 Meter Länge haben und in einer Länge von
2000 Metern mit Ziegeln ausgebaut ſind. Die Bewohner der
Stadt brachten bei Kriegsgefahr dort ihr Hab und Gut in Sicher=
heit
. Unter dem Rathaus befinden ſich größere Höhlen. Teilweiſe
ſind die Gänge in zwei Etagen eingerichtet und liegen bis zu
17 Meter tief.

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Mummer 87

Dienstag, den 27. März 1928

Seite 3

Maiwahlen.
Wir wählen am 20. Mai.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Nachdem ſich jetzt überſehen läßt, daß der Reichstag ſein ge=
ſnttes
Arbeitsprogramm ſpäteſtens am Samstag aufgearbeitet
ſken wird, hat ſich das Reichskabinett am Montag mit der
ſert wahlen vorſchlagen ſoll. Man ſpricht ſeit Wochen vom
Mai. Dieſer Termin iſt aber nicht ganz unwiderſprochen ge=
eSen
. Noch in der vorigen Woche hat der Reichsaußenminiſter
hsffentlich für eine Abkürzung des Wahlkampfes ausgeſprochen,
In eine Ueberhitzung der innenpolitiſchen Temperatur zu ver=
ſten
. Er hat dabei aber wohl auch einen außenpolitiſchen
ſeund gehabt. Im Juni tritt der Völkerbundsrat wieder zuſam=
er
=, von dem man erwartet, daß er das deutſch=franzöſiſche Ver=
i
nis, nachdem die Wahlen erfolgt ſind, in ein neues Fahr=
ſaßer
treiben wird. Es iſt begreiflich, daß der Außenminiſter
n Wunſch hat, dann in Genf als Vertreter einer Mehrheits=
ſe
erung des neuen Reichstages zu erſcheinen, nicht aber als
eruftragter eines Geſchäftsminiſteriums, das, nachdem durch die
Fechlen vielleicht eine ſtarke Verſchiebung erfolgt iſt, in der Luft
ſhwebt. Dr. Streſemann hat ſich aber mit dieſem Vorſchlag nicht
ſuchgeſetzt. Die allgemeine Meinung geht dahin, daß es im
ſeu en Reichstag außerordentlich ſchwierig ſein wird, eine Regie=
ſing
zu bilden, daß darüber Wochen vergehen werden, und
ſah, ſelbſt wenn die Wahlen Ende April vorgenommen werden
Ulrten, Ende Juni das neue Kabinett ſich noch kaum dem Reichs=
ſia
vorgeſtellt haben dürfte, da mindeſtens drei Wochen vergehen,
ſhe der Reichstag zuſammentreten kann. Das Kabinett wird
ſet halb dem Reichspräſidenten vorſchlagen, die Neuwahlen für
er. 20. Mai auszuſchreiben. In letzter Minute kam noch ein Be=
enken
aus gewerblichen Kreiſen in der „Germania” mit dem
ſinweis, daß der 20. Mai einer der ſechs Sonntage des Jahres
i an denen die Ladengeſchäfte geöffnet haben, daß es alſo eine
hwere Schädigung der Geſchäfte geweſen wäre, wenn gerade an
iſem Tage gewählt würde. Da aber der 13. Mai wegen der
öffnung der Preſſa in Köln ausſcheidet, wird dieſes
bſcenken an dem Wahltermin nichts ändern.
Dr. Wirth Gaſi der Oemokraten?
ſorz, daß ſie in den Wahlkreiſen Düſſeldorf=Oſt und =Weſt dem
ſitheren Reichskanzler Dr. Wirth eine Kadidatur an Anbergumung des Hauptverhandlungstermins in Franbfurt a. O.
w eiter Stelle auf der demokratiſchen Liſte an=
boten
habe. Sie friſiert dieſen Vorſchlag mit politiſch=
tiſchen
Gründen, weil Dr. Wirth eine der ſtärkſten Perſönlich=
eiren
Deutſchlands und der typiſche Repräſentant des republika=
lürchen
Empfindens ſei. Sie unterſtreicht auch, daß ſie ihm keiner=
ei
Bindungen auferlegen nolle, ſondern ihm freiſtelle, nach der
Kahl ſich auch dem Zentrum anzuſchließen.
Das hört ſich ſehr hübſch an. Wenn man den Dingen näher
uf den Grund geht, zeigt ſich jedoch, daß die Demokraten auch
ächſt einmal nach der negativen Seite. Sie befürchten, daß Dr. fand bei ſeiner Eröffnungsrede namentlich da Zuſtimmung des
Arrth ſich in Berlin aufſtellen läßt und dort einen großen Teil
e Wähler, auf die ſonſt die Demokraten rechnen, ihm ihre Stim=
nun
geben könnten. Sie haben aber außerdem in den zwei dann eingehend die Lage in der Rheinprovinz, wie ſie, ſich aus
däſſeldorfer Wahlkreiſen ſonſt nichts zu riskieren. Sie haben
is vorige Mal 73 000 Stimmen aufgebracht und damit gerade
i- Mandat ſicher. Daß ſie aus eigener Kraft ſtarke Gewinne haben, ſo fuhr der Redner fort, daß ſie mit ausgleichender Gerech=
m
ielen, iſt unwahrſcheinlich. Dagegen verfügt das Zentrum in
der zwei Wahlkreiſen zuſammen über faſt 600 000 Stimmen. Die
ſie nicht nur für ihn ſelbſt zu einem Mandat reichen, ſondern
nich den Demokraten einen Zuwachs ſichern würden.
Herr Dr. Wirth ſchweigt ſich über ſeine Pläne aus
numehmen. Vermutlich wird er es als Trumpf in der Hand be=
druck
auszuüben, damit er auf die Reichsliſte oder an anderer
Srelle untergebracht wird. In parlamentariſchen Kreiſen wird
eisählt, daß das badiſche Zentrum von Dr. Wirth die Zuſage
nicht. In jedem Fall aber hätte er in Berlin oder Weſtfalen
lanmen ſein, da er auf dieſem Umwege vielleicht ſein Ziel beim K
Zentrum erreicht.

Die Beſtechungs=Affären
bei der Reichsbahn.
Schultze vom Amte ſuſpendiert.
Berlin, 26. März.
Der in der Beſtechungsaffäre bei der Reichsbahn aufgenauchte
ſegge beſchäftigt, welchen Tag es dem Reichspräſidenten für die Verdacht, daß ſogenannte Lizenzzahlungen außer von der Firma
Reiſert auch von anderen Firmen an Reichsbachnoberrat Schultze
und andere Beamte geleiſtet wurden, hat ſich beſtätigt. Es iſt
feftgeſtellt worden, daß die A. E. G. ebenſalls derartige Zahlungen,
und zwar eigentümlichewweiſſe über das Konto des Berliner Ver= Jahre 1924 abgeſchloſſenes Abkommen betraf lediglich einige der
treters der in die Aſfäre verwickelten Kölner Firma Reiſert, ge=
leiſtet
hat. Wie dazu von maßgebender Seite der A.E.G. mit=
geteilt
wird, ſind dieſe Zahlungen auf durchaus legalem Wege
erfolgt, da die Betreffenden, die Lizenzzahlungen zu erhalten Samstag abgeſchloſſenen Vertrag iſt ein vollgültiges Abkom=
hatten
, die Uebevweiſung auf das Konto des Vertreters der
Kölner Firma, Gläßner, ausdrücklich verbangt hätten.
Die Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft
hat ſich nun doch entſchloſſen, gegen den Reichsbahnoberrat Erich
Schultze alle Folgerungen zu ziehen. Unter dem B. März iſt
ein amtliches Schreiben der Hauptwenwaltung an Schultze hevaus=
gegangen
, in dem ihm mitgeteilt wird, daß er vorläufig ſeines
Dienſtes enthoben ſei und daß zur Durchſührung des Dienſt=
ſtraſverſahrens
ein Gericht, beſtehend aus Beamten der Reichs=
bahngeſellſchaft
, ſich konſtituiert habe. Die Suspenſion erfolgte
mit der Maßgabe, daß nur der vierte Teil des Dienſteinkommens
einzubehalten ſei. Die diſziplinariſche Anklage ſtützt ſich auf die
88 33 St.G.B., 10 des Reichsbeamtengeſetzes und 3 des Reichs=
bahnperſonalgeſetzes
. Die Verteidigung Schultzes auch vor dem
Diſtiplinargericht liegt in Händen des Rechtsanwalts Dr. Frey.
Anklageerbebung im Bentſchener Reichs=
bahnſkandal
.
Wie gemeldet wird, iſt im Bentſchener Reichsbahnſbandal
nach mehr als einjähriger Untepſuchung nunmehr die Anklage er=
hoben
worden, und zwar gegen den Bauunternehmer Schmidt
in Roſengarten wegen ſchwerer Urbundenſälſchung, gegen den
Bauuunternehmer Genſch im Züllichau wegen Betopuges, Betrugs= darüberhinaus noch eine ganze Reihe von Tarif=
wie
gegen den früheren Angeſtellten der Reichsbahn, den Archi=
tekten
Berkholz in Reppen wegen ſchwerer und einſacher paſſiver
Beſtechung, Betruges, Beihilfe zum Betwug uund Betrugsverſuchs.
Reichsbahnbeamte befinden ſich unter den Angeſchuldigten nicht,
Die Deutſche Demokratiſche Partei verkündet da, wie erinnerlich, einige beſonders belaſtete Beamte ſich ſeiner=
zeit
durch Selbſtmond der Verfollgumg entzogen haben. Mit der
iſt noch in dieſem Frühjahr zu rechnen.
Proieſt des Rheiniſchen Provinziallandtags
gegen die Beſetzung.
Im großen Sitzungsſaale des Ständehauſes wurde heute
ten ſich faſt alle Mitglieder des Hauſes eingefunden. Der Ver=
umdfeſte
parteipolitiſche Gründe zu ihrem Angebot haben. Zu= treter der Staatsregierung, Oberpräſident Dr. Auchs=Koblenz,
Hauſes, als er ſich gegen die Beſetzung und gegen die ſepara=
tiſtiſchen
Umtriebe in der Rheinprovinz wandte. Er ſchilderte
zur preußiſchen Staatsregierung dürfen wir, das Vertrauen
tigkeit den beſonderen Nöten der Grenzländer zu helfen bemüht zugeleitet werden.
ſind. Der Oberpräſident ſprach dann über den vorliegenden
Berechnung der Demokraten wird alſo dahin gehen, daß Herr Provinzialhaushalt, den er ein Vorbild richtig verſtandener
er. Wirth davon gut und gern 100 000 Stimmen herausbuttert, Finanzkunſt nannte. Unter den wichtigſten Aufgaben der Provinz
nannte er vor allen Dingen den Wegebau und die Ausführung
eines Hochwaſſerſchutzprogramms.
Das Haus konſtituierte ſich alsdann unter dem Vorſitz des
und lehnt jede Erklärung ab, ob er bereit ſei, das Angebot an= Alterspräſidenten, Abg. Geh. Kommerzienrat Louis Hagen=Köln.
Die Wahl des Vorſitzenden mußte auf Antrag der Kommuniſten
ſelten wollen, um auf die Parteileitung des Zentrums einen dunch Stimmzettel erfolgen. Es wurden 126 Stimmen für Ober= in der gewaltſamen Zerreißung der natürlichen Wirtſchafts=
bürgermeiſter
Dr. Jarres abgegeben, der damit mit großer einheit mit Nordtirol gelegen ſeien. Die Verluſte, welche das
Mehrheit wiedergewählt wurde. Zu Stellvertretern wurden ge= Wirtſchaftsleben in Südtirol im erſten Jahrzehnt italieniſcher
wählt der Abgeordnete Cberle=Barmen (Sozialdemokrat) und
habe, daß er unter keinen Umſtänden in Baden mit einer Regierungspräſident Dr. Saaßen=Trier. Der Vorſitzende Dr. Milliarde Goldkronen, oder auf rund drei Milliarden Papier=
eigenen
Liſte hervortreten werde. Ob das richtig iſt, wiſſen wir Jarres dankte für die Wiederwahl und erklärte, die Geſchäfte auch
ſteie Hand. Der demokratiſche Vorſchlag wird ihm ſicher ſehr will= deshauptmann Dr. Horion das Wort zu ſeinem Bericht über den h
Haushaltsplan. Die Ausſprache wurde auf morgen vertagt.
Beginn der Sitzung 10 Uhr.

Neuregelung der deuſch=griechiſchen
Handelsbeziehungen.
Ein. neuer Handelsvertrag. — Griechiſches
Entgegenkommen. — Deutſche Zugeſtändniſſe.
Am Samstag iſt zwiſchen Deutſchland und Griechenland ein
Handelsvertrag abgeſchloſſen worden. Zwiſchen Deutſchland und
Griechenland beſtanden zwar auch bisher vertragliche Beziehun=
gen
, doch handelte es ſich dabei nur um eine Teillöſung. Ein im
Gruppen von Waren, für die gegenſeitige Meiſtbegünſtigung ge=
währt
wurde. Ein im Jahre 1925 abgeſchloſſenes weiteres Ab=
kommen
hatte nur proviſoriſchen Charakter. Mit dem neuen am
men jedoch erreicht worden. Der Vertrag iſt geeignet, die
Handelsbeziehungen zwiſchen Deutſchland und
Griechenland, wie ſie vor dem Kriege waren, in vollem
Umfange wiederherzuſtellen. Der Vertrag iſt, wie wir von zuſtän=
diger
Seite erfahren, auf der Grundlage der allgemei=
nen
Hauptbegünſtigung aufgebaut. Selbſtverſtändlich
werden auch in der Niederlaſſungsfrage die Deut=
ſchen
mit den Griechen völlig gleichgeſtellt.
Außerdem bietet der Vertrag für die deutſche Schiffahrt beſon=
dere
Vorteile. Er bringt hier Umladeermäßigungen für den Ver=
kehr
mit Aegypten. Griechenland hat in dem Vertrage keinen
grundſätzlichen Verzicht auf Ein= und Ausfuhrverbote ausge.
ſprochen, doch hat dieſe Einſchränkung vorläufig nur theoretiſch=
Bedeutung, da gegenwärtig in Griechenland überhaupt keine dere
artigen Verbote beſtehen. Die deutſchen Vertreter haben ſich auck
deshalb damit abgefunden, weil in den Vertrag eine Klauſel auf=
genommen
wurde, wonach Deutſchland im Falle, daß ein griechi=
ſches
Ein= oder Ausfuhrverbot ſeine Intereſſen gefährden würde,
zu einer vorzeitigen Kündigung des Vertrages berechtigt ſein ſoll.
Auch die tarifariſchen Vereinbarungen mit Grie=
chenland
können im großen und ganzen als befriedigend ange=
ſehen
werden. Deutſchland erhält nicht nur die gleichen
Rechte, wie ſie England, Schweden, Frankreich und Italien
auf Grund ihrer Handelsverträge genießen, eingeräumt, ſondern
vevſuches, altiwver Beſtechung und ſchwerer Urkundenfälſchung, ſo= ermäßigungen. Dieſe Tarifermäßigungen betreffen etwa
80 Poſitionen des Vertrages und beziehen ſich unter anderem auf
folgende Waren: Seifen, Baumwollwaren, Wirkwaren, Möbel,
Eiſenwaren, Lampen und Beleuchtungskörper, landwirtſchaftliche
Maſchinen, hauswirtſchaftliche Artikel, wiſſenſchaftliche und opti=
ſche
Inſtrumente, chemiſche und pharmazeutiſche Fabrikate und
Farben. Auf Grund dieſer Ermäßigungen, die teilweiſe 30 bis
40 Prozent des autonomen griechiſchen Zollſatzes betragen, ſteht
zu hoffen, daß die deutſche Einfuhr nach Griechenland zum min=
deſten
in dieſen Waren einen ſtärkeren Impuls erhält.
Was die deutſchen Zugeſtändniſſe anbelangt, ſo beſchränken
ſie ſich auf wenige Punkte, aber ſie betreffen für Griechenland
ſehr wichtige Warenkategorien, nämlich erſtens Korinthen, zwei=
Düſſeldorf, 26. März, tens geknüpſte Teppiche und drittens Zitronate. Für Korinthen
wird der deutſche Zoll von 16 auf 5 Mark pro Doppelzenter, für
mittag der 74. Rheiniſche Provinziallandtag eröffnet. Dazu hat= geknüpſte Teppiche von 800 auf 600 Mark pro Doppelzentner und
für Zitronate von 100 auf 90 Mark herabgeſetzt.
Wichtig iſt, daß Griechenland in dem Vertrage
ausdrücklich auf alle Rechte aus dem Artikel 18
des Verſailler Vertrages verzichtet hat. Um die
deutſchen Intereſſenten möglichſt bald in den Genuß der aus dem
neuen Vertrage für die deutſche Wirtſchaft erwachſenden Vorteile
zu ſetzen, wird ſich die Reichsregierung bemühen, eine Verabſchie=
Nuhrkampf und Grenzziehung ergeben habe. Zum Reiche und dung des Handelsvertrages durch die deutſchen geſetzgebenden
Inſtanzen noch in dieſer Woche herbeizuführen. Vorausſichtlich
wird der Vertrag daher am morgigen Dienstag dem Reichsrat
Die Wirtſchaftskriſe Südtirols.
Die deutſchen Abgeordneten Südtirols, Baron Sternbach
und Dr. Tinzl, haben dem Miniſterratpräſidium in Rom eine
Denkſchrift über die augenblickliche Wirtſchaftslage in Südtirol
überreicht. Die deutſchen Abgeordneten betonten darin frei=
mütig
, daß die Urſachen der Südtiroler Wirtſchaftskriſe vor allem
Herrſchaft zu verzeichnen habe, beliefen ſich auf rund eine halbe
lire. Obwohl die Provinz Bozen im Verhältnis zu den übrigen
weiterhin unparteiſch leiten zu wollen. Alsdann nahm der Lan= 91 Provinzen Italiens, mit Rückſicht auf ihre Bodenbeſchaffen=
heit
die geringſte wirtſchaftliche Ertragsfähigkeit aufweiſe, ſei in
Südtirol die Steuerbelaſtung um etwa ein Viertel höher als im
übrigen Italien.

Neue Romane.

100. Geburtstag des Malers Bleibtreu.

Melchior. Ein hanſeatſcher Kaufmannsroman von Joſef
Kaſtein. Frieſen=Verlag, Bremen Preis in Lein, 6 Mk.). Die Tra=
öitionen
der zur Bremer Großkaufmannſchaft gehörenden, ſeit mehreren
Generationen m Bremen anſäſſigen Familie Melchior verkörpert der
g genwärtige Inhaber der Firma Hermann Melchior. Ehrlichkeit und
Rechtlichkeit in Handel und Wandel iſt ſein Grundſatz. Den er getreu
den Ueberlieferungen ſeiner Väter wahrt: Korrekt und ſtreng gegen
ſich und andere, von Sentimentalität frei, führt er das Regiment in
Kmus und Familie, und ſeine Gattin iſt gewohnt, ihm in allen Dingen
ſich anzupaſſen und unterzuordnen. Ihr einziger Sohn Eberhardt, Erbe
d—s Hauſes und deſſen Traditionen, wächſt in dieſem Milieu ſtrenger
Pflichterfüllung und geſchäftlicher Korrektheit auf, ohne daß er den
Hrauch warmer Liebe zu ſpüren bekommt. So bleibt ſein Herz leer. Nach
b=ſtandenem Maturitätsexamen wird er ſeinem Beruf, natürlich dem
Kmaufmannsberufe, zugeführt. Der Roman ſchildert nun ſeine Lehr=,
Wander= und Meiſterjahre in drei Abſchnitten. In einem großen Kauf=
hruſe
macht er ſeine dreijährige Lehrlingszeit durch, während der er
em junges Mädchen, Tochter eines Werkmeiſters, kennen lernt, die
ass talenvvolle Juterpretin ſeiner Gedichte ſein Herz gewinnt. Er
laßt ſie auf ſeine Koſten als Schauſpiclerin ausbilden und wohnt mit
iur zuſammen, gründet einen „Ring” von jungen, durch gleiche In=
tweſſen
verbudenen Leuten, macht Schulden, fällt einem Wucherer in
due Hände und vergreift ſich, um ſich zu retten, an der Kaſſe ſeines
Lehrherrn. Durch die Klugheit ſeines Vaters wird ein Skandal ver=
biitet
. Er will dem Hauſe und dem väterlichen Zwang entfliehen, aber
ſin Vater kommt ihm zuvor und ſchickt ihn ins Ausland nach Surinam,
mo er drei weiterg Jahre in einer holländiſchen Plantage angeſtrengt
beitet und ſeinen Geſichtskreis und ſeine kaufmänniſchen Kenntniſſe
weitert. Hier lernt er die Tochter eines benachbarten holländiſchen
doarmers kennen, die ſeine Liebe erwidert. Der Tod ſeiner Mutter
mift ihn in die Heimat zurück. Zum Erſtaunen ſeines Vaters erklärt
nicht in das väterliche Geſchäft eintreten, ſondern ſich auf eigene
Nüße ſtellen zu wollen. Mit dem Erbteil ſeiner Mutter fängt er ein
GSeſchäft im Kleinen an. Durch ſeinen Geſchäftsſinn und ſeine Umſicht
nuächſt das Unternehmen ins Gwoße, er verbindet mit ſeinem Geſchäfts=
hruſe
einen Exporthandel baut Maſchinenfabriken und Schiffe und
gündet eine Schiffahrtsaktiengeſellſchaft. Inzwiſchen hat er ſeine Ge=
bebte
, die aus Surinam zu ihm gekommen, geheiratet; mit ſeinem
2ater, der die neuen Geſchäftsprinzipien ſeines Sohnes, der in ſeinen
Augen ein „Spekulant” iſt verurteilt, überwirſt er ſich, findet aber den
WBeg zur Verſöhnung wieder und ineiß ſogar ſeinen Vater für ſeine
Bläne zu gewimnen. Ihm zur. Seite ſteht ſeine Gattin, eine kluge,
geſchäftstüchtige und ehrgeizige Frau, die ihn zu neuen Taten an=
ſtvornt
. Er krönt ſein Werk durch die Erbauung einer Stadthalle, aus
deren Umgebung ſich ein hoher Turm erlebt, der höchſte Punkt der
ganzen Stadt, von dem aus man das ganze Bremer Land überſieht, ein
SLahrzeichen, eine Warte, ein Symbol.
Der Roman führt uns in das geſchäftliche Leben der Hanſaſtadt in
Szergangenheit und Gegenwart und ſtellt den Tradſtionen der alten
Beit die Anſichten und Grundſätze einer neuen Zeit gegenüber, die in

Georg Bleibtreu,
der 1892 verſtorbene bekannte Schlachtenmaler, wurde vor 100
Jahren am 27. März 1828 in Xanten geboren. Er iſt mit ſeinen
Werken in zahlreichen Muſeen und Bilderſammlungen vertreten.
die Front rückt, wobei vielfach ſoziale Probleme erörtert und die wirt=
ſchaftlichen
und politiſchen Kämpfe, die Gegenſätze zwiſchen Unter=
nehmertum
und Arbeiterſchaft berühmt werden. In dieſem Sinne
kann der Roman als ein wirklich moderner Roman bezeichnetz werden.
4p. Der Einſame. Gedichte vun Höpfner von Hildesheim
WVerlag A. Höpfner, Saarbrücken, Hafenſtraße 5.).
Der Dichter hat ſeinem 42 Seiten umfaſſenden Bändchen Gedichte
als Motto einen Ausipruch K. b. Kleift vorgngefetztz, daß, wenn ein

Werk nur recht frei aus dem Schoß des wenſchlichen Gemüts hervor=
geht
, es auch notwendig damum der ganzen Menſchheit angehören müſſe,
und einen ſolchen von Mathias Claudius, daß da, wo nach Menſchen=
beifall
geangelt wird, es nicht rein und richtig iſt. Beides gilt von
dieſen Gedichten. Sie ſind aus dem Gemüt hervorgegangen und ver=
ſchmähen
es, in ausgetretenem Geleiſe ſich zu bewegen; vielmehr geht
der Dichter auch dort, wo er der alten Versmaße ſich bedient, eigene
Wege, wie in dem ſchönen Gedicht „An den Mond” und den kleineren
Gedichten „Im Nebel”, „Herbſtgefühl” „Sommerwieſe” uſw. Im den
Gedichten bekundet ſich das ungewöhnliche form= und ſprachbildende
Talent des Dichters im allgemeinen und in den tiefempfunderen Ge=
dichten
„Der Einſame”; „Schrei”; „an die Sonne‟; „Glegie an einen
Freund” im beſonderen. Alles in allem ſind die Gedichte das Erzeugnis
eines durch Tiefe der Gedanken, und des Gefühles und ſtarkes Geſtal=
tungsvermögen
ausgezeichneten Dichters, der nicht als eine billige Ware
auf dem Markt bringender Durchſchnittslyriker, ſondern als ein origi=
neller
, neue Wege ſuchender Lyriker beurteilt werden muß.
Graf Alexander Stenbock=Fermor: „Meine Erlebniſſe als Bergarbeiter”.
Stuttgart 1938. J. Engelhorns Nachf. (In der Sammlung „ Leben=
dige
Welt”, herausgegeben von Frank Thieß.) Broſchiert 3,50 RM.,
in Leinen 5 RM., in Halbleder 7,50 RM.
Ein junger Graf, deſſen Familie vor den Bolſchewiſten aus dem
Baltenland fliehen mußte, unterbricht während der ſchwerſten Infla=
tionszeit
ſeine techniſchen Studien, um als Bergarbeiter im Ruhrrevier
ſein Brot zu verdienen. Ueber ein Jahr lang harrt er aus, wohnt mit
den anderen Arbeitern zuſammen im „Ledigenheim” und teilt mit ihnen
als ihr „Alex” Freud und Leid. Seine Kollegen wiſſen, wer er iſt;
doch ſein gerades und kluges Weſen verwandelt ihr Mißtrauen in Zu=
neigung
, ja in Freundſchaft, die auch da beſtehen bleibt, wo er der herr=
ſchenden
Ueberzeugung entgegentritt. Trotz bitterſchwerer Strapazen
vergeht ihm die Zeit ſchneller, als er gedacht hätte; denn ſie zeigt ihm
eine neue, ſeltſame Welt, beſchert ihm atemraubende Abenteuer, führt
ihn durch erſchütternde Erlebniſſe und bringt ihm tiefe Erkenntniſſe.
Edvard Welle=Strand: Pohjola. Geſchichten aus Nordland. Mit einem
Nachwort von Hermann Rößler. 76 Seiten. Reelams Uniberſal=
Bibliothek Nr. 6835. Heft 40 Pfg., Band 80 Pfg.
Noch vor wenigen Jahren hatte man von Edvard Welle=Strand
auch in ſeiner norwegiſchen Heimat nichts gehört. Er entſtammt einer
nordiſchen Bauernfamilie und iſt von mütterlicher Seite her lappiſcher
Abkunft. Dieſe Blutmiſchung iſt auch in ſeinen Dichtungen deutlich
ſpürbar: neben germaniſcher Herbheit oft eine ſtaunenswerte Glut der
Phantaſie, die von ſeltſamem Zauberſpuk erfüllt iſt. Es gibt keinen
Schriftſteller, der die Sprache, die Art und die allergeheimſten Bräuche
der mongoliſchen Lappen ſo kennt und zu ſchildern verſteht, wie Welle=
Strand. — Den vorliegenden neueſten Novellenband hat der Dichter
Pohiola” genannt. Das iſt der finniſche Name für jene unendlichen
Bergeinöden des Nordens, jenes geheimnisvolle Zauberland, das im
Sommer von dem rot und ſchwefelgelb glühenden Scheln der Mitter=
nachtsſonne
und im Winter von dem brüllenden Sturm und flackern=
den
Nordlichtſchrecken erfüllt iſt.

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Seite 4

Dienstag, den 27. März 1928

Familiennachrichten

Die glückliche Geburt eines
kräftigen Jungen zeigen in dank=
barer
Freude an

Dr. med. Riemenſchneider
und Frau Annie
geb. Hummel
Klaus Till z. Zt. Städt. Krankenhaus.
(e8418)

Ihre Vermählung geben bekannt:

Oipl.=Ing. Adolf Becker
Helene Becker

geb. Gallwißz

Darmſtadt, den 27. März 1928.
Heinrichſtraße 64.

Trauung: Mittwoch, den 28. März.
nachmittags 2 Uhr, in der Pauluskirche.
(*8381)

Das Feſt der
Silbernen Hochzeit
begehen am heutigen Tage Herr Guſtav
Sichel und Frau Gemahlin, der Inhaber
der bekannten Lederhandlung.
5625)

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem Hin=
ſcheiden
unſeres lieben ent=
ſchlafenen
Vaters

ſagen wir unſeren innigſien
Dank. Insbeſondere danken wir
Herrn Pfarrer Zimmermann und
den Schweſtern der Schloß=
gemeinde
.
Die trauernd. Hinterbliebenen:
Geſchwiſter Hartmann.
Darmſtadt, den 26. März 1928. (8377

Dankſagung.

Für die liebevolle Pflege während
dem kurzen, ſchweren Krankſein, ins=
beſondere
der Krankenſchweſter, ferner
die Beileidskundgebungen ſchriftlich
ſowohl wie perlönſich, bei dem Hin=
ſcheiden
meiner lieben Frau

Eliſabete Schmitt
geb. Wagenknecht

ſowie für die vielen Kranz= und Blu=
menſpenden
, die überaus große Be=
teiligung
und die troſtreichen Worte
des Herrn Pfarrers Erkmann am
Grabe ſpreche ich hiermit meinen ver=
bindlichſten
Dank aus.

In tiefer Trauer:
Johannes Schmitt.
Wirhauſen, den 26. März 1928 (5573

Unſere liebe Tante

Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, unſeren lieben,
guten Vater und Großvater

Todes=Anzeige.

Fritz Rauchenſtein,

Heute entſchlief ſanft nach kurzem, ſchwerem Leiden
im Alter von 78 Jahren unſere liebe Mutter, Schweſter
und Großmutter

1. Pfarrer

im 86. Lebensjahr nach kurzem Krankenlager in Frieden
heimzurufen.
Sonntag, den 25. März 1928.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Fritz und Clara Rauchenſkein=Scheurmann und Kinder
Chemin Montolivet, Lauſanne
Anna und Georg Wagner=Rauchenſtein und Sohn
Sandbergſtraße 56, Darmſtadt
Beerdigung auf dem Darmſtädter Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtr.
am Mittwoch, den 28. März, vormittags 11 Uhr. (5613

Frau Luiſe Diefenbach

geb. Becker

In tiefer Trauer:
Gaswerkdirektor Karl Diefenbach
Helene Bruhn, geb. Dietenbach
Regierungsbaurat Diefenbach
Martha Diefenbach, geb. Müller
Frieda Diefenbach, geb. Hanſen
Direltor Becker
Gertrud Becker, geb. Leinen
General Becker
Auguſte Becker
Erneſtine Becker

Danzig, Darmſiadt, Erbach, Eſſen, Hamburg
Frankfurt a. M., den 25. März 1928.

(8414

Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach ſchwerem Leiden mein innigſigeliebter
Mann, mein treuſorgender Vater, Sohn, Großvater, Bruder,
Schwager und Onkel

Die Beiſetzung findet am Mittwoch, den 28. März,
nachmittags 2 Uhr von der Friedhofs=Kapelle des
Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt.

Lebens

Dame (Wwe.) derGe—
ſellſch., 50erin, v. ſehrn
ſympath. Weſen unda
Aeuß., ſehr verträgl.,,
ücht. Hausfrau gutes
Köchin) möchte gegemn
freie Wohn. gemein- Haushalt mittt
vornehm. ält. Herrmn
oder Dame tät ſein.:
Gehalt nicht beanſpr.,,
da Vermögen vorh.,
Ang. unt E 249 am
die Geſchſt. (5589

Jung. Mädel, 26 J.,
evgl, wünſcht ehrb.,
Herrn kenn. z. lernen,
Witwer n. ausgeſchl.,,
zweck bald Heirat.
Anonym zwecklos. —
Angeb. u. E 227 and..,
Geſchſt. erbet. (183138

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Herr Alwin Rittweger

im 59. Lebensjahre.

Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Maria Rittweger, geb. Sommer
Eva Rittweger.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. März 1928, nachm. 3 Uhr,
von der Kapelle des Friedhofes an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt.

Graue Haaref
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Fr. Hartmann
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Grafenſtr. 20
Fürſtenſaal).
(2065a

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute früh entſchlief plötzlich und unerwartet
nach kurzem Krankſein meine liebe, herzensgute
Frau, unſere liebe Schweſter, Schwiegertochter,

Schwägerin und Tante

Dine Bergſtraper

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ſtädterſtr
. 55. *8362

Nachruf.

Am Sonntag, den 25. ds. Mts. verſchied unſer
Mitglied

Meoi kiinweger

geb. Kirchmann
im blühenden Alter von 27 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Ludwig Bergſträßer.

Darmſtadt, den 25. März 1928.
Wienerſtr. 47.

(*8365

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 28. März,
nachmittags ½4 Uhr, auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen wird gebeten abzuſehen.

an den Folgen eines Schlaganfalles.
30 Jahre gehörte er der Gaſtwirte=Innung
Heſſen an und hat während, der letzten 20 Jahre
das Amt des 1. Schriftführers verwaltet. Sein
lauteres, ſtets freundliches Weſen und ſeine treue,
verdienſtvolle Tätigkeit im Intereſſe der Gaſtwirte=
Innung ſichern ihm ein ehrendes Gedenken.

Sonntag abend verſchied nach
kurzem Leiden unſer langjähriges,
treues Mitglied, der allenalten Ar=
tilleriſten
bekannte

Gaſtwirt

Alwin Rittweger

Gaſtwirte=Innung Heſſen
Sitz Darmſtadt
A. Schmitz, 1. Vorſitzender.

Gaſtwirtſchaft „Zur Kanone.”

Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. d. Mts.,
nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des alten Fried=
hofs
an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt.
Die Mitglieder werden aufgefordert, vollzählig zu
erſcheinen.
(5597

Die Beiſetzung findet Mittwoch
Nachmittag 3 Uhr auf dem Fried=
hof
an der Nied=Ramſtädterſtraße
ſtatt. Die Kameraden werden um
zahlreiche Teilnahme gebeten und
ſammeln ſich um ½3 Uhr am
Friedhofsportal.

Verein ehemal. Angehöriger
des Großh. Artilleriekorps.
Bickel.

Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme und die vielen Kranz= und Blumen=
ſpenden
beim Heimgange unſeres lieben ( Ent=
ſchlafenen
danken wir auf dieſem Wege von
Herzen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Phil. Bauſch und Familie.
Griesheim, den 26. März 1928

Damenbart entternd
Peter-Orth, Martinstr. 78

Dankſagung.

Leiden unſere liebe

Todes=Anzeige.
Heute vormittag entſchlief ſanft nach kurzem

Martha Hinkel

im 24. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Geſchwiſter Hinkel.

Matte Janauel Sw.
geb. Brehm

Darmſtadt, den 26. März 1928.
Wendelſtadtſtr. 13.

(5611

Die Beerdigung findet ſtatt am Mittwoch, 28. März,
nachmittags 21 Uhr, auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße.

Für die uns erwiefene Teilnahme an dem jähen
Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes, Vaters und Schwie=
gerſohnes

Dr. Theodor Mandel
Diplomhandelslehrer in Darmſtadt

ſagen wir herzlichen Dank, insbeſondere Herrn Pfarrer
Vogel für ſeine troſtreichen Worte und ſeine herzliche
Würdigung des arbeitsreichen Lebens des Verſtorbenen,
Herrn Direktor Dr. Zeiger von der Städt. Handelslehr=
nſtalt
für ſeinen ehrenden Nachruf, dem Lehrerkolle=
gium
der Darmſtädter kaufm. Berufs= und Handels=
ſchulen
, dem Heſſiſchen Diplomhandelslehrerverein, dem
Verein ehemaliger ſtädt. Handelsſchüler, den Teilneh=
mern
an den Meiſterprüfungskurſen der Heſſiſchen
Handwerkskammer und ſeinen Schülern und Schüle=
rinnen
der kaufm. Berufs= und Handelsſchulen für die
reichen Kranz penden, mit denen ſie ſeiner gedachten.

iſt heute früh kurz vor Vollendung ihres
81. Lebensjahres in Frieden zur ewigen
Ruhe eingegangen.

Dankſagung.

Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Mandel und Frau,
Prof. Dr. Ehrenberg und Frau
nebſt den Enkeln
Theo und Ruth Mandel.
Alzey, Darmſtadt, den 27. März 1928.
Kt

Im Namen der Anverwandten:
Maria Ooering, geb. Brehm

Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme bei dem
Hinſcheiden unſeres lieben Entſchlafenen

Marburg.

Darmſtadt (Karlsſtr. 6), Marburg, Worms,
den 26. März 1928.

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29 März.
11 Uhr vormittags, auf demn Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſiraße ſiatt.

Herrn Joſef Heim
danken wir herzlichſi.
Im Namen der Hinierbliebenen:
Helene Heim und Kind.

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„Nummei 82

Dienstag den 27. März 1928

Geite 5

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 27. März.
*Die Ausſtellung „Der Menſch”
in Darmſtadt.
Herr Bürgermeiſter Delp hatte für geſtern nachmittag zu einer
ſeprechung im Rathausſaal eingeladen, um die Durchführung und
ſropaganda für die Ausſtellung „Der Menſch”, die die Stadtverwaltung
ſnche April bis Anfang Mai in Darmſtadt zeigen will, zu organiſieren.
de überaus zahlreiche Beſuch der Beſprechung — der Stadtverord=
egenſaal
reichte kaum aus — bewies das vorherrſchende ſtarke Inter=
ſ
” aller intereſſierten Kreiſe. In Wahrheit handelt es ſich hier ja um
ine Aufklärungsarbeit, wie ſie wirkſamer, weil höchſt anſchaulich, im
füttereſſe der Volksgeſundheit kaum gedacht werden kann.
Herr Bürgermeiſter Delp hieß die Erſchienenen herzlich willkom=
um
und leitete ſeinen Einführungsvortrag ein mit einem waumen
ſochruf für die verſtorbene Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete
fr au Karoline Balſer, die heute ſicher hier erſchienen wäre,
enn ihr ganzes Leben galt der Tätigkeit für ihre Mitmenſchen. Der
Ridner führte dann u. a. folgendes aus:
Die Ausſtellung „Der Menſch” mit der Sondergruppe
2 erdurchſichtige Menſch” hat ſeinerzeit in der Geſolei, wie
ush vor dem Kriege ſchon in Darmſtadt, großes Aufſehen erregt,
o daß ſogar fremde Staaten ihr Intereſſe dadurch bekundet haben, daß
ie eine Erwerbung der Ausſtellung in Ausſicht ſtellten. Hierdurch an=
rSegt
, tritt das Deutſche HygieneMuſeum erneut an die deutſchen
Sjädte heran, ſeine Wanderausſtellung, die durch langjährige Erfah=
eung
gegen die frühere Wanderausſtellung weſentlich ergänzt und er=
peitert
worden iſt, zeigen zu können.
Das Deutſche Hygiene=Muſeum will eine Stätte der Belehrung
ſen für die geſamte Bevölkerung. Jedermann ſoll ſich in dieſem Zen=
ſamlinſtitut
der Volksgeſundheitspflege Kenntniſſe erwerben können, die
ih zu einer vernünftigen, geſundheitsgemäßen Lebensführung befähi=
gm
. — De geplante Wanderausſtellung umfaßt drei Abteilungen:
1 Abteilung: Der geſunde Menſch mit Sondergruppe „Der durchſich=
lilre
Menſch” Aufbau des Körpers (Knochen, Geſamtmuskulatur Blut=
ſtseislauf
, Atmung, Verdauungsorgane Haut, Nervenſyſtem, Sinnes=
o
gane. „Der durchſichtige Menſch‟: Durch beſonderes Verfahren von
Arofeſſor Spalteholz ſind ſämtliche Gewebe präpariert, ſo, daß ſie durch=
ſweinend
ſind und ſämtliche inneren Organe gut ſichtbar machen. Ebenſo
grch die Knochen in ihrem Aufbau und ihrer inneren Struktur deutlich
eckennen laſſen. Sämtliche Adern ſind durch Flüſſigkeiten buntgefärbt
und geben dem Laien den beſten Einblick in das Kunſtwerk der Natur.
2 2. Abteilung: Der kranke Menſch und die Volkskrank=
siten
. Tuberkuloſe, Geſchlechtskrankheiten, Stoffwechſelkrankheiten,
ATkoholismus. — 3. Abteilung: Geſundheitspflege. Vererbung
(Einrichtung von Eheberatungsſtellen). Pflege von Säugling, Klein=
imd
, Schulkind. Körperpflege, Leibesübung. Zahnpflege. Wohnungs=
lSgiene
.
Veranſtalter der Ausſtellung ſind das Deutſche Hygiene=
AEuſeum und die Stadt Darmſtadt. — Ausſtellungstermin:
A:. April bis 6. Mai 1928.
Darmſtadt iſt die erſte Stadt in Heſſen, die dieſe
4 usſtellung erhält.
In Verbindung mit der Ausſtellung ſind Vorträge durch die
werren Aerzte in einem noch zu beſtimmenden Raum ( Mathildenhöh=
ſtral
) geplant; ebenſo Filmvorführungen.
In der Ausſprache wird von allen Rednern die Bedeutung der
4 usſtellung anerkannt und die Unterſtützung ihrer Durchführung mit
ellen Kräften zugeſagt, insbeſondere von Vertretern der Arbeitnehmer=
terbände
, der Induſtriellenvereinigung, der Kriegsbeſchädigtenorganiſa=
nronen
, der Aerzteorganiſationen, der Schulen und höheren Lehranſtal=
ten
, des Alice=Frauenvereins und des Landesvereins vom Roten Kreuz,
der Krankenkaſſen uſw.
Im weiteren wurden die Eintrittspreiſe, die dem Zweck der Ver=
anſtaltung
entſprechend ſehr niedrig gehalten werden ſollen, Führungen,
beſonders der Schulen, die Veranſtaltung von Vorträgen durch Aerzte
und dergleichen beſprochen. Alle weiteren Mitteilungen werden in
Sürze erfolgen.
— Ernannt wurde, am 15. März der Lehrer Philipp Kitz zu
Rieder=Wöllſtadt (Kreis Friedberg) zum Rektor an dieſer Schule mit
TBirkung vom Tage des Dienſtantritts ab.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde am 22. März der ordentliche
rofeſſor an der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt Geh. Hofrat Dr.
Keinhold Müller zu Darmſtadt auf ſein Nachſuchen mit Wirkung
vom 1. April 1928 ab.
— Evangeliſch kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wurde dem Pfarrverwalter Fritz Fernges, zu Fränkiſch=Crumbach
ſeie evangeliſche Pfarrſtelle zu Fränkiſch=Crumbach (Dekanat Reinheim)
ſibertragen.
— Heſſiſches Landestheater. In der Aufführung der Zauber=
löte
” ſingt heute abend Anny von Stoſch als Gaſt auf Anſtel=
ung
die Pamina. Die Vorſtellung beginnt, worauf nochmals hingewie=
ſen
ſei, bereits um 19 Uhr. — Im Kleinen Haus findet morgen Mitt=
rvoch
keine Vorſtellung ſtatt; übermorgen wird „Candida” von
Shaw gegeben, Freitag in Abänderung des urſprünglichen Spielplanes
ſtatt des ,Barbier von Sevilla” Mozarts „Entführung aus dem
Serail”, Samstag, den 31. März, Rollands „Spiel von Liebe
uund Tod‟ — Samstag, den 31. März, wird im Großen Hauſe, neu
Enſzeniert, mit Roſe Landwehr, in der Titelrolle, Erich Wolfgang
Rorngolds Oper „Violanta” gegebea, die 1917 hier zum erſtenmal
Seſpielt wurde; im Anſchluß an dieſe Neueinſtudierung findet die Erſt=
aufführung
von Puceinis „Gianni Schiechi” ſtatt. Den Gianni
Fpielt Theo Herrmann. Der Vorverkauf beginnt morgen Mittwoch,
Den 28 März.
— Bruno Harprecht beginnt am 1. Juni in Darmſtadt ein zirka
Fechswöchiges Gaſtſpiel mit eigenem Enſemble, das ſich vor=
wiegend
aus Hamburger Bühnenkünſtlern zuſammenſtellt. Zur Dar=
Wbietung gelangen modernſte Luſtſpiele und Schwänke. Weitere Mittei=
Uungen folgen zu gegebener Zeit.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Un=
ſere
Mitglieder und Freunde treffen ſich morgen abend 8 Uhr im
Fürſtenſaal des Reſtaurants Chriſt., Grafenſtr., zum Lichtbildervortrag
des Herrn Syndikus Dr. Kollbach über „Zeitgemäße Pro=
bleme
aus der Deutſchen Reichsverfaſſung”.
— In der Freien Literarifch=Künſtleriſchen Geſellſchaft wird Kaſi=
mir
Edſchmid in dem Vortragsabend, der heute Dienstag, um
8 Uhr, im Feſtſaal der Vereinigten Geſellſchaft ſtattfindet, die noch
ungedruckte Erzählung „Die beiden Feinſchmecker” leſen. Die Erzäh=
lung
ſtellt geiſtiges und materielles Genießertum in einen reizvollen
Gegenſatz; ihr Vortrag dürfte einen reichen künſtleriſchen Genuß bieten,
zumal da Edſchmid als wirkungsvoller Erzähler gilt. (Siehe Anzeige )
— Städtiſche Akademie für Tonkunſt. Die Schülervorſpiele
finden am Dienstag, den 27. März, nachmittags 5 Uhr, Mittwoch, den
28. März, nachmittags 5 Uhr, Samstag, den 31. März, nachmittags
4 Uhr, Montag, den 2. April, vormittags 10.30 Uhr und nachmittags
4 Uhr, Dienstag, den 3. April, vormittags 10.30 Uhr und nachmittags
4 Uhr, Mittwoch, den 4. April, vormittags 10.30 Uhr und nachmittags
4 Uhr, und Donnerstag, den 5. April, vormittags 10.30 Uhr und nach=
mittags
4 Uhr, im Saale des Muſikvereins (Steinſtraße) ſtatt.
— Darmſtädter Spielſchar. Wie bereits mitgeteilt, findet am 28.
und 29. März in der Johanneskirche ein Paſſionsſpiel, das
„Ehriſti Leiden=Spiel”, ſtatt, aufgeführt durch die Darmſtädter
Spielſchar und die Muſikantengilde Darmſtadt. Wir machen beſonders
darauf aufmerkſam, daß die Aufführung am Donnerstag, den 29. März,
umhalb 8 Uhr abends beginnt und nicht, wie mitgeteilt, um 8 Uhr.
Mittwoch, den 28. März, Beginn 8 Uhr.

Mittlere Städte und Hekoga.
Wegen des Anſchluſſes an die neu gegründete Heſſäſche kom=
munale
Landesbank (Hekoga) waven Vertreter der mittleren
Städte bei dem Herrn Miniſter des Innern zu einer Ver=
handlung
erſchienen. Es wurde darauf hingewieſen, daß die wirtſchaft=
lichen
Vorteile aus der Gründung dem geſamten zuſammengeſchloſſenen
Wirtſchaftsgebiete, alſo ſeinen großen und mittleren Städten wie auch
den Landgemeinden zugute kommen follen. Es wurde weiter bemerkt,
daß die Hekoga nicht auf den Kreis der Gründungs=Körperſchaften be=
ſchänkt
bleiben ſolle, daß vielmehr bei der Gründung der Hekoga der
Beitritt weitever öffentlicher (kommunaler) Körperſchaften, insbeſon=
dere
auch der mittleren Städte, ausdrücklich vorgeſehen und die Mög=
lichkeit
hierzu in der Satzung geſchaffen wurde. Es wird eine der
erſten Aufgaben der Hekoga ſein, die Verhandlungen wegen des Bei=
tritts
der mittleren Städte ſofort zum Abſchluß zu bringen, nachdem
die kommunalen Vertretungen der Gründungskörperſchaſten ihre Zu=
ſtimmung
zu der am 2. Februar vollzogenen Gründung erteilt haben.
Durch die bei der Grundung der Hekoga beteiligten kommunalen
Körperſchaften iſt in der Hekoga bereits ein Verſorgungsgebiet
zuſammengeſchloſſen mit einem derzeitigen Gasverbrauch von etwa 70
bis 80 Millionen Kubikmetern im Jahre. Die Bedeutung dieſer Ver=
brauchsmenge
kann z. B. auch daraus erkannt werden, daß auch der
Verbrauch der Frankfurter Gasgeſellſchaft keine größere Biffer aufweiſt.
Dunch den Hinzutrütt weiterer Mitglieder, hauptſächlich aber durch den
Ausbau und die Verbilligung der Gasverſorgung in dem jetzt ſchon zu=
ſammengeſchloſſenen
Gebiet wird es möglich ſein, die genannte Ver=
brauhsziffer
weiterhin ſehr beträchtlich zu ſteigern.

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— Vogelsberger Höhen=Club, Darmſtadt. Am 25. März hatten die
Führer zur 4. Wanderung „Rund um Auerbach und Zwingenberg” ge=
rufen
, und eine recht ſtattliche Zahl froher Wanderer hatte ſich hierzu
eingefunden. Der Fruhling hat bereits ſeinen Einzug gehalten und
junges Grün ſieht man überall emporſprießen. Hier und da ſah man
ſchon Mandelbäume und ſonſtige Sträucher in ihrem Blütenſchmuck.
Von den Bergeshöhen aus hatte man prächtige Fernblicke, im beſon=
deren
nach der Rheinbene und nach dem Odenwald. Die Führer hatten
alles aufs Beſte vorbereitet. Die Wege waren gut ausgeſucht und für
tüchtiges Bergan= und Vergabſteigen war geſorgt. Viele. Schweiß=
tropfen
ſah man rieſeln, aber es war ſo gut gemeint. Die Frühſticks=
raſt
fand in Hochſtätten im Gaſthaus „Zum Felſenmeer” und die End=
raſt
in Zwingenberg im Gaſthof „Zum Löwen” ſtatt. Die Verpflegung
und Unterbringung in den Lokalen war reht gut. In Zwingenberg
hatte ſich der Zweigverein Worms eingefunden und fand herzlichſte Be=
grüßung
gegenſeitig ſtatt. Die humoriſtiſchen und geſanglichen Dar=
bietungen
fanden reichen Beifall. Der wohlverdiente Führendank wurde
durch V. H. C.=Bruder Kormmann abgeſtattet. Am Zwingenberget Bahn=
hof
trennte man ſich von den lieben Wormſern nüit dem Wunſche auf
ein Wiederſehen am 6. Mai gelegentlich der Wanderung nach Heppen=
heim
a. d. Wieſe.

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— Orpheum. Märchengaſtſpiel Klein=Erika Graf.
Sonntag, 1. April, nachmittags 4 Uhr, gaſtiert das bekannte Berliner
Theaterkind Erika Graf mit ihrem Märchen=Enſemble, in
einer einmaligen Aufführung von „Frau Holle”, Märchen in fünf
Akten nach Wilhelm Hauff. „Klein=Erika”, zurzeit auf Tournee durch
Deutſchland und die Schweiz befindlich, hat überall ſtarke Erfolge; eben=
falls
dürfte Klein=Erika durch ihre Filmgaſtſpiele bekannt ſein. Weitere
Mitteilungen folgen. — Der Kartenverkauf iſt ab Mittwoch im Ver=
kehrsbureau
. Preiſe: 40 Pfg. bis 1,50 Mk. für Kinder und Erwachſene.
— Nähſchule im Freundinnenheim, Sandſtraße 24. Am 16. April
beginnen wieder die Handarbeitskurſe im Heim, die an den
Werktagen, außer Samstags, von 2—6 Uhr ſtattfinden. Auf Wunſch
werden auch Abendkurſe eingerichtet, wenn genügende Beteiligung
geſichert iſt. (Siehe Anzeige.)
— Heſſiſcher Landesverbandstag der Tapezierer=Innungen. Die
ſechſte Landesverbandstagung der Tapezierer=Innungen, Dekorateure
und Sattler fand am Sonntag in Offenbach a. M. ſtatt, verbunden mit
einer Fachausſtellung im Stadtgarten. Der Verband umfaßt zwölf
Innungen mit 600 Mitgliedern.

Pr.4. Turngemeinde Beſſunger 1865 C. V, DT. Eine ſtattliche
Schar Turner und Turnerinnen waren am verfloſſenen Samstagabend
unſerem Ruf zur Monatsverſammlung gefolgt, um dem Vortrag von
Dr. Krämer: „Java, die Sonneninſel” beizuwohnen. Und
hatten es nicht zu bereuen! Es war ein Erlebnis eigener Art, den
feſſelnden, oft mit geſundem Humor gewürzten Ausführungen des ge=
ſchätzten
Redners über die uns ſo fremdartige Märchenvelt zu lauſchen.
An der Hand trefflicher Lichtbilder ließ er uns im Geiſte die etwa der
Größe und Einwohnerzahl Preußens gleichkommende Inſel durchwan=
dern
, die Reis= und Zuckerrohrplantagen, den märchenhaft ſchönen, von
einem Deutſchen angelegten Botaniſchen Garten, die bis 4000 Meter
hohen Vulkane, ließ uns Einblicke tun in rieſig große buddhiſtiſche Tem=
pel
, Prachtſtücke der Architektur, wohl 1000 Jahre alt, erzählte von der
Tätigkeit der ärztlichen Miſſion und ihre Erfolge bei der Bekämpfung
der dort herrſchenden infektiöſen Blutkrankheiten, und ſchilderte ſchließ=
lich
die ſich ſchroff gegenüberſtehenden zwei Weltanſchauungen des Iſlam
und des Chriſtentums, denen noch weltgeſchichtliche Auseinande etzun=
gen
bevorſtehen, die früher oder ſpäter ausgetragen werden. Mit ge=
ſpannter
Aufmerkſamkeit folgten die Zuhörer den intereſſanten Aus=
führungen
und lohnten ſie mit reichem Beifall. — Redewart Engel
dankte in warmen Worten namens der Turngemeinde dem Redner für
den genußreichen Abend.
— Evangeliſche Jugendgemeinſchaft. Am Mittwoch, den 28. März,
abends 8 Uhr, und am Donnerstag, den 29. März, abends 7.30 Uhr,
gelangt in der Johanneskirche das „Chriſti Leiden=Spiel” von
Fritz Weege durch die Darmſtädter Spielſchar und die Muſikantengilde
zur Aufführung. Auf der Grundlage eines alten Leidensſpieles aus
dem Bayeriſchen Wald hat der Verfaſſer verſucht, hier aus dem Geiſt
unſerer Zeit heraus ein evangeliſches Kirchenſpiel zu geſtalten. Im
geſprochenen Wort von ſchlichter, gläubiger Einfalt im Wechſel mit
Chören und Inſtrumentalmuſik erſteht das Leiden Jeſu vor der Ge=
meinde
. — Alle Mitwirkenden haben ſich zur Aufgabe gemacht, den
Beſuchern eine beſondere Feierſtunde zu bereiten. Da eine kirchliche
Paſſionsaufführung mit Chor, Orgel und dramatiſchem Spiel in Darm=
ſtadt
wohl etwas Neues ſein dürfte, ſo wird gewünſcht, daß ſie lebhaftem
Intereſſe begegnet. Zur Deckung der Unkoſten wird ein kleines Ein=
trittsgeld
von 20 Pfg. erhoben, und ſind die Eintrittsfolgen dafür zu
haben bei: Papierhandlung Paul, Johanneskirche. Werkſtube Glock=
Orth, Haus der Jugend, Muſikhaus Arnold (am Weißen Turm) und
Buchhandlung Saeng. Ein zahlreicher Beſuch dürfte ſehr zu empfeh=
len
ſein.
— Eine Wäſche= und Handarbeitsausſtellung, die beſonders für
die Damen von ſehr großem Intereſſe ſein dürſte, findet bei freiem
Eintritt heute von 9—7 Uhr und morgen von 9—5 Uhr im Mozart=
ſaal
(Schulſtraße 8) ſtatt. Wie man uns ſchreibt, war bereits geſtern
Gelegenheit, die Wäſche= und Kunſtgegenſtände, die in dem Handarbeits=
unterricht
, geleitet von Fräulein Emmy Lorenz, ſtaatlich geprüfte
Handarbeitslehrerin, im letzten Jahre hergeſtellt wurden, zu beſichtigen.
Es fiel beſonders die entzückend geſtickte Damenleibwäſche ins Auge.
Sie iſt ſehr ſauber ausgeführt. Beſondere Beachtung verdient ein neuer
Zweig: Stoff= und Ledermalerei. Man findet da reizende Taſchen=
tücher
, Kalender; beſonters ſchön iſt eine Roſendecke. Zwei reizende
Teepuppen, deren Kleider gemalt ſind, verdienen beſondere Beachtung.
Dabei iſt die Baſtarbeit nicht in den Hintergrund gerreten. Kiſſen,
Schreibmappen zeigen, daß dieſer Bweig ſich immer beliebter macht.
Sehr in den Vordergrund treten dieſes Jahr die bulgariſchen Kleider,
Bluſen und Kinderkleidchen. In Separatausſtellungen werden Parade=
kiſſen
, Bettwäſche und Kinderſachen zur Schau geſtellt. Schöne Kleid=
chen
zeigen, daß die Schüilerinnen auch im Schneidern vorangeſchritten
ſind. Die praktiſche Arbeit: einfache, veränderte und geflickte Wäſche
iſt ebenfalls nicht vergeſſen. Einen beſonders großen Teil nimmt die
Buntſtickerei ein. Im ganzen liefert die Ausſtellung den Beweis, daß
durch eine richtige Anweiſung und gute, ſyſtematiſch geleitete Ausbil=
dung
die Leiſtungsmöglichkeit der Schilerinnen auf eine ſehr beachtens=
werte
Höhe gebracht werden kann.
— Ev. Nähſchule der Martinsgemeinde Gemeindehaus, Liebfrauen=
ſtraße
6. Am 16. April beginnt ein neuer Lehrgang im Weiß=
nähen
und Schneidern. (Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
— Werbeabend. Heute Dienstag, den 27. März, abends 8.30 Uhr,
findet im Weißen Saale des Kaiſerſaals (Grafenſtraße) ein Werbeabend,
verbunden mit Lichtbildervortrag, der Zentralſtelle für Rad=
fahrwege
ſtatt, wozu auch Preſſe und Behörden geladen ſind. Sämt=
liche
Nadler und Radlerinnen, ganz gleich, ob ſie einem Verband oder
Verein angehören, werden erſucht, in Maſſen zu erſcheinen.
— Dampferexpeditionen des Norddeutſchen Oloyb, Bremen. Nach
New York ab Bremen=Bremerhaven: D. Karlsruhe N. 3., D. Co=
lombus
29, 3., D. München 5. 4., D. Amerika 6. 4., D. George Waſhing=
ton
11. 4., D. Berlin 12 4. Nach New York ab Southampton;
D. Columbus 30. 3., D. Amerika 7. 4., D. George Waſhington 12. 4.
Nach Kanada (Halifax), New York ab Byemen=Bremerhaven:
D. Karlsruhe N. 3., D. Sehölitz 7. 4. Nach Havanna— Galve=
ſton
. Ausreiſe über Halifax ab Bremen=Bremerhaben: D.
Seydlitz 7. 4. Nach Canada: D. Cairndhu ab Hamburg 15. 4.,
ab Bremen 17. 4., D. Lahn ab Hamburg 22. 4., ab. Bremen 24. 4.
Nach Philadelphia-Baltimore-Norfolk: D. Weſtfalen
ab Hamburg 3. 4., ab Bremen 8. 4. Nach Nordamerika, Weſt=
küſte
: D. Germar ab Hamburg 4. 4., ab Bcemen 7. 4. Nach dem
La Plata ab Bremen=Bremerhaben (Paſſagiereinſchiffung): D.
Weſer 31. 3., D. Sierra Cordoba 14. 4., D. Gotha 21. 4. Nach
Nordbraſilien: D. Friederm 11. 4. Nach Mittelbraſi=
lien
: D. Attika ab Bremen 31. 3., ab Hamburg 4. 4. Nach Kuba—
New Orleans: D. Ingram ab Hamburg 11. 4., ab Bremen 13. 4,
Nach Oſtaſien: D. Pfalz ab Bremen 31. 3., ab Hamburg 4. 4.,
D. Ilmar ab Bremen 7. 4., ab Hamburg 11. 4., D. Saarbrücken ab
Bremen 14. 4., ab Hamburg 18. 4. Nach Auſtralien: D. Franken
ab Hamburg B. 3, ab Bremen 31. 3., D. Aller ab Bremen 1. 5. Nach
Südamerika, Weſtküſte, durch den Panamakanal: D. Rapot
ab Hamburg B. 3., ab Bremen 31. 3. durch die Magelhaensſtraße, D.
Wiegand ab Bremen 3. 4., ab Hamburg ſ. 4. Nach Weſtküſte.
Zentsalamerika und Mexiko; MS. Erfurt ab Hamburg
1. 4. Fruchtfahrt Kanariſche Inſeln nach Bremen—
Hamburg: D. Orotava 31. 3., D. Arucas ab Bremen 14. 4. Nach
der Levante ab Bremen: Abfahrten alle 3 bis 10 Tage. Nach
Finnland ab Bremen: 14tägiger Dienſt nach allen Haupthäfen.
Nach Reval ab Bremen: Abfahrten alle 10 Tage. Nach Lenin=
grad
ab Bremen: Abfahrten alle 8—14 Tage. Nach England
ab Bremen: 2 bzw. 4 Abfahrten in der Woche. Nach Afrika ( Weſt=
afrika
): D. Jvo ab Hamburg 10. 4. Gefellſchaftsreiſen:
Orientfahrt D. Stuttgart 11. 4.—7. 5., Mittelmeerfahrt 11. 5.—30. 5.
Griechenlandfahrt D. Lützow 10. 4.—24. 4., Adria=Italienfahrt 10. 5.
bis 23. 5., Mittelmeerfahrt 24. 5.—16. 6. Polarfahrt D. Berlin 9. 7.
bis 5. 8. Skandinavien=Oſteefahrten D. Lützow B. 6.—6. 7. und 3. 8.
bis 17. 8. Nordkapfahrten D. Sierra Cordoba 14. 7.—1. 8. und 4. 8.
bis 22. 8. Nordkapfahrt D. Sierra Ventana 24. 7.—11. 8. Mitgeteilt
vom Vertreter, Anton Fiſcher, Darmſtadt, Telephon 186.

Lokale Veranſtaltungen.

Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachien,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krilf.
— Bund Königin Luiſe. Zu der am Mittwoch, 28. März,
abends 8 Uhr, bei Sitte ſtattfindenden Feier zum Gedächtnis Ihrer
Schutzpatronin werden die Kameradinnen gebeten, recht zahlreich zu er=
ſcheinen
. Freunde des Bundes herzlich willkommen.

Preſſeſtimmen über das Endſpielum den
Handball=Pokal im Sportteil, Seite 16

Ein gutes Mittel bei Flechten, Hautausſchlägen.

Flechten, ganz beſonders die überaus läſtige Schuppenflechte
(Psoriasis) und Bartflechte, ſind gar arge und läſtige Uebel, denn
ſie verunſtalten nicht nur die Haut, ſondern ſchmerzen, jucken,
ſchuppen, brennen und näſſen oft auch ganz erheblich und an=
dauernd
. Außerdem ſind ſie meiſt hartnäckiger Natur, und nicht
ſelten ſind ſie von der Wiege bis zum Grabe der treue Begleiter
des Menſchen. Man ſollte deshalb nie den Weg zum Arzt ſcheuen,
denn jede Flechte iſt anders, und jede Haut verlangt eine indi=

Von Dr. med. W.
viduelle Behandlung. In vielen Fällen hat ſich nach meinen Er=
fahrungen
folgendes Verfahren gut bewährt: Man nehme ein
Stück Zucker’s Patent=Medizinal=Seife, reibe mit der Hand oder
noch beſſer mit einer naſſen Bürſte, einem naſſen Pinſel und dergl.
möglichſt biel dicken Schaum, läßt ihn eventl. noch einige Zeit
ſtehen, bis er ſo dick iſt wie Brei, Salbe oder Sirup und trägt
ihn dann leicht, ohne zu reiben, auf die zu behandelnden
Hautſtellen auf. Am beſten geſchieht das Auftragen des Abends,

(IV5575
damit der Schaum genügend Zeit hat, auf der Haut einzutrocknen
und die Nacht über liegen bleiben kann. Morgens erweicht man
ihn mit etwas Waſſer, ſpült ihn dann leicht ab und trocknet hier=
auf
die Haut, ohne zu reiben oder zu frottieren,
ſanft mit einem weichen Tuch. Nachher ſtets die Haut mit Zuckooh=
Creme, die ebenſo wie Zucker’s Patent=Medizinal=Seife in jeder
Apotheke, Drogerie und Parfümerie zu haben iſt, nachbehandeln.
Dieſe Pnobdezur mieberhole man Fo lange, bis Beſſerung erfolgt.

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Seite 6

Dienstag, den 27. März 1928

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Die Neuregelung der Lohn=
und Gehaltspfändung.

Von Rechtsanwalt Ernſt Langenbach, Darmſtadt.

Der Reichstag hat in der Sitzung vom 17. Februar einen Initiativ=
antrag
der Abgeordneten Aufhäuſer und Genoſſen bei der Beratung
des Voranſchlags des Reichsarbeitsminiſteriums debattelos angenom=
men
. Es handelt ſich um eine Aenderung, die tief in das Verhältnis
zwiſchen Gläubiger und Schuldner eingreift, alſo von äußerſter prakti=
ſcher
Bedeutung für unſer Wirtſchaftsleben iſt. Nach der bis Ende
dieſes Monats noch geltenden Faſſung der Lohnpfändungsverordnung
hat ein Lohnempfänger ein unpfändbares Mindeſteinkommen von
wöchentlich 30 RM. nebſt einem Drittel des Mehreinkommens. Die
Pfändungsgrenze von 30 RM. entſpricht ungefähr dem, was vor dem
Kriege Geſetz war; denn damals war ein Jahreseinkommen von 1500
Mark unpfändbar. Zweifellos hat ſich die Kaufkraft dieſes Lohnbetra=
ges
, ſeitdem man nach der Inflation wieder zu normaler Rechnungs=
weiſe
übergegangen iſt, derart verändert, daß das Exiſtenzminimum
nicht mehr genügend geſchützt iſt. Und zwar gilt dies gerade für die
kleinſten Leute. Deshalb wird man, von einer höheren Warte aus
geſehen, die am 1. April in Kraft tretende Aenderung begrüßen: Die
Pfändungsgrenze iſt auf 45 RM. hinaufgeſetzt worden. Außerdem hat
das Geſetz für die Zukunft einen Streit darüber unmöglich gemacht,
wie man bei Lohnempfängern, die nicht wöchentlich, ſondern zu anderen
Zeitabſchnitten ihre Vergütung erhalten, zu rechnen hat. Den 45 RM.
unpfändbaren Wochenlohnes wird nunmehr eine Tagesvergütung von
7,50 RM. und eine Monatsvergütung von 195 RM. entſprechen. Er=
folgt
die Vergütung für Monatsbruchteile, ſo iſt ein entſprechender
Teil dieſer 195 RM. als unpfändbar zu behandeln.
Die Lohupfändungsverordnung enthält bekanntlich ferner die Be=
ſtimmung
, daß je nach dem, ob der Lohnempfänger nur für ſich allein
ſteht, oder einer Perſon oder mehr als einer Perſon Unterhalt zu ge=
währen
hat, von demjenigen Einkommen, das er über den Wochen=
betrag
von 30 RM. hat, zwei Sechſtel, drei Sechſtel oder vier Sechſtel
pfandfrei bleiben. Dieſer Berückſichtigung der Unterhaltspflicht iſt aber
eine obere Grenze geſetzt, die zur Zeit noch 100 Mk. die Woche beträgt.
Für das Einkommen, das der Lohnempfänger darüber hinaus bezieht,
macht es keinen Unterſchied mehr, ob er allein ſteht oder Unterhalt zu
gewähren hat. Nun hat das Geſetz auch dieſe obere Pfändungsgrenze
ebenfalls um 50 v. H. erhöht. Die Berückſichtigung dieſer Unterhalts=
pflicht
wird alſo ab 1. April erſt aufhören bei einem Einkommen von
mehr als täglich 25 RM., wvöchentlich 150 RM. und monatlich 650 RM.
An dieſer Stelle darf m. E. die Kritik einſetzen. Man wird ſich fragen
müſſen, ob es rechtspolitiſch tragbar iſt, die Belange der Gläubiger in
dieſem Umfange den Unterhaltsbedürfniſſen der Schuldnerfamilien hint=
anzuſetzen
. Es iſt dies der ewige Rechtskampf zwiſchen den Bedürfniſſen
eines in der Theorie ſchwachen Schuldners und ſtarken Gläubigers,
deren Rollen in der Praxis leider nur gar zu oft vertauſcht ſind.
Zahlenmäßig wird ſich die Geſetzesänderung wie folgt auswirken:
Von jeder Mark, die ein Lohnempfänger über 7,50 Mk. am Tage,
45 Mk. in der Woche und 195 Mk. im Monat zu erhalten hat, ſind
pfändbar 67 Pfg., 50 Pfg. und 33 Pfg., je nachdem ob er keine Unter=
haltspflichten
oder ob er ſolche einer oder mehr als einer Perſon zu
erfüllen hat. Es ſind danach z. B. pfändbar bei einem Tagesein=
kommen
von 10 Mk. 1,66 Mk., 1,24 Mk. und 0,83 Mk.; bei einem
Tageseinkommen von 20 Mk. 8,33 Mk., 6,25 Mk. und 4,17 Mark. Die
Grenze wird bei 25 RM. erreicht mit 11,66 Mk., 8,75 Mk. und 5,83 Mk.
Von dem, was darüber hinaus verdient wird, ſind in allen Fällen
zwei Drittel pfändbar, alſo z. B. bei einem Tageseinkommen von
30 Mk. 15 Mk., 12,08 Mk. und 9,16 Mk. Bei einem Wochenein=
kommen
lauten die Zahlen z. B. bei 100 Mk. 36,68 Mk., 27,50 Mk.
und 18,32 Mk. An der oberen Grenze bei 150 Mk. ſind die Zahlen
70 Mt., 52,50 Mk. und 35 Mk. Ganz entſprechend iſt es bei monat=
lich
berechnetem Einkommen. Zum Beiſpiel bei 400 Mk. 136,67 Mk.,
102,50 Mk. und 68,33 Mark. An der Grenze von 650 Mk. lauten die
Zahlen 303,33 Mk., 227,50 Mk. und 151,67 Mk.
Selbſtverſtändlich iſt auch die der Lohnpfändungsverordnung ent=
ſprechende
Beſtimmung des § 850 der Zivilprozeßordnung geändert
worden. Auch das Dienſteinkommen der Offiziere und Beamten, die
Witwen= und Waiſenpenſionen ſind jetzt nur noch pfändbar bei einem
Monatsbetrage von über 195 Mk., und zwar wie bisher zu einem Drit=
tel
des Mehrbetrages.
Auch hat das Abänderungsgeſetz die gleiche Regelung getroffen, wie
in den früheren Jahren bei ähnlichen Abänderungen: Es iſt Sache des
Schuldners, durch Anrufung des Vollſtreckungsgerichts einen nach dem
bisherigen Geſetzesſtand gültig erlaſſenen Pfändungsbeſchluß der neuen
Geſetzeslage anpaſſen zu laſſen. Der Drittſchuldner kann trotz Kenntnis
dieſer Aenderung mit befreiender Wirkung an den Pfandgläubiger
zahlen, ſo lange ihm nicht ein gerichtlicher Abänderungsbeſchluß zuge=
ſtellt
worden iſt, Dagegen verliert eine vor dem 1. April erfolgte
Aufrechnung. Abtretung oder Verpfändung ihre Wirkung inſoweit, als
ſie nach den neuen Beſtimmungen unzuläſſig ſein wurde. Dies entſpricht
der allgemeinen geſetzlichen Regel, daß man über Unpfändbares in der
genannten Art auch nicht freiwillig verfügen kann.

— Die Kunſt des Kochens. Geſtern nachmittag um 4 Uhr fand bei
ausberkauftem Hauſe die erſte Vorführung des Films „Die Kunſt des
Kochens” im Kleinen Haus des Landestheaters ſtatt. Wegen des fehr
großen Intereſſes, das der Film in Hausfrauenkreiſen gefunden hat und
wegen der ſtarfen Nachfrage im Vorverkauf wird die heutige Nachmit=
tags
=Vorführung, die urſprünglich nur für Jugendliche und Schulen
vorgeſehen war, auch Erwachſenen zum Preiſe von 50 Pfg. zugängig
gemacht. Die dritte Vorführung findet heute abend 8 Uhr ſtatt. Der
Film bringt eine Ueberfülle äußerſt lehrreicher Darbietungen auf dem
Gebiete der häuslichen Kochkunſt, ſo daß der Beſuch nur auf das
wärmſte empfohlen werden kann. Der Preis von 50 Pfg. für Er=
wachſene
und von 25 Pfg. für Jugendliche iſt überdies ſo niedrig, ge=
halten
, daß dieſer Lehrfilm von jedem beſucht werden kann.

Briefkaſten.

K. S., Darmſtadt. Der allgemeine Zinsſatz des 8 28.Abſ. 1 des Auf=
wertungsgeſetzes
wird in Anwendung kommen. Aus dem auf 400 Proz.

erhöhten Aufwertungsbetrag werden mit Eintritt der Rechtskraft der
Entſcheidung (den Tag kann die Aufwertungsftelle Ihnen angeben)
3 Prozent Zinſen und vom 1. Januar 1928 ab 5 Prozent Zinſen zu
entrichten ſein.

Tageskalender für Dienstag, den 27. März 1928.
andestheater Großes Haus, Anf. 19 Uhr, Ende 22½ Uhr,
4 14: „Die Zauberflöte‟. — Kleines Haus, 20 Uhr, Filmvorführung:
„

Verein: Ausſtellung der Schülerinnenarbeiten im Schulhaus Fried=
richſtr
. 4, von 10—5 Uhr. — Atelier=Ausſtellung Auguſte
von Bellersheim, Wilhelminenſtraße 42 I, von 11—1 Uhr und
3½—5 Uhr. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele, Helia.
Verſteigerungskalender für Mittwoch, den 28. März 1928.
Holzverſteigernng, vormittags 9 Uhr, in der Wirtſchaft „ Hei=
liges
Kreuz”,

* Ein Privat=Beleidigungs=Prozeß,

der ſowohl durch die Sache, wie durch die beteiligten Perſönlich=
keiten
auch ſtarkes öffentliches Intereſſe hat, wurde geſtern vor=
mittag
vor dem Schöffengericht in Darmſtadt verhandelt. Es
handelt ſich um eine Privatklage des früheren Dramaturgen und
Oberregiſſeurs Jakob Geis gegen den Generalintendanten
Profeſſor Karl Ebert wegen Beleidigung. Die Beleidigung
wurde von dem Privatkläger in Folgendem erblickt: Der Privat=
beklagte
hat vor und nach ſeiner Ernennung zum Generalinten=
danten
zu mehreren Perſonen und an mehreren Orten teils auf
Befragen, teils im Laufe von Verhandlungen ſeine Ablehnung
eines Vertrages mit Herrn Geis damit begründet, daß er nicht
nur künſtleriſch zu einer Mitarbeit für ihn, den Generalinten=
danten
Ebert, nicht in Frage komme, ſondern auch aus perſön=
lichen
Gründen, da Geis auch als Menſch und Charakter für ihn
als Mitarbeiter nicht in Frage käme. Die letztere Einſtellung
wurde von Ebert damit begründet, daß er Kenntnis erhalten
habe von einem Brief, den Geis an Generalmuſikdirektor Dr.
Böhm gerichtet habe, in dem Dr. Böhm nahegelegt worden ſei,
ſein Engagement zugunſten von Geis in die Wagſchale zu werfen
und der die Wendung enthalten habe, es ſei nunmehr für den
Poſten des Darmſtädter Generalintendanten eine unmögliche
(vielleicht auch ungeeignete) Perſönlichkeit in Ausſicht genom=
men
. Daß der Inhalt des fraglichen Briefes ſo oder ähnlich mit
Beziehung auf den Generalintendanten Ebert gelautet haben
ſoll, wird von dem Privatkläger entſchieden beſtritten. Der an=
gebliche
Brief ſoll von Dr. Böhm vernichtet worden ſein. In
einem ſpäteren Brief, der in der Verhandlung vorgelegt wurde,
hat Dr. Böhm dem Privatkläger beſtätigt, daß dieſe Bemerkung
nicht, vor allem nicht in bezug auf Generalintendant Ebert, in
dem Brief geſtanden habe. In der Verbreitung dieſes beſtrittenen
Briefinhaltes und in den daraus gezogenen Konſequenzen durch
Generalintendant Ebert wird die Beleidigung erblickt.
In der Verhandlung beſtritt der Privatbeklagte, der durch
Juſtizrat Dr. Bender vertreten wurde, während den Privat=
kläger
Rechtsanwalt Dr. Mattern vertrat, die beabſichtigte
oder unbeabſichtigte Beleidigung und machte Wahrung berechtig=
ter
Intereſſen geltend. Dieſe wurde damit begründet, daß die
fraglichen Aeußerungen nur Perſonen oder Vertretern von Kör=
terſchaften
gegenüber gemacht wurden, die irgendwie auf die
Stellung des Generalintendanten von Einfluß ſeien.
Zu der Verhandlung waren unter anderem als Zeugen
geladen die Herren Staatsrat Balſer, Rechtsanwalt und
Landtagsabgeordneter Dingeldey, der Vorſitzende des parla=
mentariſchen
Ausſchuſſes, Schriftſteller Wilhelm Michel, Mit=
glied
des Preſſeausſchuſſes im Arbeitsrat für Kunſt, General=
muſikdirektor
Dr. Böhm, Oberregiſſeur Mutzenbecher. Der
Vertreter des Privatklägers, Dr. Mattern, ſtellte an Hand der
Beweisaufnahme Antrag auf Beſtrafung und wies in ſeinem
ausführlichen Plädoyer nach, daß die Wahrnehmung berech=
tigter
Intereſſen von ſeiten des Privatbeklagten nicht, nament=
lich
nicht in allen Fällen, in denen die beleidigenden Aeußerungen
verbreitet wurden, nicht in Frage kommen könne; eine Reihe von
Zeugenausſagen habe durch die Länge der Zeit, die das Er=
innerungsvermögen
beeinflußte, zum anderen auch durch ihre
Stellung zum Generalintendanten an Bedeutung eingebüßt. Die
Abſicht der Beleidigung und die Tatſache dieſer Beleidigung halte
er für erwieſen. Juſtizrat Dr. Bender vertrat den entgegengeſetz=
ten
Standpunkt und plädierte für Abweiſung der Privatklage.
Ein Verſuch des Vorſitzenden, die Angelegenheit durch Vergleichs=
erklärung
aus der Welt zu ſchaffen, hatte keinen Erfolg. Das
Urteil wird in acht Tagen verkündet werden.

Bezirksſchöffengericht.

p.=Wegen fahrläſſiger Etſenbahntransportgefährdung haben ſich ein
Reſerpelokomotivfuhrer und ein Aushilfsheizer zu verantworten.
Es handelt ſich um einen Unfall, der ſich am 24. September 1927
im Bahnhofe Groß=Umſtadt bei regneriſchem, ſtürmiſchem Wetter er=
eignetze
. Bei einem. Rangiermanöver früh morgens fuhr der Loko=
motivführer
des Zuges 301, nachdem ihm ſein Heizer verſichert hatte,
daß die Weiche richtig liege, vor. Als der Heizer kurz darauf ihm zu=
rief
, die Weiche liege nicht richtig, gab der Führer Gegendampf und
ſetzte den Sandſtreuer in Bewegung; er konnte es aber nicht mehr
hindern, daß die Maſchine wit dem von Wiebelsbach kommenden, in
Groß=Umſtadt kreuzenden Perſonenzug 456 kollidierte, wodurch Sach=
und Perſonenſchaden verurſacht wurde. Die Angeklagten, denen die
Anklage es zum Verſchulden anrechnet, daß ſie ſich nicht darüber ver=
gewiſſert
hätten, ob die Weiche richtig geſtellt war, wenden ein, daß
ſie das Einfahrtsſignal des Perſonenzugs nicht hätten ſehen können,
auch ſei das Stellwerk nicht hell beleuchtet gewveſen. Die Verteidigung
bezeichnet die Anlage des Bahnhofs Groß=Umſtadt als veraltet. Beide
Angeklagte waren längere Zeit krank, der Fühcer hat auch einen Nerven=
ſchock
erlitten. Aus der Beweisaufnahme geht hervor, daß das Wetter
ſchr undurchſichtig war. Auch der Führer und der Heizer des Zuges 456
wurden verletzt. Der Bahnhof Groß=Umſtadt liegt nach Angabe des
Sachverſtändigen in einer Kurve und iſt deshalb etwas unüberſichtlich.
Die Weichenlichter des Stellwerks hätten nach dem Gutachten vom Füh=
rer
geſehen werden müſſen. Die Verteidigung behauptet, daß es ſich im
Fragefalle um eine T.=18Maſchine ohne Tender handelte; dieſa T.=18=
Maſchinen ſeien in Führerkreiſen dafür bekannt, daß ihre Bremswir=
kung
ſehr ſchlecht ſei.
Die Verteidigung beantragt eine Ortsbeſichtigung und fügt hinzu,
bei einer T.=18=Maſchine ohne Tender ſei jede Ausſicht auf 30 bis 40
Meter Entfernung durch den Keſſel unmöglich gemacht.

Der Staatsanwalt beantragt eine Geldſtrafe, deren Höhe in das
Ermeſſen des Gerichts geſtellt wird. Der Verteidiger glaubt, daß man

ohne weiteres zur Freiſprechung kommen müſſe. Am Unfall ſeien
ſchuld: die unüberſichtliche Bahnhofsanlage und das ſchlechte Wetter,
verbunden mit dem Umſtand, daß eine T.=18.=Maſchine gefahren wurde.
Die Angeklagten hätten alles Menſchenmögliche getan, um einen Unfall
zu verhüten. Für die ſchlechte Bremswirkung ſeien die Angeklagten
nicht verantwortlich. Das Urteil erkennt auf je 100 Mark Geldſtrafe, in
Raten von je 10 Mark zahlbar.

Selbstrasierer!
Vor dem Einseiſen die Haut gründlich mit
TVE.
Hfe

einreibenl Erfolg: Schmerzloses Rasieren.
blendendes Schneiden des Messers, keine
Reizung der Hauf. Preise: M o.2 - 120

Aus Heſſen.
Starkenburg.

Au. Arheilgen, 26. März. Durch den Weggang des zweiten Geitzt
lichen wird in dieſem Jahre die Konfirmation ſowohl der Knu=
ben
als auch der Mädchen durch den Ortsgeiſtlichen, Herrn Pfarx=
Grein, vollzogen. Heute wurden in den beiden Gottesdienſten die Kiſ=
der
vorgeſtellr und durch Prüfung gezeigt, wie dieſelben zur Konfüf=
mation
vorbereitet ſind. Die Konfirmation ſelbſt findet am zweiten
Oſterfeiertag für die Knaben, am Sonntag Quaſimodogeniti für do=
Mädchen ſtat:. Zuſammen ſind es rund 180 Kinder. — Am komme=
den
Senntag, dem Heſſiſchen Buß= und Bettage, veranſtaltet der eva u=
geliſ
he Kirchengeſangverein nachmittags 3 Uhr im hieſigen Gotteshaun=
ein
Kircenkonzert. Zur Aufführung kommt die Matthäup=
paſſion
von J. Th. Römhildt. Der Komponiſt, ein Zeitgenoſſe Back-,
war bis dor kurzem faſt unbekannt. Erſt dem Meninger Maſikbirektr;
Paulke, der die Paſſion im Jahre 1921 zum erſten Male aufführte urn
durch Forſchung weitere 250 Werke Römhildts nachwies, war es ver=
gönnt
, den Vergeſſenen wieder zu Ehren zu bringen. Das ſchöne Wesi
mit charakteriſtiſchen Chören und herrlichen Choralſätzen ſoll uns na
Gewinnung einer Reihe beſter Solokräfte am nächſten Sonntag e=
bauen
. Die umfangreiche Partie des Evangeliſten wird durch Herm
Landzettel (Tenor), Jeſus durch Herrn Schäfer (Baß), beide aus Darrm=
ſtadt
, geſungen werden. Die kleineren Rollen ſingen einheimiſche Kräfti,
nämlich Frl. Eichner und die Herren Gg. Weicker und L. Gebauer. Ein
kleines, von hieſigen Muſikfreunden gebildetes Orcheſter hat die Beglex=
tung
übernommen. — Die geſtern von ſeiten der Nähſchule da=
evangeliſchen
Frauenvereins= veranſtaltete Ausſtellun.
legte Zeugnis, von den Leiſtungen des letzten Halbjahres ab und hör
man allſeits nur Stimmen des Lobes. Auch den Sommer über wim
wieder ein Kurſus veranſtaltet und beträgt das Honorar für wöchem
lich, 15 Stunden 1,25 Mk. Anmeldungen können bei der Leiterin, Frr.
Seeſemann, gemacht werden.
r Griesheim, 26. März. Erſte Propaganda=Ausſtell
lung des Kleintier=Zuchtvereins Griesheim b. B
Die am verfloſſenen Sonntag veranſtaltete Propaganda=Ausſtellung i5
Geflügel und Kaninchen erfreute ſich eines allgemeinen guten Beſuche:
Schon beim Eintritt in den Saal gewann man dem unwillkürlichen Eirn
druck, das iſt etwas anderes wie die anderen Ausſtellungen. Trink= ui=
Eßgefäße, Brutkörbe, Eierausſtellung der einzelnen Raſſen, Beleuchtum
des Friſcheies, des Gebrauchseies uſw. waren aufgeſtellt und wurde-
Belchrungen darüber abgegeben. An lebenden Hühnern wurden dii
Merkmale von guten und ſchlechten Legerinnen gezeigt. Alles in allen
es wurde viel Neues auf dem Gebiete der Geflügelzucht geboten. De
ſich anſchließende Vortrag von Herrn Lehrer Boller über den große=
geſundheitlichen
. Wert des Friſcheies zeigte, daß aber auch nur dar
Friſchei dazu im Stande ſei, nervenſtärkende Kräfte in uns auszulöſern
Das kann das Auslandsei niemals tun. Wenn dieſe Erkenntnis einme
in allen deutſchen Häuſern Eingang gefunden, dann wird und kann dau=
Trinkei nur ein Inlandei ſein. Darauf wurde praktiſch gezeigt, us
dem kranken Manne oder dem kranben Kinde ein Friſchei zubereite:
wird, daß die größtmöglichſten Nährwerte auch ausgenutzt werden. E
warnt wohl vor Ueberfütterung mit Eiern, aber Krankheiten wie Re
chitis, Kropfkrankheiten ſeiew durch das belebende Friſchei zu heiler
lbeſches ja eigentlich nur ein Paket Sonnenſchein mit chemiſch reine-
Nährſtoffen und Nährſalzen mit Vitaminen enthalte. Kein Kunſtpräpc
rat und wenn es auch aus den allerbeſten Stoffen beſteht, kann dem gle
chen, was ein Friſchei enthält. — Von ſeiten des Vereins können nack=
folgende
Ausſteller als zuverläfſige Brutlieferanten empfohlen werden
Herr Heinrich Avemarie und Chriſt. Skupp (rebhuhnf. Ital.); Ludwi
Opper (weiße Zwergwhandottes); Hrch. Leber 5. Ww. (Plymouth); Ge
Wedel (weiße Leghorn); Wilh. Klippel (Deutſch. Reichsh.); Phil. Die
fenbach (Silberbrackel); Wilh. Engel (Silber= und Gold=Sybritt); Bauſ=
und Boller (Barnevelder); Ludwig Müller, Jak, Unger und Avemari
(Schneeputen). Den nebenan ausgeſtellten Kaninchen wurde ungeteill
tes Lob, ſogar von auswärtigen Züchtern, zugeſprochen. Auf beſont
deren Tiſchen waren die Felle und Produkte aus der Kaninchenzuch”
ausgelegt. — Der Vorſitzende, Herr Lautenſchläger, dankte allen denen
die zum Gelingen der 1. Propaganda=Ausſtellung ſich in den Dienſt der
guten volkswirtſchaftlichen Sache geſtellt haben. Nur durch unermüd
liche Aufklärungsarbeit können wir die Auslandseinfuhr zurückdämmeir!
F. Eberſtadt, 26. März. Muſikaliſche Abendfeier im
der evangeliſchen Kirche. Am Samstag abend gaſtierte dass
Prof. Röthig=Soloquartett für Kirchengeſang aus Leinzig in der evang.
Kirche zu Eberſtadt. Man muß dem Ortspfarxer Paul dankbar ſein
für den einzigartigen Genuß, den er durch die Gewinnung des Quar= einem großen Kreiſe ſeiner Kirchengemeinde verſchafft hat. Denn
das kann ruhig geſagt werden: einen künſtleriſch ſo hochſtehenden uns
prächtigen Geſang hatten wohl wenige der Zuhörer je vernommen. Es=
waren
nur dier Stimmen, aber in ihrem Zuſammenklang voll Wohllaud
und einer Beſeeltheit, daß die Zuhörer tief gerührt und ergriffen waren
Alt und Baß herrlich, der Sopran ſtark und führend, weich und zar4
der Tenor. Beſonders gefiel das Verklingen des Tones und das Ver=
hauchen
bis zum Unhörbaren. Mit unvergleihlicher Hingabe brachte ſo
das Quartett 6 Paſſions= und 6 Oſterlieder zu Gehör, 12 Lieder aus
hinter uns liegenden Jahrhunderten, die, wenn ſie von dieſem Rörhig=
Quartett ſo geſungen werden, wie am Samstag abend, zur feierlichem
Andacht werden müſſen. Fur Eberſtadt war die Feier ein Ereignis ung
eine Stunde der Erbauung. MMöchte ein ſolcher Kunſtgenuß uns öfter
beſchieden werden.
Aa. Eberſtadt, 26. März. Vorſtellung der Konfirmanden-
Am Sonntag nachmittag fand in der hieſigen evangl. Kirche die Vor=
ſtellung
der diesjährigen Konfirmanden ſtatt. Die Prüfung wurde vom
Pfarrer Paul vorgenommen. Die Zahl der Konfirmanden beträgt ir
dieſem Jahre 66. Anläßlich der denkwürdigen Handlung fand am Sonn=
tag
auch eine photographiſche Aufnahme der Konfirmanden unter Hinzu=
ziehung
des Pfarrers und der Lehrer ſtatt. Die aus der Schule zu
entlaſſenden Knaben waren in dieſem Jahre in eine reine Knabenklaſſe=
die
von Lehrer Schwöbel geführt wurde, und in ein Gemiſchte Klaſſe
aufgeteilt, die von Lehrer Roth geführt wurde. Die Konfirmation
der Knaben wird am zweiten Oſterfeiertag vorgenommen werden.
42. Eberſtadt, 26. März. Schnitzeljagd. Als Einleitung zu
den diesjährigen Frühjahrsveranſtaltungen hielt die Turngeſellſchaft e. V.
am Sonntag nachmittag eine ſog. Schnitzeliggd ab. Eine große Zahl
von Teilnehmern folgte den oft irreleitenden Spuren der ſog. Füchſe-
Schließlich trafen ſich alle Teilnehmer nach einem langen Kreuz und
Quer durch den Frankenſteinerwald in Malchem zu einem gemütlichen
Beiſammenſein. — Am Sonntag nachmittag fand hier im „ Gaſthaus=
zur
Eiſenbahn” eine Zuſammenkunft der Brauer ſtatt.
Aa. Pfungſtadt, 26. März. Holzverſteigerung. Am Don=
nerstag
, den 29. März, findet auf dem Pfungſtädter Rathaus eine
Brennholzverſteigerung ſtatt, bei der 585 Raummeter Kiefernholz
(Scheit=, Knüppel= und Stockholz) aus dem Stadtwalddiſtrikt Klings=
ackertanne
zur Verſteigerung gelangen. Außerdem kommen 1900 Stück
Kiefernwellen zum Ausgebot. Wie üblich, wird gegen ſichere Bürg=
haft
bis Martini Zahlungsfriſt gewährt. — Konfirmanden=
Vorſtellung. Am Sonntag fand in der hieſigen evangeliſchen
Kirche die Vorſtellung und Prüfung der diesjährigen Konfirmanden
ſtatt. Die Vorſtellung wurde ſo vorgenommen, daß diejenige der Kon=
firmanden
aus dem Südweſtbezirk im Vormittagsgottesdienſt durch
Pfarrer Zinn vorgenommen wurde. Dagegen fand die Voyſtellung und
Pvüfung der Konfirmanden aus dem Nordoſtbezirk nachmittags durch
Pfarrer Strack ſtatt. Wie verlautet, betrug die Zahl der Konfirmanden
in dieſem Jahre 61 und die Zahl der Mädchen 81. An Oſtern ver=
gangenen
Jahres waren es 75 Konfirmanden und 71 Konfirmandinnen.

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Die Gestaltung des Profils

des „Continental 1928‟ verbürgt höchste
Fahrsicherheit, langsame Abnutzung des Lauf-
gummis
und restlose Ubertragung der Motorkraft,
Darum wähle nur den Reifen

WETN

1928

Belieferung nur durch Händler.

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Mummer 82

Dienstag, den 27. März 1928

Seite 7

42. Pfumgſtadt, B. März. Sonntagsveranſtaltungen.
m Sonntag fanden hier mehrere größere Veranſtaltungen ſtatt, die
derr micht wehr als Wintervergnigen gedacht werden können, ſondern
unmehr die Frühjahrsveranſtaltungen einleiteten. In der evangeliſchen
ache ſand ein Kirchenkonzert ſtatt, das als muſikaliſche Paſ=
usfeier
aufgemacht war und in dem Werke von Bach und anderen
drutenden Komponiſten zur Aufführung gelangten. Im Mittelpunkt
8 Konzerts ſtaden die Orgelvorträge des Lehrers Eidenmüller, der
grüberhaupt um das Zuſtandekommen der Veranſtaltung bemüht hat.
unikaliſchen Genuß anderer Art vermittelte das Konzert des Muſik=
eins
Pfungſtadt, das am Sonntag nachmittag im „ Rheini=
zm
Hof” abgehalten wurde. Das 20 Monn ſtanke Orcheſter ſteht be=
nrtlich
unter der Leitung von Philipp Lutz, der ſich die größte Mühe
— dem erſt vor zwei Jahren gegründetem Verein in die Höhe zu brin=
Man muß zugeben, daß die Leiſtungen des Vereins unbedingt
ſa. in der letztem Zeit wieder eine Steigerug erfahren haben. Neben
Darbietungen des Orcheſters ſtanden erſtklaſſige ſoliſtiſche Vorträge.
ſinner hielt am Sonntag abend die „Sängervereinigung
ſtengſtadt” im Gaſthaus und Soal „Zur Krone” von Herbert eine
bundunterhaltung ab, bei der Chöre und ſoliſtiſche Vorträge geboten
urden und in deren zweitem Teil eine Schwankaufführung ſtand, deren
ntsalt auf ergötzliche Erlebniſſe des Stroywitwertums zurückging.
ATießlich iſt zu erwähnen, daß neben einer ganzem Reihe ſportlicher
ſenanſtaltungen (es fanden allein zwei größere Ringerwettkämpfe ſtatt)
e Freiwillige Feuerwehr und die Pflichtfeuerwehr Pfungſtadt am
ſonntag nachmättag eine gemeinſame Uebung abhielven. Hinſichtlich der
ſrchtfeuerwehr iſt zu bemerken, daß dieſe nunmehr aus dem Jahrgang
2B beſteht, während der Jahrgang 1937 entlaſſen wunrde.
4a. Hahn bei Pfungſtadt 26. März. Konfirmation. Da die
AIlle des hieſigen Ortsgeiſtlichen gegenwärtig unbeſetzt iſt, müſſen die
mesdienſtlichen Handlungen von Pfarrern aus den Nachbarorten vor=
nwommen
werden. So hielt den Sonntagsgottesdienſt Pfarrer Strack
4. Pfungſtadt, der überhaupt in dieſer Woche die Amtshandlungen hat.
üserem Vernehmen nach gehen dieſes Jahr an Oſtern 14 Konfirman=
ſtmen
und 12 Konfirmanden zur Konfirmation.
G. Ober=Ramſtadt, 26. März. Ausſtellung der Fortbil=
ſungsſchule
. Im Saalbau „Eliſenbad” wurde letzte Woche durch
em Fachlehrer Jakob eine Ausſtellung vom Arbeitsproben von 147
zmüilern der hieſigen Fortbildumgsſchule vorbereitet, die am geſtrigen
ſtunntag eröffnet wurde und einem ſehr guten Beſuch aus Ober= Nam=
get
und den Nachbarorten zu verzeichnen hatte. Die Zeichnungen und
uktiſchen Ausführugen in Modellen und vollendeten Gegenſtänden
us dem verſchiedenen Berufem waren in ſchönſter Aufmachung nach
earfahren und Berufen geordnet. Am Samstag von 16—18 Uhr fand
ſe Muſterung und Wertung der Arbeitsproben durch die Prüfungs=
mſter
ſtatt und hatte folgendes Ergebnis: die Note „ſſehr gut” er=
flltem
19: „gut” 46: „im ganzen gut” 70: „genügend” 8 Schüler und
z— vier blieben unbewertet. Um 11.30 Uhr wurde am Sonntag die
Uesſtellumg von Herrn Nektor Lehr mit herzlichen Begrüßungsworten
rFffnet. Devſelbe widmete Herrn Fachlehver Jakob inmigſte Worte des
darnkes für ſeine große Mühewaltung als Lehrer und Ausſtellungsver=
mktalter
und bekundete ſeine Wünſche für die Geſtaltung ſpäter wieder=
ehrrender
Ausſtellungen. Herr Rektor i. R. Hofmann verlieh ſeiner
Kawumderung der Arbeitsleiſtung des Herrm Jakob Ausdruck und be=
orte
, daß nur ein hoher Grad von Ideglismus das ermögliche. Er
enſchte ein gutes Einvernehmem zwiſchem Fortbildungsſchule und dem
handwerkerſtand, damit durch Qualitätsarbeit dem Handwerk nach Mög=
igkeit
wieder ein goldner Boden geſchaffen weuden könne. Alle Aus=
zllungsbeſuicher
konnten ſich überzeugen, daß unſere Fortbildungsſchule
iue Stätte gründlicher Arbeit und regem Fleißes iſt und bei den
schülern ein hohes Maß von Können reifen läßt. Die Schiller werden
mgeleitet, ſich in das Weſen ihres Berufes zu vertieſen und ihre Seele
n formpollendetem Erzeugniſſen kundzugeben, daß ſie teilweiſe die Be=
vunderung
der Beſchauer wachriefen. Möge unſeve Fortbildungsſchule
ueiter blühen und gedeihen zum Segen unſeres im Wiederaufbau be=
ziffenem
Vaterlandes.
f. Roßdorf, 26. März. Aus dem Gemeinderat. Aus der
ſesten Gemeinderatsſitzung iſt folgendes erwähnenswert: 1. Das Kreis=
ſaukamt
hat die Beſetzung zweier Schulſtellen für evangeliſche Lehrer
ausgeſchrieben, worauf ſich B Bewerber meldeten. Gemäß Artikel 38
as Volksſchulgeſetzes iſt dem Gomeinderat Gelegenheit zur Aeußerung
ban Wünſchen und Bedenken zu geben. Der Schulvorſtand hat bei
ſarner Stellungnahme für die Neubeſetzung Lchcer Alt, zurzeit in
G.chelſachſen, Lehrer Merz, zurzeit in Fränkiſch=Crumbach, Lehrer Kaf=
foaberger
, zurzeit in Groß=Zimmern, und Schulverwalter Heß, zurzeit
in Roßdorf, in Vorſchlag gebracht. Der Gemeinderat beſchließt, daß

— Dienetel. IAAf.m 3 1939.
brimgen ſind. 2. Der Gemeinderat hatte die Verpachtung der gemein=
heitlichen
Grundſtücke beſchloſſen. Es handelt ſich um 177 Morgen
Wieſen und 13 Morgen Ackerland. Bei der erſtmaligen öffentlichen
pacht zu erzielen. Eine nochmalige Verpachtung brachte eine Jahres=
Verpachtung waren trotz des ſtarken Beſuchs mr 1597 Mark Jahres=
pacht
von nur 1725 Mark. Dieſer Betrag reicht bei weitem nicht ein=
mal
zur Deckung der auf den Grundſtücken laſtenden Steuern. Der
Gemeinderat kann unter dieſen Umſtänden einen Zuſchlag keinesfalls
erteilen und beſchließt, daß eine Kommiſſion, beſtehend aus den Ge=
meinderäten
Becker, Haas, Poch und Engert, eie Taxation für die
Pachtpweiſe aufſtellen ſoll. Dieſe ſoll alsdann eimer nochmaligen Ver=
pachtung
zugrunde gelegt werden. 3. 100 Einwohner erheben in einer
Eingabe Protzeſt gegen die vom Gemeinderat beſchloſſene Durcführung
der Kanaliſation der Erbacher= und Dieburgerſtuaße. Als Begründung
wird angegeben, daß die Kanalbenutzungsgebühren mur etwa 400 Mk.
einbringen und daduch die Steuerſätze erheblich würden. Es kam zu
lebhaſten Debatten. Die Abſtimmung ergab Aufrechterhaltung des
früheren Beſchluſſes. Beigeordneter Nicolay ſowie die Gememderäte
Barch und Haas ſprachen ſich nur für die Kanaltſation der Dieburger=
ſtraße
aus. Die Beſtlwerdeführer waren im Zuhörerraum zahlreich
vertreten.) 4. Eine größere Zahl von Intereſſenten brachte auch der
Punkt über die Beſchlußfaſſung des Umbaues der Badeanſtalt in den
Zuhörerraum. Der Ortsausſchuß für Leibesübungen hatte auf Wunſch
des Gemeinderats einen Koſtemvoranſchlag für den Umbau der Bade=
anſtalt
in Höhe von 17 785 Mark eingereicht. Die Mehrheit des Ge=
meinderats
ſtimmte gegen die Ausführung des Projekts; Sozialdemo=
kraten
und Kommuniſten ſtiummten für die Ausführung. 5. Friedrich
Poth 3., Ernſt=Ludwigſtraße, und Philipp Moter 10. Hintergaſſe, wer=
den
Bauplätze im Geſwann, Mammmler” zu den üblichen Bedingungen
zugeſprochen. — Rege Bautätigkeit. Dag herrliche Wetter
hat bis jetzt vier bauluſtige Ortzeinwohner auf die Bauſtätte gerufen.
Das Anfahren der Bauſteine hat eingeſetzt und auch die Ausgrabearbei=
ten
ſchreiten rüſtig voran. — Beendigung der Holzfäller=
arbeiten
. Das Holzfällen im hieſigen Gemeindewald hatz vor kur=
zer
Zeit ſein Ende erreicht. Zum Glück ſind die ganzen Arbeiten durch
Unglücksfälle nicht geſtört worden. Eine größere Nutz= und Brennholz=
verſteigerung
werden noch abgehalten werden. — Grippe= Epi=
demie
. Auch im unſerem Dorfe herrſcht ſtark die Grippe. Manche
Familie hat ſie derart befallen, daß Kimder und ältere Leute bettlägerig
ſind. Die Krankheit tritt verſchiedentlich in ſchwerſter Fomm auf. —
Arbeitsloſenſtatiſtih. Nachdem die Aleiderfabrik H. u. F.
Adſer ihren Betrieb wieder teilweiſe aufgenommen, haben wieder eine
Reihe Perſonen Arbeſit gefunden, wodurch ſich die Zahl der Arbeits=
loſen
vermindert hat. Gegenwärtig ſtchen 9 Pevſonen in Kontrolle.
— Konfirmation. Die Vorſtellung der Konfirmanden fand am
letzten Sonntag nachmittag ſtatt; isgeſamt kommen 63 zur Ent=
laſſung
. Die Konfirmation iſt am 2. Oſterfeiertag.

(II.Hbg.3671

die ideale
Enthaarungs-Creme.

Le. Groß=Umſtadt, 26. März. Glockenweihe. Nachdem am
Samstag nachmittag die beiden neuen Glocken, welche die hieſige katho=
liſche
Gemeinde als Eyſatz für die im Weltkriege abgelieferten beſchafft
hat, in feierlichem Zuge an der Bahn abgeholt worden waren, fand
geſtern die Weihe derſelben ſtatt. An der Feier nahmen außer den
Gliedern der katholiſchen Bemeinde die Vertreter der Stadt und die
evangeliſchen Kirchenvorſtände zeil. Der Feſtprediger hielt auf Grund
der Bibelworte: „Ehre ſei Gott in der Höhe und Friede den Menſchen”
eine tiefangelegte und zu Herzen gehende Anſprache, in welcher er auf
die verſchiedenartige Bedeutung der Glochen im Leben des Einzelnen
hinwies und auf die Sprache aufmerhſam macht, die dieſſe zu den Her=
zen
der Gläubigen reden. Nachdem der Männergeſangverein den wuch=
tigen
und packenden Chor: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre‟
zum Vortrag gebracht hatte, nahm der Dekan des Oskamats Dieburg
unter den in der katholiſchen Kirche üblichen Zeremonien die Weihe vor.
Die beiden aus der Glockengießerei von Hamm zu Regensburg hervor=
gegangenen
Glocken reihen ſich in harmoniſcher Weſſe in die bereits vor=
handene
Glocke ein. Die eine derſelben hat das Gewicht von 2 Zent=
nern
, und die andere wiegt 17 Zenmer. Hoßfentlich gelangen ſie imn den
nächſten Tagen ohne Unfall zur Freude der Gemeinde an ihren Beſtim=
mungsort
. „Friede ſei ihr erſt Geläute!” — Konfirmanden=
vorſtellung
. In den geſtrigen Morgengottesdienſten fand die Vor=

—en W
Raibach ſtatt. Die Zahl der lutheriſchen Konſirmanden beträgt 62,
37 Knaben und B Mädchen; in der reformierten Gemeinde ſind es
nur 4, und zwar 2 Knaben und 2 Mädchen. Im Vormittagsgottes=
dienſt
wurden in Semd B und nachmittags in Raibach 13 Konfirman=
den
geprüft. Am eweiten Oſtertag wird die Konfirmation der Groß=
Umſtädter und Semder Konſirmanden ſtattfinden, diejenige in der Ge=
meinde
Raibach und der reformierten zu Groß=Umſtadt wird am Sonn=
tag
nach Oſtern abgehalten werden. — Die wündliche Prüfung der
Abiturienten der Höheven Landwirtſchaftsſchule findet nächſten Don=
nerstag
, den 29. ds. Mts. ſtatt. Die Oſterferien beginnen Samstag, den
30. März. Am B. März, fanden die Aufnahmeprüfungen an der hieſigen
Oberreal= und Höheren Landwirtſchaftsſchule ſowie an der Höheren
Mädchenſchule ſtatt. Der Unterricht im neuen Schuljahre nohm am fol=
genden
Tage, dem 24. März, ſeinen Anfang.
r Babenhauſen, 2. März, unglücksfall durch unvor=
lichtigkeit
. Die Frau des Schuhmnchermeiſter Hehner von hier
fuhr am Samstag unter Mittag mit ihrem 8jährigen Jungen auf der
Aſchaffenburger Landſtraße, um m Walde mit ihrem Kandwägelchen
Holz zu holen. An der Krümmug der Eiſenbahnſtraße verſuchte ein
Auto, das von hinte kam, an den beiden vorbeizufahren. Die War=
nungsſignale
ſollen nach dem Bericht von Augenzeugen erſt ſehr ſpät
erfolgt ſein. Die Frau lief m ihrer Aufregung, ſtatt nechts auszu=
weichen
, nach der linken Seite und direkt in das Auto hinein. Glück=
licherweiſſe
wurde ſie nur leicht von dem Kotflügel erfaßt, ſo daß ſie nur
ſtarke Fleiſchwunden am Bein davontrug, die zu ſchwerem Blutverluſt
führten. Der Junge blieb unverletzt. In der nahen Kaſerne wurde
der Verletzten durch die Sanitätswache die erſte Hilfe zuteil. Mit dem
Sanitätsauto der hieſigen Beretſchaftspolizei wurde die Verunglückte
nach ihrer Wohnung in der Stadt verbracht. Das Perſonenauto ge=
hörte
dem Maſchinenhändler W. Sänger=Reinheim, der wegen
Abgebens zu ſpäter Warwugsſignale ſich ſtrafbar machte. Wie lecht
hätte das Unglück ſchwerere Folgen haben können.
H. Aus dem Gorgheimer Tal, 26. März. Schwerer Fahrrad=
unfall
. Auf der Kreisſtraße bei UnterFlockenbach fuhr ein mit wwei
Peyſonen beſetztes Fahrrad in ſchnellem Tempo in den Anhänger eines
Weinheimer Fuhrunternehmers und kam unter das Laſtauto. Der
Lenker des Fahrrades trug ſo ſchwere Verletzungen dabom, daß er ſpfort
in das Weinheimer Krankenhaus verbracht werden mußte.
W. Heppenheim, B. März. Kreisanofchußſitzung. Am
27. Mäw findet im hieſigen Kreisamtsgebäude eine öffentliche Sitzung
des Kreisausſchuſſes ſtatt. Bur Beſprechug kommen die Beanſtandung
der Gemeinde Ellenbach betr. Gehaltswerhältniſſe der Gemeindebehomten
und ein Geſuch um Erlaubnis zum Betriebe einer Goſtwirtſchaft in
Hinſchhorn. Am Samstag nachmittag ſprach im katholiſchen Vereins=
haus
dahier Herr P. Wohner 8. J. üüber „Dichter und Kirche‟ Gedanken
zum Literaturſtreit. Der Bezirksverein Bergſtraße des katholiſchen
Lehrervereins hatte zu dieſem Vortrag eingeladen, der allgemeinen An=
Hang fand. — Am 31. März findet die diesjährige Generalver=
ſammlung
der Spar= und Darlehnskaſſe Heppenheim ſtatt. — Die
Bau= und Unterhaltungsarbeiten für die Stadt Heppen=
heim
im Rechnungsjahr 1928 als Mauverz. Kanalſchluß=, Bimmerer=,
Dachdecker=, Schreiner=, Glaſſer=, Schloſſer=, Tüncher=, Spengler= Tape=
zierer
= Inſtallations, Pſlaſterere, Wagner=, Schmiede=, Steinſetzen=,
Steinſchläger=, Fuhr= und Straßenreinigungsarbeiten ſowvie die Ar=
beiten
für die elektriſchen Lichtanlagen, ferner das Fahren des Sppeng=
wagens
, die Anlieferumg von Giſenteilen, U=Giſen Grubenſſand, Lorſcher=
ſand
, Felſenkies, Mauerſteinen, Backſteinen, feuerfeſten Stelnen, Ziegeln,
Kalk, Tonröhren, Zementröhren, Zement und ſtaubbindendem Fuß=
bodenöl
ſollen öffentlich vergeben werden. — Aus dem Stadtwald
Heppenheim wird am 28. Mäm Nutzholz verſteigert. An Stämmen
gelangen zur Veyſteigerung Eichen, Buchen, Gſchen, Birken, Erlen,
Fichten, Kieſern. Lärchen und Weißtannen ſowie Nutzſcheiter, Fichten=
deubſtangen
. Vichtenreisſtangen und Bohnenſtangen. — Für den Neu=
bau
des Begmtenmiethauſes zu Wald=Michelbach werden die Erd= und
Maureraubeiten, die Hauſtein=, Zimmer=, Dachdecker= und Spengler=
awbeiten
auf dem Wege öffentlichen Angebots vergeben.
Bn. Hirſchhorn, 26. März. Am Sonntag nachmittag fand die Weihe
der Glocken der katholiſchen Stadtkinche ſtatt. Nach der ſeierlichen Weiche
der Glocken, von denen die größte außer den vier Gpangeliſten die In=
ſchrift
trägt „Lehret alle Völker”, die mittlere „Ehre ſei Gott in der
Höhe” und die kleinſte „Frieden den Menſchen auf Erden”, begab man
ſich in das Gotteshaus, woſelbſt nach einem Liede des Cäeilienvereins
(Männerchors) und der Weihepredigt das Te Deum geſungen wurde.
Das neue Geläut, das hormoniſch auf e gis h. abgeſtimmt iſt, wird als=
bald
zuſammen mit dem neuen Glockenſtuhl in dem alten Glockenturme
hoffentlich zu langer, gemeinſamer Arbeit Aufnahme finden.

Welchem Fabrikat sollst Du Dein Leben und das Deiner Angehörigen und Freunde
anvertrauen ?
Dom zuverlässigsten Fabrikat der Welt!
Wer gewährleistet die größte Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit?
Das Fabrikat, das die ältesten und umtassendsten Erfahrungen,
das größte Können und Wissen in sich vereinigt:

Dalmler und Benz waren dle Erfinder des Automoblls, Ihre Werke, heute
zu einem Welt-Unternehmen verelnlgt, haben in Jahrzehnten rastloser, un=
ermüldllcher
Arbeit das Kraftfahrzeug zur höchsten Vollendung entwickelt,
ihm die edelste Form, dle größte Vollkommenhelt gegeben.
Die Beweise dafülr sind tausendfach erbracht. Kelne Marke der Welt het in
natlonalen und internatlonalen Wettbewerben mehr Siege errungen, bei
Schönheitskonkurrenzen und auf Ausstellungen größere Anerkennung ge-
erntet
. Erst die letzten Internatlonalen Ausstellungen in Neuvork, Amster:
dam, Kopenhagen, Wlen, haben wieder bewlesen, daß MERCEDES-BENE
Überall als führende Marke anerkannt wird.
Mirgends stehen Prels und Qualltät in einem so gUnstlgen Verhältnls wie bei
MEREEDES-BENZ. Sle erhalten heute dlese Klassewagen schon von
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Kaufen Sie keinen Wagen, bevor Sie einen MERCEDESBENZ besichtigt haben!

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Oft.*

Dienstag, den 22. März 1928

Nummer 87

Hirſchhorn, B. März. Baſſerſtand des Neckars am
B. März: 0,98 Meter; am 25. März: 0.97 Meter.
Bm. Hofheim (Ried), 25. März. Gemeinderatsſitzung. Für
den evkrankten Bürgermeiſter Steffan führt Beigeordneter Lameli den
Vorſitz. Voranſchlag zur Kanalanlage am Ortsausgang nach Worms.
Da der Voranſchlag dem Gemeinderat nicht für praktiſch und zu hoch
erſcheint, wird er abgelehnt. Jedoch ſoll dieſes gefährliche Verkehrs=
hindernis
baldigſt beſeitigt werden und es wird beſchloſſen, den Kanal
mit Granitſteinen anlegen und mit Gußdeckel abdecken zu laſſen. — In
drei Fällen übernimmt die Gemeinde die Bürgſchaft für Baudarlehen,
jedoch müſſen die Darlehnsempfänger der Gemeinde gegenüüber zwei zah=
lungsfähige
Bürgen ſtellen. — Für alle Bauluſtige iſt wichtig, daß alle
Wohnungsneubauten, welche 1928 erſtellt werden, für das Baujahr und
für weitere fünf Jahre ſteuerfrei ſind. — Die Wiederherſtellung des
Gartenzaunes am Schulgarten des Herrn Lehrers Brunner wird zurück=
geſtellt
.
— Gernsheim, 26. März. Das Kirchenkonzert, das am vergangenein
Sonntag Frau Gräfin von Schwerin ſowie Fräulein Margarete Ritſchl
in der evangeliſchen Kirche zu Gernsheim veranſtaltet hatten, wies einen
ſehr guten Beſuch auf. Die Vortragsfolge, die auf die Paſſionszeit
Rückſicht genommen hatte, enthielt meiſt Werke von Joh. Sebaſtian Bach.
In Frau Gräfin Schwerin lernten wir eine Künſtlerin kennen, die bei
großer techniſcher Fertigkeit ihrem Inſtrument (Violine) wunderbare
Töne entlockte. In einem Konzertſaal hätten zumal die „Ernſten Varia=
tionen
von Corelli”, die ſehr große Anforderungen ſtellten, die Zu=
hörer
zu ſtürmiſchem Beifall fortgeriſſen. In Fräulein, Margarete
Ritſchl fand die Künſtlerin eine feinſinnige Begleiterin auf der Orgel.
Fräulein Ritſchl, ebenfalls tätig an der Akademie für Tonkunſt in
Darmſtadt, zeigte ſich beſonders in der Phantaſie von Buxtehude und
Toccata von Bach als Beherrſcherin der Königin der Inſtrumente.
Trotz des nicht großen Umfangs der Orgel wußte ſie durch gewandte
Regiſtrierung die Feinheiten trefflich herauszuholen. Faſt noch mehr
entzückte ſie mit ihrer tragfähigen glockenreinen Stimme durch Vortrag
ihrer geiſtlichen Lieder, darunter zwveier Arien aus der Matthäuspaſſion.
Hier hatte neben Frau Gräfin Herr Lehrer Müller die Orgelbegleitung
freundlichſt übernommen. Die Gemeinde war herzlich dankbar für dieſe
Stunde der Andacht.
* Gernsheim, 26. März. Waſferſtand des Rheins am
25. März: —0,48 Meter; am 26. März: —0.51 Meter.
Br. Egelsbach, 26. März. Bürgermeiſterwahl. Bei der
geſtrigen Bürgermeiſterwahl erhielt der Kandidat der ſozialdemokra=
tiſchen
Partei, Herr Heinrich Anthes 5. 1091 Stimmen, Herr Philipp
Schlapp 5., der von den bürgerlichen Parteien aufgeſtellt war, erhielt
808 Stimmen, und Herr Heinrich Knöß 4. von der kommuniſtiſchen Par=
tei
174 Stimmen. Herr Heinrich Anthes 5. iſt ſomit als Bürgermeiſter
gewählt.
a. Offenbach, 23. März. Die Deutſche (liberale) Volkspartei hielt
ihre Hauptverſammlung ab, auf der Stadtv. Joſt den Jahresbericht für
1927 erſtattete. Der Bericht ging ausführlich auf die politiſchen Vor=
gange
in Reih, Land, Stadt und Partei ein und hob auch hervor, daß
die Benachteiligung der Stadtverordnetenfraktion „Vereinigte Büir=
gerliſte
” bei der Bildung der Ausſchuſſe der Stadtverordnetenverſamm=
lung
immer noch fortbeſtehe. Aus der Verſammlung heraus wurde
beantragt, daß de: Bericht den nichtanweſenden Mitgliedern der Orts=
gruppe
im Umdruck zugehe. De= Kaſſenbericht, vorgetragen vom Schatz=
mciſter
, ſchließt verhältnismäßig recht günſtig ab, und der Kaſſenvorrat
wird bei dem kommenden Reichstagswahlkampf weſentliche. Dienſte
leiſten. Der große Ausſchuß und der Vorſtand der Ortsgruppe mit
Stadtv. Heyne an der Spitze wurden durch Zuruf wiedergewählt und
vorhandene Lücken durch Zuwahl einiger Mitglieder ergänzt. Ueber
den vorliegenden Entwurf eines Haushaltsplanes der Stadt für 1928
fend eine allgemeine Ausſprache ſtatt. Es wurde mit Befriedigung
feſtgeſtellt, daß ſich die Geſtaltung des Haushaltsplanes bürgerlichen
Anſchauungen weſentlich nähere. Die Richtung, in der damit gearbeitet
werde, könne von der Partei gebilligt werden. Die Arbeit der Partei
ſer alſo doch nicht vergeblich geweſen. Die Partei hobe ja in den letzten
Jahren immer den Standpunkt vertreten, daß das Wirtſchaften mit
Fehlbetrigen die Kreditfähfgkei: der Stadt ſchädige. Es ſei erfreulich,
daß dieſe Auffaſſung nun auch von der Stadtverwaltung vertreten
werde. Dem Antrag= der Partei, den ſie im vergangenen Auguſt in
der nichtöffentlichen Stadtverordnetenſitzung im Verein mit anderen
Parteien, die in der Fraktion zuſanmnengefaßt ſind, geſtellt habe und
der auf äußerſte Sparſamkeit abgeſtellt ſei, ſei die Stadtvewwaltung
dadunch nachgekommen. — In dem Verſammlungszimmer war ein Laut=
fprecher
aufgeſtellt, welcher der Verſammlung die Rede wiedergab, die
Dr. Streſemann auf dem Empfangsabend des Berliner Verbands der
auswärtigen Preſſe hielt.
z. Raunheim, 26. März. Beſchwerde gegen den Bürger=
meiſter
. In der Gemeinderatsfitzung wurde der Antrag
geſtellt, die Tagesordnung ſo lange zu vertagen, bis die Beſchwerde des
Gemeinderats gegen den Bürgermeiſter vom Kreisamt erledigt ſei. Der
Antrag wurde mit 6 gegen 3 Stimmen angenommen.
z. Biſchofsheim, 26. März. Gefallenenehrung. Der
Gemeinderat beſchloß einſtimmig, die Gräber von 14 im Kriege
gefallenen und in heimiſcher Erde beſtatteten Gemeindemitglieder auf
Koſten der Gemeinde mit einem pietätvollen Denkmal auszuſtatten, und
zwar nach den Entwürfen des Bildhauers Lipp=Mainz. Die Geſamt=
bauſumme
beträgt 6500—6800 Maxk.
Rheinheſſen.
Ac. Worms, 24. März. Wiederfehenstagder früheren
118er. Auf dem letztjährigen Tag war die Abhaltung der diesjäh=
uigen
Feier in Bensheim beſchloſſen worden. Dort findet ſie am 5. und
6. Mai ſtatt. Der wichtigſte Punkt der Tagesordnung iſt die Beſchluß=
faſſung
über ein in der früherem Garniſonsſtadt Worms zu errichtendes
Ehrendenkmal für die Gefallenen des 118er Infanterieregiments, wwofür
ein beſonderer Denkmalsausſchuß gewählt werden ſoll. Am Sonntag,
den 6. Mai, findet vormittags auf dem Bensheimer Ehrenfriedhof eine
Gefallenengedenkfeier ſtatt. Zu dem Wiederſehenstag iſt bereits eine
große Anzahl Anmeldungen eingelaufen. — Brände. Im Hinter=
hauſe
Marktplatz 6 brach in einem Lagerraum ein Feuer aus, das in
Holzwolle, Papier und dergleichen reiche Nahrung fand. Das Feuer
wurde durch Hausbewohner und die Feuerwehr gelöſcht. In der Nö=
merſtraße
74 entſtand nachts ein Dachſtuhlbrand, der aber von den
Hausbewohnern noch vor Eintreffen der Feuerwehr gelöſcht werden
konnte. — Verkehrsunfall. Ecke Speyererſtraße und Hochſtraße
fuhr ein Perſonenauto auf das ſtädtiſche Krankenauto auf, das dabei
leicht beſchädigt wurde. Der Unfall entſtand, weil ein Fuhrwerk, aus
der Hochſtraße kommend, nicht richtig um die Ecke bog.
Ad. Dexheim, 25. März. Ertrunken. Als die Schulrekruten
von dem Kreisarzt unterſucht werden ſollten, war der 6jährige Walter
Gabel nicht aufzufinden. Später fand man die Leiche des Knaben in
einem Weiher, von dem er gegen 2 Uhr nachmittags von einem Feld=
ſchützen
verjagt worden war.

Oberheſſen.

— Gedern, 26. März. Wie uns mitgeteilt wird, haben die Schüiler
der hieſigen Städtiſchen Höheren Schule, die ſich der müindlichen Prüfung
an der heſſiſchen Realſchule in Schotten unterzogen, das Examen beſtan=
den
. Sie erhalten damit die Berechtigung, in die Oberſekunda einer
Oberrealſchule einzutreten. — Für das neue Schuljahr wurden bereits
13 Schüler für die Sexta angemeldet, ſo daß ab Oſtern wiederum 63
Schüler die Anſtalt beſuchen werden.
V. Grünberg, 26. März. Ein wirkliches Ereignis für Grünberg
war die Schubertfeier des hieſigen Männergeſangvereins. Herr Chor=
meiſter
Gengnagel leitete durch einen Vortrag über das Leben und
Wirken Schuberts die Feier ein. Eine ſchwere Aufgabe hatte ſich der
Verein geſtellt, denn bald zwei Stunden dauerten ſeine Geſangsvorträge
und boten dem Hörer faſt unvergleichliches, wofür ihm nicht enden=
wollender
Beifall gezollt wurde. — Seit einigen Tagen iſt der hieſige
Poſtpaketkarren, welcher ſtets in unſeren bergigen und holperigen
Straßen eine mühevolle Arbeit verurſachte, durch eine Poſtkutſche,
welche einen großſtädtiſchen Anblick gewährt, abgelöſt worden.
T. Göbelnrob, 26. März. In der Gemeinderatsſitzung wurde in
Gegenwart von Herrn Baurat Wagner und Schulrat Fiſcher beſchloſſen,
einen neuen Schulſaal (Anbau) zu bauen, und zwar derart, daß ſpäter
ein Betſaal, ein Bedürfnis der Gemeinde, errichtet werden kann.

m. Aus dem Lande, 26. März. Eine Submiſſionsblüte
wunderlichſter Art zeitigte die Vergebung der Arbeiten zur Errichtung
eines Hochbehälters für die Hefrag in Wölfersheim. Für den eigent=
lichen
Hochbehälter betrug die Höchſtforderung 221 087 Mk., wäh=
rend
der Wenigſtnehmende 121 064 Mk. in Rechnung ſtellte. Die Rohr=
verlegung
wollte der Höchſtnehmende für 54 235 Mk. übernehmen, wäh=
rend
ſein Gegenforderer nur 32 627 Mk. begehrte. An dem einen Objekt
100 000 Mk., an dem anderen 22 000 Mk. Unterſchied! Wer kann da
nicht rechnen, der Höchſt= oder der Wenigſtnehmende? — Die Freie
Metzgerinnung für den Kreis Erbach hält demnächſt ihre dies=
jährige
geſetzliche Geſellenprüfung ab; Meldungen zu derſelben haben
ſpäteſtens bis 25. März an Herrn Grammig=Erbach zu erfolgen. Bei
genügender Beteiligung iſt für ſämtliche Fleiſcherlehrlinge des Kreiſes
ein Vorbereitungskurſus vorgeſehen, der in Höchſt i. Odw. am 25. März,
vormittags 9.30 Uhr, im Gaſthaus „Zum Lamm” beginnt.

Eine Hieife von Sunoe Nauf Lhangfna.

Im Sommer, wenn das Waſſer im Yangtſe=kiang und in
ſeinen Nebenflüſſen hoch genug iſt, vermitteln den Verkehr zwi=
ſchen
Hankow und Changſha kleine, aber recht wohnliche Dampfer.
Im Winter iſt es ſchwierig mit der Reiſe, denn der Siangfluß,
an dem Changſha liegt, iſt teilweiſe ſo flach, daß die Tiefe ſeines
Waſſers an manchen Stellen wenig über zwei Fuß beträgt. Nun
gibt es allerdings ſeit Jahren eine Eiſenbahnverbindung; aber
wie ſo vieles in China iſt dieſe Eiſenbahn derartig herunter=
gewirtſchaftet
, daß einmal ein fahrplanmäßiges Abfahren und
Ankommen der Züge ſchon längſt nicht mehr erfolgt und dann
ſind auch die Wagen derartig überfüllt und unſauber, die Fenſter
zerbrochen, und teilweiſe fehlen die Türen, ſo daß ein längerer
Aufenthalt in dieſen Wagen nicht gerade zu den Annehmlichkeiten
des Lebens gehört.
Nun iſt ſeit Wochen die Bahnverbindung zwiſchen Hankow
und Changſha unterbrochen, nur von Yochow (halbwegs zwi=
ſchen
den genannten Städten, am Tung Tingſee gelegen) fahren
noch Züge nach Changfha. Es beſteht wieder Kriegszuſtand zwi=
ſchen
den benachbarten Provinzen Hupeh und Hunan. Die hie=
ſigen
Behörden haben uns zwar Reiſepäſſe für Hunan gegeben,
uns aber doch dringend abgeraten, chineſiſche Dampfboote zu be=
nutzen
! Der Grund iſt nicht ſchwer zu erraten: ſo ein chineſiſcher
General beſchlagnahmt einfach die für die Beförderung ſeiner
Truppen willkommenen Dampfboote mit der Flagge ſeines Lan=
des
. Vor fremden Fahrzeugen hat man vorläufig noch etwas
Reſpekt, aber wie lange noch? Und dann müſſen die Reiſenden
mit ihrem Gepäck beladen die Weiterreiſe zu Fuß oder in Dſchun=
ken
, falls dieſe nicht auch requiriert werden, fortſetzen.
So beſtiegen wir denn den britiſchen Dampfer „Kian”, der
eine Abteilung bewaffneter britiſcher Matroſen an Bord hatte
und deſſen Abfahrt ſich von Tag zu Tag verzögerte, bis er end=
lich
am fünften Tag abdampfte. Die erſte Tag= und Nachtfahrt
bis zur Zollſtation Chenglinfow, am Eingang des Mündungs=
kanals
des Tungtingſees, verlief ohne Störung. Wir kamen un=
behelligt
durch die Räuberzone an der Mündung des Hanfluſſes
zwiſchen Hanyang und Wuſchang, auch der goldene Hügel, auch
Schweinshügel genannt, grüßte uns in ſeiner majeſtätiſchen Ruhe
und Einſamkeit, und keine Räuberbanden, die dort ſonſt oft
plündernd über die Schiffe herfallen, wagten ſich hervor. — Bei
der Zollſtation mußten wir uns ſchweren Herzens ausbooten.
Hier liegt zum Schutz ein engliſches Kanonenboot, ſpäter bei
Changſha ein japaniſches. Eine Dampferverbindung zum Siang=
fluß
gab es nicht, teils wegen des niedrigen Waſſerſtandes, teils
wegen der Räubergefahr auf dem Tungtingſee. Unſer Dolmetſcher
einigte ſich nach einigem Hin und Her mit einem Sampanführer,
uns und unſer Gepäck nach Yochow zu rudern. — Der Dol=
metſcher
kam zum erſtenmal aus ſeiner Vaterſtadt heraus. Man
merkte, wie ihn das Erlebnis packte, er pendelte zwiſchen Angſt
und Großtuerei hin und her, während unſer Kuli wie ein Hünd=
lein
das Gepäck und an Bord die Tür ſeines Herrn bewachte.
Die Fahrt wurde ſo kalt und langweilig, daß wir uns entſchloſſen,
die Chineſen mit dem Gepäck im Boot zu laſſen und ſelbſt am
Land entlang zu laufen. Die Gegend iſt flach und jetzt im Winter
grau in grau, die Stadt noch von Mauern umgeben, den geſchicht=
lichen
Wahrzeichen Chinas.
In Yochow auf dem Bahnhof wurde uns der entmutigende
Beſcheid: wenn noch ein Zug nach Changſha fährt, dann morgen!
Wir ſahen uns nach einem „Hotel zur Krone” um. Wir fanden
ein echt chineſiſches, ſommerlich gebautes Haus und bekamen zwei
Zimmer, ohne die Fenſter. Ein Fröſteln überlief uns bei dem
Gedanken an die Nacht. Ein Troſt waren die mitgebrachten
Sachen wie Schlafſäcke, Wolldecken, Wollmützen und vor allem
Tabak und Eßwaren. Frankfurter Würſtchen in Doſen, auch der
Senf war nicht vergeſſen; ein Spirituskocher machte uns ganz
unabhängig von dem ſchmutzigen Hotelbetrieb. Unſere Chineſen
widmeten ſich begeiſtert und mit Ausdauer dem Hoteleſſen! Wi=
verließen
die gaſtlichen Hallen, um durch einen Spaziergang die
Zeit totzuſchlagen. Auf dem Bahngleiſe ſahen wir einen Wagen,
in den Leute kletterten und zu dem Gepäck getragen wurde. Die
Nachfrage ergab: ein höherer Bonze, der ſich vor dem anrücken=
den
Feind noch ſchnell nach Changſha retten wollte, hatte den
Wagen beſchlagnahmt; man gewährte uns gnädigſt Mitfahrt.
Im Hotel hatte ſich der Dolmetſcher auf Erkundungsfahrt be=
geben
; es wurde ihm ein Zettel an die Wand gehängt, mit der
Aufforderung, gleich oder, wenn zu ſpät, am andern Morgen
nachzukommen. Der „Oberkellner” wurde gerufen und mußte
das Gepäck mit zum Bahnhof ſchaffen, dort wurde erſt die „ Rech=
nung
” beglichen. Der Wagen hatte auch noch eine Lokomotive
bekommen mit vielen blinden Paſſagieren, die beim Waſſer=
nehmen
unter dem begeiſterten Jubel der Zuſchauer naßgeſpritzt
wurden; aber Fenſter und Türen hatte unſer Wagen nicht be=
kommen
. Es ging nicht in einer halben, aber in zwei Stunden
los, auch unſer Dolmetſcher fand ſich noch ein. Allmählich mußten
wir anfangen, gegen die Kälte von innen einzuheizen. Es gab
üppige Butterbelege und große Schlucke Schwarzwälder Kirſch=
waſſers
. Bei den Mitreiſenden machten wir uns durch Cakes be=
liebt
, und ſo kam bald die Stimmung auf, in der in der Heimat
alles brüderlich ſingt. Aber der gelbe und der weiße Geſang ver=
eint
würden kein Ohrenſchmaus werden. So erreichten wir weni=
ger
ſtörend zur Mitternachtsſtunde Changſha.
Aber nun — — die Stadt ſtand unter Kriegsrecht und war
wie ausgeſtorben. Wir hatten eine Stunde Wegs bis zum Ge=
ſchäftshaus
. Kulis hofften unſere Lage ausbeuten zu können und
erboten ſich liebenswürdigſt, unſere Sachen für zehn Silberdollar
auf ihren Schubkarren zu befördern. Drauf verzichtete ich und
ſchlug ein Nachtquartier auf dem Bahnhof vor. Da boten die be=
ſorgten
Kulis ihre Hilfe für drei Dollar an. Nun ging es los.
Voran die quietſchenden Schubkarren, dann die Chineſen und am
Ende wir, die Kragen bis über die Ohren gezogen. An der erſten
Straßenecke bedrohte uns plötzlich ein Bajonett. Wir mußten
uns ausweiſen und durften mit gnädiger Erlaubnis nach län=
geren
Verhandlungen weiterziehen, und dieſes wiederholte ſich
an jeder Straßenecke, und eine chineſiſche Stadt hat viele. Wir
waren verzweifelt, wußten wir doch, daß erſt vor kurzem ein
Deutſcher von einem Soldaten ausgeraubt wurde. Sein Finger
ſollte abgeſchnitten werden, weil der Ring nicht ſchnell genug
geſtohlen werden konnte. Stäter wurden die Sachen zurückge=
geben
, und der Soldat wurde hingerichtet; aber das häßliche Er=
lebnis
blieb. So waren wir einverſtanden, als unſer Chineſe vor=
ſchlug
, einen Soldaten zu mieten, der uns ſicher geleite. Für
einen Silberdollar wollte einer von der Wache den nächtlichen
Späziergang unternehmen. Später mußten wir ihm aber drei
geben! Jetzt zog der Soldat mit geſchultertem Gewehr voran
und brüllte Antwort auf jeden Anruf. Dann kamen die Schub=
karren
, die oft im Moraſt ſtecken blieben und mit vereinten Kräf=
ten
wieder herausgezogen werden mußten, dann die Chineſen
in Watteverpackungen, die Hände vor der Bruſt in die Aermel
geſteckt, und endlich wir frierenden, übernächtigten Europäer. So
zogen wir bis nachts ½2 Uhr durch Changſhas winkelige Chine=
ſenſtadt
. Im Geſchäftshaus fanden wir zwei Bettgeſtelle, wir
breiteten unſere Schlafſäcke und Decken aus. Glücklich, gute
Mauern um uns zu haben, verſanken wir in einen tiefen Schlaf.
Das Telegramm, welches unſere Ankunft von Yochow aus
melden ſollte, weckte uns am anderen Morgen. — Die meiſten
Europäer — es ſind zurzeit nur Deutſche dort — leben auf einer
langgeſtreckten Inſel, die Changſha vorgelagert iſt. Den Verkehr
mit dem Feſtland regeln private Motorboote und Ruderfähren.
Es lebt ſich gut auf der ſtaubfreien Inſel in den großen Gärten.
Die Häuſer ſind praktiſch im Bungalow=Stil gebaut. So ver=

lebten wir angenehme Tage, die leider ſchon ſehr bald durch eine
Unterbrechung des Telegraphenverkehrs getrübt wurden. Für
einen Kaufmann, der das Geſchäft in Hankow weiterleiten ſoll.
ein unmöglicher Zuſtand. Auch fehlen dann alle Preisunterlagen
aus Europa und Amerika, welche für das Geſchäft dringend be=
nötigt
werden. Dazu kamen unerfreuliche Verhandlungen mit
den Chineſen. Da fühlten wir ſehr, wie wir heute der Willkür
der Chineſen ausgeliefert ſind. Eine Reiſe nach Süd=Hunan er=
gab
ſich als dringend notwendig, mußte aber des nahenden chine=
ſiſchen
Neujahrsfeſtes wegen aufgeſchoben werden. So beſchloſſen
wir, ſchnell nach Hankow zurückzukehren. Aber wie? — — Die
Eiſenbahn fuhr nicht mehr, der Feind war inzwiſchen über die
Grenze Hunans vorgedrungen. Der Waſſerſtand war ſo niedrig
wvie zuvor — alſo auch keine Dampfer. — Der aufſteigende Rauch
machte uns auf den Schlepper einer engliſchen Geſellſchaft auf=
merkſam
. Lande Verhandlungen mit dem Führer: Nein, er
nähme keine Europäer mit, er ginge nicht aus ſeinem Raum!
Wir lehnten ſein Gemach ſtolz ab und zogen auf die Brücke! Die
Wände ſorgten für dauernden Luftzug und das Dach für die
Feuchtigkeit. Zum Glück hatten wir Oeltuch mit; unſere Feld=
betten
wurden aufgeſchlagen, die Schlafſäcke und Decken unter
dem Oeltuch ausgebreitet. Vier Tage und vier Nächte vegetierten
wir ſo bei dem häßlichſten Wetter. Niederſchmetternd wirkte jedes=
mal
das Geräuſch des niedergehenden Ankers, kündigte es uns
doch eine weitere Verzögerung der Fahrt an. Heißes Waſſer
konnten wir bekommen, Rotwein hatten wir, alſo fehlte nichts
zum Glühwein. Heißer Tee wurde ſehr geſchätzt, und Frank=
furter
Würſtchen ſind gewiß nie auf der Welt mehr geehrt wor=
den
, als von uns auf dieſer Fahrt. Hin und wieder kröchen wir
am Tage in den lochartigen Raum des Heizers, wo wir uns mit
etlichen Chineſen wärmten. Die Pfeifen täuſchten uns über die
lieblichen Gerüche hinweg. An den Zollſtationen wurden der
Schlepper und die Leichter unterſucht. Am Ausgang des Tung=
tingſees
war eine heftige Schießerei auf Boote, die nicht gehalten
hatten. Wie ein Wunder blieben wir unverletzt. Am vierten
Tage waren wir in Hankow, zum Glück nur leicht erkältet. Die
Vorzüge eines eingerichteten Heims lernt man ſchätzen nach ſol=
chen
Reiſetagen! Und bald müſſen letztere wiederholt werden,
A. H., Hankow (China).
o weh!

Geſchäftliches.
Weiches Wafſer zum Waſchen. Jedes Brunnen= und Leitungswaſſer
iſt hart und nicht ohne weiteres zum Waſchen verwendbar. Die Härte
behindert die Waſchwirkung ſehr und läßt keine kräftige Schaumbildung
entſtehen. Zum Glück gibt es in der bekannten Henko=Bleichſoda ein
ausgezeichnetes Mittel, ſelbſt ungewöhnlich hartes Waiſſer weich und
zum Waſchen brauchbar zu machen. Man gibt vor Bereitung der
Waſchlauge — das iſt allerdings wichtig — in den mit kaltem Waſſer
gefüllten Waſchkeſſel einige Handvoll Henko=Bleichſoda und verruhrt
dieſe gut. Dann iſt das Waſſer in wenigen Minuten weich und zum
Waſchen tadellos geeignet.

Vertehrs= und Hotelweſen.
Rüdesheim, 25. März. Im „Hotel Darmſtädter Hof” hier wurden
dieſen Winter umfangreiche Neuerungen vorgenommen; ſo wurde der
ehemalige Kaiferſaal zu einem neuzei lichen eleganten Tanzraum ge=
ſtaltet
. Das vor drei Jahren gebaute Terraſſenreſtaurant erhielt eine
neue geſchmackvolle Ausſtattung. Beſonders zu erwähnen iſt in dieſen
beiden Räumen die ruhige, vornehme Malcei, ſowie die außerordenrlich
effektvolle Beleuchtung; des weiteren wurden die Parterreräume zu
einer Empfangshalle umgebaut, welche dem althergebrachten Hotel eine
elegante, wirkungsvolle Repräſentanz verleiht. Außerdem wurde ein
Gaswarmlufterhitzer, die neueſte Errungenſchaft der Technik, eingebaut,
durch welche ſämtliche Reſtaurationsräume geheizt werden. Alle Arbeiten
wurden von Rüdesheimer Geſchäftsleuten ausgeführt.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 27. März. 12.30: Kaſſel: Hauskapelle. o 15.30:
K. Stricker: Die Kaulquappen. 16.30: Rundfunkorcheſter: Zum
10. Todestag von Claude Debuſſy (geſt. 25. März 19181 Mitw.:
Anita Franz (Sopran). o 17.45: Aus der „Geſchichte der Abderiten”
von Chriſtian Martin Wieland. 18.15: Vereinsnachrichten Mit=
teilungen
. 18.50: Kaſſel: Ernſt Berg: Heinrich Maun, der Dichter,
der Menſch (geb. 27. 3. 1871). O 19: Kreismedizinalrat Dr. Aſcher:
Induſtrielle Entwicklung und menſchliche Geſundheit. 19.30:
Franzöſiſcher Sprachunterricht. O 20: cand. geol. A. Schwarz: Ver=
änderungen
auf dem Boden der Tiefſee. 0 20.15: Stuttgart: Volks=
tümlicher
ruſſiſcher Abend. U. a. Maxim Gorki: Der Empfang”, ein
Schwank. „Bolef”, eine Erzählung. „Unter fremden Menſchen”.
Ausf.: Elſe Rüthel=Schaber, W. Domgraf=Faßbender, Dr. Elwen=
ſpoek
, K. Köſtlin, der Deutſch=ruſſiſche Chor unter Leitung von G. v.
Albrecht, Philharm. Orcheſter (Leitung Efrem Kurtz). o 22.45:
Opern=Abend des Rundfunkorcheſters. Mitw.: Emmerich Weill (Baßl.

Stuttgart.
Dienstag, 27. März. 12.30: Schallplatten. 16: Aus dem
Reiche der Frau. o 16.15: Funkorch. Einl.: M. Adolphi. o 18.15:
Konſul Dr. Skarnitzl: Ein Jahr in Japan. o 18.45: Dr. Huelſen=
beck
: Reiſe durch Birma. o 19.15: Prof. Dr. Ludwig: Deutſche
Kulturarbeit im Burgenland. O 19.45: Nachr ſüdd. Funkvereine.
D 20.15: Volkstümlicher ruſſiſcher Abend. Mitw.: Elſe Rüthel=
Schaber, W. Domgraf=Faßbaender, Elwenſpoek, Köſtlin, Deutſch=
ruſſiſcher
Chor, Philh. Orch. Glinka: Mazurka aus Das Leben für
den Zar. — Tſchaikowsky: Arie aus Eugen Onegin. — Gorki=
Bolek, eine Erzählung. — Tſchaikowsky: Der Sturm. — Puſchkin=
Steppengeiſter=Tſcherkeſſenlied. — Schnitterlied. — Drüben hinterm
Wald — Sſologub: Märchen. — Turgeniew: Der Murrkopf.
— Liadoff: Baba Jaga. — Borodin: Arie aus Fürſt Jgor.
Steppenſkizze. — „Der Empfang” Schwank in einem Akt von Gorki.
— Zwei tatariſche Lieder. — Liebeslied. — Tolſtoi: Die Wölfe.
— Rimſtky=Korſakow: Aus Der goldene Hahn. — Gorki: Unter
fremden Menſchen. — Klage einer Waiſe. Zwei litauiſche Lieder.
— Glaſunow: Stenka Raſin. — Anſchl.: Nachrichten.
Berlin.

Dienstag, 27. März. 12.30: Mitteilungen und praktiſche Winke
für den Landwirt. o 15.30: R. Paulſen: Deutſche Dichter im
Spiegel deutſcher Dichtung. O 16: Stunde mit Büchern. O 16.30:
G. Pohl: Maxim Gorki in Briefen und Aufzeichnungen. 17:
Kapelle Gerhard, Hoffmann. 18.30: Kirchenmuſikdirektor Prof.
Biehle, Bautzen: Die Akuſtik des Raumes. o 19: Studienrat Oppen=
heim
: Aus dem mathematiſch=naturwiſſenſchaftlichen Unterricht der
höheren Schule. O 19.30: A. Zweig: Einführung in das Sende=Spiel
„Nachtaſyl” O 20: Sende=Spiele. Zum 60 Geburtstag von
Maxim Gorki. „Nachtaſyl” Szenen aus der Tiefe in vier Aufzügen.
Regie: A. Braun. Perſonen: Koſtylew, Michail Jwanow: Waſſiliſa
Karpowna ſeine Frau; Nataſcha, ihre Schweſter: Waſika Pepel;
Kleſchtſch, Andrei Mitritſch, Schloſſer; Naſtia, ein Mädchen; Bubnow,
Mützenmacher; Satin; ein Schauſpieler; ein Baron: Luka, ein
Pilger; Medwjedlew, Onkel von Nataſcha und Waſſiliſſa; Poliziſt;
Anna. Frau von Kleſchtſch: Kwaſchnia, ein Hökerweib; Alioſchka,
ein Schuhmacher; Schiefkopf und Tatar; Laſtträger. — Anſchl.:
Tagesnachrichten.
Stettin. 18.30: Poſtdirektor Schindler: Vom Tauſchmittel bis
urf 2.
Feck im Zahlungsverkehr.

D c 1430: Kindererlebniſſe. Hoffmam=Harnſch: Was
im Filmatelier erlebte. o 15.35: Wetter und Börſe. o 1
Studienrat Prof. Dr. Fries: Das Erziehungsweſen im klaſſiſch
Altertum. o 16.30: Dr. Moſer: Bilder vom Leben im Meere
Leben der Tiefſee. o 17: Leipzig: Werke der Familie Back
18: Schuldir. Mayer: Techn. Lehrgang. Anfänger=Einführungs
furs: Techniſche Flächenrechnung. o 18.30: Spaniſch für Anfänger
O 18.55: Adele Schreiber=Krieger: Frauenarbeit im Völkerbund
19.30: Berlin: Einf, in das nachf. Sendeſpiel. O 20: Sendeſpie
„Nachtaſyl” von Gorki. — Anſchl.: Preſſenachr.

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HeisssWafensBaumwell-Waren

Hemdentuch
80 cm breit, teils eigene Ausrüstung,
098, 078. 058. 009
Croisé, weiß
80 cm breit, bewährte Qualitäten.
098, 0.85, 068, 009
Renforcé
80 cm breit, feinfädige Qualitäten,
098 078. 009
Mako-Tuch
80 cm breit, für feine Wäsche,
120, 098, 0U9
Wäsche-Linon
80 cm breit, für Bettwäsche
095, 0.78 009
Haustuch
140/150 cm breit, krättigeOualitäten,
1.65
Halbleinen
145/150 cm breit, die bewährten
Qualitäten für Bettücher . . 2.25,
Bett-Damaste
130 em breit, weiß, mit larbigen
Streiten, waschecht

Handtuchstoff
grau Gebild, solide Oualitäten,
075, 048, 029, 10=
Handtuchstoff
Gerstenkorn, mit farbiger Kante,
058, 048, 0.35, Lu9

Handtuchstoff
weiß Gebild, bewährte Gebrauchs-
auslitäten
. . . . 098, 0.78, 0.55, 409
Rohne ssel
160 cm breit 1 80 cm breit
195, 1n5, 1.a8 o6s 058, 409
Jacquard-Handtuch
halbleinene Qualität. hübscheMuster.
Ueter 1.10, 098, 0ss. 009 S
Wäsche-Linon
160 cm breit, für Koltertdcher
2.40, 1.95,
D o w 1 a s
160 cm breit, starke Qualität, für
Bettwäsche ..
3.25, 2.40,

Bett-Damaste
160 cm breit mit farbigen, neuen
Streiten-Mustern, indanthren .

Zephir-Stoffe
waschechte Oualitäten, einfarbig
0.58,
und gestreitt:
Hemden-Zephir
weißgrundig, mit hübschen Karos
indanthren, 80 cm breit
Kleider-Karo
doppelbreit, in hübschen Faxb-
stellungen
.
. 098
Stepp-Zeug
für Hauskleider, doppelbreit ...
Möbel-Cretonne
80 cm breit, habsch bedruckte
Dessins ..
Möbel-Croisé
schöne Blumenmuster .

Hemden-Zefir
bellgrundig, moderne Streilen,
s 80 cm breit .. . . . 135, I.I0
SSeiden-Batist
ca. 115 cm breit, hübsche helle
Farben .... . . .

Bett-Kattun
80 cm breit, habsch gemustert, 4
(.95, 0.68, 409
Sport-Elanell
hellgrundis, habsche Streifen
098, 0n3. 009
Sport-Flanel!
dunkelgrundig, in verschiedenen
095, 078, 002
Streiken

Kleider-Druck
verschiedene Dessins . . . . 0.78,
Schürzen-Cretonne
80 cm breit, hübsch bedruckt ..

Schürzen-Zeug
ca. 120 cm breit, waschecht
120. 309
Streifen.

Schürzen-Satin
hübsche bunte Dessins, 80 cm br.
1.55.
Schürzen-Druck
ca. 120 em breit, verschiedene
Dessins.
... . . . 1.55,

Nummer 87

Dienstag, den 27. März 1928

Seite 10

Unole

„Stoffe

Kleiderastoffe

Atlas-Trikot
140 cm breit, bewährte Oualität, in
den beliebten Streiken.

P opeline
doppelbreit, reine Wolle, in hübschen
Farben ... . .. .. . . .

Kasha-Karo
in schönen Farbstellungen

Mantel-Ottomane
ca. 100 cm breit, tiefschwarz, solide,
kunstseidene Qualität.

Popeline
100 cm breit, reine Wolle, in großem
Farbensortiment .
Elegante Travers
in besonders schönen Farbstel-
...
lungen .
Aparte Travers
von der Mode bevorzugt, moderne
Farben mit Brokat.

Papillon-Karo
reine Wolle, in neuen
Dessins

hübschen

Orepe Georgette
reine Seide, doppelbreit, in besonders
hubschen Farben.

Kasha-Noppen
gute reinwollene Oualität
Shetland-Kasha
130 cm breit, in den
Frühjahrsfarben

Bedruckter Crepe de chine
reine Seide, doppelbreit, in hübschen
Desoins

modernen

Bedruckte Foulard-Seide
94 cm breit, streng moderne Dessins,
reine Seide.

Travers-Stoffe
100 cm breit, gute reinwollene Ouali-
ta
1, aparte Dessins.

Kasha-Noppen
130 cm breit, mit modernem Karo,
n neuen Frühjahrstarben .

Veloutine
reine Seide mit Wolle, doppelbreit,
in vielen Farben

Flottes Mantelkaro
englische Art, 140 cm breit

Shetl and
130 cm breit, moderne Farben

Seiden
D amassé
Kunstseide mit Baumwolle, hübsche
Dessins
D a m as sé
85 cm breit, Kunstseide mit Baum-
wolle
, neue Farbstellungen.
Helvetia-Seide
A
reine Seide, doppelbreit, in modernen
Parbsortimenten
Japon-Seide
rein.
* Oualität, 94 cm breit, in
D amas sé
195
besonders aparte Dessins, Kunstseide E
Crepe de chine
reine Seide, doppelbreit, in großem
Farbsortiment . .

7
aau

Damen-Batisttücher
mit Doppel-Hohlsaum, feine Ouali-
t
3d..........."

Damen-Batisttücher
mit Hohlsaum „
u9J, 10=
Damen-Batisttücher
mit Hohlsaum und Atlas- Strei-
ten
..
10.
Damen-Batisttücher
mit Hohlsaum und bunter Kante 1U=

Damen-Taschentücher
feiner Batist, mit Hohlsaum und
22.
Atlasstreifen.
Damen-Taschentücher
Batist, mit Hohlsaum und bunter
23.
Kante
Damen-Taschentücher
schöner Batist, mit Hohlsaum, .
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Herren-Batist-Tücher
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DARMSTADT- MARKT

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Kmmmer 87

Dienstag, den 27. März 1928

Seite 11

Reich und Ausland.
leuer Direktor einer deutſchen
Kunſiſchule in Rom.

Herbert Gericke
uroe von dem Kuratorium der Arnold=Stiftung
m. Direktor der in der Villa Maſſimo in Rom
sSMitteln des verſtorbenen Geheimen Kommerzien=
+s. Arnold errichteten deutſchen Kunſtſchule ernannt.
ſer cke war urſprünglich Kunſtgowerbler und war
er Jahre lang künſtleriſcher Mitarbeiter des preu=
ſoven
Miniſterium für Kunſt, Wiſſenſchaft und
Volksbildung.
Mie Blamage des Separatiſien.
MSN. Frankfurt a. M. Eine üble Rolle
ne te vor Gericht der 47jährige Kaufmann Gwald
biſſchmann, der ſich 28 Jahre im Dienſte der heſſi=
ven
Behörde befand und lange Jahre Gendarmerie=
nwtmeiſter
im Kreiſe Bingen war. Während der
ſen aratiſtenzeit hat Wieſchmann ganz auf Seiten
r Aufwiegler geſtanden, die die Rheiniſche Repu=
ic
ausrufen wollten. Das ergab der jetzt vor dem
e ugen Amtsgericht geführte Prozeß. Es mag gleich
näähnt ſein, daß W. während der Separatiſten=
eirſchaft
vom Wachtmeiſter zum Kreiskommiſſar be=
ericert
wurde, wie die Verleſung einer Mitteilung
tr. Rheiniſchen Republik vom 7. Dezember 1923
Fomb. Die heſſiſche Regierung" ſcheint ſich des
Aunnes ſpäter nicht gleich zu entledigen vermocht
uen, da er durch das Londoner Abkommen geſchützt
urde. Es wird behauptet, daß W. eine Abfindung
ehr=elt und dann ausſchied. Tatzſache iſt, daß in dem
egenwärtigen Prozeßverfahren die heſſiſche Regie=
ayg
um Auskunft über W. angegangen worden iſt,
af, ſie dieſe Auskunft aber nicht erteilt hat, und
vrr mit dem Hinweis auf das Londoner Abkom=
ren
. Wieſchmann hat ſich nach ſeinem Abgang in
ſimgen in Frankfurt niedergelaſſen und betrieb mit
enr Kaufmann K. eine Firma, die ſich den Verkauf
or- Lebensmitteln angelegen ſein ließ. Es gab dann
riſchen den Parteien Differenzen und ſchließlich
esenſeitige Aeußerungen, die zu der Klage Wieſch=
zens
gegen K. und zu einer Widerklage des K.
enen W. führten. Es wurde eine Anzahl Zeugen
erommen, und unter dieſen befand ſich eine Reihe
eringelheimer, deren Minenſpiel unverkennbar die
ri ße Abſcheu zum Ausdruck brachte, die ſie gegen
Boeſchmann empfanden. In Oberingelheim ging es
ſeinterzeit beſonders übel zu. Nachts holten die Auf=
üorer
die Bürger aus den Betten, mißhandelten ſie
urs ſchleppten ſie nach Bingen. Dort wurden ſie in
Hgenwart des Wieſchmann vevhört und mißhandelt.
In den Beſitz des Rathauſes in Oberingelheim
oi te zwiſchen den Separatiſten und den Einwohnern
in harter Kampf. Damals verſchleppte man einen
Apchitekten, der als Geiſel zwei volle Monate in
öüft ſaß. Dieſer Zeuge und noch andere Männer,
die damals die Schreckenstage erlebten, traten nun
I: Zeugen gegen W. auf. Bei Verhandlungsbeginn
nmntragte der Rechtsanwalt des Wieſchmann, die
Offfentlichkeit auszuſchließen, dieſer Antrag wurde
Ier vom Gericht abgelehnt. Am markanteſten ge=
ᛋUlteten ſich die Ausſagen der Oberingelheimer Zeu=
geri
. Der Architekt ſchilderte, wie er ins Kreisamt
noch Bingen verbracht wurde, wo auf einer Pritſche
ſieBben Mann liegen mußten. Wieſchmann leitete das
Verhör und die neben ihm ſtehenden ſogenannten
Henkersknechte verabfolgten mit dem Gummiknüppel
und der Peitſche Hiebe. Von einem Nebenzimmer
au s hörte man die Stimme Wieſchmanns, der die
Kriechte aufforderte, auf die Halunken zu ſchlagen.
2er Zeuge iſt ſpäter freigelaſſen, dann aber wieder
fargenommen worden und bei einer dritten Feſt=
nrhme
leitete W. das Verhör und telephonierte mit
drr franzöſiſchen Delegation. Als der Zeuge nach
zwei Monaten frei kam, mußte er ſich in ärztliche
Gehandlung begeben, ſo hatte er gelitten. Ein Ober=
i
gelheimer Metzger, der von den Separatiſten dort
halb tot geſchlagen wurde, wurde von Wieſchmann
mamens der Rheiniſchen Republik vernommen und
e1: ging los mit: „Sie Lump, Sie Schuft.” Ange=
ſihts
dieſer Zeugenbekundungen verzichtete der An=
walt
des Klägers auf die weitere Vertretung Wieſch=
m
.ann und legte ſein Mandat nieder. Weitere Zeu=
gen
ſchilderten das Milieu, das ſie im Kreisamt an=
trafen
. Bierflaſchen, Reitpeitſche und Weib drückten
der Sache den Stempel auf. Das Gericht ſprach K.
frei und verurteilte Wieſchmann auf die Widerklage
zur 100 Mark Geldſtrafe.

Die Angelegenheit Jvogün=Meyer.
Berlin. Frau Maria Jvogün bittet um Ver=
öfffentlichung
folgender Zeilen: Die Nachrichten, die
un den Blättern über das Verſchwinden meiner
(Schweſter, Frau Fritzi Meyer, erſchienen ſind, ſtim=
yien
mit den der Familie bekannten Meldungen nicht
weberein. Da meine Sch=veſter während der ganzen
Meiſe und noch vor wenigen Tagen geſunde und ver=
A:wigte Berichte und Telegramme ſandte, iſt ein
SSelbſtmord ausgeſchloſſen, und ihr Verſchwinden
ſann lediglich einem Unglücksfall zugeſchrieben
wwerden.
Im Nebel geſunken.

Hamburg. Der deutſche Dampfer „ Commer=
mrial
” iſt in dichtem Nebel ziviſchen Norderney= Feuer=
ſöchiff
und Weſer=Feuerſchiff mit dem deutſchen
Dampfer „Fritz Schoop” zuſammengeſtoßen und ge=
huken
. Die Beſatzung wurde gerettet.

Dor einen deulſchen Szrannag.
Hauptmann Köhl ohne Wiſſen der Luſihanſa und Lufipolizei zum
Ozeanflug geſiartet. — Glückliche Landung in Irland. — Ueberquerung
des Ozeans bei günſtigem Wetter.

* Berlin, 26. März. (Priv.=Tel.)
Hauptmann Köhl, der wie erinnerlich ſchon
im vorigen Jahr den Verſuch gemacht hatte,
mit der „Bremen” den Atlantiſchen Ozean zu
überfliegen, hat ſich angeſchickt, als einer der
erſten europäiſchen Flieger den Flug nach
Amerika zu verwirklichen. Auch der letzte miß=
glückte
Verſuch des Engländers Hincheliffe hat
nicht vermocht, ihn zu einer Veränderung ſeines
Planes zu bewegen. Köhl war darauf bedacht,
in den Wintermonaten ſeinen Plan vorzube=
reiten
. Die finanzielle Seite des Ozeanfluges
war von Herrn v. Hühnefeld vorbereitet, der
auch bei dem erſten Verſuch von Deſſau aus
mitgeſlogen war, der bekanntlich wegen des
Sturmes mit der Rückkehr endete.
Das letzte Unternehmen Köhls
hat, wie wir zuverläſſig ſagen können, kei=
neswegs
die Billigung der Deut=
ſchen
Lufthanſa gefunden. Freund=
liches
Einwivken der Direktion auf ihren Ange=
ſtellten
hat nichts gefruchtet. Infolgedeſſen iſt
Hauptmann Köhl vonſeinem Poſten
bei der Lufthanſa zurückgetreten,
womit für ihn alle Rückſicht auf das Unter=
nehmen
wegfiel. Köhl hat ſeit Tagen auf ſein
Vorhaben hingearbeitet und alles getan, um zu
verhindern, daß das Unternehmen in die Oef=
fentlichkeit
dringen konnte. Er hat ſelbſt
die Lufthanſa und die Luftpolizei
getäuſcht. In den letzten Tagen flog er
täglich 6—7 Stunden, angeblich, um den Motor
und die Inſtrumente des Apparates des Jun=
kersflugzeuges
D 1167 — die alte „Bremen”
gründlich auszuprobieren. In Wahrheit wollte
Köhl jedoch nur verhindern, daß ſein heutiger
Flug auffiel und daß man aus der Tatſache,

daß er mehrere Stunden fortblieb, irgendwelche
Schlüſſe auf ſein Vorhaben ziehen könnte.
Am Sonntag abend hatte Hauptwann Köhl
nach Durchſicht der Wetterberichte ſeinem Mon=
teur
den Auftrag gegeben, die Maſchine mit
360 Liter Benzin zu verſehen und alles für den
Abflug am Montag vorzubereiten. Heute er=
ſchien
er auf dem Flugplatz Tempelhof und ließ
ſich von der Berliner Luftpolizei die Genehmi=
gung
zu einem Flug nach Deſſau erteilen. Ohne
ſich von Jemand zu verabſchieden, beſtieg er ſo=
dann
mit Monteur Spindler die Maſchine und
ſtartete 6 Minuten nach 8 Uhr. Auch ſeine
Gattin hatte Köhl im Unklaren gelaſſen, ob er
das Unternehmen durchführen werde oder nicht,
nur von der Abſicht hatte er geſprochen, ſeinen
Probeflug evtl. bis nach Baldonell,
dem Flughafen in Irland auszu=
dehnen
, wo er die engliſchen Wettermeldungen
ſtudieren wolle. Am Montag nachmittag 17,10
Uhr iſt er in Irland gebandet. Wie mitgeteilt
wird, iſt die von Köhl und v. Hühnefeld in
Auftrag gegebene Startbahn bereits fertigge=
ſtellt
, die für die beſonderen Bebürfniſſe eines
ſchwer belaſteten Flugzeuges geſchaffen wurde.
Wenn die Wettermeldungen einigermaßen
günſtig lauten, wird Köhl den Ozeanflug
wagen. Seinen Berliner Freunden hat er mit=
teilen
laſſen, daß er von der engliſchen Regie=
rung
ohne beſondere Schwierigkeiten die Er=
aubnis
zum Start erhalten werde, die ihm in
Deutſchland ſelbſvverſtändlich nicht erteilt wor=
den
wäre. Man iſt ſich allgemein darüber im
Klaren, daß das Unternehmen des Fliegers eine
Sache auf Leben und Tod iſt. Ja, es ſind
Kreiſe vorhanden, die die Abſicht Köhls beinahe
als Selbſtmordverſuch bezeichnen.

Das Muiterſchiff der Nordpolexpedition unterwegs.

Das Mutterſchiff „Citta di Milano”
der Nordpolexpedition des Generals Nobile hat ſeinen Heimathafen Spezia bereits verlaſſen und
iſt nach Spitzbergen unterwegs. Es hat die Hilfsmannſchaft und die Materialien für das Luft=
ſchiff
„Italia”, das von Spitzbergen nach dem Nordpol fliegen wird, an Bord.

Schießereien zwiſchen Nationalſozialiſten
und Kommuniſten.
Frankfurt a. M. Im Anſchluß an eine
Weubekundgebung der Nationalſozialiſten kam es in
der vergangenen Nacht verſchiedentlich zu Schieße=
reien
zwiſchen den Veranſtaltern und Kommuniſten.
So wurde an der Ecke Dominikanergaſſe und Fahr=
gaſſe
aus einer aus Sachſſenhauſen kommenden Auto=
droſchke
, die mit Nationalſozialiſten beſetzt war, auf
die dort in Uniform herumſtehenden Kommuniſten
ein Schuß abgegeben, ohne daß jemand verletzt
wurde. Kurz vor ½11 Uhr kam es an der Ecke
Börneplatz und Dominikanergaſſe zwiſchen Kommu=
niſten
und Nationalſozialiſten zu einer Schlägerei, in
deren Verlauf der Nationalſozialiſt Karl Walther
drei Schüſſe abgab, die jedoch niemand verletzten.
Schließlich wurden um ½1 Uhr nachts auf den Na=
tionalſozialiſten
Ernſt Stichel an der Ecke Börneplatz
und Rechneigraben ſechs Schüſſe abgegeben, ohne ihn
zu verletzen. An dieſer Stelle ſollen ſich 15 bis 20
Kommuniſten aufgehalten haben, die die Schüſſe ab=
gaben
. Der Ueberfallene flüchtete in eine Wirtſchaft
in der Allerheiligenſtraße und benachrichtigte von
dort aus die Polizei.
Mißglückter Einbruchsverſuch bei einer Bank.
Berlin. In der Zweigſtelle einer Großbank in
der Budapeſter Straße wurde in der vergangenen
nacht ein Einbruchsverſuch in die Treſorräume unter=
nommen
. Die Einbrecher hatten in den vergangenen
Tagen mehrere Mauern des Kellers durchbrochen.
Beim Verſuch, die Treſortüren mit dem Sauerſtoff=
gebläſe
zu öffnen, gerieten Akten und andere Pa=
piere
in Brand und der intenſive Brandgeruch
machte einen Bewohner des Hauſes auf die Vorgänge
aufmerkſam. Das Ueberfallkommando fahndete jedoch
vergeblich nach den Verbrechern, die unter Zurück=
laſſung
ihrer geſamten Werkzeuge entfliehen konnten.
Nach einer Meldung erregte die nach Aufdeckung der
Tat einſetzende gvoßzügige Aktion der Polizei im
Berliner Weſten großes Aufſehen. Die Polizei
ſperrte den ganzen Häuſerblock ab und nahm die
Verfolgung der über die Dächer flüchtenden Ver=
brecher
auf. Bewohner des von den Einbrechern
heimgeſuchten Hauſes ſahen dieſe noch kurz nach
5 Uhr morgens, als ſie das Dach entlangkrochen. Aus
den Beſtänden der Bank iſt nichts geraubt worden.
Schwerer Flugzeug=Unfall.
London. In Stalybridge wurde beim Landen
cines Flugzeuges ein Knabe getötet. 6 Perſonen
wurden verletzt zunter den Verletzten ſind 3 Kinder
und ein 17jähriges Mädchen.

Brand eines Omnibuſſes.
Mehrere Perſonen verletzt.
Dresden. Samstag abend geriet aus unbe=
kannter
Urſache ein Omnibus der ſtaatlichen Kraft=
wagenverwaltung
der Linie Zittau—Groß=Schönau
in Brand. Die Inſaſſen gelangten zum Teil durch
die Fenſter ins Freie. Soweit bis jetzt feſtgeſtellt
werden konnte, wurden ſieben Peyſonen verletzt, doch
ſind die Verletzungen nicht ſchwerer Natur. Der
Oberbau des Kraftwagens wurde völlig vernichtet.
24 Autodroſchken verbrannt.
Berlin. Montag früh gegen 5½ Uhr entſtand
in einer Großgarage in Wilmersdorf aus noch nicht
ermittelter Urſache ein Brand, durch den die Garage
ſowie die in derſelben untergebrachten 24 Kraft=
droſchken
vollſtändig zerſtört wurden.
Die Reichsgaſtwirtsmeſſe eröffnet.
Berlin. Am Sonntag vormittag wurde in der
alten Ausſtellungshalle am Kaiſerdamm in Gegen=
wart
von mehreren Vertretern der Reichs=, Staats=
und Kommunalbehörden, ſowie der Parlamente und
der Stadtverordnetenverſammlungen, der veranſtal=
tenden
Verbände (Deutſcher Gaſtwitteverband e. V.,
Verband der Gaſt= und Schanbwirte für Berlin und
Brandenburg e. V. in Gemeinſchaft mit dem Aus=
ſtellungs
=, Meſſe= und Fremdenverkehrsamt der Stadt
Berlin), der Fachwelt und der Preſſe die Reichsgaſt=
wirtsmeſſe
eröffnet. Die von mehr als 500 Aus=
ſtellern
beſchickte Veranſtaltung ſtellt die größte bis=
herige
Gaſtwirtsmeſſe dar. Sie bietet ein einheit=
liches
, inſtruktives Bild der geſſamten deutſchen
gaſtronomiſchen Induſtrie. Für den Magiſtrat Berlin
eröffnete der neue Dezernent für das Ausſtellungs=
und Meſſeweſen, Stadtrat Czeminſki, die Meſſe mit
einer Begrüßungsanſprache. Hierauf ſprach Paul
Litfin, Vizepräſident des Deutſchen Gaſtwirtever=
bandes
, und Präſident Otto Strauß, M. d. R., für
den Verband der Gaſt= und Schanbwirte für Berlin
und Brandenburg. An die Eröffnung ſchloß ſich ein
Rundgang durch die Ausſtellung. Die Meſſe bleibt
geöffnet von Sonntag, den 25., bis Freitag, den
30. März.
Mord bei Cleve.
Cleve. Sonntag früh wurde in dem benach=
barten
Wiſſel eine Dienſtmagd ermordet aufgefunden.
Der Verdacht der Täterſchaft lenkte ſich auf einen
Knecht, der mit der Ermordeten ein Verhältnis
unterhalten hatte. Man fand Blutſpuren an ſeinem
Rock, außerdem wurde feſtgeſtellt, daß er ſein Fahr=
rad
, vermutlich um Blutſpuren zu verwiſchen, mir
Seife geſäubert hatte. Der Knecht wurde vorläufig
verhaftet und dem Amtsgericht Clebe zugeführt.

Eine Parade von fünftauſend
Zinnſoldaten.

Oberſt a. D. Keller mit ſeiner Zinnſoldaten=
parade
.
Potsdam wird demnächſt eine neue Sehenswürdigkeit
erhalten. Im Garniſonmuſeum ſoll die frühere
Potsdamer Frühjahrsparade im Kleinen wieder her=
geſtellt
werden. Seit Monaten arbeitet Oberſt Keller
an der Fertigſtellung einer Zinnſoldatenparade. Die
kleinen Figuren ſind ganz „dem Leben nachgebildet”,
wie es vor dem Kriege auf dem Paradefeld von
Potsdam zu ſehen war.
Die großen Brände in Berlin.
Berlin. Die Ermittlungen der Berliner Kri=
minalpolizei
über die Urſachen der vielen Brände
haben zweifelsfrei ergeben, daß von bandenmäßiger
Brandſtiftung keine Rede ſein kann. Zwiſchen den
einzelnen Bränden beſteht nicht der geringſte Zu=
ſammenhang
. Aber auch für vorſätzliche Einzel=
brandſtiftung
hat ſich an keiner Stelle ein Anhalt ge=
funden
. Möglich iſt dagegen hier oder da Fahr=
läſſigkeit
als Urſache des Brandes anzuſehen. Es
handelt ſich überall um Räume, in denen leicht
brennbare Stoffe lagerten, Seidengeſpinſte, Holz=
wolle
, trockene Bretter und dergleichen mehr.
Brandſtiftung?
Ludwigsdorf, Kreis Löwenberg (Schleſien).
In der Nacht zum Sonntag entſtand im Anweſen
der Häuslerehefrau Emma Krebs ein Brand. Das
ſtrohgedeckte Wohnhaus ſowie Stall und Scheune
wurden ein Raub der Flammen. Sämtliche Acker=
geräte
wurden vernichtet, Vieh und landwirtſchaft=
liche
Materialien waren nicht vorhanden. Ferner
fielen ſämtliche Möbel eines in dem Hauſe wohnen=
den
Arbeiters den Flammen zum Opfer. Es wird
Brandſtiftung vermutet.
Tragiſcher Ausgang einer Konfirmationsfeier.
Löwenberg (Schleſien). Bei einer Konfirma=
tiönsfeier
in der Familie des Arbeiters Müller
wurde in der Nacht zum Montag plötzlich ein Ge=
räuſch
im Hausflur gehört. Als Müller dieſem
nachging, fielen zwei Schüſſe, von denen einer ihn
tödlich traf. Als Täter wurde am Montag früh ein
25jähriger Volker aus Zobten am Bober feſtgenom=
men
. Der Erſchoſſene hinterläßt Frau und ſieben
Kinder. Ueber den Grund zur Tat verlautet noch
nichts beſtimmtes.
Das Feuer auf dem Dampfer „Ortlinde‟.
Gotenburg. Der Dampfer „Ortlinde” aus
Stettin, der bei Skagen in Brand geraten war, iſt
bei Brännö von Schleppdampfern auf Grund ge=
ſetzt
worden. In der Nacht zum Montag iſt es den
Bergungsdampfern gelungen, den Brand zu be=
kämpfen
. Die Holzladung des Vorderdecks iſt voll=
kommen
vernichtet. Die Ladung des Hinterdecks hat
nur zum Teil Schaden erlitten. Die Aufbauten auf
dem Mitteldeck wurden erheblich beſchädigt.
Große Dorfbrände in Polen.
Warſchau. Aus Oſtgalizien werden einige
größere Brände gemeldet. In Czerczyk ſind am
Samstag 106 Gebäude niedergebrannt, wobei zwei
Perſonen ums Leben kamen. In Brzozow brannten
vier Wirtſchaften nieder, wobei ebenfalls zwei Ein=
wohner
in den Flammen den Tod fanden. Ein drittes
größeres Schadenfeuer wird aus Chaminitowice im
Kreife Grodno gemeldet. Zehn Wohnhäuſer und 14
Schuppen ſind niedergebrannt. Auch hier fand eine
Frau den Tod.
Eine holländiſche hiſtoriſche Mühle abgebrannt.
Amſterdam. Bei einem in einer Fabrik in
Zaandam ausgebrochenen Großfeuer ſchlugen Fun=
ken
auf die der Fabrik benachbarte hiſtoriſche Säge=
mühle
De Grootvorſt über, in der im Jahre 1697 der
ruſſiſche Zar Peter der Große als Zimmermann ge=
arbeitet
hat. Trotz baldigen Eingreifens der Feuer=
wehr
brannte, die hiſtoriſche Mühle bis auf die
Grundmauern nieder.
58 Opfer chineſiſcher Banditen.
London. Times berichtet aus Schanghai, daß
das Dorf Hſiaoſchihſiang in Südkiangſu, 100 Meilen
von Schanghai entfernt, von Banditen zerſtört wor=
den
iſt, die 35 Einwohner erſchoſſen und eine An=
zahl
andere berwundeten. 23 Menſchen kamen in den
von den Banditen in Brand geſteckten Häuſern um.
Bombenexploſion in New York.
NewYork. Auf der Now Yorker Untergrund=
bahn
in der Nähe des Theatevviertels ereignete ſich
kurz vor Theaterſchluß eine Bombenexloſion, die
beträchtliche Aufregung verurſachte, die ſtavke De=
tonation
wurde weithin gehört. Niemand wurde
verletzt, nur an Schaufenſtern der Läden wurde
einiger Schaden angerichtet. Die Polizei bewacht die
Station.
Das Banditenunweſen in Mexiko.
NewYork. In der Nähe von Mexiko=City
überfielen Banditen eine Anzahl Autos und plün=
derten
die Inſaſſen vollſtändig aus. Man vermutet,
daß es die Banditen auf den amerikaniſchen Bot=
ſchafter
Merrow abgeſehen hatten, der aber erſt drei
Stunden ſpäter die Stelle paſſierte, an der der
Ueberfall ſtattgefunden hatte. Im Staate Guanajuato
wurden bei Kämpfen mit Regierungstruppen 20 Ban=
diten
getötet.

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Jug
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Seite 12

Dienstag, den 27. März 1928

Nummer 87

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Nummer 82

AarmſtädterCagblatte

Dienstag, den 27. März

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Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkt.

Die vergangene Woche brachte einen weiteren Rückgang des Ge=
ſchäfts
am ſüddeutſchen Eiſenmavkt. Zwar wurde vereinzelt zu Neu=
käufen
geſchritten, doch waren dieſe nur in ſo geringem Umfange der
Fall, daß der Markt nicht merklich dabon beeinflußt werden konnte.
Noch immer ſind die Abnehmer — Verbraucher und Händler — mit
der Abwicklung alter Käufe beſchäftigt. Die dadurch feſtgelegten Mittel
können zu neuen Käufen nicht freigemacht werden, ſo daß vorevſt mit
keinem größeren Geſchäft zu rechnen iſt. Die Bautätigkeit blieb bis
jetzt noch evheblich hinter der des Vorjahres zurck und der Bedavf
der Bauinduſtrie iſt entſprechend klein geblieben. Die Maſchinen=
fabriken
ſind augenblicklich gut beſchäftigt. Der Bedarf konnte ſtets glatt
gu den neuen Preiſen befriedigt werden. Die Werke ſind durch,veg
noch gut beſetzt. Stabeiſen kann im allgemeinen in 4 bis 6 Wochen ge=
liefert
werden, während Formeiſen nicht vor 3 bis 5 Wochen heraus=
gebracht
werden kann. Auch das Lagergeſchäft ließ ſich nicht beſonders
günſtig an. Die Nachfrage nach Lagermaterial hat durchweg wieder
nachgelaſſen. Gerade im Lagergeſchäft macht ſich der fehlende Bedarf
des Baugewerbes, der ſonſt um dieſe Zeit meiſt bedeutend war, recht
unangenehm bemevkbar. Die Umſätze in Bandeiſen waren nicht be=
deutend
, dagegen waren Bleche etwas mehr gefragt.

Frankfurter Effektenbörſe.

Frankfurt a. M., 26. März.
Kurz vor der Prämienerklärung war die Bövſe nicht ganz einheit=
lich
. Man nahm die Ueberzeichnung der ſchleſiſchem Landſchafts=Dollar=
Anleihe günſtig auf. Auch wurden erneut Interventionen am Farben=
markt
beobachtet, was beſonders dem ſpäteren Verlauf der Börſe ein
etwas freundlicheves Gepräge gab. Anſcheinend will man den Liquida=
tionskurs
der Farbeninduſtvie ziemlich unverändert gegen die letzte Ab=
wicklung
feſtſetzen. Auch dürfte die Abſicht beſtehen, Farbenbonds im
Auslande zu plgeieven, weswegen dieſer Kurs wieder auf 139,25 nach
138 getrieben wurde. Montanwerte im allgemeinen zunächſt ſchwächer,
beſonders Kohlenwerte auf den enttäuſchendem Bericht des Rheiniſch=
Weſtfäliſchen Kohlenſyndikats, der von weiteven Abſatzrückgängen ſpricht.
Nur Rhein. Braunkohlen wieder um 2,5 Prozent feſter. Gerüchte einer
GSvorſtehenden Kapitalstransaktion verdichten ſich trotz zweimaligen De=
mentis
der Rhein=Bvaun=Verwaltung. Auch Elektrowerte feſter. Schiff=
fahrtswerte
ſowvie die übrigen Freigabeaktiem ſchwächten ſich erneut leicht
ab. Auch Zellſtoffwerte durch die rückläufigen Kunſtſeidekurſe eher an=
geboten
. Am Anleihewarkt Neubeſitzanleihe bis 14,9 Prozent erholt=
Der Börſenverlauf war unter Bevorzugung von Farben= und Montan=
werten
, letztere durch die heutige Einführung der Mitteldeutſchen Stahl=
vereinsoktien
in Berlin, freundlich. Die Umſätze blieben jedoch weiter=
hin
ſehr gering. Tägliches Geld war zu dem ermäßigten Satz von
5 Prozent reichlich angeboten, Monatsgeld fedoch gefragt. Am Deviſen=
markt
lagen Deviſen wieder im Angebot, und die Mark zog an. Mark
gegen Dollar 4,1806; gegen Pfunde 20,416; London=Kabel 4,8822; Paris
124,02: Mailand 92,40; Madrid 29,09: Holland 12.12.
Die Abendbörſe verkehrte in großer Geſchäftsſtille. Bei faſt voll=
kommenem
Ordermangel wurde von dew Kuliſſe im Hinblick auf den

morgigen Ultimo ſtarke Zurückhaltung geübt. Die Grundſtimmung
blieb jedoch freundlich, wobei nennenswerte Kursveränderungen gegen

den Berliner Schluß im allgemeinen kaum eintraten. Einiges Intereſſe
beſtand für Rheinſtahl, die 1 Prozent anziehen konnten. Im Einklang
damit waren Waldhof etwas beachtet. J. G. Bonds nannte man mit
140—140½, Prozent. Renten lagen geſchäftslos. Im Verlaufe konnte
ſich die Tendenz, vom Farbenmarkt ausgehend, leicht befeſtigen.

Berliner Effektenbörſe.

Berlin, 26. März.
Diejenigen, die für den Einführungstag der Mitteldeutſchew Stahl=
werke
freundliches Börſemwetter praphezeit hatten, behielten im Grunde
recht. Ob allerdings von itereſſierter Bankſeite viel hierzu beigetragen
wordem iſt, oder ob die börſentechniſche Sitzuation gerade eine feſtere
Welle zur Folge haben mußte, läßt ſich ſchwer entſcheiden. Jedenfalls
wan die Grundſtimmmg heute freundlicher und ſicherlich wurde zu den
erſten Kurſem einiges gedecht. Die Börſe ſtand weiter im Zeichen des
Ultimos, die Vorbereitugen ſetzten ſich fort, ſtießen aber nirgends auf
größere Schwievigkeiten. Füir Reportgeld wurden 8 bis 8,25 Prozent be=
gahlt
, die Machfrage nach Stüchen war angeblich nicht übermäßig groß.
Nenmenswerte Anvegungen lagen ſonſt heute nicht vor. Einem nicht
ſehr günſtigen Bericht des Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlenſyndikats ſtand
eine Zumahme der Sparkaſſeneinlagen im Januar um zirka 400 Mil=
lionen
gegenüber. Ferner verwies man auf die am 29. d. M. begin=
nenden
Arbeitszeitverhandlungem und war in Erwartung der heutigen
Schachtrede in Kömigsberg. Zu dem erſten Kurſem hielten ſich die Ab=
weichugen
nach beidem Seiten zumeiſt in Grenzen von 1 Prozent, 3 bis
5 Prozent höher eröffneten nurr einige Spezialpapiere wie Wicking
Zement, Rheinnſch=Weſtfäliſche Elektizitätswevte. Elektnizitätswerk
Schleſiem, Hammerſen umd Glanzſtoff. Das Geſchäft war nicht umfang=
veich
, und die Spekulation verhielt ſich äußerſt vorſichtig. Auch im Ver=
laufe
änderte ſich hievan nichts, trotzdem traten zumeiſt weitere kleinere
Erholungen ein. Wieder dürrften in erſter Linie Deckungem der Grund
geweſen ſein. Eimige Montanpapiere wie Rheiniſche Braunkohlen und
Mannesmann, Siemens, Spritaktien und Polyphon warem hierbei etwas
bevorzugt. Beſonders letztere lonnten bis zu 4 Prozent gewin=
men
. Anleihem ruhig. Ablöſſungsſchuld für Neubeſitz im Verlaufe etwas
Geſchäft. Ausländer eher ſchwächer. Pfandbriefe überwiegend feſter:

Liquidationspfandbriefe umd Anteile bis 0,5 und vereinzelt bis 1 Pro=
zent
erhöht. Deviſen etwas angeboten, der Den liegt weiter ſehr feſt.
Der Geldmarkt iſt unverändert; Tagesgeld 5—7 Prozent, Monatsgeld
7,5 bis 8,5 Prozent; Waremwechſel zirka 7 Prozent. Der Privatdiskont
iſt unverändert mit 6’/s Prozent. Die erſte Notiz für Mitteldeutſche
Stahlwerke ſtellte ſich auf 116 Prozent, bei einem Umſatz von zirka
600 000 Mark. Bis zum Schluß der Börſe machte die Aufwärtsbewegung
unter Führung von J. G. Farben (bis 945) weitere Fortſchritte. Die
Nachbörſe war unſicher und eher nachgebend.

A. E. G.
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Baſalt .....
Bergmann. . .
Berl. Karlsruhe Ind.
Berl. Hand.=Geſ.
Braunkohl. Briketts
Bremer Wolle..
Danatbank. .
Deutſche Bank.
Diskontogeſ.
Dresdner Bank.
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl.
Deutſche Petroleum
Dynamit Nobel",
Elektr. Lieferung
J. G. Farben.
Gelſenk. Ber
G. f, elektr. Ur
Han. Maſch.=C
Hanſa Dampfſch
Hapag.
Harpner
Hemoor Zement. . ..

24. 3. 26. 3. 24. 3. 26. 3 150.— 150.— Hirſch Kupfer. 112.— 111.75 99.— 99.— Höſch Eiſen 135.25 136.— 85.— 85.— Hohenlohe Werke 88 — 88.— 171 — 169.875 Kahla Porzellan, 105.75 105.5 mn.— Kali Aſchersleben". 168.— 167.— 1252.— 250.5 Salzdefurth. é 255.— 170.— 168.5 „ Weſterregeln". — 177.5 211.5 212 — Lindes Eismaſch. 147.— 147.— 234.5 1233.5 V. Loewe & Co. . /235.— 232.5 161.— 161.75 Lingel Schuh". 61.25 61.5 156.25 156.25 MannesmannRöhren 145.75 144.— 157.75 1157.— Niederlauſitzer Kohl= 162.5 161.— A7.— 47.125 Nordd. Loyd. 149.25 148.75 121.5 121.5 Orenſtein. 129.— 129.— 63.— 61.5 Polyphon 299.75 305.5 119.25 118.— Rütgerswerke.
Sachſenwerke. 99.— 99.— 166.— 164.5 — 118.— 242.5 243.5 Siemens Glas. 145.— 145.— 1133.25 132.— Ver. Glanzſtoff 712.— 720.— 266.— 265.5 Ver. Stahlwerke 102.375 101.25 59.— 59 25 Bolkſtedter Porzellan 59.5 58.5 233.5 232.— Wanderer Werke. . . 179.5 178 25 149.5 149.— Wiſſner Metall. . . 131.5 132.5 1167.5
f242.5 168.—
242.5 Wittener Gußſtahl .. 61.— 60.5

Deviſenmarkt.

Helſingfors
Wien ...
Prag".
Budapeſt.
Sofia ..
Holland ..."
Sslo ........"
Kopenhagen
Stockholm ..
London .....
Buenos Aires
New=York .."
Belgien .....

24. 3.

Geld
10.52
58.78
12.38
72.99
3.019
168.3
111.53
112.14
10.398
1.787

Brief
10.54
58.90
12.40
73.131
3.025
168.68
111.7:
111.99/112.21
12.36
20.438
1.791

4.17804 1860
58.265/58.385

Geld
10.514
58.775
12.378
3.019
168.28
111.49
111.97
112.14
20.393
1.786
4.1770

Brief
72.97/ 73.111 Spanien.
1.79
58.27/ 58.39/Uruguah.

10.5381Italien.
58.8951 Paris ..
2.3981 Schweiz
3.025/Danzig .
68.,62/Fapan..
11.71/Rio de Janeir
12.19/ Fugoſlavien.
12.36/ Portugal".
20.433)Athen ..
Konſtantinopel
4.18501 Kanada.

24. 3. 26. 3. Geld Brie Beld Brief 22.085 22.125 22.085 22.125 16.445/16.495 16.445 6.485 80.485 90.645180.495 0.s5s 70.18 70.321 70.1. 70.27 81.50 81.66 81.54 81.70 1.273 1.971 1.988 1.992 0.502 504 0.501 0.503 7.35 1 7.3651 7.355 7.369 17.48 17.52 17.88 17.72 5.494 5.50 5.5941 5.606 2.121 2. 125 2.116 2.120 4.181 4.189 4.181 4.109 4.326 4.330/ 4.-326 4.334

Dividendenerhöhung der Chemiſchen Werke Brockhues A. G., Nieber=
Walluff. Wie wir von der Verwaltung erfahren, ſind die Bilanzarbei=
ten
für 1927 noch im Gange. Doch läßt ſich nach der bisherigen Ueber=
ſicht
ſchon ſagen, daß mit einer Dividendenerhöhung auf mindeſtens
6 (4) Prozent zu rechnen iſt. Ob die Möglichkeit einer noch höheren
Dividendenausſchüttung realiſiert wird, dürfte erſt nach den endgültigen
Abſchlußarbeiten durch die Bilanzſitzung Ende Mai beſtimmt werden.

Metallnotierungen.

Die amtl. Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 26. März
ſtellten ſich für Kupfer: Januar, Februar 122,50 (122,75), März 120,25
(121,50), April 121 (121,25), Mai 191,75 (122), Juni 122 (122,25), Juli
122 (122,50), Auguſt, September 122,25 (122,50), Oktober, November,
Dezember 122,50 (122,75). Tendenz: befeſtigt. Für Blei: Januar
41,25 (41,50), Februar 41,50 (41,50), März 40,25 (41), Aprik 40,50 (41),
Mai 40,50 (41,25), Juni 40,75 (41,25), Juli, Auguſt, September 41
(41,25), Oktober, November 41 (41,50), Dezember 41,25 (41,50). Tendenz:
ſtetig. Für Zink: Januar, Februar 49,25 (50), März 49,50 (50,75),
April 49,50 (50,25), Mai, Juni, Juli, Auguſt, September 49,25 (50,25),
Oktober, November 49,25 (50) Dezember 49,50 (50) Tendenz: ruhig. —
Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 26. Märg: Elektro=
Iytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam (Notierung
der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz) 134,75 RM. Notierun=
gen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Be=
zahlung
): Original Hüttenaluminium, 98—99 Prozent, in Blöcken,
Walz= oder Drahtbarren, 210 RM., desgleichen in Walz= oder Draht=
barren
, 99 Prozent, 214 RM., Reinnickel, 98—99 Prozent, 350 RMM.,
Antimon Regulus 82—87 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) 78,75—79,75 RM.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 26. März
ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz: feſt): Standard p. Kaſſe 61½—a,
3 Monate 617/——½ Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 65½—67 beſt
felected 64½—65¾, ſtrong ſcheets 92. Glektrowirebars 67; Zinn
(Tendenz: willig): Standard p. Kaſſe 237½—¾, 3 Monate 238½—39,
Settl. Preis 239½, Banka (inoff. Not.) 245½, Straits (inoff. Not.)
943½; Blei (Tendenz: ſtetig): ausländ, prompt 20½, endft. Sichten
20½, Settl. Preis 20½; Zinc (Tendenz: ſtetig): gewöhnl. prompt
252/us, entft Sichten 25½u, Settl. Preis 25½; Aluminium für Inland
inoff. Not.) 105, für Ausland (inoff. Not.) 112; Antimon Reg. engl.
Erzeug.=Preis (inoff. Not.) 59½—60, chineſ. per (inoff. Not.) 37; Queck=
t
.) 22½
ſübr (inoff.
½; Platin (inoff. Not.) 17: Wolframerß
(inoff. Not.) 1478; Nickel
Inland, für Ausland (inoff. Not.) 175;
Weißblech (inoff. Not.) 18½; Kupferſulphat (inoff. Not.) 2½—R;
Cleveland Gußeiſen Nr. 3 (inoff. Not.) 66.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Produktenberichte.

Mannheimer Produktenbericht vom 26. März. Der Markt verkehrte
für Brotgetreide und Mais in nachgebender Haltung. Hafer war wei=
ter
befeſtigt. Man verlangte für die 100 Kilo waggonfrei Mannheim
ohne Sack i. RM.: Weizen inländ. 27—27,50, ausländ. 29,25—31,50,
Roggen inländ. 27,50—27,75, Hafer inländ. 26,50—27,25, ausländ. 9
bis 28, Braugerſte ausländ. 32—36, pfälziſche 32—33,50, badiſche, heſſi=

I. 1. Reichs=,
Länder= und Schutz=
gebietsanleihen

6% Dtſche. Reichs=
anleihe
von 192
6% Baden Frei=
ſtaat
von 1927.
6% Bah. Freiſta
von 1927 ..
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927.
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927.

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. *+
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
...

2. Stadtanleihen

80 Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24
8% Darmſtdt. v. 20
0 Dresden v. 20
% Frkf. a. M. v. 26
Heidelb. v. 26
Ludwghf. v. 28
Mainz v. 26..
10% Mannh. v. 25
8% Mannh. v. 26
8% Nürnberg v. 26
80 Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 26

3. Pfandbriefe
und Schuld=
verſchreibungen

7% Bad. Gold=
Kom. Anleihev. 26
8% Berl. Hyp.=Bk.
4½%n „ Lig.*
Pfandbriefe.
8% Frkf. Hyp. Bk.
153- „Ba-Bl

RJe
80
81.25
97.5
88

54.75
14.75

95

88

95

89.5
98
93

96.75
93.5
89.
7.1

Frrf. Pfbrfbanke
4½% Gotha Gr.=
Cred. Lig.=Pfbr.
1½% Hamb. Hyp.=
Bk. Lig.=Pfdbr.
8‟ Heſſ. Landesbk.

„
82 Kom. Landes=
bank
. Darmſtadt
8½ Landesbank d.
Rheinprovinz
3½ Landeskr. Kaſſ
% Mein. Hyp. Bk.
% Naſſ. Landesbk.
Pfälz. Hhp. Bk.

D6
„ Lig.
Pfandbriefe
8% Preuß. Ctr.=
Bod.=Cred..
4½% Preuß. Ctr.-
Lig. Pfandbr. . .
8% Preuß. Ctr.
Stadtſchaft.
8% Rheir. Hyp.=Bk
*

4½%n
Lig.
Pfandbriefe.

80 Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit.
4½%
„L.=Pf.
3% Südd. Bod.=
Cred.=Bank .."
4½9
„Lig.”
Pfdbr.
82 Bürtt. öyp.=B.

Dt. Komm. Sam.=Ablöſ.-Anl.
+ Ausl. Ser. I.
Dt. Komm. Sam.=Ablöſ.=Anl.
*Audlof. Ser III

m.5

97.75
93
90

95.25

100
100
94.5
92
98.5
92
97.25
89.5
96. 75
93.5

78

97.2
7811.

2a

A
A

95

51.75

Papiermark=
Pfandbr. und
Kommunal=Dbl.
Frkf. Hyv.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Heſſ. Lds=Hyp.=Bk.
Vorkr.=Pfdbriefe
dgl. Kom.=Obl.
S. 1-16
„ Kom.=Obl.
S. 17-24
Mein. Hyp.=Bank.
Vorkr.=Bfandbr.
Nordd. Grunder.-
Borkr.=Pfdbriefe
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefe
Rh. Hyp.=Bk. Vor=
kr
.=Kom.=Oblig..
Weſtd. Bodencred.,
anſtalt Vorkr.=P

4. Induſtrie=
Obligationen.
8% Dt. Linoleum=
werke
Bln. v. 26
3½ Heſſ. u. Herku=
les
=Brau. v. 26
80 Klöckn=Werke
Berlin v. 26....
100 Kom. Elektr.=
Mark. . . . . . . . .."
7% Mainkrw v. 26
7% Mitteld. Stahl=
werke
von 27...
8½ Neckarſulm v. 26
8% Salzmann & Co.
Kaſſel v. 26...
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 26
7% Ver. Stahlw.
ohne Opt.v. 26

17.n3
13.3
7.36
2.42
14.075
14
13.6
4.6
13.9

95.75

94

94

102.1
88.25

91
88.5

II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz.
5% Badenw. Kohl.

6% Heſſ. Braunk.. Roggenanleihe
5% Heſſ. Bolksſt.
Koggenanleihe. .

90.5

88

21.5

11.9

5% Preuß. Kali=
wertan
eihe ....
5% Preuß. Rogge
wertanleihe .. . ."
5% Sächſ. Rogger
wertanleihe . . .
5% Südd. Feſtw. .. . . . ..."

III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E. B. v.
1914.........
5% Bosn. L.=Inv.=
Anl. v. 1914 ..
4½2 Bosn. v. 02
5% Bulg. Tab. v02
1,6% Griech. v. 90
1 ¼% Griech. Mon.
5½ Mex. inn. (abg.)

6.47
9.3
8.65
2.22

2.5
18.5
57.25
47.5

5%
äuß. „
Goldan=
4½
leihe (abg.)
inn. (abg.)
4½%- Frrig.=
Anl. (abg.)
Tamau=
lipas
(abg.)
4½% Oſt. Schaßz=
anw
. v. 1914
(C. C.=Stücke)..
4% Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke)..
4½% Rum. Gold
von 1913
48 Schweiz. Bds.=
Bahnen v. 1912
49 Türk. Admin.
LSo
1. Bagd.
42
2. Bagd.
4½%
Zollanl.
4½% Ungarn von
1913 CC. C.-St.)
4½% dito von
1914 (C. C.=St.)
4% dito Goldr.
(C. C.=St.)
4% dito von
1910 (C. C.=St.)
4% dito Kron.;
rente (abg.) ...."
2. Stadtauleihen
Budap. v. 14 (abg.)
F Lopenh. v. 01

241.

30.7
14‟1-
96.25

12.75
12.4

25. 2.

1.55
22

4½ Liſſab. v. 1886/ 11.25
4% Stockh. v. 1880/ 98

3. Obligationen v.
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb.
von 1891 ...."
4% Eliſabethbahn
von 1883 .... . . 2.25
4% Lemberg=Czer.
ſteuerpflichtig. . .! 9‟.
4½ Lemberg=Czer.
ſteuerfrei ......! 10
2‟/.0%0 Oſt. Südb.
(Lombard.) . . . . / 15
4% Oſt. Staatsb.v.
1883 .......! 15
3% Raab=Odenbg.
v. 1883 . ... . . .. 18
40 Rudolfb. i. S.
48
„ i. G.
4½% Anatolier I./ 16.5
TV.1. Bank=Aktien
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank. . . . 155
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Bankverein/144.25
Bahr. Hyp.= und
Wechſeibank . . .
Berl. Handelsgeſ..
„ Hypoth.=Bk. .
Comm. u. Privatb./173
Darmſt. u. Nt.=Bk. /233
Deutſche Bank .. . /161.5
Eff.=u. Wechſel=
bank
. . . . . . . . 120.25
Vereinsbank . . /101.5
Diskont.=Geſellſch.. /155.75
Dresdener Bank ../157.25
Frankf. Bk.
1113
Hyp.=Bk. 142.5
Pfdbr.=Bk. 142
Gotha. Grundkr. B./140
Mein. Hyp.=Bank/133
124
Metallbank. .
Mitteld. Creditbk. /205
Nürnb. Vereinsbk. 160
Oſt. Creditanſtalt. . 37.25
Pfälz. Hyp.=Bank/156
Pr. Bod.=Creditbk. /133
Hyp.=-Akt.=Bk./147
Reichsbank=Ant. /186
Rhein. Creditbank 128.7
Hyp.=Bank 183.5

Südd. Bod.Cr.Br.
Disc.=Geſ...
Wiener Bankverein

2. Berkehrs=
unternehmungen

A.=G.f. Verkehrswſ.
Allg. Lokalb.= und
Kraftwagen
Dt. Eiſenb.=Geſ.
70 Dt. Reichsbhn=
Vorzge.
Hapag ...."
Nordd. Lloyd. . . . .
Schantung=Eiſenb
Südb. Eiſenb.=Geſ

3. Induſtrie
Adt. Gebr.
Accum. Berlin. . ."
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleher)
5%0 AEG. Vorzug

AEG. Stamm
Bad. Maſchf.=Durl. /138.1
Bamag=Meguin ../ 26
Baſt Nürnberg
Beck &. Henkel ../ 64
Bergm. El. Werke
Brem.=Beſigh..Hl 62
BrownBoverickCie 1158
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen .../ 92.5
Bürſtenfbr Erlang./ 48
Cementwerke:
Heidelberg.
143
Karlſtadt . . . . . . 175
Lothr. (Karlsr.

141
16.9

186

199.5
153

96.75
1481
148.5

136.25

48

85
7
150.1
235.5

Chem. WerkeAlbert.
Brockhues
Fabrik Milch
Daimler=Benz
Dt Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin
Erdöl".
.
Gold= u. Silb.=Anſtal
„ Linolwerk. Berl
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen .
Dürrwerhe Rating.

111
81.5
38
87.75

121

190
263

124.5
s0

Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn.
Elektr. Licht u. Kraft
Elektr. Liefer.=Geſ.
Elſäſſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft.
Enzing. Unionwke
Eſchw. Bergwerk".
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnerei
Faber, Foh., Bleiſt.
Faber & Schleicher
Fahr, Gebr., Pirm.
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas ......."
„ Hof........
Maſch. Po=
korny
& Wittek.
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
..
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchiner
Grün & Bilfinger.
DafenmühleFranrf
Haid & Neu.
Hammerſen (Osn.
Hanfw. Füſſen ..."
Hanſa=LloydBrem.
Harpener Bergbau
Hartm. & Braun
Henninger, Kempf,
Stern Brauerei.
Heſſen=Naſſau Gas
Heyligenſtaedt
Hilpert Armaturfb
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer.
Hochtief Eſſen
Holzmann Phil. ..
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſel
Inag
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben.
„ Salzdetfurth.
Weſteregeln. .
amgarnſpinn. l211

275
Z=

31.5
Af
48

64
235
62
102
51.25
244

91
150
109

72.5
132

102.9
144:1,

135
48.5

138.25

er
167

75

24.5
88

112
142
80

120
99
91.1

165.5
255
175.

Karſtadt, R.
Ker. Werke Offſtein
Klein, Schanzl. . .
Klöcknerwerke".
Knorr, Heilbronn".
Konſervfabr. Braun
Kraftw. Alt=Württ.
Krauß & Co., Loko.)
Lahmeyer &Co. ..
Lech, Augsburg ...
Lingel, Schuhw.. .
Löhnberger. Mühle
Löwenbr. Münch..
Ludwigshaf. Walz
Lüdenſcheid Metall
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br.. /254
Mannesm. Röhren/144.75
Mansfelb. Bergb..
Mars=Werke. . . . . .
Metallgeſ. Frankft
Miag, Mühlenbau
Moenus Stamm
Motorenfabr. Deutz
Oberurfell 72.4
Münch. Lichtſpielk.
Neckarſ. Fahrzeug.
Neckarw. Eßl. . .. .
Nicolay, Hofbr. ..
Oberbedarf
Oſterr. ApineMon.
Otavi Minen ..
Peters Union Frkf.
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps A.=G.
Phönix Bergbau
Porzellan Weſſel
Reiniger. Gebb. &
Schall

Rh. Braunkohlen.
Elektr. Stamm
Stahlwerke
Rhenania, Kunh.
Riebeck Montan . .
Rütgerswerke
SalzwerkHeilbronr
Schneider & Hanau
Schnellpr. Frankth.
Schöfferhof=Bind.. 1334
Schramm Lackfbr.
Schriftg. Stempel.
ſchuckert Gieftr. . .1165.2

155
105.5

zor

155
17.5

40
308.5
138

118
114.5
114
170.25
139.5
67.25
6
125
53
133
145

45

97

Re
50.5

99.5
28

97

149
150.75
61.25
138.5
98.3
198
46.25
65
122
118.5

ae eree
Weſſel.
Schuhfabr. Herz../ 17.2
Schultz Grünlack..
Schwarz Storchen
Seilindſtr. Wolff. . / 77.5
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske 266.5
Südd. Immobilien
„ Zucker=AG./231.5
Strohſtoff, Ver.,. . 1308
Tellus Bergbau ./110.5
Thür. Lief.=Geſ... . 1112.25
Tucher, Brauerei.
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Verſ. . . . . . ./113
Veithwerke ..
Ver. f. Chem. Ind./ 87.75
deutſch. Olfabr. 68.5
Faßfabr. Caſſell 45
Gummifabrik.
Berlin=Frankf.) —
Königs= und
Laurahütte ..
Pinſelfabriken / 88
„ Stahlwerke
„ Ultramarin .. /137.5
„ Zellſt., Berlin/143
Vgtländ. Maſch.. 67.5
Voigt &. Haeffner 173.5
Voltohm, Seil .../ 70.25
Wayß & Frehtag . 1129
Wegelin Rußfabrik 137
Werger Brauerei. 170
Zellſt. Aſchaffenbg. 167
Memel . . . . 136
Baldhof ... 256.75
Zuckerf. Rheingau.
4. Berſicherungen
Allianz u. Stuttg.)
Verſicherung . . . 270
Frkft. Allg. Verſ..G 174
Frankona Rück= u.
Mitv.
185
Mannh. Verſich. 164
Darmſtädter W rtel
33
Bahnbedarf
Dampfk. Rodberg. —
—
Gebr. Lutz.
Mitoren Darmf idtl 56
Gebr. Aoeber ...."

Vom Holzmarkt ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die rheiniſch=
weſtfäliſchen
Holzhändler haben in letzter Zeit mehrfach zu Ankäufemm
von Stamnnware am oſtdeutſchen Holzmarkt Stellung genommen, undo
es ſind auch größere Abſchlüſſe nach Düſſeldorf, Duisburg, Köln undö
Bielefeld bekannt geworden. Freilich waren die Abſchlüſſe von erheh= Konzeſſionen der Sägewerksbeſitzer abhängig, vor allem wurder
die Lieferung von nur ſtarben Dimenſionen, nicht unter 40 Millimeter.;
bedungen. Auch waren die Anſprüche an die Qualität hoch, Abſchlüſſen
unter einer Garantie von zirka 70 Prozent 1. Klaſſe, waren nahezu uns=
möglich
. Im allgemeinen ſind die Mengen, die nach dem Rhein ven
hauft wurden, erheblich geringer als die vorjährigen, weil häufig, dunch5
ausgiebige Verwendung amerikaniſcher Hölzer die öſtliche Kiefer aus= worden iſt. Das Hobeldielengeſchäft leidet unter der ſchwachenn
Beſchäftigung am Baumarkt. Es werden neuerdings aus Polen großes
Mengen pavallel beſäumter Kiefernbretter für Hobelzwecke angeboten.
und dieſes Material macht dem nordiſchen Holz ſtarke Konkurrenz. Auchh
die Rigaer und Libauer Sägewerke bieten ſtark nach dem Rhein an, ges=
fördert
durch billige Frachten, die zwiſchen 5 und 6 Mark je Kubikmeterr
ohne deutſchen Zoll ſchwanken. Von Libqu wird Stawmware ſeewärts?
in günſtigen Abmeſſungen zum Preife von 100 bis 105 Mark ab Libauy
angeboten, einige Verkäufe nach Düſſeldorf ſind bekannt geworden. In=
Bayern leiden die Sägewerke under Abſatzſchwierigkeiten, ſie ſind zu
kleinen Preisermäßigungen geneigt, trotzdem bei den gezahlten hohen!
Rohholzpreiſen Verluſte drohen. Man beurteilt die weiteven Entwick= am Holzmarkt zurückhaltend und glaubt, die Ver= am Baumarkt zurückhaltend beurteilen zu ſollen, da die Frage=
der
Finanzierung aller Bauvorhaben zum mindeſten noch nicht geklärt:
iſt. Sehr lebhafte Klage wird in der geſamten Holzinduſtrie über die
läſſige Zahlungsweiſe der Abnehmer geführt, und es beſtehen in allen
Betrieben ſtarke Außenſtände, die nur ſchwer hereinzubringen ſind. Die
Ziele werden immer länger, Barzahlungew werden immer ſeltener. Auch
der Erlenmarkt liegt zurzeit ruhig, das Geſchäft in Modellhölzern will
ſich nicht recht entwickeln.
Golo, Schuhfabrik A G., Frankfurt a. M. Die angekündigte Wahr=
ſcheinlichkeit
der Vertagung der a.v. G.V., die über Kapitalserhöhung
um 650 000 RM. auf 2 Millionen RM. beſchließen ſollte, trat durch
Beſchluß des Vorſtandes und A.R. ein, da die Verhandlungen der bei=
den
Aktionärgruppen, von denen Herr Albert Mainz in Firma Roh=
wollehandlung
A. Mainz, Frankfurt a. M., durch die kürzliche Aus=
übung
ſeiner ſeit anderthalb Jahren beſtehenden Option nun etwa 55
Prozent des A.K., und Direktor Heilbrunn von der Geſellſchaft etwa
45 Prozent beſitzt, während etwa 2 Prozent noch an der Börſe ſchwim=
men
, über die Verteilung der neu auszugebenden Aktien untereinander
noch nicht zum Beſchluß gelangt ſind. Wie wir erfahren, handelt es ſich
darum, wer von den beiden Aktionärgruppen die endgültige Majorität
erhalten ſoll. Der o. G.V., die über den Abſchluß 1927, der die Auf=
nahme
der Dividendenzahlung mit 5 oder 6 Prozent vorſieht, beſchließen
wird, ſoll der Antrag auf Kapitalerhöhung erneut unterbreitet werden.
Gedacht iſt an eine Erhöhung auf 2 Millionen RM., doch ſei es mög=
lich
, daß man vielleicht eine weitergehende Erhöhung des Aktienkapitals
vornimmt.
J. G. Farbeninduſtrie, AG., Frankfurt am Main. Wie wir erfah=
ren
, findet die Bilanzſitzung bei der J. G. Faxbeninduſtrie A. G., die
über den Abſchluß für 1997 mit 12 (10) Prozent Dividende zu beſchlie=
ßen
hat, am 25. April in Leverkuſen ſtatt. Die G.V. iſt zum 24. Mai
in Ausſicht genomen.
Norddeutſcher Lloyd Bremen. Die Generalverſammlung des Nord=
deutſchen
Lloyd Bvemen hat beſchloſſen, eine Dividende von 8 Prozent
zu verteilen. Der Vorſitzende bemerkte zu dem vorliegenden Geſchäfts=
bericht
, daß im abgelaufenen Jahr die Flotte erheblich vergrößert wor=
den
ſei und heute noch ca. 138 250 Brr. im Bau ſeien. Ueber die Ver=
wendung
der der Geſellſchaft aus der Freigabe des in Awerika beſchlag=
nahmten
deutſchen Eigentums zufließenden Mittel wevde unter loyaler
Abwägung aller Intereſſen zu beſchließen ſein, wenn ihre Höhe feſtſtehe
und alle damit zuſammenhängenden Fragen geklärt ſeien. Zur Zei=
ſei
die Auswirkung der Freigabeangelegenheit noch nicht mit dem Grade
von Sicherheit zu überſehen, der als Unterlage für weitere Entſchlie=
ßungen
erforderlich wäre.
Ueber die Ausſichten des laufenden Geſchäftsjahres wurde mitge=
teilt
, daß alle Anzeichen darauf hindeuten, daß ſich der Perſonenverkehr
weiter befriedigend geſtalten wird. Im Frachwerkehr iſt auf vielen
Gebieten ein Abfallen feſtzuſtellen. Die Geſellſchaft hofft aber, daß der
vergrößerte Tonnageeinſatz im laufenden Jahre einen Gewinnausgleich
ſchaffen wird.
Direktor Hermann Helms von der Deutſchen Dampfſchiffahrtsgeſell=
ſchaft
„Hanſa” wurde in den Aufſichtsratz neu gewählt. Durch Zuwahl
ſoll, wie der Vorſitzende ausführte, auch nach außen hin das ſeit einer
Reihe von Jahren zwiſchen dem Norddeutſchen Lloyd und der „Hanſa”
beſtehende freundſchaftliche Verhältnis dokumentiert werden. Mit dem
21. März wird Direktor Hermann Bultmann auf ſeinen Wunſch aus
dem Vorſtande ausſcheiden.

ruhi

Bullen,
nd 571 S
mrttes we

t. Brantfarter Kursderichr vonl do. Matz Losd.

Etager

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pr.
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Mummer 87

Dienstag den 27. März 1928

Seite 15

ſe und württembergiſche 31,50— 32,50, Futtergerſte 24—25, Mais mit
n1: 24,75, ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 38—38,25, ſüddeutſches

vurgenmehl 37,75—39,50, Weizenkleie 14,50—14,75.
Frankfurter Produktenbericht vom 26. März. G8 wotierten bei
trer Tendenz je 100 Kg.: Weizen 1. 2,50; Roggen 7,25—27,50;
vrrmergerſte —; Hafer inl. M—R,50; Mais für Futterzwecke 24,25
8: 24,75; dito für andere Zwecke 25—25,25; Weizenmehl ſüdd. 38 bis
„D; Roggenmehl 37,75—38,50; Weizenkleie 14,75; Roggenkleie 15,75
*: 16,2: Erbſen 34—60; Linſen 55—110; Heu ſüdd. 8; Weizen= und
vr genſtroh drahtgepr. 4,50; dito geb. 3,25; Treber getr. 18—18,25. —
in tliche Notierungen für Speiſekartoffeln. Es
utgerten 50 Kg. Induſtrie hieſiger Gegend bei ruchiger Tendenz: 3,50
Br3,60 RM.
Berliner Produktenbericht vom 26. März. Im Berliner Getreide=
„Del bleibt es auch zu Wochenbeginn allgemein recht ruhig. Für
heizen waren die überſeeiſchen Forderungen nicht gleichmäßig, zeigten
h. aber in überwiegendem Maße nachgiebiger, ſo daß bei geringem
matz im Berliner Geſchäft die Samstagsſchlußkurſe ſich nicht behaup=
m
konnten. Auch Roggen, mit Ausnahme des in Deckung gefragten
ſtarztermins, ſchwächer. Im effektiven Handel zeigt ſich Polen weiter
s Käufer. Am Roggenmarkt erſchien heute erſtmalig eine Notiz für
ſei temberlieferung mit 247. Gerſte ſtill, Hafer iſt für den Konſum
zwer zu verkaufen, behält aber laufende Frage nach der Küſte.

Viehmärkte.

Mannheimer Viehmarkt vom 26. März. Zum heutigen Viehmarkt
aren zugeführt und wurden die 50 Kilo Lebendgewicht je nach Klaſſe
eksandelt: 168 Ochſen 30—60, 123 Bullen 32—52, 309 Kühe 26—45, 343
ä ſen 35—61 762 Kälber 52—84, 33 Schafe 42—48, 3930 Schweine 44
is 56, 159 Arbeitspferde pro Stück 900—1700, 65 Schlachtpferde pro
ſtack 40—100. Marktverlauf: Mit Großvieh ruhig, Ueberſtand; mit
älbern lebhaft, ausverkauft; mit Schweinen ruhig, kleiner Ueberſtand;
farde ruhig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 26. März. Der Auftrieb des
eit tigen Hauptmarktes beſtand aus 1522 Rindern (darunter 385 Ochſen,
9Wullen, 671 Kühen, 380 Färſen); ferner aus 553 Kälbern, 75 Schafen
nm 5871 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des letzten Haupt=
nmktes
waren heute 185 Rinder und 20 Kälber mehr angetrieben, wäh=
eißd
85 Schafe und 190 Schweine weniger zum Verkauf ſtanden. Be=
alllt
wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen al) 58—60, a2) 54—57,
1. 50—53, b2) 42—48, Bullen a) 53—55, b) 48—52, c) 44—47; Kühe:
)45—49, b) 40—44, r) 33—39, d) 25—32; Färſen a) 58—62, b) 53—57,
98—52: Kälber: b) 75—81, c) 65—74, d) 56—64; Schafe: a) 52—56,
42—51: Schweine: a) 54—56, b) 55—57, c) 55—57, d) 54—57, e) 50
—4, g) 45—50. Im Vergleich zu den Preiſen vom 19. März gaben
ſturder 1 Mark nach. Gegenüber den Preiſen vom 22. März zogen
Iber eine Mark und Schweine bis zu einer Mark an, während Schafe
uc behauptet blieben. Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schafe ruhig,
uSverkauft; Schweine mittelmäßig, ſchwere ſchwerlich unterzubringen.

Fleiſchgroßmarkt: Ochſenfleiſch 1) 90—100, 2) 80—90, Bullenfleiſch 80
—90, Kuhfleiſch 1) 70—80, 2) 55—65, 3) 35—50; Hammelfleiſch 95—105,
Schweinefleiſch 1) 70—75; Gefrierfleiſch: Rindfleiſch, Vorderviertel 48,
Hinterviertel 58,
Frankfurter Pferdemarkt vom 26. März. Der Frankfurter Pferde=
markt
zeigte einen Auftrieb von 550 Pferden. Der Beſuch ſeitens der
Landwirtſchaft war gering. Beſte Arbeitspferde und Stuten des kalt=
blütigen
Schlages ſowie Kreuzungspferde, Schlachtpferde und Ponnys
ſtanden zum Verkauf, ebenſo zweijährige Kaltblutfohlen. Der Handel
in Pferden war mittelmäßig bei meiſt unveränderten Preiſen; Ge=
brauchspferde
haben i Preis etwas angezogen, desgleichen wurden
Schlachtpferde höher bewertet. Der nächſte Schlachtviehmarkt findet am
23. April ſtatt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chiegao, 26. März. Prib.=Tel.)
Weizen: Der Weizenmarkt zeigte heute ein feſtes Ausſehen autf un=
günſtige
Wetterberichte, Auswinterungsſchäden in Nebraska und Kolo=
rado
und gebeſſerte Exportnachfrage.
Mais; konnte nach ſtetiger Eröffnung weiter anziehen, da die
Feſtigbeit der Lockomärkte, die Abnahme der ſichtbavem Vorräte und
Dechungen anregten.
Roggen litt anfangs unter Abgaben. Auf ermäßigtem Nieau wur=
den
dann Deckungen öſtlicher Firmem vorgenomen. Auch war die
Exportnachfrage reger.
Hafer tendierte zu Wochenbegin ſtetig auf Käufe führender Kom=
miſſionäre
und ungünſtige Wetter= und Sgatenſtanbsberichte.
* New York, 26. März. (Prib.=Tel.)
Baumwolle: Unter Käufen für Liverpooler, kontimentale und New=
Orleaner Rechnung eröffnete der Markt in feſter Haltung. Später trat
teilweiſe Realiſationsneigung ein. Da auuch die Wallſtreetkreiſe Ab=
gaben
vornahmen, konnten ſich die höchſten Tageskurſe nicht halten.
Kaffee konnte anfangs etwas amziehen auf Käufe ud Deckungen
des heimiſchen und euvopäiſchen Handels. Nach vorübergehender Ab=
ſchwächnug
war der Schluß erneut feſt.
Zucker lag überwiegend feſt auf Deckungen ud Amſchaffungen des
Handels im Loko= und Termimware. Im Verlauf ſchritten kubaniſche
Firmmen zu Abgaben.
Es notierten nach Meldungen aus Chicagv am 26. März:
Getreide: Weizen, März 140½, Mai 140, Juli 137½; Mais,
März 98½, Mai 100½, Juli 102½; Hafer, März 57½, Mai 57½,
Juli 51½8; Roggen, März 119½, Mai 119½, Juli 11438.
Schmalz: März 11,50, Mai 11,80, Juli 12,10.
Fleiſch: Mai 11,40, Juli 11,65, Sept. 11,925; Speck loco 14f
leichte Schweine 7,60—8,50, ſchw. Schweine 7,65—8,25; Schweie=
gufuhr
Chicago 70 000, im Weſten 170 000.
Baumwolle: Mai 19,25—19,26, Juli 19,7—19,08.

Es notierten mach Meldungen aus NewYorck am 26. Mänz:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 175½, hart 158½ MMais neu ank.
Ernte 113½; Mehl ſpr. wheat clears 6,60—6,90; Fracht nach
England 1,6—2,6, wach dem Kontinent 9—10 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,75; Talg extra 88.
Kakao: Tendenz: ſtetig, Umſatz in lots 55, loco 13¾4, April
13,48, Mai 13,62, Juni 13,76, Juli 13,87, Auguſt 13,87, Sep=
tember
13,88, Oktober 13,71, Dezember 13,29, Jan. 1929 13,25.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Spareinlagen bei den deutſchen Sparkaſſen haben ſich im Lauſe
des Januar von 4665,4 Millionen RM. auf 5046,2 Mill. RM. erhöht.
Die Giro=, Scheck= und Kontokorrenteinlagen beliefen ſich am 31. Jan.
auf 1218,3 Mill. RM., wozu die ſächſiſchen Giroeinlagen mit 273,6 Mill.
Reichsmark treten. Die entſprechenden Ziffern für Ultimo Dezember
ſind 1148,4 Mill. RM. bzw. 263,1 Mill. RM.
Im Deutſchen Reich wurden im Februar 1928: 12 926 086 To. Stein=
kohlen
(gegen 13 420 540 To. im Januar 1928 und 12 742 699 To. im
Februar 1927) gefördert. Die Gewinnung von Braunkohlen belief ſich
auf 13 418690 (14221885 bzw. 12035754) To. An Koks wurden
2 896 862 (3 045 651 bzw. 2 529 570) To., an Preßkohlen aus Steinkohlen
382 046 (433 184 bzw. 467 217) To. und an Preßkohlen aus Braunkohlen
8 186 162 (3 318 202 bzw. 2947 519) To. produziert.
Wie aus der Wochenüberſicht der Bank von Norwegen hervorgeht,
ſind die Valutabeſtände der Bank um nicht weniger als 24 Millionen
Kronen angewachſen und haben eine Summe von 59,8 Millionen Kr.
erreicht. Dieſe Tatſache wird aller Wahrſcheinlichkeit nach eine Herab=
ſetzung
des Diskonts zur Folge haben.
Wie aus Brüſſel gemeldet wird, iſt in der Frage der Lieferung der
automatiſchen Luftdruckbremſen für Güterwagen inſofern eine Entſchei=
dung
gefallen, als ſich die deutſche Firma Kunze=Knorr und die engliſche
Weſtinghouſe Cy. gemäß dem belgiſchen Vorſchlag in den Auftrag, der
ein Objekt von 202 Mill. Fr. darſtellt, je zur Hälfte teilen.
Die belgiſchen Glasfabriken von Foureault gründeten ein Verkaufs=
kontor
und beſchloſſen, zur Befeſtigung der Preiſe ihre Produktion acht
Monate lang um 20 Prozent einzuſchränken.
Die belgiſche Tariferhöhung — 10 Proz. für Koks und 5 Prozent
für Erz — iſt nunmehr definitiv geworden mit einer kleinen Erleichte=
rung
für die luxemburgiſche Induſtrie.
Wie aus Paris gemeldet wirb, iſt die franzöſiſche Erzeugung in
Kunſtſeide für den größten Teil des zweiten Trimeſters 1928 glatt aus=
verkauft
.
Die Goldeinfuhr nach Frankreich aus England und den Vereinigten
Staaten auf Rechnung der Bank von Frankreich betrug in den Mona=
ten
Dezember, Januar, Februar, teilweiſe März, insgeſamt 23 825 000
Dollar. Hinzu kommt noch die Summe von 15 Millionen Dollar, die
geſtern in Le Havre eingetroffen iſt.

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die die Schilderung zu einer Heſſenchronik im Rahmen des großen Krieges
Gießener Anzeiger.
werden läßt.”
„So gehört das Buch zu den beſien Kulturbildern ſener unſeligen Zeit.
Es iſt aber auch durchweht vom Hauch echten Chriſienglaubens, der ſich
allem Unheil gegenüber behauptet. Nicht nur in Heſſen, nein, auch weit
über ſeine Grenzen hinaus wird das friſch und ſpannend geſchriebene
Deutſches Pfarrblatt.
Buch dankbare Leſer finden.”
„Der gefangene Pfarrer” iſt ein Meiſierſiück geſchichtlicher und poetiſcher
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Ai!

Der Sieg Süddeutſchlands
im Spiegel der Preſſe.
Die geſamte Sport= und Tagespreſſe hat, ſoweit ſie bisher
vorliegt, von dem uns Darmſtädter beſonders bewegenden und
noch lange Zeit in angenehmer Erinnerung bleibenden großen
ſportlichen Ereignis, dem Endſpiel um den Deutſchen Handball=
pokal
, die gebührende Notiz genommen. Einmütig geht die Mei=
nung
dahin, daß es ein ganz großes Spiel war, bei dem zwei
ebenbürtige, fair kämpfende Gegner aufeinandertrafen und in
dem das erfolgreichere Syſtem und die ſtärkere Schußkraft der
Stürmer den Ausſchlag gaben. Der Sieg der Süddeutſchen wird
allgemein als verdient anerkannt. Es dürfte intereſſant ſein, aus=
zugsweiſe
einige Preſſeſtimmen zu bringen. So heißt es im
„Sport=Echo” u. a.:
Berlin hatte in letzter Stunde ſeine Mannſchaft geändert, da der
Polizeiſportverein Bedenken äußerte und aus Furcht vor Verletzungen
und Nachwirkungen für das ausſtehende Entſcheidungsſpiel gegen den
Deutſchen Handballklub befürchtete und einige Spieler nicht ſtellen
wollte. Der Berliner Verband verzichtete daraufhin kurzerhand auf

zuſchauermenge. Atemloſe Spannung, als Berlin den Platz betrat. Die
anfangs in Ausſicht genommenen acht Berliner Poliziſten hatte man der
bekannten Vorgänge wegen in letzter Stunde aus der Elf zurückgezogen.
Das Beſte, was Brandenburg zu ſtellen vermochte, war zur Stelle.
Jeder Einzelne Klaſſe. Unter Führung des Handballvaters Schelenz an
Kampfeseifer und Wille zum Sieg noch in den letzten Miwuten unüber=
trefflich
. Süddeutſchland gelaſſen, mit ſeinen aus vielen, vielen Spielen
als bewährt bekannten Mannen unter Obhut eines Hauptmann Jans
bewußt des ſchweren Spiels. Die Ruhe und Zuverſicht ſelber. Als
Pöthmann=Barmen pfeift, ſtehen 22 Ausewwählte zum großen Schlag
bereit. Hie Brandenburg, hie Süddeutſchland. In einer Stunde. Ein
Rucken, ein Zuchen der einzelnen Körper, wie aus Piſtolen geſchoſſen
ſauſt der Ball genau berechnet von Mann zu Mann. Hier Routine und
Fineſſe, dort Ruhe und Sicherheit. Nur wenige Fehler. Von Anfang
bis zu Ende ein Spiel der Meiſter in wahrem Sinne des Wor=
tes
. Wer es nicht geſchaut als Sportsmann, hat viel
verſäumt. Es dauerte ein Weilchen, bis ſich beide Mannſchaften zu=
rechtfanden
und dann lief eine Maſchine wie am Schnürchen, Süddeutſch=
land
in allen Teilen überlegen. Die fünf Darmſtädter Stürmer, Ben=
der
im Tor und die Hintermannſchaft zeigten Prachtleiſtungen.”
In der „Frankfurter Ztg.” heißt es: „Das Endſpiel um den Pokal
der D. S. B. brachte der Süddeutſchen Mamnſchaft und damit dem geſam=
tei
Süddeutſchen Handball einen glänzenden Erfolg. Brandenburg, oder
beſſer geſagt, Berlin, konnte gegen die ſich ganz hervorragend ſchlagende
Mannſchaft des Südens nicht aufkommen und mußte eine ſchwere Nie=

Die ſüddeutſche Handball=Mannſchaft

ſämtliche Spieler der Polizei und entſandte eine Mannſchaft, die ſich in
der Hauptſache auf den Bezwinger der Poliziſten, den Deutſchen Hand=
ballklub
gründete. Die Berliner Preſſe und die Begleiter der Mann=
ſchaft
bezeichneten dieſe Garnitr als teilweiſe beſſer als die vorherige
und damit entfiele der einzige Grund, nach welchem man den füddeut=
ſchen
Sieg ſchmälern könnte. Dennoch muß auf Grund eigener Anſchau=
ung
geſagt werden, daß der Sturm der Berliner Polizei, wie ihn der
Schreiber dieſer Zeilen in Erinnerung hat, beſſer gegen Süddeutſchland
abgeſchnitten hätte, und auch die berühmte Läuferreihe hätte den ſüd=
deutſchen
Sturm kaum zu dreizehn Toven kommen laſſen. Aber auch die
andere Garnitur hätte nicht verhindert, daß Süddeutſchland gewonnen
hätte und das iſt der wichtigſte Faktor des Spieles. Gramſch ging der
Ruf eines Klaſſetorhüters voraus. Er konnte dieſen nur zeitweiſe recht=
fertigen
, machte ſonſt einen etwas unſicheren Eindruck. Er war aller=
digs
dem größten Teile der ganz raffiniert erzielten ſüddeutſchen Tore
gegenüber machtlos. Die Verteidigung verſuchte zwar, gut zu decken,
wußte aber mit dem dauernden Stellungswechſel und der einfach kunſt=
vollen
Ballbehandlung des Darmſtädter Sturmes nichts anzufangen. Sie
war gleichfalls an den Toren ſchuldlos. Weniger unſchuldig war die
Läuferreihe, die vor allen Dingen erſt fünf Minuten vor Schluß er=
kannte
, daß alle ſüddeutſchen Angriffe über Werner eingeleitet wurden
und dieſen erſt dann abdeckte. Lediglich Preuß konnte hier gefallen. Der
Berliner Sturm ſpielte tadellos zuſammen und ſchoß auch fehr viel und
ſcharf. Er hatte aber gegen einen Rieſenwiderſtand anzukämpfen, und
das war einmal die ſüddeutſche Verteidigung und der Schwanheimer
Bender, der einen Glanztag hatte. Im Zuſammenſpiel war die Ber=
liner
Mannſchaft den Süddeutſchen über, es fehlte jedoch die letzte Ener=
gie
und der letzte Schwung vor dem Tore. Daran konute auch ein
Schelenz nichts ändern, der trotz ſeiner 38 Lenze der weitaus beſte Spie=
ler
der Mannſchaft war.
Süddeutſchland gefiel auf der ganzen Linie. Ganz groß waren die
Leiſtungen des Darmſtädter Sturms und des Torhüters Bender. Die
Fünferreihe des ſüddeutſchen Meiſters lieferte ihr beſtes Spiel und be=
ſonders
iſt die Uneigennützigkeit Werners zu loben, der immer als vier=
ter
Läufer aushalf und die Verbindung zwiſchen Sturm und Hinter=
mannſchaft
ausfüllte. Hennemann und Dietz warew ganz groß in
Form, während Fiedler ſolch gute Bedeckung gefunden hatte, daß er
nach eigener Ausſage „vom Freiſtellen müde wurde‟. Jans war etwas
weniger behendig als ſonſt, aber unbedingt der geiſtige Führer des
Sturms und der ungenannte Urheber ſo mancher der vielen ſüddeut=
ſchen
Tore. Die anfangs zu wenig Optimismus veranlaſſende Läufer=
reihe
enttäuſchte nach der angenehmen Seite. Alle drei Spieleu und
beſonders Böhm und Voß wanen ganz großartig auf dem Poſten. Die
Verteidigung Roſen=Reuter hatte gleichfalls einen guten Tag und Ben=
der
war diesmal über alles Lob erhaben. Seine Leiſtung war einfach
übernagend und wenn der Berliner Sturm „nur” ſecks Tore erzielte,
ſo hat die ſüddeutſche Mannſchaft dies in allererſter Linie Bender zu
danken. Er hat damit bewieſen, daß ſeine Aufſtellung in der ſüddeut=
ſchen
Mannſchaft bein Fehler war, und daß man ſich auf ihn verlaſſen
kann.
Heum Pöthmaun=Barmen ging der Ruf eines erſtklaſſigen Schieds=
richters
voraus. Man muß ihm zugeſtehen, daß er dieſen Ruf reſtlos
vechtfertigte. Er hatte das Treffen jederzeit in der Haud und in erſter
Linie iſt es ihm zu danken, daß ſich beide Mannſchaften einen wirklich
ritterlichen Kampf leiſteten. Auch das Darmſtädter Publi=
kum
, das gegenüber den Schiedsrichterleiſtungen
ſehr anſpruchsvoll iſt (aus gutem Grund. Red.), war mit ihm
zufrieden und bewies dies am beſten nach dem Spiele, als es in den
Dank des Spielwartes Burmeiſter, den dieſer dem Schiedsrichter mit
einem Sportruf abſtattete, begeiſtert einſtimmte.
In der Geſchichte des ſüddeutſchen Handballfportes wird der 25.
März 1928 ein Ruhmestag bleiben und wir wollen mm als Endeffekt
hoffen, daß es nicht nur einer ſüddeutſchen Auswahlmannſchaft, ſon=
dern
auch dem ſüddeutſchen Meiſter gelingen möge, gegen die Großen
des Reiches ehrenvoll zu beſtehen und (man berzeihe die Unbeſcheiden=
heit
, die der noch vorhandenen Begeiſterung entſpricht) auch den Titel
des „Deutſchen Meiſters” nach Süddeutſchland bringt.
Die „M.S.3.‟: „Ein echter Frühlingstag! Eine begeiſterte Zu=
ſhruermenge
! Ein prächtiges Spiel! Ein herrlicher, überlegener Sieg
Süddeutſchlands. Dieſe äußeren Merkmale gaben dem Sportplatz am
Göllenfalltor am geſtrigen Sonntag das Gepräge. Darmſtadt
reigte lich würdig, große Ereigniſſe in ſeinen
Mauern aufzuziehen. Der heſſiſche Innenminiſter Leuſchner
i Vertvetung des Staatspräſidenten. Obeubürgermeiſter Dr. Gläſſing,
ſie Büirgermeiſter Mueller und Ritſert, dazu eine weitere größere An=
dachl
von Prominenten inmitten einer über 7000 zählenden Rekord=

derlage hinnehmen, wie ſie bisher in der Geſchichte des Berliner Hand=
balls
noch nicht zu verzeichnen war. Damit dürfte nun wohl endgültig
die Vorherrſchaft, die die Reichshauptſtadt bisher im Handball beſaß,
verlonen gegangen ſei. Die Verſchiedenheit der angewandten Syſteme
brachte dem Süden den Erfolg. Während Schelenz, der Sturmführer
der Reichshauptſtädter und geiſtige Vater des Handballſpiels überhaupt,
ſchaft in erſter Liwie ihr Augenmerk auf gute und auch zahlenmäßig
ſtarke Verteidigung. Die Läufer waren ſtets vor dem Tor, wenn es
galt, einem Angriff abzuwehren, unterſtützten aber auch den eigenen
Sturm wirkungsvoll, der übrigens in einer ganz erſtklaſſigen Verfaſſung
war und von Jas, dem erfolgreichen ſüddeutſchen Sturmführer, her=
vorragend
geführt wurde. In dieſem Zweikampf zweier Sturmreihen
blieb der Süden überlegener Sieger. Das wundepbar ausgeprägte
Schußvermögen der fünf Darmſtädter rief wahre Begeiſterung der
6000 Zuſchauer hervor.”
Aus Berlin
erhalten wir folgenden Drahtbericht:
* Ueber dem Fußballſpiel Paris—Berlin und dem Reit= und Fahr= einen anderen Fahrer aufgefahren und mit dem Kopf auf einen Bond=
turnier
im Berliner Sportpalaſt, das ſich in Berlin beſonderer Beliebt=
heit
erfreut, iſt das Handballſpiel Süddeutſchland. Ber=
lin
etvas ſchlecht weggekommen. Nur ein Teil der Berliner Preſſe
nimmt bis jetzt von dem Kampf Notiz. Dieſer Teil aber drückt über=
einſtimmend
hohes Lob und uneingeſchränkte Anerkennung für das von
den Süddeutſchen gelieferte Spiel aus. Weil Berlin den Gegner rich=
tig
einſchätzte, ſeine Stärke würdigte, erſcheint den Sportkreiſen die
Niederlage der Berliner ehrenboll.
Die „B. Z3. a. M.” ſchreibt dazu: „Berlin galt als Favorit, wurde
jedoch von Süddeutſchland mit 13:6 (7:4) nach einer prachtvollen
Leiſtung des Siegers geſchlagen. Als der tadellos amtierende Schieds=
richter
Pöthmann das Zeichen zum Beginn gegeben hatte, offenbarte
ſich ſogleich der außerordentliche Siegeswille des Südens vom Fleck weg.
Beſonders der linke Flügel war es, der mit eminenter Wucht vorſtieß.
Dietz und Hennemann kamen auch ſofort mit zwei Toven. Berlins An=
griff
war zerriſſen. Es ſtellten ſich bei der Berliner Elf wiederholt Un=
ſicherheiten
bei Gramſch im Tor und dem Erſatzläufer Stamm ein, ſo
daß die Ausſicht auf gute Erfolge gegen die ſüddeutſche Vertretung bald
erledigt zuar. Dennoch kämpften die Berliner unverdroſſen; doch der
ſtauke Gegner ließ ſich wohl bedrängen, aber ernſtlich in keiner Minute
in Gefahr bringen. Nachdem Heine den Stand von 2:0 mit ſcharfem
Schuß auf 2:1 herabgemindert hatte, folgten weitere Tore Zug um Zug.
Der Süden war aber in allen Angriffen ſtets etwas raffinierter und ag=
greſſüber
, und ſo führte er bei Seitenwechſel ſicher mit 7:4. Den Wieder=
beginn
erwvartete man mit Spannung. Galt es für den Süden hier
ſeine Poſition zu befeſtigen, ſo war für Berlin immer noch die Mög=
lichkeit
vorhanden, wie ſchon ſo oft, durch verſtüärkte Offenſive das Schick=
ſal
zu wenden. Beinahe ſchien es auch ſo kommen zu ſollen. Der
fünfte Berliner Treffer fiel, aber die Wendung trat nicht ein. Die Süd=
deutſchen
dominieren weiter. Berlin hat ſchwere Arbeit in der Deckung
zu leiſten, kann aber die Tore der Süddeutſchen nicht hindern. Unter
guter Führung des Mittelſtürmers Jans dringt der Sturm des Sp.=
Vereins 98 Darmſtadt mit guten Vorlagen der famoſen Läufer immer
wieder durch und ſchraubt die Torzahl höher und höher.”
Nach dem Beecht der „Deutſchen Tageszeitung” hat Süd=
deutſchland
den Flücklichen Ausgang des Spiels in erſter Linie der her=
vorragenden
Arbeit ſeines Torwartes Beuder zu verdanten, während
die „Voſſiſche Zeitung” darauf verweiſt, daß „das füddeutſche
Syſtem — weitmaſchig mit ſteilen Vorlagen — dem Berliner Syſtem der
Ueberkombination erheblich überlegen geweſen” ſei.
Das „Berliner Tageblatt” meldet: „Die Auswahlmann=
ſchaft
des Verbandes Brandenburgiſcher Athletikvereine erlitt in Darm=
ſtadt
gegen die ſüddeutſche Elf eine ſchwere Niederlage. Vor ungefähr
8000 Zuſchauern ſtanden ſich dieſe beiden beſten deutſchen Verbandsmann=
ſchaften
im Endſpiel um den Handballpukal der D. S.B. gegenüber, der
zum dritten Male vergeben wurde. Wie vorausgeſagt, entſchied der
Sturm der Süddeutſchen den Kampf. Jans verſorgte in vorbildlicher
Weiſe die Außenſtürmer, denen die Berliner Läufer nicht gewachſen
waren. Zudem war Gramſch im Tor recht unſicher und auch Stagge als
Verteidiger erreichte nicht ſeine Berliner Leiſtungen. Die Süddeutſchen
waren trotz der vielen neuen Kräfte glänzend eingeſpielt und vollbrach=
ten
mit ihren temperamentvollen Angriffen und der ſicheren Abwehr=
arbeit
eine vorzügliche Leiſtung, die auch eine andere Berliner Ver=
tretung
nicht erreicht hätte. — Bei leichter Ueberlegenheit erzielten die

Süddeutſchen im Feldſpiel zwei Tore, denen die Berliner durch Heine
einen Treffer entgegenſetzten. Der Gegner blieb jedoch weiter in Front,
Bis zur Pauſe hatte er einen 7:4 Vorſprung hevausgeholt. Nach dem
Seitenwechſel drängten die Berliner mit aller Kraft. Zwei Tore waren
die Ausbeute, während die Stürmer des Südens noch ſechsmal erfolg=
reich
waren und mit 13:6 einen in der Torzahl vielleicht nicht dem wah=
ren
Verhältnis entſprechenden, mindeſtens aber vollauf verdienten Sieg
errangen.”
Fußball.
Liga=Reſerve Sprendlingen — Groß=Zimmern 1. Mannſch. 2:5.
Groß=Zimmern weilte am Sonntag beim FV. Sprendlingen und
konnte einen einwandfreien Sieg von 5:2 mit nach Hauſe nehmen. Trotz=
dem
Groß=Zimmern mit 3 Mann Erſatz antreten mußte, war es in
der Lage, Sprendlingen auf eigenem Platze obige Niederlage beizu=
bringen
. Eckenverhältnis 8:2 für Groß=Zimmern. Nach dauernd über=
legenem
Spiel lagen die Gäſte bei Halbzeit mit 3:1 in Führung. In
der zweiten Halbzeit konnten ſie das Reſultat auf 5:2 erhöhen. Drei
Abſeitstore wurden der führenden Mannſchaft nicht gegeben.
Rot=Weiß 1. — Sportv. Höchft i. O. 1. 4:0, Ecken 8:2.
Infolge plötzlicher Krankheit des Mittelſtürmers und Mittelläufers
war Rot=Weiß gezwungen, zu dieſem Spiel mit Erſatz anzutreten. Der
Ausfall dieſer beiden Spieler machte ſich auch während des ganzen Spie=
les
bemerkbar. Die erſten 15 Minuten lieferten ſich beide Mannſchaften
ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Bei einem Vorſtoß erzwingt Rot=
Weiß ſeine erſte Ecke, die aber nichts einbringt. In der 18. Minute
geht Rot=Weiß nach ſchöner Kombination in Führung. Leider bringen
weitere Vorſtöße immer nur Echen, die aber nicht ausgenutzt werden.
Mit 2:0 für Rot=Weiß geht es in die Pauſe. Nach Halbzeit erſcheint
Not=Weiß in veränderter Aufſtellung, was ſich auch bewährte. Nach
ſchöner Flanke von links fällt auch bald der dritte Treffer. Jetzt wird
Not=Weiß tonangebend und wären bei normaler Aufſtellung zweifellos
mehr Tore erzielt worden. In der 70. Minute fällt dann noch das
vierte Tor nach ſchön getretener Flanke von rechts. Die letzten zehn
Minuten müſſen die Nothoſen ſich auf 10 Mann beſchränken, da der
rechte Läufer infolge Verletzung ausſcheidet. Daß in dieſer Zeit Höchſt
zu keinem Erfolg kam, iſt allein das Verdienſt des heute in glänzender
Form befindlichen liken Verteidigers, der alle Angriffe des Geguers
zunichte machte. Der Torwart hielt ebenfalls ſehr ſicher.
Höchſt ſtellte eine körperlich kräftige und fleißig arbeitende Mann=
ſchaft
. Den Stürmern fehlte jedoch das verſtändnisvolle Zuſammenſpiel
und waren daher keine Erfolge zu verzeichnen. Auch der Torwart war
manchmal ſehr unſicher. An den Toren ſelbſt trifft ihn keine Schud.
Der Schiedsrichter, Herr Feigk vom Sportverein, war dem Spiel ein
ſehr gerechter Leiter.
Kegeln.
Keglerverband Darmſtadt und Umgebung.
Zu dem geſtrigen Berichte über die Bezirksmeiſterſchaftskämpfe iſt
noch nachzutragen, daß mit dieſem Kegeln ein Preiskegeln verbunden
war. Hierbei errang Kegelbruder Becher vom Verbande Darmſtadt den
dritten Preis mit 2 Holz bei vier Kugeln.
Tennis.
Dabispokalkampf Deutſchland — Griechenland.
Die deutſche Mannſchaft aufgeſtellt.
Die deutſchen Davispokalſpieler ſollen in dieſem Jahre in
Uebungsſpielen einer beſonders ſorgfältigen Vorbereitung
unterzogen werden. Dieſe Uebungsſpiele dürften einerſeits bei
dem frühzeitigen Beginn der diesjährigen Davispokalkäupfe
den Spielern Gelegenheit zu ſcharfen Trainingskämpfen gegen
gleichwertige Spieler geben, andererſeits aber auch dem Wett=
kampfausſchuß
des Deutſchen Tennis=Bundes wertvolle Auf=
ſchlüſſe
über die Spielſtärke der einzelnen Leute geben. Die
erſten Uebungsſpiele, ſollen an den Oſtertagen, vom 7. bis
9. April in Berlin ſtattfinden. Zur Teilnahme aufgefordert
mit techniſch wohl glänzenden, aber nicht auf Grfolg eingeſtellten An= wurden Froitzheim, Bergmann, Dr. Buß, Dr. Kleinſchroth, Or.
griffen aubeitete, wobei die Läuferreihe viel zu wemig auf die Abwehr. Landmann, Moldenhauer, Prenn, Hartz und Kreutzer. — Für
bedacht war und faſt nur am Sturm klebte, legte die ſüddeutſche Mann= die erſte Pokalrunde, die Deutſchland in den Tagen vom 4. bis
6. Mai mit Griechenland zuſammenbringt, hat der Wettkampf=
ausſchuß
des Bundes die folgenden Spieler nominiert: in den
Einzelſpielen: Froitzheim und Dr. Buß, für das Doppel=
ſpiel
: Dr. Buß/Kleinſchroth. Erſatzmann iſt Prenn. —
Ueber die Frage des Austragsorts ſchweben mit Griechenland
noch Verhandlungen.
Tödlicher Unfall bei der AOAC.=Länderfahrt.
Bei der ADAC.=Länderfahrt iſt am Montag morgen, zwei Kilometer
von Meppen, der Motorradfahrer Eugen Huttenlocher aus Eßlingen auf
ſtein aufgeſchlagen. Er war ſofort tot, der Beifahrer blieb unverletzt,

Die Aufnahme Deutſchlands, in den Internationalen Hockehbund
wurde am Sonntag in Paris vollzogen.
Weltmeiſter Genee Tunney hat ſich bereit erklärt, Anfang Juli in
New York ſeinen Titel gegen den Auſtvalier Heeney zu verteidigen.
Wetterbericht.
Das über Frankreich lagernde Tiefdruckgebiet hat ſich durch den
Zuſtrom kühler Luftmaſſen aufgefüllt und nach Italien hin verlagert.
Unter weiterem Luftdruckanſtieg iſt für morgen mit auſheiterndem und
trockenem Wetter zu rechnen.
Ausſichten für Dienstag, den 27. März: Neblig=wolkig mit Aufheiterung,
Temperaturen wenig verändert, trocken.
Ausſichten für Mittwoch, den 28. März: Zeitweiſe bewöllkt, weiterhin
mild und meiſt trocken.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:

Ort: Wetter: Temp.
in Ce Wind: Mite He
ſchlag
in mm decke
in cm Gießen: wolkig Aachen: Nebel NNO, Hamburg: heiter ONO, Berlin: wolkig ONO, München: wolkig WNW!. Königsberg: wolkig OSO. Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen t: Feldberg:
(Taunus) Nebel NO. Waſſerkuppe: wolkig NO. Feldberg:
(Schwarzw.) Nebek N0o Zugſpitze: Nebel Kahler Aſten: Fichtelberg: Nebel

Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich u
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei; für Sport: Dr. Eugen Buhlman=
für
den Handel: Dr. C. 8. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer:
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willy Kuhle: Orl
und Verlag: C. C. Wlitich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

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Dienstag, den 27. März 1928
Seite 17

Jachfrage
gältigende
Übel
Nen eie
Neen
Ra
1 für die
E

Uber 1 Million Wagen in 30
Aagen bestellt — das war ein
Rekord, den wir nicht voraus=
sehen
konnten. Unsere Werk=
stätten
sind die größten der
Welt, aber die Leistung kann
nur allmählich dieser enormen
Nachtrage folgen.
Wir könnten schncller und
mehr licfern, wenn nicht
unser ganzes Streben auf
hohe Qualität gerichtet
wärc.
Unser Ziel bleibt unverändert:
Millionen von Menschen zu
mäßigem Preis den Wagen des
Millionärs zu geben.
Wer wirtschaftlich denkt,
wird nur Ford wählen.
E8 Wär Stets Henry Förds
Politik, mehr zu halten, als er
versprach, und wir können be=
weisen
, daß der neue Ford noch
besser ist, als wir ihn schildern.
Gehen Sie zu einem Ford=
händler
und verlangen Sie eine
Probefahrt -auf der Rennbahn
oder in rauhem Gelände. Sie
werden Erstaunliches erleben.
Über 100 km in der Stunde
mit vollbesetztem Wagen.
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um die Wette tahren, die das

Wielfache eines Ford kosten.
Mit dem 40 PS Ford können
Sie nicht nur anfahren, wie mit
einem 100 PS Wagen, sondern
auch die Straße halten wie mit
einem Wagen ganz schwerer
Klasse.
Die Bremsen bringen ihn selbst
aus höchster Geschwindigkeit
unglaublich schnell und sanft
zum Stehen. Und wenn Sie
nach beendeter Fahrt fest=
stellen
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PS Wagen nur
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auf 100 km
verbraucht haben, dann werden
Sie sich wundern, daß es wirk=
lich
einen Wagen dieser Preis=
klasse
gibt, der so vollkommen
die Kraft der großen Wagen
mit der Wirtschaftlichkeit und
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Geite 18

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In der Inſzenierung von Ernſt Legal
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Mitwirkende: V5612
Anna Jacobs, Paula Kapper, Ellen Kies=
ling
, Martha Liebel, Roſe Merker, Grete
Penſe, Annie von Stoſch=Lübeck als Gaſt,
Käthe Walter, Sitta Müller=Wiſchin, Leo
Barczinſki, Johannes Biſchoff, Guſtav
Deharde, Oscar Grauert, Al red Karen
Joſef Poerner, Eugen Vogt
Spielwart: Fritz Wilde
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Unte

[ ← ][  ][ → ]

Nummer 82

Dienstag, den 27. März 1928

Geite 19

Win Sürstin Tamans

Roman von P. van der Hurk.
(Nachdruck verboten)

Sie war froh, als der Zug ſich in Bewegung ſetzte und atmete
afft auf, als die letzten Fabrikſchornſteine und Rauchtürme und
c ließlich die Kleinſiedlungen und Laubenkolonien, Berlins
mßerſte Vorpoſten, ihrem Blick entflohen waren.
— Was tat ſie? — Eigentlich noch nichts! —
Mit dieſem Gedanken verſuchte ſie ſich zu beruhigen.
Nach tagelanger Unentſchloſſenheit und vielen ſchlafloſen
Näichten war ſie endlich die zwei Treppen zum Atelier von Baron
Kemp hinaufgeſtiegen, in der Abſicht, ihm ihre Begegnung mit
hwothe mitzuteilen und ihn um Hilfe zu bitten, zu deſſen Be=
meiung
.
Sie hatte ſich ihre Worte genau zurechtgelegt und oft genug
näederholt, um ſie fließend herſagen zu können. Aber als ſie oben
nrar, hatte ſie alles vergeſſen und erſchrak über den ſchrillen Ton
der Glocke, die ſie kaum berührt hatte. Während die ſchlürfenden
Schritte der alten Marie näher kamen, ſtand ſie im Zweifel, ob
ſie nicht beſſer wieder hinuntergehen ſollte.
„Ich bin Frau Doktor Jürgens vom 2. Stock — — iſt Baron
semp vielleicht zu Hauſe?” fragte ſie mit feſter Stimme.
„Der Herr Baron iſt ſeit geſtern abend verreiſt, gnädige
7rau” antwortete Marie mit einigem Erſtaunen.
„Wiſſen Sie ſeine Adreſſe?”
„Er hat ſie aufgeſchrieben — — einen Augenblick!”
Utta mußte vor der Tür ſtehen bleiben: denn Marie hatte
ten ſtrikten Auftrag, niemanden hereinzulaſſen, und es dauerte
ſrnige Zeit, bevor ſie mit dem Zettel zurückkam.
„Die Adreſſe iſt Grand=Hotel, Scheveningen, gnädige Frau!”
„Danke ſehr.”
Sie kam zu ſpät. Seit einem Tage war er verreiſt. Sollte ſie
icm ſchreiben? — Nein, ſie mußte ihn fprechen — ſie mußte end=
ſEch
etwas unternehmen. Wenn ſie nur einiges über Rothes
Schickfal hätte erfahren können. Sie wußte weiter nichts, als daß
ſa in Haft ſaß und im Verdacht ſtand, ein Bild geſtohlen zu haben.
In der Nacht war ihr die Idee gekommen, nach Schevenin=
ſen
zu fahren und Kemp aufzuſuchen. Sie fingierte ein Tele=
ſramm
von ihrer Mutter
— — und nun ſaß ſie im D=Zug
Berlin—Frankfurt, war nachmittags bei ihrer Mutter — von
Soo aus ſie einen Brief an ihren Mann ſchreiben wollte — und
konnte abends in Kaſſel ſein, um von dort aus den Nachtzug
nach Holland zu nehmen. Sie hatte ſich die Züge im Reiſebüro
genau aufſchreiben laſſen, und wenn alles glatt ging, war ſie am
andern Morgen in Scheveningen.
Nach ſiebenjähriger Erfahrung wußte ſie, daß ihr Mann auf
hren Brief nicht antworten und ſich die erſten 14 Tage nicht um
ſie kümmern würde.
Man mußte ihr zugeſtehen, daß ſie, trotz des Mangels an
Erfahrungen in ſolchen Dingen, ſich einen geſchickten Plan aus=
gedacht
hatte. Nur hatte ſie nicht daran gedacht, daß Mütter
Inſtinkte haben, daß ſie ihren Töchtern an der Naſenſpitze an=
Fehen, was anderen verborgen bleibt; daß ſie zwiſchen den Zei=
Cen leſen und zwiſchen den Worten hören und daß man ihnen
einen unverhofften Beſuch auf der Durchreiſe vortäuſchen kann,

wenn weniger die kindliche Zuneigung als eine beſtimmte Ab=
ſicht
hierzu die Veranlaſſung war.
„Wo ſährſt du denn hin?” fragte die Mutter. „Nach Sche=
deningen
."
— — „Warum denn nach Scheveningen, warum
nicht nach Swinemünde oder Heringsdorf oder Rügen; das
wäre viel näher und viel billiger.
Und warum fährt
Herbert nicht mit?"
„Er hat keine Zeit.”
„Warum warteſt du nicht, bis er Ferien hat?”
„Weil ich keine Luſt habe, zu warten.”
„So —
Als ſie wieder allein war, dachte die alte Dame: — Was
ſind das für Ehen? — — Die Frauen fahren in der Welt herum
und die Männer ſagen ja und amen dazu!
Sie ſeufzte. Und während ſie ſich ins Bett legte, dachte ſie;
Da ſtimmt etwas nicht — — da iſt noch etwas, das ich nicht
wiſſen darf. —
Utta kam gerade an dem Nachmittag in Scheveningen an,
als Fürſtin Samaroff und Baron Kemp nach Amſterdam gefah=
ren
waren. Sie fühlte ſich unſicher; denn ſie hatte nie eine große
Reiſe gemacht. Außerdem war ſie im Ausland, und obwohl die
Hotelangeſtellten fließend Deutſch ſprachen, hörte ſie doch rings=
herum
eine Sprache, von der ſie, ſo wenig fremd ſie ihr vorkam,
doch kaum ein Wort verſtand.
Als ihr Gepäck — ein Schrankkoffer, ein Rohrplattenkoffer,
zwei Handtaſchen und eine Hutſchachtel — heraufgebracht wurde,
fiel es ihr auf, daß ſie eine Ausrüſtung für den ganzen Sommer
mitgebracht hatte.
Sie wußte eigentlich nicht, warum; denn ſie wollte nur ein
paar Tage fortbleiben, um Gelegenheit zu haben, mit Baron
Kemp zu ſprechen. Aber wenn es ihr in Scheveningen gut gefiel,
konnte ſie länger bleiben, und wenn Kemp abgefahren war,
mußte ſie ihm nachreiſen.
Sie hatte ſich nichts dabei gedacht, als ſie die vielen Koffer
einpacken ließ. Sie hatte es ſich nur zur Aufgabe gemacht, Erich
Nothe aus dem Gefängnis zu retten. Aber, wenn ſie ehrlich
war, erhoffte ſie viel mehr von dieſer Reiſe, und wenn ſie die
Hand auf ihr verliebtes Herz legte, mußte ſie ſich eingeſtehen,
daß ſie einfach ausgerückt war.
„Wollen Sie mir nicht ſagen, Fürſtin, was Sie ſo furchtbar
verſtimmt hat”, fragte Kemp, als er mit Tatjana nach Scheve=
ningen
zurückfuhr.
Sie gab keine Antwort, aber Tränen ſtanden in ihren
Augen.
— Perlen bedeuten Tränen —, dachte ſie, — vielleicht iſt es
gut, daß ich ſie endgültig verloren habe — — — endgültig —
nein — er hat ſie noch und wird ſie mir eines Tages geben.

—bet Erkältungscnzeichen
rheumatischen Schmerzen,
m allen Apotheken erhäktlich.

Mit dieſen Perlen will er mich an ſich ketten — — aber ich will
endlich frei ſein — — ſei es auch ohne die Perlen. —
Die letzten Worte hatte ſie ſo laut vor ſich hingefagt, daß
Kemp ſie verſtanden hatte.
fragte er.
„Perlen—
Und ſie log, um nicht mißtrauiſch zu erſcheinen:
„Ich hatte eine ſehr wertvolle Perlenkette, — — — mein
Bruder hat ſie mitgenommen und wird ſie wohl verkaufen
wollen.”
„Aber es gibt doch mehr als eine Perlenkette”, tröſtete er
und verſprach ihr im ſtillen als Brautgeſchenk eine neue. Seine
Gedanken leiſe ahnend, ſah ſie ihn mit einem zärtlichen Blick an:
„Dieſe Kette gibt es nur einmal, ſie iſt ſchwer zu erſetzen.”
Sie hatte wieder die feuchtſchimmernden Augen und den
traurig verſchloſſenen Mund. Kemp vergaß den Anlaß, die ver=
lorene
Perlenkette, und ſah wieder ſeine Madonna.
Es war ein herrlicher Sommerabend. Die Sonne ſtand wie
eine übergroße Scheibe vorſchriftsmäßig neben einem Kirchturm,
und der Himmel war ſo roſa, daß man an eine bunte Anſichts=
karte
erinnert wurde. Die Natur war in dieſer Stunde im
höchſten Maße kitſchig, und Baron Kemp, der nicht nur ein
Maler, ſondern auch ein Mann von auserleſenem Geſchmack
war, hätte dieſe Empfindung auch gehabt, wenn er nicht raſend
verliebt geweſen wäre.
Verliebtſein iſt eine Krankheit, die eine narkotiſche Wirkung
auf unſer kritiſches Empfinden ausübt; und nicht allein in bezug
auf das Obfekt unſerer Leidenſchaft.
So blieb denn auch die vorübergleitende Wieſenlandſchaft
mit der rotgelben Scheibe neben dem Kirchturm, dem blauroſa
Himmel und den obligaten Silberwölkchen auf ihn nicht ohne
romantiſchen Einfluß.
Kemp lehnte ſich aus dem Fenſter, um ſich dann unauffällig
ſtatt auf ſeinen alten Platz neben Tatjana ſetzen zu können.
„Tatjana”, ſagte er — natürlich flüſternd, obwohl ſie allein
im Coupé ſaßen — „Tatjana, Ihr Bruder iſt weit weg, Sie ſind
ganz allein und ohne jeden Schutz — — — darf ich die Stelle
Ihres Bruders einnehmen — —
Der kleine Amor, der ſchon ſeinen Pfeil gezückt hatte, be=
kam
einen Lachkrampf und hatte Mühe, ſich eine Tür weiter zu
verfügen. Dort ſaß neben einem jungen Mädchen mit Som=
merſproſſen
ein Student aus Delft, von dem Kemp etwas hätte
lernen können.
Der Student hatte für ſein letztes Geld zwei Billetts erſter
Flaſſe gelöſt, um vierzig Minuten ungeſtört zu ſein, und hatte
ſich feſt vorgenommen, verlobt und Arm in Arm mit Alida im
Haag auszuſteigen.
Er war ſchon ſo weit, daß ſie ihren Hut abſetzte, wozu er ihr
geraten hatte. Das war eine ſehr geſchickte Ouvertüre, denn
man kann den Augenblick, in dem man einer jungen Dame den
erſten Kuß gibt — und dieſen Augenblick ſollte es für einen
ſeriöſen jungen Mann nur einmal im Leben geben — nicht
ſenug auskoſten, wenn ſie ihren Hut auf hat.
Bittet man ſie, ihn vorher abzunehmen, ſo weiß ſie meiſtens,
voher der Wind weht. Tut ſie es, kann man ſeines Erfolges
ſicher ſein; weigert ſie ſich, ſo braucht man ſich keine weitere
Mühe zu machen — wenigſtens nicht an dieſem Tage —, denn
junge Damen, die nicht mal ihren Hut abſetzen, laſſen ſich auch
nicht küſſen.
(Fortſetzung folgt.)

F. K. 1061

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prüfung
. Seit 33 Jahren bewährte und neuzeitliche Ein-
richtungen
für geistige und körperliche Erziehung.
Einzelbehandlung Tägl. Arbeitsstunden. Förderung
körperlich Zarter Erziehung zur Pflichttreue und Kame-
radschaftlichkeit
. Chem. phyeikal Praktikum Licht-
bilder
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bau
— Eigene Landwirtschaft. Gute Verpflegung, Fami-
lienheim
(8 Villen) Prüfungserfolge, Prosp. d, d. Direktior
(1.2385)

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Seite 20

Dienstag, den 27. März 1928

Nummer 87

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Bekanntmachung. nend, werden im Gartenſaal des Bahn=
und Desinfizier-Anlage
Mitglieder der iſrgel. Religionsge= ſtangen verſteigert:
meinde Darmſtadt gebracht, daß bei
Friedrich Eigenbrodt
der heute ſtattgehabten Vorſtands=Erſatz=
Herdweg 18 Fernruf 1692 Karlſtraße 66, an der Annaſtr. Awahl die Herren:
Bettfedern und Daunen werden wieder wie neu W1. Sakob Simon, Dipl.=Handelslehrer 3 r0. Kl.; Fichte 4 Ib Kl, 1 Irla gr.: der Geſelſchaft berechtigt. Die Beſtel=
GRe
Erle 4 I. Kl., 3 II. Kl;
4/2. Siegfried Stern, Kaufmann
Derbſtangen: Birke 16 III. Kl.;
bis Ende März 1931 gewählt worden ſind. Reisſtangen: Fichte 185 V. Kl., 55 IV.
Das Protokoll über dieſe Wahl liegt Kl., 175 Vl. gl.
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ohne Anzahlung in 1o lnebſt Anlagen 3 Tage lang, und zwar Knüppel=Nutzholz: Erle Nr. 236. Alleinvertretung nicht berechtigten Ge=
Monatsraten, liefert am 29., 30. und 31. ds. Mts. in dem
Spezialhaus. Grbitten Gemeindezimmer, Friedrichſtraße 2, zur/stämme: Buche 9 Ill. Kl, 9 I1. Kl.
Sie unberbindl. Ver/ Einſicht für die Stimmberechtigten und 2 1. Kl., Eiche 5. Il., Kl., 9 II. Klulwirkung eines Prokuriſten. — Als nicht
treterbeſuch. Ang u. die Gewählten offen.
B 200 an die Geſchſt.
bs. Bl. (r547g! Einwendungen gegen die Wahl oder 24 IIb Kl., 16 IIIa Kl., 11 IIIb Kl. rechnung auf ſeine Stammeinlage hat
gegen die Gewählten, wie auch eine Ab= 1 IVa Kl., 1 V. Kl.; Lärche 3 la Kl.,
Telte
Offenlegungsfriſt beim Kreisamt Darm=/oerbſtangen: Lärchen 20 III Klaſſe:
für Waſſer= und ſtadt vorgebracht werden.
(5561/ Bichte 5 II gl.*
Motorſportler,
Darmſtadt, den 25. März 1928.
Meuntee
Der Wahlkommiſſar.
Reichh. Lager,
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Am Dienstag, den 3. April 1928,
nachmittags 2 Uhr, wird die

Jagd

der Gemeinde Rohrbach, Kreis Erbach i.
Odw., im Gaſthaus von Jakob Frey
zu Rohrbach auf weitere ſechs Jahre
löffentlich verpachtet. Die Jagd iſt ca.
1500 Morgen groß und in 7/. Stunden
von Bahnſtation Bockenrod zu erreichen.
Rohrbach, den 25. März 1928.
Heſſ. Bürgermeiſterei Rohrbach.
(5578
Arras.

Gs wird hiermit zur Kenntnis, der nachſtehende Stämme, Derb= und Reis=liſt. Der Geſellſchaftsvertrag iſt am 2.
a) Diſtrikt Märkerwald:
Stämme: Buche 1 VI. Kl., 1 V. Kl.
b) Diſtrikt Vorderwald:
3 IV. Kl.; Kiefer 1 Ib Kl., 5 IIa Kl.,
Tllehnung der Wahl müſſen bei Vermei= 9 Ib Kl., 11 IIa Kl., 1 IIb Kl., 1 IIIa in Werten eingebracht 6626,03 Reichs=
dung
des Ausſchluſſes innerhalb der Kl. 1 10a Kl.; Fichte 2 1b Kl., 3 Ila Kl.z mark. Seine Sacheinlage beſteht in den
e) Diſtrikt Niederwald:
Stämme: Buche 9 IV. Kl., 4 V. Kl.,
3 VI. Kl.; Eiche 3 II. Kl., 3 III. Kl.,
1 III. Kl.; Fichte 1 II. Kl.;
Derbſtangen: Fichte 62 III. Kl.;
Reisſtangen: Fichte 125 IV. Kl. 25
d) Diſtrikt Felsberg:
e) Diſtrißt Brunnenweg:
Stämme: Akazie 3 II. Kl.; Pappel
3 IV. gl.
Nummernauszüge mit genauer Inhalts=
angabe
zum Preiſe von 25 RPfg. abge=
geben
.
Der Bürgermeiſter.

Aufforderung.
lle Forderungen an den Nachlaß des
verſtorbenen Georg Wagenknecht II. in
Arheilgen, Felsbergſtr. 15 ſind ſpeziftziert)
bis zum 5. April l. J3. an den Unter=
zeichneten
einzureichen.
(8380
Arheilgen, den 26. März 1928
Wilhelm Brücher III, Badewärter
Felsbergſtraße 19.
Einträge in das Handelsregiſter, Ab=
teilung
4: Am 14. März 1928 hinſicht=
lich
der Firma: J. G. Jacpb, Aelteſtes
Schußhaus, Darmſtadt: Geſchäft ſamt
Firma iſt auf Anna Helene, geborene
Hübner, Witwe des Kaufmanns Fritz
Piſtorius in Darmſtadt, übergegangen.
Kaufmann Rudolf Piſtorius in Darm=
ſtadt
iſt zum Prokuriſten beſtellt. Am
22. März 1928 hinſichtlich der Firma:
Georg Karg, Darmſtadt: Die Firma iſt
geändert in: Süddeutſcher Tabakwaren=
Großvertrieb Georg Karg & Söhne.
Offene Handelsgeſellſchaft. Kaufmann
Willi Karg und Kaufmann Georg Karg
junior, beide in Darmſtadt, ſind in das
Geſthäft als perſönlich haftende Geſell=
ſchafter
eingetreten. Die Geſelſchaſt hat
am 2. Januar 1928 begonnen. Zur
Vertretung der Geſellſchaft iſt nur der
Geſellſchafter Kaufmann Georg Karg
ſenior befugt. — Als nicht eingetragen
wird beröffentlicht: Die Geſchäftsräume
befinden ſich Bismarckſtraße 22. Am
23. März 1928 hinſichtlich der Firma:
Heinuich Fritz, Fabrik für Zentral=
heizungen
und ſanitäre Anlagen, Darm=
ſtadt
: Die Prokura des Dr. Hans Birlo
iſt erloſchen. Georg Kunz, Ingenieur
in Darmſtadt, iſt zum Geſamtproku=
riſten
beſtellt derart, daß er nur in Ge=
meinſchaft
mit dem Prokuriſten Saur
zur Zeichnung der Firma berechtigt iſt.
Der ſeitherige Geſamtprokuriſt Kauf=
mann
Johannes Saur iſt berechtigt,
nunmehr nur in Gemeinſchaft mit dem
Prokuriſten Kunz die Firma zu zeichnen.
— Abteilung B: Am 14. März 1928 hin=
ſichtlich
der Firma: Süddeutſche Ver=
kaufsvereinigung
für Landbau= Maſchi=
nen
, Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=
tung
, Darmſtadt: Der ſeitherige Ge=
ſchäftsführer
Philipp Woll, Kaufmann
in Auerbach an der Bergſtraße, iſt
Liquidator. — Die Vertretungsbefugnis
des Liguidators iſt beendet. Durch die
am 17. November 1924 erfolgte Eröff=
nung
des Konkurſes iſt die Geſellſchaft
aufgelöſt. Die Liquidation iſt beendet
und die Firma erloſchen. Am 22. März
1928 hinſichtlich der Firma: Chemag
Fabrikation und Vertrieb chemiſch=
techniſcher
Produkte, Aktiengeſellſchaft,
Darmſtadt: Die Vertretungsbefugnis
der Liquidatoren iſt beendet und die
Firma erloſchen. Am 19. März 1998
Neueintrag: Firma: Elektro=Werk 0 e=
ſellſchaft
mit beſchränkter Haftung. Sitz:
Darmſtadt. Gegenſtand des Unterneh=
mens
: Herſtellung, Handel und Ver=
trieb
von elektrotechniſchen Waren,
namentlich von elektriſchen Drucknopf=
ſchaltern
und die gewerbliche Verwer=
tung
der von dem Gründer Wagner be=
reits
angemeldeten oder ihm und dem
Mitgründer Strauß demnächſt erteil=
ten
Schutzrechte. Zur Erreichung dieſer
Zwecke iſt die Geſellſchaft befugt, gleich=
artige
oder ähnliche Unternehmungen
zu erwerben, ſich an ſolchen Unterneh=
mungen
zu beteiligen oder deren Ver=
tretung
zu übernehmen. Stammkapital:
20 000.— Reichsmark. Geſchäftsführer:
Guſtav Hugo Strauß und Hermann
Wagner, beide Kaufleute in Darmſtadt.
— Kaufmann Guſtav Hugo Strauß
Ehefrau Lilly geborene Becker in Darm=
ſtadt
iſt zur Geſamtprokuriſtin beſtellt
9s., vormittags um 9 Uhr begin= mit der Maßgabe, daß ſie die Geſel=
ſchaft
nur in Gemeinſchaft mit einem
hofhotels (Baumgart) zu Bensheim Geſchäftsführer zu vertreten berechtigt
Februar 1928 feſtgeſtellt. Die Geſell=
ſchaft
wird durch zwei Geſchäftsführer
vertreten. Der Geſchäftsführer Guſtav=
1 JI. K.: Eiche 8 I. gl. 8 tkk. gi. Hugo Strauß iſt zur Alleinvertretung
lung der Geſchäftsführer und Proku=
riſten
erfolgt durch die Geſellſchafterver=
ſammlung
. Die Erteilung von Einzel=
prokura
iſt ausgeſchloſſen. Die zur
ſchäftsführer bedürfen zur Vertretung
der Geſellſchaft der Mitwirkung eines
zweiten Geſchäftsführers oder der Mit=
eingetragen
wird veröffentlicht: In An=
der
Geſellſchafter Guſtav Hugo Strauß
Aktiven und Paſſiven der handels=
gerichtlich
nicht eingetragenen Firma
Nutzſcheiter: Kieſer (rund) Nr. 97, 98, Porzellan=Elektro=Werk. „Darmſtadt,
99: Kiefer Nr. 179,. 180, 183. 185, 196, Alleininhaber Hermann Wagner, da=
198, 205, 207; Eiche Nr. 197, 206. ſelbſt, wie ſie als Aktiven und Paſſiven
dieſes Unternehmens durch Guſtav Hugo
Strauß nach Maßgabe der Schlußbilanz
dieſes Unternehmens per 30. September
2 IV. Kl., 1 V. Kl.; Lärche 3 1I. Kl., / 1927 zu Eigentum erworben wurden
und bereits in die am 25. Februar 1928
gegründete Geſellſchaft eingebracht ſind;
Inamentlich beſteht die Sacheinlage des
Vr. Kl., 500 Fkl. Kl., 300 UkkI. Kl. Geſellſchafters Guſtav Hugo Strauß aus
den auf dieſe Weiſe von ihm erworbe=
Stämme: Lärche 1 Ila Kl., 1.Iid gr nen und durch ihn eingebrachten Ma=
ſchinen
, Matrizen, Werkzeugen, Waren=
beſtänden
, Beſtänden derConſignations=
lager
, Büromobiliar und den ſonſtigen
Mobilien.
Ueber das vorgenannte Holz werden! Die Bekanntmachungen der Geſell=
ſchaft
erfolgen ausſchließlich durch den
Deutſchen Reichsanzeiger.
(5580 Darmſtadt, den 24. März 1928.
Amtsgericht I. (5562