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Einzelnummer 10 Pfennige
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7 1. März 2.48 Reſchemark und 22 Pfennig
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesfpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſit. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 73
Dienstag, den 13. März 1928.
191. Jahrgang
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Relame=
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(4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle, höherer
Gewalt, wie Krſeg, Aufruhr, Streſl uſw. erliſcht
ede Verzſchtung auf Efülung der
Aneſgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung fälltl ſeder
Rabat weg. Banfſonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalbon”
ſſte Transaktionen des Kapitäns Lohmann. — Die Etatsüberſchreitungen. —
Milkionenverluſte. — Lohmanns geheime Regiſiratur. — Keiner ſeiner Mitarbeiter
von ſeinen Geſchäſten unterrichtet.
Damit ſollte dann auch ein Strich unter das ganze Kapitel
ge=
macht werden, ſo ſchmerzlich es iſt, daß das Reich auch zahlen Das Thema war von Wien angeſchlagen worden, zweifellos nur
Die Geſchäfte
muß, weil Regreßklagen juriſtiſch und politiſch kaum tragbar ſind, unter ſchwerem Druck, dem Herr Seipel nicht mehr ausweichen
Auch politiſch läßt ſich der Fall aber kaum mehr ausbeuten, nach= konnte. Es war einer der kleinen Witze der Geſchichte, daß
ge=
wer Seeiransportabteilung. dem in dieſer Form feſtgeſtellt iſt, wo die Urſachen der ganzen rade der Mann, der mit ſeiner italophilen Politik eigentlich be=
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Bericht, den der Reichskanzler dem Hauptausſchuß des
ihstages über die Phöbus=Angelegenheit hat erſtatten laſſen,
jetzt im Wortlaut vor. Nach amtlicher Angabe iſt er
gemein=
vom Reichswehrminiſterium und dem Reichsſparkommiſſar
taniſch hergeſtellt. Tatſächlich iſt aber das
Reichswehrminiſte=
uur federführend geweſen, weil der Reichsſparkommiſſar ſich
morſichtig ausgedrückt — der Herſtellung eines ſolchen
Berich=
zu entziehen gewußt hat. Die Einzelheiten, die auf den
gSeiten wiedergegeben ſind, leſen ſich faſt wie ein Roman. Man
3u ſich an den Kopf, wie es möglich iſt, daß in einem
geord=
tim Staatsbetrieb von einem einzelnen Beamten derartige
Ge=
äau te mit zum Teil recht ſpekulativem Inhalt getätigt werden
hmrten. Der Bericht gliedert die Geſchäfte der
See=
unsportabteilung in drei Gruppen. Danach hat Herr
nuſitän Lohmann mit Geldern, die ihm aus den Ruhrmitteln
r Verfügung ſtanden, eine Reihe von Geſellſchaften gegründet,
enzur Förderung des Motorbootbaues und der Luftſchiffahrt
emen ſollten. Hier iſt wenigſtens eine mittelbare
Intereſſen=
meinſchaft mit den Aufgaben der Marine, noch konſtruierbar.
ſeüche Summen dabei verloren gegangen ſind, darüber wird
m2 Angabe gemacht. Immerhin ſind es vermutlich keine
gerin=
n Beträge, die dem Reich dabei verloren gegangen ſind.
Die zweite Kategorie bildet die eigentliche
Phöbus=
iu gelegenheit, deren Geſamtdefizit auf faſt 10
klionen Mark angegeben wird. Das iſt jedoch
r Höchſtbetrag. Die Möglichkeit, daß hier Erſparniſſe
ge=
geht werden können, iſt wenigſtens vorhanden. Ganz
un=
unthſichtig iſt dagegen die dritte Gruppe, deren Vorhanden=
UIn, wie es in dem Bericht heißt, dem Anſehen der
Reichs=
anrine beſonderen Abbruch getan hat. Herr Lohmann
at ſich an dem Berliner Bankverein beteiligt,
owoei mindeſtens 1 Million verloren iſt. Er hat an einer
edellſchaft zur hochwertigen Konſervierung von
Schweine=
euſch ſich beteiligt, wobei der Bericht die Hoffnung ausſpricht,
ufl wenigſtens ein Teil der 1½ Million Mark Reichsmittel
wie=
hereinkommen. Bei anderen Geſchäften aber iſt die
Wahr=
zänlichkeit, daß kein Erlös übrig bleibt, recht groß. Rein
ſpeku=
mv iſt eine Intereſſenbeteiligung an einer
Erz=
euvinnungsgeſellſchaft, in die bisher 240 000
Naark hineingeſteckt wurden, deren Ausſichten
verſchie=
eu beurteilt werden. 500 000 Markſind in ein Patent
ürr eingeſteckt, das eine Mühle für
Kohlenſtaub=
eitterungszwecke betrifft. Der Gegenwert aus einem
der=
migen Verkauf wird als recht geringfügig bezeichnet. Und ſo
elit es weiter. Lediglich zwei Hauskäufe, haben ſich durch die
zlsigerung der Grundſtückspreiſe als rentabel erwieſen. Wie
och aber die Geſamtverluſte ſind, die ſich aus dieſem
uuzern ergeben, kann offenbar auch der Reichsſparkommiſſar
un zeit nicht überſehen. Mit erfreulicher Deutlichkeit wird in dem
Zemicht ausgeſprochen, wieweit ſich Kapitän Lohmann bei ſeinen
Njaßnahmen von den Richtlinien einer ordnungsmäßigen
Ver=
pundung der Haushaltsmittel entfernt hat. Es wird nachgewie=
, daß keiner ſeiner Mitarbeiter mit einer
ein=
im en Ausnahme Kenntnis gehabt hat von
ſei=
un Etatüberſchreitungen, und dieſer Einzige
t geglaubt, daß Herr Lohmann durch eine
Ge=
ralvollmacht, die ihm für beſtimmte Zwecke erteilt
wor=
ain war, mehr als hinreichend gedeckt wurde. Er
ut ſich aber auch eine eigene geheime Regiſtratur
ein=
eilsichtet, die ſeinen ganzen Schriftverkehr der amtlichen Kenntnis
izog. Daß dabei nicht die Sucht nach perſönlicher
ereicherung maßgebend geweſen iſt, darüber kann
bſhiehl kein Zweifel beſtehen. Etwas elegiſch ſtellt aber der Bericht
eſt, daß eine bis ins einzelne gehende zahlenmäßige Darſtellung
ner Vorgänge bei der Undurchſichtigkeit der von Kapitän
Loh=
mann getroffenen Maßnahmen noch nicht möglich geweſen iſt.
Zwiſchen den Zeilen freilich ſteht auch eine ziemlich
deut=
üche Kritik an dem früheren
Reichsfinanzmini=
rDr. Reinhold, der durch ſeine Unterſchrift
ſniter eine Garantiebürgſchaft die Ausdehnung
er Phöbus=Kredite ermöglicht hat, wenn auch
rrn Lohmann beſcheinigt wird, daß er ſich dadurch eine
were Pflichtverletzung hat zuſchulden kommen laſſen,
eil er dem Finanzminiſter nicht reinen Wein
ngeſchenkt hat. Immerhin, wie man in maßgebenden
zureiſen über das Verhalten des Herrn Reinhold denkt, zeigt die
ziede, die ſein Reſſortnachfolger Dr. Köhler am Sonntag gehalten
Mtt. Die einfache Tatſache, daß im Reichsfinanzminiſterium weder
ar Staatsſekretär noch einer der anderen Beamten von dieſer
Zürgſchaft das geringſte gewußt hat, ſpricht Bände. Herr Dr.
„Uhler iſt dadurch in eine etwas peinliche Lage gekommen, da in
dam Bericht, den er dem Reichstag über die Bürgſchaften des
Neiches machte, falſche Angaben enthalten ſind, nur weil ſein
g0 ſamtes Miniſterium über dieſe Millionenbürgſchaft nicht
unter=
ntchtet war.
Tatſächlich iſt alſo das, was von der Seetransportabteilung
dues Reichswehrminiſteriums und ſeiner Leitung geſchehen iſt,
noicht zu entſchuldigen. Es war notwendig, das einmal mit aller
D eutlichkeit klarzuſtellen. Wenn der Hauptausſchuß des
Reichs=
zuges nunmehr reinen Tiſch ſchafft, ſo iſt das begrüßenswert,
Kalamität zu ſuchen ſind. Deswegen wäre es durchaus wün=
Reihe von peinlichen Fragen an den Reichswehrminiſter zu rich= gebracht hatte, der durch die Annäherung an Italien gern den
dafür Sorge getragen iſt, daß eine Wiederholung ſolcher
Voll=
machtsüberſchreitungen unmöglich iſt.
Berlin, 12. März.
Der Bericht der Regierung über die Phöbus=Angelegenheit
trägt die Ueberſchrift: „Vericht über Art, Umfang. und
Abwicklung der ſogenannten Lohmann=
Unter=
nehmungen.‟ Er beginnt folgendermaßen: Der
Geſamt=
komplex der Transaktionen, die Kapitän Lohmann außerhalb des
geſetzordnungsmäßigen Bereichs der von ihm geleiteten
See=
transportabteilung vorgenommen hat, läßt ſich hinſichtlich der
drei Gruppen gliedern. Der erſten Gruppe gehören diejenigen
Maßnahmen an, die Kapitän Lohmann auf Grund und im
Rah=
men der ihm bei Zuweiſung der Ruhrgelder von dem damaligen auch wenn von Italien noch ſo ernſter Widerſtand dagegen gelei=
Chef der Marineleitung erteilten Generalermächtigung ſtet wird.
zur zweckeutſprechenden Bewirtſchaftung und
Verausgabung dieſer Sondermittel getroffen hat.
Die zweite Gruppe bezieht ſich auf die Phöbus=Angelegenheit,
ſeinen Vorgeſetzten, teilweiſe ohne deren Wiſſen und Willen ge= zürücklang, und wie auch aus Frankreich und England, ganz zu
handelt hat. Die dritte Gruppe umfaßt diejenigen Geſchäfte, die
richt fort, „in der Hauptſache zunächſt um die Beſchaffung
und Fortenwickelung von Motorbooten‟. Es
werden dann die einzelnen Unternehmungen dieſer Art geſchildert.
Die Phöbus=Angelegenheit.
Zur Phöbus=Angelegenheit ſagt der Bericht: „Auch wenn
ſtreitung der im Film liegenden Propagandamöglichkeiten Ein= allem die von Muſolini merkwürdigerweiſe herbeigezogene Frage
fluß nehmen ſoll, offen läßt, ſo iſt doch kein Wort darüber zu
verlieren, daß es ſich im vorliegenden Falle um einen
untaug=
lichen Verſuch mit untauglichen Mitteln gehandelt
hat. Die Berufung darauf, daß die Marineminiſterien anderer
Länder ſich ebenfalls mit der Filmpropaganda befaſſen, ändern
daran nichts.” Nach einer Schilderung der Phöbus=
Unterneh=
mungen heißt es dann: „Die heute zweifellos erſcheinende
Vollmachtsüberſchreitung des Kapitäns
Loh=
mann bei Abgabe der zweiten und dritten Bankrechte
betref=
fenden Garantien und namens des Fiskus abgegebenen
Ver=
pflichtungserklärungen löſt die Frage aus, ob das Reich
überhaupt verpflichtet iſt, dieſe Erklärungen
einzulöſen. Das Problem iſt geprüft mit dem Ergebnis,
daß die gerichtliche Austragung dieſer Frage nicht angebracht
erſcheint. Die gleiche Anſicht hat der Präſident des
Reichsrech=
nungshofes als Unterſuchungskommiſſar des Reichskanzlers
ver=
treten. Die Feſtſtellung einer vorliegenden
Vollmachtsüberſchrei=
tung des Kapitäns Lohmann hat zur Folge, daß hinſichtlich des
dadurch entſtehenden Schadens dem Fiskus, Regreßanſprüche
wege eingehalten. Im übrigen iſt die Prüfung der weiteren winden muß, fremde Anregungen verwerten ſoll, womöglich reich=
Frage im Gange, ob ſonſtige Regreßanſprüche beſtehen. Es
bus Film A.=G. einfach ihrem Schickſal, d. h. dem ſicheren Kon= tiger geſagt, er war wohl gar nicht beraten. Denn das
Weſent=
weil man der Ueberzeugung war, die Intereſſen der Allgemeinheit
durch Vermeidung des Konkurſes am beſten wahren zu können.
Aktiven kaum die Konkurskoſten gedeckt.
Die Beteiligung am Berliner Bankverein.
ſehen der Reichsmarine beſonderen Abbruch getan hat. Hier
„befindet ſich in der Abwickelung. Es ſteht zu hoffen, daß eine
Aktienpaket bald an eine Intereſſengruppe abgegeben werden unter dem Fascio trägt auch heute noch denſelben Namen wie
kann.‟ Dann wird die Beteiligung an der Bacon=Company er= die Südtiroler Proklamation für die Deutſchen.
örtert und angeführt, was Kapitän Lohmann zur Begründung
dieſes Geſchäftes geäußert habe. Nach Erwähnungen verſchie=
Severa G. m. b. H., eine Tochtergeſelſchaft der Deutſchen Luft=
Hanſa, ſteht mit Lohmann in keinerlei Zuſammenhang.”
(Fortſetzung auf Seite 2, Spalte 13
Katalpſator.
Von unſerem +„=Korreſpondenten.
Rom, im März 1928.
Es wäre verfehlt geweſen, Muſſolinis Rede über das Thema
von Südtirol mit einem ausführlichen Kommentar aus Rom
gleich nach ihrer Veröffentlichung zu verſehen. Denn es kam
weniger darauf an, was Muſſolini ſelbſt ſagen würde — den
In=
halt konnte man vorausſehen, fraglich war nur Tonart und
Stärke — als darauf, das Echo aus dem Auslande abzuwarten.
reits einen ſtillſchweigenden Verzicht auf Südtirol und alle
Süd=
ſchenswert, wenn der Hauptausſchuß, der vermutlich noch eine tiroler Fragen auf dem Altar der Freundſchaft, zu Rom
dar=
ten haben wird, dann die Akten darüber ſchließt, beſonders wenn Drang nach Deutſchland hemmen möchte, gezwungen wurde, für
das Deutſchtum in Südtirol einzutreten. Wien hat den Brei
an=
gerührt; aber Rom hat ihn erſt zur Gärung gebracht, zur
inni=
gen Reaktion, auf daß ein neues Element in der internationalen
Der Berichtüber Art, Amfang und Abwicklung Politik Eingang fände. Muſſolinis Rede war der Latalyſator,
der ſogenannten Lohmann=Unternehmungen. der die träge Miſchung erſt zur Reaktion brachte. Erſt ſeit dieſer
Rede horcht das Ausland wirklich auf, wenn das Wort Südtirol
ertönt, und erſt ſeit dieſer Rede gibt es in der internationalen
Politik wieder eine Südtiroler Frage. Vorher war es nur ein
Thema, das zwiſchen Oeſterreich und Italien hin und her ging
und das zwiſchen Deutſchland und Italien die Vertiefung der
freundlichen Beziehungen erſchwerte. Jetzt iſt die Südtiroler
Frage in aller Welt bekannt geworden, und nun wird unter dem
immanenten Zwaug der Entwicklung eines Tages auch der Völ=
Frage der Legitimation zur Ausführung über Handlungen in kerbund in Genf — wenn er weiterlebt — auf dem Wege der
Minoritätenfrage auch das Thema Südtirol anſchneiden müſſen,
Weil in Rom der Katalyfator für die Südtiroler Frage
vor=
handen war, mußte man hier nicht allzu viel über Muſſolinis Rede
ſagen, ehe das Echo aus Europa zurückgetönt war. Und es war
bei der Kapitän Lohmann teilweiſe im Einverſtändnis mit erfreulich zu leſen, wie einmütig dieſes Echo aus Deutſchland=
Kabitän z. S. Lohmann ganz auf eigene Verantwortung getätigt ſchweigen von den Schweizer Blättern, die Stellungnahme den
hat. „Bei der erſten Gruppe handelte es ſich”, ſo fährt der Be= Rechten der deutſchen Minorität entgegenkam. Man hat in Rom
allerdings dem unbeeinflußten Auslande es leicht gemacht, zu
dieſer Rede eine offene Stellung einzunehmen. Wie man in
Deutſchland mit Ueberlegung überall darauf hingewieſen hat,
daß Deutſchland keinerlei materielle Rechte, oder Intereſſen in
Südtirol habe, daß es nur das geſunde und ethiſche Recht der
Anteilnahme an den kulturellen Gütern der Sprache und der
man die Frage des Für und Wider, ob der Staat auf die Be= Sitten bei ſeinen deutſchen Stammesbrüdern habe, daß vor
der Brennergrenze für Deutſchland überhaupt außerhalb jeder
Diskuſſion und jedes Zweifels ſtehe, ſo betonte auch das
Aus=
land, daß italieniſche territoriale oder innerpolitiſche Rechte ja
gar nicht angetaſtet werden ſellten. Dafür nahmen weite Kreiſe
außerhalb Italiens daran Anſtoß, daß Muſſolini — ebenfalls
an ſich ganz überflüſſiger Weiſe — grobe Angriffe gegen den
Völkerbund gerichtet hat. Man verſteht dieſe Anrempelung, wenn
man daran denkt, daß die für Italien unbequeme Frage der
Maſchinengewehre von Szent Gotthard vor dem Genfer Forum
erörtert werden ſollte. Man muß außerdem dazu rechnen, daß
Muſſolini überhaupt die Antwort auf Seipels Rede nicht ſehr
angenehm war, da er von verſchiedenen diplomatiſchen Seiten
des Auslandes gewiſſe Winke erhalten hatte, die alle letzten
Endes auf eine verſuchte Dämpfung ſeines Tones hinausliefen.
Schon unter dieſem Druck der diplomatiſchen Einwirkung
hatte Muſſolini ſich zu der ſchriftlichen Firierung ſeiner Rede
ent=
ſchloſſen. Und wenn er nicht frei von der Leber weg reden darf
gegen ihn erwachſen ſind. Der der Zwangsvollſtreckung unter= — wobei er ſeine unvergleichliche Kunſt zeigen kann —, ſondern
liegende Teil ſeiner Bezüge wird daher bereits im Aufrechnungs= ſich zwiſchen Leitartikel und diplomatiſchem Pro Memoria
durch=
lich herumkorrigiert, dann kommt manchmal, nichts Rechtes
zu=
wird dann die Frage erörtert, warum der Fiskus nicht die Phö= ſtande. Diesmal war er zweifellos ſchlecht beraten. Oder
rich=
kurs, überlaſſen hat. Der Konkursweg wurde nicht beſchritten, lichſte an Muſſolinis heutiger Stellung iſt ſeine große Iſolierung.
Er ſteht einſam weit über den Handlangern, wirklich ſchon den
Cäſaren gleich, die nur das zu hören bekaien, was ſie ſollten,
Der Erlös aus der Maſſe hätte wegen des Wegfalls faſt aller oder was ſie hören wollten. Hier liegt ein ungemein wichtiger
Punkt bei der Beurteilung der heutigen italieniſchen Politik.
Hätte irgendein Menſch von diblomatiſch=politiſcher
Bedeu=
tung wirklich Einfluß auf Muſſolini, ſo wäre mindeſtens in
die=
ſer Rede jener Teil vermiden worden, in dem Muſſolini die Ver=
Zur dritten Gruppe der Geſchäfte wird geſagt: „Die Offeu= ſtrechungen über Südtirol als null und nichtig erklärt, weil ſie
legung des dritten Betätigungskreiſes des Kapitäns Lohmann, von einer früheren Regierung ausgegangen ſeien. Er hat dabei
führt in einen Komplex hinein, deſſen Vorhandenſein dem An= vergeſſen, daß die Verſprechungen für die Deutſchen in Südtrol
in einer „königlichen Proklamation” feſtgelegt wurden, alſo in
wird vor allem die geldliche Intereiſennahme des einem Akt, der weder mit der „verfluchten demoſozialen” Regie=
Kapitäns Lohmann an dem Berliner Bankver= rung von damals, noch mit ſonſtigen überwundenen Feinden in
ein erwähnt, die, wie der Bericht ſagt, Lohmann ohne Italien etwas zu tun hat. Der König, der dieſe Proklamation
Viſſen und Villen ſeiner Vorgeſetzten vorge= erlaſſen hat, derſelbe allerdings, der auch die Kriegserlärung
nommen hat. „Die Beteiligung ſelbſt”, ſo heißt es weiter, gegen den einſtigen Bundesgenoſſen unterzeichnete, lebt heute
noch, und jede offizielle Verfügung der heutigen fasciſtiſchen
weitere Kapitalzuſammenlegung vermieden bleibt und das Regierung, jede Geſetzesveröffentlichung, jede Proklamation
Der Katalyſator von Rom hat die Südtiroler Frage
auf=
gerührt, er hat aber in dem Gedächtnis anderer Nationen auch
dener weiterer Beteiligungen heißt es in dem Bericht u. g.: „Die, die Erinnerung ausgelöſt, daß italieniſche Proklamationen,
Ver=
ſprechungen und — Bündniſſe nicht unbedingt zuverläſſig ſind.
Das Weſen des Katalyſators iſt unheimlich und noch lange nicht
erforſcht. Auch er — ganz wie die Sonne — bringt es an den Tag.
Seite 2
Der Phöbus=Bericht.
(Fortſetzung von Seite 1, Spalte 2.)
„Ueber den Geſamtkomplex der drei Betätigungsgruppen,”
ſo faßt der Beicht zuſammen, „war außer Lohmann lediglich ein
Marineintendanturinſpektor orientiert, den ſich Kapitän
Loh=
mann von dem damaligen Chef der Marineleitung als
Mit=
arbeiter perſönlich ausgebeten hatte. Dieſem Mitarbeiter war
die ſeinerzeit dem Kapitän Lohmann vom damaligen Chef der
Marineleitung gegebene Generalermächtigung zu
Verausgabun=
gen zu Laſten der Sondermittel bekannt. Er hat vorausgeſetzt,
daß ſein Vorgeſetzter bei allen Maßnahmen im Einverſtändnis
mit dem Chef der Marineleitung handele. Die Vermutung, es
handele ſich bei den von Kapitän Lohmann getätigten Geſchäften
um Maßnahmen der Seetransportabteilung ſelbſt, iſt nach den
obigen Darlegungen unzutreffend.” Schließlich ſtellt der Bericht
feſt, daß eine ins Einzelne gehende zahlenmäßige Klarſtellung
aller Vorgänge bei der Undurchſichtigkeit der vom Kapitän
Loh=
mann getroffenen Maßnahmen noch nicht möglich geweſen ſei.
Einſetzung eines Kontrollausſchuſſes.
Im Schlußabſatz heißt es: „Um für die Zukunft eine
Wieder=
holung von Vorkommniſſen der vorbehandelten Art
auszuſchlie=
ßen, wird auch im Bereich der Marineverwaltung der
angekün=
digte paritätiſch aus Vertretern des Reichswehrminiſteriums,
des Reichsfinanzminiſteriums und des Rechnungshofes
zu=
ſammengeſetzte Ausſchuß ſeine Tätigkeit binnen kurzem
aufneh=
men. Reichsfinanzminiſter und Rechnungshof erörtern jetzt die
Frage, ob darüber hinaus weitere Sicherungen geſchaffen werden
können. Die Mittel der Fonds des Kapitäns Lohmann ſind
ausgeſchöpft. Im übrigen iſt auch dafür Vorſorge getroffen, daß
die Verausgabung ſämtlicher Mittel im „Geſchäftsbereich des
Reichswehrminiſteriums nunmehr und in Zukunft unter der
Kontrolle der Haushaltsabteilung erfolgt.
Reichsfinanzminiſter Dr. Köhler zur Phöbus=
Angelegenheit.
Hildesheim, 12. März.
In einer Rede, die der Reichsfinanzminiſter im katholiſchen
Geſellenhaus über die Aufgaben der deutſchen Zentrumspartei
hielt, kam Dr. Köhler auch auf die Phöbus=
Angelegen=
heit zu ſprechen. Er wies dabei nochmals ausdrücklich darauf
hin, daß die gegenwärtige Regierung an dieſen Vorgängen
keineswegs beteiligt ſei. Auch im Reichsfinanzminiſterium habe
bon dieſen Vorgängen niemand Kenntnis gehabt. Er ſelbſt ſei
über den Stand der Angelegenheit durch die auf Wunſch des
Reichskanzlers von Dr. Sämiſch vorgenommene Unterſuchung in
Keuntnis geſetzt worden, daß ein früherer Finanzminiſter eine
Bürgſchaftsurkunde in Höhe von mehreren Millionen durch ſeine
Unterſchrift gedeckt habe. Von dieſer Tatſache habe weder der
Staatsſekretär noch irgend ein Referent im
Reichsfinanzminiſte=
rium gewußt. Daraus ſei auch zu erklären, daß der Bericht über
die vom Reich übernommene, noch laufende Bürgſchaft an den
Reichstag Ende 1926 davon nichts enthalten habe. Der Miniſter
betonte zum Schluß nochmals mit Nackdruck, daß dieſe Mißſtände
betonte zum Schluß nochmals mit Nachdruck, daß dieſe Mißſtände
werden dürften.
Die landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
und die Preußenkaſſe.
* Berlin, 12. März. (Priv=Tel.)
Die preußiſche Regierung hat vor einigen Wochen den
lang=
jährigen Präſidenten der Preußenkaſſe zwangsweiſe penſioniert
und mit der Vertretung einen mehr links eingeftellten Herrn
be=
traut. Die landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften, die den
tragen=
den Unterbau der Preußenkaſſe darſtellen, haben das als eine
Kriegserklärung der preußiſchen Regierung aufgefaßt und eine
Erklärung beſchloſſen, worin ſie ſich gegen die endgültige
Auf=
ſtellung des derzeitigen Vertreters Klepper zum Präſidenten
ausſprechen. Die Ernennung iſt ein Recht der preußiſchen
Negie=
rung, die den Hauptausſchuß lediglich gutachtlich zu hören
braucht. Preußen könnte alſo, ohne auf deſſen Stimme zu hören,
ſeinen Willen durchſetzen. Es iſt aber noch zweifelhaft, ob der
neue Präſident praktiſch gegen das Mißtrauen aller
Genoſſenſchaf=
ten arbeiten könnte. Man hat deshalb vorſichtshalber den
Gegen=
ſtand von der Tagung des Geſamtausſchuſſes, der ſich eigentlich
am Freitag dazu äußern ſollte, abgeſetzt, vermutlich, um Zeit zu
gewinnen, damit dieſer doch etwas peinliche Zwiſchenfall
irgend=
wie aus der Welt geſchafft werden kann.
* Ein Wunderparadies im Ozean.
Von Oscar A. H. Schmitz.
Es gibt eine Südfahrt, die auch den Kennern des Südens
verhältnismäßig wenig bekannt iſt, obwohl ſie weniger
Anforde=
rungen an körperliche Ausdauer ſtellt, als etwa die Reiſe ins
innere Griechenland, und den Geldbeutel geringer in Anſpruch
nimmt, als etwa ein Aufenthalt in Aegypten. Mehrere
vortreff=
liche Dampfer verbinden deutſche und italieniſche Häfen mit den
kanariſchen Inſeln. Das Hotelweſen iſt überall europäiſch, das
heißt, es ſteht infolge des amerikaniſchen Durchgangsverkehrs
über dem der ſpaniſchen oder gar portugieſiſchen Provinz.
Sehr empfehlenswert iſt, auf der Hin= oder Rückfahrt
Gibral=
tar zu berühren oder vielleicht einen engliſchen Küſtendampfer zu
nehmen, der nachts fährt und tagsüber in den marokkaniſchen
Häfen Caſablanca, Saffi, Mazagan, Mogador liegt, von denen
aus intereſſante Tagestouren landeinwärts möglich ſind. Die
marokkaniſchen Städte zeigen einen ganz anderen und
unver=
fälſchteren Orient als die Mittelmeerländer. Trotzdem liegt, wenn
man die Straße von Gibraltar hinter ſich hat, noch ein Hauch
vom Mittelmeer über der Landſchaft und den Menſchen, zugleich
aber auch ein ganz fremder Charakter ſüdamerikaniſchen
Kolo=
nialſpaniertums. Italieniſch hilft einem nicht mehr viel, wie an
der ganzen nordafrikaniſchen Küſte. Hier merkt man, daß
Spa=
niſch eine Weltſprache iſt. Auf den Dampfern und in den Hotels
iſt man natürlich nicht darauf angewieſen.
Man wird zunächſt die Inſel Tenerife beſuchen, deren
freund=
liche kleine Hauptſtadt noch ſehr europäiſch anmutet. Es gibt
einen Platz mit Läden, einem Kaffeehaus und gegen Abend
promenierender ſchöner Welt, einen Erholungspark (Parque
recreativo), in dem ſpaniſche Operetten geſpielt werden,
ſoge=
nannte Zarzuelen, und jeden Sonntag ſind Stiergefechte, aber
keine erſtklaſſigen, ſondern ſolche, bei denen mehr das Rohe als
das Großartige jener Kämpfe zwiſchen dem kleinen, doch
plan=
mäßig vorgehenden Menſchen und der gewaltigen, doch blöden
Beſtie ſichtbar wird. Dies alles würde die weite Reiſe noch nicht
lohnen, aber wenn man das Städtchen auch nur auf bequemem
Spaziergang verläßt, gerät man in eine vulkaniſche Landſchaft,
wie ſie in Europa nicht zu finden iſt. Noch eben iſt man zwiſchen
Dattelpalmen, Luphorbien und Tamarisken gewandelt, hat das
Auge an heiteren wein= und kaſtanienbepflanzten Hängen
hin=
ſchweifen laſſen, als uns plötzlich ein „Barranco” umfängt, eines
jener Eroſionstäler, welche die ganze Inſel ſtrahlenförmig
durch=
ſchneiden, ſich zum Meer hinabſenkend. Das iſt die reine
Höllen=
kandſchaft. Schauerliche Felsformen ragen in die ſtählerne Bläue
des Himmels empor. Von Pflanzen gedeiht in den jähen Ab=
Dienstag, den 13. März 1928
Vom Tage.
Der Bericht des deutſchen Botſchafters in Moskau
über die Verhaftung deutſcher Ingenieure iſt geſtern in
Berlin eingetroffen. Nach der Rückkehr Dr. Streſemanns wird das
Auswärtige Amt weitere Schritte beraten.
Am Sonntag wurde die Breslauer Frühjahrsmeſſe
er=
öffnet. Der Beſuch der Meſſe ſetzte frühzeitig ſtark ein.
Bei den Senatswahlen in Polniſch=Oberſchleſien
haben die deutſchen Stimmen eine Zunahme erfahren.
In Prager politiſchen Kreiſen verlautet, daß
Miniſterprä=
ſident Swehlakrankheitshalber von ſeinem Poſten
zurücktreten werde. Als ſein Nachfolger werden Udrzal, Viskowsky
und Hodza genannt. An der parteipolitiſchen Konſtellation werde ſich
nichts ändern.
Woldemaras hat erklärt, daß er perſönlich an den
polniſch=
litauiſchen Verhandlungen teilzunehmen beabſichtigt, die
am 30. März beginnen ſollen.
Das afghaniſche Königspaar hat Paris verlaſſen, um
ſich über Calais, wo es die Nacht verbringen wird, nach London zu
begeben.
Die ägyptiſche Regierungsbildung ſtößt immer
noch auf Schwierigkeiten. In gut unterrichteten Kreiſen von
Kairo rechnet man mit der Möglichkeit der Beſetzung des Londoner
Ge=
ſandtſchaftspoſtens durch Sarvat Paſcha.
Zum Führer der türkiſchen Delegation für die
Ver=
handlungen der Abrüſtungskonferenz iſt der
Außen=
miniſter Tewfik Ruchdi Bei ernannt worden. Die Delegation
tritt vorausſichtlich am Dienstag die Reiſe nach Genf an.
Ein deutſch=amerikaniſcher
Schiedsvertrag.
Staatsſekretär Kellogg übergibt dem deutſchen
Botſchafter den Entwurf eines Vertrags.
w. Waſhington, 12. März.
Staatsſekretär Kellogg hat heute nachmittag den deutſchen
Botſchafter von Prittwitz zu ſich gebeten, um ihm den Entwurt
eines deutſch=amerikaniſchen Schiedsvertrages zu übergeben. Er
hat dabei angeregt, daß beide Regierungen in Verhandlungen
darüber eintreten. Dem ſpaniſchen Botſchafter wurde ein
ähn=
licher Vertragsentwurf übergeben. Verhandlungen gleicher Art
ſchweben bereits mit England, Japan, Italien und Norwegen.
Abreiſe der deutſchen Delegation aus Genf.
EP. Genf, 12. März.
Die deutſche Delegation reiſt heute nachmittag 5.15 Uhr von
Genf ab. Ein Zuſamientreffen mit dem ruſſiſchen Delegierten
kommt nicht zuſtande, da Litwinow erſt heute abend Berlin
ver=
läßt und der ruſſiſche Vertreter in Genf, Boris Stein, dem
deut=
ſchen Außenminiſter Dr. Streſemann heute morgen mitteilen ließ,
daß er leider erkrankt und zu einer Beſprechung nicht imſtande
ſei. Wie im Dezember wird Litwinow auch diesmal von
Luna=
tſcharſki begleitet ſein. Weiter kommen aus Moskau noch zwei
Sachverſtändige, und zwar als militäriſcher Sachverſtändiger
Pugatſchow und als Marineſachverſtändiger diesmal nicht
Admi=
ral Behrens, ſondern ein höherer Beamter des
Marineminiſte=
riums, Grigoriew. Nach der Abreiſe Dr. Streſemanns wird nur
der rumäniſche Außenminiſter Tituleseu noch einige Tage in
Genf bleiben. Es iſt jedoch zweifelhaft, ob er dann zunächſt nach
London oder ob er direkt nach Berlin kommen wird zur
Fort=
ſetzung der deutſch=rumäniſchen Beſprechungen, nach deren
Ab=
ſchluß er ſich bekanntlich nach Bukareſt zurückbegeben will.
Die Kleine Eniente gegen Briand?
London, 12. März.
In einer Parifer Meldung des „Daily Telegraph” wird auf
Schwierigkeiten hingewieſen, in die Briand durch die Genfer
Er=
eigniſſe gekommen ſei. Die Genfer Beſprechungen und Beſchlüſſe
bezüglich des Maſchinengewehrzwiſchenfalles und der
Optanten=
frage ſtellten die Beziehungen der franzöſiſchen Regierung mit
der Kleinen Entente auf eine harte Probe. Man beſchuldigt in
aller Oeffentlichkeit Briand, die Kleine Entente den höheren
Er=
vägungen ſeiner Politik mit Streſemann und Chamberlain
ge=
opfert zu haben. Man verhehle ſich in Frankreich aber auch nicht,
daß die drei Regierungen der Kleinen Entente in der
Maſchinen=
gewehrfrage ſich von Anfang an tölpelhaft benommen hätten.
Nummer 7:
R
Die Potsdamer
Stadtverordnetenwahlen.
Die Verteilung der Mandate.
Potsdam, 12. Möck,
Die Potsdamer Wahlen zur Stadtverordnetenverſammlung Mo
folgende Zahlen evbracht, die vielleicht noch einige Verſchiebungem!
fünf oder zehn Wahlſtimmen erfahren können: Deutſchnationale u9
(1924: 11 969), Sozialdemokraten 9891 (3393), Deutſchſoziale Partei;9
(2462), Kommuniſten 1590 (2230), Deutſche Sozialiſtenpartei (ge
291 (1756), Demokraten 1173 (1363), Zentrum 893 (988), Bodenrspy
677 (0), Reichspartei für Auſvertung und Recht 70 (0), Chriſtl. Sat=
Volkspartei 489 (0), Nationalſozialiſtiſche Arbeiterpartei 481 (0), Hag‟
Gewerbe, Grundbeſitz, Mittelſtand 3537 (4000), Reichspartei für ElN
reiht und Aufwertung 125 (0).
Die Verteilung der Mandate wird ſich, wie folgt, geſtalten:
Dery=
nationale 16 (1924: 19), Sozialdemokraten 14 (5), Deutſche Volksparn
(3). Kommrniſtiſche Parbei 2 (3), Deutſche Soziale Partei 0 (2), Deuut
Demokratiſche Partei 1 (2), Zentrum 1 (1), Bodenreform 1 (0), Ran4
partei für Aufwertung und Recht 0 (0), Chriſtl.=Soziale Partei 00)
Nationaliſtiſche Deutſche Arbeiterpartei 0 (0), Handel, Gewerbe, Grrnd
beſitz, Mittelſtand 5 (6), Reichspartei, für Volksrecht und Aufwer:
0 (0).
Der Werkzeugmacher=Schiedsſpruch
verbindlich.
Berlin, 12. Märy
Der von dem Schlichter Wiſſell am Samstag gefällte Schio4
ſpruch über die Löhne der Werkzeugmacher iſt vom
Reichsarbe=
miniſter für verbindlich erklärt worden. Die Arbeit in den
ſtreikten Betrieben wird mit der erſten Schicht am Mittwoch i.
der aufgenommen werden. Wie die Siemenswerke mitteilen, mm
den ihre geſamten Betriebe am Mittwoch früh zur üblichen N
wieder geöffnet, nachdem der Schiedsſpruch zum Werkze=)
macherſtreik am Montag nachmittag für verbindlich erklärt ue
den iſt.
WeiterergeringerRückgang der Arbeitsloſigk
Berlin, 12. März.
In der Arbeitsloſenverſicherung hat ſich der Rückgang der Zahl
Hauptunterſtützungsempfänger in der Zeit vom 15.—29. Februar 123
in dem gleichen langſamen Tempo fortgeſetzt, wie in der erſten
Februn=
hälfte. Die Geſamtzahl der Hauptunterſtützungsempfänger war am
Februar d. Js. rund 1237 500 gegenüber 1 291 000 am 15. Februar 194.
Die Abnahme beträgt alſo 53 500 oder 4,1 v.H. Der Rückgang macht.
den männlichen Arbeitsloſen 4,7 v.H. aus, dagegen bei den weiblickn
nur 0,3 v.H. Die Kriſenfürſorge zeigt für den gleichen Zeitraum m
einen geringen Rückgang um 0,3 v. H. (rd. 215 000 Hauptunterſtützunng
empfänger am 29. Februar gegenüber 215 500 am 15. Februar d. Js.
Während in der erſten Februarhälfte die Zahl der männlichen Hau
unterſtützungsempfänger in der Kriſenfürſorge um 1 v.H. geſtiegen, 5t
der weiblichen dagegen um 3,2 v.H. gefallen war, iſt in der Zeit vau
15.—29. Februar 1928 die Zahl der männlichen Hauptunterſtützunm
mpfänger um 0,6 v.H. zurückgegangen, dagegen die Zahl der weiblichp=
Hauptunterſtützungsempfänger um 14 v.H. geſtiegen. Die Zahl E
Notſtandsarbeiter hat in der Berichtszeit um rund 16 v.H. zugenommt!
und betrug am 29. Februar insgeſamt 67 700; davon entfallen auf Pc
ſonen, die in der Arbeitsloſenverſicherung unterſtützt worden ſind, rum
51600, und auf ſolche, die in der Kriſenfürſorge unterſtützt worden ſinn
16 100. Der langſame Rückgang der Arbeitsloſigkeit dürfte im weſenn
lichen darauf zurückzuführen ſein, daß die Saiſonarbeiten, insbeſonder
m Baugewerbe, infolge der ſchwankenden Witterung und aus andere
Gründen nur zögernd in Gang kommen.
Die rumäniſche Regierung billigt Titulescug
Verhalten in der Optantenfrage.
TU. Bukareſt, 12. März.
In einem außerordentlichen Miniſterrat wurde heute beſchloſfen, d.0
Haltung Tituleseus in der Optantenfvage gutzuheißen. Außenpolitiſ,”
hätte ſich nühts geändert, was den Rücktritt der Regierung notwends
machen würde. — In einer Sitzung der Regierungsmehrheit wurt
Bratianu die Unterſtüitzung der Regierung zugeſichert. Sowohl i
Senat wie in der Kammer brachten die Regierungsparteien einen Autra)
in, die Erklärungen Tituleseus, vor dem Rat, ſowie ſeinen Beſchluß
nach dem Rumänien vor dem Schiedsgericht in Paris nicht erſcheinew
werde, gutzuheißen. Für die Nationale Bauernpartei erklärte der Abgr
Madgearu, Rumänien könne den Beſchluß des Rates nicht annehmen!
Die Regierung müſſe die Verandwortung tragen, da ihre Politik dam
ſchuld ſei, daß der Rat ſeinen Beſchluß vom Dezember bis zum Mälz
revidiert habe. Die Bauernpartei fordere deshalb Neuwahlen.
200. Geburtstag des Malers Mengs.
Raphael Mengs
wurde als Sohn des Dresdener Hofmalers Ismael Mengs 1
200 Jahren am 12. März 1728 geboren, war 1744—54 Hofmal
in Dresden, 1754—61 Direktor der Malerakademie in Ro
1761—76 Hofmaler in Madrid. Seine Hauptwerke ſind „Himm
fahrt Chriſti” (Dresdener Hofkirche) und „Apollo mit den Muſe
(Rom). Der Künſtler ſtarb 1779.
gründen dieſer Steinwelt nur der Kaktus. Indeſſen gibt es auch
heitere Ausflüge, ſo nach Laguna und Caſa de Agua, wo weite
Lorbeerwälder beginnen, oder nach Sanct Andrea am Meer, wo
die Felſen ſeltſame Ueberſchneidungen bilden und die Mädchen
noch antike Gefäße auf den Köpfen tragen. Schönheiten wird
man freilich vergeblich unter ihnen ſuchen.
Folgt man in den Bergen der Waſſerleitung, ſo kommt man
zu einer urweltlich wirkenden Anſiedlung. Hier wohnen Men=
ſchen in Felſenhöhlen, die nur hier und da durch Mauerwen
etwas wohnlicher gemacht ſind. Drinnen ſtehen Betten, liegen
Teppiche, und das ganze wirkt nicht ärmlicher, eher wohlhäbigel
als die Armenſtadt unten am Hafen von Veracruz. Was ſind
das für Menſchen, die da hauſen? Von Nationalität Spaniel,
aber auch der Spanier iſt nur von Afrika und dem Mittelaltel
her in ſeiner zeitfremden Art zu begreifen.
Das bei weitem wichtigſte auf der Inſel iſt indeſſen der
Aus=
flug nach der Nordſeite, wo ſich der berühmte Pic de Teyde
er=
hebt. Es geht eine Straßenbahn nach Tacoronte, und von hiek
aus erreicht man leicht die immergrünen Wälder der Baumerika
und mehrerer Lorbeerarten. Wer über 1200 Meter ſteigt, wird
ſich wieder heimatlicher berührt fühlen, denn das Hochgebirge iſt
überall ähnlich. Fichtenwälder, Erikaſträucher und Ginſter
erin=
nern an unſere Alpenwelt, doch kommt der Schnee faſt nie unter
1500 Meter herab. Kehrt man gegen Abend zurück, ſo kann man
ſchnell aus nordiſcher Einſamkeit in primitiv=bibliſche
Menſchen=
gemeinſchaft geraten: Unter Palmen, die im Sonnenuntergang
glühen, erhebt ſich ein einfacher Brunnen, um den Kinder und
Frauen mit ſchönen Gefäßen einem Greis lauſchen, der eben au
einem Maultier angekommen iſt, das ein Knabe hält. Kehrt man
dann bei einbrechender Dunkelheit, etwa an einem Feiertag, in
das Dorf zurück, dann iſt man wieder mitten in dem katholiſchen
Spanien: Hell erleuchtete Kirchen, eine Prozeſſion unter den
Bäumen des bunt illuminierten Marktplatzes, dunkeläugige
Bauernmädchen im Gedränge, eine ungeheuere nächtliche
Bewegk=
heit, die auch im Winter nichts an Lebendigkeit verliert, da das
Thermometer ja nie unter 10 Grad, auf der Südſeite der Juſel
ſogar nie unter 12 Grad fällt. Auch der Sommer iſt immer
tem=
periert. Ich habe dort einmal im Juli bei bedecktem Himmel es
zu kühl gefunden, während ich las, daß in Berlin Leute am
Hitz=
ſchlag ſtarben.
Was nun der Inſel Tenerife ihren Ruf verſchafft hat, iſt der
Pico de Teyde, ein faſt 4000 Meter hoher erloſchener Vulkan, aus
deſſen Spalten noch hier und da Rauch aufſteigt, wie in den
Sol=
fataren bei Neapel. Die ſchwierige Beſteigung wird von Orotava
aus unternommen, oberhalb Puerto Orotava, das man von
Tacoronte aus in zwei Stunden erreicht. Den Punkt, wo ſich die
Landſtraße plötzlich gegen das Meer hin ſenkt, hat Alexander von
Humboldt den ſchönſten Ort der Erde genannt, und vielleicht hat
er damit recht. Aus lieblichem Wieſengelände hebt ſich über
dunkeln Kaſtanienwäldern der ungeheuere, mit vulkaniſcher Aſche
bedeckte Bimsſteinkegel empor, deſſen Gipfel bis zum Frühjahr
ſchneebedeckt iſt. Sanft anſteigendes Gelände, mit Dattel= und
Kokospalmen, Bananen, Zuckerrohr, Drachenbäumen, Baumwolle
und Wein bepflanzt, trennt das Gebirge vom Meer mit dem
lebhaften Hafenſtädtchen.
uammer 73
Dienstag den 13 März 1928
Die Senmiswahlen ii Bolen.
Günſtiger Wahlausgang
ür den Minderheitenblock.
r Minderheitenblock die zweitſtärkſie Partei
im polniſchen Senat.
Warſchau, 12. März.
Wie Wahlen zum polniſchen Senat wurden geſtern abend
tkulich um 9 Uhr abgeſchloſſen. Während bei den Seimwahlen
diieſe Zeit die Wahllokale teilweiſe noch überfüllt waren und
ſaher der Wahlakt länger hinzog, war geſtern die
Stimm=
me ſchon zu früher Stunde faſt vollkommen erledigt. Ueberall
chote ſich eine große Wahlmüdigkeit bemerkbar. Man rechnet
leiner durchſchnittlichen Wahlbeteiligung von noch nicht 40
puent. In einzelnen Teilen Kongreßpolens ging die
Wahlbe=
jahrung ſogar bis auf 20 Prozent zurück. Im Gegenſatz zur
ſhalmüdigkeit in Kongreßpolen wurde in den ehemaligen
deut=
in. Gebieten wieder teilweife bis zu 100 Prozent gewählt. Nach
ſaus Pommerellen vorliegenden Nachrichten iſt anzunehmen,
ſDie polniſchen Sozialiſten ihre Stimme zum größten Teil auf
Liſte des Minderheitenblocks abgegeben haben, da ſie ſelbſt
n‟ Ausſicht hatten, in Pommerellen ein Senatsmandat zu
er=
gen. In Oſt=Oberſchleſien haben die Deutſchen
cderum einen glänzenden Sieg davongetra=
In der Stadt Kattowitz ſelbſt haben ſie faſt die doppelte
eunmenzahl wie der Regierungsblock auf die Liſte 18 vereinigt.
ſtwurden abgegeben für Liſte 1 (Regierungsblock) 9400
Stim=
m und für Liſte 18 (Minderheitenblock) 17 064 Stimmen. Auch
Keongreßpolen und in den Oſtgebieten hat der
Minderheiten=
ſehr gut abgeſchnitten, da ein großer Teil der Stimmen, die
ſoen Seimwahlen auf Splittergruppen der Minderheiten
ab=
gülben wurden und daher verloren gingen, jetzt dem
Minder=
inenblock zugefallen iſt.
In den Wahlkreiſen waren 93 Senatoren zu wählen, wäh=
1. 18 Sitze auf Grund der Staatsliſte verteilt werden. 22
Wahl=
tuin waren eingereicht. Zwei wurden jedoch für ungültig
er=
ann, und zwar eine kommuniſtiſche Liſte der Weſtgebiete und die
ſeder ukrainiſchen Arbeiterpartei. In Pommerellen fiel
außer=
u. die Liſte 25 (Katholiſcher Block) aus, die von den Vereinigten
fraifſten und Chriſtlich=Demokraten aufgeſtellt worden war, aber
formellen Gründen für ungültig erklärt wurde.
Es liegen nunmehr aus ſämtlichen 17 polniſchen Wahlkreiſen
e vorläufigen Endergebniſſe der geſtrigen Senatswahlen vor.
au nach ſind im ganzen 93 Senatoren gewählt worden. Die
Er=
ihmiſſe ſtehen inſoweit noch nicht feſt, als die Mandate von der
türatsliſte auf Grund der Reſtſtimmen noch ausſtehen. Das
Er=
ehmis geſtaltet ſich für die Minderheiten noch günſtiger als nach
ei erſten Ausrechnungen anzunehmen war. Es ſind gewählt:
iſre 1 Regierungsblock 39 Senatoren; Liſte 2 Sozialiſten 8; Liſte
MKationale Bauernpartei 6; Liſte 7. Nationale Arbeiterpartei 2;
itke 8 Ukrainiſche Arbeiter und Bauern 1; Liſte 10 linksſtehende
watern 3: Liſte 18 Minderheitenblock 17: Liſte 21 Regierungs=
(ahck in Poſen 1: Liſte 24 Katholiſcher Nationalblock 10; Liſte 25
Fullniſch=katholiſcher Block 5. Der Minderheitenblock zieht alſo als
meitſtärkſte Partei in den Senat ein und muß daher den
ſtell=
en tretenden Senatspräſidenten ſtellen.
Warſchau, 12. März.
Die Deutſchen haben auch bei den Senatswahlen gut
abge=
cnitten, da ſie wiederum in der früheren Stärke in den Senat
ihrziehen werden. Für das verlorene zweite Mandat in
Ober=
clleſien iſt ein neues im Korridor erobert worden, ſo daß ſich die hingearbeitet werde. Ein Staat, der das Recht des Menſchen auf
ſiu=uverteilung der fünf deutſchen Mandate folgendermaßen
dar=
tüllt: in Oberſchleſien, Poſen, Pommerellen und Lodz je ein
fergt gegenüber dem Seim=Wahlergebnis keine beſonderen
Ver=
inſ derungen. Es wäre nur zu begrüßen, daß der vollkommene nalen Minderheiten ſtets achten werde, ſo verlange es die
Zuiſammenbruch der Rechtsparteien im neuen Senat noch klarer
zuttage tritt.
Niemand ſollte verſäumen, hier einige Tage zu verweilen
urad die paradieſiſchen Gärten zu beſuchen, etwa Sitio della Pi;,
yw Humboldt lebte, oder den Beſitz der Marqueſa della Quinta.
Siehr beſuchenswert iſt auch der botaniſche Garten mit ſeinen
fnaichttragenden Kaffeebäumen. Hier ſtand jener berühmte, 6000
Jahre alte Drachenbaum, der 1868 von einem Sturm zerſtört
murde. Geringere, aber doch noch recht gewaltige Exemplare
gſeben noch heute den Gärten der Inſel ihr Gepräge. Eine
be=
ſocheidene, aber zierliche Verwandte iſt die Dracaene unſerer
Treib=
häuſer und Blumentiſche.
Es iſt unendlich reizvoll, die Straße über Puerto Orotava
hanaus am Meer durch dieſe ſchon tropiſche Vegetation, welche
due Riviera in den Schatten ſtellt, weiter zu verfolgen bis zu dem
werwunſchenen Märchenort Jcod los Vinos. Man iſt am
weſt=
lithen Ende europäiſcher Kultur angelangt: ſpaniſches Mittelalter,
meegen ſeiner Entlegenheit noch ſpaniſcher, als Spanien heute
ſſelber noch iſt. Hier muß man freilich auf „Komfort” verzichten,
un einer mehr als einfachen Fonda, aber bei braven Leuten
woh=
ſiten. Der Ort iſt terraſſenförmig am Hügel aufgebaut:
würfel=
ſtörmige, farbig getünchte Häuſer, teils mit grüner, tenerifiſcher
oolzarchitektur verziert, weiß ummauerte Gärten, dazwiſchen die
graugrün wogenden Bananenplantagen und tauſendjährige
9rachenbäume. Wenige Menſchen ſind in den Gaſſen, ſtehen hier
mnd da, wie verzaubert, auf den Dächern. Alle ihre Gebärden
ſand langſam. Die Fenſterläden ſind faſt immer geſchloſſen, nur
minter dem Poſtigo, durch den die Hausbewohner unbemerkt die
SStraße überblicken können, ſieht man bisweilen zwwiſchen Blumen
min paar ſtill beobachtender Frauenaugen. Um die Kirchen, wie
bei uns, altertümliches Gemäuer mit brennend farbigen Blüten,
arber alles ſtarr und fremdartig. In den einſtöckigen Häuſern der
1Armen iſt es ein wenig lebhafter. Hier ſitzen nähende, die
berühm=
den Spitzen klöppelnde Frauen vor der Tür oder am offenen
Fen=
huter, aber auch ſie haben nichts von der ſonſtigen ſüdländiſchen
GBeſchwätzigkeit. Sie ſcheinen da ſeit Jahrhunderten zu hocken
uund ſtill an ihrem Brautgewand zu nähen, bis der Märchenprinz
hommt und ſie aus dieſem verherten Schweigen erlöſt. Hier ver=
Ulingt Europa im Ozean. Aber ſind wir denn noch in Europa?
Wielleicht ſind dieſe Inſeln weſtlich von Afrika Trümmer des
uintergegangenen Kontinents Atlantis.
Will man nun wieder zu der Südküſte der Inſel zurückkehren,
ſo empſiehlt es ſich, über das Gebirg zu reiten. Nur ſo lernt man
ſen ganzen Zauber dieſer üppigen Vegetation kennen. Die
nied=
rigſte Einſenkung der Bergkette, Los Cumbres genannt, iſt der
PPaſo del Gil. Oben hat man den „Blick über zwei Meere”, wie
lähn Nietzſche auf der Spitze von Portofino pries. An der Süd=
Füſte erreicht man das Städtchen Guimar, von wo die Landſtraße
wach Veracruz zurückführt.
Einſpruch der Deutſchen gegen die Senats”
wahlen in Oſioberſchleſien.
Kattowitz, 12. März.
Die zweite Hälfte der von den Senatswahlen eingegangenen
Ergebniſſe hat die Zahlen ſo verſchoben, daß die
Regierungspar=
tei die größte Stimmenzahl und damit zwei Mandate erhalten
hat. Die deutſche Wahlgemeinſchaft hat ein Mandat verloren.
Die Stimmen verteilen ſich wie folgt: Regierungspartei 134 800,
Deutſche Wahlgemeinſchaft 115 774, Korfanty 66 947, Sozialiſten
33 222. Die Regierungspartei erhält zwei Mandate, die Deutſche
Wahlgemeinſchaft und Korfanty je eines, ein Ergebnis, das in
keiner Weiſe dem Ergebnis der Seimwahlen entſpricht, bei denen
die Deutſche Wahlgemeinſchaft die ſtärkſte Partei war. Dieſer
Umſchwung konnte nur dadurch erzielt werden, daß faſt überall,
beſonders aber in den kleinen Orten, die Stimmabgabe öffentlich
vor ſich gehen mußte. Die Mitglieder der Wahlkommiſſion
kon=
trollierten ſogar in den meiſten Orten, welche Zettel die Wähler
in den Umſchlag ſteckten. Das hat dazu geführt, daß viele
tau=
ſende von Deutſchen, die nicht Brot und Arbeit verlieren wollten,
den Zettel der Regierungspartei abgeben mußten. Ferner iſt an
manchen Orten das Wahlergebnis noch anders beeinflußt
wor=
den, daß ein Proteſt der Deutſchen Wahlgemeinſchaft erfolgen
dürfte. In dem großen Induſtrieorte Bielſchowitz und anderen
Orten haben polniſche Wahlvorſteher die deutſchen Stimmzettel
durch polniſche erſetzt. Dagegen erhobene Einſprüche waren
er=
gebnislos. Mit ſolchen und anderen Mitteln war es der
Regie=
rungspartei gelungen, an die Spitze zu kommen und zwei
Man=
date zu erobern.
Die Verfolgung der Deutſchen in Südtirol.
Innsbruck, 12. März.
Der Gaſthof Gruber im Bozener Boden wurde geſperrt,
weil dort einige italieniſche Arbeiter erklärt hatten, daß
Muſſo=
lini nicht mehr lebend zurückkehren ſolle, wenn er am 24. Mai
an der Enthüllungsfeier des Siegesdenkmals in Bozen
teilneh=
men würde. Die Kellnerin, die dieſes Geſpräch mit angehört
hatte und auf die Frage, was die Deutſchen zu dem Attentat auf
Muſſolini ſagen würden, geantwortet habe, daß ein Anſchlag auf
Muſſolini nur ſchlimme Folgen haben würde, wurde verhaftet.
Der „Tiroler Anzeiger” bringt eine Mitteilung der Zeitung
„Tirolia”, nach der der Miniſterrat beſchloſſen habe, 84 Beamte
der Etſch=Provinz nach Inneritalien zu verſetzen. An ihre Stelle
ſollen im Austauſch Staatsbeamte aus Venetien und Toskana
treten. Am Mittwoch ſollen, wie der „Tiroler Anzeiger” erfährt,
in den Schulen von Bozen und Meran die deutſchſprachigen
Lehrbücher eingezogen worden ſein. Oeſterreichiſche und deutſche
Zeitungen ſeien in den Hotels ſo gut wie nicht mehr zu finden,
da ſie meiſt an der Grenze zurückgehalten würden.
Eine Entſchließung zur Südtiroler Frage.
Berlin, 12. März.
Der Verein für das Deutſchtum im Auslande nahm in ſeiner
geſtrigen Hauptausſchußſitzung eine vom Reichsminiſter a. D.
Dr. Külz vorgelegte Entſchließung zur Südtiroler Frage an. Es
wird unter anderem betont, daß wohl kein Zweifel darüber be=
Die deutſchen Senatorenmandate in Polen.” ſtehe, daß das den Deutſchen in Südtirol ſeit ihrem
Uebergang in den italieniſchen Staatsverband
verpfändete Königswort auf Schutz ihrer
Kul=
turund ihrer deutſchen Eigenart nicht
eingehal=
ten, ſondern daß planmäßig auf Vernichtung dieſer Eigenart
ſein Volkstum und ſeine Kultur nicht achte, verſündige ſich an
den urſprünglichſten Menſchheitsrechten. Wie das deutſche
Mandat und das fünfte auf der Landesliſte. Das politiſche Bild! Volk getreu der von ihm befolgten Friedens= und
Verſöhnungs=
politik die Eigenart der im Deutſchen Reiche wohnenden
natio=
gleiche Achtung der deutſchen Minderheiten in
fremden Staatsgebieten.
Zu Klopſiocks 125. Todestag.
Das Geburtshaus Klopſtocks. — Im Oval: Porträt des Dichters
Friedrich Gottlieb Klopſtock.
Der Dichter des „Meſſias” iſt vor 125 Jahren, am 14. März 1803,
in Hamburg geſtorben. Er wurde 1724 in Quedlinburg geboren,
ging 1751 auf Einladung des Königs von Dänemark nach
Kopen=
hagen und ließ ſich 1771 in Hamburg nieder. Klopſtock hat durch
die Wahl ſeiner Stoffe, durch den Bilderreichtum ſeiner Sprache
und durch die Einführung antiker Versmaße die Dichtung ſeiner
Zeit ſtark beeinflußt. Die Nachwelt kennt ihn vor allem als
Dichter des großen religiöſen Epos „Meſſias”.
Die andere der beſuchenswerten kanariſchen Inſeln, Gran
Canuria, erreicht man in einer bequemen Nachtfahrt von
Vera=
eruz aus. Die Hafenſtadt Las Palmas läßt ſich freilich nicht mit
Seite 3
Ruſſiſche Zuſtände.
DieVerhaftung der deutſchen Ingenieure.
/Be=
mühungen um ihre Freilaſſung. / Erklärungen
Rykows im Moskauer Sowjet.
Die geheimnisvolle Verhaftung deutſcher Ingenieure und
Techniker in Südrußland hat ſelbſtverſtändlich auch in
maßgeben=
den Berliner politiſchen Kreiſen außerordentliches Aufſehen und
das peinlichſte Befremden hervorgerufen. Die Anſchuldigungen
erſcheinen rein ſachlich ſo überaus unſinnig, daß man ſich fragen
muß, welche Kräfte hierbei ihr dunkles Spiel hinter den Kuliſſen
treiben. Was nun die „verhafteten Ausländer” betrifft, ſo iſt
zu=
nächſt feſtzuſtellen, daß bisher lediglich von einer Verhaftung
deutſcher Staatsangehöriger etwas verlautete. Die Angelegenheit
wird dadurch nicht klarer, daß in einer Vollverſammlung des
Moskauer Sowjets Rykow wörtlich ausführte: In die
Angelegen=
heit (gemeint iſt das angebliche Komplott) finden wir nicht nur
ſogenannte Sowjetbürger verwickelt, die ſich nunmehr vor dem
Gericht der proletariſchen Dikratur verantworten werden, ſondern
aus Ausländer. Ich will nicht den Gedanken zulaſſen, daß
deutſche oder engliſche (!) Firmen, die mit uns zufammenarbeiten,
als ſolche ſich mit derartigen Dingen beſchäftigt haben. Es ſteht
aber feſt, daß ihre Vertreter und Beamten unmittelbar Mitglieder
des Komplotts ſind. Einige dieſer fremden Spezialiſten ſind
ver=
haftet worden und werden vor Gericht erſcheinen.” Wie ſtark
hier augenſcheinlich politiſche Momente eine Rolle ſpielen müſſen,
geht ſchon daraus hervor, daß nach kaum 40ſtündiger Verhaftung
der Deutſchen ſchon ein Kommuniqué herausgegeben wurde, in
dem die Schuld derſelben als über jeden Zweifel geſtellt wurde.
Es iſt übrigens recht bezeichnend, daß Rykow in ſeiner Rede
davon ſprach, daß ſich in den letzten Jahren eine bedeutende Zahl
von Sozialiſten zu aufrichtiger Mitarbeit in der Sowjetwirtſchaft
bereit fand, daß es aber andererſeits notwendig wäre, die
Auf=
deckung der Don=Verſchwörung dazu zu benutzen, um von den
ſchwankenden ſozialen Ekementen endgültig Klarheit zu erhalten.
Unter ihnen beſtünde zur Zeit immer noch eine gewiſſe
kaſten=
mäßige Abſchließung. Uebrigens iſt es in dieſem Zuſammenhange
auch ſehr intereſſant, daß auf Befragen der verhafteten AEG.=
Angeſtellten der ruſſiſche Polizeikommiſſar ihnen erklärte, ſie
unterhielten enge Beziehungen zu antibolſchewiſtiſchen
Organi=
ſationen außerhalb Rußlands und in deren Auftrag hätten ſie
in den Gruben des Donezbeckens Sabotage getrieben, um die
Sowjetregierung zu ſchädigen. Dabei iſt nun zu bemerken, daß
tatſächlich die Verhafteten zur Abnahme einer fertiggeſtellten
Tur=
binenanlage nach Rußland gekommen waren und daß für dieſe
Anlage die WEG. eine 1½jährige Garantie übernommen hat.
Schon dadurch wird die Beſchuldigung der Sabotage=Abſichten
ad absurdum geführt.
An maßgebender Berliner Stelle wird ſelbſtverſtändlich
zu=
nächſt in der ganzen Angelegenheit die gebotene Zurückhaltung
geübt, da man ſich über den ganzen Sachverhalt erſt eingehend zu
informieren wünſcht. Der deutſche Konſul in Charkow hat ſich
ſofort nach der Verhaftung der deutſchen Vertreter der AEG. und
der Firma Koppers u. Co. in Eſſen mit den örtlichen Behörden
in Verbindung geſetzt und um Aufklärung des Zwiſchenfalles
er=
ſucht. Gleichzeitig hat er die deutſche Botſchaft in Moskau von
dem Vorfall verſtändigt. Bisher ſind die Bemühungen des
Charkower Konſuls um eine Freilaſſung der
Verhafteten erfolglos geblieben.
Graf Brockdorff=Rantzau hat ſich inzwiſchen mit dem Berliner
Auswärtigen Amt in Verbindung geſetzt und darüber himnaus
auch in der Angelegenheit mit dem ruſſiſchen Außenkommiſſar
Tſchitſcherin verhandelt. Dieſer hat erklärt, daß er noch keine
näheren Nachrichten in der Angelegenheit habe und dieſe erſt
ab=
warten müſſe. Darauf hat der deutſche Botſchafter Tſchitſcherin
gebeten, nach Eingang der Akten ihm das Material zur Einſicht
zu überlaſſen.
Auch in Berlin bemüht man ſich in den betroffenen Kreiſen
um Aufklärung und vor allem auch um Freilaſſung der
Ver=
hafteten. Der Leiter der AEG., Geheimrat Deutſch, hatte mit dem
ruſſiſchen Botſchafter in Berlin, Kreſtinſki, eine Beſprechung, bei
der der Botſchafter jedoch ebenfalls ſich abwartend verhielt, weil
bei ihm noch keine näheren Nachrichten vorlagen. Dem zurzeit
in Moskau weilenden Direktor der Rußland=Abteilung der AEG.,
Bleimann, iſt inzwiſchen wenigſtens die Möglichkeit zugeſagt
wor=
den, die Verhafteten perſönlich ſprechen zu können.
Wie die Direktion der AEG. mitteilt, ſind die Verhafteten der
Oberingenieur Ernſt Goldſtein, der bisher in der Turbinenfabrik
angeſtellt war, Ingenieur Otto und Monteur Meyer. Alle drei
ſtänden ſeit einer Reihe von Jahren in den Dienſten der AEG.
und ſeien unbedingt zuverläſſige Leute, bei denen es vollkommen
ausgeſchloſſen ſei, daß ſie ſich irgendetwas hätten zuſchulden
kommen laſſen.
dem anmutig provinzialen Veracruz vergleichen. Hier ſind
Lager=
häuſer, Warenſpeicher, nüchterner Betrieb, Weltverkehr, Staub,
Geſchrei, Geſtank, amerikaniſches Tempo: Kolonialwelt. Um ſo
großartiger aber iſt die Landſchaft im Innern der Inſel. Man
fährt nach Monte hinauf, das ſich zu längerem Aufenthalt
beſon=
ders eignet. Da iſt wieder reine, vulkaniſche Landſchaft, aber ohne
die Furchtbarkeit der „Barrancos” auf Tenerifa. Die tiefen
Kraterlöcher ſind völlig begrünt, auf dem Grund liegt nicht ſelten
eine menſchliche Anſiedlung, von fruchtbaren Feldern umgeben.
Auch hier gibt es ein ſonderbares Höhlendorf Atalayo.
Die übrigen Inſeln — es ſind noch etwa ein Dutzend —
wer=
den von Fremden vorläufig noch nicht beſucht.
2. Kammermuſik=Abend des Drumm=Quartetts.
Es mögen ſo achtzig Menſchen geweſen ſein, die geſtern abend
um 2. Kammermuſikabend unſeres erſten Streichquartetts kamen.
Fſt das nicht eine Schande? Sogar die Drumm=Gemeinde
ver=
gte geſtern abend. Nal ein Glück, daß die Künſtler nicht
miß=
geſtimmt wurden. Sie ſpielten ſo freudig und ſchön, wie nur ſe.
in Streichquartett von Duhnanyi (ich meine, der geniale
Kla=
ierſpieler iſt jetzt in Budapeſt Leiter des ſtaatlichen
Konſervato=
ums) eröffnete den Abend. Von dem Komponiſten Dohnann
t mir nur bekannt die Pantomime „Der Schleier der Pierette‟,
e vor Jahren im ehemaligen Hoftheater aufgeführt wurde und
ſie ihn ſtark im Banne von Richard Strauß zeigte. In ſeinem
pus 15 hat er ſich von dieſem Einfluß durchaus frei gemacht.
S erinnert viel mehr an böhmiſche Vorbilder, bietet namentlich
n den kleinen Formen reizvolle Muſik und hat Temperament für
in ſcherzoartiges Allegro und die Verträumtheit für ein
ſchwer=
lütiges Adagio. Stimmungsvoll iſt der fragende Schluß des
indante, der das ganze Werk auch beſchließt, das, merkwürdig
enug, in einem langſamen Satz ausklingt. Die Wiedergabe gab
em Stück alles, was zum Erfolg nötig iſt, die techniſche
Ueber=
egenheit und die blühende Schönheit des Klangs.
Und dann kam die Itälieniſche Serenade für Streichquartett
n Hugo Wolf. Sie dauert ungefähr zehn Minuten; aber zehn
inuten voll unſagbarer Anmut und überquellenden melodiſchen
teizes. Dieſe zehn Minuten bedeuten ein großes Meiſterwerk
r Kleinkunſt, dem die vollendete Wiedergabe den ganzen
Zau=
wahrte und der auf die achtzig Genießenden überſprang, ſo
6 — es ſei den Künſtlern gedankt — aus zehn Minuten
zwan=
wurden, da ſie die Serenade wiederholten. So ſehr wurden
ück und Spiel bejubelt. Leider konnte ich Griegs
Streichquar=
tt Opus 27 nicht mehr hören; dafür hatte ich aber noch lange
eſe kleine Juwelenſerenade im Ohr.
O.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger
Anteilnahme bei dem Heimgange
meines lieben, treuen Mannes,
unſe=
res unvergeßlichen Vaters und
Schwiegervaters
Herrn Schneidermeiſter
Peter Müller
ſowie, für die überaus zahlreichen
Blumen= und Kranzſpenden und für
die troſtreichen Worte des Herrn
Pfarrer Goethe ſagen wir unſeren
herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſiadt, den 12. März 1928.
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Heimgange unſeres
lieben Entſchlafenen
Adam Hornung
ſprechen wir unſern innigſien Dank
aus.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Hornung und Familie
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[ ← ][ ][ → ]Mummer 73
Dienstag den 13 März 1923
Seite 3
AAus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 13. März.
— In den Ruheſtand verſetzt. Auf Grund des § 1 des Geſetzes über
MAlltersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember
(Reg.=Bl. S. 509 und 511) in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Okt.
(Reg.=Bl. S. 249) tritt der Vorſtand des Gewerbeaufſichtsamts zu
ſeien, Obergewerberat Dr. Franz Gerhard, in den Ruheſtand
ſWVirkung vom 1. Juni 1928 an.
— Verleihung des Profefſortitels. Das Heſſiſche Miniſterium für
laus und Bildungsweſen hat verfügt, daß der Leiter der Fachklaſſe
ſkünſtleriſchen Buchdruck an der Kunſt= und Gewerbeſchule Mainz
riſtian Heinrich Kleukens die Amtsbezeichnung „Leiter
FFachklaſſe für künſtleriſchen Buchdruck und Profeſſor” führt.
— 40jähriges Arbeitsjubiläum. Geſtern, den 12. März, konnte
=Georg Reinheimer, Stiftſtraße 41, auf eine 40jährige
Tätig=
r im Lokomotiv=Ausbeſſerungswerk Darmſtadt zurückblicken.
— Heſſiſches Landestheater. Das zweite Volkskonzert, das
viſgen Mittwoch im Großen Haus ſtattfindet, bringt unter Leitung
Generulmuſikdirektor Dr. Böhm ein beſonders reiches klaſſiſches
gramm. Zuf Händels Concerto groſſo C=Dur (bearbeitet von Mahz
hiffert), das im vierten Sinfoniekonzert dieſes Winters bereits ſo
mken Erfolg hatte, folgen zwei Baß=Arien aus dem „Meſſias”,
geſun=
mü von Theo Herrmann; dann die Serenade Nr. 6 (Nocturno) für
pei kleine Streichorcheſter, und ſchließlich die ſiebente Sinfonie A=Dur
Beethoven, die ſogenannte Tanzſinfonie. Das Konzert beginnt um
KIhr.
Kammerſänger Otto Wolf, gaſtiert nach den beiden großen Erfol=
I ſeines Triſtan und ſeines Siegfried ein letztes Mal am kommenden
ſruätag, und zwar als Turriddu in Mascagnis „Cavalleria ruſticana”
n; als Canio in „Bajazzo‟. Der allgemeine Vorverkauf zu dieſem
aiſpiel hat begonnen. Die Aufführung iſt der Miete D zugeteilt und
nicht als Wahlvorſtellung.
Heute Dienstag wird im Großen Haus „Die Stumme von
rtici” in der neuen Inſzenierung gegeben. Beginn der
Vorſtel=
rm g 20 Uhr. Aus ſpieltechniſchen Grunden wird das Werk vor Oſtern
jagt mehr gegeben werden können.
Im Kleinen Haus wird heute das Kriminalſtück „Der
drei=
eſchnte Stuhl” von Bahard Veiller zum letzten Male gegeben. Die
fürſtellung beginnt um 20 Uhr.
Die erſte Wiederholung von Natanſons Komödie „Cveurbube‟
indet Mittwoch, den 14. März, ſtatt. Die Aufführung begiant 20 Uhr.
— Ehrenvolle Einladung. Der Regiſſeur am Heſſiſchen
Landes=
huater Rudolf Scheel wurde zur Mitwirkung an den Bayreuther
foſtſpielen eingeladen.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Unſere
Mäitglieder und Freunde treffen ſich morgen abend um 8 Uhr in der
Tärhniſchen Hochſchule, Hörſaal 326 (Eingang Weſtportal, gegenüber
em Landestheater) zum Lichtbildervortrag, von Herrn Prof.
E. Stiasny, Direktor des Inſtituts für Gewerbechemie, über:
us der Technik der Lederbereitung”.
— Darmſtädter Spielſchar. Wie bereits mitgeteilt, finden am
uittwoch, den 14., und Donnerstag, den 15. März, in der Aula der
undesbauſchule, Neckarſtraße 3, abends 8 Uhr, unſece beiden
Schwank=
ende ſtatt. „Das böſe Weib” (Wieſebach, „Der Fremde (Lienhard),
je Kreatur” (Moliere) ſind drei Spiele voll köſtlicher Komik, deſſen
ſch bewegte Handlung fröhlichſtes Lachen zaubert und dabei tiefe
Abenswahrheiten enthüllt. Möchten viele Beſucher ſich einfinden!
Huarten ſind bei Muſik=Arnold am weißen Turm zu 0,80 Mk. zu haben.
ſeitglieder, die unſer Bote nicht zu Hauſe traf, können dort gleichfalls
Hrarten zu 0,60 Mk. bekommen.
— Diskuſſionsabend. Am Mittwoch abend, 8.30 Uhr, findet in dem
ugendheim Alexanderſtraße 22 ein öffentlicher Diskuſſionsabend
ſtatt über die Fragen: „Darf ich mein Leben vernichten? Darf der Arzt
lobensunwertes Leben vernichten?‟ Das einleitende Referat erſtattet
Atudienrat Dr. Avemarie.
— Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Welchen Umſchwung
hrrachte die Nacht vom Samstag auf Sonntag im Wetter. Troſtlos ſchien
dee Wanderung am Sonntag zu werden. Aber dann gab es eine
herr=
lu he Winterwanderung mit Schnee und Eis und feſtgefrorenen Wegen.
2wurch den Winterzauber war der ganze Weg, den die Wanderung
führte, zu ſeinem Vorteil verändert. Flachlandwanderungen gegenüber
der berggewohnte Wanderer immer etwas mißtrauiſch, und es ſind
guute Führereigenſchaften nötig, um ſolche Wanderungen
abwechſlungs=
mich zu geſtalten und zu zeigen, daß das Flachland auch ſeine
Schön=
heiten hat. Wenn dann noch Wetterglück hinzutommt, die
Heinzelmänn=
cen ſchaffen über Nacht ein Zauberreich, wenn Wald und Feld flimmern
und glitzern in ſilberner Pracht, dann gibt es keinen Wanderer, der es
bereut, eine Flachlandwanderung mitgemacht zu haben. Wie durch ein
Märchenreich ging der Marſch von Klein=Gerau nach Mönchbruch im
öerauer Wildpark, weiter über Mörfelden, am Nauheimer Falltorhaus
und Schloß Wolfsgarten vorbei nach Langen. Am Ortseingang von
Grangen ſtand eine Muſikkapelle bereit zum Empfang; mit klingendem
SSpiele ging es durch Langen zur Einkehr in den „Adler‟. Dort wurde
gausgezeichnet Mittagsraſt gehalten und einige gemütliche Stunden mit
ter Ortsgruppe Langen verbracht. Der Vorſitzende dieſer Ortsgruppe,
öerr Hüber, ſprach herzliche Worte der Begrüßung, auf die Herr
SStadtdirektor Schrauth für die hieſige Ortsgruppe dankte, wobei er
Aleichzeitig den beiden Führern der Wanderung, den Herren G.
Behr=
mann und W. Berntheiſel, für die vortreffliche Führung dankte.
UInter Muſik und Darbietungen der Ortsgruppe Langen verflogen die
Stunden. Unſeren beiden Mitgliedern den Herren Ph. Ewald und
ſGeck, die ihr 25jähriges Berufsjubiläum vor Tagen feierten, wurden
urch Herrn Direktor Schrauth bei dieſer Gelegenheit die herzlichſten
AVünſche ausgeſprochen, und die Geſangsabteilung, die auch ſonſt die
Wanderung und den nachfelgenden gemütlichen Teil durch Vorträge
werſchönte, ſang ihnen zu Ehren zwei Lieder. Herzlicher Dank gebührt
wer Ortsgruppe Langen für alles, was ſie für ihre Darmſtädter Klub=
Schö.
nreunde tat.
— Gartenbauverein Darmſtadt. In der letzten
Monatsverſamm=
grung wurde vom Vorſitzenden mitgeteilt, daß in dieſem Jahre der
künſt=
f.iche Dunger nicht gemeinſam bezogen wird, ſondern daß er bei entſpre=
Fhendem Ausweis durch die Mitgliedskarte zu Vorzugspreiſen bei der
ſiFFirma Ulbrich hier erhältlich iſt. — Weiter gedachte der Vorſitzende des
wor kurzem verſtorbenen Gärtnereibeſitzers Scholl, der bisher dem Vor=
Utande angehörte und der ſich durch ſein ſchlichtes Weſen allſeitig beliebt
emacht hatte. An ſeiner Bahre wurde ein Kranz niede gelegt. Anſtelle
des angekündigten Vortrags über „Die Roſe” mußte ein anderes Thema
Gbehandelt werden, da die Bilder anderweitig benutzt wurden. Die
be=
kannte Blumenfirma J. C. Schmidt in Erfurt hatte als Erſatz eine
Garbige Lichtbilderſerie geſandt, betitelt: „Ein Gang durch meinen
BBlumengarten vom Frühjahr bis Herbſt”. In meiſt prachtvoller
Aus=
führung wurden hierbei die hervorragendſten Vertreter Floras vom
SSchneeglöckchen bis zur Winteraſter im Bilde gezeigt und von Herrn
Warteninſpektor Göbel, nach ihrer Kultur und ihrer
Verwendungs=
rmöglichkeit beſprochen. Seine Ausführungen fanden vielen Beifall.
Große Bewunderung erregte auch eine weitere Bilderreihe von
märchen=
haft ſchönen Schnee= und Rauhreif=Aufnahmen aus dem
Wetterſtein=
gebirge. Sie ſind von einer hieſigen Dame hergeſtellt und dem Verein
zur Vorführung überlaſſen worden. Den Abſchluß bildete eine
reich=
haltige Freiverloſung. — Die nächſte Monatsverſammlung findet am
12. April ſtatt.
Darmſtädter Turnerſchaft.
Zu unſerem Artikel vom 4. März 1928 über den von der
Darm=
ſtädter Turnerſchaft bei der Stadtverwaltung geſtellten Antrag, eine
Straße oder einen Platz nun endlich nach dem Turnvater Jahn zu
benennen, ſchreibt uns der 1. Vorſitzende der Darmſtädter Turnerſchaft,
Rechtsanwalt Kalbhenn, daß außer den in dem Vortrag genannten
Tur=
nerführern aus Darmſtadt drei hervorragende Kreisvertreter des
Mittel=
rheinkreiſes hervorgegangen ſind, nämlich die Turner Reuter, Thierolf
und Rothermel, deren Gräber ſich auf dem hieſigen Friedhof befinden.
Die Turnerſchaft hat es nicht verſäumt, bei Beginn des Kreisturnfeſtes
die letzte Ruheſtätte ihrer unvergeßlichen Führer mit einem Eichenkranz
zu ſchmücken.
Ganz beſondere Erwähnung verdient indeſſen Alfred Maul, welcher
von 1887 bis 1895 Vorſitzender der deutſchen Turnerſchaft geweſen iſt.
Auch er iſt aus Darmſtädter Turnerkreiſen hervorgegangen.
Geboren am 13. April 1823 als Sohn des ſpäteren Erbachſchen
Kammerrates Maul in Michelſtadt, trat er bereits im Gründungsjahr 1846
der Turngemeinde Darmſtadt als Mitglied bei, während er Mathematik
und Naturwiſſenſchaft ſtudierte. Schon ſeine Kindheit hatte Maul bei
Verwandten in Darmſtadt zugebracht, da er ſchon mit 6 Jahren ſeine
Mutter und im Alter von 9 Jahren ſeinen Vater durch den Tod verloren
hatte. Bereits 1846 wurde Maul Turnwart in der Turngemeinde. Im
Jahre 1849 wurde er als Vertveter zu einer großen Turnerverſammlung
nach Frankfurt a. M. geſandt, wo er ſich als Anhänger einer
vermitteln=
den Richtung, obwohl ziemlich alleinſtehend, erfolgreich behauptete.
Der Grundzug ſeines Weſens war bis zu ſeinem am 12. Oktober
1907 erfolgten Tod: „Ruhiger, planvoller Aufbau in allen Dingen.”
Eigentlicher Anhänger der Jahnſchen Richtung wurde Maul erſt
durch die Stürme der 48 Jahre.
Enge Freundſchaft verband Maul mit Adolf Spieß, deſſen Schüler
er in den Jahren 1850 —1851 war. Nachdem Maul 1853 ſein
Staats=
examen beſtanden hatte, bemühte ſich Spieß vergeblich, ihm als ſeinem
Aſſiſtenten und Nachfolger eine Anſtellung zu verſchaffen. Dies gelang
nicht, da Maul als Tumer=Demokrat galt.
Spieß verwandte indeſſen ſeine Beziehungen zu der Schweiz und
insbeſondere zu Baſel, wo er ab 1844 Lehrer für Geſang, Geſchichte und
Turnen war, für Maul, und er erreichte, daß Maul dort im Jahre 1856
eine Anſtellung als Turnlehrer fand.
Mit dem größten Erfolg war Maul für den Ausbau des
eid=
genöſſiſchen Turnweſens tätig. Insbeſondere widmete ſich Maul der
Ein=
führung eines ſyſtematiſchen Turnunterrichts in den Schulen.
Zahl=
reiche ſchriftliche, außerordentlich wertvolle Arbeiten fallen in dieſe Zeit
unter bewußter Anlehnung an die Lehren von Adolf Spieß. — Maul
ſtellte in den Vordergrund die Gemein=Uebungen, ſowohl als
Frei=
übungen, wie auch als Geräte=Uebungen. — So turnte Maul bei dem
eidgenöſſiſchen Turnfeſt im Jahre 1860 mit ſeinen Baſeler Turnern zum
erſten Male Gemein=Uebungen am Reck, Barren und Pferd. Die
An=
regung hierzu erhielt Maul aus dem in der Schweiz üblichen Sektions=
Turnen.
Mauls Schöpfungen haben auf das deutſche Tunnen übergegriffen.
So war es kein Wunder, daß Maul im Jahre 1869 als Leiter der
Turnlehrerbildungsanſtalt nach Karlsruhe berufen wurde; dort wurde
die Ausbildung der Lehrkräfte ſeine eigentliche Aufgabe. In der
Deutſchen Turnerſchaft war Maul gleichzeitig als Vorſitzender eines
Turnvereins und als Gauvorſtand tätig, Bercits 1875 wählte man Maul
in den Ausſchuß der Deutſchen Turnerſchaft. Dies hatte eine enge
Freundſchaft mit Dr. Goetz, dem ſpäteren verdienſtvollen Vorſitzenden
der Deutſchen Turnerſchaft, zur Folge.
Maul bewährte ſich befonders als techniſcher Leiter großer
turneri=
ſcher Veranſtaltungen, was er am beſten durch die Leitung der deutſchen
Turnfeſte in Frankfurt a. M. und Dresden bewies.
So war es kein Wunder, daß Maul im Jahre 1887 als Nachfolger
des Theodor Georgi zum Vorſitzenden der Deutſchen Turnerſchaft
ge=
wählt wurde. — Im Jahre 1895 mußte er ſchweren Herzens dieſes Amt
infolge ärztlichen Rates und auch durch Abnahme ſeiner Sehkraft
nieder=
legen. Den Dank für ſeine außerordentlichen Verdienſte ſtattete die
Deutſche Turnerſchaft Maul durch Ernennung zum Ehrenvorſitzinden
ab. Trotzdem nahm Maul noch faſt an allen Sitzungen der Deutſchen
Turnerſchaft bis zu ſeinem Tode teil.
Maul war ein Mann von ſeltener Treue ud Hingabe für die
deutſche Turnſache und die hörperliche Ausbildung der Jugend,
ausge=
ſtattet mit vorzüglichen Führergaben, ein wiſſenſchaftlicher und
prakti=
ſcher Lehrmeiſter in des Wortes beſter Bedeutung zu gleicher Zeit.
Er iſt es wert, daß man ſich ſeiner am 100. Geburtstag zum 18.
April 1928 erinnert. Darmſtadt darf ſtolz darauf ſein, daß ein ſolcher
Mann ſeine erſte turneriſche Ausbildung in Darmſtadt erhalten und
durch ſeine Freundſchaft mit Adolf Spieß die Grundlage zu ſeinem fo
außerordentlich erfolgreichen turneriſchen Werdegang gelegt hat.
*Orpheum.
Zwei Volksvorſtellungen. Die Metco=Revue (
Geheim=
niſſe des Harems) gelangt heute und morgen die beiden letzten Male
bei volkstümlichen Preiſen von 60 Pfg. bis 2. Mk. zur Aufführung.
Siehe Anzeige.
— Gaſtſpiel Rudolph Nelſon im Orpheum. Rudolph Nelſon gaſtiert
ab Freitag, 16. März, mit ſeiner entzückenden Revue „Ma= der köſtlichen Winterluft erfriſchte und jagte die Stubenluft aus den
Die Darſteller ſind die gleichen wie bei dem derzeitigen Grſtſpiel im
Frankfurter Schauſpielhaus! Neben Rudolph Nelſon, der mit ſeinem
„Klavierzwilling” Kapellmeiſter Walter Joſeph ſeine
Schlager=
melodien an zwei Flügeln begleitet, ſind Käthe Erlholz (
Titel=
rolle), Senta Born, Irma Godau, Adolf Hille, Veca
Korten, Fritzi Schadl, Albert Krafft=Lortzin, Walter, eſſen wurde unter ſachkundiger Führung des Vorſitzenden des dortigen
zuheben. — Es dürfte intereſſieren, daß Rudolph Nelſon der eigentliche werte Gebäude des Ortes Dreieichenhain beſichtigt. Mit Dank an den
„Kleinkunſt=Revuen”, die in ſeinem reizenden Berliner Etabliſſement
aufführungen erlebten. — Aus dem „Sansſouci” entwickelte ſich das
„Nelſon=Theater”, die Stätte, an der ſich „Tout Berlin” ein
Stelldichein zu geben pflegte; aus den Kleinkunſt=Bildern wurden die
nicht nur die Ausſtattung die Augen gefangen nimmt, ſondern vor allen träge in Bewegung geſetzt. So flogen die geſelligen Stunden raſch da=
Dingen die Fülle und Originalität ſeiner Schlagermelodien die Ohren
Joſeph an zwei Flügeln ſeine Schlagermelodien begleitet, und zwar mit
jener unnachahmlichen Noncholance und rhythmiſchen Fineſſe, über die
Rudolph Nelſon wie kein Zweiter verfügt, geben dem kommenden Gaſt=
1—5 Mk. (Siehe heutige Anzeige ſowie Tagesplakate.)
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bei Erkältungsanzeichen.
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Reichsangeſielltenverſicherung.
In einer von 36 Vertrauensleuten und Erſatzleuten der
Reichs=
angeſtelltenverſicherung beſuchten Verſammlung wurde in Darmſtadt der
neue Ortsausſchuß Darmſtadt für die Bezirke Darmſtadt=Stadt,
Darmſtadt=Land und Dieburg gegründet. Als Vorſtand des
Ortsaus=
ſchuſſes wurden gewählt:
Direktor Dr. Gauß=Darmſtadt als Vorſitzender,
Philipp Raab=Pfungſtadt als ſtellv. Vorſitzender,
Adam Helmſtädter=Darmſtadt als Schriftführer,
Nechtsanwalt Waldemar Vogel=Dieburg als ſtellv. Schriftführer.
Als Rechnungsprüfer wurden gewählt: Karl Frdr. Eimer, Grube
Meſſel, und Johann Karl Gramling, Groß=Zimmern.
Bei der Ausſprache über die Leiſtungen der Verſicherung wurde
von verſchiedenen Seiten darauf hingewieſen, daß in den Kreiſen der
Verſicherten immer noch mancherlei Unkenntnis über die Beſtimmungen
des Geſetzes beſtehen. Der Reviſionsbeamte der NfA., Herr
Verwal=
tungsoberinſpektor Fibranz=Daumſtadt, Wendelſtadtſtraße 15 (Tel.
2308), ſowie der Vertreter des Verſicherungsamtes, Herr Verwaltungs=
Oberſekretär Rindfuß=Darmſtadt, Neckarſtraße 3 (Kreisamt),
erklär=
ten, daß ſie jederzeit bereit ſeien, Verſicherten Auskunft zu erteilen.
Ebenſo erhalten die Verſicherten von der Geſchäftsſtelle des
Ortsaus=
ſchuſſes, welche ſich von jetzt ab in Darmſtadt, Landgraf=Georgſtraße
Nr. 64, I. befindet, bereitwilligſt Auskunft. (Sprechzeit der
Geſchäfts=
ſtelle bis auf weiteres Mittwochs von 6—8 Uhr abends und
Sams=
tags von 3—5 Uhr nachmittags.)
Auf Antrag des bisherigen Schriftführers des Ortsausſchuſſes,
Herrn Hugo Weinberg, nahm die Verſammlung die folgende
Ent=
ſchließung an: „Der Ortsausſchuß Darmſtadt und Umgebung hat in
ſei=
ner heutigen Sitzung zu der Frage der Ruhegeldempfänger Stellung
genommen. Nach eingehender Prüfung iſt der Ortsausſchuß zu der
Ueberzeugung gekommen, daß die Herabſetzung der Altersgrenze auf
das 60. Lebensjahr durchführbar iſt. Aus dieſem Grunde bittet er das
Direktorium der RfA., alle Schritte zu unternehmen, die zur baldigen
Herabſetzung der Altersgrenze führen. Ferner bittet der Ortsausſchuß
das Direktorium der RfA. um Ausarbeitung einer Denkſchrift über die
Belaſtung, welche durch die Heraufſetzung des Steigerungsſatzes von 15
auf 25 Prozent eintreten wird.”
Sonderzüge.
— Der Odenwaldklub hat vor einiger Zeit an die für ſein
Arbeitsgebiet in Betracht kommenden Reichsbahndirektionen Mainz,
Frankfurt, Würzburg und Karlsruhe die Bitte gerichtet, auch in dieſem
Jahre wieder Verwaltungs=Sonderzüge nach hiſtoriſch
be=
rühmten oder landſchaftlich bevorzugten Städten und Plätzen der
deut=
ſchen Heimat verkehren zu laſſen und Zuſammenſtellungen hierüber
jetzt und in den kommenden Jahren, ſo zeitig bekannt zu
geben, daß die Ortsgruppen des Odenwaldklubs in ihrem
Wanderpro=
gramm dieſe Sonderfahrten berückſichtigen und ihre Teilnehmerzahlen
rechtzeitig feſtſtellen und anmelden können.
Die Reichsbahndirektion Mainz hat hierauf die nachſtehende
Ent=
ſchließung an die Klubleitung gelangen laſſen:
„Bei günſtiger Witterung wird im April d. Js. mit den
Sonder=
fahrten nach kulturell wichtigen Städten und landſchaftlich beſonders
ausgezeichneten Punkten der deutſchen Heimat begonnen werden. Wie
im vergangenen Jahre werden wieder eine größere Zahl von
Eintags=
fahrten und einige auf mehrere Tage berechnete Fernfahrten veranſtaltet
werden. Vorausgeſetzt, daß eine Beſichtigung des Schloſſes möglich iſt,
ſoll die erſte Fahrt der Teilnehmer am zweiten Oſterfeierrag nach
Würz=
burg führen. Für die Zeit vom 14. bis einſchließlich 17. April iſt eine
Fernfahrt nach Berlin und Potsdam vorgeſehen. Am Sonntag, 6. Mai,
iſt eine eintägige Fahrt nach Baden=Baden vorgeſehen. Es ſchließen ſich
dann in beſtimmten Abſtänden ſonntägliche Fahrten nach dem Neckar,
der Lahn, nach Oberheſſen, dem unteren Maintal, dem Frankenland,
dem Niederrhein uſw. an.
Wir werden Ihnen die weiteren Reiſeziele und den Zeitpunkt der
Fahrten ſtets frühzeitig mitteilen.
Wie Sie hieraus ſehen, werden wir unſere Sonderfahrten derart
einrichten, daß wirklich nur Wertvolles, Herz und Gemüt des
Großſtadt=
menſchen Belebendes, Aufrichtendes geboten wird, das wohl der
Unter=
ſtützung der Allgemeinheit wert erſcheint.”
Die noch ausſtehenden Antworten der anderen Bahndirektionen
werden demnächſt bekannt gegeben.
— Vogelsberger Höhen=Club, Darmſtadt. Ein Wintertag im März,
wie ihn der Zweigverein auf ſeinen ganzen Wanderungen im Winter
nicht verzeichnen konnte. Die Märchenpracht im Walde ergötzte die
Wanderer. Herrliche Bilder boten ſich dem Auge dar. Selbſt zu
Be=
ginn der Wanderung im Walde wurden ſchon im Schnee die Spuren
des aufgeſcheuchten Wildes wahrgenommen. An den Tränkſtellen
wur=
den die Spuren einer großen Menge Wildes feſtgeſtellt. Kurz danach
zeigte ſich in wilder Flucht ein Rudel prächtiger Hirſche von einer ſelten
geſehenen großen Zahl. Die Wanderung war auf dem teilweife durch
Froſt gefeſtigten Boden in den ſtark beſchneiten Schneiſen eine gute und
trotz teilweiſe feuchter Stellen doch eine ſchöne. Der Park wurde in
ſeiner ganzen Breite durchquert. Der dreieinhalbſtündige Marſch in
dame Revue (21 Bilder von Hans Heinz Zerlett) im Orpheum. Lungen. Es war für die Stadtbewohner wieder einmal eine erquickende
Wanderung. Die Frühſtücksraſt wurde kurz im Walde gehalten, die
Mittagsraſt in Dreieichenhain im Gaſthaus „Zur Krone‟. Sie kam
gerade zur rechten Zeit, obgleich die Wanderer nicht unter allzu großer
Hitze gelitten hatten. Die Aufnahme hier war eine gute. Insbeſondere
war ein gehaltvoller, Hoheraſtheimer” zur Stelle. Nach dem Mittag=
Ritter und Rolf Lindau, ſowie die Nelſon=Girls hervor= Odenwaldklubs Herrn Lehrer Fröhlich die Burg und alte ſehens=
Schöpfer der Revuen iſt! Schon vor zirka 20 Jahren ſchuf er die ſogen. Führer ſchieden wir. Doch ſchon nahten die Klubfreunde von Langen,
um uns auf ſchönem Waldwege unſerem Ziele — Langen entgegenzu=
„Sansſouci” mit einem hervorragenden Künſtlerenſemble ihre Ur= führen. Hier im Saale des „Frankfurter Hofes” entwickelte ſich bald ein
fröhliches Leben, umſomehr, als nicht allein die VHC.er von Langen,
fondern auch ſolche von Frankfurt ſich einfanden. Unſere
Geſangsab=
teilung gab den Wanderfreunden wieder gute Proben ihres Könnens
Nelſon=Revuen, jenes ſpezifiſche Genre von Revuen, in denen zum Beſten, und auch die Lachmuskeln wurden durch humoriſtiſche
Vor=
hin, und die VHC.=Familie mußte wieder auseinandergehen. Unſeren
der Zuhörer entzückt. — Die Tatſache, daß Rudolph Nelſon mit Walter Führern, VHC.=Brüder Feil und Fiſcher, aber ſei hierdurch
noch=
mals herzlich gedankt für die vortreffliche Durchführung der hohe
An=
forderungen an ſie ſtellenden Wanderung.
— Die Volksbühne gibt ihren Mitgliedern bekannt (ſiehe Inferat),
ſpiel einen ſenſationellen Charakter. — Der Kartenvorverkauf beginnt, daß ſie mit der Heſſiſchen Lichtſpieltheater A. G. (Helia) ein Abkommen
heute in den Vorverkaufsſtellen. Es gelten die Gaſtſpielpreiſe von getroffen hat, wonach die Mitglieder gegen Vorzeigung ihrer
Mitglieds=
karte zu den ſtets in dem Anzeigen=Programm der Helia beſonders
be=
nannten Kulturſilmen und zu den als künſtleriſch oder volksbildend
an=
erkannten Spielfilmen, ſowie zu den als jugendfrei bezeichneten Filmen
den nächſt höheren Platz zugewieſen erhalten als den, für den ſie bezahlt
haben. Auf jede Mitgliedskarte werden zwei Perſonen zugelaſſen. Durch
dieſen Vertrag will die Volksbühne den Kulturfilm, ſowie die
künſtle=
riſch hochwertigen Spielfilme fördern helfen und erwartet von ihren
Mitgliedern eifrige Unterſtützung der Beſtrebungen.
— Hausfrauenbund. Wir erinnern noch einmal an den Perfil=
Vortrag heute nachmittag 4 Uhr im Fürſtenſaal. Der
Rohkoſtvor=
trag mußte wegen Erkrankung der Rednerin verſchoben werden.
Emp=
findliche Wäſcheſtücke möchte man mitbringen. Wir bitten um recht
zahlreiches Erſcheinen. Gäſte willkommen.
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verkörpert im Aufbau des Gewebes, der Struktur
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Dahn und im Laboratorium gesammelten Erfahrungen.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Dienstag, den 13. März 1928
Nummer 23
Die verbotene Mitteilung einer ſirafbaren
Handlung.
Schadenerſatz wegen einer unbedachten gelegentlichen Aeußerung
auf der Meſſe.
(Nachdruck verboten.)
js. Nach der bekannten Reichsgerichtsentſcheidung IV 489/26 vom
13. Juni 1927 („Reichsgerichtsbriefe”, 23. Jahrgang, Nr. 8) dürfen in
Auskünften weit zurückliegende Beſtrafungen nicht ohne weiteres
aufgeführt, ſondern nur ſchonend angedeutet werden. Dieſes
Schweige=
gebot gilt gemäß einer neuen Reichsgerichtsentſcheidung auch für
ge=
legentliche Aeußerungen über ſtrafbare Handlungen in Geſprächen,
wenn dadurch für den Betreffenden ein Schaden entſtehen kann.
Auf der Kölner Frühjahrsmeſſe 1925 äußerte der Mitinhaber
einer offenen Handelsgeſellſchaft zu dem Direktor eines
Konkurrenz=
unternehmens gelegentlich einer Auseinanderſetzung über den
unbe=
rechtigten Gebrauch von Patenten zu dem Direktor C. des
Konkurrenz=
unternehmens: „Sie haben ja jetzt auch Herrn X. (Kläger) angeſtellt,
hoffentlich haben Sie mit ihm mehr Glück als wir.” Auf die Frage des
Direktors, welche Bewandtnis es damit habe, antwortete er: „Bei uns
hat er damals 3000 Mark unterſchlagen.” Kurz nach dieſem Geſpräch
iſt Kläger von ſeiner Firma aus ſeinem auf 5 Jahre feſt vereinbarten
Aus den Parteien.
— Frauengruppe der D. V. P. Wie bereits bekauntgegeben,
findet am Mittwoch, den 14. März, abends 7.30 Uhr, bei Sitte (
Karl=
ſtraße) ein Vortrag von Herrn Pfarrer Mangold über „Moderne
Wohl=
fahrtspflege” ſtatt. Nach dem Vortrag geſelliges Zuſammenſein. Wir
laden unſere Parteifreunde herzlich ein und hoffen auf einen recht
zahl=
reichen Beſuch.
— Jugendgruppe der Deutſchen Volkspartei,
Darmſtadt. Am Mittwoch, 14. März, abends 8 Uhr, findet im
Heim Bürgerhof, Eliſabethenſtraße, ein Vortrag von Herrn Erich
Schmidt ſtatt. Das Thema lautet: „Die Entſtehung und
Entwick=
lung von Darmſtadt‟. Da dieſer Vortrag für jeden Darmſtädter von
großem Intereſſe ſein dürfte, bitten wir um pünktliches Erſcheinen, um
jede Störung während des Vortrags zu vermeiden. Der zweite Teil
dieſes Vortrags findet Ende März bzw. Anfangs April ſtatt. Zu den
Vorträgen ſind die Mitglieder der Ortsgruppe herzlichſt eingeladen.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Fär die Versffentlſchungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaftlen keinerlei
Ver=
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des 9 24 Abl. 2 des Preſſegeſehzes in vollem Umfange
der Einſender verantwortlich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nich
zurückge andt. die Ablehnung nicht begründet werden.
Aus Heſſen.
42. Meſſel, 12. März. Der Gemeinderat hat die Berotunow
des neuen Gemeindevoranſchlages beendet und den Voranſchlag nach
eün=
gehender Diskuſſion angenommen. Der Voranſchlag liegt nun ſeit 79
ginn dieſer Woche acht Tage lang auf der Bürgermeiſterei zur allgemm
nen Einſichtnahme auf. Zu der beſchloſſenen Umlage ſind auch die Anu
märker herangezogen worden.
Vertragsverhältnis friſtlos entlaſſen worden. Kläger verlangt jetzt
Schadenerſatz von ſeiner alten Firma, da die Inhaber derſelben ſchon
durch den Auseinanderſetzungsvertrag zum Stillſchweigen über ſeine
10 Jahre zurückliegende Verfehlung verpflichtet geweſen ſeien.
Im Gegenſatz zum Landgericht Düſſeldorf, das den
Klage=
anſpruch gegen die Firma für gerechtfertigt erklärte, verurteilte das
Oberlandesgericht Düſſeldorf nur den geſprächigen Mitinhaber der
Firma zu Schadenerſatz. Das Reichsgericht hat jetzt das Urteil
des Oberlandesgerichts mit folgenden Entſcheidungsgründen
beſtätigt: Zutreffend geht das Oberlandesgericht davon aus, daß die
Sittenwidrigkeit der Mitteilung des Beklagten über die Unterſchlagung
des Klägers nur aus dem Vorhandenſein beſonderer Umſtände
her=
geleitet werden könne, da die mitgeteilte Tatſache der Wahrheit
ent=
ſprochen habe. Solche beſonderen Umſtände liegen hier vor. Das
Oberlandesgericht führt dazu aus, es entſpreche den zum ſittlichen
Grundſatz gewordenen heutigen Anſchauungen, daß
eine begangene ſtrafbare Handlung, vor allem, wenn ſie — wie hier —
faſt 10 Jahre zurückliege, dem Täter nicht lebenslang nachgetragen
wer=
den dürfe, daß ihm vielmehr dazu verholfen werden müſſe, die
Ver=
fehlung durch einwandfreies ſoziales Verhalten wieder gutzumachen.
Durch die Zuwiderhandlung gegen dieſen Grundſatz habe der Beklagte
ſich mit der Auffaſſung aller billig und gerecht Denkenden in
Wider=
ſpruch geſetzt, zumal ein berechtigter Anlaß zu der Mitteilung nicht
gegeben ſei. Dieſer mit der Rechtſprechung des Reichsgerichts im
Ein=
klang ſtehenden Anſchauung iſt beizutreten. Die neuzeitliche
Auf=
faſſung, daß dem wegen einer ſtrafbaren Handlung Verurteilten die
Straftat nicht auf viele Jahre hinaus nachzutragen iſt, iſt beſonders
im Reichsgeſetz vom 9. April 1920 zum Ausdruck gekommen. Dieſer
Grundſatz greift auch dann Platz, wenn ein Strafverfahren nicht
ein=
geleitet, ſondern eine gütliche Vereinbarung erzielt worden iſt. Mit
Recht findet das Oberlandesgericht das Beſondere, was der
Handlungs=
weiſe des Beklagten den Stempel der Sittenwidrigkeit verleiht, darin,
daß für ihn gar kein Anlaß vorhanden war, dem Direktor gegenüber
die vor beinahe 10 Jahren begangene Unterſchlagung des Klägers zu
erwähnen. Der Hinweis der Reviſion, daß es ſich um eine gelegent=
liche Aeußerung gehandelt, kann zu keiner anderen Auffaſſung führen.
Auch eine gelegentliche, im Geſpräch mit einer beſtimmten Perſon
ge=
tane Aeußerung kann ſittenwidrig ſein. Schließlich veranlaßt war die
Aeußerung des Beklagten jedenfalls nicht. (Aus den „
Reichsgerichts=
briefen”. Herausgeber: K. Mißlack, Leipzig 8 3.)
— Zurzeit wird in der Nähe des Hauptbahnhofes eine Baugrube
ausgehoben. Beim Abfahren des Baugrundes wird von der Peitſche
ein derart ausgiebiger Gebrauch gemacht, daß es für nervenleidende
An=
wohner eine Qual iſt, den ganzen Tag das Peitſchengeknatter ertragen
zu müſſen. Dabei iſt es völlig überflüſſig, denn die fleißigen Tiere tun
auch ohnedies ihre Pflicht. Man ſollte doch den allgemeinen Lärm
nicht unnötigerweiſe noch vermehren. Ich denke dabei an Kranke, die
Ein Anwohner.
beſonders darunter leiden müſſen.
Briefkaſten.
B., Arheilgen. 1. Nein. 2. Es wird nur Hinterbliebenenrente
ge=
währt. Sie müſſen, wenn hierüber Auskunft verlangt wird, genaue
Angaben machen.
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An. Arheilgen, 12. März. Volksbund Deutſche Kriegs
gräberfürſorge. Im Auftrage dieſes Vereins ſprach hier He==
Fortbildungsſchullehrer Germann aus Darmſtadt im Gemeindehauſſ
An 72 Lichtbildern zeigte er die fernen Gräber in etwa 26 Staaten, nch
deutſches Blut floß, und wies darauf hin, was der Bund bisher leiſter
und was noch erfüllt werden muß. Der Poſaunenchor hatte ſich in den
Dienſt der guten Sache geſtellt und trug eine Reihe Muſikſtücke vor. —.
Nächſten Sonntag ſpricht hier im Gaſthaus „Zum goldenen Löwen” zun
Gedenken an die Märzgefallenen Herr Staatspräſident a. D. Ulrich
Die Feier wird durch ein Theaterſtück, Rezitation und Geſangsvorträgo
vervollſtändigt. — Der hieſige Kirchengeſangverein wirn
am Palmſonntage die Paſſionsmuſik nach dem Evangeliſten Matthäuu
von Theodorich Römhild zur Aufführung bringen. Die gründliche Einn
übung des Werkes iſt in Vorbereitung und wurden die Herren
Konzert=
ſänger Landzettel als Erangeliſt (Tenor) und Peter Schäfer alel
Chriſtus (Baß), beide aus Darmſtadt, als Soliſten verpflichtet. Ein ausg
Muſikfreunden zuſammengeſtelltes Orcheſter wird den inſtrumentalern
Teil übernehmen. — Geſtern ſprach hier im Evangeliſchen
Frauenverein Herr Direktor Pfarrer Röhricht über „Frauenn
geſtalten der inneren Miſſion‟. Der Vortrag erfreute ſich von ſeitenn
der hieſigen Frauen und Jungfrauen eines recht guten Beſuché undu
fand allſeitigen Beifall. — Auch von hieſiger Seite aus wird dieſ
Wiedereinführung der Ortstaxe im Poſtverkehr miui
der Stadt Darmſtadt angeſtrebt. Bezüglich des Telephongeſprä hs habenm
wir den Ortsverkehr und zahlen Ortsgebühren. Hoffen wir auf diei
baldige Wiederkehr des Ortsbriefportos!
J. Griesheim, 12. März. In der Woche vom 12. bis 17. März wirddl
uf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich von 12—17 Uhr mit
Ge=
wehren und Maſchinengewehren ſcharf geſchoſſen.
Tageskalender für Dienstag, den 13. März 1928.
Landestheater, Großes Haus. Anf. 20 Uhr, Ende gegen 22 Uhr,
K 14: „Die Stumme von Portici”. — Kleines Haus Anf. 20 Uhr,
Ende 22 Uhr, F 8: „Der dreizehnte Stuhl”. — Orpheum, abends
20 Uhr: Metro=Revue: Die Geheimniſſe des Harems”. —
Kon=
zerte: Schloß=Kaffee, Weinhaus Maxim, Bockshaut, Kaffee
Rhein=
gold, Spaniſche Bodega, Kaffeehaus Bleichſtr 43. Rheingauer
Wein=
ſtube. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Lichtſpiele, Helia.
Verſteigerungskalender für Mittwoch, den 14. März 1928.
Holzverſteigerung in Arheilgen (Wirtſchaft zum Schwanen)
vor=
mittags 9 Uhr.
Aa. Eberſtadt, 12 März. Handwerkerragung. Am Sonne
tag nachmittag fand hier im Gaſthaus „Zum Darmſtädter Hof” eine=
Handwerker=Bezirksverſammlung ſtatt, die von den Gewerbevereinen und
Handwerkervereinigungen der Umgegend zahlreich beſchickt war. Es
ſtanden wichtige Tages= und Standesfpagen zur Beratung. — D. H.V.;
Die hieſige Ortsgruppe des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenven
bandes hielt in ihrem Vereinslokal „Zum Schützenhof” (Böschen) ein s
Mitgliederverſammlung ab. Im Vordergrund der Erörterungen ſtand i
der Bericht der Funktionäre über die am vorletzten Samstag und Sonn= in Frankfurt abgehaltene Jubiläumstagung des Main=
Weſerver=
bandes. — Der Verkehr an der Bergſtraße war am Sonntag in
folge des plötzlich eingetretenen Schneewetters nicht beſonders ſtarl,
Immerhin ſah man vereinzelte Wandergruppen, die trotz allem durch
die Schneelandſchaft marſchierten.
Aa. Pfungſtadt, 12. März. Friedhofſchänder. Eine ruch
loſe Tat haben hier einige Jugendliche begangen, die auf dem alten
Friedhof Grabſteine umgeſtürzt und ſchwer beſchädigt haben ſollen. Die
Nachforſchungen nach den Tätern ſind im Gange. — Die Spar= und
Darlehnskaſſe Pfungſtadt hielt am Sonntag, nachmittag im
„Rheiniſchen Hof” ihre diesjährige Generalverſommlung ab. Der
Ge=
ſchäftsbericht ergab, daß die Genoſſenſchaft gut fumdiert iſt und man mit
dem Abſchluß des letzten Geſchäftsjahres zufrieden ſein kann. —
Für=
ſorgeſtunde. Die nächſte Beratungsſtunde für Mutter= und
Säug=
lingsfürſorge findet am Dienstag, den 13. März, nachmittags, in der
Handwerkerſchule ſtatt.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 73
* Pſungſtadt, 12. März. Schäkerabend des
Mufik=
ers Guſtav Hofmann. Im feſtlich geſchmückten Soal der
Atdchaft „Zum Goldenen Lamm” in Pfungſtadt fand der diesjährige
wAuchte Schülerkonzertabend des Muſiklehrers Guſtav Hofmann ſtatt.
en Pfungſtadt und Umgebung wohlbekannte und beliebte Künſtler
ln dieſem Jahre auf ein 25jähriges, an Mühen und Erfolg reiches
nven zurück. Auch die diesjährige Veranſtaltung muß als
wohlge=
gan bezeichnet werden. Sämtliche Darbietungen legten beredtes
EMuſikvorträge, die in mehr als zwanzig Nummern zu Gehör ge=
4 wurden, gereichten nicht allein den Angehörigen der
mitwirken=
gungen Künſtler zur Freude, ſonderen bereiteten auch den übrigen
in eine angenehme Unterhaltung. Die Zuhörer ſpendeten den
Dar=
gen reichen und wohlverdienten Beifall.
Roßdorf, 12. März. Beſeitigung von Schutt und un=
Die nächſten Wochen bringen wieder die Reinigung der Gärten
von Geſtrüpp Gemüſereſten und dergleichen, und es beſteht
des=
erneut Veranlaſſung, darauf hinzuweiſen, daß jeglicher Schutt und
trutt nicht kurzer Hand an allen Straßenecken bzw. Ortsausgängen
ab=
ugen werden darf, ſondern daß dafür einzig und allein die
Schutt=
seſtelle in der alten Dieburger Straße da iſt, die auch mit kleinen
ſowagen gut erreicht werden kann. Im Intereſſe der Hebung des
ßenbildes ſollte jedermann beſtrebt ſein, die Reinhaltung der Stra=
und Wege nach Möglichkeit zu fördern. —
Brennholzver=
ſogerung. Am Donnerstag, den 15. ds. Mts., vormittags 9 Uhr,
4t auf dem Rathauſe dahier eine größere Bvennholzverſteigerung
dem hieſigen Gemeindewald ſtatt. Auswärtige Steigerer ſind
zu=
aſſſen. — Ausübung der Baukontrolle. In letzter Zeit
In den Baukontrolleuren wiederholt Klage darüber geführt worden,
ſſie bei der Ausübung der Baukontrolle in Neubauten zum Teil trotz
eriger Anmeldung bei der Bürgermeiſterei, entweder verſchloſſene
vorfanden, oder daß im Innern die Zugangsmöglichkeit zu den
erken unzureichend war oder ganz fehlte. Es wird darauf
hin=
n, daß den Beamten der Baukontrolle jederzeit die Möglichkeit
ſein muß, die Bauſtelle in allen ihren Teilen zu beſichtigen,
be=
nach erfolgter Anmeldung des Neubaues zur Rohbauabnahme.
de durch die Unzulänglichkeit der Zugänge verhinderte Rewiſion
Neubauten kann die Baupolizei eine Gebühr von 3 Mk. erheben.
r. Babenhauſen, 12. März. Tödlichverunglückt iſt hier der
eige Ernſt Baſſermann. In der Scheune ſeines Arbeitgebers
er ab und erlitt ſo ſchwere Verletzungen, daß er bald darauf ver=
— Der Eiſenbahnverein von hier und Umgebung plant
dieſem Sommer einen Rheinausflug. Bei genügender
Be=
nig ſoll mit einem großen Salondampfer die Fahrt nach St. Goar
er werden jetzt ſchon aufgelegt.
Mümling=Grumbach, 12. März. Im Saale von Georg Hoffer=
9 fand ein Evangeliſcher Gemeindeabend ſtatt. Herr
ſurrrer Bickel begrüßte die zahlreich erſchienenen Gemeindemitglieder
wies in längeren Ausführungen auf die Bedeutung des Abends hin.
Sgehend von der ewigen Heimat, die wir als Chriſten ſuchen, zeigte er
Bedeutung der irdiſchen Heimat für das Leben des Menſchen. Er
aich von Heimat und Vaterland, als den Grundlagen unſeres Lebens.
* Mittelpunkt des Abends ſtand ein Vortrag von Herrn Lehrer Höreth
r die Geſchichte von Mümling=Grumbach. In faſt zweiſtündigen
„Sführungen zeigte der Redner die Entwicklung des Dorfes von den
iSſten Zeiten menſchlicher Siedlung im Odenwald bis zur Gegenwart.
Hand von Fundſtücken ſchilde e er den Zuſtand der dörflichen
Nie=
laſſung in der Stein= und Bronzezeit. Umfangreiches Material ſtand
uch aus der Römerzeit zur Verfügung. Von den Funden aus dieſer Zeit
der im Innern der Kapelle eingemauerte römiſche Altarſtein mit den
ttinnen der Fruchtbarkeit am bekannteſten. Auch über die Verhältniſſe
Dorfes im Mittelalter ſtand an Hand von Baudenkmälern und
Urkunden umfangreiches Material zur Verfügung. Der Redner
urte ſo die Geſchichte des Dorfes bis in die Gegenwart durch, unter
onderer Berückſichtigung der Einführung der Reformation und der
eigniſſe des Dreißigjährigen Krieges. Eingehendere Ausführungen
F, ſowie dem Haingericht geſvidmet. Auch über die Geſchichte
altein=
eſſener Familien konnte an Hand von Kirchenrechnungen und ſonſtigen
kunden vieles berichtet werden. So zeigte der Vortrag, daß auch
uine Ortſchaften eine intereſſante Geſchichte haben können. Die
An=
y ſenden folgten dem Vortrag mit größter Anteilnahme und gingen
vur eichert an Wiſſen und mit vertiefter Heimatliebe nach Hauſe.
11. Vielbrunn, 11. März. Heute verſchied im hohen Alter von 98
ühren unſer Mitbürger Gg. Adam Sachs, gen. Sachſeſchneider.
L. Michelſtadt, 12. März. Lieder=Abend im Schloß
Für=
ſtisnau. Ein ſinnreich zuſammengeſtelltes Programm gab Jofel
Merrmann (Bariton) vom Heſſiſchen Landestheater Darmſtadt Gele=
„nheit, die Vorzüge ſeines Könnens und ſeine muſikaliſche Befähigung
vollem Maße zur Geltung kommen zu laſſen. Frau Oberforſtmeiſter
eher=Michelſtadt, die die Begleitung am Flügel übernommen hatte
und uns längſt keine Uebekannte mehr iſt, entledigte ſich ihrer Aufgabe in
tochniſch meiſterhafter Weiſe und mit hervorragender
Anpaſſungsfähig=
it. Im erſten Teil des Programms hörten wir Lieder von Schubert,
gändenbaum — Frühlingstraum — Wegwveiſer und Nebenſonnen. Der
Gindruck dieſer durch den Sänger wundervoll zum Vortrag gebrachten
gieder wurde durch das lebhafte Mienenſpiel desſelben weſentlich ver=
Heft. Der laute und langanhaltende Beifall bei Beendigung des erſten
Mreiles zuang den Künſtler zu einer Einlage. Jeben den Liedern Arie aus
EMaskenball” von Verdi und Arie aus „Figaro” von Mozart brachte trumsabgeordneten Nuß zum heſſiſchen Geſandten, rückt der vom Kreis
der zweite Teil der Vortragsfolge noch „König bei der Krönung”, „
Bite=
olf” und „Heimweh”, ſäutlich von Hugo Wolf. Auch hier kam die
o are und zu größter Kraftſtärke ſich entfaltende Stimme zur vollen
(öeltung. Der wohlverdiente, überaus reichliche Beifall am Schluſſe des
weboten wurde, wie wir ſolche nur ſelten erleben dürfen. Auch der
Segleiterin am Flügel, Frau Oberforſtmeiſter Heyer, galt dieſer Beifall
Dienstag, den 13. März 1926
in nicht unbedeutendem Maße. — Wie wir hören, findet das 100. Konzert
der Geſellſchaft der Muſikfreunde im Odenwald am Sonntag, den
25. März, ebenfalls im Saale, des Schloſſes zu Erbach=Fürſtenau ſtatt,
bei dem Göſta Andreaſſon (Violine) und Kapellmeiſter Rehbock (Klavier),
beide von Darmſtadt, mitwirken.
Erbach i. O., 12. März. Der Kreisobſtbauverein für den Kreis
Erbach veranſtaltet am kommenden Somtag, den 18. d. M., nachmittags
1½ Uhr, im Gaſthaus „Zum Ochſen” in Neuſtadt i. O., ſeine diesjährige
Ais ab von lobenswertem Fleiß und gutem Können der Mitwirken= Hauptverſammlung. Nach Abwickelung des geſchäftlichen Teils der
die ihrem tüchtigen Lehrmeiſter alle Ehre machten. Die Geſangs= Jahresverſammlumg wird Herr Obſtbauinſpektor Metternich=Büdingen,
ein hervorragender Fachmann, einen Vortrag über „Genoſſenſchaftliche
Obſtverwertung” halten. Bei den Schwierigkeiten, die heute dem
Obſt=
abſatz entgegenſtehen, wird es wohl eines weiteren Hinweiſes nicht
be=
dürfen, um alle Obſtintereſſenten auf die Wichtigkeit des Beſuchs dieſer
Verſammlung hinzuweiſen und ihr einen zahlreichen Beſuch zu ſichern.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 12. März. Die wunderſchöne
Früh=
jahrswitterung hat nun wieder dem rauhen Winter weichen müſſen. Noch
Donnerstag lachte freundlicher Sonnenſchein, Freitag wars kalt und
Sams=
tag früh fimas an zu ſchneien, immer ſachte fort und fort, ſodaß gegen
abend die Höhen mit einem 10—15 cm hohen Schnee ſich als richtige
Winterlandſchaft präſentierten. Für unſere Gegend iſt der
Wittermgs=
umſchlag zu begrüßen, denn der dauernde Sonnenſchein hätte die
Vege=
tation zu früh hewvorgelockt, und die ſelten ausbleibenden
Frihjahrs=
fröſte hätten totſicher eine ſchlimme Ueberraſchung gebracht.
* Hirſchhorn, 12. März. Waſſerſtand des Neckars am
11. März: 1,17 Meter; am 12. März: 1,14 Meter.
H. Aus dem Weſchnitztal, 12. März. 70 Geburtstag.
Alt=
bürgermeiſter Karl Lennert, Beſitzer des Gaſthaufes „Zum Adler” in
Fürth, feierte dieſer Tage ſeinen 70. Geburtstag. Dem jovialen und
noch ſehr rüſtigen Herrn wurden aus dieſem Anlaſſe eine Menge
ſchrift=
liche und mündliche Gratulationen, verbunden mit zahlreichen
Ge=
ſchenken, entgegengebracht. — Holzverſteigerung. Am Freitag,
den 16. März, vormittags 9½ Uhr, ſindet in der Wirtſchaft „Zur
Roſen=
höhe” in Krumbach eine große Nutz= und Brennholzvevſteigerung aus
verſichedenen fiskaliſchen Diſtrikten durch das Foyſtamt Lövzeubach ſtatt.
n. Auerbach, 12. März. Wohnungswechſel. Frau von
Wachter, Witwe des verſtorbenenen Generalleutnants Exzellenz von
Wachter. Witwe des verſtorbenen Generalleutnants Exzellenz von
zwar am 15. d. M.
Ay. Bensheim, 12. März. Reifeprüfung amBensheimer
Gymnaſium: Verhältnismäßig ſpät, am 8. und 9. März, fanden
in dieſem Jahre die Reifeprüfungen am Bensheimer Gymnaſium ſtatt.
Da es zwei Paralleloberprimen, mit einer Stärke von je 20 Schülern,
zu prüfen galt, waren zwei Prüfungstage norwendig. Als Vertreter
St. Goarshauſen ſich erſtrecken. Liſten zum Eintragen als Teil= des Unterrichntsminiſteriums nahm Miniſtevialrat Glückert, wenigſtens
am erſten Prüfungstermin, teil. Allen vierzig Prüflingen konnte das
Zeugnis der Hochſchulreife zuerkannt wverden. Unter ihnen befand ſich
diesmal auch eine junge Dame, Frl. Dana Roda Roda, die Tochter des
unſeres Gymnaſiums, die Prüfung mit ſehr gutem Erfolg abſolvierte.
Was die Berufswahl der jungen Leute angeht, ſo iſt hier bemerkenswert,
daß 10 von 40, gleich 25 Prozent, katholiſche Theologie ſtudieren wollen.
Die Tatſache zweier, in Bensheim anſäſſiger geiſtlicher Schüleralummate
großenteils ſtudierten Berufen zuwenden. — Entlaſſungsfeier
am Gymnaſium. Die Entlaſſung der Gymnaſialabiturienten
ge=
ſchah am Samstag vormittag in einer beſonderen Entlaſſungsfeier im
füllt, ein Beweis für die engen Bande, wie ſie ſchon ſeit alters her
zwiſchen der Anſtalt und der Stadtbevölkerung beſtehen. Als etwas
Außergewöhnliches wurden den erſchienenen Gäſten Proben
altgrie=
chiſcher Geſänge von packender und tiefer Wucht zu Gehör gebracht.
Von den unterſchiedlichen, übrigens in griechiſcher Sprache
wiedergege=
benen Schülerdeklamationen zeichmete ſich diejenige des Abiturienten
beſonders aus. Studienrat Dr. Koch verbreitete ſich in akademiſch=
tief=
ſchürfender Weiſe über die Beziehungen von Poeſie und Muſik im alten
ren der Geſchichte der Kirche, der ehemaligen Burg und dem Kloſter= Griechenland. In der eigentlichen Entlaſſungsanſprache verſteht es
Oberſtudiendirektor Kraemer, mit packenden, aus Lehre und Leben
zugleich geſchöpften Worten, ſeinen Abiturienten noch einmal Sinn und
Ziel aller Schulbildung zu entwickeln: die Schüler nämlich zu ſelbſtändig ken, daß bis jetzt größere unglücksfälle vermieden wurden. Bei den
denkenden und verantwortungsbewußt handelnden Menſchen heranzubil= Bahmpärtern iſt dieſer Poſten trotz beſſerer Bezahlung nicht beliebt.
den. Gerade die Jetztzeit, mit ihrer wirtſchaftlichen und vaterländiſchen
Not, brauche mehr wie je ſelbſtändige Charaktere. Die Schule habe
ge=
laſſenen, das Ihrige zu tun.
W. Heppenheim a. d. B., 12. März. Autounglück. Am Freitag
wollte ein Bensheimer Perſonemwagen, auf der Fahrt nach Weinheim
begriffen, an der bekannten gefährlichen Stelle zwiſchen Heppenheim Stelle des evangeliſchen Pfarrers in hieſiger Gemeinde iſt nun wieder
dadurch ins Schleudern und fiel in den Straßengraben. Die drei
In=
ſaſſen kamen glücklicherweiſe mit dem Schrecken davon. Das Auto wurde
ſchwer beſchädigr abgeſchleppt. — Auf der gleichen Stelle ereignete ſich
ein zweiter Unfall. Ein Auto verſuchte in ſchnellem Tempo ein Fuhr= aus hieſiger Gemeinde hat der Totengräber Johann Machemer 2. zur
werk zu überholen. Dabei platzte, ein Reifen, ſodaß der Führer die
M.id zwar aus der Winterreiſe: Gute Nacht — Gefrorene Tränen — Gewalt über die Steuerung verlor und das Auto ſich überſchlagend in
den Graben ſtürzte. Führer und Inſaſſen blieben unverletzt der Wagen
mußte abgeſchleppt werden. — Die Täter, die in der letzten Woche auf der
Bahnſtrecke Heppenheim—Bensheim verſuchten, die Schienenſchrauben zu
der Tat beabſichtigte, iſt ſchleierhaft. Durch die Ernennung des Zen= wo ſie in Kürze mit ihren Flugübungen beginnen wollen. Um das
liſte an 14. Stelle ſtand, nach, wodurch der Kreis Heppenheim einen
Abgeordneten erhalten wird, dem er jederzeit ſeine Angelegenheiten hain und Hartmannshain koſtenlos Unterkunft und Verpflegung
ge=
vorbringen kann. — Das Landhaus von Landgerichtsrat Dr. Metz
ronzerts gab die Beſtätigung, daß uns hier eine muſikaliſche Feierſtunde (Erbacher Straße) ging zum Preiſe von 30 000 Mark an den
Konter=
admiral a. D. Maier über. — Aus dem Heppenheimer Stadtwald wird
am 14. März Brennholz verſteigert.
Seite 7
* Jugendherbergswerbetage in Gießen.
* Gießen, 12. März.
Regen, Schnee, wir lachen drüber . . .
ſo ſang geſtern die
Gießener Wanderjugend und belebte die Straßen der Stadt
mit ihrem fröhlichen Treiben. Als Zeichen der Mitfreude der
Bevöl=
kerung grüßten Fahnen die Gäſte von nah und fern, die gekommen
waren, mit der Gießener Jugend der verſtändnisvollen Stadtverwaltung
zu danken für das prächtige Heim, die Jugendherberge im
Oſterweg. In ihm finden die bündiſche Jugend und die
Wander=
ſcharen, die von Gießen aus Oberheſſen bewandern, trauliches Neſt und
feine Bleibe. Die Werbetage begannen am Samstag mit einer größeren
Veranſtaltung im kath. Vereinshaus, bei der wohl alle Bünde und
Gruppen mitwirkten und ihr Beſtes gaben. Aus der Fülle der
Dar=
bietungen möchten wir herausgreifen, den „Tag des Proletariats”
von E. Toller, geſprochen von der „Arbeiterjugend”, der eine packende
Wirkung erzielte; das „Tanzlegendchen” der „Jungdeutſchen
Schweſtern=
ſchaft”; das „Bodenturnen” der „Turnerjugend 1846”, und die Lieder
der verſchiedenen Bünde. Die bunte Neihefolge, zum Teil ſehr tendenziös
geſtaltet, zeigte die verſchiedenen Wege und Weltanſchauungen, aber auch
das gemeinſame Ziel. Wir ſehen in der Jugendbewegung eine
Ein=
mütigkeit, ein gegenſeitiges Verſtehen und Achten, das manchen Völkern
zum Vorbild dienen könnte. Dies betonte auch beſonders Herr
Schul=
rat Haſſinger von der Zentralſtelle für Volksbildung und Jugendpflege
in ſeiner Anſprache. Er ſtellte den großen Segen des
Jugendherbergs=
werks für unſer Volk heraus: Geſundung an Leib und Seele, Erziehung
zur Perſönlichkeit, Aneignung ſozialer Geſinnung und Heimatliebe.
Wir brauchen ſolche Menſchen und wir ſchaffen ſie, indem wir das
Jugendherbergswerk unterſtützen und fördern. — Sonntag vormittag
fand zunächſt eine eindrucksvalle Feier im Kofe der Jugendherberge
ſtatt. Nach einem gemeinſamen Liede ſprachen die Herren Bürgermeiſter
Dr. Frey und Schulrat Haſſinger herzliche Worte zu den
Ver=
ſammelten. Dann wogten alt und jung durch die Räume des Heims,
die in ihren bunten Farben ſo recht den Geiſt einer frohen Jugend
atmend, einer Jugend, die den Willen hat, Perſönlichkeiten zu werden.
Die Gießener Jugendherberge iſt eine der ſchönſten in Heſſen. Sie
macht der Stadtverwaltung, beſonders ihren Schöpfern, den Herren
Bürgermeiſter Dr. Frey und Studierrat Dr. Flörke, hohe Chre.
Sie ſollte den andern heſſiſchen Städten ein Vorbild ſein. Ein
ge=
meinſamer Zug durch die Stadt beſchloß nachmittags den
Jugend=
herbergswerbetag.
O. B.
Gernsheim, 12. März. Waſſerſtand des Rheins am
11. März: 4 Zentimeter; am 12. März: 4 Zentimeter.
z. Groß=Gerau, 11. März. Beſſere Bahnverbindung.
Um eine beſſere Zugverbindung beſonders nach dem Niedgebiet
herbei=
zuführen, fand zwuiſchen den Vertretern des hieſigen und
Walldor=
fer Verkehrsvereins, dem Vorſitzenden des Gewerkſchaftskartells, Gem.
bekannten Schriftſtellers und Humoriſten, die, als ordentliche Schülerin Heil, dem Vertreter der Handwerkskammer Darmſtadt Dr. Rösner
und einem Vertreter der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., mit
der Reichsbahndirektion Mainz eine Beſprechung ſtatt, die einen
poſi=
tiven Erfolg hatte, und weſentliche Verbeſſerungen erzielt wurden. In
erſter Linie ſollen die Fahrtverhältniſſe auf der Riedſtrecke weſentlich
kommt hierbei zum Ausdruck. Die übrigen Abiturienten vollen ſich verbeſſert werden, indem morgens und mittags ein Zugpaar eingelegt
wird. Ferner iſt die langerſtrebte Abendverbindung nach Frankfurt
zu=
gebilligt worden. Mit dem Tage des Inkrafttretens des
Sommerfahr=
plans wird täglich abends kurz vor 11 Uhr ein Zug nach Frankfurt a. M.
Deutſchen Haus‟. Der große Saal war bis auf den letzten Platz ge= gehen. Auf der Strecke Mainz—Darmſtadt iſt das Zugpaar, das
bisher nur in den Sommermonaten aufgenommen war, für die ganze
Jahreszeit vorgeſehen.
Ad. Nackenheim, 10. März. Bahnübergang zwiſchen
Nierſtein und Nackenheim. Aus Anlaß des furchtbaven
Auto=
unglücks zwiſchen Nierſtein und Oppenheim ſei daran erinnert, daß ſich
unveit Nackenheim am Fuße des Rotenbergs ein Bahnübergang befin=
Hans Gremm aus Darmſtadt durch ihre einfühlende Vortragsweiſe det, deſſen Geländeverhältniſſe denen der Oepenheimer Fähre faſt
voll=
ſtändig gleichen, nur mit dem Unte ſchiede, daß dort die
Durchgangs=
ſtraße Worms—Mainz ſtark nach Norden und bei Nackenheim ebenſo ſtark
nach Süden abfillt. Verſchiedene Unfälle, die zum Glück glimpflicher
ab=
liefen, ſind Beweis genug, daß am Rotenbergübergang die größte
Vor=
ſicht geboten iſt. Nur der guten Bedienung der Schranken iſt es zu dan=
Wenn nun von Nierſtein die Unterführung des Oppenheimer
Bahnüber=
ganges gefordert wird, ſo ſt es am Platze, daß man auch den
uhalt=
tan, was in ihrer Macht geſtanden habe, jetzt ſei es Sache der Ent= bareu Verhöltniſſen bei dem hieſigen Orte durch Ueberbrückung em
Ende macht.
U. GroßW=internheim, 9. März. Die durch Verſetzung des Herrur
Pfarrers Hartmann nach Wackernheim längere Zeit verwaiſt geweſene
und Bensheim ein vorausfahrendes Anto überholen. Der Wagen kau beſetzt worden. Herr Pfarrer Rau, der bisher in Mainz wirkte,
kommt hierher.
U. Sprendlingen in Rheinh., 9. März. Mehr als 1000 Tore
letzten Ruhe beſtattet. Nach mehr als Bjähriger Dienſtzeit muß der
69jährige nun krankheitshalber in den Ruheſtand treten.
WSN. Herchenhain, 11. März. Der Segelflugbetrieb im
Vogelsberg. Am Donnerstag ſind die heſſiſchen
Segel=
flieger, die ſich bisher auf dem Hoherodskopf niedergelaſſen hatten,
lockern, konnten bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Auch was man mit mit ihren Segelflugzeugen nach der Herchenhainer Höhe übergeſiedelt,
Unternehmen zu fördern, hat die Gemeinde Herchenhain das erforder=
Heppenheim präfentierte Landgerichtsrat Keller, der auf der Vorſchlags= liche Gelände an der Herchenhainer Höhe koſtenlos zur Verfügung
ge=
ſtellt. Den Fliegern werden außerdem von zwei Gaſtwirten in
Herchen=
währt. Für den Aufbau der Flugzeughalle iſt den Fliegern umfaſſende
Unterſtützung zugeſagt worden. Die Flugzeuge befinden ſich einſtweilen
in einer Maſchinenhalle in Herchenhain. Der Vogelsberg rückt damit
in den Bereich der umfaſſenderen Segelflüge ein.
44 tet
Taret
8
Ltt
wurde durch unſere,OBERST über Nacht zum gefügelten Work. Nieht aber am„Neuen liegt uns ſo ſehr, als un der
Vertung unſerer ernſten fachlichen „Arbeit: In einer mit unendlicher Geduld und Sorgfalt durchgefüſrten
Vor=
bereitung entſtand das, was jetzt dem Raucher ſo hohen Genuß bereitet — unſere
64
19
Seite 8
Dlenstag, den 13. März 1928
Nummer 73
Natur=Kataſtrophe in Braſilien.
Der wandernde Berg. — Geſirandete Dampfer. — Menſchen in Not.
Die Bergrutſchkataſtrophe vor Santos
300 Tote beim Erdrutſch am Montſerrai.
E.P. London, 11. März.
Nach den ergänzenden Meldungen (Siehe auch Montagsausgabe:
„Vom Tage”) aus Rio de Janeiro hatte der Erdrutſch von Santos noch
weitaus verhängnisvollere Folgen, als bie erſten Meldungen erkennen
ließen. Die Zahl der Toten ſoll ſich auf 800, die der Verletzten auf über
200 belaufen. Bis jetzt ſind 150 Leichen geborgen worden. Die
Regie=
rung hat 2000 Mann Truppen aufgeboten, um die Opfer der
Kata=
ſtrophe zu bergen. — Nach Berichten von Augenzeugen iſt der Erdrutſch
ganz unverhofft aufgetreten Es hatte den Anſchein, als ob der in der
Nähe von Santos gelegene Berg Montſerrat plötzlich ſich vorwärts
be=
wegte. Kurz darauf rollten unzählige Felsblöcke unter donnerähnlichem
Getöſe auf die Stadt hernieder. Man glaubte einen Augenblick, daß
der ganze Berg die Stadt verſchütten werde. Tatſächlich gab aber nur
der Fuß des Berges nach. Man befürchtet zwar noch weitere
Erdbewe=
gungen, da durch den Erdrutſch ein Teil des Berges ganz unterhöhlt
wurde. Das Krankenhaus Santa Caſa della Miſeri cordia, das etwas
außerhalb der Stadt liegt, und von den Felsmaſſen zuerſt erfaßt wurde,
iſt zerſtört worden. Sämtliche Kranke wurden getötet. Bis jetzt
wur=
den allein unter den Trümmern des Krankenhauſes 42 Leichen
gebor=
gen. Eine Familienpenſion, die in der Nähe des Krankenhauſes lag,
wurde ebenfalls vollſtändig zerſtört und die 20 Bewohner getötet. Die
Aufräumungsarbeiten dürften mehrere Wochen in Anſpruch nehmen, da
das Gewicht der niedergegangenen Felsmaſſen auf mehrere tauſend To.
geſchätzt wird.
Die Stadt Santos geräumt.
EP. London, 12. März.
Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß der nicht betroffene
Stadtteil von Santos von der Bevölkerung geräumt wurde, da
nach dem Urteil der Sachverſtändigen ein anderer Teil des Mont
Serrat vorausſichtlich ebenfalls abſtürzen werde.
Schwere Stürme über See. — 200 Menſchen
ertrunken.
Todesfahrt fünf japaniſcher Dampfer.
Berlin, 12. März.
Nach Meldungen Berliner Morgenblätter aus London, herrſchen
an der japaniſchen Küſte ſchwere Stürme. Der
ameri=
kaniſche Dampfer „Preſident Lincoln” (14000 To.) gab auf dauernde
drahtloſe Anrufe keine Antwort und iſt ſeit Samstag überfällig. Fünf
kleinere japaniſche Schiffe ſind mit zuſammen 200 Perſonen an Bord
untergegangen. Die japaniſche Regierung ſandte Flugzeuge und
Zer=
ſtörer aus, um nach den überfälligen Dampfern zur forſchen und etwa
noch in Nor befindlichen Schiffem Hilfe zu leiſten.
Einer Times=Meldung aus Tokio zufolge ſind während eines
Sturmes 5 japaniſche Dampfer geſcheitert. Man fürchtet,
daß von den insgeſamt 162 Mann zählenden Beſatzungen die Mehrzahl
ums Leben gekommen iſt.
Der Dampfer „Präfident Lincoln”, der am
27. Februar mit ungefähr 100 Paſſagierem und einer ſtarten Beſatzung
an Bord von Seattle nach Yokohama in See gegangen war, hatte ſeit
Freitag, an welchem Tage das Schiff ſich dem Sturmgebiet an der Küſte
Japans näherte, den täglichen Bericht über ſeinen Standort nicht mehr
gegeben. Erſt geſtern abend traf der Dampfer in Yokohama ein. Er
hatte in der Zwiſchenzeit keine Berichte geben können, weil die Antennen
ſeines drahtloſen Apparates vom Sturme weggeriſſen wonden waren.
Schwierige Rettung der Paſſagiere der „Robert Lee‟.
* New York, 12. März. (Priv.=Tel.)
Nach einer außerordentlich ſchwierigen Rettungsaktion iſt es, wie
die Schiffahrtsgeſellſchaft, der das bei Cape Cod geſtrandete Schiff
„Robert Lee” gehört, mitteilt, gelungen, ſämtliche Paſſagiere des
Schif=
fes zu retten. Da größere Schiffe nicht nahe genug an das verunglückte
Schiff heranfahren konnten, fuhren kleinere Küſtenſchiffe an die „Robert
Lee” heran, ohne ſich hierbei allzu ſehr der Strandungsgefahr
auszu=
ſetzen. Die außerordentlich hochgehenden Wellen ſchlugen des öfteren
über die Küſtenſchiffe hinweg, aber dieſe konnten trotzdem die erſten 25
Paſſagiere an Bord nehmen und den größeren Schiffen zuführen. Die
Freude unter den Paſſagieren war ungeheuer groß, als die Küſtenſchiffe
erſchienen waren. Wie ſie erzählten, war auf dem Schiff vorübergehend
eine Panik ausgebrochen, die überlegene Ruhe der Beſatzung verhinderte
aber Unbeſonnenheiten.
Große Schwierigkeiten für die Schiffahrt in der Nordſee.
Hamburg, 12. März.
Auf der Nordſee herrſcht ſchwerer Oſtſturm, der in
Ver=
bindung mit dem dadurch hervorgerufenen Waſſerſtand der Elbe
große Schwierigkeiten für die Schiffahrt im Gefolge hat. Auf der Elbe
beträgt der Waſſerſtand bei Hochwaſſer fünf Fuß unter normal. Die
ankommenden großen Dampfer ſind größtenteils gezwungen, bei den
Feuerſchiffen vor Anker zu gehen. Eine große Anzahl tiefgehender
Schiffe, unter denen ſich auch der Hapagdampfer „Hamburg” (von New
York kommend) befindet, und der von Afrika einkommende Dampfer
„Uſambara”, mußtem in der Elbmündung liegen bleiben. Der von
Bremen ankommende Hanſa=Dampfer „Drachenfels” wurde in Cuxhaven
bei dem Verſuch, ſeinen Lotſen abzuſetzen, von dem Sturm gegen das
Bollwerk getrieben und konnte nur mit Hilfe von Schleppern wieder
freikommen. Der deutſche Dampfer „Elsfleth”, mit Holz von Danzig
kommend, iſt auf der Unterelbe mit einem unbekanntem Dampfer
zu=
ſammengeſtoßen und mußte in Hamburg ins Dock gehen, um die Schäden
feſtzuſtellen.
Schneeſiürme und Schneeverwehungen.
Breslau, 11. März.
Durch den in der Nacht vom Samstag zum Sonntag und am
Sonntag herrſchenden ſtarken Schneeſturm wurde der Perſonenzugdienſt
vielfach nicht unerheblich geſtört, ſo daß größere Verſpätungen eintraten.
Da die Anſchlüſſe nicht in allen Fällen abgewartet werden konnten,
muß=
ten verſchiedene Nachzüge gefahren werden. Schneepflüge mußten
wieder=
holt in Tätigkeit treten, da der Schnee ſtellenweiſe bis einen Meter hoch
durch den ſtarken Sturm zuſammengeweht war. Auf dem Bahnhof
Os=
witz mußte der im Schnee ſtecken gebliebene Triebwagen 728
ausgeſchau=
felt werden. Der Schnellzugsverkehr nach und von Berlin wickelte ſich
trotz aller Schwierigkeiten verhältnismäßig glatt ab. Die höchſte
Ver=
ſpätung betrug etwa eine halbe Stunde. In der Nacht vom Sonntag
zum Montag iſt durch Nachlaſſen des Sturmes eine weſentliche Beſſerung
eingetreten, ſo daß die Frühzüige mit vereinzelten Ausnahmen wieder
püinktlich verkehrten.
Vergangene Nacht ſank das Thermometer in Dresden bis auf
6 Grad unter Null. Aus dem Erzgebirge werden ſtellenweiſe
Temperaturen von minus 5 Grad gemeldet. Die reichlichen Schneefälle,
die in den letzten Tagen in ganz Sachſen niedergegangen ſind, haben
vielfach zu Verkehrsſtörungen, Zugverſpätungen und Unfällen infolge
der Glätte geführt. In der. Lauſitz waren die Schneeverwehungen
ſtellenweiſe ſo ſtark, daß faſt ſämtliche Kraftwagenlinien den Betrieb
zeit=
weiſe einſtellen mußten. Auf der Strecke Bautzen=Königswartha blieb
geſtern abend ein Perſonenzug eine Dreiviertelſtunde lang im Schnee
liegen.
Schweres Erdbeben in Perſien.
Paris. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune” aus Tohenon
ereignete ſich in den ſpäten Abendſtunden des Samstags in der Provin=
Siſtan ein Erdbeben, durch das der größte Teil der Stadt Nebandon
zerſtört wurde. Die Verluſte an Menſchenleben ſollen jedoch nicht
hoch ſein.
* Die automatiſche Lotterie.
Die Vorführung der neuen Ziehungsmaſchine.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Als im Vorjahre die Schiebungen zweier Beamter der
General=
lotteriedirektion während der Ziehung bekannt wurden, ſind von der
Allgemeinheit ſchwere Vorwürfe gegen die zuſtändigen Behörden
er=
hoben worden. Es wurde in der Oeffentlichkeit die Forderung erhoben.
man ſolle ein Syſtem zur Einführung bringen, das alle
Betrugsmanö=
ver ausſchließe. Da rückten die Erfinder vor. Eine Anzahl von
Ziehungsmaſchinen wurden der Lotteriedirektion vorgeführt, die alle
angeblich geeignet waren, abſolute Sicherheit dem Ziehungsakt zu
ver=
leihen. Die Apparate wurden durchgeprüft, jedoch hat ſich dabei
her=
ausgeſtellt, daß die Apparate ihren Hauptzweck immer noch nicht
erfüll=
ten. Sie alle waren mehr oder weniger auf gewiſſe Hilfeleiſtungen
an=
gewieſen, die Menſchenhände zu verrichten hatten. Eine einzige
Ma=
ſchine ſcheint jedoch den Anforderungen gewachſen zu ſein, die die
miß=
trauiſche Menge der Spieler mit Recht ſtellen kann.
Dieſer Ziehungsapparat, der in jahrelanger Arbeit von Ingenieur
Emil Schnee. Hagen in Weſtfalen, konſtruiert worden iſt, wurde
am Montag der Preſſe gezeigt. Es handelt ſich um eine recht
umfang=
reiche Maſchine, die mindeſtens 30 Quadratmeter Fläche beanſprucht und
eine lichte Höhe von 4,60 Meter hat. Die geſamte Einrichtung beſteht
aus zwei gleichartigen Maſchinen, von denen die eine die Gewinne, die
andere die Losnummern wählt. Der umfangreiche Apparat wird
natür=
lich elektriſch betrieben. Ein einziger Hebeldruck genügt, um ihn in
Bewegung zu ſetzen, und dann iſt jede menſchliche Arbeit nicht nur
überflüſſig, ſondern völlig ausgeſchaltet. Eine ſinnreiche Vorrichtung
macht es möglich, daß beide Maſchinen völlig ſynchrom laufen. Jede
Maſchine beſteht aus 30 Säulen zu je fünf Syſtemen, von denen jedes
wieder eine geniale Zuſammenſetzung von je 10 Kegeln darſtellt. Auf
dieſe Art iſt es möglich, daß für jeden Gewinn ein Kanal geſchaffen
wurde, der zur Aufnahme der gewinnbringenden Kugel beſtimmt iſt.
Dieſe Kugel wird automatiſch in den Apparat eingeworfen. Sie paſſiert
eine ganze Reihe von Schalt= und Wipp=Kontakten, von Vor= und
Haupt=Verteilern, bis ſie an das rotierende Kegelſyſtem gelangt. Durch
die Achſe dieſes Kegels iſt eine Unzahl von Kanälen geführt, die in
einer der 10 Scheiben des Hauptverteilers münden. Welche dieſer
Schei=
ben von der Kugel erreicht wird, iſt durch keine Maßnahme zu
beein=
fluſſen. Dieſe Kegelſcheibe, die andauernd rotiert, iſt mit einer
Un=
menge von Zahlſtiften verſehen, an die die Kugel ſtoßen muß und
da=
durch wieder in ihrem Lauf abgelenkt wird. Auch damit iſt wieder ein
Sicherheitsmoment mehr geſchaffen. Es iſt ausgeſchloſſen, daß die
Ku=
geln je den gleichen Lauf nehmen. Von der Kegelſcheibe ab läuft nun
die Kugel in ein Syſtem von Kanälen. Gelangt die Kugel in eines
die=
ſer vielen Aufnahmebecken, dann ſchließt ſich der Kanal automatiſch,
und keine andere Kucel kann je eindringen. Durch dieſe Schließung
wird ein Stromkreis geſchloſſen, der ein Läutewerk, eine
Schreibvor=
richtung und eine mit der glückbringenden Ziffer verſehene
Nummer=
tafel in Gang ſetzt. Durch das Läutewerk wird ferner die Ziehung
be=
ſtätigt, die Schreibvorrichtung bezeichnet das gezogene Los und den
dar=
auf entfallenden Gewinn, und betätigt ſich auf dieſe Weiſe gleichzeitig
als ideale und fehlerfreie Gewinnliſte. Schließlich kann jeder Teilnehmer
an der Ziehung an dem Aufflammen der beſtimmten Gewinnummer
feſtſtellen, welches Los gewonnen hat. Trifft nun die Kugel auf einen
bereits geſchloſſenen Kanal, ſo wird ſie von einem der auf der
rotieren=
den Scheibe angebrachten Stifte ſo lange mitgenommen, bis ſie einen
freien Kanal erreicht. Hat die Maſchine alle zur Verfügung ſtehenden
Gewinne verteilt, ſo hört ſie automatiſch in ihrem Lauf auf.
Nach den Mitteilungen des Erfinders ſtellt ſein Apparat eine
Ver=
bindung von Roulette, Tivoli und Selbſtwählerſyſtem des Telephons
dar, nur daß es nicht wie dieſes ſo verſchiedener Stromſtöße bedarf. Die
Erfindung hat, trotz ihres hohen Herſtellungspreiſes — die Maſchine
keſtet etwa eine Million Mark — alle Ausſicht, von der Lotteriedirektion
beſchafft zu werden
Lebensmittelbedarf
des ſtädt. Wohlfahrts= und Jugendamtes
in der Zeit vom 1. April 1928 bis 31.
März 1929.
Die Lieferung von Lebensmitteln für
die Wohlfahrtsanſtalten ſoll im Wege
der Verdingung vergeben werden; es
handelt ſich um die nachſtehend aufge=;
führten Waren und ungefähren Mengen:
a) Erbſen ca. 1500 kg, Linſen ca. 500 kg,
Bohnen ca. 1500 kg, Graupen ca.
1200 kg, Reis (gute Qualität
Bruch=
reis) ca. 3500 kg, Reis 1. Qualität
ca. 1200 kg, Weizengrieß ca. 4000 kg,
Weizenmehl (Spezial 0, ſüdd.
Fabri=
kat) ca. 6000 kg, Haferflocken ca. 2500
kg, Malzkaffee ca. 1250 kg. Malzkaffee,
Marke Kathreiner, ca. 500 kg,
Faden=
nudeln ca. 250 kg, Bandnudeln, 1.
Qualität, ca. 300 kg, Bandnudeln 2.
Qualität, ca. 2000 kg, Kriſtallzucker
c. 3500 kg, Kokosfett, Marke Wizona,
ca. 500 kg, Margarine ca. 1500 kg,
Kakao ca. 500 kg;
b) Fleiſch= und Wurſtwaren für das
Altersheim, Verſorgungshaus und die
Walderholungsſtätte;
) Backwaren, Brot und Brötchen für /Eilangebote an Tauſchbüro Wolf & Co.
das Altersheim, Verſorgungshaus
und die Walderholungsſtätte.
Die in dem Angebot anzuerkennenden
Lieferungsbedingungen liegen am 14.,
15. und 16. März auf Zimmer 39 des
Amtsgebäudes, Mornewegſtr. 1, offen.
Hierſelbſt iſt auch noch alles Nähere über
die Verdingung zu erfahren. Die
Ange=
bote und die Muſter ſind bis zum
Er=
öffnungstermin, 20. März, vormittags
12 Uhr, in verſchloſſenem Briefumſchlag,
getrennt nach den drei Verdingungen, im
Zimmer 39 des Amtsgebäudes
einzurei=
chen. Die Lieferung iſt vollſtändig fre
jeder Anſtalt anzubieten. Von jeder
Gattung darf nur ein Muſter angeboten
werden. Die einzureichenden
Warenmu=
ſter müſſen getrennt von den Angeboten
verpackt mit der Aufſchrift „Muſter zum
Angebot” verſehen werden. Nach dem
20. März, mittags 12 Uhr einlaufende
Angebote können keine Berückſichtigung
mehr finden.
Die Genehmigung der Vergebung ſowie
die Auswahl unter den Anbietenden bleibt
dem Herrn Oberbürgermeiſter vorbehalten.
Darmſtadt, den 13. März 1928. (4681
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Jugendamt.
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Dienstag, den 13. März 1928
Nummer 73
Reich und Ausland
Reorganiſation des preußiſchen
Rettungsweſens
Sanitätsrat Dr. Frank,
Direktor des Berliner Rettungsamtes, wurde in das
preußiſche Wohlfahrtsminiſterium berufen, um die
Reorganiſation des preußiſchen Rettungsweſens
vor=
zunehmen. Der verdienſwolle Fachmann wind nach
Erfüllung ſeiner Aufgabe auf ſeinen Poſten im
Berliner Rettungsamt zurückkehren.
Das Urteil im Prozeß Hambitzer=Schaub.
WSN. Frankfurt a. M. Am vierten
Ver=
handlungstag wurde der Betrugsprozeß gegen
Ham=
bitzer und Schaub zu Ende geführt. Der
Staatsan=
walt ſprach i ſeinem Plädoyer den Angeklagten die
moraliſche und wirtſchaftliche Vorausſetzung eines
ordentlichen Kaufmanns ab. Das Gericht verurteilte
die Angeklagten wegen fahrläſſigen Konkursvergehens
und fortgeſetzten Betrugs zu einer
Geſamtgefängnis=
ſtrafe von je ſechs Monaten. Den Angeklagten wird
eine dreijährige Bewährungsfriſt bewilligt, wofür
noch eine Buße feſtgeſetzt werden ſoll, nachdem das
Gericht einen Einblick in die heutigen
Vermögens=
verhältniſſe der Angeklagten genommen hätte. Bei
der Strafbemeſſung berüchſichtigte das Gericht, daß
eine lange Zeit ſeit dem Zuſammenbruch verfloſſen
iſt, ſonſt wären die Angeklagten erheblich ſchwerer
beſtraft worden. Straferſchwerend kam in Betracht,
daß die Angeklagten nicht diejenigen Eigenſchaften
be=
ſaßen, die einen völlig ſoliden Kaufmann ausmachen,
und daß ſie es mit den ſtaatsbürgerlichen Pflichten
nicht genau nahmen.
Raubmord an einem Poſtagenten.
TT. Lenggries (Oberbahern). In der Nähe
von Lenggries wurde in den Jſavauen der 42jährige
Poſtagent Valentin Karl der Poſtagentur Fall
er=
mordet aufgefunden. Karl war tags zuvor vom
Poſtamt Lenggries mit ſeinem Rad nach Fall
ge=
fahren. Er führte 40 000 Mark Poſtgelder, die für
Lohnzahlungen uſw. beſtimmt waren, mit ſich. Da
Karl am Abend ſein Ziel nicht erreicht hatte, nahm
man an, daß ihm ein Unfall zugeſtoßen ſei. Die
Leiche war mit Tannenzweigen zugedeckt. Der Täter
konnte noch nicht feſtgenommen werden.
Auswahlſitzung der Studienſtiftung des
Deutſchen Volkes.
Vom 5.—7. März tagte in Dresden der
Arbeits=
ausſchuß der von der Wirtſchaftshilfe der Deutſchen
Studentenſchaft geſchaffenen Studienſtiftung des
Deutſchen Volkes. Ein Tag ſrar der Beratung der
grundlegenden Fragen der Studienſtiftung gewidmet.
An den beiden anderen Tagen wurden 845 Geſuche
ausführlich behandelt; von dieſen wurden insgeſamt
252 vorläufig in die Studienſtiftung aufgenommen.
Damit iſt die Zahl der Studierenden in der
Studien=
ſtiftung von 850 auf 1102 geſtiegen. — Dem in ſeine
amtliche Tätigkeit zurückkehrenden Leiter, Herrn
Ober=
ſtudiendirektor Pgeckelmann, Kaſſel, ſprachen der
Vor=
ſtand der Wirtſchaftshilfe und der zentrale
Arbeits=
ausſchuß den wärmſten Dank für ſeine 1½jährige
hin=
gebende Arheit aus.
Der größte Waxenhausbeſitzer
Amerikas k.
200 Jahre Leipziger Thomasſchule.
Die Thomasſchule in der Schreberſtraße in Leipzig
feiert jetzt den 50. Jahrestag ihres Umzuges in das neue Heim in der Schreberſtraße. In dem
alten Schulhaus, das auch die Wohnung des großen Komponiſten Johann Sebaſtian Bach
ent=
hielt, beſtand die Schule 650 Jahre.
Hier ruhen zwei altrömiſche Kriegsſchiffe auf dem Grund.
Bergungsarbeiten nach 19 Jahrhunderten.
Der Nemi=See.
Vor 19 Jahrhunderten wurden zwei von den Kaiſern Tiberius und Caligula erbaute römiſche
Galeren zu Ehren der Götter unter großen Feſtlichkeiten auf dem Nemi=See verſenkt. Nunmehr
iſt beſchloſſen worden, die beiden alten Kriegsſchiffe, welche wahre Fundgruben der
Altertums=
wiſſenſchaft bilden dürften, zu heben. Am 16. März werden die Pumpen in Anweſenheit
Muſſo=
linis in Betrieb geſetzt.
Mutter und Tochter auf Diebesfahrten.
Warenhausdiebinnen aus Not.
DD. Berlin. Ein trauriges ſoziales Bild
ent=
rollren die Verhandlungen, die teils vor dem
Jugend=
gericht gegen Anni V., teils vor dem Amtsgericht
gegen deren Mutter Maria V. ſtattfanden. Maria
V. hatte beſſere Tage geſehen und in Lodz ein
gut=
gehendes Theater beſeſſen. Sie ſwar aber aus Polen
ausgewieſen worden, angeblich, weil ſie ihre
Deutſch=
freundlichkeit zu offen zur Schau getragen hatte. Es
ſoll auch noch eine Schadenserſatzklage gegen den
pol=
niſchen Staat ſchweben. Durch dieſe widrigen
Um=
ſtände war die Familie, die nach Berlin gekommen
war, in bitterſte Not geraten. Von Hunger
ge=
peinigt, verfielen Mutter und Tochter auf den üblen
Gedanken, Ladendiebſtähle zu begehen. Sie machten
erfolgreiche Beutezüge durch verſchiedene
Waren=
häuſer, bei denen ſie Seidenreſte, Schlüpfer und
Kleider ſtahlen. Schließlich wurden ſie auf friſcher Tat
abgefaßt, als ſie das Pech hatten, daß, ihnen eine Tüte
aus der Taſche fiel. Eine Detektivin ſah, daß
Seiden=
ſtoffe herauslugten, und ließ die beiden Frauen
feſt=
nehmen. Unter Tränen waren ſie auch geſtändig.
Gegen die Tochter wurde vor dem Jugendgericht ein
Monat Gefängnis und Unterbringung in der
Für=
ſorgeerziehung beantragt. Rechtsanwalt Dr. Georg
Löwenthal beſtritt, daß die jugendliche Angeklagte,
die nach dem Jugendgeſetz erforderliche
Verſtandes=
reife für ihre Tat gehabt habe und verlangte
Straf=
freiheit. Das Jugendgericht begnügte ſich damit, dem
Mädchen eine Buße von 30 Mark aufzuerlegen. Das
Amtsgericht verurteilte die Mutter, gegen die ſechs
Wochen Gefängnis beantungt worden waren, zu
100 Mark Geldſtrafe.
Tödlicher Unfall auf dem Magdeburger
Hauptbahnhof.
TU. Magdeburg. Am Montag früh wurden
auf dem Magdeburger Hauptbahnhof ein
Hilfs=
weichenſteller und ein Rottenaufſeher, die mit der
Befreiung der Gleiſe vom Schnee beſchäftigt waren,
von einem D=Zug angefahren. Beide Verunglückten
wurden dem Krankenhaus Altſtadt zugeführt, wo ſie
wach kurzer Zeit ſtarben.
Ein Todesopfer des Hamburger
Juwelen=
räubers.
Zu dem gemeldeten Raubüberfall auf einen
Ju=
ipelierladen in Hamburg am Samstag nachmittag
berichtet die „Montagspoſt”, daß der von dem
Räu=
ber auf der Flucht durch einen Schuß ſchwer
ver=
letzte Paſſant kurz nach ſeiner Einlieferung ins
Krankenhaus ſeiner Verletzung erlegen iſt.
Rodman Wanamaker,
der Beſitzer und Leiter der in ganz Amerika
ver=
reiteten berühmten Wanamaker=Warenhäuſer, iſt
4jährig geſtorben. Die Erfahrungen Wanamakers
haben auch die Unternehmungen der deutſchen
Varenhausbeſitzer Wertheim, Tietz, Karſtadt uſw.
befruchtet.
Drei Perſonen durch eine Granate verwundet.
Altong. Ein Bureauangeſtellter verſuchte in
Gegenwart ſeiner Wirtin und eines Mädchens, eine
franzöſiſche Granate auseinander zu nehmen.
Hier=
bei entlud ſich der Kopfzünder. Durch die
ausge=
ſtreuten Eiſenteile wurden die drei Perſonen derart
ſchwer verletzt, daß ſie in das ſtädtiſche Krankenhaus
übergeführt werden mußten.
Umfangreiche Kurpfuſchereien in Berlin.
Berlin. Der Erſte Staatsanwalt beim
Land=
gericht I hat jetzt die Vorunterſuchung in einem der
größten Strafverfahren abgeſchloſſen und die
Er=
öffnung des Hauptverfahrens gegen ſieben Perſonen
beantragt, unter denen ſich drei Berliner Aerzte und
zwei Aporheker befinden. Die Anklage lautet auf
Betrug unter Vorſpiegelung falſcher Tatſachen bzw.
auf den Vertrieb von Giften und Arzneien ohne
poli=
zeiliche Erlaubnis. Die Vorunterſuchung hat
gerade=
zu erſchreckende Bilder von einem ganz gewiſſenloſen
Treiben gegeben, an deſſen Spitze der Chemiker
Kaes=
bach ſtand, der vielfach vorbeſtraft iſt. Nach den
Er=
mittlungen der Staatsanwaltſchaft arbeitete Kaesbach
Hand in Hand mit einigen gewiſſenloſen Apothekern
und Aerzten, die ihm die Geheimmittel herſtellten,
diefe dann auch anprieſen und ſchließlich auch günſtige
Gutachten über die Wirkſamkeit der Medikamente zu
Propagandazwecken und — bei Strafverfahren — für
die Gerichte bereithielten. Die Sachverſtändigen ſagen
u. a. aus, daß viele der Opfer einer ſolch ſkrupelloſen
Kurpfuſcherei ſich jetzt mit Gehirnerweichung oder
unheilbaren Herz= und Nervenleiden in den
Kranken=
häuſern befinden.
Eine feſte Verbindung zwiſchen Stralſund
und Rügen.
IT. Stettin. Der immer lebhafter werdende
Verkehr zwiſchen der Inſel Rügen und dem Feſtlande
hatte ſchon dor dem Kriege den Wunſch nach einer
feſten Verbindung mit der Inſel Rügen laut werden
laſſen. Durch den Krieg war das Intereſſe an dieſem
Projekt naturgemäß zurückgetreten. Die Stettiner
Reichsbahn=Direktion hat nunmehr in Verbindung
mit den hieran intereſſierten Behörden das Projekt
wieder aufgegriffen. Anſtelle der bisher geplanten
Hochbrücke, deren Herſtellungskoſten mit etwa 50
Mil=
lionen Mark veranſchlagt werden, iſt man dazu
über=
gegangen, die Möglichkeit eines Dammbaues, ähnlich
dem Sylter Bau, zu prüfen. Der Damm, der für
eine zweigleiſige Eiſenbahnlinie und zugleich als
Ver=
kehrsſtraße gedacht iſt, wird mit 18½ Millionen Mark
veranſchlagt. Der Damm ſoll ungefähr bei der
jetzigen Fähre, die den Verkehr mit dem Dänholm
vermittelt, beginnen und kurz vor der Straße
Alte=
fähr—Guſtow in den alten Bahnkörper münden. Die
Züge für Rügen werden in Zukunft auf dem
Haupt=
bahnhof in Stralſund zuſammengeſtellt werden, was
einen Ausbau der Anlagen des Stralſunder
Haupt=
bahnhofes bedingt. An der tiefſten Stelle des Sundes
wird eine Flut=Oeffnung in den Damm geſchaffen,
wo eine Klapp=Brücke von etwa 5½ Meter Höhe
ein=
gebaut werden ſoll. Durch den Fortfall der jetzigen
Trajekt=Schiffs=Anlage würde die Möglichkeit zu einer
bedeutenden Erweiterung der Stralſunder
Hafen=
anlagen gegeben ſein.
Gold im Waſſer.
EP. NewYork. Bei der Verſchiffung einer für
Italien beſtimmten Goldſendung ſind am Freitag
zwei Goldkiſten, von denen jede 100 000 Dollar
ent=
hielt, ins Waſſer gefallen. Die inzwiſchen
vorgenom=
menen Nachforſchungen durch Taucher ſind bis jetzt
ergebnislos geblieben.
Wagner=Prozeß. — 12. Tag.
WSN. Frankfurt a. M. Die Zeugenvernehs
mung erfuhr eine Verzögerung von 1½ Stunder
durch die verſpätete Vorführung des Hauptangeue
plagten Wagner, der nach Erklärung der Verteidii;
gung ſeit Freitag in einem Zuſtand der Nervenern
ſchüitterung iſt. Die Verteidigung kündigte ſchon jetzs
den Antvag auf Haftentlaſſung gleich nach Abſchluß.,
der Beweisaufnahme an. Die Vernehmung beſchränktot
ſich nur auf Darlegungen des Zeugen Siebeck übere
die der Kalkulation zugrunde liegende Blechauftei”
lung, umweſentliche Bekundungen des Zeugen Floßs
mann von einer bei der Kappenlieferung mitkonkurn
rierenden Firma und des bei Wagner tätig ger
weſenen Schloſſermeiſters Teutſch=Ludwigshafen, denm
weder eine unregelmäßige Beſchwerung der Kappenn
die er zuſchweißen mußte, noch ſonſt Unregelmäßig=g
keiten aufgeſtoßen ſind. Von nebenſächlicher Bedeu=
n=
tung waren die Ausſagen der Kontoriſtin Hilden
Metzger von der Firma Metzger u. Kerner über die
Kappenbuchführung. Das geheimnisvolle Sauerſtoff=f.
buch, in das nur gelegentlich Poſten eingetragen
wur=
den, ſpukte in der Vernehmung, ohne auffindbar zuu
ſein. Mehr ſachverſtändiger Art waren die Bekun=) des Städtiſchen Bauamtmanns Wegner=:
Speher, der früher in der Anilinfabrik die
Vertre=
tung Schönbergers hatte. Das Wagnerſche Kappen= ſei ſachlich geprüft und dann erſt der Liefer= erteilt worden. Zeuge meinte bei Darleglngy
des Aufmaßbrauches, man könne ſich auch auf denn
Standpunkt ſtellen, daß die Stirnflächen bei dnn
Kappen mitgemeſſen werden könnten. Es komme ſtetss
auf die Abmachungen an. Ueber die Aufmaßfrages
entſpann ſich eine lange Unterhaltung, die — um emn
Wort des Vorſitzenden zu gebrauchen — gelegentlichc
den Ton „eines wüſten Volkstumults” annahm.
Für=
den Montag iſt eine zweite Buchhalterin der Firmag
Metzger u. Kerner geladen, die das Hauptbuch vonn
1921 auffahren ſoll.
Die Leichen der im Kanal abgeſtürzten Flieger
geborgen.
Londo n. Die Leichen des Piloten und dez
Mechanikers des franzöſiſchen Flugzeuges der Linie
Paris-London, das bei einem Schneeſturm in den
Kanal geſtürzt war, ſind bei Folkeſtone durch einen
Poſtdampfer gelandet worden.
Bergwerksunglück in Mexiko.
Mexiko. Die Regierung hatte Inſpektoren nach
den Aurora=Gruben im Staate Puebla entſandt, um
die Urſache des Unglückes feſtzuſtellen, das nach den
bisherigen Berichten vier Todesopfer gefordert hat.
Einer der Inſpektoren, der jetzt ziurückgekehrt iſt,
berichtet, ein Vorarbeiter ſei bei dem Rettungswerk
umgekommen, nachdem er bereits 11 Bergleute zu
Tage gefördert hatte. 2 Bergleute ſind noch immer
in der Grube verſchüttet.
Ein Auto vom Zuge erfaßt.
Drei Inſaſſen getötet.
TU JewYork. In Madiſon (Illinois)
über=
fuhr ein Zug ein wit drei Inſaſſen beſetztes Auto,
das in Brand geriet. Das Auto verbrannte mit ſamt
den Inſaſſen, die bis zur Unkenntlichkeit verkohlt
wurden.
Eine gefährliche Wüſtenreiſe.
EP. Drei jungen Engländern iſt die Durchquerung
des innerafrikaniſchen Wüſtengebiets auf dem Rücken
von Kamelen geglückt. Sie haben hierbei in 10
Mo=
naten 1500 engliſche Meilen zurückgelegt. Trotz ihrer
altväterlichen Beförderungsmittel haben ſich die
Reiſenden hierbei die Errungenſchaften der modernen
Technik für wiſſenſchaftliche Zwecke zunutze gemacht.
Ihre Karawane ſwar mit einem Apparat für
draht=
loſe Telegraphie ausgerüſtet und ſie konnten auf ihrer
Reiſe in ſtändiger Verbindung mit den Stationen
Annapolis und Bordeaux bleiben. Auf dieſe Weiſe
iſt es ihnen gelungen, wertvolle geographiſche
Feſt=
ſtellungen über die Lage verſchiedener Gebirge und
Täler zu machen, die bisher in den Karten falſch eine
gezeichnet waren.
Sein Licht leuchtet im Umkreis
von 600 Kilometern.
Der Leuchtturm von Mont Afrique
in der Nähe von Dijon in Frankreich ſteht auf einem
584 Meter hohen Berge und dient dem Flugverkehr
Paris—Algier. Sein Licht hat eine Intenſität vom
einer Milliarde Kerzen und iſt in einem Umkreis
von 600 Kilometern ſichtbar. Bei vollſtändig klarem
Wetter und in einiger Höhe kann ein Flieger ſogar
von Brüſſel, Frankfurt oder München das Licht von
Mont Afrique bemerken.
B
Großfeuer in den Fokkerwerken in Schwerin.
Schwerin. Am Montag vormittag brach ing
der früheren Fokker=Waſſerflugzeugwerft in einer der:
acht Flugzeughallen ein größeres Schadenfeuer aus,
durch das eine Halle, die als Winterlager für 13
Mo=
torboote, Segelboote und Pontons diente, zerſtört:
wurde. Mitverbrannt ſind eine Jolle und ein
Mo=
torboot der Reichswehr.
ſtammer 73
Diensiag den 13. März 1928
Opotn, Splel und Tarnen.
Waſſerball.
Weſifalenfahrt des Rf. L. Rot=Weiß.
Machdem nunmehr die fünftägige Weſtfalenreiſe der 1. Jugend= und
Frrren=Waſſerballmannſchaft zum Abſchluß gekomen iſt, wird es
nicht uintereſſant ſem, einen kurzen Rückblick auf die Fahrt zu
rfrn.
Rot=Weiß abſolvierte 7 Spiele; davon wurden 3 gewonnen, 2 ver=
und 2 endeten unentſchieden, und war mit folgenden Reſultaten:
Rot=Weiß 1.—Hagen 1. 4:6,
Rot=Weiß 1.—Oberhauſen 1. 3:3,
Rot=Weiß 1.—Galdbeck 1. 3:3,
Rot=Weiß 1.—Bochum 1. 1:7,
Rot=Weiß Jugend—Hagen Jugend 6:3,
Rot=Weiß Jugend—Oberhauſen Ligareſerve 3:1,
Rot=Weiß Jugend—,Aegir” Eſſen Jugend 4:2.
DDie 1. Mamſchaft ſpielte in der Aufſtellung:
Dachmer II
Dahmer I
Drieß
Merz
Hanſt
gung, über die ſchlecht hinwegzukommen iſt, und einen zwar jungen,
ſe= ſchußkräftigen Sturm. Die Taktik in unſeren großen Hallembädern
ſſtht darin, den gegneriſchen Sturm am Schießen zu hindern und den
guwen Sturm mit guten Vorlagen zu bedienen. Dieſe bei normalen
en hältniſſen richtige Taktik erwies ſich in den kleinen Hallenbädern
Scötfalens als ungünſtig. Das Spielfeld ſowohl in Hagen als auch
*Oberhauſen war nur 15 Meter lang. In richtiger Erkenntnis
die=
r: Tatſache ſtellten die dortigen Mannſchaften ihre ſchußkräftigſten
öpieler ſtets in die Verteidigung, die dann aus der Dekung heraus die
ſare ſchoſſen. Trotz Feldüberlegenheit mußten ſich die Darmſtädter
rere Ueberraſchungen gefallen laſſen. In Gladbeck dagegen, das
ing große Schwimmchalle beſitzt, konnte ſich Rot=Weiß vollkommen
ent=
als en und ein gutes 3:3=Reſultat herausholen, obwohl man gerade hier
ns einer Niederlage gerechnet hatte, da Gladbeck bis jetzt im eigenen
34d noch nicht geſchlagen wuvde. Ueberraſchend kam die 7:1=Niederlage
W Bochum. Die Bochumer hatten gegen früher eine bedeutende
Form=
ſellbeſſerung aufzuweiſen und gewannen auch verdient. Trotzdem wäre
ſes Ergebnis nicht ſo hoch ausgefallen, wenn die Darmſtädter friſch
nd den Kampf hätten gehen können. Aber die Anſtrengungen der Reiſe,
wwie eine vierſtündige Zechenbeſichtigung uſw. hatten alle Spieler ſtark
mmüdet.
Die Jugendmannſchaft ſpielte in folgemder Aufſtellung:
Dahmer II
Stuckert
Frommann
Rottmann
Ginbel
eike gelvann alle Spiele, ſogar gegen die Ligareſerve von Oberhauſen;
des ſtellt ihr wohl das beſte Zeugnis aus. Das ſchwerſte Spiel hatte
gegen „Aegir” Eſſen zu beſtehen, die Gaumeiſter in Weſtfalen ſind
Dne überlegene Spieltveiſe der Darmſtädter Rot=Weiß=Jugend wurde
allen Sportberichten anerkannt.
Rot=Weiß hat auf der Fahrt viel gelernt. Es muß feſtgeſtellt
wer=
dan, daß man in Woſtfalen in bezug auf das Waſſerballſpiel viel
wei=
trr vorwärts geſchritten iſt, als bei uns; dort gibt es ſelbſt in kleinen
Sttädten hervorragende Leiſtungen. Gefördert wird das Waſſerballſpiel
tnurch ein ausgeprägtes Spielſyſtem. Blau=Weiß Bochum z. B. hat bis
jatzt in der Winterſaiſon mit ſeiner 1. und 2. Mamnſchaft rund 40 Spiele
ASſolviert. Rot=Weiß Darmſtadt, das im Bezirk Darmſtadt in bezug
ciuuf Zahl der ausgetragenen Spiele an erſter Stelle ſteht, hat mit ſeiner
Jugend= und 1. Herrenmannſchaft einſchließlich der Weſtfalenfahrt 16
ASpiele durchgeführt. Es wird eine daukbare Aufgabe des
Gauwaſſer=
allwarts ſein, gegen die Spielträgheit im Bezirk Frankfurt mit allen
Mitteln vorzugehen, denn nur dunch gute Wettſpiele wird die
Spiel=
bärke gehoben.
Es iſt eine Dakespflicht für die Darmſtädter, diejenigen nicht
un=
wähnt zu laſſen, die ſich große Verdienſte für das Zuſtandekommen
her Weſtfalenreiſe erworben haben. Das iſt i erſter Liie der S.V.
Wlau=Weiß Bochum mit ſeinem verdienten Vorſitzenden, Dr. Hoevelhaus,
Ind ſeinem 1. Schwimmwart, Dipl.=Ing. Schubert. Was die Vereine
m Hagen, Oberhauſen, Gladbeck und Bochum füs die Aufnahme der
Schivimnkameraden aus dem Heſſenlande taten, iſt wohl kaum zu
über=
ſeieten. Hoffentlich haben wir Gelegenheit, recht bald auch die Weſtfalen
ſSier in Darmſtadt begrüßen zu können.
Rot=Weiß Darmſtadt darf wohl wit dem R=ſultat ſeiner Reiſe
zu=
rieden ſein. Wenn auch der ſichtbare ſportliche Erfolg für die 1.
Mann=
ſichaft ausblieb, ſo iſt doch der Werbeerfolg groß genug, um die Reiſe
als gelungen betrachten zu können. Der Vorſtand des V.f. L. Rot=Weiß
wwird am Sonntag abend anläßlich eines Bunten Abends im Fürſtenſaal
ſDie Gelegenheit wahrnehmen, den Teilnehmern an der Weſtfalenreiſe
eine kleine Erinnerung zu überreichen.
Kanuſport.
Rot=Weiß im Deutſchen Kanuverband.
Die im vergangenen Sommer gegründete Paddlergilde des
V.f.L. Rot=Weiß, die in Stockſtadt am Altrhein Bootshaus und
Betätigungsfeld hat, nahm einen ſolchen Aufſchwung, daß der Verein
beſchloß, Mitglied des Deutſchen Kanuverbandes zu werden, um der
jungen Abteilung noch mehr als ſeither Entwickelungsmöglichkeiten zu
geben. Der Deutſche Kanuverband hat die Aufnahme genehmigt, die
heute abend anläßlich eines Bunten Abends im Fürſtenſaal vonſtatten
gehen wird, unter Anweſenheit des Kreisvorſitzenden Jahn=Frankfurt.
Die Paddlergilde des V.f.L. Rot=Weiß Frankfurt beſteht zurzeit aus
rund 30 Mitgliedern, die zuſammen 23 Boote beſitzen. Die Abteilung
zählt eine fehr große Zahl Jugendmitglieder in ihren Reihen und wird
auch in Zukunft gerade auf die Ausbildung von jugendlichen Paddlern
einen großen Wert legen. Rot=Weiß hat ſich deshalb auch um die
Durch=
führung des Kreisjugendtages des Oberrhein=Mainkreiſes beworben, der
am idylliſchen Altrhein in idealer Weiſe abgehaiten werden kann. Die
Leitung der Paddlergilde hat der im Kanuſport als Fachmann bekannte
Hans Freudel=Darmſtadt übernommen.
Kegeln.
Keglerverbaud Darmſtadt und Umgebung. — Klubmeiſterſchaftskämpſe.
Zu dem Vorkampfe am vergangenen Sonntage waren im
Bürger=
verein ſechs Klubmannſchaften zum Stark erſchienen. Von dieſen konnte
die Riege des Kluubs „Keglerluſt” die höchſte Holzzahl erreichen. Am
kommenden Sonntag ſetzen ſich die Vorkämpfe fort und ſtarten noch ſieben
Mannſchaften.
Die Ergebniſſe des erſten Vorkampfes ſind:
1. Kegelklub „Keglerluſt”
2520 Holz
2. Kegelklub „L. L.”
2506 Holz
3. Kegelklub „Haſſia 1919‟
2472 Holz
4. Kegelklub „Sportkegler”
2411 Holz
5. Kegelklub „Kranz”,
2406 Holz
6. Kegelklub „Konkordia”
2122 Holz.
Jede Mannſchaft beſtand aus 5 Keglern, die zuſammen 500 Kugeln
abzuwerfen hatten.
Seniorenkegeln.
Dieſes Kegeln hatte in dieſem Jahre eine ſtärkere Meldung, wie im
Vorjahre zu verzeichmen. Es ſtellten ſich 31 Kegelbrüder zur Verfügung.
Von dieſen haben am vergangenen Samstag und Sonntag 28 auf der
Bahn bei Krichbaum geſtartet. Mit beſonderem Eifer und Intereſſe
waren die alten Herren bei der Sache. Die erzielten Reſultate ſind im
allgemeinen recht beachtlich. Die vier Beſten von ihnen werden
aus=
gezeichnet. Drei Kegelbrüder, die am Sonntag verhindert waren,
kegeln im Laufe der Woche nach. In Führung ſetzten ſich:
1. Kegelbruder Schinnerl „Zwölfer TGd. 46‟ 273 Holz
2. Kegelbruder Schieferdecker „Zwölfer TDGd. 46‟ 259 Holz
3. Kegelbruder Bäumer „K. 1911 BV.”
254 Holz
4. Kegelbruder Lautenſchläger „Chattia”,
252 Holz
Aller Vorausſicht nach wird ſich wohl an den Reſultaten noch wenig
ändern.
Der Start ging über 50 Kugeln pro Mann ud verlief in
einwand=
freier Weiſe.
Giorgetti=Debgets gewannen das New Yorker Sechstagerennen mit
Rundenvorſprung gegen Belloni=Beekman, denen mit weiteren zwei
Nunden Abſtand Zucchetti=Boogman und Horm=Garriſſon folgten.
Schwimmen.
Deutſcher Schwimm=Verbandstag.
Der Deutſche Schwimm=Verband hält an den Oſtertagen in
Ham=
burg ſeinen fälligen Verbandstag ab. Ein überreiches Maß von Arbeit
harrt der Erlediguig, liegen doch nicht weniger als 140 Anträge
vor, die teilweiſe überaus bedeutungsvolle Veränderungen zum Ziele
haben. Allgemein iſt der Ruf nach Anpaſſung der deutſchen
Mei=
ſterſchaften an das olympiſche Programm. Ferner werden verlangt:
Verkürzung der Sprungwettkämpfe auf die Internationale Tabelle,
Einführung einer Damen=Lagenſtaffel=Meiſterſchaft über 3mal 100 Meter
und damit verbunden Verlängerung des Verbandsfeſtes auf drei Tage.
Das Syſtem der Deutſchen Waſſerballmeiſterſchaft ſoll
wie=
der einmal verändert werden, indem man zu der früheren Gepflogenheit
zurückkehren will, weil nach dem neuen Austragungsmodus die Zahl der
teilnehmenden Vereine immer kleiner wird. Ein Antrag, der ſchon
lange fällig iſt, verlangt, daß im Auslande erzielte
Rekordleiſtun=
gen, ſofern die Vorſchriften des internationalen Verbandes dabei
be=
achtet worden ſind, in Zukunft als deutſche Rekords gebucht werden.
Daneben gibt es noch viele Anträge, die eine weſentliche Ausgeſtaltung
des ſportlichen Wirkens innerhalb des DSV. zum Ziele haben. So liegt
ein Antrag vor, neben dem Schwimmen auch ſolche Leibesübungen zu
pflegen, die geeignet ſind, die ſchwimmſportlichen Uebungen im Sinne
allgemeiner Körpererziehung zu ergänzen. In Frage kommen dabei
Gymnaſtik, Leichtathletik und Handball, die nach den bei der Deutſchen
Turnerſchaft eingeführten Regeln wettkampfmäßig durchgeführt werden
ſollen. Die Sommerſchwimmzeit vom 1. Juni bis 1. September iſt von
der Abhaltung derartiger Wettkämpfe ausgeſchloſſen. Ferner ſoll nach
Muſter des Deutſchen Turn= und Sportabzeichens ein eigenes
Prü=
fungsabzeichen des DSV. für beide Geſchlechter eingeführt wer=
ſchuß feſtgeſetzt und wenn nötig, zeitgemäß geändert werden ſollen. Aus
dem Kapitel „Verwaltungskoſten” intereſſiert der Antrag, daß in Zukunft
Gehälter und Zuwendungen an die Verbandsbeamten aus dem Etat zu
verſchwinden haben. Der Verbandsdorſtand ſowie der Verbands=
Schwimmausſchuß ſollen durrch Aufnahme einer Damenvertreterin
er=
weitert werden.
Olympia=Vorproben der deutſchen Schwimmer
Nach umfangreichen Vorbereitungen der deutſchen Olympia=
Schwimmer während der Winterſaiſon werden ſie zum erſten Male am
14. und 15. April einer eingehenden Prüfung auf Herz und Nieren
unterzogen. Die Vorbereitungen treten jetzt in ihr abſchließendes
Stadium Mit der Durchführung wurde Hellas Magdeburg betraut.
Das Programm beſteht nur aus Wettbewerben, die auch in Amſterdam
geſchwommen werden, und zwar wird das ganze olympiſche Programm
erledigt. Als Teilnehmer für die Magdeburger Probekämpfe hat der
Deutſche Schwimmverband folgende Schwimmer und Schwimmerinnen
beſtimmt: Herren: Heubert Heinrich (Leipzig), Schubert und Robert
Dahlem (Breslau), Friedel Berges (Darmſtadt), Neitzel (Magdeburg),
Schrader (Hildesheim) für Freiſtil; Budig (Köln), Sietas (Hamburg),
Sippel (Plauen), Blaſek (Breslau), Praſſe (Bremen) und Erich
Rade=
macher (Magdeburg) für Bruſt: Ernſt Küppers (Vierſen), Trentſchel
(Leipzig), Enger (Hildesheim), Schumburg (Magdeburg) für Rücken;
Mundt (Halberſtadt), Riebſchläger (Zeitz), Baumann, Kohlitz (Dresden),
Frieling (Köln), Kuhl (Magdeburg) für Kunſtſpringen: K. Bähre,
Kipfer, Gunſt (Hannover), Schürger (Nürnberg), Erich Rademacher,
Amann, Cordes (Magedburg) für Waſſerball.
Damen: Reni Erkens (Oberhauſen), Lotte Lehmann (Dresden),
A. Rehborn Bochum), Bewersdorf (Dresden), Trippler (Charlottenburg),
Mörſchel (Darmſtadt) für Freiſtil; Hilde Schrader (Magdeburg),
Lotte Mühe (Hildesheim), Elfriede Zimmermann (Berlin), Ida
Brei=
mann (Düſſeldorf) für Bruſt; Anni Rehborn (Bochum), Strubel
Nonnenberg (Berlin) für Rücken; Söhmhen (Bremen), Hanni
Reh=
born (Bochum), Gehl (Berlin), Borgs (Düſſeldorf) für Springen.
Handball.
Pol.=Sportverein 8.—Sportverein Wiesbaden 1:1 (1:0).
Das kolte Wetter, die ſchlechten Bodewverhältniſſe drückten dem
Spiel am letzten Sonntag den Stempel auf. Dazu kam noch eine ſchwache
Schiedsrichterleiſtung, ſodaß aus dem als Freundſchaftsſpiel gedachten
Spiele ein richtiges hartes Kampfſpiel wurde. Die harte Note wurde
von der Gäſtemannſchaft hereingetragen. Als nun im der 2. Hälfte die
Pol.=Mannſchaft, gezwungen durch das Verſagen des Schiris, ebenfalls
anfing, hart zu ſpielen, ging der Reiz der erſten Hälfte verloren.
Zum Spiele. Die Polizeimannſchaft ſpielte in der erſten Hälfte des
Spieles ſehr anſtändig. Ihre Spielweiſe konnte jeden Zuſchauer
ent=
zücken. Eifrig, aufopferungsvoll, uneigennützig, flink und große Fairniß
waren es, was die Sympathie für die Mannſchaft bei den Zuſchauern
auslöſten. In prächtigen Kombinationszügen ſchaffte die Mannſchaft
immer wieder brenzliche Situationen vor dem gegneriſchen Tor, die
letzten Endes durch Feſthalten und allzu hartes Dazwiſchenfahren
unter=
bunden wurden. Nach glänzendem Zuſpiel von der Läuferreihe zum
Sturm gelang es dieſem, ſich durchzuſpielen und unhaltbar einzuſenden.
Jeder Mann konnte in dem Spiele gefallen. Hervorzuheben wäre nur
die eiſerne Ruhe des Tormannes, die man ſonſt bei ihm vermißt. Ob
die Kälte hier vielleicht von Einfluß war? — Die Kurſtädter ſpielven,
wie ſchon geſagt, für ein Freundſchaftsſpiel zu hart. Ihre Hauptſtärke
lag im Schlußtrio und im Mittelſturm. Sie ſpielten ſehr eifrig und
ver=
ſuchten, mit allen Mitteln das Treffen für ſich zu entſcheiden. An die
Spieltechnik ihrer Gaſtgeber reichten ſie nicht heran.
Den Ausgleich erzielte ſie, nachdem der Tormann den Ball abgeſpielt
hatte, der Rechtsaußenſtürmer, der auf den Ball nicht gefaßt war, den
Ball nicht erhielt und der Tormann noch nicht in ſeinem Gehäuſe war.
— Mit dieſem Ergebnis kann die Pol.=Mannſchaft zufrieden ſein.
Wies=
baden iſt dunch Zuzug von Spielern aus Turnerkreiſen erheblich
ſpiel=
ſtärker als in den Verbandsſpielen. Babenhauſen, das in den
Meiſter=
ſchaftsſpielen den dritten Tabellenplatz errang, konnte dieſer Mannſchaft
nur mit 1:0 Toren 2 Punkte abringen.
Fußball.
Sportverein 1898 1. Jug.—Sp.V. Wiesbaden Jug. 15:1.
Widrige Umſtände zwangen Wiesbaden mit Erſatz anzutreten,
trotz=
dem waren körperbich die Kurſtädter den 98ern bedeutend überlegen.
Auch der Starkenburgmeiſter mußte für Hepting und Ohl Erſatz
ein=
ſtellen; doch lieferte gerade Keil als Mittelläufer heute ein großes Spiel.
Von den Vertejöigern war Hauch der Beſſere. Doch der beſte
Mann=
ſchaftsteil war zweifellos der Sturm, der faſt ſämtlich die ihm gebotenen
Chancen verwertete. Der linke Flügel mit Riedel Freund war
die gefährlichſte Seite, während Zopf auf Rechtsaußen von ſeinem
Nebenmann kaum bedient wurde. Jedenfalls haben die 98er erneut
be=
wieſen, daß ſie zur Zeit unbedingt die beſte Mannſchaft ſind. In den
Endſpielen um die Frankfurter Landesderbandsmeiſterſchaft werden ſie
den Bezirk Starkenburg würdig verkreten.
Ein Schwimmklubkampf in Mannheim zwiſchen SV. Mannheim
und Offenbach 96 endete mit einem 6:2 Sieg der Mannheimer.
Ein deutſcher Sportlehrer, Schmücker=Hamburg, wurde als Trainer
der portugieſiſchen Olympia=Leichtathletikmannſchaft verpflichtet.
Der Hallentenniskampf Kopenhagen—Bremen wurde von den
däni=
ſchen Gäſten mit 4:1 Siegen gewonnen.
Norwegiſcher Skimeiſter wurde Ole Steenen.
Den Potin=Pokal für Eishockeymannſchaften gewann in Pavis die
Tſchechoſlowakei durch einen 3:2 Sieg im entſcheidenden Spiel gegen
England.
Lloyd Hahn lief in Boſton die 1000 Yards in 2:12,8 Min.
In Mentone gewannen v. Kehrling=Worm das Herrendoppel gegen
Cochet=Graf Salm.
Geſchäftliches.
Die Verfeinerung unſerer Kultur.
Biegelt ſich wieder in der ſtetig wachſenden Nachfrage nach wirklich
her=
vorragenden kosmetiſchen Mitteln. Das Gepflegtſein des Kulturmenſchen
ſeult ihn ebne über den Angehörigen eines Naturvolkes. Der moderne
Menſch wird ſtets darauf bedacht ſein, ſein Aeußeres zu veredeln, und
dadurch die hohe Kulturſtufe zu dokumentieren, auf der er ſteht. Vor
Geite 11
allen Dingen wird er bemüht ſein, die Haut, die beſondere Pflege bedarf,
nur mit den beſten Mitteln zu ertüchtigen. Eine Standardleiſtung der
deutſchen Kosmetik für das Gebiet der Hautpflege iſt die „Aok=Seeſand=
Mandelkleie” der Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg. Sie iſt ein
Univerſal=
mittel gegen alle Hautunreinheiten wie Miteſſer, Puſteln, Pickel,
Haud=
grieß, Wimmerln und dergleichen. Wer „Aok=Secſand=Mandelkleie”
ver=
wendet, hann ſich der Gewißheit hingeben, für ſeine Haut das Beſte geton
zu haben.
Unſerer heutigen Geſamtauflage liegt ein Proſpekt der Heſſiſchen
Lichtſpieltheater A.=G. bei, worauf wir unſere Leſer an dieſer Stelle
aufmerkſam machen.
(TV 4675
30. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lotterie.
98. Tag, 5. Plaffe. In der Vormittags=Ziehung fielen:
4 Gewinne zu je 10 000 Mark auf Nr. 4500, 311 839; 10 Gewinne zu je
2000 Mark auf Nr. 94 283, 97 081, 163 359, 278 321, 360 535: B Gewinne
zu je 1000 Mark auf Nr. 8836, 17 280, 59 311, 77 909 92 443, 124 218,
169 424, 170 452, 173 208, 199 842, 2B8854, 251417, 294 848, 348 238;
ferner 84 Gewinne zu je 500 Mark und 178 Gewinne zu je 300 Mark.
— Berichtigung: In einem Teile der Vormitdagsliſte vom 9. März
muß es 117 558 mit 10 000 Mark ſtatt 177 578 heißen. — In der
Nach=
mittags=Ziehung fielen: 2 Gewinne zu je 5000 Mark auf Nr.
182 381; 8 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr. 178887 1839B, B0 170,
240 919; 16 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr. 5987, 54 816, 107 692,
147 079, 207 067, 306 944, 310 363, 374 645; 22 Gewinne zu je 1000 Mark
auf Nr. 79 156, 80 295, 130 305, 138 542, 22924, 963 162, 775 25, 992 611,
339 410, 340 804, 344 026; ferner 64 Gewinne zu je 500 Mark und 190
Gewinne zu je 300 Mark. — Im Gewinnrade verbliebem: 2
Prä=
mien zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 75 000 Mark, 2 Gewinne zu je
25 000 Mark, 2 Gewinne zu je 10 000 Mark, 6 Gewinne zu je 5000 Mark,
14 Gewinne zu je 3000 Mark 32 Gewinne zu je 2000 Mark, 80
Ge=
winne zu je 1000 Mark, 218 Gewinne zu je 500 Mark, 588 Gewinne zu
je 300 Mark.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Wieland. O 18.15: Vereinsnachrichten und Mitteilungen. O 18.30x
Kaſſel: Gartening. Hinze: Dahlien und Gladiolen. 18.454
Kaſſel: K. Vogt: Spielkunſt des Theaters. O 19.15: Funkhochſchule
Dr. v. Hagen: Mode und Geſundheit. O 19.45: Schachſtunde.
O 2.15: Konzert des Funkorch. Mitw.: Kammerſänger Gläſer,
O 21.15: Kaſſel: Till Eulenſpiegel, von G. Hauptmann. Vortrag.t
Br. Schönfeld, Berlin.
Stuttgart.
Dienstag, 13. März. 12.30: Schallplatten. 16: Aus deii
Reiche der Frau. O 16.15: Funkorch. Einl.: H. Engſtler. O 18.15:
Empfangsſchaltungen. O 18.45: Prof. Beutel: Von Kopernikus
bis Galilei. o 19.15: O. Zienau=Berlin: Deutſches Leben in
Finnland. O 20: „Bürger Schippel”. Komödie in drei Aufzügen
von Sternheim. Der Fürſt: Donath; Tilmann Hickethier, ein
Goldſchmied: Brandt; Jenny Hicketier, ſeine Frau: Hildegard v.
Zedtwitz; „Thekla Hicketier, ſeine Schweſter: Emmy Sonnemann;
Heinrich Krey, fürſtlicher Beamter: Elwenſpoek; Andreas Wolke,
Buchdruckereibeſitzer: Stockinger; Paul Schippel: Wiſten; ein Arzt:
Höger. O 21.30: Mannheim: Julius Weismann=Abend. Mitw.:
Lene Heſſe (Violine), Liſa Brechter (Sopran), Altycer (Cello),
Sinzheimer (Klavier). Sonate A=moll. — Lieder: Auf der Reiſe.
Die Nachtigallen. Die Elfe. Sonnenlied. — Trio D=moll. O 22.45:
Nachrichten.
Berlin.
Dienstag, 13. März. 12.30: Mitteilungen und praktiſche Winke
für den Landwirt. O 15.30: E. W. Balk: Moderne deutſche
Kultur=
zentren. O 16: Stunde mit Büchern. O 16.30: H. G. Luſtig: „Der
Herr von der Preſſe.” (Journalismus im Spiegel der Dichtung.)
— Dann: Tanztee=Muſik. Kapelle Gerhard Hoffmann. 18.30=
Dr. Simon:Die wichtigſten „Fauſt”=Muſiken. O 19: Oberſchulrat
Lic. Dr. Hartke: Aus dem altſprachlichen Unterricht in den höheren
Schulen. O 19.25: Dr. Hoffmann=Harniſch: Dichtungen von
Eiſen=
bahnen, Straßen und Plätzen. O 19.55: Prof. Dr. Marcuſe;
Himmelskunde als Helferin im prattiſchen Leben. O 20.30: Ginzley
lieſt aus eigenen Werken. Meine Bühnenlaufbahn, Glück und Ende,
Die Aufnahmeprüfung. Heitere Balladen aus dem alten Wien,
O 21: Kammermuſik. Prof. Guſtav Havemann (1. Violie), K.
Korn (2. Violine), H. Mahlke (Viola), A. Steiner (Cello). Mitw.3
Gertrud Flüger (Viola), E. Silberſtein (Cello), Margarethe
Letter=
mann und Karin Roſſander (Violine). Brahms: Sextett G=dur. —
Mendelsſohn=Bartholdy: Oktett Es=dur. — Anſchl.: Tagesnachrichten.
Stettin: 18.30: Poſtrat Gericke: Verſuche mit der Verkraftung
des Landpoſtweſens.
Deutſche Welle. Dienstag, 13. März. 12: Franzöſiſch für
Schüler. O 14.30: Dr. Wegner: Vom fliegenden Holländer und
Klabautermann. O 15: Marie Dies: Die Pflege der
Mutter=
ſprache in der Kinderſtube. O 15.35: Wetter und Börſe. o 16:
Std.=Rat Prof. Dr. Fries: Das Erziehungsweſen im klaſſiſchen
Altertum. O 16.30: Dr. Moſer: Bilder vom Leben im Meere,
Pflanzentiere. O 17: Leipzig: Bunter muſikaliſcher Nachmittag.
O 18: Schuldir. Mayer: Techn. Lehrgang. Techniſche
Flächen=
rechnung. Anf.=Einf.=Kurs. O 18.30: Spaniſch für Anf. O 18.55:
Prof. Dr. Korff: Die Sturm= und Drangdichtung im Zuſammenhang
der Geiſtesgeſchichte. O 20.30: Berlin: Ginzkey: Meine
Bühnen=
laufbahn, Glück und Ende. Die Aufnahmeprüfung. Heitere Balladen
aus dem alten Wien, geleſen vom Autor. O 21: Berlin:
Kammer=
muſik. Brahms: Sextett G=dur. — Mendelsſohn: Oktett Es=dur.
Mitw.: Havemann=Quartett und Gertrud Flügel (Viola), Silbermam
(Cello), Margarethe Lettermann und Karin Roſſander (Violine),
O 22: Preſſenachrichten.
Wetterbericht.
Das nordſkandinaviſche Tiefdruckgebiet hat ſich nach Finnland hin
weiterbewegt und eine Abſchwächung des hohen Druckes im Norden
aus dem nördlichen Hoch entſtammenden Luftmaſſen, die zunächſt zu
einer Forkdauer des Froſtes führen. Nur unbedeutende leichte
Nieder=
ſchläge treten gelegentlich vereinzelt auf.
Ausſichten für Dienstag, den 13. März: Wolkiges Wetter, nur vereinzelt
etwas Niederſchlag, meiſt als Schnee, Froſt.
Ausſichten für Mittwoch, den 14. März: Rückgang des Froſtes, ſonſt
wenig Aenderung.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:
Ort:
Wetter: Temp.
in Co
Wind:
Miite Finee
ſchlag , decke
in mm in ew
Gießen:
Aachen:
Hamburg:
Berlin:
München:
Königsberg:
bedeckt
wolkig
Schnee
wolkig
wolkig
heiter
2
5
5‟
10
10,
Windſtille
ONO.
Windſtille
gef.
0,4
2,0
Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen:
Feldberg:
(Taunus)
Waſſerkuppe:
Feldberg:
(Schwarzw.)
Zugſpitze:
Kahler Aſten:
Fichtelberg:
Nebel
wolkig
Nebel
heiter
Nebel
Windſtille
0,5
10
Hauptchriftleitung. Rudoi/ Maupt
Verantwortlich für Polltn und Wirtſchaft: Rudeif Maupe; für Feutlleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart‟ Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willy Kuble: Druc
und Verlag: L. C. Wittlch — ſämilich in Darmſiadt
Für unverlangte Manuſkrivte wird Garantie der Rückſendung nich; Übernommen.
Nummer 73
Dienstag, den 43. März
Der Ausweis der Reichsbank.
Der Ausweis der Reichsbank vom 7. März zeigt einen Rückgang
der geſamten Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks,
Lom=
bards und Effekten um 141,8 Mill. auf 2405 Mill. RM. Im einzelnen
haben abgenommen die Beſtände an Wechſeln und Schecks um 75,3 Mill.
auf 2260,9 Mill. RM., diejenigen an Lombards um 66,5 Mill. auf 50,6
Mill. RM. Die Anlage in Effekten iſt mit 94,2 Mill. RM. weiterhin
unverändert geölieben. An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen
zuſammen ſind 225,4 Mill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen,
und zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 200,6 Mill. auf
4067,7 Mill. RM. verringert, derjenige an Rentenbankſcheinen um 24,8
Mill. auf 605,6 Mill. RM. Dementſprechend haben ſich die Beſtände
der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 40,1 Mill. RM. erhöht. Die
fremden Gelder zeigen mit 526,5 Mill. RM. eine Zunahme um 35,5 Mill.
RM. Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen ſind mit
2185,6 Mill. RM., im einzelnen die Goldbeſtände mit 1888,3 Mill. RM.,
die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen mit 297,3 Mill. RM.
ausgewvie=
ſen. Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte, ſich von 44,2
Prozent in der Vorwoche auf 46,4 Prozent, die durch Gold und
deckungs=
fähige Deviſen von 50,8 Prozent auf 53,7 Prozent.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 12. März.
Im vorbörslichen Verkehr war die Börſe zu Beginn der neuen
Woche zunächſt allgemein weiter freundlicher geſtimmt. Die
Unterzeich=
uung der Freigabebill durch den Präſidenten Coolidge, wodurch die am
Samstag gehegten Befürchtungen einer eventuellen Verzögerung der
Unterſchrift hinfällig wurden, und der gute Lloydabſchluß regten an,
und die Spekulation ſchritt weiter zu Deckungen. Zu Beginn des
offi=
ziellen Verkehrs wurde jedoch wieder eine gewiſſe Unſicherheit fühlbar,
und den Deckungskäufen der Spekulation ſtanden einige Abgaben im
Zuſammenhang mit der heutigen Medio=Liquidation gegenüber.
Unge=
wißheit beſtand vor allem hinſichtlich der weiteren Geldmarktentwicklung,
wenn auch der Tagesgeldmarkt weiter etwas entſpannt war. Zur
Zu=
rückhaltung mahnten weiterhin die verſchiedenen Lohnbewegungen. Im
Berliner Metallarbeiterkonflikt glaubt man aber in Börſenkreiſen mit
einer Verbindlichkeitserklärung des neuen Schiedsſpruches rechnen zu
können. Bei der erſten Notierung war die Kursgeſtaltung nicht ganz
einheitlich, es überwogen fedoch die 1 bis 2prozentigen Kursbeſſerungen.
Ctwas regere Nachfrage auf einigen Spezialgebieten boten dem Markte
wieder eine Stütze. Sonſt war das Geſchäft im allgemeinen wieder ſtill.
Etwas lebhafter verlangt waren aus den bereits angeführten Gründen
Hapag und Nordd. Lloyd, die je 2,25 Prozent gewannen. Auch für Geſ.
für Elektr. erhielt ſich das Intereſſe (plus 1,5 Prozent); während die
übrigen Elektrowerte eher angeboten waren. So verloren AEG. 1,5
Prozent; Siemens 1,75 Prozent und Felten 1 Prozent. Stärker
be=
achtet waren Scheideanſtalt mit plus 3,75 Prozent und Rheinſtahl mit
plus 2,75 Prozent. Sonſt lagen die Montanwerte ſtill und nur knapp
behauptet. Auch Banken blieben vernachläſſigt. Von den Autoaktien
zogen Adlerwerke und Daimler je 1 Prozent an, während NSI. leicht
gedrückt waren. Zellſtoffwerte lagen auf Realiſationen nur knapp
be=
hauptet. Deutſche und ausländiſche Renten lagen weiter ſtill und wenig
verandert. Im Freiverkehr waren Ruſſen abgeſchwächt. Guldenruſſen
3,85 Prozent. Am Pfandbriefmarkt entwickelte ſich in
Liquidations=
pfandbriefen und Reſtquoten lebhafteres Geſchäft.
Im weiteren Verlaufe kam das Geſchäft faſt vollkommen zum
Still=
ſtand. Am Farbenmarkt wurden offenbar wieder Inderventionskäufe
vorgenommen. J. G. Farben, die nur knapp behauptet eröffnet hatten,
zogen 1 Prozent an, und J. G. Bezugsrechte waren zu 9,25—9,30
Pro=
zent gefragt (nach 9 Prozent Brief). Davon angeregt, blieb die
allge=
meine Stimmung freundlich. Der Satz für Tagesgeld wurde auf 6,75
Prozent ermäßigt. Geld bis Ultimo 7,25—8,25 Prozent. Am
Deviſen=
markt ſetzten wieder Debiſenverkäufe ein, und die Mark zog im Kurſe
an. Mark gegen Dollar 4,1836; gegen Pfunde 20,413: London=Kabel
4,8796; Paris 124,02½; Mailand 92,30; Madrid 29,00; Holland 12,12½.
An der Abendbörſe blieben die Umſätze nur in beſcheidenem
Rah=
men. Die Stimmung war im allgemeinen gut gehalten, zum Teil waren
verſchiedene Werte gegenüber den letzten Mittagskurſen noch etwas
freundlicher. So gewannen Klöckner 0,5, Rheinſtahl 0,25, Gesfürel 1, Licht
und Kraft 0,75, Farbenind. 0,5 Prozent. Schiffahrtswerte gut
behaup=
tet. Der Anleihemarkt lag vernachläſſigt. Die Glanzſtoffaktie lag ſehr
feſt und wurde bis 677 genannt. Der Verlauf, der Abendbörſe blieb
anregungslos. Die Kurſe im allgemeinen gut gehalten.
Im einzelnen nannte man: Dabar 222,62, Deutſche Bank 160,75,
Gelſenkirchen 163, Mannesmann 142, Rheinbraun 249, Rheinſtahl 151,75,
Stahlverein 99,25, Hapag 149, Nord. Lloyd 149,25, AEG. 153, Farben
253,B, Gesfürel 269,5, Holzmann 145, Siemens 261, Waldhof 261.
Abenddeviſen: London-Paris 124,02, —Mailand 92,30, New York
4,8795, gegen Holland 12,12½, gegen Madrid 28,93, gegen Zürich
25,34½, Pfunde gegen Mark 20,41¾/s, Dollar gegen Mark 4,1835.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 12. März.
Die am Samstag endgültig erfolgte Unterzeichnung der
Freigabe=
bill durch den amerikaniſchen Präſidenten hinterließ an der Börſe einen
günſtigen Eindruck. Die Kurſe der Freigabewerte zogen daher um
meh=
rere Prozente an. Allerdings wurde die Geſamtſtimmung von dieſer
Spezialgruppe nicht beeinflußt, da infolge der heutigen
Prämienerklärun=
gen und der Medio=Liquidation zu den erſten Kurſen Ware herauskam,
ſowohl durch Realiſationen der Börſe als auch der Provinz. Die feſten
Vormittagsnotierungen konnten ſich deshalb nicht behaupten. Ver.
Glanzſtoff, die noch vorbörslich mit etwa 674 genannt wurden, eröffneten
beiſpielsweiſe mit 666. Die Tendenz geſtaltete ſich mit Ausnahme der
Freigabewerte im offiziellen Verkehr uneinheitlich, doch blieben die
Kursbewegungen auf verhältnsmäßig kleine Gewinne oder Verluſte
be=
ſchränkt. Am Geldmarkt war eher eine mäßige Erleichterung
feſtzuſtel=
len, obwohl die Sätze unverändert blieben. Tagesgeld 6,5—8 Prozent;
Monatsgeld 7,25—8,5 Prozent; Warenwechſel mit Bankgiro zirka 7
Prozent. Im Deviſenverkehr befeſtigte ſich die Reichsmark gegen New
York auf 4,1835. London—New York wenig verändert 4,8795; London—
Spanien feſt 28,99. London—Mailand 92,55.
Im weiteren Verlauf war die Haltung der Börſe ſchwach. Die
Rückgänge bewegten ſich etwa zwiſchen 0,5—2 Prozent. Darüber hinaus
verloren Ver. Glanzſtoff 9 Prozent, nur ganz wenige Werte konnten ſich
ctwas erholen, ſo Phoenix um 0,5 Prozent und Rheiniſche Braunkohlen
um ³⁄₈ Prozent. Eine Ausnahme bildeten Svenſta, die auf Stockholmer
Käufe ihre Aufwärtsbewegung vom Samstag fortſetzten und ſich
vor=
übergehend auf 407 (plus 7 RM.) ſtellten. Das Geſchäft iſt faſt
voll=
kommen zum Erliegen gekommen. Der Privatdiskont liegt wieder für
beide Sichten unverändert, obwohl man eine geringe Erhöhung
er=
wartete.
Bis zum Schluß der Börſe gaben die Kurſe weiter nach, nur
Glanzſtoff erholten ſich wieder etwas. Auch an der Nachbörſe war die
Haltung ſchwach. Gegen 2,30 Uhr hörte man u. a. folgende Kurſe:
Zellſtoff Waldhof 257,5; Ver. Glanzſtoff 661; J. G. Farbeninduſtrie
252; Daimler 91: Danatbank 222; Kommerzkank 172,5: Diskonto 154,5;
Hapag 148,25: Deutſche Bank 160; Nordlloyd 148,5: AEG. 153,5; Geſ.
für Elektr. 267,5; Siemens 260; Oſtwerke 257,75; Schultheiß 323;
Rhein=
ſtahl 151; Rhein. Braunkohle 278; Mannesmann Röhren 140,25;
Har=
pener 161; Polyphon 289; Altbeſitz 1 und 2 52; dito 3 55,73; Neubeſitz
auf 14,40 nachgebend.
10. 3 12. 3.
110 3 12. 3
Aſchaf enb. Zellſtoff 1172.— 1171.— Hemoor=Zement. . . 1 244.—
245.—
Augsb. Nürnb. Maſch. / 99.125/ 99.— / Hirſch Kupfer...
24.—
Bamag=Meguin".
23.25 Höſch Eiſen
137.— 136.125
74
Berlin el. W.
71.—
Hohenlohe Werke .. 1 90.— 1 90.—
Berlin KarsruheInd. 82.— / 80.75 Kahla Porzellan ... 1108. 103.—
Braunkohl. = Briketts / 166.— 1167.— Lindes Eismaſch. . . /149 25 148 —
Bremer Bulkan".
143.— 1143.— Lingel Schuh
63.— 61.25
226 — 1226.— 1 Linke u Hofmann
Bremer Wolle.
Teutſch.=Atlant. Tel. /102.5 1103.
L. Loewe u. Co. .. 1234.— 1 234.—
Teutſche Maſchinen / 58.75 56.125) C. Lorenz
194.— 102.—
Teutſch.=Nied. Tel.
Niederlauſitzer Kohle/ 180.— 1131.5
Deutſche Erdöl
123.3751123.125) Nordd. Gummi ..
Deutſche Petroleum / 66.— 64— 65) Orenſtein
1130.— 132.—
—
Dt. Kaliwerke
Rathgeber Waggon 83.—
83.—
Donnersmarckhütte
Rombacher Hütten
Tynamit Nobel
121.— 1122.— Roſitzer Zucker ...
67.—
67.—
Eleſtr Lieferung
162.5 164.— Rütgerswerke ..
95.5 95.5
J. G. Farben
251. — 1254.— / Sachſenwer I.
117.- 117.5
R. Friſter
Süchſ. Gußſtahl
102 25 1102.—
145.5 142.5
Eaggenau Vor
33.75 33.— Siemens Glas
146.5 146.—
Eelſenk. Berg
Ver. Lauſitzer Glas 7 123.5
124.75
R. f. elektr. Un
267 25 1271.5 1 Volkſtedter Porzell. / 56 — 54.—
Halle Maſc
Weſtf. C. Langendreel
139.75 136.—
Van.=Maſck.
62 25 62.— Wittener Gußſtahl . / 69.
63.75
Kanſa=Dampfſd
1223.— Wanderer Werke".
171.875/ 176.—
Deviſenmarkt.
Selſingfors .
Wien".
Prag ..
Budapeſt.
Sofia".
Solland.
Lslo ...
Kopenhagen
Stockkolm.
London".
Buenos Aire‟
Ner=Tork".
Belgien".
Geld /Brief
9.52710.547
58.87 53.99 12. 3.
Geld /Brief
10.52210.54:
58.86/ 58 98 Italien.
Paris". 10.
22.10
16.44 3.
Geld / Brie
22.14
18.48 2.381 12.401
73.10/ 73 241
3.022/ 3.026
168. 21/168.55 12.385 12.405
73 08/ 73.22
3.017/ 3.0231
168.20,168.54 Schweiz
Spanien.
Danzig
Fapan. . 80.48
69.98 80.62
70.12
81.54/ 81.70
1.953/ 1.96 111.32/111.54
111.99/112.21
12.12/112.34
20.397/20.437
4.1800 4 188c 111.32/111.54
tiis7tte.19l
112. 12/112 34
20.39/ 20.43
1.790/ 1.794/ 1.789/ 1.79:
4.1790 4.1870 Rio de Janeiro".
Jugoſlavien.
Portugal".
Athen.
Konſtantinopel .
Kanada.. 0.503
7.353
19.23
5.504
2 12
4.17 0.505
7.36
19.17
5.556
2.125
4.18 58.26 59.38 58.26/ 58.38/Uruguay.. 4.276/ 4.28‟
12. 31
Geld /Brief
22.085 22.125
6.44 116.48
80.46 80.62
70.45 70 59
81.51 81.67
1.9031 1.967
.503 0.505
7.360
18.93
5.494
2. 125
4.174
4.276
7.374
18.97
5.506
2. 129
4.182
4.584
Piehmärkte.
Staatspapiere
a)Deutſche
D. Rchsanl. Ablöſ.,
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Scheinen! 51.85
D. Rchsanl. Ablöf.=
Sckuld ohne
Aus=
loſungsſcheine. .. 14.3
4% Dt. Schutzgeb.=
Anl. .......
0) Ausländiſche
5% Bos E.B. 1914/ 38.5
5%, L. Inv. 1914
% 1898.. . . 2.75
„ 1902....
4½ Bosnien ..... 2.5
5% Bulg. Tabak.02/ 18.5
4½% Oſt. Staatsr.
v.1913, Kdb. 1918/ 2.75
4½% Oſt. Schatz. 14
(lt Innsbr Abk.)/ 29.8
4½%0 Oſt. Silberr. 3.5
47 Goldr.
ſt. Innsbr. Abk. 33.5
42 • einh. R. (k.). 1.5
8% Port. (Spz./III
6½Rum. am. R.03
4½%Gold. 13 ..
4½ am kon.
4% „ am. 05
425 Türk. /Adm. 103
4½ (Bagd.)
4½ (Bagd.) III
4% unif. 1903
4% 1911 Boll.
41s% Ung. St. 1913
(lt. Innsbr. Abk.
4½%Ung. St 1914
(lt. Innsbr. Abk.)
12 Ung. Goldr.. .
(1*. Innsbr. Abk.
* Ung. Staatsr.
v. 10.
(lt. Innsbr. Wbr.)
Ke5
9‟
21.3
22
24.75
20.3
W Miierue
o Ung. Eiſ. Tor..
Außer=
europäiſche
32Mex am. in. abg.
6 „äuß. 99
40 Gold 04 ſtf.
%5 konſ. inn.
4½½„Frrigat.
5½ TamaulipasI,
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberechnung
8% Bad.=Babener
Stadt=Goldanl.. .
10%Berl. H.=Bk. G.
79 „ „
4½2%n „ „ Die
quid.=Pfandbr. . .
6% Berl. St. Gold
8% Darmſt. St.=G.
80 D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf.
Dresd. St.=G.
% Frkrft. St.=G..
(
Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
7%0 Frlf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
6% Frrf. Hyp.=Bk.,
Goldpfbr.
4½%Frkf. Hyp.=B.
Liquid.=Pfbr.
8%0 Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr
%o Frkf. Goldpfbr.
6% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.
5%0 Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.
4½% Hamb. Hyp.=
Bk.=Liquid.=Pfbr.
2n5
98
93
94
92
88.5
80.5
96.75
93.5
89
76.25
31
88
79
79.25
Dau
Goldanl. ..
2 Heſſ. Land.=Bk.
Goldpfbr. . .
Heſſ.Land.=Bk.
Goldpfbr.
60 Heſſ. Lanb.=Bk.
Goldpfbr.
8%Klöckn..Werk. 26
10%Komm. Elektr.
Mark(Hag. /Goobl
½ Komm. Ldsbk.
Darmſtadt . . . .
9 Land.=Krebitk.
Kaſſel Goldpfbr.
26 Ldwgshf. Stadt
Goldanl.
M. Kraft Höchſt
O Mainz.=St.=G.
38 Mannh. St.=G.
70 M.=Stahlw. 27
Naſſ. Ldb. Gold
0 Nbg. St. Gldal
8% Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
7%0 Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
6%0 Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
4½½ PfälzHyp. B.
Liquid.=Pfbr. . . .
8% Pforzh. St.=G.
8% Pirmaſ. St.=G.
8% Pr. Centr. Bd.=
Cr.=Bk. Goidpfbr.
4½%0
Liquid.=Pfbr. .
1 8% Pr. Centr.=St.=Gldpfbr.
79 Pr. Centr.=St.
ſchafts=Goldpfbr.
80 Rh.=Hyp.=Bk.
Goldpfbr. ...
„ Lig. Pfb
% Rh. Stahlw.
25.
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf.
95.25
96
92.75
95
97.5
20.25
86
96
93.5
88
76
91:1.
93
97.6
78.9
92
93
97
94
79.8
10 N=V.B. C.BG.)
„ Lig.=Pl
O Südd. B. Cr.B.
Goldpfdbr.
„
u „Lig.=Pfb.
7%0 V. Stahlw.
Düf=
ſeldorfHhp.=
Gld=
obl. mit Option
2o V. Stahlw.
Düf=
ſeldorfHyp.=Gd.. ohne Option
70 Viag (V.Ind.=
Unt. Bln. / 27..
3% Voigt &Häffner
Goldobl.
8% Württ. Hhp.=
Bank Goldpfbrf.
Ohne
Zinsberechnung
1% Bdw. Kohl 23
% Großkr. Mnnh.
Kohl. 23 .."
6%Heſſ. Bk.=Reg. 23
5% Heiſ. Volksſtaat
Roggen .. . . . 2"
20 Pr. Kaliw.
% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt. BG.
Vorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Frkſ. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bf.
Mecklb. Hyp.= u. Wb.
Meining. Hyp.Bk.
Nord Gr.=Cr.=Bk.
Preuß. Bob.=Cr.=B.
Preuß. Pfdbr.=B1
Württ. Hyp.=Bk..
Staatl. od prov.
garantiert
Heiſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel
Naſiauiſche Ldsb.
Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
95
12.15
13.55
6.4
8.75
6.3
2.22
17.8
13.9
14
13.75
13.5
13.2
9.5
2.2
Galiz.-Carl2.3B
bg.
59 Hſt. Sb./L.ſtir.
2,6% Alt. Oſt. Süd.
2,60 Neue „„
4% Oſt. Staatsb. 83
30 Oſt. 1. b. 8. E.
30 „ „ „ 9. Emn.
„ 1885
% Oſt. „ Era. Netz
% Raab Oedb 83
„ 91
„ 9‟
Rud. Silber.
425 Rud. (Salzkg.
4½%Anat., S. I
½%0 Anat., S. II
17 07 Anat., S.III
%o Salon. Monaſt.
Tehuantepec
4½2%
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit ..
Bad. Bk. .. . . . . . . 161
Bk. f. Brauind. . . .
Barmer Bankv. ..
Bay. Hyp.=Wchſ..
Berl. Handelsgeſ.
Hypoth.-Bk. /232
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk. /221.5
Deutſche Bank...
D. Eff. u. Wchſ.=Bk. /120.5
D. Hyp.=Bk. Mein.
D Vereins=Bk. .
Disk.=Geſellſch. 154
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frunkf. Hypth.=Bk.
Frkf. Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundtr. B. /140
Lux. Intern Bank.
Metallbank. .
Mitteld. Creditb (210
Nürnb Vereinsok.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Pr. Bd.=Creditbank
„ Hyp.=Akt.=Bank
Reichsbank=Ant. .
Rhein. Creditbk:. . .
Rhein. Hyp.=Bk.. 1183
3.75
15
15
3.5
21
21
18
15
13.75
1.9
17
16
18.5
164.5
143
154
172.5
160.75
102
156.25
113.5
140.5
141
8.25
2231,
172
133
148
195
129.25
züdb. B.=Credbitk.
Südd. Disc.=Geſ...
Oſterr. Creditanſt..
Wiener Bankverein
Bergwerks=Akt.
Ruderus. . .
Eſchw. Bergw....
Gelſenkirch. Bgw..!
Harp. Bergb.
Ilſe Bergb. St....
Genußſchein ..."
Kali Aſchersleben
Kali Salzdetfurth 1249.5
Kali Weſterregeln".
Klöcknerwerke (abg.
Lothr.=Hütte)...
Mannesm.=Röhre . /142.75
Mansfelder ......
Oberbedarf
Otavi=Min =Ant. . .
Phönix=Bergb. . ..
Rhein. Braunk. . .
Rhein. Stahlw. . .
Riebeck Montan. . . 147
SalzwerkHeilbronn)
Tellus Bgb. ... . .."
Ver. Laurahütte.
Ver. Stahlwerke
Oſt. Alpine Montan
Mannheimer Viehmarkt vom 12. März. Zum heutigen
Großvieh=
markt waren zugeführt und wurden die 50 Kilo Lebendgewicht je nach
Klaſſe gehandelt: 176 Ochſen 30—61, 146 Bullen 32—53, 297 Kühe 16
bis 48, 322 Färſen 36—62, 643 Kälber 50—78, 63 Schafe 42—48, 11
Zie=
gen 10—24, 3668 Schweine 46—60, 131 Arbeitspferde je Stück 900—1700,
98 Schlachtpferde je Stück 40—110 RM. Marktverlauf: Mit Großvieh
ruhig, Ueberſtand; Kälber lebhaft, geräumt; Schweine mittelmäßig,
aus=
verkauft; Pferde ruhig
Frankfurter Viehmarkt vom 12. März. Der Auftrieb des heutigen
Hauptmarktes beſtand aus 1229 Rindern (darunter 316 Schafen, 49
Bul=
len, 539 Kühen, 290 Schafen) ferner aus 531 Kälbern, 65 Schafen und
5337 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Hauptmarktes der
vergangenen Woche waren heute 150 Rinder, 6 Kälber, 3 Schafe und
1450 Schweine weniger angetrieben. — Marktverlauf: Rinder bei
an=
fangs regem, ſpäter ruhigem Geſchäft ausverkauft. Kälber und Schafe
rege, geräumt; Schweine anfangs rege, zum Schluß ruhig, nahezu
ge=
räumt. Ochſen al) 58—61; a2) 55—57: b1) 51—55: 40—50; Bullen
a) 54—58; b) 50—53; Kühe a) 45—50; b) 40—44: c) 33—39; d) 26—32;
Färſen a) 58—62; b) 53—57; c) 43—52; Kälber b) 75—80; c) 65—74;
d) 55—64; Schafe nicht notiert; Schweine a) 58—60; b) 59—61: c) G(
bis 62;
0—62; e) 54—57; g) 46—52; Rinder waren eine Mark
Kälber
4 Mark und Schweine bis zu 7 Mark teurer. —
Fleiſch=
großmaukt: Ochſenfleiſch 1. 90—100; 2. 85—30; Bullenfleiſch 85—90;
Kuhfleiſt
70—80; 2. 60—70; 3. 35—50; Kalbfleiſch 1. 100—110
2. 9:
0; Scht
1. 70—78.
Das Ergebnis
der Leipziger Frühjahrsmeſſe.
Nachdem die Textil= und die Schuh= und Ledermeſſe bereits am Mitkz
woch ihr Pforten geſchloſſen haben, hat am Samstag auch die allgemeirn
deutſche Muſſermeſſe ihr Ende gefunden, während die Techniſche Meßſ
entſprcchend dem Wunſche der Ausſteller noch einige Tage offen bleiſ,
Letzteres gilt auch für die Internationale Laſtkraftwagenausſtellung.
Ueberſieht man jetzt das Ergebnis der diesjährigen Meſſe, ſo
kar=
man bei der Feſtſtellung, die ſchon in den erſten Tagen gemacht wordre
iſt, bleiben, daß es eine gute Durchſchnittsmeſſe war, die den
Ausſta=
lern im großen ganzen ausreichende Tätigkeit für die nächſten Mona
verbürgt. Das Inlandsgeſchäft konnte nicht überall an dasienige de
Vorjahres heranreichen, das iſt aber auch nicht zu erwarten, da wir äin
vorigen Jahre am Beginn einer Konjunktur ſtanden, wobei es galt, Oe
Läger, die infolge der großen Zurüchhaltung des Handels geleert
wo=
den waren, wieder aufzufüllen. Diesmal handelt es ſich für das J
landsgeſchäft im weſentlichen nur um den Normalbedarf und den Ei
kauf der ſaiſonbedingten Artikel. Daß ſich entſprechend der
Verarmur=
des deutſchen Volkes keine ſonderliche Nachfrage nach reinen Luxm= entwickeln konnte, iſt nur zu begreiflich. Beſonders zu leide=:
hatte hierunter das Kunſtgewerbe, ſoweit es ſich um künſtleriſche Einze
ſtücke handelt. Trotzdem möchte man gerade dieſen Zweig auf der Lei
ziger Meſſe nicht miſſen, und der durchkultivierte Geſchmack, der Fir
hier zeigt, lockt auch genügend Ausländer an, um den Ausländern d=
Anweſenheit auf der Leipziger Meſſe lohnend, zu machen.
Es iſt ſchon darauf hingewieſen worden, daß diesmal die Meſ
ganz beſonders ſtark vom Ausland beſucht wurde, und das hat auch f1.1
die deutſche Exportinduſtrie Früchte getragen. Man muß allerdings d
Feſtſtellung machen, daß bei dem Auslandsgeſchäft die
Qualitätswaw=
ſtark in den Vordergrund gerückt iſt. Bei der großen Konkurrenz da
Auslandes, den hohen Zollmauern, mit denen es ſich umſchließt, urd
ſchließlich und endlich den außerordentlichen Vorbelaſtungen, die di
deutſche Induſtrie gegenüber dem Ausland zu tragen hat, kommt es im
mer deutlicher zum Vorſchein, daß das Ausland in erſter Linie Spezial., ſei es nun in bezug auf die Geſchmacksrichtung, ſei es in bezin
auf die Qualität, in Deutſchland ſucht. Dieſe Erfahrungen ſollten
rich=
tunggebend für die ganze deutſche Exportinduſtrie ſein.
Aehnliche Erfahrungen hat man auch auf der Techniſchen Meſſe gu
macht. Hier liegen allerdings die Dinge inſofern etwas anders, all=
Deutſchland immer mehr den Beweis liefert, daß es die Rückſtändigkei
in die es durch den Krieg und die Inflation gekommen iſt, nicht nm
überwunden hat, ſondern auch im Begriffe ſteht, es der ausländiſche
Konkurrenz gleichzutun, und man iſt auch in ausländiſchen Kreiſen der‟
Ueberzeugung, daß bald Deutſchland auf dem Gebiete der Technik wiede:
an der Spitze marſchieren wird. Ganz beſonders zeigt ſich dies auf der
Gebiete der Werkzeugmaſchinen, aber auch die Baumeſſe weiß heute der
Ausland Anregungen zu geben, die es anderweitig nicht findet.
Eine beſondere Erſcheinung der diesfährigen Meſfe iſt die weſend
liche Vermehrung der ausländiſchen Ausſteller, die immer mehr dazu
übergehen, national geſchloſſen aufzutreten. Es bedarf keiner beſonderen
Hevvorhebung, daß nicht von allen deutſchen Ausſtellern dieſe EntwtA
lung gern geſehen wird, demn die ausländiſchen Ausſteller treten meh
oder minder als Konkurrenz für die deutſchen auf. Einmal liegt es
aber im Weſen der Leipziger Meſſe als internationaler Meſſe Ausläm
der, die den Wunſch haben, auf der Leipziger Meſſe auszuſtellen, nickx
auszuſchließen. Dann aber muß man berückſichtigen, daß ja auch wi
Deutſchen auf die ausländiſchen Meſſen gehen, und daß es ſich hier
alf=
lediglich um einen Akt der Gegenſeitigkeit handelt, wobei es ſelbſtver:
ſtändlich iſt, daß das Meſſeamt nur ſolche Länder zuläßt, die auch der
deurſchen Ausſtellern auf ihren heimiſchen Meſſen keine Schwierigkeitern
bereiten. Schließlich kann es, und das hat die jetzige Meſſe wieder
be=
wieſen, ſich die deutſche Induſtrie aber auch leiſten, ihre Produkte neben
den gleichartigen des Auslandes zu zeigen. Wenn auch, wie aus den
ver=
ſchiedenen Stimmen hervorgeht, die Ausländer mit dem Geſchäft
zu=
frieden ſind und infolgedeſſen in Ausſicht ſtellen, in Zukunft noch im
größerer Anzahl zu erſcheinen, ſo iſt doch kaum anzunehmen, daß die
Tatſache der Anweſenheit der ausländiſchen Ausſteller das deutſche
Ge=
ſchäft in weſentlichem Maße beeinträchtigt hat. Abgeſehen davon
han=
delt es ſich in überwiegendem Maße bei den ausländiſchen Produkten ung
Spezialerzeugniſſe der jeweiligen Länder, die kennen zu lernen, für dem
deutſchen Markt nur von Intereſſe ſſein und den Warenaustauſch hebeir
kann.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Eröffnung der Breslauer Frühjahrsmefſe. Die Breslauer
Früh=
jahrsmeſſe und die mit ihr verbundenen Ausſtellungen wurden m
Beiſein zahlreicher geladener Gäſte, der Spitzen der Behörden, des
Kon=
ſularkorps und der Ausſteller durch eie Rede des Oberburgermeiſters
Dr. Wagner eröffnet; der Redner hob die Notwendigkeit des
Abſchluſſes=
von günſtigen Handelsverträgen gerade für das darniederliegende
Wirt=
ſchaftsleben Schleſiens ſtark hervor und forderte den Ausbau der Oder,
die Verbeſſerung der Verkehrsbeziehungen und die Verbilligung der
Tarife. — Der Beſuch der Meſſe fetzte frühzeitig ſtark ein.
Der Jahresabſchluß der Darmſtädter und Nationalbank. Der
Auf=
ſichtsrat der Darmſtädter und Nationalbank, K.=G. a. A., hat beſchloſſen,
der Generalverſammlung vorzuſchlagen, von dem ſich einſchließlich des
Vortrages ergebenden Reingewinn von 16 270 553 (i. V. 20 957 952) RM.
eine Dividende von 12 Prozent (wie im Vorfahre) zu verteilen, 1 Mill.
RM. wie im Vorjahre dem Beamtenpenſionsfonds, 5 Mill. RM. (im
Vorjahre 10 Mill. RM.) der beſonderen Reſerve zuzuführen und 2 590553
(2277 952) RM. auf neue Rechnung vorzutragen. Die Reſerven ei=
Taut. Brantfärter Karvorricht voür 1e. Marz Lo4d.
93.5
201
130
237
120
166
174
112.25
94
99.25
196
111
99
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh.)/275
Henninger
178
Hercules Heſſiſche 138
Löwenbr.=Münch. 317
Mainz Aktienbr: 251
Nicolai, Hofbrauer. 145
Schöfferhof(Bind.)/327
Schwarz=Storchen /165
Tucher. Nürnberg.
Werger.
172
Abt, Gebr. . .
Aktum. Berlin . .
Adler & Oppenh...
Adlerw. (v. Kleher)
D. A. E. G. Vzg. A
5% A. E. G. Vzg. B
A. E. G. Stamm ..
Bad. Maſch. Durlach
49
81.5
75.9
154
137.5
Bad. Uhrent, Furtw.
Bamag=Meguin..
Baſt Nürnberg ...!
Bahr. Spiegel ..
Beck & Henkel.
Bergmann El. Wk.
Brem.=Beſigh.=O!
BrownBoveri &Cie
Brüning & Sohn.
Bürſtenfbr. Erlang.
Fement. Heidelb. .
Cement Karlſtadt.
Cement. Lothr. . .
Chem. Albert . . . . .
Chem. Brockh. ..
Chem. Milch ..
Da mler=Benz A. G
Dt. Atlantik Telegr
Dt. EiſenhandelBl.
Deutſche Erdöl
D. G. u. Silb. S
D. Linoleumw. Bln.
Dresd. Schnellpr..
Dürkopp=W. (St.)
Dürr Ratingen.
Eiſenw. Kaiſersl..
El Licht u. Kraft ..
El. Lieferung ....
Elſ. Bad. Wolle
EmagElekt. Frankf.
Email Ullrich ...
Enzinger=Werke .
Eßlinger Maſch.
Ettlinger Spinn
Faber Bleiſtift
Faber & Schleiche
Fahr. Pirmaſens
Farbenind. J. G.
Feitenc Guilleaum.
Feinmech. Jetter
Feiſt, Sekt
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frrf M. Bok. & V
Geiling & Cie.
Geſ. f. elekt. Untern.
Goldſchmidt, Th.
Gritzner Maſch. .
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.
Haid & Neu .....!
11
Za
473.75
155
48
140
180
70.5
80
39
90.5
102
124
198
265
125
68
26=
213
Mre
38.5
66
235
63.5
103
52
254
90.5
35
150
107
75
270
105
141.5
169
135
48
25.5
78.5
1144
81.25
99
84.6
Metee
Haniw. Füſſen .. . 140
Hanſa=Lloyd, Br.
Hartm. & Braun.. 169
Heſſen=Naſſau Gas 120
Heyligenſtgedt.
Hilpert, Armatur. 88.5
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer .. . . 116
Hoch=Tief=Eſſen
Holzmann",
Holzverk.=Jud.
Inag
JunghansSt.
Kammg. Kaiſersi. 211.5
1177
Karſtadt, N.
Keram. W. Offſtein
glein. Sch.&Becker/107
Knorr, Heilbronn. . /160
Konſerv. Braun ..
Krw. All=Württbg. /100
Krauß & Co. ....
Lahmeyer .. . . .."
Lech Augsburg .. /115
Lingel Schuhw..
Löhnberg. Mühle. 38
Ludwigsh. Walzm. /139.25
Lüdenſcheid. Metall
Mainkraft Höchſt 113
Mars=W. Nürnberg/114.25
173*
Metallgeſ. Frkf.
Miag Mühlenb 141.5
Moenus Stanim. 74.25
Motorenf. Deutz ..! 63
Motorenf. Oberurſ. / 73
Münch. Lichtſpielk. 124.5
Reckarſ. Fahrz
66
Neckarw Eßlingen
99.25
Beters Union
Pfälz. Nähm Kayſerl 51
Philipps A.=G. 45.5
Vorzellan Weſſel
Rein Gebb. & Schall —
Rhein Eleltr. St. 150.5
Rhenania,Kunheimſ 58.5
95.5
Rütgerswerke
Schneid & Hanau. 48
Schnellpr. Frankth. 69
Schramm Lackfr.. .
Schrift g. Stempel/119.75
Schuckert. Glektr.. . !
Schuhfbr. Weſſel.
Schuhf. Herz=
18.5
Schultz. Grünlack. .
Seilind. Wolff. . ..
Siemens Gkas....
Siemens & Halske, /2
Südb. Immob. . . 96.5
Südd. Zucker=A=G. 131
StrohſtoffV. Dresd 311
Thür. Lief. Gotha. 108.25
Unterfr. Kr. El. B., 1107
Beithwerke.
Ver. f. Chem. Ind./ 90.5
Ver. d. Olfbr. Mhm./ 80
Ver. Faßf. Caſſel. . . 48
Gummi. Bln.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg . . / 89.75
Ultramarin .. . . . . 157.5
Zellſtoff Berl.. . . . /150.5
Vogtl. Maſch. . ...
Boigt & Saeffner. 1173
Volthom Seil ....! 70.25
Wanß & Frehtag. 1130
BegelinRußfbr. . .
Zeliſt Aſchaffenbg. 1727=
Zellſt. Memel .. . . 139
Zellſt. Waldhof. . .
Zuckerf. Rheingau.
Transport= und
Berſicherungs=Akt.
Dt. Reichsb.=Vorz.
A. Lokalb. u. Kraft 199
Dt. Eiſenb.=Geſ...
Schantung E.B...
Südd Eiſenb.=Geſ. 139
. .. 1149.5
Hapag
Nordd Llohd .. . /150.
44
Frrft. Allg. Ver).
Frankonia Rückv.
Darmſtädter Berte
Bahnbedarf
Dampfk. Rodberg.
Helvetia Konf.. . . .
Gebr. Lutz......"
Motorf. Darmſt. . .
Gebr. Roeder.....!
BenulethckEllenb..1
174
35
9
Nummer 73
Dienstag, den 13. März 1928
Geite 13
Ahen ſich damit auf 55 Mill. RMM., Kapital und Reſerven auf 115 Mill.
hlM. und der Beamtenpenſionsfonds auf 4 Mill. RM. Nach der
Ge=
mnn= und Verluſtrechnung (alle Zahlen in Mill. RöN.) haben ſich die
Ennnahmen auf Proviſionskonto mit 40,16 (i. V. 3,55) beträchtlich er=
1Xht; Zinſen ſtiegen auf 33,35 (31,93), während Effekten= und
Konſortial=
gucvinne auf die Hälfte zurückgegangen ſind 5,00 (10,00). Unter den
misgaben werden Verwaltungskoſten mit 55,13 (52,93) ausgewieſen;
während Steuern eine ſehr erhebliche Zunahme auf 9,39 (5,85) erfahren
„Tben. Aus der Bilanz ſind hervorzuheben: Unter den Aktiven Kaſſe
nde Geldſorten und Kupons einſchl. bei Noten= und
Abvechnungs=
ken mit einem Rückgang auf 65,27 (76,38). Wechſel und unverzinsliche
hatzanweiſungen zeigen eine Zunahme auf 427,71 (331,40),
Noſtrogut=
n bei Banken und Bankfirmen auf 217,66 (20/44); während Reports
Lombards gegen börſengängige Wertpapiere der allgemeinen
Ent=
klung entſprechend mit 109,61 (159,07) einen bedeutenden Rückgang
veiſen. Vorſchüſſe auf Waren und Warenverſchiffungen haben ſich
irk erhöht 130,69 (84,12). Unter den eigenen Werwpapieren, die mit
,21 (18,10) zu Buche ſtehen, befinden ſich Anleihen und verzinsliche
chatzanweiſungen des Reichs und der Länder mit 1,88 (1,51), ſonſtige
ei der Reichsbank und anderen Zentralnotenbanken beleihbare
Wert=
tpiere, die auf weniger als die Hälfte 3,58 (7,46) zurückgegangen ſind,
tö=ährend ſich ſonſtige börſengängige Wertpapiere mit 15,43 (6,32) mehr
ls verdoppelt haben und ſonſtige Wertpapiere mit 2,33 (2,81). Die
cronſortialbeteiligungen ſind erheblich geſtiegen, nämlich auf B3,94 (15,75),
ſauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankſirmen ziemlich
mnverändert mit 21,49 (20,61). Debitoren in laufender Rechnung weiſen
Sie bei den anderen Großbanken eine beträchtliche Erhöhung auf. Von
umsgeſamt 727,40 (580,17) entfallen auf gedeckte Kredite 564,18 (448,29)
m.nd auf ungedeckte Kredite 163,22 (131,87). Auf der Paſſivſeite ſind
ent=
vwrechend Kreditoren auf 1 563,91 (1 326,56) geſtiegen; Akzeptverbindlich=
Heiten ſind auf 72,56 (57,95) angewachſen. Unter den ſonſtigen Paſſiven
eigt das Verrechnungskonto der Zentrale mit den Zweigſtellen eine
be=
meutende Erhöhung auf 6,17 (3,51). Avale beliefen ſich auf beiden Seiten
wer Bilanz auf 74,76 (44,09). Das Verhältnis der leicht greifbaren
Mittel — d. h. der erſten 5 Aktivpoſten — zu den Verbindlichkeiten —
Kreditoren und Akzepte — ergibt mit 950,93 zu 1636,47 eine Verminde=
„rung der Liquidität auf 58,10 Prozent (gegen 61,15 Prozent im Vor=
Aahre).
Metallnotierungen.
Die amtl. Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 12. März
tſſtellten ſich für Kupfer: Januar, Februar 123,50 (123,50), März 123
7123,25), April 1B (12,50), Mai 123,50 (123,50), Juni 123,25 (123,50),
ſuli 123 (133,50), Auguſt 123,25 (123,50), September, Oktober, Novem=
Aber, Dezember 123,50 (123,50). Tendenz: befeſtigt. Für Blei: Januar
440,25 (40,75) Februar 40,50 (41), März 39,50 (40,25), April 39,75 (40),
EMai 40,35 (40,25), Juni, Juli 40,25 (40,50), Auguſt 40,25 (40,75),
Sep=
tember 40,50 (40,75), Oktober, November 40,25 (40,50), Dezember 40,25
M40,75). Tendenz: kaum behauptet. Für Zink: Januar, Februar 49,50
(50), März 50 (51), April, Mai 49,50 (50,50), Juni Juli, Auguſt,
Sep=
tember, Oktober, November, Dezember 49,50 (50). Tendenz: ſtill. — Die
verſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Produftenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 12. März. An der
Produkten=
börſe hatten die abermals erhöhten Auslandsforderungen eine feſte
Haltung zur Folge. Jür Futtermittel trat im Zuſammenhange mit der
kalten Witterung gebeſſerte Nachfrage hervor. Man verlangte für die
100 Kilo waggenfrei Mannheim ohne Sack in RM.: Weizen inländ.
26,25—26,75, desgl. ausländ. 29,25—31,50, Roggen inländ. 26,50—26,75,
desgl. ausländ. 28—28,25, Hafer inländ. 24,75—26,25, desgl. ausländ.
26,25—27, Braugerſte ausländ. 31—35, pfälziſche 31,50—33, badiſche,
heſ=
ſiſche und württembergiſche 21—32, Futtergerſte 23,50—24,50, Mais mit
Sack 23,75—24, Süddeutſches Weizenmehl. Spezial Null 37,75—38,25,
deutſche Roggenmehl je nach Ausmahlung 36—38,50, Weizenkleie 14,25.
Frankfurter Produktenbericht vom 12. März. Die Tendenz an der
heutigen Börſe war im allgemeinen feſt. Das Angebot in
Inlands=
weizen hat ſtark nachgelaſſen. Roggen war ſtark gefragt; bei geringem
Angebot wurden die geforderten Preiſe, welche durchweg gegenüber der
Vorwoche um eine halbe Mark erhöht waren, glatt bewilligt. Auch
Hafer lag ſehr feſt. Weizenmehl iſt bei ſehr ruhigem Geſchäft
unver=
ändert. Roggenmehl wurde ebenfalls wie Roggen im Preiſe erhöht,
ohne daß hierin größeres Geſchäft zu bemerken war. Futtermittel lagen
wieder beſſer gefragt und wurden höher notiert. Weizen I 26,25—26,50,
Roggen 26,25, Sommergerſte 29—31,50, Hafer inländ. 25,75—26,50, Mais
für Futterzwecke 23,50, für andere Zwecke 24,25, Weizenmehl 37,75—38,
Roggenmehl 35,50—37,75, Weizenkleie 14,25—14,35, Roggenkleie 15—
15,25, Erbſen 34—60, Linſen 55—110, Heu 8—8,50, Weizenſtroh 4,50,
desgl. 3,25, Treber 17,75—18,25.
Amtliche Notierung für Speiſekartoffeln in Frankfurt a. M. Es
notierten je 50 Kg. Induſtrie hieſiger Gegend Mark 3,50—3,60. Die
Ten=
denz war ruhig.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chikago, 12. März. (Priv.=Tel.)
Weizen: Die Feſtigkeit in Liverpool und Buenos Aires bewirkte ein
weiteres Anziehen der Preiſe. Anregend wirkten weiter Froſtſchäden
in Deutſchland und größere Auswinterungen in Illinois, Ohio und
in Texas.
Mais erfuhr ebenfalls eine Befeſtigung auf kleine Ankünfte und
ungünſtige Wetterberichte.
Roggen konnte auf beſſere Exportnachfrage, kleine Zufuhren und
Froſtſchäden in Deutſchland ebenfalls anziehen.
Hafer: Nach ſtetiger Eröffnung griff eine Befeſtigung Platz auf
lokale Anſchaffungen per Mai.
* New York, 12. März. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Der Terminmarkt nahm einen ſchleppenden Verlauf,
doch vermochten ſich die Preiſe zu behaupten, da große Verkaufsorders
nicht vorlagen. Der Handel ſchritt dann zu kleinen Anſchaffungen.
Zucker: Der Rohzuckerterminmarkt litt anfangs unter Liquidationen
und Abgaben des Handels. Dann trat auf Deckungen eine Befeſtigung
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 12. März:
Getreide: Weizen, März 136½, Mai 136¾, Juli 134; Mais,
März 94½, Mai 97½, Juli 100; Hafer, März 55½, Mai 56½,
Juli 52½; Roggen, März 116½, Mai 117¾, Juli 110¾.
Schmalz: März 11,35, Mai 11,65, Juli 11,70.
Fleiſch: Mai 11,275, Juli 11,475, Sept. 11,70; Speck loco 11:
leichte Schweine 7,85—8,55, ſchw. Schweine 7.95—8,40;
Schweine=
zufuhr Chicago 63 000, im Weſten 150 000.
Baumwolle: März 18,23, Mai 18,36.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 12. März:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 168¾, hart 155½: Mais neu amk.
Ernte 110½: Mehl ſpr. wheat clears 6,60—6,90; Fracht nach
Eng=
land 1,6—2,6, nach dem Kontinent 9—10.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,0; Talg extra 8½.
Kakav: Tendenz: feſt, Umſatz in lots 84, loco 13½, März 13,56,
April 13,63, Mai 13,75, Juni 15,86, Juli 13,97, Auguſt 13,97,
September 13,98, Oktober 13,79, Dezember 13,39.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Am Samstag wurden die Verhandlungen über den Neuabſchluß des
Reichstarifs für die Schuhinduſtrie fortgeſetzt. Noch zur Verhandlung
ſtand im weſentlichen nur die Lohnfrage. Es gelang ſchließlich, auch
hierüber zu einer Einigung zu kommen.
Wie aus Sracbrücken gedrahtet wird, bereiten die Saarkommunen
eine neue Amerika=Anleihe vor, die ſich auf mehrere Millionen Dollar
belaufen ſoll. Es iſt beabſichtigt, den Erlös für die produktive Erwerbs=
Ieſenfürſorge zu verwenden, insbeſondere, um für die entlaſſenen
Saar=
bergleute Arbeits nöglichkeiten zu ſchaffen.
Am 18. März tritt in Paris der Ausſchuß für Ausſtellungs= und
Meſſefragen bei der Internationalen Handelskammer zum erſten Male
zuſammen, um die Frage einer internationalen Regelung auf dieſem
Gebiete zu prüfen. Zum Vorſitzenden dieſes Ausſchuſſes iſt der
Vor=
ſitzende des Deutſchen Ausſtellungs= und Meſſeamtes. Direktor Hans
Kraener gewählt worden.
Der in Genf weilende bulgariſche Finanzminiſter hat der deutſchen
Delegation offiziell die Mitteilung gemacht, daß die deutſchen Inhaber
der bulgariſchen Vorkriegs=Obligationen in Zukunft den engliſchen, den
franzöſiſchen und holländiſchen Inhabern der bulgariſchen Staatsanleihe
gleichgeſtellt werden ſollen, falls ſie den Nachweis erbringen, daß ſie die
bulgariſchen Staatsobligationen bis zum 8. Juli 1922 erworben haben.
Der Präſident des Warenhauſes Wanamaker in New York,
Rod=
man Wanamaker, iſt plötzlich in Atlantic City an den Folgen einer
Erkältung im Alter von 65 Jahren geſtorben. Er galt als die
höchſt=
verſicherte Perſon der Welt. Die ſtädtiſchen Gebände von New York
haben Halbmaſt geflaggt, da der Verſtorbene viele ſtädtiſche Ehrenämter
bekleidete.
Darmstädter und Nationalbank
Kommanditgesellschaft auf Aktien.
zu der
Einladung
am Dienstag, den 3. April 1928, vormittags 10½, Uhr,
in unserem Gebäude Berlin, Behrenstraße 68-70, stattfindenden
ordentlichen Generalversammlung
Tagesordnung:
1. Erstattung des Geschäftsberichts für 1927.
2, Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz mit Gewinn- und Verlust=
Rechnung für 1927 und die Gewinn-Verteilung
3. Beschlußfassung über die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafter
und des Aufsichtsrats.
4, Satzungsänderungen:
a) § 5 Umtausch in Aktien à RM 1000.—
b) § 33 (Hinterlegungsbestimmungen).
5. Aufslehtsratswählenl.
Zur Stimmenabgabe sind dieſenigen Kommand tisten berechtigt, welche ihre
Aktien oder den von einem Notar oder von der Reichsbank oder von dem Giro
Effekten-Depct der Bank des Berliner Kassen-Vereins über dieselben ausgestellten
Hinterlegungsschein spätestens drei Werktage vor der Generalversacmlung bei einer
der nachbezeichneten Stellen deponieren und zwar
1. bei unseren Hauptniederlassungen in
Berlin (Behrenstr. 6e-70), Bremen, Darmstadt;
2. bei unseren sämtlichen Filialen und Zweigniederlassungen;
3. in B rmen bei dem Barmer Bankverein Hinsberg Fischer & Comp
„Breslau bei dem Bankhause Eichhorn & Co.,
Danzig bei der Danziger Bank für Handel und Gewerbe
Aktiengesellschaft,
Essen a. d Ruhr bei dem Bankhause Gebrüder Hammerstein.
bei dem Bankhause Simon Hirsch and,
„ Frankfurt a M. bei der Deutschen Effecten- und Wechsel-Bank
bei dem Bankhause Otto Hirsch & Co.,
bei dem Bankhause Lincoln Menny Oppenheimer,
bei dem Bankhause Jacob S. H Stern,
bei dem Bankhause Cebrüder Sulzbach,
Hamburg bei dem Bankhause L Behrens & Söhne,
bei dem Bankhause M. M. Warburg & Co,
„ Hannover bei dem Bankhause Ephramm Mever & Sohn,
Karlsruhe bei dem Bankhause Veit L. Homburger,
Köln bei dem Bankhause A Levy,
bei dem Bankhause Sal. Oppenheimer jr. & Cie.,
Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt,
München bei dem Bankhause Merck, Finck & Co.,
Nürnberg bei dem Bankhause Anton Kohn,
4. in Amsterdam bei der Amsterdamschen Bank,
bei der Internationalen Bank te Amsterdam,
Wien bei der Mercurbank.
Berlin den 13 März 1928.
Darmstädter und Hationaibank
Kommanditgesellschaft auf Aktien
Goldschmidt von Simson=
Im Wege des öffentlichen Angebots
ſoll die Lieferung nachverzeichneter
Wa=
ren für die Zeit vom 1. April bis Ende
September 1928 vergeben werden:
1. Back= und Fleiſchwaren,
14. 50 Kilo Sohlleder,
15. 500 Meter Baumwollflanell und
andere Webwaren für Knaben= u.
Mädchenkleider.
Lieferungsbedingungen liegen am 15.
und 16. ds. Mts. hier zur Einſicht offen.
Angebote und Muſter ſind bis zum
Er=
öffnungstermin, 26. März, vormittags
11 Uhr, dahier einzureichen. Von jeder
verlangten Ware darf nur ein Muſter
(4683
vorgelegt werden.
Zuſchlagsfriſt 7 Tage.
Aliceſtift, am 12. März 1928.
Im Wege des ſchriftlichen
Ange=
bots ſoll aus dem hieſigen Staatswald
das nachſtehende Stammholz unter den
bei der heſſiſchen Staatsforſtverwaltung
gültigen Bedingungen verkauft werden:
1. Buchen: Los 1. A. Stämme Klaſſe
3—10 — 87,92 fm, Los 2 N Stämme
Kl. 2—10 — 285,07 im, Los 3 Kl. 2
bis 6 — 69,84 fm, Los 4 Kl. 2—8
— 379,68 fm;
Hainbuche: Los 5 Kl. 1—4 — 64,57
fm, Los 6 Kl. 1—4 — 27,53 fm;
3. Eſchen: Los 7 Kl. 1—6 A — 14,58
im, N — 146,70 fm, Los 8 Kl. 1—6
A — 1,43 im, N — 89,80 fm, Los
Kl. 1—7 A — 5,76 fm, N — 112,04 fm;
4. Erlen: Los 10 Kl. 1—4 — 160,66 fm
5. Ulmen: Los 11 Kl. 1—9 — 78,74 Im
6. Linden: Los 12 Kl. 1—5 — 28,63 fm.
Das Holz iſt aufgearbeitet.
Beſichti=
gung wird empfohlen. Nummerverzeich
niſſe der einzelnen Loſe werden au
Wunſch zugeſchickt. Angebote, nach Loſen
getrennt, ſind bis zum 24. März,
vor=
mittags 10 Uhr, mit der Aufſchrift
„Nutzholz=Submiſſion” bei uns
einzu=
reichen.
(4642
Groß=Gerau, den 10. März 1928.
Heſſ. Forſtamt Groß=Gerau.
Einträge in das Handelsregiſter
Ab=
teilung 4: Am 6. März 1928
hinſicht=
lich der Firma: Weber & Götz,
Haupt=
niederlaſſung Weinheim,
Zweignieder=
laſſung Darmſtadt: Die
Zweignieder=
laſſung iſt zur Hauptniederlaſſung
er=
hoben. Die offene Handelsgeſellſchaft iſt
mit Wirkung vom 1. Januar 1928
auf=
gelöſt und Geſchäft ſamt Firma auf den
ſeitherigen Geſellſchafter Kaufmann
Auguſt Weber in Darmſtadt, als
Einzel=
kaufmann übergegangen. Am 8. März
1928 hinſichtlich der Firwa: Bella
Katz=
mann, Darmſtadt: Leopold Katzmann
Ehefrau Helene, geborene Siegel in
Darm=
ſtadt, iſt zur Prokuriſtin beſtellt. Am
9. März 1928 hinſichtlich der Firma:
Karl Traiſer, Darmſtadt: Die
Pro=
kuren der Siegfried Traiſer Ehefrau und
des Julius Pfaff ſind erloſchen. Die
Firma iſt erloſchen. — Abteilung B: Am
3. März 1928 hinſichtlich der Firma
Darmſtädter Kaufhaus, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darm=
ſtadt: Durch Beſchluß der
Geſellſchafter=
verſammlung vom 1. März 1928 iſt die
Geſellſchaft aufgelöſt. David Rothſchild
Kaufmann in Darmſtadt, iſt Liquidator.
Am 9. März 1928 hinſichtlich der Firma
„Moenanta”, Geſellſchaft für che.
miſche und pharmazer tiſche Er
zeugniſſe mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt: Marie, geborene Wehner,
Ehefrau des Ludwig Diefenbach in
Darm=
ſtadt, iſt mit Wirkung vom 27.
Dezem=
ber 1927 als Geſchäftsführerin ausge=
(4629
ſchieden.
Darmſtadt, den 10. März 1928.
Amtsgericht I.
Im Auftrag der Erben des
Fabri=
kanten Herrn K. Meiſenzahl verſteigere
ich am Mittwoch, den 14. März 1928,
nachmittags 2 Uhr beginnend, in
(4632
dem Hauſe
23 Eichbergſtraße 23
nachfolgend verzeichnete Mobilien
frei=
willig gegen Barzahlung:
1 Schlafzimmer, mahagoni: 2
Bet=
ten, kompl., mit Roßhaarmatratzen, eine
Waſchkommode und 2 Nachtſchränke mit
Marmorplatten, 1 Spiegelſchrank, zwei
Stühle, 1 Raſiertiſch;
1 Schlafzimmer, nußb.: 2 Betten
kompl., mit Roßhaarmatratzen, 1
Waſch=
kommode und 1 Nachtſchrank mit
Mar=
morplatte;
1 Bett mit Spiralmatratze u.
Feder=
zeug, 1 Waſchtiſch und Nachtſchrank mit
Marmorplatte 1 Sofa mit 2 Seſſeln
und 6 Polſterſtühlen, 1 Ruhebett, zwei
Stühle, 1 Sofa;
1 H.=Schreibtiſch, Diplomat, 1
Da=
men=Schreibtiſch, 1 Ovaltiſch mit
Mar=
morplatte, 2 viereck. Tiſche, 1
Servier=
tiſch, 1 Blumentiſch, 1 geſchnitzter
Zier=
ſchrank, 1 ſchwarzes Vertiko, 1 zweitür.
Kleiderſchrank, 1 eintür. Kleiderſchrank,
1 Nähmaſchine, 1 Regulator;
Oelbilder, Spiegel, Prismenlüſter,
ſonſtige Beleuchtungskörper, 1
Paneel=
brett, 1 Notenſtänder;
1 Küchenſchrank, 1 Anrichte, ein
Tiſch, 2 Stühle, 1 Gläſerſchrank,
ſämt=
liches Küchengeſchirr, 1 Eisſchrank,
Lino=
leum;
7 Hirſchgeweihe, 25 Rehbockſtangen.
Befichtigung Mittwoch v. 9-12Uhr.
Darmſtadt, den 13. März 1928.
Raab
Amtsgerichtstaxator.
Mittag= und
Abendtiſch
von 50—95 Pfg.
vegetariſche u. Fleiſch=
(1442
küche
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auf großen Beſitz.
Hohe Verzinſung.
Angebote unt. G 166
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BEolochL BAlnk
Die Aktionäre unserer Gesellschaft werden hierdurch zu der
amMittwoch, dem 4 April 1923, vormittags 1/ Uhr,in unserem
Bankgebäude Eingang Kanonierstraße 24/23 stattfindenden
ordentlichen Generalversammlung
eingeladen. Aktionäre, welche ihr Stimmrecht nach Maßgabe
des § 23 der Satzungen ausüben wollen, müssen ihre Aktien
spätes ens am 31. März ds Js.
in Berlin bei der Efiektenkasse der Deutschen Bank,
Behrenstraße 11
oder bei den F lialen der Deutschen Bank in:
Aachen Amsterdam, Arnstadt, Augsburg, Bamberg,
Barmen, Btelefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig,
Bremen, Breslau, Gelle, Chemnitz, Danzig,
Darmstadt, Dortmund Dresden, Düsseldorf,
Duis-
burg, Elberfeld, Erfurt Essen, Frankfurt (Main),
Fürth (Bapern), Gelsenkirchen, M.-Gladbach,
Görlitz, Gotha, Hagen (Westf.), Halle (Saale),
Hamburg, Hannover, Harburg-Wilhelmsburg,
Heil-
bronn (Neckar), Hildesheim, Kassel, Koblenz, Köln,
Nürnberg, Oberhausen (Rhld), Recklinghausen,
Regensburg, Remscheid, Reutlingen, Saarbrücken,
Siegen, Solingen, Stettin, Stuttgar‟, Trier, Ulm
(Donau), Weimar, Wiesbaden, Würzburg,
außerdem:
in Düsseldorf außer beider Filiale der Deutschen Bank
bei dem Bankhause C. G. Trinkaus,
„Frankfuri (Main) außer bei der Filiale der Deutschen Bank
beid. BankhauseLazard Spever-Ellisen,
Jacob S. H. Stern,
Gebrüder Sulzbach,
„ der Rheinischen Creditbank,
„Oldenburg(Oldb.) „ „ Oldenburgischen Spar- und
Leihbank,
Osnabrücker Bank
oder bei einem deutschen Notar hinterlegen und bis nach der
Genera verzammlung belassen.
Die Hinterlegung von Beichsbankdepotscheinen gewährt
wegen der veränderten Verwahrungsbedingungen der R ichsbank
ein Recht zur Teilnahme an der Generalversammlung bezw.
zur Stimmrechtausübung nicht mehr.
Den dem Effektengiroverkehr angeschlossenen
Bank-
firmen ist es gestattet. Hinierlegungen auch bei ihrer
Ettektengirobank vor zunehmen.
Stimmkarten werden bei den HIinterlegungsstellen
ausgehändigt.
Im Falie der Hinterlegung bei einem Notar ist die
Be-
scheinig ung desselben über die erfolgte Hinterlegung in Urschrift
oder Abschrift spätestens einen Tag nach Ablauf der
Hinter-
legungsfrist bei der Gesellscha t einzureichen.
„Mannheim
„Osnabrück
Feilhaber
geſ. mit 2—3000 Mk.
zur Ausführ, großer
ſtaatl. Aufträge Sehr
gute feſte Vergütung.
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C215 Geſchſt. (*6961
6000 Mk.
II. Hypothek auf gut.
Geſchäftshaus von
Se bſtgebergeſ. /*6941
Ang. u. C 208 Geſchſt
Darlehen
an Beamte u kaufn
Feſtbeſoldete zu 9
in 12 Monatsraten.
Hypothekenz. d günſt.
Beding. Stren ſte
Diskret. Max Weber
Vertretg. Viktorio
ſtraße 45, pt. (4685a
Tagesordnung:
1. Jahresbericht über die Geschätte der Gesellschort.
2. Rechnungsablage mit dem Bericht des Aufsichtsrats.
3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahre bilanz,
die Gewinnverteilung sowie über die Entlastung des
Vorstands und des Aufsichtsrats.
4. Aufnahme der Hildesheimer Bank.
5. Beschlußfassung über
a) Ausgabe einer Aktie über RM 1000 austelle von
5 Aktien über je RM 120 und 4 Aktien aber ſe
RM 100,
b) die durch den zu al beschlossenen und den in
Gemäßheit der 2 /6. und 7. Durchführungsverordnung
zur Goldbilanzverordnung vorgenommenem Umtauech
der Aktien über RM 60 und RM 12 notwendig
werdende Aenderung des § 4 Abs. 1 der Satzungen,
die Aenderung des § 22 Abs 4 der Satzungen
(Uebertragung der ständigen Vertretung des Auf-
Sichtsrats gegenüber den Behörden, insbesondere
dem Registergericht an den Aufsichtsratsvorsitzenden
bezw. deseen tellvertreter), Streichung des K 23
Abs 1 Satz 1 die Aenderung des § 23 Abs. 1 Satz 2
der Satzungen (.100‟ anstelle von „20‟, des § 23
Abs. 2 bis 5 (Erleichterung der Formalitäten für
die Teilnahme an der Generalversammlung.
6. Wahlen zum Aufsichtsrat.
(TV.4649
Berlin, den 12. März 1928.
DEUTSCHE BANK
O. Schlitter
Paul Millington-Herrmann
Kleine Anzeigen an= und Verkäufe uſw.)
finden durch das Darmſtädter Tagblatf
erbreitung
Seſte 14
Kummer 23
Mienstag; den 13 März 1928
BeAEBUUUUUT UU DUUPUHULBUHA.
Kommanditgesellschaft auf Aktien.
Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter.
Politik und Wirtschaft kämpfen nunmehr im zehnten Jahre nach Beendigung
des Weltkrieges unverändert um das Ziel, vernichtete Begriffe und Grundlagen
materieller, geistiger und moralischer Natur wiederherzustellen und neu aufzubauen,
um den trotz aller Erschütterungen niemals verloren gegangenen Lebenswillen
des deutschen Volkes gesunde, zur Valkswohlfahrt und damit zur Volkskultur
führende Daseinsformen zu schaffen. Politik und Wirtschaft haben, das kann man
am Anfang des Jahres 1928 feststellen, auch in dem hinter uns liegenden Jahre
den bisherigen eine Reihe neuer Erfolge in diesem Kampfe hinzugefügt. Die
schwierigsten und gefährlichsten Probleme liegen jedoch noch vor uns. Ihre Lösung
wird uns erst einen Hlaren und übersichtlichen Ausblick auf unser künktiges
Wirt=
schafts- und Staatsleben ermöglichen.
Unsere Zeit hat Politik und Wirtschaft enger denn je zu gemeinsamem Wirken
zusammengeführt; die natürlichen Grenzen der Begritfe Staat und Wirtschaft
dürfen sich aber durch ein völliges Ineinanderfließen nicht verwischen, noch
weniger darf ein zu starker Ubergriff des einen in das Gebiet des anderen Teiles
den natürlichen Entwicklungsgang gefährden. „Staat und Wirtschaft sind beide
am besten daran, wenn sie sich gegenseitig drei Schritte vom Leibe bleiben, und
alle Doktrinen, die einer engen Verquickung beider, ja eine irgendwie gearteten
Deckung das Wort reden, haben vor der Wirklichkeit schlecht bestanden,
Mer-
kantilismus und Sorialismus, Autarkielehren und Staatskapitalismug.” Diese
äußerung Willy Hellpachs in seinem Buche „Poliitsche Prognose für Deutschland”
wird man sich bei der Behandlung der in Zukunkt noch zu lösenden Pragen stets
mit Nutzen vor Augen halten können.
Unsere Wirtschaft hat in bewußtem und unbewußtem Optimismus, in der
Erkenntnis von der Notwendigkeit tatkräftigen und praktischen Handelns einen
Lebensmillen und eine Energieentfaltung gezeigt, die uns schon 1926 stark,
deut-
licher aber noch im Jahre 1927 zu einer positiven Entwicklung gebracht haben.
Sie hat gs verstanden, unter großzügiger Opferung, ja bemußter Vernichtung,
von aus früherer Zeit übernommenen Wirtschaftsformen einen organischen
Wieder-
aufbau einzuleiten, der als gewaltiges Aktinum unserer Bilanz die Wiedereinfügung
von 2 Millionen Arbeitslosen in den Arbeitsproseß für einen wesentlichen Teil des
Jahres 1927 ergab, wod reh der große Kreislauf: „Produktion, Konsum,
Ren-
tabilität” einen außerordentlichen, aber natürlichen Impuls erhielt. Die deutsche
Wirtschaft hat die Borderung jeglicher Okonomie, besonders aber derjenigen
unserer Zeit, alle technischen und materiellen Mittel zum höchstmöglichen
Nutz-
effekt zu bringen, trotz überkommener, wie auch neu entstandener
Schwierig=
keiten in harter Arbeit zu erfüllen versucht und hat ganz allgemein, von besonderen,
die Konjunktur günstig beeinflußenden Erscheinungen abgesehen, den Erfolg
erzielen können, einen verbreiterten Konsum durch vereinheitlichte und verbilligte
Produktionsmethoden zu erfassen. Damit war die Möglichkeit gewonnen, dem so
lange verlorenen und so dringend notwendigen Begriff der Rentabilität in der
Praxis nieder Geltung zu verschaffen.
Trotz dieses Erfolges ist es nicht zu verwundern, daß unsere Unternehmungen
bei Aufstellung ihrer Bilanzen für das Jahr 1927 doch mit ernster Sorge die Likfern
betrachten, die ihnen als Reinertrag aus einer Peridoe starker wirtschaftlicher
Belebung verbleiben. Klar und deutlich ist zu erkennen, daß vorläufig nur das
Fundament für eine Rentabilität der Betriebe geschaffen ist, und daß man sich
nicht zu sehr auf das scheinbar so einfache und sichere Heilmittel verlassen dark,
das mit dem Rezept „Rationalisierung” heute so häufig und gern vorordnet wird.
Weitgehende Sicherstellung der Rentabilität der Unternehmungen muß das
Ergebnis sein, wenn sich die trotz mancher Behler und Irrtümer im einzelnen in
mühevoller Arbeit erkämpfte technische und organisatorische Umordnung als
bleibender Wertfaktor für die Zukunft erweisen soll. Dabei muß daran erinnert
werden, wie gewaltig die von uns zu leistenden Umwälzungs- und
Wiederaufbau-
arbeiten sind, die erst die notwendige Voraussetzung für eine kontinnierliche
Rentabilitätsentwicklung bilden. Beständig Verbesserungen und Veränderungen
untermorken, können sie unmöglich allein dureh die Aufnahme von Anleihen oder
Krediten durchgeführt werden, sondern müssen stärker aus den Erträgnissen
unserer Arbeit herauswachsen. Dieses unerläßlich notwendige Fundament bildet
ein aus sich heraus wirkendes Kapital, das Deutschland in den nächsten Jahren
aus methodischer Arbeit und Sparsamkeit schaffen muß, menn es den
Rentabili=
tätsbegrifk nicht allein für die Periode einer vorübergehenden Konjunktur
oder für die Zeit zufälliger Gewinne wieder einführen, sondern mit dem
Schmergenicht wirtschkatlicher und technischer Grundlagen in unserer
Vollks-
nirtschaft von neuem ſest verankern will. Unsere Unternehmungen sollen
deshalb anch bemußt eine vielfach augemandte Methode, ihre Geninnraten
möglichst wenig in der Offentlichkeit behandeln zu lassen, aufgeben. Sie können
die Notmendigkeit von Geninnen im Rahmen der ihnen obliegenden Aufgaben
voll und ganz verantworten und dürfen sich auch ruhig dafür einsetzen, daß die
Besitzer der Unternehmungen — die Aktionäre — durch die Diridende mit einem
entsprechenden Anteil für das von ihnen dureh die Hergabe von Kapital
über-
vommene wirtschaftliche Risiko entschädigt werden. Die industrielle Entwicklung
Deutschlands kann nur gesichert und fortgesetzt werden, wenn sie sich auf die breiten
Schultern industriefreundlicher Volkskreise stützen kann, und wenn sich das
neu-
gebildete Kapital weitgehendst zur Bewältigung dieser gewaltigen Aufgabe zur
Verkügung stellt. Die im letzten Jahr wiederholt beobachtete Bewegung, daß sich
in Deutschland große Kapitalien zu spekulativen oder anderen Zwecken an aus-
Jändische Börsen begeben, ist verhängnisvoll und darf sich bei der augenblicklichen
Sitnation unseres Kapitalmarktes keinesfalls fortsetzen.
In ihrem Streben nach neuer Entfaltung kann die Wirtschaft nicht
über-
schen, daß die zunehmende Einwirkung des Staates auf alles wirtschaftliche
Geschehen eine Erstarrung und damit eine Gefährdung der Entwicklung mit sich
bringt. Gerade in ihrer rationalisierten Struktur braucht sie individuelle
schöpfe-
rische Kraft und Leistung, denn nur diese kann in der unvermeidlichen
Unsicher-
heit, die neue Gedanken und Entwicklungen, innere Notwendigkeiten und der
Druck der Verhältnisse erzeugen, Klarheit und in den Wandlungen und
Neugestal-
tungen, die mir erleben, Oränung schaffen. Die Anerkennung des Prinrips der
undiviänellen Leistung und der Notwendigkeit, ihr Freiheit des Wirkens und
Schaffens zu genähren, wird nicht die Polge haben. daß sich der Unternehmer
den sozialen Geboten und Verpflichtungen entzieht, die ihm der Geist einer neuen
Zeit auferlegt. Der soziale Grundgedanke, der ohne Einschränkung immer stärker
zur praktischen Anwendung gebracht werden muß, ist gekennzeichnet durch die
größere Veteiligung des Arbeitnehmers an den Erfolgen und Erträgnissen der
Wirtschaft in Borm von Lohn und sosialer Fürsorge. Diese grundlegende Einstellung
wird zur gesunden Weiterentwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung
wesentlich beitragen, die ihrerseits miederum die Voraussetzung kür die
Durch=
füürung der Aufgaben ist, die Deutschland im Rahmen der Weltwirtschaft zu
lösen hat .
Wir werden alle Kräfte aufzubieten haben, um diese großen allgemeinen
Prinzipien der Anerkennung der individuellen Leistung und des sozialen
Bort-
schritts für die nächsten Jalre miteinander in Einklang zu bringen, um durch
diese Synthese unsere Unternehmungen zu höchster Ertragfähigkeit zu führen
und so die Möglichkeit zur Kapitalbildung zu gewinnen. Die Einsicht in diese
Zusammenhänge und die praktische Auswertung der daraus resultierenden
Lr-
konntnis wird uns schließlich zu einer höheren Stufe im Staats- und
Wirtschafts-
leben führen.
Der Kampf und das Ringen um diese neuen Formen bestimmt Wesen und
Charakter unserer Zeit. Es ist der Lebensausdruck der nach gesunden
Daseins-
grundlagen drängenden Volksgemeinschaft, auf den, insbesondere mit
gesets-
geberischen Mitteln einzunirken, nur dazu führen kann, den natürlichen Ablaut
der Dinge zu verändern und in gefahrbringende Wege zu leiten. Der Staat als
nöchste autoritative Stelle dürkte seine objeltive Warte, von der aus er den Gang
der Ereignisse zu verfolgen hat, nicht verlassen. Melr und mehr aber hat er in
diesen natürlichen Entwicklungsproseß eingegriffen und ist in zunehmendem
Maße zum bestimmenden Paktor in unserem Wirtschaktleben geworden. Er setat
die Miete fest, bestimmt den Wohnungsbau, diktiert die Eisen-, Kohlen- und
Kalipreise, er betreibt Unternehmungen größten Ausmaßes, betätigt sich in
steigendem Maße im Bank- und Kreditwesen, erhebt die Steuern nicht nur nach
dem Einkommen, sondern auch von der Substanz und bestimmt diktatorisch von
einer Zentralstelle aus löhne und Arbeitszeit. Ganz besonders in dieser letzteren
Hinsicht verdient sein Wirken erhölte Beachtung. Das von ihm geschaffene
und beeinflußte Schlichtungsverfahren hat gerade in letztor Zeit mehrfach
be-
wiesen, wie notmendig hier ein Abbau der Staatslichen Funktionen geworden ist,
Bs ist richtig, daß die Zeitverhältnisse zum Teil eine solche Entwicklung bewirkt
und gefördert haben. Die Wirtschaft, die sich jetzt zu neugn lebensstarken Vormen
durehgerungen hat, bedart jedoch einer solchen Bevormundung nicht mehr.
Be-
trachtungen über die zukünktige Entwicklung der Dinge sind nicht möglich ohne
einen Hinmeis auf die schweren Gefahren, die sich aus all diesen Maßnahmen des
Staates ergeben.
Der Staat muß wieder zu seinen eigentlichen Aufgaben zurückkehren und
muß sieh hüten, aus einer freien eine vom Staate manipulierte Wirtschaft zu mschen.
Er darf nicht vergessen, daß das deutsche Unternehmertum gegenüber den Tänderm
in denen sich der Einzelne mit seinen individuellen Kräften freier betätigen kann.
bestehen muß, und daß der Kampf um den Weltkonsum erstin den nächsten Jahren
zum Austrag gebracht werden wird. Diese Porderungen schließen die Erkenntnis
nicht aus, daß der Staat dazu berufen ist, die kapitalistische Wirtschaftsordnung.
von der er solbst getragen wird, in gesunden Vormen zu erhalten, und daß er die
Aufgabe hat, für die Fortentwicklung sosialer Ideen und Bestrebungen im weitesten
Maße Sorge zu tragen. Er darf aber nicht vergessen, daß dieso Entwicklung uur
erfolgen kann auf gesunder wirtschaftlicher Basis, und daß eine Stärkere Beteiligung
des Arbeitnehmers auch eine ertragfähige Wirtschaft voraussetzt. Es ist eine
falsche Einstellung des Staates zu der sich anbahnenden Entwieklung, wenn er die
Erfüllung aller sozialen Wünsche, die nach den Entbehrungen der hinter uns
liegenden Zeit menschlich durchaus verständlich sind, durch gesetzliche Belastungen
der Untornehmungen dekretiert. Eine solche Taktik kann zwar voribergehend
befriodigende Wirkungen für einzelne dadurch betroffene Volksteile auslösen,
auf die Dauer beschwört sie jedoch die Gefahr einer Katastrophe herauf, deren
Folgen letzten Endes gerade auch die Arbeitnehmer treffen müssen.
Staat und Wirtschaft müssen auch in diesem Stadium, das von maßgeblicher
Bedeutung für unsere zukünktige Entwicklung werden wird, angesichts der großen,
mit einer unzweckmäßigen Regelung verbundenen Gefalren, in ernster
Zusammen-
arbeit sich verständigen und die Lösung der großen Gegenwartsaufgaben —
Reu-
tabilität, Kapitalbildung und soziale Fürsorge — niclt in einer erzwungenen und
falschen, sondern in der natürlichen Reihenfolge versuchen. Daß. um dieses Ziel
zu erreichen, ein Abbau der von der öffentlichen Hand erhobenen Steuern dringeud
erforderlieh ist, ist bereits so vielfach erörtert und nachgewiesen worden, daß sielt
die Beibringung von neuem Likternmaterial lierfür erübrigt. Weun der
Reichs-
verband derDeutschen Industrie errschnet hat daß 63 Prozent der erzielten
steuer-
pllichtigen Gewinne als Steuern erhoben werden, monn unser eigenes Institut bei
einer Dividendendenausschüttung von 7,2 Millionen Mark an Steuern rund
9.4 Millionen Mark zu zahlen hat, wenn endlich eines unserer größten Industrie-
Unternehmungen an Steuern und sozialen Lasten 14—15 Prosent des Kapitals
aufzubringen hat, oder anders ausgedrückt 250 Prozent der von ihm gezahlten
Diridende, so sind dies Ziffern, die einer weiteren Ergänzung nicht mehr bedürfen.
Deutschland hat in dem Augenblick Anschluß an den internationalen
Kapital-
markt gefunden, als es produktive Wirtschafts- und Arbeitsmethoden nachruweigen
vermochts. Sein Kredit hat seit dieser Zeit theoretisch und praktisch vom
Aus-
lande her eine Beeinträchtigung nicht erfahren, Es wurde anerkannt, daß
Deutsch-
land ein natürliches Bedürfnis nach Anlagekapital für geine Wirtschaft hat, und
daß dieses Kapital zum mindesten im Anfange lediglich aus ausländischen Quellen
Hließen könnte. Diese Kapitaleinfuhr ist im vergangenen Jahre Gegenstand
umfang-
reicher Erörterungen gewesen. Es kann keinen Augenblick zweitelhaft sein, daß
weder Geldgeber noch Geldnehmer es vorantworten können, vom Auslande
ge-
liehene Gelder anderweitig als für produktive Zwecke zu verwenden. Dabei erscheint
es von untergsordneter Bedeutung, ob eine solche produktive Verwendung bei rein
unter priratwirtschaftlicher Kontrolle stehenden Unternohmungen erfolgt oder bei
solchen Gesellschakten, die infolge der oben gekennreichneten Entwicklung untor
staatlichen und kommunalen Einlluß gelangt sind. Keineswogs ist es jodoch zu
verantworten, wenn auch zur Durehführung sozialpolitischer Ideen Auslandskredite
herangerogen werden. Es ist gleichermaßen Aufgabe der Wirtschaft wie des Staates,
solche Bestrebungen zu unterdrücken, selbst auf die Gefahr hin, damit an
Populari-
tät bei einzelnen Partoien oder Volksteilen Einbuße zu grleiden. Die Wirtschaft
jedenfalls kann und darf hier keinerlei Kompromisse schließen, ebenso wie sie es
dringend vermeiden muß, den Rentabilitätsfaktor mit zu großen Risiken zu
belegen. Sie muß sich stets bemußt bleiben, daß sie noch eine ganze Reihe von
Jahren ebenso nie der Staat und die Kommunen für die Durchführung ihrer
produktiren Aufgaben auf den Kredit der ausländischen Geldgeber angewiesen
bleibt. Aus diesem Gesichtspunkt erscheint die Abschaffung der
Kapitalertrags-
steuer dringend erforderlich. Es würde damit erreicht werden, daß das internationale
Kapital auch auf dem inländischen Markt der festverzinslichen Werte erscheint,
dem es heute mit Rücksicht auf die Steuer fast völlig fernbleibt, zumal die Gründe
für deren Erhebung auch Befürchtungen für eine mögliche Ausdehnung solcher
Steuer als naheliegend erscheinen lassen. Ein solches Interesse des ausländischen
Kapitals würde auch aus ralutarischen Gesichtspunkten in höchstem Maße
ar=
wünscht sein. Die Verklechtung der internationalen Kapitalmärkte mit deutschem
Kapitalbedark, die wir erst vom Jahre 1926 ab wieder erreicht haben, darf nicht
gefährdet werden. Wir müssen im Gegenteil alle Hemmungen und Schwierigkeiten
zu beseitigen versuchen, die ohnehin schon durch die außenpolitischen Paktoren,
die im Dawesplan und in der Transferfrage verankert sind, bestehen und die damit
das Problem der Auslandsverschuldung auch von der währungspolitischen Seite
her belasten. So erwünscht es ist. daß der Staat auf die Kontrolle
priratwirtschaft-
licher Betätigung verzichtet, welche er tatsächlich heute noch dadurch ausübt, daß
er bei Aufnahmen ausländischer Anleihen über die Befreiung von der
Kapital-
ertragssteuer zu entscheiden hat, so berschtigt ist andererseits die von ihm in
An-
spruch genommeng Befugnis der Kontrolle, ob die von den Ländern und Kommunen
aufgenommenen Auslandsgelder in der Tat für produktive Zwecke verwendet
werden.
In welchem Ausmaße mangelnde Rentabilität und mangelnde Kapitalbildung
zu katastrophalen Zuständen führen können, zeigt die Lage der deutschen
Land-
wirtschaft. Die Landwirtschaft ist als Produzent und Verbraucher ein gleich
michtiger Faktor für unseren wirtschaftlichen Kreislauk. Der Wert ihrer Produktion
unter normalen Verhältnissen wird vielfach etwa gleich dem Werte der industrierlen
Produktion geschätzt. In jedem Falle macht sie einen sehr erheblichen Teil der
Gegamtproduktion unseres Landes aus. Die industrielle Produktion wioderum
findet mit schätzungsweise 70 bis 80 Proxent ihren Rückhalt am Absatz im Inlande.
Die Vernichtung der landwirtschaftlichen Konsumenten muß daher
verhängnis-
volle Wirkungen auf den industriellen Geschäftsgang haben.
Die Landwirtschaft ist auch in erster Linie berufen, das gefahrdrohende
Ergebnis unserer Handelsbilanz zu verbessern. Die deutsche Industrie hat sich
mit zunehmender Erstarkung mehr und mehr darauf besonnen, daß ihr
Schwer-
punkt in der weitgehendsten Erfassung des Inlandsabsatzes liegt, zumal ihr der
Absatz deutscher Pabrikato im Auslande durch die politische und wirtschaftliche
Nachkriegsentwieklung außerordentlich erschwert ist. Die europäischen und
über-
geeischen Absatzgebiete sind durch ihre eigenen Schwierigkeiten am Konsum einer
großen Reihe von für unseren Export in Frage kommenden Waren behindert,
oder sie haben sich mehr und mehr zur Schafkung eigener Produktionsstätten
ent-
schlossen. Die Ausdehnung des Schutzzollgedankens in den Industrieländern
ver-
hindert gleichfalls vielkach die Wiedergeminnung der dureh den Krieg verloren
gegangenen Märkte für deutsche Produkte. So muß neben der Anstrengung.
immer neue Exportmöglichkeiten für deutsche Waren zu erschlieben, alles darauf
abgestellt werden, den Ausgleich unserer Handelsbilanz durch eine Ermäßigung
der Einfuhr zu erreichen, die im wesentlichen nur möglich ist dureh eine
Ver-
ringerung der Lebensmittleinfuhr. Die landwirtschaftliche Produktion in
Deutsch-
land ist nach Ansicht aller Sachverständigen durch eine rationelle und spstematische
Anpassung an moderne Wirtschakts- und Organisationsmethoden und die erhöhte
Verwertung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse so beträchtlich zu steigern,
daß wir in ganz anderem Ausmaße als bisher den inländischen Bedarf selbst zu
decken vermögen. Hier müssen alle Kräfte, die auf anderem Gebiete der
Wirt-
schaft freizumachen gind, vereinigt werden. Diese Entwieklung muß auch der
Staat in großzügiger Weise durch weitgehende Förderung ermöglichen und
sicher-
stellen. Die Landwirtschaft wird jedoch, wie vor ihr auch die Industrie, in erster
Linie auf den Weg der Selbsthilfe verwiesen werden müssen. Auch sie wird sich den
Gesetzen, welche die Grundlage produktiver und rentabler Wirtschaktsführung
bilden, zu unterwerfen haben, um zunächst den inländischen, daneben aber auch
den ausländischen Kapitalmarkt für die großen hier zu lösenden Aufgaben zu
interessieren und sich dianstbar zu machen. Der gerade in unsorem vorjährigen
Bericht orwähnte Zv.nmenschluß der mitteldeutschen Zuckerindustrie, bei
dem wir führend mitgewirkt haben, bietet Richtlinien für eing organische
Zusam=
menfassung auch anderer landwirtschaktlicher Produktionsstätten, der dann
auch eine zeitentsprechende und umfassende Neuordnung des Absatzes zu folgen
hätte.
Wenn es gelingt, diese innerdeutschen Probleme zu einer befriedigenden
Lösung zu bringen, wird der Aufstieg, den wir, im ganzen betrachtet, in den
letzten vier Jahren, besonders im Jahre 1927, deutlich festzustellen vermögen,
einen meiteren Antrieb erhalten. Die ausländischen Kapitalmärkte, besonders
derienige Amerikas, der durch seine ungewöhnlich schnelle Kapitalbildung auch
in Zukunkt auf große und aussichtsreiche Anlagen im Auslande angewiesen bleibt.
werden einem gesunden, aufstrebenden Wirtschaftsgebiet, wie Deutschland, ihr
volles Interesse zuwenden. Das Kapital ist von Natur aus international, und nur
elementare Ereignisse in der Politik oder auf anderen Gebieten können es von
dieser natürlichen Veranlagung abbringen. Das Streben dieses Kapitals nach
Deutschland kann daher auf die Dauer nur von Deutschland selbst durch eine
falsche Wirtschaftspolitik unterbunden werden, da nicht anzunehmen ist, daß
in nächster Zeit die in der ganzen Welt zutage tretende 4tmosphäre internationaler
Wirtschaftsverständigung gewaltsam beseitigt wird. Der Dawesplan hat erstmalig
wieder die Betätigung der ausländischen Kapitalmärkte in Deutschland ermöglicht,
und man kann hoffen, daß die Verständigungsatmosphäre in allen
Wirtschafts-
ländern sich seither so verstärkt hat, daß, wenn der Dawesplan und die
Transker-
frage eines Tages an einem kritischen Punkt ihres Daseins anlangen, die dort
behandelten Probleme eine neue grundsätzliche Klarstellung erfahren werden. Eine
von Deutschland ausgehende Diskussion dieser Fragen während der ersten Btappe
des Dawesplanes scheint uns hierfür nicht förderlich zu sein. Deutschland sall
nichts anderes beweisen, als daß es spstematisch und methodisch mit allen materilelen
und moralischen Kräften die Verpklichtungen, die ihm aus dem Plane erwachsen,
zu erfüllen aukrichtig bemüht ist.
In unserem Geschäftsbericht für das Jahr 1926 hatten wir die Gesichtspunkte,
die nach unserer Auffassung für dio Entwicklung der deutschen Wirtschaft in
Prage kamen, einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Dieser Bericht hat von
seiner Aktualität nichts eingebüßt, insbesondere nicht hinsichtlich seiner
grund-
sätzlichen Einstellung, denn ein Jahr ist nur eine bescheidene Spanne Zeit.
gemessen an der Größe der Aufgabe unseres Wiederaufbaues nach einem so
beispiel-
losen Zusammenbruch.
Wir bedürfen auch für die weitere Zukunft des Glaubens an den politischen
und wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands. Wir dürfen nicht mit starrem Blick
nur die Schwierigkeiten der Gegenwart und der nächsten Jahre berücksichtigen,
sondern müssen uns an Hand der Entwicklung der letzten vier Jahre kritisch
vor Augen halten, welch weiten Weg wir von dem völligen Zusammenbruch bis
heute durehlaufen haben. In einem Entwicklungsprorel wie diesem kann man
nicht nur immer die Schattenseiten sehen. Mau darf sich auch nicht bei jedem
Portschritt allein durch die Angst vor dem Abstieg fesseln lassen. Wirtschafts-
und Staatsführung müssen die Schwierigkeiten erkennen und klären und mit
mutigem Unternehmungsgeist zu bewältigen versuchen, ohne in Rückschlägen
gleiceh den beginnenden Untergang zu fürchten. Wenn man eine Solche Einstellung
— wie das häufig geschicht — als Optimismus kennzeichnet, so hat dieser
Optimis-
mus jedenfalls nichts zu tun mit einer Auffassung, die alles nur in rosigem Lichto
sieht. Das gilt besonders für spekulative Ubertreibungen, wie sie mit jeder
Kon-
junktur Verbunden sind, und wie Sie nach der Vernichtung so ungeheurer Werte
und Vermögen schon aus dem Bestreben, Verlorenes schnell wiederzugeninnen,
naturgemäß und menschlich verständlich sind. Solcher spekulativen Entwieklung,
gerade infolge der vielen damit vorknüpkten Gelalrenpunkte entgegenzutreten,
ist dringend erforderlich und wird durch nichts besser erreicht, als durch eine
zunehmende Stabilisation unserer Verhältmisse.
Die spekulative Atmosphäre trat im Jahre 1927 in erster Linie an den
Effekten-
märkten hervor, als die günstige wirtschaktliche Lutwicklung einen besonders
sichtbaren Ausdruck erhielt. Geradle die Börse Stand und Steht jodoch beson ders
stark unter dem Einkluß unserer Geld- und Kapitalkräfte, die auszuweiton, wie
mir oben angeführt haben, unser ernstes Bestreben sein muß. Dis Kursentwicklung
im ersten Teil des Berichtsjahres hatto diesem Umstande zu wenig Rechnung
getragen. Die dadureh bedingte Überspannung hat zu einem fühlbaren Rückschlage
geführt, als äußere Einklußnallme die Berüicksichtigung der bisher außer Acht
gelassenen Tatsache nachdrücklich in den Vordergrund schob. Die Börse konnte
bisher nicht wieder genügend Beteiliguug in den Kreisen des 4nlage suchenden
Publikums und der Spekulation finden, und auch die günstigen Nachrichten aus
den meisten Industrien und die vielfache Erklärung höherer Diridenden konnten
infolge des Mangels von Kapital und Geld bisher keine Anderung dieses Zustandes
berbeiführen. Auf die Dauer wird sich jedoch die Börse in ihren
Bewertungsgrund-
sätzen nicht zu sehr von dem Diridendennireau eines einzelnen Jahres beeintlussen
lassen, als vielmehr von dem Werturteil, das Sie über die Entwicklugg unserer
ganzen Zeitperiode fällen wird. Dabei wird es von ausschlaggebender Bedeutung
Sein, ob und inwieweit sie im einzelnen und in der Gesamtheit die Rentabilitsts.
möglichkeit als Sicherheitsfaktor einschätzt und damit die Chancen, die sie in dee
Zukunft nach dieser Richtung hin erblickt. Auch von dieser Seite aus ist deg
Problem der Rentabilitätsentwicklung und Kapitalbildung von eminenter Be
deutung. Die Kursentwicklung unserer festverzinslichen Werte wird erst von hier
ausgehend die dringend notwendige Korrektur erhalten, wodurch auch die 4ktig
als gesundes Finanzierungsinstrument an Bedeutung wieder gewinnen muß.
Die Banken haben im Rahmen dieser Verhältnisse nach wie vor außergewöhn- .
liche Aufgaben zu erfüllen, und sie haben besonders im Jahre 1927 die groß,
moralische und tatsächliche Verantwortung übernehmen müssen. durch ihre
Kanäle die vom Auslande kommenden Gelder laufen zu lassen. Die gewaltige
Ausdehnung des Warengeschäfts zeigt sich in allen Zahlen unserer Banken, abenso
wie die Brhöhung der Posten Gläubiger und Schuldner ein deutliches Bild voy
dem Kroditbedürfnis der gesamten Wirtschaft entrollen. Diese Entwicklung kann
und darf sich nicht unbegrenzt fortsetzen, und es wird nur stärkende und
kräfte-
sammelnde Rückwirkungen haben, wenn eing gewisse 4tempause in dem
kon=
junkturellen Aufsteig des Inlandes eintritt. Diese würde auch wahrscheinlich von
dor günstigen Folge begleitet sein, daß die deutsche Industrie, besonders die Vertig
waren-Industrie, die sich mehr und mohr zu ihrer früheren Qualitätsarbeit
durah=
ringt, über die Erfassung des Inlandsabsatzes hinaus mit größerem Erfolg im
Export=
geschäft konkurriert. Bs liegen gemisse Anzeichen vor, daß die Absatzverhältniue
nach dem Auslande einer besseren Entwieklung entgegengehen, und es bedant
keiner Erörterung, welche Entlastung auch dadurch unserem Geld- und
Kapital-
markte zugeführt werden könnte.
Auch die Ziffern unseres Institutes spiegeln sowohl in den Umsätzen wie dem
Anschwellen aller Bilanzrahlen das konjunkturelle Bild des Jahres 1927 wieder.
Wir haben uns in ausgedehntem Maße an der Finanzierung der Einfuhr beteiligt,
ebenso wie wir stark erhöhte Kredite für den Export deutscher Waren und auch für
die Finanzierung deutscher Auslandsaufträge unserer Kundschaft zur Verfügung
stellten.
Das Jahr 1927 brachte uns an Stelle der so sehr angestrebten Herabminderung ;
der Unkosten eine Erhöhung dieses Postens. Das ungünstige Verhältnis der
Ein-
nahmen gegenüber den Ausgaben steigerte sich besonders durch ein Anwachsen
der Steuern um rund 3,6 Mill. Mark.
Wir haben trotz dieses ungünstigen Einflusses auf unseren Reinertrag auch
in diesem Jahre wiederum den Pensionsfonds für Beamte mit 1 Million Reichsmark
bedacht. Darüber hinaus haben wir im abgelaufenen Jahre im Interese unserer
vom gesetzlichen Versicherungsswang nicht erfaßten Angestellten die Eründung
einer Pensionskasse betrieben, die den Versicherten einen Rechtsanspruch auf
eine versönliche, eine Witwen- und Waisenrente gewährt. Die Genehmigung der
Kasse dureh das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung ist inzmwischen erfolgt.
Auch im Jahre 1927 haben wir unser besonderes Augenmerk auf die Förderung
und Heranbildung des Nachmuchses gelegt. Durch srstematische Einrichtungen
und verschiedene Lehrkurse schaffen wir die Möglichkeit der Aus- und Fortbildung,
und wir geben auch einzelnen dazu geeigneten Kräften weitgehende Gelegenheit
zu Studien im Auslande. Dem Zuge der Zeit folgend widmeten wir uns auch der
Förderung der sportlichen Bestrebungen unserer Beamtenschaft. Wir haben,
abgesehen von laufenden Zuwendungen, einen besonderen Betrag von 400 000 Rll.
zur Verfügung gestellt, der dem Erwerb und der Errichtung eines Heimes dienen
soll, wo der Beamtenschaft neben der Ausübuug des Wassersports Erholung in
der Natur geboten werden kann. Wir beschäftigen zurzeit 7241 Angestellte
gegen-
über 7293 im Jahre 1926.
Die Zahl unserer Filialen und Depositenkassen hat sich durch Schließung
von weiteren drei Zweigstellen auf 111 Filialen und 51 Berliner sowie 46 auswärtige
Depositenkassen ermäbigt.
Die Internationale Bank te Amsterdam hat sich auch im vergangeuen
Jahre günstig entwickelt und konnte ihre Geschäftstätigkeit im Waren-Rembours-
Geschäft somig im Waren-Kreditgeschäft stark entfalten. Das Institut war an
einer ganzen Anzahl internationaler besonders aber deutscher Emissionen
erfolg-
reich beteiligt. Es wird auch für das Jahr 1927 wiederum unter Stärkung der
Reserveposition 6 Prozent Dividende zur Verteilung bringen.
Die Deutsch-Südamerikanische Bank wird auf Grund der günstigen
Gescläftsentwicklung für das Jahr 1927 ihre Dividendenzahlung mit 5 Prozent
mieder aufnehmen.
Die Deutsche Orientbank wird, wie im Vorjahre, wiederum eine Dividende
von 5 Prozent zur Ausschüttung bringen.
Die Danziger Bank für Handel und Gewerbe hat ihre Diridende von
9 Prozent auf 10 Prozent erhöht und befindet sich weiterhin in günstigerEnttticklung
Bei der Merkurbank in Wien dürfte das Erträgnis pro 1927 durch die
schwierigen Verhältnisse des Platzes beeinträchtigt werden; im laufenden Jahre
ist dagegen wieder eine Belebung der Geschäfte eingetreten.
Unsere Kommanditen haben günstig gearbeitet und werden ansehnliche
Mehrgeninng zur Verteilung bringen.
Die für das Jahr 1927 zu vereinnahmenden Beträge auf dem Konto „
Dau-
ernde Beteiligungen” werden erst im nächsten Jahre zur Verteilung gelangen.
Von den Erträgnissen aus dem Konsortial- und Eifektenkontoverwenden
wir einen Betrag von RN.5 Millionen, um ihn der im vorigen Jahr gebildeten
besonderen Keserve zuzuführen, während wir die darüber hinaus erzielten Erträg
nisse wiederum zur Stärkung der inneren Reserve verwandten. Das Konsortial-
und Ekkektenkonto zeigt eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahr infolge einer
Anrahl in der Abwicklung begriffener Geschäfte, In den Bilanzrahlen dieser
Konten sind insgesamt 19,5 Millionen Reichsmark festverzinslicher Werte enthalten.
Zu den einzelnen Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung
bomerken nir kolgendes:
Die Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen bestehen zu rund 85 Prozent
aus Auslandsguthaben. Die Vorschüsse auf Waren und Ware nverschiffungen
erfuhren im Zusammenhang mit der oben gekennzeichueten fortschreitenden
Entwicklung von Handel und Industrie und mit der zunehm enden Ausdehnung
des Waren-Im- und Exportgeschäftes eine bedeutende Erhöhung. A4n der Steigerung
dieses Postens sind wesentlich unsere Nioderlassungen in Hamburg und Bremen
infolge des großen Waren-Umschlages dieser Plätze beteiligt. Die Reports und
Lombards haben sich wesentlich ermäßigt und enthalten nur Vorschüsse, die
börsenmäßige gegen Wertpapiere gedeckte Darlehen umfassen.
Von unseren Bürgschaften sind RM. 52135804,47 in deutscherWährung und
RN. 22620615,36 in fremder Währung geleistet.
Das Konto Bankgebäude wird unverändert aufgeführt, es enthält 143 eigene
Grundstücke, von denen 115 lediglich Bankswecken dienen, nährend die restlichen
28 auch für andere Zwocke Verwendung finden.
Von der Gesamtsumme der Gläubiger in laufender Rechuung entfallen 33
Pro-
zent auf ausländische Guthaben, woron 26,4 Prozent in ausländischer und 6,6
Pro-
zent in Markwährung unterhalten werden.
Der Umsatz von einer Seite des Hauptbuches betrug im abgelaufenen
Ge-
schäftsjahr rund 170 gegen rund 119 Milliarden Mark im Jahre 1926.
Unter vorsichtiger Bewertung aller Aktiven ergibt sich laut Gewinn- und
Ver=
lustkonto unter Einrechnung des Gewinnvortrages per 1926 in Höhe von
RN. 2277952,09 ein Bruttogeninn von ...
.. RM. 80 785 555,63
Nach Absetzung der Handlungs-
. . RM. 55 128 043,57
unkosten mit ...........
RM. 9 386 958 98
der Steuern mit ........
RM. 64 515 002.55
Dercalt
verbleibt ein Reingewinn von
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dessen Verteilung nir nie folgt vorschlagen:
12 Proxent Diridende. ..
.. RM. 7 200 000.—
Einlage in die besondere Reserve ... RM. 5 000 000.—
Tantieme des Aufsichtsrats ....... RM. 480 000.
Zumendung an den Pensionslonds für
Beamte . ..
RM 1000 000—
Desesamt:, Ril. 13 60 0—
so daß als Vortrag auf neue Rechnung
RM. 2 590 553,08
verbleiben.
Nach Genehmigung dieser Vorschläge durch die Generalversammlung werden
gich unsere offenen Reserven auf KM. 55 000 000.— Kapital und
Re-
serven aut
RN. 115 000 000.—
belaufen.
Im Laufe des Geschäftsjahres 1927 schied
Herr Generalkonsul Friedrich Hincke
mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand als Geschäftsinhaber unserer Bank
aus und wurde in der Generalversammlung vom 8. 4pril v. Is. in den Aufsichtsrat
der Bank gewählt. Die hervorragenden Verdienste des Herrn Hincke, der als
Geschäftsinhaber der Deutschen Nationalbank in Bremen nach der Fusion dieses
Instetutes Geschäftsinhaber der Nationalbank für Deutschland und später auch
unseses jetzigen Institutes wurde, um die erfolgreiche Entwicklung unserer Bank
sind in der Generalversammlung eingehend gewürdigt wonden. Wir möchten jedoch
auch an dieser Stelle unserem langjährigen Kollegen unseren wärmsten Dank
für seine hingebende, pflichttreue Tätigkeit aussprechen, indem wir gleichzeitig
unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß uns seiue wertvolle Erhaltung durch
seinen Eintritt in den Aufsichtsrat auch weiterhin erhalten bleibt.
T.4667
Berlin, im März 1928.
Dis versönlichhaftenden Gesellschafter,
Dr. Belieim-Schwarzbach. Bodeuheiuer. Go dschmidt.
Dr. Rosin. von Simson. Dr. Strube.
„Nummer 73
Seite 15
Win Sürltin Tamare
Roman von P. van der Hurk.
4
(Nachdruck verboten)
Als die Verlobung bekannt wurde, verwandelte ſich bei den
Räüttern die hektiſche Röte in neidiſche Bläſſe, und ihre Töchter
ei=drückten heimlich ein Tränchen.
Nach einer wundervollen Hochzeitsreiſe wohnten ſie drei
laonate in einer mitten im Wald gelegenen Villa. Das war die
(c önſte Zeit ihres Lebens.
Dann erhielt Dr. Jürgens ein Reichstagsmandat und ſie
iKdelten nach Berlin über. Von nun ab widmete er ſich nur
ſei=
ner Arbeit und vergaß ſeine junge, lebenshungrige Frau.
Sie nahm zwar wieder Muſikſtunden und kaufte neue Bücher;
aſeer ihre Intereſſen erlahmten, da ſie keinen Widerklang fanden.
Sie führte ein ſehr geſelliges Leben und galt als die
liebens=
mürdigſte und ſcharmanteſte Frau. Niemand ahnte, daß in
die=
ſum ſchönen Körper ein verkümmertes Herz und eine erſtarrte
G=eele wohnte. — —
Utta ſaß noch immer in dem Liegeſtuhl auf dem Balkon, mit
diem zerknitterten Brief ihrer Mutter in der Hand. Sieben Jahre
dear ſie nun ſchon verheiratet, ſieben lange Jahre. Wie ſchnell
tSar die Zeit vergangen mit geſellſchaftlichen Verpflichtungen,
Xeiſen und tauſend Nebenſächlichkeiten. Sie hatte es gar nicht
wemerkt.
Bis ihr vor kurzem jemand die Augen geöffnet hatte. „Gnä=
Mige Frau,” hatte er geſagt, „Sie ſind ſehr unzufrieden und un=
Alücklich. Es iſt ſchade um Sie. Sie ſollten ein neues Leben
be=
p. innen!“ —
VII.
Neue Spuren.
Paul Hanſemann wohnte noch immer Kantſtraße, Garten=
HHaus, 4 Treppen. Er hatte ſeine Proviſion nicht bekommen, und
wie ganze Wut der Weltrekord=Direktion hatte ſich auf ihn ent=
Taden. Er hätte ſich düpieren laſſen, er wäre Schwindlern ins
Harn gelaufen, und bevor die Sache nicht aufgeklärt ſei, bekäme
ver keinen Pfennig.
In dem Schadenbureau der „Weltrekord” war man ſich
dar=
ſuiber einig, daß der ganze Diebſtahl fingiert ſei, daß Baron Kemp
menit Rothe unter einer Decke ſtecke und daß ſie das Bild an einem
ſicheren Ort verborgen hielten. Es waren nun ſchon etliche Tage
Reit dem „ſogenannten‟ Diebſtahl vergangen, der mutmaßliche
Täter ſaß hinter Schloß und Riegel, aber das Bild war und blieb
werſchwunden. Etwas beunruhigte die Verſicherungsgeſellſchaft
ſganz beſonders: Baron Kemp hüllte ſich in Stillſchweigen. Er
hatte den Diebſtahl ordnungsgemäß gemeldet, aber Erſatz= oder
Schadenanſprüche hatte er noch nicht geſtellt.
Dienstag den 13 Mätz 1928
Nach einigem Zögern war man dazu übergegangen, eine
Be=
lohnung für die Wiederbeſchaffung des Bildes auszuſetzen, und
zwar in Höhe von 50 000 Mark.
Als Paul Hanſemann dieſe Tatſache erfuhr, ergriff er zu den
verſchiedenen Berufen, die er ſchon hatte und gehabt hatte, einen
neuen: er wurde Privatdetektiv.
Sein Lebensmut ſtieg wieder, ſein Optimismus beſiegte die
Enttäuſchung über die verloren gegangene Proviſion; und wenn
er nachts einſchlief, ſah er in dem Stadium zwiſchen Bewußtſein
und Traum eine Fünf und vier Nullen, die ihm — er hätte das
als Maler ſo gerne bildlich feſtgehalten — freundlich zunickten.
Sein erſter Gang war in das Atelier von Baron Kemp. Er
fand ihn mit einem übernächtigen Geſicht beim Frühſtück.
„Was gibt es Neues?” fragte ihn Kemp, als ob es ſich um
den Wetterbericht und nicht um eine geſtohlene Million handelte.
Hanſemann übte die Funktion ſeines neuen Berufes aus und
beobachtete ihn ſcharf.
„Du ſcheinſt wenig geſchlafen zu haben”, ſagte er, ohne ſeine
Frage zu beanttorten.
„Ich habe überhaupt nicht geſchlafen.”
„Weißt du, daß Rothe immer noch in Unterſuchungshaft ſitzt?”
Kemp nickte:
„Ich weiß es. — Ich glaube natürlich nicht an ſeine Schuld,
obwohl alle Indizien gegen ihn ſprechen. Geſtern war ich beim
Unterſuchungsrichter, um die Erlaubnis einzuholen, ihn zu
be=
ſuchen. Es wurde aber abgeſchlagen. Auch eine Kaution für ſeine
Freilaſſung wurde abgelehnt. — Der Richter hält ſeine Schuld
für erwieſen.”
Hanſemann ftand auf und ging unruhig auf und ab:
„Haſt du denn ſonſt keinen Verdacht? — Einer muß es doch
geweſen ſein."
Kemp ſchwieg.
Inzwiſchen hatte Hanſemanw das begonnene Bild geſehen,
das auf der Staffelei ſtand.
„Wer iſt das?‟
„Es iſt dieſelbe Frau, die ich vor einigen Wochen gemalt
habe — du entſinnſt dich vielleicht — die Fürſtin Samaroff.”
E
E S
(I. Mch. 717)
„Iſt ſie noch hier?”
„Nein.”
„Wo iſt ſie denn?:
„Wenn ich das nur wüßte.”
„Haſt du nichts mehr von ihr gehört?”
„Nein.”
„Eigenartig.”
Plötzlich hatte er einen Einfall. Durch Kommiſſar Engel
hatte er einiges über die Ausſagen von Rothe erfahrem.
„Sage mal — — dieſer Bruder — — war das ein älterer
Herr mit grauem Spitzbart?
„Nein, ein glattraſierter junger Mann.”
„Haſt du überhaupt mal einen Herrn mit grauem Spitzbart
hier im Hauſe geſehen?”
Kemp ſah den Frager etwas gelangweilt an:
„Weshalb willſt du das alles wiſſen — — Ich kann mich
nicht beſinnen.”
Die Unterhaltung wurde unterbrochen, denn die
Haushälte=
rin brachte die Poſt.
Kemp griff einen Brief heraus und öffnete ihn mit soßer
Spannung. Hanſemann war — ſeinem neuen Beruf entſprechend
— indiskret genug, hinter ihn zu treten und konnte gerade ſehen,
daß es ein Briefbogen des Kurhauſes in Scheveningen war.
Kemp las den Brief einmal zweimal — — und ſein blaſſes.
Geſicht bekam wieder Farbe.
„Entſchuldige”, ſagte er mit einem etwas verlegenen Lächeln,
„ich habe eine Nachricht bekommen, die mich ſehr glücklich macht
Hanſemann machte ein teilnahmsvolles Geſicht:
„Darf man fragen?”
Kemp lachte:
„Fragen darfſt du ſchon, aber ich gebe keine Antwort — es
iſt lediglich Privatangelegenheit — — — es hat mit dem Diebſtahl.
nichts zu tun.”
Hanſemann reichte ihm die Hand:
„Dann will ich nicht länger ſtören — — ich ſehe es an
deinem Geſicht — — lettre damour — — alſo auf Wiederſehen.
ich rufe dieſer Tage mal an.”
Er ging himunter und begann mit der Portiersfrau ein
Ge=
ſpräch, wobei er erfuhr, daß ein älterer Herr mit grauem Bart
die zwei ſchönſten Zimmer der alten Exzellenz vom dritten Stock
gemietet hatte.
„Es ſcheint ein ſehr reicher Herr zu ſein,” ſagte die
geſprä=
chige Alte, „ich glaube, er heißt Bergmann, Konſul Bergmann.
Es iſt ein nobler Herr, gleich bei ſeinem Einzug hat er mir fünf
Mark gegeben — — wegen der Umſtände. Ich habe ihn ſchon
lange nicht mehr geſehen — — — Gott, unſereins achtet ja nicht
ſo ſehr daratf."
(Fortſetzung folgt.)
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Muſikaliſche Leitung: Karl Bamberger
In Szene geſetzt
von Arthur Maria Rabenalt, Claere Eckſtein
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Margarete Abrecht. Elaere Eckſtein, Grete
Benſe, Johannes Biſchoff. Guſt. Deharde,
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Johanna Blum, Annelieſe Born, Käthe
Gothe, Beſſie Hoffart. Elſa Kno t, Käte
Meißner, Kitty Stengel, Hans Baumeiſter,
Hansioach, Büttner, Weiner Fink, Ulrich
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Seite 2
Darmſtädter Film=Poſt
13. März 1928
Net Toiln
Charlie,
Die Weltpremiere von
Chaplins Film „Oer Zirkus”.
Von unſerem Sonderkorreſpondenten
Arnold Höllriegel.
New York, im Januar.
Die Galapremiere des neuen Chaplin=Films (zwei Jahre
hat man darauf gewartet) fängt, Amerika iſt Amerika, um
Mitter=
nacht an, Mark Strand Theatve, einem von den mittleren Kinos,
nicht größer als anderswo ein Opernhaus. Den Weg ins Theater
müſſen die Gäſte ſich erfechten, weil draußen auf dem Broadway
ein Tumult iſt, ein Aufruhr, eine Zuſammenrottung von
Nacht=
bummlern, die ſich einbilden, ſie werden den leiblichen Charlie
ankommen ſehen. — Er kommt nicht und ſchickt nur eine
Ent=
ſchuldigungsdepeſche. Auf ſeine Unzuverläſſigkeit kann man ſich
verlaſſen!
Dann ſitzen die Tauſende, Tauſende im Theater. Halb New=
York iſt da, ſehr aufgeregt. Ein Symphonieorcheſter fährt aus
einer Verſenkung empor; ſchon im Fahren ſpielen ſie Dvoraks
„Karneval”=Ouvertüre. Auf zwei rieſigen Clownköpfen rechts
und links vom Vorhang beginnen rieſige illuminierte Kreiſel ſich
zu drehen. Aus ihrem Innern brüllt, megaphoniſch, ein
Zirkus=
ausrufer: „Hereinſpaziert!‟ Der Vorhang geht für eine Sekunde
hoch, Gott ſei Dank nicht zu einem der gräßlichen „Prologe” mit
Geſang und Tanz, mit denen ſie ſonſt beſſere Filme einleiten,
nur zu einem luſtigen und bunten lebenden Bild, rieſenhafte
Zirkustiere darſtellend. Die Muſik fährt mit einem blechernen
Zirkustrara in die Verſenkung. Dann iſt auf einmal ſein
Film=
bild da, Charlies. Auf einmal wird man ganz froh, ja glücklich.
O Charlie! Kaum hat der Film angefangen, heult man
ſchon, tickt, ſtrampelt. Es wird klar, daß ſo, ja ſo der Menſch
ift. Man begreift es, ſieht es ein und möchte ſterben, an
gelun=
gener Pſychoanalyſe: nach ſo viel Erkenntnis braucht man nicht
weiter zu leben, man könnte ſich ſanft und ſelig auflöſen, in
Lach=
tränen.
O Charlie! Menſchenweſen, ſo ſichtbarlich i demer
Nackt=
heit verkleidet durch die lächelnden Requiſiten konventioneller
Würde, dieſes Hütchen, dieſen unſterblichen Cutaway, dieſe
ge=
waltigen Schuhe, auf denen du ſo unſicher und verlegen ſtehſt,
Charlie —
Da iſt er wieder, der geliebte Vagabund, wie immer, in
Menſchennöten. Einem kleinen Kind, das der Vater im Arm
hat, frißt er das Wurſtbrot ſo lieb aus der Hand. Du, du, gib
dem Onkel! Das Kind lacht, wie denn nicht! Der Onkel ſtreicht
delikat Senf auf das Brot, vom Budentiſch des Würſtelmanns.
So ernährt er ſich, der Onkel. Dabei hat er ſchon die dicke
Brief=
taſche hinten in der Hoſe, die der verfolgte Taſchendieb ihm raſch
zugeſteckt hat. So iſt das Leben, ja. Wie Charlie die Brieftaſche
bemerkt und eben für eine Million Dollars heiße Würſtel kaufen
will, — geht die Verfolgung der Brieftaſche wegen auch gegen
ihn los —
SerHI.
Charlie Chaplins „Zirkus”
Nachtvorſtellung im Capitol.
Eine großartige Premiere: ein mehr als ausgezeichneter Film,
ein außerordentliches Publikum. Noch oben auf den Rangplätzen
Leute von Namen und Rang. Diplomaten, Schriftſteller,
Schau=
ſpieler, Filmleute. Die Stimmung, ſchon ehe es dunkel wird,
ge=
ſpannt, faſt überſpannt. Haben nicht alle guten Geiſter faft zwei
Jahre auf dies Schauſpiel warten und mit Erbitterung und
hilf=
loſem Trotz das Hindernisrennen mit anſehen müſſen, das
Chaplin zu gewinnen hatte, wenn er dieſe Arbeit vollenden
wollte? Und war nicht Chaplin in dieſen zwei Jahren ſeiner
Unſichtbarkeit populärer geworden als je, hatte man ſich dieſen
Film nicht gerade deshalb ſchon in ſo ungeheuerlichen
Dimen=
ſionen ausgemalt, daß er nun, wie er auch wurde, den
Erwar=
tungen einfach nicht mehr ſtandhalten konnte? Dennoch, und trotz
all den Berichten über die New Yorker Premiere und trotz den
Bruchſtücken des Manufkripts, die man ſchon kannte; es war
ganz anders, es war viel größer, trotz allem. Und als die erſten
Szenen über die Leinwand knatterten wie ein Hagelwetter, wurde
geklatſcht wie kaum je bei einem Film. Und als, in der Mitte des
Films, ſich noch vieles überſteigerte, was man ſelbſt nach dem
„Goldrauſch” für möglich gehalten hatte, da hörte das Klatſchen
faſt auf, atemlos ſaß man da und ſtarrte. Und erſt am Schluß
erwachte man wieder, wie aus einem Trancezuſtand, verwirrt,
benommen, und klatſchte.
Dieſer Film — aber man darf ihn kaum mit demſelben
Namen nennen wie all die braven und biederen Bildchen, die
einem allabendlich vorgeſetzt werden, und wenn man ihn immer
ſterbe vor
K
leben! Einmal iſt Charlie auf der Flucht an die Faſſade des
Wanderzirkus geraten, wo lebensgroße mechaniſche Puppen
an=
geſtaunt werden. Da der Schutzmann hinblickt, erſtaunt Charlie
zur mechaniſchen Puppe und dreht ſich immer nur, wie von einem
Uhrwerk bewegt, ganz ſteif zu ſeinem Feind, dem Taſchendieb, ſeinen Gürtel hält. Der Gürtel iſt geriſſen, aber Charlie weiß es
um, der neben ihm ſteht und auch Puppe ſpielen muß; nach jeder
Dreivierteldrehung gibt die Charlie=Puppe der Taſchendieb= nicht, er nicht! — Da er, in der Mitte des Seils, das Unheill
Puppe eins auf den Kopf, mechaniſch. Dann wieder iſt Charlie bemerkt — fällt auf einmal, zugleich, von der Zeltkuppel eim
in das große Spiegelkabinett des Zirkuszeltes geflüchtet, in einen Schwarm von munteren Meerkatzen auf ihn, klettert ihm im
Ge=
den teils von zehntauſend Taſchendieben bedroht, teils von
zehn=
tauſend Schutzleuten verhaftet; Charlie, einmal, iſt kaum zu
er=
tragen, ſo luſtig iſt er; zehntauſendmal geſpiegelt wird er wie
explodierendes Dynamit, es iſt zuviel. Dann iſt er plötzlich ganz
einſam allein, in jenem verhängten Zauberkaſten in der
Zirkus=
manege, aus dem der Taſchenſpieler eben das ſchöne Mädchen
hervorhexen will; es kommt aber Charlie zum Vorſchein mit
ſei=
nem Stöckchen.
In dieſem Zirkus bleibt er dann, nachdem ſich die
Brief=
taſchen=Epiſode aufgeklärt hat, als Bühnenarbeiter. Man hat
erſt probiert, ob er vielleicht komiſch genug für einen Clown ſein
könnte (als wie Charlie Chaplin!), große fachmänniſche Prüfung
durch eine Clownskommiſſion und den Stallmeiſter: „Bitte, ſeien
Sie raſch mal raſch komiſch!“ — Charlie fällt durch, nach Noten.
Da er den drolligen „Tells=Akt” ſpielen ſoll, mit einem Apfel auf
dem Kopf, und den Apfel raſch auffreſſen ſoll, haha — ſchmeckt
ihm der Wurm im Apfel nicht und er legt ſich lieber raſch eine
Banane auf den Kopf, ſo tatenlos iſt er. Durchgefallen.
Allen=
falls als Kuliſſenſchieber zu verwenden. — Da er, mit
irgend=
einer Laſt im Arm, zum erſtenmal in die Manege kommt, wird
das (gefilmte) Publikum vollkommen wild, ſo unglaublich komiſch
iſt dieſer Arbeitsmann! Böſe Maultiere verfolgen ihn, ſo daß
er über den Manegerand purzelt; wenn er den verhangenen
Tiſch des Magiers bereinſchleppt, berührt er ſogleich jenen
Geheimknopf, den er nicht berühren ſollte, und zahlloſe gut
ver=
ſteckte Zylinderhüte, Kaninchen, Tauben kommen aus dem Tiſch
zum Vorſchein, Geſchwindigkeit iſt keine Hexerei. Zuletzt eine
ganze große Gänſeherde, die Charlie, ernſt und ſachlich, durch
die Manege treibt. Der älteſte Trick des Zirkusclowns, dieſes
ungeſchickte Mithelfen, hier iſt es auf einmal irgendwie menſchlich
glaubhaft gemacht. Die niederſte Art der Burleske bekommt tiefe
philoſophiſche Perſpektiven; dieſer große Meiſter der Komik hält Film Charlie Chaplins doch nicht in den allerheiligſten Schrein
ja förmlich ein Kolleg über das Weſen der Komik, der
ſpon=
hört lebendiger Lehrgang der angewandten Pſychologie. Es
kommt im mittleren Teil ein Kurſus über Mut und Heldentum:
das iſt, wie Charlie in den Löwenkäfig gerät und wie die Türe
zuſchnappt. Wie draußen, während der Löwe ſchläft, der kleine
Hund zu bellen anſängt und wie das zur Rettung herbeigeeilte
Zirkusmädel vor dem Käſig ohnmächtig umfällt und Charlie ihr
gleich durch die Gitterwand Löwenwaſſer auf den Kopf träufelt,
der offen iſt: Charlie kreuzt die O=Beine, jeder Zoll ein Held,
der ſich, vor Damen, aus ſchlafenden Löwen nichts macht. „Putt,
putt, putt!” ſagt er zu dem Löwen, ja. Der regt ſich einmal —
wieder bor ſich ſieht, wenn er längſt abgelaufen iſt, möchte man
einige Zeit mit Blindheit für alle weiteren Filme geſchlagen ſein,
um das nicht zu verwiſchen. Dies Lichtſpiel Chaplins iſt ganz
unbeſchreiblich. Man verſucht, ſich einer Szene zu entſinnen, wie,
ja, ſo war es, und ſchon hat man eine beſſere vor Augen und
ſchon wieder den ganzen Film. Man kann es nicht beſchreiben.
Es geht da vor einem in zwei Stunden mehr vor als in vielen
geſammelten Werken, aber das iſt es nicht, es geht viel
drama=
tiſcher vor, viel konzentrierter, viel unabſichtlicher, viel ſtärker
Lachen, Mitleid und Grauen erregend.
Der Kampf zwiſchen Menſch und Schickſal iſt hier, ſpontan
und bis ins Letzte geſteigert, dargeſtellt in einer Revue der
Lebensprobleme, aber weder oberflächlich, noch abſtrakt, noch
künſtlich. Sondern ſo, als wenn man durch eine ganz gewöhnliche
Vorſtadtlandſchaft läuft, und bei jedem Schritt klafft vor einem,
neben einem, hinter einem ein Spalt auf, der Himmel und Hölle
zugleich ſehen läßt. Man müßte, wenn man alles das hinter ſich
hätte, was Chaplin, in dieſen zwei Stunden erlebt, entweder
wahnſinnig oder ein Chaplin geworden ſein. Es iſt unheimlich,
und man lacht faſt, um es nur komiſch zu finden. Oder es iſt
komiſch; aber während man lacht, erſchrickt man und hält beſtürzt
ein. Chaplin flieht, kommt auf dem Rummelplatz in ein
Spiegel=
labyrinth, mein Gott, ſo menſchlich wie vor dieſen Spiegeln
konnte kein Descartes und kein Pirandello an ſeiner Exiſtenz
zweifeln, verzweifeln. Chatlin tanzt auf dem Seil, ungelernt,
haltlos, und da ſpringen ihn drei Affen an; wer da nicht an den
Teufel glauben lernt, an dem hat auch der liebe Gott nichts mehr
zu verlieren. Und derlei hundertmal. Ganz unbeſchreiblich.
Dieſer Film müßte tot ſein, wenn der Filmolog mit dem
Seziermeſſer an ihn herankönnte, um zu konſtatieren, daß dieſe
Lachen!
Nein, ich kann nicht mehr. Das kann man nicht über= und man ſieht Charlie erſt auf der Spitze des höchſten
Zirkus=
maſtes wieder. Von dort wirft er ſeiner Dame Küſſe zu; ſoe
tapfer iſt er, daß er auf die geſährlichſt höchſten Maſten klettert.
Und wie er am Schluß den Seiltänzer vertritt, und er glaubt.:
er iſt feſt an der Zirkusdecke angebunden, durch einen Draht, dem
noch nicht, und ſo kann er Seil tanzen, wunderbar. Er fällt
Irrgarten aus Spiegeln, und nun — zehntauſend Charlies wer= ſicht herum, reißt an ſeinen langen Schuhen, die auf dem Seill
über dem Abgrund ſtehen.
O, es iſt unglaublich, toll, wirbelwald, dabei niemals dumm
weil nie gleichförmig, von Sekunde zu Sekunde iſt die
Poſſe=
variiert durch die göttlichen Einfälle eines blitzſchnellen Geiſtes.,
und es iſt jene Perſpektive aufs allgemein Menſchliche,
immer=
offen, ohne die es keine große Komik gibt. Und, natürlich, jener
Chaplinſche Untergrund von Melancholie.
Ja, es iſt eine ganz traurige Geſchichte auch da, in dieſem
urkomiſchen Zirkus. So was wie im „Goldrauſch”: der Charlie=
Tramp liebt ein Mädel, ſie macht ſich nicht viel aus ihm. Hier,
im „Zirkus”, benimmt Charlie ſich vielleicht ein bißchen
panzig=
edelmütig; man glaubt ihm eigentlich die viele opferwillige Gut= nicht, ſeine Augen ſind anders. Entſagt immerzu. Führt die=
Zirkusreiterin mit ihrem Seiltänzer zuſammen, und bleibt ſelber
ganz traurig in dem Manegering ſitzen, den man auf weiter,
ein=
ſamer Heide noch erkennt, während die letzten Zirkuswagen ſchon
in der Ferne verſchwinden. — Wunderbar dieſe Schlußmelancholie!
Obwohl ſie eine nicht unbanale Geſchichte beenden ſoll (lache,
Bajazzo, weine, Bajazzo), verſteht man doch, daß tatſächlich er
da ſitzt, der in dem letzten Jahr ſo niederträchtig gelitten hat,
durch dieſe Frauen, er, der Privatmenſch Charlie Chaplin, der
größte komiſche Künſtler der Welt, und der zwiſchendurch ja doch
dieſen unſäglichen ſchrei=komiſchen Film machen mußte; da ſitzt er
am Schluß mit dem tottraurigen Blick, den man an ihm kennt,
in dieſen großen, dunkelgrauen, harten und wieder weichen,
ſenti=
mentalen und zyniſchen Augen. O Charlie, ich ſterbe vor Lachen,
mit einer geheimen Traurigkeit im Herzen, die von dir immer
ausſtrömt. —
Nachher, auf der nächtlichen Straße, entronnen dem Geheul
der Beifallsrufer, überlege ich mir, daß ich dieſen ſchönen neuen
neben „Kid” und „Goldrauſch” ſtellen möchte, weil die
Liebes=
tanen und der künſtleriſchen. — Der ganze Film iſt ſo ein uner= geſchichte doch ein wenig von dieſer Hollywooder Banalität
infi=
ziert iſt, die, jawohl, ſogar Charlie Chaplin anfrißt. Daß ich aber
trotzdem für dieſen Film, auf den die Welt zwei Jahre gewartet
hat, gut und gerne jeden einzelnen Zentimeter Filmband hergebe,
der in der Zwiſchenzeit zu Hollywood belichtet worden iſt, jeden.
Ich gehe heim, es iſt ſehr ſpät. Mir fällt auf, daß ich noch
nie ſo wenig ſchläfrig war; alles in mir iſt wunderbar gelüftet,
ich bin ſo herrlich durchgelacht, alle Dumpfheit, die das Leben
oh, das wird man nie wieder vergeſſen. Und wie die Türe wie= aufſpeichert, iſt aus den aufgeriſſenen Seelenfenſtern gefegt von
dieſem Sturm, dieſer wunderbaren Ventilation, dieſem
unge=
heuren Charlie=Gelächter. O, es iſt nur ein mittelguter Chaplin=
Film, aber auch der macht Menſchen ſchon ſo glücklich!
und jene Richtung nicht ganz voll und ganz darin verfolgt ſei.
Wer mit allen Sinnen ſieht, merkt hier etwas Weſentlicheres. Mit
dieſem Film macht Chaplin — hat man vergeſſen, daß Chaplin
der einzige Filmmann iſt, der ſeine Filme ſchreibt, dirigiert und
ſpielt, der faſt einzige alſo, bei dem, wenn man letzte Maßſtäbe
nimmt, von Film überhaupt die Rede ſein kann? —, mit dieſem
Film macht Chaplin einen Strich unter ſeine bisherigen
Licht=
ſpiele und fängt noch einmal von vorn an. In dieſem Film
über=
ſteigert er, um damit fertig zu werden, bis ins Aeußerſte ſeine
Grotesken und ſeine Realdramen. Nie hatte das Schickſal gegen
ihn in ſo tauſenderlei teufliſchen Geſtalten gewütet wie hier, nie
zog er ſich ſo mit Pech und göttlicher Fügung zugleich aus der
Affäre wie hier, und nie war ſeine Trauer ſo natürlich. Dennoch,
da beides zuſammen erſcheint, hat der Film beinahe den gleichen
inneren Riß wie die Figur. Vielleicht aber muß das ſo ſein,
zumal hier überhaupt alles zu Ende, nämlich im Kreiſe herum
geſchieht. Chaplin ſpielt einen Clown, einen ungelernten,
unfrei=
willigen und ſolange er kaum weiß, daß er der Clown iſt, ſcheint
er maßlos komiſch. Als er aber traurig, alſo wirklich komiſch
wird, lacht keine Seele, und der Zirkusdirektor weiſt ihn hinaus.
Die Grenzen von Scherz, Tragik, Komik und tragiſcher Fronie
ſind hier nicht feſtzuſtellen.
Daß das alles filmiſch vollendet, wirklich vollendet geſpielt,
dirigiert und aufgenommen, daß die Titel, die wenigen, und daß
die Muſik gut iſt, braucht man nicht zu ſagen. Nur: daß es in
jedem Bilde einfach anders, neu, überraſchend iſt, daß es
unbe=
ſchreiblich iſt, daß man es ſehen ſoll und dann unwillkürlich
immer weiter ſehen wird, ohne Kino, ohne Film, dieſen Chaplin
— das iſt es, nichts weiter, mehr kann es auch nicht geben.
Leo Hirſch.
13. März 1928
Oarmſtädter Fllm=poſf
Seſte 3
NAMAAn
Chaplin.
Zu ſeinem Film „Zirkus”.
Um es vorwegzunehmen: der Zirku film erreicht als
Kom=
ſoſition nicht den Goldrauſch. Seine Fabel iſt konventioneller, und
ſruf der kurzen Strecke nimmt er ſeine Zuflucht zu Morwven, die
gruf der Hand liegen, entgleitet er in eine Komik, die nur zum
Lachen reizt. Nicht die Hauptlinien der Handlung, ſondern die
wielen Einzelzüge verleihen dem Film Bedeutung. Er iſt
wie Unterlage, in die ſie einverwoben ſind. Das Moſaik, zu dem
ſie ſich zuſammenſetzen, ftellt jene einzigartige Figur dar, die an
ſen Namen Chaplin geknüpft iſt. Sie beſitzt in dem Film eine
igewiß nicht geringere Leuchtkvaft als im Goldrauſch, und wenn
ſſie Gelächter erweckt, ſo rührt ſie zugleich.
Das Geheimnis dieſer Figur tritt m der
Sptegelkabi=
mett=Szene am reiſten zutage. Chaplin rettet ſich auf dem
FRummelplatz vor einem Poliziſten in das Kabinett, in dem er
Fhundertfach widerſtrahlt. Er weiß nicht mehr: iſt er es, der vor
den Spiegeln ſteht, oder iſt er eine von den vielen Geſtalten in
den Spiegelkuliſſen. Auch der Polizift, der ihn glücklich eingeholt
hat, weiß es nicht. Beide werden von den unaufhörlich ſich
wan=
delnden Bildern geäfft, die Welt iſt in Stücke zerriſſen, die
durch=
emander wirbeln, ſie ſcheint dem Irrſinn verfallen zu ſein. Der
Poliziſt erfährt ſie ſo nur im Vexierkabinett, Chaplin dagegen
lebt im Spiegelkabinett der Welt.
Sie iſt ihm em Geukelſpiel der Menſchen, Tiere und Dinge,
m dem er höchſtens aus Zufall emmal feſte Konturen greift.
Da er ſich in den Erſcheinungen und ihren Abſichten nicht
aus=
kennt, ängſtigt er ſich vor ihnen allen und ſucht ſie durch kleine
Liſten ſich günſtig zu ſtimmen. Vielleicht iſt das Hündchen
gefähr=
licher als der Löwe; eine Gewähr hat man nie. Nur ſoviel iſt
ſicher, daß das Zirkuspferd mit den beweglichen Ohren zu den
Todfeinden gehört. Der ſchlimmſte Gegner iſt freilich der
Zirkus=
direktor ſelbſt, ein rüder Patron, den Chaplin mit erleſenen
Schlichen traktiert. Es naht ſich wohl auch ein freundliches
Ge=
ſchöpf, ein Mädchen, aber es iſt nicht für ihn. Dicht umſtellt ihn
die Märchenwelt, in der ſich die Gegenſtände und Lebeweſen
ver=
wirren.
Clowy Chaplin.
Der „Zirrus”=Film im Gloria=Palaft.
Ein Vater hat ſein Hind im Arm. Das Kind hat ein
Wurſt=
brot in der Hand. Der gute Onkel Charlie tut ſo lieb: als ob
er dem Kinde einen Schnuller ſchenken wollte — und frißt ihm
heimlich das Wurſtbrot zahm aus der Hand. Plötzlich ſieht der
Vader Charlie: da wiſcht er dem Kinde raſch den Mund ab. Das
iſt der glänzende Auftakt des nicht immer ſtarken, bisweilen nach
amerikaniſcher Sentimentalität riechenden Films. Das iſt die
Oupertüre, in der ſchon der ganze Chaplin iſt.
Ein Schutzinann verfolgt ihn. Bei der Verfolgung geraten
Verfolger und Verfolgter auf eine Drehſcheibe. Wer iſt vorne,
wer hinten? Chaplin hält mit ſeinem Stöckchen den
Schutz=
mann feſt. Iſt das nicht dasſelbe, wie mit dem Wurſtbrot?
Aufhebung des Selbſtverſtändlichen, des Fundaments allen
Ernſtes? Chaplin mimmt dem Gewohnten ſeinen Lauf und läßt
— der größte Komiker neben Pallenberg — die alltäglichen
Ge=
ſchehniſſe plötzlich improviſieren; alles Bekannte wird
unbe=
kannt; alles Erwartete läuft gegen die Erwartung. Kennen wir
nicht mechaniſche Puppen? Gehören ſie nicht ohne weiteres zu
unſerer Welt? Chaplin iſt auf der Flucht: er kommt zur Faſſade
des Wanderzirkus, an der lebensgroße mechaniſche Puppen
an=
gebracht ſind. Er miſcht ſich unter dieſe Puppen und erſtarrt
ſelbſt zur Pupe: er dreht ſich, als bewegte ihn ein Uhrwerk. Plötz=
Frankfurter Zeitung:
Die Beziehungsloſigkeit, mit der er ſie durchwandelt, zeigt
ſich nach außen hin beſonders deutlich in den Clownſzenen. Er
beluſtigt nur ſolange die Menge, als er gar nicht komiſch wirken
will, ſondern einfach Chaplin iſt, der ſich vor irgendeinem
Phan=
tom rettet oder die gewöhnlichſten Dinge nicht verſteht. Draſtiſcher
und genauer als durch die unbewußte Erzielung der Komik —
ſie iſt als Mottv nicht neu — offenbart ſich ſeine Fremdheit und
Hilfloſigkeit in gewiſſen Zügen, die beinahe unſchön wären,
wenn ſie bei eiem anderen Menſchen aufträten. Er erpreßt,
nachdem er über ſeien Wert für den Zirkus aufgeklärt worden
iſt, von dem Zirbusdirektor ein hohes Gehalt. Er benutzt einen
auf dem Boden liegenden Menſchen, der knock=out geſchlagen
worden iſt, als Schemel, um durch ein Zeltloch zu gucken. Er
verhält ſich dem Löwen gegenüber, der ihn aus Laune in Ruhe
läßt, mit prahleriſcher Großmannsſucht. Aber gerade ſolche
An=
maßungen verraten unzweideurig ſeinen Mangel an Selbſt=
Bewußtſein. Nur ein äußerſt verwundbarer Menſch, der ſich in
der Welt nicht zu regen verſteht, nimmt derartige Anläufe, um
ſich in ihr zu behaupten. Sie brechen in ſich zuſammen und
machen ihn lächerlich.
Hinter den Masken der Notwehr verbirgt ſich die wahre
Geſtalt, die ſich immer wieder in kurzen Augenblicken bezeugt.
Dieſer Menſch Chaplin iſt gut und zärtlich und hat Achtung vor
jeder Kreatur. Wie er das Kind anlächelt; wie er ſich durch ein
Lupfen des Hütchens bei dem Huhn bedankt, das ihn mit einem
Ei bedacht hat. Die Höflichkeit kommt aus ſeinem Herzen. Auch
eignet ihm ein weſenhafter Zug der Märchenfiguren: die
Naſvitäkt. Er kann ſich totlachen über die albernen Späſſe der
Clowns, deren Produktionen das Publikum einſchläfern. Dann
iſt da noch ein ſonderbares Verhalten, das mehr als irgendein
anderes in ſeinen letzten menſchlichen Grund weiſt, aus dem es
bricht: daß er vor Freude beinahe überſchnappt. So war es im
„Goldrauſch” und früher, ſo iſt es auch hier. Auf die
vermeint=
liche Gewißheit hin, daß das geliebte Mädchen ihn wiederliebe,
ſchlägt er wie toll um ſich, die Augen funkeln, er zerſpringt in
Stücke. Es iſt, als habe die Welt ſich auf dem Spiegelwahnſinn
zurückgefunden und er dürfe ſein, wie er iſt.
Daß er es nicht ſein darf, ſondern mißverſtanden wird von
einer Umgebung, die er mißverſteht, weckt das Gelächter. Es iſt
Frankfurter Generalanzeiger:
lich lachen wir nicht nur über den mechaniſchen Charlie, ſondern
über alle Mechanismen: wir erleben zum erſten Male den
Mecha=
nismus komiſch, weil ihm Chaplin ſeine Selbſwerſtändlichkeit
nimmt. Chaplins Funktion iſt die Diſtanzierung des Vertvauten;
die Verwirrung des ſcheinbar Geordneten. Er nimmt der Welt
ihren Trott, indem er ſie ſtolpern läßt. Wenn die Dinge ſtolpern,
ſehen die Menſchen ſie wieder zum erſten Male — und lachen.
Im Lachen über das Stolpern liegt eine der Hauptwurzeln alles
Lachens.
Chaplin wird vom Zirkusdirektor engagiert. Der Zirkus iſt
ein gefährliches, weil ſtark abgenutztes Thema. Das „Lache
Bajazzo!” orgeln alle Leierkäſten. Der tragikomiſche Clown iſt
längſt zur Unerträglichkeit dariiert worden. Chaplin durfte,
mußte das Clown=Thema aufnehmen. Chaplin iſt ein Clown.
Er braucht ſich nicht zu bemalen und nicht zu verkleiden. Er iſt
kem tragiſch=pathetiſcher Clown; er iſt kein Wedekindſcher Clown;
er zieht nicht die Maske der Ausgelaſſenheit über das todtraurige
Geſicht, damit dieſes Geſicht um ſo trauriger durch die Maske
durchſchimmere. Er iſt viel naiver. Er iſt Clown von Natur:
weil er ſich in einer Welt von zugeknöpften Erwachſenen — naiv
wie nur ein Kind — entblößt; und weil er in einer Welt von
„Helden” — naip wie nur ein Kind — ſeige iſt. Immer iſt er
auf der Flucht: vor einem Pferd oder vor einem Schutzmann. Er
iſt ängftlich=ſcheu wie eine Maus; aber dann auch wieder vorlaut
wie eine Maus. Er traut ſich vor mit einer himmliſchen
Unbe=
kümmertheit — wenn er nicht bedroht iſt. Wenn er nicht in
von jener Art, die auch das Wemen m ſich begreift. Denn der
Humor Chaplins blamiert die ſich ernſt gebärdende Welt nicht,
um ſie zuletzt unangetaftet beſtehen zu laſſen, er enthüllt ſie
viel=
mehr wie jeder große Humor, zeigt etwas an ihr auf, das ſie
aus den Angeln zu heben vermöchte. Wenn jeder alle Geſchöpfe
ſo höflich begrüßte — wäre ſie nicht verändert? Daß ſie anders
ſein könnte und doch weiterbeſteht: bei dieſem Blick auf ſie miſchen
ſich Tränen doppelter Herkunft. Die Miſchung entſpringt der
falſchen Prozortion zwiſchen der Gewalt der Welt und der ihr
begegnenden Schwäche.
Die Komik, es wurde geſagt, verweilt nicht durchweg an dem
entſcheidenden Knotenpunkt. Es iſt luſtig, wenn Chaplin aus
Ungeſchick die Zauberkäſten öffnet, denen nun das Geflügel zur
Unzeit entſchwärmt: beſtimmend für ihn iſt es nicht. Vielleicht
wäre es auch nicht nötig, daß er bei dem Gang über das Seil
von dem Affen behelligt würde und ſich hoſenlos zeigte. An
dieſen Stellen verdrängt eine Komik zweiter Opdnung jene
tiefere. Sie wird ebenſo überſchattet in den Parnen, m denen
Liebe und Eiferſucht als die Hauptmotive herrſchen; gerade in
den Seiltänzerſzenen alſo. Hier klingt eine Verwandrſchaft mit
dem Bajazzo auf, die Chaplin ſonſt überall meidet und die auch
nicht ſeine Sache iſt. Von den Höhepunkten aus geſehen iſt vor
allem der kleine Auftritt problewatiſch, in dem er aus
Liebes=
kummer als Clon verſagt. — In dieſem Zuſammenhang mag
noch erwähnt werden, daß der Film nicht ſo reich und
über=
zeugend aufgemacht iſt, wie „Goldrauſch‟. Die Gegenſpieler ſind
ſchemenhafter. Der rohe Zirkusdirektor iſt eine Karikatur und das
Mädchen ein Mädchen, ſo lieb es iſt. Chaplin müßte ſich nicht
mit ſolchen Abbreviaturen behelfen.
Am Ende fährt der Zirkus davon. Chaplin mit Hütchen und
Stock bleibt allein auf freiem Felld zurück, mitten in der
Kpeis=
ſpur der Manege. Er ſieht den Wagen nach, ſein Geſicht iſt alt,
wie es bisher nie geweſen, alt und vergrämt. Werden die Spiegel
je in Trümmer gehen? Wird der Spuk je verſchwinden? Dann
rafft er ſich auf und hopſt davon, em Männchen von hinten,
komiſch anzuſchauen.
(Bei Gelegenheit der Aufführung des Films im Frankfurter
S. Kracauer,
Gloriapalaſt.)
Gefahr iſt, vergißt er ſofort alle Gefahr; denn er iſt ohne
Er=
inerung, immer nur in der Sekunde wie ein Kind. Charlie im
Löwenkäfig iſt die Haſſiſche Szene dieſes Films: ſie ſtellt einen
ewigen Zug Chaplins, einen ewigen Zug des Menſchen dar.
Er hat ſich ſelbſt im Löwenkäfig gefangen. Auf Zehenſpitzen
ſtreift er ſcheu um den Löwen. Am Gitter erſcheint das
Zirkus=
mädchen, das er liebt. Aengſtlich ſchielt er zum Löwen, der
ſchläft. Männlich, mutig ſchaut er auf das Mädchen. Zwiſchen
Angſt und Poſe iſt er eine arme Kreatur: wie die andaluſiſchen
Toveros, die, im Rücken den fauchenden Stier, eine unnachahmlich
überlegene Geſte den Zuſchauern ſchenken müſſen. Der Menſch
zwiſchen Angſt und Poſe: das iſt Chaplin, der — ganz
unpathe=
tiſch — mit einer verruchten Harmloſigkeit den Menſchen
demas=
kiert. Das Zirkusmädchen öffnet ihm das Löwengitter — da
geht er forſch auf den Löwen zu: eine der herrlichſten Perſiflagen
des Muts. Die entſcheidenden Menſchlichkeiten, beim ernſten
Bürger überdeckt vom Gehrock und guter Kinderſtube, liegen hier
ſo ſelbſwerſtändlich offen zutage: als wären ſie wie in der Welt
verdeckt worden.
Chaplin: das iſt die harmloſe Kompromittierung des
Allzu=
menſchlichen; das iſt die ungebrochene Zähigkeit und
Ausgelaſſen=
heit des Unverkrüpppelten; und das iſt die Einſamkeit aller
Un=
ſeröſen. Zum Schluß: die Zirkuswagen fahren ab. Auf dem
leeren, weiten Sandplatz ſtellt allein Chaplin, innerhalb des
Ma=
negenringes. Ein ewiger Clown, deſſen Zirkus die ganze Welt iſt.
Ludwig Marcuſe.
SaMStädtg
„Zirkus”
Der neue Charlie=Chaplin=Film.
Für Dienstag nacht war zu einer Sondervorführung für
Preſſe und Intereſſenten des neuen Charlie=Chaplin=Films in
den Gloria=Palaſt in Frankfurt eingeladen worden. Das ſchöne
Lichtſpieltheater war überfüllt.
„Zirkus” iſt auf jeden Fall ein höchſt eigenartiger Film,
eigenartig und merkwürdig in doppelter Beziehung. Die
Hand=
lung an und für ſich, ſoweit ſie auf ſeeliſche Momente aufgebaut
iſt, durchaus klein. Denoch dürfte dieſer Film den
Weltereig=
niſſen auf dem Gebiet der Filminduſtrie beigeordnet werden. In
erſter Linie ſelbſtverſtändlich durch die noch von keinem anderen
erreichte Eigenart dieſes grotesk=humoriſtiſchen Filmgenies, deſſen
Name wohl auf dem ganzen Erdenrund — ſoweit nämlich
die flimmernde Leinwand ihre Fühler ausſtreckt — groß und
klein bekannt und geläufig iſt: Charlie Chaplin iſt immer noch
die populärſte Perſönlichkeit des Films. Er tauchte eines Tages
auf, faſt unbeachtet, wurde belächelt und wieder vergeſſen, bis
Darmſtädter Tagblatt:
man endlich in allen Schichten der Kinobeſucher die höchſt
merk=
würdige Eigenart dieſes Komikers verſtehen und ſchätzen lernte
und ſeine Popularität in nie dageweſenem Maße wuchs. Dazu
kamen die märchenhaften Mitteilungen über ſeine Einkünfte und
ſein Vermögen, dazu bam die geſchickte Reklame ſeiner
Eheſchei=
dung und vieles andere, immer aber kehrte dieſer unglaublich
bewegliche Menſch, dieſe lebendige Karibatur, zu der, trotz
viel=
fach geänderter Maske, der zu kleine fteife Hut und der elaſtiſche
Spazierſtock als unentbehrliche Wahrzeichen gehören, wieder
Immer wieder ſchlagen ſeine originellen Ideen, ſein
Geſichts=
ausdruck, in ſtändigem Wechſel zu ſtarrer Maske und einem
ſenti=
mentalen Leidenszug von lachendem Humor und tränenlöſendem
Bedrückrſein, die Kinobeſucher in Bann. Die unglaublich
ge=
lenkigen und beweglichen Plattfüße mit den viel zu großen
Slie=
feln, die viel zu weite und zu lange Hoſe, der viel zu enge But,
der ſchwarze Lockenkopf und die Melone wurden zu einer ſo eine
Pragſamen Figur, daß ſie viele Nachahmer fand. Das Intereſſe
der Rinobeſucher wurde wohl darum beſonders gefeſſelt, weil ſich
kein Menſch eine Vorſtellung machen konnte davon, daß dieſer
marchenhaft reiche Künſtler immer nur in dem gleichen ärm=
Gewand, in Rollen, in denen er getreten und gebrugelt
immer aber irgendwie Gutes tat, zu ſehen war. Kaum
andere Filmgröße hat wie Charlie Chaplin ſtets darauf
gtet, in Prunk und Eleganz auf der Leinwand zu erſcheinen.
ledem kommt die unglaubliche Vielſeitigkeit dieſes
Künſt=
der ein Artiſt beſter Klaſſe iſt, allerdings ausſchließlich auf
jebiet, in dem er ſeinen grotesken Humor ſpielen laſſen bann.
jeſes Artiſtentum Charlie Chaplins feiert im „Zirkus”
Triumphe. Die Handlung dieſes Zirkusfilms iſt rurz
Chgplin iſt zvie immer arm, hungernd, ſieht er andere
Eim Taſchendieb, der in ſeiner Nähe ſeinem Geſchäft
ſt, wird erwiſcht und läßt geſchickt die geſtohlene
Brief=
in Charlies Hoſentaſche verſchwinden. So wird er wohl
chend reich, darf ſich ſatt eſſen, wird aber ſelbſtverſtändlich
muß fliehen, gerät auf dieſer Flucht in das romantiſche
eines Zirkusunternehmens, in dem er gegen und mit
Willen haften bleibt. Der Film „Zirkus” ſchildert nun
rlebniſſe. Der rohe Direktor mißhandelt ſeine Tochter,
iſtreiterin, Charlie wird ihr Freund, bleibt es als Clown
Seite 4
Freund, als ihr Herz ſich dem Seiltänzer zuwendet. Er vettet
ſie ſchließlich aus den Klauen des brutalen Vaters, verheiratet
ſie blutenden Herzens an den vornehmen Riwalen, und, obwohl
beide ihn bitten, bei dem Zirkus zu bleiben, läßt er ihn
ab=
reißen, ſitzt einſam und verlaſſen auf der liegengelaſſenen Kiſte,
zerdrückt eine Träne im Auge, um der Geliebten noch eine
Minute nachſchauen zu können, findet ſich und ſeinen Humor in
ein paar elaſtiſchen, komiſchen Sprüngen, die alles Leid
abſchüt=
teln, wieder, und wandelt allein zu neuen Abenteuern in die
Ferne.
Das iſt die Handlung. In dieſer Handlung aber wird Charlie
Chaplin wider Willen Clown, Zauberkünſtler, gerät auf der
Zirkus.
Das neue Chaplin=Wunder.
Nachts elf Uhr. Der Gloria=Palaſt, das große Frankfurter
Repräſentationskino blendet mit ſeinen Transparenten über die
Straße. Wogen ſtauen ſich am Portal, ungewöhnlich zu dieſer
Stunde, denn das abendliche Programm iſt abgelaufen. Das ſind
auch nicht die üblichen Beſucher, die jetzt im Veſtibül des Hauſes
zuſammenſtrömen. Der „Mann von der Straße” fehlt. Scharf
ge=
ſchnittene Literatengeſichter, Preſſemenſchen mancherlei
Nationa=
lität, Geldleute, Damen in großer Toilette.
Chaplin lockt ſie, Charlie Chaplin, der kleine Mann. Um
dieſe nächtliche Stunde läuft zum erſten Male in Frankfurt ſein
neuer Großfilm „Zirkus” über die Flimmerwand.
Drei Jahre, ſagt man, hat dieſer Film Chaplin gekoſtet. Drei
Jahre Arbeit, um die unzähligen kleinen Szenen
zuſammenzu=
fügen, zu dem großen Kunſtwenk, das dieſer Film geworden iſt.
Man weiß, welche Rolle das koſtbare Negativ in den Kämpfen
Chaplins mit ſeiner giftigen, kleinen Frau geſpielt hat. Sie ſind
vorbei. Chaplin iſt nicht mehr Ehemann. Der „Zirkus” läuft
üüber die Premierenbühnen der ganzen Welt, und dieſer Weg
iſt ein einziger, großer Triumphzug.
Sein Inhalt? Der kleine, ſtrolchende Chaplin dient, wie immer,
tückiſchen Mächten zum Spielball; es iſt mitten auf einem
Rummel=
platz, wo ihn ſein ſpezifiſches Schickſal überfällt. — Mit
zittern=
den Knien muß er vom Augenblick an, wo ihm ein Taſchendieb
m Nöten die fremde Brieftaſche in die Hoſe ſtopft, durch die
geſpenſtiſche Welt ſeines Schrecktraumes ſchießen, in ſeiner ach ſo
Darmſtädter Film=poft
Flucht vor einem biſſigen Pferd in den Käfig eines ſchlafenden
Löwen, will fliehen, gerät in den Nachen eines Tigers, wird
errettet, muß wider Willen den König der Seiltänzer vertreten,
wagt dieſes Unternehmen, am Draht geſchnallt, muß erleben,
daß dieſer reißt — das ſoll bei der Aufnahme tatſächlich paſſiert
ſein —, wird ebenſo wider Willen zum wirklichen Seiltänzer,
wird davongejagt und wieder geholt und vieles andere mehr.
Das erlebt er und läßt er ſeine Zuſchauer miterleben. Charlie
Chaplin mit der Entfaltung ſeines ganz köſtlichen, überaus
komi=
ſchen Humors, bei dem durch ungemein geſchickte Filmtechnik in
den Aufnahmen für den Zuſchauer ſtets die Grenze verwiſcht
wird, wo der Scherz aufhört und der Ernſt beginnt, hat dieſen
Heſſiſche Landeszeitung:
echten Panik komiſch, in einem eben ſo zwerchfellerſchütternden,
wie doch auch wieder rührenden, wahrhaft ſublimen Sinne.
Nach einer Jagd durch den Rummelplatz, die mit der
teuf=
lerne Maſchinerie eines Zirkusbetniebs, hinter deſſen verbindlicher
liſchen Tücke des Spiegelbabinetts die eZrrüttung ſeiner Nerven
mehr als hinreichend motiviert, ſtürzt er mitten hinein in die ſtäh=
Oberfläche ſo viel bittere Härte und dunkle Bosheit ſchwärmt.
Er, der Nervenmenſch mit dem offenen Herzen, fällt zwiſchen den
peitſchenſchwingenden Vater und die zitternden Glieder des
hilf=
los ergebenen Zirkusmädels, und die Verzweiflung treibt aus
ſeier armſeligen Exiſtenz den Paroxysmus des äußerſten
Selbſt=
verluſts als die erhabenſte Blüte ſchmerz= und luſtdurchtränkten
Menſchentums empor.
Der Zirkus, von dieſer einzigartigen Senſation ergriffen, raſt
von Beifall. In den Seſſeln drunten vor der Flimmerwand
wälzt ſich, genau wie droben im Bild, eine Menge, aus deren
Zuckungen das Fluidum zu ſpüren iſt, das über ſie herrſcht. Das
iſt nicht mehr Genuß. Es iſt Erſtaſe, Verſuche zu klatſchen,
er=
trinten in der Unfähigkeit, die Glieder in Dienſt zu nehmen. Iſt
alles zu Ende, ſo taumelt ein völlig ausgepumpter Haufe Menſch
hinaus in die Nacht..
Der Höhepunkt des Films iſt wohl die Szene, wo Chaplin
in der Angſt ſeines Herzens zum unfreiwilligen Zauberkünſtler
wird. Der Teufelstiſch, an den er geſtoßen, entfeſſelt immer neue
Scharen von quieckerigem Viehzeug, deſſen ſich Chaplin vergebens
zu bemächtigen ſucht. Was nützt ihm, wenn er die eine Ente
vernunftgemäß ins Loch zurückſtopft, aus dem ſie in
Engels=
unſchuld ſoeben aufgetaucht, wenn derweilen ſechs neue mit
triumphierendem Schnattern das Licht der Manege begrüßen?
13. März 1928
Film ſelbſt erfunden und mit eigenen Kräften geſtellt. Auch das
iſt ſeine Spezialität, daß er die raffinierteſten Filmtechniken
ſeinen Zwecken nutzbar zu machen verſteht. Die deutſche
Bearbei=
tung durch Dr. Herbert Noſſen hat es verſtanden, Film und
Text dem deutſchen Geſchmack möglichſt anzupaſſen.
Das gewiß kritiſch eingeſtellte Publikum klatſchte wiederholt,
als habe es den Darſteller nicht auf der Leinwand im Bild,
ſon=
dern lebend vor ſich, „bei offener Szene” rauſchend Beifall,
Sicher, dieſer Film wird ſich die Welt erobern, ohne daß er nach
Rahmen und Inhalt ein Kulturfilm iſt. Wer aber in der
heu=
tigen Zeit die Menſchheit ſo herzlich lachen macht, iſt ſchließlich
*.4
auch Kulturträger.
Vollkommen gebrochen wankt er, nachdem der unſelige Tiſch
umſtürzend auch ſein letztes Geheimnis preisgegeben hat, dem
Ausgang zu, ein Geſchlagener, der zu müde iſt, um zu begreifen,
daß ſeine Niederlage an Glanz die Siege ganzer Bataillone von
Klüglingen hinter ſich läßt.. .
Von da ab ſinkt die Kurve des Films ein wenig. Verſtand
und Berechnung treten in ihr Recht. Die Kanaille um ihn her
begreift, welch fetter Brocken in dieſem Trottel imn ihne
ſchmutzigen Hände gefallen iſt. Charlie avanciert zum Herrſcher
über Miſtgabel und Stalldung, ſorgſam von allen Seiten behütet,
daß ſeine Gottesgabe durch Aufdämmern des Sachverhalts und
darauf folgende Eitelkeit keinen Schaden leide. Endlich bricht ein
Mädchen den Bann, Charlie wird frech und tauſcht ſeine relative
Leidloſigkeit gegen neue Qualen. Verliebtheit treibt ihn aufs
hohe Seil, und damit in Situationen, die noch einmal den
Zu=
ſchauer für die Haltbarkeit ſeiner Lach= und Magenmuskulatur
fürchten laſſen. Dann naht ſich leiſe und ſtill das Ende.
Chaplin ſieht ein: Der Traum von Glück ſteht ihm wicht zu.
Sanft und freundlich leitet er das happy end an die Adreſſe des
glücklicheren Rivalen weiter. Auf einer Kiſte am verlaſſenen
Halteplatz ſitzend, blickt er den letzten Zirkuswagen nach, die ſeine
Hoffnungen und das Glück mancher Stunde in die Dämmerung
des Horizonts hinübertragen. Dann ſetzt ein verächtlicher
Fuß=
tritt den Schlußpunkt unter dieſes Kapitel ſeines Lebens. Ein
Mann, der ſeiner Rührung Herr geworden iſt, ſtapft Chaplin,
lächerlich, doch in erhabener Ungebrochenheit, hinaus ins Oede..,
Reinhold Wagner.
Eine Originalſzene
aus dem Charlie Chaplin=Film „Zirkus”
Von Charlie Chaplin.
Im Zirkus. Charlie, als Zirkusdiener, geht in der Manege
umher und macht rein. Da trfft er plötzlich auf ſeinen
Tod=
ſeind, em biſſiges Pferd.
Das Pferd, das aus irgendeinem Grunde Charlie haßt und
verfolgt, ſtarrt den kleinen Mann wütend an.
Er nimmt den Hut ab und grüßt verbindlich lächelnd und
mit ausgeſuchter Höflichkeit „Guten Morgen!”
Es gelingt ihm aber nicht, das Tier freundlich zu ſtimmen.
Vom Pferd verfolgt, raſt Charlie aus dem Zelt.
Hinter dem Zelt, am Wagenplatz, ſucht er irgend eine Stelle,
wo er vor dem niederträchtigen Dier Schutz finden kann. Eine
Sekunde überlegt er, zögert er, dann ſtürzt er auf einen Käfig
zu, wirft ſich hinein und ſchlägt die Tür gerade vor der Naſe
ſeines Verfolgers zu.
Wie Charlie die Tür ſchließt, ſchnappt das Schloß
automa=
tiſch zu. Er iſt eingeſperrt. Das Pferd entdeckt, daß der kleine
Mann ſich in Sicherheit gebracht hat, es macht halt und dreht
um und entfernt ſich langſam.
Charlie iſt ſchadenfroh und lacht hinterliſtig, daß er ſeinen
Feind genarrt hat. Aber dann wirft er einen Blick nach rechts,
und ſeine Augen werden groß vor Schrecken. Denn:
Ein mächtiger Löwe liegt ſchlafend im Hintergrund des
Käfigs.
Chaplin wirft ſich gegen die Türe, er bemüht ſich vergebens,
das Schloß zu öffnen. Er ſtarrt verzweifelt durch die
Gitter=
ſtäbe, er blickt nervös nach irgend einem Stallknecht aus, der ihn
befreien könnte. Er wagt nicht, um Hilfe zu ruſen, er fürchtet,
den Löwen zu wecken.
Sein Geſicht erſtarrt vor Furcht. Er ſpäht hin und her nach
Rettungsmöglichkeiten. Er blickt bang um ſich und entdeckt:
in der einen Wand iſt eine ſchmale Gitterfalltüre, die nach
dem Nachbarkäfig führt.
Auf den Zehenſpitzen ſchleicht er ſich zur Tür; er beobachtet
dabei den Löwen ſcharf, zuckt zuſammen, wenn er meint, der
Löwe habe ſich bewegt. Er ſetzt ſich vor die Gittertür, hebt ſie
ganz vorſichtig und ſteckt Kopf und Schultern durch.
Schon iſt er halb im Nebenkäfig, ſchon glaubt er ſich gerettet.
Da ſieht er zu ſeinem Entſetzen:
Ein mächtiger Tiger ſtarrt ihn mit glühenden Augen an und
ſtößt ein furchtbares Gebrüll aus.
Das geöffnete Maul des Tigers ſchnappt zwei=, dreimal nach
bem Eindringling.
Charlie zieht ſich ſo ſchnell wie möglich zurück und läßt die
Falltüre zuknallen; er wendet ſich zum ſchlaſenden Löwen, macht
eine verbindliche, entſchuldigende Bewegung, als bedauerte er,
durch das Zuſchlagen der Tür den Löwen geſtört zu haben, als
bereute er, daß er dieſem angenehmen Zuſammenſein entfliehen
wollte. Wber der Löwe ſchläft weiter.
Vor dem Käfig. Ein kleiner Hund nähert ſich, ſtellt ſich vor
den Käſig und beginnt zu bellen.
Charlie erſchrickt jetzt ſehr. Er hat Angſt, der Hund könnte
den Löwen wecken. Er macht dem Hund Zeichen, er foll ruhig
ſein, aber der Hund bellt um ſo mehr.
Charlie erſtarrt vor Schreck und rauft ſich die Haare.
Der Wagenplatz. Myrna, das kleine Zirkusmädchen, nähert
ſich dem Käfig. Charlie macht ihr Zeichen, ſie ſoll den Käfig
öffnen. Aber ſie erſchrickt beim Anblick des Zirkusdieners im
Löwenkäfig dermaßen, daß ſie in Ohnmacht fällt.
Da ſteht Charlie verzweifelt hinter dem Gitter mit der
großen Schale; er macht dem Hund Zeichen und verſucht
fort=
während, ihn zum Schweigen zu bringen; gleichzeitig beſppitzt er
Myrna mit Waſſer, um ſie wieder zum Leben zu erwecken.
Das einzige Reſultat der Bemühungen ſeiner wahnſinnigen
Angſt iſt, daß der Löwe ſchließlich erwacht.
Der Löwe hebt den Kopf und blickt den ungebetenen
Be=
ſucher mißmutig an. Charlie ſtarrt hypnotiſiert auf ihn.
Das kleine Zirkusmädchen Myrna liegt noch ohnmächtig in
der Nähe des Käfigs.
Charlie zieht ſich in die Ecke des Käfigs zurück, die dem
Löwen am entſernteſten iſt.
Der Löwe erhebt ſich langſam und nähert ſich ihm.
Charlies Geſicht verzerrt ſich angſtvoll. Der Löwe ſteht nun
dicht neben ihm und betrachtet ihn genau. Charlie erſtarrt, er
preßt die Arme ganz an den Körper, ſchwankt, einer Ohnmacht
nahe, und blickt gen Himmel.
Der Löwe ſenkt den Kopf und beſchnuppert Charlies
Platt=
füße und dann die Beine. Seine Schnauze gleitet allwählich am
ganzen Körper des kleinen Mannes hinauf. Charlie iſt mehr tot
als lebendig. Doch der Löwe iſt ſatt, oder Charlies Geruch
be=
hagt ihm nicht, er ſchüttelt unzufrieden den Kopf.
Charlie und der Kopf des Löwen. Der Löwe blickt Charlie
an. Der arme Kerl verſucht ein letztes, verzweifeltes Mittel: er
will ſich beliebt machen, ſein banges Geſicht verzieht ſich zu
einem demütigen, einſchmeichelnden, beklagenden und
beklagens=
werten Lächeln, er macht ein paar amüſante Grimaſſen, er wackelt
mit dem Kopf und ſpielt den alten Bekannten, als wollte er
ſagen: „Wir beide ſind doch gute Freunde.. . Und ſeit wie
langel ... Sind wir denn nicht per du?”
Den König der Tiere intereſſiert Charlie nicht mehr. Er
dreht ihm verächtlich den Rücken und ſchreitet zu ſeiner Ecke zurück
und legt ſich wieder hin.
Charlie glaubt ſeinen Augen nicht. Er ſtarrt mit offenem
Munde dem Löwen nach. Dann erfaßt ihn Freude. Er betaſtet
ſich: er lebt! Er wagt aber größere Freudebezeugung. Das Herz,
das ihm tief in die Hoſen gefallen war, ſchiebt ſich jetzt wieder
in ſeine Bruſt. Er ſtellt ſich in Sieger=Poſe.
Wagenplatz. Das kleine Zirkusmädchen Myrna erwacht aus
der Ohnmacht, ſie erhebt ſich und eilt an den Käfig.
Aber jetzt hat Charlie keine Angſt mehr. Sie braucht ſich
nicht zu beeilen, winkt er ihr zu. Er (der ein bißchen verliebt
iſt in ſie), will ihr imponieren. Was iſt ſchon weiter dabei, daß
er im Löwenkäfig iſt? Er verſteht ja, mit wilden Tieren
um=
zugehen. Er nickt dem Löwen zu, als bedauerte er, ihn jetzt
ver=
laſſen zu müſſen, doch weiſt er auf das kleine Zirkusmädchen hin,
als wollte er ſogen: „Du verſtehſt, daß ich dich wegen dieſer
hübſchen, kleinen Dame verlaſſen muß!”
Myrna öffnet die Tür, aber Charlie beeilt ſich nicht, o nein:
Er geht zum Löwen und will ihn ſtreicheln, ſein Mut kennt
keine Grenzen und wächſt zum Uebermut.
Aber jetzt wird der Löwe endlich böſe. Er brüllt, daß der
Käfig wackelt.
Charlie wird bang, er ſpringt zurück und rutſcht mit einem
Satz rückwärts durch die offene Tür aus dem Käfig.
Er erhebt ſich lächelnd, ſtellt ſich vor Myrna in Poſitur, wie
Artiſten, die Applaus erwarten, als wäre das Herausrutſchen
aus dem Käfig ein brillantes Kunſtſtück.
Nun iſt er allein mit dem kleinen Zirkusmädchen. Zum
erſten Male. Und er will die langerſehnte Gelegenheit benutzen,
ihr ſeine Liebe zu erklären. Er legt die Hand an ſein Herz,
tänzelt vor Myrna umher und lächelt ſie verliebt an. Da:
erſcheint das Pferd, ſein Todfeind, auf dem Schauplatz und
ſtürzt gleich auf ihn zu. Chaplin erſtarrt erſchrocken in ſeiner
verliebten Geſte, dann vennt er dovon, ſo ſchnell er kann . . ."
zu Myrnas ungeheurer Ueberraſchung, die erſtaunt den Kopf
ſchüttelt.
Chaplins „Zirkus” ſtellt alle bisherigen Film=Welterfolge in den Schatten.