TauS
nzelnummer 10 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesfpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 60
Mittwoch, den 29. Februar 1928.
191. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Sfreik uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufräge und Telſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtiſcher Beitrelbung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
Kädter und Natlonalbank.
Die Penſionsdebatte im Reichstag
Zwiſchenfälle.
Spannungen zwiſchen Zentrum und
Deutſch=
nationalen. — Ungewiſſes Schickſal des
Reichstages.
Im Reichstag hat man ſich am Dienstag ſehr eingehend
über die Verſorgung und Ruhegehälter ausgeſprochen und dabei
beſonders die Frage erwogen, inwieweit eine Kürzung der hohen
Penſionen möglich iſt. Es wurde zuletzt eine
Ausſchußentſchlie=
ßung angenommen, worin die Vorlegung eines
Höchſt=
penſions= und Penſionskürzungsgeſetzes
vorge=
ſehen iſt. Gleichzeitig wird auch die Vorlage eines
Pen=
ſionsgeſetzes für politiſche Beamte verlangt.
Da=
bei gab es allerlei Zwiſchenfälle. Der Reichstagspräſident Loebe
ſah ſich gezwungen, feſtzuſtellen, daß im Aelteſtenrat niemals ein
Plan über die Penſionierung von Reichstagsabgeordneten
er=
örtert worden iſt — ein Gedanke, der ſchon ſo ſeltfam anmutet,
daß man ihn einſtweilen nicht mehr zu dementieren braucht. Er
hat aber doch offenbar auf die Tribüne aufreizend gewirkt, denn
dort erhob ſich plötzlich mit drohend erhobener Fauſt ein Mann
und kündigte dem Reichstag ſeinen Fluch an, wenn man ihm
nicht ſeine Reute bewilligen würde. Der Mann wurde
gewalt=
ſam von der Tribüne entfernt. Der Reſt der Sitzung verlief in
eintöniger Stille, während man ſich in der Wandelhalle über
das Schickſal des Reichstages unterhielt, aber ziemlich
einhellig zu der Auffaſſung kam, daß darüber vorläufig nur der
Würfelbecher entſcheiden könne. Niemand
ver=
mag heute zu ſagen, wie die Entwicklung
weiter=
geht. Nachträglich hat man Notiz davon genommen, daß die
Reichsregierung auch noch einen Perſonaletat angekündigt hat,
der eine beſonders große Rolle zu ſpielen ſcheint. Was darin
ſteht, weiß vorläufig noch niemand recht. Den Deutſchnationalen
wird aber bereits der Vorwurf gemacht, daß ſie beabſichtigen, vor
ihrem Ausſcheiden aus der Regierung noch einen Teil ihrer
An=
hänger in Reichsſtellen unterzubringen. Die Deutſchnationalen
beſtreiten das und behaupten, es handele ſich lediglich um eine
ordnungsmäßige Beförderung. Trotzdem hat das Zentrum
be=
reits ſcharfen Einſpruch dagegen erhoben. Es beruft ſich darauf,
daß der Reichstag bei der letzten Beſoldungserhöhung
ausdrück=
lich beſchloſſen habe, daß von je drei freiwerdenden Stellen eine
neue einzuſparen ſei. Die Regierung ſcheint mit ihrem Etat zu
beabſichtigen, gewiſſe Verſchlechterungen, die ſich aus der letzten
Beſoldungsreform in Preußen und im Reich für die
Reichs=
beamten ergeben haben, auszugleichen. Dagegen wird wohl an
ſich von keiner Seite etwas einzuwenden ſein. Die Art aber, wie
dieſe Nebenſächlichkeiten gleich aufgebauſcht werden, um
angeb=
liche deutſchnationale Machtgelüſte zu bekämpfen — und gerade
vom Zentrum her zu bekämpfen —, zeigt wieder einmal, wie ſtark
die Spannung zwiſchen dieſen beiden Parteien iſt.
Die Frage der Verſorgungs= und Ruhegehälter.
* Berlin, 28. Februar. (Eig. Bericht.)
Der Reichstag beſchäftigte ſieh heute mit dem Etat für Verſorgungs=
und Ruhegehälter, der finanziell der größte der Haushalte iſt und eine
Summe von 1780 Millionen Mark beanſprucht. Der erſte Redner des
Tages, der Abg. Roßmann (S.), wies auf dieſen Umſtand beſonders
hin. Er machte darauf aufmerkſam, daß die Zahl der
Unterſtützungs=
berechtigten von Jahr zu Jahr wachſe. Im Ausſchuß ſei von allen
Red=
nern die Lage als geradezu furchtbar bezeichnet worden. Andererſeits
ſei jedoch bei dieſem Etat keineswegs Sparſamkeit, ſondern es ſeien nur
Verbeſſerungen am Platze. Die Sozialdemokratie ſei zwar nicht dagegen,
daß der Anſpruch der höheren Beamten und ehemaligen
Heeresangehöri=
gen auf Penſionen aufhöre, aber ſie wende ſich gegen die Maßloſigkeit
der verſchiedenen Anſprüche. Der Redner empfahl die Annahme einer
Entſchließung, die die Vorlage eines Penſionskürzungsgeſetzes und eines
Penſionsgeſetzes, für alle Beamten verlangt.
Der Abg. Laverenz (Dn.) war nicnt gegen die Feſtſetzung einer
Höchſtgrenze für Penſionen; energiſch ſei aber die deutſchnationale
Frak=
tion gegen jeden Verſuch einer Penſionskürzung, da dies einer Verletzung
der wohlerworbenen Rechte der Beamtenſchaft gleichkomme und in weiten
Kreiſen der Beamtenſchaft ungeheure Erbitterung auslöſen würde. Im
übrigen ſeien nur geringe Erſparniſſe zu erwarten, die höchſtens 1,5
Millionen Mark ausmachen würden. Ein Penſionsgeſetz für politiſche
Beamte werde aher aucbh von den Deutſchnationalen gewünſcht.
Abg. Lucke (W. Vgg.) ſpruch ſich für die Feſtſetzung einer
Pen=
ſionshöchſtgrenze von 12 000 Mark aus. Penſionen, die gegenwärtig
darüber lägen, ſollten bis zum Betrage von 12 060 Mark zukünftig
ge=
kürzt werden. Die übermäßig hehen Penſionen von Leuten, die noch
Nebeneikommen hätten, ſeien zweifellos untragbar und bewirkten
ins=
beſondere Erbitterung bei dem ſchwer um ſeine Exiſtenz ringenden
ſtädtiſchen und ländlichen Mittelſtand.
Abg. Erſing (3.) betonte zwar, daß auch ſeine Fraktion nicht die
wohlervorbenen Rehte der Beamten antaſte, aber die Auswüchſe im
Penſionsweſen beſeitigen wolle. Auch das Zentrum ſei nicht für die
dauernde Aufrechterhaltung von Penſionen, die 20 000 und mehr Mauk
betrügen.
Abg. Brüninghaus (DVP) bezeichnete es als eine
ſtaats=
politiſche Notwendigkeit, die ausſcheidenden Soldaten in der
Zivilverſor=
gung unterzubringen. Auch dieſer Redner ſprach ſich für ein
Penſions=
geſetz für die politiſchen Beamten aus.
Abg. Brodauf (D.) empfahl eine Entſchließung ſeiner Fraktion,
in dem Etat für 1929 die Zivilverſorgung beſonders aufzuführen und
aus dem Verſorgungsetat herauszunehmen, weil gerade dieſer wichtige
Verſorgungszweig bisher zu kurz gekommen ſei. Auch dieſer Redner
forderte ein Penſionsgeſetz für die politiſchen Beamten und eine Kürzung
der Penſionen über 12 000 Mark. Beſonders dringlich ſei die
Neurege=
lung der Miniſterpenſionen.
Abg. Weber=Düſſeldorf (K.) verlangte eine Erhöhung der
Bezüge der Kriegsopfer und beantragte radikale Streichung der
Gene=
rals=, Admirals= und Miniſterpenſionen.
Abg. Fricke (NS.) machte ſcharfe Angriffe gegen die verſtorbenen
Miniſter Eisner und Erzberger, wobei es zu Entrüſtungskundgebungen
auf der Linken und im Zentrum kam.
Abg. v. Ramin (V.) erklärte ſich mit dem Abbau der ſehr hohen
Penſionen einverſtanden.
Während der folgenden Rede des Abg. Loibl (B.Vp.), der die
Regierungsparteien gegen den Vorwurf in Schutz nahm, daß ſie für die
Ariegsbeſchädigten nicht genug getan hätten, kam es zu einem Zwiſchen=
fall. Auf der Publikulstribüne erhob ſich ein aufgeregter Mann, der
mit lauter Stimme in den Saal ſchrie, man ſolle ihm ſeine
Kriegsent=
ſchädigung geben, ſonſt würden er und ſeine Kanuraden das ganze Haus
verfluchen. Der Rufer wurde von der Tribüne entfernt. Nach einer
Auseinanderſetzung zwiſchen dem Abgeordneten Loibl und den
Sozial=
demokraten wurde die Ausſprache geſchloſſen.
In der Abſtimmung wurde eine Entſchließung des Ausſchuſſes, die
ein Geſ=tz über die Feſtſetzung einer Höchſtpenſionsgrenze und auch die
Penſionskürzung bei hohen Arbeitseinkommen fordert, in nauentlicher
Abſtimmung mit 273 gegen 120 Stimmen bei acht Enthaltungen
ange=
nommen. Dagegen ſtimmten die Deutſchnationalen, die Deutſche und
die Bayeriſche Volkspartei. In einfacher Abſtimmung wurde eine
Ent=
ſchließung angenommen, in der ein Penſionsgeſetz für politiſche Beamte
gefordert wird. Der Etat ſelbſt wurde genehmigt.
Nähſte Sitzung: Mittwoch nachmittag 2 Uhr.
Zußangeln für die Reichsregierung.
Die Verantwortung der Parteien.
Der Reichstag wird, nachdem er zunächſt die
Regierungs=
erklärung zur Kenntnis genommen hat, in der Kleinarbeit der
Etatberatung fortfahren. Dadurch iſt eine eigenartige
parlamen=
tariſche Lage entſtanden. Man tut zunächſt ſo, als ob nichts
vor=
gefallen wäre, muß aber jeden Augenblick darauf gefaßt ſein,
daß eine Bombe explodiert, wodurch die Auflöſung erzwungen
wird. Die Regierung kann alſo nur von der Hand in den
Mund leben. Sie hält an der Fiktion feſt, daß ſie eine
ordnungs=
mäßige Regierung iſt, darf es aber auf eine
Abſtim=
mungoder ein Mißtrauensvotum nicht mehr
an=
kommen laſſen. Das iſt die ſcharfe Waffe in der
Hand der Sozialdemokraten. Sie haben ſcharfe
Oppo=
ſition gegen einen Teil der Hilfsmaßnahmen für die
Landwirt=
ſchaft angekündigt. Wenn die Sozialdemokraten dabei mit einem
Mißtrauensvotum dazwiſchen ſpringen, dann iſt es mehr als
zwveifelhaft, ob die Regierungsparteien noch bei der Stange
blei=
ben und eine Ablehnung erreichen können. Aber auch wenn man
von dieſem äußerſten Fall abſieht, bleiben noch Fußangeln
genug.
Das Notprogramm verlangt ein ſtarkes Maß
von Entſagung gegenüber Agitationsanträgen,
und dieſe Entſagung kurz vor den Neuwahlen iſt ein ſehr ſeltener
Artikel. Die Reichsregierung hat ſich auch am Montag darauf
feſtgelegt, daß die parlamentariſche Erledigung des
Arbeits=
programmes die Auflöſung des Reichstages und Neuwahlen in
der zweiten Hälfte des Mai ermöglichen ſoll, ſie hat ſich aber noch
nicht darauf feſtgelegt, daß bei einem Scheitern des Programms
ebenfalls aufgelöſt werden ſoll, wie das in ihrer Erklärung am
Schluß der vergangenen Woche der Fall war. In
parlamentari=
ſchen Kreiſen wird offen davon geſprochen, daß hier auch
inner=
halb des Kabinetts ein Widerſpruch beſteht, da ein Teil der
Miniſter mit dem Neichspräſidenten der
Auf=
faſſung iſt, daß unter allen Umſtänden, auch
wenn dieſe Regierung ſcheitert, noch ein Verſuch
zur Durchführung des Notprogramms gemacht
werden müſſe, während das Zentrum für dieſen
Fallſofortdie Neuwahlen ausgeſchrieben ſehen
möchte. Wir wollen nicht hoffen, daß es ſoweit kommt, aber
die ganze Lage iſt ſo undurchſichtig, daß, ſobald
einmal mit der Beratung des Notprogramms Ernſt gemacht
wer=
den ſoll, jeden Tag die Kataſtrophe eintreten kann.
Neue Wirtſchaftskämpfe.
Vor der Stillegung in der Berliner
Metall=
induſirie?
Berlin, 28. Februar. (Priv.=Tel.)
Die langwierigen Verhandlungen zur Beilegung des
mittel=
deutſchen Metallarbeiterſtreiks ſind kaum vorbei, da flackert in
Berlin bereits ein neuer Zwiſt in der Metallinduſtrie auf. Auf
Anweiſung des Metallarbeiterverbandes ſind geſtern zunächſt die
Werkzeugmacher von 5 großen Betrieben in Berlin in den Streik
getreten. Da die Werkzeugmacher eine der qualifizierten Gruppen
der Metallinduſtrie darſtellen, kann ein längeres Beharren im
Ausſtand tatſächlich dazu führen, daß eine Weiterführung der
Betriebe unmöglich wird. Die Gefahr der Schließung der
Be=
triebe wird dadurch noch verſchärft, daß die Metallinduſtriellen
angeblich vor neuen Entſchlüſſen ſtehen, die eine
Geſamtaus=
ſperrung aller Arbeitnehmer bezwecken. Bei dem Abbruch der
Verhandlungen mit den Vertretern der Werkzeugmacher haben
ſie jedenfalls angedeutet, daß ſie bei Eintritt dieſer Fachgruppe
in den Streik ſich genötigt ſehen würden, die Arbeit einzuſtellen.
Die Forderungen der Werkzeugmacher gehen in erſter Linie auf
eine Lohnerhöhung und auf Abſchaffung der
Ak=
kordarbeit hinaus. Da eine Geſamtausſperrung die
Arbeits=
loſigkeit von 250 000 Arbeitern bedeuten würde, erwartet man ein
baldiges Eingreifen des Schlichters.
Der Verband der Berliner Metallinduſtriellen hat am
Diens=
tag mit den von den Werkzeugmachern beſtreikten fünf großen
Betrieben Fühlung genommen. Von den Werken iſt mitgeteilt
worden, daß ſie nur noch wenige Tage ohne die Werkzeugmacher
auskommen können. Infolgedeſſen wurde beſchloſſen, den
Metall=
arbeitern dieſer Firmen — etwa 60 000 Mann — bekannt zu
geben, daß es angeſichts des Streiks dieſer Fachgruppen nicht
möglich iſt, eine weitere Beſchäftigung zu garantieren; es Jo4
iynen empfohlen werden, bis zur Wiederaufnahme der Arbeit
durch die Werkzeugmacher auszuſetzen. Sind ſie nicht damit
ein=
verſtanden, dann werden die in Frage kommenden Werke zu
Entlaſſungen ſchreiten. Das hängt, aber von den
Werkzeug=
machern ab, die ſich bis Ende der Woche entſcheiden müſſen, ob
ſie im Streik verharren wollen oder nicht.
Havana.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
A.G.A. New York, 13. Februar 1928.
Das Feſt der ſchönen, von Freundſchaft, gegenſeitigem
Wohl=
wollen und brüderlicher Zuneigung triefenden Reden in Havana
mag ſich noch eine oder zwei Wochen hinſchlängeln. (Es iſt
in=
zwiſchen zu Ende gegangen. D. Red.) Aber ſchon jetzt weiß man,
was dabei herauskommt: eine Reihe von „Beſchlüſſen”, die
als=
bald in Vergeſſenheit geraten, oder ein vertraglich feſtgelegtes
Abkommen zwiſchen Nord=, Mittel= und Südamerika betreffs
der Regelung des Handels= und Paſſagierverkehrs in der Luft —
mit gebührender Rückſichtnahme auf die ſchwächſte Stelle im
Panzer des biederen Onkel Sam, das Panamakanal=Gebiet.
Greifbareres darf man nicht erwarten. Dafür werden die
tüch=
tigen Vertreter Waſhingtons ſorgen.
Das Ende wird des Anfangs würdig ſein. Und der drückte
der ganzen Konferenz ſeine Signatur auf. Acht Schiffe
zählte die Armada des Präſidenten Coolidge,
als ſie an einem Sonntag morgen an dem althiſtoriſchen Fort
Morro vorbei in den Hafen der kubaniſchen Hauptſtadt einzog.
Die Stadt ſchrie ſich heiſer — pflichtſchuldigſt teils, teils aber,
weil man ſich in Nord= Mittel= und Südamerika immer heiſer
ſchreit, wenn hoher Beſuch kommt. Der Präſident der Republik
und der Bürgermeiſter von Havana hatten im Verein mit den
„loyalen” Zeitungen lange genug auf das große Ereignis
vor=
bereitet. Man hatte entſprechend geflaggt. Und damit ſich kein
unvorhergeſehener Zwiſchenſall ereigne, hatte Präſident Machado,
einer der „ſchneidigſten” Diktatoren ganz Latein=Amerikas, die
Schriftleiter der Havana=Preſſe nach ſeinem Palais beſchieden
und ihnen ebenſo höflich wie beſtimmt Inſtruktionen
er=
teilt. Zwei oder drei Blättchen, die ſich darum nicht
kümmer=
ten, hatte man ein bißchen ſuspendiert; ein paar hundert
radikal angehauchte Zeitgenoſſen oder ſolche, die im Verdacht
ſtanden, ſich im Denken, Reden und Tun nicht allezeit auf dem
amtlich ſanktionierten Gleis halten zu können, hatte man
fürſorg=
licherweiſe in Schutzhaft genommen; einer Diſſidenten=
Dele=
gation aus Haiti hatte man die Landung verweigert — und ſo
verlief alles programmäßig, unter Kanonendonner und
frene=
tiſcher Begeiſterung des p. t. Publikums.
Dann hielt Herr Coolidge eine Rede. Die fing mit
Colum=
bus an und ſchloß mit Columbus ab. Das war ſinnig und klug.
Beſonders klug war, daß Herr Coolidge nichts über
Nicara=
gua zu ſagen wußte. Nichts über Mexiko. Nichts über die
„neue Politik”, über „Intervention”, über die zahlreichen
tech=
niſchen Fragen von Völkerrechten und Völkerpflichten, die bei den
Abgeordneten der Länder am und im Karibiſchen Meere im
Vordergrund des Intereſſes ſtehen. Er blieb unbeirrt auf dem
ſicheren Boden der Gemeinplätze: Friede, Freundſchaft,
Demo=
kratie — ein kleiner Seitenhieb auf den Völkerbund, eine
paſto=
rale Warnung vor zu raſchem Tempo. Man applaudierte.
Nie=
mand ſchrie „Nicaragua!” Niemand lachte. Denn man iſt
Aber wenn es auch den Anſchein hatte, als hätte man im
Voraus vereinbart, nicht davon zu reden, was doch aller Denken
erfüllte, ſo ſpielte ſich dennoch eine Szene ab, von der man nur
in den wenigſten amerikaniſchen Zeitungen etwas zu finden
ver=
mochte. Das war, als bei der Eröffnungsfeier in der Univerſität
die Flaggen der 21 vertretenen Republiken aufgezogen wurden.
Argentinien, Bolivia, Braſilien, Columbia — dem Alphabet nach
erhielt jede den ihr zukommenden höflichen Applaus. Das
Ster=
nenbanner der Eſtados Unidos wurde lebhafter beklatſcht als alle
ſeine Vorgänger. Aber als die Briſe das Rot=Weiß=Grün
Mexi=
kos entfaltete, vergaß die Menge jede diplomatiſche
Zurückhal=
tung, um ihre Begeiſterung laut hinauszuſchreien, und als gar
Nicaraguas Sterne und Streifen am Flaggenſtock
empor=
ſtiegen, übertönte der Beifall die Muſikkapelle,
und weit hinten aus der Menge drangen Rufe ganz
unpatrioti=
ſcher und pflichtvergeſſener Rohlinge, die ſich ſelbſt in dieſem
feierlichen Augenblicke nicht enthalten konnten, den
Rebellen=
führer Sandino hochleben zu laſſen. Nebenbei bemerkt, iſt der
zum Nebell erſt ſeit der Zeit aufgerückt, als er den amerikaniſchen
Seeſoldaten eine Schlappe beigebracht hatte. Früher nannte man
ſolche Leute Banditen. Doch mit Banditen ſchlägt ſich keiner vom
United States=Marinekorps — mit Rebellen allenfalls.
Aber — wvas läßt ſich gegen ſolche Vergeßlichkeit tun?
Men=
ſchenmaſſen ſind keine Diplomaten, ſind nicht vom Bewußtſein
ihrer Verantwortlichkeit belaſtet. Der Ton, den der Präſident
der Vereinigten Staaten angeſchlagen hatte, charakteriſierte die
ganzen Verhandlungen bis zu dem Punkte, wo das unangenehme
Kapitel „Intervention” ſich unverſehens in den
Vorder=
grund dängte und das Zolltarif=Geſpenſt durch den Saal
ſchritt. Senor Pueyrredon, Argentiniens Botſchafter in
Waſhing=
ton, hatte dies Geſpenſt heraufbeſchworen; mit der ihm eigenen
Beredtſamkeit verfocht er trotz Herrn Hughes” höflicher
Andeu=
ung, daß jede Erörterung der amerikaniſchen Schutzzollpolitik
iutzlos ſei, ſeine Kritik, und es fehlte keineswegs an
Aeußerun=
gen, die deutlich kundgaben, daß er die Vertreter anderer
Län=
der durchaus auf ſeiner Seite hatte.
Gründe zur Uebernahme der Führerſchaft in dieſer
Kontro=
verſe hatte Herr Pueyrredon mehr als genug. Argentinien iſt
der Vereinigten Staaten beſter Kunde in Südamerika und hat
nehr auf dem Spiel als alle anderen. Allerdings übertrifft der
ſafamthandel Kubas mit den Vereinigten Staaten den aller
underen Mitglieder der Panamerikaniſchen Union; aber die
Wir=
ungen des U.S.=Zolltarifs auf den kubaniſchen Export ſind durch
inen Gegenſeitigkeitsvertrag gemildert, und wenn ſich andere
gribiſche Länder dadurch benachteiligt fühlen mögen, ſo iſt zu
denken, daß ihre Ausfuhr größtenteils aus Tropenfrüchten
eſteht, die hier zollfrei eingehen, ſo daß ſich die volle Schwere
es nordamerikaniſchen Zolltarifs hier nicht äußert.
Argentinien aber ſteht auf einem anderen Blatt. Seine
dauptausfuhr beſteht aus Bodenprodukten der gemäßigten Zone.
uf ihnen laſtet der Fordney=MeCumber=Tarif mit ſchwerer
and. Unter dem 1913er Tarif ſtanden Schlachtvieh, Fleiſch,
Nais, Weizen und Wolle auf der Freiliſte. Sie müſſen heute
ver=
ollt werden. Amerika führt jährlich für 40 Millionen Dollar
Seite 2
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Nummer 60
Leinſamen ein. Der Fordney=McCumber=Tarif hat den Zoll
dar=
auf um 100 v. H. erhöht, uſw. Tatſächlich hat es den Anſchein,
als wären gegen die argentiniſche Einfuhr ganz beſonders hohe
Schranken errichtet. Abſicht hat hierbei kaum vorgelegen, die
Sachlage iſt lediglich eine Folge des Umſtandes, daß
Argen=
tinien ſo ſtark mit der Eigenerzeugung der Vereinigten Staaten
konkurriert. Aber wie ſcharf es von den amerikaniſchen
Schutz=
zöllen betroffen wird, geht am deutlichſten aus der amtlichen
Waſhingtoner Handelsſtatiſtik für 1925 hervor, die zeigt, daß,
während nur 37 Prozent der Geſamteinfuhr der Vereinigten
Staa=
ten zollpflichtig ſind, von Argentiniens Ausfuhrartikeln 60
Pro=
zent einem Einfuhrzoll unterliegen. Dazu hat Argentinien noch
ſeiner Sonderbeſchwerde wegen des vom amerikaniſchen
Handels=
amt aus „Sanitätsgründen” angeordneten Verbots der
Fleiſch=
einfuhr. In England hat man ein ſolches Verbot nicht für nötig
befunden, und es irritiert gerade darum am heftigſten, und ſein
wahrer Grund wird am ſtärkſten angezweifelt, weil ein ſolches
Verbot das Erzeugnis eines Landes ganz unberechtigter Weiſe
in Verruf bringt und ſein Anſehen auch bei anderen Abnehmern
ſchmälert. Aber gegen Verfügungen der Machthaber in
Waſhing=
ton läßt ſich nicht ankämpfen, das hat nicht Argentinien allein
erfahren, ſondern auch Italien, Frankreich und Spanien mit
ihrem Obſt und Deutſchland mit ſeinen Induſtrieerzeugniſſen.
Und dann kam man zu dem Kapitel Intervention. Das war
natürlich auch gegen die Verabredung. Kam ganz unerwartet.
Da es ebenſo umfangreich wie intereſſant und obendrein noch
nicht abgeſchloſſen iſt, wird ſich ein andermal darüber berichten
laſſen. Vorläufig droht es noch, die ganze
Verbrüderungskonfe=
renz zum Scheitern zu bringen. Aber Herr Hughes wird einen
Ausweg finden. Mit anderen Worten: er wird obenauf bleiben.
Denn in bezug auf die Vereinigten Staaten geht es den meiſten
Südamerikanern wie Goethes „echtem deutſchen Mann, der
keinen Franzen leiden mag, doch ihre Weine gern trinkt” —
Nordamerika hat das Kapital deſſen
Südame=
rika bedarf. Hierin liegt, dem ſcharfblickenden Auge deutlich
erkennbar, die bedeutungsvollſte und dauernde Beziehung
zwi=
ſchen Nord und Süd. Hierin wurzelt die ganze Panamerikaniſche
Union. Der Weltkrieg hat auch im Verhältnis Europas zu
Süd=
amerika ſo manche Umwälzung hervorgerufen, doch keine
radi=
kalere als die Frage der Kapitalbeſchaffung für Lateinamerika.
Es iſt auf den nordamerikaniſchen Bankier angewieſen. Die
Finanzierung ſeiner großen Unternehmungen geſchieht in Wall=
Street. Hier werden die neuen Anleihen aufgelegt, hier findet
die Refundierung älterer ſtatt. Und man braucht nur an dieſe
Tatſache zu erinnern" die ſich tagtäglich verwirklicht —, um die
panamerikaniſche Solidarität zu verſtehen, die ſich ſeit dem Kriege
vor unſeren Augen entwickelt hat, trotz gewiſſer Hinderniſſe
ent=
wickelt hat, die vordem ſür unüberbrückbar gehalten wurden.
Mag man es Dollar=Diplomatie nennen — und der Name
iſt vielleicht der bezeichnendſte —, ſo läßt ſich doch nicht in Abrede
ſtellen, daß dieſes ſeit dem Kriege entſtandene neue Verhältnis
von ſtärkſter Wirkung ſein muß auf internationale Fragen und
auf die Haltung eines Landes gegenüber den Angelegenheiten
eines anderen. Man denkt dabei ganz unwillkürlich an die jüngſte
Entwicklung der Kontroverſe zwiſchen Waſhington und Mexiko.
An die überraſchenden Erfolge des Botſchafters Morrow in dem
Oelland=Diſput. Denkt auch an Nicaragua. Es gibt Leute, die es
bedauern, daß momentan Wall=Street ſo etwas wie ein Monopol
auf das Weltkapital hat und imſtande geweſen iſt, während der
letzten paar Jahre ſeine lateinamerikaniſchen Inveſtierungen um
vier auf fünf Dollarmilliarden zu erhöhen, genan ſo viel, wie
England dort angelegt hat. Es gibt aber auch Leute, die
behaup=
ten, zwiſchen der Dollar= und der Sterling=Diplomatie kaum
einen Unterſchied wahrnehmen zu können.
Eine neue Seeabrüſiungs=Konferenz?
EP. Genf, 28. Februar.
Den Aufenthalt des früheren amerikaniſchen Geſandten in
Bern und Hauptdelegierten auf der letzten
Flottenabrüſtungs=
konferenz, Gibſon, bringt man in Genf mit den neuerdings
wie=
der aufgetauchten Verſuchen, eine neue
Seeabrüſtungs=
konferenz zwiſchen Amerika, England, Japan,
Italien und Frankreich herbeizuführen, in Verbindung.
Man weiſt darauf hin, daß aus Wahlrückſichten ſowohl
in England als auch in Amerika eine gewiſſe
Neigung zu erneuter Behandlung des
See=
abrüſtungsproblems beſteht.
Das Zentrum bewilligt den Panzerkreuzer.
Berlin, 28. Februar.
Die Reichstagsfraktion des Zentrums beſchäftigte ſich am
Dienstag abend in längerer Ausſprache mit Fragen des
Marine=
etats. Es wurde ſchließlich mit Mehrheit beſchloſſen, der erſten
Rate für den Bau eines Panzerkreuzers, die im Etat des
Reichs=
wehrminiſteriums angefordert iſt, zuzuſtimmen.
Vom Tage.
Der beutſche Außenminiſter Dr. Streſemann, der
ſeinen Aufenthalt in Kap Martin bis zum 3. März ausdehnen dürfte,
wird vorausſichtlich am Sonntag, 4. März, vormittags in Genf
zur Teilnahme an der Ratstagung des
Völkerbun=
des eintreffen.
Der deutſche Delegierte in der vorbereitenden
Abrüſtungskommiſſion, Graf Bernſtorff, iſt in Genf
eingetroffen, um ſich über den Gang der Sicherheitsverhandlungen zu
informieren.
Miniſterialdirektor Dr. Gaus, der Leiter der
juriſti=
ſchen Abteilung des Auswärtigen Amtes m Genf, iſt zu den
Ver=
handlungen des Sicherheitsausſchuſſes in Genf
eingetroffen.
Die deutſche Regierung hat dem engliſchen Botzſchafter Sir Horace
Rumbold das Agrement erteilt.
Der oſtpreußiſche Provinziallandtag beſchloß
ein=
ſtimmig die Aufnahme einer Auslandsanleihe für
Straßenbauzwecke in Höhe von vier Millionen Mark.
Die vier Bergarbeiterverbände haben geſtern gemeinſam das für den
Ruhrbergbau beſtehende Mehrheitsabkommen
gekün=
digt. Die Kündigungsfriſt läuft am 30. April 1928 ab.
Die franzöſiſch=ſchweizeriſchen
Wirtſchaftsver=
handlungen, deren Zweck die Vervollſtändigung des kürzlich
ab=
geſchloſſenen Handelsabkommens iſt, ſind im Pariſer Handelsminiſterium
wieder aufgenommen worden.
Briand wird am Sonntag die Reiſe nach Genf antreten.
Er wird von dem Generalſekretär des Außenamts, Philippe Berthelot,
begleitet ſein, der ſich zum erſten Mal nach Genf begibt.
In der Dienstagsſitzung des amerikaniſchen Senats wurde
der Konferenzbericht zur Eigentumsvorlage angenommen. Die
Bill wird vorausſichtlich heute im Repräſentantenhaus zur
Beſchluß=
faſfung geſtellt werden.
Rechtsanwalt Nuß zum beſſiſchen Geſandten
in Berlin ernannt.
Wie ſchon bei den letzten Verhandlungen über die
Regie=
rungsbildung vorgeſehen, iſt der Zentrumsabgeordnete Nuß,
bisher Rechtsanwalt in Worms, nunmehr zum heſſiſchen
Ge=
ſandten in Berlin ernannt worden. Ueber die Beſetzung dieſes
wichtigen Poſtens iſt, nachdem der bisherige langjährige und
be=
währte heſſiſche Geſandte in Berlin, Exzellenz v. Biegeleben,
wegen Alters ausgeſchieden war, ſchon außerordentlich viel
ge=
ſprochen und geſchrieben worden. Die Aufgaben des heſſiſchen
Geſandten ſind in erſter Linie wirtſchaftlicher Natur. So war es
denn verſtändlich, daß die Heſſiſchen Induſtrie= und
Handelskam=
mern von ſich aus mehrfach in die Debatte eingriffen. Erſt vor
kurzem haben ſie ſich von neuem mit einer Eingabe an die heſſiſche
Regierung gewandt, die ſich ganz unzweideutig gegen die
Be=
ſetzung dieſes wichtigen Poſtens mit Herrn Nuß wandte. Ueber
dieſe Eingabe iſt die heſſiſche Regierung nunmehr zur
Tages=
ordnung übergegangen, und im Intereſſe des heſſiſchen Landes
und der heſſiſchen Wirtſchaft iſt nur zu wünſchen, daß ſich die
Befürchtungen, die ſich an dieſe Ernennung knüpfen, nicht
ver=
wirklichen.
* Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags.
Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtages beſchloß in ſeiner
geſtrigen Sitzung die Abſtimmung über Kapitel 1 des
Staatsvovan=
ſchlags, insbeſondere die über die Notſtandsaktion des Vogelbergs in
forſtlicher Beziehung, am Donnerstag vorzunehmen. Der Ausſchuß trat
dann in die Beratung des Kamtels 2 (Siedlungsweſen) ein. Es wurden
an die Regierung mehrere Anfragen geſtellt und von dieſer auch
beant=
wortet. Ein kommuniſtiſcher Antrag, daß angepachtetes Gelände bei
Weiterverpachtung den Selbſtkoſtenpreis nicht überſteigen dürfe, wurde
gegen eine Stimme abgelehnt. Ein weiterer Antrag der Kommuniſten,
wonach Siedlungsland, das durch den Beſitzer ſelbſt in eigener Arbeit
urbar gemacht wunde, von den ſtaatlichen Abgaben zu befreien ſei, wurde
ebenfalls gegen eine Stimme abgelehnt. Das gleiche Schickſal hatte ein
kommuniſtiſcher Antvag über die Zuweiſung von Gelände von
Guts=
höfen. Ein weiterer Antrag der Kommuniſten bezog ſich auf Titel 6
dieſes Kapitels, worin für Nachläfſe uſw. im Budget 2000 Mark
einge=
ſetzt ſind. Dieſe Summe ſollte auf 10000 Mark erhöht werden. Ein
Antrag in gleichem Sinn des ſozialdemokratiſchen Abgeordneten Maurer
wünſcht die Summe auf 8000 Mark feſtgeſetzt. Die Regierung gibt
hier=
zu eine Erläuterung, die dahingeht, daß die im Etat eingeſetzte Summe
ausreicht und daß einige andere Titel übertragbar ſeien, ſo daß ſie auch
unter Umſtänden zur Deckung herangezogen werden. Der
kommuni=
ſtiſche Antrag wurde daraufhin für erledigt erklärt und der Antrag
Maurer zurückgezogen. Z ueinem Antvag des Abgeordneten Maurer
be=
züglich der Siedlung des von Riedeſelſchen Pachtlandes fand durch die
Beratungen ſeine Erledigung dahin, daß die Regierung ermächtigt
wer=
den ſoll, Zinſenforderungen auf Antrag, nach Prüfung der Notlage, zu
erlaſſen. Dieſe Regelung wurde einſtimmig angenommen. Die
Be=
ratung des Kapitels 3 (Kameralgüter unter Bauverwaltung) wurde auf
Donnerstag vertagt. Die Verhandlungen gingen dann auf Kapitel 4
(Weingüter) über, wozu Anträge der Kommuniſten und des Zentrums
vorliegen, über die am Mittwoch beraten wird.
Wilhelm Kotzde.
Zu ſeinem 50. Geburtstag am 1. März 1928.
Wer will was Lebendiges erkennen und beſchreiben,
Sucht erſt den Geiſt herauszutreiben;
Dann hat er die Teile in ſeiner Hand,
Fehlt leider! nur das geiſtige Band!
Das galt ſchon zu Goethes Zeiten, aber heute gilt es mehr
denn je; denn die Unfähigkeit zur Syntheſe iſt in unſerer Zeit
zum planvollen Syſtem ausgebaut worden.
Auch den Dichter Wilhelm Kotzde, der in dieſen Tagen
auf ein durchlebtes halbes Jahrhundert zurückblicken kann, hat
man ſo geſtempelt. Den einen gilt er „lediglich” als
Jugend=
ſchriftſteller, anderen als Hiſtorienſchreiber, noch andern nur als
Wandervogelführer, und nur wenige „Zünftige” würdigen über
alledem den Menſchen den Dichter, obgleich doch gerade
die Mehrſeitigkeit ſeines Weſens jeden Kritiker davon überzeugen
müßte, daß hier ein ganzer Kerl am Werke iſt.
Kotzde, Märker von Geburt, Preuße von Erziehung und
Lebensſtil, iſt in der Havellandſchaft bei Rathenow aufgewachſen:
er bleibt mit dem Zauber dieſes norddeutſchen Flußgebietes
ver=
wachſen, über dem die Melodie der „Schönen Lilofee” ſüß
ver=
ſponnen, herb=ſchmerzlich ſchwingt und klingt. Hier, zwiſchen
Ried und Schilf, zwiſchen Waſſervögeln und Weidenbüſchen, an
den überblühten ſtillen Ufern, auf Fiſcherkähnen und unter
dunk=
len Brückenbogen, beim Belauſchen des blitzſchnellen Hechtes,
unterm rauſchenden Zug der Wildgänſe hat Kotzde ſeine Jugend
verbracht; hier hat ſein Herz die früheſten Eindrücke geſammelt
und bewahrt. Hier fanden ihn die Wandervögel, als ſie zu
Be=
ginn unſeres Jahrhunderts aus den Mauern Berlins
heraus=
drängten; hier führte er ſie in die traumſchöne Havellandſchaft
ein und gewann dafür ihre Herzen, die ihm treu blieben durch
alle Kriegsnöte hindurch und ihm nach dem Kriege in großen
Scharen folgten, als er ſie aufrief zur Gründung des Bundes
der „Adler und Falken”, an deſſen Spitze er, geliebt und verehrt,
noch heute ſteht.
In der Havellandſchaft um Rathenow wurzelt auch die Poeſie
und Kraft ſeiner Heimatromane. Den „Roman einer Landſchaft”
hat er ſelbſt im Untertitel ſein Buch „Frau Harke” genannt.
Dieſe feine Erzählung, die in einer Reihe von Auflagen
er=
ſchienen iſt, ſpiegelt in allen düſteren und hellen Farben das
Leben, den Zauber und das Schickſal des Flußgebietes und
ſeiner Bewohner wieder, über welche die moderne Ziviliſation
als Vernichterin eines naturgemäß ſchaffenden Volkstums
herein=
bricht. Die ländlichen Bilder dieſes Buches, belebt vom frohen
Treiben der Wandervögel, ſind ſicherlich auch für die ſuchende
Jugend geſtaltet worden; ihr tieferer Sinn aber erſchließt ſich
doch noch klarer dem reifen, nachſinnenden Menſchen, und an
dieſer Tatſache zerbricht alles Gerede über Kotzde als einen „
aus=
ſchließlichen Jugendſchriftſteller” — Gleiches gilt von ſeinem
geſchichtlichen Roman. Der verlorene Junker”, deſſen bild= und
tatreicher Stoff ebenfalls dem Havelland zwiſchen Brandenburg,
Plaue und Rathenow entſtammt und uns in die Zeit um 1400,
in die „Wolfszeit” der Quitzows und des märkiſchen
Raubritter=
tums zurückbannt. Hier wird Kotzde zum wortſtarken Herold der
früh=brandenburgiſchen Geſchichte, der Fehden und Qualen, der
unvergänglichen Natur und der ſchönen alten Volksweiſen.
Doch er iſt nicht nur der Dichter der Mark Brandenburg; er
holt ſich ſeine Stoffe aus allen Teilen Deutſchlands und ſeiner
wechſelvollen, immer tragiſch durchleuchteten Geſchichte. In der
frühen romaniſchen Kulturepoche ſpielen ſeine beiden Werke
„Die Pilgerin” und „Wolfram” (ein Wartburg=Roman), beide
mehrfach aufgelegt, beide poeſieverklärt und von der hellen,
ſelbſt=
verſtändlichen Reinheit der Empfindung getragen, die uns an
ſeinem Eſchenbacher Helden „Parzival” immer wieder beglückt.
Weiter iſt zu nennen das erfolgreiche Lutherbuch „Die
Witten=
bergiſche Nachtigall”, und einige kürzere Erzählungen. In der
Novelle „Mittſommernacht” führt der Dichter uns in eine
mittel=
alterliche Dombau=Hütte und in das ſchickſalhafte Schaffen eines
Münſterbildhauers ein.
Norddeutſche Flußlandſchaft und gotiſche Dombau=
Herrlich=
keit — das ſind die beiden Brennpunkte, um die Kotzdes
künſt=
leriſcher Geſtaltungswille kreiſt. Dieſe beiden ſind zu zeugender
Einheit verſchmolzen in dem großen Roman, den ich für ſein
bisher bedeutendſtes Werk halte: in der „Burg im Oſten”. (Das
Schickſal einer Ritterſchaft.) Die Weichſelniederung, der
macht=
volle Atem des großen Stromes und die ſtrenge Schönheit der
Marienburg, die über dem Stromufer in dieſem Buche vor
un=
ſeren Augen aufgeführt wird, — dieſe Bilder und die
Unermeß=
lichkeit der litauiſchen Wälder und Sümpfe geben den
Hinter=
grund ab auf einem breiten Zeitgemälde, auf dem vorne die
großen Ordenshochmeiſter, der Erbauer der Burg, die Ritter,
die Bürger und Bauern des Ordenslandes ſtehen, und ihnen
gegenüber die litauiſchen Großfürſten Jagil und Witowd: der
Verſchlagene und der Schweifende. Ich habe über dieſen
groß=
angelegten Roman, der vor einigen Jahren, höchſt zeitgerecht
erſchien und der die Geſchichte des Ordenslandes bis zum
bitte=
ren Ende von Tannenberg entrollt, ſchon früher in verſchiedenen
Zeitſchriften berichtet und kann mich daher kurz faſſen: ein
über=
aus packendes, im Großen wie im Kleinen feſſelndes Gemälde,
dramatiſch bewegt, lyriſch durchwebt, epiſch erfüllt! — Größe,
Niedergang und Verfall eines herrlichen Weltgedankens,
Spiegel=
bild unſerer eigenen Schickſalswende von heute; erſchütternd, be=
Franzöſiſche Perſpektiven.
Genfer Schwierigkeiten. — Die Gotthard=
Affäre. — Und Jtalien?
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 28. Februar.
Die Lage in Genf iſt heikel, ſehr heikel. Es zeigt ſich, daß
jede der Großmächte ihren eigenen Weg gehen will. Jede will
etwas anderes, und zwiſchen den beiden extremen Standpunkten,
dem engliſchen, der überhaupt nichts will, und dem franzöſiſchen,
der das Genfer Protokoll wiederbeleben möchte, iſt kein
Kompro=
miß möglich. Italien beſteht auf bilateralen Verträgen und
Deutſchland iſt gegen die Regionalpakte. „Wir ſollten darauf
dringen, daß die Verhandlungen in einer das Preſtige des
Komitees wahrenden Form vertagt werden” hat mir ein
fran=
zöſiſcher Politiker geſagt. Aber es ſcheint, daß die offiziellen
Kreiſe dieſe Anſicht nicht teilen, oder wenigſtens noch nicht
zu=
geben.
Die Haltung Italiens verurſacht hier eine gewiſſe
Verſtim=
mung. Es ſcheint, daß Italien ſich in der St. Gottharder Affäre
vollkommen hinter Ungarn ſtellt, ein Umſtand, den der
Völker=
bund mit ein wenig weiſer Vorſicht hätte vorausſehen können.
Bei einer etwaigen Abſtimmung des Völkerbundsrates über dieſe
Frage wäre es vollkommen unmöglich, Einſtimmigkeit zu erzielen.
Die ganze Sache iſt nur dazu gut, dem Völkerbund eine
peinliche Situation zu bereiten.
Auch das Rededuell Muſſolini—Seipel verurſacht hier einige
Beunruhigung. Auffallenderweiſe aber wird die ganze
Angele=
genheit in politiſchen Kreiſen — wenn auch nicht in der Preſſe —
ſehr optimiſtiſch beurteilt. Ueber den italieniſch=franzöſiſchen
Beziehungen dagegen ſcheint ein Unglücksſtern zu walten. Dem
franzöſiſchen Botſchafter in Rom Beaumarchais iſt es gelungen,
die Atmoſphäre zwiſchen Frankreich und Italien zu klären. Ueber
manch wichtigen Punkt iſt man ſich einig geworden, ſo auch über
die Tangerfrage. Italien ſoll einer franzöſiſch=ſpaniſchen
Eini=
gung über die Tangerfrage nicht mehr im Wege ſtehen. Und
ge=
rade jetzt ſollte eine Kleinigkeit, wie die St. Gottharder Affäre
und die Reibungen in Mitteleuropa, neue Spannung zwiſchen
Paris und Rom auslöſen? Der Völkerbund iſt das Terrain,
auf dem Frankreich und Italien ſich verſtändigen könnten. Es
gibt aber in Paris Peſſimiſten genug, die befürchten, daß, die
Genfer Verhandlungen nicht nur zu keinem Ergebnis in der
Sicherheitsfrage führen, ſondern ſogar der kaum angebahnten
italieniſch=franzöſiſchen Verſtändigung neue Schwierigkeiten
be=
reiten werden.
Eine neue amerikaniſche Note an Frankreich.
Kellogg bieibt bei ſeinem Standpunkt.
Wie aus Waſhington gemeldet wird, iſt dort geſtern dem
franzöſiſchen Botſchafter Claudel die Andwortnote des
Staats=
ſekretärs Kellogg auf die letzte franzöſiſche Note in der
Anti=
kriegspakt=Frage überreicht worden. Kellogg lehnte Angaben
über den Inhalt ſeiner Note ab.
Im heutigen Miniſterrat berichtete Briand über die
außen=
politiſche Lage. Er gab vor allem eine heute vormittag
einge=
troffene Antwort des amerikaniſchen Staatsſekretärs Kellogg auf
die letzte Note Briands über den franzöſiſch=ameribaniſchen
Anti=
kriegspakt bebannt. In dieſer Andort beſteht Kellogg
voll und ganz auf ſeinem bisherigen
Stand=
punkt und fordert außerdem, daß der
Antikriegs=
pakt, wenn er überhaupt zuſtandekommen ſoll,
gleichzeitig von Amerika, Frankreich, England,
Italien, Deutſchland und Japan unterzeichnet
werden müſſe, wenigſtens in erſter Linie, und daß ſich erſt
nachträglich die Mächte zweiten und dritten Ranges anſchließen
könnten. Auf die von Briand vorgeſchlagene bloße Aechtung des
Angriffskriegs will Kellogg weniger eingehen als je.
Annahme der Zollvorlage in der franzöſiſchen
Kammer.
Die Kammer nahm heute abend nach längerer Debatte mit
403:74 Stimmen die unter der Bezeichnung Additiv bekannten
Nachtragszollgeſetze an, ebenſo ſämtliche Vorlagen über die
Ratifizierung der Handelsverträge mit Deutſchland, der Schweiz
und Italien. Auf Verlangen des Abg. Morell wurde trotz des
Widerſpruches des Handelsminiſters eine Erhöhung der
Zölle auf Möbel beſchloſſen, um die franzöſiſche
Möbel=
induſtrie gegen die deutſche Konkurrenz zu ſchützen. Morell
er=
klärte, ſeit Inkraftreten des deutſch=franzöſiſchen
Handelsvertra=
ges ſei die deutſche Möbeleinfuhr von 3 auf 9 Millionen Francs
geſtiegen.
freiend und — lehrreich (für die Deutſchen, denen es gelingt,
aus unſerer Geſchichte zu lernen!).
Die helle Kraft der Zuverſicht und der — nicht auf billige
Illuſionen gegründete — Glaube an die Zukunft unſeres
Volks=
tums ſind allen Büchern Kotzdes eigen; darum ſollen ſie Führer
der Jugend ſein, ſo wie der Dichter ſelbſt den großen Bund
ſeiner „Adler und Falken” führt. Aber wann endet dieſe Jugend?
An der Schwelle des Berufes? O nein: ihr Vaterland muß
größer ſein! Wenn wir alle ſo jung bleiben wie Wilhelm Kotzde,
der jetzt in die zweite Hälfte ſeines Jahrhunderts hinüberſchreitet,
wenn wir den Sinn für die tragiſchen Wahrheiten unſerer
Ver=
gangenheit nicht ſtumpf werden laſſen am raſenden Schwungrad
unſerer aufgeregten Gegenwart, — dann werden die Bücher dieſes
Dichters auch weiterhin für die Erſtarkung und Klärung unſeres
Volkes kämpfen und ſiegen. Daß dies geſchehe, dafür ſorgen
unſere Jungen!
(Sämtliche hier beſprochenen Werke ſind, geſchmackvoll
aus=
geſtattet, im Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart, erſchienen.)
Hans Heyck (G. D. S.)
* „Roſemarie und Eliſabeth”, ſo heißt ein Buch für
Kinder=
freunde, das die Großmama der beiden ſchrieb und drucken ließ.
Roſemarie und Eliſabeth ſind zwei entzückende kleine Mädchen,
Töchterchen eines bekannten und geſchätzten hohen
Staatsbeam=
ten, der in Darmſtadt wohnt. Die Verfaſſerin des Büchleins iſt
Frau Eliſabeth Bernheim. Sie ſchrieb es, um in der
Er=
innerung ſchöne Stunden feſtzuhalten, die ſie mit den beiden
Enkelchen verlebte, Erinnerungen, die über eine Reihe von
Jah=
ren hinwegreichen und kleine Erlebniſſe in hübſchen Gedichten
feſthalten. Im Titelbild des kleinen Büchleins ſind Eliſabeth
und Roſemarie, nett und lieblich anzuſchauen, abgebildet. Dann
kommt die Widmung, in der geſagt iſt: „Was in dem Buch ſteht,
Blatt für Blatt, ſich alles ſo ereignet hat.‟ Den Enkelchen iſt es
gewidmet, damit ſie ſpäter ſich an die glückliche Kinderzeit
er=
innern, darüber hinaus aber „Allen Menſchen, groß und klein,
die nette Kinder herzlich lieben.‟ Die einzelnen Dichtungen
zei=
gen „Die „Omie” als Spielkamerad”, Ausſprüche aus
Kinder=
mund, „luſtige Erlebniſſe mit dem Foxſel, mit Puppen, auch
mit einem Mohrchen”, Roſemarie iſt als Gewinnerin im
Würfel=
ſpiel gezeichnet, dann kommt „Die Rummelwieſe”, auf der die
beiden ſich mit der Großmama köſtlich herumtollen. Sehr hübſch
iſt ein Weihnachten geſchildert, und vieles andere mehr. Den
Schluß bildet ein Brief der Roſemarie aus Binz. Die Autorin
des kleinen Büchleins geht ſicher nicht fehl in der Annahme, daß,
wie ſie ſelbſt, auch andere Leſer Freude über die anſpruchsloſen
Dichtungen empfinden werden. (Wiesbaden, Hermann
Schellen=
berg’ſche Buchhandlung.)
Nummer 60
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Seite 3
Das Inveſtigationsproblem.
denken. — Pariſer Fäden nach Rom und Genf
Die künftige Mittelmeer=Konferenz.
Berlin nach Mentone abgefahren, um mit dem Reichs= ſchließlich in dieſem Falle dürfe der Ratspräſident auf Grund
Rolle ſpielen, was Deutſchland tun ſoll, wenn das Problem
einer Inveſtigation gegen ungarn gkut wird. Es
ſcheint, als wenn Frankreich ſamt ſeinen Hilfsvölkern in dieſer
Richtung tätig ſein wird, ſchon um das Inſtrument der
Inveſti=
gation einmal zu ſchärfen, damit es ſpäter deſto leichter gegen
für Deutſchland beſtimmend ſein, damit der kleine Zwiſchenfall
von St. Gotthard nicht wieder zu einer Haupt= und
Staats=
aktion gegen Deutſchland aufgepuſtet wird. Um ſo unbegreiflicher
iſt es, daß die deutſchen Sozialdemokraten wieder einmal der
deutſchen Politik in den Rücken fallen und auf dem Umwege über
die ſozialiſtiſche Internationale die Durchführung einer
Inveſti=
gation fordern. Wir haben von uns aus keine Veranlaſſung, uns
allzu ſtark für Ungarn ins Zeug zu legen, das können wir
Ita=
lien ruhig überlaſſen, das gerade in dieſer Waffenſchmuggelfrage
aus leicht begreiflichen Gründen der ſchärfſte Sekundant Ungarns
ſein wird. Es iſt alſo das Naheliegendſte, daß Deutſchland
ſich in der Reſerve hält und, ohne ſich ſelbſt die
ungari=
ſchen Argumente reſtlos zu eigen zu machen, doch
die Bedenken unterſtreicht, die gegen eine
In=
veſtigation ſprechen. Kompliziert wird der Fall dadurch,
dieſe Weiſe den Vorſtoß abzumehren, den der öſterreichiſche
Bun=
deskanzler Dr. Seipel vor einigen Tagen unternommen hat,
und es könnte ſein, daß hinten herum die ungariſche In= zu dem Bericht Rütgers ab, die wohl im allgemeinen die Haltung
veſtigation zu einem Kuhhandelsobjekt zwiſchen
tagung vermutlich hinter den Kuliſſen in erſter Linie
immerhin denkbar, daß man in dieſen beiden Fragen zu einem
belangloſen Kompromiß kommt, eben um die Stimmung auf dem
zu verärgern.
Apponyi und den Juſtizminiſter vertreten laſſen werde, Ueber beſtimmtere Formulierung der Feſtſtellung
ungariſche Negierung mit ihrer Vertretung in der St. Gottharder ſich ergebenden Maßnahmen verlangt wird.
auftragt hat.
Der ungariſche Außenminiſier über den
St. Gotthard=Fall.
Budapeſt, 28. Februar.
Im Auswärtigen Ausſchuß des Abgeordnetenhauſes beſprach
Miniſter des Aeußern Dr. Walko den Zwiſchenfall von St. Gott=
wirtſchaftliche Leben eines Landes lähmen zum ſchweren Schaden
der ſtaatlichen Souveränität. Es unterliege keinem Zweifel, daß
der Ratspräſident auch dazu kein Recht habe, im Falle einer
beantragten Inveſtigation irgendwelche vorhergehenden Maß=
Franzöſiſche Machenſchaften. — Deutſche Be= nahmen zu treffen. So werde die Sache auch von der
unvorein=
genommenen internationalen Preſſe aufgefaßt. Bloß einzelne
Blätter möchten die Gelegenheit zur Schaffung eines
Präzedenz=
falles ausnützen, der dann auch auf andere Staaten mit Nutzen
angewendet werden könne. Ganz anders liege der Fall, wenn
Staatsſekretär v. Schubert iſt am Dienstag abend von eine unmittelbare Kriegsgefahr obwaltet. In dieſem, und
aus=
außenminiſter das Programm der nächſten Ratstagung des Artikels 11 des Völkerbundspaktes von dem Recht der
vor=
durchzuſprechen und ihm gleichzeitg über die Stimmung im Kabi= hergehenden Anwendung Gebrauch machen. Wohl niemand wird
net zu berichten. Dabei dürſte vor allem die Frage eine glauben gemacht werden können, daß die Vernichtung von
Deutſchland gebraucht werden kann. Aber das allein muß wieder Ber Minipf uin die ennnnonen i Senf.
und die Kleine Entente.
Erklärungen gegen eine Feſilegung der
Völker=
bunds Sonkionen.
* Genf, 28. Februar. (Priv.=Tel.)
Das Sicherheitstomitee begann heute nachmittag 4 Uhr 30 treffend, hier, wie es in Artikel 21 geſchieht, einer einſe tigen
mit der Spezialdiskuſſion über den Bericht Rütgers, der die
Artikel 10, 11 und 16 des Völkerbundspaktes in ihrer Vepbindung den anderen amerikaniſchen Staaten angenommen worden iſt,
daß möglicherweiſe Italien die Abſicht hat, das mit dem Sicherheitsproblem behandelt. Präſident Beneſch, den Namen einer regionalen Entente zu geben.”
Thema Südtirol in Genf anzuſchneiden, um auf ſchlug vor, nach Beendigung der Spezialdiskuſſion und nach
Be=
ſchen Vorſchläge zur Diskuſſion zu ſtellen. — Der ſüdſlawiſche
Frankreich wird nur zu gerne bereit ſein, Italien zu unterſtützen, Vertreter Markowitſch gab eingangs eine prinzipielle Erklärung
der Kleinen Entente wiedergeben dürfte. Markowitſch führte aus.
Frankreich und Italien gemacht wird, ſo daß Ungarn, daß der Bericht nicht genügt hätte, da er eine Präziſion der im ſeien als Repreſſiv= und Sanktionsmaßnahmen,
ſich plötzlich ſeiner beſten Hilfe beraubt ſähe. Da aber die Rats= Völkerbund vorgeſehenen Maßnahmen für die Garantierung der und in der der italieniſche General de Marinis ſich
Sicherheit vermiſſen laſſe. Es gehe nicht um juriſtiſche Aus= gegen die Präziſierung der Feſtſtellung des
dazu dienen ſoll, die künftige Mittelmeerkon= legungen, wie ſie der Bericht gebe ſondern darum, zu wiſſen. Angreifers als ſchwierig und politiſch nicht ratſam erklärte,
ferenz vorzubereiten, liegen die Intereſſen der Groß= welche praktiſchen und politiſchen Handhaben der Völkerbunds= beſchloß das Komitee, zur Ausapbeitung des finniſchen
Vor=
mächte etwas außerhalb des Konferenzprogramms, und es wäre pakt in Fällen bewaffneter Konflikte biete. Aus der Rede ging ſchlages über gegenſeitige Hilfeleiſtung in Kriegsfällen ein
Unter=
hervor, daß die Kleine Entente auch bei dieſen Abſchlußberalun= komitee zu bilden, in das Rütgers, Waldes, Erich und Veverka
gen wieder verſuchen wird, ihre Anſprüche auf Feſtlegung der entſandt werden, während das Finanzkomitee, das die
Vorar=
großen diplomatiſchen Sprungbrett zur Mittelmeerkonferenz nicht Sanktionen, gegen die ſich ſowohl England als auch eine ganze beiten in dieſer Frage zu leiſten hat, ſeinerſeits drei Vertreter
Reihe anderer Staaten ſträuben, in den Vordergrund zu ziehen, für das Unterkomitee ernennen wird.
Im weiteren Verlauf der Debatte ergab ſich diefe Gegner=
Die ungariſche Regierung hat dem Generalſekretär des Völ= ſchaft noch mit beſonderer Schärfe. Die franzöſiſche Dele= morgen nachmittag 18 Uhr, während am Vormittag und
kerbundes mitgeteilt, daß ſie ſich in dem ungariſch=rumäniſchen gation reichte zu dem Rütgersſchen Bericht ſchriftlich Mittag der Redaktionsausſchuß und das Unterkomitee Sitzungen
Oxtantenſtreit im März vor dem Nat durch den Außenminiſter niedergelegte Bemerkungen ein, in denen eine abhalten.
die Vertretung in der St. Gotthard=Affäre verlautet, daß die eines evtl. Angreifers ſowie der aus Artikel 16. Oeſierreich und die Kleine Entente. — Die
Waffenſchmuggelaffäre den ungariſchen General Tangzos be= Einem Vorſchlag Beneſchs, das Redaktionskomitee entſprechend
den ſüdſlawiſchen und franzöſiſchen Anträgen mit dieſer Frage
beſonders zu betrauen, hielt Lord Cuſhendun entgegen, daß es
nicht angehe, das Komitee zu überlaſten. Die Sicherheit werde wird hier mit großer Aufmerkſamkeit und nicht ohne große
Be=
ſich niemals abmeſſen laſſen. Zu einem intereſſanten Zwiſchenfall ſorgnis verfolgt. Es beſteht der Eindruck, daß der Gedanke eines
kam es, als der argentiniſche Delegierte Cantilo Eintritts Oeſterreichs in den Intereſſenkreis der Kleinen
En=
etwas außerhalb des Rahmens der Diskuſſion eine
Erklärung zur Monroedoktrin
hard. Nachdem er das von der ungariſchen Regierung bekundete abgab. Er erklärte eingangs ſeiner Ausführungen, daß er nicht heitsausſchuſſes geſehen, der gegenwärtig unter dem Vorſitz von
Verfahren dargelegt hatte, betonte er, daß im Sinne des Eiſen= direkt zu den Beratungen Stellung nehmen wolle, da es ſich, Beneſch tagt. Das Ergebnis der vorbereitenden Tagung in Prag
bahnreglements vorgegangen wurde, und die Vernichtung des wie geſtern Paul=Boncour geſagt habe, in der Hauptſache um wie auch der gegenwärtigen Verhandlungen des Ausſchuſſes liege
beſchlagnahmten Materials unter Einbeziehung richterlicher Or= europäiſche Angelegenheiten und europäiſche Geſichtspunkte in erſter Linie in der Richtung der Herſtellung von
Vertragsent=
gane und beeideter Sachverſtändiger erfolgt ſei. Auf dieſen Fall handle. Er wolle ſeine Stellungnahme nicht als eine Indifferenz, würfen für regionale Sicherheitspakte, die auf dem Wege der
wvollen die Nachbarn Ungarns das im Artikel 143 des Völker= ſondern eher als eine Anerkennung für den Zuſtand der inter= Beſchlußfaſſung des Völkerbundsrates zur Durchführung
ge=
bundspaktes vorgeſehene Inveſtigationsverfahren anwenden. Im nationalen Beziehungen auf ſeinem eigenen Kontinent aufgefaßt langen ſollen. Das Ziel dürſte hierbei ſein, Oeſterreich durch den
Sinne der in den Jahren 1924 und 1926 feſtgeſtellten Inveſti= wiſſen. Er erklärte ſich, wie auch der chileniſche Delegierte Wal= Abſchluß eines regionalen Abkommens mit der Kleinen Eutente
gationsnorm ſei jetzt der Nahmen der Inveſtigation von dem des, in Uebereinſtimmung mit dem Rütgerſchen Bericht gegen von Ungarn und Italien abzudrängen, die Anſchlußfrage in den
Völkerbundsrat zu beſtimmen. Selbſt die vorbereiteten Maß= eine Feſtlegung der Völkerbundsſanktionen. Hintergrund zu rücken und Oeſterreich zur Sicherung ſeiner
ſtaat=
nahmen können nur auf Grund eines Ratsbeſchluſſes erfolgen. Cantilo ging dann zu dem Artikel 21 der Völkerbundsſatzungen lichen Exiſtenz einen feſten Rückhalt in der Gruppe der Kleinen
Solange alſo ein Ratsbeſchluß nicht vorliegt, ſtehe der unga= über und erklärte unter Bezugnahme auf die Beratungen über Entente und damit auch an der franzöſiſchen Balkanpolitik zu
riſchen Regierung im Sinne der beſtehenden Normen vollſtändige die Regionalverträge, daß er im Namen der hiſtoriſchen Wahr= ſchaffen. Die Debatten im Oeſterreichiſchen Nationalrat ſcheinen
Aktionsfreiheit zu, und ſie ſei in keinerlei Beziehung von Ver= heit gegen die Faſſung dieſes Artikels Einwendung erheben hierbei in doppelter Hinſicht Bedeutung zu haben. Einerſeits
pflichtungen belaſtet. Andererſeits habe kein einziger Staat, aber müſſe. Der Artikel 21 des Völkerbundspaktes beſagt, daß iner= ſind dadurch die antitalieniſchen Tendenzen mit Oeſterreich
we=
auch der Ratspräſident nicht, das Recht, gegenüber der unga= nationale Abreden, Schiedsverträge und Abmachungen über be= ſentlich verſchärſt worden, andererſeits konnte die nationale
Strö=
riſchen Regierung irgendwelche Anſprüche zu ſtellen. Wäre dem ſtimmte Gebiete, wie beiſpielsweiſe die Monroedoktrin, die die mung in Oeſterreich Berückſichtigung erſahren. Die weitere
Ent=
nicht ſo, könnte man mit einem gut ausgebauten Syſtem grund= Erhaltung des Friedens ſicherſtellen, nicht als unvereinbar mit wicklung der Dinge in Oeſterreich dürfte jedenfalls in dieſem
Zu=
loſer Anzeigen die ganze Verwaltung eines Landes, ja das ganze einer der Beſtimmungen der Völkerbundsſatzung gelten. Er ſammenhang aufmerſam verfolgt werden müſſen.
Kriegsmaterial — wem immer gegenüber — eine unmittelbare
Kriegsgefahr bedeuten würde. Die Abrüſtung Ungarns wurde
durch den Trianoner Friedensvertrag angeordnet. Derſelbe
Ver=
trag verwveiſt jedoch darauf, daß der Abrüſtung der Mittelmächte
eine allgemeine Abrüſtung folgen werde. Wir dürfen alſo mit
Fug und Recht darauf rechnen, daß unſere Abrüſtung keine
ein=
ſeitige ſein wird. Daraus iſt jedoch bislang nichts geworden. So
einſeitig und ſo ungerecht wir auch die Beſtimmungen über die
Abrüſtung erachten, ſo hat ſich Ungarn dennoch auf das
gewiſſen=
hafteſte dieſen Beſtimmungen unterworfen, das heißt jedoch noch
nicht, daß die Kontrolle in kleinlicher und kränkender Weiſe
aus=
geübt werde. Wir hoffen feſt auf die Weisheit und Gerechtigkeit
des Völkerbundsrates, daß er zu ſolchen Beſtrebungen nicht die
Hand bieten werde.
müſſe Verwahrung gegen die Gleichſetzung der Monroedoktrin
Die Front gegen Frantreich mit einem Regionalpakt einlegen. Die Monroedoktrin ſei eine
politiſche Erklärung der Vereinigten Staaten. Die Politik, die im
dieſer Erklärung zum Ausdruck komme, ſei ſeinerzeit gegen die
heilige Allianz und gegen evtl. europäiſche Bedrohungen des
amerikaniſchen Kontinents gerichtet geweſen. Sie habe Amerika
in der Vergangenheit große Dienſte geleiſtet, was er voll
aner=
kennen wolle, und mache in dieſem Sinne auch heute noch den
Vereinigten Staaten Ehre, in deren hiſtoriſcher Politk im
Dienſte der Freiheit und Gerechtigkeit ſie eine der ſchönſten
Sei=
ten darſtelle. „Aber”, ſo erklärte Cantilo, „es iſt durchaus
unzu=
politiſchen Erklärung, die, wie ich weiß, niemals ausdrücklich von
Nach einer ausgedehnten Diskuſſion über die Artikel 11 und
ratung des finniſchen Entwurfes über die Finanzhilfe die deut= 16 des Völkerbundspaktes, in der der Kanadier Riddel
erklärte, daß
alle vorbeugenden Maßregeln wichtiger
Die Beratung der deutſchen Vorſchläge beginnt
Auffaſſung in Genf.
TU. Genf, 28. Februax
Die Enwicklung der italieniſch=öſterreichiſchen Spannung
tente in Zuſammenhang mit der letzten Reiſe Seipels nach Prag
gegenwärtig ſtärker in den Vordergrund rückt. Die Vorarbeiten
für eine engere Verbindung zwiſchen Oeſterreich und der Kleinen
Entente werden nicht in den Verhandlungen des Genfer Sicher=
Der 29. Februar.
(Berühmte Männer, die am 29. Februar geboren wurden. — Wie
ſich Roſſini gegen ſeinen 60. Geburtstag wehrte, weil es erſt der
15. war. — Wieſo der Ozeandampfer „Sibiria” einen 30. Februar
erlebte. — Ein hiſtoriſcher 30. Februar.)
inf. Der letzte Tag dieſes Monats iſt ein ſeltenes Datum,
das bekanntlich nur alle vier Jahre einmal vorkommt, nämlich
der 29. Februar. Wer an dieſem Tage geboren wird, hat das
Pech, nur alle vier Jahre einmal Geburtstag zu haben. Es gibt
eine große Anzahl hervorragender Perſonen, die am 29. Februar
das Licht der Welt erblickt haben. Einer der hervorragendſten
von ihnen iſt der berühmte Komponiſt Roſſini, deſſen
Geburts=
tag auf den 29. Februar 1792 fällt. Als man am 29. Februar
1852 ſeinen 60. Geburtstag feierte und die ganze Welt an dem
Zubiläumstage, des Komponiſten Anteil nahm, „weigerte ſich
Roſſini hartnäckig, dieſen Tag tatſächlich zu begehen, da er
er=
klärte, daß er insgeſamt erſt 15 Geburtstage gefeiert habe. Aus
dieſem Grunde kämen ihm die Ehren, die ihm aus Anlaß ſeines
60. Geburtstages erwieſen würden, gar nicht zu. Dieſer Einwand
des Komponiſten erregte ſeinerzeit viel Heiterkeit. Die Welt ließ
ſich aber nicht abhalten, trotzdem Roſinis 60. Geburtstag zu
feiern. Außer dem italieniſchen Komponiſten iſt auch der
be=
rühmte Pädagoge Dinter am 29. Februar geboren, und zwar
1760. Derſelbe Tag iſt der Geburtstag des berühmten
Archi=
tekten Leo von Klonze, der im Jahre 1874 das Licht der Welt
erblickte. Der letzte Tag des Monats Februar weiſt noch andere
Seltſamkeiten auf, die allerdings nur durch eigenartige Umſtände
veranlaßt wurden. So gab es bereits zweimal im Laufe der
Welt einen 30. Februar. Vor ungefähr zwanzig Jahren wurde
in Newv Yorker Zeitungen die Menükarte des Ozeandampfers
„Sibiria” veröffentlicht, die das ſeltſame Datum des 30. Februar
trug. Man war natürlich zuerſt geneigt, an einen Fehler des
Druckers oder an einen Scherz zu glauben, aber ſchließlich
über=
zeugte man ſich, daß dieſe ungewöhnliche Taganzeige auf der
Speiſekarte durchaus richtig war. Das Eſſen, um das es ſich
dabei handelte, fand auf dem Schiff ſtatt, als es von Yokohama
nach San Franzisko fuhr. Auf dieſe Weiſe wurde durch die Fahrt
nach Oſten ein Tag gewonnen. Der Verfaſſer der Speiſekarte
befand ſich nun in großer Bedrängnis. An Tage vorher — es
war der 29. Februar 1904 — zeigte die Karte das richtige Datum.
Am nächſten Tag konnte er nicht wieder die gleiche Taganzeige
darauf drucken laſſen. Aber da der 1. März noch nicht da war,
ſo mußte er ein Mittelding nehmen und notwendigerweiſe den
30. Februar wählen, der eben durch die beſonderen Verhältniſſe
gegeben war, die auf der Fahrt nach San Franzisko herrſchten.
Der 30. Februar 1904 iſt zwar eine höchſt ſeltene
Tagesbeſtim=
mung, aber doch nicht die einzige. Im Jahre 1712 gab es noch für Deutſchland nie voller det worden.”
einmal auf Veranlaſſung des Königs Karl kll. von Schweden
ein gleiches Datum. In dem großen Gebiet dieſes Herrſchers
war ein beſonderer „ſchwediſcher” Kalender im öffentlichen
Ge=
brauch, der im Jahre 1700 eingeführt worden war und ſich von
allen anderen Kalendern durch eine eigentümliche Behandlung
des Schaltages unterſchied. Es kam dadurch ein wirres
Durch=
einander der verſchiedenen Zeitrechnungen in den ſchwediſchen
Beſitzungen und den angrenzenden Ländern zuſtande, zumal vier
Jahre vorher im Schaltjahre 1708 der Schalttag ausgefallen war,
ſo daß der damalige Schaltmonat auch inſofern ein Kurioſum
darſtellte, als er nur 28 Tage zählte. Karl Xll. beſtimmte nun,
um dieſe Unſtimmigkeiten zu beheben, daß im Schaltjahre 1712
der Februar nicht nur die 29 gewöhnlichen Tage aufweiſe,
ſon=
dern auch noch den Schalttag vom Jahre 1708 dazu erhalte, ſo
daß er 30 Tage zählte. Im Anſchluß daran ſei erwähnt, daß der
29. Februar im allgemeinen als Glückstag angeſehen wird, da
angeblich die Erfahrung lehren ſoll, daß die Menſchen, die an
dem Tage geboren werden, beſondere Glückskinder ſeien. Er
wird dagegen von Brautpaaren als Heiratstag vermieden, da
kein Brautpaar 100 Jahre zuſammenleben will, um die Silberne
Hochzeit feiern zu können. In der Bretagne werden an dieſem
Tage Brautſpiele veranſtaltet, bei denen ähnlich wie am
Schalt=
tage, dem 24. Februar, die jungen Mädchen das Recht der Wahl
ihres Bräutigams haben. Es gibt hier ſogenannte „
Februar=
kronen”, die aus Stroh hergeſtellt ſind und demienigen Mann
aufgeſetzt werden, der als Verlobter auserkoren iſt.
*Webers „Oberon” in neuer Bearbeitung.
In dieſen Tagen iſt in Gotha eine neue Bearbeitung von
Webers, Oberon” über die Bretter gegangen, die von der Hand
unſeres Darmſtädter Studienrats Hermann Kaiſer ſtammt.
Es wurde verſucht, der unſterblichen Partitur diejenige
drama=
turgiſche Faſſung und denjenigen ſzeniſchen Rahmen zu geben, in
der die tunlichſt unveränderte Muſik und der größtenteils
wieder=
hergeſtellte alte Text ihren zweckmäßigſten Platz finden. Dieſer
Verſuch iſt nach dem Urteil Sachverſtändiger und dem großen
Erfolg der Aufführung zu ſchließen, als völlig geglückt anzuſehen.
Weber ſelbſt hatte zugeſtanden, daß die Form der Oper, wie
ſie für London komponiert wurde, nallen ſeinen Ideen und
Grundſätzen fremdartig erſchien, und den „Oberon” in dieſer
Geſtalt für alle andere Bühnen Europas untauglich macht
Sein früher Tod hat die Abſicht, die Oper umzugeſtalten, nicht
verwirklichen laſſen. Webers Enkel ſchreibt: „Der Oberon iſt, ob=
wohl für die Aufführung in England fertig, in Webers Sinne
Es hat an Verſuchen nicht gefehlt, dieſe Vollendung ins
Werk zu ſetzen. Die Wege waren ſehr verſchiedene. Der erſte,
Julius Benedict, ein Schüler Webers, glaubte den muſikaliſchen
Teil erweitern zu müſſen, indem er den Dialog zu Rezitativen
nach Motiven aus anderen Weberſchen Werken umſchuf, ja ſogar
Arien und Duette aus „Euryanthe” einflocht. Eine lange Zeit
verwendete Vearbeitung hat Franz Wüllner verfertigt, der auch
ein von Franz Gra,dauer abgeänderter Text zugrunde liegt. Es
folgte die gänzliche Umarbeitung Georg von Hülſens für die
Wiesbadener Feſtſpiele, die von romantiſchen und repräſentativen
Ideen ausging. Der Text wurde von Joſef Lauff völlig
um=
gedichtet, der Dialog durch Joſef Schlar melodramatiſch
unter=
legt, muſikaliſche Zwiſchenſpiele eingefügt und der Schluß durch
die wiederholte Verwendung der Preghiera neu geſtaltet. Die
Mahlerſche Faſſung, in der das Werk im vorigen Winter hier
gebracht wurde, ſtellte die alte Partitur wieder her und ſchuf nur
wenige Uebergänge, blieb aber vor der Hauptaufgabe: der
Um=
geſtaltung der Handlung und Reinigung des Tertes ſtehen.
Hier ſetzt die Arbeit Hermann Kaiſers ein. Sie faßt an der
Wurzel an und gibt dem Werk, vor allem den Charakter des
Singſpiels zurück, den es im Sinne der „Zauberflöte” oder des
„Freiſchütz” zweifellos hat. Folgerichtig wird auf das Melodram
bis auf wenige Ausnahmen verzichtet und eine reinliche
Schei=
dung zwiſchen Dialog und Muſik durchgeführt. Das
Haupt=
augenmerk iſt auf einen dramaturgiſch logiſchen und geradlinig
vereinfachten Handlungsablauf gerichtet, der ſeither mit Epiſoden,
Unklarheiten, überflüſſigen Perſonen belaſtet war. Die Perſonen
Karls des Großen, der Noſchang, des Babe=Khans, der Titania,
der beiden Eunuchen ſind geſtrichen. Die durch deren Wegfall an
entſcheidenden Punkten zu ändernde Begründung der Handlung
ergab ſich zwanglos und iſt eine der größten Erleichterungen, die
die Neubearbeitung der Regie bietet. Der dabei notwendigen
Be=
ſchneidung des Textes ſtehen ſehr glückliche textliche
Erweiterun=
gen, zum Beiſpiel der Scherasmin=Rolle, gegenüber, die alle
Hand in Hand mit einer gründlichen Wiederherſtellung der erſten
Textfaſſung auf die authentiſche deutſche Ueberſetzung von
Theo=
dor Hell zurückgreifen. Inſofern ſtellt der unternommene Verſuch
weniger eine Bearbeitung, als vielmehr eine Konſervierung dar.
Die in idealem Sinne „dienende‟ Arbeit darf, nachdem ſie ſich
auch in der Praris als brauchbar und in hohem Grade
zweck=
mäßig erwieſen hat, von jedem Freunde Weberſcher Kunſt
auf=
richtig begrüßt werden. Sie wird vorausſichtlich auch auf unſerer
Bühne angenommen und hoffentlich als die zurzeit beſte Löſung
des lange umſtrittenen Problems zur allgemeinen Einführung
v. H.
kommen.
Seite 4
Nummer 60
Mittwoch den 29 Februar 1928
Der Prozeß der Hromada.
575 Angeklagte. — Die ruſſiſche Gefahr
in Wilna.
Von unſerem L. N.=Berichterſtatter.
Wilna, im Februar 1928.
Der polniſch=litauiſche Streit um Wilna hat die Welt
ver=
geſſen laſſen, daß nicht nur Polen und Litauen Anſprüche auf
dieſes Gebiet erheben, ſondern auch die — Ruſſen. Ja, man
kann ſagen, daß die weißruſſiſche Bewegung den Polen viel
ge=
fährlicher erſcheint als die von Litauen her geſchürte Unruhe
unter den Litauern, die rein zahlenmäßig nur 10 Prozent der
Geſamtbevölkerung des Wilnggebietes ausmachen. Die
weiß=
ruſſiſchen Loslöſungsbeſtrebungen von Polen ſind ſchon darum
beſonders ernſt, weil ſie nicht nur Wilna, ſondern auch die
an=
deren heute zu Polen gehörenden weißruſſiſchen Gebiete
um=
faſſen, alſo Grodno und Poleſja.
Als ich vor ſünf Jahren zum erſtenmal das Wilnggebiet
bereiſte, fand iſt nur zwei deutlich ausgeſprochene politiſche
Orien=
tierungen vor: die polniſche und die ruſſiſche. Eine litauiſche
Bewegung gab es damals kaum. Ich will damit nicht die
hiſtori=
ſchen Rechte Litauens auf ſeine ehemalige Hauptſtadt beſtreiten.
Ich muß nur feſtſtellen, daß die Einverleibung Wilnas in
Li=
tauen ſchon 1923 in Wilna ſelbſt wenig Sympathien beſaß. Bei
meinen jetzigen Erkundigungen an Ort und Stelle mußte ich
er=
kennen, daß ſich in bezug auf Litauen hierin nichts geändert hat,
daß aber die Orientierungnach Rußland
hinaußer=
ordentlich gewachſen iſt. Das iſt verſtändlich, denn 60
Pro=
zent der Bewohner des Wilnggebietes ſind Weißruſſen.
Nun tritt die weißruſſiſche Frage augenblicklich in ein
kri=
riſches Stadium, da in dieſen Tagen der Monſtre=Prozeß gegen
575 Mitglieder der ſogenannten Hromada begann. Dieſe
Hromada iſt eine nationale weißruſſiſche Partei, die 1924 von
den Mitgliedern des weißruſſiſchen Klubs unter Taraſchbewiz und
Michailowſki gegründet wurde. Das politiſche Programm dieſer
beſonders feſt organiſierten Partei beſteht in der Loslöſung der
weißruſſiſchen Provinzen Polens und ihrer Vereinigung mit dem
heute zu Sowjetrußland gehörenden Teil Weißrußlands in einem
unabhängigen Staat. Polen hat ſich alle weißruſſiſchen
Sympathien verſcherzt. Die Unterdrückung weißruſſiſcher
Kul=
tur durch Polen, die Verfolgungen und Gewaltmaßnahmen der
zu allem anderen noch beſtechlichen polniſchen Verwaltung
trei=
ben die Weißruſſen den Sowjets in die Arme, deren geſchickte
Politik den Weißruſſen jenſeits der Grenze Schule, Gericht und
Verwaltung überlaſſen hat.
Die Polen, die die Wurzel des Uebels nicht beſeitigten, ſehen
mit Schrecken, daß ſich die Hromada ſchnell verbreitete. Heute,
wenige Jahre nach ihrer Gründung, beträgt die Zahl ihrer
Mit=
glieder 180 000. Die Führer der Hromada ſind keine
Kom=
muniſten, ſie ſind reine Nationaliſten, ob Bürgerliche oder
Sozialdemokraten. Aber ſie ſind offene Anhänger der Loslöſung
der weißruſſiſchen Provinzen von Polen, ſie ſind Feinde der
pol=
niſchen Herrſchaft und Kultur und damit allerdings natürliche
Verbündete aller Gegner Polens. Rußland wußte
ſehr gut, welches Dangergeſchenk es den Polen mit der
Ab=
tretung der weißruſſiſchen Gebiete machte. Dieſe Weißruſſen
ken=
nen keinerlei Treue gegenüber Polen. Und weißruſſiſche Soldaten
werden im Kriegsfall ſchleunigſt überlaufen. Polen glaubte, dieſer
Bewegung durch Verhaftungen und Gerichtsurteile
entgegen=
treten zu können. 575 Hromada=Führer wurden feſtgenommen
und ſollen jetzt wegen kommuniſtiſcher Propaganda und wegen
Landesverrats in Wilna abgeurteilt werden.
Die polniſche Regierung ſelbſt ſieht ſchon ein, welchen Fehler
ſie beging, als ſie dem mit der Demiſſion drohenden
Juſtiz=
miniſter die Vollmachten gab. Die Erregung unter den
Weiß=
ruſſen iſt ins Ungeheure geſtiegen, und ſo etwas fann
man gerade vor den Wahlen nicht gebrauchen. Der Innenminiſter
iſt ein ausgeſprochener Gegner des Prozeſſes und Pilſudſki ſelber
möchte gern auf gutem Wege den unglücklichen Prozeß los
wer=
den, der die weißruſſiſche Bewegung nur radikaliſierte. Man darf
alſo geſpannt darauf ſein, wie ſich das Gericht mit dieſer
ſchwie=
rigen Aufgabe abfindet.
Es iſt begreiflich, daß die weißruſſiſche Bewegung den Polen
mehr Sorge macht, als die der Litauer. Die Abneigung der
Weißruſſen gegen die Polen iſt uralt, man weiß, daß ſie ſchon
im 15. Jahrhundert beſtand. Ebenſo alt ſind die Sympathien
der unter polniſcher Herrſchaft ſtehenden Weißruſſen für
Ruß=
land. Dieſe Hinneigung gilt Rußland an ſich, ob es nun
mo=
narchiſch republikaniſch oder bolſchewiſtiſch iſt.
So iſt im Wilnagebiet eine ebenſolche offene Wunde des
pol=
niſchen Staatskörpers vorhanden — wie etwa in der polniſchen
Ukraine oder in Oſtgalizien. Verläßliche Elemente beſitzt Polen
in der Bevölkerung Wilnas kaum. Die Litauer ſchauen nach
Kowno, die Weißruſſen, die die Litauer auch nicht mögen, blicken
nach Moskau, das ihnen eine ganz andere Hilfe gewähren könnte,
als etwa das kleine Litauen. Nur die Juden, die am liebſten
eine bürgerliche großruſſiſche Gewalt hätten, geben nach
Lage der Dinge den Polen den Vorzug.
Die Wahl von Hagenau.
Siebzehn „ſchlechte Franzoſen” im erſten Wahlgang gewählt. —
Zehn Nachwahlen. — „Heraus aus der Zweideutigkeit!”
„Ihr werdet darüber entſcheiden, ob dieſelben Stadtbeamten,
Führer des Heimatbundes und des Autonomismus, ihre
perſön=
liche Politik des Haſſes gegen alles Franzöſiſche, ihre
landesver=
räteriſche und friedensgefährdende Politik als Politik der
Stadt=
verwaltung weiterführen dürfen, ſo daß die Intereſſen der Stadt
und ihrer Einwohner dadurch aufs ſchwerſte kompromittiert
werden . . .
Da die „Liſte der nationalen Eintracht” ihren Kampf gegen
die bisherige Hagenauer Gemeinderatsmehrheit mit ſolchen
Parolen führte, da im „nationalen” Lager die gegneriſche Liſte
des früheren Bürgermeiſters Weiß ausdrücklich als antinational,
als verräteriſch, als autonomiſtiſch=ſeparatiſtiſch gebrandmarkt
wurde, und da die Wähler auch mit wirtſchaftlichen Drohungen
(Boykott des Hagenauer Handels, Verlegung der Garniſon uſw.)
eingeſchüchtert wurden, wird man ſich in Innerfrankreich und im
Ausland ſeine eigenen Gedanken über die Bedeutung der
Wahl=
ziffern machen.
17 Vertreter der „ſchlechten” Liſte ſind im erſten Wahlgang
gewählt worden. 10 Plätze ſind am nächſten Sonntag noch zu
vergeben. Von den „Nationalen” iſt bisher kein Einziger
ge=
wählt, obwohl ſich unter der Flagge des reinen Franzoſentums
Sozialiſten und katholiſche Chauviniſten, Radikale und
Demokra=
ten einträchtiglich zuſammengefunden hatten, und obwohl ſich
die „Antiklerikalen” um des franzöſiſchen Gedankens willen
ver=
pflichtet hatten, am religiös=kirchlichen Status nichts zu ändern.
„Heraus aus der Zweideutigkeit! Für ein freies,
franzöſi=
ſches Hagenau!” So hatte der tönende Aufruf der
franzöſiſch=
nationaliſtiſchen Liſte geendet. Aber während bisher im
Hage=
nauer Stadtrat das Verhältnis der „ſchlechten” zu den „guten”
Franzoſen nur wie 13 zu 12 geweſen war, wird es künftig
min=
deſtens wie 17 zu 10 ſein. Lohnte das den Aufwand? Wie
ſchlecht war man in Paris unterrichtet, als man Ende Januar
den Gemeinderat von Hagenau aufzulöſen beſchloß! Die „
Re=
habilitierung” der Hagenauer Bevölkerung hat ein ganz anderes
Ausſehen bekommen, als es der Straßburger Präfekt und die
nationaliſtiſche franzöſiſch=elſäſſiſche Preſſe dem „Mutterland‟
verſprochen hatten.
Ob ſich Frankreich nun von dem unſeligen Gedanken frei
machen wird, die elſaß=lothringiſche Heimatbewegung unbeſehen
als etwas Hochverräteriſches zu betrachten, ob es den Klagen
und Anklagen des Autonomismus endlich anders als mit den
bisherigen Methoden des Chauviniſtenterrors antworten wird?
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Nummer 60
Mittwoch den 29 Februar 1928
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 29. Februar.
Volkstrauertag und evangeliſche Kirche.
EPH. Es iſt auch in dieſem Jahre von verſchiedenen Verbänden
an=
geregt worden, am Sonntag (Reminiſcere), den 4. März, einen
allge=
meinen Volkstmauertag zur Erinnerung an die Kriegsopfer zu begehen.
Die evangeliſche Kirche hat die Trauer und die Not unſeres Volkes noch
immer wie ihre eigene gefühlt und zu lindern geſucht. Zur Begehung
allgemein angeordneter kirchlicher Feiern am Volkstrauertag wäre jedoch
die Vorausſetzung, daß es ſich wirklich um einen allgemeinen,
nicht um einen allgemein gefeierten und empfundenen Volkstrauertag
handelte, der Reichs= oder Landesgeſetzesſchutz genießt. Solange dieſer
Schutz ausſteht, iſt auch die Anordnung allgemein kirchlicher Feiern
unmöglich. Trotzdem hat es die Kirchenbehörde den Kirchenvorſtänden
freigeſtellt, örtliche kirchliche Feiern ſtattfinden zu laſſen, wenn ein
Verlangen danach beſteht und in der Gemeinde alle Veranſtaltungen,
die dem Ernſt und der Würde dieſes Tages widerſprechen, am Tage
ſelbſt, wie am Vorabend unterbleiben. Somit wird auch die Kirche mit
dem religiöſen Troſt, den ein ſolcher Geiſt erheiſcht, dort zu finden
ſein, wo man ihn wirklich begehrt. Im Uebrigen darf nicht vergeſſen
werden, daß wir einen großen allgemeinen Volkstrauertag haben, den
Totenſonntag, an dem regelmäßig auch der Kriegsopfer gedacht wird.
— Ernannt wurden: am 23. Februar der Studienaſſeſſor Dr.
Fried=
rich Avemarie aus Meſſel zum überplanmäßigen Studienrat mit
Wir=
kung vom 1. Januar 1928 ab; der prov. Diplomhandelslehrer an der
taufmänniſchen Abteilung der Fortbildungsſchule zu Friedberg Hans
Hofmann zum Diplomhandelslehrer an dieſer Schule. Am 24.
Februar wurde der Oberlandmeſſer Wilhelm Klinger beim
Vermeſ=
fungsamt Hungen in gleicher Dienſteigenſchaft vom 1. April 1928 ab
zum Vermeſſungsamt Grünberg verſetzt. Am 24. Februar wurde der
Anwärter für den ſtagtlichen Forſtdienſt Forſtwart Johann Adam
Schweinsberger zu Unter=Hambach auf Grund des Artikels 3
des Geſetzes über die Ermächtigung der Staatsregierung zur
Neurege=
lung der Dienſtbezüge der Kommunalforſtwarte ſowie zur
Neueintei=
lung der Förſtereien vom 30. Juli 1920 unter der Amtsbezeichnung
„Förſter” vom 1. Februar 19B8 an in den Staatsdienſt übernommen.
— Ernannt wurde am 23. Februar der Vermeſſungsrat Heinrich
Dietrich beim Vermeſſungsamt Grünberg vom 1. April d. Js. an
unter Beibehaltung ſeiner Amtsbezeichnung zum Vorſtand des
Veu=
meſſungsamts Bingen.
— Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wurden übertragen: dem Pfarrer Hermann Müller zu Maulbach die
evangeliſche Pfarrſtelle zu Eichelsdorf Dekangt Nidda; dem Pfarrer
Otto Kappeſſer zu Nieder=Florſtadt die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Kettenheim Dekanat Alzeh; dem Pfarraſſiſtenten Rudolf Beringer
zu Darmſtadt die evangeliſche Pfarrſtelle zu Schaafheim. Dekanat Groß=
Umſtadt.
— Dienſtjubiläum. Am heutigen Tage ſind es 25 Jahre, daß Herr
Kaufmann, Philipp Ewald, Herdweg, 41, bei der Firma Jak. Nohl,
Fabrik für Zentralheizungen und ſanitäre Einrichtungen, Darmſtadt,
tätig iſt.
— Hohes Alter. Am 1. März d. Js. vollendet Frau Mathilde
Schäfer. Witwe des verſtorbenen Ratsdieners Wilhelm Schäfer,
Fuhrmannſtraße 14, ihr 80. Lebensjahr.
— Cin 92=Jähriger. Geſtern war es dem früheren ſtädtiſchen Arbeiter
Andreas Grimm Darmſtraße 11, vergönnt, in ſeltener geiſtiger
und körperlicher Rüſtigkeit ſeinen 92. Geburtstag zu begehen.
— Heſſiſches Laudestheater. Heute Mittwoch, 29. Februar, am
100. Jahrestage der Uraufführung (Paris, 29. Februar 1828) wird
Aubers „Stumme von Portici” in neuer Bearbeitung und
Inſzenierung zum erſten Male gegeben. Es wirken mit die Damen
Albrecht, Eckſtein, Penſe, die Herren Biſchoff, Deharde, Ebert=Beher,
Grauert, Grohm, Jörn a. G. Muſikaliſche Leitung: Carl Bamberger.
Inſzenierung: Arthur Maria Rabenalt, Cläre Eckſtein, Wilhelm
Rein=
king. Die Vorſtellung, die im Großen Haus ſtattfindet, beginnt um
19 Uhr 30 Min.
Bayard Veillers erfolgreiches Kriminalſtück „Der dreizehnte Stuhl”
wird in dieſer Woche zweimal gegeben, nämlich morgen Donnerstag
und Samstag, 3. März.
Die nächſten Neuheiten der Oper ſind: Erich Wolfgang Korngolds
„Vi ol anta” und „Gianni Schiechi” von Puccini.
Sinfoniekonzerte: Alma Moodie, die bedeutendſte
moderne Geigerin, ſpielt als Soliſtin des 6. Sinfoniekonzertes am
Montag, 5. März, das ihr gewidmete Violinkonzert Opus 35 von Hans
Pfitzuer (Erſtaufführung).
Die morgige Rheingold=Aufführung iſt Wahlvorſtellung. Die
Karten werden an die Mieter heute und morgen während der üblichen
Kaſſenſtunden an der Tageskaſſe ausgegeben.
— Gefallenengedenkfeier am Volkstrauertag. Es beſteht die heilige
Verpſlichtung des deutſchen Volkes, die nicht zu vergeſſen, die ihr Leben
fürs Vaterland laſſen mußten. Auf Veranlaſſung des Volksbundes
„Deutſche Kriegsgräberfürſorge” wird jetzt überall in deutſchen Landen
zum Gedächtnis unſerer Gefallenen und im Weltkrieg Verſtorbenen der
Volkstrauertag feierlich begangen. Noch iſt dieſer Tag kein geſetzlicher
Feiertag, aber doch hält man in Tauſenden von deutſchen Städten und
Dörfern am Sonntag, den 4. März, dem Vollstrauertag, beſondere
Feiern ab. zum Gedonken derer, die für uns, für uns alle, ſtarben. Wie
alljährlich, ſo veranſtaltet auch in dieſem Jahre die Ortsgruppe
Darm=
ſtadt des Volksbundes „Deutſche Kriegsgräberfürſorge” im Kleinen Haus
des Heſſ. Landesthoaters eine ſolche Gedächtnisſeier. In deren
Mittel=
zunkt ſteht die Rede, die in dieſem Jahre, wie ſchon wiederholt bekannt
gegeben, von Herrn Oberregierungsrat Dr. Meller=Darmſradt gehalten
wird. Das Orch=ſter des Heſſ. Landestheaters, unter Loitung von
Herin Generalmuſikdirektor Dr. Böhm, und die Chorſchule der
Stadt=
kirche, unter Leitung von Herrn Oberreallehrer Weide, haben ſich vereint
mit Konzertſängerin Fräulein Paula Löſch, liebenswürdigerweife bereit
erklärt, die Gedenkrede durch Vorträge inſtrumentaler bzw. vokaler
Na=
tur zu umrahmen. Die Klavierbegleitung liegt in Händen von Herrn
Valter Engelter. Es ſei ſchließlich noch darauf aufmerkſam gemacht,
daß Eintrittskarten zur Gefallenengedenkfeier zum Preiſe von 50 Pfg.
bis 2 Mk. auch im Vorverkauf an der Kaſſe des Heſſ. Landestheaters
zu haben ſind.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Wir
erinnern an den Vortrag von Herrn Landgerichtsrat Raab=
Darmſtadt über: „Rechtsfragen aus dem täglichen
Ge=
ſchäftsleben” am Freitag, den 2. März, abends 8 Uhr, bei Sitte
(Gelber Saal), Karlſtraße.
Die hieſige Schneiderinnung veranſtaltet heute abend
um 7.30 Uhr im Konkordiaſaal (Waldſtraße) eine außerordentlich inter= genußvollen Abend verſpricht! — Die Mitglieder der Geſellſchaft
wer=
eſſante Filmvorführung, zu der alle Mitglieder nebſt Angehöri= Mittwoch, Donnerstag oder Freitag vormittag an der Tageskaſſe des
gen herzlichſt eingeladen ſind. Gezeigt wird „Deutſche Tuche im
Film”, von der Rohwolle bis zum Schneidertiſch (Rohwolle,
Spin=
nerei und Weberei, ſoſvie moderne Verſand= und Verkaufsorganiſation).
Dieſer Film zeigt uns die Schafherden in einem der größten Reinwoll= Anzeige.)
gebiete in Argentinien; wir ſehen das Verladen der Wolle in Buenos
Aires und dann die Abwicklung des weiteren hochintereſſanten
Arbeits=
prozeſſes. Die Filmvorführung gibt die ſeltene Möglichkeit, den
Werde=
gang der Stoffe und die vielen mechaniſchen Vorgänge kennen zu
ler=
neu, bis die Ware in unſere Hände gelangt. Und das alles in einer
ſehr verſtändlichen und unterhaltſamen Form. — Demgemäß möchten
wir den Beſuch am heutigen Abend dringend empfehlen. Eintritt
frei!
ab morgen Donnerstag, 1. März, die nachfolgende Kritik des „Lübeck, reiche Eltern gefolgt. Muſikaliſche und deklamatoriſche Darbietungen
Generalanzeigers” anläßlich des dortigen Gaſtſpiels in der
zueiten Februarhälfte: .. „In 30 kurzen Bildern zeigte dieſe Nevue der jſetigen Sextaner leiteten den Abend ſtimmungsvoll ein.
Anſchlie=
rinnen und Künſtler und eine Schar gutgewachſener Girls. Als Stern eingehend dargelegt und erläutert. Die Aufnahme in das
Realgymna=
des Abends ſei regiſtriert die unerhört hübſche Anny. Ann, die ſium für Schüler mit tjährigem Beſuch der Grundſchule findet Donnes=
Paprika im ſchalnken Körper hat und mit ihrem fabelhaften
Tempera=
ment alles mitreißt. Und Ree Hagen!! Eine raſſige ſchwarze tag, 1. März, von 10—1 und 3—5 nachm, und Freitag, 2. März, von
Frau mit großer, warmer Stimme und hingebungsvoollem Spiel. Sie 10—1 Uhr, ſtat. Das Realgymnaſum nimmt (auch in ſeinen
Aeforn=
iſt vielleicht ſchauſpieleriſch die beſte Kraft der ganzen Revue. Ju wärtigen Orten auf.
x=verſchiedenen Rollen, als Sänger und Tänzer gleich gut, ſieht und
hört man den temperamentvollen Heinz Eck, als falſche
Sultans=
braut iſt er zum Heulen. Herbert Hardt ſpielt den Bonvivant,
tanzt und ſingt mit den Girls und gefällt glänzend. Ernſt
Tan=
dar zeigt beſonders in dem Sketſch „Trata” eine fabelhafte
ſchauſpie=
leriſche Leiſtung. Der Tänzer Kalil Agri zeigt einige gute,
origi=
nelle orientaliſche Tänze. Und noch viele andere, vor allem die exakt
arbeitenden Metro=Girls und das Blanche=Ballett
verhel=
fen der Revue zu einem Rieſenerfolg. Die Inſzenierung beſorgte mit
Schmiß der Oberregiſſeur Edmund Fritz,
Die Neugeſtaltung des Palaisgartens.
Verbindung Schuchardſiraße—Waldſiraße. — Niederlegung der Mauer. — Gärineriſche
Ausgeſtaltung. — Verbreiterung der Eliſabethenſtraße.
Der Verein der Innen= und Altſtadt hatte geſtern
abend im Grünen Zimmer des Fürſtenſaales eine ſehr gut beſuchte
Ver=
ſammlung, in der vor allem die Frage der Bebauung oder
Verbeſſe=
rung des Palaisgartens debattiert wurde. Nachdem der Vorſitzende
Sanitätsrat Dr. Kolb. die Anweſenden herzlich begrüßt hatte, hielt
Architekt Schembs das Referat, in dem er unter anderem ausführte:
Die Frage der Bebauung oder Verbeſſerung des
Palaisgartens hat in den letzten Jahren die Darmſtädter
Ge=
müter mächtig bewegt; allerlei Meinungen platzten ſcharf aufeinander.
Beſondere Bedeutung gewinnt die Angelegenheit durch die auf der
Hauptverſammlung des Verkehrsvereins erfolgte Vorlage eines
Ent=
wurfes über die Gartenaufteilung des Herrn Bürgermeiſters Burbaum,
und die daran erfolgte Kritik, beſonders durch die Herren Prof. Walbe
und Haupt. Die Lage des Gartens mitten im Geſchäftszentrum reizt
naturgemäß zu einer baulichen Ausſchlachtung, und die wäre auch
ſicher=
lich der hohen ſteuerlichen Belaſtung wegen ſchon erfolgt, wenn
der Garten im Privatbeſitz wäre. Gerade die Tatſache, daß der Staat
das Gelände nicht hergeben will, wirkt erſchwerend. Es muß aber viel
mehr damit gerechnet werden, daß der Garten noch viele Jahre als
ſol=
cher beſtehen bleibt. Und wir ſollten uns dieſer Lunge im
Stadt=
innern freuen, und es beſteht ja auch eine große Gemeinde in der Stadt,
die den Garten abſolut beibehalten wiſſen will.
Der Anregung des Vereins Innenſtadt iſt es zu danken, daß 1921
der Durchgangsweg wenigſtens geſchaffen wurde. Er wird ſtark benutzt,
führte aber dazu, daß ſich die Jugend des Gartens bemächtigte und alle
alten und neuen Anlagen alsbald der Zerſtörung anheimfielen,
begün=
ſtigt durch die den Garten umſchließenden Mauern. Der derzeitige
un=
würdige Zuſtand kann unmöglich länger beſtehen bleiben. Unſer Verein
hat mich beauftragt, ein Referat über das, was nach ſeiner Anſicht
ge=
ſchehen ſollte, zu erſtatten und damit einen Meinungsaustauſch heute
auszulöſen. Als notwendig erſche ſtt vor allem die Durchführung einer
richtigen Verbindungsſtraße im Zuge der aufeinanderpaſſenden Wald=
und Schuchardſtraße unter Niederlegung eines Teiles der Bauten des
Alten Palais. Wir machten ſchon 1921 einen diesbezüglichen Vorſchlag,
ehe die dortigen Bauten um= und höhergebaut wurden. Wir müſſen
unbedingt Wert auf dieſe direkte Verbindung ohne irgend welchen
Knick legen. Nicht ohne Grund wurde vor 40 Jahren die neu eröffnete
Schuchardſtraße in die Axe der Waldſtraße geleget.
Was nun den Garten an ſich anbelangt, ſo iſt zu beachten, daß in
ihm eine Menge ſchöner Bäume ſtehen, deren Erhaltung unbedingt
Pflicht iſt. Längs der ganzen Straßen, mit Ausnahme eines kurzen
Stückes an der Wilhelminenſtraße, liegt das Terrain 50—80 Zentimeter
(die Höhe iſt unterſchiedlich) höher als die Straße. Will man die
Wur=
zeln nicht anfaſſen und damit die Bäume gefährden, dann muß man
dieſen Höhenunterſchied beibehalten, und die Mauern müſſen alſo auf
dieſer Höhe ſtehen bleiben, weil viele Bäume direkt an der Mauer
ſtehen. Dieſer Punkt iſt ein recht ſchwieriger.
Nun müſſen wir uns die Frage vorlegen, was mit dem Garten
eigentlich geſchehen ſoll. Erwieſen iſt, daß man ihn nur dann mit
ſchö=
nen Anlagen verſehen kann, wenn man ihn ganz abſchließt. Das will
aber ſicher niemand. Es überwiegen die Stimmen, die ſich dort einen
Kinderſpielplatz denken, die den Platz geöffnet haben wollen, daß ein
jeder auf ſeinem Wege den Garten durchſchreiten kann, kurz, er ſoll der
Oeffentlichkeit gehören und daher offen ſein. Ein Kinderſpielplatz iſt
ſicher erwünſcht, denn in der Stadt ſind alle freien Plätze mit Anlagen
verſehen, oder durch Autoverkehr ſo beläſtigt, daß ein Spielen der
Kin=
der unmöglich iſt. — Dann ſind natürlich koſtſpielige Anlagen nicht am
Platze; einige große Grasflächen, wo die Sonne hereinſcheint, wenige
Bänke genügen. Damit die Jugend freilich nicht zu toll ihr Weſen
treibt, iſt ein Niederlegen der Mauern ſo weit nötig, daß der Platz von
der Straße aus überſehen werden kann. Den vorn als notwendig
an=
gedeuteten, etwa 80 Zentimeter hohen Mauerſockel wird man mit
eini=
gen Treppen, etwa vier Stufen, unterbrechen und mit einem ſchönen
Steinputz verſehen.
Ferner habe ich noch einen letzten und wichtigen Punkt zu erörtern:
Geht man nun mal an eine ſolche zeitgemäße Umgeſtaltung, dann
ver=
breitere man die Eliſabethenſtraße längs des Gartens um 4—5 Meter.
Der rieſige Kraftwagenverkehr an dieſer Stelle gebietet das unbedingt;
man beachte nur mal die Schwierigkeit, mit der der Schutzmann Ecke
Wilhelminen= und Eliſabethenſtraße den Verkehr regeln muß. Fallen
dabei wirklich 3—4 Bäume — es ſind keine großen —, ſo iſt das kein zu
großes Opfer. Der Grund und Boden, etwa 200 Quadratmeter, braucht
ja heute vom Staate noch nicht erworben zu werden; er kann ihn der
Stadt gegen eine geringe Pacht überlaſſen, bis einmal in vielen Jahren
die dann wahrſcheinlich doch mal kommende Bebauung zur Uebergabe
an die Stadt führt.
Da der Staat der Beſitzer des Gartens iſt, muß er für den Plan
gewonnen werden, und nach den Aeußerungen des Herrn Bürgermeiſters
Buxbaum iſt der Finanzminiſter bereit geweſen, der von ihm
vorge=
ſchlagenen Löſung zuzuſtimmen und einen Zuſchuß zu leiſten. Es wäre
erfreulich, wenn im Laufe des Abends ein greifbares Reſultat in dieſer
ſchwierigen Frage erzielt wird.
Die Ausführungen des Referenten wurden mit lebhaftem Beifall
aufgenommen. In einer ausgiebigen Diskuſſion wurde zu dem Projekt
Stellung genommen. Zunächſt beleuchtete Herr Gütting, der über die
verſchiedenen Palaisgartenprojekte genau orientiert iſt, ſehr
tempera=
mentvoll die Vorteile der Verbeſſerungsvorſchläge im Sinne des
Refe=
renten und ſchilderte die Abneigung des größten Teiles der Darmſtädter
Bevölkerung gegen die Belaſſung des Gartens und hauptſächlich der
Mauer in ihrem heutigen Zuſtand. Nicht nur die Anwohner der
benach=
barten Straßen, ſondern die überwiegende Mehrheit der Darmſtädter
fordern die Niederlegung der Mauer, die Schaffung einer
Durchgangs=
ſtraße (gerade Verbindung Schuchard=— Waldſtraße), eine ſchöne
An=
lage des Gartens und eine Verbreiterung der Eliſabethenſtraße. Man
müſſe der Stadtverwaltung, die ſich auch für dieſe Forderungen einſetze,
den Rücken ſteifen, dann werde man das Ziel erreichen. — Herr Saeng
gibt zu bedenken, daß man ſich in anbetracht der Koſten nicht allzu viel
vornehmen möge. Im übrigen ſtimme er mit dem Plan überein. —
Herr Schembs tritt nochmals nachdrücklich für die bekaanten
Vor=
ſchläge ein; ebenſo Herr Nachtigall. Herr Gütting erklärt, daß
man ſich mit den erwähnten Plänen durchaus im Einverſtändnis mit
der Stadtverwaltung und der Baupolizei befinde; daß der
Finanzmini=
ſter ſogar ſeinerzeit einen Zuſchuß zugeſagt habe und daß die
Durchfüh=
rung des Planes 102 000 Mark nicht überſteigen werde. Die Anwohner
und alle Intereſſenten müßten der Stadtverwaltung den Rücken ſtärken;
er bitte daher um Annahme folgender
Reſolution:
„Die Geſamtheit der heute, am 28. Februar 1928, abends im
Kaiſer=
ſaal zu Darmſtadt zahlreich verſammelten Mitglieder und Gäſte des
Vereins der Innen= und Altſtadt verwerfen entſchieden die weiteren
Auseinanderſetzungen bezüglich des Alten Palaisgarten. — Dadurch
wird die Sache nur verzögert und die Zuſtände des Gartens und deſſen
Verwilderung nehmen geradezu troſtloſe Formen an.
Die Anweſenden verlangen, daß unter allen Umſtänden nunmehr
endlich mit größter Beſchleunigung die alten, das Stadtbild ſtörenden
Mauern niedergelegt, eine gerade Fahrſtraße zwiſchen Wald= und
Schu=
chardſtraße hergeſtellt und der Garten neu inſtandgeſetzt wird, wie
ſol=
ches auch von der Stadtverwaltung ſelbſt vorgeſchlagen iſt.
Der Vorſtand obigen Vereins wird beauftragt, vorſtehende
Reſolu=
tion der Stadtverwaltung ſofort zu überreichen und mit allen ihm zu
Gebote ſtehenden Mitteln tatkräftig dafür einzutreten, daß die
Ange=
legenheit im Sinne obiger Reſolution baldigſt ihre Erledigung findet.
Die Anwohner der näheren Umgebung der Straßen des Gartens ſind
keinesfalls gewillt, einer weiteren Hintrnſetzung ihrer vitalſten
Inter=
eſſen tatenlos zuzuſehen.”
Der Vorſitzende erklärt ſich mit der Reſolution einverſtanden, wünſcht
aber einige formelle Aenderungen. Mehrere Diskuſſionsredner, u. a.
Herr Finger, erklären ſich mit den Ausführungen des Referenten
durchaus einverſtanden. Herr Kraus ſpricht als Anwohner der
Luiſenſtraße ſeinen Dank für das tatkräftige Einſetzen zur
Verwirk=
lichung des Projektes aus. Auch die Innenſtädter hätten Anſpruch auf
Berückſichtigung ihrer berechtigten Wünſche, und Bürgermeiſter
Bux=
baum, werde im Verein mit ſeinen Amtskollegen und der
Stadtverord=
netenverſammlung dieſen unhaltbaren Zuſtand zu ändern wiſſen und
zur Ehre der Stadt die geeignete Umgeſtaltung des Palaisgartens warm
unterſtützen. — Die Verſammlung beſchloß, daß eine Kommiſſion die
Angelegenheit durch ſtändige perſönliche Fühlungnahme mit dem Herrn
Finanzminiſter, Herrn Bürgermeiſter Buxbaum und der Baupolizei
unbedingt energiſch weiter fördern möge — Nach einigen kleineren
An=
fragen wurde über die Reſolution abgeſtimmt, die gegen eine Stimme
von allen Anweſenden angenommen wurde. — Als zweiter Punkt ſtand
die Beleuchtung der Innenſtadt
auf der Tagesordnung. Herr Schlüter wies auf den unhaltbaren
Zuſtand der ungenügenden Straßenbeleuchtung, namentlich der
Ludwig=
ſtraße, hin. Herr Schembs hält den Bau einer ausreichenden elektriſchen
Beleuchtungsanlage für dringend notwendig. Die Verſammlung beſchloß
einſtimmig die Ausarbeitung einer diesbezüglichen Reſolution und
for=
derte die Einleitung geeigneter Maßnahmen. — Nach Erledigung
eini=
ger kleinerer Mitteilungen ſchloß der Vorſitzende Sanitätsrat Dr. Kolb
die angeregt verlaufene Verſammlung.
— Kindergärtnerinnen=Seminar des Alicevereins für Frauenbildung
und Erwerb. Am V. Februar fand im Kindergärtnerinnen=Seminar
des Alicevereins für Frauenbildung und Erverb die ſtaatliche
Kinder=
gärtnerinnen=Prüfung ſtatt, an der 2 Schülerinnen des Seminars
teil=
nahmen. Sämtliche Anwärterinnen beſtanden die Prüfung.
Blut-
auffrischend,
Waanktel
Feinigt die
Organe.
Pa
(V. 1790
Friedrich Schaefer, Darmſtadt, Ludwigspl. 7, Tel.45/6
— Das Gaſtſpiel der „Muſikaliſchen Komödien” aus München, das
auf Veranlaſſung der Freien Literariſch=Künſtleriſchen
Geſellſchaft am Samstag, 3. März, 8 Uhr, im Kleinen Haus
des Landestheaters ſtattfindet, bringt köſtliche Schätze deutſcher Muſik
zum Erklingen. Zwei muſikaliſche Leckerbiſſen ſollen von dem
aus=
gezeichneten Enſemble der Münchener Kammer=Oper vorgeſetzt
wer=
den: „Die Spieluhr” ein reizendes Singſpiel von A. Lortzing,
und „Der Herr Doktor”, ein muſikaliſches Biedermeier=Luſtſpiel
von Franz Schubert; ein Programm, das ſicher einen fröhlichen,
den gebeten, die Eintrittskarten gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte
Kleinen Hauſes unentgeltlich in Empfang zu nehmen. An der gleichen
Stelle iſt auch der Vorverkauf für Nichtmitglieder eröffnet. (Siehe
82a
Kinderwagen
aller Art, neueste Modelle eingetroffen. Es ist Ihr Vorteil,
wenn Sie unsere Wagen besichtigen und die Preise hören.
J. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25½
— Elternabend im Realgymnaſium (mit Reformrealgymnaſium).
— Oupheum. Zum Gaſtſpiel der Berliner Metro=Revue Der Einladung der Direktion zu einem Elternabend für die an Oſtern
neu in die Höhere Schule eintretenden Schüler waren erfreulich
zahl=
ßend wurden durch Direktor und Konrektor alle mit der Aufnahme in
„Geheimniſſe des Harems”, ein reichliches Aufgebot guter Künſtle= Verbindung ſtehenden Fragen allgemeiner wie auch unterrichtlicher Art
zug) Schüler aus der ganzen Stadt Darmſtadt; ſowie aus allen aus=
— Herr Dr. Johannes Müller wird in dieſem Jahre nur einmal
in Darmſtadt ſprechen können, da er durch zahlreiche andere
Vortrags=
reiſen zu ſehr in Anſpruch genommen iſt. Alle ſeine Freunde und
Verehrer werden deshalb noch einmal darauf hingewieſen, daß dieſer
Vortrag am kommenden Samstag, abends 8 Uhr, in der Otto=Berndt=
Halle ſtattfindet. Kartenverkauf bei den Buchhandlungen von Schroth,
Rheinſtraße, und Waitz, Eliſabethenſtraße, ſowie am Verkehrsbureau.
Kunſinotizen.
Ueber Werte, Künſſier oder fünftleriſche Vrranfialtungen, deren im Nachſichend
min
geſchſeht, bebält ſc die Redatken ihr Urteltl vos
Das große weiße Schweigen.
Der engliſche Kapitän Scott, einer der erfolgreichſten Polarforſcher
der Zeit, hat ſeine letzte Fahrt zum Südpol mit noch vier Kameraden
mit dem Tode büßen müſſen. Die Tragik dieſes Forſcherſchickſals iſt
durch Berichte in der Tagespreſſe allgemein bekannt geworden. Dieſe
Tragik wurde für Scott ſelbſt peinlichſt vergrößert durch die Tatſache,
daß er nach unſäglichen, entbehrungsreichen Tagen endlich wohl den
Südpol erreicht, aber dabei die Erfahrung machen mußte, daß 34 Tage
vordem bereits Amundſen, der eine kürzere Route eingeſchlagen, am
Südpol die Farben ſeines Vaterlandes aufgepflanzt hatte. So ging
Scott der Ehre, des Ruhmes, den Südpol für ſein Vaterland entdeckt
zu haben, verluſtig. Auf dem Rückmarſch durch die unendliche
Eis=
wüſte, in deren Einſamkeit ſie 60 Tage lang zugebracht, wurden ſie von
ſchauerlichen Schneeſtürmen überraſcht, und als ſie am 6l. Tage abends
zum letzten Male ihr Zelt aufgeſchlagen, ſchliefen ſie, völlig erſchöpft,
in die Ewigkeit hinüber. Bis zur letzten Stunde hat Kapitän Scott
ſein Tagebuch geführt, und die letzten kurzen Eintragungen,
geſchrie=
ben in der Erkenntnis, daß ihre Lebensſtunden gezählt waren, wirken
erſchütternd. So lange der körperliche Zuſtand es den Forſchern
ge-
ſtattete, hat jeweils einer von ihnen auch in der ſchwierigſten Situation
photographiert und gefilmt. Die ſo aufgenommenen Platten und
Film=
ſtreifen wurden von der Rettungsexpedition aufgefunden, ſorgfältigſt
entwickelt und zehn Monate nach der Aufnahme noch gerettet. Sie
bil=
den ein erſchütterndes Kulturdokument, das vielleicht ſeinesgleichen nicht
hat. Die Toten werden wieder lebendig, und was ſie erduldet und
erreicht haben, blieb der Nachwelt erhalten.
Dieſe Tragödie im ewigen Eis der Südpolregionen bildet den
In=
halt des Filmwerkes „Das große weiße Schweigen”, das ab heute im
Kleinen Haus abrollt. Was dieſer Film bringt iſt reiner, nackter
Tat=
ſachenbericht nichts Geſtelltes, nichts Erdachtes, nichts Gekünſteltes;
aber dieſer Tatſachenbericht, durch das Laufbild verlebendigt, wirkt wie
ein wuchtiges Drama.
Der Film kann nur drei Tage — Mittwoch, Donnerstag
und Freitag — vorgeführt werden.
Caſanova” Ufa=Großfilm,
Palaſt=Lichtſpiele.
12 Akte! Giacomo Caſanova de Singalt, dieſer bekannteſte unter den
abenteuerlichen Weltfahrern des ausgehenden 18. Jahrhunderts, iſt eine
Filmfigur großen Formates und dürſte die Hoffnungen nicht enttäuſchen,
die eine im heiklen Stoff dezent und graziös arbeitende und dabei ſehr
geſchäftstüchtige Regie an ihn geknüpft hat. Caſanovas berühmtes
Memoirenwerk iſt darin von Norbert Falk und dem Regiſſeur Wolkoff
ziemlich frei exerziert und willkürlich ergänzt worden. Der Charakter
des berüchtigten Liebhabers wurde ritterlich und romantiſch veredelt, in
den galanten Formen des Rokoko, und zur Darſtellung den denkbar
beſten Händen anvertraut. Die Handlung zerfällt, ganz im Sinne
Caſa=
no as, dieſes Meiſters der Selbſtinſzenierung, in wirkſam aufgemachte
Epiſoden. Sie hat opernhaften Stil. Arien des abenteuerlichen
Liebes=
ſpiels ſind es, die da vorbeiklingen. Auch die Rollenbeſetzung um
Mos=
jukin iſt ganz international. Da ſind Suzanne Bianchetti, Diana
Ka=
go und Rudolf Klein=Rogge als wahnwitziger Zar
Peter III. und nicht zuletzt Rina de Liquoro, die „ſchönſte Frau von
Rom”. — Alles iſt hier Theater, auer das kühnſte Ausſtattungstheater
wurde mit den Mitteln des Films übertrumpft.
Seite 6
Mittwoch den 29. Februar 1928
Nummer 60
DieOrtsgruppe Darmſiadt des Odenwaldklubs
hielt im vollbeſetzten Fürſtenſaal ihre Hauptverſammlung für
das Wanderjahr 1927 unter Leitung des erſten Vorſitzenden, Herrn
Bürgermeiſter Mueller ab. Nach einem Chor der
Geſangsabtei=
lung, die unter der Leitung des Klubgenoſſen Oberreallehrer Weide
ſchon in die auf Heimatliebe und Wanderfreudigkeit eingeſtellte
Stim=
mung des Abends prächtig einleitete, und einer herzlichen
Begrüßungs=
anſprache des erſten Vorſitzenden, die auch der im Klubjahr
verſtor=
benen Wanderfreunde warm gedachte, erſtattete Klubgenoſſe Direktor
Schrauth einen Jahresbericht, der eingehend die Ereigniſſe im
verfloſſenen Jahr, die Tätigkeit des Vorſtandes, des Wanderausſchuſſes,
des Geſelligkeitsausſchuſſes und der Wandergenoſſen in
formvollende=
ter und begeiſternder Weiſe behandelt. Der Mitgliederſtand hat ſich
trotz zahlreicher Neueintritte auf der Zahl von 1100 gehalten, weil den
Eintritten auch viele Austritte entgege iſtanden. Der Bericht ſtellt mit
Bedauern feſt, daß ungezählte Tauſende von Wanderern gerne die
Einrichtungen des Klubs benutzen (Wegmarkierungen uſw.), aber leider
nur wenige von ihnen nun auch die Folgerung daraus ziehen, daß eine
ſolche gemeinnützige Tätigkeit, wie ſie der Odenwaldklub entfaltet,
be=
deutende Mittel beanſprucht, und man als Nutznießer eigentlich
mora=
liſch verpflichtet iſt, durch Erwerbung der Mitgliedſchaft die
Fortfüh=
rung und Erweiterung der Arbeit ermöglichen zu helfen. Der Bericht
erkennt jedoch weiter an, daß immerhin eine beträchtliche Anzahl von
Klubgenoſſen, die ſich an den Wanderungen wenig oder nicht
beteili=
gen, trotzdem dem Klub die Treue halten. So konnte im Verlauf des
Abends der erſte Vorſitzende wieder 55 dieſer Getreuen, darunter z. B.
dem faſt 80jährigen Buchhändler Saeng, das Zeichen für 25jährige
Mitgliedſchaft in feierlicher Weiſe überreichen. Mit den in den beiden
Vorjahren auf dieſe Weiſe Ausgezeichneten beſitzt die Ortsgruppe nun
einen Stamm von 300 Männern, die durch mehr als 25jährige
Mit=
gliedſchaft mit dem Odenwaldklub verwachſen ſind; ein Beiſpiel nicht
nur für die Klubgenoſſen, ſondern auch für die noch Fernſtehenden.
— Die Geſangsabteilung der Ortsgruppe entwickelt ſich zur Freude
aller Klubgenoſſen ſtändig aufwärts. Der Jahresbericht ſtellt weiter
feſt, daß die drei Jugendgruppen der Ortsgruppe unter der Führung
der Klubgenoſſen Dr. Weitzel, Salomon und Frau Sprenger
blühen und tüchtige Arbeit leiſten. Im abgelaufenen Klubjahr fanden
13 Wanderungen der Ortsgruppe ſtatt, die durchſchnittlich 130
Teilneh=
mer zähltei. Die regelmäßig ſtattfindenden Klubabende wurden
ver=
ſchiedentlich durch Lichtbildervorträge, in denen einige der
Klubgenoſ=
fen, insbeſondere auch der zweite Vorſitzende, Oberſtudiendirektor
Kiſ=
ſinger, über eigene Wanderfahrten ſprachen, zu genußreichen
Zu=
ſammenkünften. Für die Mitglieder mit ihren Familienangehörigen
fanden vier beſondere Vortragsabende ſtatt und gaben auch den nicht
mitwandernden Mitgliedern Gelegenheit, ſich am Klubleben zu
be=
teiligen.
Zum Schluß weiſt der Berichterſtatter noch hin auf das
Vereins=
lveſen unſerer Tage, insbeſondere die Sportvereine, „die um die Gunſt
der Maſſen buhlen”. Er verkennt nicht den Wert körperlicher
Ertüchti=
gung, die ſie fördern wollen, geißelt aber die Auswüchſe mit den
Wor=
ten: „Rekord iſt vielfach Trumpf, und ſo mancher „Sieg” wird mit
ſchweren geſundheitlichen Schädigungen erkauft‟. Das Wandern
unter=
ſcheidet ſich vom Sportbetrieb dadurch, daß es auch beſeelt. „Wer
unſe=
vem Volke die Liebe zur Natur und Heimat wiedergibt, der gibt ihm
ſeine Seele wieder” Reicher Beifall der Anweſenden und herzliche
Dankesworte des erſten Vorſitzenden zeigten Herrn Schrauth, daß er
den Klubgenoſſen aus der Seele geſprochen hatte.
Die geſchäftliche Seite der Hauptverſammlung fand raſche und
er=
freulich einſtimmige Erledigung, ſo Rechnung und Voranſchlag,
vor=
getragen vom langjährigen Rechner, Klubgenoſſen Bergmann, und
die erforderlichen Wahlen. Die turnusgemäß ausſcheidenden
Vorſtands=
mitglieder Böcher, Klump, Mueller, Notti, Schrauth und Langsdorf
wurden wiedergewählt. Der ſeitherige zweite Vorſitzende, Klubgenoſſe
Kiſſinger, iſt zugleich erſter Vorſitzender der deutſchen Gebirgs= und
Wandervereine, ein arbeitsreiches Ehrenamt, weshalb er das Amt des
zweiten Vorſitzenden der Ortsgruppe zum allgemeinen Bedauern
nie=
derlegte. Herr Burgermeiſter Mueller würdigte die überaus großen
Verdienſte des Klubgenoſſen Kiſſinger um die ganze Klubſache und
teilte mit, daß die Ortsgruppe Herrn Kiſſinger zum Ehrenmitglied
er=
nannt hat. Zum neuen zweiten Vorſitzenden wird unter allgemeinem
Beifall Klubgenoſſe Dr. Köſer ernannt. Der Größe der Ortsgruppe
und der deshalb zu leiſtenden Vorſtandsarbeit entſprechend hat der
Vorſtand vorgeſchlagen, in Klubgenoſſen Schrauth einen ziveiten
ſtellvertretenden Vorſitzenden zu ernennen. Der Vorſchlag findet
ein=
ſtimmige Billigung. Es treten dadurch folgende weitere Aenderungen
in der Zuſammenſetzung des Vorſtandes ein: Der zweite Schriftführer
wird zum erſten ernannt. Das Amt des zweiten Schriftführers
über=
nimmt Klubgenoſſe Langsdorf. Neu in den Vorſtand der
Orts=
gruppe tritt der Schriftführer des Hauptvereins, Klubgenoſſe Dr. Götz,
ein. — Nach Worten herzlichen Dankes, die Klubgenoſſe Dr.
Oppen=
heimer namens der ausgezeichneten 25jährigen und Klubgenoſſe
Kiſſinger für die ſeiner Arbeit gewordenen Anerkennung
aus=
ſprachen, konnte Herr Bürgermeiſter Mueller die ſehr harmoniſch
verlaufene Hauptverſammlung mit einem frendigen „Friſch auf” auf
die Wanderſache ſchließen.
— Volkshochſchule. Unſere Mitglieder erhalten zu den
Filmvor=
führungen „Das große weiße Schweigen” im Kleinen Haus
des Landestheaters und zur Volksvorſtellung „Der
Zigeuner=
baron” am Samstag, 3. März, im Großen Haus des Landestheaters
ermäßigte Karten in unſerer Geſchäftsſtelle, Mathildenplatz 17.
— Martinsgemeinde. Am Sonntag, 4. März, abends 8 Uhr, findet
in unſerer Martinskirche eine kirchenmuſikaliſche
Abend=
feier ſtatt. Der Abend iſt dem Andenken des vor 100 Jahren
ver=
ſtorbenen Tonmeiſters Franz Schubert gewidmet.
— Die Hauptverſammlung des Frauenvereins der Lukasgemeinde
kann am Donnerstag, den 1. März, nicht ſtattfinden und muß
verſcho=
ben werden.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld der hieſigen höheren Schulen
ſowie der Städtiſchen Maſchinenbau=, Gewerbe=, Handels= und
Haus=
haltungsſchulen für den Monat Februar 1928 iſt bei Meidung der
Beitreibung bis zum 10. März 1928 an die Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28,
zu zahlen. (Siehe auch Bekanntmachung im Anzeigenteil des Blattes)
* Große Strafkammer.
p. Der fahrläſſigen Tötung und Körperverletzung iſt der
Maurer=
geſelle Hch. Dauber III. von Langen angeklagt. Es handelt ſich um
jenen bedauerlichen Unfall — Zuſammenſtoß eines Motorrades mit
einem unbeleuchteten Handwägelchen auf der Straßenſtrecke Egelsbach—
Langen —, der ſich am 3. September 1927 abends ereignete und den
Tod der Beifahrerin und eine ſchwere Verletzung des Lenkers des
Mo=
torrades zur Folge hatte. Wir haben ſeinerzeit über die am 21. Dez.
1927 ſtattgehabte Verhandhung ausführlich berichtet. Gegen das auf
einen Monat Gefängnis lautende Urteil des Bezirksſchöffengecichts hat
der Angeklagte Berufung eingelegt.
Der Verteidiger betont, daß zwei Momente für die Verurteilung
des Angeklagten in Betracht kamen. Die Unterlaſſung der Beleuchtung
und ein plötzliches nach links Biegen des Wägelchens. Die
Beleuchtungs=
pflicht ſei, nach alter wie neuer Verordnung zu verneinen; das
Hand=
wägelchen falle nicht unter die dort genannten Fahrzeuge. Eine
Be=
leuchtungspflicht nach allgemeinen Grundſätzen ſei nicht zu konſtruieren.
Ein Handwägelchen ſei kein „beſpanntes Fuhrwerk”, denn letzteres ſei
nur ein von einem Tier gezogenes. Angeklagter ſei Telegraphenarbeiter
die Poſtverwaltung habe ihm in dieſer Eigenſchaft keine Beleuchtung
vorgeſchrieben. Im Fragefalle ſei nach § 2 Abſ. 2 StGB. die neue
Ver=
ordnung als das mildeſte Geſetz anzuwenden. Gegen ein plötzliches
Nach=
linksbiegen des Wägelchens ſpreche die Bekundung des Arztes Dr. Horn=
Langen. Der Angeklagte ſei hiernach unſtreitig von hinten
ange=
fahren worden, während der jüngere Bruder Adolf Dauber vorn an der
Deichſel zog. Der Lenker des Motorrades habe nicht die im Verkehr
erforderliche Sorgfalt beobachtet. Habe der Angeklagte eine
Linksbewe=
gung gemacht oder ſein Bruder, ſo könne ſie auch nach dem
An=
fahren durch das Motorrad erfolgt ſein. Es fehle der Nachweis
jeg=
lichen Verſchuldens auf ſeiten des Angeklagten; wohl aber liege ein
Ver=
ſchulden des Motorradfahrers offenſichtlich auf der Hand. Seine
Ge=
ſchwindigkeit ſei viel zu hoch geweſen, denn er ſei ſtark geblendet
ge=
weſen. Er habe deshalb ſo langſam fahren müſſen, um ſein Motorrad
auf kürzeſte Entfernung zum Stehen zu bringen. Es handele ſich um
einen gebildeten Fahrer, der auf einer verkehrsreichen Straße
unbeleuch=
tete Erntewagen überholt habe; er hätte damit rechnen müſſen, daß
plötzlich ein Hindernis auf der Fahrbahn vor ihm auftauche. Der
Mo=
torfahrer habe ſchließlich auch nicht abgebremſt, auch kein Signal
ge=
geben; vor ſich habe er gar nichts geſehen. Durch Signaliſieren wäre
der Unfall abgewendet worden.
Der Staatsanwalt betont, daß nach dem Sachverſtändigengutachten
die Beleuchtungspflicht für das Handwägelchen beſtanden habe. Vor
dem Nachlinksabbiegen habe ſich der Angeklagte vergewiſſern müſſen, ob
kein Hindernis vorhanden ſei. Angeklagter ſei auf der Seite angefahren
worden. Ein konkurrierendes Verſchulden eines anderen ſcheide für den
Strafrichter aus.
Das Urteil hebt das erſte Erkenntnis auf und
ſpricht den Angeklagten frei. Die neue Verordnung, die
als das mildeſte Geſetz anzuwenden ſei, ſchreibe keine Beleuchtungspflicht
für ein Handwägelchen ver; letzteres ſei keine beſpanntes Fuhrwerk. Auch
eine weitere Urſache zu dem Unfall habe Angeklagter nicht (etzt.
In den Fahrplänen der Kraftpoſten im Oberpoſtdirektionsbezirk
Darmſtadt ſind folgende Aenderungen eingetreten: Strecke
Nei=
chelsheim (Odenwald)—Lindenfels—Fürth (Odenwald)
Fahrplanbild 30 —. Die Fahrt ab Reichelsheim Poſtamt 13.21, an
Lin=
denfels 13.45, und die Fahrt ab Lindenfels W. 14.49, an Reichelsheim
Poſtamt W. 15.13, verkehren nur noch Samstags. Die ſonntägliche Fahrt
ab Lindenfels F. 16.48, an Reichelsheim Poſtamt F. 17.12, iſt ausgefallen.
Strecke Babenhauſen — Schaafheim (Kreis Dieburg) —
Fahrplanbild 21 —. Die erſte werktägliche Fahrt von Babenhauſen nach
Schaafheim verkehrt wie folgt: ab Babenhauſen W. 4.36, an
Schaaf=
heim 4.55.
— Ablauf wichtiger Lohnſteuerfriſten. Das
Reichsfinanzmini=
ſterium weiſt darauf hin, daß am 29. Februar die Friſt abläuft,
innerhalb der die Arbeitgeber den Finanzämtern
Ueberweiſungs=
liſten für 1927 über die außerhalb des Ortes der Betriebsſtätte
wohnhaft geweſenen Arbeitnehmer einzureichen haben. Bis zum
gleichen Tage haben die Arbeitnehmer, für die 1927 Steuermarken
verwendet worden ſind, ihre Steuerkarten mit Einlagebogen an
das Finanzamt abzuliefern. Ferner wird darauf aufmerkſam
gemacht, daß Anträge auf Erſtattung von Lohnſteuer für 1927
bis zum 31. März beim Finanzamt eingereicht werden müſſen.
Merkblätter über Lohnſteuererſtattung und Antragsvordrucke ſind
bei den Finanzämtern koſtenlos erhältlich.
(I Mch 717)
Tageskalender für Mittwoch, den 29. Februar 1928.
Landestheater, Großes Haus, Anf. 19½ Uhr, Ende 22 Uhr,
E 15: „Die Stumme von Portici” — Kleines Haus, Anf. 16, 18 und
20 Uhr: Film: „Das große weiße Schweigen” — Orpheum:
Keine Vorſtellung. — Konzerte: Schloß=Kaffee, Hotel Schmitz,
Weinhaus Maxim, Bockshaut, Kaffeehaus Bleichſtr. 43. — Hanauer
Hof, abends 20 Uhr: Hauptverſammlung des Bezirksvereins „
Mar=
tinsviertel. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele, Helia.
Verſteigerungskalender für Donnerstag, den 1. März 1928.
Holzverſteigerung: Vormittags 9 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Aus Heſſen.
J. Griesheim, 28. Febr. Am Donnerstag, den 1. März, abends
8 Uhr, findet auf dem hieſigem Rathaus eine Gemeinderatsſitzung ſtatt.
— Die Grundliſte der Pflichtfeuerwehr liegt vom 29. Februar bis
ein=
ſchließlich 7. März d. J. auf der Bürgermeiſterei (Zimmer 5) offen.
Ein=
wendungen gegen dieſelbe können innerhalb dieſer Friſt dortſelbſt
vor=
gebracht werden.
Aa. Eberſtadt, N. Febr. Arbeitsmarkt. Die Lage auf dem
hieſigen Arbeitsmarkt hat in den letzten Tagen eine erneute
Verſchär=
fung erfahren. Die Zahl der Unterſtützungsempfänger iſt nämlich auf
290 und die der Kriſenunterſtützungsempfänger auf 50 geſtiegen, ſo daß
ſich eine Geſamtzahl von 340 Arbeitsloſen ergibt, eine unerfreulich hohe
Ziffer. Seit Mitte November hat, wie die Aufzeichnungen ergeben,
die Zahl der Arbeitsloſen in Eberſtadt eine Zunahme von 200
Per=
ſonen erfahren. Anfang Oktober gab es in Eberſtadt kaum mehr als
100 Arbeitsloſe. Hoffentlich iſt damit ein gewiſſer Höhepunkt erreicht.
Man nimmt ſogar an, daß in den nächſten Wochen infolge des
kom=
menden beſſeren Wetters wieder Einſtellungen in Baubetrieben uſw.
erfolgen werden und damit wieder eine Entſpannung der Lage auf
dem hieſigen Arbeitsmarkt eintritt. — Reger Verkehr herrſchte
bei dem ſchönen, ſonnigen Wetter, das am Sonntag hinauslockte, an
der geſamten Bergſtraße. Nicht nur der Spaziergängerverkehr,
ſon=
dern auch der Autoverkehr war außerordentlich ſtark. —
Orts=
gericht. In Angelegenheiten des Ortsgerichts Eberſtadt finden von
jetzt ab täglich Geſchäftsſtunden in der Zeit von 10 bis 12 Uhr
vor=
mittags ſtatt. Die Geſchäftsſtunden werden auf Zimmer 11 des
Rat=
hauſes abgehalten. Das Ortsgericht wird nach wie vor von (dem
ſeit=
herigen) Bürgermeiſter Karl Schäfer verwaltet. — Kirchweihe.
Die diesjährige Eberſtädter Kirchweihe wird am 12. und 13. Auguſt
zur Abhaltung gelangen. Die Nachkirchweihe findet am 19. Auguſt
ſtatt. — Odenwaldklub. Die diesjährige Generalverſammlung
des Odenwaldklubs, die bereits kürzlich angeſagt, aber in letzter Minute
verlegt worden war, findet nunmehr am Samstag, den 3. März, im
Gaſthaus „Zum Bergſträßer Hof” ſtatt.
F. Eberſtadt, 28. Febr. Brennholzverſteigerung Nr. 2.
Am Donnerstag (1. März), nachmittags 3 Uhr beginnend, werden aus
dem Eberſtädter Gemeindcwald, Diſtrikt Woog, an Ort und Stelle
meiſt=
bietend verſteigert: 50 Rm. Kiefern=Scheitholz; 32 Rm. Kiefern=
Knüppel=
holz; 520 Kiefern=Stamm= und 1040 Kiefern=Aſtwellen; 42 Rm. Aſpern=
Scheitholz; 1 Rm. Aſpern=Knüppelholz; 40 Birken=Wellen.
Zuſammen=
kunft der Steigerer im Weinweg. Gegen ſichere Bürgſchaft wird bis
Martini kreditiert.
A2. Pfungſtadt, 28. Febr. Wanderung. Der Turnverein
Pfungſtadt unternahm am Sonntag bei ſchönſtem Wanderwetter einen
gut verlaufenen Ausflug an die Bergſtraße. Die Wanderung führte über
Jugenheim und Burgruine Joſſa nach dem Alsbacher Schloß.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 27. Febr. Ausübung der
Baukon=
trolle. In letzter Zeit iſt von ſeiten der Baukontrolleure wiederholt
Klage darüber geführt worden, daß ſie bei der Ausübung der Kontrolle
in Neubauten zum Teil entweder verſchloſſene Türen vorfanden, oder
daß im Innern die Zugangsmöglichkeit zu den Stockwerken unzureichend
war oder ganz fehlte. Auf Grund der Beſtimmungen der
Baupolizei=
verordnung für die Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt iſt den
Be=
amten der Baukontrolle jederzeit die Möglichkeit zu geben, die Bauſtelle
in allen ihren Teilen zu beſichtigen. Das Hochamt iſt berechtigt, für
jede durch die Unzulänglichkeit der Zugänge verhinderte Reviſion der
Neubauten eine Gebühr von 3 RM. zu erheben, ganz abgeſehen von den
ſonſtigen Mißhelligkeiten, die den Bauherren erwachſen.
f. Roßdorf, 28. Febr. Verpachtung. Am Donnerstag, den
1. März, nachm. 2 Uhr, werden die gemeinheitlichen Grundſtücke im
Gaſthaus des Phiipp Barth 3., dahier, auf weitere neun Jahre
öffent=
lich verpachtet.
Le. Groß=Umſtadt, 28. Febr. Oberreal= und Höhere
Land=
wirtſchaftsſchule. Mit dem 31. März endigt das Schuljahr.
Der Unterricht im neuen Schuljahre beginnt Dienstag, den 24. April,
und zwar, wie in vorderen Jahren, um ½8 Uhr. Tags zuvor, am
23. April, finden die Aufnahmeprüfungen für die aufzunehmenden
Schü=
ler ſowie auch für die Mädchen, welche die Höhere Mädchen=(Bürger=)
Schule zu Groß=Umſtadt beſuchen wollen, ſtatt. Es iſt ratſam, die
An=
meldungen ſo früh wie möglich an die Direktion gelangen zu laſſen,
da der Raum in manchen Klaſſen ſehr beſchränkt iſt, und es vorkommem
könnte, daß der eine oder der andere Schüler(in) wegen Platzwangel
zurüchgewieſen werden müßte. Die mündliche Prüfung der
Abiturien=
ten findet nächſten Samstag, den 3. März, ſtatt. — Bei den bis jetzt
abgehaltenen Holzverſteigerungen wurden verhältnismäßig hohe Preiſe
erzielt. Für den Raummeter Buchenſcheitholz wurden im Durchſchnitt
20 Mark und für Tannen=Scheit 16 Mark gelöſt.
* Brensbach, 28. Febr. Ein junger Großvater. Ein in
weiten Kreiſen bekannter, durch ſeinen offenen Charakter überall gern
geſehener hieſiger Geſchäftsmann begeht morgen in aller Stille ſeinen
vierzehnten Geburtstag. Dabei iſt er ſchon Großvater von zwei
Enkel=
kindern. Er iſt der einzige in unſerem ſtillen Ort, der an dieſem Tag
Geburtstag hat. Sieben Geburtstage konnte er als Kind und Jüngling
begehen. Nur ſechs Geburtstage durfte er während ſeiner 29jährigen
glücklichen Ehe an der Seite ſeiner Gattin, im Kreiſe ſeiner Familie
feiern.
Bd. Heubach, 28. Febr. Auf einen wohlgelungegen
Unterhaltungs=
abend blickt der hieſige Geſangverein „Liederkranz” In
form=
vollendeter Weiſe wurde das Theaterſtück „Die Bettelprinzeſſin”
auf=
geführt. Die Rollen waren ingeſamt in ſehr guten Händen, doch
ver=
dient es die Hauptdarſtellerin, Frl. Dina Kehrmann, ſowohl was Spiel
als auch Geſang anbelangt, beſondere Erwähnung zu finden. Das Stück
an ſich war für die Kräfte des Vereins ſehr paſſend und gut gewählt.
Nach einigen gemütlichen Stunden bei frohem Tanz ſchied man
all=
zufrüh voneinander.
zum Fettanſatz
Bei Korpulenz oder Veranlagung raten wir, in
der Apotheke 30 Gramm Toluba=Kerne zu kaufen, die unſchädliche, dabei
wirkſame, den Fettanſatz reduzierende Stoffe enthalten. V 125
Mit Eckstein durch die Welt
In jeder Ulmenried-Packung eines der schönen
Reisebilder aus aller Herren Länder!
(I. Dr. 2860
[ ← ][ ][ → ]Nummer 60
Mittwoch den 29 Februar 1928
Geite 7
Eberſtadt im Lichte des Verkehrs.
P. Eberſtabt, 28. Februar.
In wichtigen Verkehrsfragen iſt unſere aufſtrebende Gemeinde
bis=
her ſehr ſtiefmütterlich behandelt worden. Dies trifft beſonders auf
ge=
wviſſe poſtaliſche Verhältniſſe zu. Manche Vevbeſſerungen, deren ſich die
Gemeinde vor dem Kriege erfreuen konnte — es ſei nur an die
ver=
mehrte Briefbeſtellung, den Genuß der Ortsportotaxe im Briefverkehr
mit Darmſtadt und den unmittelbaren Fernſprechverkehr mit Darmſtadt
erinnert — fielen durch die Verhältniſſe, die der Krieg mit ſich brachte,
hinweg, ohne daß ſie, wie man erwarten durfte, nach dem Krieg wieder
eingeführt wurden. Es liegt im dringenden Intereſſe des geſteigerten
neuzeitlichen Verkehrs, daß die Gemeinde, und insbeſondere ihre
Ge=
ſchäftswelt, jener Vorteile wieder teilhaftig wird. Die Poſtverwaltung
ſelbſt aber muß ein Intereſſe daran haben, den nur zu berechtigten
Wünſchen in dieſer Hinſicht entgegenzukommen. Sie muß ſich von dem
Grundſatze leiten laſſen, daß jede Verkehrsverbeſſerung eine
Verkehrs=
hebung zur Folge hat, und daß ſie den Verkehr nicht ſo regeln darf,
wie ſie es für gut befindet, ſondern ihn ſo zu geſtalten hat, wie es der
Fortſchritt der Zeit erfordert. Entſprechende Anregungen haben nie
gefehlt. Daß dieſe Anregungen bisher eine greifbare Geſtalt nicht
an=
genommen haben, mag daran liegen, daß ſie bei den maßgebenden
Stel=
len nicht oder nicht energiſch gewg vertreten worden ſind. Nunmehr
gebar die Dringlichkeit verſchiedener Wünſche auf dieſem Gebiete, als
auch auf dem Gebiete des Eiſenbahnverkehrs eine
Verkehrsdepu=
tation, die geſtern abend unter dem Vorſitze des Bürgermeiſters Dr.
uecker im Rathausſitzungsſaale zum erſten Male tagte. Die
Aus=
ſprache war recht ergiebig. Man war einmütig der Anſicht, daß man
endlich zur Tat ſchreiten müſſe, wemn verhütet werden ſoll, daß wichtige
Belange des Verkehrs vernachläſſigt werden und die Gemeinde auf
die=
ſem Gebiete ins Hintertreffen gerät.
In poſtaliſcher Hinſicht evſtrechen ſich die erhobenen
Forde=
rungen auf:
1. Die Wiedereinführung der Ortsportotaxe im Briefverkehr mit
Darmſtadt und umgekehrt:
2. die Wiedereinführung des unmittelbaren Fernſprechverkehrs
zwi=
ſchen Eberſtadt und Darmſtadt und umgekehrt (Anſchluß an das
Darmſtädter Ortsnetz) unter gleichzeitiger Einräumung der für
den Ortsverkehr maßgebenden Fernſppechgebühren:
3. Verbeſſerung des Fernſprechverlehrs an Sonntagen und durch
ſeine Ausdehnung auf die Zeit nach 9 Uhr abends, gegebenenfalls
Einrichtung des örtlichen Fernſprechamts in ein Selbſtanſchlußamt.
Bezüglich des Eiſenbahnverkehrs, erſtrechen ſich die
For=
derungen darauf, daß die Abfahrt des letzten vom Hauptbahnhof
Darm=
ſtadt in die Bergſtvaße abgehenden Zuges ſo gelegt wird, daß die Züge
von Mainz und aus dem Odenwald noch Anſchluß haben. Weiter wird
verlangt, daß die beſchleunigten Perſonenzüge, die auf der Strecke
Darmſtadt—Heidelberg verkehren, in Eberſtadt anhalten. Daß dies
zur=
zeit nicht der Fall iſt, iſt ein großer Mißſtand, der unbedingt beſeitigt
werden muß. Ferner ſoll dahin gewirkt werden, daß auf allen
wich=
teren Stationen Sonntagsfahrkarten nach Eberſtadt aufgelegt
werden, eine Forderung, die im Hinblick auf die Lage des Ortes (am
Eingang zur Bergſtraße) durchaus berechtigt iſt.
Im Verkehr mit der elektriſchen Straßenbahn ſollen
Schritte unternommen werden, daß von Eberſtadt aus noch je ein
Wa=
gen um 10.55 und 11.25 abgelaſſen wird, und daß von Darmſtadt aus
der letzte Wagen evſt um 11.55 fährt.
Die Verkehrsdeputation hat beſchloſſen, die Erfüllung der
vorge=
nannten Forderungen durch perſönliches Vorſtelligwerden bei den in
Betracht kommenden Stellen mit Nachdruck zu vertreten.
Al. Höchſt i. Odw., 28. Febr. Der Männergeſangverein Höchſt i. O.
hielt im Gaſthaus „Zum Schwanen” ſeine Jahreshauptverſammlung
ab. Der erſte Vorſitzende, Herr Georg Lohnes, begrüßte die ſehr
zahl=
reich erſchienenen Mitglieder und ſprach in großen Zügen über das
abgelaufene Vereinsjahr, das einen ſehr befriedigenden Verlauf
ge=
nommen hatte. Die Rechnungsablage, welche Herr Wilhelm Gieg
er=
ſtattete, zeigte geſunde Finanzverhältniſſe. Bei der Wahl des
Vor=
ſtandes, wurde derſelbe, außer dem ausgeſchiedenen Beiſitzer Herrn
Wilhem Luſt, für welchen Herr Peter Schäfer eintratt, wiedergewählt.
Herr Wilhelm Gieg ſah ſich leider genötigt, ſein Amt als Kaſſier
nie=
derzulegen, das Herr Joh. Hotz als Nachfolger übernahm. Alsdann
wurde beſchloſſen im Juni einen Ausflug nach Kaub a. Rh. zu machen.
An. Neuſtadt, N. Febr. Die 2. Wanderung der Ortsgruppe des
Odenwaldklubs führte, vom Rentamt ausgehend, hinauf auf
den Höhenweg (Markierungsweg nach dem Otzberg), vorbei an der ſog.
„Nägelchestanne”, in weitem Bogen um die Heilſtätte bei Sandbach
herum, auf der alten Frankfurter Straße durch weiteren tiefen Wald
abwärts nach dem „Kaffee Tomala”, am Bergesabhange nach Höchſt zu.
Dort wurde gemütliche Raſt gehalten. Es beteiilgten ſich 73 Perſonen
beiderlei Geſchlechts. — Die Gemeinde wird im Laufe dieſes Jahr’s
einen weiteren Teil der Kanaliſation durchführen, was weſentlich
zur Trockenlegung verſchiedener tiefliegender Häuſer beitragen dürſte.
— Der Gemeinderat hat in ſeiner letzten Sitzung einſtimmig
den von dem Kulturbauamt Darmſtadt vorgelegten Plan zur
Erbau=
ung eines größeren Schwimmbades der hohen Koſten wegen abgelehnt.
Die Frage eines kleineren Schwimmbades muß auf einem anderen Wege
gelöſt werden.
I. Michelſtadt, 28. Febr. Verkauf des Gaswerkes der
Stadt Michelſtadt. Wie bereits in einer offiziöſen Notiz
gemel=
det wurde, geht das Gaswerk der Stadt Michelſtadt am 1. April 1928
an die auf kommnnaler Grundlage ſtehende Südweſtdeutſche Gas=Aktien=
Geſellſchaft über. Das Werk Michelſtadt iſt nunmehr rund 23 Jahre
in Betrieb und iſt das einzige Gaswerk des hinteren Odenwaldes. Seine
Jahreserzeugung beträgt rund 280 000 Kbm., ſein Verſorgungsgebiet
umfaßt Michelſtadt, Steinbach und Stockheim. Der Abſchluß des
Kauf=
vertrages und des Konzeſſionsvertrages, wonach die Erwerberin das
Necht hat, den Verſorgungsbezirk der Stadt Michelſtadt auf 50 Jahre
mit Gas bzw. Ferngas zu beliefern, iſt auf Grund einſtimmigen
Ge=
meinderatsbeſchluſſes erfolgt. Die Stadt erhält einen angemeſſenen
Kaufpreis und außerdem eine prozentuale Beteiligung von jedem
um=
geſetzten Kubikmeter Gas. Die Intereſſen der Gasabnehmer ſind durch
entſprechende Preisvereinbarungen geſchützt, ebenſo ſind die Intereſſen
des Betriebsleiters und der Arbeiter, die in die Dienſte der Geſellſchaft
treten, in vollem Umfange gewahrt. Die Stadt wird ſelbſt Aktionär
bei der Südweſtdeutſchen Gas=Aktien=Geſellſchaft. Die nächſte Aufgabe
der Geſellſchaft iſt die Ausdehnung des Verſorgungsbezirkes im Kreiſe
Erbach und zwar iſt, wie wir hören, daran gedacht, das Gebiet von
Beerfelden bis Neuſtadt zunächſt mit Gas zu verſorgen. Die ganze
Maßnahme ſteht in engſtem Zuſammenhang mit den Beſtrebungen
auf Durchführung der Gasfernverſorgung in Heſſen. Sie bedeutet den
erſten Ausdruck einer wirtſchaftspolitiſchen Verſtändigung zwiſchen
Heſſen, Frankfurt a. M. und Mannheim. — Filmaufnahme. Von
einer auswärtigen Geſellſchaft wurde heute das Stadion im Betrieb
gefilmt. Auch wurden einige Aufnahmen von den Siedlungen der
Stadt Michelſtadt gemacht.
b. Erbach i. D., 28. Febr. Elternabend der Stadtſchule.
Die Stadtſchule Erbach veranſtaltet am Donnerstag, den 1. März,
abends 8½ Uhr, im Saale des Gaſthauſes „Zum Schützenhof” einen
Elternabend, wie ſolche aus früherer Zeit hier in angenehmſter
Erinne=
rung ſind. Eltern und Freunde unſerer Jugend ſind herzlichſt
einge=
laden. Einlaßkarten können nur durch die Schulkinder bezogen werden.
Der Eintritt iſt frei. — Gründung eines Radioklubs. Die
Vorverhandlungen ſind nun ſoweit gediehen, daß am Donnerstag, den
1. d. M., abends 8½ Uhr, eine Beſprechung der Intereſſenten
ſtattfin=
den kann. Die Verſammlung findet im Gaſthaus „Zur Stadt Erbach”
ſtatt. — Kreisausſchußſitzung. In der öffentlichen
Kreisaus=
ſchußſitzung wurde folgendes Urteil verkündet: Dem Geſuch des Adam
und Georg Wölfelſchnieder zu Höchſt i. O. um Erteilung der Erlaubnis
einer Gaſtwirtſchaft wird ſtattgegeben unter der Bedingung, daß die
An=
tragsſteller ſich der Gemeinde gegenüber vertraglich verpflichten, als
Her=
berge für Durchreifende eine Anzahl von nach Anſicht der
Bürger=
meiſterei geeigneten Räumen zur Verfügung zu ſtellen. Die Antragsſteller
haben die Koſten zu tragen.”
m. Beerfelden, 28. Febr. Dieſer Tage wurde ein für Forſtkreiſe
höchſt intereſſanter Verſuch gemacht in Gegenwart von Vertretern
ver=
ſchiedener Oberförſtereien, des Kreisamts und der gräflichen Häuſer.
Be=
kanntlich bleiben in Neupflanzungen ſogenannte Samentannen ſtehen,
die bei ſpäterem Fällen beſonders durch den weitäſtigen Gipfel unter
dem niederen Beſtand erheblichen Schaden anrichten. Nach dem von
einem Forſtbeamten erdachten Verfahren gelingt es, den Gipfel
geſon=
dert unmittelbar neben dem Stamm zum Herabfallen zu bringen, der
nachher fallende Stamm kann dann keinen bedeutenden Schaden mehr
verurſachen. Das Abbrechen des Gipfels erfolgt durch einen
Spreng=
ſchuß, der auf ſinnreiche Weiſe angebracht und ebenſo entzündet wird.
Bl. Ellenbach i. O., 27 Febr. Die Abendunterhaltung des hieſigen
Geſangvereins erfreute ſich am Samstag abend eines guten Beſuchs.
Nach dem Willkommensgruß des Vorſitzenden und einem Chor von
Sonnet: „Herz iſt Trumpf”, gelangte ein Schwank zur Aufführung,
betitelt: „Der Geheimpoliziſt‟ Danach folgte wieder ein Chor: „D
Wald mit deinen duft gen Zweigen‟. Den Glanzpunkt des Abends aber
bild te die vollendete Wiedergabe des Odenwälder Volksſtücks „Knäächt
Valltin”, wobei alle Mitſpieler ihre Rollen meiſterten. Zum Schluß
wurde der Schwank „Eine fidele Gerichtsſitzung” flott geſpielt.
Bg. Mittershauſen, 28. Febr. Nutzholzverſteigerung. Bei
der Stammholzverſteigerung, wurden ganz enorme Preiſe erzielt. So
kam u. a. ein Fm. Fichtenſtammholz auf über 50 RM. Der
Durch=
ſchnittspreis der ganzen Verſteigerung ergab über 40 RM. pro Fm. Zu
den hohen Preiſen trug allerdings auch die Güte des Fichtenholzes
unſerer Wälder bei, das von Schreineen uſw. überall bevorzugt wird.
Der Mehrerlös dem Tarif gegenüber beziffert ſich auf ca. 800 RM.
Der Gemeinde iſt durch dieſe Verſteigerung ein ſchöner Einnahmeanfall
zugekommen.
H. Aus dem Kreiſe Heppenheim, 27. Febr. Tierſchutz. Das
Kreisamt macht darauf aufmerkſam, daß es ſich im Intereſſe der
Scho=
nung und Erhaltung der Niſtſtätten und Bruten der der Landwirtſchaft
nützlichen Vögel empfiehlt, das Beſchneiden der Hecken nicht mehr.
wie ſeither üblich, im Frühjahr, ſondern in der Zeit vom 1. Auguſt
bis 1. März jeden Jahres vorzunehmen. Auch den Bürgermeiſtereien
wird empfohlen, dafür zu ſorgen, daß die an öffentlichen Fuß= und den Aufbruch bei der Anlage der Waſſerleitung befinden, iſt es zu ver=
W. Heppenheim 27. Febr. Abgrenzung der
Arbeits=
amtsbezirke. Die beſonders in den Grenzbezirken ſchwierige
Löſung dieſes Problems beſchäftigt z. Zt. wieder einmal weite Kreiſe.
Heppenheim wie überhaupt Südheſſen gehört bekanntlich dem
Landes=
arbeitsamt Frankfurt a. M. an. Nun verſucht ſeit einiger Zeit der
Verwaltungsausſchuß Heppenheim a. d. B., ſich als Grenzbezirk mit dem
Arbeitsamt Weinheim zu vereinigen. Eine im Spätjahr 1927
ſtatt=
gefundene Tagung der Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer
und der politiſchen Gemeinden ſprach ſich im allgemeinen für eine
ver=
nünftige Gliederung unter Berückſichtigung wirtſchaftlicher und
kultu=
reller Belange aus. — Der Unterausſchuß des Landesamts für
Arbeits=
vermittelung in Frankfurt a. M. beſchäftigte ſich im September 1927
mit dem Antrage des Verwaltungsausſchuſſes des Arbeitsamts
Heppen=
heim und beſchloß, demſelben Rechnung zu tragen. Der Antrag des
Verwaltungsausſchuſſes Heppenheim geht darauf hinaus, die
Arbeits=
ämter Weinheim und Heppenheim zu verſchmelzen, da über die Halfte
der Arbeiter des Kreiſes Heppenheim in der hadiſchen Induſtrie
beſchäf=
tigt ſind. — Im Februar ds. Js. fand abermals eine Beſprechung
ſtatt bei der u. a. die Landesarbeitsämter Stuttgart und Frankfurt
a. M., ſowie die Arbeitsämter Heppenheim, Bensheim und Weinheim
vertreten waren. Dort einigte man ſich, daß Viernheim dem
Arbeits=
amt Mannheim zugeteilt wird und das heſſiſche Gebiet des Neckartales
an Heidelberg angeſchloſſen werden ſoll. Ein definitiver Beſchluß über
den reſtlichen Teil des Kreiſes Heppenheim wurde nicht gefaßt.
Wirt=
ſchaftliche und kulturelle Zuſammenhänge werden auch hier letzten
Endes für eine evtl. Neugliederung ausſchlaggebend ſein. — Der beim
hieſigen Finanzamt beſchäftigte Oberinſpektor Fritz wurde aus Anlaß
ſeiner 43jährigen Dienſtzeit vom Reichspräſidenten und der
Finanzbe=
hörde durch eine lohnende Anſchrift für ſeine Treue und
Pflichterfül=
lung dankend beglückwünſcht.
Naturſchutz im Vogelsberg.
Der Vogelsberger Höhenklub, der ja auch in
Darmſtadt durch einen rührigen Zweigverein vertreten iſt,
hat am 24. Februar durch ſeinen Geſamtvorſtand an den
Heſſi=
ſchen Landtag und das Miniſterium eine Eingabe gerichtet, in
der er um Schutzmaßnahmen für die Tier= und Pflanzenwelt des
Vogelsberges bittet. In dem über 700 Meter hohen
Ober=
wald, der faſt präalpinen Charakter trägt, beherbergt der
Vogelsberg eine Reihe ſeltener Pflanzen und Schmetterlinge,
die ſonſt in ganz Heſſen nicht vorkommen. Auch findet ſich hier in
der Bräungeshainer Heide das einzige Hochmoor, das
unſere Heimat aufzuweiſen hat. Es iſt für die Wiſſenſchaft von
unſchätzbarem Wert, da es die verkörperte Pflanzengeſchichte des
Vogelsbergs darſtellt. In den letzten Jahrzehnten ſind mehrfach
Verſuche unternommen worden, das Hochmoor aus Gründen
des Erwerbes abzubauen. Sie ſind an der rauhen Gebirgsnatur
des Vogelsbergs derartig geſcheitert, daß wir heute für das
Hoch=
moor nichts zu fürchten haben. Wohl aber droht einzelnen
be=
ſonders ſchönen und intereſſanten Pflanzen und Schmetterlingen
(Arnika, Apollo) durch die Unvernunft mancher Beſucher
und Sammler die Gefahr der Vernichtung und Ausrottung.
Darum beantragt der V.H. C., in der Höhenzone über 700 Meter
das Sammeln von Pflanzen und das Fangen von Inſekten zu
verbieten und unter Strafe zu ſtellen. Wir wünſchen dieſen
zeit=
gemäßen und maßvollen Beſtrebungen, die keine wirtſchaftliche
Einſchränkung für Land= und Forſtwirtſchaft mit ſich bringen,
vollen Erfolg.
Bm. Hofheim (Ried), 26. Febr. Gemeinderatsſitzung.
Unter dem Vorſitz des Herrn Bürgermeiſters Steffan fand auf dem
Rathaus eine öffentliche Gemeinderatsſitzung ſtatt. Punkt 1 betr.:
An=
teil der Gemeinde an den Koſten der Erhöhung und Verſtärkung des
Lampertheimer=Gernsheimer Dammſyſtems. Zu einer
Verhandlungs=
kommiſſion für dieſe Angelegenheit werden die Gemeinderäte Hahl,
Keim und Jean Litters gewählt. Punkt 2 betr.: Fiſchereipachtſtempel.
Es handelt ſich um eine Auforderung des Kreisamtes wegen Zahlung
einer rückſtändigen Stempelgebühr und wird dem Bürgermeiſter zur
Erledigung überlaſſen. Punkt 3 betr.: Fortbildungsſchule. Die
Be=
ſchaffung einer Anzahl verſchließbarer Tintengläſer wird genehmigt.
Punkt 4 betr.: Geſuch des Alois Litters um Ueberlaſſung eines
Grund=
ſtückes von David Metz auf der Kuhweide: dies wird genehmigt. Punkt
5 betr.: Feuerwehr. Für die Freiwillige Wehr wird die Beſchaffung
von zwei Iſolierzangen, zwei Paar Gummihandſchuhen, 150 Meter
gummiertem Schlauch genehmigt, und ſollen auf Antrag des
Gemeinde=
rats Ferbert auch zwei Rauchhelme beſchafft werden. Eine Anzahl
un=
brauchbarer Schläuche ſollen demnächſt verſteigert werden. Zwecks
Be=
ſchaffung von Armbinden für die Pflichtfeuerwehr ſollen erſt mehrere
Offerten eingeholt werden. Punkt 6 betr.: Erneuerung des Zaunes
vom Dienſtgarten des Herrn Lehrers Brunner. Die Bedürftigkeit
dieſes Falles ſoll vorerſt geprüft werden. Verſchiedene
Unterſtützungs=
geſuche, Wohnungsſachen uſw. werden nicht öffentlich verhandelt.
Bm. Hofheim (Ried), 27. Febr. Hauptverſammlung. Im
Bahnhofsreſtaurant (Wendel Scherer) fand die Hauptverſammlung des
Arbeitergeſangvereins „Sängerbund” ſtatt. Nach dem üblichen
Jahres=
bericht des erſten Vorſitzenden Philipp Löſch gab Rechner Jakob Ferbert
den Kaſſenbericht, der erfreulicher Weiſe am Schluſſe einen guten
Kaſſen=
beſtand nachweiſt. Für die diesjährige Bezirksgeneralverſammlung in
Auerbach wird Konrad Schneider gewählt. Hilfsdivigent bleibt Jakob
Wolf. Ueber mehrere Einladungen auswärtiger Vereine wird
beſchloſ=
ſen, ſoweit möglich, teilzunehmen. Der für den 18. März feſtgelegte
Konzertabend mit Thegtereinlage wird auf den 11. März zurückverlegt.
Schwere Waſſerſchäden in der Gemarkung
Hahn bei Pfungſtadt.
Die Gemarkung Hahn bei Pfungſtadt umfaßt tief gelegene Stellen,
Teile der ſich durch das ganze Ried hinziehenden Senkung, des ſogen.
alten Neckarbeites. Steigt nun im Spätherbſt und namentlich im
Früh=
jahr der Grundwaſſerſpiegel, ſo ſtehen weite Flächen der Gemarkung
unter Waſſer, erſchweren das Einbringen der Ernte oder verzögern die
Beſtellung der Felder im Frühjahr. Es kommt jedes Jahr vor, daß ein
Teil der Winterſaaten infolge des hohen Grundwaſſerſtandes in den
tief gelegenen Gebieten verdirbt. Das Saatgut ſowie die Düngemittel
ſind ſomit verloren, die aufgewendete Mühe umſonſt geweſen. Der
Er=
trag iſt demnach überaus unſicher, und es iſt wohl zu verſtehen, wenn
die geſchädigten Landwirte in ſteuerlicher Hinſicht Erleichterungen
an=
ſtreben.
Es gibt jedoch Mittel, den Uebelſtand zu beſeitigen und den Ertrag
zu ſteigern: Entwäſſerung in Verbindung mit Feldbereinigung.
So=
lange dieſe Maßnahmen nicht durchgeführt werden, wird die Gemarkung
Hahn auch i Zukunft unter dieſer Waſſerkalamität zu leiden haben.
Mit der ſeitherigen Methode des Fegeus der vorhandenen kleinen
Grä=
ben iſt es nicht getan, ſondern es muß dunch ein Netz von Gräben für
Abfluß des überflüſſigen Waſſers geſorgt werden. Der Landgraben iſt
in ſeinem heutigen Zuſtand als Entwäſſerungskanal unbrauchbar,
ohne=
dies iſt er durch die auf einem hohen Damm fließende Modau bei „Hof
Gräbenbruch” unterbrochen. Die Gemarkung Hahn wird durch die
auf=
gedämte Modau in zwei Teile getrennt, ſo daß jader Teil ſei eigenes
Grabennetz erhalten muß. Das Waſſer der „Nachtweide‟, „Grasalme‟
und „Krumme Lach” kann dem Fanggraben zugeleitet werden. Die
naſſen G=markungsteile nördlich der Modau, wie „Tagweide‟, „
Klee=
flecken” können dunch den neu herzuſtellenden und erheblich zu
verbrei=
ternden Landgraben im nördlicher Richtung entwäſſert werden.
Durch Vertiefung und Verbreiterung des Hirthwieſengrabens und
deſſen Führung quer durch die Gernsheimer Chauſſee beim weſtlichen
Ortsausgang direkt in den Landgraben bei der Hebebrücke würden nicht
allein die Keller und Scheunen tvockengelegt, ſondern auch die „
Rapperts=
wieſe” „hinter der Kapelle” und der „Fiſchweiher” entwäſſert. Die
Entwäſſerung der Gemarkung Hahn wäre demmach ohne koſtſpielige
Pumpwerke möglich.
Die Landwirte von Hahn haben Gelegenheit, die Wükung einer
Enwäſſerung zu beobachten in Riedgemarkungen, die in noch höherem
Maße unter Waſſer zu leiden hatten: Erfelden, Leeheim, Geinsheim,
Trebur Aſtheim. In dieſen Gemarkungen ſind die Klagen über das
Hochwaſſer verſtummt. Dort kann jetzt der Landwirt im Frühjahr
rocht=
zeitig ſein Feld beſtellen, ud iſt ſicher, im Herbſt die Früchte ſeiner
Ar=
beit ernten zu können.
Bn. Hirſchhorn, 27. Febr. Geſellenprüfungsfeier. In
dem Gaſthaus „Zum Hirſch” fand am Sonntag, den 26. Februar,
nach=
mittags 3 Uhr, eine recht eindrucksvolle Geſellenprüfungsfeier ſtatt. Der
Vorſitzende des Ortsgewerbevereins, Herr Malermeiſter Weis, begrüßte
die zahlreich erſchienenen Freunde und Gönner des Handwerks, nebſt
den Eltern und Lehrherren der Geſellen, gab einen kurzen Uebepblick
über den Verlauf der diesjährigen Geſellenprüfung, ermahnte die Jung=
Geſellen zur weiteren fleißigen Betätigung und Erlernung ihres
Hand=
werks, zur Führung eines ſittlichen Lebenswandels und beglüchwünſchte
dieſelben zu der beſtandenen Prüfung. Hierauf überreichte in
Verhin=
derung des Vorſitzenden der Geſellenprüfungskommiſſion, des Herrn
Malermeiſters Georg Schweitzer, der zweite Vorſitzende, Herr
Buchbin=
dermeiſter Adolf Berthold, im Namen der Handwerlskammer den Jung=
Geſellen die Ehrenbriefe. Auch der Vertreter der Schule, Herr Rektor
Debo, beglückwünſchte die jungen Handwerker zu den beſtandenen
Prü=
fungen, wobei er ſich ebenfalls den Worten des Vorſitzenden anſchloß.
— Am Sonntag fand im Gaſthaus „Zur Krone” die außerordentliche
Mitgliederverſammlung des Kleinkaliberſchützenvereins
Hirſchhorn, Unterabteilung des Kriegervereins
Hirſchhorn ſtatt. Der erſte Vorſitzende, Herr Ludwig Mathes jr.,
ſchil=
derte die Verhältniſſe im abgelaufenen Vereinsjahr und rügte
beſon=
ders den ſchlechten Beſuch der feſtgeſetzten Uebungsſchießen. Herr
Mathes ſprach den Wunſch aus, die dem Verein gehörigen älteren
Kleinkaliberbüchſen bei der Fabrik gegen neue umzutauſchen, was auch
von der Verſammlung gutgeheißen wurde. Alsdann ging man zur
Vorſtandswahl über. Sämtliche ausſcheidenden Vovſtandsmitglieder
wurden per Akklamation wiedergewählt.
* Hirſchhorn, 28. Febr. Waſſerſtand des ,Neckars am
27. Februar: 1,49 Meter; am 28. Februar: 141 Meter.
—e— Neckarſteinach, 27. Febr. Die im vorigen Jahre an dieſer
Stelle gegebene Anregung, den Zugverkehr zwiſchen Heidelberg und
Eberbach für die heſſiſchen Orte des Neckartales in den
Vormittagsſtun=
den zu verbeſſern, iſt inſofern von Erfolg geweſen, als für den
kommen=
den Fahrplan ein neuer Zug vorgeſehen iſt, welcher in Heidelberg etwa
um 10 Uhr abgeht. Hierdurch wird die jetzt vorhandene unerträglich
lange Zugspauſe von 8 bis 13 Uhr günſtig unterbrochen. — Die
evange=
liſche Kirche führte hier einen Film „Glaube und Heimat” vor, der die
furchtbare Not und die Leiden der lutheriſchen Anhängerſchaft in der
Reformationszeit zeigte.
S. Lampertheim, 28. Febr. Motorradunfall. Nachdem erſt
letzte Woche auf der Straße von hier nach Sandhofen zwei hieſige junge
Leute, die auf einem Motorrad und ohne im Beſitze eines
Führer=
ſcheines zu ſein, mit einem Perſonenauto zuſammenrannten, wobei der
auf dem Soziusſitz mitfahrende M. Günderoth einen Unterſchenkelbruch
davontrug, während der Fahrer mit dem Schrechen davonkam, ſtürzte
vorgeſtern in der Viernheimer Straße ein auswärtiger Fahrer, der in
eine durch den Bau der Waſſerleitung entſtandene Vetiefung geraten
war. Zum Glück kam derſelbe mit einigen Hautabſchürfungen davon=
Bei der ſchlechten Beſchaffenheit, in der ſich die hieſigen Straßen durh
Fahrwegen befindlichen Hcken nur in der oben angegebenen Zeit be= wundern, daß nicht ſchon mehr Unglücksfälle vorgekommen ſind. —
Feite=
ſchnitten werden. Die Bürgermeiſtereien werden erſucht, vorſtehendes genommen wurde ein Zweiundfünfzigjähriger wegen Vornahme
unſitt=
öffentlich bekannt zu machen.
licher Handlungen.
g. Gernsheim, 28. Febr. Promotion. Herr Dipl.=Ing. Jakob
Roth, z. Zt. wiſſenſchaftlicher Aſſiſtent an der techniſchen Hochſchule
zu Darmſtadt, Sohn des Kaufmanns Johannes Roth 3., dahier, beſtand
ſeinen Dr.=Ing. mit Auszeichnung. — Die diesjährige
Generalverſamm=
lung des Krieger= und Militärvereins findet am
kommen=
den Sonntag im Gaſthaus „Zum 2.
ſtatt.
— Der von der Gernsheimer Hafenbetriebsgeſellſchaft im Hafengebiet
erſtellte Hebekran, der nebenbei bemerkt das Geſamtbild hebt, geht
ſeiner Vollendung entgegen. Man hoffi in Bälde denſelben in Betrieb
nehmen zu können. — Daß die Zweigniederlaſſung der Chemiſchen
Fabrik Buckau unſer Städtchen verlaſſen wird, geht daraus hervor, daß
einzelne, meiſtens alte Fabrikgebäude zum Verkauf angeboten worden
ſind. Aller Wahrſcheinlichkeit nach rechnet man bis Auguſt d. J. mit der
Betriebseinſtellung. Der hieſige Betrieb wird der Zentrale in
Mann=
heim einverleibt. — An Stelle des verzogenen Arztes Dr. med.
Winkler übernimmt Herr Dr. med, Auguſt Schmitt dahier die ärztliche
Leitung der hieſigen freiwilligen Sanitätskolonne.
Gernsheim, 28. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
28. Februar: 0,91 Meter.
Ad. Nackenheim, 27. Febr. Nach hierher gelangter Nachricht ſind bei
Köln im Rhein zwei Kinder im Alter von vier bis ſechs Jahren des
hieſigen Schiffers Peter Sattler ertrunken. Sattler lag mit ſeinem
Kahn über Faſtnacht bei Köln am jenſeitigen Ufer. Von dort aus
ſollten die beiden Kinder am Roſenmontag durch einen
Schiffsbedien=
ſteteten in einem Nachen an das linke Ufer gebracht werden. Beinahe
am Ziele angelangt, blieb das Fahrzeug an einer Steinkribbe hängen
und fiel um, wobei ſeine drei Inſaſſen in das Waſſer ſtürzten. Der
Fährmann rettete ſich durch Schwimmen, die Kinder verſanken in den
Fluten. Vom Kahn aus hatte der Vater den traurigen Vongang
beobachtet, ſeine Hilf kam aber zu ſpät.
4d. Nierſtein, 27. Febr. In einer Verſammlung Nierſteiner
Bür=
ger teilte Bürgermeiſter Dr. Wollmer mit, daß hinſichtlich der
Räucherung der Weinberge gegen Froſtgefahr die Gemeinde die Koſten
nicht mehr übernehmen könne, weil dies nach der
Landgemeindeord=
nung unzuläſſig ſei. Hierauf beſchloſſe: die Verſammelten einſtimmig,
daß eine Froſtſchutzverordnung beim Kreisant angefordert
werden ſoll. Auch ſoll verſucht werden, den Weinbergs=Froſtſchutz im
ganzen Kreis Oppeaheim einzuführen.
f. Elsheim, 27. Febr. Desinfizieren der Weinberge.
Zurzeit iſt in der hieſigen Gemarkung, in der Richtung nach Eſſenheim
zu, eine Kommiſſion mit dem Desinfizieren der von Rebläuſen
befalle=
nen Weinberge beſchäftigt. Es werden hierbei Löcher in die Erde
gegraben und zum Teil mit Schwefelkohlenſäure gefüllt. Durch
Ver=
gaſung we den alsdann die Schädlinge getötet.
r. Nieder=Olm, 27. Febr. Die Bautätigkeit in hieſiger
Ge=
meinde iſt ſehr rege. So wird jetzt eine neue Straße, die
Domherrn=
ſtraße, die von der Mitte der Pfarrgaſſe über die Wallſtraße nach dert
Bahnhof führt, eröffnet werden. Die überflüſſigen Erdmaſſen werden
an Landwirte abgegeben. Auf der Wohnungsliſte hieſiger Gemeinde
ſtehen 45 wohnungsſuchende Familien, und da etwa 11 Zauten in
An=
griff genommen werden ſollen und die Beamtenwohnungen in der
Heinrichſtraße ihrer Vollendung entgegengehen, dürfte die Wohnungsnot
wenigſtens zum Teil behoben werden.
Seite 8
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Nummer 60
Fami iennachrichten
Die Geburt eines gesunden Töchterchens
zeigen hochertreut an
Dipl.-Ingenienr Georg Kirehberg
und Frau lrene, geb. Kritaler
Berlin
Darmstadt
z. Zt. Städt. Krankenhaus
28. Februar 1928.
K
Anzer Theklachen hat ein Brüderchen
bekommen. Dies zeigen hocherfreut an
Peter Trautmann und Frau
geb. Herbit
z. Zt. Privatklinik Dr. Walter. ( 5536
Herr, mittl. Jahre,
ſucht Dame (
Natur=
freundin) z. emeinſ.
Spaziergängen, (evtl.
ſpät. Heirat n.
aus=
geſchl.) Ang. u. A 179
Geſchäftsſt.
(*5560
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Am Dienstag morgen iſt nach ſchwerem Leiden
meine liebe Frau, meine gute Muiter
Feodora Alten
ſanft eniſchlafen.
Carl Alten, Ober=Ingenieur
Ludwig Alten, Beratend. Volkswirt.
Darmſtadi, den 29. Februar 1928.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir dankend abzuſehen.
Die Beiſetzung erfolgt am Freitag, den 2 März 1928,
vormittags 11 Uhr, auf dem Waldfriedhof. (3794
Statt beſonderer Anzeige.
Nach Gottes unerforſchlichem Ratſchluß
ent=
ſchlief geſtern Abend unerwartet, doch verſehen mit
den Gnadenmitteln unſerer hl. Kirche, mein
innig=
geliebter Mann, unſer treuſorgender Vater, unſer
lieber Bruder, Schwager und Schwiegerſohn
der Bankdirektor
Suntde Jhriger
im Alter von 48 Jahren.
In tiefſtem Schmerz:
Hedwig Ihringer, geb. Przhbhllok
und Kinder.
Darmſtadt, den 28. Februar 1928.
Kittlerſtraße 45.
(3760
Die Beerdigung findet Freitag, den 2. März,
nach=
mittag: 3 Uhr, von der Kapelle des Fried ofes an
der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt. Das Requiem
iſt Dienstag um 7 Uhr in der St Eliſabethenkirche
Dankſagung.
Für die überaus herzliche Teilnahme
an dem uns ſo jäh getroffenen Verluſi
unſeres hoffnungsvollen, ſiets mit Frohſinn
beglückten Sohnes
Kouelt Guc!
Cand. rer. nat.
den wir nie vergeſſen können, dankt
auf=
richtig
Im Namen aller Angehörigen:
Wilhelm Fuchs
Diez a. d. Lahn.
26
Dankſagung.
Beim Heimgang unſrer lieben Entſchlafenen
Hausannd Shner
geb. Rath
ſind uns von nah und fern überaus viele Beweiſe liebevoller
Teilnahme entgegengebracht worden, wofür wir auf dieſem
Wege Allen unſern herzlichſten Dank ſagen.
Willi Schmidt und Tochter Chriſta
Vermeſſungsrat A. Rath und Frau
Geislingen a. d. Steige.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem ſchweren Verluſte
un eres Vaters, Schwiegervaters,
Großvaters, Bruders, Schwagers und
Onkels
Heinrich Heß II.
Faſelwärter i. R.
agen wir allen Verwandten und
Be=
kannten ſür die Kranz= und
Blumen=
ſpenden unſeren innigſten Dank
Ganz beſonders danken wir Herrn
Dr. Röder, den Schweſtern des Städt.
Krankenhauſe für ihre liebevolle
Pflege während ſeiner Kranfheit, der
Gemeinde und den
Gemeindebedien=
ſteten für ihre Kranzſpende ſowie
Herrn Pfarrer Uhl für ſeine troſtreichen
73734
Worte am Grabe.
Die tieftrauernden
Hinterbliebenen.
Weiterſtadt. 28. Februar 1928.
(3788
Ratte
Brenn=
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Geite 11
Reich und Ausland.
Der erſte Tag des Wagner=Prozeſſes.
WSN. Frankenthal. Der erſte
Verhandlungs=
tag im Wagnerprozeß gehörte dem Hauptangeklagten.
Gegen ihn tritt außer dem öffentlichen Ankläger der
PVerein zur Bekämpfung des Beſtechungsunweſens
als Nebenkläger auf. Die Verleſung des Eröffnungs=
Tbeſchluſſes beſchränkte ſich nach Aufzählung der faſt
ſämtlich erſchienenen 14 Angeklagten zunächſt auf die
Anklage gegen Wagner als Hauptangeſchuldigten,
der in ſeiner ſiebenjährigen Geſchäftsverbindung das
4 Leuna=Werk durch hochgetriebene Rechnungen und
Täuſchungen, den Arbeitgeberverband durch
Inan=
ſpruchnahme von Lohnſicherungsgeldern für gar nicht
beſchäftigte Arbeiter und den Reichsfiskus beim Bau
der Mundenheimer Schießſtandsanlage ſchwer
ge=
ſchädigt haben ſoll. Der Entwicklungsgang Wagners
r und die ſichere Verteidigungsart kennzeichnen ihn als
f zielbewußten und über die Tragweite ſeiner
Hand=
lungen klar ſehenden Geſchäftsmann. Im langſamen
5 Fluß der Vernehmung ſucht Wagner ſich von dem
Vorwurf der betrügeriſchen Schwarzrechnungen, der
betrügeriſchen Abſicht bei der erfolgten Mitlieferung
von Abfallblechen ſtatt hochwertiger Ware, und der
betrügeriſchen Abſicht beim Einbau von zahlreichen
* Winkeleiſen und Blechabfällen in die nach Gewicht
hochbezahlten Kappen zu befreien, wobei ihm aber
F Widerſprüche mit früheren Angaben nachgewieſen
werden. Als 1923 durch Maßnahmen der Beſatzung
Lohnſicherungen für die Arbeiter eingeführt wurden,
hat Wagner dem Arbeitgeberverband
Lohnſicherungs=
anträge eingereicht mit Liſten, die auch Namen von
* Arbeitern trugen, die gar nicht mitbeſchäftigt waren,
ſich ſelber als Facharbeiter mit aufgeführt und
be=
sahlen laſſen, ebenſo die Bürogehilfin Lotte Horn.
* Der Vorſitzende fragte humorvoll, ob Fräulein Lotte
/ Horn denn auch Schieberkappen gemacht habe.
Wag=
ner will die Aufſtellung nicht ſelber gemacht haben.
Seine eigene Aufführung ſei berechtigt geweſen, da er
ſich in Merſeburg für die Unterweiſung die blaue
7 Bluſe angezogen habe.
Die wiederaufgefundenen hiſtoriſchen
Dokumente.
Berlin. Der aus dem Archiv eines
Reichs=
miniſteriums verſchwundene Aktenband, der eine
Reihe hiſtoriſcher Dokumente enthält, wurde nach der
Meldung einer Berliner Korreſpondenz in dem
Aktenſchrank des Amtszimmers eines Bürobeamten
wiedergefunden. Der Beamte behauptet, daß er die
* Dokumente von einem Kollegen erhalten habe mit
dem Bemerken, er möge ſie ſich einmal durchſehen.
Zu dieſem Zwecke habe er ſie mit nach Hauſe
genom=
umen und dann in das Miniſterium zurückgebracht.
7 De. Tollege behauptet, ſich nicht entſinnen zu können,
daß er ſie dem Beamten gegeben habe. Dieſer gibt
zu, einmal geäußert zu haben, die Sachen ſeien wohl
1 1000 Dollar wert. Daraus müſſe ſich das Gerücht
verbreitet haben, daß er ſie zu Geld machen wolle.
Der Bürobeamte iſt nach dem Ergebnis der
bisheri=
gen Feſtſtellungen auf freiem Fuße belaſſen worden.
Ein Dorf in Flammen.
Magdeburg. Nach einer Meldung des
Magde=
burger Generalanzeigers aus Lüchow AAltmarr),
awurde am Montag das Dorf Cacharien ein Raub der
ſFlammen. Innerhalb kurzer Zeit brannten ſieben
Gehöfte mit 13 Gebäuden vollſtändig nieder. Die
Be=
wohner konnten nur das nackte Leben retten. Es
wird Brandſtiftung vermutet.
Eine Schwindel=Affäre
in Wilhelmshaven.
TU. Wilhelmshaven. Hier iſt eine große
Schwindelaffäre aufgedeckt worden. Ein
Schwimm=
dock der früheren Deutſchen Werke war einer
hie=
ſigen Firma überlaſſen worden, da dieſe Ausſicht
hatte, das Dock durch Vermittlung eines Agenten an
ein amerikaniſches Schiffahrtsunternehmen zu
ver=
kaufen. Nach der Beſichtigung durch einen Vertreter
der amerikaniſchen Geſellſchaft nahm der Vermittler
die ganze Angelegenheit in die Hand und veranlaßte
ſtdie hieſige Firma, einige koſtſpielige Arbeiten an dem
9Schwimmdock vorzunehmen. Der Vermittler iſt nun
als Schwindler entlarvt worden. Er hatte in dieſen
Tagen einen Scheck über 175 000 Dollar hergegeben,
der ſich nach Erkundigungen bei der Geſellſchaft in
Amerika als gefälſcht herausſtellte. Der Schwindler
hatte in ſeine eigene Taſche arbeiten wollen, indem
ver darauf ſpekulierte, ſich auf Grund der Proviſion
bei dem Verkauf einen Kredit zu verſchaffen, um
damit ins Ausland zu verſchwinden. Da die
Ange=
legenheit nicht ſchnell genug ging, wollte er
nach=
helfen, und wurde dabei entdeckt. Die hieſige Firma
hat neben den Koſten für die Dockarbeiten durch die
Kreditvertnappung an den Vermittler großen
Scha=
den erlitten. Die Arbeiten am Dock ſind ſofort
ein=
geſtellt worden.
Flugzeugunglück bei Augsburg.
Königsparade in Döberitz.
Während der Gefechtsübung.
Zu Ehren des Königs von Afghaniſtan fand eine Reichswehrübung auf dem Döberitzer Manöver= den Bau von zwei Luſtſchifen, die im Frieden als
felde ſtatt. Unſer Bild zeigt König Aman Ullah (am Fernrohr), den Schwager des Königs
(mit Zylinderhut), den Reichspräſidenten von Hindenburg und ganz rechts den Reichswehr= rönnten,
miniſter Groener.
Furchtbare Feuersbrunſt bei Hannover.
Vierzehn Gebäude in Cacherien eingeäſchert.
Die zerſtörten Gehöfte in Cacherien.
Ein Polizei=Panzerauto über den Schienen.
Das verunglückte Panzerauto der Kaſſeler Polizei.
Ein Panzerauto der Kaſſeler Schutzpolizei durchfuhr das maſſive Brückengeländer bei
Ober=
zwehren=Kaſſel und blieb wie durch ein Wunder über den Schienen der Eiſenbahn hängen.
Nur mit größter Sorgfalt und Mühe konnte das ſchwere Auto aus ſeiner gefährlichen Lage
be=
freit werden. Seine Inſaſſen erlitten leichtere Verletzungen. Der Eiſenbahnverkehr war mehrere
Stunden lang lahmgelegt.
Pilot Hackemack,
ein vielfach bewährter techniſcher Berater der
Luft=
hunſa, iſt bei der Prüfung eines neuerbauten, noch
nicht abgenommenen Verkehrsflugzeuges in der Nähe
von Augsburg tödlich verunglückt.
Defekt des größten italieniſchen Dampfers.
TU. Berlin. Wie der „Voſſiſchen Zeitung” aus
Genua gemeldet wird, hat das am 24. Februar von
Genua in See gegangene Motorſchiff „Auguſtus” der
Linie nach Südamerika kurz nach Barcelona einen
Maſchinendefekt erlitten, ſo daß ſich der Kapitän zur
Umkehr entſchloß. Die Ueberſeepaſſagiere ſollen
wie=
der ausgeſchifft werden. Der Vorfall erregt in
Schif=
fahrtskreiſen Genuas größtes Aufſehen, weil es ſich
um das neueſte und größte Motorſchiff der
italie=
niſchen Handelsflotte handelt, daß erſt ſeit dem
No=
vember des letzten Jahres im Verkehr ſteht.
Zum Lawinenunglück am Pataſterjoch.
Eine Expedition auf der Suche nach den Verunglückten.
I0. Innsbruck. In der Nacht zum Montag
iſt eine Expedition von Innsbruck aus zur Suche nach
den bei dem Lawinenunglück am Pataſterjoch
ver=
unglückten drei Leipziger Skifahrern abgegangen.
Be=
kannt ſind bisher nur die Namen von zwei
Verun=
glückten, und zwar ſind ſie der Wjährige Schriftſetzer
Friedrich Reiche und der 21jährige Mechaniker
Ru=
dolf Schmidt, beide aus Leipzig. Ihre Päſſe wurden
in den auf der Hütte zurückgelaſſenen Nuckſäcken
vor=
gefunden.
Die neue Glanzleiſtung
des „Los Angeles”
TU. NewYork. Zu dem Panamaflug des in
Deutſchland erbauten Zeppelin=Luftſchiffes „Los
An=
geles” werden noch folgende Einzelheiten gemeldet:
Das Luftſchiff wurde um 935 Uhr in France Field
am Panamakanal geſichtet, ſo daß von da ab bis zur
Verankerung rund eine Stunde gebraucht wurde. Der
Geſamtflug dauerte nahezu 40 Stunden. Der
Anken=
maſt auf dem Flugplatz von France Field iſt eine
neuartige Erfindung. Er iſt 18 Meter hoch und im
Gegenſatz zu anderen Maſten transportierbar, ſo daß
dadurch der Operationsradius des amerikaniſchen
Zep=
pelins bedeutend erweitert iſt. Die
Durchſchnittsge=
ſchwindigkeit des Zeppelins betrug etwa 55 Meilen
die Stunde. Die „Los Angeles” verläßt
voraus=
ſichtlich in kürzeſter Zeit wieder Panama, um nach
Lakehurſt zurückzufliegen. In amerikaniſchen
Marine=
kreiſen ſieht man in dem Flug einen glänzenden
Beweis für die praktiſche Verwendbarkeit lenwbarer
Luftſchiffe für den Paſſagierdienſt und insbeſondere
auch für den Transozeandienſt.
Waſhington. In Regierungskreiſen
be=
trachtet man den ohne Zwiſchenlandung
durchgeführ=
ten Flug der „Los Angeles” von New York bis zum
Panamakanal als einen offenkundigen Beweis dafür,
daß Luftſchiffe dieſes Typs für Flüge mit weiten
Ent=
fernungen geeignet ſind. Die „Los Angeles” hat
die Strecke von 2265 Meilen in 39 Stunden 45
Mi=
nuten zurückgelegt. Der Flug iſt der größte
Fern=
flug des Luftſchiffes ſeit ſeiner Fahrt von
Deutſch=
land nach Amerika. Der Vertreter der Goodyear
Zeppelin Company empfahl dem Kongreßausſchuß
Handelstransportmittel ſowohl für kontinentale, als
auch für Transatlantikflüge verwendet werden
TU. Berlin. Commander Roſendahl beabſichtigt,
am Mittwoch früh mit der „Los Angeles” nach der
Gugcanahaba=Bay zu fliegen, um dort auf dem
An=
kerſchiff „Patoka” zu ankern und dann nach Lakehurſt
zurückzufliegen. Das Luftſchiff hatte während des
letzten Fluges durchweg ungünſtiges Wetter.
Lichtloſe Strahlen zur Auffindung
von Flugzeugen bei Nacht.
* NewYork, 28. Februar.
Der Nachthimmel über der Stadt New York wird,
ſo ſchreibt eine New Yorker Zeitung, bald die Szene
eines Experimentes ſein, bei dem unſichtbare
Strahlen eines Scheinwerfers den Himmel abſuchen
werden und Bilder von Flugzeugen, die von ihnen
unbemerkt getroffen werden, auf eine Leinwand
wer=
fen. Vorbereitungen für die Anſtellung des
Experi=
ments werden gegenwärtig von Kapitän Hutchinſon,
dem Generaldirektor der Baird Televiſion Company
von London, gemacht, der die Scheinwerſer auf einem
von New Yorks Wolkenkratzern aufſtellen will.
Für die Demonſtrierung der unſichtbaren Strahlen
ſollen Flugzeuge verwendet werden, die über der
Stadt fliegen und als Zielſcheiben der
geheimnis=
vollen Scheinwerfer dienen ſollen. Es werden zuerſt
Strahlen aus einem gewöhnlichen Scheinwerfer
be=
nutzt werden, die die Flugzeuge für die Zuſchauer auf
der Erde ſichtbar erſcheinen laſſen. Sodann werden
die Strahlen unſichtbar gemacht und die Flugzeuge
werden im Dunkeln verſchwinden, obgleich ſie auf
einer Leinwand weiter zu ſehen ſein werden. Die
Piloten des Flugzeuges können nicht wiſſen, wann
ihre Maſchinen auf der Erde ſichtbar ſind. Bairds
unſichtbare Strahlen arbeiten auf folgendem Prinzip:
Vor die Oeffnung eines gewöhnlichen Scheinwerfers
wird ein Filter geſetzt, der alle Lichtwellen mit
Ausnahme der intra=roten Strahlen ausſcheidet. Es
ſind dieſes Strahlen, die außerhalb des unteren
Endes des Spektrums liegen und mit dem
menſch=
lichen Auge nicht wahrnehmbar ſind. Das ſchneller
arbeitende „elektriſche Auge” kann ſie jedoch
durch=
dringen. Nebel und Wolken und alles, was von
ihnen getroffen wird, kann durch das elektriſche Auge
feſtgehalten und vergrößert auf die Leinwand
ge=
worfen werden.
Der unſichtbare Strahl wurde vor mehr als einem
Jahr von John L. Baird in England entdeckt. Die
Erfindung wurde ſeinerzeit als eine Umwälzung auf
dem Gebiete der Luftkriegsführung bezeichnet, da ſie
neue Möglichkeiten für die Fliegerabwehr bieten.
Kurz nach dem Bekanntwerden der Erfindung
hörten alle Nachrichten über weitere Verſuche auf
und es entſtand das Gerücht, daß das britiſche
Kriegsminiſterium ſeine Hand im Spiele habe und
die Erfindung für England allein behalten wollte.
Kapitän Hutchinſon erklärte hierzu jedoch geſtern,
daß die britiſchen Behörden der Erfindung keine
Be=
ſchränkung auferlegt haben und daß die Maſchine
bald in Amerika gezeigt werden wird. Vorausſichtlich
wird dies nach der Ankunft von Baird geſchehen, der
im nächſten Monat in New York eintreffen wird.
Vierzehn Zigeuner ertrunken.
TU. Paris. Wie „Journal” aus Madrid meldet,
wurde in der Provinz Huelva eine 14köpfige
Zi=
geunerbande, als ſie auf ihren Pferden einen Fluß
überſchreiten wollte, vom Strome fortgeriſſen. Alle
14 Bigeuner, darunter fünf Frauen und fünf Kinder,
ertranken.
Strandung eines Dampfers.
13 Tote.
TU. Kopenhagen. Wie aus Reikjavik
ge=
meldet wird, iſt der isländiſche Dampfer „Jon
Forſoti” am Montag an der isländiſchen Küſte
ge=
ſtrandet. Infolge der gewaltigen Strandung war
eine Rettungsaktion ausgeſchloſſen. Die Hälfte der
Beſatzung wurde vom Seegang über Bord geſpült,
wobei 13 Mann ertranken. Nach vielem Bemühen
ge=
lang es, neun zu retten. Drei Seeleute befanden ſich
noch an Bord und können vermutlich nicht geborgen
werden.
Weitere Opfer des Kinobrandes in Moriago.
FU. Rom. Zu dem kataſtrophalen Filmbrand in
dem oberitalieniſchen Dorf Moriago wird noch
ge=
meldet, daß ſich die Zahl der Todesopfer auf bisher
35 erhöht hat.
Schwere Einſturzkataſtrophe.
Rio de Janeiro. Nach hier eingetroffenen
Meldungen ſtürzte in Curityba ein Lichtſpieltheater
während der Vorſtellung ein. Zahlreiche Perſonen
wurden getötet, in der Mehrzahl Frauen und
Kin=
der. Dreizehn Leichen ſind bereits geborgen.
Seite 12
Nummer 60
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Italieniſche Streiflichter.
Duell auf der Straße.
Wenn man aus dem Hauptbahnhof in Rom heraustritt und
rechter Hand über die Piazza dell” Indipendenza hinweg durch
die breite Straße San Martino al Macao geht, trifft man gerade
auf das Tor des Caſtro Pretorio der ehemaligen
Prätorianer=
kaſerne. Heute liegt hier ein weitläuſiger Komplex von
Gebäu=
den, die um einen rieſigen Hof herumſtehen. Sie beherbergen
mehrere Regimenter von Kavallerie, Artillerie und Fußtruppen.
Mit der Vergangenheit in der Römerzeit hat dieſes Caſtro
Pre=
toria nur noch den Namen gemein, denn von den alten Anlogen
der Prätorianergarde iſt nichts mehr erhalten. Nur der Geiſt
der Prätorianer ſcheint noch in dieſer Gegend zu ſpuken. Denn
auf der Straße, die an der Kaſerne entlang bis zum
Eiſenbahn=
miniſterium führt, dem Viale Caſtro Pretorio, hat ſich dieſer
Tage ein kleiner Zwiſchenfall abgeſpielt, der inmitten des regen
noodernen Verkehrs auf dieſer Straße, die von einem Dutzend
Straßenbahnlinien durchraſſelt wird und die unter wachſamer
Sicht von Heer und Beamtenſchaft liegt, prätorianerhaft genannt
werden könnte.
Es war knapp nach „Mezzogiorno”, alſo kurz zwölf Uhr
mit=
tags, als ein junger Mann von zwanzig Jahren, Giovanni
Leti=
zia, von ſeinem Freunde Ovidio Liberati, der mit der
verſtorbe=
nen Schweſter des Letizia verlobt geweſen war, plötzlich auf der
Straße geſtellt wurde. Der Liberati hatte zwei Säbel in der
Hand und verlangte von ſeinem Freunde, daß dieſer ſofort einen
der beiden Säbel auswählen und ſich mit ihm auf offener Straße
im Duell meſſen ſolle. Herr Letizia brauchte nicht einmal ein
Feigling zu ſein, um dieſes Anſinnen für wenig angebracht und
mindeſtens etwas bedenklich zu halten. Aber ehe er noch
Erklä=
rungen fordern konnte, ſah er aus der drohenden Miene ſeines
Duellgegners, daß es zunächſt ratſam ſchien, wenigſtens den
einen angebotenen Säbel zu nehmen. Dieſes alſo tat er, dann
aber das Vernünftigſte unter den gegebenen Umſtänden, — er
kniff in des Wortes wahrer Bedeutung, nämlich aus. Mit
gro=
ßem Halloh ging es durch die Menſchen hindurch die Straße
ent=
lang, voraus ein Held mit geſenktem Degen und hinterher der
wild ſeinen Säbel ſchwingende Verfolger. Schon nach wenigen
Schritten ſtolperte der Duellgegner über ſein Mordinſtrument und
fiel der Länge nach hin. Der blutrünſtige Freund erreichte ihn,
ſtellte ſich über ihn und ſetzte ihm die Spitze des Säbels auf das
Gegenteil der Heidenbruſt. Aber ehe das Duell einſeitig
aus=
gefochten werden konnte, hatten ſich ein Artilleriehauptmann und
einige andere Paſſanten auf den Sieger geſtürzt, ihn enwaffnet
und übergaben ihn der Wache am Portal der Kaſerne. Bei dem
erſten Verhör hat der Säbelſchwinger dann angegeben, er habe
ſich an ſeinem Freunde für verſchiedene Unannehmlichkeiten
rächen wollen, die er ihm verdanke. Jetzt wird Herr Liberati in
Nummer Sicher darüber nachdenken können, daß das Duell in
Italien verboten iſt, zum mindeſten auf der Straße.
Aberglauben.
Die Schweſter des Temperaments im Süden iſt der
Aber=
glaube. Beide beherrſchen den Neapolitaner. Der Aberglaube
wirkt anſteckend, und Hunderte von Geſchichten beweiſen, wie
dieſe Bevölkerung um den Golf von Neapel ſich von der
Sugge=
ſtion des Aberglaubens beeinfluſſen läßt. Vor kurzem war in
einem kleinen Ort bei Neapel der Sohn des Bauern Meſſina
geſtorben. Der Alte konnte den Verluſt ſeines Sohnes gar nicht
verwinden. Tag und Nacht fand er keine Ruhe mehr, bis er
eines Tages bei Morgengrauen plötzlich aus dem Bett ſprang
und in größter Aufregung ſchrie: „Mein Sohn lebt noch, ich
hab’s geträumt.” Nun muß wan wiſſen, welche Wichtigkeit der
abergläubiſche Neapolitaner, ſeinen Träumen beimißt. Jedes
Traumbild wird nach alten Regeln ausgelegt, erlangt Bedeutung
für die Handlungsweiſe der ganzen Familie und wird vor allem
noch „erprobten” Traumbüichern in Zahlen umgedeutet, die dann
im ſtaatlichen Lotto geſetzt werden. Kein Wunder alſo, daß der
Traum des alten Meſſina in Handlung umgeſetzt wurde. Der
Alte zog ſich notdürftig an und erblärte, daß er ſofort auf den
Friedhof gehen müſſe, um ſeinen Sohn wieder auszugraben.
Seine Frau, ein altes Mütterchen, wußte auch nichts Beſſeres zu
tun, als ſich ebenfalls anzukleiden und ihren Mann zu begleiten.
Im Dorfe hatte ſich trotz der frühen Morgenſtunde der
Wundertraum des alten Meſſina mit Windeseile
herum=
geſprochen, und als das Ehetgar zum Campo Santo kam,
er=
wartete ſie bereits eine Menge von einigen hundert Perſonen, um
am ſicheren Wunder teilzumehmen. Kaum hatte der Alte den
Friedhof betreten, ſo begann er auch ſchon fieberhaft ein Grab
aufzuwühlen. Als wan ihn aufmerkſam machte, daß dies nicht
das Grab ſeines Sohnes ſei, wandte er ſich ohne Zaudern dem
richtigen Grabhügel zu und ſetzte dort ſeine ſchaurige Arbeit fort.
Die Menſchenmenge ſtand ſchweigend und andächtig herum und
erwartete offenbar, daß der verſtorbene Sohn tatſächlich aus dem
Grabe auferſtehen werde. Der Vater legte den Sarg frei, man
hob ihn aus der Grube; der Vater öffnete den Sarg gewaltſam
— aber der Sohn lebte nicht. Man fand nur eine ſchon ſtark in
Verweſung übergegangene Leiche, über die ſich der Vater mit
wahnwitzigem Schreien warf. Die Carabinieri, die inzwiſchen
herbeigekommen waren, um der mittelalterlichen Szene des
Aber=
glaubens ein Ende zu machen, konnten nur noch einen Irren von
dannen führen.
Echtes Neapel.
Ein junger Mechaniker in Neapel war abends im Theater
San Carlo geweſen und kehrte in ſeine Wohnung zurück. Er
überſchritt die Piazza Capuana und wollte in die Via San
Gio=
vanni a Carbonare einbiegen. Da ſprang plötzlich ein Mamm
von hinten auf ihn zu und ſtieß ihm einen Dolch tief ins Herz.
Der tödlich Verletzte ſtürzte mit lautem Schrei aufs Pflaſter,
Paſſanten und Carabinieri liefen herbei, konnten aber nur noch
feſtſtellen, daß der Getroffene in den letzten Zügen lag und der
Mörder in eiligſter Flucht im Dunkel entfernter Gaſſen
ver=
ſchwand. Man ſtand vor einem Rätſel. Denn bei den
Nachfor=
ſchungen, die man nach Identifizierung des Toten ſofort noch in
der Nacht vornahm, konnte nur feſtgeſtellt werden, daß der junge
Mechaniker keinen Feind hatte, daß auch nicht etwa eine der
üblichen Liebesgeſchichten oder die immer noch nicht ausgerottete
Blutrache der Grund für den Mord ſein konnten. Aber während
noch von der Behörde nach der Urſache des Verbrechens geforſcht
wurde, brachte der Mörder ſelbſt Klarheit, indem er ſich
frei=
willig ſtellte.
In der Kaſerne der Carabinieri von Vicaria erſchien
näm=
lich in früher Morgenſtunde ein Mann, der einen blutigen Dolch
abgab und erklärte, er habe vor wenigen Stunden an der Piazza
Capuana einen Menſchen erſtochen, den er nicht gekannt habe.
Er habe dieſen Mann aber ermorden müſſen, weil dieſer ihm
ſeine Brieftaſche geſtohlen habe. Der Mörder war ein
Straßen=
händler namens Fortunato Fusco. Er ſei, ſo ſagte er, auf den
Stufen eines Palaftes an der Piazza Capuana eingeſchlafen und
plötzlich erwacht, weil er gefühlt habe, daß jemand in berührt
habe. Sofort habe er in ſeine Taſche gefaßt und feſtgeſtellt, daß
ihm ſeine Brieftaſche mit drei Scheinen zu je zehn Liren (alſo
ungefähr acht Mark) geſtohlen worden ſei. Er habe unweit von
ſeinem Platze einen Mann gehen ſehen, den er für den
Taſchen=
dieb gehalten habe. Noch ſchlaftrunken ſei er aufgeſprungen,
hinter dem Mann hergeſtürzt und habe auf ihn geſtochen. Erſt
als die Tat geſchehen geweſen wäre, ſei er vollkommen zu ſich
gekommen und geflohen.
Man durchforſchte die Taſchen des Toten nochmals, man
ſuchte auch auf dem Tatort ganz genau nach der Brieftaſche: ſie
blieb verſchwunden. Auf keinen Fall hatte der Ermordete dieſe
Geldtaſche gehabt. Er war ſicher nicht der Dieb geweſen. Das
Waffentragen in Italien iſt verboten, weil man weiß, wie
ge=
fährlich das Temperament des Südländers ſein kann. Und doch
hat jeder echte Neapolitaner wie in alten Zeiten ſeinen Dolch
bei ſich, und ſein Temperament ruht nicht einmal im Schlafe.
Auch wenn man Fortunato heißt, braucht es nicht Glück zu
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1 Cell.-Zahnbürste
1 Cell.-Zahnb.-Ständer
1 Rolle w. Schrankpapier
Bogen und Umschläge
Für B0
R
1 Handtuchhalter
mit 3 Haken
1 Messerkasten, Zteilig
1 Einkaufsnetz mit Etui
1 Springtorm, 20 cm
Wäscheleine, 20 m
Cocos-Stubenbesen
1 Wäschetrockner
mit 5 Stäben
1 Holztablett, 20/30 cm
1 Einkaufskorb,
bunt getlochten
1 Aermelbrett
1 Straßenbesen, Piassava‟
1 Dose Bohnerwachs „Sigella‟
1 Handfeger, Borsten oder Roßhaar
Rasiergarnitur
mit Spiegel
Cell.-Schwammkorb
Kompott-Schale,
gepreßt, 20 cm
Alum.-Kochtopt, 14 cm
Römer, geschliffen
1 Cell.-Haar. oder
Kleiderbürste
6 Kompott-Teller
1 Stangenvase
32 cm
1 vernickelte Torten-
Schautel
1 Nachttopt, 20 cm, weiß Emaille
1 Kassette Brietpapier (25 Bogen u. Umschläge)
Für O5
3 Porzellan-Tassen mit 3 Dessert-Teller, 19 cm.
Untertass „Kantendekor
4 weiße Porzellan Tassen
* m. Untertassen
1 Porzellan Salatschussel 1 KaffeeKanne, Porzell.,
Feston, groß
1 starke Waschleine 30m
3 Schreib-Blocks a 50 Bl.
1 Holz-Schreibzeug
1 Fruchtschale m. Fuß
1 Isolierflasche, ½ Liter
1 Muschelkonsol m Mass.
weiß emailliert
10 Rollen Kreppapier
6 Rollen Krepp-Klosettpapier 4 200 gr
1 gr. Cell. Hand- oder Stell-Spiegel
Kantendekor
1 Porzellan-Fleischplatte
Feston oval, 32 cm
groß
1 Papierkorb, groß
1 Briefordner m. Reg.
1 Tafelautsatz
1 Kuchenteller
1 Salatseiher, 24 cm, gr.
emailliert
1 Bazarwanne, 36 cm, gr.
emailliert
Pür 1.98
weiß emailliert
1 Katteemühle, mit gutem
Werk
1 Wasser-Kessel, 20 cm, 1 Wanne, oval, 40 cm,
weiß emailliert
1 Tollette-Eimer, weiß
emailliert
1 Besteckkasten, 4teil., mit Linoleum-Einlage
1 Servierbrett, starke Austührung 45X30 cm
1 Plättbrett m. gut. Molton Bezug 120X20 cm
1 Sand- Seite-, Soda-Garnitur, weiß emailliert
1 Obst-Service, 7 teilig, Früchte-Dekor
1 Frühstück-Service tür 2 Personen, bteilig, Goldrand
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Ra esS
1 Kaftee-Service, 9teilig, tür 6 Personen
1 Wand Kafteemühle mit gutem Werk
1 Tatel-Wage 10 kg wiegend
1 f. lackierter Brotkasten, 3 kg, E
1 Plättbrett m. gut. Molton-Bezug, 150X24 cm
1 Waschkorb, ganze Weiden, oval 65 cm
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Am Donnerstag, den 1. März
1928, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich in meinem Verſteigerungslokale,
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(3788
gegen Barzahlung:
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1 große Schleifwalze, 1 Kaſſenſchrank,
1 Grammophon, 1 Warenſchrank ſowie
Möbel aller Art.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher.
(Gemeindewald Ober=Ramſtadt).
Freitag, den 2. März 1928,
vor=
mittags 9 Uhr anfangend, werden
im Forſtort Löhchen verſteigert:
Stämme:
30 St. Eichen Klaſſe I und II
48 „ Lärchen „ Ia—IIa
1. Fichten . Ib
Derbſtangen:
38 St. Lärchen Klaſſe II und III
Reisſtangen (Bohnenſtangen):
2700 St. Fichten Klaſſe I9—VIII
Zuſammenkunft der Steigerer am
Ein=
gang zum Forſtort Löhchen. (3741
Ober=Ramſtadt, den 27. Febr. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Rückert.
Orelttgolzoerheigerang Nt.0
Donnerstag, den 1. März 1928,
nachmittags 3 Uhr beginneno,
wer=
den aus dem Eberſtädter Gemeindewald,
Diſtrikt Woog, die nachverzeichneten
Holz=
ſortimente öffentlich meiſtbietend an Ort
und Stelle verſteigert:
Kiefern: 50 rm Scheitholz
32 „ Knüppelholz
520 St. Stammwellen
1040 „ Aſtwellen
Aſpe: 4 rm Scheitholz
„ Knüppelholz
Birke: 40 St. Wellen.
Nähere Auskunft erteilt Herr Förſter
Kirſchner, Müllerſtraße Nr. 11.
Ge=
gen ſichen Bürgſchaft wird kredikiert
bis 11. November 1928. Zuſammentunft
der Steigerer im Weinweg am
Ein=
gang des Waldes.
(3781
Eberſtadt, den 27. Febr. 1928.
Heſſ. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Dr. Uecker.
„I.
(Nutz= und Brennholz.)
Letzte Verſteigerung.
Dienstag, den 6. März, von
vor=
mittags 9" Uhr ab, werden im
Gaſt=
haus „Zum Deutſchen Haus” zu
Groß=Bieberau aus den Diſtrikten:
1. Leidert, 2. Loſe, 3. Diſtelgrund, 4.
Nob=
kunz, 5. Wand, 6. Grasberg, 7.
Gaßners=
berg, 8. Riedbuſch, 9. Kernbach, 10,
Alt=
ſcheuer, 11. Hottenbacher Berg, 12.
Eichel=
berg und 13. Großer Holzhügel verſteigert:
1. Nutzholz:
Stammholz: Abſchnitte: N=Buche
72 Stück 3.— 5. Kl. — 65,63 Im; N=
Hainbuche 3 St. 3. Kl. — 1,51 fm:
A=Kiefer 21 St. 3a—5. Kl. — 22,18
im A=Weißtanne 1 St. 5. Kl. —
2,55 fm.
Langholz: Eiche 123 St. 1.—4.
Kl. — 49,52 fm: Pappel 1 St. 3. Kl.
— 1,67 im; Kiefer 97 St. 2a—4b Kl.
— 58,87 im; Lärche 115 St. 1a—2a
Kl. — 26,57 fm: Fichte 172 St. 1a
bis 3a Kl. — 47,50 im; Weißtanne
13 St. 1a—4a Kl.. — 447 fm.
Derbſtangen: 3 St. Fichte 1. Kl. —
0,27 (m.
Nutzſcheiter: 14 rm Buche.
2. Brennholz:
Scheiter, rm: 87 Buche, 2 Eiche, 4
Kie=
fer, 3 Fichte;
Knüppel, rm: 28 Buche, 2 Hainbuche,
12 Kiefer:
Stammreiſig, Wellen: 750 Roteiche,
500 Weymouthskiefer:
Aſtreiſig, Wellen: 1290 Buche, 35
Hain=
buche, 165 Kiefer;
Stöcke, rm: 44 Buche.
Das Holz iſt vorher einzuſehen.
An Brennholz werden verſteigert im
Diſtrift Riedbuſch von Nr. 984— 1073,
Eichelberg Nr. 1074, Diſtelgrund und
Grasberg von Nr. 800—808. Loſe Nr.
191, 326—329. Das Brennbolz kommt
zuerſt zur Verſteigerung, das Nutzholz
direkt anſchließend. Unterſtrichene
Num=
mern des Brennholzes kommen nicht
zum Ausgebot. Nähere Auskunft
er=
teilen für die Diſtrikte 1—6 Förſter
12 Ludwigstraße
Hrafenſtr. 13,
möbl. Zimmer fo ort
zu verm.
Pareusſtr. 19, II.,r.
möbl Zimmer, ſep.
Eing., el L, ſof. v
3 zu verm. (*555‟
Wttmannſtr. 25, II.,
3 möbl. Zimmer
ſen. z. vm
Förſter Schnellbächer zu Groß=
Bie=
berau, für Diſtrikt 8—13 Hilfsförſter
Heid zu Lichtenberg.
Im Anſchluß an die Verſteigerung
ol. berufst Frl. z vm. des Nutz olzes kommen folgende Stämme
Näh. 1 Stock. 222512 aus dem Schloßpark zu Lichtenberg
zur Verſteigerung:
V=Abſchnitte: Nußbaum 3 St. 3. und
4. Kl. — 0,76 Im: Akazie 3 St. 2.
und 3. Kl. — 0,93 tm: Linde 1 St.
2. Kl. — 0,25 im; Lärche 1 St. 2a
Kl. — 0,23 Im.
Nähere Auskunft erteilt Hilfsförſter
Heid zu Lichtenberg.
(3742
Groß=Bieberau, den 27. Febr. 1928.
Heſſ. Forſtamt Groß=Bieberau.
Geite 14
Mittwoch den 29 Februar 1928
Nummer 60
Aöfene Stellen
Männlich
Heren I. Danen
für Romanhefte geſ.
Rede=
talent nicht nötig. Prov.
u. Fahrg. Meld.
Guten=
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ſichern Sie ſich dauernd
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Mittwoch, den 29 Februar 1928
Geite 15
Opoll, Spiel und Tarnen.
Turnen.
Main—Rhein=Turngau D. T.
Turntagungen. — Gauwaldlauf.
Die turneriſche Arbeit im Monat März wird mit dem 68.
Gau=
jurntag, welcher der Turngemeinde Traiſa b. Darmſtadt übertragen
wurde, am Sonntag, den 4. März, begonnen. Dieſe wichtige
Haupt=
turntagung führt weit über 100 Vertreter aus den zum Gau gehörigen
67 Turnvereinen zuſammen, die gemeinſam mit dem Gauvorſtand und
den einzelnen Fachausſchüſſen über die Weiterentwicklung des Gaues
ſowie die techniſche Durchführung der Gauveramſtaltungen beraten
wer=
den. Am gleichen Tage findet in Frankfurt a. M.=Niederrad der
89 Feldbergturntag ſtatt, der von den größeren Vereinen des Gaues
beſchickt werden dürfte. In Anbetracht der Vorbereitungen zum 75.
Feld=
bergturnen, dem älteſten Bergturnfeſt der D.T., wird dieſe Turntagung
wichtige Beſchlüſſe zu faſſen haben. Dem jährlich auf der Waſſerbuppe
(Rhön) ſtattfindenden Rhönbergturnen, zu dem der Main=Rheingau
öfters die erſteren Sieger ſtellte, geht eine vorbereitende Turntagung
in Fulda voraus, die gleichfalls am 4. März zuſammentritt und von
einzelnen Gauvereinen beſchickt werden wird. Neben dieſen
Turn=
tagungen bringt der Monat März die erſte Wettkampfhandlung für den
Gau, und zwar am 18. März den Frühjahrswaldlauf in Seeheim, der
zugleich die Ausſcheidungen für die Kreis=Waldlaufmeiſterſchaften
be=
deuten. Die Vorbereitungen zum Gauwaldlauf trifft der Tw. Seeheim
und kann hieraus heute ſchon geſchloſſen werden, daß dieſer eyſten
Geu=
veranſtaltung ein würdiger Verlauf geſichert iſt. An dem vom 9.
Turn=
kreis zum 31. März und 1. April angeſetzten Lehrgang im Schwimmen
in Gießen werden die beſtehenden Schwimmabteilungen der Gauvereine
regen Anteil nehmen.
Handball.
Main—Rhein=Turngau D. T.
Der berfloſſene Sonntag brachte wiederum regen Spielbetrieb
inner=
halb des Gaues und das ſchone Vorfrühlingswetter lockte zu den Spielen
zahlreich die Zuſchauer auf die Plätze. In Darmſtadt war es aus dem
Turnerlager die Turngeſellſchaft 1875 welche drei Spiele austrug, und
zwar waren es Gegner aus Nieder=Roden und Roßdorf, die gegen die
1875er antraten. Während die beiden erſten und zweiten Mannſchaften
von Darmſtadt und Nieder=Roden mit je einem Unentſchieden ſich
trennten, gelang es der dritten Mannſchaft der 1875er, über Roßdorf
einen 4:2=Sieg zu buchen. Turngemeinde Darwſtadt war von Groß=
Gerau mit zwei Mannſchaften zu Privatſpielen verpflichtet und ſtellten
die erſten Mannſchaften das flott und fair durchgeführte Spiel auf 2:2,
Halbzeit 1:0 für Groß=Gerau. Beide Torhüter, glänzend in der
Ab=
wehr, verhüteten eine Niederlage für ihren Verein. Die zweite
Mann=
ſchaft der Darmſtädter Turngemeinde konnte gegen die gleiche der Groß=
Gerauer mit dem Ergebnis 5:3 durch beſſeren Sturm Sieger bleiben.
Bensheim-Neu=Iſenburg 6:2 (2:2). Wie das Reſultat beſagt, in der
erſten Halbzeit ausgeglichenes Spiel. In der zweiten Halbzeit legt
Bensheim ein ſtarkes Tempo los, dem Neu=Iſenburg nicht gewachſen
war und dieſerhalb nicht hindern konnten, daß Bensheim viermal
ein=
ſenden könnte. Das Spiel ſelbſt wurde von Anfang bis zu Ende mit
einer großen Härte durchgeführt und drohte des öfteren, die Grenzen
des Erlcubten zu überſchreiten. Arheilgen — Eberſtadt 3:2 (1:1). In
der eyſten Halbzeit flottes Spiel, wobei Arheilgen als Gaſt etwas mehr
vom Spiele hatte, aber der Eberſtädter Torhüter bewahrte ſeine
Mann=
ſchaft vor einer Niederlage. In der zweiten Halbzeit ein luſtloſes Spiel,
in welchem die Gäſte den Platzverein vollſtändig zurückdrängen konnten
und nur der gute Torwächter verhütete eine höhere Niederlage für
Eberſtadt. In Walldorf war Büttelborn zu Gaſt und mußte letzteres
mit dem Ergebnis 6:2 (4:1) den Platz verlaſſen. Eine noch höhere
ſich in Pfungſtadt eine 8:1 (3:1)Niederlage gefallen laſſen. Tv. Seeheim
hatte Groß=Zimmern aus dem benachbarten Odenwaldgau als Gegner
verpflichtet. Bereits in den erſten Minuten des Spiels erzielte Seeheim
den erſten Erfolg und Groß=Zimmern zieht alsbald hierauf gleich. Das
Ergebnis 10:1 (4:1) für Seeheim zeigt jedoch deutlich, daß Groß=
Zimmern dem Vertreter des Main=Rheingaues nicht im geringſten
ge=
wachſen war.
Fechten.
Degenkampf Süddeutſchland gegen Nordſchweiz.
Der Vorſitzende des ſchweizeriſchen Fechterbundes, Dr. Mende=Bern,
hat dem Deutſchen Fechterbund einem internationalen Mannſchaftskampf
auf Degen angetragen. Die beiden Mannſchaften ſollen je 10 Mann
ſtark ſein und den Fechtklubs von Süddeutſchland und der Nord= und
Weſtſchweiz entnommen werden. Für Deutſchland kommen die
Fecht=
klubs von Darmſtadt, Frankfurt, Mainz, Mannheim, München,
Offen=
bach, Rüdesheim, Stuttgart und Wiesbaden, für die Schweiz von Baden,
Baſel, Bern, Chaux de Fonds, Neuenburg und Zürich in Auswahl. Der
Deutſche Fechterbund hat ſeine Mannſchaft aus ſeiner Sonderklaſſe
(Teilnehmer der Siegerrunden deutſcher Turniere) zuſammengeſetzt, aus
Fechtern von Darmſtadt (Herr Louis Anton=Darmſtädter Fechtklub),
Frankfurt, München und Offenbach; Stuttgart und Wiesbaden ſtellen
je einen Erſatzwann. Das Fechten mit Degen wird in der Schweiz nach
franzöſiſcher Schule beſonders gepflegt; die deutſche Mannſchaft wird
da=
her in einen ſchweren Kampf gegen Spezialiſten treten. Der Kampf iſt
am 11. März im Kuppelſaal des Kunſtgebäudes in Stuttgart. Am
Vor=
abend findet daſelbſt noch eine Fechtakadewie ſtatt, welche die beſten
deutzſchen Meiſter beſtreiten werden.
Radfahren.
Großes Saalſportfeſt des Gaues 70 Heſſen=Darmſtadt im BDR.
Das urſprünglich auf den 4. März angeſetzte Saalſportfeſt mußte
des allgemeinen Volkstrquertages wegen auf den 11. März 1928 in die
Turnhalle am Woogsplatz verlegt werden.
Waſſerball.
Weſifalen=Reiſe des V.f. T. Rot=Weiß.
Um die Spielſtärke ſeiner Waſſerballmannſchaften zu heben,
unter=
nimmt der VfL. Rot=Weiß in der Zeit vom 3.—7. März eine
Waſſerball=
fahrt nach Weſtfalen. Durch die guten Beziehungen mit dem dortigen
Schwimmverein „Blau=Weiß” Bochum iſt es gelungen, mehrere
erſt=
klaſſige Vereine für die Fahrt der Darmſtädter zu intereſſieren. Am
Samstag ſpielt Rot=Weiß gegen SV. Hagen. Der Gegner für
Sonn=
tag iſt entweder Barmen oder Hamm. Am Montag ſind die Rot=
Weißen Gaſt beim SV. Gladbeck, und Dienstag abends treffen die
Darmſtädter auf „Blau=Weiß” Bochum zum fälligen Rüchſpiel.
Bekanntlich gelang es Rot=Weiß, den Bochumern anläßlich ihrer
Süd=
deurſchlandfahrt die einzige Niederlage beizubringen. Rot=Weiß fährt
mit ſeiner erſten Herren= und erſten Jugendmannſchaft unter der
Füh=
rung des ſtellvertretenden Vorſitzenden R. Graßmann. Die Darmſtädter
werden ſich äußerſt anſtrengen müſſen, wenn ſie gegen obige Gegner
ge=
winnen wollen, aber immerhin wird die Fahrt allein ein ſportlicher
Er=
folg ſein, da die Spielſtärke beider Mannſchaften hebt. Außer dem rein
ſportlichen Programm haben die dortigen Vereine keine Mühe geſcheut,
um den Darmſtädtern auch in geſelliger Beziehung das Beſte zu bieten.
Es ſind Beſichtigungen von Zechen, Eiſenhütten uſw., vorgeſehen.
Kraftſportabltg. d. Tv. Nieder=Ramſtadt — Deutſche Eiche Roßdorf 12:2.
Obiges Reſultat erzielte die Kraftſportabteilung am verfloſſenen
Sonntag gegen Deutſche Eiche Roßdorf in Nieder=Ramſtadt. Dieſer
Kampf war der erſte, den die Kraftſportabteilung in der Schlußrunde der
A=Klaſſe austrug, und derſelbe war auch von einem ſchönen Erfolg
ge=
krönt. Das erzielte Ergebnis iſt noch um ſo höher zu bewerten, da die
Gebr. Schanz durch Krankheit verhindert waren, mitzukämpfen. Für
die Kraftſportabteilung iſt es auch höchſte Zeit, mächtig aufzuziehen, da
ſie in der Vorrunde kläglich abgeſchnitten hat.
Nachſtehend die einzelnen Kämpfe:
Fliegengewicht: Ph. Lautenſchläger=Nieder=Ramſtadt gegen Schäfer=
Roß=
dorf. Von dieſem Kampf ſah man nicht viel, da der Roßdörfer ſchon
nach einer halben Minute den Kampf verlor. 2:0.
Bantamgewicht: Beck=Nieder=Ramſtadt gegen Obertür=Roßdorf. Beck
zeigte ſich wieder von der beſten Seite, und gewann den Kampf in
1 Minute. 4:0.
Federgewicht: Rückert=Nieder=Ramſtadt gegen Günther=Noßdorf. Beide
Ringer eröffnen den Kampf recht lebhaft, aber ſchon nach zweieinhalb
Minuten entſcheidet der beſſere Rückert den Kampf für ſich. 6:0.
Leichtgewicht: A. Göbel=Nieder=Rawſtadt gegen Geiß=Roßdorf. Göbel
beſiegt Geiß durch Hüftenſchwung in einer Ringzeit von einer halben
Minute. 8:0.
Leichtmittelgewicht: H. Göbel=Nieder=Ramſtadt gegen Schuhmann=
Roß=
dorf. Dieſer Kampf war der wechſelvollſte von allen, zeigte
intereſ=
ſante Momente, und flottes Tempo, den aber Göbel nach neuneinhalb
Minuten für ſich entſchied. 10:0.
Halbſchwergewicht: Ga. Lautenſchläger=Nieder=Ramſtadt gegen Moter=
Roßdorf. Der Kampf in dieſer Klaſſe ſpielte ſich während der ganzen
Ringzeit am Boden ab. Der lebhaft angreifende Nieder=Ramſtädter
zwang den ſich gut verteidigenden Moter=Roßdorf nach zehn Minuten
auf beide Schultern. 12:0.
Schwergewicht: Faltermann=Nieder=Ramſtadt gegen Kirſchner=Roßdorf.
Bei dieſem Kampf rettete Kirſchner die Ehrenpunkte für ſeinen Verein.
Faltermann, der nicht mehr ſeine frühere Form aufweiſtt, mußte ſich
nach ſechs Minuten für beſiegt erkläven.
Was die Roßdörfer Mannſchaft anbelangt, ſo gab ſie ihr beſtes her,
und hätte auch bei beſſerer Durchſchlagskraft mehr erreicht. Der
Schieds=
richter, Herr Kaltwaſſer aus Darmſtadt, waltete ſeines Amtes gut, und
hatte auch die Kämpfe jederzeit feſt in der Hand.
Die Deutſche Sportkleidung für Amſierdam.
Jüngſt iſt von ſozialiſtiſchen Zeitungen die Behauptung aufgebracht
und über bürgerliche Blätter ungeprüft in die franzöſiſche Preſſe und
von da wiederum in die deutſche übernommen worden, die deutſche
olympiſche Mannſchaft wolle bei den Amſterdamer Spielen in
ſchwarz=
weißroter Sportkleidung auftreten. Demgegenüber wird feſtgeſtellt,
daß der vom Deutſchen Olympiſchen Ausſchuß für Amſte dam
vor=
geſehene Sportanzug dem für St. Moritz gebrauchten gleicht. Er beſteht
aus weißem Stoff und trägt den ſchwarzen Reichsadler auf gelbem
Grunde in einem roten Bruſtſtreifen.
Lewald.
Geſchäftliches.
Im traulichen Heim. Das Unterhaltungsblatt für Haus und
Fa=
milie. 2. Jahrgang. — Verlag von Ewald u. Co. Nachf. in Leipzig. —
Preis pro Nummer 25 Pfg.
Der 2. Jahrgang dieſer glänzend eingeführten, ſich in allen Schichten
der Bevölkerung größter Beliebtheit erfreuenden Wochenſchrift beginnt
mit der Veröffentlichung des großen Originalromans von H. Courths=
Mahler „Die verſtoßene Tochter”. Neben ihm beginnt ein anderer
gleich=
falls ſehr feſſelnder Roman von Irma Voßberg, der den Titel trägt:
„Die Ehre der Ravenſtein‟. Ganz beſonders erfveuen dürfte es endlich
die Abonnenten des Blattes, daß dieſes ihnen auch einen Roman von
Paul Hain „Du goldblondes Mädel vom Rhein” beſcheren wird, ein
Werk, ſo voll Duft und Poeſie wie es eben nur dieſer Dichter zu
ſchaffen verſteht. Sämtliche drei Romane ſind Originalarbeiten und ſonſt
noch in keinem Blatt erſchienen. Sie werden den Leſern reſtlos gefallen,
ebenſo wie der reiche Illuſtrationsſchmuck und die kleinen, die
Haupt=
werke umrahmenden Beigaben, als da ſind, kleine Erzählungen, Rätſel,
Schnurren, Witze, Hauswirtſchaftliches und dergleichen mehr. „Im
traulichen Heim” hat gehalten, was es bei ſeinem erſtmaligen Erſcheinen
verſprochen. Es wollte der deutſchen Familie dienen, wollte Erheiterung
und Belehrung in weiteſte Volkskreiſe tragen, es hoffte, ein lieber
Haus=
freund überall zu werden. Alles das iſt ihm gelungen, und es iſt uns
darum eine Freude, erneut auf dieſes ſchöne, vortrefflich redigierte und
ſehr ſchön gedruckte Familienblatt hinweiſen zu dürfen.
Heutiger Nummer liegt ein Proſpekt der Firma Peter Schmitt,
Frankfurt a. M., Weſtendſtraße 18 a, bei, die Beſtellungen auf „Im
traulichen Heim” jederzeit entgegennimmt.
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193 332, 204 164, 293 336, 318 888, 345 182, 356 786; 32 Gewinne zu je
1000 Mark auf Nr. 5966, 18 723, 19 724, 100 172, 105 948, 147049,
168 335, 182 288, 191 692, 197839, 207 018, 211260, 253 093, 257 796,
261 739, 339 297; ferner 56 Gewinne zu je 500 Mark und 176 Gewinne
zu je 300 Mark. — In der Nachmittags=Ziehung fielen:
6 Gewinne zu je 5000 Mark auf Nr. 224 084, 234 553, 252038; 6
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winne zu je 3000 Mark auf Nr. 231 690, 356 648, 361 244; 14 Gewinne
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333 601; 20 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 12817, 16 049, 98 384,
235 556, 245 060, 246 190, 253 816, 276 615, 323 732, 351 683; ferner
86 Gewinne zu je 500 Mark und 174 Gewinne zu je 300 Mark.
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu ſe 500 000 Mark,
2 Gewinne zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 200 000 Mark, 2
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5000 Mark, 160 Gewinne zu je 3000 Mark, 348 Gewinne zu je 2000
Mark, 682 Gewinne zu je 1000 Mark, 1920 Gewinne zu je 500 Mark,
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Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 29. Febr. 13.30: Kaſſel: Hauskapelle. O 15.30:
Rektor Wehrhan: Götz von Berlichingen und der Ritter mit der
eiſernen Hand, und andere Kämpen. o 16.30: Funkorcheſter:
Werke von Roſſini (geb. 29. Febr. 1792). O 17.45: Bücherſtunde.
O 18.15: Vereinsnachrichten, Mitteilungen. O 18.30: Pfarrer
Taesler: Brahma Samadſch und Rabindranath Tagore. O 19:
Reg.=Rat a. D. Dr. Keck: Zur Frage der Städtiſchen
Getränke=
ſteuer. O 19.30: Franzöſiſch. 20: Prof. Dr. Leuchs: Der Bau
der Gebirge. O 20.15: Kammermuſik. Brahms: Trio C=moll.
— Rameau: Viertes Konzert. — Schubert: Trio B=dur. Ausführ.:
Anny Steiger=Betzack (Violine), Ary Schuyer (Violoncello), P.
Meyer (Klavier). O 21.15: Konzert des Funkorch.
Stutigart.
Mittwoch, 29. Febr. 12.30: Schallplattenkonzert. O 15: s Gretle
von Strümpfelbach erzählt. 16.15: Funkorch. Einlagen in den
Pauſen. O 18: Landwirtſchaftsnachrichten. O 18.15: Dr. Loewenberg
(Stuttgart): Die kulturelle Bedeutung der Volksbühnenbewegung,
O 18.45: Karlsruhe: Glaſermeiſter Lang: Einige Berufe des
Holz=
gewerbes. O 19.15: Einf. in die Spaniſche Sprache. O 20: Schiller=
Zyklus. Einf.: Oberſtudiendir. Dr. Grieſinger. „Wallenſtems Tod.”
Ein Trauerſpiel in fünf Aufzügen. Perſ.: Wallenſtein; Piccolominr;
Octavio u. Max; Illo; Iſolani; Buttler; Ritter Neumann; Oberſt
Wrangel; Gordon, Kommandant von Eger: Deveroux; Macdonald;
ſchwediſcher Hauptmann; Gefreiter der Küraſſiere; Bürgermeiſter von
Eger; Sen; Gräfin Terzky; Thekla; Frl. von Neubrunn. — Anſchl.;
Nachrichten. — Funkſtille.
Berlin.
Mittwoch, 29. Febr. 15.30: Regine Deutſch: Parlamentariſche
Frauenarbeit. Das Wohl der Jugend. O 16: Dr. Nagelſchmidt:
Die elektriſche Behandlung innerer Krankheiten. O 16.30: Die
Funkprinzeſſin (Ania Simon) erzählt aus: Wunderbare Reiſe des
kleinen Nils Holgersſon mit den Wildgänſen, von Selma Lagerlöf.
O 17: Kapelle Rooſz. O 18.30: Gartendirektor Leſſer: Das
Umpflanzen der Zimmerblumen. O 19: Dr. Simon: Die Goethe=
Kompoſitionen von Mendelsſohn, Brahms, Löwe und H. Wolf.
O 19.25: Prof. Heilfron: Rechtsfragen des Tages. O 19.55: Prof.
Utitz=Halle: Die künſtleriſche Weltanſchauung. O 20.30: Schlager.
Mitw.: A. Kiſtenmacher (Tenor). Marianne Alfermann (Sopran).
Funkorch. Stolz: Nanette. Im Park von Sansſouci. Sultans
Traum. Sag du zu mir. Glücksmädel=Walzer. — Gilbert: Der
erſten Liebe goldene Zeit. Das iſt das alte Lied von jungen Leuten.
Opiumrauſch. Kommt doch alle. Mädels gibts auf der Welt, aus
Weib im Purpur. — Anſchl.: Nachrichten. O 22.30: Tanzmuſik.
Kapelle Marek Weber.
Stettin. 17: Fünf=Uhr=Tee. Kapelle Ette. O 20.30: Walzer
in Wort und Lied. Konzertorch. Leit.: Scheibenhofer. F. Schneider
vom Stadttheater (Tenor), Johanna Buchheim (Sopran). — Anſchl.=
Nachrichten. O 22.30: Ball=Muſik. Kapelle Ette.
Deutſche Welle. Mittwoch, 29. Febr. 12: Einheitskurzſchrift für
Schüler. O 12.30: Mitteil. des Reichsſtädtebundes. o 12.45:
Mitteil, des Verb. Preuß. Landgemeiden. O 14.30: Kindertheater.
Der Schatz im Walde. O 15: Mittelſchulrektorin Roſenow:
Ge=
meinſchaftserziehung in einer Mädchenklaſſe. O 15.35: Wetter und
Börſe. O 16: Aus dem Preuß. Kultusminiſterium. 16.30:
A. Melichar: Einf. in die mod. Muſik: Max Reger. o 17:
Hamburg: Was Großmutter ſang. O 18: Techn. Lehrgang:
Werk=
zeuge und Werkzeugmaſchinen. O 18.30: Franzöſiſch f. Anf. O 18.55:
Staatsſekr. a. D. Prof. Müller: Die Ausſichten des volkswirtſch,
Berufs. O 19.20: M. Breslauer: Buchkultur. O 20.30: Schlager.
Kompoſitionen von Stolz und Gilbert. Mitw.: Kiſtenmacher (Tenor),
Marianne Alfermann (Sopran), Berliner Funkorch. Dir.: Seidler=
Winkler. O 22: Preſſe. O 22.30: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Donnerstag, den 1. März
(nach der Wetterlage vom 28. Februar).
Zeitweiſe bewölkt, Temperaturen wenig verändert und trocken.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung. Rudolf Mauve
Veranwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willp Kuhle: Druck
und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Sarantie der Rückſendung nicht übernommen,
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
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ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Geſchäftslage hat ſich wenin
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ändert, wenn man nicht die größere Zurückhaltung in den Kreiſen der
Käufer von Tiſchler= und Bauholz als eine erwähnungswerte Aenderung
bezeichnen und erwähnen will. Freilich iſt eine Einwirkung auf die
Marktpreiſe nicht zu beobachten. Die Preiſe für gutes
Stammbretter=
holz aus Oſtpreußen ſtehen nach wie vor auf 130 Mark je Kubikmeter ab
oſtpreußiſchen Stationen im Großhandel, während bei billigeren
Ange=
boten regelmäßig über die Qualität geklagt wird. Auch ſind die Preiſe
für aſtreine Seitenbretter unverändert, es wurdem Abſchlüſſe frei
Gegend Schneidemühl zu 112 bis 115 Mark bekannt, während man für
pommerelliſche Ware 105 Mark frei Bentſchen zahlte. In Bayern zeigen
die Forſtverkaufstermine immer noch teure Preiſe, wiewohl in den Krei
ſen der Sägewerksbeſitzer dauernd vor einer Ueberſchätzung der Lage und
einer zu günſtigen Beurteilung der Entwicklung des kommenden
Bau=
geſchäftes geklagt wird. Einige kleinere Inſolvenzen geben
Veranlaſ=
fung, die Verhältniſſe etwas vorſichtiger zu beurteilen. Ueberall wird
lebhaft über die läſſige Zahlweiſe der Abnehmer geklagt, und dieſe
Ver=
hältniſſe haben ſich zwveifellos ſeit Jahresbeginn nicht unweſentlich
ver=
ſchlechtert. Die Zahlweiſe wird dadurch beeinflußt, daß eine Reihe von
Fabriken Beſtellungen im Herbſt erteilt hat, aber mit dem Abruf dieſes
Materials im Rückſtand geblieben iſt, nachdem die Aufträge nicht ſo
ein=
gingen wie evwartet wurde. Infolgedeſſen gehen auch die Zahlungen
entſprechend ſäumig ein. Am Laubholzmarkt hat ſich der Abfatz von
guter Eiche gehoben, aber es werden immer höhere Anſprüche an die
Durchmeſſer des Holzes geſtellt, während die ſchmälere Ware liegen
bleibt. Parkettholz iſt ſtark vernachläſſigt, weil der Konſum
verhältnis=
mäßig gering iſt und aus Polen entſprechendes Material recht billig
angeboten wird, ohne daß ſich Käufer finden. Schwellen ſind geſucht,
aber die hohen Rundholzpreiſe in den Forſten verbieten eine Abgabe zu
den Preiſew, die den Geboten des Zentralamtes entſprechen. In Polen
hat ſich die Nachfrage nach polniſchen Staatsbahnſchwellen etwas gelegt.
Die Rohholzpreiſe ſcheinen in ihrer Abwärtsentwicklung, die ſchon
be=
drohlich erſchien, einen gewiſſen Stillſtand gemacht zu haben.
Frankfurter Effeſtenbörſe.
Frankfurt a. M., 28. Februar.
Die Börſe eröffnete in etigs freundlicherer Haltung, das Geſchäft
konnte jedoch keine Belebung erfahren, da der Ordereingang unverändert
gering blieb. Die Stimmung war allgemein beruhigter und
zuverſicht=
licher, und die Spekulation ſchritt nach den geſtrigen Leerabgaben zu
Deckungen. Eine gewiſſe Anregung dazu ging von der weiter leichten
Beſſerung der Arbeitsmarktlage aus, denn im Zuſammenhang damit
derſtärkten ſich die Hoffnungen auf ein Fortdauern der
Inlandskonjunk=
tur. Außer dem Fehlen der zweiten Hand ſtand die weiter beſtehende
Ungewißheit über die Zukunft des Geldmarktes einer regeren Geſchäfts
entwicklung hindernd im Wege. Die Nachfrage, beſonders nach
Tages=
geld, hielt heute unverändert an, da neben den Zahlungen auf die
neuen Reichsbahnvorzugsaktien ſich wieder ſtärkerer kommunaler
Geld=
bedarf bemerkbar machen ſoll. Bei der erſten Notierung überwogen
gegenüber der geſtrigen Abendbörſe die 1 bis 2prozentigen
Kurserholun=
gen. Etwas bevorzugt waren J. G. Farben, die 1 Prozent höher
er=
öffneten. Auch Scheideanſtalt konnten ſich 1 Prozent erholen. Am
Elek=
tromarkt gewannen Siemens und Licht und Kraft je 1,5 Prozent; AEG.
notierten 156½½ nach dem Dividendenabgang. Schiffahrtswerte bließen
nur behauptet, während am Montanmarkte Buderus 1,75 Prozent,
Mannesmann 1,25 Prozent und Phönix 1,5 Prozent gewannen. Eher
angeboten lagen dagegen die Kaliwerte, von denen Aſchersleben 2
Pro=
zent, Weſteregeln 1,5 Prozent nachgeben mußten. Am Bankenmarkte
be=
ſtand für Reichsbank auf die bekannten Abſchlußerwartungen wieder
einiges Intereſſe (plus 2 Prozent). Deutſche Anleihen blieben
behaup=
tet, ausländiſche Renten ſtill.
Im weiteren Verlaufe ſtockte das Geſchäft faſt vollkommen, und die
Kurſe beränderten ſich nur noch wenig. Der Geldmarkt war
underän=
dert angeſpannt. Tägliches Gekd 7,5 Prozent. Am Deviſenmarkt zog
die Mark weiter an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1865; gegen
Pfunde 20,/427; London=Kabel 4,88; Paris 124,02; Mailand 92,12 und
Madrid 28,82.
An der Abendbörſe waren zwar Abſchlüſſe von Belang wieder
nicht zu verzeichnen, doch iſt die Grundſtimmung allgemein als
freund=
licher anzuſprechen. Man verweiſt auf die kommenden
Großbank=
abſchlüſſe, ſpeziell auf den Abſchluß von Dresdner Bank, der günſtig
ſein ſoll. Licht und Kraft und Waldhof, lagen je ei Prozent höher,
die übrigen notierten Werte im Ausmaß von einhalb bis dreiviertel
Prozent anziehend. Anleihen geſchäftslos. Der Verkauf blieb zwar
ſtill, doch gut gehalten. Im einzelnen nannte man: Kommerzbank 173,5:
Danat 225,5; Dresdner 157,5; Gelſenkirchen 133,5; Harpener 182,5.
Mannesmann 1485; Rheinbraun 237,5: Rheinſtahl 163; Hapag 149,5,
Nordd. Lloyd 150 5; ACG. 156,37: Licht u. Kraft 212; Farben 255,75:
Geſ. für Eſektr. 255,5; Rütgers 97,5: Waldhof 248,5. — Im
Abend=
deviſenverkehr war die Reichsmark leicht erholt. London-—Paris 124,02:
Mailand 9220; New York 4,88; Holland 12 12/: Madrid 28,92; Zürich
25,34; Pfunde gegen Mark 20,43, Dollar gegen Mark 4,1865.
Berliner Effeftenbörſe.
Berlin, 28. Februnr.
Die Tendenz war an den Effektenmärkten mit der Aufgabe des
Terminhandels per medio März überwiegend freundlich, ausgehend von
etwas regerem Intereſſe für Eiſenwerte. Neben der Zurücknahme der
Kartellverordnung gegen die Schwerinduſtrie regte die anhaltende
Hauſſe auf dem franzöſiſchen Eiſenmarkt und die Erörterungen über eine
Erhöhung der Roheiſenpreiſe an. Auch ausländiſche Spekulanten, ins
beſondere holländiſche Kreiſe, ſollen Anſchaffungen in hieſigen
Eiſen=
aktien vorgenommen haben. Im Vordergrund ſtanden dabei Phönix
und Ver. Stahlwerke; ſonſt ließ das Geſchäft, wie üblich, zu wüin ſchen
übrig. Die Kursveränderungen waren mit wenigen Ausnahmen äußerſt
minimal. Als recherierendes Moment kam vor allem die drohende
Still=
legung der Verliner Metallinduſtrie in Frage, daneben die
undurchſich=
tige Geldmarktlage. Tagesgeld koſtete 6,5—8,5 Prozent; Monatsgeld
7,5—8,5. Für Gelder auf einige Tage über dem Ultimo wurden 8 bis
9,5 Prozent gefordert. Auch am Privardiskontmarkt lag wieder
be=
trächtliches Angebot vor, wenn auch nicht in gleichem Umfang wie an
den Vortagen. Man brachte die gugenblickliche Geldverſteifung mit den
am 29. Februar fälligen Einzahlungen auf die Reichsbahnvorzugsaktien
in Zuſammenhang und rechnete nach dieſem Termin wieder mit einer
Erleichterung, da die Gelder entſprcchend der Konſoritalabmachung bei
den Großbanken derbleiben ſollen. Im Deviſenverkehr gab der Dollau
weiter nach. Kabel=New York=Verlin ſtellte ſich im Uſancenhandel auf
4,1870; New York-London auf 4,8797; London—Madrid notierte eher
ſchwächer mit 28,83; London-Mailand 92,15; London—Amſterdam
12,1250. Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe war die Haltung unſiiher.
Zunächſt traten leichte Befeſtigungen ein, doch bröckelte das Nivean
bald erneut um eine Kleinigkeit ab.
Im wveiteren Verlauf der Börſe wurde die Aufmerkſamkeit von
einigen Sonderbewegungen in Anſpruch genommen. Svenſkaaktien
ſchwächten ſich um ſieben Reichsmark auf 401 ab, und zwar infolge
Ab=
gaben der Londoner Arbitrage. Der Kurs ſtellte ſich drüben heute auf
etſa 400 nach der Berliner Uſance. Andererſeits blieben Baltimore
ſehr feſt. Auch Kanada zogen um 6,25 Prozent an. In dieſen Werten
fanden Käufe des Auslandes ſmtt, die von einer hieſigen Großbank
aus=
geführt wurden. Das Geſchäft ließ in der Mitte der zweiten Stunde
nach, als von der Möglichkeit einer abermaligen Privatdiskonterhöhung
verlautete. Da das Angebot an Pribatdiskontem weiter beträchtlich war,
wurde tatſächlich um 145 Uhr eine Erhöhung der Notiz um /s
Prozent auf 6,75 für beide Sichten vorgenommen. Die Spekulation
wurde dadurch ſehr verſtimmt und neigte bei Schluß der Börſe
allge=
mein zu Glattſtellungen mäßigen Umfanges.
An der Nachbörſe wurde die Stimmung nach Beendigung der
ſpeku=
lativen Abgaben freundlicher, ausgehend von lebhaftem Intereſſe der
Kuliſſe für Vereinigte Glanzſtoffaktien. Das Papier zog im Laufe der
Börſe um insgeſamt 12 Prozent auf 609 an und wurde nachbörslich mit
610—611 gehandelt. J. P. Bemberg holten ihre anfängliche
Abſchwä=
chung wieder ein und gewannen noch 2 Prozent dazu. Im übrigen
konnte ſich an der Nachbörfe das Kursniveau gut behaupten. Man
nannte u. a.: J. G. Farben 255,5; Siemens 264,75; Schuckert 173;
AGG. 156; Rheinſtahl 16275; Oſtwerke 266,5: Schultheiß 326;
Polh=
phon 244; Svenſkaartien gingen dagegen weiter auf 389,5 zurlick.
Schiff=
fahrtsaktien blieben ruhig, Hapag 149,25: Nordd. Lloyd 150,25; Deutſche
Staatsanleihen teilweiſe beſſer, mamentlich die Neubeſitzanleihe mit
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Die erſte Holzbörfe in Deutſchland. In Berlin iſt der „Forſtlichen
Rundſchau” zufolge, kürzlich der Verſuch gemacht worden, einen ſchon
ſeit langem in Holzhandelskreiſen propagierten Vorſchlag einer
Holz=
börſe
Tat umzuſetzen. Vorbilder einer ſolchen Holzbörſe hat man
bereits in Wien, Graz und Brünn. Die Holzbörſe in Verlin kann
einſtweilen nur den Zweck haben, durch die Zuſammenziehung des
Han=
dels eine einheitliche Preisgeſtaltung und einen Ausgleich von Angebot
und Nachfrage zu erleichtern.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Preußiſche Pfandbriefbank A.=G., Berlin. In der o. HV. wurde
der Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1927 genehmigt. Es wurde
beſchloſ=
ſen, aus einem Reingewinn von 3 786 091 RM. auf 21 Mill. RM. 10
Prozent Dividende und auf 7 Mill. RM. die Hälfte zur Ausſchüttung
zu bringen. 213 455 RM. werden vorgetragen. Im Zuſammenhang
mit der Fuſion mit der Landwirtſchaftlichen Pfandbriefbank (
Noggen=
rentenbank A.=G.) haben Miniſterialrat von der Decken, Regierungsrat
a. D. Otto, Graf von Poſadowvſki=Wehner und Bankdirektor a. D.
Zim=
mermann ihre Mandate zur Verfligung geſtellt. Außerdem iſt
General=
direktor Gerſtel (Permutit A.=G.) Berlin, aus dem AR. ausgeſ hieden.
Es wurde mitgeteilt, daß in den in der Bilanz mit 229 296 347 RM.
bilanzierten Goldhypotheken 63 100 747 RM. Goldhypotheken von der
früheren Roggenrentenbank enthalten find. Dieſem Betrag ſtehen an
Goldrentenbriefen und Goldpfandbriefen der Roggenrentenbank 55405625
RM. gegenüber, ſo daß ſich eine Uederdeckung von rund 7,7 Mill. RM.
ergibt. Die erſten Monate des laufenden Geſchäftsjahres haben ſich nach
Verwaltungsangaben recht erfreulich angelaſſen. Man habe bisher etwa
35 Mill. RMM. Darlehen geſvähren können. Hiervon ſeien etwa 10 Mill.
RM. im Auslande untergebracht worden. Am 1. Januar 1928 habe der
Darlehnsbeſtand bei einem AK. von 21 Mill. RM. über 385 Mill. RM.
betragen gegen 445 Mill. Mark am 1. Januar 1914 bei einem AK. von
24 Mill. Mark.
Deutſche Schuh= und Ledermeſſe in Leipzig. Im Rahmen der
dies=
jährigen Leibziger Frühjahrsmeſſe findet die deutſche Schuh= und
Leder=
meſſe, die nunmehr auf ein 15jähriges Beſtehen zurückblicken kann, vom
4. bis 7. März ſtatt. Die deutſche Schuh= und Ledermeſſe iſt wiederum
in Halle 13 der teckniſchen Meſſe untergebracht. Man rechnet damit,
daß Beſuch und Umſatz insbeſondere auch in Fertigleder und
Schuh=
waren ſowie in Schuhmaſchinenwerkzeugen das Ergebnis des Vorfahres
erheblich übertreffen wird.
Heſſiſche Lichiſpieltheater A.=G. Darmſtadt. Die Gefellſchaft,
die im April vorigen Jahres unter Führung der Darmſtädter und
Nationalbank mit 250 000 RM. Aktienkapital gegründet wurde,
erhöht nunmehr ihr Aktienkapital auf 600 000 RM. zum Erſerb
eines Lichtſpielhauſes in Darmſtadt und zu Bauzwecken.
Handels= und Gewerbebank Gießen. In dem jetzt erſchienenen
Ge=
ſchäftsbericht der Sandels= und Geſerbebank Gießen für das
Geſchäfts=
jahr 1927 wird betont, daß die Bank auch im Jahre 1927 befriedigend
gearbeitet habe. Der Geſamtumſatz iſt von 77 auf 120 Millionen Mk.
geſtiegen. Das Eigenvermögen der Genoſſenſchaft beträgt 563 000 Mk.,
die fremden Gelder ſind auf 1,5 Mill. Mk. geſtiegen. Die Gemeinſchaft
zählt 1639 Mitglieder, Haftſummen 1 828000 Mark. Der Gewinn im
Geſchäftsjahr 1927 beläuft ſich auf 59 294,56 Mk. Es wird eine
Divi=
dende von 10 Prozent vorgeſchlagen, die geſetzliche Reſerve ſoll auf
100 000 Mark gebracht werden, die Sonderrücklage auf 50 000 Mark. Die
Generalverſammlung am 2. März ſoll außer der Genehmigung der
Auf=
ſichtsrats= und Vorſtandsvorſchläge noch über den Erwerb eines größeren
Grundſtückes zur Errichtung eines neuen Bankhauſes beſchließen.
Chemikalien A.=G., Wiesbaden. Ueber das weitere Schickſal der von
der Chemikalien A.=G. Wiesbaden (Michaelkonzern) erworbenen
Chemi=
ſchen Fabrik vorm. Goldenberg, Geromont u. Co. in Winkel in Liqu.
er=
fahren wir folgendes: Der Urzweck des Michaeliſchen Erwerbes der
Gol=
denberg A.=G. war eine Verbindung mit gleichfalls dem Michaelkonzem
gehörden Chem. Fabrik vorm. Hell u. Stahmer, Billwärder bei
Ham=
burg, die beide teilweiſe mit ähnlichen Anlagen arbeiten, herzuſtellen und
die mit voller Kapazität erfolgende Billwärder Produktion in Winkel
zu vergrößern. Dieſes Projekt ſcheiterte nun an den techniſchen Fragen.
Es ſtellte ſich heraus, daß die Anlagen überwiegend veraltet und für die
Verbindung mit Billwärder vollkommen ungeeignet ſind, ſodaß man ſich
vor etwa vier Wochen entſchloß, ſie wohl unter Opfern an die M. Stern
A.=G., Eſſen, zum Abbruch zu verkaufen, welche ſie nunmehr weiter
ber=
äußern will. Welche Produktion nun eigentlich von der Chemikalien
A.=G. in der Winkeler Fabrik erfolgen wird, darüber ſchweben noch
ver=
ſchiedene Profekte, iſt aber erſt nach Prüfung der möglichen techniſchen
Einrichtungen zu entſcheiden. Die ehemalige Goldenbergſche
Weinſäure=
quote von 4000 Kilo im Tage hat bekanntlich die Firma Behnkieſer in
Ludwigshafen im Lohnabkommen vorläufig übernommen. Der
Michael=
konzern bleibt Mitglied des Weinſäure ſyndikates und übt auch ſeiner
Quote entſprechend hier Funktion aus.
Metallnotierungen.
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 28.
Fe=
bruar ſtellten ſich für Kupfer: Januar 121,25 (121,50), Februgr
121,25 (122), März, April, Mai, Juni, Juli, Auguſt, September,
Of=
tober, November, Dezember 121,25 (121,50). Tendenz: ruhig. Für Blei:
Januar 40,75 (41), Februar 39,75 (40,50), März 39,75 (40), April 40
(40,25), Mai 40,25 (40,25), Juni, Juli 40,25 (40,75), Auguſt, September,
Oktober, November 40,50 (40,75), Dezember 40,75 (41). Tendenz:
abge=
ſchwächt. Für Zink: Januar 49,25 (49,75), Februar, März, April
49,50 (49,75), Mai, Juni, Juli 49,50 (50), Auguſt, September, Oktober,
November, Dezember 49,50 (49,75). Tendenz: ſtill. — Die erſten Zahlen
bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Bricf.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 28. Februar
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder
Rorterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz)
135 RM. Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metallbörſen=
vorſtandes (die Preife verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium,
98—99 Prozent in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren, 210 RM., des=
Staatspapiere
a) Deutſche
D. Rchsanl. Ablöſ.=
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Scheinen
D. Rchsanl. Ablöf.=
Schuld ohne
Aus=
koſungsſcheine.
4% Dt. Schutzgeb.
Anl
0 Ausländiſche
5% Bos E.B. 191=
5% 2.Jnv. 1914
1898
1902
42 Bosnien
5% Bulg. Tabak. 02
Oſt. Staatsr.
v. 1913, Kdb. 1918
4½%0 Oſt. Schatz. 14
„ Goldr. 3.95 ((. Innsbr. Abt 4% einh.R (k.) 3%5 Port.(Spz. III 9.6 5%Rum. am R.03 65 4½%nGold. 13 16.5 4½ am kon 5.2 4% am 05
5 40 Türk. (Adm 03 4% (Bagd.) 13‟, 40 (Bagd.) III 100 „ unif 1903 4% 1911 Boll. 4½% Ung. St 1913
(lt. Innsbr. Abk.)
4½%Ung. St 1914
((t. Innsbr. Abk.
4% Ung. Goldr.
(lt. Innsbr. Abk.
4% Ung. Staatsr
(lt. Innsk
55.5
14.5
39
38
28
17
2.6
29.6
4% Ung. Kronr.
1.3
3% Ung. Eiſ. Tor. / 16.75
Außer.
europäiſche
5%Mex am. in. abg.
O „ äuß. 99
2% „Gold 04 ſtf.
„ konſ. inn.
%„Zrrigat.
5% TamaulipasI
17.5
2211.
241.
20.25
Sachert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberechnung
80 Bad.=Badener
Stadt=Goldanl. 96
10%Berl. H.=Bf. G./104
4½%n „ „
Li=
quid.=Pfandbr.
6% Berl. St. Gold
80 Darmſt. St.=G.
8‟ D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf 97.5
Dresd. St.=G.
7% Frkrft St.=G.
6% „
6 Frif. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
7%0 Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr
6% Frkf. Hyp=Bf.=
Goldpför
2%Frlf. 6yp.=B.
Liquid=Pfbr
3o Frkf. Pfbr =Bk.
Goldpfbr
Frkf. Goldpfbr. 91.½
Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldofbr
Frkf. Ofbr.=Bk.
Goldpfbr
98
93
93
94
89
87.75
89.73
92
93.5
89
77
98.5
8‟.5
81
4½% Pfälzöyp B.
Liquid.=Pfbr.
8% Pforzli. St.=G
8% Pirmaſ. St.=G.
80 Pr. Centr. Bd.=
Cr.=Bk. Go dpfbr
410
Liquid.=Pfbr
8%o Pr. Centr.=St.=Gldpfbr.
790 Pr. Centr.=St.
ſchafts-Goldpfbr. 9:
8% Rh.=Hhp.=Bk.
Goldpfbr
Pfb
tahlls
76.2-
95
93
9.75
78.5
97
99
94
89.5
82.75
125
103
N=W. B. C.BG.)
„ Lig.=Pf
8, Südd. B. Er.B.)
Goldpfdbr.
„
4½% Lig.=Pfb
Vo V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyp.=
Gld=
obl. mit Option
2 V. Stahlw. Düſ
ſeldorfHyp.=Gd.. ohne Option
70 Viag (V. Ind
Unt. Bln. ) 2
80 Voigt &Häffner
Goldobl.
8% Württ. Hyp
Bank Goldpfbrf.
91
89.25
87.25
94.5
96
Ohne
Zinsberechnung
50 Bdw. Kohl 23
6‟ Großkr. Mnnh.
Kohl. 23
6%Heſi. Bk.=Reg. 23
5%Heſſ. Volksſtaat
Roggen
3
5% Pr. Kaliw.
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt. BG.
Vorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Frkſ. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bf.
Mecklb. Hyp. u. Wh
Meining. Hyp. Bk.
Nord Gr.-Cr.=Bk.)
Preuß. Bod.=Cr.=B
Preuß Pfdbr.=Bk.
Württ. Hyp.=Bk.
Staatl od prov.
garantiert
Heiſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſiel
Naſſauiſche Ldsb.
Obligationen v.
Transportanſt.
2 Eliſ.=Bahn ſtfr.
6.4
9
17.75
14
14.25
13.25
9.521
2.25
Da
ab
5% Oſt. Sd. (L. )ſtfr.
2,6%Alt. Oſt. Süd.
2,60 Neue",
4% Oſt. Staatsb. 83
3% Oſt. 1. b. 8. E.
3% . 9. Em.
3% — „ 1885
½Oſt. „ Erg. Netz / 22
% RaabOedb 83/ 18.75
gu 16
„ 971 14.5
4% Rud. Silber. 3",
4½ Rud. (Salzkg.)
41%Anat., S. I 18
4½%0 Anat., S. III 17
4½% Anat., S.IIII 14
3% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec.
4½%0
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit 141.5
Bad. Bk. ....
1172.5
Bk. f. Brauind. . 1172
Barmer Bankv. 144
Bay. Hyp.=Wchſ. 156.25
Berl. Handelsgef. 1260.5
Hypoth.-Bk. /235
Comm. u. Privatb. /173
Darmſt. u. Nt.=Bk. /225
Deutſche Bank
164
D. Eff u Wchi.=Bk./121
D. Hyp.=Bk. Mein. 1135
D Vereins=Bk 102.5
Disk.=Geſellſch.
156
Dresdener Bk.
157.5
Frankf. Bt.
114.75
Frankf. Hypth.=Bk. 141.5
Frkf. Pfdbr.=Bk. 1143
Gotha. Grundkr. B.
Lux. Intern Bank. 7.5
Metallbank.
125
Mitteld. Creditb 1211
Nürnb Vereinsöf./170
Pfälz. Hyp.=B1 187
Pr. Bd.-Creditbank/137
„ Hyp.=Akt.=Bank/152
Reichsbank=Ant. 137.75
Rhein. Creditbk: . . . 130
Rhein Hhp=Bk.. . 1175.5
Südd. B.Credbitr.
Südd. Disc.-Geſ. .1144
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein/ 17.5
Bergwerks=Akt.
Buderus.
Eſchw. Bergw. . . . 1206
Gelſenkirch. Bgwv. 1132.5
Harp. Bergb. . . . . /182
Jlſe Bergb. St.
„Genußſchein .. . 1122
Kali Aſchersleben . /187
Kali Salzdetfurth 1248
Kali Weſterregeln ./179
Klöcknerwerke (abg.
Lothr.=Hütte)...
Mannesm.=Röhre.
Mansfelder
Oberbedarf... . .
Otavi=Min =Ant. . . 42
Phönix=Bergb
99.75
Rhein Braunk. . . 235.75
Rhein. Stahlw. 162.5
Riebeck Montan.
SalzwerkHeilbronn 197
Tellus Bgb.
111
Ver. Laurahütte
76.25
Ver Stahlwerke
Oſt. Alpine Montan
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh.)/275
178
Henninger
Hercules Heſſiſche 1141
Löwenbr.=Münch 325
Mainz Aktienbr. 252
Nicolai, Hofbrauer. 143
Schöfferhef(Bind //320
Schwarz=Storchen
Tucher. Nürnberg
Werger
163
1.5
Abt, Gebr.
Aktum. Berlin.
Adler & Oppenh.
Adlerw (v. Kleher)
A. E. G. Vzg. ?
5% A. E. G. Vzg. B
A. E. G. Stamm
Zad. Maſch. Durlach
51.25
82.9
86
78
155.75
138.5
Bad Uhren, Frrtw
Bamag=Meguin.
Baſt Nürnberg
Bahr. Spiegel
Beck & Henkel
Bergmann El. W!
Brem.=Beſigh.=O!.
BrownBoveri ECie
Brüning & Sohn.
Bürſtenfbr. Erlang.
Cement. Heidelb.
Cement Karlſtadt
Cement. Lothr.
Chem. Albert.....
Chem. Brockh.
Chem Milch
Da mler=Benz A. G
Dt. Atlantik Telegr.
Dt. EiſenhandelBl
Deutſche Erdöl
D. G. u. Silb. Sch. A.
D. Linoleumw. Bln
Dresd. Schnellpr.
Dürkopp=W. St.)
Dürr Ratingen
Eiſenw Kaiſersl.
El Licht u. Kraft
El. Lieferung ..
Elſ. Bad. Wolle
EmagElekt. Frankf
Email Ullrich
Enzinger=Werke
Eßlinger Maſch
Ettlinger Spinn
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens
Farbenind J. G.
Feitenc Guilleaum.
Feinmech Jetter
Feiſt, Seit
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf M Pok. & W.
Geiling & Cie
Gei f elekt. Untern.
Goldſchmil
Gritzner 97a
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft
Haid & Neu
127.5
196
262.25
128.5
70
73
26
212
163
87
20
44
66
7i
103
51
254.25
92
35
150
109.5
745
76
255
108.5
131.5
55
137
47
Hammerſen.
Hanfw. Füſſen
Hanſa=Llond, Br.
Hartm. & Braun. 166
Heſſen=Naſſau Gas 122
Heyligenſtaedt.
Hilpert, Armatur. 91.5
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer .... /115.75
Hoch=Tief=Eſſen
Holzmann".
Holzverk.=Ind..
Inag
JunghansSt.
Kammg. Kaiſersl. 205
Karſtadt N.
Keram. W. Offſtein/141
Klein. Sch.&Becker/108
Knorr. Heilbronn 165.25
Konſerv. Braun
griv. All=Württbg. 102
Krauß & Co
Lahmeyer
Lech Augsburg
Lingel Schuhw.
Löhnberg Mühle.
Ludwigsh Walzm. 128
Lüdenſcheid. Metall
Mainkraft Höchſt 114
Mars=W Nürnberg/117.5
Metallgef Frkf 175.25
Miag Mühlenb 138
Moenus Stamm 63.25
Motorenf. Deutz
Motorenf. Oberurſ./ 75
Münch. Lichtſpielf 120.5
Neckarſ. Fahrz
95
Neckarw Eßlingen 137
Peters UInion 109
Pfälz. Nähm Kayferl 52‟
Philipps A.=G. 46
Porzellan Weſſel
78.5
1137.5
7..
99.5
82.9
170
n0
155. 25
Rein Gebb. & Schall
Rhein Elektr. St.
Rhenania, Kunheim
Rütgerswerke.
Schneid & Hanau.
Schnellor Frankth
Schramm Lackfr.
Schrift g. Stempt
Schuckert. Elektr.. .
104
151
87.5
49
72
124
120.5
173.5
Les0.
Schuhfbr. Beſſel.
Schuhf. Herz
19.5
Schultz. Grünlack.
Seilind. Wolff.
75
Siemens Glas.
Siemens & Halske, 264.5
Südd Immob. . 100.25
Südd. Zucker=A=G. 130.75
StrohſtofſV Dresd 310
Thür. Lief Gotha.
Unterfr. Kr. El. V.. 103.5
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Ver. d. Olfbr. Mhm.
Ver Faßf. Caſſel
6.
Gummi. Bln.=Frkf. E8.5
Pinſel=Nürnberg ..! 82
liltramarin
1140.5
Zellſtoff Berl.. . . . 152
Vogtl. Maſch.
Voigt & Haeffner. . 176.5
Volthom Seil 70
Wayß & Frentag. 1132
WegelinRußfhr. 135.5
Zellſt Aſchaffenbg. 171
Zellſt Memel . . . 136
Zellſt. Waldhof.
Zuckerf, Rheingau.
Transport- und
Verſicherungs=Akt.
Di. Reichsb.=Vorz.
A. Lokalb. u. Kraft 197.25
Dt. Eiſenb.=Geſ. 142.5
Schantung E.B.
Südd Eiſenb.=Geſ. 135
Hapag
1149
Nordb Llohyd
149.75
Frrft. Allg. Ver).
Frankonia Rückv
Darmſtädter Berte
Bahnbedar;
Dampfk. Rodberg.
Helvetia Konſ.
Gebr. Lutz
Motorf Darmſt.
Hebr. Roeder
VenulethcElle
73.75
36
[ ← ][ ][ → ]Nummer 60
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Geite 17
gleichen in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 214 RM., Reinnickel,
98—99 Prozent, 350 RM., Antimon Regulus 95—100 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 78,25—79,25 RM.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 28. Februar
ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz: ſtetig): Standard p. Kaſſe 601/e
bis 60¾, 3 Monate 600/—, Settl. Preis 60¾, Elektrolyt 66—66½,
beſt ſelected 64¾—66, ſtrong ſheets 92, Elektrowirebars 66½; Zinn
(Tendenz: willig): Standard p. Kaſſe 231½—½, 3 Monate 235½—3,
Settl. Preis B1½, Banka (inoff. Not.) 235¾, Straits (inoff. Not.)
235½; Blei (Tendenz: flau): ausländ, prompt 194/e, entft. Sichten
Wſus, Settl. Preis 19¾ Zink (Tendenz: ruhig): gewöhnl. prompt,
entft. Sichten, Settl. Preis 25½; Queckſilber (inoff. Not.) 2¾—½;
Wolframerz (inoff. Not.) 14¾.
Produktenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 28. Februar. Die
Geſamtſtim=
mung iſt weiter feſt, doch iſt das Geſchäft heute ruhiger. Geſucht iſt nach
wie vor Hafer und wird in guten Qualitäten auch über Notiz bezahlt.
Die Maispreiſe ziehen an, da die Vorräte in alter Ware immer knapper
werden. Braugerſte in guten Qualitäten iſt recht geſucht, bei ſteigenden
Preiſen. In Futtergerſte blieb das Geſchäft ruhig. Weizen= und
Nog=
genmehl zeigen nur kleine Umſätze. Kleie iſt nach wie vor zur prompten
Lieferung gefragt. Weizen 1. 25,50; Weizen 3. 22,75 bis 23 25; Roggen
25 25; Sommergerſte 29 bis 31,50; Hafer inl. 24,50 bis 24,75; Mais für
Futterzwecke 2; für andere Zwecke 23,70; Weizenmehl 37 bis 37,50;
Roggenmehl 34 bis 36,25; Weizenkleie 14 bis 14,25; Roggenkleie 15 bis
15,25.
Berliner Produktenbericht vom 28. Februar. Die etwas feſteren
Meldungen vom Auslande hatten am hieſigen Produktenmarkt zwar ein
leichtes Anziehen der Lieferungspreiſe zur Folge, das Geſchäft blieb aber
auf allen Gebieten ziemlich unbedeutend. Das inländiſche
Brotgetreide=
angebot iſt nur ſehr ſpärlich, genügt aber vollauf zur Befriedigung des
geringen Bedarfes der Mühlen. Die Auslandsforderungen für Weizen
waren im allgemeinen nur wenig verändert. Roggen war dagegen
merk=
lich feſter gehalten. Von Umſätzen in Auslandsgetreide wurde bis zur
Berichtsabfaſſung nichts bekannt. Am Lieferungsmarkte ſtellte ſich
Juli=
weizen merklich höher, während nahe Sichten ihren Preisſtand nur wenig
veränderten. Auch bei Roggen kam die feſtere Stimmung, namentlich
für die ſpäteren Monate, zum Ausdruck. Ueber das Mehlgeſchäft wird
wieder fehr geklagt, auch die Abnahme aus älteren Kontrakten läßt
ſtark zu wünſchen übrig. Die Forderungen für beide Mehlarten ſind
unverändevt. Hafer iſt ſehr knapp angeboten, angeſichts der hohen
For=
derungen legen ſich die Käufer ſtärkere Reſerve auf. Gerſte nur in
guten Quglitäten begehrt.
Viehmärkte.
Mainzer Viehmarkt vom 28. Februar 1928. Der heutigo
Groß=
biehmarkt brachte eine erheblich höhere Auftriebsziffer wie der
Vor=
markt. Es waren 190 Stück Großbieh und 102 Kälber mehr angetrieben.
Bei ruhigem Geſchäft gingen die Preiſe bei Färſen 1 Mark höher, bei
Kälbern 1 Mark zurück und blieben im übrigen unverändert. Auf dem
Schweinemarkt, der zum Sperrmarkt erklärt wurde, waren 96 Schweine
weniger angetrieben wie auf dem Vormarkt. Auch hier war das
Ge=
ſchäft ruhig und gingen die Preiſe 1 Mark zurück. Während auf dem
Großviehmarkt langſam geräumt wurde, verblieb auf dem Schweine=
markt ein kleiner Ueberſtand. Angetrieben waren 260 Ochſen, 12 Bullen,
526 Kühe und Färſen, 354 Kälber und 1108 Schweine. Es wurden pro
100 Pfund fe nach Qualität folgende Preiſe erzielt: Ochſen 45—54,
Bullen nicht notiert, Färſen 52—63, Kühe 35—45, 2—35, 18—22, Kälber
52—65, 40—52, Schweine 59—62, 58—62 und 57—59 Mark.
Gießener Frühjahrspferdemarkt vom 28. Februar. Der große
Gie=
ßener Frühjahrspferdemarkt findet am 14. März ſtatt. Ueber
zwei=
tauſend Mark ſtehen bereits für die damit verbundene Pferde= und
Fohlenprämiierung zur Verfügung. Der Landespferdezuchtverein, die
Landwirtſchaftskammer, der Warmblutzüchterverband und die Stadt
Gießen haben zahlreiche Preiſe geſtiftet.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chieago, B. Febr. (riv.=Tel.)
Weizen: Der Markt nahm heute einen überwiegend ſchwachen
Ver=
lauf auf den baiſſegünſtigen amtlichen Bericht aus Kanſas, günſtiges
Wetter, und Abgaben nordweſtlicher Firmen. Gegen Schluß bewirkte
beſſere Exportnachfrage eine Erholung.
Mais: Nach feſterem Beginn auf Exportnachfrage bewirkten ſpäter
Realiſationen und ſtärkeres Angebot eine Abſchwächung.
Roggen: Zunächſt drückten lokale Abgaben in März= und Mai=
Sich=
ten. Dann bewirkte die Stetigkeit der wordweſtlichen Märkte eine
Be=
feſtigung.
Hafer: Loko= und Exportkäufe bewirkten einen ſtetigen Mauktverlauf.
* New York, 28. Febr. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Niebrigere Liverpooler Kabel, größere Andienungen
in Märzterminen und ſchleppende Lokonachfrage bewirkten eine
Abſchwä=
chung am Terminmarkt. Verſtimmend wirkten noch Liquidationen New=
Orleaner und Wallſtreet=Kreiſe.
Kaffee: Die ſtetige Haltung der europäiſchen und braſilianiſchen
Märkte bewirkte Deckungskäufe und Käufe für europäiſche Rechnung.
Gegen Schluß waren einige Realiſationen zu beobachten.
Zucker: Unter lebhaften Deckungen des Handels trat eine
Befeſti=
gung am Terminmarkt ein. Nach vorübergehender Abſchwächung auf
kubaniſche Abgaben wurde die Haltung erneut feſt auf Lokokäufe.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. Febr.:
Getreide: Weizen, März 133½, Mai 134½, Juli 133½, Mais,
März 94½, Mai 98, Juli 103½; Hafer, März 55½, Mai 56½,
Juli 53½; Roggen, März 112¾, Mai 113½, Juli 108½.
Schmalz: März 11.25, Mai 11,525, Juli 11,825.
Fleiſch: Mai 11,175, Juli 11,45; Speck loco 10,875; leichte
Schweine 7,60—8,30, ſchwere Schweine 7,70—8,10;
Schweinezu=
fuhr Chioago 38 000, im Weſten 155 000.
Baumwolle: März 18,10, Mai 18,06—18,G7.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 28. Febr.:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 163½, hart 150½: Mais neu ank.
Ernte 110½; Mehl ſpr. wheat clears 6,60—6,90; Fracht nach
England 1,6—2,6, nach dem Kontinent 9—10.
Schmalz: Prima Weſtern loco 11,95; Talg extva 8½.
Kakav: Tendenz: kaum ſtetig, Umſatz in lots 150, loco 13½,
März 13,52, April 13,67, Mai 13,79, Juni 13,92, Juli 13,99,
Auguſt 13,99, September 14,01, Oktober 13,88, Dezember 13,41.
Kleine Wiriſchaftsnachrichten.
Der Verband der Fabrikarbeiter hat den Lohnvertrag für die
chemiſche Induſtrie der Provinz Brandenburg einſchließlich Berlin zum
31. März gekündigt.
Die Arbeitnehmerverbände der württembergiſchen Textilinduſtrie
haben den derzeitigen Lohn= und Manteltarif auf den 31. März
gekün=
digt. Verlangt wird eine Erhöhung der Stundenlöhne von 63 auf 75
Pfennig und Neuregelung von Arbeitszeit und Irlauub.
Die 16. deuiſche Oſtmeſſe findet in Königsberg vom 12. bis 15. Aug.
ſtatt. Gleihzeitig mit der Warenmuſtermeſſe, der Techniſchen und
Bau=
meſſe wird wieder die große Landwirtſchaftzausſtellung veranſtaltet.
Die Angeſtellten der Wiener Automobil= und
Karoſſerie=
fabriken drohen, wie die Wiener Montagsblätter melden, in den
nächſten Tagen in den Streik zu treden, weil die Unternehmer ihre
For=
derungen nach Abſchluß eines neuen Kollektivertrages abgelehnt haben.
— Ferner droht in der Starkſtrominduſtrie und in der Wiener
Metallinduſtrie ein Lohnkonflikt.
Die belgiſch=luxemburgiſche Handelsbilanz zeigt im Januar 19B8 eimn
Defizit von 404 Mill. Fr.
Der belgiſche Index für die Kloinhandelspreiſe ſtellte ſich am 15.
Fe=
bruar auf 811 gegenüber 813 am 15. Januar.
Wie aus belgiſchen Finanzkreiſen verlautet, verhandeln die
Metallur=
guiques de Corphalie mit der Compagnie des Metaux Overpelt Lommel
zwecks Zuſammenſchluß. Beide Geſellſchaften ſind Zinkhüttenwerke
mitt=
leren Umfangs.
Die Angebotsfriſt für die neue norwegiſche Auslandsanleihe im
Be=
trage von 30 Millionen Dollar iſt am Samstag abend abgelaufen. Wie
verlautet, ſind ſechs oder ſieben Angebote führender deutſcher und
amerikaniſcher Bankhäuſer gemacht worden.
Infolge der Arbeitskonflikte in Schweden ſind die Exporte aus
Schweden im Monat Januar beträchtlich geſunben. Wie amtlich
mit=
geteilt wird, ereichten ſie den Wert von 83334000 Kr. Der Wert der
ſchwediſchen Einfuhr während des Monats Januar belief ſich auf
122 090 000 Kr.
Die großen Erdölgaſellſchaften Rumäniens weiſen auf den Monak
Januar 1928 folgende Produktionsergebniſſe auf: Creditul Miwier
49.316 (Dezember 1927: 44.866) Tonnen, Aſtra Romana (Rohal Shell)
47.934 (47.754) Tonnen, Stequa Romana 47.811 (47.323) Ton., Phoenig
Oil 31.506 (34.899) Tonnen, Sirius und Concordia (Petrofina) 33.232
(31.633) Tonnen, Romana=Americana (Standard Oil) 22646 (24 039)
Tonnen uſw.
Nach Budapeſter Blättermeldungen iſt in den öſterreichiſch=
ungarl=
ſchen Wirtſchaftsverhandlungen eine Eiigung erzielt worden. Der
Mehlzoll wurde mit 5 Goldkvonen feſtgeſetzt. Das bedeutet eine
Er=
höhung des derzeitigen Zolles von 2½ Groſchen für das Kilogram
auf 7,2 Groſchen für das Kilogramm Mehl.
Die Carnegie Steel Corp. und die wordamerikaniſchen unabhängigen
Geſellſchaften haben die Preiſe für Stab= und Walzeiſen um einen
Dollar pro Tonne erhöht.
Wie aus New York berichtet wird, wurden geſtern weitere
ſiobenein=
halb Millionen Dollar Gold nach Frankreich verſchifft, wodurch die
Ge=
ſamtgoldverladung nach Frankreich in den letzten drei Monaten auf 25
Millionen Dollar ſteigt.
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Geite 18
Mittwoch, den 29 Februar 1928
Nummer 60
Von heute Mittwoch abz
AdUTZOTAllauu
W
Großfilmn nach Leo Tolstoi
Rod la Rocade und Bolores del Rie
Auferstehung” ist nach der amerikanischen Filmstatistik zu den ersten Filmen der Weltproduktion zu rechnel
Dazu: ein Maturfilm
Balalaika-Gastspiel
IV 37
Die neueste
„Nach Trapezunt, der I VALERIAN SCHUMAKOEB
„Emelka-Woche‟
Riviera des Ostens”.
bekannt aus der Russischen Kleinkunstbühne „Arlekin”.
Beginn der Vorstellungen 3½/ 5¾ und 8½4 Uhr
Wir bitten die Nachmittags-Vorstellungen zu wählen, da abends aft vorzeitig
beset=
Unien-Theater
Ueber 100000
Besucher hatte
das deutsche
Filmwerk in
Berlin
zu Verzeichnen!
Ein unerhörter Erkolg bedeutet der letzte Frilderleus-Rex-Fllm! — I. Tell
Mf
OiAlterTz
Friede
In der Titelrolle:
Otto
Gebühr
Die beiden letzten Filme sind vollständig neu und nicht mit den bereits erschienenen Fridericus-Rex-Filmen zu verwechseln! 9 Akte. Spieldauer 2½ Stund
Im Beiprogramm: Pferde durch die Zeitlupe, Kulturfilm in 2 Akten. 563a
Jugendiche haben Zuri.
Mißn 7, 70
Mea
2
!
Palast-Lichtspiele
Ein Ereignis in der
Weltgeschichte des Filmes!
Der erkolgreichste und populärste Fllm der Solzon
Diana Karenne
Jenny Jugo
und
an
inin.
Helsterfilm von kaum zu überbietender Pracht
12 Akte nach den berühmten Memoiren
des galanten Abenteurers „CASANOVA"
Ein
Casanova; König der Abenteurer, Beschützer der Hilflosen,
Lieb-
ling der Frauen, deesen Leben Rausch und Freude, Taumel und
Liebe, Kraft und Uebermut war — — auch heute noch vermag
diese Gestalt einer längst verschwundenen Zeit zu packen.
mitzu-
reißen. Casanopa ist unsterblich denn er 1st das Leben selbst,
die Jugend, die immer sein wird, das Glück. (3755
Dazu: Das übrige Beiprogramm
Mee
Noch heute!
Versäumen Sie nicht das auserwählte
Doppelprogramm!
Annie Laurif
9 Akte 9
Ein Heldenlied vom Hochland mit
LilIan Glsh in der Hauptrolle.
Wanderzirkus
7 Akte. Hauntdarsteller: 7 Akte.
John ällbert u. Renée Adore
Die bill. Preise 2. Platzel Sperrs 1.30
1. Platz 1.00, 2. Platz 0.70. (:5653
Anfang 3½ Uhr
Heute Mittwoch geschlossen!
Donnerstag, abends 8 Uhr
Morgen und folgende Tage
Gastspiel der Berliner Melro-Revue
O
In 30 Blldern von Edm. Fritz
Aus der Bilderfolge:
Leben im Harem
Die süßen Früchte
Jeder hat seinen Schatz
Des Paschas Lieblingstänz.
Jahrmarkt am Bosporus
Das telephonische Dreiees
Die lustigen Matrosen
Der eppichhärdler
Schlaf mein Bübchen
Warum ist der Walter
s0 klug für sein Alter?
Im Harem
Skulpturen
Es lebe der Gouverneur
Les Millions d‟ Arlegnin
Brennende Köpfe
usw usw.
(3762
Geröhntiche Preise: Karten: de Waal, Rheinstr. 14
und Verkehrs Büro.
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Mittwoch, 29, Febr., 4 Uhr nachm.
Großes Konzert
im Gartensaal.
(3764
Städt. Orchester, Ltg. Kapellmeister Guido Naumann
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Darmſtadt=Frankfurt a. M.
Heute Mittwoch, den 29. Februar,
abends 8 Uhr
Jahres= Hauptberſammlung
im Vereinslokal, Grafenſtraße 18,
Weißer Saal.
Wir bitten, um zahlreiches Erſcheinen.
3789)
Der Vorſtand.
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Hochſtraße 22. (2979a
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Rhein-
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„Schloß-Café-Ensemble‟
Leitung: Kapellmeister Curt Fischer
Nittwoch, den 29. Bebruar 1928
Nachm.-Sonder-Konzert
Moxart — Beethoven — Weber
(Beginn 4 Uhr)
Abends 8½ Uhr: desellschafts-Abend
Jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag
verlängerte Polizeistun e.
(3757
Mssstsste
Sektlon Starkenburg
des
2. u. De. Alpenverelrs
Sonntag, 4. März:
Wanderung
„Umgebung vou
Aſchaffenburg”.
Näh. Geſchſt.,
Eliſa=
ethenſtr. 4. 9744
Freie Lit.=Känſtl.
Geſellſchaft.
II. Vereinsabend
Samstag 3. März,
abends 8 uhr,
im Kleinen Haus des
Landestheaters
Gaſtſpiel
der
„Muſikaliſchen
Komödie‟
aus München:
„Die Spieluhr”
Singſp. v. A Lortziny
„Der Herr Yoktor”
Muſik. Biedermeier=
Luſt piel von Fr.
Schubert.
Die Mitglieder
wer=
den gebeten, die
Ein=
trittskarten geg.
Vor=
zeigen der
Mitglieds=
karte bis Freitag
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mitjag an der
Tages=
kaſſe des Kl. Hauſes
unentgeltlich in
Cmp=
fang zu nehmen.
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Anfang 19.30 Uhr Ende 22,00 Uhr
Mittwoch, den 29. Februar 1928
am hundertſten Jahrestage der
Ur=
aufführung (29 Februar 1828)
In neuer Bearbeitung und Inſzenierung
Die Stumme von Portici
Oper in zwei Teilen und einem zeniſchen
Vorpiel von D. F. E. Auber
Neu bearbeitet und in Szene geſetzt von
Arthur Maria, Rabenalt, Elaere Eckſtein
und Wilhelm Reinking
Muſikaliſche Le tung: Karl Bamberger
Mitwirkende V3752
Margarete Albrecht, C.aere Eckſtein, Grete
Penſe, Johannes Biſchoff. Guſt. Deharde,
Karl Ebert=Beyer, Oskar Graueet Herbert
Grohm, Kacl Förn, a. G., Adolf Klotz
Chöre: Berthold Sander
Spielwart: Fritz Wilde
Preiſe der Plätz: 1— 10 Mark
Kleines Haus
Mittwoch, den 29. Februar 1928
Anfang 16, 18 und 20 Uhr
Der große Polarfilm:
Das
große weiße Schweigen
Preiſe der Plätze: 0.80—2 Mk.
Nummer 60
Mittwoch, den 29. Februar 1928
din Sürttin Tamane
Roman von P. van der Hurk.
1)
(Nachdruck verboten)
I.
Ueberfall.
In dem kleinen Chippendale=Boudoir mit den dunkelgrünen
Tapeten und den violetten, gepolſterten, breit behaglichen
Mö=
beln liegt ein Duft von friſchen Maiglöckchen, vermiſcht mit
ſüßlichem Zigarettenrauch und einem verwirrenden Hauch
Par=
füm „Maimes aue mol”.
Die große mattlila Stehlampe wirft ihr zartes Licht auf eine
junge ſchlanke Frau, die unbeweglich vor ihrem kleinen
Schreib=
tiſch ſteht. Die Uhr ſchlägt elf.
Frau Utta Jürgens erſchrickt bei den ihr ſonſt vertrauten,
kurzen hellen Schlägen. Sie hat den Hörer des Telephons ans
Ohr gepreßt, und ihre weiße, blaugeäderte Hand drückt immer
wieder erregt auf die Gabel des Apparates. Aus ihrem ſchönen,
ſchmal geformten Geſicht und ſelbſt aus den ungeſchminkten, fein
geſchwungenen Lippen iſt jeder Blutstropfen gewichen.
Ge=
quält ſtarren ihre grauen Augen ins Leere. Sie lauſcht — —
Das Amt meldet ſich nicht. Sie wartet ſchon Ewigkeiten ——
Ein Schloß ſchnappt leiſe ein — — — Gedämpfte Schritte
verſinken in den Teppichen der Diele —
Ihre Knie zittern. Die Hand hält nur mühſam den Hörer.
Sie ſpürt die Blutleere ihres Kopfes. —
Jetzt ſind die Schritte vor ihrer Tür.
Endlich die ſchläfrige Stimme vom Amt:
„Pfalzburg, Sie wünſchen?”
Die Tür wird aufgedrückt. — — — Ihre Stimme ſchreit auf:
„Ueberfall. Birkenallee 108!"
Der Hörer entfällt ihrer Hand und ſchlägt auf den Tiſch mit
hartem, metallenem Klang. Ein leiſes Knipſen, die
Decken=
beleuchtung flammt auf, die intime Atmoſphäre entflieht. Das
grelle Licht verſcheucht die violetten Schatten aus den Ecken ——
die verwiſchten Konturen der Kiſſen und Polſter werden
ſchärfer —
Die Gegenſtände ſtehen auf einmal nüchtern herum und
verkieren die Beziehung zueinander: hier der Tiſch, die Seſſel,
das Sofa, dort die große Stehlampe, deren vages Licht wie der
Mondſchein beim Sonnenaufgang erblaßt.
Ein kühler Luftzug geht durch das Zimmer=
Utta fröſtelt.
„Mit wem ſprichſt du?” ſagte eine harte, etwas
unfreund=
liche Stimme.
Ein nervöſes Lächeln zuckt um ihren Mund.
Sie eilt auf ihren Mann zu, wirft ihre Arme um ſeinen
Hals — — zieht ſich an ihm hoch.
Er löſt ſich erſtaunt aus ihrer zärtlichen Umarmung, hebt ſie
wie ein kleines Kind mit ſeinen ſtarken Armen auf und ſetzt ſich
in ſeinen Seſſel.
„Was baſt du. Utta?”
Sie ſitzt auf ſeinem Knie und drückt ſich ganz nah an ſeine
Schulter. Ihre flüſternde Stimme zittert: „Herbert, es iſt
jemand im Haus” — — ſie ſtockt —
„Einbrecher vielleicht
— —ich habe deutlich Schritte gehört.”
Der Mann verſucht ſich frei zu machen aus ihren Armen:
Geite 19
ce
„Beſtimmt — — — ich habe das Ueberfallkommando
glarmiert.”
„Lächerlich, die Tür war feſt verſchloſſen — — — Wo ſind
die Mädchen?”
„Anna hat Ausgang.”
„Natürlich
— und Grete?”
„Bei ihrer kranken Tonte.”
„Wußte nicht, daß ſie eine kranke Tante in Berlin hat —
Dr. Jürgens richtet ſich auf:
„Ich werde —
Utta umklammert ihn von neuem.
„Ich bitte dich, bleibe hier, ich habe folche Angſt!”
„Unſinn, ſage ich dir!“
Er verſucht aufzuſtehen, aber ſie hat ihre Arme ganz feſt um
ſeinen Hals gepreßt. Ein Schütteln geht durch, ihren zarten
Körper. Ihr blaſſes Geſicht iſt jerzt ſo weiß wie ein Tuch; ihre
Augen ſtarren ihn entſetzt und flehend an. Noch einmal flüſtert
ihre bebende Stimme:
„Bleibe bei mir — ich habe — — ſolche — — — Angſt!”
Dann fallen ihre Augen zu, die Hände löſen ſich, der Kopf
fällt ſchlaff zur Seite, das Bewußtſein iſt newichen.
Dr. Jürgens, hebt ſie auf und legt ſie behutſam auf das
breite Sofa, den Kopf nach unten, die Füße etwas erhöht. Er
will hinausgehen, um Waſſer oder Eau de Cologne zu holen,
aber er ſieht wieder die ſtarren Augen und hört wieder die
flehende Stimme:
„Bleibe bei mir, ich habe ſolche Angſt!”
Die entſetzliche Furcht, die ſinnloſe Angſt der kleinen, zart
beſaiteten — wie er denkt hyſteriſchen — Frau greift auf ihn
über.
Er, der auffallend große, breitſchulterige Mann, mit dem
typiſch dicken Schädel des nüchternen Induſtriellen und
Politi=
kers, hat irgendwie ein unbehagliches Gefühl. Etwas
Geheim=
nisvolles, Lauerndes umgibt ihn. Dieſe ſanfte, geräuſchloſe
Vewegung der Stores vor dem geöffneten Fenſter beunruhigt
ihn, ein plötzliches Geräuſch von der Straße, her, ein
vorüber=
fahrendes Auto, ſelbſt die hohl klingenden Schritte eines
Fuß=
gängers laſſen ihn auffahren.
Er hat einen Seſſel ganz nahe an das Sofa geſchoben und
betrachtet aufmerkſam ſeine Frau. Ihr Puls iſt ſchon etwas
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Bewährtes Mund- und Zahnpflegemittel.
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schlssigen Gieschsften erhältlich.
belebter, der Atemzug regelmäßig — — — gleich wird ſie wieder
aufwachen. Auf einmal ſieht er den Hörer des Telephons auf
der Schreibtiſchplatte. Er ſpringt auf. Das Telephon — —
der Anruf — — — auf den er wartet. Er legt den Hörer
zu=
rück auf die Gabel. Seine Augen, ſoeben noch blau — verträumt,
werden wieder hart und grau. Die Ausſchaltung der
Gegen=
wart, die Erinnerung an eine andere Zeit, an einen kleinen
Landſitz, inmitten duftender Fichtenwälder, an eine
braunge=
brannte, junge, überglückliche Frau — Ideenaſſoziationen,
ent=
ſtanden durch ihre längſt nicht mehr gewohnte Zärtlichkeit —
ent=
ſchwinden. Er ſieht nervös auf die Uhr. Aber ſeit ſeinem
Ein=
tuitt ins Haus ſind erſt drei Minuten vergangen. Nur die
Man=
nigfaltigkeit der Bilder laſſen es ihm wie Stunden vorkommen,
und es ſind ſogar Jahre, die da vorübergeflogen ſind. Er
zün=
det jetzt eine Zigarre an und geht unruhig auf und ab. Immer
wieder zum Schreibtiſch, jeden Augenblick bereit, den Hörer
ab=
zuheben, wenn die ſchrille Glocke des Telephons ertönt.
Für den Reichstagsabgeordneten Dr. Jürgens iſi dieſe
Stunde von größter Entſcheidung.
Vor zwei Stunden, hat die Regierung demiſſioniert. Die
meiſten Abgeordneten ſind zu Fraktionsſitzungen
zuſammenge=
treten, um die äußerſt geſpannte Lage zu beſprechen. In den
Wandelgängen des Reichstags, werden neue Namen geflüſtert,
und unter dieſen iſt auch der Name Or. Jürgens. und es war
eigentlich nur eine Poſe, daß er gleich nach Schließung der
Sitzung nach Hauſe fuhr. Eine Poſe der Eitelkeit und der
un=
beſcheidenen Beſcheidenheit. In Gedanken ſieht er die
aufgereg=
ten Fraktionskollegen durcheinanderlaufen. Er hört ſeinen
Nomen: Jürzens! Wo iſt Jürgens? Haben Sie Dr. Jürgens
nicht geſehen? Und dann wird man ihn anrufen — — — und
er wird ganz erſtaunt tun, daß man ihn ſo ſpät in ſeiner
Häus=
lichkeit ſtört — — — „wie bitte?"
Aber morgen ſchon wird es in der Zeitung ſtehen —
fabel=
haft, wie ſchnell das bei den Zeitungen geht —: Dr. Jürgens
mit der Bildung einer neuen Regierung betraut! — — — Ee
geht immer aufgeregter auf und ab, den Daumen der rechten
Hand in die Weſte geklemmt, die linke auf dem Rücken, den Kopf
etwas nach vorn gebeugt, wie Napoleon.
Er hat ſeine Frau, die noch immer blaß und unbeweglich
auf dem Sofa liegt, vergeſſen. Unten vor dem Hauſe wird es
jetzt lebendig. Was iſt das für ein Lärm?. Er ſieht aus dem
Fenſter
Richtig, das Ueberfallkommando. Verrückte Idee ſeiner
Frau.
Der Portier iſt ſchon an der Türe, einige nächtliche
Paſſan=
ten bleiben neugierig ſtehen.
Fünf, ſechs Uniformierte, den Revolver, entſichert in der
Taſche, die elektriſche Blendlaterne in, der Hand, betreten das
Haus, andere beſetzen die Eingänge.
Dr. Jürgens öffnet die Etagentür. Die Schupobeamten
grüßen fragend.
Meine Frau hat angerufen, gerade bevor ich nach Hauſe
kam”, ſagt er zu dem Wachtmeiſter, der vorangeht. — — — „Ich
habe ſeitdem nichts Verdächtiges mehr gehört. — — — Wollen
Sie bitte eintreten.”
Utta hat inzwiſchen die Augen aufgeſchlagen.
„Wo glauben Sie etwas gehört zu haben?” fragt einer der
Beamten. Utta zeigt ſtumm auf die große Schiebetür, die zum
Herrenzimmer führt, und ſchließt wieder die Augen.
(Fortſetzung folgt.)
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Kt
Das Hauß dun Porkrauans=Oan
Barmstadt
Ludwigstr. 15
Seite 20
Mittwoch den 29 Februar 1928
Nummer 60
Aunl Lelgttie
für Darmstadt und Umgebung!
dr wenig Geld
wird viel geboten!
Beachten Sie gefl. unsere Bchaufenster!
5 m Handtuch-
Stork, weiß rot
kariert .
30
3.
6 Gläsertäicher
esäumt und gebändert
zusammen
2
3 m Ressel
80 cm breit, für alle
Zwecke geeignet . . .
3 m Handtuch-
Stoff. Gerstenkorn.
uu=
mit Kante.."
1 Sofa-Kissen
mit buntem Stoffbezug,
du=
gefüllt ..
1 Bettvorlage
Blumenmuster u. festem‟
95=
Rucken . . ..
3 m Schelben-
Gardinen, engl.
Tall ..
1 Mitteldecke
mit Einsatz und Spitze
3
1Klammerschürze
Kreuz- und Stielstich.
u0
1 Küchen-
Ueber-
handtuch, gestickt,
blau oder rot .. . .. 902
1 Kaffeewärmer
schwarz Rips
9u4
1 Sofa-Kissen
schwarz Rips
1 Kleider-Weste
Seiden-Rips, aparte
Farben .
Uus
12 Stüek
Taschen-
tücher, mit Kante.
10 m Klöppelspitze
95
ca. 10 cm breit .
1 Jackett-Kragen
Crépe de chine mit
Stickerei ..
1Kinderkleidehen
gestrickt, mit Aermel .
1 Kopfkiesen
95=
Linon, gebogt .
1 Damen-Hemd
mit Stickerei
95=
1 Dam.-Hemdhose
lein gewebt . .
954
Gardinen, Vorlagen
Wachstuche, Linoleum
2 Brises-bises
2 Stängchen u. 12 Federringe, zus. 90 ₰
Halbstores
in versch. Ausführung, 2.95, 1.95, 90 ₰
1 Sofakiasen
B)
gefüllt, zum Ueberziehen .
1 Bettvorlage
doppelseitig .. ... . . 295, 1.30
1 Madras-Garnitur
3.95, 2.95, 1.95
Zteilig
1Kinderwag.-Steppdecke
2.95, 1.95
1 Korbseagel-Garnitur
295
Sitz- und Rückenkissen.
1 Korbsessel
4.95
Weide . . . ..
1 m Dekoratfonsstoff, 130
em breit, hell und dunkel gestreift. 1.30
1 m Wachstuch
gute Qualität .. . . 295, 1.95. 30 ₰
1 Wandschoner
50
Wachstuch . .
1 m Etamine
50z
doppelbreit, für Vorhänge".
1 Portfevengarnitur
195
Holz, mit kompl. Zubehör
1 m Linoleum-Läufer
395, 295, 1.90
Linolevm
2.35
zum Auslegen, per am .
1 Linoleum-Teppich
15048200 1.85
Ktoffg
2 m Cretonne
kräftige Qualität ..
BA
1 m Bettuchnessel
BA
140 cm breit
2½ m
Gruben-
handtuchstorr 30 9
1 Gerstenkornhandtuch
50A
gesäumt und gebändert . . .
1 m
Klefder-
schotten . . . 09
1 m
Blugen-
strelfen. . . . 49
1 m Waschsefde
faconiert . .
GA
1 m Hemdenzefir
oder Verkal 309
1 m Popeline
doppelbreit.
295, 1.95
Konfekeion
1 Prinzeßrock
K’seide
295, 1.95
1 Pullover
mit und ohne Kragen ... 495, 2.30
1 Damenkleid, Popeline reine
Wolle, mit langen Aermeln
395
1 Damenmantel
Shetland . .
13.95
1 Damehmantel
aus rein woll. Rips
19.35
1 Damen-
Regenmantel. 9.00
1 Hauskleid
naschecht . . . . . . . . 2.95, 1.30
1 Strandiacke
s95, 6.95
mit Besatz . . .
Strämpfe
2 Paar Dnmenstrümpfe
mit verstärkter Ferse und Spitze
1 Paar Damenstrümpfe
Macco, m. Doppels. u. Hocht. 1.95 30 ₰
1 Paar Damenstrümpfe
K’seide.
1 Paar Frauenstrümpfe
1X1 gestr.
1 Paar Damenstrümpfe
Seidenflor, sehr feine Oualität.
2 Paar Herrensocken
einfarbig
1 Paar Herrensocken
bunt kariert .
2 Paar Herrensocken
graue Baumwolle ..
1 Paar Herrensocken
Seidenflor
GA
85g
G
195
50
50z
G=
195
Damen- und Herren-
Schirme moderne Griffe
5.95 3.95,
2.95
50A
Wäsche, Trikotagen
Schürzen
1 gestricktes Kinderröckchen
weiß
1 Erstlingsjäckchen
und -Hemdchen 10 9
1 Damenhemd
weiß gewebt.
1 Strumpfbandgürtel
mit 1 Paar Halter
1 Jumpertaille
mit reicher Stickerei
1 Untertalile
gestrickt . .
1 Hnusschürze
gute Druckqualität.
1 Damenjampersehürze
295, 1.95 30 8
2 Stück Knabenschürzen
mit Tasche
1 Mädchenhängeschürze
295, 1.95. 30 9
1 Damenhemdhose
1.95
Windelform .
1 Herreneinsatzhemd
295, 1.95
1 Prinzeßrock
mit breiter Stickerei
2.95
1 Kopfkiagen
reich bestickt . . . .
295, 1.95
1 Bettuch, Nessel
140X200 cm . . . .
185
1 Büstenhalter
1.93, 00g
farbiger Trikot .
509
50
GA
85
G.
BA
Herrenartikel
3 S‟. Herrensportkragen
weiß . .
...
Selbstbinder
neueste Farben . . . 1.95, 0.95,
Herrenhosenträger
enorm billig . . . . . 195, 0.95,
Herrenoberhemden
Zefir . . . . . . . . 6.95, 4.95,
Hierrenflanellhemden
mit Kragen.
.. 4.95,
1 Zigarettenetni und
1 Streichholzetut . . . . zus.
50g
58.
50
2.95
3.95
0.95
Stlekerelen u. Hlöppel--
Initzen in Stücklängen von‟
2.30 bis 10 m, p. St. 1 95, 95 U
Haushaltwaren
1 Fenster-Eimer
50A,
Emaille ..
2 Milchtöpfe
50A
Emaille .
1 Müchträger
50z
1 Liter ....
1 Wasser-Eimer
DuS
Emaille . . .
*
1 Suppen=Schüssel
BA
22 cm ..
1 Schmortopk
95
Emaille.
1 Tolletten-Eimer
1.90
mit Deckel . . .
1 Fleischtopf
1.95
24 cm .
Wäscheleine
B=
25 Meter .
Milchtopr
Bz
Aluminium
1 Essenträger
BA
Aluminium
4 Dessert-Teller
9A
Porzellan . . . . . .
1 Snppenterrine
1.95
Porzellan
1 Frühstücks-Serviee
1.95
Porzellan, 5teilig.
1 Obst-Service
1.95
.....
7teilig
Hnffee-Service
4.95
9teilig . ...
2 Biumenvagen
50.
Glas
1 Likörservice
B=
Glas, 8teilig ...
1 Sahnenserrice
G=
Glas 3 teilig ..
1 Piasavz-
59,
besen
1 Reisstroh-
BA
besen.
1 Handtuch-
GA
halter.
1 Isofler-
85,
Tlasche.
1 Mop
1.85
mit Blechdose und Stiel
3 Pntztücher
G.
gute Qualität.
Schreib-, Lederwaren
1 Haasette Briefpapter
25 Bogen und 25 gefütt. Umschläge 00 z
1 Block —50 Blatt Briefpapier und E
zus. 30 g
50 Umschläge .
100 weiße Papierservietten
50
Crep
1 Brleforckner
B.
Ouart, mit Register
4 Stenogrammblocks
50
ä 80 Blatt..
1 Fällfederhalter
mit goldplattierter Feder .. . . 00 ₰
Dentsche Reichstinte
BA
1 Liter ...."
25 Stück Darmstädter
Ansichtskarten 00 ₰
3 Rollen Butterbrofpapier 5
10
fettdicht . . . .."
1 Stadtkoffer
mit guten Schlösser . 195, 0.95, 30
Besuchstaschen
versch-Auskührg., 2.95, 1.95, 0.95, 0.00
Toiletten-Artikel, Seife
1 Celluloiel-Handsptegel
0gß. 50 g
1 Parfimrerstänber a,9s. 50 g
1 Bubikonfbürste
50A
mit Stahlnadeln .
1 Zahnbürstenständer und
1 Jahnbürste ... . . zus. 30 ₰
5 St. Lavendelbadeselfe
9A
im Karton.
1 D.-Schlunfhose
in vielen Farben .
Strümpfe, grau und
beige .. . . . . ..." Su 8 1 Paar Damen-
Strümpfe, Seidenflor.
mit Doppels. und Hocht. U0s 1 Paar Sport-
Stutzen,
grau meliert. Gu 8 2 Paar Herren-
Socken,
bunt gemustert .
95 S 1 Einkaufs-
Beutel,
Kunstleder
U 1U G 1 Rucksack
mit Lederriemen.
„ 9 5 S 1 Kopfbürste und
1 Gummi-Frister-
2u8,
Kemm 5. 6 Stück Blumen-
Seife
im Karton
U 5 1 Rasier-Garnitar
mit Spiegel, Napf und
Pinsel.
A 9 1 Stell-Spiegel mit
Celluloid -Rahmen und
Rücken.
95 9
300 St. Panter-
Ser-
vietten für Wirtschaft.
und Restaurants . . .
6 Rollen
Klosett-
papier, Crépe, große
Rollen
9
2
1 Dose
Bchner-
wachs, ca. 1 Pld., und
1 Patztuch . zus.
1 Kassette Brief-
Dapier, 50 Bogen und
50 gefütterte Umschläge
1 Wasserkessel
schweres Emaille, ge
stanzt
1 Wäsche-Leine
60 Feder-Klammern
zusammen”.
1 Bürsten-
Gerni-
tur bestehend aus 5
ver-
schiedenen Bürsten, zus.
1 Kokos-Besen und
1 Hand-Besen
zusammen .
1 Besteck-Kasten
und 1 Salat-Besteck
zusammen.
12 Kompott-Teller
Glas. gepreßt . . . zus.
9
1 Blumenvase mit
Dekorationsblumen."
95.
[ ← ][ ][ → ] Beſ wöchentlich 2maligem Erſcheinen vom 1. März
bis 31. März 2.18 Reichsmark und 22 Pfennig
Abtragegebühr, abgeholt 2.25 Reichsmark durch die
Agenturen 2.40 Reichsmark frei Haue. Poſtibezugspreis
im März ohne Beſtellgeld mongilich 2,28 Reiſchsmark.
Verantwortlichkelt für Aufnahme von Anzeigen an
beſimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
erſcheinen einzelger Nummern infolge höherer Gewhlt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſſellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf ohne Verbindlichkeſt für uns. Poſiſchecktonto
Franifurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quelſenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 61
Donnerstag, den 1. März 1928.
191. Jahrgang
Anzeigenpreis:
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 num
breit) 2 Reichemark. Anzeisen von auswärts 4 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 m mu breite
Reklame=
zelle 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmark
(4 Dollar — 420 Maril. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Alufruhr, Streil uſw., erliſcht
ſede Verpflſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Banſkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank
e Terſtoderte Sdlhter
AOriginalvomnan. von H. Courths-Mahler /
(Copyright 1927 by Ewald
Erſtes Kapitel
d’eonore Straſſer kniete am Bettchen ihres Kindes und ſah mit
— feuchten Augen in deſſen roſiges Geſichtchen. Es lag ein
ſchmerz=
licher Ausdruck in ihren Augen, ein wehes Zagen, das alles
Glücks=
verlangen ihrer aufgeſtörten Seele erſticken wollte. Ein ſchwerer
Kampf zerriß ihr Herz, ein Kampf, der die bezaubernde junge Frau
zu Boden drückte. Was ſie tun wollte, tun mußte nach ihrer
Weſensart, das würde ſie herausreißen aus dieſem vornehmen,
be=
haglichen Heim, fort von ihrem Kinde, das ſie liebte mit der ganzen
faßbar, unmöglich, ſich von ihrem Kinde zu trennen — und doch
mußte es ſein. Sie konnte, durfte es nicht herausreißen aus dieſem
Hauſe, wo es friedlich und geborgen leben würde, um es mit ſich zu
nehmen in eine ungewiſſe Zukunft, in ein unruhiges Wanderleben.
Und ſie durfte es auch nicht von dem Herzen des Vaters reißen,
den ſie ohnehin durch ihre Flucht bis in das tiefſte Herz treffen
mußte. Das wußte ſie, und auch das lag ihr beklemmend auf der
Seele. Er war immer ſo gütig, ſo liebevoll geweſen, und es hatte
ſie ſtets bedrückt, daß ſie ein Leben der Lüge an ſeiner Seite führte.
Sie hatte ſowieſo ſchwere Schuld auf ſich geladen, daß ſie ohne Liebe
ſeine Frau geworden war. Noch größere Schuld lud ſie wohl jetzt
auf ſich, da ſie ihn verlaſſen wollte für immer. —
Und doch konnte ſie nicht anders, ſie konnte dies Leben der Lüge
nicht mehr weiterführen, ſonſt verſank ſie noch tiefer in Schuld und
Schmach. Und die Schande durfte ſie wenigſtens nicht in Rudolf, beugte ſie ſich über das Kind. Noch einmal küßte ſie ſanft und leiſe
Straſſers Haus tragen, das war ſie ihm ſchuldig. Ehrlich wollte ſie
von ihm gehen, da ſie ihm die Treue nicht mehr halten konnte. Und
ihre Sühne ſollte es ſein, daß ſie ihm ihr Töchterchen zurückließ, daß
ſie ſich von dieſem geliebten Kinde trennte für alle Zeit. Das Kind
durfte ſie ihm nicht rauben — die Gerichte würden es ihr ohnedies
nehmen, weil ſie ihren Gatten treulos verließ.
Während ſie ſo mit ſich kämpfte, öffnete ſich leiſe die Tür zu dem
Schlafzimmer des Kindes, und Rudolf Straſſer, Leonores Gatte, trat
herein. Er war viel älter als ſeine Frau, wohl mindeſtens doppelt
ſo alt. Das Haar an ſeinen Schläfen war ſchon grau, aber er war, der Puderquaſte über das verweinte Geſicht, ſetzte einen Hut auf
noch immer eine ſtattliche Erſcheinung. Seine Augen umfingen Mutter
an das Bettchen der kleinen Dagmar heran. Leonore zwang einen
ruhigen Ausdruck in ihr Geſicht, ſie vermochte ſogar zu lächeln.
Hatte ſie doch in all den Jahren, da ſie Rudolfs Gattin war, gelernt,
ihr Inneres vor ihm zu verſchließen.
& Co. Nachf., Leiprig)
Er neigte ſich über das Kind. Es mochte ungefähr ſechs Jahre
zählen. Zärtlich küßte er das mollige Händchen, das auf der
blau=
ſeidenen Decke lag.
„Biſt du ſchon wieder in den Anblick unſeres kleinen Lieblings
verſunken, Leonore? Laß dich nicht ſtören, ich fahre jetzt ins
Ge=
ſchäft. Auf Wiederſehen!“
Leonore wußte, daß es kein Wiederſehen geben würde. Sie fing
die Hand ihres Mannes ein und drückte wie in ſtummer
Dankbar=
keit und Neue ihre Lippen darauf. Er beugte ſich herab, um ſie
Innigkeit ihres Mutterherzens. Es erſchien ihr jetzt plötzlich un= zu küſſen, und merkte nicht, daß ihr Mund ihm auswich. Seine
Lippen trafen nur ihre Stirn.
„Leb wohl,” hauchte ſie, ſo daß er es kaum verſtand.
Ahnungslos, was dieſes Lebewohl bedeuten ſollte, nickte er ihr
noch einmal zu, blickte noch einmal mit ſtolzer Zärtlichkeit auf ſein
Kind und ſchritt leiſe hinaus.
Als er die Tür hinter ſich zugezogen hatte, ſprang Leonore auf
und eilte mit erhobenen Händen auf die Tür zu, als ob ſie ihn halten
wollte. Aber ſie öffnete die Tür nicht, ſie warf ſich mit
aus=
gebreiteten Händen dagegen und blieb ſo ſtehen. Sie weinte, weinte,
daß ihr ganzer Körper erbebte. Leicht wurde es ihr gewiß nicht,
dieſen gütigen Mann zu verlaſſen, den ſie wie einen Vater geliebt,
und der ſie einſt aus bitterer Not und Sorge an ſein Herz genommen
hatte.
Endlich riß ſie ſich zuſammen und trocknete ihre Tränen. Wieder
die reine Kinderſtirn — dann eilte ſie aus dem Zimmer.
An der Tür wandte ſie ſich noch einmal um, es war, als könne
ſie ſich nicht trennen, aber eine Macht, die ſtärker war als ſie, trieb
ſie doch hinaus.
Sie eilte in ihr Ankleidezimmer und warf ein Reiſekleid über.
Haſtig raffte ſie noch einige Kleinigkeiten zuſammen und tat ſie in
ihre große Handtaſche. Ihr Gepäck hatte ſie ſchon geſtern abend
aus dem Hauſe geſchafft und nach dem Bahnhof bringen laſſen unter
einem Vorwand, der Dienerſchaft gegenüber. Sie fuhr haſtig mit
und band einen Schleier vor. Noch einen langen, bangen Blick
und Kind mit glückſtrahlendem Blick. Leiſe trat er neben ſeine Frau ließ ſie im Zimmer umherſchweifen. Alles ließ ſie hier zurück, was
ihr Rudolfs Liebe geſchenkt, nur das Nötigſte hatte ſie eingepackt.
Kein Schmuckſtück, keine der koſtbaren Toiletten nahm ſie mit ſich —
ſo wie ſie vor Jahren in dies Haus gekommen war, ſo verließ ſie
es jetzt wieder — auch ihr koſtbarſtes Gut, ihr Kind, ließ ſie zurüg.
ausgingen, wohingegen Lord Cuſhendun ſeine Kritik auf einen
bereits geänderten militäriſchen Status quo aufgebaut habe. Mit
Boncours Vorbehalten einer Kontrolle durch den Rat erklärte ſich
v. Simſon abſolut einverſtanden und bezeichnete ſie als eine
ſeiner Anſicht nach natürliche Folge der deutſchen Anregungen.
Den Regierungen müſſe ſelbſtverſtändlich, wie Lord Cuſhendun
das verlange, in jedem Falle erſt Gelegenheit gegeben werden,
ſich zu den Anregungen auszuſprechen.
abſteigender Richtung, was ſich auch aus einem Nachlaſſen der
Frachteinnahmen der Reichsbahn zeigt. Es iſt allgemein zu
be=
dauern, wenn die Reichsbahn trotzdem zu Tariferhöhungen
ſchrei=
ten würde. Man darf wohl erwarten, daß die Reichsregie=
rung nichts unterlaſſen wird, einſchneidende Maßnahmen zu
verhindern und dafür zu ſorgen, daß die Reichsbahn
durch Sparmaßnahmen auf den verſchiedenſten
Gebieten ihren Geldbedarf ſenkt.
hnungsbaufinanzierungs=
m wirklich gelöſt?
Baufinanzierung mit Zwiſchenkrediten.
Von
Roland Schupp, München.
vert die Bemühungen der Reichs= und
vie der Hypothekenbanken und
Realkredit=
g des Wohnungsbaufinanzierungsproblems
bisherigen Beratungen und Beſchlüſſe doch
racht, die für die Geſtaltung der
Bautätig=
nig erfreuliche Perſpektiven eröffnen.
Trotz=
ſen amtlichen und pridaten Stellen darüber
ändiſche Kapitalmarkt nicht in der Lage iſt,
Umfang Mittel für erſtſtellige
Bauhypothe=
die Bautätigkeit alſo in der Hauptſache auf
3 öffentlichen Mitteln angewieſen bleibt, hat
ng im Verein mit der Reichsbank bisher
ießen können, die von den Spitzenverbänden
aft und insbeſondere auch von der Bau=
Freigabe der Aufnahme von
Auslands=
hnungsbau bzw. die Befreiung der
Woh=
nleihen von der Kapitalertragsſteuer zu
ge=
ihrtem Muſter wird dieſer Entſchluß
wahr=
n Zeitpunkt gefaßt werden, in dem wie im
nanzierungskriſe auf dem Baumarkt ihren
t und die unbedingt notwendige Finanzie=
Ausland wenigſtens für dieſe Bauſaiſon zu
em ſich die Reichsregierung und die
Länder=
r Sicherung der Bauzuſchußmittel aus dem
imen entſchloſſen haben, iſt die Schaffung
von 200 Millionen RM. für
Bauzwiſchen=
der Förderung der Wohnungsbautätigkeit
Schaffung, von Kleinwohnungen kann dieſe
ſehr begrüßt werden.
h nicht überſehen werden, daß durch dieſe
wiſchenkrediten das eigentliche
Wohnungs=
lem in ſeiner Löſung um keinen Schritt
Kurzfriſtige Zwiſchenkredite ſind zwar ein
um bei einer vorübergehenden
Geldmittel=
tere Durchführung des aufgeſtellten
Bau=
ſtellen. Da jedoch die Löſung der Frage der
nder Ablöſungskredite vorerſt noch völlig in
iß mit beſonderem Nachdruck darauf
hinge=
die Finanzierung des
Wohnungsbaupro=
eſer Baſis Gefahren in ſich birgt, die nicht
n werden können.
ilten der verantwortlichen Regierungsſtellen
vorhandenen gewaltigen Fehlbedarf von
igen allein aus laufenden Einkünften
finan=
ß, ſo verlockend auch dieſe Löſung des
Woh=
t, vom rein wirtſchaftlichen Standpunkt aus
eichnet werden. Kein privatwirtſchaftliches
unter den herrſchenden Verhältniſſen und
der vorhandenen völlig unzureichenden
Mit=
rſchrichtung beibehalten, denn gerade durch
de Kapitalverſorgung des Wohnungsbau=
Sentwicklung im Realkreditgeſchäft auf einer
e Entfaltung der privaten Bautätigkeit voll=
Dabei darf geſamtwirtſchaftlich nicht
un=
daß bei einer großzügigen Entfaltung der
e Bauwirtſchaft als Schlüſſelinduſtrie auch
heimiſchen Wirtſchaftszweige eine
geſchäft=
en. Zum Beweis härfür darf nur auf die
ſ= und Baumarktentwicklung hingewieſen
falls höchſte Zeit, daß das auch in Kreiſen
g geglaubte und propagierte Märchen von
des Wohnungsbaues” endlich einmal ver=
Aufklärung über die wirklichen Verhältniſſe
Las Wohnungsbauproblem kann nicht allein
ng von ſtaatlichen Bauzuſchüſſen und
Bau=
dern endgültig nur durch eine planmäßig
gung des Wohnungsbaumarktes mit
aus=
rig verzinslichen Hypothekenmitteln gelöſt
elbſt gewinnt dann auch wieder die auf dem
ausgeſchaltete Privatinitiative an Boden.
er kurzfriſtigen Baufinanzierung für die
der=
icklung geht aus den im Reichstagsausſchuß
kürzlich gemachten Ausführungen des
Ver=
beitsminiſteriums hervor, wonach die Zwi=
Realkreditinſtitute einen Betrag von 700
nachen. Dieſe Kredite, die zum Teil
einge=
edoch erſt in Hypothekarkredite übergeführt
ihr 1928 überhaupt an die Gewährung neuer
ſerden kann. Während im Jahre 1926 auf
chenkredite insgeſamt nur 14 Prozent der
sbaumittel entfielen, hat ſich der Anteil der
Jahre 1927 auf 33 Prozent erhöht.
Baukredite durch Privatkapitalmarktmittel
wie ſchon oben ausgeführt, infolge der ſtark
n Kapitalmarkt völlig ausſichtslos. Größere
heranzuziehen dürfte, da die Reichs= und
ereits die Beibehaltung der vorjährigen
gleichen Verteilungsſchlüſſel beſchloſſen
gelingen, zumal das Aufkommen aus der
vielfach im Vorgriff zur Finanzierung des
ramms verwendet worden iſt. Die Zukunft
einer gefüherten Dick. finanzierung und die Abwendung der
Ge=
fahr des „Cinfrierens” der Zwiſchenkredite hängt alſo im
weſent=
lichen davon ab, ob entweder im Laufe des Jahres eine fühlbare
Erleichterung der Situation am Inlandskapitalmarkt eintritt
(vorerſt beſtehen dafür jedoch keine Ausſichten!) oder ob die
Auf=
nahme von Auslandsanleihen für Wohnungsbauzwecke
frei=
gegeben wird. Zu einer wirklichen Löſung des
Wohnungsbau=
finanzierungsproblems kann nur der letztgenannte Schritt führen.
Seite 20
5 m Handtuch-Stofk, weißſrot
uu
kariert . . . 6 Gläsertäicher
esäumt und gebändert.
zusammen Ge *
* 3 m Nessel
80 cm breit, für alle
Gu
Zwecke geeignet. 3 m Handtuch-
Stoff. Gerstenkorn,
Ur
mit Kante. 1 Sofa-Kissen
mit buntem Stoffbezug,
Gu
gefüult. . . .. A. 1 Bettvorlage
Blumenmuster u. festem‟
G
Rucken
. 3 m Schelben-
Gardinen, engl.
Ur
Tall ... „9 1 Mitteldecke
mit Einsatz und Spitze U 9 1Klammerschürze
Kreuz- und Stielstich . . Gc 1 Küchen- Ueber-
handituch, gestickt,
blau oder rot
Ge 1 Kaffeewärmer
schwarz Rips .
.U e 1 Sofa-Kissen
schwarz Rips
U 5. 1 Kleider-Weste
Seiden-Rips, aparte
Farben .
U Ue
19 12 Stüek Taschen-
tücher, mit Kante . . U 10mKlöppelspitze
ca. 10 cm breit .
U 9
A 1 Jackett-Kragen 4
Crépe de chine mit
4
Stickerei . . .." 1Kinderkleidehen
gestrickt, mit Aermel .
Uue 1 Kopfkiesen
Linon, gebogt .
9u9 1 Damen-Hemd
mit Stickerei
uu! 1 Dam.-Hemdhose
fein gewebt .
uu3 1 D.-Schlunfhose
in vielen Farben . .
Gu
1 So
1 Be
1 Ms
1Ki.
1 Ke
Sitz-
1 Ke
Weide
1 m
cm bre
1 m
gute 4
1 W
Wach
1 m
doppe
1 Pc
Holz,
1 m
Lino
zum
1 Li
2 m
kräfti
1 m
140 c
2½
1 Ge
gesäu
1 m
1 m
1 m
faconi
1 m
1 m
doppe
1 P.
K’seie
1 P
mit u
1 D
Wolle
1D
Shet!
1 D
aus r
1 D
1H
wascl
1 St
mit
Mittwoch den 29 Februar 1928
für Darmstadt und Umgebung!
Im traulichen Heim
Leiſe verließ ſie das Zimmer und ſchritt den teppichbelegten
Korri=
dor entlang. An der Tür zum Zimmer ihres Kindes blieb ſie einen
Moment ſtehen und lehnte die Wange an die Tür, krampfhaft
auf=
ſchluchzend. Aber da hörte ſie oben in der oberen Etage ein
Ge=
räuſch von Schritten, einer der Domeſtiken kam da wohl herab.
Sie wollte ſich nicht ſehen laſſen mit ihrem verweinten Geſicht. Sie
flog die Treppe hinab und eilte durch das Veſtibül ins Freie.
Draußen ſtand ihrer wartend das Auto, das ihr Mann vom
Geſchäft wieder zurückgeſchickt hatte, weil ſie ihm geſagt, daß ſie
Beſorgungen machen wolle. Der Diener, der ſie bei ihren
Aus=
fahrten immer begleitete, ſtand am Wagenſchlag und half ihr
ein=
ſteigen. Sie warf ſich in die Kiſſen. Noch einmal flog ihr Blick
hinauf zu dem Fenſter, hinter dem ihr Kind ſchlief. Der Diener hatte
aber ſchon ſeinen Platz neben dem Chanffeur eingenommen, und der
Wagen ſetzte ſich ſogleich in Bewegung. Mit einem krampfhaften
Schluchzen lehnte ſichLeonorein
die Polſter zurück. Sie zitterte
am ganzen Körper und konnte
nur mühſam ihre Faſſung
zu=
rückgewinnen, bis der Wagen
vor einem großen Modenatelier
hielt, in dem ſie angeblich
Ein=
käufe machen wollte.
Sie ſtieg aus und ſagte, ſo
ruhig wie es ihr möglich war,
zu dem Diener, einen Brief aus
ihrer Handtaſche
herausneh=
mend: „Sie könnenheimfahren,
ich treffe mich hier mit einer
Freundin, mit der ich den
Nach=
mittag verbringen werde. Sollte
ich noch nicht zurück ſein, ehe
mein Mann nach Hauſe kommt,
dann geben Sie ihmdieſenBrief.
Es war nicht das erſtemal,
daß Leonore auf dieſe Weiſe
Wagen und Diener entließ, und
der Diener fand auch
auſchei=
nend nichts dabei. Er öffnete
die Tür des Ateliers für ſeine
Herrin und ſtieg dann wieder
zum Chauffeur. Der Wagen
fuhr davon.
Leonore betrat das Atelier
nur für einige Augenblicke, ſie
ſagte der Verkäuſerin, die an ſie
herantrat und die gute Kundin
dienſteifrig nach ihrem Begehr
fragte, ſie habe ſich eben
über=
legt, daß ſie erſt noch eine
an=
dere Beſorgung machen müſſe,
ſie käme wieder. Dann verließ
ſie durch eine andere Tür den
Laden und trat auf die Straße
hinaus. Sie tat es in einer
ſelt=
ſamen taſtenden Unſicherheit.
In dieſem Augenblick kam
ein junger Primaner mit ſeiner
Büchermappe an ihr vorüber.
Als er Leonore erblickte, flog
ein helles Rot über ſein hübſches,
offenes Jungengeſicht. Es war
Werner Folkner, der Sohn des
erſten Prokuriſten der Firma
Straſſer& Sohn. Frau Leonore
Werner Falkner verneigte ſich. Frau Leonore ahnte nicht, was
für ein Glück es für ihn bedeutete, daß ſie ſo liebenswürdig zu ihm
war. Und Leonore war zumute, als müſſe ſie dieſen jungen Mann
noch ganz beſonders zum Schützer ihres Töchterchens berufen. Sie
wollte ihn veranlaſſen, recht bald und recht oft nach Dagmar zu
ſehen, weil dieſe ſich ſicher ſehr einſam fühlen würde.
„Ich habe Klein=Dagmar auch ſehr lieb, gnädige Frau. Wenn
ich Sonntags nicht ſtöre, will ich gern kommen.”
„Nein, nein, Sie ſtören nicht! Kommen Sie recht oft und ſeien
Sie lieb zu meinem Kinde. Ich habe Ihnen ſchon einmal geſagt, daß
Sie Dagmars junger Nitter ſein ſollen — vergeſſen Sie das nicht,
Herr Werner.”
Das klang ſo ſeltſam eindringlich. Erſt viel ſpäter, als Werner
Falkner erfuhr, daß Frau Leonore für immer fort war, bekamen
dieſe Worte eine beſondere Bedeutung für ihn. Nie vergaß er dieſe
Begegnung.
(Phot.=Verlag G. Schauer, Verlin.:
Bon der Nutter verlafſe,
Bom Bater verdannt,
Oin nirgenos m Dauw.
Hab nis die Heimat gekanna.
war für ihn der Inbegriff aller Schönheit und Liebenswürdigkeit. Er
ſchwärmte für ſie im jugendlichen Uberſchwang. Artig zog er den
Hut und ſah ſie an in froher Erwartung, daß ſie ihn wie ſonſt mit
einigen Worten beglücken werde.
Leonore wäre am liebſten dieſer Begegnung ausgewichen, aber da
dies nicht anging, blieb ſie ſtehen, reichte ihm die Hand und fragte
mit mattem Lächeln:
„Wie geht es Ihnen, Herr Werner?”
Sie pflegte ihn immer ſo zu nennen, weil ihr Töchterchen ihn auch
ſo nannte.
Er zog ihre Hand an die Lippen.
„Ich danke, gnädige Frau, es geht mir gut.”
„Sie haben ſich ſo lange nicht bei uns ſehen laſſen und wiſſen doch,
daß Dagmar ſich immer ſo ſehr freut, Sie zu ſehen — von uns gar
nicht zu reden.”
Seine Augen ſtrahlten auf.
„Ich will nicht ſo oft läſtig fallen, gnädige Frau, und dann muß
ich jetzt auch mächtig büffeln, es geht nun auf das Letzte.”
„Oh. Sie werden es ſchon ſchaffen, Sie ſind ja ſo tüchtig und
fleißig. Nicht wahr, Sie ſehen bald einmal wieder nach Dagmar.
Das Kind hängt ſo ſehr an Ihnen, Sie wiſſen, was Dagmar einmal
ins Herz geſchloſſen, das hält ſie feſt. Immerfort ſpricht ſie von Ihnen.”
Leonore eilteweiter. Sie hatte
ſich verſpätet und mußte das
Verſäumte nachholen. Schnell
legte ſie den kurzen Weg bis
zum Bahnhof zurück. Kaum
hatte ſie die Halle betreten, als
ein ſchlanker, hochgewachſener
Mann mit ſchönem Geſicht an
ſie herantrat.
„Endlich, Lore!” ſtieß er
er=
regt hervor.
Sie erzitterte unter ſeinem
heißen, zärtlichen Blick.
„Ich konnte nicht eher
kom=
men, Carol.”
Er atmete auf.
„Daß du nur kommſt, daß
ich dich habe, endlich habe! Ich
hatte ſolche Angſt, daß du nicht
kommen würdeſt, ich hätte es
nicht ertragen, jetzt nicht mehr,
nachdem du mich hoffen ließeſt.
Komm ſchnell, der Zug ſteht
bereit.”
Er zog ſie mit ſich, fort auf
den Perron hinaus, half
ihrein=
ſteigen in den harrenden Zug,
den nur wenige Paſſagiere
be=
nutzten. Sie hatten ein Abteil
ganz für ſich allein, und Carol
Magnus zog Leonore in ſeine
Arme und küßte ſie, wie ein
Verdurſtender vön einem Quell
trinkt, der ihm dasLeben
wieder=
gibt. Sie lag willenlos in ſeinen
Armen. Aber als der Zug ſich
in Bewegung ſetzte, riß ſie ſich
aus ſeinen Armen und wollte
hinaus.
„Mein Kind, Carol — meine
kleine Dagmar!” rief ſie wie
außer ſich vor Schmerz.
Er hielt ſie feſt und zog ſie
neben ſich auf die Polſter.
„Lore, es hat ſeinen Vater!
Ich habe nur dich — nur dich!“
Sie erzitterte und ſchlug die
Hände vor das Geſicht.
„Mein Kind — ach — daß ich
mein Kind verlaſſen mußte,” wimmerte ſie, „du weißt nicht,ahnſtnicht,
was ich dir für ein Opfer brachte, Carol, als ich mein Kind verließ.”
Es zuckte in ſeinem ſchönen Geſicht, halb mitleidig, halb
eifer=
ſüchtig ſah er auf ſie herab.
„Lore, ſüße Lore, ich will dich für alles entſchädigen, was du um
meinetwillen aufgabſt. Du haſt doch ſelbſt eingeſehen, daß du dies
Leben der Lüge nicht weiterführen konnteſt. Es war deiner
un=
würdig.”
Sie ſah ihn an, und ihr Blick wurde weich und hingebend unter
ſeinen flehenden Augen. Er zog ſie an ſich und preßte wieder ſeine
Lippen auf die ihren, und Lore vergaß in dieſem Augenblick alles —
auch ihr Kind. Sie wußte, fühlte nur, daß ſie mit dieſem Manne
hatte gehen müſſen, wenn ſie ihren Gatten nicht betrügen wollte, denn
ihr Herz hatte immer nur Carol Magnus gehört, den ſie hatte
auf=
geben wollen, aufgeben müſſen unter dem harten Zwange der Not
des Lebens. Kraft ſeiner Liebe und ſeiner Leidenſchaſt riß er ſie
nun mit ſich hinaus in eine unruhevolle Zukunft, in der ſie endlich
ein volles Frauenglück finden ſollte. Aber in ihrem Herzen zuckte
wieder und wieder der Schmerz um ihr Kind auf. Und ſie wußte
ſchon jetzt — jetzt, da ſie in den Armen des Maunes ruhte, den ſie
liebte, daß ſie nie, niemals die Sehnſucht nach ihrem Kinde
ver=
winden würde.
Glas. gepreßt . . . zus.
1 Blumenvase mit
Dekorationsblumen.
PaUS-ERe
Unverkäuf
Einzelnummer 10. Pfennige
Bezugspreis:
Bei wöchentlich 2maligem Erſcheinen vom 1. März
bis 31. März 2.18 Reichemark und 22 Pfennig
Abtragegebühr, abgeholt 2 25 Reichsmark, durch die
Agenturen 2.40 Reichsmart frei Haus. Poſtbezugspreis
im März ohne Beſtellgeld monailich 2,25 Reiſchsmark.
Verantwortlichkeſt für Aufnahme von Anzeigen an
beſtimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewhlt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf ohne Verbindlichkeit für uns. Poſiſcheckonio
Frantfurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quelſenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 61
191. Jahrgang
Donnerstag, den 1. März 1928.
Anzeigenpreis:
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 23 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Retlamezeile 192 num
breit)2 Reichemark. Anzeisen von auswärts 4 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 m mu breite
Rekſame=
zelle 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmark
(1 Dollar — 4.20 Mark). — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Alufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſiede Verpflſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auffräge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalbank
E
2
E
N
R
Aber ſie hatte nun die Brücke hinter ſich abgebrochen. Eins
konnte ſie nur haben — den Mann ihrer Liebe oder ihr Kind.
Und Carol Magnus hatte geſiegt und flüſterte ihr zu, wie heiß ſeine
Liebe und ſeine Dankbarkeit ſei, daß ſie ihn nicht hatte allein
hinaus=
ziehen laſſen in die Welt, in der ihm von jetzt an Gold und
Lorbeeren winkten. Und Leonore ließ ſich einhüllen von ſeiner Liebe
und ſuchte ihre Gedanken von ihrem Kinde loszureißen — und von
dem Manne, den ſie wie einen Vater geliebt und verehrt hatte und
den ſie verließ, um ihn nicht ehrlos betrügen zu müſſen.
Und daheim in ihrem Bettchen lag die kleine Dagmar,
ahnungs=
los, was ihr das Schickſal heute genommen hatte und daß ein
düſterer Schatten ſich auf ihr junges Leben ſenkte.
Zweites Kapitel
„Tante Brigitte, weshalb iſt Vati jetzt ſo böſe?"
„Er iſt doch nicht böſe, Dagmar.”
„Oh, haſt du nicht bemerkt, wie finſter und böſe er mich anſah,
als er eben einen Augenblick ins Zimmer hereinſah? Gleich ging
er wieder hinaus. Sonſt hat er mich immer anf den Arm
ge=
nommen und mich geküßt und geſtreichelt und hat „Mein ſüßes Kind
zu mir geſagt. Jeßt iſt er nie mehr zärtlich zu mir, immer ſieht
er mich ſo böſe an. Warum iſt er nur böſe mit mir?”
„Er iſt gewiß nicht böſe — nur ſehr unglücklich."
Bei dieſen Worten ſtreichelte Tante Brigitte liebevoll und
mit=
leidig über das ſeidenweiche Gelock der ſechsjährigen Dagmar. Dieſe
ſah mit großen Augen zu ihr auf.
„Unglücklich? Das Wort kenne ich noch gar nicht, Tante
Bri=
gitte. Iſt es etwas Böſes?‟
Die alte Dame ſeufzte und zog das Kind voll tiefen Mitleids in
ihre Arme. Noch wußte Klein=Dagmar nicht, was Unglück
be=
deutete, trotzdem es längſt über ihr ſchuldloſes Haupt hereingebrochen
war. Wahrſcheinlich lernte ſie es aber nur gar zu ſchnell begreifen.
Ein tiefer Schatten lag ſchon, von ihr nur leiſe geahnt, auf ihrem
jungen Leben. Und dieſer Schatten würde ſich mehr und mehr
verdichten zu einem auch für ſie fühlbaren Unglück.
„Unglücklich ſein iſt etwas ſehr Trauriges und Schlimmes, mein
liebes Kind. Dein Vati iſt nicht böſe, nur ſehr unglücklich. Alle
Sonne iſt fort aus ſeinem Leben.”
Das reizende Kindergeſicht wurde blaß, und die Augen wurden
noch größer und furchtſamer.
„Ah, und deshalb ſieht Vati ſo finſter aus, weil die Sonne
fort iſt. Warum iſt ſie von ihm fort, ſie ſcheint doch noch ſo hell.”
„Aber nicht für ihn.”
„Wie kann das ſein?"
„Das verſtehſt du nicht, Dagmar, dazu biſt du noch zu klein.”
„Kann man für Vati die Sonne nicht wieder holen? Kann ich
es nicht tun? Ich wollte ſo weit fortwandern, bis ich ganz müde
wäre, um ihm die Sonne wiederzuholen.”
Es zuckte in Taute Brigittes Geſicht wie verhaltenes Weiven.
icht
K
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V
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3
9
5
G
ſen
es
uch
nir
iſt.
Erſchrocken ſah Frau Brigitte auf das Kind.
„Schweig, Dagmar, du ſollſt doch nicht von deiner Mutter
ſprechen. Du weißt, wenn Vati es hört, wird er böſe.”
Angſtlich ſah Dagmar nach der Tür. Sie hob ſich auf die
Zehenſpitzen ſchmiegte ſich dicht an die Tante an, ihr Puppenkind
krampfhaft feſthaltend, und flüſterte:
„Vati iſt ja nicht hier, er kann es nicht hören. Aber zu dir
darf ich doch von Mutti ſprechen, dir tut es doch nicht weh, nicht
wahr? Und — ich möchte dich ſo gern etwas fragen.”
„Was denn, Dagmar?”
„Warum meine Mutti fort iſt, auf eine ſo weite, weite Reiſe,
daß ſie nie mehr wiederkommen kann? Früher reiſte ſie doch immer
nur mit Vati und mir, und da war Vati immer ſo lieb. Immer
hat er mich geküßt und Mutti auch, und er hat dann zu Mutti
geſagt: „Du Goldiges!” Und da waren wir alle ſo froh. Seit
Mutti fort iſt, ganz allein auf die weite Reiſe, ſeitdem hat Vati
mich nie mehr geküßt und geſtreichelt. War ich vielleicht unartig?
Ich kann mich nicht erinnern, aber große Leute meinen oft, daß
man unartig iſt, wenn man es gar nicht weiß. Große Leute wiſſen
das immer viel früher als kleine Kinder.”
Wieder zog Brigitte das Kind erbarmend in ihre Arme.
„Nein, du warſt gewiß nicht unartig, Kind, nur darfſt du
nie=
mals von Mutti ſprechen, wenn Vati es hören kann. Am beſten,
du ſprichſt gar nicht von ihr.”
„Nur ſag’ mir doch noch ſchnell, warum Mutti ohne mich auf
die weite Reiſe gegangen iſt.”
„Weil man kleine Mädchen auf ſo weite Reiſen nicht mitnehmen
kann.”
„Oh, ich war doch mit Vati und Mutti ſchon ſo weit fort,
drei=
mal an der See und einmal bei den großen Bergen, die ganz weiße
Schneemützen aufhatten, mitten im Sommer. So ſchön war es da!‟
„Ja, aber deine Mutti iſt noch viel, viel weiter fort, weißt du,
über das große, weite Meer hinweg, nach einem fernen Lande.”
Dagmar ſchüttelte bekümmert den Kopf.
„Und da iſt meine arme Mutti ganz, ganz allein gereiſt? Wie
ſie ſich nach mir bangen wird."
Die alte Dame biß ſich auf die Lippen, um einen Ausruf
zurückzuhalten.
„Du mußt nicht ſo viel fragen, Kind, du biſt noch zu klein, als
daß man es dir erklären könnte. Laß nur um Gottes willen Vati
nicht hören, daß du von der Mutti ſprichſt, ſonſt wird er noch viel
trauriger und unglücklicher, als er es ſchon iſt.”
Klein=Dagmar wurde blaß und machte große ängſtliche Augen.
Liebevoll preßte ſie ihr reizendes Geſicht an ihre Puppe.
„Nein, nein, ich will nicht, daß er trauriger wird. Ich möchte
ihn ſo gern wieder froh machen. Ich ſpreche nur ganz leiſe von
Mutti, wenn er nicht hier iſt. Aber ich muß dir doch ſagen, wie
ſehr ich wünſche, daß Mutti wieder hier wäre. Dann wäre Vati
wieder froh und ich auch. Mutti war zuweilen ſo vergnügt und
ſpielte ſo ſchön mit mir. Nur zuletzt, da hat ſie ſo viel geweint,
und jetzt, jetzt wird ſie immerfort weinen und ſich nach uns bangen.
Warum ging ſie nur fort von uns? Mußte ſie das tun?
Frau Brigitte fuhr ſich nervös über die Stirn.
„Kind, nun frage doch nicht mehr. Komm, ſpiele mit Liſa, wir
wollen ihr ein neues Kleid nähen, dies hier iſt ſchon recht alt.”
Dagmar hielt wie ſchützend die Hand über ihre Puppe.
„Nein, nein — Liſa ſoll kein anderes Kleid, tragen als dieſes.
Mutti hat es ihr ſelbſt genäht, als ſie mir Liſa ſchenkte. Für die
andern kannſt du neue Kleider machen, die putzen ſich gern und
können nicht genug neue Kleider haben. Liſa iſt mein ſüßes
Herz=
kind, wie ich Muttis ſüßes Herzkind war.”
Frau Brigitte holte ſchnell einen Flickenkaſten hervor und ließ
Dagmar auswählen, was für Kleider die andern Puppen haben
ſollten, und Dagmar war ſchnell mit ihrem ganzen Intereſſe dabei,
Aus der
des 1. Heftes
Die Gegend.
Arzt: „Haben Sie ſich etwa in der Eegend der
Wirbel=
ſäule verletzt?“
Patient: „Nee, das is in der Jegend von n
Stadt=
park geweſen!“
ausgingen, wohingegen Lord Cuſhendun ſeine Kritik auf einen
bereits geänderten militäriſchen Status quo aufgebaut habe. Mit
Boncours Vorbehalten einer Kontrolle durch den Rat erklärte ſich
v. Simſon abſolut einverſtanden und bezeichnete ſie als eine
ſeiner Anſicht nach natürliche Folge der deutſchen Anregungen.
Den Regierungen müſſe ſelbſtverſtändlich, wie Lord Cuſhendun
das verlange, in jedem Falle erſt Gelegenheit gegeben werden,
ſich zu den Anregungen auszuſprechen.
abſteigender Richtung, was ſich auch aus einem Nachlaſſen de
Frachteinnahmen der Reichsbahn zeigt. Es iſt allgemein zu
be=
dauern, wenn die Reichsbahn trotzdem zu Tariferhöhungen
ſchrei=
ten würde. Man darf wohl erwarten, daß die Reichsregie
ung nichts unterlaſſen wird, einſchneidende Maßnahmen zu
berhindern und dafür zu ſorgen, daß die Reichsbahn
durch Sparmaßnahmen auf den verſchiedenſten
Gebieten ihren Geldbedarf ſenkt.
hnungsbaufinanzierungs=
m wirklich gelöſt?
Baufinanzierung mit Zwiſchenkrediten.
Von
Roland Schupp, München.
vert die Bemühungen der Reichs= und
vie der Hypothekenbanken und
Realkredit=
g des Wohnungsbaufinanzierungsproblems
bisherigen Beratungen und Beſchlüſſe doch
racht, die für die Geſtaltung der
Bautätig=
nig erfreuliche Perſpektiven eröffnen.
Trotz=
ſen amtlichen und pridaten Stellen darüber
ändiſche Kapitalmarkt nicht in der Lage iſt,
Umfang Mittel für erſtſtellige
Bauhypothe=
die Bautätigkeit alſo in der Hauptſache auf
3 öffentlichen Mitteln angewieſen bleibt, hat
ng im Verein mit der Reichsbank bisher
ießen können, die von den Spitzenverbänden
aft und insbeſondere auch von der Bau=
Freigabe der Aufnahme von
Auslands=
hnungsbau bzw. die Befreiung der
Woh=
nleihen von der Kapitalertragsſteuer zu
ge=
ihrtem Muſter wird dieſer Entſchluß
wahr=
n Zeitpunkt gefaßt werden, in dem wie im
nanzierungskriſe auf dem Baumarkt ihren
t und die unbedingt notwendige Finanzie=
Ausland wenigſtens für dieſe Bauſaiſon zu
em ſich die Reichsregierung und die
Länder=
r Sicherung der Bauzuſchußmittel aus dem
imen entſchloſſen haben, iſt die Schaffung
von 200 Millionen RM. für
Bauzwiſchen=
der Förderung der Wohnungsbautätigkeit
Schaffung, von Kleinwohnungen kann dieſe
z ſehr begrüßt werden.
h nicht überſehen werden, daß durch dieſe
wiſchenkrediten das eigentliche
Wohnungs=
llem in ſeiner Löſung um keinen Schritt
Kurzfriſtige Zwiſchenkredite ſind zwar ein
um bei einer vorübergehenden
Geldmittel=
tere Durchführung des aufgeſtellten
Bau=
ſtellen. Da jedoch die Löſung der Frage der
nder Ablöſungskredite vorerſt noch völlig in
iß mit beſonderem Nachdruck darauf
hinge=
die Finanzierung des
Wohnungsbaupro=
eſer Baſis Gefahren in ſich birgt, die nicht
n werden können.
ilten der verantwortlichen Regierungsſtellen
vorhandenen gewaltigen Fehlbedarf von
igen allein aus laufenden Einkünften
finan=
ß, ſo verlockend auch dieſe Löſung des
Woh=
ſt, vom rein wirtſchaftlichen Standpunkt aus
eichnet werden. Kein privatwirtſchaftliches
unter den herrſchenden Verhältniſſen und
der vorhandenen völlig unzureichenden
Mit=
rſchrichtung beibehalten, denn gerade durch
ide Kapitalverſorgung des Wohnungsbau=
Sentwicklung im Realkreditgeſchäft auf einer
e Entfaltung der privaten Bautätigkeit voll=
Dabei darf geſamtwirtſchaftlich nicht
un=
daß bei einer großzügigen Entfaltung der
ie Bauwirtſchaft als Schlüſſelinduſtrie auch
i heimiſchen Wirtſchaftszweige eine
geſchäft=
ren. Zum Beweis härfür darf nur auf die
3= und Baumarktentwicklung hingewieſen
ifalls höchſte Zeit, daß das auch in Kreiſen
g geglaubte und propagierte Märchen von
des Wohnungsbaues” endlich einmal ver=
Aufklärung über die wirklichen Verhältniſſe
Das Wohnungsbauproblem kann nicht allein
ng von ſtaatlichen Bauzuſchüſſen und
Bau=
dern endgültig nur durch eine planmäßig
gung des Wohnungsbaumarktes mit
aus=
rig verzinslichen Hypothekenmitteln gelöſt
elbſt gewinnt dann auch wieder die auf dem
ausgeſchaltete Privatinitiative an Boden.
ſer kurzfriſtigen Baufinanzierung für die
der=
dicklung geht aus den im Reichstagsausſchuß
kürzlich gemachten Ausführungen des
Ver=
beitsminiſteriums hervor, wonach die
Zwi=
r Realkreditinſtitute einen Betrag von 700
machen. Dieſe Kredite, die zum Teil
einge=
jedoch erſt in Hypothekarkredite übergeführt
ahr 1928 überhaupt an die Gewährung neuer
verden kann. Während im Jahre 1926 auf
ſchenkredite insgeſamt nur 14 Prozent der
gsbaumittel entfielen, hat ſich der Anteil der
Jahre 1927 auf 33 Prozent erhöht.
Baukredite durch Privatkapitalmarktmittel
wie ſchon oben ausgeführt, infolge der ſtark
m Kapitalmarkt völlig ausſichtslos. Größere
heranzuziehen dürfte, da die Reichs= und
ſereits die Beibehaltung der vorjährigen
r gleichen Verteilungsſchlüſſel beſchloſſen
m gelingen, zumal das Aufkommen aus der
vielfach im Vorgriff zur Finanzierung des
gramms verwendet worden iſt. Die Zukunft
einer geſcherren Baufinanzierung und die Abwendung der
Ge=
fahr des „Cinfrierens” der Zwiſchenkredite hängt alſo im
weſent=
lichen davon ab, ob entweder im Laufe des Jahres eine fühlbare
Erleichterung der Situation am Inlandskapitalmarkt eintritt
(vorerſt beſtehen dafür jedoch keine Ausſichten!) oder ob die
Auf=
nahne von Auslandsanleihen für Wohnungsbauzwecke
frei=
gegeben wird. Zu einer wirklichen Löſung des
Wohnungsbau=
finanzierungsproblems kann nur der letztgenannte Schritt führen.
Stofk, weiß/rot
kariert . .
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esäumt und gebändert.
zusammen uu 3 3 m Nessel
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Zwecke geeignet . AS 3 m Handtuch-
Stoff. Gerstenkorn.
mit Kante. 15 A. 1 Sofa-Kissen
mit buntem Stoffbezug,
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Gardinen, engl.
Tall ... A 1 Mitteldecke
mit Einsatz und Spitze Gu A 1Klammerschürze
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handltuch, gestickt,
blau oder rot . . . . . A. 2. 1 Kaffeewärmer
schwarz Rips Ge 1 Sofa-Kisgen
schwarz Rips uu B
1 Kleider-Weste
Seiden-Rips, aparte
Farben . .
m
2 B:
2 Stäu
Han
in ver
1 So
gefäll
1 Be
doppe
1 M:
Zteilig
1K1
1 K
Sitz-
1 K
Weide
1 m
cm br.
1 m
gute
1 W
Wach
1 m
doppe
1 Pe
Holz,
1 m
Lina
zum 4
1 L7
2 m
kräfti
1 m
140 ci
2½
12 Stüek
Taschen-
tücher, mit Kante.
10m Klöppelspitze
ca. 10 cm breit .
1 Jackett-Kragen
Crépe de chine mit
Stickerei . . . .
gestrickt, mit Aermel . . uu 3 1 Kopfkiesen
Linon, gebogt .
Gr 1 Damen-Hemd
mit Stickerei
0 S 1 Dam.-Hemdhose
fein gewebt . . .
Gu 3
1 D.-Schlunfhose
in vielen Farben" .
1 H
wasck
1 St
mit I
Leiſe verließ ſie das Zimmer und ſchritt den teppichbelegten
Korri=
dor entlang. An der Tür zum Zimmer ihres Kindes blieb ſie einen
Moment ſtehen und lehnte die Wange an die Tür, krampfhaft
auf=
ſchluchzend. Aber da hörte ſie oben in der oberen Etage ein
Ge=
räuſch von Schritten, einer der Domeſtiken kam da wohl herab.
Sie wollte ſich nicht ſehen laſſen mit ihrem verweinten Geſicht. Sie
flog die Treppe hinab und eilte durch das Veſtibül ins Freie.
Draußen ſtand ihrer wartend das Auto, das ihr Mann vom
Geſchäft wieder zurückgeſchickt hatte, weil ſie ihm geſagt, daß ſie
Beſorgungen machen wolle. Der Diener, der ſie bei ihren
Aus=
fahrten immer begleitete, ſtand am Wagenſchlag und half ihr
ein=
ſteigen. Sie warf ſich in die Kiſſen. Noch einmal flog ihr Blick
hinauf zu dem Fenſter, hinter dem ihr Kind ſchlief. Der Diener hatte
aber ſchon ſeinen Platz neben dem Chauffeur eingenommen, und der
Wagen ſetzte ſich ſogleich in Bewegung. Mit einem krampfhaften
Schluchzen lehnte ſichLeonorein
die Polſter zurück. Sie zitterte
am ganzen Körper und konnte
nur mühſam ihre Faſſung
zu=
rückgewinnen, bis der Wagen
vor einem großen Modenatelier
hielt, in dem ſie angeblich
Ein=
käufe machen wollte.
Sie ſtieg aus und ſagte, ſo
ruhig wie es ihr möglich war,
zu dem Diener, einen Brief aus
ihrer Handtaſche
herausneh=
mend: „Sie könnenheimfahren,
ich treffe mich hier mit einer
Freundin, mit der ich den
Nach=
mittag verbringen werde. Sollte
ich noch nicht zurück ſein, ehe
mein Mann nach Hauſe kommt,
dann geben Sie ihmdieſenBrief.
Es war nicht das erſtemal,
daß Leonore auf dieſe Weiſe
Wagen und Diener entließ, und
der Diener fand auch
anſchei=
nend nichts dabei. Er öffnete
die Tür des Ateliers für ſeine
Herrin und ſtieg dann wieder
zum Chauffeur. Der Wagen
fuhr davon.
Leonore betrat das Atelier
nur für einige Augenblicke, ſie
ſagte der Verkäuſerin, die an ſie
herantrat und die gute Kundin
dienſteifrig nach ihrem Begehr
fragte, ſie habe ſich eben
über=
legt, daß ſie erſt noch eine
an=
dere Beſorgung machen müſſe,
ſie käme wieder. Dann verließ
ſie durch eine andere Tür den
Laden und trat auf die Straße
hinaus. Sie tat es in einer
ſelt=
ſamen taſtenden Unſicherheit.
In dieſem Augenblick kam
ein junger Primaner mit ſeiner
Büchermappe an ihr vorüber.
Als er Leonore erblickte, flog
Die vorſtedens Zooter. L
ein helles Rotüber ſein hübſches,
offenes Jungengeſicht. Es war
Bon der Mutter verlafſm,
Werner Falkner, der Sohn des
Bom Bater verdannt,
erſten Prokuriſten der Firma
Straſſer& Sohn. Frau Leonore
war für ihn der Inbegriff aller Schönheit und Liebenswürdigkeit. Er
ſchwärmte für ſie im jugendlichen Uberſchwang. Artig zog er den
Hut und ſah ſie an in froher Erwartung, daß ſie ihn wie ſonſt mit
einigen Worten beglücken werde.
Leonore wäre am liebſten dieſer Begegnung ausgewichen, aber da
dies nicht anging, blieb ſie ſtehen, reichte ihm die Hand und fragte
mit mattem Lächeln:
„Wie geht es Ihnen, Herr Werner?
Sie pflegte ihn immer ſo zu nennen, weil ihr Töchterchen ihn auch
ſo nannte.
Er zog ihre Hand an die Lippen.
„Ich danke, gnädige Frau, es geht mir gut.”
Sie haben ſich ſo lange nicht bei uns ſehen laſſen und wiſſen doch,
daß Dagmar ſich immer ſo ſehr freut, Sie zu ſehen — von uns gar
nicht zu reden.”
Seine Augen ſtrahlten auf.
„Ich will nicht ſo oft läſtig fallen, gnädige Frau, und dann muß
ich jetzt auch mächtig büffeln, es geht nun auf das Letzte.”
„Oh. Sie werden es ſchon ſchaffen, Sie ſind ja ſo tüchtig und
fleißig. Nicht wahr, Sie ſehen bald einmal wieder nach Dagmar.
Das Kind hängt ſo ſehr an Ihnen, Sie wiſſen, was Dagmar einmal
ins Herz geſchloſſen, das hält ſie feſt. Immerfort ſpricht ſie von Ihnen."
Werner Falkner verneigte ſich. Frau Leonore ahnte nicht, was
für ein Glück es für ihn bedeutete, daß ſie ſo liebenswürdig zu ihm
war. Und Leonore war zumute, als müſſe ſie dieſen jungen Mann
noch ganz beſonders zum Schützer ihres Töchterchens berufen. Sie
wollte ihn veranlaſſen, recht bald und recht oft nach Dagmar zu
ſehen, weil dieſe ſich ſicher ſehr einſam fühlen würde.
„Ich habe Klein=Dagmar auch ſehr lieb, gnädige Frau. Wenn
ich Sonntags nicht ſtöre, will ich gern kommen."
„Nein, nein, Sie ſtören nicht! Kommen Sie recht oft und ſeien
Sie lieb zu meinem Kinde. Ich habe Ihnen ſchon einmal geſagt, daß
Sie Dagmars junger Nitter ſein ſollen — vergeſſen Sie das nicht,
Herr Werner.”
Das klang ſo ſeltſam eindringlich. Erſt viel ſpäter, als Werner
Falkner erfuhr, daß Frau Leonore für immer fort war, bekamen
dieſe Worte eine beſondere Bedeutung für ihn. Nie vergaß er dieſe
Begegnung.
Leonore eilteweiter. Sie hatte
(Prot. Derlof C. Schaus, Berklint, ſich verſpitet und muſte das
Verſäumte nachholen. Schnell
legte ſie den kurzen Weg bis
zum Bahnhof zurück. Kaum
hatte ſie die Halle betreten, als
ein ſchlanker, hochgewachſener
Mann mit ſchönem Geſicht an
ſie herantrat.
„Endlich, Lore!” ſtieß er
er=
regt hervor.
Sie erzitterte unter ſeinem
heißen, zärtlichen Blick.
„Ich konnte nicht eher
kom=
men, Carol.”
Er atmete auf.
„Daß du nur kommſt, daß
ich dich habe, endlich habe! Ich
hatte ſolche Angſt, daß du nicht
kommen würdeſt, ich hätte es
nicht ertragen, jetzt nicht mehr,
nachdem du mich hoffen ließeſt.
Komm ſchnell, der Zug ſteht
bereit.”
Er zog ſie mit ſich fort auf
den Perron hinaus, half
ihrein=
ſteigen in den harrenden Zug,
den nur wenige Paſſagiere
be=
nutzten. Sie hatten ein Abteil
ganz für ſich allein, und Carol
Magnus zog Leonore in ſeine
Arme und küßte ſie, wie ein
Verdurſtender vön einem Quell
trinkt der ihm Aag Kahau bi-
Glas, gepreßt . . . aus. 909
1 Blumenvase mit
Dekorationsblumen .
A
R4
Bezugspreis:
AUSTLRU
Unverkäuflio
Bei wöchentlich 2maligem Erſcheinen vom 1. März
bis 31. März 2.18 Reichsmark und 22 Pfennig
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Agenturen 2.40 Reichsmark frei Haus. Poſtbezugspreis
im März ohne Beſtellgeld monailich 2,28 Reichsmark.
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Nichi=
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewhlt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſſellungen und Abbeſtellungen durch
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Frantfurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quelſenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 61
191. Jahrgang
Donnerstag, den 1. März 1928.
Im traulichen Heim
hnungsbaufinanzierungs=
m wirklich gelöf?
Baufinanzierung mit Zwiſchenkrediten.
Aber ſie hatte nun die Brücke hinter ſich abgebrochen. Eins
konnte ſie nur haben — den Mann ihrer Liebe oder ihr Kind.
Und Carol Magnus hatte geſiegt und flüſterte ihr zu, wie heiß ſeine
Liebe und ſeine Dankbarkeit ſei, daß ſie ihn nicht hatte allein
hinaus=
ziehen laſſen in die Welt, in der ihm von jetzt an Gold und
Lorbeeren winkten. Und Leonore ließ ſich einhüllen von ſeiner Liebe
und ſuchte ihre Gedanken von ihrem Kinde loszureißen — und von
dem Manne, den ſie wie einen Vater geliebt und verehrt hatte und
den ſie verließ, um ihn nicht ehrlos betrügen zu müſſen.
Und daheim in ihrem Bettchen lag die kleine Dagmar,
ahnungs=
los, was ihr das Schickſal heute genommen hatte und daß ein
düſterer Schatten ſich auf ihr junges Leben ſenkte.
Zweites Kapitel
„Tante Brigitte, weshalb iſt Vati jetzt ſo böſe?"
„Er iſt doch nicht böſe, Dagmar.”
„Oh, haſt du nicht bemerkt, wie finſter und böſe er mich anſah,
als er eben einen Augenblick ins Zimmer hereinſah? Gleich ging
er wieder hinaus. Sonſt hat er mich immer auf den Arm
ge=
nommen und mich geküßt und geſtreichelt und hat „Mein ſüßes Kind
zu mir geſagt. Jeßt iſt er nie mehr zärtlich zu mir, immer ſieht
er mich ſo böſe an. Warum iſt er nur böſe mit mir?"
„Er iſt gewiß nicht böſe — nur ſehr unglücklich."
Bei dieſen Worten ſtreichelte Tante Brigitte liebevoll und
mit=
leidig über das ſeidenweiche Gelock der ſechsjährigen Dagmar. Dieſe
ſah mit großen Augen zu ihr auf.
„Unglücklich? Das Wort kenne ich noch gar nicht, Tante
Bri=
gitte. Iſt es etwas Böſes?‟
Die alte Dame ſeufzte und zog das Kind voll tiefen Mitleids in
ihre Arme. Noch wußte Klein=Dagmar nicht, was Unglück
be=
deutete, trotzdem es längſt über ihr ſchuldloſes Haupt hereingebrochen
war. Wahrſcheinlich lernte ſie es aber nur gar zu ſchnell begreifen.
Ein tiefer Schatten lag ſchon, von ihr nur leiſe geahnt, auf ihrem
jungen Leben. Und dieſer Schatten würde ſich mehr und mehr
verdichten zu einem auch für ſie fühlbaren Unglück.
„Unglücklich ſein iſt etwas ſehr Trauriges und Schlimmes, mein
liebes Kind. Dein Vati iſt nicht böſe, nur ſehr unglücklich. Alle
Sonne iſt fort aus ſeinem Leben."
Das reizende Kindergeſicht wurde blaß, und die Augen wurden
noch größer und furchtſamer.
„Ah, und deshalb ſieht Vati ſo finſter aus, weil die Sonne
fort iſt. Warum iſt ſie von ihm fort, ſie ſcheint doch noch ſo hell.”
„Aber nicht für ihn."
„Wie kann das ſein?"
„Das verſtehſt du nicht, Dagmar, dazu biſt du noch zu klein.”
„Kann man für Vati die Sonne nicht wieder holen? Kann ich
es nicht tun? Ich wollte ſo weit fortwandern, bis ich ganz müde
wäre, um ihm die Sonne wiederzuholen.”
Es zuckte in Tante Brigittes Geſicht wie verhaltenes Weinen.
„Mein liebes Kleines — du haſt deinen Vati ſehr lieb, nicht
wahr?‟
Dagmar nickte.
„Oh, ſo lieb, daß es mir hier drinnen weh tut, ſo oft ich an
ihn denke. Und das tue ich ſo oft.”
„Armes, liebes Kind!"
„Bin ich arm? Ich denke, arme Leute haben nichts zu eſſen
und kein Geld, um ſich Kleider zu kaufen. Aber daran fehlt es
mir doch nicht.”
„Nein, daran nicht, aber man kann auch anders arm ſein."
„Und ich bin alſo anders arm. Warum nur?”
„Frage nicht, Kind, du würdeſt es doch nicht verſtehen, auch
nicht, wenn ich es dir erklären wollte.”
„Ach, jetzt weiß ich es doch! Du nennſt mich arm, weil es mir
ſo wehe tut, daß Vati ſo — wie ſagteſt du doch — un—glücklich iſt.
Kann ich ihm denn nicht helfen — ihm die Sonne wiederholen?”
„Nein, kleine Dagmar, das kannſt du nicht.”
„Auch du nicht, Tante Brigitte?"
„Nein, auch ich nicht.”
Auch ſonſt kein Menſch, wenn ich ihn ſehr darum bitte?"
Frau Brigitte Hartmann ſchüttelte den Kopf.
„Nein, kein Menſch. Nur der liebe Gott kann helfen.”
„Oh, dann will ich ihn bitten, jeden Abend, wenn ich mein
Abendgebet ſage.”
Die alte Dame ſah nach der Tür, hinter der vor einer Weile
ihr Vetter Rudolf Straſſer, Dagmars Vater, verſchwunden war.
Sie hatte ſehr wohl den finſter grübelnden Blick bemerkt, den er
auf Dagmar geworfen hatte. Wenn er jetzt gehört hätte, was das
Kind zu ihr ſprach, ob es ihn gerührt hätte, ob er ſeinen finſteren
Argwohn dann nicht begraben hätte? Sie ſeufzte tief auf.
Dagmar ſpielte jetzt wieder mit ihren Puppen, die ſie aus den
Händen gelegt hatte, als ihr Vater die Tür geöffnet hatte. Zärtlich
ſtreichelte ſie jetzt eine ziemlich ramponierte Puppe, während die
neuen, ſchöneren Puppen nur artig aufgereiht in den Kiſſen ſaßen.
Liebevoll drückte ſie die häßliche Puppe an ſich.
„Tante Brigitte, iſt das nicht ſonderbar, meine Puppe Liſa hat
keinen Vater, und ich habe keine Mutter. Warum iſt nur meine
ſüße Mutti fortgegangen von Vati und mir?”
wusgingen, wohingegen Lord Cuſhendun ſeine Kritik auf einen
wbereits geänderten militäriſchen Status quo aufgebaut habe. Mit
Woncours Vorbehalten einer Kontrolle durch den Rat erklärte ſich
w. Simſon abſolut einverſtanden und bezeichnete ſie als eine
ſeiner Anſicht nach natürliche Folge der deutſchen Anregungen.
DDen Regierungen müſſe ſelbſtverſtändlich, wie Lord Cuſhendun
Wdas verlange, in jedem Falle erſt Gelegenheit gegeben werden,
ffſich zu Len Anregungen auszuſprechen.
Erſchrocken ſah Frau Brigitte auf das Kind.
„Schweig. Dagmar, du ſollſt doch nicht von deiner Mutter
ſprechen. Du weißt, wenn Vati es hört, wird er böſe.”
Angſtlich ſah Dagmar nach der Tür. Sie hob ſich auf die
Zehenſpitzen, ſchmiegte ſich dicht an die Tante an, ihr Puppenkind
krampfhaft feſthaltend, und flüſterte:
„Vati iſt ja nicht hier, er kann es nicht hören. Aber zu dir
darf ich doch von Mutti ſprechen, dir tut es doch nicht weh, nicht
wahr? Und — ich möchte dich ſo gern etwas fragen.”
„Was denn, Dagmar?”
„Warum meine Mutti fort iſt, auf eine ſo weite, weite Neiſe,
daß ſie nie mehr wiederkommen kann? Früher reiſte ſie doch immer
nur mit Vati und mir, und da war Vati immer ſo lieb. Immer
hat er mich geküßt und Mutti auch, und er hat dann zu Mutti
geſagt: „Du Goldiges!” Und da waren wir alle ſo froh. Seit
Mutti fort iſt, ganz allein auf die weite Neiſe, ſeitdem hat Vati
mich nie mehr geküßt und geſtreichelt. War ich vielleicht unartig?
Ich kann mich nicht erinnern, aber große Leute meinen oft, daß
man unartig iſt, wenn man es gar nicht weiß. Große Leute wiſſen
das immer viel früher als kleine Kinder.”
Wieder zog Brigitte das Kind erbarmend in ihre Arme.
„Nein, du warſt gewiß nicht unartig, Kind, nur darfſt du
nie=
mals von Mutti ſprechen, wenn Vati es hören kann. Am beſten,
du ſprichſt gar nicht von ihr.”
„Nur ſag’ mir doch noch ſchnell, warum Mutti ohne mich auf
die weite Reiſe gegangen iſt.”
„Weil man kleine Mädchen auf ſo weite Reiſen nicht mitnehmen
kann.”
„Oh, ich war doch mit Vati und Mutti ſchon ſo weit fort,
drei=
mal an der See und einmal bei den großen Bergen, die ganz weiße
Schneemützen aufhatten, mitten im Sommer. So ſchön war es da!‟
„Ja, aber deine Mutti iſt noch viel, viel weiter fort, weißt du,
über das große, weite Meer hinweg, nach einem fernen Lande.”
Dagmar ſchüttelte bekümmert den Kopf.
„Und da iſt meine arme Mutti ganz, ganz allein gereiſt? Wie
ſie ſich nach mir bangen wird.”
Die alte Dame biß ſich auf die Lippen, um einen Ausruf
zurückzuhalten.
„Du mußt nicht ſo viel fragen, Kind, du biſt noch zu klein, als
daß man es dir erklären könnte. Laß nur um Gottes willen Vati
nicht hören, daß du von der Mutti ſprichſt, ſonſt wird er noch viel
trauriger und unglücklicher, als er es ſchon iſt.”
Klein=Dagmar wurde blaß und machte große ängſtliche Augen.
Liebevoll preßte ſie ihr reizendes Geſicht an ihre Puppe.
„Nein, nein, ich will nicht, daß er trauriger wird. Ich möchte
ihn ſo gern wieder froh machen. Ich ſpreche nur ganz leiſe von
Mutti, wenn er nicht hier iſt. Aber ich muß dir doch ſagen, wie
ſehr ich wünſche, daß Mutti wieder hier wäre. Dann wäre Vati
wieder froh und ich auch. Mutti war zuweilen ſo vergnügt und
ſpielte ſo ſchön mit mir. Nur zuletzt, da hat ſie ſo viel geweint,
und jetzt, jetzt wird ſie immerfort weinen und ſich nach uns bangen.
Warum ging ſie nur fort von uns? Mußte ſie das tun?”
Frau Brigitte fuhr ſich nervös über die Stirn.
„Kind, nun frage doch nicht mehr. Komm, ſpiele mit Liſa, wir
wollen ihr ein neues Kleid nähen, dies hier iſt ſchon recht alt.”
Dagmar hielt wie ſchützend die Hand über ihre Puppe.
„Nein, nein — Liſa ſoll kein anderes Kleid tragen als dieſes.
Mutti hat es ihr ſelbſt genäht, als ſie mir Liſa ſchenkte. Für die
andern kannſt du neue Kleider machen, die putzen ſich gern und
können nicht genug neue Kleider haben. Liſa iſt mein ſüßes
Herz=
kind, wie ich Muttis ſüßes Herzkind war.”
Frau Brigitte holte ſchnell einen Flickenkaſten hervor und ließ
Dagmar auswählen, was für Kleider die andern Puppen haben
ſollten, und Dagmar war ſchnell mit ihrem ganzen Intereſſe dabei,
Die Gegend.
Arzt: „Haben Sie ſich etwa in der Eegend der
Wirbel=
ſäule verletzt?”
Patient: „Nee, das is in der Jegend von n
Stadt=
park geweſen!“
ſteigender Richtung, was ſich auch aus einem Nachlaſſen de
rachteinnahmen der Reichsbahn zeigt. Es iſt allgemein zu
be=
uern, wenn die Reichsbahn trotzdem zu Tariferhöhungen
ſchrei=
würde. Man darf wohl erwarten, daß die Reichsregie
n9 nichts unterlaſſen wird, einſchneidende Maßnahmen zu
hiadern und dafür zu ſorgen, daß die Reichsbahn
rch Sparmaßnahmen auf den verſchiedenſten
bieten ihren Geldbedarf ſenkt.
Von
Roland Schupp, München.
vert die Bemühungen der Reichs= und
vie der Hypothekenbanken und
Nealkredit=
g des Wohnungsbaufinanzierungsproblems
bisherigen Beratungen und Beſchlüſſe doch
racht, die für die Geſtaltung der
Bautätig=
nig erfreuliche Perſpektiven eröffnen.
Trotz=
en amtlichen und pridaten Stellen darüber
ändiſche Kapitalmarkt nicht in der Lage iſt,
Umfang Mittel für erſtſtellige
Bauhypothe=
die Bautätigkeit alſo in der Hauptſache auf
3 öffentlichen Mitteln angewieſen bleibt, hat
ng im Verein mit der Reichsbank bisher
ießen können, die von den Spitzenverbänden
aft und insbeſondere auch von der Bau=
Freigabe der Aufnahme von
Auslands=
hnungsbau bzw. die Befreiung der
Woh=
nleihen von der Kapitalertragsſteuer zu
ge=
ihrtem Muſter wird dieſer Entſchluß
wahr=
n Zeitpunkt gefaßt werden, in dem wie im
nanzierungskriſe auf dem Baumarkt ihren
ſt und die unbedingt notwendige Finanzie=
Ausland wenigſtens für dieſe Bauſaiſon zu
em ſich die Reichsregierung und die
Länder=
r Sicherung der Bauzuſchußmittel aus dem
imen entſchloſſen haben, iſt die Schaffung
von 200 Millionen RM. für Bauzwiſchen=
* der Förderung der Wohnungsbautätigkeit
Schaffung, von Kleinwohnungen kann dieſe
3 ſehr begrüßt werden.
h nicht überſehen werden, daß durch dieſe
wiſchenkrediten das eigentliche
Wohnungs=
ilem in ſeiner Löſung um keinen Schritt
Kurzfriſtige Zwiſchenkredite ſind zwar ein
um bei einer vorübergehenden
Geldmittel=
itere Durchführung des aufgeſtellten
Bau=
ſtellen. Da jedoch die Löſung der Frage der
ender Ablöſungskredite vorerſt noch völlig in
iß mit beſonderem Nachdruck darauf
hinge=
die Finanzierung des
Wohnungsbaupro=
eſer Baſis Gefahren in ſich birgt, die nicht
in werden können.
alten der verantwortlichen Regierungsſtellen
i vorhandenen gewaltigen Fehlbedarf von
ngen allein aus laufenden Einkünften
finan=
ß, ſo verlockend auch dieſe Löſung des
Woh=
ſt, vom rein wirtſchaftlichen Standpunkt aus
eichnet werden. Kein privatwirtſchaftliches
unter den herrſchenden Verhältniſſen und
der vorhandenen völlig unzureichenden
Mit=
irſchrichtung beibehalten, denn gerade durch
ide Kapitalverſorgung des
Wohnungsbau=
isentwicklung im Realkreditgeſchäft auf einer
ie Entfaltung der privaten Bautätigkeit voll=
Dabei darf geſamtwirtſchaftlich nicht
un=
daß bei einer großzügigen Entfaltung der
ie Bauwirtſchaft als Schlüſſelinduſtrie auch
n heimiſchen Wirtſchaftszweige eine
geſchäft=
ren. Zum Beweis härfür darf nur auf die
s= und Baumarktentwicklung hingewieſen
nfalls höchſte Zeit, daß das auch in Kreiſen
g geglaubte und propagierte Märchen von
des Wohnungsbaues” endlich einmal ver=
Aufklärung über die wirklichen Verhältniſſe
Das Wohnungsbauproblem kann nicht allein
ing von ſtaatlichen Bauzuſchüſſen und
Bau=
idern endgültig nur durch eine planmäßig
rgung des Wohnungsbaumarktes mit
aus=
drig verzinslichen Hypothekenmitteln gelöſt
elbſt gewinnt dann auch wieder die auf dem
ausgeſchaltete Privatinitiative an Boden.
der kurzfriſtigen Baufinanzierung für die
der=
vicklung geht aus den im Reichstagsausſchuß
kürzlich gemachten Ausführungen des
Ver=
rbeitsminiſteriums hervor, wonach die
Zwi=
r Realkreditinſtitute einen Betrag von 700
machen. Dieſe Kredite, die zum Teil
einge=
jedoch erſt in Hypothekarkredite übergeführt
jahr 1928 überhaupt an die Gewährung neuer
werden kann. Während im Jahre 1926 auf
iſchenkredite insgeſamt nur 14 Prozent der
gsbaumittel entfielen, hat ſich der Anteil der
Jahre 1927 auf 33 Prozent erhöht.
Baukredite durch Privatkapitalmarktmittel
wie ſchon oben ausgeführt, infolge der ſtark
im Kapitalmarkt völlig ausſichtslos. Größere
heranzuziehen dürfte, da die Reichs= und
bereits die Beibehaltung der vorjährigen
er gleichen Verteilungsſchlüſſel beſchloſſen
m gelingen, zumal das Aufkommen aus der
vielfach im Vorgriff zur Finanzierung des
gramms verwendet worden iſt. Die Zukunft
ertrer Beſicherten Daufinanzierung und die Abwendung der
Ge=
fahr des „Cinfrierens” der Zwiſchenkredite hängt alſo im
weſent=
lichen davon ab, ob entweder im Laufe des Jahres eine fühlbare
Erleichterung der Situation am Inlandskapitalmarkt eintritt
(vorerſt beſtehen dafür jedoch keine Ausſichten!) oder ob die
Auf=
nahme von Auslandsanleihen für Wohnungsbauzwecke
frei=
gegeben wird. Zu einer wirklichen Löſung des
Wohnungsbau=
finanzierungsproblems kann nur der letztgenannte Schritt führen.
Seite 20
Mittwoch den 29 Februar 1928
Nummer 60
5 m Handtuch-
Stofk, weißſrot
... 9u9
kariert . .
6 Gläsertäicher
esäumt und gebändert
zusammen
3 m Nessel
80 cm breit, für alle
Zwecke geeignet .
A
9
3 m Handtuch-
Stoff. Gerstenkorn.
vus
mit Kante
1 Sofa-Kissen
mit buntem Stoffbezug,
geküllt. . . .
uu?
1 Bettvorlage
Blumenmuster u. festem‟
Rucken ..
* m Schelben-
Gardinen, engl.
uus
Tan
1 Mitteldecke
mit Einsatz und Spitze
3
1Klammerschürze
Kreuz- und Stieletich . .
1 Küchen-
Ueber-
handltuch, gestickt,
blau oder rot
3
1 Kaffeewärmer
schwarz Rips
1 Sofa-Kissen
schwarz Rips
uu
1 D.-Schlunfhose
in vielen Farben . .
Gu
A
2 B
2 Stäu
Hal
in ver
1 Sa
gefäll
1 B.
doppe
1 H.
Zteilig
1Ki
1 K
Sitz-
1 K
Weide
1 m
cm br.
1 m
gute
1 W
Wach
1 m
doppe
1 P=
Holz,
1 m
Lino
zum .
1 LI
Seiden-Rips, aparte
Farben. uus 12 Stüek Taschen-
tücher, mit Kante . . uus 10 m Klöppelspitze
ca. 10 cm breit uus 1 Jackett-Kragen
Crépe de chine mit
Stickerei . Gu? 1Kinderkleidehen
gestrickt, mit Aermel . Uue 1 Kopfkiasen
Linon, gebogt Uu9 1 Damen-Hemd
mit Stickerei uu2 1 Dam.-Hemdhose
lein gewebt . 9u4
A
2½
1 G.
gesäu
1 m
1 m
1 m
faconi
1 m
doppe
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K’seie
1 P
mit u
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Wolle
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Shet!
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mit 1
Im iraulichen Heim
Eine Stunde ſpielte Frau Brigitte mit dem Kinde, dann meldete
der Diener, das Mittageſſen werde gleich aufgetragen, und der
gnädige Herr ſei gekommen.
Frau Brigitte warf Dagmar ſchnell ein friſches Kleidchen über,
bürſtete ihr die Locken und mahnte beſorgt:
„Nun ſei recht artig, daß Vati nicht ſchelten muß.”
Beklommen nickte das Kind, deckte ſchnell noch ihre Liſa ſorglich
zu und ließ ſich von der Tante hinausführen. Sie gingen beide
hinunter, durch das ſchöne, vornehme Veſtibül hinüber in das große
Speiſezimmer, das, wie alle Räume der Villa Straſſer, mit
ge=
diegener Pracht, aber ohne Uberladung ausgeſtattet war. Eine kleine
runde Tafel war vorn im Erkerausbau gedeckt, wenn keine Gäſte
anweſend waren, und jetzt wurden ſchon lange keine Gäſte mehr
empfangen — ſeit die Hausfrau fehlte. Vor der großen Anrichte
ſtand ein Diener, bereit, die Suppe aufzufüllen. Er wartete nur noch
auf den Hausherrn. Dieſer trat gleich nach Frau Brigitte und dem
Kinde ein. Seine dunklen Augen blickten wirklich, wie Klein=Dagmar
geſagt hatte, finſter und unfroh. Ein herber, bitterer Schmerzenszug
lag wie feſtgebannt um den Mund, und ſeine Bewegungen waren
haſtig und zwecklos, wie bei einem Menſchen, der ſich unfrei fühlt.
Mit einem Kopfneigen grüßte er ſeine Couſine Brigitte. Aber
er ſprach kein Wort. Das Kind ſchien er gar nicht zu beachten.
Stumm löffelte er ſeine Suppe, die Augen auf den Teller geheftet,
ebenſo ſtumm ſchnitt er ſich dann eine Scheibe von dem aufgetragenen
Braten ab, nahm etwas Gemüſe und Soße und ſah wieder auf den
Teller herab. In dieſem Moment glitt ein Sonnenſtrahl zum Fenſter
herein über ſein Haupt. Das bemerkte Dagmar. Sie vergaß, daß
ſie bei Tiſch nicht ſprechen ſollte, und rief froh und erregt:
„O Vati, Vati, ſieh doch, die Sonne iſt wieder bei dir, ſie ſcheint
auf deinen Kopf! Wie ſchön, nun wirſt du nicht mehr unglücklich
ſein, nun wirſt du wieder froh, nicht wahr?”
Der Vater erblaßte. Er warf Meſſer und Gabel auf den Tiſch
erhob ſich ſo jäh, daß der Seſſel umfiel, und ſagte heiſer:
„Ich ertrage das nicht, Brigitte, bringe das Kind aus dem
Zimmer — ſchaffe es mir aus den Augen!"
Die alte Dame erhob ſich ſchnell, ſah ihn erſchrocken an und führte
das Kind hinaus. Draußen übergab ſie es einer Dienerin und ſtrich
tröſtend über ihr Haar. Dagmar wußte gar nicht, weshalb ſie
fort=
geſchickt wurde. Die alte Dame gab der Dienerin Befehl, Dagmar
etwas von der ſüßen Speiſe zu geben und ſie dann zu Bett zu
bringen für den Mittagsſchlaf,
„Ich komme nachher noch zu dir, Dagmar, du gehſt dann zur
Ruhe,” ſagte ſie ſo ruhig wie möglich.
Dagmar hielt die Tante feſt, als dieſe wieder in das
Speiſe=
zimmer zurückgehen wollte.
„Ich hab doch gar nicht von Mutti geſprochen, Tante Brigitte,
warum war Vati ſo böſe?” flüſterte ſie ängſtlich.
„Er iſt krank, mein Kind, du mußt nicht mehr daran denken.
Schlaf, mein armes Herz, ich komme nachher noch zu dir.”
Das Kind herzlich küſſend, nickte ſie ihm noch einmal zu und
ging in das Speiſezimmer zurück. Dort ſtand Rudolf Straſſer
ab=
gewandt am Fenſter. Frau Brigitte winkte dem Diener, ſich zu
entfernen. Dann trat ſie neben ihren Vetter an das Fenſter,
Draußen lag der ſchöne große Garten, der die Villa umgab, in
voller Frühlingsblüte, und die Sonne ſchien warm wie im Sommer.
Aber der unglückliche Mann am Fenſter ſchien dies alles nicht zu
ſehen. Sie legte die Hand auf ſeinen Arm.
„Rudolf — ſd geht das nicht weiter,” ſagte ſie leiſe.
Er wandte ſich haſtig nach ihr um.
„Nein! Nein, ſo geht es nicht weiter, Brigitte, ich fühle es
ſelber. Das Kind muß fort, muß mir aus den Augen. Ich
er=
trage ſeinen Anblick nicht länger."
„Aber Rudolf, ſei doch nicht ſo ungerecht, was kann dein armes
Kind dafür, daß du ſo unglücklich geworden biſt?"
Silben-
Kreuzworkräfſel
aus Heft 1
2. Heft
Er lachte ſcharf und ſchneidend auf.
„Mein Kind? Wie kann ich wiſſen, ob es mein Kind iſt?"
„Rudolf!”
Wie ein Verzweifelter fuhr er über ſeine Stirn.
„Du biſt entrüſtet, Brigitte, du kannſt mich eben nicht verſtehen.
Dein Leben ging immer im ruhigen Gleichmaß dahin. Freilich
ver=
lorſt du deinen Gatten, aber du verlorſt ihn nach langer, harmoniſcher
Ehe durch den Tod — er wurde dir nicht durch das Leben, durch
unerhörten Verrat genommen. Mir nahm die Frau, die ich liebte,
alles! Du ahnſt ja nicht, wie unſagbar ich Leonore geliebt habe.
Ich war bis zu meinem fünfundvierzigſten JahreJunggeſelle geblieben,
weil keine Frau mir wert genug erſchien, ihr meine Freiheit zu
opfern. Dann ſah ich Leonore, ſah ſie in Armut und
Abhängig=
keit — und ſie erſchien mir doch wie eine Königin. Alles legte ich
ihr zu Füßen, was ich beſaß — und mich ſelber auch. Ich liebte ſie,
die Zwanzigjährige, wie nur ein reifer Mann in meinen Jahren
lieben kann — ich betete ſie an. Sie nahm mein ganzes Leben, nahm
es in ihre ſpieleriſchen Hände — und zerbrach es. Aber ſie tat es
grauſamerweiſe erſt, nachdem ſie mir Jahre unausſprechlichen Glückes
beſchert, nein — vorgetäuſcht hatte. Denn dies Glück war Lüge —
Lüge wie alles, was ſie tat und ſprach. Weißt du, ahnſt du nur,
was ich gelitten habe, als ich das erkannte, als ſie eines Tages von
einer Ausfahrt nicht mehr wiederkam, als mir der Diener, der ſie
begleitet hatte, jenen Brief überreichte, in dem ſie mir das
Furcht=
bare mitteilte? Sie habe mich nie geliebt, ſie ſei nur meine Frau
geworden, weil ſie Nahrungsſorgen habe entgehen wollen, weil ſie
auch einmal hätte ſpüren wollen, wie es ſei, keine pekunjären Sorgen
zu haben — und — weil ſie keine Möglichkeit geſehen, das Weib
jenes andern zu werden, mit deſſen Bild im Herzen ſie meine Frau
geworden ſei. Und nun ſei plötzlich eine Möglichkeit entſtanden, ſich
mit dieſem Manne verbinden zu können, und da gebe es kein Zögern,
kein Halten, ſie müſſe — müſſe dem Manne folgen, den ſie mit jeder
Faſer ihres Seins liebe. Lange habe ſie gekämpft, aber ſie könne
nicht anders. Ich möge ihr verzeihen. Es tue ihr weh, mir
Schmerzen zu bereiten, denn — ſie wiſſe, daß ich ſie liebe.‟ Er
lachte rauh auf und ſchlug ſich mit den Fäuſten vor die Stirn.
Frau Brigitte ſah ihn erſchüttert an. So hatte er ſich noch nie
gehen laſſen, ſo tief hatte er ſie noch nie in ſein qualzerriſſenes
Innere ſehen laſſen. Sie vermochte kein Wort zu ſeinem Troſte
hervorzübringen.
Die Fortſetzung erhält regelmäßig zugeſtellt, wer die beigefügte
Beſtellkarte ausfüllt und abſendet.)
„Im traulichen Heim”, das Unterhaltungsblatt für Haus
und Familie, bringt im zweiten Jahrgange die Fortſetzung des auf
vorliegendem Proſpekt begonnenen großen Original=Romans.
H. Courths=Mahler hat in ihm wiederum ein Meiſterwerk
ge=
ſchaffen, das begeiſterte Aufnahme aller Leſer vom „Im traulichen
Heim” finden wird. Dieſer ſenſationelle Roman erfährt ſeinen erſten
Abdruck in unſerem Blatte, das dadurch einen unbeſtreitbaren Vorrang
vor allen anderen Familienzeitſchriften hat. — Wir ſind überzeugt, daß
das Erſcheinen dieſes neuen großen Courths=Mahler=Romans „Im
traulichen Heim” zu den alten Freundenzahlreiche neue hinzugewinnen
wird. Neben dieſem führenden Werke werden noch weitere folgen
und zwar aus der Feder der beliebteſten Erzähler der Gegenwart wie
Nataly von Eſchſtruth, Paul Hain, Aja Berg, Hanna
Schneider u. a. m., ſo daß eine Vielſeitigkeit ohnegleichen geſichert
iſt und jedem Geſchmack Rechnung getragen wird. Außerdem bringt
unſer Blatt in jeder Nummer noch eine kleine Novelle anmutigſten
Inhaltes. Auch eine Spielecke iſt nicht vergeſſen, und ebenſowenig
fehlt es an hauswirtſchaftlichen Plaudereien und ähnlichem. Auch die
Freunde des Humors kommen auf ihre Nechnung, denn faſt jede
Nummer ſchmücken Witze und Anekdoten, die vielfach von
Scherz=
bildern begleitet ſind. Eine beſondere Zierde des Blattes ſind
außer=
dem noch die vortrefflichen Bildbeigaben, die den Beſchauer mit den
Werken beſter moderner Kunſt bekannt machen. Trotz des großen
Reichtums des Inhaltes koſtet eine Nummer dieſes vornehm
ausge=
ſtatteten Familienblattes nur 25Pf. bei zuſchlagfreier Zuſtellung ins
Haus. Das iſt ein Preis, den wöchentlich aufzubringen niemandem
ſchwer fallen kann; jeder wird ihn vielmehr gerne anlegen, weil er
etwas dafür eintauſcht, was ihm zu einer Quelle dauernden Genuſſes
werden wird und muß.
Wer „Im traulichen Heim” einmal kennen gelernt hat, dürfte es
in ſeinem Hauſe nicht mehr miſſen wollen.
Um ſich den Bezug dieſes ſchönen Unierhaltungsblattes zu
ſichern, wollen Sie die beigefügte Beſtellkarte ausfüllen. Bitte,
werfen Sie die Karte, mit einer 3=Pfg.=Marke beklebt, in den
nächſten Poſtbriefkaſten!
Verlag und Redaktion
„Im traulichen Heim”
Leipzig C 1, Schließfach 38, Eliſenſtr. 15
Jede Nummer umfaßt 20 Seiten auf feinem
Illuſtrationsdruckpapier in der Größe dieſes Proſpektes!
Rag
Glas. gepreßt . . . zus.
1 Blumenvase mit
Dekorationsblumen.
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