Einzelnummer 15 Pfennige
A
UuOrKä
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Nummer 50
Sonntag, den 19. Februar 1928. 191. Jahrgang
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Aufruhr, Streit
Kries
Erfüllung der — che
Anzeigen=
de Verpf
Uiräge und Teiſtung von Schadenerſatz. Be
onkurs oder geri
ſeder
ſtiſcher Beitreibung fäl
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
Kädter und Nallonalbank.
Der Reichspräſident beſteht auf der Erledigung des Notprogramms. —
Ver=
ſtändigung der Parteien über die Durchführung des Arbeitsprogramms bis
zum 1. April. — Volksgemeinſchaft von Deutſchnationalen bis zu den
Sozial=
demokraten. — Neuwahlen in der zweiten Maihälfte.
Der Hindenburg=Friede.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Senſation des Samstags iſt, wie wir von Anfang an
vermutet haben, daß der Reichspräſident von Hindenburg ſich
nicht damit abgefunden hat, daß der Reichstag ihm die Fetzen
des Regierungsnotprogramms vor die Füße warf und aus
Un=
fähigkeit oder Selbſtvernichtungstrieb zur Auflöſung drängte,
der Reichspräſident hat vielmehr den Reichstag wiſſen
laſſen, daß er für eine Aaflöſung im Augenblick nicht
zu haben ſei, ſondern auf der Erledigung des Notprogrammes
beſtände. Diesmal iſt die Kundgebung im richtigen Augenblick
gekommen. Sie hat im Handumdrehen eine vollkommene
Um=
kehrung der Lage herbeigeführt. Die Dinge waren ſo weit
ge=
diehen, daß Regierung und Parteien ſich vollkommen
feſtge=
fahren hatten und nur durch dieſen neuen Schritt über den
toten Punkt hinwegkommen konnten. Schon in den
Mitternachts=
ſtunden des Freitag auf Samstag war eigentlich das mühſam
vom Kabinett aufgeſtellte Notprogramm kaputt gegangen,
ein=
mal weil die Wünſche der Regierungsparteien auseinandergingen,
dann aber auch, weil die Oppoſitionsparteien keine Neigung
zeig=
ten, ſich nur als Lückenſtopfer brauchen zu laſſen. Die
Regie=
rungsparteien machten dann den Verſuch, der Oppoſition die
Verantwortung für ein Scheitern zuzuſchieben, indem ſie von
dorther eine einſeitige Feſtlegung verlangten. Das lehnten
So=
zialdemokraten und Demokraten ab, lehnten es mit Recht ab.
Da kam der Brief des Reichspräſidenten, und jetzt entſchloß ſich
der Vizekanzler Hergt, die Hypotheſe einer nicht mehr
beſtehen=
den Koalition fallen zu laſſen und auf der Baſis aller großen
Parteien zu verhandeln. In der Verzweiflung hat man alſo den
Gedanken der Volksgemeinſchaft, wenigſtens für die
nächſte Zeit, durchgeführt und Sozialdemokraten und
Demokraten zu den Führerbeſprechungen hinzugezogen. Dameit
war eine der bedeutendſten Schwierigkeiten überwunden; denn
jetzt zeigten ſich auch die beiden Parteien bereit, ſachlich
mit=
zuarbeiten.
So iſt es denn in wenigen Stunden gelungen, im
weſent=
lichen wenigſtens, das möglich zu machen, was in der Nacht vom
Freitag zum Samstag noch als Unmöglichkeit erſchien. Gerade
unter der Wirkung der Hindenburg=Kundgebung drängten ſich
die Tendenzen, die auf eine ſofortige Auflöſung drängten, nicht
mehr recht hervor. Das Arbeitsprogramm, ſo wie es am
Freitag aufgeſtellt worden war, iſt im weſentlichen
er=
halten geblieben, allerdings mit einigen Aenderungen.
Für die Kleinrentner ſind noch einmal 10 Millionen mehr
zur Verfügung geſtellt, ſo daß nun insgeſamt außer den im
Etat bereits vorgeſehenen 25 Millionen jetzt 50 Millionen
bereitgeſtellt werden. Bei den
Liquidationsgeſchä=
digten ſind weitere Verbeſſerungen eingeführt, von
denen man erwartet, daß daraufhin auch die
Reichsarbeitsgemein=
ſchaft ſich mit dem Geſetz als Schlußgeſetz abfindet. Sie gehen in
der Richtung, daß bei den Kleingeſchädigten die 100
pro=
zentige Abfindun g, die bisher bei 4000 Mark aufhörte,
bis etwa 5000 Mark ausgedehnt werden ſoll, wodurch
weitere 60 000 Geſchädigte voll befriedigt werden.
Außerdem ſoll der Wiederaufbauzuſchlag, der
ur=
ſprünglich auf 2 Prozent feſtgeſetzt war, auf 2½ Prozent
er=
höht werden. Das bedeutet aber erſt eine Etatbelaſtung in
15 Jahren um jährlich 3½ Millionen Mark, während die
Er=
höhung der Grenze für die Kleingeſchädigten eine einmalige
Mehrausgabe von 20 Millionen erforderlich macht, die in
an=
derer Weiſe wieder eingeſpart werden ſollen. Für die
Land=
wirtſchaft iſt es im weſentlichen bei dem urſprünglichen
Pro=
gramm geblieben. Die Regierung wird dazu eine Erklärung
ab=
geben, daß ihr erſtes Ziel die Erhaltung der
Land=
wirtſchaft iſt, und daß ſie darauf auch bei den noch laufenden
Wirtſchaftsverhandlungen mit Polen und der
Tſchechoſlowakei Rückſicht nehmen wird, welche
Ver=
handlungen allerdings durch die Haltung unſerer Kontrahenten
zurzeit auf Monate hinaus ins Stocken geraten ſind. Nur ſoweit
der Abbau des Gefrierfleiſchkontingentes in Fvage
ſteht, machen die Sozialdemokraten noch Einwände. Der
Bei=
trag für die Invalidenrenten iſt in Höhe von 100
Mil=
lionen Mark aufrecht erhalten worden. Er bedeutet für den
ein=
zelnen Rentner eine Erhöhung der Bezüge um monatlich
von 29 Mark auf etwa 32 Mark, bringt alſo eine ſtarke
Annäherung an die reale Friedensrente, die etwa bei 33 Mark
liegen würde. Gegen dieſe 100 Millionen hatte die Deutſche
Volkspartei vom Standpunkt des Etats aus anfangs Bedenken
vorgebracht, hat dieſe aber zurückgeſtellt, als der Finanzminiſter
Dr. Köhler ausdrücklich die Verantwortung für die Bereitſtellung
dieſer Summe ohne neue Steuern übernahm und alle
Parteien ihr Einverſtändnis erklärten.
Wenn auch jetzt noch nicht alle Schwierigkeiten behoben ſind,
ſondern weitere Verhandlungen mit den Sozialdemokraten noch
ausſtehen, darf man doch feſtſtellen, daß auf dieſer Grundlage
zu=
nächſt einmal eine Verſtändigung von den Deutſchnationalen bis
zu den Sozialdemokraten möglich geweſen iſt. Der Reichstag
hat darauf am Samstag abend, was für ihn offenbar im
Augen=
blick das wichtigſte war, ſeine Faſtnachtsferien angetreten
und ſich bis zum 27. Februar vertagt. Bis dahin ſollen die
ent=
ſprechenden Geſetze ausgearbeitet und dann mit einer Erklärung
der Reichsregierung dem Reichstag vorgelegt werden.
Voraus=
ſetzung dafür iſt aber bei der Regierung die reſtloſe Durchführung
aller dieſer Maßnahmen durch Verbindung mit dem Etat, ſo daß
nicht einzelne Roſinen aus dem Kuchen herausgeholt werden.
können. Man glaubt, daß das ganze Programm bis etwa
zum 1. April durchgeführt werden kann. Die Regierung
verlangt aber vom Reichstag, daß er unter allen Umſtänden auch
bereit iſt, noch in die Karwoche hinein zu tagen, ehe er
end=
gültig an die Neuwahlen geht. Die Neuwahlen ſollen, damit
hat ſich ja auch der Reichspräſident einverſtanden erklärt, in
der zweiten Hälfte des Mai ſtattfinden. Bei einem
ordnungsgemäßen Verlauf würde alſo der Reichstag um den
1. April herum aufgelöſt werden. Die Regierung behält ſich aber
vor, falls ſich innerhalb der nächſten vier Wochen zeigen ſollte,
daß die Durchführung des Programms doch nicht möglich iſt,
auch dann den Reichstag aufzulöſen mit Zuſtimmung des
Reichs=
präſidenten und den Parteien die Verantwortung für das
Schei=
tern des Notprogrammes zu überlaſſen. Es ſieht alſo zunächſt
ſo aus, ob durch das neue Eingreifen des Reichspräſidenten die
Kriſe überwunden wäre, fragt ſich allerdings immer noch, ob
nun bei der Durchführung die einzelnen Parteien die
erfonder=
liche Selbſtdiſziplin aufbringen und nicht neue Reibungsflächen
ſchaffen, an denen das ganze Werk zerbricht.
Ein neezer Schritt des Reichspräſidenten.
Berlin, 18, Febyuar.
Das Reichskabinett iſt heute mittag 12 Uhr zu entſcheidenden
Beratungen zuſamengetreten. Um 1 Uhr hielten die
Be=
ratungen noch an. Wie wir erfahren, nahm an den
Kabinetts=
verhandlungen auch Staatsſekretär Meißner teil. In
parlamen=
tariſchen Kreiſen verlautet, daß Staatsfekretär Meißner im
Auf=
trage des Reichspräſidenten dem Reichskabinett bedeutet hat, daß
der Reichspräſident entſcheidenden Wert auf die
parlamentariſche Beratung der in dem
Not=
programm vorgeſehenen Maßnahmen legt, ſo
daß die Neuwahlen dann im Mai ſtattfinden könnten.
Kundgebung der Reichsregierung.
Berlin, 18. Februar.
Die Reichsregierung hat den Parteien für die
Verhandlungen des Reichstages bis zum Ablauf des
Etatsjahres ein Notprogramm vorgelegt. Sie
legt auf keine reſtloſe Durchführung zur Wirkſammachung der
vor=
geſchlagenen Maßnahmen entſcheidendes Gewicht. Sie wird
nach Erledigung des Programms — ſelbſtverſtändlich
auch für den Fall ſeines Scheiterns — die
Auf=
löſung des Reichstages vom Herrn Reichspräſidenten
er=
bitten. Die Regiexung ſwird ihrerſeits alle Vorkehrungen treffen,
um Neuwahlen ſpäteſtens in der zweiten Hälfte
des Mai zu ermößlichen. Sollte wider Erwarten zur
Durch=
führung von Reſtpunkten des Programms der Reichstag über
das Ende des Etatsjahres hinaus beraten müſſen, ſo fordert die
Reichsregierung, daß hieffür im Reichstage die geſchäftsmäßigen
Vorausſetzungen geſchaffen, die Verhandlungen aber ſo geführt
werden, daß der von ihr in Ausſicht genommene ſpäteſte
Wahl=
termin eingehalten werden kanm.
Der Herr Reichspräfödent hat der Reichsregierung
kundgetan, daß er aus vaterländiſchem Intereſſe mit ihr der
reſt=
loſen Durchführung des Notprogramms
aus=
ſchlaggebende Bedeutung beimißt und daß er einen
dem Vorhaben der Reichsregierung entſprechenden
Auflöſungs=
termin in Ausſicht nehmen wird.
Wichtige Beſprechungen bei der kommenden
Völferbundsratstagung.
Paris, 18. Februar.
Le” ſchreibt in ihrer
Die Wochenſchrift „LEurope Nouvells
heutigen Nummer, es beſtätige ſich, daß der Generalſekretär im
Außenminiſterium, Philippe Berthelot, an der Seite Briands an
den Arbeiten und Verhandlungen der nächſten
Völkerbundsrats=
tagung teilnehmen werde. Jedenfalls habe Bria,id ſeinen
haupi=
ſächlichſten Mitarbeiter aufgefordert, ihn Anfat g März nach
Genf zu begleiten. Dieſe Tagung ſei wichtig, und wichtiger
viel=
leicht noch ſeien die Verhandlungen, die mit Dr.
Streſe=
mann über die deutſch=franzöſiſche Pfolitik, mit
Seialoja über die Regelung der
franzöſiſcheitg=
lieniſchen Fragen und mit Sir Auſten
Cehamber=
lain über alle Angelegenheiten, gleichviel”, ob ſie auf
der Tagesordnung ſtehen oder nicht, deren Löfjung ein
vollkommenes Einverſtändnis zwiſchen Paris
und London zur Vorausſetzung hätten, eingeleitet
werden würden.
Die Beratung der Freigabe=Bilt.,
New York, 18. Fel ruar=
In der geſtrigen Senatsſitzung, in der über die Rückgafbe=Bil
beraten wurde, wurde ſchließlich der Beſchluß gefaßt, diee 2e*
batte am Montag fortzuſetzen. Die Redezeit der ein einen
Redner wurde auf fünf Minuten angeſetzt, damit die Abſl. .
mung möglichſt noch am Montag vorgenommen we.rden
kann. Nach Annahme der Vorlage, die vorausſichtlich mit gro ßer
Mehrheit erfolgen dürfte, werden beide Häuſer des Kongraſſes
einen Ausſchuß einſetzen, der ſich auf eine gemeinfame Faſſ9ang
Der Vorlage einigen ſoll.
Die Woche.
„Die neue Regierung der Rechten unter Führung des
Zen=
trums iſt da. Ob wirklich Anlaß zur Befriedigung vorhanden iſt,
ſteht jedoch leider noch keineswegs feſt. Das Charakteriſtiſche der
neuen Reichsregierung iſt, daß Zentrum und Deutſchnationale
die Lage vorerſt völlig zu beherrſchen ſcheinen. Das Bedenkliche
aber iſt, daß einige der neuen Miniſter außerhalb ihrer eigenen
Partei nicht allzu viele Freunde haben.” . . . „Letzten Endes
machen ja doch nicht die Parteien, ſondern die verantwortlichen
Miniſter die Politik — wenigſtens ſollte es ſo ſein —, und wenn
man ſich auf die Perſönlichkeiten hin das neue Kabinett anſieht,
ſo erſcheint ein allzu ſtarker Optimismus leider kaum berechtigt,
auch wenn, rein parlamentariſch geſehen, die feſte Mehrheit, die
hinter der neuen Regierung ſteht, Ausſichten auf eine gewiſſe
Stabilität unſerer politiſchen Führung eröffnen könnte.‟ Es iſt
über ein Jahr her *), daß wir mit dieſen Ausführungen das
neugebildete Reichskabinett begrüßten. Bedauerlich, daß wir
mit unſerer damaligen Skepſis recht behalten haben. Die
ſozial=
demokratifche und ein ſehr weſentlicher Teil der demokratiſchen
Preſſe jubelt. Und daß ſie das tun, beweiſt wieder einmal, daß
engſtirniger Parteigeiſt dort die Feder führt. Die
Oppoſitions=
parteien freuen ſich, daß alsbaldige Neuwahlen ihnen vielleicht
ein Vierteljahr früher als bei normalem Verlauf der Dinge die
Möglichkeit geben, wieder zur Macht zu kommen. Das deutſche
Volk als Ganzes hat ganz gewiß keine Veranlaſſung, derartige
Freude zu teilen, denn letzten Endes iſt ja nicht nur die
Regie=
rungskoalition des letzten Jahres auseinandergefallen, ſondern
das, was wir jetzt miterleben, iſt kaum etwas anderes als der
Zuſammenbruch unſeres ganzen politiſchen Syſtems, eines
Syſtems, das auf ganz andere Verhältniſſe zugeſchnitten iſt, als
wir ſie bei uns haben, und das eine weſentlich andere
Einſtel=
lung unſeres Volkes bedingt, wenn man in Zukunft damit
weiterarbeiten will. Der Sinn des parlamentariſchen Syſtems
liegt darin, daß die Vertreter der Mehrheit des Volkes die
Regierungsgeſchäfte führen, und daß die Taten dieſer
Mehrheits=
regierung der Art ſein müſſen, daß ſich nicht bei der nächſten Wahl
die hinter ihr ſtehende Mehrheit in eine Minderheit verwandelt.
Eine ſiegreiche Oppoſition muß alsbald ſelbſt die Regierung
übernehmen. Die Reichsregierung iſt über das Reichsſchulgeſetz
geſtürzt. Das ſteht doch wohl einwandfrei feſt. Die Deutſche
Volkspartei wollte die Simultanſchule in den Ländern, wo ſie
bereits beſteht und ſich bewährt hat, nicht opfern, und damit
hatte nicht nur das Reichsſchulgeſetz, ſondern die ganze
Regie=
rungskoalition für das Zentrum jegliches Intereſſe verloren.
Die Regierung bricht auseinander, und das Zentrum fordert
möglichſt ſofortige Neuwahlen. Neuwahlen alſo um das Reichs=,
ſchulgeſetz? Das würde im Sinne des parlamentariſchen Syſtems,
das wir haben, liegen. Das deutſche Volk wäre zur
Entſchei=
dung an der Wahlurne aufzurufen über die Geſtaltung des
Reichsſchulgeſetzes, über das ſich der gegenwärtige Reichstag
nicht hat einigen können. Denkt an eine ſolche Kampffront
ernſt=
lich auch nur eine unſerer Parteien? Beabſichtigt etwa das
Zen=
trum, gemeinſam mit der Bayeriſchen Volkspartei und den
Deutſchnationalen den Kampf zu führen für die Deutſche
Kon=
feſſionsſchule? Werden Sozialdemokraten. Demokraten und
Deutſche Volkspartei gemeinſam kämpfen für eine liberale
Aus=
geſtaltung der deutſchen Schule? Wir wiſſen alle, daß man
nir=
gends daran denkt, etwa ſo vorzugehen. Die Parteien haben
ihre „Handlungsfreiheit” wiedergewonnen, und mit mehr oder
weniger antiquierten Parteiprogrammen und einer nicht zu
klei=
nen Doſis Demagogie wird jeder für ſich im kommenden
Wahl=
kampf verſuchen möglichſt viel Mandate zu fiſchen. Dann aber
beginnt jenes Spiel, genannt Regierungsbildung, von neuem,
das wir ſeit nunmehr neun Jahren ja zur Genüge kennen.
Linksregierung, Rechtsregierung, Regierung der Mitte oder auch
Kabinett der Köpfe, ſo lautet das ſattſam bekannte Schema, und
nur einen ruhenden Pol gibt es in der Erſcheinungen Flucht,
und das iſt das Zentrum, das immer dabei iſt! Das aber iſt
vielleicht das Entſcheidende, iſt das, was den deutſchen
Parla=
nentarismus faſt zu einer Perſiflage des parlamentariſchen
Syſtems macht, daß ſo, wie man bei uns die Dinge handhabt,
eine Partei grundſätzlich nicht ausgeſchaltet werden kann,
eine Partei unbedingt für jede Regierungskoalition
notwen=
dig gebraucht und dadurch allmächtig wird. Das iſt unheilvoll
im kleinen wie im großen, muß ſich unheilvoll auswirken, weil
es dem Sinn unſeres politiſchen Syſtems direkt zuwiderläuft.
Die Schuld an dieſer Entwicklung trägt unzweifelhaft die
deutſche Sozialdemokratiſche Partei, deren maßgebende Führer
auch heute noch nicht die Schlacken der Vergangenheit
abzuſtrei=
fen vermochten. Gewiß, auch hier hat ſich manches geändert, iſt
manches beſſer geworden, ſind ſtarke Kräfte am Werk, aus der
Sozialdemokratiſchen Partei eine deutſche Arbeiterpartei zu
machen. Aber gerade im entſcheidenden Moment haben wir
bis=
her noch ſtets das Schauſpiel erlebt, daß die Vertreter neuer
Gedanken an die Wand gedrückt wurden von ödeſtem
Doktrina=
rismus. Schließen denn wirtſchaftliche Gegenſätze gemeinſame
politiſche Arbeit aus? Iſt der Arbeitgeber der „Feind” des
Arbeitnehmers? Auch in einem Augenblick, in dem ſoziale
Kämpfe von gigantiſchem Ausmaß drohen, und vielleicht gerade
in einem ſolchen Augenblick, ſollte man ſich überall einmal dieſe
Frage ernſt und nachdenklich ſtellen. Es gibt nur eine nationale
Wirtſchaft, von der Arbeitgeber und Arbeitnehmer leben. Sie
nach beſten Kräften zu fördern gegenüber der Konkurrenz des
Auslandes iſt das politiſche Ziel, das beiden Teilen unbedingt
gemeinſam ſein muß, das Ziel, die deutſche Wirtſchaft
ertrags=
fähig zu machen und zu erhalten. Dieſes Ziel darf auch dann
nicht aus dem Auge verloren werden, wenn ſoziale Kämpfe um
den Anteil am Ertrage ausgefochten werden. Solche Kämpfe
werden niemals, ebenſowenig wie auch
Meinungsverſchieden=
heiten, auszuſchalten ſein. Unverantwortlich aber wäre der
Ver=
ſuch, die durch derartige ſoziale Kämpfe hervorgerufene Erregung
zur Beeinfluſſung politiſcher Wahlen benutzen zu wollen. Nicht
gut anders aber zu verſtehen iſt das Drängen auf einen möglichſt
frühen Wahltermin, womöglich noch im März oder April. Bis
zur Stunde iſt die Entſcheidung darüber noch nicht gefallen. Man
*) Sonntag, den 30. Januar 1927.
[ ← ][ ][ → ]Sonntag, den 19. Februar 1928
Nummer 50
Seite 2
muß aber doch wohl annehmen, daß ſchließlich keine Partei die
geradezu ungeheuerliche Verantwortung auf ſich nehmen möchte,
den gegenwärtigen Reichstag auseinandergehen zu laſſen, ohne
daß der Reichshaushalt vorher erledigt wäre. Der deutſche
Wähler iſt langmütig und von einer geradezu rührenden
An=
hänglichkeit an „ſeine” Partei. Aber ſelbſt eine Partei wie das
Zentrum würde wohl, ſo feſt ſie auch ſonſt auf ihre
Anhänger=
ſchaft rechnen kann, die Quittung bei der Wahl dafür
bekom=
men, wenn ſie etwa aus Verärgerung über das Scheitern des
Reichsſchulgeſetzes die Staatsnotwendigkeiten ſo gänzlich
außer=
acht laſſen würde.
Während im Reich die bis dahin latente Regierungskriſe
offen ausbrach, wurde die heſſiſche Regierungskriſis durch die
Bildung der Regierung auf der Grundlage der Weimarer
Koali=
tion beendet. Ueber die Entwicklung der Dinge iſt ſchon zur
Genüge geſprochen worden, und ſo erübrigt ſich ein Eingehen
auf die Vorgeſchichte. Die neue heſſiſche Regierung ſtützt ſich auf
die gleichen Parteien wie bisher. Sie verfügt über die gleiche
ſtarke parlamentariſche Mehrheit im Heſſiſchen Landtag. Aber
dieſe äußerliche Mehrheit allein entſcheidet ja nicht. Auch die
bisherige Reichsregierung verfügte über eine ſtarke Mehrheit
im Parlament, was ſie nicht vor dem inneren Zerfall ſchützte.
Es gibt Entwicklungen, die ſich nicht hemmen laſſen, auch nicht
durch Mehrheitsbeſchlüſſe von Parteiinſtanzen.
Reichstagsferien bis zum 22. Februar.
Auflöſung des Reichstags am 3 1. März?
Berlin, 18. Febr. (Eig. Bericht.)
Die für heute nachmittag angeſetzte Sitzung des Reichstages
war nur von kurzer Dauer. Präſident Loebe erklärte nach
Er=
öffmung der Beratung, daß die geſtern in Ausſicht genommene
Möglichkeit, die Tagesordnung zu verändern, nämlich den
Not=
etat auf die Tagesordnung zu ſetzen, nach den bis jetzt ihm
ge=
wordenen Mitteilungen von ſeiten der Regierung, nicht gegeben
ſei. Der Präſident ſchlug darauf vor, den Verſongungshaushalt
zu beraten. Dieſem Vorſchlag des Präſidenten folgte eine
län=
gere Geſchäftsordnungsdebatte, in der von ſozlaldemokratiſcher
Seite der weiteren Etatberatung widerſprochen wurde im
Hin=
blick auf die völlig ungeklärte politiſche Lage. Die
Sozialdemo=
kraten ſchlugen weiterhin vor, die Sitzung auf einige Stunden zu
vertagen, damit inzwiſchen die Verhandlungen zwiſchen der
Re=
gierung und dem Parteien zu Ende geführt werden könnten. Der
Präſident teilte mit, daß in den nächſten Minuten auch der
Ent=
wurf eines Ueberleitungsgeſetzes zum Strafgeſetzbuch verteilt
werden würde, deſſen erſte und zweite Leſung vorgenommen
werden könne. Von ſeiten der Deutſchnationalen wurde der
Vorſchlag der Sozialdemokraten unterſtützt. Schließlich einigte
man ſich darauf, die nächſte Sitzung für 16 Uhr anzuberaumen
und zunächſt den Verſorgungshaushalt und das
Ueberleitungs=
geſetz auf die Tagesordnung zu ſetzen.
Die Samstags=Nachmittagsſitzung des Reichstages wwurde um
18,15 Uhr eröffnet. Der Präſident teilte mit, daß eine Mehrheit
von Parteien ſich auf die geſchäftsmäßige Erledigung der
Arbei=
ten des Reichstages bis zum 31. März geeinigt habe. Ueber die
Einzelheiten des Arbeitsprogramms werde die Regierung in der
nächſten Sitzung des Reichstages genauere Mitteilungen machen.
Der Präſident ſchlug die Vertagung vor und beantragte, die
nächſte Sitzung am Montag, den 27. Februar abzuhalten mit
der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der
Reichs=
regierung.
Abg. Müller=Franken (Soz.) hielt es für notwendig,
baldmöglichſt Klarheit über das Arbeitsprogram zu ſchaffen.
Die ſozialdemokratiſche Fraktion werde zwar dem Etat nicht
zu=
ſtimmen, aber doch der Erledigung keine beſonderen
Schwierig=
keiten bereiten. Sie wünſche ferner die Erledigung des
Liqui=
dationsſchäden=Geſetzes und behalte ſich im übrigen freie Hand
vor, insbeſondere gegenüber dem landwirtſchaftlichen Programm.
Abg. Koch=Weſer (Dem.) erklärte ſich zur Mitarbeit
be=
reit. — Die Kommuniſten forderten eine ſofortige Erklärung der
Reichsregierung. Der Reichstag trat aber dem Vorſchlag des
Präſidenten bei, ſo daß die nächſte Sitzung am 27. Februar
ſtattfindet.
Stokeltreiben in der Heide.
Von Hermann Löns.
(Aus dem Nachlaß zur Verfügung geſtellt von Dr. Wilhelm Deimann.)
So gern ich auch auf die Jagd gehe, beſonders wenn es gegen
Norden geht, in die Heide, — aber dieſes Mal hoffte ich noch
am Abend vorher, daß ein Dienſtmann oder das Stubenmädchen
des Jagdpächters bei mir erſcheinen würde mit der frohen
Bot=
ſchaft: Eine ſchöne Empfehlung vom gnädigen Herrn und er läßt
ſagen, wegen des ſchlechten Wetters wird morgen nicht gejagt.
Wenn es zwei, drei Tage in einem Strich geregnet hat, wenn
es ausſieht, als wollte es morgen wieder regnen, dann iſt ein
Herumſtapfen im aufgeweichten Moor und in klatſchnaſſer Heide
gerade kein Hochgenuß und ſtundenlanges Stehen auf naßkaltem
Boden mit leerem Magen und durchweichter Joppe entſchieden
nicht das höchſte der Gefühle. Wenn ich Ihnen nun mitteile,
daß im vorigen Jahre an dem Tage der abgeſagten Kaiſerjagd
in Springe trotz des furchtbaren Sturmes und Schlappſchnees der
wackere Nimrod, der mich eingeladen hatte, unentwegt zur Jagd
ging, dann werden Sie ſich deuken können, daß meine Hoffnung
eitel war; es kam kein Dienſtmann, es erſchien keine
Stuben=
maid, und ſo packte ich denn alles, was man zur Jagd beſonders
nötig hat, als da ſind Zigarren, Mettwurſt und Kognak,
zu=
ſammen und ging zu Bett, während der Regen höhniſch an den
Fenſtern herumtrommelte.
Es war noch mitten in der Nacht nach Großſtadtbegriffen,
nämlich ½7 Uhr, als ich nach dem Wetter ſah. Trocken und
kühl, ich atmete auf. Da mein freundlicher Jagdgeber nach dem
Sprichworte handelt: „Wer jagt, braucht nicht zu eſſen”, und es
vor Abend höchſtens zehn Minuten Frühſtüdlspauſe gibt, ſo
ver=
proviant” e ich mich innerlich nach Kräften und ſchnürte durch
die däm= aden Straßen dem Bahnhof zu, mit Freuden
feſt=
ſtellend, daß ein leichter Froſt über Nacht geherrſcht hatte und
das Moor wohl etwas gefeſtigt haben würde. Ich war nicht der
einzige, der im Herzen die ſtille Hoffnung gehegt hatte; die Jagd
wieder abgeſagt; als wir im Jägerabteil des Zuges ſaßen und
alles ſich über die goldenen Sonnenſtrahlen freute, die auf den
leicht überfrorenen Tümpeln und Gräben blitzten, da kam einer
*) Mit beſonderer Genehmigung der Löns=Gedächtnis=Stiftung
ent=
nehmen wir den nachſtehenden Beitrag der Monatsſchrift der genannten
Sriftung „Markwart”, Herausgeber Friedr. Caſtelle, Arthur Kutſcher,
Wilhelm Deimann, Eduard Gudenrath. Probenummern der
Zeit=
ſchrift verſendet die Löns=Gedächtnis=Stiftung in Hannover,
Vom Tage.
Der frühere Reichsernährungsminiſter, Reichstagsabgeordneter Fehr,
Mitglied des Bayeriſchen Bauernbundes, hat mit den drei anderen
Ab=
geordneten dieſes Bundes die Fraktionsgemeinſchaft mit der Wirtſchafts= Um dieZuſammenkunſt Streſemann-Titulescu
partei gelöſt, um eine eigene Deutſche Bauernpartei zu begründen.
Der Herr Reichspräſident hat den neuernannten
königlich rumäniſchen außerordentlichen Geſandten und
Be=
vollmächtigten Miniſter, Herrn Nikolaus Petresco=Comnen, zur
Entgegennahme ſeines Beglaubigungsſchreibens empfangen.
Am 15. Februar ſind beim Memeler Hafenbauamt
neuerdings fünf Angeſtellte entlafſen worden, die dort
bis zu 13 Jahren in Dienſten geſtanden ſind. Es handelt ſich bei allen lescu, der noch am Sonntag abreiſen müſſe, eine Zuſammenkunft
dieſen Entlaſſungen um Memelländer.
Geſtern vormittag trafen der König und die Kömigin von
Afghaniſtan mit Gefolge in Bern ein.
Die portugieſiſche Geheimpolizei iſt in Barrereiro am Tejo
einer ausgedehnten Kommuniſtenverſchwörung auf die Spur
gekommen. Zahlreiche Waffen und Flugſchriften wurden beſchlagnahmt
und etwa 20 Perſonen feſtgenommen.
König Georg V. von England wird demnächſt nach
Paris kommen, um den vorjährigen Londoner Beſuch des
Staats=
präſidenten zu erwidern.
Sir Franeis Humphrys, der Geſandte Englands in
Afghaniſtan, weilt zur Zeit in London, um den Beſuch
des Königs von Afghaniſtan vorzubereiten.
Das Südafrikaniſche Parlament hat mit 55 gegen 42
Stimmen den Kommiſſionsentwurf über das Stimmrecht der
Frauen angenommen,
daß das Geſetz ſeiner 3. Leſung
entgegengeht. Das Stimmrecht foll jedoch nur an
Euro=
päerinnen verliehen werden.
Die argentiniſche Regierung hat den Rücktritt
Pueyrredons als Botſchafter in Waſhington und Führer der
Delegation zur panamerikaniſchen Konferenz angenommen.
Die Initiativ=Kommiſſion des Panamerikaniſchen
Kon=
grefſes beſchloß, den 7. Kongreß nach Montevideo
einzuberufen. Ein Zeitpunkt für die Abhaltung des Kongreſſes
iſt noch nicht feſtgeſetzt wopden.
Wie in unterrichteten amerikaniſchen Kreiſen verlautet, haben die
ſich bekämpfenden Erdölkonzerne, die Standard Dil Co.,
und die Rohal Dutch Shell Companies, ein proviſoriſches
Ab=
kommen geſchloſſen, das dem Delkrieg in der
Preis=
geſtaltung ein Ende machen ſoll.
Die Indiſche geſetzgebende Verſammlung nahm
mit 68 gegen 62 Stimmen einen nationaliſtiſchen Antrag
an, demzufolge die engliſche Verfaſſungskommiſſion
zu boykottieven iſt.
Schiedsſpruch im mitteldeutſchen
Metalſ=
arbeiterkonflikt.
Berlin, 18. Februar.
Die Verhandlungen zur Beilegung des mitteldeutſchen
Me=
tallarbeiterkonflikts im Reichsarbeitsminiſterium, die am Freitag
in ſpäter Abendſtunde ergebnislos vertagt wurden, nahmen heute
vormittag 9,30 Uhr wieder ihren Fortgang. Die
Schlichtungs=
kammer unter Vorſitz von Miniſterialrat Dr. Hauſchild ſetzte
ihre Bemühungen fort, die drohende Ausſperrung in ganz
Deutſchland durch einen Schiedsſpruch zu verhindern. Bis
12 Uhr hatten jedoch die Bemühungen des Schlichters, einen
für beide Teile tvagbaren Schiedsſpruch zuſtande zu bringen,
noch kein greifbares Ergebnis gezeitigt. Gegen 13,30 Uhr jedoch
fällte die Schlichtungskammer einen Schiedsſpruch, der vom
Tage der Wiederaufnahme der Arbeit eine Erhöhung von 5 Pfg.
pro Stunde vorſieht, und zwar für alle drei mitteldeutſchen
Tarifgebiete ſoll eine beſondere Regelung wegen der Sicherung
der Leiſtungszulage getrofſen werden. Der Streik bzw. die
Aus=
ſperrung ſoll nicht als Arbeitsunterbrechung angeſehen werden
und außerdem dürfen keine Maßregelungen der am Streik
betei=
ligten Metallarbeiter vorgenommen werden. Zu dieſem
Schieds=
ſpruch, der gegenüber dem am 12. Januar ergangenen Sppich
des Magdeburger Schlichters eine Erhöhung der Löhne um
weitere 2 Pfg. vorſieht, müſſen ſich die Parteien bis Montag,
den 20. Februar, 12 Uhr mittags, erklärt haben.
Die mitteldeutſchen Metallarbeiter haben bereits zum
Mon=
tag vormittag eine weitere Konferenz der Funktionäre auf den
Streik= und Abſperrungsgebieten nach Halle einberufen, um zu
dem Schiedsſpruch Stellung zu nehmen. Auch die mitteldeutſchen
Metallinduſtriellen treten am Montag vormittag zuſammen, um
ihre Erklärung abzugeben. Der Schiedsſpruch kann unter
Um=
ſtänden vom Reichsarbeitsminiſter innerhalb 24 Stunden für
verbindlich erblärt werden.
Der Verband Mitteldeutſcher
Metallin=
duſtrieller hat die in Lohnſtreit in der mitteldeutſchen
Metallinduſtrie für die Tarifgebiete Magdeburg, Halle und
An=
halt heute im Reichsarbeitsminiſterium gefällten
Schieds=
ſprüche abgelehnt.
nach dem andern mit dem Geſtändnis heſtaus, dieſelben Gefühle
gehegt zu haben, zwei geladene Gäſte „waren angeblich wegen
dringender Geſchäfte entblieben. Wir anderen aber waren froh,
daß ein ſo herrlicher, friſcher Jagdtag vor uns lag.
Nach langer Fahrt auf der gemütlichen Bimmelbahn nahmen
auf der Station die beiden Treiber die Hunde an, und ohne
Aufenthalt ging es dem erſten Treiben zu.
Ein ſtrammer Marſch auf gefrorener, unter den
Sonnen=
ſtrahlen auftauender Landſtraße, dann abſeits in den
tiefaus=
gefahrenen Heideweg mit ſeirzen weißen Birken und braunen
Porſtbüſchen; unter den langen Stiefeln knatterte die dünne
Eis=
decke der Wegepfützen, und trotz der ſchweren Kleidung mußte
mancher weite Sprung über breite Lachen gemacht werden. Nun
ging es vom Wege ab in das Moor, durch hohe Porſtbüſche,
blinkend von Waſſerperlen,, über halbgefrorenes Ried, das unter
dicken Sohlen knitterte, über beeiſte Doppheide und nackten
Moorboden, ſchwarz vie Wagenſchmiere, glänzend vom Froſt
und kniſternd und knaſternd unter 16 ſchwer beſtiefelten Füßen.
Ein Spätherbſtmorgen im Hochmoor, nur wenige kennen ſeine
Schönheit, ſeinen Vauber, ſeine träumeriſchen, ſanft abgeſtuften
Farben, ſeine grfoßartige Ruhe, ſeine herbe Melancholie. So
weit du ſiehſt, kein Haus, kein Menſchenwerk, nur die gerade
Linie der Birken am Ende des Blickes, die Landſtraßen deuten
dir an, daß dort die Kultur beginnt, und auf trockeneren, kahlen
Moorbodenſtellgn die halbverwiſchte Fußſpur des Schäfers oder
Torfbauern. Leeichter Reif umſpinnt das Heidekraut, an den
Birkenzweigey blitzen Waſſerperlen, dunkeler Wacholder ſteht
ernſthaft da, ſwie eine Totenwache. Selten ertönt ein Laut: ein
Krähenſchrei, der weiche Lockton des Goldfinken, der den
Buſch=
wald ſucht, das Geſchacker ſtreichender Krammetsvögel. Dort
hinten, zwilſchen den niedrigen Büſchen, tauchen ſchwarze Punkte
auf, die ſichh vorwärts bewegen, bald in ruhigem Schritte, bald
ſpringend, ſechs, acht Menſchen, dazwiſchen unruhige Hunde,
metalliſche: Blitze leuchten von den Gewehrläufen auf: Jäger,
wer ander/s? Bis Pfingſten betritt ſonſt kein Menſch das Moor.
Sie ſprechſen nicht, ſie flüſtern, denn es gilt dem hellhörigen Reh.
Der eine, von ihnen, der kleine mit dem jungen, roſigen Geſicht
zwiſchen) Schneehaar und Silberbart, verteilt die Plätze: „Sie
hier under der großen Fuhre, Sie in der Schluppe zwiſchen den
Weidert am Graben, Sie an den Machandelbuſch, Sie unten in
der Wieſe bei der trockenen Fuhre, und wir beide auf dem
Rück=
wechſeſl!” Einige Minuten ſpäter, und die Jäger ſind
ver=
ſchwuhiden; die große, naſſe, reich mit Buſchwerk beſtandene
Moorſvieſe iſt umſtellt; noch einige Minuten, und ein ſchriller
Streſemann an der Riviera.
EP. Paris, 18. Februar.
Wie der „Temps” aus San Remo meldet, erhielt
Reichsaußen=
miniſter Streſemann, der dort im Automobil eintraf, den
Be=
ſuch einiger deutſcher Perſönlichkeiten, die ihn baten, am Abend an
einem von ihnen gegebenen Feſt teilzunehmen. Streſemann
er=
klärte jedoch, daß er mit dem rumäniſchen Außenminiſter
Titu=
vereinbart habe, und fuhr nach Cap Martin zurück.
Engliſcher Botſchafterwechſel in Paris.
EP. Paris, 18. Februar.
Die franzöſiſche Regierung hat das Agrement für den neuen
engliſchen Botſchafter Sir William Tyrrell erteilt. Tyrrell wird
ſein Amt jedoch erſt nach dem 14. Juli antreten. Die
Nach=
mittagsblätter äußern ihr Bedauern über die Demiſſion Lord
Crewes.
In diplomatiſchen Kreiſen Londons hat die Ernennung Sir
William Tyrrells zum Botſchafter in Paris, die heute amtlich
vom Foreign Office beſtätigt wird, erhebliches Intereſſe
hervor=
gerufen, obwohl ſeine Ernennung in den letzten Tagen ziemlich
icher feſtſtand. Dieſe Wahl bedeutet nicht nur ein Abgehen von
der bisherigen Gepflogenheit, für Paris Botſchafter nicht
römiſch=
katholiſcher Konfeſſion zu wählen, ſondern man erblickt in ihr
auch den Ausdruck des engliſchen Willens, die Locarnopolitik,
mit der Tyrrell als Mitarbeiter Chamberlains verbunden war,
gradlinig fortzuſetzen. Dieſe Auffaſſung wird durch die
Ernen=
nung des bisherigen engliſchen Botſchafters in Berlin, Lindſay,
zum Unterſtaatsſekretär beſtätigt. In zuſtändigen Kreiſen wird
über die Perſon des Nachfolgers auf dem Berliner
Botſchafter=
poſten noch nichts mitgeteilt.
Die franzöſiſch=belgiſchen
Wirtſchafts=
verhandlungen.
EP. Paris, 18. Februar.
Wie die Nachmittagsblätter aus Brüſſel melden, hat der aus
Jaſpar, Hymans, Baels und Heymann beſtehende miniſterielle
Ausſchuß den Führer der in der vergangenen Nacht nach Brüſſel
zurückgekehrten belgiſchen Wirtſchaftskomiſſion, van
Langen=
hove, über die Ergebniſſe der in Paris geführten
Handelsver=
tragsverhandlungen angehört. Daraus ergab ſich, daß nur noch
eine letzte Schwierigkeit zu beſeitigen ſei, die durch die
belgiſchen Forderungen hinſichtlich der
Behand=
lung der Waffen hervorgerufen werde. Die belgiſche
Regierung ſei der Anſicht, daß die franzöſiſchen Zugeſtändniſſe
für dieſe belgiſche Spezialinduſtrie noch nicht genügend ſeien. Da
die Waffeneinfuhr nach Frankreich jedoch in den
Handelsbeziehungen der beiden Länder nicht allzu ſtark ins
Ge=
wicht falle, hoffe man, daß die franzöſiſche Regierung den
belgi=
ſchen Wünſchen endgegenkommen werde, damit das
Handelsgb=
kommen ohne weitere Verzögerung unterzeichnet werden kann.
Der belgiſche Außenminiſter habe bereits dem belgiſchen
Bot=
ſchafter in Paris entſprechende Inſtruktionen übermittelt,
* Mangelhaſter Rekrutenerſatz für die britiſche
Flotte und Lufiſtreitkraft.
(Lundon, 18. Februar.
Eine Aufrage des Parlamentsmitgliedes Lansbury im
Unterhauſe ging dahin, wie viele Freiwillige, die ſich zum Ein=,
tritt in die Marine während der letzten 12 Monate geweldet
hät=
ten, als untaüglich zurückgewieſen worden ſeien. Der
Finanz=
ſekretär der Admiralität, Obeiſtleutnant Headlam, gab faſt
ver=
blüffende Ziffern: Es haben ſich während des Jahres 1927
an=
nähernd 54 000 gemeldet. Davon mußten jedoch wegen
körperlicher Untanglichkeit und unzureichender Schulausbildung
nahezu 48 000 zurückgewieſen werden, ſo daß nur ein
Geringes über ein Zehntel zur Annahme gelangen konnte.
Etwas beſſer ſah es bei dem Erſatz für die Luftſtreitkraft aus,
obſchon bei ihr eine ſchärfere Beurteilung und noch mehr
Zurück=
weiſungsgründe zur Geltung kamen. Zu denſelben gehörten:
ungenügende Referenzen, n angelhaftes Gebiß, Fehler oder
Krankheiten an Ohren, Atmiungsorganen, dem Herzen,
unvoll=
kommene Sehfähigkeit, Mißgeſtaltungen der Füße und beſonders
ſcharfe Bedingungen bezüglich der Schulausbildung. An
Er=
wachſenen wurden von 8356 Freiwilligen 5903 zurückgewieſen
und nur 2453 angenommen. Die verhältnismäßig günſtigſten
Er=
gebniſſe wurden bei noch nicht Erwachſenen feſtgeſtellt, die ſich
zur Aufnahmeprüfung gemeldet hatten. Es nahmen 2171
Kan=
didaten teil, von denen 1475 beſtanden, 253 nach der Prüfung
zurücktraten, nur 192 bei der ärztlichen Unterſuchung
zurückge=
wieſen wurden, und 1030, alſo faſt die Hälfte, das
Zulaſſungs=
zeitgnis erhielten.
Pfiff gibt den Treibern das Zeichen, zu beginnen. Es iſt ſo
ruhig, ſo ſtille. Die Sonne glitzert in Tauſenden von blanken
Tropfen an Halm und Holz, aber ab und zu fällt mit dumpfem
Klopfen ein Tröpflein zu Boden, dann und wann raſchelt der
Wind leiſe in dem harzigen, duftenden Laub der Porſtbüſche,
zwiſchen dem braune Blütenkätzchen ſitzen, glänzend, wie mit
Lack überzogen. Aus den Torfmoospolſtern erheben ſich die
röt=
lichen, trockenen Blumenkronen der Doppheide, auf trockeneren
Stellen, die ſilbernen Blütenreſte der Sandheide, dazwiſchen
leuchtet das zierliche, immergrüne Laub der Krähenbeere ...
Ein Flug Meiſen zieht mit ſchnurrendem Flügelſchlag heran,
eilig, wie flüchtend. Der Lärm des Treibers jagte ſie aus dem
Fuhren=Anflug. Stimmen ertönen im ſtillen Moor, das Ticktack
der dicken Eichheiſter, gegen Stämme und Zweige geſchlagen, das
Kiff Keff der Teckel, das Ruſen der Treiber. Aeſte knacken,
Büſche rauſchen, und dort oben an dem Rande der Moorwieſe
knallt es, einmal, dann nach einigen Minuten noch einmal.
Zwei=
mal apportiert der treue Schweißhund, beide Male etwas
Schnee=
weißes, zwei Krumme, das ganze Ergebnis des erſten Treibens.
Schnell weiter zum zweiten. Einem 80jährigen Tannenbeſtand,
wo ſtets Rehe ſtehen. Auf einem Streifen Sand vor dem Walde
werden mehrere Stücke geſpürt, außerdem Haſe und Fuchs. Der
Jagdgeber ſtellt die Gäſte an und gibt die Folge an; es heißt
hier, gut aufpaſſen, ſonſt kann man nachher ſtundenlang
herum=
leufen, ehe man eine lebende Seele wieder trifft. Eben noch im
naſſen Moor, jetzt an der Liſiere eines Tannenwaldes, wie man
ihn ſonſt nur im Gebirge kennt. Mächtige gerade Stämme, tief
herabhängende dunkelgrüne Aeſte, graue Bartflechten am dürren
Gezweig. Auf dem Boden glänzend grüne Moosteppiche, ſo
weich wie Sammet, rotbraune Nadelſtreu, die die Sohlen poliert,
und in Lichtungen trockene, mannshohe, gelbe Farne, maleriſche,
zerknickt vom Sturme. Leiſe ſummt der Wind in den Tannen,
unaufhörlich ertönt das leiſe, durchdringende Gepiepe der
Holz=
hähnchen, ein Meiſenflug belebt die Stille, der rauhe
Warnungs=
ruf des Holzſchreiers, der vor dem Treiben flüchtet. Langſam
rückt das Treiben näher, klorfend, kläffend, ſchreiend, brechend,
zwei Schüſſe, ſchnell folgend, ganz oben an der Liſiere, dann
wieder Stille, das Treiben geht zurück. Eine halbe Stunde
ver=
geht, dann rückt es wieder nöher. Wie Bildſäulen ſtehen die
Jäger da, das Gewehr ſchußbereit, angeſtrengt mit den Augen
ihr Schußgebiet abſuchend, gedeckt durch dichtes Gebüſch. Auf
einmal ein Ruck in der regungsloſen Figur, dort hinten, zwiſchen
den dicken Stämmen und den gelben Farnen, taucht ein Schatten
auf und ab, gerade dem Jäger entgegen. Nur ruhig Blut, daß
Nummer 30
Seite 3
Pandervelde über Belgiens
Außenpolitik.
Vom Oefenſiv=Bündnis mit Frankreich zum
Locarno=Vertrag. / Widerſprüche zum Locarno=
Weiſt. / Die deutſch=belgiſchen
Wirtſchafts=
beziehungen.
EP. Paris, 18. Februar.
In dem Februarheft der von Henry de Jouvenel heraus=
Degebenen „Revue des Vivants”, die völlig dem „ſtabiliſierten
Welgien” gewidmet iſt, veröffentlicht der ehemalige Außenminiſter
T. Vandervelde einen bemerkenswerten Artikel über die belgiſche
Außenpolitik. Seit 1914 habe es zwei entſcheidende Augenblicke
gegeben, in denen die öffentliche Meinung, ob flämiſch oder wal=
Honiſch, ob bürgerlich oder ſozialiſtiſch, ſich einhellig
zuſammen=
ggefunden habe: Zunächſt bei Kriegsbeginn gegen die Invaſion,
(dann 11 Jahre ſpäter für den Anſchluß an die Locarnopolitik.
IIn beiden Fällen habe Belgien aus der Sorge heraus gehandelt,
ſeine Unabhängigkeit gegen direkte oder indirekte
Beeinträchti=
gung oder Einfluſſe zu verteidigen. Nach dem Weltkriege hätten
ſelbſt diejenigen politiſchen Kreiſe, die die Aufhebung der
Garantie= und Neutralitätsverträge von 1839 forderten, ſich
be=
müht, für die Unabhängigkeit Belgiens andere internationale
Garantien zu ſchaffen, und für Belgien bedeute die
Unterzeich=
nung der Locarnoverträge das glückliche Ende dieſer
Be=
mühungen.
Vandervelde erklärt den Abſchluß des Defenſiv=Bündniſſes
mit Frankreich aus dem Umſtande, daß der engliſch=amerikaniſche
Pakt, der die Sicherheit Frarkreichs und damit Belgiens
garan=
tieren ſollte, von den als Garanten gedachten Mächten nicht
rati=
fiziert worden ſei. Er ſei überzeugt, daß ein reines
Defenſiv=
abkommen, das die Souveränität nicht berühre, den beiden
Par=
teien das Recht laſſe, über den casus foederis zu urteilen und
ihre Verteidigung zu organiſieren, für Belgien eine koſtbare
Sicherheitsgarantie bedeute und dem Geiſt und dem Buchſtaben
nach dem Völkerbundspakt entſpreche. Die zwiſchen den
General=
ſtäben abgeſchloſſenen Uebereinkommen gehörten nicht zu dem
Vertrage ſelbſt und verpflichteten das Parlament nicht, das zum
Beiſpiel vollſtändige Freiheit hinſichtlich der Herabſetzung der
Dienſtzeit habe. Andererſeits iſt ſich der ehemalige Außenminiſter
bewußt, daß ein von Belgien nur mit einem einzigen
Nachbar=
lande abgeſchloſſenes Bündnis notwendigerweiſe als gegen einen
Dritten gerichtet erſcheinen mußte. Von Anfang an hätten
je=
doch die Urheber dieſes Deſer ſivvertrages mit Frankreich daran
gedacht, ihn durch einen ähnlichen Vertrag mit Großbritannien
zu ergänzen. Es ſei auch zu einem Vorentwurf dieſes Vertrages
gekommen; die Zwiſchenfälle auf den Konferenzen von Cannes
hätten jedoch den endgültigen Abſchluß verhindert. Es ſeien
zwei weitere Jahre notwendig geweſen, in deren Verlauf durch
die verhängnisvoll ſterile Ruhrbeſetzung die Gewaltpolitik
end=
gültig zuſammenbrech, damit durch die Annahme des
Dawesplanes und den Beginn einer freundſchaftlichen
Lö=
ſung des Reparationsproblems der Weg für eine neue
Politik frei wurde.
Der am 9. Februar 1925 von der deutſchen Regierung,
Eng=
land, Belgien und Frankreich vorgeſchlagene gegenſeitige
Garan=
tiepakt und Schiedsgerichtsvertrag habe vollſtändig dem
doppel=
ten Ziele der belgiſchen Regierung entſprochen, hinſichtlich ihrer
Sicherheit nicht von der Garantie eines einzigen Nachbarſtaates
abzuhängen und als Erſatz für die Verträge von 1839 ein
inter=
nationales Statut zu finden. Die Frage, ob die Locarno=
Abkom=
men mit dem franzöſiſch=belgiſchen Defenſiv=Bündnis zu
verein=
baren ſeien, beantwortet Vandervelde dahin, daß dem Buchſtaben
nach Locarno dieſes Defenſiv=Bündnis ebenſo beſtehen laſſe, wie
den Verſailler Vertrag. Es ſei aber nicht zu leugnen, daß der
Locarno=Geiſt von dem Geiſte des Verſailler Vertrages und des
franzöſiſch=belgiſchen Defenſiv=Bündniſſes grundverſchieden ſei.
Wenn man den Mut hab=, daraus die endgültigen Konſequenzen
zu ziehen, bedeute dies die allmähliche Beſeitigung all deſſen,
was im gegenwärtigen Erpopa noch vom Kriegszuſtand übrig
geblieben ſei. Er denke zum Beiſpiel an die militäriſchen
Be=
ſetzungen, an die Beſeitigung der Selbſtregierungen in Regionen
wie das Saargebiet, an die Abrüſtungsverpflichtung, die den
eihen aufgezwungen worden ſei, während andere das Wettrüſten
wieder aufnähmen. Allerdings ſei die durchſchnittliche öffentliche
Meinung, vor allem in bürgerlichen Kreiſen, obwohl ſie der
Locarnopolitik günſtig ſei, in Belgien ebenſowenig wie
anders=
wo zu dem Verſtändnis der logiſchen Folgen dieſer Politik
gelangt.
Zum Schluß verwahrt ſich Vandervelde dagegen, daß etwa
die enge Freundſchaft zwiſchen Frankreich und Belgien, das
Bewußtſein ihrer gemeinſamen Intereſſen, die Sprach= und
Kulturgemeinſchaft der Entwicklung des Locarnogeiſtes Einhalt
tun und gute Beziehungen Belgiens zu ſeinem anderen Nach=
Sonntag, den 19. Februar 1928
bar hindern könne. Die belgiſchen Geſchäftsleute könnten nicht
vergeſſen, daß das Rheinland das natürliche Hinterland
Ant=
werpens ſei, daß der belgiſche Handel mit Deutſchland den mit
Frankreich beträchtlich überſteige, und daß daher die Intereſſen
Belgiens zur Wiederherſtellung gleichmäßiger Beziehungen mit
Deutſchland trieben. Ein großer Teil des belgiſchen Bürgertums
ſei alſo für die Rückkehr zu einer nicht aufgezwungenen, ſondern
freiwilligen Neutralität, ein Geiſteszuſtand, der das Frankreich
von Locarno nicht beunruhigen könne.
Schwierige Verhandlungen
mit Eſtland.
TU. Kowno, 18. Februar.
Die deutſch=eſtländiſchen
Wirtſchaftsverhand=
lungen und die damit im Zuſammenhang ſtehende
Entſchädi=
gung der reichsdeutſchen Grundbeſitzer in Eſtland finden in
hie=
ſigen politiſchen Kreiſen lebhafte Beachtung. Die
Haupt=
ſchwierigkeit dieſer Verhandlungen iſt bekanntlich
die Weigerung Eſtlands, den durch die
Agrar=
reform enteigneten reichsdeutſchen
Grund=
beſitzern eine angemeſſene Entſchädigung zu
zahlen. Eſtläidiſche Blätter bringen den bevorſtehenden
Rück=
tritt des deutſchen Geſandten in Reval, Dr. Frank, in
Zuſam=
menhang mit den bei den deutſch=eſtländiſchen Verhandlungen
entſtandenen Schwierigkeiten Es verlautet ferner, daß die durch
den deutſchen Geſandten dieſer Tage dem eſtländiſchen
Außen=
miniſter überreichte Antwort der deutſchen Regierung in Sachen
der Entſchädigung für den entſprechenden reichsdeutſchen
Grund=
beſitz unter anderem eine Liſte der Gutsbeſitzer, die entſchädigt
werden ſollen, unter Hinzufügung ihrer Forderungen enthält
Dieſe Liſte umfaßt jedoch nur einen Teil der Geſchädigten,
wäh=
rend die übrigen leer ausgehen würden. Man erwartet, daß die
eſtländiſche Regierung nunmehr eine Gegenliſte aufſtellen wird,
die zu erkennen gibt, inwieweit Eſtland den deutſchen
Entſchädi=
gungsforderungen entgegenzukommen bereit iſt.
Hierzu muß bemerkt werden, falls dieſe Verlautbarungen
zu=
treffen, man ſich deutſcherſeits bereits zu ganz verſtändlichen
Konzeſſionen herbeigelaſſen hätte. Die Anwendung eines
Liſten=
prinzips, das nur für eine Gruppe der enteigneten deutſchen
Gutsbeſitzer eine Entſchädigung fordert, dürfte in Anbetracht der
Wohlbegründetheit auch der übrigen Anſprüche durchaus
ab=
wegig ſein. Eſtland, deſſen wirtſchaftliche Lage zurzeit äußerſt
unerfreulich iſt, dürfte jedenfalls an dem Abſchluß eines
Wirt=
ſchaftsvertrages weit mehr intereſſiert ſein als der deutſche
Ver=
tragspartner. Es liegen dertſcherſeits jedenfalls keinerlei Gründe
vor, Rechte der deutſchen Staatsangehörigen in Eſtland
freizu=
geben, ſo ſehr man den baldigen Abſchluß eines deutſch=
eſtländi=
ſchen Handelsvertrages im Intereſſe der deutſchen Wirtſchaft
auch begrüßen mag.
General von Morgen *
General der Infanterie a. D. Kurt von Morgen,
ein erfolgreicher Führer aus dem Weltkriege, iſt 70jährig
geſtor=
ben. Er trat 1878 als Leutnant in die Armee, war 1889—91
Führer einer Forſchungsexpedition in Afrika, 1894 Befehlshaber
zur Niederwerfung eines Aufſtandes in Kamerun, wurde 1896
zur Expedition des britiſchen Generals Lord Kitchener nach
Oberägypten entſandt, kam 1897 im griechiſch=türkiſchen Kriege
als deutſcher Militärattaché in das Hauptquartier Edhem
Paſchas, wurde 1898 Flügeladjutant Kaiſer Wilhelms II., zu
Beginn des Weltkrieges Generalleutnant und
Diviſionskomman=
deur und hat 1914—18 das 7., ſodann das 14. Armeekorps geführt.
Deutſch=engliſche
Wirtſchafts=
verſtändigung?
Der neue Siern am konſervativen Himmel
Englands.
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 18. Februar.
Die Rede, welche kürzlich der junge konſervative Abgeordnete
Robert Boothby während der Debatte über die Adreſſe zur
Erwiderung der Thronrede gehalten hat, wird erſt jetzt zu ihrem
vollen Wert nicht mehr nur ion engliſchen Parlament, ſondern vor
allem in den Kreiſen der City und Induſtriewelt eingeſchätzt,
gerade weil der junge Wirtſchaftspolitiker rüchaltlos Schaden
und Hemmungen aufgedeckt hat. Er hat ſich als vielleicht
glän=
zendſter Redner des ganzen jungen Nachwuchſes aller Parteien
gezeigt, der, ſeinen Stoff völlig beherrſchend, nicht mit leeren
Phraſen um den Beifall des Hauſes prunkt, ſondern nur
Tat=
ſachen bringt. Er hat es „im Blut”, wie man zu ſagen pflegt,
denn er iſt der Sohn eines Bankiers, der wegen ſeiner
leben=
digen Anteilnahme an der wirtſchaftlichen Neuentwicklung des
Landes mit Recht ein großes Anſehen genoß. Der junge Mann
iſt aber auch — was ihm an ſich ſchon eine gewiſſe Bedeutung
verleihen würde, ganz abgeſehen von ſeiner perſönlichen
Tüch=
tigkeit — der parlamentariſche Privatſekretär des Herrn
Chur=
chill, auf den dieſer großes Vertrauen ſetzt. Es iſt füglich
anzu=
nehmen, daß er die Gedankengänge ſeiner Rede mit ſeinem Chef
durchgeſprochen hat. Worauf baſieren denn aber ſeine geſamten
kritiſchen Betrachtungen? Auf einer Studienreiſe, die er
wäh=
rend der Parlamentsferien doch ſicher mit Wiſſen, wenn nicht
auf Anregung Churchills unternommen hat. Sie war nicht etwa
zu ſeinem Vergnügen über Paris nach der Mittelmeerküſte
ge=
richtet, ſondern ſie diente wirtſchaftspolitiſchen Studien und
führte ihn ausgerechnet nach Deutſchland, wo er emſig nach
ernſten Unterhaltungen mit Induſtriellen und
Wirtſchaftspoli=
tikern getrachtet hat.
Wenn nun dieſer neue Stern am konſervativen Himmel,
die=
ſer ſeinem Chef naheſtehende Mann, den kennzeichnenden Satz
ausſpricht: „England und Deutſchland könnten auf Grund eines
Abkommens den Weltmarkt außerhalb der Vereinigten Staaten
kontrollieren”, ſo iſt das immerhin für deutſche
wirtſchaftspoli=
tiſche Kreiſe eine recht intereſfante Sache. Und weiter ſagt er:
„Augenblicklich aber arbeitet die Kohleninduſtrie beider Länder
mit Verluſt. Ein wirtſchaftliches Locarno iſt für
Europa notwendiger als alles andere. Wenn wir
es durch den Typ einer Reoyganiſation erreichen können, wie
ſie der Präſident des Handelsamtes gebilligt hat, ſo werden wir
eine Periode des Proſperierens einleiten, wie ſie ohnegleichen
iſt. Deutſchland würde gern bereit ſein, ſich auf ein Abkommen
mit Britannien zur Stabiliſierung der Preiſe zwiſchen beiden
Ländern einzulaſſen. Ich frug die Deutſchen, warum ſie denn
keine Vorſchläge machten. Sie antworteten: „Mit wem ſollen wir
denn verhandeln? Es gibt Tauſende von Kohlengrubenbeſitzern
in Britannien, und die meiſten von ihnen verkehren nicht
mit=
einander.‟ Es gibt nur vier Syndikate in Deutſchland, aber ſie
ſind derart organiſiert, daß ein Einzelner in der Lage iſt,
vor=
zutreten und zu erklären: „Ich ſpreche für die ganze Induſtrie.”
Das iſt die Art von Organiſation, nach der auch wir ſtreben
müſſen. Wir müſſen eine Zentraliſierung der ganzen
Verwal=
tung haben, eine finanzielle Maſchinerie und eine zentraliſierte
Exekutive mit einer Agentur für den Kauf und den Verkauf. Es
iſt nicht eher möglich, ein Abkommen mit Deutſchland zu
ſchlie=
ßen, ſolange dieſes nicht mit einem einzigen Mann verhandeln
kann, der für die ganze oder für einen beträchtlichen Teil der
bri=
tiſchen Induſtrie ſprechen kann. Die Deutſchen ſagen, daß bei
der gegenwärtigen Organiſation der britiſchen Induſtrie ein
Abkommen ganz unmöglich iſt, und daß die einzige Hoffnung in
einer Reorganiſation und Truſtbildung beruht.”
Revirement im auswärtigen Dienſi.
Reichspräſident v. Hindenburg hat den bisherigen
Ge=
ſandten in Brüſſel, Dr. v. Keller, nunmehr zum
Botſchafter in Buenos Aires ernannt, nachdem das
Agrement der argentiniſchen Regierung für den neuen Botſchafter
eingetroffen iſt. Dr. v. Keller iſt ſomit der erſte
deutſche Botſchafter in Südamerika nachdem erſt
vor kurzer Zeit der Reichstag den Botſchafterpoſten in
Argen=
tinien neu geſchaffen hat.
In der Beſetzung der deutſchen diplomatiſchen
Außenver=
tretungen werden weiter folgende Perſonalveränderungen
be=
kannt; Geheimrat v. Baligand wird die Geſandtſchaft
in Portugal übernehmen, während
Miniſterialdirek=
tor Wallroth Geſandter in Norwegen wird. Die
deutſche Geſandtſchaft in Columbien wird mit
dem vortragenden Rat Grafen Podewils
neu=
beſetzt.
das Herz nicht in die Augen tritt und „Bockfieber” nicht am Lauf
rüttelt. Schon ſieht der Jäger ſeinen Lodenhut mit grünem
Tannenbruch geſchmückt, da ruft hinter ihm auf der Heide der
Schäfer ſeinen Hund an, laut kläffend ſpringt dieſer einer eigene
Wege ſuchenden Schnucke nach, der graue Schatten im Walde
macht halt, ſichert und geht in das Treiben zurück. Adjüs, du
grüner Bruch. Wieder geht das Treiben zurück, noch eine
Viertel=
ſtunde, dann wird abgepfiffen. Auf einer trockenen Lichtung
ſammelt ſich die Schar; die Herankommenden ſehen, wie ein
Jäger ein Zweiglein von der Tanne bricht und es dem
Weiß=
bart neben die krummen Federn hinter die Hutkordel ſteckt: ein
guter Sechſerbock färbt mit ſeinem Schweiß das grüne Moos.
Es iſt zwei Uhr. Frühſtück und Mittag in eins, ein wenig
Brot und Wurſt wandert in die hungrigen Magen, dann beginnt
das dritte Treiben. Es iſt ohne Erfolg, die Rehe ſind nicht mehr
darin. Schnell ein viertes. Dasſelbe Ergebnis, nur ein armer
Lampe ſagt der Welt „Lebewohl”. Im fünften Treiben poltert
ein Faſan aus den Büſchen, doch er ſoll leben, bis er für
Nach=
kommenſchaft geſorgt hat. Aber dort liegt noch ein niedriger
Buſch, in dem das Rehzeug gerne ſteht. Mühſam durchkreuzen
die Treiber das Gebüſch, aber ohne Erfolg. Schon wieder
ab=
gepfiffen; da raſchelt es auf der gefrorenen Laubdecke,
mäuschen=
ſtill bleibt der gewitzte Jäger ſtehen, und vorſichtig ſucht Reinecke
ſich aus dem Buſch zu drücken. Noch immer ſteht der Jäger da
wie ein Baum; jetzt iſt der Rotrock in Schußweite, der Kolben
fliegt an die Backe — Reinecke eräugt den Schützen und macht,
die Lage erkennend, ein wütiges Geſicht — er will zurück, zu
ſrät: es knallt, wie hingeſchmettert liegt er da, ein heiſerer Laut
und viele, viele Mordtaten an Rehkitz und Junghaſe, Birkhenne
und Lerche ſind geſühnt. Reinecke wurde beim Veſpern geſtört;
im Holze fanden die Treiber einen friſch geriſſenen Haſen.
Düſtere Wolken ziehen über uns zuſammen. Grauer wird
die Luft, kürzer der Fernblick. Bald rieſelt es auf uns herab,
färbt die grünen Joppen ſchwarz, perlt an den Gewehrläufen
und kältet die Hände. Aber weiter, die Hutkrempen herunter,
den Kragen hoch! In einem Treiben gehen einige Birkhähne
hoch, kommen aber nicht zu Schuß; eine Waldſchnepfe ſteht
un=
verhofft auf und vermag ſich bei der Dämmerung zu ſalvieren
Man kann kaum mehr ſehen: der Abend wickelt Holz und Heide
ein. Da geht es zum Gehöft des einſamen Heidebauern zum
Abendimbiß in ſarmer Stube. Klein iſt die Strecke, aber doch
ſieht man nur vergnügte Augen, und als mit ſchäumendem
Honigbier dem Jagdkönig das Horridoh ausgebracht wird, da
ſtimmen auch die drei, die nicht zu Schuß kamen, freudig mit den
glücklicheren Schützen ein.
*Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Samstag, den 18. Februar.
Der Impreſario von Smhrna.
Luſtſpiel von Carlo Goldoni.
Von Zeit zu Zeit wird Goldonis „Impreſario von
Smyrna” von einer deutſchen Bühne ausgegraben.
Vor ſieben Jahren wurde der „Impreſario” von dem
Mün=
chener Staatstheater zu neuem Leben erweckt und erzielte dank
einer ſehr hübſchen Inſzenierung durch Kurt Stieler zahlreiche
Aufführungen. Darmſtadt brochte eine neue Bearbeitung von
Paul Kornfeld, die von Günter Haenel als Gaſtſpielleiter
inſzeniert wurde.
Der „Impreſario” iſt eines der zahlreichen Luſtſpiele
Gol=
donis, die, mit leichter Hand hingeworfen, der flüchtigen
Unterhaltung eines Abends dienen. Ein Türke kommt nach
Venedig, um eine Operntruppe für Smyrna anzuwerben. Doch
der Streit der Primadonnen und die Launen des Künſtlervolkes
fallen ihm ſo auf die Nerven, daß er vor der Abreiſe der Truppe
die Flucht ergreift. Ein Karnevalſcherz, aufgeführt zu dem
Kar=
neval 1761 in Venedig! Eine leichte dramatiſche Welle, über die
man das Boot eines Theaterabends bei geſchickten Ruderſchlägen
ſchaukeln kann.
Der Erfolg hängt von dem Ruderer, d. h. dem Spielleiter,
ab. Günter Haenel hatte gemeinſam mit Lothar Schenck
von Trapp eine luſtige Dekoration aufgebaut. Man ſah in die
nach dem Zuſchauer offenen Räume eines einfachen und eines
vornehmen Albergo in Venedig; bald wurde in einem Raum,
bald in mehreren gleichzeitig geſpielt. Man konnte an „Robert
und Bertram” man konnte an „Hoppla, wir leben” denken! Es
wurde hierdurch eine für Goldoni paſſende Beweglichkeit des
Spieles erzielt.
Die erſten Aufzüge im Gaſthauſe Beltrames und bei der
Saugerin Tognina blieben allerdings recht wirkungslos. Die
dramatiſche Handlung iſt ſo dünn, daß ſie keine Teilnahme
er=
wickt; bielleicht könnte man ihr durch muſikaliſche Einkleidung
zu ſtärkerer Wirkung verhelfen, wie dies Reinhard und Zoff
bei anderen Luſtſpielen Goldonis in den letzten Jahren getan
haben.
Lebendig geſtaltete ſich die Szene erſt bei der Probe der
Künſtler vor dem Türken. Als Gallinger ſeine Arie
ſchmet=
terte, erzielte er Opern=Senſation mit Beifall auf offener Bühne.
Sehr nett war die Gruppierung der Künſtler bei der nächtlichen
Abreiſe. Am Schluſſe biegt die neue Bearbeitung von der
Faſ=
ſung Goldonis, wie ſie mir in der Ueberſetzung von Telmann
vorliegt, ab und verläuft in dem ſeichten Fluß=Delta „geiſtreicher
Reddensarte”, wie der Daiterich ſagen würde.
Eine amüſante Ausleſe aus der Boheme Venedigs ſtellt
Goldoni zuſammen: an der Spitze Richard Jürgas,
unver=
gleichlich in ſeiner unechten Würde als Nobile, Mäzen,
Theater=
agent! Neben ihm die Sängerinnen Beſſie Hoffart: ſchlank,
halb ſüß und halb grotesk, Käthe Gothe: breit, drollig,
ur=
komiſch mit dem Vogel (im Käfig), Johanna Blum mit
Ber=
liner Spitzigkeit. Dazu die Sänger Hermann Gallinger:
beweglich mit der Schmelz=Imitation des italieniſchen Tenors,
und Paul Maletzki: ein behaglicher Schwerenöter mit dem
auf der Schwankbühne heute unentbehrlichen Dackel. Hugo
Keß=
ler ein Türke von draſtiſcher Komik, Kurt Weſtermann
ein reger Theater=Makler, Weiner Finck amüſant als
Dichter=
komponiſt.
Die Aufführung diente den wichtigen und wertvollen
Wohl=
fahrts=Einrichtungen der Bühnen=Genoſſenſchaft.
Ge=
treu der Ueberlieferung, ſtellten ſich die erſten Kräfte der Oper
und des Schauſpiels, auch ſoweit ſie keine Sprechrollen hatten,
zur Mitwirkung zur Verfügung und erſchienen als Mitglieder
der neuen Smyrna=Truppe mit Blitzlicht=Proben ihrer Kunſt vor
dem Türken. Wie dankbar hätte Smyrna eine ſo erlauchte
Künſt=
lergeſellſchaft bei ſich begrüßt! Mindeſtens ebenſo dankbar, wie
es Darmſtadt geſtern getan hat! Schade nur, daß der Beſuch
der Aufführung, zumal im Hinblick auf ihren edlen Zweck, nicht
Z.
ſtärker war!
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Marta Waldberg, eine geborene Darmſtädterin, die
ihre Studien bei Intendanzrat Hans Baumeiſter machte und
jegenwärtig an den Vereinigten Theatern in Barmen=Elberfeld
tätig iſt, wurde ſoeben für mehiere Jahre an die Städtiſchen
Bühnen in Eſſen verpflichtet.
Seite 4
Sonntag den 19 Februar 1928
Nummer 30
Familiennachrichten
Kätha Anthes
Heinrich Götz
Verlobte
Arheilgen
Darmſiadt
Tannenſtr. 35
Welterſtäuterſtr. 36
L237150
Todes=Anzeige.
Unerwartet raſch verſchied geſtern nachmittag infolge
eines Schlagan alles unſere liebe Mutter,
Schwieger=
mutter, Großmutter und Tante
Frau Eliſe Kemmerzehl Witwe
geb. Roihmel
Nachruf.
Wir erfüllen hiermit die traurige
Pilicht, unſere Mitglieder von dem
Ableben unſeres lieben Kameraden
und langjährigen Mitglieds
Ril
Herrn Dithelm Glaub
Oberpoſiſekretär
n Kenntnis zu ſetzen.
Wir verlieren in dem
Dahin=
geſchiedenen einen guten und
wirk=
lich treuen Kameraden, deſſen
An=
denken wir ſtets in Ehren halten.
Die Beerdigung findet Montag,
den 20. Februar 1928, nachmittags
Uhr, auf dem alten Friedhof an
der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Wir bitten um zahlreiche
Be=
teil gung.
Reichobund d. 8lvildienſtberechtigten
Zweigverein Darmſtadt.
Der Borſtand. 3255
Am Donnerstag abend
ver=
ſtarb mein lieber Mann, unſer
Vater, Großvater und Onkel
Herr
Heinrich Weber
Gardeſergeant f. R.
nach
Veteran von 1870/71
ſchwerer Krankheit im 80. Le=
bensjahre.
In tiefer Trauer:
Frau Dorothea Weber
geb. Meyer.
Darmſtadt, Roßdorf.
(3241
Die Beerdigung findet am
Mon=
tag, den 20. Februar 1928,
nach=
mittags 2 Uhr, vom Portal des
alten Fried ofs aus ſtatt
Allen, die uns beim Tode
unſerer lieben Mutter ihre
Teilnahme ausſprachen,
ſa=
gen herzlichſi Dank
Emilie Jochem
Oberbaurat Reh
und Familie.
4719)
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei
dem Heimgange unſeres geliebten
Vaters ſagen innigſten Dank
Im Namen der Hinterbliebenen
ngg) Fritz Schmitt.
Dankſagung.
Allen, die uns bei dem ſchmerzlichen
Verluſte unſers lieben Bruders, Onkele
und Schwagers
Herrn
Karl Klump
Zeichen wohltuender Teilnahme gaben.
ſagen auf dieſem Wege warmen Dank
Die trauernd Hinterbliebenen
Darmſtadt, Langen, Lorſch. (3286
Dankſagung.
Herzlichen Dank Allen, welche uns
bei dem ſchmerzlichen Verluſt
Teil=
nahme erwieſen haben.
Im Namen
der trauernden Sinterbliebenen:
Heinrich Kraft II.
lgen, den 17. Febr. 1928. (4771
im Alter von 82 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Kemmerzehl und Familie
Marte Kemmerzehl.
Darmſtadt, Ireneſtr. 2, den 18. Februar 1928.
Die Beerdigung findet Montag, den 20. Februar,
nachmittags 3½ Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder=
(330
Ramſtäoterſtraße ſtatt.
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Nummer 50
Sonntag, den 19. Februar 1928
Seite 3
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 19. Februar.
— Ernannt wurden: am 6. Februar der Lehrer Wilh. Deltau
zu Kirch=Brombach (Kreis Erbach) zum Lehrer an der Volksſchule zu
König (Kreis Erbach), am 7. Februar der Lehrer Georg Greim zu
Erzbach (Kreis Erbach) zum Lehrer an der Volksſchule zu Reichelsheim
i. Odw. (Kreis Erbach), am 9. Februar der Lehrer Georg
Schiefer=
ſtein zu Friedberg zum Reallehrer an der Schillerſchule in Friedberg
mit Wirkung vom 1. Februar 1928 ab. — Der Regierungsaſſeſſor Dr.
Wilhelm Boll aus Darmſtadt iſt mit Wirkung vom 1. Februar 1928
ab zum Amtmann bei der Oberrechnungskammer mit der
Amtsbezeich=
nung „Regierungsrat” ernannt worden.
— In den Ruheſtand treten am 1. März: Lehrer Gottfried Wetzel
an der Volksſchule zu Offenbach a. M., Lehrer Georg Blum an der
Velksſchule zu Uffhofen (Kreis Alzeh); in den dauernden Ruheſtand
tritt am gleichen Tage der Lehrer im einſtweiligen Ruheſtand Wilh.
Jung zu Dolgesheim (Kreis Oppenheim).
— Miniſter Henrich Ehrendoktor. Anläßlich der Einweihung
des phyſiologiſchen Inſtituts der Landesuniverſität iſt der in
dieſer Woche in den Ruheſtand getretene bisherige heſſiſche
Finanzminiſter Henrich von der mediziniſchen Fakultät in
Gie=
ßen zum Ehrendoktor ernannt worden.
— Heſſiſches Landestheater. Heute Sonntag findet im Kleinen
Haus die erſte Aufführung von Shaws „Candida” ſtatt. Beginn
der Vorſtellung 19.30 Uhr.
Im Großen Haus wird heute der „Mikado” gegeben. Die
Vor=
ſtellung beginnt um 19 Uhr.
Im Kleinen Haus gaſtiert heute Sonntag ſowie an den beiden
Faſchingstagen weiterhin das Münchener Kaſperltheater
Lieſel Simons; das Programm bringt am Sonntag „Rotkäppchen”, am
Montag „Rumpelſtilzchen”, am Dienstag ,Bruder Luſtig”; dazu an
allen Tagen „Vertauſchte Schachteln‟. Die Vorführungen beginnen
um 16 Uhr.
Am Roſenmontag wird im Großen Haus Künneckes Operette „Der
Vetter aus Dingsda” zum letzten Male geſpielt. Dieſe
Vorſtellung wird zu Einheitspreiſen, außer Miete, gegeben und
be=
ginnt mit Rückſicht auf die Faſtnachtsveranſtaltung um 19 Uhr
pünkt=
lich. Das Werk kann nicht mehr wiederholt werden, da der Vertrag
abgelaufen iſt und das Material an den Verlag zurückgeſandt werden
muß,
Im Kleinen Haus gibt die Heſſiſche Spielgemeinſchaft ihr
Erfolg=
ſtück: „Der Lumbeawend”.
Faſchingsdienstag wird im Großen Haus der „
Vogel=
händler” (Beginn 19 Uhr), im Kleinen Haus der Schwank „Mein
Vetter Eduard” gegeben. Auch dieſe Vorſtellungen finden außer
Miete und zu Einheitspreiſen ſtatt.
Die heute vormittag 11.30 Uhr im Großen Haus ſtattfindende
Wiederholung der Wiener Walzer aus der Vortragsfolge des
erſten Volkskonzerts war bereits 24 Stunden nach der erſten
Bekannt=
machung ausverkauft.
— Die Darmſtädter akademiſche Ortsgruppe des V.D.A.
veranſtal=
tete in einem vollbeſetzten großen Hörſaal der Techniſchen Hochſchule
einen Vortragsabend über „Südtirol”, zu welchem Herr
Oberſtleutnant Léon, der in den Kämpfen in Südtirol an führender
Stelle geſtanden hat, das Referat übernommen hatte. Nach einer
kurzen Begrüßung durch den erſten Vorſitzenden, Herrn ſtud. Barié,
ergriff Herr Oberſtleutnant Léon das Wort zu ſeinen Ausführungen.
In kurzer, klarer und überſichtlicher Form ſchilderte er an Hand einer
Karte die geſchichtliche Entſtehung und den Werdegang des
Deutſch=
tums in Südtirol. Tirol iſt ſeit jeher ein rein deutſches Land; ſeine
Bevölkerung eine kerndeutſche; mit allen erdenklichen Mitteln
ver=
lucht es der Italiener ſchon ſeit Jahrhunderten, es langſam und
ſyſte=
matiſch zu verwelſchen. Aber ohne Erfolg. Andreas Hofer war in den
Freiheitskriegen ihr Führer, iſt es im Geiſte heute noch und wird es
auch bleiben, ſo lange es Tiroler gibt. Im Weltkrieg haben ſie
helden=
mütig ihr Land gegen die Italiener verteidigt, gegen die Italiener,
jenes ehrloſe Volk, das ſein im Dreibundsvertrag gegebenes
Königs=
wort gebrochen hat. Der König Imanuel von Italien verſicherte
ſchriftlich dem Kaiſer Franz Joſef II. von Oeſterreich der unbedingten
Neutralität Italiens. Schon wenige Mongte ſpäter, als an allen
deut=
ſchen Fronten hart gekämpft wurde, und man unbedingt alle Truppen
benötigte, ſtürzte ſich Italien, unbehindert durch ſein gegebenes
Königs=
wort, mit dem Schlagwort sacro egoismo (heiliger Egoismus) in den
Krieg. Mit unzureichenden Kriegsmitteln und einem
Menſchenmate=
rial, das alles andere war denn wehrpflichtig, mit Kindern und Greiſen,
verteidigten die Tiroler Helden unter den erbittertſten Kämpfen und
größten Opfern die Grenze ihrer Heimat und wichen keinen Fußbreit
vor den Italienern zurück, bis zum Waffenſtillſtand, der ihnen ihre
Waffen raubte und die Verteidigung verbot. Zehn Prozent der
männ=
lichen Bevölkerung haben die Tiroler in dieſem harten Ringen
ver=
loren, eine ſchreckenerregende Zahl, wenn man bedenkt, daß die
nächſt=
höchſte Verluſtziffer eines anderen Gebietes nicht ganz die Hälfte
er=
reicht. Unſterblich wird die Ruhmestat der Tiroler in der Geſchichte
weiterleben und ihnen dadurch ſelbſt das ſchönſte und größte Denkmal
ſetzen. Wie ſteht es aber jetzt mit dieſem tapferen Volke, welches einſt
das Symbol der Freiheit war? In Ketten gelegt, geknebelt und
ge=
knechtet liegt es da. Nach dem Zuſammenbruch Deutſchlands, der
Ita=
liener „großem Sieg”, wie ſie es nannten und noch nennen, denn jedes
Jahr wird der Tag, an dem ſie unbehindert in Tirol einrükten, als
ein Nationalfeiertag begangen, überfluteten die Italiener das Land.
Italieniſch will man nun Tirol machen, ein kerndeutſches Volk
ver=
welſchen. Weltempörend iſt der ganze Verſuch, rechtswidrig das ganze
Anſinnen überhaupt. Brutal, grauenhaft, ja menſchenunwürdig ſind
die Methoden, mit welchen dieſe ruchloſen Italiener verſuchen, zu
ihrem Ziele zu gelangen. Die deutſche Sprache iſt den Tirolern
ver=
boten, ſelbſt der Name Tirol iſt verboten. Faſt alle deutſchen Zeitungen
ſind aufgehoben und ihr Erſcheinen unterſagt. Viele deutſche
Denk=
mäler ſind vernichtet oder in der gröbſten Weiſe geſchändet. Ein ganzes
Volk ſoll nun plötzlich ſich der italieniſchen Sprache bedienen, von der
es mit wenigen Ausnahmen ſo wenig verſteht wie ein Haſe vom
Schlittſchuhlaufen. Alle deutſchen Lehrkräfte ſind ihres Amtes
ent=
hoben und durch Italiener erſetzt worden. Hausſuchungen ſind eine
tagtägliche Erſcheinung. Die geringſten Verſtöße geben Anlaß zu
mehr=
wöchigen Gefängnisſtrafen. Einige von Herrn Oberſtleutnant Léon
angeführten Vorfälle der letzten Zeit mögen hierzu den Beweis liefern.
In einem kleinen Dorfe, in dem kein Menſch ein Wort Italieniſch
ver=
ſteht, will ein Feuerwehrhauptmann ſeine Leute zu einer Uebung
zu=
ſammenrufen und bedient ſich dazu eines kleinen Anſchlags in deutſcher
Sprache. Wenige Stunden nach Anbringung dieſes Anſchlags iſt er
für drei Wochen inhaftiert. Ein Bauer heftet, um ſeine abweſende
Familie zu orientieren, an das Scheunentor einen Zettel mit den
Worten „Ich bin auf dem Felde”; drei Wochen Kerker erhielt er wegen
Benutzung der deutſchen Sprache. Selbſt in der Kirche werden
Ver=
haftungen vorgenommen. In 2 Kirchen kam es vor, daß während der
heiligſten Feier der Tiroler, der heiligen Chriſtmette an Weihnachten,
Leute verhaftet wurden wegen deutſchen Betens. Viele andere
ſchreck=
liche Zuſtände und Vorkommniſſe, die Herr Oberſtleutnant Leon noch
vorbrachte und welche die Verhältniſſe noch eindringlichſt vor Augen
führten, können leider infolge Platzmangel nicht mehr angeführt
wer=
den. Zuſammenfaſſend ſei nur geſagt, daß all die grauenhaften
Unter=
drückungen, Knebelungen und Demütigungen, die jene bedauernswerten
deutſchen Brüder in Tirol erleiden müſſen, jedem Menſchlichkeitsgefühl
(unendlichen) Hohn ſprechen. An Hand von vielen ausgezeichneten
Lichtbildern führte Herr Oberſtleutnant Léon den Anweſenden das 6 Uhr abends unter Mitwirkung der Chorſchule abgehalten. Die
herrliche Tirolerland vor Augen mit ſeinen wundervollen Naturſchön= erſte findet Mittwoch, 22. Februar, ſtatt. Der feder
Paſſions=
heiten, mit all den zackigen, ſchroffen Felswänden, in denen damals andacht zugrunde liegende Hauptgedanke wird im
Kirchen=
unter ungeheueren Strapazen und Entbehrungen jene erbittertſten zettel des vorhergehenden Sonntags bekanntgegeben. Die Gemeinde=
Kämpfe geführt wurden. Reicher Beifall lohnte die hervorragenden
Ausführungen des Herrn Oberſtleutnant Léon. Jedem der Anweſen= Feierſtunden herzlich eingeladen.
den dürfte der Abend wohl zu einem Erlebnis geworden ſei;, einem
und Nöte dieſes unterdrückten deutſchen Volkes erinnern wird, und Zeitungskiosk Ernſt=Ludwigsplatz von 11 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm.,
möge, wo auch dieſe traurigen Zuſtände ein Ende nehmen möchten. heute 1—3,50 Mk. Numerierte Plätze von 1,50 Mk. an. (Siehe heutige
Darum mitzuhelfen und mitzuarbeiten wird nun auch weiterhin in Anzeige.)
erſter Linie das höchſte Ziel des V.D.A. ſein, deſſen (edle,
uneigen=
unſerem geliebten deutſchen Vaterlande gilt letzten Endes all unſere immer noch nicht geſetzlich feſtgelegten Volkstrauertages ſoweit als
Arbeit, und ſo wollen wir auch weiterhin darum beſtrebt ſein, alles zu möglich zu fördern, bitten wir hiermit die Bevölkerung von Darmſtadt,
verſuchen, um unſeren deutſchen Brüdern in all den fernen, fremden am Sonntag, den 4. März, jegliche Vergnügungsfeier zu unterlaſſen,
Landen, jenem Vierzigmillionenvolk, als den Trägern deutſcher Kultur aber alle Veranſtaltungen, deren Programme den Ernſt und der Be=
und deutſchen Geiſtes wieder zu ihrer alten Bedeutung, ihrem alten deutung des Volkstrauertages beſonders angepaßt ſind, zahlreich zu
Recht und Anſehen zu verhelfen, um dadurch mitzuwirken, daß unſer beſuchen. Wir weiſen jetzt ſchon darauf hin, daß wir wieder, wie
all=
großes deutſches Vaterland wieder zu ſeinem alten Rufe und ſeiner jährlich am Volkstrauertage, im Kleinen Haus
alten Machtſtellung gelangen möge. Wir wollen hoffen, daß noch viele eine Gedenkfeier für die Gefallenen und im Weltkriege Verſtorbenen
Außenſtehende die Notwendigkeit der Arbeit des V.D.A. einſehen und veranſtalten. Die Gedächtnisrede hält diesmal Herr Oberregierungsrat
zu ihm herbeieilen und ſich der guten Sache zur Verfügung ſtellen.
4Naturwiſſenſchaftlicher Verein zu Darmſiadt.
343. Sitzung am 14. Februar 1928.
Oberbergrat Köbrich ſprach über „Neuzeitliche
Pro=
bleme im heſfiſchen Bergbau”, und zwar beſonders im
Baſalteiſenſteinbergbau des Vogelsbergs. Zwei Gruppen ſolcher
Pro=
bleme wurden behandelt: einmal ſolche, die auf eine möglichſt
voll=
kommene Gewinnung der vorhandenen Bodenſchätze abzielen,
und ſodann ſolche, die ſich an die fortſchreitnede Werterhöhung der
Erzeugniſſe knüpfen. Die Baſalteiſenerze des Vogelsbenges ſind
be=
kanntlich aus und in verwitterten baſaltiſchen Geſteinen entſtanden. Sie
laſſen deshalb nicht ſelten noch die ehemaligen Abſonderungsformen des
Baſaltes erkennen. Im Lichtbild wurde die hovizontalplattige und die
kugelige Abſonderungsform der Baſaltdecken gezeigt und die
entſprechen=
den Strukturen aus Erzvorkommen nachgewieſen. Daneben ſinden ſich
aber auch feingebänderte Wechſel von Erz und Tonſtreifen, die früher
als vererzte Tufflagen, jetzt als rhythmiſche Fällungen gedeutet worden
ſind. Die räumliche Verbreitung der Erzvorkommen zeigt oft eine
ausgeſprochene Längenerſtreckung. Daß es ſich im ganzen genommen
um eine intenſive Zerſetzungserſcheinung an Baſalten handelt, um
Wegführung großer Mengen ihrer Beſtandteile und um die Auflöfung,
Wiederabſcheidung und Konzentration des urſprünglichen Eiſengehalts,
darüber beſteht kein Zweifel. Wohl aber wird gerade jene
Längen=
erſtreckung venſchieden gedeutet, einerſeits als Bindung an ehemalige
Flußbetten mit moovigem oder humoſem Inhalt, andererſeits als
Bin=
dung an die tektoniſch bevorzugten Richtungen junger
Verwerfungs=
oder Zertrümmerungszonen. Iſt die erſtere Anſicht richtig, ſo taucht die
Frage auf, ob nicht vielleicht ſchon einmal vor dem Ausfluß der letzten
Baſaltdecken eine gleiche Verwitterung der früheren Baſalte erfolgt
iſt, ob wir alſo nicht vielleicht auch unter unverſehrten Baſalten
noch=
mals auf Erzzonen hoffen dürfen.
Die Gewinnung und Verarbeitung des Rohmaterials, das als
Ge=
menge von vielleicht 20 Prozent Erz und 80 Prozent tonigen Maſſen
gefördert werden muß, zeigten wiedevum eine Reihe Lichtbilder. Man
ſah den Tagebau, wo eine acht Meter mächtige Erzablagerung
ge=
wonnen wird. Kleinbahnen mit Lokomotivbetrieb bringen das Roherz
zur Wäſche, bei größeren Entfernungen beſorgen dies Luftſeilbahnen.
In der Erzwäſche wird das rohe Gemenge mit großen Waſſermaſſen
in eine ſich langſam drehende Läutertrommel geſpült, dort
er=
weicht es, der Ton fließt als Schlamm mit dem Waſſer ab, die übrig
bleibenden feſten Stücke. Erz, Baſaltbrockn und ungelöſte Tonklumpen
gelangen auf einen langſam drehenden Lefetiſch, an dem das
Un=
brauchbare ausgeleſen wird. Feineres Material wird im pulſierenden
Waſſerſtrom auf ſog. Setzmaſchinen geſäubert. Dieſer
altherge=
brachte Waſchvorgang wurde ſpäter vereinfacht und verbeſſert durch
Einführung der Freygang=Apparate, langer, ſchrägliegender Rohre,
in denen eine Stahlſchnecke ſich dreht und das am unteren Ende
zuge=
führte Roherz dem oben eintretenden Waſſerſtrom entgegenſchraubt. Die
Reibung der Stücke aneinander bewirkt eine beſſere Reinigung und ein
Zerdvücken der Tonklumpen; auch der Waſſewverbrauch iſt erheblich
geringer als in der Läutertrommel. Als neueſte Einrichtung benutzt man
den ſog. Exzeſiorapparat, einen großen eiſernen Trog, in dem das
maſſenhaft eingebrachte Roherz von zahlreichen „Schwertern”
durch=
gerührt wird.
Hierbei erfolgt ein ſehr gründliches Abveiben der einzelnen Knollen
und Stücke an einander. Weſentlich iſt aber außerdem, daß nicht mehr,
wie früher, auf möglichſt reichliche Waſſerverwendung, ſondern auf
möglichſt dicke Schlammtrübe hingearbeitet wird. Dieſe
Schlamm=
trübe hat die Wirkung einer ſpeziſiſch ſchweren Flüſſigkeit, in der die
leichteren Verunreinigungen des Erzes, namentlich auch Sandkörner,
ſich williger abſcheiden. Der ſo erzielte Erfolg in der Verbeſſerung des
Fertigerzes iſt recht erheblich und drückt ſich namentlich auch im Preiſe
aus, ſo daß dieſe neuartige Arbeitsweiſe dem Vogelsberger Bergbau
über manche wirtzſchaftlichen Schwierigkeiten der letzten Jahre
hinweg=
helfel
in kann.
Weitere Ausführungen des Vortragenden galten den Problemen
der Erztrocknung, der Gewinnung des Erzſandes aus den Schlämmen
und der ſchnelleren Niederſchlagung der Schlämme, womit eine
Ver=
ringerung der rieſigen Klärteichflächen und des dadurch bedingten
Geländebedarfs erſtrebt wird.
Landestheaten
Olks -Vorstellungen
zu Einheitspreisen 1.—, 2.—, 3.— bis 4.— Rmk.
etter aus Dingsda
20. Februar
ogelhändler
21. Februar
etter Eduard
21. Februar
(3324)
— Dreifaches Jubiläum! Die Herren Schreinergehilfe Johannes
König, Schreinergehilfe Xaver Baumeiſter, Schreinergehilfe
Wilhelm Müller begehen mit dem heutigen Tage die Feier ihrer
25jährigen Tätigkeit in der altbekannten Schreinerei Georg
Beſt, Bismarckſtraße 21. In guten und ſchlechten Zeiten, über die
Jahre des Krieges hinaus, haben dieſelben in treuer Zuſammenarbeit
mit ihrem Arbeitgeber gewirkt und bis in die heutige Zeit am
Auf=
bau des Geſchäfts tatkräftig geholfen. Die Handwerkskammer
Darm=
ſtadt ehrte die Jubilare durch Ueberreichung von Ehrenurkunden. Die
Firma gab in einer Werkſtattfeier, durch Ueberreichung von
Ehren=
gaben, ihrer Wertſchätzung Ausdruck.
Vom Vorſtand der Allg. Ortskrankenkafſe erhalten wir folgende
Züſchrift: Letzthin wurde die Behauptung aufgeſtellt, Herr Knoblauch
beziehe als 1. Vorſitzender unſerer Kaſſe jährlich 12 000,— RM. Die
Allgemeine Ortskrankenkaſſe iſt eine öffentlich =rechtliche Körperſchaft.
Sie unterſteht der Aufſicht der Verſicherungsbehörden, dem
Verſiche=
rungsamt und dem Oberverſicherungsamt. Letzteres hat nach den
ge=
ſetzlichen Beſtimmungen die vom Ausſchuß der Kaſſe zu beſchließende
Entſchädigung für den Vorſitzenden zu genehmigen. Im vorliegenden
Fall hat das Oberverſicherungsamt Darmſtadt ſeine Genehmigung
er=
teilt, daß dem 1. Vorſitzenden der Allg. Ortskrankenkaſſe Darmſtadt
eine Entſchädigung von 600 Mk. im Jahre ausgezahlt wird. Dieſe
Summe iſt ausgezahlt worden und nicht 12 000 Mark wie behauptet
wurde. Aus den Kaſſen der Eigenbetriebe der Allg. Ortskrankenkaſſe
(Röntgen=Inſtitut und Zahnklinik) erhält der 1. Vorſitzende noch je
300 Mk., alſo zuſammen 600 Mk. im Jahre. Da die wahrheitswidrige
Behauptung geeignet iſt, in den Kreiſen der Mitglieder der Allg.
Ortskrankenkaſſe Beunruhigung hervorzurufen, halten wir uns
ver=
pflichtet, dies der Oeffentlichkeit bekanntzugeben.
* Februarſitzung des Hiſioriſchen Vereins.
Vortrag des Profeſſors Dr. E. E. Becker: „Schenken und
Kirchweihen im Junkerland”.
Das Junkerland iſt das Land der Herren von Riedeſel zu
Eiſenbach. Der Vortragende, der das umfangreiche Riedeſelſche
Archiv geordnet und zurzeit mit der Abfaſſung eines umfaſſenden
Geſchichtswerkes über die R. beſchäftigt iſt (es ſind ſchon zwei Bände
erſchienen), gab aus der Fülle ſeiner Erkenntnis ein kulturgeſchichtlich.
wirtſchaftsgeſchichtlich und volkskundlich wichtiges Bild über obiges
Thema. Er führte etwa folgendes aus:
In der guten alten Zeit war die Metbereitung (das Honfgbier)
und dann das Bierbrauen Sache der Hausfrau und entzog ſich ſo dem
Zugriff des Staates. Inzwiſchen war auch das edlere Getränk, der
Wein, durch die Römer und die Bedürfniſſe der Kirche in Deutſchland
weit verbreitet. In Gegenden, in denen heute kein Menſch mehr an di=
Möglichkeit des Weinbaues denkt, wurde damals die Rebe angebaut,
ſelbſt im Vogelsberg. Sehr bald nahm ſich auch die Obrigkeit des
Aus=
ſchanks an, einmal zum Schutze des Trinkers gegen ſchlechten und zu
teuren Wein, dann aber wollte ſie auch Nutzen daraus ziehen. Der
Bann, die Beſchränkung des freien Verkehrs, iſt eine der bezeichnendſten
Formen des mittelalterlichen Wirtſchaftslebens. Der Mühlbann ſchrieb
genau vor, wo die Bauern ihre Frucht mahlen laſſen durften. Ebenſo
war es bei der Wolle, mit den Häuten u. a. Das Junkerland, das
nord=
öſtliche Oberheſſen, ſtand rechtlich im Anfang des Mittelalters ganz
unter dem fuldiſchen Krummſtab. Aber in den Zeiten, von denen die
Urkunden von dem Schenkenweſen erzählen, war es dieſem faſt ganz
ent=
glitten. Die Riedeſel waven die Rechtsnachfolger der 1428
ausgeſtor=
benen Herren von Eiſenbach, hatten die Gerichte Freienſteinau
und Moosgrund als pfälziſches, die Gerichte Stockhauſen und
Altenſchlirf als fuldiſches, die Zent um Lauterbach ald
ziegenhahniſches, die Stadt Lauterbach war Pfandſchaft von Heſſen
und Mainz u. g. m. In jedem Gerichtsbezirk war nun das
Schenk=
weſen anders geregelt. Das Weistum von Freienſteinau von 1434
iſt ganz frei (daher auch der Name), da konnte jeder, der vier Wochen da
gewohnt, gegen eine Abgabe von 1 Limas Hafer und 1 Pfennig, „der
mag, ſchenken”. Aehnlich Salzſchlirf 1506; hier iſt auch ſchon ein
Preis feſtgeſetzt: 6 Pfg. die Stelz. An andern Orten wurden die
Schen=
ken von den Herren vergeben. Merkwürdig war das Recht des
Bann=
weins für die Herren, eine beſtimmte Menge Wein in den Bezirk zu
legen, den die Bewohner trinken mußten. Das Recht des Bannweines
ſcheint ſich allmählich in das Recht der Bannſchenken verwandelt zu
haben, in denen die Herrſchaft das Recht der Wein= und dann der
Bier=
vorlage in Anſpruch nahm. Ueber das Recht, Schenken zu errichten,
wurden mancherlei Rechtsſtreitigkeiten ausgefochten. Die Herren von
Riedeſel hatten in der Vorſtadt von Lauterbach, Wörth, eine Schenke,
den „Güldenen Eſel” aufgetan, die den Lauterbachern großen Abtrag
tat. Der „Goldene Eſel” aber beſtand bis ins 19. Jahrhundert.
Merk=
würdige Verhältniſſe lagen auch bei der Schenke zu Stockhauſen
vor. An jedem Aſchermittwoch wurde den Bürgern eine Ohm Wein
und für 80 Groſchen Weck bis 1782 von den Riedeſel geſpendet. Ganz
bedeutend war der Umſatz, ſo hier im Jahre 1580 17 Fuder Wein, in
Eiſenbach 1582 19 Ohm oder auf den Tag über 60 Liter. Die Schenken
waren nun inſofern gebannt, als die ſogenannten Ehrenzechen, wie
Hochzeiten, Gutsverkäufe u. a., in herrſchaftlichen Schenken abgehalten
werden mußten. Nach dem Dreißigjährigen Kriege gewann das Bier
die Oberhand, im 18. Jahrhundert kam noch Branntwein und „Coffe”
Die Wirte ſind jetzt nicht mehr die Herren ſelbſt, ſondern Pächter. Sehr
anziehend waren auch die Ausführungen über die Kirchveihen, doch
kann hier nicht näher darauf eingegangen werden. Zur Abrechnung mit
dem Wirt, der Wein wurde gemeinſam bezahlt, bediente man ſich eines
Kerbholzes”). Im Laufe der Zeit artete dieſes gemeinſame Zechen
immer mehr aus. Ein Schwindler, der frühere fuldiſche Leutnant
Hoh=
mann oder Hofmann, betrog die Leute des Gerichts
Freien=
ſteinau mit einer Urkunde, laut deren bei den Ehrenzechen jeder
Recht haben ſollte, zu beſtimmen, wieviel er dabei verzehren wolle. Di
Sache kam vor Gericht und es wurde eine gründliche Unterſuchung der
Mißſtände vorgenommen. Das Ergebnis war, daß das Kerbholz
von
zwei älteren Männern überwacht werden ſollte, ein Zwang zur
Ab=
haltung einer Nachkirchweihe wurde abgelehnt. Für die
anderen
Ehren=
zechen wurde beſtimmt, daß die herkömmlichen Sätze eingehalten werden
mußten, daß aber den Teilnehmern freiſtehen ſollte, wieviel ſie trinken
wollten. Einige Jahre ſpäter, bei der Klage eines Wirtes von
Eiſen=
bach, wurde entſchieden, daß niemand zu ſolchen Zechen angehalten
werden ſollte. Wer aber freiwillig eine ſolche Ehrengabe halten wolle,
ſei an die einſchlägige Bannſchenke gebannt. Als die Hoheitsrechte 1806
an Heſſen übergegangen waren, wurden 1809 auch dieſe Zwangszechelt
(bei Gutsverkäufen) aufgehoben. Nur ein Reſt beſtand noch, daß im
riedeſelſchen Gebiet die Schenken ihr Bier aus den herrſchaftlichen
auereien beziehen mußten, die 1842 zu einer einzigen in
Lauter=
bach vereinigt wurden. Auch dieſes Vorrecht fiel im Jahre 1848.
3
reffliche Vortrag enthielt eine Fülle anziehendſter und dennoch
kurzw
ſter Einzelheiten. Der Vortragende erntete dafür von den
geſpannt lauſchenden, zahlreichen Zuhörern reichen Beifall. Der
Vor=
ſitzende dankte ihm für den hohen Genuß verbindlichſt im Namen des
Vereins.
K. Noack.
*) Der Vortragende zeigte ein ſolches vor Es war früher ganz
allgemein bei Abrechnungen im Gebrauch. Daher die Redensarten.
Der unterzeichnete Berichter hat ſchon ſeit Jahren nach einem Kerbholz
wälder
Heimat=
im Odenwald gefahndet, aber auch nicht in einem Oc
muſeum ein ſolches finden können. Wenn jemand ein ſolches
nach=
weiſen könnte, ware er ſehr dankbar.
— Stabtkapelle. Die von der Stadtgemeinde veranſtalteten
Paſ=
ſionsandachten werden in der Stadtkapelle Mittwochs um
glieder werden zu dieſen ſchlichten, in der Mitte der Woche liegenden
— Orpheum: Feſtvorſtellung. Der Kartenverkauf für die heutige
traurigen Erlebnis allerdings, das ihn jedoch dauernd an die Qualen / Sonntags=Feſtvorſtellung findet ſtatt: Verkehrsbureau von 9—12 Uhr,
aller Wunſch wird es ſein, daß die Zeit nicht mehr allzu fern ſein ferner Kaſſe Orpheum ab 3 Uhr ununterbrochen. Preiſe der Plätze
Die Ortsgruppe Darmſtadt des Volksbundes „Deutſche
Kriegs=
nützige) Arbeit unbedingt als ſegensreich anerkannt werden muß. Nur gräberfürſorge” ſchreibt uns: Um die würdige Durchführung des leider
des Heſſ. Landestheaters
Dr. Meller, Darmſtadt.
Wahlen zur Kammer der Studentenſchaft an der Techniſchen
Hochſchule Darmſtadt. Am 9. Februar 1928 fanden die Wahlen zur
ſtudentiſchen Kammer an der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt ſtatt.
Wahlberechtigt waren 2.
52 Studierende und Hörer (1927: 2328). Die
Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 1625, davon waren ungültig 6;
die Wahlbeteiligung betrug demnach 72,16 Prozent. Auf die einzelnen
Liſten verteilen ſich die Stimmen und Sitze folgendermaßen (
einge=
klammerte Zahlen beziehen ſich auf das Jahr 1927): 1. Deutſche
Ar=
beitsgemeinſchaft 1016 (1036) Stimmen, 26 (27) Sitze. 2. Deutſche
Frei=
ſtudenten 347 (359) Stimmen, 9 (9) Sitze, 3. Völkiſche Studenten
128 (0) Stimmen, 3 (0) Sitze. 4. Freie deutſche Hochſchulgruppe 75 (120)
Stimmen, 1 (3) Sitze. 5. Mainzer Studierende 49 „(0) Stimmen,
1 (0) Sitz.
— Uebertritt in die höheren Knabenſchulen. Elternabende.
Das Ludwig=Georgs=Gymnaſium, das
Realgymna=
ſium und die Liebigs=Oberrealſchule — die beiden
letzt=
genannten Anſtalten ebenfalls mit Reformrealgymnaſium —
veranſtal=
ten in der nächſten Zeit für alle Eltern, die ihre Söhne nach drei
oder vier Grundſchuljahren, aus einer öffentlichen Schule
oder aus einer Privatſchule in eine höhere Knabenſchule Darmſtadts
übertreten laſſen wollen, Elternabende zur Beſprechung aller in
Betracht kommenden Fragen. Näheres über den Zeitpunkt iſt aus dem
Anzeigenteil der heutigen Nummer zu erſehen. — In das
Reform=
reakgymnaſium beim alten Realgymnaſium können
Schüler aus ganz Darmſtadt und allen umliegenden Orten
aufgenom=
men werden. Für die Liebigs=Oberrealſchule kommen die
in der Rhein=, Alexander= und Dieburger Straße, ſowie nördlich davon
wohnenden, ferner die von auswärts auf dem Hauptbahnhof
eintreffen=
den und die von Arheilgen, Eberſtadt oder Griesheim mit der
elektri=
ſchen Bahn kommenden Schüler in Betracht; alle anderen für die
Lud=
wigs=Oberrealſchule. — Diejenigen Schüler, die ein
Reform=
realgymnaſium beſuchen wollen, können ſpäter im Realgymnaſium oder
unter Beachtung der oben angegebenen Grenzen — in einer der
Oberrealſchulen angemeldet werden. — Ueber den Zeitpunkt der
An=
meldung für alle Schulen — vorausſichtlich am 1. und 2. März —
er=
geht in den Tageszeitungen noch nähere Bekanntmachung. (Vgl. auch
heutige Anzeige.)
— Turngemeinde Darmſtadt 1846. „Mir lache aach ohne
Geld”. Wir machen nochmals auf den heute abend 8,11 Uhr
ſtatt=
findenden Bunten Abend aufmerkſam, der unſere Mitglieder und
Gäſte bei Geſang und Tanz noch ein paar frohe Stunden verleben
läßt. Karten ab 700 Uhr an der Abendkaſſe.
— Deklamatorium: „Stern, auf den ich ſchaue‟ Ein
Lebensbild, das erſchütternd die Gefahren der Großſtadt zeichnet, wird
heute abend 8.15 Uhr im großen Saal der Stadtmiſſioi, Mühlſtraße 24,
bei freiem Eintritt vorgetragen. Eltern, Söhne und Töchter ſollten
dieſe Gelegenheit nicht verſäumen. Kinder haben keinen Zutritt.
GMt. 6
Sonntag, den 19. Februar 1928
Nummer 30
Die ſchwingende Straße.
* Von den Häuſern der Großſtädte fallen ohne erſichtlichen
Grund Balkone herab. Häuſer, deren Alter ſolche
Nowwendig=
keiten noch nicht rechtfertigen dürfte, müſſen abgeſtützt werden.
In den Erkern der Straßenfronten knacken plötzlich
Spiegelglas=
ſcheiben emtzwei. Gasausſtrömungen kommen vor, für die man
keine Erklärung hat. An der unzuverläſſigen Verlegung der
Gas=
rohe kann es nicht liegen; ſie ſind von zuverläſſigen Händen in
bewährter Weiſe verlegt, verſtrickt und vergoſſen worden. Und
doch kommem Undichtigkeiten vor. Auch an der mangelhaften
Vevankerung der Balkone kann es nicht liegen, daß ſie zu wackeln
anfangen und abſtürzen. Und es ſind nicht immer gerade ſchlecht
gebaute Häuſer, die auf einmal abgeſtützt werden müſſen. Und
doch!
Das alles gibt zu Ueberlegungen Anlaß, denen man heute
nicht mehr aus dem Wege gehen kann und darf. Da fährt eben
wieder ein ſchweres Laſtauto mit einer Geſchwindigkeit
von mehr denn 40 Km.=St. vorüber. Das Haus wankt und ſtöhnt;
ich fühle mich angenehm in meinem Schreibſtuhl geſchaukelt: Die
ſchwingende Straße! Ob die Tatſache, daß wir heute in
den Großſtädten mit ſchwingenden Straßen rechnen müſſen, ſchon
in jeder Hinſicht genügend gewürdigt wird? Ich glaube kaum.
Jedenfalls eröffnet die Betrachvng der ſchwingenden Straße
ſehr weirgehende Ausblicke. In erſter Linie in bezug auf die
Häuſer. Denn, wenn die Häuſer umter dem Einfluß dieſer
ge=
waltigen Erſchütterungen gezwungen werden, andauernd in
die=
ſer Weiſe zu arbeiten, dann werden ſie es wohl nicht mehr ſo
lange tun als früher. Man wird mit einer Verkürzung der
Le=
bensdauer der Häuſer in von Laſtwagen ſtark befahrenen
Stra=
ßen zu rechnen haben. Und die Finanzverwaltung wird es ſich
gefallen laſſen müſſen, daß man für ſolchen zermürbenden
Ein=
flüſſen ausgeſetzte Bauwerke größere Abſchreibungsgnoten ein=
ſtellt. Vielleicht wird man auch dazu komen, in ſolchen
erdbeben=
artigen Erſchütterungen ausgeſetzten Gegenden die Balkone
zu=
verläſſiger zu verankern als bisher. Man wird vielleicht auch
die Fenſterrahmen ändern mſſen, um das Knallen der
Spiegel=
glasſcheiben zu verhindern. Schließlich wird wan im Intereſſe
der Betriebsſicherheit womöglich zu einer anderen Art der
Ver=
legung der Gasrohre übergehen müſſen — ähnlich wie
auf Brücken —, um ſich gegen unerwünſchte Ausſtrömungen und
deren bekannte, bedenkliche Folgen zu ſichern.
Das ſind aber alles Maßnahmen, an deren Ergreifung man
vielleicht ſpäter einmal denken wird. Fürs erſte kann man ſie
nicht im Handumdrehen durchführen, zuwal wan ja auch damit
zu rechnen hat, daß ſie ſehr boſtſpielig ſein werden. Man kann
z. B. jetzt nicht ſo ohne weiteres die Gasrohre in den Straßen
der Großſtädte auswechſeln, weil es den Straßen nun auf
ein=
mal einfällt, in unangenehmer und gefährlicher Weiſe zu
ſchwingen.
Die nächſte und dringendſte Maßnahme, die angeſichts dieſer
Erfahrungen ergriffen werden muß, wird wohl die ſein, daß man
denen, die die Straßen in ſolchem Maße zum Schwingen bringen,
dies verbieten muß. Das heißt mit anderen Worten, daß
man endlich einmal vorſchreiben muß, daß ſchwere
Laſt=
wagen in den Städten nur auf Luftreifen und
nur mit mäßigen Geſchwindigkeiten verkehren
dürfen. Das braucht nun nicht gerade zu einer
verkehrsfeind=
lichen Maßnahme auszuarten. Aber die bisherigen
Beobachtun=
gen ergeben im Intereſſe der öffentlichen Sicherheit die
Notwen=
digkeit, alsbald, für eine möglichſte Abdämpfung dieſer kleinen
Erdbeben, die doch recht bedenkliche Folgen haben können, mit
allen Mitteln Sorge zu tragen.
A. v. L.
— In der Sektion Starkenburg des D. u. De. Alpenvereins hielt
Herr Staatsanwaltſchaftsrat Dr. Albrecht aus Frankfurt a. M.,
Mitglied der dortigen Alpenvereinsſektion, einen Vortrag über: „
Ab=
ſeits der Heerſtraße in den Oetztaler Alpen”. Eine ſtattliche
Zuhörer=
ſchar füllte den geräumigen Hörſaal 326 der Techniſchen Hochſchule und
lauſchte andächtig den 1½ ſtündigen Ausführungen. Nach einleitenden
Worten führte der Redner die Anweſenden von Landeck Inn aufwärts
über Prutz durch das Kaunſer Tal, Feuchten zum Gepatſchhaus der
A.=V.=Sektion Frankfurt a. M., am über 8 Km. langen Gepatſchferner
Nach einem Beſuch des Ochſenkopfes geht die Wanderung in
beſchwer=
lichem Anſtieg durch das Riffeltal über den Riffelferner zum
Glocken=
turm und im Abſtieg auf erſtbegangenen Wegen über die Habichtſcharte,
Habicht durchs Krumgampental zurück zum Gepatſchhaus. Weiter
ſchil=
dert der Redner von da die Beſteigung des Arzkarkopfes und der
Weiß=
kugel, des zweithöchſten Berges der Oetztaler Alpen, deſſen Gipfel über
den Gepatſchferner, Verhagtwand, Weißkugeljoch und weiter über den
Firn= und Felsgrat in ſchwieriger Kletterei erklommen wird. Im
Ab=
ſtieg über den Nordgrat wird das Brandenburgerhaus erreicht. Führten
dieſe Touren vorwiegend in teilweiſe ſchwierigſter Kletterarbeit über
brüchige Felſen und wildzerriſſene Grate, ſo zeigten die beiden nächſten
Wanderungen die Erhabenheit der Eiswelt der Gletſcher und Firnen.
Nach der Beſteigung der Hintereisſpitzen führte die Wanderung vom
Gepatſchhaus über die Oelgrubenſpitze, Sexergertenferner zum
Taſchach=
haus und auf neuem Anſtieg über Taſchachferner, Taſchachwand,
Mittel=
karioch zum Süd= und über eine ſchmale Firnſcheibe zum Nordgipfel der
Wildſpitze, des höchſten Berges der Oetztaler Alpen. Von hier wird
über den ſogen. Rimmlſteig, der erſt wenig begangen, das Gepatſchhaus
wieder erreicht. Eine ſtattliche Anzahl vorzüglicher Lichtbilder, nur
eigener Aufnahmen, zeigte den Zuhörern dieſes abſeits der großen
Heerſtraße in erhabener Einſamkeit liegende ſchönſte und wildeſte
Ge=
biet der Oſtalpen, in dem der Vortragende ſeine Bergfahrten führerlos
mit ſeiner Frau und z. T. mit Sektionsfreunden durchführte. Reicher
Beifall, lohnte den Redner für ſeine formvollendeten, von tiefer
Be=
geiſterung für die hehre Alpenwelt durchwehten Ausführungen. Der
zweite Vorſitzende der Sektion Starkenburg, Herr O. Titze, der die
Verſammlung im Namen des verhinderten 1. Vorſitzenden,
Miniſterial=
rat Guntrum zu Beginn begrüßte, dankte dem Redner mit herzlichen
Worten für ſeine prächtigen Schilderungen.
— Jugendvortrag. Am bommenden Dienstag, abends 8½ Uhr,
ſpricht Generalſekretär Willy Müller aus Herrnhut i. S. in der Aula
des hieſigen Gymnaſiums, Karlſtraße, über ſeine letzte Studienreiſe nach
Südamerika unter dem Thema: „Die deutſche Jungmännerwelt in
Süd=
amerika‟. Die Angehörigen der Darmſtädter evang. Jugendbünde ſind
dazu beſonders eingeladen. Im übrigen ſteht jedermann der Zutritt frei.
Wegen Vornahme von Kanalarbeiten wird der Lichtwieſenweg
zlviſchen Nieder=Ramſtädter Straße und dem Licht= und Luftbad vom
20. Februar 1928 ab bis auf weiteres fir den Auto=, Fuhrwerks= und
Radfahrverkehr geſperrt.
St
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F B
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Orlginal-Packung " Boyer"
mit der violetten Banderole
In allen Apotheken erhältlich
TV. 1351
Kunſtnotizen.
Ueber Werte, Känffler oder künſtleriſche Veranſialtungen, deren im Nachſiehenden Zrwähnung
geſchleht, behält ſich die Redaltien ihr Ürteil vei
— Palaſt=Lichtſpiele: „Quo vadis”. Neros Geſtalt
beherrſcht das Werk, ſchon weil Jannings ihn geſtaltet. Wundervoll.
Fannings feſſelt durch ſein außerordentgliches Können. Glänzend die
Maſſenſzenen. Ein Anblick, ſo ſtark und überwältigend, daß man aufs
tiefſte ergriffen wird, daß man alle Gegenwart vergißt. Selten ſah
man einen ſolchen Schwarm ſchöner Weiber, ſelten eine Volksſzene mit
wahrhaftig Hunderttauſenden wie bei dem Brand von Rom. Jannings
ein unvergeßlicher Nero. Das Publikum atemlos. Die Regie ſteigert
ſich und wächſt im Brande von Rom zu einer machtvollen Orgie der
Vernichtung. Hier reißt Jacobys Temperament mit. Der Erfolg war
groß.
Großfeuer in Nieder=Modau.
Am Samstag abend gegen acht Uhr entſtand in Nieder=
Modau im Gehöft des Landwirts Berthalot Großfeuer, dem
zwei große Scheunen zum Opfer fielen. Die angrenzenden
Wohn=
gebäude konnten gerettet werden, ebenſo das Vieh. Gegen
½9 Uhr wurde die Darmſtädter Berufswehr zur Hilfe gerufen,
derem datkräftigen Eingreifen es gelang, das Feuer auf ſeinen
Herd zu beſchränken und die angrenzenden Gehöfte zu vetten. Mit
Hilfe der Darmſtädter Motorpumpe konnte das Waſſer aus der
Modau entnommen werden. Außer der Darmſtädter
Berufs=
wehr beteiligten ſich auch die alarmierten Feuerwehren von
Nieder=Modau und Ober=Ramſtadt wacker an der Löſchung des
Brandes. Leider verunglückte der Beſitzer der abgebrannten
Scheunen ſchwer, der ſich beim Retten ſeines Viehes ein
Bein brach.
Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Als Nachklang zu dem feinſinnigen Vortrag von Herrn Profeſſor
Bader hatte ſich die Alt=Darmſtadt=Gemeinde in großer Zahl zu einem
„Heimatabend”, der unſeren Heimatdichtern galt, zuſammengefunden.
Zur Einleitung gab der Vorſitzende, Herr Philipp Weber, einen
Ueber=
blick über ſolche, die von älteren Schriftſtellern in Beziehung zu Heſſen
ſtanden, wie z. B. der Humaniſt Erasmus Albertus, der Satiriker
J. B. Schuppius, der Eſſaiſt Helfrich Peter Sturz, der Satiriker
Ch. Lichtenberg, der Dramatiker Georg Büchner, den geiſtvollen Freund
Goethes „Joh. Hch. Merck”, den feinen Humoriſten Wilh. v. Ploennies,
ging dann über zu den neueren, wie K. E. Knodt, Gottfr. Schwab,
Ph. Kraemer, und vor allem zur ſolchen, die zur Hei nat und Scholle
führen: die Odenwalddichter Ph. Buxbaum, Chr. Ruths, K. Schäfer,
Ad. Karrillon, W. Platz, die Oberheſſen Gg. Schäfer, Herm. Oeſer,
Otto Müller, K. Glaſer, Alfred Bock, E. Schmitt, auch der
Oberlahn=
ſteiner W. Schweter wurde gewürdigt. Von Rheinheſſen Jſaak Maus,
K. Kraus, Alfred Börkel, K. Nies und R. Knies. In der Reihe der
Mundartdichter wurden von den vielen geſtreift „E. E. Niebergall,
R. Schneider, G. Büchner, W. Kaminſky, Gg. S haffnit, H. Rüthlein
u. a. Von Odenwäldern F. Schwalbach, Gg. Löffler, Gg. Volk,
Gr. Bickelhaupt. Aus Rheinheſſens Mundart kamen zur Geltung
Fr. Lennig, W. Jacoby, E. und W. Briegleb, R. Heilgers uſw.
Ober=
heſſen G. Asmus und H. Krönlein, Gg. Emmerich, Geibel, Philipps
und Möbus. Der Redner ließ alle die Geſtalten an den Hörern
vorüberziehen und zeigte, wie reich der Heimatg tell ſprudelt.
Muſi=
kaliſch wurde der Abend eingeleitet von Herrn K. Volz mit einem
Heimatliederpotpourri, in dem liebe, traute Klänge des Volksliedes
zum Ausdruck kamen. Als Zwiſcheneinlagen wurden eraſte und heitere
Weiſen von Herrn Engeroff am Klavier und Herrn K. Volz (Violine)
zu Gehör gebracht, die einen dankbaren, verſtändnisvollen
Zuhörer=
kreis fanden. Literariſch leitete Herr Schauſpieles Eduard Göbel den
Abend ein mit einem Vorſpruch von K. Eſſelborn: „Wer überall zu
Hauſe iſt, wo ihm des Lebens Freuden winken, wer ſeine Heimat gleich
vergißt, wenn fremder Schönen Augen blinken, der iſt doch gar ein
armer Wicht, was er verloren weiß er nicht; wer ſeine Heimat kann
dergeſſen, hat ſie in Wahrheit nie beſeſſen.” In ſeiner feinen Art
brachte er dann Proben von K. E. Knodt, „Mein Herz der Heimat”;
K. Schäfer, „Rundblick aus der Bergſtraße‟, „Aus des Knaben
Wun=
derhorn” „Aus dem Odenwald”; Wolzogen, „Baumbluſt an der
Berg=
ſtraße”; Roquette, „Das Frankenſteiner Eſelslehen”; Rob. Schneider,
„Kranichſtein”, „Heinermädercher” „Lumbezeig” und von dem Mainzer
Wilh. Jacoby, „Das Rullo‟. Den dargebotenen Proben wurde mit
reichem Beifall gedankt. Als Vertreter des alten Darmſtadt brachte
Herr Louis Geiſt in ſeiner humorvollen Art Rückblicke auf die gute
alte Zeit im alten Darmſtadt. Herr Wilhelm Kaminſky diente mit
einem Erſtlingsgedicht, das bereits 1874 zum Abdruck kam, ferner „Die
Gailskur” und anderes. Herr R. Anton beſang „Darmſtadt” und
„Unſeren Woog”. Herr Hugo Stieſi brachte Beiträge von Heilgers:
„Mei Heſſe Darmſtadt” und Greta Bickelhaupt „Der wiedergefundene
Anſel” uſw.; Herr H. Schäfer eine feine Dichtung „Von der Wiege bis
zur Heimat” mit den entſprechenden muſikaliſchen Einlagen und „Ein
Erlebnis beim Beſteigen des Glockenſpiels‟. Den Ausklang machte in
ſeiner urwüchſige Art Herr Robert Schneider mit der Dichtung „
Faß=
nacht” und „Bienchen im Dampfbad”, dem rauſchender Beifall folgte.
Mit Dankesworten an alle, die ſo die Heimat lebendig gemacht hatten,
und mit einem Gedicht rum Philipp: „Unſer Darmſtadt” ſchloß der
Vorſitzende den fein verlaufenen Heimatabend. Nächſter Vortrag am
1. März. Redner Herr Prälat Dr. D. Diehl über Darmſtädter „teutſche
Lehrer” des 17. und 18. Jahrhunderts.
Tageskalender für Sonntag, den 19. Februar 1928.
Landestheater, Großes Haus vormittags 11½ Uhr, Ende 12¾
Uhr: 1. Volkskonzert „Wiener Walzer”. Anf. 19 Uhr, Ende 21½
Uhr, B 13: „Der Mikado”. — Kleines Haus, nachm. 16 Uhr:
Mün=
chener Kaſperltheater. Anf. 19½ Uhr, Ende 22 Uhr, Zuſatzmiete III.
(9): „Candida”. — Orpheum, Anf. 20 Uhr: Gaſtſpiel des
Schu=
mann=Theaters Frankfurt a. M. mit dem geſamten Varietéprogramm.
— Turnhalle am Woogsplatz; 22,11 Uhr: Bunter Abend.
der Turngemeinde 1846. — Mathildenhöhſaal, 19,11 Uhr:
Sängerluſt=Maskenball. — Konzerte und karnevaliſtiſche
Veranſtaltungen: Schloß=Kaffee, Hotel Schmitz, Kaffee
Rhein=
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Nummer 50
Sonntag, den 19. Februar 1928
Seite 7
Aus Heſſen.
Sonderzüge nach Darmſtadt.
Aa. Am heutigen Sonntag verkehren aus Anlaß der Kappenfahrt
us verſchiedenen Richtungen nach Darmſtadt Sonderzüge. Die
Sonder=
müge treffen ſo zeitig ein, daß Gewähr für die Beſichtigung des Zuges
egegeben iſt. Der Sonderzug aus Pfungſtadt trifft 13,22 Uhr am
„Hauptbahnhof ein. Der Sonderzug aus Heppenheim, der den Verkehr
von der Bergſtraße vermittelt, wird 13,32 Uhr eintreffen und der
Son=
derzug aus dem Odenwald kommt (ab Wiebelsbach), iſt um 13,58 Uhr in
Darmſtadt. In den Abendſtunden verkehren auf den genannten
Strek=
ken auch Sonderzüge zur Rückfahrt: Nach Pfungſtadt ab 18,46 Uhr;
nach Heppenheim ab 18,37 Uhr und nach Wiebelsbach=Heubach ab
18,44 Uhr.
E. Wixhauſen, 17. Febr. Pflaſterung der Freyſtraße.
Die zur Herſtellung eines Bürgerſteigs in der Freyſtraße nötigen
Rand=
ſteine wurden vorige Woche angefahren. Am Sonntag morgen beſichtigte
der Ortsvorſtand nochmals die Freyſtraße, wobei derſelbe in ſeiner
Geſamtheit zur Auffaſſung kam, daß es am zweckmäßigſten ſei, die
Straße nicht nur mit Bürgerſteigen zu berſehen, ſondern auch mit
Pflaſter. Die hieſigen Landwirte ſind bereits mit dem Anfahren von
Pflaſterſteinen beſchäftigt, ſo daß mit den Arbeiten alsbald begonnen
werden kamn.
J. Griesheim, 18. Febr. Die Wogen des Karnevals erreichen jetzt
ihren Höhepunkt. Noch drei Tage dauert der tolle Spuk und
verſchwin=
der erſt mit dem Anbruch des Aſcherwittwoch, wo das Alltagsleben
wie=
der ſeine Rechte geltend macht. Den hieſigen Närrinnen und Narren iſt
in dieſen Tagen reichlich Gelegenheit geboten, ſich auszutoben, denn an
Veranſtaltungen, wo dem Mummenſchanz gehuldigt wird, iſt kein
Man=
gel und für manchen unter Umſtänden auch recht lohnend. Am
Sonn=
tag nachmittag um zwei Uhr verſammelt ſich die Jugend zu einem
Um=
zug beim Hellwia im Treffpunkt, wo nachdem ein Kindermaskenball
ſtattfindet und jedes Kind einen Preis erhält. Abends findet daſelbſt
großer Preismaskenball ſtatt, wobei der Maske, die vom Preisgericht
als die ſchönſte bzw. originellſte erkannt wird, als Preis ein fettes
Schwein winkt. Alles ſchon dageweſen, ſagt bekannt der Nabbi Ben
Akiba, aber daß jemand auf einem Maskenball ein ſolches „
Schweine=
glück” haben kann, war ſicher noch nicht da. Aber auch die anderen
Ver=
eine wollen nicht zurückſtehen, und ſo ſetzt die „Narrhalla”, für die
ſchönſte Maske im Feſtſaal „Zum grünen Laub” gleich zwei Fahrräder,
ein Damen= und ein Hervenfahrrad, als Preis aus. Bei dem
Preis=
maskenball des Arbeiter=Geſangvereins „Laſſallia” im Saale „Zur
Straßenbahn” findet unter Aufwand aller höfiſchen Zeremonien und
großen Prunkes die Krönung der „Karnevalskönigin für 1928” ſtatt. Die
Turnerſchaft veranſtaltet im „Darmſtädter Hof” einen „Rheiniſchen
Abend” bei dem rheiniſcher Humor und rheiniſche Fröhlichkeit zu
rich=
tiger Geltung kommen werden. Der Sportklub „Viktoria” huldigt dem
Mummenſchanz in ſeinem Vereinslokal „Zum Rebſtock” und auch im
Kaiſerſaal wird am Sonntag abend großer Maskenball wit
Gratisver=
teilung ſtattfinden. Auch in der „Goldenen Krone” und in der „
Frie=
dens=Linde” hat man ſich zu karnevaliſtiſchen Feiern aufgerafft.
Ueber=
haupt huldigt man dem närriſchen Prinzen Karneval hier diesmal in
einer früher nie gekannten Weiſe, man will ſcheinbar alles das
vergeſ=
ſen und verlachen, was trüb und finſter um uns her iſt, und ſich ganz
den Freuden des Tages hingeben.
J. Griesheim, 18. Febr. In der Woche vom 20. bis 25. Februar,
finden auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich von 12—17 Uhr
Artillerie= und Infanterie=Scharfſchießübungen ſtatt.
Aa. Eberſtadt, 17. Febr. Die Chauſſierungsarbeiten
der Frankenſteinerſtraße, die eine Länge von 1200 Metern hat, ſind in
vollem Gange. Die Straße iſt bereits in der Hauptſache geſtückt und mit
Klopfſteinen bedeckt. Die Pflaſtererarbeiten gehen in Kürze ihrer
Be=
endigung entgegen. Die Fußſteige werden erſt nach Fertigſtellung der
Die Dampfwalze wird ihre Tätigkeit in acht bis
Fahrbahn erledigt.
zehn Tagen aufnehmen. Die Chauſſierung wird beſonders daher
be=
grüßt, da auf der jetzt zur Herſtellung gelangten Straße viel Holz aus
dem Frankenſteiner Wald abgefahren werden kann.
Aa. Seeheim, 18. Febr. Brennholzverſteigerung. Eine
größere Nutz= und Brennholzverſteigerung findet am Montag, den 20.
Februar, im „Darmſtädter Hof” ſtatt. Aus dem Seeheimer Hochwald
gelangen Stämme, Derbſtangen, Reisſtangen, Bohnenſtangen und
Brennholz verſchiedener Art zum Ausgebot. Die näheren Bedingungen
werden vor der Verſteigerung bekannt gegeben.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 18. Febr. Dieſer Tage verſammelten ſich die
Vertreter der Ortsvereine, um zur Feier des am 4. März Ifd. Js.
ſtatt=
findenden Volkstrauertages Stellung zu nehmen. Man
einigte ſich dahin, daß die Feier wiederum in dem bisherigen Rahmen
ſtattfinden ſoll. Im Anſchluß an den Kirchgang, an dem ſich möglichſt
alle Vereine beteiligen ſollen, findet eine gemeinſame öffentliche Feier
am Ehrenmal für die Gefallenen ſtatt, bei der der Ortsgeiſtliche die
Gedächtnisanſprache halten wird. Gegenüber dem Vorjahre iſt inſofern
eine Aenderung eingetreten, als von dieſem Jahre an nicht mehr alle
Geſangvereine zuſammen mitwirken.
Bp. Ober=Ramſtadt, 17. Febr. Auf Einladung der Heag fand hier
im Gaſthaus „Zum Löwen” eine Verſammlung der
Feuer=
wehrkommandanten, deren Vertreter, ſowie der
Feuerwehr=
elektriker (die gemäß Geſetz von den Feuerwehren auszubilden ſind.
des Kreiſes Dieburg und einzelner Gemeinden des Kreiſes
Darmſtadt ſtatt. Anweſend waren ferner Bürgermeiſter Rückert,
Ober=Ramſtadt, Kreisfeuerwehrinſpektor Schnell, Darmſtadt, ſowie der
Obermeiſter der Schornſteinfegerzwangsinnung für Heſſen. Hans
Karpfinger, Darmſtadt. Kreisfeuerwehrinſpaktor Rödler, Dieburg,
be=
grüßte die zahlreich Erſchienenen, insbefondere den Referenten,
Ober=
ingenieur Herzog von der Heag, Darmſtadt. Oberingenieur Herzog gab
dann im einem zweiſtündigen Vortrag ein umfaſſendes Bild über die
Elektrizität (Starkſtrom, Ueberlandnetz, Ortznetz und Schwachſtrom),
Elektrizitätsverſorgung der Gemeinden und die Gefahren, hauptfächlich
bei Bränden. Er behandelte die Abſperrungsmaßnahmen, die Außer=
Stromſetzung des Ortsnetzes bei Gefahren und die Benutzung des
Trans=
formatorenhauſes. Beſonders intereſſant waren die Ausführungen über
Unglücksfälle durch Elektrizität und dabei anzuwendende
Vorſichtsmaß=
regeln. Es iſt beabſichtigt in ſänntlichen Gemeinden der Kreiſe Dieburg
und Darmſtadt eine Beſichtigung der Ortsnetze durch die
Feuerwehr=
kommandanten und Feuerwvehrelektriker vorzuehmen. Den Abſchluß
bildete die Anwendung von Handfeuerlöſchern. Feuerlöſcher mit Waſſer
dürfen bei Elektrizität nicht angewendet werden. Es ſchloß ſich eine rege
Ausſprache an, und Kreisfeuerwehrinſpektor Rödler dankte dem
Vor=
tragenden für die trefflichen Ausführungen, ſowie den Teilnehmern.
G. Ober=Ramſtadt, 18. Febr. Hier fiel oberhalb des Ortes ein
kleines Kind einer hieſigen Familie in die Modau und war bereits eine
ganze Strecke vom Waſſer foetgetrieben worden, als es Herr Franz
Schneider jr., der in der Nähe an Obſtbäumem arbeitete, bemerkte und
es moch im letzten Augenblick vor dem Tode des Ertrinkens retten konnte.
Genehmigte Verſteigerung. Die am 14. d. M. im
Forſt=
ort Tannacker des Gemeindewaldes abgehaltene Nutzholzverſteigerung
(Eſchen=, Kiefern= und Lärchenſtämme) iſt genehmigt, ſo daß die
Abfuhr=
ſcheine an den Zahltagen bei der Gememdekaſſe in Empfang genommen
werden können.
Le. Groß=Umſtadt, 18. Febr. Siebenbürgenfilm. Herr
Pfarrer Schuſter aus Holtau in Siebenbürgen ließ auch bei uns und
in den Nachbarorten Raibach und Heubach den „Siebenbürgenfilm”
laufen. In unſerer Stadt fand am Dienstag nachmittag eine
Vorfüh=
rung für die Jugend, am Abend für die Erwachſenen ſtatt. Der
Ned=
ner iſt ein Siebenbürger, und in anſchaulicher Weiſe ſchilderte er, wie
die Siebenbürger „Sachſen” vor 800 Jahren aus der Moſelgegend
auswanderten, bis nach Siebenbürgen kamen und dort zu Anſehen und
Wohlſtand gelangten. Aber ſie, die in der Minderheit waren, hatten
auch zu kämpfen gegen äußere und innere Feinde. Dieſer Kampf hat
bis heute noch nicht aufgehört, nachdem ſie durch den unſeligen
Frie=
densſchluß von ihrem Mutterland Ungarn losgeriſſen und Rumänien
zugeteilt wurden. Jetzt beginnt der Kampf um ihr Deutſchtum,
nach=
dem die deutſche Hochſchule geſchloſſen und ihnen größere
Länder=
ſtrecken ohne jegliche Vergütung entriſſen wurden. Die Zahl der
Deut=
ſchen beläuft ſich heute auf 230 000. Bei ihnen herrſcht nicht nur ſchon
ſeit Jahrhunderten der Schulzwang, ſondern auch die Verpflichtung
zum Beſuche des Gottesdienſtes. Der Film ſelbſt bot eine Reihe von
prächtigen Landſchaften und herrlichen Gebirgsländern, ſchilderte Land
und Leute und deren althergebrachten Sitten und Gebräuche.
— Groß=Zimmern, 17. Febr. Der Turnverein 1876 hielt
im Saale bei Affred Wagner ſeine Jahresverſamlung ab. Der
Vor=
ſitzende dankte für den überaus guten Beſuch. Zunächſt gebachte er des
am 2. Jamiar ds. J3. verſtorbenen Oberturnwarts der Deutſchen
Tur=
nerſchaft, Studienrat Max Schwarze. Ferner gedachte der 2.
Vor=
ſttzende weiterer 7 Vereinsmitglieder, die im letzten Jahr aus unſerer
Mitte geriſſen wurden. Als äußeres Zeichen der Trauer forderte der
Vorſitzende die Verſammlung auf, ſich von den Sitzen zu erheben. Das
Protokoll der letzten Generalverſammlung wurde verleſen und genehmigt.
Ferner erſtattete Schriftführer, Rachner und ſämtliche Fachwarte Vericht
über ihre Tärigkeit und fanden dieſelben von Seiten der Verſammlung
volle Zuſtimmung. Unſerem 1. Schriftführer, Turner Rektor Weber,
wurde für langjährige ehrenvolle Mitarbeit im Vorſtand das Diplom
als Ehrenſchriftführer unter Verleihug von Sitz= und Stimmrecht im
Vorſtand überreicht. In den Vorſtand wurden gewählt: Göbel Gg. 18.,
1. Vorſ.; Lehrer Poth, 2. Vorſ.; J. Schreiber, 1. Schriftführer; Gg.
Lorz, 2. Schriftführer; Lehrer Sperb, Rechner; Obmann,
Oberturn=
wart und 1. Frauenturnwart; Steinbrecher, 1. Turnwart; Kraus; 2.
Turnwart; „Angermeier, Sportwart: Daſcher, Spielwart; Alein, 2.
Frauenturnwart; Rauch, 1. Jugendturmwart; Federbin, 2.
Jugendturn=
wart; Rudolf, Zeugwart; Jordan, Vergnügungswart; J. Vonderſchmidt,
Fahnenträger, und Vereinsdiener Ph. Held. Als Beiſitzer wurden
ge=
wählt der ſeitherige 1. Vorſ. Heim, Göbel 5., Bohland, Engelhardt E.,
Dictrich H., Dietrich G. M., Poth Gg. Poth Ernſt, Wörtche Hch., Palmy
Gg., Brunner Hch.
Dieburg, 16. Febr. Oeffentlicher Arbeitsnachweit
für den Kreis Dieburg. Am 15. Februnr 1928 waren
vorhan=
den: Stellungſuchende 2231 (gegen 2574 am 7. Februar 1928), davon ſind
1949 Männer (2313) und 282 Frauen (261). Unterſtützungsempfänger. In
der Arbeitsloſenverſicherung waren vorhanden: 1416 Männer (13
und 200 Frauen (176) zuſammen 1616 (1529). Kriſenunterſtützte: 83
Männer (70) und 15 Frauem (8), zuſammen 95 (78). In der erſten
Februarwoche wurden 312 Vermittelungen getätigt.
— Dieburg, 18. Febr. Am 21. Februar 1927 fällt die Beratung9 der Tuberkuloſe=Fürſorgeſtelle des Kreiſes Dieburg aus.
— Groß=Bieberan, 17. Febr. Kirchliche Nachrichten. Herr
Kirchendiener Schiemer feierte ſein 50jähriges Dienſtjubiläum. Herr
Pfarrer Krämer veranſtaltete deshalb einen Gemeindeabend im hieſigen
Saalbau. Nach der Begrüßung durch den Ortspfarrer wechſelten
Theater=
aufführungen der Schuljugend, Vorträge des Bläſerchors von Reinheim
und Geſänge des hieſigen Kirchenchors. Recht feierlich war der Akt der
Ehrung des Jubilars. Der Pfarrer ſprach ihm im Namen der
Kircheu=
gemeinde den Dank und die Anerkennung für ſeine Treue und
vorbild=
liche Gewiſſenhaſtigkeit aus. Als äußeres Zeichen des Dankes
über=
reichte er ihm einen Seſſel. Herr Bürgermeiſter Daab übergab ihm als
Geſchenk der Gemeinde eine ſinnige Ehrenurkunde. Auch das
Landes=
kirchenamt ehrte ihn durch eine Urkunde. Herr Rektor Ehrhardt
be=
grüßte beſonders den Vater unſeres Pfarrers, der als Gaſt in die ihm
lieb gewordene frühere Wirkungsſtätte als Seelſorger gern gekommen
war. Eine Tellerſammlung ergab einen netten Betrag für die
Anſchaf=
fung von Inſtrumenten des noch zu gründenden Bläſerchors. Herr
Schiemer dankte herzlichſt für die ihm ewwieſene Ehrung.
Erbach (Odenwald), 18. Febr. Verbeſſerung der
Poſt=
verbindungen. Seit dem 15. Februar wird der morgens um
6,59 Uhr abgehende Perſonenzug auch zur Abſendung von Briefbeutel=
Poſten benutzt. Es fertigt das hieſige Poſtamt eine Briefpoſt nach
Michelſtadt und eine Briefpoſt nach Darnſtadt 2 (Bahnhofspoſtamt) ab.
Die Poſt trifft in Darmſtadt um 9,03 Uhr ein, erreicht dort gute
Fern=
verbindungen (verſchidene D=Züge), und die Briefſchaften, welche nach
Darmſtadt ſelbſt gerichtet ſind, werden noh mit der zweiten
Vormittags=
zuſtellung (Beginn 10½ Uhr) ausgetragen. Infolge dieſes früheren
Poſtabgangs beginnt jetzt die erſte hieſige Kaſtenleerung bereits um
6 Uhr.
Hirſchhorn, 18. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
17. Februar: 3,75 Meter; am 18. Februar: 2,91 Meter.
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AEntaufen g
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Dackel=
hündin Zitter) hat
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Geg Beloln abzug
Karlſtr. 56, I (*4788
„Das Wandern iſt des Müllers Luſt!”
Ooch ſcheints, ſo ganz aus voller Bruſt
will dieſer Sang heut nicht mehr klingen,
es ſei denn, daß wir kühn bezwingen
die Welt in einem Wandrer=Wagen.
Auf dieſe Art, das muß ich ſagen,
iſt Wandern allerhöchſte Luſt.
Orum ſingt man heut aus voller Bruſt:
„Das Herrlichſte gibt unſern Tagen
die Wanderfahrt im Wandrer=Wagen!”
Wondderer
II. Dr 1532
Verkauf durch:
Un
Benges eWiest, Barmstadt
Elisabethenstraße 25 g und Grafenstraße 43/45.
Fernruf 2496.
Seite 8
Nummer 50
Sonntag, den 19. Februar 1928
Gasfernverſorgung und Landkreiſe.
Gbenſo wie auf dem großen und wichtigen Gebiete der Elektrizität
erwächſt den Landkreiſen als Verwaltungseinheit auf dem flachen Lande
eine wichtige Aufgabe hinſichtlich der Gasfernverſorgung. Ihre
erfolg=
reiche Arbeit auf dem Gebiete der Elektrizitätswirtſchaft hat die große
Ausbreitung der elektriſchen Kraft auf dem platten Lande ermöglicht.
Dieſes iſt auch von der Gasfernverſorgung zu erwarten, wenn die
Feh=
ler vermieden werden, die beim Aufbau der Elektrizitätswirtſchaft
ge=
macht worden ſind. Erſt nach größeren Kämpfen konnte die
urſprüng=
liche Zerſplitterung der Verſorgungsgebiete zu einer rationellen
Zu=
ſammenfaſſung gebracht werden. Bei der Organiſation der
Gasfernver=
ſorgung müſſen, da es ſich hier zum großen Teil noch um Neuland
han=
delt, großzügige Geſichtspunkte maßgebend ſein, die dem Zukunftsblick
auf die Zuſammenfaſſung größerer Gebiete von vornherein Rechnung
tragen. Der Deutſche Landkreistag hat dieſe Aufgabe in ihrer
Wichtig=
keit erkannt, und wenn auf der letzten Sitzung ſeines Vorſtandes
end=
gültige Beſchlüſſe noch nicht gefaßt wurden, ſo trat doch bei den
Ver=
tretern aller deutſchen Länder einhellig die Meinung zutage, daß die
Landkreiſe auf dieſem wichtigen Gebiet ihre volle und gleichberechtigte
Mitarbeit theoretiſch und praktiſch zur Verfügung ſtellen werden.
Bn. Hirſchhorn, 16. Febr. Im vollbeſetzten kleinen Sälchen des
Gaſt=
hauſes „Zum Erbach=Fürſtenauer Hof” fand eine Verſammlung der
Bauluſtigen und Bauhandwerker Hirſchhorns ſtatt. Der
Vor=
ſitzende des Ortsgewerbevereins Hirſchhorn, Herr Tünchermeiſter Johann
Weis dahier, begrüßte die zahlreich erſchienenem Intereſſenten und Gäſte
und ſtellte der Verſammlung die Herren Regierungsbaumeiſter Kohl,
Architekt Servos von der Wohnungsfürſorgegeſellſchaft Darmſtadt, ſowie
den Syndikus der Handwerkskammer, Herrn Dr. Kollbach=Darmſtadt
vor und erteilte Herrn Regierungsbaumeiſter Kohl das Wort. In faſt
zweiſtündigem Vortrag ſchilderte der Redner die derzeitige Lage des
Wohnungsmarktes, insbeſondere die Wohnungsnot. Auch über die
Tä=
tigkeit der Wohnungsfürſorgegeſellſchaft Darmſtadt gab er einen
aus=
führlichen Ueberblick. An dieſen Vortrag ſchloß ſich eine lebhafte
Dis=
kuſſion, bei der ſich unter anderen insbeſondere Herr Syndikus Dr.
Kollbach, ſowie Herr Bürgermeiſter Zipp, Herr Zimmermeiſter Oskar
Mathes und Ferdinand Enger rege beteiligten. Der Vorſchlag des
Redners zur Gründung einer „Baugenoſſenſchaft Hirſchhorn” fand
leb=
hafte Zuſtimmung, und iſt in nächſter Zeit mit der Verwirklichung dieſes
Vorſchlags zu rechnen. — Durch den ſtarken anhaltenden Regen der
letz=
ten Tage ſind die umliegenden Bäche über ihre Ufer getreten und haben
die ganzen Täler unter Waſſer geſetzt. Auch der „Neckar” iſt beträchtlich
geſtiegen, hat ſtellenweiſe ſeine Ufer überſchritten und iſt zurzeit ſtets
noch im Wachſew begriffen. Bei weiterem Anhalten des ſtarkem Regens
iſt mit einem weiteren Steigen des Neckars nebſt Nebenbächen zu rechnen
und infolgedeſſen Hochwvaſſer zu befürchten.
A. Schlierbach, 17. Febr. Uebernahme und Renobierung
der Kirche. Kirchenvorſtand und Kirchengemeindeverwaltung waren
zu ganz beſonderer Tagung verſammelt, galt es doch, über einen äußerſt
ſvichtigen Gegenſtand: die Uebernahme der Kirche in Eigenzum der
Kir=
cengemeinde und Renovierung der Kirche zu beraten und Beſchluß zu
faſſen. Herr Pfarrer Hartmann führte die Verhandlungen. Die Kirche
war ſeither Eigentum der Kollektur Groß=Umſtadt, die deshalk auch für
die Unterhaltung der Kirche zu ſorgen hatte. Infolge Inflation iſt es
der Kollektur nicht mehr möglich, dieſer Verpflichtung weiter in
ausrei=
chendem Maße nachzukommen. Deshalb ſchlug das Landeskirchenamt
vor, die Kirche ſolle in Eigentum des Kirchſpiels übergehen, das dann
für die Unterhaltungskoſten aufzukommen hätre. Dieſem Antrag
ſtimm=
ten Kirchenvorſtand und Kirchengemeindevertretung zu. Da ſchon
Jahr=
zehntelang am Innen= und Außenverputz der Kirche nichts mehr gemacht
wurde und eine Renovierung dringend erforderlich wäre, wurde weiter
beſchloſſen, das Heſſ. Kreisbauamt Beusheim zu bitten, im
Einverneh=
men mit dem Landeskirchenamt und dem Landesdenkmalpfleger einen
Koſtenvoranſchlag auszuarbeiten. Man rechnet mit einer Summe von
5000—6000 RM., wovon bereits aus Sammlungem 1000 RM. vorhanden
ſind. Es ſoll nochmals in allem Filialorten geſammelt und der Reſt durch
Anleihe gedeckt werden. Gleichzeitig wurde der Voranſchlag für 1928
beraten und genehmigt.
H. Birkenau, 17. Febr. Steuerbeſprechtag. Das
Finanz=
amt Fürth wird am Mittwoch, den 2. b. M., im hieſigen Rathauſe
einen Steuerbeſprechtag abhalten.
H. Von der Bergſtraße, 17. Febr. Vorſicht. In der Nähe von
Schwetzingen zündete ſich ein Autofahrer eine Zigarre an; dabei fing
ſeine Zellzloidörille Feuer, und der Autolenker zog ſich an beiden Augen
ſchwere Brandwunden zu, die das Augenlicht ſehr gefährden. — Zwei
Wilderer ertappt. Am hellen Tage kamen zwei mit Gewehren
bewaffnete Männer mit Fahrrädern bis in die Nähe von Plankſtadt.
Hier wurden ihnen die Flinten von der Polizei abgenomnen und die
Perſonalien feſtgeſtellt.
Ay. Bensheim, 16. Febr. Frühjahrstemperatur an der
Bergſtraße. Eine geradezu frühlingsmäßige Witterung herrſcht
derzeit in der Bergſtraße. Das Thermometer mißt bei bedecktem
Him=
mel eine dunhſcknittliche Tomperatur von + 10 bis 11 Grad Celſius.
—Reifeprüfung an der Aufbauſchule. Unter dem Vorſitz
von Miniſterialrat Glückert vom Landesbildungsamt fand am
Diens=
tag an der Bensheimer Aufbauſchule die mündliche Reifeprüfung der
Abiturienten, 15 an der Zahl, ſtatt. Ihnen alleſamt konnte ob ihrer
teilweiſe ſehr guten Leiſtungen das Zeugnis der Reife zuerkannt
wer=
den. Am Mittwoch morgen wurden die Schüler in einer feierlihen
Schulentlaſſungsfeier, ſo wie ſie an dieſer Anſtalt ſchon immer üblich iſt,
aus der Anſtalt entlaſſen. — Wechſelauf dem Direktorpoſten
der Aufbauſchule. Am 15. Februar iſt Oberſtudiendirektor
Dr. Ledroit von der Führung der Direktorgeſchäfte an der
Bens=
heimer Aufbauſchule zurückgetreten. Dr. Ledroit war bekanntlich am
1. Januar dieſes Jahres wegen Erreichung der Altersgrenze in den
Ruheſtand verſetzt worden. In der Entlaſſungsfeier der Abiturienten
ſ. v.) nahm er Gelegenheit, ſich von Lehrer= und Schülerſchaft der
An=
ſtalt zu verabſchieden. Eine außergowöhnliche Ehrung wurde dem
Schei=
denden dadunh zuteil, daß die geſamte Schülerſchaft ihrem geſchätzten
und verehrten Direktor einen Fackelzug unter Muſikbegleitung
dar=
brachte. Ein Schüler nahm Gelegenheit, Dr. Ledroit Gefühle des
Lankes, der Verehrung und des treuen Gedenkens zu übermitteln. Die
Neubeſetzung des vakant gewordenen Poſtens, für den ein prominenter
heſſiſcher Zentrumsparlamentarier genannt wird, iſt bis jetzt nicht
er=
folgt. Die kommiſſariſche Wahrnehmung der Direktorgeſchäfte wurde
dem dienſtilteſten Studienrat an dieſer Anſtalt, Prof. Geißler,
über=
tragen. — Aus der Hauptverſammlung des
Benshei=
mer Ortsgewerbevereins. Zu Anfang dieſer Woche hielt
der Bensheimer Ortsgewerbeverein nach mehrjähriger Pauſe wieder
eine Hauptverſammtung ſeiner Mitglieder ab. Die
Jahresberihterſtat=
tung durch den 1. Vorſitzenden, Herrn Alexander Beck, machte
deut=
lich, daß der Vorſtand des Vereins in der Zwiſchenzeit ſich die
Hand=
werks= und Gewerbebelange ſehr wohl hatte angelegen ſein laſſen. Es
ſei hier nur an das übergroße Maß von Mühe und Arbeit erinnert,
das ſich der Vorſtand hatte koſten laſſen, um zu dem vorbildlichen Ge=
lingen der „Bensheimer Woche” im vergangenen Jahre ſeinerſeits
bei=
zutragen. Die Neuwahl des Vorſtandes, zumal die des 1. Vorſitzenden,
bereitet einige Schwierigkeiten. Schließlich läßt ſich der bisherige
Vor=
ſitzende, Herr Alex. Beck, bereit finden, auch fur die nächſten drei Jahre
wieder den Vorſitz zu übernehmen. Er hatte nämlich ernſthaft gobeten,
wegen allzu ſtarker Inanſpruchnahme für dieſes Mal von ſeiner Perſon
abzuſehen. Syndikus Dr. Kollbach, der als Vertreter der
Handwerks=
kammer der Verſammlung beiwohnte, mahnte, nur ein geſchloſſenes
und kraftvolles Eintreten für die Handwerkerbelange könne helfen, den
ſchwveren wirtſchaftlichen Exſſtenzkampf des Handwerks zu führen.
* Viernheim, 18. Febr. Verſchiedenes. Auf dem Wege
zwi=
ſchen Käfertal und Viernheim kommen in der letzten Zeit Dinge vor,
die auf planmäßigen Ueberfall ſchließen laſſen. In der verfloſſenen
Woche wurde ein hieſiger Fuhrmann mit dem Ruf „Geld hec!”
ange=
halten. Durch Peitſchenhiebe konnte der Täter abgewehrt werden. Vor
einigen Tagen ereignete ſich ein neuer Fall. Zwei Leute ſuchten einen
Landwirt zu überfallen, der mit einem Viehtransport unterwegs war.
Auch dieſe wurden mit Peitſchenhieben und Fußtritten abgewehrt. Nach
Angabe der Beteiligten ſcheinen die Täter nicht von Viernheim zu ſein.
In dieſem Jahre will man den in der Vorkriegszeit üblichen
Faſt=
nachtszug wieder veranſtalten. Derartige Volksbräuche, wie auch der
ſeit einigen Jahren eingeführte Brauch der Abholung und des
Be=
grabens der Kirchweihe, ſind, wenn ſie ſich in den richtigen Bahnen
ab=
ſpielen, ſicherlich begrüßenswert.
In zwei der letzten Nächte beſuchten Diebe die hieſigen Bahnhofsanlagen,
ſowie die Strecke Bürſtadt Lampertheim. In der einen Nacht erbrachen
die Diebe die auf dem oberen Bahnhof ſtehende Wellblech=Lichterbude.
Zwar fanden ſie dort nicht was ſie geſucht, nahmen aber dennoch
ver=
ſchiedene Lampenbrenner und Schmirgelleinen mit. In der folgenden
Nacht nach dieſem Einbruch haben die ſcheinbar ſelben Täter gefunden,
was ſie ſuchten. Auf der freien Strecke Bürſtadt—Lampertheim wurden
aus zwei Fernſprechhäuschen von den dort hängenden
Fernſprechappara=
ten die wichtigſtem Beſtandteile entwendet. Die Unterſuchung iſt im
benutzt werden, da dieſe Fälle ſchon mehr da waren.
Bm. Hofheim (Ried), 18. Febr. Aus dem Zug gefallen.
Auf der nahen Eiſenbahnbrücke fiel geſtern abend im betrunkenem
Zu=
ſtande ein Reiſender aus dem fahrenden Perſonenzug 3039 Worms—
Bensheim. Nach den Ausſagen von Mitreiſenden hatte ſich der Reiſende
auf das offene Fenſter geſetzt, von wvo er das Gleichgewicht verlor und
anf die Brücke ſtürzte. Der Vorgang wurde ſofort gemeldet und der
Verunglückte bei einer ſofortigen Brückenbegehung gefunden. In ſchwer
verletztem Zuſtande wurde er ins Wormſer Krankenhaus gebracht.
* Gernsheim, 18. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
17. Februar: 3,25 Meter; am 18. Februar: 3,59 Meter.
g. Gernsheim a. Rh., 15. Febr. Der Reichsbund der
Kriegsbeſchä=
digten, Abteilung Siedlungsgruppe Gernsheim, hatte zur Einwaihung
der erbauten Siedlungshäuſer im Saalbau Hags eingeladen. Die
Ver=
anſtaltung erfreute ſich eines ſehr guten Beſuches. Es waren vertreten
das Kreisamt Groß=Gerau durch Herrn Regierungsbaurat Dr. Schmahl,
die heſſiſche Wohnungsfürſorgegeſellſchaft durch die Herren Dipl.=Ing.
Herſchelmann und Architekt Servus. Das Miniſterium für Arbeit und
Wirtſchaft ſowie die hieſige Gemeindeverwaltung hatten ihr Fernbleiben
ſchriftlich entſchuldigt, aber dem Geſamtunternehmen ihre Glüchwünſche
ausgeſprochen. Der Reichsbund der Kriegsbeſchädigten, Gau Heſſen,
war durch ſeine Gauvorſitzenden, Herr Seibert, vertreten. Für die
katholiſche Kirchengemeinde war in Verhinderung des Herrn Pſarrers
Blum Herr Benefiziat Becker, und für die evangeliſche Gemeinde Herr
Dekan Vogel erſchienen. Für die Realſchuldirektion war Herr
Studien=
direktor Scholl anweſend. Die Kapelle Kiſſel leitete die Feier durch ein
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ikſtück ein, dem ein Prolog, geſprochen von Frl. Schuhmacher, folgte.
Die Begrüßung der Anweſenden erfolgte durch den Vorſitzenden und
Vater des Siedlungsgedankens, Herrn Hausmeiſter Wolf. Nach einem
Muſikſtück erfolgte dann der feierliche Akt der Einweihung. In ſchlichten,
tiefgründigen Worten nahm Herr Hausmeiſter Wolf den Weiheakt vor,
der ſeinen Höhepunkt erreichte, als die Anweſenden im treuen Gedenken
an die Gefallenen ſich von den Sitzen erhoben und die Kapelle den
trau=
ten Vers des Liedes „Ich hat einen Kameraden” ſpielte. Herr
Bene=
fiziat Becker ergriff alsdann das Wort und gab ſeiner Freude Ausdruck
über das gelungene Werk. U. a. betonte er, daß man das Werk vom
chriſt=
lichen Standpunkte aus begrüßen müſſe, da es ein Akt der
Nächſten=
liebe ſei. Das Wort Nächſtenliebe dürfe nicht allein gepredigt, ſondern
müffe auch in die Tat umgeſetzt werden. Herr Dekan Vogel überbrachte
die Glückwünſche der ebangeliſchen Gemeinde. Herr Regierungsrat Dr.
Schmahl überbrachte die Glüchwünſche der Kreisverwaltung, ebenſo Herr
Dipl.=Ing. im Auftrag der Wohnungsfürſorgegeſellſchaft. Als letzter
ſprach Herr Gauvorſitzender Seibert, der namens des Gaues Heſſen
gratulierte. Ein Zweiatter „Geiſt unſerer Helden” und ein
anſchließen=
des Muſikſtück gaben dem Ganzen einen würdigen Abſchluß. — Der
Familienabend der evangeliſchen Gemeinde war bis
auf den letzten Platz des Saalbaues Haas befetzt. Den Liedern des
Kir=
chenchores merkte man an, welch gründliche Arbeit ſein Leiter, Herr
Lehrer Gründke, geleiſtet hatte. Er brachte ſehr gute Darbietungen auch
in dem kleinen Luſtſpiel, das die jungen Damen des Vereins zum
Er=
götzen der Anweſenden aufführten. Herr Reallehrer Möſinger hatte ſich
der Mühe der Einſtudierung unterzogen. In ſeiner
Begrüßungsan=
ſprache wies Herr Dekan Vogel darauf hin, daß nicht wenig von den
Mitgliedern des Kirchenchors verlangt würde, die zum Teil wweite Wege
in ſtürmiſchem Winterwetter machen müßten, um zu den Uebungsſtunden
zu kommen. Aber die Liebe zur Gemeinde überwinde auch dieſe
Schwie=
rigbeiten. Auch die Vorſtandsdamen des Frauenvereins ſeien von dieſer
Liebe erfüllt geweſen, als ſie bei ihren Mitgliedern die Gewinne zur
Tombola zum Beſten der kirchlichen Einnichtungen einſammelten und die
mühevollen Vorbereitungen dazu machten. Den Vortrag hielt wie vor
drei Jahren Herr Pfarrer Dr. Dreſcher aus Gſchollbrücken. Er ſprach
über das Alter des Menſchen, zeigte in oft humorvoller Weiſe, wann und
wie ſich die Gebrechen des Alters bemerkbar machten und wies darauf ſtelle Darmſtadt für die Kreiſe Darmſtadt, Bensheim, Heppenheim und
hin, was der Menſch tun könne um das Alter möglichſt
hinauszu=
ſchieben, z. Br. Wertlegen auf friſche Luft, Reinlichkeit ſonnige Woh= Vorbereitungskurſe macht eine Aenderung in der Abhaltung der
Be=
nungen, Bewegung, Mäßigkeit, aber auch in höherem Sinne durch
Ge=
laſſenheit, Freundlichkeit im Umgang mit Mitmenſchen, vor allem aber
durch rechtes Gottvertrauen in der Gewißheit, daß Gott ums auf unſerem
Lebensweg geleite. Dem Redner und allen, die zu dem ſchönen Verlauf
des Abends beigetragen hatten, ſprach der Vorſitzende des Kirchenchores,
Herr Herms, den herzlichen Dank aus.
Landwirtſchaftliche Lehrlingsprüfung.
m. Um den landwirtſchaftlichen Lehrlingen nach beendeter
zwei=
jähriger Lehrzeit die Möglichkeit zu geben, ſich einen
Befähigungsnach=
wveis für ihre praktiſchen Kenntniſſe zu erwerben, hält die
Landwirt=
ſchaftskanmmer Anfang April d. J. eine diesbezügliche Lehrlingsprüfung
ab. Diejenigen jungen Landwirte, die an der Prüifung teilnehmen
wollen, haben ſich bis längſtens 20. März d. J. bei der
Landwirtſchafts=
kammer zu melden. Mit der ſchriftlichen Meldung iſt einzuſenden:
ein kurzgefaßter, ſelbſtgeſchiebener Lebenslauf; eine
Zuſtimmungserklä=
rung und das Zeugnis des Lehrherrn, ſowie das letzte Schulzeugnis;
eine Beſchreibung der Lehrwirtſchaft; der Nachweis der zweſjährigen
Praxis; die Prüfungsgebühr ron 5 Mk. — Termin und Ort der
Prü=
fung wird den Prüflingen ſchriftlich mitgeteilt. Wer ſich über die
Be=
ſtimmungen der Lehrlingsprüfung orientieren wil, kann dieſelben bei
der Landwirtſchaftskammer erhalten.
Früblahrskur für
RNA
NurTenRIANAO
u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hofheim im Taunus
bei Frankfurt an Main.
Prospekte durch:
I. 23
Dr. M. Schukze-Kahleyss, Nervenarzt.
Ad. Gimbsheim, 18. Febr. Faſt epidemiſch tritt die
Blind=
darmentzündung hier auf, denn in ganz kurzer Zeit erkrankten an dieſer
Krankheit 8 Perſonen, die dem Wormſer Krankenhaus zugeführt
wur=
den.
— Nauheim, 18. Febr. Der Turnverein 1888/1894 hat in
ſei=
ner Vorſtandsſitzung am 16. Februar u. a. beſchloſſen: An dem Gau=
Bm. Bürſtadt (Heſſen) 18. Febr. Nächtliche Langfinger, turntag in Traiſa am 4. März 1928 nehmen als Vertreter des Vereins
der 2. Vorſitzende Phil. Engroff und der 1. Rechner Ludw. Griesmann
teil. An dem Gauturnfeſt in Büttelborn am 17. Juni 1928, am
Gau=
frauenturnen in Crumſtadt am 1. Juli 1928 und am Deutſchen
Turn=
feſt in Köln am 29. Juli 1928 beteiligt ſich der Verein. Es ſind bis
jetzt ſchon namhafte Beträge der Feſtſparkaſſe für Köln überwieſen, und
verſpricht die Beteiligung eine recht zahlreiche zu werden. Sonntags
vor dem Kölner Turnfeſt (am 22. Juli 1928) veranſtaltet der Verein
auf ſeinem eigenen Turnplatz ein Schau= und Werbeturnen. Anläßlich
des 60jährigen Jubiläums des Geſangvereins EintrachtNauheim be=
Gange. Vermutlich ſollen die geſtohlenen Teile zu einer Radioanlage teiligt ſich der Verein aktiv. Dem 150. Todestag Jahns (11. Auguſt
1928) gedenkt der Verein in Form eines Vereinsabends mit
Lichtbilder=
vortrag. Am 2. September 1928 findet eine Gedächtnisfeier und die
Gauwanderung nach dem Frankenſtein ſtatt. Den Tag des 40jährigen
Beſtehens des Turnvereins verbindet der Verein mit dem
Vereins=
ehrenabend am 17. November 1928. Die diesjährige Weihnachtsfeier
der Kinder iſt auf Sonntag, den 23. Dezember 1928, feſtgelegt worden.
Die Singſtunden der Geſangsabteilung des Vereins finden nach
Faſt=
nacht wieder regelmäßig Dienstags abends ſtatt.
Ad. Trebur, 18. Febr. Die Schuhe werden teurer. Die
Schuhmacher des Kreiſes Groß=Gerau geben bekannt, daß ſie eine
Er=
höhung der Preiſe eintreten laſſen und begründen ihr Vorgehen als
Ausgleich mit den ſehr verteuerten Rohmaterialien, die im letzten Jahr
um 40—50 Prozent geſtiegen ſeien.
f. Nieder=Olm, 18. Febr. Am 15. ds. Mts. fand die alljährliche
Generalverſammlung des Evangeliſchen Vereins Nieder=Olm
ſtatt. Der alte Vorſtand wurde wiedergewählt. Der Kaſſenbeſtand
wurde für günſtig befunden. Einige Muſikſtücke der Vereinskapelle
verſchönten das Beiſammenſein. — Die bereits 10 Mitglieder
zäh=
lende Bau= und Siedlungsgemeinſchaft hielt am 14. ds.
Mts. eine Verſammlung ab, in der der 1. Vorſitzende Saſſenroth und
der Rechner Weisrock wiedergewählt wurden. Unter anderem wurden
auch die Bedingungen für die Bauluſtigen erläutert.
Ah. Bingen a. Rh., 18. Febr. Umladung von Hunsrücker
Eiſenerz im Binger Hafen. Im Binger Rheinhafen werden
von etwa Anfang März ab täglich eine Mindeſtmenge von 200 Tonnen
Erz zum Umſchlag gelangen. Es handelt ſich dabei um Erz, das auf
den Gruben Argenthal und Tiefenbach im Hunsrück gewonnen wird.
Auf beiden Gruben wird die Firma Thyſſen um die angegebene Zeit
mit neuen Schürfungen beginnen.
Bg. Vilbel, 17. Febr. Vor zwei Jahren wurde mit viel
Geldauf=
wand die Nidda von Vilbel abwärts reguliert. Zu dieſem Zweck wurde
beiderſeitig ein hoher Damm aufgeworfen und das Bett erweitert. Bei
der jetzigem Regenperiode ſind trotzdem die Wieſen weithin überſchwemmt.
Auch die Feſtwieſe zwiſchen den Stadtteilen Vilbels iſt teilweiſe
über=
ſchwemmt. Die benachbarten Keller ſtehen voll Waſſer. — In einer
ſtattgefundenen Hausbeſitzerverſammlung wurden, von der Gemeinde
Maßnahmen gegen das raſche Fahren der Laſtwagen gefordert. Infolge
der engen Straßen ſind einzelne Häuſer gefährdet. So ſtürzte in einem
Hauſe die Zimmerdecke herunter. — In einem Ladem der Friedberger
Straße wurde eingebrochem und für ungefähr 200 Mark Rauchwaren
entwendet. Von den Dieben fehlt jede Spur.
V. Bab=Nauheim, 18. Febr. Ouellenkunde. Vor einem
grö=
ßeren Kreis von Aerzten aus Bad=Nauheim und Umgebung hielt Proſ.
Dr. Dede, der Leiter des hieſigen Quellenforſchungsinſtituts, während
der Winterwohen eine Vorleſung über die neueſten Forſchungen auf
dem Gebiete der Atomtheorie, dabei beſonders die Nutzanwendung
auf die hieſigen Quellen berückſichtigend. Prof. Dedes quellenkundliche
Forſchungen, die noch nicht abgeſchloſſen ſind, können noch einmal von
großer Bedeutung für unſer heſſiſches Staatsbad werden. Es
be=
ſteht allgemein der Wunſch, daß Prof. Dede im nächſten Winter ſeine
intereſſanten wiſſenſchaftlichen Forſchungen fortſetzt und ſie dann auch
einem erweiterten Intereſſenkreis (Chemikern, Biologen) zugänglich
macht.
m. Aus dem Lande, 17. Febr. Gewerbliches. Die
Handwerks=
kammernebenſtellen nützen den Reſt des Monats Februar und auch einige
derſelben die erſten Märztage zur Abhaltung zahlreicher
Beratungsſtun=
den aus. Die Nebenſtelle Alzey für Stadt und Kreis Alzey hält
Sprech=
tage an vier auswärtigen Orten und in Alzey mit Ausnahme der
aus=
wärtigen Sprechtage von Montas bis Samstags 10—12 Uhr
vormit=
tags und, außer Samstags, auch von 3—4 Uhr nachmittags; die Neben=
Groß=Gerau an vier Orten; die Abhaltung der Meiſterprüfungs= und
ratungsſtunden nötig; — die Nebenſtelle Friedberg für die Kreiſe
Fried=
berg. Büdingen und Schotten in Friedberg Montags, Dienstags,
Don=
nerstags und Freitags vormittags von 8—12 Uhr, mit Ausnahme der
auswärtigen Sprecktage, ferner an neun Orten und in Laubach und
Ulrichſtein nach Bedarf. Die Nebenſtelle Gießen für die Kreiſe Gießen,
Alsfeld und Lauterbach an zwölf Orten, dann für den Landkreis Gießen
Dienstags und Freitags vormittags von 9—12 Uhr in Gießen, für
Gie=
ßen=Stadt Montags und Mittwochs vormittags von 9—12 Uhr; die
Nebenſtelle Mainz für Stadt und Kreis Mainz und Stadt und Kreis
Bingen in Mainz Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags
vor=
mittags von 9—12½ Uhr, ferner in Bingen; die Nebenſtelle Offenbach
für die Kreife Offenbach, Dieburg und Erbach an zehn Orten; die
Neben=
ſtelle Worms für die Kreiſe Worms und Oppenheim an zwei Orten und
in Worms täglich, ausgenommen Mittwoch und Samstag, vormittags
von 8—12 Uhr und nachmittags, von 2—4 Uhr. Buchführungskurſe ſind
in Worms und Oſthofen.
A
D
A
Faft oder Mrumamtsmias
Dieſe Frage iſt nicht beſonders ſichtig, denn beide Leiden
haben die gleiche Urſache und es helfen gegen beide die gleichen
Mittel.
Nur die letzten Folgen ſind bei beiden verſchieden, aber
ſo=
weit darf man es überhaupt nicht kommen laſſen.
Charakteriſtiſch für die Gicht iſt, daß die Schmerzen ſtets
nachts und im großen Zeh beginnen und erſt ſpäter auch auf
andere Glieder übergreifen.
Harmlos ſind beide Krankheiten nicht, ſie können beide durch
hinzutretende Komplikationen (Herzleiden, Entkräftung) zum
Tode oder auch zu Verkrüppelungen von Gliedern führen, und
äußerſt ſchmerzhaft ſind beide.
Wer darunter zu leiden hat, der denkt mit Grauen an die
kommenden naßkalten Tage und an die Qualen, die ihm
bevor=
ſtehen.
Es iſt alſo durchaus begreiflich, daß jeder, der von Gicht oder
Rheumatismus befallen iſt, den dringenden Wunſch hegt, ſich
davon zu befreien, und daß die Zahl der „unfehlbaren”
Haus=
mittel Legion iſt.
Die meiſten davon ſind für die äußerliche Anwendung
be=
ſtimmt und wirken im beſten Falle nur ſchmerzlindernd.
Es handelt ſich aber bei Gicht und Rheumatismus um
aus=
geſprochene Stoffwechſelkrankheiten, nämlich um Ueberladung des
Blutes mit der giftigen Harnſäure, und deshalb können ſie nur
durch innerliche Mittel bekämpſt werden, und auch da iſt es
ſchwer.
Die Stoffe, die dazu beſtimmt ſind, die Ablagerungen von
Harnſäure zu löſen und ſie auszutreiben, müſſen ſehr zweckmäßig
ausgewählt und doſiert werden, und groß iſt die Auswahl
über=
haupt nicht.
Ein ſehr prompt wirkendes Präparat, das, wenn man die
Kur noch einige Wochen länger fortſetzt, auch dauernde Heilung
bringt, ſind Dr. mecl. Hans Fiſchers Gicht= und Rheumatismus=
Tabletten.
Arzte ſchreiben darüber:
Herr Dr. med. J. in B. ſchreibt u. a. folgendes:
— Unter den wirklich guten Mitteln auf dieſem
Ge=
biete bringt die Dr. med. Hans Fiſcher GmbH., Berlin W 35, ihre
bekannten Gicht= und Rheumatismustabletten hervor, die in der
Wirkſamkeit geradezu hervorragend ſind.
Die Feſtſtellung von der heilenden Wirkung der Dr. med.
Hans Fiſcheriſchen Tabletten machte ich an mir ſelbſt, wo andere,
bereits früher angewandte Mittel verſagten. In etwa 65 Fällen
von Iſchias, Kreuzmuskelrheumatismus und Gicht konnte ich faſt
ausnahmslos Heilung konſtatieren. Unter allen Umſtänden
waren meine Erfahrungen ſo ermutigend, daß ich mich zu ihrer
Mitteilung nach längeren Verſuchen für berechtigt halte.
Schäd=
liche Erfahrungen habe ich in keinem Falle feſtſtellen können.
Herr Oberſtabsarzt Dr. med. St. in H. ſchreibt u. a.
fol=
gendes:
Ich habe Dr. med. Hans Fiſcher’s Gicht= und
Rheumatis=
mustabletten gratis meinen Rheumatismuskranken verabfolgt;
übereinſtimmend konnten dieſelben mir nur über außerordentlich
gute Heilerfolge berichten.
Ich gebe daher auf Grund meiner Verſuche folgendes
Gut=
achten ab:
Dr. med. Hans Fiſcher’s Eicht= und Rheumatismustabletten
habe ich bei Rheumatikern angewandt und habe mit denſelben
nur gute Heilerfolge konſtatieren können. 1ible Nach= oder
Neben=
wirkungen treten während der Behandlung nicht ein.
Die Wirkung von Dr. medl. Fiſcher’s Gicht= und
Rheumatis=
mustabletten iſt ſehr prompt, oft ſind die Patienten ſchon am
zweiten Tage der Anwendung ganz ſchmerzfrei.
Allerdings iſt in zwei Tagen kein dauernder Erfolg möglich,
ſondern es muß mit der giftigen Harnſäure im Blute gründlich
aufgeräumt und Rückfällen vorgebeugt werden. Deshalb iſt eine
Kur von einigen Wochen zu empfehlen. Das Präparat verbeſſert
zugleich das ganze Allgemeinbefinden.
Ein Verſuch koſtet nichts für die Leſer dieſer Zeitung.
Schreiben Sie eine Poſtkarte an Dr. med. Hans Fiſcher
GmbH., Berlin W 35/124, und berufen Sie ſich auf dieſes Blatt.
Sie bekommen das Mittel ganz koſtenfrei mit
Gebrauchsanwei=
ſung und mit einer kleinen Broſchüre, die Ihnen über Ihr Leiden
intereſſante Aufſchlüſſe gibt.
Verzögern Sie das aber nicht, denn Sie müſſen täglich
dar=
auf gefaßt ſein, daß das übel wiederkehrt und Sie wiſſen ja
ſelbſt, daß das jedes Jahr i verſtärkter Form geſchieht. IV 2965
Nummer 50
Sonntag den 19 Februar 1928
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„e öfentliche iEinung hiat entschice SLt
Hue e
A e
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Die Ford Motor Company hat im Monat Januar über 1 Million
neuer Ford=Wagen an das Publikum fest verkauft — und damit
einen Erfolg erzielt, dessen gigantische Ausmaße auch die
günstigsten Voraussagen in den Schatten stellen.
Der neue Ford ist ein Wunder!
Die Automobil=Sachverständigen aller Länder anerkennen
frei=
mütig die im wahren Sinne des Wortes unvergleichliche Güte
des Materials, die Präzision seiner Verarbeitung und die geniale
Lösung aller technischen Einzelheiten.
Die Fahreigenschaften des neuen Ford erst recht sind eine
Sensation! Die Elastizität des Motors, das Anzugsmoment, die
Wirkung der Vierradbremsen und die ausgezeichnete Federung
sind eine Uberraschung für jeden Automobilisten.
1908 schuf Henry Ford aus einem Spielzeug für Millionäre
einen Gebrauchsgegenstand für Millionen.
1928 gab er den Millionensdas Fahrzeug des Millionärs
Mit der Umstellung seiner Werke hat Henry Ford in der
A
Geschichte der Automobilindustrie ein neues Kapitel
auf=
geschlagen.
HenryFord hat die Preisgrundlage im Automobilbau erschüttert,
Kch
indem er durch eine ungeahnte und in ihren wesentlichen
Elementen der Offentlichkeit zur Stunde noch unbekannte
Ver=
vollkommnung seiner Mittel und Methoden einen neuen Wert=
Standard geschaffen hat.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 30
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Vereine, die im Laufe des Sommers das
Rhein=
land und Deutſchland beſuchen werden, ſteigt immer
mehr. Das deutſche Sängerfeſt in Wien und das
deutſche Turnfeſt in Köln, das bekanntlich vom
21. bis 31, Juli ſtattfindet, ſind die ſtärkſten
An=
ziehungspunkte der amerikaniſchen Deutſchlandfahrt.
Der New Yorker Turnerbund kommt geſchloſſen nach
Deutſchland und hat hierzu ein beſonderes Schiff,
den 18000 Tonnen großen Dampfer „Republik”
ge=
chartert. Außerdem wird auch die Steubengeſellſchaft
in großer Stärke vertreten ſein.
Ueber 7000 Mark Lohngelder geraubt.
Bernburg (Saale). Am Freitag mittag wurde
auf der vor der Stadt gelegenen Aue ein
Raub=
überfall verübt. Der Meiſter der Deutſchen Solvay=
Werke trug gerade die Lohngelder nach dem ihm
unterſtellten Steinbruch. Plötzlich trat ein hinter
einem Pfeiler verſteckter Mann vor ihn hin und
drückte einen Revolver ab. Der Meiſter wurde
glück=
licherweiſe nur an der Wange verletzt, taumelte aber
und ließ dabei die Aktentaſche mit 7300 Mark
Lohn=
geldern fallen. Der Täter lief, nachdem er die
Taſche an ſich genommen hatte, der Stadt zu, wurde
noch eine Strecke lang von dem Meiſter verfolgt,
konnte dann aber unerkannt entkommen.
Freiin Anna v. Maltzan tödlich verunglückt.
Berlin. Die 77jährige in Berlin wohnhafte
Freiin Anna v. Maltzan, eine Verwandte des
ver=
ſtorbenen Botſchafters v. Maltzan, wurde am Freitag
abend beim Ueberſchreiten einer Straße von einem
Kraftwagen angefahren und zu Boden geworfen.
Mit einem Bruch des rechten Oberſchenkels und
einem Oberkieferbruch fand ſie Aufnahme in einem
Krankenhaus, wo ſie kurz darauf verſtarb.
Es gibt ſechzehnmal ſo viel Dumme,
wie man glaubt.
Berlin. Daß die Dummen nicht alle
wer=
den, geht aus einer Meldung eines Blattes aus
New York hervor. In der „New York Sun” erſchien
kürzlich ein Inſerat folgenden Inhaltes: „Bringt
mir einen Dollar. Smith, New Bon Street 21.‟
Am folgenden Tage erſchien die zweite Aufforderung
mit den Worten: „Ihr könnt den Dollar noch bis
morgen einzahlen.” Und tags darauf brachte ein
drittes Inſerat die letzte Mahnung: „Wenn ihr den
Dollar nicht bis morgen gebracht habt, iſt es zu
ſpät.‟ Ein wißbegieriger Reporter, der dem Drange,
die merkwürdige Sache aufzuklären, nicht zu
wider=
ſtehen vermochte, begab ſich nach der bezeichneten
Wohnung, um Herrn, Smith zu interviewen. Er
fand, aber nur einen Sekretär vor, der ſich zwar
durchaus bereit fand, einen Dollar anzunehmen, ſich
im übrigen aber vollſtändig zugeknöpft verhielt. In
der Folge ſtellte ſich dann heraus, daß Herr Smith
ein ſteinreicher Mann war, der mit einem
Be=
kannten um einen anſehnlichen Betrag gewettet hatte,
daß auf ſein Inſergt hundert Dummköpfe
herein=
fallen würden. Er hatte indeſſen die Zahl derer, die
nicht alle werden, viel zu niedrig eingeſchätzt. In
Wahrheit betrug die Zahl der gedankenloſen
Geld=
geber nicht weniger als 1600.
Großfeuer im Weſterwald.
Ellar. Freitag abend gegen 7,30 Uhr brach
hier in einer Scheune ein Brand aus, der durch den
ſtarken Sturm ſich bald auf zwei benachbarte maſſive
Scheunen ausdehnte. Nach angeſtrengter Tätigkeit
der auf den Brandplatz herbeigeeilten elf
Nachbar=
wehren gelang es gegen 10 Uhr abends, das Feuer,
durch das ein Teil des Dorfes ſelbſt ſtark bedroht
war, auf ſeinen Herd zu beſchränken. Mit den drei
Scheunen, die faſt vollſtändig niedergebrannt ſind,
wurden ſämtliche Erntevorräte ein Raub der
Flammen.
Warenhausbrand.
Hamburg. Nach einer Meldung entſtand am
Freitag abend im Warenhaus Karl Stephan in
Dömitz a. E. ein Großfeuer, das ſich mit großer
Schnelligkeit ausbreitete. An eine Bergung von
Waren war nicht zu denken. Nachdem das Feuer
etwa eine Stunde gewütet hatte, ſtürzte das
Waren=
haus unter lautem Krachen zuſammen. Der
Sach=
ſchaden wird auf 120—150 000 Mark geſchätzt.
Die verſpekulierten Mietgelder.
Zu der Affäre „Unione Immobiliare Italo=
Te=
desca” wird mitgeteilt, daß der Geſchäftsführer, der
Kaufmann Leiner, am Freitag eingehend vernommen
worden iſt. Er gibt zu, daß er einen Teil des
Geldes, das er für ſeine Mandanten eingezogen
hatte, zu Spekulationen gebraucht hat. Weil kein
Fluchtverdacht mehr vorliegt, ſo iſt Leiner auf freien
Fuß geſetzt worden. Das Verfahren nimmt ſeinen
Fortgang.
Die Weltmeiſierin im Eiskunſtlauf
Sonja Henie,
die kaum ſechzehnjährige Welt= und Europameiſterin
im Eiskunſtlauf, gilt als die beſte Favoritin der
Olympiſchen Winterſpiele. (Neueſte Aufnahme.)
Hochwaſſer in Holland.
Die heldenmütige Rettungsmannſchaft von Whitehaven.
Eine Schlagwetterexploſion im Bergwerk Haig Pit bei Whitehaven (England) hat 13 Arbeiter
ſofort getötet. Die übrigen, von Lebensgefahr bedrohten, zum Teil ſchwerverletzten Bergleute
konnten dank der tapferen Hilfe der Rettungsmannſchaft am den Tag gebracht werden.
Japans erſte Untergrundbahn.
Das Ueberſchwemmungsgebiet bei Magſtricht.
Die Reuſe iſt bei Maaſtricht in Holland weit über ihre Ufer getreten und hat Felder und
Straßen überflutet.
Sie haben viele Kameraden gerettet.
Ein Untergrundbahnhof in Tokio.
Sogar im Lande der aufgehenden Sonne muß ein Teil des weltſtädtiſchen Verkehrs unterirdiſch
abgewickelt werden. Die neue Untergrundbahn von Tokio wurde kürzlich eröffnet. Unſer Bild
zeigt, daß die Bahnhöfe ganz nach europäiſchem Muſter eingerichtet und mit Wandreklame
aus=
geſtattet ſind.
Das Apachenunweſen in Paris.
EP. Die Pariſer Polizei hat zwei berüchtigte
Apachen verhaftet. Der eine davon nennt ſich ſtolz
„Der Schrecken des Bois de Boulogne” und der
andere „Der Totſchläger”. Die Verhaftung, die im
Bois de Boulogne erfolgte, geſtaltete ſich ziemlich
aufregend, da die Apachen ſchwer bewaffnet waren
und von ihren Waffen Gebrauch machten,
glücklicher=
weiſe ohne einen der Poliziſten zu verletzten. Der
„Schrecken des Bois de Boulogne” hat eingeſtanden,
daß er im Verlaufe ſeiner Tätigkeit mehr als 30
bewaffnete Angriffe ausgeführt hat. Der eine der
Verhafteten iſt 27, der andere 28 Jahre alt. In
ihrer Wohnung wurden große Geldbeträge, Juwelen
und ſonſtige Wertgegenſtände aufgefunden. Die
bei=
den Banditen ſcheinen das Haupt einer Bande zu
beſonders im Sommer ihre Tätigkeit
aus=
nn das Bois de Boulogne zum Stelldichein
Spaare und zum Schauplatz der Orgien der
en beſſeren Pariſer Geſellſchaft wurde. —
igen Tagen verbreiten zwei Apachen im
oßen Schrecken in verſchiedenen Stadtteilen
is. Sie erſcheinen wie ſeinerzeit die
Mit=
er Bande Bonnot vor dem Krieg
unver=
einer beſtimmten Stelle, halten ihr Gefährt
fallen einen Paſſanten, zwingen dieſen mit
tenem Revolver zur Herausgabe ſeiner
Brief=
d verſchwinden ebenſo roſch wieder im Auto
letzten Tagen ſind fünf Angriffe dieſer Art
t worden. Bisher iſt es bei dieſen
Ueber=
och ohne Mord abgegangen. Die
Nach=
en der Polizei ſind bis jetzt ohne Ergebnis
Hochwaſſer in Frankreich.
EP. Paris. Die Hochwaſſermeldungen häufen
ſich aus allen Teilen des Landes. In Paris iſt die
Seine am Freitag um 35 Zentimeter geſtiegen.
Im=
merhin iſt der Fluß in Paris noch nirgends über
die Ufer getreten. In Lyon dagegen hat die
Ueber=
ſchwemmung an Ausdehnung zugenommen. In dem
Lyoner Vorort Villeurbanne mußten 500 Perſonen
ihre Wohnungen räumen. Da unlautere Elemente
verſucht hatten, die geräumten Wohnungen zu
plün=
dern, wurde ein ſcharfer Sicherheitsdienſt eingerichtet.
Die Eiſenbahnverbindungen ſind an verſchiedenen
Stellen im Rhonetal unterbrochen, ſo zwiſchen Lyon
und Aubérieu. Die Linie Lyon—Straßburg iſt in
der Nähe von Bourg unterbrochen. Die Züge
müſ=
ſen über Dijon umgeleitet werden. Die Linie
Gre=
noble—Lyon iſt in der Nähe von Rives
über=
ſchwemmt. In der Stadt Valence im Nhonetal
ſtehen ebenfalls mehrere Viertel unter Waſſer. In
Straßburg iſt ein Rheindamm auf einer Länge von
4,50 Meter eingebrochen. Auch in Straßburg iſt der
Rhein im Steigen begriffen und dürfte in den
näch=
ſten Tagen noch mehr anſchwellen. In der Nähe von
Verdun iſt die Mags über die Ufer getreten und hat
die Wieſen auf eine große Ausdehnung
über=
ſchwemmt. Auch in Nantes werden
Ueberſchwem=
mungen befürchtet, und es ſind entſprechende
Sicher=
heitsvorkehrungen getroffen worden.
Eine Mädchenhändleraffäre.
* Paris. Im Zuſammenhang mit einer Diebes=
und Hehlergeſchichte kam man in dem nahegelegenen
Nogent einer Mädchenhändleraffäre auf die Spur.
Ein 50jähriger Makler hatte ſeinem Arbeitgeber
durch Fiktivbeſtellungen für 30 000 Franken Stoff zu
entwenden gewußt, die er bei der Händlerin eines
Cafés, einer Madame Lemaire, in Verwahrung gab.
Als der Beſtohlene, der Dieb und die Hehlerin auf
dem Polizeirevier vernommen wurden, ging ein reich
gekleideter Herr vor der Wache auf und ab, um den
geſchädigten Kaufmann zu ſprechen. Als der
Polizei=
ſekretär ſich als der Gewünſchte ausgab, bot ihm
der Wartende 20000 Franken an, wenn er die Klage
im Intereſſe der Madame Lemaire zurückziehe. Auf
der Polizeiwache entpuppte ſich der Mann als ein
Herr Bonhomme, der einen ſchwunghaften
Mädchen=
handel betrieb und es beſonders auf Minderjährige
abgeſehen hatte. In ſeiner Wohnung wurden
ge=
fälſchte Geburtsregiſter aufgefunden, in denen mit
einem Federſtrich die allzu jugendlichen Opfer in den
Beſitz der Volljährigkeit kamen. In der Wohnung
dieſes Herrn, der zwei Automobile beſitzt, fand man
auch Verſatzſcheine über wertvolle Juwelen, über die
er ſich nicht ausweiſen konnte.
Dammbruch an der Weichſel.
Warſchau. Der Weichſeldamm iſt bei Karczew
geborſten, und der Fluß hat eine größere
Land=
ſtrecke überfkutet. Die Bevölkerung beziffert den
durch die Ueberſchwemung angerichteten Schaden
auf eine Million Zloty.
Späte Aufklärung einer Kindertragödie.
Madrid. Bei Erdarbeiten in einem noch nicht
bebauten Teil einer Straße wurden am Freitag die
Gebeine dreier Kinder gefunden. Nach den dabei
aufgefundenen Reſten von Kleidungsſtücken, die von
den Angehörigen wiedererkannt wurden, handelt es
ſich um drei Mädchen, die ſeit 3½ Jahren auf
uner=
klärliche Weiſe verſchwunden waren. An der Stelle,
wo der unheimliche Fund gemacht wurde, befand
ſich ſeinerzeit ein kleiner Hügel, in den Landſtreicher
eine Höhle gegraben hatten. Die Kinder ſpielten
ge=
wöhnlich in dieſer Höhle, und man nimmt an, daß ſie
durch einen teilweiſen Einſturz derſelben verſchüttet
wurden.
Schweres Bootsunglück bei San Francisco.
21 Perſonen ertrunken.
San Francisco. Auf dem zwiſchen San
Francisco und Oakland verkehrenden Fährboot „
Pe=
ralta”, ereignete ſich am Freitag nachmittag eine
ſchwere Kataſtrophe. Durch eine Sturzwelle, die
über das niedrige Vorderdeck ging, wurden etwa
40 der Paſſagiere über Bord geſpült. Es gelang,
19 Perſonen zu retten, die übrigen ſind ertrunken.
Der zurückgebliebenen Paſſagiere bemächtigte ſich
eine Pgnik.
Moderner Zweckbau in Hamburg.
„Das Haus auf den Schienen.”
Das neue Haus des Geſundheitsamts in Hamburg
ſtellt den gelungenen Typ eines modernen
Zweck=
baues dar. Das Gebäude iſt über der Bahnſchneiſe
der Untergrundbahn in Hamburg errichtet, ohne daß
der Betrieb und der Fahrplan der Hamburger
Unter=
grundbahn dadurch geändert und geſtört wurde.
Geite 14
Conntag den 19 Februar 1928
Nummer 50
Epoln, Sper und Tarnen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
II. Olympiſche Winterſpiele
in St. Moritz.
Gillis Grafſiroem Sieger im Herren=
Kunſi=
laufen.
St. Morit, 17. Februar.
Der Vorſprung, den ſich der Schwede Gillis Grafſtroem in der Kür
bes Herren=Kunſtlaufens verſchaffte, hat doch genügt, nicht nur den
Ooſterreicher Böckl einzuholen, ſondern ſogar noch zu übertreffen. Mit
ſeinen glänzenden Leiſtungen im Kürlaufen errang Grafſtroem den Sieg
der Konkurrenz, der um ſo mehr verdient iſt, als er im Pflichtlauf unter
einer Indispoſition lief. Die genauen Punktzahlen ſind noch nicht
aus=
gerechnet, die Klaſſierung aber ſtellt ſich wie folgt:
1. Gillis Grafſtroem=Schweden Platzziffer 11: 2. Ing. Willi Böckl=
Oeſterreich Platzziffer 14; 3. van Zeebroek=Belgien Platz 27; 4. Karl
Schäfer=Oeſterreich Platz 35; 5. Sliva=Tſchechoflowakei 36; 6. Nikkanen=
Finnland 46; 7. Brunet=Frankreich 50; 8. Wrede=Oeſterreich 53; 9. Page=
England 62: 10. Turner=Amerika 67; 11. Badger=Amerika 73: 12. Paul
Franke=Deutſchland Platzziffer 76; 13. Wilſon=Canada 92.
Kanada ſchlägt England 14:0.
Die weiteren Eishockeyſpiele, — Kanada nicht mehr einzuholen. —
Schweden dominiert unter den Europäern.
St. Moritz, 18. Febr. (Eig. Drahtber.)
Das Wetter im Engadin hat ſich nicht mehr geändert. Nach wie vor
hält ſich die Temperatur unter Null, der Himmel iſt dabei klar und
wolkenlos. Die Stimmung läßt infolgedeſſen auch nichts zu wünſchen
übrig. Als erfreulichſte Tatzſache kann regiſtriert werden, daß trotz der
unangenehmen Zwiſchenfälle am Dienstag und Mittwoch die 2.
Olym=
piſchen Winterſpiele glatt abgewickelt werden können. Bei einigem
Glück läßt ſich die Veranſtaltung ſogar wie vorgeſehen am Sonntag
ab=
ſchließen, nachdem man einige geſchickte Kürzungen vorgenommen hat.
Das Bobrennen wurde von vier auf zwei Läufe reduziert, der 10 000=
Meter=Schmellauf iſt ausgefallen und auch auf das Einlage=
Eishockey=
ſwpiel Kanada—Toronto hatte man verzichtet. Dadurch iſt der
Zeitver=
luſt zum großen Teil wieder wettgemacht worden.
Die gute Verfaſſung der Eisfläche auf dem St. Moritzer See läßt
eine einwandfreie Durchführung der Eishvckey=Endſpiele zu.
Am Samstag gab es vormittags zwei Treffen, die bereits für die
End=
placierung ausſchlaggebend ſind. Die Kanadier behalten ihre
Sonder=
ſtellung ein. 14:0 hieß das heutige Ergebnis gegen England und man
kann wirklich nicht behaupten, daß ſich die Gäſte von jenſeits des Ozeans
dabei beſonders angeſtrengt hätten. Bezeichnend iſt vielmehr gerade die
Erſcheinung, daß das Spiel mit 14 Toren gegen keines im
Handum=
drehen gewonnen wurde, daß es mehr eine Spielerei war als ein Kampf.
Die Favoritenſtellung unter den europäiſchen Nationen und den ſicheren
zweitem Platz im Geſamtklaſſement errang ſich Schweden durch einen
4:0 Sieg über die Schweiz, einen Sieg, der etwas höher ausſieht als
er in Wirklichkeit iſt. Das Programm des Sonntags bringt die beiden
letzten Eishockeyſpiele. Kanada wird die Schweiz ſchlagen und damit
auf den dritten Platz verweiſen während Schweden in England den
ſchwächſten Gegner der Runde trifft und ebenfalls ſicher gewinnen wird.
Amerika führt im Bobrennen. — Der 1. Lauf. — 24 Fahrzeuge nm Start.
Im Gegenſatz zum Creſta=Run am Vortage war die Bobbahn nur
in mittelmäßiger Verfaſſung, als am Samstag der evſte Lauf des
Bob=
rennens ausgetragen wurde. Die Kurven waren ſtellenweiſe noch etwas
weich und ungleichmäßig, aber immerhin genügte die Bahn durchaus zur
Abwicklung der beiden Läufe, wenn auch ſchließlich mit Nekordzeiten eben
nicht gerechnet werden kann. In Anbetracht der Verhältniſſe waven die
erzielten Zeiten des erſten Laufes ſogar ſehr gut. Am Start waren 24
Fahrzeuge, die das Rennen auf der genau 1519,4 Meter langen Bah
abſolvierten. Deutſchland war durch die von H. E. Endres und
Kilian geſteuerten Bobs „Deutſchland 1” und „Deutſcheind 2‟
ver=
treten. Die ſchnellſte Zeit des erſten Laufes fuhr der Amerikaner
„Amerika” unter Führung von William Fiſke mit 1:38,9 Min. heraus.
Faſt eine Sekunde mehr benötigte der nächſte Bob „Belgien 1” der
1:39,8 Min. hatte. Es folgte „Argentinien 1” in 1:40,2 Min. vor „
Eng=
land 1” 1:40,6 Min. Kilian benötigte mit „Deutſchland 2” zuſammen
mit „England 2” und „Schweiz 2‟ 1:41,7 Min., dagegen bvachte es
En=
dres mit „Deutſchland 1” nur auf 1:48.
Weitere Entſcheidungen in St. Moritz.
Drei norwegiſche Siege an einem Tag.
Die 2. Olympiſchen Winterſpiele in St. Moritz ſcheinen mit wenigen
Ausnahmen eine Angelegenheit der Norweger unter ſich zu ſein. Am
Samstag jedenfalls wurden die Skiwettbewerbe nur von Norwegern
ge=
wonnen und da auch an dem Sieg von Sonfa Henie im Damen=
Kunſt=
laufen nach den bisherigen Ergebniſſen kaum noch zu zweifeln ſein
dürfte, hat Norwegen damit an einem Tage drei plympiſche Siege
einge=
heimft. Den Anfang machte Johann Gröttumsbraaten im kombinierten
Lauf. Nach ſeinem Sieg im Langlauf brauchte er ſich beim Springen
nicht einmal ſonderlich anzuſtrengen. Gröttumsbraaten ſprang 49 und
56 Meter und gewann damit den kombinierten Lauf. Den weiteſten
Sprung erzielte hier der Deutſch=Böhme Purkert mit 62,5 Metern. Von
den Deutſchen hielten ſich Kröckl=Neuhaus (53,51½), Walter Glaß=
Ober=
ſachſenberg (45 und 55 Meter) recht gut. Böck=Neſſelwang ſchnitt bei
Weiten von 36 und 48 Metern nur mäßig ab und Guſtav Müller=Bahr.=
Zell ſtürzte bei 60 Meter, nachdem er vorher 41 Meter geſtanden hatte.
Unter ungeheuerer Beteiligung der Zuſchauer ging dann der reine
Sprunglauf in Szene. Auch hier war die Zahl der Sprünge von
drei auf zwei reduziert worden. Sieger wurde der Norweger Albert
Anderſen mit Weiten von 60 und 64 Meter. Sein Landsmann
ulin Thams ſtürzte bei der Leiſtung von 73 Meter. Von den
Deut=
ſchen erreichte Martin Neuner 50 und 57 Meter, Recknagel 48 und 62
Meter, allerdings in ſchlechter Haltung, Tannheimer 46 und 53 Meter.
Fußball.
Polizeiſporwerein — Viktoria Urberach.
Heute vormittag 11 Uhr findet auf dem Polizeiſportplatz das
Rück=
piel gegen Viktoria Urberach ſtatt. Der Polizeiſportverein war der
einzige Verein, der in der Vorrunde Urberach auf deſſen Platz ſchlagen
konnte. 3:1 lautete das Reſultat für die Poliziſten. Wenn der
Polizei=
portverein ſein Verbleiben in der Kreisliga geſichert ſehen will, muß
auch das Rückſpiel gegen Urberach gewonnen werden. Daß die Poliziſten
das Siegen nicht ganz verlernt haben, haben ſie letzten Sonntag gegen
Münſter bewieſen. So wie ſie damals in der erſten Hälfte des Spieles
kämpften, müſſen ſie es heute während der ganzen Spielzeit tun und der
Erfolg wird nicht ausbleiben. Hoffen wir, daß eine anſehnliche
Zu=
ſchauerzahl ihren einheimiſchem Spielern das nötige Rückgrat zum
Siege gibt.
FC. Union — 1. FC. Langen.
Heute nachmittag findet auf der Rennbahn (Heidelbergerſtraße)
die=
ſes intereſſante Treffen ſtatt, worauf alle Fußball=Anhänger ſehr
ge=
ſpannt ſind. Beide Mannſchaften treten in ſtärbſter Aufſtellung an; ein
Beweis, daß in beiden Lagern der Kampf, trotz bereits entſchiedener
Meiſterſchaft, noch hölliſch ernſt genommen wird. Langen einerſeits
möchte nicht gleich ſeine erſte Niederlage ausgerechnet in Darmſtadt als
Kreismeiſter beziehen; andererſeits will die Union beweiſen, daß ſie nicht
umſonſt lange als Anwärter betrachtet wurde, ſondern es noch heute ſein
könnte, könnte der Mannſchaft nur ihr zeitweiſer Leichtſinn und ihre
Leichtfertigkeit abgenommen werden. Deſſen ungeachtet: Heute kämpft
die Union um ihr Anſehen und um ihre Tabellenſtellung. — Bei dem
flinken Langener Sturm wird die hieſige Hintermannſchaft auf eine
harte Probe geſtellt. Man hat deshalb wieder den zuverläſſigen Rückert
in die Verteidigung genommen und dafür Seelbach in die Läuferreihe.
Der Sturm ſteht wie gewöhnlich, nur hat man für Porzel einen neuen
Spieler aus der Liga=Reſervemannſchaft entnommen. Ob und wie er
ſich bewährt, muß abgewartet werden; auf jeden Fall erſcheint er
durch=
ſchlagskräftiger, und das iſt gegen Langen erforderlich, gerade bei der
Stürmerreihe. — Hoffen wir noch auf gutes Wetter und einen
energi=
ſchen Schiedsrichter für dieſen Großkampf. Das Spiel beginnt um
halb 3 Uhr.
*Fußball im Kreis Starkenburg.
Nachdem der borige Sonntag ſo überraſchend ſchnell den
diesjähri=
gen Meiſter des Kreiſes gebracht hat, könnte es den Anſchein erwecken,
als ob die reſtlichen Punktkämpfe des Intereſſes entbehren würden. Dem
iſt aber nicht ſo. Einesteils ſorgen die Kämpfe der am Tabellenende
ſtehenden Mannſchaften für die nötige Spannung, zum andaren bergen
die Treffen der meiſt gleichſtarken Gegner auch nach der
Meiſterermitt=
ung noch ſo viel Reiz in ſich, daß man den kommenden Spielen
eben=
falls das nötige Intereſſe entgegenbringt. Das Programm des
Sonn=
tags beſagt genug:
Union Darmſtadt — 1. FC. Langen.
Viktoria Walldorf — Sportverein Münſter.
Polizeiſportverein Darmſtadt — Viktoria Urberach.
Germania 03 Pfungſtadt — T.u. SV. Mörfelden.
Fußballverein Sprendlingem — Viktoria Griesheim.
Das Antreten des neuen Kreismeiſters in Darmſtadt dürfte viele
Intereſſenten anlocken. Iſt die Union auf der Höhe, ſo ſollte ſie dem
Meiſter einen gleichwertigen Kampf liefern können, deſſem Ausgang
völ=
lig offen erſcheint. In Walldorf dürfte Münſter in ſeinem letzten
Ver=
bandsſpiel keine Vorbeeren einheimſen. Auch die Polizei müßte mit
Ur=
berach fertig werden, will ſie ſich aus der Endzone der Tabelle entfernen.
Das gilt auch für Pfungſtadt, das aber ebenfalls die beſſeren Chancen
hat. Und in Sprendlingen iſt die Lage gerade ſo. Die Einheimiſchen
haben nach ihrem Sieg über Pfungſtadt den Schritt geran, der ſie zum
Endziel, Sicherung der Kreisliga, führen kann. So verſprechen alſo alle
Kämpfe recht intereſſanden Sport,
In der A=Klaſſe geht es ebenfalls der Klärung entgegen.
Nach=
dem der VfR. Darmſtadt am Sonntag ſeinen Darmſtädter Ortsrivalen
Eintracht mit 4:1 ſo glatt aus dem Felde ſchlagen konnte, müßte es ſchon
recht ſeltſam zugehen, wenn die Nafenſpieler ihr Ziel nicht erreichen
ſollten. Vielleicht noch nicht am heutigen Sonntag, wohl aber beſtimmt
zwei Wochen ſpäter. Am 19. Februar ſehen wir folgende Vereine im
Treffen:
Germania Eberſtadt — Sportverein Geinsheim.
Sportverein Lengfeld — Boruſſia Dornbeim.
FSV. Michelſtadt — Haſſia Dieburg.
Sportverein Groß=Gerau — Eintracht Darmſtadt.
VfR. Darmſtadt — Sportverein 98 Neſerve.
Mit Ausnahme des Spieles in Michelſtadr ſowie des letztgenannten
in Darmſtadt, die beide offen erſcheinen, ſollten überall die Platzvereine
als Sieger hervorgehen.
In der Meiſterſchaft der B=Klaſſe iſt noch keine Entſcheidung
ge=
fallen. Wohl vermochte der Sportverein Weiterſtadt am letzten Sonntag
ſeinen Roßdörfer Rivalen mit 7:0 recht überzeugend zu ſchlagen, aber
noch müſſen die Weiterſtädter in Roßdorf das vor 14 Tagen ausgefallene
Spiel wiederholen. Und deſſen Ausgang erſcheint recht zweifelhaft.
Neuer Termin iſt noch nicht feſtgelegt.
Sonntag, 19. Febr. 8.30: Morgenfeier. O 11: Mittelſchullehrer
Krupp: Warum ich in der Kinderſtube Poſtkutſche fahre. O 11.30:
Ein Gang durch eine große Brotfabrik. O 12.30: Konzert der Ungar.
Kapelle. O 15: Ilſe Helene Roettgen: Aus dem deutſchen
Märchen=
born. Sophie Reinheimer: Frau Mieze ſpinnt. Anna Wahlenberg:
Der arme Palle. R. Zoozmann: Das Schneeglöckchen. Sophie
Reinheimer: Roſenmontag. R. Baumbach: Der fleißige Quaſe und
der faule Quiſe. Der Pfannekuchen. O 16: Funkorch. Karnevals=
Operetten und Walzer. Strauß: Ouv. Carneval in Rom. — Bayer:
Für den Karneval. — Lehar: Pierrot und Pierrette. — Kalman:
Polp. aus Faſchingsfee. — Strauß: Ouv. Fledermaus. —
Schram=
mel: Faſchingskrapfen. — Lehar: Potp. aus Graf von Luxemburg.
Ziehrer: Faſchingskinder. o 17.30: Fr. Pütz: Faſching
München. O 18: Prof. Matſchoß: Menſch und Technik. o 18.30:
dr. Buſſe: Kritik der Technik. O 19: Dr. Kranz und Peng: Heitere
Stunde. O 20.30: Konzert des Harmonieorch, des Frankf. Orch.. — Anſchl.: Sport. — Darauf: Tanzmuſik. Kapelle
Pinkus=Langer,
Stuttgart.
Sonntag, 19. Febr. 12: Schloßplatz Stuttgart: Promenaden=
Konzert. Muſikkorps 1. Gren.=Batl. Leit. Obermuſikm. Müller,
13.15: Schallplattenkonzert. O 15.15: A. Kampitſch, Rottweil:
Faſtnacht in alter und neuer Zeit. O 15.45: Stadthalle Stuttgart:
Konzert des Ruſſiſchen Staatschores. Leit.: Prof. Klimoff. O 18.15:
hüringer Stunde. Heimatklänge in Poeſie und Proſa, mit Geſang.
Verfaßt und für den Rundfunk bearb. von K. Drehmann. Leit.:
G. Ott. Mitw.: Hildegard von Zedtwitz, Maria Waldner, Karl
Drehmann. O 19.30: Liederhalle Stuttgart: Faſchings=Reunion
des Stuttgarter Liederkranzes. Ausf.: Philharm. Orch. Leit.: Dir.
J. Leimeiſter. Gilbert: Jung muß man ſein. — Translateur: Wiener
Praterleben. — Schreiner: Muſikaliſche Täuſchungen, Potp.
Tanzſpiele aus der Revue in Blau. — Suppe: Ouv. Banditenſtreiche,
Melodien aus Bizets Carmen.
Strauß: Frauenlob.
Tanzſpiele aus der Revue in Blau. — Komzak: Luſtiges Marſchpotp.
Strauß: Wiener Ballhausklänge. — Vollſtedt: Luſtige Brüder.
— Offenbach: Ouv. Orpheus in der Unterwelt. — Verſchiedene
Einlagen, Leitung und Anſage: Staatsſchauſpieler Marx. O 22.303
Sportfunk. Nachrichten.
Sonntag, 19. Febr. 9: Morgenfeier. Mitw.: Mary Schneider=
Förſte (Sopran), E. Anderſohn (Orgel), Kirchenchor Zwingli,
Bibel=
precher Joh. Schulzke, Pfarrer Ungnad. — Anſchl.: Glodengeläute
des Berliner Doms. o 11.30: Funk=Matinee. Funkorch. Dvoraf:
Ouv. Karneval. — Leoncavallo: Fant. Bajazzo. — Liſzt: Peſther
Karneval. — Maria Ney erzählt Waterkantiges. — Saint=Saens:
Rondo capriccioſo.
Nicode: Faſchingsbilder. O 14:
Einheits=
kurzſchrift. e 14.30: Viertelſtunde für den Landwirt. o 14.55:
Prof. Dr. Fiſcher: Kraftpflüge. O 15.30: Abenteuer des Kapitän
Funk. 16: Das Internationale Schachmeiſterturnier. Am
Mikro=
phon: Schachmeiſter Poſt und Nebermann. o 16.30: Neues
Ton=
künſtler=Orch
Bizet: Marſch aus Carmen. — Offenbach: Ouv.
Orpheus.
Wagner: Einl. zum 3. Akt und Brautchor aus
Lohen=
grin.
Strauß: An der ſchönen blauen Donau. — Verdi: Hymne
und Triumphmarſch aus Aida. — Radecke: Aus der Jugendzeit,
Paraphraſe. — Zeller: Potp. aus Vogelhändler. — Metra: La
Serenade, ſpan. Walzer. —
Reckling: Revuemarſch.
19:
Chefred. Dr. Elert: Journaliſt und Sport. o 19.25: Staatsmin.
Dr. Höpker=Aſchoff: Johs. von Miquel, ein Vorkämpfer deutſcher
Einheit. Zum 100. Geburtstag. O 19.55: Perſonenverzeichnis zur
nachfolgenden Uebertr. 20: Theater des Weſtens: „Münchhauſens
letzte Liebe”. Operette in 3 Akten, Muſik von Steffan. — Während
einer Pauſe: Wetterdienſt, Tagesnachrichten, Zeitanſage,
Sporinach=
richten. — Tanzmuſik (Kapelle Kermbach)
Stettin. 9: Morgenfeier „Die große Stunde im Menſchenleben”.
Inſtrumental=Abt. der Bismarck=Oberrealſchule. Bibelrezit.: H. G.
Stamm. A. Scheltz (Barfton). Paſtor Karig.
Deutſche Welle. Sonntag, 19. Febr. 9: Berlin: Morgenfeier,
11.30: Gr. Schauſpielhaus: Funk=Matinee. Berl. Funkorch. Dir
Seidler=Winkler. Maria Ney (Rezit.). o 14: Nebermann: Schach,
14.30: Berlin: Für den Landwirt. Wochenrückblick. o 14.55:
Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Fiſcher: Kraftpflüge. O 15.30: Abenteuer
des Kapitän Funk. o 16: Das internationale Schachmeiſter=Turnier.
16.30: Berlin: Neues Tonkünſtler=Orch. Leit.: Kapellm. Schulze=
Wittenberg. O 18: Prof. Dr. Matſchoß: Menſch und Technik.
18.30: Dr. Buſſe: Kritik der Technik. 0 19: Prof. Dr. Poll:
Ueber Atavismus oder Rückſchlag und Ahnenerbe. o 19.55: Berlin:
Perſonenverzeichnis. D 20: Theater des Weſtens: „Münchhauſens
letzte Liebe”, Operette von Steffan. — Anſchl.: Nachrichten. —
Danach: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 20. Februar
(nach der Wetterlage vom 18. Februar).
Wolkig, weitweiſe trüb und regneriſch, mild.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftlettung. Rudolt Mauve
Verantwortlich für Poſitſk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
ür den Handel:
r:
r. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Baue
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Neite; ſür den Inſeratenteil: Willy Kuble: Druc
und Verlag: L. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten
Uhr Iar Weustee
Atttldte
Aaikt amaudt fot. Kandaint i ir Ar Onol
Mi kautes Nacantte aussssstoneie sisite
In anun sorbsserte sastiantte
Ulmenried M An ristien SsJoatnttt
IRdh
6
Mife
11t Eckstein durch die Welt
in jeder Ulmenried-Packung eines der schönen Reisebilder
aus aller Herren Länder!
(I. Dr.2806
[ ← ][ ][ → ]Nummer 50
Sonntag, den 19. Februar 1928
Seite 15
Die Steglitzer Schülertragödie
vor Gericht.
Die Sachverſtändigen haben das Wort.
Berlin, 18. Februar.
Um 10.15 Uhr betritt der Angeklagte Paul Krantz den
Gerichts=
ſaal. Er nimmt am Sachverſtändigentiſch vor der Anklageſchranke
Platz. Neben ihm ſitzt der behandelnde Arzt und eine Krankenſchweſter,
die ein Arzneifläſchchen neben ſich ſtehen hat. Rechtsanwalt Dr. Frey,
der mit dem Angeklagten gekommen iſt, hat zunächſt neben dem Tiſche
Aufſtellung genommen, während noch der Offizialverteidiger
Nechts=
anwalt Schulz den Verteidigerplatz einnimmt. Der Angeklagte Paul
Krantz, der heute einen viel friſcheren Eindruck macht, als am letzten
Verhandlungstage, antwortet auf die Frage des Vorſitzenden, daß er
ſich verhandlungsfähig fühle. Als der Vorſitzende den Verteidiger
auf=
rief, erklärte Rechtsanwalt Dr. Frey: „Ich melde mich als
Vertei=
diger!‟ Der Vorſitzende Landgerichtsdirektor Duſt betonte, das
Ge=
richt nehme mit Befriedigung davon Kenntnis, daß der fülihere
Ver=
teidiger Herr Rechtsanwalt Dr. Frey die Verteidigung wieder
über=
nommen habe, was der Erledigung des Prozeſſes ſehr förderlich ſein
dürfte. Dadurch erübrigt ſich die Beiordnung eines Pflichtverteidigers.
Der Vorſitzende nahm die Beſtellung des Rechtsanwalts Schulz zurück
und ſpricht ihm den Dank für ſeine Bemühungen und den Eifer aus,
mit dem er ſich der Einarbeitung unterzogen habe. Rechtsanwalt Schulz
dankt für das ihm erwieſene Vertrauen und erwidert, er freue ſich über
die Löſung, die von vornherein von ihm beabſichtigt war. Zeugen
waren zunächſt nicht erſchienen. Nach einiger Zeit trat der Vater des
Angeklagten Paul Krantz in den Saal. Auf den literariſchen
Sach=
verſtändigen Arnold Bronnen, der nicht erſchienen war, wurde von der
Verteidigung verzichtet. Die eigentliche Verhandlung begann mit der
Vernehmung des pſychologiſchen Sachverſtändigen, Oberſtudiendirektor
a. D. Profeſſor Dr. Goldbeck, der darauf hinwies, daß der
Ange=
klagte von ſeinem Hauſe und von ſeiner Erziehung aus verſtanden
werden müſſe. Wenn ein Menſch ſich nicht in ſeiner Jugend ausleben
könne, dann tue er es nachher. Hinzu komme der bei allen Knaben
vorhandene Erlebnishunger. Nach den Erlebniſſen und der ganzen
Veranlagung von Krantz habe er ſich bei Begehung der Tat nicht im
Vellbeſitz ſeiner Geiſteskräfte befunden. Der § 51 ſei bei ihm
anzuwen=
den. Seine Geiſtesverfaſſung ſei in der Unglücksnacht ſo geweſen, daß
auch der § 51 für ihn nicht nur für die Nachtſtunden, ſondern auch für
die Morgenſtunden zur Anwendung kommen müſſe. Nach dem Gut=
achten der Oberſchulrätin Dr. Wegſcheider erlitt der Angeklagte wieder
einen Schwächeanfall. Die Sitzung wurde auf eine Stunde
unterbro=
chen. Dann wurde im Einvernehmen mit ſämtlichen Prozeßbeteiligten
in Abweſenheit des Angeklagten Krantz, der ſich noch nicht
wieder erholt hat, weiter verhandelt. Als Sachverſtändiger
Dr. Hirſchfeld das Wort nehmen will, beantragt der Staatsanwalt den
Ausſchluß der Oeffentlichkeit, wenn der Sachverſtändige eingehend die
ſexuellen Fragen behandeln wolle. Sachverſtändiger Dr. Hirſchfeld
er=
klärt, daß er ſeine Ausführungen ſo geſtalte, daß ein Ausſchluß der
Oeffentlichkeit nicht erforderlich ſei. Der Sachverſtändige Dr. Goldberg
ſchließt ſich darin an, daß eine Gehirnbeeinfluſſung auch noch am
Mor=
gen vorhanden geweſen iſt — bis zu welchem Grade, könne man
aller=
dings nicht ſagen. Er habe deshalb für den Morgen begründete
Zwei=
fel an der freien Willensbeſtimmung. Aus dem Verhalten des Krantz
müſſe aber auch geſchloſſen werden, daß er tatſächlich von dem Plan,
der gar nicht in ſein ganzes Weſen paßt, vollſtändig abgelaſſen hatte.
Der Vorſitzende wirft dann die Frage auf, ob weitere
Sachverſtändigen=
vernehmungen noch erforderlich ſeien. Es wird aber von beiden
Sei=
en auf die Vernehmung nicht verzichtet. Der Staatsanwalt erklärt,
daß er ein Gutachten des Sachverſtändigen Placek über Hilde Scheller
nicht mehr brauche. Placek ſoll aber über den Angeklagten ausſagen.
30. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lotterie.
9. Tag der 5. Klaſſe. In der Vormittags=Ziehung fielen:
2 Gewinne zu je 10 000 Mark auf Nr. 262 525; 4 Gewinne zu je :000
Mark auf Nr. 77 955, 85 768; 18 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr.
23 261, 31 237, 34 530, 90 000, 102 910, 127 746, 144 798, 209 898, 266 47
14 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr. 43 585, 141 717, 176 779, 198 152,
279 676, 301350, 322 780; 22 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 14 517,
30 225, 48 949, 108 042, 118 423, 132204, 168 608, 226 852, 256 377,
281 383, 306 628; ferner 68 Gewinne zu je 500 Mark und 182 Gewinne
zu je 300 Mark. In der Nachmittags=Ziehung fielen: 4 Gewinne
zu je 10 000 Mark auf Nr. 91 085, 221 999; 4 Gewinne zu je 5000 Mark
auf Nr. 94 552, 252 325; 6 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr. 156 856,
194 706, 247 207; 4 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr. 316 670, 364 697;
20 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 8262, 41595, 69 077, 130 043,
36 469, 161289, 211 814, 250 115, 328 256, 362570; ferner 52. Gewinne
Im
Gewinn=
zu je 500 Mark und 184 Gewinne zu je 300 Mark.
rade verblieben: 2 Prämien zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne
zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 200 000 Mark, 2 Gewinne zu je
100 000 Mark, 4 Gewinne zu je 75 000 Mark, 4 Gewinne zu je 50 000
Mark, 10 Gewinne zu je 25 000 Mark, 52 Gewinne zu je 10 000 Mark,
112 Gewinne zu je 5000 Mark, 290 Gewinne zu je 3000 Mark, 566
Ge=
winne zu je 2000 Mark, 1132 Gewinne zu je 1000 Mark, 3090 Gewinne
zu je 500 Mark, 7934 Gewinne zu je 300 Mark.
Geſchäftliches.
NSU=Sulmrad.
Es gibt Fahrräder zu unglaublichen Schleuderpreiſen. Meiſt
han=
delt es ſich um gewiſſenloſe Ausführungen. Ungenügende Bearbeitung,
ſchlecht gehärtete Lager, oberflächliche Maſſenarbeit und leichtfertige
Montage ſind die Merkmale derartiger Erzeugniſſe. Das Fahren auf
olchen Rädern iſt ein lebensgefährlicher Sport! — Es iſt daher
er=
freulich, daß die NSUI. Vereinigte Fahrzeugwerke A.=G., Neckarſulm
gegen dieſe ſogen. „billigen” Räder ein vollwertiges Qualitäts=Fahrrad,
das NSU.=Sulmrad, ſetzen können. Seine öldichten Kugellager, die
roſtſichere Lackierung, die gute Vernickelung geſtatten auch bei feuchter
Witterung ein angenehmes, leichtes Fahren, das durch den Einbau der
ſtabilen und zuverläſſigen NSU.=Freilaufbremsnabe zur höchſten
Aus=
wirkung kommt. Trotz des ſehr niedrigen Preiſes kann man ſich dieſer
Marke mit dem Gefühl unbedingter Fahrſicherheit anvertrauen. —
25 000 Fahrradhändler ſind davon unterrichtet worden, daß das
Sulm=
rad in ſeiner neuen, hervorragenden Ausſtattung der Fahrradſchlager
hinſichtlich Preis und Qualität für das Jahr 1928 iſt. Laſſen Sie ſich
das „Sulm=Rad” beim Fahrradhändler vorführen oder verlangen S
wenigſtens den neuen, farbigen Spezialproſpekt, der Sie über die
Eigenſchaften des guten und preiswerten Fahrrades reſtlos
auf=
klären wird.
Anläßlich der Leipziger Frühjahrsmeſſe 1928 werden wieder
Son=
derzüge mit zirka 30 Prozent Fahrpreisermäßigung gefahren. Eine
weſentliche Erleichterung für den Reiſenden beſteht darin, daß die
Züge aus D=Zug=Wagen zuſammengeſtellt werden und einen
Speiſe=
wagen führen.
Da die Züge vorausſichtlich wieder ſehr ſtark benutzt werden, iſt eine
baldige Löſung der Sonderzugskarten zu empfehlen. Wegen Auskunft
und Sonderzugsfahrkartenverkauf wende man ſich an die im heutigen
Inſerat genannten Stellen.
„Der Weg zur Schlankheit” iſt der Titel einer Broſchüre, in der
die Vor= und Nachteile der verſchiedenen Entfettungskuren beſchrieben
ſind und einwandfrei dargelegt wird, wie man auf angenehme, geſunde
Weiſe den überflüſſigen Fettanſatz beſeitigen kann und eine ſchlanke
elaſtiſche Figur erhält. Es geht daraus hervor, daß der aus
fett=
zehrenden, blutauffriſchenden Kräutern hergeſtellte Dr. Ernſt Richters
Frühſtückskräutertee ganz beſonders geeignet iſt, weil dadurch das viele
Fett aufgezehrt und die Neubildung verhindert wird. Wer ſich für
eine raſche Gewichtsabnahme intereſſiert und ſchlank und jung bleiben
will, verlange ſofort dieſe Schrift, die vom Inſtitut Hermes, München,
koſtenlos verſchickt wird.
Fluchtlinienplan.
Hausangebot.
Das ſtädtiſche Anweſen Karlſtr. 16
in guter Geſchäftslage ſoll verkauft wen
den. Preisangebote unter Angabe der
gewünſchten Zahlungsweiſe ſind bis
1. April ds. Is. hieher einzureichen.
Pläne und Umbauprojekt liegen im
Stadthaus, Zim. 51, zur Einſicht offen
Das Haus eignet ſich, ſehr gut zum
Ge=
ſchäftshaus. Ein Laden mit 2 großen
Erkern läßt ſich leicht einbauen.
Bewerber, die ſich zum Umbau
ver=
pflichten, erhalten den Vorzug. (st3190
Darmſtadt, den 14. Febr. 1928.
Der Oberbürgermeiſter.
abhel=
Auzgoizs sertauf.
Freitag, den 2. März 1928,
nach=
mittags 2 Uhr, werden im Gaſthaus
„Zur friſchen Quelle” in Schönberg
(Heſſen) bei Bensheim a. d. Bergſtraße
aus dem Forſtrevier Hohenſtein,
Diſtrikt Forſt, in 16 Loſen auf
ſchrift=
liches Angebot vergeben:
Fichte 243 Stämme 1.—4. Kl. — 310,20 fm
Buche 20
2. u. 3. „ — 13,09 „
2. . — 0,66 „
Lärche 1 Stamm
Klaſſeneinteilung nach der „Homa”
Das Holz iſt mit Rinde gemeſſen.
Gebote müſſen auf Vordrucken erfolgen,
die Los= und Nummer=Verzeichnis ſowie
die Verkaufsbedingungen enthalten und
gegen Voreinſendung von 1 RM. von
der unterzeichneten Stelle bezogen
wer=
den können.
Die Angebote ſind verſchloſſen und
mit der Aufſchrift „Holzvergebung
Hohen=
ſtein” verſehen, vor Beginn der
Ver=
gebung bei der Fürſtlichen Rentkammer
einzureichen.
Nähere Auskunft erteilt Herr
Revier=
förſter Kunkelmann, Hobenſtein, Poſt
324
Gadernheim (Odenwald).
Schönberg (Heſſ.), den 16. Febr. 1928.
Fürſtlich Erbach=Schönbergiſche
Rentkammer.
Der von dem Herrn Miniſter des
Innern am 10. vor. Mts. genehmigte
Fluchtlinienplan für die Nieder=
Ramſtädterſtraße zwiſchen
Ohly=
ſtraße und Böllenfalltor liegt gemäf
Art. 7 der Allg. Bauordnung beim Städt.
Hochbauamt zur Einſicht offen. (st3284
Darmſtadt, den 16. Febr. 1928.
Der Oberbürgermeiſter.
Holzverſteigerung.
Es werden verſteigert:
I. Freitag, 24. Februar Ifd. Js.
aus Diſtrikt I Eichen, Todtſchlag 23,
Plattenteil 24, Oberwäldchen 7,
Fuchs=
bau 19, 20, 21, Sellborn 26 und
Rinder=
teil 30: 25,5 rm Eiche Nutzknüppel
(Pfoſten); ferner: Scheiter, im
dabei Nutzholztaugliches —: 194
Buche, 114,7 Eiche, 1 Fichte; Knüppel,
rm: 19 Buche, 8 Hainbuche, 146 Eiche,
4 Lärche, 14 Fichte: Knüppelreiſig,
rm: 2 Buche, 66,7 Eiche, 1.8 Lärche;
Reiſig, Wellen: 2300 Buche: Stöcke,
rm: 13,7 Buche, 13,6 Eiche, 16 Fichte.
II. Dienstag, 28. Februar Ifd. Js
aus Diſtrikt I Eichen, Todtſchlag 22,
Rindenteil 31, 32: Scheiter, rm —
da=
bei Nutzholztaugliches —: 153,5Buche,
8 Hainbuche (rund), 120,4 Eiche, 5 Erle
(rund); Knüppel, rm: 92,4 Buche, 14
Hainbuche, 143,5 Eiche, 1 Fichte;
Knüp=
velreiſig, rm: 52 Buche, 55,7 Eiche;
Stöcke, rm: 29,2 Buche, 21 Eiche.
Zu=
ſammenkunft jedesmal 9‟, Uhr
vor=
mittags, am erſten Tag auf Kreuzung
Thomashüttenſchneiſe —Fuchsbauſchneiſe
um zweiten Tag auf Kreuzung
Koſaken=
ſchneiſe—Thomashüttenſchneiſe.
Hämt=
liches Holz iſt vorher einzuſehen.
UInterſtrichene Nummern werden nicht
verkauft. Auskunft durch Herrn Förſter
Schmidt zu Forſthaus Thomashütte.
Meſſeler Forſthaus, 17. Febr. 1928.
Heſſ. Forſtamt Meſſel. (3292
Nutz= u. Brennholz=
Verſteigerung.
Donnerstag, den 23. Februar
1928, um 9 Uhr beginnend, werden
aus den Forſtorten Aulſtatt u.
Schöppen=
berg an Ort und Stelle verſteigert:
Stämme:
Eiche I. Klaſſe 5 Stück — 1,88 fm
„ II.
„ III.
Akazien I.u. II.
Lärche I.
II.
Fichte I.
— 0,81
— 0,39
— 1,21
— 0,92
— 1,25
— 0,24
Reisſtangen:
Fichte V. Klaſſe 35 Stück — 0,45 im
VII.
—027
90
Scheiter, rm: Buche 193, Eiche 6
Kiefer 18; Knüppel, rm: Eiche 10,
Birke 8, Kiefer 10; Knüppelreiſig, rm:
Buche 53: Stammwellen: Buche 1000
Stück, Birke 500, Kiefer 700; Stöcke,
rm: Buche 10
(3319
Zuſammenkunft unterhalb Hof
Brei=
tenloh.
Nieder=Beerbach, den 18. Febr. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Nieder=Beerbach.
Pritſch.
Faſelvieh=Verkauf.
Die Gemeinde Groß=Zimmern bringt
am Dienstag, den 28. Februar 1928,
nachmittags 3 Uhr, im hieſigen
Rat=
hausſaal einen zur Zucht untauglichen,
in gutem Ernährungszuſtande
befind=
lichen
Faſelochſen
im Wege der öffentlichen Submiſſion
zum Verkauf. Die Gebote müſſen auf
das Pfund Lebendgewicht lauten und
ind bis zum genannten Termin bei der
unterzeichneten Stelle einzureichen,
wo=
ſelbſt auch die Verkaufsbedingungen
ein=
geſehen werden können.
(3263
Groß=Zimmern, den 17. Febr. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Groß=Zimmern.
Brücher.
Kleine Anzeigen An und Verkäufe uſo.)
finden durch das Darmſtädter Tagblatt
die weiteſte Verbreitung
Bekanntmachung.
Die am 16. Februar ds. Js. au
der Ludwigshöhe abgehaltene
Brenn=
holzverſteigerung aus der Förſterei
Böllenfalltor iſt genehmigt. Die
Ab=
fuhrſcheine können vom 21. ds. Mts.
ab bei den zuſtändigen Finanzkaſſen
und Untererhebſtellen eingelöft werden.
Ueberweiſung und erſter Abfuhrtag:
(3283
22. Februar 1928.
Darmſtadt, den 18. Febr. 1928.
Heſſ. Forſtamt Darmſtadt.
Ffuhlfaß ſteht zun
Verk. Gr.=Gerauer
Weg 7, an d.
Eſcholl=
brücker Str. (*4726
Elektriſches
Klavier
(erſtklaſſig, faſt neu)
umſtändehalber weit
unter Einkaufspreis
zu verkaufen.
Anfragen unt Z. 47
an die Geſchſt. (3117a
71
norſteigot
Mei
Die WOlzoeefte.gerung Mießbach
von Joh. Ph. Katzenmeier, Billings,
welche für Dienstag, den 21. Februar,
vormittags 10 Uhr, ausgeſchrieben iſt,
wird auf Montag, den 20. Februar,
nachmittags 2 Uhr, verlegt. (3276
Billings, den 19. Febr. 1928.
Joh. Phil. Katzenmeier.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung.
Nächſten Montag, den 20. Febr.
1928, vormittags um 9 Uhr
be=
ginnend, werden im Saale vom
Darm=
ſtädter Hof hier aus dem Seeheimer
Ge=
meindewald (Hochwald nachfolgende
Sortimente Nutz= und Brennholz ver=
ſteigert:
Stämme:
1. Eichen 5 Stück 2. Kl. 1,95 Im * 3. * 2,51 2. Buchen 2. * 1,47 „ 42 3. „ 26,68 3. 4. * 8,55 „ 3. Lärchen 4 * 1b * 0,70 „ 4. Fichten 1 2a * 0,31 „ Derbſtangen:
1. Lärchen 4 Stück 1. Kl.
2. Fichten
10
17
35
2.
3.
1.
2.
3.
0,36 fm
0,54 „
0,30 „
1,53 „
0,90 „
1,05 „
Reisſtangen:
1. Lärchen 28 Stück 4. Klaſſe
. 5. „
2. Fichten 55
4. „
117
6. „
„ 134
Bohnenſtangen:
3. Fichten 225 Stück.
3 rm Eichen=Rundſcheit
4 . Akazien=Knüppel.
Brennholz:
1. Buchen=Scheit 154 rm
Eichen=
17
20
Kiefern=
2. Buchen=Knüppel 68 rm
Eichen=
„ 25 „
Kiefern=
21 „
Kiefern=
4. Buchen=Stammwellen 1410 St.
Buchen=Aſtwellen 3140 Stück
110
Eichen=
„
420
Kiefern=
Die Bedingungen werden vor der
Verſteigerung bekanntgegeben. Bei
Bar=
zahlung ſowie innerhalb 4 Wochen
wer=
den 5%, Nachlaß, gegen Stellung ſicherer
Bürgſchaft wird Zahlungsfriſt bis 31.
Ok=
tober Ifd. Js. gewährt. Nähere
Aus=
kunft erteilt Förſter Dingeldein in
Seeheim.
(3180a
Seeheim, den 16. Febr. 1928
Heſſiſche Bürgermeiſterei Seeheim.
Roßmann.
urghori
Grantfärter Harvorricht vonr 10. deor. 4040.
Staatspapiere
a) Deutſche
D. Rchsanl. Ablöſ.
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Scheinen
D. Rchsanl. Ablöſ.
Schuld ohne
Aus=
loſungsſcheine..
Dt. Schutzgeb.=
Anl. ... ... ....
b Ausländiſche
5% Bos E.B 1914
1914
%n 2.,
98...
4½%0
1902...
42 Boönien ...
5% Bulg. Tabaf.02
4½2 Oſt. Staatsr
v. 1913. Kdb. 1918
141
½%0 Oſt. S
(lt Jnnsbr. Abk.
ilberr.
½% O
oldr.
(t. Junsbr. Abk.
4% einh. N. (k.).
3%0 Port. (Spz.)III
5%Num. am. R.03
4½%,Gold. 13
4½ am kon
4½ am. 05
420 Türk. (Adi 103
% „(Bagd.)
48(Bagt
190
unif.
4% 1911 Boll.
4½% Ung. St. 1913
((t Innsbr. 2
4½%Ung. St 191
((t Innsör. Abk.)
19. UInn.
Gold=
lt. Innsbr. Abk.)
4% Ung. Staatsr.
t. Innsbr. Abk.)
51:,
15.8
7.4
2.5
2.7
29.5
13.25
24.2
21.25
25. 25
24.8
49 Ung. Kronr. . .
3% Ung. Eiſ. Tor.
Außer.
enropäiſche
5%Mex.am. in. abg.
O1 „ äuß. 99
„ Gold 04 ſtf.
konſ. inn. „
4½%,Frrigat.
5% TamaulipasI,
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberechnung
80 Bad.=Badene
Stadt=Goldanl.
%Berl. H.=Bk. G.
D
„ „
„ „
„.
Li=
quid.=Pfandbr.
Berl. St. Gold
Darmſt. St.=G.
89.
Hyp.=Ban
Meining. Goldpf.
Dresd. St.=G.
7% Frkrft St.G.
Fri. Hyp.=Bl.
Boldpfbr.
790 Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfb
tf. Hyp.=Bk.
6% Fr
Goldpfbr.
Frkf. Hyp.=B.
Liquid.=Pfbr.
Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfk
rkf. Goldpfbr.
Frkf. Pfbr.=B
Goldpfbr
Frkf. Pfbr.=B1
Goldofbr.
6 Hamb. Hyp.=
Bk.=Liquid.=Pfbr.!
16
94
93
7.
T3.5
89
77.5
98.5
R.
82.5
81
82.5
Heidelb.:Stadt=
Holdanl. . .."
Heſſ. Land.=Bk.
Goldpfbr. . ..
7% Heſſ. Land.=Bl.
Goldpfbr. .. .."
% Heſſ. Land.=B!
Goldpfbr. . . . . .
8a
öckn.-Werk. 2
10%Komm Elekt
Cark(Hag./Gdo
0 Komm. Ldsk
Darmſtadt . . . .
D Land.=Kredi
K
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4O
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Goldanl. .....
1. Kraft Höck
Mainz.=St.=G.
Mannh. St.=G.
N.=Stahlw. 2
Naſſ. Ldb. Gol
„
Nbg. St. Gldal
9 Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
..
%0 Pfälz. Hyp.Bk.
Goldpfbr. ..."
6% Pfälz. Hyp.Bk.
Goldpfbr
.
½ PfälzHyp. B
ſiguid.-Pfbr.
forzh. St.=G.
maſ. St.=G.
Pr. Centr. Bd.
Cr.-Bk. Goldpfbr.
„Liu dBſor=
Vr. Centr.=St.
ſchafts=Gldpfbr
Pr. Centr.=St.
ſchafts=Goldp
Rh.=Hyp.=Bk
Goldpfbr
60
4½0 Lig. Pfb
% Rh. Stahlwv.
10% Rh.=Weſtf.
Cr.=Bk. Goldpf.
87
97.75
93
90
94.25
102
95.5
93.
88.5
103
18
90.!
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96
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88
76.25
92:,
—
79
97
A
3.7
2.2
89.2
81.25
127
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Vorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
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Neining. Hyp. Bk.
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Freuß. Bod.=Cr.=B
Preuß. Pfdbr.=B
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Staatl. od prov
garantiert
Heiſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel
Naſſauiſche Ldsb.
Obligationen. v
Transportanſt.
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30
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Nunin:
Sonntag, den 19. Zebruar
Darmſta
Pom ſäddeutſchen Produktenmarkt.
Zu den Baiſſemotiven der Vorwoche kam diesmal die Meldung, die
ruſſiſche Regierung werde das Handelsmonopol für Weizen aufheben
und den privaten Handel geſtatten. Dies würde mit Beſtimmtheit zur
Folge haben, daß die ruſſiſchen Bauern wieder in ſtärkſtem Umfange
Weizen anbauen, da unter dem kapitaliſtiſchen Syſtem die Kaufleute
be=
reit ſein würden, ſie für ihre Ware prompt zu bezahlen. Nußland
würde alſo wieder als Getreideexportland von Bedeutung in
Erſchei=
nung treten, was in den letzten Jahren bekanntlich nicht der Fall war;
eine Reſtpartie ruſſiſchen Weizens, die noch disponibel in Rotterdam
lag, iſt in den letzten Tagen an eine franzöſiſche Mühle verkauft
wor=
den. Wenn auch die amerikaniſchen und engliſchen Mühlen etwas mehr
Weizen aufnahmen als in den letzten Wochen und Witterungsberichte
aus den amerikaniſchen Winterweizenbezirk en von einer Trockenheit
ſprachen, die befürchten laſſe, daß der Boden riſſig werden würde und
die Wurzeln trockengelegt werden könnten, und wenn weiter
Erwägun=
gen angeſtellt werden, daß die beiden Hauptverſchiffungsländer Kanada
und Argentinien den Markt bald in der Hand haben dürften, ſo konnte
dies doch eine durchgreifende Beſſerung der Weizenpreiſe nicht
herbeifüh=
ven. Wohl zogen ſie einige Cents an, es lagen aber auch heute wieder
Angbote (in Gulden für die 100 Kg.) vor. für Manitoba I, Oxt. /Nov.., zu 14,70, desgleichen II zu 14,50, Manitoba III, Pacifice, März=
Abl., 13,45, TV. April=Abl., 12,87½, nach 12,80, Manitoba V, feeſch.,
12,10 eif (fracht= und verſicherungsfrei) Rotterdam; von Argentinien
in Baruſſo, 79 Kg., Februar=Abl., 12,80 (nach 1275), März 12,95 nach
12.90, Roſa Fé. 80 Kg., ausgehender Dampfer, 13.10, 79 Kg., März=
Abl., 13,00 cif Rotterdam. Inländiſcher Weizen wenig verlangt. Für
beſte Frankfurter Qualität 25,50 RM. gefordert, 25 RM. franko
Müh=
lenſtation bezahlt. Inland=Roggen unverändert, Auslandsroggen leicht
befeſtigt, jedoch nur für greifbare Ware in guter Beſchaffenheit bis zu
27 RM. (Vorwoche bis zu 26,50 RM.) bezahlt wurde. (1 holländ.
Gulden — 1,68,70 Mk.)
Das Mehlgeſchäft lag im allgemeinen weiter luſtlos und ſchleppenid.
Dies gilt namentlich für die gute Qualität Spezial 0, wofür die
ſüd=
deutſchen Mühlen 36,75 RM. fordern. Unter der Hand erfolgen aber
auch Abſchlüſſe bis herab zu 36,20 RM. und am Frankfurter Markt ſoll
Mehl der Mühle Plange mit 35,80 RM. die 100 Kg. gehandelt
wor=
den ſein. Für norddeutſches Roggenmehl ſind die Preiſe nicht
einheit=
lich. Per Februar/März wird es zu 34 RM. gehandelt; pommeriſches
Fabrikat war per Februar/April in 65prozentiger Ausmahlung zu 33,75
RM., oſtpreußiſches zu 34,50 RM. am Markte. Die hieſigen
Mühlen=
forderungen lauteten, je nach Ausmahlung, auf 34—36 RMM., fe nach
Qualität. Am Gerſtenmarkt werden die Ausſtichqualitäten nur noch
vereinzelt an den Markt gebracht und glatt abgenommen; für Pfälzer
Herkunft wurde dabei bis zu 31,50 RM., und darüber bezahlt; Tauber=
Gerſte rückte gleichfalls bis auf 31 RM. vor, Holſteinſche Braugerſte
war ab dortigen Stationen zu 27,50—29 RM. angeboten. Oſtpreußiſche
Gerſte, die vor acht Tagen I
mit 29 RM. zu haben war, ſtellte ſich
fvanko Mannheim auf 31. R
Der Einkauf in geringeven Qualitäten,
worin die Brauereien und Malzfabriken ihren Bedarf gedeckt zu haben
ſcheinen, hat nachgelaſſen. In Handelskreiſen glaubt man, daß nach
ſeendeter Ausſaat wieder mehr Ware an den Markt kommen wird.
Einiges Angebor lag in pheinheſſiſcher Gevſte zu 29—30 RM. ab
Sta=
tionen vor; vereinzelte Angebote ab Ried=Staitonen lauteten auf 12,37½
Fl. eif Antwerpen, ſeeſchwimmend 12,60 Fl. eif Notterdam, 61/62 Kg.,
ſchwimmend, 12,10 Fl. cif Rotterdam.
Am Hafermarkt beregnete Ware und ſolche mit Geruch verlangt,
beſſere Qualitäten vernachläſſigt. Geſunder Hafer ſtellt ſich ab
ſüd=
deutſchen Stationen je nach Beſchaffenheit auf 23—24 RM., beregneter
auf 21—21,75 9
N., neuer white clippéd, loko Mamheim, 25 RM.,
waggonfrei. Mais hatte feſten Markt und blieb mit 22,75 RM.
einſchließlich Sack die 100 Kg. bezahlt. Kleine Umſätze in Virginia=
Mais per Februar/März=Wbl. erfolgten waggonfrei Mannheim zu
26,30 RM. einſchließlich 3,20 RM. Zoll. Von Futtermitteln
prompte Weizenkleie ſtark geſucht, in mittelgrober Ware nicht
ange=
boten, feine 14 RM., grobe 15 RM. die 100 Ka., Nachmehl 20—22 RM.,
Futtermehl 15,25—16 RM., Maisſchrot 24 RM. Für Melaſſefutter
ögert der Konſum die geforderten Preiſe anzulegen, auch
Trocken=
ſchnitzel wegen der großen Rübenernte etwas abgeſchwächt; Biertreber
billiger angeboten zu 17—17,50 9
7. die 100 Kg. mit Sack. Oelkuchen
ruhig; Erdnußkuchen 23,50—23,75, Palmkuchen 18,25—18.50,
Seſam=
kuchen 24—24,25 RM. die 100 Kg.
Am Markt für Braumalz herrſcht Zurückhaltung der Brauereien
und die Preiſe haben ſich um eine Mark für die 100 Kg. auf 50,50 bis
51,50 RM. ermäßigt. Aus Franken lagen Angebote zu 47—48,75 RM.,
aus Württemberg zu 46—47 RM. ab Stationen vor, wobei allerdings
ein geringerer Extraktgehalt als bei Fabrikaten aus pfälziſcher Gerſte
in Frage kommt. Einiges Intereſſe erhielt ſich für Secunda=Malze.
Der Hopfemmarkt liegt in unſerer Gegend außerordentlich ruhig,
der Handel glaubt jedoch, daß ſich das Geſchäft bei Wiedereintritt
wär=
merer Witterung belebew wird. Viele Brauereien ſſollen mit ihrem
Jahresbedarf noch nicht vollſtändig eingedeckt ſein.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Die 1927er Tabake haben nunmehr
die erſte Fermentation beendet und ſind im allgemeinen
zufriedenſtel=
lend ausgefallen; gegenwärtig iſt man in den Lagerhäuſern mit Putzen
und Sortieren beſchäftigt, Sandblatt wird vielfach bereits bearbeitet.
Wenn auch in den Tababen wie beim Sandblatt viel krankes Material
ausgeſchieden werden mußte, iſt die Qualität des Jahrganges doch gut
und für Schneide= und Einlagezwecke brauchbar. Bei den
Tabakver=
gärern iſt der Geſchäftsgang befriedigend, die beim Einkauf angelegten
hohen Preiſe laſſen dem Handel fedoch bei dem großen Decalo nur
klei=
nen Nutzen. Auf Sommerlieferung konnten zum Preiſe von 100—120
M. einige weitere Abſchlüſſe erfolgen. Nachfrage nach
Schneide=
material, beſonders nach farbigen Tababen, hielt an. Rippen zu
unver=
änderten Preiſen geſucht.
Die Preußiſche Staatsbank (Seehandlung)
im Jahre 1927.
Die Preußiſche Staatsbank (Seehandlung) veröffentlicht jetzt ihren
Verwaltungsbericht für 1927 nebſt Bilanz ſowie Gewinn= und
Verluſt=
rechnung.
Der geſamte Buchumſatz betrug 34,5 Milliarden RM. gegen 29,38
Milliarden RM. im Vorjahre. Aus der Bilanz ſind folgende Ziffern
hervorzuheben (die Zahlen verſtehen ſich in Millionen RM., die in
Klammern vermerkten Beträge ſind die entſprechenden Ziffern des
Jah=
res 1926): Bilanzſumme 1046,7 (933,7), Kaſſe uſw. 0,56 (0,6), Guthaben
bei Noten= und Abrechnungsbanken 0,64 (1,27), Wechſel und
unverzins=
liche Schatzanweiſungen 160,9 (179,8), Jahresumſatz in Wechſeln 1406,9
an Schatzanweiſungen 617,2, Noſtro=Guthaben bei Banken und
Bank=
firmen 66,1 (91,4), Reports und Lombards 132,7 (140,4), Jahresumſatz
in Reports 464,3, in Lombards 534,6, eigene Wertpapiere 32,3 (12,6)
Jahresumſatz 120,7, Konſortialbeteiligungen 7 (9,6), dauernde
Beteili=
gungen uſw. 4,5 (4,4), Schuldner in laufender Rechnung 635,2 (487,7),
davon gedeckte 556,3, ungedeckte 77, Gläubiger 1024,7 (919).
Die Gewinn= und Verluſtrechnung weiſt folgende weſentlichere
Zif=
fern aus: Zinſen 9,3 (9,6), Proviſion 0,8 (0,7), Gewinne aus
Gemein=
ſchaftsgeſchäften und Wertpapieren 0,06 (2,67), Verwaltungskoſten 4,4
(4,2), Abſchreibungen auf Grundſtücke und Einrichtung 0,45 (0,24). Der
geſamte Reingewinn beträgt 5,14 (8,58), hiervon werden 1 Mill. RM.
beſtimmungsgemäß an die Generalſtaatskaſſe zum Staatshaushalt
ab=
geführt werden. Weitere 2 Mill. RM. werden dem Grundkapital und
2 Mill. RM. der Rücklage, die damit auf 6 Mill. RM. ſteigt,
über=
wieſen, und der Reſtgewinn von 139 000 RM. auf neue Rechnung
vor=
getragen werden.
In dem Verwaltungsbericht heißt es unter anderem: Die
Hoffnun=
gen, welche Induſtrie und Handel beim Eintritt in das Jahr 1927
be=
wegten, haben ſich zum großen Teil erfüllt. Dank der großen, an allen
Stellen aufgewendeten Energie iſt die deutſche Wirtſchaft in einem
Maße gefeſtigt worden, das vorher noch in keinem anderen Jahre ſeit
der Stabiliſierung erreicht worden iſt. Freilich hat das abgelaufene
Geſchäftsjahr auch die Grenzen der wirtſchaftlichen
Entwicklungsmög=
lichkeit wieder mit beſonderer Deutlichkeit vor Augen geführt. Die
auf=
teigende Entwicklung hätte vielleicht von noch längerer Dauer und
von ſtärkerem Ausmaße ſein können, wenn nicht die Lage des
Kapital=
marktes und diefenige der Landwirtſchaft einer weiteren Ausdehnung
entgegengewirkt hätten. Bei der Landwirtſchaft iſt trotz immer neuer
Hilfsaktionen der verſchiedenſten Art eine weitere Verſchlechterung ein=
getreten. Die Ueberwindung der Kriſe erſchweren vor allem der
Man=
gel an langfriſtigem Kapital, die außerordentlichen Schwankungen in
den Preiſen einzelner Produkte und die ungünſtigen Ernte.i von 192
und 1927. Hinzu kommen Unzuträglichkeiten aus der Erwerbsloſen=
Verſorgung (zu hohe Sätze für die unteren Gruppen, fehlende Rückſicht
auf den regelmäßigen Lohnabbau zum Winter) und die erhöhte
ſteuer=
liche Belaſtung. Noch heute ſind von den etwa 7 Milliarden RM.
neuen Schulden der Landwirtſchaft rund drei Fünftel kurzfriſtig. Der
Umſchuldung ſtehen ſehr ernſte Schwierigkeiten entgegen. Nach dem
bisherigen Verlaufe und dem Ergebnis der Kreditaktionen kann es
zwveifelhaft ſein, ob ein Fortſchreiten auf dem eingeſchlagenen Wege im
Intereſſe der Landwirtſchaft richtig iſt, und ob man nicht vielmehr an
Hilfe durch andere Maßnahmen denken muß. Die Fragen der
Kapital=
bildung und der Kapitalverwendung bleiben nach wie vor die
wichtig=
ſten Probleme. Der Zwang zu beſchleunigter Neugeſtaltung des
Wirt=
ſchaftsapparates wird wohl auf lange Zeit erhebliche Kapitalanſprüche
mit ſich bringen und die Frage der Zuhilfenahme von Auslandskrediten
akut bleiben laſſen.
Im einzelnen wird dann noch ausgeführt: Das Wechſelgeſchäft der
Staatsbank konnte weiter kräftig entwickelt werden. Der geſamte
Um=
ſatz war 51 Prozent höher als 1926. Das Lombardgeſchäft wurde im
Hinblick auf die hohen Börſenkurſe aus eigener Entſchließung
allmäh=
lich eingeſchränkt. Die Beſtrebungen, die Beziehungen zu den Banken
uind Bankiers im Reiche zu pflegen und auszubauen, ſind von Erfolg
begleitet geweſen. Von den aus 1926 übernommenen Wirtſchaftskrediten
ſind die Kredite an den geſamten gewerblichen Mittelſtand des Reiches
und Preußens bis auf einen kleinen Reſtbetrag abgedeckt. Dagegen ſind
die Düngemittelkredite an die Preußenkaſſe, der Kredit an die Winzer,
die Heilbäder=Darlehen ſowie die Kredite zur Unterſtützung des
Mittel=
tandes und der Landwirtſchaft in den öſtlichen Provinzen den
Dar=
lehensnehmern auch im laufenden Jahre weiter belaſſen worden.
Frankfurter Effektenbörſe.
Fuankfurt am Main, 18. Februar.
Zum Wochenſchluß verharrte die Börſe in großer Geſchäftsſtille und
Zurückhaltung. Bei dem eiteren Fehlen von Kundenorders zeigte ſich
die Spekulation wenig geneigt zu einer etwas regeren Betätigung,
zu=
mal die innerpolitiſche Kriſe und die bis jetzt ergebnislos verlaufenen
Schlichtungsverhandlungen im Konflikt in der Metallinduſtrie weiterhin
einen ſtarken Druck auf die Stimmung ausübten. Ferner verwies man
auf die ſchwache New Yorker Börſe. Trotzdem war die Haltung
gegen=
über den Kurſen der geſtrigen Abendbörſe meiſt etwas freundlicher, da
einige Wochenſchlußdeckungen vorgenommen wurden. Angeregt wurd
die Spekulation dazu durch den heutigen, günſtig aufgenommenen
Reichsbankausweis, der eine weitere, ziemlich ſtarke Entlaſtung des
Ju=
ſtituts anzeigte. Dann glaubt man nach den neueſten Meldungen zum
Montag mit der Annahone der Freigabebill im amerikaniſchen Senat
rechnen zu können. Bei der erſten Kursfeſtſetzung waren die
Verände=
rungen im allgemeinen gering, doch ergaben ſich meiſt 1prozentige
Kurs=
beſſerungen. Stärker erholt waren Zellſtoff Waldhof mit plus 3
Pro=
zent und Rütgerswerke, die 275 Prozent anziehen konnten. Am
Elektro=
markt gewannen Licht u. Kraft und Siemens je 1,5 Prozent.
Freigabe=
werte blieben nur gut behauptet. J. G. Farben eröffneten geringfügig
erhöht. Montanwerte zogen bei minimalen Umſätzen meiſt leicht an.
Am Bankenmarkt gaben Diskontogeſellſchaft 1 Prozent nach. Frankfurter
Maſchinen konnten ihre Kursſteigerung auf Dividendeſchätzungen von
6 Prozent weiter etwas fortſetzen. Deutſche Anleihen lagen ſtill, auch
nusländiſche Renten faſt geſchäftslos.
Im weiterem Verlaufe blieb die Stimmung bei kleinſtem Umfatz
freundlich, und die Kurſe konnten verſchiedentlich um Bruchteile eines
Prozentes anziehen. Am Geldmarkt hielt die Anſpannung für
Tages=
geld (7 Prozent) unverändert an. Am Deviſenmarkt ſetzte die Mark
ihre Kursſteigerung in ſtärkerem Maße fort. Mark gegen Dollar 4,1892;
gegen Pfunde 20,/430; London=Habel 4,8745; Paris 194,023 Mailand
92,00: Madrid 28 72.
R
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 18. Februar.
Die Börſe eröffnete in freundlicher Haltung, ohne daß ſich die Kurſe
nennenswert veränderten. Da die Provinz im Hinblick auf die
bevor=
ſtehenden Feiertage ſtärkere Zurüchhaltung zeigte, war die Spekulation
im weſentlichen unter ſich. Nach den geſtrigen Abgaben nahm die
Spekulation nun heute Deckungskäufe vor, weil der Reichsbankausweis
eine günſtige Entlaſtung des Status zeigte und außerdem der Stand der
Verhandlungen im Metallkonflikt etwas beſſere Ausſichten eröffnete. Die
am Geldmarkt trotz unveränderter Sätze eingetretene leichte
Entſpan=
nung trug gleichfalls zu der freundlicheren Stimmung bei. An eine
Reichsbanhdiskontermäßigung glaubt man aber für die nächſte Zeit
nicht mehr. Tagesgeld wurde mit 5,5 bis 7,5 Prozenc, Monatsgeld mit
bis 8,25 Prozent, Warenwechſel mit zirka 6,5 Prozent genannt. Der
Deviſenverkehr geſtaltete ſich wie üblich an den Samstagen international
außerordentlich ruhig. Die Mark befeſtigte ſich gegen New York auf
4,1905; London—New York notierte mit 4,8750 für New York etwas
niedriger. Spanien abgeſchwächt. London-Madrid 28,80. Mailand
freundlicher mit 9201 gegen London.
Im weiteren Verlaufe der Börſe hielt der Ordermangel an. Nur
in einigen Spezialwerten konnte ſich etwas Geſchäft entwickeln.
Hambur=
ger Elektrizitäts gewannen zwei Prozent, Rütgerswerke ein Prozent und
Karſtadt 1,5 Prozent. Feſt lagen Montanwerte, und zwar bis zu 1,5
Prozent erhöht. Von Bankenaktien verbeſſerten ſich Deutſche Bank um
1,5 Prozent, während die Reichsbank um 1,25 zurückging. Die
freund=
liche Haltung wurde unterſtützt durch die Erwartung eines günſtig
ge=
haltenen Wirtſchaftsberichtes der Diskonto=Geſellſchaft.
Der Privatdiskont iſt für beide Sichten mit 6 Prozent unverändert
Bis zum Schluß der Börſe war die Haltung ſchwankend, aber
überwie=
gend freundlich. An der Nachbörſe machte ſich eher wieder
Deckungsbe=
dürfnis bemerkbar, ſo daß die meiſten Werte kleine Gewinne verzeichnen
onnten. Gegen 130 Uhr hörte man u. a. folgende Kurſe: AEG. 169;
Bergmann 185,25; Hamburger Elektro 156,5: Siemens 288; J. G.
Far=
ben 264: Deutſche Erdöl 132,25; Deſſauer Gas 173,25; Orenſtein 143;
Schultheiß 340,5; Oſtwerke 282; Rütgerswerke 100,5; Zellſtoff Waldhof
256; Rheinſtahl 170,75; Harpener 188,5: Nordd. Qoyd 157,87; Hapag
155,25; Berliner Handels. 274,75; Kommerzbank 179: Danatbank 234,25;
Altbeſitz 1 und 2 52,12; Reihe 3 55,90; Neubeſitz 15,87.
17. 2. 118. 2
17. 2
18 2.
Aſchaf ſenb. Zeliſtoft 1276.
Hemoor=Zement. . .
25
260.25
Augsb. Nürnb. Maſch. 1109
875/ 108.—
*
Hirſch Kupfer ....
13
Bamag=Meguin ..."
26.5
Höſch Eiſen .. . ..
44.3
144.5
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3.—
ſohenlohe Werke .. 1100.75 1100.
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Berlin Karsr
3.—
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12.—
Braunkohl. Briketts
„5 l5
75.
174 5
lindes Eismaſch. . . 1156
Bremer Pulkan"."
141
ingel Schu
68.—
85. Wolle..
.
28.75
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Teutſch.=Atlant. Tel. 4 106.
3.
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Deutſch.=Nied. Tel.
25
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Are
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Deutſche Petroleum / 74.—
73.—
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.
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Dt. Kaliwerke
athgeber Waggon
89.5
Donnersmarckhütte
—
mbacher Hürten
namit Nobel .... /1
5
Koſitzer Zucker ...."
71.3751 71.5
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s /178.
Rütgerswerke ...."
J. G. Farben ...."
Sadhſenwer
22.
904
1973
R. Friſter . ....."
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3u
Gaggenau V
z... 1 36.—
34.75 Siemens Gla
143.—
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Helfenk. B
8er. Lauſitzer G
134.2*
. f. elektr. Untern. /266.
266 I
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3455
54.7.5
dalle Maſchinen
158.—
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Langendree.
Lan.=Maſch.=Egeſt
Kf
G2.25
Gußſtal)
G0.— 80.—
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7W anderer Werke
130.— 1190.—
Helſingſors
Wien ....."
Prag ..
Budapeſt
Sofia".
Holland
Lslo .."
Kopenhagen
Stockholm
London".
Auenos Aire=
New=York ..."
Belgien ....."
17. 2.
Geld /Brief
0.54510.56!
58.98/ 59.10
12.413/12.433f
3 18/ 73.3.
„927/ 3.03:
168.54/168.88
1.42/111.64
12.16/112.34
112.36/112 53
20.414,20.454
7911 1.795
1.18804.1980
58.261 58.40
Oeviſenmaxkt.
2
Geld Drie
0.54 10.5=/Italien ......
.95 59.07Paris ........"
2.407 12.42
Schveiz.... .."
3. 16/ 73 30/ Spanien... ..."
3025/ 3.0311Danzig ......."
68 48 168.82Japan.
...
111.39 111.6il.Rio de Janeiro
1 12.10112.32/Jugoſlavien.
112.31 112.53/ Portugal
20.407 20.445Athen
1.790 t.794/Konſtantinopel
4 1855 4 1935)Kanada. . . . . .
8,255 58.3751Utugugv ... . .."
Geld Briel
22.10
30.57/ 00.
10.88 7
02
39
25
19.58
5.544
22.I.
2.1.
4.1785 4.1486
4.2761 28451
18. 2.
Geld / Brief
22.18/ 7
22-
16.445/16.48
9u
63
730
19
5.5"
2.i=
1271 4239
Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Februar hat ſich die
geſamte Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks, Lombards
und Effekten um 242,9 Millionen auf 2116,5 Mill. RM. verringert. Im
einzelnen haben die Beſtände an Wechſeln und Schecks um 279,7 Mill.
auf 1963,9 Mill. RM. abgenommen, während die Lombardbeſtände um
35,6 Mill. auf 58,4 Mill. RM. und die Effektenbeſtände um 1,1 Mill.
auf 94,3 Mill. RM. angewachſen ſind. An Reichsbanknoten und
Ren=
tenbankſcheinen zuſammen ſind 262,2 Mill. RM. aus dem Verkehr
zu=
rückgefloſſen, und zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um
53,4 Mill. auf 3784,4 Mill. RM., derjenige an Rentenbankſcheinen
um 8,8 Mill. auf 605,7 Mill. RM. verringert. Die Beſtände der
Reichs=
bank an Rentenbankſcheinen haben ſich dementſprechend auf 45 Mill.
Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 532,6 Mill. RM.
eine Zunahme von 23,6 Mill. Die Beſtände an Gold und
deckungs=
fähigen Deviſen insgeſamt ſind mit 2179,2 Mill. RM. ausgewieſen, im
einzelnen Gold mit 1886,4 Mill. RM. und deckungsfähige Deviſen mit
292,8 Mill. RM. Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte
ſich von 46,7 Prozent in der Vorwoche auf 49,8 Prozent, diejenige durch
Gold und deckungsfähige Deviſen von 54,0 auf 57,6 Prozent.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Großhandelsindexziffer vom 5. Februar 1928. Die auf den
Stichtag des 5. Februar berechnete Großhandelsindexziffer des
Statiſti=
ſchen Reichsamts iſt gegenüber der Vorwoche von 138,0 auf 137, 7
oder um 0,2 v.H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat
die Indexziffer für Agrarſtoffe um 0,7 v.H. auf 129,5 (Vorwoche 130,4)
nachgegeben. Die Indexziffer für Kolonialwaren iſt um 0,9 v.H. auf
130,3 (129,1) geſtiegen. Die Indexziffer der induſtriellen Rohſtoffe und
Halbwaren iſt auf 133,9 (134,0) gefallen, während diejenige der
indu=
ſtriellen Fertigwaren mit 156,7 unverändert war.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 5.—11. Februar 1928 im Ruhrgebiet in ſechs
Arbeitstagen 2 418 138 To. Kohle gefördert gegen 2399 040 To. in der
vorhergehenden Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
Koks=
erzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche (in den
Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 601 115 To. gegen 605 023
To. in der vorhergehenden Woche; die Preßkohlenherſtellung auf 57 714
To. gegen 60 991 To. in ſechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche
Kohlen=
förderung betrug in der Zeit vom 5.—11. Februar 402 023 To. gegen
399 840 To. in der vorhergehenden Woche; die tägliche Kokzerzeugung
ſtellte ſich auf 85874 To. (86 432), die arbeitstägliche
Preßkohlenher=
ſtellung auf 9619 (10 165) To. Die Zahl der wegen Abſatzmangel
ein=
gelegten Feierſchichten betrug in der Berichtswoche 2442 (arbeitstäglich
407) gegen 4344 (724).
Umfang der Viehſchlachtungen in Preußen. Nach ſtatiſtiſchen
Er=
mittelungen wurden in den Monaten Oktober bis Dezember 1927 in
Preußen geſchlachtet: rund 100 000 Ochſen und Bullen, 234000 Kühe
und 600 000 Jungrinder und Kälber, alſo insgeſamt 934 000 Stück
Rind=
vieh; ferner 250 000 Stück Schafe, 62000 Ziegen, 31000 Pferde, ſowie
rund 3,5 Millionen Schweine. Dieſe Zahlen umfaſſen außer ſämtlichen
gewerblichen Schweineſchlachtungen nur einen Teil der
Hausſchlachtun=
gen, von denen die Schweinebeſitzer Fleiſch und Fett für ihren eigenen
Bedarf verwenden. Insgeſamt ſind im Jahre 1927 rund 100 000 Stück
Rindvieh weniger geſchlachtet worden als im Jahre 1926.
Produkter berichte.
Berliner Produktenbericht vom 18. Februar. Die ſchwächeren
Mel=
dungen von überſeeiſchen Terminmärkten übten hier ſtark verſtimmenden
Einfluß aus. Die Offerten für Auslandsgetreide waren ſeitens der
erſten Hand zwar nicht weſentlich verändert, aber die zweite Hand zeigte
ſich erneut verkaufswilliger. Das Inlandsangebot von Weizen und
Rog=
gen hat ſich wieder ziemlich erheblich verſtärkt, die Offerten lauteten zwar
wenig nachgiebiger, aber ſelbſt zu bei 2 bis 3 Mark niedrigeren Preiſen
fand das angebotene Material nur ſchwer Unterkunft. Am
Lieferungs=
markte gaben die Preiſe bei ruhigem Geſchäft um 1 bis 1,5 Mark nach.
Infolge der ſchwächeren Haltung des Brotgetreidemarktes iſt das
Mehl=
geſchäft erneut ins Stochen geraten. Die Forderungen liegen gegen
tach=
geſtern unverändert. Am Hafermarkte beſteht weiter gute Konſu
frage bei unveränderten Preiſen. Gerſte in guten und Mittelquglitäten
knapp angeboten und gefragt.
Viehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim am Schnstag, den 18. Februar,
waren zugeführt: 302 Schweine. Verkauft wurden 242 Stück.
Milch=
ſchweine warden verkauft: das Stück von 15 bis 20 Mark; Läufer das
Stück von 20 bis 30 Mark; und Einleger das Stück 42,50 Mark.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 12. Febr.:
Getreide: Weizen, März 132½, Mat 132½, Juli 129¾; Mais,
März 94½, Mai 94½, Juli 91½; Hafer, März 54½, Mai 5558,
Juli 52½; Roggen, März 110½, Mai 110½, Juli 105½.
Schmalz, März 11,12½, Mai 11,42, Juli 11,675.
Fleiſch: Ma 10/96, Juli 11278: Speck loco 10,89; leichte
Schweine 7,.90—8,45, ſchwere Schweine 7,85—8,25;
Schweinezu=
fuhr Chicago 12000, im Weſten 60 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. Febr.:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 161½, hart 148½: Mais neu ank.
Ernte 105½: Mehl ſpr. wheat clears 6,60—6,90; Fracht nach
England 1,6—2,3, nach dem Kontinent 9—11.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Tagung der Blech verarbeitenden Induſtrie wird nunehr
be=
ſtimmt Ende Februar in Stuttgart ſtattfinden. Aus Württemberg,
Baden, Heſſen und Bahern werden die Induſtriellen zu wichtigen
Be=
ratungen zuſammentreffen.
Ju der Fvankfurter Metallinduſtrie ſind die Kündigungsmaßnahmen
nunmehr erfolgt. In den Werken wurde angeſagt, daß allen Arbeitern
und Arbeikerinnen das Arbeitsverhältnis zum 22. Februar gekündigt
werde.
Am Freitag fand eine von 151 Mitgliedsfirmen beſuchte
Verſamm=
lung der Intereſſengemeinſchaft der Berliner Privatbankfirmen ſtatt,
in der ſowohl für als auch gegen die Abſchaffung des Medio
Ausfüh=
rungen gemacht wurden. Die Leitung wurde beauftragt, vorerſt
Ver=
handlungen in die Wege zu leiten, um einer Schädigung der Intereſſen
der Privatbankiers vorzubeugen.
Die Zahl der unterſtützten Arbeits’oſen in Wien iſt in der erſten
Hälfte des Monats Februar um 1687 auf 87 560 gefallen. Die Zahl der
unterſtützten Angeſtellten iſt ebenfalls leicht zurückgegangen und beträgt
jetzt 12 352.
Am Montag, den 20. Februar, wird in Payis eine Vollſitzung der
tüirkiſchen Schuldenkemmiſſion, alſo der Gläubigervertreter, mit
Ver=
tretern der türkiſchen Regierung ſtattfinden, an der deutſcherſeits Herr
von Schwabach (S. Bleichröher) und Dr. Weigelt (Deutſche Bank)
teil=
nehmen werden.
Wie ein ruſſiſcher Funkſpruch meldet, hat der Oberſte
Volkswirt=
ſchaftsrat beſchloſſen, im Zufammenhang mit dem überaus günſtigen
Abſchluß der letzten Zuckerkampagne, im laufenden Jahre weitere 15
bisher ſtilliegende Zuckerfubriken in Betrieb zu ſetzen.
Der Leiter der Sowjetruſſiſchen Handelsvertrekug in Dänemark,
Belakowski, hält ſich augenblicklich in Rußland auf, um verſchiedene
Lieferungsverträge zwiſchen däniſchen Firmen und den zuſtändigen
ruſſiſchen Stellen zum Abſchluß zu bringen.
Die italieniſche Wirtſchaft wird auf der diesjährigen Frühjahrsmeſſe
zu Leipzig durch 85 große Firmen vertreten ſein. Im woſentlichen wird
die italieniſche Ausſtellung im Ringmeſſeh us zentraliſiert ſeim, wo eine
hr groß= Fläche mit eigener Ausſtellung den Italienern zur
Ver=
fügung ſteht.
Das amerikaniſche Schiffahrtsamt kündigt den Verkauf der drei noh
im Regierungsbeſitz verbliebenen Frachtdampfer an der pacifiſchen Küſte
an. Insgeſamt ſind noch 21 Schiffe im Beſitz der Regierung.
19. Februar 1928
un
V
Illuſtrierte Wochenbeilage
Van
Nummer 8
Annan
Die Phantaſie, die ſtärkſte Außerung im Innenleben des
Kindes, die ihren prägnanteſten Ausdruck u. a. in den
Seich=
nungen phantaſiebegabter Jugendlicher findet, von denen
einige beſonders intereſſante hier wiedergegeben leien,
be=
deutet zugleich aber auch eine große Gefahr. Nicht ſelten
muß ſie den fehlenden Gedankeninhalt erſetzen. Da das Kind
Meine Puppe.
Bleiſtiftzeichnung eines religiös veranlagten achtjährigen
Mädchens.
noch der Kritik und Selbſtprüfung ermangelt, wird ſehr
leicht die Phantaſie als Wirklichkeit aufgefaßt, ein
Selbſt=
betrug, der das Handeln in der ſeltſamſten Weiſe
beein=
flußt. Je geringer Wahrnehmungsfähigkeit,
Aufmerkſam=
keit, Gedächtnis entwickelt ſind, um ſo mehr gehen
Wahr=
heit und Dichtung durcheinander, zumal den Kindern der
ethiſche Begriff der Wahrheit und die Pficht zur
Wahr=
heit fehlen.
Auf dem Umwege der Lüge kommen ſie zum Verbrechen.
So lügen ſie aus Neigung zum Fabelhaften, aus
Necht=
haberei und Crotz. Sie bringen das als Wirklichkeit vor,
was ihre Phantaſie ihnen vorgaukelt. Da bei
dieſen Kindern die Phantaſie die
Verſtandes=
tätigkeit meiſt gewaltig überwiegt, gibt es hier
keine Hemmungen. Das Kind gibt unbedenklich
4.
jedem Criebe nach und ſucht ohne
Gewiſſens=
biſſe jedes Bedürfnis zu erfüllen. So überträgt
es die Gebilde ſeiner Phantaſie ohne langes
Nachdenken in die Praxis, meiſt ohne zu ahnen,
welche Kluft zwiſchen den Gebilden der
Phan=
taſie und der nüchternen Wirklichkeit klafft.
Dazu kommt der Hang zur Nachahmung.
Was das Kind geſehen hat, das muß auch für
es ſelbſt gelten, es will es ſelbſt erlebt haben,
es muß es ſelbſt ausführen. Es ſetzt die
Pro=
dukte an deſſen Stelle, was es tatſächlich erlebt
4
dat. Mit Leichtigkeit nimmt die Phantaſie der
Kinder die an ſie herantretenden Suggeſtionen
9.
in ſich auf. Da ſie oft die Gabe haben, ihre
Be=
richte mit allen möglichen Einzelheiten
auszuge=
ſtalten, gewinnen die Schöpfungen ihrer
Phan=
taſie im Handumdrehen Jarbe und Nundung.
Gleitet ſchon bei normalen Kindern das
überwuchern der Phantalie leicht ins
Ver=
brecheriſche ab, ſo wächſt dieſe Gefahr ſehr
die ſchon in der Kindheit eine große Bedeutung haben: für
die huſteriſchen und manche plychopathiſchen Kinder. Jetzt
manchmal unendlich gefährlich werden kann.
romane ſolche phantaſtiſchen Gemüter in der unheilvollſten
Weiſe infizieren. Auch aus manchen Kinofilmen ſaugen ſie
Gift, weil ihre Phantaſie auf dem Wege der Autoſuggeſtion
das Geſehene in ſich aufnimmt, um es lpäter in die Praxis
umzuſetzen.
Am verbreitetſten und gefährlichſten ſind dei ſolchen
phantaſtiſchen Kindern die falſchen Auslagen vor
Gericht. Sind ſchon die Ausſagen kindlicher und
jugend=
licher Seugen an und für ſich meiſt nur mit größter Vorſicht
aufzunehmen, ſo iſt den Zeugniſſen dieſer phantaſtiſchen
Kin=
der jeder Wert abzuſprechen. Denn da ſie ganz in der Lüge
leben, iſt es ihnen ein Leichtes, ihre Ausſagen mit den
feinſten und überzeugendſten Details auszuſtatten, zumal ſie
meiſt ſehr geweckt ſind und äußerlich=formell ſehr gewandt
auftreten. So finden ſie leicht das Ohr des Nichters.
Be=
ſonders gefährlich ſind ihre Ausſagen über alles, was mit
dem Geſchlechtlichen zuſammenhängt. Schon in zahlreichen
Sittlichkeitsprozeſſen haben Lehrer, Erzieher, Arzte unter
der ungeſunden Phantaſtik derartiger kindlicher Seugen in
der verhängnisvollſten Weiſe zu leiden gehabt. Gewöhnlich
bleibt es nicht dei den falſchen Ausſagen. Die falſchen
Anſchuldigungen bewegen ſich auf demſelben Gebiete.
Hier ſind auch die phantaſtiſchen Gebilde manchmal das
Er=
gebnis von Cag= und Nachtträumen, die in die Phantaſie als
vermeintliches Wirklichkeitserlebnis hineinwuchern. Was
dieſe Kinder in der Schule, in Erziehungs= und
Kranken=
anſtalten erlebt haben wollen — ſelbſtverſtändlich ſo gut wie
ausſchließlich nur ſexuelle Kränkungen und
Vergewal=
tigungen —, das macht der Schaffenskraft ihrer Phantaſie
alle Ehre und findet, ſelbſt wenn es in den verſtiegenſten und
unglaubwürdigſten Situationen gipfelt, immer wieder einmal
Glauben.
Manchmal verſteckt ſich die verleumderiſche Phantaſie
in anonumen Briefen, in denen ſie Neſpektperſonen,
Erzieher oder Geiſtliche, an die ſie ſich in der Offentlichkeit
nicht heranwagt, verdächtigt. Hier entlädt ſich die ſexuelle
Phantaſie in den ausſchweifendſten geſchlechtlichen
Gemein=
heiten. Viele ſolcher Anſchuldigungen gehen auf die
Nach=
ſucht zurück, die dann ihrerſeits vorher auf die Phantaſie
befruchtend eingewirkt hat. So beſchuldigte ein junges
Mädchen zwei junge Männer, ſich an ihr vergangen zu
haben. Noch in der Vorunterſuchung geſtand ſie, das aus
Nache getan zu haben, weil der eine ihr einmal eine
Ohr=
feige gegeben habe. Bei aktiv veranlagten Kindern, die
lich übrigens in der Mehrzahl der Fälle in ihrem guten Recht
glauben und von der Wahrheit ihrer Phantaſiegebilde
fel=
ſenfeſt überzeugt ſind, bedeuten ſolche falſchen
Anſchul=
digungen manchmal den Verſuch einer Erpreſſung. So
haben in Berlin wiederholt ſchulpflichtige Mädchen auf
offener Straße von ihnen gänzlich unbekannten Herren Geld
unter der erfundenen Angabe verlangt, ſie würden ſonſt
gegen ſie Anzeige erſtatten, weil ſie ſie nach dem Ciergarten
bis ſie es ſich bedenkenlos und im beſten Glauben
einver=
leiben. Die Lektüre der Kriminalgeſchichten befruchtet ihre
Phantaſie derart, daß ſie lich ſchnell mit dem Gedanken
be=
freunden es ihren diebiſchen Vorbildern gleichtun zu müſſen.
Gerade im kindlichen und jugendlichen
Bandendieb=
ſtahl läßt ſich das Hineinſpielen des phantaſtiſchen
Ele=
ments oft ganz unverkennbar verfolgen. Das anſcheinend
Heroiſche und Geheimnisvolle, das dieſe Vereinigungen vor=
Der zerbrochene Krug.
Aus dem Skizzenbuch eines begabten und frühreifen zehnjährigen Mädchens.
weſentlich in der Seit der Pubertät. Jetzt, wo die hätten verſchleppen wollen.— Die Phantaſie ſpielt bei ſezuellem Gebiet ab. Schon in der Phantaſie und in den
Phantaſie im Seelenleben des Kindes dem Wirklichkeits= dieſen Oelikten eine um ſo ausſchlaggebendere Volle, je Cräumen der heranwachſenden Mädchen ſtelt die Derge
ſinne zu weichen beginnt, flackert ſie oft noch einmal heftig mehr ſie bei ſolchen frühreifen, lüſternen und verdorbenen waltigung einen außerordentlich lebheft betonren Beoghß eis
auf. Das Geſchlechtliche, das ſich jetzt ſeine Stelung er= Mädchen befleckt iſt. Wiegen dieſe ſich auch ſonſt in ſexuellen inhalt dar. Manchmal reagieren dieſe augebich Bergenee
obert, drückt den phantaſtiſchen Erzählungen ſeinen Stempel Vorſtellungen und Cräumen, ſo treiben ſie aus Eiferſucht, tigten tatſächlich gegen dieſe vermeintiche Snteprung. D
auf und überweiſt ſolche Kinder dem Verbrechen. Erſt recht Eitelkeit und Nache gewiſſermaßen ihr Spiel mit dieſen machte ein pluchopathiſches 15üähriges Acdgen, das Iooi
gilt das für manche pſuchiſche Abweichungen vom Normalen, ſexuellen Gedanken und übertragen ſie in die Umwelt und
gegen dieſe.
Die phantaſtiſche Betrügerin wirkt ſich auf
erwächſt der phantaſtiſche Lügner und Betrü= einem weſentlich anderen Gebiete aus. Aber auch hier iſt es brechen muß man der Phantalie eine gant pelondere Aül
ger, der durch ſein Verwachlenſein mit der Unwirklichkeit die Phantaſie, die den Eigentumnsdelikten das Gepräge ihrer werklankeit ſchenßen. Die Eriehung Ni looe Eodile
Unterſtützt wird dieſe Neigung durch ſchlechte Lektüre, diebſtählen, der phantaſtiſchen Veranlagung. Solche wuchern dieſer Anlage durch eine Hinleitung zum nüchternen
Unſittliche Bücher können gerade ſo gut wie Detektiv= Kinder bilden ſich ein, daß fremdes Eigentum ihnen gehöre, und verſtandesmäßigen Denken einzudämmen.
Stadtbild.
Phantaſiezeichnung eines ſechsjährigen Knaben.
klärt, zieht ihre Phantaſie mächtig an. In
Bandendieb=
ſtählen von Schülerinnen der beſten Geſellſchaftskreiſe ließ
lich als Quelle der gemeinſamen verbrecheriſchen Cätigkeit
die Lektüre derartiger Kriminalgeſchichten nachweiſen, die
die Phantaſie der Diebesgenoſſinnen aufgepeitſcht hat.
Bei ſolchen phantaſtiſchen Kindern kommt es dann auch
zum Betrug, der ſonſt im algemeinen dem Kinde fern
liegt. Die quellende Geſtaltungskraft der Phantaſie, die
Freude am Lügen, die mit der Neigung zum Komödieſpielen
Hand in Hand geht, befähigt und treibt ſie, dieſe Fähigkeiten
im Betrügereien jeder Art umzuſetzen, in
Vor=
ſpiegelung falſcher Catſachen. Ihre Frühreife
läßt ſie ſelbſt verwickelte Pläne durchführen,
die man von ihrem Alter kaum erwarten ſollte.
So ſpielen die kindlichen
Warenhaus=
diebinnen glänzend ihre Volle. Die
phan=
taſtiſch Veranlagten beſchwindeln beim
Bet=
teln durch ihre rührende Schilderung der un=
K.
Uh.
glücklichen Familienverhältniſſe mit Leichtigkeit
die Mitwelt. Sogar der Cyp der Heirats=
Z
ſchwindlerinnen findet ſich in dieſem
Alter angedeutet. So wußte ein 1Sjähriges
Mädchen einen alten Mann im Glauben zu
hal=
ten, daß eine ſchöne, junge, reiche und
ange-
ſehene Dame ihn heiraten wolle. Saſt täglich
überreichte ſie ihm ſelbſtgeſchriebene
Liebes=
briefe und entlockte ihm Geld zu Geſchenken
für ſeine „Braut”. Als er Verdacht ſchöpfte,
ſchrieb ihm die „Dame” einen Abſchiedsbrief,
der mit den Worten begann: „Sie ſind ein alter
Eſel”
Selten nur wirken ſich andere Verbrechen,
vor allem Gewalttaten, auf dem Boden
der krankhaft ausgearteten Phantaſie aus, vor
allem, weil die Körperkräfte fehlen. Wieder
ſpielt ſich das ſo gut wie ausſchließlich auf
fälſchlich gegen einen Hausdiener Anzeige wegen Notzucht
er=
ſtattet hatte, ſpäter gegen dieſen einen Mordverſuch.
Bei der Beurteilung aller derartigen kindlichen Ver=
Eigenart verleiht. So entſpringt eine Reihe von Kinder= taſtiker rechtzeitig erkennen und ſich bemühen, das Über=
HnauzazznnngragsErasgagngngsrngnnssrarEnnnnsnensngpnnnnennnasrnnnnrnkagnna EEnEnnnaanzarEnaEkanaEraHanEnannEHanEnnnanan!
Ann24
[ ← ][ ][ → ]Die neidiſche Frau.
Malaiiſches Märchen von den Sunda=Inſeln.
Erſtmalig deutſch erzählt von Dr. Philipp Krämer,
Darmſtadt.
Es war einmal eine junge Frau, die hieß Bi Oko und hatte
ein herziges Kindlein. Eines Cages legte ſie es zum Schlafen in
den Kinderkorb, nahm ihr Bambusrohr, hing den Eimer daran
und ging zum Fluß, um Waſſer zu ſchöpfen. Der Fluß zog träge
in der grünen Dämmerung des Djattiwaldes, aber ſeme Ufer
waren ſteil.
Bi Oko ſtellte ihr Bambusrohr an einen Stein hin und ließ
den Eimer an einem Seile ins Waſſer hinab. Nun geſchah es,
daß ihr Spiegelbild im Waſſer ſie ſo erſchreckte, daß ihr das
Seil entglitt und der Eimer langſam auf dem Fluſſe
dahin=
ſchwamm. Der Eimer aber hatte ſich ſchon mit Waſſer gefüllt,
torkelte hin und her und war bald in der Ciefe verſchwunden.
Craurig ging Bi Oko nach Hauſe zurück und ſah nach ihrem
Kinde, das immer noch ſchlief. Plötzlich kam ihr ein Gedanke,
wie ſie wieder zu ihrem Eimer kommen könnte, ehe der Mann
heimkäme nud ſie tadle. Sie klatſchte in die Hände, und Lana,
ihre Sklavin, erſchien. „He, Lana”, ſprach ſie, „hüte mein Kind.
Bananen und Milch ſind dort auf dem Brett. Wenn es erwacht,
gib du ihm zu eſſen, Bananen und Milch. Ich gehe zum Fluß,
meinen Eimer zu ſuchen, der dahingeſchwommen iſt”
Wie ſie ſo ihr Kind verſorgt wußte, ging ſie davon. Kaum
war ſie wieder am Fluſſe angelangt, da rief ſie dem König der
Fiſcher, der im Waſſer wohnte, und ſang: „Ohe, ohe, König der
Siſche. Hier ſingt deine Freundin. Biſt du im Waſſer?‟ Der
König der Fiſche aber kam nicht.
Da rief ſie dem König der Garnalen und ſang : „Ohe, ohe,
König der Garnalen. Hier ſingt deine Freundin. Biſt du im
Waſſer?
Der König der Garnalen aber kam nicht.
Da rief ſie dem König der Aale und ſang: „Ohe, ohe, König
der Aale. Hier ſingt deine Freundin. Biſt du im Waſſer?”
Der König der Aale aber kam nicht.
Da rief ſie dem König der Krokodile und ſang: „Ohe, ohe,
König der Krokodile. Hier ſingt deine Freundin. Biſt du im
Waſſer?”
Da teilte ſich die Flut und der König der Krokodile erſchien:
„Liebe Frau, weshalb rufſt du mich?” ſprach er.
„O, Herr König, der Fluß hat meinen Eimer gegeſſen. Willſt
du mir helfen, ehe mein Mann heimkommt und mich tadelt?”
Der König der Krokodile ſagte: „Ich will deinen Eimer
ſuchen, wenn du mir verſprichſt, mzwiſchen meinen Sohn zu
hüten, der noch klein iſt.”
Die Frau Bi Oko freute ſich ſehr und antwortete: „Gerne,
lieber König, will ich deinen kleinen Sohn hüten”.
Nachdem der König der Krokodile Bi Oko ſeinen kleinen
Sohn gegeben hatte, ſprach er: „Hier ſind Bananen und Milch
auf dem Brett. Wenn mein Sohn Hunger bekommt, ſo gib ihm
zu eſſen. Schreit er, ſo ſinge ihn in Schlaf. Singe mir einmal
und laß mich zuhören, Menſchenfrau. Euer Singen iſt ſüß wie
Honig und betörend wie das Liebesgeflüſter einer ſchönen Frau.
Bi Oko ſah wie verzaubert auf das Knäblein, deſſen Körper
von Feuchtigkeit glänzte, wiegte es auf den Knien hin und her und
ſang träumeriſch: „Das Hüftentuch meiner Mutter iſt mit
Blu=
men durchwoben, und der Nand des Kopftuches meines Vaters
glitzert von Silber”
„Ah, ſingſt du ſchön,” ſprach der König der Krokodile, „der
Fluß glänzt von deinem Singen, und die Papageien ſchweigen.
Pflege den Knaben gutz bald komme ich wieder”
Die Bi Oko wiegte das Kind auf ihrem Schoße, als ob es
ihr eigenes wäre. Sie ſang immerzu, daß es ruhig ſchlief in
ſeligen Cräumen: „Ohe, ohe, der Vogel, der Nabe, fliegt weg.
Das Hüftentuch meiner Mutter iſt mit Blumen durchwoben, und
der Nand des Kopftuches meines Vaters glitzert von Silber”,
Wie der König der Krokodile geſagt hatte, ſo tat er. Er
machte ſich auf den Weg, den Eimer zu ſuchen, und fand ihn bald.
Als er ihn gefunden hatte, eilte er zu ſeiner Grotte, füllte
den Eimer mit Gold, Silber und köſtlichen Schnüren und
ver=
ſchloß ihn gut.
Dann tauchte er wieder vor Bi Oko aus dem Fluß, ſah.
wie ſie ſeinen Knaben wiegte, gab ihr den verſchloſſenen Eimer
und ſagte: „Ohe, junge Frau, ſinge noch einmal und gib mir dann
das Kind.”
Bi Oko ſang: „Ohe, ohe, der Vogel, der Nabe, fliegt weg.
Das Hüftentuch meiner Mutter iſt mit Blumen durchwoben, und
der Nand des Kopftuches meines Vaters glitzert von Silber”
Bi Oko aber war ganz naß geworden, als der König ihr den
Eimer reichte. Darum ſprach dieſer, indem er ſeinen Knaben
wieder zu ſich nahm: „Wenn du nahe bei deiner Wohnung biſt,
Bi Oko, ſo rufe deiner Mutter aus der Ferne zu, daß ſie das
Feuer entfache mit dem Blaſebalg. Daran ſollſt du dich wärmen
und trocknen. Wenn du trocken biſt, ſo gehe auf den Speicher
und mache die Luke gründlich zu. Dann lege dich auf den Nücken
hin und öffne den Eimer”
Als der König dies geſagt hatte, war er verſchwunden. An
der Stelle aber quirlte der Fluß leiſe, und Bi Oko ging heim
mit einem gläubigen Herzen.
Nicht weit vom Hauſe fing Bi Oko zu ſingen an, wie der
König der Krokodile ihr befohlen hatte: „Bei ſo bei, lege mir
Seuer an, es iſt mir kalt, bei jo bei”.
Die Mutter Bi Okos nahm einen Notanſtock, hieb Lana, die
Sklavin, die ſchreiend am Boden herumkroch, und legte Seuer
an. Lana blies und blies, und Bi Oko konnte ſich wärmen und
trocknen.
Die Großmutter aber ſah, daß der Eimer verſchloſſen war,
und fragte neugierig: „Was haſt du da in deinem Eimer?”
„Nuhig, Mutter, ruhig . . . ., nicht berühren. Es iſt ein
Ge=
heimnis. Gleich wirſt du es erfahren.”
Als Bi Oko trocken war, nahm ſie die Leiter, kletterte auf
den Speicher, ſtopfte alle Niſſe und Löcher zu, ſchloß die Luke,
legte ſich auf den Nücken und öffnete den Eimer, wie der König
der Krokodile geſagt hatte.
Wer beſchreibt ihre Seligkeit, und das heitere Hüpfen ihres
Herzens? Denn ſiehe, der Eimer war voller Gold, Silber und
köſtlichen Schnüren.
Sie kletterte ſchnell wieder hinunter, rief die Mutter herbei
und zeigte der Erſtaunten den koſtbaren Schatz. Wie kramten ſie
beide in den glänzenden Schmuckſachen herum! Liebkoſend ließer
ſie die hellen Schnüre durch die Finger gleiten, ihre Augen
tranken gierig den Glanz, wie die Männer gierig den Palmwein
trinken, und ſie lachten immerzu, ſogar Lana, die Sklavin, lachte
Da kam eine Frau zu Bi Oko aus der Nachbarſchaft, ſie z
beſuchen. Die war ſehr erſtaunt, als ſie die prachtvollen Sachen
der Bi Oko ſah, und ihr Herz füllte ſich ſchnell mit Neid bis
oben hin. Anfangs ſagte ſie nichts, ſondern guckte bloß und
guckte, und Bi Oko lachte überglücklich, daß ihre gelben
Sähn=
funkelten.
Endlich aber fragte die mißtrauiſche Beſucheri: „Wo haſt
du die ſchönen Sachen alle her?
Bi Oko antwortete: „Vorgeſtern fiel mein Eimer in den
Sluß hinein und wurde von ihm gegeſſen. Ich ſuchte und ſuchte,
konnte ihn aber nicht wiederfinden. Ich ging nach Hauſe und
befahl Lana, gut auf das Kind zu achten. Dann machte ich mich
wieder auf die Suche nach dem Eimer, fand ihn aber nicht. Da
rief ich den König der Fiſche, aber er kam nicht. Da rief ich den
König der Garnalen, aber er kam nicht. Da rief ich den König
der Aale, aber er kam nicht. Da ſchließlich rief ich den König
der Krokodile, und der kam.”
Die Frau war nun auf höchſte neugierig geworden, aber ein
wenig hatte ſie auch Angſt. Sie fragte: „Wie haſt du es gemacht,
ihn zu rufen, daß er kam?”
„Wenn man den König der Krokodile haben will, ſo ſingt
man: „Ohe, ohe, König der Krokodile. Hier ſingt deine
Freun=
din. Biſt du im Waſſer?”
„Und was weiter”
„Nichts weiter. Dann kommt er.”
„Und als der König da war, was ſagte er?”
„Er befahl mir, ſein Kind in die Arme zu nehmen; ich ſollte
ſingen, während er nach dem Eimer ſuchte.
„Was haſt du geſungen? Bitte, ſinge es mir einmal vor.”
Da merkte Bi Oko, warum die Nachbarsfrau alles wiſſen
wollte, und in ihren Augen ſah ſie den Neid brennen. Darum
Der kleine Erbe.
Von E. Fuhrmann.
Berend hieß ein Junge. Er war acht Jahre alt geworden.
Sein Bruder war viel älter. So ungefähr vierzehn Jahre.
Natürlich waren die Brüder ſehr verſchieden. Wie könnten
denn Brüder auch einander ähnlich ſein? Die Mutter gibt jedem
Kind alles, was ſie von einer Lebensart hat, und das kann ſie nicht
gut zweimal hergeben. So bekommt eben jeder etwas anderes.
Der ältere Bruder hieß Konrad, aber im Scherz wurde ſein
Nae oft umgekehrt zu Korend, um dem Berend ähnlich zu ſein.
Wenn die beiden Brüder um die Wette liefen, ſagte irgend
jemand Ko rennt und Berend. Ko rennt ſchneller und B rennt
länger. Denn ſo war es bei dieſen verſchiedenen Brüdern. Der
ältere war ſchnell und beweglich, aber er hatte keinen langen
Atem. Der Jüngere aber konnte noch ſo weit zurückbleiben,
irgendwann holte er ſeinen älteren Bruder noch ein, denn Berend
wollte durchaus nicht der Letzte ſein, der er nun einmal durch die
ſpätere Geburt geworden war.
Wenn Berend zwiſchen ſich und ſeinem Bruder verglich, war
er immer im Nachteil. Die Erwachſenen mochten den Alteren
lieber, weil ſie ſchon mehr mit ihm ſprechen konnten, und er war
auch von Jugend an zugänglicher geweſen. Berend war immer
im Nachteil. Sein größerer Bruder hatte immer die größere
Sammlung von Briefmarken, er hatte mehr Bücher. — Berend
konnte nie einſehen, daß der Vorſprung von ſechs Jahren, den
ſein Bruder hatte, ihm auch einen größeren Beſitz eingebracht
hatte, und er jah auch nicht ein, daß dieſer ältere Bruder ſeinen
Beſitz viel vorſichtiger behandelte. Das hatte er nicht ſo gelernt.
ſondern es war ſeine natürliche Anlage. Berend war heftig, und
es gab nur wenig Dinge, die unter ſeinen Händen am Leben
blieben. Alles, was zerbrach, machte ihm Schmerzen, aber was
ſollte man tun, wenn die Dinge nicht Stand hielten?
Nun, Berend hatte auch manche Dinge bekommen, die der
größere Bruder nicht mehr brauchte, und ſie waren auch nicht
immer mehr bei beſter Geſundheit. Da waren die Schienen, die
Lokomotiven, die Weichen — überall hatte nur das Wenige
ge=
fehlt, was Berend hinzutat beim Spielen, und ſchon nach kurzer
Seit waren die Dinge nicht mehr zu brauchen. Manches hatte
auch einige Jahre auf dieſem und jenem Boden ruhen müſſen, und
das hatte den Dingen auch keine Geneſung gebracht. — An
einem Beſitz aber hatte der Konrad immer feſtgehalten: das war
ein recht großer Metall=Baukaſten, der niemals auf den Boden
gekommen war, ſondern der von Jahr zu Jahr, von Feſt zu Feſt
ein bißchen gewachſen war, und immer wieder hatte es im Winter
Cage gegeben, an denen der Vater genau ſo darauf wartete,
be=
wegliche Dinge mit dieſem Material zu bauen, wie Berend warten
mußte, denn Konrad wurde nicht fertig und nahm auf niemand
Nückſicht.
Berend hatte das gleiche Geſchenk verlangt, aber als es
kam, war es viel kleiner, als der Baukaſten des Bruders, und
ſolange er den Kaſten ſeines Bruders mit den vielen Nädern und
Platten, mit den Wellen und Schienen ſah, mochte er mit ſeinem
kleinen Bauzeug gar nicht erſt anfangen, erſt wenn der große
Kaſten wieder irgendwo verſchloſſen und verſteckt war, wuchs
langſam das, was Berend ſelbſt gehörte, und er fing an zu bauen.
Wenn der Vater aber einen ganzen Cag Nuhe hatte, konnte
er von früh bis ſpät eine einzige große Fabrik bauen, und dann
genügte ihm nicht das, was ſein älteſter Sohn hatte, ſondern er
brauchte noch das hinzu, was der Jüngere hatte — ja, immer
fehlte gerade noch dieſes und jenes und mußte ſchnell aus der
Stadt geholt werden.
Aber die Jahre verändern immer ein wenig im Leben, auch
wenn es keine großen Ereigniſſe gibt. Einmal wurde zu
Weih=
nacht der Metallbaukaſten nicht herausgeholt. Konrad hatte ein
paar Skier bekommen und fuhr am erſten Feſttag ſchon in die
Berge. Der Vater las und Berend baute mit ſeinem Gerät,
das ſich wieder ein bißchen vermehrt hatte, bis irgend etwas
fehlte, denn beim Bauen iſt es wie in der Phantaſie: man
über=
ſchreitet immer die Grenzen des Möglichen und fühlt nachher den
Mangel.
Ja, da war nun der Bruder fort, er hatte ſeine Skier,
machte eine Neiſe und er ſollte jetzt auch ein eigenes Simmer
haben. Berend konnte alſo auch für ſich wohnen, und das war
für ihn eine große Sreude. Aber im Augenblick fehlten ihm
Näder.
Nun, für dieſes eine Mal wollten die Eltern wohl ſchon
wagen, ohne Erlaubnis den Baukaſten des Abweſenden zu leihen,
aber ſonſt wollten ſie niemals in die Nechte ihrer Kinder
ein=
greifen, denn ihre Kinder hatten Nechte, in denen ſie niemals
gekränkt wurden. Wenn aber Berend ſeinen Bruder fragte, ob
er mit ſeinem Maſchinenkaſten ſpielen könnte, dann ſagte Konrad
immer nur? Nein, Du wirſt mir Schrauben verlieren und
viel=
leicht nimmſt du mir auch irgendetwas weg, was ich nachher
nicht mehr nachzählen kann. Ich habe keine Luſt, immer meine
Cauſend Stücke nachzuzählen. Mein Kaſten iſt ſchon mehr wie
hundert Mark wert, und den verſchenke ich nicht.
Nun, dieſes eine Mal hatte Berend allein über den ganzen
Beſitz zu verfügen, und an einem Cage wurde er mit ſeinem
Bauwerk nicht fertig — es war eine ganz große Fabrik, in drei
Stockwerken liefen die Näder, mit feinen Gummibändern waren
ſie verbunden, und ſie liefen wirklich ohne Mühe. Ein kleiner
Motor war in der Mitte eingebaut, und das Bauwerk war mit
ein paar Schrauben auf dem Ciſch befeſtigt, denn Berend hatte
endlich einen richtigen Arbeitstiſch, dem nichts wirklich ſchaden
konnte. Mit den Sahnrädern und den Kegelrädern, die den ganzen
Betrieb um eine Ecke herumbringen ſollten, hatte er große
Mühe. Da mußte ihm noch ſein Vater helfen, der einfach
uner=
ſchöpflich war, den Betrieb immer ſchwieriger zu machen — aber
Berend vergaß keinen Augenblick, daß es ſich für ihn noch nicht
lohnte, ſeine ganzen Kräfte in dieſen Betrieb zu ſtecken, denn er
mußte ſeinem Bruder viel mehr als die Hälfte zurückgeben.
Und ſo kam es, daß er immerfort nachdachte, wo in ihm wohl
irgendein Wert ſteckte, durch den er ſeinem Bruder dieſen
Jabrikkaſten abgewinnen könnte. Ja, ihm blieb nichts anderes
ubrig, als ſeinen Bruder zu beobachten, ihm zu dienen, wo es
gerade paßte, und irgendwann mit ihm zu einem Vertrag zu
antwortete ſie: „Wenn der König befiehlt, ſein Kind in die Arme
zu nehmen, dann muß man ſingen: Ohe, ohe, der Vogel, der
Nabe fliegt weg. Meine Mutter hat bloß zwei Sähne im Munde.
Mein Vater hat eine lange Naſe wie ein Stück Holz.
Nachdem die Frau alle Worte und den Geſang gehört und
ſich gut eingeprägt hatte, ſprach ſie: „Ich will auch dahin gehen
und es ebenſo machen, damit auch ich ſolche Schätze erhalte, wie
du bekommen haſt. Bilde dir nicht ein, daß du allein ſchön biſt
und den König der Krokodile bezaubern kannſt mit deinem
Ge=
lang”.
„O nein,” erwiderte Bi Oko lachend, „geh nur hin und tue,
wie ich dir geſagt habe‟. Schnell eilte die Frau nach Hauſe, nahm
das Bambusrohr und den Eimer, ging zum Sluß und warf den
Eimer hinein. Sie tat, als ob ſie den Eimer ſuchte. Dann aber
wurde es ihr langweilig, und ſie begann zu ſingen: „Ohe, König
der Krokodile. Hier ſingt deine Freundin. Biſt du im Waſſer?‟
Wie bebte ihr Herz vor Freude, als der König wirklich
kam.
Sie erzählte ihm, wie ihr der Eimer entglitten ſei und bat
um ſeine Hilfe.
„Wenn du nach meinem Kinde ſehen willſt, ſo will ich den
Eimer ſuchen.”
„Ja, Herr König.”
„Wiege mein Kind in den Armen und ſinge dazu.”
„Ja, Herr König.
„Singe mir erſt einmal vor, damit ich deine Stimme und
dein Lied höre.”
Da ſang ſie: „Ohe, ohe, der Vogel, der Nabe, fliegt weg.
Meine Mutter hat bloß zwei Sähne im Munde. Mein Vater
hat eine lange Naſe, wie ein Stück Holz”.
Da wurde der König zornig, verbarg aber ſeinen Sorn und
ſagt: „Das iſt aber ein ſehr feines Lied. Sehr ſchön, was?”.
„Ja, Herr König.”
„Pflege mein Kind gut.”
Böſe im Herzen ging der König davon. Die Frau hatte ihn
und die Königin beleidigt. Als er den Eimer ſobald fand, füllte
er ihn mit Schlangen, machte ihn gut zu und brachte ihn der Frau.
Als die Frau ſah, daß der König wiederkam, fing ſie wieder zu
ſingen an, denn ſie hatte die ganze Seit über aus Faulheit
ge-
ſchwiegen und das Königskind ſchreien laſſen. Der König ſetzte
den Eimer hin, nahm das Kind in ſeine Arme und ſagte: „Du
darfſt den Eimer unterwegs nicht öffnen. Im Haufe mußt du das
Feuer anblaſen, dich zu trocknen. Dann gehe zum Speicher hinauf.
mache alle Niſſe und Löcher dicht, ſchließe die Luke und lege dich
gänzlich entkleidet auf den Nücken. Dann erſt darfſt du den
Eimer öffnen.”
„Ja, Herr König.”
Als die Frau ſich an dem Feuer getrocknet hatte, tat ſie
genau alles, was ihr der König befohlen hatte. Nackend legte
ſie ſich auf den Nücken im dichtverſchloſſeien Speicher. Sie
öff=
nete den Eimer . . . ſie griff hinein und .. . ſchrie . . . ſchrie ...
laut.
Aber ſie wurde von den Schlangen umkreiſt und gebiſſen.
Wie von Saubergewalt lag ſie niedergehalten, konnte nicht
flüch=
ten, bekam hohes Sieber und ſtarb. Bi Oko aber putzte ſich alle
Cage mit dem Gold, dem Silber und den köſtlichen Schnüren.
O, wie ſchön war ſie!
Die „Pedewe".
Ein Märlein von Fran und Alter.
Von Lili von Baumgarten.
„O Unvergleichliche,” begann der Dichter, und wohlwollend
blickten ihn die ſchönen Frauen im Kreiſe an, „die kleine
Ge=
ſchichte, für die ich im voraus eure Verzeihung erbitte, iſt nicht
von mir — der Himmel bewahre mich vor einer derartigen
Vermeſſenheit! Wenn ich ſie zu erzählen wage, ſo geſchieht es
nur, weil bereits die ganze Seit über höchſt Begründetes zu
eurem Lobe vorgebracht ward, und ich weiß, ihr ſchätzet
Ab=
wechſlung.
Vernehmet denn: Es herrſchte einſt im bunten Lande
Woihrwollt ein alter König — nein, das iſt nicht aufregend
genug — alſo ein alter Multimilliardär, deſſen einziger Sohn
und Erbe wollte nicht heiraten, obgleich er auch nicht mehr der
Jüngſte war.
Warum willſt du denn nicht?” fragte der Vater wieder
einmal. — „Ich mach’ mir nichts draus, angelogen zu werden”.
antwortete der Sohn wie ſchon oft. — „Wenn ich dir aber eine
inde, die in jeder Lebenslage die Wahrheit ſagt, wirſt du die
dann nehmen?” erkundigte ſich der Alte. — „Darauf laß ich’s
ankommen” verſprach der Sohn.
Wohlgemut begab ſich der Multimilliardär auf die Suche
kommen, zu einer Wette oder irgendeiner Form. — Konrad kam
dann von ſeiner Skifahrt zurück. Er hatte mit einem kleinen
Apparat Aufnahmen von den Bäumen und Schneefeldern
ge=
macht, auch von ſeinen Kameraden, und jetzt ſollte die langweilige
Arbeit kommen, von den Bildern Abzüge zu machen, aufzupaſſen,
daß die Belichtung richtig war, und daß man die Abzüge fixierte,
aufklebte und allerlei ſolche Arbeiten. Berend hatte durchaus
keine Neigung zu ſolchen Arbeiten, aber er ſah ein, daß man ſie
machen mußte, denn das war etwas, wozu ſein Bruder weder
Seit noch Luſt hatte. Er war jetzt mit Lernen ſehr beſchäftigt,
und ſo entſchloß ſich Berend zu dem erſten Beruf, den er
eigent=
lich nicht mochte, einem Beruf, bei dem man ſehr genau ſein
mußte, aber das hatte er ſchon bei ſeinem Maſchinenbau gelernt.
Er erkundigte ſich, was ſolche Arbeiten bei einem Fachmann
koſteten, und dann bot er ſeinem Bruder an, für die Hälfte zu
arbeiten. Mit der Bezahlung hat es keine Eile, ſagte er, und
der große Bruder machte ſeine Aufnahmen von Segelſchiffen
und Eiſenbahnen, aus dem fahrenden Sug und von Freundinnen
und Freunden. Er war mit Abzügen freigebig, denn ſie machten
ihm keine Mühe. — Berend bezahlte von ſeinem Caſchengeld die
kleinen Auslagen für Papiere und Kartons, die er brauchte, aber
er ſchrieb auch ſorgfältig auf, was er fertig abgeliefert hatte, und
dieſe Rechnung erfüllte ihn im Frühling und im Sommer ganz.
Konrad brachte ihm auch von ſeinen Kameraden Platten zum
Entwickeln — er verriet nicht, ob er dafür von ihnen Bezahlung
nahm oder nicht, aber Berend freute ſich, je mehr Arbeit er
bekam. Ubrigens liebte er die Arbeit ſelbſt, und oft wollte er
ſich nicht geſtehen, daß er ſolche Arbeiten auch gern umſonſt
machen würde. Crotzdem hielt er an ſeinem Plan feſt, und als
es wieder Winter wurde, da wußte er, daß er ein großer Mann
geworden war, mit dem man verhandeln mußte. Er war ſeinem
Bruder überlegen, weil er erſtens mit allen Arbeiten beim
Pho=
tographieren ganz genau Beſcheid wußte und weil er nun auch
ſeine Forderungen hatte, denn es waren einhundertundfünfzig
Mark, die auf ſeiner Aechnung zuſammengekommen waren, und
er war durchaus ehrlich geweſen bei ſeinem Anſchreiben.
nach einer Schwiegertochter, der Sohn aber wandte ſich an eine
mächtige Fee — nein, das glaubt ja niemand mehr — alſo
an einen guten Freund, der ein berühmter Erfinder war, und
trug ihm die Gefahr vor, mit der ihn ſeines Erzeugers Eifer
bedrohte. „Damit wollen wir ſchon fertig werden”, meinte der
Freund, ſetzte ſich an die Arbeit und erfand einen prachtvollen
Schmuck, der beſtand aus drei langen Schnüren haſelnußgroßer,
roſig ſchimmernder Perlen, die waren ſo beſchaffen, daß ſie in
demſelben Augenblick zerriſſen, da ihre Crägerin ſich einer
Un=
wahrheit ſchuldig machte. Dieſen Schmuck, der ſich auf ein
Sau=
berwort von ihm wieder zuſammenfügte, benannte ſein Meiſter
„die Perlen der Wahrheit”, und um der Wahrung des mit
ihnen verbundenen Geheimniſſes, wie um der zeitgemäßen Kürze
willen verwandelte der Sohn des Multimilliardärs dieſen Namen
in „Pedewe‟
Bald ſchon hatte er Gelegenheit, die „Pedewe” einer
be=
zaubernden Frau, deren offenen Charakter man rühmte, um den
weißen Hals zu legen, dieweil der Alte ſchmunzelnd Champagner
zu bringen befähl. Da geſchah es, daß beim fröhlichen
Ver=
lobungsmahl die Nede auf die glänzenden Empfänge eines
Sür=
ſtenpaares kam, die vor Jahren in der Stadt, der die Braut
entſtammte, ſtattfanden. „Ich erinnere mich nur dunkel, daß von
jenen Seſtlichkeiten geſprochen wurde,” ſagte die bezaubernde
Frau, „ich war ja damals noch keine zehn Jahre” — — ping
und päng — da kullerten ſchon die Perlen zur Erde — hierhin
und dorihin —, ſie ſchrie laut auf vor Schreck, aber das Unheil
war geſchehen, und ſie ward heimgeſchickt.
„Schade, daß ſie ſo dumm war, aber das hatte man bei ſo
viel Schönheit beinahe zu erwarten” meinte der Multimilliardär
und brachte eine weit weniger ſchöne Studentin der Philoſophie
ins Haus, der ein Ruf ſeltener Klugheit und Lauterkeit der
Ge=
ſinnung voranging. Crotzdem mußte bei der Schilderung ihres
Studienganges etwas nicht klappen, denn als ſie gerade erzählte,
daß ſie mit ſiebzehn Jahren das Gymnaſium beendigte, riſſen die
Schnüre, die ſie erſt ſeit einer halben Stunde trug, und die
„Pedewe” rollten übers Parkett wie trockene Erbſen.
„Gelehrte Frauen ſind eben beſonders unpraktiſch”, tröſtete
ſich der Alte und holte eine Cänzerin herbei, der man weder das
eine noch das andere nachſagen konnte. Dieſe ſah hinreißend in
den „Pedewe” aus, mit denen ſie ſogleich einen Bajaderentanz
aufführte, aber als ſie hernach von ihren Reiſen berichtete und
davon, daß ſie aus Geſundheitsrückſichten ihre Karriere
mehr=
nals unterbrochen habe und im ganzen erſt ſechs Jahre ihren
Beruf ausübe, da erwieſen auch an ihr die „Pedewe” ihre
fatale Eigenſchaft.
„Ich muß jemanden finden, der über allen Außerlichkeiten
des Daſeins ſteht”, nahm ſich der Alte vor und vermittelte die
Bekanntſchaft ſeines Sohnes mit einem weltabgewandten Weſen
von der Heilsarmee. Es dauerte lange, bis die ſanftäugige,
künf=
tige Heilige ſich entſchloß, die „Pedewe” anzunehmen, dafür
vurde ſie ſie dann um ſo ſchneller wieder los, als ſie auf einmal
in ſcharfem Cone von einer Mitſchweſter zu reden begann, die
ihr alles mißgönne und ſich immer als die viel Jüngere aufſpiele,
wo doch nur ein Jahr Unterſchied zwiſchen ihnen beſtehe. . . . .
Dies Märlein, o Unvergleichliche, ließe ſich ſolcherweiſe noch
länger ausſpinnen als die Wunder von Cauſendundeine Nacht.
Eines Cages ſchrieb er ſeine Nechnung, wie es ſich gehört, es
wurde eise ganz lange Nechnung, auf der alle Bilder, die er
gemacht hatte, Cag für Cag aufgezählt waren, und dieſe
Nech=
nung legte er in einem Umſchlag ſeinem Bruder ins Simmer. Er
unterſchrieb die Rechnung im Scherz als Hofphotograph. Unter
die Nechnung ſchrieb er, daß er bis zum Jahresende die
Be=
gleichung — wie üblich — verlangen müßte.
— Ja, woher ſoll ich denn ſoviel Geld nehmen —, ſo kam
Konrad eine Stunde ſpäter bei ſeinem Bruder aufgeregt an. Ja,
das wußte Berend auch nicht. Er wollte ſich nun vielleicht ein
Fahrrad oder einen Photographenapparat kaufen, oder vielleicht
auch beides zuſammen. Er hatte ſeine Pläne, und Konrad ſollte
etzt ſehen, wie er ſich aus der Sache zog. Nein, aus Gefälligkeit
hatte er nicht ein ganzes Jahr in der Dunkelkammer geſeſſen.
Nun, meinte Konrad, andere Brüder ſind einander auch gefällig,
und ſolche Rechnungen ſchreibt nicht einer dem andern. Berend
aber erwiderte: Es ſtehen in der Nechnung ja auch vielleicht noch
einige andere Dinge, denn du biſt immer mir gegenüber im
Vor=
teil geweſen — und mit deinem Maſchinenkaſten habe ich auch
niemals ſpielen dürfen, obwohl mein Herz daran hing. — Ja, ſo
kam dann Berend auf den Baukaſten zu ſprechen. Und wenn er
ſo überlegte, ſo waren vielleicht ein Fahrrad oder irgendetwas
anderes viel ſchöner. Er war nicht mehr ſo ganz ſicher, daß er
dieſen Kaſten mit in Kauf nehmen würde. Er fing auch ſogleich
an, dieſen Kaſten ein bißchen ſchlecht zu machen. Dir iſt er nichts
mehr wert, ſagte er, und das möchteſt du nun wohl damit
be=
zahlen, was dir nichts mehr wert iſt. Ich habe es ganz gut bemerkt.
daß du ſeit zwei Jahren ihn nicht mehr angeſehen haſt. Konrad
ſollte ſich um ſeine Schulden ſchon gern ein bißchen Sorgen
machen.
Und Konrad wußte nichts anderes zu tun, als ſeinen Vater
um Hilfe zu rufen, aber der Vater meinte, daß er nichts mit der
Sache zu tun hätte. Du haſt mit deinem Bruder etwas
abge=
macht, und er iſt der jüngere, und dabei hat er ſeine Pflichten
erfüllt. Du mußt ſehen, wie du mit ihm fertig wirſt. — Nach
ein paar Cagen bequemte ſich Berend dazu, ſeinem Bruder auf
„So geht die Geſchichte nicht weiter; man ſieht, die
bis=
herigen Frauenzimmer waren ſamt und ſonders zu alt, wenn ſie
mir auch zum Ceil noch jung vorkamen”, überlegte der
Multi=
milliardär nach dem ſoundſovielſten Mißerfolg, ging hin und
malte einem unternehmungsluſtigen Backfiſchlein das Los an der
Seite ſeines Sohnes mit lockenden Farben aus. Die Kleine
wil=
ligte ein; ſie trug die „Pedewe” mit reizender Würde, und der
Schwiegervater in spe ſah freudeſtrahlend das Glück ſeiner
Samilie bereits geſichert, als das Bräutlein ſo ganz nebenher
ſagte: „In zwei Jahren, wenn ich mündig bin —” und die Perlen
wie die Hagelkörner auf den Boden klatſchten. Entſetzt ſtarrte
der Multimilliardär das Unglückswürmchen an, das heulend
ge=
ſtand, es habe ſich ein Jahr älter gemacht.
Von jener Stunde an war der Alte davon überzeugt, daß
es ſich bei dem Verhältnis von Frau und Alter um eine
unrett=
bar chaotiſche Angelegenheit handelt, und er gab infolgedeſſen
das Spiel verloren. Sein Sohn verdarb und ſtarb als
einge-
fleiſchter Jungeſelle.
. . . Welche von euch aber, o Unvergleichliche, die ihr dieſer
betrüblichen Mär mit einem nicht leicht zu erklärenden Lächeln
lauſchet — Hand aufs Herz —, welche von euch trüge die
„Pedewe” noch in dieſem Augenblick, hätte ſie die roſig
ſchim-
mernden — nicht ich frage dies, ſondern es iſt der Schluß dieſes
Geſchichtleins — hätte ſie die roſig ſchimmernden zu ihrem
fünf=
zehnten Geburtstag geſchenkt bekommen!
Vom Negen in die Craufe.
Von MarieHorſt.
„Nee, nee, Verehrteſter! Mit Ihrer Seelenmalerei locken
Sie heutzutage keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Das
Publikum iſt die Suckerplätzchen müde! Schreiben Sie lieber mal
über den kurzen Nock im Landſchaftsbild und über die
Anpaſ=
ſungsfähigkeit der Natur an den Menſchen. Crainieren Sie mal
bis zur Bewußtloligkeit im Dauerſchwimmen und notieren Sie
beiher Ihre Eindrücke — ſo was wird geſucht. Oder beobachten
Sie mal genau alle Einzelheiten bei einer Hinrichtung.
Wie geſagt, alter Freund, dicke Catſachen — mit ein paar
Worten klobig hingehauen. Genau wie die übrige Kunſt auf
alles ſchmückende Beiwerk verzichtet — ſo auch wir. Mehr
Sachlichkeit” — endlich hatte er das rechte Wort — „mehr
Sachlichkeit, mein Lieber!”
Alſo ſprach der Seuilletonchef einer größeren Seitung, den
ich lange Jahre zur Zufriedenheit beliefert hatte.
„Sie ſtehen ja auch viel zu wenig im Leben drin”, meinte er
außerdem noch mitleidig, „wenn Ihnen in Ihrer
Waldeseinſam=
keit einmal ein Mädchen mit hübſchen blauen Augen begegnet, ſo
iſt es für Sie das gleiche Wunder, wie wenn wir mal nach Hauſe
kommen, ohne angehauen zu werden. Der Unterſchied iſt nur, daß
wir kein Feuilleton daraus machen!“
Der Mann hatte recht. Aber wo ſollte ich jetzt ſchwimmen,
wir hatten März! Von Hinrichtungen ganz zu ſchweigen — mir
graute bei dem bloßen Gedanken! Was ſollte ich machen? Meine
Exiſtenz ſtand auf dem Spiell. Es galt zu handeln, es galt, ſich
umzuſtellen auf kurzen Nock inid ſeidene Beine. Eine Schnaps=,
idee kam mir. Wie wäre es, wenn ich mich mal in das
Saſchings=
treiben hineinwagte? Dort ließe ſich gewiß manche Anregung
finden. Ich beſah mich kritiſch im Spiegel, mein liebes Geſicht
im allgemeinen und meinen Eremitenbart im beſonderen — halt,
ich hab’s — ich gehe als Nabindranath Cagore! Das wallende
Gewand war ſchnell beſchafft, und ich zog los.
Gleich dem Inder hatte ich bald einen Kreis von
Anhänge=
rinnen, die in mir wahrſcheinlich den gut zahlenden Onkel vom
Lande witterten. Vergeblich ſuchte ich die eine oder andere
Klette literariſch auszubeuten; umſonſt forſchte ich nach Schickſalen
— ſie hatten keine. „Nathchen, frag nicht ſo dämlich, ſpendiere
mir lieber ein Glas Sekt!”, Andere Ambitionen hatte dies pro= Geſindel nicht! „Du, der Konni hat ſo inen Hunger,” ein
Jünger wurde in den Kreis geſchoben, „er muß unbedingt etwas
eſſen!”. Ich kämpfte mit mir, ob ich Konni nicht erſt mal
ohn=
mächtig werden laſſen ſollte, um wenigſtens dieſen Zuſtand an
ihm zu ſtudieren — aber meine Gutmütigkeit ſiegte, und Konni
belebte ſich an einigen Kavierbrötchen und dem dazugehörigen
Sekt.
Was ſoll ich noch erzählen? Ich floh gegen Morgen in meine
keuſchen Wälder und war froh, keine braunen und keine blauen
Augen mehr zu ſehen. Ich hatte nichts erlebt, was für klobige
Feuilletons geeignet geweſen wäre, — dafür hatte ich aber
klo=
biges Geld ausgegeben. Außerdem hatte ich einigen der
An=
hängerinnen ſo gut gefallen, daß ſie ſich eingehend nach meiner
Einſiedelei erkundigt hatten — wahrſcheinlich werden ſie mir
eines Cages den hungrigen Konni bringen!
die Spur zu helfen. Du haſt, ſagte er, auch für einige Freunde
bei mir Bilder machen laſſen, und ich habe mich umgeſehen. Swei
von ihnen haben auch ſo einen Baukaſten wie du. Wenn ich dieſe
drei zuſammenbekomme, dann will ich meine Nechnung wohl dafür
guittieren. Berend war nun elf Jahre geworden, und da wußte
er ſchon genau, wie es ſich im geſchäftlichen Leben gehörte, und
da konnte man auch ſehen, daß er ſeinen ganzen Eigenſinn
be=
halten hatte, es gab keine Hoffnung, mit ihm fertig zu werden,
ohne daß man ſeine Forderungen erfüllte. Nun, Konrad fand,
daß ſeine Freunde keine Schwierigkeiten machten. Sie hielten nicht
viel von altem Spielzeug, denn jetzt waren ſie große Menſchen
geworden, wie ſie meinten. So kam es, daß Berend außer ſeinem
eigenen Baumaterial noch drei große Käſten zuſammenbekam,
und er wußte, daß wohl kein Junge je ſoviel zuſammenbekommen
hatte, denn vorher hatte es kaum Dinge gegeben, die durch die
Menge ſo ſehr an Wert wuchſen. Er fühlte ſich nicht nur für den
Augenblick, ſondern auch für alle Sukunft, für ſeine Kinder ſelbſt
reich, an die er jetzt ſchon dachte. Er wollte mit ihnen bauen, wie
es ſein Vater mit ihm getan hatte.
Aus dem ganzen Baumaterial machte er ein einziges
zuſam=
menhängendes Werk, das wurde nach einer Woche ſo fabelhaft,
daß viele Bekannte kommen mußten, um es anzuſehen, und dann
machte Berend noch drei Photos von ſeiner Sabrik, die nach
einer Weile natürlich wieder abgebaut werden mußte, um wieder
einem ganz anderen Werk Platz zu machen. Nun wollte Berend
auch ſehen, ob ihm die Fabrik nicht für ſeine guten Aufnahmen,
die er vergrößern ließ, einen Preis gab.
Aber Berend will ſein Baumaterial wachſen laſſen.
Überall, wo ein Junge dieſes Spiel aufgeben will, wird er
auf=
paſſen, der Erbe zu werden, auch wenn er etwas dafür tun muß.
Er weiß von ſeinem Vater, daß man gar nicht genug Material
zuſammenbekommen kann, und daß dieſes Bauzeug für Maſchinen
und Fabriken weder je verdirbt, noch ſchlecht werden kann. — Hin
und wieder wird vielleicht einmal eine Schraube verdreht oder
eine Mutter verloren gehen, aber man kann aus dieſem Spiel
unmittelbar hinüberwachſen in das Maſchinenweſen unſerer Cage.
Eine pſychologiſche Studie
von Walter Meckauer.
Der Charakter des Menſchen äußert ſich nicht nur in
be=
wußten Handlungen und Caten, er offenbart ſich beſſer und
ungeſchminkter in unwillkürlichen Bewegungen. Von der Mode
begünſtigt, die den Suß ſichtbarer als früher zur Schau ſtellt,
haben ſich neuerdings Charakterforſcher damit befaßt, aus der
Form des Beines und dem Gang der Menſchen auf ihre
Eigen=
ſchaften Nückſchlüſſe zu ziehen. Hier einige Ergebniſſe dieſer
Beobachtungen:
Derjenige, der ſeine Gedanken in Erinnerungen, Cräume
von einſt, kurzum in Vergangenes verſenkt, geht langſam, den
Kopf nach vorn geſenkt. Wer mit frohem Mute in die Sukunft
blickt, ſchreitet raſch aus und hat den Kopf kühn in den Nacken
zurückgeworfen. Aufrecht und beſtimmt iſt der Gang deſſen, der
gerade vor ſich hinblickt und ſeine Vorſtellungen an die
Gegen=
wart heftet. Von ungewiſſer Seelenhaltung iſt der, der hin=
und herſchlenkert und ſeine Blicke bald nach links und bald nach
rechts richtet. Wer aber ängſtlich hinter ſich blickt und raſch
ausſchreitet, der fürchtet ſich meiſt vor ſeinem Schickſal, das
manchmal die gerechte Strafe für begangene Caten, manchma.
aber auch nur ein Gläubiger iſt. Wer über etwas nachdenkt
oder die Chancen eines Vorhabens berechnet, geht langſam und
in ſich ſelbſt verſunken. Wer ein Geſchäft erledigen will, geht
raſch und beſtimmt. Wer an ſeinen Vorteil denkt, ſei er
mate=
rieller Art oder eine Herzensangelegenheit, läuft ſo ſchnell, daß
er beinahe ins Nennen verfällt.
Ein Menſch, der einhertrippelt, verrät Schlauheit, einer der
im Gehen mit den Schultern wippt, fröhliche Laune. Jemand,
der beim Gehen mit dem Kopfe nickt, iſt gutmütig, aber
egoiſtiſch. Ein eckiger Gang zeugt von einem geraden, aber
unausgereiften Charakter.
Dumme Menſchen haben oft einen Gang, der, verbunden
mit dem betonten Einwärtsſetzen der Füße, an den
Watſchel=
gang der Enten erinert. Die Intelligenz eines Menſchen
offen=
bart ſich häufig in einer kaum merklichen Nuance, die
gleich-
zeitig Bewußtſein und ruhige Gelaſſenheit ausdrückt. Oft aber
gehen gerade beſonders kluge Menſchen ſo ſtark in ſich ver=
Junken, daß ihr Schreiten faſt nachläſſig wirkt.
Ein federnder Gang iſt das Seichen von ſeeliſcher
Elaſti=
zität und Abenteuerluſt, ſchleppende Füße ſind ein Merkmal von
Verweichlichung und Energieloſigkeit. Der hinterhältige Menſch
ſchleicht, der offene Charakter geht breit und ausladend. Sein
Gang iſt nicht zu verwechſeln mit dem brutalen Menſchen, der
ſich in wuchtiger Breitſpurigkeit fortbewegt.
So kann man auch aus dem Gang der Leute auf ihre
ſee=
liſche Beſchaffenheit ſchließen und bei einiger
Beobachtungs=
gabe ſich dementſprechend im Verkehr mit ſeinen Mitmenſchen
einſtellen.
Wann bin ich verlobt.
Von Neferendar Dr. Jur. Willi Leonhardt.
Wenn zwei ſich lieben — ſo hat ein Dritter dabei nichts zu
ſuchen. So denkt die Liebe und beſtimmt ſich ihre
Entwicklungs-
regeln ſelbſt. Und doch iſt es notwendig, daß auch ein Dritter,
der Geſetzgeber, ſich mit dieſer Liebe beſchäftigt und ſich
ein=
miſcht, um zumindeſt denjenigen Seitpunkt feſtzuſtellen, in welchem
die gegenſeitige Liebe und die gegenſeitigen Verſprechungen in
ein Stadium treten, in welchem ſich der eine Ceil nicht mehr ganz
ohne Rückſichtnahme auf den anderen von dieſem loslöſen kann
und darf. Dieſer Seitpunkt iſt die Verlobung. Nun liegt nach
dem Willen unſeres Geſetzgebers, der in dieſem Punkte äußerſt
nüchtern und proſaiſch denkt, eine Verlobung immer dann vor,
wenn zwei Liebende — es können aber auch zwei Nicht=Liebende
ſein — ſich gegenſeitig die Ehe verſprechen. Swar kann aus
dieſem Eheverſprechen heute nicht mehr wie früher der Wort=
brüchige mit ſtaatlichem Swang ſeinem Eheglück zugeführt
wer=
den; ein derartiger Swang würde gegen unſere heutigen
ethi=
ſchen Anſchauungen über die volle Freiheit der Entſchlüſſe, mit
der jeder in die Ehe eintreten ſoll, verſtoßen. Aber dennoch ſetzt
ſich heute der Wortbrüchige recht erheblichen Folgen aus, wenn
er ohne wichtigen Grund das Verlöbnis auflöſt oder dem
an=
dern Ceil durch ſein Verſchulden ſeinerſeits einen wichtigen
Grund zur Auflöſung gibt. In beiden Fällen hat derjenige,
deſſen Verſchulden zur Auflöſung des Verlöbniſſes führt, dem
andern Ceil allen denjenigen Schaden zu vergüten, den dieſer
oder ſeine Eltern durch Nichteingehung der verſprochenen Ehe
erleiden, indem ſie bereits Aufwendungen in Erwartung der
zu=
künftigen Eheſchließung gemacht oder ſonſtige Maßnahmen
ge=
troffen haben. In der Mehrzahl dieſer Fälle wird es ſich darum
handeln, daß die Braut mit Nückſicht auf die „gute Partie‟
ſich eine ihre Verhältniſſe weit überſteigende Ausſteuer —
viel=
leicht auf Kredit — angeſchafft hatte, die ſie ſetzt nicht
be=
zahlen kann, oder daß ſie, weil „er” ja ſoviel verdiente, ihre gut
bezahlte Stellung aufgab und nach Auflöſung des Verlöbniſſes
keine gleich gute oder überhaupt keine wieder finden kann, oder
aber, daß ſie ſich mit ihrem „unwiderſtehlichen” Bräutigam zu
intim eingelaſſen hat und nach ihrer jetzt auf einmal gewandelten
Anſicht nicht mehr rein aus dem Verlöbnis hervorgeht. Alle
dieſe Anſprüche ſeten aber ein gültiges Verlöbnis voraus. Wann
iſt man aber im Sinne des Geſetzes verlobt?
Das Geſetz gibt darauf die nüchterne Antwort: wenn
man ſich gegenſeitig die Ehe verſprochen hat,
Der Volksmund zwar ſieht dieſen Augenblick des gegenſeitigen
Verſprechens der ſpäteren Ehe= und Lebensgemeinſchaft — das
Verlöbnis — ſtets im Verlobungstag und der hierbei landläufig
erfolgenden Anlegung der Verlobungsringe. Geſetzlich jedoch
liegt in weitaus den meiſten Fällen die Verlobung (richtiger: das
Verlöbnis) und damit der Eintritt der oben angedeuteten,
recht=
lichen Beziehungen, viel früher. Wenn auch in dem im
Mond=
ſchein und in voller Überzeugungskraft der Angebeteten
vorge=
tragene Schwur ewiger Liebe und Creue noch nicht immer gerade
ein Verlöbnis zu ſehen ſein wird — Gott ſei Dank, denkt
mancher Don Juan —, ſo ſind die beiden Liebenden doch immer
ſchon dann verlobt, wenn ſie ſich den beiderſeitigen, ernſtlichen
Willen kundgeben, einander ſpäter die Ehe eingehen zu wollen.
Ob mit oder ohne Liebe ſpielt hierbei keine Nolle. Liebe iſt
zum Verlöbnis überhaupt nicht zum mindeſten erforderlich. Die
Art, wie dieſe „Verlobung” zuſtande kommt, iſt bei faſt allen
Menſchen verſchieden. Der eine ſucht dieſe Erklärung in einem
würdevollen Moment in beredten, gehobenen, von Herzen
kom=
menden Worten, der andere iſt leidenſchaftlich, ſtürmiſch und
ringt ſich ein ſchmachtendes „Ja” aus dem Munde ſeiner
Ge=
liebten ab, für den Dritten wieder iſt der Moment der
Ver=
lobung eine kurze, ſachliche Frage mit Nückantwort. Allen aber
— ob würdevoll=beredt, ob leidenſchaftlich-ſtürmiſch, ob
ſachlich-
kurz — allen muß gemeinſam ſein, daß ſie den übereinſtimmenden
Willen feſtſtellen, die Ehe miteinander einzugehen und ſich ein
darauf abzielendes Verſprechen abgeben. Keineswegs iſt dabe
auch erforderlich, daß auch nur ein einziges Mal das Wor
„Verſprechen” oder „Ehe” zu fallen braucht. Es kommt nich
auf die geſprochenen Worte, ſondern allein auf den Willen, der
bei beiden einen für den andern erkennbaren Ausdruck gefunden
hat, an. Deshalb braucht auch im Moment des Abſchluſſes de
Verlöbniſſes überhaupt nichts geſprochen zu werden, und doch iſt
man verlobt, wenn nur beide in entſprechenden nicht anders zu
deutenden Gebärden und Handlungen ihrem Willen zur ſpäteren
Ehe genügend deutlichen Ausdruck gegeben haben. Gerade die
Liebe hat ja ihre beſondere Sprache, und ſie weiß ſich auch ohne
Worte auf die ihr eigene Art verſtändlich zu machen.
Dieſen Woment eines Verlöbniſſes, d. h. alſo eines
gegen=
ſeitigen Eheverſprechens, wird man wohl zutreffend bereits
immer dann als vorliegend anſehen können, wenn die beiden
Liebenden ſich ihrerſeits als „heimlich verlobt”
be=
trachten. Die „heimlich Verlobten” haben ſich aber ſchon
gegen=
ſeitig die Ehe verſprochen. Sie ſind deshalb ſtets nicht nur
„heimlich”, ſondern richtiggehende Verlobte, deren Verlöbnis
lediglich für die Außenſtehenden noch nicht offenbart iſt und die
ihr Verlöbnis noch verheimlichen. Die nachfolgende „
öffent=
liche Verlobung” iſt nur eine Dokumentierung eines
be=
reits beſtehenden Nechtszuſtandes — des Verlöbniſſes — nach
außen hin, um die Stellung der bereits „heimlich” Verlobten
zu=
einander und ihr häufigeres Suſammenſein nun auch nach außen
hin der Geſellſchaft gegenüber zu rechtfertigen.
So unſchwer es danach auch erſcheint, ſich zu verloben, ſo iſt
bei allem doch eins zu beachten: die junge, liebeerglühende Maik
und der ſtürmiſch=überſchäumende Jüngling, beide können ſich
aus eigener Selbſtändigkeit nur dann verloben, wenn ſie
voll=
jährig ſind. Alle minderjährigen Liebenden ſind auf die rechtlich
erforderliche Suſtimmung ihres geſetzlichen Vertreters (Vater,
evtl. Mutter, Vormund) angewieſen, die aber, wie die
Berlo=
bung ſelbſt, ebenfalls wieder ohne beſondere, ausdrückliche
Er=
klärung, ſondern auch durch entſprechende Handlungen, die
not=
wendigerweiſe als Suſtimmung zur Berlobung der
Minderjäh=
rigen anzuſehen ſind, etwa durch ſtillſchweigende Unterſtützung in
der Herbeiführung der Verlobung, erteilt werden kann. Ohne
dieſe Suſtimmung kann ſich unſere liebesfrohe Jugend unter
21 Jahren immer nur „moraliſch binden”, aber niemals rechtlich
wirkſam verloben.
Danach aber ſtellt ſich der Seitpunkt des Verlöbniſſes unter
dem Auge des Geſetzes weitaus anders dar, als ihn ſich wohl die
meiſten Verlobten und diejenigen, die es noch werden wollen,
vorgeſtellt haben, weil ſie immer eine „öffentliche Verlobung”,
vielleicht ſogar die Ninganlegung, für unbedingt zur Verlobung
erforderlich gehalten haben und glaubten, ohne die Einhaltung
dieſer Erforderniſſe noch nicht verlobt zu ſein. Beides iſt aber
nicht begriffsnotwendig und iſt nur eine durch die Überlieferung
auf uns gekommene Sitte ohne rechtliche Bedeutung. Das
Ver=
löbnis, das durch die „öffentliche Verlobung” und die
Ning=
anlegung nur nach außen hin offenbart werden ſoll, beſteht
viel=
mehr in weitaus den meiſten Fällen bereits, ſchon mehr oder
weniger lange Seit vorher, und zwar als vollgültiges, mit allen
rechtlichen Wirkungen des Geſetzes verſehenes Verlöbnis. Drum
Vorſicht!
Nummer 246.
Aufgabe 362.
H. Weenink in Amſterdam
(2. Preis im „Problematikus”=Turnier 1925/26.
Druck u. Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verant wortlich f. d. Redaktion: Dr.
Kreuzworträtſel.
Von links nach rechts: 1. Seherin und Sternbild, 5.
Ball=
ſpiel, 7. Weiblicher Vorname, 8. Gewürz, 11. Kleimſte Teilchen, 12.
Hin=
weis 14. Bürde, 16. Syſtematiſche Anordnung, 17. Ruſſiſche Stadt,
19. Süderabiſcher Volksſtamm. W. Stadt in Ungam. 23.
Organ,
26. Fangvorrichtung, 29. Sinnbild der Liebe, 30. Bibliſche Perſon,
31. Altes Maß, 32. Ausdruck für Blaſe.
Von oben nach unten: 1. Teil des Menſchen, 2.
Schwefel=
verbindung, 3. Finſter, 4. Erz= oder Geſteinſchicht, 6. Vielmals, 7.
Kör=
perteil, 8. Stadt in Weſtfalen, 9. berühmter Baumeiſter †, 10. Pariſer
Kirche, 13. Stadt in Frankreich, 15. Gewebe, 18. Quadrat, 19 Prophet
21. Dinne Rute, 22. Vermittler, 24. Nosdſeebucht, B. Männlicher
Vor=
neme, 27. Gewebe, 28. Teil des Korans.
H Nette. Fernſpr. 1, 2389.
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kh2 Dh3 Tb5 Lg8 Sd1 d3 BbZe5 f2 15 (10);
Schwarz: Ke4 Ta2 La7 a8 Bd4 g5 g7 (7); 34.
Aufgabe 363.
J. Colpa in Dordrecht.
(Tijdſchrift v. d. Nederl. Schaakbond, 1902.)
Weiß: Kg1 Df1 Ld5 f6 Sd2 14 Bb3 e (8);
Schwarz: Ke3 Lcl Sb2 Bb4 c2 d6 f7 g3 g4 (9).
Matt in zwei Zügen.
Briefkaſten: F. B. Bei Ihrer Aufg. Motto „Reihe g” iſt ein weißer B auf
a4 nicht eingezeichnet.
Zu Aufg. 353: 1. DXg77 h2—h1 D oder T +1 2:
Sel=
d2Xe1 8! (L)) — Zu Aufg. 354: Auf b3 braucht kein B zu ſtehen. Sie ſind aber
auf dem richtigen 2
*5d
S.: Aufg.
1: Tf47 Le6! — 354. Der weiße I. ſteht auf a6. — 3:7.
1. Dd5T eID. 2. Tb4 + De5l — 358. 1. Sc42 b5xc4!
2392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. — Kliſchees: F Haußmann, alle in Darmſtadt.
Rätſel IIe
Zum Auszählen.
Die Auflöſung nennt einen ſeltenen Gaſt.
Gedenk=Rätſel.
Zum 1. März.
Orel, Liſte, Kanne, Buch, Laune, Linz, Bier, Grippe, Pacht, Leitun
In obigen Wörtern iſt je ein Buckſſtabe einzuſetzer
ſo daß wie
bekannte Hauptwörter entſtehen; die neu eingeſetzten Buchſtaben ne
einen deutſchen Dichter, deſſen Geburtstag ſich am 1.
z 1928 zum
91. Male jährt.
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 7:
Tauſch=Rätſel.
Lampe, Wald, Rieſe, Balkon, Heer, Hans, Haken, Mond, Meſſe,
Ratte, Rübe, Eimer, Retter:
„Maskenkoſtüme”.
Figuren=Rätſel.
Säge, 2. Chima, 3. Heine, 4. Sdipus, 5. Nicolai, 6. Elefank,
7. Million, 8. Akazie, 9. Sedan, 10. Kiſte, 11. Eule.
„Schöne Maske..."
Zerleg=Aufgabe.
So, ihr Faßnachtsnarrn, un jetzt noch emol zuſammegeriſſe,
un gezeigt, daß ihr noch Murr in de Knoche habt, dann die drei
letzte Däg gehn aach noch erum, un dann ſeid ihr widder
ver=
nimfdich un iwwerloßt for de Reſt vum Johr den narriſche
Unſinn dene, die wo Kraft ihres Amtes beſunners dezu
brädi=
ſtiniert ſin, un wo uff ihre gutdräſſierte Stäckegeilcher un
Brin=
zibiebjehengſt die hoche Schul vun jeglichem un allem erdenkliche
Unfug reite därfe. Was allerdings zwar meiſtens aach e groß
Natredei is, awwer zu unſerm Laadwäſe dorchaus nix mit
Humor zu dhu hott. No dodegääche kam=mer nix mache, däß
miſſe mer erdrage, un am beſte is, wann mer ſich in dem Fall
an den ſcheene Spruch halte dhut:
„Un wer des Läbens Unverſtand mit Wehmut will genießen,
der ſtelle ſich an eine Wand und ſtramble mit den Fießen.”
Awwer mer kann aach des Läwens Unverſtand mit Witz un
Humor genieße un vor Lache mit de Fieß ſtramble, indem mer
ſich gleicherweis an e Wand lehne dhut. Ich for mei Daal bin
mehr for die letztere Art vun Unverſtandsgenuß, dann die is
bekömmlicher. Un es Lache is immernoch die beſt un die billichſt
Azzenei, die erhellt aam jung un elaſtiſch, beſſer wie Luggudade
un Kuſchemuſchelſalz un wie die nei modiſche Verjingungsmiddel
haaße dhun, for die die Leit verjingungshalber ihr Geld zum
Fenſter enausſchmeiße.
Däßhalb will ich mich aach heit net als Bredigerin in de
Faßuachtszeit uffſpiele, ſundern vun mir aus kann jeder die
meſchucke Zeit genieße wie er will, mir is es Worſcht, ob er ſich
zu dem Zweck an die Balleegaddemauer ſtellt un ſtrambelt vor
Lache mit de Fieß; odder ob er ſich e Faßnachtskabb uff de Kobb
ſtilbt, bind ſich e Laff vor un henkt ſich en babbedeckelene
Brill=
jandſtärn erſter Giete an die Bruſt, un bild ſich ei” er weer de
Marrababbſcha vun ärchend eme indiſche Krehwinkelſtaat. Dofor
is es Faßnacht und do kann jeder mit bollezeilicher Erlaabnis
uff eiche Fauſt ſo verrickt ſei wie er will. Un wem’s dodezu
net langt, der kann ſich mit e paar Gleichgeſinnte zuſamme dhu,
un kann losleeche; un was dodebei hinnenooch erauskimmt, däß
haaßt mer bekanntlich en Jux, un was devo iwwrich bleibt, däß
nennt mer am Aſchermittwoch en Katzejammer, un ich mecht dene
kimfdiche Aſchermittwöchner un Aſchermittwöchnerinne nor
winſche, daß ſe ihrm Aff ſchließlich net mehr Zucker gäwwe, als
er verdrage kann, um daß ſe hinnenooch den ſauere Hering noch
mit dem neediche Humor vertilche kenne.
Iwwerhaubt de Humor! Däß is um die Zeit en geſuchte
Addickel. Un mer ſoll’s gornet for meechlich halte, was aam
äwe, unner dem Vorwand, es weer Humor, alles uffgeneedicht
wärd. Ich verſteh jo allerdings ſozuſage nix vun Humor, däf
geht mir ab, fundern ich neig meiner ganze Nadur nooch mehr
ins flächmadiſch=melangkoleriſche, ſunſt mecht ich mich ſchun
ver=
meſſe, un be Leit emol zeiche, was Humor is. Awwer ſo, bei
meine ernſthafte un wehr uff’s Feierliche gerichte Poſtur, do
liggt mir däß net. Dodewääche lach ich awwer doch gärn, un
ſoviel merk ich aach, daß ich wenichſtens noch unnerſcheide kann,
was Humor is, un was net. Wann ich mir beiſpielsmeßich den
Umdrieb a guck, den wo ſe äwwe im Reichsdag mache, ſo muß
ich mer ſage, daß däß ganz gewiß nix mit Humor zu dhu hott;
un wann ſe mich am Diensdag „einſtimmig” zur heſſiſche
Staats=
bräſendentin gewehlt hawwe, ſo is däß äwenfalls net groß
humoriſtiſch, ſundern däß is hechſtens en ſchlechter Spaß, den
wo ſe ſich kimfdich mit ihresgleichen erlauwe ſolle, un net
mit=ere ehrſame Jungfraa im geſetzte Mannesalter, dodefor bin
ich mir zu gut. Witzicher is ſchun, wie ſe de Kirnbärcher
aus ſeim „Innerliche” enausbuchſiert hawwe un hawwem däß
vun de „Finanze” uffgeſchwätzt — der wärd Spaß hawwe . . .
Dohärngääche wann unſer Rudi Mueller ſecht, er
dhet ſich als Borjemaaſter net zum Vergnieche cmmiſiern,
ſundern aus reinem Pflichtgefiehl, ſo is däß
net nor e gelunge Verdeidichung, ſundern en ganz ausgezeichent
gute Witz, wie mer ſe run ſeinesgleichen im allgemeine
ſälte zu heern krickt. Ganz un gar net humoriſtiſch, ja
noch net emol witzich is es awwer, wann ſe aam vorrächne, die
neie ſtädtiſche. Wärtſchaftsbedriewe dhete ſich net nor ſällwer
erhalte, ſundern ſogar noch en Iwwerſchuß abwärfe. Däß
is en faule Kalauer, den mer ſich ganz ennärſchich verbitte muß.
Wann dohärngääche en richdichgehender Stadtrat nachts im
Herrngadde ei geſchloſſe wärd, ſo ſchlehkt däß ſchun eher
ins Humoriſtiſche, wann aach derſellwiche net gleicher Aſicht is,
un nimmt die Sah forchtbar ernſt, un dhut ſe zu=ere „große
Afrog” uffbauſche, bloß damit er aach emol was zu ſage hott.
Sunſt ſin ſe jo net ſo uffm Rathaus un hawwe zimmlich
viel Humor. Un der Humor, der wo ſo uffm Rathaus in de
Sitzunge gradiß, franko un unfreiwillich verzabbt wärd, däß is
noch de beſte, un de ſchennſte, un de ehrlichſte, un an den muß
mer ſich halte, un vun dem kennte unſer ſogenannte Faßnachts=
Humoriſte viel lärne. Awwer ich muß offe ſage, de meiſte vun
dene „Redner” die wo in allerhand Koſtieme do ihrn Geiſt
ver=
ſpritze, die wolle nix mehr lärne, ſundern gleich was ſei.
Dann was ich ſo uff dene hieſiſche Kannewallsſitzunge all zu
heern hab krickt, däß hatt zu gut dreivärdelſt nix mehr mit Humor
zu dhu, ſundern däß warn Witz, wie ſe ſo es ganze Johr iwwer
an geiſtiſch minderbemiddelte Stammdiſch ſärwiert wärrn. Do
driwwer ſoll mer ſich awwer klar ſei: Humoriſte ſin ſälte
witzich, un Witzbolde hawwe ſälte Humor. Däß is de
Schied=
unner.
Ich will domit nadierlich dorchaus net ſage, daß ſo e
Kanne=
wallshumoriſt vu’ e Orſchinalſchennie ſei mißt. Im
Gäächedaal, en gude alte Witz is mer immer noch liwwer, als
e Dutzend ſchläächte, wo nei ſin. Un ich hab aach nix degääche,
wann ſo en Witz e bische wildelt. Awwer diß Johr hatt ich
doch de Erdruck, als wann verſchiedene vun dene „Redner” unner
die Rohköſtler gange weern. Un in dem Fall mecht ichſen
doch die Köllner ihr Dewieſe ins Gedächtnis ruffe, die wo haaßt:
„Frei vun aller Zoterei, is die ächte Narredei.”
Wie geſagt: Humoriſt wärd mer im Läwe net ſo leicht wie
Miniſter, do geheert ſchun e bische mehr dezu. Un ich mecht
däßhalb unſere Kannewallsbräſidente de Vorſchlag mache, ſie
ſolle ihr „Redner” ſtudiehalwer emol e Johr lang in die
Stadt=
ratsſitzunge ſchicke, damit ſe lärne, was Humor is.
Genzlich humorlos ſin awwer heidichendags die ſogenannte
Danzvergnieche; wann mer iwwerhaubt unner dene
Um=
tend des Danze noch e Vergnieche nenne kann. Wenichſtens
mir macht’s de Eidruck, als wann’s kaans ſei kennt, de
Ge=
ſichter nooch, die wo debei geſchnitte wärrn, un wo ausſähe, als
wann ſe ihrn Geiſt uffgäwwe ſollte, un wißte net, woher nemme
un net ſtehle. Ich hett dößhalb gornix degääche, wann mer
rechierungsſeidich widder mol ſo en kaddegoriſcheImberadief ins
Volk ſchmeiße dhet, wie „Tanzt deutſche Tänze!” mein Ooſepfeil
macht=en gärn widder e breisgekrönt Blaggad dezu, wie ſeiner
Zeit däß „Trinkt deutſche Weine”, nor mit dem Unnerſchied, daß
anſtatts ere Hand, e paar Fieß druff ſei mißte; awwer kaa zwag
linkſe, wie mer ſe heit zum Danze brauch.
Wie geſagt, wie ich neilich im Saalbau geſäſſe hab, ſo als
Mauerkackduß — Mauerbliemche konnt ich in dem Fall net gut
ſage, ſunſt hett’s net zu däre echt affrikaniſche
Urwalddeke=
ratzion gebaßt — un hab mer die Veitsdanzerei ſo ageguckt,
do bin ich mehr un mehr zu der Iwwerzeichung kumme, daß
die Danzpaarn nächſtens zum Hagenbeck fahrn miſſe, un miſſe
ſich dräſſiern loſſe, noochher brauche ſe bloß noch im Saal
an dene Babbdeckelbeem in die Heeh zu klättern, un des
vier=
hendiche Vorbild is färdich.
Mir hawwe in unſere Jugend jo aach ſchwieriche Denz
ge=
danzt, zum Beiſpiel de „Kreizbolka‟. Awwer ſchließlich, däß
war immerhie bloß en Bolka, wo ſich do „gekreizt” hott. Was
„kreizt” ſich awwer heit net alles bei däre verrickte Nerfezuckerei:
de Blus mitm Tſcharlſten, de Schimmy mitm Boſten, de Fox
mitm Drott, de Black mitm Boddem, un was waaß ich; de
Darwin hett jedenfalls an däre „Kreizerei” ſein Spaß gehatt.
Un bis als ſo e Danzpaar ſich glicklich driwwer aanich is, was
for „Fiſchurn” als ſe danze wolle, do is die Bollezeiftund do
un de Jazzbandſchlagzeichſchleecher hott die Krembf. — Nechſtens
brauche ſe zum Danze noch e Logarithmedafel . . .
Naa, wann ich do an unſer Danzſtund ſeelich denk, wo de
alte Sander mit de Geig als zwiſche uns erum is, un er hott
debei uff die Hiehneraage gedrete krickt un hott als weiter gegiche
un gezehlt: Einszweidrei — vierfimfſex — hat nichts zu ſa—gen,
— einszweidrei — vierfimfſex — danzet nur wei—ter” — alſo
do war es Danze noch e Vergnieche, un es war Humor debei
Awwer heit? — es fehlt bloß noch, daß ſe ſich Ring dorch die
Nas mache loſſe un Holzſtebbel dorch die Ohrnlabbe —
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Alſo daß ich am voriche Sunndag
ehrenhalwer uff de Meerzer Fremdeſitzung war, däß waaß aach
ſchun widder alles. Alſo mit dem Radio, däß hott awwer aach
de Deiwel geſähe, mer draut ſich kaum noch e laut Wort zu ſage,
aus Angſt, es henkt ärchend wo ſo e Lumbeding in de Luft, un
ſchwätzt’s weider. Jedenfalls ſin mer aus alle Himmelsrichdunge
Zuſchrifte zugange, die wo geſchriwwe hawwe, jetzt hette ſe aach
mal die Ehr gehatt, mein beeſe Schnawwel perſeenlich kenne
zu lerne. No, wann ich widder ſo wohie geh un ſchwätz was,
danp halt ich mei Maul. — Nadierlich mußt ich doch dem
Meen=
zer Kannewalls=Verein zu ſeim neunzichjähriche Beſteh
gradde=
iern, un wann däß aach lauder gewärfelte Brieder ſin, awwer
in de Daabſtummeſproch konnte mer uns doch net gut
unner=
halte mitnanner, däß hett nu” zu narriſch ausgeſehe. Un däß
muß ich ſage, uff ſo=ere Meenzer „Kannewallſitzung” geht’s
im allgemeine gornet ſo „narriſch” zu, wie ſich valleicht jemand
denkt, ſundern ganz im Gäächedaal, die nemme die Narredei
ehr ernſt, weshalb aach niemand vun de „Spitze” uff dene ihre
Sitzunge fehle dhut, vum Broffinzialdiräckter owwe runner war
alles do, was iwwes e bische was zu melde hott in Meenz. Däß
hott ſein gude Grund, dann do kenne die Herrn nor was lerne
debei, un krieje unverblimmt geſagt, was mer im Volksmund
ſo vun=en helt.
No, driwwe in Meenz ſin ſe wenichſtens noch zu belehrn,
do nemme ſe wenichſtens noch Vernumft a', un ſin dankbar for
e offe Wort. Hier . . . ? — Schweije mer devo.
Awwer daß ich am letzte Sunndag mit meine Bedrachtunge
doch de Finger uff de richdiche Effnung hatt, däß hawwe mer
äwenfalls e Maſſe Zuſchrifte aus Fach= und annern Kreiſe
bewieſe, die wo mer zugange ſin, pun hier un auswärts:
ja ſelbſt in Berlin un Minche ſcheine Darmſtädter zu ſitze,
die wo ſehr genau „Beſcheid” wiſſe. Den Stoff, den ich do all
zum Flicke un Stichele geſchickt hab krickt, der reicht for=e ganz
halb Johr.
Allerdings ich hab aach en Riffel ei’ſtecke miſſe, indem mir
vun hochgeſchätzter Seit geſchrimwe is worrn: däß Denkmal dhet
em Niebergall un ſeim Haußtwerk net gerecht wärrn. Als
wann valleicht der „gedragene” Grabſtag dem gerecht wärrn
dhet. Odder als wann mer ſich iwwerhaubt jemals ſchun um
de Niebergall un ſei Hauptwerk gekimmert hett. Bis jetzt hott
ſich noch kaaner vun unſere Stadträt zu däre Geſchmacksloſigkeit
uff=em Friedhof geaißert. Un wann däß aach ſchließlich net zu
de Pflichte vun=eme Denkmalspfleger geheert, ſo geheerts doch
mindeftens zu ſeine Rechte, driwwer zu wache, daß ſo kaan
Unfug gemacht wärd. Wann mer wenichſtens noch druff
ge=
drunge hett, daß der Name vun dem friehere Beſitzer vun
dem Grabſtaa ausgeſchaabt weer worrn; jetzt hawwe ſe, weil
ſich die Leit driwwer luſtig gemacht hawwe. Dannebeemcher
dehinner geblanzt, daß mer net mehr dra vabei geh kann, —
däß entſpricht dem kinſtleriſche Karrakter vun unſere Stadt.
Naa, mer wolle doch ehrlich ſei: de „Niebergall un ſei
Haupt=
werk” ſpielt bei däre ganze Agelegenheit gorkaa Roll, die
Sach liggt diefer, däß waaß mer in de Bärjerſchaft ganz
genau. Ich iwwerloß drum däß Urdaal ruhich dem geſunde
Menſcheverſtand. Un wer ſich den Entwurf zu dem „Niebergall=
Brunne” neher bedrachte will, in de owwere Wilhelmineſtroß inr
Schulenburg ſeim Blumelade is er ausgeſtellt.
Iwwrichens, die Sach mit dem „unkinſtleriſche” Glasſchild
am Theaterplatz hott äwenfalls e glenzend Leeſung gefunne:
des Schild kimmt ewäck dann de „Allians=Konnzärn” hebt
ei fach ſei Filial hier uff, acht Beamte hawwe bereits
gekin=
dicht krickt un kenne vum erſte April ab ſtembele geh. Hoch
läwe de „Denkmalsſchutz” un des „Städtebild‟! — —
Awwer däßhalb geh ich erſtrecht heit Middag ins „Klaane
Haus” un bedracht mer emol däß werkliche „Kaspertheater”,
wo do zu ſähe is. Un wer noch Sinn hott for ſowas Härziches,
odder wer ſeine Kinner en ſcheene Faßnachtsſpaß mache will,
for wenich Geld, der ſoll äwenfalls hiegeh. Däß is wenichſtens
e „Kaspertheater” wo mer noch ſei Fraad dra hawwe kann,
gäächeniwwer dem, wo mer als lewendiche Kasper drinn
mitſpiele miſſe . .
Un wer ſich aus dem allgemeine Faßnachtsrummel nix
mache dhut, un doch emol kräfdich lache will, ohne daß er ſich
hinnenooch driwwer ſcheeme dhut, der ſoll morje awend ins
Klaane Haus geh, do ſpiele ſe noch emol de Schlager der Saiſohn:
„De Lumbeawend odder Mannis Mann”, zum Beſte
vun dem zurickgewieſene Niebergall=Brunne. Ich hoff, mer
ſähe uns.
Der zeitgemäße Haushalt.
Was man beim Verſtauen der Maskenkoſtüme
nicht vergeſſen darf. Im tollen Durcheinander des
Maskenballs haben die Maskenkoſtüme an ihrer Friſche
einge=
bü.ßt. Sie ſind ſozuſagen geſättigt vom Schweiß und Staub und
erheiſchen, ſollen ſie im nächſten Jahre wieder eine glanzvolle
„Auferſtehung” feiern, eine gründliche Reinigung und
Auf=
friſchung, die in dieſem Falle nur durch eine Naßwäſche zu
er=
reichen iſt. Da es ſich zumeiſt um empfindliche Farben handelt,
iſt es ratſam, das Waſchwaſſer nicht zu warm und ſcharf zu
ver=
wenden und auf einen Eimer voll Waſſer nur zwei Eßlöffel
Perſil, kalt verquirlt, zu nehmen. Empfindliche Garniturteile
Spitzen, Bänder uſw. müſſen jedoch zuvor abgetrennt werden,
damit ſie nicht unter der Naßwäſche leiden oder „auslaufen”. In
leichtem Eſſigwaſſer gut geſpült, von links halbfeucht getrocknet
und geplättet, ſollte man ſie ſofort wieder garnieren, ehe man
ſie mit Seidenpapier, in Kartons verpackt, aufbewahrt.
Fiſchſuppe. Den bei einem Fiſchgericht unverwendbaren
Fiſchkopf und auch Gräten wirft man nicht fort, ſondern ſetzt
dieſe Teile mit Waſſer, ein wenig Salz, 1 Stückchen Lorbeerblatt,
1 Zwiebel, 2 Gewürzkörnern und 1 Peterſilienwurzel aufs Feuer
und läßt eine halbe Stunde kochen. Dann maht man von einem
Stückchen Butter und 2—3 Eßlöffeln Mehl eine helle Mehlſchwitze
Einbrenne), füllt dieſe mit der Fiſchbrühe auf, löſt darin 2—2
Maggis Fleiſchbrühwürfel auf und kocht gut durch. Vor dem
Anrichten ſchmeckt mian nach Salz ab und zieht die Suppe noch
mit 1 Eigelb ab.
Speiſezettel.
Sonntag: Roſengrießſuppe, Kalbsfrikaſſee im Reisrand.
eingemachte Pflaumen. — Montag: Pichelſteiner Gemüſetopf.
— Dienstag: Gefülltes Weißkraut. — Mittwoch: Linſen
mit Backpflaumen und Bratwurſt. — Donnerstag: Iriſh
Stew. — Freitag: Gebackene Seeforellen mit Senfbutter.
Samstag: Königsberger Klopſe.
Vereinfachtes Verfahren
Aus dem Album: Adamſon, Humor.
Verlag Dr. Eusſer 8. Co. 2.-G
Verliu SWos, Markgrafeustraße 7
Die Mieder=Kombination
iſt ein modiſches Produkt des ſtändigen Beſtrebens nach erhöhter
Schlankheit, und es ſcheint, daß hier wirklich eine Neuheit
ge=
ſchaffen wurde, die noch viel Beachtung finden wird. Beſonders
für die kommende Jahreszeit, die eine leichtere Unterkleidung
ermöglicht, wird ſich ein ſolcher Figurenformer, der gleichzeitig
die Wäſche erſetzt, als überaus praktiſch erweiſen.
Unſer Bild zeigt, wie man ſich die „Mieder=Kombination”
vorzuſtellen hat. Das Mieder ſelbſt iſt natürlich keineswegs in
des Wortes urſprünglichſter Bedeutung aufzufaſſen: handelt es
ſich doch hier nur um einen Schlüpfer aus Gummi oder aus
einem durch Gummifäden elaſtiſch gemachten Gewebe in
brokat=
artiger Deſſinierung. Dieſer Schlüpfer iſt natürlich ganz
ver=
ſchlußlos, da er ſich der Form des Körpers infolge ſeiner
Elaſti=
zität ausgezeichnet anpaßt. Der obere Rand wird bisweilen mit
Spitzen abgekantet oder mit einer Seidenblumengirlande
ge=
ziert, um das Hemd vollauf zu erſetzen, wenn dieſer Schlüpfer
im Ausſchnitt des Kleides ſichtbar wird. An den unteren Rand
iſt das ſchlichte Höschen angearbeitet, das nur eingeheftet wird,
alſo leicht zu reinigen iſt. Dieſe Neuheit läßt, da ſie alle anderen
Wäſcheſtücke, Hüft= und Büſtenhalter erläßlich macht, die Figur
außerordentlich ſchlank erſcheinen.
Die Metallkette am Abendſchuh
iſt — als Erſatz der bisher üblich geweſenen Spangen — noch
wenig bekannt, erregt aber wegen ihrer großen Eigenart
allent=
halben berechtigtes Aufſehen. Es handelt ſich hier um eine
Mode, die als vollkommen neu und noch nicht dageweſen
anzu=
ſehen iſt und darum um ſo größeres Intereſſe verdient. Die Art
dieſer Metallketten wird natürlich vollkommen dem für den be=
treffenden Abendſchuh verwendeten Material angepaßt. So wäh
man zum Beiſpiel zu ſchwarzen Seiden= oder zu Silberſchuhe
nur verſilberte Ketten, für den Goldſchuh vergoldete Metall
ketten, die in der Form oft jener der ſogenannten großgliedrige
Sklavenketten, die man häufig als Amreifen zu ſehen bekomm
nachempfunden ſind. Der Verſchluß ſolcher Metallketten in Ge
ſtalt einer mit einem nachgeahmten Halbedelſtein beſetzten Spang
iſt meiſt ſehr wirkungsvoll. — Wir zeigen in unſerem Bilde zwe
aparte Abendſchuhe mit Verwendung dieſer neuen Garnierung
Links den broſchierten, dunklen Seidenſchuh mit Silberkette un
den mit einem imitierten Saphir beſetzten Verſchlußknopf, rech
den Goldlaméſchuh mit der Goldkette und der mit Topaſen ge
ſchmückten Schließe, die ſich der Farbe des Goldes vortrefflie
anpaßt.
Charakter und Weſen in der Handſchrift
zu leſen.
Die Handſchriftenkunde in ihrer Bedeutung für das
perſön=
liche und öffentliche Leben hat heute bis zu einem gewiſſen Grad
abſchließende Ergebniſſe gefunden. Eine ausgezeichnete und höchſt
intereſſante Zuſammenſtellung von graphologiſchen
Erkenntniſ=
ſen liegt nun in dem Sonderheft des Verlages Ullſtein „
Charak=
ter und Weſen in der Handſchrift zu leſen” vor. Es wird in dem
Heft über die Vielfalt menſchlicher Eigenſchaften, ſoweit ſie ihren
Ausdruck in der Schrift finden, eine klare und einleuchtende
Ueberſicht gegeben. Das reiche Schriftprobenmaterial iſt
vorzüg=
lich ausgewählt und gibt ein ſchön abgerundetes Bild der
charak=
teriſtiſchſten Schriftarten, ſo wie ſie uns tagtäglich begegnen.
Die Handſchrift in ihrer Bedeutung für Berufseignung und
beratung, für Eheſchließurg und alle perſönlichen Beziehungen
der Menſchen untereinander, für Aufdeckung von Verbrechen
und neuerdings auch für die Diagnoſe mancher Krankheiten, iſt
in dem reich illuſtrierten Heft in knapper, aber erſchöpfender Art
behandelt.
Beſtick und ſei ſchick!
Eine gute alte Sitte, die durch die Schematiſierung
Mechaniſierung aller Dinge ſchon zu verſchwinden drohte,
plötzlich durch das Gebot der Mode einen neuen Aufſchwung
ge=
nommen. Früher ſetzte jedes Bauernmädchen ihren Stolz darein,
ich ihr Tuch, Mieder oder Schürze ſo ſchön wie irgend in ihren
Kräften ſtand zu beſticken. Die Renaiſſancegewänder waren reich
mit Gold= und Buntſtickerei bedeckt, und uns ſind aus der
Bieder=
meierzeit die zarteſten Weiß= und Kreuzſtichſtickereien überliefert.
So begrüßen wir dieſe Modelaune, die Kleider wieder mit leich
ten Stickereien zu verzieren, beſonders freudig, da ſie der Zeit
eine gewiſſen Stempel aufdrückt und jedem die Möglichkeit gibt,
ſeine Kleidung mit ſehr feinen perſönlichen Nuancen zu verſehen
In dem neuen Ullſtein=Sonderheft „Beſtick und ſei ſchick” ſind
moderne Kleiderſtickereien in jedem Geſchmack zu finden, die in
ihren Verwendungsmöglichkeiten auch der Phantaſie ein reiches
Betätigungsfeld laſſen.
Kunſtgewerbliche Charakterkopfe
ſind eine höchſt originelle Neuheit der gegenwärtigen Mode, und
es iſt geradezu verwunderlich, wie phantaſiereich man ſich in der
Anbringung dieſer Motive gezeigt hat. In der Regel handelt
es ſich um die bekannten kunſtgewerblichen Stoffköpfe, die durch
flotte Malerei und Stickerei eine ſehr eigenartige Note erhalten.
HROſNEK
Bisweilen werden die Köpfe aber auch in Elfenbein
wieder=
gegeben, das ſehr vornehme Wirkungen ſichert. Endlich ſeien
auch noch die aus bunten Steinen moſaikartig zuſammengeſetzten
Typen genannt, die in der Regel als Schnallen gebraucht
wer=
den. Wir zeigen eine derartige Agraffe in der Mitte unſeres
Bildes als Ausgangspunkt der Raffung eines abendlichen
Klei=
des, und zwar in Form eines Pierrot=Kopfes mit ſchwarzem
Käppchen. — Den Harlekin=Kopf immitten einer gezogenen
Seidenroſette bringt das rechts oben ſkizzierte Pantöffelchen.
Links unten bemerkt man den neuen Schirm mit dem Knauf in
Geſtalt eines Elfenbein=Frauenkopfes mit feiner Lockenfriſur. —
Zuletzt ſei noch des Taſchentuch=Behälters (Sachets) gedacht, der
ganz aus paſtellfarbenen, gezogenen Seidenbändchen gebildet
wird und deſſen Mitte ein Pierrot=Kopf in der Art des Modells,
das für den Pantoffel herangezogen wurde, ziert.
Solche kunſtgewerbliche Arbeiten kann man bei einiger
Hand=
fertigkeit ſelbſt herſtellen und wird ſicherlich an dieſen Dingen
viel Freude haben.
Kontraſt zwiſchen Abend=Kleidern
und Abend=Wäſche.
Es iſt ganz ſeltſam zu hören, daß — trotzdem die Tendenz
der Mode nach Einfachheit ſtrebt — zwiſchen Kleidern und Wäſche
dennoch ein ſehr weſentlicher Unterſchied der Aufmachung beſteht
Während nämlich das abendliche Kleid zu abſoluter Schlichtheit
zurückgefunden und mit den aufdringlichen Garnierungen der
letzten Jahre vollkommen gebrochen hat, konnte ſich die Wäſche
von den Aufputzeffekten noch nicht ganz losſagen. Daher eben
kommt es, daß die Wäſche oft bedeutend mehr garniert iſt als
das Kleid, was man auch aus unſerer kleinen Skizze entnehmen
kann. Es handelt ſich hier um ein fliederfarbenes Modell, das
ſowohl für kleine wie auch für größere abendliche Gelegenheiten
verwendbar iſt und durch die ſeitlich in Zipfel auslaufende
Rock=
partie auffällt. Dunkler ſchattierte, rotlila Chryſanthemen an
der Schulter und im Schluſſe nehmen ſich ſehr apart aus. Im
Vergleich zu der Schlichtheit dieſes Modells iſt das daneben
ſkiz=
zierte abendliche Wäſcheſtück verblüffend ſtark garniert. Man
denke es ſich allenfalls aus fliederfarbigem Material, mit
gleich=
farbiger oder naturgetönter (alſo beigefarbener) Spitze geputzt.
Auch hier iſt die glockige Schnittart zu vermerken, die der
allge=
mein vorherrſchenden Modetendenz abgelauſcht iſt.
Ein „Gummi=Slipper”
iſt für die zu erwartenden Regentage der kommenden Saiſon
ein kaum entbehrlicher Beſtandteil der Schuhgarderobe; denn
während man im Winter mit Ueberſchuhen oder ſchweren
Galo=
ſchen ſein Auslangen findet, ſind dieſe Dinge für die wärmere
Jahreszeit viel zu ſchwer und allzu plump. Die „Gummi=
Slipper” hingegen ſind — wie dies unſere Skizze zeigt, ganz
enganſchließend und umſchließen den Schuh wie eine Haut. Im
übrigen ſind ſie auch inſofern beachtenswert, als es ſich hier
um ein vollkommen durchſichtiges Material handelt, ſo daß der
Schuh und ſein Schnitt vollkommen ſichtbar bleiben. Unbedeckt
iſt nur der Abſatz, der ja ganz leicht zu reinigen iſt. Wenn
die Straße nach dem Regen abtrocknet, was ja im Frühjahr ſehr
raſch geſchieht, ſind die „Slipper” mit einem Handgriff
abzu=
ſtreifen und können ſelbſt in der kleinſten Handtaſche mühelos
untergebracht werden, da ſie einen minimalen Raum einnehmen.
Das Halstuch
dürfte während der kommenden Saiſon eine bedeutend größere
Rolle ſpielen, als dies ehemals der Fall war, und zwar wird
ſich ſeine Beliebtheit nicht nur auf den vormittäglichen
Gebrauchskleidern, ſondern auch bei den nachmittäglichen und
abendlichen Modellen erweiſen. Das Halstuch iſt entweder
durchaus deſſiniert und mit einem einfarbigen Rande abge=
ſchloſſen oder aber ganz einfarbig, in welchem Falle es aber
unter allen Umſtänden in einer anderen Schattierung abgekantet.
wird. Auch pflegt man die Halstücher entweder mit dem Kleide
übereinzuſtimmen oder aber Kontraſte zu ſchaffen.
Unſere Skizze unterrichtet über dieſe wiedererſtandene Mode.
Linrs oben ſieht man das kleine Halstuch zum Trotteurkleide,
das man ſich etwa in zarter Kaſha=Farbe vorſtellen wird, in
welchem Falle das Halstuch kirſchrot oder hellgrün (mit
kaſha=
farbenen Tupfen und ebenſolchem Rande) ſein könnte. — In
welcher Form der halstuchartige Schal auch zum Abendkleid
gebräuchlich iſt, zeigen wir in der nächſten Skizze, die ein
ſchmuck=
loſes ſchwarzes Abendkleid darſtellt, das mit einem lachsfarbenen
Gazetuch, mit ſchwarzen oder ſilbernen handgeſtickten Tupfen
geputzt und an der Schulter mit einer ſchwarzen, ſtiliſierten
Phantaſieblume garniert iſt. — Solche Tücher haben den
Vor=
teil, daß ſie den Ausſchnitt und die Oberarme decken, was vielen
Damen ſehr willkommen iſt.
Der Stockſchirm für die Dame.
Die kommende Mode, die ſich gerade auf dem Gebiete der
Schirme großer Eigenart befleißigt, ſcheint noch lange nicht Halt
machen zu wollen, ſondern erfindet immer
neue kcdriziöſe Möglichkeiten. Daß der
ſawarze Regenſchirm als abgetane
Angelegen=
heit betrachtet werden kann, iſt allgemein
be=
kannt, denn er wurde durch den „Allwetter=
Schirm” aus einfarbiger oder gemuſterter,
im=
mer aber in Mitteltönen ſchattierter Seide
vollkommen abgelöſt, da ſich dieſe Modelle als
bedeutend praktiſcher erwieſen haben. Nun
hat man aber feſtgeſtellt, daß es nicht immer
praktiſch iſt, die kleinen, vielteiligen
Schirm=
chen zu tragen. Deshalb wird man zweifellos
die letzte Neuheit in Geſtalt des Stockſchir=
—.
mes gerne begrüßen. Das „Allwetter=Schirm=,
chen” iſt nämlich im Nu in einem „
Stock=
ſchirm” zu verwandeln, wenn man es mit
einer Hülle verſieht, die man wie ein
Fernrohr zuſammenſchieben kann
und die man im übrigen, wenn der
Schirm offen getragen wird, ſehr gut
2s
in einer Handtaſche unterbringt.
Nummer 50
Sonntag den 19. Februar 1928
Geite 23
Als ich noch Prinz war....
Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
40)
(Nachdruck verboten)
Das Bild entfiel ſeiner Hand — fiel auf die Schreibtiſchplatte
vor ihm. Sein Kopf ſank nach vorn. Er ſchlief. —
Thereſe war endlich getommen. Mit dem erſten Nachtzug.
Der Chauffeur fuhr in raſender Fahrt durch die Stadt dem
Schloß zu. Er hatte eine heilloſe Wut in ſich und ließ ſie an dem
Motor aus.
Im Arbeitszimmer Karl Ferdinands brannte noch Licht.
Thereſe ſah es vom Hof aus. Sicher wartete ihr Gatte noch
oben auf ihre Nückkehr. Nun ja — rückſichtslos war er, das
wußte ſie wohl. Sie lächelte ſelbſtbewußt. Begab ſich in ihre
Zimmer, um Pelz und Ueberkleider abzulegen und zog ſchnell
einen weichen Abendkimono über. Sonderbar, daß Karl
Ferdi=
nand ſich nicht ſehen ließ. Er mußte doch ihr Kommen gehört
haben. Oder — ob er ſie oben erwartete?
Sie huſchte hinaus, um ihn in ſeinem Zimmer aufzuſuchen
und ihn zu begrüßen. —
Karl Ferdinand fuhr aus dem Schlaf empor, als eine kühle
Hand ſich auf ſeinen Kopf legte. Etwas verwirrt — blickte er auf
erkannte Thereſe — und war ſofort wach.
„Ach — biſt du da? Ach Gott — da bin ich wohl richtig
ein=
genickt —
Sie lachte.
„Ja — offenbar. Du haſt auf mich gewartet?”
„Gewiß. Es wurde wohl ſpäter, als ich dachte —
„Ich verpaßte den erſten Zug. Du — ein paar wundervolle
Toiletten habe ich mir beſtellt
„So, ſo —‟
Da gewahrte ſie die Photographie auf dem Tiſch. Nahm das
Bild an ſich. Ihre Augenbrauen hoben ſich.
„Wie kommſt du denn dazu? Ein niedliches Mädel — wer
iſt das
Karl Ferdinand griff danach, aber ſie hielt das Bild feſt.
„Ach — eine Erinnerung —
Er war verlegen.
„Eine Erinnerung? Und dieſe Erinnerung haſt du hier
wohl heimlicherweiſe angebetet?”
„Laß das, bitte
Es klang ſchroff,
Thereſe trat zurück. Es entging ihr nicht, daß Karl
Ferdi=
nands Geſichtsausdruck ſich plötzlich verändert hatte.
„Wer iſt dieſes — Mädchen?”
Da zuckte er reſigniert die Schultern.
„Ich fand das Bild — als ich den Schreibtiſch aufräumte.
Eine Studentenerinnerung. Irgendwie übrig geblieben. Weiter
nichts!“
Die Röte ſtieg ihm ins Geſicht. Röte der Scham über ſeine
Lüge. Aber — was ſollte er ſagen? Sein Geheimnis
preis=
geben? Unmöglich.
Thereſe lachte ſpöttiſch auf.
„Das Bild ſcheint dir aber doch ſehr am Herzen zu liegen.
Hoffentlich — verfällſt du nicht wieder in deine
Junggeſellen=
paſſionen, Ferdi. Du biſt viel in der Stadt —
Da brauſte er auf.
„Unſinn! Gib her! Laß den Spott.”
Sie lächelte ironiſch.
„Aber Ferdi! Wer wird ſo böſe werden.”
Etwas Schlangenhaft=boshaftes war mit einemmal in ihrem
Weſen.
„Die Stadt iſt zu klein für leichtſinnige Abenteuer. Und
es ſchickt ſich nicht, Ferdi. Du verrätſt dich ja ſelbſt.”
Er wandte ſich ab.
Sie lächelte hinter ihm her. Nachſichtig — ſpottvoll.
Er hörte ihre Schritte hinter ſich. Drehte ſich um. Und ſah,
wie ſie zum Kamin gegangen war. Da blieb er ſteif ſtehen.
Was wollte ſie?
Sie hatte ſchon die Kamintüre geöffnet. Mit einer ſtolzen
Ruhe. Die Glut warf ſpringenden Schein ins Zimmer.
Sie warf das Bild hinein.
Eine Flamme züngelte hoch. Hüllte ſich um die
Photo=
graphie. Verſchlang ſie.
Karl Ferdinand ſtand wie in Erſtarrung. Er wollte — einen
Augenblick lang — hinzuſpringen, Thereſe an ihrem Tun
hin=
dern. Aber er unterließ es. Es wäre Torheit geweſen.
Thereſe ſchob mit dem Fuß die Kamintür zu.
Langſam ſchritt ſie zurück.
Pheralan
bei Schnupfen und Trockenheit der Nase unentbehrlich.
Völlig reizlos — prompt wirkend. Preis: /, Tube 1 Mk.
(2164a
1/, Tube 0.50 Mk.
„Man muß keine Erinnerungen aufheben, Ferdi —.‟ Ein
feines, überlegenes Lächeln ſtand in ihrem Geſicht. „Ich habe
das auch nicht getan.
Er hatte ſich wieder ganz in der Gewalt. Mochte ſie denken,
was ſie wollte. Das Bild in ſeinem Herzen konnte doch nie
ver=
brennen.
Und als ob weiter nichts geweſen wäre, ſagte Thereſe nun:
„Du mußt mich wieder einmal begleiten, wenn ich einen
„Arip” mache. Ich glaube, du langweilſt dich auch mehr als ich
bisher annahm. Wenn ich zur Anprobe fahre, kommſt du mit.
Décoll hat ſich wirklich Mühe gegeben, etwas ganz Beſonderes
für mich zu entwerfen. Du wirſt ſtaunen.”
Er ging auf ihren leichten Ton ein. Eine burze Weile
plau=
derten ſie noch zuſammen, dann bot ihm Thereſe die Stirn
zum Kuß.
„Nun bin ich doch müde geworden. Gute Nacht, Ferdi.
Morgen nachmittag bitte ich dich um einen Spazierritt. Vergiß
es nicht.” —
23.
Nach Weihnachten ſollte man nach Wien kommen. Der
Erz=
herzog und ſeine Gattin wollten „die Kinder” wieder einmal für
längere Zeit um ſich haben. Das Weihnachtsfeſt ſelbſt verlebten
der Prinz und Thereſe noch auf Schloß Waldburg. Gleich nach
Neujahr aber fuhren ſie ab.
Am meiſten freute ſich wohl die Herzogin Anna Luiſe, endlich
einmal wieder Karl Ferdinand für mehr als nur flüchtige Tage
in ihrer Nähe zu haben. Sie hatte, als vor über Jahresfriſt die
Hochzeit ſtattfand, eine heimliche Bangigkeit nicht verwinden
kön=
nen, wie dieſe Ehe wohl auslaufen würde. Nun ſchien doch alles
gut geworden zu ſein. Ferdi mußte überwunden haben.
Er ſah wohl ernſter, nachdenklicher aus, als ſie ihn in der
Erinnerung hatte, und die weißen Haare an den Schläfen
ge=
fielen ihr nicht recht. Aber ſein Weſen war doch friſch,
männ=
lich, und Thereſe hatte helle Augen. Sie freute ſich „rieſig‟ —
wie ſie erklärte, auf die mancherlei Unterhaltungen, die ihrer
hier in Wien warteten. Ferdi ſeinerſeits war nicht minder froh,
Heimatluft zu genießen. Natürlich intereſſierte ihn auch die
Ent=
wicklung ſeiner Kinderklinik, und er war oft mit Dr. Hillermann,
dem jetzigen Leiter derſelben, zuſammen.
Es waren ſchöne, klare Froſttage in Wien. Einmal, da Karl
Ferdinand die Klinik nachmittags verließ, war das Wetter ſo
ſonnig klar, die Luft ſo wundervoll rein, daß er noch einen
Spaziergang zu machen beſchloß., Dr. Hillermann ſchloß ſich ihm
gerne an.
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500, 1000 und 5000 Goldmark zum Verkauf.
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% jährlich (innerhalb von 44 Jahren) durch
Aus-
losung zum Nennwert oder durch Ankauf von Goldpfandbriefen getilgt. Eine
Auslosung findet frühestens zum 1. April 1932 statt.
Bei Auszahlung der Zinsen und des Kapitals wird für jede Goldmark
der Wert von /anso kg Feingold gerechnet.
Für die Sicherheit der Goldpfandbriefe haftet neben dem Vermögen
der Landesbank, die unter
Gewährleistung des Provinzialverbandes der Rheinprovinz
geführt wird, der Gesamtbestand der von der Landesbank erlangten und
gemäß den Vorschriften des Gesetzes über die Pfandbriefe und verwandten
Schuldverschreibungen öffentlich-Fechtlicher Kreditanstalten vom 21.
Dezem-
ber 1927 verwalteten Gold-Hypothekenforderungen.
Die Börseneinführung des Abschnittes wird beautragt werden.
Kaufaufträge werden außer bei der Landesbank und ihren Filialen in
Aachen, Essen Köln und Trier auch bei allen Banken, Landesbanken,
Gjro-
zentralen und Sparkassen entgegengenommen. Die Abnahme der Stücke kann
bis Ende April erfolgen.
Düsseldork, den 18. Februar 1928.
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