Darmstädter Tagblatt 1928


10. Februar 1928

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Ginzelnummer 10 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illnſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 41
Freitag, den 10. Februar 1928.
191. Jahrgang

Amm breite Zeilte im Kreiſe Darmſfadt 25 Reiſchspfg.
FinanzAlnzeſgen 40 Reſchepfg. Velamezeiſe 92 mm
breitlsReſchsmarkAnzelgen von auswärte 40 Reſchepfg.
FinanzAnzeigen 60 Reſchepfg. 92 mm breite Nelſames=
eie
500 Riſchemaft. Aſe Peſe in Nächdeng
(1 Dollar 420 Markl. Im Falle höherer
Gewall, wſe Krſeg, Aufruhr. Streit uſp, erliſcht
ſede Verpſlſchtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufräge
und Teſtung von Schadenerſatz. Bei
Konduf oder grſchlſcher Beſteſhune ſäüt eder
Rabatt weg. Banſkonfo Deutiſche Vank und Darm=
Kädter und Naionalbank.

Zuſpitzung des Konfliktes in der Schulfrage.
Dem Bruch entgegen. Die Schuld des Zentrums und der Deutſchnationalen.
Eine Intrige gegen die Deutſche Volkspartei. Notetat und Ermächtigungsgeſetz hat etwas Ueberraſchendes geſagt, aber es iſt nunmehr erſicht=
für
den Finanzminiſter.

Reichstagsauflöſung?
Die Bedenken des Reichspräſidenten.
Das Zentrum hatte für Donnerstag abend eine Fraktions=
ſitzung
anberaumt, der man allgemein mit großem Intereſſe ent=
gegenſah
, nachdem bekannt geworden war, daß der Fraktions=
vorſtand
das Schulgeſetz als geſcheitert anſah und der Fraktion
es überlaſſen wollte, aus dieſer Erkenntnis die entſprechenden
Konſequerzen zu ziehen. Zu dieſer Sitzung iſt es aber vorerſt
nicht gekommen. Eine parteioffiziöſe Mitteilung des Zentrums
beſagt, daß der Fraktionsvorſtand ſeine Beratungen noch nicht
abgeſchloſſen hat, ſo daß die Vollverſammlung der Fraktion erſt
am Freitag 412 Uhr mittegs ſtattfinden könne. Welche Gründe
den Vorſtand zu dieſer Hinausſchiebung veranlaßt haben, iſt
nicht ganz klar. Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme,
daß Herr Marr gemeinſchaftlich mit den anderen Zentrums=
miniſtern
Dr. Brauns und Dr. Köhler ſich bemüht haben, eine
Zuſpitzung des Konflikts in dieſem Augenblick zu ver=
meiden
Der Reichskanzler hat ganz offenſichtlich unter
dem Einfluß einer Rückſprache mit dem Reichspräſi=
denten
geſtanden, der darauf aufmerkſam machte, daß er es
aufs tiefſte bedauern würde, wenn wegen des Schulgeſetzes eine
Parlamentskriſe ausbrechen und die Etatberatungen
nicht mehr zu Ende geführt würden. Infolgedeſſen verſuchte
Herr Marx, den Gang der Dinge einigermaßen aufzuhalten,
mindeſtens darauf zu drücken, daß das Schulgeſetz jetzt noch nicht
zum Anlaß des Bruches gemacht wird. Inzwiſchen ſind aber
die Deutſchnationalen auf dem Plan erſchienen, wo=
durch
ſich die Geſamtlage weſentlich verſchärft hat. Gleich nach=
dem
die Haltung des Fraktiousvorſtandes des Zentrums be=
kannt
geworden war, ſchaltete ſich Graf Weſtarp in nicht unge=
ſchickter
Weiſe ein. Er gab bekannt, daß nach Anſicht der Deutſch=
nationalen
die Beſeitigung der Differenzpunkte durchaus mög=
lich
ſei, daß aber
die Deutſchnationalen einem Aufſchub
der Entſcheidung nicht zuſtimmen
könnten. Um eine Klärung herbeizuführen, beraumte er eine
interfraktionelle Ausſprache für Freitag nach=
mittag
4 Uhr an. Damit hatte er die Führung einſtweilen an
ſich geriſſen und dem Kanzler einen Strich durch die Rechnung
gemacht. Nun muß es im Laufe des Donnerstag zu einer Aus=
ſppache
zwiſchen den Deutſchnationalen und dem Zen=
trum
gekommen ſein, in der man ſich darauf geeinigt hat, eine
Intrige gegen die Deutſche Volkspartei einzu=
leiten
und ſie in die Zange zu nehmen. Es iſt natürlich klar,
daß ſich weder das Zentrum noch die Deutſchnationalen ſpäter
gern den Vorwurf machen laſſen möchten, die Koalition geſprengt
zu haben. Da beide hinſichtlich des Schulgeſetzes durchaus zu=
ſammengehen
, dürften ſie darauf abgekommen ſein, in der Frei=
tagsbeſprechung
eine Klärung inſoweit herbeizuführen, daß die
Deutſche Volkspartei die Schuld an dem Scheitern des Schul=
geſetzes
und damit der
Zerſtörung derBaſis dieſerRegierungskoalilion
trägt. Es iſt aber anzunehmen, daß darüber hinaus noch ver=
ſucht
werden wird, eine Verſtändigung über eine weitere Zu=
ſammenarbeit
herbeizuführen, um den Etat zu erledigen, das
Liquidationsgeſchädigtengeſetz und andere wichtige Vorlagen
unter Dach zu bringen. Man würde damit einem Wunſche des
Reichspräſidenten entſprechen, doch iſt es mehr als zweifelhaft,
ob man zu einem derartigen Ergebnis kommen wird. Auf alle
Fälle kommt es Zentrum und Deutſchnationalen darauf an,
taktiſch ſo zu operieren, daß ſie als die Schuldloſen daſtehen.
Das kann wiederum zu einer äußerſt raſchen Zuſpitzung der
Lage führen, wenn die Volkspartei nun ihrerſeits zum
Gegenſchlag ausholt und aus der Zuſchanzung der
Schuld die entſprechenden Konſequenzen zieht,
alſo ſofort aus der Koglition austritt. Recht be=
zeichnend
für die Auffaſſung im Zentrumslager über die Ent=
wicklung
der Dinge in naher Zukunft iſt eine Information des
Gewerkſchaftsblattes Der Deutſche, die ganz unzweifelhaft aus
dem Kreiſe des Zentrumsfraktionsvorſtandes ſtammt. Sie hat
folgenden Wortlaut: Anfangs nächſter Woche ſchon wird das
Reichskabinett feſtſtellen müſſen, daß eine weitere Zu=
fammenarbeit
der Koglition in der Schulfrage
geſcheitert iſt, d. h. der Reichstag wird nicht mehr
arbeitsfähig ſein. Da die Mehrheit der Deutſchnationalen
und des Zentrums nach dem Bruch der Koalition für Wahlen in
kürzeſter Friſt ſind, werden die Etatberatungen wohl nicht mehr
zu Ende geführt werden können. Man wird ſich helfen mit
einem Ermächtigungsgeſetz für den Finanzmini=
ſter
. Läuft die Enwicklung ſo, dann iſt mit den
Wahlen vielleicht im Monat März
zu rechnen. Darnach denkt alſo eine ſtarke Strömung innerhalb
des Zentrums an raſcheſte Auflöſung und einen möglichſt frühen
Wahltermin. Das letzte Wort hat ſelbſtverſtändlich der Reichs=
präſident
zu ſprechen, der immer wieder betont hat, daß er erſt
den Etat erledigt ſehen möchte und der ſich gegenüber einem
Ermächtigungsgeſetz für den Reichsfinanzminiſter bisher dauernd f
ablehnend verhalten hat. Schlagen ihm aber die Ereigniſſe über
de n Kopf zuſammen, iſt die Auflöſung der Koglition nicht mehr

zu vermeiden, danm wird er ſich wohl mit einem Notetat
und der Auflöſung des Reichstages einverſtanden er= erwarten, alles iſt jetzt bis nach den Wahlen verſchoben.
klären müſſen. Die letzten Tage dieſer und die erſten Tage der
von entſcheidender Bedeutung ſein.
*Das Mieterſchutzgeſetz bis zum
31. März 1930 verlängert.
Die Abſtiimmungen im Reichstag.
Es iſt ein alter Brauch, die Donnerstag=Sitzungen des
Reichstages möglichſt abzukürzen, um den Fraktionen, die an
zu erledigen pflegen, genügend Zeit zu laſſen. Infolgedeſſen
bemühte man ſich auch am geſtrigen Donnerstag, die Einzel=
abſtimmungen
zum Mieterſchutzgeſetz ohne große Debatten vor=
übergehen
zu laſſen. Lediglich die kleinen Fraktionen ſchickten gens dieſe Frage objektiv und leidenſchaftslos, dann würde man
verſchiedentlich ihre Redner zur Begründung ihrer Abänderungs=
anträge
vor. Viel Erfolg hatten ſie aber nicht: die Vorlage
wurde in zweiter und dritter Leſung in der auch nach den Wahlen, welche Regierung auch immer gebildet
Ausſchußfaſſung angenommen. Auf Antrag der werden ſollte, als eine Unmöglichkeit erweiſen wird. Dieſe
Regierungsparteien wurde die Vorlage dahin abgeändert, daß
die Räumung von Werkswohnungen nur unter Gründen durchaus antivathiſch.
1. April in Kraft treten.
Im Reichstag wurde heute die Einzelberatung der Nobelle Lage erleichtert, ohne ſeine eigenen Abſichten zu verraten. Die
zum Mieterſchutzgeſetz fortgeſetzt. Die erſte Hälfte des Geſetzent=
wurfes
, die die Kündigungsklage anſtelle der Aufhebungsklage
einführen will, wurde in der Ausſchußfaſſung angenommen.
Sämtliche Anträge der Oppoſition wurden teils in einfacher, teils
in namentlicher Abſtimmung abgelehnt. Auch bei dar zweiten
Hälfte des Geſetzes wurden ſämtliche Abänderungsanträge der
Oppoſition abgelehnt. Abgelehnt wurde auch der Antrag der
Wirtſchaftspartei, wonach der Räumungsklage in den Fällen
ſtattgegeben werden ſoll, wenn der Hausbeſitzer Erſatzräume
und Umzugskoſten zur Verfügung ſtellt. Für dieſen Antrag
ſtimmte auch die Deutſche Volkspartei. Angenommen wurde die
von den Regierungsparteien beantragte Zuläſſigkeit der Kün=
digung
von Werkswohnungen unter gewiſſen Sicherungen, zu
denen eine Mitwirkung des Betriebsrats gehört. Dafür ſtimmten
nur die vier Regierungsparteien und die Wirtſchaftspartei. Be=
ſchloſſen
wurde ferner, daß die Noelle am 1. April 1928 in Kraft
treten und bis dahin die bisherige Faſſung des Geſetzes gelten
ſoll. Im übrigen wurden die Ausſchußbeſchlüſſe genehmigt. Der
Entwurf wurde noch in dritter Leſung erledigt. Die Schlußab=
ſtimmung
ſowie die Einzelberatung über das Reichsmietengeſetz
wurden auf Freitag mittag 2 Uhr vertagt.
Revirement im auswärtigen Dienſt. Um=
wandlung
von drei ſüdamerikaniſchen deutſchen
Geſandtſchaften in Botſchaften.
Im auswärtigen Dienſt iſt zum 1. April ein umfangreiches
diplomatiſches Revirement vorgeſehen. Wenn auch die Frage
der Umbeſetzungen zum Teil ſich noch in der Schwebe befindet,
da die Zuſtimmung der Regierungen in vielen Fällen noch aus=
ſteht
und ein Agrement noch nicht eingeholt iſt, ſo erfahren wir
aus unterrichteten parlamentariſchen Kreiſen über das beabſich=
tigte
Rebirement doch bereits folgende Einzelheiten:
Der Botſchafter in Tokio, Dr. Solf, wird voraus=
ſichtlich
in den Ruheſtand treten. An ſeine Stelle
ſoll der jetzige Geſandte in Liſſabon, Dr. Voretzſch,
treten. Zum neuen Geſandten in Liſſabon iſt der
erſehen. Der Leiter der Oſtabteilung des Auswärtigen Amtes,
ſandter nach Oslo gehen. Sein Nachfolger in der
Leitung der Oſtabteilung wird Geheimrat Dr. v. Dirck=
ſen
vom Auswärtigen Amt. Der deutſche Geſandte in
oder nach Berlin berufen wird.
Ein beſonders wichtiges Kapitel des Revirements betrifft
die Umwandlung von drei ſüdamerikaniſchen
bei der Anweſenheit des argentiniſchen Außenminiſters Gallordo
Santiago de Chile, Vorausſichtlich wird der Ge=
ſandte
in Buenos Aires, Gneiſt, in den Ruhe=
Knipping, wird zum Botſchafter befördert, und intellektueller Kreiſe zu überſchätzen.
an Stelle des Geſandten in Santiago, iſt der
Kempner, für dendortigen Botſchafterpoſten in 2
Ausſicht genommen.

Zwiſchen den Schlachten.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 7. Februar 1928.
Die zwei großen Reden Briands und Poincarés haben eine
neue politiſche Lage geſchaffen. Keiner der beiden Staatsmänner
lich, daß die Politik bis zu den Wahlen aller Wahrſcheinlichkeit
nach in feſte Bahnen gedrängt iſt. Vor den Wahlen ſind von
der Regierung keine prinziviell wichtigen Entſchlüſſe mehr zu
r Poincaré hat ein Expoſé ſeiner Finanzpolitik gegeben.
kommenden Woche werden alſo für das Schickſal des Reichstages Vieles, was er geſagt hat, iſt eine Wiederholung, aber bei der
Aneinanderreihung bereits bekannter Tatſachen war diesmal das
Wie nicht ohne Intereſſe. Er hat es verſtanden, bei allen Hin=
weiſen
auf die unleugbaren Verdienſte der Regierung um die
Finanzpolitik die vorangehende Regierung zu ſchonen. Die Radi=
kalen
aber atmeten auf, denn Poinears hat von rückblickenden
Polemiken abgeſehen.
Die erwarteten Entſcheidungen hat die Rede Poincarés nicht
gebracht. Die endgültige Stabiliſierung iſt bis nach den Wahlen
verſchoben. Sogar die Möglichkeit einer Revaloriſierung
hat Poincaré in der Schwebe gelaſſen. Das hat in gewiſſen
dieſem Tage das im Laufe der Woche angeſammelte Material Rentnerkreiſen merkwürdigerweiſe eine große Freude ausgelöſt.
Denn aus den Worten Poincarés kann man nur die zwingende
Folgerung ziehen, daß zunächſt bis zu den Wahlen jedenfalls
eine Rebaloriſierung ausgeſchloſſen iſt. Prüft man übri=
zu
dem ſicheren Schluß kommen, daß die Revaloriſierung ſich
Ueberlegung iſt jedoch ſehr weiten Kreiſen aus verſtändlichen
Mitwirkung des Betriebsrates möglich iſt. Das Noch immer aber weiß man nicht, wie eigentlich die Wahl=
Nieterſchutzgeſetz ſelbſt wurde bis zum 31. Mörz politik ausſehen wird. Viele glauben, daß die jetzige Regie=
1930 verlängert. Die jetzige Novelle dagegen ſoll erſcab rungskoglition in einer vielleicht etwas veränderten Form wie=
der
an die Macht gelangen wird. Tatſache iſt allerdings, daß
Poincaré allen Parteien ſeiner Koalition nach Möglichkeit die
Rechte fürchtet insgeheim, von ihrem gegenwärtigen Führer
Poincaré bei den Wahlen im Stich gelaſſen zu werden, die
Linke wieder hat vor einem Aufleben der Union nationale, der
jetzigen Koglition, nach den Wahlen Angſt, denn das könnte nach
den Befürchtungen der Aengſtlichen dann wirklich einer Dik=
tatur
nahe kommen.
Von den Abſichten der Parteien konnte man während der
bisherigen Debatten nichts erraten. Léon Blum hat in ſeiner
Rede verſucht, die Radikalen zu zwingen, endlich zwiſchen den
Sozialiſten und der gemäßigten Rechten klar Stellung zu nehmen.
Das iſt ihm aber nicht gelungen. Und ſolange wollen ſich auch
die Sozialiſten nicht Ular für oder gegen die Kommuiſten aus=
ſprechen
. Jedenfalls macht aber der franzöſiſche Sozialis=
mus
eine eigentümliche Wandlung durch, eine innere
Wandlung, von der man ſich keine Rechenſchaft gibt, ja, die man
wütend ableugnet; dieſe Wandlung iſt aber dennoch vor=
handen
. Man legt der Doktrin immer weniger Bedeutung bei,
wan ſtrebt nach praktiſchen Zielen. Der jungen Generation der
Partei ſchwebt das Beiſpiel der amerikaniſchen Arbeiter vor,
Man denkt immer weniger an den Klaſſenkampf und an die
Endziele des marxiſtiſchen Programms.
Ein Zögern auf der ganzen Linie, ein Zögern vor jeglicher
Entſcheidung, das charakteriſiert die Kammer, die das Land
nicht mehr hinter ſich fühlt. Dieſer Stimmung entſprach auch
die große Rede Briands vor dem Senat. Viele ſind der
Meinung, daß dieſe Rede nicht hätte gehalten werden ſollen.
Vom Geſichtspunkte der Au ßenxolitik haben dieſe Kritiker jeden=
falls
recht, denn Briands Rede, das muß man zugeben, hat die
Entwicklung der Außenpolitik wirklich nicht gefördert. Briand
tat aber einer innerpolitiſchen Notwendigkeit Ge=
nüge
, indem er das Wort ergriff. Dabei gehen aus dem, was
er ſagte, zwei Tatſachen hervor. Erſtens, daß auch in der Außen=
politik
, genauer geſagt: in der Räumungsfrage, nichts Endgül=
tiges
vor den Wahlen geſchehen kann. Zweitens, daß Frankreich
jetzige Dirigent der Preſſeabteilung, Dr. v. Baligand aus= geneigt iſt, fofort nach ſeinen Wahlen die Näumungsfrage zum
Gegenſtand von Verhandlungen zu machen. Viele behaupten,
Miniſterialdirektor Dr. Wallroth, ſoll als Ge= daß dieſe Verhandlungen offiziös bereits begonnen, ja ſogar
ein gewiſſes Reſultat erreicht hätten. Das iſt aber wohl der
übliche, reichlich unbegründete Optimismus. Feſt ſteht wohl nur
die Tatſache, daß man in Frankreich geneigt iſt, über die Räu=
Riga, Dr. Köſter, ſoll in gleicher Eigenſchaft nach Bel= mungsfrage zu diskutieren. Ueberall ſpricht man aber von
grad verſetzt werden, während der dortige Ge= diplomatiſchen oder finanzpolitiſchen Gegenleiſtungen, die
ſandte Ohlshauſen entweder, nach Brüfſel verſetzt Deutſchland geben müſſe. Die Erkenntnis von der immer ſtär=
keren
Entwertung des Beſatzungspfandes greift um ſich und
ernüchtert die Geiſter.
Der Schiedsgerichtsvertrag mit Amerika wurde unter=
Geſandtſchaften in Botſchaften. Dieſer Schritt iſt zeichnet. Es iſt ein ärmlicher Vertrag und unterſcheidet ſich in
Wirklichkeit nur in den freundlichen Einleitungsworten von
in Berlin vorbeſprochen worden. Es handelt ſich um die Ge= feinen Vorgängern, und ſogar für dieſen Vertrag fürchtet man
ſandtſchaften in Buenos Aires, Rio de Janeiro und noch, denn im Waſhingtoner Senat ſoll eine Strömung vor=
handen
ſein, welche die Ratifizierung erſchweren will.
ſtand treten und an ſeiner Stelle der jetzige Ge= Frnukreich beſit in der cnerikaniſchen Politik eben wirtlich
ſandte in Brüffel, Dr. b. Kekler, zum Bofſchaſter in wenich Unterſtützung. Viele ſcheinen, hier die Bebeutung der
Buenos Aires ernannt werden. Der Geſandte in Rio, Sunpathien, der New Yorer Finmzpekt, und die gewiſſer
Schöne Reſultate ſoll der neue franzöſiſche Botſchafter in
frühere Staatsſekretär der Reichskanzlei, Nom, Besnard, erreicht haben. Man hofft hier auf eine weitere
Beſſerung des Verhältniſſes mit Italien und ſieht daher die
Vorſtöße der Kleinen Entente in Genf durchaus nicht gerne.

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Seite 2

Freitag, den 10. Februar 1928

Nummer 41

Neuer Kurs der Preußenkaſſe.
IhreAufgabe: Hebung der Not der Landwirte‟
Von unſerer Berliner Redaktion.
Um das Präſidium der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchafts=
kaſſe
, die die Erfüllung ihrer Aufgaben bekanntlich nicht auf
Preußen beſchränkt, geht ſeit dem Rücktritt ihres letzten Leiters
ein ſtiller, aber zäher Kampf. Man hat zum interimiſtiſchen
Leiter den Rechtsanwalt Dr. Klepper, den früheren Vorſitzenden
der Preußiſchen Domänenbank, beſtellt, und viel ſpricht dafür,
daß die preußiſche Regierung ihn zum Präſidenten berufen will.
Sonſt wäre auch die am Donnerstag von der Preußenkaſſe ver=
anſtaltete
Konferenz mit den Vertretern der Preſſe ziemlich über=
flüſſig
geweſen. Weil man aber in Rechtsanwalt Klepper, dem
Redner der Veranſtaltung, den zukünftigen Leiter der Bank ſah,
bekamen ſeine überaus reichhaltigen Ausführungen gewiſſer=
maßen
programmatiſchen Wert. Dr. Klepper ging zunächſt auf
die ganz beſonderen Aufgaben der Preußenkaſſe ein, die ſich tat=
ſächlich
ganz und gar zu einer Landwirtſchaftsbank ausgewachſen
habe. Daher gelte auch der Hebung der in der letzten Zeit
wiederholt erwähnten Not der Landwirte ihre erſte und
ernſte Sorge. Die Leitung der Preußenkaſſe glaube ſicher zu
ſein, daß ihre angeſpannten Mittel ſie war u. a. in die Not=
wendigkeit
verſetzt, einen nennenswerten Kredit bei der Reichs=
bank
aufzunehmen durch einen erheblichen Zuſchuß der Regie=
rung
geſtärkt werde. Durch dieſe Auffüllung ihres Kaſſenbeſtan=
des
, an der ſich auf dem Umweg über Preußen auch das Reich
beteiligen müſſe, weil die Kaſſe ſchon längſt das ganze Reich in
ihren Aufgabenkreis einbezogen habe, werde es nicht nur mög=
lich
ſein, der Landwirtſchaft erhebliche Mittel in Form vom
Realkrediten zur Verfügung zu ſtellen, ſondern die eingefrorenen
Kredite ſollen umgewandelt werden. Man denkt dabei beſonders
an langfriſtige Darlehen. In weitem Maße wird man daran
gehen, den Geſchädigten und den aus den Wetterkataſtrophen
betroffenen Gebieten zu Hilfe zu kommen. Darüber hinaus will
man einen kaufmänniſchen Zug in das Geſchäft bringen, zumal
in der beſchleunigten Erledigung der Kreditgeſuche. Zurzeit ſei
die Kaſſe mit 950 Millionen Mark Wechſelkrediten engagiert.
Dieſe Summe werde ſich vermutlich noch erhöhen, wenn die
Ernte zu Ende geht, doch werde bis dahin dafür geſorgt ſein,
daß die Kaſſe imſtande iſt, den dann an ſie herantretenden An=
ſprüchen
gerecht zu werden.
In der Konferenz wurden unzählige Fragen angeſchnitten,
die trotz des offenbar allgemeinen Intereſſes von den Leiterm
der Verſammlung unbeanwortet gelaſſen wurden. So auch die
Frage, ob die Vermutung richtig ſei, daß man das Direktorium
in ſeiner Zuſammenarbeit nach dem Muſter der derzeit in
Preußen herrſchenden Regierungskoalition neu einberufen wolle.
Vielleicht iſt die auch in dieſem Falle nicht erteilte Antwort eine
Antwort.
Wahlterror in Polen.
Unterdrückung der Meinungs= und Preſſefrei=
heit
. /Einſtimmiger Proteſt im ſchleſiſchen Seim
Kattowitz, 9. Februar.
Wie weit es mit der Meinungsfreiheit und insbeſondere mit
der Preſſefreiheit in Polen gekommen iſt, zeigt die Tatſache, daß
heute alle Zeitungen, die eine geſtern von Korfanty im ſchle=
ſiſchen
Seim gehaltene Rede veröffentlichten, beſchlagnahmt wur=
den
, die morgens erſcheinende Polonia ſchon in der Maſchine,
die deutſchen Zeitungen mittags alsbald nach ihrem Erſcheinen,
obgleich die polniſche Verfaſſung die Berichterſtattung über Par=
lamentsreden
ausdrücklich als ſtraffrei erklärt.
Korfanty hatte in der geſtrigen Sitzung des ſchleſiſchen
Seims einen Oringlichkeitsantrag eingebracht, in dem
verlangt wird, daß der Wojewode ſeine Wahlarbeit
für die Regierungsparteien einſtelle, den Be=
amten
den Mißbrauch ihrer Macht zur Wahl=
beeinfluſſung
verſage, und die Beamten, die
ſolchen Mißbrauch treiben, diſziplinariſch be=

Vom Tage.
Die Fraktionen der Parteien der Weimarer Koa=
lition
(Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten) tagten geſtern
zu Einzelberatungen im Heſſiſchen Landtag. Sie beſtätigten
die Abmachungen über die Regierungsbildung.
Reichspräſident v. Hindenburg hat den rumäni=
ſchen
Geſandten Nano zur Entgegennahme ſeines Abberufungs=
ſchreibens
empfangen.
Der ruſſiſche Delegierte für die deutſch=ruſſiſchen
Wirtſchaftsverhandlungen ſtattete geſtern vomſttag dem
deutſchen Verhandlungsführer, Miniſterialdirektor Dr. Wallroth, einen
Beſuch ab. Im Verlaufe der ſich daran anſchließenden Beſprechumgen
verſtändigte man ſich über den Beginn der Verhandlungen.
Die Ankunft der ruſſiſchen Handelsdelegation
in Berlin, unter Teilnahme des Eiſenbahnminiſters Rudſutak und
des Präſidenten der ruſſiſchen Staatsbank, Scheinman, hat m Eng=
land
Intereſſe hervorgerufen.
Das neue griechiſche Kabinert Zaimis mit Michalacopulos
als Außenmniſter iſt nunmehr gebildet worden.
Im franzöſiſchen Senat wurde geſtern die allgemeine Aus=
ſprache
über das Geſetz, betr. Mobiliſierung der Nation im Kriegsfalle
beendet. Die erſten drei Artikel wurden angenommen.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident ſoll der Bank von Frank=
reich
die Genehmigung für eine Anleihe an die rumä=
niſche
Regierung erreilt haben.
Es wird offiziell mitgeteilt, daß auch die engliſche Regie=
rung
einen ähnlichen Proteſt wie Frankreich und Amerika der ſpa=
niſchen
Regierung überreicht hat, um die Invereſſen eng=
liſcher
Firmen, die durch die Einführung des Petroleummonopols ge=
ſchädigt
werden könnten, zu ſchützen.
Wie die Oeuvre aus Genf berichtet, ſei die Verlegung des
Völkerbundsſitzes nach Wien zweifellos nicht in Ausſicht
genommen, dagegen erhalte ſich hartnäckig das Gerücht, daß Brüſſel
den Völkerbundsſitz für ſich fordert.
Wie aus Beirut gemeldet wird, iſt der ſyriſche Staatschef
Achmed Namy mit dem geſamten Miniſterium aus Wahlrückſichten
zurückgetreten.
Die indiſche Preſſe hat ſich einſtimmig gegen den Brief Sir John
Simons ausgeſprochen. Die Inder verlangen das volle
Recht, ſich ſelbſt zu regieren.
Der frühere amerikaniſche Delegierte in der Re=
parationskommiſſion
und frühere Gouverneur des Staates
Illinois, Lowden hat offiziell ſeine Kandidatur für die
nächſte Präſidentſchaftswahl angeſagt. Lowden hat be=
reits
im Jahre 1924 kandidiert.
Auf den Außenminiſter der Nankinger Regierung,
Dr. Wu, der ſich gegenwärvig in Singapore aufhält, wurde geſtern
ein Artentat verübt. Der Miniſter blieb unverletzt.
Die Konmintang=Partei hat einen Aufruf an das
chineſiſche Volk gerichtet, der das innen= und außenpolitiſche Pro=
gramm
der Partei für den Wiederaufbau enthält. Das Hauptgewicht
ſoll gemäß der alten Tradition Chinas auf die Erziehung gelegt wer.
den. Die wirtſchaftliche Geſundung ſoll unter Abſage an den Kommu=
nismus
erſtrebt werden. Für die Außenpolitik werden friedliche Metho=
den
befürwortet, ferner die Reviſion der ſog. ungleſchen Verträge‟.

ſtrafe. Zur Begründung dieſes Antrages, deſſen Dringlichkeit
gegen eine Stinme bejaht wurde, hielt Korfanty eine große
Rede, in der er gegen den Wojewoden und den ihm ergebenen
Teil der Beamtenſchaft die ungeheuerlichſten Vorwürfe erhob.
So ſagte er, daß mit Wiſſen der vorgeſetzten Behörden geheime
Anweiſungen zur Fälſchung der Wählerliſten gegeben worden
ſeien und daß die undergeordneten Beamten die Fälſchung nachts
hätten vornehmen und die Wahlliſten verbrennen müſſen. Noch
niemals, auch zu Zeiten der preußiſchen Herr=
ſchaft
nicht ſeien Geſetze in Oberſchleſien ſo
mißachtet und gebeugt und Beamte und Bürger
ſo vergewaltigt worden wie jetzt. Es herrſche
Korruption und Beſtechlichkeit, wie ſie ſonſt nur in
der Türkei und in noch öſtlicher gelegenen Staaten vorkomme.
Unter Mißbrauch der Amtsgewalt würden alle Beam=
ten
gezwungen, für die Regierungsparteien zu arbeiten. Der
Verband der Aufſtändiſchen, der zu ſeinen Mitgliedern aus=
gemachte
Banditen zähle, werde vom Wojewoden geſchützt und
mit Geld unterſtützt, damit er Wahlverſammlungen gegneriſcher
PParteien ſprenge. Die Schule würde zur Wahlbeeinfluſſung
mißbraucht, und die ganze Arbeit des Wojewoden und ſeiner
Partei treibe die Wähler den Deutſchen in die Arme. Zum
Schluß ſagte Korfanty, der Wojewode zerſtöre die langjährige
Arbeit der polniſchen Oberſchleſier für Polen.
Die Rede wurde erſt mit eiſigem Schweigen, zum Schluß
mit allgemeiner Zuſtimmung aufgenommen. Ein einziger Gegen=
redner
erhob ſich. Dieſer Redner war auch der einzige Abge=
ordnete
, der gegen die Dringlichkeit des Antrages ſtimmte.
Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß nach dieſer Rede die letzte Stunde
des ſchleſiſchen Seim geſchlagen hat. Zweifellos wird der Woje=
wode
dem Seim nicht mehr während der Wahlzeit Gelegenheit
zu Tagungen geben.

Fragen des beſetzten Gebietes.
Heſſens Beſatzungsnot.
Berlin, 9. Februgr.
Im Reichstagsausſchuß für die beſetzten Gebiete fand am
Diensdag wieder einmal eine ausführliche Ausſprache über die
Nöte des beſetzten Gebietes ſtatt. Anlaß dazu gab die voran=
gegangene
Verhandlung im Haushaltsausſchuß, der es leider
abgelehnt hatte, dem Vorſchlag des Reichsrats, den Fonds für
Förderung kultureller Zwecke im beſetzten Gebiet im neuen
Reichshaushalt von 3 auf 4 Millionen zu erhöhen, beizutretew.
Die Reichsregierung ließ nun nochmals beſonders erklären, daß
ſie bereit ſei, die Zuwendungen für ſolche Zwecke trotz jener Ab=
lehnung
um eine Million Mark zu erhöhen. Dabei ſollten vor
allen Dingen die Theater im beſetzten Gebiet bedacht
werden, wobei man freilich auch darauf vechnen müſſe, daß die
Stadtverwaltungen ſich über gewiſſe Erſparniſſe untereinander
verſtändigten. Allſeitig wurde dieſe Mitteilung dankbarſt ent=
gegengenommen
.
Der Reichstagsabgeordnete Dr. Becker (Heſſen)
wies dabei, indem er dem Finanzminiſter für ſein Entgegen=
kommen
dankte, darauf hin, daß gerade Heſſen beſonders
ſtarkunterder Beſatzung leide und deshalb nicht nach
dem ſeitherigen Verteilungsſchlüſſel allein behandelt werden
dürfe, vielmehr bevorzugte Unterſtützung verdiene und nötig
habe. Er gab dabei Zahlen ſowohl über die unverhältnis=
mäßig
hohe Laſt an Beſatzungsperſonal, wie auch
über die weit über dem Durchſchnitt liegende Erwerbs=
loſigreit
im beſetzten Heſſen. Mainz ſei die einzige
Stadt im beſetzten Heſſen, die ein Theater mit ſtändigem Betrieb
unterhalte, das für ganz Heſſen und darüber hinaus von großer
kultureller Bedeutung ſei. Uebrigens ſollten aus jenem Fonds
doch vor allem auch Sport= und Turnvereine im beſetzten Gebiet
erheblich ſtärker unterſtützt werden, als dies ſeither geſchehen ſei.
Auf eine Anregung, den Städten Koblenz und Trier für die
Unterhaltung der Polizei beſondere Zuwen=
dungen
zu machen, da die Polizeikoſten in dieſen Städten
infolge der Beſatzung beſonders hoch ſeien, machte der genannte
Abgeordnete darauf aufmerkſam, daß ſolche Zuwendun=
gen
natürlich auch für die Gemeinden im heſſiſchen
beſetzten Gebiet verlangt werden müßten, ſoweit ſie
erhöhte Polizeikoſten hätten. Er wies ſchließlich auch auf die
beſonders ungünſtige Lage der Wirtſchaft gerade im beſetzten
heſſiſchen Gebiet hin, die viel zu wenig Förderung durch die
Wirtſchaft und vor allem auch durch die öffentlichen Organe
(Eiſenbahn, Poſt uſw.) im unbeſetzten Gebiet erführen.
Eine lange Erörterung entſpann ſich ſchließlich über die
Verwendung der 12½ Millionen Mark, die der Reichstag als
ſogenannten Grenzlandfonds, für den Weſten bewilligt
hat. Nach den Ausführungen des Vertreters der Reichsregie=
rung
ſolle dieſer Fonds lediglich für die unmittelbar an die
Reichsgrenze anſtoßenden Gebiete verwendet werden. Der Abg.
Dr. Becker (Heſſen) wies darauf hin, daß die unglückliche Grenz=
ziehung
des Verſailler Vertrages nicht nur nicht unmittelbare
Grenzgebiete ſchädigt, ſondern daß daraus Nachteile auch für
Heſfen entſtanden ſeien. So ſei zum Beiſpiel der Wormſer
Hafen früher vielfach für Beförderung von Gütern von und
nach der Saar benutzt worden, und es ſei gar kein Zweifel, daß
ebenſo auch die Stadt Mainz und andere Orte ſchwere
unmittelbare: Nachteile aus jener Grenz=
ziehung
hätten. Auch dieſen müſſe aus dem Grenzfonds
geholfen werden. Für dieſe Frage wurde ſchließlich ein Unter=
ausſchuß
gebildet, der dem Ausſchuß ſelbſt demnächſt Vorſchläge
machen ſoll.
Die Frage der Kreditbeſchaffung der Reichspoſt.
Berlin, 9. Februar.
Der Arbeitsausſchuß des Verwaltungsrats der Deutſchen
Reichspoſt befaßte ſich in der heutigen Sitzung Zuerſt mit der
Frage, in welcher Weiſe der für die Rechnungsjahre 1926 und
1927 noch ausſtehende Kredit von 174 Millionen Reichsmark be=
ſchafft
werden ſoll. Dabei wurde die ſchwierige Lage des Kapi=
talmarktes
ausführlich erörtert, die die Aufnahme einer Aus=
landsanleihe
unmöglich macht und die Unterbringung einer In=
landsanleihe
nahegelegt. Dieſe Angelegenheit wird im Benehmen
mit der Reichsbank weiter behandelt. Der Arbeitsausſchuß
wandte ſich hierauf der Beratung des Voranſchlags für 1928 zu.

*Ein Rennfahrer gibt einer Ungarin
Unterricht.
Von Kaſimir Edſchmid.
Um acht Uhr morgens fuhr Paſſari die weiße Lancia vor die
Terraſſe. Er trug graue Knicker=Bockers und graue ſchottiſche
Strümpfe, ein ſeidenes Hemd und ein leichtes Toloſa=Barett.
Ich habe vergeſſen, ſagte der Italiener, Sie auf etwas auf=
merkſam
zu machen: Sie müſſen ſich in den Motor verlieben.
Das Mädchen, das, nachdem es in den Wagen geſprungen war
und nun mehr in ihm lag als ſaß, ſich vergeblich bemühte, das
weiße Kleid über die Knie herunterzuziehen, antwortete nicht.
Es zeigte jene Verlegenheit, die, bei einer Frau mit ſportmanhip
noch entzückender als bei Sentimentalen, die reizendſte Form
einer Frage iſt. Piſta Toſſuth fragte auf dieſe ſtumme Weiſe,
indem ſie dabei die Augen niederſchlug. Ohne dieſe Leiden=
ſchaft
, antwortete der Italiener, werden Sie nie erſtklaſſig
fahren lernen. Aber auch für die Leidenſchaft, ſagte das
Mädchen, nicht ohne zu erröten, werde ich Ihrer Anleitung be=
dürfen
, ſelbſt wenn es, fügte ſie lachend hinzu, ſich dabei nur
um den Motor handelt. Das Mädchen ſaß vor dem Rad.
Nehmen Sie das Steuer! ſagte der Italiener. Er kuppelte aus,
ſtellte die Zündung an, trat auf den Anlaſſer, ging in den erſten
Gang. Dann ließ er die Kuppelung langſam los und drückte
etwas auf den Gasknopf. Fahren Sie, ſagte er, als der Wagen
ſich in Bewegung ſetzte, alles andere iſt ein Kinderſpiel. Die
Komteß fuhr in der Tat. Dieſer Akt faſt wortloſer Belehrung
machte ſie elektriſch. Sie fuhr durch das Gutstor auf eine Schar
Gänſe zu. Paſſari gab Gas und ſchaltete. Er ließ ſie nur
ſteuern. Das Mädchen warf einen Blick nach ſeinen Manipu=
lationen
, welche ihr den Eindruck erweckten, daß ſie ſelbſt wohl
ſteuere, aber über einem Vulkan, deſſen Geheimniſſe ſie nicht
kannte. Die Technik des Fahrenlernens, ſagte Paſſari, der
ihren Blick auffing, verlangt, zumal ſie einfach iſt, ein wenig
Takt. Sie werden einen Menſchen, der Ihnen vorgeſtellt wird
und der Ihnen ſympathiſch iſt, kaum im Anfang nach ſeinen Ge=
heimniſſen
fragen, wenn Sie ihn kennenlernen wollen. Dieſer
Vergleich, der nicht ganz ſtimmte, beruhigte das Mädchen, für
das ein Bild, das faßbar, und ein Ton, der dunkel iſt, immer
mehr bedeutet als die Logik.
An der Brücke griff Paſſari nach dem Steuer hinüber und
warf es herum. Sie müſſen, ſagte der Rennfahrer, der das

*) Aus dem ſoeben bei Paul Zſolnay erſcheinenden großen
roman von Kaſiwir Edſchmid Sport um Gagaly.

Mädchen zögern geſpürt hatte, am Anfang brutal ſein. Nach
acht Tagen werden Sie den Wogen nur mit den Gedanken lenken,
oder Sie werden nicht fahren körnnen.
Werde ich, fragte Piſta Toſſuth nach einer Weile, dieſen
Hund überfahren müſſen?
Wenn wir, ſagte Paſſari lachend, ſtatt zwanzig tatſächlich
neunzig Kilometer drauf hätten, ohne Zweifel. Denn Ihr Leben
zählt mehr. Er drückte die Kuppelung heraus und trat in die
Vierradbremſe. Die Tiere, ſagte Paſſari, als der Wagen vor
einem Setter ſtand, der nicht von der Straße wich, ſind noch
weltfremder als die Menſchen, weshalb ſie Selbſtword begehen,
ohne eine Veranlaſſung dafür zu haben. Der Italiener ſtieg
aus und führte den Hund am Halsband zur Seite. Das beſagt
aber nicht, fuhr er fort, daß wir gegenüber den Hunden die
Fortgeſchrittenen ſind. Sie haben ſicher Gullivers Reiſen ge=
leſen
, aber nicht den Beſuch bei den Pferden verſtanden. Fort=
ſchritt
iſt als Wort immer eine Dummheit, weil er den Stolz
eines Menſchen bezeichnet, der ſich mehr dünkt, weil er, im Ver=
hältnis
zu einem anderen, der zu Fuß geht, vielleicht Bahn fährt.
Natürlich iſt Bonaparte in einem Acht=Zylinder mehr als ein
junger Mann aus der Galerie Lafayette. Aber, nicht wahr, es
wäre doch lächerlich, wenn der Commis im Acht=Zylinder mehr
als Bonaparte wäre. Man lebt, ſchloß der Italiener, dem dieſes
Thema für ein junges Mädchen zu ſpitz wurde, ſein Leben, und
es iſt eine Frage des Zufalls, wann, und eine Frage des Ge=
ſchmackes
, ob man es in einem Schlafrock tut.
Andor Eſterhazy, ſagte das Mädchen, das die Steuerung
viel zu feſt hielt, um zu hören, was ihr Nachbar ſagte, und das
offenbar dachte, daß er, den letzten Worten nach, etwas Amü=
ſantes
erzähle, iſt im Schwimmanzug nach Abeſſinien gefahren.
Er hat, fügte das Mädchen hinzu, die Wüſte dadurch überquert,
daß er auf den Eiſenbahnſchienen fuhr.
Das iſt, ſagte der Italiener, auf dem Gebiete des Sports
dasſelbe, was Sie auf dem Gebiet der Politik tun, wenn Sie
dem Prinzen Windiſch=Grätz Blumen ſchicken, weil Sie meinen,
daß er durch gefälſchte Frankennoten eine Heldentat begangen
habe."
Müſſen Sie, ſagte das Mädchen, um mir das Chauffieren
beizubringen, mich lächerlich machen?
Ich bin nicht hier, ſegte der Rennfahrer, der gar nicht be=
merkte
, daß ihre Antwort ihm beiſtimmte, um Ihnen den Unter=
ſchied
von Benzin und Oel klarzumachen, ſondern den Sporting=
Geiſt, oder, was dasſelbe iſt, um Ihnen das Heldentum klarzu=
machen
. Aber mir ſcheint, ſagte das Mädchen, das unent=
wegt
fuhr, Sie haben keinen Flair für die Romantik. Ich
bin dabei, ſie Ihnen zu zeigen, erwiderte der Italiener, der
Gas gab, daß die Gänſe auf der Pußta wie raſend ſchrien. Gut,

ſagte er, als die Komteß nicht erſchrak. Sie fuhr nun ſechzig
Stundenkilometer.
Das Heldentum hat ſich, ſagte der Italiener, geändert.
Seit der franzöſiſchen Revolution hat es in Garibaldi noch ein=
mal
mit einem roten Hemd geleuchtet. Damit war es auch aus.
Zur neuen Romantik gehört Vernunft. Die bewies als Erſter
Blériot, als er den Kanal überflog. Wenn Sie mit hundert=
zwanzig
Kilometern in die Kurve gehen, ſo iſt das eine Roman=
tik
, die Sie in der Hand haben, während der Blumenſtrauß, von
dem wir vorhin ſprachen, Biedermeier iſt.
Ich fürchte, ſagte das Mädchen, dem die Welt etwas heftig
auf den Kopf geſtellt wurde, Sie haben zuviel Zutrauen zu
meinem Verſtand.
Es hat ihm niemand, ſagte Paſſari, eine Richtung ge=
geben
, die vernünftig iſt, ſonſt würden Sie bei Ihrem Talent
nicht ſo miſerabel Tennis ſpielen. Sie haben ſich um den Sport
gekümmert wie um Ihre Strümpfe. Aber fügte er hinzu, man
wird entweder eine Lenglen oder man ißt Zitroneneis.
Die Komteß fuhr in dieſem Augenblick, ohne mit der Wim=
per
zu zucken, durch eine furchtbare Pfütze. Die Straße war tat=
ſächlich
ein halber Moraſt, voll Wagenfurchen, gelegentlich eine
richtige Wieſe. Rechts war ein toter Flußarm. Im Waſſer ſtan=
den
die Bauern, welche weiße Weiberröcke trugen, bis an dem
Bauch im Naſſen und wuſchen Flachs aus, der wie die Peſt ſtank.
Ausgezeichnet! ſagte Paſſari, als das Waſſer um ſie ſpritzte.
Von zehn hätten neun die Beſinnung verloren, als ſie den Teich
fahen. Das oberſte Geſetz des Sports iſt, die Gedankenkraft be=
wahren
. Sie dürfen ſich nicht aufgeben, und wenn Ihnen drei
Pneus auf einmal von den Rädern ſpringen."
Ich habe den Wagen verſaut, ſagte das Mädchen, das die
Stimme einer Magdalena zu haben ſchien, aber ich bin ſicher,
fügte ſie wütend hinzu, daß man die Pfütze hätte umfahren
können."
Sie Kind, ſagte der Italiener, was bedeutet eine naſſe
Karoſſerie dagegen, daß Sie ſich wirklich für die einzige Maß=
nahme
entſchloſſen haben, die Sie beherrſchten?
Iſt es wahr, fragte das Mädchen, das vor Freude einen
jener Gedankenſprünge ausführte, welche die Frauen reizend
machen, daß die Lenglen häßlich iſt? Das Mädchen, das ſich
in Gedanken ſchon im Triumrh ſah, fürchtete ein wenig, daß das
vielleicht das Los aller Heldirmen ſei.
Das iſt eine Verleumdung der Engländer, ſagte Paſſari,
die für Frauen immer einen Puppengeſchmack haben und es
de: Franzöſin nicht verzeihen, daß ſie einmal ihre Königin in
Wimbledon warten ließ. Die Lenglen, ſagte der Italiener,
ſieht aus, wie Lukrezia Borgia ausgeſehen hätte, wenn ſie mit

[ ][  ][ ]

Nummer 41

Freitag den 10. Februar 1928

Seite 3

Die franzöſiſche Finanzdebatte.
Schwere Vorwürfe gegen die Urheber des
Perſailler Vertrages.
EP. Paris, 9. Februar.
In der Kammer iſt heute nachmittag die Finanzdebatte fort=
geſetzt
worden. Der Sozialiſt Vincent=Auriol erhob ſchwere
Vorwürfe gegen die Urheber des Verſailler
Vertrages. Der Verſailler Vertrag ſei durch und durch ab=
ſurd
. Die Verfaſſer des Verſailler Vertrags hätten einen Augen=
blick
lang vorgeſehen gehabt, daß Deutſchland 450 Milliarden
Goldmark zu bezahlen habe. Der Redner ſpricht darauf über die
Finanzpolitik Poincarés, deren Erfolge er anerkennt. Dieſe ſeien
aber lediglich durch eine Vertrauensmyſtik zuſtande gekommen.
Es ſei nicht wahrſcheinlich, daß dieſe Myſtik lange andauern
werde, und nachher werde man mit neuen Schwierigkeiten zu
vechnen haben. Der Redner greift auch die Radikalen an, weil
dieſe zurzeit Gegner der Vermögensſteuer ſind. Die Sitzung
wurde daraufhin aufgehoben, und nach ihrer Wiederaufnahme
ergriff der frühere Innenminiſter Malvy das Wort.
Bis jetzt ſind fünf Tagesordnungen eingebracht worden, und
zwar von den nachfolgenden Parteien: Sozialiſten, Radikale,
Linksradikale, Republikaniſche Sozialiſten, Kommuniſten. Auf=
fallend
iſt, daß die radikale Tagesordnung, die urſprünglich nicht
vom Vertrauen in die Regierung ſprach, jetzt einen dahingehen=
den
Zuſatzantrag enthält.
Der franzöſiſch=ſchweizeriſche Handelsvertrag.
In der Kammer iſt heute nachmittag der am 21. Januar
1928 unterzeichnete Handelsvertrag zwiſchen Frankreich und der
Schweiz zur Ratifizierung eingebracht worden. Dieſes Abkom=
men
iſt bis jetzt nur in knappen Auszügen bekannt geworden. Es
beſteht aus fünf Artikeln.
Artikel 1 beſtimmt, daß der franzöſiſch=ſchweizeriſche Han=
delsvertrag
vom 20. Oktober 1906, ſoweit er durch das neue Ab=
kommen
nicht modifiziert wird, in Kraft bleibt.
In Artikel 2 wird feſtgeſetzt, daß für die Artikel der Liſte A.
des Abkommens (ſchweizeriſche Einfuhr nach Frankreich) der
Schweiz der franzöſiſche Minimaltarif zugeſtanden wird, der
unter Umſtänden in Koeffizienten ausgedrückt werden kann.
Dieſe Tarife ſeien abhängig von der Entwicklung des franzö=
ſiſchen
Großhandelsindex. Eine Aenderung nach dieſer Richtung
könne aber nur alle drei Monate vorgenommen werden, und auch
nur bei einer Verſchiebung des Index um mindeſtens 20 Proz.
nach oben oder unten gegenüber dem Stand im Januar 1928.
Immerhin darf aber eine Reduktion nicht unter 60 Prozent
gehen. Dieſer Artikel iſt aus dem deutſch=franzöſiſchen Handels=
abkommen
unverändert übernommen worden.
In Artikel 3 wird beſtimmt, daß für die Artikel der Liſte B
(franzöſiſche Einfuhr nach der Schweiz) die im Abkommen neu
feſtgeſetzten Tarife gelten follen, und daß dieſe neuen Tarife
mit ſchweizeriſchem Geld auf Goldbaſis bezahlt werden müſſen.
Artikel 4 ſetzt feſt, daß das Abkommen vor dem 25. Februar
vom franzöſiſchen Parlament ratifiziert werden muß. Andern=
falls
erhält jeder Teil ſeine Handlungsfreiheit wieder zurück.
Artikel 5 beſtimmt, daß das Abkommen vom 1. April 1929
an innerhalb dreier Monate gekündigt werden kann.
Der Vorlage geht ein Expoſé zuhanden der franzöſiſchen
Kammer voran, in dem u. a. geſagt wird, daß der Rückgang der
ſchweizeriſchen Ausfuhr nach Frankreich begreiflich ſei, weil jetzt
die Vorkriegsverhältniſſe nach und nach zurückkehren. Die
Schweiz habe aber nach dem Kriege einen großen Teil des Han=
dels
nach Frankreich mehr auf künſtliche Art an ſich geriſſen, der
vor dem Kriege in den Händen des deutſchen Exports lag. Für
die ſpezifiſch ſchweizeriſche Produktion habe Frankreich im vor=
liegenden
Abkommen die Tarife reduziert. Für andere Waren=
gattungen
, wie Dampfmaſchinen, Turbinen, Dieſelmotoren und
Dynamos ſei das nicht im gleichen Maß möglich geweſen, weil
die gleichen Waren auch von Deutſchland, Amerika und England
hergeſtellt würden und weil die Rüchwirkungen auf Grund der
Meiſtbegünſtigungsklauſel nicht aus den Augen gelaſſen werden
dürfe. Was die franzöſiſche Ausfuhr nach der Schweiz, beſon=

ders hinſichtlich der Weine, Spirituoſen, Blumen, Früchte und
Autos, anlange, habe die Schweiz Erleichterungen zugeſtanden.
Wie man heute abend erfährt, ſtand
das Schickſal des Kabinetts
heute zweimal auf dem Spiel. Poincaré war über die Rede
Malvys, der die Wiederherſtellung des Kartells befürwortete,
ſehr ungehalten und teilte den Miniſtern mit, daß er gegen die
Priorität der radikalen Tagesordnung die Vertrauensfrage ſtel=
len
werde. Darauf erklärten ihm die beiden vadikalen Miniſter
Herriot und Queuille, ſie würden in dieſem Fall zurücktreten, da
ſie ſonſt gegenüber ihren Parteifreunden in eine ſehr heikle Lage
kämen. Darauf verzichtete Poincaré auf die Stellung der Ver=
trauensfrage
. Dank einer Intervention des Unterrichtsminiſters
Herriot wurde ſchließlich erreicht, daß vierzig radikale Abgeord=
nete
, die bereits für die Priorität geſtimmt hatten, ihre Stimme
zurückzogen und Stimmenthaltung übten. Außerdem haben
ſich fünfzig Sozialiſten der Stimme enthalten, um ihren radi=
kalen
Freunden eine Gefälligkeit zu erweiſen.
Die Kammer hat nach der Ausſprache die Tagesordnung der
Gruppe Loucheur mit 370:131 Stimmen angenommen und damit
der Regierung das Vertrauen zur Finanzpolitik ausgeſprochen.

Schwierige Handelsvertrags=Verhandlungen.
Belgiſche Verſiimmung wegen der Haltung
Frankreichs im Scheldeſtreit.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 9. Februar.
Die Handelsvertragsverhandlungen zwiſchen Frankreich und
Belgien ſind wieder aufgenonmen worden; man weiß nicht, zum
wievielten Male. Die offiziellen Pariſer Stellen zeigen ſich
optimiſtiſch; in Wirklichkeit aber iſt man ſehr verſtimmt, ſchon
wegen der Tatſache, daß die Verhandlungen ſo ſchwer vorwärts
gehen. Denn es gehört zu den feſten Grundſätzen der franzö=
ſiſchen
Außenpolitik, alles, worüber für die gute Freundſchaft
zwiſchen Paris und Brüſſel Zweifel entſtehen könnten, zu ver=
meiden
. Diesmal gelingt dies aber nur ſehr ſchwer, und wenn
man der hieſigen Auffaſſung Glauben ſchenken darf, ſo ſind dafür
einzig und allein die Belgier verantwortlich.
Die Handelsvertragsverhandlungen Frankreichs gehen im
allgemeinen ſehr ſchwer vorwärts. Das gehört zu ihrem Charak=
teriſtikum
. Niemand war aber darauf gefaßt, daß die Verhand=
lungen
mit Belgien in einer beinahe feindlichen Atmoſphäre
vorwärtsgehen würden.
Die Hauptſchwierigkeit beſteht darin, daß die Belgier die
franzöſiſchen Weine ſowie einige franzöſiſche Luxusprodukte nicht
nach Belgien hineinlaſſen wollen. Wie die Dinge augenblichlich
ſtehen, würde dies einen großen Schaden für die franzöſiſche
Wirtſchaft bedeuten. Man hat alſo alles mögliche verſucht, um
mit den Belgiern zu einem Kompromiß zu kommen, aber ſie
haben ſich intranſigent gezeigt. Und die Gründe ihrer Intrau=
ſigenz
ſind mehr politiſcher als wirtſchaftlicher Natur. In Brüſſel
iſt man gegenüber der franzöſiſchen Außenpolitik verſtimmt, und
man gibt auch offen zu, warum. Namentlich wegen der Hal=
tung
Frankreichs in dem belgiſch=holländiſchen Streit über den
Scheldevertrag. Brüſſel beſchuldigt den Quai d’Orſay, nicht nuc
Holland unterſtützt zu haben, ſondern ſogar Amſterdem über=
haupt
gegen jede Einigung mit Brüſſel den Rücken geſteift zu
haben. Was daran wahr iſt, ſoll dahin geſtellt werden, jedenfalls
gibt man in Frankreich zu, daß man nicht vermittelt hat.
Ebenſo unzufrieden war man in Brüſſel mit der Haltung
Frankreichs in den bekannulich geſcheiterten belgiſch= luxembur=
giſchen
Verhandlungen über eine Zollunion. Und endlich ſchiebt
man die bittere Tatſache, daß man im Völkerbund die Groß=
machtſtellung
verloren hat, mit mehr oder weniger Recht auch
auf das Sündenregiſter der franzöſiſchen Politik. Man vergißt
dabei in Brüſſel, daß die Großmachtſtellung Belgiens nur auf
einer künſtlich erzeugten Baſis beruhte und daß dafür Frank=
reich
ebenſowenig verantwortlich iſt wie alle anderen Nationen.
Man iſt hier jetzt eifrig bemüht, das Verhältnis wit Belgien
ſo herzlich wie nur irgend möglich zu geſtalten; man hat aber
den Eindruck, daß dazu mehr nötig iſt als einige ſachliche Kom=
promiſſe
: nämlich eine kleine Richtungsänderung ſowohl in der
franzöſiſchen, als auch in der belgiſchen Politik.

Die Tagesordnung
der 49. Völkerbundsratstagung
Die St. Goithard=Affäre. Der rumäniſch=
ungariſche
Agrar=Konflikt. Danziger= und
Saarfragen. Deutſche Kolonialfragen.
EP. Genf, 9. Februar.
Das Generalſekretariat des Völkerbundes hat heute die vor=
läufige
Tagesordnung für die 49. Ratstagung, die am 5. März
unter Vorſitz des Delegierten von Columbien, Urutia, beginnt,
den Ratsmitgliedern zur Kenntnis und Prüfung zugehen laſſen.
Die vorläufige Tagesordnung umfaßt 25 Punkte, unter
denen einige von großer politiſcher Bedeutung ſind.
Der Rat wird in ſeiner Märztagung als aktuellſter Frage
ſich mit der Inveſtigationsforderung der drei Re=
gierungen
der Kleinen Entente in dem Sankt
Gottharder Fall zu beſchäftigen haben. Außerdem ſteht
der rumäniſch=ungariſche Agrarreform= Kon=
flikt
wieder auf der Tagesordnung, für den Chamberlain als
Berichterſtatter beſtimmt iſt und der im letzten September mit
Rückſicht auf die Krankheit Titulescus und um den beiden betref=
fenden
Regierungen Gelegenheit zur Einigung zu geben, vertagt
worden iſt.
Unter den Fragen, die der politiſchen Kompetenz des Rates
unterworfen ſind, ſteht die Erledigung des Anker= und Anlege=
rechts
der polniſchen Kriegsſchiffe im Danziger
Hafen und die Indienſtſtellung der Weſterplatte an erſter
Stelle. Hier wird der Rat von dem Ergebnis der im September
1927 beſchloſſenen direkten Einigungsverhandlungen zwiſchen
Danzig und Polen Kenntnis nehmen. Unter Umſtänden wird
er gleichzeitig von der Entſchließung des Ständigen Internatio=
nalen
Gerichtshofes in dem Prozeß der Danziger Beamten gegen
die polniſche Eiſenbahnverwaltung Kenntnis mehmen. Für das
Saargebiet ſteht die Wiederbeſtätigung der Mitglieder der
Regierungskommiſſion und die Wahl eines Nachfolgers für das
ausgeſchiedene belgiſche Mitglied Lambert bevor.
Der Rat wird außerdem eine ganze Reihe techniſcher und
adminiſtrativer Fragen zu erledigen haben, zu denen die Anleihe=
begehren
der portugieſiſchen und der bulgariſchen Regierung und
die Unterbringung der griechiſchen und bulgariſchen Flüchtlinge
gehören. Das Gebiet der internationalen geiſtigen Zuſammen=
arbeit
iſt mit der Beſchlußfaſſung über das amerikaniſche Aus=
tauſchangebot
für Profeſſoren und Studenten und über die Grün=
dung
eines Kinematographiſchen Inſtituts vertreten.
Ueber die vom Völkerbund vergebenen Mandate wird der
Rat den in der zwölften Seſſion der Mandatskommiſſion fertig=
geſtellten
Bericht über den Irak, Togo Britiſch=Kamerun,
Oſt=Samoa und die früheren deutſchen Südſee=
Inſeln entgegennehmen. Außerdem enthält die Tagesord=
nung
des Rates noch die Berichterſtattung über die eventuelle
Verringerung der Zahl der Ratsſitzungen und einige Geſchäfts=
ordnungsfragen
des Rates, über die der Generalſekretär einen
Bericht ausgearbeitet hat. Wie erinnerlich, hat der Rat in dieſer
Frage im Dezember beſchloſſen, bis zur nächſten Vollverſamm=
lung
das gegenwärtige Syſtem und die augenblickliche Zahl
ſeiner Sitzungen beizubehalten.
Die franzöſiſchen Sozialiſien zur Rheinland=
räumung
.
Paris, 9. Februar.
In einer geſtern abend abgehaltenen Sitzung des Ständigen
Verwaltungsrates der Sozialiſtiſchen Partei wurde ein Schrei=
ben
des Vorſitzenden der deutſchen Sozialdemokvatie, des Reichs=
tagsabgeordneten
Wels, verleſen, in dem auf den Eindruck ver=
wieſen
wird, den die Erklärungen Paul Boncours über die
Rheinlandfrage innerhalb der deutſchen Sozialdemokratie hervor=
gerufen
haben. Im Namen der außenpolitiſchen Unterkommiſ=
ſion
ſchlug Zyromſki vor, der deutſchen Sozialdemokratie als
Antwort denjenigen Teil des ſozialiſtiſchen Wahlprogramms mit=
zuteilen
, in dem von der bedingungsloſen Räumung des Rhein=
landes
die Rede iſt. Ferner ſoll eine gemeinſame Konferenz
deutſcher und franzöſiſcher Sozialiſten vorgeſchlagen werden.

einem roten Turban und einem Racket im Centrecourt erſchienen
wäre.
Halt! ſchrie das Mädchen, das immer nur das Steuerrad
führte und das ſich plötzlich kurz vor einer Fähre, in welcher der
Weg endete, einem Haufen Ochſenwagen gegenüber ſah, die ſich
wie ein Fächer ausgebreitet hatten. Zu ihrem Erſtaunen rührte
ſich der Italiener nicht, obwohl die Komteß tapfer mitten im die
Ochſen hineinfuhr, die, mit ihren meterlangen Hörnern, wie eine
Armee wirkten. Erſt zehn Meter vor der Karawane fing Paſſari
an zu lachen, ohne im mindeſten etwas zu tun. In dieſer Sekunde
zog die Komteß ihr eines ſchönes und langes Bein hervor und
trat wie eine Irrſinnige auf einen Hebel, den der Fuß inſtinktiv
fand.
Ein wenig roh, ſagte Paſfari, aber Sie haben die Bremſe
in dem Augenblick gefunden, wo Sie ſie finden mußten. Gut!
Nun werde ich Sie ſchalten lehren.
Dieſe Erziehung war ſachlich genug, dem Mädchen die wahre
Phantaſtik einer Maſchine beizubringen. Eine halbe Stunde
ſpäter begriff ſie, daß das Getriebe die Vernunft eines Wagens
darſtelle, und daß der Motor eine Leidenſchaft, wie ſie ſelbſt, be=
ſaß
. Ich kann den Motor ſagte das Mädcken, das zum erſten
Male in ihrem Leben fieberte, verrückt machen, und ich kann ihn
wie einen Halunken behandeln. Wenn ich Energie genug habe,
werde ich Preiſe gewinnen.
Dieſe Philoſophie war beſtimmt weiblich, aber, wer wagt
zu ſagen, daß ſie, zumal für eine erſte Unterrichtsſtunde, in der
Leidenſchaft, ſich in das Fahren zu verlieben, nicht auch heroiſch
war?

* Die deutſche Schrift=Ausftellung,
Nürnberg.
Von unſerem Korreſpondenten.
Nürnberg, Februar 1928.
Als Einleitung zu den Feſtlichkeiten des heurigen Dürer=
jübiläumsjahres
hat die Stadt Nürnberg eine Aus=
ſtellung
Die deutſche Schrift im Buchgewerbeſaal
veranſtaltet. Das begrüßenswerte Unternehmen ſteht unter Lei=
tung
von Gewerbeoberlehrer Gottlieb Fiſcher. Nürnberg,
und Rudolf Blanckertz vom Bund für deutſche Schrift,
Berlin. Eine reich ausgeſtattete Abteilung räumt mit der
Legende auf, die Ausländer könnten deutſche Schrift nicht leſen.
Sie iſt außerordentlich lehrreich. Die hierzu gezeigte häufige Ver=
wendung
der Frakturſchriften im ſonſt lateindruckenden Ausland
zeigt, daß dieſes der Schönheit und Zweckmäßigkeit dieſer Schrif=
ten
viel unbefangener gegenüberſteht, als die Deutſchen ſelbſt,

die oft aus übertriebener Aengſtlichkeit nicht wagen, ihre Schrift
zu zeigen. Weiter findet man Vergleiche zwiſchen Antiqua
und Fraktur bei Anzeigen, Plakaten, Geſchäftspackungen. Bei
Anzeigen ergibt die Fraktur ein äſthetiſcheres, klareres Bild als
die Lateinſchrift. Plakate in Frakturcharakter ſind künſtleriſch
viel höher zu bewerten als ſolche in Antiqua, ganz abgeſehen von
der höheren Lesbarkeit. Pockungen mit deutſcher Schrift laſſen
erkennen, wie geſtaltungsfähig gerade hierbei die künſtleriſchen
Momente und in erhöhtem Maße auch die reklamewirkſamen
Formen hervorgehoben werden können. Von Einzelausſtellern
ſind zu nennen: Die Reichsdruckerei, Kunſtgewerbeſchulen Char=
lottenburg
und Hamburg, Profeſſor Ehmcke, Hampel, Rudolf
Koch, Wilhelm Krauſe, Reichert, Gg. Wagner, Guſtav Fiſcher,
Kurt Siebert und viele andere. Die Ausſtellung iſt zugleich eine
Mahnung, ſich neben der deutſchen Sprache auch das beſte Kul=
turgut
, die deutſche Schrift, zu erhalten. Die Gründe, die man
gegen dieſes Kulturgut anführt, ſind wicht ſtichhaltig genug, um
die Lateinſchriſt zu bevorzugen.

Franken.
In der Bücherreihe Deutſche Stadt Deutſches Land (Deutſche
Verlags=Akt.=Geſ., Berlin=Schöneberg, Hauptſtr. 139) iſt der XV. Band,
Franken Seine Entwicklung und ſeine Zukunft erſchienen. Das
Sammolterk enthält ein Geleitwort des ehemaligen Miniſterpräſidenten
und jetzigen Reichsgeſandten i Wien, Graf Hugo von Lerchenfeld, und
weiſt in jedem der folgenden intereſſanten Aufſätze auf die kulturellen
und wirtſchaftlichen Eigenheiten Frankens hin.
Ueber die Beziehungen zwiſchen Franken und Bayern ſchreibt
Anvon Chrouſt, über die Fränkiſchen Kulturſtätten Prof. Hanftmann=
Büinau, über die Hochſchulen in Franken Sebaſtian Merkle, über das
Germaniſche Muſeum Direkter Dr. Zimmermann, über die Kiochen
in Franken Felix Mader, über Franken=Land und Volkstum‟ Dr. Leo
Weismantel. Ueber die Themen Burgen und Schlöſſer in Franken
ſowie Forſtwirtſchaft und Jagd in Franken ſchreiben die hervorragen=
den
Fachleute Prof. Bodo Ebhardt und Miniſterialdirektor a. D. Dr. L.
Wappes. Die Kultur= und Wirtſchafts=Zentren Nürnberg, Aſchaffenburg,
Bamberg, Bayreuth, Coburg, Cichſtätt, Erlangen, Fürth, Hof a. d.
Saale, Rothenburg o. b. T., Schweinfurt und Würzburg ſchildern Ober=
bürgermeiſter
Dr. Luppe, Stadtrat Dr. L. Wagner=Speher, Dr. phil. et
Dr. jur. Hanns. Heinz Hofmann, Oberbürgermeiſter Hofrat Dr. W.
Matt. Oberbaurat Puchner, Bürgermeiſter Weegmann, Stadtbaurat
Hans Schmitz, Bürgermeiſter Unverfähr, Bürgermeiſter Betz, Oberbür=
germeiſter
Dr. Klippel, Oberbürgermeiſter Dr. Wild, Oberbürgermeiſter
Dr. Buhl, Oberbürgermeiſter Dr. Liebermann, Oberbürgermeiſter Dr.
Merkle und Oberbürgermeiſter Dr. h. c. H. Löffler.
In dem reich illuſtrierten Werk werden auch die wirtſchaftlichen Fal=
toren
Frankens berückſichtigt. In einem ſeparaten Artikel, Verträumre
Winkel im Lande, von Dr. Joſef Friedrich Abert finden noch ein=
Reihe kleinerer, aber beſonders ſchöner Städte, ihre Würdigung.
Ueber 160 Bilder, zum Teil ganzſeitige, und zwei Kunſtbeilagen ver=

ſtärken den Eindruck der ausgezeichnet geſchriebenen und gehaltvollen
Aufſätze und geben mit ihnen gemeinſam eine klare Vorſtellung vom
Weſen und der Eigenart Frankens. Eine weſentliche Ergänzung finden
ſie in einer Reihe von Beiträgen, in denen unter dem zuſammenfaſſenden
Titel Einzelbilder aus dem Wirtſchaftsleben führende Induſtrie= und
Handelsunternehmungen in Wort und Bild eine Darſtellung ihrer Ar=
beit
und ihrer Entwicklmg geben, an die ſich eine Reihe von Empfeh=
lungen
aus Handel und Induſtrie anſchließen.

Gothaiſches Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirt=
ſchaft
1928. 165. Jahrgang. Juſtus Perthes in Gotha. In
Ganzleinen 20. RM.
Der neue Jahrgang mit ſeinen 1000 eng bedruckten, durch
gute Gliederung aber überſichtlichen Seiten ſetzt die glückliche
Entwicklung der letzten Jahre kräftig fort. Scharfe Konzentra=
tion
des Stoffes und Fortlaſſung unwichtiger Einzelheiten gaben
Raum für bedeutſame Neuerungen, wie eingehendere Behand=
lung
der Bundesſtaaten U. S. Amerikas, Braſiliens, der Schweiz
und länderweiſe Aufzählung der wichtigſten Literatur (Bücher
und Karten) ſchnellſte Orientierungsmöglichkeit für den Kauf=
mann
, den Politiker, den Reiſenden über die beſten Quellen zu
eingehender Unterrichtung.
Die Gothaer Schriftleitung iſt unermüdlich beſtrebt, neueſtes
Material zu ſammeln; ſie iſt aber und das iſt für den prak=
tiſchen
Gebrauch von entſcheidender Wichtigkeit ebenſo zuver=
läſſig
auch in der kritiſchen Behandlung der aus tauſenderlei
Quellen einlaufenden Nachrichten. Denn nur ſo konnte das
Jahrbuch durch alle Vorzüge deutſcher Arbeit, durch Gründlich=
keit
und Zuverläſſigkeit das Monopolwerk von internationalem
Gebräge werden, das 165 Jahre nunmehr mit ſtets wachſender
Freundeszahl überſtand. Staatsgeſchichte, Verfaſſungen, Behör=
den
jeder Art, ſtatiſtiſche Angaben über Etat, Handel, Heer und
Flotte, Bevölkerung, Religion und Preſſe, Währungen (nach
Goldparität und aktuellem Kursſtand) uſw. uſw. geben ein
mikroſkopſcharfes Bild aller ſtaatlichen Organiſationen und wirt=
ſchaftlichen
Vorgänge des Erdballs: Behörden, Wirtſchaftler,
Politiker und Journaliſten, Handel und Verkehr haben am Jahr=
buch
ein anerbannt unentbehrliches Nachſchlagewerk.
Jakob Burckhardt, die Kultur der Renaiſſance in Italien mit einem
Geleitwort von Exzellenz Wilhelm von Bode, herausgegeben von Dr.
9. Heinemann. Verlag Th. Knaur Nachf. Nach der Herausgabe
von Guſtav Freytag’s vollſtändiger Ausgabe der Bilder aus der deut=
ſchen
Vergangenheit liegt jetzt als zweites Standardwerk der deutſchen
Kulturgeſchichtsſchreibung des 19. Jahrhunderts Burckhardt’s grundlegen=
) in einer muſtergültigen Ausſtattung vor. Der Preis von
des
2,85 Mk. für den im helles Leinen gebundenen Band mit farbiger Bild=
vignette
und Titelprägung macht dieſes Buch zu einer Spitzenleiſtung
des deutſchen Buchgewerbes. Ein dieſer neuen Ausgabe beigegebenes
Ortsregiſter wird von Italienreiſenden ſicherlich begrüßt werden.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Freitag, den 10. Februar 1928

Nummer 41

Regierungskriſe in Norwegen.
Rücktritt der Arbeiterregierung Hornſrud.
* Oslo, 9. Februar. (Priv.=Tel.)
Die norwegiſchen Storthingdebatten über die Regierungs=
erklärung
haben das Schickſal des neuen Arbeiterkabinetts be=
ſiegelt
. Die Reden ſämtlicher bürgerlichen Fraktionsführer ließen
erkennen, daß das Miniſterium Hornſrud die Abſtimmung nicht
überleben würde. Als erſter ergriff der Führer der Demokraten,
der frühere Staatsminiſter Mowinckel, das Wort. Der Redner
erklärte, daß man von dem Arbeiterminiſterium ein anderes Vor=
gehen
erwartet hätte. Es habe ſeine Stellung jedoch von vorn=
herein
offenſichtlich als Agitationsbaſis benutzt. Die Programm=
erklärung
ſei diejenige einer Partei und nicht die einer Landes=
regierung
geweſen. Mowinckel faßte ſeine Erklärung in einen
Mißtrauensantrag zuſammen. Da auch die Bauernpartei ihrer=
ſeits
ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung eingebracht
hatte, war keinen Augenblick mehr daran zu zweifeln, daß das
Arbeiterkabinett geſtürzt würde. Damit iſt die Arbeiterregierung
Hornſrud, die an und für ſich ja nur einen rein demonſtrativen
Charakter hatte, noch nicht einmal 14 Tage im Amte geweſen.
Kurz nach ihrem Antritt hatte der neue Finanzminiſter beſtimmt,
daß keine Goldzollzuſchläge mehr erhoben werden ſollten, ferner
hatte die Regierung eine Vorloge eingebracht, die durch Ein=
ſtellung
der regulären Uebungen der Armee, Auflöſung zweier
Gardekompagnien ſowie Einſchränkung der Marineübungen Er=
ſparniſſe
beim Wehrbudget, von 5 Millionen Kronen vorſah.
Auch hatte die Regierung die Abſchaffung des Geſetzes zum
Schutze der Arbeitswilligen in Ausſicht genommen. Dieſe Maß=
nahmen
mußten naturnotwendig den Widerſtand der Mehrheit
des Storthings gegen die Regierung verſtärken und die an und
für ſich unvermeidliche Regierungskriſe beſchleunigen.

Der ausſichtsreichſte Kandidat für den Mini=
ſterpräſidentenpoſten
dürfte nunmehr der frühere
Staatsminiſter Mowinckel ſein. Dieſer war bereits
bei den Verhandlungen, die zur Bildung des gegenwärtigen
Kabinetts führten, als Kandidat für den Poſten des Miniſter=
präſidenten
in Ausſicht genommen, ohne daß es jedoch zu ſeiner
Betrauung gekommen wäre.
Nachdem geſtern im Storthing das Mißtrauensvotum gegen
die Regierung mit 80 gegen 60 Stimmen angenommen worden
iſt, wird die Regierung Hornſrud wahrſcheinlich heute zurück=
treten
. Der Premierminiſter des geſtürzten nor=
wegiſchen
Kabinetts der Arbeiterpartei hat dem König
empfohlen, den Leiter der Radikalen Partei
den vormaligen Miniſterpräſidenten Mowinckel, mit der
Bildung der neuen Regierung zu betrauen. Der
König hat ſich an den Führer der Liberalen Partei, Mowinckel,
gewandt, der ſchon erklärt hat, daß er keine Koglitionsregierung,
ſondern eine Linksregierung bilden werde.
Um den Numerussclauſus.
EP. Budapeſt, 9. Februar.
Das Abgeordnetenhaus begann heute mit der Beratung des
Geſetzentwurfes betr. die Motivierung des Geſetzes über den
Numerus=clauſus. Nach den Ausführungen des Berichterſtatters,
des Abgeordneten Farkas, kritiſierte namens der Bürgerlichen
demokratiſchen Oppoſition der Abgeordnete Hegymeg=Riß die Re=
gierungsvorlage
und unterbreitete unter lebhaftem Beifall der
Linken und der Sozialdemokraten einen Geſetzentwurf, der in
einem einzigen Paragraphen beſtmmt: Das Geſetz über die Aus=
führung
des Numerus=clauſus wird außer Kraft geſetzt. Die
weitere Debatte wurde dann auf morgen vertagt.

Die deutſch=polniſchen Handelvertrags=
verhandlungen
.
Berlin, 9. Februar.
Gerüchtweiſe verlautet von einer längeren Unterbrechung
der deutſch=polniſchen Handelsvertragsverhandlungen. Davon iſt,
wie mitgeteilt wird, nicht die Rede. Die Kommiſſion über Zoll=
formalitäten
, welche in Warſchau tagt, hat ihre Arbeiten fort=
geſetzt
. Die Kommiſſion über die Kohlenfrage wird am 11. d. M.
ihre Verhandlungen wieder aufnehmen. Die Kommiſſion für
Veterinärfragen, welche, wie die vorige, in Berlin abgehalten
wird konnte in den letzten Tagen keine Sitzung haben, da der
polniſche Delegierte nach Genf zu einer Sitzung fahren mußte.
Auch dieſe Kommiſſion wird ihre Arbeit bald wieder aufnehmen.
Die Valoriſierungsfrage dürfte erſt nach den polniſchen Wahlen
geregelt werden.
* Ein neues Entdeutſchungsprogramm
in Südtirol.
Bozen, 9. Februar.
In der fasciſtiſchen Alpenzeitung wird ein neues Entdeut=
ſchungsprogramm
des italieniſchen Frontkämpferverbandes ver=
öffentlicht
. Es verlangt auch eine Beſeitigung des oberfläch=
lichen
deutſchen Anſtrichs Südtirols und ferner die Erſetzung
aller deutſchen Lehrer durch italieniſche ſowie die völlige Ent=
deutſchung
des geiſtlichen Standes. Die Kinder dürften nicht bei.
deuſchſprechenden Familien" gefangen ge halten werden und
müßten in ein geſundes italieniſches Erziehungsmilieu gebracht
werden. Das Programm ſieht weiter die Anſiedlung italieniſcher
Bauernfamilien inmitten der deutſchen Bevölkerung vor. Das
Entdeutſchungsprogramm hat bei der deutſchen Bevölkerung leb=
hafte
Entrüſtung hervorgerufen.

Ma bein,
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putzt nur mit HIH‟ merkt Euch das!

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Wirkung und im Gebrauch
überaus sparsam und ergiebig.

Neu bleibt alles durch -

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V1056

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Am 9. Februar entſchlief ſanft im 72. Lebens=
jahr
meine liebe Frau, unſere geliebte Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Minna Dienſtbach
geb. Lumb.
Die trauernden Hinterbliebenen:
A. Oienftbach.
Die Beerdigung findet in aller Stille am Samstag,
vormittags 11½ Uhr, vom Portale des Waldfried=
hofs
aus ſtatt.
(*3841

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme bei dem
Heimgang meines lieben Gatten, unſers treuſorgenden
Vaters und Bruders
Georg Schnauber
Poſtſchaffner
ſagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten
unſeren herzl. Dank Insbeſondere danken wir dem
Perſona des Poſtamt I und II, dem Reichsverbande
deutſcher Poſt= und Telegraphen=Beamten, Ortsgruppe
Darmſtadt, dem Arbeiter=Athletik=Sportverein, dem
Kleintierzuchtverein für die Kranzniederlegung und dem
ehren vollen Nachruf. Außerdem danken wir Allen für
die herzl. Teilnahme, ſowie den zahlreichen Kranz= und
Blumenſpenden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Schnauber, geb. Ball
nebſi Kinder.
(2711

Lodes=Anzeige.
Statt jeder beſonderer Anzeige.
Am 7 Februar verſchied nach langem Leiden mein

geliebter Bruder

Geh. Schulrat

Aluſ. Guntv Tenner
im 83. Jahre ſeines ſegensreichen Lebens.
Um ſtille Teilnahme bittet in tiefer Betrübnis:
Heinrich Winter.
Darmſiadt, den 9. Februar 1928.
Stiftſtraße 103.
Die Beerdigung fand auf Wunſch des Entſchlafenen in
aller Stille ſtatt.
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Liebe und Hühneraugen?
Ach wie lieben sich die Beiden
Und gar bitter tällt das Scheiden
Lebewohl trifft Liebe schwer,
Jühneraugen noch viel mehr.

* Gemeint ist natürlich das beruhmte, von velen Aerzten
eipfohlene Hühneraugen-Lebewohl mit druckmilderndem
Filzring für die Zehen und Lebewohl-Ballenscheiben für die
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[ ][  ][ ]

Nummer 41

Freitag, den 10. Februar 1928

Seite 5

Aus der Landeshaupiſfadt.
Darmſtadt, 10. Februar.
Gewerbemuſeum. Am Sonntag, 12. Febr., um 11 Uhr, findet in
der Ausſtellung von Schreibarbeiten von Schülern
der Morneweg= und Schillerſchule eine Führung ſtatt. Die
Ausſtellung bietet beſonders den Eltern ſchulpflichtiger Kinder wertvolle
Anregungen, und die Führung, die von den beteiligten Lehrern, den
Herren Eckert und Forcher, geleitet wird, wird die Möglichkeiten
eines guten Schreibunterrichts auf der Schule behandeln.
Heſſiſches Landestheater. Die erſte Wiederholung von Rollands
Spiel von Liebe und Tod, Sonntag, den 12. Februar, iſt der
Zuſatzmiete II zugeteilt und zugleich Wahlvorſtellung; diejeni=
gen
Mieter der Vollmieten, die keiner Zuſatzmiete angehören, haben alſo
Gelegenheit, dieſes Werk innerhalb der Reihe ihrer Abonnementsvor=
ſtellungen
aufzunehmen.
In der Aufführung von Triſtan und Tſolde, die Sonntag
den 12. Februar, zum Gedächtnis von Richard Wagners Todestag ſtatt=
findet
, ſingt Roſe Merker die Jſolde.
Die im Vorjahr mit großer Freude begrüßte Einrichtung der
Volkskonzerte wird auch im laufenden Jahr beibehalten werden.
Die Konzerte ſtehen unter Leitung des Generalmuſikdirektors Dr. Böhm.
In jedem Konzert wirkt ein Geſangsſoliſt mit. Der erſte Abend, am
15. Februar, wird eine Haydn=Sinfonie ſowie Walzer von Lanner und
Johann Strauß bringen. Soliſtin: Käthe Walter. Für das zweite
Konzert im März ſind Werke von Händel, Mozart. Beethoven (Soliſt:
Theo Herrmann), und für das dritte Konzert Werke von Schubert und
Tſchaikowſky (Soliſt: Hans Komregg) vorgeſehen. Für dieſe drei Kon=
zerte
werden vom Samstag, den 11., bis Mittwoch, den 15. Februar,
einſchließlich, Dquerkarten ausgegeben (Preiſe 1,50 bis 5.20 Mark für die
drei Konzerte). Der erſte Vorverkaufstag, Samstag, den 11. Februar,
iſt den Konzertmietern vorbehalten, die zahlreichen Anregungen entſpre=
chend
ein Vorkaufsrecht auf die von ihnen gemieteten Sinfoniekonzert=
plätze
erhalten. Am Sonntag, den 12., und Montag, den 13. d. M.,
werden Dauerkarten an die übrigen Mieter des Landestheaters ausgege=
ben
; am Dienstag, den 14. Februar, beginnt der allgemeine Vorverkauf
der Dauerkarten. Einzelkarten werden nur am Konzerttag ſelbſt, Mitt=
woch
, den 15. Februar verkauft.
Manda v. Kreibig wurde von Profeſſor Oskar Schlemmer=
Deſſau eingeladen, gemeinſam mit ihm für die Bühne des Deſſauer Bau=
hauſes
ein Ballett einzuſtudieren.
Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters E. V. Am Mitt=
woch
abend fand in den Näumen der Vereiniaten Geſellſchaft die dies=
jährige
Mitgliederverſammlung ſtatt. Der Vorſitzende,
Herr Dr. Büchner, gab einen Ueberblick über die Arbeiten des
Vereins. Er teilte mit daß aus Mitteln des Vereins dem Landes=
theater
zu beſonderen Zwecken Zuwendungen gemacht werden konnten,
die der künſtleriſchen Arbeit dieſes für unſere Stadt ſo lebenswichtigen
Kunſtinſtituts zugute gekommen ſeien. Mit einem warmen Appell an
die Mitglieder, mit der Arbeit für den Verein nicht zu erlahmen und
durch recht eifrige Werbung die Mitgliederzahl noch weiter zu erhöhen,
ſchloß der Vorſitzende. Der Schatzmeiſter, Herr Bankdirektor Kredel,
berichtete über den Kaſſenſtand und gab auch ſeinerſeits dem Wunſch
Ausdruck, der Verein möchte durch recht zahlreiche Neueintritte, ſowie
durch Sonderzuwendungen aus den Kreiſen der Mitglieder in den Stand
geſetzt werden, noch mehr als bisher ſeinem hohen Zweck gerecht zu wer=
den
. Dem Vorſtand wurde Entlaſtung erteilt; die Neuwahl des Vor=
ſtandes
ergab die einſtimmige Wiederwahl der bisherigen Vorſtandsmit=
glieder
. An den geſchäftlichen Teil, dem auch die zahlreich erſchienenen
Damen mit anerkennenswerter Geduld ihr lebhaftes Intereſſe widmeten,
ſchloß ſich ein geſelliger Teil, der durch muſikaliſche Darbietungen ver=
ſchönt
wurde. Fräulein Ellen Kiesling, die bereits mit gutem
Erſolg am Landestheater wirkt, ſang mit ſchöner Stimme und großem
Einfühlungsvermögen die ſchwvierige Arie, der Anna aus Marſchners
Hans Heiling und verſchiedene Lieder. Herr Geo Meyer, ein
Schüler von Profeſſor Beines, bewies durch den außerordentlich belebten
Vortrag des Prologs aus ,Bajazzo, der großen Arie des Grafen aus
dem Figaro und der ſchwierigen Arie des René aus Verdis Masken=
ball
, daß er über ein ausnehmend ſchönes Material verfügt, das auf
dem beſten Wege iſt, den Künſtler zu hohen Leiſtungen zu befähigen,
wofern er wie bisher mit regem Eifer an der Ausbildung ſeiner ebenſo
umfangreichen wie wohlklingenden Stimme arbeitet. Herr Oskar
Kleinberg ergänzte durch den wirkungsvollen Vortrag einiger Vio=
linſtücke
das Programm aufs beſte. Der Mühe der Begleitung am
Fkügel unterzog ſich in gewohnt meiſterhafter Weiſe Herr Hofrat
Ottenheimer. Sämtliche Künſtler konnten verdientermaßen herz=
lichen
Beifall der dankbaven Zuhörer ernten, ſo daß ſich der Abend für
alle Anweſenden zu einer freudigen Erinnerung geſtaltete.
Schattenſpiele. Für Freunde des Schattenſpiels gelangen am
Sonntag, den 12. Februar, vormittags 11.15 Uhr, im Gewerbe=
muſeum
(Saal 41) eine Anzahl Alt=Aegyptiſcher Schat=
tenſpielfiguren
zur Vorführung. Die Figuren ſtammen aus
der Sammlung von Profeſſor Kahle in Bonn und gehören zu dem
eindrucksvollſten, was uns an Werken der Silhouettierkunſt erhalten iſt.
Der Eintritt zu der Vorführung iſt frei, jedoch iſt die Zahl der Plätze
beſchränk
Odenwald=Klub. Laut beſonderer B=kanntmachung findet die
diesjährige Hauptverſammlung Ler Ortsaruppe Deruſtadt am Freitag,
den 24. Februar, abends 20 Uhr, im Fürſtenſaal ſtatt. Die Haupt=
verſammlung
gewinnt au.h in dieſem Jahre wieder beſondere Bedeu=
tung
dadurch, daß eine große Anzahl von Mitgliedern der Ortsgruppe
für ihre 2jährige Mitgliedſchaft ausgezeichnet werden follen. Auch
im übrigen lietet die Tagesordnung mancherlei Jutereſſantes. Die Ge=
ſangsabteilung
hat ihre Mitwirkung zugeſagt. Es darf erwartet wer=
den
, daß ſich die Mitglieder der Ortsgruppe in großer Zahl zu der
Hauptverſammlung einfinden. Wer ſich an den regelmäßigen Wande=
uungen
nicht leleiligt, ſollte veniaſtens der Hauptverſammlung bei=
wahnen
, um ſich hier dutclu den Jahresberist und die nachfolgenden
Verhandlungen über den Stand der Klubangelegenheiten unterrichten
zu laſſen,

Turnabend im Realgymnaſium.
Die Eltern der Schüler und Freunde der Anſtalt mit dem Weſen
und Betrieb neuzeitlichen Turnens vertraut zu machen, das war der
Zweck eines Elternabends, den das Realgymmaſium in ſeiner Doppel=
turnhalle
am Kapellplatz veranſtaltete. In erfreulicher Anzahl waren
die Eltern dem Ruf der Schule gefolgt; ein Zeichen dafür, wie ſehr die
körperliche Ausbildung der Jugend heute erhöhte Anteilnahme findet.
Der Direktor der Anſtalt, Oberſchulrat Ritſert, gab einleitend ſeiner
Freude über den zahlreichen Beſuch Ausdruck und wies dabei kurz auf
die Bedeutung ſolcher Elternabende als Bindeglied zwiſchen Schule und
Elternhaus hin. Oberreallehrer Luley, der verdienſtvolle Leiter des
Abends, machte dann wertvolle Ausführungen über die moderne
Körpererziehung, die Körperpflege und Körperbildung zum
Ziele hat. Der neuzeitliche Turnlehrer bedarf nicht nur der genauen
Kenntnis des menſchlichen Organismus, ſondern muß auch der Jugend
in den techniſchen Fähigkeiten aller Art von Leibesübungen ein gutes
Vorbild ſein. Die neue Turnſchule ſtellt die Organkraft, d. h. die Kraft
des Herzens und der Lungen, über die der Muskeln. Uebungen die
dieſe Organkraſt weſentlich beeinfluſſen, und im Freien durchgeführt
werden können, werden daher bevorzugt (Laufen, Springen, Werfen,
Stoßen, Spiele, Schwimmen, Wandern, Winterſport). Sobald der
Turnſaal infolge des Wetters als Arbeitsfeld in Anſpruch genommen
werden muß, ſoll er durch Lüftung. Heizung und Beleuchtung modernen
Anforderungen gerüigen. Die Ordnungsübungen treten im
modernen Turnbetrieb zurück, Frejübungen haben nur den Zweck,
den ganzen Körper raſch durchzuarbeiten: Bodenübungen machen
die Jugend geſchmeidig und ſtärken den Mut, und das Gerätetur=
nen
, ſoll zu Kraft und Gewandtheit erziehen, ſoll Geiſtesgegenwart,
Selbſtbeherrſchung und Mut entwickeln.
Nach dieſen grundſätzlichen Erörterungen traten vier verſchiedene
Altersſtufen zu praktiſchen Vorführungen an: Untertertianer
führten neuzeitliche Freüübungen, verbunden mit Stoffwechſelläufen,
vor; durch Wanderbock, Wald= und Sprunglauf werden Herz und Lunge
geübt. Daneben wurde durch Vorführungen am Reck dem guten alten
Uebungsſtoff Rechnung getragen. Namentlich die Kürübungen zeigten
hier ein beträchtliches Maß turneriſcher Fertigkeit. Eine Unter=
ſekunda
zeigte ſodgen Frejübungen und Geſellſchaftsübungen, und
die verſchiedenen Arten von Rollen, z. T. über fünf Kameraden hinweg,
gaben gute Beiſpiele von Bodenübungen, während Sprünge über meh=
rere
Böcke ein bedeutendes Maß von Mut und Gewandtheit zutage tre=
ten
ließen. Gerade bei dieſer Klaſſe zeigte es ſich, wie vorteilhaft mehr=
jährige
intenſive Arbeit desſelben Lehrers auf die Körperentwicklung
einer Klaſſe einwirken kann. Eine Oberſekunda übte anſchlie=
ßend
zumäckſt eifrig mit dem Medizinball, arbeitete dann wacker an
Pferd und Bock und führte an der Sproſſenwand eine Reihe von körper=
ſtärkenden
Uebungen vor. Am Schluß trat eine kombinierte Ober=
prima
auf den Plan, die nach einem Stillauf und Freübungen
namentlich durch ihre Sprünge am Quer= und Längspferd eine hohe
Stufe der Vervollkommnung bewies.
Alles in allem ergab ſich ein erfreuliches Bild der Ausbildung, das
auf ernſte planvolle Arbeit ſchließen ließ und das bei allen Anweſenden
Anerkennung fand. Bedauerlich bleibt nur, daß bei der Turnhallen=
anlage
das Brauſebad fehlt, das der Jugend nach folch harter körper=
licher
Arbeit aus hygieniſchen Gründen unbedingt zu wünſchen wäre.
Gn.
Hierſür müßten Mittel vorhanden ſein!
Die Abendvorträge der Heag finden nach juie vor jeden Freitag,
abends 8 Uhr, im Vorführungsraum des neuen Heaghauſes, Luiſen=
ſtraße
16, ſtatt. Alle elektriſchen Geräte und Maſchinen, die beſonders
für den Haushalt in Betracht kommen, werden jrährend des Vortrages
rraktiſch vorgeführt und erläutert. Mit den neueſten elektriſchen Koh=
geräten
werden würzige und ſchmackhafte Speiſen zubereitet, die an=
ſchliaßend
an die Zuhörer verteilt werden. Zwiſchendunch werden einige
lehrreiche Films in humorvoller Darſtellung gezeigt, die ſehr zur Ab=
wechſlung
des Vortrages beitragen. Der Beſuch der Vorträge iſt frei.
Befſunger Bücherhalle (Beſſunger Straße 48). Aus der Beſſun=
ger
Bücherhalle wurden im Monat Januar 576 Bücher von 244 ein=
geſchriebenen
Laſern entlichen. Von zwei ungenannt ſein wollenden
gütigen Gebern wurden mehrere Bände geſchenkt. Herzlichen Dank da=
für
! Zuwendungen weiterer Spenden werden dankbar engegengenom=
men
. Bücherausgabe Dienstags und Freitags von 45 Uhr nach=
mittags
. Das öffentliche Leſezinmer iſt täglich geöffnet für jedermann
von 2 Uh= nachmittags ab.
Literariſcher Faſching. Der Faſchingszeit entſprechend, gübt Dr.
Joſef Winckler dem Vortragsabend, den er auf Einladung der Freien
Literariſch=Künſtleriſhen Geſellſchaft heute Freitag, 8 Uhr, im
Feſtſaal der Vereinigten Geſellſchaft veranſtaltet, einen vorwiegend hei=
teven
Charakter. Die luſtigen Abenteuer des tollen Baron
von Bomberg und der köſtliche Humor ſeiner Erzählungen aus
Haus Pumpernickel werden zu uns ſprechen, ſo daß ein fröh=
licher
Abend winkt. Karten bei Buchhandlung Bergſträßer und an der
Abendkaſſe.
Orpheum. Das Gaſtſpiel der prachtvollen Revue Das
lebende Magazin, das ſich als beſonders zugkräſtig erwieſen
hat, geht ſeinem Ende entgegen. Bisher haben zirka 10 000 Darm=
ſtädter
die Revue beaugenſcheinigt; wer ein paar frohe Stunden bei
angeneha=ſter Unterhaltung verbringen möchte, verſäume nicht die letzten
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Dringende Verbeſſeungen im Schlachof
Unter dieſer Ueberſchrift wird uns von der Metzger=Innung Darm=
ſtadt
geſchrieben:
Der unter dieſer Ueberſchrift in einem hieſigen Blatte erſchienens
Artikel miß den Gedanken wachrufen, als habe ſowvohl der Vorſtand der
Metzger=Inmung als auch die Stadtverwaltung Darmſtadt ihre Pflich=
ten
bishe= nicht erfüllt und habe erſt ein Streik der Scherkampſchen Ge=
ſellen
die beiden Stellen veranlaßt, ſchwere Mißſtände im Schlachthof
zu beſeitigen. Demgegenüber muß ausdrücklich betont werden, daß die
beiden Stellen ſchon ſeit Beendigung der Inflation ſtändig an der Er=
neuerung
und Verbeſſerung der geſamten Schlachthofnnlagen arbeiten,
die in vollſtem Einvernehmen und zu beiderſeitiger Zufriedenheit durch=
geführt
ſind. Um die auſtretenden Schwierigkeiten in der Schweine=
ſchlachthalle
zu beheben, wurden ſchon vor den Weihnaclſtsfeiertagen an
Montagen die Schlachtzeiten verlängert, dieſe Maßnahme neuerdings
auf Wunſch der Metzger=Innung für ſtändig eingeführt und dies durch
Anſchlag bekannt gemacht. Die Firma Scherkamp erhielt unſeres Wiſſens
nochmals perſönlich davon Kenntnis und außerdem für letzten Montag
ausnahmsweiſe die Erlaubnis, außerhalb der feſtgeſetzten Schlachtzeiten
das Abſchlachten der Schwveine vorzmehmen. Herr Scherkamp hat jedoch
die ihm zur Verfügung ſtehenden frühen Vormittagsſtunden nicht be=
nutzt
und iſt nachweislich die Schlachthalle zu dieſer Zeit faſt unbenutzt
geblieben. Zur Aufklärung mußz hier noch angefügt wverden, daß die
Ueberlaſtung der Schweineſchlachthalle an Montagen nur dadurch her=
torgerufen
wind, daß die meiſten Metzger nur Montags ſchlachten wollen
und die Halle an den übrigen Tagen ausreichend Platz zu eimer ruhigen
Erledigung der Schlacktarbeiten hietet.
Die Innrng hat mit der Direktion der ſtädtiſchen Betriebe ſchon
wiederholt das Projekt der neuen Schweineſc lachthalle erörtert. Daß
die Inangriffnahme der Bauarbeiten noch nickt erfolgte, iſt nur auf die
ſchſvierige finanzielle Lage der Stadt und die derzeitigen ungünſtigen
Geldmarktverhältniſſe zurückzuführen. Dieſe Tatſachen hat die Metzger=
Innung voll anerkannt und aus dieſem Grunde davon Abſtand genom=
men
, den Neubau ſofort zu verlangen. Sie lehut folgerichtigerweiſe ab.
zurzeit noch koſtſtrielige Umänderungen in der alten Schweineſchlacſthalle
zu beantragen, da dieſe größere Erleichterung nicht bringen und auch
aus Mangel an Platz nickt durchführbar ſind. Auch die hierfür aufzu=
wendenden
Koſten laſſen ſich nicht rechtfertigen, da ſie für die ſpäter vor=
geſehene
Verwendung der alten Schweineſchlachthalle zuacklos wären
und auch das ſpitere Geſamtprojekt ungunſtig beeinſluſſen.

Nemmt’s, wie der’s wollt! Die Vorbereitungen zur zweiten
Damen= und Herrenſitzung mit bunter Bühne der Karne=
balgeſellſchaft
Narrhalla e V. ſind in vollem Gange und
laſſen wiederum ein karnevaliſtiſches Ereignis erſten Ranges erwarten.
Ein reichhaltiges Programm mit neuen Vorträgen und neuen Liedern
ſowie Perlen kabarettiſtiſcher Neuheiten wird genußreiche Stunden fröh=
lichſter
Stimmung vermitteln. Daß Matthias Weber durch per=
ſönliche
Leitung ſeiner närriſchen Kapelle für Faſchingshemor ſorgen
wird, iſt ſelbſtverſtändlich. Der Jury zur Krönung der Karneval=
königin
haben ſich in liebenswürdiger Weiſe die Herren Bürger=
meiſter
Buxbaum. Profeſſor Kurt Kempin, Bühnenarchitekt Loth.
Schenchvon Trapp, Graphiker Hartmuth Pfeil und Kunſtmaler
Otto Wachsmuth zur Verſüigung geſtellt. Es wird alſo ein voll=
kommen
unabhängiges Preisrichterkollegium feſtzuſtellen haben, welche
Dame heute als die Schönſte in Darmſtadt gelten ſoll. In erſter Linie
ſind die perſönlichen Reize bei der Bewertung ausſchlaggebend, doch
wird auch der Geſchmack der Bewerberinen in bezug auf ihre Fähig=
keit
, ihre Reize durch entſprechende Kleidung zu unterſtreichen, nicht
ohne Einfluß ſein. Der Einheitlichkeit halber iſt hierbei Geſellſchafts=
kleidung
am geeignetſten. Die Ehrengeſchenke für die ſieben Schönſten
ſowie die von der Firma Schmidt=Rauch geſtiſtete Ordensſchärpe
und der von der Firma Ma=Wa, Guggenheim u. Marx zur
Verfügung geſtellte Umhang für die Karnevalkönigin ſind ab heute bei
Juwelier Schmidt, Wilhelminenſtraße 7 ausgeſtellt. Die Anmel=
dung
zum Wettbewerb erfolgt erſt am Abend des 12. 2. B. Die Ver=
anſtaltung
findet mit einem Tanz ihren Abſchluß.
V. f. L. Rot=Weiß 1922, Darmſtadt. Von Sport allein kann man
nicht leben, denn zu einem geſunden Körper gehört auch ein geſunder
Geiſt. Es iſt nun eine wiſſenſchaftlich feſtgeſtellte Tatſache, daß in erſter
Linie das Lachem und die damit verbundene freudige Erregung gauz
beſſonders die Geſundheit und das Wohlbefinden des Menſchen fördert.
Da nichts mehr geeignet iſt, die Lachmuskeln zu erſchüttern, als das
närriſche Faſchingstreiben, ſo hat Rot=Weiß beſchloſſen, auch dieſes Jahr
wieder ſeinen bereits traditionell gewordenen Maskenball abzu=
halten
. Derſelbe ſindet am Samstag, den 11. Februaz=
abends
811, im närriſch geſchmückten Fürſtenſaale ſtatt, und zwar,
wie im vorigem Jahr, nur im engſten Mitgliederkreiſe: Gäſte können
allerdings dunch Mitglieder eingeführt werden. Um eine Kontrolle
durchführen zu können, muß ſich jeder Beſucher in die bei Schirmhaus
Reſi, Ernſt=Ludwigſtraße offenliegende Ginzeichnungsliſte eintragen.
Da an dieſem Tage nur die Narren Zutritt haben, ſteigt auch der Mas=
kenball
unter dem Motto: Einmal möcht ich was Närriſches
tun. Zahlreiche Ueberraſchungen ſowie die unermüdliche Rot=Weiße
Jazzlapelle werden für die nötige Stimmung ſorgen. Der Reingewinn
wird reſtlos an die Stadt Darmſtadt in Form von Steuern und Ab=
gaben
abgeführt, damit die Stadwerwaltung in der Lage iſt, die ge=
planten
Spielplatzanlagen rund um Darmſtadt in Angriff zu nehmen.
Werbeſchrift für Flugverkehr. Die Heſſiſche Flugbetriebs=A. G.,
die unter maßgebender Beteiligung des Volksſtaats Heſſen und der
Stadt Darmſtadt errichtet wurde und die eine regionale Unterabteilung
der Deutſchen Luſthanſa darſtellt, beabſichtigt, Ende März eine Flug=
werbeſchrift
größeren Umfangs in eimer ſehr hohen Auflage herauszu=
geben
. Die Werbeſchrift wird reich bebildert wverden und eine Reihe
vorzüglicher Luſtaufnahmen der engeren heſſiſchen Heimat enthalten.
Der Verteilungsplan wird derart aufgeſtellt, daß nebea einer intenſiven
Werbung für den Luftverkehr emne eindringliche Heimatpropaganda ei=
folgt
. Zum Schluſſe ſei erwähmt, daß die Heſſiſche FlugbetriebsA.G.
nicht mit privaten Flugorganiſgtionen zu verwechſeln iſt.

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(2721)

Warktstraße

außer de
Serien-A

[ ][  ][ ]

Seite 6

Freitag, den 10. Februar 1928

Nummer 41

Auflöſung des Städtiſchen Orcheſters.
Ein neues Orcheſier. Belebung der Bauwirtſchaft durch ſieuerliche Vergünſtigung. Neue
Fleiſchbeſchauungsgebühren. Darmſtädter Verkehrsfragen.

* Die Stadtverordnetenverſammlung
Zu der geſtrigen Sitzung waren die Stadtverovdneten vollzählig er=
ſchienen
: m Abweſenheit des Oberbürgermeiſters leitete Bürgermeiſter
Mueller die Sitzung. Trotzdem eine umfangreiche Tagesordnung
vorlag, wurde dieſe in verhältnismäßig kurzer Zeit erledigt, lediglich
Punkt 3, die Auflöſung des Städtiſchen Orcheſters betreffend, wurde ein=
gehender
diskutiert. Dieſe Frage intereſſierte auch weitere Kreiſe, ins=
beſondere
die Mitglieder des Orcheſters ſelbſt, die denn auch ſehr zahl=
reich
der öffentlichen Sitzung beävohnten, ſo daß der Zuhörerraum
voll beſetzt war. Das Ergebnis dieſer Beratung war die Auflöſung
des Städtiſchen Orcheſters und die Zuſammenſtellung eines neuen
Darmſtädter Orcheſters, das nur in einem loſen Verhältnis zur Stadt
ſtehen ſoll. Es muß aber mit Befriedigung feſtgeſtellt werden, daß die
Kurſtadt Darmſtadt auch im Zukunft ſeine ſo beliebte Platzmuſik durch
ein gut geſchultes Orcheſter behalten wird, ja vorausſichtlich wird, wie
die Verhandlung ergab, in Zukunft regelmäßig zweimal wöchentlich
Standkonzert abgehallten werden.
Um 6,10 Uhr eröffnete Bürgermciſter Mueller die Sitzung.
Dem Antrag der Stadtverwaltung, der im Einvernehmen mit der
Bau=Deputation auf der Weſtſeite der Niedlingerſtraße
zwiſchen Soder und Mühlſtraße auf Koſten der Anlieger die Anlage
eines Aſphaltfußſteiges vorſieht, den öſtlichen Fußſteig zwi=
ſchen
Nieder=Ramſtädter Straße und Soderſtraße dagegen auf ſtädtiſche
Koſten behelfsmäßig befeſtigen laſſen will, wird zugeſtimmt.
Punkt 2 ſieht die Belebung der Bauwirtſchaft durch ſteuerliche Ver=
günſtigungen
vor. Gemäß Verfügung des heſſiſchen Finanzminiſters blei=
ben
nämlich Wohnungsneubetten, die im Kalenderjahr 19B8 begonnen
werden, für das zurzeit ihrer Fertigſtellung laufende und für die nächſt=
folgenden
fünf Rechnungsjahre auf Antrag von der ſtaatlichen Grund=
ſteuer
befreit. Im Einvernehmen mit der Bau=Debutation wird bean=
tragt
, die gleichen Vergünſtigugen auch hinſichtlich der ſtädtiſchen
Grundſteuer eintreten zu laſſen. Dem Antrag wird einſtimmig zuge=
ſtimmt
.
Ueber die Frage der Auflöſung des Städtiſchen Or=
cheſters
erſtattet Bürgermeiſter Mueller einen eingehenden Be=
richt
. Die Gründung des Oucheſters, die im Mai 1925 erfolgte habe
unter ginem ungünſtigen Stern geſtanden. Schon der Konflikt in der
damaligen Leitung ſei der Entwickelung des Oncheſters wicht dienlich
geweſen. Die folgenden Leiter des Omheſters hätten ebenfalls nicht
befriedigt. Im erſten Jahre habe man 60 000 Mark, 1926 48 000 Mark
und 1927 45 000 Mark Defizit gehabt. Auch für 1928 ſei ein Defizit
von 41 000 Mark zu erwarten getveſen. Schon durch dieſes materiell
unbefriedigende Ergebnis ſei, ganz abgeſehen von den erwähnten Um=
ſtänden
, die Sympathie für das Städtiſche Orcheſter imer mehr ver=
loren
gegangen. Eznſthafte ſoziale Bedenken für die gekündigten Mit=
glieder
beſtänden nicht, da gerade der Arbeitsmarkt für Muſiker ſehr
gümſtig ſei. Allerdings werde bei der Auflöfung des Orcheſters ein
bittener Nachgeſchmack bleiben. Es ſei zweifellos, daß nach wie vor ein
Bedürfnis für ein Orcheſter vorliege, da ein ſolches für beſondere Ge=
legenheit
es ſei nur an das Tonkünſtlerfeſt erinnert, das in Darm=
ſtadt
ſpattfinde benötigt werde. Es gebe einen Ausweg, den die Stadt=
verwaltung
vorſchlage: die Umorganiſation des Orche=
ſters
. Zunächſt eine völlige Auflöſung und dann ein Neuaufbau. Eine
temperamenwolle Leitung, der auch der Geſchäftsſinn nicht fehle, ſei
für das neue Orcheſter nötig. Die meiſten Mitglieder des ehemaligen
Orcheſters könne man beibehalten, nur etwa 56 Muſiker, die in ihren
muſikaliſchen Leiſtungen oder ihrem Charakter nicht den Anforderungen
entſprechen, müßten erſetzt werden. Die Stadt müſſe den Zuſchuß für
ein ſolch neu zu bildendes Orcheſter beſchränken. Weiter müſſe eine
Löſung von der Akademie ſtattfinden, die Stadt müſſe ſich aber die Rech=
nungskontrolle
vorbehalten. Das Orcheſter möge wöchentlich zwei=
mal
auf öffentlichen Plätzen ſpiglen, und der Stadt etwa fünfmal
im Jahr zur Verfügung ſtehen. Eine weitere Inanſpruchnahme könne
nur gegen die tarifmäßige Bezahlung erfolgen, ſo daß man alſo der
Akademie, der dann die Kapelle ebenfalls wur gegen Bezahlung zur
Verfügung ſtehe einen Zuſchuß geben möge. Im übrigen möge ſich
das Orcheſter, abgeſehen von dem Zuſchuß (etwa 30 Mark pro Mann
und Monat 10 000 Mark pro Jahr) ſelbſt tragen. Der Zuſchuß für
dieſen kulturellen Zweck, denn um einen ſolchen handele es ſich bei die=
ſer
Orcheſterneugeſtaltung in der vorgeſchlagenen Form, erfordere ( ab=
geſehen
von den Ausgaben für das Thater), wenn man dieſen Betrag
annehme und 5000 Mark Zuſchuß für die Akademie, 0,3 Prozent des
Budgets. Der Antrag der Stadtverwaltung gehe alſo dahin, das alte
Oncheſter aufzulöſen, das Orcheſter neu aufzubauen mit emom jähr=
lichen
Zuſchuß von 10 000 Mark und einem Zuſichuß von 5000 Mark an
die Akademie.
Stadtv. Noellner (D.V.P.) erklärt, mam habe heute nur über
die Auflöſung, nicht über eine ebtl. Neuſchaffung des Orcheſters laut
Tagesordnung zu beraten.
Das Haus beſchließt mit Stimmenmehrheit, den Antrag der Stadt=
berwaltung
, wie er von Bürgermeiſter Mueller vorgetragen wurde, zu
beraten.
Stadtv. Schneider (Dntl.) erklärt, die derzeitige Finanzlage
geſtatte es überhaupt nicht, daß man ein Oucheſter halte, auch nicht durch
einen Zuſchuß unterſtütze. Zuerſt müſſe man für das Leben ſorgen
und dann den Gedonken der Kultur fördern. Seine Fraktion müſſe
alſo für die Auflöſung des Orcheſters ſtimmen und eine Neuſchaffung
und etwaige Zuſchüſſe ablehnen.
Stadtv. Geißner (Ztr.) legt dar, daß gerade die Finanzlage,
alſo der Zwang zum Sparen, die Frage der Auflöſung aufgerollt habe.
Seine Fraktion und er vollen das Orcheſter umopganiſiert ſehen und
wünſchen unter Beibehaltung bewährter Kräfte ein Orcheſter, das nach
dem Vorſchlag der Stadtverwaitung einen Zuſchuß erhalte. Die Verbin=
dung
mit der Stadt dürfe nu= loſe ſein, und dayer beantrage er, um
dieſe Bindung auch äußerlich zu zeigen, die Aenderung des Städtiſchen
Orcheſters in ein
Darmſtädter Orcheſier.
Man dürfe ſich auch nicht allzu ſehr binden. Man möge jedem Mann
Pro Monat 50 Mark geben und zuſehen, ob das Orcheſter ſich tragen
könne.
Stadtv. Friedrich ((Soz.) betont, daß man von Anfang an nicht
über die Auflöſung, ſondern auch über die Umgeſtaltung des Oncheſters
beraten habe. Denn gerade für die kleinen Leute bebeute ſolch öffent=
liches
Konzert einen Genuß, der ihnen nicht vorenthalten werden diirfe.
Die Mitglieder des Orcheſters ſeien zum Teil mit großen Koſten ( Um=
zug
uſw.) aus fremden Städten nach Darmſtudt gezogen worden. In
dieſer Erwägung, hauptſächlich aber im Intereſſe der breiten Bevölke=
rung
trete ſeine Fraktion für Erhaltung des Orcheſters in ſeiner ſeit=
herigen
Form ein, zumal, da ja das Defizit dauernd zurückgehe und
anzunehmen ſei, daß bei günſtiger Wittewung ein Deſizit verſchwinden
künne. In zweiter Linie könne man dem Vorſchlag des Vorredners
zuſtimmen.
Stadto. Goſenheimer (Dem.) erklärt namens ſeiner Fraktion,
daß das Orcheſter ſeither voll verſagt hobe, darüber ſei man ſich einig,
ebenſo, daß es an Kopf und Gliedein erneuerungsbedürſtig ſei. Man
wolle ein ſtädtiſches, kein philharmoniſches Orunſter. Soine Fraktion
ſtimme für Auflöſung. Im übrigen kögne man dem Vorſchlag der
Stadtverwaltung beiſtimmen.
Die nun= ehrige Abſtimming ergab die Auflöſung des Städtiſchen
Orcheſters mit Stimmenmehrseit gegen die Stimnen der Sozialdemo=
kraten
, ferner die Neuorganiſation des Darmſtidter Onheſters mit

Stimmenmehrheit. Der Antrag des Stadtv. Geißner, einen Zuſchuß
von 50 Mark pro Mann und Monat zu gewähren, wurde abgelchnt,
dagegen wurde die Zuſchußgewährung von 10 000 Mark im Sinne der
Stadtverwaltung beſchloſſen. Der Beſchluß über einen Zuſchuiß von
E000 Mark an die Akademie ſoll bei der Budgetberatung gefaßt werden,
da der Vertrag des Städtiſchen Orchsſters an ſich ja noch bis 31. März
läuft. Bei dieſer letzten Beſchlußfaſſung entſpann ſich noch eine leb=
hafte
Geſchäftsordnungsdebatte, bei der zeitweiſe mehrere Stadwer=
ordnete
gleichzeitig ſprachen.
Bei Weiterberatung der übrigen Punkte wurde auf Vortrag oder
Berichterſtattung verzichtet.
Für die Vermietung der Feſthalle ſind je nach ihrer Inanſpruch=
nahme
verſchiedene Tarife feſtgeſetzt und entſprechende Vermietungs=
bedingungen
feſtgelegt worden, die die Zuſtimmung des Verwaltungs=
ausſchuſſes
bzw. der Deputation für ſtädtiſche Wirtſchaftsbetriebe gefun=
den
haben. Die Genehinigung wurde erteilt.
Die Rechnungen der beiden höheren Mädchenſchulen
für das Rechnungsjahr 1926 ſchließen mit einem ſtädtiſchen Zuſchuß von
88 230,59 Reichsmark für die Vittoriaſchule und einem ſolchen von
65 699,88 Reichsmark für die Eleonorenſchule ab. Mit Zuſtimmung des
Kuratorims der hüheren Mädchenſchulen wird Genehwigung der Ab=
ſchlüſſe
unter dem Vorbehalt der Prüfumg dunch die Oberrechmungs=
kammer
beantragt. Der Voranſchlag der Gleonorenſchule für 1928
ſchließt mit einem Fehlbetrag von 73 718 RM. ab, der als Beitrag der
Stadt in den Entwurf des Voranſchlags der Stadtkaſſe für 1928 einge=
ſtellt
worden iſt. Mit Zuſtimmung des Kurgtorinus für die höheren
Mädchenſchulen wird Genehmigung des Voranſchlags beantragt. Der
Voranſchlag der Vikteriaſchule für 1928 ſchließt mit einem Fehlbetrag
von 90 739 R. ab, der als Beitrag der Stadt in den Entwurf des
Voranſchlags der Stadtkaſſe für 1928 eingeſtellt worden iſt. Mit Zuſtim=
mung
des Kuratorium für die höheren Mädchenſchulen wird Genehmi=
gung
des Voranſchlags beantragt. Die Rechnungen und Voranſchläge
werden genechmigt.
Dis Polizeiamt hat den Entwurf einer Polizeiterordnung, betr.
Sperrung der Aeußeren Ningſtraße zwiſchen Dieburger Straße und
Hohler Weg für den Durchgangsverkchr mit Fuhrwerken aller Art, vor=
gelegt
. Dem Entwurf wird zugeſtimmt.
Die Erneuerung der Bunkeranlage im Ofenhaus des Gaswerkes und
die Herſtellung der Teerdeſtilletions= und Benzoleinrichtungsanlage wur=
den
debattelos genehmigt.
Weiter lag folgender Antrag auf
Neufeſtſetzung der Fleiſchbeſchaugebühren
vor: In den Rechnungsjahren 1924, 1925 1926 ud 1927 reichten die Ein=
nahmen
aus den Fleiſchbeſchaugebühren nicht aus, um die laufenden
Ausgaben der Fleiſchbeſchau zu decken. Eime Erhöhung dieſer Gebühren
iſt daher dringend notwendig. Da nach dem heſſiſchen Ausführungs=
geſetz
zum Reichsfleiſchbeſchaugeſetz vom 4. April 1908 die Fleiſchbeſchau=
gebühren
jeweils auf die Dauer von 3 Rechnungsjahren feſtzuſetzen ſind,
wurde mit Rückſicht darauf, daß das laufende Rechnungsjahr im Kürze
zu Ende geht, bei dem heſſiſchen Kreisamt Darmſtadt beantragt, die
nächſte dreijährige Perſode erſt am 1. Aprill 1928 beginnen zu laſſen und
von dieſem Zeütpunkt ab die Fleiſchbeſchaugebühnen zu erhöhen. Um
in den nächſten 3 Jahren (19281880) den ſeitherigen Fehlbetrag dechen
zu können und um zu verhüten, daß weitere Fehlbeträge entſtehen, iſt
es wotwendig, die derzeitigen Fleiſchbeſchaugebühren zu erhöhen. Die
Erhöhung ſoll betragen: Für Ochſen, Bullen, Kühe, Rinder und Pferde
je 50 Pf., für Schweine 25 Pf., für Kälber, Schafe und Ziegen je
10 Pf. Für Saugtiere ſoll es bei den ſeitherigen Sätzen bleiben. Die
Schlachthofdevutation hat in ihrer Sitzung vom 1. Februar I. J. die
Erhöhung gutgeheißen. Es wird Zuſtimnmng zur Erhöhung der Fleiſch=
beſchaugebühren
mit Wirkung vom 1. April 1988 an bemtragt.
Dem Antrag wind zugeſtimmt.
Die Beſchaffung einer Komp=eſſoranlage für die Ferngasveuſorgung
wurde beſchloſſen.
Der Vertreter der Stadtvevordnetenverſammlung im Verwaſtungs=
rat
der Stiftung für höhere Ausbildung talentvoller armer Knaber
(Schwabſtifzung) mußte für die Kalenderjahre 1928 und 1929 neu be=
ſtimmt
werden. Nach dem vorliegenden Antrag wurde Herr Stadtv.
Friedrich, der dem Verwaltungsrat der Stiftung in den Jahren 1926
und 1927 angehört hat, auch für 1928 und 1929 beſtätigt.
Damit war die Tagesordnung erledigt. Ein Antrag der Stadtv.
Frau Balſer (Dem.) ging dahin, den Verkehr in der Hindenburg=
ſtraße
wegen der dortigen Kliniken umzuleiten. Dem Antrag konnze
nicht nähergetreten werden, da in dortiger Gegend ohne erhebliche Koſten
eine Möglihkeit zur Umleitung nicht beſticht.
Bürgermeiſter Ritzert gibt bekannt, daß anläßlich des Ausſchei=
dens
des Direktors Netz aus der Städtiſchen Sparkaſſe dieſe revidiert
und alles in Ordmng befunden wurde.
Stadwv. Schneider (Dntl.) macht auf die Gefahr eines Haus=
einſturzes
infolge des ſtarken Verkehrs, beſonders mit chweren
Laſtautos, aufmerkſam. Straßen mit Großpflaſter ſind beſonders zu
berückſichtigen bei baldigſt zu ergreifenden Maßnahmen zur Abwendung
dieſer Gefahr.
Bürgermeiſter Buxbaum erklärt, daß man dieſer Erſcheinung
ſchon beſondere Aufmerkſamkeit zugewandt habe und auch in Verbindung
mit dem Polizeiamt weitere Vorbeugungsmaßnahmen zur Abwendung
dieſer Gefahr treffen werde.
Stadtv. Haury (DV.P.) beanſtandet, daß ſeither die Baudeputa=
tionswünſche
von der Polizei abgelehnt wurden.
Stadtv. Frau Nick (Dntl.) fragt nach dem Schulhausbau in der
Waldkolonie. Bürgermeiſter Buxbqum erklärt, daß der Bau m Ausſicht
genommen iſt.
Stadlb. Wieſenecker (Soz.) trägt die Eingabe des Neichsver=
bandes
ambulanter Gewerbetreibender vor, während der Faſtnachtszeit
öffentlich Juxgegenſtände verkaufen zu dürfen. Da es ſich um arme
Leute handelt, unterſtützt er die Bitte. Der Verkehrsausſchuß wird
ermächtigt dieſes Geſuch heſchleunigt zu erledigen.
Stadtv. Walbe (D. V.P.) klagt über die Verſchandelung des Stadt=
bildes
durch die drei Reklameuhpſäulen und verlieſt ein Schreiben der
Firma, mit der ein Vertrag auf 15 Jahre abgeſchloſſen wurde. Er
möchte einen Weg gefunden wiſſen, um dieſen Vertrag löſen zu können.
Zum mindeſten miſſe man fordern, daß durch Farbe und Schönheit ſol=
cher
Uhrtürme dem künſtleriſchen Anſehen des Stadtbildes (beſonders
tor dem Theater) mehr Rechnung getragen werde.
Stadtv. Ziggs (Soz.) beton die Notwendigkeit der Reklame für
die Geſchäftswvelt und die Notwendigkeit einer beſſeren Beleuchtung der
Ludwig= und Ernſt=Ludwigſtraße.
Stadtv. Ludwig (D.V.P.) führt Beſchwerde über die Schließung
der Herrngartentore vor der feſtgeſetzten Zeit. Seine Ausführungen
geben Anlaß zur Heiterkeitz, in die Stadtv. Ludwig ſelbſt mit einſtimmt,
beſonders als er ſein Erlebnis im Herrngarten ſchildert, das darin be=
ſtand
, daß er auf dem Heimwes das Ausgangstor geſchloſſen fand, wäh=
rend
er kurz vorher noch ein offenes Cingangstor pafſieren konnte, das
bei ſeiner Rückkehr auch geſchloſſen war. In der wenig beneidens=
werten
Lage befanden ſich außer ihm andere Paſſanten des Herrn=
gartens
, und zwar fanden ſich in 0,5 Minuten eine Dame und 7 Herren
als Leidensgefährten ein.
Bürgermeiſter Buxbaum erklärte, daß die Zeiten des Tor=
ſchluſſes
an den einzelnen Toren angebracht werden. Als letztes Tor
werde das an der Bismarckſtraße geſchloſſen. Auch werde dafür geſorgt,
daß die Glockenzeichen pünktlich vor Torſchluß gegeben werden.
Nach einem weiteren Antrag auf Verbeſſerung der Wege im
Orangeriegarten wird die öffentliche Sitzung geſchloſſen.

Schwurgericht.

Hk. Gemäß einem Beſchluß der Verkehrskommiſſion der Heſſiſchen
Induſtrie= und Sandelskammer Darmſtadt, die am Donnerstag getagt
hat, hat ſich die Kammer bei den maßgebenden Regierungsſtellen für die
unverzügliche Fortſetzung der am Böllenfalltor endenden Stra=
ßenbahnlirie
nach den öſtlichen Vorortgemeinden Traiſa, Nie=
der
=Ramſtadt und Ober=Ramſtadt eingeſetzt, zumal die
Erteilung der Konzeſſion für dieſe Limie bereits ſeit längerer Zeit bean=
tragt
iſt. Hierbei hat die Kammer der Ewwartung Ausdruck gegeben,
daß bis zum Zeitpunkt der Eröffnung der Straßenbahn nach den ge=
nannten
Orten dem derzeitigen offenbaren Mißſtand dadurch ſchnellſtens
ein Ende bereitet wird, daß dem Antrag der Heſſiſchen Eiſen=
bahn
=Aktiengeſellſchaft auf Genehmigung einer
Kraftwagenlinie von Darmſtadt nach den genannten Orten un=
verzüglich
entſprochen wird.
Tagesordnung zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Starkenburg am Samstag, den 11. Februar 1928, vormittags 9 Uhr:
1. Klage des Friedrich Günderoth aus Lampertcheim gegen den Beſcheid
des Kreisamts Bensheim vom 19. Degember 1997 wegen Nichterteilung

des Wandergewerbeſcheins. 2. Geſuch des Bäckermeiſters Heinrich Jöſt
zu Darmſtadt um Erteilung der Erlaubnis zum Ausſchank von Alkohol
in ſeiner Kaffeewirtſchaft Mornewegplatz 3. 3. Geſuch des Anton
Helmerich, Offenbach a. M. um Erteilung der Erlaubnis zum Betriebe
einer Kaffewirtſchaft im Hauſe Bleichſtraße 31. 4. Antrag des Kreis=
amts
Darmſtadt auf Entziehung der der Stellenvermittlerim Mimna
Dingeldein zu Darmſtadt erteilten Erlaubnis zum Betriebe eines Ge=
werbes
. 5. Klage des Heinrich Krinur zu Raibach gegen den Beſcheid
des Kreisamts Dieburg wegen Nichterteilung eines Wandergewerbe=
ſcheins
.
Aus den Parieien.
Frauengruppe der Deutſchen Volkspartei. Am
kommenden Saustag, 11. Febr., 4 Uhr, findet die geſellige Zuſammen=
kunft
auf dem Heiligen Kreuz ſtatt; ſie verſpricht dieſes Mal beſon=
ders
gemütlich zu werden, da, wie wir hören, ein auserleſenes Pro=
gramm
mit aktuellem karnevaliſtiſchem Einſchlag vorgeſehen iſt. Wir
bitten um zahlvenchen Beſuch. Gäſte herzlich willkommen.

p. Gin Einwohner einer Stadt an der Bergſtraße iſt des Meineids
angellagt, der am 28. Mai 1927 geleiſtet ſein ſoll, dahingehend, es ſei
nicht ruchtig, daß der Kaufpreis für eine gelieferte Ware dunch Avbeits=
leiſtung
ſeitens des Käufers gerilgt ſei, der rüchſtändige Arbeitslohn ſei
bereits durvch Verrechnung von Kohlenlieferungen, von Dreſchlohn und
Zahlug der Reparatur für eine Uhr getilgt geweſen, als die Ware ge=
liefert
wurde. Die Einzelheſten der Angelegenheit intereſſieren nicht.
Der Angeklagte beſtreitet ſeine Schuld, nach den früheren Ermittelungen
gibt er aber ſelbſt an, er könne ſich micht mehr erinnern, daß gelegent=
lich
der Verhandlungen die Abmachung getroffen worden ſei, daß die
Ware zum Ausgleich von einer Lohnforderung hingegeben werden ſolle.
Die Beweisaufnahme, die gleichfalls kein allgemeines Intereſſe bean=
ſpruchen
kann, wickelt ſich vaſch ab.
Der Staatsanwalt beantragt, indem er die Angaben des Augeklag=
ten
als durch die Beweisaufnahme für widerlegt erkläut und betont,
daß der Angeklagte aus Gewinnſucht gehandelt habe, in Anwendung
der in 8 157 vorgeſehenen Milderung ein Jahr Zuchthaus.
Der Verteidiger betont, daß der Hauptzeuge der im Zivilprozeſſe
unterlegene Gegner ſei, das Beweismaterial zur Verurheilung nicht ge=
nüge
, andererſeits die Frage eines fahrläſſigen Eides zu prüfen ſei. Im
Zivilppozeſſe erbiete ſich jede Partei erfahrungsgemäß zum Eid und
glaube, i der angeblichen Richtigkeit ihrer Anſicht befangen, zum Eide
kommen zu müſſen. Angeklagter habe im Zivilprozeſſe ſeine eigenen
Intereſſen verfochten, er ſei kein Mann von hevvorragender Intelligenz.
Angeklagter habe die Bedeutung der in Betracht kommenden Rechts=
verhältniſſe
um ſo weniger ermeſſen können, als nach dem Bürgerlichen
Geſetzbuch die Aufrechnung mit einer Gegenforderung nur durch Er=
klärug
vollzogen werden könne. Dabei habe die verwornene Darſtel=
lung
ſeitens des Angeklagten noch mitgewirkt, die Unklarheit zu ver=
größern
. Die Sache liege doch über 2 Jahre zurück. Irrwum und Er=
innerungstäuſchmg
könnten hier mitwirken. So ergebe ſich die Frage,
ob der Angeklagte ſein Gedächtnis nicht richtig erforſcht und ſich eckun=
digt
habe. Erkundigungen ſeien aber nur bei dem Prozeßgegner und
ſeinem Schwiegervauer möglich, aber wohl untunſich und ſonach ohne
Erfolg geweſen. Deshalb liege auch keine Fahrläſſigkeit bei der Eides=
leiſtung
vor. Sollte das Gericht zu einer Verurteilung kommen, ſo
ſei zu berückſichtigen, daß die Sache weit zurückliege, Irrtümer immer=
hin
möglich ſeien und der Angeklagte unbeſtraft ſei. Eine allzu er=
hebliche
Strafe möge nicht ausgeſprochen werden. Der Staatsanwalt
repliziert, für die Frage der Fahrläfſigkeit ſei kein Anhalt gegeben.
Das Urteil ſpricht 6 Monate Gefängnis aus. 8 157 3. 1 St. G.B.
kam zuv Anwendung.
Polizeibericht. Schwerer Unglücksfall. Geſtern vormit=
tag
ereignete ſich ein bedauernswerter Unglücksfall beim Baumfällen im
der Nähe des Böllenfalltores. Der 47jährige Arbeiter Adolf Ihrig, der
mit noch anderem Arbeitern beim Baumfällem beſchäftigt war, wurde von
einer fallenden Buche derart unglücklich getroffen, daß der Tod auf der
Stelle eintrat. Nach den Feſtſtellungen liegt ein fahrläſſiges Verſchulden
nicht vor. Diebſtähle. In der Nacht vom 7./8. Februar wurde
ein Schaufenſter eines Schuhgeſchäfts zertrümmert und von den aus=
geſtellten
Stiefeln ein Pgar braune Herventouvenſtieſel, Größe 41, ein
Paar ſchwarze Herrentouvenſtiefel, Größe 43, ein Paar brauue Herren=
halbſchuhe
, Größe 42, ein Paar braune Hervenhalbſchuhe mit braunem
Einſatz, Größe 42, ein linker brauner Herrenſtiefel, Größe 41, und ein
linker brauner Halbſchuh mit hellem Einſatz entvendet. In einer Wirt=
ſchaft
wurde ein ſchwanzer, zweireihiger Marengomantel mit Nücken=
ſchließe
entwendet. Geſtohlen wurdem zwei Herrenfahrräder: Marke
Matador Nr. 62 097 und Marke Opel neues Modell, mit Boſch=
beleuchtung
. Perfonen, die ſachdienliche Angaben zur Ermittelung der
Täter und der entwendeten Gegenſtände machen können, werden gebeten,
der Kriminglabteilung Nachricht zu geben.
Lokale Veranſkaltungen.
Der Geſangverein Melomanen veranſtaltet am
Samstag, den 11. d. M., in der Geſellſchaft Eintracht ſeinen diesjährigen
Faſtnachtsrummel. Es iſt keine Mühe noch Arbeit geſpart worden, um
dieſen Abend recht genußreich zu geſtalten. Gäſte ſind herzlich will=
kommen
. (Siehe Anzeige)
Kriegerkameradſchaft Germania. Wir machen
hiermit nochmals beſonders auff die am Samstag, den 11. Februar,
abends um 8 Uhr, im Vereinslotal Gunder, Schloßgartenplatz, ſtattfin=
dende
Monatsverſammlung aufmerkſam und bitten ſänntliche Kameraden
um pünktliches Erſcheimen. Am Sonntag, den 12. Februar, findet
unſer erſter diesjahriger Spaziergang ſtatt. Treffpunkt um 2 Uhr am
Monument, Ziel Eberſtadt und dort Einkehr bei unſerem Kameraden
Klenk (zum Mühltal). Um zab’reiche Beteiligung erſucht der Vorſtand.
Java Land und Leute! Ueber dieſes Thema wird Herr
Dittmar, Miſſionar auf der Inſel Java, am Samstag, den 11. Februar,
abends 8 Uhr, im Vortragsſaal, Waldſtr. 18, einen ſehr intereſſanten
Lichtbildervortrag halten. Eintnitt iſt frei.
Vortrag. Auf vielſeitigen Wunſch finder heute nachmittag
4 Uhr im Saale der Firma Philipp Schaaf, gediegener Hausrat, Ernſt=
Ludwigſtraße 2, ein Vortrag mit Schaukochen über den neuartigen,
vorzüglich bewährten Dampfkocher Tewu ſtatt. (Siehe Anzeige.)
Wir verfihlen nicht, nochmals auf die am 11. Februar, nachmit=
tags
5 Uhr, im Hauſe Selzam, Neckarſtraße 19, ſtattfindende nuſikaliſche
Feier des Richard=Wagner=Verbandes deutſcher
Frauen hinzuweiſen, deren Vortragsfolge Herr Hoefflin und
Frl., Groß beſtreiten werden. Näheres ſiehe Plakate.
Kunſtnotizen.
Palaſt=Lichtſpiele. Alpentragödie. Nach einem
Roman von Richard Voß bearbeitet von C. J. Braun. Alpeutragödie‟
von Richard Voß iſt wohl das meiſtgeleſenſte Buch des bekannten Autors
von Zwei Menſchen. Vor den gigantiſchen Bergkuliſſen ſeiner Heimat
im Malojagebiet und in St. Moritz ſpielt die wunderolle poctiſche
Liebesgeſchichte des Schweizer Malers Segantini, zieht ihre Fäden
hinüber in die ewige Stadt, nach Rom. Einſam nur ſeiner Arbeit hin=
gegeben
, hat der Maler hoch oben in ſeiner Berghütte gelebt. Eine
Ausſtellung ſeiner Werke führt ihn nach Rom, wo er die Bekanntſchaft
der Fürſtin da Rimini macht. Während die mondäne Frau alle Män=
ner
ihres Kreiſes in ihren Bann zieht, geht der einſame Maler unbe=
rührt
an ihr vorüber, bis er in ſeine Heimat zurückkehrt. Unter dem
Einfluß ſeiner ſtarken Perſönli keit folgt ihm die Furſtin in die Berge
nach, und ganz allmählich gelingt es ihr, in ſein verſchloſſenes Leben
einzudringen. Coriune Griffith in Die Frau im Hermelin
Nach der erfolgreichen Operette von Jean Gülbert. Neben Corinne Grif=
fith
ſinden ſich in der Beſetzung des Films nach der bekannten Operette
von Jean Gilbert noch zwvei Namen, die wie Corinne Griffith in den
weiteſten Kreiſen des deutſchen Kinopublikums bekaunt und populär ge=
worden
ſind: Frangis X. Buſhman und der Schwede Eiuar Hanſen. Wie
in der Operette, ſo wird auch im Film die Geſchichte der italieniſchen
Gräfin, die in der Nacht den kemmandierenden Geveral des Feindes,
der in ihrem Schloß Quartier bezogen, nur mit einem Mantel aus
Hermelin bekleidet aufſusht und bereit iſt, um ihren Gatten zu retten,
ihre Ehre zu orfern, überall Spannung und Beifall hervorrufen.
Tageskalender für Freitag, den 10. Februar 1928.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 17½ Uhr und 20 Uhr:
Sechſtes Konzert der Städt. Akademie für Tonkunſt. Kleines Haus,
Anfang 19½ Uhr, Ende nach 22 Uhr, Zuſatzmiete IV (8): Der
Opernball. Orpheum, abends 8 Uhr: Revue Das lebende
Magazin Vorträge: Stäbt. Akademie für Tonkunſt, Gliſa=
bethenſtraße
, abends 8½ Uhr: Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Alfr.
Heidenreich, Frankfurt a. M.: Venedig und der Urſprung des Kar=
nevals
, Chriſſtengemeinſchaft. Städt. Saalbau, abends 8 Uhr: Licht=
bildervortrag
von Dr. med. Malten: Nerven und Nervenkrankheiten,
Verein für naturgemäße Lebens= und Heilweiſe. Bürgerhof, Eliſa=
bethenſtr
. 2, abends 8 Uhr: Portrag Rieſenaufgaben bewältigt von
Rieſenkräften‟. Heaghaus, Luiſenſtraße 16 abends 8 Uhr: Die
Elektrizität im Haushalt. Vereinigte Geſellſchaft, abends 8 Uhr:
Dr. Joſef Winkler lieſt eigene Werke. Konzerte: Schloßkaffee,
Hotel Schmitz, Weinhaus Maxim, Waldſchlößchen, Stadt Nürnberg,
Zum Schieferſtein. Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=
Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Helia.
Gottesdienſt der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraßeſ.
Freitag, den 10. Febr.: Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 30 Min.
Samstag, den 11. Febr.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min,
Schrifterklärung. Sabbatausgang 6 Uhr 25 Min,
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr 30 Min.
Abends 5 Uhr 30 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der iſrgelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 11. Febr.: Vorabend 5 Uhr 05 Min. Morgens
8 Uhr. Nachm. 4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr 45 Min. Abends 4 Uhr
45 Minuten.

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Nummer 41

Aus Heſſen.
Starkenburg.
Die Einführung des erſien Berufsbürger=
meiſters
in Eberſiadt.
F. Eberſtadt, 9. Februar.
In der heutigen Gemeinderatsſitzung, deren Beginn auf 6 Uhr an=
geſetzt
war, fand, die feierliche Einführung und eidliche
Verpflichtung des erſten Berufsbürgermeiſters der
Gemeinde, Dr. Curt Uecker, ſtatt. Pünktlich verſammelte ſich das
Plenum zu der denkwürdigen Sitzung, zu der ſich eine große Menſchen=
menge
eingefunden hatte, um Zeuge des hiſtoriſchen Vorganges zu ſein.
Der Beigeordnete Flick eröffnete die Sitzung mit dem Hinweis auf
den einzigen Punkt der Tagesordnung und erteilte dem Vertreter des
Kreisamts, Herrn Oberregierungsrat Haberkorn, das Wort. Dieſer
führte etwa folgendes aus:
Sehr geehrte Hernen! Sie ſind heute zu einer beſonders feierlichen
Sitzung, zur Einführung und Beeidigung Ihres neugewählten Bürger=
meiſters
, verſammelt worden. Der heutige Tag wird ein Markſtein ſein
in der Geſchichte der Gemeinde Eberſtadt. Bis heute wurde ſie nach der
Landgemeindeordnung durch einen Ehrenbürgermeiſter verwaltet. Dieſe
Inſtitution der Ehrenbürgermeiſter beſteht in den Landgemeinden ſeit
länger als 100 Jahren und hat ſich, wie in anderen Orten, ſo auch in
Eberſtadt als ſegensreich euwieſen. Die Auſwärtsentwicklung Eberſtadts
und ihre Errungenſchaften ſind zum großen Teil den fortſchrittlichen und
weitblickenden Bürgermeiſtern der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Be=
ſondere
Verdienſte hat ſich der jetzt zurücktretende Bürgermeiſter Schä=
des
Kriegs und die noch viel ſchwierigeren der Nachkriegs= und Infla=
tionszeit
bis heute zur Zufriedenheit ſeiner vorgeſetzten Behörden und,
das darf ich wohl ſagen, auch zur Zufriedenheit des überwiegenden Tei=
les
der Bevölkerung der Gemeinde Eberſtadt geleitet hat. Ich will nicht
verfehlen, ihm für ſeine aufopfernde Tätigkeit in ſchwerer Zeit, durch die
er auch an ſeiner Gefundheit eingebüßt hat die Anerkennung
und den Dank des Kreisamts ausſprechen.
Inzwiſchen wuchs und dehnte ſich Eberſtadt und wurde zur größten
Landgemeinde des Kreiſes Darmſtadt. Die alte Verfaſſung mit einem
Ehrenbürgermeiſter an der Spitze wollte für eine Gemeinde mit über
8000 Seelen nicht mehr recht paſſen. Es entſtand daher in der Ge= Einige notwendige Satzungsänderungen, die vom Vorſtand ausgearbeitet
meinde eine lebhafte Bewegung zur Anſtellung eines Berufsbürger=
meiſters
. Dieſe Bewegung hat nach dreijährigen ſchweren Kämpfen, die
die Gemüter der Bevölkerung tief bewegt haben, zum Siege des Ge=
dankens
der Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters geführt. Es ailt,
nun wieder freundliche, dem Gemeinwohl dienende Arbeit zu leiſten. Da=
zu
müſſen ſich alle Parteien im ernſtem Pflichtbewußtſein wieder zu=
ſammenfinden
. Nur dann werden ſich die Hoffnungen erfüllen, die in
das neue Ortsoberhaupt geſetzt werden. Zu dem neuen Bürgermeiſter
gewendet, fuhr Redner fort:
Sie ſind durch die Wahl des Gemeinderats zum Bürgermeiſter er=
koren
. Es muß von Ihnen erwartet werden, daß Sie ſich dieſes Ver=
trauens
in vollem Umfang würdig erweiſen, daß Sie dem Ihnen über=
tragenen
Amt Ihre volle Kraft widmen, es ohne Anſehen der Perſon
gerecht und undarteiiſch verwalten und als Bürgermeiſter über den Par=
teien
ſtehen. Ihr Amt wird ſchwierig und dornenvoll
ſein. Die Aufgaben der Gemeinden ſind in den letzten Jahren ſehr
gewachſen. Hier in Eberſtadt erwarten Sie außerdem noch beſonders
wichtige und ſchwierige Probleme. Ich nenne nur die Gasverſorgung
und die Eingemeindungsfrage. Trotzdem rufe ich Ihnen zu: Treten
Sie mit friſchem Mut und Vertrauen auf Ihre Mitbürger und Ihre
vorgeſetzten Behörden Ihr neues Amt an, dann werden Sie es auch ge=
deihlich
führen können! Ich gehe nun dazu über, Sie in Eid und Pflicht
heſſiſche Staatsangehörigkeit. Die Verfaſſung ſchreibt vor, daß ein ſich nunmehr auf Grund eines Angebots damit einverſtanden, daß zwei
öffentlicher Beamter beim Amtsantritt den Verfaſſungseid zu leiſten hat.
Ferner beſtimmt Art. 81 des Geſetzes über die Wohlen der Gemeinden,
daß der Bürgermeiſter beim Amtsantritt in einer öffentlichen Sitzung
des Gemeinderats eidlich zu venpflichtem iſt.
Dr. Uecker leiſtete darauf, und indem ſich die Mitglieder des Ge=
meinderats
von ihren Sitzen erhoben, in feierlicher Form
den Verfaffungseid
und wurde anſchließend eidlich verpflichtet.
Alsdann ſprach Oberregierungsrat Haberkorn dem neuen Bür=
germeiſter
ſeine Glückwünſche und die des Kreisamts aus und wünſchte Entrichtung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 100 Mark ge=
ihm
für das neue Amt alles Gute.
Beigeordneter Flick widmete zunächſt dem ſcheidenden Bürger=
meiſter
noch warme Worte des Dankes namens der Gemeindeverwaltung werden. Der neue Bürgermeiſter wird entſprechend der Beſtimmung
und begrüßte und beglückwünſchte namens derſelben den neuen Bürger=
meiſter
zu ſeinem Amte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß ſeine Ar=
beit
dem Wohl der Gemeinde dienen möge.
Sodann ſprachen die Gemeinderatsmitglieder Dächert. Heißt
und Gärtner dem neuen Ortsoberhaupte die Glückwünſche namens
der einzelnen Fraktionen aus und ſagten ihre Mitarbeit zu.
Zum Schluſſe führte dann Bürgermeiſter Dr. Uecker folgendes aus:
Sehr geehrter Herr Oberregierungsrat,
fehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats!
Ich habe nunmehr das Amt des erſten Berufsbürgermeiſters der
Gemeinde Eberſtadt übernommen. Zunächſt danke ich Ihnen, Herr Ober=
regierungsrat
, als Vertreter der vorgeſetzten Behörde, für Ihre Worte
und Wünſche. Das Kreisamt wird in mir ſtets einen Bürgermeiſter ſehen,
der auf das Wahl und den guten Ruf der Gemeinde ſorgſam bedacht iſt.
Ich bringe aber nicht nur Wirtſchafts= und Verwaltungskenntniſſe, die
für dieſes Amt erforderlich ſind, mit, ſondern auch einen ſelbſtändigen,
eigenen Willen, ohne den die Weiterentwicklung einer Gemeinde ſchlecht
möglich iſt. Ich habe die feſte Zuverſicht, daß ich in jeder Hinſicht auch
bei meinen größeren Plänen, bei denen die Gemeinde vielleicht neue

Freitag, den 10. Februar 1928

deinnee
Nenscans He en umrſtce.
Behörden finden werde.
Wie der Name ſchon ſagt, ſoll der Berufsbürgermeiſter ſein Amt
nur als Beruf betrachten; in ihm ſoll er voll und ganz aufgehen. Es
iſt daher auch erklärlich, daß der Berufsbürgermeiſter in ſeinem Berufe
auch Großes leiſten will. Dieſes kann er jedoch nicht allein, ev bedarf
der Mitarbeit und des vollen Vertrauens des geſamten Gemeinderats.
Hierum bittte ich Sie verehrte Mitglieder des Gemeinderats, in dieſer
Stunde. Ich gebe Ihnen die Verſicherung, daß ich mein Amt zum
Wohle der ganzen Gemeinde, ohne Rüchſicht auf Partei und Religion,

O. Erzhauſen, 8. Febr. Aus dem Gemeinderat. Die Gemeinde=
rechnung
von 1926 wurde nach Bekanntgabe aller Einnahmen und Aus=
gaben
durch den Gemeinderat unter der Vorbedingungen der Prüfung
der Oberrechnungskammer genehmigt. Dem Antrag des Phil. Vetter
um Befreiung von 8 3 der Ortsbauſatzung wird ſtattgegeben. Der Rat=
hausſaal
, welcher durch die neue Schule als Schulſaal frei wurde, ſoll
mit zwei neuen Tiſchen und 12 Stühlen verſehen werden. Holz=
verſteigarung
auf der Abtriebsfläche im Gemeindewald iſt auf
Freitag, 10. Februar, feſtgeſetzt.
* Weiterſtadt, 8. Febr. Gemeinderatsbericht. Am Sonn=
tag
vormittag tagte die hieſige Gemeindevertretung unter dem Vorſitz
des Beigeordneten Gg. Storm über die Vorſchußzahlungen auf die ge=
plante
Beſoldungserhöhung der Gemeindebeamten unter Ausſchluß der
Tutereſſenten, d. h. des Vürgermeiſters und des Rechners. Die Ge=
meindovertretung
glaubte in Anbetracht der wirtſchaftlichen Verhältniſſe
der Gemeinde einer Erhöhung der Veamtengehälter nicht zuſtimmen zu
fer erworben, der die Geſchicke der Gemeinde durch die ſchweren Jahre können und ſtellt zum zweitenmal die Angelegenheit zurück bis zur end=
gültigen
Herausgabe von Richtlinien für die Beſoldung der Gemeinde=
beamten
durch den Landtag. Generalverſammlung der
freien Bürgervereinigung Weiterſtadt. Die Ver=
ſammlung
nahm einen wüirdigen, von großer Einmütigkeit getragenen
Verlauf. Der Jahresbericht des Schniſtführers wurde gutgeheißen und
dem Rechner nach Ablage ſeiner Rechnung Entlaſtung erteilt. Sehr in=
tereſſant
war der Tätigkeitsbericht zweier Gemeindevertreter im ab=
gelaufenen
Jahr. Der Gemeindevertretung einſchl. Bürgermeiſter wird
der Dank und das Vertrauen der freien Bürgervereinigung ausgeſpro=
chen
. Die Wiedewwahl des Geſamtvorſtands findet dunch Zuruf ſtatt.
waren, fanden einſtimmige Annahme. Nachdem noch das Arbeitszpro=
gramm
für das neue Jahr 19238 im großen Rahmen foſtgelegt war, ſchloß
der Vorſitzende die Verſammlung.
F. Eberſtadt, 9. Febr. Gemeinderatsſitzung. Geſtern
abend fand im Rathausſaale unter dem Vorſitze des Beigeordneten
Flick eine Gemeinderatsſitzung ſtatt, die inſofern eine gewiſſe hiſtoriſche
Bedeutung hatte, als es die letzte Sitzung unter der Leitung des Ehren=
bürgermeiſters
war. 24 Stunden ſpäter wird der neugewählte Bürger=
meiſter
, Dr. Curt Uecker, in ſein Amt eingeführt und verpflichtet,
womit eine neue Epoche in der Geſchichte der Gemeinde Eberſtadt an=
brechen
wird. Ebeiſtadt wird kunftig einen Berufsbürgermei=
ſter
haben und die ganze Bevölkerung knüpft an dieſſe Tatſache beſon=
dere
Hoffnungen. Die Sitzung ſtand völlig unter dieſem Eindrucke und
berlief entſprcchend. Die Ausſch=ßbeſchlüſſe wurden ſämtlich ohne nen=
nenswerte
Debatte angenommen. So wurde ein Baugeſuch des Georg
Haller 8., die Errichtung eines Seitengebäudes bei ſeinem Wohnhaus am
Strohweg batzreffend, unter der Bedingung genehmigt, daß das Gebäude
ein ziveiſeitiges Dach erhält. Das Geſuch des Wilhelm Fließ und Konſ.
um Herſtellung des vorderen Teils des Griesheimer Wegs wird bis zu
der in Kürze zu erwartenden Eröffnung der Jahnſtraße bis zur Georg=
ſtraße
zurückgeſtellt, damit die Umleitung des Fuhrwerksverkehrs möglich
iſt. Wie bereits früher beſchloſſen, ſollen zur Unterbringung böswilliger
zu nehmen. Durch die Beſtellung zum Bürgermeiſter erwerben Sie die Mietzahler Eiſenbahnwaggons beſchafft werden. Das Plenum erklärte
Güiterwagen und ein Perſonenwagen 4. Klaſſe zu dem genannten Zweck
angekauft werden. Dieſe Wagen follen auf dem der Gemeinde gehörigen
Gelände weſtulich der Bickenbacher Straße am Waldeingang zur Auf=
ſtellung
kommen. Das Kreisamt vegte an, die für den Fuhrwerksverkehr
tor längerer Zeit geſperrte Modaubrücke am Felſenbeller ſo herzuſtellen,
daß die Sperre wieder aufgehoben werden kann. Der Gemeindergt be=
ſchließt
jedoch, die Sperrung aufrecht zu halten. Als Grundlage für die
Vergebung von Gemeindegrbeiten wird beſchloſſen, künftig die Neichs=
verdingungsordnung
anzuwenden. Die Firma Rhenanin=Oſſag wird
die Errichtung einer Tankſtelle bei dem Café Henn (Villenkolonie) gegen
nehwigt. Dem bauluſtigen Georg Heß 2,. ſoll unter den üblichen Be=
dingungen
der gewünſchte Bauplatz in der Klingsackerſtraße übereignet
in der Ortsſatzung über die Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters in
der Gemeinde Eberſtadt unter Feſtſetzung ſeines Beſoldungsdienſtalters
auf den 1. Januar 1918 in die Gruppe 4 2e des Beſoldungsgeſetzes vom
16. Dezember 1927 eingereiht. Der diesbezügliche Beſchluß des Finanz=
ausſchuſſes
wird bei einer Stimmenthaltung augenommen. Der land=
wirtſchaftlichen
Winterſchule in Darmſtadt wird für das Jahr 1998, wie
im Vorjahre, ein Beitrag von 50 Mark bewilligt. Als Kommiſſion für
die Prüfung der Gemeinde=Rechnung und der Rechmung des Gemeinde=
Waſſerwerks für das Rechnungsjahr 1926 wird der Finanzausſchuß be=
ſtimmt
. Die Recmungen ſchließen wie folgt: 2) Gemeinderechnung:
für den Betrieb: Einnnahme 894 582,25 Mk., Ausgabe 809 832,26 Mk.,
miühin Rechnungsreſt 84 749,99 Mk. für das Vermögen: Einnahme
187 458,62 Mk., Ausgabe 187 458,62 Mk., vergleicht ſich; b) Rechnung des
Gemeinde=Waſſerwerks: Einnahme 56 441,80 Mk., Ausgabe 57 565,67
Mark, mithin 1123,87 Mk. Ueberzahlung. Der für das genannte Rech=
nungsjahr
von dem Vorſitzenden erſtattete Rechenſchaftsbericht wird zur
Kenntnis genommen. Ein Antrag des Schulverſtandes, betreffend den
Treppenumbau an der Georgſchule wird als Material dem Voranſchlag
1928 überwieſen. In geheiuer Sitzung: Wohlfahrtsſachen, Stundungs=

geſuche und Mitteilungen.

Seite 7

berwalten werde. Nur das, was ich für richtig erkannt habe, werde ich
vevſuchen, durchzubringen.
Das Los hat in der Vergangenheit entſchieden, in der Zukunft ſoll
es die Tat!
Der Beigeordnete Flick ſchloß hierauf die Sitzung, worauf die
Mitglieder des Gemeinderats den neuen Bürgermeiſter perſönlich be=
glüchwünſchten
.
Im Gaſthaus Zur Traube verſammelten ſich anſchließend Ge=
meinderat
, Bürgermeiſter und der Vertreter des Kreisamts, um der
Feier einen würdigen Abſchluß zu geben.

f. Roßdorf, 8. Febr. Gemeinderatsbericht. Vor Eintritt
in die Tagesordnung ſtellte Gemeinderat Engert (Kom.) den Antrag,
daß Punkt 6 der Tagesordnung Antrag der Arbeitsloſen um Gewäh=
rung
einer öffentlichen Winterbeihilfe) in öffentlicher Sitzung verhandelt
werden ſolle. Die Abſtimmung ergab Ablehnung des Antrages. Sodann
wurden noch verſchiedene Anfragen beantwortet und in die Tagesord=
wung
eingetreten. 1. Der Wirtſchaftsausſchuß der Landwirtſchaftlichen
Schule Darmſtadt bittet auch für das Ni. 1937 um Bewilligung eines
Beitrages. Es wird feſtgeſtellt, daß zur Zeit nur ein Schüler die
Schule beſucht. Der Gemeinderat genehmigt die Auszahlung eines Be=
trages
von 30 Mark. 2. Hermann Wiener=Darmſtadt hat einen Jagd=
bogen
der Gemeindejagd zum Jahrespreiſe von 3010 auf ſechs Jahre
gepachtet. Die Pachtzeit endet am 31. Januar 1931. Der Pächter bittet
ſchon jetzt um Ueberlaſſung der Jagd auf weitere ſechs Jahre zu dem
jetzigen Preis, was Genehmigung findet. Es wird betont, daß Herr
Wiener als weidgerechter Jäger bekannt iſt. 3. Als Kanalbenutzungs
gebühren werden für je 100 Mark Brandverſicherungswert 10 Pfg. ev
hoben. Das Kulturamt ſoll baldigſt mit der Ausſührung der Kanaliſg=
tion
in der Erbacher und Dieburger Straße beginnen. 4. In die So=
zialrentnerkommiſſion
iſt an Stelle des verſtorbenen Michael Hanſtein I.
ein neuer Beſitzer zu wählen. Es wird Johs, Hanſtein III. beſtimmt.
L. Michelſtadt, 9. Febr. Ausdem Gemeinderat. Unter Mit=
teilungen
gab der Bürgermeiſter ein Dankſchreibem des Prof. A. Hart=
mann
=Darmſtadt für die ihm anläßlich ſeines 60. Geburtstages übermit=
telten
Glüchwünſche bekannt. Prof. Hartmann iſt bekanntlich Ehren=
bürger
der Stadt Michelſtadt. Kapitalerhöhung der Wohnungsfür=
ſorgegeſellſchaft
: Die Stadt gehört der Wohnungsfürſorgegeſellſchaft als
Mitglied an. Der Gemeinderat ſtimmt der von der Geſellſchaft geplan=
ten
Kopitalserhöhung zu, wünſcht jedoch ſeinerſeits keine höhere Ein=
zahlung
zu leiſten. Die Verpachtung der Michelſtädter Jagd verurſacht
wiederum eine große Debatte. Schließlich einigte man ſich darauf, die
Neuverpachtung der Jagd zunächſt noch bis zum 1. Juli 1928 zurückzu=
ſtellen
. Zur Vorbereitung der Rechnung des Städt. Krankenhauſes
für das Rechnungsjahr 1926 wurde ein Ausſtandsverzeichnis, ein Ver=
zeichnis
der erzielten Ueberſchüiſſe und der Mehrausgaben genehmigt.
Die Rechnung des Städt. Waſſerwerks, für das Rechnungsjahr 1926
wurde gleichfalls durch die Genehmigung eines Ausſtandsverzeichniſſes
und eines Verzeichniſſes von Mehrausgaben vorbereitet. Ebenſo die
Rechnung des Städt. Elektrizitätswerks für das Rechnungsjahr 1926, aus
der 20 000 Mk. Ueberſchuß aus der Elektrizitätsverſorgung an den
Stadtrechner abgeführt wurden. Ein wichtiger Punkt betraf die Maß=
nahmen
zur Beitreibung von Rüchſtänden, wie Gas= und Stromgelder.
Hier beſchloß der Gemeinderat einſtimmig, daß bei allen ſäumigen Zah=
lerne
die Leitung nach 3 Monaten abgetrennt werdem ſoll. Der Vor=
ſitzende
vevwies dabei auf die bedauerliche Tatſache, daß die Ausſtändo
der Stadt zurzeit rund 180 000 Mark betragen. Der Gemeinderat wird
ſich mit dieſer Frage nach den Mitteilungem des Bürgermeiſters noch
näher beſchäftigen. Die Betriebsleitung des Elektrizitätswerks bean=
tragt
einen Telephonanſchluß für den erſten Monteur Croiſſant. Der
Gemeinderat ſieht von einem Nebenanſchluß ab und bewilligt die Koſten
eines Hauptanſchluſſes. Ebenſo werden die Koſten des Telephons des
Brunnenmeiſters übernommen. Dem Turnverein wird, wie in frühe=
ren
Jahren, die Grundſteuer, die auf dem Turnplatz ruht, erlaſſen.
Joſef Herrmann hat die Gaſtwirtſchaft von J. Künzel in der Neutor=
ſtraße
übernommen. Zur Erteilung der Konzeſſion wird die Bedürfnis=
frage
von dem Gemeinderat bejaht. Unter Verſchiedenes ſtimmte der
Gemeinderat der Neuanlage des Brandkataſters und der Neunumerie=
rung
der Häuſer zu. Zu Ehren des Staatspräſidenten Ulrich beſchloß
der Gemeinderat einſtimmig, eine Straße in Michelſtadt Karl Ulrich=
Straße zu benennen.
D. Biblis, 8. Febr. Gemeinderatsſitzung. In der letzten
Gemeinderatsſitzung ſtanden fünf, zum Teil außerordentlich wichtige
Punkte auf der Tagesordmung. Bei Punkt 1 befaßte man ſich ein=
gehend
mit der Beitragsentrichtung für den Langengrabenverband, und
wurde die Umlegung dieſes Beitrages auf die einzelnen Grundbeſitzer
abgelehnt. Weiter wurde beſchloſſen, wegen der hohen Beitragsleiſtung
der Gemeinde Biblis an den Langengrabenverband überhaupt, in einer
Beſchwerdeſchrift den Standpunkt der Gemeinde darzulegen, zumal doch
gerade die Gemeinde Biblis eigentlich nicht überaus viel von dem gan=
zen
Unternehmen habe, aber zahlend an der Spitze ſtehe. Weiter wurde
beſchloſſen, in der Viktoriaſtraße ſowie in der Pfadgaſſe neues Straßen=
gelände
anzukaufen, und zwar in der verlängerten Viktorigſtraße bis
zur nächſten Querſtraße, und in der Pfadgaſſe bis zum letzten neuerbau=
ten
Wohnhaus. Da durch die Verlängerung der Viktoriaſtraße ver=
ſchiedenes
Gelände freigelegt wurde, ſoll nunmehr dasſelbe ordnungs:
gemäß eingefriedigt werden. Weiter wurde beſchloſſen, zur Herſtellung
eines Fußſteiges in der Viktoriaſtraße Schlacken und Kies anzufahren.

Seeheim a. d. B., 9. Febr. Der Polizei= und Schutz=
hundeverein
Seeheim hält am 11. Februar, abends, ſeinem
1. Kappenabend nach Meenzer Art mit darauffolgendem Tanz ab. Der
Abend verſpricht genußreich zu werden, und jeder Beſucher wird befrie=
digt
nach Hauſe gehen. Für bequeme Autobusverbindung iſt geſorgt.

Die Arbeiten in den Geneindeverwaltungen

I. St. 2297

A
Adt

diu

von joher das Hymbol höchſter Leiſtung- verpflichtet auch im Wirtſchaftsleben zu immer neu=
er
Kraſtentfaltung. Unſere

ASTOR-HAUS GK

BLAU PUNKT 8/8

SoLiOT D!
EINEUE ARBEIT
M
enthäſt in neuer Arbeit: nicht nur alles Köſtliche, was der Orient an Cabaken zu bieten
vermag; ſie iſt auch mit jener zielbeuzußten Schaffensfreude hergeſtellt, die-verbunden
mit ſtarkem Können-alſein zu höchſter Liſtung befähigt.- Saßorf-Astoria Zigarettenfabrik A.-G

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Seite 8

Freitag den 10. Februar 1928

Nummer 41

Bk. Groß=Zimmern, 9. Febr. Verſteigerung der Gemeinde=
feldjagd
. Laut Gemeinderatsbeſchluß kanr die hieſige Feldjagd meiſt=
bietend
zur Verſteigerung. Die Taxation des Gemeinderats belief ſich
auf 3600 Mark. Nachdem das Höchſtgebot für den ganzen Jagdbezirk
nur 2600 Mauk ergah, wurde bei Ausbietung in dwei Bezirken für den
erſten Bezirk 1430 Mk. für den zweiten 1305 Mk. und für den dritten
875 Mk., zuſammen 3610 Mark geboten. Sämtliche Höchſtgebote, welche
die Taxation des Gemeinderates noch um 10 Mk. überſteigen, wurden
von den beiden Gebrübern Mah=Groß=Zimmern, den Inhabern der be=
kannten
Seifenfubrik, hier und dem Frankfurter. Bankier Mankowicz
abgegeben. Der Zuſchlag wurde erteilt. Bemerkenswert iſt, daß die
Familie May ſchon drei Generationen hindunch im Beſitze der hieſigen
Feldjagd iſt. Es iſt ſehr zu begrüßen, daß die hieſige Feldjagd auch
weiterhin von weidgerechten Jägern behütet wird.

Dieburg, 8. Febr. Arbeicsmarktbericht des Arbeits=
amtes
Dieburg. Die Vermittlungstätigkeit wurde gleich zu Be=
ginn
des Januar lebhafter, und zwar konnten der Landwirtſchaft
füngere Fachkräfte vermittelt werden. Während im Metallgewerbe in
der erſten Januarhälfte noch ein anhaltender Zugang zu verzeichnen
war, konnten bereits Mitte und Ende Jamuar größere Vermittlungen
nach der Firma Opel=Rüſſelsheim getätigt werden. Das Spinnſtoff=
gewerbe
hat inſofern einen bedeutenden Zugang erfahren, als die Stvick=
warenfabriken
unſeres Beziuks größere Entlaſſungen vornahmen. Die
Arbeitsmarktlage war weiter ungünſtig in der Ledermduſtrie, im Holz=
und Schnitzſtoffgewerbe und im Bekleidungsgowerbe. Unter dem Ein=
fluß
der müden Witterung konnten bereits ſchon nach Neujahr, eine
größere Anzahl Bauhandwerker, insbeſondere Maurer und Pflaſterer,
ihre früheren Arbeitsſtellen wieder beziehen. Am 1. Februar 1928
waren vorhanden: Stellungsfuchende: 2574 (gegen 2318 am
4. Jan.), davon ſind 2513 Männer (2134) und 261 Frauen (184).
Unterſtützungsempfänger: In der Arbeitsloſenverſicherung
waren vorhanden: 1353 Männer (1594), 176 Frauen (150), zuſammen
1529 (1744). Kriſenunterſtützte: 70 Männer (43), 8 Frauen
(3), zuſammen 78 (46). Vermütlungen wurden im Aonat Januar ge=
tätigt
: 581 männliche und 45 weiblihe.
r. Babenhauſen, 8. Febr. In den Hirchen der Nachbargeweinden
Sickenhofen und Hergershauſen fanden Orgelandach=
ten
ſtatt, die der Orgelvirtuoſe, Herr von der Au aus Mainz, ver=
anſtaltete
. Er trug mit religiöſer Beſeeltheit und Meiſterſchaft Kom=
poſitionen
von Bach, Händel, Mendelsſohn=Bartholdy, Schumann, Liſzt,
Rheinberger und Reger vor. Die Stücke waren von dem Orgelvirtuoſen
ſo gewählt und angeordnet, daß ſie einen Dunchſchmitt dunch das Gvan=
gelium
dem Sinne nach darboten. Zwiſchen den einzelnen Orgelſticken
ſang die Gemeinde oder der Künſtler, ſo daß mit einer Anſprache des
Geiſtlichen zuſammen das Ganze den Charakter eines ſelten feierlichen
Gottesdienſtes trug.

Reichelsheim i. O., 9. Febr. Am Sonntag, 12. Februar feiern
der Zugführer i. R. Heinrich Wörtge und ſeine Ehefrau, geb. Roßler,
in voller Rüſtigkeit das ſeltene Feſt der Goldenem Hochzeit.
Reichelsheim k. O., 9. Febr. Henny Porten im Hofpital.
Eine erſchütternde Szene ſpielte ſich kürzlich in einem Budapeſter Hotel
ab. Eine funge Frau, die dem Hotelbrande glücklich entronnen war, er=
fuhr
vom Arzt, daß ſie Mutter ſei. Der Gatte war mit ſeiner Geliebten
in den Flammem umgekommen. Dieſe Szene ſpielt Henny Porten mit
ungeheuver Plaſtik in dem neueſtem Porden=Froelich=Film der Parufamet
Die Flammen lügen, der am 12. d. M. im hieſigem Kino zur Auffüh=
rung
gelttgt.
Al. Höchſt i. Odw. 7. Febr. Der Kriegerverein Höchſt i. O. veran=
ſtaltete
im Sale des Gaſthauſes Zur Burg Breuberg einen von echt
kameradſſhaftlichem Geiſte erfüllten Theaterabend mit Ball. Nachdem
die Kapelle Kehrmann=Heubach den Abend durch einen flott geſpielten
Marſch eingeleitet hatte, erfolgte die Bagrüßungsanſprache durch den
1. Vorſitzenden, Herrn K. Ruppert. Hienauf dankte Herr R. Schlich
im Namen des Deutſch=Ordens für die am denſelben ergangene Ginla=
dung
. Einigen Muſikſtücken folgte die Aufführnug des Schauſpiels Der
Fremdenlegionär‟. Die Darſteller endledigten ſich ihrer Rollen alle in
muſtergültiger Weiſe. Der militäriſche Schwauk Leutnant Friedrich
löſte Lachſalven aus. Die Generalverſammlung des
Ortsgewerbevereins Höchſt, welche im Hotel Zur Poſt
ſtattfand und ſehr gut beſucht war, nahm einen glatten Verlauf. Herr
Buchdruckereibeſitzer Ph. Probſt begrüßte in ſeiner Eigenſchaft als
1. Vorſitzender die Anweſſenden. Bei der Neuwahl des Vorſtandes
wurde derſelbe in ſeiner Geſamtheit wiedergewählt.
König, 8. Febr. Der Odenwaldklub feierte ſein Deko=
rierungsfeſt
, verbunden mit Familienabend des Kurvereins,
im Saale des Hotels Tveſer. Die mit Tannengwin geſchmückten Näume
waren dicht beſetzt. Die Muſik ſtellte die Kurkapelle Lehr=Weißgerber in
voller Beſetzung und bekannter Güte. Nach der Ouvertüre aus Der
Zigeunerbaron von Strauß klang der Chor der Mädchen=Jugendgruppe
In die blühende Welt, geleitet von der Führerin Fräulei Schwöbel,
herzerfreuend dunch den Raum und erntete, wie der Gedichtvortrag
Natur und Wandern von Fräulein Bonn reichen Beifall. Der Vor=
ſitzende
Nektor Schäfer entwickelte nach Begwüßungl der Mitglieder
und Familienangehörigen, der Gemeindeverwaltung und der Vertreter
der Nachbarortsgruppen ein warmes Bild von Heimatarbeit, Heimat=
liebe
und Heimweh als innere Träger unſeres hehren, heiligen Gefühls
der Vaterlandsliebe. Innerlich mitgefühlt, drang aus Herz und Mund
der Feſtgäſte begeiſtertes Friſch auf! der Heimat, dem deutſchen Vater=
land
, und anſchließend gemeinſam das Lied Im Odenwald bim ich da=
heim‟
. Ein herzliches Begrüßungstelegramm des Schriftführers in dem
Hauptausſchuß, Dr. Götz=Darmſtadt, der ſelbſt hatte kommen wollen,
aber diemſtlich verhindert war, wurde verleſen und danrbar aufgenom=
men
. Grüße und Glüchwünſche brachten dann Herr Beigeordneter Kel=
ler
ſür die Gemeindeverwaltung, Herr Lehver Deltau für die Orts=
gruppe
Kirch=Brombach und Herr Lehrer Höreth für die Ortsgruppe
Mümlimg=Grumbach, hier beſonders die treue Wanderfreundſchaft be=
gyüßend
. Nach einem flotten Xylophonvortrag (mit Oncheſterbegleitung)
Maiglöckchen, ausgeführt von dem jungen Xhlophonkiſtler Jean
Trumpfheller, ging nun, äußerſt flott und feinſinnig geſpielt, das Oden=
wald
Luſtſpiel Das Lieschen von Hans Otto Becker, unſerem beliebten
Heimatdichter, über die Bretter. Die Darſteller: Frl. Schwöbel, Dina
Müller, Gretel Daum, die Herren Ad. Friedrich, Michael Müller Hch.
Daum und Georg Hammann gaben in Darſtellungsform und Sprache
dem Luſtſpiel vollen Erfolg. Nach dem Wanderrückblick, in launiger,
humorvoller Weiſe verfaßt und vorgetragen von Herrn Otto Müller,
und dem feenhaften Schneeflöckchen=Tanz der Mädchen=Jugendgruppe,
in wechſelnd buntem Licht beleuchtet durch den Lichtkünſtler Berle,
und am Klavier begleitet und geleitet von der bewährten Führerin,
nahm der Vorſitzende die Dekorierung der 17 eifrigſten Wanderinnen
und Wandever vor. Nach dem Dankeswort der Dekorierten, ausgeſpro=
chen
durch den Mitwandever Lehrer Wolf=Zell, kamen dann die Jungen
und die Alten? zum erwarteten Tanz und froher Klubſtimmung.
Ai. Vielbrunn, 8. Febr. Odenwaldklub. Ein ſonnenklarer
Wandertag war uns zu unſerer zweiten diesjährigen Wanderung be=
ſchieden
. Eine ſtattliche Anzahl Teilnehmer ſetzte die Wanderſtiefel in
Richtung Weitengeſäß in Bewegung, um dann im Walde rechts abbie=
gend
den Kurs nach unſerem Wanderziel, dam ſchon zur Zeit Einhards
bekannten Momart, damals Mamenhart, zu nehmen. Von dort bot ſich
ein herrlicher Fernblick in das Mümlingtal und darüber hinaus. Im
Saale Zur Poſt wurde Raſt gemacht, und bald fand ſich Alt und Jung
aus Momart ein; manche alte Bekannte ſchüttelten ſich die Hand und
tauſchten Jugenderinnerungen aus. Herr Lehrer Zink erf=eute uns
durch Geſangsvorträge, obenſo der Geſangverein Momart, und bei an=
vegender
Unterhaltung verging die Zeit vur zu mſch. Bürgermeiſter
Schäfer dankte mit herzlichen Worten für den ihnen abgeſtatteten
Beſuch und bedauerte, daß derſelbe nicht länger ausgedehnt werden
konnte.
L. Michelſtadt, 9. Febr. Um die Oberrealſchule. Wieder
einmal beſchäftigte ſich der Gemeinderat in ſeiner Sitzung vom 7. Febr.
mit dem Schickſal der Oberrealſchule Michelſtadt. Es iſt unerhört, daß
ſeit Jahr und Tag nach einer geſetzlichen Neuregelung verlangt wird,
die die Exiſtenz ſo wertvoller Bildungsinſtitute wie der einzigen höhenen
Lehranſtalt des hinteren Odenwalds ſicherſtellen ſoll. Noch immer iſt
nichts geſchehen. Nun ſteht das neue Schuljahr vor der Tür und noch
weiß niemand, wer dieſe Koſten aufbringen ſoll. Der Kreis Erbach hat
bis jetzt 75 Proz. der der Stadt zur Laſt gelegten Koſten übernommen,
die Stadt ſelbſt 25 Prozent. Dieſe Verteilung entſpricht der Schüler=
zahl
, da nur 25 Prozent der Schüler aus Michelſtadt kommen. Der
Gemeinderat hat ſeine Bereitwilligkeit, die Oberrealſchule zu erhalten,
durch demn einſtimmigen Beſchluß zum Ausdruck gebracht, im ſeitherigen
Umfange zu den Koſten der Oberrealſchule auch fernerhin beizutragen.
b. Erbach i. O., 9. Febr. Generalverſammlung des
Männergeſangvereins Liederkranz Erbach. Der
Semor der Erbacher Vereine hielt am geſtrigen Abend ſeine diesjährige
Generalverſammlung im Saale des Vereinslokals Zum Eck ab. Der
Nachner, Sangesbruder Otto Müller, gab den Rechenſchaftsbericht. Die
Nechnung ſchließt i Einnahme mit 1832,54 RM., in Ausgabe mit
1777,04 MM., mithin mit einem Ueberſchuß von 55,50 RM. ab. Das
Vermögen des Vereins ſetzt ſich aus einem Guthaken bei der Bezirks=
ſparkaſſe
Erbach in Höhe von 859,10 RM. und einem baven Kaſſenbeſtand
von 55,50 MM. zuſammen, beträgt ſomit 914,60 RM. Die Rechnung wird
bei der Prüfung für richtig befunden und dem Rechner mit dem Aus=

Aus dem Ried./Gang durch den Winterwald

* Je mehr ſich in uſever reuen Zeit Wohlſtand und Kunſt gehoben
haben, je mehr wir alle durch Kultur unſerer unſprünglichen Umgebung,
der Natur, mit der unſere Ureltern einſt eng verbunden lebten, ent=
rückt
wunden, deſto mehr erwacht die Sehnſucht nach ihr und ihren Ge=
bilden
. Hier iſt es vor allem der Wald, der herrliche Hoch= und Nadel=
wald
, der in der Wertſchätzung des Menſchen ſeit uralten Zeiten be=
ſteht
und in Dichtung, Kunſt, Sage und Geſchichte jeglichen Jahrhun=
derts
ausgedrückt iſt. Wer nun den deutſchen Hoch= und Nadelwald im
Frühjahr, Sommer und Herbſt ob ſeiner ſchönen Farbenpracht, ſeiner
lauteven Fröhlichkeit der Bewohner des Tierreiches, durzum ſeines
lieblichen Aufenthalts willen liebt, iſt tief ergriffen von der Majeſtät
der gewaltigen Eichen und Buchen, in deren laubloſem Gezweig ſich
Eichhorn und Buchmarder jagen. Wir betveten nach halbſtündiger Wan=
derung
über bemooſte Wieſen den wie ausgeſtorben ſcheinenden Wald.
Gleich rieſigen Säulen am Hauptportal eimer Kinche ſtehen zwei mächtige
Eichen am Eingang des gewaltigen Naturdomes, und wilder Grfeu
rankt ſich an den gewaltigen Stmmen in die Höhe. Waldhaſen und
vereinzelt auch Rehe huſchen aufgeſchveckt ins nahe Gehege, ſonſt herrſcht
allenthalben Grabesſtille. Da, ein Raſcheln im nahen Unterholz, ein
kleiner roter Klumpen ſauſt wie ein Pfeil auf den unterſten Aſt der
nahen Eiche, ein großes braunes Etwas folgt umgehend. Wir erken=
nen
, ein Buchmarder jagt ein Eichhorn. Das Schauſpiel, das ſich uns
jetzt darbot, war ebenſo ſchön wie ergreifend; denn was beide Tiere an
Schnelligkeit leiſteten, iſt keum zu beſchreiben. Vom höchſten Wipfel
ſauſt das Eickhörnchen auf die unterſten Aeſte, aber immer wieder war
ihm der ſchlanke Räuber des Waldes auf den Ferſen. Auch unſer lautes
Geſchrei ſowie das Werfen mit Holzſtücken half nichts, der Räuber ließ
ſich nicht beirven, und ſchon gaben wir das mitunter ſchreiende Eich=
hörnchen
für verloren, da eine Detonation, und wie der Blitz ver=
ſchwand
der Räuber ins Unterholz, während das Eichhörnchen wie ge=
lähmt
im ea. 10 Meter Höhe an einem Aſte hing jedoch nun auch ſchnell=
ſtens
das Weite ſuchte. Auch wir waren im erſten Moment erſchrocken,
wußten jedoch ſofort, eine Spwengung der Holzmacher hatte dem Eich=
hörnchen
das Leben gerettet. Nachdem wir uns verſichert hatten, daß
eine weitere Sprengung nicht vorlag und das Sprenggebiet auch immer
geſichert iſt, ſetzten wir uns an das Lagerfeuer der Holzhauer, die ohne=
hin
gleich daauß Mittag machten. Unmittelbar an einer mächtigen
Buche war der Waldboden vom Laub geſäubert und große Holzſcheite

gvenzten das Feuer ein, die gleichzeitig als Sitzgelegenheit dienten. Eing
kleine Pulle Kognak brach das Schweigen, das minutenlang vorherrſchte,
und die große Leutſeligkeit dieſer rauhen Waldmenſchen brach ſich Bahn.
Wir alle haben ſchon von Lagerfeuern in den großen Steppen Auſtra=
liens
oder von denen der amerikaniſchen Cowboys geleſen, doch glaube
ich nicht, daß das der Holzmacher jenen etwas nachgibt. Auch hier wer=
den
Geſchichten aufgetiſcht, daß ſich die Haare ſträuben, und alles natür=
lich
mit blutigem Ernſt. Dann ſind vor allem die kleinen Neckereien,
die dieſe Leute immer und immer wieder erſinnen und ſchon am fyühen
morgen beginnen. Da iſt Franz, der ſtets verſchmitzt Lächelnde, der
immer den alten Johann aus den Federn heben muß. Eines ſchönen
Morgens hängt er ihm die Unterhoſe ſeiner Alten an den Haken, der
zum Tragen des Handbeils dient und hinten am Gürtel befeſtigt iſt;
außerdem ſteckt er ihm noch einen Kinderſchuh in die htigen Stiefel
und drängt nun eiligſt zum Aufbruch. Der Alte, noch halb im Schlaf,
merkt nichts lediglich ſein rechter Stiefel drückt ihn gewaltig. Die
Partie, meiſtens beſtehend aus 810 Mann, ſammelt ſich am Ortsaus=
gang
, und unter Witz und Humor gehts dem harten Tagwerk entgegen.
Verpaßt du dich auch und gibſt einem dieſer Leute deime Tabakspfeife,
ſo kannſt du ſchon nach wenigen Minuten ein blaues Wunder erleben.
Man füllt dir dann nämlich Sprengpulver in den Pfeifenkopf, ſtopft
Tabak dazwiſchen, und während du die angerauchte Pfeife in Seelen=
ruhe
weiterrauchſt, erplodiert plötzlich der ganze Kram, und dein
Schnurrbärtchen, ſo du eins haſt, iſt abgeſengt. Beſtimmt aber hat man
dir zum Schluſſe noch die Pfeifenröhre mit Reiſighölzchen verſtopft, ſo
daß du ziehen kannſt wie ein Gaul, aber die Pfeife zieht nicht. Man
darf alſo nicht denken, daß dieſe Schwerarbeiter ihr hartes Los am
Lagerfeuer bejammern, ja gerade das Gegenteil iſt meiſt der Fall. So
machen auch wir uns wieder nach einſtündiger Raſt auf die Socken, quer
durch den ſonſt ſtillen Wald nach dem Forſthauſe Jägersburg zu. Hier
in der altertümlichen Wirtsſtube, im der noch die alte Petroleumlampe
ihr ſpärliches Licht ſpendet, tiſcht uns des Förſters liebliches Töchverlein
kräftig auf und wir tuen unſerem Bärenhunger Genüge. Die neueſten
Schlager eines Grammophons belehren uns, daß wir nicht ganz außer
der kultivierten, modermen Welt ſind, und auf Schuſters Nappen machen
wir uns auf den Heimweg. Im Dämmerlicht ſehen wir noch manches
Reh und etliche Waldhaſen die Lichtungen kreuzen, und mit einem letztem
Lebewohl ſcheiden wir vom herrlichen Winterwald. Hebling.

druck des Dankes für ſeine Arbeit Entlaſtung erteilt. Es kommt nun
zur Vorſtandswahl. An Stelle des im verfloſſenen Jahre verſtorbenen
Herrn Scior wird Herr Wilhelm Volk zum 1. Vorſitzendem gewählt.
Herr Clement, der ebenfalls vorgeſchlagen war, lehnte ab. Aus dem Vor=
ſtand
ſchieden aus die Herven Karl Müller, Robert Gebhardt, Friedrich
Eich, H. Bvand, W. Volk und Rektor Schulz (pnſſit). Als Vertreter des
akticbem Chors wurden wiedergewählt die Herrem Müller, Gebhardt,
Eich, Brand, neu wurdem gewählt die Herrem Klingler und Clement und
als Vertreter der paſſiven Mitglieder Herr Rektor Weber, der jedoch er=
klärte
, die Wahl ablehnen zu müſſen. Für ihn trat Herr Oberbahnſekre=
tär
Schöpp ein. Unter Verſchiedenes gibt der 1. Vorſitzende bekannt,
daß das diesjährige Wertungsſingen am 13. Mai d8. J8. in Kirch= Brom=
bach
ſtattſindet. Der Verein mimmt daran teil. Außerdem ſollen im
Laufe des Jahres die Sängerfeſte in Steinbuch, Heſſelbach und Langen=
Brombach beſucht werden. Wegen der Teilnahme am Deutſchen Sänger=
feſt
in Wien ſoll nochmals eine Beſprechung zwiſchen dem Intereſſenten
ſtattfinden. Bezüglich der Neparatur des Flügels, die zirka 500 RM.
koſten ſoll, wird beſchloſſen, verſchiedene Koſtenvoranſchläge einzufordern.
Der Betrag foll durch Anteilſcheine unter den Mitgliedern aufgebracht
werden, die in den nächſtem Jahren wieder ausgeloſt wenden. Die Ver=
ſammlung
wurde um 12 Uhr geſchloſſen. Im Gaſthaus Zum Eck
fimdet am Sonntag, den 12. d2. Mts., ein großer Preismaskenball ſtatt.
Im Auftrag der Odenwälder Vereinigung für Kunſt und Wiſſenſchaft
ſpricht am Freitag, den 10. Februar, in Stockheim (Zum Anker) Herr
Pfarrer Dames=Rimbach über Probleme des Todes und des Jenſeits.
Das Kreisamt Erbach verweiſt auf Artikel 39 Ziffer 2 des Feldſtraf=
geſetzes
, wonach derjenige, der Tauben zur Saat= oder Erntezeit inner=
halb
des durch die Ortspolizeibehörde beſtimmten und örtlich bekannt
gemachten Zeitraumes nicht eingeſchloſſen hält, mit einer Geldſtrafe bis
zu 30 RM. oder mit Haft bis zu einer Woche beſtraft wird.

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Bn. Hirſchhorn, 7. Febr. Generalverſammlung das
Kathol. Männervereins. Im dichtbeſetzten Saale des Gaſt=
hauſes
Zur Krone zu Hirſchhorn fand die Generalverſammlung des
Kathol. Männervereins ſtatt. Der erſte Vorſitzende Herr Malermeiſter
Weis begrüßte die zahlreich erſchienenen Mitglieder und insbeſondere
aber Herrn Stadtpfarrer Steher aus Gberbach, der gekommen ſei, um
die Anweſenden mit einem Vortrag zu beehren. Der anſchließend von
dem Rechner Herrn Rektor i. R. Riegel vorgetragene Rechnungs=
bericht
wurde richtig befunden. Dem Rechner wurde durch den Vor=
ſitzenden
für ſeine mühevolle jahrelange Tätigkeit im Verein als Ehren=
mitglied
eine Ehrenurkunde überreicht. Durch den Beitritt vieler junger
Männer hat der Mitgliederſtand eine Zunahme von 26 erhalten und
iſt ſomit auf die Zahl von 242 geſtiegen. Bei der Vorſtundswahl wur=
den
die ſatzungsgemäß ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder einſtimmig
wiedergewählt. In dem lehrreichen und intereſſanten Vortrag des
Herrn Stadtpfarvers Steyer=Eberbach über die traurige Chriſten=
verfolgung
in Mesiko kam der Redner auf die Verhältniſſe in Mexiko
von der Entdechung durch die Spanier bis zur heutigen Zeit zu ſprechen.
Hirſchhorn, 9. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
8. Februar 1,29 Meter, am 9. Februar 124 Meter.
Ag. Lindenfels, 7. Febr. Wanderer=Auszeichnungsfeſt.
Wenn die Odenwaldklubwanderer am Ende ihrer Jahreswanderungen
angelangt ſind, dann wird zu einem großen Familienfeſt eingeladen
das man kurzerhand Dekovierungsfeſt nennt. Groß und klein, alt
und jung, Männlein und Weiblein, frohe Gäſte und Feſtfreunde fanden
ſich nun im Hotel Odenwald ein, um dieſes alljährlich wiederkehrende,
kaum abzuwartende Familienfeſt feierlich und würdig zu begehen. Das
Erſcheinen im Wanderanzug trug ſchon ſeit Jahren zur Gemütlichkeit
bei, und die Ortsgruppe Lindenfels hat es verſtanden, durch gegenſeiti=
gen
Beſuch ihrer Nachbargruppen dieſe auch zum Beſuch hierher zu
gewinnen. So waren denn die Vertreter von Neunkirchen, Gadernheim
und Hammelbach hierher gepilgert; der Zentralausſchuß hatte einen
ſeiner Beſten, Herrn Ludwig Böhringer, beauftragt, die Grüße von der
Reſidenz warm zu überbringen. Die Feſtfolge wurde eröffnet mit einem
Begrüßungsmarſch, wonauf der erſte Vorſitzende. Herr Leonh. Hoffmann,
ſeine Wandergäſte aufs herzlichſte begrüßte. Ein altes Lied. Wo die
alten Eichen rauſchen brauſte nun durch den Saal, der dekorativ durch
eine prachtvolle Büühne und Tannengrün zur Belebung weſentlich bei=
trug
. Die Theateraufführung Der Kaktusfreund, welche durch lokale
Einlagen verbeſſert zur Aufführung gelangte, zeigte unſere Linden=
felſer
Theaterſpieler erneut auf der Höhe. Den Höhepunkt des Abends
bildete nun die Auszeichnung der Wanderer mit dem Goldenen‟. Der

erſte Vorſitzende nahm die Auszeichnung vor, nachdem er zuvor noch
eine zu Herzen gehende Weiherede hielt, die in aller Herzen aufs beſte
aufgenommen wurde. Das goldene Klubabzeichen wurde zum 1., 2.,
4., 5., 7. und 10. Male verliehen, und anſchließend daran das Deutſch=
landlied
geſungen.
Bb. Bensheim, 8. Febr. Die neuerbaute Leichenhalle, mit
deren Bau auf dem nördlichen Teil des alten Friedhofs im Juli vori=
gen
Jahres begonnen wurde, iſt fertiggeſtellt; ſie enthält einen Leichen=
rauim
für mindeſtens ſechs Tote, einen Leichenſchauraum, einen Sektions=
raum
mit den nötigen ſanitären Einrichtungen, ein Gerichtszimmer und
eine Iſolierzelle für Perſonen, die an anſteckenden Krankheiten verſtor=
ben
ſind. Es iſt eine Erweiterung vorgeſehen, ſo daß der Neubau nur
eine Teilausführung der proiektierten Gebäulichkeiten darſtellt. Der
Beſitzer des hieſigen Lichtſpielhauſes hat von den Fritzmann=
ſchen
Erben ein in der Rodenſteinſtraße gelegenes Anweſen käuflich
erworben und beabſichtigt, daſelbſt eine Kulturbühne zu errichten,
die wiſſenſchaftlichen und belehrenden Zwecken zu dienen beſtimmt iſt.
Von anderer Seite wird außerdem der Neubau eines weiteren Licht=
ſpielhauſes
in der Hauptſtraße geplant, ſo daß man ſich in Bensheim
demnächſt gewiß nicht über unzureichende Kinotheater beſchweren kann.
Der engere Ausſchuß des Zweckverbandes Bahnbau
BensheimLindenfels, tagte letzter Tage zu einer perſönlichen
Fühlungnahme im hieſigen Rathausſaale mit Mitgliedern des Aufſichts=
rates
des Gruppen=Gas= und Elektrizitätswerkes Bergſtraße, A. G. Die
Verhandlungen ergaben, daß das Projekt einen weiteren Schritt vor=
wärts
dadurch genommen hat, daß maßgebende wirtſchaftliche Verbände
der Stadt Worms, ſo die Induſtrie= und Handelskammer, ſich lebhaft
für den Bahnbau intereſſieren und finanzielle Beteiligung zugeſichert
haben.
Gernsheim, 9. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
8. Februar 5 Zentimeter, am 9. Februar 7 Zentimeter.
Nauheim, 7. Febr. Der Turnverein 1888/94 hielt ſeine General=
verſammlung
ab. Der erſte Vorſitzende Berz gebachte zunächſt der Ver=
ſtoubenen
: des 1. und Oberturnwarts der D.T. Max Schwarze und
des Wanderwarts Peter Jüngling. Der Verein kann mit Befrie=
digung
auf bas verfloſſene Vereinsjahr zurückblicken. Mit den Orts=
tireinen
und der Gemeinde ſteht er in gutem Einvernehmen. Die Be=
tätigung
des Vereins war recht lebhaft. Neu beigetreten ſind 29 Mit=
glieder
. Die Zahl der Ehrenmitglieder iſt 13, 6 Mitglieder haben den
Gau=Ehrenbrief und 44 den Vereins=Ehrenbrief erhalten. Die Ein=
nahmen
belaufen ſich auf 6352,79 RM., die Ausgaben betragen 6027,51.
RM., der reine Ueberſchuß beträgt demnach 325,28 RMM., zu berückſich=
tigen
iſt noch, daß aus den Betriebseinnahmen ea. 600 RM. zur Ein=
zuunung
des Turnplatzes verwendet wurden, ſo daß der Ueberſchuß aus
den Betriebseinnahmen beinahe 1000 RM. be=rägt. Der Voranſchlag
und Haushaltsplan für 1928 wurde in Einnahme und Ausgabe mit je
3193,25 MM. feſtgeſtellt. Bei der Wahl des Vorſtandes wurde der ſeit=
herige
1. Vorſitzende Berz wieder gewählt. Der ſeitherige 2. Vor=
ſitzende
Keitzer übernahm das Amt als Gefangs= und Wanderwart.
2. Vorſitzender wurde Ph. Engroff, 1. Schriftführer Ph. Kaul 14.,
2. Scheiftfihrer Ph. Schad, 1. Rechner Ludwwig Griesmann, 2. Rech=
ner
Jakob Kaul, Oberturnwart Jakob Schaffner, Turnwarte: Hans
Fiſcher, Heinr. Schupp, Heinz. Haber, Georg Sünner 2., Spielwart;
Gg. Sünner 1., Zeugwarte Adam Sünner und Peter Mohnerk. Muſik=
wazte
P). Miſchlich und Adam Müller. Preſſe= und Werbewart H. Aſſel.
Altibe Beiſitzer: Johs. Naditong, Johs. Schmidt. Adam Steinmann.
Inaktive Beiſitzer: Georg Dammel, Johann Dammel und Adam Kin=
Linger. Als Kaſſierer wurde der rührige Ph. Miſchlich wiedergewählt.
Als Abgeordnete zu dem Gauturntag ſind die beiden Vorſitzenden, der
Reehner und der Oberturnwart vorgeſehen. Rechnungsprüfer für 1928
ſind Peter Müller, Jakob Grüling und Ph. Ackermann. Anläßlich der
Gauturnfeſte am 17. Juni 1928 in Büttelboun und Biſchofsheim wurde
beſchloſſen, daß ſich der Verein am Feſte ſeines Geues in Büittelborn
beteiligt. Am Deutſchen Turnfeſt in Köln vom B. bis 29. Juli 1928
beteiligt ſich eine große nAzahl Turner. Am 60jährigen Jubiläum des
Geſangvereins Eintracht beteiligt ſich der Verein ebenfalls. Dem Tag
des 40jährigen Beſtehens des Turnvereins wird der Verein in Form
eines ſchlihten Vereins=Ehrenabends gedenken.
z. Trebur, 7. Febr. Große Feldbereinigung. In dem
Gemarkungsteil der Riedentwäſſerung ſind die Feldbereinigungsarbeiten
ſoweit gediehen, daß die Grundſtücke im kommenden Heubſt am die neuen
Beſitzer übergeben werden können; hier handelt es ſich um etwa 3500
Morgen. In dem übrigen noch 5500 Morgen großen Gemarkungsteil
ſind auch bereits die Bereinigungsarbeiten gemacht worden. Die Grund=
ſtücke
werden vorausſichtlich 1931 den negen Beſitzem übergeben werden
können.
Rheinbeſſen.
Ad. Oppenheim, 6. Febr. Katharinen=Kirche. Schädigende
Einflüſſe der Witterung, die ſich in der letzten Zeit beſonders an der
Weſt= und Nordſeite der Katharinen=Kirche bemerkbar machten, wurden
dadurch behoben, daß an den genannten Wänden durch einen Oppen=
heimer
Bauunternehmer zementierte Abflußgräben hergerichtet wurden.
Außerdem hat man dem Bodenraum zwiſchen den Kirchenmauern und
Zementgräben einen Zementbelag gegeben, ſo daß Feuchtigkeit in die
Außenwände nicht eindringen kann und das Fundament ebenfalls ge=
ſchützt
iſt.
Ad. Nackenheim, 9. Febr. Schwerer Verlnſt. Verloren hat
ein in Nierſtein bekienſteter Eiſenbahner, der für eine Viehhandlung
einen Transport hierher zu beſorgen hatte, auf der Landſtraße Nier=
ſtein
Ncckenheim ſeine Geldöörfe mit dem Inhalt von ungefähr 500 Mk.

Oberheſſen.
a. Aus dem Kreiſe Alsfeld, 7. Febr. Am 24. Januar iſt Kreisſchul=
rat
Huff, der kurz vor Ausbruch des Krieges die fachmänniſche Leitung
unſeres Schulweſens übernahm, wegen Erreichens der Altersgrenze mit
Wirkung vom 1. Februar, in den wohlverdienden Ruheſtand getreter. Zu
ſeinem Nachfblger wurde Rektor Karl Rauſch an der Goetheſchule zu
Offenbach ernannt. Schulrat Rauſch iſt zu Maar im Kreiſe Lauterbach
geboren, ſeit vier Jahren Rektor in Offenbach und der erſte Kreisſchul=
rat
in Heſſen, der der Sozialdemokratiſchen Partei angehört. Daß er
nicht damit rechnete, ſo bald Schulrat beim Kreisſchulamte Alsfeld zu
zuerden, beweiſt wvohl der Umſtand, daß er in Offenbach erſt vor einigen
Tagen vom zweiten Vorſitzenden des dortigen Lehrervereins zum erſten
newählt wurde. Der neue Schulrat gehörte bisher auch als Vertrauens=
mann
des heſſiſchen Landeslehrervereins dem Landesſchulbeirat an, der
in Darmſtadt beim Landesamt für das Bildungsweſen gebildet iſt.

[ ][  ][ ]

Nummer 41.

Freitag den 10 Februar 1928

Seite 9

Schwere
Wald=Haſen
(entweidet), per Pfd. 1.20
Haſenſchlegel und Rücken
per Pfd. 1.50 1.80
Wild=Ragout
per Pfd. 1.
Capins Rehbraten
Wetterauer
Maſt=Gänſe
per Pfd. 1.401.50
Gänſe=Ragout
per Pfd. 1.40
Enten, Hahnen, Tauben,
Poularden, Kapaunen,Welſche
Suppen= und Ragout=Hühner,
Faſanen, Wild=Enten

ſrich Ger

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Submiſſion
auf Glühtelr SLachmgolz.
Aus dem Ertrag der diesjähr. Holz=
ernte
ſoll aus den Diſtrikten Kleines
Triebel und Ameiſenbuckel des hieſigen
Gemeindewaldes folgendes Fichtenſtamm=
holz
auf dem Submiſſionswege verkauft
werden:
1. 1a Kl. 12 St. Fichtenſtämme 2,09fm

1728
26,88
14,04
12,51
6,36
2,63
7,30

2. 1b 51
3. 2a 39
4. 2b 12
5. 3a 10
6. 3b 4
7. 4a 1
8. 4b , 2
Das Holz iſt mit Rinde gemeſſen,
Sortierung nach Homa.
Angebote ſind bis längſtens Don=
nerstag
, den 16. Februar 1928,
nachmittags 5 Uhr, bei der unter=
zeichneten
Bürgermeiſterei einzureichen,
woſelbſt auch die der Submiſſion zu
Grunde gelegten Bedingungen zu er=
fahren
ſind.
(2728
Beerfelden, den 8. Febr. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Löb.

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käuflich
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Freitag, den 10. Februar 1928

Nummer 41

Wettrennen zwiſchen Flugzeug und Auto.

Beim Start zum Nennen zwiſchen Flugzeug und Auto.
Der bekannte Herrenfahrer Gutsbeſitzer Stuck und das Flugzeug Bismarck haben, wie gemeldet,
am Eibſee ein Wettrennen zwiſchen Flugzeug und Auto veranſtaltet. Das Auto erhielt über
15 Runden 5 Runden Vorgabe. In der Folge hat es mit einer halben Runde gegen das Flug=
zeug
geſiegt..

Reich und Ausland.
Beratungen über den zwiſchen=
ſiagtlichen
Fernſprechverkehr
in Frankfurt a. M.
Frankfurt a. M. Bei der hieſigen Oberpoſt=
direktion
, tagt augenblickliche vom 7. bis 13. Februar)
eine Berichterſtatterkommiſſion des Beratenden Aus=
ſchuſſes
für den Fernſprechweitverkehr (comité con-
sultatif
international des communications télepho-
nidues
2 grande distance kurz C. C. I.). Die
Kommiſſion ſetzt ſich aus etwa 40 Mitgliedern der
Fernſprechverwaltungen ſowie Sachverſtändigen der
Fernſprechinduſtrie Deutſchlands, Englands, Frami=
reichs
, Hollands, Schwedens, Italiens ſowie Ame=
rikas
zuſammen und hat die Aufgabe, wichtige Fra=
gen
techniſcher wie betrieblicher Art für den gemein=
ſamen
zwiſchenſtaatlichen Fernſprechverkehr zu be=
ſprechen
. Die Fortſchritte auf dem Gebiete des Fern=
ſprechweſens
haben techniſch die Möglichkeit geſchaf=
fen
, auf große Entfernungen zu ſprechen. Stromver=
luſte
und Störungen durch Starbſtromleitungen
zwangen zu unterirdiſcher Leitungsführung. Die dazu
notwendigen Kabel mußten beſonders hergerichtet
werden, mit Pupinſpulen ausgeſtattet werden und
konnten zur Ueberbrückung großer Entfernungen erſt
dienen, als eingeſchaltete Verſtärker die den Kabellei=
tungen
eigentümliche Dämpfung beſeitigen halfen.
Die zu überwindenden Schwierigkeiten waren außer=
ordentlich
groß, und es koſtete jahrzehntelange Arbeit,
bis man vollen Erfolg erzielte. Noch jetzt gilt es,
dauernd weiterzuarbeiten, um die Einrichtungen zu
vervollkommnen. Dazu iſt es nötig, daß die in den
verſchiedenen Ländern gewonnenen Erfahrungen
ausgetauſcht, gemeinſam verwertet und übereinſtim=
mende
Formen der Betriebseinrichtungen ſowie des
Verkehrs ſelbſt vereinbart werden. Dieſen Aufgaben
dient der C. C. I., dem die Fernſprechverwaltungen
faſt ſämtlicher großen Länder angehören und der all=
jährlich
zu einer Vollverſammlung zuſammentritt.
Verhandlungsort iſt im allgemeinen Paris, doch kann
der Ausſchuß auch eine andere Stadt wählen. So
fand die letzte (3.) Vollſitzung zu Ehren des 100. To=
destages
des Phyſikers Volta im vorigen Jahre in
Como in Oberitalien ſtatt. Die Vorarbeiten für dieſe
Vollſitzungen werden durch die eingangs genannte
Berichterſtatterkommiſſion geleiſtet.
Eröffnung des Fernſprechverkehrs Deutſchland
Amerika.
Der Fernſprechverkehr zwiſchen Deutſchland und
Amerika wird heute, nach Austauſch einiger offi=
zieller
Geſpräche, vorausſichtlich in den Nachmittags=
ſtunden
aufgenommen werden. Auf deutſcher Seite
ſind zunächſt Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M.,
auf amerikaniſcher Seite alle Orte der Vereinigten
Staaten und der Inſel Kuba zugelaſſen. Die Gebühr
für ein gewöhnliches Dreiminutengeſpräch zwiſchen
Deutſchland und der amerikaniſchen Zone I beträgt
330 Mark, für jede weitere Minute 110 Mark, Ge=
ſpräche
mit den übrigen amerikaniſchen Zonen koſten
12 Mark je Zone mehr. Die Geſpräche werden zweck=
mäßig
an dem Vortage oder ſo früh wie möglich an
dem Tage angemeldet, für den ſie gewünſcht werden.
Verbindungen werden vom 11. Februar ab täglich
zwiſchen 13.30 Uhr und 24 Uhr hergeſtellt.
Müller=Wieland aus der Unterſuchungshaft
entlaſſen.
Frankfurt a. M. Auf Antrag des verhaf=
teten
ehemaligen Verwaltungsdirektors der Städti=
ſchen
Bühnen=A.=G., Müller=Wieland, wurde. Don=
nerstag
früh vor dem Unterſuchungsrichter im Wege
des Haftprüfungsverfahrens über die Fortdauer der
Unterſuchungshaft Müller=Wielands verhandelt. Da
weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr be=
ſteht
, hat der Unterſuchungsrichter den Haftbefehl
aufgehoben.
Unfall des Fakirs Blacaman im Zirkus Buſch.
Berlin. Bei der Mittwoch=Vorſtellung im Zir=
kus
Buſch wollte der Fakir Blacaman, nachdem er
bereits Hühner, Kaninchen und einzelne Löwen in
kataleptiſchen Zuſtand verſetzt hatte, fünf wild ge=
machte
Löwen gleichzeitig hypnotiſieren. Hierbei er=
hielt
er von einem Löwen einen Tatzenhieb am linken
Unterſchenkel, der den Nerv traf und Blacaman ſo
ſchwer verletzte, daß er ſeine Vorführungen abbrechen
mußte.

Deutſcher Dorfkirchentag.
Die diesjährige Tagung des Deutſchen Dorf=
kirchenverbandes
hat eine Reihe von Führern der
ſtändig wachſenden Dorfkirchenbewegung in der
Reichshauptſtadt zuſammengeführt. Nach kurzen Er=
öffnungsworten
des Vorſitzenden, Propſt Köhn, Gar=
bitz
i. M., und einer Begrüßungsanſprache des Gene=
ralſuperintendenten
D. Dr. Dibelius wandte ſich die
Verſammlung ihrem Verhandlungsgegenſtand zu: der
ſittlich=religiöſen Erziehungsaufgabe, der ländlichen
Fortbildungsſchule. Welche Bedeutung die Fortbil=
dungsſchule
mit ihrem durch die Verfaſſung gewähr=
leiſteten
lebenskundlichen Unterricht für das Leben
der Kirchengemeinde gewinnen könnte, zeigte der
Vortrag des Pfarrers Discoeil, Tharau, der aus
ſeinen in Rußland und Dänemark geſammelten Er=
fahrungen
heraus den Wunſch der Landbevölkerung
nach Einführung des obligatoriſchen Religionsunter=
richts
in der Fortbildungsſchule zur Förderung der
in ihrem kirchlichen Nachwuchs bedrohten evangeli=
ſchen
Gemeinde erhob. Wie der Religionsunterricht
als lebendig religiöſe Arbeitsgemeinſchaft im Kampf
gegen das ländliche Kaſtenweſen und gegen die fort=
ſchreitende
Entſeelung der Arbeit dazu beitragen
könne, das Jahrhundert der Kirche auch und vor
allem in der ländlichen Jugend beginnen zu laſſen,
entwickelte der Vortrag des Pfarrers Direktor Gru=
ber
, Waldhof=Templin. Den die Tagung abſchließen=
den
Vortrag hielt Jugendpfarrer Wilm, Beveringen,
über die Mitarbeit des Paſtors in der ländlichen
Fortbildungsſchule und deren innere Notwendigkeit
für den Wiederaufbau einer bodenſtändigen, chriſtlich=
deutſchen
Kultur auf dem Lande.
Den Schwager in der Notwehr erſchoſſen.
Berlin. Mittwoch abend ſpielte ſich in einer
Siedlung bei Oranienburg eine Familientragödie ab,
die ein Todesopfer forderte. Im Verlaufe eines
Streites zwiſchen dem Klempnermeiſter Horack, der
wegen Trunkenheitsexzeſſen bereits längere Zeit in
einer Heilanſtalt war, im Dezember vorigen Jahres
aber als nicht gemeingefährlich entlaſſen wurde, und
ſeiner Ehefrau nahmen die beiden in dem gleichen
Hauſe wohnenden Brüder der Frau für dieſe Partei.
Als Horack ſie angriff, gab der eine mehrere Schüſſe
ab, die Horack töteten. Die beiden Brüder ſtellten ſich
ſofort der Polizei und wurden in Haft behalten, da
die Frage, ob ſie die Notwehr überſchritten hatten,
noch geklärt werden muß.
Hotelbrand in Salzburg.
Salzburg. Das Grand=Hotel de UEurope in
Salzburg, eines der größten und ſchönſten Hotels
in Oeſterreich, ſteht ſeit Donnerstag morgen 9 Uhr
in Flammen. Um dieſe Zeit brach aus bisher nicht
bekannter Urſache in dem Hotel ein Brand aus, der
ſich mit großer Geſchwindigkeit über das ganzo Dach=
geſchoß
der etwa 60 Meter langen Gartenhausfront
des ganzen Hotels ausdehnte. Als die Feuerwehren
von Salzburg und Umgebung mit allen verfügbaren
Löſchzügen und Mannſchaften anrückten, ſtand be=
reits
der ganze Dachſtuhl in hellen Flammen. Eine
Stunde ſpäter ſtürzte ein Teil des Daches ein, unter
dem ſich die Wohnungen der Angeſtelltenſchaft und
die billigeren Fremdenzimmer befanden. Bis 12 Uhr
mittags konnten die Feuerwehren des Feuers nicht
Herr werden. Wie weiter bekannt wird, dürfte die
Urſache des Brandes darin liegen, daß ein An=
ſtreicher
, der ſeit vielen Jahren im Hauſe beſchäftigt
iſt, die Lötlampe, mit der er alte Farben von einem
Kaſten in einem Dachzimmer auflöſen wollte, auf
einige Zeit ſtehen ließ, während er ſich von der
Arbeitsſtätte entfernte. Menſchenleben ſind nicht zu
beklagen, doch ſind bei den Löſcharbeiten bisher ſechs
Perſonen verletzt worden. Als großes Glück muß es
bezeichnet werden, daß die Feuerwehren bei Tages=
licht
arbeiten konnten. Bei Nacht wäre ein unabſeh=
bares
Unglück entſtanden. Die zur Verfügung ſtehen=
den
Waſſermaſſen reichten nicht aus und auch der
Druck in den Schläuchen wird als zu gering bezeich=
net
. Wie weiter gemeldet wird, ſcheint es den
Feuerwehren gelungen zu ſein, ein Uebergreifen auf
die unter dem Dachgeſchoß liegenden Stockwerke zu
verhindern. Das Dachgeſchoß ſelbſt iſt freilich ver=
loren
und zum größten Teil zertrümmert. Durch den
Aufzugsſchacht ſind brennende Balken in das elegante
Veſtibül des Hotels gefallen. Der Schaden, den der
bekannte Hotelier Georg Jung erleidet, iſt ſehr groß,
aber durch Verſicherung gedeckt.

Der Primaner vor Gericht. Die Vernehmung des Angeklagten.

Berlin. Vor dem Schwurgericht des Land=
gerichts
II begann am Donnerstag, unter Vorſitz des
Landgerichtsdirektors Dr. Duſt, der Prozeß gegen den
Oberprimaner Paul Krantz, der beſchuldigt wird,
gemeinſam mit dem Primaner Günther Scheller
am 28. Juni v. J. den Kochlehrling Stephan er=
ſchoſſen
zu haben. Sowohl von der Verteidigung,
als auch von der Staatsanwaltſchaft ſind zahlreiche
Sachverſtändige und Zeugen geladen. Der Andrang
des Publikums iſt außergewöhnlich ſtavk.
Nach dem Zeugenaufruf und den verſchiedenen
Bemerkungen der Verteidiger und der Anklagever=
treter
wurde zuerſt der Angeklagte Krantz ver=
nommen
, der zunächſt über ſein Verhältnis zu El=
tern
und Lehrern befragt wird. Er betont, er habe
viele Freiheiten gehabt, ſie aber nicht ausgenutzt,
ſo daß ſeine Eltern keinen Anlaß zum Einſchreiten
gehabt hätten. Bezüglich der Lehrer erklärte er, er
habe das Erziehungsſyſtem an den höheren Schulen
für zu ſchematiſch und veraltet gehalten. Ich be=
ſchäftigte
mich mit literariſchen Dingen, ſchricb ſelbſt
Gedichte und bildete mir ein, ſchon ein Dichter und
Schriftſteller zu ſein. Im Herbſt 1926 verließ ich dann
plötzlich das Elternhaus; mit einem Freunde fuhr ich
dann nach Paſſau. Wir hatten die Abſicht, nach Kon=
ſtantinopel
zu wandern und wollten dann zu Schiff
nach Amerika fahren, um ſpäter ſtolz in die Heimat
zurückzukehren. Von der Jugendherbergsmutter und
dem Jungdeutſchen Orden in München, dem er als
Mitglied angehöre, habe er dann das Geld bekom=
men
, um die Heimreiſe anzutreten. Zu Hauſe ſei er
wieder freundlich aufgenommen worden. Im Früh=
ling
1927 habe die Bummelei wieder begonnen. Der
Angeklagte ſchildert dann weiter, wie Günther Schel=
ler
ihm oft geraten habe, doch nach Mahlow in das
Schellerſche Landhaus zu kommen. Dort könne er ein
viel freieres und ungebundeneres Leben führen. Auf
Befragen gibt Krantz weiter an, er habe damals auch
ein junges Mädchen in Mariendorf kennen gelernt.
Der Verkehr mit ihr habe ſich aber auf Küſſe be=
ſchränkt
. Oft habe er den Entſchluß gefaßt gehabt,
ins Elternhaus zurückzukehren, um wieder ernſtlicher
zu arbeiten. Dann habe ihm aber immer Hilde Schel=
ler
davon abgeraten, die er inzwiſchen näher kennen=
gelernt
habe. Mit Hilde Scheller ſei der Verkehr
gleich ganz anders geweſen, als mit anderen Mäd=
chen
. In Geſprächen mit ihr ſei immer das erotiſche
Gebiet behandelt worden. Es ſei auch zu intimen
Berührungen gekommen. Die Anregungen zu inti=
merem
Verkehr gingen von ihr aus. Sie ſei ſtark
ſinnlich veranlagt. Günther Scheller ſei nicht direkt
anormal veranlagt geweſen. Er habe allerdings in
ſolchen Kreiſen verkehrt, wohl aber mehr, um Nutzen
daraus zu ziehen.
Nach einer folgenden kurzen Pauſe ſetzte der
Vorſitzende die Vernehmung des Angeklagten fort.
Ehe er ſich den Vorgängen in der verhängnisvollen
Nacht zuwendete, ging er auf die Gedichte und Tage=
bücher
des Angeklagten ein, die geeignet ſcheinen,
ſeine Perſönlichkeit zu charakteriſieren. U. a. hatte
der Angeklagte in einem Gedicht einen Mord geſchil=
dert
. Auf Befragen des Vorſitzenden erklärte er, daß
dieſem Gedicht kein perſönliches Motiv, zu Grunde
liege. Er habe es niedergeſchrieben auf Grund einer
Unterredung mit Freunden über moderne Literatur.
Auch in bezug auf Liebesgedichte erklärte er, daß ſie
nicht Bezug auf Hilde Scheller hätten. Erſt ſpä=
ter
habe er eines dieſer Gedichte mit ihrem Namen
überſchrieben.
Der Angeklagte in dem Steglitzer Schülermord=
prozeß
, Oberprimaner Krantz, ſchilderte im wei=
teren
Verlauf ſeiner Vernehmung dann die Vor=
gänge
, die den eigentlichen Gegenſtand der Anklage
bildeten. An einem Sonntagabend, während Herr
Scheller verreiſt war, übernachteten er und Hilde
Scheller gemeinſam in dem Mahlower Hauſe. Auf
Befragen erklärte der Angeklagte, daß zwiſchen dem
Mädchen und ihm vorher keine Verabredung dazu
getroffen worden ſei. Mit Günther Scheller habe er
am nächſten Tage eine
Zuſammenkunft in der Steglitzer
Wohnung
verabredet, wozu ſie mehrere Mädchen einladen woll=
ten
. Auf der Treppe trafen ſie überraſchendewveiſe
Hilde Scheller; die ihre Freundin Ellinor Ratti holte
und dabei unbemerkt von den beiden den Stephan
mit in die Wohnung brachte. Er, der Angeklagte,
der dies wußte, wollte ſeinem Freunde Scheller da=
von
nichts ſagen, da er glaubte, daß Günther mit
Stephan verfeindet ſei. Auf Befragen des Vorſitzen=
den
, ob ſich denn der ältere Bruder nicht verpflichtet
fühlte, der Schirmherr ſeiner Schweſter zu ſein, ant=
wortete
Krantz, im Gegenteil, ſie haben ſich gegenſei=
tig
gedroht, daß ſie ſich bei den Eltern wegen ihrer
Beziehungen verhetzen würden. Plötzlich verſchwand

Scheller und ließ ihn mit Ellinor allein. Auf wei=
teres
Befragen erklärte Krantz, er ſei durch das rück=
ſichtloſe
Verhalten Hildes unangenehm berührt ge=
weſen
und wollte ihr beweiſen, daß er ſich aus ihr
nichts mehr machte. Da Ellinor von ihren Eltern
keine Erlaubnis hatte, über Nacht in der Wohnung
Schellers zu bleiben, ging ſie ſpäter fort, und als
Scheller zurückkehrte, verſteckte ſich Stephan im Schlaf=
zimmer
. Während Hilde ihm nachging, tranken
Günther und er in der Küche Liköre, wobei Günther
in ihn drang, ihm zu ſagen, wer bei ſeiner Schweſter
ſei. Als Günther dann erfuhr, daß es Stephan ſei,
geriet er in Wut und erklärte, er wolle Schluß
machen mit dem Leben. Er, Krantz, habe darauf ge=
ſagt
, dann mache ich mit und habe ſeine Piſtole auf
den Tiſch gelegt. Plötzlich ging ein Schuß los, der
jedoch keinen Schaden anrichtete. Er ſei der Meinung,
daß Günther Mut zu der Tat bekommen habe. Aus
den weiteren Angaben des Angeklagten ging nicht
klar hervor, ob Günther mit dem Schuß zunächſt ihn
erſchießen wollte und dann ſich ſelbſt. Nachdem Hilde
Scheller, die auf den Schuß herbeieilte, wieder in
das Schlafzimmer gegangen war, habe ihn Eiferſucht
erfaßt. Günther und er beſchloſſen nunmehr, daß ſie
alle vier ſterben ſollten und ſchrieben dann beide
Abſchiedsbriefe. Günther ſollte Stephan, und er dann
Hilde, darauf Günther und zum Schluß ſich ſelbſt
erſchießen. Der Vorſitzende unterbrach darauf die
Sitzung, die nach der Mittagspauſe fortgeſetzt wird.
Vor Beginn der Nachmittagsſitzung des Krantz= Pro=
zeſſes
ſpielten ſich wieder förmliche Kämpfe um die
zwanzig noch verfügbaren Plätze im Zuſchauerraum
ab. Einem großen Aufgebot von Juſtizwachtmeiſtern
war es kaum möglich, den Andrang der Maſſen abzu=
wehren
. Nach Eröffnung der Sitzung brachte Land=
gerichtsdirektor
Duſt die Abſchiedsſchreiben des Ange=
klagten
und Günther Schellers, ſoweit ſie noch vor=
handen
ſind, zur Verleſung. Das Schreiben von
Günther Scheller an das Weltall iſt ſehr ver=
worren
. Anſcheinend dazugehörig iſt ein Zettel, der
von demſelben Bogen ſtammt und von Krantz ge=
ſchrieben
iſt. Es ſteht darauf: In dieſer Minute
werden Hans Stephan und Männe (Koſename für
Hilde Scheller) ſterben durch unſere Hand. Wir beide
werden lächelnd aus dem Leben ſcheiden!? In einem
anderen Schreiben von Krantz an einen Freund heißt
es: Ich erſchieße erſt Hilde, dann Günther, vorher
wird Günther Hans Stephan erſchießen. Das iſt die
volle Wahrheit. Günther iſt vollſtändig einverſtan=
den
und grüßt Dich zum letzten Male. Der Ange=
klagte
erzählt dann über den
Hergang der Tat
folgendes: Nachdem wir dieſe Briefe geſchrieben hat=
ten
, verſuchte Günther, ins Schlafzimmer einzu=
dringen
. Es war aber verſchloſſen. Wir tranken wei=
ter
in der Küche und beſprachen dieſe Dinge. Dann
kam ich aber, als ich etwas klarer geworden war, zu
der Einſicht, daß alles doch eine Albernheit ſei, und.
daß es keinen Zweck habe, aber Günther war nicht.
davon abzubringen. Dazwiſchen war auch Hilde zwei=
mal
in die Küche gekommen und hatte mit uns ge=
ſprochen
. Ich glaubte nicht, daß Günther allein die
Tat ausführen würde. Ich weiß nur, daß er ins
Schlafzimmer ging, als Ellinor morgens wiederkam
und klingelte. Hilde war bei uns auf dem Flur und
öffnete. Wir begrüßten Ellinor und ich ſah, daß
Günther ins Schlafzimmer ging. Die Tür ſtand offen.
Während ich mich mit den Mädchen unterhielt, kam
Güther heraus und ſprach auch mit uns. Dann ging
er wieder ins Zimmer und ich folgte ihm. Die Si=
tuation
war ſo, daß ich annahm, Stephan ſci ſchon
weg. Ein Fenſter war auch geöffnet. Günther ſah
ſich im Zimmer um und ich ſagte zu ihm: Es iſt
doch keiner mehr da. Ich war ſchon im Hinaus=
gehen
und hatte die Hand auf der Klinke, als ich die
Schüſſe fallen hörte. Als ich mich umdrehte, ſchoß
Günther auf ſich ſelbſt. Nachdem ich geſehen hatte,
was Günther angerichtet hatte, kniete ich nieder und
nahm ihm den Revolver weg; denn ich wollte mich
jetzt auch erſchießen, aber die Mädel nahmen ihn
mir weg. Der Arzt ſagte mir, daß ich Unannehm=
lichkeiten
haben könnte. Ich ſelbſt ſagte mir auch,
daß ich eine gewiſſe moraliſche Verantwortlichkeit
habe. Ich fürchtete, daß meine erotiſchen Beziehungen
herauskommen würden, und dann beſtand noch der
frühere Plan, Hilde zu erſchießen. In dieſer Angſt
hatte ich zu den Mädchen geſagt, ſie ſollten erklären,
der Revolver gehöre Günther. Vorſitzender: Sie
ſollen ganz ruhig geweſen ſein, auch der Arzt hatte
dieſen Eindruck. Sie haben ſogar von ihm eine Zi=
garette
verlangt. Angeklagter: Das geſchah in
der Aufregung. Durch das Gefühl meiner moraliſchen
Mitſchuld und in meiner Angſt hatte ich den Drang
nach einer Zigarette, da ich faſt die ganze Nacht nicht
geraucht hatte‟.

Der Fall Bergmann=Jacobi.
Berlin. Im Laufe des Donnerstagvormittag
wurden im Mogbiter Juſtizgebäude die Vernehmun=
gen
in der Lombard= und Lagerhausaffäre fortgeſetzt.
Dabei wurden Bergmann und Dr. Jacobi einander
gegenübergeſtellt. Bergmann will von vielen Tat=
ſachen
, die zu ſeinen Ungunſten ſprechen, nichts mehr
wiſſen. Durch die Gegenüberſtellung konnte das Ge=
dächtnis
Bergmanns etwas aufgefriſcht werden. Vor
allem kam es aber darauf an, die Vernehmung Berg=
mans
baldigſt zum Abſchluß zu bringen, um über die
Haftentlaſſungsanträge entſcheiden zu können. Zur
Mittagsſtunde erfolgte eine erneute Gegenüberſtel=
lung
der beiden Verhafteten, um Klarheit über die
an Jacobi geleiſteten Proviſionszahlungen zu ſchaffen.
Neue Lombardſkandale in Berlin.
Gegen den Inhaber eines Lombardhauſes in der
Potsdamer Straße 118, Wilhelm Friedländer, ſind
bei der Kriminalpolizei zahlreiche Anzeigen wegen
Untreue eingelaufen. Die Anzeigen erſcheinen ſo be=
gründet
, daß die Kriminalpolizei ſich entſchloſſen hat,
das geſamte Material der Staatsanwaltſchaft zu un=
terbreiten
, die über die zu ergreifenden Maßnahmen
zu entſcheiden hat. Friedländers Aufenthalt iſt zur=
zeit
unbekannt. Ferner ſind mehrere Anzcigen bei
der Kriminalpolizei eingelaufen, die einem der größ=
ten
Lombardgeſchäfte im Zentrum Berlins, das durch
ſeine aufdringliche Reklame viel von ſich reden machte,
ähnliche Betrügereien torwerfen.

Das Fernſehen über den Ozean.
New York. Die Bilder eines Mannes und
einer Frau, die am Mittwoch abend in einem Lon=
doner
Laboratorium vor einem elektriſches Auge‟
genannten Apparat für Fernſehen ſaßen, konnte eine
Gruppe von Perſonen beobachten, die ſich in einem
dunklen unterirdiſchen Raum in Hartsdale (Staat
New York) befand. Die Bobachter vermochten die
Kopfbewegungen der in London ſitzenden Perſonen
wahrzunehmen, obwohl die Bilder nicht ſehr ſcharf
waren. Das Experiment des Fernſehens über den
Ozean iſt alſo zum erſten Male geglückt. Das Er=
gebnis
wurde mit einem ſchwachen Strom erzielt,
was die Hoffnung rechtfertigt, daß das überozeaniſche
Fernſehen verbeſſert werden kann und ſo deutlich
werden wird, wie das Fernſehen bei nicht allzuweiten
Strecken.
Exploſion eines Munitionslagers.
Mailand. Längs der Eiſenbahnlinie Treviſo
Belluno, bei Caſtagnole, iſt ein vom Krieg her=
rührendes
Munitionslager in die Luft geflogen. Eine
Gruppe Arbeiter war mit der Entladung der Ge=
ſchoſſe
beſchäftigt, als plötzlich eine Granate explo=
dierte
und die Exloſion von Hunderten von Ge=
ſchoſſen
verurſachte. Drei Arbeiter wurden getötet
und mehrere andere ſchwer verletzt. Die Behörden
haben eine Unterſuchung eingeleitet.

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Nummer 41

Freitag, den 10. Februar 1928

Srin Sher und Turnen

Winterfahrt.
Von Auto, Bob, Rodel und Skilaufen.
Von Siegfried Doerſchlag.
Garmiſch=Partenkirchen, 8. Febr.
Da ſteht er nun vor mir im Glanze der Winterſonne, der wunder=
ſchöne
große Goldpokal, den ich durch die traditionelle Sternfahrt nach
Garmiſch=Partenkirchen gewann. Ein ſchöner Pveis, würdig einer
ſchönen Fahrt! Aber allerhand war’s doch. Bei Tag und Ta ging’s fort
aus Oberſchleſiens hartumkämpftem deutſchen Land. Wundervolle Chauſſeen
haben die Schleſier, beſſer, als ſonſtwo im Reich. Und gerader! So
kann man von Falkenberg an der oberſchleſiſch=mittelſchleſiſchen Grenze
bis Dresden ein Durchſchnittstempo von 60 Klm. fahren, trotz Duvch=
fahrt
durch Breslau und Brieg und Liegnitz und Görlitz und Bautzen.
Im Mondabend geht’s durch Sachſens Berge zur bayeriſchen Grenze.
Und dann hindurch durch den Schnee des Fichtelgebirges, daß der Wa=
gen
rutſcht und ſchleudert, und damn werden die Straßen ſchlecht und
das Tempo ſinkt, und doch ud dennoch: unſere Effettiv=Fahrzeit iſt
immer noch beſſer als die des D=Zuges OberſchleſienMümchen. Nürn=
berg
hat ſeine Durchfahrtsſtraßen immer noch nicht richtig markiert
(ſorgſame Stadtväter ſagen: um das hiſtoriſche Stadtbild nicht durch
modiſche Auto=Wegweiſer zu verunzieren . . . sic!), und die Durchfahrt
durch Bayern bietet dem Kraftfahrer keine reine Freude. Wenn man
Schleſiens und Sachſens gerade, breite, tadellos hergerichtete Straßen
befahren hat, dann ſagt man zwiſchen Nürnberg und München manch
kräftiges Sapperlot!
Hell ſtrahlt die Mittagsſonne, als es durch den Forſtenrieder Park
gen Garmiſch geht. Von 36 Uhr nachmittags iſt Sternfahrt-Zielzeit.
Der Kirnerzähler gibt nach dem Modus des Schrittzählers die genaue
Fahrzeit an, die der Wagen im Rollen iſt. Als wir in Garmiſch vor
dem Ziel halten: ab Oberſchleſien bis Endziel Garmiſch genau zwei=
undzwanzig
Stunden! Gewertet wird der direkteſte Weg, alſo 950,1
Kilometer. Effektivleiſtung mit Umwegen, Fahrten zu Tankſtellen,
Irrfahrt durch Dresden, war 1012 Kilometer. Mithin 48 Kilometer
Stundendurchſchnitt. Ein gutes Tempo, eine ſchöne Leiſtung des treuen
Mercedes=Benz, der ſchon Spanienfahrt und Kartellfahrt, Schleſiens
Berge= und Schwarzwaldfahrt und imsgeſamt 48000 Kilometer inner=
halb
11 Momaten verſpeiſt hat. Und beſonders auch eine achtbare Lei=
ſtung
der Conti=Ballon=Reifen die nach 11000 Klm. Fahrt auch dieſen
12000ſten Kilometer ſo friſch und wohlerhalten erreichten, als ſeien ſie
erſt neugeboren. Tags darauf feierliche Preisverteillung auf dem Eiſe
des Eibſees. Prinz Alfons von Bayern überreicht namens des Bayeri=
ſchen
Autoklubs den Siegerpokal und den Winterfahrtpreisträgern die
vielen ſchönen Ehrenpreiſe. Ein maleriſches Bild: Die Eisfläche ge=
rahmt
von Tannenwald, zu Häupten die Zugſpitze und der Waxenſtein,
der Kramer und der Daniel eis= und ſchneegekrönte Rieſen, und die
vielen, vielen Preiſe und die bunte Menſchenmaſſe und die fröhlichen
Geſichter der Preisträger, goldrot beſtrahlend die über Gipfeln und
Wipfeln ſcheidende Abendſonne!
Engadin und Rieſengebirge, das Iſergebirge und das Werdenfelſer
Land, rings um Garmiſch=Partenkirchens mondaines Winterſportleben,
habe ich im Laufe der letzten vier Wochen beſucht. Habe mich bemüht,
Licht und Schatten von Land und Leben abzuwägen, um Schlüſſe zu
ziehen. Das Engadin rings um St. Moritz, Pontreſina, Celerina, Sa=
maden
; dies jetzt im Zeichen der Winter=Olympiade ſtehende Engadin
iſt Treffpunkt der internationalen Welt. Solcher, die Sport lieben und
Alpenpracht, und ſolcher, die tanzen und flirten wollen, ohne Rückſicht
darauf, daß Henkell Trocken 24 Franken koſtet. Die Creſta=Rm=Bahn
iſt eine rein engliſche Sache. Die Bobbahnen des Engadin ſind tadellos.
Die Sprungſchanzen von St. Moritz und von Pontveſina (beſonders die
neue Olympig=Schanze von St. Moritz ſie hat 230000 Fränkli ge=
koſtet
!) ſind unübertroffen. Rodelmöglichkeiten mäßig. Skigelände:
ideal! Und die Aufenthaltskoſten: je der Brieftaſche des Kurgaſtes ent=
ſprechend
.
Garmiſch=Partenkirchen hat ſich ſei den Inflationsjahren verändert.
Damals war Sieger, wer das meiſte Geld ausgab. Heute wind geſpart.
Nicht nur in den kleinen und mittleren Gaſtſtätten, nein, auch im Alpen=
hef
und bei Jeſchke, im Gibſon Haus und im Sonnenbichl. Abbau hat
das Niveau gehoben. Man iſt fröhlich, ohne zu protzen. Man treibt
Sport, ohne vom Kreuzeck oder ab Eibſee mit dringendſtem Ferngeſpräch
nach Kurſen zu fragen. Man lebt preiswert. Und mag auch die Sonne
von St. Moritz befungen und geprieſen und das Engadin beſtaunt und
bewundert ſein . wer im Mittagsſonnenglanz oder im rotgoldenen
Abendfonnenlicht am Rießerſee entlang ging zur ſtillen Aule Alm, oder
wer auf dem dampfenden, nie frierenden Waſſer des meergrünen Baader
Sees fuhr, oder wer Schlittſchuh lief oder Segelſchlitten fuhr auf dem
bergumrahmten Eibſee der wird frank und frei bekennen müſſen: es
gibt nirgendwo Schöneres! Dies deutſche Land, dies köſtliche Kleinod
deutſcher Alpenpracht es iſt umübertroffen! Iſt ein Prunkſtück gött=
licher
Schöpfung.
Und dann in das Rieſengebirge! Rübezahls Bergreich iſt denen
unbekannt, die links von der Elbe wohnen. Es iſt ein Winterparadies
ohne geldliche Schranken. Wer für billiges Geld Bevgpracht und Schnee,
weite Hänge und breiten, hohen Gebirgskamm will . der findet im
Nieſengebirge das Ziel ſeiner Wünſche. Der Skiläufer hat Gelände zu
weiten Tagestouren. Der Bobfahrer findet in den Rode bahnen von
Krummhübel und Schreiberhau muſtergültige Anlagen. Der Rodler
aber, der findet nirgendwo im mitteleuropäiſchen Gebirgen und auch
nicht in der Schweiz ſo tadelloſe Rodelbahnen, wie die von der Prinz=
Heinrich=Baude, von der Hampelbaude, vom Schleſierhaus, von der
Neuen Schleſiſchen Baude, von der Spindler= und Peterbaude hinab ins
Hirſchberger Tal. Rülezahls Bergreich iſt Rodlerparadies.
Das Iſergebirge noch ruht es im Schlummer des Unbeyührtſeins.
Bod Flinsberg man kennt es als Sommerkurort. Und doch iſt
dieſes Flinsberg und iſt ſein Iſergebirge ſonniges, wonniges Winter=
ſportgelände
für alle, die Erholung ſuchen ohne allabendlich tanzen und
beim täglichen Fünfuhrtee flirten zu wollen. Und billig ſind ſie, dieſe
ſchleſiſchen Gebirge, das Rieſengebirge ſowohl wie das Iſergebirge.
Das Fazit: Licht, Sonne, Sport und Sportgelände überall. Im
Engadin, im Werdenfelſer Land, im Iſergebirge, im Rieſengebivge. Im
Engadin der Zauber der internationalen mondainen Welt, majeſtätiſche
Hochgebirgspracht. Am Waxenſtein und Zugſpitzmaſſiv, deutſches Alpen=
land
mit allen, allen Sportgelegenheiten. Im Rieſengebirge und im
Iſergebirge Sportmöglichkeiten für Rodler, wie es ſie beſſer nirgendwo
gibt. Dazu die meilenlangen Skifelder des Kamms. Das Winterparadies
vom Piz Polü bis zur Schneekoppe es bietet jedem, was er ſucht.
Und iſt doch ſo verſchieden in ſeiner Natur und Kultur!

Handball.
Handbalſverbandsrunde 1927/28 im Kreis
Starkenburg.
Stand der A=, B= und Jugend=Klaſſe im Kreis Starkenburg.

A=Klaſſe.

Vereine Sp. gew. u. verl. Torz. P. V. f. L. Rot=Weiß Davmſtadt I 8 47:13 15:1 Polizeiſportv. Darmſt. I . 44:26 12:4 Sp.V. Darmſtadt 98 II 8 29:25 7:9 Akad. Sp.Kl. Darmſtadt . 13:43 4:12 Sp. Vgg. Arheilgen . .. . 3 12:38 Summe: 40 17 6 17 145 B=Klaſſe. Vereine Sp. gew. un. verl. Torz. P. Polizeiſportv. Babenhauſen II. 12 12 93:17 24:0 Polizeiſportverein Darmſtadt II 10 42:29 12:8 Turverein Biebesheim 6 14:22 8:4 Sp. V. Darmſtadt 98 III 11 34:22 8:14 Sp. Kl. Viktoria Griesheim 11:36 7:11 V. f. L. Rot=Weiß II 12 31:51 7:17 Sp. Vgg. Arheilgen 10 1:49 4:16 Summe: 70 34 42 34 226 Jugend Klaſſe. Vereine 9 Sp. gew. un. verl. Torz. P. Sportv. Darmſtadt 98 I 17 16 119:8 32:2 V. f. L. Rot=Weiß I 18 14 96:17 29:7 Sporwv. Davmſtadt 98 II 17 13 133:22 27:7 V. f. L. Rot=Weiß II 17 10 75:50 D:14 Sportv. Darmſtadt 98 III 17 41:64 16:18 Sportv. Darmſtadt 98 IV 17 65:54 14:20 Sp. Kl. Viktoria Griesheim . 11 15:68 8:14 V. f. L. Rot=Weiß III 17 12 13:73 8:26 Sporw. Darmſtadt 98 V 18 15 7:70 6:30 Sp. Vgg. Arheilgen . . . . 1 15 9:137 2.30

Summe: 166 82 2 82 563

Im Ganzen: 276 133 10 133 934
Spielergebnifſe am Sonntag, den 5. Februar.
Verbands=Spiele der B=Klaſſe.
Tv. Biebesheim V.f. L. Rot=Weiß Darmſtadt II 4:2 (3:0)
Sportv. Darmſtadt 98 III Sp.Kl. Viktoria Griesheim 4:3 (4:2).
Verbands=Spiele der Jugend=Klaſſe.
V.f. L. Rot=Weiß Darmſt. III SpV. Darmſt. 98 I (R.=W. verz.)
V.f. L. Rot=Weiß Darmſt. I Sp.Kl. Vikt. Griesh. (Griesh. verz.)
Sp. Kl. Vikt. Griesh. SpV. Darmſt. 98 V (98 zurückgezog.)
Sp. Kl. Vikt. Griesh. VſL. Rot=Weiß Darmſt. I 1:11 (1:7).
Privat=Spiele.
A=Klaſſe.
Sportv. Darmſtadt 98 II Polizeiſporw. Mannheim 4:1 (1:1).
B=Klaſſe.
Pol.=SpV. Darmſt. III VfL. Rot=Weiß III (.=W. nicht angetr.)
SpVgg. Arheilgen II Kickers Offenbach 0:0.
Spiele am nächſten Sonntag den 12. Februar.
Verbandsſpiele der B=Klaſſe.
Sp. Kl. Viktoria Griesheim Sp.V. Darmſtadt 98 III: 11 Uhr.
Pol.=Sp. V. Darmſtadt II Turwerein Biebesheim; 11 Uhr.
Verbandsſpiele der Jugendklaffe.
VfL. Rot=Weiß Darmſtadt III Sp.Kl. Vikt. Griesheim; 10 Uhr.
Privatſpiele fallen wegen des am Nachmittag um 15 Uhr auf dem
Platze des Sp.V. Darmſtadr 98 ſtattfindenden Pokal=Zwiſchenſpiels Süd=
deutſchland
Weſtdeutſchland aus, da von 12 Uhr ab Spielverbot
beſteht.
Schreiber, Kreisſpielwart.
Pol. Sportv. Hafſia Bingen (Liga).
Haſſio Bingen kommt, um einer Rückſpielverpflichtung aus ver=
gangenem
Jahre nachzukommen, zu Pol. Sportverein als Gaſt am kom=
menden
Sonntag. Das Spiel, das in Anbetracht der nachmittaglichen
Sperre vormittags 10,30 Uhr ausgetragen werden muß, wird eine Fort=
ſetzung
der Reihe von ſchönen Spielen werden, die in letzter Zeit der
Pol. Sportverein ausgetragen hat. Die Gäſtemannſchaft repräſentiert
in ihrem Bezirke gute Ligaklaſſe. Steht ſie doch an zweiter Stelle in
der diesjährigen Verbandsſpieltobelle. Am vergangenen Sonntag ſpielte
ſie gegen Pol. Sportverein Wiesbaden in Wiesbaden und verlor,
nur mit 9 Mann ſpielend, 3:0 Toren. Dieſes Reſultat zeigt ihre Spiel=
ſtärke
. Ein aufopferndes, flinkes Spiel iſt ähr eigen. Beim Vorſpiel in
Bingen trennten ſich die Mannſchaften mit einem Unentſchieden. War
dieſes Spiel gerade nicht erbauend es litt an der ſchwachen Schieds=
richterleiſtung
ſo verſpricht das Rückſpiel doch ſehr intereſſant zu
werden. Die Gäſtemannſchaft iſt ſtark verjüngt worden. Gerade dieſe
jungen Kräfte geben der Mannſchaft eine ſtauke Wendigkeit und Flink=
heit
. Die Pol.=Sportvereins=Elf wird bei Beginn auf der Hut ſein
müſſen, damit ſie nicht eine Enttäuſchung erlebt. Die Stärke der Bin=
gener
liegt im Tormann, Verteidigung, Mittelläufer und Mittelſtürmer.
Hoffentlich zeigt die Pol.=Sportvereinsmannſchaft denſelben Eifer und
dieſelbe Spielweiſe wie auf dem Stadion vor 14 Tagen, dann werden
alle Zuſchauer befriedigt den Platz verlaſſen. Das Spiel beginnt, wie
ſchon erwähnt, um 10,30 Uhr. Die 2. Mannſchaft muß ihr fälliges Ver=
bandsſpiel
infolge Platzmangel um 10 Uhr auf dem Rot=Weiß=Platz
austragen.
Schwimmen.
Internationales Schwimmfeſt in Magdeburg.
Arne Borg nicht zu ſchlagen. Schumburg ſchlägt Küppers.

Schießſport.
Hefſiſcher Schützenbund, Sitz Darmſtadt.
Bei der diesjährigen Generalverſammlung des Heſſiſchen Schützen=
bundes
, welche ſehr gut beſucht war, hielt der erſte Vorſitzende, Herr
Reuter, die Begrüßungsanſprache. Er betonte u. a., daß er mit Freu=
den
ſagen könne, auch im vergangenen Jahre einen Zuwachs im Bunde
zu ſehen, trotz großer Schwierigkeiten. Nach Verleſung des Protokolls,
welches genehwigt wurde, ſowie dem Kaſſen= ud Tätigkeitsbericht,
wurde dem Vorſtand einſtimmig Entlaſtung erteilt. Dem Kaſſier, Herrn
Lehrer Friedrich, wurde für beſondere Verdienſte im Heſſiſchen Schützen=
bund
ſowie dem Schießſport das golden eAbzeichen verliehen. Der alte
Vorſtand wurde einſtimmig wieder gewählt. Die eingegangenen Anträge
betreffs Schützenwettſtreit wurden ſchnell erledigt, u. a. auch das Bundes=
feſt
für 1929, welches der Schützengeſellſchaft 1920 Bickenbach zugeteilt
wurde. Der Eintritt in eine Haftpflichwverſicherung wurde dem Vorſtand
zur Ausarbeitung überlaſſen. Der erſte Vorſitzende, Herr Reuter, richtete
nochmals den Appell an die Delegierten der Vereine, treu zu ihrem
Bund zu halten, damit er auch weiterhin blühe und gedeihe zum Wohle
der Vereine und zum Wohle unſeres lieben Heſſenlandes. Nur durch
treue Zuſammenarbeit könnten wir es dazu bringen, auch noch fern=
ſtehende
Vereine und Korporationen zu einem großen Ganzen zu ver=
einen
. Mit dem Leitwort: Vorwärts imer, rückwärts nimmer und
einem dreifachen Gur Ziel ſchloß der Vorſitzende die harmoniſch ver=
laufene
Generalverfammlung.

Die vierte Runde des Berliner Schachturniers. Die Senſation der
vierten Runde des Berliner Jubiläums=Schachturniers war das Zu=
ſammentreffen
zwiſchen Bogoljuboff und Niemzowitſch. Die beiden
Meiſter ſpielten überaus vorſichtig und einigten ſich ſchon bald auf
Remis. Tartakower gewann im Mittelſpiel gegen Leonhardt, der nach
25 Zügen aufgab. Stoltz unterlag gegen Reti. Die Partien Schlage
Koch und AhuesSteiner endeten remis, der Kampf HellingSämiſch
wurde abgebrochen.
Im Eishockeyſpiel wurde die deutſche Mannſchaft in Davos von
Polen mit 6u geſchlagen.

Mit einer Gedächtnisfeier für den ſo plötzlich vom Tode ereilten
Kurt Behrens begann der S.C. Hellas=Magdeburg am Dienstag abend
ſein zweitägiges internationales Abendſchwimmfeſt. Schon die Kon=
kurrenzen
des erſten Abends brachten ausgezcichneten Sport. Der ſchwe=
diſche
Weltrekordmann Arne Borg ſchlug im 100 Meter Freiſtilſchwim=
men
den ſich ausgezeichnet haltenden Kölner Derichs und den Gelſen=
kirchener
Günther ſicher und gewann außerdem auch das 800 Meter Frei=
ſtilſchwimmen
vor dem franzöſiſchen Meiſter Taris=Paris, deſſen weſent=
lich
ſchlechtere Zeit indeſſen noch zur Aufſtellung eines neuen franzö=
ſiſchen
Rekordes reichte. Dem 1. Bruſtſchwimmen über 100 Meter blieb
der deutſche Weltrekordſchwimmer Erich Rademacher=Magdeburg fern,
ſo daß der Kölner Budig zu einem leichten Siege über Dornheim=Berlin
und den Schweden Wißnell kam. Im 1. Rückenſchwimmen über 200
Meter erreichte Schumburg=Magdeburg mit 2.46,6 Min. ſeinen eigenen
deutſchen Rekord und behielt die Oberhand über den deutſchen 100=Meter=
Rückenmeiſter und Rekordmann Ernſt Küppers=Vierſen, der 2.48 Min.
benötigte. In den beiden Herrenſtaffelwettbewerben des Abends war
Hellas Magdeburg der Sieg ebenſowenig zu nehmen, wie dem Magde=
burger
Damen=Schwimmklub in der Damen=Bruſtſtaffel 3 mal 200 Meter.
Im 1. Seitenſchtoimmen über 100 Meter konnte Robert Dahlem=
Breslau den Gelſenkirchener Günther nur knapp ſchlagen. Sehr inter=
eſſant
verliefen die beiden Waſſerballſpiele. Hellas=Magdeburg ſchlug
die tſchechiſche Nationalmannſchaft mit 7:1 Toren, während die deutſche
Nationalmannſchaft der belgiſchen mit 3:8 Toren unterlag. Deutſchland
wurde allerdings durch Spieler vertreten, die noch nicht repräſentativ
tätig waren. Die genauen Ergebniſſe des 1. Abends waren:
4 mal 100 Meter Freiſtilſtaffel: 1. Hellas=Magdeburg 4.24,6 Min. 2.
Berlin 89 4.34,8 Min.
1. Bruſtſchwimmen 100 Meter: 1. Budig=Köln 1.17,4 Min. 2. Dorn=
heim
Berlin 1.19,8 Min. 3. Wisnel=Stockholm 1.20 Min.
100 Meter Freiſtilſchwimmen: 1. Arne Borg=Stockholm 1.01,3 Min. 2.
Derichs=Köln 1.02,3 Min. 3. Günther=Gelſenkirchen.
1. Rückenſchwimmen 200 Meter: 1. Schumburg=Magdeburg 2.46,6 Min.
2. Küppers=Vierſen 2.48 Min.
3 mal 200 Meter Damen Bruſtſtaffel: 1. Magdeburger Damen S.C,
10.25. 2. Bille=Hamburg 10.30 Min.
3 mal 200 Meter Bruſtſtaffel (Herren): 1. Hellas=Magdeburg 8.55,8 Mm=
2. Berlin 1878 9.49 Min.

Seite 11

100 Meter Freiſtilſchwimmen: 1. Gebert=Magdeburg und Gruß= Magde=
burg
wtes Rennen in 1.04,6 Min.
300 Meter Freiſtilſchwimmen: 1. Arne Borg=Stockholm 10.40. 2. Taris=
Paris 11.21 (neuer franzöſiſcher Rekord).
1. Seitenſchwimmen 100 Meter: 1. R. Dahlem=Breslan 1.09,4 Min. 2.
Günther=Gelſenkirchen 1.09,5 Min.
Waſſerballſpiele: Hellas=Magdeburg Tſchechoſlowakei 7:1 (3:1). Bel=
gien
Deutſchland 8:3 (6:1).

Geſchäftliches.
Weiße Waren kauft die kluge Hausfrau ſeit Jahren im Februav
bei Rehfeld. Dieſe große Veranſtaltung wendet ſich mit überzeu=
gender
Kraft an alle Hausfrauen, an Brautleute, an Anſtalten, Reſtau=
rationen
und Penſionen. Ich bringe wirklich gute Ausſteuer= Quali=
täten
zu ungewöhnlich billigen Preiſen. Es empfiehlt ſich, daß Sie ſo=
fort
zu Rehfeld, Ludwigsſtraße 15, kommen, um dort weiße
Waren einzukaufen.

Unanſehnliche Aluminiumtöpfe und Küchenge=
räte
werden wieder blitzblank und ſtrahlen in neuem Glanz durch
Putzen mit Ata, dem bewährten Henkel Putz= und Scheuermittel.
Etwas Ata aus der handlichen Streuflaſche auf trockenen Lappen ge=
ſtreut
und damit die ſchmutzigen Stellen abgerieben, bringt ſchon nach
kurzem Putzen den gewünſchtem Erfolg. Das Nachreiben geſchieht bei
Aluminium gleichfalls trocken.

30. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lotterie.
1. Tag der 5. Klaſſe. In der Vormittags=Ziehung fielen:
2 Gewinne zu 10000 Mark auf Nr. 27 534; 2 Gewinne zu 5000 Mark
auf Nr. 13923; 4 Gewinne zu 3000 Mark auf Nr. 38 894, 126 190;
12 Gewinne zu 2000 Mark auf Nr. 31203, 52617, 149652, 152 467,
154 812, 224827; 32 Gewinne zu 1000 Mark auf Nr. 18 582, 64 907,
86 089, 110 053, 116 155, 144 473, 176 576, 180 534, 193 062, 237 217, 258 125.
305 179, 311 383, 317 421, 336 472, 367 734; ferner 76 Gewinne zu 500
Mark und 210 Gewinne zu 300 Mark. In der Nachmittags=
Ziehung fielen: 2 Gewinne zu 10 000 Mark auf Nr. 351 924; 6 Gewinne
zu 5000 Mark auf Nr. 30 313, 251 401, 272 020; 8 Gewinne zu 3000 Mark
auf Nr. 85 093, 134 978, 167 069, 251 816; 10 Gewinne zu 2000 Mark auf
Nr. 147 628, 194 410, 258 888, 305 489, 363 322; 22 Gewinne zu 1000 Mark
auf Nr. B99, 13394, 8822, 97181, 134 592, 163 892 202 42, 203 952,
221 368, 314 772, 358 359; ferner 68 Gewinne zu 500 Mark und 214 Ge=
winne
zu 300 Mark. Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je
500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 300000
Mark, 2 Gewinne zu je 200 000 Mark, 2 Gewinne zu je 100 000 Mark,
4 Gewinne zu je 75 000 Mark, 6 Gewinne zu je 50 000 Mark, 12 Ge=
winne
zu je 25000 Mark, 76 Gewinne zu je 10000 Mark, 152 Ge=
zu
je 5000 Mark, 408 Gewinne zu je 3000 Mark, 738 Gewinne zu je
2000 Mark, 1546 Gewinne zu je 1000 Mark, 4256 Gewinne zu je
500 Mark, 10 776 Gewinne zu je 300 Mark.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Freitag, 10. Febr. 13: Schallplatten=Konzert. Mozart. 15.30=
Führung ins Berufsleben durch das Städt. Berufsamt. Dir,
Menne: Der Förſter und der Oberförſter. Für Kinder vom 12.
Jahre ab. O 16.30: Dipl.=Ing. Mengeringhauſen: Ein Dutzend
Ratſchläge über Tapeten, Vorhänge uſw. O 17.45: Aus den
Briefen der Frau Rat Goethe, O 18.15: Vereinsnachrichten.
O 18.30: Von Kaſſel: Stunde der Frau. O 18.45: Stunde des
Südweſtd. Radioklubs. 19.15: Steuerinſp Fleiſcher: Lohn=
ſteuerfragen
. O 19.45: Fortſchritte in Wiſſenſchaft und Technik.
O 20.15: Wiener Streichquartett. Schubert: Streichquartett in
A=moll. Beethoven: Streichquartett in B=dur. O 21.15: Von
Kaſſel: Der Erſte und der Letzte‟ Drama in drei Szenen von
John Galsworthy. Anſchl.: Von Kaſſel: Hauskapelle,
Stuttgart.
Freitag, 10. Febr. 16.15: Konzert. Siede: Stadionmarſch.
Lincke: Herbſttraum. Menzel: Süßes Sehnen. Rubin=
ſtein
: Ouv. Dimitri Donskoi. Morena: Fantaſie. Papa Offenbach,
Potp. Translateur: Nur wer die Sehnſucht kennt. Siede=
Derbymarſch. Einl.: Martha Schuler. O 18: Landwirtſchafts=
nachrichten
. O 18.15: Prof. Boerger, Montevideo: Deutſches Leben
in Uruguay. o 18.45: Uebertr. Karlsruhe: Dr. v. Engelberg:
Die Nahrungsmittelverſorgung Deutſchlands. O 19.15: Eſperanto.
O 20.15: Uebertr. aus Frankfurt: Wiener Streichquartett. Schubert:
Quartett A=moll. Beethoven: Quartett op. 130. O 21.30: Aus
Stuttgart und Freiburg: Die Jagd nach dem Glück. Eine Reiſe
um die Welt in zwölf Sendefolgen. 4. Abend: Kairo. O 22.45:
Nachrichten, Sport.
Berlin.

Freitag, 10. Febr. 15.30: Dr. Poritzky: Die geiſtige Ent=
wicklung
des Weibes (Die Emanzipation der orientaliſchen Frau),
O 16: Dr. Hahn: Die Ausrottung des Tragiſchen. 16.30:
Kapelle Rooſz. O 18.30: Italieniſch. o 19: Vortragsreihe: Die
Berliner Muſeen. Geh. Reg.=Rat Prof. Waetzoldt: Zerſtörte und
verſchollene Werke. o 19.30: Dr. Niedecken=Gebhardt: Einf. zu
der nachf Uebertragung. O 20: Städt. Oper Charlottenburg:
Ezio. Oper in 2 Teilen (3 Bildern) nach Metaſtaſio von Händel,
Deutſch von Fr. Notholt. Dir.: R. F. Denzler. Regie: Dr. H.
Niedecken=Gebhardt a. G. Perſ.: Valentinian, römiſcher Kaiſer;
G. Ditter: Onaria, ſeine Schweſter: Ruth Berglund: Ezio kaiſer=
licher
Feldherr: W. Guttmann; Maſſimo, Patrizier, Günſtling
am Hofe: J. Burgwinkel; Fulvia, ſeine Tochter: Maria Pos=
Carloforti a. G.; Varo, Hauptmann der Leibwache: A. Baumann;
Krieger, Wachen, Frauen. Während einer Pauſe: Nachrichten,
Danach: Aus Operetten. Artur Guttmanns Ufa=Sinfoniker.
Offenbach: Ouv. Prinzeſſin von Trapezunt. Fall: Aus Madame
Pompadour. Raimann: Walzer aus Wäſchermädel. Stolz: Aus
Der große Name. Lehar: Aus Der Zarewitſch. Knopf: Aus
Die kleine Hoheit. Aſcher: Aus Hoheit tanzt Walzer.
Granichſtaedten: Aus Auf Befehl der Kaiſerin. Zeller: Potp.
Oberſteiger. Suppe: Aus Das Modell. Lehar: Aus Graf
von Luxemburg. Guttmann: Aus Madame Angot. Aus
Franzetti, der Hundertköpfige. Lehar: Aus Die luſtige Witwe.
Dolly Lorenz (Sopran).

Deutſche Welle. Freitag, 10. Februar. 14.30: Kinderlieder.
O 15: Geh. Med.=Rat Prof. Dr. His: Arbeit und Ruhe in ihrer
geſundheitl. Bedeutung. O 15.35: Wetter und Börſe. 0 16: Frau
Min.=Rat Heinemann: Berufsberatung: Die Lehrerin für Nadel=
arbeit
, Hauswirtſchaft und Werbearbeit. o 16.30: Dr. M. Hilz=
heimer
: Die Herkunft der wichtigſten Haustiere. O 17: Leipzig:
Funkorcheſter Dresden (Streichquartett). o 18: Dr. H. Hajek:
Oeſterreichiſcher Dichter: Ferdinand Raimund. o 18.30: Engliſch
für Fortgeſchrittene. O 18.55: Dr. Staedler: Welthandelsſtraßen
und Weltverkehr. o 19.20: Wiſſenſchaftl. Vortrag f. Zahnärzte.
5 19.30: Inhaltsangabe zu der folgenden Uebertr. o 20: Städt.
Oper Charlottenburg. Georg Fr. Händel: Ezio Oper in drer
Akten. Anſchl.: Preſſenachrichten. Darnach: Aus Operetten. Mitw.:
Dolly Lorenz (Sopran), A. Guttmann’s Ufa=Sinfoniker.

Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Samstag, den 11. Februar 1928.
(Nach der Wetterlage vom 9. Februar 1928.)
Zeitweiſe bewölkt, Temperaturen nachts um Null, nur ſtrichweiſe
Regen.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Winterſportverhältniſſe in Heſſen.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Temp.: minus 1 Grad; dunſtig;
jeehöhe: 20 Zendimeter; Sportmöglichkeit: ziemlich gut. Her=
hainer
Höhe: Temp.: minus 1 Grad; Schneehöhe: 22 cm,
erfö.mig, Ski und Rodel ſehr gut.
Heſſiſche Wetterdienſtſteile.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
antwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
und und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
m Handel: Dr. C. H. Quetſch; ſür den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Druck
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt

Die heutige Nummer hat 16 Geiten.

[ ][  ][ ]

Freitag;den 10. Februar

Nummer 41

Sanierung der Kraftverkehrsgeſellſchaft
Heſſen G. m. b. H.
Die unter ſtarker Beteiligung des Deutſchen Reiches im Jahre 1919
errichtete G. m. b. H., an der auch die Stadt Fraukfurt a. M., der
Bezirksverband Kaſſel, der Bezirksverband Wiesbaden, die Städte Kaſſel
und Offenbach, ſowie vier Landkreiſe beteiligt ſind, haute im November
1927 ihr Kapital von 504 000 auf 870 000 RM. erhöht. Es hat ſich aber
herausgeſtellt, daß zum Teil infolge von Ueberſchätzungen der Bewer=
tungen
des Automobilbeſtandes bei der Goldumſtellung, zum Teil in=
folge
der in neueren Jahren eingetretenen Preisſenkung für Automo=
bile
, ferner als Folge der Auswirkung von Konkurrenz eine Korrektur
der Buchwerte notwendig war.! Durch dieſe Bilanzbereinigung iſt ein
Verluſt von 435 000 RM. entſtanden, der nunmehr durch eine Zuſam=
menlegung
des Stammkapitals von 2:1 beſeitigt werden ſoll. Gleichzeitig
nimmt die G. m. b. H. eine Kapitalserhöhung auf bis zu 1 441000 RM.
vor. Dabei wird die Deutſche Reichsbahn mit einer Beteiligung von
bis zu 49 Prozent des künftigen Stammkapitals neuer Geſellſchafter.
Feſt übernommen ſind durch die Deutſche Reichsbahn bereits 440 000
Reichsmark Stammanteile, ferner weitere 6000 RM. durch die Stadt
Höchſt a. M., in Ausſicht ſtehen bis zu 250 000 RM. Beteiligungen bes
Staates Heſſen und, bereits bewilligt, 30000 RM. des Landkreiſes
Höchſt. Kommen die beiden letzteren Beteiligungen definitio zuſtande,
ſo wird die Deutſche Reichsbahn weitere 280 000 RM. Anteile zeich=
nen
, womiit der Höchſtanteil von 49 Prozent des Stammkapitals der
G. m. b. H. erreicht wüirde.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 9. Februar.
Das Effektengeſchäft bewegt ſich weiterhin im einem äußerſt engen
Rahmen, da ſich das private Publikum immer noch nicht zu einer rege=
vem
Anteilnahme bewegen läßt, ſo daß die Spekulation in ihrer Ent=
täuſchung
darüber ſich ebenfalls ziemlich reſerviert verhält. In dieſer
Haltung wurde ſie heute unterſtützt durch die innerpolitiſchen Unſtim=
migkeiten
, die eine gewiſſe Beunruhigung hervorriefen. Trotzdem war
die Tendenz im allgemeinen eher etwas feſter. Man verwies wieder auf
die lebhafte Nachfrage nach den neuen Reichsbahnvorzugsaktien und
hofft bei dem ſtarken Intereſſe von Auslandsſeite, daß eine nachhaltigere
Wirkung auf den deutſchen Geldmarkt nicht eintreten werde. So nahm
die Spekulation verſchiedentlich kleine Deckungskäufe vor, die auf den
meiſten Marktgebieten geringe Kursbeſſerungen hervorriefen, da ſich
andererſeits kaum Abgabeneigung bemerkbar machte. Gegen die geſtrige
Abendbörſe waren zunächſt überwiegend 12prozentige Kurserhöhungen
zu verzeichnen. So zogen Elektrowerte bei kleinſten Umſätzen durch=
ſchnittlich
1 Prozent an. Für Montanwerte war das Intereſſe etwas
reger; hier gewannen Mannesmann 134 Prozent und Rheiniſche Braun=
kohle
2 Prozent, Rheinſtahl und Stahlverein blieben jedoch nur etwa
behauptet. Banken waren vernachläſſigt und kaum verändert. J. G
Favben eröffneten zut leicht gebeſſertem Kurs. Für Freigabewerte erhielt
ſich einiges Intereſſe. Hapag und Nordd. Lloyd lagen je 1 Prozent
feſter, Scheideanſtalt plus 134 Prozent, Holzverkohlung jedoch 1 Prozent
ſchwächer. Von den Bauunternehmungen zogen Zement Heidelberg
1 Prozent und Ph. Holzmann 3½ Prozent an, Wayß u. Freytag gaben
dagegen trotz des in ihrem Börſenproſpekt erwähnten guten Geſchäfts=
ganges
leicht nach. Adlerwerke eröffneten 2 Prozent ſchwächer. Deutſche
Anleihen lagen faſt umſatzlos. Von ausländiſchem Renten beſtand für
Ruſſen und Lemberger einiges Intereſſe. Im weiteven Verlauf ſtockte
das Geſchäft vollkommen. Man nannte nur wenig veränderte Kurſe.
Es machte ſich verſtärkte Zurückhaltung bemerkbar, zumal am Geldmarkt
für Tagesgeld ſtärkere Nachfrage eintvat, ſo daß der Satz auf 6½ Pro=
zent
erhöht wurde. Am Deviſenmarkt konnten ſich Dollar und Pfund
etwas erholen. Man nannte Mark gegen Dollar 4.,1925, gegen Pfunde
20/432. London-Paris 124,02, Mailand 92,06, Madrid 28,63, Kabel
4.8720
Die Wbenbörſe war ziemlich geſchäftslos. Zu den erſten Kurſen
konnten Freigabewerte, wie Lloyd und Hapag, nicht notiert werden.
Auch ſonſt wurden nur vereinzelt Terminwerte gehandelt. Kursmäßig
war man auch im weiteren Verlauf zu den Mittagskurſen kaum verän=
dert
. Nur Daimler etwas lebhafter, doch bei 89 unverändert gegen
mittag. Am Anleihemarkt: Türken und Lemberger etwas lebhafter,
doch gleichfalls ohne Kursveränderung. Im einzelnen nannte man:
Komm.= u. Privatbank 176, Darmſtädter 23,05, Metallbank 126, Har=
pener
186, Kali Aſchersleben 173,5, Mannesmann 149, Phönix 99,
Rhein. Braunkohlen 232, HamburgAmerik. Paketfahrt 150,75, Frankf.
Allg. Verſ. 174,75, Nordd. Lloyd 152,5, AEG. 163,5, Daimler 89,37,
Gold= u. Silber=Scheideanſtalt 198,5, El. Licht u. Kraft 220,25, J.=G.
Farben 259,75, Geſ. f El. 260,5, Holzmann 138, Holzverkohlung 82,5,
Rütgerswerke 94,5, Siemens u. Halske 283, Zellſt. Aſchaffenburg 169
Im Abend=Deviſenverkehr nannte man London-Paris 124, Mai=
land
92,07½, Neſ York 4,87,20, Holland 12,10½, Zürich 25,33½
Madrid 28,62; Pfunde gegen Mark 20.42; Dollar gegen Mark
4,19,27½.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 9. Februar.
Die innerpolitiſche ungeklärte Lage (Schulgeſetz, Wahlpropaganda
uſw.) und die Meldung, daß im Mitteldeutſchen Metallarbeiterſtreik
noch keine Einigung erzielt worden iſt, hielten den heutigen Vormittags=
verkehr
unter Druck. Das Geſchäft war wieder ſehr gering und die
Spekulation zeigte eher noch größere Zurückhaltung als ſonſt. Zum
offiziellen Börſenbeginn trat zwar keine Geſchäftsbelebung ein, die

Stimmung wurde aber entſchieden freundlicher. Einerſeits wollte man
von einer Diskontſenkung in Amſterdam auf 4 Prozent wiſſen, anderer=
ſeits
verdichteten ſich die Gerüchte betreffs einer bevorſtehenden Dis=
kontſenkung
in Deutſchland immer mehr, zumal der Geldmarkt auch
heute eine weitere Entſpannung aufwies. Hinzu kam ein bei einigen
Werten deutlich feſtzuſtellender Stückemangel, der dann auch in dieſen
Papieren zu aus dem Rahmen fallenden Kursſteigerungen führte. So
ſetzten Glanzſtoff 7 Proz., Oſtwerke 234 Proz., Holzmann 3½ Proz.
feſter ein, während ſonſt die Kursentwicklung als unregelmäßig zu be=
zeichnen
war, die Abweichungen aber nur ſelten über 1 Proz. hinaus=
gingen
. Im Verlaufe wurde es auf Deckungen etwas lebhafter. Auch
Publikumsorders ſollen bei einigen Privatfirmen in kleinerem Um=
fange
eingetroffen ſein, doch hielten ſich die erzielten Gewinne zumeiſt
in Grenzen von 1 Prozent. Holzmann konnten weitere 2 Proz. an=
ziehen
. Für Scheidemantel beſtand einiges Intereſſe, ohne daß der
Kurs ſich weſentlich veränderte. Spritwerte lagen ziemlich lebhaft, da=
gegen
konnten Norddeutſche Wolle ihren anfänglichen Gewinn nicht be=
haupten
. Anleihen lagen ſehr ruhig. Ausländer wenig verändert.
Pfandbriefe angeboten und eher ſchwächer. Umſätze klein. Induſtrie=
obligationen
heute einheitlich nachgebend. Rheinſtahlbonds minus drei
Prozent, Farbenbonds zirka 140 Proz. Der engliſche Bankdiskont blieb
auch heute unverändert, dagegen erfuhren die Sätze des hieſigen Privat=
diskonts
eine weitere Ermäßigung um ½ Prozent für beide Sichten auf
6 Proz. Am Geldmarkt nannte man für Tagesgeld einen Satz von
5½7½ Proz., für Monatsgeld 7½8½ Proz. und Warenwechſel
zirka 6¾ Proz. Auf dieſen leichteren Geldſtand hin waren Deviſen
gefragt, nur Amſterdam im Zuſammenhang mit der noch nicht beſtä=
tigten
Diskontermäßigung ſtark angeboten und ſchwach. Der Satz für
Reportgeld wurde heute von den Banken unverändert zur letzten Liqui=
dation
mit 7½8 Prozent feſtgeſetzt. Bis zum Schluß der Börſe trat
eine nennenswerte Aenderung nicht ein. Auch die Ermäßigung des
Privatdiskonts auf 6 Prozent für beide Sichten blieb ohne jede Wir=
kung
. Die Nachbörſe war überwiegend. abbröckelnd.

Aſchaffenb. Zellſto
Augsb. Nürnb. Ma
Bamag=Meguin".
Berlin el. W
Berlin Karsruhe:
Braunkohl. Brikett
Bremer Vulkan
Bremer Wolle..
Deutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen. / 63.75
Deutſch.=Nied. Tel.
Deutſche Erdöl. ..
Deutſche Petroleum
Dt. Kaliwerke
Donnersmarckhütte
Dynamit Nobel".
Eleltr. Lieferung
J. G. Farben.
R. Friſter
Gaggenau Vorz.
Gelſenk. Berg
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen
Ban.=Maſch.=Egeſt.
Hanſa=Dampfſchf .. 4 212.

8. 2. 9. 2. 8. 2. 9. 2 171. Hemogr=Zement, 249. 250. 110. 110. Hirſch Kupfer. 113.5 117.5 28. 28. Höſch Eiſen 139.5 139.5 74. 74. Hohenlohe Werke.. 101.75 100.125 86.5 85.25 Kahla Porzellan, 109.75 110. 175.5 172. Lindes Eismaſch. 157 157.25 143. 144. Lingel Schuh 71.5 71. 200.5 210 Linke u Hofmann". 107.25 106 75 L. Loewe u. Co.... 251.5 252. 63. C. Lorenz.. 110. 110.5 Niederlauſitzer Kohle 160. 158. 129. 129. Nordd. Gummi. . . . 74. 74. Orenſtein. . .. . ... 137.5 136. Rathgeber Waggon". Rombacher Hütten. 89.25 89.25 126. Dn Roſitzer Zucker .... 74.875 71.25 168.25 168.125 Rütgerswerke" 94.5 94.125 260. 259.5 Sachſenwerk 118. 116.75 107.5 107.25 Sächſ. Gußſtahl 142.5 145.5 37. 37. Siemens Glas 146.75 145 Ver, Lauſitzer G 134.5 134.25 263. 260 25 Volkſtedter Porzell. 53.25 53. 158. 157. Weſtf. C. Langendree 68. 68. Wittener Gußſtahl 60.5 60.5 1212.25 Wanderer Werke 190. 190.

Oeviſenmarkt.

Helſingfors".
Wien ..."
Prag .......!
Budapeſt ....
Sofia .......
Holland ...
Oslo .......
Kopenhagen".
Stockholm".
London
Buenos Aires
New=York"
Belgien ..

8. 2. 9. 8. 2. Geld Brie Geld Brief Geld / Brie 10.547 10.56 10.55 10.57 Italien .. 22.17 22.21 58.96 59.08 58.975/59.095 Paris .. 16.4* 16.49 12.408 12.420 12.41: 12.43. Schweiz. 80.55 80.71 73.2 73.35 73.21 73 3. Spanien.. 71.33 71.4 3.027 3.03 3.030/ 3.036 Danzig". 81.5 81.73 168.71 169.0: 168.61 68.95 Japan. . . . . . . 1.96 1.96 11.38 11.60 111.44 11.66 Rio de Janeiro 0.503 9.505 112.10 112.32 112.11 12.33 Jugoſlavien .. 7.36 7.371 112.3 1125 112.38 112.6 Portugal .." 19.68 19.72 20.403 20.44. 20.408120.448 Athen ....... 5.544/ 5.556 1.789 1.793 1.790 1.794/ Konſtantinopel 2. 120 2.12 4.1875 4.1955 4.18900 4 197c Kanada. 4. 180 4.18 58.30 2.4 58.305 58.425) Uruguay. 4.276/ 4.28

9. 2.
Geld /Brief
2.165 22.205
16.45 16.49
80.565 80.725
71.31/ 71.45
81.57/ 21.73
1.9631 1.967
0.503/ C.505
7.358/ 7.372
19.68 19.72
5.5941 5.606
2.121/ 2.125
4.180/ 4.188
4.276/ 4.284

Metallnotierungen.
Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kilogramm am 9. Febr.
Elektrolytkupfer, prompt, eif Hamburg, Bremen, oder Rotterdam ( No=
tierung
der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz) 135 RM.
Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes.
(Die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Liefe=
rung
und Bezahlung.) Originalhüttenaluminium, 98= bis 99proz., in
Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 210 RM., desgl. in Walz= oder Draht=
barren
99proz. 214 RoM., Reinnickel, 98= bis 99proz. 350 Y0M., Antimon
Regulus 95100 RM., Feinſilber (1 Kilogr. fein) 7879 RM.
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom
9. Febr. ſtellten ſich für Kupfer: Januar 124¾ (124½), Februar
124 (125½), März und April 124½ (125), Mai, Juni und Juli 124½
(124¾), Auguſt bis November 124½ (125), Dezember 194½ (125). Ten=
denz
: ſtill. Für Blei: Januar 43 (43½), Februar 41½ (42½),
März 42 (42½), April und Mai 42½ (42½), Juni 42½ (42¾), Juli
42½ (43), Auguſt bis November 42¾ (43), Dezember 43 (43½). Ten=
denz
: ſtill. Für Zink: Januar 50½ (51½), Februar und März
51 (52), April 50½ (52), Mai 50¾ (51½), Juni 50¾ (5134), Juli
50¾ (51½), Auguſt und Septembex 50½ (51½), Oktober 50¾ (51½),
November 50½ (51½), Dezember 50½ (51½). Tendenz: ſtill. Die
erſten Zahlen bedeuten Geld, die
Klammern Brief.

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Lebhafter Geſchäftsgang in der Pforzheimeu Edelmetallinduſtrie,
In der Edelmetall= und Schmuckwareninduſtrie des Bezirkes Pforzheim=
hält
der lebhafte Beſchäftigungsgrad und Geſchäftsgang infolge der
durch die Reiſetätigkeit eingebrachten Aufträge für goldene Ketten, gol=
dene
Ninge und Doublé=Waren an. Die Silberwarenfabrikation dagegen
iſt infolge ſtarken Rückganges der Aufträge nach dem lebhaften Weih=
nachtsgeſchäft
erheblich ſchwächer beſchäftigt als im Vorjahre. In der
Juwelenbranche iſt das Geſchäft ruhig. Das Geſchäft wurde durch die
plötzliche Steigerung des Platinpreiſes ungünſtig beeinflußt. Die Tätig=
keit
der Induſtrie erſtreckte ſich im abgelaufenen Monat überwiegend
auf das Auslandsgeſchäft. Kurzfriſtig erteilte Aufträge hatten vielfach
zur Inanſpruchnahme von Ueberarbeit gezwungen. Der Auslandsmarkt
zeigt fortgeſetzt gute Aufnahmefähigkeit für goldene Ringe, Ketten un
Doubléwaren, dagegen erheblich ſchwächere für Silberwaren. Der
Zahlungseingang iſt unbefri=digend. Das Exportgeſchäft liegt nach wie
vor puhig. Die Fabrikation feinverſilberter Metallwaren geſtattete
noch volle Beſchäftigung. Es iſt aber jetzt faſt aufgearbeitet, ſodaß in=
folge
unbefriedigenden Eingangs neuer Aufträge in der jetzigen Zeit=
bereits
Betriebseinſchränkungen vorgenommen werden mußten. Für die
ſchwerverſilberte Tafelgeräte und Beſtecke iſt der Auftragseingang be=
friedigend
.
Der Zementabſatz im Januar. Wenn auh ſeit Eintritt der mii=
deren
Witterung eine gewiſſe Geſchäftsbelebung durch die Wiederauf=
nahme
der Bautärigkeit zu bemerken war, ſo dürfte nach eier Verlaut=
barung
der Zementverſand innerhalb des Deutſchen Reiches im Ja=
wuar
den im der gleichen Zeit des Vorjahres erzielten Umſatz nicht er=
reichen
, ſondern 10 bis 15 Prozent niedriger ſein. Die Exportlieferun=
gen
bewegten ſich dagegen auf vorjähriger Höhe.
20 000 Sattler und Tapezierer in Aktion. Um Löhne, Arbeitszeit
und Ferien. In der Lederwarenbranche iſt der Berliner und Offen=
bacher
Tarif gekündigt worden. Der Berliner Bundestarif wurde vom
Hauptvorſtand gekündigt. Für das Offenbacher Vertragsgebiet haben
die Arbeitgeberverbände den Offenbacher Mantelvertrag gekündigt. Fer=
ner
iſt zehn Großſtädten der Tapezierertariſvertrag geküdigt wovden.
Hierbei kommen etwa 4000 Arbeiter in Frage. Insgeſamt werden von
der Tarifbeſwegung bei der auch die Lohnfrage ſelbſtverſtändlich eine
große Rolle ſpielt etwa 20 000 Arbeiter betroffen. Die Verträge laufen
im allgemeinen noch bis zum 30. April. Im Laufe des Monats März
werden die Verhandlungen aufgenommen.
Preußiſche Pfandbriefbank. Die Bankhäuſer Sam. Montagu u. Co.
und Singer m. Friedländer, London, haben von der Preußiſchen Pfand=
briefbank
6 000 000 GM. kapitalsertragsſteuerfreie ſiebenprozentige Gold=
pfandbriefe
zum Kurſe von 93: Prozent feſt übernommen. Die auf
Grund dieſer Goldpfandbriefe vön den genannten Bankhäuſern auszu=
gebenden
Zertiſikate ſind bereits im Wege des freihändigen Verkaufs als
dauernde Kapitalsanlage begeben. Die Auflage zur öffentlichen Zeich=
nung
findet infolgedeſſen in London nicht ſtatt. Der Erlös aus Aus=
andsverkäufen
wird ausſchließlich zur Darlehensgewährng, an die
Landwirtſchaft verwandt.
Schramm Lack= und Farbenfabriken, A.=G., Offenbach a. M. Die
o G. V., in der 8 Aktionäre RM. 1 149900 Stamm= und RM. 5 400
Vorzugsaktien vertraten, genehmigte die Regularien. Somit kommt eine
Dividende von 10 Prozent auf die Stammaktien und eine ſolche von
6 Prozent auf die Vorzugsaktien zur Verteilung. Anläßlich des
25jährigen Beſtehens der Geſellſchaft ſührte der Vorſitzende aus, daß das
Unternehmen eine ſtete und geſunde Entwicklung ſeit Beginn gezeigt
hat und auch heute auf durchaus geſunder Baſis ſtehe. Die finanzielle
und auch die techniſche Lage ſei ſtark gefeſtigt und man dürfe mit einen
günſtigen Weiterentwicklung des Unternehmens rechnen.
Wayß u. Freytag, A.=G., Frankfurt a. M. In dem Börſenproſpekt
anläßlich der Einführung von nom. RM. 4 000 000 junger Aktien an den
Franbfurter Börſe, wird über die Geſchäftslage ausgeführt, daß der
vorliegende Auftragsbeſtand im In= u. Auslande der Geſellſchaft u ihrer
Tochterfirmen ausreichende Beſchäftigung über das laufende Geſchäftsjahr,
hinaus ſichert, ſodaß auch ſür das erhöhte Aktienkapital eine angemeſſone
Verzinſung erhofft wird.
Zementplattenfabrik Bernhard Löhr A.G., Frankfurt a. M. Die
Geſellſchaft nimmt für 1927 die Dividendenzahlung mit 10 Prozent auf:
die St.A. wieder auf und ſchlägt der G.V. Kapitalserhöhung um bis
zu 150 000 RMM. auf 25000 RM. vor. Die Aktien wurden zuletzt im
feſigen Freiverkehr mit 150 Prezent G. geſucht.
Zur Kapitalserhöhung der International Germanie Truſt Co. Wie
rus New York gedrahtet wird, iſt ſoeben eine öffentliche Ankündigung
erfolgt, daß die International Germawie Truſt Co., die kürzlich vom
Federal Reſerve Syſtem als Mitglied zugelaſſen wurde, eine Erhöhung
ihres Kapitals von 30000 Shares auf 40 000 Shares beſchloſſen hat.
Die Kapitalserhöhung erfolgt, um den Aktienaustauſch mit der kürzlich
ngegliederten Terminal Truſt Company bewerkſtelligen zu können. Die
letztere Geſellſchaft verfügt etwa über 5 Mill. Dollar Depoſiten und über
Geſamtmittel von etwa 7 Mill. Dollar. Durch die Fuſion werden Kapi=
tal
und Reſerven der International Germanie Truſt Co. auf 6 Mill.
dollar anwachſen. Der Kurs der International Germanie Truſt=Aktien,
die im Oktober 1927 zu 170 Prozent angeboten wurden, hat ſich inzwi=
ſchen
auf 212 Dollar pro Aktie erhöht. Bekanntlich wurde ein nicht un=
veträchtlicher
Teil der erſten Emiſſion in Deutſchland untergebracht.
Produktenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 9. Februar. Geringe Kauf=
neigung
und ſtarkes überſeeiſches Angebot ließen die Produktenbörſe
in abgeſchwächter Haltung verkehren. Man verlangte die 100 Kg. ohne
Sack waggonfrei Mannheim: Weizen inl. 24,5025,25 ausl. N7,75 bis

Bräntfarter Karsoericht veit e. dror. Le40.

Staatspapiere
a) Deutſche
D. Rchsanl. Ablöſ.
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Sch. I. Te
III. Tei
D. Nchsanl. Ablöſ.= 42 Ung. Goldr
(lt Innsbr. Abk.)
4% Ung. Staatsr.
v. 10. 24.1
1. 525
16.2 51.85
55.55 48 Ung. Kronr.
3% Ung. Eiſ. Tor A. Schuld ohne Aus= europäiſche koſungsſcheine..
4% Dt. Schutzgeb.= 15.9 %Mex.am. in. abg.
äuß. 99 Anl. .. . . . . . 7.225 Gold 04 ſtf. b) Ausländiſche o konſ. inn. 4½%Frrigat. 65% Bos. E. B. 1914 38.25 5% Tamaulipas!, 5% L.Inv. 1914 37.5 4½% 1898. Sachwert=Schuld= 4½% 1902..
4% Bosnien ..." verſchreibnngen 3.1 Mit Zinsberechnung 6% Bulg. Tabat. 02 17 10%Berl. H.=Bk. 0 105 4½%0 Oſt. Staatsr. 6% Berl. St. Golt 98 v. 1918, Kdb. 1918 Darmſt. St.=G. 93 4½% Oſt. Schatz. 14
4½%0 Oſt. Silberr. 29.75 D. Hyp.=Bank Meining. Goldpf. Goldr.
40 Oſt. Goldrente 94 89 lt. Innsbr. Abk. 31.25 Dresd. St.:G. 87 4½% einh. R. (k.) 1.25 7% Frkrft. St.=G. 89 83 8% Port. (Spz.)/III 3.5 20 Frif. Hhp.=Bk.
Goldpfbr. 97 5%Rum. am. R.03 7%0 Frlf. Hyp.=Bk. 93.5 4½%nGold. 13 16.5 Goldpfbr. f3 am: kon. 5.3 6% Frif. Hyp.=Bk. 89 4½ am. 05 5.75 Goldpfbr.
8%0 Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr. 4O Türk. (Adm.)03 9. 4% (Bagd.) 0 Frkf. Goldpfbr. 33 4% (Bagd.) II 131, 8% Frkf. Pfbr.=Bk. 4% unif. 1903 Goldpfbr. 90 4% 1911 Boll 13.225 5% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr. 81 4½% Ung. St. 1913 % H.=St.=Gold= 2S
1913 anl. . 87 (lt. Junsbr. Abk.) 82, Heſſ. Land.=Bk. 41.20 Ung. St. 1911 Goldpfbr. 98.5 4½% Ung. St. 1914 Heſſ.Land.=Bl. (lt. Innsbr. Abk. Goldpfbr. R.r7 4% Ung. Goldr.. . 25.05 8%Klöckn.=Werk. 26 94.5

10% Komm. Elektr.
Mark (Hagen)
Goldobl
2 Komm. Ldsbk
Darmſt. Reihe I
8¾ K. Landesbank
Darmſt. ReiheII
8% Ldwgshf. Stadt
Goldanl. ..
M. Kraft Höchſt
Mainz.=St.=G.
½ Mannh. St.=G.
Mannh. St.=G
M.=Stahlw. 2
8 Naſſ. Ldb. Gold
80 Nbg. St. Gldal
Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
% Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
6% Pfälz. Hyp. Bk.
Goldpfbr.
Pforzh. St.=G
% Pirmeſ. St.=G.
80 Pr. Centr. Bd.=
Cr.-Bk. Goldpfbr.
8% Pr. Centr., St.=Gldpfbr.
70 Pr. Centr.=St.
ſchafts=Goldpfbr
8% Rh.=Hyp.=Bk
Goldpfbr.
7%0
6%
4½% Lig. Pfb
4½% Anteilſch
7½% Rh. Stahlw.
25 ..
10% Rh.=Weſtf.=B
Cr.=Bk. Goldpf.
8% Südd. B.Cr. B.

Goldpfdbr.
70 V. Stahlw. Düſ=
ſeldorfHnp
.= Gld=
obl
. mit Option
% V. Stahlwv. Düſ=
ſeldorfHyp
.=Gd.
obl. ohne Option
Viag (V. Ind,=
Unt. Bln.) 27...

102.75
95.5
96

93.5
89.6
92.75
94.75
81.5
92.75
103.

97
94

A
96
93
98

98

94
97.5
94
89.5
82.25
60.6
120

103
98
91

97
93.5

91

Voigt &Häffner
Goldobl. .....
30 Württ. Hhp.=
Bank Goldpfbr

Ohne
Zinsberechnung
5% Bdw. Kohl 2.
6% Großkr. Mnnh.
Kohl. 23
6%Heſſ.Bk.= Reg. 23
5%Heſſ. Volksſtaat
Roggen .. . . . 23
5% Pr. Kaliw. ..
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt. BG.
Vorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Vereinsb. ..
Bahr. Handelsb.
Bahr. Hyp. u. Wechſ.
Berl. Hyp.=Bk.
Frkf. Hyp.=Bk.
Frkſ. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bf.
Mecklb. Hyp.= u. Wb.
Meining. Hyp. Bk.
Nord. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk...
Preuß. Bod.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=Cr. B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B.
Rh.=Wſtf.=B. Cr.=B.
Südd. Bodenkr.
Württ. Hhp.=Bk..
Staatl. od. prov.
garantiert
Geſſ. L.=Hyp.=B..
Landeskr. Caſſel
Naſſauiſche Ldsb..
Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz.=Carl=
Lud.=B.... . ..
5% Oſt. Sb. (L.)ſtfr.

93
96

12.32

2.22

17.925
14.15
14.25

16
12.75
9.6

4.25
ZK

2,6%Alt. Oſt. Süd.
2,6% Neue
4%0 Oſt. Staatsb. 83
30 Oſt. 1. b. 8. E.
3% Oſt. abg.
3% 9. Em.
3% (abg.)
3% 1885
abg.
3
3%Oſt. Erg. Net
3%Oſt. abg.
3% NaabOebd. 83
9
9
4% Rud. Silber.
4½ Rud. (Salzkg.
4½%Anat., S. I
4½‟ Anat., S. II
%⁄ Anat., S.II.
Salon. Monaſt.
5 Tehuantepec
4½½
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit.
Bad. Bk. . . . . . . . . 473
Bk. f. Brauind.
Barmer Bankv.
Bah. Hyp.=Wchſ. 1168.5
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ..."
D. Eff. u. Wchſ.=Bk
D. Hyp.=Bk. Mein
D. Vereins=Bk.. . .
Disk.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frankf. Hypth.=Bk./137.5
Frrf. Pfdbr.=Bk. . . /138
Gotha. Grundkr. B
Lux. Intern. Bank.
Metallbank.
Mitteld. Creditb. 1206
Pfälz. Hyp.=Bk.
Pr. Bd.=Creditban
Hyp.=Akt.=Bank/155
Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Creditbk:
Rhein. Hyp.=Bk. . 1169
Südd. B.=Credbitk.

Südd. Disc.=Geſ...
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein

144
1.s

19.5
16
14.5

18.*
17
14.5

143.5

145

176
161.5
123
137
103
157.25
158.75
117

Bergwerkö=Akt.
Buderus...
Eſchw. Bergw....
Gelſenkirch. Bgw.
Harp. Bergb
Ilſe Bergb. St..
Genußſchein ..
Kali Aſchersleben
Kali Salzdetfurth
Kali Weſterregeln.
Klöcknerwerke (abg.
Lothr.=Hütte).
Mannesm.=Röhre
Mansſelder ..."
Oberbedarf ......
Otavi=Min.=Ant. . .
Phönix=Bergb.
Rhein. Braunk.
Rhein. Stahlw.
Riebeck Montan.
SalzwerkHeilbronn
Tellus Bgb.......
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke.
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh.
Henninger ...
Hereules Heſſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz, Aktienbr:
Schöfferhof(Bind
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg
Werger...."

97
210

121.5
174.25
251
183.5

149.1
116
104.25
98.75
165.5
145.5
188
110

275
181
321
248
319
169
158

7.5
126
137
193.25
129.75

Rkkum. Berlin".
Adler & Oppenh..
Adlerw. (v. Kleher)/ 77.5
6% E.A. G. Vzg. A/ 88
5% A. E. G. Vzg. B/ 80.5
A. E. G. Stamm . . 163,
Bad. Maſch. Durlach/144
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Meguin. . 27.5
Baſt Nürnberg ..

Bahr. Spiegel
Beck & Henkel
Bergmann El. Wk
Bing. Metall.
Brem.=Beſigh.=Ol.
Bürſtenfbr. Erlang.
Eement. Heidelb. ..
Cement Karlſtadt.
Cement. Lothr.
Chem. Albert.. . . ."
Chem. Brockh.
Chem. Milch..
Daimler=Benz A. G.
Dt. EiſenhandelBl.
Deutſche Erdöl ..
D. G. u. Silb. Sch. A.
D. Linoleumw. Blr
Dingler, Zweibrück.
Dresd. Schnellpr.
Dürkopp=W. (St.
Dürr. Ratingen.
Dhckerhoff & W..
Eiſenw. Kaiſersl..
El Licht u. Kraft.
El. Lieferung ..
Elſ. Bad. Wolle".
Email. Ullrich .."
Enzinger=Werke".
Eßlinger Maſch.
Ettlinger Spinn.. .
Faber Bleiſtift...
Faber & Schleicher
Fahr, Pirmaſens.
Farbenind. J. G.. . 1259.5
Feltenc Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Feiſt, Sekt. ...
Frankfurter Gas".
Frankfurter Hof
5 Frkf. M. Pok. & W.
Geiling & Cie..."
Goldſchmidt, Th.. .
Gotha Waggon ..
Gritzner Maſch. ...
Grün & Bilfinger..
Hafenmühle Frkft
Haid & Neu
Hammerſen
Han fw. Füſſen ...
Hanſa=Llohd, Br.
Hartm. & Braun..

182

59
138.5
180
58
122
42.5
86.5
130
199
262.5

130
75
A
220

38
21.5
48
230
75
104
52.75

95
41
150
106
72.25

129.5
159
136
52.4

142

Hehligenſtaedt..
Hilpert, Armatur. 92
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ....
Hoch=Tief=Eſſen
Holzmann".
Holzverk.=Ind..
Hydrom. Breslau".
Fnag ..
Junghans St. ...
Kammg. Kaiſersl..
Karlsruher Maſch..
Karſtadt, N.
Klein, Sch. &Becker
Knorr, Heilbronn..
Konſerv. Braun ..
Krw. All=Württbg. /102
Krauß & Co. ....."
Lahmeyer .. . . . .."
Lech, Augsburg .
Lederwv. Rothe ...
Lederw. Spicharz..
Lingel Schuhw.. . .
Löhnberg. Mühle.
Ludwigsh. Walzm./131
Lüdenſcheid. Metall
Mainkraft Höchſt.. 116.5
Mars=W. Nürnberg/132.5
Metallgeſ. Frkf.
Miag Mühlenb. ..
Moenus Stamm. .
Motorenf. Deutz".
Motorenf. Oberurſ.
Münch. Lichtſpielk.
Neckarſ. Fahrz.
Neckarw. Eßlingen.
Peters Union . ...
Pfälz. Nähm Kayſer
Philipps A.=G.
Porzellan Weſſel.
Rein. Gebb. & Schall
Rhein. Elektr. St.. 154
Rhenania,Kunheim
Rütgerswerke ..
Schneid & Hanau..
Schnellpr. Frankth.
Schramm Lackfr. . .
Schrift g. Stempel
Schuckert. Elektr. . .
Schuhfbr. Weſſel.. 83.25
Schuhf. Herz ... . . ! 20",

117
81.5
1.38.5
83.5

99
R4

112
170
67
49
161

42
140.5
63.5

76
122
98.5
137
111

30
20
51.5
94
50
n7.5
135.5
122
179

Schultz. Grünlack. Seilind. Wolff. . . ./ 80 Siemens Glas. .. Siemens & Halske. 1282.5 Südd. Immob. . . 100 Südd. Zucker=A=G. 140.5 Thür. Lief. Gotha. Uhren Furtwängl. . Unter fr. Kr. El. V.. 1105.75 Beithwerke. ..... 50 Ver. f. Chem. Ind 100.5 Ver. d. Olfbr. Mhm. 84.25 Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bln.=Frkf. 52.25 Pinſel=Nürnberg .. ultramarin ... . .." 138 Zellſtoff Berl.. . .. 149.5 Vogtl. Maſch. ... 75 Voigt & Haeffner.. 179 Volthom Seil ..../ 74.25 Wahß & Freytag. 135.25 WegelinRußfbr. . . 139 Zellſt. Aſchaffenbg. Zellſt. Memel ...." 139 Zellſt. Waldhof. . . 46 Zuckerf. Rheingau. Trandport= und
Berſicherungs=Alkt.
Dt. Reichsb.=Vorz. A. Dt. Eiſenbahn.. A. Lokalb. u. Kraft 189 Dt. Eiſenb.=Geſ.. Schantung E.B. Südd. Eiſenb.=Geſ 138 Hapag ....... 150.5 Nordd. Lloyd 153.25 Frkft. Allg. Verſ. 174.75 Frankonia Rückv. . 117.25 Darmſtädter Berte Bahnbedarf
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[ ][  ][ ]

Nummer 41

Freitag, den 10. Februar 1928

Seite 13

30,50, Roggen inl. 25B,2, ausl. 262,25, Hafer il. B24,75,
ausl. 24,7526,25, Braugerſte ausl. 30,5035, pfälziſche 29,5031,50,
hadiſche, heſſiſche und württembergiſche 292,50, Futtergerſte 21,75 bis
B,50, Mais mit Sack 22,252,50, ſüddeutſches Weizenmehl, Spezial 0,
36.2537, ſüddeutſches Roggenmehl 3436, Weizenkleie 1414,25.
Frankfurter Getreidebörfe vom 9. Februar. Die Produktenbörſe
blieb für Getreide flau geſtimmt. Nur Mais und Kleie, wie in den Vor=
tagen
, lagen weiter feſt. Veränderungen in den amtlichen Preiſen wur=
den
jedoch nicht feſtgeſtellt. Es notierten je 100 Ko.: Weizen 1 24,50,
dto. II B.253,50, dto. III 22,753,25, Roggen 24,50, Sommergerſte
3,502,50, Hafer inl. B,5024; Mais (gelb) 22,50, Mais 22,7523,25,
Weizenmehl ſüdd. 3636,75. Roggenmehl 3335, Weizenkleie 14,15 bis
14,25, Roggenkleie 1515,25.
Berliner Produktenbericht vom 9. Februar. Ein feſteres Chicago
wurde aus Argentinien mit rückgängigen Preiſen beantwortet und auch
der Liverpooler Anfang hatte heute ſeine Notierungen weiter herabge=
fetzt
. Dies und das anhaltend willige Mehlgeſchäft bewirken ein weiteres
Fernbleiben von Handel und Mühlen. Die Terminpreife ſenkten ſich
für Weizen infolge größerer Verkäufe ſowie Begleichungen um 2 Mk.,
Roggen fand eine Stütze in Deckungen in ſofort greifbaren Poſitionen.
Die Abſchläge gingen deshalb über den Umfang von etwo, einer halben
Mark nicht hinaus. Gerſte ruhig, Hafer wird über erzielbaren Preis
gefordert.
Viehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 9. Februar. Aufgetrieben waren 130
Kälber, 11 Schafe, 1 Ziege, 4 Ochſen. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber
a) 7578, b) 6874, c) 6267, für Schafe 4045 Pf. pro Pfund. Der
Marktverlauf war lebhaft geräumt.
Mannheimer Viehmarkt vom 9. Februar. Zum heutigen Klein=
biehmarkt
waren zugeführt und wurden die 50 Kg. Lebendgewicht je nach
Klaſſe gehandelt: 75 Kälber 7278, 16 Schafe 4349, 193 Schweine 57
bis. 62, 677 Ferkel und Läufer, Ferkel bis 4 Wochen 1317, über 4
Wochen 1922, Läufer 2429. Marktverlauf: Mit Kälbern mittel=
mäßig
, geräumt; mit Schweinen ruhig, langſam ausverkauft; mit Fer=
keln
und Läufern mittelmäßig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 9. Februar. Der Auftrieb des
heutigen Nebenmarktes beſtand aus 77 Rindern, 1034 Kälbern, 257 Scha=
fen
und 626 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Nebenmarktes
der Vorwoche waren 50 Kälber, 60 Schafe und 150 Schweine weniger
angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Kälber b) 72
bis 76. c) 6571, d) 5564: Schafe a) 5053, b) 4249; Schweine
b) 5860, c) 5860, d) 5759, e) 5658. Im Vergleich zu den Notie=
rungen
vom 2. Februar gaben Schweine 1 Mark nach, während Schafe
und Kälber behauptet blieben. Markwerlauf: Geſchäft in allen Vieh=
gattungen
mittelmäßig, geräumt. Fleiſchgroßmarkt: Ochſen= und Rind=
fleiſch
I 9095, II 8090. Bullenfleiſch 8590, Kuhfleiſch I 7080,
II 6070, III. 3050. Kalbfleiſch II 90100, Hammelfleiſch 9095,
Schweinefleiſch 7080. Gefrierfleiſch, Rindfleiſch. Vorderviertel 50 und
Hinterviertel 5860.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 9. Februar.
Weizen lag anfangs ſchwächer. Dann ſetzte ſich die Aufwärtsbewe=
gung
fort auf Meldungen von Inſektenſchäden in Oklahoma und ſchlech=
ten
Saatenſtand in Ohio, Auch die Lokofirmen kauften März=Termine.
Mais lag anfangs ebenfalls ſchwächer auf günſtige Wetterberichte
und Realiſationen. Dieſe wurden aber ſpäter wieder ausgeglichen auf
Käufe der Lokohäuſer und Deckungen. Die Zufuhren an den Binnen=
plätzen
wurden als klein gemeldet.
Roggen: Auf die für die Erntebergung günſtigen Wetterberichte
ſetzten die Preiſe etwas abgeſchwächt ein. Später lagen Kauforders für
Mai= und Märztermine vor.
Hafer ſchloß ſich der Bewegung am Maismarkt an, nachdem nament=
lich
anfangs Mai= und Juli=Termine glattgeſtellt wurden.
* New York, 9. Februar.
Baumwolle war anfangs ſchwächer veranlagt auf Grund ungün=
ſtiger
Wetterberichte. Dann nahmen die Wallſtreetfirmen Käufe vor,
offenbar von dem Gedanken geleitet, daß die Ermäßigung der Fracht=
ſätze
von New York nach Antwerpen, Gent und Bombay ſtärkere Nach=
frage
am Platz zur Folge haben würde.
Kaffee konnte ſich heute etwas befeſtigen, da die Spekulation Dek=
kungen
vornahm und europäiſche Firmen Käufe tätigten.
Zucker. Am Rohzuckerterminmarkt wurden von kubaniſcher Seite
Deckungen in Märzterminen vorgenommen, während Europa als Ab=
geber
für ſpätere Sichten auftrat. Später erfolgten wieder Deckungen
der Spekulation und des Publikums.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 9. Febr.:
Getreide. Weizen: März 131, Mai 130½, Juli 127½; Mais:
März 92½, Mai 95½, Juli 96½; Hafer: März 55, Mai 55½,
Juli 52½; Roggen: März 108½, Mai 108½, Juli 108½.
Schmalz: Febr. , März 11,26, Mai 11,47½, Juli 11,72½.
Fleiſch: Mai 10,95, Juli 11,22½, Sept. : Speck, loko
11,00; leichte Schweine 8,158,65, ſchwere Schweine 8,028,35;
Schweinezufuhren: Chicago 36000, im Weſten 125 000.
Baumwolle: März 17,4617,47; April 17,5717,58.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 9. Febr.:
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 158½, hart 149½; Mais, neu
ank. Ernte 108½; Mehl, ſpring wheat clears 6,506,8; Fracht:
nach England 1,92,3 Schilling, nach dem Kontinent 710 Cts.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 11,80; Talg, extva 8½.
Kakav. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 46; Loko: 14:
Februar 13,67, März 13,73, April Mai 13,96, Juni 14,07,
Juli und Auguſt 14,17, September 14,19, Oktober 13,93.

Kleine Wirtſchafisnachrichten.
Infolge leichterer Verfaſſung des Wechſelmarktes wurde der Privat=
diskontſatz
für beide Sichten erneut um ½ auf 6 Prozent ermäßigt, nach
dem er erſt geſtern um ¼½ auf 6½ Prozent herabgeſetzt wurde.
Die an der heutigen Berliner Börſe umlaufenden Genüchte uder
eine Diskontveränderung der Niederländiſchen Bank ſind vollkommen
unzutreffend.
Für je Mk. 400 Hildesheimer Bankaktien werden ſe Mk. 300 Deutſche
Bank=Aktien mit Gewinnanteilſcheinen für 1927 gewährt.
Die Hochſeefiſcherei Niederelbe Aktiengeſellſchaft in Hamburg be=
antragte
die Liquidation. Sie machte Mitteilung über den Verluſt
von mehr als die Hälfte des Aktienkapitals. (480 000 RM.).
Die deutſche Roheiſengewinnung im Januar 1928 iſt mit 1 180 576 To.
um 30 896 To. oder um 2,7 Prozent höher als die des Dezembers 1927.
Nach dem Bericht des Stockholmer Arbeitsloſen=Büros hat ſich die
Lage auf dem ſchwediſchen Arbeitsmarkt im Januar weiter verſchlechtert.
Auf 100 freie Stellen kamen 414 Bewerbungen gegenüber 333 im
Januar 1927.
Wie aus Brüſſel gedrahtet wird, fanden in der belgiſchen Kalk=
induſtrie
, die beſonders im Bezirk von Tourni ihre Anlagen hat, Ver=
handlungen
ſtatt, die eine gemeinſame Produktionsregelung bezwechen.
Man beabſichtigt, auch den Abſatz zu regeln und durch Ausſchaltung der
gegenſeitigen Konkurrenz die Preiſe zu verbeſſern.
Der Bankrat der däniſchen Landmannsbank hat heute abend feimen
Rechenſchaftsbericht veröffentlicht, der insgeſamt 136 Millionen Kronen
Unterbilanz zeigt. Das bedeutet, daß alle Gewinne der beiden letzte0
Jahre verloren ſind und daß die Unterbilanz vom Jahre 1925 mit
130 Millionen noch um weitere 6 Millionen geſtiegen iſt.
Der däniſche Finanzminiſter hat heute im Reichstag einen Vorſchlag
eingereicht, wonach die gegenwärtigen proviſoriſchen Luxuszölle in Höhe
von 3½ Millionen Kronen in dauernde umgewandelt werden, währeny
andere Luxuszölle von einer halben Million wegfallen ſollen.
Das Syndikat der polniſchen Eiſenhütten erhielt aus Luxemburg
die Mitteilung, daß Präſident Mayriſch die Vertreter der polniſchep
Eiſenhütten zu einer Zuſammenkunft am 7. März nach Paris einge=
laden
habe, auf der auich über den Beitritt Polens zur Rohſtahlgemein=
ſchaft
beraten werden ſoll.
Im Jahre 1927 erreichte die Kohlenförderung in Jugoſlawien die
Höhe von 4 Mill. To. gegemiber einem Landesbedarf von 5 500 000 To.
Der Fehlbetrag wird duuch Einfuhr, u. a. von polniſcher Kohle gedeckt.
In amerikaniſchen Finanzkreiſen läuft neuerdings das Gerücht, daß
zwiſchen der Standard Oil und der Rohal Dutch eine Einigung über
den indiſchen Markt erzielt worden ſei. Bekanntlich ſind dort ſeit der
Einſiihrung ruſſiſchen Petroleums durch die New Yorker Standard Oil
die Petroleumpreiſe um 50 Prozent gefallen. Aus Amſterdam wird
dagegen gemeldet, daß die holländiſchen Finanzleute, die den Konkurvenz=
ampf
aufmerkſam verfolgen, an eine derartige Einigung nicht glauben.

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2. Bericht.

3. Rechnungsablage.
4. Voranſchlag.
5. Satzungsänderung.
6. Vorſtandswahl und Wahl des
Ausſchußvorſitzenden.
7. Ehrung f. 25jähr. Mitgliedſchaft.
8. Verſchiedenes.
Etwaige Anträge ſind bei Meidung d.
Ausſchluſſes ſpäteſtens bis zum 16. Febr.
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einzureichen.
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DER GROSSE RAT

[ ][  ][ ]

Nummer 41

Seite 15

Als ich noch Prinz war....
Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
32)
(Nachdruck verboten)
Thereſe hörte das nicht heraus.
Und vorher machen wir eine wundervolle Reiſe. Italien
SpanienAegyten! Du, kannſt du dir denken, daß ich noch nie
in Kairo, der geſegneten Stadt, war?
Ferdi fand ſeinen Humor wieder.
O ja warum nicht? Es gibt viele Menſchen, die noch
nicht dort waren."
Ach pfui ſo meine ich es nicht
Hm? Ja ſo. Schön alſo ja, nach Aegypten. Ich für
meinen Geſchmack ziehe dann ſchon eine anſtändige Gegend im
Deutſchen Reiche vor. Thüringen, die Alpen ach, es gibt ſo
viele paradieſiſche Flecken
Aber Ferdi! Ich beſtehe auf Aegypten!"
Mit ſeinen großen Luxushotels, die auf ein Haar den unſe=
ren
gleichen
Dann ſehen wir wenigſtens nichts von dem Winter hier.
Und im Frühjahr landen wir dann in unſerem Jagdſchloß. Du
mußt natürlich vorher noch wal herüberkommen und mit dem
Architekten ſpre hen. Es ſoll auch dir gefallen
Ich bin mit allem zufrieden. Thereſe
Du biſt ein ſchrecklich beſcheidener Menſch, ſagte die Her=
zogin
halb ſpöttiſch, halb anerkennend. Und haſt es gar nicht
nötig
Da muß ich widerſprechen wir haben in Deutſchland
Beſcheidenheit ſehr nötig! Alle! Ob Prinz, ob Arbeitsmann.
Es kann niemand mehr aus dem Vollen ſchöpfen. Es tut auch
nicht nötig
Die Herzogin krauſte die Stirn.
Nun es gibt da Unterſchiede, lieber Ferdi. Aber laſſen
wir das. Du empſindeſt manchmal wirklich zu ſozial.
Gut, gut. Ich bin ſchon ſtill.
Der Prinz lächelte verbindlich.
Aber eine Frage, liebe Thereſe. Was ſoll aus meinem
Kinderheim werden? Und aus meinen Patienten überhaupt?
Ach ſo
Sie überlegte nicht lange.
Willſt du wirklich deine ärztliche Tätigkeit, die ich gewiß
ſchätze, nach unſerer Hochzeit fortſetzen?
Aber ja. Etwas muß der Menſch doch wohl tun, wie?
Die Herzogin warf ein:
Du wirſt auch ſo genug zu tun haben, Ferdi. Die Ver=
waltung
des Vermögens Landwirtſchaft Pferdezucht
ach, es gibt doch eine Unmenge Jutereſſen, meine ich

Freitag, den 10. Februar 1928

Intereſſen, ja aber keine richtige Tätigkeit. Für die
Landwirtſchaft ſind ja wohl genug Verwalter und Juſpektoren
da, die mich im ſtillen auslachen würden. Denn ſie können’s
beſſer. Und hm Vermögensverwalter? Da iſt der Notar
das Bankhaus die Angelegenheiten ſind da beſſer aufge=
hoben
. Ich habe jeweilig doch nur Vollmachten zu unter=
ſchreiben
Und Pferdezuccht? Da iſt der Geſtütsdirektor,
der wieder mehr verſteht als ich.
Du findeſt überall ein Haar, Ferdi
Ich bin Arzt! Das iſt mein Beruf! Und ich möchte
es doch ſchon jetzt ſagen ich werde ihn mir nicht nehmen
laſſen.
Es wird ja immer noch Zeit ſein, darüber zu reden, be=
ſchwichtigte
Thereſe etwas empfindlich.
Ja natürlich, ſagte Karl Ferdinand.
Und dann ſprachen ſie ron anderen Dingen.

19.
In dichten Flocken ſtob der Schnee gegen die Fenſter. Die
Straßen, wenig belebt, glänzten in flimmerndem Weiß. Der
ſchöne Raſenpark um Lachmanns Haus war eine weißleuchtende
Fläche.
Genug, Fräulein Wielandt genug für heute.
Er erhob ſich vom Klavierſtuhl.
Nickte Anita zu.
Das war die letzte Probe. Famos! Auch die Rolle ſitzt.
Liegt Ihnen in allem. Ich möchte die Rolle ſehen, die Ihnen
nicht liegt."
Sie machen mich täglich eitler, Herr Lachmann.
Hm! Sie und eitel? Sie ſind ein wunderbares Menſchen=
kind
. Die Herzen werden Ihnen zufliegen Sie werden ſich
nicht wehren können. Aber nun mal: Einen ſchönen Kaffee
haben wir uns wieder verdient. Bei dem Wetter müſſen Sie
doch noch bleiben. Kommen Sie machen wir es uns ge=
mütlich
.
Vier Monate lang hatte Anita wun bei Lachmam Unter=
richt
, und im Sauſeſchritt war es vorwärts gegangen. Sie war
eine Gottbegnadete ſo wie es Anton Wielandt geweſen war.
Lachmann kam aus der Verzückung nicht heraus.
Er war Anitas väterlicher Freund geworden, und es hatte
nicht lange gedauert, ſo war ſein Heim ihr wie ein zweites Zu=
hauſe
geworden. Sein Hausdrache war nicht minder in ſie
vernarrt als Lachmann ſelbſt. Auch Frau Wielandt hatte ſich oft
einſtellen müſſen und dann hatte man zu dritt ſchöne Winter=
abende
in den behaglichen Räumen verbebt. Die gemeinſamen
Erinnerungen an Anton Wielandt webten ein immer feſteres
Band um ſie.
Anitas Stimme wurde imer offenſichtlicher unter Lach=
manns
Anweiſungen zu einem köſtlichen Inſtrument, das ſie

wunderbar zu meiſtern verſtand. War ſie vorher ſchon glanzvoll
in Fülle und Ton geweſen, ſo hatte das heiße Liebeserlebnis
und die Erinnerung daran ihr nun noch den letzten Adel ge=
geben
.
Lachmann blickte ſie oft beim Singen grübelnd an, und ein=
mal
ſagte er:
Anita Sie müſſen heiligſte Frauenluſt und heiligſten
Schmerz ſchon einmal erlebt haben. Sonſt wäre das nicht
möglich.
Eine ſtille Frage war dabei in ſeinem Geſicht geweſen.
Anita errötete verwirrt. Dann ſagte ſie:
Nehmen Sie an, es wäre ſo geweſen.
Lachmann hatte nicht weiter gefragt. Ihr Geheimnis war
auch ihm heilig.
Nun hatte er vor kurzem einen neuen Plan entwickelt, und
der hatte im Gefolge, daß Anita mit Eifer ſchon jetzt einige
Opernpartien einſtudierte. Sie ſollte für dem Reſt des Winters
ſchon in dem hieſigen Theater ſingen. Sie würde ſo in beſchei=
denem
Rahmen ſich Bühnenroutine aneignen können auch
daran mußte ja gedacht werden. Lachmann hatte ja Bezie=
hungen
genug zum Stadttheater, um ihr dieſen Verſuch zu
ermöglichen.
Heute nun hatte er mit ihr noch einmal einige Stellen dieſer
Partien durchgeübt. Morgen wollten ſich der Kapellmeiſter und
der Regiſſeur Anita kannte die Herren bereits einfinden,
um ſie zu hören und dann alles weitere zu beſprechen.
Anita ſaß in ihrem Seſſel am Kaffeetiſch, den ſie hurtig
gedeckt hatte. Lachmann ihr gegenüber. Die Haushälterin hatte
den Kaffee und Gebäck gebracht, hatte Anita eine beſondere
Leckerei auf den Teller gelegt, was ſie mit Vorliebe tat, und
war, beglückt von Anitas Dank, wieder abgezogen.
Ich hab Sie müſſen mich nicht auslachen beinahe
Angſt vor morgen, Herr Lachmann
Der roch an dem dampfenden Kaffee.
J der Kuckuck! Angſt? Sie? Na, das wäre
Das ganze Perſonal des Stadttheaters muß Angſt vor Ihnen
haben, Kind. Die ſollen Augen machen, die Lya Putti und die
Helma Hechy und die Soubrette, die Eva Hohfels, und wie die
andern alle heißen. Gute, gangläufige Mittelgarnitur, ja doch!
Aber was ſingen heißt, wirklich ſingen, das ſollen ſie vom
Ihnen mal hören, Anita! Angſt? Na ich danke!
Anita nippte an der Taſſe.
Aber ich muß Ihnen ja ſo dankbar ſein dafür, was Sie
ſchon alles für mich getan haben, Herr Lachmann.
Pah gewöhnen Sie ſich bitte das Danke=ſchön=ſagen ab.
Die Leute müſſen Ihnen danken! Na Sie werden’s ja
ſchon erleben!
(Fortſetzung folgt.)

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