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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 19
Donnerstag, den 19. Januar 1928. 191. Jahrgang
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Darm=
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Einzelnummer 10 Pfennige
Der heiſte Schti dat Reichpreform.
FFeſtſtellung der Unzulänglichkeit der Weimarer Verfaſſung. — Keine Aufgabe
der Selbſtändigkeit leiſtungsſchwacher Länder.— Die Reichsregierung zur
Ueber=
nahme einzelner Verwaltungszweige bereit. — Beſeitigung der Enklaven?
Wechſel auf die Zukunft!
(Ein mageres Ergebnis der Länder=Konferenz.
Die mit ſo großen Hoffnungen erwartete Länderkonferenz
hat den Ausgaug genommen, den man nach der unglücklichen
Art, wie ſie aufgezogen war, befürchten mußte: ſie iſt
aus=
ennandergegangen mit einer Entſchließung, über die man ſich
fü ſt 24 Stunden geſtritten hat, bis zuletzt ſoviel Farbloſigkeit
hy neingepumpt war, daß kaum mehr etwas übrig blieb. Es hat
ſth eben gezeigt, daß auch die Miniſterpräſidenten
dier Länder ſehr ſtark von Schlagworten
beein=
fkußt ſind. Dem Problem der Reichsreform iſt
alber mit Schlagworten nicht beizukommen, zumal
da jeder ſich unter dem Begriff Unitarismus oder Föderalismus
en=was anderes denkt. Für die ganze Lage iſt es charakteriſtiſch,
diaß der preußiſche Miniſterpräſident Braun gegen die Vorſchläge
ſnines eigenen Kollegen Hoepker=Aſchoff polemiſierte und daß
au ich gerade ſonſt die Vertreter des Einheitsgedankens in ihren
Morſchlägen über die Durchführbarkeit weit auseinandergingen.
Zper eine widerlegte das, was der andere verlangte. Bleibt alſo
Als Ergebnis etwas, was ſtark dem Hornberger Schießen ähnelt,
wotz der Hoffnungsfreudigkeit, mit der der Vizekanzler Hergt in
ſe inem Schlußwort in die Zukunft ſieht. Man hat Wechſel auf
die Zukunft gegeben, ſtatt irgendwelche praktiſche Beſchlüſſe zu
isſſen.
Die amtlicheVerlautbarung. / Einſetzung eines
AAusſchuſſes zur Löſung des Geſamtproblems.
Berlin, 18. Januar.
Amtlich wird bekannt gegeben:
Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß der
Wiederauf=
wieg unſeres Volkes nur auf der Grundlage einer einmütigen,
Ferſtändnisvollen Zuſammenarbeit zwiſchen Reich und Ländern
erfolgen kann, ſind Reichsregierung und Länderregierungen in
farer heute zum Beſchluß gelangten Konferenz nach eingehenden
45eratungen zu folgenden Ergebniſſen gelangt:
Reichsregierung und Ländervertreter ſind der Auffaſfung,
waß die Weimarer Regelung des Verhältniſſes
uwiſchen Reich und Ländern unbefriedigend iſt
und einer grundlegenden Reform bedarf. Wenn
nuch darüber, ob die Reform die unitariſchen oder die
födera=
u.ben Kräfte ſtärken ſoll, oder welche Vereinigung beider Kräfte
un neuen Firmen möglich iſt, eine Uebereinſtimmung nicht erzielt
zwerden konnte, ſo beſtand doch darüber Einmütigkeit,
du aß eine ſtarke Reichsgewalt notwendig iſt. Im
Übrigen wurde in folgenden Punkten Einverſtändnis erzielt:
1. Jede Teillöſung iſt bedenklich. Insbeſondere
ſlwll die Geſamtlöſung nicht dadurch erſchwert werden, daß
lei=
rungsſchwache Länder als Reichsländer aufgenommen werden.
usinanziellen Notſtänden von Ländern, welche durch die
Entwick=
buung der Verhältniſſe eintreten, ſoll durch geeignete Maßnahmen
antgegengewirkt werden. Als ſolche kommen Dotationen nicht
um Frage.
2. Das Reich ſoll in ſeinem Machtbereich nicht
uurch finanzielle Aushöhlung oder ähnliche
Maßnah=
uen zum Schaden der Länder erweitert werden.
3. Wenn kleine Länder in Nachbarländern
auf=
ugehen wünſchen, ſo ſoll dieſes Aufgehen nach
Möglich=
eit erleichtert werden. Die Auflöſung der
beſte=
ioenden zahlreichen kleinen Enklaven und
Ex=
laven im Wege freier Vereinbarung erſcheint
wünſchens=
zwert.
4. Die Länder werden häufiger und beſchleunigter als
bis=
hger untereinander Vereinbarungen zur Rechts= und
Verwaltungsangleichung und =vereinfachung
mreffen, bei deren Abſchluß die Reichsregierung mitwirkt.
5. Die Löſung des Geſamtproblems ſoll durch
ugen Bericht eines Ausſchuſſes vorbereitet werden,
dger zu gleichen Teilen von der Reichsregierung und den
Länder=
nregierungen beſetzt wird. Die Regierungen der im
Verfaſſungs=
rausſchuß des Reichsrates vertretenen Länder werden je einen
tVertreter in den Ausſchuß entſenden. Der Ausſchuß hat das
„echt der Zuwahl. Er kann Sachverſtändige hinzuziehen. Den
WWorſitz des Ausſchuſſes führt der Reichskanzler.
Einſetzung einer Schiedsinſtanz.
II.
Die Reichsregierung hat im Intereſſe der Löſung des
Ge=
ſuamtproblems folgende Maßnahmen in Ausſicht geſtellt:
1. Zur Beſeitigung finanzieller Notſtände
ſoon Ländern, die durch die Entwicklung der Verhältniſſe
geintreten, iſt die Reichsregierung bereit, über die geltende
werfaſſungsmäßige Zuſtändigkeit hinaus geeignete
Ver=
wvaltungsbereiche ſolcher leiſtungsſchwach gewordener
Wänder auf das Reich zu übernehmen.
2. Zur Herbeiführung von Vereinbarungen über das
Auf=
gehen von kleineren Ländern in Nachbarländern, ſowie für die
1Auflöſung von Enklaven und Exklaven ſtellt die Reichsregierung
lihre guten Dienſte zur Verfügung. Sie iſt insbeſondere bereit,
eine Stelle zu beſtimmen, welche in enger Fühlung mit den
WVändern anregend, vermittelnd und auf Anruf der Beteiligten
inls Schiedsinſtanz tätig wird.
3. Zur Vereinfachung der Geſamtverwaltung des Reiches
wird die Reichsregierung demnächſt dem Reichsrat neue
Vor=
ſchläge für das Reichsverwaltungsgericht machen.
Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten.
Die Verwaltungsreformpläne.
III.
Reichsregierung und Länderregierungen ſind ſich darüber
einig, daß Maßnahmen zur Sicherſtellung
ſpar=
ſamſter Finanzgebarung in Reich, Ländern und
Ge=
meinden getroffen werden müſſen. Ein Ausſchuß, der unter
Vor=
ſitz des Reichsminiſters der Finanzen und windeſtens vier
Finanzminiſtern der Länder beſteht, ſoll näher prüfen, welche
Wege in dieſer Richtung gangbar erſcheinen.
TV.
Bezüglich der Fragen der Verwaltungsreformen ſind ſich
Reichsregierung und Länderregierungen über die Notwendigkeit
beſchleunigter Durchführung von entſprechenden Reformen in
Reich und Ländern einig. Dieſe Reformen haben ſich
insbeſon=
dere auf folgende Fragen zu erſtrecken:
a) Zweckentſprechende Zuſammenlegung von bisher
nebeneinander beſtehenden Behörden;
b) zweckmäßige und den heutigen Verkehrsverhältniſſen
an=
gepaßte Abgrenzung der Bezirke der Lokal= und
Mittelbehörden.
Um eine Gleichmäßigkeit in der Durchführung der
notwendi=
gen Verwaltungsreformen in den Ländern und eine
Ueberein=
ſtimmung in den entſprechenden Maßnahmen des Reiches
ſicher=
zuſtellen, ſind ſich Reichsregierung und Länderregierungen
dar=
über einig, daß es zweckmäßig iſt, wenn
4) Länderregierungen der Reichsregierung (
Reichsſparkom=
miſſar) ihre Verwaltungsreformpläne mitteilen;
b) der Reichsſparkommiſſar ſich auf Antrag der
Landesregie=
rungen zu ihren Plänen gutachtlich äußert. In dieſem Falle
werden die Länder dem Sparkommiſſar Gelegenheit geben, ſich
bei den in Betracht kommenden Landesbehörden zu unterrichten.
Auch ſind ſie bereit, die Gutachten des Reichsſparkommiſſars
den beſchlußfaſſenden Körperſchaften vor der Beſchlußfaſſung
zu=
zuleiten. Mit der näheren Durchprüfung der in Betracht
kom=
menden Fragen wird der zu I,5 erwähnte Ausſchuß betraut
werden.
Anmerkung I: Die im Abſchnitt I,5 genannten Länder des
ſogenannten Verfaſſungsausſchuſſes ſind Preußen, Bayern,
Sach=
ſen, Württemberg, Baden, Thüringen, Heſſen, Hamburg, Anhalt,
Mecklenburg=Schwerin und Lippe. Die erſtgenannten neun
Län=
der werden je einen Vertreter, das Reich ſeinerſeits gleichfalls
9 Vertreter in dieſen Ausſchuß entſenden. Der Ausſchuß tagt
un=
ter Vorſitz des Reichskanzlers.
Anmerkung II: Der Abſchnitt II ſtellt eine einſeitige
Er=
klärung des Reiches dar.
Anmerkung III: Der in Abſchnitt III genannte Ausſchuß
wird ſich zuſammenſetzen aus dem preußiſchen, dem badiſchen,
dem Hamburger und dem thüringiſchen Finanzminiſter.
Hoffnungen für die Zukunft am Schluß
der Tagung.
Am Schluß der Diskuſſion über die der Oeffentlichkeit zu
übermittelnde Kundgebung ſprach Herr Bürgermeiſter Peterſen
dem Herrn Reichskanzler den Dank der Verſammlung für die
Einberufung und Leitung der Konferenz und dem Staatsſekretär
in der Reichskanzlei, Pünder, den Dank für die Vorbereitungen
der Konferenz aus. Dann ſchloß in Vertretung des dienſtlich
ver=
hinderten Reichskanzlers Reichsjuſtizminiſter Exz. Hergt die
Ta=
gung mit folgenden Worten: „Meine Herren! Namens des
Herrn Reichskanzlers darf ich meinerſeits dem Dank der
Reichs=
regierung Ausdruck verleihen. Ich weiß nicht, ob es Ihnen
be=
wußt geworden iſt, heute iſt der 18. Januar. Wir
den=
ken an einen anderen 18. Januar, wo auch über
die Reichsgeſchicke verhandelt worden iſt. Damals
konnten die Verhandlungen ſofort zu einer Löfung geführt
wer=
den, und der Jubel von ganz Deutſchland ſtand hinter dieſer
Löſung. Meine verehrten Herren, wir ſind heute zu unſerem
großen Bedauern nicht in der Lage, unſerem Volke eine
End=
löſung zu bringen. Wir haben hier nur eine Frage mit ernſtem
Willen anpacken können, aber doch ſehen wir Möglichkeiten
für die Zukunft. Ich habe mit großer Freude — und das iſt
auch die Auffaſſung des Herrn Reichskanzlers — aus den
dreitägigen Verhandlungen und aus den vielen Reden
immer und immer wieder die
Verſtändigungsbereit=
ſchaft herausgehört, und das iſt eigentlich das poſitivſte
Ergebnis unſerer ganzen Tagung, daß es gelungen
iſt, eine ſo große, eine ſo verſchiedenartig zuſammengeſetzte
Ver=
ſammlung doch letzten Endes in großer Linie zu einer
Verſtändi=
gungsbereitſchaft zu bringen.
Und ferner, meine Herren, iſt es wohl aller Meinung, daß
die Sache nicht etwa nun mit dieſer Tagung beendet ſein ſoll,
daß nicht etwa die Ausſchüſſe, die wir in Ausſicht genommen
haben, nun bloß des Dekorums willen gebildet werden ſollen, —
ſondern, daß in ihnen weitere ernſte Arbeit geleiſtet werden ſoll.
Wir ſehen alſo hoffnungsfreudig in die Zukunft, und mit dieſem
Gefühl der Hoffnung und des Vertrauens auf die Zukunft, die
auch die ſchweren Fragen, die uns hier beſchäftigt haben, einer
Löſung zuführen wird, darf ich die Tagung hiermit ſchließen.”
(AUſeitige Zuſtimmung.)
Das Jubiläum
des tſchechiſchen Staates.
Vor dem zehnjährigen Beſtandsfeſt. — Das ungeeinte
Sudeten=
deutſchtum.
Von unſerem Prager Korreſpondenten.
— Prag, Mitte Januar,
Faſt zu der gleichen Zeit, da in Deutſchland zweihundert
Männer unter dem Sammelnamen „Bund zur Erneuerung des
Reiches” ihren Aufruf zum Zuſammenſchluß aller politiſchen und
wirtſchaftlichen Kräfte erlaſſen haben, hat die trotz zehnjährigen
Ringens ungemildert gebliebene nationale Not des Deutſchtums
in der Tſchechoſlowakei eine ähnliche Aktion veranlaßt, den ſog.
„Appell der Fünfzig”, einen Notruf zur Sammlung und Einheit
des Sudetendeutſchtums, die Warnung vor dem unſeligen Kampf
der deutſchen Parteien untereinander angeſichts, der
rückſichts=
loſen Enteignungs= und Unterdrückungspolitik der Tſchechen.
Fünfzig deutſche Männer, die in verſchiedenen Parteilagern
ſtehen, haben den Aufruf, der mit dem Grollen eines
heran=
nahenden Gewitters verglichen wurde, unterzeichnet, fünfzig
Deutſche, die den Mut gefunden haben, ihre Stimmen zu erheben
und die Zügelung der ſo unerquicklich ſich auswirkenden
Partei=
leidenſchaften endlich mit jener Energie zu fordern, an der es
das deutſche Volk in Böhmen, Mähren und Schleſien ſeinen
Füh=
rern gegenüber leider bisher ſo völlig hat fehlen laſſen.
Einiger=
maßen im Gegenſatz zu dem Appell der Zweihundert in
Deutſch=
land ſtehend, erfloß der Aufruf der Sudetendeutſchen aus einer
politiſchen Not, die es dem deutſchen Volk in der Tſchechoſlowakei
bislang unmöglich gemacht hat, ſeiner wahren geſchichtlichen
Sendung nachzukommen, d. h. als abgeſplitterter Teil des
Ge=
ſamtdeutſchtums eine beſondere geſamtdeutſche Aufgabe zu
er=
füllen, die auch ohne Irredentismus und Phantaſterei zu löſen
ſein wird, wenn den Tſchechen erſt einmal der Beweis erbracht
iſt, daß alle Deutſchen im Staate Maſaryks und Beneſchs in
ihren Zielen einig ſind.
Gerade die Vorbereitungen zur Feier des zehnjährigen
Be=
ſtandes der tſchechoſlowakiſchen Republik auf tſchechiſcher Seite
ſind es, welche die Sudetendeutſchen mahnen, ihr großes
hiſtori=
ſches Schickſal nicht zu verkennen; es dürfen, nicht wieder in
ihrem politiſchen Leben Gepflogenheiten einreißen, die ihnen den
Weg zum Wiederaufſtieg völlig zu verſchütten geeignet ſind.
Zehn Jahre ſind übrigens in der erſten Januarwoche ſeit
jenem Generallandtag der tſchechiſchen Nation vergangen, an
welchem alle zu Prag verſammelten tſchechiſchen Reichstags=
und Landtagsabgeordneten eine Erklärung öffentlich abzugeben
beſchloſſen, mit welcher die völlige und dauernde Losſagung des
tſchechiſchen Volkes vom öſterreichiſch=ungariſchen Staate
dekla=
riert wurde. An jenem Tage, an dem die Führer des
tſchechi=
ſchen Volkes ſich ſo demonſtrativ zu der revolutionären
Tätig=
eit des jetzigen Staatspräſidenten Maſaryk im Auslande
be=
kannten, ſind die Auswirkungen dieſes — mit Rückſicht auf die
ungeklärte Kriegslage gefährlichen — Schrittes keineswegs
ab=
zuſehen geweſen, aber er wurde gewagt im Vertrauen auf die
treue und unbedingte Gefolgſchaft des Volkes, deren die
tſchechi=
ſchen Politiker gewiß waren. Es hat kein ganzes Jahr mehr
gedauert, und die Teilnehmer des Prager Generallandtages
ſahen ihre kühnſten Hoffnungen erfüllt in der Entſtehung der
elbſtändigen tſchechoſlowakiſchen Republik".
Acht Jahre lang hat ſodann die tſchechiſche allnationale
Koali=
tion, die aus dem Revolutionskonvent hervorgegangen iſt, die
Geſchicke des Staates gelenkt, acht ereignisreiche Jahre lang für
das junge und häufig von Kriſen heftig erſchütterte Land. Als
ſich die Unhaltbarkeit dieſer Regierungsform erwieſen hatte und
als endlich auch die Vertreter der 3½ Millionen Seelen
zählen=
den Sudetendeutſchen Anteil an den Regierungsgeſchäften zu
jehmen begannen — es iſt hinglänglich bekannt, in welcher
Weiſe der Eintritt deutſcher Pärteien in die Prager Regierung
erfolgt iſt —, da geſchah es, daß in der tſchechiſchen Häuslichkeit
die Meinungsverſchiedenheiten immer ſtärker überhand nahmen
und daß ſchließlich dem neuen tſchechiſch=deutſchen
Regierungs=
ſyſtem eine ſcharfe Oppoſition gegenüberſtand, beſſer geſagt, daß
einzelne Parteien, deren Führer damals auf dem
Generalland=
ag den Aufruf an das tſchechiſche Volk unterzeichnet haben,
gegen die Politik jener tſchechiſchen Parteien Front machten, die
von ihrem urſprünglichen (und ebenfalls mit der Unterſchrift
ihrer Führer auf der Proklamation des Generallandtags
bekräf=
tigten) allnationalen Programm inſofern abgewichen ſcheinen,
als ſie ſich einem gemiſchtnationalen Syſtem angefreundet zu
haben ſchienen. Daß dieſes Syſtem bei der Struktur des
tſchecho=
ſlowakiſchen Staates das einzig mögliche iſt, wird gefliſſentlich
überſehen, und ſo nimmt es nicht wunder, wenn die
Zehnjahr=
feier des Generallandtages von 1918 in jenem nationalen
Zei=
chen geſtanden iſt, das, von den meiſten tſchechiſchen Parteien
an=
geſtrebt, auch der Zehnjahrfeier des Beſtandes der ſelbſtändigen
tſchechoſlowakiſchen Republik ihr Gepräge geben ſoll; was
be=
kümmert es die Tſchechen groß, daß gerade dieſe demonſtrative
Geſte die loyal ſich verhaltenden Minderheiten in ihrem Staate
neuerlich auf das ärgſte verletzen muß, jene Bevölkerungsſchichten,
deren kulturelle Bedeutung auch von ihren ſchärfſten Gegnern
Nien geleugnet werden kann?. Wenn heute auch noch keine
völ=
lige Klarheit darüber herrſcht, wie der Zwiſt zwiſchen den
Regie=
rungsparteien und der tſchechiſchen Oppoſition einmal wird
bei=
gelegt werden — ſoviel ſteht dennoch ſchon jetzt feſt, daß die
Jubiläumsfeſtlichkeiten im heurigen Herbſt das Stigma einer
nationalen Jubelfeier tragen werden, an der alle Tſchechen,
ol=
ie nun dieſer oder jener Gruppe angehören mögen,
gleicher=
maßen Anteil nehmen.
Die Sudetendeutſchen werden auch diesmal Gelegenheit
haben, ein prägnantes Beiſpiel nationaler Diſziplin zu erleben.
Es iſt ihnen innig zu wünſchen, daß ſie endlich die
Notwendig=
it der Treue uniereinander erkennen, ohne die kein politiſcher
Kampf mit Ausſicht auf Erfolg jemals unternommen
wer=
mkann!
Seite 2
Donnerstag den 19. Januar 1928
Nummer 19
Die Verwaltungsreform
vor der Länder=Konferenz.
Das Referat
des ſächſiſchen Innenminiſters Dr. Apelt.
Berlin, 18. Januar.
Die Konferenz der Miniſterpräſidenten der Länder nahm heute
vormittag 10 Uhr die Beratungen wieder auf, und zwar begannen ſie
ſofort mit dem Referat über den dritten Punkt der Tagesordnung, der
die Problem= der Verwaltungsreform umfaßt. Urſprünglich war in
Ausſicht genommen, daß man ſich zunächſt mit der angekündigten
Ver=
lautbarung beſchäftigen wollte, die die Reſultste der Konferenz in den
Fragen des Verhältniſſes zwiſchen Reich und Ländern und der
Möglich=
keit von Sparmaßnahmen umſchreiben ſoll. Das Redaktionskomitee zur
Formulierung dieſer Verlautbarung, das heute vormittag um 9 Uhr
zuſammentrat, hatte den Text aber noch micht ſo weit fertiggeſtellt, daß
die Beratung darüber im Plenum ſchon beginnen konnte. Deshalb
mußte der dritte Punkt voraufgeſtellt werden.
Der ſächſiſche Innenminiſter, Profeſſor Dr. Apelt, wies in ſeinem
Neferat über die Verwaltungs= und Verfaſſungsreform einleitend auf
den engen Zuſammenhang hin, der zwiſchen beiden Reformen beſteht.
Er betonte, daß die Oeffentlichkeit von der Konferenz praktiſche
Ergeb=
niſſe erwarte. Er ſchloß ſich dem Staudpunkt des baheriſchen
Miniſter=
präſidenten an, daß die Frage der Verwaltungs= und Verfaſſungsreform
ohne Verquickung mit dem Problem des Einheitsſtagtes behandelt
werden könnte, zumal dieſes letzte Problem noch nicht ſo weit entwickelt
ſei, wie die etwas ungeduldige öffentliche Meinung in Norddeutſchland
das erwartet habe. Nachdem der Miniſter betont hatte daß das
Problem der Verwaltungsreform ja niht neu ſei, gab er einen
Ueber=
blick über die hiſtoriſche Entwicklung dieſer Beſtrebungen. Er wies
darauf hin, daß ſeit der letzten Verwaltungsreform 50 Jahre vergangen
ſeien, und
das Bedürfnis nach einer Reform
ergebe ſich einmal aus den Erfahrungen der Kriegs= und Nachkriegszeit,
dann auis der Notwendigkeit, alle Erſparnismöglichkeiten ausz=mutzen.
Dieſe Sparmöglichkeiten dürften allerdings wicht überſchätzt werden.
Der Miniſter iſt der Auffaſſung, daß das ganze Poblem nach zwei
Rich=
tungen hin durchgearbeitet werden muß, erſtens in der Richtung der
Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung, zweitens durch eine
möglichſt weitgehende Rechtsangleichung auf dem Gebiete der
Verwal=
tung innerhalb Deutſchlands; mit ſchematiſchen Beſchlüſſen ſei den
Dingen allerdings nicht beizukommen. Als Beiſpiel verwies Dr. Apelt
auf die Beſtimmung des Reichsbeamtenbeſoldungsgeſetzes, wonach jede
dritte freiwerdende Beamtenſtelle nicht wieder beſetzt wird. Mit ſolchen Verwaltungsreform iſt vor allem die verſaſſungsmäßige beſtimmtere
Methoden komme man nicht weiter.
Es komme darauf an, den Aufgabenkreis Reich und Ländern und die Feſtlegung bes Grundſatzes, daß die
Reichs=
der öffentlichen Verwaltung einzuſchränken.
Deutſchland habe ſich immer mehr zu einer Art Wohlfahrtsſtaat
ent=
wickelt. Wir müſſen uns aber darüber klar werden, daß die Entwicklung
nicht weitergehe, ſchon nicht im Hinblick auf die
Repavationsverpflich=
tungen. Wenn auch Unterſuchungen zu dem Ergebnis geführt hätten,
daß 75 Prozent der Auſwendungen der Verwaltung nötig ſeien, ſo blic= ſtändigkeit in Geſetzgebung und Verwaltung auch wirklich reichswichtiger
ben immer noch 25 Prozent übrig, bei denen der Hebel angeſetzt werden
könne. Zum Schluſſe ſeines Referates zur Verwaltungsreform erklärte
der ſächſiſche Innenminiſter Profeſſor Dr. Apelt, daß er den alten
Dreewsſchen Gedanken auf Ausſchaltung der Teilinſtanzen in der
Ver=
waltung unterſtütze, wie ſie in Preußen z. B. in dem Wegfall der
Regierungspräſidien, durchgeführt werden könne. Streng zentraliſtiſch
könne Deutſchland nicht geführt werden, denn es brauche einen Unterbalt
von lebensvollen Selbſtverwaltungskörpern; im Gegenteil müſſe das
regionale Prinzip geſtärkt werden. In dem heutigen demokratiſch=
repu=
blikaniſchen Volksſtaat ſei der Neichsrat ein unmögliches Gebilde in
einer Form, daß er gleichberechtigt neben dem Reichstage wird, etwa wie
früher der Bundesrat. An ſeine Stelle müſſe man ein Staatenhaus
ſetzen, in dem neben den Vertretern der regionalen Wirtſchaft, Ler
Kulturträger der kommunalen Körperſchaften, die Landesregierungen,
ihre Vertretung haben, wobei freilich auf eine Inſtruktion dieſer
Ver=
treter verzichtet werden müſſe. Profeſſor Apelt ſchloß ſeine
Ausfüh=
rungen, indem er nochmals betonte, daß der Selbſterhaltungstrieb der
Länder erhalten und geſtärkt werden müffe.
Der bayeriſche Innenminiſiter Dr. Stützel
fordert Stärkung des bundesſtaatlichen
Cha=
rakters, ſowie organiſche Abgrenzung der
Zu=
ſtändigkeiten und Aufgabenkreiſe von Reich
und Ländern.
In ſeinem Korreferat zur Verwaltungsreform des Reiches und der
Länder betonte der bayeriſche Innenminiſter Dr. Stützel, daß die
Ver=
waltungsreform auch nach bayeriſchem Standpunkt notwendig ſei. Das
Kernſtück der geſamten Verwaltungsreform iſt hiernach die Bereinigung
des Verhältniſſes zwiſchen Reich und Ländern durch Feſtlegung ihrer
Betätigungsgebiete. Eine endgültige, wirklich durchgreifende
Bereini=
gung des Verhältniſſes läßt ſich nur durch Aenderung einer Reihe von
Verfaſſungsbeſtimmungen in der Richtung der Stärkung des
bundes=
ſtaatlichen Charakters des Reiches, aber ohne grundſtürzende Aenderung
Vom Tage.
Der Reichstag wird am Donnerstag die erſte Leſung des Ctats
be=
ginnen, die vom Reichsfinanzminiſter eingeleitet wird. Die
Sozial=
demokraten ſchicken als Redner Herrn Severing, das Bentrum Herrn
Guérard vor.
In den Saarzollverhandlungen, die zurzeit in Paris
geführt werden, iſt ein waiterer Fortſchritt zu verzeichnen.
Die Autonomiſtenführer Dr. Roſſe, Paſtor Hirtzel und der frühere
Vankier Pinck, die ſich zur Zeit in Baſel aufhalten, haben in einem
Manifeſt an das franzöſiſche Volk Proteſt gegen die Gewaltpolitik in
Elſaß=Lothringen erhoben.
Das belgiſche Mitglied der
Regierungskommiſ=
ſion des Saargebietes, Lambert, hat in einem Schreiben
an das Generalſekretariat des Völkerbundes ſeine Demifſion
ein=
gereicht. Sein Rücktritt, der von der Soarbevölkerung ſeit Jahren
drin=
gend gefordert wird, erfolgt angeblich aus perſönlichen Gründen.
Die ſtändigen Vertreter der Tſchechoflowakei und
Jugoflawiens haben wegen des Waſfenſchmuggels von
St. Gottharb mehrere Beſprechungen mit dem Generalſekretär des
Völkerbundes geführt. Dieſen Beſprechungen dürſte, wie die Delegierten
erklären, in den nächſten Tagen eine offizielle Demarche ihrer
Re=
gierungen beim Völkerbunde folgen. Die Angelegenheit
würde dann den Bölkerbundsrat auf ſeiner nächſten Tagung, die am
5. März beginnt, beſchäftigen.
Die holländiſchen Behörden verweigerten dem
engliſchenArbeiterabgeordneten Jones die Einreiſe
nach Holländiſch=Indien.
In dem ſenſationellen Spionageprozeß der engliſchen
Krone gegen den Engländer Me. Cartney und den
Deutſchen Hanfen wurden beide Angerlagte zu 10
Jah=
ren ſchwerer Zwangsarbeit verurteilt, womit eine 2jährige
Zuchthausſtrafe parallel läuft. Der Prozeß enthüllte eine recht gut
orgeniſierte Spionage zugunſten Rußlands.
Die britiſche Regierung hat, offenbar als Demonſtration
den Vereinigten Staaten gegenüber, beſchloſſen, das
Flottenbauprogramm für 1938/29 zu kürzen.
Auf der Jahresverſammlung des Aufſichtsrats der International
Acceptance Bank Naw York kam der Bankſer Warburg u. a.
auch auf den Dawesplan zu ſprechen. Er gab dabei der Hoffnung
Aus=
druck, daß die internationale Vernunſt zur Geltung komme, ehe die
Ueberſpanmung der deuſchen Leiſtungsfähigkeit die unausbleiblichen
Folgen nach ſich ziehe. Eine Reviſion des
Dawesabkom=
mens ſei unvermeidlich.
der verfaſſungsrechtlichen Struktur des Reiches herbeiführen. Für die
Feſtlegung der Betätigungsgebiete des Reiches und der Länder
notwen=
dig, nämlich die Feſtlegung der geſetzgeberiſchen Zuſtändigkeit zwiſchen
geſetze durch die Länder vollzogen werben. Solange eine Aenderung
der Verfaſſung in dieſem Sinne nicht erreicht iſt, wüſſen ſchon auf der
Grundlage der gegenwärtigen Verfaſſug
folgende Forderungen
aufgeſtellt werden: 1. Es muß das Reich ſich auf Ausſchöpfung der Zu=
Angelegenheiten und beſonders in der Geſetzgebung auf Rahmengeſetze
beſchränken. 2. Iſt auf einem Gebiete der Geſetzgebung oder
Verwal=
tung einheitliche Regelung erwünſcht, aber durch Vereinbarungen der
Länder erzielbar, ſo iſt dieſer Weg einzuſchlagen. 3. Der Vollzug der
Reichsgeſetze muß grundſätzlich den Ländern zuſtehen. Ausnahmen ſind
auf unabweisbare Notwendigkeiten zu beſchränken. 4. Der Aufbau
wei=
terer Reichsverwaltungsbehörden iſt, weil er zur Aufſplitterung der
Länderverwaltungen führt, zu unterlaſſen. Beſtehende
Reichsverwal=
tungsbehörden ſind auf ihre unbedingte Notwendigkeit nachzuprüfen und,
ſoweit möglich abzubauen. 5. Bei den Fonds iſt die Reichswichtigkeit
der Zwecke auf Reichsumentbehrlichkeit nachzuprüfen. Fonds für Zwecke,
die zur Zuſtändigkeit der Länder gehöven, ſind zu beſeitigen. Beim
Finanzausgleich iſt dies entſprechend zu berückſichtigen. Beſtehende Fonds
ſind grundſätzlich ſchlüſſelmäßig und nur über die Landesregierungen zu
verteilen.
Nachdem der Miniſter dieſe Leitſätze entwickelt hatte, betonte er, daß
die Verwaltungsreform in den Ländern
Sache der Länder
ſei. Richtung, Maß und Mittel der Verwaltungsreform hätten ſich nach
den beſonderen Verhältniſſen jedes Landes zu richten. Er wies darauf
hin, daß die Verwaltungsreform in den Ländern keine grundſtürzende
Aenderung, der verfaſſungsrechtlichen Struktur des Reiches bedinge und
die zwangsmäßige Vereinheitlichung der Verwaltungsorganiſationen der
Länder abzulehnen ſei, weil ſie für die Verwaltungsreform unmöglich
ſei und ſchädlich wirke.
Dr. Stützel erklärte, daß er die bayeriſchem Leitſätze entwickelt habe,
weil neben fachlichen Gründen für die Verwaltungsreform bei manchen
Verfechtern doch auch noch Gründe politiſcher Art mitſprächen. Dagegen
ſtehe Bahern auf dem Standpunkt, daß der Beſtand von Ländern die
öffentliche Verwaltung weder erſchwere noch vertenere. Das weſentliche
ſei eben eine organiſche Abgrenzung der Zuſtändigkeiten und
Aufgaben=
kreiſe.
* Por einer Amgruppierung
in der franzöſiſchen Innenpolitik?
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 18. Januar.
Die franzöſiſche Regierung iſt jetzt nicht ſo leicht Herr der
Lage, wie ſie es in der letzten Sitzungsperiode war. Die
fran=
züſiſche Innenpolitik entfaltet eine wachſende Aktivität, und die
nächſten Sitzungen der Kammer werden vorausſichtlich ſehr
leb=
haft verlaufen. Die Finanzpolitik bietet Poincaré immer weniger
Einſlußnahme auf den Gang der Dinge, man ſieht bereits den
Frank als endgültig ſtabiliſiert an. Nach der Auffaſſung eines
führenden Finanzblattes iſt der Frank bereits „ſuperſtabil”, das
heißt ſtabiler, als er in ſeinen beſten Zeiten war. Auch die
Hal=
tung der amerikaniſchen Finanzwelt beſtätigt dieſe Auffaſſung.
An der New Yorker Börſe wird die Zeichnung von franzöſiſchen
Induſtrieanleihen wieder genehwigt; das iſt ein Zeichen dafür,
daß die amerikaniſche Filanzwelt den Franken nunmehr als
endgültig ſtabiliſiert betrachtet. Mellon hat auch einmal ähnliche
Worte fallen laſſen.
Unter ſolchen Umſtänden wagen es die Sozialiſten wieder,
die Regierung mit aller Kraft anzugreifen. Selbſt Léon Blum.
der früher ſtets für Mäßigung war, würde jetzt den Sturz der
Regierung der nationalen Einigung gerne ſehen. Er verfolgt
aber wit ſeiner Taktik — die Sozialiſten wollen bei der
Behand=
lung der Sacco=Vanzetti=Angelegenheit gegen die Regierung
einen entſcheidenden Angriff durchführen — auch andere Zwecke.
Er will nichts Geringeres, als die Radikalen zu offener
Stel=
lungnahme in der Innenxolitik zwingen. Bisher hatten nämlich
die Radikalen zwei politiſche Konzeptionen. Sie unterſtützten die
Regierung der nationalen Einigung, wollten aber bei den
Wah=
len die Kartellpolitik wieder aufleben laſſen. Dieſe
Zweideutig=
keit verdrießt die ganze politiſche Welt in Frankreich, ſowohl die
Rechte als auch die Linke. Von beiden Seiten verſucht man bei
jeder Gelegenheit, die Radikalen vor ein Dilemma zu ſtellen;
bisher iſt dies aber nie gelungen.
Wenn nun die Sozialiſten bei den Interpellationen über die
kommruniſtiſchen Demonſtrationen die Radikalen zu einer offenen
Stellungnahme zwingen wollen, entweder mit ihnen gegen die
Regierung oder mit der Regierung gegen ſie zu gehen, ſo
verfol=
gen ſie eine Sache, an der auch die Rechte Gefallen findet.
Aber auch die Radikalen haben ihre Gegenrechnung bereit.
Sie wollen, daß die Sozialiſten offen für oder gegen die
Kom=
muniſten Stellung nehmen, dem die Unterſtützung durch die
Sozialiſten iſt für die Radikale Partei, wenn erſtere mit dem
Kommmniſten zuſammengehen, von zweifelhaftem Wert. Man
will nämlich die bürgerlichen Wähler nicht verlieren, denn dieſe
haben Angſt vor den Kommuniſten.
Es iſt alſo möglich, daß in den jetzt kommenden Sitzungen
das Verhältnis der Radikalen zu den
Sozia=
liſten einerſeits und zuder Regierung andererſeits eine
Klärung erfährt. Sicher iſt dies ſelbſtverſtändlich nicht, denn die
Radikalen haben ſich bis jetzt ftets als Meiſter darin gezeigt,
un=
angenehmen Situationen vorzubeugen.
Reſtiloſes Verbot des deutſch=ſprachigen.
Religionsunterrichtes in Südtirol.
Bozen, 18. Januanr.
Das Königliche Schulamt von Trient, dem auch das
Schul=
weſen von Südtirol unterſteht, hat den Fürſtbiſchöflichen
Ordi=
ngriaten von Trient und Brixen den Regierungsbeſchluß
mit=
geteilt, wonach in Zukunft in ſämtlichen Volksſchulen
des deutſchen Sprachgebietes in Südtirol der
Religionsunterricht ausſchließlich in
italieni=
ſcher Sprache erteilt werden muß. Im größten Teil
des Landes durfte der Religionsunterricht auch ſeit der im
Herbſt 1923 begonnenen Italianiſierung der Volksſchulen bisher
noch in deutſcher Sprache erteilt werden. Nun nimmt die
Regie=
rung alle, ſowohl dem Heiligen Stuhl wie den Landesbiſchöfen
in dieſer Hinſicht gemachten Zugeſtändniſſe zurück und verbietet
ausnahmslos den Religionsunterricht in der Mutterſprache,
Gleichzeitig hat das Schulamt in Trient durch ein Rundſchreiben
an die Schulleitungen Südtirols den Gebrauch deutſcher
Lehrbücher (Katechismen) verboten.
*Wilhelm Schäfer.
Zu ſeinem 60. Geburtstag am 20. Januar.
Von Hans Sturm.
Der nun Sechzigjährige zählt zu jenen, die aller eindeutig
meßbaren Einſchätzung, aller abwägenden Regiſtrierung
wider=
ſtehen, die immer wieder aus ſtiller Schau des eigenen Innern
Klärung und Ruhe gewinnen und tagabgewandter Entrücktheit
das organiſch ſich formende Wachstum ihres Werkes betreuen.
Das Hieronymus=Gehäus ſeiner Abgeſchloſſenheit gegen die
Ver=
wirrung des Marktes trennt ihn von den intellektuell drapierten
Propagandamachern einer halt= und gehaltloſen Pſeudokultur;
neben dieſen hirnlichen Rednern iſt er der aus der Seele Redende,
neben den (Bänkel=) Sängern unſerer Tage iſt er der Singende.
Seine erſten Arbeiten, taſtende Verſuche ließ er unter dem
Namen Robert Melchior drucken, weil er ſich noch „unſicher”
fühlte. Und nahm ſich in ſtrengſte Zucht. Erſt mit dem 1908
er=
ſchienenen ſchmalen Band „Anerdolen” beginnt für ihn das „
dich=
teriſche Däſein”. Hier ſei gleich ein Satz aus ſeinem Lebensabriß
angeführt gegen die weitverbreitete, aber irrige Annahme, er
habe die „Neue Anekdote” ſchaffen wollen: „Daß ich meine
epi=
ſchen Gebilde” Anekdoten nannte, ſollte nichts anderes beſagen,
als daß ſie in irgend ein Stück Weltgeſchichte anekdotiſch d. h. von
einer zufälligen Seite aus hineinleukteten”. Schäfer weiß eben,
wie ſchon der Vater des alten Fontane, daß die Anekdote
eigent=
lich das Wichtigſte in der Weltgeſchichte iſt, ferner, daß eine gute
Anebdotenſammlung — allerdings im oben angedeuteten höheren
Sinne — zum wahren Schatzkäſtlein der Menſchennatur werden
kann, zumal ein Dichter immer aufs Neue zu Dank verpflichtet
ſein ſoll. In den „Rheinſagen” und den drei größeren
Erzäh=
lungen „Die Halsbandgeſchichte”, die „Mißgeſchickten” und „Die
unterbrochene Rheinfahrt” bringen dem Dichter im Weſentlichen
die Erfüllung des in harter Arbeit Erſtrebten. Mit merkwürdig
ſcharfer Beobachtung ſteht er ſeiner Kunſt kritiſch gegenüber, weil
er nicht erzählen will, wie ſo mancher ſeiner fingerfertigen
Zeit=
genoſſen. Entgegen der modernen Proſatechnik, die ſich um
Stim=
mung und Requiſit müht und dabei an Stoffarmut leidet, legt
er wie ſein Vorbild, der Kalendermann Hebel, auf eine reiche
Handlung den Hauptwert. Seit ſeinem erſten weſentlichen
Ver=
ſuch, der um 1901 geſchriebenen „Béarnaiſe”, iſt er ſtets bedacht,
„Menſchen in kurioſer Handlung” darzuſtellen, wie es ſeine
er=
zählenden Schriften immer wieder dartun. Ein ſeltenes Kleinod
in der deutſchen Novellenliteratur iſt die „Geſchichte von
Hölder=
lins Einkehr”, über deren ſprachliche Form das helleniſche Inge=
nium Hyperions zittert. In dem Werke „Huldreich Zwingli”,
zeigt er die beſonderen Umſtände auf, die dem Leben des
Reſor=
mators die bedeutſame Wendung gaben, ohne zerſetzenden
Pſycho=
logismus, rein ſachlich und doch mit eindrudksſtarker Wirtung. In
dem Roma „Lebenstag eines Menſchenfreundes” ſchildert
Schäfer, der ſelbſt ſieben Jahre Lehrer geweſen iſt, das
erſchüt=
ternde Schickſal Peſtalozzis wirklichkeitsgetreu, und doch lieſt es
ſich wie eine tiefergreifende Dichtung. Das gleiche gilt von „Karl
Stauffers Lebensgang”, dieſer wahren Chronik einer Leidenſchaft.
Der Untertitel iſt vollauf berechtigt, denn Schäfer zeigt, wie die
ſuchende künſtleriſche Leidenſchaft den Maler reſtlos drängt von
Werk zu Werl, von Technik zu Technik, bis der Gejagte
zu=
ſammenbricht. Hier kam dem Erzähler der tiefgründige Kenner
der neueren deutſchen Kunſt zu Hilfe (Schäfer leitete faſt zwanzig
Jahre die Monatsſchrift „Die Rheinlande”), und ſo entſtand hier
ein Werk, das nicht nur pſychologiſch und ſtiliſtiſch, ſondern auch
wegen ſeiner vielen weltanſchaulichen und kunſtgeſchichtlichen An=
und Ausdeutungen von bleibender Bedeutung iſt.
„Ich gebe gerne zu”, ſagt er in ſeinem Lebensabriß einmal,
„daß der prachtvolle Johann Peter Hebel und auch der rheiniſche
Antiqugrius in ſeiner ſchnurrigen Redeweiſe abfärbten”, was
aber bedeutet dies gegen die ſeinen Erzählungen und Romanen
eigene Einheit ununterbrochener innerer Geſchloſſenheit und der
auf verſtandesmäßigem Weg nicht zu erzielenden Eindringlichkeit?
Schäfer erzählt ſeine Epiſoden nicht auf die Moral, ſondern auf
den lebendigen Inhalt hin. Der Lebensgehalt, nicht die
Aeußer=
lichkeit des Geſchehens, ſo weder die überſchäumende Freude des
Romanen, noch der grübelnde Schmerz der Slawen, iſt ihm
Gegenſtand der wechſelvollen Geſchicke, und ſo iſt er in einem
per=
ſönlich genommenen Sinne deutſch, das will bedeuten, daß ihm
das Deutſche nicht eitle Beſpiegelung oder ſatte
Selbſtgenügſam=
keit iſt, ſondern, daß da, wo andere glauben, die halbe Arbeit
ſchon hinter ſich zu haben, er die doppelte vor ſich ſieht; ihm iſt
Deutſchſein nicht Erfüllung, ſondern eine ſich immer erneuernde
Aufgabe. Aus dieſer Anſchauung heraus geſtaltet er „Die
drei=
zehn Bücher der deutſchen Seele”. In dem umfangreichen Werke
zieht unſeres Volkes Schickſal vorüber in wunderſam leuchtenden
Bildern von tiefer, oft ſchmerzlicher Wirkung. Warum trug unſer
Volk ſo wehes Schickſal? Und zu welchem Ende? Einen Troſt
teilen wir mit dem Dichter: ſeine hohe Auffaſſung von ſeines
Volkes ſchwerer, aber großer Sendung. Ihm blieb es auch
vor=
behalten, uns eine Nachdichtung des Nibelungenliedes zu geben.
Der Nibelungenforſcher R. Uhl ſtellte aus den verſchiedenen
Handſchriften einen Auszug zuſommen und bat Schäfer, die
Ver=
deutſchung zu übernehmen. Schäfer wurde von Uhls Arbeit ſo
elemendar gepackt, daß er die Nachdichtung bald und meiſterlich
zu Ende führte. So haben wir das Nibelungenlied nun in
les=
barer Form.
„Ich weiß es nur zu gut, was ich mir als Berufung auslegte
in dieſen ſchweren Jahren, es könnte mehr ſein.” Schäfer darf
bei der Rückſchau mit dem Erreichten zufrieden ſein. Möge er
dieſen Weg noch lange und weit gehen.
„Der Strauß”.
Ein Buch für junge Mädchen.
Im Auftrage des Berliner Lehrerverbandes,
herausgegeben von Gertrud Fauth.
Wie oft greifen junge Menſchen nach Büchern in ihrem Leſehunger
und legen ſie enttäuſcht beiſeite, weil ſie zu ſchwer, zu langweilig oder
auch zu kindiſch ſind. Sie ſuchen nach Büchern, die ihrem Alter und
ſeinen Idealen entſprechen, und finden ſie ſelten. Sie wiſſen nicht, daß es
wenig Werke gibt, die gute Literatur ſind und zugleich Jugendbicher.
Dieſem Mangel verſucht der bunte Strauß, der hier aus mancherlei
Garten= und Feldblumen zuſammengebunden iſt, abzuhelfen.
Verk=
volles und Reizvolles der älteren und neuen Literatur, mit Betonung
des für Frauenkreiſe Intereſſanten, Aufſätze über Kunſt, Wiſſenſchaft,
Technik, aus Lebensſchickſalen und Ländern, Ernſt und Fröhlichkeit
ziehen im Wechſel der Zeiten an den Leſern vorüber. Bedeutende Frauen,
wie Amalie Dietrich, Anette von Droſte, Käte Kollwitz uſw., weiſen
auf große Ziele, Aufſätze und Bilder über die künſtleriſchen
Beſtre=
bungen auf weiblichen Gebieten, Kultur der Kleidung, Gymnaſtit uſw.
geben genug Anvegung. Heimat und Ferne tauchen in reizvollen
Schel=
derungen, in ſchönen Bildtafeln vor uns auf. Die Volkskunſt, deren
Pflege ſich die Jugend heute wieder angelegen ſein läßt, trägt mit feinen
alten Volksliedern, mit anſchaulicher Sprichwörterweisheit, Balladen und
Sagen zur Belebung des Buches bei. Jeder kommt auf ſeine
Nech=
nung; der Fröhliche beim Schelmenhumor, der Grübelnde bei jenen
Auffätzen, die zur Selbſtbeſtimung führen, und der Leſehungrige wird
ſicher nicht nur die Novellen guter Meiſter, ſondern auch die lebendigen
Schilderungen und die Schickſale bedeutender Frauen in
Tagebücher=
blättern und Briefen leſen. Dieſes feine Buch wird über den Kreis
junger Mädchen hinaus auch von der reifen Frau und den übrigen
Familienmitgliedern wegen der Reichhaltigkeit der Beiträge, der
fein=
ſinnig getroffenen Auswahl der Stoffe und der künſtleriſchen Bildtafeln
freudig begrüßt werden. — Dieſes vorliegende Buch iſt bei der Deutſchen
Buch=Gemeinſchaft, Berlin SW. 61, Teltowerſtraße 29, erſchienen.
Für=
den vierteljährlichen Mitgliedsbeitrag von 4,20 Mk. erhält das Mitglied
einen prächtigen Halblederband nach eigener Wahl und vierzehntägig
die illuſtrierte Zeitſchrift „Die Leſeſtunde” koſtenfrei ins Haus geſandt.
Weit über 350 000 ſtändige Mitglieder haben ſich in drei Jahren dieſer
Gemeinſchaft angeſchloſſen. Ausführliche Werbeſchrift „Roe” wird
durch die D.B. G, koſtenlos verſandt.
Mummer 19
Donnerstag den 19 Januar 1928
mnenpolitiſche Spumnangen dam Neichbtags Anfang.
Der Anſpruch der D.V. P. auf das Wehrminiſierium. — Der Meinungskampf im Zentrum.
Iie Front gegen die Deutſch’sationalen. — Die Klippe im Schulgeſetz. — Die Lebensdauer
des Kabineites Marx.
Paragraphen 20 des Schulgeſetzes und der Erhaltung der Simul=
Konfliktsmöglichkeiten.
tanſchule kommt, immer weiter ſinken. Kommt dann noch eine
ausgeſprochene Abneigung ſtarker Kreiſe des Zentrums gegen ſtanden, als ob durch die Beſchlüſſe des Ausſchuſſes die gro=
Der Druck der politiſchen Noiwendigkeiten. die Ehe mit den Deutſchnationalen hinzu, dann iſt eigentlich
Der Reichstag nimmt am Donnerstag ſeine Beratungen in
in er ſehr geſpannten Situation wieder auf. Seit er vor
Bieihnachten in die Ferien ging, hat ſich die Lage in zwei
Rich=
uuigen verſchoben: einmal hat der überraſchende Rücktritt
4s Reichswehrminiſters die Klammern um die
Ko=
ſiition etwas gelockert, dann aber zeigen auch die
Frik=
imnen, die innerhalb des Zentrums entſtanden ſind, wie
owierig es ſein wird, für abſehbare Zeit den
gegen=
dſärtigen Kurs weiter zu ſteuern. Rechnet man dazu
ſi=Konfliktsmöglichkeiten, die ohnehin im
Schul=
ſetz liegen, auf der anderen Seite aber den Zwang, den
Eſcat unter allen Umſtänden bis zum 1. April
artigzuſtellen, dann ergibt ſich aus dieſer einfachen
Auf=
äßlung, daß wir einer bewegten, kriſenhaften Zeit
tgegengehen.
Die Beſetzung des Reichswehrminiſteriums
vurd vielleicht die erſte Entſcheidung bringen, die ſchon in den
ilzernächſten Tagen kommen muß. Man ſpricht neuerdings viel
imn einer Kandidatur des Generals Gröner, der
urnehmlich aus dem Zentrum unterſtützt wird. Sie hat auch
iune Zeitlang im Vordergrund geſtanden, iſt aber im Augenblick
niehr in den Hintergrund getreten. Die Deutſche
Volks=
plartei hält vorläufig immer noch ihren Anſpruch auf
dias Reichswehrminiſterium aufrecht und wird ſich in
hrrer Fraktionsſitzung am Donnerstag eingehend mit dieſer
Frage beſchäftigen. Vorher wird vermutlich nichts geſchehen.
Bäs dahin bleibt auch offen, ob man ſich zu einem kurzfriſtigen
Proviſorium oder aber gleich zu einer endgültigen
Neu=
eſ:nennung entſchließt. Wie ſtark darüber auch in
maßgeben=
dan Kreiſen ſich die Meinungen von Stunde zu Stunde
verſchie=
ban, dafür nur als Beiſpiel, daß am Dienstag noch ſehr
ernſt=
hift von der Möglichkeit geſprochen wurde, daß ein
deutſchnatio=
nlaler Miniſter — und zwar nicht Herr von Keudell — die
Ver=
ttzetung des Herrn Dr. Geßler übernehmen ſolle. In dieſem
eſtalle aber glauben wir nicht, daß von dieſer Seite eine
Gefähr=
duung des Kabinetts kommen könnte. Dafür wird ſchon der
Meichspräſident zu ſorgen wiſſen, dem eine befriedigende Löfung
dies Erſatzes für Herrn Geßler — der übrigens Herrn Gröner
alls ſeinen Nachfolger vorgeſchlagen zu haben
ſtcheint — ſehr am Herzen liegt.
Sehr viel bedenklicher läßt ſich der Meinungskampf
imnerhalb des Zentrums an. Die Angriffe gegen Herrn
Marx gehen zwar im weſentlichen aus perſönlichen Gründen
her=
hwor, richten ſich aber im Kern doch nur gegen den Kanzler der
ſetzigen Regierungskoglition, alſo gegen das Zuſamengehen
mon Zentrum und Deutſchnationalen. Die Entſchließung, auf die
min ſeinerzeit die Regierung mit den Deutſchnationalen vom
18entrum gebildet wurde, iſt zwar von der Fraktion einſtimmig
ungenommen worden, aber der linke Flügel faßt doch praktiſch
Beie Stellung des Zentrums in der Mitte nur ſo auf, daß es
urnter keinen Umſtänden mit den Deutſchnationalen zuſammen=
Behen darf.
Wenn alſo durch die Fortſetzung der
An=
riffe auf den Kanzler deſſen Anſehen und ſein
ſinfluß innerhalb des Zentrums in die Brüche
R:eht, dann iſt damit der ganze Unterbau der
Re=
z:ierung unterwühlt, und die Gefahr eines
Ein=
iturzes des ganzen Gebäudes wird greifbar. Die
=Beziehungen zwiſchen Zentrum und Deutſcher Volkspartei ſind
ſehnehin ſtark erkaltet; ſie werden vermutlich, je näher man dem
*Oie Illuſion des Gelbſigenügens.
Vortrag Wilhelm Michel.
Am. Am Mittwoch abend ſprach in den Räumen der
Buch=
thandlung Heinrich Schroth Herr Wilhelm Michel über
„Die Illuſion des Selbſtgenügens‟. Die Wahl des Vortragenden
und des Themas hatten eine lebhaft intereſſierte Zuhörerſchaft
vangezogen, die den feir ſinnigen Gedankengängen. Wilhelm
EMichels geſpannt folgte. Der Vortragende führte etwa
folgen=
ſces aus: Es iſt eine merkwürdige Erſcheinung, die zudem ganz
wlötzlich eintrat, daß es auf einmal ausſah, als ob die Menſchen
yſſich geiſtig nichts mehr zu ſagen hätten. Dieſe Erſcheinung zeigte
ifſich bei den einen als Skepſis, bei den anderen als geiſtige Träg=
Aheit. Eine dieſer Erſcheinurgen iſt die Scheu vor dem Buch;
ſdieſe kalte Stimmung ſchlug bis an den Schreibtiſch der Literaten
uund der ſchreibende Menſch frägt ſich: Für wen oder für was
ſiſchreibe ich eigentlich? So iſt ohne feierlichen Nekrolog eine
„Literaturgattung, die Lyrik, verſtummt, und eine Anthologie, die
Klaus Mann kürzlich herausgab, weiß uns aber auch gar nichts
zu ſagen. Auch im geſelligen Bereich hat ſich dieſe tote, kalte Luft
zwiſchen die Menſchen gedrängt. Unſere lächelnde Ablehnung
gegenüber dem Kunſtgewerbe hat ſich zu einer ſcharfen
Einſtel=
lung gegenüber der kunſtgewerblichen Prägungsweiſe verdichtet.
Und die Baukunſt iſt ſoweit gekommen — ich denke an die
Aus=
ſtellung in Stuttgart —, den Künſtler aus dem Architekten zu
beliminieren und nur noch den Techniker, den Ingenieur gelten
zu laſſen. So kommen wir zu einer Tendenz gegen die Kunſt.
Und beim Theater? Nicht nur wirtſchaftlich, auch geiſtig iſt ſeine
Lage überall bedrängt. Bei einem Brennpunkt aller Kunſt, den
das Theater doch darſtellt, iſt dieſe Lage nur natürlich. Nicht
nur das Publikum, auch der dramatiſche Dichter hat verſagt. In
irgend einem, nicht nachweisbaren Zuſammenhang mit allen
die=
ſen Erſcheinungen ſteht das Verſagen des ſchauſpieleriſchen
Nach=
wuchſes, der ſich im Spezialiſtentum verliert. Dieſe Kriſe der
Menſchenbeziehung iſt einzubauen in die allgemeine Zeitlage.
Das geiſtig Allgemeine, das über den Menſchen iſt, wird nicht
mehr als verpflichtend gefühlt. Dieſe Kriſe iſt verwoben mit
dem, was man das relativiſtiſche Denken nennt. Mit jenem
Denken, das jedes Leben auf ſeine Bedürfniſſe verweiſt. Dieſes
relativiſtiſche Denken muß damit enden, den Menſchen in ſeinem
So=ſein nicht zu beunruhigen, ſondern zu beſtärken. Auch der
Relativismus hat ſeine allgemeinen Geſichtspunkte, aber die der
allgemeinen Lebensgemeinſchaft. Das Streben nach dem
Geſin=
nungsgenoſſen beſtimmt in höchſtem Maße unſere geiſtigen und
geſelligen Kreiſe. Haß, Mißtrauen und Einſamkeitsgefühle be=
kaum abzuſehen, wie ſich die Regierung noch halten ſoll, ſelbſt herausgenommen ſeien. Tatſächlich iſt etwas ganz anderes
be=
wenn es für den Augenblick gelingen ſollte, durch Kompromiſſe
die Riſſe zu überkleiſtern. Will man alſo eine Prognoſe ſtellen,
dann kann ſie nach den augenblicklichen Verhältniſſen nur lauten,
daß die Tage des Kabinetts Marx gezählt ſind und daß höchſtens
der Druck der politiſchen Notwendigkeiten dazu führen kann, das
Kabinett bis anfangs April am Leben zu erhalten.
Marx —Stegerwald.
* Berlin, 18. Januar. (Priv.=Tel.)
Die Sitzung des Fraktionsvorſtandes des Zentrums, der
am Mittwoch zuſammengetteten war, hat eine Klärung der
eigentlichen Streitfrage Marx—Stegerwald nicht erbracht.
Offi=
ziell wird vom Zentrum darüber die Lesart ausgegeben, daß
Herr Marr zunächſt am Erſcheinen verhindert war und daß, als
er kam, dieſer Punkt der Tagesordnung bereits vom Vorſtand
verlaſſen war. Die Logik iſt dürftig, denn es hätte natürlich
nichts im Wege geſtanden, noch einmal auf dieſen Hauptpunkt
zurückzugreifen, zumal da Herr Stegerwald noch anweſend war.
Man wird aber daraus herausleſen müſſen, daß es bisher noch
nicht gelungen iſt, die zwiſchen den beiden Herren beſtehenden
Mißverſtändniſſe zu beſeitigen. Es ſcheint, als wenn Herr
Stegerwald eine Entſchuldigung verlangt, die
Herr Marx glaubt öffentlich nicht abgeben zu können. Dabei
liegt der ſachliche Gegenſatz natürlich noch viel tiefer und wird
vermutlich das Thema der Beratungen des
Partei=
vorſtandes und des Parteiausſchuſſesam 28.
Ja=
nuar bilden, weil hier die Frage geklärt werden
muß, ob das Zentrum ſich offiziell als eine
republikaniſche oder nur als
Verfaſſungspar=
tei bezeichnen will.
Wird General Groener Reichswehrminiſter?
Reichsminiſter a. D. General Wilhelm Groener
wurde im Laufe des Mittwochs vielfach als der Nachfolger Dr.
Geßlers bezeichnet. Er ſoll ſogar vom Reichswehrminiſter Dr.
Geßler als ſein Nachfolger vorgeſchlagen worden ſein. Hierzu
erfahren wir von gut unterrichteter Seite, daß dieſer Gedanke
zwar geſtern in politiſchen Kreiſen erwogen worden iſt, daß er
aber nach Beſprechungen, die heute vormittag ſtattgefunden
haben, bereits als erledigt gelten kann. Die Frage der Beſetzung
des Reichswehrminiſteriums iſt auch jetzt noch vollkomen offen,
und das ſowohl nach der perſönlichen als auch nach der
grund=
ſätzlichen Seite einer Dauerlöſung oder einer kommiſſariſchen
Beſetzung.
herrſchen geſellige Darſtellungen in der Malerei der letzten Jahre,
Dinge, die nicht nur der Maler erfunden hat. Die heutigen
Maler haben, die wirkliche Zerſtörung vom Grund unſeres
Lebens geſehen. In dieſem Haß ſind wir nur verbannt, wir ſind
beſtimmt zum ewigen Aufbruch, nicht zum ewigen Beharren. Der
Geiſt der Iphigenie, der ſich liebend geſellt, lebt doch in uns.
Wir ſind auf die Geſellſchaft von Menſchen und Dingen
angewie=
ſen, weil ſie zugleich mit uns gedacht und geworden ſind. Der
Menſch iſt dazu da, ſeine Verwobenheit mit den anderen
Mew=
ſchen zu erkennen.
Die Politiſierung der Orcheſtermuſiker.
Eine Kulturfrage.
Wir erhalten folgende Zuſchrift:
Hin und wieder dringen Nachrichten über ſozialpolitiſche
Strömun=
gen innerhalb des Muſikerſtandes an die Oeffentlichkeit, Sperrungen von
Orcheſtern — Muſikerſtreik — Ausfall von Konzerten —
gewerkſchaft=
licher Terror (der Kulturfaktoxe bedroht) — das alles ſind
ernſtzu=
nehmende Symptome, die im Intereſſe unſerer muſikkulturellen
Ent=
wickelung geſteigerte Aufmerkſamkeit verdienen. Der kürzlich
ſtatt=
gehabte Tarifſtreik im Schleſiſchen Landesorcheſter (Breslau), wobei
Funktionäre des „Deutſchen Muſikerverbandes” ohne Rückſicht auf die
wirtzſchaftliche Lage der Orcheſter=G. m. b. H. duuch gewerkſchaftliche
For=
derungen den Fortbeſtand des Orcheſters in Frage ſtellten, hat weit über
die öſtlichen Grenzen hinaus lebhaſtes Intereſſe erweckt. Man fragt
mit Recht nach den Urſachen einer ſozialen Diktatur, die
Gewerkſchafts=
geiſt über künſtleriſches Anſehen ſtellt.
Für den Eingeweihten beſtehr kein Zweifel, daß hinter den Kuliſſen
des Muſiklebens mehr oder minder verborgene Fäden zu einer
Zen=
trale führen, die in Geſtalt einer Fachorganiſation das Recht der
Standesvertretung für ſich in Anſpruch nunmt. Der eben genannte
Deutſche Muſikerverband‟ (Demuo) vereinigt den größten Teil der in
Cafés, Kinos uſw. tätigen Muſiker, dazu eine Reihe von Orcheſtern im
Theater= und Konzertleben. Dieſer „Demuv” iſt dem „Allgemeinen
Deutſchen Beamtenbund” angeſchloſſen. Was das bedeutet, iſt aus den
Anträgen zum diesjährigen ſozialdemokratiſchen Parteitag in Kiel zu
erſehen, wo mehrfach die Anſieht vertreten wurde, daß eine
Nichtmit=
gliedſchaft des „Allgemeinen Deutſchen Beamtenbundes” unvereinbar
mit den Grundſätzen und Intereſſen der Sozialdemokratie ſei. Der
Vorſitzende des „Demuv” iſt ein ehemaliger Zigarrenarbeiter und
Ge=
werkſchaftsführer, der ſeinen Veuband der roten „Amſterdamer
Inter=
nationale” unterſtellt hat und für ſeine Forderungen einer radikalen
Klaſſenkampfpolitik bei einer imternationalen Muſikertagung in Wien
ſich von dem Schweizer Delegierten ſagen laſſen mußre, daß „ſein Ton
einer Verſammlung halbwegs gebildeter Menſchen unwurdig”, ſei.
Dieſe gewerkſchaftliche Bindung eines radikal parteipolitiſchen
Ver=
bandes iſt die Urſache für alle mit marxiſtiſcher Gewalttätigkeit
aus=
geführten Angriffe auf die künſtleriſche Qualität des Muſiklebens
zu=
gunſten einer einſeitigsſoejalen Einſtellung. Durch rückſichsloſe Maß=
Seite 3
Die Novelle zum Reichsmietengeſetz.
Keine Lockerung der
Wohnungszwangs=
wirtſchaft.
* Berlin, 18. Januar. (Priv.=Tel.)
Der Reichstagsausſchuß für das Wohnungsweſen berät
gegenwärtig die Novelle zum Reichsmietengeſetz.
Die Materie iſt durch Einſchachtelungen und Ergänzungsgeſetze
ſo undurchſichtig geworden, daß ſelbſt die Berichterſtatter, im
Ausſchuß nicht gleich imſtande waren, die nötige Klarheit zu
ſchaffen. So iſt vollkommen mißverſtändlich der Eindruck
ent=
ßen Wohnungen künftig aus der Zwangsbewirtſchaftung
ſchloſſen worden. Nach dem bisherigen Geſetz war der Mieter
dem Vermieter gegenüber einſeitig im Vorteil. Er konnte ſich bei
den Verhandlungen über den Mietzins zu einer ſehr hohen
Miete verſtehen, nur um die Wohnung zu bekommen. Sobald er
dann aber in der Wohnung ſaß, konnte er ſich auf die geſetzliche
Miete zurückziehen. Das hat nun eine Aenderung in der Form
gefunden, daß für Mietverträge über Wohnungen
von mehr als fünf Zimmern, wenn ſie nach dem
1. April 1928 abgeſchloſſen ſind und auf länger
als zwei Jahre laufen, der Mieter künftig nicht
mehrdas Recht haben ſoll, ſich auf die geſetzliche
Miete zurückzuziehen, ſondern die Miete
zah=
lenmuß, die im Vertrag ausgemacht iſt. Sonſt aber
bleibt auch bei den ſogenannten großen Wohnungen alles
beim alten, ſie unterliegen alſo nach wie vor der
Zwangsbewirtſchaftung. Nach den Mitteilungen, die
im Wohnungsausſchuß gemacht worden ſind, beſteht auch kaum
Hoffnung, daß die Zwangswirtſchaft in
abſeh=
barer Zeit verſchwindet. Die Regierung errechnet einen
jährlichen Zuwachs von 200 000 Wohnungen, wozu noch ein
bereits vorhandener Bedarf von 430= bis 600 000 Wohnungen
kommt. Es müßten alſo mindeſtens erſt einmal eine halbe
Mil=
lion Wohnungen mehr zur Verfügung ſtehen, ehe an eine
Locke=
rung der Wohnungszwangswirtſchaft gedacht werden kann.
Der Arbeiter und die
Wohnungszwangs=
wirtſchaft.
Aus Anlaß der jüngſten Lohn= und Arbeitszeitkämpfe konnte man in
einem Teil der ſozialiſtiſchen Preſſe, wie der „Preſſedienſt für Freie
Wirtſchaft, Freies Eigentum” mitteilt, u. a. folgendes leſen:
„Die durch den Wohnungsmangel unterbundene Freizügigkeit iſt
heute unzweifelhaft eim Mittel für den Lohndruck. Wir erleben es
tag=
täglich in vielen Induſtriezweigen, daß Arbeiter ihre Arbeitskraft zu
weit höheren Preiſen, d. h. Löhnen, verkaufen könnten, wenn eine
Frei=
zügigkeit wirklich beſtände. Es muß betont werden, daß hier wirklich
ein Stück Zwangswirtſchaft, eine Folge der Kriegs= und Inflationszeit,
vorhauden iſt, die den Arbeiter im lohnpolitiſchen Kampf ſtark behindert,
erfolgreiche Aktionen faſt mmöglich macht. Der Arbeiter hat allen
Grund, über die Folgen der Zwangswirtſchaft auf die Lohnhöhe zu
klagen.”
Man ſollte meinen, die Konſequenz aus dieſen ſehr richtigen
Aus=
führungen wäre, daß die Arbeiter ſich mit allen Kräften für einen
ſchleu=
migen, zielbewußten Abbau der Zwangswirtſchaft einſetzten, damit ihre
Freizügigkeit wiederhergeſtellt wird. Das Gegenteil iſt aber
merkwür=
digerweiſe der Fall. Die Vertreter eines großen Teils der
Arbeiter=
ſchaft erſtreben die Beibehaltung der Wohnungszwangswirtſchaft auf
ewige Zeiten, trotzdem dieſe ſür die Arbeiterſchaft große Nachteile hat.
Die Unternehmer dagegen, die doch nach ſozialiſtiſcher Auffaſſung wegen
des Lohndrucks gar keine Veranlaſſung dazu hätten, ſtreben unentwegt
die völlige Freigabe der Wohnungszwangswirtſchaft an. Hat der alte
ſchwediſche Kanzler doch recht, wenn er ſagt: „Mein Sohn, du glaubſt
nicht, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird!”
Der unweſentliche 8 16a.
* Berlin, 18. Januar. (Priv.=Tel.)
Wie wir bereits geſtern ſagten, hat ſich um den Paragraphen
16a des Schulgeſetzes eine Reihe von Gerüchten geſammelt, die
hier den Bruch zwiſchen Zentrum und Deutſcher Volkspartei
vor=
ausſagten. Der Paragraph enthält bekanntlich die Beſtimmung,
daß in den Ländern, wo bereits eine Vereinbarung zwiſchen
Regierung und Kirchen über die Einſichtnahme in den
Religions=
unterricht beſteht, dieſe Regelung beſtehen bleiben ſoll. Der
Paragraph war, wie wir bereits von Anfang an betonten, eine
Gelegenheitsanregung. Nachdem die Juriſten aber
herausgefun=
den haben, daß mit dieſem Antrag mittelbar auch eine
Zuſtim=
mung zu dem bayeriſchen Konkordat gegeben ſei, hat die Deutſche
Volkspartei ihre Unterſchrift unter dem Antrag zurückgezogen.
Eine Mehrheit für den Antrag iſt alſo nicht mehr vorhanden.
Das Zentrum hat ſich, ſoweit man bisher ſieht, ohne weiteres
damit einverſtanden erklärt. Der Antrag wird daher unter den
Tiſch fallen, ohne daß ſich irgendwelche Rückwirkungen daraus
ergeben werden.
nahmen, Streildrohungen und Starren wird das Muſikleben nicht nur
im Falle des „Schleſiſchen Landesorcheſters” in einer Weiſe terwriſiert,
wie es ſich nie und nimmer mit künſtlerüiſcher Würde vereinbaren läßt,
ſondern in zahlreichen unüberſehbaren Aktionen rettungslos einer
ſozial=
demokratiſchen Willkur ausgeliefert. Nur einige Beiſpiele mögen meine
Ausführungen näher erläutern:
Das Organ des „Demuv” die „Deutſche Muſikerzeitung”, die gar
nicht als Muſikzeitſchrift gelten will, propagiert den „Potemkin=Film”,
veröffentlicht Aufrufe zum Gewerkſchaftsanſchluß und polntiſche
Hetz=
artikel in radikalſozialiſtiſthem und kommuniſtiſchem Sinne, beſonders
zu Zeiten der Wahlen. Außenfeſter in Demuv=Orcheſtern werden dank
der Diktatur gewerkſchaftlicher Orcheſtervorſtände mit allen Mitteln zur
Mitgliedſchaft gezwungen. Drei Nichtmitglieder des Demuv im Orcheſter
des Braunſchweiger Landestheaters, darunter ein Kammermuſiker, der
dem Orheſter ſeit 30 Jahren angehört (!), wurden durch gewaltſamen
Ausſchluß von einer anderweitigen Konzerttärigkait des Orcheſters
finanziell ſchwer geſchädigt. Das Gericht wies in der zweiten Inſtanz
trotz Artikel 159 der Reichsverfaſſung (Gewährleiſtung der
Vereinigungs=
freiheit) jeden Schadenerſatzanſpruch ab. Als in einer von den
Fran=
zoſen geräumten Stadt des Ruhrgebiets die Reichswehrkapelle zur
Mit=
wirkung an einem vaterländiſchen Feſt herangezogen werden ſollte,
ver=
bot die Demv=Leitung die Teilnahme und bezeichnete den Wunſch nach
guter Militärmuſik als unnütze Soldatenſpielerei”. In Berlin ſpeziell
hat der Demuv ſogar Einfluß in der Staatlichen Muſikhochſchule
er=
langt. Die Orcheſterſchule der Staatlichen Muſikhochſchule iſt laut
Muſikerkalender 1926, Seite 138, „ein dunch miniſterielle Verfügung
eines Klaſſenraumes mit tem bereits ernähnten 1. Vorſitzenden des
Demuv”, dazu die Unterſchriſt: „Gewerkſchaftlicher Vortrag in der
Orcheſterſchule”.
Prof. Dr. Hans Joachim Moſer weiſt im letzten Bande ſeiner
Muſikgeſchichte auf den Austritt der „hervorragenden” Künſtler aus
dem Demuv und auf den Zuſammenſchluß zu einem unpolitiſch=
künſt=
leriſch gingeſtellten „Reihsverband Deutſcher Orcheſter und
Orcheſter=
muſiker E. V.” hin, dom Profeſſor Moſer „zum Vorteil, der Kuuſt”
weiteſten Erfolg wünſcht. Niemals kann das ſoziale
Gleichmachungs=
prinzip innerhalb eines Orcheſters ohne ſchädigenden Einfluß auf den
künſtleriſchen Wert bleiben. Von der Bevorzugung rein künſtleriſcher
Faktoren iſt die Zukunft unſeres Muſiklebens abhängig, und mit dieſer
Erkenntnis ſteht und fällt unſere deutſche Lultur.
— Im Zeichen des Winterſports ſteht die eben erſchienene Nummer 3
der „Jugend‟. Das luſtige Titelblatt von Stephani, ein prächtiges
Aquarell von Henel und eine ganze Reihe amüſanter Zeichnungen von
Macher. Henke Magon, Vollert, Geis und Heubner behaudeln das
be=
liebte Thema mit dem gleichen Humor, wie die witzigen
Winterſport=
geſchihten von Wisbek und Kinndt oder die kleineren ſatiriſchen Gloſſen,
deren bunte Fülle den Inhalt des Heftes vervollſtändigt. Das beſonders
gelungene Schlußbild von Wilke befaßt ſich mit der „Filmentwicklung im
Reichswehrminiſterium”.
Der engliſche Sicherheitsvorſchlag.
In allen Rechtsſtreitfragen der ſtändige Internationale Gerichtshof im Haag das entſcheidende
richterliche Organ. — Verträge nach dem Muſter von Locarno der beſte Weg zur Sicherung
des Friedens.
Auffaſſung dürfte deshalb die Annahme der obligatoriſchen
Biederbeiebung des Locarnos Schiedsklauſel für alle Staaten auf große Schwierigkeiten ſtoßen.
Zur Begründung ihres Standpunktes beruft ſie ſich auf
Schwie=
rigkeiten, die evtl. innerpolitiſch entſtehen könnten, bei der ver=
Gedankens.
pflichtungsmäßigen An ahme und Durchführung eines
un=
populären und ungünſtigen Schiedsſpruches und vertritt die Auf=
Englands Verpflichtungen aus dem Locarno= faſſung, daß in Fällen, in denen es ſich um die
na=
pakt nur für die Rheinzone. — Keine Garantie= tionale Ehreund um die Lebensintereſſen eines
Volkes handelt, die Regierung freier Herr
verpflichtung gegenüber einem Oſi=Locarno, ihrer Entſchlüfſe ſein müſſe. In Verbindung damit
EP. Genf, 18. Januar.
Der in der letzten Tagen mit einiger Spannung erwartete
engliſche Sicherheitsvorſchlag iſt heute abend hier und
gleich=
zeitig auch in London veröffentlicht worden. Die Note umfaßt
30 Schreibmaſchinenſeiten und gibt in der Form eines Frage=
und Antwortſpieles eine umfaſſende Darſtellung des engliſchen
Standpunktes zur Sicherheits= und Schiedsgerichtsfrage.
In ihrem weſentlichen Inhalt laufen die engliſchen
Vorſchläge darauf hinaus, das in den
Locarnoverträ=
gen angewandte Syſtem durch Erweiterung ihres
Geltungsbereiches als Grundlage der
Sicher=
heitspolitik zu empfehlen. Die Denkſchrift beſteht aus
zwei großen Abſchnitten, von denen ſich der erſte mit der
Haltung Englands
den Schiedsverträgen gegenüber
befaßt. Die engliſche Regierung vertritt hier den Standpunkt,
daß grundſätzlich vor ein Schiedsgericht nur
juriſtiſche Streitfälle kommen ſollen, während
für politiſche Streitfragen das gemeinſame
Kompromiß die gegebene Löſung ſei. Nach ihrer
ſetzt ſich Englanddafür ein, daß mehr und mehr in allen
Rechtsſtreitfragen der ſtändige Internationale
Gerichtshof im Haag das entſcheidende richterliche
Organ werde. Die Denkſchrift beſtätigt damit aufs neue, was
die Haltung der obligatoriſchen
Schieds=
klauſel gegenüber
anbetrifft, den ſchon ſeit langem bekannten engliſchen
verneinen=
den Standpunkt. Das gleiche läßt ſich auch vom zweiten Teil
der Denkſchrift ſagen, der ſich mit den ſogenannten
Sicherheits= und Garantieverträgen befaßt und
in ſeinem Inhalt nicht nur was die Abrüſtungsfrage angeht,
ſondern auch vom aktuellen politiſchen Geſichtspunkt aus als
wichtigſter Beſtandteil des engliſchen Sicherheitsvorſchlages
an=
geſprochen werden muß. In dieſem Teile weiſt die engliſche
Re=
gierung mehrfach mit beſonderer Betonung auf die
Möglich=
keiten hin, die der internationalen
Sicherheits=
politik durch die Locarnoverträge gegeben
wer=
den. Die Note bezieht ſich dabei auf die Erklärungen, die der
Vertreter Groß=Britanniens in der 33. Ratsſitzung von 1925
ab=
gegeben hat und in denen geſagt wurde, daß Vertr äge nach
dem Müſter von Locarnounter den verſchiedenen
direkt intereſſierten Staaten augenblicklic
das beſte Mittelundder einfachſte Wegzur
Siche=
rung des Friedens ſeien. Der engliſche Vorſchlag
ſtellt den
Vertrag von Locarno im Gegenſatz zur
ein=
fachen Bündnispolitik.
Die letztere könne eick digen Chatakter haben und im
allge=
meinen gegen einen Stäat oder eine Gruppe von Staaten
ge=
richtet ſein, und habe deshalb in der Vergangenheit nicht immer
zum beſten des Friedens gedient. In ihrem Urſprung meiſt
Defenſievbündniſſe ſeien aus dieſen Allianzen manchmal
Offenſiv=
inſtrumente geworden. Dagegen ſtehe der
Locarnover=
trag durchaus im Einklang mit dem
Völkerbunds=
pakt und erleichtere die Anwendung ſeiner
Be=
ſtimmungen zur Aufrechterhaltung des
Frie=
dens. Der Locarnovertrag habe jedoch zum Gegenſtand
ledig=
lich die Beſeitigung einer beſonderen Gefahr innerhalb einer
be=
grenzten Gruppe von Ländern, doch laſſe ſich durch
Ausdey=
nung ſeiner Prinzipien auf eine größere
An=
zahl von Staaten ein allgemeines
Garantie=
ſyſtem erreichen. Bemerkenswerterweiſe betont die engliſche
Denkſchrift in dieſem Zuſammenhang, daß die
Verpflich=
tungen, die ſich für England aus dem
Locarno=
pakt ergeben, ſich nur auf die Gebiete beziehen können, an
deien England beſonders intereſſiert ſei, d. h. in dieſem Falle
auf die Rheinzone, daß die engliſche Regierung jedoch
angeſichts der ſchweren Verantwortung andere
Verpflichtungen ähnlicher Natur für Gebiete,
in denen die engliſchen Intereſſen weniger
en=
gagiert ſeien, nichtübernehmen könne. Damit wird
geſagt, daß England in einem evtl. Oſtlocarnopakt
keine Garantieverpflichtungen irgendwelcher
Art übernehmen wird, wie ſie der Locarnovertrag in
bezug auf die geſamte engliſche Wehrmacht im Falle eines
Frie=
densbruchs vorſieht.
Ein Verfahren nach dem Locarnovertrag und
die dadurch zu ſchaffenden lokalen Garantien, die auf ganz
be=
ſtimmten Verpflichtungen beruhen, iſt nach Anſicht der engliſchen
Regierung viel zufriedenſtellender als die
Aus=
beutung eines allgemeinen und univerſellen
Sicherheitsſyſtems, das notwendigerweiſe nur
vage und deshalb verwachſene Richtlinien
er=
geben könne.
Familiennachrichten
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, nach langer, ſchwerer
Krankheit unſeren lieben Vater, Großvater und Urgroßvater
Sohunn Baulel
im 79. Lebensjahr zu ſich zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Köln, Düſſeldorf, Buchow=Carpzow, Brandenburg (Havel),
den 18. Januar 1928.
Die Beiſetzung hat in aller Stille auf dem Waldfriedhof
ſtatt=
gefunden.
(1447
Todes=Anzeige.
Am 17. Januar verſchied nach langer, mit großer
Geduld ertragener Krankheit mein geliebter Mann,
unſer lieber Vater, Großvater und Urgroßvater
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Nummer 19
Donnerstag, den 19. Januar 1928
Geite 5
Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 19. Januar.
* Darmſiadt als Kongreßſiadt.
Die erſte große Veranſtaliung im Jahre 1928 — eine große
Gaſiwirtsmeſſe.
Die erſte große Veranſtaltung im Jahre 1928 in Darmſtadt
ſieürfte der vom 7. bis 9. Mai in Darmſtadt ſtattfindende
Ver=
andstag des Rhein=Main=Gaſtwirteverbandes und die damit
bserbundene große ſüddeutſche Gaſtwirtsmeſſe ſein,
ie vom 5. bis 10. Mai in der neuen Städtiſchen Feſthalle
ſtatt=
ſänden wird. Dieſe Dep)elveranſtaltung wird vorausſichtlich
winen ſehr erheblichen Zuzug von Fremden nach Darmſtadt
brin=
egen. Zahlreiche führende Vertreter des Gaſtwirteverbands nicht
mnur aus Heſſen, ſondern aus ganz Süddeutſchland werden an
oer Tagung teilnehmen, mit der im Rahmen der erſten
ſüddeut=
dchen Gaſtwirtsmeſſe eine große gaſtronomiſche Gewerbeſchau
werbunden ſein ſoll. An dicſer Meſſe, die gleichzeitig
Ausſtel=
uungen verſchiedener Art bringen wird, werden ſich vorausſichtlich
lille führenden Induſtrien, die mit dem Hotel= und
Gaſtwirts=
geſverbe verbunden ſind, beteiligen. Schon jetzt liegt eine große
heinzahl von Anmeldungen von Ausſtellern aus ganz
Deutſch=
hand vor, vor allem natürlich von der heimiſchen einſchlägigen,
nduſtrie.
Dieſe große Veranſtaltung, die größte auf dieſem Gebiet,
ſoie bisher in Darmſtadt ſtattgefunden hat, wurde aus Anlaß des
(45. Verbandstages des Rhein=Main=Gaſtwirteverbandes vom
eſſiſchen Landesverband des großen Deutſchen
Gaſtwirteverban=
woes übernommen. Bekanntlich hat vor Jahren hier eine
Aus=
ſttellung für das Hotel= und Gaſtwirtsgewerbe ſtattgefunden, die
wen Ausſtellern großen Erfolg gebracht hat. Welch lebhaften
An=
preil nicht nur die Fachintereſſenten, ſondern die geſamte
Bevölke=
lrung der Stadt Darmſtadt an dieſer Veranſtaltung nimmt,
be=
nveiſt wohl am beſten die Tatſache, daß bereits jetzt ein
Garantie=
uonds von über 60 000 Mark gezeichnet wurde. Für die
Aus=
ſttiller ſind Prämierungen vorgeſehen, u. a. ein
Staats=
wreis, Preiſe der Stadt Darmſtadt, wertvolle Ehrenpreiſe und
ſoie Diplome zur gordenen und ſilbernen Medaille.
Es darf als ſelbſtverſtändlich angenommen werden, daß in
gerſter Linie ſich die heimiſche Induſtrie und das heimiſche
Ge=
mverbe an der Ausſtellung beteiligen. Dieſen werden, ſoweit
urgend möglich, bevorzugte Plätze in der großen Feſthalle
bereit=
gehalten werden, wenn die Anmeldungen zur Meſſe möglichſt
ſaumgehend erfolgen. Ausſchreiben und Bedingungen ſind von
Wer Geſchäftsſtelle der 1. ſüddeutſchen Gaſtwirtsmeſſe, Darmſtadt,
leAllexanderſtraße 12, zu beziehen.
— Heſſiſches Landestheater. Heute wird im Großen Haus Mozarts
„Zauberflöte” zum erſten Mal in dieſer Spielzeit gegeben. Es
ſwirken mit die Damen: Albrecht, Jacobs, Kapper, Kiesling, Liebel,
EMerker, Müller=Wiſchin, Walter, und die Herren: Biſchoff, Deharde,
Wbert=Beher, Grauert, Karen, Poerner, Vogt. Muſikaliſche Leitung:
EMax Rudolf. — Im Kleinen Haus wird Bayard Veillers Kriminalſtück
„Der dreizehnte Stuhl” wiederholt. Beginn: 20 Uhr,
In Gogols Komödie „Der Reviſor” die Samstag, 21. Januar,
mneu inſzeniert herauskommt, ſind einige Hauptrollen doppelt beſetzt:
EAbwechſelnd ſpielen den Chleſtakoff Hermann Gallinger und Karl
FParyla, die Anna Andreiewna Käthe Gothe und Käthe Meißner, die
EMMaria Antonowna Beſſie Hoffart und Mela Wigandt, den
Dobt=
ſchinſty Karl Paryla und Hermann Gallinger, den Chlopoff Gotthart
FPortloff und Hans Joachim Büttner.
Im Großen Haus des Landestheaters werden in nächſter Zeit
fol=
ngende Gaſtſpiele hervorragender Künſtker ſtattfinden: am Samstag, den
*28. Januar, ſpielt Albert Baſſermann mit einem eigenen
En=
iſemble den „Diktator”, von Jules Romain; am Sonntag, den 5.
Februar, ſingt Maria Olczewſka, die berühmte Altiſtin der
Ver=
liner Staatsoper, die „Carmen”, am Mittwoch, den 8., und
Donners=
tag, den 9. Februar, tanzt Gret Palucca.
Sonntag, den 22. Januar, gibt im Kleinen Haus des Landestheaters
im Nahmen einer Morgenfeier die neue Tanzgruppe Joos=Keith
(Eſſen) ein Gaſtſpiel.
— 5. Akademie Konzert. Es wird darauf aufmerkſam gemacht, daß
Herr Raoul von Koczalſki außer Werken von Schumann und
Chopin auch ſolche von J. S. Bach, B. Pasquini, W. A. Mozart, D.
Scarlatti zum Vortrag bringt. Die reſtlichen Karten ſtehen in dem
Sek=etariat der Städt. Akademie, Eliſabethenſtr. 36, und abends an
der Kaſſe zur Verfügung.
— Margarete Albrecht und Robert Klupp, die beiden außerordentlich
beliebten Mitglieder des Landestheaters, veranſtalten am Dienstag,
den 31. Januar, abends 8 Uhr, im Saale des Muſibvereins,
Stein=
ſtraße 24, einen Lieder= und Vortragsabend, der durch ein
beſonders fein ausgewähltes Programm allgemein lebhaftes Intereſſe
finden wird. Ausführliche Mitteilungen über die einzelnen Teile des
Programms folgen in den nächſten Tagen, doch ſind bereits jetzt
Ein=
trittskarten bei Konzert=Arnold, Wilhelminenſtraße 9 und in der
Bücherſtube Alfred Bodenheimer, Rheinſtraße 24, zu Preiſen von 1. 2
und 3 Mark, zu erhalten.
— Offener Abend im Gewerbemufeum. Der nächſte offene Abend
im Gewerbemuſeum findet am Dienstag, den 24. ds. Mts., um 8,15 Uhr,
ſtatt und behandelt: „Neue Wege im Wohnungsbau”. Zur
Vorführung gelangen Lichtbilder nach den neuen Siedlungsbauten in
Frankfurt a. M. ſowie Aufnahmen aus der vorjährigen Ausſtellung in
Stuttgart.
— Kunſtverein. Aus der derzeitigen Kollektivausſtellung Roland
Anheißer in der Kunſthalle am Rheintor, die anläßlich des 50.
Geburts=
tages des geſchätzten Künſtlers veranſtaltet worden iſt, wurden die
fol=
genden Arbeiten für die Weihnachtsverlofung des Kunſtvereins
ange=
kauft: „Portal der Stadtkirche Jena”. „Antonier Haus in Bern”
„Rathaus in Michelſtadt”. „Dom in Utrecht” und „Marktplatz in
Darmſtadt‟ Die jetzige Ausſtellung, in der die Arbeiten Roland
An=
heißers das ganze Obergeſchoß füllen, während in den unteren Räumen
die Maler Ludwig Faßbender=Baſel und Chriſtian Beyer=Kaſſel
eben=
falls mit guten Werken vertreten ſind, begegnet ſtaukem Intereſſe, ſo daß
ihr Beſuch nur empfohlen werden kann.
— Am der Hauptverſammlung des Neckar=Verkehrs=Verbandes, die
unter zahlreicher Beteiligung aus Württemberg, Baden und Heſſen am
14. Januar d. J. in Mosbach ſtattfand, nahm für den Odenwald=
Verkehrsbund diſſen Vorſitzender teil. Die Verſammlung ſetzte
ſich mit Nachdruck für die Einführung des zweiten Paares
Oden=
wald—Neckar=Eilzüge ein, die nach den Mitteilungen der
be=
teiligten Reichsbahndirektionen für das laufend: Jahr allerdings leider
noch immer nicht zu erwarten ſteht. Uebereinſtimmung herrſchte
dar=
über, daß erſt nach Einführung der Gegenzüge zu den überaus beliebten
ſeitherigen Odenwald-—Neckar=Eilzügen das Neckartal ſowie der öſtliche
Od nwald in einigermaßen ausreichendem Umfang mit ſchnellfahrenden
Zügen bedient ſeien. Jedenfalls werden die beteiligten Organiſationen
in ihren Beſtrebungen nicht erlahmen, die dringend notwendige
Einführung des zweiten Paares der für ihr Verkehrsgebiet
be=
ſonders wichtigen Odenwald-Neckar=Eilzüge weiterhin nachdrücklich zu
betreiben.
— Orpheum. Der Leitung der „Hexer=Tournee” iſt es
ge=
lungen, für die hieſigen letzten Aufführungen zwei bekannte Berliner
Schauſpieler zu verpflichten. Es ſind dies Frau Friedel Harms
vom Deutſchen Theatr für die Rolle der „Cora Ann” und Herr Karl
Neißer von den Saltenburg=Bühnen. Joſef Lorandt von den
Wiener Kammerſpielen wurde für die Rolle des „Bliß” engagiert. Das
Nüeau der Aufführungen erfährt durch genannte Gaſtſpiele eine w itere
Steigerung. Samstag, 21. Januar, iſt, wie ſchon erwähnt, ein
ein=
maliges Gaſtſpiel des Neuen Theaters, Frankfurt a. M., mit
dem dreiaktigen Luſtſpiel: „Sind wir das nicht alle?” von
Frederick Lonsdane. (Siehe heutige Anzeige.)
— Sektion Darmſtadt des D. u. Oe. Alpenvereins. In der heutigen
Monatsverſammlung im Feſtſaal des Ludwig=Georg=Gymngſiums, um
8 Uhr abends, wird Herr Amtsgerichtsrat Dr. Fr. Bittel an Hand von
Lichtbildern über ſeine Oſterſtifahrten am weißen Arlberg und in der
blauen Silvretta ſprechen. Die Mitglieder der Sektion Starkenburg
und des Skiklubs ſind zu dieſer Veranſtaltung eingeladen.
— Amt für politiſche Bildung der Darmſtädter Studentenſchaft.
Wir weiſen auf den heute abend in der Otto=Berndt=Halle, Eingang
Alexanderſtraße 22, ſtattfindenden öffentlichen Vortrag des Herrn Prof.
Dr. G. A. Rein=Hamburg über: „Die koloniale Entwicklung der
Welt=
völker” nochmals hin.
kademiſche Reichsgründungs=Feier.
Die Techniſche Hochſchule veranſtaltete geſtern vormittag in
der Otto=Berndt=Halle zum Jahrestag der Reichsgründung eine Feier, an
der außer dem Lehrkörper und der Studentenſchaft zahlreiche
Ehven=
gäſte, u. a. Vertreter der Staatsbehörden, der Stadtverwaltung ufw.
teil=
nahmen. Die weite Halle war dicht beſetzt; auf den Galerien hatten
namentlich die Damen Platz genommen. Unter flotten Marſchklängen
zogen die Chargierten der ſtudentiſchen Verbindungen mit ihren Fahnen
ein und gruppierten ſich auf der Bühne im Halbkreis um das
Redner=
pult. Dann erſchienen S. Magnifizenz der Rektor und der große Senat
in voller Amtstracht und nehmen die reſervierten Ehrenplätze der rechten
Seite ein. Das Collegium muſieum unter der vorzüglichen Leitung
von Profeſſor Dr. Noack brachte die Ouvertüre zur Oper „Agrippina”
zu Gehör.
S. Magnifizenz der Rektor Profeſſor Dr.=Ing. Kammer, führte
dann in ſeiner Anſprache u. a. aus:
Im Jahre 1895 bei der Feier ſeines 80. Geburtstages ſprach
Bis=
marck zu den deutſchen Studenten in Friedrichsruh die folgenden Worte:
Seien wir dann auch der Wiſfenſchaft und ihren Pflegem dankbar, daß
ſie auf ihrem Herd das Feuer der deutſchen Einheit jahrhundertelang
erhalten haben, bis die Zeit kam, da ihm wieder Brandſtoff zugeführt
wurde, und daß es höher aufflammte und uns eine befriedigende Leuchte
und Wärme gewährte. Durch dieſe Worte an die akademiſche Jugend
unterſtrich Bismarck das, was die Hochſchullehrer kurz zuvor dem
Jubi=
lar in einer Huldigungsadreſſe zum Ausdruck gebracht hatten, nämlich,
deß auf Deutſchlands hohen Schulen dereinſt, auch in ſchweren Zeiten,
das Ideal des deutſchen Staates gehegt und gepflegt worden ſei.
Nun=
mehr, da Bismarck verwirklicht habe, was dort geahnt und erſehnt
wor=
den, falle denſelben Bildungsanſtalten die Aufgabe zu, dieſen ideclen
Gedanken unſerer nationalen Einheit rein und unentweiht durch den
Kampf der Meinungen und der Intereſſen in den Herzen der deutſchen
Jugend zu erhalten.
An dieſem 1. April 1895 zogen Profeſſoren und Studenten aus
allen deutfchen Gauen in einmtitiger Liebe und Begeiſterung in den
Sachſenwald, um dem Gründer des Deutſchen Reiches ihre Huldigung
darzubringen, um zu geloben, tapferen Sinnes feſtzuhalten und
uner=
müdlich weiter zu bauen an dem Werk, dem er die reſtloſe, hingebende
Arbeit ſeines reichen Lebens geweiht hatte.
Und Bismarck, dem ein tragiſches Geſchick vorzeitig die Leitung des
deutſchen Reichsſchiffes aus den Händen genommen hatte, er, der ſein
Leben lang ein Kanzler geweſen wer, und der nunmehr untätig und
grollend zuſehen mußte, wie dieſes Schiff von ungeübten Händen geleitet
und gefährlichen Klippen entgegengeſteuert wurde, er nahm nun an
ſei=
nem 80. Geburtstag die Gelegenheit wahr, in die empfänglichen Herzen
der akademiſchen Jugend aus dem reichen Schatze ſeiner Erfahrungen
eine Fülle von Mahnungen, von politiſchen und Lebensweisheiten zu
ſenden, und warnte die Jugend, die ſo gern friſch und unbekümmert
vorwärts ſtürmt und debei ſo leicht die realen Schwierigkeiten des
Lebens unterſchätzt, vor einem unüberlegten Vordrängen, vielleicht zum
Nachteil des Reiches, denn „politiſche Entwicklungen gehen ſo langlam
wie die geologiſchen”. — Und weiter ſpricht er dann an dieſem 1. April
bei den Empfängen der Hochſchullehrer und Studenten von dem, was
ihm ſein Leben lang aufs tiefſte bewegt hat, von der Politik, und in
wundervoller Anſchaulichkeit von dem Weſen dieſer Politik und von
den unaufhörlichen Kämpfen, die er zu führen hatte. —
Als im Jahre 1871 die Einigung Deutſchlends gelungen war, da
war Bismarcks ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, den
Frie=
den zu bewahren. Und wenn auch in ſeinen letzten Lebensjahren die
Sorge an ihm zehrte, daß das Werk, dem ev die Mühe und Arbeit ſeines
lengen und geſegneten Lebens geweiht hatte, unter der Leitung ſeiner
Nachfolger gefährdet ſei, ſo kommt doch immer wieder die Zuverſicht
bei ihm zum Durchbruch, daß das von ihm geſchaffene Deutſche Reich
von Dauer ſein werde. „Jm ganzen bleibe ich doch der Ueberzeugung,
unſer Gott läßt keinen Deutſchen zugrunde gehen, am allerwenigſten
Deutſchland!“
Dieſe Zuverſicht hat nicht getrogen. In den Stürmen des
Welt=
krieges wurde zwar der Bau, den Bismarck errichtet hette, bis auf ſeine
Grundmauer erſchüttert, aber er hielt ſtand — die deutſche Einheit, das
Deutſche Reich ging nicht verloren. Aber ſchwer gelitten hat unſer
deut=
ſches Vaterland; viel, allzu viel iſt doch verloren gegangen von ſeiner
Größe und ſeimem Anſehen, von ſeinem Reichtum und ſeiner
Welt=
geltung. Auch heute noch blutet es aus tauſend Wunden. Und gerade
jetzt braucht das Vaterland jeden ſeiner Söhne. Jetzt muß der Streit
des Tages zurücktreten, die Zwietracht gebannt werden; jetzt muß daran
gearbeitet werden, daß das Vaterland herauskommt aus Not und Gefahr,
daß es wieder einer beſſeren Zukunft entgegengeführt wird.
Ernſt klang die Schlußmahnung des Redners an die akademiſche
Jugend, den idealen Gedanken der nationalen Einheit rein und
unent=
weiht durch den Kampf der Meinungen und der Intereſſen in den
Her=
zen zu erhalten; eime Pflicht, die den Hochſchulen heute mehr denn je
erwachſe. In dieſem Sinne wolle man die Gedenkfeier an die
Reichs=
griindung begehen und ſich voll Zuverſicht zu dem Glauben Bismarcks
bekennen: Unſer Gott läßt keinen Deutſchen zugrunde gehen, am
aller=
weniaſten Deutſchland!“
Der Vorſitzende des Ausſchuſſes der Studentenſchaft Cand. Dürſch
knüpfte in ſeiner Anſprache an die Ausführungen S. Magnifizenz an
und betonte, daß der innere Zwieſpalt im deutſchen Volke beſeitigt
wer=
den müſſe. Der Parteigeiſt herrſche überall, ſtatt einig zu ſein zum
Wohle des deutſchen Vaterlandes. Den großen Vorbildern wolle man
nacheifern: Friedrich II. und Hindenburg, der die Verkörperung der
Pflichterfüllung ſei. Der Wille der deutſchen Studentenſchaft ſei, ſich
den alten bismarckſchen Grundſatz zu eigen zu machen, zum Wohle des
deutſchen Volkes und Vaterlandes.
Der Akadcmiſche Chor ſang unter Prof. Dr. Noacks Leitung das
ſchöne deutſche Lied. Treue Liebe bis zum Grabe‟. Anſchließend hielt
Geh. Baurat Profeſſor, Dr. Walbe, die Feſtrede üiber das Thema
„Landſchaft, Geſchichte und Baukunſi”.
Der Redner kam zurück auf ſeine letzte akademiſche Rede im Jahre
1920, wo er in Anlehnung an Goethe den Wert des
gegenſtänd=
lichen Denkens behandelt hatte, ſeinen Wert nicht nur für den
Geiſt, ſondern auch für die Seele des Menſchen. Er ſtellte die wirkliche
Welt anſchauung einer philoſodhiſchen Weltanſchauung
gegen=
über. Dann nimmt er Bezug auf das Buch Albert von Hofmanns „Das
deutſche Land und die deutſche Geſchichte”, in welchem die Form der
Erdoberfläche beobachtet und deren Einfluß auf das Tun und Treiben
der Menſchen, auf die Gründung von Städten und Burgen, den
Ver=
laufen von Kriegen uſw. feſtgeſtellt wird. Wie lebensvoll wird durch
ſolche Betrachtungsweiſe das Studium beider Gebiete, der
Erdbeſchrei=
bung und der Geſchichte. Die Baukunſt aber — und das war das
eigentliche Thema des Redners — iſt durch beides bedingt, durch die
Landſchaft und die Geſchichte, teils unmittelbar, teils mittelbar. An
einer Reihe von Beiſpielen aus dem Rheinland und aus Heſſen wird
das nachgewieſen.
Die Städte in ihrer Anlage ſind abhängig davon, wie die Täler
und Straßen zuſammenlaufen. Die Kirchen und Burgen ſind ſo geſtellt
und ſo gruppiert, wie es die Form der Landſchaft forderte;
ſind auch immer mit vollem Bewußtſein auf gute Wirkung ſo hingeſetzt,
daß ſie der Landſchaft dienen. Die ſtäriſte Abhängigkeit der Gebände
von der Landſchaft liegt im Bauſtoff, je nachdem Stein oder Holz,
Schiefer oder Ziegel vom Boden hergegeben werden.
Jeweils auf die Stammeseigentümlichkeiten und zugleich auf
den Zwang der Natur des Landes geht die Hausform zurück: Die
Niederſackſſen haben das Einheitshaus, das am Niederrhein dicht an
den Rhein herantritt, die Franken haben den geſchloſſenen Hof mit
man=
cherlei Bauten ringsum; in Oberdeutſchland finden wir wieder ein
Ein=
heitshaus. Weniger bekannt iſt, daß ein ſolches „Gebirgshaus”, (man
möchte es hier einheitlich Gebirgshaus nennen) wie im Schwarzwald ſo
auch im Odenwald, im Vogelsherg, in den Vogeſen und in der Eifel
auftritt.
Die Mitte des Rheius wird von den Frauken beherrſcht. Ihr
Ein=
fluß iſt am ſtäukſten. In den Hausformen macht er ſich noch bis nach
Polen fühlbar. Im oberen Rheintal iſt die alemanniſche Kultur vor
der ſtärkere fränkiſchen in die Berge ausgewichen; am unt ren Lauf
des Stromes het der fränkiſche Einfluß die Hausformgrenze ebenſo wie
die Spracharenze keilförmig noch Norden ausgebogen. Wo das Gebirge
aufhört, hört auch die füdnördliche Einheit auf; es ſetzt ſich die
weſtöſt=
iche Gemeinſchaft des Flachlandes durch.
Bauaut und Sprache wurden verglichen. Am Fachwerk wurde
gezeigt, wie ſeine Formen jeweils dem Temperament der Volksitämme
entſprechen: In Niederdeutſchland und in Oberheſſen iſt das Fchhwerk
ernſt und ruhig; öſtlich des Vogelsbergs, nach Thüringen zu, iſt es
ſchmuckfreudiger, faſt ſla ſch am Rhein leicht und luſtia, in Schwaben
von eigenartiger Herbheit. Wimpfen iſt beſonders lehrreich durch
ſeine Lage auf der Greuze von Fuanken und Schwahen, und wer das
Fachwerk leſen kann, wird leicht feſtiſtelſen, waun hier in politiſcher
Hin=
ſicht ſchwähiſcher wann fränkiſcher EEinfluß ſiherwog.
Mit der Form des Bodens ändert ſich die Art der Wirtſchal
mdern ſich die Dorfbilder. In Oberheſſen kann man im Verlauſ
einer Tageswandenung feſtſtellen, daß ſtufenweiſe von der Wetter an
bis auf die Höhe des Vogelsbergs die Dörfer erſt eine ſtrenge, geradezu
ſtädtiſche Bauart, dann allmählich immer freiere, ſchließlich ganz
auf=
gelöſte, maleriſche Bilder zeigen. An Kirchtürmen wurde
beſon=
ders auf Rheinheſſen hingewieſen, wo im Mittelalter der ſtarke Eimfluß
der Staufenzeit in der Verbreitung der ſüddeutſchen Satteldachform ſid!
zu erkennen gibt. Wer den mittelalterlichen Turm Oberheſſens kennt
und den barocken Helm von etwa 1700, wird zugeben, daß zwar die Form
eine andere geworden iſt, daß aber die Maße und die Kraft das
ſpezi=
fiſch Oberheſſiſche geblieben iſt. Das Weſen eines Volkes ſpricht durch
ſeine Bauten in jeglicher Form und in jeglicher Zeit. Am ſtärkſten gibt
ſich der Volkscharakter in der eigentlichſten Volkskunſt, z. B. in den Holz=
und Eiſenkreuzen der Landfriedhöfe, zu erkennen.
Nach dem Vielerlei ſolcher Beiſpiele ging der Redner auf das
Rheinland in ſeiner Geſamtheit ein. Da trat die
Ge=
ſchichte mehr in den Vordergrund als die Landſchaft. Durch ſeine
Eigen=
ſchaft als wichtigſtes Strom= und Straßenland, durch ſeine Lage als
Grenzland iſt das Rheinland das deutſche Schickſalsland geworden. Aus
ſeinen Bauten läßt ſich das erkennen. Für die tragiſche Verquickung der
deutſchen Kraft mit der römiſchen Krone kann es kein ſinnfälligeres
Denkmal geben als die Kuppelkirche des Palcſtes Karls des Großen in
Aachen, nackgebildet einem oberitalieniſchen Bau. Eine der ganz großen
Zeiten für die Rheinlande beginnt, als ein rheiniſch=fränkiſches Geſchleiht,
das der Salier, die Königskrone von den Sachſen übernimmt. Der
Schwerpunkt der Baukunſt geht damit von Sachſen an den Rhein. Die
Geſchichte der Salier iſt ausgefüllt durch den Kampf wit dem Papſttum.
In den Bauten kommt dies zum Ausdruck: In den großen freien
kaiſer=
lichen Bauten, den Domen von Speyer, Mainz und dann auch Worms
einerſeits, und andererſeits in den Kirchenbauten der päpſtlichen Parzei,
die unter dem Einfluß des burgundiſchen Kloſters Clugny ausgingen von
dem Schwarzwaldkloſter Hirſau. Die Kunſt dieſer Zeit aber war
ſelbſt=
ſtändig, wau groß, und das Rheinland hat ſeine Probe aufs Deutſchtum
in jener Zeit voll beſtanden. Es hat dieſe Probe auch ſpäter beſtanden.
Als in der Gotik die Einflüſſe von Weſten kamen, wurde fremde Form
zwer übernommen, aber doch ſelbſtändig verarbeitet, und das Weſentliche
an dem deutichen gotiſchen Bauten, die Raumbildung, war deutſchem Geiſt
entſprungen. Im 14. Jahrhundert war der franzöſiſche Einfluß
zurück=
gegangen, im 15. ganz erloſchen.
Die deutſche Renaiſſance beſitzt am Rhein ihr großartigſtes Denkmal,
das Heidelberger Schloß. Aus dem Jahrhundert vor dem 30jährigen
Kriege iſt aber beſonders hervorzuheben, daß kein Land am Rhein in
ſeinen Bauten ſo deutſch ſich gibt wie das Elſaß einſchließlich
Straß=
burg. Deutſchere Straßen als in den elſäſſiſchen Städten gibt es
nir=
gendwo in Deutſchland; ſie ſind denen von Nürnberg und Nothenburg
durchaus vergleichbar. Als dann nach dem 30jährigen Kriege
Deutſch=
land gelähmt und Frankreich übermächtig war, wurde auch die rheiniſche
Schranke immer ſchwächer gegenüber den Lockungen der franzöſiſchen
höfiſchen Kultur. Es blieb zwar, zumal in der bürgerlichen Bauweiſe,
noch immer eine Auseinanderſetzung zwiſchen deutſchem Kunſtgeiſt und
fremder Form beſtehen, aber doch hat das Rheinland in dieſen eineinhalb
Jahrhunderten die Wacht am Rhein zum Schutze deutſcher Art am
wenigſten gehalten — am wenigſten ja auch die Wacht zum Schutze
deut=
ſchen Landes.
Dann kam der Klaſſizismus, das Weltbürgertum, kamen weitere
Stilnachahmungen, die Technik mit ihrem Verkehr, die Bauſchulen mit
ihren Lehrbüchern — eine allgemeine Verwirrung hub an.
Die Baukunſt hat aufs ſchwerſte gelitten. Jetzt erſt recht müſſen wir an
landſchaftlicher Eigenart zu retten ſuchen, wes noch zu retten iſt. In
England iſt kürzlich der Premierminiſter Stanley Baldwin in dem
Tageszeitungen für die Erhaltung der alten engliſchen Landhäuſer und
anderer Bauten eingetreten, in denen — wie er ſagt — „Mcterie und
Geiſt der engliſchen Geſchichte noch heute anſchaulich fortwirkt”. Bei
neuem Schaffen — ſo fuhr der Redner fort — iſt freilich zu bedenken,
daß infolge der Verkehrsverhältniſſe die Grenzen der Landſchaft weiter
zu ſtecken ſind als früher und daß für die Verwendung neuer künſtlichen
Bauſtoffe es örtliche Grenzen überhaupt nicht gibt. Ebenſo wenig wie
wir heimatlos ſein dürfen, ebenſp wenig dürfen wir zeitlos ſein. Aber
beides läßt ſich vereinen.
Landſchaft und Geſchichte haben die Baukunſt bedingt. Baukunſt iſt
nicht gemacht, iſt geworden — geworden freilich durch Vermittelung von
Menſchengeiſt und Menſchenhand. Die im Boden wurzelnde, auf
Ueber=
lieferung beruhende Arbeit des Handwerkers und das Walten eines
Künſtlergeiſtes ſind mehr ein natürliches Werden und Wachſen. Sie
ſind ihrem Weſen nach etwas ganz anderes als die Willhüir einzelner
Architekten oder gar die Nachahmungsſucht ihrer Gefolgſchaften.
Landſchaft, Geſchichte und Baukunſt, wer ſie zu verſtehen, zu
ver=
gleichen, zu genießen weiß, wird die richtige Ehrfurcht gewinnen vor der
ganzen großen Schöpfung, die aus Natur, Menſchenſchickſal und
Men=
ſchenhand geworden iſt. Sein eigenes Schaffen wird er dieſer großen
Schöpfung beſcheiden, aber aus innerſter Ueberzeugung anreihen — und
wird doch kein Nachahmer ſein! — Der Redner ſchloß mit der Mahnung
an die akademiſche Jugend, ihr Wiſſen zu erweitern durch das Anſchauen
der Schönheiten des deutſchen Vaterlandes, durch Vertiefen im ſeine
Ge=
ſchichte und Kultur; dann werde die Liebe zu dieſem Vaterland immer
größer und der Wille zur Erhaltung der nationalen Einheit geſtärkt.
In ein dreifaches Hoch auf das deutſche Vaterland wurde begeiſtert
eingeſtimmt und dann das Deutſchlandlied geſungen. Damit war die
erhebende akademiſche Feier beendet: — Unter den Klängen des Orch=ſters
zog der Große Senat und die Studentenſchaft aus der Halle.
Der Reichsgründungs=Kommers
der von der geſchloſſenen Studentenſchaft der Techniſchem Hochſchule
geſtern abend im Saalbau veranſtaltet wurde, nahm mit dem Einzug der
Chargen um 8.15 Uhr ſeinen Anfang. Die Chargierten nahmen auf
demr Podium Platz, auf dem auch die Fahnen der verſchiedenen
Verbin=
dungen im Halbkreis aufgeſtellt waren. Das Präſidium des Kommerſes
übernahm der Vorſitzende des Ausſchuſſes der Darmſtädter
Studenten=
ſchaft. Im Saale ſaßen die Verbindungen in ihren farbigen Kneipjacken;
auf den Galerien, an denen die einzelnen Verbindungsfahnen befeſtigt
waren, hatten ſich zahlreiche Damen eingefunden. Der ganze Scalbau
war in ein Meer von Farben getaucht — ein prächtiger Nahmen zu
einem fröhlichen Kommers, zu dem das Lied „Sind wir vereint zuv
guten Stunde” nun auch die nötige Stimmung ſchuf. Und doch wurde
bei allem Frohſein dieſer akademiſchen Veranſtaltung auch der Ernſt nicht
vergeſſen. Der Vorſitzende des Ausſchuſſes der Studentenſchaft, Cand.
Dürſch, gelobte in ſeiner Begrüßungsanſprache, in der er alle
An=
weſenden herzlich willkommen hieß, im Namen der Studentenſchaft,
ein=
gedenk der großen Vorbilder einzutreten für Einigkeit im Deutſchen
Reiche. Gerade, daß die Darmſtädter Studentenſchaft zum erſten Male
geſchloſſen an der Reichsgründungsfeier teilnehme, ſei ein Zeichen, daß
dieſer ernſte Wille Tat werde zum Wohle des geliebten deutſchen
Vater=
landes, auf das er ein freifaches, begeiſtert aufgenommenes Hoch
aus=
brachte. Das Deutſchlandlied wurde ſtehend geſungen. — Auch Seine
Magnifizenz der Rektor Profeſſor Dr. Kammer wies auf die
Be=
deurung des 18. Januar hin und mahnte die deutſche akademiſche Jugend
zur Mitarbeit am Aufbau des deutſchen Vaterlandes, nachdem ſie durch
Schulung der eigenen Perſon ſich zu dieſer Mitarbeit befähigt habe. Er
bezeicknete es als gutes Zeichen des ernſten Willens zur Einigkeit, daß
die Studentenſchaft geſchloſſen an dieſem Reichsgründungskommers
teil=
nehme. Prof. Dr. Kammer bot der Darmſtädter Studentenſchaft und
der akademiſchen Jugend ein kräftiges „Proſit”. — Und dann kam nach
einem gemeinſamen ſtudentiſchen Lied die Feſtrede Prof’ſſor Dr.
Schlinks, der in tiefen ernſten Worten die Sehnſucht nach einem
einigen Deutſchland zeichnete, von der deutſche Männer wie Arndt und
von jeher die akedemiſche Jugend erfaßt war. Daß nach dem ſchweren
Kampf innerhalb der Studentenſchaft die Studenten einig ſeien, b
zeich=
nete er als eine große Tat. Daß die deutſchen Studenten den
großdeut=
ſchen Gedanken pflegen, daß ſie den Kampf gegen die Kriegsſchuldlüge
entſchloſſen aufnehmen, müſſe mit Freude feſtgeſtellt werden. Der
deut=
ſche Student habe die Pflicht, den nationalen Gedanken zu bflegen, und
zwar in der reinen Abſicht, das Volk dadurch einig zu halten. Gerade
den Korporationen liege die Aufgabe ob, Sittlickkeit und deutſche Art
hochzuhalten. Soziale und nationale Empfindungen, verbunden mit
echter Bildung, kröne die Arbeit am Volke, die ſo nötig ſei, mit Erfolg.
Die Zuſammenarbeit der Profeſſoven und Studentenſchaft in dieſem
obleme der Jetztzeit
Sinne ermögliche das Erfaſſen der gewaltigen
zum Wohle unſeres deutſchen Volkes. — Ein kräftiger Salamander
wurde auf das Blühen, Wachſen und Gedeihen des Vaterlaudes gerieben.
Ein flottes Muſikſtück erinnerte dann wieder an die frohe Stunde.. Die
Kapelle, unter der bekannt trefflichen Leitung des Obermuſikmeiſters M.
Weber, der ſich wiederholt, insb ſondere bei dem Fanfarenmarſch,
aktiv beteiligte, verſtand es, die Stimmung nach der güinſtigſten Seite hin
zu beeinfluſſen. Prompt ſetzte nach der überaus launigen und
humoriſti=
cen Damenrede des Cand. Furhop, die wiederholt jubelnden Beifall
unders bei den mehr oder weniger geſagten Vergleichen) das
bekannte Muſikſtück „Gern hab' die Frau’n geküßt” ein. — Inzwiſchen
hatte S. Magnifizenz das Präſidium übernommen, das er bis zum
Schluß des offiziellen Teiles, dem Auszug der Chargen, führte.
Seite 6
Donnerstag, den 19. Januar 1928
Nummer 19
Auchiatur et altera pars.
(Man höre auch die Gegenſeite),
Von Profeſſor Knipping.
Wer den Bericht über die letzte Stadtverordnetenverſammlung vom
12. Januar geleſen hat, muß ohne nähere Kenntnis der Angelegenheit
den Eindruck gewonnen haben, daß gegen ein Bauvorhaben der
Landes=
verſicherungsanſtalt von Nachbarn gänzlich unbegründet Einſpruch
er=
hoben worden ſei. Dieſe Angelegenheit hat mit Rückſicht auf die
Be=
deutung und Auswirkung des Bauvorhabens wie auch auf die
Begleit=
umſtände allgemeines Intereſſe, weshalb es gerechtfertigt iſt, daß auch
die Gegenſeite öffentlich zu Wort kommt.
Um was handelt es ſich eigentlich? Die Landesverſicherungsanſtalt
beabſichtigt auf ihrem Grundſtück an der Ecke der Wilhelminen= und
Annaſtraße einen größeren Erweiterungsbau. Der Entwurf ſieht an der
Ecke einen turmartigen Teil von 19 Meter Höhe und im übrigen an
der Annaſtraße vier volle Stockwerke und ein ſtark ausgebautes
Dach=
geſchoß vor. Gleichzeitig ſoll auf das vorhandene Gebäude an der
Wil=
helminenſtraße ein Stockwerk aufgeſetzt werden. Es handelt ſich alſo
um ein Gebäude von einer Höhe, wie es, wenn überheupt, nur wenige
in ganz Darmſtadt gibt. Auf keinen Fall ſind ſolche in Wohngegenden
vorhanden, die eine durchweg zwei=, nur ausnahmsweiſe dreiſtöckige
Bebauung haben. Nach den für die fraglichen Straßen geltenden
Be=
ſtimmungen der Bauordnung und Ortsbauſatzung ſind drei Stochverke
und eine größte Höhe von 12,50 Meter zuläſſig.
Weiter ſieht das Bauvorhaben die Beſeitigung eines fünf Meter
tiefen Vorgartens in der Annaſtraße, der fluchtlinienmäßig feſtgelegt iſt,
vor, ſodaß bei der erwähnten großen Höhe des geplanten Neubaues den
gegenüberliegenden Grundſtuicken in erheblichem Umfange die direkte
Belichtung entzogen wird, außerdem die an dieſer Straßenſeite
befind=
lichen Bäume beſeitigt werden wüſſen.
Gegen dieſes Bauvorhaben iſt friſtnerecht von einer Reihe
Nach=
barn Einſpruch erhoben, auch in der Oeffentlichkeit Stellung genommen.
Dieſer Einſpruch richtet ſich natürlich auch gegen die Abänderung der
Fluchtlinien der Annaſtraße. Die weſentlichen Gründe für die
Ableh=
nung dieſes Bauvorhabens ſind folgende:
a) die Oſtſeite der Wilhelminenſtraße iſt ſüdwärts der katholiſchen Kürche
mit Ausnahme der zwei oder drei letzten Häuſer an der Ecke der
Karlſtraße vor etwa 100 Jahren einheitlich durch den bekannten
Architekten Moller bebaut. Das frühere prinzliche Palais, in dem
ſich jetzt die Landesverſicherungsanſtalt befindet, liegt etwa in der
Mitte dieſes Straßenzuges, iſt zwar höher gebaut, ſtört aber in
keiner Weiſe den Charakter einer einheitlichen ruhigen Wohnſtraße.
Von dieſer Tatſache kann ſich jeder ſelbſt überzeugen, wenn er an
der Weſtſeite der Wilhelminenſtraße, der Gartenſeite, entlong geht.
Die Errichtung eines eingangs gekennzeichneten Hochhauſes ſelbſt
wem es an ſich architektoniſch einwandfrei iſt, wurde der
Willel=
minenſtraße vollkommen ihren heutigen Charalter nehmen, nürde
das geſamte Ausſehen weſentlich beeinträchtigen und infolgedeſſen
ſowohl die ſämtlichen Anlieger der Wilhelminenſtraße wie auch
letz=
ten Endes die geſamte Stadt ſchädigen. Was einſichtige Stadtväter
und ein tüchtiger Baukünſtler vor etwa 100 Jahren geſchaffen haben,
würde heute — und zwar ohne Grund — zerſtört.
b) Es bedarf keiner Frage, daß die privaten Intereſſen der nächſten
Nachbarn am ſtärkſten benührt werden, da durch dieſes Hochhaus die
Lichtverhältniſſe der Nachbargrundſtücke natürlich beeinträchtigt
wer=
den. Wenn die Beſtimmungen der Bauordnung und der
Ortsbau=
fatzung für einzelne Straßenzüge und Gegenden Beſchränkungen mit
Recht auferlegen, dann müſſen dieſelben für alle Grundſtücke dieſer
Gegend gleichmäßig gelten. Es geht nicht an, dem Beſitzer des einen
Grundſtuücks ohne zwingendſte Veranleſſung Ausnahmen von dieſen
Beſchränkungen zu geſtatten, die Nachbar aber an dieſe Beſchränkungen
zu binden. Im vorliegenden Falle dürfe dieſe nur unter 12,50
Meter bauen und geſtalten durch ihre Beſchränkung die
Lichtverhält=
niſſe für den Neubau der Landesverſicherungsanſtalt günſtig, der
ſeinerſeits aber umgekehrt keine Rückſicht auf die Nachbarn nimmt.
Vor dem Geſetz ſind aber alle Bürger gleich, und zu Begünſtigungen
haben die Behörden, alſo auch die Stadt und die Vaupolizei, kein
Recht.
e) Schließlich liegt gar keine zwingende Notwendigkeit vor, die
erforder=
liche Erweiterung der Räume der Landesverſicherungsanſtalt in der
projektierten Weiſe vorzunehmen. Es iſt durchaus möglich, den
Er=
weiterungsbau an die Hinteve Front des jetzigen Gebäudes, ſei es in
der Mitte oder ſei es auch an der Seite, anzuſetzen und ſo nach der
Wilhelminenſtraße zu gar nicht in die Erſcheinung treten zu laſſen.
Auch gegen eine die Baupolizeivorſchriften überſchreitende Höhe
wer=
den die Nachbarn nichts einzuwenden haben, wenn dieſelbe nicht
ausſchließlich zu ihren Ungunſten geht, wenn alſo in der Annaſtraße
ein genügend tiefer Vorgarten verbleibt. Ohne diefen Schutz muß
es bei der Höhe verbleiben, die für alle gilt. Die ſkizzierte
Löſung iſt, wie geſagt, durchaus in Rückſicht auf die Größe des
Grundſtücks möglich. Im einzelnen laſſen ſich mancherlei Variationen
denken.
An Hand der vorſtehend geſchilderten Tatſachen berührt es
ſonder=
bar, wenn von berufenen Vertretern der geſamten Bürgerſchaft von
un=
begründeten und unberechtigten Einſprüchen, die zu weit gingen, die
Rede iſt. Die Einſprüche ſind vollkommen berechtigt und auch begründet;
es vergaßen nur die Herren Stadtverordneten, für ihre gegenteilige
Mei=
nung den allergeringſten ſachlichen Grund anzuführen. Sollten gar, was
ich nicht annehmen möchte, aber gewiſſe Anzeichen anzudeuten ſcheinen,
ſich die politiſchen Parteien, deren Einſicht und Autorität bekanntlich
nicht ganz unbeſtritten iſt, dieſer rein praktiſchen Frage bemächtigt haben,
ſo werden ſie wohl ſelbſt nicht erwarten, daß ihre Meinung auf irgend
jemand Eindruck macht, nachdem ſämtliche über die Verhältniſſe
unter=
richteten Sachverſtändigen mit alleiniger Ausnahme der ſtädtiſchen
De=
zernenten anders urteilen. Die Freunde des Projektes und Gegner der
geſchädigten Nachbarn müſſen dann ſchon ſo freundlich ſein, nicht nur
Behauptungen aufzuſtellen, ſondern auch ihre Auffaſſung zu begründen,
alſo nachzuweiſen, daß nur nach dem Hochhausentwurf unter Zerſtörung
des letzten einheitlichen Straßenzuges der Stadt und unter Schädigung
der Anlieger dem Raumbedarf der Landesverſicherungsanſtalt
entſpro=
chen werden kann, und dies, trotzdem jeder Sachverſtändige ſofort
über=
ſieht, daß es bei der Größe des Grundſtücks zahlreiche Möglichkeiten gibt,
dem einen gerecht zu werden, ohne anderes zu beeinträchtigen. Die
Mit=
glieder des Hausbeſitzervereins wird es intereſſieren, daß ihr
Vorſitzen=
der dagegen auftritt, wenn Hausbeſitzer gleiches Recht für alle verlangen
und Einſpruch gegen die Begünſtigung eines einzelnen und dazu noch
recht kapitalkräftigen Eigentümers einlegen.
So eigenartig dieſe Sachlage ſchon iſt, ſo berührt doch das
Ver=
fahren mindeſtens ebenſo merkwürdig. Der Verfaſſer dieſer Zeilen kann
dieſe Behauptung mit um ſo größerer Berechtigung ausſprechen, als er
ſelbſt 13 Jahre lang Dezernent in Baupolizei= und Fluchtlinienſachen
geweſen iſt, und dieſes in Städten, welche nach ihrer Größe, ihrer
Eut=
wicklung und nach den Zeitverhältniſſen eine weſentlich ſtärkere
Bau=
tätigkeit aufwieſen, als dies zur Zeit in Darmſtadt der Fall ſein kann.
Bei entgegengeſetzten Intereſſen iſt es naheliegend, durch
unmittel=
bare Verhandlungen mit den Intereſſenten einen Ausgleich zu ſuchen,
der ſich in den ja meiſt vorliegenden praktiſchen Fragen bei einigermaßen
gutem Willen der Beteiligten und objektiver Einſtellung der Behörde
faſt immer finden läßt. Daß dies im vorliegenden Falle gänzlich
un=
möglich ſein ſollte, dafür iſt jedenfalls kein Grund zu erkennen, zumal
in der Leitung der Landesverſicherungsanſtalt Perſönlichkeiten wirken,
deren Verſtändnis für allgemeine und künſtleriſche Intereſſen bekannt
iſt und denen ſicher die Beeiuträchtigung nachbarlicher Intereſſen
fern=
liegt. Arſtatt auch nur einmal den Verſuch einer derartigen
Verſtändi=
gungsverhandlung zu machen trotzdem derſelbe ſoger ſchriftlich
ange=
regt iſt, iſt bis heute auf die Einſprüche, welche auf den 31. Oktober v. J.
zurückgehen, weder ſchriftlich noch mündlich die geringſte Gegenäußerung
erfolgt. Dagegen hat man eine wumderbare neue Entdeckung gemacht,
die bisher auch in Darmſtadt unbekamnt war und daher hier wie erſt
recht bei allen übrigen Baupolizeiverwaltumgen in Heſſen und im übri
gen Deutſchland den beſonderen Reiz der Neuheit beſitzt, auch gebührend
belächelt wird.
Da nach der freilich veralteten Heſſiſchen allgemeinen Bauordnung
von 1881 die mehrfach erwähnte Höhenbeſchränkung von 12,50 Meter nur
für private Gebäude gilt, alſo für öffentliche nicht, ſo läßt ſich die Sache
vereinfachen, wenn man das Verwaltungsgebäude der
Landesverſiche=
rungsanſtalt zu einem Effentlichen macht. Deß im übrigen deutſchen
Vaterlande, auch in Heſſen, als öffentliche Gebäude in dieſem
Zuſammen=
hange nur ſolche der Hoheitsverwaltungen, alſo von Reich, Staat und
Gemeinden gelten können, daß nur für dieſe eine Ausnahmebeſtimmung
aus den verſchiedenſten Gründen eine Berechtigung hat, daß insbeſondere
an die Träger der Sozialverſicherung bei Erlaß der Heſſiſchen
allge=
meinen Bauordnung im Jahre 1881 noch gar nicht gedacht werden
konnte, weil die Sozialgeſetzgebung bekanntlich erſt im letzten Jahrzehnt
des vorigen Jahrhunderts aufgenommen iſt; daß ſich Darmſtadt mit
dieſer Auslegung außerhalb ſeiner Mauern — ich ſprach hürzlich mit
einem preußiſchen und eimem bayeriſchen Vertreter — geradezu lächerlich
macht, ſcheint nicht im mindeſten die Freude an dieſer ſchönen Entdeckung
zu trüben. Immerhin wird es die Oeffentlichkeit in Darmſtadt
inten=
eſſieren, daß nach Auffaſſung der hieſigen Baupolizei die Grenze des
Begriffes der öffentlichen Gebäude plötzlich ſehr flüſſig geworden iſt;
daß anſcheinend als öffentliches Gebäude gilt, was kraſt eines Geſetzes
beſteht. Infolgedeſſen können wohl ſchließlich nicht nur die Träger der
Sozialverſicherung, zum Beiſpiel die Krankenkaſſen, ſondern auch allerlei
Organe oder Einzelperſonen mit ihren Dienſträumen Anſpruch auf die
Vergünſtigung der Bauordnung machen, wenn ſie nur kraft eines
Ge=
ſetzes ihr Amt ausüben. Hierzu ſind u. a. zu rechnen die
Handelskam=
mern, die Handwerkskammern, die Arbeitsgerichte, die Notcre, die
Kreis=
ärzte uſw. uſw. Wohin man mit dieſer Auslegung in letzter Linie
kom=
men kann, iſt gar nicht auszudenken. Es verbleiben ſchließlich nur einige
Wenige, die miserg plebs, für die dann noch die Höhenbeſchränkung der
Bauordnung Gültigkeit hat.
Daß die Stadt mit dieſem Verhalten und ſolchen Künſten bei
denken=
den Menſchen nicht beſonders viel Anerkennung erntet, iſt wohl
ſelbſt=
verſtändlich. Ob die Stellungnahme der Stadtoerordneten die gleiche
geweſen wäre, wenn eine genaue und unparteiſche Unterrichtung
ſtatt=
gefunden hätte, iſt ſehr die Frage. Auch der Oeffentlichkeit kann man
getroſt die Beurteilung überlaſſen. Jedenfalls iſt die Hoffnung berechtigt,
daß die gegenüber ſolchem Beginnen ſelbſtverſtändlich anzurufenden
höheren Behörden ſich auf einen objektiveren und damit viel mehr
Aus=
ſicht für eine ſchnelle Erledigung bietenden Standpunkt ſtellen werden.
In derſelben Sitzung der Stadtverordneten iſt gegen Schluß ſeitens
eines Stadtverordneten auf die Autobusverbindung in das
Martins=
viertel hingewieſen und dabei bemerkt worden, daß der Emſpruch gegen
dieſe Verbindung den gleichen Quellen entſpringe. Dieſe Angelegenheit
hat nun wirklich nicht das Allergeringſte mit der vorſtehend behandelten
zu tun. Ich unterlaſſe es daher, an dieſer Stelle auf das Verhältnis
zwiſchen Stadt und Hochſchule einzugehen, trotzdem es für die Oeffentlich
keit ſehr intereſſant iſt. Ich behalte mir dies noch vor.
— Reichsbund der Kinderreichen zum Schutze der Familie, Orts=
B.d.K. ſeinen zahlreichen Mitgliedern mit ihren Kindern und vielen ſitzung der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla e. V. ſind,
Gäſten mit ſeiner leider etwas ſpäten Weihnachtsfeier in dem ſchönen,
behaglichen Raum der großen Turnhalle am Woogsplatz. Der glänzende
Beſuch und Verlauf des Feſtes bewies, deß die Mühe der Organiſierung
der Ortsgruppe, der ſich der Vorſitzende, Herr Prof. Dr. Heuſſel, mit
ſeiner Gattin unterſtützt von einem tätigen Vorſtand, widmet, nicht um= kritiſchen Humors den Genuß einer karnevaliſtiſchen Sitzung erlauben
ſonſt war. Die große Kinderſchar aller Altersſtufen, die ſich mit den
Erwachſenen eingefunden, machte die Volkstümlichkeit des Bundes in den zur Verfügung, ſo daß ſich eine rechtzeitige Sicherung ſolcher ſehr emp=
Familien erſichtlich, ebenſo die mannigfaltige Vortragsfolge, die faſt fiehlt. Weiter hat das Heſſiſche Miniſterium in dankenswertem
Eut=
ausſchließlich von Mitgliedern beſtritten wurde. In einer warm emp= gegenkommen genehmigt, daß nunmehr auch in Darmſtadt ein
karne=
fundenen Feſtanſprache konnte Herr Prof. Heuſſel des erfolgreichen baliſtiſcher Umzug ſtattfinden darf, während das Maskentreiben
Schutzes der Familie in wirtſchaftlicher, geiſtiger und ſittlicher Beziehung
gedenken, der von dem großen Reichsbunde imer mehr ausgeht und
auswirkt; auch der Vorſitzende des heſſiſchen Landesverbandes, Herr Kappenfahrt haben, wenn auch in der Bevölkerung das hierzu
Karl Olle aus Offenbach a. M., beſtätigte das mit freundlichen
Be=
famoſen Leiſtungen des jugendlichen Geigenorcheſters nach Einſtudiewung
durch den temperamentvollen jungen Herrn Bender muß vor allem des (Laden), Tel. 667.
großen, ſchönen Weihnachtsmärchens als Feſtvorſtellung — über eine
Stunde Bühnenaufführung — gedacht werden, um das ſich Herr und Mitglieder an die morgen, Freitag, den 2. ds. Mts., abends 8.30 Uhr,
Fran Jung in ſeltener Unermüdlichkeit ſeit Wochen bemüht hatten; das im „Palaisgarten” Saalbauſtraße 37, ſtattfindende Verſammlung. Auch
gute Gelingen und der begeiſterte Beifall tat dar, wie ſelbſt bei eil= bitten wir die geladenen Gäſte um zahlreichen Beſuch.
fachen Mitteln eine erfindungsreiche Regie gelohnt wird; mit
reizen=
dem Eifer war die Jugend (u. a. Frl. Stein, Frl. Schuchmann, Herr
Hotz, Herr Hildenbrand als Niklas) bei der Scche. Zum Schluß nach
der üiblichen Ditenbeſcherung und einer Gasherdverloſung ſprach Herr
Nühling den Dank des Bundes an die Mitwirkenden und vor allem an ſuchen wollte. Mit der Feſtnahme ſind alle Beteiligten an dem Einbruch
die zahlreichen Gönner aus, unter ihnen Herr Bürgermeiſter Delh, die
Firmen Gebr. Konzelmann und Röder, Adolf Schaffner, Klavier=Arnold
u. a., die Herz und Hand für unſere Kinderreichen geöffnet hatten. Der
Darmſtädter Bund der Kinderreichen wird im neuen Jahre weiter von
ſich hören laſſen.
— Maskenball im Mathilbenhöhſaal. Der Odenwaldklub
„Frankonic” hält am Samstag, 21. Januar, im Mathildenhöhſaal
ſeinen diesjägetgen Maskenball mit feenhafter Beleuchtung ab. Die
Muſikvereinigung „Harmonie” wird ihre närriſchen Weiſen ertönen
laſſen; ebenſo hat das närriſche Komitee unter der Deviſe: „Mer ſtelle
Eich z’freere” dafür Sorge getragen, daß der Abend einen glänzenden
Verlauf nehmen wird.
Aus den Parteien.
— Die Beamtengruppe der Deutſchen Demokratiſchen
Partei, Ortsgruppe Darmſtadt, hält am Donnerstag, den 19. ks.Mts.,
8½ Uhr abends, im Weißen Saal, bei Chriſt, Grafenſtraße 18, eine
Verſammlung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Neuwahl der
Be=
amtenvertretung. 2. Referat über die Beſoldungsneuregelung. 3.
Ver=
ſchiedenes.
— Nemmt’s, wie der’s wollt! Für die am 29. Januar d. J. im
gruppe Darmſtadt. Einen feſtlichen Nachmittag erſter Ordnung bot der Städtiſchen Saalbau ſtattfindende Große Damen= und
Herren=
wie aus der heutigen Anzeige zu erſehen iſt, Eintrittskarten im
Vorverkauf bereits jetzt ſchon zu erhalten. Trotz der rieſigen Fülle der
dieſe Veranſtaltung auszeichnenden großartigen karnevaliſtiſ hen
Dar=
bietungen ſind die Eintrittspreiſe mäßig gehalten, damit ſich alle Freunde
können. Numerierte Plätze ſtehen diesmal in nur ganz geringer Zahl
auf öffentlichen Straßen nach wie vor unterſagt bleibt. Nemmt’s,
wie der’s wollt! Unſere Heinerſtadt wird alſo in dieſem Jahre
ſich in vielen Häuſern der Minderbemittelten für ihre Kinder ſegensreich nach langer Unterbrechung wieder einmal eine koſtümierte
nötige Verſtändnis und die noch nötigere Beteiligung zu finden iſt. Jede
grüßungsworten. Näckſt den Deklamationen, den vorzüglichen Lieder= Art von Gefährt bzw. Fahrzeug, fobald es karnevaliſtiſch aufgeputzt iſt,
vorträgen des Geſangvereins Sängerluſt (Dirigent Herr Grim) und den iſt willkommen. Wer Näheres hierüber wiſſen will, wende ſich
ver=
trauensvoll an Juwelier Ludwig Schmidt, Wilhelminenſtraße Nr. 7
Deutſchnationaler Arbeiterbund Darmſtadt. Wir erinnern unſere
Feſtgenommen. Der zwanzigjährige Eug. Ludwig Böttcher, der
an dem Einbruch bei der Firma Stegmüller beteiligt war und flüchtig
ging, konnte am Dienstag abend feſtgenommen werden, als er das Weite
dingfeſt gemacht. Böttcher gibt die Teilnahme zu, beſtreitet aber,
ge=
ſchoſſen zu haben.
Drgole
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Bewährtes Mund- und Zahnpflegemittel.
Arztlich empfohlen und verordnet.
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erhältlich.
K
* Große Strafkammer.
v. 1. Ein Automobilhändler war vom Amtsgericht I wegen
Urkun=
denfälſchung ſtatt einer an ſich verwirkten Strafe von 20 Tagen
Ge=
fängnis zu 100 Mark Geldſtrafe, unter Freiſprechung im übrigen,
ver=
urteilt worden; er hatte mit Tintenſtift auf dem Nummernſchild
ver=
ſchwommene Zeichen (Stempel) angebracht und ſo mit dieſem Auto zwei
Ausfahrten gemacht, wie er angibt, um die Lichtleitung zu probieren
und je nach dem Ausfall der Probe dieſelbe zu reparieren. Wegen
Steuerhinterziehung iſt in erſter Inſtanz Freiſpruch erfolgt, weil das
Gericht eine darauf gerichtete Abſicht verneinte. Die Berufung der
Staatsanwaltſchaft wird auf den letzteven Punkt beſchränkt.
Das Urteil hebt das erſte Urteil, inſoweit es auf Freiſprechung
er=
kannt hat, auf und erkennt auf eine weitere Geldſtrafe von 50 Mart
wegen Steuerhinterziehung. Das Urteil iſt rechtskräftig.
2. Ein Verſorgungsanwärter wollte ſich nach Ausſcheiden aus der
Reichswehr um eine Stelle bewerben und begab ſich zu dieſem Zweck
nach G., um ſich bei der dortigem Maſchinenfabrik vorzuſtellen. In
die=
ſem Orte traf er mit früheren Kollegen zuſammen und betrank ſich.
Dann irrte er in G. umher und fand ſich am anderen Morgen auf einer
Tragbahre in einer Fabrik. In der Nacht war er im eine Wohnug
durch ein Fenſter eingeſtiegen und hieß dort eine Taſche mitgehen, die
ſeine Frau ſpäter in G. mit ſich trug. Das Urteil erſter Inſtanz ha
an Stelle einer an ſich verwirkten Gefängnisſtrafe von 1 Monat auf
100 Mark Geldſtrafe erkannt. Gegen dieſes Urteil hat nur der
Ange=
klagte Berufung verfolgt. Dem Angeklagten wird vom Vorſitzenden
da=
hin Vorhalt gemacht, daß er richtiger gehandelt hätte, wenn er den
am=
geblichen Fund ſofort der Polizei abgeliefert hätte, ſtatt die Taſche
ſeimer Frau mitzubringen, unter dem Vorgeben, er habe ſolche in der
Bahn gefunden. Die Frau trug die Taſche zunächſt in ihrer Heimat
und dann in G., wo die Eigentümerin dies bemerkte. So kam die
Sach=
denn heraus. In der Toſche befanden ſich Originalzeugwiſſe, die der
Beſtohlenen gehörten, ſowie Photographien und einige Liebesbriefe,
Der Angeklagte behauptet, dieſe Zeugniſſe, ohne davon Einſicht
genom=
men zu hoben, vernichtet zu haben.
Der Verteidiger kennzeichnet die Tat als typiſche Tat eines
Be=
trumkenen, der die Handlung beging, als noch Licht im Hauſe und der
Bräutigam noch in der Küche arweſend war. Zur Frage der
Fund=
uterſchlagung betont er den geringen Wert der Taſche, Angeklagter
habe nicht vorgelegen. An der ganzen Sache bleibe doch herzlich wenig
klagter die Taſche zur Polizei gebracht, ſo hätte er genau die nämlichen
Unannehmlichkeiten, wie jetzt, gehabt. Eine Abſicht der Unterſchlagung
hätte nicht vongelegen. An der ganzen Sache bleibe doch herzlich wenig
übrig. Angeklagter habe ſich in einem Dilemma befunden, die Tat
ähnele einem Studentenſtreich. Sie möge nach 8 153 St.P.O. mit Zu
ſtimmung der Staatsanwaltſchaft niedergeſchlagen werden. Berückſichtigt
möge werden, daß Angeklagter infolge der Sache ſtellenlos geworden ſei
und auf eine milde Strafe erkannt werden. Der Staatsanwalt betont,
der Angeklagte hätte anderen Tags die Taſche an die Polizei gbliefern
ſollen, wegem Fundunterſchlagung möge auf eine empfindliche Strafe
erkannt werden. Das Urteil verwirft die Berufung.
p. Amtsgericht I. In Ernſthofen und Lützelbach wurden
Staub=
ſauger zum Ankauf angebotzen. Die Anbietendew hattew wohl
Legi=
timationspapiere (Legitimationskarte) bei ſich, beſaßen aber keinen
Wan=
dergewerbeſchein. Gegen einen Strafbeſcheid des Finanzamts iſt
Ein=
ſpruch erhoben wordem mit der Begründung, die aufgeſuchten Kunden
ſeien nur auf ausdrückliche Beſtellung beſucht worden. Die Anbietenden
wollten aber nach der Beweisaufnahme trotzdem zur Anregung der
Kaufluſt den Apparat einmal vorführen. Ein Zeuge hat den Ankauf mit
Rückſicht auf den hohen Preis abgelehnt, auch die Vorführung in ſeiner
Wohnung wies er ab. Der Vertreter des Finanzamts (Nebenkläger)
betont, daß das Bweifache der verkürztem Wandergewerbeſteuer
ver=
wirkt ſei. Der Amtsanwalt beantragt in einem Falle die
Aufrechterhal=
tung des Strafbeſcheids, im andeven Falle die Freiſprechung. Die
Ver=
teidigung beantragt Vernehmung einer ausgebliebenen Zeugin, die ſich
der Verhandlung entziehe, im übrigen möge Freiſprechung erfolgen.
Die Entſcheidung ergeht am 24. d8. Mts.
p. Bezirksſchöffengericht. In der auf der Bürgermeiſterei
Affolter=
bach am 16. ds. abgehaltenem Tagung wurde eine Anklage gegen einen
Kaufmann von Traiſa wegen fahrläſſiger Tötung verhandelt. Der
Un=
fall hat ſich am 15. Auguſt 1927 auf der Straße Wahlen—Affolterbach,
kurz vor letzterem Orte ereignet. Angeklagter kam von Wahlen her
mit ſeinem Kraftfahrwagen, wie die Beweisaufnahme ergab, ohne daß
Sigval gehört wurde, in ſehr raſendem Tempo, während von
Affolter=
bach kommend drei Kinder in Begleitung ihrer Tante mit einem
Hud=
wägelchen ſich auf der Straße befanden. Zwei Kinder wurden in den
Graben geſchleudert, eines, der dreijährige Sohn des Bäckers und
Land=
wirts P. Sattler, vom Kotflügel des Autos gefaßt und 25 Meter
ge=
ſchleift, ſo daß es augenblicklich tot war. Der Sachverſtändige erachtet
als Urſache des Unfalls zu vaſches Fahren, ſo daß der Autofahrer im
Moment der Gefahr das Fahrzeug nicht in der Gewalt hatte. Das
Urteil erkannte auf 3 Monate Gefängnis.
Auf der Kraſtpoſtlinie Darmſtadt—Ober=Ramſtadt—Brandau
— Fahrplan 7 — ſind folgende Fahrplanänderungen eingetreten: 1. Die
erſte Fahrt von Brandau nach Darmſtadt=Hbf. iſt früher gelegt worden.
2. Zwiſchen Brandau und der Fabrik Wacker u. Dörr iſt werktäglich
außer Samstags eine weitere Fahrt in beiden Richtungen eingelegt
worden. Bei den übrigen Fahrten auf der Linie ſind keine Aenderungen
eingetreten.
Lokale Veranſtaltungen.
— „Menſchenſeele und Menſchenleib”, öffentlicher
Vortrag von Dr. Alfred Heidenreich=Frankfurt, Pfarrer in der
Chriſten=
gemeinſchaft, am Freitag, 20. Januar, abends 8½4 Uhr, in der Städt.
Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße. Es wird geſprochen über das
Zuſammenwirken von Leib und Seele als religiöſe Frage, über
Körper=
beherrſchung und Körperveredelung, Sport und Kunſt, geiſtige
Heil=
weiſe körperlicher Krankheiten, körperliche Grundlagen der
Geiſteskrank=
heiten, Genialität und Wahnſinn, Körperfunktionen im Seelenleben,
Pſychoanalyſe, Individualität und Vererbung. — Ein zweiter Vortrag
am Freitag, den 2. Januar, wird von Martha Heimeran, Pſarrer in
der Chriſtengemeinſchaft, gehalten über „Weltenſeele und Weltenleib”,
(Vergl. d. Anzeige.)
— Waiſenſchutz=Generalverſammlung. Heute abend
8½ Uhr ſindet die Generalverſammlung im „Heſſ. Hof” ſtatt. Es wäre
ſehr zu begrüßen, wenn der Beſuch der Jahresverſammlung beſſer wäre
als die monatlichen Verſammlungen. Zurzeit zählt der hieſige
Zweig=
verein zirka 1000 Mitglieder. Wenn man bei unſerer Weihnachtsſeier
den überfüllten Saalbau ſah, müßte man glauben, daß ſich zu der
heu=
tigen Hauptverſammlung mindeſtens 100 Mitglieder finden müßten, die
ſich über die Tätigkeit des hieſigen Zweigvereins im abgelaufenen Jahre
intereſſieren. Deshalb bitten wir nochmals ſämtliche Mitglieder, heute
vend 8½ Uhr im „Heſſ. Hof” (oberes Sälchen) zu erſcheinen, denn nur
durch Hören der zur Verleſung kommenden Berichte wird jedes Mitglied
in die Lage verſetzt, zu erfahren, was der hieſige Zweigverein auf dem
Gebiete der Fürſorge an unſeren Darmſtädter Halbwaiſen geleiſtet hat.
Wir verweiſen auf die vor einigen Tagen in dieſer Zeitung erſchienene
Annonce.
— Bund Königin Luiſe. Zu der am Samstag, den A1.
Ja=
nuar, abends 8 Uhr, im Rummelbräu, Rheinſtr, ſtattfindenden
Reichs=
gründungsfeier werden die Kameradinnen nochmals aufmerkſam gemacht.
Gäſte herzlich willkommen.
— Deutſchorden. Donnerstag, den 19. Januar:
Knappſchafts=
abend. Gouvernementſekretär a. D. Dietz: „Meine Jugenderlebniſſe
in Oſtafrike‟. Die Feier iſt öffentlich.
— Das Männerquartett „Eintracht‟ Darmſtadt hält
ſeine Hauptprobe zum Liederabend am Freitag abend in der
Woogs=
turnhalle ab. Es iſt hierbei allen Freunden und Gönnern des Quartetts
Gelegenheit geboten, ſich den Liederabendchor anzuhören, zumal infolge
zu ſtarker Beteiligung zum Liederabend nur Karten in beſchränkter
An=
zahl verabfolgt werden. Das Quartett wird ſich in dieſem Jahre an
zwei Geſangswettſtreiten beteiligen, und werden aus dem Grunde die
Brudervereine, welche einen Wettſtreit abhalten, gebeten, die
Bedingun=
gen umgehend z. H. des 1. Vorſitzenden, Herrn A. Weichel,
Kahlert=
ſtraße 37, gelangen zu laſſen. Der alljährige Lumpenball findet am
Faſt=
nachtsdienstag in großer Aufmachung im Bürgerhof ſtatt. Näheres
er=
folgt durch Inſerat d. Bl.
— F. C. Union. Am Samstag, den 21. Januar, veranſtaltet der
F. C. Union in den Räumen der Beſſunger Turnhalle ſeinen
dies=
jährigen Maskenball. Für einen großzügigen Verlauf iſt Sorge getragen,
insbeſondere die Prämierung der ſchönſten Masken mit Werwreiſen
von 25 bis 150 Mark wird ſeine Anziehungskraft nicht verfehlen. Alle
Sportler Darmſtadts werden hiermit freundlichſt eingeladen.
Eintritts=
preis pro Perſon 1,50 Mark. Anfang 7,71 abends. (Siehe Anzeige.)
Tageskalender für Donnerstag, den 19. Januar 1928.
Landestheater Großes Haus, Anf 19 Uhr Ende nach
22 Uhr: Die Zauberflöte” — Kleines Haus, Anf. 20 Uhr,
Ende 22 Uhr: „Der dreizehnte Stuhl”. — Orpheum Anf. 3 Uhr:
„Der Hexer”. —Konzerte: Hotel Schmitz, Schloßkaffee Weiuhaus
Maxim, Groß=Darmſtadt Rheingold Geſellſchaftsabend,
Waldſchlöß=
chen. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Lichtſpiele, Helia.
Nun=ner 19
2
Donnerstag, den 19. Januar 1928
DIe NO PO 2
Eine wichtige Botschaft
Seite 2
Tor 19 Jahren bauten und
ver-
kauften wir den ersten Wagen
unseres Modells T. Bei
An-
kündigung dieses Modells erklärten
wir dem Publikum:
„Wir werden einen Wagen für die
große Menge bauen. Dieser Wagen
wird groß genug für die Familie,
aber auch klein genug für den
Ein-
zeljahrer sein. Der Wagen wird
aus bestem Material hergestellt
wer-
den, und die einfachsten Methoden
moderner Ingenieur-Wissenschaft
werden Verwendung finden.
Den-
noch wird der Preis dieses Wagens
so niedrig sein, daß jedermann, der
ein ungemessenes Gehalt bezieht,
sich den Besitz eines Automobils
wird leisten können."
Wenn ich heute von neuem im
Ge-
schäftsleben beginnen müßte, oder
wenn man mich fragen würde, was ich
über meine bisherige
Geschäftspoli-
tik denke, so würde ich nicht einen
Satz der obigen Ankündigng
abän-
dern; denn sie kennzeichnet in
we-
nigen Worten Wesen und Wirken
der Ford Motor Company und
er-
klärt auch die einzigartige
Entwick-
lung, die die Gesellschaft genommen
hat.
In den letzten 19 Jahren haben wir
15 Millionen Ford-Wagen gebaut
und damit die Welt um 300
Millio-
nen Pferdekräfte bereichert. Doch
ich betrachte diese Maschinen, die
meinen Namen tragen, nicht als
bloße Maschinen. Sie sind mir der
greifbare Beweis für den Erfolg
meiner Ideen, meiner Theorie, die
danach strebt, unser aller Dasein
an-
genehmer zu gestalten.
Das Modell T war ein Pionier. —
Als wir den Entschluß faßten, jenes
Modell zu bauen, da gab es noch
keine öffentliche Nachfrage nach
Automobilen. Gute Straßen waren
eine Seltenheit, und nur ganz wenige
abenteuerlich gesonnene Menschen
ließen sich zum Kauf eines
Auto-
mobils bewegen.
Der Ford-Wagen bahnte der
Auto-
mobil-Industrie erst den Weg und
leitete den modernen Straßenbau
ein. Er überwand Zeit und
Entfer-
nung und vermittelte Zivilisation
auch nach den entlegensten Orten.
Der Ford-Wagen brachte den
Men-
schen mehr Muße. Er verhalf ihnen
dazu, mehr und besser zu arbeiten,
— und dies in kürzerer Zeit und mit
größerer Freude.
Wir haben einen neuen Wagen Be.
baut, den Ausprüchen unrserer Tage
zu. genügen!
Wir sind uns bewußt, daß sich die
Verhältnisse in den letzten Jahren
stark verändert und auch eine
Ver-
besserung und Verfeinerung der
Automobilkonstruktion notwendig
gemacht haben. Wir haben daher
einen neuen Wagen gebaut, — einen
durch und durch neuen, vom alten
grundverschiedenen Ford-Wagen —
der diesen veränderten Verhältnissen
entspricht und den erhöhten
An-
sprüchen unserer Tage Rechnung
trägt.
Wir glauben und wiesen, daß der
neue Ford, den Sie ab Montag, den
23. Januar 1928 in den meisten Ford-
Verkaufsstellen besichtigen können,
im Aufomobil-Bau einen ebenso
großen Schritt nach vorwärts
be-
deutet, wie seinerzeit das Modell T,
als es im Jahre 1908 auf den Markt
kam.
Elegante, eindruchsvolle Linienfüh.
rung und prüchtige Tarben.
Der neue Ford ist fundamental
ver-
schieden von Modell T, nur der
Grundsatz billigster Herstellung bei
höchster Oualität ist beibehalten
worden. Kein Wagen gleicht dem
neuen Ford in Ausführung, Güte
und Preiswürdigkeit. Der neue Ford
ist außerordentlich ansprechend in
Linienführung und Farbe. Nicht
minder wichtig jedoch ist die
tech-
nische Schönheit des Motors. Stets
sollte man dieser technischen
Voll-
endung gedenken, wenn man die
Vorzüge des neuen Ford in Betracht
zieht.
Das neue Modell besitzt eine
außer-
ordentliche Schnelligkeit für einen
Wagen seiner Preisklasse; eine
Schnelligkeit, die den praktischen
Erforderniesen unserer Tage vollauf
genügt.
Die Welt geht schneller voran als
früher, wir leben und arbeiten
inten-
siver. Wir kennen den Wert der
VOn
PADNR 4
PURS
Zeit. — Wenn man sich im Jahre
1908 mit 50 oder 60 Kilometer-
Stun-
den-Geschwindigkeit zufrieden gab.
verlangt man heute mindestens 80
oder 90 Kilometer. Wir geben Ihnen
diese Geschwindigkeit.
Ruhiges und ausgeglichenes Fahren
bei jeder Geschwindigkeit.
Auch mit der schwächeren Maschine
(8 Steuerpferde, 2 Liter
Hubvolu-
men) können Sie bequem Ihre
85 Kilometer in der Stunde fahren.
Die Geschwindigkeitsgrenze des
Wa-
gens liegt jedoch noch höher.
Erhöhte Geschwindigkeit verlangt
auch bessere Bremsen. Die neuen
Ford-Vierradbremsen bürgen für
größte Zuverlässigkeit und
Sicher-
heit.
Der neue Ford fährt ruhig und
aus-
geglichen bei jeder Geschwindigkeit.
Er ist beweglich, wendig und Hink.
Und im modernen Großstadtverkehr
noch leichter zu lenken, als das
durch sein rasches Anfahren bestens
bekannte Modell T.
Der neue Ford ist dauerhaft.
Dauer-
haftigkeit bestimmt den wahren
Wert eines Motors. Der Ford-Wagen
ist stets dafür bekannt gewesen, daß
er Sie sicher ans Ziel bringt — und
auch wieder zurück. Zu dieser schon
sprichwörtlichen und unbestrittenen
Zuverlässigkeit gesellt sich beim
neuen Modell noch größte
Bequem-
lichkeit und gediegene Eleganz. Im
Ford zu fahren, wird Ihnen ein
Ver-
gnügen sein, einen Ford zu besitzen,
Ihr wirtschaftlicher Vorteil.
Der neue Ford ist nicht an einem
Tage gebaut, und der Plan, ihn zu
bauen, ist nicht an einem Tage ge-
Taßt worden. Seit Jahren schon
ar-
beiten unsere Ingenieure an dem
neuen Modell und in meinen
Gedan-
ken hat es ein noch längeres Dasein.
Wenn wir einmal die Produktion
aufgenommen haben, fabrizieren wir
schnell; aber wir arbeiten lange an
den Plänen und Entwürfen. Wir
lassen uns in dieser Hinsicht nicht
drängen. 12 Jahre haben wir daran
gewandt, unser altes Modell T zu
verbessern, ehe wir es überhaupt der
öffentlichkeit übergaben. Es wäre
daher unverständlich, wenn wir
die-
ses neue Automobil auf den Markt
gebracht hätten, ohne vorher die
unumstößliche Gewißheit seiner
technischen Vollkommenheit
gewon-
nen zu haben.
Die Modelle A und AF (8 bzw. 15
Steuerpferde, 2 Liter bzw. 3.,28 Liter
Hubvolumen) eind die Frucht
jahre-
langer Studien, jahrelanger
Versuchs-
arbeit, Alle Einzelheiten sind in der
Prazis wiederholt geprüft und
ver-
bessert worden. Der Erfolg dieser
Modelle steht außer Frage. Er ist
unausbleiblich, denn der neue Ford
ist das Ergebnis unserer Erfahrungen
beim Bau von über 15 Millionen
Automobilen.
Ford- Preise ohne Ford-Methoden
zind unmöglieh.
Der Preis unseres neuen Modells iet
entsprechend den Grundsätzen
un-
serer Gesellschaft überaus niedrig,
Wir haben es stets vorgezogen, viele
Wagen mit kleinem Gewinn zu
ver=
kaufen, statt nur wenige Wagen mir”
großem Gewinn.
Wer unsere Preise nachahmen wollte,
könnte dies nur auf Kosten der
Qualität tun. — Wir eind die einzige
Automobil-Fabrik der Welt, die auch
die Urproduktion in ihren Bereich
einbezogen hat.
Wir fördern unsere Kohlen selbst,
erzeugen unseren eigenen Stahl,
un-
ser eigenes Glas. Wir fertigen
nahe-
zu alle Teile unseres Wagens im
eigenen Betrieb. Es ist jedoch unser,
Prinzip, daß wir an all diesen
Ur-
produktionen nichts verdienen
wol-
len. Die Vorteile der vertikalen
Gliederung unserer Produktion sind
vielmehr seit jeher nur unseren
Käu-
fern in Form ungewöhnlich niedriger
Preise zugute gekommen. — Unser
Geschäft ist es, Automobile zu bauen,
unser Stolz ist es, mit dem geringsten
Nutzen zufrieden zu sein.
Wir eind in der Lage, unser neues
Modell so außerordentlich billig zn
verkaufen, weil wir neue Wege
ge-
funden haben, den Wert unseres
Produktes zu erhöhen — und dies
ohne Steigerung unserer Unkosten.
Das neue Modell ist nicht entstanden
unter dem Druck eines im voraus
Festgesetzten niedrigen Preises. Un-,
sere Konstrukteure kannten nur eine
Parole: Oualität.
Sie werden den neuen Ford-Wagen
ab Montag, den 23. Januar 1928
be-
sichtigen und eich davon überzeugen
können, daß alles, was ich über
Aus-
sehen, Leistungsfähigkeit, Komfort,
usw. gesagt habe, richtig ist.
Wir waren stets bestrebt, zum
Fort-
schritt im Automobilbau, zum
Ge-
deiben der Volkswirtschaft und zur
versönlichen Wohlfahrt von Millio-,
uen von Menschen nach Kräften
bei-
zutragen. Unser größter Erfolg in
diesem Wirken ist jedoch unser
neues Modell: Der neue Ford.
FORD MOTOR COMPANT AG
BERLIN-WESTHAFEN
ITV. uae
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Donnerstag, den 19. Januar 1928
Nummer 19
Nus Heſſen.
Die Exklave Wimpfen.
Wimpfen, 18. Januar.
Der Gemeinderat hat in ſeiner Sitzung vom 13. Januar
fol=
gendes beſchloſfen:
„Verſchiedene Veröffentlichungen in der Preſſe zu der Frage
der Aufhebungen der Enklaven und Exklaven im Deutſchen Reich
gibt dem Gemeinderat Veranlaſſung, zu erklären, daß Wimpfen
keine Veranlaſſung hat, von ſich aus aus dem heſſiſchen
Staats=
verband auszuſcheiden.
Wird die Frage der A.fhebung der Enklaven und Exklaven
praktiſch, ſo verlangt der Gemeinderat für die Stadtgemeinde
Wimpfen das Recht der Selbſtbeſtimmung.”
J. Griesheim, 18. Jan. Bei der vorgeſtern nachmittag ſtattgehabten
Verſteigerung der Umzäunung des alten
Heagbahn=
hofes wurden insgeſamt 360 Merk gelöſt. Das vorhandene
Stations=
häuschen kommt nicht zum Abbruch, es ſoll vielmehr dem Arbeiter=
Samariter=Bund zur Aufberahrung ſeiner Geräte überlaſſen werden,
Mit der Einplanierung des Platzes und der Herrichtung gärtneriſcher
Anlagen ſoll Anfang April begbnnen werden.
F.Eberſtadt, 18. Jm. Bürgermeiſterwahl. Am
Donners=
tag, den 19. Januar, findet im Rathausſaal eine öffentliche
Gemeinde=
vatsſitzung ſtatt mit der Tagesordnung: Wahl eines beſoldeten
Bürgermeiſters für die Gemeinde Eberſtadt.
G. Ober Ramſtadt, 18 Jan. Die geſtern im Forſtort Eichelberg
be=
gonnene Nutzholzverſteigerung mußte des eingetretenen Regenwetters
wegen abgebrochen und in einem Saal fortgeſetzt werden. Es wurden
durchſchnittlich erzielt für den Feſtmeter Stämme: Buchen Kl. 4 38 Mk.;
Kl. 5 46 Mk.; Eiche Kl. 3 26 Mk: Kiefern Kl. 20 39 Mk.; 3a 43 Mk.;
B 52 Mk.; Fichten Kl. 3a 36 Mk.
Ak. Nieder=Ramſtabt, 18. Jan. Die Zinsſätze bei dem hieſigen
Spar= und Darlehnskaſſenverein e. G. m. b. H. wurden ab 1. Januar
Ifd. J8. wie folgt feſtgeſetzt: a) Einlagen auf mindeſtens ¼ Jahr und
länger 7 Prozent, b) ſolche von kürzerer Zeitdauer 6 Prozent, e) ſolche
i laufender Rechnung 5 Prozent 4) Darlehen jeder Art 10 Prozent. —
Für das demnächſt beginnende ſyſtematiſche Umpfropfen der
Obſt=
bäume, wofür in erſter Linie das Abſetzen der Obſtbäume
vorgenom=
men werden muß, ſind eine Anzahl ſachkundige Leute notwendig, die
uter Füchrung eines Sachverſtändigen die ſogenannte Pfropfkolonne
bil=
den und alle einſchlägigen Arbeiten auszuführen haben. Es iſt klar,
daß die ſich hieran beteiligenden Leute ſehr viel lernen können, ſofern
ſie nur das notwendige Intereſſe an der Scche haben. Darüber hinaus
wird den Leuten der Zeitaufwand vergitet.
— Reinheim, 18. Jan. Freitag, den 20. Januar, wird in der
hie=
ſigen Kinche, nachmittags 5½ Uhr für Kinder, 8 Uhr für Erwachſene,
der Film „Glaube und Heimat, die Tragödie eines Volkes” zur
Vorführung kommen.
4a. Dieburg, 18. Jan. Verſteigerungserlös. Bei einer
Verſteigerung von Holz aus dem Münſter Gemeindewald kam
Kiefern=
holz zwiſchen 30 und 36 RM. für zwei Raummeter zu ſtehen. Es
handelte ſich dabei um Scheit= und Knüppelholz. Stockholz ſtellte ſich
auf 3 RM., Reiſigknüppel wurden mit 3—4 RM. bezahlt.
N. Reichelsheim i. Odw., 18. Jan. Eine kirchenmuſikgliſche,
religiöſe Feier und Erbeuungsſtunde von nachhaltiger Wirkung
bereitete am Sonntag abend den in unſerem Gotteshauſe Verſammelten
der Orgelkünſtler Herr v. d. Au aus Mainz. In den von ihm
meiſter=
haft vorgetragenen Werken der berühmteſten Komponiſten (von Joh.
Seb. Bach bis Max Reger) ließ er die Orgel zu den Herzen reden: von
dem öffentlichen Wirken des Heilandes, von Jeſu Leiden, Pein und
Tod und von ſeiner Auferſtehung, Erlöſung und Herrlichkeit. Durch eine
einleitende Anſprache des Herrn Pfarrers Klimgelhöffer und durch
ge=
meinſamen Geſang paſſender Choräle wurde die Verbindung zwiſchen
dieſen „Tonpredigten der Orgel” hergeſtellt. Gleichermaßen tief
ergrei=
fend wirkten die von dem Organiſten eingeſtreuten vier Lieder, die er auf
der Orgel ſelbſt begleitete. Das erſte Lied „O Jeſulein ſuß, o Jeſulein
mild” war das Lieblingslied von Joh. Seb. Bach. Zur Ergebung in
Gottes Willen mahnte „Sei ſtill, wie Gott es will‟. Die Texte der
beiden letzten Lieder „Du weißt den Weg für mich, das iſt genug” und
Des ubekannte Heldengrab” ſind von Herrn v. d. Au in Muſik geſetzt.
Dieſe beiden Lieder erinnern nach deſſen Erläuterungen an die Zeit des
ſchrecklichen Weltkrieges. Der Text des letzten Liedes iſt in den
Schützen=
gräben des weſtlichen Kriegsſchauplatzes entſtanden und der Komponiſt
ſang e3 guch im Hauptquartier vor Generalfeldmarſchall v. Hindenburg.
H. Fürth, 18. Jan. Schöffengericht. A. L. in Birkenau und
A. J. in Nieder=Liebersbach haben ſich im November v. J. nach einem
Zcahgelage gehörig verprügelt. Da ſie dies ſelbſt zugeben, wurde
erſterer in eine Geldſtrafe von 100 Mark und letzterer in eine ſolche
von 25 Mark verurteilt. Ferner erhielt M. L. von Birkenau wegen
Pfandveräußerung eine Geldſtrafe von 50 Mark zudiktiert.
* Fürth, 18. Jan. Unfall. Der 66 Jahre alte Holzhauer Adam
Lenhart 1. verunglückte beim Holzfällen dadurch, daß ein hevabſtürzender
Aft ihn auf die Schulter traf, ſo daß er bewußtlos liegen blieb. Er
wurde dann von ſeinem mitarbeitenden Sohn nach Hauſe gebracht, wo
der Arzt ſchwere Verletzungen am Kopfe und Quetſchungen der Schulter,
die bedenklich ſind, feſtſtellte.
II. Birkenqu, 18. Jan. Steuerbeſprechtag. Das
Finanz=
aut Fürth hält am Dienstag, den 24. ds. Mts., auf dem hieſigen
Rat=
hauſe wieder einen Steuerbeſprechtag ab. Reflektanden haben ſich bis
zum 20. ds. Mts. auf der Bürgermeiſterei anzumelden.
HI. Aus dem Gorxheimer Tal, 18. Jan. Schweſternhaus. Am
verfloſſenen Sonntag fand unter dem Vorſitz des Herrn Pfarrers Gans
im Gaſthaus. Zum Flockenbacher Tal” in Flocenbach eine Beſprechung
ſtatt über die Schweſternhausfrage. Dabei wurde beſonders zum
Aus=
druck gebracht, wie ſehr gerade die Krankenpflege für unſere drei
Tal=
gemeinden Gorxheim, Flockenbach und Tröſel einer ſolchen Einrichtung
bedürfen, und alle Anweſenden waren auch mit dem Projekt
einver=
ſtanden. Doch wie bei allen Unternehmungen, ſo ſpricht auch in dieſer
Frage der „nerrus rerum”, die Geldfrage, inſonderheit bei der heutigen
Geldknappheit, die Hauptrolle. Es wurde deshalb beſchloſſen, einen
Baſar abzuhalten, zu dem beſonders die Geſchäftsleute herangezogen
werden ſollen. Zu dieſem Zwecke wurde ein Ausſchuß gebildet, der das
Nötige veranlaſſen ſoll. Auch wurde von gewiſſer Seite ein
anſehn=
licher Betrag zu dieſem Zweck i Ausſicht geſtellt.
Bn. Hirſchhorn a. N., 17. Jan. Im Erbach=Fürſtenauer=Hof dahier,
fand eine Wiederholung der Abendunterhaltung des unter Leitung von
Herrn Lehrer Rös zu Hirſchhorn ſtehenden Geſangvereins „Eintracht”
Hirſchhorn ſtatt. Wie am vorigen Sonntag, ſo war auch geſtern wieder
der Saal voll befetzt und ernteten die Darſteller der einzelnen Rollen
wie auch die Sänger den gleichen Beifall wie vorher. Auch die
Hirſch=
horner Jazzband=Kapelle der Gebrüder Blum fand allgemeinen Beifall,
wurde doch von dem ſich anſchließenden Tanz von der Jugend reger
Gebrauch gemacht.
* Hirſchhorn, 18. Jan. Wafferſtand des Necars am
17. Januar: 1,4 Meter; am 18. Januar: 1,46 Meter.
Dei Soenwmlotiao in den Lunoorien.
Ab. Pfungſtabt, 17. Jan. Odenwaldklub. Die Ortsgrwppe
Pfungſtadt des Odemwaldklubs undernahm am Sonntag eine Wanderung
an die Bergſtraße. Das Wetter war trotz vielfach unwegſamer Pfade
ſo, daß es zu einer fröhlichen Wanderug Anlaß gab. Die eilnehmer
zogen über Staffel nach Jugenheim, das als Endſtation auserſehen war.
— Radfahrerfeſt. Der Radfahrerverein 1898 Pfungſtadt, der in
dieſem Jahre auf ein 30jähriges Beſtehen zuwickblichen kann, hat in ſeiner
Haptverſamnulung beſchloſſen, das Jubiläum i der Zeit vom 28. bis
30. Juli zu feiern. In der gleichen Verſammlung wurde der alte
Vorſtand wiedergewählt. Die Vorbereitugen zum Feſt ſollen in Kürze
in größerem Ausmaße i Angriff genonmen werden.
* Habitzheim, 16. Jan. Das Wanderfeſt der hieſigen Ortsgruppe
des Odenwaldklubs am letzten Sonntag bewies, wie auch in unſerer
Gemeide das Verſtändnis für die Wanderbeſtrebungen gewachſen iſt.
Der Saal war bis in die letzte Eche gefüllt. Inhaltreich war die
Be=
grüßungsrede des Vorfitzenden Maus. Die Volkslieder klangen
fröh=
lich, das Spiel „Lieschen” von Amtsgerichtsrat Becker war, flott
ge=
ſpielt. Als Vertreter des Hauptausſchuſſes war Profeſſor Kiſſinger
er=
ſchienen zu einem Vortrag aus ſeinen Wanderfahrten und Vornahme
der Auszeichmug. Die Ortsgruppen Lengfeld, Lichtenberg und
Darm=
ſtadt hatten Vertreter zu dieſer ſchön verlaufenen Veranſtaltung
ge=
ſandt, die der Ortsgruppe Habitzheim zur Ehre gercicht.
— Mümling=Crumbach, 18. Ja. Dekorierungsfeſt des
Odenwaldklubs. Die bieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs
feierte ihr erſtes Dekorierungsfeſt. Die Ortsgruppe, die erſt im letzten
Jahr von Herrn Rektor Schäfer aus König ins Leben gerufen wurde,
erfreut ſich eines raſchen Wachstums und zühlt bereits 70 Mitglieder.
Unter ihnen haben 26 Wanderer und Wanderinnen die zur goldenen
Nadel nötige Punktzahl erreicht. So wer denn der Abend ein Ereignis
für den jungen Wanderklub, und er wrde feſtlich begangen. Freiwillige
Helfer und Helferinen leiſteten die nötigen Vorarbeiten. In aſtloſer
Tätigkeit wurde der Sacl mit Girlanden und Tannengrün geſchmickt,
ein Theaterſtück eingeübt uſw. Der Beſuch war ſehr gut. Gäſte waren
aus den benachbarten Ortsgruppen König und Vielbrunn erſchienen.
Von König war ferner die Mädchengruppe des Jung=Odenwaldklubs
ge=
kommen und trug durch Spiele und Reigen zur Verſchönerung des
Abends bei. Als Vertreter des Hauptausſchuſſes nahm Rektor Schäfer
aus König die Dekorierug vor, während Herr Wolf aus Zell als
Ver=
treter des Jungodenwaldklubs erſchienen war. Ein umfangreiches
Pro=
gramm ſorgte für die Unterhaltung der Gäſte. Gedichtvorträge,
Muſik=
ſtücke, Spiele und Tänze, ernſte und heitere Anſprachen folgten in
bun=
dem Wechſel. Als Theaterſtück wurde ein neues Volksſtück in
Oden=
wälder Mundart („Der ſchwarze Chriſtoph”), verfaßt von Hans Stoll
in Bensheim, aufgeführt. Das Stück und die ganze Art der Aufführung
waren glängend. Die Darſteller und Darſtellerinnen hatten ſich ganz
Gerteitung der gerölkerung
Au DamuldAittt.
18/
LANDSEMEINDEN
unter 2000 Einw.
KlEINSTÄDTR
von 2ooobis 190oooEim
Gnosssrzore
über 190ovo Einw.
Ap. Bensheim, 16. Jan. Erneutes Anſteigen der
Er=
werbsloſenziffer. Die Zahl der arbeitsloſen
Unterſtitzungs=
empfänger war nach dem Sunde vom 7. Januar von 1719 auf 1855
angeſtiegen. Der Höhepunkt der Kuſſe ſoll noch nicht überſchritten ſein.
— Reifeprüfung an den Bensheimer höheren
Lehr=
anſtalten. Als Termin der mündlichen Reiſeprüfung an der
Auf=
bauſchule zu Bensheim hat das Landesamt für Bildungsweſen den
14. Februar beſtimmt. Füinfzehn Schüler der Pria werden ſich der
Neifeprüfung unterziehen. — Der Termin für das „Mündliche” an
unſerem Gymnaſium iſt in dieſem Jahre verhältnismäßig weit
hinausgerückt. Der 7. bzw. der 8. März iſt dazu auserſehen. Da an
dieſer Lehranſtalt zwei Paralleloberprimen beſtehen, iſt die Anzahl der
Abſturienten verhältnismäßig groß; es ſind nämlich ihrer vierzig. Was
die neue Reifprüfungsordnung angeht, die ſeit vorigem Jahre in Kraft
getreten iſt, ſo iſt es hier von Intereſſe, daß ſich das Landesbildungsamt
auf die Aufabenauswahl einen verſtärkten Einfluß geſichert hat. —
Eine Jugendherberge im Auerbacher Fürſtenlager.
Schon immer machte ſich in Bensheim und Auerbach, Orte, die doch
vom Wanderverkehr in überabs ſtarker Weiſe berührt werden, das
Fehlen giner Jugendherberge überaus fühlbar. Die Jugendherberge
„Klauſenmühle” bei Gronau liogt zu weit ab, um als ideal betrachtet
werden zu können. Da iſt es denn ſehr erfreulich, wenn es
verein=
ten Kräften wie dank des verſtändnisvollen Entgegenkommens des
Forſtamts Bensheim gelungen iſt, im Auerbacher Fürſtenlager ein
Häuschen frei zu machen, um es als Jugendherberge einzurichten. Möge
auch ſie dazu beitragen, der Beroſtraße neue Freunde zu gewinnen, die
arne wieder hierher zurückkehren.
Jugendarbeit im Land.
— Rodau i. Odw., 18. Jan. Souintag, den 22. Januar, abends
8 Uhr, hält die hieſige Junglandbund=Ortsgruppe im Saale des
Gaſt=
wirts H. Späth eine Abendunterhaltung ab. Zur Aufführung
gelangen „Treu der Heimatſcholle” und „Die Naturheilmethode‟.
* Schmal=Beerbach i. Odw., 18. Jan. Der Junglandbund (
Orts=
gruppe Schmal=Beerbach, Allertshofen und Umgegend) veranſtaltet am
kommenden Samstag, den 21. und Sonntag, den 22. Januar, bei
Plößer in Schmal=Beerbach Theaterabende Es gelangen zur
Aufführung das Schauſpiel „Treu der Heimatſcholle” und der Schwank
„Der tolle Max” beide Dreiatter. Bei der Samstagsveranſtaltung wird
Herr Bundesgeſchäftsführer Fürſt=Erbach i. Odw. ſprechen.
— Würzberg, 18. Jan. Die hieſige Volksſchule veranſtaltete einen
Elternabend im Gaſthas zum grünen Baum. Trotz ſchlechten
Wet=
ters war der Saal bis auf den letzten Platz beſetzt. Es war eine
Freude, den Kindern zuzuhören. Herr Lehrer Mayer und die Lehrerin
Fräulein Hotz hatten alles aufs beſte einſtdiert. Es darf der Wunſch
ausgeſprochen werden, bald wieder eine ſolche Veranſtaltung zu
arran=
gieren, denn gerade dunch die Schule kenn der in hieſiger Gemeinde
beſtehende Zwieſpalt überbrückt werden. —
Generalperſamm=
lung. Nächſten Samstag, den 21. d8. Mts., abends 8 Uhr, hält die
hieſige Freiwillige Feuerwehr ihre Generalverſammlung im Gaſthaus
„Zun Adler” ab.
— Rüffelsheim a. M., 18. Jan. Der vom Verband für Deutſche
Jugendherbergen lier vexranſtaltete Werbeabend hatte einen
glän=
zenden Erfolg. Die Freunde der Jugend und des Wanderns waren ſo
zaßlreich erſchienen, daß der große Saal im „Frankfurter Hof” bald
1tberfüllt war. Reichhaltige Darbietungen aus der Eigenweit der
Jugendbewegung und des Wanderns: Muſik, Geſang und turneriſche
Uebungen weckſelten mit Schattenbildern Volkstänzen und Schwänken
und gaben dem ganzen Abend ein fröhliches Gepräge. Alle
Mitwürcken=
den verdienten ſich an dieſem Abend einen Einſer. Im Mittelpunkt der
Veranſtaltug ſtand eine zu Herzen gehende Anſprache des Leiters der
Zentralſtelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in
Heſfen, Herrn Schulrat Haſſinger. Kurz zuſamnengefaßt zeichniete Herr
Haſſinger die Ideale der neuen Jugend. Es ſei in ihrem Streben
nach imnerer Wahrhaftigkeit und Reinheit, ablehnend die Welt des
Scheins, trotz aller Widerſtände heute eine Macht, die ihren ſichtbaren
Ausdruck findet in den vielen Verbänden mit rund 4½ Millionen
Mit=
gliedern, die wiederum im „Reichsausſchuß der Deutſchen
Jugendver=
bände” zuſamnengeſchloſſen ſind. Dieſes Wollen und Hanbeln der
deut=
ſchen Jugend müſſe uns mit froher Zuverſicht erfüllen, da es unſer Volk
herausfüihren wird aus der Zerriſſenheit zum Bewußtſein eines
gemein=
ſamen Schickſals und zum freudigen Tragen gemeinſamer
Verantwor=
tung. Die ſchönſte Frucht neben anderen Erfolgen — wir nennen nur
die Wiedergeburt des Volkstanzes, des Volksliedes, alter Laienſpiele
und guter alter deutſcher Muſik — iſt das Jugendherbergswerk. Hier
ſchafft die deutſche Jugend durch unentwegtes vorbildliches
Zuſammen=
arbeiten und mit freudiger Unterſtützung der Aelteren ein Werk, das
der heutigen Generation und ihren Nachfahren ein Geſundbrunnen iſt
und bleiben wird. Heilrufe und freudige Zuſtimmung erklangen aus
den Reihen der dankbaren Zuhörer. Mit dem gemeinſam geſungenen
Lied. Kein ſchöner Land” fand der Werbeabend einen ſchönen
Aus=
klang.
in ihre Rollen eingelebt, beſonders Herr Griebel, Frl. Kätchen Borgen
Fräulein Sophie Heß, Herr Georg Klein und Herr K. Schmauß. Fran
Scior ſprach den von einem Klubmitglied verfaßten Prolog, der in
poetiſcher Form einen Näickblick auf das erſte Klubjahr gab. Die Damen
Sophie Heß, Kätchen Borger und Erna Griebel trugen Gedichte vor,
während Herr Georg Stein ein ſelbſtverfaßtes humorvolles Gedicht m
Odenwälder Mundart zu Gehör brachte. Viel Veifall fanden euch die
in poetiſcher Form gefaßten Wandererlebniſſe des ketzten Jahres. Ihr
redlich Teil zum Gelingen des Abends trug auch die Kapelle bei, in
welcher Herr Wilhelm Walter und Herr Peter Nold Erſtklaſſiges boten.
Nach Abwickelung des Programms hielten Tenz und heitere
Under=
haltung die Klubmitglieder bis gegen Morgen zuſammen.
I. Michelſtabt, 18. Jan. Hauptausſchuß=Tagung dez
Odenwaldklubs. Unter dem Vorſitz des Herrn Oberbürgermeiſters
Dr. Gläſſing=Darmſtadt wird der Hauptausſchuß des Odenwaldklube
(Geſamtverein) am kommenden Samstag, den 21. Jamuar, in unſerem
alten, von den Wanderfreunden des Odenwaldklubs ſtets gern aufgeſuch,
ten Städtchen eine Vorſtandsſitzung abhalten. Am Abend werden die
Mitglieder des Hauptausſchuſſes an dem Jahresfeſt der Ortsgruppe
Michelſtadt des Odenwaldklubs teilnehmen und hierbei die Ehrung der
Wanderinnen und Wanderer, als auch der Mitglieder vornehmen, di
mehr als 25 Jahre dem Verein angehören. Der Sonntagvormittag 77
einer Beſichtigung des Odenwaldmuſeums vorbehalten, deſſen geſamtes
Vermögen infolge Auflöſung des Muſeumsvereins an den Geſamtverein
des Odenwaldklubs übergegangen iſt. Dieſer Beſichtigung wird ſich die
feierliche Uebeugabe des Muſeums an die Stadt Michelſtadt anſchließen
die ſich durch die Unterbringung desſelben, ſowie Vermehrung und Ver,
vollſtändigung der Gegenſtände ein beſonderes Verdienſt erworben hat.
— Jahresfeſt. Die Freiw. Feuerwehr wird am kommenden Sams,
tag, den 21. Januar, im Altdeutſchen Hof ihr Jahresfeſt begehen, wobei
die Ehrung der Mitglieder, die 25 und mehr Jahre dem Verein anga
hören, vorgenommen wird.
4i. Vielbrunn, 18. Jan. Odenwaldklnb. Die hieſige Ortz
gruppe eröffnete das Wanderjahr 1928 mit ihrer Wanderung nach dem
auf luftiger Höhe gelegenen Boxbrunn, von wo aus dem Auge ein hern
licher Fernblick über heſſiſches und bayeriſches Gebiet geboten ſt. In
dem von Wanderern gern beſuchten dortigen Gaſthaus wurde Raſt ge
macht, und es entſpann ſich eine anregende humoriſtiſche Unterhaltug
über das Wandern, u. a. berichteten der Vorſitzende Lehrer Knop und
ein Mitglied, die am Vorabend dem Wandeverehrungsfeſt der
Orts=
gruppe Mümling=Crumbach beigewohnt hatten, über den glänzenden
Verlauf desſelben. Zu raſch war die zur Raſt beſtimmte Zeit verſtrichen
und die Stimme des unerbittlichen Führers zerſtörte mit einem kato
goriſchen „fertig machen” unſere Gewütlichkeit und mußten wir pro
grammgemäß zum Aufbrnch wüſten.
Unſer Heimatbuch!
Von Lehrer Glenz, Fürſtengrund=Körig.
Die Idee, die dem „Haimatbuch” zu Grunde liegt, und das Buch
ſelbſt wird die freudige Anterſtützung aller derjenigen finden, die wahn
haft ihre Heimat lieben.
Es handelt ſich hier um ein Sammelbuch, in dem die geprüften
Ergebniſſe der Forſcher= und Sammelarbeit auf dem Gebiete der
enge=
ren Heimatgeſchichte niedergelegt werden. In erſter Linie iſt an die
Herren Lehrer gedacht, die dieſe Chronik führen ſollen. Das
Landes=
amt für das Bildungsweſen hat in einer Verfügung den
Kreisſchul=
ämtern empfohlen, das Heimstbuch von Glenz an allen unterſtellten
Schulen einzuführen. Selbſtverſtändlich kommt es aber auch für alle
anderen Freunde der Heimatsgeſchichte in gleſchem Maße in Betracht,
Mancher hat ſicher ſchon die Luſt gefühlt, Ereigniſſe, die ſich in ſeiner
Gemeinde in früherer Zeit oder i der Gegenwart abſpielten, ſchrifte
lich für ſpätere Geſchlechter niederzulegen.
Es fehlte jedoch vielfach an der riiſchenswerten Gruppierung des
Stoffes, und ſo kam es, daß vieles in dieſer Hinſicht nicht getan wurde,
was hätte getan werden können. Das Weſentliche an dem Heimatbuch
iſt, daß es nicht ein Notierbuch für Ortsgeſchichte ſchlechthin, ſondern en
wohlgeordnetes, planvoll angelegtes Buch iſt, in das Aufzeichnungen u
machen ſchon deswegen, aber auch wegen ſeiner künſtleriſchen Auhich
tung (durch Vetter, König) eine Freude iſt. Die Summe der „Kene
niſſe” iſt ja bekanntlich nicht gleichbedeutend wit dem „Wiſſen”, ſondem
die gründliche Ordnung der „Kenntniſſe”, die es ermöglicht, den bekan
ten Stoff von allen Seiten zu beleuchten und durchzudenken, ſodaß e
erſt wahrhaft Beſitz wird.
Wir hoffen, daß dieſes Buch begeiſterten Beifall bei den Freunden
der Heimatgeſchichte finden und daß es manchen zu geſchichtlichem
San=
meln und Denken anvegen wird.
Bb. Bensheim, 16. Jan. Die Heſſiſche Landwirtſchaftskammer iſt
bekanntlich eifrig bemüht, den Obſtbau in unſerer klimatiſch ſo äußenſt
günſtigen Gegend in rationellere Bahnen zu leiten, die gegen die
aus=
ländiſche Konburrenz wirkſam aufzutreten uns immer mehr ermöglichen
werden. So ſprach der überall beſtens bekannte und außerordentlich
ſür den Obſtbau in Heſſen tätige Herr Obſtbauinſpektor Behne in dem
benachbarten Auerbach zu einem großen Kreis von Intereſſenten, die
ſich aus Beſuchern von Auerbach, Bensheim, Hochſtätten, Bewohnern des
Reichenbacher Tales und der Bergſtraße zuſammenſetzte, über die
Be=
kämpfung der Obſtbaumſchädlinge ſowie über die rationelle Umpfropfung
geringwertiger Obſtbäume, insbeſondere von Aepfel= und Birnbäumen.
Die Reichsregierung hat bereits erkannt, daß der deutſche Obſtbau
gegen die drückende ausländiſche Konkurrenz eines nachhaltigen Schutzes
bedarf, und unterſtützt finanziell ebenfalls alle Beſtrebungen, die auf
dieſes Ziel hinauslaufen. Da vr Qualitätsobſt ſich nachhaltigſt die
Obſt Abſatzmärkte erobern kam, müſſen haltbare, anfehnliche,
ſchmac=
hafte und gut verkäufliche Sorten durch Maſſenanbau gezüchtet, dan
aber auch die vielen auftretenden tieriſchen und pflanzlichen Schädlinge
und Schmarotzer der Obſtbäume rationell bekämpft werden. Zu letzterem
Zwecke ſind für Heſſen eine Anzahl Motorſpritzen beſchafft worden, von
denen auch dem Kreis Bensheim mehrere zur Verfügung ſtehen. Dieſe
Motorſpritzen arbeiten bei einem hohen Atmoſphäredruck ſparſamer
und intenſiver als Handſpritzen, wenn es ſich um größere zuſammen”
hängende Bekämpfungsgebiete handelt. Von anbaupurdigen Sorten
kommen nur einige wenige in Betracht und von Aepfeln: Schöner von
Booskop, rheiniſcher Winterrombour, Goldrenette von Bleenheim und
Gelber Gdelapfel; von Birnen: Solana und Klappsliebling als
Früh=
birnen, Gellerts Butterbirne, Williams Chriſtbirne, Köſtliche vo
Schamay als Herbſtbirne, und Clcirgeau, Gräfin von Paris, Preſidem
Dronard als Winterbirne. Nach dem mit großem Beifall aufgenome
menen Vortrag ſetzte eine lebhafte Ausſprache ein, die ſich bis zur Mitter
nachtsſtunde hinzog, worauf der Leiter der Verſammlung, Bürgermeiſter
Blickensdörfer, die Verſammlung ſchloß. Es wurden Formulare zur
Anmeldung von Umpfrorfungen verteilt.
* Heppenheim (Bergſtraße), 18. Jan. Erdbebenähnliche Erſchüittte
rungen trieben die Anwohner der Heidelberger= Bismarck= und anſtoßen
den Straßen in der Nacht vom Montag auf Dienstag, zwiſchen 4 und 2
Uhr morgens aus den Betten, ohne daß die ſo plötzlich aus dem Schlcl
Geſtörten über die Urſache der Erſchütterungen ſich klar werden konnten.
Erſt der kommende Morgen ſollte das Rätſel löſen. Auf der durch den
Negen der Nacht glitſchig gewordenen Heidelbergerſtraße kamen 2 Laſte
automobile während der Fahrt ins Rutſchen und gleiteten infolge der
Abſchüſſigkeit der Straße auf die öſtliche Straßenſeite. Hierbei ſtießen
ſie auf Maſten der mit zirka 5 Millimeter ſtarken Drähten beſpannten
Lichtleitungen des hieſigen Elektrizitätswerkes, welche unter furchtbanm
Geräuſch zuſammenſtürzten, und demzufolge auch eine Störung in der
Lichtzufuhr des betroffenen Viertels herbeiführten. Die Laſtautomobile
ſind auf Grund der feſtgeſtellten Spuren in Richtung Darmſtadt weiter
gefahren, anſcheinend ohne ernſtliche Beſchädigungen, und ohne, daß
möglich war, die Beſitzer derſelben zu identifizieren.
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49
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Miummer 49
Donnerstag den 19. Januar 1928
Seite 9
Peranſtaltungen der ländlichen Vereine.
— Weiterſtadt, 18. Jan. Volksliederkonzert. Am
Sonn=
g. den 22. Januar, abends 8 Uhr, hält Geſangverein „Germania” (1891)
r/Saale ſeines Vereinslokals Gaſthaus „Zum Löwen” ein
Volkslieder=
igert uter der bewährten Leitung ſeines rührigen Dirigenten Herrn
Samper=Darmſtadt ab. Der Verein tritt an dieſem Abend zum
nmal mit einem ſolchen vor die Oeffentlichkeit. Das bereits
vor=
egende Programm verſpricht zu einem Ereignis auf geſanglichem
Ge=
ſee für Weiterſtadt zu werden. Durch die Mitwirkug der Sängerin
— Helene German=Darmſtadt (Alt) und der Baritonſänger Herren
emrich Meinhardt und Georg Hamm, welche geſchätzte Sänger des
ſerx eins ſind, wird das Konzert ſelbſt noch auf eine höhere Stufe
ge=
bien werden.
Aa. Eberſtadt, 17. Jan. Der Geſangverein „Germania”
ſühloß in ſeiner dieſer Tage abgehaltenen Hauptverſammlung, Mitte
duni (17. Jui) einen auswärtigen Geſangswettſtreit zu beſuchen.
ucerdem wurde die Beteiligung an dem Wertungsſingen des Gaues
ſemſtadt=Land im Heſſiſchen Sängerbumd beſchloſſen, das in dieſem
acre in Ober=Ramſtadt in Ausſicht genommen iſt. Der ſoitherige
ſotrſtand wurde zum Zeichen des Vertrauens wiedorgewählt. Eime
ſe=tragserhöhung wurde beſchloſſen.
— Nieder=Beerbach, 18. Jan. In der Gaſtwirtſchaft Simmermacher
and eine Verſammlung des Obſtbauvereins ſtatt, bei der Herr
ſenorer Grimm=Darmſtadt einen Vortrag über Wandobſtbau hielt. In
hn anregender Weiſe, unterſtützt durch meiſt ſelbſt verfertigte
Licht=
ilder, ſprach Herr Lehrer Grimm über die Vorteile und Vorzüge, Art
o Weiſe der Anpflanzung, Pflege und Zucht des Wandobſtes. Die
lnoveſenden folgten den Ausführungen mit dem größten Intereſſe und
glakten durch reichen Beifall. An den Vortrag ſchloß ſich ſodann noch
me Ausſprache über die von der Landwirtſchaftskammer ängeregte
rheßzügige Umpropfung, des Für und Wider der Maßnahme wurde in
ehchafter Weiſe erörtert.
Aa. Pfungſtadt, 18. Jan. Der Frauenverein hielt am
Mitt=
nach abend ſeine diesjährige Hauptverſammlung ab. Die
Hauptver=
mrmlung der Sängervereinigung” findet am Samstag ebend in der
Krone” ſtatt. Auch der Raſenſportverein „Germania” 1908 e. V. hält
nalden nächſten Tagen ſeine Hauptverſammlung ab. Das Datum iſt auf
er 28. Januar feſtgeſetzt. — Der Maskenball des Geſangvereins
Söängerluſt” findet am Samstag, den 21. Jcnuar, ſtatt. —
Gas=
eihrvorträge. Am Samstag, den 21. Januar, abends, und am
Sanntag, den 22. Januar, nachmrittegs, finden im Gaſthaus Zur
Lyone‟ Gaslehrvorträge mit praktiſchen Vorführungen über die
Ver=
vmndbarkeit des Gaſes ſtatt. Die Vortväge ſind umſo wichtiger, da die
bs bleitungsarbeiten ihrer Beendigung entgegengehen. — Vereins=
II. Der Krieger= und Militärverein Pfungſtedt hält am Samstag,
en 21. Januar, im Saale des Vereinslokals „Rheiniſcher Hof” ſeinen
hißsjährigen Vereinsball ab. — Nach einer Bekanntmachung der
Un=
eizerhebeſtelle Pfungſtadt iſt das 3. Ziel der Kirchenſteuer 1927 nur noch
ſüſe Woche ohne Koſten einzuzchlen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 16. Jan. Generalverſawmlung
/ s Geſangvereins „Eintracht‟. Der Vorſitzende, Herr
Grärgermeiſtereiſekretär Steuernagel, eröffnete die gut beſuchte
Haupt=
ſch=ſammlung mit Weuten herzlicher, Begrüßung. Aus dem
umfung=
rchshen Geſchäftsbericht war zu entnehmen, daß das abgelaufene
Ge=
cmiftsjahr wvohl ein Jahr voller Mühen und Arbeiten geweſen iſt, daß
iher dieſe durch ſchöne Erfolge belohnt wurden. Auch im neuen
Ver=
isrsjahre iſt eine Beitragserhöhung micht notwendig und berbleibt es
de* dem bisherigen Beitrag von 1,30 Mk. vierteljährlich. Der geſamte
Voorſtand wurde per Akklamation einſtimmig wiedergewählt, ebenſo der
Varrgnügungsausfchuß. Für das neue Vereinsjahr wurrde die Abhaltung
ion gender Veranſtaltugen beſchloſſen: 1. Ball, 2. Operettenabend, 3.
Fa=
nü lienausflug, 4. Sommerfeſt, 5. Herbſtkonzert 6.
Weihnachtsveranſtal=
twig. Es wurde ferner noh beſchloſſen, den Bereinshall ein für
alle=
mial am erſten Sonntag des Monats Februar alljährlich abzuhalten,
ſorvie in Zukunft die bereits beſchloſſenen einvierteljährlichen
Mitglieder=
vrſammlungen regelrecht einzuberufen. Der Vorſitzende gedachte noh
im anerkennenden Werten der verdienſtvollen Tätigkeit des Chorleiters,
Keerrn J. Rehr=Darmſtadt, und nahm daran anſchließend die Ehrung
dyrrienigen Sänger vor, die den beſten Singſtundenbeſuch aufzuweiſen
hu tten.
— Nieber=Ramſtadt, 17. Jan. Der Geſangverein „Harmonie” (
ge=
güündet 1863), Mitglied des Heſſiſchen Sängerbundes hielt im
Vereins=
ſckal ſeine Jahresheuptverſammlung ab. Der erſte Vorſitzende gab
eunen Rückblick über die Tätigkeit des Vereins im verfloſſenen Jahr, und
d43 Verleſen der Protokolle und die Rechnungsablage gaben Aufſchluß
üer tadelloſe, geordnete Verhältniſſe. Der Geiſt im activen Chor unter
derr hervorragenden Leitung ſeines Chorleiters Herrn Lehrer Samper
aus Darmſtedt iſt ein vorzüglicher, und wird in den erſten Tagen des
Dkonats März ein großer Volksliederabend im Saale des Gaſthauſes
„Bum goldenen Anker” (Beſitzer Wilh. Fiſcher) der Oeffentlichkeit Zeug=
M8 von ausgezeichneter Schulung und Leiſtungen ablegen. Die Zahl
dier Mitglieder beträgt 208. Der geſamte Vorſtand wurde durch Zuruf
mſtimmig wiedergewählt. — Der ellgemein beliebte Ball der „
Har=
wonie” findet am nächſten Samstag, den 21. Januar, im „Darmſtädter
Hof” (Beſitzer Adam Knapp) ſtatt.
— Ober=Ramſtadt, 18. Jan. Am Sonntag, den 29. Januar hält der
Efiſenbahnverein Ober=Ramſtadt und Umgegend im Gaſthaus „Zum
Schützenhof” ſeie diesjährige Fcmilienfeier beſtehend aus
Mheateraufführung und anſchließendem Ball, ab. Für ein reichhaltiges
B rogramm iſt in altbekannter Weiſe geſorgt. Der Verein beſteht nun
10 Jahre und wird ſchon 15 Jahre von dem 1. Vorſitzenden, Herrn
Atauinſpektor Waſenmüller, geleitet.
f. Noßdorf, 18. Jan. Maskenball. Die Maskenbellzeit in
umſerem Dorfe beginnt am nächſten Samstag. An dieſem Abend hält
um 8,11 Uhr die jüdiſche Gemeinde einen großen Elite=Maskenball mit
Maskenprämiierung und vielen anderen Ueberraſchungen im Gaſtheus
BZum Darmſtädter Hof” ab. — Feuerwehrball. Der übliche
28all der Freiwilligen Feuerwehr, der im Saale des Gaſthauſes Plößer
wattfand, iſt auf das beſte verlaufen. Der Beſuch war ſehr zahlreich,
uoas bewies, daß man der Feuerwehr für ihre ſtete Gemeinnützigkeit
genen Dank darbringen wollte.
* Reinheim, 18. Jan. Der Turnverein Reinheim e. V. (Deutſche
urnerſchaft) hielt in ſeinem Vereinslokale „Zur Eiſenbahn” (Fritz
98ölſing) ſeine Generalverſammlung ab. Dieſelbe, war gut
breſucht und wurden die betr. Punkte anſtandslos beſprochen und
hier=
mber Beſchlüſſe gefaßt. Der Geſamtvorſtend wurde von der
Verſamm=
buung zum Teil einſtimmig wiedergewählt. Der Verein wird von ſeinem
rzührigen Vorſtande in allen Richtungen hin gut vertreten. Beſonderer
ADank gebührt dem 1. Vorſitzenten, Herrn Buchbindermeiſter Meher für
ein aufopferndes Wirken. Ein eifriger Förderer der guten Turnſache iſt
was Vorſtandsmitglied Herr Kcnzleiaſſiſtent Meyer, denn an dieſem
*Tage hat er 20 Jahre die Stelle als Rechner des Vereins bekleidet.
ſEs gilt daher der Mahnruf an die Eltern, ihre Söhne und Töchter in die
1Turnſtunde zu ſchicken, damit wir getroſt in die Zukunft blicken können,
menn das Vaterland gebraucht wieder eine tüchtige und geſunde Jugend.
—— Am 28. Januar (Samstag), abends 8 Uhr, hält der Turnverein in
wen ſämtlichen Räumen des Gaſthaufes „Zum Schwanen” ſeinen
Mas=
enball (Rheiniſcher Abend) ab. Die erſten 10 ſchönſten Damen= und
Herrenmasten werden mit Wertgegenſtänden ausgezeichnet. Es mache
Eſich deher jeder einmal von ſeinen Tagesſorgen und Kummer frei und
gehe zum Turnverein zu ſeinem pompöſen Maskenball.
P. Kirchbrombach, 17. Jan. Der Obſtbauverein hielt eine
Verſchmlung ab, in der man ſich ausgiebig über das kolonnenweiſe
Um=
wofropfen der Obſtbäume unterhielt. Man will ſich um den für dieſen
Bweck ausgeworfenen Zuſchuß bemühen. In erſter Linie gedenkt man
für unſere Gemarkung es mit dem rheiniſchen Winterrambour zu
ver=
wuchen. Ein fachmänniſches Urteil ſoll noch eingeholt werden. — Die
Birkerter Radfahrer veranſtalteten ein Schaufahren im Saale
toes W. Ihrig hier. Man ſah recht gelungene Reigen. Sportliches
Kön=
mnen zeigte Herr Hebermehl aus Eberſtadt. Es war eine Freude, zu
t ehen, mit welcher Sicherheit er das Nad beherrſchte. — Am 29. Januar
mwird der Turnverein mit einem Schau= und Werbeabend
aufwar=
pren und alle Gebiete moderner Leibesübungen zeigen. — Der
Oden=
waldklub unternimmt am 22. Januar eine Wanderung zur Gau=
WVerſammlung nach Michelſtadt.
b. Erbach i. O., 18. Jan. Konzert des
Männergeſang=
wereins Liederkranz Erbach. Der genannte Verein hält am
kommenden Sonntag, den 22. Januar 1928, zur Feier ſeines Bjährigen
SStiftungsfeſtes ein Konzert ab. Der Verein, der im letzten Jahre durch
zDen Verluſt ſeines langjährigen Dirigeuten, Herrn Krenkel=Michelſtadt,
wor der Frage der Neubeſetzung der Dirigentenſtelle ſtand, hat in Herrn
Dberreallehrer Waldi=Michelſtadt einen vorzüglichen Leiter gefunden,
hſſo daß das Konzert für das Publikum wertvolle Stunden und hohe
Ge=
müſſe auf dem Gebiete des deutſchen Männergeſanges vevſpricht. Die
GVeranſtaltung findet nachmittags 4 Uhr im Saale des „Schützenhofs”
iſſtatt. Am gleichen Abend hält der Verein ſeinen Jahresball ab, zu dem
mtur Mitalieder Zutritt haben. — Geſtern abend ſprach im Rathausſaale
zu Erbach auf Veranlaſſung des Kulturkartells Herr Bürgermeiſter
Dengler=Erbach über „Arbeitsloſenverſicherung‟. Der Vortrag war von
Prtereſſenten gut beſucht.
— Lützelbach i. Odw., 18. Jan. Bei Gaſtwirt Böhm fand die
Ge=
neralverſammlung des hieſigen Kriegervereis ſtatt. Der erſte
Vorſitzende Roth begrüßte die Mitglieder. Anſchließend ſprach
Pürger=
meiſter Maher, um den kameradſchaftlichen Zuſammenhalt feſter zu
ſchmieden. Der Rechner Daſcher erteilte Rechnungsablage. Der bisherige
Vorſtand wurde durch Zuruf einſtimmig wiedergewählt. Es wurde
be=
ſchloſſen, den diesjährigen Ball am Sonntag, den 5. Februar, bei
Kame=
rad Gaſtwirt Böhm abzuhalten. Bei dieſer Gelegenheit ſoll den
Grün=
dern ſowie den langjährigen Mitgliedern des Vereins das ſilberne
Ver=
einsabzeichen für 25jährhige Mitgliedſchaft überreicht werden. Es kommen
folgende Kameraden in Betracht: Wilhelm Roth, Philipp Kaffenberger,
Adam Daſcher, Heinrich Roßmann 2., Georg Bauer, Peter Herdel,
Jakob Weimar, Friedrich Bauer, Gg. Hch. Roßmann 4., Jakob Götz
und Bernhard Roßwann. Das Mitglied Philipp Kaffenberger wurde
zum Ehrenmitglied ernannt.
Ae. Hammelbach, 17. Jan. Familienabend. Der evangel.
Kirchengeſangverein Hammelbach hatte zu einem Familienabend im Saale
von Herrn Adam Neff 2. eingeladen, der überaus zahlreich beſucht war.
Nach herzlichen Worten der Begrüßung durch den Vorſitzenden, Herrn
Pfarrer Winkler, ſang der Chor das Lied „Aennchen von Tharau”. Gs
war dies gewiſſermaßen der Auftakt zu der Operette „Aennchen von
Tharau”, die anſchließend überedie Bretter ging. Die einzelnen Rollen
lagen in guuten Händen, und mit ſichtlicher Begeiſterung entledigten
ſich alle Spieler ihrer Aufgabe. Nach dem Chor „Waldandacht” von Abt
folgte das Scherzſpiel „Der Wettſtreit”, das ebenfalls ein dankbares
Publikum fand. Ein gemütliches Tänzchen hielt die Erſchienenen noch
einige Stunden beiſammen. Herrn Lehrer Heupt, dem rührigen
Diri=
genten des Kirchengeſangvereins, ſei an dieſer Stelle nochmnals gedankt
für die ſchönen und gemütvollen Stunden, die er uns bereitet hat.
Ag. Lindenfels, 17. Jan. Familienabend. Nach längerer
Pauſe hatz die hieſige katholiſche Kirchengemeinde geſtern im Saale des
„Darmſtädter Hofes” einen Familienabend, verbunden mit einer
Weih=
machtsfeier, abgehalten. Herr Ortspfarrer Schwenck, welcher ſeit
eini=
gen Jahren ſeimen Wirkumskreis hier aufgewmmen hat, hat damit
ſeinen zweiten öffentlichen Familienabend mit großem Evfolg buchen
können. Die Räumlichkeiten weren faſt bis zur Unerträglichkeit voll
be=
ſetzt, namentläh auch von Andersgläubigen, für die beſondere
Ein=
ladung ergangen war. Nach einer zündenden Eröffnugsanſprache des
Herrn Pfarrers Schwvenck, in welcher er beſonders noch eimmal auf
un=
ſere zurückliegende ſchwere Kriegs= und Inflationszeit einen Rückblick
warf, gab er noch weitere Ermahnungen, die hoffentlich auf
frucht=
baren Boden fielen. Insbeſondere gab er ſeiner Freude Ausdruck, daß
gerade zum Familienabend nicht die katholiſchen Familien allein,
ſon=
dern auch die dazu gehörenden Verwandten, Freunde und Bekannten aus
allen Schuhten der Bevölkerung erſchienen waren. Zur weiteren
Unter=
haltung gelangte num ein fünfaktiges Theaterſtück „Ohne der Mutter
Segen” zur Aufführung. Das Stück war in allen ſeinen Teiſen ſehr
gut eingeübt und die einzelnen Nollem waren glänzenb derteilt.
Rei=
cher Beiffall lohnte alle Mitwirkenden, ſowie auch für die noch gefolgten
weiſeren Darbietungen. Nach Beenbigung des Programms ſprach Herr
Pfarrer Schwenck noch einige Schlußworte, worauf Herr Lehrer Schmitt
im Namen aller, Amveſenden den Dank für die Mühe und
Aufopfe=
rung dem Herrn Pfarrer, den Schweſterm und allen ſonſtigen
Mitwir=
kenden zum Ausdruck brachte. Damit nahm die Feier gegen
Mitter=
nacht einen ſchönen, würdigen Ausklang, und wir möchten nur wünſchen,
daß derartige Abende im Kalenderjahr öfters wiederholt werden.
A. Schlierbach, 17. Ja. Die Jahresverſammlung des
Geſangvereins „Sängerluſt” fand bei Mitglied Gaſtwirt
Schmitt ſtatt. Nachdem der Präſident des Vereis die erſchienenen
Mitglieder begrüßt hatte, wurde Greſchäfts= und Rechnungsbericht
gut=
geheißen. In Anbetracht des 30. Stiftungsfeſtes wurde die Wahl des
Geſamtvorſtandes um 1 Jahr verſchoben und alles beim Alten belaſſen.
E3 wurde ein Feſtkomitce gewählt und das Programm in großen
Um=
riſſen feſtgelegt, und zwar: 1. Samstag, den 23. Juni, abends: Fackelzug
und kleine Feier auf dem Feſtplatz, 2. Sonntag, den 24. Juni, morgens
6 Uhr: Weckruf, dann gemeinſamer Kirchgang und Kranzniederlegung
am Kriegsehrenmal, von 11—1 Uhr Abholen der Gaſtvereine, 2 Uhr
Aufſtellung des Feſtzuges, dam Feier cuf dem Feſtplatz, abends Ball in
zwei Sälen. Montag, den 25. Juni nachmittags, Konzert, Tanz,
Volks=
beluſtigungen auf dem Feſtplatz. Schlierbach, landſchaftlich ſehr ſchön
gelegen, nur ½ Stunde von Lindenfels, wird alles aufbieten, um
ſeinen Gäſten einen angenehmen Aufenthelt für einige Stunden zu
be=
reiten. Nawhafte Vereine haben bereits ihr Erſcheinen in Ausſicht geſtellt.
II. Birkenau, 16. Jan. Am 20. d. M. ſind 25 Jahre verfloſſen,
ſeitdem der hieſige „Evangeliſche Kirchengeſangverein” gegründet warde,
der auf ein ſegens= und erfolgreiches Avbeitsfeld zurüchſchauen kann.
Mit dieſem Bjährigen Jubiläum verbindet ſich zugleich auch das 25
jäh=
rige Jubiläum ſeines Dirigenten, des Herrn Rektors Pfeifer. Aus
dieſem Anlaſſe wird am Sonntag, den 22. d. M., ein Feſtgottesdienſt
und abends im Saale „Zum Birkenauer Tal” ein Gsmeindeabend
abge=
halten werden. Beide Veranſtaltungen ſollen die Bedeutung des
Doppel=
feſtes für unſere gcſamte Gemeinde in einfacher und würdiger Weiſe
zum Ausdmuck bringen.
W. Heppenheim a. b. B., 17. Jan.
Männergefangver=
ein 1843. Das zweite Konzert des Männergeſangveveins 1843 als
„Rheiniſcher Abend” im Parkhotel „Halber Mond” war ſehr gut
be=
ſucht. Die Vortragsfolge, welche ſehr gut ausgewählt war, ſetzte ſich
aus 6 Männerchören von Sonnet, Buſchendorf, Hegemann, Walter und
Pauli, ſowie den beiden Singfpielen „Deutſch das Herz, und deutſch
der Rhei” von F. Schare und „O du wundeuſchöner deutſcher Rhein”,
von Sander zuſammen. Die Leitung des Konzerts lag in den
Hän=
den des Dirigenten, Herrn Lehrers Wolf. Der Inhalt der Chöre ſowie
auch der beiden Singſpiele befaßte ſich mit der Verherrbühung des
Rheinſtromes. Lebhafter Beifall der Beſucher legte Zeugnis für die
guten Leiſtungen des Vereins ab. — Die beiden großen Bergſträße=
Maskenbälle im Parkhotel „Halber Mond” fmden in dieſem Jahre
Samstags, und zwar am 4. und 18. Februar, ſtutt.
Bm. Hofheim (Ried), 18. Ja. Hauptverſammlung. Bei
guter Beteiligung hielt der Männergeſangverein ſeine
Hauptverſamm=
lung im „Löwen” ab. Nach einer kurzen Anſprache des erſten
Voyſitzen=
den ging man zur Tagesordnung über. Arthur Wetzel wurde als erſter
Vorſitzender einſtimmig wiedergewählt, Auguſt Ziller als zweiter
neu=
gewählt. Ebenſo behielten Rechner Gg. Bauer und Schriftführer Joh.
Diefenbach ihr Amt. Die Namen der Beiſitzer, Rechnungsprüfer,
Archi=
var, Fahnenträger uſw., haben ſich etwas geändert. Die Verſammlung
beſchloß einen Familienabend am 28. Januar abzuhalten mit Theater,
Geſang und Ehrung der 15= und Wjährigen Jubilare. — Erſte
große Damenſitzung. Die Damenſitzung des Turnvereins im
„Kaiſerhof” war für Hofheim ein großes Karnevalereignis. Sehr gut
organiſiert, mit ſtimmungsvollen Liedern und Büttreden verſchaffte die
Sitzung dem überfüllten Saal bis nach Mitternacht eine fröhliche
Faſchingsſtimmung. — Durch eine Dacherneuerung der Scheune des
Landwirtes Adam Back mußte unſer einziges Storchenneſt, das ſchon ſeit
Jahrzehuten dort ſitzt, entfernt werden. Jedoch hat der tierfreundliche
Beſitzer unſerem lieben Frühlingsboten gleich wieder die Grundlage zu
einem neuen Neſt geſchaffen, das Meiſter Adebar hoffentlich wieder
auf=
findet und weiterhin bewohnt.
— Stockſtadt, 18. Jan. Die hieſige Turngemeinde e. V. (D. T.) hielt
im Vereinslokal „Zum goldnen Stern” ihre ordentliche
Haupt=
verſammlung ab, die von den Mitgliedern gut beſucht war.
Tur=
ner Fuchs begrüßte die Erſchienenen und erſtattete einen ausführlichen
Bericht über das abgelaufene Jahr. Hieraus konnte man entnehmen,
daß die Turngemeinde im verfloſſenen Jahr große Arbeit geleiſtet hatte
Rechner Heil verlas den Rechnungsbericht. Die Neuwahl des Vorſtandes
zeigte folgendes Ergebnis; 1. Vorſitzender Karl Sattler, 2. Vorſitzender
Fritz Nold, Schriftführer Auguſt Bechtold, Rechner Auguſt Merz
Ober=
turnwart Georg Wagner, Preſſewart Emil Will, Werbewart Ludwig
Horſt, Zeuwart Fritz Metzler, Beiſitzer Rudolf Hefermehl, Karl Merz,
Georg Mölbert und Hemrich Heil. Zum größten Bedauern aller
Mit=
glieder legte der ſeitherige langjährige Vorſitzende Fuchs ſein Amt nieder.
In Anbetracht der großen Verdienſte des ſeitherigen Führers ernannte
ihn die Turngemeinde zum Ehrenvorſitzenden. Der Turnausſchuß ſetzt
ſich aus folgenden Turnern zuſammen: Oberturnwart Gg. Wagner,
Män=
nerturnwart Fr. Mann, Frauenturnwart Aug. Merz, Kunabenturnw. Gg.
Wagner, Mädchenturnw. Aug. Merz, Schwimmwart Ld. Friedrich. Als
Mädchenturnwart Auguſt Merz, Schwimmwart Ludwig Friedrich. Als
Rechnungsprüifer wurden die Turner Ludwig Horſt 3. und Ludwig Fuchs
beſtinmt. Der diesjährige Maskenball findet wieder am 18.
Fe=
bruar ſtatt. Nach Erledigung einiger kleineren Angelegenheiten ſchloß
der nunmehrige Ehrenvorſitzende mit Dankesworten die in allen Teilen
gut verlaufene Verſammlung und übergeb die weitere Führung und
Leitung der Turngemeinde in die Hände des neuen Vorſitzenden.
Bg. Vilbel, 18. Jan. Ernſt und Heiterkeit folgten einander bei der
Abendunterhaltung der Vilbeler Freiwillgen Feuerwehr.
Nach=
dem die Anbetung des Feuers bei den einzelnen Völkern und im Laufe
der Geſchickte vorgeführt und zwei Mitglieder geehrt waren, hielt Herr
Bürgermeiſter Nechthien eine eindringliche Anſprache. Selbſt eine
weib=
liche Feuerwehr trat anf und vertrat das Recht der Frau auch hier=
Das zahlreich erſchienene Publikum zollte den ſchmucken weiblichen
Feuerwehrleuten ſtürmiſchen Beifall. Zwei gut dargeſtellte Einakter
bildeten den Abſchluß der wohlgelungenen Abendunterhaltung.
Geflügel= und Kaninchenausſtellungen.
Bk. Groß=Zimmern, 18. Jan. Die Ausſtellungsſaiſon geht ihrem
Ende entgegen. So hat ſich auch der hieſige
Kleintierzucht=
verein zum letzten Male für dieſe Saiſon an der Bezirks= und
allge=
meinen Geflügel= und Kaninchenausſtellung in Groß=Umſtadt beteiligt.
Wie bei vorhergehenden Ausſtellungen konnte er auch dieſes Mal
man=
chen Ehrenpreis mit nach Hauſe nehmen. Die Ausſtellung ſelbſt war
im großen und ganzen gut arrangiert, auch war ſie mit gutem Material
beſchickt worden, ſo daß die Konkurrenz eine ſehr große war und
man=
cher Züchter enttäuſcht über die Bewertung ſeiner Tiere nach Hauſe
ging. Von dem Verein konnte ganz beſonders Herr Polizeiſekretär
Krauß mit ſeinen beiden ſchwarzen Minorkas, wovon jedes mit einem
Ehrenpreis ausgezeichnet wurde, gut abſchneiden. Herrn Hch. Leonhard
Neitzel wurde für ſeine weiße Wyandottehenne der Bezirksehrenpreis
zuerkannt. Weitere Preife erhielten noch in Geflügel die Herren
Hein=
rich Reinhard, Philipp Luſt, Friedrich Stumpf, Johannes
Vonder=
ſchmidt und Matthias Bechtold. Auch die Kaninchen wurden ſehr hoch
prämiiert denn Polizeimeiſter Krauß wurden von ſeinen drei
ausge=
ſtellten Tieren ein franzöſiſcher Rieſenſilberramler mit 96 Punkten,
eine Häſin mit 95 und eine mit 94 Punkten, Philipp Luſt 95 Punkte in
rheiniſchen Schecken, Gg. Bundſchuh und Friedr. Scumpf in franzöſiſchen
Riefenſilber 94 und 95 Punkte gewertet, ſo daß der Ausſtellungstag in
jeder Beziehung erfolgreich war. Wenn auch das Waſſergeflügel des
Vereins, insbefondere die Rouenenten, nicht ſo hoch bewertet wurden,
wie ſie es verdient hätten, ſo läßt dies die Züchter dieſer ſeltenen Raſſe
nicht davon abbringen. Die Tiere ſind in unſerer Gegend ſehr ſelten,
Z. Groß=Umſtadt, 17. Jan. Die Allgemeine und Bezirks=
Ausſtellung des hieſigen Vereins für Geflügel=, Kaninchen= und
Vogelzucht wurde am 15. und 16. ds. Mts. dahier abgehalten. Sie
üübertraf an Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit alle vorausgegangenen
Ausſtellungen. Weren doch annähernd 800 Nummern vertreten, die in
den Sälen des Gaſthauſes „Zum Lamm” und „Zum weißen Roß”
uter=
gebracht waren. Wenn man bedenkt, daß bei der am 1. Dezember 1927
ſtattgehabten Viehzählung 5236 Stück Federvieh in Groß=Umſtadt von
handen waren, ſo kenn man ſich denken, daß nur das Schönſte vom
Schönen zur Schau geſtellt war. Der Beſuch war ein recht guter, und
die aufgeſtellten Gewinne waren ſo verlockend, daß die Loſe zur Ton= raſchen Abſatz fanden. — Odenwaldklub. Der hieſige
Odewwaldklub unter Leitung des Studienrats Dr. Bach erfreut ſich einer
ſtetigen Zunahme und einer regen Vereinstätigkeit. Die in der
Revo=
lutionszeit demolierten Ausſichtstempel und Ruhebänke wurden nicht nur
wiederhergeſtellt, ſondern auch noch vermehrt. Der Wanderplan für
1928 iſt nunmehr fertiggeſtellt. Er ſieht allmonatlich eine Wanderung
vor. Die erſte fand am 15. Januar ſtatt und führte über den Hardberg—
Seuſteige—Heideſtock—Rigi nach Höchſt. Die zweite erfolgt am 5.
Fe=
bruar: Wiebelsbach-Frau Naſes—Heubach-Groß=Umſtadt. 3. Am
4. März findet eine geologiſche Wanderung unter Führung von Herrn
Dr. Völzing ſtatt. 4. Am 22. April: Lengfeld—Ober=Klingen—
Haſſen=
roth—Hering—Groß=Umſtadt. 5. Am 13. Mai: Michelſtadt—Würzberg
—Watterbech-Wald=Leiningen—Heſſelbach—Schöllenbach. 6. Teilnahme
an der Hauptverſammlung des Geſamt=Odenwaldklubs in Worms. 8. Am
7. und 8. Juli: 2tägige Wanderung: Gersfeld—Waſſerkuppe-Milſebrg
—Klein=Saſſen—Schloß Bieberſtein. 9. Am 19. Auguſt: Meſſel—
Drei=
eichenhain-Forſthaus Grafenbruch—Offenbach. 10. Am 9. September:
Speſſertwanderung. 11. Am 7. Oktober: Nieder=Ramſtadt—
Franken=
ſtein—Seeheim-Jugenheim. 12. Am 11. November: Stockſtadt—
Harres=
hauſen-Babenhaufen. Hier Beſichtiguug des Waſſerwerks.
Bl. Lindenfels i. Odw., 18. Jan. Geflügelausſtellung.
Nach längerer Pauſe wird unſer Städtchen auch einmal wieder eine
großangelegte Geflügelausſtellung in ſeinen Mauern beherbergen. Am
4. und 5. Februar veranſtaltet der Bezirk Neunkircher Höhe ſeine 7.
grö=
ßere Ausſtellung in Lindeufels in den Räumen des Hotels zur Harfe,
Beſitzer Peter Hechler. Der hieſige Geflügelzuchtverein „Ormis”, dem
die Veranſtaltung übertragen wurde, wird ſich alle Mühe geben, den
Beſuchern auf allem Gebieten gerecht zu werden, und veranſtaltet zu
gleicher Zeit eine Tombola.
* Bingen, 18. Jan. Zu dem ſchon in unſerer geſtrigen Ausgabe
ge=
meldeten Feuergefecht der Polizei mit zwei
Einbre=
chern in der Salzſtraße berichtet unſer Ah.=Korreſpondent noch
folgen=
des: Abends, kurz nach 10 Uhr, bemerkten die Einwohner des
Hinter=
hauſes, daß ſich in dem im Erdgeſchoß befindlichem Lager der Butter=
und Eiergroßhandlung von Gebr. Schneider Einbrecher befanden,
die bereits die Fenſterſcheiben eingeſchlagen hatten. Sofort ſchloß man
die Türe zum Hintergebäude ab und benachrichtigte die Polizei. Ein
Polizeibeamter kam alsbald herbei; inzwiſchen waren die Einbrecher —
zwei an der Zahl — bereits auf das Dach geflüchtet. Der
Polizei=
beamte ſtieg den Einbrechern nach, die die Flucht über die Dächer
er=
griffen und trotz mehrfacher Aufforderung nicht ſtehen blieben. Auch
auf die abgegebenen Schreckſchüſſe des Polizeibeamten reagierten die
Ein=
brecher nicht; einer der Verbrecher richtete ſeine Piſtole gegen den
Be=
amten. Letzterer gab in der Norwehr einen Schuß auf den Burſchen ab,
um ihn kampfunfähig zu machen. Der andere Verbrecher hatte ſich
hin=
ter einem Kamin verſchanzt. Beide gaben nun die Gegenwehr auf. Der
in den Kopf getroffene Schloſſer Franz Berger aus Dietersheim
bei Bingen wurde ſofort ins Binger Krankenhaus überführt, wo er
ſpäter ſeinen Verletzungen erlegen iſt. Bei dem zweiten Einbrecher
han=
delt es ſich um den Wjährigen Schloſſer Johann Klingler aus
Bingerbrück, der erſt kürzlich von einem Darmſtädter Gericht zu
einer Gefängwisſtraſe von mehreren Monaten verurteilt worden war,
und bei ſeiner Vernehmung geſtand, gemeinſam mit ſeinem erſchoſſenen
Komplizen mehrere Einbrüche begangen zu haben. Beide Burſchen
be=
fanden ſich im Beſitze von Scheintodpiſtolen und Dolchen ſowie
Ein=
brecherwerkzeugen der verſchiedenſten Art.
WSN. Schotten, 18. Jan. Für das Bahnprojekt „Quer
über den Vogelsberg”. In Buſenborn fand eine
Zuſammen=
kunft der Bürgermeiſter der Gemeinden Eichelſachſen, Wingershauſen,
Eſchenrod, Buſenborn und Breungeshain ſtatt, um zu dem bereits vor
dem Kriege projektierten Bahnbau Schotten—Alsfeld Stellung zu
neh=
men. Es wurde beſchloſſen, das Kreisamt in Schotten zu bitten, eine
Verſammlung ſämtlicher Bürgermeiſter der hier in Frage kommendei=
Gemeinden zu veranlaſſen, damit jeder Gemeinde Gelegenheit zur
Stel=
lungnahme geboten iſt. Ferner tagte eine gut beſuchte Verſammlung in
Engelrod, in der verſchiedene Gemeinden aus der Nordoſtecke des
Krei=
ſes Schotten und die anſchließenden Gemeinden des Kreiſes Lauterbach
vertreten waren. Hier trat man für ie Linienführung Schotten—
Ulrich=
ſtein ein, will aber, wem Alsfeld nicht zu umgehen ſei, auch dieſer
Limnienführung ſeine Zuſtimmung nicht verſagen. In Oberohmen fand
ebenfalls eine Verſammlung ſtatt, die aus dem Ohmtal gut beſucht war.
m. Aus dem Lande, 18. Jan. Gewerbliches. Zahlreiche
Sprechtage bietet die Handwerkskammer auch in der zweiten
Januar=
hälfte dem Gewerbeſtand durch ihre Nebenſtellen. Die Nebenſtelle Alzey
für Stadt und Kreis Alzey hält vier auswärtige Sprechtage ab und in
Alzetz täglich von 10—12 Uhr und 3—4 Uhr, mit Ausnahme von
Sams=
tags, wo nur vormittags geöffnet iſt. Die Nebenſtelle Darmſtadt für die
Kreiſe Darmſtadt, Bensheim, Heppenheim, und Groß=Gerau, hält
Sprechtage ab an ſieben Orten; die Nebenſtelle Friedberg für die Kreiſe
Friedberg, Büdingen und Schotten an neun Orten, ferner in Laubach
und Ulrichſtein nach Bedarf und in Friedberg Montags, Dienstags,
Donnerstags und Samstags von 8—12 Uhr; die Nebenſtelle Gießen für
die Kreiſe Gießen, Alsfeld und Lauterbach an zwölf Orten, ferner für
den Landkreis Gießen, mit Ausnahme der auswärtigen Sprechtage,
Dienstags und Freitags vormittags von 9—12 Uhr; für Gießen=Stadt
Montags und Mittwochs von 9—12 Uhr vormittags; die Nebenſtelle
Mainz für Stadt und Kreis Mainz und Stadt und Kreis Bingen in
Mainz Montags, Dienstags, Donnerstags und Samstags, vormittags
von 9 bis 12½ Uhr; in Bingen Mittwochs; die Nebenſtelle Offenbach
für die Kreiſe Offenbach, Dieburg und Erbach an neun Orten; die
Nebenſtelle Worms für die Kreiſe Worms und Oppenheim an zwei
Orten und in Worms täglich, außer Mittwochs und Samstags,
vormit=
tags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2—4 Uhr.
schützen federzeit
vor Katarrh,
Husten, Heiserkeit.
ün Bonbons: Aethwlelycolsäure-Mentholester)
Originalpockung RM 1.— u. 1.50 m Apotheken und Drogerien.
Seite 10
Donnerstag den 19 Januar 1928
Nummer 19
Reich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
Von der Univerſität Frankfurt. Vom
Sommerſemeſter 1928 ab werden in der Wirtſchafts=
und Sozialwiſſenſchaftlichen Fakultät Vorleſungen
aus dem Gebiete der landwirtſchaftlichen
Betriebslehre abgehalten werden. Der
Mi=
niſter für Wiſſenſchaft, Kunſt und Volksbildung hat
damit den Geh. Hofrat Prof. Dr. Giſevius in
Gießen beauftragt. — Ein Frankfurter
Ar=
chitekt preisgekrönt. Wie aus Berlin
ge=
meldet wird, ſind auf das Preisausſchreiben für den
Erweiterungsbau des Reichstages 278 Entwürfe
ein=
gegangen. Das Preisgericht, das mehrere Tage die
Entwürfe prüfte, hat u. a. den Entwurf mit den
Kennworten „Silentium für Wallot”, Verfaſſer
Ar=
chitekt G. Schaupp in Frankfurt a. M. (Mitarbeiter
Architekt Boßler) ausgezeichnet, und zwar mit einem
zweiten Preis (6000 RM.).
Schwere Bluttat in Höchſt.
Höchſt a. M. Der Arbeiter Valentin
Schuh=
macher im Stadtteil Unterliederbach erſchoß Dienstag
nachmittag ſein 1½ Jahre altes Kind und tötete ſich
darauf ebenfalls durch einen Revolverſchuß.
Schuh=
macher war erſt vor einigen Tagen aus dem
Gefäng=
nis entlaſſen worden, nachdem er eine 1½jährige
Strafe wegen Mordverſuchs an ſeiner Geliebten
ver=
büßt hatte.
Mannheimer Roſenſchau.
Mannheim. Die Ortsgruppe Mannheim des
Vereins der Roſenfreunde wird in der Zeit vom 14.
bis 16. Juli in Mannheim eine Schnittroſen=
Aus=
ſtellung veranſtalten. Die Beſchickung dieſer
Aus=
ſtellung mit ſämtlichen vorkommenden Roſenarten
und ganz neuartigen Züchtigungen, wie ſie nicht
häufig gezeigt werden, wird ganz beſondere
An=
siehungskraft ausüben.
11 Jahre Zuchthaus für Vatermord.
Karlsruhe. Das hieſige Schwurgericht
ver=
nrteilte den 22jährigen Zigarrenmacher Joſeph Haag
aus Kirbach b. Bruchſal, der am 2. Oktober vorigen
Jahres im Hofe des elterlichen Anweſens zu
Kir=
bach ſeinen 50jährigen Vater ohne jeden Grund
nie=
derſchoß wegen Totſchlag zu 11 Jahren 3 Monaten
Zuchthaus, abzüglich 3 Monaten Unterſuchungshaft
und zu 5 Jahren Ehrverluſt.
Ein guter Fang.
Speyer. Seit Monaten machte eine
Diebes=
bande die Vorderpfalz und auch einen Teil des
be=
nachbarten Baden unſicher. Nun iſt es gelungen, die
frechen Geſellen, die u. a. einen ſchweren
Weindieb=
ſtahl in Gimmeldingen auf dem Gewiſſen haben,
dingfeſt zu machen. Es handelt ſich um den
ehe=
maligen Separatiſten und Erwerbsloſen Otto Schön,
Karl Sprengard, den Mechaniter Johann Brutſcher
und den Schloſſer Julius Reinbold, ſämtlich aus
Speher und in den 20der Jahren ſtehend.
7. preußiſche Polizeiwoche in Köln.
Köln. Vom 4.—9. Juni wird hier während der
„Preſſa” die 7. preußiſche Polizeiwoche abgehalten.
Veranſtalter iſt die freie Vereinigung für Polizei=
und Kriminalwiſſenſchaft. Seitens des preußiſchen
Miniſteriums des Inneren iſt durch Runderlaß
ver=
fügt worden, daß Beamte, die dieſe Polizeiwoche
be=
ſuhen wollen, Sonderurlaub zu erteilen iſt.
Bereits neun Todesopfer der
Bergwerks=
kataſtrophe in Völklingen.
Völklingen. Zwei bei dem Hochofenunglück
ſchwer verletzte Arbeiter ſind am Dienstag ihren
Verl tzungen erlegen, ſo daß ſich die Zahl der
Todes=
opfer auf neun erhöht hat. Die übrigen
Schwerver=
letzten haben ſo ſchwere Brandwunden erlitten, ſo
daß bei verſchiedenen Amputationen vorgenommen
werden mußten. Einem Unglücklichen iſt das Fleiſch
an Händen und Unterarmen bis auf die Knochen
gänzlich verbrannt. Sämtliche Verunglückten ſtanden
bei Ausbruch der Exploſion eine Stunde vor ihrer
Ablöſung. Wäre das Unglück um ſechs Uhr früh
er=
folgt, ſo wäre bei dem um dieſe Zeit einſetzenden
Schichtwechſel eine noch größere Anzahl Arbeiter in
Mitleidenſchaft gezogen worden. Am Dienstag
be=
ſuchten der Präſident der Regierungskommiſſion, Sir
Wilton, und Miniſter Koßmann den Unglücksort und
die im Krankenhaus liegenden Verletzten.
Einſturzgefahr für einen Berliner
Häuſerblock.
Die gefährdeten und proviſoriſch geſtützten
Mauern.
Ein Häuſerblock in Berlin=Charlottenburg an der
Ccke Hebbel= und Wallſtraße droht einzuſtürzen. Die
Mauern, welche erhebliche Riſſe und Sprünge zeigen,
wurden von der Feuerwehr geſtützt. Um zu verhüten,
gewordenen Leitungen
daß das aus den
ausſtrömende Gas zur Exploſion kommt, iſt die
Gas=
zufuhr zu dem Block geſperrt worden.
Schloß Oranienſtein von der Beſatzung freigegeben.
Für ein naſſauiſch=holländiſches Muſeum.
Generaldirektor Dr. h. C.
Friedrich Neumann=Reichardi,
Das Opernhaus in Dresden,
ein prächtiger Renaiſſancebau, wurde an der Stelle des 1837 bis 1841 erbauten und 1869
abge=
brannten alten Opernhauſes nach den Plänen von Gottfried und Manfred Semper errichtet und
1878 eröffnet. Die Glanzzeit der Dresdener Oper iſt mit dem Namen des 1879 zum
Generalmuſik=
direktor ernannten, 1914 verſtorbenen Ernſt von Schuch unauflöslich verbunden. Die meiſten
Werke von Richard Strauß erlebten in Dresden ihre Urauffübrungen. Auch der gegenwärtige
Operndirektor Fritz Buſch zählt zu den erſten Dirigenten der Welt.
Steckbrief gegen einen Schweizer Bankier.
Baſel. Die ſchweizeriſchen Behörden haben
gegen den flüchtigen Bankier Dr. Felix Pinkus
we=
gen leichtſinnigen und betrügeriſchen Konkurſes einen
internationalen Steckbrief erlaſſen. Den
Gläubiger=
forderungen von 1½ Millionen Franken ſtehen kaum
irgendwelche Aktiven gegenüber.
Zuchthausſtrafe wegen Amtsunterſchlagung.
Berlin. Wegen Amtsunterſchlagung und
Be=
ſeitigung amtlicher Urkunden wurde am Mittwoch
der Polizeioberwachtmeiſter Fügz vom Großen
Schöffengericht zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt.
Der Angeklagte hatte im Laufe von drei Monaten
rund 250 Mark Gebühren unterſchlagen. Die
An=
gaben des Angeklagten, daß im Revier alles drunter
und drüber gegangen ſei, und die Papiere kunterbunt
durcheinander gelegen hätten, wurden in der
Be=
weisaufnahme beſtätigt.
Ein Rieſenprozeß in Orleans.
Paris. Vor dem Appellationsgerichtshof in
Orleans kommt ein Rieſenprozeß zur Verhandlung,
in dem ſich die klagende Partei aus nicht weniger als
17 Prinzen und Prinzeſſinnen zuſammenſetzt. Es ſind
dies die von den 21 des im Jahre 1907 verſtorbenen
Herzogs von Parma noch lebenden Kinder. Die
Klage richtet ſich gegen den Prinzen Elias, dem durch
den Wiener Teilungsvertrag aus der Erbſchaft von
rund 40 Millionen Goldfranken das Schloß
Cham=
bord und der dazu gehörige Grund und Boden, der
der Größe von Paris gleichkommt, zugeſprochen
wurde. Die Prinzen und Prinzeſſinnen hatten im
April 1915 bei den Gerichten von Blois die
Nichtig=
keitserklärung des Wiener Abkommens durchgeſetzt.
Sie ſtützen ihre Klage auf Aufhebung der Sequeſter
auf die Tatſache, daß Prinz Elias öſterreichiſcher
Staatsangehöriger iſt. Die Klage, die ſeit 1920 vor
franzöſiſchen Gerichten anhängig iſt, erſtrebt die
Zu=
teilung des Schloſſes und des dazu gehörigen
Ge=
bietes für einen der klagenden Prinzen oder die
Auf=
teilung unter ſämtliche Kinder des Herzogs von
Parma.
Spanien auf der „Preſſa”.
Madrid. Unter Vorſitz des Staatsſekretärs im
hieſigen Auswärtigen Amt, Ramirez Monteſinos,
fand am Montag die konſtituierende Sitzung des
ſpaniſchen Komitees für die Kölner Preſſeausſtellung
ſtatt. Bei dieſer Gelegenheit wurde zum Ausdruck
gebracht, welch großes Intereſſe Prima de Rivera
für die Ausſtellung zeige. Es wurden verſchiedene
Unterkomitees gebildet, deren Vorſitz die
bedeutend=
ſten ſpaniſchen Zeitungsfachleute übernahmen, unter
ihnen Francos Rodriguez als Vorſitzender des
Ver=
bandes der ſpaniſchen Preſſa, Luque de Tana,
Ver=
leger des „ABC‟, Angel Herrera, Direktor des „El
Debate”, als Vertreter der Touriſtik der Marques
de Vega Inclan u. a. m. Ein Kredit bis zu 400000
P ſetas wird von der Regierung zur Verfügung
geſtellt.
Zum Piratenüberfall in Gibraltar.
London. Die ſpaniſchen Marinebehörden haben
in die Gewäſſer bei Gibraltar Kriegsfchiffe entſandt.
Dieſe Maßnahme iſt auf den jüngſten Fall von
See=
räuberei zurückzuführen, wo 50 bewaffnete
Fiſcher=
boote zwei Fiſchdampfer überfielen.
Die Feuersbrünſte in Waſhington.
London. Wie aus New York gemeldet wird,
ſind bei der Löſchung der zahlreichen Brände, die
am Dienstag zu gleicher Zeit in Waſhington
aus=
gebrochen ſind, zehn Feuerwehrleute an ſchweren
Gasvergiftungen erkrankt. Ein ſtarkes
Truppenauf=
gebot iſt zur Vornahme der notwendigen
Abſper=
rungsmaßnahmen in Waſhington zuſammengezogen
worden.
Eine Ehrung für Lindbergh.
Waſhington. Das franzöſiſche Konſulat teilt
mit, daß in den nächſten Tagen der Mutter des
Oberſten Lindbergh ein Buch überreicht werden
wird, das autographiſche Glückwünſche zahlreicher
hoher Perſönlichkeiten verſchiedener Länder für die
Ueberfliegung des Ozeans durch Lindbergh enthalten
werde.
Doppelleben eines Banditen.
Soſnowice. In Soſnowice wurde der ſehr
vermögende 51jährige Kaufmann Johann
Lewan=
dowſki durch Beamte der Lodzer Unterſuchungspolizei
wegen Teilnahme an vielen Banditenüberfällen
ver=
haftet. Der Verhaftete iſt ein berüchtigter Bandit,
der in Wirklichkeit Johann Walpcewſki heißt und
bereits 14 Jahre Zuchthaus wegen ſchwerer
Raub=
überfälle abgeſeſſen hat. Er erfreute ſich in
Soſno=
wice allgemeiner Hochachtung, da niemand von
ſeinem Doppelleben etwas ahnte. Bei ſeiner
Ver=
haftung verſuchte er ſich mit einem Revolver zu
er=
ſchießen, doch wurde er daran verhindert.
Wanderkino im Automabil
Ein Fumwagen der Deutſchen Voeislichtſpiel=
Geſellſchaft.
Die Deutſche Volkslichtſpiel=Geſellſchaft hat beſonders
konſtruierte Laſtwagen bauen laſſen, um mit ihren
Filmvorführungsapparaten auch den entlegenſten
Landgemeinden gute und wertvolle Unterhaltung
bringen zu können. Die Laſtwagen nehmen auf den
Hauptplätzen der Dörfer Aufſtellung und laſſen ihr
intereſſantes Programm an den Sommerabenden
unter dem freien Himmel abrollen.
der Begründer des Reichardtwerks in Hamburg=
Wandsbek, vollendet am 19. Januar in
ungewöhn=
licher Rüſtigkeit ſein 70. Lebensjahr.
5000 Fahnen beim Wiener Feſtzug.
SBK. In dem in Wien anläßlich des 10. Deutſchen
Sängerbundesfeſtes ſtattfindenden Feſtzuge werden
neben zahlreichen Feſtwagen, Trachtengruppen uſw.
allein gegen 5000 Vereinsfahnen vertreten ſein, die
aus allen Teilen des Reiches die Vereine begleiten
werden. Unter ihnen befinden ſich zahlreiche
wert=
volle alte Stücke, die ſchon ſeit Jahrzehnten das
Symbol der Vereine bilden. Der Feſtzug, der über
die Ringſtraße ſich bewegt, wird im Prater endigen.
* Ein teurer Bubikopf=Preis.
Aus Graslitz in Böhmen wird uns berichtet:
In der nahen Ortſchaft Schwadevbach wurde vor
einiger Zeit eine Bubikopf=Konkurrenz abgehalten,
bei welcher eine Prämiierung des ſchönſten
Bubi=
kopfes vorgeſehen war. Der erſte Preis, ſechs
ſilberne Löffel, ging aus dem Lande, denn er fiel
einer ſächſiſchen Dame zu. Das Geſchenk, das einen
Wert von 70 tſchechiſchen Kronen hatte, wurde von
der Preisträgerin in Empfang genommen, über die
Grenze getragen und für ſpätere Zwecke aufbewahrt.
Aber die Freude war nicht von langer Dauer, denn
eknige Tage nachher erſchien die ſächſiſche Zollwache
vor der erſtaunten Preisträgerin und verlangte die
Zollbeſtätigung. Da eine ſolche nicht vorhanden war,
geſchah es alſo, daß die Beſtecke beſchlagnahmt und
der „Preisträgerin” eine Strafe von 70 Mark
dik=
tiert wurde ..
Seeräuber überfallen einen chineſiſchen
Dampfer.
Hongkong. Die Seeräuber, die den Ueberfall
auf den Dampfer „Sannamhoi” ausführten,
ſpran=
gen, als ſie ſahen, daß ihr Angriff erfolglos war,
ins Waſſer. Man glaubt, daß ſechs von ihnen
ge=
tötet wurden. — Der chineſiſche Dampfer „
Sannam=
hoi” iſt am Mittwoch früh hier mit den Leichen des
engliſchen erſten Offiziers und zweier indiſcher
Wacht=
poſten eingelaufen. Zwei andere Inder, die
Ver=
wundungen erlitten hatten, wurden nach dem
Kran=
kenhaus gebracht.
Zeitgenoſſen in der Karikatur.
Ein Münchener, der Berlin zum Lachen bringt.
Karl Valentin,
der unübertreffliche Münchener Komiker wird in
Berlin allabendlich mit dem größten Beifall
auf=
genomm n. Er iſt — gleich dem weltberühmiten
Clown Grock — auch ein Meiſter des muſikaliſchen
Witzes.
Das alte Schloß Oranienſtein bei Diez an der Lahn
wurde von der franzöſiſchen Beſatzungsbehörde für kulturelle Zwecke freigegeben. Hierbei waren
holländiſche Anregungen zur Errichtung eines holländiſch=naſſauiſchen Muſeums und eines
Lan=
deserziehungsheims ausſchlaggebend. Das holländiſche Königshaus ſtammt bekanntlich aus dem
Fürſtengeſchlecht Naſſau=Diez=Oranien.
Das 30jährige Opernhaus in Dresden.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 19
Donnerstag den 19 Januar 1928
Korſika
mit Zeichnungen von Erna Pinner.
Die Sonne geht über dem Gebirge Korſickas auf, während der
ſtand noch in weißlicher Sichel am Himmel ſteht. Um dieſe
üSe Stunde läuft der Dampfer „Bonaparte”, nach einer erregten
ſmtelmeerfahrt von Marſeille her, in die geglättete Bucht von
ſit-ccio ein.
Die Geburtsſtadt Napoleons liegt im blendend weißen Licht
Iner hohen Agawen, goldenen Orangen, üppigen Palmen und
n d wuchernden Kakteen am tiefblauen Meer, vor einer Kuliſſe
Inwpahrſcheinlicher, ſchneegekrönter Berge, die wie auf einer
chine=
ſowen Seidenmalerei im zarteſten Nebel verſchwimmen.
In üppigſter Blüte wuchert die Machia, ein die ganze Inſel
ü= betäubendem Geruch überziehendes Geſträuch, von dem
Napo=
an ſagte, er würde jederzeit mit geſchloſſenen Augen ſein
Vater=
ind durch dieſen Duft erkennen.
Eine Allee gedrungener herrlicher Palmen, die nach Ajaccio
ihert, iſt ein heldenhafter Auftakt zu der Geſchichte der
Bona=
ates, deren provinzielles, aber patrizierhaftes Geburtshaus
ur der ſechs Meter breiten Place Létizia ſteht, knapp entfernt
vm dem Palaſt der reichen Korſen Pozzo di Borgo, deren Sohn
txpoleons Spielkamerad war, ſpäter aber ſein größter Feind
mrde. Das Geburtshaus zeigt einfache Räume, ein Teil davon
purrde, als Napoleon, zum Konful ernannt, ſeine Heimat beſuchte,
Die Inſel iſt ſehr gering bevölkert, und die Armut und
Be=
dürfnisloſigkeit der Menſchen im Innern Korſikas iſt groß. Der
Korſe, der auf ſeinem kleinen Eſel, die Beine am Boden
ſchlei=
fend, reitet, trägt ſtets ein Gewehr, aber noch mehr als für ſein
Leben fürchtet er die Gefahr des Regens und führt ebenſo wie
ſein Gewehr ſtets einen Regenſchirm mit. Unberitten ſieht wan
ihn nie. Tauſende hauſen in Steinhöhlen ohne Fenſterſcheiben.
die Oeffnungen ſind nur mit Brettern verkleidet. Er nährt ſich
SGeite 14
Köln, die Feſtſtadt
für das 14. Deutſche Turnfeſt.
Nachdem vor eimer Reihe von Jahren, nämlich 1872, das 4. Deutſch=
Turnfeſt im Rheinland, in Bonn, ſtattfand, iſt nunmehr für das 14.
Deutſche Turnfeſt wieder eine rheiniſche Stadt, Köln, gewählt worden.
Köln ninnt zum erſtenmale das Deutſche Turnfeſt in ſeinen Mauern
auf. Welche gewaltige Aufgabe die Stadt Köln durch die Uebernahme
des 14. Deutſchen Turnfeſtes auf ſich genommen hat, iſt mir voll bewußt!
Viele Tauſende von Turnern kommen aus allen Gauen unſeres
deut=
ſchen Vaterlandes in die alte Domſtadt Köln, unzählige Deutſche aus
allen Teilen des Auslandes benutzen freudig dieſe Gelegenheit, eine
Fahrt zum deutſcheſten aller Ströme, dem Rhein, zu machen.
Stadtver=
waltung und Bürgerſchaft wtſſen in einmitigem Zuſammemwirken mit
der Deutſchen Turmerſchaft Hand an die gewaltigen Vorbereitungen
legen, die ein Feſt von ſolchem Ausmaße erfordert. Die wichtigſte Frage
iſt die Unterbringung der vielen tauſenden Gäſte von nah und fern, denn
mit deren eimwandfreier Löſung ſteht und fällt das ganze Foſt. Sie zu
bewältigen erfordert einmütige Opferfreudigkeit der Kölner
Bürger=
ſchaft. Hierbei vertraue ich auf die altbewährte rheiniſche
Gaſtfreund=
ſchaft.
Am Fuße des Domes dem Wahrzeichen deutſcher Einheit, ſoll
wäh=
rend der Tage des 14. Deutſchen Turnfeſtes wiederum aufs neue das
Gelöbnis deutſcher Einigkeit und innerer Feſtigung abgelegt werden.
Allen denjenigen aus nah und fem, die das 14. Deutſche Turnfeſt
in Köln zu beſuchen beabſichtigen, gilt an der Schwelle des Jahres 1928
mein herzliches „Willkommen”.
Dr. Adenauer, Oberbürgermeiſter.
Das Plakat für das 14. Deuiſche Turnfeſi.
Vom Kölner Hauptausſchuß für das 14. Deutſche Turnfeſt wird in
den nächſten Tagem das Plokat ſür das Feſt erſcheinen. Es zeigt einen
ſchlanken, kräftig gewachſenen Turner beim Hiſſen der Deutſchen
Turner=
ſchafts= und der Kölner Fahne. Der wettergebräunte Turnersmann hebt
ſich von einem tiefblauen Hintergrund, aus dem der weltbekannte Kölner
Typen aus Korſika.
vun den Eltern zu einem großen Empfangsraum vereinigt. Hier
ſtiht auch der Tragſtuhl der Létizia, in dem ſie auf dem Weg zu
dar Kirche, von Wehen befallen, den ſpäteren Kaiſer gebar. Ein
üntenfaßartiges neues Denkmal aus Bronce vereinigt, zehn
Minuten weiter, die durchaus nicht ſich friedlich liebenden drei
9rüder Bonaparte zu griechiſchen Imperatoren.
Zwiſchen dem nördlichen Pol der Inſel, dem Hafen von
Ayaſtia, und dem ſüdlichen, der baumloſen weißen Kreideſtadt
Aonifacio, gibt es keine Formation der Erde, die ſich hier nicht
fitidet. Die Inſel vereinigt die tropiſche Ueppigkeit der Küſte
mät der unſagbaren Einſamkeit des Hochgebirges. Gletſcher
wech=
ſoln mit Eukalyptusurwäldern, und über den malariggiftigen
Süäimpfen erheben ſich hundert Meter hohe rote Felſen aus dem
Meer zu einem Gebirge legendarer grotesker Formationen. Die
Mochers Rouges.
Die Korſen haben ihre Phantaſie in dieſe Felſen gewebt, und
ſie ſehen Tiere, Figuren und Menſchen in den einelnen Gebilden.
co fteht hoch über dem Meere in glutrotem Geſtein ein lauerndes
Maubtier, der Löwe von Rocapina.
Korſe auf Eſel reitend.
von Ziegemkäſe, Brot und Wein, und ſeine Geſinnung iſt
bona=
partiſtiſch. Los von Frankreich, ſür das freie Korſika. Die
nächt=
lichen Umzüge bei den Wahlen, zu denen in Tagereiſen die
Kor=
ſen des ganzen Kontinents nach Ajaccio ſtrömen, ſind
geſpenſter=
haft und werden von kleinen Kindern mit Fackeln angeführt. Sie
ſingen die „Ajaccienne”, eine Hymne des L’Enfant prodique de
la Gloire, das korſiſche Napoleon=Lied. Im übrigen ſind ſie ein
gaſtfreies, ſtolzes und tierliebendes Volk.
Die Tiere auf Korſika ſind ſelbſtändige Weſen. Sie ſind nicht
verſklavte Kreaturen, ſondern ſie bewegen ſich allein und erfüllen
gewiſſenhaft ihre Pflicht. Oft begegnet man in dem
eiſenbahn=
loſen Süden Maultiergeſpannen, die führerlos von einem Ort
zum andern ihre Laſt befördern und, am Ziel angelangt und
ent=
bürdet, ebenſo ſelbſwerftändlich wieder ihren Weg zurückfinden.
Die Maultiere und Mauleſel, die kleinen korſiſchen Pferdchen, die
üppig im Fell ſtehenden Ziegen, die Hammel und Schafe und der
ſehnſüchtig ſchreiende kleine Eſel, ſie alle gehören zu der Inſel,
und ſie ſind wie die alles überwuchernde Machia pflanzenhaft mit
ihr verbunden.
Der Korſe kennt noch heute die Vendetta, die Blutrache. Die
Sühne für einen Mord erliſcht in keiner Generation. Von den
nördlichen Blinkfeuern des Cap Corfe bis zu den ſüdlichen
Genueſer Wällen Bonifacios, von den Blutinſeln, welche kleine
Krater ſind, bis zu den Eukalyptuswäldern Vicavonas, von den
dolomitenähnlichen Felſen des Cok de Piana bis zu dem
Glet=
ſcher des Monte d’Oro ſtehen überall die Totenkapellen, deren
Ge=
ſtein aus Marmor iſt und die liebevoll bepflanzt ſind. Der Kult
der Korſen um die Toten iſt beiſpiellos und ſteht in einem
ſonder=
baren Gegenſatz zu der Aermlichkeit des Lebens.
Ich weiß nicht, ob jener ſtrahlendjunge Filmſchauſpieler, der
jeden Morgen auf dem ſchönften Pferde der Inſel in der Uniform
des jungen Bonaparte an die Bucht von Ajaccio zur Aufnahme
ritt, viel darüber nachgedacht hat, um wieviel komfortobler es
eigentlich die Verſtorbenen auf Korſika haben als die Lebenden.
Drafafosaudettfefr
21.30.Zuli)928 Köln Rhein
Dom als Wahrzeichen der Feſtſtadt in den blauen Himmel ragt, durch
die leuchtenden Farben des Turnanzuges wirkungsvoll ab. Die untere
Bildgrenze zeigt Deutſchlands Strom, vor dem, wie ihn ſchützend, der
Turner ſteht.
Der Entwurf ſtammt von der Werbeabteilung der Deutſchen
Turner=
ſchaſt, das Plakat iſt in mehreren Farben gehalten und wird dadurch
ſeine Werbekraft nicht verfehlen.
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Seite 12
Donnerstag, den 19. Januar 1928
Nummer 19
Sporl, Spiet
Nochmals der Fall Schwanheim.
Gegen den Vergleich, der mit Schwanheim trotz der auf dem
dortigen Sportplatz vorgekommenen Unſportlichkeiten von dem
Frankfurter Verband gutgeheißen worden war, haben wir ſchon
wiederholt Stellung nehmen müſſen. Er zwingt uns erneut, die
Frage zu beantworten, die in Darmſtadt Stadtgeſpräch iſt: Soll
der Sportverein 98 das Rückſpiel in Schwanheim austragen?
Der Sportverein 98 hatte das Rückſpiel zugeſagt unter der
ſelbſtverſtändlichen Vorausſetzung, daß Schwanheim ſich bemühte,
in dem Spiel am vergangenen Sonntag in Darmſtadt ſich ſo zu
benehmen, wie es der ſtortliche Anſtand verlangt. In welcher
Weiſe Schwanheim das gehalten hat, iſt allen unſeren Leſern
be=
kannt. Damit iſt ſelbſtverſtändlich auch die Zuſage des
Sport=
vereins hinfällig geworden. Es beſteht für ihn keinerlei
Ver=
pflichtung mehr, in Schwanheim zum Rückſpiel anzutreten.
Der Verband ſollte unſeres Erachtens die einzig richtige
Schlußfolgerung ziehen und den Vergleich als von Schwanheim
nicht gehalten erklären. Damit wäre genügend Klarheit
geſchaf=
fen. Es beſteht außerdem nicht nur die Möglichkeit, ſondern die
Wahrſcheinlichkeit, daß Schwanheim bei dem zweiten Spiel auf
ſeinem Platz ſicher mit derſelben Rückſichtsloſigkeit ſpielen wird.
Die Idee, das Spiel auf einem neutralen Platz austragen zu
laſſen, iſt ganz abwegig. Damit iſt für den Sportverein 98 nichts
gewonnen, und auch Schwanheim kann daran kein Intereſſe
haben. Wir glauben auch nicht, daß damit für den Handball
etwas gewonnen wäre.
Bei der Stellungnahme zu der ganzen Frage iſt der
entſchei=
dendſte Geſichtspunkt jedoch die Tatjache, daß es vom ſportlichen
Standpunkte aus ein Frevel wäre, den zurzeit ausſichtsreichen
— vielleicht ausſichtsreichſten — Anwärter auf die ſüddeutſche
und — ſo hoffen wir wenigſtens — deutſche Meiſterſchaft der
Gefahr auszuſetzen, durch eine „Spielweiſe”, wie wir ſie am
letzten Sonntag von Schwanheim erlebten, wertvolle Glieder der
Mannſchaft zu verlieren, die letzten Endes unerſetzlich ſind. Der
Sportverein wird es darum nicht verantworten können, ſeine
Mannſchaft nach Schwanheim zu ſchicken.
Im Intereſſe des Sportes möchten wir eigentlich erwarten,
daß die Entſcheidung des Verbandes zum Falle vom
vergange=
nen Sonntag ſo ausfällt, daß eine Wiederholung derartiger Fälle
auch für alle Zukunft ausgeſchloſſen iſt.
Fußball.
Sportv. Lengfelb — Sportv. Groß=Gerau 1:1.
Am Sonntag, den 15. Januar, weilte der Sportverein Groß=Gerau
in Lengfeld zum fälligen Verbandsſpiel. Als der Schiedsrichter, Herr
Stroh aus Plankſtadt, der eine ausgezeichnete Leiſtung bot, um 2.15 Uhr
den Ball freigab, war der Platz trotz des ſtarken Regens in ganz guter
Verfaſſung. Man ſah ſofort ein ſcharfes Spiel, das Lengfeld ſtark im
Vorteil ſah, aber außer drei Eckbällen nichts erreichen konnte. Bei
den=
felben hatte Groß=Gerau neun Mann vor ſeinem Tor. Leider wurde in
der zehnten Minute Lengfelds linker Läufer verletzt und mußte auf
einige Zeit ausſcheiden. Groß Gerau ſetzt jetzt Dampf auf und wird dem
Lengfelder Heiligtum ſehr gefährlich, kann aber auch nichts Zählbares
erreichen. Als dann der linke Läufer Lengfelds wieder kam, ſah man
ein ſehr ſchönes Feldſpiel, aber man verpaßte beiderſeits die ſchönſten
Sachen. Lengfelds Sturm übertraf darin denſelben von Groß=Gerau
bei weitem. Halbzeit: 0:0. Nach der Pauſe wurde Lengfeld, gegen den
Wind ſpielend, drückend überlegen, und in dieſer Drangperiode fiel auch
das Tor für Lengfeld, das aus einem Eckball entſtand. Im weiteren
Spiel verpaßte der Halblinke Lengfelds drei totſichere Sachen. Jetzt
ſetzt Groß=Gerau zum Endſpurt an und drückt ſehr. Der Ausgleich
mußte fallen, als man die beiden Außen an der Linie entlang raſen ſah.
Aus einem ſolchen Angriff fiel auch das Tor für Groß=Gerau durch
einen Deckungsfehler der Lengfelder Hintermannſchaft. Der Torwart
mußte unbedingt herauslaufen. Groß=Gerau ließ jetzt wieder nach und
iſt auf der Hut, wenigſtens einen Punkt mit nach Hauſe zu nehmen.
Jetzt winkte Lengfeld das Siegestor. Der Linksaußen ſchießt über dem
am Boden liegenden Groß=Gerauer Torwart auf das leere Tor. Der
Ball geht aber neben den Kaſten. Bald ertönte der Schlußpfiff und
man trennte ſich unentſchieden.
Groß=Gerau ſtellte eine körperlich ſtarke und flinke Mannſchaft ins
Feld, bei der der Mittelſtürmer, die Läuferreihe und die beiden Außen
hervorſtachen. Lengfelds Hintermannſchaft war in der zweiten Halbzeit
beſſer wie in der erſten. Torwart bis auf den einen Schnitzer gut. Die
Läuferreihe ſpielte ſehr anſprechend, nur mußte der Mittelläufer ſeinen
Platz beſſer halten, da ſonſt immer in der Mitte eine Lücke entſteht. Der
Sturm hatte einen ſchwarzen Tag, beſonders der Halblinke lieferte ein
mäßiges Spiel, indem er überhaupt vor dem Tor das Schießen vergaß,
was bei ſämtlichen Stürmern, bis auf den Rechtsaußen, den man gut
abdeckte, der Fall war.
Leichtathletik.
Zehn Frauenwettbewerbe ſtatt fünf in Amſterdam?
In den Räumen des Holländiſchen Olympiſchen Komitees in
Amſter=
dam fand eine Verſammlung der techniſchen Verwaltungskommiſſion des
Internationalen Frauenſportverbandes ſtatt, an der deutſcherſeits Frl.
Dr. Paſſavant und Dr. Bergmann teilnahmen. Es wurde beſchloſſen,
ein Geſuch an den Internationalen Leichtathletikverband zu richten, die
Frauenwettbewerbe von fünf auf zehn auszudehnen. Das Programm
ſoll dann folgende Wettbewerbe umfaſſen: 100, 20 und 800 Meter,
4X100 Meter, 80 Meter Hürden, Diskuswerfen, Speerwerfen,
Kugel=
ſtoßen, Hoch= und Weitſprung.
Kraftſport.
Polizeiſportverein — Kr.=Sp.=V. Rimbach i. O. 12:2.
Zum vorletzten Verbandsrückkampf hatten die Ringer des
Polizei=
ſportvereins e. V. den Kraftſportverein Rimbach i. Odw. zu Gaſt. Die
Poliziſten waren heute ganz beſonders gut aufgelegt und fertigten ihren
Gegner wit dem ausgezeichneten Reſultat von 12:2 Punkten ab.
Nach=
ſtehend die einzelnen Ergebniſſe:
Fliegengewicht: Hahl (Polizei) ſetzte ſeine Siegeslaufbahn fort und
fer=
tigte P. Schmidt (Rimbach) nach 5,40 Min. ab.
Bantamgewicht: Daum (Polizei) revanchierte ſich für ſeine in Rimbach
erlittene Niederlage und legte Jakob Trautmann (Rimbach) nach
7 Minuten auf beide Schultern.
und Turnen.
Federgewicht: Schrauder (Polizei) erhielt kampflos den Sieg, da ſein
Gegner aus Rimbach nicht antrat.
Leichtgewicht: Flügel (Polizei) beſiegte Hinz (Rimbach) nach 10 Min.
Flügel enttäuſchte nach der angenehmen Seite, obwohl Hinz von
Anfang an in Führung lag.
Leichtmittelgewicht: Vetter (Polizei) gewann ſpielend ſeine Punkte,
in=
dem er Wecht (Rimbach) bereits nach 1 Min. auf die Schultern legte.
Schwermittelgewicht: Knapp (Polizei) beſiegte Gg. Schmidt (Rimbach)
nach 5 Minuten.
Schwergewicht: Stumpf (Polizei) gegen Gg. Trautmann (Rimbach).
Sieger Trqutmann nach Aufgabe Stumpfs.
Leider mußte der weit in Führung liegende Stumpf, infolge
Arm=
bruchs den Kampf aufgeben, ſo daß Trautmann Sieger wurde. Wir
hoffen, daß der ſympathiſche Stumpf bald geneſen iſt und wieder in
den Reihen ſeiner Kameraden kämpfen kann. Wir wüinſchen ihm
alles gute.
Mit Abſchluß dieſes Kampfes iſt der Polizeiſportverein nun Meiſter
der B=Klaſſe geworden, auch wenn der letzte Kampf am kommenden
Sonn=
tag gegen Fürth verloren gehen ſollte, was nicht zu erwarten iſt. Der
heutige Kampf war wohl der ſchönſte und fairſte in der ganzen Saiſon.
Rimbach entpuppte ſich als eine ausgezeichnete Mannſchaft und hatte das
Pech, die Poliziſten in einer Hochform anzutreffen, ſonſt wäre das
Re=
ſultat für ſie vielleicht etwas günſtiger ausgefallen. Der Kampf, der gut
beſucht war, verlief reibungslos, und hatte in Herrn Lücker aus
Arheil=
gen einen ausgezeichneten Leiter. Einen ſolchen Schiedsrichter wünſchen
wir jedem Ringkampf.
Kraftſport.
SpV. Siegfried Pfungſtadt — Kraftſportv. Fürth i. O.
Am Sonntag, den 15. Januar, weilte die Ringwannſchaft vom
Sportverein e. V. Siegfried” Pfungſtadt in Fürth i. O. zum fälligen
Rückkampf. Die Fürther, die beim Vorkampf in Pfungſtadt mit 10:4
den Kürzeren zogen, drehten diesmal den Spieß um, und ſiegten mit
demſelben Reſultat.
Fliegengewicht: Keil (Fürth)—Frankenberger (Pfungſtadt). Infolge
tech=
niſcher Ueberlegenheit ſiegte Keil ſicher in 5,5 Min.
Bantamgewicht: Walter (Fürth)Weber (Pfungſtadt). Ein zäher
Kampf, in dem erſt nach 20 Minuten dem Fürther der verdiente
Punktſieg zugeſprochen wurde.
Federgewicht: Gg. Peter (Fürth)—Rühl (Pfungſtadt). Dem ſicher
arbei=
tenden Rühl konnter der Fürther nicht viel anhaben; er wurde nach
tapferer Gegenwehr in 3,14 Minuten auf beide Schultern gelegt.
Leichtgewicht: Hirt (Fürth)—Fey (Pfungſtadt). Der Pfungſtädter hatte
gegen den Fürther nichts zu beſtellen. Der techniſch reifere Hirt
warf ſeinen Gegner in 3.30 Min.
Leichtmittelgewicht: Pfeifer (Fürth)—Steinmetz (Pfungſtadt). Der raſant
angreifende Steinmetz mußte ſich doch dem mit Ueberlegung
ringen=
den Fürther nach 3,40 Min. als beſiegt erklären.
Schwergewicht: Buſer (Fürth)—Arnold (Pfungſtadt). Auch dieſen
Kampf ließ ſich der Fürther nicht nehmen. Obwohl die beiden
Geg=
ner ziemlich gleichwertig waren, konnte der flinkere Buſer ſeinen
Gegner nach 6,5 Min. auf beide Schultern bringen.
Schwermittelgewicht: Schmitt (Fürth)—Nungeſſer (Pfungſtadt). Für
dieſen Kampf mußte Fürth wegen Erkramkung ſeines Beſten einem
Erſatzmann ſtellen, der dem Pfungſtädter in keiner Weiſe
ebenbür=
tig war, ſo daß der Sieg für Nungeſſer kaum in Frage ſtand. Der
Fürther verzichtete.
Endreſultat: 10:4 Punkte für Fürth.
Zu erwähnen wäre noch das ſportliche Verhalten der Pfungſtädter.
Hier könnte ſich mancher Verein ein Beiſpiel nehmen, was ſportlicher
Anſtand heißt. Nach hoch verlorenem Kampfe mit ſeinem Gegner
Pfungſtädter Gerſtenſaft zu trinken, zeugt von einer Kameradſchaft, die
zu erwähnen wert iſt.
A. M.
2. Süddeutſche Sportwoche in Frankfurt.
Der zweite Kampftag.
Am Montag wurden die Kämpfe der Zweiten Süddeutſchen
Sport=
woche auf allen Bahnen fortgeſetzt, wobei es zu außerordentlich
ſpannen=
den Momenten kam. Im Großkampf über 300 Kugeln ſtartete, der mit
Spannung erwartete Halberſtädter Schaaf, der jedoch enttäuſchte und
nur 1584 Holz erzielte. Die Ueberraſchung des Tages brachte Kaiſer=
Homburg, der als letzter ſtartend, die Ergebniſſe des Vortages nicht
un=
erheblich unterbot und mit 1636 Holz die Spitze hält. Ebenſo hart ging
es im kombinierten 300=Kugelkampf zu. Nachdem ſchon Gunzinger=
Frank=
furt mit 1849 Holz alle bisherigen Ergebniſſe übertroffen hatte, konnte
der Altmeiſter Wirges Kelſterbach mit dem vorzüglichen Reſultat von
1908 Holz die bisher höchſte Ziffer erreichen. Nach ihm ſtartete der
Halberſtädter Schaaf und unter rieſiger Spannung blieb er Wirges bis
zum letzten Augenblick hart auf den Fenſen, um ſchließlich mit einem
Holz Unterſchied zurückzubleiben. Das Bundesſportabzeichen konnte am
zweiten Tage nur der Wiesbadener Schonty mit 1148 Holz erringen.
Räßler=Ulm, der ſchon am Sonntag das Pech gehabt hatte, mit einem
Holz im Großkampf zurückzubleiben, mußte auch hier wieder mit der
geringen Zahl von 6 Holz unter der geforderten Bedingung die Segel
ſtreichen. In den Klubkämpfen ſteht „Bavaria” Frankfurt, nach dem
vorzüglichen Reſultat der zweiten Halbzeit, an der Spitze, vor „Famos
G’ſchubb”.
Ergebnifſe am zweiten Tag.
Großkampf, 300 Kugeln Aſphalt: Kaiſer=Homburg 1636; Trentſch=
Frankfurt 1614; Schaaf=Halberſtadt 1584; Boch=Frankfurt 1575; Sattler=
Homburg 1568; Herzberger Homburg 1514; Schulz=Frankfurt 1512;
Stadtmüller=Frankfurt 1500; Nehm=Frankfurt 1598; Schwab=Hanau
1542; Vollrath=Frankfurt 1512; Könit=Frankfurt 1476. Die Führung hat
Kaiſer=Bad Homburg mit 1636.
Klub Wettkämpfe auf Aſphalt, 5 Mann fe 50 Kugeln: Bavaria
Frankfurt 1361; Famos G’ſchubb Frankfurt 1341; Weſtend Frankfurt
1317: Teutonia Frankfurt 1314; Falken Aſchaffenburg 1314; Eiſerne
Hand Frankfurt 1293; Merkur 1 Frankfurt 1268; Erſter Männer=
Kegel=
klub Aſchaffenburg 1264; Famos G’ſchubb B Frankfurt 1246; Fidelio
Aſchaffenburg 1274; Stark im Recht Frankfurt 1198; Kvanz Darmſtadt
1193; Aelteſte Frankfurter Kegelgeſellſchaft Frankfurt 1174; E.KK. 11
Darmſtadt 1093.
300=Kugelkampf kombiniert: Wirges=Kelſterbach 1908 (Aſphalt 556,
Bohle 719, Schere 633); Schaaf=Halberſtadt 1907 (Aſphalt 527, Bohle
713, Schere 667); Gunzinger=Frankfurt 1849; Murmann Frankfurt 1792;
Druckenmüller=Frankfurt 1758; Vogtmamn=Frankfurt 1755; Bender=
Frankfurt 1744.
Amerikaniſche Parkettbahn: Kiefer=Frankfurt 321; Alfred Klein=
Fvankfurt 309; Karl Hartmann=Frankfurt 308; Schmidt=Franrfurt 301;
Modſchidler=Frankfurt 283.
Damen=Klubkämpfe: Fortung Frankfurt 1125.
Annäherung von Sportlern und Turnern auch im Schwimmen. Wie
bei den Leichtathleten, ſo vollzieht ſich erfreulicherweiſe auch bei den
Schwimmern in letzter Zeit die von der breiten Maſſe der
Mitgliede=
ſchon ſeit langem gewümſchte Annäherung zwiſchen Turnern und
Sport=
lern. Der Kreis Brandenburg der Deutſchen Turnerſchaft hat zum
großen Schwimmfeſt der drei Berliner Vereine Poſeidon, Verlinen
Schwimm=Club und Schwimm=Sport=Club vom 4. bis 6. Februar für
eine Anzahl ſeiner beſten Kunſtſpringer Starterlaubnis erteilt.
Geſchäftliches.
Ein neues deutſches Sechszylinder=Phgethon.
Bekanntlich haben die Dixi=Werke ſeit langem den bewährten 9/40
PS Cyklon nur als Standard Modell, die elegante Innenlenker=
Limon=
ſine, hergeſtellt. Da zum Frühjahr erfahrungsgemäß die Nachfrage nach
offenen Wagen ſtärker wird, wurde auf vielſeitigen Wunſch auch das
fünfſitzige Phaethon 9/40 PS Cyklon, in den modernſten Farbtönungen
lackiert, und mit einer reichen Ausſtattung verſehen, gebaut, welches
bereits lieferbar iſt.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß das neue Phaethon die gleichen
Vor=
züge der Innenlenker=Limouſine, bedeutende Lciſtung, Wirtſchaftlikeit
und Preiswürdigung beſitzt. Das vollendete Aeußere der beiden Tyven
zeigt die Schönheit des modernen deutſchen Sechszylinders.
Auf der ſoeben eröffneten Automobilausſtellung Amſterdam haben
auch verſchiedene deutſche Automobilfabriken ausgeſtellt, davunter die
Automobilwerke, H. Büſſing Aktiengeſellſchaft, Braunſchweig. Büſſim
hat in Holland dadurch beſondere Beziehungen, daß die Städtiſche
Straßenbahn Amſterdam ſeit einiger Zeit zur Verwendung von Büſſing=
Sechsradwagen übergegangen iſt. Es iſt bemerkenswert, daß ſich in den
engen und winkligen Gaſſen Amſterdams wiederum die überraſchende
Wendigkeit dieſer großen Fahrzeuge erwieſen hat.
Rundfunk=Programme.
Donnerstag, 19. Jan. 13.30: Kaſſel: Mittagsſtändchen der
Hauskapelle. O 15.30: A. Hering: Hebe= und
Beförderungs=
maſchinen. o 16.30: Funkorch.: Alte Tanzinuſik. O 17.45: Aus
den Ukrainiſchen Geſchichten von Gogol. O 18.15: Vereinsnachr.,
Mitteilungen. O 18.30: Pater Pieper, S. J.: Die geheime
Offenbarung, das Troſtbuch der Chriſtenheit. 19: Prof. Nölting:
Der Weg der Gewerkſchaften zur Bildungsarbeit. O 20: Stuttgart:
Sinf.=Konzert, anſchl.: Kaſſel: Konzert des 1. Ruſſiſchen Bojaren=
Enſembles. Bojaren=Choren emble. Soliſt: Sergen Sſedoff (Bariton),
Iwan Venetzky (Baß). Andreeff: Walzer, Erinnerung an Wien,
— Rachmaninoff: Prelude in Cis=moll. — Pogoreloff: Ruſſ. Fox,
Saſchenka. — Artemowsky: Arie des Sultans aus Saporoſchez
ſſa Dungeim. — Ruſſ. Romanze Die ſchwarzen Augen. —
Po=
goreloff: Romanze H=moll. Valſe Caprice. Romanze D=dur.
Ständchen, Imitation der Harfe. — Taskin: Sturmgeläute, ruſſ.
Ballade — Nowgorod, ruſſiſches Heldenlied. — Ukrainiſches
Volkslied. — Heute am Samstag, ruſſ. Steppenlied. —
Wolga=
lied Stenika Raſſin. — Valencia, Original ſpaniſch, ungariſch,
ruſſiſch, türkiſch, amerikaniſch, hebräiſch, deutſch. — Ruſſ.
Stim=
mungspotpourri. — Tſchaikowski: In der Kirche. Muſ. Leit.:
Dr. Pogoreloff. 6 22.30: Berlin: Tanzkurs. Lehrer: Carlos. —
Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Donnerstag, 19. Januar. 16.15: Konzert. O 18.15: Stuttgart:
Dr. Löwenberg: Guſtav Meyrink (zu ſeinem 60. Geburtstag).
— Freiburg: Dr. Bacmeiſter: Erlebniſſe der Stille. o 18.45:
Stuttgart, Freiburg: Aerzte=Vortrag: Das Verbrechen und ſeine
Bekämpfung. O 19.15: Schach. 20: Ada Sari von der Scala
Mailand, mit dem Philharm. Orch. Haydn: Militär=Sinfonie.
— Roſſini: Arie aus Barbier von Sevilla. — Auber: Oup. Fra
Diavo.o. — Donizetti: Linda di Chamounix. — Recznicek: Ouv.
— Strauß: Donau=Walzer. — Tſchaitowsky: Slawiſcher Marſch.
— 4 Lieder mit Klavier von Paiſiello, Roſſini, Gretſchaninow,
Rachmaninow. O 21.30: Freiburg: Eine Stunde neue und alte
Tänze. Mandolinen= und Gitarren=Verein. Bornards: Gavotte.
— Boccherini: Menuett. — Strauß: Pizzicato=Polka. — Köhler;
Mazurka. — Brahms: Ungar. Tänze. — Sorge: Foxtrott. —
Agoſtini: Oneſtep. — Sartori: Tango. — Köhler: Im ſchönen
Freiburg hab’ ich gefunden, was ich in Heidelberg verlor. o 22.30;
Uebertr. Berlin: Funktanzſtunde.
Berlin.
Donnerstag. 19. Januar. 12.30: Viertelſtunde für den
Land=
wirt. O 15.30: Fritz Lemke: Zum 60. Geburtstag von G. Meyrink.
16: Dr. Meisl: Die Olympiſchen Spiele. o 16.30: Die neue
franzöſiſche Dichtung. Vortrag und Rezitat.: Hermann v. Wedderkop.
17: Konzert. Mitw.: Manfred Lewandowsky (Bariton). Am
Flügel: Joh. Strauß. 18.20: Eſperanto. o 18.45: Prof. Dr.
Berg: Die Bodenſchatze Deutſchlands (Erzvorräte). O 19.15:
Per=
ſonenverzeichnis und Inhaltsangabe zur Uebertr, aus der
Staats=
oper. O 19.30: „Die Macht des Schickſals.” Oper von Verdi,
Während einer Pauſe: Tagesnachrichten. Anſchl.: Funk=Tanzſtunde
und Tanzmu ik
Deutſche Welle. Donnerstag. 19. Januar. 14: Die Ernährung
der Säuglinge bis zum vollendeten 2. Lebensjahr. o 14.30: Dr. G.
Manz: Was ich bei den Lappländern erlebte. O 15: Hauswirtſchaftl.
Ausbildungstragen. O 15.35: Wetter= und Börſenbericht. O 15.40:
Speiſefolgen. O 16: Dr. Klopfer: Erziehungsberatung. O 16.30:
Oberſt a. D. Schwertteger: Der dreißigjährige Krieg. o 17: Konzerk
aus Berlin. O 18: Rudolf Pechel: Das Grenz= u.
Auslandsdeutſch=
tum in der erzählenden deutſchen Literatur. o 18.30: Spaniſch fur
Fortgeſchrittene. O 18.55: Frh. v. Wilmowski: Zuſammenarbeik
zwiſchen der Induſtrie und Landwirtſchaft. O 19.30: Staatsoper:
Verdi: „Die Macht des Schickſals”, Während einer Pauſe
Preſſe=
nachrichten. Darnach: Funk=Tanzſtunde. Anſchl.: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Freitag, den 20. Januar
(nach der Wetterlage vom 18. Januar).
Wolkiges, mildes und regneriſches Wetter wahrſcheinlich.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftieitung. Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feuilleton, Reich Me
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlman"
für den Hondel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Baue!
Die Gegenwart”; Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Wiliy Kuble: Dick
und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſiadt
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(186a) [ ← ][ ][ → ]
Nummer 19
Donnerstag, den 19. Januar
Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 14. Januar hat ſich die
ge=
mite Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks, Lombards und
ſifl kten um 294,7 Mill. auf 2457,3 Mill. RMM. verringert. Im
ein=
ven haben die Beſtände an Wechſeln und Schecks um 304,6 Mill. auf
He,9 Mill. RM. abgenommen, während die Lombardbeſtände um
Mill. auf 33,2 Mill. RM. angewachſen ſind. Die Effektenbeſtände
mit 93,3 Mill. RM. annähernd uwerändert geblieben.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind W7.9
hül. RM. aus dem Verkehr zurückgefloſſen. Der Umlauf an
Reichs=
mEnoten hat ſich um 243,1 Mill. auf 3927,9 Mill. RM., derjenige an
el tenbankſcheinen um 34,9 auf 645,1 Mill. RM. verringert. Die
Be=
ſ.de der Reichsbank an Rentenbankſcheinen haben ſich dementſprechend
79,8 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen eine Abnahme
n 19,9 Mill. auf 655,1 Mill. RM. Die Beſtände an Gold und
ugsfähigen Deviſen insgeſamt ſind mit 2150,1 Mill. RM. wie in
r! Vorwoche ausgewieſen, im einzelnen Gold mit 1864 Mill. RM., die
ekände an dechungsfähigen Deviſen mit B6.1 Mill RM. Die Deckung
n. Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 44, Prozent in der
Vor=
vSe auf 47,5 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige
De=
ſm von 51,5 Prozent in der Vorwoche auf 54,7 Prozent.
Die deutſch=ſchweizeriſchen Handelsbeziehungen.
Im Jahre 1927 nahm Deutſchland wieder, wie vor dem Kriege,
AAußenhandel der Schweiz als Lieferant und als Abnehmer die erſte
talle ein. Offenbar hat ſich der Handelsvertrag zwiſchen den beiden
indern günſtig ausgewirkt. Die Schweizeriſche Ausfuhr nach
Deutſch=
no erhöhte ſich gegenüber dem Vorjahre von 266,7 auf 397,9 Millionen
cwveizer Franken, die Einfuhr aus Deutſchland iſt von 465 auf 541,7
Külionen Schweizer Franken geſtiegen. Im Verkehr mit Frankreich
achte ſich ein Rückgang des Importes um B Millionen und des
Ex=
en es um 19 Millionen Schweizer Franken bemerkbar. Einer Einfuhr
m. 774,7 Millionen Franken ſteht nur eine Ausfuhr von 134,7
Millio=
m. Fuanden gegenüber. Die Ausfuhr nach England war im Jahre
25 unter dem Einfluß des Bergarbeiterſtreils und der neuen Zölle
u 298,7 Millionen Franken geſunken und hat ſich nun im Jahre 1927
icher auf 309,8 Millionen Franken gehoben. England nimmt uns faſt
e Hälfte der Seidenſtoff=Produktion ab. Die Ausfuhr nach den
Ver=
mgten Staaten von Nordamerika hat ſich in den letzten Jahren
ſtän=
ig auf etwas über 200 Millionen Franken gehalten Gauptſächlich Uhren,
ſige, Chemikalien und Aluminium).
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Präſidialſitzung des Reichsverbandes der deutſchen Induſtrie. Der
tcöchsverband der deutſchen Induſtrie hält am 19. Januar eine
Präfi=
ial=Sitzung ab. Wie wir hören, wird Geh. Rat Kaſtl über die
Vorbe=
einungen und die Ausſichten der Verwaltungs= und Verfaſſungsreform
nwie über die gemeinſame Kundgebung der Wirtſchaftsverbände, das
umannte Notprogramm, referieren. Die reparationspolitiſche Lage
ich d ebenfalls durch Geheimrat Kaſtl dargeſtellt werden. Generaldirek=
Dr. Vögler wird über Schaffung eines Senats beim Reichsverband
deutſchen Induſtrie referieren. Ferner wird über Erleichterungen
Wirtſchaft und verſchiedene allgemeinere Fragen geſprochen werden.
Kaliſchätzungen für Januar. Wie verlautet, ſind bis 20. Januar
988 454 000 Doppelzentner K20 abgeſetzt worden. Bis zu dieſem
Zeit=
uſakt lagen bei den Werken noch 407 000 Doppelzentner Beſtellungen
v.:. In unterrichteten Kreiſen nimmt man an, daß die Januar=
Kali=
ſchätzung in Höhe von 1,5 Millionen Doppelzentner überſchritten
wer=
ei. dürfte. Die zurzeit herrſchende milde Witterung hat auf den
Kali=
baatz beſonders günſtigen Einfluß gehabt.
Der Hypothekenbeſtand der preußiſchen Sparkaſſen. Nach einer
Ueber=
ahr der „Deutſchen Sparkaſſen=Zeitung” über den Realkredit der
Spar=
iſen lagen auf ſtädtiſchen Grundſtücken im Jahre 1926 413,R Millionen
n Sparkaſſenhypotheken; dieſer Betrag entſprach 13,6 Prozent des
itsbar angelegten Vermögens. Auf ländliche Grundſtücke wurden 11044
NAllionen RM. Hypotheken gegeben, was 3,6 Prozent des mgelegten
Kermögens entſpricht. Hierunter befanden ſich Amortiſations=
Hypothe=
ei auf ſtädtiſche Grundſtücke für 42,92 Millionen. Die Spareinlagen
u: den preußiſchen Sparkaſſen betrugen insgeſamt im Berichtsjahre
75,60 Millionen Reichsmark, die Hypothelen betrugen 25 Prozent der
S vareinlagen.
Sunlight A.=G., Mannheim. Trotz eines Reingewinns von über
iger Million Reichsmark verteilt die Sunlight=A.=G. Mannheim keine
Luvidende, ſondern trägt den Gewinn auf neue Rechnung vor. Nach
dan Geſchäftsbericht werden für die Schaffung eines neuen
Waſchpul=
dees und für deſſen Propagierung größere Mittel erforderlich ſein. Im
Vuerjahre hatte der Gewinn 557 000 RM. betragen, weſcher zur
teil=
vüäſen Deckung des Verluſtes aus dem Jahre 1924 verwendet wurde.
Millionen=Inſolvenz in der Weſtdeutſchen Mühleninduſtrie. Wie
urr hören, befindet ſich die Gladbecker Mühlenwerke= (vorm. H. Büſcher)
998, die bereits zweimal akkordiert hat, nunmehr als A.G. zum dritten
Wale in Zahlungsſchwierigkeiten. Bei einem Aktienkapital von 200 000
Rrichsmark ſollen ſich die Paſſiven wieder auf 2 Millionen RM.
be=
ſazfen. Beteiligt an dem Luſammenbruch ſind Getreideimporteure,
fener ſüddeutſche und oſtdeutſche Mühlen. Hauptgläubigerin iſt mit
eieger Hauptforderung von rund 12 Millionen RM. die
landwirtſchaft=
lüuhe Zentralgenoſſenſchaftskaſſe in Münſter, deren Forderung durch eine
Guzpothek an zweiter Stelle zum Teil gedeckt iſt. Zurzeit ſind
Vergleichs=
varhandlungen im Gange, um zu einer außergerichtlichen Regelung zu
gellangen. Dem Vernehmen nach ſind den Gläubigern 40 Prozent
an=
gewboten worden. Die Durchführung der Aktion wird vorausſichtlich die
Laundwirtſchaftliche Zentralgenoſſenſchaftskaſſe übemehmen.
Brauerei Henninger=Kempff=Stern A.G., Frankfurt a. M. Die 47.
v G.V., an welcher 12 Aktionäre mit einem Aktienkapital von 270600
Freicksmark teilnahmen, beſchloß die Verteilung einer Dividende von
Prozent für die Stammaktien und von 7 Prozent für die
Vorzugs=
asttien. Neu in den Aufſichtsrat wurde Architekt Wilh. Gminewald in
Frankfurt gewählt mit der Begründung, daß durch den Ankauf des
„Muſſiſchen Hofes” die Immobilien weſentlich geſtiegen ſeien und die
„uwahl eines Architekten infolgedeſſen erforderlich geweſen ſei.
Amerikaniſch=rufſiſcher Handel. Nach Mitteilungen der ruſſiſchen
hmndelsvertretung hatten die Aufträge, die von Sowjetrußland imn
Ame=
zuka im Jahre 1927 erteilt worden ſind, den Wert von 31 200 000 Dollar.
Jm Vorjahre waren es 8 681000 Dollars. In dieſen Geſamtzahlen
ſind aber nicht die vom allruſſiſchen Textilſyndikat dorgenommenen
Baumwollkäufe enthalten, die mit 42 000 000 Dollar bewertet werden,
gu gen 35 000 000 Dollar im Vorjahre. Wie der Leiter der Amtorg Co.
ei klärte, haben die für induſtrielle Einrichtungen und elektriſche
Aus=
riſtungen erteilten Orders allein einen Wert von 11 314 000 Dollars.
zrür Rohmaterialien, einſchließlich der Beſchaffung von Metallen, wur= Bremer Wolle.
duen im letzten Jahre 6 363 000 Dollar verausgabt.
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 18. Januar ſtellten ſich wie
ſtolgt: Elektrolytkupfer 135,75, Original Hüttenalumimium 210, dito in Tynamit Nobel..
AWalzen 214, Reinnickel 350, Antimon Regulus 95—100, Silber in
A8arren 78,50—79,50.
Die amtliche Preisfeſtſetzung im Metalltermiuhandel vom 18. Januar
ſtellte ſich für Kupfer: Januar 124 (125,50), Februar 125 (125,25),
AMärz 124,25 (124,75), Aprik 124,50 (124,75), Mai 124,50 (194,50), Juni
124,50 (194,75), Juli 124,50 (125), Auguſt 124,50 (125), September 124,50
(124,75), Oktober 124,75 (125), Nobember 194,75 (124,75) Dzember —.
2endenz: ſchwach. Für Blei: Januar 43,50 (44,50), Februar 44
(44,25), März 44,25 (44,50), April 44,25 (44,50), Mai 44,50 (44,50),
2zuni 44,50 (44,50), Juli 44,50 (44,75), Auguſt 44,50 (44,75), September
44,50 (45), Oktober 44,50 (44,75), November 44,75 (44,75), Dezember 44,75
(44,75). Tendenz: ſtetig. Für Zink: Januar 52,B (52,75), Februar
N2 (52,50) März 51,75 (52,50), April 51,75 (52,25), Mai 51,75 (52), Juni
Ab1,50 (52.25), Juli 51,50 (52,25), Auguſt 51,50 (52,25), September 51,50
(52,25), Oktober 51,50 (52,25), November 51,50 (52,25), Dezember 51,50
52,25). Tendenz: ruhig — Die erſten Zah n bedeuten Geld, die in
AKlammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 18. Januar
ttellten ſich für Ku pfer (Tendenz: unregelmäßig): Standard p. Kaſſe
(:1½— ze, 3 Monate 612/17—34, Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 66½—67
höeſt ſelected 653—67, Elektrowirebars 67; Zinn (Tendenz:
unregel=
mnäßig): Standard p. Kaſſe 246½—½, 3 Monate 245½—3 Settl.
Preis 246½, Banka (inoff. Not.) 247½, Stvaits (inoff. Not.) 246½;
Blei (Tendenz: ſtetig): ausländ, prompt 21¾, entft. Sichten B½,
Settl. Preis 21¾; Zink (Tendenz: ſtetig): gewöhnl. prompt 265, entft.
Sichten 26, Settl. Preis 26; Queckſilber (inoff. Not.) 22½; Wolframerz
(inoff. Not.) 14½.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 18. Januar.
An der heutigen Börſe konnte ſich die Stimmung merklich erholen.
Das Geſchäft war etwas lebhafter als an den Vortagen. Das private
Publikum beteiligte ſich zwar nicht reger am Markte, ſondern hatte im
tion ſchritt jedoch in ſtärkerem Maße zu Deckungen, da in den letzten können. Ueber den Geldeingang wird weiter lebhaſt geklagt. An dem
Tagen ziemlich viel Leerabgaben vorgenommen worden ſein ſollen. Einen
weitere ſtarke Entlaſtung des Inſtitutes anzeigt. Der Wechſelbeſtand ſowie von Sohlledern wurden vom Handel mehr gckauft, da deſſen
Vor=
leichter, namentlich am Tagesgeldmarkt iſt die Nachfrage weiter
zurück=
gegangen. Gegenüber den Kurſen der geſtrigen Abendbörſe lag bei der
erſten Notierung die Mehrzahl der Papiere 1—2 Prozent erholt. Auf
einigen Spezialgebieten konnte ſich das Geſchäft weſentlich lebhafter
ge=
ſtalten. Namentlich Schiffahrtswerte waren gefragt auf die Meldung,
daß am Montag der Finanzausſchuß des amerikaniſchen Senats die
öffent=
liche Beratung über die Freigabebill aufnehmen wird. Hapag
gewau=
nen daraufhin 2,25 Prozent; „Nordö. Lloyd 3,5 Prozent. Lebhaftere
Umſätze verzeichneten ferner die Kaliwerte auf den befriedigenden
Kali=
abſatz Ende Januar. Kali Weſteregeln zogen 2 Prozent und
Aſchers=
leben 1,5 Prozent an. J. G. Farben blieben dagegen vernachläſſigt und 9,10, Miſchgerbung 7,40—7,90; Pantinenkipſe bram 1 5—5,40, II 4.45
eröffnete gut behauptet. Am Elektromarkt lagen Siemens und Licht u.
Kraft je 2,5 Prozent feſter; Lahmeher gaben jedoch 175 Prozent nach.
und Wayß u. Fretztag mit minus 1,75 Prozent. Autoaktien waren
ver=
nachläſſigt und kaum verändert. Nach der erſten Kursfeſtſetzung wurde
die Tendenz wieder ſchwächer. Man beachtete den weiter verſchlechterten
Arbeitsmarkt. J. G. Farben lagen mit minus 2 Prozent beſonders
an=
geboten. Deutſche Anleihen blieben behauptet, ausländiſche Renten eher
etwas ſchwächer.
Im weiteren Verlaufe blieb die Stimmung ſchwach. Die Spekula=
Prozent. Tägliches Geld 6 Prozent. Am Deviſenmarkt nannte man
Mark gegen Dollar 4,1962; gegen Pfunde 20,467; London Kabel
48757½; London—Paris 19402; Mailand 92,20 und Madrid 28,48.
An der Abendbörſe konnte ſich die Tendenz etwas erholen, die
Grundſtimmung blieb jedoch ziemlich unſicher. Die Umſatztätigkeit war
etwas lebhaſter, doch beſchränkte ſich das Geſchäft im weſentlichen auf
Deckungskäufe der Baiſſeſpekulation, während die Privatkundſchaft
wie=
der mit Verkaufsorders am Markte geweſen ſein ſoll. Gegen den
Ber=
liner Schluß konnten ſich überwiegend Kurserholungen bis zu 1½
Pro=
zent durchſetzen. Lebhafter gehandelt wurden J. G. Farben, Siemens
und am Montanmarkt Mannesmann und Rheinſtahl. Erwas regeres
Intereſſe beſtand weiter für Schiffahrtswerte. Deutſche Anleihen lagen
gut behauptet, ausländiſche Renten, faſt ummſatzlos. Im Verlaufe blieb
die Stimmung freundlich.
Berliner Effektenbörſe.
Berlir, 18. Januar.
An der heutigen Börſe folgte den ſcharfen Kursrückgängen des
geſt=
vigen Tages keine entſprechende Erholung, da zu den erſten Kurſen aus
der Provinz noch erhebliche Aktienbeträge zum Verkauf gelangten. Die
herauskommenden Papiere fanden allerdings infolge des
Deckungs=
bedürfniſſes der berufsmäßigen Spekulation auf einem Niveau
Unter=
kunft, das im Vergleich zu den letzten Schlußkurſen als gut behauptet
bezeichnet werden konnte. Die aus dem Wirtſchaftsleben vorliegenden
zum Teil nicht ungünſtigen Nachrichten, blieben aber ohne Einfluß auf
die Stimmung, weil andererſeits ſchon jetzt die Vorbereitungen für den
Ultimo in Angriff genommen ſind und am Geldmarkt leichte
Anſpan=
nung der Zinsſätze andauerte. Für Tagesgeld wurde 4,5—6,5 Prozent
und für Monatsgeld 7,5—8,5 Prozent genannt. Gleichzeitig zog der
Diskont für Warenwechſel auf 6’½ Prozent an. Dos Publikum ſcheint
insbeſondere durch die ſtärkere Erhöhung der Privatdiskontnotiz
beun=
ruhigt und zu Verkäufen veranlaßt worden zu ſein. Nach Beendigung
der Deckungskäufe überwogen auch innerhalb der Börſe ſelbſt wieder
Baiſſeſtrömungen. Am Deviſenmarkt war das Geſchäft außerordentlich
ruhig, ſo daß größere internationale Bewegungen nicht eintraten. Der
Dollar ging nach der kürzlichen Befeſtigung leicht zurück und gab in
Lon=
don auf 4,8760, in Berlin auf 4,1970 nach. Die ſpamiſche Währung
er=
mäßigte ſich in London auf 28,65. — Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe
ging von einer Abſchwächung der Farbenaktien auf 264,5 (Beginn 267),
eine allgemeine Verſtimmung aus. Lediglich Freigabewerte blieben
be=
hauptet.
Im weiteren Verlauf der Börſe wurde die Haltung der
Termin=
werte durch die ſlaue Verfaſſung der Farbenaktien beeinträchtigt. Erſt im
der Mitte konnte ſich das Kursmivegu nach allgemeinen neuen Verluſten
leicht erholen. J. G. Farben beſſerten ſich auf 264,25—365. Es herrſchte
aber denoch bis zum Schluß eine erhebliche Nerwoſität, die vor allem
durch die im Laufe der Mittagsſtunden noch ſtärker hervortretende
Ver=
teuerung der Geldſätze hervorgerufen wurde. Der Priwatdiskont mußte,
mals um 1/. Prozent auf 6.B5 für beide Sichten heraufgeſetzt werden.
Die Börſe ſchloß über den niedrigſten Tägeskurſen, jedoch allgemein
unter den bereits ſchwächeven Anſangsnotierungen. Ver. Glanzſtoff
büßten im Laufe der heutigen Börſe mit 569 etwa 11 Prozent und
Bem=
berg mit 45 etwa 15 Prozent ein, obwohl der heute bekanntgegebene März 90½, Mai 923 Juli 93½; Hafer, März 55½, Mgi 56½,
Bemberg=Abſchluß eine fehr günſtige Aufwärtsentwicklung der
Geſell=
ſchaft dokumentiert. J. G. Farben mannte man an der Nachbörſe mit
264. Die Nachbörſe brachte nur vereinzelt mäßige Befeſtigungen um
0,5 bis 1 Prozent, verlief aber im allgemeinen zurückhaltend. Löwe
ſchloſſen 5,25 Prozent unter dem Anfangskurs, erholten ſich jedoch an
der Nachbörſe um 1,75 Prozent auf 27, als die Emiſſionsvorſchläge des
Aufſichtsrates bekannt wurden. Sonſt nannte man im Spätverkehr
Schurltheiß 401, Oſtwerke 347,5; Polyphon 257; Ver, Stahlwerke 105,5;
Mannesmann 151,75; Siemens B5; AEG. 169; Hopag 146,5:
Nord=
löſungsanleihe, Reihe 1 und 2, 52,49: dito Reihe 3 57,37.
Aſchaffenb. Zellſtoff
Augsb. Nürnb. Maſch.
Bamag=Meguin..
Berlinel. W..
Berlin KarsruheInd.
Braunkohl. Briketts
Bremer Bulkan.
Teutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Deutſch.=Nied. Tel.
Deutſche Erdöl
Deutſche Petroleum
Tt. Kaliwerke
Donnersmarchütte .
Eleſtr Lieferung.
J. G. Farben .
R. Friſter ...."
Gaggenau Vorz.. ..
Gelſenk. Berg
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen
Ban.=Maſch.=Egeſt..
Hanſa=Dampfſchf ..
Helſingfors”.
Wien.
Prag ...
Budapeſt:
Sofia...
Holland ..
Cslo......
Kopenhagen
Stockckolm.
London.
Buenos Aires
New=York ..."
Belgien.....
. 1.
Geld Brief
10.557 10.57
59,09 59.21
12.43 12.45
13.295 73 4351
3.027 3,033/
169 10 169.42
in. s4 11-s
12.31 112.53
112.71 112.93
20.443 20.4831
1.791 1.795
4 1930 4 207
58.45 58.5701
Deviſenmarkt.
18. 1.
Geld Brief!.
10.558 10.578 Italien
59,08 59.20 Paris
12.428 12.448lSchweiz
73 30/ 73.44/Spanien.
027 3.033/Danzig..
169.14169.48Papan.
111.54 111,70ſio de Janeiro.
112.331 12.,55/ugoſlavien.
112,68 112 30/Portugal
20.445/20,485lAthen .
1.791/ 1.795/Konſtantinopel
4.1930 4.2010 Kanada.. . ....
58.44 58.56 lUruguay...."
. 1.
geld / Briel
ſe2. 185 22.225
N16. 485 16.5251
30 80 80.95
71.78
g1.74
71.921
8i.30
1.s8N 195
7.338/ 7.4021
20.40 20.445
5.594 5.606
18. 1.
143.25
17.5
112.—
73.825
267.75
163.—
132.5 130—
90.—
79.5
91.125
125.— 1123.25
135.
148.—
134.—
5s.-
51.—
214.—
181
Geld / Brief
e2. 165 22.225
16.485 15.525
80.775 80, 335
71.55 71 69
g1.721 31. 88
1 963 1.967
1.3005 1.500N0.5os (e.507
7.385 7.399
30.48 20,52
5.544 5.556
1811 2.1gs1 2.177 2.18
2. 195 4.1934 185 4.1gs
4.2861 4.29M 4.2861 4.294
Vom ſüddeutſchen Ledermarkt.
Angeſichts der enormen Rohhäutehauſſe im In= und Auslande fieht
man ſich vor erhebliche Mehrforderungen der Fabrikanten auch für
fertiges Leder geſtellt. Die nächſten Wochen werden zweifellos
beträcht=
liche Erhöhungen der an ſich ſchon ſtark geſteigerten Lederpreiſe bringen.
Auf dem Ledermarkt hat das Geſchſt recht lebhaft eingeſetzt, durch die
Belebung des Geſchäftes in der Schuhinduſtrie iſt der Bedarf dieſer
Jw=
duſtrie geſtiegen. Auch der Handel tritt mehr als Käufer an den Markt.
Immerhin war es außerondentlich ſchwierig, höhene Preiſe zu bewilligen.
Dazu kommt, daß das Angebot weiter ſehr knapp ſt und ſelbſt die ver=
Gegenteil verſchiedentlich wieder Verkaufsorders hergelegt, die Spekulge traglichen Lieferungen von den Färbereien kaum eingehalten werden
Unterledermarkt ſind leichte Sortimente ebenſo wie Kipsvaſh
beträcht=
günſtigen Eindruck machte vor allem der Reichsbankausweis, der eine lich umgeſetzt worden. Kräftigere Crupons von deutſch= und Wildvaſh
iſt um 305 Millionen zurückgegangen, und der Notenumlauf hat ſich um räte ſich dem Ende zuneigen. Am Oberledermarkt wurden hauptſächlich
243 Millionen verringert. Ferner war die heutige Geldmarktlage etwas farbige Oberleder umgeſetzt. Zuletzt nannte man im Großverkehr beim
Verkauf folgende Durchſchnittspreiſe: Zahmſohlleder Kernſtücke
Gichen=
lohgerbung 930—10,30, Miſchgerbung 730—8,8, Hälften 770—880
bzw. 5.90—7,00, Seiten 3,80—430 bzw. 2,3—4,10; Hälſe 4,/40—5,70
bzw. 3,80—5,00; Wildfohlleder Salzkernſtuicke 8,40—8,80 bzw. 6,90—8,30,
Salzhälften 6,90—7,60 bzw. 5,80—6,70, Salzſeiten 3,60—4,20 bzw. 3—3,60,
Salzhälſe 4 40—5,50 bzw. 3,70—4,40, aus trockenen Häuten etwa 10
Prozent billiger; Bahmpaſhkernſtücke 930—1030 bzw. 7.30—9 Hälften
7—8,50 bzw. 5,70—6,50, Seiten 4,40—4,20 bzw. 3,50—4,50, Hälſe 4,40
bis 6,10 bzw 3,90—5; Wildvaſhkernſtücke 7,20—8,60, Hälften 5,20—6,90,
Hälfe 3,70—4,80, Seſiten 3,10—4,40; Fahlleder Eichenlohgerbung 8,40 bis
bis 5,00; ſchwarz 1 5,2—5,40, II 4.2—4,80: Kipsvaſh 4,60—5,40;
Box=
ealf ſchwarz 2—250 farbig 2,50—3,10: Rindbox ſchwarz 150—200,
Etwas niedriger lagen ferner Zellſtoff Waldhof mit minus 1 Prozent farbig 180—2.; Chromrindlack 1 2,50—2,80. Chromchebreaux Lack I
3—3,80, Roßchebveaux ſchwarz 0,90—1,40, farbig 1,40—1,65, Chevreaux
1.40—3, farbig 3—3,80, Chevreaux farbig 0,90—1,30, farbig 1,10—1,80
Reichsmark. Die Preiſe für Unterleder verſtehen ſich in Reichsmark pro
Kilo, für Oberleder pro Quadratfuß.
Produktenberichte.
tion nahm Abgaben vor, und die Kurſe ſanken durchſchnittlich 1 bis 3 Frankfurter Probuktenbericht vom 18. Januar. Weizen liegt nach
wie vor äußerſt ruhig. Lediglich Futterweizen iſt etwas geſucht.
Rog=
gen, der lebhaft angeboten wird, findet keine Käufer. Die Gerſtenpreiſe
ſind ſteigend, gute Qualitäten weiter geſucht und über die amtlichen
Notierungen hinaus bezahlt. Hafer iſt ebenfalls geſucht und die Preiſe
zeigen eine Auſwärtsbewegung. Auch die Maispreiſe ſind im Steigen
begriffen. Mehle liegen immer noch ganz luſtlos. Weizenkleie zur
ſo=
fortigen Lieferung wird weiterhin ſtark gefragt. Weizen 1. 25: Weizem
2. B,50 bis B75; Weizen 3. 22,75 bis 23,25: Roggen 24,50;
Sommer=
gerſte 28 bis 30: Hafer (inl. 23,25 bis 24; Mais für Futterzwecke 21,75
bis 22; Mais für andere Zwecke 22,50 bis 22,75; Weizenmehl 37 bis
37,50; Roggenmehl 34.50 bis 35,50; Weizenkleie 14,35; und Roggenkleie
15,25 bis 15,50. Allgemeine Tendenz: ruhig.
Berliner Produktenbericht vom 18. Januar. Die feſteren
amerikani=
ſchen Schlußmeldungen vermochten hier keinen Eindruck zu wachen, da
die Liverpooler Eröffnungsdepeſche enttäuſchend wirkte. Die
Auslands=
forderungen waren zum größten Teil nur geringfügig verändert. Vom
Inlande lag weiter ausreichendes Angebot von Brotgetreide vor.
Durch=
ſchnitts= und beſſere Qualitäten fanden zu geſtrigen Preiſen bei den
Mühlen und beim Handel Aufnahme. Das reichlichere Angebot an
ge=
ringerem Material wurde auch bei entgegenkommenderen Offerten
ver=
nachläſſigt. Am Lieferungsmarkte blieben die Weizemotierungen
unber=
ändert. Noggen, vermochte kleinere Preisgewinne zu erzielen. Am
Mehlmarkte hat ſich die Abnohme von Weizenmechl aus alten
Kontrak=
ten gebeſſert, Neuabſchlüſſe finden dagegen nur in geringſtem Ausmaße
ſtatt. Roggenmehl iſt für ſofortige Lieferung von der Provinz reichlich
angeboten, aber nur zu gedrückten Preiſen unterzubringen: Januar=
Märzlieferung blieb zu geſtvigen Preiſen gefragt. Hafer behielt
unver=
änderte Marktlage. Der Konſum zeigt ſich wenig aufnahmefähig. Gerſte
in guten Qualitäten blieb feſt veranlagt, geringe Qualitäten weiter
ver=
nachläſſigt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 18. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Die Preiſe erfuhren heute auf günſtige Werterberichte aus
dem Anbaugebiet in Texas, Kanſas und Oklahoms und die ermäßigte
Frachtrate aus Augentinien eine Abſchwächung.
Mais: Der Markt tendierte auf die Zunahme der Ablieferungen,
größeres Inlandsangebot und güſtige Wetterberichte aus Argentinien
ſchwächer.
Roggen: Auf Abgaben der Lokofirmen blieb das Geſchäft ſchleppend.
Hafer: Die Preiſe litten unter größerem Angebot und Abgaben für
nordweſtliche Rechnung.
* New York, 18. Januar. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Ermäßigte braſilianiſche Kabel und Abgaben für heimiſche
und europäiſche Rechnung bewirkten ein Abgleiten der Preiſe. Später
zeigte ſich vereinzelt Dechungsbedürfnis.
Zucker: Die nachgebende Heltung Londons und umfangneiſcheres
obwohl am Dienstag eine Erhöhung um 025 Prozent ſtattfand, aber= Lokoongebot ließen den Terminmarkt in kaum ſtetiger Haltung eröffnen,
Später trat auf Käufe für kubaniſche Rechnung eine Erholung ein.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. Jan.:
Getreide: Weizen, März 129½, Mai 130½, Juli 126½; Mais,
Juli 52½; Roggen, März 1088 Moi 10888, Juli 103½.
Schmalz: Januar 11,875, März 12, Mai 12,25.
Fleiſch: Januar 10,90, Mai 11,425, Juli 11,65: Speck loco 11:
leichte Schweine 7,66—8,40, ſchw. Schweine 8—8,40;
Schweine=
zufuhr Chicago 24 000, im Weſten 140000.
Baumwolle: Januar 18,48, April 18,48—18,49.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 18. Jan.:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 154½, hart 144½: Mais neu ank.
Lloyd 15012; Danatbank 28: Neubeſitzanleihe ſchwach 1620; Ab= Ernte 1033: Mehl ſpr. wheat elears 6,50—6,/75: Fracht nach
England 1,9—23, n. d. Kontinent 6—10.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,60; Tald extra 9.
Kakao: Tendenz: feſt, Umſatz in lots 55, Loco 13½, Januar
13,42, März 13,47, Aprik 13,53, Mai 13,661, Juni 13,65, Juli
13,82, September 13,85, Oktober 13,75.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Am kommenden Montag wird vormittags um 10 Uhr die öffentliche
Verhandlung über die Freigabebill vor dem Finanzausſchuß des Senats
beginnen.
In der Werksverſammlung des Röhrenverbandes wurde beſchloſſen,
die Preiſe unverändert zu laſſen.
Die Bad Homburger Stadtverordnetenverſammlung beſchloß, zun
Abdeckung der im abgelaufenen Etatsjahr in Anſpruch genommenen
Bankkredite bei der Kur= und Neumärkiſchen Ritterſchaftskaſſe eine
An=
leihe von zunächſt 300 000 RM. zu einem Zinsſatz von 8 Prozent bei
üblichen Proviſionsſätzen und einer Zprozentigen Amortiſation
aufzu=
nehmen.
Am Mittwoch iſt der Transozcandampfer „Suffren” in Le Habrs
mit einer Ladung von 7½ Millionen Dollar Gold für die Bank von
Frankreich eingetroffen.
In Antwerpen kam geſtern der Dampfer „Lappland” aus New York
mit 34 Goldfäſſein im Wert von 70 Millienen, belgiſchen Franben an.
An Bord des gleichen Dampfers befanden ſich auch 46 Silberfüchſe, die
für Silberſuchs=Farmen in Holland und Beloien beſtimmt ſind.
Die ſoeben veröffentlichte Statiſtik des eſtländiſchen Handels weiſt
für Ein= und Ausfuhr des Jahres 1927 einen Ausfuhrüberſchuß von
einer Milliarde Mark auf.
Die Zahl der eingetragenen Erwerbsloſen in Dänemark hat in der
letzten Berichtswoche um 37246 auf 88663 Perſonen abgenommen. Die
Vergleichsziffer des Vorjahres iſt 92000.
Nach Meldungen aus Japan hat die japaniſche
Eiſenbahnverwal=
tung beſchloſſen, zukünftig ſtärkere Schienen zu verwenden und in den
nächſtem Tagen größere Schienenaufträge an das Ausland zu erteilen.
Einträge in das Handelsregiſter
Ab=
mer, Darmſtadt: Die offene Handels
nuar 1928 aufgelöſt. Geſchäft ſamt
Firma iſt auf den bisherigen
Geſell=
ſchafter Kaufmann Theodor Stemmer
in Darmſtadt als Einzelkaufmann
übevgegangen. 2. Heſſiſche Papier=
Induſtrie Nicklas u. Co., Darmſtadt
Die Firma iſt geändert in: Heſſiſche
Papier=Induſtrie Fritz Rundſtatler. Die
offene Handelsgeſellſchaft iſt aufgelöſt.
Das Geſchäft iſt auf den bisherigen Ge= Prokuriſten abzugeben.
ſellſchafter Kaufmann Fritz Rundſtatler
in Darmſtadt als Einzelkaufmann
über=
gegangen. Am 16. Januar 1928 Neu= zu vertreten.
eintrag: Firma: Holzwerke. Dietrich
Ludwig Dietrich, Darmſtadt. Inhaber=
Ludwig Dietrich, Kaufmann in
Darm=
ſtadt. — Der Ort der Niederlaſſung war
feither Bickenbach.
Abteilung B: Am 7. Januar 1928
hinſichtlich der Firma: Alters Möbel=
und Kunſtgewerbehaus, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung, Darmſtadt:
Die Prokuren des Ferdinand
Groene=
wald und des Fritz Keim ſind erloſchen
ſchaft mit beſchränkter Haftung, Darm= zum Kurſe von 110 Prozent.
ſtadt: Durch Beſchluß der
Geſellſchaf=
iſt die Geſellſchaft aufgelöſt. Carl Platz,
Prokuriſt in Darmſtadt, iſt zum
Liqu=
auf Aktien, Hauptniederlaſſung Berlin,
Zweigniederlaſſung Darmſtadt: Die
conto=Geſellſchaft, Filiale Darmſtadt, keit der Bekanntmachungen abhängig
Hauptniederlaſſung Berlin, Zweignie= gemacht werden ſoll.
derlaſſung Darmſtadt: Die Probura des
Guſtav Wiß iſt erloſchen. Am 16.
Ja=
nuar 1928 Neueintrag: Firma:
Bahn=
bedarf Darmſtadt, Werk der Aquila
Aktiengeſellſchaft für Handels= und
In=
duſtrieunternehmungen, Frankfurt am
Main. Hauptniederlaſſung: Frankfurt Am Samstag, den 28. Januar
am Main, Zweigniederlaſſung: Darm 1928, nachmitt. 31. Uhr beginnend,
ſtadt. Gegenſtand des Unternehmens: wird in der Wirtſchaft Philipp Hechlerv.
Der Erwerb, die Veräußerung und der
lichen Anlagen, Handelsunternehmun= /Elms= und Wilmshauſen, Kreis
Bens=
gen und Studiengeſellſchaften, ſowie heim, umfaſſend Feld und Wald, zuſ.
un=
die Beteiligung an ſolchen und ähn= gefähr 480 ha, auf 9 Jahre verpachtet.
lichen Geſchäften und Unternehmungen.
Die Geſellſchaft iſt befugt, auch bank= bruar 1928.
geſchäftliche Transaktionen,
Handels=
geſchäfte ſowie alle Rechtsgeſchäfte
vor=
zunehmen, welche den Zwecken der
Geſellſchaft dienlich ſind. Sie iſt
be=
fugt, Zweigniederlaſſungen im In= und Heſſ. Bürgermeiſterei Elmshauſen.
Ausland zu errichten. Grundkapital:
6 000 000.— Reichsmark. Vorſtand:
Al=
bert Rothſchild, Kaufmann in
Frank=
furt am Main, Wilhelm Müller und
Edmund Foſef Rein, beide Kaufleute 16. Januar 1928 iſt genehmigt.
Ueber=
in Frankfurt am Main — die beiden
Letzteren ſind ſtellvertretende
Vor=
ſtandsmitglieder —. Der
Geſellſchafts=
vertrag iſt am 15. April 1921 feſtgeftellt
und am 14. Juni 1921, 6. September Wieſental. Ablauf der zinsfreien Zahl=
1921, 3. Juli 1922, 2. Dezember 1922,
3. Juni 1925 geändert. Der Vorſtand
beſteht je nach der Beſtimmung des! Heſſiſches Forſtamt Mörfelden.
Aufſichtsrats aus einer oder mehreren
teilung A: Am 14. Jawar 1928 hin=/Perſonen. Alle Willenserklärungen,
ſichtlich der Firmen: 1. Theodor Stem= die für die Geſellſchaft verbindlich ſein
ſollen, ſind, wenn der Vorſtand nur
geſellſchaft iſt mit Wirkung vom 1. Ja=(aus einem Mitglied beſteht, von dieſem
allein oder von zwei Prokuriſten
ge=
meinſaftlich, wenn der Vorſtand aus
mehreren Mitgliedern beſteht und der
Aufſichtsrat nicht einzelnen von ihnen
die Befugnis erteilt, die Geſellſchaft
allein zu vertreten entweder von zwei
Mitgliedern des Vorſtandes
gemein=
ſchaftlich oder von einem Mitglied des
Vorſtandes gemeinſchaftlich mit einem
Das Vorſtandsmitglied Albert
Roth=
ſchild iſt befugt, die Geſellſchaft allein
Die Kaufleute Wilhelm Müller und
Edmund Joſef Klein, beide in
Frank=
furt am Main, ſind zu
ſtellvertreten=
den Vorſtandsmitgliedern beſtellt.
Als nicht eingetragen wird
ver=
öffentlicht:
Das Grundkapital beſteht aus zwei
Serien von Aktien, die auf den
In=
haber lauten.
Die Serie A. befteht aus 27 750
Aktien über je 200.— RM. Die Serie B
Am 9. Januar 1928 hinſichtlich der beſteht aus 2250 Aktien über je 200.—
Firwa: Aſtik Beton=Verwertungsgeſell= RM. Die Ausgabe der Aktien erfolgt
Die Einberufung der
Generalver=
terverſammlung vom 7. Dezember 1927/ſammlung erfolgt durch einmalige
Be=
kanntmachung in den
Geſellſchaftsblät=
tern durch den Aufſichtsrat oder verſteigert:
dator beſtellt. Am 12. Januar 1928 Vorſtand. Alle von der Geſellſchaft
hinſichtlich der Firma: Darmſtädter und ausgehende Bekanntwachungen erfol=
Nationalbank. Kommanditgeſellſchaft gen durch den „Deutſchen
Reichsanzei=
ger‟. Die Geſellſchaft wird in der
Re=
gel dameben ihre Bekanntwachungen
Prokura des Carl Hovemeyer, iſt er= durch eine in Frankfurt am Main
er=
loſchen. Am 16. Januar 1928 hinſicht= ſcheinende Tageszeitung veröffentlichen,
lich der Firma: Direction der Dis= ohne daß hiervon die Rechtswirkſam=
Darmſtadt, den 17. Jaurar 1928.
Amtsgericht I. (1362
zu Elmshauſen (gegenüber dem Rat=
Betrieb von induſtriellen und bergbau=ſhauſe), die Gemeindejagd der Gemeinde
Die Pachtzeit beginnt mit dem 1. Fe
Nähere Beſtimmungen werden vor
der Verpachtung bekanntgegeben. (1368
Elmshauſen, den 17. Jan. 1928.
Kapfenberger.
Bekanntmachung.
Die Brennholzverſteigerung vom
weiſungs= und erſter Fahrtag Mittwoch,
den 25. Januar 1928, mit
Zuſammen=
funft vormittags 9 Uhr am Forſthaus
friſt Dienstag, den 7. Februar 1928.
Mörfelden, den 17. Jan. 1928. (1397
Montag, den 23. Januar 1928,
vormittags 9‟/, Uhr, werden in der
Barth’ſchen Gaſtwirtſchaft zu
Roß=
dorf aus den Forſtorten Hanum 4a, 5a
und 5b der Förſterei Eiſernhand
ver=
ſteigert:
(1366
Scheiter, rm: 221 Buche, 26 Eiche,
38 Eſche, 7 Erle;
Knüppel, rm: 98 Buche, 19 Eiche,
48 Eſche, 2 Erle, 1 Fichte;
Reiſerholz III. Kl. (Aſtreiſig) 100 W.:
21,3 Buche, 5,0 Eiche;
Stöcke, rm: 18 Buche.
Das Holz iſt vor der Verſteigerung
einzuſehen. Irgendwelche ſpätere
Ein=
wendungen wegen der Güte des Holzes
werden nicht entgegengenommen.
Nähere Auskunft durch das
unter=
zeichnete Forſtamt und Herrn Förſter
Hoffmann zu Forſthaus Eiſernhand.
Ober=Ramſtadt, den 17. Jan. 1928.
Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt.
Rutz= u. Brennholz
Verſteigerung.
Am Montag, den 23. Januar
1928, von vormittags 91/. Uhr, wer
den im Roßdörfer Gemeindewald aus
Abteilung 60 (Ecke Brunnersweg und
Hauptſchneiſe am Eingang des Waldes)
Fichten=StämmeKl. Ia 305 St. 46,52 fm
Ib 89 „ 24,23,
„, IIa 7„ 3,26 „
„ IIb 1„ 1,05 „
=Derbſt. „ 1176
II 392 „
III 274 „
=Reisſt.
TV 66
V 128
VT 233
VII 125
VIII 30 „
=Nutzknüppel 6 rm
Brennholz
..71
Zuſammenkunft an der Kubig. (1433
Roßdorf, den 17. Jan. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Lorenz.
Serſteigerangs Angeige.
Am Freitag, den 20. Jan. 1928,
vormittags 10 Uhr, ſollen in meinem
Verſteigerungslokale Bleichſtr. 40
fol=
gende Gegenſtände zwangsweiſe gegen
Barzahlung verſteigert werden,
insbe=
ſondere:
(1443
1 Kontrollkaſſe (Monopol), 1
Rahmen=
ſchrank, 2 Theken mit Glasaufſatz, ein
Warenſchrank mit alter Kontrollkaſſe
(National), 1 Poſten Pergamentpapier,
1000 Kartons, 1 Schreibmaſchine (A.=
E.=G.), 2 Standuhren, 1 Korbtiſch,
2 Korbſeſſel, 3 Kredenzen, 1 Klubſofa
2 Büfetts, 1 Liegeſofa, 1 Diwan, ein
Ausziehtiſch, 1 Kredenz aus
Peddig=
rohr, 2 Schreibtiſche, 1
Schreibtiſch=
ſeſſel, 1 Bücherſchrank; ferner neue und
gebrauchte Möbel aller Art u. a. m.
Darmſtadt, den 18. Jan. 1928.
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Wr
Wre
P
K
2 or
A
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unt. T 23 an die
Ge=
ſchäfts telle. *1672
Tahnbedarf Aktien-Gesellschaft
Darmstadt.
Aufwertung der 5%igen Obligationen
vom Jahre 1021.
Gemäß Bekanntmachung im Deutſchen Reichsanzeiger
Jom 14. Dezember 1927, Nr. 292 haben wir die Inhaber der
b=prozentigen Teilſchuldverſchreibungen der Bahnbedarf
„ktien=Geſekſchaft, Darmſtadt, vom Jahre 1921 aufgefordert.
hre Teilſchuldverſchreibungen bis zum 15. Januar 1928
bei der Darmſtädter uud Nativnalbank,
Kommandit=
geſellſchaft auf Aktien, Filiale Frankfurt (Main), in
Frankfurt a. M.
zum Zwecke der Abſtempelung auf ihren neuen
Reichsmars=
wert einzureichen. Der Aufwertungsbetrag beläuft ſich
für Stücke zu
nom. Pm. 1000 auf nom. RM. 3.43
„ Pm. 2000 „ „ RM. 6.86.
Wir verlängern hiermit die Einreichungsfriſt bis zum
15. Februar 1928.
Die Einreichung der Teilſchuldverſchreibungen hat unter
Beifügung der Zinsſcheinbogen mit ſämtlichen noch nicht
fälligen Zinsſcheinen und Erneuerungsſcheinen ſowie mit
einem arithmetiſch geordneten Nummernverzeichnis in
doppelter Ausfertigung zu erfolgen. Die abgeſtempelten
Mäntel werden gegen Rückgabe der ausgeſtellten
Empfangs=
beſcheinigungen tunlichſt bald zurückgegeben. Die
Ab=
ſtempelungsſtelle iſt berechtigt, aber nicht verpflichtet, die
Legitimation des Vorzeigers der Empfangsbeſcheinigung
zu prüfen.
Die eingereichten Ziusſcheinbogen werden
zurückbehal=
ten, die Zinszahlung erfolgt gemäß Artikel 39 der
Durch=
führungsverordnung zum Aufwertungsgeſetz zuzüglich
Zinſeszinſen erſt bei Fälligkeit des Kapitals, ſofern nicht
die Gläubiger Teilſchuldverſchreibungen im Geſamtbetrag
von RM. 20.— und darüber beſitzen und von dem Recht
der Hinterlegung der Stücke bei der Geſellſchaft Gebrauch
wachen.
(1369
Erfolgt die Einreichutng der Teilſchuuldverſchreibungen
am Schalter, ſo wird keine Proviſion berechnet, andernfalls
wird die übliche Proviſion in Anſatz gebracht.
Frankfurt a. Main, den 14. Jamar 1928.
Aquila Aktiengeſellſchaft für Handels= und
Induſtrie=
unternehmungen.
Gemütlich möbliertes
mit voller Penſion
in möglichſter Nähe
der Liebigs=Ober.
realſchule per ſofort
ge ucht. Eilangeb. u.
T 15 Geſchſt. (1646
2 einf. leere Manſ.=
Zim. p. ſof. geſ Ang.
S246Gſchſt (*1616
Leeres Zimm. ſofor
geſuht. Ang. u. T 4
Geſchäftsſt. (*1629dfs
Größerer Kamin zum Anſchluß von
Keramiſchem Brennofen erforderlich
Angebote an das „Dürerhaus”
Eliſabethenſtraße 25½4 (1428
Merck=Beamter
ſucht per 1. oder 15. Februar zwei möbl.
Zimmer mit Küchenbenützung, möglichſt
ab=
geſchloſſene Teilwohnung. Gute Bezahlung
wird geboten. Angebote mit Preisangabe
unter T 24 an die Geſchäftsſtelle. (*1680
Nächſten Dienstag, den 24.
Ja=
nuar 1928, vormittags 10 Uhr
an=
fangend, werden im hieſigen
Gemeinde=
wald verſteigert:
126 Eichenſtämme — 81,99 fm
16 Buchenſtämme — 16,70 „
8 Kiefernſtämme — 8,99 ,„
169 Fichten=Derb= und Reisſtangen.
Die Zuſammenkunft iſt an der
Schutz=
hütte.
(1405a
Klein=Umſtadt, den 16. Jan. 1928.
Heſſ. Bürgermeiſterei.
Sturmfels.
Am Freitag, den 20. Jan. 19.8,
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meinem
Verſteigerungslokale Hügelſtr. 27 eine
große Anzahl gepfändete
Gegen=
ſtände öffentlich zwangsweiſe gegen
Barzahlung.
(1418
Beſtimmt verſteigert wird; ein
Herrenfahrrad (gebraucht).
Portner
Gerichtsvollzieher.
Gräntfarter Karbdericht vohr 40. Dan. Lo4d.
Hane
a) Deutſche
D. Reichsanl. Ablöf=
Schuld einſchl.
Auslof.=Sch. I. Teil
„III. Teil
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld ohne
Aus=
oſungsſcheine .. .
4½ Dt. Schutzgeb.=
Aal. ......"
b) Ausländiſche
5% Bos.E. B 1914
5% L.Inv. 1914
4½% 1898 ...
4½% „1902 ..."
4½ Bosnien
5½ Bulg. Tabal. 02
554
16.05
7.95
40.5
40.5
3.2
17
4½%Oſt. Staatsr.
v. 1913. Kdb. 1918
4½3Oſt. Schatz. 14/ 30
4f/s% Oſt. Silberr.
4½ „ Goldr
4½ Oſt. Goldrente
lt. Innsbr. Abk. / 31.25
4½ „einh. R. (k.)
3% Port. (Spz.)III
5%Rum.am. R.03
4½%-Gold. 13
4% am.kon.
4½ am.05
47 Türk. (Adm 03
4½ Bagd.
4% „ Bagd II
4% „unif. 1903
4% „1911 Boll.
4½% Ung. St 19131
1913
4½%
(lt. Tnnsbr. Abk.)
4½% Ung. St. 1914
4½½ Ung. St. 1914
(lt. Innsbr. Abk.)
42 Ung Goldr.
9.6
6.75
167,
5.6
14.25
18.5
25.3
425 Ung. Goldr.
(t. Innsbr. Abk.)
42 Ung. Staatsr.
b. 10
4% Ung. Kronr.. .
3% Ung. Eiſ. Tor
Außereuro=
päiſche
5%Mex.am. in. abg.
5% äuß. 99 „
4% Goldo4ſtf
3% „ konſ. inn. „
4½%, Irrigat.
5% Tamaulipas I ,
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10%Berl. H.=Bt. G.
8% „ „
6% Berl. St. Gold
8% Darmſt. St.=G.
8 % D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf
725Dresd. St.G.
7%Frkf. St.=G..
8%Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
70 Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
6 % Frrf. Hyp.=Bk.=
Goldpfbr.
8% Frrf. Pfbr. =Bk.
Goldpfbr.
7%0 Frlf. Goldpfbr.
8% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.
5% Frkf. Pfbu. Bk.
Goldpfbr.
7% b.=St.=
Gold=
ant. .
18% Heſſ. Land.=Bk.
Goldpfbr. . .
7% Heſſ. Land.-Bk.
Goldpfbr. .. . ..
8%Klöckn.=Werk. 26
21:ſ.
15.75
29 25
19.5
105
98
92‟1.
98‟1.
92
89
87.75
89.75
89
97
93.5
89
99.25
95
93
81
87.5
98.25
94
96.5
Dne
Mark (Hagen)
Golbobl.
8%0 Komm. Ldsbl
Darmſt., Reihe
8% K. Landesbank
Darmſt. Reihe II
8% Ldwgshf Stadt=
Goldanl.
7%M. KraftHöchſt
8% Mainz.=St.=G.
8% Mannh. St.=G.
6% Mannh. St.=G.=
7% M.=Stahlw. 27
8% Naſſ. Ldb. Gold
8% Nbg. St. Gldal.
18½ Pfälz. Hyp. Bk.=
Goldpfbr
7% Pfälz. Hyp.=Bk.
Goldpfbr. .
6% Pfälz. Hyp.=Bk
Goldpfbr.
8% Pforzh. St.=G.
% Pirmaſ. St.=G.
8% Pr. Centr. Bd.=
Cr.=Bk. Gldpfbr.
18% Pr. Centr.=St.=Goldpfbr.
7%6 Pr. Centr.=St.=Goldpfbr.
8% Rh.=Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
½% „„Lig. Pfb.
% „Anteilſch
7½%Rh. Stahlw.
25.
10%Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk Goldpf.
8%
82 Südd. B. Cr. B.
Goldpfdbr.
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyp.=Gld.. mit Option
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyp.=Gd.. ohne Option
7% Viag( V. Ind.=
Unt. Bln.) 27
N4
95.5
96
94.1
89.6
93
95.25
93.75
97.5
97.5
94
88.5
95.5
92.25
98.25
98
94
Rre
94.25
89.5
81
60.5
97.25
93.5
91
80
8% Voigt &Häffner
Goldobl. ... ..."
8% Württbg. Hhp.=
Bank Goldpfbrf
Ohne
Zins=
berechnung
5% Bdw. Kohl 23
6 % Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6%beſ.Brk.=Rg. 23
5% Heſſ. Volksſtaat
Roggen .. . . . 23
5% Pr. Kaliw. ...
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt. B. 6
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bayr Vereinsb.
Bayr. Handelsb.
Bayr. Hyp. u. Wechſ.
Berliner Hyp.=Bk.
Frrf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bk.
Mecklb. Hyp.=u. Wb.
Meining. Hyp. Bk..
Nordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Preuß. Bob.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=r. B.
Preuß Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B.
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr.. ..
Württ Hyp Bk...
Staatl. ob. prov.
garantiert
He. L.=Hyp.=B..
Landeskr. Caſſel..
Naſſau Ldsb.
Obligattonen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz. Carl=
Lub.=B.
abg.
5%Oſt. Sd. /L.ſtfr.
95
98
12.62
6.5
9
9.15
2.22
18.15
14.2
14.5
9.1
13.7
12.52
9.6
3.05
3.75
3.25
2,6% AlteOſt. Südb.
2,6% Neue
%Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. 1.b.8.E. .
3%Oſt. „ „abg.
3% „ „9.Em.
3% — „ „abg.
3% „ „ 1885 ..
3% „ „ abg. .
3%Oſt. Erg. Netz
3%Oſt. „ „abg.
3½ Raab Oebb. 83
3% „
„ 91
3% „
97
4% Rud. Silber .."
4% Rud. (Salzkg.)
4½%Anat., S. I
4½% Anat.. S. II
4½% Anat., S. III
3% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec.
4½%
Bank=Altien
Allg. D.=Kredit.
Bad. Bk. .. .."
Bk. ſ. Brauind. .
Barmer Bankv.
Bay. Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb. .
Darmſt. u. Nat.=Bk. 234
Deutſche Bank..."
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein. /1397,
D. Vereins=Br.
Disk.=Geſellſch.
Dresdener Bk
Frankf. Bk. .
Frankf. Hypth. Bk.
Frkf. Pfdbr. Bk.. . .
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Ban!".
Metallbank. .
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Pr. Bd.=Creditban
„ Hyp.=Akt.=Ban!
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbk. . .I.
Rhein=Hyp.=Bk. ..
Südd B.=Crebitbk.
14.5
14.5
22.25
22
Mee
17
18
5.1
2.82
19
18
15
18.75
145.75
174
147
173
174
163.5
128
104
157
157.25
125
143.5
7.5
130
15
137.5
152
189
132.75
175
Südd. Dise.-Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein
Bergwerk”=Akt.
Buderus..
Eſchw. Bergw. ...
Gelſenkirch. Bgw..
Harp. Bergb.
Ilſe Bergb. St....
„Genußſchein ...
Kali. Aſchersleben..
Kali. Salzdetfurth./
Kali. Weſterregln. . 1176
Klöcknerwerke (abg.
Lothr=Hütte)
Mannesm.=Röhr 150.25
Mansfelder" .
Oberbedarf ...... 79.5
Otavi=Min.=Ant. . .
Phönix=Bergb. ...
Rhein. Braunk. .
Rhein. Stahlw.. ..
Riebeck Montan. . . 149.5
Salzwerkdeilbronn/ 185
Tellus Bgb. .
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke /105-,
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.)
Henninger ......."
Hereules Heſſiſche
Löwenbr.=Münche
Mainz. Aktienbr. 1250
Schöfferhof(Bind.) /337
Schwarz=Storchen /474
Tucher, Nürnberg
Werger
148
37.5
17.5
98
188.5
223
122
170
238
97
169 5
1113.5
J
158
Attum. Berlin.
—
Adler EOppenh
Adlerw. (v. Kleyer)) 88.25
6%E. A. G. Vzg. A. 83.5
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Nummer 19
Als ich noch Prinz war....
Donnerstag den 19 Januar 1928
Geite 13.
10)
Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
(Nachdruck verboten)
Er glitt durch den hinteren Vorhang, öffnete die Tür — der
Siener war nicht da. So machte er ſich ſelbſt auf den Weg, um
unn Foyer etſvas zu holen — eine halbe Flaſche Champus — das
Sar ſicher ein großer Leichtſinn, würde Anita ſagen — und
( was Eßbares.
Er eilte wieder zurück. Im Logengang begegnete er einem
(Serrn, der bei ſeinem Anblick ſichtlich ſtutzte, ſich ſofort Haltung
g=ab und korrekt vor dem Prinzen verneigte, der ihn überraſcht
urnſah.
„Hoheit —‟
Der hatte ſich im gleichen Augenblick gefaßt. Ach was, man
ſonnte doch nicht alle Geſichter in der Erinnerung haben, und
u=ian brauchte auch nicht jede Anrede zu verſtehen! So ging es
ſchm blitzſihnell durch den Kopf. Natürlich, er kannte den
Ad=
haitanten des Großherzogs eigentlich ganz gut — war ein luſtiger
Kerl, der Freiherr von Lippſchütz — auf dem Verlobungsſouper
es Grafen Czeruh hatie man mancherlei Kriegserinnerungen
u—usgetauſcht. Man hatte ia lange genug gemeinſam in den
(Karpathen gehauſt. Dann war man auseinandergekommen,
ſwäter. War ein trinkfeſter Hallodré, der Lippſchütz.
Karl Ferdinand flitzte eilfertig an ihm vorbei.
Der blickte ihm konſterniert nach.
Nanu? Der Prinz noch hier? Inkognito? Und ſah und
ſörte nichts?
Herrn von Lippſchütz fiel vor Erſtaunen das Einglas aus
eem Auge. Er fing es mit alter Geſchicklichkeit noch ſchnell in
er Weſtentaſ he auf.
Zuckte die Schultern
Prinz Branzell noch hier! Wenn er das der Großherzogin.
ſoie heuke in den „Oxpheus” zu führen er das große Vergnügen
ſhatte, erzählen wurde, ſie würde es nicht glauben. Sie ſaß jetzt
illein in der Loge. Er hatte die gnädige Erlaubnis erhalten,
um Gang eine Zigarette zu rauchen. Na ja!
Herr von Lippſchutz kniff ein Auge zu. Er hatte den
Prin=
ſsen in der vorderſten Loge verſchwinden ſehen.
„Soll mich wundern, wenn der luſtige Ferdi da nicht mal
wvieder mitten in einem galanten Abenteuer ſteckt. Sollte der
Merl ſchon über zwei Wochen ſich hier herumtreiben, ohne ſich
offiziell” ſehen zu laſſen? Ein fabelhafter Bruder Leichtſinn:
Lippſchüßz bekam wieder ordentlichen Reſpekt vor dem
Prinzen.
Man wird die Augen offenhalten, dachte er. Die
Großher=
zogin braucht ja nichts zu wiſſen. Aber neugierig bin ich
wahr=
haftig, mit wem er da vorne ſitzen mag.
Er ſteckte ſich die zweite „ruſſiſche” an und hoffte, daß die
Pauſe noch recht lange dauern möge. Offenbach erſchien ihm
doch recht langweilig. Ihm wäre eine moderne Operette mit
einigen Dutzend Ballettdamen und pikanten Koſtümen bei
weitem lieber geweſen.
„O — das ging aber ſchnell,” lachte Anita. „Und nun bringſt
du’s gar ſelber an —”
Karl Ferdinand ſtellte Gläſer und Flaſche vorſichtig auf
einen Seſſel. Den Teller mit „Toaſts” reichte er ihr hin.
„So, Lieb — eſſen tut not,” ſcherzte er.
Ach Gott — du — was haſt du da angerichtet?”
Entſetzt zeigte ſie auf die Flaſche. Er goß gerade die Gläſer
voll.
„Sekt?”
Gott ſei Dank, dachte er und wiſchte mit dem Tuch über die
Stirn, der S hrecken iſt ein Glas Sekt wert. Hoffentlich wird
der Menſch nicht ſo neugierig und — beſucht mich hier. Aus
wär’s!
„Ferdi — ich hab' das noch nie getrunken —
„Dann wird’s höchſte Zeit. Ein Glas iſt eine Erfriſchung!
Zwei iſt der Anfang zur Seligkeit —
„Gut, daß zwei nur überhaupt in der Flaſche ſind, Ferdi —
was biſt du leichtſinnig —
Sie nippte an dem Glas.
„Aber gut ſchmeckt’s —‟
„Alleriveg! Wollt ich meinen.”
„Ferdi — ich glaube, du biſt, heimiſch in — ſolchen
Fla=
ſchen —
Sie drohte ihm ſchelmiſch mit dem Finger. Er griff danach
und küßte ihn. Sollten ihm alle Lippſchütze der Welt geſtohlen
bleiben! Nicht mehr dran denken. Fertig!
„Anita — wir wurden vorhin unterbrochen, in der erſten
Pauſe —. Du ſagteſt. Anton Wielandt wär' dein Vater?”
Der Sekt vertrieb ihre leiſe Befangenheit, über das zu
ſprechen, was —— „ihrer Vergängenheit” angehörte, vollends.
„Ja, Ferdi. Von ihm hab’ ich wohl meine Stimme geerbt.
Sonſt nichts. Er iſt lange tot. Aber — haſt du ihn denn
ge=
kannt?”
„Er war an der Wiener Hofoper — mehrere Jahre — vorm
Kriege
Jetzt war das Verwundern an Anita.
„Das ſtimmt. Tante erzählte mir’s. Er hatte dort große
Erfolge —‟
„Wie überall, ja —‟
„Und du — Ferdi — du haſt ihn ſingen hören? Du weißt
noch von ihm? Wie iſt das ſonderbar — du.”
„Ja — ich hörte ihn. Oft ſogar. Damals war ich junger
Student und —,” Offizier — wollte er ſagen, aber er verſchluckte
das Wort rechtzeitig und fuhr fort:
„Und ich bewunderte ihn. Er war ein König in ſeinem
Reich. Anita — und du biſt ſeine Tochter! Ja, wie hätte ich
darauf kommen ſollen. Gott — da haſt du ja —,” er lachte
fröhlich, „da haſt du ja einen berühmten Namen! Weißt du,
daß in der Hofoper noch ſein Bild hängt? Eine große
Photo=
graphie Irgendwo — ja. Es hängen da viele Größen aus
der Zunft — die längſt vermodert ſind. Man ehrt ihr
An=
denken. Und nun — biſt du ein Nähmädel! — Anita —”
Er zog ihre Hände an ſich und bedeckte ſie mit
leidenſchaft=
lichen Küſſen.
„Liebſte —
Es war gut, daß der kleine Vorhang an der Brüſtung
zu=
gezogen war — nur den Ausblick nach der Bühne freilaſſend.
„Ferdi — was tuſt du
„Ich — ich will dich zur Künſtlerin machen, Liebſte — du
biſt Wielands Tochter —
„Ach du — warum? — Ich habe ja dich —
Er blickte ſie überroſcht an. Ja ſo! Natürlich — er war ja
nur Ferdi Branzell. Er war ihr Geliebter. Mehr noch. Ihre
erſte große Liebe.
„Wie wollteſt du es wohl anſtellen, Ferdi? O ja, ich merke
wohl, ich könnte was erreichen Etvas Großes. Das Blut
meines Vaters — nie habe ich es ſo deutlich gemerkt als in
die=
ſen Wochen, da ich dich kenne. Da all meine Gedanken immer
nur bei dir ſind. Aber — nun in der Kunſt feſten Fuß zu faſſen
— dazu gehört viel Mut und — Geld!”
Er lächelte unbewußt.
Sie hatte wohl reht. Ja. Uind — das Geld — es wäre
ſchon da!
Aber nein! Nein? Warum? Sie gehörte ihm. Sie hatte
ja recht. Und — zum Teufel — ſie ſollte ihm immer gehören!
Ihm allein! Eine Mesalliance? Zum Kuckuck — ſie war die
Tochter eines der größten Sänger! Und was tat’s, wenn ſie
ein Nähnjädel war? Sie war ein Menſchenkind, das
hundert=
mal wertvoller war, als alle weiland Prinzeſſinnen, die ihm
ſein gnädiger Vater ſchon proponiert hatte. Sie war klüger,
reiner, feiner, und ein Lächeln, von ihr wog den koſtbarſten
Brillantſchmuck auf.
(Fortſetzung folgt.)
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Großes Haus
Miete C (9. Vorſtellung)
Donnerstag, den 19. Januar 1928
Anfang 19.00 Uhr Ende nach 22.00 Uhr
Die Zauberflöte
Große Oper in zwei Aufzügen v. Mozart,
Text von Emanuel Schikaneder.
Muſikaliſche Leitung: Max Rudolf
In der Inſzenierung von Ernſt Legal
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Mitwirkende:
Magarete Albrecht, Anna Jacobs, Paula
Kapper, Ellen Kesling, Martha Liebel,
Roſe Merker, Sitta Müller=Wiſchin, Grete
Penſe, Käthe Walter, Johannes Biſchoff,
Guſtav Deharde, Karl Ebert=Beyer, Oscar
Grauert, Al red Karen, Joſef Poerner,
Eugen Vogt.
Spielwart: Fritz Wilde
Preiſe der Plätze 1— 10 Mark
Kleines Haus
Miete G (8. Vorſtellung)
Gruppe 3 und 4 Darmſtädt. Volksbühne
Donnerstag, den 19. Januar 1928
Anfang 20.00 Uhr Ende nach 22.00 Uhr
Der dreizehnte Stuhl
Kriminalſtück in drei Akten
von Bahard Veiller
Aus dem Engliſchen übertragen, von Rita
Matthias
Inſzenierung: Hans Aſchaffenburg
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Mitwirkende: (1415
Käthe Gothe, Beſſie Hoffart. Charlotte
Jaeke=Joſt, Elſa Knott, Käte Meißner, Kitty
Stengel, Mela Wigandt, Hans Baume ſter,
Hansjoachim Büttner, Werner Finck, ullich
Folkmar, Richard Jürgas Robert Klupp,
Willy Krichbaum, Paul Maletzki, Karl
Paryla, Gothart Portloff, KurtWeſtermann
Spielwart: Willy Krichbaum.
Preiſe der Plätze: 1—5 Mk.
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