Darmstädter Tagblatt 1927


06. Oktober 1927

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Einzelnummer 10 Pfennige

Bezugspreis:
Töchentlich 2mallgem Erſcheinen vom 1.Oktober
*0. Oitober 2.48 Reichamarl und 22 Pfennig
ktieagegebühr, abgeholt 2.25 Reichsmart, durch die
tertufen 2.40,sichemark frei Haus. Poſibezugspreis
Art

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Norgenzeitung der Landeshauptſtadt

Anzeigenpreis:

Haarwuchsmittel entſcheidenden Wert beſitzt.
D. h. mit anderen Worten:

Andere Kerzte, Prinz, Perl=
mann
, Jordan, Speyer, Abel uſw.
konnten in den verſchiedenſten Fällen
kümmerlichen Haarwuchſes über volle
Erfolge berichten; auch bei Glatzen, bei
denen die haut noch nicht atrophiſch
war, ſtellte ſich allmählich ein in dieſen
Fällen beſonders beglückender Erfolg
ein. Das Reſultat der hier nur kurz
erwähnten Derſuche beſagt, daß die
Silvikrin=Haarkur entſcheiden=
den
Wert beſitzt.
Unſere Kufklärungsarbeit wird
aber erſt dann von Erfolg gekrönt ſein,
die wirßung der Silvihrin=haarkur, die als wenn rechtzeitig richtige Haar= HiOL OOeinem Mac,
wuchskosmetik betrieben wird. iieder Fülle und.

Gräme Dich nicht!

Silvikrin
Huid
ſchgnngix.
Wird das Kopfwaſſer Silvikrin=Fluid rechtzeitig und
häglich angewandt, ſo bleibt auch ohne die Silvikrin=Haarkur geſunder Haarwuchs bis in das
ſpäte Elter erhalten und prächtiges Haar Ihre ſchönſte Hier.
Da die haare arge Staubfänger ſind, und der Staub zuſammen mit dem Fett und Schweiß des Hhaarbodens
jiemlich ſchwer entfernbar iſt, ſo haben wir der zwechentſprechenden Reinigung die Aufmerkſamkeit
gewidmet, die bei der Empfindlichkeit des Haarbodens erforderlich iſt: Die 34 mal im Monat
aruszuführende Shampoonierung mit dem Kopfwaſchpulver Silvikrin=Shampoon läßt Haarboden und
Haar in hngieniſcher Reinheit erſcheinen.
Wenn Sie in die Tage verſetzt werden ſollen, das Nützliche vom Schäd=
lichen
zu ſcheiden, ſo müſſen Sie erſt die Grundlage des Nützlichen kennen
lernen: Das durch Reichspatent geſchützte Silvikrin=Derfahren betrifft die
erwähnten Präparate:

Friſur vor Gebrauch
von Silvikrin=Shampoon

1. Silvikrin=Haarkur
2. Silvikrin=Fluid
5. Silvikrin=Shampoon . gratis bemuſtern
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hallen
und Wiedererſtehen, das wir bereits oben erläutert haben.
Eine derartig koſtſpielige Art der Kundenwerbung wäre glatter Selbſtmord, wenn ſie für
Präparate geſchähe, deren Wert auch nur mittelmäßig wäre. Unſer Siel, Sie zu überzeugen,
(rreichen wir beſtimmt durch unſere Gratisſendung, weil unſer Silvikrin=Derfahren derart iſt, daß
ſelbſt ein Mann von dem Anſehen des Dermatologen und Univerſitätsprofeſſors Dr. med. Polland
mit ſeinem Namen für den Sonderwert des=
ſelben
eintritt. Wir erklären noch einmal
ganz ausdrücklich, daß Ihnen von uns
heine unverlangte Sendung zugeſtelltwird. Senden Sie mir koſtenlos und portofrei drei Gratisproben:
Entgegen dem Sprichwort iſt aufgeſchoben
1. Silvikrin=Haarkur
aruch meiſt aufgehoben‟. Das Aufgehoben (die
2. Silvikrin=Fluid
Anterlaſſung) können Sie nicht wieder gut machen.
5. Silvikrin=Shampoon
Aber auch das Aufgeſchoben (die Hinauszögerung)
ſowie Beweismaterial und ärztl. Berichte, ferner das 56 Seiten ſtarke
iſt nach Univerſitätsprofeſſor Dr. med. Polland
Büchlein Das Kopfhaar, ſein Ausfallen und Wiedererſtehen.
nächteilig. Darum empfehlen wir Ihnen die
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Kdreſſe mit Bleiſtift deutlich vermerken.

Uhnen vorgekommenen Wahlbeeinfluſſungen proteſtierte. Der
ihürgſte Punkt der Tagesordnung war die Wahl eines provi=
rſahen
Präſidenten, der die Verhandlungen der Skupſchtina
nur Beendigung der Arbeiten des Verifikationsausſchuſſes
ſen ſoll. Als proviſoriſcher Präſident wurde der Regierungs=
ſtöiDdat
, der ehemalige Außenminiſter und Führer der Nadi=
ſen
Partei, Dr. Peritſch, mit 206 gegen 90 Stimmen gewählt.
ir ſihn ſtimmten die Radikalen, die Demokraten und die Slo=
niſchen
Klerikalen, während der oppoſitionelle Kandidat, der
ſütſchianer Sibenitſch, die Stimmen der Raditſchianer, der
2bſttändigen Demokraten und der Selbſtändigen Landwirte auf
wereinigte. Die Deutſchen ſtimmten ebenfalls für den Regie=
gskandidaten
. Die Tatfache, daß die Demokraten für den
ſitmlen Kandidaten geſtimmt haben, wird, wie man in poli=
hemi
Kreiſen verſichert, die weiteren Verhandlungen zwiſchen
Demokraten und den oppoſitionellen Parteien zur Bildung
es Demokratiſchen Blockes nicht ſtören. Vorläufig ſcheint eine
zuerungskriſe nicht bevorzuſtehen. Eine Klärung der Lage
ite erſt nach der Verifizierung der Mandate erfolgen. Einſt=
lem
verbleiben die Demockraten in der Regierungskoalition.
Uhite Sitzung morgen vormittag.

ziuens ware.
Reichskanzler Dr. Marx kommt am Dienstag
nach Mainz.
* Mainz, 5. Oktober. (Priv.=Tel.)
Wie uns der Landeskommiſſar für das beſetzte heſſiſche Ge=
biet
, Probinzialdirektor Geheimrat Dr. U ſinger, mitteilt, wird
der Herr Reichskanzler Dr. Marx als Reichsminiſter für die
beſetzten Gebiete am 11. Oktober in Mainz weilen. Er wünſcht
ſich bei dieſer Gelegenheit ein Bild von den gegenwärtigen Ver=
hältniſſen
des beſetzten heſſiſchen Gebietes zu machen und mit
den führenden Perſönlichkeiten des öffentlichen Lebens, ſowie
der Berufs= und Intereſſenvertretungen in Fühlung zu kommen.
Ein offizieller Empfang findet im Auftrag des heſſiſchen
Geſamtminiſteriums am Dienstag, den 11. Oktober,
17½ Uhr, in dem von der Stadt Mainz zur Verfügung geſtellten
Weißen Saal des Kurfürſtlichen Schloſſes (Eingang Rheinallee)
ſtatt.

ort
I. geſtiattet.
ihrgang

27 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspig.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle 192 mm
breit 2Reichomarl. Anzeigen von auewärte 40 Reſchspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspig. 92 mm breite Reilame=
zeile
3.00 Reichsmart. Alle Preiſe m Reichsmar:
4 Dollar 420 Marſl. Im Falle böberer
Gewalt, wie Krieg. Aufruhr. Streil uſw erliſcht
ede Verpſichtung au Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturs oder gerſchtlicher Betreibung fällt ſebet
Nabat weg. Banſtonto. Deutſche Bani und Darm
ſtädter und Nationalban

nd um die Poſenanleihe.
anſerem ſtändigen Berichterſtatter.
S. Warſchau, Anfang Oktober 1927.
r ſenſationell aufgemachten Unterbrechung der Ver=
am
vergangenen Freitag ſind die Anleiheverhand=
ichlich
fortgeführt worden. Bartel, der Vizepremier=
tonte
, daß die polniſche Regierung niemals Anleihe=
i
unterzeichnen würden, die der internationalen Stel=
s
nicht entſprächen. In dieſer Formel liegt das A
gegenwärtigen Lage. Wenn man auch am Freitag
z, daß eine Meinungsverſchiedenheit in der Frage des
rſes die Unterbrechung bewirkt habe, ſo weiß man
eſe Erklärung nichts anderes darſtellt, als ein Feigen=
den
politiſchen Unzulänglichkeiten, welche die wahre
it ausmachen.
(nleihe als ſolche ſtellt nämlich eine politiſche Hilfs=
den
bedrängten Marſchall Pilſudſki dar, dem es
geht, wie er noch vor einem Jahr gehofft hat. Wie
ft man ſich, die finanziellen Erforderniſſe dieſer Zeit
je Wünſche der Zeichner der kommenden Anleihe ver=
en
? Die Ueberſchrift zu dieſem peinlichen Kapitel
nanzkontrolle‟. Wie man weiß, wollen die Polen
Finanzkontrolle nichts wiſſen. Sie haben aus dieſem
h die Begebung einer Anleihe durch den Völkerbund
ind ſich mit rieſigen Unkoſten, den amerikaniſchen
Kemmerer kommen laſſen, der bekanntlich vor einem
polniſchen Staat in ſeiner Eigenſchaft als Anlage=
für
internationale Gelder auf Herz und Nieren ge=
Aber auch er iſt ſchließlich zu ganz beſtimmten Forde=
mmen
, die dem Selbſtbewußtſein der maßgebenden
widerwärtig ſind. Man weiß nämlich, daß beiſpiels=
ſerater
bei der polniſchen Staatsbank eingeſetzt wer=
n
ein fiskaliſches Vetorecht eingeräumt werden müßte.
igt ganz beſtimmte Zuſicherungen über die Behand=
Budgetfragen. Es wird davon geſprochen, daß die
indet werden müßten. Kurzum, Polen müßte, wenn
leihe haben will, eine heimliche Finanzkon=
aſſen
. Sie würde zeitlich begrenzt ſein.
ſchwer einzuſehen, weshalb ſich die polniſche Regie=
ſr
gegen dieſe Notwendigkeiten ſträubt. Denn man
Recht darauf hin, daß das Zuſtandekommen dieſer
ihe den polniſchen Staat, gleichſam hoffähig machen
ſie ihm den Zutritt zu den internationalen Gold=
fnen
würde. Dieſe erſte Anleihe würde der Schritt=
andere
ſein. Daß in dieſem Zuſammenhange auch
ekurs von Bedeutung iſt, liegt auf der Hand. Die
hek beeinflußt die zweiten, dritten und vierten.
18 Alpdrücken der polniſchen Regierung ſtammt aus
telle. Zwar hat man im vergangenen Jahre einen
berſchuß von einigen Hundert Millionen Zloty her=
haftet
. Aber woher kommt er? Dieſer Ueberſchuß
nichts anderes, als ein unſichtbarer Zuſchuß
taatsdienſte tätigen Perſonen, die bei
ſchnell ſteigenden Preiſen auch heute noch auf der
der vorjährigen Kaufkraft des Geldes entlohnt wer=
lgemeine
Wirtſchaftslage geſtattet kein weiteres An=
Steuerſchraube. Wenn aber ein Haushaltsüberſchuß
tiger Einführung einer Finanzkontrolle die Voraus=
die
Anleihe darſtellt, dann befindet ſich die Regierung
einer allerdings höchſt peinlichen Lage. Steigert
mtengehälter, dann verſchwindet der Ueberſchuß. Ver=
er
Ueberſchuß, dann verflüchtigt ſich die Anleihehoff=
man
aber den gegenwärtigen Zuſtand fortbeſtehen,
s innerpolitiſche Erſchütterungen. Die letzte Tagung
eigte jedem, der Ohren hatte zu hören, daß ſich unter
che ein tiefgehender Wandel der Volksſtimmung voll=
udſki
iſt nicht mehr der Herold einer beſſeren Zu=
mehr
der Mann des Schickſals. Er hat ſeine Muni=
ſſen
. Sein politiſcher Köcher iſt leer und ſeine Kaſſen
ieſen Umſtänden kann ein Zuſtandekommen des An=
es
nur durch politiſche Motive hervorgebracht werden.
he Staat in ſeiner derzeitigen Verfaſſung iſt kein
t. Die Art, wie Pilſudſki die Volksvertretung, den
ihrer parlamentariſchen Bekleidung herausgeſtemmt
em Motto des Berliner Kraftprotzen: Menſch, dir
hat in den Kreiſen gepflegter politiſcher Lebensart
mt. Vor einem Jahre hätte Pilſudſki vielleicht eine
alten können. Man hat ſie damals großſpurig ab=
nd
heute? Sollte der Rücktritt des engliſchen Ge=
Warſchau, Sir Max Müller, auch ein Symptom für
das weilere Schickſal der Anleihe ſein? Dies aber nur bei=
läufig
. Der deutſche Beobachter erinnert ſich an das Problem
des deutſch=polniſchen Handelsvertrages. Der deutſch=
polniſche
Zollkrieg droht Ende des Jahres eine verſchärfte Form
anzunehmen. Iſt es aber richtig, daß die Zolleinnahmen eine
Sicherheit für die Anleihe bedeuten, dann iſt ein Handelsvertrag
mit Deutſchland wiederum eine höchſt wünſchenswerte zuſätzliche
Sicherung der Geldgeber. Damit gewinnen aber die Worte Bar=
tels
, daß die Regierung niemals eine Anleihe, die der inter=
nationalen
Stellung Polens nicht entſpricht, abſchließen würde,
eine außenpolitiſche Bedeutung.
Wie ſich die Dinge weiter entwickeln werden, ſteht im Augen=
blick
noch dahin. Die Regierung macht in Optimismus. Sie
hat gute Gründe dazu. Sie hat die Anleihe bitter nötig. Kommt
ſie aber zuſtande, und zwar ohne Ausſicht auf handelspolitiſche
Einigung zwiſchen Deutſchland und Polen, dann ſtellt ſie ein
höchſt beunruhigendes Symptom für die Oſtpolitik der Weſt=
ſtaaten
dar. Sie wäre dann nämlich nichts anderes als die
Finanzierung der Diktatur Pilſudſkis gegen den
Willen der polniſchen Volksvertretung mit einer deutlichen Spitze
gegen die beiden Nachbarſtagten Deutſchland und Rußland.

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Seite 16

Mittwoch, den 5. Oktober 1927

Nummer 276

OlololIo Tef
TIOHMITOAZ
Das pflegt man ſich erſt zu überlegen, wenn es ſich um
Reſte handelt. Haarwurzelſchwäche und dementſprechender
Haarausfall nehmen einen ſo ſchleichenden Förtgang das
iſt die Regel bis eines Cages der kümmerliche haar=
beſiand
die Herſtellung der gewohnten, Friſur kaum noch
ermöglicht. Ja, wenn Haarausfall und Glatze weh täten,
würde man rechtzeitig bemüht ſein, die Derödung des
Haarbodens zu verhindern.
Soll der Haarboden ſeine 75 100000 Haare
ſtündlich, täglich, jahraus, jahrein wachſen laſſen,
ſo darf er keine läſtige Schinnenbildung, keine übermäßige Fettabſonderung und keine
Derhornung (Hyperkeratoſe) aufweiſen!
Liegt trotz geſunden Haarbodens kümmerlicher Haarwuchs vor, ſo bringen die Haarwurzeln
nicht mehr die zu vollem Haarwuchs erforderliche ungeheure Wachstumsenergie auf. (Dorzeitiger
Haarausfall).
Betrachtet man ſeine Photographien oder die von Bekannten die 1015 Jahre ausein=
anderliegen
, ſo wird man faſt ſtets feſtſtellen, daß die haarfülle von einſt nicht mehr vorhanden
iſt. Das iſt nicht naturgewollt und trifft doch ſo viele, weil entweder die Haarpflege mangelhaft oder gar=
ſchädlich
war. Darum ſoll unſere wirklich umfaſſende Kufklärung
über das Geheimnis des Haarwuchſes und über Art und Mittel der
Behandlung von Haarboden und haar, jedem Leſer die Möglichkeit
geben, ſich das charakteriſtiſche Merkmal ſeines Ausſehens
wiederzugewinnen und zu erhalten.
Im Vordergrund ſtehen folgende Fragen:
1) Iſt die geſchwächte Haarwurzel zu einer Steigerung ihrer
Funktion (Haarbildung) zu bringen ? (Glatzen).
2) Welche Rolle ſpielen dabei die nach dem bekannten Silvikrin=
Derfahren gebotenen Bauſteine des haares?*)
5) Iſt man ohne einſchlägige Kenntniſſe imſtande, Haarboden und
Haar zweckentſprechend zu pflegen, den Weizen von der Spreu zu ſondern?
Die Antwort auf dieſe Fragen finden Sie in dem 56 Seiten ſtarken
Büchlein Das Kopfhaar, ſein Ausfallen und Wiedererſtehen‟. Die
wertvolle einſchlägige Literatur iſt in dieſem Werkchen verarbeitet.
Ein häufiger Fall des Haarſchwundes ohne jede urſache etwa von Neue Gedankengänge zu den Lebensvorgängen in unſeren Geweben.
der Art, wie ihn Univerſitätsprofeſſor Dr. med. Polland beſchreibt, ſind in leicht verſtändlicher Form zum Ausdruck gebracht. Der Uni=
verſitätsprofeſſor
ſowohl wie auch der praktiſche Arzt ſind aus ihren Mitteilungen ſoweit zitiert, wie es zur Er=
läuterung
der Silvikrin=Haarkur erforderlich iſt: Hier nur als Beiſpiel eine Stelle aus der Publikation des bekannten.
Dermatologen Univerſitätsprofeſſor Dr. med. Polland: Gleichzeitig wurde auch der 30=jährige Sohn=
der
Dame behandelt, ein typiſcher Fall: Bis zu 20 Jahren reicher Haarwuchs, dann ſehr raſcher haarverluſt; jetzt
ſehr weit einſpringende Schläfenecken, eine faſt
Die Gratisbezugskarte hier abtrennen!
ausgebildete Glätze von der Stirn bis zum Scheitel.

15331)

Druckſache

An den

Silvikrin=Bertrieb
G. m. b. H.

Berlin SD 68

mit ſpärlichem Flaumhaarreſt, Haut aber noch
nicht atrophiſch. Dieſer eigentlich wenig er=
mutigende
Fall, bei dem die verſchiedenſten üblichen.
Behandlungsverſuche völlig verſagt hatten, zeigte
ſchon nach verhältnismäßig kurzer Silvikrinbe=
handlung
die allerdings ſehr gewiſſen=
haft
, zum Ceil unter meiner Kufſicht
durchgeführt wurde einen faſt ver-
Släiffenden Crfolg: Die Haare be=
gannen
raſch und reichlich zu ſprießen, waren
anfangs flaumig, aber ein beträchtlicher Ceil wuchs
in die Länge und wurde ſtärker. Die haare ſind.
jetzt ungefähr 8 cm lang und ſtehen beſonders
an der Stirnhaargrenze dichter!
*) Die Bauſteine des Haares ſind Schwefelalbumoſen. Es muß bei ihrem
eigenartigen von heffter beſchriebenen Charakter gewiſſermaßen auf eine
treibende Kraft, wie bei den Fermenten der Hefe, geſchloſſen werden. Man
gewinnt ſie nach einem patentierten Derfahren diretzt aus gereinigtem
Menſchenhaar.

Elellen
duer
Ait

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Einzelnummer 10 Pfennige

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Kaöchentlich 2mallgem Erſcheinen vom 4.Oklobet
11M0. Ottober 2.18 Reſchämark und 22 Pfennig
Untegebühr, abgeholt 2.25 Reichsmari, durch die
lgtiren 2.40 Reichsmark frei Haus. Poſibezugspreis
mit ohne Beſtellgeld monatlich 2.45 Reichsmart.
Benirwortlichkeit für Aufnahme von An eigen an
ſcmraten Tagen wird nicht übernommen. Nicht=
Hueen einzelner Nummern inſolge höherer Gewalt
bmmist den Bezieher nicht zur Kürzung des
AmFreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
T zn1 ohne Verbindlichkeit für uns poſiſcheckonto
Franffurt a. M. 13041

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit z verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſtattet.
Nummer 277
Donnerstag, den 6. Oktober 1927. 190. Jahrgang

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breit/ 2Reichsmarl. Anzeigen von auswärts 40 Reſchspfg
Finanz=Anzeigen 60 Reichspſg., 92 mm breite Reilame=
zeſſe
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4 Dollar 420 Marſl. Im Falle böherer
Gewall, wie Krieg. Aufruhr. Sfrel uſw erliſch
ede Verpſichtung au Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturs oder gerſchtlicher Beitreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Banktonto: Deutſche Bani und Darm
ſtädtei und Nationalbanl

(Gröffnung des memelländiſchen
Landtages.
Dse Memelbevölkerung in Erwartung der
Erfüllung gegebener Verſprechen.
* Königsberg, 5. Okt. (Priv.=Tel.)
19 ach aus Memel vorliegenden Nachrichten hat heute Landes=
hident
Schwellnus dem Gouverneur nach ſeiner erfolgten
Ahrkrinft das Rücktrittsgeſuch des geſamten Direktoriums unter=
hytek
. Das Geſuch wurde vom Gouverneur angenommen.
99ach den bewegten Wahlen und den noch ſtürmiſcheren Er=
eſhiſſen
der letzten Tage iſt nun endlich der memelländiſche
teine Qüdrag zuſammengetreten. Das Direktorium hat verfaſſungs=
mröig
, demiſſioniert wohl auch unter Einwirkung der Unter=
r
Aien zwiſchen dem Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
lücvem Miniſterpräſidenten Prof. Woldemaras , und die
Dai ſion iſt angenommen worden. Die neue Aera in Memel
tnyſwem Ausſcheiden des Gouverneurs Schwellnus, die Zeit
eil ehm Friedlichen Zuſammenarbeit und Aufbauarbeit könnte nun
unde bleaiaen, wenn ſich die von Miniſterpräſident Woldemaras ge=
Fga grch nen Verſprechen erfüllen. Aber man darf ſich nicht zu
run fuch allzu einſeitigen Hoffnungen hingeben. Man muß dabei
blefieers die litauiſche Mentalität in Rechnung
ſheln. Der junge Staat iſt auf ſtreng nationaler Baſis auf=
Belu., und die Chauviniſten in Litauen, namentlich in den
(Hſrſm der Militärs, empfinden den Zwang, den ihnen die
Gſalging des Memelſtatuts auferlegt, als eine Beeinträchtigung
delttauiſchen Souveränität. Miniſterpräſident Woldemargs
rei hihvrrſprochen, daß das Memelſtatut ehrlich durchgeführt wer=
dännärd
, hat aber den Vorbehalt gemacht, daß einige unpräzis
ghißte Punkte deutlicher ausgelegt werden müßten. Es liegt
in itſer Einſchränkung eine gewiſſe Gefahr für neu auftau=
ihte
Konflikte. Die Deutſchen haben im Memeler Landtag
un eih indrückende Mehrheit. Wie wird ſich der neue Gouver=
wun
ider Vertreter der großlitauiſchen Intereſſen, mit dieſer
Siuche abfinden können? Einer willkürlichen Auslegung des
zu Mkae ſtatuts bleiben, namentlich ſolange die Kriegsgeſetze und
diſt zanfur beſtehen, nach wie vor die Türen offen.
In ihrer Denkſchrift an den Völkerbund hatten ſich die
Mkee länder darüber beklagt, daß der erſte, am 19. Oktober 1925
gochh’te Landtag unrechtmäßig im Januar 1927 aufgelöſt und
C ſofts verfaſſungsmäßigen Tagungsrechtes beraubt worden ſei.
AA ſei das Landesdirektorium im Widerſpruch zu dem Statut
miz ein dem Landtag verantwortliches, ſondern nur von
lillgiſrhen Zentralbehörden abhängiges Organ und ſomit den
Mlaekländern gegenüber eine autokratiſche Behörde, ferner
tüwer: die autonome Juſtiz und die wohlerworbenen Recht=
durg
=amten mißachtet. Und nun ſoll plötzlich ein Umſchwung
noch ſteſztin den? Wird Profeſſor Woldemaras die Macht haben, ſei=
nirchtVerſprechungen
gemäß das Steuer mit einem Ruck herum=
zuchrien
? Die Zeit wird es zeigen.
In Litauen ſteht ein Referendum bevor, von deſſen Aus=
gom
die Diktatur Woldemaras abhängt. Die große Partei der
(Mftlich=Demokraten unter Valokaitis iſt Gegner dieſer
ſel WcuBa bſtimmung und opponiert gegen die Partei der Tautinin=
kal
derr Völkiſchen), deren Führer Woldemaras iſt. Auch andere
Pleiführer, die für die Wiedereinführung parlamentariſcher
Zuän de eintreten, agitieren, ſoweit das die ſtrenge Hand=
hebng
der Diktatur zuläßt, gegen das Neferendum. Aber Prof.
Woernaras iſt nicht der Mann, der Widerſpruch duldet, und
6 guide die letzten Vorgänge in Tauroggen beweiſen, daß er
aut enitgegenſtellenden Schwierigkeiten mit allen Mitteln auf
dichns=ib rückt. So iſt denn auch zu hoffen, daß er der Wider=
ſtfihe
im Memelgebiet Herr werden wird, ſoweit ſie von
lilkiſcher Seite kommen.
Mammentritt der jugoſlawiſchen Skupſchtina
EP. Belgrad, 5. Oktober.
berute vormittag 10 Uhr trat die Skuptſchina zu ihrer kon=
ſtiſſerenden
Sitzung zuſammen. Die Abgeordneten waren faſt
vutzlil lig erſchienen, die Tribünen überfüllt. Auch vor dem Par=
lalmssgebäude
hatte ſich eine große Menſchenmenge angeſam=
mit
Die Sitzung nahm einen überaus ſtürmiſchen Verlauf, da
die Ippoſition wiederholt in erregter Weiſe gegen die bei den
Wien vorgekommenen Wahlbeeinfluſſungen proteſtierte. Der
wſtieſſte Punkt der Tagesordnung war die Wahl eines provi=
ſoſihm
Präſidenten, der die Verhandlungen der Skupſchtina
bitz z Beendigung der Arbeiten des Verifikationsausſchuſſes
leliht foll. Als proviſoriſcher Präſident wurde der Regierungs=
kalndnt
, der ehemalige Außenminiſter und Führer der Radi=
kaſt
Partei, Dr. Peritſch, mit 206 gegen 90 Stimmen gewählt.
Fſhlüen ſtimmten die Radikalen, die Demokraten und die Slo=
wmiſch
=en Klerikalen, während der oppoſitionelle Kandidat, der
R0iſtſckhianer Sibenitſch, die Stimmen der Raditſchianer, der
Silſtürndigen Demokraten und der Selbſtändigen Landwirte auf
ſiſſi er einigte. Die Deutſchen ſtimmten ebenfalls für den Regie=
rlinstendidaten
. Die Tatfache, daß die Demokraten für den
relntzleen Kandidaten geſtimmt haben, wird, wie man in poli=
ti
4ſtn Kreiſen verſichert, die weiteren Verhandlungen zwiſchen
de=2emokraten und den oppoſitionellen Parteien zur Bildung
eisy Demokratiſchen Blockes nicht ſtören. Vorläufig ſcheint eine
Rſerutngskriſe nicht bevorzuſtehen. Eine Klärung der Lage
düſte erſt nach der Verifizierung der Mandate erfolgen. Einſt=
win
verbleiben die Demockraten in der Regierungskoalition.
Miſte Sitzung morgen vormittag.

* Am die Botſchaft in Waſhington.
der ausſichtsreichſie Kandidat.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Es iſt, zumal wegen der Intereſſen, die dabei auf dem
Spiele ſtehen, begreiflich, daß die Neubeſetzung der Botſchaft in
Waſhington nicht nur in den diplomatiſchen, ſondern auch den
Wirtſchaftskreiſen ſtarke Wellen ſchlägt, und daß eigentlich jeden
Tag neue Namen als ernſthafte Anwärter genannt werden. Wir
glauben nicht, daß die Ernennung von heute auf morgen zu er=
warten
iſt, einmal, weil das Für und Wider jeder einzelnen
Kandidatur genau geprüft werden muß, dann aber auch, weil
nach Anſicht des Auswärtigen Amtes die Neubeſetzung herein=
gezogen
werden ſoll in das allgemeine Revirement in unſerer
Diplomatie, das vermutlich einen ſehr großen Umfang an=
nehmen
wird. Es beſteht nämlich die Abſicht, entſprechend der
geſtiegenen wirtſchaftlichen und politiſchen Bedeutung einige
unſerer Geſandtſchaften in Botſchaften zu verwandeln. Das
gilt beſonders für Südamerika, wo die Intereſſenverbindung
mit Braſilien und Argentinien längſt ſtark genug geworden iſt,
um ein Herausheben unſerer diplomatiſchen Miſſionen aus
dem großen Kreis der Geſandtſchaften der kleinen Mächte ge=
rechtfertigt
erſcheinen zu laſſen. Es würde alſo, wenn dieſe
Pläne ſich durchſetzen ſollten, notwendig ſein, mehrere neue Bot=
ſchafter
zu ernennen, woraus ſich, da man einen Teil aus der
zünftigen Diplomatie nehmen will, auch eine größere Umſtel=
lung
in der Beſetzung der Botſchaften ergeben würde.
Für Waſhington wird jetzt in erſter Linie der frü=
here
Finanzminiſter Dr. Reinhold genannt, der
im Auswärtigen Amt und auch in der Reichsregierung eifrige
Förderer beſitzt, gegen den aber von anderer Seite mancherlei
Einwände erhoben werden. Trotzdem möchten wir annehmen,
daß ſeine Kandidatur im Augenblick die ernſthafteſte iſt. Neben
den übrigen bereits bekannten Namen wird jetzt auch der frühere
Staatsſekretär im Ernährungsminiſterium Hagedorn genannt,
den die Landwirtſchaft und auch die Induſtrie ſtützen, da
er bei dem Abfchluß des deutſch=ſpaniſchen Handelsvertrages
eine ſehr glückliche Hand gehabt habe und auch aus ſeiner frü=
heren
Tätigkeit bei der Finanzierungsgeſellſchäft für Landkraft=
maſchinen
und bei der Getreidehandelsgeſellſchaft reiche wirt=
ſchaftliche
Erfahrungen geſammelt und bewieſen habe.
Trauerfeier des Auswärtigen Amtes für
Freiherrn v. Maltzan.
Berlin, 5. Okober.
In dem ſtimmungsvoll geſchmückten Großen Saale des Pa=
lais
Leopold fand heute eine interne Gedächtnisfeier des Aus=
wärtigen
Amtes zu Ehren des Botſchafters Freiherrn v. Maltzan
ſtatt. Nach einem Adagio von Haydn hielt Reichsaußenminiſter
Dr. Streſemann die Gedächtnisrede, in der er in warm empfun=
denen
Worten der Perſönlichkeit und des Wirkens das Dahin=
geſchiedenen
gedachte und in ergreifenden Ausführungen zum
Ausdruck brachte, daß die Verdienſte des Verſtorbenen für Reich
und Volk unvergeßlich bleiben. Mit einem Andante von Mozart
hörigen des Verſtorbenen teilnahmen.
Um den Abbau der Beſatzungstruppen.
* Berlin, 5. Oktober. (Priv.=Tel.)
Welche Pläne die Beſatzungsmächte mit dem Abtransport
der 10000 Mann haben, darüber iſt in Deutſchland immer noch
nichts bekannt. Ein Berliner Blatt bringt jetzt die Mitteilung,
daß die erſten 4000 Mann Ende des Monats Oktober deutſchen
Boden verlaſſen haben werden. Der Abmarſch der übrigen Trup=
pen
werde ſich unmittelbar anſchließen, ſo daß bis ſpäteſtens
Ende November die ganzen 10 000 Mann die Grenze paſſiert
hätten. Eine Beſtätigung dieſer Meldung iſt nicht zu bekommen.
Es ſcheint, als ob tatſächlich im Augenblick noch keinerlei Mit=
teilungen
der Beſatzungsmächte vorliegen, was um ſo auffälliger
iſt, als ſeinerzeit die Entente Deutſchland zwang, unſer Mil=
Das Zurückführen von 10 000 Mann iſt doch dagegen eine Kin=
derei
und könnte in allerkürzeſter Friſt erfolgen, wenn man guten

Willens wäre.
nach Mainz.
* Mainz, 5. Oktober. (Priv.=Tel.)
Wie uns der Landeskommiſſar für das beſetzte heſſiſche Ge=
der
Herr Reichskanzler Dr. Marx als Reichsminiſter für die
beſetzten Gebiete am 11. Oktober in Mainz weilen. Er wünſcht
ſich bei dieſer Gelegenheit ein Bild von den gegenwärtigen Ver=
hältniſſen
des beſetzten heſſiſchen Gebietes zu machen und mit blick noch dahin. Die Regierung macht in Optimismus. Sie
den führenden Perſönlichkeiten des öffentlichen Lebens, ſowie
der Berufs= und Intereſſenvertretungen in Fühlung zu kommen.
Ein offizieller Empfang findet im Auftrag des heſſiſchen
Geſamtminiſteriums am Dienstag, den 11. Oktober,
17½ Uhr, in dem von der Stadt Mainz zur Verfügung geſtellten
Weißen Saal des Kurfürſtlichen Schloſſes (Eingang Rheinallee) Willen der polniſchen Volksvertretung mit einer deutlichen Spitze
ſtatt.

Rund um die Poſenanleihe.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
S. Warſchau, Anfang Oktober 1927.
Nach der ſenſationell aufgemachten Unterbrechung der Ver=
handlungen
am vergangenen Freitag ſind die Anleiheverhand=
lungen
tatſächlich fortgeführt worden. Bartel, der Vizepremier=
Der frühere Finanzminiſter Reinhold miniſter, betonte, daß die polniſche Regierung niemals Anleihe=
bedingungen
unterzeichnen würden, die der internationalen Stel=
lung
Polens nicht entſprächen. In dieſer Formel liegt das A
und O der gegenwärtigen Lage. Wenn man auch am Freitag
erklären ließ, daß eine Meinungsverſchiedenheit in der Frage des
Emiſſionskurſes die Unterbrechung bewirkt habe, ſo weiß man
doch, daß dieſe Erklärung nichts anderes darſtellt, als ein Feigen=
blatt
über den politiſchen Unzulänglichkeiten, welche die wahre
Schwierigkeit ausmachen.
Dieſe Anleihe als ſolche ſtellt nämlich eine politiſche Hilfs=
aktion
für den bedrängten Marſchall Pilſudſki dar, dem es
nicht ſo gut geht, wie er noch vor einem Jahr gehofft hat. Wie
können, fragt man ſich, die finanziellen Erforderniſſe dieſer Zeit
und dabei die Wünſche der Zeichner der kommenden Anleihe ver=
einigt
werden? Die Ueberſchrift zu dieſem peinlichen Kapitel
lautet: Finanzkontrolle‟. Wie man weiß, wollen die Polen
gerade von Finanzkontrolle nichts wiſſen. Sie haben aus dieſem
Grunde auch die Begebung einer Anleihe durch den Völkerbund
abgelehnt und ſich mit rieſigen Unkoſten, den amerikaniſchen
Finanzmann Kemmerer kommen laſſen, der bekanntlich vor einem
Jahre den polniſchen Staat in ſeiner Eigenſchaft als Anlage=
möglichkeit
für internationale Gelder auf Herz und Nieren ge=
prüft
hat. Aber auch er iſt ſchließlich zu ganz beſtimmten Forde=
rungen
gekommen, die dem Selbſtbewußtſein der maßgebenden
Kreiſe höchſt widerwärtig ſind. Man weiß nämlich, daß beiſpiels=
weiſe
ein Berater bei der polniſchen Staatsbank eingeſetzt wer=
den
ſoll, dem ein fiskaliſches Vetorecht eingeräumt werden müßte.
Man verlangt ganz beſtimmte Zuſicherungen über die Behand=
lung
von Budgetfragen. Es wird davon geſprochen, daß die
Zölle verpfändet werden müßten. Kurzum, Polen müßte, wenn
es eine Anleihe haben will, eine heimliche Finanzkon=
trolle
zulaſſen. Sie würde zeitlich begrenzt ſein.
Es iſt ſchwer einzuſehen, weshalb ſich die polniſche Regie=
rung
ſo ſehr gegen dieſe Notwendigkeiten ſträubt. Denn man
weiſt mit Recht darauf hin, daß das Zuſtandekommen dieſer
erſten Anleihe den polniſchen Staat, gleichſam hoffähig machen
würde, daß ſie ihm den Zutritt zu den internationalen Gold=
quellen
eröffnen würde. Dieſe erſte Anleihe würde der Schritt=
macher
für andere ſein. Daß in dieſem Zuſammenhange auch
der Ausgabekurs von Bedeutung iſt, liegt auf der Hand. Die
erſte Hypothek beeinflußt die zweiten, dritten und vierten.
Aber das Alpdrücken der polniſchen Regierung ſtammt aus
anderer Quelle. Zwar hat man im vergangenen Jahre einen
Haushaltsüberſchuß von einigen Hundert Millionen Zloty her=
ausgewirtſchaftet
. Aber woher kommt er? Dieſer Ueberſchuß
iſt nämlich nichts anderes, als ein unſichtbarer Zuſchuß
der im Staatsdienſte tätigen Perſonen, die bei
ſtändig und ſchnell ſteigenden Preiſen auch heute noch auf der
Grundlage der vorjährigen Kaufkraft des Geldes entlohnt wer=
den
. Die allgemeine Wirtſchaftslage geſtattet kein weiteres An=
ziehen
der Steuerſchraube. Wenn aber ein Haushaltsüberſchuß
ſchloß die Feier, an der auch die Gattin und die nächſten Ange= bei gleichzeitiger Einführung einer Finanzkontrolle die Voraus=
ſetzung
für die Anleihe darſtellt, dann befindet ſich die Regierung
Pilſudſki in einer allerdings höchſt peinlichen Lage. Steigert
man die Beamtengehälter, dann verſchwindet der Ueberſchuß. Ver=
ſchwindet
der Ueberſchuß, dann verflüchtigt ſich die Anleihehoff=
nung
. Läßt man aber den gegenwärtigen Zuſtand fortbeſtehen,
dann gibt es innerpolitiſche Erſchütterungen. Die letzte Tagung
des Seim zeigte jedem, der Ohren hatte zu hören, daß ſich unter
der Oberfläche ein tiefgehender Wandel der Volksſtimmung voll=
zieht
. Pilſudſki iſt nicht mehr der Herold einer beſſeren Zu=
kunft
, nicht mehr der Mann des Schickſals. Er hat ſeine Muni=
tion
verſchoſſen. Sein politiſcher Köcher iſt leer und ſeine Kaſſen
gleichfalls.
Unter dieſen Umſtänden kann ein Zuſtandekommen des An=
leihevertrages
nur durch politiſche Motive hervorgebracht werden.
Der polniſche Staat in ſeiner derzeitigen Verfaſſung iſt kein
Anlageobjekt. Die Art, wie Pilſudſki die Volksvertretung, den
Seim, aus ihrer parlamentariſchen Bekleidung herausgeſtemmt
hat, nach dem Motto des Berliner Kraftprotzen: Menſch, dir
atme ick in, hat in den Kreiſen gepflegter politiſcher Lebensart
lionenheer in wenigen Wochen über den Rhein zurückzuführen, ſtark verſtimmt. Vor einem Jahre hätte Pilſudſki vielleicht eine
Anleihe erhalten können. Man hat ſie damals großſpurig ab=
gelehnt
. Und heute? Sollte der Rücktritt des engliſchen Ge=
ſandten
in Warſchau, Sir Max Müller, auch ein Symptom für
das weitere Schickſal der Anleihe ſein? Dies aber nur bei=
läufig
. Der deutſche Beobachter erinnert ſich an das Problem
Reichskanzler Dr. Marx kommt am Dienstag des deutſch=polniſchen Handelsvertrages. Der deutſch=
polniſche
Zollkrieg droht Ende des Jahres eine verſchärfte Form
anzunehmen. Iſt es aber richtig, daß die Zolleinnahmen eine
Sicherheit für die Anleihe bedeuten, dann iſt ein Handelsvertrag
mit Deutſchland wiederum eine höchſt wünſchenswerte zuſätzliche
Sicherung der Geldgeber. Damit gewinnen aber die Worte Bar=
biet
, Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Uſinger, mitteilt, wird tels, daß die Regierung niemals eine Anleihe, die der inter=
nationalen
Stellung Polens nicht entſpricht, abſchließen würde,
eine außenpolitiſche Bedeutung.
Wie ſich die Dinge weiter entwickeln werden, ſteht im Augen=
hat
gute Gründe dazu. Sie hat die Anleihe bitter nötig. Kommt
ſie aber zuſtande, und zwar ohne Ausſicht auf handelspolitiſche
Einigung zwiſchen Deutſchland und Polen, dann ſtellt ſie ein
höchſt beunruhigendes Symptom für die Oſtpolitik der Weſt=
ſtaaten
dar. Sie wäre dann nämlich nichts anderes als die
Finanzierung der Diktatur Pilſudſkis gegen den
gegen die beiden Nachbarſtagten Deutſchland und Rußland.

[ ][  ][ ]

Geite 2

Donnerstag, den 6. Oktober 1927

Nummer 272

P.
Zum Zollkonflikt zwiſchen
Amerika und Frankreich.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 5. Oktober.
Der Zollkonflikt mit Amerika verurſacht hier eine immer
größer werdende Verſtimmung. Dieſer Konflikt iſt nicht eine
Folge des deutſch=franzöſiſchen Handelsvertrages, denn er be=
ſtand
ſchon früher, er wurzelt in der Verſchiedenheit der Zoll=
geſetzgebung
der meiſten Länder. Der deutſch=fpanzöſiſche Han=
delsvertrag
hat eigentlich den latenten Konſlikt nur akut gemacht.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verlangen überall und ſo
auch in Frankreich die gleiche Behandlung mit den meiſtbegün=
ſtigten
Staaten. Sie behandeln auch alle Staaten gleich, aber
das iſt eine Gleichheit vor den geſchloſſenen Türen, wie man
in Frankreich ſagt. Mit dem Hinweis darauf, daß die Zollgeſetz=
gebung
ein Teil ihrer Verfaſſung iſt, verſchließen ſich die Ame=
rikaner
vor jeder Konzeſſion. Ihre Zolltarife ſind alſo die
höchſten. Und außerdem ſo klagt wan hier wenigſtens wird
jeder Export nach den Vereinigten Stagten durch verſchiedene
adminiſtrative Schikanen erſchwert, wenn nicht gedroſſelt.
Der deutſch=franzöſiſche Handelsvertrag hat es mit ſich ge=
bracht
, daß gewiſſe deutſche Waren in Frankreich vorteilhafter
behandelt werden als die amerikawiſchen. Dagegen erhob man
aus Waſhington ſchärfſten Proteſt. Man drohte mit Ausſper=
rungsmaßnahmen
. In Frankreich, wo man gerade im Begriffe
war, die Freundſchaft mit Amerika auf ſentimentaler Grundlage
wieder herzuſtellen, war man äußerſt unangenehm berührt. Man
ſucht, ſoweit es möglich iſt, dem Konflikte aus dem Wege zu
gehen. Der Kampf aber für die Meiſtbegünſtügung iſt für
Amerika nicht ſo ganz einfach, da Frankreich das Prinzip der
Gegenſeitigkeit verficht, worüber die Amerikaner auf Grund
ihrer Verfaſſung nichts hören wollen. Es gibt immerhin Aus=
wege
; Frankreich will der prinzipiellen Frage aus dem Wege
gehen und möchte ſich wit adminiſtrativen Erleichterungen zu=
frieden
geben. Kurz, man gibt dem amerikamiſchen Drucke nach.
Was man dabei denkt, das ſpricht man nicht aus.
Der franzöſiſch=amerikaniſche Zollſtreit verdient eine große
Aufmerkſamkeit ſeitens aller europäiſchen Nationen, die mit
Amerika im engen Wirtſchaftskontakt ſind. In Paris beeilt man
ſich, dies möglichſt zu betonen. Und es iſt unmöglich, dabei nicht
an die Arbeiten Loucheurs zu denken.
Die Haltumg Amerikas ſtimmt zum Nachdenken. Amerika
will von den europäiſchen Gläubigem unwahrſcheinlich hohe
Summen eintreiben. Gleichzeitig ſchließt man die europäiſchen
Waren nach Möglichkeit auts. Und in Europa ſelbſt ſowie auf
den übrigen Märkten wird der europäiſchen Induſtrie die
ſchärfſte Konkurrenz gemacht. Bedenkt man noch, daß Europa,
an Amerika geweſſen, kaum noch Gold beſitzt, ſo muß wan an=
erkennen
, daß es in der amerikaniſchen Poliuik einige Paradoxa
gibt. Die franzöſiſche Argumentation iſt richtig. Es iſt beſon=
ders
beachtenswert, daß man heute dieſe wohlbekannten Argu=
mente
von franzöſiſcher Seite hört. .
Die Art und Weiſe, in der Frankreich den Tarifſtreit mit
Amerika behandelt, wird in amtlichen Waſhingtoner Kreiſen
durchaus ugünſtig beurteilt. Nach Meinung des Präſidenten
Coolidge iſt die unterſchiedliche Behandlung, die Frankreich
amerikaniſchen Gütern zuteil werden läßt, außerordentlich bedeu=
tungsvoll
für Amerika, da ſich das Vorgehen der Franzoſen nach
Anſicht der amerikaniſchen Regierung wit der lange dauernden
Freundſchaft zwiſchen den beiden Ländern nicht vereinbaren
laſſe. Der franzöſiſche Botſchafter in Waſhington, Claudel, hatte
geſtern eine Unterredung mit Staatsſekretär Kellogg. Ueber deren
Verlauf verlautet, daß man doch noch an eine annehmbare =
ſung
, wenn auch erſt nach ſchwierigen Verhandlungen, denken
könne.

Vom Tage.

Reichskanzley Dr. Marx begibt ſich am Samstag in
ſeiner Eigenſchaſt als Reichsminiſter für die beſetzten Gebiete nach
Koblenz, um dort die Lage der noch beſetzten Landesteile nachzu=
prüfen
.
Eine Reihe engliſcher Parlamentarier wird ſich
am 6. ds. Mts. mit dem Flugzug nach Köln und von da aus an ver=
ſchiedene
andere Induſtriezentren Deutſchlands begeben,
um die induſtriellen Verhältniſſe in Deutſchland zu ſtudieren.
Dem Büro des Reichspräſidenten ſind, wie mitgeteilt wird,
anläßlich des 80. Geburtstages des Präſidmten 4000
Talegrammd und 22000 ſchriftliche Glückwünſche
zugegangen.
Der Paſſauer Dompropſt Dr. b Pichler, der der Zen=
trumsfraktion
der bayeriſchen Abgeordnetenkammer angehörte, iſt nach
einer Bruchoperation infolge von Herzſchwäche geſtorben.
Wie Havas aus Brüſſel meldet, werden die franzöſiſch=
belgiſchen
Wirtſchaftsverhandlungen in der kommen=
den
Woche wieder aufgenommen werden.
Das ſpaniſche Königspaar iſt nach Algeeiras abgereiſt, von
wo es ſich nach Marokko einſchifft.
In Barcelona ſind im Zuſammenhang mit dean jüingſtens auf=
gedeckten
Komplott gegen das Dinſtorium zahlreiche Verhaf=
tungen
und Hausſuchungen vorgenommen worden. Die
Unterſuchung wird fortgeſetzt.
Wie Havas aus Nizza weldet, iſt auf einam freien Ge=
lände
hinter dem italieniſchan Konſulat eine Bombe
explodiert. Menſchen ſind nicht zu Schaden gekommen. Der Sach=
ſchaden
iſt unbedeutend.
Die türkiſche Regierung hat an die perſiſche Ra=
gierung
im Zuſammenhang mit den Bandenüberfällen an der tür=
kiſch
=perſiſchen Grenze eine Proteſtnote gerichtet.
Die Sowjetunion dementiert die franzöſiſchen Mel=
dungen
über eine neuerliche Demarche des franzöſiſchen
Botſchafters in Moskau bei Tſchitſcherin in der Rakowſk=Affäre.
Die aus China vorliegenden Nachrichten beſtätigen, daß die Trup=
pen
Tſchang Tſo=lins durch die Streitkräfte der Provinz Schanfi
einen ſchweren Rückſchlag erlitten haben.
Nach einer Nachricht aus Sikkim beſteht die in Nagchuka eingetroffene
Reiſegeſellſchaft aus einem Deutſchen, einigen Amerikanern und Eng=
ländern
. Danach ſcheint es kaum mehr zweifelhaft, daß Filchner
das deutſche Mitglied dieſer Reiſegeſellſchaft iſt.

in unſever Nu. 272 vom 1. Oktober 1927, Seite B8 (Handelsblatt).
Zuſammenkunft Chamberlains mit Briand.
tiſche Außenminiſter Chamberlain ſeine Rückreiſe nach London
einige Tage in Paris aufzuhalten. Es heißt zwar, daß Cham=
mit
Briand benutzen wird. Dieſe dürfte am Montag ſtatt=
Chamberlains mit dem ſpaniſchen Diktator

Primo de Rivera drehen.
Deutſche oder lateiniſche Schrift? unentwirrbaren Schriftzeichen.
Dr. Oscar Probſt, Darmſtadt.
In Nr. 104 des Darmſtädter Tagblatts vom 14. April 1927
wirft Berthold Walter die Frage auf, ob es nötig iſt, deutſch=
ſprachige
Druckſachen mit Rückſicht auf das Ausland lateiniſch
zu drucken. Er kommt zur Verneinung der Frage und führt für
ſeine Anſicht mehrere Gründe auf. Es iſt aber nötig, die Sache
auch einmal von einer anderen Seite zu betrachten. Tut man
dies, wird man ſinden, daß auch ſehr triftige Gründe dafür
ſprechen, nicht nur die für das Ausland beſtimmten Druckſachen,
ſondern überhaupt alle Bücher, Zeitungen und Zeitſchriften,
die in Deutſchland erſcheinen, in Zukunft in lateiniſcher Schrift
zu drucken.
Walter behauptet, die deutſche Schrift ſei jedem Ausländer
ohne weiteres bekannt, deutſche Worte, die in Fraktur (deutſcher
Druckſchrift) gedruckt ſind, ſeien auch für den Ausländer lesbarer
als in Antiqua (lat. Schrift) gedruckte, und deshalb bilde die
deutſche Schrift für dieſen eine große Erleichterung zur Erler=
nung
der deutſchen Sprache.
Hiergegen ſei zunächſt eingewendet, daß die Fraktur in keiner
Weiſe mit der im Ausland als Zierſchrift verwendeten gotiſchen
Schrift verglichen werden darf. Zwar iſt die gotiſche Schrift, die,
nebenbei bemerkt, in Frankreich aufkam, die Mutter der Fraktur,
aber ſie unterſcheidet ſich von dieſer mindeſtens genau ſo ſtar',
wie die Antiqua von der gotiſchen Schrift, beſonders in den
Schrift nur als Zierſchrift zu Ueberſchriften uſw. verwendet
wird, oder zu längeren Ausführungen. Eine Ueberſchrift oder
handlung muß geläufig geleſen werden können.
Wie wenig nun der Ausländer die deutſche Schrift leſen
ſtig geſinnte Reichspoſt rät, alle für das Ausland beſtimmten
Briefe mit lateiniſch geſchriebenen Anſchriften zu verſehen. In
der Tat werden Briefe, die deutſch geſchriebene Anſchriften
haben, im fremdſprachigen Ausland, wenn überhaupt, nur mit
Verſpätung ausgetragen, wovon jeder ſich ſelbſt leicht überzeugen
kann.
Nachſtehende Auszüge aus Aufſätzen zweier Deutſchland
liebender Ausländer mögen die Richtigkeit des Geſagten be=
ſtätigen
.
Im Spanien=Sonderheft der Zeitſchrift Orplid (1916) ver=
öffentlicht
der ſpaniſche Dichter Julio Camba einen feſſelnden
Reiſebericht, in dem u. a. geſagt iſt: Eine der größten Merk=
würdigkeiten
in Deutſchland iſt das Deutſche. Eine ſtarke, ge=

Graf Beihlen über die franzöſiſch=ungariſchen
Verbandlungen im Jahre 1920.
Buapeſt, 5. Oktober.
Miniſterpräſident Graf Bethlen veröffentlicht durch das
Ungariſche Telegraphen=Korreſpondenz=Büro eine längere Erklä=
rung
über die in den letzten Tagen in der Preſſe vielfach be=
ſprochenen
franzöſiſchungariſchen Verhandlungen im Jahre
1920, in der es u. a. heißt: In den Mitteilungen der Blätter
werden Irrtum und Wahrheit vermengt, und wenn die dama=
ligen
Verhandlungen tatſächlich ein reales Ergebnis hatten, ſo
beſtand dies in der ſogenannten Millerandſchen Mantelnote, die
einen Hinweis auf die Grenzberichtigungen enhält. Die weiteren
Verhandlungen mit Frankreich richteten ſich auf die Konkretiſie=
rung
des Inhalts der Mantelnote, wogegen von Ungarn die
Gewährung wirtſchaftlicher Vorteile gefordert wurde. Ungarn
ſeineyſeits verlangte Garantien dafür, daß bei der damaligen
politiſchen Lage mit der Verwirklichung dieſer Pläne gerechnet
werden könne. Dieſe Garantien waren, wiewohl der gute Wille
vorhanden war, nicht zu erlangen. Die Bedeutung der Verhand=
lungen
, mögen ſie auch zu keinem Ergebnis geführt haben ſo
ſchließt Bethlen beſtehen darin, daß auf franzöſiſcher Seite
ernſte Faktoren bereits damals die Ungerechtigkeiten des Frie=
densvertrages
anerkannten, ihre Bereitwilligkeit zur Anbahnung
einer die Ungerechtigkeit wiedergutmachenden Politik ausdrückten
und damit Ungarn eine moraliſche Rechtsgrundlage dafür boten,
daß es zu gegebener Zeit die Anwendung der Grundſätze der
*) Vergl. auch den Aufſatz unſeres New=Yorker Korreſpondenten Gerechtigkeit tatſächlich fordere. In der Erklärung heißt es dann
weiter: Es handelt ſich bei dieſen Verhandlungen nicht darum,
daß die franzöſiſche Regierung Ungarn für wirtſchaftliche Gegen=
leiſtungen
und unter Beiſeiteſchiebung der Friedensverträge Ge=
Nach Informationen von unterrichteter Seite wird der bri= biete oder ſogar Bündnisverträge angeboten hätte, was in An=
betracht
der damaligen Lage vernünftigerweiſe auch gar nicht an=
über
Paris nehmen und hier am Samstag eintreffen, um ſich genommen werden kann. Es war auch keine Rede davon, daß
im Rahmen der Verhandlungen der Plan irgend einer ungariſch=
berlain
in der engliſchen Botſchaft Wohnung nehmen und voll= franzöſiſchen militäriſchen Zuſammenarbeit eine Rolle geſpielt
ſtändiges Incognito wahren wird; doch hält man es für ſelbſt= hätte. Der Miniſterpräſident betont auf das entſchiedenſte, daß
verſtändlich, daß er die Gelegenheit zu einer Beſprechung militäriſche Pläne niemals Gegenſtand der Verhandlungen ge=
weeſn
ſeien, und daß franzöſiſcherſeits niemals ein Angebot für
finden und ſich hauptſächlich um die Zuſammenkunft die Errichtung und Ausrüſtung einer ungariſchen Armee geſtellt
worden ſei. Niemals wollte man die ungariſche Armee gegen
die Sowjets in Anſpruch nehmen.
lehrte und derbe Sprache, mit bedeutſamen Wortbildungen und
Und der bekannte Deutſchenfreund Profeſſor Dr. Vlamynck,
Gent, ſchreibt in einem Aufſatz: VlandernElſaß im 5. Heft
der Elſaß=Lothr. Heimatſtimmen: Ueber die tatſächlichen Ver=
hältniſſe
in den Landen zwiſchen Baſel und Luxemburg iſt der
Plame ſchlecht orientiert. Nur ſehr wenig Plamen leſen deutſche
Bücher; daran hat nicht ſo ſehr der Unterſchied zwiſchen Nieder=
ländiſch
und Hochdeutſch ſchuld, als vielleicht die Fraktur.
Ich ſelbſt habe vor, dem Krieg in einer großen belgiſchen
Bänk gearbeitet, bei der mit einigen engliſchen Banken deutſch
und nicht franzöſiſch korreſpondiert wurde, weil die deutſche
Sprache den betreffenden Bankiers geläufiger war; es war aber
in allen Fällen gebeten worden, keine deutſchen Schriftzeichen zu
verwenden. (Damals waren die Schreibmaſchinen noch wenig
in Gebrauch.) Wäre die Bank auf dieſe Bedingung nicht ein=
gegangen
, ſo wäre zum Schaden des Deutſchtums im Schriftver=
kehr
mit England anſtatt der deutſchen die franzöſiſche Sprache
verwendet und mancher deutſche Angeſtellte, wäre entlaſſen
worden.
In neuerer Zeit ſind nun Ereigniſſe eingetreten, die uns
geradezu zwingen, die Altſchrift an Stelle der Fraktur
zu verwenden. In den verlorenen Gebieten ſind zahlreiche
deutſche Schulen verſchwunden; in vielen (ſo in denen in Süd=
Tirol), die beſtehen geblieben ſind, dürfen nur Bücher gebraucht
werden, die in Antiqua gedruckt ſind. Daher wird allen Bewoh=
nern
dieſer Gebiete deutſchen Stammes die Fraktur eine immer
fremdere Schrift. Roda=Roda hat in einem Aufſatz: Drei Wege
Großbuchſtaben. Dann iſt es ein großer Unterſchied, ob eine zur Verringerung des Deutſchtums im Tagebuch (1925) auf
dieſe Gefahr hingewieſen:
Indem die Deutſchen, wo ſie in Maſſen wohnen, an der
einen kurzen Hinweis kaun man langſam entziffern, eine Ab= Fraktur feſthalten, zwingen ſie den heranwachſenden Deutſchen
der Diaſpora von Stunde zu Stunde mehr die Literatur ihrer
Wirtsvölker in die Hände. Die Frage Fraktur oder Antiqua
kann, ergibt ſich ſchen daraus, daß ſelbſt die der Fraktur ſo gün= hat ſich ſeit dem Krieg auf völlig neue Prämiſſen geſtellt. Sie iſt
abermals zu erwägen und zu prüfen. Ich, Roda=Roda, war
ehedem eifriger Anhänger der Fraktur. In keinem meiner Ver=
lagshäuſer
fehlte die Klauſel: meinBuch dürfe nicht in Antiqu.:
geſetzt werden. Seit dem Krieg bin ich anderer Anſicht worden
Ich kenne die gemiſchtſprachigen Länder einigermaßen, und ich
kann nicht eindringlich genug mahnen, die Entſcheidung der
Frage Fraktur oder Antiqua nicht leicht zu nehmen, mit patri=
otiſchen
Redensarten abzutun. Das Beharren bei der
Fraktur wird ſich bald durch Verluſt von Millio=
nen
Leſern rächen, durch neue Verringerung
deutſchen Weſens in der Welt.
Sollte in allen fremden Staaten mit deutſchen Minderheiten
die Verwendung lateiniſch gedruckter Bücher auch im Deutſch=

Die Berliner Länderkonferenz.
Um das ſtaatliche Eigenleben der Länder.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Ueber die Beſprechungen zwiſchen der Reichsregierung und
den Miniſterpräſidenten der Länder ſind in den Berliner Blät=
tern
noch wancherlei Einzelheiten zu berichten, die wir im ein=
zelnen
auf ihre Richtigkeit im Augenblick nicht nachprüfen kön=
nen
. Darnach ſcheint der Hamburgiſche Büngermeiſter und
Demokrat Peterſen das Problem zuerſt angepackt zu haben, in=
dem
er die Auffaſſung vertrat, daß die beſtehenden Zuſtände nicht
länger andauern können. Hierbei ſekundierte ihm der preußiſche,
Miniſterpräſident Braun mit dem Hinweis, daß die heunge
Endwicklung naturnotwendig zu dem Einheitsſtaat führen müſſe.
Dabei iſt insbeſondere auch darauf hingewieſen worden, daß
Heſſen ſchon ſeit langem mit dem Plan umgehe, ſich als Reichs=
land
erklären zu laſſen. Das iſt aber natürlich eine ſchiefe Auf=
faſſung
. Es iſt ja bekannt, daß Heſſen in ſehr ſchwerer finan=
zieller
Bedrängnis iſt, die zum Teil aus dem Rhein=Ruhrkampf
herrührt, zum Teil aber auch daraus, daß große Teile des Lan=
des
beſetzt ſind, woraus Heſſen die Pflicht des Reiches zur Unter=
ſtützung
abgeleitet hat. Und aus dieſen finanziellen Schwierig=
keiten
ſind wohl auch die Schlußfolgerungen gezogen worden,
daß Heſſen ſein ſtaatliches Eigenleben aufgeben
und Reichsland werden müſſe. Die heſſiſche
Regierung ſcheint aber jedenfalls bei der Be=
ſprechung
dieſen Standpunkt nicht vertreten
zu haben. Das endgegeengeſetzte Extrem hatte der baye=
riſche
Miniſterpräſident Dr. Held vertreten, der aus
der Notlage, der Länder, die Folgerung zog, daß die
Steuerreform abgebaut und den einzelnen
Ländern ihre Finanzhoheit zurückgegeben.
werden müſſe, eine Folgerung, die bei der politiſchen Zu=
ſammenſetzung
von Reichsrat und Reichstag aber keinerlei Aus=
ſicht
auf Annahme hat.
Unterbrechung der Kabinettsberatungen.
Die Beratungen des Reichskabinetts, die in den letzten Tagen
über verſchiedene wirtſchaftliche Fragen geführt wurden und
geſtern eigentlich fortgeſetzt werden ſollten, haben durch eing=
Dienſtreiſe des Reichsarbeitsminiſters eine Unterbrechung er=
fahren
. In den nächſten Tagen werden die Beratungen jedoch
fortgeführt, und es iſt möglich, daß dann auch Reichsbankpräſi=
dent
Dr. Schacht hinzugezogen werden wird. Den Bericht über
die letzte Völkerbundstagung wird das Kabinett unter dieſen
Umſtänden wahrſcheinlich erſt in der nächſten Woche entgegen=
nehmen
.
Sonderkonferenz über das Thema:
Unitarismus oder Föderalismus.
Die Reichskanzlei hat in der Vorbereitung der am Montag
beſchloſſenen Sonderkonferenz zur Prüfung der Beziehungen
zwiſchen Reich und Ländern ſehr raſche Arbeit geleiſtet. Sie hat
bereits ein Rundſchreiben an die einzelnen Länderregierungen
herausgeben laſſen und angefragt, wie am zweckmäßigſten die
verſchiedenen Referate verteilt werden ſollen, hat dabei auch das
Diskuſſionsthema ziemlich genau umgrenzt, das allerdings auch
in dieſer Begrenzung noch umfangreich genug iſt, da es den
ganzen Fragenkomplex umfaßt, der ſich um die Schlagwort
Unitarismus und Föderalismus gruppiert.
General Heges Amerikareiſe.
Hamburg, 5. Oktober.
Wie wir erfahren, tritt der Chef der deutſchen Heeresleitung
Heye, kommenden Freitag, den 7. Oktober, auf dem Dampfer
Hamburg ſeine in der Preſſe vielfach erwähnte Reiſe nach
Amerika an. In ſeiner Begleitung befinden ſich Major Hans
Jürgens Stumpf und Kapitänleutnant Hellmuth Hehe. Hierzu.
wird noch bekannt, daß es ſich hierbei, um eine rein privatz
Studienreiſe durch die Vereinigten Staaten hamdelt. Nach dem!
ſelbſtverſtändlichen offiziellen Beſuch in Waſhington bei Präſi=
dent
Coolidge und den amerikaniſchen Regierungsſtellen wird=
General Heye nach Boſton, Chicago, Yellowſtone=Park, San Fran=
zisko
, Los Angeles, Grand Canon und Havanna fahren und von1
hier aus über Waſhington nach New York reiſen. Die Rückreiſe=
erfolgt
am 28. November mit dem Dampfer New York‟. Es iſch
eine Beſichtigung der bedeutendſten Univerſitäten, Induſtrie=
werke
, Sportplätze, Flughäfen und Verkehrseinrichtungen geplam.
Daneben wird Heye die amerikaniſchen Militärverhältniſſe ſtudie=
ren
und einige bedeutende Truppenzentren beſuchen, doch trägt
die Reiſe, wie nochmals betont werden ſoll, keinen offiziellen
militäriſchen Charakter.
Unterricht angeordnet werden, werden damit ohne weiteres aufs
die deutſchen Schulbücher verſchwinden.
Ein deutſcher Verlag von Weltruf hat wir auf meine An=
frage
, aus welchem Grund er faſt alle ſeine Veröffentlichunger
in Antiqua drucke, u. a. folgendes geantwortet:
Zunächſt iſt feſtzuſtellen, daß ſelbſtverſtändlich die Verbrei
tungsmöglichkeit des deutſchen Buchs im Ausland . . . . in ent=
ſcheidendem
Maß von dem Umſtand abhängt, ob für die Druck.
legung Antiqua oder Fraktur verwendet wird. Selbſt die Amerk
kaner deutſcher Abſtammung, die im Lauf der Generationen
Deutſch als Sprache nicht ganz verloren haben, lehnen aus Grün=
den
der Unkenntnis der Frakturſchrift oder aus Gründen de
übermäßigen Erſchwerung der Lektüre in Fraktur gedruckt
Bücher grundſätzlich ab."
Iſt es nicht viel wichtiger, die deutſche Sprache und mit ih
deutſches Weſen zu erhalten und zu verbreiten, als die Fraktu
beizubehalten? Gilt es Größeres, müſſen eigene Wünſche zurüc
treten.
Es genügt nun aber nicht, nur die Druckſchriften, die in da
Ausland kommen ſollen, in Antiqua zu drucken, wir müſſen daß
übergehen, dieſe Schrift auch bei ſolchen Druckſachen zu verwes
den, die zunächſt nur deutſchen Leſern zu Geſicht kommen.
Wir Deutſchen beklagen uns immer, daß das Ausland un
ſo wenig verſteht, aber wir tun ſo gut wie nichts, um dieſes Ve
ſtändnis zu fördern. Propaganda für unſere Anſichte Fſu
zu machen, indem wir dem Ausland beſonders für es geſchrr‟ hinf
bene Zeitſchriften und Bücher unterbreiten, liegt uns nicht. S
halte eine derartige Progaganda auch nicht einmal für erwünſck,
da man die Abſicht merkt, wodurch die Schriften von vorn here, hullig
um ihre Wirkung gebracht werden. Viel wichtiger iſt es, de
Ausland zu veraulaſſen, mehr als bisher deutſche Bücher 15) ſcht.
deutſche Tageszeitungen zu leſen, die für deutſche Leß!
beſtimmt ſind, alſo nicht der Abſicht verdächtigt werden könne
das Ausland beeinfluſſen zu wollen. Dazu müſſen wir aEl Aher,
dem Ausländer das Leſen dieſer Zeitungen und Bücher dadu79
erleichtern, daß wir ſie in der ihm geläufigen Antiqua drucke‟
Natürlich wird ein Ausländer, der deutſch lernen will, 79 bern
auch die Mühe machen, zuvor die deutſche Schrift zu erlern
Handelte es ſich nur um ſolche Ausländer, wäre ein Entgege‟
kommen unnötig. Die Sache liegt jedoch ſo, daß gerade d.e
Ausländern unſere Anſichten und Gedanken näher gebracht w‟
den ſollen, die wir gewinnen oder überzeugen wollen. Die)"
eine Unbequemlichkeit aus dem Weg zu räumen, iſt nicht Lies=
dienerei
dem Ausland gegenüber, ſondern dient unſeren eiger!"
Belangen. Wie ſehr eine unbekannte Schrift von Erlerni
einer Sprache abſchreckt, weiß jeder, der im Krieg im Oſten wi
Faſt alle deutſchen Soldaten, die einige Zeit dort waren, hal

raonf 9.
dam die
ausichtl!
Uieber de
raoch herb
(ftut nit
Ee
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Nummer 272

Donnerstag, den 6. Oktober 1927

Geite 3

D 1230 geſtartet.
Das Geheimnis der Ozeanfleger.
Amſterdam, 5. Oktober.
Das Junkersflugzeug D 1230 iſt Mittwoch morgen 5.40 Uhr
m. Marineflughafen aus zum Weiterflug geſtartet nach=
u
. die Flieger noch getankt hatten. Das nächſte Ziel iſt vor=
ichtlich Liſſabon. Die Wetterverhältniſſe ſind günſtig.
uber dem Golf von Biscaya liegen niedrige Nebel. Es muß
uh hervorgehoben werden, daß die Flieger ihren eigentlichen
eart nicht von Deutſchland, ſondern von Amſterdam aus vor=
gemmen
haben. Dies iſt damit zu erklären, daß das ſchwer
hasene Flugzeug auf offener See bei Norderney nicht gut ſtar=
konnte
, während es auf dem glatten Spiegel des Zuiderſees
iir günſtige Startverhältniſſe antraf. Man iſt daher auch von
hwerney nicht mit der vollen Laſt abgeflogen und hat den
Ansinvorrat in Amſterdam ergänzt.

DDie an dem neuen Ozeanflug beteiligten Kreiſe glauben
ach weiterhin über den Flug und ſpeziell ſeine Einzelheiten
d3-gleiche Stillſchweigen bewahren zu müſſen, das ſie auch wäh=
und. der Vorbereitungen übten. Während es urſprünglich hieß,
d Maſchine würde direkt nach Liſſabon fliegen, hat ſich bereits
gtern herausgeſtellt, daß doch wohl ganz andere Vereinbarun=
a
mit den Fliegern getroffen worden ſind, als man öffentlich
borint gegeben hat. So wurde am Dienstag abend ſchon in
Rikkerdem eine Zwiſchenlandung vorgenommen, ohne daß über=
hipt
jemand eine Ahnung davon hatte, nicht einmal die Amſter=
dner
waren im Bilde. Zweck dieſer Landung war, 800 Liter
Anzin einzunehmen, die man nicht mitnehmen konnte, da das
zunzeug D 1230 ſonſt in Norderney bei dem ſtürmiſchen Wetter
oh hochgekommen wäre. Ebenſo unauffällig und heimlich, wie
un, ankam, iſt man auch wieder aus Amſterdam am Mittwoch
fh verſchwunden. Es wird nach wie vor behauptet, der Flug
ay zunächſt nur bis nach Liſſabon, doch ſpricht ſo manches, ſo
nallem die Aufnahme eines ſo großen Vorrates an Brennſtoff,
gfür, daß man vielleicht bis zu den Azoren durchfliegt.
Ueber die Hintermänner der ganzen Unternehmung wird
gnäählich bekannt, daß auch diesmal wieder einige norddeutſche
uternehmen das Geld zur Verfügung geſtellt haben, während
Aickers die Maſchine lieferte und auch die Piloten ſtellte. Der
Aux iſt genau ſo aufgezogen wie ſeinerzeit der im Auguſt mit
d: Europa und Br.men Junkers hat den Flug auch bei
en Preisgericht angemeldet, das bekanntlich für die Ueber=
geiung
des Ozeans durch einen Deutſchen mit einem deutſchen
4Farat 100 000 Mark ausgeſetzt hat. Die ganze Sache läuft
go genau ſo wie im Sommer, nur hat der Apparat diesmal
di Motore. Aus der Tatſache der Startgenehmigung geht her=
u
, daß er ſämtlichen Vorſchriften entſpricht und daß auch alle
Adrngungen des Preisgerichtes erfüllt ſind. Man kann natür=
hrüber
die Geheimniskrämerei der Junkerswerke verſchieden
hisen. Es hätte ſicherlich nicht geſchadet, wenn man etwas mehr
ie: den Plan und zumal die Einzelheiten des Fluges mitge=
ilt
hätte. Hier ſcheint man aber aus der Vergangenheit ge=
Inx zu haben, daß es nicht gut iſt, allzu viel zu berichten und
Frwartungen allzu hoch zu ſpannen. Wird es nichts mit
ner Ueberfliegung, dann iſt das Aufſehen nicht ſo groß, als
imri man vorher fleißig die Reklametrommel gerührt hat.

ie Sicherheitseinrichtungen der D 4230.
Uleber die Sicherheitseinrichtungen des Ozeanflugzeuges
30 wird gemeldet, daß das Flugzeug eine Funkempfang=
d
. Sendeſtation mit ſich führt, die auch gebraucht werden kann,
hmi die Maſchine auf dem Waſſer treibt und der Motor ſtill
ſ. Das Flugzeug iſt weiter mit einer drahtloſen Peileinrich=
ſtu
verſehen. Die Flieger führen mehrere Gummiboote ſowie
ſanamiballons mit ſich, die mit Luft gefüllt werden können.
Junkers und Ozeanflug.
Deſſau, 5. Oktober.
Auf Anfrage bei den Junkerswerken wird uns mitgeteilt,
1ß die Junkerswerke nicht in Abrede ſtellen, den Flug beim
ſichsverkehrsminiſterium angemeldet zu haben. Die Gründe
ther anzugeben, die ſie hierzu veranlaßten, ſind die Junkers=
irce
nicht in der Lage, dagegen wird verſichert, daß die Jun=
tsrwerke
in keiner Weiſe hinter dem Unternehmen ſtehen. Sie

haben dieſes Unternehmen weder techniſch, noch organiſatoriſch,
noch finanziell in irgendeiner Beziehung vorbereitet, noch ſtehen
ſie irgendwie in Verbindung mit ihm. Die Maſchine, mit der
der Flug ausgeführt wird, iſt in andere Hände übergegangen
und damit dem Einfluß der Junkerswerke entzogen. Was das
Nachrichtenweſen anbetrifft, ſo werden die Junkerswerke über
den Flug und ſeinen Verkauf nicht anders unterrichtet als
andere Stellen und als die Preſſe. Auch ſie ſind alſo an ſich an
dem Unternehmen unintereſſiert. Wenn darauf hingewieſen
wird, daß der Flug von Piloten und anderen Angeſtellten der
Firma Junkers ausgeführt wird, ſo wird dazu bemerkt, daß
von den hinter dem Unternehmen ſtehenden Kreiſen Perſonal
der Junkerswerke angefordert wurde, und daß das Werk das
beteiligte Perſonal vorläufig beurlaubt habe. Jedoch wird die=
ſes
Perſonal, ſolange der Urlaub währt, nicht von den Jun=
kerswerken
beſoldet, ſondern ſteht vollkommen frei da und hat
das Recht, während ſeiner Beurlaubung über ſich zu verfügen.
Aus allem geht herbor, ſo wird betont, daß die Junkerswerke
weder die Veranſtalter des Unternehmens ſind, noch zu dieſem
in irgendeiner Beziehung ſtehen.

Oben: Junkersflieger Lovſe. Unten: Die Streckenkarte.
D1230 zum Weiterflug geſtartet.

WNeu Vork

ATLANTISCHER
Neu Fundlend
kzoren
OTEAN LEsbo5

D 1230 notgelandet?
Berlin, 5. Oktober.
Nach den in Berlin vorliegenden Meldungen vollzog ſich
bisher der Flug der Junkers=Ozeanmaſchine D. 1230 vollkom=
men
glatt. Um 7 Uhr hatte das Flugzeug bereits Calais über=
flogen
. Mittags ½12 Uhr iſt ſodann die Maſchine über dem
Kanal in Höhe von Kap Landsend, in mäßiger Höhe fliegend,
mit dem Kurs gegen Süden geſichtet worden. Die Wahr=
nehmungen
zeigten, daß der Motor vollkommen einwandfrei
arbeitete. Da Kap Landsend an der Südweſtſpitze Englands
liegt, ergibt ſich aus dieſer Flugrichtung, daß Frankreich voll=
ſtändig
von der Seeſeite aus umflogen worden iſt. Die Flieger
hatten nunmehr auf dem Wege nach Liſſabon über das ſchwie=
rigſte
Wettergebiet zu fliegen. Nach den vorliegenden Wetter=
berichten
war heute die Wetterlage über der Bucht von Biscaya
ſehr ungünſtig. Nach einem Funkſpruch aus Liſſabon iſt das
Flugzeug D 1230 bei Torres Vedras, etwa 80 Kilometer nörd=
lich
von Liſſabon, notgelandet. Nähere Einzelheiten fehlen noch,

Das Schweigen der Locarnomächte.
Innenpolitiſche Quertreibereien.
Das Ausbleiben der Glückwunſchtelegramme der Staatsober=
häupter
der Locarnomächte bei dem 80. Geburtstag des Reichs=
präſidenten
hat überraſchenderweiſe gerade bei den Parteien be=
ſondere
Aufmerkſamkeit gefunden, die ſich ſelbſt bei der Feier
allergrößte Zurückhaltung auferlegten. Die Frankfurter Zeitung
will in Erfahrung gebracht haben, daß die Regierungen der
Locarnomächte bereits urter ſich beſonders herzliche perſönliche
Glückwunſchtelegramme an den Reichspräſidenten vereinbart hat=
ten
, daß aber infolge der Tannenberg=Rede dieſer Plon wieder
aufgegeben und umgekehrt völliges Stillſchweigen beſchloſſen
worden ſei. Der Vorwärts glaubt beſtätigen zu können, daß
dieſe Darſtellung durchaus den Tatſachen entſpräche. Merk=
würdig
, daß auch die Sozialdemokraten ſo enge Beziehungen
zum König von England unterhalten. An amtlicher deutſcher
Stelle liegen hierfür keinerlei Anhaltspunkte vor, daß die Zu=
ſammenhänge
tatſächlich ſo ſind. Die diplomatiſchen Vertre=
tungen
auch der Locarnomächte in Berlin haben ſich an dem
Glückwunſch des Doyen beteiligt. Sie haben auch, obwohl der
Geburtstag des Reichspräſidenten kein offizieller Feſttag iſt, ihre
Flagge gezeigt. Alle Mächte haben ſich auch an den Feſtlichkeiten
beteiligt, die in den deutſchen Geſandtſchaften der einzelnen
Staaten abgehalten wurden. Sie haben alſo durchaus korrekt
gehandelt, und was fehlt, war lediglich das, was über das
Korrekte hinausgeht. Wenn wir uns daran erinnern, daß ſowohl
Chamberlain wie Briand jede Rückwirkung der Tannenberg=
Rede ausdrücklich abgelehnt hatten, beſteht nicht der leiſeſte An=
haltspunkt
dafür, daß urſprünglich Pläne beſtanden haben, die
durch die Tannenberg=Rede geſtört worden ſind. Der einzige
Geſichtspunkt wird wohl der geweſen ſein, daß die Staatsober=
häupter
der Locarnomächte es nicht über ſich bringen konnten,
dem ehemaligen deutſchen Heerführer ihre Glückwünſche auszu=
ſprechen
. Weshalb die Sozialdemokraten und ihr Anhang im
beſonderen einen Zuſammenhang mit der Tannenberg=Rede kon=
ſtruieren
wollen, erweiſt ſich ohne weiteres aus der Schlußfolge=
rung
des Vorwärts, der in den unterbliebenen Telegrammen
eine Verſchlechterung der außenpolitiſchen Lage erblickt, die
immer deutlicher in die Erſcheinung getreten ſei alſo wieder
einmal ausgeſprochen innenpolitiſche Gründe in Verbindung mit
der immer ſtärker werdenden Oppoſition der Demokraten wie
der Sozialdemokraten gegen die Politik des Außenminiſters, die
ſie warm unterſtützten, ſolange die Deutſchnationalen nicht in
der Regierung ſaßen.
Die Beflaggung am 2. Oktober.
Berlin, 5. Oktober.
Das Reichswehrminiſterium erklärt gegenüber verſchiedenen
Preſſemeldungen über die Beflaggung wilitäriſcher Gebäude
am 2. Oktober, daß die Beflaggung der militäriſchen Gebäude
durchaus den militäriſchen Vorſchriften entſprochen hätte. Ge=
bäude
, welche nur einen Flaggenſchmuck haben, hätten die
Reichskriegsflagge gehißt, diejenigen mit zwei Flaggenſtöcken
daneben die ſchwarz=rot=goldene Fahne. Bei mehreren Flaggen=
ſtöcken
ſind beide Fahnen in gleicher Zahl aufgezogen worden,
bei einer ungeraden Zahl von Flaggenſtöcken iſt noch eine Reichs=
kriegsflagge
dazugetreten.
Eine Erklärung der am Ozeanflug
teilnehmenden Frau Lilly Dillenz.
Die an dem Ozeanflug als Fahrgaſt teilnehmende Wiener
Schauſpielerin Lilly Dillenz erklärte dem Vertreter
des Hamburger Fremdenblattes kurz vor dem Start in Nor=
derney
u. a., nicht Senſationsluſt ſei es, die ſie veranlaßt habe,
alles aufzubieten, um an dem deutſchen Ozeanflug teilzunehmen.
Eine Anzahl öſterreichiſcher Patrioten, die den brennenden
Wunſch hatten, auch das klein und arm gewordene Oeſterreich,
das die erforderlichen Mittel für ſolch eine kühne Fahrt nicht
aufbringen könne, an einem derartigen Unternehmen beteiligt
zu ſein, habe ihr die Teilnahme ermöglicht. Im vollen Einver=
ſtändnis
mit ihnen und mit ihrem Manne trete ſie den Flug am
in dem ſicheren Gefühl, als erſte Frau im Flugzeug den Ozean
zu überqueren und zugleich in dem Gedanken, daß dies ein Sym=
bol
bedeuten würde für weiteres Zuſammenſtehen der beiden
Brudervölker Deutſchland und Oeſterreich in Not und Gefahr,
aber auch im endlichen Glück.

rſticht, etwas Polniſch zu lernen, ſchon um die Aufſchriften an
h Läden und die Straßenſchilder leſen zu können. Dagegen
Gbies nur äußerſt wenige, die ruſſiſch lernten, obwohl die
uſtſche Sprache weit wichtiger für uns iſt, als die polniſche, und
ruſſiſche Grammatik weſentlich leichter als dieſe, denn da
ſtte man zuvor die ruſſiſchen Buchſtaben lernen müſſen.
Zum Schluß ſei noch auf einige praktiſche Gründe hingewie=
h
,idie gleichfalls für die allgemeine Einführungder lateiniſchen
ſchrift an Stelle der deutſchen in Deutſchland ſprechen.
DDie Erlernung der Altſchrift iſt weit einfacher als die der
ſuſſchen Schrift. Im Gegenſatz zur Fraktur, deren Großbuch=
fhen
eine Menge verſchiedener Elemente aufweiſen, laſſen ſich
Broßbuchſtaben der Lateinſchrift mit Hilfe, von 4 geraden
lilen und 2 Bögen zuſammenſetzen. Es gibt Leſekaſten, mit
ſremi Hilfe jedes Kind, bevor es in die Schule kommt, ſämtliche
kei niſchen Großbuchſtaben ſpielend erlernen kann. Kennt es
eſe, ſo lernt es mit leichter Mühe auch die kleinen Buchſtaben,
inm im Gegenſatz zur Fraktur laſſen ſich bei der Antiqua die
lin=en Buchſtaben leicht aus den großen ableiten. Ebenſo leicht
Bt ſich die lateiniſche Schreibſchrift erkernen; man braucht nur
e Buchſtaben ſchief zu ſtellen und durch Striche zu verbinden.
ſe es Verfahren bei, der Fraktur und der deutſchen Schreib=
trifft
anzuwenden, iſt numöglich. Einmal iſt die ſpielende Er=
knaing
der Fraktur=Großbuchſtaben ausgeſchloſſen. Kein Kind
trw aus den verſchiedenen Bögen, aus denen ſie beſteht, auch
tr einen Großbuchſtaben zuſammenſetzen können. Kein Kind
tiw ohne Unterricht einen ſolchen zeichnen können, während es
kei niſche Buchſtaben ohne weiteres nachzeichnen kann. Außer=
Im ſind in der Fraktur die großen Buchſtaben von den kleinen
tll=g verſchieden, und die deutſche Schreibſchrift iſt wieder ein
ideres Gebilde, das keine Aehnlichkeit mit der Druckſchrift be=
ßt
. Wie es kaum einen Deutſchen gibt, er ſei denn Schriftzeich=
ir
oder dergl., der einen Großbuchſtaben der Fraktur aus dem
ſedächtnis zeichnen kann, weiß umgekehrt faſt jeder Landbewoh=
7, wie ein großer lateiniſcher Buchſtabe ausſieht.
Die Einführung einer einzigen Srift in Deutſchland würde
me. Unmenge Schulſtunden erſparen, die für wichtigere Sachen
rwendet werden könnten, denn die Fraktur hat nicht nur ganz
ndeere Formen als die Altſchrift, ſondern erfordert auch beim
ſchrreiben eine andere Federführung und =haltung. Bei der einen
ſchrift iſt das falſch, was bei der anderen richtig iſt.
Auch beim Schreiben wird bei Anwendung der Lateinſchrift
eick geſpart, da dieſe Schrift rund iſt, keine Schnörkel hat und
ei=iger Schriftzüge erfordert, als die deutſche Schreibſchrift.
Als Schreibmaſchinenſchrift iſt die deutſche Schrift nahezu
nb rauchbar; eine ſolche Schrift kann nicht geläufig geleſen wer=
en
. Es beruht dies vor allem darauf, daß die deutſchen Druck=

buchſtaben verſchieden dick ſind. Da bei Schreibmaſchinen alle
Hebel gleiche Breite haben, entſtehen ſo verſchieden große Ab=
ſtände
, was beim Leſen ſtört. Es fällt dies beſonders bei den
zuſammengeſetzten Buchſtaben ch und ſch auf. Man muß
dieſe Buchſtaben entweder auseinanderreißen, was ein unge=
wohntes
Bild ergibt, oder auf einem Hebel unterbringen, wo=
durch
ſie ſehr, klein ſverden und leicht verſchmutzen. Bei der
lateiniſchen Schreibmaſchinenſchrift dagegen ſind alle Buchſtaben
gleich dick.
Ebenſo iſt die Fraktur, für Monumentalaufſchriften und
überhaupt für Aufſchriften, die auf weite Entfernung geleſen
werden müſſen, unbrauchbar. Werwendet man nur Fraktur=
Großbuchſtaben, ſo wird die ganze Aufſchrift völlig unlesbar.
(DEUZSC.HES REJCHSTAGSGEBAUDE) Verwendet man
neben den Majuskeln auch Kleinbuchſtaben, ſo wird die Lesbar=
keit
auf Entfernung wieder ſehr beeinträchtigt.
Die Behauptung Walters, daß die deutſche Schrift für die
Augen beſſer ſei, als die lateiniſche, iſt ſehr beſtritten; die meiſten
Augenärzte treten für die Lateinſchrift ein. Mir iſt wenigſtens
noch nie ein Augenarzt begegnet, der mir nicht zur Schonung
meiner Augen empfohlen hätte, bei künſtlichem Licht nach Mön=
lichkeit
nur lateiniſch gedruckte Bücher zu leſen. In der Tat iſt,
da in der Antiqua jeder einzelne Buchſtabe klarer und leichter zu
erkennen iſt, als der entſtrechende Buchſtabe in der Fraktur, nicht
einzuſehen, weshalb dieſe Schrift für die Augen beſſer ſein ſoll,
als die Altſchrift. Aus klareren Einzelheiten muß ein klareres
Geſamtbild entſtehen, als aus unklaren und verſchnörkelten. Ein
gewiß aufrechter deutſcher Mann, Wilhelm v. Humboldt, ſchreibt
im Alter von nahezu 60 Jahren in den Briefen an ſeine Freun=
din
: Meine Augen ſind ſo, daß ich ſie ſehr ſchonen muß, und
da habe ich die Entdeckung gemacht, daß die deutſchen Buchſtaben
ſie mehr angreifen als die lateiniſchen und er rär der Freundin,
in Zukunft ebenfalls lateiniſch zu ſchreiben.
Alſo weg mit der Fraktur und der deutſchen Schreibſchrift!
Dies iſt, wie geſagt, keine Liebedienerei dem Ausland gegenüber,
denn es wird nicht geforder:, daß wir uns in dem, was wir
ſchreiben und drucken, nach dem Ausland richten ſollen. Auch
andere Völker, die ein ſehr ausgeprägtes Nttionalgefühl haben,
z. B. die Japaner und die Türken, verwenden in ſtets zunehmen=
dem
Maß die Lateinſchrift an Stelle ihrer angeſtammten Schrift.
lind auch die Fraktur iſt, worauf ſogar Walter verweiſt, in vielen
Ländern, wo ſie früher gebraucht wurde, ebenſo wie die ſog
nannte deutſche Schreibſchrift, aufgegeben worden (ſo in Schwe
den und in der Tſchechei) oder ſehr ſtark zurückgegangen (ſo in
Dänemark), obwohl die Bewohner dieſer Länder ſehr nationa!
geſinnt ſind.

Zu Fedor von Zobeltitz’ 20. Geburtstag.
Eigentlich müßten Dichter beſondere Bücherfreunde ſein,
denn das Buch umſchließt ja ihr Werk. Aber man findet nicht
eben häuſig unter den Bibliophilen die Poeten, und nur ganz
ſelten in einer ſo idealen Vereinigung wie bei Fedor von Zobel=
titz
, dem fruchtbaren, beliebten und erfolgreichen Romanſchrift=
ſteller
, der am 5. Oktober ſeinen 70. Geburtstag beging. Die
Gemeinde der deutſchen Bücherfreunde verdankt Zobeltitz ſehr
viel, denn er iſt der eigentliche Organiſator der heute ſo reich
erblühten deutſchen Bibliophilie geworden. Er begründete 1897
die Zeitſchrift für Bücherfreunde die noch heute der Mittel=
punkt
des Bücherſammelns iſt, und ſchuf dann 1899 die Geſell=
ſchaft
der Deutſchen Bibliophilen, die mit ihren zahlreichen
Zweigvereinen die Bücherfreunde zuſammenſchließt. Langſam
iſt Zobeltitz auf ſeiner Lebensbahn zu den Büchern gekommen,
erſt zum Bücherſcmmeln und dann zum Bücherſchreiben. Im
preußiſchen Kadettenkorps, in dem er erzogen wurde, hatte er
für Bücher nichts übrig, und wenn er auf Urlaub nach Hauſe
kam, wunderte er ſich darüber, daß ſein älterer Bruder Hanns,
der ja ebenfalls ſpäter ein vortrefflicher Erzähler wurde, ſein
Taſchengeld in Bücher umſetzte‟ Erſt als er dann Leutnant
in der berüchtigten Kleinen Garniſon geworden war, da brachte
ihn die Lange eile zum Bücherleſen. Es gab da eine Buch=
handlung
mit Leihbibliothek, und nachdem er die letztere durch=
geſchmökert
hatte, kam er auf den Gedanken, alte Ritter=, Räuber=
und Geiſtergeſchichten, die als wertlos ausgeſondert wurden, zu
erwerben. Damit legte er den Grundſtock zu ſeiner großen
Bibliothek und beſonders zu ſeiner berühmt gewordenen Samm=
lung
der Robinſonaden ſowie Ritter= und Räuber=Romane. Nun
kam die Leidenſchaft über ihn, und er machte ſeine erſten Schitl=
den
beim Bücherkaufen. Als er dann ſeinen Abſchied nahm,
um das väterlich= Gut Spiegelberg zu bewirtſchaften, zogen ihn
die Bücher immer mehr in ihren Bann, und die Begabung prägte
ſich in ihm, ſelbſt Bücher zu ſchreiben. Aber der raſch beliebt
gewordene Erzähler, der unermüdlich ſchaffende Kritiker und
Plauderer vergaß über ſeinen Werken das Bücherſammeln nicht.
Fedor von Zobeltitz hat eine der größten Privatbibliotheken
zuſammengebracht, die wohl je geſammelt wurden. Weit über
30 000 Bände hatte er auf ſeinem Landſitz vereinigt; er be=
ſchränkte
ſich ſchließlich nur auf die deutſche Literatur vom 17.
bis 19. Jahrhundert und beſaß die ſeltenſten Koſtbarkeiten aus
der Zeit der Klaſſiker und der Romantiker. Die ſchlimme Zeit
rach dem Kriege zwang ihn, den größten Te
iner Bibliothek
zu verlaufen. Arm an Büchern
deshalb nicht
vorden, und noch heute ſammelt der rüſtige Siebziger ſo eif
Bücher, wie er Bücher ſchreibt.
L. K.

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Nummer 277

Donnerstag, den 6 Oktober 1927

der Antragſteller zulaſſen. Die Verantwortlichkeit für
die Bildung des nächſten Arbeiterkabinetts ſoll bei
der parlamentariſchen Arbeiterpartei liegen und
nicht beim Premierminiſter. Er wird alſo nur der General=
ſekretär
der Partei fein. Kein Konvertit aus anderen Parteien
ſoll als Parlamentskandidat angenommen werden oder ſich
einer Arbeiterregierung anſchließen dürfen, wenn er der Partei
nicht ſchon mindeſtens fünf Jahre gedient hat. Bei Strafe des
Ausſchluſſes darf kein Parteimitglied für einen Liberalen oder
einen Konſervativen ſtimmen oder bei der Spezialpolizei dienen.
Mitglieder, die noch weiterhin Titel des Heeres oder der Flotte
führen, müſſen lie ſofort ablegen. Kein Parteimitglied darf Ge=
heimer
Rat ſein. Die Vertretungen von Haſtings und St. Leo=
nards
bringen eine Reſolution mit, in der erklärt wird, daß
das Feiern des Waffenſtillſtandstages bei
vielen Perſonen eine unnötige geiſtige Depreſ=
ſion
hervorruft, noch weiterhin Groll gegen
die Bevölkerungen anderer Nationen erregt

Pon der Jahresverſammlung
der Arbeiterpartei in Blackpool.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 4. Oktober. (Verſpätet eingetroffen.)
In Blackpool ſind rund tauſend. Delegierte zur Jahresver=
ſammlung
der Arbeiterpartei eingetroffen, und man kann ſich
kein bunteres kaleidoſkopiſches Bild denken. Der Trade Unions=
Kongreß entſchied in Edinburgh mit über 3,7 Millionen gegen
148000 Stimmen, daß die lokalen Räte und Vereinigungen, die
der kommuniſtiſchen Partei oder der Minderheitsbewegung affi=
liiert
ſeien, nicht anerkannt werden ſollten. Aber iſt die Lage
dadurch klarer geworden? Die Achterklärung trifft
nur Organiſationen aber keine Einzelper=
ſonen
. Und ſo konnte z. B. der berühmte Mr. Cook als
Sekretär der Grubenarbeiter=Föderation ſeinen Sitz im General=
rat
des Kongreſſes einnehmen, wennſchon er Vorſitzender der
Minderheitsbewegung iſt. So ſitzt in dem ſogenannten Arbeiter=
Unterſuchungs=Ausſchuß, welcher neue Geſichtspunkte für die
Partei vorſchlagen oder vorgeſchlagene prüfen ſoll, neben
George Hicks, der den Vorſitz in Edinburgh geführt und
die Achterklärung mit unterzeichnet hat, der als fanatiſcher Hetzer
bekannte Harry Pollit. Es iſt eben ohne weiteres möglich,
die unmöglichſten Perſönlichkeiten in den Generalrat zu bringen,
vorausgeſetzt, daß ſie eine der beiden Bedingungen erfüllen, Laß
ſie entweder bezahlter Beamter der eigenen Union ſind oder daß
ſie ſich in dieſer Union als aktive Arbeiter betätigen. Die Mit=
gliedſchaft
vom Generalrat öffnet auch in Blackpool nicht nur alle
Türen, ſondern ſie bietet auch die Berechtigung, unter den Aus=
erwählten
auf der Eſtrade zu ſitzen. In Anbetracht der Tat=
ſache
, daß es wahrſcheinlich im nächſten Herbſt zu einer allge=
meinen
Wahl kommen wird, dürfte der Kampf in Edinburgh
ſich in Blackpool wiederholen. Es muß auch die Perſönlichkeits=
frage
geklärt werden, wenn man nicht die große Maſſe der
Arbeiter noch mehr verwirren und damit die Kampfausſichten
in vielen Wahldiſtrikten hoffnungslos ſchädigen will.

Calles Herr der Lage.
New York, 5. Oktober,
Nach einer Meldung aus Mexiko hat Präſident Calles ein
Communigus veröffentlicht, worin erklärt wird, daß der Auf=
ſtand
gegen die Regierung ſehr ernſt war, daß aber dieſe die
Lage beherrſche. Außer dem General Serrano ſind gleichzeitig
die mit ihm verhafteten Offiziere füſiliert worden. Unter ihnen
befinden ſich u. a. General Carlo Arriza, Miquel Peralla, Carlo
Vidal, der Gouverneur des Staates Chiapas, ferner der frühere
Privatſekretär des Staatspräſidenten Gonzales. Aus El Pgſo
wird gemeldet, daß dort die Führer des 16. Bataillons, das in
Torreon gemeutert hatte, hingerichtet worden ſind.
Nach weiteren hier eingetroffenen Meldungen aus Mexiko
ſcheint der Aufſtand tatſächlich von den Regierungstruppen unter=
drückt
worden zu ſein. In der vergangenen Nacht fand eine
lange Konferenz des Präſidenten Calles mit Obregon und dem
Kriegsminiſter General Amaro ſtatt, in der an die Luftſtreit=
kräfte
der Befehl ausgegeben wurde, ſich zum ſofortigen Ein=
greifen
bereit zu halten. Wie weiter gemeldet wird, ſollen ſich
auch General Oskar Aguilar und Antonio Medina erhoben und
ihre Streitkräfte auf Texcoco in Marſch geſetzt haben. General
Aguilar habe ſich aber bald eines Beſſeren beſonnen und ſei
nach Mexiko zurückgekehrt. Unter den hingerichteten Anhängern
der Generals Serrano befanden ſich hervorragende Politiker. In
einer offiziellen Erklärung der Regierung wird bekannt gegeben,
daß der Aufſtand in Torreon als unterdrückt angeſehen werden
könne.
Zenſur in Mexiko. Erſchießung der
Revolutionäre.
New York, 5. Oktober.
Präſident Calles hat die ſtrengſte Zenſur in Mexiko ange=
ordnet
, daher ſind alle aus Mexiko vorliegenden Nachrichten
ſchwer nachzuprüfen. Nach vorläufig unbeſtätigten Berichten
ſoll General Gomez völlig Herr des Staates Veracruz ſein,
Schwere neue Kämpfe und ein Eiſenbahnüberfall ſollen ſich ganz
in der Nähe der Hauptſtadt bei Texcoco abgeſpielt haben. Auch
in den Staaten Sinaloa und Tepic haben Kämpfe ſtattgefun=
den
. Präſident Calles überwacht perſönlich die militäriſchen
Operationen gegen die Rebellen. In Mexiko=Stadt wurden 3
Mitglieder der höchſten Geſellſchaft verhaftet, darunter zwölf
Frauen, die vor ein Gericht geſtellt werden ſollen.
Zur Erſchießung des Generals und Präſidentſchaftskandi=
daten
Serrano wird weiter bekannt, daß Serrano auf Befehl
des Generals Domingoez hingerichtet wurde. Letzterer galt bis=

Unter den Teilnehmern an der Konferenz bemerkte man auch

die Tochter des verſtorbenen Hochtorys, Lord Curzon, Lady
Cynthia Mosley, mit ihrem in großen Reichtum hinein=
geborenen
Gatten Oswald Mosley. Dies Paar iſt ein
Muſtertyp jener neuen Generation von Ehrgeizigen, die ihre
Laufbahn bei der Arbeiterpartei, und zwar bei dem linkſten
Flügel derſelben machen wollen. Es iſt kennzeichnend, daß das
edle Delegiertenpaar in demſelben Hotel nichterſten Ranges ab=
geſtiegen
iſt, in dem auch der M. P. David Kirckwood der
Nekordſchreier von Weſtminſter, und ſeine übrigen Kollegen, die
wilden Männer vom Clyde wohnen.

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Kunutba
ehmen
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Da wir gerade bei Perſönlichkeiten ſind, ſo möchten wir auch
den für das nächſte Jahr erwählten Präſidenten des General=
rats
des Trade Union=Kongreſſes, Herrn Ben Turner, M. P.
erwähnen. Er erzählt ſelber, wie er als kleiner Junge bei zwei
alten fleißigen Biederleuten, Onkel und Tante, gewohnt habe.
In einem größeren Hinterzimmer ſtanden die beiden. Webſtühle
und Betten. Er arbeitete von früh bis ſpät und erhielt dafür
25 Pf. Arbeitslohn und abends noch eine Extvagratifikation
von einem halben Penny und ein Lob, daß er ein ſo fleißiger,
braver Junge ſei . . . Mit zehn Jahren erhielt er ſeine erſte Be=
förderung
. Die Fabrik ſtellte ihn als Halbzeitarbeiter ein, und
jeden Morgen um 5 Uhr 30 zog er ſtolz mit einer Siropsſchnitte
zur Arbeit.
Er wurde Alderman, Friedensrichter, Erſte Magiſtratsperſon
in ſeinem Flecken und iſt vor kurzem Ehrenbürger desſelben ge=
worden
. In ſeinem Induſtriezweig ſtieg er allmählich zum Prä=
ſidenten
der Textilarbeiter=Union.
An ihm erleben die Kommuniſten wenig Freude. Er iſt
ganz der Mann älterer Generation, gemäßigt in ſeinen An=
ſichten
, aber entſchloſſen und energiſch, dabei ein überzeugender
Redner. In ſeiner Taſche hat er ſtets ein Neues Teſtament.
Wenn Schwierigkeiten entſtehen, Verhandlungen auf den toten
Punkt kommen, dann zieht er ſein Buch aus der Taſche und
findet ohne weiteres eine erlöſende Stelle: Nun, nun, Gentle=
men
, ſagt er, die Dinge ſehen bös aus.: Wir wollen ſehen,
was das Buch ſagt. Er lieſt der Verſammlung den Spruch vor
und ſetzt ſeine Bedeutung auseinander. Natürlich regt ſich kein
Widerſpruch weiter. Und der Alte ſteckt ſein Buch in die Taſche
und ſagt ſchmunzelnd: Das Buch hat uns wieder, wie ſchon ſo
manches mal, geholfen.
Der Kongreß der Arbeiterpartei in Blackpool beſchäftigte ſich
am Mittwoch eingehend mit der Lage der Kohleninduſtvie, Mac=
donald
unterſtützte die Reſolution, in der die verhängnisvollen
Folgen bedauert werden, die das Ergebnis des Nachgebens der
Regierung gegenüber den Grubenbeſitzern ſeien. Ferner wird in
der Reſolution die Nationaliſierung und Reorganiſation der
Induſtrie zu einem Programmpunkt einer kommenden Arbeiter=
regierung
gemacht.

Da ift jedoch noch eine ſchnell wachſende Vereinigung unter
den Grubenarbeitern entſtanden, die ſich gegen jede poli=
tiſche
Betätigung zugunſten der Verfolgung wirtſchaft=
licher
Ziele wendet. Cook glaubt die Nationale Grubenarbeiter=
Föderation durch die Beiträge zuſammengekittet halten zu
können; er irrt ſich gröblich. Die Leiter der neuen antipolitiſchen
Grubenarbeiter=Föderation ſind noch klüger wie er. Auch ſie
werben um Beiträge, aber dieſe ſollen zum Aufbau eines
Penſionsfonds dienen, und das hat bisher ſchon eine
ſtärkſte Werbekraft auf zweifelnde Grubenarbeiter und eine noch
ſtärkere auf ihre Frauen ausgeübt. Man denke ſich nun den
Fall, daß durch den Einfluß der Kommuniſten und Minderheits=
parteiler
in einem Wahlbezirk ein Mann extremer politiſcher
Richtung als Kandidat aufgeſtellt werden wird. Werden die
antipolitiſchen Sezeſſioniſten für ihn ſtimmen? Ganz zweifellos
nicht. Sonſt hätten ſie ja bei Cook bleiben können. Werden ſie
mit den Liberalen gehen? Es käme auf den Kandidaten an.
Jedenfalls muß das in Blackpool gründlich durchgeſprochen wer=
den
. Sonſt dürften die Ausſichten für eine Arbeiterregierung
im nächſten Jahre noch ſo in Nebel gehüllt ſein, wie in dieſem
Jahre der Kanal.
Recht übel iſt es auch, daß drei der größten Unions
überhaupt keine Delegierten geſchickt haben, nämlich Nationale
Union der Seeleute und die Vereinigung der Schiffshandwerker,
die nicht mehr affiliiert ſind, und die Union der Poſtverwaltungs=
Arbeiter bzw. Angeſtellten, die nach der Zivildienſt=Klauſel des
neuen Trade Umions=Geſetzes ausſcheiden mußte.

vollkommen beſeitigt iſt. Außerdem ſind in Torreon noch
Oberſtleutnant Manchilla und ſämtliche Offiziere des dort meu=
ternden
Bataillons erſhoſſen worden. Das geſamte Vermöge
der Aufrührer iſt beſchlagnahmt worden. Als der wirklich ge

Unter den zur Debatte geſtellten Reſolutionen gibt es eine
ganze Reihe, die einen eigenen Rückſchluß auf die Mentalität

waffnung von 10 000 Mann zur Verfügung zu ſtellen.

[ ][  ][ ]

Nummer 277

Donnerstag den 6 Oktober 1927

Seite 5

Aus der Landeshauptſtadt. =LehrgangfürBibel=und Jugendarbeit

Darmſiadt, 6. Oktober.
de freie Vereinigung Darmſtädter Künſiter
offnet am Sonntag, den 9. Oktober 1927, vormittags 11½ Uhr, in der
tuſthalle am Rheintor ihre diesjahrige Ausſtellung. Nebon den be=
huten
Darmſtädtern werden diesmal eine Reihe wenig bekannter Mit=
ader
mit beſten Weiken vertreten ſein; vor allem Conrad Hommel
nt einigen ſeiner groß angelegten Bildniſſe, Hugo Kunz mit ſchwär=
w
ſchen Kompoſitiomm von größtem maleriſchen Reiz. . ... Unter den
furreien Gäſten zeigt Prof. H. Wolff, Königsberg, eine ſorgfältig ge=
all
te Sammlung ſeiner hervorragenden Graphiken, denen ſich 3 Werke
ſaer Gattin würdig anreihen. E Biſchyff, Königsberg gibt mit ſeinem
pien Familienbild Einblick in ſein L.ben . . . . Die freie Vereinigung
von je bei ihren Ausſtellungen Wert darauf gelegt, keine beſtimmte
ſu trichtung zu dokumentieren, vielmehr will ſie mit der Verſchieden=
uit
keit der vertretenen Kunſtanſchauungen zeigen, daß ſie gewillt iſt, den
aſbenden Raum zu geben, ohne ſich dabei einem ſtarren Programm
tigen. So wird dieſe Jahresſchau wieder ein bewegtes und inter=
eurkes
Bild heſſiſchen Kunſtſchaffens bieten.
Heſſiſches Landestheater. In der heutigen Aufführung des
ntermärchen wird die Perdita von Elſs Knott, die Pau=
ſiu
von Käthe Meißner gsſpielt.
elm Sonntag, den 9. Okt., wird im Großen Haus zum erſten Male
dreſer Spielzeit der Zigeunerbaron von Johann Strauß
ur bekannten Beſetzung gegeben.
Eudwig Hardt, der bedeutendſte deutſche Vortmagskünſtler, gibt
Dienstag, den 11. Oktober, im Kleinen Haus des Landestheaters
gen. Abend deutſcher Proſa von Kleiſt bis Kafka.
Volkshochſchule. Zur Heimatwanderung nach Oppon=
hirm
am Sonntag, den 9. Oktober, treffen ſich die Teilnehmer am
butbahnhofe. Abfahrt nach Wolfskehl 7,54 Uhr. Ausweis mit=
un
en. Zur Aufführung des Datterich erhalten unſere Mitglieder
fnißzigte Karten zu Mk. 1. und Mk. 1,50 in unſerer Geſchäftsſtelle.
Hugo=Wolf=Abend Theo Heuſer. Zu dem am Freitag, den
SStober, ſtattfindenden Kugo=Wolf=Abend unſeres geſchätzten Bari=
fen
Theo Heuſer hat ſich ein ſehr erfreuliches und reges Intereſſe
ſtirt; es hat ſich wieder bewahrheitet, daß das kunſtliebende Publie ſteht im Kampf mit dem menſchlichen Führertun. Er führt auf weite
hr die vornehme echte Geſangskunſt ihres alten Lieblings immer
gei, wieder hören und genießen will. Das künſtleriſch auserleſene
Peramm bietet auch Herrn Heuſer reichlich Gelegenheit, ſein großes
Hunen, den warmen Wohllaut ſeiner Stimme und ſein inneres Mit= zeigt uns die Bibel in typiſchen Bildern, wie die Menſchheit verblendet
heu zur größten Entfaltung zu bringen. Karten ſind noch zu
he bei Schutter, Eliſabethenſtraße, und an der Kaſſe des Kleinen Art gibt und die Geſchichte von der Sünde verpfuſcht wird.
bries.
Btumber, wurden 27 Abſolventen der Städt. Höheren Maſchinembau=
ben
.. Es beſtanden 9 Herren die Abſchlußprüfung mit gut 5 Herren
it mrüheren Abſolventen eine Abſchiedsfeier, die durch einen über Er= dem Verhältnis zu den Geſchwiſtern. Ihre Haltung im Alltag ſoll Aus=
lſtark
das Gemeinſchaftsgefühl zwiſchen der Schülerſchaft, den
ſirin und den früheren Angehörigen auch außerhalb der Schule aus=
geriggt
iſt.
ſrre Karl Theodors, gegangen, ſo galt der letzte dieſes Sommers der
Eſche Kaſerſtadt. Obgleich jeder der zahlreichen Teilnehmer ſchon
müllige Male Frankfurt durchwandert hat und es ſchon genau zu
e: glaubt, und die älteren Mitglieder mit dem Verein ſchon öſter da ren, und dann verſtehen wir nicht, wie die Jugend gegen unſer beſtes
ber, immer aber wieder bietet es einem etwas Hervorragendes,
bze die Profeſſoren Völcker und Hülſen, und zeigten uns ein dem 17. Jahre. In der Entwickelungszeit der Gegenſatz zu allem, was
R=Keirche, die St. Nikolai=Kirche, den Römberg, den Fünf
fanerplatz. Nach der Anſicht des bekannten Altertumsforſchers erobern. Der zwölfjährige Jeſus war auch ſelbſtändig, er geht eigene
Kiſſor Dr. G. Wolff ſtand hier gin römiſches Caſtrum, und die
Echaus Zur goldenen Wagge, das Melberſche Haus
m9 ürnberger Hof, unter dem wundervollen ſpätgotiſchen Netz= in dieſer Not geholfen haben. Wir müſſen den Szenenreichtum der
öBe hindurch über den Römerberg, an den Mainkai, beſahen uns Bibel nutzen, draſtiſch fragen und plaſtiſch malen; unſere Feſte und
ſatte St. Leonhardskirche, den Rententurm von 1455,
ſem jetzt der Dichter Fritz von Unruh wohnt, und kamen zum
Sallhof, der in die Karolinger Zeit 822 zurückreicht, wovon aber
weri der umgebauten Kapelle nichts mehr vorhanden iſt. Wenn wir uns
lſer aus umſchauen, erblicken wir rechts die Schöne Ausſicht,
bArthur Schopenhauer wohnte, links das rotgeſtrichene Haus
b tie Stadtwohnung der Martame von Willemer, Goethes, tag, den 6. Oktoher, vormittags, 9 Uhr, Paſtor Engelke=Hamburg über
SEa, die im Sommer auf der Gerbermühle bei Offenbach wohnte.
der Nähe iſt das Stammhaus von Mendelsſohns Gattin Cecile und Fruchtloſigkeit unſerer Arbeit. Nachmittags 4,30 Uhr Fräuſein
ſinrenaud. Damit war unſere Wanderung durch Alt=Frankfurt
5i de. Nachdem der Vorſitzende Archivdirektor Dr. Dietrich den
moch ganz erfüllt von dem eGſehenen, den Heimweg an.
Für Freunde der Darmſtädter Stadtgeſchichte! Das ſoeben erſchic=
ſe
reich illuſtrierte Rathausbuch, das unſer Stadtbaumeiſter Bux=
ſan
und Dr. Adolf Müiller (Stadtmuſeum) zur Beendigung des Rat=
ſsumbaues
im Auftrage der Stadt verfaßt haben, kann für drei
ze 1. I. Stock) erworben werden. Da die Auflage nur klein iſt, iſt öffentlihem Intereſſe ſind der Feſtgottesdienſt in der Stadtkirche, vor=
ſtn
der Firma Hohmann in der Wilhelminenſtraße und in der Wald= geiſtlichen für Innere Miſſion einführt; ferner der am Sonntag abeud
Ee ausseſtellt.
Beamtenfortbildung. Infolge eines Verſehens blieb bei, dem und endlich die öffentliche Verſammlung am Montag, 11 Uhr, im Saale
Etzienleiters der Anſtalt, Herrn Prof. Dr. Hollatz von der hieſigen zunkt der Anſprache ſtehen ſoll. Herr Pfarrer Kalbhenn und Söhne
Famſſchen Hochſchule, der im Hörſaal 330 der Techniſchen Hochſchule werden mit ihren meiſterhaften Hornquartett den Sonntag=Abend be=
1K das Thema Beamtenfortbildung ſprach. Dieſer
berſtand war nicht nur für die Beamtenſchaſt und in weit höherem
0Kde noch für die einzelnen Staass= Kommunal= und Körperſchafts=
hshürgerlich
intereſſierten Kreiſe.
Neue Kurfe. Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft e. V. dem noch einige Karten ebendaſelbſt bis zum Beginn des Vortrags zu
fyt, wie in dem Anzeigenteil unſeres Blattes bereits mehrfach be= haben ſind.
ſttgegeben, am kommenden Freitag, din 7. ds. Mts., und Dienstag,
AI.. d8. Mts., jeweils abends 7½ Uhr, in ihren Unterrichtsräumen,
R Wieſen= und Schleiermacherſtraße 26 (hinter dim Amtsgericht) neue
ſte in der Reichskurzſchrift und in Maſchinenſchreiben. Die Kurſe
Iſven von in der Praxis ſtehenden Unterrichtskräften ab, halten und
ke. Erfolg bei häuslichem Fleiß ſicher. Den Zeitverhältniſſen ent=
ſchend
wird Zahlungserleichterung gewährt. Die Geſchäftsſt Ae der Ae
Rnriten Geſellſchaft gibt auch während der Tagesſtunden bereitwilligſt
kirnft.

veranſtaltet vom Heſſiſchen Landesjugendpfarramt.
Der zweite Tag des Lehrgangs wurde durch eine Morgenandacht
von Paſtor Kornmann=Frankfurt a. M. eingeleitet, in der er
an Hand von Daniel 1,8 zwei Forderungen an einen rechten Jugend=
führer
herausſtellte: Entſchiedenheit und Elaſtizität. Eines darf das
andere nicht ausſchließen.
Anſchließend ſprach Paſtor Engelke, der Direktor des Rauhen
Hauſes in Hamburg, zuerſt über das die Bibelarbeit einleitende Wort
Freie Bahn zum fröhlichen Gebrauch der Bibel. Vom freudigen
Kraftholen aus dem Worte Gottes hänat die Zukunft unſeres Volkes,
ja der ganzen Menſchheit ab. Wie viel Faulheit, Unkenntnis und Vor=
urteil
halten diele von einem wahrhaft fröhlichen Gebrauch ab. Die
Stillen im Lande leben zwar im kindlichen Glauben aus der Bibel.
Doch Jugend ſuht zuerſt Zugang, aber nicht in ängſtlicher und ſchul=
mäßiger
Weiſe. Sie will von ſich ſelhſt heraus in die Bibel eindringen.
Selbſtbefreiung ſucht ſie wie Selbſterlöſung. Ein Gleichnis: Kannſt
du dir aber das Verſtehen der Kunſt erzwingen, wenn ſie nicht zu dir
redet? So muß Gott ſelbſt die Tür aufſtoßen zum letzten, tiefſten Ver=
ſtändnis
durch ſeinen Geiſt. Menſchen können das nicht tun. Wie die
Kirchenfenſter, die von außen dunkel ſind, innen von der Sonne be=
ſtrahlt
in einem wunderbaren Transparent erſcheinen, ſo brauchen wir
zum Leſen des Gotteswortes den heiligen Geiſt. In Ueberſteigerung
des fröhlichen Beſitzes können wir aber auch anderen ſogar Hindernis
ſein. So muß der Redner die Verbalinſpiration der Behel ablehnen,
wenn er auch jedes Wort in ihr für unbedingt wahr hält. Weg von
Unvahrhaftigkeit, Geſetzlichkeit und Aengſtlichkeit. Es iſt ja gewiß, daß
Gott keinen Glauben der Krampfhaftigkeit fordert. Zwei ſcheinbare
Hinderniſſe bilden für manchen die Natur= und Geſchichtswiſſenſchaft,
aber die Bibel will ja eine viel wichtigere Wahrheit uns vermitteln durch
elende menſchliche Worte. Gott ſchuf. Ueber dieſe Tatſache kann keine
wiſſenſchaftliche Hypotheſe hinaus. Wir freuen uns über die Fort=
ſchvitte
der Wiſſenſchaften, aber wir freuen uns auch, daß Gott erſt dort
redet, wo einem Profeſſor die Worte ausgehen. Gottes Weg iſt ja ein
ganz anderer. So betrachten wir das Alte Teſtament unter heils=
geſchichtlichem
Geſichtspunkt.

Sicht und geht den unterſten Weg, mit den Menſchen mit all ſeiner
Schwachheit und all ſeinen Fehlern, und macht die Menſchen zu Gottes=
ſtreitern
; Gott hat Zeit mit ſeinen Führern. Und auf der Gegenſeite
iſt gegen Gottes Führertum, wie es Verführertum der verſchiedenſten
Am Nachmittag ſprach Fräulein Stehmann=Berlin: Der Ver=
Städtiſche Maſchinenbauſchule Darmſtadt. Am Samstag, den 24. ein ein Stein zum Aufbau des Familienlebens. Viele Säulen in un=
ſereu
Volke ſind geborſten. Wie ſteht es mit dem vierten und ſechſten
ſtl und 25 Abſolventen der Städt. Maſchinenbauſchule feierlich ent= Gebot? Wir wollen unſerer Jugend einen Rückhalt geben in der Schar,
in die wir ſie ſtellen. Ganz praktiſch wollen wir ihr in den Selbſwer=
ſr
Auszeichnung. Am Abend veranſtaltete die Schülerſchaft im Verein ſtändlichkeiten, die vergeſſen werden, helfen in ihrer Liebe zur Natur,
btm großen Zuſpruch und die allgemein gehobene Stimwung zeigte, druck ihres Wollens werden. Hierzu gab die Rednerin wertvolle Hand=
reiſchung
durch zahlreiche praktiſche Beiſpiele.
Am Abend ſprach Herr Oberkirchenrat Zentgraf=Mainz über
Bibel und Jugendpſychologie Studiere jeden einzelnen deiner Ju=
Doie Fahrt des Hiſtoriſchen Vereins nach Frankfurt. War der vor= gend ſo, als ob es das wichtigſte deines Lebens wäre. Erforſche die
e Ausflug nach der prunkvollen Reſidenz der Pfalzgrafen, insbe= Bibel unter jugendgemäßen Geſichtspunkten, denn ſie iſt auch für die
Jugend das koſtbarſte. Auch wer Jugendführung im Griff hat, ſoll die
Pfychologie zu Rate ziehen (Bauer=Herrnhut oder Sprangers Jugend=
pſhchologie
). Unpſychologiſche Bibelarbeit kann gerade zur Abkehr füh=
Wollen ſo ſein kann. Die Jugend iſt ſehr verſchieden und ſtark von
Serswertes, namentlich, wenn man unter ſachkundiger Führung ſteht, ihrer Geſchichte und Umgebung bedingt. Aber es gibt gemeinſame
ſ9 diesmal erwarteten uns liebenswürdige, ſachkundige, achte Frank= Linien, wie Pubertät und Aduleſzenz, die Zeit vor dem 17. und nach
Ec Alt=Frankfurt, u. a. das ehemalige Karmeliterkloſter mit heute intereſſant iſt, kann morgen verlaſſen werden. Wer iſt ſchließlich
außer einem ſellſt intereſſant, der Bub wird ein Kerl und will die Welt
Wege, aber er will ſein in dem, das ſeines Vaters iſt, und gerade der
ſt rämündenden Gäßchen ſpiegeln gewiſſermaßen die Zeltgaſſen wieder; Siebzehnjähwige ſieht mit Ehrfurcht nach Jeſus. Jugend ſucht oft gerade
da Hilfe, wo ſie am widerborſtigſten iſt. Sie weiß von Schuld, ſie greift
Markt Nr. B) uſw. Wir gingen nun hinter dem Brünnchen, in einer beſtimmten Richtung an, und will doch eigentlich gerade ſelbſt
Wanderungen mit ihrer Stimmung, die der Jugend gehört, führen
oft gerade zu den Pſalmen und den tiefen Klängen der Bibel. Wenn
dir’s im Herzen klingt, darfſt du auf Widerhall hoffen.
Im Lehrgang für Bibel= und Jugendarbeit ſpricht am Donners=
Glaube, Glaubenskenntnis und Glaubenslehre (Paulus) und Fruckt
Stehmann=Berlin über Wege aus dem Leben in die Bibel. Abends
um 8 Uhr bietet Herr Prälat D. Dr. Diehl Bilder aus vier Jahr=
ſerswürdigen
Führern im Namen des Vereins herzlich gedankt, traten hunderten der Heſſiſchen Landeskinche und ihrer Jugend, umrahmt von
Darbictungen des Poſaunenchors Guſtavsburg, worauf beſonders hin=
g
. Noack. gewieſen wird. Tageskarten zu 1 Mk., Einzelvortragskarten zu 50 Pf.
und Programme für 10 Pf. ſind an der Kaſſe am Eingang zur Otto=
Berndt=Halle zu haben.
Der Heſſiſche Landesverein für Innere Miſſion lädt zu ſeiner
ſti im Rathaus (beim Hausmeiſter) und im Stadtmuſeum (Pädogog= Jahresverſammlung am 9. und 10. Oktober beſtens ein. Von
ſtzüitiger Kauf geboten. Das gut ausgeſtattet, Buch iſt in dem Schau= mittags 10 Uhr, wo der Prälat der Landeskirche den neuen Landes=
8 Uhr im Bemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſtattfindende Familienabend,
ntien Bericht über das Referat folgender Anfangsſatz weg: Die der Landeskirche, Waldſtraße 40, wo nach Vorträgen von Direktor
myſchaftlichen Veranſtaltungen der Heſſiſchen Verwaltungsakademie Schneider und Dr. med. Georgi die Errichtung und Einrichtigung
hlänterſemeſter 1927/28 wurden eingeleiter durch einen Vortrag des der neuerbauten Nieder=Namſtädter Krüppellehrwerkſtätte im Mittel=
reichern
.
Dr.=Max=Wauer=Vortrag. Wir machen nochmals darauf aufmerk=
ſam
, daß der erſte Vortrag über Romain Rolland und andere franzöſiſche
Fpolstungen von außerordentlicher Bedeutung, ſondern auch für alle Dichter der Neuzeit heute abend 8½ Uhr in den Geſchäftsräumen der
Buchhandlung von Müller u. Rühle, Eliſabethenſtraße 5, ſtattfindet, zu

Bericht über die wirtſchaftliche Lage des
deutſchen Handwerks im Monat September.
RH. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns ge=
ſchrieben
:
Grundlegende Aenderungen in der Wirtſchaf:slage des Handwerks
ſind gegenüber dem Monat Auguſt nicht feſtzuſtellen. Nach wie vor iſt,
im allgemeinen geſehen, die Beſchäftigung im Baugewerbe noch zu=
friedenſtellend
, und davon ausgehend auch die der Baunebengewerbe.
Gerade für letztere tritt jetzt zum großen Teil erſt dieſe Auswirkung
ein, nachdem der Rohbau der im Frühjahr und Frühſommer bevonne=
nen
Bauten fertiggeſtellt iſt. Auch in anderen Handwerkszweigen, ſo
bei den Elektrikern, Töpfern, Schuhmachern uſw., iſt ein ſaiſonmäßiger
Aufſchwung feſtzuſtellen.
Allerdings iſt die wirtſchaftliche Lage in Stadt und Land nicht gleich=
mäßig
zu beurteilen. Beſonders in Gegenden, in denen dunh die un=
günſtigen
Witterungsverhältniſſe Mißernten entſtanden ſind, wird auch
die Handwerkswirtſchaft ungünſtig beeinflußt. Die Landwirtſchaft hält
ſowohl mit Aufträgen zurück, als auch der Zahlungseingang für geleiſtete
Arbeit ſehr ſchleptend iſt. Allerdings wird auch vom ſtädtiſchen Hand=
werk
über lange Zahlungsfriſten und Borgwirtſchaft nach wie vor ge=
klagt
. Beſonders ungünſtig wirkt dieſe Tatſache, weil die erzielten
Preiſe noch ſehr miedrig ſind. Unterbietungen und Schleuderangebote
ſind leider nach wie vor noch ſehr an der Tagesordnung. Verſchärft
wird dieſer Zuſtand dadurch, daß Rohſtoffe und Materialien in großem
Umfange Preiserhöhungen aufweiſen. Stoffe=, Leder=, Holz=, Papier=,
Leinen= und Farbpreiſe zeigen ſteigende Tendenz. Der Preisdruck auf
die Fertigfabrikate führt dahin, daß der Handwverker dieſe Steigerung
aus ſeinem Unternchmergewinn beſtreiten muß. Hinzu kommt, daß
auch Lohnerhöhungen eingetreten ſind und zum 1. Oktober mit wei=
teren
Lohnerhöhungen zu rechnen iſt. Auch dieſe Erhöhungen werden
zum großen Teil nicht auf die Abnehmer abgewälzt werden können.
Obgleich alſo von der Auftragsſeite her eine Beſſerung zu verzeich=
nen
iſt, iſt die wirtſchaftliche Lage der ſelbſtändigen Handwerker durch
die Preiswirtſchaft ungünſtig beeinflußt. Um ſo größer iſt der Un=
wille
des Handwerks zum Teil über die Veranlagungen zur Einkom=
mens
= und Gewerbeſteuer. Die von den Finanzämtern zum Teil zu=
grunde
gelegten Durchſchnittsgewinnſätze tragen der wirklichen Lage des
Handwerks keine Rechmung und ſind vielfach zu hoch gegriffen. Auch
über die Gewerbeſteuerveranlagung liegen Berichte vor, beſonders aus
Baden, wonach die Steuerſätze alles bisher Dageweſene überſchreiten.

Das ideale
TR Abführ-Konfekk

V.315

Dienſtjubiläum. Am Dienstag konnte Oberpoſtſekretär Ph.
Becker beim Poſtamt 1 ſein 40jähriges Dienſtjubiläum begehen. Der
pflickhttreue Beamte wurde von Oberpoſtdirektor Geher in anerkennen=
den
Worten geehrt.
* Inſpektion der Feuerwehren. Dieſer Tage fuhr das Kreisfeuer=
wehrauto
unter Leitung von Herrn Kreisfeuerwehrinſpektor Schnell
nach einigen Orten des Kreiſes, um dort die Schlagfertigkeit der Feuer=
wehren
zu erproben. Der Alarm war vorher nicht bekannt. Es zeigte
ſich, daß von den glarmierten Wehren der Orte Erzhauſen, Gräfen=
hauſen
Schneppenhauſen und Braunshardt, von denen der erſte und
letzte Ort nur Pflichtfeuerwehr, die beiden anderen freiwillige Feuer=
wehr
beſitzen, Erzhauſen die beſte Mannſchaft, Schneppenhauſen aber die
ſchlagfertigſte Mannſchaft aufzuweiſen hat. In Schueppenhauſen war
die geſamte Wehr bereits nach 10 Miuten zum Ausrücken fertig, und
dies in ſpäter Nachtſtunde.
Verein von Freunden der Photographie. Die 247. Vereinsver=
ſammlung
brachte den Mitgliedern einen Einblick m ein Sondergebiet
der Lichtbildkunſt: die Amateurkinematographie. Herr Dr. Zima, der
ſchon wiederholt ſeine reichen Erfahrungen auf anderen Gebieten der
Lichtbildkunſt in den Dienſt des Vereins geſtllt hatte, ſprach in einem
faſt einſtüdigen Vortrag über das genannte Thema. Er erläuterte ein=
gehend
, wie der Eindruck der Bewegung durch den raſchen W=chſel der
Bilder zuſtande kommt. Dann erklärte er die Technik der Aufnahme,
die in vielen Punten von der Einzelaufnahme abwricht. Die Entwick=
lung
der viele Meter langen Filmſtreifen macht dem Kinoamateur, der
nicht über eine großzügig eingerichtete Werkſtatt verfügt, b.ſondere
Schwierigkeiten. Der Vortragende zeigte verſchiedene Gerätſchaften zur
Entwicklung des Films, ferner einen Kopierapparat für die H.uſtellung
des Poſitivfilms. Auch über die Technik der Vorfüihrung ſprach der
Vortragende in anſchaulicher Weiſe. Lebhafter Beifall dankte Herrn
Dr. Zima für ſeinen feſſelnoen und anregenden Vortrag. Im nach=
folgenden
geſchäftlichen Teil der Verſammlung wurde das Ergebnis
des Preisausſchreibens des Heſſ. Verkehrsvereins bekanntgegeben. Ueber
den Wunſch des Verkehrsvcreins, mit unſevem Verein wegen des An=
kaufs
geeigneter Bilder in geſchäftliche Beziehungen zu treten, wurde
beraten. Die Verſammlung beſchloß, dem Wunſche entgegenzukommen.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Tagesordnung war die Gautagung
der ſüdweſtdeutſchen Vereine für Liebhaberphotographie, die am 29.
Oktober in Darmſtadt ſtattfinden wird. Die Bedingungon für die Be=
ſchickung
der photographiſchen Ausſtellung im Gwverbemuſeum, an
welcher ſich auch unſer Verein beteiligen wird, wurden beſprochen.
Näheres über die Ausſtellung ſoll noch durch die Zeitungen und durch
Anſchlag bekannt gegeben werden.
Turnerinnen=Schauturnen der Turngeſellſchaft 1875. Man ſchreibt
uns: Das weibliche Geſchlecht hat ſich in den letzten Jahren im ſoziallm
Leben eine Stellung zu erobern verſtanden, die ihr ganz andere Lebens=
notwendigkeiten
und Daſeinsbedingungen vorſchreibt als früher. Da
Kampf ums tägliche Brot fordert von der Frau körperliche und geiſtige
Kraft und Friſche und eine Nerveneinſtellung von eine früher nicht
bekannten Schärfe. Zum Ausgleich gegen die Schädigungen de s Baufs=
lebens
und, um ſich im Beruf behaupten zu können, muß die Frau von
heute Leibesübungen treiben. Dieſer Satz hat ſich allgemeine Aner=
kennung
erworb.m und iſt wohl unbeſtritten. Demgemäß konnte auch in
den letzten Jahren ein gewaltiger Aufſchwung der körperlichen Be=
tätigung
der Frau feſtgeſtellt werden. In Schule und Verein, beſonders
in der Deutſchen Turnerſchaft, wurde der körperlichen Erziehung des
weiblichen Geſchlechts größte Aufmerkſamkeit gewidmet und hat ſich auch
in der Turngeſellſchaft eine Grundlage geſchaffa ſowie kann dieſe einen
erheblichen Fortſchritt verzeichnen, den es ganz beſonders dem rührigen
Leiter der Abteilung, Frauenturnwart Schwarz, zu verdank.n hat. Am
kommnden Sonntag kann die Turnerinnen=Abteilung auf ein 15jähriges
Beſtehen zurückblicken und gleichzeitig jährt ſich der Tag zum 15. Male,
an dem der Leiter die Abteilung ins Leben rief, der er heute noch vor=
ſteht
. Finfzehn Jahre auf dem Gebiete des Frauenturnens als Leiter
muß insbeſondere Beachtung finden, als gerade jenes ganz beſondere
Wandlungen im Laufe der Zeiten durchgemacht hat, wie ſie auf andeum
Gebieten des Turnens und Sportes nicht zu verzeichnen ſind. Auf
welcher Stufe nun das heutige Frauenturnen ſteht und wie ein Lurn=
betrieb
desſelbem ſich geſtaltet, wollen der Leiter ſowie die Abteilung
in einem großen Bühnen=Schauturnen zeigen. Von den Uebungen und
Tänzchen der Kleinſten (Sckülerinnen) an, geſteigert bis zur vollendeten
Handgerät= und Geräteübung, ſowie Tänze und Singſpiele der
Durnerinnen iſt eine reickhaltige Uebungsfolge zuſamm ngeſtellt und
dürſte Gewähr bieten, daß den Beſuchern des Schauturnens ein genuß=
reicher
Nachmittag geboten werden dürſte. Da bereits lebhaft eingeſetzte
Kartenvorverkauf läßt ſchließen, daß man der turneriſchen Veranſtaltung
ein lebhaftes Intereſſe entgegenbringt, und es empfiehlt ſich daher, mög=
lichſt
bald den Bedarf in der Vorverkaufsſtelle, Dieburgerſtraße B,
Tageswirtſchaft der Turnhalle, zu deckm.

0 dSto 2 BedolvUbtkeke

eines angehenden Hausmütterchens können durch keinen
besseren Rat unterstützt werden, als den die Mutter gibt.
Sie sagt stets: Nimm Dr. Oetker’s
Backpulver Backin
wenn Dein Kuchen geraten soll. Mit freudigem Stolze
würden Millionen von Hausfrauen dasselbe sagen, wenn

Heute ist es kinderleicht, die schönsten Kuchen, Torten
und Kleingebäcke aller Art selbst zu backen, sieil Ihnen
die sorgfältig ausprobierten Rezepte und die zahlreichen
naturgetreuen farbigen Abbildungen in Dr. Oeikeri’s
ueuem Rezeptbuch, Ausgabe F eine reiche Auswahl
und willkommenen Anhalt bieten. Sie lesen in dem
Buch auch Näheres über den vorzüglichen Backapparat
Küchenwunder, mit dem Sie auf kleiner Gas-

sie an ihr erfolgreiches Backen mit Backin denken. kocherflamme backen, braten und kochen können.
Dr. Oeiker’s Rezeptbuch F ist in allen einschlägigen Geschäften für 15 Pfennig erhältlich,
wenn nicht vorrätig, gegen Einsendung von Marken von

Dr. August Oetker, Bielefeld.

[ ][  ][ ]

Seite 6
* Die jungdeutſche Hindenburg=Stafette.
Empfang beim Reichspräſidenten.
Der Jungdeutſche Orden gedachte des Ehrentages Hindenburgs
außer mit einem Glückwunſchſchreiben des Hochmeiſters noch mit einer
beſonderen Ehrung. Aus der Bruderſchaft, die am äußerſten Grenz=
ſaume
Oberſchleſiens den Namen Hindenburg trägt, war der Gedanke
gekommen, den Reichspräſidenten und Generalfeldmarſchall dunch eine
Stafette von der Stadt Hindenburg zu dem Manne Hindenburg zu
ehren.
Am Freitag nachmittag um 6 Uhr begann die Stafette, die zu Rade
vor ſich ging, in Hindenburg. Von Einheit zu Einheit wurde die
Adreſſe von jungdeutſchen Bürgern der Stadt Hindenburg an den
Ehrenbürger ihres Ortes weitergegeben. So ging es durch die Bruder=
ſchaften
der Großballei Schleſien und Brandenburg=Pommern. Sonn=
tag
früh, kurz nach 11 Uhr, paſſierte die Stafette das Halleſche Tor,
und der Ordensbruder Hein von der Bruderſchaft Hindenburg ( Ober=
ſchleſien
) nahm als Schlußmann die Adreſſe in Empfang, um ſie durch
die Berliner Innenſtadt zum Hauſe des Reichspräſidenten zu bringen.
Er wurde zuſammen mit einer Abordnung des Jungdeutſchen Or=
dens
von Hindenburg perſönlich empfangen. Sie übermittelten Hinden=
burg
noch einmal die Glückwünſche des Ordens und des Hochmeiſters.
Die Bruderſchaſt Hindenburg ſchloß ſich noch beſonders für die Brüder
Schleſiens an und überreichte ein kunſtvolles Geſchenk, das ein Berg=
arbeiter
in ſeinen kargen Mußeſtunden aus dem Hauptſtoff jenes
Grubenlandes, aus Steinkohle des beſten oberſchleſiſchen Flözes, geformt
hatte. Es iſt in ſeinem glänzenden. Schwarz ein wohlgelungenes Ab=
bild
des Kriegerdenkmals in Hindenburg.
Der Reichspräſident nahm mit herzlichem Dank die Gabe entgegen.
Er bat die Abordnung, die Brüder des geſamten Jungdeutſchen Or=
dens
herzlich zu grüßen und ihnen ſeinen Dank für das Gedenken zu
übermitteln, beſonders dem deutſchen Arbeiter, der ſich für ihn ſo viel
Mühe gemacht habe. Den Staatsſekretär Meißner bat Hindenburg,
das Geſchenk auf ſeinen kleinen privaten Geburtstagstiſch zu ſtellen,
nicht unter die vielen Gaben von Außenſtehenden.

Oeffnungszeiten der Stadtbücherei: Um denjenigen Einwohnern
der Stadt, die tagsüüber ihrem Berufe außerhalb Darmſtadts nachgehen
und erſt am Spätnachmittag heimkommen, noch bequemere Gelegenheit
zur Bewutzung der Stadtbücherei zu geben, ſind die Ouffnungszeiten der
Bibliothek an zwei Tagen auf ſpätere Stunden verlegt
worden. Dadurch wurde auch eine kleine Umgruppierung der übrigen
Ausleihſtunden erforderlich. Welche Ausleihſtunden der Leſer zum
Umtauſchen ſeiner Bücher benutzen will, bleibt ihm ſelbſtverſtändlich
überlaſſen. Vormittags beginnt die Ausleihe an allen Tagen erſt um
11 Uhr ſtatt wie bisher um 10 Uhr. Die neuen Oeffnungszeiten gelten
ab 3. Oktober d8. Js.: Montags und Donnerstags von 11½1 und
von 48 Uhr; Dienstags und Freitags von 116 Uhr durchgehend;
Mittwochs und Samstags von 11½1 Uhr.
Höchſt bedauerliche Unrichtigkeiten neben ſonſtiger Unvollkommen=
heit
weiſt der von der Reichsbahndirektion Mainz ausgegebene amtliche
Taſchenfahrplan vom 2. Oktober 1927 hinſichtlich der Kraftwagenlinien
auf. Bezüglich der weithin bekannten Kraftpoſtverbindung
MainMümling iſt auf Seite 228 fälſchlich angegeben, daß der
Betrieb im Winter eingeſtellt ſei. In Wahrheit wird der Vetrieb dieſer
Linien ab 1. Oktober ſtatt von der Oberpoſtdirektion Würzburg von der
Oberpoſtdirektion Darmſtadt weitergeführt. Die Schnell=Linie
Darmſtadt Rhein, die ſowohl für Darmſtadt wie auch hüir das
mittlere Abeinheſſen von ganz beſonderer Bedeutung iſt, iſt euf Seite
220 des amtlichen Taſchenfahrplans in einer Weiſe aufgeführt, die für
die Reiſenden völlig unzulänglich iſt. Es ſind hier lediglich die Abfahrts=
und die Ankunftszeiten für Darmſtadt und Guntersblum angegeben,
während die Angaben für Oppenheim=Nierſtein ſowie für die Zwiſchen=
oite
fehlen. Auffallenderweiſe ſind überhaupt die Kraftwagenlmien der
Reichsbehn mit allen erdenklichen Einzelheiten aufgeführt, während die
ſonſtigen Kraftragenve bmdungen, auch die der Reichspoſt, völlig unzu=
reichend
berückhſichtigt ſind. Es kann keinem Zweifel unterliegen,
daß das reiſende Publikum ſich unter dieſen Umſtänden Fahrplänen zu=
wenden
wird, die auch hinſichtlich der für weiteſte Kreiſe wichtigen Kraft=
wagenverbindungen
eine größere Vollſtändigkeit und Richtigkeit auf=
weiſen
. In dieſem Zuſammenhang darf darauf hingewieſen werden,
daß beiſpielsweiſe in dem Darmſtädter roten Fahrplanbuch ſowohl, die
Linien MainMümling als auch die Schnell=Linie DarmſtadtRhein
in einwandfreier Weiſe aufgenommen ſind.
Dampferexpeditionen des Norddeutſchen Lloyd Bremen. Nach
New York ab Bremen=Bremerhaven: D. Yorck 5. 10, D. Preſident
Rooſevelt (USL.) 5. 10. D. Dresden 11. 10., D. Columbus 13 10.,
D. Preſident Harding (USL.) 19. 10. D. München 19. 10. D. Lützow
25. 10., D. George Waſhington (USL.) 25 10. Nach New York
ab Southampton: D. Preſident Rooſevelt (USL.) 6. 10., D. Columbus
14. 10., D. Preſident Harding (USL.) 20. 10., D. George Waſhington
(uS8.) R. 10. Nach Canada (Halifax) ab Bremen=Bremerhaven:
D. Yorck 5. 10. Nach PhiladelphiaBaltimore Nor=
folk
ab Bremen: D. Göttingen 9. 10. Nach Nordamerika
(Weſtküſte): D. Weſtfalen ab Hamburg 8. 10., ab Bremen 11. 10.,
D. Ilmar ab Hamburg 29. 10., ab Bremen 1. 11. Nach dem La
Plata ab Bremen=Bremerhaven (Paſſagiereinſchiffung): D. Weſer
8. 10., D. Sierra Morena 22. 10., D. Gotha 29. 10. Nach Nord=
braſilien
: D. Orotava ab Bremen 10. 10., ab Hamburg 12. 10.
Nach Mittelbrafilien: D. Aegina ab Bremen 15. 10., ab
Hamburg 19. 10. Nach Cuba=New Orleans ab Bremen: D.
Ingram 3. 10. Nach Oſtaſien: D. Trier ab Hamburg 5. 10., D.
Pfalz ab Bremen 8. 10., ab Hamburg 12. 10, MS. Königsberg ab
Bremen 19. 10., ab Hamburg 22. 10., D. Derfflinger ab Bremen 29.
10., ab Hamburg 2. 11., D. Elberfeld ab Bremen 5. 11., ab Hamburg
9. 11. Nach Auſtralien: D. Magdeburg ab Bremen 4. 10
D. Gera ab Hamburg 12. 10., ab Bremen 15. 10., D. Franken ab
Hamburg 22. 10. ab Bremen 25. 10. Nach Südamerika ( Weſt=
küſte
), a) durch den Panamakanal: D. Murla ab Hamburg 12. 10.
ab Bremen 15. 10., b) durch die Magellan=Straße: D. Alrich ab
Bremen 18. .10., ab Hamburg 22. 10. Nach Weſtküſte, Zentral=
Amerika und Mexiko: MS. Erfurt ab Bremen 5. 11., ab
Hamburg 12. 11. Fruchtfahrt Canariſche Inſeln nach
BremenHamburg: D. Arucas 29. 10. ab Bremen. D. *
15, 10. ab Bremen. Nach der Levante ab Bremen: Abfahrten
alle 310 Tage. Nach Finnland ab Bremen: 14tägiger Dienſt
nach allen Haupthäfen. Nach Reval ab Bremen: Abfahrten alle
10 Tage. Nach Leningrad ab Bremen: Abfahrten alle 8 bis 14
Tage. Nach England ab Bremen: 2 bzw. 4 Abfahrten in der
Woche. Nach Afrika a) Weſt=Afrika: D. Wahehe ab Hamburg 3. 10.
D. Jvo ab Hamburg 10. 10., b) Süd= und OſtAfrika: D. Urundi ab
Hamburg 11. 10., ab Bremen 13. 10., D. Sultan ab Hamburg 18. 10.,
ab Bremen 20. 10., D. Toledo ab Hamburg 18. 10.
Lokale Veranſialtungen.
Die bierunter srſcheinenden Notigen Aind ensſchlleliſich at Hinweiſe auf Amzeigen uu bekrachten.
in keinem Falle irgendwie alt Deſrechung eder Kril.
* Café Rheingold. Am Freitag, 7. Okt., wird die hervor=
ragende
Künſtlerin und Humoriſtin Frl. Cilli Bauer, aus Wien
allen Gönnern von Kunſt und Humor einen gemütlichen Abend bereiten.
(Siehe Anzeige.)
Profeſſor Hartwig=Wien ſpricht am Freitag abend
im Saalbau. Den weltbekannten Redner der Freidenkerbewegung zu
hören, dürfte für viele intereſſant ſein. Jedermann iſt eingeladen. Eine
freie Ausſprache ſchließt ſich an den Vortrag. (Siehe Anzeige.)

Donnerstag den 6 Oktober 1922
Aus den Parteien.
Der Landesverband Heſſen des Hypothekengläubiger= und Sparer=
ſchutzverbandes
veröffentlicht folgende Erklärung:
Der Heſſiſche Landtag hat am . September 1977 eine Abänderung
des heſſiſchen Landtagswahlgeſetzes beſchloſſen, die das bisherige freie
Wahlrecht in weitgehendſter Weiſe einſchränkt. Danach ſollen künftig
Wahlvorſchläge von Perſonenvereinigungen politiſcher und wirtſchaſt=
licher
Art, die im bisherigen Landtag keine Vertreter hatten, nur dann
eingereicht werden können, wenn ſie von mindeſtens 7000 Wählern unter=
zeichnet
ſind und wenn bei der Einreichung 5000 Mark hinterlegt wer=
den
. Es wird weiter vorgeſchrieben, daß für die Zulaſſung von Wahl=
vorſchlägen
der alten Parteien 50 Unterſchriften genügen und daß bei
ihrer Einreichung nichts zu hinterlegen ſt. Dieſe Vorſchriften ſind jetzt
noch dahin verſchärft worden, daß die Unterſchriften unter dem Wahl=
vorſchlag
vor der Bürgermeiſterei vollzogen werden müſſen.
Die angeführten Beſtimmungen, die in bezug auf die Ausübung
des Wahlrachts einen Unterſchied zwiſchen den alten privilegierten Par=
teien
und neuen Parteien einführen wollen, laufen den Verfaſſungs=
grundſitzen
über das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht zuwider.
Wenn man die gegenteilige Behauptung darauf ſtützt, daß die Wahl=
erſchwerungen
das Abſtimmungsrecht der von ihnen Betroffenen unbe=
rührt
laſſen, ſo geht dies nach zwai Richtungen fehl. Denn das durch
die Landesverfaſſungen gewährleiſtete allgemeine und gleiche Stimm=
recht
hat nur dann Sinn, wenn jeder Wähler nicht nur an ſich eine
Stimme abgeben, ſondern ſie unter denſelben Vorausſetzungen wie die
übrigen Wähler für die Bewerber abgeben darf, die er ſelbſt
für geeignet hält und zur Wahl vorſchlägt. Daraus folgt, daß
bei der Liſtenwahl Wahlrecht und Abſtimmung dergeſtalt zuſammen=
gehören
, daß die Beſchränkung auch mr des Wahlvorſchlagsrechts ein=
zelner
Wählergruppen das gleiche und allgemeine Stimmralt verletzt.
Außerdem laufen die landesgefetzlichen Wahlbeſchränkungen der Reichs=
derfaſſung
zuwider. Artikel 17 der Reichsverfaſſung fordert für alle
Länder nicht nur das gleiche Stimmrecht, ſondern das gleiche Wahl=
recht
, und die einſchlägigen landesrechtlichen Verfaſſungsbeſtimmungen
ſind zwangsläufig im Sinne der Reichsverfaſſung auszulegen, oder ſie
ſind, ſoweit ſie dieſe abſichtlich beſchränken wollen, ungültig. Die ange=
führten
Beſchränkungen verletzen nicht nur das gleiche allgemeine, ſow=
dern
auch das geheime Wahlracht. Eine gewiſſe Beſchränkung des ge=
heimen
Wahlrechts iſt bei der Liſtenwahl unvermeidlich. Deshalb hat
man die bei dem Syſtem der Liſtenwahl für den Wahlvorſchlag erfor=
derlichen
Underſchriften auf geringe Zahlen beſchränkt. Werden dieſe
für neue Parteien ausnahmsweiſe auf viele Tauſende erhöht in
Heſſen auf das 140fache von 50 , und wird gar, wie jetzt bei uns,
vorgeſchrieben, daß die Wahlvorſchläge von den Stimmberechtigten auf
der Bürgermeiſterei vollzogen werden müſſen, fo iſt damit das allge=
meine
, gleiche und geheime Wahlrecht tatſächlich außer Kraſt geſetzt.
Die angeführten Vorſchriften laufen für viele Wähler auf eine Wahl=
rechtsberaubung
hinaus, da große Mengen von Wahlberahtigten in
wirtſchaftlicher Abhängigkeit von Großſinanz, Großinduſtrie, Grund=
beſitz
oder ſonſtigen Trägern der privilegierten Parteien leben und ſich
deshalb ſcheuen, vor der Behörde, wo ſie kontrolliert werden können,
ihren Namen unter den Wahlvorſchlag einer neuen Partei zu ſetzen.
Das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht iſt durch die Reichs=
verfaſſung
für die Landtagswahlen zwingend vorgeſchrieben. Es kann
deshalb auch durch die landesrechtlich mit qualifizierter Mehrheit be=
ſchloſſene
Einſchränkung nicht außer Kraft geſetzt werden. Nicht min=
der
tief als die Forderung der Unterſchrift eines erheblichen Bruchteils
der Stimmberechtigten greift in das verfaſſungsmäßige Wahlrecht die
ausnahmsweiſe geforderte Hinterlegung größerer Geld=
ſummen
ein. Daraus folgt, daß die neueſte Abänderung des Heſſi=
ſchen
Landtagswahlgeſetzes nichtig iſt und nach Artikel 19 der Reichsver=
faſſung
der Anfechtung unterliegt.
Die den Sparerbund, Rentnerbund und die Reichsbankgläubiger
umfaſſende Volksrechtspartei m Heſſen wind durch die neue
Wahlrechtsbeſchränkung in erſter Linie betroffen.
Daß man ſich im Intereſſe der Privilegierung der alten Parteien
nicht ſcheut, in dem Lande, in dem angeblich die freieſte Verfaſſung der
Welt gelten ſoll, viele Tauſende von Staatsbürgern, die durch den
Währungsbetrug und das Unrecht der Aufwertungsgeſetzgebung um die
Erſparniſſe ihrer Lebensarbeit gebracht worden ſind, nunmehr auch
politiſch zu entrechten, ſollte allen denen, die noch politiſch unbefangen
denken können, Anlaß zu ernſtem Nachdenken geben. Die Volksrechts=
partei
in Heſſen hat trotz aller Erſchwerungen beſchloſſen, in den Wahl=
kampf
einzutreten. Sie führt dieſen Kampf auch um ihrer politiſchen
Gleichberehtigung willen, die man ihr gegen die zwingenden Vorſchrif=
ten
der Reichsverfaſſung rauben will. Man darf auf den Ausgang ge=
ſpannt
ſein.
Frauengruppe der Deutſchen Volkspartei. Sams=
tag
, den 8. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet unſere geſellige Zu=
ſammenkunft
auf dem Heiligen Kreuz ſtatt. Muſikaliſche Darbietun=
gen
werden den Parteifreundinnen einige genußreiche Stunden bieten,
und bitten wir um zahlreiche Beteiligung.
Deutſchnationale Volkspartei, Ortsgruppe
Darmſtadt. Am Samstag und Sonntag, den 8. und 9. Oktber,, fin=
det
zu Worms a. Rh. der Landesparteitag ſtatt. Die Verhand=
lungen
beginnen am Samstag, den 8. d. M., nachmittags 3 Uhr, im
Feſtſpielhaus (ozartſaal). Am gleichen Tage, abends 8 Uhr, iſt der
Begrüßungsabend, ebenfalls im Mozartſäal. Die Mitglieder werden
erſucht, ſich möglichſt zahlreich zu dieſen Verhandlungen in Worms ein=
zuſinden
. Am Sonntag nachmittag um 3 Uhr wird der Parteitag fort=
geſetzt
. Um 8 Uhr abends ſpricht in einer öffentlichen Verſammlung
Exzellenz Wallraf, M. d. R., über Die Geſamtpolitik der Deutſchnatio=
nalen
Volkspartei. Auch für die Sonntagsverhandlungen und die
öffentliche Verſammlung wird ein reger Beſuch unſerer Darmſtädter
Mitglieder erbeten.
Städtiſches Orcheſter. Das Städtiſche Orcheſter ſpielt heute von
56 Uhr am Paradeplatz nach folgender Vortragsfolge: 1. Marſch,
2. Duvertüre Mignon, 3. Fantaſie Rigoletto, 4. Alumblatt, 5. Volks=
ſzenen
aus der Oper Evangelimann, 6. Marſch. Leitung: Städtiſcher
Kapellmeiſter Ernſt Guido Naumann.
Tageskalender für Donnerstag, den 6. Oktober 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 19½ Uhr Ende
nach 22 Uhr: Das Wintermärchen. Kleines Haus, Anfang
19½ Uhr, Ende 2 Uhr: Die vier Grobiane‟. Orpheum
Anfang 20 Uhr: Meſſalinette‟ Konzerte: Saalbau, Hotel
Schmitz. Kinovorſtellungen: Union=Theater, Reſidenz=
Theater, Palaſt=Lichtſpiele.

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eindringen, werden durch Panfavin-Pastillen
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steckung
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Nummer 277
Aus Heſſen.
* Jahresber chi des Oekanats Eberſiadi.
4a. Das evangeliſche Dekanat Gberſtadt veröffentlicht ſoeben für das
Jahr 1926 ſeinen Jahresbericht über das kinchliche und religiöſe Leben
im Dekanat. Den bſten Einblick hierin gibt eine Ueberſicht üüber den
Kirchenbeſuch. Dabei ergibt ſich die auffallende Tatſache, daß die kleineuen
Orte den beſten Kirchenbeſuch aufzuweiſen haben. So ſtehen im Dekanat
Eberſtadt Frankenhauſen und Malchen mit 40 Prozent und 31 Prozent
an Erwachſenen an der Spitza. Ueber den Durchſchnitt ſtehen Wolfs=
kehlen
, Gernsheim, Seekeim, Ernſthofen, Crumſtadt, Goddelau, Rohr=
bach
, Eſchollbrücken, Hahn, Stockſtadt, Ober=Beerbach, Biebesheim und
Nider=Beerbach. Den ſchlechteſten Kirchenbeſuch mit 5,7 Proz. hat Eber=
ſtadt
aufzuweiſen. Die geringſte Abendmahlsziffer hat dagegen Pfung=
ſtadt
. Auch hier ſteht Frankenhauſen neben Ernſthofen mit an erſter
Stelle.
Das kirchliche Vereinsleben wird in der Hauptſache von
Jugend=, Frauen=, Männer= und Kirchengeſangvereinen beſtrittm. Im
Dekanat Eberſtadt gibt es jedoch nur zwei evang. Männervereine, und
zwar in Pfungſtadt und Gernsheim. Die Zahl der Frauenvereing be=
trägt
18; neugegründet wurde ein ſolcher zuletzt in Nieder=Modau,
Außerdem beſtehen im Dekanat 15 Kirchengeſangver ine, eine Chorſchule
in Wolfskehlen und Poſaunenchöre in Eberſtadt, Biebesheim. Seeheim
und Ober=Ramſtadt. Ferner werden 7 Jugendverrine für Männer und
elf für Mädchen verzeichnet.
In die weltliche Statiſtik greift die Statiſtik der Ehen, Geburten
und Todesfälle hinüber. Im genannten Berichntsjahr wurden 332 rein
ebangeliſche Ehen und 40 Miſchehen geſchloſſen. Die Zahl der Ge=
borenen
betrug 824, darunter 93 uneheliche Kinder und 68 aus Miſch=
ehen
. Die Zahl der Konfirmanden und Konfirmandinnen betrug 865.
Kirchlich beerdigt wurden 443 Gemeindemitglieder. Uebetritte zur
evängeliſchen Kirche wurden drei vollzogen, denen 78 Austritty gegen=
überſtehen
. In Pfungſtadt betrug die Zahl der Kirchenaustritte 20, in
Eberſtadt 13.
Die Liebestätigkeit im Dekanat weiſt rein zahllmmäßig eine Beſſerung
auf. An beſonderen kirchlichen Veranſtaltungen wird ein Dekanats=
kirchengeſangvereinsfeſt
in Eberſtadt, ein Miſſionsf ſt in Ober=Ramſtadt
und Guſtav Adolf=Feſte in Nieder=Modqu und Biebesheim hervorge=
hoben
. Der erſte evangeliſche Kreisfrauentag fand in S eheim ſtat,
Eine Evangeliſationswoche machte in Ober=Ramſtadt von ſich reden,
Jugendfeſte fanden in Pfungſtadt und Traiſa ſtatt.
Die Zahl der kirchlichen Krankenpflegeſtationen beträgt zehn. In
den übrigen Orten ligt die Krankenpflegegrbeit meiſt in den Händen
der politiſchen Gemeinden.
Eberſtadt, 4. Okt. Der Verein Soldatenkameradſchaft begeht
am Samstag, den 15. Oktober d. J., im Saale Zum Schwanen ſeinen
diesjährigen Familien=Unterhaltungsabend. Auch die Ehrung einigen
Kameraden mit Bjähriger Mitgliedſchaft, ſoll an dieſem Abend vorge=
nommen
werden. Der Geſangverein Männerquartett Harmonie und
der Turnverein Eberſtadt 1876 haben ihre Mitwirkung zugeſagt. Die
Muſik wird bei vollbeſetzter Kapelle von dem allſeits berühmten und be=
liebten
Muſikverein Edelweiß ausgeführt. Das Programm verſpricht
ein reichhaltiges und jedermann zufriedenſtellendes zu werden.
P. Eberſtadt, 5. Okt. Odenwaldklub. Die diesjährige 10.
Wanderung des Odenwaldklubs (Ortsgruppe Eberſtadt) führt die Won=
derer
am 9. Oktober durch den Kranichſteiner Park nach Dreieichenhain.
Die Abfahrt mit der Elektriſchen ab Eberſtadt erfolgt 7.25 Uhr nach dem
Oberwaldhaus. Der Weg führt ab hier zunächſt durch die Domanial=
walddiſtrikte
Faſanerie nach dem Jagdſchloß Kranichſtein. Zur Hebung
des Wildbeſtandes legte Landgraf Georg I bei dem im Jahre 1571 käuf=
lich
erworbenen Gut Kranichſtein neben einem Teich, einer Fafanerie
uſw. auch einen Tiergarten an. Hier wurde wiederholt von dem Pſalz=
grafen
und von anderen Fürſten bezogenes junges Rot. Dam= und
Schwarzwild ausgeſetzt und ſpäter in die freie Wildbahn entlaſſen,
Dieſe, noch heute Faſanerie, Tier= und Hirſchgarten benannten Teile
des Parks, durch welche die Wanderung teilweiſe geführt wird ſind
die älteſten Teile des Kranichſteiner Wildparks. Die erweiterte Anlage
wurde erſt im Jahre 1771 begonnen. Der Park iſt heute mit Rotz und
Dam ſowie etwas Rehwild beſetzt. Schwarzwild iſt nicht mehr vor=
handen
. Da derzeit die Brunſtzeit der Hirſche iſt, iſt es nicht ausgel
ſchloſſen, daß auch das Röhren des edelſten und leider nur noch in.
wenigen Gegenden Deutſchlands vorkommenden Wildes zu hören iſt=
Der ganze Weg führt vorwiegend durch Laubwald, wobei die Buch
vorherrſchend iſt. Daß dieſe Wanderung im Herbſt ſtattfindet, iſt eill.
beſonders glücklicher Griff, denn gerade im Herbſt bietet der Kranich=
ſteiner
Wildpark ſeine beſonderen Reize. Es braucht nur an die bunte
Färbung des Laubwaldes erinnert zu werden. In Dreieichenhain wird
die alte Ruine beſichtigt. Ein hiſtoriſcher Vortrag des dortigen Gesi
ſchichtsforſchers und Lehrers Fröhlich erwartet hierbei die Wanderer.
Eich b. Pfungſtadt, 4. Okt. Das Landwirtſchaftsamt Darmſtadt:
veranſtaltete hier Beizvorführungen. Der Leiter dieſer Vorführungen=
Landw.=Nat Dr. Schmaldt, ging mit kurzen Worten auf die gefährlicke=
ſten
Pilzkrankheiten des Winter= und Sommergetreides ein und befpracht
die wirbſamſten chemiſchen Naß= und Trockenbeizmittel. Daran auſchlie,
ßend wurde mit dem Beizapparat Puck das Kurzbeizverfahnen mis
Germiſan und das Trockenbeizen mit Abavit B. vorgeführt. Zum=
Schluß wies der Leiter der Veranſtaltung nochmals darauf hin, daßs
die Landwirte ihr ſämtliches Saatgetreide unbedingt beizen müſſen, um
geſunde und kräftige Pflanzen zu erhalten. Das noch bäufig mit Kupſer=
bitniol
angewandte Beizen iſt nicht ratſam, da ſeine Wirkiamkeit gegen=
die
Krankheitserreger der Getreidepflanzen zu gering iſt.
* Weiterſtadt, 4. Okt. Zur Bürgermeiſterwahl ſchreibt mam
uns: Trotzdem die Sozialdemokratiſche Partei an der Tätigkeit des ſeii=
herigen
Bürgermeiſters Aug. Meinhardt nichts auszuſetzen weiß, lehuts.
ſie wohl aus prinzipiellen Gründen den Vorſchlag der freien Büt=, nämlich ſich auf den ſeitherigen Bürgermeiſter zu einis
gen, ab. Die freie Bürgervereinigung hatte als Gegenleiſtung zuge=
ſichert
, bei der nächſtjährigen Beigeordnetenwahl für ihren Partei=
genoſſen
Gg. Storm 2. einzutreten. In einer mündlichen Auseinander=
ſetzung
der Vorſtände der beteiligten Parteien ſtellte nun der Vorſtme
der Sozialdemokratiſchen Partei ſeinerſeits einen Antrag, der gerade das
Gegenteil wünſcht, nämlich die freie Vereinigung ſolle dieſes Jahr ſich
mit der Soz. Partei auf ihren Kandidaten einigen, im nächſten Jahr=
möchten
ſich die Bürgerlichen einen Beigeordneten wählen. Perſonen als
Kandidaten für dieſen Vorſchlag konnten ſeitens der Sozialdemokratem
noch keine genannt werden, da bisher noch keine Mitgliederverſamm=
lung
war. Schließlich wurde doch noch in letzter Stunde als Bürger=
meiſterkandidat
Herr Beigeordneter Storm genannt. Auf einen ſolcher
Vorſchlag, der vollkommen in der Luft hängt, konnte die freie Bürger=
vereinigung
nicht eingehen. Tags danach teilte die Soz. Partei nack
ihrer Mitgliederverſammlung der freien Bürgervereinigung mit, dE
ihr Mitglied Adam Danz als Bürgermeiſterkandidat ihrerſeits aufgeſtell
ſei. Dadurch ſieht die freie Bürgervereinigung leider ihren guten Wil.
len, der Einwohnerſchaft ſowie der Gemeinde viel Geld und ſonſtige
Begleiterſcheinungen zu erſparen, zunichte gemacht. Sie hält an der
Kandidatur des ſeitherigen Bürgermeiſters feſt.
j. Von der Bergſtraße, 3. Okt. In einer von den militäriſcher!
Vereinen Weinheims veranſtalteten Hindenbupgfeier, in der Oberſe
leutnant a. D. Bauer aus Karlsruhe die Feſtrede hielt, wurde folgen=
des
Telegramm an den Reichspräſidenten geſandt: Von der ſonniger
Bergſtraße, Deutſchlands lieblichem Gau, klingt ein Hoch dem bravert
Mann, unſerm ehrwürdigen Hindenburg, kampferprobt und ſtark im
Frieden. In Dankbarkeit und Treue geloben wir, unſeres Führers Ru9
zu folgen zur Einigkeit. O Deutſchland hoch in Ehren.

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Gener
vertr.: MOTORWAGEN-VERKAUFS-G. M. B. H., FRANKFURT A. M., Mainzerlandstraße 341.

II. Hbg. 315

[ ][  ][ ]

Rummer 277

Donnerstag den 6 Oktober 1927

Seite 7

X. Dieburg, 5. Okt. Der bieſige Odenwaldklub, der am 11.
ſkwober 1919 neu ins Leben gerufen worden iſt, kann jetzt auf ein
ſirfundzwanzigf ähriges Beſtehen zurückblichen, da er be=
is
1882 gegründet ſpäter aber vorübergehend aufgelöſt worden iſt.
m Samstag, 8. Oktober, wird die Ortsgruppe das ſilberne Jubiläum
ſerids 8 Uhr im Mainzer Hof feſtlich begehen. Die Feſtfolge bringt
m: Akademiſche Feier, Konzert, Theater (Aufführung eines Vers=
ſicks
Der Wanderer, wobei eine Gruppe des Jung=Odenwaldklubs
ſamſtadt von der Beſſunger Mädchenſchule die Reigentänze aus=
hren
wird) und ſpäter Tanz. Der Hauptausſchuß und andere Orts=
mpen
des Odenwaldklubs werden bei der Feier vertreten ſein.
* Wembach=Hahn, 4. Okt. Am 2. Oktober, abends 9 Uhr, veran=
iIwte
die hieſige Gemeinde einen Hindenburg=Abend. Frauen und
ſeriner aller Parteirichtungen verſammelten ſich auf den Ruf des
ſürgermeiſters in der Turnhalle dahier, um den 80. Geburtstag des
eihspräſidenten in würdiger, einfacher Weiſe zu feiern. Es wurden
ſe. Anſprachen gehalten, in denen der Herr Reichspräſident von Hin=
nwurg
als Muſter von Pflichtbewußtſein, nicht zu übertreffender
ſrerlandsliebe und unermüdlicher Schaffensfreude geſchildert wurde,
ſhviſchen ſang der Männergeſangverein Liederkranz dahier gut vor=
nagene
Vaterlandslieder. In den Zwiſchenpauſen erfreuten zwei
ſi glinge von hier die Zuhörer durch Duette und andere Violinvor=
ſiro
. Jeder Teilnehmer empfand es, eine einfache, aber würdige Feier
meſſen zu haben. Um 11: Uhr ſchloß der Bürgermeiſter die Feier
t Dankesworten an alle Beteiligten.
4l. Höchſt i. Odw., 5. Okt. Hindenburg= Geburtstags=
ig
r. Am vergangenen Sonntag veranſtaltete der Deutſch=Orden
ſrrmende Höchſt, im feſtlich geſchmückten Saale des Hotels Zum =
en
eine ſchlichte, eindrucksvolle Geburtstagsfeier, die ſehr gut be=
h
war. Komtur K. Pracht begrüßte die Anweſenden, beſonders die
ſie aus Darmſtadt, Ehrenmeiſter Freiherr von Stein und Major
D. Appuhn, Großkomtur, und erteilte hierauf dem Feſtredner, Or=
ſtAbruder
, Oberlt. a. D. Schlich, das Wort. Anſchließend ſprach Ehren=
ſeinter
Freiherr von Stein, Darmſtadt. Er überbrachte die Grüße der
ſrnſtädter Ordensbrüder und verbreitete ſich ſodann in längeren
ſt=ührungen über deutſches Denken und Handeln. Herr Mafor a. D.
btnuhn verlas ein Glückwunſchtelegramm, das der Deutſch=Orden an
I Reichspräſidenten geſandt hat. Die hierauf durch Ordensbruder
ſos vorgenommene und ſehr gut gelungene Hindenburg=Ehrung
date mit dem Deutſchlandlied, das die Erſchienenen begeiſtert mit=
ugen
.
Ag. Lindenſels, 4. Okt. Aus dem Gemeinderat. Es wird
n Genehmigung eines Bauplans des Lehrers i. R. Neidlinger nach=
ſſwcht
. Am Ellenbacher Weg ſoll ein nettes Wohnhaus errichtet wer=
Un, das nach den vorgelegten Plänen ſehr gut in die Landſchaft paßt.
Gemeinderat gibt hierzu ſeine Zuſtimmung. Die Abwäſſer vom
igeren Vorſeminar richten in ihrer heutigen Verfaſſung den Nach=
r
; rundſtücken Schaden an. Die Geſchädigten haben die Gemeinde
ngenfels zur Schadloshaltung aufgefordert, welcher der Gemeinderat
r* einen entſprechenden Beſchluß nachkommt. Ueber den verbillig=
WLichtſtrombezug von der Heag werden noch einmal Erkundigungen
n Darmſtadt eingeholt. Der Gemeinderat will erreichen, daß im Som=
ergalbjahr
mit Rückſicht auf die Kurſaiſon abends die Lampen etwas
uner brennen ſollen wie ſeither und daß im Winterhalbjahr be=
ſyante
Straßenlampen in den Frühſtunden brennen ſollen, damit die
kiterſchaft den Weg auf ihre Arbeitsſtellen beſſer finden kann.
ſeſmluß ergeht erſt in nächſter Sitzung. Die Vergebung der Kies=
ſte
, die nunmehr an der Dicken Tanne neu angelegt werden ſoll,
utte ebenfalls bis zur nächſten Sitzung zurückgeſtellt werden. Bei
r Ausſprache hat ſich herausgeſtellt, daß beſtimmte Richtlinien in
mrn eines Vertrages niedergelegt werden müſſen, die den Bewerbern
ſttvorgelegt werden. Eine Unterſtützung zu den Unwetter= Geſchädig=
nRheinheſſens
mußte abgelehnt werden, da auch in hieſiger Gegend
SBetreideernte zum größten Teil vernichtet war. Eine Hindenburg=
pride
in Höhe von 100 RM. wurde bewilligt, die jedoch nur Linden=
ſw
Schwerkriegsbeſchädigten oder Hinterbliebenen zuteil wird.
ſieere Unterſtützungen wurden teilweiſe bewilligt oder zurückgeſtellt.
A. Fürth i. Odw., 4. Okt. Verſpätete Roggenausſaat.
än=rend in ſonſtigen trochenen Jahren die Landwirte mit der Ausſaat
3! Wintergetreides bereits beginnen, iſt bei der andauernden Boden=
wrtigkeit
fetzt noch lange nicht daran zu denken. Die Landwirte ſind
ch. derart mit anderen Arbeiten zurück, daß ſie zunächſt noch alle
inde voll zu tun haben, um einmal das Feld zur Ausſaat frei zu be=
mnen
. Solange das naſſe Wetter noch ſo anhält, kann an eine Aus=
u
. nicht gedacht werden, da unter dieſen Umſtänden eine lückenloſe
inrung der Winterſaat nicht zu erwarten iſt. Andererſeits iſt zu be=
riten
, daß bei frühem Eintritt des Winters die Aecker gefrieren und
trrecht nichts mehr zu machen iſt. Gevade dieſes Jahr ſehen ſich die
mSwirte in hieſiger Gegend vor allerſchwierigſte Aufgaben geſtellt,
rs um ſo empfindlicher iſt, da hier überall von den Landwirten über
wngel an Arbeitskräften geklagt wird.
Ay. Bensheim, 5. Okt. Vom Bensheimer Gas= und
ktrizitätswerk. Das Gruppen=Gas= und Elekrizitätswerk
rrnſtraße A.=G., Bensheim, veröffentlicht ſoeben ſeine Bilanz und
m: Gewinn= und Verluſtrechnung zum 31. März 1927. Aus der Bi=
uz
dieſes kommunalen Unternehmens, an dem bekanntlich die Stadt
ensheim mit 51 Prozent des Aktienkapitals, eine Reihe der benach=
r
n Bergſträßer Gemeinden mit den übrigen 49 Prozent beteiligt
d. entnehmen wir folgendes: Bei einer Bilanzſumme von rund
: 800 Mk. ergibt ſich ein Aktivſaldo in Höhe von 113 200 Mk. Aus
Gewinn= und Verluſtrechnung das nächſtfolgende: Die Bruttoein=
hmien
im verfloſſenen Geſchäftsjahr betrugen rund 247 700 Mk.,
varr an Geſchäftsunkoſten 57 800 Mk. gegenübertreten. Die Höhe der
vreibungen beziffert ſich auf rund 76 500 Mk. Beide Poſten zu=
umien
betragen alſo 134 300 Mk. Daraus läßt ſich mithin ein bilanz=
ihrger
Gewinnſaldo in Höhe von 113 400 Mk. errechnen. Auf das
ſa=nte Aktienkapital (1 Million Rm.) bezogen, ergibt ſich alſo eine
ahsesdividende von 11,3 Prozent.
Gernsheim, 5. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
Aktober 2,68 Meter.

*Gasvergiftung im J. G. Farbenwerk
Offenbach. Eine Chemikerin geſtorben.
Offenbach, 5. Oktober.
Im Betrieb der J. G. Farbeninduſtrie, Abteilung Offenbach
(früheres Werk Oehler), ereignete ſich ein ſchwerer Unfall. Ein
Arbeiter, der mit der Oeffnung einer tödlich wirkendes
Phosgen=Gas enthaltenden Gasbombe beſchäftigt war, be=
merkte
, daß die Bombe undicht war und Gas ausſtrömte. Er
rief den im gleichen Raum beſchäftigten Arbeitern Phosgen!
zu, die darauf die Flucht ergriffen. Mit Gasmasken geſchützte
Arbeiter brachten die Bombe in den Hof. Die im erſten Stock
über dem Hof arbeitende Chemikerin Dr. Hildegard Eckhardt
und Chemiker Dr. Weber öffneten ein Fenſter, um friſche Luft
einzulaſſen. Am Abend ſtellten ſich bei ihnen Beſchwerden ein;
beide mußten ſofort ins Krankenhaus gebracht werden, wo Frl.
Eckhardt an Phosgen=Vergiftung geſtorben iſt, während Dr.
Weber noch in bedenklichem Zuſtand darniederliegt.

W. Heppenheim a. b. B., 3. Okt. Winterfahrplan der
Odenwaldkraftwagen=Verkehrs=A.=G. Erbach. Der
Fahrplan der O.K.V.A. Erbach bleibt im derzeitigen Rahmen auch für
den Winter weiterbeſtehen. Bei ſtärkerer Benutzung der Kraftwagen
beſteht die Möglichkeit, den Fahrplan im kommenden Sommer etwas
weiter auszubauen. Odenwaldklub Heppenheim. Anläß=
lich
des Odenwaldklubfeſtes in Heppenheim am 28. und 29. Mai wurden
von einer Reihe Amateurphotogrgphen Aufnahmen von dem Feſtzuge
ſowie von den herrlich geſchmückten Straßen gemacht. In der letzten
Sitzung des Vorſtandes der Ortsgruppe Heppenheim wurde nun be=
ſchloſſen
, zum Andenken an jenes ſchöne Feſt eine Sammlung dieſer
Aufnahmen dem Ortsgruppen=Archiv einzuverleiben. Der Vorſtand
bittet, ihm ſolche Aufnahmen gegen Vergütung der Unkoſten zur Ver=
fügug
zu ſtellen. Geſellenprüfung. Die diesjährige Geſel=
lenprüfung
findet im Monat Oktober ſtatt. Anmeldungen werden an=
genommen
von den Herven Mauvermeiſter Frank, Schuhmachermeiſter
Jean Fetſch, Schneidermeiſter L. Schäfer und Schreinermeiſter Giegrich,
Heppenheim. Arbeitsvergebung. Die zur Herſtellung der
Verbindungsſtraße zwiſchen der Amtsgaſſe und der Fürther Straße er=
forderlichen
Maurer= und Zimmevabeiten werden öffentlich vergeben.
Voranſchlag umd Bedingungen liegen am Stadtbauamt offen. Angebote
ſind bis zum kommenden Donnerstag auf Zimmer 6 im Rathaus ein=
zureichen
.
g. Gernsheim. 5. Okt. Der Gaſtwirt Franz Joſef Fiſcher, der
beim Obſtabmachen unglücklich vom Baume fiel, iſt ſeinen Verletzungen
erlegen. Am Sonntagnachmittag fand in Maria Einſiedel die Auf=
nahme
einer Schar ſchulentlaſſener Mädchen in die Jungfrauenkongre=
gation
ſtatt. Im Saalbau Haas gaſtierte die heſſiſche Wanderbühne
von E. Werner. Die künſtleriſche Leitung lag in den Händen des
Herrn Erich Franke. Zur Aufführung gelangte die Operette: Ich hab
mein Herz in Heidelberg verloren‟. Den Mitwirkenden wurde ſeitens
des Publikums lebhafter Beifall zuteil. Der Beſuch der Vorſtellung
war zufriedenſtellend. Für den diesjährigen Campagnebetrieb der
Süddeutſchen Zuckerrübenaktiengeſellſchaft Werk Gernsheim findet be=
reits
die Annahme der Arbeiter ſtatt. In der Zeit vom 1. Juli bis
30. September 1927 wurden in der hieſigen Herberge insgeſamt 363
Wanderer, und zwar 299 im Alter von über 20 Jahren und 64 im
Alter unter 20 Jahren verpflegt. Das Hochwaſſer des Rheines iſt
erheblich zurückgegangen, ſo daß die geſchloſſenen Ortsſchleuſen wie=
derum
geöffnet werden konnten. Der frühere Mühlenbeſitzer
Friedrich Nikolaus Roth und der Fiſcher Philipp Andreas Adler
haben gemeinſam ein Motorboot größeren Stils erworben, womit ſie
Seefiſche direkt von der See nach Deutſchland transportieren und zwar
infolge der auf dem Boot befindlichen Bafſins in lebender Verfaſſung.
Hoffentlich iſt das neue Unternehmen mit Erfolg begleitet. Die von
der Gernsheimer Ziegeleigeſellſchaft geplante Errichtung eines Ziegel=
werkes
ſcheint aller Wahrſcheinlichkeit nach nicht in Erfüllung zu gehen.
Die Gründe hierfür ſind bis jetzt nicht bekannt geworden, obwohl nicht
nur der Fiskus, ſondern auch die Gemeinde in weitgehendſtem Maße
entgegengekommen ſind. Die Ferien der hieſigen Realſchule und der
Volksſchulen haben bereits begonnen. Wie man hört, ſoll die Kar=
toffelernte
hier gut ausfallen.

* Schwerer Autounfall eines Fränkiſch=
Crumbacher Obſthändlers bei Nackenheim.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, gegen 9 Uhr abends,
ereignete ſich am Eingang des rheinheſſiſchen Ortes Nackenheim
ein ſchwerer Autounfall. Das ſchwer mit Obſt beladene Auto des
46jährigen Händlers Heinrich Specht von Fränkiſch= Crum=
bach
ſtieß, von Nierſtein kommend, am Eingang von Nachenheim gegen
eine Hausecke und ſtürzte, nachdem ein Hinterreif geplatzt war, um.
Der Beſitzer und ſein Sohn wurden durch die Glasſplitter und letzterer
außerdem durch den Aufſchlag auf den Boden am Kopfe verletzt. Der
Chauffeur Heinrich Doubler aus Darmſtadt erlitt erhebliche
innere Verletzungen und blieb bewußtlos liegen. Die erſte Hilfe leiſtete
ein Arzt aus Bodenheim. Die drei Verletzten wurden durch das Sani=
tätsauto
nach Mainz verbracht. Herr Specht und ſein Sohn traten
vom Mainzer Südbahnhof mit der Eiſenbahn die Rückfahrt nach Frän=
kiſch
=Crumbach an. Der ſchwerverletzte Chauffeur wurde ins Städtiſche
Krankenhaus Mainz übergeführt. Auto und Ladung wurden in Nacken=
heim
untergeſtellt.

Ac. Worms, 5. Okt. Verkehrsunfälle. Vorgeſtern abend
gegen 8 Uhr iſt ein Motorradfahrer auf der Herrnsheimer Straße ge=
gen
ein unbeleuchtetes Bauernfuhrwerk gefahren und mit ſeiner Begleiterin
verunglückt. Der Fahrer, der einen Arm= und Oberſchenkelbruch er=
litt
, mußte mit dem Krankenauto ins Städtiſche Krankenhaus ver=
bracht
werden. Die Begleiterin iſt mit Hautabſchürfungen und
Quetſchungen davongekommen. Der Beſitzer des Pferdefuhrwerks, der
davonfuhr, ohne ſich um die Verunglückten zu kümmern, konnte bis
jetzt nicht feſtgeſtellt werden. Auf der Bobenheimer Straße ſtürzte
vorgeſtern mittag gegen 4 Uhr ebenfalls ein Motorradfahrer infolge
eines Gabelbruchs und zog ſich dabei ernſte, aber nicht lebensgefährliche
Verletzungen zu. Auch er wurde mit dem Krankenauto ins Kranken=
haus
gebracht. Im benachbarten Kirchheim iſt ein ſechsjähriger Junge
aus Gundersheim i. Rh., der dort bei ſeinen Großeltern weilte, von
einem durchraſenden Motorradfahrer, der auf der falſchen Straßenſeite
fuhr, von rückwärts umgefahren worden. Dabei brach die Lenkſtange
des Motorrades dem armen Jungen das Genick, ſo daß er ſofort tot
war. Der 21jährige Motorradfahrer wurde verhaftet.
* Bingen a. Rh., 4. Okt. Rich. Thier’s letzter Gang.
Beim milden Scheine der untergehenden Herbſtſonne trug man am
Montag die ſterblichen Ueberreſte des im blühend m Alter jäh aus dem
Leben geriſſenen Sportsmannes Richard Thier zu Grabe. Ein Zeichen
für die Beliebtheit dieſes jungen Manms, der ſeinem Verein, der
Binger Fußball=Vereinigung Haſſia als Spieler der Ligamannſchaft
große Dienſte geleiſtet hat, gab die Beerdigungsfeier. Ueberaus groß
war die Beteiligung; ſämtliche ſporttreibenden Vereina Bingens nah=
men
geſchloſſen daron teil, und aus den Nachbarſtädten Mainz, Wies=
baden
, Darmſtadt uſw. waren Abordnungen erſchienm. Zahlreiche
Kranzſpenden wurden am Grabe des allzufrüh Geſchiedenen als Zeichen
treuer Anhänglichkeit unter dem Gelöbnis allezeit ehrunden Gedenkens
niedergelegt.
WSN. Gießen, 5. Okt. Von der Straßenbahn überfahren
und getötet. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete ſich geſtern abend
kurz nach 6 Uhr in der Bahnhofsſtraße. Dort wurde ein 15 Jahre alter
junger Mann aus Großenbuſeck, als er den Fahrdamm überqueren
und dabei einem Auto ausweichen wollte, von der unverſehens heran=
kommenden
Elektriſchen erfaßt, unter den Wagen =geſchlendert und ſo
ſchwer verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
h. Büdingen, 5. Okt. Ehrung eines deutſchen Gelehr=
ten
. Dem hier wohnenden Profeſſor Hermann von Ihering wurde
ſeitens des wiſſenſchaftlichen Veveins aus Buenos=Aires anläßlich ſeines
50jährigen Doktorjubiläums ein Heft der Vereinszeitſchrift Phönix
als Feſtſchrift gewidmet. Ihering, deſſen Vater der berühmte Rechts=
philoſoph
in Gießen war, hat das Gymnaſium in Gießen beſucht und
in Gießen, Berlin und Göttingen Medizin, Zoologie und Geologie
ſtudiert. Südamerika war das Gebiet ſeiner Forſchertätigkeit, in Sao
Paulo gründete er ein Muſeum. Der Deutſchenhaß während des Welt=
krieges
brachte ihn um ſeine Stellung und der bejahrte Forſcher verließ
das undankbare Land und ließ ſich in dem idylliſchen Büdingen nieder.
Lpd. Büdingen, 4. Oktober. Ausgeſtaltung des Gallus=
marktes
. Nachdem auf Anregung des Bürgermeiſters ſchon der
Petrimarkt in dieſem Jahre außerordentlich belebt und der Marktverkehr
um ein Mehrfaches vermehrt worden war, hat nunmehr die Markt=
kommiſſion
beſchloſſen, auch den Gallusmarkt ähnlich dem Pet=imarkt
auszugeſtalten. Mit Rüickſicht auf die auf den 16. und 17. Oktober
Ifd. Js. fallenden jüdiſchen Feiertage findet der Gallusmarkt in der Zeit
vom 23. bis 26. ds. Js. ſtatt. Alle Vorbereitungen laſſen darauf
ſchließen, daß es auch bei dieſem Markto, gelingen wird, das Marktleben
in Büdingen wieder auf den vor Jahrzehnten ſchon vorhandenen Stand
zu heben. Der bereits zum Petrimarkt hergerichtete mue Marktplatz
wird unter bedeutenden Koſten ausgebaut und ſoll nunmehr den ganzen
Markt einſchließlich des umfangreichen Vergnügungspark.8 und der
zahlreichen Verkaufsſtände aufnehmen. Auch eine große Reſtaurations=
halle
iſt geplant und ſoll im nächſten Jahre durch ein großes maſſives
Gebäude (Feſt= und Markthalle) erſetzt werden.
F. Grünberg, 5. Okt. Das diesjährige Abſchießen des hieſigen
Schützenvereins geſtaltete ſich beſonders lebhaft. Außer dem ſtarken
Beſuch der Grünberger ſelbſt hatte ſich eine Menge auswärtiger
Schützen eingefunden. Die Schießleiſtungen waren durchweg hoch, was
den Eifer der Schützen beſonders anſpannte. Die geſtifteten Preiſe
waren bedeutend und kamen davon auch einige nach auswärts. Abends
fand, wie alljährlich, eine Familienfeier ſtatt. Für die Zulaſſung des
Wahlvorſchlags der Volksrechtspartei haben ſich in Grünberg und Um=
gegend
bis jetzt 387 Stimmberechtigte in die Liſte eingetragen.
der Provinzialobſtverſteigerung an den Straßen Grünbergs und der
Umgegend wurden für 1 Ztr. Tafelobſt 57 Mk., für 1 Ztr. Kelterobk
bis zu 2 Mk. bezahlt. Bei der Obſtverſteigerung in Lauter, die be=
kanntlich
wegen ihrem berühmten Tafelobſt von auswärts ſtark beſucht
wird, kam der Zentner Tafelobſt auf 8 Mk., Kelterobſt auf 2 Mk. zu
ſtehen.

esekzo

der Karmonie

gilt nicht nur für die Musik. Wie
der Missklang eines einzigen In-
strumentes
das Ohr beleidigt, so
gibt es auch Disharmonien für das
Auge und für den Geschmack. Eine
gute Ligaretten-Mischung soll
auf den Raucher wirken wie ein
reiner Akkord. Zwanzig und mehr
verschiedene Tabaksorten müs=
sen
in ihren Prozent-Sätzen genau
auteinander abgestimmt sein,soll
er keinen Missklang empfinden.

Unser Hinweis auf das Gesetz der
Harmonie bei einer Zigaretten-
Mischung würde nicht so unge-
wöhnlich
erscheinen,wenn bekannt
wäre,dass unsere Fachleute oft Be
griffe aus der Musik wählen, um feh-
lende
Geschmacksbezeichnungen
zu ersetzen. Bald erscheint die
Begleitung zu laut, bald tritt die
Melodie zu sehr hervor, so wird
stets neu geprobt und abgetönt, bis
eine reine Harmonie erzielt ist-

Diesen Vergleich möchten wir gern dem Raucher nahebringen.
damit auch er auf die Feinheiten einer guten Ligaretten-
Mischung achten lernt und die Leistung anerkennt,die wir
ihm mit unseren Zigaretten bieten.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Donnerstag den 6. Oktober 1922

Architektenfahrt nach Amerika.

Von Bürgermeiſter Buxbaum.

VI.
Die größten und ſchönſten Gebäude in Waſhington ſind ent=
ſtanden
von 1810 bis 1845. Den Geiſt, der damals in Darmſtadt
Georg Moller, in Karlsruhe Weinbrenner, in Berlin Schinkel
u. a. bei ihren Bauten beherrſchte, ſieht man auch an all dieſen
öffentlichen Bauten lebendig. Soweit ſich alle dieſe Schöpfungen
dicht an die römiſchen Vorbilder hielten, ſind ſie gut und heute
noch nicht übertroffen. Die Parallele mit Deutſchland iſt nahe=
liegend
. Die große Weltausſtellung in Chicago 1893 hat dann
die architektoniſche Entwicklung ebenfalls beeinflußt und eine
überall ſichtbare nachhaltge Wirkung gehabt, die auch heute noch
anhält.
Wer nach Waſhington kommt, muß eine Fahrt nach
Mount Vernon machen, ſonſt ſieht man ihn ſcheel an. Weil
es in dieſem Lande keine hiſtoriſch wichtigen Dinge und keine
Sehenswürdigkeiten aus alter Zeit gibt, hat man ſich ſolche ge=
macht
. Eine derartige Sehenswürdigkeit iſt die Villa, in der
Waſhington nach dem Befreiungskrieg wohnte. Es iſt ein höl=
zernes
Herrenhaus mit zahlreichen Nebengebäuden im klaſſiſchen
Stil auf einem wundervoll gelegenen großen Gut oberhalb des
Ufers der Bai. Die Beſucherzahl war derartig groß, daß man
ſchon von einer Prozeſſion reden muß. Jeder kommt im Auto
an. Unterwegs kamen wir durch Waſhingtons Geburtsort, wo
eben ein Rieſendenkmal errichtet wird.
Intereſſant ſind die Briefkaſten auf dem Lande. Der Siedler
ſchlägt an der nächſten Landſtraße einen Holzblock in den Boden
und nagelt daran eine Blechhülſe, etwa wie eine Botaniſier=
trommel
ſeligen Angedenkens. Fertig iſt die Laube. Niemand
würde daraus etwas nehmen.
Die Betonſtraßen, die wir durchfuhren, waren trotz
aller Trennfugen in großem Umfang geriſſen. Dieſe Riſſe wer=
den
mit Aſphalt ausgegoſſen, und die Straßen bleiben dabei
glatt.
In New York gibts viele Neger, in Philadelphia mehr, aber
am meiſten in Waſhington. Sie haben dort ein eigenes Theater.
Natürlich beſchloſſen wir, eine Neger=Revue anzuſehen. Die
Darſteller waren lauter Neger, die Zuſchauer zu 80 Prozent.
Die Darſtellung beſtand hauptſächlich in Tänzen. Jetzt begreife
ich erſt, woher die neuen und neueſten Tänze ſtammen. Einzelne
Neger hatten ſich große hellrote Lippen aufgemalt und karikierten
ſo ſich ſelbſt, indem ſie das Maul bis hinter die Ohren aufriſſen.
Die Darſtellung war gut, das Engliſch ſchlecht, der Inhalt kind=
lich
naiv. Die Mädchen zum Teil faſt hell, zeichneten ſich durch
guten Körperbau aus. Ich brachte zwei Flöhe mit ins Hotel.
Das Automobil ſpielt in Waſhington eine große Rolle.
Faſt ſämtliche Straßen ſind an beiden Randſteinen mit Autos
beſtellt, die dort Tag und Nacht ſtehen, bis der Beſitzer ſie braucht
und holt. Die Autoſteuer beträgt für kleine Wagen 7 Dollar
60 Cents, für mittlere Wagen 15½ Dollar und für ſchwerſte
28 Dollar im Jahr.
Man ſieht auf den Straßen keine Pferde mehr, keine Rad=
fahrer
, keine Reklameſäulen, wenig Kinder, keine Hunde.
Beſonders gerühmt wegen ſeiner neuzeitlichen Einrichtung
wurde uns das Krankenhaus in Baltimore. Wir beſchloſſen ſo=
fort
einen Beſuch. Das John=Hopkins=Hoſpital iſt
eine Stiftung und hat 715 Betten, eine große Polyklinik und eine
pſychiatriſche Klinik. Das eigentliche Krankenhaus hat Korridor=
ſyſtem
in 7 bis 8 Geſchoſſen. Die einzelnen Trakte ſind mit über=
deckten
Gängen verbunden. Die Kranken liegen zum Teil in
Sälen, zum Teil in Einzelzimmern, die mit Warmluft beheizt
werden. Ganz neu iſt die chirurgiſche Abteilung mit fünf Opera=
tionsſälen
im 7. Geſchoß. Die Raumeinteilung und Einrichtung
entſpricht etwa unſeren Vorkriegsbauten. Weſentlich Neues iſt
nicht zu bemerken. Auf zehn Kranke kommt ein Arzt. Auch die
Schweſternſchaft iſt recht zahlreich und mit der Neuzeit gegangen.
Das Krankenhaus genießt den beſten Ruf im ganzen Lande. Er
iſt offenbar begründet in den Leiſtungen der Aerzte.
Die Staatsdruckerei in Waſhington wurde ebenfalls
beſucht, ein Rieſengebäude, äußerlich von ſehr gutem Ausſehen.
Hier werden die Dollars, die Briefmarken und dergl. gedruckt.
Mit uns beſuchten etwa 500 Perſonen das Gebäude. Die Be=
ſucher
werden auf eiſernen Stegen durch die Säle geleitet, die
in halber Höhe der Säle liegen. Von hier aus kann man nach
beiden Seiten hirabſehen auf die Maſchinen, an denen zumeiſt

Frauen tätig ſind. Im übrigen bietet die Einrichtung nichts
Neues.
Das Kapitol, das amerikaniſche Parlamentsgebäude, iſt
ein ſchöner Bau, es liegt auf einer kleinen Anhöhe und hat eine
Länge von 230 und eine Höhe von 82 Metern bis zur Spitze der
impoſanten Kuppel. Der mittlere Teil des ganz in weißem
Marmor errichteten Palaſtes ſtammt aus dem Jahre 1827, die
Seitenteile und die Kuppel aus den Jahren 185165. Die archi=
tektoniſche
Geſtaltung iſt außerordentlich fein empfunden und
ganz in klaſſiſch römiſchen Formen gehalten. Das Gebäude ſteht
mitten in einem Rieſenpark. Im Innern verdient die Rotunde
beſonders hervorgehoben zu werden. Sie iſt als nationaler
Ehrenſaal ausgeſtattet. Der Beſuch durch Reiſende iſt enorm.
Das Weiße Haus, die offizielle Reſidenz des jeweiligen
Präſidenten, haben wir nur von außen geſehen. Herr Coolidge
läßt ſein Heim eben umbauen und außerdem war er gerade
nicht zu Hauſe, ſonſt hätte er die Gelegenheit gewiß nicht ver=
ſäumt
, mit dem berühmten Travellers=Club aus Darmſtadt zu=
ſammen
zu ſein und shag=hands zu machen, eine Gelegenheit,
die ihm ſo leicht nicht wieder geboten wird. Das ſchöne Gebäude
liegt in einem Park mit weiten Raſenflächen und ſchattigen alten
Väumen und macht einen ſchlichten, aber gebietenden Eindruck.
Georg Waſhington, der erſte Präſident, beſtimmte im Jahre 1792
die Lage des Hauſes.
Das Studium der Hotelverhältniſſe gab uns Architekten Ver=
anlaſſung
, mehrere Hotels zu beſichtigen. Unter den beſten hat
einen hohen Rang das Hotel Wardman wegen ſeiner wun=
dervollen
Lage hoch über der Stadt und wegen der Rieſendimen=
ſionen
der Halle. Dieſes Hotel gibt ſowohl Einzelzimmer als
auch ganze Apartments mit Küche ab. Kein Zimmer ohne
Wannenbad und Abort. In der Halle wird an zwei Stellen
getanzt. Ein Hotel ohne Tanzgelegenheit iſt nicht anzutreffen.
Im ganzen Hotel ſprach aber niemand deutſch. Die Haltung
der Räume war gut in jeder Hinſicht. Ueberall hingen gute
Bilder und gute Plaſtiken.
Das Hotel The Mayflower in Waſhington, eines der
vornehmſten, das ich bis jetzt geſehen habe, ein Hochhaus mit
1029 Betten und 800 Angeſtellten, hat eine durchlaufende Halle
von 160 Metern, einen Palmenhof, einen Ballraum, einen Speiſe=
ſaal
und zahlreiche Nebenräume im Erdgeſchoß. Ich habe nichts
in dem Hauſe geſehen, was geſchmacklich unangenehm aufgefallen
wäre. Wir wurden von dem Manager, einem Deutſchen, überall
hingeführt und beſichtigten vom dritten Keller an bis hinauf
alle Geſchoſſe. Ein beſonders vornehm ausgeſtattetes Apartment
von 18 Räumen erregte unſer ganzes Entzücken. Wir wären
gern alle Sechs dageblieben, aber es koſtet pro Dag 200 Dollar.
Ein Einzelzimmer koſtet pro Bett mindeſtens 8 Dollar. In der
Küche trafen wir den Sohn des Berliner Hotelbeſitzers Adlon,
der zur Ausbildung in dieſem Hotelpalaſt tätig iſt. Die Aus=
beute
aus dieſem Hotelbeſuch war für uns Architekten beſonders
groß. Die Bleiſtifte raſten nur ſo bis zur Gluthitze. Geſchoß=
höhe
2,60 Meter i. L. Vorbildliche Bäder, darin das Kloſett
durch einen ſchönen Klappſtuhl mit Lehne verdeckt. Große mehr=
ſtöckige
Autogarage.
Eine intereſſante Fahrt galt dem großen Soldaten=
Waldfriedhof in Arlington bei Waſhington. Hier
liegen die Gefallenen aus dem Befreiungskrieg und 7000 Ge=
fallene
aus dem Krieg mit Deutſchland. Für jeden iſt ein kleiner
Stein von 30:20:50 Zentimeter aufgeſtellt, ſo daß die weiten
Raſenflächen einen großen Eindruck machen. Beſonders aber
intereſſiert das Denkmal des unbekannten Soldaten. Für alle,
die nicht namentlich erkannt worden ſind, hat man ein gemein=
ſomes
Grabmal errichtet, das Grab des unbekannten Soldaten.
Es liegt auf einer rieſigen Terraſſe mit prachtvollem Ausblick
auf Waſhington. Hinter dieſem Marmorſarkophag erhebt ſich
ein rieſiges Amphitheater mit Säulenrundgang. Hier wird all=
jährlich
zweimal eine eindrucksvolle Feier abgehalten, bei der der
Präſident und die ganze Regierung mit allem Pomp aufzieht.
Die amerikaniſche Flagge iſt überall der Gegenſtand begeiſterter
Ovationen. Das muß man geſehen haben, um zu begreifen, daß
der Nationalſtolz in dieſem Lande ſo groß iſt. Ja! In Amerika
verſteht man es, das ganze Volk zu begeiſtern für den Ruhm
des Landes. Amerika über alles, lernen die Kinder in der Schule.
Jeden Mittwoch iſt Flaggenparade für die Schulkinder. Dabei

Nummer 277

werden patriotiſche Lieder geſungen. So geht die Liebe zumu
Heimatland in Fleiſch und Blut über. Und bei uns
Die Flagge iſt das Symbol. Sie muß vom ganzen Volke gleich.
mäßig verehrt werden.
Hochintereſſant war auch das ſchöne neue naturhiſto
riſche Muſeum wegen ſeines erzieheriſchen Wertes. Es ent=,
hält vor allem prachtvolle Skelette von Urtieren, ſo z. B. das
1896 in Cocoa, Alabama, gefundene, etwa 17 Meter langge
Knochengerüſt des Basilosaurus cetoides, ferner Skelette des
Stegosaurus steuops, des Trachodon annectens, die ganz erhal-
tenen
Schädel des rieſigen Diceratops hatcheri mit zwei Meter
langen Hörnern und des Triceratops calicornis.
Wunderlich war in der Abteilung für Kriegsgerät die Unter=
ſchrift
unter einem Bild von gefangenen deutſchen Soldaten, di
beſagte, daß da ſoundſoviele Hunnen gefangen worden ſeiem
Was würde wohl ein Amerikaner denken, wenn er in einenn
deutſchen Muſeum eine derartig törichte Mentalität fände? Wenm
man übrigens einen Amerikaner fragt, warum ſie eigentlich irr
den Krieg gegangen ſeien, dann erhält man die Antwort, Ames
rika war nicht intereſſiert an Deutſchland, wohl aber an Franm
reich, England und an ſeinen anderen Schuldnern. Hättet ihr Ame=
rika
auch angepumpt, dann hätte Amerika nur Intereſſe an de=
Herſtellung des Friedens gehabt, ſo mußte es aber verhindern
daß England und Frankreich verlieren und ruiniert wurdern
Die Finanzwelt beherrſcht in Amerika durch, ihren politiſcher,
Einfluß ganz und gar den Regierungsapparat.
Hochintereſſant war auch die Kongreßbibliothek ei=
rieſiges
und koſibar ausgeſtattetes Gebäude in italieniſche=
Renaiſſance mit wundervollen Moſaiken in der großen Marmom
halle, mit einem ſehr großen und hohen Leſeſaal und einer Aus
ſtellung ſchöner Drucke und Zeichnungen.
Die Abfahrt von Waſhington erfolgte am 29. Auge
abends 10.20 mit Extrazug. Wir ſchliefen (oder auch nicht) in
den Pullman=Schlafwagen. Dieſe Schlafwagen ſind 25 Metg=
lang
und enthalten 24 bequeme Betten.
Am Morgen kamen wir durch die Induſtrieſtadt Garr
eine typiſch amerikaniſche Erſcheinung. Vor zwanzig Jahre=
hat
hier noch nichts beſtanden. Heute iſt hier eine große Indau
ſtrieſtadt mit viel Bergwerken, Hochöfen und Eiſenwerken. Zw.
ſchen den vieken Werken fährt man eine halbe Stunde hindurct
Die Stadt ähnelt den Induſtrieſtädten des rheiniſch=weſtfäliſches
Gebietes, jedoch mit dem Unterſchied, daß die Wohnhäuſer all
aus Brettern beſtehen.
Nirgends ſahen wir Nadelwald, der vorhandene Laure
waldbeſtand ſieht ſehr jung aus. Man ſcheint im Nordoſten va.
Amerika ſtarken Raubbau getrieben zu haben.
An faſt jedem Bauernhof ſieht man runde Futterſilog
die in erſter Linie für das grüne Maisfutter dienen. Die Milck=
erzeugung
ſoll durch dieſes Maisfutter beträchtlich gefördert wor
den ſein. Inter ſſant iſt, daß die Milch aus weiten Entfe=
nungen
und in emaillierten Eiſenbahntankwagen nach NewYo
befördert wird, die 24000 Liter Milch faſſen. Die Milch und da
aus ihr gefertigten Produkte ſind von beſter Beſchaffenheit.
Von Waſhington ging die Fahrt nach Pittsburgh. Wi
waren dort am 28. Auguſt, abends 10.20, abgefahren, hatten da
Nacht im Schlafwagen verbracht und kamen in Pittsburgh gegse
9 Uhr vormittags an.
Die amerikaniſchen Schlafwagen ſind anders ei-
gerichtet
wie unſere. Jeder Wagen hat einen Namen, man karn
ſich leicht orientieren, wenn man ſich dieſen Namen merkt. C
iſt außen und innen angeſchrieben. Zu jedem Wagen gehört e
Porter, ſtets ein weiß gekleideter Neger, der unſer Gepäck ve.
ſtaute und ſehr gefällig war. Ueberhaupt iſt das Perſonal i*
Zug ſehr zuvorkommend. Tagsüber iſt der Schlafwagen mit 2
Sitzbänken ausgeſtattet, die an den Fenſterſeiten kojenartig ſtehe-
ſo
daß ein einen Meter breiter Mittelgang freibleibt. Ueber feEn
Koje iſt an der ſchrägen Decke ein Klappſchrank angebrac:
Abends wird dieſer Klappſchrank heruntergeklappt. Er bils
das obere Bett. Die Polſterbänke unten werden herausgezoger
Sie bilden das untere Bett. Das Bettzeug wird aus dem Klax,
ſchrank gezogen, aufgelegt und 24 Betten ſind fertig. Man kan.
ſie mit Vorhängen ſchließen. Dieſe Betten ſind breit und E
quem. Etwas ſchwierig iſt das An= und Ausziehen im Bett, bz
im Mittelgang. Unangenehm iſt, daß unter 24 Reiſenden mri
deſtens 10 ſind, die ſchnarchen. Morgens geht man im Pyjar
in den am Wagenende liegenden gemeinſamen gut eingerichtet!
Waſchraum, wo man warmes und kaltes Waſſer, Seife, Ham
tücher, Trinkbecher und Papier, Eiswaſſer erhält. Im Waſ=
raum
ſind außerdem große Polſterbänke zum Warten und Au=
ruhen
.

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Mummer 277

Donnerstag, den 6 Oktober 1927

Seite 9

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Meinem Freundes= und Bekanntenkreiſe die
ſchmerzliche Kunde, daß es Gott geſiel, meinen
allſeits ſo ſehr geliebten Bruder

Ernſt

Ein 82jähriger Arzt
der bis ins hohe Alter ſeine Prax/8 ausübte, Geh. San.=
Rat Dr. 6 in F., ſchreibt: Das Köſtritzer iſt in der Tat ein
vorzägliches malzreiches Bier, das ich ſeit 30 Jahren als
Haustrunk führe und dem die anderen Malzbiere, die ich
in dieſer Zeit verſucht habe, nicht gleichkommen. Zwei
Flaſchen täglich ſind ſo mein gewöhnlicher Satz, dem ich
zum Teil wenigſtens meinen für mein Alter leidlichen
Kräſtezuſtand zu verdanken glaube. Wollen Sie ſich friſch
und geſund erhalten, ſo befolgen Sie den Nat dieſes er=
fahrenen
Arztes und genießen auch Sie täglich das alt=
berühmte
Köſtritzer Schwarzbier. Es iſt herb und vollwürzig
im Geſchmack, alſo nicht ſüß, und ganz eigenartig in ſei=
nem
Charakter und ſeinen beſonderen Eigenſchaften. Das echte
Köſtritzer Schwarzbier iſt erhältlich durch Flaſchenbier=
handlung
Gg. Herth, Darmſtadt, Stiftſtraße 89, Fern=
ſprecher
1244, Bierhandlung Oſtertag, Darmſtadt, Hügel=
ſtraße
27, Fernſprecher 2468, und in allen durch Schilder
und Plakate kenntlichen Geſchäften Man verlange ausdrücklich
das echte Köſtritzer Schwarzbier mit dem geſetzlich geſchützten
Wappen=Etikett, um vor Nachahmungen geſchützt zu ſein.
(IBln 217)

HHZHNELNAATERBNAANBZIHSBEÄEAAAAAHBANNAÄSGNHNS
auenan gangn 5nEHnnBne znnän nn Enizaznnninh andadsnng

im 25. Lebensjahre, am Dienstag abend, den 27. Sep=
tember
1927 unerwartet in ſeine obere Heimat ab=
zurufen
; fort von den einſamen Eltern und Ge=
ſchwiſtern
und ſeiner ſchwer geprüften Braut.
Nach froh vollbrachtem Tagewerke, als treuer
Diener ſeines Herrn, nach einer ſeiner lieben, er=
baulichen
Abendfeierſtunden zuſtrebend, nahm ihn
Gott plötzlich für immer zu ſich.
In tiefſter Trauer:
Otto Rau
nebſt Familie.
Blankenburg a. Harz, den 5. Oktober 1927. 15863

Dankſagung.
Lieſel

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme wäh=
rend
der Krankheit und beim Hinſcheiden unſerer lieben

Geſchäfts=Eröffnung und Empfehlung
Allen Bekannten, Freunden und Gönnern die
Mitteilung, daß ich mit dem heutigen Tage eine
Ochſen, Kalbs=und Schweinemetzgerei
37 Ludwigshöhſtraße 37
eröffne. EEs wird mein Beſtreben ſein, meine
Kunden aufs Beſie zu bedienen.
Georg Jacoby, Metzgermeiſter . Tel. 896.

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AnnHanznnnnnnnn nuznn nagnnnnnennannarnnnnnnang enn

ſowie für die zahlreichen Kranz= und Blumenſpenden
ſagen wir Allen hiermit herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
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Ceite 10

Donnerstag den 6. Ok ober 1927

Nummer 277

Reich und Ausland.
Notlandung des Verkehrsflugzeuges Berlin
Frankfurt a. M.
Hanau a. M. Das Verkehrsflugzeug D 597
der Deutſchen Lufthanſa mußte auf dem Fluge Ber=
lin
Frankfurt, infolge Motordefekts, in der
Nähe des Kinzigheimer Hofes eine Notlandung vor=
nehmen
. Bei der Landung rollte das Flugzeug in
einen Graben, wobei die Maſchine ſchwer be=
ſchädigt
wurde. Führer und Paſſagieve kamen
mit dem Schrecken davon. Die Maſchine, deren Fahr=
geſtell
und Propeller zerbrochen wurden, mußte ab=
montiert
werden.
Ein Mädchen auf der Jagd angeſchoſſen.
Lpd. Kreuznach. Bei einer in Hundsbach
abgehaltenen Hühnerjagd ereignete ſich ein Unglücks=
fall
dadurch, daß ein zwölfjähriges Mädchen von
einem Schuß getroffen wurde. Dem unglücklichen
Kinde ging der größte Teil der Schrotladung aus
nächſter Nähe 12 Meter ins Geſicht, Bruſt und
Auge. In ſchwerverletztem Zuſtand ſchaffte man das
Kind nach Kreuznach, wo es opeviert wurde.
Verurteilung rabiater Sportenthuſiaſten.
Lpd. Hambach. Das Schöffengericht Neuſtadt
verurteilte den Schneider Fritz Fens zu vier
Wochen Gefängnis, den Maurer Peter Linne=
bacher
zu acht Tagen Gefängnis und den Arbeiter
Helmut Ludwig zu acht Tagen Gefängnis
Koegen Körperverletzung. Die Verurteilten ſtammen
fämtlich aus Hambach und verprügelten im
Frühjahr nach einem Fußballſpiel einige Zu=
ſchauer
, die zu dem Spielergebnis ihren Beifall
geäußert hatten.
Tödlicher Unfall eines Generaldirektors.
Lpd. Kaſſel. In Rothenburg an der Fulda
wurde der Pächter der Nothenburger Stadtjagd,
Generaldirektor Iſenbeck aus Hamm i. W., in
ſeinem Zimmer erſchoſſen aufgefunden. Iſenbeck hatte
ein Auto beſtellt, um zur Hirſchjagd zu fahren. Als
auf das mehrmalige Signal des Autos Iſenbeck ſich
nicht meldete, wollte ihn ein in der gleichen Woh=
nung
übernachtender Jagdgaſt wecken; er fand Iſen=
beck
im unverſchloſſenen Zimmer mit durchſchoſſenem
Kopf auf dem Bette liegen. Es wird angenommen,
daß der Tod durch einen Unfall herbeigeführt wurde,
indem Iſenbeck nochmals ſein Gewehr unterſuchen
wollte, wobei wohl der tödliche Schuß losging. Der
Staatsanwalt und eine Gerichtskommiſſion nahmen
den Tarbeſtand auf. Die Leiche wurde zur Beſtattung
freigegeben, und nach Hamm überführt.
Das Todesurteil des Monteurs Johannes
Schüller rechtskräftig.
TU. Leipzig. Der erſte Strafſenat des Reichs=
gerichts
hat am Dienstag die Reviſion verworfen, die
der Monteur Johannes Schüller aus Stuttgart
gegen das am 20. Juli d. J. vom Stuttgarter
Schwurgericht gegen ihn erkannte Todesurteil wegen
Mordes eingelegt hatte. Schüller hatte in Stuttgart
ein Dienſtmädchen, das ihn bei einem Einbruchsdieb=
ſtahl
überraſchte, mit einem Beil erſchlagen und hatte
alsdann 1,60 Mark geſtohlen. Das Todesurteil iſt
damit rechtskräftig.
Das Todesurteil gegen den Fleiſcher Oskar
Becker beſtätigt.
TU. Leipzig. Der zweite Strafſenat hat das
Todesurteil beſtätigt, das am 5. Juli 1927 vom
Schöffengericht in Gotha gegen den Fleiſcher Oskar
Becker aus Arnſtadt gefällt worden iſt. Becker
hatte ſeinen Meiſter, den Fleiſcher Hartmann, am
12. Februar dieſes Jahres nachts im Bett überfallen,
ihn durch mehrere Schläge mit einem Hammer auf
den Kopf betäubt und ihm die Kehle durchſchnitten.
Die Tat geſchah deshalb, weil Becker mit der Ehe=
frau
des Hartmann ein Liebesverhältnis einge=
gangen
hatte und deren Ehemann beſeitigen wollte.
Das Todesurteil iſt durch die Verwerfung der Ne=
viſion
rechtskräftig geworden.
Rauſchgiftſchmuggler in Hongkong und Berlin
verhaftet.
Berlin. Dem Zuſammenwirken der britiſchen
und der deutſchen Kriminalpolizei iſt es gelungen, ein
Ehepaar zu verhaften, das zuſammen mit mehreren
Helfern die unerlaubte Ausfuhr von Rauſchgiften
aus Weſteuropa nach China und Japan in großem
Umfange betrieb. Es handelt ſich um den früher in
Berlin als Direktor der jetzt nicht mehr beſtehenden
Firma Mercantile Lloyd, A.=G., anſäſſig geweſenen
Ruſſen Gregor Stattniegroß, der 1923 aus
Konſtantnopc, zugewandert war und ſich im Juni
1926 nach Hongkong begeben hatte. Seine in Berlin
verbliebene Chefrau hatte den Einkauf und den
Transpor der Gifte übernommen, während er ſelbſt
den Vertrieb der Gifte in China beſorgte. Zum
Beſuche der Lieferanten unternahm die Frau wieder=
holt
Reiſen nach der Schweiz und nach Frankreich,
da in Deutſchland der Ankauf von Rauſchgiften zu
ſchwierig geworden war. Zum Transport des Giftes
hatten ſich die Schmuggler in Berlin einen beſon=
deren
Koffer mit doppelten Wänden und doppeitem
Boden anfertigen laſſen.
Nordpolflieger Nobile in Berlin.

General Umberto Nobile,
der als Führer des Nordpolfluges von Amundſen
viel genannt wurde, iſt zu einem wiſſenſchaftlichen
Vortrag in Berlin eingetroffen.

St Louis das Opfer eines Tornados.
Wirbelſturm verwandelt eine blühende Stadt
in Trümmerhaufen.

Das Fabrikviertel von St. Louis.
Das Wolkenkratzerviertel von St. Louis.
Der Umfang der Wirbelſturmkataſtrophe in der amerikaniſchen Stadt St. Louis iſt noch nicht zu überſehen. Nur fünf Minuten
lang raſte der Tornado durch die Stadt. Aber in der knappen Zeit ſind 5000 Häuſer zerſtört, viele Fabriken lahmgelegt und
mehrere Hundert Menſchen getötet worden.

Huldigung des Kyffhäuſerbundes vor Hindenburg.

Das 3. Garderegiment zu Fuß
im hiftoriſchen Feſtzug vor dem Reichspräſidenten. Tauſend Jahre deutſcher Wehrmacht ſchritten
zu Ehren des 80jährigen Hindenburg um die Stadion=Bahn. Hinter den Kreuzrittern, Lands=
knechten
, brandenburgiſchen Dragonern, friderizianiſchen Küraſſieren marſchierten zuletzt auch die
Grenadiere des 3. Garderegiments zu Fuß, in deſſen Reihen Hindenburg 1866 verwundet wurde.
Bayerns größte Brücke.
Eine 417 Meter lange Donaubrücke.

Die neue Brücke über die Donau bei Deggendorf
iſt eröffnet worden. Sie hat eine Länge von 417 Metern und iſt die größte Brücke Bayerns.

Forſchungsreiſe Kapitänleutnants Plüſchow
in das Innere des Feuerlandes.
TU. Berlin. Kapitänleutnant Gunther Plü=
ſchow
, der aus dem Weltkrieg bekannte Flieger von
Tſingtau, wird in dieſen Tagen eine neue For=
ſchungsreiſe
antreten. Er ſegelt zunächſt in einem
eigens für ſeine Zwecke gebauten Kutter von Büſum
an der Nordſee nach Braſilien, unternimmt eine
Forſchungsreiſe in das wenig erforſchte braſilianiſche
Innere, ſegelt dann an der ſüdamerikaniſchen Küſte
weiter bis zu den Feuerland=Inſeln. In Punta
Arenas übernimmt er ein durch Dampfer dahin ge=
brachtes
Flugzug und fliegt damit in das Innere des
Feuerlandes, das bisher noch kein Europäer betreten
hat. Nach dieſer Forſchungsreiſe, die auf 1½ Jahre
berechnet iſt, wird Kapitänleutnant Plüſchow einen
ſüdamerikaniſchen Ueberlandflug durchführen, bei dem
er die deutſchen Siedler in Südamerika beſucht. An
der Expedition nehmen außer dem Kommandanten
Plüſchow noch drei Mitarbeiter teil. Der Kutter
trägt den Namen Feuerland, das Flugzeug den
Namen Tſingtau‟. Der Stapellauf des Kutters er=
folgt
am 9. Oktober in Büſum.

Ein Landrat zu Gefängnis verurteilt.
Der bisherige Landrat des Kreiſes Linden,
Krüger, wurde vom Großen Schöffengericht Han=
nover
zu ſechs Monaten Gefängnis verurteilt. Krü=
ger
, der der Sozialdemokratiſchen Partei angehört,
hatte ſich in ſeiner Eigenſchaft als Landrat zu Un=
korrektheiten
verleiten laſſen. In einem Falle handeit
es ſich um die vorzeitige Abhebung einer Summe von
4000 Mark von der Kreiskommunalkaſſe zugunſten
des Republikaniſchen Klubs Hannover. Eine Amts=
unterſchlagung
wurde darin erblickt, daß Krüger aus
der Kaſſe der Zeitſchrift Kommunale Mitteilungen,
die vom Landratsamt herausgegeben wurde, dem
Republikaniſchen Klub etwas zukommen laſſen wollte.
Achtzig Strohſchober in Flammen.
Lpd. Niederziſſem. Nachts ſind oberhalb
des Dorfes größere Vorräte von Stroh auf unaufge=
klärte
Weiſe in Brand geraten und vollkommen in
Schutt und Aſche gelegt worden. Es handelt ſich um
80 Strohſchober, die den Flammen zum Opfer fielen.
Feuerwehren waren gegenüber dem entfeſſelten Ele=
ment
machtlos. Der Schaden iſt ſehr erheblich.

Ein irrſinniger Poſtbeamter zundet ein Dorf am
DD. Preßburg. Die Bewohner des ir.
Preßburger Komitat liegenden Dorfes Dojcieen
lebten vor einigen Tagen eine Schreckensnacht. Beir=
Poſtamt dieſes Ortes war der Hilfsbeamte Rudo/
Dubrava angeſtellt. Er war ein ruhiger und ar
laſſener Menſch, der nicht viel Aufſehen erregte um
nur zeitweiſe ein ſonderbares Benehmen an den Ta=
legte
. Vor einigen Wochen trat in ſeinem Benehms=
eine
Aenderung ein. Er kaufte etwa 15 Schachtell
Zündhölzer und verbrauchte dieſe innerhalb zo=
Stunden, indem er em Streichholz nach dem andern
anzündete. Dies wiederholte ſich nach einigen Tager=
ſo
daß ihn der Amtsvorſtand aus dem Dienſt en.u
ließ.: Seither lebte er bei ſeiner im Dorf wohnende=
alten
Mutter. Dieſer Tage wurden die Dorfbewohng
gegen Mitternacht durch Feuerlärm aus dem Schl=
geriſſen
. Alles eilte auf die Straße, und man ſar)
daß ein großer Teil, der Wirtſchaftsgebäude 5.
Flammen ſtand. Gleichzeitig lief die alte Mutter de
entlaſſenen Poſtbeamten umher und ſchrie, daß iE.
Sohn das Dorf angezündet habe. Er ſelbſt hall
ſich in eine Scheune verkrochen, die ebenfalls brennn
Die Feuerwehr des Ortes und der umliegends=
Dörfer konnte den Unglücklichen noch retten, alle-
dings
erlitt er lebensgefährliche Brandwunden. 2
Ortsbewohner ſtürzten ſich ſodann auf ihn, um Lync
juſtiz zu üben; die Gendarmerie ſchützte ihn jedo=
vor
der Menge. Unterdeſſen war das halß
Dorf abgebrannt und ein Schaden von viel=
Millionen Kronen angerichtet worden, der um
ſchwerer iſt, als der größte Teil der Landwirte mer
verſichert war. Dubrava wurde in das Gefängn.
der Preßburger Staatsanwaltſchaft gebracht, ver
wo er der Irrenanſtalt übergeben wurde, da es ſiü
herausſtellte, daß er bereits im Irrenhaus geweſet
war.
Glückliche Rettung eines Verkehrs=Flugzeugs
aus Seenot.
TU. Paris. Von einer glücklichen Retturr
können die Paſſagiere eines franzöſiſchen Flugzeugn
der Linie MarſeilleAlgier ſprechen. Das Flugzel)
ſah ſich gezwungen, wegen eines Motordefekts mitte"
auf dem Waſſer niederzugehen. 24 Stunde
waren bereits ſeit dem letzten Hilferuf von Bor
des Flugzeuges verſtrichen, ohne daß man eine vei
tere Nachricht erhielt, ſo daß das Schlimmſte h
fürchtet wurde. Wie jetzt mitgeteilt wird, wurde de
Flugzeug jedoch von einem italieniſchen Segler au
gefunden und in Schlepptau genommen. Die In
ſaſſen des Flugzeuges wurden in ſtark erſchöpfte-
Zuſtande gerettet.
Ein Unfall der Miß Columbia.
EP. Rom. Levines Flugzeug Miß Columbi=
iſt
in der Nähe von Rom verunglückt. Levine wo
um die Mittagszeit von Muſſolini empfange
worden, mit dem er ſich geraume Zeit über ſei.
Zukunftspläne unterhalten und dem er auch die A.u
ſicht mitgeteilt hatte, auf dem Rückflug nach Mailan,
unterwegs bei Forli ein Geſchenk für Muſſolim
jüngſten Sohn Romano abzuwerfen. Alsdann p.
Levine mit Inchcliffe auf dem Flugfeld von Centd
celle geſtartet. Kurz nach dem Aufſtieg zwang e
Motordefekt die Columbia zu einer Notlan
dung auf freiem Felde bei Ciampino, wobei de
Apparat ernſtlich beſchädigt wurde. Die beiden I.
ſaſſen blieben jedoch unverſehrt. Am Flugzeug ſchei-
ein
Flügel gebrochen zu ſein, ſo daß vorläufig kau.
an einen Weiterflug zu denken iſt.
Die Opfer der Wirbelſturmkataſtrophe.
EP. New York. Aus St. Louis wird S
meldet, daß am Montag 85 Opfer des Wirbe
ſturmes beerdigt wurden, während 26 PerſonS
noch vermißt werden.
Schwerer Unfall der Baden.
Lifſabon. Der deutſche Paſſagierdampß
Baden iſt bei der Einfahrt in den Hafen vil
Leixoes infolge ſtarken Nebels auf Grund gerate
Menſchen ſind nicht zu Schaden gekommen, 1
wurde der Dampfer ſchwer beſchädigt.
Der Bergwerks=Einſturz bei Sudburh.
Sudbury (Ontario). Zu dem Bergwelkser
ſturz wird noch gemeldet: Die Senkung der Erdobe
fläche erſtreckt ſich jetzt auf ungefähr 400 Quadratſt!
Die Tiefe der Einſenkung beträgt annähernd tauſe
Fuß. Die Kraftſtation und andere Gebäude, mehre
Eiſenbahnwaggons und einige hundert Fuß E
Eiſenbahnſtrecke ſind bereits in die Tiefe geſunke.
Die Station der CanadianPacific=Eiſenbahn beſt
det ſich gegenwärtig am Rande des Abgrundes.
den ſie jeden Augenblick zu ſtürzen droht. Ein Ber
mann mit Frau und Kind, deſſen Haus 40 Fuß E
verſank, konnte unve 1:tzt die Erdoberfläche erreiche

Mi Bermu
Sta
Wein
ſcherſicht
MMüller f.
umſt einet


zu
E

Miu

[ ][  ][ ]

Rummer 277

Donnerstag, den 6 Oktober 1927

Geite 11

Ootl Splet und Tarnen.

Fußball.
Sporiverein Darmiadt 98 Worma ia Worms.
For Beginn der Verbandsſpiele gab man in der Heſſengruppe dem
nichrigen Bezirksmeiſter Mainz 05 und dem Sportverein Wiesbaden
9 meiſten Ausſichten auf die Erringung der Würde eines Heſſen=
yiers
. Der bisherige Verlauf der Vorrunde, die mit den Spielen
ächſten Sonntags ihren Abſchluß findet, hat jedoch gezeigt, daß
NA ermutungen nach dem endgültigen Sieger falſch geweſen ſein dürf=
* tatt den Mainzern, die ihre gute Form des Vorjahres in nur
wiren Spielen erreichen konnten, und ſtatt des Sportvereins Wies=
h
., der trotz der techniſch hochſtehenden Spielweiſe auf fremden
Pkn ebenſo wie die 98er dauernd Niederlagen einſtechen mußte, führt
Armatia Worms die Tabelle an. Der Vorſprung vor dem Tabellen=
zuten
mit 4 Punkten erſcheint devart groß, daß bei geſchickter Kräfte=
vie
Tung die Wormaten ihren Vorſprung bis zu Ende beibehalten
wſten; allerdings müſſen die Wormſer noch beweiſen, daß ſie bei den
ſrren Spielen auf fremdem Boden zu gleichen Leiſtungen ſich auf=
ſirgen
können wie zu Hauſe. Wir glauben nach den bisher von
Arms erzielten Reſultaten, daß die Philippmannſchaft dieſen Beweis
yit erbringen wird, muß doch in einer Elf, die einen Sportverein
Aswaden mit 4:0 beſiegen und mit 5:1 dem vorjährigen Bezirks=
ytrr
das Nachſehen geben kann, ein grundſolides Können ſtechen.
Dei beſteht nun die Stärke der Wormatia? Dieſe hat neuerdings
En beſten und erfolgreichſten Stürmer, den Linksaußen Winkler, in
M Rnnenſturm genommen. Dadurch iſt das Innentroi zur gefähr=
litrr
Waffe der Mannſchaft geworden. Der Mittelſtürmer Philipp
hiet es glänzend, ſeine ſchußgewaltige Halbſtürmer Winkler und
Aler frei zu ſpielen, ſo daß die Wormſer in den bisherigen Spielen
m ner einzigen Ausnahme immer mit mehreren Toren Unterſchied
fen konnten. Die Außenſtürmer der Wormatia ſcheinen dagegen
tr ſchwächer zu ſein, während die Güte der Hintermannſchaft ſchon
hunss klar hervorgehen dürfte, daß dieſe bisher in 8 Spielen nur
ungentore hinnehmen mußte: Giesbert im Tor und Müller in der
Rtnidigung bilden die Hauptſtärke der Hintermannſchaft.
Arie Darmſtädter haben im bisherigen Verlauf der Verbandsſpiele
häritlichen auswärtigen Spielen glatt verſagt; wenn auch von dieſen
büißderlagen vier wit einer Tordifferenz von nur 1 Tor endeten, ſo
Eenx dies die Sachlage keineswegs, zumal auch die 98er gegen tech=
iweit
unterlegene Gegner ſich nicht durchſetzen konnten. Die drei
Eele aurf eigenem Platze wurden allerdings ſamt und ſonders hoch
wonnen, doch ſteckt letzten Endes im V. f. R. Neu=Iſenburg, in der
Annmia Worms und in Haſſia Bingen bei weitem nicht das Können,
ſt was die Wormatia verfügt. Die Wormſer befinden ſich zurzeit in
eim glänzenden Siegeszug, ſo daß ſie, durch ein begründetes Selbſt=
ken
tſein geſtärkt, ſich wohl nicht dazu verſtehen werden, in Darmſtadt
ſckitern. Es wird alſo ſchon eine große Leiſtung der Darmſtädter
hig ſein, wenn ſie das letzte Spiel der Vorrunde mit einem Punkt=
heinm
beenden wollen. Man weiß, daß gerade die 98er gegen gute
Bmr ſchon große Spiele geliefert haben. Am kommenden Sonntag
knt: die Mannſchaft ihren Anhängern, die durch den bisherigen Ver=
In ſoer Verbandsſpiele ſtark enttäuſcht wurden, keine größere Freude
beiten, wenn ſie endlich die große Linie finden würde; in dieſem Falle
eit; es der Mannſchaft um den Enderfolg nicht bange ſein.
Der Spielbeginn iſt auf 4 Uhr feſtgeſetzt. Vor dem Spiel ſpielt
bicmndball=Liga des Platzvereins gegen den Polizeiſportverein Baben=
bier
. Auf die Bedeutung dieſes um 3 Uhr beginnenden Treffens iſt
hhnfalls ſchon ausführlich hingewieſen worden.
Sportverein Lengfeld 1919.
Der 2. Oktober 1927 bedeutete für den Sportverein Lengfeld einen
ſegnnten ſchwarzen Tag, denn alle Mannſchaften mußten ſich auf der
wen Linie geſchlagen bekennen. Die 1. Mannſchaft trat mit Erſatz
wurl d wurde von der ſich in guter Verfaſſung befindlichen Ligaerfatz=
mn
chaft des Sportvereins 98 Darmſtadt mit 5:1 verdient geſchlagen.
Tr SSpielausſchuß Lengfeld wäre zu raten, vielleicht eine junge Kraft
9erteidiger zu ſtellen, damit der frühere linke Läufer wieder ſeinen
Eir PPoſten einnehmen könnte. Die 2. Mannſchaft bezog ihre 1. Nie=
buge
in Erbach. die mit 6:1 etwas zu hoch ausfiel, da der Erſatztor=
wr
mindeſtens 5 Bälle halten mußte. Die 1. Jugend verlor nach
ſan Spiel gegen die gleiche des Sportvereins Darmſtadt mit 4:0.
19 rweiter ſo, Ihr Jugens von Lengfeld, und ſo wird die 1. Mann=
ſttlbald
geeignete Kräfte als Erſatz bekommen,
Whattia 09 Wolfskehlen 1.Germania Dieburg 1. 7:2 (2:1).
I Wolfskehlen trafen ſich am Sonntag obige Mannſchaften zum
ſſienn Verbandsſpiel. Die Platzmannſchaft nahm, mit Wind ſpielend,
Ehache ernſt, konnte aber durch mangelhaftes Zuſpiel im Strafraum
m ſeinen Halbzeitſtand von 2:1 erringen. Eine Umſtellung bewährte
irrſtens; es klappte jetzt all s, und in regelmäßigen Abſtänden ficlen

5 weitere Tore, denen Dieburg nur 1 entgegenſetzen bonnte. Die wenigen
Dieburger Angriffe blieben ſchon an der Läuferreihe hängen oder fielen
der Abſeitstaktik der Wolfskehler Hintermannſchaft zum Opfer. Der
Schiedsrichter, Herr Rapp von Gernsheim, leitete das faire Spiel zur
beiderſeitigen Zufriedenheit.
Handball.
Pol.=Sportverein I Roi=Weiß I.
Zum dritten Male innerhalb 4 Wochen ſtehen ſich obige Mannſchaf=
ten
im Kampfe auf dem grünen Raſen gegenüber. Im Verbandsſpiel
vor 4 Wochen gelang es der Rot=Weiß=Elf, einen haushohen Sieg über
die Polizeielf davonzutragen. Letzterer gelang es am vergangenen
Sonntag, im Pokalſpiel die erlittene Schlappe etwas auszugleichen.
Aus dieſem Spiel iſt zu erſehen, daß beide Mannſchaften in ihmr
Spielſtärke ſich die Wage halten. Auch die Spielweiſe iſt dieſelbe.
Beide Mannſchaften wiſſen, um was es ſich dreht. Rot=Weiß einerſeits,
um die Tabellenſpitze zu behalten und mit dieſer die Verbandsmeiſter=
ſchaft
zu erringen, um dann in die Liga aufrücken zu können. Bei der
Polizeiſportvereins=Elf gilt e8 das Preſtige zu wthren. Jeder Spieler
der beidem Mannſchaften iſt ſich ſeiner Aufgabe bewußt und wird den
entſprechenden Siegeswillen mit auf den Platz bringen. Die Polizei=
Elf iſt im Gegenſatz zu den beiden erſten Spielen im Vorteil, weil ſie
dieſes Mal den eigenen Platz als Bundesgenoſſen hat. Dieſes Manko
des Gegmas wird dieſer durch erhöhten Eifer und Schnelligkeit aus=
zugleichen
verſuchen Ein Hinweis auf die Spielſtärke der Mannſchaften
erübrügt ſich, denn ſie ſind hinreichend mit ihren Stärken und Schwächen
bekannt. Die beiderſeitige anſtändige Spielweiſe gibt im Voraus die
Gewähr, daß das Spiel anregend werden wird und ein Beſuch ſich lohnt.
Der Beginn des Spieles iſt auf vormittags 10 Uhr feſtgeſetzt in An=
betracht
des Ligaſpieles auf dem Stadion, damit den Spielern Gelegen=
heit
gegeben iſt, ſich dieſes Spiel anzuſehen.
Der Eingang zu dem Polizeiſportvereinsplatz iſt nur von der Holz=
hofallee
aus. Nach dem Handballſpiel kämpft die erſte Polizei=Fußball=
Elf gegen Langen um die Punkte.
Boxen.
HollandWeſtdeutſchland 4:4.
Bei dem in Rotterdam ausgetragenen Awateur=Boxländerkampf
konnten die Weſtdeutſchen ihren im Vorjahre errungenen Sieg nicht
wiederholen, ſie mußten ſich mit einem unentſchiedenen Ergebnis von
4:4 Punkten begnügen. Den eindrucksvollſten Sieg erzielte der Europa=
meiſter
im Halbſchwergewicht, Müller=Köln, der den holländiſchen Mei=
ſter
ſeiner Gewichtskategorie bereits in der erſten Runde k.o. ſchlug.
Schönrath=Krefeld unterlag im Schwergewicht dem Holländer Oly nach
Pmkten.
Pferdeſport.
Rennen zu Düſſeldorf am 5. Oktober.
1. Alemannen=Rennen. 3000 Mark, 1400 Meter: 1. E. G. Butzkes
Dianthus (Friedrich), 2. Protheus, 3. Loiſach. Ferner: Kabalia, Kriem=
hilde
, Desdemona, Antigonus, Slevogt, Mauerbrecher, Heimatliebe, La
Clochotte. Tot.: 32, Pl. 19, 22, 78:10. 64 Lo.
2. Sigambrer=Jagdrennen. 3000 Mark, 3200 Meter: 1. H. Berſes
Fanir (Stolpe), 2. Sankt Gotthardt, 3. Die Zuverſicht. Ferner: Trum=
ſcheit
, Wingolf, Tannenberg, Valko, Cea, Martini, Liebesgedanke, Sze=
genie
, Eylimi, Orlanda. Tot.: 44, Pl. 18, 17, 26:10. 310 Lg.
3. Langobarden=Ausgleich. 4000 Mark, 1600 Meter: 1. P. Mül=
hens‟
. Dictator (H. Schmidt), 2. Helmzier, 3. Ingo. Ferner; Scotch
Whiſky. Fridericus, Iſelberg. Tot.: 30, Pl. 22, 37:10. 3 Lg.Kopf.
4. Cherusker=Preis. 4000 Mark, 1000 Meter: 1. M. Böhms Meiſter=
polier
(Grabſch), 2.+ Negro, 2.+ Raphael. Ferner: Adler von Bayern,
Sturmnixe, Luſana, Qnedlinor. Tot.: B, Pl. 11, 14, 12:10. 2½ Lg.
bis Tot.
5. Germanen=Preis, Ehrenpreis und 7000 Mark, 1400 Meter:
1. P, Mülhens Tunierdame (H. Schmidt), 2. Pillar, 3. Waldmeiſter.
Ferner: Boniburg, Iſlam, Orgel. Tot.: 64, Pl. B, 42:10. 24 Lg.
6. Teutonen=Jagdrennen. 4000 Mark, 3000 Meter: 1. Geſtüt Lech=
hofs
Bajuware (Heimann), 2. Peruanerin, 3. Woge. Ferner: Glockner,
Mozart, Boppard, Marcheſe, Sonnenſchein 3., Barcarole. Tot.: 27,
Pl. 21, 43, 20:10. 82 Lg.
7. Cimbrer=Preis. 3000 Mark 2000 Meter: 1. J. Bockerhoffs Jobbe
(F. Klarmann), 2. Gerwin, 3. Myrte. Ferner: Traumdeuter, Schnee=
könig
, Roberta. Tot.: 81, Pl. 32, 24:10. Hals1½ Lg.
8. Markomannen=Ausgleich. 3000 Mark, 2800 Meter: 1. F. Landlers
Filius (Präger), 2. Sivokko, 3. O’Straßburg. Ferner: Jugendliebe,
Friſh Starſhine, Sam Weller, Vögelchen, Euphrat, Ferina, El Maſer,
Gräfin Marie, Schildbürger. Tot.: 84, Pl. B3, 22, 15:10. Hals bis
1½ Längen.

In der ſübdeutſchen Fußball=Pokalelf gegen Weſtdeutſchland wird
am Sonntag an Stelle des verletzten Halblinken Schmidt 2. (Bayern
München) Neubauer (Wacker München) ſpielen.
In der Saargruppe wird am Sonntag das am letzten Sonntag aus=
gefallene
Spiel Eintracht TrierS.V. 05 Trier nachgeholt.
Dr. Peltzer ſtartet am 9. Oktober in Wiborg (Finnland) in einem
1500=Meter=Laufen gegen Paovo Nurmi und Eino Berg.
Ein Länderkampf DeutſchlandFinnland wird vom Finniſchen
Leichtathletikverband für Auguſt 1928 vorgeſchlagen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 6. Okt. 11.55: Uebertr. des Glockenſpiels aus
dem Darmſtädter Schloß. O 13.30: Uebertr. von Kaſſel: Konzert
der Hauskapelle. O 15.30: Für Kinder vom 12. Jahre ab. Aus
den Kindheitstagen großer Erfindungen, vorgetr. von Mittelſchul=
lehrer
Hering: Der Luftballon o 16.30: Konzert. Mitw.3
Klara Zeller (Geſang). o 17.45: Aus den Vergleichenden Le=
bensbeſchreibungen
des Plutarch: Alexander. Julius Cäſar. O 18.15:
Vereinsnachrichten. O 18.30: Uebertr. von Kaſſel: Die aſtronomiſch=
phyſikaliſche
Sammlung im Kaſſeler Landesmuſeum Dr. Dippel.
O 18.45: Uebertr von Kaſſel: Dr. Schleichert: Walter Flex.
O 19.15: Alfred Auerbach: Die Sprechchorliteratur. O 20.15: Zweites
Gaſtſpiel Erik Wirl: Aus Werken von Richard Strauß, O 21.15:
Vortragsabend Ludwig Hardt: Aus deutſcher Proſa,
Stuttgart.
Donnerstag, 6. Oktober. 12.30: Konzert. O 16.15: Konzert.
O 18.15: Stuttgart: Dramaturgiſche Funkſtunde. Freiburg: Dr.
von Graevenitz: Theodor Fontane als Lyriker. O 18.45: Aus
Stuttgart und Freiburg: Aerzte=Vortrag: Die Gefahren der Ent=
wicklungsjahre
. O 19.15: Otto Heuſchele: Deutſche Büchereien.
O 20.15: Gaſtſpielabend Franz Baumann. Mitw.: Franz Bau=
mann
a. G., Käte Mann, M. Heye, Funkorch. Maillard: Ouv.
löckchen des Eremiten

in ein Mädel verliebt. Benatzky: Sehnſucht Krome: Wem
die Englein tanzen. May: Sag es mir ins Ohr ganz leiſe,
Branſen: Colette und der Mond, Valſe Boſton. Eine Epiſode.
Zigarren und Frauen. Er Sie und Er (Heye).
Lehar: Kondia, Tango u. a. m.
Berlin.
Donnerstag, 6. Okiober. 12.30: Viertelſtunde für den Land=
wirt
. O 16: Ob.=Reg.=Rat Dr. Riehm: Neue Erfahrungen mit
Trockenbeßz= und Kurzbeizverfahren. O 16.30: Dr. Lohmeyer:
Andreas v. Ady, der Dichter des modernen Ungarns. O 17: Dr.
Becce’s Kammer=Orch. Rachmaninoff: Elegie, Serenade.
Maſſenet: Fant. Werther. Tavan: Nuits algeriennes. Strauß:
Suite. Dvorak: Humoreske. Becce: Viſione orientale.
Dvorak: Ouv. Der Bauer ein Schelm. O 18.30: Dr.=Ing. Scholz:
Techniſche Fortſchritte im Automobilbau O 19.05: Dr. Hagemann:
Die Kunſi des Rundfunks. 19.35: Prof. Dr. Jäckh: Deutſchland
das Herz Europas. O 20.10: Sendeſpiel: Die Cſardasfürſtin.
Operette von Kalman. O 22.30: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen. Donnerstag, 6. Oktober. 14.30: A. Lüde=
ritz
=Ramelow: Grundlagen der Krankenkoſt. O 15: Aufgabenkreis
für Rationaliſierungsbeſtrebungen im Haushalt: Das Hausgerät.
O 15.35: Wetter= und Börſe. O 15.40: Adele Lüderitz: Kochan=
weiſungen
u. Speiſefolgen. O 16: Min.=Rat Dr. Richter: Jugend=
pflege
. O 16.30: Dr. Klopfer Landger.=Dir. Francke: Erziehungs=
beratung
. 6 17: Prof. Dr. Bickerich, Kronſtadt: Deutſche Muſik in
Siebenbürgen. O 17.30: Uebertr. des Konzertes Berlin. 18.30;
G. van Enſeren, Alfieri: Span. für Fortgeſchrittene. O 18.55:
Kammerdir. Horlacher: Steuerliche Fragen des Bauernſtandes.
O 19.20: Dr. Bagier: Hugo Wolf.

Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Freitag, den 7. Oktober 1927.
(Nach der Wetterlage vom 5. Oktober 1927.)
Nach aurfklarender und kühler Nacht morgens ſtellenweiſe Nebel=
bildung
, tagsüber wolkig mit Aufheiterung und trocken.

Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polliſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Seſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Druck
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

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[ ][  ][ ]

Nummer 277

Donnerstag, den 6. Ok.ober

blatte

Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 3. Oktober.
Die Auffaſſung der Wirtſchaftskreiſe über die Geſamtlage iſt gün=
ſtiger
geworden. Man iſt zwar noch über die Schwierigkeiten in man=
chen
Induſtriezweigen beunruhigt, deren Proſperität wirklich viel zu
wünſchen übrig läßt, aber die Beſorgniſſe und Befürchtungen über
etwaige unerwartete Wendungen in der Finanzpolitik ſind größtenteils
verſchwunden. Das heißt: man erwartet, oder richtiger man befürchtet
von der Innen= und Finanzpolitik keine Ueberraſchungen mehr. Man
rechnet beſtimmt damä, daß das Budget vor Jahresende votiert wird,
was den Finanzen weitere Solidität und Stabilität geben wird. Die
Bauinduſtrie, die Schwerinduſtrie, ſowie die verſchiedenen Maſchinenbau=
induſtrien
machen eine ſchwere Zeit durch. Dagegen iſt die Lage der
chemiſchen, der Textil= und Seideninduſtrie eher günſtiger zu nennen.
Während im allgemeinen große Geldflüſſigkeit herrſcht, können die ein=
zelnen
Unternehmungen nur ſehr ſchwer oder gar nicht zu Anleihen
gelangen. Denn auf dem Geldmarkt ſind nur die kurzfriſtigen Pla=
cierungsmöglichkeiten
geſucht. Auf einen Teil des Großhandels und auf
die Effektenbörſe wirkt die Verſtimmung des Metall= und Rofſtoffmarktes
ſehr drückend.
Die Zukunft des Koblenmarktes betrachtet man mit viel Sorgen.
Die Minen haben wenig Beſtellungen, und dieſe wenigen werden auch
meiſtens fur die ſtaatlichen Betriebe gegeben. Dieſe ebenſo wie die
Eiſenbahnen follen ſchon rieſige Vorräte aufgeſpeichert haben. Die Be=
ſtellungen
des Handels für den Privatverbrauch ſind noch nicht er=
folgt
. Was das weſentlichſte iſt: die Aktipität der Induſtrie iſt bedeu=
tend
zurückgegangen und damit im gleichen Maße natürlich auch ihr
Kohlenverbrauch. So iſt auch z. V. infolge der ſchwierigen Lage der
Eiſen= und Stahlinduſtrie der Kolksverbrauch ſtark zurückgegangen. Wäh=
rend
früher die Koksbeſchaffung der Metallurgie große Sorgen verur=
ſachte
, weiß man jetzt mit den angehäuften Koksvorräten nichts anzu=
fangen
. Auf eine baldige Beſſerung der Lage iſt vorläufig nicht zu rech=
nen
, da die franzöſiſchen Hochöfen der Konkurrenz der ausländiſchen
kaum ſtandhalten können. Die Induſtrie ebenſo wie die Prwatwirt=
ſchaft
rechnen auf Preisermäßigungen für ſämtliche Kohlenſorten. Die
Bergwerke ſollen aber ihre Preiſe nicht weiter reduzieren können. In
der letzten Zait wurde nur der Preis einiger Brikettsſorten herabgeſetzt,
und zwar infolge ſo behauptet man der belgiſchen Konkurrenz.
Die franzöſiſchen Kohlenbergwerke ſollen während des engliſchen Streiks
ſo große Gewinne erzielt haben, daß ihre geſchäftliche Situation trotz
dieſer mannigfachen Schwierigkeiten günſtig iſt. Für mehrere, beſonders
nordiſche, Koblenminen iſt jetzt die ſyſtematiſche Bearbeitung der Veben=
produkte
die Hauptſache. Alle Kohlenwerte lagen ſchwach, mit Ausnahme
einiger indochineſiſcher.
Die Lage der Schwerindrſtrie läßt, wie oben angedeutet, viel zu
wünſchen übrig. Die Geſchäftsloſigkeit dauert weiter an, und die Preiſe
zeigen eher Tendenz zur Baiſſe. Die andauernden Preisherabſetzungen
in England üben einen ſtarken Druck auf dem Markt aus und verur=
ſachen
einen anhaltenden Abſatzmangel. Man behauptet, daß das Uebel
darin liegt, daß die Produktion den normalen Bedarf zurzeit überſteigt.
Man erwartet diesbezüglich wichtige Beſchlüſſe von der Tagung des
internationalen Stahlkartells. Hier befürchtet man vielfach die Herab=
ſetzung
der Gußeiſenpreiſe. Bei niedrigeren Preiſen würde die franzö=
ſiſche
Schwverinduſtrie den größten Teil des Gewinns einbüßen. Die
Herſtellumgskoſten betragen das Sechsfache, die Steuerlaſten das
Zwanzigfache des Friedensaufkommens. Dagegen ſind die Verkaufspreiſe
nur um das Vierfache gegenüber dem Friedenspreis geſtiegen. Alles in
Pavierfrmanken gerechnet.
Eine weitere Schwierigkeit verurſacht auch die Konkurpenz der ein=
zelnen
franzöſiſchen Unternehmungen utereinander. Man plant, um
dieſem Uebel vorzubeugen, die Bildung eines nationalen Kartells. Die
metallurgiſchen Werte lagen alle ſchwach.
Der Metallmarkt war lau. Die Zinnpreiſe ſind zurzeit ſehr nied=
in
Betrieb geſtellt und die Herſtellungsmethoden ſind weſentlich ver=
beſſert
worden. Bei einer ſolch intenſiven Produktion müſſen ſich aber, regte Aufſehen. Das Pfund hat die Parität gegen Newyork mit 4,8685
offenſichtlich bedeutende Vorräte bilden.
Die Baiſſe der Bleipreiſe wird in erſter Linie der Spekulation zu=
geſchrieben
, da die ſtatiſtiſche Lage des Metalls bedeutend günſtiger iſt
als früher. Die jetzigen Bleipreiſe ſind die niedrigſten ſeit 1991.
Die Zinkpreiſe ſind feſt, wozu auch die Einigung zwiſchen Produzen=
ten
und Gießern viel beigetragen haben ſoll. Die Werte faſt ſämtlicher
metalliſchen Minen lagen ſchvach.
Auf dem Kalimarkt ſind wenia Aenderungen zu verzeichnen. Bei
den großen Fortſchritten der frnzüſiſchen chemiſchen und beſonders der
Kunſtdüngerinduſtrie ſind die Ausſichten des Kalimarktes günſtig. Der
Nitratenmarkt iſt wieder lebhaft. Die Induſtrie des künſtlichen Nitrates, ſchloß unter Führung von Farben freundlicher. Rheinſtahl 191½ (Beginn
entwickelt ſich auch in Frankreich in bedeutendem Maße. Die großen
Unternehmungen beſchränken ſich jetzt auf die Herſtellung weniger Sor=
ten
. Gleichzeitig mit dem Aufſchnung des künſtlichen Nitrates ſind auch
die Möglichkeiten des natürlichen Nitrates beſſer geworden. Die hieſigen
Wirtſchaftskwiſe zeigen ſich allerdings dem Aufſchwung der hileniſchen gedrückt 312 nach 313½lu am Schluß, Oſtwerke 333, Schultheiß 416417,
Nitrateninouſtrie gegenüber etwas ſkeptiſch.
Die franzöſiſche Phosdhatinduſtrie befindet ſich in einer in jeder 224 ½2=
Hinſicht günſtig zu nennenden Lage. Der Abſatz wird ſtändig größer.
Nich sdeſtoweniger waren die Phosdhatenwerte der allgemeinen Tendenz Augsb Nürnb.Maſch.
der Effektenbörſe entſprechend ſchwach.
Viehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 5. Oktober 27. Aufgetrieben waren:
98 Kälber, 5 Schafe. Der Marktverkauf war lebhaft geräumt: die Preiſe Teutſch=Atlan:, Tel.
betrugen für Kälber a1 7983 Pfg., b) 7578 Pfg., e1 6874 Pfg., für Teutſche Maſchinen=
Shafe 4550 Pfg.
Rindermarkt in Gießen vom 5. Oktober. Der letzte Rindviehmarkt
wies die ſtärkſte Beſchickung ſeit dem Wiederbeginn der Märkte in Gießen
auf. Es waren 885 Stück Großvieh und 431 Kälber aufgetrieben. Da die Tt. Kalwerke.
Käufer aus der Pfalz, vom Rhein und von der Moſel zum Teil fehlten, Tynamit Nobel.
war der Handel bis zum Schluß ſchleppend. Es wurden bezahlt: Kühe I.
Qualität 600700 , 2. Qualität 450500 , 3. Qualität 250350 ,
Rinder 150300 , Kälber 7075 Pfennig je Pfund Lebendgewicht,
Beſſere Zuchttiere waren geſucht, und wurden über Notiz bezahlt.
Frankfurter Viehmaukt vom 5. Oktober. Zum heutigen Schlachtvieh=
markt
waren aufgetrieben 61 Ninder, 806 Kälber, 435 Schafe und 505
Schweine. Während gegenüber dem Montagsmarkt mittlere Maſtkälber
etwas teuerer waren, lagen Schafe um 12 ,ℳK und Schweine um 23.,
billiger. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege ausverkauft. Schweine
ſchleppend, zum Schluß etwas lebhaft, beinahe ausverkauft. Pro Zentner
Lebendgewicht: Kälber a) b) 8085, C) 7279, d) 6571, Schafe
a114852, b) 4047, e1 3639, Schweine 2) b) , el von 200240
Pfd. 6771. d) von 160200 Pfd. 6570. e von 120160 Pfd. 6286,
r), gl. Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1) 100105. II) 90 bis
100, Bullenfleiſch 9098, Kuhfleiſch 1) 7585, II) 6570, I11) 4060,
Kalbfleiſch 11) 100115, Hammelfleiſch 95100, Schweinefleiſch 1) 85
bis 95. Gefrierfleiſch Nindfleiſch Vorderviertel 5052, dto. Hinterviertel
62, Geſchäftsgang ſchleppend.
Produkte berichte.
Berliner Produktenbericht vom 5. Oktober. Die im Gange befind=
lichen
dringenden Erntearbeiten, vor allem die Kartoffelernte, laſſen nur
wenig gutes Material von inländiſchem Botgetreide hereinkommen. Die
Nachfrage iſt demgegenüber, woenn auch weiterhin noch recht vorſichtig,
doch etwas beſſer geworden, da das Mehlgeſchäft eine leichte Behebung
aufweiſt. Sowohl Weizen als auch Noggen waren auch in den Auslands= Stempelvereinigung hat mit Wirkung vom 5. Oktober die Zinsſätze für
forderungen im Anſchluß an die feſteren Terminmärkte erhöht, von Um=
ſätzen
war aber bis zur Berichtsabfaſſung nichts zu hören. Am Lieferuugs= zent p. a., in proviſionspflichtiger Nchnung auf 4½ Prozent p. a. er=
markt
war Roggen merklich beſſer gehalten als Weizen. Die vorderen
Sichten gewannen 2½ bezw. 2½ Mark, während März um 3½ ſ höher ratung, da die auswärtigen Bankenvereinigungen zu dieſem noch Stel=
eröffnete
. Bei Weizen war die Oktoberſicht um 1½ . Dezember um 1.0
befeſtigt. Nachdem ſich geſtern ſchon ziemlich lebhaftes Weizenmehlgeſchäft
entwickelt hatte, hat die Nachfrage heute wieder etwas nachgelaſſen.
Frankfurter Produktenbericht vom 5. Oktober. Auch heute war die
Haltung am hieſigen Markt ſehr ſtill, die Stimmung jedoch freundlich. Das
Inlandangebot iſt nach wie vor äußerſt knapp. Die amitlichen Notierungen

Hafer audändiſcher 24.5035. Mas 19. 19 85, Wetzenmehl. 2d4=
39 25; Noggenmehl 34,7535; Weizenkleie 12,7513: Roggenkleie
13,50.

Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 5. Okt.
Die allgemeine Haltung der heutigen Börſe war ſchwächer, da die
Diskonterhöhung nachwirkte. Es überwogen wieder die Abgaben, doch
kam das private Publikum, wie man befürchtete, nicht in ſtärkerem Maße
als Verkäufer an den Markt, ſodaß ſich die Kursrückgänge in engen Gren= Aufemthaltes Einfüſſe ausgeübt habe, die jetzt die Verſchiebung der=
Berichte der preußiſchen Handelskammern ſprechen von einer im all= und das Staatsdepartewent ſtützen ſich in ihrer Gegnerſchaft gegen die=
gemeinen
unveränderten Wirtſchaftslage, dann berichtet die Metall=
Reichsbahn hat erneut etwas zugenommen. Daneben wirkte aber die
Verſchärfung im Lohnkonflikt beim rheiniſchen Braunkohlenbergbau be=
unruhigend
. Bei mangelhafter Publikumsbeteiligung übte die Kuliſſe
Gegenüber der geſtrigen Abendbörſe verzeichnete man im allgemeinen
Kursrückgänge von 13 %. Am Elektromarkt nahmen die Kurseinbußen
nach den Steigerungen der letzten Zeit naturgemäß größeres Ausmaß an.
Siemens und Licht & Kraft lagen 3 9o ſchwächer, Banken gaben bis 29 Deutſchlands Leiſtungsfähigkeit nicht verſchoben werde.
nach, trotz der befriedigenden Ergebniſſe, über die in den Halbjahres=
ſitzungen
der Dresdner und der Kommerzbank berichtet wurde. J. G.
Farben eröffneten 1½ niedriger. Von Lokalwerten blieben Holzmann, Städte. Nachdem die Auslandsanleihe der Stadt Frankfurt geſchei=
und Metallgeſellſchaft gut behauptet. Frankfurter Maſchinenfabrik
konnten 1% anziehen. Am Anleihemarkt blieb das Geſchäft ſehr klein.
Mexikaner rückgängig auf die neuerlichen Unruhen in Mexieo.
Im Verlaufe erfuhr die Tendenz eine weitere merkliche Abſchwächung,
da ſich das Angebot namentlich in J. G. Farben und den führenden
Elektrowerten verſtärkte. J. G. Farben gaben erneut 3 9 nach. Gesfürel
und Licht & Kraft minus 4 8. An der Nachbörſe konnte ſich die Stimmung Die Frankfurter Anleihe in Gefahr. Die Meinungsverſchiedenheitern
vom Farbenmarkt ausgehend, merklich erholen. Am Geldmarkt iſt Tages=
geld
bei 6½% etwas leichter. Am Deviſenmarkt lag die Mark feſt. Mark
gegen Dollar 4,1928 gegen Pfunde 29,4125. LondonParis 124,02, Reichsfinanzminiſterium noch nicht behoben. So war geſtern vormittaa=
Mailand 89,20, Madrid 27,90.
Die Abendbörſe war ziemlich geſchäftsunluſtig, da man eine
allgemeine Zurückhaltung ausübt wegen der letzten aus New=York ein=
gelaufenen
Meldungen über die dortige Auffaſſung betreffs der plötzlich
eingetretenen deutſchen Diskonterhöhung, welche kaum einen weſentlichen
Zufluß ausländiſcher Mittel zur Folge haben wade. Die Kurſe waren
infolg beſſen durchweg 1 bis 2 Prozent gegenüber der feſten Nachbörſe
abgeſchwächt. Gesfürel verlonen ſogar bis zu fünf Prozent. Auch
rerſtimmten die letzten ungünſtigen New=Yorker Meldungen über den
Stand der Preußenanleihe. Die Umſätzo waron äußerſt gering.
Die Nachbörſe war vollſtändig umſatzlos, da man aus den bereits, davon iſt, daß Frankfurt wahrſcheinlich auf das günſtige Angebot wirs!
erwähnten Gründen zurüchaltend iſt.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 5. Oktober.
Die heutige Börſe eröffnete zwar unter den Schlußkurſen des geſtrigen folgt: Elektrolytkupfer 125½, Remelted Plattenzink 4849, Oria.
Tage doch konnte man in der Stimmung bereits eine Beruhigung feſt= Hüttenaluminium 210, dto in Walzen 214, Rein=Nickel 34035c
ſtellen. Die Baiſſeſpekulation nahm Deckungskäufe vor, da gerücht=
weiſe
ver lautet, daß die Auflegung der preußiſchen Staatsanleihe
nunmehr bevorſtehe, und morgen bereits in Holland die öffentlichen 5. Oktober ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz ruhig) Januar 111 (1111.
Zeichn ngsaufforderungen erfolgen werden. Das Geſchäft war Februar 111½ (1112) März 112 (112), April 1121/, (112½.), Mai 1129
jedoch ſehr ruhig und faſt ausſchließlich auf Spezialwerte konzentriert.
So ſtanden Gesfürel nach wie vor im Mittelpunkt der ſpekulativen Inte=
reſſen
. Gegenüber dem Vorbörſenkurs von 312 erholte ſich das Papier
wieder auf 317319. Auch J. G. Farben beachtet. Ein beſonderes Merk=
mal
in der erſten Börſenſtunde war das ſtarke Intereſſe für Svenska, die
mit 405 zirka 71/, % höher einſetzten und bald um weitere 45 % anzogen.
Die Aktien wurden hauptſächlich wegen ihres internationalen Charakters
und der guten Ausſichten des ſchwediſchen Zündholztruſtes geſucht. Am
Geldmarkt war wieder ſtarke Nachfrage nach kurzfriſtigen Mitteln vor=
handen
, ſodaß der Satz für tägl. Geld ſich auf 7½91 %o behauptete.
Monatsgeld zirka 89½, Warenwechſel mit Großbankgiro ſtellten ſich
auf 6:7%o, doch waren kaum Käufer am Markt. Am Oeviſenmarkt
rig. Die Zinnproduktion iſt im Wachſen begriffen. Es ſind neue Minen ging der Dollar teilweiſe in Auswirkung der Diskonterhöhung auf 4,1925 nate 54‟uſo, Settl. Preis 54, Elektrolyt 61½421), beſt ſelets
am Vortag zurück. Die anhaltende Hauſſe des engliſchen Pfundes er= 60½1½, Elektrowirebars 621),; Zinn (Tendenz willig), Standard g
bereits erheblich überſchritten. Etwas feſtere Kurſe nannte man für London Not.) 2781/, Straits (inoff. Not. 2731., Blei (Tendenz ſtetig), ausländ
Mailand und London=Madrid.
Privatdiskont lange und kurze Sicht 6,%. Am Schluß der Börſe willig) gewöhnl. prompt 26 , entft. Sichten 26 , Settl. Preis 704
fanden die Poſitionsauslöſungen und Blankoverkäufe ein Ende, als in
J. G. Farbenaktien eine Sonderbewegung entſtand, die auf hoffnungs=
volle
Erwartungen der Börſe über die morgen beginnenden Direktions=
und Aufſichtsratsſitzungen zurückzuführen waren. J. G. Farben erholten
ſich raſch wieder auf 297. Die Spekulation war daher im Nachbörſenge=
ſchäft
an den Terminmärkten mit Deckungskäufen tätig. Die Nachbörſe
189). Nur Spenska gingen infolge Gewinnrealiſationen ſchärfer auf
403 Brief zurück. Die Neubeſitzanleihe ſchwächte ſich auf 15,20 ab. Im
Einzelnen nannte man an der Nachbörſe u. a.: Siemens 292, Schuckert
1993 AEG 183, Bergmann 201½, Gelſenkirchen 149½, Geſ. für El.
Ver. Glanzſtoff 646647, Hapag 147, Nordd, Lloyd 149½ Danatbank Schwäche,

Aſchaffenb. Zellſtoff.
Bamag=Meguin.
Berlin el. W.
Berlingkarlsruhesnd
Braunkohl =Briketts
Bremer Vulkan.
Bremer Wolle.
Teutſch.=Nied. Tel.
Teutſche Erdöl. .
Teutſche Petroleum.
Tonnersmarchütte
Elektr. Lieferung. ..
7. 6. Farben. . .
R. Friſter. ..
Gaggenau Vorz.:
Gelſenk. Verg...
G. f. elektr Untern.
Ealle Maſchinen.
Han Maſch.Egeſt.
Hanſa=Dampfſchf. .

4. 10.
136.25 5. 10.I
133 25 Hemoor=Zement.
Hirſch Kupfer. 4 10
1235.
ſ153. 10
232. 43. 42.5 Höſch Eiſen. 4735 175. 65.5 67.5 Hohenlohe Werſe
Kahla Buzelat= 21.625
155. 20.25
101. 188. 185.* Lindes Eismaſch. 11535 154.25 155. 154. Linzel S huh. 83 125 83. 191 11
11625 119. 1905 Linke u. Hofmann.
L. Loewe u. Co. 235.25 280. 84.25 83.5 C. Lorenf. 135,873 125. 148 I. 145. Rieverlauſitzer Kohl
Norod. Rummi. /473 17d. 85.5 85. Orenſtein. 130.5 2= Rathgeber Waggon 120 12o. Romba her Hütten. 1335 133,5 Roſizer Zucker. 86. 85. 183.5 181. Rütgersverke ... 13. 955 2894 ſs 293. Sachſenverk.. 1123.75 121.5 1115 115. Sächſ Gußſtahl. . 1151. 151. 32.5 51. Siemens Glas. 133. 152. 303.12513 314 Ber. Lauſitzer Glas.
Volfſt=oter Porfell. 13375
42,5 121.5
425 1189
10775 157.
152. Beſtf. C.Lunzendreer
WittenerGusſtahl. 50. 50.25 224.5 222. Wanderer Verke. 124)5 238.

Deviſenmarkt.

4 10 s.10 4. 10 Gelb Brief Geld Briefl Gelo Brisl Helſingſors. t io.,565 10.585 10.ssn10 577 Ftalien .. 22.83 2.54 Wien. .....= 59,12559 243 59.10 59. 22 Baris 15.4451
13.485 Prag ... 2.,423 12.-443 12.415 12.435 Sthweiz . 6o31 z z0 91 Audapeſt . .. 73.35) 7.49 73.28 73 42 Spanien. 72.81 1293 Sofig. 2.029 3.035 3030 3938 DLanzig. 8i.38 8 81.54 Kolland.... l188. 03 189.37 157.97 169.31 Fupan 1959 8 1.33 T9lo .. 110.39 110.61 110.31 110,53 Nio de Janeiro. .5393 4.53231.505330 Kovenhagen. 12 2s 112,50 11234 11238 Zugoſluoien. 7.393 3 1.1051 Stodholm. 12.78 11309 112n4 1293 3Portugal 20.83 21.37 Lon en.. 20.398 20,438 20.39 20.43 Athen. 3.341 1 3.59 n98 Aires 1.730 1.n794 1770 1.7341 Fonſtartinopel. 2.273 2282 Nem York. .9s 1oss 4.1880 19801 zPanada. 4.193 3 1.2341 Belgien. 59.38 59.48 5233 5448 1 Jruguan 4.243 254

5. 10
Gelo Briel
2,S7 ſ42.,91
1:.441 15.48

30.,73 e
72.95
z.33
1.3331
83
25.53
3.514
2213
z.132
1.225

60,32
73,69
2 81.48
957
5043
1381
20.72
7.556
1241
1.250
1234

Erhöhung der Kreditzinsſätze bei der Stempelvereinigung. Die
täglich verfügbare Gelder in proviſionsfreier R=chnung auf 4 Pro=
höht
. Die Feſtſetzung der Zinsſätze für Monatsgeld ſteht noch zur Be=
lung
nehmen müſſen.
Ermäßigte Poſtpaketgebühren für Selbſtanfertiger beantragt. Im
Intereſſe der Betriebe, die regelmäßig größere Poſtpaketſendungen abzu=
fertigen
haben und zu dem ſogenannten Syſtem der Selbſtabfertigung
von Poſtpaketen übergegangen ſind, hat der Reichsverband des Deutſchen
Groß= und Uberſeehandels E. V. beim Neichspoſtminiſterium eine Ge=
blieben
unverindert bis auf Roggenmehl, das um 0,50 nachgab. Es bührenermäßigung beantragt. Durch die Selbſtabfertigung erzielt die
Reichspoſt eine nicht unbeträchtliche Erſparnis an Zeit und Arbeit, die
nach dem Vorſchlage des Neichsverbandes des Deutſchen Groß= und
Überſeehandels E. V. in Form eines Abſchlages von 0,10 NMk. pro
Paket den Selbſtabfertigern, die im allgemeiuen als Großkunden der
Poſt angeſehen werden müſſen, zngute kommen ſoll.

Schwierige Anleihever handlungen.
Die Verſchiebung der Preußenanleihe. Vorausſichtliche Ablehnung=
der
Dollaranleihe der hefſiſchen Städte.
Aus New=York wird gekabelt: Journal of Commerce meldet, daß=
der
Reichsbankpräſident Dr. Schacht anläßlich ſeines letzam New Yorker:
zen hielten. Zudem lagen einige günſtige Konjunkturmeldungen vor: die preußiſchen Amerika=Anleihe veranlaßten. Die Federal M ſerve=Ban:
wareninduſtrie über befriedigende Beſchäftigung die Wagenſtellung der breußiſche und ähnichen Anleihen auf die von Dr. Schacht branlaſte=
und von dieſen Stellen befolgte Politik. Die Erklärung des Staats=
departements
ſei das Ergebnis der im letzten Sommer von den Chfs=
der
Zentralnotenbanken ausgearbeiteten Richtlinien. Dr. Schacht habe=
ſeinerzeit
ausgeführt, daß die Emiſſion neur deutſcher Anleihen im
große Zurückhaltung, ſodaß die Umſatztätigkeit ſehr eingeſchränkt blieb. Amerika lediglich den Neparationszahlungen diene und Deutſchland neue=
Verpflichtungen auferlege. Neue Anleihe=Emiſſionen ſollten daher u=
terbunden
waden, damit ſo der endgültige Entſcheidungstag übe=
Vorausſichtliche Ablehnung der Dollar=Anleihe der heſſiſchem
tert iſt, wird, wie wir erfahren, auch die geplante Dollar=Anleihe
der heſſiſchen Städte nicht genehmigt werden. Man geht nichtt
fehl in der Annahme, daß hierzu insbeſondere das ablehnende
Verhalten des Reichsbankpräſidenten Dr. Schacht beitragen wird
der zuſtändigen Inſtanzen über die Notwendigkeiten ausländiſcher Kom=
munglanleihen
ſind offenbar, trotz den Beratungen der vorigen Woche in=
eine
Sitzung der Beratungsſtelle für Auslandanleihen anberaumt, die ſich
insbeſondere mit der Frankfurter 14½ Millionen=Dollar=Anleihe be=
ſchäftigen
ſoll. Da dieſe Anleihe zu beſonders günſtigen Bedingungen
beſchafft werden kann, ſollte ſie noch vor der abſchließenden Beratung de=
Anleihefrage im Kabinett von der Beratungsſtelle entſchieden werdem
und aus dieſem Grunde waren auch leitende Vertreter der Frankfurte:
Stadtverwaltung nach Berlin berufen worden. Nachdem die Beratungs=
ſtelle
faſt eine Stunde getagt hatte, wurde den Frankfurter Herren mitt
geteilt, daß die Beratungsſtelle ſich vor der Entſcheidung im Reichs=
kabinett
doch nicht mit Kommunglanleihen befaſſen könne. Der Erfolt
verzichten müſſen und die dortigen ſtädtiſchen Elektrizitätswerke zu.
höherem Zinsſatz ſich unmittelbar eine Anleihe werden beſchaffen müſſem
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 5. Oktober ſtellten ſich wi!
Antimon Regulus 8590, Silber in Barren 76½7794,
Die amtlichen Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom
(11234), Juni 11234 113). (Fuli 113 (1181/.), Auguſt 113 (113 ½), Sch
tember 118 ½ (113 1), Oktober 110½ (111). November 1102/, (110½
Dezember 1103 (111½,). Für Blei (Tendenz feſter) Januar 42½ (420
Februar 4234 (43), März 43 (431.). April 43 (43½/.), Mai 43 (431t.
Juni 43 (43 ½), Juli 43 ½ (43½), Auguſt 43 1 43¾), September 435
(43341, Oktober 41 (42), November 41 1 (42), Dezember 421/, 1421
Für Zink Januar 53½ (53½), Februar 53½ (53 ½), März 531/, (5314
April 53½/ (58 ½4), Mai 5311, (58 ½). Juni 531), (53 ½) Fuli 531/, (53½
Auguſt 53 (53 ½), September 53 (53½/.), Oktober 53 (54), Novembe=
53 ½ (53 94). Dezember 53½ (5334).
Die Metallnotierungen ſtellten ſich bei der Londoner Börſe vom
Oktober für Kupfer (Tenderz ſtetig!. Standard p. Kaſſe 54Ty, 3m.
Kaſſe 2671 12, 3 Monate 2632/g lo, Settl. Preis 2671 Banka (inoff
prompt 201), entft. Sichten 207/, Settl. Preis 2010: Zink (Tenden
Queckilber ſinoff, Not.) 21½22, Wolframerz (inoff, Not.) 1274
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chieago, 5. Oktober (Priv.Tel.), /174
Weizen: Heute hielten ſich die Kursſchwankungen in engen Grenzen
Im Verlauf kam es zu einer Abſchwächung auf günſtiges Wetter 5
Eurova und kleine Exportnachfrage.
Roggen: Die Notierungen, ingen im Einklang mit der Haltung 5
Minnegpolis und Verkäuf= in Dezembertenminen etwas zurück.
Hafer: Auf ſteigende Zufuhren neigte der heutige Markt zu II.
* New York, 5. Oktober (Priv.=Tel),
Baumwolle: Die Termine erlittm heute ſtärkere Preisrück=äns 1
von 3643 Pkt. auf Grund lokaler Liquidationen, Hedginsverkäufs =
und in Erwartung eines baiſſegünſtigen Regierungsberichtes.
Kaffee: Die Tarmine mußten heute etwa 1725 Pkk. nachgeben, 2 1138
die Kommiſſionshäuſer Abgaben vornahmen, die Lokonachfrage ſchwa
war und aus Braſilien größere Verſchiffungen gemeldet wurden.
Zucker: Der Markt war heute von einer nervöſen Stimmung g
leitet. Auf Abgaben Europas und niedrigere Londoner Kabel gings
die Preiſe trotz vorüiberg hender Erholung bis gegen Schluß m
12 Pkt. zurſick.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 5. Oku
Getreide. Weizen: Dez. 130¾ März 1333, Mai 136½
Mas: Dez. 93½, März 96½, Mai 98½; Hafer: De= B=
März 503, Mai 512; Roggen: Dez. 95½, März 99½, M
10038.
Schmalz: Okt. 12,37, Dez. 12,60, Jan. 12,97½.
Fleiſch: Okt. 12,00, Dez. 1197½. Jan. 12,80. Speck: lo-
12,25; leichte Schweine 10,6011,70, ſchwere Schweine 10,50 b
11,75; Schweinezufuhr: Chicago 12 000, Weſten 65 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 5. O.=
Getreide. Weizen Nr. 2 rot 1413, hart 142½; Mais: no
ank. Ernte 102½, Mehl: ſpring wheat clears 6,657,00; Frach=
nach
England 2.03,6 Schilling, nach dem Kontinent 1012 6*
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,15: Talg: extra 8½.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 64: Loko 15,9
Okt. 14,65, Nov. 1430, Dez. 13,78, Jan. 13,55, Febr. 135
März 13,50, April 13,55, Mai 13,68, Juni , Juli 13,74.
Kleine Wütſchafts=Nachrichten.
Der Evening Standard ſchreibt im Zuſammenhang mit den M.
dungen über die Bildung eines deutſch=engliſchen chemiſchen Truſts, d
die Einzelheiten eines ſolchen nunmehr geregelt ſeien, daß es walrſche*
lich ſei, daß ſie auf der A. N.=Sitzung der J. G. Farbeninduſtrie S1
8. Oktober behandelt würden.
Die Süddeutſche Zinkblechhändlervereinigung. Sitz Frankfurt2u
hat mit Wirkung vom 4. Oktober eine Preisermüßigung für Zinkblee
um rund 1½4% eintreten laſſen, nachdem bereits am 22. Septemberek *
Ermäßigung um 2% erfolgt war.
Die Verhandlungen zwiſchen der deutſchen und belgiſchen Zemer
induſtrie über Lieferungen nach Hollund wurd n am 4. Oktob r in 459
fortgeſitzt. An der Verſammlung nahmen auch die Vertreter. O0
Magſtrichter Fabrik teil.
Infolge der Stabiliſierung ſieht ſich die belgiſche Induſtrie, 2
bekanntlich ſchon auf dem Gebiete der Gruben= und Hüttenbetrie
größere Vollfuſionen zum Zwecke der Rationaliſierung der Betrie
durchführte, nunmehr auch au Zuſammenſchlüſſen auf dem Gebiete29
Kunſtſeiden= und Elektroinduſtrie veranlaßt.
Nach Schätzung des franzöſiſchen Landwirtſchaftsminiſteriums wi
die diesjihrige Weizenernte auf 77.39 Mill. Zentner geſchätzt. Die Rogge
ernte veranſchlagt man mit 9,34 (7,63) Mill. Zentner, die Gerſtenerr.
mit 12,10 (9,98) Mill. Zt. und die Haferernte mit 54,07 (52,85) Mill. 2

gtrage.

Aſnd ſt
forderunt
Gericht
det gerit
teilung
4 bigers 4
des Rch

2.Reich=
14M
i

1
2

us
Mdechel

[ ][  ][ ]

Nummer 277

Donnerstag, den 6 Oktober 1927

Seite 13

Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
ſtütragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen des
ſun dwirts Georg Ruths des Dritten in Ober=Modau
Wrundbuch eingetragen waren, ſollen
(15392a
ſienstag, den 6. Dezember 1927, nachmittags 31/, Uhr,
ſich das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle Zimmer
. 219 verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvoll=
ſekkung
.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 21. Juni 1927 in das
ſurndbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteige=
mgsvermerks
aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
td, ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der Auf=
firerung
zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
ſuecht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
ſurbhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
18 geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der Ver=
lling
des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläu=
gus
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen=
s
Mecht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
tſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
hr ahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
irtteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
ſaDes
tritt.
Darmſtadt, den 30. September 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
ſudbuch für Darmſtadt, Bezirk III, Band XI, Blatt 505.
Betrag der
Flur Nr. Kulturart u. Gewann am Schätzung
III 482 Bauplatz Eckhardtſtr. 88 500 RM.
III 483 Hofreite Nr. 33 da=
243 6500 RM
ſelbſt
III 484 Grabgarten daſelbſt 160 1000 RM.

Die Küchenverwaltung des Heſſ. Poli=
farnts
Darmſtadt Abt. Bereitſchafts=
Kigei hat die Lieferung von
a. 2000 Ztr. Rheinheſſiſche
Ia. Speiſekartoffeln
(gelbfleiſchige Induſtrie)
wergeben. Die Bedingungen können
dser Zeit vom 6. bis einſchl. 9. d. Mts
füdem Geſchäftszimmer der Küchenver=
uhrung
(Holzhofallee 25) von 9 bis
UUhr vorm. eingeſehen werden. (1538=
Berſchloſſene Angebote, ſind bis zum
110. 27 vorm, 9 Uhr einzureichen.

Jg. Hühner
5 Paar Brieftauben,
1 gute Milchz ege zu
verkauf. Heidelberg.
Str. 47, Zim. 24. An=
zuſ
. zwiſch, 46 Uhr
nachm. (B 15381)

Mehrere fette, ſchwere
Suppen= und Brat=
Hüh er öillig abzug.
Ruthsſtr 24, 1. (*26314

Wir geben z. Zt. ab unsere
relchsmündelslcheren
1
8, Gold-Hypothekenpfandbriefe, Reihe 7,
zu 987. Jo
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Darmstadt, den 4. Oktober 1927.
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ſtrahlgebläſe
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maſchine
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1 Aktenregal, 4 Schleifböcke, 1 Luft=
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Wein, 1 Diplomatſchreibtiſch, 1 Herren=
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Teutonia 1 Trumeauſpiegel.
1 Flügel Blüthner 1 Warenſchrank,
1 Bücherſchrank, 1 Standuhr, 1 Herren=
rad
Habeco 3 Särge, halbfertig, 1
kl. weißer Küchenherd, 1 Autokühler,
1 Büfett, 1 Kredenz, 1 elektr. Klavier
mit 4 Geigen, 1 Ladenthekenglasauf=
ſatz
, 1 Gasherd, 1 Klubſofa, 1 Klavier,
1 Büfett, 1 Schreibtiſch mit Aufſatz,
1 Damenfahrrad Walda, 1 Schreib=
maſchine
Kappel 1 Schreibmaſchine
Odoma, 18 Hühner, 1 Geflügelver=
ſchlag
, 6 Tauben, 1 Schaukaſten mit
Radiverſatzteilen verſchiedener Art, 4
Dtzd. Eßbeſtecke, Silber, 1 Nähmaſchine
Decker 1 Sofa, 1 Peddigrohrſeſſel,
1 Schreibmaſchine Smith=Brothers
1 Standuhr, 1 Büfett, 1 Ausziehtiſch,
6 Stühle, 1 Kredenz, 1 Schreibtiſch, 1
großer Spiegel, 1 Opel=Lieferwagen,
1 Orga=Schreibmaſchine.
Beſtimmt verſteigert wird: 1 Mercedes=
Perſonenwagen, 1 Bücherſchrank, 1
Wellblechgarage, 1 Büfett, 1 Kredenz,
1 Schreibkommode, 1 Klavier, Bogs &.
Voigt, 1 Vertiko, 1 Küchenſchrank, neu.
Darmſtadt, den 5. Oktbr. 1927. (15402
Portner
Gerichtsvollzieher zu Darmſtadt.

Brandfarter Kardoericht ooilt d. Ott. Lost.

tweäiſche Staatspapierel, 5. 9.
a) Deutſche
inne Zinsberechnung
Ruächsanl.=Ablöſ.=Schuld
ind chl. Ausloſ.=Scheinen
1. Teill 54.9
II. Teil
Rukchsanl.=Ablöſ.=Schuld
he Ausloſ.=Scheine. .

At. Schutzgebietanl.
e) Auskändiſche
m osnienL. E.=B.b.1914
L.=Inveſt.=Anl. 1914
W v. 1898 ........."
(M v. 1902 ........."

krulgar. Tabak 1909 .
12N Oſt. Staatsrente 1913
(d.*. ab 1918 ... ....
(2 Oſt. Schatzanweiſ.ſtfr.
1014............."
(2 Oſt. Silberrente ...
Goldrente
(lt.Innsbr. Abk.
einh. Rente (konv.
Fwrtugieſ.(Spez./6.III
Mum. am. Rente v. 03.
12a, Goldr. v. 13 ..."
am. Rente konv..
am. v. 05
Wirk. (Admin.) v. 1903
(Bagdad) Ser. I
(Bagdad) Ser, II
unifiz. 1903 ...
v 1911, Zollanl.
121 Ung. Staatsr. v. 1913
Staatsr. v. 1913
*
.innsbr. Abk.) .... . .
73
Staatr. v. 14
(½ Staatsr. v.1914
nnsbr. Abk.) .. . . . . .
Goldrente
Gwoldr. (lt. Innsbr Abk.)/ 2211,
Staatsr. v. 10
Kronenrente
Urrg, (Eiſernes Tor) C
Zurßereuropäkiſche
Asexik. amor. inn. (abg.)
konſ. äuß. v. 99
Gold v. 04 ſtfr.
konſ. innere
v Irrigationsanl.
Tr maulipas. Serie 1,
iSachwert verzinsliche
Huldverſchreibungen
Zinsberechnung
Bserlin. Hp.=B. Gldpfbr. /106
BemlinerStadt=Goldanl.
Diarmſt. Stadt=Goldanl
D. Hyp.=Bk. Meiningen
oll pfandbriefe. . . . . . . . 1101
2sesden, Stadt=Goldal,
F f. Stadt=Goldanl. .
F.Nft. Hyp.=Bk. Goldpfbr. 101
Pfbr.=Bk.

Hefidlbg. Stadt=Goldanl
pe1 f. Landes=B Gldpfbr.
RiSchner=Werke v. 26
0 Somm. Elektr Mark
aegen) Goldobl.
Komm. Landesbank,
armnſtadt. Reihe
Reihe I
eu owigsh. Städt=Goldal
Mrain=Kraſtwke. Höchſt
Moainzer Stadt=Goldal
Aannh. Stadt=Goldanl.
Aſt tteld. Stahlw. v 27
Naf f Landesbf. Goldanl.
Nürrnberg Stadt=Gdanl.
Pf. alz. Hp.=Bf.=Goldpfbr.
Mrorzh. Stadt Goldanl
Parmaſ Stadt=Goldan=
Pruß. Central=Bod =Cr. k Goldpfbr. . . . . .

5. 10. 55, 54.9 55‟t, 14.2 15.5 8.5 8.8 3 3.8 2.75 3.25 17.5 19 26.1 5 6f. 23.5 PI. 7.5 14.25 16.75 6.2 5‟l. 6 12.75 14 13.15 13.25 25*1, 257, 25.5 23.9 171. z3. 17.5 20 33.5 26.6 31.7 351, 106 100.5 100.5 30 88 98.5 100.5 100 96 94 92.5 91 90 93.15 92.5 87 98.5 99 96.5 91 100.2 9.75 99 25 9 92 81.75 79 91 90 100.25 99 99 97 103.25 Af. 99.5 98.5 99 93 97 91 89.3 98 99 99 83 82 95 97 107 100.25 99.5 98.5 98 96 93 91 97 98 97.75 99.75 100

80 Preuß. Central= Stadt=
ſchafts
=Goldpfbr. . . . .

8% Rhein Hyp.=Bk. Gldpfbr.

Liquid. Pfb.) 78
%
Anteilſch. .
½%0
½% Rh. Stahlwerke v. 25
109 Rhein=Weſtf. Bob.=Cr.=
Bk. Goldpfbr.
Südd. Bd.=Cr.=B. Gdpfbr.
26 Ver. Stahlw. Düſſeldorf
Hyp.=Goldobl. mit Option
7% Ver. Stahlw. Düſſelborf
Hyp.=Gdobl. ohne Option
7% Viag. (V. Ind.=Unt. Bln. )2
8½ Voigt & Haeffner Goldobl.
3% Württ. Hyp.=Bk=Goldpfbr.
Ohne Zinsberechnung
5% Badenw. Kohlenwrtanl. 23
6 Großkraftwerk Mannheim
Kohlenwertanl. v 23....
6% Heiſ. Braunk.=Rogg. Anl. 23)
5% Heſſ. Volksſt. Rogg.=Anl. 23
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe

5. 9. 5. 10. 102 tor 98 100.25 98.75 93 75.5 50.25 53.75 104 100 1o0 97.5 98 99 98 98 94 92.5 89.5 9 97.5 98.5 98.5 12.62 12.62 8.25 8.25 6.3

5% Preuß. Roggenwert=Anl.
5% Südd. Feſtwertbk. Goldo.
Borkriegs=Hypothekenbank
Pfandbriefe
Bay. Vereinsbank München..
Bay. Handelsbank München.
Bay. Hyp. u. Wechſelbank ..
Berliner Hyp.=Bank. .. . . . . ."
Frankfurter Hypothek.=Bk...
Frankfurter Pfandbrief=Bk.
Hamb. Hypothek.=Ban.
Mecklenb. Hyp.= u. Wechſel=Bk.
Meininger Hyp.=Bank ....."
Nordd. Grund=Credit=Bank. . .
Pfälziſche Hyp.=Bant . . ..
Preuß. Boden=Credit=Bank.
Preuß. Centr.=Bob.=Cred.=Bk.
Preuß. Pfandbrief=Bk. .. . . .
Rhein. Hypothk.=Bank ..."
Rhein.=Weſtf. Bob.=Cred.=Bk..
Südd. Boden=Credit=Bank. . .
Württemberg. Hypoth.=Bank.
Staatl. oder provinzial
garantiert
Heſſ. Landes=Hyp.=Bank ..
Landeskreditkaſſe Caſſel ..
Naſſauiſche Landesbank ..

15.4
16.15
12.7
11.725
7.22
12.1
12.8
13
15

15.5
16.85
13.1

12.8
3.25

11.95
9175

Oblig. v. Transportanſt.
4% Eliſabethbahn, ſtfr. i. G.
4% Gal. Carl Ludw.=Bahn..
4%
abg.
5% Oſt. Südb. (Bomb.) ſtfr.
2,6% Alte Oſt. Südb. (Lomb.)
2.6 Neue Oſt. Südb. (Lomb.)
4% Oſt. Staatsb. v. 1883 ...
3 1b. 8.Em.
abgeſt,
3%0
2Em.
abgeſt.
2
v. 1885.
abgeſt.
2
Erg. Netz
abgeſt,
3% Raab=Sedenbg. v. 83...
v. 91...
v. 97...
Rudolfb. j. Silber ſtfr. . ..
4% Rudolfb. (Salzkammerg.).
% Anatolier Serie I....."
%o Anatolier Serie II...
O Anatolier Serie III.."
Salonique Monaſtir. . . . .
5% Tehuantepee ..........
4½% Tehuantepee ......

5. 9.

8.8
20.5
19.5

18.5

14:/.
14-.
10.25

20
21.5
19.5
18

Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt . .
Badiſche Bank ....
Bank für Brauinduſtrie ..
Barmer Bankverein .....
Bay. Hyp.=u. Wechſelb. . .
Berl. Handelsgeſellſchaft . .."
Kommerz= u. Privatbank".
Darmſtädter u. Nationalbk.
Deutſche Ban.
Deutſche Effekt=u. Wechſelbk.
Deutſche Hypot.=Bank Mein.
Deutſche Vereinsbank
Disconto=Geſellſchaft
Dresdener Bank
Frankfurter Bank
Frankf, Hypothekenbank
Frankf. Pfandbrief=Bank
Gotha Grundkredit=Bank".
Lux. Intern. Bank. . . .
Metallban!
Mitteldeutſche Ereditbank
Pfälz. Hypoth.=Bank
Preuß. Boden=Creditbank
Preuß. Hyp.=Aktien=Bank
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbank
Rhein. Hypothekenbank
Südd. Boden=Credikbank
Südd. Disconto=Geſellſch.
Oſterreichiſche Creditanſtalt
Wiener Bankverein
Bergwerks=Aktien.
Buderus
Eſchweiler Bergwerks=Akt.

Gelſenkirchen Bergw.
Harpener Bergbau ...... .."
Ilſe Bergbau Stamm . . . . .
Ilſe Bergbau Genußſcheine .
Kaliwerke Aſchersleben . . . . ."
Kaliwerke Salzdetfurt . . . . . .
Kaliwerke Weſteregeln . . . .."
Klöcknerw. (ab. Lthr.=Hütte)".
Mannesmann Röhren ......
Mansfelder
Oberbedarf . . . . . . . . ."
Otavi Minen u. Eb.=Ant.. . .
Phönix Bergbau
Rhein Braunk. u. Brikett
Rhein Stahlwerke
Riebeck Montan".
Salzwerk Heilbronn.
Te lus Bergb.= u. Hütten=Akt.
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke.
Akt. induſtr. Unternehmung
Brauereien.
Eichbaum (Mannh.) ...."
Henninger Kempf=Stern. ."
Hereules, Heſſiſche ... . . . ..."
Löwenbräu Minchen
Mainzer Aktienbrauerei
Schöfferho (Binding)
Schwarz=Storchen . .
Tucher Nürnberg ........."
aaa
Werger ...

Geſch.
Fahr 92 Divid. 5. 9. 5. 10. 1. 1. 40 10%
10 143 1. 1. 333 174 171 1. 4. 20 192.5 189.5 1. 1. 18 138 142 142.5 40 163.25 163 1.1 200 13 1.1. 60 11% 169 170.75 .1. 100 12% 220 225 1.1. 100 10% 158.9 161.5 1.1. 50 129 128.5 1. 1. 100 131.5 1. 1. 105 1. 1 150 151.5 154 1. 1 80 159 159 1. 1 20 132 1. 1 120 1144 146 1. 1. 100 142 145 1.1 831, 9% 160.5 1. 1. 8 7n5 1. 10. 160 141:), 138 1. 1 20 221 1. 1 100 8% 182 1. 1 100 0 130 128 1. 1. 66 8% 135 136 1. 1. 500 10% 165.5 1. 1. 40 %o 132 129 1. 1 100 169 176.5 1. 1. 66 1. 1. 100 329 142 1. 1. 80 Gr. 8.1 410. 1. 1. 9% 17.75 1. 1. 200 105 105 1. 7 600 8.4 215 1. 4 700 4½ 152 1a7 1. 1 1000 8%0 198 1. 1 200 8 1. 1. 200 123 126.5 1. 1. 140 165.25 168 1. 1. 160 123 230 250 1. 1. 150 10% 175.25 1. 7 600 148.5 1. 1. 600 165.5 164 1. 1 50 119 122.25 1. 10. 100 99 1. 4. 11.118 33.25 37. 1.7 500 111 110 1.4 300 1389 239.5 1. 4 505 4½% 184.5 1. 4. 400 165 1.1. 200 180 178 1. 37.50 GSo 111.5 111 1. 7. 83.33 83 1. 10. 320 125.5 1. 10.
1.9 4200 10 71 271 600 10% 185 185 1. 10 100 143 1a9 1. 10. 333. 12 1. 10. 1000 238 Ra 1. 19. 250 20 333 327 1. 10. 300 109 178 175 1. 7 200 107 477 L. 10. 200 10% 475

Akkumulat. Berlin ........"
Adler & Oppenheimer .. . .."
Adlerwerke (v. Kleyer)
6% A. E. G. Vorzug Lit. A
5% A. E. G. Vorzug Lit. B.
A. E. G. Stamm .. . . . . . ."
Bad. Maſchf. Durlach .. . ."
Bad Uhrenfabr. Furtwang. .
Bamag=Meguin Berlin ..
Baſt Nürnberg .. . ."
Bahriſch Spiegel
104 Beck & Henkel (Caſſel) ...."
Bergmann El. Werke .....
Bing. Metallwerke ... . . ..
129 Bremen=Beſig, Olfabr. ....
Bürſtenfabrik Erlangen . .. ..
Cementwerk Heidelberg ...."
Cementwerk Karlſtadt . . . . . .
Cemen.werkLot hr. (Karlsruhe)
Chem. Werke Albert .. .. . .."
Chem. Brockh., Nd. Walluf... .
Chem. Fabrik Milch .. . . . . ."
Daimler=Benz A.=G. ... ..."
Deutſch. Eiſenhandel Berlin
Deutſche Erdöl. .... . . . . . . .
D Gld. u. Silberſcheideanſt.
Dt. Linoleumwerke Berlin.
Dingler, Zweibrücken .. . . . ."
Dresdener Schnellpreſſen .. ."
Dürkopp (Stamm) ... . . . ."
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Siſenwerk Kaiſerslautern. . .
Elektr. Licht u. Kraft .. . . . ."
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Hartm. & Braun, Frankfurt
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Hilpert, Armaturenfbr.
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Holzmann, Phil. .........
Holzverk. Induſtr. .....

Geſch
Jahr Divid. 5. 9. 5. 10. SS
500 8% 1.7 250 170 1. 11 40 zuo 105 1. 10. 70 89 1. 10. 75 83 1. 10. 100 179.5 182.9 1.7. 200 82 153 157 1.7 400 15 1. 7. 100 45.5 43 1. 10. 60 10% 229 1. 1. 60 51.5 65 1. 4. 50 70 80 1. 1 200 82 201 1. 1 50 1. 1 340 66.25 1. 1 40 64.5 1. 1 300 139.5 135.75 1. 1. 150 8% 181 1193 1. 1. 40 20 20 1. 1. 300 600 141 137.75 1. 1. 100 4% 81.25 1. 11. 120 58.5 55 1. 1. 60 114.5 115 1. 1. 80 82 148 1. 1. 400 69. 1. 10 1a0 210.25 211 1. 1. 15% 248 242 1. 4. 100 1. 6. 40 10% 139 1. 10. 150 80 19 1. 1. 50 71 69 1. 1. 60 1. 4. 331/. 43 42.25 1. 7 60 10% 197.25 213.5 1. 1. 200 10½ 183 185.5 1. 1. 100 34 1. 7. 60 30.5 29 1. 1. 100 58 60 1.1. 100 80 81.1 1. 1. 250 8% 230 230 1. 1. 140 74 1. 1. 80 68 103 100 1. 1. 100 50 52 1. 1. 200 10% 283.75 291.25 1. 1. 300 132.5 1. 1 120 6% 98.1 9 1. 7 80 45 43.5 1 1. 50 170 1. 1 200 83 112.5 113 1. 1. 100 74.25 74 1. 1. 331/, 1. 1. 200 58o 126.1 125.25 1 1. 7. 60 112.5 1.1. 300 115 1. 1. 180 10% (75.75 178 1. 7. 60 8% 145 1. 7. 300 53.5 53.5 1. 1. 200 8½% 1. 1. 200 2% 138.5 135:), 1. 1. 20 45 1. 1. 200 8% 159 1. 1 50 26.25 28 1. 1. 80 79 77.5 1. 7. 120 6c 1. 1. 155 110 08 1. 1. 20 121.5 168 1. 1. 66 123 190.2 139 24.. 80 72 701.

Hydrometer Breslau ......"
Fnag ........ . ...........
Junghans Stamm . . . .. . ."
Kammgarnſp. Kaiſerslautern.
Karlsruher Maſchinen
Karſtadt R. ..."
Klein, Schanzlin & Becker
Knorr. Heilbronn
Konſervenfabrik Braun
Kraftwerk Alt=Württemberg
Krauß & Co , Lokom.
Lahmeyer & Co.
Lech, Augsburg
Lederw. Rothe
Lederwerke Spicharz
Lingel Schuhw., Erfurt.
Löhnberger Mühle
Ludwigshaf. Walzmühle
Lüdenſcheid Metallw
Mainkraftwerke Höchſt
Marswerke Nürnberg.
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/80
20
140
120
50
40
80
50
15
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60
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700
40
60
20
120
200
700
83.33

Divid. 5. 9. 5. 10. 100 100 6% 108 108.5 10% 207 25 10% 147 6% 137 129 10% 175 170 60 72o 104.5 108 68 90. 171 181.78 8% 80 3% 2 121 3 12: 108% 133 133 10% 90.5 10% 137 134 75 72.25 72 a00 111 108 33 144 8% 115.25 113 65.75 80 65 63 40 38 6% 130 129.25 92 157.5 161 61 63 94.75 61 86 99 105 121.5 7 129 130 195.5 200,75 81.1, 57 95

720

6%

100
40

Naag
600
600
800
300
40

1. 1./ 20
1. 10./ 60
1. 1. 40
1. 5./ 300
1.7. 140
1. 1.: 120
15. 2. 300

2n8.5
90
140.5
112.5
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15
92
60
160
80
155
158
93
179
65.25
162
149
197.5
150
306

99.25

175
139

145
100.5

Rr

291.5
85
138
117
17.5
104.9
53
111.25
93
54
97.5
81.25
159
165.5
83
64
159.75
198.5
195.5
152
310

100.25
84.25
178.5
140

155

[ ][  ][ ]

Seite 14

Donnerstag, den 6. Oktober 1927

Nummer 277

Palast-Lichtspiele

Heute letzter Tag!
Das reizende Film werk:

Landestheater.

Bor leine Waider

Ein heiteres Filmspiel nach der gleichnamigen
Operette von OSCAR STRAUSS 8 Akte!
Hauptdarstelter:
Liane Haid, Wilft Fritsch, Suzi
Vernon, Hans Adalbert v. Schlettow,
Ida Wüst, SoflePagay, Fritz Rasp u. 2.

Freude und Schwermut - Schäumende
Lebenslust und tiefe Tragik -Lustspiel und
Drama-Ein Film für jeden

Eine Geschichte von lustigen Streichen und

ernsten Abenteuern

Bel Bouolliäfef

8 Akte

Liebes-Abenteuer, aufregende u heitere Episoden
In der Hauptrolle: Ramon Novarro
der Hauptdarsteller aus Ben-Hur‟

Ein Sonder-Film: 5374
Unser Reichspräsident Hindenburg

Michers Hainstane Wrtälter Hor

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Großes Haus.
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Donnerstag, 6. Dkt.
Anfang 19.30 Uhr
Ende nach 22 Uhr
DasWintermärchen
Schauſpiel in 5 Akten
(10 Bildern)
von Shakeſpeare.
In Szene geſetzt von
Friedr. Neubauer.
Muſik:
Berth. Goldſchmidt
Bühnenbild:
L. Schenck von Trapp
Mitwirkende:
Johanna Blum
Käthe Gothe
Felicitas Gutmann
Charl. Jaeke=Joſt
Elſa Knott
Käthe Meißner
Kitty Stengel
Mela Wigandt
Han3 Baumeiſter
Hansjoach. Büttner
Karl Ebert
Werner Finck
Ulrich Folkmar
HermannGallinger
Richard Jürgas
Hugo Keßler
Rudolf Klix
Paul Maletzki
Hans Ney
Karl Paryla
Gotthart Portloff
Kurt Weſtermann.
Spielwart: (V.15383
Willy Kriechbaum.
Preiſe: 0.808 Mk.

Residenz-Theater

Kleines Haus.
Zuſatzmiete III, 1
Donnerstag, 6. Dkt.

Anfang 19.30 Uhr
Ende gegen 22 Uhr
Die vier
Grobiane

Kleines Haus
Hugo Wolf-Lieder

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20 Uhr 52741d

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3 Aufzüg. (4 Bildern)
Muſikaliſcher Leiter:
Max Rudolf
In Szene geſetzt von
H.=E. Mutzenbecher
Bühnenbild:
L. Schenck von Trapp.
Mitwir lende:
Margarete Albrecht
Anna Jacobs
Paula Kapper
Ellen Kißling
Käthe Walter
Theo Herrmann
Alfred Karen
Hans Komregg
Heinrich Kuhn
Joſef Poerner
Eugen Vogt
Spielwart: Fr Wilde
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Jeden Freitag und Samstag ab 8 Uhr

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Desnt
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heute

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Ludwigsplatz u. de Waal, Rhein traße 14.

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Krankenkasse für Kaufleute und- Privatbeamte in
Deutschland zu Barmen (V. a. Gſ. Ersatzkasse.
Verwaltungsstelle Darmstadt

EINLADUNG
zur Mitglieder-Versammlung am Freitag, d. 14. Okt. 1927,
abds. 8 Uhr, im Hotel Prinz Karl, Ecke Schul- u. Karlstr.

Tagesordnung:
1. Bericht über die diesjährige Hauptversammlung.
2. Neuwahl des Verwaltungsstellen-Vorstandes.
3. Verschiedenes.
(15361

Wahl- und stimmberechtigt eind nur volljährige, d.h.
21 Jahre alte Mitglieder. Die Mitglieder müssen sich am
Saaleingang durch Vorlegung d. letzten Beitragsguittung
ausweisen Soweit Sammelrechnungen für ganze Firmen
ausgestellt werden, haben die Verwaltungestellen auf
Verlangen Mitgliedschafts-Ausweise auszustellen. Fa-
milienangehörige
können an der Versammlung nicht
teilnehmen.
Der Verwaltungsstellenvorstand.

Maschninenschrein-onterricnt

Kurse für Anfänger u. Vorgeschrittene
Beginn jederzeit Tages- oder Abend-Unterricht
Auskunft durch unsere Geschäftsstelle Ecke Wiesen- unc
Schleiermacverstr. 26 V. 1012, 24 u. 710 Uhr abends
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En Heldenschicksal aus vergangenen Tagen in
6 Akten U H‟ ist von großem künstlerisch.
Wert und zeigt außerdem viele bisher unver-
öffentlichte
Originalaufnahmen vom Untersee-
boot
-Krieg. Hauntdarsteller: Carl de Vogt,
Ernst Hofmann, Hanne Brinkmann, Hella Moja,
Hans Mierendorf. ( 26419
Z u r Ehren woche
Ein Film des Reichspräsidenten v. Hindenburg
Geburtstagsfeierlichkeiten am 2. Oktober
Verstärktes Orchester. Jugendl. haben Zutritt.

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Direktor: Städtiſcher Muſikdirektor W. Schmitt

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Es wird unterrichtet:
I. an Dilettanten
Kinder und Erwachſene.
Im Haupifach nur Einzelünterricht
Freie Wahl des Lehrers und der Unterrichtszeit.
II. für Berufsausbildung
bis zur künſtleriſchen Reife.
Beſondere Abieilungen:

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Opernſchule.
Seminar zur Vorbereitung für das Heſſ.
Staatsexamen für Muſiklehrer und
Muſiklehrerinnen.
Beginn des Winterſemeſiers in der Opernſchule am 3., in

allen übrigen Fächern am 10. Oktober. Näheres im Sekretariat
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Aiut
ell

[ ][  ][ ]

Nummer 277

Donnerstag, den 6 Oktober 1927

Seite 15

Das flammende Meer.
Roman von Werner Scheff.
(Nachdruck verboten)
Wenige Minuten ſpäter kamen ein Buchhalter und ein
Sitt iber des Bankhauſes Ernſtheimer, grüßten höflich, hielten
ſaber in reſpektvoller Entfernung vor den Herren. Es fehlten
mroch der Bankier und Düſtingen. Aber da ſauſte auch ſchon
EAwohlbekannte dunkelgrüne Auto um die Ecke des Bahnhofs=
Aüges und hielt gleich darauf dicht bei den Männern.
Ernſtheimer ſtieg aus. Zur größten Verwunderung der War=
tlmen
wandte er ſich noch einmal dem Wagen zu und reichte
jeurden ſeine Hand in das Innere des Kupees. Es war Käthe,
Kyer beim Ausſteigen behilflich war. Und hinter ihr ſprang ihr
Ahder Bob aus dem Wagen.
Der Bankier ſchwenkte den Hut gegen die herbeieilenden
Sdreri. Wir haben Zuwachs erhalten, rief er, nachdem er
ihhm Gruß erwidert hatte, meine Tochter hat mir geſtern abend
Alölrh mitgeteilt, daß ſie mit von der Partie ſein will.
Ein hervorragender Einfall, entgegnete Profeſſor Ender,
9 Fräulein wird hiermit feierlichſt zur Nordpolfahrt einge=
TIädn-
Hääthe ſah entzückend aus. Sie trug ein Sportkoſtüm aus
Geinenem Tuch, das mit Pelz verbrämt war. Auf ihren Locken
füſnſerne braune Zipfelhaube. Heinrich, der den Bankier und
ſüſt Rinder begleiten ſollte, trug ihren Pelz, der für die Abend=
ſüſdem
beſtimmt war.
Jedem einzelnen reichte Käthe die Hand. Dabei lachte ſie
üüchm ütig. Ob es Freude darüber war, daß ſie mitfahren
ſoſk, oder ob die Erſcheinung des Mannes mit dem grünen
Er ſie in Heiterkeit brachte, war nicht zu erſehen. Jedenfalls
aic meinte ſie, zu Ender gewendet: An Ihnen ſehe ich erſt,
i lt es heute ſein muß! Selbſt habe ich es bisher nicht ge=
fyMt
:
lückliche Jugend, gab der Profeſſor zur Antwort, du
bllſiert noch ſo viel innere Wärme, und ein Schnupfen iſt bei dir
rumiwerflogen.
serbert Brakke wurde ſofort durch Ernſtheimer beſchlag=
imAh
. der ihn mit ſeinem Sohne bekannt machte. Der Doktor
ſeche jungen Menſchen zum erſtenmal, aber er hatte ſchon viel
vihihm gehört. Wie über den Vater, hatte ihm Lotte auch
ürſche wen Sohn erſchöpfend Auskunft gegeben. Allerdings eine
füſrhsbert Ernſtheimer junior, den man kurzweg Bob nannte,
hüſſtt lbeſchämende Auskunft. Denn er war ſeiner Eltern Sor=
guſtnD
. Obwohl er erſt zwanzig Jahre zählte, konnte man

ihm wenig Gutes nachſagen. Er ſpielte ſeit ſeinem vierzehnten
Jahre mit großem Erfolg den Lebemann.
Unzählig waren die Streiche, die man von ihm berichtete.
Keine Freundin Käthes war vor ihm ſicher. Keine Kammerzofe
ſeiner Mutter ließ er unbeachtet, wenn ſie ein hübſches Lärvchen
hatte. In den Nachtlokalen der Stadt war er eine bekannte
Perſönlichkeit. Er vergeudete viel Geld. Aber ſein Vater be=
glich
pünktlich immer wieder die Schulden dieſes hoffnungs=
vollen
Sprößlings und tröſtete ſich wohl damit, daß dieſer doch
über kurz oder lang einmal zu Verſtand kommen würde.
Dabei war Bob ein bildhübſcher Junge, ſchlank und kräf=
tig
, mit einem wohlgebildeten Antlitz und großen, dunklen
Augen. Auch gab es Augenblicke, in denen man ihn liebge=
winnen
mußte. Zuerſt einmal, wenn er ſo harmlos plauderte,
wie es oft ſeine Art war. Am ſtärkſten aber war ſeine Kraft,
Menſchen für ſich zu gewinnen, ſobald er ſeine Geige zur Hand
nahm. Wäre er der Sohn eines armen Teufels geweſen, ſo
hätte er durch ſein Spiel Ruhm und Vermögen erwerben
können. So aber war er zu faul, dieſes herrliche Talent aus=
zunutzen
. Vater und Mutter mußten ihn anflehen, wenn
ſeine Lehrer erſchienen, die Gelegenheit wahrzunehmen und ſich
in ſeiner Kunſt weiterzubilden.
Herbert wurde von Bobs Weſen ſofort gefangen genommen.
Der Junge ſah ihn mit ſeinen großen Augen forſchend an und
ſogte dann mit lächelnder Herzlichkeit: Wie freue ich mich, Sie
endlich kennen zu lernen, Herr Doktor. Schade, daß ich kürzlich
nicht zu Hauſe war, als Sie uns beſuchten. Sie ſollen ſo wun=
derſchön
die Orgel geſpielt haben. Käthe hat beinahe geweint,
als ſie mir davon erzählte und ſich an Ihr Spiel erinnerte.
Ernſtheimer wurde von Gubaſſy beiſeite gezogen. Düſtingen
fehlte noch, und man dachte ſchon daran, ihm zu telephonieren.
Sie wollen mir ſchmeicheln, glaube ich, Herr Ernſtheimer,
wehrte ſich der Chemiker, aber die dunkle Rötze, die ſein Antlitz
überflog, bewies, daß er ſich freute.
Erſtens ſchmeichle ich nicht, weil ich ja einſach Käthe als
Zeugin anrufen könnte, und dann bitte ich gleich zu Beginn un=
ſerer
Bekanntſchaft darum, daß Sie mich Bob. nennen, Herr
Doktor.

Alſo gut, Herr Bob.
Nein . . . einfach Bob. Ich bin noch ſehr jung!
Das weiß ich.
So . .. haben Sie ſchon von mir gehört? Und der Junge
blickte den blonden Mann lächelnd an, während er ein Auge zu=
kniff
und mit dem anderen lebhaft blinzelte.
Gewiß habe ich ſchon von Ihnen gehört.
Na ... dann werden Sie wohl eine ſchöne Meinung von
mir haben."
Herbert Brakke unterhielt ſich mit Bob vortrefflich. Nur zu
gern hätte er aber auch mit Käthe geſprochen. Sie ſtand mit
den übrigen Herren zuſammen und ließ ſich von Gubaſſy die be=
vorſtehende
Fahrt ſchildern. Von Zeit zu Zeit kam es dem Dok=,
tor ſo vor, als blicke ſie zu ihm hinüber. Aber er täuſchte ſich
wohl. Jetzt lachte ſie wieder über Profeſſor Ender, der behaup=
tete
, man müſſe anfrieren, und deshalb von neuem ſeinen In=
dianertanz
aufnahm.
Düſtingen erſchien. Aber zur größten Ueberraſchung der
Wartenden kam auch er nicht allein. Wahrſcheinlich hatten ſich
Ellen und Käthe verabredet, denn die Amerikanerin begleitete
ihren Gatten. Sie war ebenfalls ſportmäßig gekleidet und ſchien
in beſter Stimmung. Als ihr Doktor Brakke vorgeſtellt wurde,
war ſie ſehr liebenswürdig und verriet, daß ſie von Düſtingen
viel über ihn vernommen hatte. Ihren Mann kannte der Che=
miker
ſeit einigen Tagen. Er hatte ihn bei Ernſtheimer kennen
gelernt.
Die Damen haben eine kleine Verſchwörung angezettelt.
ſtellte der Banlier feſt, als er ſeine Geſellſchaft beiſammen ſah,
ich konnte es mir gleich denken, als Käthe geſtern mit ihrem
Plan herausrückte, mitzufahren.
Das haben wir auch getan, geſtand Ellen ein. Die Herren
hätten uns übrigens einladen können.
Wir wußten micht, daß Sie ſich dieſer Strapaze unterziehen
würden, gnädige Frau, entſchuldigte ſich Ernſtheimer.
Kurz darauf konnte man den Zug beſteigen. Die Ausflügler
beſetzten ein ganzes Abteil. Es wurde geraucht und durch=
eimander
geſprochen, bis ſich der Zug in Bewegung ſetzte. Daun
war es mit der allgemeinen Underhaltung zu Ende, und jeder
war auf den angewieſen, in deſſen Nähe er ſich befand.
Um ſo lebhafter ging es an dem Fenſter zu, an dem Käthe
Platz genommen hatte. Herbert und ihr Bruder hatten ſich ihr
zugeſellt.
Käthe hatte um eine Zigarette gebeten und hielt ſie jetzt
zwiſchen den Lippen, während ſie lächelnd dem oberflächlichen
Geſchwätz ihres Bruders lauſchte oder die Augen faſt ſchloß, um
zwiſchen den langen Wimpern hervor auf Herbert Brakke zu
ſchauen. Der Doktor merkte dieſe Blicke. Er wurde verlegen
und hörte um ſo aufmerkſamer auf Bob. (Fortſetzung folgt.)

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Donnerstag, den 6. Oktober 1927

74

en E 2
senn
encen uich, auf ie ust of estet.
Nen ni
Heee n en ien
Den.
Lete er Haneg andtetele. e

vwei Knopf gearbeitet. Er
jsrleicht tailliert, hat glaten ſ.
vormalen Rücken undlange

Sakto in zweireihi

Z
* Nerten Neren. Die Knöpfo nind
iDpnich, gudmtirekrangehracht; dig
Wenvedefa, Hadm Brurnzaschr mnd da 4
Geik und
Oi beiden Seitentaschen, die
d dune
Ander e7k mit Klappe wnchen sind,
Bndn G
en. D-
Bedich mmuck
Raf
WdieHeidta

Prazis we
Herr I.
Herr A.
dept-
Auc

Aaoe
Re

lch mächt-
ter
. Die Hoss int weit und

mit Umschhg vemohen und",
wird meistens abs Bundhose
geschnitten, um eis mit
Lte

H ngg 3
Lsiche, schwarzs Melton- und Marengo-
begehr
. Der Ulster wird in gnnen und
braune, weichen wolligen Sroffen, die
durch Uberkaroe eine dezente Belebung 27
whalten, gefertigt. Auch Shetlandstoffe 2.
Hn L Hnn Orr a 2
pkunf.
M.
aultern und dus Ncker iw Arc auf
Eille geurbeitet Die Stellung der zwei
Knopfpaars bilder ein Omdnt. Bei dierm
Modell und die Seitentsieben einge-
schnitten
and mit Klappen verehen. Man
44 m Ladnn Den Batg!
garmen uus Finone meig dunkeiblane Tammgarne
engern balf5
sich dleich 20
Heee en ilerset.
Detechigr zu der Zeit, J.
si H.-.
Krwutten Al- Srnßenanzug wird zich nuch wie vor
2i, Ghurleston der Zweireiherukto bchaupten. Aber auch ,
A, Bronen" dar einreihige Fauon mit drei, auch vogar
wüfe ließen mit vier Knöpfen wird vark begehnt werden.
eewiges Bub‟ Ein besonderes Merkmd für die Machart ,
der nächtten Saison dürften
die geraden, gkigen Schitern sein.
Die lackette uind leicht millien und der
einreihige Sakkoin urtenetwas abgerundet.
Die Revers eind kleineftnd abfallend. Die
Hosen werden nach wic var den weiten
Schnitt aufweisen, 50 daß sis Lnten herum
ama 46 bir 48 Zehtimeter weit sind. Für
dunklere, elegantere Anzüge wird die Hose
ohne Umschlag gearbeitet.
iztck, und den Liegetmgan

Le e
Wobest aben bwisg Relautchuse. De.
een ueten
u ugnnn n
a ueti
m jen
Ein andere: Fasson, das vornehmlich 5)
Autofahrern bevorzugt werden wird, it
sbenfalle der Kugelschlüpfer, dessen Läuge
bis zur halben Wade reicht. Er ist auch
P.t weireibiggenrbeiter, dochhast ermindestend
, vier Knopſpaare, und der Kmgen ist 70 ge-
Go schnitten, daß et hochgeschlossen werden
asf kann. Hier sind außer den Seitentaschen,
die aber eingeschnitten und mit Klappen
Md in it2
Hnen
Aelche et
e

D die Bersichnut
Eendes echal
Fneiseitzt
Steh-
Wi Fam F etenien Sch
Weiceh, Gestdeier wodau
Een Brchan
ie Deroer Aai
Leine
lebor
ee Mans
Beierde
Bi Jk
Eiet Rr La,
2a.
Blan.

Nüntel
uendes esn

W

e

Ne nn nnen
ichkeit keis9
mschl Ein weiteres Modell zeigt den einreibiges
ehäurchgeknöpften, anf drei Knopf geurbei-
CIteten Reisemantel. Er ist ohne Gurt, har
Taber zwei grobe aufgesteppte Seitentaschen,
wie er ringeherum breit abgesteppt ist. Die
Längen dieser leichteren Formen eind etwas,
B kürzer wie das erste Farson, die Ammelhaben,
WRollaufschläge. Diese Reiseulster in der
leichteren Machart werden bauptsächlich;
K in uni Shetland und in gemasterten gleich-
artigen
Geweben, sowohl mit als auch ohne!
Abseiten in braunen, mode und grauen-
M 2
ALne mtt un.
Lpigst.
m Herrenpublikum gur nicht
Frawakten sollen
Ein iasa ue etetetein
Dden,
Ju ie eslteteten
Ein ande ites daer derman
Ein Halckedtst, ester eseten
ien ich uteteteten
eundest Atetesn
Ne lwre Hers wglardten 1am4.
Wast a t. 3
MMr. Dire och
ge Lurde Men g
Büvr M .W Mrict
unee

den Knge
W 8 Tan

werd
bint
Ha

önen und z.-
Wn i R.4
O legenden Ander
.

Kleidupge Wird die LRT w a)4
Wade. Der besonder, große Kragen iut zumok
Hochuchlieben geurbeitet, wie überhaupr Ve
AMHdnd Hnn Bnne 2
und klobigen Schnitt aurzeichnet. Diever
Oin M H nn Bmnne wie
den Gürtel, zwei Muff- und zwei Seiten ai
raschen. Die Kanten sind breit abgesteppr,
unten zweimal, und die Armel sogar drei-
mal
, Für diese schwere Form des Heise-.
mantele verwender man großgemnitere
UIsterstoffe mit kariertenAbseitenoder auch 7.
ert
Whipeordgenebs, die dunn imersFnierse!
vescnattigt, die geuen Modelle Kr er,
Herbn und Winter fertigrustellen Dabei-Va4
kanp min feststellen, daß die Machart der
Aprüge uich van den birherigen Buzrons die

nichr allzuviel verindert hat. Besondere. 7½
Merkmale der kommenden Modelle sind.

daß die Jacketis etwas länger als bicher gr.
schnitten und Schultern und Nevers breit
sehalten und Die Hosen sind zmilich
schr weit und haben einen breiten Und

R
hkngen
ge Anribute
Zuhörer jubel-
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