Darmstädter Tagblatt 1927


16. August 1927

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Nummer 226
Dienstag, den 16. Auguſt 1927. 190. Jahrgang

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Die Stellungnahme der Verbände.
Hein Verhandeln mit dem Reichsſinanzminiſterium.
* Berlin, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
m darüber aus, daß das Reichsfinanzminiſterium gelegentlich
eſchen Tages vertretenen Verbände dem Herrn Reichsfinanz=
täſter
für das bisherige Verhalten des Miniſteriums gegen=
de
den Verbänden gelegentlich der Vorarbeiten zu dem Ab=
uußgeſetzentwurf
ihren Dank ausgeſprochen hätten. Das Gegen= ſetzen können.
ü iſt der Fall!. Die Verbände haben vielmehr in dieſer Sitzung
u Ausdruck gebracht und die Arbeitsgemeinſchaft ſtellt dies
torücklich nochmals feſt , daß der Herr Reichsfinanzminiſter
WGegenſatz zu den Gepflogenheiten ſeiner Herren Amtsvor=
uger
es bedauerlicherweiſe nicht für norwendig gehalten hat,
eirreter vor Fertigſtellung des Entwurfs zu empfangen. Der
ſrt des Erſuchens des Herrn Reichsfinanzminiſters an die Ver= Die aktive Sympathie‟ Chamberlains.
zuwe jetzt noch nachträglich ſachlich zu dem Entwurf Stellung
rehmen, kennzeichnet ſich dadurch, daß die Vorlage des Ent=
uFfes
an den Reichsrat und den Reichswirtſchaftsrat nicht bis
ieſer Stellungnahme der Verbände unterblieben iſt. Die
liwsfinanzminiſters lediglich eine leere Geſte, die die Aus=
ſchrrebehandlung
der Geſchädigten bei dem Zuſtandekommen
MGeſetzentwurfes verdecken und den Schein einer Zuſammen=
Heit erwecken ſoll. Der vorgelegte Entwurf iſt ſowohl im Hin=
M auf die Entſchädigungsſätze als auch die Zahlungsmittel.
dei praktiſche Verwertung zum Wiederaufbau nur mit großen
Kn ierigkeiten und nur mit weiteren erheblichen Verluſten für
Eeſchädigten möglich iſt, völlig untragbar ſowohl vom
Anbpunkt der öffentlichen Moral, als auch vom Standpunkt
Wiederaufbaues der Geſchädigten und der deutſchen Wirt=
ſtft
. Der Entwurf bringt mit einem Entſchädigungsbedarf von
nd 1 Milliarde RM. ein Drittel deſſen, was die Arbeitsgemein=
ſift
in ihren von der Oeffentlichkeit als maßvoll bezeichneten
ſtſchlägen verlangt hat. Dieſe Herabſetzung beruht in erſter dung ſei zwar noch nicht bekannt gegeben worden, aber es ſei
gi darauf, daß der Entwurf die notwendigen Mittel zu der
tſchädigung lediglich durch die Veräußerung von Reichsver=
gim
beſchaffen will, jedoch auf die Heranziehung des Reichs=
4sHalts, die nach Anſicht des Reichsfinanzminiſteriums ange= erwartet werde, um 10 bis 12000 Mann. Die deutſche Regierung
ſte der Reparationslaſten unmöglich ſein ſoll, verzichtet. Dieſe
hwuptung des Reichsfinanzminiſteriums, daß eine Be=
ſung
des Haushalts nicht möglich ſei, iſt in keiner
eige belegt. Wenn ſelbſt das unter den Kriegsfolgen nicht min=
leidende
kleine Oeſterreich jährlich rund 10 Millionen Gold=
71, aus laufenden Haushaltsmitteln zu Entſchädigungszwecken
EWerfügung ſtellen kann, muß es bei ernſtem Willen auch dem
ut ſchen Reiche möglich ſein, ſeinen Haushalt entſprechend
ha izuziehen. Die Durchführung der Vorſchläge der Arbeits=
miinſchaft
würde neben den Erträgen und Erlöſen aus der in
m Regierungsentwurf vorgeſehenen Veräußerung von Reichs=
nögen
eine Belaſtung des Haushaltes von jährlich nicht
4M3 100 Millionen Mark erfordern. Dieſe Belaſtung,
ſich bei dem 10=Milliarden=Etat des Reiches ſteuerlich nicht
En irken kann, iſt bei der von dem Herrn Reichsfinanzminiſter
Uſt ausdrücklich anerkannten und betonten produktiven Bedeu=
4 der Entſchädigung für den Wiederaufbau der durch Liqui=
ſioms
= und Gewaltmaßnahmen ſchwer geſchädigten deutſchen
ſſ chaft durchaus möglich und tragbar. Neben der Behaup=
hahme
entſcheidend geweſen, daß eine angemeſſene Verwer=
4 von Entſchädigungsſchuldtiteln ohne Inanſpruchnahme des
ſucdiſchen Marktes nicht möglich ſei. Die Arbeitsgemeinſchaft
Dazu feſtſtellen, daß dem Reichsfinanzminiſterium von nam=
hme
des inländiſchen Marktes vermieden
ſchert würde. Außer der völlig unzulänglichen Bemeſſung der
Ser Entwurf eine ganze Reihe ſchwerer Mängel. Er ver=
enk
zum Teil die bisherige Rechtslage zu Ungunſten der Ge=
eraxis
einen gefährlichen Spielraum. Er trägt bei der Ein= gelegt.
emeſſung der Eutſchädigung den praktiſchen Geſichtspunkten
mur ungenügend Rechnung und läßt die von der Arbeits=
bunde
durch das Reichsfinanzminiſterium kann offenbar eine
ſchsfinanzminiſterium ab. Sie iſt überzeugt, bei
Wiederaufkau

Dieſe Hoffnung ſcheint allerdings nicht ganz unbegründet.
miniſteriums nicht nur in den Kreiſen der Geſchädigten, les armes 1913, iſt von der Preſſe und dem großen Publikum
Am heutigen Vormittag fanden im Reichsfinanzminiſterium dieſe die nunmehr verwirklichten Pläne des Reichsfinanzminis Qualitäten als ſeine Vorgäuger; dieſelbe Trockenheit, ja Schwer=
eichandlungen
mit den Vertretern des Induſtrie und Handels= erhebliche Heraufſetzung der Sätze gefordert hatten. Das Reichs= dieſelbe ermüdende Erzählung von Einzolheiten ohne erheblichen
g’s und der geſchädigten Verbände über den kürzlich bekannt= finanzminiſterium hat zwar die große Maſſe der Geſchädigten, ſachlichen Belang. Trotzdem verdient das Buch Beachtung, nicht
gebenen neuen Entwurf des Kriegsſchäden=Schlußgeſetzes ſtatt, die zahlenmäßig aber nur einen geringen Teil der Forderungen, als Beitrag zur allgemeinen Zeitgeſchichte, ſondern als Beitrag
nöieſer Beſprechung hat die Arbeitsgemeinſchaft für den Erſatz zu ſtellen haben, verhältnismäßig günſtig geſtellt, und das Reichs= zur Charakteriſtik des Verfaſſers. Seine ſtärkſte Eigenſchaft tritt
ſn Kriegs= und Verdrängungsſchäden folgende Erklärung ab= finanzminiſterium ſcheint auf dem Standpunkt zu ſtehen, daß noch weniger verhüllt als in den erſten Bänden hervor: die
ſaben: Die Arbeitsgemeinſchaft für den Erſatz von Kriegs= nach außen hin eine hohe Entſchädigung der vielen kleinen An= Skrupelloſigkeit.
9 Verdrängungsſchäden ſpricht zunächſt ihr lebhaftes Bedau= ſprüche beſſer wirkt als eine den wirtſchaftlichen Geſichtspunkten
8 Preſſempfanges am 8. d. Mts. bei den Preſſevertretern den einmal glaubt, weitere Mittel als die in dem Entwurf vorgeſehe= politik; er ſchreckt vor keiner Behauptung zurück, um Deutſchland
ſnoruck erweckt hat, als ob die in der Vormittagsſitzung des nen nicht flüſſig machen zu können. Die kommenden Verhand= zu verdächtigen und Frankreich zu verherrlichen, mag ſie auch
m der wiederholten und dringenden Bitten der Verbände, ihre Frage der Beſatzungg= xuppen, der tendenziöſen Auslegung deutſcher Regkerungsakte oder der
Trübe Locarno=Ausſichten.
* London, 15. Aug. (Priv.=Tel.)
Gheitsgemeinſchaft erblickt deshalb in dem Erſuchen des Herrn. Der diplomatiſche Korreſpondent des Obſerver befaßt ſich lungschefs im Großen Generalſtabe Ludendorff, vom
heute ausführlich mit der Frage der Reduzierung der Be=
Korreſpondent erklärt zunächſt, daß die Reduzierung der britiſchen
Rheinarmee vor einiger Zeit geplant geweſen ſei, als man in
Aber auf franzöſiſcher Seite ſeien in letzter Zeit Anzeichen ſichtbar
geworden, daß die militäriſchen Behörden entſchieden gegen eine
weſentliche Reduzierung auftreten und daß dieſe militäriſche An=
als
5000 Mann verminderten, anſtatt, wie es von Deutſchland
habe in dieſer Angelegenheit die aktive Sympathie‟ Chamber=
lains
gehabt. Eine Beſatzungsverminderung um 5000 Mann
werde in Deutſchland entſcheiden Enttäuſchung verurſachen und kann alſo kein Zweifel ſein: Poincaré hatte alſo durch Wieder=
die
Schwierigkeiten für Dr. Streſemann vermehren. Die pro=
Deutſchland aus dem Locarnovertrag erhofft habe. Aber die
Zahl der Beſatzungstruppen ſei heute faſt dieſelbe, wie zur Zeit
der Locarnoverhandlungen und Deutſchland beſchwere ſich über
ein gebrochenes Verſprechen und frage, was aus dem Locarno=
geiſt
in Frankreich geworden ſei, beſonders ſeitdem Poincaré wie=
der
einmal die franzöſiſche Außenpolitik beherrſche. Unter dieſen
den Verſammlung des Völkerbundsrates noch mehr von dieſer
g. daß eine Heranziehung des Haushalts nicht in Betracht Völkerbundsrat kommen, aber in den privaten Zuſammenkünften Auswärtigen Jonnart die angebliche Denkſchrift Ludendorffs
imen könne, iſt für die Geſtaltung des Entwurfs die weitere, zwiſchen den Außenminiſtern werde es einen großen Teil der Be= mit; tatſächlich war aber bereits ſeit dem 2. März 1913 Pichon
ſten deutſchen und ausländiſchen Banrfirmen Vorſchläge vor= likate internationale Probleme könnten natürlich aus Diskuſſionen Nancy und Lunéville zu erobern, unterzuſchieben? Das ſind
9s worden ſiud, bei deren Durchführung jede Inanſpruch= in großen gemiſchten Körperſchaften keinen Nutzen ziehen, aber unverantwortlichen öffentlichen Meinung Deutſchlands hier und
Sie alsbaldige Verwertung von Entſchädigungsſchuldtiteln durch die Zurückziehung des größten Teiles der wichtigen Fra= da aufgetaucht ſind und nun, zwiſchen Auguſt und Dezember
ſchädigungsſätze und der Regelung der Zahlungsmittel ent= fluß des Völkerbundes zweifellos vermindert. Aus dieſer Tat= mittel aufgegriffen und anderthalb Jahre rückwärts datiert ſind.
ſache habe auch der franzöſiſche Delegierte de Jouvenel die Kon=
dagten
; er läßt durch dehnbare Beſtimmungen der Willkür ſequenten gezogen und ſeinen Poſten beim Völkerbund nieder= dem unverzüglich der Einmarſch folgen muß, wird die Möglich=
Wiederaufbaues beſtimmter Gruppen von Geſchädigten nicht Locarnopolitik nicht aufrecht erhalten werden könne und auch worden. Auf Ludendorff wurde ſchließlich die Denkſchrift zurück=
Deutſchland hierzu nicht länger in der Lage ſei. Wenn ſich geführt, weil man wußte, daß er an der Vorbereitung der letzten
ſteinſchaft beantragten verſchiedenen Fonds zum Ausgleich Deutſchland nicht auf einem anderen Wege nach Gleichberechti= deutſchen Heeresverſtärkung mitgearbeitet hatte und weil er mitt=
In Härten und offenbaren Ungerechtigkeiten völlig außer gung umſähe, werde Frankreich auf ſeiner militäriſchen Vor= lerweile durch die Schlacht von Tannenberg berühmt geworden
t. Die von dem Reichsfinanzminiſterium beliebte Ausſchal= machtſtellung beſtehen und ſich an ſeine Bündniſſe und Ein= war. Zwingt ſo alles zur Anſetzung der Fälſchung auf die Zeit
g Der Verbände bei dem Zuſtandekommen des Entwurfes hat kreiſungspläne halten. Eine Alternative für Locarno ſei nicht be= nach Kriegsausbruch, ſo wird auch niemand die Beteiligung
EErörterung dieſer und anderer Geſichtspunkte vor der Vor= kannt, ſolange der Friede und die vermanente Verſtändigung Poincares bezweifeln; bei ſeinem maßgebenden Einfluß auf die
wes Entwurfes an Reichsrat und Reichswirtſchaftsrat un= die Ziele der führenden Regierungen Europas ſeien. Noch gäbe auswärtige Politik iſt die Entſtehung des Gelbbuches ohne ſeine
och gemacht. Eine nachträgliche Anhörung der Geſchädigten= es irgendeine Antitheſe zwiſchen Locarno und dem Völkerbund, intenſive Mitarbeit gar nicht denkbar.
ſolange der Völkerbund nicht das ſei, was das Protokoll aus ihm
(neregende Aenderung des Entwurfes nicht mehr herbeifüh= machen wollte, nämlich ein Inſtrument für die rein militäriſche Poincaré ſein Urteil über die kriegsluſtige deutſche Politik grün=
Die Arbeitsgemeinſchaft l ehnt daher eine Erörte= Idee der Sicherheit. Immer mehr werde der Völkerbund von det. Nach demſelben Gelbbuch von 1914 will Cambon, der
Um des Entwurfes auf der jetzigen Grundlage mit dem der regionalen Verſtändigung abgedrängt und ſolange man ſich franzöſiſche Botſchafter in Berlin, durch Beyens, den belgiſchen
assrat und Reichstag Gehör und größeres Verſtändnis für, der Sicherheit einigen könne, ſei es zwecklos, die Ausdehnung der vember 1913 vor dem König von Belgien überaus kriegeriſch aus=
ſchädigten
zu finden. Sicherheitsfrage auf den Oſten zu erhoffen.

Poincarés dritter Band.
Von
Profeſſor Dr. Guſtav Roloff, Gießen.
Der vor einigen Monaten erſchienene dritte Band der Denk=
Wie wir hören, hat der Entwurf, des Reichsfinanz= würdigkeiten Poineares, der den Untertitel führt: 1Burope sous
ſondern auch bei den Regierungsparteien ſelbſt außer= weit weniger beachtet worden als die beiden erſten. Die Urſache
ordentlich überraſcht. Erſt vor 14 Tagen noch hat eine wird in der Enttäuſchung liegen, die jene den Leſern bereitet
Fühlungnahme mit den Regierungsparteien ſtattgefunden, in der haben, und in der Tat zeigt der neue keine höheren literariſchen
ſteriums als gänzlich unzulänglich bezeichneten und eine, fälligkeit des Stils, dieſelben endloſen Auszüge aus Aktenſtücken,
Mit unerbittlicher Konſequenz verficht er das Dogma des
des Wiederaufbaues gerechter werdende Verteilung, wo es nun Verſailler Spruchs und die Reinheit der franzöſiſchen Friedens=
lungen
im Reichsrat und Reichstag werden nun zeigen müſſen, der Wahrheit noch ſo ſehr widerſprechen. An einigen Beiſpielen
wieweit ſich die Kritik der Geſchädigten ſowohl wie der maßgeben= läßt ſich das ſchlagend beweiſen. Man muß ſich dieſer Arbeit
der parlamentariſcher Kreiſe gegenüber dem Entwurf wird durch= immer wieder unterziehen, denn die Sicherheit ſeiner Sprache
iſt nicht ohne Eindruck geblieben; ein amerikaniſcher Forſcher
zum Beiſpiel will in dem Buche Poineares eine wertvolle hiſto=
riſche
Quelle erblicken. In der Kriegsſchuldfrage‟ (Dezemberheft
Derengufge Standpunrtinver 1936) habe ich bereits darauf hingewieſen, es laſſen ſich aber noch
manche kritiſche Ergänzungen geben. Von kleinen Mängeln, wie
Aeußerungen deutſcher Politiker ſehe ich dabei ab; ich hebe nur
einige Punkte hervor, in denen das Bewußtſein der Wahrheits=
widrigkeit
augenſcheinlich iſt.
Poincaré zitiert mit allem Pathos ſittlicher Entrüſtung ein
zyniſches Dokument, einen im franzöſiſchen Gelbbuch von 1914
abgedruckten offiziellen Geheimbericht des damaligen Abtei=
19. März 1913. Dieſe aus einer ſicheren Quelle ſtammende
Denkſchrift, die der franzöſiſchen Regierung im April 1913 zur
ſatzungsſtreitkräfte und den kommenden Verhandlungen zwiſchen Kenntnis gekommen ſein ſoll, behandelt allerdings mit zyniſcher
den Außenminiſtern auf der Septembertagung in Genf. Der Offenheit die Unvermeidlichkeit baldigen Losſchlagens, die
Notwendigkeit, das deutſche Volk durch allerlei Künſte ſyſtema=
tiſch
auf einen Angriffskrieg vorzubereiten, ſie fordert diploma=
tiſche
Bearbeitung und eventuell militäriſche Vergewaltigung der
London noch hoffte, daß die Franzoſen eine beträchtliche Ver= kleinen Nationen, um die Ziele der deutſchen Politik Befeſti=
ringerung
ihrer eigenen Beſatzungsarmee durchführen werden. gung und Ausbreitung des Deutſchtums in der ganzen Welt,
Eroberung der Freigrafſchaft Burgund, des franzöſiſchen Loth=
ringen
und baltiſchen Proviuzen erreichen zu können. Daß
dieſe Denkſchrift unecht iſt, hat Ludendorff bereits im
Jahre 1919 ſchlagend erwieſen. Einmal war er ſeit Ende Januar
ſicht nunmehr vorzuherrſchen beginne. Eine endgültige Entſchei= 1913 nicht mehr im Generalſtab, ſondern ſtand als Regiments=
kommandeur
in Düſſeldorf, und eine von ihm im Dezember 1912
kaum zweifelhaft, daß die Franzoſen ihre Truppen um nicht mehr verfaßte Denkſchrift lautet ganz anders. Da iſt nicht von politi=
ſcher
Offenſive, nicht von politiſchen Zielen und dergleichen die
Rede, ſondern es wird auf Grund einer Betrachtung der mili=
täriſchen
Lage Deutſchlands die Notwendigkeit einer
Heeresverſtärkung, und zwar ausdrücklich zum Zwecke
der Verteidigung, begründet. An der Tatſache einer Fälſchung
aufnahme jener falſchen Denkſchrift ſich mindeſtens einer groben
Fahrläſſigkeit ſchuldig gemacht. Aber ſein Vergehen, iſt weit
greſſive Verminderung der Rheinarmee ſei der Hauptgewinn, den ſchlimmer. Ludendorff war noch der Meinung, daß die franzö=
ſiſche
Regierung einer Myſtifikation zum Opfer gefallen ſei, heute
ſpricht alles dafür, daß ſie die Fälſchung ſelbſt erſt nach Kriegs=
ausbruch
beim Zuſammenſtellen des Gelbbuches, das am 1. De=
zember
1914 erſchienen iſt, begangen hat. Daß ſich mehrere hand=
greifliche
Fälſchungen im Gelbbuch befinden, iſt ja längſt nach=
gewieſen
. Dafür, daß die Fälſchung von den Verfaſſern des
Gelbbuchs herrührt, ſpricht zunächſt der Irrtum über die perſön=
umſtänden
werde man auch in der im nächſten Monat ſtattfinden= liche Stellung Ludendorffs; ein Fälſcher aus dem März 1913
hätte ſich beſtimmt beſſer über eine ſolche wichtige, aber damals
leicht feſtzuſtellende Aeußerlichkeit unterrichtet. Ein gleiches iſt
Angelegenheit hören. Das Problem befinde ſich zwar nicht auf zu fagen von einer ähnlichen Unrichtigkeit: Nach dem Gelbbuch
dem Programm der Ratstagung und werde auch nicht vor den teilte der Kriegsminiſter am 2. April 1913 dem Miniſter des
Miniſter des Auswärtigen. Und vollends, iſt der Inhalt der
ſprechungen bilden. In gewiſſen Völkerbundskreiſen werde die Denkſchrift mit einer Entſtehung im März 1913 unverträglich.
Tendenz, weſentliche Dinge gerade in dieſen inoffiziellen Ver= Wer ſollte damals auf die Idee verfallen, maßgebenden deutſchen
handlungen der Außenminiſter zu regeln, ziemlich bedauert. De= Stellen den Gedanken, Burgund und Lothringen, alſo Beſancon,
Ideen, die unter dem Eindruck der kriegeriſchen Erregung in der
gen von der Tagungsordnung des Völkerbundes werde der Ein= 1914, von der franzöſiſchen Regierung als billiges Propaganda=
In dieſelbe Richtung weiſt ein Satz über die Notwendigkeit, die
belgiſche Neutralität zu verletzen: Ein kurzfriſtiges Ultimatum,
keit geben, unſere Aktion genügend gegenüber dem Völkerrecht zu
Der Obſerver ſtellt ferner feſt, daß für Frankreich die rechtfertigen. Dieſer Satz iſt einfach den Tatſachen nachgebildet
Nicht anders ſteht es mit einem anderen Aktenſtück, auf das
nicht im Weſten auf dem Wege des Abkommens über die Frage Goſandten, erfahren haben, daß der Kaiſer ſich am 5. und 6. No=
geſprochen
haben: der Krieg mit Frankreich ſei notwendig und

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Seite 2

Dienstag, den 16. Auguff 1927

Nummer 226

unvermeidlich; er werde binnen burzem ausbrechen und mit
raſcher Niederwerfung und völliger Zerſchmetterung Frankreichs
enden. Aehnlich ſoll ſich Moltre gegen den König ſowie gegen
den belgiſchen Militärbevollmächtigten oder andere auswärtige
Offiziere geäußert haben. Nach dem Botſchafter verfolgte dieſes
Säbelraſſeln den Zweck, Belgien einzuſchüchtern, damit es in
dem bevorſtehenden Kriege widerſtandslos den Durchmarſch
über ſich ergehen laſſe. Beyens beſtätigte in ſeinem 1915 erſchie=
nenen
Buche dieſen Bericht und betonte, er habe es für nötig
gehalten, im höheren Intereſſe der Menſchheit die franzöſiſche
Regierung zu benachrichtigen, daß der Kaiſer aufgehört habe,
ein Parteigänger des Friedens zu ſein und daß er einen Krieg
ruhigen Auges wie eine fatale Notwendigkeit betrachte‟. Alſo,
ſchließt Poincaré, ſuchte Deutſchland ſchon in dieſer Zeit eine
blutige Löſung. Indeſſen auch dieſe Erzählung iſt in dem Teile,
der Deutſchland belaſten könnte, eine nachträgliche Fälſchung. Zu=
trefſend
iſt daran, daß, wie wir durch einen Bericht Iswol=
ſkis
vom 4. Dezember 1913 an Saſonow erfahren, der franzö=
ſiſche
Botſchafter im November berichtet hat, anſcheinend beginne
der Kaiſer im Gegenſatz zu ſeiner früheren verſöhnlichen und
freundlichen Haltung gegenüber Frankreich ſich der Anſchauung
ſeiner militäriſchen Umgebung zu nähern, daß ein Krieg mit
Frankreich unvermeidlich ſei und daß ein ſolcher, je früher er
ausbreche, deſto günſtiger für Deutſchland ſein werde‟. An der
Richtigkeit des Iswolſkiſchen Berichts, der auf eine Mitteilung
des franzöſiſchen Miniſters des Auswärtigen zurückgeht, zu zwei=
feln
, liegt kein Grund vor. Es ift möglich, daß Cambon derartige
Eindrücke berichtet hat, und peſſimiſtiſche Aeußerungen des Kai=
ſers
ſind angeſichts der Vorgänge von 1912/13, namentlich nach
Einführung der dreijährigen Dienſtzeit in Frankreich, durchaus
verſtändlich. Das bedeutet aber nicht, wie Poincaré will, die Vor=
bereitung
zum Angriffskriege, ſondern es iſt die Aeußerung einer
Empfindung, der auch andere Staatsmänner, z. B. Poincaré
ſelbſt, Ausdruck gegeben haben. Spätere Erfindung iſt aber, was
im Gelbbuche über Jswolſkis Bericht hinaus mitgeteilt wird.
Zunächſt hat Moltke nie derartige Aeußerungen getan. Er hat ſie
ſogleich nach Erſcheinen des Gelbbuches aufs bündigſte beſtritten
(Dezember 1914, Deutſches Weißbuch), und wir können ſeinem
Worte unbedingt vertrauen. Schon der bramarbaſierende Ton,
der ihm hier zugeſchrieben wird, paßt nicht zu der vornehmen
und zurückhaltenden Art des Generalſtabschefs. Und endlich;
ſollte die franzöſiſche Regierung ſolche Aeußerungen des führen=
den
deutſchen Generals nicht ſogleich Jswolſki zur Weitergabe
nach Petersburg mitgeteilt haben? Wäre es nicht Pflicht geweſen,
dem Bundesgenoſſen dieſes zur Beurteilung der Politik des
gemeinſamen Gegners ſo wichtige Material vorzulegen? Hätte
es insbeſondere ein beſſeres Argument für die Beſchleunigung
der ruſſiſchen Rüſtungen, worauf Poincaré höchſten Wert legte,
geben können? Kein Wort davon findet ſich aber in den Jswol=
ſkiſchen
Berichten.
So wenig wie Moltke hat der Kaiſer die ihm zugeſchriebene
Drohung gegen Frankreich und mittelbar gegen Belgien ausge=
ſprochen
. Ja, er kann in dem Geſpräch mit König Albert nicht
einmal den Krieg als unvermeidlich hingeſtellt haben. In den
Berichten von Beyens findet ſich nirgends eine Anſpielung dar=
auf
, obgleich er Anlaß genug hatte, auf ſolche angebliche Aeuße=
rungen
einzugehen, denn wiederholt erörtert er ausführlich die
allgemeine Lage, ſpeziell die Kriegsmöglichkeiten. Man lieſt bei
ihm, wie der Kaiſer bemüht iſt, die politiſchen Wolken zu zer=
ſtreuen
und wie ſehr er gerade einen franzöſiſch=deutſchen Ver=
trag
über Kleinaſien begrüßt hat. Beyens und Cambon hoffen
nach Abſchluß dieſes Vertrags, daß die offiziellen Beziehungen
zwiſchen beiden Ländern ſich beſſern werden (Februar 1914), alſo
kann doch der Kaiſer ſich nach ihrem Urteil einem völligen Peſſi=
mismus
nicht hingegeben haben. Und ebenſo unverträglich mit
der angeblichen Novembererzählung des Belgiers iſt ſeine wieder=
holt
betonte Anſchauung, daß die kaiſerliche Regierung den Krieg
nicht wolle und nicht brauche, da die friedliche Entwicklung
Deutſchland ganz von ſelbſt das Uebergewicht über Frankreich
verſchaffen werde (12. Juni 1914). Der Schluß wird alſo gerade=
zu
aufgezwungen, daß alles, was über das Jswolſki Mitgeteilte
hinausgeht, ſpäter fabriziert worden iſt, um Deutſchland zu dis=
kreditieren
. Es mag dahingeſtellt bleiben, ob die Erfindung der
kaiſerlichen und Moltkeſchen Worte von Beyens oder einem Fran=
zoſen
herrührt; das Weſentliche iſt, daß das Gelbbuch auch hier
mit einer Fälſchung gearbeitet hat und daß Poincaré, wie oben
bemerkt, ihr nicht ferngeſtanden haben kann. (Schluß folgt.)

Die Konferenz der oſtafrikaniſchen britiſchen Kolonien.
E.P. London, 15. Auguſt.
Aus Nairobi wird gemeldet, daß die Konferenz der oſtafrika=
niſchen
britiſchen Kolonien beendet worden iſt. Es konnte in der Frage
der Gründung einer oſtafrikaniſchen Föderation keine Einigung erzielt
werden, da ſowohl Nord= wie Südrhodeſien Widerſtand leiſteten, Nord=
rhodeſien
allerdings weniger als Südrhodeſien. Die Vertreter beider
Gebiete erklärten zwar, daß ſie die Diskuſſion nicht endgültig ablehnen,
ſondern bei gegebener Gelegenheit wieder darauf zurückkommen würden.
Augenblicklich aber ſei die Frage offenbar noch nicht ſpruchreif. Die
Konferenz nahm auch eine Entſchließung an, worin bedauert wird, daß
ſo viel nicht=britiſche Waren in das oſtafrikaniſche Gebiet eingeführt wür=
den
, was aber nur dem Umſtand zuzuſchreiben ſei, daß die engliſchen
Exporteure die Bedürfniſſe der Kolonien nicht genügend ſtudierten und
ſich ihnen nicht anzupaſſen wüßten.

Ich höre Rundfunk.

Wie ich dazu kam.
Es gab eine Zeit, da ich noch friedlich=döſend vom Büro in
mein trautes Heim (Sie wiſſen doch: Glück allein!) trudelte.
Kleine Geſpräche mit prominenten Anwohnern meiner Straße
verklärten mir die Abendſtunden und erhielten mir das Re=
nommee
eines netten und lieben Nachbarn. An der Haustür er=
wiſchte
ich regelmäßig die biedere Zeitungsfrau, und während
ich die Treppe hinauſſtöhnte, naſchte ich von den noch warmen
Neuigleiten. Ich fand immer Zeit genug, meinen Mantel auf
einen Bügel zu hängen und als braver Junggeſelle meine Haus=
pantoffeln
anzuziehen. Im braunen Samtjackett legte ich mich
dann auf das oft erprobte Kanapee, und über der Lektüre über
und unter dem Strich ſchlummerte ich höchſt ſanft in ein Reich,
in das kein Zahlungsbefehl und kein Wechſelpräſentant ein=
dringen
kann. (Ich muß zugeben, daß es mir in dieſer ver=
werflich
bildungsarmen Lebensperiode nicht ganz klar war, ob
ein Detektor und eine Antenne in das Gebiet der Nahrungs=
mittelinduſtrie
gehörten oder ob es ſich bei den meinen Laien=
ohren
ſo reſpektoll gewichtig klingenden Bezeichnungen um neue
finanz=juridiſche Begriffe handelte.)

Da beſuchte ich eines abends ohne erſichtlichen Grund einen von
mir äußerſt geſchätzten Onkel, der, wie ich mich erinnerte, ſeine
Feierabende ähnlich verbrachte wie ich. Jedoch Ha! Ver=
rat
!!! Als ich nach flüchtiger Begrüßung in ſeinem Zimmer
ſtand, war er bereits, ohne ſich weiter um mich zu kümmern,
hinter wahren Dſchungeln von grünen, braunen und roten Dräh=
ten
und einer Barrikade von Holzgeäſt verſchwunden. Staunend
und zaghaft ſetzte ich mich auf meinen Lieblingsplatz am Ofen,
als plötzlich hinter mir oben, wo Tante Bertha in Oel glänzt,
jemand rief, ich ſolle ja nicht vergeſſen, meine Antenne zu erden.
Als höflicher Gaſt erwiderte ich: Aber ſelbſtwerſtändlich, wenn
ich Ihnen damit eine kleine Freude machen kann. Du
wohnſt wohl auf dem Mond? fragte mein Onkel hinter ſeinem
Drahtverhau hervor. Haſt du noch niemals Rundfunk ge=
hört
???
Hilfe! Jetzt wußte ich,
was es ſpar. So ſah das alſo aus, wenn man Na, denn
man ran! Und mein Onkel ſauſte mit mir durch alle Wellen
Europas, daß mir vor dem Ragout der Sprach= und Muſikidiome

Vom Tage.

Neue Schwierigreiten in Parig.

Geſtern wurde beim Reichspatentamt der einmillionſte
Reichsgebrauchsmuſterſchutz eingetragen, und zwar
die Erfidung eines Herrn Fiodler aus Meißen über einen Krawatten=
ſpanner
.
Geſtern begann in Eupen ein Katholikentag der deutſch=
ſprachigen
Gebiete als erſter Katholikentag der drei neuen belgiſchen
Dekanate Eupen, St. Vith und Malmedy. Am Sonntag, an welchem
mehrere gut beſuchte Verſammlungen abgehalten wurden, wurde einer
der Redner, Dr. Roſenberg=Düſſeldorf, in der Frühe, von bel=
giſchen
Kriminalbeamten verhaftet, ſpäter aber wieder freigelaſſen,
nachdem man ſich durch Rückfrage bei der Regierung in Brüſſel ver=
gewiſſert
hatte, daß es ſich um eine Verwechſlung mit einem Dr. J.
Roſenberg=Paderborn handelte, der zu Anfang des Krieges eine bel=
gienfoindliche
Schrift herausgegeben haben ſoll. Dr. Roſenberg ſprach
am ſelben Abend über Zeitaufgaben des Katholizismus.
Zwiſchen den Vereinigten Staaten und England wurde ein Abkom=
men
über die gegenſeitige Freigabe von im Weltkrieg beſchlagnahmtem
feindlichen Eigentum abgeſchloſſen. Das Abkommen" bezieht ſich auf
Fälle, in denen Engländerinnen und Amerikanerinnen deutſche oder
öſterreichiſche Staatsangehörige heirateten, auf Anſprüche gegen feind=
liches
Eigentum unter Sequeſter und auf die Freigabe gewiſſer, von
ehemals feindlichen Aktionäven kontrollierten Gcſellſchaften. Man
fchätzt den Wert dieſes Eigentums in jedem der beiden Länder auf eine
Million Dollar.
Nach einer Meldung aus Athen hat Zaimis endgültig den Auftrag
des Präſidenten der Republik, Admiral Konduriotis, zur Bildung des
Kabinetts angenommen. In politiſchen Kreiſen drückt man jedoch
Zweifel darüber aus, ob es ihm gelingen wird, ein lebensfähiges Kabi=
nett
zuſtande zu bringen.
Im Sekretariat des Völkerbundes traf ſoeben ein Telegramm ein,
in dem die Sowjetregierung entgegen ihrer früheren Zuſage mitteilt,
daß ſie an der bevorſtehenden dritten allgemeinen Verkehrs= und Tranſit=
konferenz
des Völkerbundes nicht teilnehmen werde.
Das Völkerbundsſekretariat macht ferner bekannt, daß die türkiſche
Regierung an der 3. Allgemeinen Verkehrs= und Tranſit=Konferenz, die
am B. Auguſt in Genf beginnt, heilnehmen wird. Es iſt dies neben
Rußland und den Vereinigten Staaten das dritte Land, das als Nicht=
mitglied
des Völkerbundes ſeine Teilnahme an dieſer Konferenz zu=
geſagt
hat.
Nach den letzten Nachrichten aus Liſſabon iſt dorr und in ganz Por=
tugal
die Ruhe wieder hergeſtellt. Entſprechend dem Beſchluß des
Miniſterrats veröffentlicht das Amtsblatt zwei Erlaſſe über die Ver=
bannung
aller am Putſchverſuch beteiligten Ziil= und Militärperſonen
nach den Capverdiſchen Inſeln. Ferner wurde Befehl gegeben, das
hauptſächlich an der Rebellion beteiligte 5. Jäger=Regiment in Liſſabon
aufzulöſen. Leutnant Sarmento iſt verſchwunden. Es wird vermutet,
daß er ins Ausland geflohen iſt. General Carmona erklärt, eine Aende=
rung
in der Zuſammenſetzung des Kabinetts werde nicht erfolgen.

Jouvenel für den Völkerbund und gegen Briand.

Exminiſter Henri de Jouvenel,
der erſte Delegierte Frankreichs beim Völkerbund,
iſt von ſeinem Poſten zurückgetreten.

Von unſerer Berliner Redaktion.
Das Auf und Ab in Paris hält weiter an. Auch jetzt wird
wieder mitgeteilt, daß, obwohl Ende voriger Woche nach amtlicher
Auffaſſung der Vertrag ſchon ſo gut wie fertiggeſtellt war und
eigentlich nur noch die Unterſchriften fehlten, mit einem unmittel=
bar
bevorſtehenden Abſchluß der Verhandlungen nicht zu rechnen
ſei. Neue Schwierigkeiten nicht unerheblicher Art ſeien entſtan=
den
, nachdem man andere aus dem Weg geräumt habe. Jetzt ſei
wieder einmal vor Ende dieſer Woche kein Ergebnis zu erwarten.
Die Pariſer Verhandlungen fordern nun aber nachgerade
zur Kritik heraus. Heute weiß in der Tat eigentlich kein Menſch
mehr, was in Paris geſpielt wird. Entweder wird ziemlich hoff=
nungsvoll
von einem nunmehr bevorſtehenden Ende geſprochen,
oder man malt in düſterſten Farben und läßt durchblicken, daß
alles auf Biegen und Brechen ſtehe. Wir können wohl verſtehen,
daß ſich die Reichsregierung ſcheut, Einzelheiten aus den Ver=
handlungen
mitzuteilen, weil dadurch uns ſchon gar nicht gedient
wird und die Gegenſeite Gelegenheit bekäme, Mißtrauen zu ſäen
und uns zu verdächtigen. Unverſtändlich iſt dagegen, daß man
die Taktik der Franzoſen mitmacht und bald in Optimismus,
ſchwimmt. Der Außenſtehende weiß nicht, wie die Verhandlun=
gen
ſtehen. Er iſt darauf angewieſen, was ihm die amtlichen
Stellen mitteilen, ſofern nicht in Paris Indiskretionen begangen
werden. Darum ſollte die Reichsregierung von vornherein zu er=
kennen
geben, daß ſie nicht andeutungsweiſe die Oeffentlichkeit
über den Gang der Unterhandlungen auf dem Laufenden zu hal=
ten
verſuchen wird. Sie hätte ſich auch jeder Anzapfung verſchlie=
ßen
ſollen, dann hätte ſie jedenfalls nicht den Eindruck aufkom=
men
laſſen können, als ſei ihre Unterrichtung der an dem Ver=
trag
intereſſierten Kreiſe völlig plan= und ziellos. Dann aber
mußte ſie von vornherein klaren Wein einſchenken und dann auch
die Dinge beim richtigen Namen nennen können. Mit dem Ver=
tröſten
auf das Ende der jeweils angebrochenen Woche iſt
keinem, auch ihr ſelbſt nicht gedient, da doch ſchon kein Menſch
mehr daran glaubt, daß wir unmittelbar vor einem Abſchluß
ſtehen. Die Franzoſen, die Metſter in der Taktik der Verzögerung
ſind, werden auch am Freitag oder Samstag an dem Vertrag wie=
der
einen Stein des Anſtoßes entdecken, der nach ihrer Meinung
noch beſeitigt werden muß. Iſt das geſchehen, haben ſie ſicherlich
ſchon einen neuen Schönheitsfehler entdeckt, den ſie beſeitmt
wiſſen wollen. Schauen wir zurück auf den 1. Juli, dann kön=
nen
wir doch nur feſtſtellen, daß man eigentlich jeden Tag die
Unterzeichnung des Vertrages erwartete und dann kam alle 48.
Stunden prompt, zuerſt von franzöſiſcher Seite und dann auch
von deutſcher Seite heraus, daß mit einem irgendwelchen greiſ=
baren
neuen Termin zu rechnen ſei. So kann es in der Tat nicht
weitergehen. Steht es in Paris nicht zum Beſten, dann ſoll die
deutſche Regierung das mitteilen, dann wird man bei uns auch
mit ſeinen Erwartungen möglichſt niedrig bleiben und eher mit
einem ergebnisloſen Verlauf rechnen, um ſo eher wird man dann
nachher enttäuſcht ſein, wenn es doch zu einem Vertrag kommen
ſollte. Alles andere dagegen, mit dem ſich ja doch nichts anfan=
gen
läßt, iſt von Uebel und ſollte unterbleiben. Nachdem wir
ſchon ſechs Wochen auf ein neues Proviſorium warten müſſen,
werden wir auch bis zum Schluß warten können, ohne daß man
uns jeden Montag in Ausſicht ſtellt, am Samstag werde man ſo=
weit
ſein.

Die amerikaniſchen Ausgaben für Armee und Marine.

w. New York, 15. Auguſt.
Nach Berichten aus Rapid City hat der Präſident das nächſte
Budget auf 3316 Milkionen Dollar feſtgeſetzt. Damit iſt der Vor=
anfchlag
, über den er ſich in ſeiner Junirede äußerte, um 16 Mil=
lionen
Dollar überſchritten. Erhöht wurden insbeſondere die
Ausgaben für die Armee= und die Marineflugzeuge. Innenhalb
fünf Jahren ſollen die Heeresflugzeuge auf 1800, die der Marine
auf 1000 vermehrt werden. Ferner werden Mittel bereitgeſtellt
für die bereits bewilligten ſechs großen Kreuzer, ſowie für die
Renovierung der Linienſchiffe Nevada und Oklahoma. Im
übrigen werdene die Rüſtungen nicht vermehrt. Die angeführten
Poſten ſtellen die Fortführung des mäßigen, ſchon früher be=
ſchloſſenen
Bauprogramms dar, das der Präſident in Erwartung
der Marinekonferenz bisher nicht zur Durchführung gebracht hat."
Neu iſt lediglich die intenſive Förderung der Flugſchiffahrt. Auch
das Handelsamt erhält einen größeren Betrag zum Ausbau der
Luftflotte für Poſt= und Frachtverkehr. Die Zeitungen nehmen
an, daß die Unterſtützung der Farmer und die Beihilfen für
die Opfer der Miſſiſſippi=Ueberſchwemmungen weitere Anſprüche
an den Staatshaushalt ſtellen werden und daß dadurch die er=
wartete
Steuerermäßigung erheblich verringert wird. Waſhington
Poſt weiſt auf die geſtrigen Berichte über größere Rüſtungen
Englands in Indien hin und vermutet, daß Großbritannien i
Erwartung eines Kriegs mit Rußland in Genf ſich in der Kreu=
zerfrage
unnachgibig gezeigt habe, da es die bolſchewiſtiſche Pro=
paganda
in Aegypten und Afghaniſtan fürchte, die im Kriegsfal
die Verbindung zwiſchen England und Indien gefährden könni.

angſt und bange wurde. Mein Schädel brummte, und die Rund=
funkfunken
kribbelten mir in den Ohren, als ich nächtlicherweile
meine Wohnung aufſchloß.
In dieſer Nacht hängte ich zum erſtenmal meinen Mantel
nicht auf einem Bügel. Im Gegenteil, ich legte mich mit den
Stiefeln auf das verwunderte Kanapee und hatte inſofern einen
aparten Traum, als zu meiner Rechten ein Negerknabe die Arie
der weißen Dame plärrte und zu meiner Linken Fauſts Gretchen
Sorry for hou zum Vortrag gelangen ließ. Das war ja
dolles Ding, dieſer Rundfunk!
Am nächſten Nachmittag nach Büroſchluß durchraſte ich zur Ver=
wunderung
meiner Anwohner die Straße mit großen Paketen, die
Dinge enthielten, von deren Handhabung ich keine Ahnung hatte.
Nachdem ich aber die letzte Gabelzinke hoffnungslos verbogen
hatte, als in meinem Haushalt kein Meſſer mehr zu finden war,
deſſen Schneide nicht wie eine zünftige Säge ausgeſehen hätte,
als ich an allen 10 Fingern ſoviel Heftpflaſter kleben hatte, daß
es ausſah, als wenn ich Heftpilaſterhandſchuhe anhätte, als meine
drei Tiſchtücher lebhaft an die Löcherkolonien in Schweizer Käſen
erinnerten, da war es geſchafft! Meine höchſt eigene Empfangs=
ſtation
hatte den Betrieb eröffnet!!!
Wiees mirdabei erging.
Das aktiv=muſikaliſche Moment vertrat in meiner Wohnung
bisher ein Kanarienvogel, der auf den Namen Konſtantin
hörte. Während meiner Anweſenheit ſind ihm Freiflüge durch
Wohnzimmer und Atelier ohne Nachzahlung geſtattet. Er piepſt
ſowohl auf meinem Gips=Goethe, wie auf meiner Empireuhr,
beide gleichermaßen auch mit gewiſſen maleriſch=plaſtiſchen Pro=
dukten
verzierend. Ich fürchtete zunächſt, daß ich Konſtantin
durch die Einführung der Rundfunknovität verſtimmen könnte
Es ging aber beſſer als ich dachte. Schnitt ich mich manchmal in
einen meiner Roſenfinger, ſagte er Piep, in einem Tone, als
wollte er im Hinblick auf ſeine Exiſtenz noch hinzufügen: Haſt
du das nötig? Auf das Stichwort: Achtung, hier iſt
ſtartet er jetzt kaltblütig auf den Lautſprecher und behorcht mit
Kennermiene die Darbietungen. Du biſt die Ruh! behaupteie
neulich eine ſingende Dame. Ich konnte mich im Moment ihrer
Behauptung nicht anſchließen, denn ich kochte gerade über der
Umlage=Rechnung meines Hausverwalters. Um zu zeigen, daß
ſich auch in meinen alten Tagen noch imſtande bin, zu lernen, ſchrieb
ich, eingedenk der geſtrigen Rundfunklektion über den kaufmän=

niſchem Briefſtil: Im Beſitze Ihres geſchätzten Schreibens v4
26. 6., ſehe ich mich zu meinem Bedauern in die Notlage N
ſetzt, Ihnen unter heutigem mitteilen zu müſſen, daf eie
mich ..." Weiter kam ich nicht, denn der eben über mich Mie
brauſende Vortrag Erziehung im Straſvollzug bremſte n0c.
im rechten Augenblick die Verbalinjurie meiner wutbeflügelien
Feder. Andächtig lauſchte ich den goldenen Worten. Nac
Schach= und Bücherfunk kam der Raſierfunk, der mich zu ſchnele
ſter Selbſtverſchönerung ermahnte, denn zu 8 Uhr hatte ſich Daſſ
angeſagt. Und richtig, kaum war der Sprachfunk verloſchen mlt:
Buenas noches, sennoras V sennores, da klingelte es, A"
klopfendem Herzen eilte ich zur Tür, öffnete und drauße
ſtand, (wie hatte doch geſtern Frau Kammerſängerin Schulze
Köpenick geſungen? Ein Fräulein edel von Natur )*
alſo draußen bot ſich meinem erkaltenden Blick die Erſcheinunt
von Fräulein Meſeritz aus dem 4. Stock dar. Ach entſchuldige‟
Sie, ich wollte Sie nur fragen, ob ich bei Ihnen heute Be
Küchenrundfunk Was koche ich in der nächſten Woche mithore‟
dürfte. Ich müßte lügen, wenn ich freundlich geweſen wale=
Darum log ich freundlich: Liebſtes Fräulein, ſoeben iſt leige.
eine Programmänderung angeſagt worden: Statt des Kuchele
rundfunks ſpricht Herr Schulrat Brauſewetter über Sexuene
Pädagogik. Na ſo was . . . und kopfſchüttelnd kroch ſie!"
ihre Behaufung hinauf.
Daiſy kam im denkbar ungeeignetſten Augenblick: Die F0
gen des Vortrags über die Reiſeausrüſtung der Frau mußl.
für mich geradezu kataſtrophal werden. Ich markierte alſo KDſ
denſatorenſtörung, ſchimpfte über das miſerable Material, ſchl,?
mit technologiſchen Kraftausdrücken um mich, bis ihr das ſchlieb
lich zu dumm wurde. Nun laß mich mal ran! ſagte ſie, uu
eine Selunde ſpäter wußte ich, daß mich keine Macht der Eie
vor dem Kauf eines ſchwarzen Lackkoffers mit vollſtändiger Lii
richtung und eines auf Seide gearbeiteten Reiſemantels Le
wahren konnte . . . Ich war dem Verzweifeln nahe, und M
wankenden Knieen erfüllte ich meine Kavalierspflicht, als be‟
Tanzfunk Unſer tägliches Valencia verabreichte. Daiſy ging!"
bedeutungsvollem Blick nach der Stelle meines Körpers, an de"
ſich außer dem Herzen auch noch meine Brieftaſche befindel.
Spät in der Nacht erwachte ich aus ſcheußlichem Traum
Herrgott, ich hatte ja vergeſſen . . . ſprang auf, und ging !"
flatternden Nachthemd hinaus und erdete ſtill vor mich 9il.:"

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Nummer 226

Dienstag, den 16. Auguſt 1927

Ein fürkiſch=perſiſcher Preſſefeldzug.
Angriffe perſiſcher Blätter auf die Türkei.
Die Geſchäfte dritter
* Angora, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Der türkiſche Botſchafter in Perſien, Memduch Schefket Bej, iſt über=
ichend
nach Konſtantinopel zurückgekehrt. Zugleich mit ſeinem Ein=
iſſen
wird bekannt, daß eine ganze Reihe perſiſcher Blätter eine hef=
te
Kampagne gegen die Türkei entfaltet hat. Die Türkei wird von
werſiſchen Preſſe beſchuldigt, die Räuberbanden bewaffnet zu haben,
Seriodiſch von türkiſchem und ruſſiſchem Gebiet in Nordperſien ein
bcen, Landleute ausplündern und Karawanen berauben. Der Türkei
r). ſogar die Abſicht unterſchoben, ein Stück Nordweſtperſiens annek=
wint
zu wollen. Die perſiſchen Blätter greifen nun nicht nur auf die
rfſchen Siege über den Sultan Soliman zurück, ſondern behaupten,
wüngſte Umwälzung der türkiſchen Verhältniſſe ſei ganz nach perſi
em Muſter erfolgt. Perſien habe ein Jahr vor der Türkei eine Kon=
funnte
gehabt, es habe den Schah vertrieben, ehe die Türkei den Sul=
abſetzte
, Riſa Khan ſei das Vorbild Muſtafa Kemals geweſen uſw.
gr Teheraner Schafagh Sorkh behauptete ſogar, die Türkei habe den
Narn verlaſſen und ſich dem Chriſtentum zugewandt. Ein Teil der tür=
firn
Blätter, vor allem die Dſchüumhuriete, hat auf dieſe Kampagne
htig oder ſcharf ironiſch erwidert.
Die perſiſche Botſchaft in Konſtantinopel läßt durch ihren erſten
cknetär betonen, die perſiſche Preſſe ſei unabhängig und ihre Aeuße=
mien
ſtellten nicht die Auffaſſung der Teheraner Regierung dar. In
zſelben Sinne äußerte ſich der perſiſche Geſchäftsträger, die für eine
nitere Annäherung der beiden Länder eintrat und ihre Freundſchaft
ewig bezeichnete. Diejenigen Blätter, die die Türkei angreifen, be=
ſaren
erklärte der Geſchäftsträger nur die Geſchäfte dritter Per=
ſien
, und eine derartige Kampagne ſei durchaus abwegig.
die Danziger Frage vor dem Völkerbundsrat.
Wie verlautet, dürfte zu den bereits auf dem Arbeitspro=
gmim
des Völkerbundsrates für September ſtehenden fünf
unziger Fragen noch als ſechſte die Frage des Aufenthalts der
Uriſchen Flotte im Danziger Hafen (Port d’Attache) hinzu=
mnen
.
In der Frage der Danziger Hafenpolizei, die bereits auf dem
ſogramm der Völkerbundsratstagung ſteht, handelt es ſich um
Meviſion eines alten Kompromiſſes, das beſtimmte, daß keine
gerie Hafenpolizei außerhalb der Ernennungsbefugniſſe des
ſnats geſchaffen werde, daß aber die im Hafen verwandten
an ziger Poliziſten die Aufträge des Hafenausſchuſſes auszu=
hien
hätten. Dieſe Zerreißung der Danziger Polizei, die an
Zerreißung der Danziger Poſt erinnert und ſich noch weniger
Bbieſe bewährt, ſoll nun behoben werden. Die Forderung des
aſenausſchufſes nach einer eigenen Polizei war 1923 von den
ih iſchen Stimmen und dem ſchweizeriſchen Hafenpräſidenten
ſgen die Danziger Stimmen in der Form des erwähnten Kom=
ſorniſſes
durchgeſetzt worden.
In der Frage des Schutzes Danziger Intereſſen in Polen,
diüber gleichfalls der Völkerbundsrat zu entſcheiden hat, han=
It es ſich um ein von einem Danziger geerbtes Gut eines ver=
ſrwenen
Deutſchen, das zuerſt trotz der Danziger Staatsange=
rgkeit
des Erben als deutſcher Beſitz der Liquidation unter=
gm
wurde, das aber ſpäter, als das deutſch=polniſche Schieds=
riht
die Liquidationsſumme hätte erhöhen ſollen, als kein
zu ſch=polniſches Streitobjekt bezeichnet wurde.
Die Times zu Jouvenels Rücktritt.
* London, 15. Aug. (Priv.=Tel.)
Die Times beſchäftigen ſich jetzt ebenfalls eigehend mit der
Ligerung de Jouvenels, Frankreich auch in dieſem Jahre beim
Alerbund zu vertreten. Das Blatt findet die Gründe de Jou=
mals
nicht ſtichhaltig. Es treffe nicht zu, daß bei den Genfer
zſimmenkünften die Hauptvertreter Großbritanniens, Frank=
uhs
, Italiens und Deutſchlands alle wichtigen Fragen unter
Asſchluß der Vertreter der kleineren Mächte entſcheiden. Das
Lit= will beweiſen, daß es ſich bei den Beratungen der Außen=
miſfter
der Großmächte eigentlich nicht um Angelegenheiten des
Alerbundes handele, ſondern um die ſelbſtändige Politik der
ſof mächte untereinander. Die Times wollen die Notwendig=
* vieſer Genfer Miniſterbeſprechungen damit beweiſen, daß ſie
MWichtigkeit und Unentbehrlichkeit der Parſer Botſchafterkonfe=
ſtz
hervorheben, die dauernd tage, während der Völkerbunds=
nur
alle Vierteljahre einmal zuſammentrete. Die Verhand=
ugen
der Botſchafterkonferenz würden bei Anweſenheit der
1ßenminiſter der Großmächte in Genf natürlich fortgeſetzt, da
ier viel politiſcher Konfliktsſtoff zwiſchen den Großmächten zu
thnndeln ſei.
Das Blatt gibt damit zu, daß es ſich bei den Verhandlungen
Senf eigentlich nicht um Völkerbundsangelegenheiten und
olvmatiſche Beſprechungen handelt, die vor dem Forum des
öll erbundsrates geführt werden, ſondern um die Politik der
oßßmächte, wie ſie innerhalb der Botſchafterkonferenz betrieben
ihe. Alſo doch eine Sonderpolitik der Großmächte, keine

Geite 3

König Fuad im Vatikan.

König Fuad von Aegypten
hat in Rom auch den Papſt beſucht. Unſer Bild zeigt den König
mit dem Kardinal=Staatsſekretär Gaſparri beim Verlaſſen des
Vatikans.
Der kranke König von Jugoſlawien in München.

Serbundspolitik.

König Alexander von Jugoſlawien
hat ſich inkognito nach München begeben und wegen ſeiner
Magenkrankheit den berühmten deutſchen Spezialiſten Profeſſor
Sauerbruch könſultiert.
Die bulgariſch=jugoſlawiſchen Verſtändigungs=
bemühungen
.
Die Pariſer Preſſe beſchäftigt ſich in letzter Zeit lebhaft mit
den Bemühungen, eine bulgariſch=jugoſlawiſche Verſtändigung
herbeizuführen. Man bringt lange Auszüge aus jugoſlawiſchen
Zeitungen, die einer Verſtändigung keineswegs abgeneigt ſind.
Eine jugoſlawiſche Zeitung bringt jetzt einen in Paris viel be=
achteten
Leitartikel, der von einer hochſtehenden politiſchen Per=
ſönlichkeit
Bulgariens ſtammt, die Bulgarien in Genf vertritt und
in dem betont wird, daß Bulgarien die Herſtellung freundſchaft=
licher
Beziehungen zu Jugoſlawien aufrichtig wünſche. In dem
erwähnten Artikel werden die bisherigen Verſuche zur Herbei=
führung
einer Verſtändigung dargeſtellt und betont, daß ſie jetzt
zu guten bulgariſch=jugoſlawiſchen Beziehungen führen müßten.
Bulgarien brauche dringend den Frieden auf dem Balkan. Bul=
gariſche
und ſerbiſche Diplomaten werden ſich im September er=
neut
in Genf treffen und die Verſtändigungsverhandlungen wei=
terführen
. Es wird dann weiter die Vermutung ausgeſprochen,
daß der bulgariſche Miniſterpräſident in nächſter Zeit ausführliche
Erklärungen über die jugoſlawiſch=bulgariſche Verſtändigung und
über den Abſchluß eines jugoſlawiſch=bulgariſchen Sicherheits=
vretrages
abgeben werde.

Frankreich gegen die deutſch=rumäniſche Verſtändi gung
* Bukareſt, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Es iſt an den Franzoſen zu prüfen, ob ſie Intereſſe haben,
der deutſchen Aktion in Rumänien freies Feld zu laſſen oder ob
ſie ſich aktiv und ſofort diefer Frage annehmen wollen. Das
war der Schlußſatz eines Artikels, den der rumäniſche Sonder=
berichterſtatter
des Temps in ſeiner Zeitung veröffentlicht hat.
Wir wiſſen nicht, was für eine Wirkung dieſer Appell in
Frankreich gehabt hat, Bukareſt dagegen zeigt ſich mehr als ab=
lehnend
gegen dieſe ungebetene franzöſiſche Einmiſchung. So
ſchreibt in dem ſehr gemäßigten und faſt halboffiziöſen Ade=
verul
der bekannte rumäniſche Chefredakteur Braniſteanu, daß
zwiſchen Rumänien und Deutſchland noch einige ſtrittige Punkte
aus der Welt zu ſchaffen ſeien, darunter die Banca Generala=
Frage. Wenn man bisher zu keiner Einigung gekommen ſei, ſo
könne man doch hoffen, daß dieſe Einigung erzielt werden würde,
ſchon aus dem Grunde, weil das nicht nur den Intereſſen der
beutſchen Wirtſchaft, ſondern auch der rumäniſchen Wirtſchaft zu=
gute
käme. Wenn die Franzoſen glaubten, daß Bataillone deut=
ſcher
Kaufleute und Reiſender bereit ſtünden, um nach erfolgter
Verſtändigung ihre Tätigkeit in Rumänien aufzunehmen, ſo
könnten die Rumänen dies nur begrüßen, weil ſie doch nicht
vergeſſen könnten, wie ſchon am zweiten Tage nach dem Kriegs=
ende
die Alliierten Rumänien wirtſchaftlich ſich ſelbſt überließen.
Dieſe deutliche Abfuhr, die der franzöſiſche Journaliſt durch
Adeverul bekommt, iſt umſo bedeutungsvoller, als es bekannt
iſt, daß der Adeverul niemals ein Hehl aus ſeinen ziemlich
ſtarken Sympathien für Frankreich gemacht hat. Aber die Ru=
mänen
wollen endlich Herr im eigenen Hauſe ſein. Das iſt der
tiefere Sinn des hier zitierten Adeverul=Artikels. Ob Freunde
oder Feinde Avereseus, ſo können die Rumänen auch heute nicht
vergeſſen, daß weſentlich zum Sturz des ehemaligen Miniſter=
präſidenten
zwei Briefe beigetragen haben, die Poincaré durch
die Vermittlung des Generals Berthelot an König Ferdinand
und an Bratiann gerichtet hatte. Die weitere Einmiſchung in
rein interne Angelegenheiten wollen ſich die Rumänen verbitten,
auch wenn dies durch Frankreich geſchieht.
Unzufriedenheit der franzöſiſchen Rentner mit Rumänien
* Paris, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Einer der Hauptſchuldner Frankreichs iſt bekanntlich Rumänien, das
in der Kriegszeit und ſpäter große Anleihen von Frankreich bekommen
hat. Die Entwertung des franzöſiſchen Franken iſt nun den Schuldnerm
Frankreichs zugute gekommen, denn ſie zahlen ihre Schulden jetzt in
Papierfranken zurück, obwohl ſie damals eine viel höhere Valuta be=
kommen
haben. Die franzöſiſchen Rentner ſind darüber natürlich ſehr
unglücklich und haben immer wieder verſucht, die franzöſiſche Regierung
zu veranlaſſen, von den Schuldnerländern eine Rückzahlung der Schul=
den
in Goldfranken zu verlangen. Die franzöſiſche Regierung hat abev
bei den Schuldnerſtaaten kein Glück gehabt. Nur vereinzelt haben ſich
die Schuldner zur teilweiſen Aufwertung der Anleihen bereit erklärt.
So auch Rumänien. Aber weder die bisherigen Regierungen noch die
gegenwärtige Regierung Bratianu denkt daran, ihren Verpflichtungen
nachzukommen. Oeuvre veröffentlicht jetzt einen offenen Brief eines
franzöſiſchen Rentners an Bratianu, um ihn zur Zahlung der rumäni=
ſchen
Schulden in Gold zu ermahnen. Das Blatt hebt die Haltung
Bulgariens hervor, das nicht ſo weitgehende Verpflichtungen einge=
gangen
ſei wie Rumänien und trotzdem einen Teil ſeiner Schulden im
Gold zurückzahle.
Bekanntlich hat Bratianu erſt kürzlich wieder ſeine große Freund=
ſchaft
zu Frankreich verſichert. Frankreich muß aber trotzdem zuſehen,
daß ſeine politiſchen Freunde nur ſolange Freunde ſind, ſolange es ſie
nichts koſtet.
Der Indianeraufſtand in Bolivien.
* Berlin, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Aus der bolivianiſchen Hauptſtadt La Paz mehren ſich die
Nachrichten von einer immer weiteren Ausdehnung des Indianer=
aufſtandes
im ſüdlichen Teil des Landes. 200 000 Angehörige
aller Stämme befinden ſich im hellen Aufruhr, brandſchatzen und
maſſakrieren die Weißen, von denen bereits eine ganze Anzahl
der Wut der Aufſtändiſchen zum Opfer gefallen iſt. An dem erſten
Angriff auf die Regierungstruppen ſollen über 50 000 Indianer
beteiligt geweſen ſein, über 100 Tote ſind auf dem Schlachtfeld
geblieben. Das Zentrum der Erhebung bildet die Provinz
Cochgeanba. Von dort aus haben ſich die Flammen des Auf=
ruhrs
immer weiter verbreitet. Ob die Regierungstruppen des
Aufſtandes Herr werden, muß abgewartet werden. Wenn auch
angenommen werden kann, daß ihre Diſziplin und Bewaffnung
ihre Unterlegenheit in der Zahl zum Teil ausgleichen wird, ſo
bedeutet der Aufſtand doch eine ernſte Gefahr für die Regierung.
Das Goldland der Inkas, das die meiſten Europäer nur dem
Namen nach kennen, iſt damit dem europäiſchen Intereſſe wieder
nähergerückt. Das Land beſitzt nahezu 3 Millionen Einwohner,
von denen faſt die Hälfte Indianer ſind, während über eine halbe
Million Miſchlinge darſtellen. Die Zahl der Weißen beträgt nur
etwa eine halbe Million. Sie ſind aber natürlich die Herrſchen=
den
, gegen die ſich in erſter Linie die Wut der Eingeborenen rich=
tet
. Das Land hat zwar keine große politiſche Bedeutung, es be=
ſitzt
aber unermeßliche Mineralſchätze.

4Frankfurter Konzerte.
Fkulturell überaus intereſſant war die im Rahmen der Frank=
ſtem
Muſikausſtellung veranſtaltete Arbeitermuſikwoche.
(gre ſie doch den ſtarken Drang in den weiteſten Kreiſen unſe=
Arbeiterſchaft nach Teilnahme an der beſten Kunſt. Wer ſeit
N Krioge die Entwicklung der Arbeiterchöre verfolgt hat, der
d ehrlich erſtaunt ſein, welche Fortſchritte in mancherlei Hin=
ſt
gemacht wurden. Vor allem hat ſich das techniſche Können
meiſten Vereine bedeutend erhöht, dann ſind neben die
ühmerchöre, die früher faſt ausſchließlich Träger der Bewegung
Mmr, zahlreiche Frauen= und gemiſchte Chöre getreten, und
ſußßlich iſt das Verſtändnis für wertvolle Kunſt derart geſtie=
Daß man vor den Konzertprogrammen der Vereine alle Ach=
8 haben muß. Oratorien Haydns und Händels, ja Bachs
Mwonen, die Neunte Sinfonie von Beethoven werden bereits
cherorts von Arbeiterchören zur Aufführung gebracht, wo
o dieſe Vereine zu wichtigen Kulturfaktoren ſich empor=
wmgen
. Dies beweiſt auch, daß dieſe Bewegung nicht einſeitig
mrpolitiſch eingeſtellt iſt, ſondern daß ſie das Beſte unſerer
ick möglichſt losgelöſt von jeder Engherzigkeit den weiteſten
Askreiſen näherzubringen ſucht. Daß eine Spaltung zwiſchen
Organiſation der Arbeitervereine und der ſog, bürgerlichen
aigbereine vorhanden iſt, müſſen wir einſtweilen als etwas
Bewbenes hinnehmen. Trotzdem muß aber immer wieder betont
en, daß dieſe Spaltung im weſentlichen darum gegeben iſt,
8 Berufsgenoſſen geneigt ſind, auch in ihrer freien Zeit ge=
ſi
9 oder in Verfolgung gemeinſamer Ideale und Intereſſen
zutſammenzufinden. In dieſer Weiſe ſind die Arbeitergeſang=
Neie ähnliche Erſcheinungen wie die Lehrergeſangvereine, die
ierriegen der Turner, Studenten, einzelner Zünfte, bei
m auch eine gewiſſe Exkluſivität aus geſellſchaftlichen Grün=
Aworhanden iſt.
Ein hervorragender Auftakt der Muſikwoche war die impo=
e
Aufführung von Haydns Jahreszeiten im Schu=
unitheater
. Ein aus mehreren Vereinen aus Frankfurt und
aebung zuſammengeſetzter Chor von über 700 Stimmen, ein
S Orcheſter, ausgezeichnete Soliſten wie Ria Ginſter, Joh.
14h Hans Hoefflin wirkten unter der temperamentvollen und
heren Leitung von Max Bartſch. Die Aufführung erfreute
ay: die Begeiſterung, mit der ſich alle dem Werke, hingaben
m durch das Bewußtſein, daß hier Beſtes und trotzdem All=
Hennverſtändliches, eine Kunſt, die wie Sonnenſchein und Ju=

bel wirkt, durch empfängliche Herzen aufgenommen wurde. Im
Laufe der Woche kamen dann Arbeiterchöre aus Oeſterreich, der
Schweiz, Holland, Luxemburg, Belgien, Frankreich, der Tſchecho=
ſlowakei
zu Gehör, deren Fähigkeiten zwar ſehr unterſchiedlich
waren, die aber in den beſten Leiſtungen auf wirklich künſtle=
riſcher
Höhe ſtanden. Wien und Prag, Amſterdam und Brüſſel
wieſen neben den deutſchen Vereinen die beſte Chor= und Ge=
ſchmackskultur
auf. Das politiſche Tendenzlied trat gegen früher
etwas mehr zurück. Wie bei jeder Tendenzkunſt gelingen hier
wohl zuweilen hochſtehende Kunſtleiſtungen, aber oft muß die
aus der Tendenz geborene außerkünſtleriſche Begeiſterung die
Blößen des Künſtleriſchen bedecken. Wenig erfreulich war der
Umſtand, daß manche Vereine noch ſtark in der ſentimentalen
Liedertafelei dem Stil wäſſeriger Romantik leben, der im all=
gemeinen
in unſeren Gegenden mehr und mehr überwunden wird
und kraftvollerer, hochwertigerer Kunſt zu weichen beginnt.
Hoffnungsfroh ſtimmte bei der Arbeitermuſikwoche, daß die
Breite, in der wertvolle Kunſt vom Volk erfaßt wird, ſtändig zu=
nimmt
, daß alſo auch neben dem Sport Gemüt und Kunſt nicht
ganz verloren geht.
An die Arbeitermuſikwoche ſchloß ſich ein ſchwediſches
Muſikfeſt an, das unter der vorzüglichen Leitung von Prof.
Ernſt Wendel ſtand und in zwei Kammermuſik= und zwei
Orcheſterkonzerten einen Ueberblick über das Schaffen lebender
ſchwediſcher Komponiſten bot. Was wir von dieſen Aufführun=
gen
hörten, zeigte ein im allgemeinen recht hohes Niveau, aber
keine Spitzenleiſtungen, denen man überalltägliche Bedeutung
zuſprechen könnte. Die meiſten Tonſetzer gaben ſich recht konſer=
vativ
und es fehlten im ganzen innerhalb der Werke wie auch in
ihrer Folge ſchärfere Gegenſätze. Die Süßigkeit und lyriſche
Schönheit eines vierſätzigen Werkes wie des Pezzo Sinfo=
nico
von Nathanael Berg durchzuhalten, der ſelbſt dirigierte
und ſtarken äußeren Beifall erhielt, iſt nicht für jeden leicht und
genußreich. Vor zwanzig Jahren hätte man es noch beſſer fertig
gebracht. So konnte auch die Szene für Violine und Orcheſter
von Eric Weſtberg, die ihre Uraufführung erlebte und von Kon=
zertmeiſter
Tobias Wilhelmy nicht gerade inſpiriert geſpielt
wurde, kein beſonderes Intereſſe erregen. Größeren Eindruck
hinterließ die erſte Sinfonie von Ture Rangſtröm Auguſt
Strindberg in Memoriam deren hochpathetiſche Geſamthaltung
den Hörer in ſteter Spannung hält. Zuweilen erinnert die etwas
dickflüſſige Inſtrumentierung daran, daß es ſich um eines der
erſten größeren Orcheſterwerke des Komponiſten handelt; die Art

der Gedankengebung ſteht Pfitzner nicht fern, bei dem der Kom=
poniſt
auch einige Zeit Unterweiſung genoſſen hat.
Waren die Konzerte des ſchwediſchen Muſikfeſtes recht ſchlecht
beſucht, ſo zogen die Vorführungen älterer und neuerer chine=
ſiſcher
Tonkunſt um ſo mehr Zuhörer an. Man muß ſich
in dieſe Muſik erſt einfühlen, da ſie ganz das Gegenteil von unſe=
rer
rauſchenden, in neueſter Zeit mit ſo viel Schlagzeug und
Blech lärmend gemachten Tonkunſt iſt. Aeußerſte Zurückhaltung
im Klang bei fein poetiſchem Gehalt iſt der chineſiſchen Muſik
ebenſo eigen, wie ſich chineſiſche bildende Kunſt oder Dichtung von
gleichen europäiſchen Gattungen unterſcheidet. Die Vornehmheit,
Zurückhaltung und Höflichkeit, die bei dem gebildeten Chineſem
immer gerühmt werden, dient auch zur Charakteriſtik dieſer Ton=
kunſt
. Schon die Inſtrumente üben einen hohen Reiz aus durch
ihre feinen intimen Klänge, aber auch bei den Kompoſitionen
kann man ſich vorſtellen, daß genaue Kenntnis ihres Stils und
ihres künſtler ſchen Wertes hier eine Welt zu offenbaren im=
ſtande
ſein muß, die der ähnlich iſt, die Bethge zum Beiſpiel im
ſeinen Uebertragungen chineſiſcher Gedichte erſchloß. Daß eine
große Folge chineſiſcher Muſikſtücke, auf den Europäer, der am
ſtärkere Reizwirkungen gewöhnt iſt, eintönig wirkt, ſoll nicht ver=
ſchwiegen
werden, wenn es auch ſelbſtverſtändlich nicht als Grad=
meſſer
für den geiſtigen Wert dieſer Kunſt betrachtet werden kann.
Friedrich Noack.
Zum 60. Geburtstag von Rudolf G. Binding.
Am 13. Auguſt feierte der Dichter Rudolf G. Binding ſeinen
60. Geburtstag in ſeinem kleinen Haus in Buchſchlag, das er
ſchon lange Jahre bewohnt. Dem kleinen Villenvorort hat er
vor dem Krieg als Bürgermeiſter vorgeſtanden. Erſt verhältnis=
mäßig
ſpät hat ſich Binding der Dichtkunſt zugewendet, und
wenn man heute ſein Werk überſieht, erſcheint es klein. Und doch
iſt der Dichter heute im beſten Sinne in Deutſchland populär.
In ſeiner Fliegernovelle Unſterblichkeit der Keuſchheits=
legende
und vor allem in der Meiſternovelle Der Opfergang
erweiſt ſich Binding als Beherrſcher der Sprache und des Wortes
von höchſter Kultur. In ſeinen Gedichten hat dieſer Wille zur
Form zu ſehr das Uebergewicht. Der Krieg, den Binding als
Offizier an der Front mitmachte, wurde ihm zum großen Erleb=
nis
, erkennbar in ſeinem Tagebuch Aus dem Kriege‟

[ ][  ][ ]

Seite 4

Dienstag, den 16. Auguſt 1927

DerRücktritt Tſchiangkaiſcheks.
Enthebung durch die Kuomingtang. Eine
neue Kampffront der extremen Nationaliſien.

* London, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Der Rücktritt oder vielmehr die Abſetzung Tſchiang Kai=ſcheks
aus ſeiner Stellung als Oberbefehlshaber der geſamten Süd=
armee
hat für die Entwicklung der Verhältniſſe in China große
Bedeutung. Ob ſein Rücktritt eine Folge der letzten großen
Niederlagen der Südarmee iſt, ſteht noch nicht genau feſt. Sicher
iſt aber, daß ein Teil ſeiner Untergenerale ihm nicht mehr un=
bedingt
ergeben war. Die Unzufriedenheit gegen ihn hatte ſich
im Laufe der letzten Zeit bereits ſtark vergrößert. Wir erleben
wieder einmal die für chineſiſche Verhältniſſe faſt ſelbſtverſtänd=
liche
Tatſache, daß ſich die Untergenerale von ihrem geſchlagenen
Hauptführer abwenden und zum Gegner übergehen, um ſich ſo
der Rache des Siegers zu entziehen. Daß einige ſeiner bisherigen
Unterführer bereits mit Tſchang Tſo=lin liebäugeln und ſich bei
dieſem in ein gutes Licht ſetzen wollen, geht daraus hervor, daß
der General Tang Shen Chi, der Befehlshaber in Hankau, in
einem Telegramm an die Bevölkerung Tſchiang Kai=ſchek als den
Vorkämpfer des Kommunismus bezeichnet und ihm die Haupt=
ſchuld
an der Verlängerung des Bürgerkrieges zuſchiebt. Nach
engliſchen Darſtellungen hat nun die Kuomingtang Tſchiang
Kai=ſchek ſeiner Stellung enthoben, ſo daß es ſich alſo um keinen
freiwilligen Rücktritt handelt. Die Entſcheidung ſoll auf einer
Konferenz der Militärbefehlshaber der Südtruppen gefallen ſein.
Die Niederlage Tſchiang Kai=ſcheks habe, wie die Times aus
Schanghai meldet, den extremen nationaliſtiſchen Elementen die
Gelegenheit gegeben, ſich gegen Tſchiang Kai=ſchek zu erheben,
worauf ſie immer nur gewartet haben. Dieſe extremen Führer
haben ihn denn auch ſeines Kommandos entſetzt. Man wollte

ihm ein kleineres Kommando an der Oſtfront übertragen, was
jedoch Tſchiang Kai=ſchek abgelehnt habe. Es wäre falſch, anzu=
nehmen
, daß nach dem Rücktritt Tſchiang Kai=ſcheks die Südtrup=
pen
auseinanderfallen würden. Auch die Niederlagen der letzten
Zeit ſind nicht ſo ſchwer geweſen, daß ſie zu einer Auflöſung der
ganzen Armee geführt haben. Die Nationaliſten haben jetzt die
Macht in die Hand bekommen, ſo daß ein baldiger Zuſammen=
ſchluß
der Nankinger und der Hankauer Nationaliſten bald zu=
ſtande
kommen und damit die Einheitsfront wieder herſtellen
wird. Damit hat die Südfront wieder an Halt gewonnen, nur
ſind die Führer jetzt ausgeſprochene Extremnationaliſten, die
Tſchiang Kai=ſchek bekanntlich aufs Entſchiedenſte bekämpft hatte.
Den neuen Machthabern kommt gegenwärtig auch die erleichterte
taktiſche Lage an der Südfront zuſtatten, da der Flankenſtoß des
Generals Feng gegen die nach Süden vorrückenden Nordtruppen
ſtarke Streitkräfte auf ſich gezogen hat, wodurch die Südtruppen
eine gewiſſe Erleichterung vor ihrer Front erhalten haben. Aber
trotzdem iſt die Lage der Südtruppen noch immer ſchwierig, denn
die Nordtruppen ſtehen bereits vor den Toren Nankings, deſſen
Fall bevorſteht. Auch die Wiedereinnahme Schanghais durch die
Nordtruppen wird befürchtet. In Nanking haben die Südtruppen
bereits ihre Munitionsvorräte zerſtört, damit ſie nicht in die
Hände der Nordtruppen fallen.
Ueber die Abſichten Tſchiang Kai=ſcheks iſt noch nichts Genau=
eres
bekannt. Nach der einen Lesart will er ſich aus dem poli=
tiſchen
Leben ganz zurückziehen und ſich nach Amerika begeben,
wohin er bereits ſeine Frau geſchickt hat. Auf der anderen Seite
glaubt man aber auch, daß er ſich wieder bei anderer Gelegenheit
auf dem politiſchen Schauplatz zeigen wird, da er ein ſehr großes
Vermögen angeſammelt haben ſoll, das ihn in die Lage verſetzt,
eine neue Armee aufzuſtellen.
Daily Mail berichtet aus Schanghai, daß Tſchiang Kai=
ſcheks
Heere ſich jetzt nach einem Verluſt von 30000 Mann in
voller Flucht befinden. Aus Nanking werden große Brände
gemeldet.

Einer Meldung aus Hankau zufolge haben ſich in der Gegem.
von Nantſchang die revolutionären Bauern erhoben und mo=
ſchieren
in einer Stärke von 20000 Mann unter der Führum,
von Kommuniſten gegen den Oſten der Provinz Kwantung. A-,/
ihrem Wege würden ſie auf fünf Diviſionen des Generals Ke
pette und auf die Armee Li Chi Shens ſtoßen, die an der Grenu=
zwiſchen
den Provinzen Kwantung und Kiangſi ſtehen.

Verzicht der Nankingregierung auf die Zuſchlagszöul
E.P. London, 15. Auguſt.
Nach einer Meldung aus Schanghai hat die Nanking=Regierum
bekanntgegeben, daß ſie auf die Durchführung der Zuſchlagszölle von
1. September an verzichten werde. Dieſer Beſchluß iſt wahrſcheinlich im
folge der ſtarken Oppoſition Japans und Frankreichs und vielleicht aue
algs erſte Folge des Rücktritts Tſchiang Kai=ſch=ks gefaßt worden. Die Ras
gierung gibt aber bekannt, daß ſie den Zuſchlagszoll von 2,5 Prozern
aufrecht erhalten werde, der von der Waſhingtoner Konferenz gewiſſer;
maßen ſtillſchweigend anerkannt worden ſei.

England und die Kriſe in Irland.
* London, 15. Auguſt. (Priv.=Tel.)

Der Staatsſekretär ſür Indien, Lord Birbenhead, läßt ſich in einerm
Interview mit dem Vertreter der Daily Mail über die iriſche Kriſſſe

wie folgt aus: Das iriſche Problem ſei hauptſächlich eine Frage des
geſunden Menſchenverſtandes der Bewohner und der geſetzgebenden Bae
hörden in Südirland. Der einzige Grund, warum er ſeine Erklärunn
abgebe, ſei die Tatſache, daß die Kriſe auch eine engliſche Seite habe=
Es ſei vielleicht wünſchenswert, daß ſich die Irländer in dieſem Augem
blick die Stallung zuuickriefen, die England auf Grund der Vertragsrechtitz
habe. Was den Einzug de Valeras in das iriſche Parlament angehe, ſun
habe er keinen Zweifel, daß in der nächſten Zeit de Valera eine Err
klärung abgeben würde, wie zwecklos es ſeir ihn ſei, einen Eid zu leiſten!
den er niemals, zu halten beabſichtige. Es gäbe indeſſen eine noch ſchwie
rigere Frage. Der Führer der iriſchen Nationalpartei, Kapitän Red
mond, habe die Hoffnung ausgedrückt, daß die britiſche Regierung viel=
leicht
geneigt ſein würde, die im iriſchen Vertrag niedergelegte Form dess
Treueides zu modifizieren. Er glaube, daß die gegenwärtige Form inn
ſo langen und delikaten Beſprechungen zuſtande gekommen ſei, daß ann
ihr nicht gerüttelt werden krirfe.

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Nummer 23F.

Dfenstagzden 46-Nuguft4192Z.

Seite 3

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſitadt, 16. Auguſt.
Der Ackerbau auf der Heſſ. Landesausſteltung.
die Beteillzung der heſtiſchen Landwirte erfreulich hoch iſt, wie aus rats D. Dr. jur. Wilhelm Bernbeck ſtatt. Nach beſonderen Wün=
rachſtehenden
Zahlen hervorgelt. In Klaſſe1 und 12 für beſte Geſamt ſchen des Dahingeſchiedenen follte ſeine Beiſetzung ſo ſtill wie
Siſtung von Ackerbauerzeugniſſen in wirkungsvoller Ausſtattung haben
Ech allein 50 Ausſteller gemeldet. Klaſſe 3 zeigt die beſte Geſamtleiſtung möglich vorgenommen werden, und doch geſtaltete ſie ſich zu einer
eſiſcher Pflanzenzuchten, Klaſſe 4 die beſte Geſamtleiſtung von über erhebenden Kundgebung von Liebe, Treue und Anhänglichkeit
Braugerſten werden von der Landwirtſchaftskammer Anfang Oktober glieder des Provinziglausſchuſſes und auswärtige Kreisvertreter
Freſes Jahres auch auf der Deutſchen Braugerſtenausſtellung ausgeſtell, eingefunden, um dem Verſtorbenen die letzte Ehre zu erweiſen,
o daß dieſes Jahr der heſſiſche Brauge

zn Klaſſe 7: Winterweizen, Klaſſe 8: Winterroggen, Klaſſe 9: Hafer.
laſſe 10: Sommerweizen und in Klaſſe 11: Wintergerſte, haben ſich griffenheit ſtanden alle, als Prälat D. Dr. Diehl die
rſaumen, 226 Ausſteller mit 254 Ausſtellungsnummern gemeldet.

(benfalls reichlich iſt der Hackfruchtbau, beſonders der Kartoffelbau, ver=
Proben angemeldet. In den Klaſſen 2124 beteiligen ſich 36 Ausſteller
rmmern entfallen.
ſSule zu Klein=Zimmern (Kreis Dieburg).
ſten Nachſuchen und unter Anerkennung ſeine langjährigen treuen
Obermuſikmeiſter M. Weber erſter Preisträger auf der Ausſtellung
bawißenswerten Wettbeſverb ausgeſchrieben. Die Feuerwehrkapellen,
s ſich in der Mehrzahl aus Nichtberufsmuſikern zuſammenſetzen,
de Einladung Folge geleiſtet u. a. die Kabelle der Feuerwehr Negen, als der Tote, nachdem der Segen geſpendet war, zur letz=
Neu=Iſenburg, die unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſter
9. Wiber ſteht. Sowohl die Auswahl der Muſitſtüicke wie auch das
göamte Auftreten der Katelle ließen eine gute Schulung und etwas
Arſonderes erwarten, und man ſah ſich nicht getäuſcht. Der Prieſterchor
urd die Arie des Saraſtro aus Mozarts Oper Die Zauberflöte fanden
ene unerwartet ausgezeichnete Wiedergabe; beachtenswert die Reinheit
u d Klangſchönheit, die das muſikaliſche Oyr erfreuten. Daß die Kapelle
ür gute Soliſten verfügt, ſei nur nebenbei geſagt. Während die Kapelle
ut dieſem Vortrag muſikaliſches Empfinden und Gefühl erkennen ließ.
z gte ſie ſich mit der Quvertüre Orpheus in der Unterwelt, Offenbach=
Ander, als ein techniſch gut gebildeter Apparat, dem Herr Weber ein
u treißender Dirigent iſt. Kapellmeiſter und Orcheſter errangen ſich bei
ſie noch ſteigerte, als Herr Weber dig aoldene Plakette,
iſserreicht von Herrn Syndikus Dr. Koch, auf der Tribüne in Empfang
nismen konnte. Die preisgekrönte Kapelle umrahmte die Preisvertei=
ſtrng
durch einige Vorträge und mußte mehrere Zugaben einlegen
ſerr Weber dürfte mit ſeinem Erfolg durchnus zufrieden ſein hoffent=
US, ſieht man ihn bald wieder. Das Preisgericht ſetzte ſich aus den
h rren Ebel/Vorſitzender des Reichsverbandes Deutſcher Tonkünſtler
huis) Muſikdirektor Pagel=Offenbach, Dr. L. Rottenberg und
Prandoberingenieur Buck zuſammen.
Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Hefſiſchen Landestheaters
Situng Direktor Adalbert Stefſter). Heute Dienstag, abends 8. Uhr.
0 die letzte Wiederholung der Operette Schwarzwaldmädel
or Leo Fall ſtatt. Als Stefan gaſtiert der Operettentenor Heinz
ſt inbrecher; den Mathaeus ſpielt Hans Neyz und den Vincenz‟ Heinz
ſtien vom Stadttheaten Hildesheim. Weiter ſind in den Hauptrollen
eſchäftigt die Damen Keßler, Neidhart, Zadora, Aman. Debus und
lüther, ſowig die Herren Aman, Daurer. Otto Schmidt und Viktor
ſiEkusprinzeſſin und am Samsta und Sonntan ſind als letzte Auffüh=
wieder
zehn Akademie=Konzerte, von denen acht im Großen Haus
2. Buſch Quartett wurden folgende namhafte Soliſten engagiert:
ammerſängerin Frau Maria Jvogün mit ihrem Begleiter Michael
duicheiſen (Arien= und Liederabend), Rudolf Serkin und Prof. Raoul
. Kozalsti (Alavierabend), Kammerſänger Paul Bender=Münchmn
Lederabend), Göſta Andreaſſon und Karl Doktor (Violine und Brat=
ſicheres
üben Mieten und den Einzelkartenverkauf wird in den nächſten
Cugen bekanntgegeben.
N Hölzelſtift und erfreut ſich noch körperlicher und geiſtiger Friſche.
arten ſind auf dem Verkehrsbureau erhältlich, desgleichen Eintritts=
zu
. und halb 6 Uhr für die Buhrn.
Saalbaukonzert. Das für heute Dienstag, den 16. Auguſt. im
fiucher ſicher auf ihre Rechnung kommen.
ſiermit nochmals hingewieſen. (S. Anzeige.)
ſi chknappheit in den benachbarten Städten Frankfurt, Offen= kirchlicher Frauenvereine in Heſſen, deſſen treuer Helfer und För=
6. um 2 Pfennig erhöht worden iſt, iſt auch in Darmſtadt mit und des Gedenkens Fürſtin Eliſabeth von Erbach=
Pfennig heraufgeſetzt worden.

Beiſetzung des Geh. Oberkonſiſtorial=
1als 9. Hr. Bernora.
Geſtern vormittag fand auf dem alten Friedhof die feierliche
IKD. Am 1. Auguſt iſt der Zeitpunkt für die Anmeldung für die Beiſetzung des ſo plötzlich verſtorbenen Vizepräſidenten des Lan=
4lckerbauerzeugniſſe abgelaufen. Es kann ſchon jetzt feſtgeſtellt werden, deskirchenamts und der Kirchenregierung Geh. Oberkonſiſtorial=
in
Saatbauſtellen in anerkanntem Saatgut. Sehr ſtark ſind die heſſi= über den Tod hinaus. Außer den nächſten Familienangehörigen
iehen Braugerſten in Klaſſe 5 vertreten, nämlich mit 110 Braugerſten, hatten ſich zahlreiche kirchliche Würdenträger, Vertreter der ſtaat= Der Ortsgewerbeverein und die Hand=
ſovon
die Hälfte allin aus Rheinheſſen ſtammt. Die beſten heſſiſchen lichen und ſtädtiſchen Behörden. Abgeordnete aller Parteien, Mit=
n
. In tiefer aufrichtiger Trauer umſtanden die Leidtragenden den Syndikus Dr. Kollbach von der Handwerkskammer über die Mün=
inzelklaſſen
des Getreidebaues die Beteiligung recht zufriedenſtellend. Sarg, der in der ſchlichtfeierlich geſchmückten Friedhofskapelle chener Handwerksausſtellung und ihre Lehren ſprach,
aufgebahrt war und unter Kränzen verſchwand. In tiefer Er= Profeſſor Dr. Sonne begrüßte als Vorſitzender die zahlreich Erſchie=
feierliche
Einſegnung
sten; hier ſind im den Klaſſen 1420 143 Ausſteller mit 420 Kartoffel=, vornahm und ſichtlich ergriffen von dem auch für ihn ſo uner= richtet werden ſolle. Für alle die velen Teilnehmer dieſer Sonderfahrt
z it 54 Futter= und Zuckernibemproben. Schließlich ſind Gründüngungs= warteten Tod ſeines Amtsbruders in ernſten Gebeten Gott die über Ulm und Augsburg ſei die rechte Einführung geweſen. Man hab.
lanzen, Klee= und Grasſämereien, Oel= und Hülſenfrüchte, ſogar Flachs Scele des Verſtorbenen empfahl. Er ſprach am Sarge ergreifende in der Oeffentlichkeit die Frage nach der Berechtigung der Münchener
und Hanf, ſowie Korbweiden, zuſammen mit 23 Ausſtellungsnummern, Bibelworte von der Vergänglichkeit des Menſchenlebens, das wie Ausſtellung aufgeworfen im Hinblick auf die Unzahl der ſich ablöſenden
1 rtreten, ſo daß insgeſamt auf den Ackerbau faſt 700 Ausſtellungs= eine Blume dahinſinkt und wie ein Schatten hinſchwindet. In Ausſtellungen; dieſe Bayeriſche Ausſtellung könne aber von ſich ſagen,
dem weiteren Gedankengang der Bibelworte wurde der Tod als, daß ſie ein überaus taugliches Mittel darſtelle, dem Handwerk in ſeinen
der Sünde Sold zebeichnet und Chriſtus als die Auferſtehung ſchweren Kampf um Erhaltung und Fortentwicklung weſentliche Dienſte
Ernannt wurde am 6. Auguſt der Lehrer Heinrich Rigth zu. und das Leben, der dem Tod den Stachel und der Hölle den Sieg zu leiſten. Bedauerlich ſei, daß das Handwerk in breiteſten Kreiſen hin=
1uter=Schönmattenwag (Kreis Hiſbpenheim) zum Lehrer an der Volls= nimmt. Auf Chriſtus gründen wir unſere Hoffnung zur Auf= ſichtlich ſeiner hohen Bedeutung heute noch vielſach verkannt werde. Im
Ebangeliſchkirchliche Nachricht. Durch Beſchluß der Kirchenregie= nach. In dem Gebet, das Prälat D. Dr. Diehl dann ſprach, müſſe dem Anſturm der Induſtrie Widerſtand leiſtem. Der erſte Abſchnitt
Ing wurde der ehangeliſche Pfarrer Georg Ritter zu Friedberg auf, war darauf hingewieſen, daß der Heimgegangene reich geſegnet dieſes gewaltigen Kampfes wurde bezeichnet durch die techniſche An=
4äenſte mit Wirkung vom 1. Oktober d. J. ab in den Nuheſtand verſetzt, war an Geiſtesgaben und daß er ein treuer Diener der Kirche wendung der Dampftraft und der Elektrizität in der zweiten Hälfte des
Muſft im deben der Vülkr, in Franfurt 7. M. Man ſchreibt uns: Paterland. In munchem ernſten Geſicht ſtanden ſchwere Tränen, derſehrt hervorgegangen, wenn im auch biele den bölgen Untergang
äre Ausſtellungsleitung hatte für den 14. Auguſt einen eigenartigen, der Tod hatte zu unerſwartet einen hochverdienten und beliebten vorausgeſagt hätten. Einige Handwerkszweige ſeien allerdings unter=
AUten ſich in friedlichem Wettbewerb meſſen. Fünfzehn Kapellen haben. Selbſt der Himmel ſchien zu trauern, unabläſſig ſtrömte der
ten Ruheſtätte geleitet wurde. Ernſt und feierlich klangen die Platz behaupten. Die Münchener Handwerksausſtellung ſei gewiſſer=
Glocken der nahen Pauluskirche, eruſt und feierlich waren die
ten, ihn in dankbarem Gedenken ehrten und ſtill gelobten, ihn nie
zu vergeſſen, ihm Liebe und Treue für alle Zeiten zu halten.
Nach Einſegnung des Grabes und ernſten Gebeten wurden zahl=
reiche
Kränze niedergelegt.
Kranzuiederlegungen.
Prälat D. Dr. Diehl legte für die Regierung der Evange=
drn
überaus zahlreich erſchienenen Publikum begeiſterten Beifall, der liſchen Kirche in Heſſen einen Kranz nieder mit den Worten; verſchiedene Werkſtätten des Handwerks, allg mit den beſten und neu=
Die Kirchenregierung widmet den erſten Kranz, der am Grabe
des Verſtorbenen niedergelegt wird, ihrem erſten ſtellvertretenden einzelnen wurden dann verſchiedene Handwerksbetriebe und ihre beſon=
Präſidenten, dem aufrichtig frommen Manne, dem von heiliger deren Arbeitsmethoden geſchildert.
Liebe zu ſeinen Brüdern erfüllten Chriſten und dem Diener der
Kirche, der treu war bis in den Tod und im Dienſte der Kirche
ſein Leben aufrieb. Wir wollen das Vermächtnis ſeines Lebens Mit 450 Teilnehmern ſei man im geſchmückten Sonderzug nach München
Md Muſiklehrer), Kapellmeiſter Nettſträter Frankfurter Opern= feſthalten. Chriſtus: Wer unter Euch vielen der Vornehmſte
werde, der ſei Euer aller Knecht, der Menſchenſohn iſt auch nicht den heſſchen Handwerkern einen herzlichen ofſiziellen Empfang in der
ſein Leben zu einer Bezahlung für viele.
N. der Partie des Nichard gaſtiert der noch von ſeiner vorjähuigen kirchentags D. Dr. Freiherr Heyl zu Herrnsheim bnechender Dunkelheit die Bergführer auf den jäheſten Graten lodernde
üigen Tätigkeit beſtens bekannte beliebte Buffo Paul Schüßler; einen Kranz nieder. In ſeinem warmen Nachruf führte er aus: Feuer angezündet hätten, die ſür die Brüder im entriſſenen Südtirol
e Domkapellmeiſter ſingt Hans Neh. Morgen Mittwoch und am Der Landeskirchentag hat am 9. Juni 1923, alſo vor vier Jahren, ein Fanal tneuen Gedenkens und Mitfühlens ſein ſollten. Wie dieſe
durinerstag finden zwei Aufführungen der Operette Der fidele Bauer, das hohe und ungewöhnlich langjährige Verdienſt des damaligen Flammenzeichen Ausdruck der Hoffnung ſeien, ſo möge auch die Bahe=
Mitgliedes des Oberkonſiſtoriums Geheimerats D. Bernbeck riſche Handwerkausſtllung ein ragendes Mal an dem Wege einer beſſe=
durch
eine völlig einmütige Wahl zum Stellvertreter des ſtell=
vertretenden
Präſidenten der Kirchenregierung auf Lebenszeit ge= fall. Sodann ergriff Malermeiſter Gg. Krans, das Wort, um
würdigt. Wir haben damals zum Ausdruck gebracht, daß wir ſeinerſeits die Ausführungen von Dr. Kollbach nach mancher Hinſicht zu
ärmidt. Leiter der Aufführung iſt Direktor Steffter Freitag iſt die Führung der rechtlichen und finanziellen Verbindung unſerer unterſtreichen. Als Leiter dankte er weiterhin Herrn Dr. Kollbach für=
ocmals
zu ermräßigten Preiſen von 13 Mk. eine Aufführung von Die Landeskirche in keine beſſere und ſicherere Hand legen konnten, die muſtergültige Durchführug der Sonderfahrt. Der Vorſitzende der
als in die ſeine. Wir hart trifft unſere liebe Landeskirche nun Handwerkskammer, Herr Jakob Nohl, habe das Richtige erkannt, als
it gen Paganini mit Kammerſänger Jörn als Gaſt in der Titelrolle, dieſer Verluſt nach 20jähriger Zuſammenarbeit! Schon nach vier er dieſe Fahrt angeregt habe. Mit herzlichen Worten ſprach daraufhin
Zem Akademie=Konzerte 1927 28. Wie in den Vorjahren ver= Jahren treueſter und ſchwerſter Arbeit als Präſident wird der für den Vortrag aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Dr.
altt die Städtiſch= Akademie für Tonkunſt auch im kommenden Win= auf Lebenszeit Gewählte im rüſtigſten Mannesalter von uns Kollbach noch öfters im Ortsgewerbeverein ſpwechen möge. Nach einer
Heſſiſchen Landesthegters und zwei in der Turnhalle am Woogsplatz genommen! Wir haben ihn bewundert. Wir haben ihn ob ſeiner kurzen Ausſprache fand dann die außerordentlich eindrucksvoll verlaufene
gsfinden. Außer dem alljährlich im Rahmn dieſer Konzert auftretzen= Treue geliebt. Wir ſtehen an dieſem Grabe mit der Familie un= Verſammlung ihr Ende.
tröſtlich in tiefſter Sorge infolge des ſchweren, unerſetzlichen Ver=
luſtes
, und nur unſer Glaube, unſer Gottvertrauen könuen uns
helfen. Lieben wir unſere Landeskirche ſo, wie er ſie geliebt hat, dieſe Erklärung: Am Sonntag, den 14. d. Mts, abends, hatten
ſeien wir wie er ſo getreu im Amte, getreu unſerem angeſtamm= wir von 21.40 bis 22.13 Uhr eine Unterbrechung in der Strom=
40 Niele Queling Btolinel Prof Valter BraunfelsKöln (chlavier), ten Glauben, dann wird das Lebenswert dieſes hervorragenden lieſferung, verurſacht durch das während dieſer Zeit beſtandene
Nunche Schiffmann=Bern Biolonell). Frau Lieſel Richartz (Geſang). Mannes in ſeinem Einne weitergebaut, und Gott wird mit uns Unwetter, indem durch atmoſphäriſche Entladung in unſerer
ſein. Ihm ſchenke der Herr ſeinen Frieden!
hohes Alter. Am 16. Auguſt begeht Frau Jeanette Müller, amtes legte Geh. Oberkonſiſtorialrat Merck einen Kranz nieder Störung iſt darauf zurückzuführen, daß entſprechende Vorkehrun=
fA
. Schller ihren 89 Gbeurtstag. Die Dame wohnt Heinrichſtraße 74 zum Gedenken an den raſtlos mitarbeitenden Kollegen. Negie= gen getroffen werden mußten, um den Schaden zu beſeitigen.
rungsrat Dr. Schäfer widmete dem Verſtorbenen im Namen vereine im Heſſiſchen Kamerad werden dahin berichtigt, daß der Fami=
Verkehrsberein. Am Sonntag, den 21. Auguſt, verkehrt wieder des Provinzialausſchuſſes, dem er 20 Jahre angehörte, einen lienabend bei der Gravelottfeier am 18. Auguſt ſämtlicher der Haſſia
Sonderzug nach dem ſchönen Würzburg. Der Fahrpreis Kranz mit einem warmen Nachruf, in dem er auf den ſelten angehörenden Darmſtädter Kriegervereine ſowie der dazu eingeladenen
eisägt 6 Mark. Zugabfahrt vormittags 7.44 Uhr, Rückfahrt 22 11 Uhr, edlen Charakter des Verblichenen hinwies, der zäh und uner= Verbänd, nicht im Bürgerhof, ſondern im Konkordiaſaale (Waldſtraße
uten zu bedentend ermäßigten Preiſen zur Beſichtigung der Sehens= müdlich in der Arbeit war, ein treuer Helfer aller Notleidenden Nr. 33) ſtattfindet.
ürdigkeiten Würzburgs, wie das Reſidenzſchloß, Hofgarten, das Luit= und als ſolcher ſich beſonders der Wahlfahrtsangelegenheiten an=
zomuſeum
, Kunſtgeſchichtliches und Naturkundemuſeum Gemäldegalerie genommen hatte. Weitere Kränze legten Prof. Weimar für mehr am Mittwoch, den 17. Auguſt, vormittags 8 Uhr. Die
ſ. Es werden nur ſoweit Karten verkauft, als Sitzplätze vorhanden den Gießener Wingolf und Vertreter des Heidelberger und Darm= Ziehungstage ſind wie folgt neu feſtgeſetzt worden: 17. 18. 19., 30., 22.,
ſtädter Wingolf nieder, die in tiefer Trauer des allzeit treuen B., 9. B., 95., N. B., 30. 31. Auguſt., 10 2. 3., Hu K. T. Kr
Johannesgemeinde. Die Konfirmationsſtunde des Sſidbezirks Bruders gedachten. Als letzte Ehre wurden dem Verſtorbenen 9., 10. 12. 13., 14. 15., 16. September. Die Einſchüttung des nach=
zunnt
Mittwoch, den 17. Auguſt, nachmittags 4 Uhr, für die Mäd= die dreifarbigen Burſchenbänder dreier Verbindungen in das geprüften bzw. neu hergeſtellten Nummernmaterials ſowie der Gewinn=
Grab gelegt. Polizeidirektor a. D. Reinhart rief namens röllchen findet am Anfang dieſer Woche ſtatt. In Abänderung des bis=
g
.lbau angeeigte Kroße Konzert des Neichsbundes der früheren Mili, der Ortsgruppe Darmſtadt der Deutſchnationalen Volkspartei herigen Verfahrens werden die ſtntlichen Ziehungsgeſchäfte von be=
imuſiker
findet auf jeden Fall (bei ungünſtiger Witterung im dem Verſtorbenen, einen der beſten, die er kannte, einen letzten General=Lotterie=Direktion angehören. Die Ziehungs=
zuele
) ſtatt, und werden bei den bekannt guten Darbietungen die Gruß zu und legte einen Kranz nieder. Weitere Kränze wurden, kommiſſare werden nach einem ihnen vorher nicht bekannten Plaue in
von dem Stadtverordneten Sames für das Rettungshaus ihrer Tätigkeit wechſeln. Außerdem wird die Aufſicht durch zwei Kon=
Städtiſches Orcheſter. Auf den heute abend 8 Uhr im Herrngarten= Hähnlein, deſſen Vorſitzender der Verſtorbene war, und von trollbeamte (ie eimer am Nummern= und am Gewinn=Rad) verſchärft.
Aee ſtattfindenden Soliſtenabend, verſtärktes Kammerorcheſter) Pfarrer Wagner=Darmſtadt für die Epileptiſchen=Anſtalt und der Ziehungstiſch wird näher an das Publikum herangerückt. Es
Nieder=Ramſtadt und den Landesverein für innere Miſſion mit iſt damit die volle Gewähr für eine vollkommen eiwandfreie Ziehungs=
Miſchpreiserhöhung. Nachdem infolge der herrſchenden warmen Nachrufen niedergelegt. Für den Verband evangeliſch= art gegeben. Im übrigen werden bei Beginn der Ziehung die beiden
De, Hanau. Mainz und Worms der Milchpreis am 16. Auguſt derer der Verſtorbene war, ſprach warme Worte der Dankbarkeit
kung vom 16. Auguſt der Milchpreis um 2 Pfennig, alſo auf Schönberg. Auch ſie legte einen Kranz am Grabe nieder, Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
ebenſo wie D. Dr. Freiherr Heyl zu Herrnsheim mit
folgenden Worten: Namens des Heſſiſchen Hauptvereins der ſchloſſen Konzerte: Schloß=Cafe; Hotel=Reſtaurant Schmitz;
Guſtav=Adolf=Stiftung lege ich dieſen Kranz an der Bahre unſe= Café Rheingold Herrngarten=Café.
res hochverehrten ſtellvertretenden Vorſitzenden nieder Gutes Militärmuſiker, abends 8 Uhr, im Städt. Saalbaugarten:
tun an des Glaubens Genoſſen, hat er in reichem Maße geübt,
geholfen und gefördert, wo er nur konnte. Der Guſtav=Adolf=
Verein, der getreue Diener und Wegbereiter der Landeskirche in Landesmuſeum: Alte Kunſt, Mathildenhöhe: Neue Kunſt. Hotel
der Diaſpora und der Träger der Syntheſe deutſchebangeliſch im Hufnagel, Seheim: Tanz.
D

Talande, war mch dem herzen beſes trauderniſchen eumgs=
liſchen
Mannes. Wir ſind ſtolz, daß er der Unſere war. Er war
es aus voller Scele. Sein Name wird in unſeren Annalen
fortleben.
Viele Leidtragenden hatten dem Verſtorbenen noch letzte
Grüße zuzurufen, aber innere Bewegung und tiefe Trauer mach=
ten
das Sprechen unmöglich. Einzeln traten die Hinterbliebenen
und Freunde an das offene Grab. Die letzten aufrichtigen
Trauerkundgebungen konnten ſie nur durch die kalte naſſe Erde
bezeugen, die ſie dem Toten in die Gruft ſandten mit dem ſtillen
Wunſche Reduiescat in pace‟.

2 Ausstellungen
Juni September, 10-19 Uhr (0073a
Landesmuseum Mathildenhöhe
War
Der Wes zur Hodiene
und Sauberkeit führt eigentlich zwangsläufg zur chemischen Reinigung Ihrer Garderobe und
aller Gegenstände, mir denen Sie täglich in Berührung kommen. Nicht nur Schmutz, Flecken und
Krankheitskeime werden aus Ihrer Kleidung, Ihren Decken, Kissen, Teppichen, Vorhängen. Hand-
Schuhen usW. beseitigt, die meisten Dinge werden auch wieder eife maei. Auck das Auffärben
und Plissieren aller Arten Stoffe wird von uns in der bekannten erstklassigen Weise ausgeführt.

werkervereinigung Darmſſadt
hatten im Fürſtenſaal zu einer Verſammlung eingeladen, in der
nenen und erteilte dem Redner das Wort. Dieſer führte in ſeinem ein=
einhalbſtündigen
freien Vortrag zunächſt aus, daß auch über die Sonder=
fahrt
des heſſiſchen Handwerks zur Münchener Gewerbeausſtellung be=
hätten
die Münchener Tage ein ſtarkes Erlebnis bedeutet. Die Hinfahrt
Zeitalter der Tachnik herrſche teilweiſg noch eine unerhörte Unkenntnis
erſtehung. Selig ſind die Toten, denn ihre Werke folgen ihnen über die einfachſten Arbeitsvorgänge beim Handwerk. Das Handwer
war. Sein Wirken war ein Segen für die Kirche, für Volk und 19. Jahrhunderts. Aus dieſem Ringen ſei das Handwerk im Kern un=
gegangen
und könnten auch nicht zu neuem Leben erwackt werden. Faſt
Führer, einen treuen Anhänger ſeiner Kirche aus ſeiner arbeits= noch bedeutungsvoller ſei der Kampf heute geworden, wo die Induſtrie
reichen Tätigkeit und aus der Mitte ſeiner Freunde geriſſen, unter dem Schutz des Hochkapitalismus eine ungeheure Nationaliſierzng
und Konzentration durchführe, die ihr viele neue Möglichkeiten verſchaffe.
Aber auch gegenüber dieſer Entwicklung müiſſe das Handwverk ſeinen
maßen ein Spiegelbild aller Problemo. Dieſe Ausſtellung wolle einer=
ſeits
der breiten Oeffentlichkeit die große Bedeutung des deutſchen Hand=
Gedanken all der Leidtragenden, die bei dem Verſtorbenen weil= werks dartun und auf der anderen Seite, dia Handwerker ſelbſt auf
die Aufgaben der Gegenwart und die Möglichkeiten der Zukunft hin=
weiſen
. Die Münchener Ausſtellung ſei keine der üblichen Meſſen; man
habe ſie mit Recht als eine lebendige Denkſchrift bezeichnet. Man
könne die Ausſtellung in zwei große Teilg teilen: das Handwerk als
Betriebsform und das Handwerk als Berufsſtand. Der allgemeine
äußere Eindruck der Ausſtellung ſelbſt ſei hervorragend. In muſtergül=
tiger
Weiſe habe ſie zudem ihre Aufgabe gelöſt und zeige das Handwerk
in ſeiner hiſtoriſchen Entwicklung bis zur Gegenwart. Vierundſiebzig
zeitlichen Hilfsmitteln ausgeſtattet, ſehe man in vollem Betrieb. Im
Im zweiten Teile ſeiner Ausführungen behandelte der Redner die
Durchſüihrung der Sonderfahrt des heſiſchen Handwerks im einzelnen.
gefahren. Der Aufenthalt dort habe eine Fülle von Eindrücken geboten.
Ausſtellungsleitung, Handwerkskammer und andere Behörden hätten
gekommen, daß er ſich dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe Ausſtellung bereitet. Viele Tälnehmer haben damn ſpäterhin noch das
bayeriſche Alpenland und das nahe Tirol aufgeſucht. Eine ſtattliche
Gruppe war am 21. Juni, dem Tag der Sonnenwende, auf dem Gipfel
Für den Landeskirchentag legte der Präſident des Landes= der Zugſpitze verſammelt. Ergreifend ſei es geweſen, wie bei herein=
ren
Zeit für das deutſche Handwerk bedeuten.
Die Beſucher dankten dem Redner durch lebhaften anhaltenden Bei=
der
Vorſitzende Herr Profeſſor Dr. Sonne Anerkennung und Dank
E Die Heag gibt zu der Stromunterbrechung am Sonntag
Hauptſchaltanlage Dornheimerweg verſchiedene Stütziſolatoren
Im Namen der Mitglieder und Beamten des Landestirchen= jertrümmert wurden und verbrannten. Die lange Dauer der
Kriegerkameradſchaft Haſſia. Die Bekanntmachungen der Krieger=
Preußiſch=Süddeutſche Klaffenlotterie. Die Ziehung der 5. Klaſſe,
die aus den bekannten Gründen verſchoben werden mußte, beginnt nun=
amteten
Kommiſſaren vorgenommen und beaufſichtigt, die nicht der
veruntreuten Beträge, nämlich von 100 000 Mark und 25000 Mark,
unter die Nieten der letzten Ziehung ausgeſpielt werden.
m55.
Tageskalender für Dienstag, den 16. Auguſt 1927.
Haus, abends 8 Uhr: Schwarzwaldmädel. Orpheum: Ge=
Reichsbund ehem.
3. großes Vereinskonzert. Turngeſelllſchaft, abends 7½
Uhr: Fackelzug. Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=
Theater, Palaſt=Lichtſpiele Ausſtellung, von 1019 Uhr,

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Dienstag, den 16. Auguſt 1927

Nummer 226

Bei den Gegelſegern auf der Rhön.
Wie bereits gemeldet, hat der junge Darmſtädter Segelflieger
bewerbes auf der Maſchine Darmſtadt erhalten. Er hat Donnerstag,
den 11. Auguſt, einen Ueberlandflug von 51 Kilometean durchgeführt,
wurde. Die Preiſe betragen je 3000 Mark, ſo daß er der Darmſtädter
Fliegergruppe 6009 Mark von der Rhön heimbringt. Es iſt ein Zeichen
großer Kameradſchaftlichkeit, daß die anderen Darmſtädter nicht etwa
mit Nehring in Konkurrenz traten, ſondern in gemeinſchaftlicher Arbeit
dahin zielten, daß Nehring die Preiſe für die Gruppe holte. Die Preiſe
kommen nicht etwa dem Sieger, ſondern der Gruppe zugute. Das Flug=
ſich
Samstag zur Rhön, um als beſondere Ehrung dem Piloten Nehring
die ſilberne Plakette der Stadt Darmſtadt zu überreichen. Nehring, der
erſt ſpät in der Nacht von einem Fernflug heimgekehrt war, empfing
die Auszeichnung im Bett. Er war außerordentlich erfreut über die
Ehrung und war in ſeiner Beſcheidenheit beſonders ſtolz darauf, die
Erwartungen der Stadt Darmſtadt verwirklicht zu haben. Die leitenden
Perſönlichkeiten der Rhön=Roſitten=Geſellſchaft, Herr Konſul Kotzenberg
und Herr Orſinus, nahmen Gelegenheit, ſich bei Herrn Bürgermeiſter
Mueller für das Intereſſe, das die Stadt Darmſtadt zeigt zu bedanken.
Sie betonten, daß gerade das große Verſtändnis, das in Darmſtadt für
den Segelflug zu finden ſei, auf die Leiſtungen der Piloten anfeuernd
wirke.
Auf der Waſſerkuppe iſt eine Art Zeltlager entſtanden. Im ganzen
beſinden ſich dort 80 Segelflugzeuge, von denen jetzt indes nur ein Drit=
tel
an den letzten Wettbewerben teilnahmen. Beſondere Aufmerkſamkeit
findet eine leichte Segelmaſchine mit Namen La preuve, die mit einer
Hand zu heben iſt. Dieſes wohl kleinſte und leichteſte Flugzeug der Welt
hat ausgezeichnete Flugeigenſchaften.
Von beſonderer Bedeutung iſt die diesjährige Teilnahme der fran=
zöſiſchen
Segelfliegern, die jedoch in den Hauptwettbewerben gegenüber
den deutſchen Maſchinen keine Erfolge erringen konnten.
Ein Ausflug zur Waſſerkuppe iſt ebenſo intereſſant wie reizvoll.
Man kann mit dem Auto bis zum Fluglager fahren und hat dort einen
herrlichen Blick auf die Rhön und die Thüringer Berge. Einige hundert
Jungflieger, meiſt von gkademiſchen Fliegergruppen, ſind dort oben
verſammelt und arbeiten unter den einfachſten Verhältniſſen in idealer
Weiſe für ihre Sache. Wir hatten Gelegenheit, an dem ſpartaniſchen
Abendeſſen teilzunehmen: Linſenſuppe mit Wurſt, die ausgezeichnet
mundete. Profeſſor Ggorgi, von der Techniſchen Hochſchule Darm=
ſtadt
iſt mit ſeinem Aſſiſtenten Dr. Höhendorf, oben und treiben
dort wiſſenſchaftliche Forſchungen. So iſt Darmſtadt dort in mancher
Beziehung belannt.
Auf der Rückfahrt blieben wir einige Stunden im Brückenau, wo
gerade das Bezirksturnfeſt Unterfranken ſtattfand. Auf dem Feſtplatz
mit ſeiner Tiroler Gruppe. Auch hier wurden wir als Darmſtädter
beſonders herzlich begwißt, gerade im Hinblick auf die Erfolge Nehrings.

Sicherung der Kaufſchillinge.
Nach heſſiſchem Recht wurden Kaufſchillinge durch Eintragung einer
Beſchränkung zugunſten der Gläubiger geſichert. Mit Anlegung des
Reichsgrundbuchs waren die Beſchränkungen als Sicherungshypotheken
in das neue Grundbuch zu übernehmen. Da in Darmſtadt bezüglich
einiger Bezirke das Reichsgrundbuch ſehr ſpät angelegt wurde, ſo kam
ſehr häufig der Fall vor, daß die Kaufſchillinge vor der Anlegung des
Grundbuchs zurückbezahlt wurden, und ſomit die Beſchränkung nicht
mehr als Sicherungshypothek übernommen werden konnte. Fiel die
Zurückzahlung des Kaufſchillings in die Zeit vom 15. Juni 1922 bis
zum 14. Februar 1924, ſo haben die Gläubiger dieſen bei der Auf=
wertungsſtelle
zur Aufwertung angemeldet. Die Aufwertungsſtelle hat
ſich auf den Standpunkt geſtellt, daß es ſich in einem ſolchen Fall um
die Aufwertung eines nicht durch Hypothek geſicherten Kaufſchillings
handelt, und hat dem Gläubiger anheimgegeben, auf dem Wege des
Prozeſſes ſeine Rechte geltend zu machen. Das Oberlandesgericht Darm=
ſtadt
hat nunmehr in einer Beſchwerdeſache dahin entſchieden, daß zur
Aufwertung der oben näher bezeichneten Kaufſchillinge nicht die or=
dentlichen
Gerichte, ſondern die Aufwertungsſtelle
zuſtändig ſei, da dieſe Kaufſchillinge genau ſo zu behandeln ſeien
wie die, für welche eine Sicherungshypothek eingetragen geweſen war.
us empfiehlt ſich daher für die Gläubiger, die noch keine Klage er=
hoben
und ſich auch nicht mit ihren Schuldnern geeinigt haben, bei der
Aufwertungsſtelle das Verfahren wieder aufzugreifen.

Polizeibericht.
Achtung, falſche Zwanzigmarkſcheine im Umlauf.
Vor einigen Tagen wurde in einem hieſigen Geſchäft ein Falſi=
fikat
eines Zwanzigmarkſcheines, datiert vom 11. 10. 24, in Zahlung
gegeben. Das Falſchſtück hat die Nummer 7 142 38. Ein gleiches Falſie
fikat mit derſelben Nummer iſt auch in Mannheim feſtgeſtellt worden.
Die Fälſchung iſt insbeſondere an den allgemein ſchwachen Waſſerzeichen
und an den helleren Farben zu erkennen. Während bei den echten
Noten die Waſſerzeichen von dunkelbrauner Farbe über das ganze Pa=
vier
gleichmäßig und deutlich ſichtbar verteilt ſind, iſt bei den Falſi=
fikaten
das Waſſerzeichen, insbeſondere am Schaurand, kräftig konturen=
artig
nachgeahmt. Wenn Falſifikate gegen das Licht gehalten werden,
iſt das Waſſerzeichen unter dem Frauenbildnis anſichtbar, während bei
den echten Noten die Waſſerzeichen deutlich zu ſehen ſind. Es wird
nochmals darauf hingewieſen, daß für die Ermittelung des Herſtellers
und Verbreiters falſcher Banknoten und Münzen ſeitens des Reichs=
finanzminiſteriums
hohe Belohnungen zugeſichert ſind. Sachdienliche
Mitteillungen werden bei der Kriminalpolizei, Zimmer 5, entgegen=
genommen
.
Ueberfälle auf Frauen.
In letzter Zeit mehren ſich im Zentrum der Stadt Ueberfälle auf
Frauen. So wurden wiederholt in der Wilhelminen= und Waldſtraße
gegen Mitternacht Frauen unter dem Schutze der Dunkelheit in umſit=
licher
oder räuberiſcher Abſicht angefallen. In den bis jetzt vorliegenden
Fällen konnte der Täter ſein Vorhaben nicht verwirklichen, da ſich die
Angegriffenen zur Wehr ſetzten oder der Täter beim Erſcheinen von
Straßenpaſſanten, die auf die Hilferufe der Frauen herbeieilten, die
Flucht ergriff, ſo daß er unerkannt entkommen konnte. Perſonen, die
über die Perſönlichleit des Täters zweckdienliche Angaben machen kön=
nen
, werden erſucht, bei der Kriminalvolizei, Zimmer B6, vorzuſprechen.
In einem hieſigen Elektrotechniſchen Inſtitut und Inſtallations=
geſchäft
wurden aus der Kaſſe verſchiedene Male in gewiſſen Zeitab=
ſtänden
mehr oder weniger große Geldbeträge entwendet. Nachdem
ſich der gegen eine Geſchäftsangeſtellte gehegte Verdacht als ubegründet
herausgeſtellt hatte, konnten ein in dem Geſchäft tätiger Elektrotechniker
und ein Lehrling als Täter überführt werden.
In den letzten Tagen wurden hier nachſtehende Herpenfahrräder
entwendet: Marke Lifag‟ Nummer 43811. Marke W. K. C. Num=
mer
40 686 und ein Herrenfahrrad, deſſen Marke unbekannt iſt, mit der
Fabriknummer 331 786.
In einem Hauſe in der Kahlertſtraße wurde ein herrenloſes Fahr=
rad
, Marke Nero aufgefunden. Perſonen, die Eigentumsrechte gel=
tend
machen können, werden gebeten, bei der Kriminalpolizei, Zimmer 5,
vorzuſprechen.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentſichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaltion leineriet Der=
antwortung
: für ſie bleibt auf Grund des 9 21 Abſ. 2 ded Preſſegeſehzes in vollem Umfang=
der
Enſender verantwortich.) Einſendungen, die nicht verwendet werden. Uönnen nicht
zurückge andi, die Ablebnung nicht begründet werden.
Rückſichtsloſer Radfahrer
Am 11. d. Mts (Verfaſſungstage) wurde ein Spaziergänger auf
dem mit Pfad für Fußgänger bezeichneten Straßenteil zwiſchen Jagd=
ſchloß
Kranichſtein und Meſſel von einem Radfahrer umgerannt, weil
der Nadfahrer dem Fußgänger nicht links ausbog. Beide kamen zu Fall.
Anſcheinend war es ein Radfahrer aus Offenbach, da ſolche wiederholt
ſchon den Standpunkt vertneten laben, der Fußgänger müſſe dem Rad=
fahrer
auch auf den für die Fußgänger bezeichneten Straßenteilen aus=
weichen
. Durch das Fehlen der Nummerplatte iſt die Feſtſtellung dieſes
rückſichtsloſen Radfahrers (Jüngling von 18 bis 20 Jahren) leider un=
möglich
gemacht.

*Der Ausflugsſonderzug nach Baden=Baden
den die Reichsbahndirektion Mainz am Sonntag eingelegt hatte, ſollte
Nehring, die beiden großen Preiſe des diesjährigen Segelflugwett= eine kleine Entſchädigung ſein für alle die, die nicht mehr mit dem
ausverkauften Sonderzuge an den Bodenſee fahren konnten. Aber es
wurde mehr als nur Entſchädigung, es wurde Erlebnis, und wird Er=
der
deshalb beſondere Erwähnung verdient, weil Nehring bewußt auf innerung bleiben. Pünktlich, wie man das nicht anders gewöhnt iſt, Gemeinde wurde am Samstag abend im Saale des Gaſthauſes Zur
herannahende Gewitterwolken hin ſtartete und von dieſen hochgeriſſen hielt der gutbeſetzte Zug die vorgeſehenen Fahrzeiten ein. In dem herr=
r
lich gelegenen Baden=Baden, das, umſäumt von ſchützenden Bergen und ſchaft ſowie der Mitwirkung der Geſangvereine Liederkranz, Freie Sport=
hohen
Schwarzwaldtannen, an der träumeriſch dahinfließenden Oos liegt,
hatten die ſehr zahlreichen Fahrtteilnehmer einen ganzen Tag Zeit, ſich
allen Genüſſen ausgiebig hinzugeben, die ein Weltbad von internationg=
lem
Ruf uns bieten. Man hatte ſich mit dem Wettergott verſtändigt
und daher herrlichſten Sonnenſchein nicht nur in der Natur, nein, auch
zeug Darmſtadt iſt aus den von der Stadtverordnetenſitzung einſtimmig im Herzen. Durch umſichtige Fremdenführer war für zweckentſprechende
bewilligten Mitteln gebaut worden. Herr Bürgermeiſter Mueller begab Zeiteinteilung geſorgt. Vormittags beſuchte man das prachtvolle Kur=
haus
, deſſen großzügig=vornehme Innenräume, die Kurſäle, Lefeſäle,
Spiel= und Muſikſäle von berufenen Führern mit erläuternden Vor=
trägen
gezeigt wurden. Dann erging man ſich in dem herrlichen Kur=
gäſte
und hauptſächlich an den guten Darbietungen der Kurkapelle, be=
ſichtigte
dann die weiten ſchattigen Kuranlagen, die Trinkhalle genoß
Schaffung des ohnehin vorhandenen Appetits zum Mittageſſen. Nach
der in Erholungsorten üblichen Mittagsruhe beſichtigte man die Schön=
heiten
der Umgebung und Baden=Badens ſelbſt. In einem bequemen
Omnibus gelangte man bis zu der alten Burgruine, von der aus man
einen herrlichen Blick genoß, der aber noch übertroffen wurde von dem
wunderbaren Fernblick auf dem Merkur‟. Hier oben in luſtiger Höhe,
tief unter ſich die winzig kleinen menſchlichen Wohnungen, in der gol=
denen
Ferne den Silberſtreifen des Rheins, fühlte man ſich frei, losgelöſt
von allen Sorgen des Alltags, dem Himmel und der Sonne nahe. Nur
zu raſch vergingen die kurzen Minuten des Aufenthalts: man hatte ſich
noch in dem vornehmen Reſtaurant an Kaffe und Kuchen geſtärkt und
fuhr vergnügt mit der ſteilen Bergbahn talwärts. Der Tag ging zur
Neige man mußte Baden=Baden verlaſſen. Aber der eine Erholungs=
tag
, der in luſtiger Geſellſchaft in dem beneidenswert ſchönen Bad ver=
Herzen und voll Dankbarteit gegen die Reichsbahndirektion, die dunch ſollen durch öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Angebote miſt
ihre Einſicht ſolche Fahrt ermöglicht hat.
Eine Fahrt zur Nordſee!
Die Ingend hatte in dieſem Jahre ſchöne Sommerferientage, einer=
lei
, ob ſie im Gebirge, oder an der See, oder in der engeren Heimat
verbracht wurden. Nun geht für die Jugend der Ernſt der Arbeit wie=
ſtanden
haben, deren Ferientage jetzt erſt beginnen. Sie halten Aus=
ſchau
nach Gelegenheit zur Ausſpannung, ſie überprüfen die Möglichkeit,
war übrigens derſelbe Feſtwirt wie auf dem Kreisturnfeſt in Darmſtadt wie es bei der geſpannten wirtſchaftlichen Lage möglich ſein kann, ohne
unerträglich hohe Opfer ſich ſchöne Ferientage zu verſchaffen. Da hat nun
die Reichsbahndirektion Mainz durch die Einſührung ihrer billigen mehr=
fen
war eraibt ſich erneut aus der Tatſache, daß der vom 13.15. Aug. meinderats. Die erſte Sitzung des Ausſchuſſes fand am 9. Auguſt ſtnt.
ren, die nach dem Norden wollen, am Ziel ihrer Wünſche zu ſein. Vom werden alsdann immer nuch einige Wochen vergehen. Die Um=
oder
Sonderdampfer unterwegs, die ſich zur Fahrt nach Bremen, Helgo= Das Aufteilungsprojekt über die von der Gemeinde beabſichtigte Um=
eigneten
Bahnhöfen längerer Verpflegungsaufenthalt. Zeitig trifft man
in Bremen ein, wo der Norddeutſche Lloyd für gute und preiswerte und Waldfrieden und wird weſtlich von der Neuen Darmſtädter Straße
Unterkunft ſorgt. Bremerhaven und Helgoland ſind Ziel des nächſten
Tages. Eine Nacht in Helgoland, vom brauſenden Meer in Schlaf ſtädter Straße führenden Parallele begrenzt. Herr Vermeſſungsrat
gewiegt! Sonntag nachmittag und der ganze Montag iſt Norderney Burk referierte auf Grund des vorgelegten Projekts und zeigte an
gewidmet. Badeleben, Strandlehen, Dampfer= und Segelfahrten wech= Beiſpielen die Auswirkung der Umlegung für die eineelnen Grund=
ſeln
ab. Die Rückfahrt erfolgt Dienstag morgen ab Norddeich unter= ſtückseigentümer. Daraus konnte erſehen werden, daß bei der zunächſt
wegs iſt wieder Verpflegungsaufenthalt, darunter in Köln eine Stunde;, noch ganz rohen Geländeauſteilung weitgehendſte Rückſicht auf die natür=
der
im letzterer Stadt ſicher von Vielen zur Beſichtigung des nahe am lichen Wünſche und Belange der von der Umlegung betroffenen Beſitzer
Bahnhof gelegenen Kölner Domes benutzt werden wird. Der Sonder= genommen iſt. Das Umlegungsgebiet iſt in 18 Blöcke eingeteilt. für
ſtationen zur Erreichung der Anſchlußzüge ein. Die Koſten ſind m mäßi, ſehen, beſtimmend war. Die Ausſchüffe ſtimmten dem
gen Grenzen gehalten, die eine genußreiche Fahrt verbürgen. Jeder Aufteilungsprojekt zu, auf Grund deſſen im Laufe des Nach=
Teilnehmer erhält beim Antritt der Fahrt ein genaues Programm, um ſommers die projektierten Straßen in der Natur feſtgelegt und gemäß
unbedingt erforderlich, daß die Reiſeluſtigen umgehend bei den Fahr= vor dem Umlegungsausſchuß dienenden vorläufiges Zuteilungsoroiekt
kartenausgaben und Reiſebureaus Zimmerf ür die Unterkunft in Bre= ausgearbeitet wird. Die Umlegung und Ueberweiſung des nat zugteil=
men
, Helgoland und Nordernetz beſtellen. Dort wird auch jede weitere ten Geländes in der Natur wird in dieſem Jahre noch vor ſich gehen
gewünſchte Auskunft gegeben.
Ausflugſonderzug nach Würzburg.
Die ſchöne Frankenſtadt hält den im Zauberbann, der ſie einmal
gefehen hat. Die St. Kiliansſtadt hat s an ſich. Iſts der Hauch der Ver= rackungskurſus abzuhalten, in dem alle neuzeitlichen Methoder der Obſt=
gangenheit
, iſt’s die einzigartige Monumentalität der Bauten und der ſortierung und =verpackung, insbeſondere alle modernen Hilfsmittel, im
Natur die ſtrenge Romantik, das ſchwere Barock, das kichernde Rokoko,
iſts der Duft der weſträumigen Weinkeller, die traute Heimlichteit ber ſollen. Der Kurſus ſell nicht nur dem Eberſtädter Intereſſentenkrois.
kleinen Bäckertrinkſtuben, die prächtige Ausſicht vom Käppele oder von ſendern auch den Obſtbaumzücktern aus der näheren Umgebung zu=
der
Feſtung? Es iſt halt Würzburg. Ein Begriff für ſich. Endlich, gängig ſein. Der Beſuch des Lehrkurſes iſt unentgeltlich. Der genue
ſo rufen die immer zahlreicher wendenden Freunde der Frankenſtodt aus. Termin ſteht noch nicht ſeſt. Der Kurſus ſoll wur einige Tage dauem
endlich am 21. Auguſt fährt die Neichsbahndirektion Mainz den ſeit mittags ſtattſinden. Hoffentlich iſt die Zahl der Intereſſenten fehr hoch
langem fälligen Sonderzug vom Mittelrhein nach Würzburg. Nicht all=
zufrüh
, zwiſchen 6½ und 7½ Uhr liegen die Abfahrtzeiten Wiesbaden, ſo daß ſich die Abhaltung des Kurſes in Eberſtadt auch rentiert.
Mainz, Darmſtadt mit Zwiſchenſtationen. Durch den Speſſart. In
Würzburg gehts in geſchloſſenem Zuge zur Reſidenz. Würzburgs Zur weiteren Vorbereitmg des am Samstag, den 20. Auguſt, in Pfanß
Krönung. Hier iſt für Führung geſorgt. Das Gleiche gilt vom frän= ſtadt ſtattfindenden Ninder= Shweine= und Ziegen=Zuchwiehmarktes
uſw. Aeußerſt bequem. Beim Fahrkartemverkauf erhält jeder Teil= Es wurde unter anderem beſtimmt, daß Sammlungspreiſe gewährt weit
nehmer gegen Zahlung von 120 RM. Eintrittskarten für alle Muſeen den ſollen. Im Anſchluß an den offiziellen Viehmarkt ſoll im R0ſe
und Sehenswüldigkeiten Würzburgs, mit Ausnahme von allen Bäcker= niſchen Hof, ein Mitjageſſen mit einer lleinen Feier ſtattfuden, de
trinsſtuben, Boxbeutelſchänken, Probierſtuben der Kellereien des Staats= Verloſung wird am Sonntag, der 21. Auguſt, nachmittags, auf de
des Bürger= und Juliusſpitals, dio nur für Trinkfeſte offen ſind. Einzel= Viehmarktplatz vorgenommen. Am Mittwoch dieſer Woche verſammell
heiten gibt das Programm, das während der Fahrt verteilt wird. Die ſich die einzelnen Ausſchüſſe noch einmal zu eimer letzten Beratzug
Verpflegumg iſt durch Karten, die zur Teilnahme an preiswertem Mittag= Anmeldungen zum Zuchwiehmarkt haben noch bis zum 17. 2904
eſſen in beſonders benannten Lokalen berechtigen, geregelt. Abends Lültigkeit. Mit dem Viehmarkt iſt vom 20. bis 2. Auguſt eine M
1930 Uhr fährt der Zug wieder zurück. In der Heimat werden alle lungsräume ſind im Goldenen Lamm und in der ſogen, Borngaßſchl=
Anſchlußzüge erreicht. Alſo, ihr Freunde Würzburgs, die ihr im
letzten Jahr, an einem für Geiſt und Körper genußreichen Tag box= vorgeſehen. Die Eröffnung der Ausſtellung findet am Freitag 00
beutelbeladen die Frankenſtadt genoſſen habt, wirklich erlebt habt. auf mitag ſtatt.
Wiederſechn bei der heurigen Fahrt nach Würzburg. Wir wollen feiern; es ſich nicht um den Modaufegeverband, ſondern um die Rechnungt=
es
ſei ein Feſt, umſere Fahrt am A. Auguſt.
Kunſtnotizen.
uecher Werte, Künfter odes Mnftertſche Veranffaltungen, deren im Nachſichenden Crwätznung und anderer geladener Gäſte wurde am Samstag abend die Ausſtellung
geſchleht, bebält ſch die Redaſkon ihr Urtell vee
Oiebesinſell Waramount=Film der Parufamet) wurde nah ſeiner der Landesverſicherungsonſtalt Heſſen, Herrn Neumann, eröffn4. E.
Uraufführung von der Preſſe bezeichnet als ein reizendes Luſtſpiel. wies in kurzen Ausführungen ausgehend von der Tatſache, daß
Ein veizendes Luſtſpiel von der Zähmung der Widerſpenſtigen, die von Ziel der Wanderausſtellung hin. Die Ausſtellung zerfällt imn folgende
Bebe Daniels mit überwältigender Komik und ſpäter mit reizvoller Ele= Abteilungen: 1. Tuberkuloſe=, 2. Geſchlechts=, 3. Alkoholgenußkrankheiten,
ganz dargeſtellt wird. Urkomiſche Situationen auf der Quarantäneinſel. 4. Säuglingspflege und 5. Krüppelfürſorge. Sie iſt bis einſchließlich
Zwei hübſche, elegante und begabte Jungen, Alfred Lunt und Harriſon / Donnerstag, den 18. Auguſt, von nachmittags 6½ bis 1o½z geöfnet
Ford, unterſtützen das unausſtehliche Gör beſtens. (Voſſiſche Zta.) und wird ſie der geſamten Einwohnerſchaft zum Beſuche wärmſtens
Die Dame mit dem Herrenſchnitt (Der Thronfolger.) empfohlen. Jugendlichen unter 16 Jahren iſt der Zutritt nur i Be=
Ein graziöſes, gleichſam im Spitzentanz dahinſchwebendes Luſtſpiele das leitung Erwachſener geſtattet. Herr Rektor i. R. Hofmann vol=
auf
Schritt und Tritt zum Lachen veizt. Der Thronfolger gehört zu lendet am 15. Auguſt ſein 70. Lebensjahr. Seine langjährige Tätigkeit
der Gattung der heiteren Verwechſlungskomödien und iſt ſicher einer der als Lehrer und zuletzt als Rektor der hieſigen Schule, ſeine Hills=
nicht
in einer Verkleidung ſein Geſchlecht gänzlich verbergen. Es erregt, ſein biederer Charakter und die echt deutſche Geſinnung haben dieſen
auf der einen Seite merkwürdig zärtliche Gefühle in dem Herzen elnes. Mann weit über Obrr=Ramſtadts Grenzen bekannt und beliebt gemach,
Offiziers und auf der anderen Seite den Argwohn eines höfiſchen In=
triganten
. Zwiſchen beiden Polen entzündet ſich ein Lichtſtreifen der
wundervollſten Drolerie und eines erfriſchenden Humors.
Lokale Veranſkaltungen.
Bunb Königin Luiſe. Mittwoch, den 17. Auguſt, abends Cxeine Leodor dick aufgeſtrichen verhindert ſchmerzhaftes Anſchwellen
lung ſtatt. Die Kameradinnnen werden gebeten, recht zahlreich zu er= von herrlichem Blütengeruch, weder fettend noch lebend. Tube 60 Pfg.
ſcheinen.

Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Wixhauſen, 15. Aug. Die Verfaſſungsfeier, in unſerer
Sonne abgehalten. Unter ziemlich ſtarker Beteiligung der Einwohner=
und Sängervereinigung und Sängerluſt, nahm die Feier einen recht
würdigen Verlauf. Als Nedner war der Bürgermeiſter unſerer Nach=
bargemeinde
Erzhauſen, Herr Lorenz, gewonnen, der es verſtand, den
Erſchienenen die Entſtehung und den Urſprung der Verfaſſung von Wei=
mar
in markanten Ausführungen klar zu machen. Seine Rede fand leb=
haften
Anklang und wurde ihm reicher Beifall zuteil.
* Arheilgen, 15. Aug. Reformationsfeier. Wie ſchon
früher an dieſer Stelle mitgeteilt wurde, ſind es in dieſem Jahre 400
Jahre, daß in unſerer Gemeinde die Reformation eingeführt wurde und
garten und erfreute ſich an fröhlichen und munteren Geſichtern der Kur= gleichzeitig der erſte evangeliſche Pfarrer hierher berufen wurde. Zur
Erinnerung an dieſen Vorgang hat der hieſige Kirchenvorſtand beſchloſſen,
die Mitglieder unſerer Gemeinde zur Stiftung einer Reformationsſpende
vielleicht auch ein Glas Kurwaſſer zur Geſundheitsſtärkung und zur zu veranlaſſen. Die hierdurch ſich anſammelnde Summe ſoll als Grund=
ſtock
für ein neu aufzubauendes Armenkapital Verwendung finden.
Außerdem ſoll ein Teil des Geldes zur Beſchaffung einer Abendmahls=
kanne
dienen, die nach dem Muſter unſere Abendmahlskelches angefertigt
werden ſoll. Letzterer ſtammt noch aus dem Jahre 1470 und muß als
hohes Kunſtwerk angeſprochen werden. Er iſt noch aus der vorreforma=
toriſchen
Zeit erhalten und wurde auch über die Zeit des Dreißigjährigen
Krieges gerettet. Gaben für die geplante Spende werden vom bieſigen
Pfarramte und den Kirchenvorſtehern entgegengenommen oder können
auch als beſondere Gabe in die ſonntäglichen Opferteller eingelegt wer=
den
. Eine Hausſammlung iſt nicht vorgeſehen. Eine eigentliche Ne=
formationsfeier
iſt für den 30. Oktober d. J. in Ausſicht genommen, doch
ſoll dieſelbe in einfacher und ſchlichter Weiſe vor ſich gehen. Gleichzeitig
ſei hier angeführt, daß noch heute eine große Anzahl Familiennamen
hier exiſtieren, die ſchon in den Kirchenbichern vermerkt ſind, die aus
bracht wurde, duinkte uns gleich einer Kur von mindeſtens drei Wochen, der Zeit bor dem Dreiſßigährigen Kriege datienen. Die zur Verbreitz
Erholt und erfriſcht kehrten wir nach Hauſe zurück; die Erinnerung im rung und Neuherſtellung der Reitbahn erforderlichen Pflaſterarbeiten
ſen bis zum 23. d. M., vormittags 4 Uhr, auf der hieſigen Bürger=
meiſterei
eingereicht ſein, woſelbſt auch Vordrucke erhältlich ſind. Die
Zuſchlagsfriſt beträgt zwei Wochen.
* Griesheim, 13. Aug. Seit letzter Woche erfreut der rührige Unter=
nehmer
der Germanig=Lichtſpiele hier die Verehrer der Filmkunſt mi
äußerſt gelungenen Vorführungen im Freien in ſeinem im modernia
Stil eingerichteten Sommergarten. Es iſt ein ſeltener Genuß, den en
der los. Anders bei denen, die ſeither im Joch der Berufsarbeit ge= klaſſigen Darbietungen im Freien in kühler Abendluſt, in ſchöner Um
gebung ohne die Beläſtigungen einer Körper und Geiſt beengenden
Saaltemperatur folgen zu können. Das neuartige Unternehmen findet
die verdiente Anerhennung.
H. Eberſtadt, 15. Aug. Zur Bürgermeiſterwahl. Die 50
um den ausgeſchriebenen Berufsbürgermeiſterpoſten eingegangenen Be=
tägigen
Sonderzüge den Weg gewieſen. Daß damit das Nichtige getrof= wertungen unterliegen zurzeit der Sichtung eines Ausſchuſſes des Ge=
zum
Bodenſee fahrende Sonderzug völlig ausverkauft war. Loider muß= Zur völligen Sichtung dürſten noch zwei Sitzungen erforderlich ſein.
ten viele Reiſeluſtigen zurückbleiben. Aber ſie können ſich tröſten, ſie Bis zur Wahl des Bürgermeiſters, die, da es ſich um die Wahl eines
brauchen nur wenige Tage zu warten, um zuſammen mit vielen ande= Verufsbürgermeiſters handelt, durch das Gemoindeparlament erfolgt,
Freitag, den 19, bis Dienstag, den B. Auguſt, ſind die im Sonderzug legung von Bauland in der Gemarkung Eberſtadt.
land, Norderneh und Norddeich entſchließen. Die Fahrt hat einen Stra= legung von Bauland iſt fertiggeſtellt und bildete am letzten Freitag
pazen vermeidenden Plan. Auf der Hinreiſe iſt auf zwei beſonders ge= Gegenſtand der Beratung des Bau= und Fimanzausſchuſſes. Das in
die Umlegung zunächſt ginbezogene Gelände liegt zwiſchen Ortsausgang
(Kreisſtraße) und öſtlich von einer etwa 500 Meter der Alten Darm=
zug
trifft am Abend des B. Auguſt vechtzeitig wieder auf den Heimat= deren Abmeſſungen die Linienführung, wie ſie im Outsbauplan vorge=
aber
eine einwandfreig Durchführung des Zuges zu gewährleiſten, iſt es dieſer Feſtlegung alsdann ein als Unterlage für die Verhandlungen
können, falls die weitere numfangreichen und zeitraubenden Arbeiten
keine Unterbrechung erfahren und Schwierigkeiten ſeitens der Grund=
ſtückseigentümer
nicht hervortreten.
* Eberſtadt, 15. Aug. Obſtverpackungskurſus. Die Land=
wirtſchaftskammer
beabſichtigt, in Eberſtadt demnächſt einen Obſwer=
praktiſcher
Vorführung und theeretiſcher Unterweiſung gezeigt werden
und vorausſichtlich in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nach=
* Pfungſtadt, 15. Ang. Pfungſtädter Zuchtviehmark)
kiſchen Luitpold, vom kunſthiſtoriſchen, dem naturkundlichen Muſeum tagten Ende vergangener Woche noch einmal die einzelnen Ausſchäſſe.
ſtellung Pfungſtädter handwerklicher Erzeugniſſe verbunden. Ausſl
* Pfungſtadt, 15. Aug. Bei dem letzten Gemeinderatsbericht handel.
ſtellung über die Ausfegung des Land= und Fanggrabens, was hiermf
richtig geſtellt ſei.
* Ober=Ramſtadt, 15. Aug. In Anweſenheit des Ortsvorſtandt
Geſundheitspflege und ſoziale Fürſorge, die in 2 Sälen des Schule
Palaſt=Lichtſpiele. Das luſtige Doppelprogramm Die hauſes, Darmſtädter Straße 66, untergebracht, durch den Präſidenten.
Man unterhält ſich ganz ausgezeichnet. (Berlimer Lokglanzeiger.) Krankheiten zu verhüten beſſer iſt als ſolche zu heälen. auf Zweck und

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beſten Vertreter dieſer Gattung. Ein liebreizendes Mädchen kann auch bereitſchaft in allen Nöten des Lebens gegen jedermann, überhaupt
Bei Ingektenstichen=
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8 Uhr. findet im Albenzimmer bei Sitte (Karlſtraße) die Pficktverſamm= und Juckeiz, wirkt fühlend und reizmildernd, gleichzeiſtig beſte Toilenereme
und 1. Mk. Probetuben erhältlich in allen Chlorodont= Verkaufsſtellenl.

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TASOSMEVA
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[ ][  ][ ]

Rummer 226

Diensteg, den 16. Auguff 1927

Roßdorf, 15. Aug. Submiſſion. Der Gemeinderat hat fol=
gende
Arbeiten in Submiſſion mit Termin bis zum 18. Auguſt 1927,
ryrmittags 11 Uhr, auf der Bürgermeiſterei zu vergeben: Die Zimmer=
oper
Schreinerarbeiten, ſowie Schloſſer= und Anſtreicherarbeiten für Lie=
frrung
von Hoftoren an die Gemeindehäuſer in der Müllerſtraße; ferner

t2rmin. Zurzeit findet im Gaſthaus Zur Sonne die Nacheichung
brw. Eichung der eichpflichtigen Gegenſtände durch das Eichamt Darm=
ſirdt
ſtatt. Der Eichtermin iſt am 18. Auguſt beendet. Bei den in den
iten Jahren abgehaltenen örtlichen Eichtagen iſt vielfach ein erheblicher
Zeil der Intereſſenten nicht erſchienen. Dieſe Säumnis hat zur Folge,
du ß die Beſitzer ihre Gegenſtände nachträglich zum Eichamt transpor=
tisren
und dort nacheichen laſſen müſſen, wodurch ihnen ganz erhebliche
Mehrkoſten entſtehen.
s. Mümling=Grumbach, 13. Aug. Der 1. Bezirk des Odenwaldturn=
n
ues hat dem hieſigen Turnverein die Vorbereitungen für die Reichs=
ſinendwettkämpfe
1927 übertragen, die kommenden Sonntag hier ſtatt=
finden
werden. Dem Turnverein liegt u. a. ob, die zahlreichen Schüilerin=
nur
und Schüler unterzubringen. Eingeleitet werden die Kämpfe am
Samstag abend durch ein Schauturnen, an dem ſich die beſten Turner des
Bezirks beteiligen, und deshalb Intereſſantes genug bieten wird.
* Michelſtadt, 13. Ang. Ehrung des Stadionſchöpfers.
Hrute nachmittag 4 Uhr traf ſich der Gemeinderat der Stadt Michelſtadt
im Stadion, um die in einer der letzten Sitzungen des Gemeinderats
einſtimmig beſchloſſene Ehrung des Schöpfers des Stadions vorzu=
nchmen
. Ein durch Künſtlerhand ausgeführtes Relief des Bürgär=
miſters
Ritzel in Kupfer wurde in dem Stein des das Schwimmbecken
ſpeiſenden Brunnens eingelaſſen. Das Bild mit der Unterſchrift Bür=
giameiſter
Ritzel, der Schöpfer des Stadions, hebt ſich wunderbau von
dian architektoniſch vollendet ausgeführten Brunnen ab. Nachdem durch
Gemeinderat G. Neff die Hülle don der Gedenktafel entfernt worden
wrr, ſprach Frl. Künzel einen Prolog, der das Werk und ſeinen kühnen
G bäuer verherrlichte und in dem Danke der Vaterſtadt ausklang. Hierauf
eigriff der 1. Beigeordnete, Herr K. Neff, das Wort zu längeren Aus=
ſHrungen
, wobei er insbeſondere des unermüdlichen Shaffens des
Bärgermeiſters auf dem Gebiete der Entwickelung unſeres Städthens
Sachte, hierbei hervorhebend, daß er nunmehr aus demſelben auch
nich ein Kurſtädthen geſchaffen habe, nachdem dasſelbe bisher nur als
Irduſtrieort weit und breit bekannt geweſen ſei. Er ſagte ihm hierfür
derr Dank des Gemeinderats, dem ſich der Dank aller Schichten den Be=
vilkerung
anſchließe, und der ihm ja auch aus allen Kreiſen in ſo roich=
ſicsem
Maße gezollt wurde. Der Gemeinderat war in ſeiner Geſamt=
het
ſich darüber einig, daß hier auch eine Ehrung nach außen hin am
Patze iſt, die durch Anbringung einer Gedenktafel im Stadion ſelbſt,
ſam größten Werk, das wohl Bürgermeiſter Ritzel bisher geſchaffen hat,
im geeignetſten erfolgen könne. In ſeinen weiteren Worten ließ Herr
ſaff den Wunſch ausklingen, daß der Büirgermeiſter auch weiterhin an
ſe Spitze unſeres Städtchens verbleiben, und von ſeinem Vorhaben,
ſasſelbe ſchon in Kürze zu verlaſſen, um die gleiche Stellung in einer
ſnseren heſſiſchen Gemeinde anzutreten, ablaſſen möge. Bürgermeiſter
RSel dankte in ſeiner Erwiderung für die von ihm nicht gewollte
Erung und wies darauf hin, daß das Stadion ſchon ſeine Exiſtenz=
erechtigung
vor ſeiner Einweihung, mehr als not war, nachgewieſen
hSe. Es komme nicht ſo ſehr auf den Geiſt an, in dem dasſelbe er=
zit
worden ſei, ſondern auf den Geiſt der Erhaltung und Ausbauung
derſelben, damit es ſeinen Zweck voll und ganz erfülle und ſeiner Vater=
tDt
zu Ruhm und Ehre gereiche. Eine auf Grund eines Mehrheits=
berchluſſes
dem Bürgermeiſter übergebene Ehrengabe von 1000 Mark
tto derſelbe zur Verwendung für begabte Schhiler der Stadtſchule und
Oberrcalſchule zur Verfüigung, mit der Maßgabe, daß der Betrag als
8rgermeiſter=Ritzel=Stiftung in die Rechnung der Stadt aufgenommen
vaden und zinsbringend angelegt werden ſolle. Auf die Worte des
Gimredners, den Weggang des Bürgermeiſters betreffend, zurüickkom=
mmd
, betonte er, daß er, wohin ihn auch das Lebensſchifflein treiben
z ge, ſtets mit Liebe und Verehrung ſeine3 ihm zur zweiten Heimat
ſewordenen Michelſtadts gedenken und demſelben jederzeit mit Rat und
Ettz zur Seite ſtehen werde. Mit einem Hoch auf Michelſtadt, in das
iieſt nur der Gemeinderat, ſondern auch alle übrigen Teilnehmer der
Käer einſtimmten, ſchloß Bürgermeiſter Ritzel ſeine Ausführungen. Ge=
nfinderat
Arzt ſprach zum Schluſſe nochmals im Auftrage des Gemeinde=
.9, den Werdegang der Anlagen von ihrer Entſrehung bis zur Voll=
enbung
ſtreifend und hiermit die würdig verlaufene Feier abſchließend,
ur alsdann noch in dem Stadion=Reſtaurant emige Stunden gemütlich
zu verweilen.
* Hirſchhorn, 15. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
4. Auguſt: 1,04 Meter; am 15. Auguſt: 0,91 Meter.
A. Aus dem Birkenauer Tal, 15. Aug. Anläßlich der Weinheimer
litshweih veranſtaltete gemäß einem alten Odenwälder Brauhe der
ſer ein Alt=Weinheim einen ſehr originellen Feſtzun zur Einholung des
ſemvekranzes in das Birkenauer Tal, wo im Steinbruch der Kranz ver=
eitt
worden war. Nachdem ihn das Kerwe=Brautpaar nach einigem
ſurhen glücklich aufgefunden hatte, wos durch einen Tuſch der Muſik
erkündet wurde. Darauf bewegte ſich der Feſtzug, dem Reiter in Oden=
ſäider
Trachten voranritten, zurück nach Weinheim zum Marktplatz,
ſo der Kerwe=Bräutigam dem Bürgermeiſter und den verſammelten
ſa sherren auf dem Balkon des Rathauſes den Ehrentrunk kredenzte.
* Viernheim, 14. Aug. Tödlicher Unfall. Der 49 Jahre
te. Maurer Johann Träger fuhr dieſer Tage von ſeiner Arbeitsſtätte
Mannheim mit ſeinem Fahrrad nach Hauſe. Auf der Landſtraße
Remnheim-Viernheim ſtieß er mit einem Motorrad zuſammen, wobei
eie Fahrer in den Straßenrain geſ kleudert und ſchwer verletzt wur=
en
. Träger iſt geſtern im Mannheimer Krankenhaus ſeinen ſchweren
ineren Verletzungen erlegen. Dem Vernehmen nach ſollen beide Räder
mbeleuhtet geweſen ſein.
r. Rüfſelsheim, 15. Aug. Beſichtigung der Opelwerke.
R Fabrikleitung der Opelwerke hatte das geſamte Lehrerkollegium
uBeſichtigung des Werkes eingeladen. Die Führung lag in den Hän=
ei
einiger Ingenieure. Die Belegſchaft der Opelwerke zählt z. Z. 9500
Sriter. Die Tagesproduktion beträgt 275 Automobile und 1200
ſhrräder.

* Biblis, 15. Aug. Große Proteſtverſammlung der
gurkenbauenden Landwirte. Geſtern nachmittag fand hier
im Gaſthaus zum Rheiniſchen Hof eine außerordentliche Verſamm=
lung
der gurkenbauenden Landwirte des geſamten Rieds ſtatt. Ein
großer Teil der hieſigen Produzenten ſowie auch Vertreter der umliegen=
den
Ortſchaften, außerdem Herr Inſpektor Pfeiffer von der Landwirt=
ſchaftskammer
Darmſtadt und Herr Sekretär Dr. Bauer vom Heſſiſchen
Bauernverein, waren anweſend und war der Saal bis zum letzten Platz
beſetzt. Herr Heinrich Kiſſel, Vertreter der hieſigen Bauernſchaft, er=
öffnete
die Verſammlung und erteilte als erſten Referenten Herrn In=
ſpektor
Pfeiffer das Wort. Derſelbe ſprach ſich in ſeiner eineinhalbſtün=
digen
Rede über alle in Frage kommenden Punkte eingehend und gründ=
lich
aus und fand lebhaften Beifall. Er führte unter anderem an, daß
der Hauptgrund für dieſe Mißſtände hauptſächlich auf die Uneinigkeit der
geſamten Riedbauernſchaft zurückzuführen ſei. Des weiteren fehle es an
der nötigen Ueberlegung, ſchon beim Anbau dadurch, daß jeder glaube,
er müſſe nur ja reiht viel anbauen, wie es aber mit dem Abſatz in der
Erute ſteht, daran denke kein Menſch. Trete dann eine Ueberproduktion
wie zum Beifpiel in dieſem Jahre ein, dann komme der Bauer erſt zu
ſich, wo es natürlich bereits zu ſpät iſt. Er ſchloß ſeinen äußerſt lehr=
reichen
Vortrag mit der Aufforderung, eine Genoſſenſchaft zu gründen,
die für günſtigen Abſatz der Erzeugniſſe Sorge zu tragen habe. Herr
Sekretär, Dr. Bauer unterſtrich die Ausführungen ſeines Vorredners,
vvorauf man zur Diskuſſion überging. Dieſelbe nahm denn auch einen
ſehr ſtürmiſchen Verlauf und legte Zeugnis ab, von der großen Erregung,
die in der Bauernſchaft vorherrſcht. Um nun ihre berechtigten Jorde=
rungen
durchzuſetzen, haben die Produzenten eine Kommifſion gebildet
die gut tun wird, ſich an die ſachlichen Vorſchläge Herrn Inſpektor Pfeiſ=
fers
zu halten. Die Kommiſſion hat auch ſofort eine Liſte zirkulieren
laſſen, worin alle Anweſenden unterſchrieben, der Kommiſſion jederzeit
zur Seite zu ſtehen. Des weiteren wurde ſofort beſchloſſen, vorläufin
keine Gurken mehr zu brechen, und zwar nicht eher, bis ein der Produk=
tion
entſprechender Preis zuſtande gekommen iſt. Wie weit die vielen
Worte in die Tat umgeſetzt werden und auch umgeſetzt werden können,
iſt abzuwarten. Es wäre zu wünſchen, daß die Kommiſſion ſowie eine
etwa zuſtandekommende Organiſation auf alle Fälle dahin wirkt, daß
die Ausbeutung der Bauernſchaft ein für alle mal unterbleibt, und ſo
dieſem großen Uebelſtande endgültig geſteuert wird; doch bedarf es
dazu in allererſter Linie der Einigkeit der geſamten gurkenbauenden
Landwirte des Rieds.

Seite 7

Zur Hindenburg=Spende.
Im Namen des Befreiers Oſipreußens
wird zur Volksſpende für Kriegsbeſchädigte und Kriegs=
hinterbliebene
aufgerufen!
Oſipreußen voran!
Siehr, Oberpräſident der Provinz Oſipreußen.
12697

Gernsheim, 15. Aug. Waſſerſtand des Rheins, am
15. Auguſt: 1,83 Metcr.
r. Biſchofsheim, 15. Aug. Eine teure Beleidigung. Ein
hieſiger Arbeiter wurde wegen Betitelung eines Feldſchützen mit
Spitzbub auf deſſen Anzeige hin wegen Feldfrevel zu 100 Mark Geld=
ſtrafe
bzw. 10 Tage Gefängnis und Publikation des Urteils durch den
Beleidigten verurteilt.
* Offenbach, 15. Aug. Die Lehrgänge zur Beſchäftigung erwerbs=
loſer
Jugendlichen bis zu 21 Jahren, die im April eingerichtet wurden,
ſollten zuerſt, wenn die Erfahrungen über den erſten Lehrgang vorlägem,
im laufenden Monat fortgeſetzt werden. Es wird jedoch davon abgeſehen.
Von den Leitern der Lehrgänge müßte ein großer Teil erſetzt werden,
ſa dieſer nicht geneigt iſt, zum zweitenmal einen ſolchen Lehrgang zu
führen. Da bei der erſten Einrichtung der Lehrgänge die Meldungen
ſehr zahlreich vorlagen, hätte dieſer Umſtand keine Schwierigkeiten ge=
macht
. Die Berichte der bisherigen Leiter, die bei Beendigung der Lehr=
gänge
einzureichen waren, lauten jedoch nicht alle güinſtig. Manche
äußern ſich dahin, daß die jungen Leute beſonderen Eifer eigentlich nur
für Sport zeigten. Die Ueberwachung des Beſuches der Lehrgänge
geſtaltete ſich ebenfalls ſehr mühevoll. Wer unentſchuldigt fehlte, bekam
die Erwerbsloſenunterſtützung entzogen. Ob die vorgebrachten Ent=
ſchuldigungen
ſtichhaltig waren, ließ ſich beſonders bei den weiblichen
Schüilern nicht ſo ohne weiteres entſcheiden. Es läßt ſich denken, daß
beſonders die Mängel in der Regelmäßigkeit des Beſuches zu Reibungen
führen mußten. Die langſam ſinkende Arbeitsloſigkeit ließ auch die
Klaſſen mehr und mehr entvölkern. Die Lehrgänge, ſür die die Reichs=
regierung
20 000 Mark zur Verfügung geſtellt hatte, haben jedoch zweifel=
los
das Verdienſt gehabt, die jungen Leute einige Stunden des Tages
von der Straße zu bringen.

Rheinheſſen.

* Worms, 15. Aug. Verkehrsunfälle. In der Frankenthaler=
ſtraße
iſt ein Perſonenauto mit einem Motorradfahrer zuſammengeſtoßen,
da dierr infolge zu raſchen Tempos die Herrſchaft über ſein Rad ver=
loren
hatte. Das Rad wurde ſtark beſchädigt, der Fahrer nur leicht ver=
letzt
, der Perſonenwagen unweſentlich beſchädigt. In der Gauſtraße
wurde eine Radfahrerin von einem auf der falſchen Seite fahrenden
Fuhrwerk angefahren, zu Boden geſchleudert und erlitt leichtere Ver=
letzungen
, während ihr Rad ſtark demoliert wurde. Ein Motorrad
und ein Perſonenauto ſind an der Ecke der Melanchton= und Pfedders=
heimerſtraße
zuſammengeſtoßen, wodurch der Motorradfahrer erheblich
verletzt wurde, ſo daß er mit dem Krankenauto ins ſtädtiſche Kranken=
haus
verbracht werden mußte. Ein Landwirt, der mit ſeinem Pflug=
karren
durch die Stadt fuhr, wurde in der Kämmererſtraße von einem
Rollfuhrwerk zu Boden geſchleudert und am Halſe verletzt, ſo daß er
ärztliche Hilfe in Anſpruch nehmen mußte.

*Der deuiſche Wandertag in Herborn.
V. d. G. u. W. Welche Fragen auf dem 36. deutſchen Wandertag am
3. und 4. September in Herborn behandelt werden ſollen, lehrt ein Blick
in die Tagesordnung. Wir greifen aus der Fülle einige den Arbeits=
ernſt
bezeichnende Punkte heraus. Während in einer Sonderberatung
üiber die Geſtaltung der über dreißig vorhandenen Vereinszeitſchriften
nach Art der Dorflinde des Odenwaldklubs verhandelt wird, erörtert
die Mitgliederverſammlung die Aufgabe und Entwicklung der nun im
4. Jahrgang erſcheinenden Amtlichen Zeitſchrift des Verbandes deutſcher
Gebirgs= und Wandervereine Das Wandern die als Bindeglied zwi=
ſchen
den Verbandsmitgliedern und als Sprachrohr gegenüber den
Reichs= und Staatsbehörden wie allgemein der Außenwelt anzuſehen iſt.
Für weitere Kreiſe wichtig iſt der Antrag des Weſterwaldvereins, das
Reichsbahnpräſidium zu veranlaſſen, ſtatt der Sonntagsfahrkarten Fahr=
ſcheinhefte
zu dem verbilligten Preiſen der Sonntagskarten einzuführen.
Ferner ſoll der Abſchluß einer Unfall= und Haftverpflichtung für
alle Verbandsmitglieder erörtert werden. Ein erſtrebenswertes Ziel iſt
der Zuſammenſchluß aller deutſchen Wandervereine, um ſo der dem
ganzen Volke geltenden Wanderpflege und Wanderfürſorge noch mehr
Geltung zu verſchaffen, als es der einzelnen Gruppe möglich iſt, auch
wenn jetzt ſchon die Gebirgs= und Wandervereine beſonders in ihren Ver=
einszeitſchriften
eine beachtenswerte, geiſtig=ſeeliſche Fürſorgetätigkeit ent=
falten
und durch ihre Wohlfahrtsbeſtrebungen den Willen ſichtbar bekun=
den
, dem Volk in weitem Ausmaße zu dienen. In Urach ward im ver=
gangenen
Jahr der Anſtoß zum Zuſammenſchluß aller deutſchen Wander=
vereine
gegeben. Von der Düiſſeldorfer Jugendherbergstagung an wur=
den
Verhandlungen mit ſämtlichen deutſchen, das Wandern pflegenden
Spitzenverbänden eröffnet. Es gehören hierzu z. B. neben dem Verband
deutſcher Gebirgs= und Wandervereine der Verband für deutſche Jugend=
herbergen
, D. u. Oe. Alpenverein, Naturfreunde, Verband Märkiſcher
Wanderveine, Ski= und Radfahrerverband; das Ziel iſt für Betätigung
der allen gemeinſamen Aufgaben eine loſe Arbeitsgemeinſchaft der deut=
ſchen
Wandervereine (A.d.W.) herbeizuführen. Die meiſten Verbände
haben bereits ihre Zuſage gegeben und die Richtlinien anerkannt. Hof=
fentlich
bringt der 36. deutſche Wandertag auch dieſe Sache einen guten
Schritt vorwärts.
Oberheſſen.
WSN. Nidda, 14. Aug. Vielbegehrte Bahnhofswirt=
ſchaft
. Die hieſige Bahnhofswirtſchaft, die von der Reichsbahndirek=
tion
Frankfurt a. M. ab 1. Oktober neu verpachtet werden ſoll, iſt ein
dielbegehrtes Objekt. Obwohl unſer Ort nur etwa 2500 Einwohner
zählt, haben ſich 34 Pachtintereſſenten für die Wirtſchaft gemeldet. Die
Pachtangebote ſchwanken zwiſchen 700 bis 6000 Mark. Achtzehn Pacht=
luſtige
ſtammen aus den verſchiedenſten Städten Süd= und Mittel=
deutſchlands
. Vielleicht hat die Nachbarſchaft des Bades Salzhauſen
dieſen Pächterſturm mit veranlaßt.
WSN. Bad=Nauheim, 14. Aug. Folgen von Liebeskum=
mer
. Zechbrellerei. Dieſer Tage geriet ein Dienſtmädchen
mit ihrem Geliebten nach einem Wirtshausbeſuch in Streit. Als ſie
im großen Teich im Kurpark vorüberkamen, ſprang das Mädchen in
ſeiner Erregung mit Selbſtmordgedanken ins Waſſer, konnte aber ge=
rettet
werden. Ein Zechpreller hatte ſich in einem hieſigen Hotel ein=
logiert
; ohne ſeine Schuld zu begleichen, derſchwand er nach einigen
Tagen plötzlich. Auch in einem Reſtaurant machte er Zechſchulden, die
er nicht bezahlte. Der Betrüger, ein junger Menſch, konnte noch nicht
ermittelt werden.
WSN. Gießen, 14. Aug. Beide Hände abgequetſcht. Ein
ſchrecklicher Unglücksfall ereignete ſich geſtern vormittag in der hieſigen
Gummiwaxenfabrik von Poppe u. Co. Der 26jährige Arbeiter Heinrich
Balſer kam ſo unglücklich in eine Maſchine, daß ihm beide Hände durch
das Walzwerk abgequetſcht wurden. Ein merhwürdiges Schickſal fügte
es, daß etwa eine Stunde vorher dem Mjährigen Axbeiter Ernſt Bepper=
ling
in derſelben Fabrik gleichfalls von einem Walzwerk die rechte Hand
völlig zerquetſcht wurde. Beide Verunglückten wurden der Klinik zu=
geführt
.
WSN. Braunfels, 14. Aug. Prinzeſſin zu Solms= Braun=
fels
geſtorben. Prinzeſſin Albrecht zu Solms=Braunfels, geb.
Ebba von Lavonius, iſt, wie jetzt erſt bekannt wird, am 31. Juli in
Rom geſtorben. Die Beiſetzung findet am Montag, den 15. Auguſt, in
der Kloſterkirche zu Altenberg bei Wetzlar ſtatt.
WSN. Lauterbach, 14. Aug. Weite Reiſe eines Kindey=
ballons
. Auf der hieſigen Jungviehweide wurde vor einiger Zeit
ein Kinderballon gefunden, der gelegentlich eines Schulfeſtes im Abing=
ton
(Grafſchaft Kent in England) aufgelaſſen worden war. Nach Ein=
ſendung
der anhängenden numerierten Karte erhielt der glückliche Fin=
der
nun die Nachricht, daß ſein Ballon die weiteſte Strecke zurückgelegt
hatte und er eine Belohnung von 10 Mark erhalte. Dieſe iſt in der
Tat eingetroffen.
WSN. Schlitz, 14. Aug. Die Kohlweißlingplage. Den
Kampf gegen die Kohlweißlingplage, die ſich in dieſem Jahre nachgerade
zu einer ernſten Gefahr für die Gemüſekulturen auswächſt, hat die hie=
ſige
Schule in nachahmenswerter Weiſe mit Erfolg aufgenommen. Sie
läßt die ſchädlichen Schmetterlinge durch die Schulkinder fangen und
verteilt an die fleißigſten Sammler Prämien. So wurden innerhalb
von drei Tagen nicht weniger als 2000 Kohlweißlinge gefangen und
vernichtet.
* Grünberg, 13. Aug. Eine ſchöne Wiederſehensfeier hatten die
Grünberger 50jährigen veranſtaltet. Hierzu waren zahlroiche auswär=
tige
und ſogar einige Amerikaner erſchienen. Zum Vormittags= Gottes=
dienſt
erſchien die ſtattliche Zahl geſchloſſen. Anſchließend wurde am
Gefallenendenkmal und auf dem Friedhofe Kränze niedergelegt. Nah
einem gemeinſamen Spaziergang durch die Anlagen, wobei u. a. die
Gedenkſteine des Theo Koch (Braſilien) und des Generals Steinmetz be=
ſichtigt
worden, wurde die Feier bei einer Taſſe Kaffee im Taunus.
fortgeſetzt. Bei Grünberg wurde durch einen Forſtbeamten ein Ballon,
der in Lüttich aufgegeben war, aufgefunden. Auf enner anhängendem
Karte wird dem Finder eine ſchöne Kaffeetaſſe aus echtem japaniſchen
Porzellan verſprochen, wenn die Karte zurückgeſandt wird.

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Dienstag, den 16 Auguſt 1927

Die glückliche Geburt unſeres
zweiten Sohnes Gerhardt zeigen
hocherfreut an
Amtsanwalt Karl Daub
-21119 und Frau.
Bensheim, 14. Auguſt 1927.
Die glückliche Ge=
burt
einer geſunden
und kräftigen Tochter
zeigen hocherfreut an
Karl Kraft und Frau
21176) Luiſe, geb. Freund.
Darmſtadt, den 12. Aug 1927.
Die glückliche Geburt
eines geſunden Sonntags=
mädels
zeigen hocherfreut an
Theodor Aſchemeyer und Frau
Maria, geb. Wittkob
Landgraf=Phillipp=Anlage 12
z. Zt. Privatklinik Dr. Waliher.
(*21175)

Das Feſt der
Silbernen Hochzeit
begehen am 17. Auguſt die Eheleute
Georg Draſer und Frau Mar=
garete
, geb. Roth, Darmſtadt, Mauer=
(21134
ſtraße 30.
Das Feſt der
Silbernen Hochzeit
begehen am 17. Auguſt die Eheleute
Telegraphenſekretär Johannes Traut=
mann
und Frau, geb. Eberhard.
*21125)

Hella Hochstetter
Hans Kullmann
Verlobte
August 1927

Zürich 2
Rieterstr. 67

(TV. 12702)

Darmstadt
Roquetteweg 4

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die ſchmerz=
liche
Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen ge=
fallen
hat, meinen lieben Mann, unſeren lieben Vater
Michgel Knieriem
nach kurzer, ſchwerer Krankheit im Alter von 50 Jahren
zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernde Familie:
Frau Betiche Knieriem
und Kinder.
(12722
Rimhorn, den 15, Auguſt 1927.
Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 2 Uhr
vom Trauerhauſe aus ſtatt.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
beim Heimgange unſerer lieben Schweſter,
Schwägerin und Tante
Marie Hauff
ſagen innigen Dank
Kommerzienrat Hauf und Familie
Lina und Auguſte Schürenberg
Reichsbankrat Rauch and Frau.
München, Darmſtadt, Eſſen, Auguſt 1927.
(12713)

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teil=
nahme
und vielen Blumenſpenden, ſowie die
troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer Draudt,
bei dem mich und meine Kinder ſo ſchwer
betroffenen Schickſalsſchlage, jage ich hiermit
herzlichſien Dank.
Georg Palmy und Kinder.
21100)

Gundernhauſen, den 15. Auguſt 1927.

Statt Karten.
Für die vielen aufrichtigen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme beim Heimgang meiner
teuren Gattin, meiner lieben Mutter
Maria Hax
ſagen wir Allen hiermit unſeren innigſien
Dank.
Heubach, Braſilien, den 15. Auguſt 1927.
Wilhelm Hax
Heinrich Lautz.
21197)

Nummer 226

zahnarzt
Pr. Stroh
Sandſtraße 20. (*21086ifg) Fernſpr. 1458.
at ſeine Tätigkeit wieder aufgenommen

Während meiner Ab=
weſenheit
haben die
Herr. S.=R, Dr. Bitn=
baum
. Dr. D. Gros
(b.s Ende Aug ),G. S.=
R. Dr. Habicht, G. M.
R. Dr. Happel, Dr
Orth u. Dr. Sior (nach
ſeiner Rückkehr) die
Güte, mich in meiner
ärztlichen Praxis zu
vertreten. (12636gi
Dr. Arihur Hoffmann
Geh. San.=Rat.

Dr. Eugen
Wagner
prakt. Arzt
ärztliche Tätigkeit
wieder (21198
aufgenommen

Von der Reiſe
zurück!

Zahnarzt.
12711imd

Von der Reiſe
zurück! (*2118410
Dr. Schweisgut
Nervenärztin
Sandſtr. 2. Tel. 3806

Zahnarzt
Dr. Benkranbtencn
Rheinstr. 35 Haus d. Beantenhank)

Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat
es gefallen, unſere liebe, treu=
beſorgte
Mutter, Großmutter, Ur=
großmutter
und Tante
Frau
Johannes Gimbel Bwe.
im vollendeten 81. Lebensjahre
zu ſich in die Ewigkeit abzu=
rufen
.
Die trauernden
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 14. Auguſt 1927.
Die Beerdigung findet Mittwoch,
den 17. Auguſt um 3 Uhr nachm.,
von der Leichenhalle des Wald=
friedhofs
aus ſtatt. (12706

Bereinigung
früherer
Leibgardiſten
Darmſtadt.

Am Sonntag verſchied unſer
treues Mitglied, Kamerad
Joh. Lenz.
Die Beerdigung findet heute
Dienstag nachmittag 4 Uhr auf
dem alten Friedhof ſtatt.
Wir bitten um zahlreiche Be=
teiligung
.
12735)
Der Vorſtand.

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ſtraße
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zugeb
. geg. Bclohng.
Friedrichſtraße 17, I.
(12716)
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geſtern auf der Land=
ſtr
. Bensheim Bür=
ſtadt
m. Geſchäftspap.
verloren. Find, erh.
Bel. A. C., Darmſt,
zudwigſtr. 16, II.
E2t2t1)

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huwet daracht i
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1bichine ud Beit.
fen zu wollen
Hiaf We Wie boe
mite. Sie gühent
Hnse et
narde und Gewiterh
Fuſten und bis 14 )
zuune ſich das Wogn
anftien den beiden
rmißtet Ozeandanl
Autltieiet
Sie
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zmuen Der Verſuch
gen, iſt
zut
en. 2as
Aund hervorgehen, d
nuſte als günſtig war

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zueit erſte Angriff abg

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jeucht gebrochen.

Selmial Sellaisctättn

Herzlichen Dank
für die mir anläßlich meines 80. Geburts=
tags
erwieſenen Aufmerkſamkeiten.
Frau A. Schenck Wwe.
21143)
Heinrichſtr. 74.

Darmſtadt

Geſtern verſchied, unſer treuer
Kamerad
Johann Lenz
Friedhofsaufſeher i. A.
Die Beerdigung findet am Diens=
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4 Uhr, auf dem altenFriedhof an
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Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme und
die Blumenſpenden bei dem ſchweren Verluſt, den
wir durch das Hinſcheiden meines lieben Mannes,
unſeres treuſorgenden Vaters, Bruders, Schwagers
und Onkels erlitten haben, ſagen wir unſeren tief=
gefühlten
Dank.
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[ ][  ][ ]

Mätniner 226

Dienstag, den 16. Auguſt 1927

Oeite 9

Der deutſche Annerikaflug abgebrochen.

Frloren

Die Umkehr der Ozean=Flieger.
* Als am Sonntag abend die Bremen und Europa glatt
*) ohne Schwierigkeiten ſtarteten, da wird ſich ſo mancher die
ſage vorgelegt haben, werden ſie es ſchaffen, werden ſie ihr
erreichen und die Wetterzone des Atlantik überwinden? Die
nevort darauf iſt raſch erfolgt. Noch in der gleichen Nacht
uſte die Europa über der Nordſee kehrtmachen, einmal, weil
ſor orſtörungen eintraten, zum andern, weil die Führer der
ſu chine klug genug waren, eine Ueberquerung des Ozeans nicht
rotzen zu wollen und dabei vielleicht das gleiche Schickſal zu
ſe den, wie die beiden wackeren Franzoſen Nungeſſer und Coli
reilte. Sie gaben das Rennen auf. Anders dagegen vorerſt
1Bremen. Sie konnte die ſchweren Stürme, die widrigen
1n de und Gewitterbarrieren, wenn auch ſchwer kämpfend, über=
en und bis zu der iriſchen Weſtküſte vorſtoßen. Dann aber
zze ſich das Wagnis erſt in ſeiner ganzen Größe. Ausſichtslos
achäen den beiden Piloten bei einer Windſtärke, die ſogar die
often Ozeandampfer in Mitleidenſchaft zieht, mit dem ſchwer
lasenen und tief fliegenden Apparat die amerikaniſche Küſte
erreichen. Sie kehrten um, weil Wind und Wetter ſtärker
nren. Der Verſuch, den Atlantik von der europäiſchen Seite
zu überfliegen, iſt zunächſt mißlungen, iſt aber damit keines=
gs
aufgegeben. Das dürfte ſchon aus dem Start vom Sonntag
aud hervorgehen, der erfolgte, obwohl die Wetterberichte alles
wire als günſtig waren und der unter dieſen Umſtänden auch
Awegen vor ſich ging, weil es den Fliegern an Mut und Ent=
ſiol
ſenheit nicht fehlte. Wir bedauern es auf das tiefſte, daß
dſir erſte Angriff abgeſchlagen wurde. Aber ſchließlich galt es
ir doch nicht ein tollkühnes Unternehmen auszuführen; der
99 ſollte gezeigt werden, daß es unter Umſtänden möglich iſt,
zeſt. Perſonenverkehr zwiſchen den beiden Kontinenten einzu=
iſte
n. Wer ſich von dieſem Gedanken leiten ließ, konnte natürlich
m1 blindlings darauf losfliegen. Damit war der deutſchen
ſeg erei, die doch ſchließlich in dem kommenden europäiſch=
ge
ikaniſchen Verkehr eine nicht unerhebliche Rolle ſpielen
ſt ein ſehr ſchlechter Dienſt geleiſtet. Wer ſich zur Aufgabe ge=
luht
hat, einmal Perſonen von einem Kontinent zum andern
zbringen, der muß auch zeigen, daß er Verantwortungsbewußt=
ſt
genug beſitzt, um ſich das Vertrauen derjenigen erwerben zu
inen, die einſtmals unter deutſcher Führung den Ozean über=
ſcaen
werden. Die Flieger haben gezeigt, daß ſie dieſes Ver=
anwrtungsgefühl
beſitzen, mag das auch das einzige Aktivum
e: jetzt mißlungenen Verſuches ſein. Ihr Wille, wieder außzu=
gm
, ſobald das Wetter es zuläßt, iſt aber durch dieſen Fehl=
jay
nicht gebrochen.
Me Bremen in Oeſſau gelandet.
Deſſau, 15. Auguſt.
Das Ozeanflugzeug Bremen iſt um 16,25 Uhr in Deſſau
zf det.
Aeber die Rückkehr des Ozeanflugzeuges Bremen nach
Mſu erfahren wir noch folgendes:
Die Bremen traf über der Nordſee dichteſten Nebel an.
* Anſichtigkeit über England war ſo ſtark, daß das Flugzeug
* fin Baumhöhe fliegen konnte. Das Gleiche woar über der
iſchen See und über Irland der Fall. Beim Hinaustreten über
offene Meer ſchlug den Fliegern ein Sturm, Windſtärke 11
W2, entgegen, ſo daß die Flieger den Eutſchluß faßten den
Kirflug aufzugeben und nach Deſſau zurückzukehren. Der
Ekſeug fand unter den gleichen ungünſtigen Witterungsver=
ſhüſſen
ſtatt. Die Landung in Deſſau erfolgte glatt.
Drer Flug kennzeichnet ſich ſchon unter dieſen Umſtänden als
ecſugtechniſche Fahrt erſten Ranges und verdient höchſte An=
in
ung. Es muß den Fliegern gedankt werden, daß ſie, als
hin=ſahen, daß eine Ueberquerung des Ozeans bei dieſen Wit=
engsverhältniſſen
unmöglich ſei, vernnüftig genug waren, um
ſſtlch ausſichtsloſes Unternehmen nicht weiter zu führen.
Nie Sturmfahrt der Bremen
Defſau, 15. Auguſt.
Yach den Berichten der Piloten hat die Bremen eine
Srmfahrt hinter ſich, wie ſie in der Geſchichte der Luftfahrt
Ke)ezu einzigartig daſteht. Am bezeichnendſten iſt wohl die
Aache, daß die Maſchine an manchen Stellen nur zwei Meter
Awem Erdboden fliegen und Bäume und andere Hinderniſſe
ſiner gewaltſamen Kraftanſtrengung gewiſſermaßen über=
ſno
en mußte. Während der Motor ſonſt bald nach dem Start
af ſelt zu werden pflegt, mußte er diesmal während des gan=
Frluges unter Vollgas arbeiten. Er hat dieſe Leiſtung voll=
(ch,, ohne daß ſich irgend ein Schaden gezeigt hätte. Ueber der
Ede ee traf die Maſchine ein furchtbares Gewitter, das ſie
Ang, etwas von der Route abzuweichen. Als die Unwetter ſich
In heute vormittag immer ſteigerten, faßten die Piloten den
Eſch luß zur Rückkehr. Die Flieger werden jetzt zunächſt eine
Kiſie Zeit zum Ausruhen brauchen. Inzwiſchen wird die
emen genau unterſucht und der Motor in allen Einzelheiten

überprüft und überholt werden. Sobald auch die Beſatzung der
Europa in Deſſau eingetroffen iſt, werden die Ergebniſſe und
Erfahrungen des Fluges eingehend erörtert werden. Dieſe Er=
fahrungen
ſind für den nächſten Verſuch der Ozeanüberquerung
zweifellos von erheblichem Wert. Wann er unternommen wird,
das hängt von den erwähnten Beſprechungen und der Aenderung
der Wetterlage ab. Die Piloten der Bremen erklären, daß die
Bravour, mit der die Maſchine dieſe gewaltige Sturmfahrt über=
ſtanden
hat, ihr Vertrauen in das ſchließliche Gelingen des
Unternehmens nur noch verſtärken konnte.
Die Euroxa für einen Ozeanflug unbrauchbar.
Bremen, 15. Auguſt.
Wie die Beſichtigung der Europa an der Notlandungsſtelle
ergeben hat, iſt das Flugzeug für einen weiteren Ozeanflug auf
keinen Fall mehr zu gebrauchen. Die Europa iſt ſo ſtark be=
ſchädigt
worden, daß es mehrerer Wochen bedürfen wird, um ſie
wieder in Ordnung zu bringen. Wie einwandfrei feſtgeſtellt
wurde, iſt die Notlandung eine ſogenannte Schwanzlandung ge=
weſen
, bei der das Flugzeug mit dem Sporn auf einer geraden
Kante ſo heftig aufgeſchlagen iſt, daß der Schwanz ſofort abbrach
und nur an einigen Drähten mitgeſchleift wurde. Wenige Se=
kunden
ſpäter rannte das Flugzeug, deſſen Fahrgeſtell bei dem
Aufprall ebenfalls wegbrach, mit dem linken Flügel gegen einen
etwa 20 bis 30 Zentimeter dicken Pfahl und drehte ſich mit un=
geheuerer
Wucht, etwa einen Meter über der Erde ſchwebend,
faſt völlig rechts herum, ſo daß es jetzt faſt in verkehrter Richtung
zu ſeiner Landungsrichtung liegt. Bei dem Aufſchlagen auf den
Boden iſt der rechte Flügel zur Hälfte durchgebrochen. Der Pro=
peller
iſt bei der Landung in zwei Stücke gebrochen, von denen
eines etwa ein Meter vom Flugplatz entfernt in der Erde ſteckte.
Edzard über ſeine Notlandung.
Der Ozeanflieger Edzard gewährte einem Preſſevertreter
ein Interview, in dem er u. a. ausführte:
Zwiſchen Oldenburg und Emden gerieten wir in ein
ſchweres Gewitter. Unaufhörlich umzuckten uns Blitze
und ſchwere Wetterwände ſchloſſen uns ein. Gut 100 Kilometer
nordweſtlich Borkum wurde unſere Maſchine von Gewitterböen
furchtbar geſchüttelt. Plötzlich ſtellten wir feſt, daß auch noch
unſer Motor überaus unregelmäßig arbeitete. Ich entſchloß mich
daher, im Einverſtändnis mit Riſticz ſchweren Herzens zur Um=
kehr
. Ich habe das Gefühl, richtig gehandelt zu haben, indem ich
umkehrte. Ich flog alſo Bremen an und landete auf dem Flug=
platz
. Infolge der im Verhältnis zum Leergewicht dreifachen Be=
laſtung
zerbrach das Fahrgeſtell, und der Schwanz des Flug=
zeuges
wurde zuſammengedrückt. Rumpf und Kabine blieben
heil, die Inſaſſen unverletzt. Ich hoffe, den Flug baldigſt aber=
mals
antreten zu können. Die Entſcheidung darüber liegt bei
den Junkerswerken.
Edzard erklärte zum Schluß, daß er hoffe, nochmals fliegen
zu dürfen. Das Flugzeug Bremen werde von ſeinen beſten
Wünſchen begleitet, er hege allerdings ernſte Beſorgnis, denn das
Wetter, welches auch die Bremen paſſieren mußte, war
furchtbar.
Der Eindruck der Notlandung der Europa.
Deſſau, 15. Auguſt.
Selbſtverſtändlich hat die Nachricht von der Notlandung der
Europa in Bremen hier in Deſſau tiefe Niedergeſchla=
genheit
erweckt. Als Profeſſor Junkers die Meldung erfuhr,
war er ſo niedergeſchlagen, daß ihm die Tränen in die Augen
kamen. Er ſagte: Die Idee des Ozeanfluges werde aber trotzdem
weiter betrieben und weiter getragen werden.

Das Junkers=Flugzug Europa wird von Bremen nach
Deſſau zurücktransportiert, wo nach dem Eintreffen der mit Be=
gleit
=Flugzeug G. 31 zurückerwartete Flieger Edzard und
Riſticz ein Entſchluß darüber gefaßt werden wird, ob die
Europa nach ihren Ausbeſſerungen zu einem neuen Amerika=
flug
ſtarten wird oder nicht.
Beratungen der Junkerswerke über einen
neuen Ozeanflug.
Deſſau, 15. Auguſt.
Wie der Sonderberichterſtatter des W. T. B. erfährt, haben
in der Leitung der Junkerswerke bereits eingehende Be=
ſprechungen
über die Frage ſtattgefunden, ob nach dem Unfall
der Europa ein drittes Ozeanflugzeug noch zum
Start gebracht werden ſoll. Dieſe Erörterungen haben zu dem
Ergebnis geführt, daß Junkers ſofort die nötigen Schritte ein=
leitete
, um alle mit einem dritten Flug zuſammenhängenden
Fragen zu klären. Eine erhebliche Rolle ſpielt die Koſten=
frage
, und ſie dürfte auch die endgültige Entſcheidung ſtark be=.
einfluſſen. Die Junkerswerke haben heute vormittag einen Be=
auftragten
nach Berlin geſchickt, um z. B. die Verſiche=
rungsfrage
zu klären. Sollte die Entſcheidung über den
dritten Start poſitiv ausfallen, ſo kommt für den Flug nur die
Beſatzung der Europa in Frage.

Die Porbereitungen der Germanig
Graf Solms macht einem Funker Platz.
Köln, 15. Auguſt.
Koennecke iſt heute morgen 8,20 Uhr zu einem dritten Probe=
flug
aufgeſtiegen und zwar mit der gleichen Belaſtung wie geſtern.
Nach der Landung erklärte Koennecke, daß die fernere Arbeit der
Verſtärkung der Wickelungen und der Achſe dienen müſſe. Auf
Befragen erklärten Koennecke und Direktor Moll von den Kaſper=
werken
, daß es noch fraglich ſei, ob Graf Solms Koennecke
auf ſeinem Fluge begleiten werde. Es iſt vielmehr in Ausſicht
genommen, einen gut geſchulten Funker mitzunehmen,
der die zu fahrende Route genau kennt. Außerdem ſchweben
Verhandlungen mit einem perſönlich für den Flug intereſſierten
Amerikaner, der dem Flug mehr eine wirtſchaftliche Be=
deutung
beimißt, die aber erſt bei der Landung in Amerika voll
in die Erſcheinung treten würde. Es iſt aber mit der Möglichkeit
zu rechnen, daß ſich die diesbezüglichen Verhandlungen noch über
die ganze Woche hinziehen. In der Zwiſchenzeit wird
Koennecke dauernd noch Probeflüge unternehmen.
In der Beſatzung der Germania iſt, wie jetzt beſtätigt
wird, der bereits angekündigte Wechſel eingetreten. Im
Intereſſe der Durchſührung des bevorſtehenden Fluges iſt Graf
Solms zu dem Entſchluß gekommen, daß die Bedienung der Funk=
anlage
des Flugzeuges in die Hände eines erſtklaſſigen Funkers
gelegt wird. Durch den Rücktritt des Grafen Solms iſt in der
Uebernahme des größten Teils der Koſten des Fluges
durch den Grafen Solms keine Aenderung eingetreten.
Koennecke hat mit Bedauern von dem Rücktritt des Grafen Solms
Kenntnis genommen, den er bei den Probeflügen mit hervor=
ragendem
Eifer hat arbeiten ſehen. Einen beſſeren Flugkameraden
habe er nicht finden können, Koenneche beabſichtige, nach einem
erfolgreichen Flug mit einem für einen ſpeziellen Zweck neu zu
erbauenden Flugzeug im nächſten Jahre einen großen Flug zu
unternehmen, bei welchem Graf Solms beſtimmt ſein Begleiter
ſein werde.
Eine neue deuiſche Ozean=Kandidatur.
Berlin, 15. Auguſt.
Wie die Telegraphen=Union ſoeben erfährt, haben auch die
Heinkel=Werke in Warnemünde ein beſonderes Flugzeug
für den Transozeanflug vorbereitet. Dieſe Maſchine wird mit
einer noch vollkommeneren Funkeinrichtung ausgeſtattet werden,
die das Flugzeug nicht nur in die Lage verſetzt, Meldungen auf=
zunehmen
und zu ſenden, ſondern die vor allem eine ganz ein=
gehende
Funkpeilung ermöglicht, ſo daß auch die Orientierung
bei faſt völliger Unſichtigkeit des Wetters garantiert iſt. Soweit
bis jetzt in Erfahrung gebracht werden konnte, dürfte das Flug=
zeug
bereits in der allernächſten Zeit ſtartbereit ſein. Nähere
Einzelheiten über die Abſicht der Heinkel=Werke und über die
Beſetzung des Flugzeuges mit Piloten fehlen zurzeit noch.
Amerika in Erwartung der Bremen.
w. New York, 15. Auguſt.
Die Blätter bringen ausführliche Einzelheiten über den Start der
Junkersflieger und über die Fortſchritte der Bremen unter rieſigen
Ueberſchriften. Ein Artikel der World ſagt: Aller Augen ſind auf
den Flug gerichtet.
In Boſton, Chicago und Philadelphia werden Empfangsvorberei=
tungen
im größten Ausmaß getroffen. Major Longanecker, der Kom=
mandeur
des Flugdienſtes des erſten Armeekorps, gab bekannt, daß, wie
ſeinerzeit für den Flug Nungeſſeres und Colis ein Patrouillendienſt or=
ganiſiert
werde, um nach den Fliegern Ausſchau zu halten. Der Flug=
platz
in Boſton iſt nicht für eine Nachtlandung ausgerüſtet, doch der
Scheinwerferdienſt der Küſtenartillerie tritt in Aktion. Die Stadt
Boſton hat nach dem Beiſpiel Philadelphias einen Preis von
25 000 Dollar für die Landung eines europäiſchen Flugzeuges in
Boſton ausgeſetzt. Man gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der
Preis von einem deutſchen Flugzeug errungen werden wird.
Die letzten Wetterberichte melden drei Sturmfelder, von
denen eins weſtlich Irlands, eins in der Mitte des Ozeans und eins an
der amerikaniſchen Oſtküſte lagert. Das Wetterbüro nimmt an, daß die
Flieger drei Viertel ihres Fluges im Nebel und Regen zurückgelegt
haben. Dr. James Kimball, der die Wettervorausſagen für Lindbergh,
Chamberlin und Byrd bearbeitet hat, äußerte die Meinung, daß die
Flieger, wenn ſie Dienstag vormittag in New York eintreffen, voraus=
ſichtlich
ſchönes Wetter antreffen werden.
Wetterbericht der Hamburger Seewarte.
Hamburg, 15. Auguſt.
Nach dem Wetterbericht der Hamburger Seewarte von heute mittag
liegt noch immer ein Tiefdruckgebiet unter 750 Millimeter über Irland.
Am iriſchen See und in ſeiner Umgebung fällt der Regen aus niedrigen
Wolten. Auf ſeiner Rückſeite, über dem Weſten von Irland, haben ſich
die Winde neuerdings ſtark aufgefriſcht und erreichen bis zu 60 Kilo=
meter
pro Stunde. Weiter weſtlich flaut der Wind dagegen ab, da ein
ganz flaches Tiefdruckgebiet, das geſtern auf dem mittleren Atlantiſchen
Ozean in der Entwicklung begriffen war, nordwärts vorgedrungen iſt
und Anſchluß an das iriſche Tief gewonnen hat und infolgedeſſen das
Tiefdruckgefälle auf der Rückſeite des iriſchen Tiefs abſchwächend wirkt.
Im Oſten der Vereinigten Staaten hat ſich ein weiteres flaches Tief ent=
wickelt
. Zwiſchen den beiden Tiefdruckſyſtemen zieht ſich ein Rücken hohen
Drucks über den mittleren und weſtlichen Atlantiſchen Ozean hin, der
chwache, teilweiſe öſtliche Winde bringt.

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[ ][  ][ ]

Seite 10

Reich und Ausland.

Den Toten
des Plöner Kadettenhaufes.

Das Ehrenmal,
welches den im Weltkriege gefallenen ehemaligen An=
gehörigen
der Hauptkadettenanſtalt in Plön geſetzt
wurde. Eine Reihe berühmter Offiziere u. a.
Hindenburg und Ludendorff iſt aus dem Plöner
Hauſe hervorgegangen.

Frankfurter Chronik.
WSN. ZweiPferde imMainertrunken.
Am Freitag nachmittag kurz vor 3 Uhr ſtürzte ein
mit zwei Pferden beſpannter Wagen, der dem Fuhr=
unternehmer
Buchwald gehörte, am Deutſchherrnkai
in den Main. Die ſofort alarmierte Feuerwehr holte
das Geſpann wieder heraus; die beiden Pferde waren
jedoch leider bereits ertrunken. Angeblich ſollen die
Pferde beim Waſſertrinken ausgerutſcht und in den
Fluß gefallen ſein.

Verbrecheriſcher Brückenbauer.
LPD. Wiesbaden. Die Stadtverwaltung
Lorch a. Rh. hatte durch eine Neuwieder Firma eine
Schiffslandebrücke errichten laſſen, die durch den
Unternehmer Friedrich Franz Held in Lorch im
Auftrage der Firma ausgeführt wurde. Am 18. April
fand die Abnahme der Brücke durch die Rheinſtrom=
verwaltung
ſtatt. Held hatte kurz vorher von ſeiner
Firma 2000 Mark angefordert und, als dieſe ihm die
Summe nicht überwies, ſondern nur 600 RM., ließ
er dieſe zurückgehen. Die Stadtverwaltung Lorch
hatte Held auch eine ſolche Zahlung verweigert.
Darob war Held ſehr ungehalten und am Abend des
14. April, als die Brücke eingeweiht und dem Ver=
kehr
übergeben wurde, äußerte er ſich bei dem von
der Stadt geſtifteten Feſttrunk: Heute Nacht
ſchwimmt die Brücke noch. Richtig, in der Nacht
teilte ein Lorcher Einwohner einem Polizeibeamten
mit: Se ſinn unne an de Brick und mache ſe kapot.
Dieſer eilte ſchleunigſt hin, und traf Held mit zwei
ſeiner Arbeiter, die die Fahnenſtangen und das Tan=
nengrün
von der 68 Meter langen Schiffslandebrücke
abgeriſſen, in den Strom geworfen, ſowie in einem
Ponton die Sicherung einer Kette gelöſt hatten.
Große Entrüſtung herrſchte in der Bevölkerung des
Städtchens, die auch in den Tageszeitungen gebüh=
rend
gekennzeichnet wurde. Wegen groben Unfugs
und Sachbeſchädigung hatte ſich nunmehr Held vor
dem Erweiterten Schöffengericht zu verantworten.
Dieſes bedachte ihn mit einer Gelſdſtrafe von zwei=
hundert
Reichsmark. Held nahm die Strafe an.

Der Hagelwetterſchaden in Unterbaden.
km. Eppelheim bei Heidelberg. Der durch die
Hagelkataſtrophe in der hieſigen Gegend angerichtete
Flurſchaden beträgt nach den bisherigen amtlichen
Schätzungen etwa 600800 000 Mark. Die Geſchä=
digten
ſind durchweg Kleinbauern, von denen keiner
verſichert iſt. Rechnet man zu obiger Ziffer den
Schaden, der in Wieblingen, Plankſtadt und Ofters=
heim
angerichtet wurde, ſo ergibt ſich ein Geſamt=
ſchaden
von 1,5 Millionen RM. In der Siedlung
Pfaffengrund zwiſchen Heidelberg und Eppelheim
wurden etwa 200 Fenſter vom Hagel zerſchlagen.

Thea Raſche abgeſtürzt.

Die deutſche Fliegerin Thea Raſche
det,
der Hudſon=

it ihrem App=
den
Fluß geſtürzt.
blieb unverletzt.
zeug wurde be=
digt
geborg

Dienstag, den 16. Auguſt 1927

Deutſche Ernte 1927.

Das Aufladen der Garben.
Ozeanflieger Koennecke beim Botſchafter Shurman.

Ozeanflieger Koennecke
hat mit ſeinem Begleiter Graf von Solms dem Berliner amerikaniſchen Botſchafter Shurman
einen Abſchiedsbeſuch vor dem Start mach New York abgeſtattet.

Der Vater des Dawesplanes in Lebensgef Rr.
Eiſenbahnunglück des amerikaniſchen Vizepräſidenten.

Der Schlafwagen des Vizepräſidenten Dawes
iſt über dem todbringenden Abgrund ſchwebend geblieben, während Lokomotive und Tender des
Salonzuges vom defekten Bahndamm in die Tiefe ſtürzten.

Von zwei maskierten Räubern überfallen.
fm. Kehl. In Waſſelnheim (Elſaß) wurde der
Kaſſenbote Joſef Hartmann von der Fabrik Amos
u. Co., der auf einer Bankfiliale 55 000 Franken für
Lohnzahlungen geholt hatte, nachmittags zwiſchen
3 und 4 Uhr auf einer kleinen Brücke von zwei mas=
kierten
Räubern angehalten. Der eine warf ihm
Sand ins Geſicht, der andere entriß ihm die Geld=
taſche
. Die Räuber ergriffen die Flucht, nachdem ſie
den um Hilfe rufenden Kaſſenboten blutig geſchlagen
hatten. Vor der Fabrik aus, die in der Nähe liegt,
wurde die Verfolgung ſofort auf Fahrrädern auf=
genommen
; ſie wurde aber aufgegeben, da die Räuber
ſchoſſen. Sie konnten unerkannt in den nahen Wald
entkommen.

Ein Rekordflieger ſieben Jahre unterwegs.
fm. Bergzabern. Eine Brieftaube eines hie=
ſigen
Geflügelzüchters ſtartete im Jahre 1920 zu
einem Wettbewerb nach Eiſenach (240 Kilometer) und
kehrte nicht mehr zurück. Am Sonntag kam die
Taube nach ſiebenjähriger Abweſenheit wieder in
ihrem Heimatſchlag an.

Dr. Otto Eysler geſtorben.
c. Berlin. Hier iſt im Alter von 66 Jahren
der Verleger Dr. Otto Eysler geſtorben. Er hatte
in den letzten Monaten mehrere Schlaganfälle er
litten. Dr. Ehsler zählte zu den unternehmendſten
Perſönlichkeiten des Berliner Verlegerweſens.

Erſter Beſuch des Storches auf dem Hapag=
dampfer
New York.
Einem Radio=Telegramm zufolge haben Bürger=
meiſter
Walker und ſeine Gattin, die auf einer Reiſe
nach Europa unterwegs ſind, dem Kapitän Graalfs
des Hapagdampfers New York Glückwünſche ge=
funkt
, als ſie beim Paſſieren des Dampfers erfuhren,
daß der Storch dieſem Schiff zum erſten Male einen
Beſuch abgeſtattet hat. Frau Walker funkte: Glück=
wünſche
anläßlich des erſten Beſuches Transatlantik=
Storches bei meinem Patenkind. Walker ſelbſt funkte:
Möge die erſte Dame des Dampfers New York,
lange und glücklich leben. Die Mutter des Kindes
iſt die aus Deutſchland zurückkehrende Frau Frederick
Häusler aus Toledo im Staate Ohio.

Wiſſenſchaftliche Unterſuchungen auf dem Monte
Generoſo.
EP. Letzte Woche konnte man in Lugano
beobachten, wie am Monte Generoſo vom
Gipfel ſüdlich des Hotels bis zum Kulm, eine Rie=
ſenantenne
errichtet wird. Dieſe ſoll zum Stu=
dium
der atmoſphäriſchen Einflüſſe dienen. Die Ver=
ſuchsanlage
iſt auf Veranlaſſung der Univerſität
Berlin erſtellt worden. Die Leitung iſt 800 Meter
lang und wiegt 100 Zentner. Es iſt die größte An=
lage
dieſer Art auf der ganzen Welt. Man hat bei
einem Blitzeinſchlag
i M‟
meſſen und hat F
üiGer einem Miele
graphieren tönnen.

Der neue Berliner Univerſitätsrekton

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einzelnen Schit
der größte Wert
iſt, bei einem

dieſem ſüdde
Jugendmeiſt
zimmer und

Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Eduard Nordem
iſt für das Jahr 1927/28 zum Rektor der Univerſiü
Berlin gewählt worden. Der berühmte Vertre:n
der klaſſiſchen Philologie an der Friedrich=Wilhely,
Univerſität war noch Mommſen=Schüler und habfu
tierte ſich kaum vierundzwanzigjährig 1892 in Strog
burg, wurde 1893 Profeſſor in Greifswald, 1888
Breslau und 1906 in Berlin.

Vertreterverſammlung des Deutſchen Hando
werks= und Gewerbekammertages.
RH. Der Deutſche Handwerks= und Gewerbelunm
mertag, die geſetzliche Spitzenvertretung der 67 deutzp
ſchen Handwerks= und Gewerbekammern, trit amm
24. und 25. d. M. in München zu ſeiner diesjährngms
Vertreterverſammlung zuſammen. Die Tagung mitn
eingeleitet mit einer Vorſtandsſitzung des Kammro
tages am 24. Auguſt, der am Nachmittag die ge
ſchloſſene Mitgliederverſammlung zur Erledigung d6
ſatzungsmäßigen Regularien folgt. Die große öffenn
liche Verſammlung findet am 25. Auguſt im Sitzungg
ſaale des Alten Rathauſes ſtatt. Oberregierungsry=
Adametz=Berlin hat hierzu einen Vortrag über 2N
Stellungnahme der wirtſchaftlichen Spitzenverbän
zur Verwaltungsreform übernommen. Syndik9
Hauſſer=Karlsruhe, geſchäftsführendes Vorſtandsmo
glied des Badiſchen Handwerkskammertages un.
Handwerkstages, wird über Die rationelle Geſtod
tung der berufsſtändiſchen Gemeinſchaftsarbeit 50
Handwerk ſprechen. Generalſekretär Hermam
Charlottenburg wird zum Steuervereinheitlichungg
geſetz Stellung nehmen. Gemeinſame Führungen dui=
Tagungsteilnehmer durch die Ausſtellung D4
Bayeriſche Handwerk ſind vorgeſehen.

Haf
Eit bomnt hat ſogar zu
Hun weiteren Großkamp
1 MMater bringen, die von
wien die Jugendeinzelrent
Wrwummen werden muß.
Wrhalten, das Freiſtilſ
7 MMeter 10 und die Mitte
N Mädchen und die Ana
Eia md verſprechen inte
binumn durch ein Ju
M Armſtädter SC. Jur

1u4

Entdeckung einer vorchriſtlichen Stadt
in Paläſtina.
EP. Die unter der Leitung von Dr. Sukenik vu
der Hebräiſchen Univerſität vorgenommenen Au=
grabungen
haben in der Entdeckung anſcheinend wirü
tiger Ueberreſte einer Cananitiſchen Stadt in A.
Nähe von Jaffa geführt. Die Stadt ſcheint zuls=
von
den Philiſtern bewohnt geweſen zu ſein. Z
kunſtgeſchichtlichen Funde gleichen ſtark denen v.
Jericho. Die Geräte und die keramiſchen Ueberre.)
verraten ägyptiſchen Einfluß und dürften vermutlä
auf die Zeit des Patriarchen Abraham zurückgehe

Die hungrige Leiche.
EP. Vor einigen Tagen ſtarb in dem kleinee
Dorfe Caſafermeo in der Provinz Malaga (Spanier!
ein weibliches Weſen, das Florentin Huescar hie
Florentina ſcheint aber vor ihrem Ableben länger:
Zeit gefaſtet zu haben, denn auf dem Wege zu ihre‟
letzten, Ruheſtätte verſpürte ſie, trotzdem der Arz
drei Tage vorher ihren Tod beſcheinigt hatte, und ſih
daher nach Recht und Geſetz eigentlich keinerlei in
diſche Bedürfniſſe mehr hätte empfinden dürfen, einet
ſo gewaltigen Hunger, daß ſie den Deckel des Sarge=
beiſeite warf und energiſch etwas Eßbares verlangt?
Die Wirkung auf die trauernd dem Sarge folgendem
Dorfbewohner kann man ſich leicht ausmalen; ds
ganze Gefolge ergriff in wildem Schrecken die Fluchl.2
Florentina aber fühlt ſich, nachdem ſie inzwiſchen 9
ihrne Heißhunger geſtillt hat, wieder ganz wohl.

ſunend in den
Wrplant, die ſchön
Hak imnen meitaus
WE uch Beginn
Un ein ſicheres
rſhrung bring
altehr der
Rmnd der To
Ea n der zw
Unc Tor und
Ra Ausgleich Ie
erd, var der

W für
ſchaft oben
auf kommer

Keine Pagode, fondern ein
Waſſeriurm.

Der neuerrichtete Waſſerturm
mutet wie eine chineſiſchs

Erſuch zur Erneuerung!
derner Zweckbauten.

[ ][  ][ ]

Nummer 226

Oſenstag, den 16. Auguſf 1927

Seite 41

Sport, Spiel und Turnen.

Schwimmen.
6 üddeutſches Kreisjugendfeſt am kommenden
Sonntag im Woog.
Wie wir bereits Ende letzter Woche berichteten, findet am nächſten
aarintag das dritte Jugendſchwimmfeſt des Kreiſes 5 des deutſchen
ſewimmverbandes im Woog ſtatt. Veranſtalter iſt in dieſem Jahre
e. Darmſtädter Schwimmklub Jung=Deutſchland‟. Die beiden erſten
usendfeſte, die 1925 von Bayern 07 Nürnberg und 1926 vom SV.
ſöspingen glänzend durchgeführt wurden, haben das große Intereſſe
Vereine an dieſer Veranſtaltung bewieſen, ſo daß das Kreisjugend=
ſt
als ſtändige Einrichtung bleiben wird. Auch in dieſem Jahre haben
Vereine aus allen Gauen Süddeutſchlands annähernd 130 Meldungen
vregeben, oblvohl das Feſt auf einen Tag gekürzt werden mußte. Da
on. den einzelnen Schwimmvereinen auf die gute Ausbildung des Nach=
ſuchſes
der größte Wert gelegt wird, iſt es begreiflich, daß jeder Club
iſtrebt iſt, bei einem ſolchen Feſte, die beſte Jugendmannſchaft zu be=
heri
. Bei dieſem ſüddeutſchen Kreisjugendfeſt kann man geradezu von
Geutſchen Jugendmeiſterſchaften reden, denn Süddeutſchlands beſte
u endſchwimmer und =Schwimmerinnen werden am Sonntag im Woog
ſw Kräfte meſſen.
Das Hauptintereſſe beanſpruchen natürlich die Rennen der männ=
ihrm
Jugend, was auch ſchon aus der großen Zahl der abgegebenen
dungen hervorgeht. So werden z. B. in der Freiſtilſtaffel 3mal 100
ſerer 9 Mannſchaften, in der Bruſtſtaffel 3mal 100 Meter 8 und in der
ſrenſtaffel Zwal 100 Meter 2 an den Start gehen. Der SV. Göppin=
m
. der mit einer ſehr großen und ſtarken Jugendmannſchaft nach Darm=
e
kommt, hat ſogar zu der Freiſtilſtaffel zwei Meldungen abgegeben.
ſyen weiteren Großkampf wird am Schluſſe die Freiſtilſtaffel. 10mal
Meter bringen, die von vier Vereinen beſetzt iſt. Sehr große Felder
eiren die Jugendeinzelrennen auf, ſo daß hier in verſchiedenen Läufen
ſopwommen werden muß. Das Jugendbruſtſchwimmen hat 17 Nennun=
mrerhalten
, das Freiſtilſchwimmen 100 Meter 15, das Rückenſchwimmen
ſsMeter 10 und die Mittelſtrecke 400 Meter 8. Auch die Damenjugend=,
ſe Mädchen= und die Knaben=Rennen haben eine ſtarke Beſetzung er=
ilen
und verſprechen intereſſante Kämpfe. Vervollkommnet wird das
ſeisgramm durch ein Jugendſpringen, durch Figurenlegen der Damen
s Darmſtädter SC. Jung=Deutſchland, und durch ein Waſſerballſpiel
bter Jugendmannſchaften.
Waſſerball.
Einer Einladung des SV. Eßlingen leiſtete am letzten Sonntag die
ſgrmannſchaft des Darmſtädter SC. Jung=Deutſchland Folge, um bei
muee größeren Sommer=Veranſtaltung in dem württembergiſchen Indu=
islenſtädtchen
, ein Freundſchaftsſpiel auszutragen. Jung=Deutſchland,
3 gezwungen war, ohne zwei ſeiner Beſten, Berges und Fink, anzu=
elen
, zeigte nicht ſeine gewohnten Leiſtungen und mußte ſich von =
nen
, das eine gute Mannſchaft ſtellte, knapp 3:2 geſchlagen bekennen.
urg=Deutſchland Jugend ſchlägt die Jugend des Frankfurter SV. 2:1.
Einen ſchönen Erfolg errang am vergangenen Samstag die Jugend=
gturſchaft
Jung=Deutſchlands, denn es gelang ihr, in einem ſcharfen
bſe I die gute Jugendmannſchaft des Frankfurter SV. 2:1 zu ſchlagen.
e Spiel zeigte deutlich den weiteren Fortſchritt, den Jung= Deutſch=
nlss
Jugend in den letzten Wochen gemacht hat. Wenn es der Mann=
ſant
gelingt, die ſchön herausgearbeiteten Torchaneen beſſer auszunützen.
zu. ſie einen weitaus beſſeren Gegner abgeben.
Rurz nach Beginn des Spieles vergab Schneider durch zu langes
allhalten ein ſicheres Tor, doch Alken konnte bald Jung=Deutſchland
0 in Führung bringen. Alle Angriffe Frankfurts ſcheiterten an der
tm Abwehr der Darmſtädter Hintermannſchaft, in der wiederum
chwartz und der Torwächter Wagner ausgezeichnete Leiſtungen voll=
a
=ten. In der zweiten Halbzeit erzielte Darmſtadt durch Schneider
nüveiteres Tor und Frankfurt gelang kurz vor Schluß das Ehrentox,
c. zum Ausgleich langte es nicht mehr. Herr Wenzel, Rot=Weiß
zmnſtadt, war dem Spiel ein guter Leiter.
Mot=WeißFraukfurter Schwimmberein (Jugenb).
Das für heute abend angeſetzte Schlußſpiel um die Gau=Jugend=
/erſchaft obengenannter Vereine, iſt durch Nichtkönnen der Frank=
ſtir
auf kommenden Dienstag, den 23. Auguſt, nachmittags 7½ Uhr,
Woog, verlegt worden
Schießſport.
Privilegierte Schützengeſellſchaft Darmſtadt.
Die Privilegierte Schützengeſellſchaft hatte am letzten Sonntag, den
bluguſt, wieder einmal einen großen Tag. Nachdem bereits am
uni die erſten Wanderpreiſe auf den Ständen am Neuen Schieß=
44* ausgeſchoſſen werden konnten, folgte am letzten Sonntag der
tupf um die nächſten Wanderbecher, den Karl Schmidt=Becher und
Eckert=Becher. Am 26. Juni errangen den Becher der Stadt Darm=
bt
Schützenbruder Leo Raſt und den Becher der Stadt Offenbach
hisenbruder Prof. Dr. Hohenner. War die Beteiligung am erſten
ſurtag ſchon ſehr gut, ſo war ſie am letzten Sonntag noch beſſer.
ſrrdem hatten ſich viele Gäſte und Zuſchauer eingefunden, die dem
Eickampf mit dem größten Intereſſe folgten. Sieger blieb bei den
teenannten Wanderpreiſen Schmidt= und Eckert=Becher in
dm Fällen Schützenbruder Paul Kröh.
Amſchließend an das Schießen, das von 26 Uhr währte, hatte der
hitsand zu einem gemütlichen Zuſammenſein im großen Saale des
lagen Schießhauſes eingeladen. Galt es doch, neben der Preisver=
Uung auch unſere alten, treuen Mitglieder, die 25 und mehr Jahre der
Ein ilegierten Schützengeſellſchaft angehören, mit der von dem Deutſchen
chi tzenbund verliehenen goldenen bzw. ſilbernen Bundes=Ehrennadel
S uzeichnen. Oberſchietznmeiſter Engel konnte mit kerndeutſcher An=
rſhe
folgenden Mitgliedern, die zum größten Teil perſönlich an=
ſiend
waren, dekorieren:
Eientner Guſtav Heß, für 63jährige Mitgliedſchaft mit der goldenen
LaaI: Geheimerat Freiherr von Diemar, 38 Jahre Mitglied: Metzger=
ſieer
Jakob Heil, 38 Jahre; Nentner Ludwig Keller, 33 Jahre; Kauf=
Im Albert Schmidt, 33 Jahre; Brauereibeſitzer Hermann Schönberger,
Jahre: Oberſtadtſekretär Otto Küſter, 30 Jahre: Buchdruckereibeſitzer
ſithr. Pfeiffer, 30 Jahre; Bankbeamter Georg Schmidt, 29 Jahre:
WSändler Ernſt Schlapp, 28 Jahre: Oberpoſtſekretär Karl Vierbach,
Gahre; Waffenhändler Georg Link, 26 Jahre: Dentiſt Wilhelm
Eiſtner, 26 Jahre; Bauunternehmer Peter Ritter, 25 Jahre; Brauerei=
ſher
Wilhelm Rummel, 25 Jahre; Spenglermeiſter Heinrich Wald=
mDt
. 25 Jahre; mit der ſilbernen Ehrennadel.
In das auf die Jubilare ausgebrochte Hoch ſtimmten die Anweſen=
Begeiſtert ein. Nachdem Ehrenſchitzenmeiſter Keller in herzlichen
aisen im Namen der Jubilare gedankt hatte, folgte ein von Mitglie=
(n beſtrittenes ſchönes Unterhaltungshrogramm, das dieſelben noch
ta= in fröhlicher Simmung zuſammenhielt.

Pferdeſport.

Rennen zu Strausberg.
1 Hohenſtein=Jagdrennen. 2500 Mk. 3400 Meter. 1. B. Scholz
mDo (W. Heuer); 2. Valid; 3. Fünf Uhr. Ferner: Bereſina Ardo=
Feuermal, Volksrache, Treuherz, Daiſy 2, Staffelſtein, Theane,
24; Pl. 16, 58, 17:10. 82 Lg.
t. Rahnsdorfer Hürdenrennen: Ehrenpreis und 2500 Mk. 2400 Mtr.
J. Cooters Hiade (Dertel); 2. Blumenmädchen; 3. Black Velvet. Fer=
Brünne, Türkin, Ocker, Azalie. Tot.: 35: Pl. 10. 11, 10:10.
U Länge.
4 Ausgleich der Dreijährigen. Ehrenpreis und 2500 Mk. 1800 Mtr.
Graf Helldorffs Ritornell (M. Schmidt); 2. Arſis; 3. Mohrenglück.
er: Die Afrikanerin, Manon, Ofterdingen, Fenia. Tot.: 49: Pl.
12, 14:10. 2½2 Längen.
* Woltersdorfer Jagdrennen. Ehrenpreis und 2500 Mk. 4100 Mtr.
8. b. Dippes Rache (Ackermann); 2. Engpaß; 3. Fechterin. Ferner;
i. Viktoria, Thaliſia, Nordſee. Tot.: 1803 Pl. 17. N. 14:10. Kopf
11 Länge.
*: Alt=Landsberger=Jagbrennen. 2500 Mk. 3800 Meter. 1. Heinz
als Husdent (W. Hauſer); 2. Lackoos; 3. Primavera. Ferner: Ozema,
vel, Jilderim, Kariſſima, Filanda. Tot.: 25: Pl. 14, 15, 38:10.
3: Längen.
Li. Löckuitz=Flachrennen. 2500 Mk. 2000 Mtr. 1. Frhr. v. Schlot=
iS Mückſickt (O. Schmidt): 2. Mainßerg: 3. Octavio. Ferner: Flore=
König Lear, Fenelon, Kili, Arndt. Tot.: 52; Pl. 15, 24, 23:10.
94 Längen.
. Hnffnungs=Jagdrennen. Ehrenpreis und 2500 Mk. 3000 Meter.
ſ. b. Zobeltitz Menelaos: 2. Maimorgen; 3. Werden. Ferner: Luſi=
igr
Gaffel, Karodame. Tot.: 43: Pl. B, 42:10. 82 Längen.

Segelflug.
Preisverteilung auf der Rhön.
Der 8. Rhön=Segelflug=Wettbewerb iſt fetzt zum Abſchluß gelangt.
Die Preisverteilung ſcheint dem Komitee zur vollſten Zufriedenheit aller
Beteiligten gelungen zu ſein. Profeſſor Georgii, der Direktor der Rhön=
Roſſitten=Geſellſchaft, würdigte in einer Anſprache die Bedeutung der auf
der Rhön geleiſteten Arbeit und Staatsminiſter a. D. Dominikus, der
Vorſitzende des Deutſchen Luftfahrtverbandes, nahm die Verteilung der
Preiſe vor. Den Hauptanteil ſicherte ſich der Darmſtädter Nebring
im Leiſtungswettbewerb mit je 3000 Mark für ſeinen famoſen Strecken=
flug
von 52 Km. und den Gewinn des Heidelſteinpreiſes. Ferner wurden
noch Leiſtungs=Anerkennungspreiſe von je 1000 Mark an Nehring und
Kegel=Kaſſel gegeben. Im Uebungswettbewerb erhielt die Aka=
demiſche
Fliegergruppe München (Flieger Thönef mit Münchener
Kindl) auf Grund ſeiner Leiſtung von 1:39,36 Stunden mit 1500 Mark
den erſten Preis für die größte Geſamtflugdauer. Drei Höhenpreiſe
wurden an Münchener Kindl (206 Meter); Oberſchleſien von Marko=
Sileſia Breslau (175 Meter) und Moritz von Hoffmann=Frankfurt
(155 Meter) gegeben. Außerdem erhielten hier Hoppe, Hersfeld, Flug=
verein
Fulda, Düſſeldorfer Aeroklub, Flugwiſſenſchaftliche Arbeitsgruppe
Cöthen und Akademiſche Fliegergruppe Clausthal noch Anerkennungs=
preiſe
. Im Wettbewerb C, dem Schulungs=Wettbewerb, wurden
die Dauerpreiſe an Schleicher=Hoppenhauſen mit 3:30,15 Std., Mittel=
deutſcher
Flugverband Kaſſel mit 1:23,53 Std. und Akademiſche Flieger=
gruppe
Stuttgart mit 1:09,58 Std. verteilt. Zielflugpreiſe erhielten die
Kaſſeler und Mitteldeutſchen mit je 290 Mark. Clausthal mit 210 Mark
und Ermunterungspreiſe für C=Flieger wurden mit je 100 Mark an
Schleicher, Neumann=München und Schiedt=Stuttgart gegeben. Neben
verſchiedenen Ehrenpreiſen gelangten dann noch für alle zugelaſſenen
Teilnehmer, deren Maſchinen irgendwelche Flugleiſtungen aufzuweiſen
hatten, Erinnerungsplaketten zur Verteilung. In ſeiner mit großem
Beifall aufgenommenen Schlußausführung betonte Staatsminiſter a. D.
Dominikus, daß die deutſche Segelfliegerei nach den diesjährigen
Leiſtungen ubedingt die erſte Stelle einnehme und daß ein Volk, das
ſolche Leiſtungen aufweiſt, wie das deutſche, in der Entwicklung des
Flugſportes völlige Freiheit erlangen müſſe.
Kegeln.
6. Deutſches Bundeskegeln in Mafnz.
Vorüber ſind die Tage der Meiſterſchaftskämpfe, denen man mit ge=
ſpanmter
Erwartung in allen Keglerkreiſen entgegenſah; galt es doch,
um die höchſte Ehre im Deutſchen Kealerbunde zu kämpfen. Mamz hat
gehalten, was es verſprochen hat. Würdig kamn ſich dieſes Feſt den
übrigen Bundeskeglerfeſten anreihen. Gaſtfneundſchaft der Einwohner,
liebevolle Aufnahme in den Quartieren, Schmuck der Häuſer und Stra=
ßen
, echte Sportbegeiſterung waren in Mainz Eindrücke, die den aus=
wärtigen
Keglern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben.
174 Einzelmeiſter, 24 Senioren und 31 Mannſchaften kämpften um den
Meiſterſchaftsrang. Gut organiſiert, verliefen die Kämpfe reibungslos
Für den Verband Darmſtadt waren die Tage vom 7. bis 13. Auguſt
von beſonderer Bedeutung. Als Süddeutſcher Gaumoiſter galt es, alle
Kräfte daran zu ſetzen, bei der Bundesmeiſterſchaft auch erfolgreich zu
ſein. Erwartungsvoll verfolgten die Süddeutſchen den Kampf ſeines
Gaumeiſters. Tapfer hat ſich die Mannſchaft gehalten. Jeder gab ſein
Beſtes her. Heiß war das Wetter, und heiß die Kämpfe. Nur geringe
Zahl an Holz blieb die Mannſchaft hinver dem 1. Sieger zurück. Wären
nicht 2 Kegler von ausgeſprochenem Pech verfolgt geweſen, dann war
die Bundesmeiſterſchaft für Darmſtadt und damit für den Süd=
deutſchen
Gau ſicher. Aber auch die Ervingung des zweiten Platzes
bedeutet für den Darmſtädter Verband eine hohe Ehre.
Als junger Verband unter 13 Meiſtermannſchaften ſich berart empor=
zuſchaffen
, iſt ein Beweis dafür, daß gute Arbeit geleiſtet und die erſte
Mannſchaft ſich beſter Zuſammenſetzung erfreut.
Die nachfolgenden Ergebniſſe der einzelnen Mannſchaften dürften
von Intereſſe ſein. Es erreichten:
1. Halle (Gaut Mitteldeutſchland) . . . . . 5214
2. Darmſtadt (Gau Süddeutſchland) . . . . 5184
3. Kiel (Gau Norddeutſchland) . . . . 5175
5167
4. Hartha (Gau Sachſen 1)...!
5158
5. Planitz (Gau Sachſen 2). . . .. .
6. Stettin (Gau Pommern) . . .r T 5155
5154
7. Hohndorf (Gau Sachſen 3)....
5089
8. Meißen (Gau Sachſen 4)....
4961
9. Spremberg (Gau Oſtmark) . . .
4937
10. Gotha (Gau Thüringen) . . .
4884
11. Köln GGau Weſtdeutſchland) . . . .
. 4863
12. Nürnberg (Gau Bayern)..
B40
13. Breslau (Gau Schleſien)
Als Anerkennung für die gute Leiſtung erhielt die Darmſtädter
Mannſchaft eine ſilberne Plakette und jeder Gegler eine ſinnreiche
Medaille am weiß=roten Bande.
Im nächſten Jahre werden die Meiſterſchaften in Kiel ausgetragen
und wird die hieſige Mannſchaft beſtrebt ſein, auch da ſich wieder bis
zum Endkampf emporzuarbeiten.
Kämpfe um den Verbandspokal.
Der Verband hat die Klubs aufgerufen, ſich an der Auskegelung des
Verbandspokals, was demnächſt geſchehen ſoll, zu beteiligen. Der Pokal
geht diesmal im den endgültigen Beſitz des Siegers über. Es ſteht zu
erwarten, daß alle Klubs ſich an dieſem Kegeln beteiligen.

Sußball.

V.f. R. DarmſtadtFußballverein Hofheim 8:2 (4:1).

ie echlie er Deien ir Dur eu chere au
hatte man eigentlich mehr erwartet, nachdem dieſelben boim Vorſpiel
in Darmſtadt ein recht angenehmes Spiel vorführten. V.f.R. gewann
in dieſer Höhe vollauf verdient, und hätte es leicht noch höher ausfallen
können. Die V.f.R.=Mannſchaft verdient ein Geſamtlob, die Erſatz=
leute
fügten ſich recht gut in das Geſamtmannſchaftsgebilde. Mit dieſem
Reſultat hatz der V.f.R. den Gau Bergſtraße wieder würdig vertreten
und erneut bewieſen, daß er ein ernſter Meiſterſchaftsanwärter für die
kommenden Verbandsſpiele iſt.
Die 2. Mannſchaft, die in Wolfskehlen ſpielte, mßte eine Nieder=
lage
von 5:1 hinnehmen.
Das Spiel der 3. Mannſchaft ſiel aus, nachdem es Eſchollbrücken
vorgezogen hat, genau wie im Vorſpiel, nicht anzutreten.

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 16. Auguſt. 11.55: Uebertr. des Glockenſpiels Taus
dem Darmſtädter Schloß. O 15.30: Dr. Oehlert: Ueber den
Automobilkönig Henry Ford. O 16.30: Operettenmuſik. o 17.45:
Kreisleriana, von E. T. A. Hoffmann Sprecherin: Marg.
Wolf. 0 18.15: Uebertr. von Kaſſel: Dr. Dippel: Was uns das
Licht von den fernen Sternen erzählt. o 18.45: Uebertr. aus dem
Mannheimer Beſprechungsraum Vortrag des Deutſchen Ausland=
Inſtituts gehalten von Pfarker Kaufmann. o 19.15: Dr. Göß:!
Altdeutſche Tafelmalerei, O 19.45: Schach. O 20.15: Gaſtſpiel des
OperettenEnſembles Sander=Graef: Alt. Wien. 2Operette von G4
Kadelburg. Muſik von J. Lanner. /
Stutigart.
Dienstag, 16. Auguſt. 12.30: Stuttgart und Freiburg: Schall=
plattenkonzert
. O 16.15: Konzert. 10 Darbietungen. O 18.15:
7 Ernſt: Don Bosco als Erzieher (geb. 16. Aug. 1815). 18.45:
Stunde der Technik. o 19.15: Uebertr. aus Mannheim: Dr.
Hartwig: Wirtſchaft und Politik in Südamerika nach dem Kriege.
O 20: Konzert. Philh. Orch. Stuttgart. Herzer: Hoch Heidecksburg.
Strauß: Morgenblätter. Wagner: Zug zum Münſter.
Roſſini: Ouv. Wilhelm Tell. Manfred: Ein Opernabend.
Lanner: Die Romantiker. Komzak: Volksliedchen und Märchen.
Michaelis: Die Schmiede im Walde. Hannemamn: Rheiniſcher
Sang. Strauß: Künſtlerleben. Mendelsſohn: Notturno aus
Sommernachtstraum. Wagner: Die Bosniaken kommen.
Anſchl.: Wunſchabend. Die Mitw, werden erſt nach Eing. der
Wünſche bekanntgegeben.
Berlin.
/Dienstag, 16. Auguſt. * 16.30: Uebertr. der Kurmuſik aus dem
Oſtſeebad Swinemünde. 8 Darbietungen. O 18.40: Stunde mitz
Büchern. 6 19.05: Dr. Caſpary: Der Urſprung des Rechts. 0 19.303
G. Hausdorf: Graphik und Zeichnung früher und jetzt. 0 19.553
Dr. Weber: Bayreuth und die deutſche Kultur. O 20.30: Mutter
Erde‟, Einl. Worte: Dr. Kaßner. Mitw.: K. Ebert (Rezit.)
Cornelis Bronsgeeſt (Bariton), Berliner Funk=Orcheſter. Dir.: S.
Meyrowitz, Berliner Funk=Chor. Leit: Prof. Hugo Rüdel.;
Schumann: Ouv. zu Genoveva. Schiller: Eleuſiſches Feſt.
Sternberg: Blut. Ina Seidel: Mit wuchtigen Knien.
Haydn: Schon eilet froh der Ackermann, aus Die Jahreszeiten.
Tolſtoi: Wieviel Erde braucht der Menſch? W. v. d. Vogelweide:
Sehnſucht nach dem Heim. Hebbel: Das alte Haus. Burg:
Gräfin Juliane. Schüler: Verlorene Heimat. Wagner: Eine
Fauſtouv. Roſegger: Erdſegen. Schönherr: Aus Erde.
Schumann: Waldesgeſpräch. Mondnacht. Schubert: Der Linden=
baum
. Winkler: Die neue Zeit. Wegner: Der Zug der
Häuſer. Zech: Oh, braunes Herz der Erde. Taube: Wenm
möglich. Arndt: Vom Vaterland und Freiheit. Haydn:
Vollendet iſt das große Werk, aus dem Oratorium Die Schöpfung.
Königswuſterhauſen. Dienstag, 16. Auguſt. 6: Gymnaſtik. o 12:
Grander: Franzöſiſch für Schüler. 0 15: Margarete Weinberg:
Aus der Geſchichte der Geſundheitspflege. 0 16: Dr. Jolles: Buſch
und Morgenſtern. o 17: Dr. Häpke: Der Werdegang der deut=
ſchen
Wirtſchaft von den Anfängen bis zur Gegenwart. o 18:
Dr. Krüger: Die Feſtſtellung ſtreitiger Tatbeſtände in der Rechts=
pflege
. 6 18.30: Spaniſch für Anfänger. O 18.55: Dr. Adler;
Matthias Claudius. o 19.20: Dr. Schirokauer: Hanſaſtädte.

Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Mittwoch, ben 17. Auauſt
nach der Wetterlage vom 15. Auauſt.
Wolkig, mit zeitweiſer Aufheiterung, mäßig warm, ſtellenweiſe
Schauerregen, ſonſt trocken.
Schauerregen, ſonſt trocken.
Die Heſſ. Wetterdienſtſtelle.
Mt Me
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; ſür Sport: Dr. Eugen Buhimann
ſür den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Schlußdienſt: J.V.: Dr. Eugen Bublmann
ſür Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette;, für den Inſeratenteil: Willy Kuble.
Druck und Verlag: L. C. Witt ich ſämtlich in Darm ſtadt.
Für unverlangte Mannſkripte wird Garantie der Rückſendung n ich 1 Übernommen.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

etientäde
Drerre
mik blauem Himmel, lachendem Sonnenſchein
und wenns geht, auch ein wenig Kleingeld ſind
etwas ganz Köſtliches. Das ſchöne Gefühl der-
Freiheit und des Ungebundenſeins macht uns
unternehmungsluſtig, Pläne werden geſchmie,
det -fahren wir an die See, ins Gebirge oder
bleiben daheim? Das iFF die Frage! Glücklich,
wenn wir ſie uns ſelbſt beantworten können
und nicht erit eine Zwieſprache mit der-
Geldbörſe halten müſſen. Aber einerlei -ob an
der See, im Gebirge, daheim, die Freude wird
größer und die Stimmung noch gehobener,
wenn wir uns des Genulſes ſo wundervoll8
aromatiſcher Zigaretten wie
Geelltga=
Ustele zu9 /
und Auleeb zu6,
erfreuen können. Das Pläneſchmieden-oder auch
das erzichten, fällt-viel leichter.-Dieſe prachtvollen Marken bringen zuſtande,
unſer Gefühlsleben in Bahnen zu lenken, die unſerem Wohlbefinden am
förderlichſten ſind.
1 0

Generalvertreter für Mainz und Darmstadt:
Fau Hille, Fabriklager: Frankfurt Main, Niddastr. 04, Mittelbau,
ansa 6963.

(N.8730

[ ][  ][ ]

Nammer 226

Erhöhung des Zinsfußes der Reichsanleihe
von 1927.

Wie wir bereits meldeten, hat der Reichsfinanzminiſter die Ver=
zinſung
der 5prozentigen Reichsanleihe 1927 mit Wirkung vom 1. Ang.
d. J. ab auf 6 Prozent erhöht. Amtlich wird dazu mitgeteilt: Seit
Begebung der Reichsanleihe im Februar 1927 haben ſich die Verhältniſſe
am deutſchen Kapitalmarkt grundlegend verändert. Während in frühe=
ren
Zeiten die Anleihen des Reiches im weſentlichen ſtabile Kurſe hat=
ten
, iſt unter dem Einfluß der ſteigenden Kapitalverknappung in den
letzten Monaten wie bei faſt allen feſtverzinslichen Papieren, ſo auch bei
der neuen Reichsanleihe ein verhältnismäßig ſtarker und anhaltender
Kursrückgang eingetreten. Von dieſem werden insbeſondere auch die
Kreiſe betroffen, die die Anleihe zur feſten Anlage erworben und dem=
entſprechend
eine Sperrverpflichtung übernommen haben. Sie ſind
ſoweit ſie Bilanzen aufzuſtellen haben, zur Buchung erheblicher Ver=
luſte
gezwungen. Eine günſtigere Geſtaltung der Anleiheverzinſung
iſt daher geboten. Dieſe etwa durch Aufhebung des Steuerabzugs vom
Kapitalertrag durchzuführen, erſchien ſowohl aus politiſchen Gründen,
wie auch deshalb nicht angängig, weil eine ſolche Maßnahme in ihrer
finanziellen Auswirkung für die Anleihebeſitzer keine ausreichende Ver=
beſſerung
der Rente bringen würde. Angeſichts dieſer Verhältniſſe hat
ſich der Reichsminiſter der Finanzen entſchloſſen, den Zinsfuß, der jetzt
mit 5 Prozent ausgeſtatteten Reichsanleihe von 1927 mit Wirkung vom
1. Auguſt 1927 ab auf 6 Prozent zu erhöhen, und zwar bis zum 31. Juli
1934, alſo bis zu dem Zeitpunkt, an dem die erſte Ausloſung der Reichs=
anleihe
ſtattfindet.
Der erſte Zinsſchein, der mit dem erwähnten Betrag zur Auszah=
lung
kommt, wird am 1. Februar 1928 fällig. Der Tilgungsplan bleibt
unverändert, d. h. die Rückzahlung der Anleihe erfolgt nach vorangegan=
gener
jährlicher Ausloſung innerhalb 25 Jahren in der Zeit von 1935
bis 1959 zum Nennwerte. Ueber die techniſche Durchführung ergeht eine
weitere Bekanntmachung.

halten. Gegen Schluß trat eine neue Belebung des Geſchäfts ein infolge
lebhafter Nachfrage nach Zellſtoff Waldhof auf jetzt von der Verwaltung
dementierte Gemichte über eine Intereſſennahme mit der italieniſchen
Kunſtſeideinduſtrie. Geld iſt infolge des Zahltages etwas knapper. Täg=
liches
Geld 6 Prozent. Am Deviſenmarkt nannte man Mark gegen
Dollar 4,2062, gegen Pfund 20,450, London-Paris 124,03, Mailand
89,30, Madrid 28,71.

Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 15. Auguſt

Arbeitsgemeinſchaften der Heſſiſchen

Die Zwiſchenbilanzen der Arbeitsgemeinſchaft der Heſ=
ſiſchen
Kreditgenoſſenſchaften per 30. Juni 1927 liegen
jetzt geſammelt vor. Die Geſamtbilanzſumme erhöhte ſich von 43,8 Mill.
zu Ende 1926 auf 50,9 Mill. Mark, d. i. eine Steigerung von 16½ Proz.
Während die ſonſtigen Paſſivpoſten der Bilanz keine außergewöhn=
liche
Entwicklung aufweiſen, haben die Spareinlagen im 1. Semeſter
1927 etwas über 20 Prozent, die ſonſtigen Kundenguthaben um ſtark
15 Prozent zugenommen. Sie betrugen 21,7 bzw. 17,3 Mill. Mark.
Auf der anderen Seitze erhöhten ſich die Ausleihungen um ca. 15 Proz.
auf 38,1 Mill. Mark. Der Wechſelbeſtand erfuhn eine Zunahme um
13 Prozent auf 6,2 Mill. Mark. Die flüſſigen Mittel verzeichneten eine
geringfügige Abnahme um 5 Prozent; andererſeits konnten, jedoch die
Bankſchulden und Akzepte um ca. 10 Prozent ermäßigt werden. Von
den neu zuſtrömenden Geldern ſind alſo ca. 85 Prozent ins Kreditgeſchäft
abgeſloſſen, und die reſtlichen 15 Prozenr zum weiteren Ankauf von
guten Wechſeln verwandt worden. Der heſſiſchen Wirtſchaft waren von
den Scultze=Delitzſchen Kreditgenoſſenſchaften Ende Juni 1927 insgeſamt
44,5 Mill. Mark zur Verfüggung geſtellt, gewiß ein recht beachtlicher
Betrag
Trotz der ſtarken Verknappung des Geldmarktes hat ſich das Liqni=
ditätsverhältnis
faſt unverändert mit 30 Prozent gehalten. Da die be=
anſpruchten
Bankkredite nur knapp 6 Prozent der Geſamtbetriebsmittel
erreichen, ſteht hier noch eing anſehnliche Liqniditätssreſerve zur Ver=
fügung
. Endlich aber gewähren die vorhandenen Geſamtgarantiemittel
(Eigenvermögen und Haftſummen) in Höhe von ſchätzungsweiſe 40 bis 45
Millionen allen Einlegern die denkbar größte Sicherheit.
Aus dem Gefagten erhellt, daß die heſſiſchen Kreditgenoſſenſchaften
in überaus tätiger und erfolgreicher Weiſe mitarbeiten am Wiederauf=
bau
unſerer deutſchen Wirtſchaft.

Die Montagsbörſe fand einige wichtige Anregungen vor, die geeig=
net
waren, der Tendenz einen ſtarken Rückhalt zu geben. Tatſächlich er=
öffnete
der Effektenmarkt ſtärker belebt und überwiegend feſt, wobei ſich
das Intereſſe der Spekulation auf eine Anzahl von Spezialpapieren
konzentrierte. Die Hinaufkonvertierung der 5prozentigen Reichsanleihe
bildete naturgemäß den Gegenſtand eifriger Diskuſſionen und wurde mit
Befriedigung aufgenommen, da nunmehr die Beunruhigung des Markts
durch die dauernden Kursrückgänge der deutſchen Reichsanleihe von 1927
beſeitigt erſcheinen. Der Börſenvorſtand veranlaßte, daß ſämtliche Kurſe
dieſer Anleihe heute ausgeſetzt werden, um plötzliche große Schwankun=
gen
zu vermeiden. Die letzte Notiz als 5prozentige Anleihe erfolgte am
vergangenen Freitag mit 85,90 Prozent. Im Freiverkehr zog der Kurs
an. Eine ſtarke. Befeſtigung erfuhr die Neubeſitzanleihe von 16,10 auf
17,20 Prozent. Die Kapitalerhöhung der AEG. wirkte ſich kursmäßig
nicht aus, da die Spekulation duerch die Bezugsmodalitäten enttäuſcht
war. Allgemein konnte man feſtſtellen, daß ſeitens der Bankenkundſchaft
weitere kleine Aufträge gegeben wurden und das Vertrauen ſich hob. Die
heutigen Differenzenzahlungen ſcheinen glatt verlaufen zu ſein, zumal
es ſich größtenteils nur um geringere Beträge handelte. Am offenen
Geldmarkt trat infolge des Zahlungstages eine leichte Verſteifung ein.
Tagesgeld wurde mit 4,75 bis 6 Prozent und Monatsgeld, mit 7.25 bis
8,5 Prozent genannt. Warenwechſel mit Bankgiro zirka 6 Prozent. Am
Deviſenmarkt wurden ausländiſche Valuten geſucht. Der Dollar be=
feſtigte
daher auf 4,270 bis 75. Im Uſancenhandel notierte ſonſt das
engliſche Pfund kaum verändert mit 4.,8604 gegen New York. Oslo beſ=
ſerte
ſich gegen London auf 18,68.
Auch im weiteren Verlauf ſtanden Elektrowerte im Mittelpunkt des
Intereſſes. Siemens konnten ihren Gewinn wieder, und zwar um
6 Prozent ( 306) erhöhen, Schuckert zogen auf 217,75 nach 214 an. Auh
am Montanmarkt machte die Aufwärtsbewegung Fortſchritte, die ſich
beſonders in Kursbeſſerungen von Rheinſtahl, Gelſenkirchen und Ver.
Stahlwerke ausdrückte. Ferner waren Zellſtoff Waldhof ſtark gefragt
(353). An den übrigen Märkten traten weſentliche Veränderungen bei
kleinem Geſchäft kaum ein J. G. Farben etwas erholt, 317,5.
Privatdiskont lange Sicht 5.75; kurze Sicht 5,75 Prozent. Die
reundliche Grundſtimmung der Börſe hielt bis zum Schluß an und
brachte weitere Kursbeſſerungen. Auch an der Nachbörſe war die Ten=
denz
feſt, doch konnten einzelne Papiere ihren hohen Stand nicht ganz
behaupten und gaben von ihrem Gewinn wieder etwas her. Gegen
2.30 Uhr hörte man u. a. folgende Kurſe: Ver. Glanzſtoff 742; Zell=
ſtoff
Waldhof 355; Schultheiß 475; Oſtwerke 448; Rheinſtahl 217,75;
Gelſenkirchen 170,5; Harpener 211; Mannesmann 193,75; J. G. Farben
318,5: Deſſauer Gas 219,5: AEG. 196: Siemens 306.5: Schuckert 217.5;
Hapag 157,25; Nordd. Lloyd 158: Danatbank 245; Kommerz= und Pri=
dat
=Bank 186: Dresdner 175: Neubeſitz gab auf 16.90 nach. Altbeſitz 1.
58; dito 2. 58,75. Für die Reichsanleihe 1927 ſchätzte man einen Kurs

von 8687.

Frankfurter Effektenbörſe.

Frankfurt a. M., 15. Auguſt.
Die Stimmung an der Börſe beſſerte ſich weiter. Gleich zum
Wochenbeginn konnte eine feſtere und lebhaftere Haltung Platz greifen,
nachdem ſchon vorbörslich die Tendenz freundlich war. Ihren Ausgang
nahm die feſte Stimmung wieder vom Elektromarkt. Hier wirkte der
Kapitalerhöhungsbeſchluß der A.E. G., der eine Erhöhung um 30 auf
150 Millionen und ein Bezugsrecht von 6:1 ſür die Stamm= und von
10:1 für die Vorzugsaktionäre vorſieht, dann die gute Beſchäftigung
aller Werke der A.E.G. und vor allem der Auftrag der franzöſiſchen
Poſt= und Telegraphenverwaltung an Siemens u. Halske auf Lieferung
eines Fernkabels Paris-Bordeaux auf Reparationskonto. Allgemein
ſtimulierend wirkte die weitere Beſſerung der Arbeitsmarktlage. Der
Zahltag ſcheint keine Schwierigkeiten zu bereiten. Lebhafte Umſätze ver=
zeichneten
alle Elektroaktien, die Kursbeſſerungen von durchſchnittlich
2 3½ Prozent erzielten. Felten u. Guillequme aber 5 Prozent feſter,
da das Unternehmen auch an dem franzöſiſchen Auftrag beteiligt iſt.
Lebhafter begehrt waren noch Banken, Zellſtoffwerte, Bauuternehmun=
gen
und einzelne Montanpapiere bei allgemeinen Kursbeſſerungen von
1 bis zu 5 Prozent. J.G. Farben blieben dagegen weiter vernachläſſigt
und 1 Prozent ſchwächer. Die Tauſchoperationen gegen Elektrowerte
ſcheinen fortgeſetzt zu werden. Am Rentenmarkt lagen deutſche Anleihen
lebhafter und weſentlich feſter auf den Beſchluß, den Zinsfuß der Reichs=
anleihe
von 1927 von 5 auf 6 Proz. zu erhöhen. Im weiterem Verlauf
ging die Geſchäftstätigkeit ſtark zurück. Im allgemeinen blieben die
Kurſe behauptet, nur Elektrowerte konnten ihre Gewinne nicht ganz

Aſchaffenb. Zellſtoff.
Augsb. Nürnb. Maſch.
Bamag=Meguin".
Berlin el. W..
BerlinKarlsruheInd
Braunkohl.=Briketts.
Bremer Vulkan . .
Bremer Wolle.. .
Teutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Deutſch.=Nied. Tel.. .
Deutſche Erdöl. . . . .
Deutſche Petroleum.
Dt. Kaliwerke. ..
Donnersmarckhütte".
Tynamit Nobel ..
Elektr. Lieferung.
J. G. Farben. . . . .
R. Friſter. . . ..
Vaggenau Vorz. .. .
Gelſenk. Berg... ... ."
. f. elektr. Untern. .
Halle Maſchinen. . .
Han Maſch. Egeſt. . .
Hanſa=Dampfſchf.

12. 8. 15. 8. 12. 8. Ka. 204.25 210.25 Hemoor=Zement. . . . 250. 257.75 141. 142 Hirſch Kupfer. 118. 115.25 48.75 50. Höſch Eiſen.. 186. 191.75 Hohenlohe Werke. 23.10 23.9 85.25 88.125 Kahla Borzellan. 107. 106.25 193.25 193. Lindes Eismaſch. .. . . 162 25 162.72 148. 150. Lingel Schuh. . 82.25 82.75 210.- 208. Linke u. Hofmann 119. 120.5 L. Loewe u. Co. .... 290.25 296.25 95.25 97.5 C. Lorenz.. . . . . . f128.875 130.25 Niederlauſitzer Kohl 174. 175. 161.875 162.5 Nordd. Gummi... 84. 84. Orenſtein. . . . Ain.6 147. Rathgeber Waggon 90. 118 118. Rombacher Hütten. 152. 151 625 Roſitzer Zucker.. 99.75 99.25 195 25 200.5 Rütgerswerke. 102.75 104.75 316.25 315 Sachſenwerk .. 120.12: 125.5 113. 114.75 Sächſ. Gußſtahl. 1180.5 180.5 56.25. 57.5 Siemens Glas. 1167.75 166.5 Ver. Lauſitzer Glas.. 1425 1425 Mf 273.5 Volkſtedter Porzell. . 54. 54. 175. 178. Weſtf. C. Langendreer 115.875 19.5 WittenerGußſtahl. 55. S6. 232. 232.5 Wanderer Werke.. 274,5 274.875

Oeviſenmarkt.

Helſingfors..
Wien.."
Prag ..
Budapeſt.
Sofia.
Holland."
Oslo ......."
Kopenhagen..
Stockholm. .
London..
Buenos Aires
New York
Belgien.

12. 8. 15. 8. 12. 8 15. Geld Brie Geld/ Brief Geld Brief 10.585 10.60* 10.588 10.608 Italien". 22.88 22.9. 22.89 59.18 59.30 59.211 59.33 Paris 16.47 16.51 6.465 12.45 12.474 2.455 12.475 Schweiz 81.0) 81. 81.04 73.33 73.47 73.35/ 73.49 Spanien 71.025 71.165 71.03 3.042 3.048 3.037 3.0431 Danzig 81.39 31.551 81.43 168.45 188.79 168.43/168.77 Japan. 1.991 1 99: 1.989 109.10 09.3. 09.49 109.71 Rio de Janeiro. 0.496 0.498 0.4965 112.59 12.8 12.61/112.8: Jugoſlavien .. 7.397 7.407 7.395 112.73/112 9: 12.75112.27 Portugal . 20.68 20.72 20.68 20.427/20.467 20.43/ 20.47 Athen .." 5.514 5.52 5.514 1.794 1.798 1.794/ 1.798 Konſtantinopel. 2.11 2.114 2.115 4.2025/4.2105 4.203 4 21 Kanada.. 4.198/ 4.20 4.202 58.46 58.58 58.47/ 58.59 Uruguah. 4.176 4.184 4.176

Geld. Brief
22.93
16.505
81.20
71.17
81.59
1.993
0.4985

Dienstag, den 16. Auguff

Wirtſchaftliche Rundſckau.

Deutſch=belgiſches Kohlenabkommen. Wie von zuſtändiger Seite be=
ſtätigt
wird, entſprechen die aus Brüiſſel kommenden Meldungen über
den Abſchluß eines deutſch=belgiſchen Kohlenabkommens den Tatſachen.
Die Unterzeichung durch den Vertreter des rheiniſch=weſtfäliſchen Koh= und durch die belgiſche Regierung iſt bereits vollzogen. Le
diglich die Zuſtimmung der deutſchen Regierung ſteht noch aus, die aberr
zu erwarten iſt. Die Lieferungen beginnen am 1. September. Die Re= ſind auch bei Belgien, wie das auch bei Frankreichh
in ähnlicher Weiſe der Fall iſt, in die Form von Verträgen gekleidet. Die=
Lieferungen erfolgen teils unmittelbar, teils durch den Handel. Dies
verkauften Mengen werden über den Reparationsagenten verrechnet.,
Die Errichtung einer Verteilungsorganiſation in Belgien kommt glſoo
nicht in Frage.
Die Amerika=Verhanölungen der ilfa abgeſchloſſen. Die ſeit Wochewy
im Fluß befindlichen Verhandlungen betr. Neugeſtaltung der vekanntenn
Verträge zwiſchen den Firmen Metro Goldwyn Pictures Corporation.;

Verträge, deren Inhalt durch den Rahmen=Vertrag in Hauptrichtlinieny
feſtgelegt iſt, erfolgt nach Rückkehr der Ufa=Mitglieder in Berlin. Diex
amerikaniſchen Geſchäftsfreunde der Ufa haben die Be=echtigung der Ab== der nenen Verwaltung der Ufa bereitwilligſt aner=
kannt
und ihnen in großzügiger Weiſe vollkommen entſprochen. In denn
ausgedehnten Ausſprachen, die zwiſchen den leitenden Perſönlichkeitenn
der erwähnten Geſellſchaften ſtattfanden und an denen ſi.h auch die
Herren Zukor und Loew eingehend beteiligten, wurde volle Ueberein= erzielt und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die neu=
gefundenen
Grundlinien, die ſich auf den geſchäftlichen Erfahrungen der
Vergangenheit ſolvohl in Amerika als auch in De kſchland aufbauen,
geeignet ſein werden, den bereits vorhandenen Geiſt vertrauensvoller
Hand=in=Hand=Arbeit und gegenſeitiger Wertſchätzung immer weir
zu entwickeln.
Der beutſch=ſchweizeriſche Außenhandel nimmt ſeit Jahrcsbeginn ine
ſehr günſtige Entwicklung. Die ſchweizeriſche Ausfuhr nach Deutſchlnd
iſt von 23,9 Millionen Schweizer Frauken im Januar auf 20.2 MNillionen
im Juli geſtiegen. Noch günſtiger war die Enzwicklung des Abſatzs

deutſcher Waren nach der Schweiz, der von 34 Millionen im Januar auf

47,2 Millionen Sckſreizer Franken zugenommen hat, der höcſten Mo=
natsziffer
ſeit drei Jahren. Intereſſaut iſt die Tatſache, daß Deutſch
land wieder an erſter Stelle unter den ſchwb=izeriſchen Verſorgungsgebie=;
ten ſteht.

Mannheimer Biehmarkt vom 15. Auguſt. Zum heutigen Viehmarial
ſuurden zugeführt und wurden die 50 Kg. Lebendgcwicht je nach Klaſſe
gehandelt: 272 Ochſen 3063; 121 B:Gen 3953: 416 Küſe 1650:t
249 Färſen 3862: 568. Kälber 5678; 32 Schafe 4248: 3401 Schweiner
5068; 6 Ziegen 1022; Wagen= und Arbeitspferde nicht zugeführt.
Marktverlauf: Großvieh mittelmäßig, geräumt; Kälber lebhaft, geräumt.;
Schweine mittelmäßig.
Frankfurter Viehmarkt vom 15. Auguſt. Der Auſtrieb des heutigen=
Hauptmarktes beſtand aus 253 Ochſen, 98 Bullen, 653 Kühen, 369 Fär
ſen, 539 Kälbern, 60 Schafen und 5952 Schweinen. Bezahlt wurd
dro Zentner Lebendgeſicht: Ochſen a1) 6468, 72) 5963, b1) 55 bi.n
58, b2) 5054, c) 4549, Bullen a) 5861, b) 5057, Kühe a) 5350
b) 4752, c) 3946, d) 3038, Färfen a) 6267, b) 5761, c) 505
Kälber b) 7581, c) 6874, d) 5867, Schafe a) 4854, Schweim
a) 6567, b) 6567, c) 6567, d) 6668, e) 6065, Sauen 556)
Marktverlauf: Ninder, Kälber und Schafe wurden be: mäßig regew
Geſchäft ausverkauft. Das Geſchäft in Schweinen war anfangs regs‟
zum Schluß flaute es bei etwas nachgebenden Prciſen ah. Es derbleich
geringer Ueberſtand. Die Flciſchgroßhandelspreiſe wurden wie fo
feſtgeſetzt: Ochſen= und Rindfleiſch 1 105114, IT 95100, Bullenfleiſen
95100, Kuhfleiſch I 7585, II 6070, III 4555, KalSfleiſch 100. b5
110, Schweinefleiſch 8090, Gefrierfleiſch, Rindfleiſch, Vorderviertel 7
und Hinterviertel 60.

7.

Mannheimer Produktenbericht vom 15. Auguſt. Die Mannheime=
Produktenbörſe verkehrte heute bei ruhiger Haltung. Braugerſte war zu)
nächſt noch nicht zu ermitteln, doch forderte man zwiſchen 26 und 27 Ma.
Man verlangte für die 100 Kg. waggenfrei Mannheim ohne Sack in)
Reichsmark: Weizen inl. 2828,5; ausl. 3131,5; Roggen inl. 24; zus4
ländiſch 2424 5; Braugerſte 22,7523,5; Hafer inl. nicht angeboten, aus 8
ländiſch 22,524; Mais mit Sack 19,75; ſüdd. Weizenmehl Spezial Nulll
40; ſüdd. Weizenbrotmehl 32; Roggenmehl 3435,5; Biertreber 15,45
bis 16: Kleie 1313,25: Raps 3434,5.
Amtliche Notierungen für Speiſekartoffeln in Frankfurt a. MM
vom 15. Auguſt. Bei ruhigem Geſchäftsgang notierten je 50 Nn
Frachtparität Frankfurt: Weißfleiſchige Karto feln 3,75 Mk., gelbfleiichigen
runde Kartoffeln 4 Mk.; gelbfleiſchige lange 4 75 Mk.
Frankfurter Produktenbericht vom 15. Auguſt. Die allgemeine Tene!
denz an der heutigen Börfe war feſter. Die Veriadungen von Inlands.
getreide werden kleiner, infolgedeſſen der Bedarf größer. Weizen iſt ſehl I.
knapp, Roggen iſt auch teurer geworden. Dagegen iſt infolge Angebos8
von neuem Roggenmehl dieſes bedeutend billiger geworden. Futtermilz. 9
ſind gut geſucht. Biertreber ſehr f.ſt. Weizen 28, Roggen 23B
Sommergerſte 2526, Hafer ausländ. 232525. Mais 19,25, Weſt
mehl 39,7540, Roggenmehl 34,5035, Weizenkleie 13.25, Noggenicel.
13,50, Erbfen 4060, Linſen 4060, Heu 5,606, Weizen= und Noggel
ſtroh drahtgepr. 4,505, desal. gebündelt 33,25 Treber 1616.50.

Staatspapiere
a) Deutſche
D. Reichsanl. Ablöſ-
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Sch. 1. Zeil
TI. Teill 59
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld ohne Aus=
loſungsſcheine
.. . / 16,
6½% Reichsp. Sch.
v. 1. 10. 30...
7%Bayer. Staats=
Sch. v. 1. 4. 29/ 90
6½% H. V. Sch.
v. 1. 4. 29 ...
6½% Pr. St.=Sch.
v. 1. 3. 29 ....! 97
6½½ Pr. St.=Sch.
v. 1. 10. 30 ... .! 96
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. v. 1. 7. 29/ 98
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. o. 1. 7. 301 97
6 ½%Württ. Freiſt.
Schatz. v. 1. 3. 29

b) Ausländ. chel
5%Bos. E. B. 1914/ 38
%. L. Inv. 1914/ 38
4½% 1898
2.9
% 1902

17.25
Bulg Tabal

Oſt. Ste
v. 1913. Kdb 1918
7%Oſt. *

*
4% ei

1.35

4%Türk. (Adm.)03/
(Bagd.) II
(Bagd.) I.
44
unif. 1903
% 1911 Zoll.

4½% Ung. St. 1913
4½% St. 1914
Goldr..
40
St. 10 ..I
Kronr.
3% Eiſ. Tor..
Außereuro-
päiſche

5%Mex.am. in. abg.
5% äuß. 99
42 Gold 04ſtf.,
konſ. inn. . .
4½% Irrigat.,
5%Tamaulipas I".
Sachwert= Schuld=
verſchreibungen

Mit Zinsberech=
nung

10%Berl. H.=Bt. G.
Berl. St.=Gold
O Darmſt. St.=G.
8% D. Hyp-=Bank
Meining. Goldpf.
Frk.=Hyp.=B.
Goldpfdbr.. . . .
Frrf. H.=B.-Glt
Frlf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.
Pfbr.=Bk.=Gold
5 % Frkf. Pfdbr.=Bk.
Goldpfbr.
8% G. Lds.-Bk. Gld.)

24.6
24.75
22.75
1.9
17.25

26

34.75
19.5

102.5
92.5

101
99.5

102.5
99

100.25
99.5

3

6.2

83.5
101
200.25

2 N. Eleltr. Mark
en) Goldobl. /203.5
Landest
armſt.. Reil
99.85
98.5

80 Mannh. St.0
%.Naſſ. Ldb. Gold
3 Nbg. St. Gldal.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
Gold=Pfdbr. . . .
8% Pforzh. St.=G.
8% Pr. Centr.=Bd.=
Cr.=Bk. Gldpfbr.
8% Pr.Centr.=St.=Goldpfpr.
3 Rh. Hyb.=Banl
Gold. Pfdbr.. ..

%Rh. St.=W. 25
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf..
/ Südd. B. Cr. B.
Goldpfdbr.. . . . .
7% V. Stahlw. Düſ=
ſeldorfHyp
.=Gld.
obl. mit Optior
V. Stahlw. Düſ=
ſeldorfHyv
.=Gd.. ohne Option
D VoigtcHäffner
Goldobl.. . . . . . .
% Württbg. Hyp.=
Bank Goldpfbr..

Ohne Zins=
berechnung

5½ Vdw. Kohl 23/ 13
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
% Heſ. Brk.=Rg. 23/ 6.4
Roggen .. 231 B.25
Pr. Kaliw.
Pr. Roggenw./ 8.9
5% Südd. Feſt=B. G/ 2.22
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
ahr. Vereins!
20.25

00.5

101.25

102
97

100

100.5
101.5
94

100

jr. Dandels
20.5

Bayr. Hyp.u. Wechſ.
Berliner Hyp.=Bk.
Frrf. Hyp.=Bk. ..
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bk.
Mecklb. Hyp.=u. Wb.
Meining. Hyp.Bk..
Nordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk. ..
Preuß. Bod.=Cr.=B
Pr. Cent.=B.=Cr. B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B...
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr.
Württ. Hyp.=Bk..

Staatl. ob. prov
garantiert

11.7

7.2

13

Heſſ. L.=Hhp.=B..
Landeskr. Caſſel ..!
Naſſau. Ldsb. . .

R.R
12
9.3

Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz. Carl=
Lud.=B.
abg.
5%Oft. Sb. (L.)ſtfr.
2,60 Alte
2,6% Neue,
20 Oſt.=Ung. 73/74
4%Oſt. Staatsb. 83
Oſt. . 1.b.8. E.
3%Oſt. .. 9. E.
%Oſt. 1885
3%Oſt. Erg. Netz
3% Raab Oedbg. 83
3
91
97
3
4½ Rud. Silber ..
4½ Rud. (Salzkg.)
4½½ Anat.. S.
4½% Anat. S. II
4½% Anat., S. II.
% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec..
4½%

3.75

Vank=Aktien
Allg. D.=Kredit.. . .
Bad. Bk.
Bk. f. Brauind.
Barmer Bankv. ..
Bay. Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb. .
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Bank ...
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Br. ..
Disk.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
Frankf. Bk. ..
Frkf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Bank.
Metallbank. . .
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Pr. Bd.=-Credikbank
Hyp.=Akt.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbk. . .
Rhein=Hyp.=Bk. ..
Südd. B.=Creditbk.
Südd. Disc.=Geſ...
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banlverein

Oberbedarf.
Otavi=Min.=Ant.. .
Phönix=Bergb. .. .
Rhein. Braunk. . ..
Rhein. Stahlw.. . .
A. Riebeck Montar
Rombach. Hütte
Salz verkHeilbronn
Tellus Bgb.. .. ..
Ver. Laurahütte . .
Ver. Stahlwerke. .
Induſtrie=Akt.
Brauereien

186
113
96.5
137 25

20.75

Eichbaum(Mannh. )/271
Henninger .. .. . . . 195
Hercules, Heſſiſche. 1149.5
Löwenbr.=München 985
Mainz. Aktienbr. . 1240.5
Schöfferhof( Bind.) 359
Schwarz=Storchen /280.5
Tucher, Nürnberg. /187
Werger .

87.5

38

80

45
8.25

Bergwerks=Akt.

20.5
22
19
17

1119

3.1
19

16.5
AAbe

Bochum. Bergb. .
Buderus.."
Dt. Luxemburg ..
Eſchw. Bergw.. . . . /215.5
Gelſenhirch. Bgw. 1169
Harp. Bergb.
Ilſe Bergb. St..
Genußſchein. 130
Kali. Aſchersleb. . . 188.5
Kali. Salzdctfurth. 1259
Kali. Weſterregln. 198
Klöcknerwerke
Nannesm.=Nöhr. 1192
Mansſelder .... .. 139.25

Akkum. Berlin. . . 172.5
Adler & Oppenh...
Ablerw. (v. Kleher)/120
6%E. A. G. Vzg. A..
25 A. E. G. Vzg. B..
A. E. G. Stamm . . . 195
Anglo=Cont. Guano
Bad. Maſch Durl. /154
Bad. Uhren. Furtw./ 20
Bamag=Meguin ..! 43
Baſt Nürnberg .. . 1232
Hanr. Spiegel
59.
Beck & Henkel.
75
Bergmann El. . . . . 205.
Bing. Metall. ..
23
Brem.=Beſigh=Ol.. 72
Bürſtenfbr. Erlang.
Cement. Heidelb. . . 152.5
Cement. Karlitadt 1199
Cement. Lothr.
Chem. Albert.
15
Chem. Brockh.
88
Chem. Milch
70

25

Daimler=Benz A. G.,/127.5
Dt. Eiſenhandel. . . / 90.5
Deutſche Ervöl ... 162
D. G. u. Silb. Scheidl222.5
Dingler, Zweibrück.
Dresd. Schnellpr. /152
Dürrkopp
Dürr. Rattingen . . / 76.5
Dhckerhof & W.
Eiſenw. Kaiſersl. . 42.75
El. Licht u. Kraft 1212
El. Lieferung .. . . 1201
Elſ. Bad. Wolle
Email. Uillrich".
Enzinger Werke ..!/ 62
Eölinger. Maſch.
Ettlinger Spinn.. (239
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher 105
Fahr, Pirmaſens 1 59
Farbenind. J. G. 318
Felten & Guilleau. /148.25
Feinmech. (Fetter) /101
Feiſt. Sekt.
46
Frankfurter Gas . ./185
Frankfurter Hof .. 1114
Frkf.=M. Pok. u. W. 84
Geiling E Cie.
78
Germania Linol.
Gelſenk. Gußſt. ..
Goldſchmidt. Th. . 1141.9
Gotha Waggon
Gritzner, Maſch.. . . /113
Grün & Bilfinger ./186.5
Dafenmühle Frrft.
Hammerſen
Hanfw. Füſſen .. . 141. 25
Hanſa=Llond, Br.
Hartm. & Braun . .1150
Heyligenſtgedt . . . 24.5
Hilpert Armatur. 81
Hindrichs=Aufferm
Dirſch. Kupfei 1127.5
Goch=Tief Eſien /730
Holzinann
1294
Holzverk. Ind.
72
Hydrom, Breslau
fnag
110x

Junghans St. 118
Kanumg. Kaiſerst /195
Karlruher Maſch / 26
Karſtadt, R.
153
Alein Sch. & Becker 143
Knorr, Heilbronn 182.5
Konſerv. Braun .. GS‟,

135.25

Krw. Alt=Württbg. /19
Krauß. Lofom ,67.5
Lahmeher
Lech. Augsburg ... 122.25
Lederw. Rothe
Spicharz.
37.75 Lingel Schuhlw.
Löhnberg. Mühle 45.5
Ludwigsh. Wal;m. 125.5
Tüdenſcheib Metail
Lux. Jnduſtrie
Malnkraft G3chit 126
Mars=W. Nurnberg/139
Metallgef. Frif 195.5
Miag, Mühlenb. 139.5
Moenus. Stamm / 85
Motoreuf. Deutz
Motorenf. Oberurf./ 73
M7ünch Lichtſpiek:
Reckarf. Faurz.
Neckarw. Eilingen
Zeters Union . . 119

S
Südd Zucker-A.
Zhür. eleltr. Lief
Uhren Furtwäng
Uuterfr. Kr.=El.:9
Beithwerte
Ver. Chem.
Ve r.d. Olfbr. Ma
Ver. Faßf. Caſi
Gummi. Bln.=Frlf.
Pinſel=Nürnberg.
Uiltramarin
Zellſtoff Berl.
Vogtl. Maſch.
Zoigt & Huefſner
Volthom Eeil
Wunß & Frentag
Wegelin Rußfbr!
Zellſt. Aſchaffenbg
Zellſt. Waldhof..
Zucker i. Mheingau

1044

1.
209.5
350

Pfälz. Näh. Kahſerl 26 5
Philipps.
66 5
Borzellan Weſiel 45
Rein GGebb. &Scha. 135
Rhein. Eleitr.
471
Nhenania, Kunheim) 6:.25
Kürgersiwverke 105
Zuncin Hunan
Sdmeilpr. Franf 1102.25
Schiramin Lackf. 98 5
Schriftn Stemp. 143
Schuckert, Eleftr. 215
yün
Schuiß Gränle
Zeilind
nens
Siemene & bai3te 13*

Transport= und
Berſicherungs=Akt.
Dt. Reithstz.-Vorzg
Di. Eiſenbahi".
A. Lokalb:N.Kraftw. 4
Dt. Eiſenb.=Gef..1=
Schantung E. V.
Südd. Eienb.=Geſ. /140
Hapag
Nordd Liond 159

NMN
M
Ni M
vener Habel be.
G3 notierten nach A
Getreide: Weizen,
Zäit 12, Dez. 1614,
Aiu 55 le; Roggen, e
Echmalz: Sebt. 12/41
1 Fletiſch: Sept. 11,75,
uhcte Schweine 96
Ruweinezufuhren Chiee
Gs notierten nach M
Vetreide: Weizen N.
Mrte 120 be: Mehl ſpr
Aeluand 1,626, nach
ima We

Frift. Allg. Ver,
Fran lona Rückv.

1a8

Darmſt. Werie

Bahnbedarf
Dampft. Rodberg
Helvctia Konſ..
(Bev: Lu
Motorf. Darmſt
(ücbr. Roeder ....
Venulcthck Ellenb

3.
10.5

[ ][  ][ ]

Palast-Lichtspiele

Das humorvolle Doppel-Programm

SEGL
OAlMILEe
Di
EBESNST

it HARRISON FORD

REGIE. FRANK TUTTIE
Ein reizendes Lustspiel in 7 Akten von Liebe, Lust und dem
Glück zweier Menschen.

Der Thronfolger

(Ein Königreich für einen Bubikopf) 7 Akte.
Ein großes Lustspiel nach der Norelle Die Dame mit dem
Herrnschnitt von George Barr.
(12717
In den Hauptrollen: Marion Davies, Antonio Moreno u. a

Kaffee-Restaurant (11358a

Haltestelle Neues Schießhaus Linie 9

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag
Billige Kaffeelage
1 Portion Kaffee und Kuchen 0.60

Nummer 226

Dienstag, den 16. Auguſf 1927

Geite 13

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Chicago, 15. Auguſt.

Weizen: Nach ſchwächerer Eröffnung auf umfangreiche Ankünfte
in. es zu einer kräftigen Erholung auf gemeldete Froſtſchäden aus
rrada und lebhafte Exportnachfrage.
Mais: Günſtige Witterungsberichte bewirkten einen ſchwachen
ſtemktbeginn. Dann trat eine Erholung ein auf Berichte über ſchlechte
urlität der neuen Ernte in Illinois umd Jowa und ungünſtige Wetter=
ausſagen
für Nebraska, Miſſouri und Kanſas.
Hafer: Nach ſchwächerem Beginn trat eine Befeſtigung ein auf
lchte Qualität der neuen Ernte und geringe Ankünfte.
New York, 15. Auguſt.
Baumwolle: Beeinflußt durch höhere Kabelmeldungen ſetzte der
k mwollterminmarkt zunächſt feſter ein. Bald machte ſich aber eine
w ſſe Nervoſität über Harys Tod geltend und Hedgeverkäufe hatten
leichtes Abgleiten der Preiſe zur Folge. Im weiteren Verlauf
6 jedoch unter namhaften Deckhingen mit der Befeſtigung an der
uSsbörſe eine kräftige Erholung Platz.
Kaffee: Am heutigen Markt ſchritt der Handel zu Deckungen, ſo=
m
die Termine eine Befeſtigung erfuhren. Auch das Ausland war
ſuFer.
Bucker: Der Rohzuckerterminmarkt nahm einen ruhigen Verlauf,
der Handel Zurückhaltung übte. Später eintreffende ſtetigere Lon=
nr
Kabel veranlaßten dann Abgaben des Handels.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 15. Aug.:
Betreide: Weizen, Sept. 142¾, Dez. 147½, März 150; Mais,
114. 112, Dez. 116½, März 118/; Hafer, Sept. 48½, Dez. 527/s,
lrz 55½/s; Roggen, Sept. 94/s, Dez. 98½, März 102.
Schmalz: Sept. 12,47½, Okt. 12,60, Jan. 13,05.
FFleiſch: Sept. 11,75, Okt. 11,90, Jan. 12,75: Speck loco 11,87½;
Uhre Schweine 9,6011,10, ſchwere Schweine 8,409,65;
chweinezufuhren Chicago 35 000, im Weſten 75 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 15. Aug.:
Setreide: Weizen Nr. 2 rot 152¼, hart 154½; Mais neu ank.
(nce 120½s; Mehl ſpring wheat clears 6,757,25; Fracht nach
anand 1,62,6, nach Kontinent 812.
Schmalz: Prima Weſtern Loco 13,00; Talg extra 7/s.

Kakao: Umſatz in lots 292, Auguſt 14,82, September 14,75,
Oktober 14,73, November 14,35, Dezember 13,74, Februar 13,60,
März 13,52, Loco 15.
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 15. Auguſt ſtellten ſich wie
folgt: Elektrolytkupfer 127,75, Remelted Plattenzink 50,5051,50, Ori=
ginal
Hütten=Aluminium 210, dto. in Walzen 214, Rein=Nickel 340350,
Antimon Regulus 9095, Silber in Barren 75,7576,75.
Die amtlichen Preisfeftſtellungen im Metallterminhandel vom
15. Auguſt ſtellten ſich für Kupfer: Januar 114,75 (115), Februar
115 (115,25), März 115,25 (115,25), April 115,50 (115,50), Mai 115,75
(116), Juni 116 (116), Juli 116,25 (116,50), Auguſt 113 (114,50), Sep=
tember
113,75 (114,25), Oktober 114,B (114,50), November 114,50 (114,50),
Dezember 114,75 (115). Tendenz: flau. Für Blei: Januar 47 (47,25),
Februar 47,25 (47,25), März 47,25 (47,50), April 47,25 (47,50), Mai
47,25 (47,50), Juni 47,25 (47,50), Juli 47,50 (47,50), Auguſt 46,50 (47),
September 46,50 (46,75), Oktober 46,75 (47), November 46,75 (47), De=
zember
47 (47,25). Tendenz: ſtetig. Für Zink: Januar 55,25 (55,25),
Februar 55 (55,25), März 55 (55,25), April 55 (55,25), Mai 55 (55,25),
Juni 55 (55), Juli 55 (55), Auguſt 56,25 (57), September 56,25 (56,25)
Oktober 55,75 (56), November 55,50 (55,75), Dezember 55,75 (55,75).
Tendenz: ruhig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen der Londoner Börſe vom 15. Auguſt
ſtellten ſich wie folgt: Kupfer (Tendenz willig): Standard p.
Kaſſe 55‟/:a¼, 3 Monate 55½ue, Settl. Preis 55½, Elettrolyt
62½63, beſt ſelected 60½61¾, ſtrong ſheets 80, Elektrowire=
bars
63. Zinn (Tendenz willig): Standard p. Kaſſe 293½½,
3 Monate 285½½, Settl. Preis 293½, Banka (inoff. Not.) 306½,
Straits (inoff. Not.) 296¾. Blei (Tendenz willig): ausländ.
prompt 23½, entft. Sichten 23, Settl. Preis 23. Zink ( Ten=
denz
willig): gewöhnl. prompt 27/, entft. Sichten 27/0, Settl.
Preis 277/, Aluminium für Inland (inoff. Not.) 107, für Aus=
land
(inoff. Not.) 112, Antimon Reg. engl. Erzeug.=Preis (inoff.
Not.) 69½, chineſ. per (inoff. Not.) 47, Queckſilber (inoff. Not.)
21½22, Platin (inoff. Not.) 137e, Wolframerz (inoff. Not.)
127/e, Nickel für Inland (inoff. Not.) 170175, für Ausland
(inoff. Not.) 170175, Weißblech (inoff. Not.) 18½ Kupferſul=
phat
(inoff. Not.) 24½25, Cleveland Gußeiſen Nr. 3 (inoff.
Not. 70, Silber 25½/s, Silber=Lieferung 25‟/6.

Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Wie verlautet, ſollen die Beſtrebungen in der Kunſtſeideninduſtrie
auf die Bildung eines europäiſchen Truſts hinausgehen, der alle
Patente, Fabrikationsverfahren und Abſatzgebiete umfaſſen ſoll.
Aus Krefeld wird gemeldet: Der Belegſchaft der geſamten Ver=
edlungsinduſtrie
im Bereich des Arbeitgeberverbandes der rheiniſchen
Seideninduſtrie iſt am Samstag in Verfolg der vom Arbeitgeberverband
angedrohten Ausſperrungsmaßnahmen gekündigt worden. Damit er=
höht
ſich die Zahl der Ausgeſperrten auf 56 000.
Die diesjährige Breslauer Herbſtmeſſe finder in weſentlich erweiter=
tem
Umfange in der Zeit vom 4. bis 6 September ſtatt. Gleichzeitig
wird auch eine Fachausſtellung für das Hotel= und Gaſtwirtsgewerbe
(4. bis 11. September) veranſtaltet. Ferner ſteht in unmittelbarem
Zuſammenhang mit der Meſſe die Hygiene=Ausſtellung.
Geſtern fand die Eröffnung der achten Reichenberger Meſſe ſtatt.
Das Geſamtbild der Meſſe zeigt eine Schau über die Leiſtungsfähigkeit
der tſchechoſlowabiſchen Induſtrie, insbeſondere der Textilinduſtrie der
Tſchechoſlowakei, vor allem des ſudeten=deutſchen Zweiges.
Die Hamburg=Amerika=Linie hat an die Howaldt=Werke in Kiel und
an die Schiffswerft von Henry Koch in Lübek je einen Schiffsbauauftrag
auf zwei Motorfrachtſchiffe von je 4000 V.R. T. erteilt.
Die Preiſe aller führenden Motorbrennſtoffe wurden in London
um 1 Penny für die Gallone herabgeſetzt. Der Kleinhandelspreis in
London beträgt nunmehr 1 sh 3½ d. Dieſe Preisreduzierung, die die
dritte im Laufe der letzten 5 Monate iſt, wird mit der Lage auf dem
amerikaniſchen Motorbrennſtoffmarkt begründet.
Die Schweizeriſchen Bundesbahnen legen im Laufe dieſes Monats
eine 4½prozentige Anleihe in Höhe von 100 Mill. Frs. zum Emiſſions=
kurſe
von 95 Prozent auf. Drei Viertel der Anleihe dienen zur Rück=
zahlung
von Anfang September fällig werdenden Kaſſenſcheien den
Eidgenoſſenſchaft. Das letzte Viertel ſoll für Spezialzwecke reſerviert
werden. Die neue Anleihe iſt bereits von einem Bankenkonſortium
feſt übernommen.
Aus Teheran wird gemeldet, daß in der nächſten Zeit in der Erd=
ölpolitik
in Perſien größere Veränderungen zu erwarten ſeien. Die
Shell=Gruppe hat ihren Vertrag mit der Standard=Oil über die gemein=
ſame
Arbeit in Perſien zum 1. September gekündigt.
Wie aus New York gemeldet wird, wurde die Bankfirma A. L.
Fuller u. Co. vom New Yorker Börſenvorſtand ihrer Rechte als Mit=
glied
der New Yorker Fondsbörſe für verluſtig erklärt, weil die Firma
nicht imſtande iſt, ihren Verpflichtungen uachzukommen.

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Näh. Geſchſt. (2119
Fleiß. Alleinmädch.
zu 3 Erw. geſ. /2119
Gervinusſtr. 79, pt.
geſucht.
Mädchen frauzat
Neeb, Eichbergſtr. 21.
Sauberes Mädchen).
fürkl. Hazush. (2 Perſ.
tagsüber geſ. A11dt
Caſinoſtr. 12, I.r.
Gutempfohlenes
Dienſtmädchen
geſucht. Eintritt nach
Uebereinkunft.
Andreß, Wenckſtr. 35, 1.

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hwanen=Inſe
auf
d auf geieſt. 2u
ſguiſt hait er di
znuders nigends
geichehen müſſen.
nen war. Währel
zwaf de Tiger ile
und deutlie
Luch
u 8 die Fshielt.
des anderen, ſei
zu berr bei ſeiner Bo.
Fudnft und in der gan
iuin beweiskräftiger fei,
4Müer Art Unterlunft
Eunim ein Feuer gebrat
un ſere Konſervenbüd
Hurte, die auf beſonderen
Turk beſtellt worden ware
Auzwpeiſelhaft, daß der
Aih iale bei ſeiner An
Hüeur fei, das Echande
füüte daher anzunehmen
Mit im ſich verſteckt zu

IMeie Dampſpfeife des
UAn und rief die Rei
M Lanier hielt ſich ſtets
m waren überall, abs
Nunas zu ſehen.
ie Autodroſchie bra
ue Granby=Straße.
Iier Zug fährt um
Lanier?

[ ][  ][ ]

Fummer 226

Dienstag, den 16. Auguff 1927

Der Clab der Vierzig.
Fi bearbeitet nach einem Roman von Robert W. Chambers
von Edgar May.
(Nachdruck verboten)
Kapitel V.
Die Ankunft auf der Schwanen=Inſel.
1.
as Marion Dirck in erſter Linie bewegte, war die Sorge
uihren Bruder. Dem erſten Briefe des alten Jake, worin
ulr von dem Bootsunglück, dem ihr Bruder zum Opfer ge=
ſan
war, Mitteilung machte, war ein zweiter gefolgt, der Hoff=
uzen
in ihr weckte. Jake war der Verwalter ihres Beſitztums
uder Schwanen=Inſel und hatte bereits ihrem Vater faſt von
Fſaid auf gedient. In ſeiner ſeltſam verſchnörkelten, zittrigen
Hiſchrift hatte er dem jungen Mädchen mitgeteilt, daß die Leiche
its Bruders nirgends gefunden worden wäre, was unbedingt
iitt geſchehen müſſen, wenn er wirklich bei der Tiger=Inſel um=
qmmen
war. Während die Fiſcher mit ihren Netzen die Ufer=
ſoer
der Tiger=Inſel abgeſucht hätten, habe er ſelbſt die Inſel
duhforſcht und deutliche Fußſruren ſeines jungen Herrn ent=
54.
Daß es die Fußſpuren des jungen Herrn geweſen ſeien und
yutandes anderen, ſei unzweifelhaft, denn die Schuhe, die der
ſit Herr bei ſeiner Bootsfahrt getragen habe, waren New Yorker
häſenft und in der ganzen Gegend gäbe es kein ähnliches Paar.
A beweiskräftiger ſei, daß er, als er die Fußſpuren verfolgte,
zeirier Art Unterkunft gekommen ſei, in der jemand noch vor
an ein Feuer gebrannt hatte und daß neben dieſem Feuer
ei leere Konſervenbüchſe lag, in der Jake eine von jenen er=
kmſe
, die auf beſonderen Wunſch ſeines jungen Herrn aus New
AEBeſtellt worden waren. Darum, ſchloß Jake ſeinen Brief, ſei
ezum zweifelhaft, daß der junge Mann noch am Leben ſei. Er
ſie Jake bei ſeiner Ankunft mi geteilt, daß ihm etwas wider=
fnai
ſei, das Schande über die Familie bringen würde und es
mo daher anzunehmen, daß er den Unfall bloß vorgetäuſcht
ſie, um ſich verſteckt zu halten.
Die Dampſpfeife des Bootes kündigte die Einfahrt in Nor=
iſt
an und rief die Reiſenden auf Deck.
Panier hielt ſich ſteis in der Nähe Marions; ſeine ſcharfen
Bizi waren überall, aber weder von Welper, noch von Potter
retwas zu ſehen.
Sine Autodroſchle brachte die beiden nach dem Großen Hotel
der Granby=Straße.
Unſer Zug fährt um 1 Uhr ab, ſagte ſie. Sie kommen doch
1, Mr. Lanier?
Einſtens, antwortete er, haben Sie mich verflucht, weil ich
Zunt folgte!"
Das junge Mädchen bekam einen hochroten Kopf. Es iſt nicht
mt von Ihnen, ſagte ſie, mich daran zu erinnern, aber Sie
her mir meine Frage noch nicht beantwortet. Werden Sie mich
Schwanen=Inſel begleiten?

Seite 15

Er lachte ſie mit knabenhafter Fröhlichleit an. Fällt mir
nicht ein, Sie allein reiſen zu laſſen, ſagte er, und wenn mir die
Schwanen=Inſel gefällt, bin ich imſtande, den ganzen Winter dort
zu verbringen.
Seine Heiterkeit färbte auf ſie ab, ihr Geſicht nahm faſt
einen glücklichen Ausdruck an. Still lächelnd ſah ſie aus dem
Fenſter des Wagens auf die belebte Straße hinaus.
Was ſoll ich beſtellen? fragte er nach einer Weile. Zwei
anliegende Zimmer und einen Salon? Und unter welchem
Namen wollen Sie ſich eintragen?
Man kennt mich, antwortete ſie, und es macht mich etwas
nervös, daß ich in Begleitung eines jungen Herrn komme, aber
man wird hoffentlich deswegen nichts Böſes von mir denken
Sie brach ab und ſchwieg verlegen.
Mr. Lanier, fuhr ſie fort, da ich hier bekannt bin und die
Angeſtellten im Büro mich anſprechen werden, will ich Ihnen
gleich jetzt meinen richtigen Namen ſagen. Ich heiße Marion
Loveleß.
So ſagte er, nicht Dirck?
Die Farbe wich aus ihren Wangen und ihre Antwort klang
ſtockend.
Dirck war iſt der Vorname meines Bruders Dirck
Loveleß.
Lanier ſah ſie nachdenklich an.
Ich muß über meinen Bruder noch mit Ihnen ſprechen,
fuhr ſie fort, ich möchte Ihre Meinung darüber hören.
Sie traten zuſammen an den Empfangsſchalter. Der Ange=
ſtellte
verbeugte ſich höflich vor Marion und drückte ſeine Freude
aus, ſie nach dreijähriger Abweſenheit in Europa wiederzuſehen.
Das junge Mädchen ſtellte ihm Lanier vor, und die beiden
Männer ſchüttelten einander die Hände. Ein verlegenes
Schweigen folgte; dann wies ihnen der höfliche Empfangs=Chef
zwei anliegende Schlafzimmer mit gemeinſamem Salon zu.
Ein Page führte ſie in ihre Zimmer und alsbald wurde
auch das Gepäck hereingebracht, worauf Lanier ein Frühſtück
beſtellte.
Als ſie allein waren, ſagte Lanier, daß er ein Telegramm ab=
zuſenden
habe und bat ſie, die Tür bis zu ſeiner Rückkehr ver=
ſchloſſen
zu halten.
Als er wieder an den Schalter trat, ſah der höfliche Emp=
fangschef
auf und hielt ſeinen Blick erwartungsvoll auf Lanier
gerichtet.
Wie geht es, Frank? fragte Lanier mit leiſer Stimme.
Ausgezeichnet, Mr. Lanier; Sie ſehen famos aus. Was tut
ſich in New York?
Mancherlei.
Wie gewöhnlich. Sind Sie geſchäftlich hier?
Jawohl.
Brauchen Sie mich? murmelte der Empfangschef, anſchei=
nend
in das Meldebuch vertieft.
Ja! Iſt Ihnen jcmals in früheren Zeiten ein gewiſſer
Julian Welper und Sam Potter untergekommen?
Nicht perſönlich. In welcher Branche arbeiten die Leute?
In Oel und verſchiedenen anderen Dingen."
Aha, vielſeitige Leute!

So iſt es.
Er zog ſeine Brieftaſche heraus und entnahm ihr zwei Photo=
graphien
, die er dem Emtfangschef zeigte. Sind die beiden hier
abgeſtiegen?
Bisher nicht.
Prägen Sie ſich ihre Geſichter gut ein, Frank.
Der Angeredete warf einen langen, forſchenden Blick auf die
beiden Bilder. Schön, ſagte er ſodann, ich werde die zwei Ge=
ſichter
ſo bald nicht vergeſſen, worauf Lanier die Bilder wieder
einſteckte.
Wenn die beiden doch noch hier abſteigen ſollten, trachten
Sie, ihr Reiſeziel zu ermitteln. Ich werde mit Ihnen in Ver=
bindung
bleiben.
Der Empfangschef lächelte. Es hat natürlich keinen Zweck,
ſagte er, Sie zu fragen, wo Sie hinreiſen, Mr. Lanier.
Es iſt kein Geheimnis. Nach der Schwanen=Inſel.
Dem alten Loveleß=Beſitz? Miß Loveleß iſt eine reizende
Dame. Kennen Sie ſie ſchon lange?
Nicht beſonders.
Eine kleine Pauſe folgte, bis der Empfangschef mit ge=
dämpfter
Stimme fortfuhr: Das war eine traurige Sache mit
ihrem Bruder.
Was?
Hat ſie Ihnen nichts davon erzählt? Es ſtand ja hier in
allen Zeitungen. Ihr Bruder iſt vorige Woche in der Nähe der
Tiger=Inſeln ertrunken.
Was Sie nicht ſagen!
Trotzdem er ein ausgezeichneter Schwimmer war. Angeb=
lich
ſoll er in Oel=Spekulationen ſein ganzes Vermögen verloren
haben, und man munkelt, daß er das Segelboot abſichtlich zum
Kentern gebracht habe.
In welchem Oelpapier hat er ſpekuliert?
Orizava, wie ich glaube. Es ſind Gerüchte über das Papier
in Umlauf.
Das weiß ich.
Kein guter Tip alſo?
Ebenſogut können Sie Makulatur kaufen.
Das habe ich mir gedacht. Wann wird Orizava auffliegen?
Vorläufig noch nicht.
Aber die Gerichte beſchäftigen ſich doch ſchon damit?
Leider. Es iſt immer wieder dieſelbe Sache. Die einzelnen
Abteilungen ſind eiferſüchtig aufeinander. Frank, ich möchte eine
chiffrierte Depeſche abſenden.
Sehr gern, Mr. Lanier; ich werde es beſorgen.
Schön; dann brauch’ ich mir wohl nicht die Mühe zu neh=
men
, ſie zu chiffrieren. Damit zog er ein Stück Papier vom
Fult an ſich heran und ſchrieb darauf:
Tikko Schuyler Square Nr. 3, New York. Laſſet mich
wiſſen, wo Helene Wyvern ſich gegenwärtig aufhält und was
ſie tut. Antwortet Frank Lane, Empfangschef Grand=Hotel
No. B.
Granby Norfolk Virginia.
Wird erledigt werden, Mr. Lanier, ſagte der Empfangs=
Chef.
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