Darmstädter Tagblatt 1927


14. August 1927

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart=, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 224
Sonntag, den 14. Auguſt 1927. 190. Jahrgang

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Gewalt wie Krleg, Aufruhr. Streit uſw erliſcht
ſede Verpſiſchtung auf Erfüllung der Anzeſgen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchlicher Beltreſbung fällt ſeder
Rabatt weg. Banklonto: Deuſche Banl und Darm=
ſtädter
und Naliongſbant.

Die Woche.

Siebente Tagung
Würzburg, 14. Auguſt.
eine offene Wunde am deutſchen Volks= und Staatskörper auf=
it
das Saargebiet, das durch Verſailles willkürlich aus dem deut=
ſchen
Staatsverband für die Dauer von 15 Jahren herausge=
uſſen
worden iſt. Das abgelaufene Jahr hat in der Saarfrage ſie lebe hoch!
tine Beſſerung, eher eine Verſchlechterung der politiſchen Lage
tebracht. Im Brennpunkt des politiſchen Kampfes ſtand die Be=
ane
Bahnſchutzfrage verwandelt hat. Als Nachteil muß
die Tatſache feſtgeſtellt werden, daß aus der unrechtmäßigen Be=
futzung
eine auch von Deutſchland anerkannte, von der Saar=
gsbietsbevölkerung
aber nach wie vor abgelehnte Schutztruppe
geworden iſt, die trotz der vorherigen Verſicherungen aus Be=
ſandteilen
der allierten Rheinarmeen beſteht. Wie ſehr die
(kepſis der Saargebietsbevölkerung der Bahnſchutztruppe gegen=
über
berechtigt war, zeigen bereits die wenigen Wochen des Be=
behens
dieſer Bahnſchutzwache mit einer ganzen Reihe von
wiſchenfällen, Anmaßungen und Anfordeungen an die örtlichen
Liemeindeverwaltungen. Die größte Ueberraſchung bildet, die
ubilligung der Exterritorialität an die Angehörigen der Bahn=
ſchutztruppe
auf Grund eines Beſchluſſes der Regierungskom=
griſſion
vor der Amtsübernahme durch den jetzigen Präſidenten
Vilton.
Auch die Frage der franzöfifchen Schulen iſt im
4aufe des letzten Jahres wieder mehr in den politiſchen Vor=
drgrund
gerückt. Zwar iſt die Saarregierung auf Grund eines
Beſchluſſes des Völkerbundes gezwungen, gegen jeden morali=
ſgen
und wirtſchaftlichen Druck der franzöſiſchen Grubenver=
Echulen durch deutſche Kinder zum Ziele hat. Von dieſer Ver=
hr
offiziell davon nichts gemeldet wird.
Große politiſche Sorge hegt man im Saargebiet wegen der
Fi lgerungen, die ſich aus dem unberechtigten Kohlen=
ihbaulothringiſcher
Gruben unter Mißachtung
er Saararenze aus ſaarländiſchen Kohlen= hinweggeholfen. Das Saargebietiſt bis aufdenheu=
(Tdern politiſch ergeben müſſen. Allgemein iſt die Befurch=
ctaffene
Verbindung zwiſchen lothringiſchem und ſaarländiſchem
ſtoehlengebiet bei der Liquidierung der Saarfrage benutzen
werde, um dieſe beiden Kohlenwirtſchaftsgebiete als zuſammen=
ſingende
Wirtſchaftseinheit zu erklären und das in Frage kom=
mende
deutſche Kohlengebiet für Frankreich zu fordern. Zu die=
de
offenſichtlichen Verſchlechterung der politiſchen Lage im
Snargebiet kommt noch die weiter ungünſtige Entwick=
lung
der wirtſchaftlichen Verhältniſſe an der
enar. Der allgemeine Lohnabbau, der auf den Druck der fran=
zmiſchen
Saargrubeuverwaltung zurückzuführen iſt, hat nicht nur
dae Lebensgrundlage der erwerbstätigen Schichten des Saar=
Albiets um ein Bedeutendes herabgedrückt, er hat auch auf die
Aernze wirtſchaftliche Lage an der Saar äußerſt hemmend ge=
wirkt
.
Beſonderstroſtlos ſind die Verhältniſſe in den
Rueiſen der Alters=, Arbeits= und Kriegspenſio=
Br uchteil derjenigen betragen, die im Reiche gezahlt werden. Da=
Ne iſt es beſonders betrüblich, feſtſtellen zu müſſen, daß die
Suarregierung auch in dieſem ihren Auftrag in beſonderem
Naße berührenden Punkte reſtlos verſagte.
Angeſichts dieſer ganzen außerordentlich troſtloſen Lage des
3argebiets auf politiſchem wie auf wirtſchaftlichem Gebiete er=
ſewt
ſich an der Saar immer mehr und eindringlicher die For=
ſerung
an den Völkerbund, auf Grund der tatſächlichen Verhält=
iſſe
und des Locarnopaktes in eine Beratung über die ſofor=
iae
Liquidierung der Saarfrage einzutreten. Das Verlangen
eS Saargebiets, ſobald wie möglich zum Deutſchen Reiche, zu der Beſetzung an verkündet: Es iſt unſer Land, es iſt
hneußen und Bahern zurückzukehren, wird immer eindringlicher
uust. Da aber Frankreich unter dem neuen Poincaré=Kurs
ſienbar nicht geneigt iſt, entſprechend dieſer Forderung mit
ſeutſche Volk die ernſte Mahnung, im Saarkampf nicht müde zu
urden, ſondern mehr als bisher Aufklärung über die Verhält=
50 argebiets um Recht und Freiheit wirkungsvoll zu unter=
tichen
.
Auf dem Begrüßungskommers, der am Samstag im
FBrannenſaal ſtattfand, hielt.
Oberlandsgerichtsrat Andres=Naumburg
N: Vorſitzende des Bundes der Saarvereine, folgende Begrü=
zungsanſprache
: Meine Damen und Herren! Die Saarfrage iſt,
umn man die Fülle der Beſchwerden, die aus der Saar herüber= ſerem lieben deutſchen Vaterlande berufen worden, den ſie von
Mlen, zu erfaſſen verſucht, verwirrend. Wir wollen uns aber
icht verwrren laſſen. Wir wollen uns immer erinnern, daß es
2
eine Kardinalbeſchwerde
d
ſEt, die die Urſache aller kleineren Neben= und Seitenbeſchwer=
iem
iſt.
dus iſt das verletzte Selbſtbeſtimmungsrecht.
C
Er müſſen dieſe Kardinalbeſchwerde immer wieder herausheben b
nd haben die A. und A. Mächte b
ucht verliert.

uns feierlich zugeſichert, daß durch den Frieden kein Volk unter durchmacht, und wenn man bei einem Verſuch, die derzeitige allge=
eine
Regierung geſtellt werden ſollte, die es nicht haben will; meine politiſche Lage zu ſkizzieren, von dieſer bedauerlichen Tat=
lich
verletzt worden: Man hat das Saargebiet für 15 beteiligten dieſe Dinge am meiſten intereſſieren, ſondern weil
des Bundes der Saarbereine. Jahre unter eine Fremdherrſchaft des Völker= die gegenwärtige und insbeſondere die künftige Entwicklung der
Die in Würzburg zuſammengetretene Siebente Tagung des wpohl man wußte, daß die kerndeutſche Bevölke= Weltpolitik ausübt und ausüben muß. Daß ein wirklicher deutſch=
Bundes der Saarvereine will der Aufgabe dienen, die große rung unter ihrer alten deutſchen, preußiſchen franzöſiſcher Ausgleich auf breiteſter Grundlage geradezu eine
Oeffentlichkeit darauf hinzuweiſen, daß das deutſche Volk noch und bayeriſchen Regierung bleiben wolle. Wir Vorausſetzung für die Herbeiführung ruhiger und friedlicher
zuuweiſen hat, die ſtändig beobachtet und behandelt werden muß, alle anderen Beſchwerden, über die Ihnen in dieſen Tagen be= politiſchen Vernunſt iſt, da bei einer Fortdauer des bisherigen
wenn nicht der ganze Körper darunter leiden ſoll. Dieſe Wunde richtet werden wird, nur Ausſtrahlungen, nur Ableger dieſer Zuſtandes die Uebermacht der großen Weltmächte mit logiſcher
alles überragenden Kardinalbeſchwerde ſind. Unſere heilige
deutſche Saarheimat, die frei werden möge aus der Knechtſchaft, iſt ſchon oft genug in der deutſchen Oeffentlichkeit erörtert wor=
Verwaltungsdirekior Vogel=Berlin
iutzungsfrage, die nach den Genfer Dezemberbeſchlüſſen ſich in hielt darauf folgende Anſprache: Es iſt eine Freude und Genug=
tuung
für die ganze deutſche Nation, daß die Bevölkerung
ungebeugten Mutes immer wieder mit allem
Nachdruck einhellig ihr Deutſchtum bekennt.
Alle Verſuche, das keindeutſche Saargebiet vom Mutterlande Locarno, Genf und Thoiry, wurde geſtürzt, und wenn er auch
zu trennen, und alle Mittel, die durch die Beſtimmungen des
Verſailler Diktats dieſen Zweck erreichen wollten, ſind fehlge=
ſchlagen
und haben völlig verſagt. Troſt, Hoffnung und ein= zuſtellen, daß ſein Einfluß im Schwinden begriffen war. Je mehr
ziges Aktivum in der in Verſailles künſtlich geſchaffenen Saar= Erfolge Poincars, der Vater des Ruhrkrieges, mit ſeiner zurück=
frage
ſind die deutſche Treue des Saarvolkes, das mit Zähigkeit haltenden Finanzpolitik erzielte, je mehr ſich ſeine innerpoli=
und einem Bekennermut ohnegleichen trotz aller Verſuchungen tiſche Stellung dadurch feſtigte, um ſo mehr begann er ſeinen
und aller Verlockungen, trotz aller Gefahren und Bedrückungen
am Vaterland treu feſtgehalten hat. In beiſpielloſer Selbſt=
verleugnung
, in unbegrenztem Opferſinn hat das Saarvolk über
acht Jahre hindurch alles ertragen, was um des Vaterlandes die ernſte Sorge um die zukünſtige Entwicklung noch erheblich
willen ertragen werden mußte, alles abgewehrt, was es der Hei=
mat
hätte entfremden können. Mit Herz und Hand bereit, die
ſchweren, durch das Verſailler Diktat ihm auferlegten Friedens=
bedingungen
zu erfüllen und zur Verſtändigung grundſätzlich
geneigt, hat es nichts getan und wird auch in Zukunft nichts tun
waltung einzuſchreiten, fofern er den Beſuch der franzöſiſchen und nichts unterlaſſen, was mit der deutſchen Ehre und dem ſtändigungspolitik keineswegs abgeneigt ſei. Es wurde ſogar
ſſt ichtung glaubt ſich die Saarregierung in allen Fällen frei, wo wandt iſt der Blick des Saarvolkes auf das Ziel
der Freiheit und der Wiedervereinigung mit
dem deutſchen Mutterlande gerichtet und, ſo ſchwer
auch die Zeiten oft geweſen ſind, der ſtolze Gedanke, es gilt
unſerem heißgeliebten Vaterlande, hat dem Saarvolk über alles
tigen Tag kulturell nur rein deutſch geblieben.
urng, daß Frankreich die durch unterirdiſche Förderſtollen ge= Die Ehrenblätter der Geſchichte des preußiſchen und bayeriſchen
Saargebiets erzählen uns viel davon, und wie ſchon vor etwa
120 Jahren das treudeutſche Volk an der Saar ſeinem Vaterland
die Treue gehalten hat und nicht eher ruhte und geraſtet, bis
das Saargebiet, welches infolge der franzöſiſchen Revolution
wieder einmal das Opfer franzöſiſcher Raubgier geworden war,
mit dem Mutterlande wieder vereinigt war, ſo hat es auch jetzt,
nachdem es durch den Verſailler Vertrag dasſelbe Geſchick wie= wird auch geltend gemacht, daß man franzöſiſcherſeits Wert dar=
Vaterland gehalten. Keine Hoffnungen auf Vorteile, keine Gunſt
oder Ungunſt des franzöſiſchen Machthabers hat dieſe heilige verſchärftem Druck gefordert werde. Die franzöſiſche Regie=
Flamme erſticken können, obwohl man dieſe deutſche Treue mit rung halte es auch für grundverkehrt, ſtets ſofort die geſamte
allen möglichen Mitteln und mit allen nur denkbaren Schikanen
läre und Rentenbezieher, deren Bezüge nur, einen macht worden, ſo daß heute kein vernünftig denkender Franzoſe ganz plauſibel, aber ſelbſt wenn man in Paris wirklich nach
mehr an eine Angliederung des Saargebiets an Frankreich dieſem Rezept handeln würde, könnte die deutſche Außen=
glaubt
.
macht es in der Tat Ehre, daß alle geſchickten und unge=
ſchickten
Manöver der Franzoſen, Land und Volk für ſich zöſiſchen Truppen am Rhein ſtehen.
zu gewinnen, in jeder Beziehung nicht nur geſcheitert ſind,
Nrutſchland in Verhandlungen über eine baldige endgültige Toten, der Toten die 1870 als erſte ihr Leben gelaſſen haben Abſichten geführt wurde. Wenn man hinzunimmt, daß die lang=
Liſung der Saarfrage einzutreten, ergibt ſich für das ganze zur Abwehr franzöſiſcher Raubgier, und dieſe toten Helden im wierigen deutſch=franzöſiſchen Handelsvertragsverhandlungen noch
iſſe im Saargebiet zu ſchaffen und damit den Kampf des der Stunde, da ſie den Saarboden verteidigten und ihr Leben, zöſiſchen Vorgehen der letzten Zeit unzweifelhaft Methode liegt,
zuſammenſtanden, in der ſich hoffentlich bald wieder alle im ſchloſſen hat. Wir wiſſen, daß Rom nicht an einem Tage erbaut
und evangeliſchen Geiſtlichkeit für das Deutſchtum an der Saar, bität, der franzöſiſchen Politik hemmen. Trotzdem aber müſſen
und Schweſtern an der Saar zu einem großen Dienſte an un= ſprechend der allgemeinen Lage wahren zu können.
der erſten Stunde der Beſetzung in vorbildlicher Weiſe geleiſtet für uns ganz gewiß nicht beſonders erfreulich. Das Scheitern
Beiſpielen im Kampfe um die Deutſcherhaltung, dieſes kern= als einen Wendepunkt der Geſchichte anſehen, inſofern, als hier
deutſchen Gebietes erlebt haben, muß jeden Deutſchen mit Stolz ein ſcharfer engliſch=amerikaniſcher Gegenfatz ſo unverhüllt zu
erfüllen. Das iſt das Symbol für die höchſten Tugenden, die ein Tage trat wie nie zuvor. Man muß ſchon weit zurückgehen, bis
us dem Wuſt der kleiueren Beſchwerden, damit ſie ſich in ihnen ſtillen, großen Ruhmes wegen einen Ehrenplatz in den dank= Wege gehe, die zum Kriege führen, bis dann in Waſhington die
baren Herzen des ganzen deutſchen Volkes ſichern.

Es iſt kein Geheimnis, daß das deutſch=franzöſiſche Verhält=
nis
bereits ſeit geraumer Zeit wieder einmal eine ſchwere Kriſis
das Verſprechen iſt mit der Saargebietsregelung im V.V. gröb= ſache ausgeht, ſo geſchieht das nicht nur, weil uns als die Nächſt=
bundes
geſtellt, ohne die Bevölkerung zu befra= deutſch=franzöſiſchen Beziehungen eine ganz außerordentliche Be=
gen
, obſie diefe Regierung haben wolle, 1a, ob= deutung für die europäiſche und damit mittelbar auch auf die
müſſen erkennen und die Erkenntnis zum Ausdruck bringen, daß Verhältniſſe in Europa iſt, daß er darüber hinaus ein Gebot der
Notwendigkeit ſich immer mehr geltend machen würde; alles dies
den. Auch in Frankreich ſchienen dieſe Gedanken nach den Wahlen
vom Mai 1924 an Boden zu gewinnen, und mit den Verträgen
von London und Locarno ſchienen ſich tatſächlich neue Möglich=
keiten
zu eröffnen.
Das Deutſche Reich trat in den Völkerbund ein, und nicht
desSaargebietsunerſchütterlichen Sinnes und nur Optimiſten glaubten, trotz mancher Warnungen auf eine
Entwicklung in ruhigeren Bahnen hoffen zu können. Der Um=
ſchlag
ließ nicht lange auf ſich warten. Briand, der Mann von
in dem folgenden Kabinett der heiligen Einigkeit das Porte=
feuille
des Außenminiſters behielt, ſo war doch ſehr bald feſt=
Einfluß auch in den außenpolitiſchen Fragen geltend zu machen,
und als der franzöſiſche Miniſterpräſident füngſt wieder mit
ſeinen ſattſam bekannten Sonntagspredigten begann, mußte ſich
ſteigern. War das Ende der Locarnopolitik gekommen?
Von Frankreich her ward immer wieder verſichert, daß auch
Herr Poincaré ſich im Laufe der Zeiten gewandelt habe, wurde
behauptet, daß er grundſätzlich einer deutſch=franzöſiſchen Ver=
nationalen
Gewiſſen nicht in Einklang zu bringen iſt. unver= davon geſprochen, daß der franzöſiſche Miniſterpräſident durch=
aus
bereit ſei, die Politik des Ausgleichs höchſt aktiv zu fördern,
wenn man ſie mit ihm machen wollte und nicht mit ſeinem
intimen Feind Briand. Ob daran etwas Wahres iſt, mag dahin=
geſtellt
bleiben. Auf alle Fälle hat die Aenderung der inner=
politiſchen
Situation in Frankreich die Löſung des außerordent=
lich
ſchwierigen deutſch=franzöſiſchen Problems weſentlich kompli=
ziert
. Daß die Politik des angeſtrebten Ausgleichs nicht über
Nacht zum Ziele führen würde, war ganz gewiß für jeden Ein=
ſichtigen
von vornherein klar. Insbeſondere wieſen alle genauen
Kenner der franzöſiſchen Pſyche immer wieder darauf hin, daß
es eine gewiſſe Zeit dauern werde, bis die öffentliche Meinung
in Frankreich für die Durchführung der Verſtändigungsaktion,
insbeſondere die Räumung der beſetzten Gebiete, reif wäre. Von
Franzoſen, die der Verſtändigungspolitik keineswegs abhold ſind,
der zu erleiden gehabt hat, dieſe Treue zum Deutſchtum, zum auf lege, freiwillig zu handeln, daß man ſich beim Quai
dOrſay außerordentlich dagegen ſträube, daß deutſcherſeits mit
Oeffentlichkeit über alles zu unterrichten, was in der Frage der
zu erſchüttern ſuchte. Große Hoffnungen wegen der Loslöſung Herabſetzung der Zahl der Beſatzungstruppen unternommen oder
des Saargebiets vom Deutſchen Reich waren ja gerade auf die beſprochen worden iſt. Für ſie liege ein ſolches Bedürfnis nicht
Saararbeiterſchaft geſetzt worden. Alle diesbezüglichen Berech= vor, ſie wünſche vielmehr die ganze Angelegenheit der Verſtän=
nungen
der Franzoſen ſind aber gerade durch ſie zuſchanden ge= digung ohne großen Lärm zu erledigen. Das klingt vielleicht
politik deswegen kaum anders vorgehen als bisher. Für uns
Der Baterlandsliebe und treue des Voles an der Saar liegt nicht nur das Bedürfnis ſondern ſogar die Notwen=
digkeit
vor, die Dinge zu beſchleunigen, denn wir ſehen keine
Möglichkeit einer wirklichen Verſtändigung, ſolange noch die fran=
Leider aber haben die Ereigniſſe der letzten Zeit auch gezeigt,
ſondern gerade die entgegengeſetzte Wirkung gehabt haben, daß gewiſſe Zweifel an dem guten Willen der Franzoſen
Mit Stolz hat jeder einzelne Saarländer von der erſten Stunde durchaus nicht unberechtigt ſind. Wenn Herr Förſter, den weder
in Deutſchland noch im Auslande ein vernünftiger Menſch ernſt
das Land deutſcher Kultur und deutſcher nimmt, enthüllt, ſo war das doch ganz gewiß kein Anlaß zu
Sprache, das Land unſerer Seelen, das Land dem Feldzug des Mißtrauens, der jetzt in der franzöſiſchen
unſerer Väter und Kinder, das Land unſerer Preſſe und von mehreren belgiſchen Staatsmännern gegen unſere
Ehrental und auf dem Spicherer Schlachtfelde haben uns immer immer nicht zum Abſchluß gebracht werden konnten, ſo wird man
eine eindringliche Mahnung zugerufen, niemals zu vergeſſen ſich der Erkenntnis kaum verſchließen können, daß in dem fran=
dafür
einſetzten. Es darf weiter erinnert werden an die muſter= woran kaum etwas geändert wird, wenn ſich die Nachricht be=
gültige
Haltung der politiſchen Parteien des Saargebietes, die ſtätigen ſollte, daß der letzte franzöſiſche Miniſterrat eine Ver=
bis
vor Jahresfriſt in einer bewundernswerten Einheitsfront minderung der Truppen im beſetzten Gebiet um 5000 Mann be=
Intereſſe des Deutſchtums an der Saar zuſammenfinden wer= wurde, und wir wiſſen auch, wie ſtark die kommenden Kammer=
den
. Es ſei erinnert an das mutige Eintreten der katholiſchen wahlen in Frankreich ihre Schatten vorauswerfen und die Akti=
Durch das ſchwere Schickſal Deutſchlands ſind unſere Brüder wir wiſſen, woran wir ſind, um unſere Intereſſen ent=
Die allgemeine weltpolitiſche Lage aber iſt recht ernſt und
haben. Was wir an der Saar in aller dieſer Zeit an erhebenden der Genfer Seeabrüſtungskonferenz kann man faſt
Volk auszeichnen und einen Staat erhalten können: Treue und in die Zeiten vor dem Waſhingtoner Abkommen, um einen Ver=
Eintracht. Das, was das Saarvolk getreu ſeinem Wahlſpruch gleich ziehen zu können. Damals die warnende Stimme des
bisher in brüderlicher Solidarität getan hat, muß ihm ſeines, amerikaniſchen Botſchafters in London, daß die engliſche Politik
Gegenſätze bereinigt und das engliſch=japaniſche Bündnis auf

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Seite 2

Sonntag den 14 Auguſt 1927

Rummer 224

dem Altar der erneuten angelſächſiſchen Freundſchaft geopfert
wurde. Gegenſätze, die in der Natur der Dinge begründet ſind,
kann man auch durch noch ſo ſchön formulierte Abkommen nicht
auf die Dauer aus der Welt ſchaffen, und ſo traten ſchon vor
einiger Zeit, u. a. auch in China, die Gegenſätze ziemlich unver=
hüllt
zu Tage, die ſich aus dem Wirtſchaftsimperialismus der
beiden großen Weltmächte naturgemäß ergeben müſſen. Auf der
Genfer Weltwirtſchaftskonferenz war dann ſogar etwas wie eine
leichte ruſſiſch=amerikaniſche Annäherung zu verzeichnen, worauf
wir ſchon damals an dieſer Stelle hinwieſen. Wieder einmal
hat der Kampf um das Petroleum eine ausſchlaggebende Rolle
geſpielt, und weil Standard Oil den Engländern die ruſſiſchen
Konzeſſionen vor der Naſe wegſchnappte, hat man ſich in Genf
über die Kreuzerfrage auseinandergeeinigt. Ein ſchwerer Miß=
erfolg
Coolidges, der für die Seeabrüſtungskonferenz das ganze
Preſtige der Vereinigten Staaten eingeſetzt hatte. Herr Morgan
aber, welcher der Rüſtungsgewinne wegen die Vereinigten Staa=
ten
in den Weltkrieg getrieben, wird ſich vergnügt die Hände
reiben in der angenehmen Erwartung, daß er auch bei dem jetzt
kommenden Ausbau der amerikaniſchen Rüſtungen nicht wenig
verdienen wird.
Aber nicht dieſe Auswirkungen des Genfer Mißerfolges ſind
es, die uns in erſter Linie intereſſieren, ſondern vielmehr die
Rückwirkungen auf die engliſch=ruſſiſchen Beziehungen und auf
die Geſamtlage in Europa. In Paris und Rom zeigt man ( eben=
ſo
wie in Tokio) unverhohlene Freude. Die weltpolitiſche Feſt=
legung
Englands, durch den Zwiſt mit Amerika verſtärkt die
eigene Poſition, und vielleicht nicht ganz zu Unrecht hofft man
am Quai d’Orſay, dem alten Alliierten nun wieder etwas wert=
voller
geworden zu ſein. Auf der anderen Seite aber wird man
doch wohl auch damit rechnen müſſen, daß die Engländer, je
ſchwieriger ihre weltpolitiſche Situation ſich geſtaltet, um ſo
größeren Wert auf ruhige Verhältniſſe in Europa legen müſſen
und insbeſondere auch darauf, daß nicht das Deutſche Reich
durch franzöſiſche Intranſigenz und ein endgültiges Scheitern
der Locarnotolitik im Gefolge davon ins ruſſiſche Lager ge=
trieben
wird. In kurzem wird in Genf wiederum der Völkerbund
zuſammentreten, und durch die Teilnahme der Außenminiſter
wird ſich wieder einmal Gelegenheit zu perſönlichen Unterhal=
tungen
ergeben. Daß die diesmalige Tagung nicht mit dem
gleichen Mißerfolg endet wie die Frühjahrstagung, iſt im Inter=
M.
eſſe der europäiſchen Völker zu hoffen.

* 4 Jahre Außenminiſter.
Der Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann, der ſich zurzeit in
Norderney aufhält und dort ſeinen diesjährigen Sommerurlaub
verbringt, kann am 13. Auguſt auf eine vierjährige Leitung der
deutſchen Außenpolitik zurückblicken. Als er ſeinerzeit im Herbſt
1923 als Kanzler des Kabinetts der Großen Koalition ſeinen
Amtsvorgänger Cuno ablöſte, ſtand das deutſche Volk im hef=
tigen
Kampf mit Frankreich, das ſeit einem Dreivierteljahr das
Ruhrgebiet beſetzt hielt und im Weſten nicht nur eine unerhörte
Politik der Ausbeutung und Unterdrückung, Vertreibung und
Knechtung der ſich gegen das Gewaltregime auflehnenden deut=
ſchen
Volksgenoſſen trieb, ſondern auch die ſeparatiſtiſche Be=
wegung
ſtützte und ſtärkte und obendrein noch dem Kommunis=
mus
freie Hand ließ, dabei aber jede Selbſtſchutzbewegung an
Rhein und Ruhr rückſichtslos unterband. Auch im Innern des
Reiches drohte alles aus den Fugen zu gehen. Von rechts und
links her wurde verſucht, den Staat aus den Angeln zu heben.
Gleichzeitig wuchs die Wirtſchaftskriſe ins Ungemeſſene. Die
Währung verfiel in raſchem Tempo, kurzum, es herrſchte ein
Chaos, wie wir es wohl ſeit den Tagen des politiſchen Um=
ſturzes
im Jahre 1918 nicht mehr erlebt hatten. In dieſer
Situation übernahm Dr. Streſemann die Führung des Kabi=
netts
, ſpäter beſchränkte er ſich auf die Leitung unſerer Außen=
politik
. Wenn er auch wegen ſeiner damaligen Schritte zu einem
ſpäteren Zeitraum überaus heftig angegriffen worden iſt, ſo
kann eine gerechte Kritik doch nicht an der Feſtſtellung vorüber=
gehen
, daß es ihm in langſamer und überaus mühevoller Arbeit
allmählich gelang, Deutſchland wieder voranzuführen. Der Ruhr=
kampf
wurde liquidiert, die Mark ſtabiliſiert, das Reparations=
problem
vorläufig gelöſt, das Ruhrrevier und die erſte Rhein=
landzone
geräumt und ſchließlich der Locarnopakt abgeſchloſſen,
der uns was unbeſtreitbar iſt außenpolitiſch wieder eine
nicht unerhebliche Bewegungsfreiheit gab. Der Außenminiſter
kann auf vier arbeitsreiche Jahre zurückblicken, die ihm manche
Erfolge brachten, die ihm aber in jeder Beziehung Anſporn ſind,
nicht zu ruhen und zu raſten, ſondern dafür zu ſorgen, daß die
außenpolitiſchen Ziele des deutſchen Volkes, die allgemein be=
kannt
ſind und hier nicht beſonders erörtert zu werden brauchen,
erreicht werden.

Vom Tage.
Die Unterlagen für die Verſtöße des Memeldirektoriums gegen die
Verſprechungen Woldemaras zum Schutze der deutſchen Sprache im
Memelgebiet liegen nunmehr im Berliner Auswärtigen Amte vor. Die
Reichsregigrung wird daraufhin erneute Vorſtellungen
in Kowno erheben.
Auf der Tagung des Inſtitute of Polities in Williams=
town
erklärte der ehemalige deutſche Finanzminiſter Dr. Reinhold
Deutſchland empfinde die Wegnahme ſeiner Kolo=
nien
durch den Verſailler Vertrag als ungerecht. Es erwarte die
Wiedergutmachung durch den Völkerbund. Die Müickgabe von zwei oder
drei Kolonien würde Deutſchland befriedigen.
Die von den italieniſchen Fasciſten vorgenommene Umtaufe des
Montblanc in Monte Muſſolini hat in Frankreich wenig
Gegenliebe gefunden und wird noch ein komiſches Nachſpiel haben. Wie
aus Lyon gemeldet wird, iſt eine von einer patriotiſchen Gruppe
finanzierte Führerkarawane aufgebrochen, um den Montblanc zu be=
ſteigen
, dort die franzöſiſche Flagge zu hiſſen und dadurch
die Italiener daran zu erinnern, daß der Berggipfel auf franzöſiſchem
Boden liegt.
31 höhere Offiziere der ſpaniſchen Marokkoarmee
denen Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Munitionsdepots
uſw. nachgewieſen wurden, wurden aus dem Heere ausge=
ſtoßen
. Dieſe Maßnahme bildet eine Etappe der von Primo de
Rivera verfolgten Säuberungs= und Reorganiſationspolitik.
Aus Moskau wird gemeldet, daß trotz des eingegangenen offiziellen
Kompromiſſes zwiſchen dem Zentralkomitee und der Oppoſition in der
Kommuniſtiſchen Partei der Kampf fortgeſetzt wird.
In Leningrad, Moskau, Kiew, Charkow wie in Nordweſtrußland ſind
in den letzten vier Tagen, ſomit nach der offiziellen Bekanntgabe des
Kompromiſſes, Hausſuchungen bei Oppoſitionsangehörigen vorgenommen
worden.
Nach Blättermeldungen aus Tirana ſoll dort vor einigen Tagen
eine Zuſammenkunft der einflußreichſten albaniſchen
Grundbeſitzer und Vertreter albaniſcher Stämme
ſtattgefunden haben, der angeblich auch Außenminiſter Vrioni beiwohnte.
Man habe ſich dort für die Wiederherſtellung der albaniſchen
Monarchie ausgeſprochen.
Nach einem Telegramm aus Athen hat Admiral Konduriotis den
zurückgetretenen Miniſterpräſidenten Zaimis neuer=
dings
mit der Kabinettsbildung beauftragt.
Nach einer Meldung aus Schanghai hat Sun Tſchuan=fang, der
Gouverneur der Provinz Schantung, die Offenſive
gegen die Nanking=Truppen ergriffen und nacheinander die
Städte Pukau und Yang Tſchau eingenommen. Die Südtruppen
ſind bis an den Jangtſekiang zurückgegangen. Man
befürchtet ernſthaft einen Vormarſch Sun Tſchuan=fangs nach Nanking
Der Indianeraufſtand in Bolivien nimmt immer
größere Ausdehnung an. Achtzigtauſend Indianer=
krieger
mit modernſter Waffenausrüſtung ſind bereits
daran beteiligt. Bei einem Zuſammenſtoß mit den Bundestruppen wur=
den
350 Indianer getötet und eine noch größere Anzahl verwundet. Der
Aufſtand ſoll durch die Agrarpolitik der Regierung ver=
urſacht
worden ſein, durch welche die Indianer ſich benachteiligt
fühlen. Die Indianer haben in den von ihnen beſetzten Gegenden
zahlreiche Weiße niedergemetzelt und deren Häuſer
ausgeplündert und eingeäſchert.

De Valera,
der Führer der republikaniſchen Unabhängigen in Irland.

Eine plötzliche Umwälzung
im Zriſchen Freiſtaat.
Die Eidesleiſtung iſt nur eine leere Förmlichkeite.
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 13. Auguft.
Man hätte denken ſollen, daß die Ermordung von OHig=
gins
eine allmähliche Umgeſtaltung im Parlament des Freiſtaats
in der Richtung herbeiführen würde, daß die Regierung Cos=
grave
durch Zuſtrom von ehrlich Entrüſteten in eine uneinnehm=
bare
Poſition hätte gelangen müſſen. Aber mit einem Schlage
hat ſich alles geändert. Die unter der Führung von De Valera
ſtehende Partei der Fianna Fail oder Republikaner, welche
bisher ihre Sitze nicht einnehmen konnte, weil ſie den Eid auf die
Verfaſſung und den König weigerte, hat plötzlich ihre Haltung
geändert und der Vorbedingung zur Einnahme ihrer Sitze ge=
nügt
, nachdem ſie ſich mit dem Führer der Arbeiterpartei John=
ſon
und dem politiſchen Erben des orthodoxen Nationalismus
und Führer der National=Liga, Captain Redmond geeinigt
hatte. Freilich mußten die Fiana Fail wegen der Eidesleiſtung
gewiſſermaßen ein politiſches Salto mortale machen. Aber Cos=
grave
hatte im Uebereifer durch ſeine Geſetzesvorlage zur Ab=
änderung
des Wahlgeſetzes ſie ſelber dazu getrieben. Er dachte
ſie tatſächlich ihres Wahlrechtes zu berquben und irrte ſich
gröblich. De Valera und die Seinen erkannten die Gefahr poli=
tiſcher
Ausſchaltung eines Drittels der Wählerſchaft, und ſo
überſchritten ſie den Rubikon und brachten dadurch mit dieſem
Vorſtoß Cosgrave ſelber zum plötzlichen Sturz. Um aber den
Schein zu retten, verkündeten ſie in einer langen Erklärung, es
ſei wiederholt behauptet und nicht ſelten geglaubt worden (not
unsommonly), daß die geforderte Erklärung kein Eid iſt, daß
ihre Unterzeichnung keine kontraktmäßige Verpflichtung in ſich
ſchließt, und daß ſie keine bindende Bedeutung weder nach dem
Gewiſſen noch nach dem Geſetz beſitzt, kurz, daß ſie lediglich
eine leere politiſche Formel iſt, welche die Abgeordneten gewiſſen=
haft
unterzeichnen können, ohne dadurch in Verpflichtungen der
Loyalität gegenüber der engliſchen Krone, weder für ſich gebun=
den
zu ſein, noch ihre Nation zu binden. Und zum Schluß heißt
es: Damit kein Zweifel an ihrer Haltung und kein Mißver=
ſtändnis
an ihrer Handlung entſteht, gehen die Fianna Fail= Ab=
geordneten
hierdurch dem iriſchen Volke und allen, die es an=
gehen
mag, öffentlich bekannt, daß ſie die Erklärung als eine leere
Formalität betrachten und wiederholen, daß ihre einzige Unter=
tanenpflicht
nur der Iriſchen Nation gehört, und daß ſie keiner
anderen Macht oder Autorität gewidmet werden wird.
Und nach Unterzeichnung dieſer Bekanntmachung urbi et
orbi, die über ihre Mentalität weder in ganz Irland, noch in
Weſtminſter, noch ſonſtwo irgendein Mißverſtändnis aufkommen
laſſen kann, gingen ſie in Begleitung von Johnſon und Captain
Redmond zum Sprecher und unterzeichneten die Eideserklärung,
die mit den Worten beginnt: Ich ſchwöre feierlich,
Freilich hat ſich Redmond ſchon in einer Unterredung dahin ge=
äußert
, er erwarte nicht, daß die britiſche Regierung irgendwelche
unüberwindliche Schwierigkeiten bei einem geſetzlchen und ver=
faſſungsmäßgen
Verſuch machen werde, die Eidesformel zu än=
dern
. Die Regierung wird Johnſon übernehmen und ſein Kabi=
nett
ausſchließlich aus ſeiner Partei und den Redmonditen bil=
den
, d. h., keinen der Fianna Fail hineinnehmen. Da er ſelber
aber nur 22, Captain Redmond nur 8 Gefolgsleute beſitzt, wird
De Valera mit ſeinen 43 der eigentliche Herr ſein. Cosgrave iſt
mit ſeinen 45 endgültig erledigt, auch wenn ihm die 11 Farmer
und einige der 14 Unabhängigen zufallen ſollten. Er könnte
allerdings das Parlament auflöſen, aber es iſt mehr wie fraglich,
ob ihm bei einer allgemeinen Wahl, etwa infolge des Eindrucks
der Ermordung von OHiggins, eine in jedem Falle nur ſehr
ſchwache und der geeinten Front der Angreifer gegenüber un=
ſichere
Mehrheit zufallen würde. Zudem ſoll der Kampffonds
der Regierungspartei eine ſtarke Ebbe auſweiſen. Johnſon ſelber
iſt ein auch außerhalb ſeiner Partei angeſehener, weder zu einer
Abenteuer=Politik, noch zu ſozialiſtiſchen Maßnahmen neigender
Wann.
Er ſagt: Der iriſche Senat kann die neue Regierung nicht
an der Wiedereröffnung von Verhandlungen bezüglich des Eides
mit der britiſchen Regierung hindern, aber er könnte und würde
ſicher jeden Verſuch zur Erreichung einer Aufhebung oder Abän=
derung
des Eides durch eine einſeitige Aktion hindern. Nach
der Konſtitution hat der Senat die Macht, jede Geſetzesvorlage
267 Tage lang aufzuhalten, und iſt daher in der Lage, faſt zu
jeder Zeit eine allgemeine Wahl herbeizuführen.
So einfach und leicht, wie es ſich der wahrſcheinliche neue
Außenminiſter des Freiſtaates denkt, iſt die Ausführung ſeines
Planes denn doch nicht.

4Wenn die wilden Waſſer weichen ...
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
AGA. New York, Auguſt 1927.
Damit, daß die Waſſer des Miſſiſſippi und ſeiner Neben=
flüſſe
ſich verlaufen haben, iſt das Unglück keineswegs zu Ende.
Wie lange es dauern wird, bis der Vorhang über dieſer erſchüt=
ternden
Tragödie, die die Unwetterkataſtrophen in Deutſchland
weit an Umfang und Opfern übertrifft, zum letzten Male fällt,
vermag kein Menſch abzuſehen. Noch ſind Tauſende und Aber=
tauſende
Hektare fruchtbaren Ackerlandes unter Waſſer in
Teilen von Arkanſas zum dritten Male in dieſem Jahre unter
Waſſer, das ſtellenweiſe drei bis vier Meter hoch iſt und wenn
auch die Mehrzahl der ſechs= bis ſiebenhundert=
tauſend
Flüchtlinge dorthin zurückgekehrt iſt, wo
einſtmals ihre Heimat war, müſſen doch noch immer mehrere
Hunderttauſend Tag für Tag vom Roten Kreuz
verſorgt beköſtigt, bekleidet werden, wenn ſie nicht
in namenloſem Elend zugrunde gehen ſollen. Tauſende Bauern=
häuſer
mit allem Zubehör, allen Nebengebäuden, Scheunen,
Ställen, Schuppen, ſind buchſtäblich vom Erdboden verſchwunden.
In unermeßlichen Gebieten ſind die Ausſichten auf eine Ernte
irgendwelcher Art gleich Null, und das Geſpenſt des Hungers
ſtarrt den Heimgekehrten ins Angeſicht. Und hinter ihm erhebt
die Gefahr von Malaria=Epidemien drohend ihr Haupt über dem
verwüſteten Land mit ſeinen Tauſenden ſtagnierenden Tümpeln,
den Brutſtätten von Milliarden und Abermilliarden Moskitos.
Es war hart, daß ſie alles im Stiche laſſen mußten, was ſie
geſchaffen und woran ihr Herz mit jeder Faſer hing. Hart auch,
gezwungen zu ſein, mit vielen Tauſenden in einem Zeltlager
Wochen und Monate lang unter den denkbar primitivſten Ver=
haltniſſen
zu hauſen, ſich in die Reihen der vor den Suppen=
kuchen
Harrenden zu ſtellen und, Schritt um Schritt vorwärts,
das entgegenzunehmen, was das Rote Kreuz ihnen zu bieten
vermochte. Aber unendlich härter iſt die Heimkehr. Ein Boot
legt an. Ein Trupp geht an Bord. Was ſie an Hausrat zu
retten vermocht, wird verſtaut. Stromaufwärts geht die Reiſe.
Das Boot hält da, hält dort. Man verabſchiedet ſich von denen,
mit denen man ſeit den Schreckenstagen und =nächten ſein Schick=
ſal
geteilt. Laſtautos ſtehen bereit, die Heimkehrenden fortzu=
tragen
und an ihrer Tür abzuſetzen. Auf der Fahrt ſehen ſie
erſt, was geſchehen, erkennen ſie erſt den vollen Umfang der
Kataſtrophe. Ein Anblick von unbeſchreiblicher Troſtloſigkeit
vietet ſich ihnen. Hier hat der Strom alles mit fortgeriſſen.
gicht einmal die Bäume ſtehen mehr, von denen das Farmhau=

umgeben war. Nichts als gelbbrauner Schlamm und Schlick
und Sand, da und dort zu hoher Bank aufgeſchichtet. Waſſer=
tümpel
dazwiſchen. Hier ſteht noch das Haus. Aber in welcher
Verfaſſung! Durchweicht von oben bis unten, ſtinkend, die
Möbel auseinandergefallen, verbogen, eine Schmutzſchicht au
den Fußböden, an den Wänden, den Decken ſogar. Der Haus=
rat
ruiniert.
Und das Land, noch vor kurzem reich mit Baumwolle und
Maisſtauden beſtanden, eine endloſe Wüſte gelb=
braunen
Schlammes, alles verfault, vermodert. Hier und
dort und da ragt etwas aus der braunen Decke hervor es war
einmal eine Kuh, ein Pferd, ein Schwein, ein Hund. Ver=
weſungsgeruch
erfüllt die Luft. Ein Land, vor dem man fliehen
ſollte, als zöge die Peſt darüber hin. Aber ihnen iſt es Heimat,
die Heimat. Und ſie machen ſich ans Werk. Das Rote Kreuz
hat ihnen bisher geholfen. Hat ſie geſpeiſt und gekleidet. Hat
ihnen weitere Hilfe verſprochen.
Zuerſt gehen die Männer daran, die Tierleichen zu ver=
brennen
oder tief einzugraben. Vater und Sohn, Alt und Jung
arbeitet Seit’ an Seite, das Haus vom gröbſten Schmutz zu be=
freien
, die Möbel ſoweit herzurichten, daß ſie einigermaßen
brauchbar ſind, Verdorbenes und Unbrauchbares durch allerhand
Notbehelf zu erſetzen. Wenn dann die gröbſte Arbeit getan iſt,
dann treten die Frauen in Aktion und fahren fort mit dem
größten Reinemachen ihres Lebens, während die Männer ſich
aufs Feld hinausbegeben. Denn die Ernte iſt ihr erſter Gedanke;
ſie bedeutet die auf dem unſicheren Fundament der Hoffnung
errichtete Mauer, die ſie zwiſchen ſich und dem Hunger errichten
wollen. Sie ſchaffen und plagen ſich; aber froh wird keiner bei
der Arbeit, denn unabläſſig richtet ſich ein drohendes Frage=
zeichen
vor ihnen auf: Wie wird es werden? Was wird ge=
ſchehen
, wenn die vierzehn oder fünfzehn Millionen, die das Rote
Kreuz mit Ach und Krach zuſammenbekommen hat, erſchöpft ſind
und niemand da iſt, das Werk der Fürſorge fortzuſetzen? Solche
Sorge iſt keineswegs unbegründet, denn der Kongreß, von dem
durchgreifende Hilfsmaßnahmen erwartet werden, tritt pro=
grammäßig
erſt im Dezember zuſammen, und die Summe, die
zur Rehabilitierung der Flutopfer nötig wäre, überſteigt alles
was je zu anderen als Kriegszwecken zu bewilligen geweſen
wäre. Wenn es dazu kommen ſollte, daß Amerika eine halbe
Million ſeiner eigenen Bürger vergäße, wenn ein der Hungers=
not
ähnlicher Zuſtand auch nur im entfernteſten Winkel des un=
geheuren
Ueberſchwemmungsgebietes ſich bemerkbar machen, eine
Epidemie auftreten ſollte, das wäre ein unauslöſchlicher Fleck
auf dem Wappenſchilde des reichſten Landes der Erde.
Handelsſekretär Herbert Hoover, die Gouverneure der von
der Flut betroffenen Staaten, die Staats= und Ortsbehörden

haben im Verein mit dem Roten Kreuz ein Stück organiſato=
riſcher
Arbeit geleiſtet, das in der Geſchichte großer Waſſerkatg=
ſtrophen
beiſpielslos deſteht. Das verſucht keine ihnen abzue
ſtreiten. Das wird anerkannt. Aber die ihnen zu Gebote ſtehen
den Hilfsmittel ſind auf die freiwilligen Gaben beſchränkt, die
tropfenweiſe zuſammengeſickert ſind. Ob die Amerikaner ihren
eigenen Hilfsbedürftigen gegenüber ſich ſo freigiebig, ſo groß
herzig gezeigt haben, wie gegenüber der Not, die in europäſchee
Ländern nach dem Kriege auftrat, ſei dahingeſtellt; ſicher abet We
daß Amerika den Umfang der Kataſtrophe nicht voll erfaßt yi.
und ſich über ihre Nachwirkungen durchaus im Unklaren ie
Bankkredite ſtehen den Ueberſchwemmten nur gegen Pfand zu.
Verfügung. Die in aller Eile hier und dort ins Leben gerufene‟
Rehabilitierungs=Geſellſchaften, die Bodenkredit geben könneln
ſind durch die Beſtimmungen der Bundes=Bodenkredit=Akte dere
maßen eingeengt, daß ſie vorläufig wenig auszurichten bei=
mögen
. Und der Privatbankier verlangt Sicherheit für ſein Geld.
Früher verpfändete man ihm die zu erwartende Ernte. Was
heute da auch in jenen Gegenden, wo das Waſſer ſich zuerſt be‟=
laufen
hat, zuerſt die Feldbeſtellung in Angriff genommen werde‟
konnte was iſt da, das dem Geldgeber zureichende Sicherhe‟
für ſein Darlehen gewährleiſten könnte?
Am ſchlimmſten ſind die Pächter daran, die nicht auf eigene
Scholle ſaßen. Ihrer ſind Tauſende im Miſſiſſippi=Becken. Sie
ſind abſolut blank, ſind Pauper, ohne Kreuzer und ohne Kredin
ihre Ernte iſt ein Phantom, das nur in den wenigſten Faue‟
greifbare Geſtalt annehmen wird. Sie haben faſt alles verloren
was ſie an Haus= und Ackergerät ihr eigen nannten. Oft aud
ihr Vieh. Was ſie an Kleidern beſitzen, tragen ſie auf deiſ
Leibe. Leib= und Bettwäſche? Woher? Wäre es nicht um da=
Rote Kreuz und die Fürſorge einiger bemittelter Großgrundbe
ſitzer, ſie hungerten ſchon heute zu Tauſenden. Jetzt, im Somme‟
laſſen ſich die Leiden noch einigermaßen ertragen. Die ſchwerſte
Not kommt erſt mit Einbruch kälteren Wetters. Das iſt es auch
was den Vorausſchanenden unter den Beamten und Bürgern dee
meiſte Sorge macht. Dieſe Farmer müſſen den Win
ter über verſorgt werden, und die Frage iſt: wer iſt?
der dieſe Laſt auf ſich nehmen wird? vielleicht die beſſer ſituielle
Bevölkerung jener Gegenden? Die Großgrundbeſitzer? Die iie
ſaſt ebenſo ſchlimm dran, wie die Pächter, denn auch ihnen 9 u=
das
Schickſal einen Schlag verſetzt, von dem ſie ſich nicht ſo bat
erholen werden.
Jeder Bankier, jeder Kaufmann hat die Schuldenſcheine boſ
Hunderten Farmern in den Händen, deren ganze Habe den Siron
hinabgeſchwommen iſt, dem Golf von Mexiko zu, Es iſt unde*
meidlich, daß die Banken, die Geſchäftsleute Verluſte erleide‟
werden. Und den Hypotheken= und Verſicherungsgeſellſchafte‟

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Nummer 224

Umorientierung der polniſchen
Außenpolitik?
Das Fiasko der Anleiheverhandlungen.
Abkehr von England.
* Warſchau, 13. Auguſt.
Die zwiſchen Polen und Rußland ſeit Jahr und Tag ge=
fihrten
Verhandlungen über ein Vertragsverhältnis zwiſchen
dieſen beiden Nachbarſtaaten ſind in den letzten Wochen infolge
zrveier Ereigniſſe in ein gänzlich verändertes Stadium getreten.
TTach der Ermordung des ruſſiſchen Geſandten Woſkow ſchien
S anfangs, als ob die polniſch=ruſſiſche Frage ſich zu einem
ernſten europäiſchen Konflikt entwickeln würde. Die inneren Vor=
tänge
in Sowjetrußland ſchienen ferner dazu angetan, dieſe
Situation noch mehr zu verſchärfen. Indeſſen trat ſehr bald
rach der Rückkehr Tſchitſcherins nach Moskau ein vollkommener
umſchwung der Dinge ein. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit
gelang es den Bemühungen des polniſchen Geſandten in Mos=
kru
, Patek, ohne daß erſichtlich wurde, auf welche Weiſe, die
erregten Gemüter ſoweit wieder zu beruhigen, daß fortan nur
noch von Verhandlungen um die endgültige Beilegung der Woj=
kpwaffäre
die Rede war. Das Auffallendſte aber war, daß, noch
bevor der diplomatiſche Konflikt beigelegt war, bereits wieder
de Verhandlungen wegen eines Handelsvertrages, und ſogar
eines Nichtangriffsvertrages aufgenommen wurden.
Die Erklärung dieſes merkwürdig raſchen Umſchwunges in
der polniſch=ruſſiſchen Politik dürfte in einem Ereignis zu ſuchen
ſ in, das in die Zwiſchenzeit fiel, nämlich in dem Scheitern der
polniſchen Anleiheverhandlungen mit den amerikaniſchen Finanz=
g
=uppen. Da nicht nur alle wirtſchaftlichen Fragen in Polen,
ſondern vor allem auch die Durchführung der politiſchen Pläne
Pilſudſkis von dieſem Kredit abhängig waren, konnte deſſen
Auisbleiben nicht ohne Einfluß auf die Politik Polens bleiben.
Im der Tat iſt feſtzuſtellen und ein innerer Zuſammenhang
außerordentlich wahrſcheinlich , daß um die gleiche Zeit
Polen in den Verhandlungen mit Sowjetrußland in faſt allen
Fragen nachgegeben hat. Darüber hinaus aber iſt weiter die
Urnſtellung der polniſchen Außenpolitik ganz unverkennbar. Die
Nrachgiebigkeit Polens gegenüber Rußland iſt nicht die Folge
dr amerikaniſchen Forderung, daß die Verhältniſſe in Europa
ſich ſtabiliſieren müßten, ſie ſtammt auch nicht von der Abſicht,
eirie Rückendeckung für die Politik gegen Deutſchland zu haben,
ſindern entſpringt einer deutlichen Mißſtimmung Pilſudſkis
gegenüber der engliſchen Politik, nachdem ſich die Hoffnung auf
eite Anleihe mit engliſcher Hilfe zerſchlagen hatte.
Wie ſich dieſe Politik Polens weiter entwickeln wird, iſt
vrläufig ſchwer zu prophezeien. Ob der engliſche Einfluß in
Awlen tatſächlich einen Schlag erlitten hat, wie behauptet wird,
on die Abberufung des engliſchen Geſandten Miller aus dieſem
Crunde erfolgt, und endlich, ob wirklich der Abſchluß des pol=
ntſch
=ruſſiſchen Nichtangriffsvertrages bevorſteht, den man auf
p=lniſcher Seite als den wichtigſten Punkt der Verhandlungen
b:zeichnet, iſt bisher noch nicht ſicher. Sicher iſt nur, daß man in
Awlen diesmal nicht nur mit einem Bündnis mit Rußland droht,
ſtidern daß Pilſudſki tatſächlich dazu entſchloſſen iſt. Wenn
deſer Entſchluß dazu führen wird, daß Polen von neuem iſo=
liert
wird und unter den Einfluß Sowjetrußlands gerät, ſo
därfte man füglich ſchon heute von einer Umorientierung der
polniſchen Politik nach der ruſſiſchen Seite hin und von einer
Abkehrung von der engliſchen Politik ſprechen.

Ein amtliches Communigué zur Zagorfki=Affäre.
TU. Warſchau, 13. Auguſt.
Zu der Zagorſki=Affäre hat heute das polniſche Kriegsminiſterium
in offizielles Communiqué veröffentlicht, in dem der Verlauf der An=
ſeiegenheit
wie folgt dargeſtellt wird:
General Zagorſki ſollte auf Beſchluß des Kriegsminiſteriums auf
reiren Fuß geſetzt werden und wurde zu dieſem Zweck am 6. d. Mts.
ach Warſchau eskordiert, wo er dem Kriegsminiſter zum Rapport vor=
eſellt
werden ſollte. Bei ſeiner Ankunft in Warſchau wurde ihm je=
och
mitgeteilt, daß er ſich zwei Tage ſpäter zum Rapport melden
olſte. Er ließ ſein Gepäck auf dem Wilnger Bahnhof und begab ſich
ni den ihn abholenden Offizieren im Auto nach ſeiner Wohnung.
Inrerwegs jedoch ließ er in der Straße Krakauer Vorſtadt das Auto
alsen und erklärte, er wolle ſich zunächſt in eine nahegelegene Bade=
nſralt
begeben. Von dieſem Augenblick an iſt bis heute nichts über den
lusenthalt des Generals zu ermitteln geweſen. Nachdem ſich General
axorſki weder am 8. noch am 9. d. Mts. b im Kriegsminiſterium mel=
et
, wurden Nachforſchungen aufgenommen, durch die feſtgeſtellt wurde,
er ſich weder in ſeiner Wohnung noch ſonſt bei irgend einem ſeiner
beſannten in Warſchau gezeigt hat. Es iſt indeſſon feſtgeſtellt worden,
, das Gepäck des Generals Zagorſki noch am 6. d. Mts. von der Auf=
eiahrungsſtelle
d’s Wilnger Bahnhofs abgeholt wurde, jedoch iſt nicht
elmnnt, wer es abgeholt hat. Militärgendarmerie und Polizei führen

N Darlehen auf erſtſtellige Pfandbriefe gegeben haben, droht
üe empfindliche Verminderung ihrer Aktivbeſtände. Kirchen,
Stulen, Verwaltungs ebäude ſind teils vernichtet, teils ſchwer
de chädigt. Ihr Inhalt, wertvolle Dokumente. Inventarien,
Sn undbücher uſw. ruiniert. Was wird aus der ſchulpflichtigen
he gend werden? Wie ſollen die von einer Sand= und Schlamm=
ſike
überzogenen Gre zen des Grundbeſitzes neu feſtgelegt wer=
eir
? Welch ungeheur: rbeit harrt hier eines Heeres nicht nur
nsbereiter, ſondern auch fachkundiger Menſchen, ganz abge=
n
von der Arbeit, die vor allem getan werden muß, um dem
Mpenſt des Hungers zu wehren, Epidemien abzuwenden?
Der einzige Lichtblick in dem Bild des Grauens, der Ver=
üſſtung
und Not iſt die Tatſache, daß, ſoweit bisher er=
iit
telt werden konnte, von dem Tage an, als die Bundes= und
Amatsbehörden unter Herbert Hoovers Leitung das Rettungs=
Neek organiſierten und ſyſtematiſch betrieben, nur ſechs Menſchen=
hen
verloren gegangen ſind, während die Zahl der Opfer bis
Aein rund 300 betragen hatte. Die Regierung hat alles verfüg=
ae
Perſonal der Küſtenwache und der großen Binnenſeen mit
ſen Booten und Laſtautomobilen herbeigeſchafft. Flieger über=
dren
die Waſſerwüſte und funkten den Rettungszentralen, ſo=
A ſie auf einer vom Waſſer umbrandeten Erhöhung Menſchen
eahrten oder Vieh. Tag und Nacht eilten die flinken Schiffchen
heaus, um ihre Fracht an Volk und Vieh den Konzentrations=
zern
, der Sicherheit zuzuführen. Die Bevölkerung ſtromabwärts
u.d vom meteorologiſchen Amt und von der Stromregulierungs=
hörde
mehrere Tage vorher gewarnt, daß der Kamm der Flut
zn und dann ihre Gegend erreichen würde. So hatten ſie Zeit
9 und ihre fahrbare Habe in Sicherheit zu bringen.
Manche beachteten die Warnung nicht. Sie verließen ſich
auf, daß ihr Häuschen den Fluten ſtandhalten würde. Hoover
Fmhlte unlängſt dem ganzen Lande über den Rundfunk von
ſſitten Erfahrungen im Ueberſchwemmungsgebiet und berichtete
ſgenden charakteriſtiſchen Vorfall: Irgendwo auf dem Dach
eS Farmhauſes gewahrte man von einem Rettungsſchiffe aus
men betagten Farmer. Als er aufgefordert wurde, mit ins Boot
mommen, frug er, ob man auch für ſeine Lizzie Platz habe.
arbohl, man habe Platz. Der Alte verſchwand, um im nächſten
enblick wieder aufzutauchen. Neben ihm erſchien der Kopf
er Kuh, die er, weiß Gott wie, ins Dachgeſchoß zu ſchaffen
mocht hatte. Da auf dieſem Boote nur Menſchen aufgenom=
enr
wurden, konnte Lizzie nicht geborgen werden. Viermal
A: man hinaus, ihn zu retten. Viermal weigerte er ſich, ſein
r zu berlaſſen. Als das fünfte Boot hinausfuhr, war das
uess verſchwunden mitſamt dem Alten und ſeiner Kuh.

Sonntag, den 14. Auguſt 1927

eine energiſche Unterſuchung weiter. Auf Grund des bisher geſammel.
ten Materials hat die Militärſtaatsanwaltſchaft genug Verdachts=
momente
ſammeln können, daß General Zagorſki abſichtlich ſeinen
Aufenthaltsort verborgen hält und zum Rapoprt beim Kriegsminiſter
ſich nicht melden wollte. Nun iſt die Angelegenheit einer formellen
Unterſuchung unterzogen und ein Steckbrief erlaſſen worden. Sämtliche
anderen in der Preſſe verbreiteten Nachrichten haben ſich durch die
Unterſuchung der Angelegenheit nicht beſtätigt.

Von der oppoſitionellen Gazeta Warſzawſka Pranna wurden
geſtern nach=inander vier Extrablätter, die ſich mit der Affäre Zagorfki
beſchäftigten, beſchlagnahmt. Sämtliche Zeitungen bringen ſpaltenlange
Berichte und Artikel über das noch immer vollſtändig ins Dunkel ge=
hüllte
Verſchwinden des Generals Zagorſki und fordern eine energiſche
Unterſuchung durch die Militärbehörden.
Nach einer Meldung aus Warſchau will ein Redakteur aus Katto=
witz
General Zagorſki in Begleitung zweier Herren geſehen haben, als
er den Schnellzug nach Danzig beſtieg. Die Unterſuchung iſt im Gange.
Ein Putſchverſuch in Portugal.
EP. Paris, 13. Auguſt.
Nach Meldungen aus Liſſabon iſt dort geſtern der Verſuch
eines Staatsſtreichs unternommen worden, der jedoch geſcheitert
ſein ſoll. Die Regierung erklärte, ſie beherrſche die Lage und
werde, geſtützt auf die überwiegende Mehrheit des Heeres, die
Republik verteidigen.
Nach in Madrid von der portugieſiſchen Grenze eingelau=
fenen
Meldungen ſoll dieſe Aufſtandsbewegung von Offizieren
der Garniſonen Liſſabon und Oporto ausgegangen ſein. Die
portugieſiſche Regierung ſoll dieſen Nachrichten zufolge demiſſio=
niert
haben.
Ueber die Militärrevolte in Portugal liegen jetzt Einzel=
heiten
vor. Danach wurde die Bewegung durch den Beſchluß
des Generals Carmona, der gleichzeitig die Präſidentſchaft und
die Miniſterpräſidentſchaft bekleidet, hervorgerufen, den Kriegs=
miniſter
Paſſos Suſa zum Vizepräſidenten zu wählen. Die Er=
nennung
Suſas, der als links gerichket und verfaſſungstreu gilt,
wurde von den monarchiſtiſchen Mitgliedern des Kabinetts miß
billigt. Es bildete ſich eine Verſchwörung unter den ihnen er=
gebenen
Offizieren. Eine Gruppe von ihnen unter Führung
des Leutnants Sarmento drang in die Räume des Präſidenten
der Republik ein und forderte ihn unter Vorhaltung von Re=
volvern
auf, die Ernennung Suſas zu widerrufen und ein
Rechtskabinett zu bilden. Da der Kriegsminiſter jede Diskuſ=
ſion
ablehnte und die Offiziere für verhaftet erklärte, gab Sar=
mento
verſchiedene Revolverſchüſſe auf die Kabinettsmitglieder
ab, durch die der Sekretär des Finanzminiſters verletzt wurde.
General Carmona warf ſich auf die Eindringlinge, und Leut=
nant
Sarmento wurde verhaftet. Kurze Zeit ſpäter drangen an=
dere
Offiziere in die Regierungsdruckerei ein und ſuchten den
Direktor zu zwingen, im Amtsblatt einen Erlaß zu veröffent=
lichen
, in dem die Regierung ihren Rücktritt ankündige und den
Führer der Rebellion, Kommandant Camara, zum Diktator und
Inhaber ſämtlicher Portefeuilles ernenne. Verſchiedene Ver=
ſuche
der Verſchwörer, die Truppen zur Meuterei zu bewegen,
ſchlugen fehl. Die Regierung zog ſich aus Vorſicht nach dem
Flugplatz Amadora zurück, wo ſie die Truppen konzentriert. Ge=
neral
Carmona erklärt in einem Aufruf, er beherrſche die Lage
vollſtändig. Der eigentliche Anſtifter der Verſchwörung, Kom=
mandant
Camara, wurde feſtgenommen. Im ganzen Lande
herrſcht Nuhe. Die Verbindung mit Oporto, wo es ebenfalls
zu einer Rebellion gekommen ſein ſoll, iſt unterbrochen.

Geite 3
Der Kampf um
die Beſatzungsverminderung.
Da bisher weder von engliſcher, noch von franzöſiſcher Seite
irgendein Dementi über diplomatiſche Verhandlungen mit dem
Ziel einer Verringerung der Beſatzungsarmeen herausgegeben
worden iſt, darf wohl angenommen werden, daß ſo ziemlich
alles, was bisher darüber berichtet wurde, ſtimmt. Die Ver=
handlungen
ſind aber noch keineswegs abgeſchloſſen. England
dringt auf eine ins Gewicht fallende Verringerung, während
die franzöſiſche Regierung ſich nur mit einer Herausziehung von
insgeſamt 5000 Mann einverſtanden erklären will. Wir glauben,
daß es das beſte iſt, dieſen Verhandlungen gegenüber auch
weiterhin die nötige Zurückhaltung an den Tag zu legen, da
jede Stellungnahme unſererſeits zu einer Verſteifung der ganzen
Angelegenheit führen kann. Denn ſoviel dürfte doch wohl feſt=
ſtehen
: alles, was von franzöſiſcher Seite über die ganze Ange=
legenheit
in die Preſſe gebracht worden iſt, iſt entſchieden gegen
den Willen der Engländer veröffentlicht worden, und nur mit
dem Zweck, um die Aktion der Londoner Regierung um ihre
möglichen Früchte zu bringen, oder auch die deutſche Oeffent=
lichkeit
zu veranlaſſen, ſich in den Streit um die Beſatzungsver=
minderung
einzumiſchen. Franzoſen und Engländer mögen ſich
erſt einmal darüber einig werden, wieviel Mann abmarſchieren
ſollen, dann wird auch für uns der Zeitpunkt gekommen ſein,
unſere Meinung darzulegen. Wir möchten aber nicht verfehlen,
einer im Dailv Expreß aufgetauchten Behauptung ſofort mit
aller Entſchiedenheit entgegenzutreten, daß die franzöſiſche
Beſatzungsarmee ſchon auf 50 000 Mann geſenkt worden ſei.
Nach amtlicher deutſcher Zählung ſtanden vor kurzem am Rhein:
8088 Engländer, 6716 Belgier und 60 673 Franzoſen. Demnach
müßten die Franzoſen alſo ſchon zehntauſend Mann zurückge=
zogen
haben. Wäre dem ſo, dann hätten ſie uns das ſchon recht
deutlich zu verſtehen gegeben. Im beſetzten Rheinland
ſtehen heute insgeſamt 75 477 Mann, die nach deutſcher
Anſchauung auf ewwa 50 000 Mann heruntergedrückt werden
müßten. England verſucht jetzt die Franzoſen dahin zu bringen,
wenigſtens vor Genf von den 25 000 Mann zuviel im Rheinland
ſtehenden Soldaten etwa 10 000 Mann in die franzöſiſchen Gar=
niſonen
zurückzuführen. England hat zu dieſer Frage auch
vorgeſchlagen, auf je zehn franzöſiſche Soldaten einen eng=
liſchen
zurückzunehmen. Das klingt in franzöſiſchen Ohren ſicher=
lich
nicht angenehm, aber England hat am Rhein nur etwa ein
Achtel der Truppenmenge, die Frankreich dort unterhält. Wir
geben uns der Erwartung hin, daß die Bemühungen der Lon=
doner
Regierung nicht erfolglos bleiben, wir glauben aber nicht,
daß man in Paris den Abmarſchbefehl für Regimenter aus=
ſtellen
wird, deren Geſamtſtärke etwa der Zahl entſpricht, um die
die Geſamtkopfſtärke der Rheinarmeen vermindert werden müßte.
*Die Filmintereſſen der Reichswehr.
Im Berliner Tageblatt wird zum Wochenende in einem
längeren Leitartikel die Angelegenheit der Filmintereſſen der
Reichswehr zwei Sdalten lang behandelt und u. a. behauptet,
die Preſſe müſſe der zunächſt im Stillen zu führenden Unter=
ſuchung
nachhelfen. Die Aufgabe falle aber in der Hauptſache
der republikaniſchen Preſſe zu, da ein großer Teil der Rechts=
preſſe
, den Ratſchlägen des Reichswehrminiſteriums folgend, die
Angelegenheit zur Parteiſache gemacht und ſich zum Verteidiger
der militäriſch wie auch politiſch völlig verfehlten Subventions=
politik
des Reichswehrminiſteriums aufgeworfen habe. Wir
können uns nicht darauf beſinnen, daß das Reichswehrminiſte=
rium
verſucht habe, die Preſſe zu beeinfluſſen oder gar für ſich
zur Verteidigung ihrer Beziehungen zur Filminduſtrie zu ge=
winnen
. Es wird aber weiter behauptet, daß die Rechtspreſſe
dieſe Angelegenheit zur Parteiſache gemacht habe. Unſeres Wiſ=
ſens
tauchten die erſten Behauptungen über finanzielle Unter=
ſtützung
von Filmunternehmungen durch die Reichswehr in der
Berliner Linkspreſſe auf, die doch ſchließlich Gelegenheit in aus=
reichendem
Maße hatte, auf dem Wege über die Führer der
Linksparteien durch direkte Fühlungnahme mit dem Kanzler
oder den Miniſtern eine Unterſuchung zu veranlaſſen. Sie trat
aber aus rein parteipolitiſchen Erwägungen heraus mit der Ver=
öffentlichung
hervor, weil es für ſie wichtiger war, die Ange=
legenheit
der Oeffentlichkeit zu unterbreiten und damit zur
Parteiſache zu mochen. Da allgemein damit gerechnet wird, daß
vielleicht ſchon im Frühjahr Neuwahlen zum Reichstag ſtatt=
finden
und die Linkspreſſe ſelbſt zu erkennen gegeben hat, daß
ſie nichts weniger wünſche, als eine Behandlung der Reichswehr=
ſubvention
im Reichstagsplenum, ſo verſteht ſich von ſelbſt, daß
dieſe Veröffentlichungen nur zu dem Zweck erfolgten, um für den
Wahlkampf den Boden vorzubereiten.

60. Geburteig des engliſchen Lichters Galsworthh.

John Galsworthy,
der berühmte engliſche Romanſchriftſteller und Dramatiker, wird
am 14. Auguſt 60 Jahre alt. Sein großer Roman Die Forſyte
Saga und ſein von Max Reinhardt inſzeniertes Schauſpiel Die
Geſellſchaft haben, zu ſeinem Ruhm weſentlich beigetragen.
Galsworthy iſt Vorſitzender der bekannteſten internationalen
literariſchen Vereinigung, des P. E. N. Clubs.

* Hefſiſches Landestheater. Kleines Haus.
Leitung: Direktor Adalbert Steffter.
Schwaizwaldmädel.
Operette in drei Akten von Auguſt Neidhart,
Muſik von Leon Jeſſel.
Daß Direktor Adalbert Steffter die Schwarzwaldmädel=
Operette wieder in den Spielplan aufgenommen hat, wird von
allen Freunden unſeres Sommertheaters mit herzlicher Freude
begrüßt werden. Um ſo mehr, als die Direktion für eine wirklich
hübſche Inſzenierung urd Ausſtattung ebenſo Sorge getragen

hat, wie für eine Beſetzung der Hauptrollen mit ihren beſten
Kräften. So kam die gute, ſtimmungsvolle Operette (über die
kritiſch hier ſchon oft und ſtets mit reſtloſer Anerkennung ge=
ſprochen
wurde) bei der geſtrigen Premiere wieder ganz aus=
gezeichnet
heraus, und der Beifall des Publikums blieb ihr treu.
Es wurde ſehr viel herausgeklatſcht und es gab auch wieder
viel Blumen. Schon einmal haben wir darauf aufmerk=
ſam
gemacht, daß die Beſucher unſeres Operettentheaters in dieſer
Beziehung viel dankbarer ſind und dieſer Dankbarkeit für gute
Leiſtungen auch gern äußeren Ausdruck geben.
Als Gaſt für die Schwarzwaldmädel=Aufführung hat ſich
Direktor Steffter wieder Hans Ney, den bewährten und viel=
ſeitigen
Künſtler des Landestheaters, verſchrieben, der die Rolle
des Domkapellmeiſters Blaſius Römer zu einer ſeiner beſten
Leiſtungen zählt. Hans Ney beherrſcht die geſangliche Seite ſeiner
Aufgabe ebenſo reſtlos, wie er ſeiner Darſtellung des Domkapell=
meiſters
eine von humorvoller Innigkeit erfüllte Menſchlichkeit
gibt, ohne nach irgend einer Seite zu übertreiben. Daß Gretl
Zadora dem Bärbele ebenſo ſympathiſche Züge zu verleihen
vermag, bedarf bei dieſer ausgezeichneten Künſtlerin kaum der
Erwähnung. Zum Erbarmen ſah ſie aus als Lumpeprinzeßle‟,
und manch Taſchentuch wurde gezückt, und ganz entzückend war
ſie als hübſch herausgeputztes Schwarzwaldmädel in dem Quar=
tett
. Eine treffliche Spielerin, Tänzerin und Sängerin. Lieſel
Keßler war eine ſehr diſtinguierte Malwine, die aber ſpäter
ſehr viel Temperament entfaltete und auch in den Tanz= und
Enſembleſzenen gute und ſtarke Kunſt gab. Daß Lieſel Keßler
in geſanglicher Hinſicht zu den beſten und zuverläſſigſten Mit=
gliedern
des Enſembles zählt, iſt mehrfach feſtgeſtellt worden.
Ein hübſches, friſches, lebenſprudelndes Wanderpaar waren
Erich Marx und Fritz Geiger als Hans und Richard, in
Geſang und Stiel wie immer ausgezeichnet und Fritz Geiger
auch als Tänzer wieder unübertrefflich. Er iſt nun einmal der
erklärte Liebling. Fritz Daurer war als Blauer Ochſe‟
von draſtiſchem Humor und wurde in dieſer Hinſicht nur noch
von dem ſchnoddrigen Schmußheim Emil Amans übertroffen.
Mieze Neidhart gab die alte Traudel ſo realiſtiſch, daß man
den Bauernbuben und =Mädeln die Hexe glauben konnte. In
der kleinen Rolle der Lorle, des blauen Ochſenwirts Töchterlein,
gab Elſa Fiſcher eine gute Partie geſanglichen und darſtelle=
riſchen
Könnens. Mit Mieze Debus als Hannele und Erwin
Kuhn als Theobald ſind die Darſteller dann alle genannt. Das
Zuſammenſpiel war ſehr flott und eindrucksvoll.
Dem Orcheſter unter Paul Voigt ein beſonderes Lob. Es
leitete ſehr gut und gab die hübſche Muſik unter trefflicher
Herausarbeitung der Schlager ſehr gut wieder. Für die einen
charakteriſierenden Rahmen gebenden Bühnenbilder zeichnete
*4
Georg Pfeiffer verantwortlich.

[ ][  ][ ]

Statt Karten.

Zülma Schnell
Werner Pfeil
Verlobte

August 1927
( 20986)
Sprendlingen /Rheinh.

Darmstadt

Statt Karten.

Wilhelmine Stumpf
Heinrich Görisch
Verlobte

Darmstadt, 14. August 1927
Kiesstraße 17
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Neckarstraße 28

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Ihre am 31. Juli in Erfurt erfolgte
Vermählung beehren sich anzuzeigen
Regierungsassessor Waldemar Bracht,
Ida Marie Bracht, geb. Pfeitfer
Darmstadt, Alexandraweg 24 (20919

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Gott der Herr nahm meinen lieben Mann. unſren
treuen, guten Vater, Schwiegervater, Sohn, Schwieger=
ſohn
, Bruder und Schwager
Geh. Oberkonſiſtorialrat

D. D. Mar.

Heute wurde uns ein zweiter
Junge geboren
Carl Adam und Frau
Gretel, geb. Ruhland
Darmſtadt, 12. Auguſt 1927
z. Zt. Nieder=Ramſtädter Str. 51 (*20992

Ihre Verlobung beehren ſich
(*20858
anzuzeigen

Elſe Weber
Adam Keſſelberg

Griesheim b. D.
Darmſtadt
z. Zt. Babenhauſen
Landwehrſtraße 35
9. Auguſt 1917

Maria Krummeck

Peter Rasbach
Oerlobte

Darmstadt Michelstadt i. O.
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Georg Ocholl
Verlobke

Darmſtadt
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Vater, Bruder, Schwiegervater und unſer Onkel
Herr Pfandmeifter i. P.

Vize=Präſident des Landeskirchenamts und der
Kirchenregierung
nach kurzem, ſchweren, mit großer Geduld ertragenem
Leiden, im Alter von 57 Jahren zu ſich in ſein himm=
liſches
Reich.
Er ſtarb fern der Heimat im Krankenhaus zu Lindau
am 11. Auguſi.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Guſtel Bernbeck, geb. Sehd
Dr. jur, Hans Hermann Bernbeck, Gerſchtsreferendar
Lieſel Bernbeck
Karl Breitwieſer, Forſtreferendar.

enzel

Kriegsveteran von 1866 und 1870/71.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſt Wenzel
Reichezolloberſekretär d. D.
21028)

Die Beiſetzung findet Montag, den 15. Auguſt 1927, nachm. 3½ Uhr,
auf dem Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.

Darmſtadt, den 13. Auguſt 1927.

(21022

Die Beerdigung findet Montag, vormittags 11 Uhr,
auf dem alten Friedhof ſtatt.
Von Beſleidsbeſuchen bitten wir dankend Abſiand zu
nehmen.

Statt Karten.

Statt beſonderer Anzeige.

Meine liebe Frau, die treuſorgende Mutter
ihrer Kinder, unſere Schwägerin, Schwiegertochter
und Tante

Mathilde Mendel

geb. Fiſcher
iſt heute nach lengem Leiden in faſt vollendetem
43. Lebensjahre von uns gegangen.
In tiefer Trauer:
Friedrich Mendel und Kinder
Sophie Mendel
Ludwig paatſch und Frau, geb. Mendel
und Familie
Familie Karl Struck, Berlin.
Arheilgen, den 12. Auguſt 1927.
(12633
Darmſtädterſtr. 109.

Für die vielen Beweiſe warmen Mitgefühls und Blumen=
ſpenden
bei dem ſchmerzlichen Verluſt meines lieben Mannes,
unſeres treuſorgenden Vaters, ſagen wir von Herzen Allen
innigſten Dank. Insbeſondere danken wir Herrn Pfarrer Zimmer=
mann
für ſeine troſtvollen Worte, unſeren Gemeindeſchweſtern
und Diakonen für ihre treue Hilfe. Unſer herzlichſter Dank
für die ehrenden Worte am Sarge und die ſchönen Kranz=
ſpenden
, gilt auch dem Kriegerverein Darmſiadt, der Ver=
einigung
früherer Leibgardiſten, der Turngemeinde Darmſiadt
1846 und dem Odenwaldklub. Ebenſo ſagen wir Herrn R. Fag
für den ergreifenden Geſang herzlichen Dank.

Katharina Engel Wwe., geb. Leonhardt
Louiſe Engel
Mathilde Engel.
Darmſtadt, den 14 Auguſt 1927.
(*21082

Die Beerdigung findet Montag, den 15. Auguſt, nach=
mittags
3 Uhr, in Darmſtadt von der Kapelle des
alten Friedhofes an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus
ſtatt.

Augenärzte
Verreist

Rheinstr. 12

15. August 7. September 1927
Vertretung: (*20787
Herr Dr. Pöllol, Augenarzl, Wühelmilgenstrade 5

Für die mir von allen Seiten bewieſene
Teilnahme an dem ſchweren Verluſi meines
treuen Mannes und für die herrlichen Blumen=
ſpenden
, die an ſeinem Grabe niedergelegt
wurden, ſage ich meinen tiefgefühlten Dank,
auch im Namen meiner Familie.

Emma Lorenz
geb. Klump.
Darmſiadt, den 14 Auguſt 1927. c2101s

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Niumg: Direktor Ada
Kungen ſtatt. Nachmit
wftellung zu lleinen P
eink im Mai gegeb
m Schwarzwald
* Domlapellmeiſters z
wngt ebenfalls Sch.
w Luffichrung und ſei
Hungen ſtattfinden.
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M0 Jrntcgg

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Hervorragende letzte Neuheit, die eine
Ernte bis 60 Zentner pro Morgen gibk.
Von gedrungenem Wuchſe und große‟
Widerſtandsfähigkeit gegen Witterungseine
flüſſe iſt dieſe Erdbeerſorte abſolut winter
hart und pilzfrei. Die rieſigen hochrofen
Früchte hängen wie Tomaten an ſtraſſe.
Stielen, ſind feſtfleiſchig, frühreif, vom
feinſten 9roma und Geſchmack. Era=
ganz
Außergewöhnliches für Feinſchmegeb.
Kräftige, gut gewurzelte Pflanzen:
10 Stück 3 Mk., 30 Stück 7 Mk., 50 Stüg
11 Mk., 100 Stück 20 Mk.
Erprobte großfrüchtige Erdbeer=Sortel
(12677g0s
der letzten Jahre:
30 Stück 2 Mr., 100 Stück 5 Mk.

[ ][  ][ ]

Nummer 224

Sonntag, den 14. Auguſt 1922

Sbar mit
tetem Ait
5ſt, mär

Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 14. Auguſt.
Vorbereitungsarbeiten zur beſſiſchen Land=
wirtſchaftlichen
Landesausſiellung.
L.K.D. Nach 2jähriger Unterbrechung iſt es erſt dieſes Jahr mög=
lich
geworden, wieder eine landwirtſchaftliche Landesausſtellung, die
lskanntlich vom 15.22. September in Darmſtadt ſtattfinden
ſoll, abzuhalten, um die Fortſchritte auf ſämtlichen Gebieten der Land=
irtſchaft
und der mit ihr in Verbindung ſtehenden Induſtrien allen
Bevölkerungskreiſen in Stadt und Land vor Augen zu führen. Die
Aielſeitigkeit der Ausſtellung macht beſonders umfangreiche Vorberei=
trngsarbeiten
erforderlich. So tagte am 10. Auguſt in der Landwirt=
ſchaftskammer
der Wirtſchafts= und Vergwügungsausſchuß, in dem u. a.
de Ernährungsfrage auf der Ausſtellung beſprochen wurde. Neben
emem Hauptreſtaurant ſind noch mehrere Hallen und Kantinen für Eſſen
und Trinken vorgeſehen; fetner ein großes Kaffee, eine Milchkoſthalle
1. a. m. Ein Orcheſter wird in der Nähe des Vorführungsrings vor=
urid
nachmittags ſpielen, und nachmittags wird noch eine zweite Kapelle
ar einem anderen Platze des Ausſtellungsgeländes Unterhaltungsmuſik
nachen. In einem Kino werden bei freiem Eintritt landwirtſchaftliche
gehrfilms vorgeführt, in denen auch die Förderungstätigkeit der Land=
närtſchaftskammer
auf allen Gebieten der Landwirtſchaft zu ſehen iſt.
Aie Quartierfrage wird in Verbindung mit dem Städtiſchen Verkehrs=
amt
und dem Darmſtädter Verkehrsverein gelöſt werden. Auch ſieht der
Verkehrsverband billige Autobusrundfahrten durch Darmſtadt und in die
ſchöne nähere und weitere Umgebung Darmſtadts vor. Am Abend des
w. Auguſt tagte ferner derr Platzausſchuß, der ſich mit der Errichtung
dr Bauten, der Platzverteilung der Elektrizitäts=, Gas= und Waſſer=
verſorgung
der Ausſtellung befaßte. Alles in allem läßt ſich ſagen, daß
in eingehender und vorſorglicher Weiſe von der Landwirtſchaftskammer
in Verbindung mit den zuſtändigen Stellen alles getan wird, was ge=
eignet
iſt, um den Verlauf der Ausſtellung ganz hervorragend zu ge=
ſtirlten
.
Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters.
(Leitung: Direktor Adalbert Steffter.) Heute Sonntag finden zwei Vor=
ſtellungen
ſtatt. Nachmittags 3½ Uhr wird als Familien= und Fvemden=
worſtellung
zu kleinen Preiſen von 1 bis 3 Mk. die Operettenpoſſe Wie
ernſt im Mai gegeben. Abends 8 Uhr gelangt die beliebte Ope=
wtte
Schwarzwaldmädel mit Hans Ney als Gaſt in der Rolle
dss Domkapellmeiſters zur Aufführung. Morgen Montag und täglich
gelangt ebenfalls Schwarzwaldmädel mit Hans Ney als Gaſt
yer Aufführung und ſei darauf hingewieſen, daß nur noch einige Auf=
ſichrungen
ſtattfinden. Im Laufe dieſer Woche gelangt ebenfalls noch
de Operette Derfidele Bauer zur Wiedergabe. Die diesjährige
Swielzeit ſchließt am kommenden Sonntag, den 21. Auguſt. Von dem
Kmponiſten der erfolgreichen Operette Paganini Franz Lehär,
gung folgende Mitteilung ein: Dem Regiſſeur Direktor Steffter, Herrn
Kapellmeiſter Voigt und Herrn Kammerſänger Jörn, ſowie allen mit=
närkenden
Künſtlern herzlichſten Dank und freue mich, daß meine Ope=
nitte
Paganini ſo wundervoll herausgebracht wurde. Mit herz=
Uihſten Grüßen: Ihr getreuer Franz Lehär.
Bewaffnung von Teilnehmern an Aufzügen und öffentlichen Ver=
ſammlungen
. Das Heſſiſche Polizeiamt Darmſtadt ſchreibt uns: Nach
9 11 des Reichsvereinsgeſetzes vom 19. 4. 1908 darf niemand in einer
UFentlichen Verſammlung oder in einem Aufzug, der auf öffentlichen
ekraßen oder Plätzen ſtattfinden ſoll bewaffnet erſcheinen. Als Waffen
i Sinne des angezogenen Geſetzes ſind alle diejenigen Gegenſtände an=
z
ſehen, die nach ihrer Beſtimmung zu einer Zufügung gefährlicher Ver=
lchungen
beim Angriff oder der Verteidigung gebraucht werden. Den
Paffen ſind demnach auch diejenigen Werkzeuge zuzuzählen, die zwar
ncht ihrer natürlichen Beſtimmung, aber doch ihrer Beſchaffen=
hze
it nach zur Beibringung gefährlicher Verletzungen verwandt werden
kunnen, wenn ſie nicht zufällig, ſondern in der Abſicht zu verletzen ſei
eis auch nur im Verteidigungsfalle oder um einen phyſiſchen Zwang
duurch Einſchüchterung auszuüben, mitgeführt werden. Stöcke Knüppel,
G ummiknüppel, Schlagringe, Stahlruten, Spiralfedern und Spaten ſind
demmach als Waffen im Sinne des 8 11 des Vereinsgeſetzes anzuſehen.
fürr den Begriff als Waffe iſt es aber nicht weſentlich, ob die Stöcke
uft Eiſenfpitzen verſehen ſind oder nicht. Die mit derartigen Waffen
btroffenen Verſammlungs= oder Aufzugsteilnehmer machen ſich nach
3. 11 und 19 des Reichsvereinsgeſetzes ſtrafbar.
Dienſtjubiläum. Herr Polizeiwachtmeiſter Auguſt Heil iſt
tr 15. Auguſt 1902 bei der hieſigen Schutzmannſchaft eingetreten und
ſas ſonach am 15. d. M. eine 25jährige Dienſtzeit bei der Polizei zurück=
ſe
egt. Herr Heil, der im 50. Lebensjahre ſteht, wurde nach Ableiſtung
in er 5jährigen Militärdienſtzeit am 15. Auguſt 1902 zur Dienſtleiſtung / den es ſich nicht nehmen laſſen, Feiern zu Hindenburgs 80. Geburtstage
e. dem 1. Polizeibezirk eingeſtellt. Er hat auf verſchiedenen Bezirken
Oeenſt getan und befindet ſich zur Zeit bei der Amtswache des Polizei= vorzubereiten und zu veranſtalten. Sie werden vielleicht in Verlegen=
in
.ts. Herr Heil iſt ein pflichttreuer und gegen jedermann zuvorkom= heit kommen, für dieſe Feier ein entſprechendes Feſtſpiel, einen Prolog
nader Beamter. Er genießt ſowohl unter dem Publikum als auch bei uſw. zu erhalten. Wie wir hören, hat der Theaterverlag
eirnen Vorgeſetzten und Kameraden große Achtung, die ihm zum Jubi= Eduard Bloch in Berlin C. 2 eine Sammlung erſcheinen laſſen,
ärm gratulieren und ihm ferneres Wohlergehen wünſchen.
in= Montag, den 15. Auguſt, vormittags 11 Uhr, auf dem Alten zuſammengeſtellt ſind, die ſich für Vereins= oder Schulfeierlichkeiten zu
Fſiedhof an der Nieder=Ramſtädter Straße ſtatt.
Familientag. Vom 13.15. Auguſt hält die Heſſen=Darmſtädtiſche der Sammlung enthalten,
familie v. Herff im Hotel Zur Traube ihren dritten Familientag ab.
de Familie wanderte unter den Religionsverfolgungen des Herzogs
Albg um 1570 aus der Lütticher Gegend nach Rheinheſſen ein. Ein Donnerstag abend 8½ Uhr Vortragsabend im Eintrachtsſaal, Eliſa=
Zweig der Familie ließ ſich ſpäter in Darmſtadt nieder und wurde am bethenſtraße 12. Es ſpricht Herr Philipp Weber über Wüſtungen
2. Juli 1814 in den heſſiſchen Adelsſtand erhoben. Aus ihm gingen und verſchwundene Orte in der Umgebung von Darmſtadt,
yehrere bekannte Offiziere, Juriſten und Aerzte hervor. Zur Tagung
AAben ſich viele Familienmitglieder aus dem In= und Auslande ein=
affunden
.
emeinde Darmſtadt heute nachmittag um 2 Uhr vom Orangerie= kohl 1015, Notkraut 1520, Weißkraut 1215, Wirſing 812, Stan=
Reichskurzſchrift Maſchinenſchreiben. Wer über die Verhältniſſe 1012, Gärtner=Kopfſalat 810, Salatgurken 2560, Einmachgurken
arf dem Arbeitsmarkt unterrichtet iſt, weiß, daß heute eine Stelle im 13. Blumenkohl 30100, Rettich 810, Radieschen Bd. 57. Kar=
Grureaubetriebe überhaupt, beſonders aber auch eine gutbezahlte Stelle, toffeln: Frühkartofeln Pfd. 6. Obſt: Pfirſiche 7080, Aprikoſen 7080,
Nr noch zu bekommen iſt, wenn der Bewerber über ausreichende Kennt= Mirabellen 4045, Reineclauden 2025, Tafeläpfel 230, Wirtſchafts=
Iſſe in der Reichskurzſchrift und im Maſchinenſchreiben verfügt. Die äpfel 1218, Falläpfel 610, Tafelbirnen 230, Wirtſchaftsbirnen
außerordentlich groß und kann zur Zeit nicht befriedigt werden. Es 6o70, Bananen 6070 Apfelſinen St. 1020, Zitronen 410. =
kamn
daher auch jetzt wieder allen denjenigen, die in einem mit Schreib= waren: Süßrahmbutter Pfd. 210, Landbutter 180200. Weichkäſe 3035,
nGeit berbundenen Beruf tätig ſind oder ſein wollen, nicht genug emp= Handkäſe St. 415, friſche Eier 1215. Geflügel: Hühner Pfd. 120
ſoſalen werden, der Ausbildung ſowohl in der Reichskurzſchrift als auch 160, Tauben St. 7090. Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch friſch
im Maſchinenſchreiben, hauptſächlich aber in der erſteren, ſich alsbald Pfd. 90120, Kalbfleiſch 120, Schweinefleiſch 90130, Dörrfleiſch 140.
A unterziehen. Gelegenheit dazu gibt der Gabelsberger Stenographen= Schinken 200, Wurſt 70140, Wurſtfett 60, Schmalz ausgel., 95.
prein von 1861 in ſeinen am Dienstag und Mittwoch nächſter Woche
Frinnenden neuen Kurſen, worüber Näheres aus der heuti=
reen
Anzeige erſichtlich iſt.
Geflügelzuchtverein Darmſtadt. Die Tanbenzüchter von Worms
ſren zu ihrer 2. ſüddeutſchen Taubenſchau im November ein. Der anwortung; für ſie bleibt auf Grund des 9 21 Abſ.2 des Preſſegeſetzet in vollem Umfang
Arrenvorſitzende berichtete über die Arbeiten zur Heſſiſchen Landwirt=
chaftlichen
Ausſtellung vom 15. bis 20. September bzw. der damit ver=
umdenen
Geflügelſchau und gibt bekannt, daß zum Meldeſchluß über
020 Tiere gemeldet waren, jedoch eine größere Anzahl Meldungen be=
tinamt
noch in Ausſicht ſtehen. Bei den eingelaufenen Meldungen han= keinen Reiſenden getroffen, welcher an der Muſik im Warteſaal Anſtoß
nit es ſich größtenteils um Zuchtſtämme 1,3 der von der Landwirt= genommen hat. Im Gegenteil haben ſich meine Bekannten alle recht
chmftskammer anerkannten Naſſen in Hühner, Waſſergeflügel und Tau= lobenswert darüber geäußert, denn der Wirr bietet ſeinen Gäſten eine
en=; jedoch ſind auch die noch nicht anerkannten Raſſen gut vertreten, wirklich gute Muſik, ausgeführt von Mitgliedern des Städtiſchen Orche=
lu
ßer den zur Auszahlung gelangenden Geldpreiſen hat die Landwirt= ſters. Es kommen nach meiner Erfahrung keine Jazzbandſtücke zum
chuftskammer noch eine Anzahl Bar=Ehreupreiſe zur Verfügung geſtellt. Vortrag, ſondern nur dezente Sücke, welche auch den ermatteten Rei=
dar
Vorſitzende bittet die Mitglieder um Beteiligung an den Ausſtel= ſenden ſicherlich nur angenehm berühren. Meine Freunde und ich wür=
uu
gsarbeiten, wie: Einſetzen der Tiere, Beaufſichtigung während der den es lebhaft bedauern, wenn dieſe Konzerte, die übrigens nur Sams=
lssſtellungstage
fowie Ausgabe und Verſand derſelben. Bei der Ein= tags und Sonntags ſtattfinden, eingeſtellt werden müßten.
eit ung der einzelnen Kommiſſionen ſtellten ſich in anerkennenswerter
Eaiſe die Mehrzahl der anweſenden Mitglieder bereitwilligſt zur Ver=
ünung
. Der Ehrenvorſitzende berichtete alsdann eingehend über den am
N- der A.S. G=Verſammlung in Karlsruhe. Die A S.G. Schau 1928 bis zur Weiterfahrt einen Imbiß oder Trunk einnehmen wollen, den
ſHet im Januar in München ſtatt. Die Nationale 1929 findet vor= Warteſaal betreten, ſo finden ſie an Konzertabenden überhaupt keinen
hnsheim. Der Geflügelzuchtverein Marburg lädt für den 13. und Eine ſolche Verwendung eines Eiſenbahnwarteſaals entzieht das Lokal
Auguſt zu ſeinem 50jährigen Jubiläum ein und wird unſeren Mit= ſeinem eigentliche Zweck,
liedern der Beſuch dieſer Veranſtaltung beſtens empfohlen. Die Ver=
Oning von lebendem Raſſegeflügel und Futter beſchloß die Verſammlung.

Tontaubenmeiſierſchaftsſthießen des Heſſiſchen
Jagdlube.
Am Sonntag, den 14. Auguſt, von vormittags 8 Uhr ab, veranſtaltet
der Heſſiſche Jagdklub wie bereits mitgeteilt auf ſeinem Ton=
tauben
=Schießſtand am Flugplatz ſein diesjähriges Schießen
um die Wurftaubenmeiſterſchaft von Darmſtadt.
Im ganzen Heſſenland, wo ſich Ortsgruppen des Heſſiſchen Jagd=
klubs
befinden, werden um dieſe Zeit die Meiſterſchaften für die ein=
zelnen
Ortsgruppen herausgeſchoſſen.
Die ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, ſowie zahlreiche Freunde
des Heſſiſchen Jagdklubs, des Naturſchutzes und Weidwerks, haben zu
dieſem Schießen Preiſe beigeſteuert. Geworfen werden für jeden Schützen
30 Tauben, geſchoſſen wird in zwei Gruppen.
Am Nachmittag ſchießen die heſſiſchen Förſter und Jagdaufſichts=
beamten
um den Rang des Meiſterflugſckützen der Förſter und Jagd=
ſchutzbeamten
des Heſſiſchen Jagdklubs 1927
Alter Ueberlieferung gemäß will der Heſſiſche Jagdklub mit dieſer
Veranſtaltung, deren Koſten er vollſtändig ſelbſt trägt, den Schützern von
Feld und Wald ſeine Anerkennung und ſeinen Dank zum Ausdruck brin=
gen
. Der Tag gilt deshalb als Ehrentag der heſſiſchen Förſter und
Jagdſchutzbeamten.
Nach der Zahl der eingelaufenen Meldungen werden morgen weit
über 100 Schützen um die Palme auf die flüchtige Taube wetteifern.

EOHTE
PLMSet

1OSEPH
TRIER

PRACHT-
VOLLE
AUSWAHL

AUSSER-
OEWOHMLICH
BlLLIG
(12684

Zur Hindenburg=Spende.
Der Reichspräſident von Hindenburg hat dieſelben
Eigenſchaften, die ich an Kaiſer Wilhelm dem Alten
ſo hochſchätzte: Takt und Würde.
Profeſſor Dr. Hans Oelbrück.
12615)
Die Hindenburgfeiern im Lande.
Weite Kreiſe des deutſchen Volkes, vor allem die Vereine, wer=
Die Beerdigung des Herrn Vizepräſidenten D. Dr. Bernbeck findet in der eine Reihe von Feſtſpielen, Prologen, Anſprachen und Gedichten
Hindenburgs 80. Geburtstag eignen. Auch Programmporſchläge ſind in
Alt=Darmſtadt, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Darmſtädter Wochenmarkt. Kleinhandels=Tagespreiſe vom 13. Auguſt
(alles in Pfennigen): Gemüſe: Kohlrabi St. 35, Gelbe Rüben Pfd.
* Einen Familienſpaziergang unternimmt die Freireligiöſe 510, Rote Rüben 810, Weiße Rüben 10, Spinat 152, Römiſch=
gerten
(Tor an der Schießhausſtraße) aus durch den Beſſunger Wald. genbohnen 1518, Buſchbohnen 810, Wachsbohnen 812, Erbſ. 3540,
Zwiebeln 1012, Knoblauch 80, Tomaten 3040, Endivienſalat St.
Nrchfrage nach Kräften, die in den beiden Fächern ausgebildet ſind, iſt 1520, Zwetſchen 25, Pflaumen 1520, Brombeeven 3540, Trauben
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift Übernimmt die Redaktion keineriet Ver=
der
Einſender verantwortlich.) Einſendungen, die nicht verwendet werden. Unnen nicht
zurlckgeſandt, dſe Ablehnung nicht begründet werden.
Die gute Muſik im 2. Klaſſe=Warteſaal.
Trotz vieler Beſuche dieſer Konzerte im Warteſaal habe ich noch
Ein Reiſender.
Es handelt ſich hier nicht darum, ob Muſik ſchön und gut iſt und
*. und 24. Juli ſtattgefundenen 2. Heſſiſchen Züchtertag, verbunden das Herz erfreut, ſondern um ganz was anderes. Wenn Reiſende, die
Wsſichtlich in Frankfurt a. M. ſtatt, der 3. Heſſiſche Züchtertag 1938 in Platz, denn der ganze Saal iſt von Einheimiſchen in Beſchlag genommen.
Es iſt bemerkenswert, daß ſich die Zuſchriften von Reiſenden
bisher ausnahmslos für die Beibehaltung der Konzerte ausgeſprochen
aben. Die Ned.

Geite 5
Schwimm=Club Jung=Deutſchland auf der
Darmſtädter Ski= und Wanderhütte.
Auf dem Hochkamm des Schwarzwaldes, insbeſondere in der Rich=
tun
von Süden nach Norden und umgekehrt, herrſcht in dieſen Ferien=
wochen
ein außerordentlich reger Wanderverkehr, der ſich beſonders in
dem prächtigen Gebiet um die Darmſtädter Hütte bemerkbar macht. Die
Hütte iſt faſt täglich voll beſetzt von Durchgangswanderern oder ſolchen,
welche dieſes hübſche Plätzchen als Standbleibe wählen.
Auch eine größere Jugendgruppe des Schwimmklubs Jung= Deutſch=
land
verbrachte einen Teil der Ferien auf der Hütte. In erfreulicher
Weiſe gab ſich während dieſer Zeit die Jugend Mühe, am weiteren Aus=
bau
der Hüttenumgebung beizutragen. Während im vorigen Jahre die
Aufgabe darin beſtand, am Wegebau mitzuhelfen, ſo wurde in dieſem
Sommer eine Skimarkierung durch das Moor in Richtung nach Oſten,
mit Anſchluß an den Höhenweg nach dem See= und Altſteigerskopf, her=
geſtellt
. Dieſe Arbeit war nicht ganz einfach, da über drei tiefeingeſchnit=
tene
Waſſergräben dauerhafte Brücken gelegt werden mußten; weiterhin
war eine Schneiſe durch dichten Latſchenwald freizulegen.
Solche praktiſche Gemeinſchaftsarbeit im Rahmen, einer ſchönen
Landſchaft iſt beſonders wertvoll für die Jugend und gleichzeitig auch
nützlich für die Hütte. Noch manche Aufgabe, wäre im Intereſſe der
Hütte zu löſen, wozu auch mal die freiwillige Mitarbeit von Erwach=
ſenen
erforderlich iſt.
Die Schwimmergruppe unternahm neben dieſen Arbeiten abwechs=
lungsreiche
Wanderungen nach den verſchiedenſten Seiten des ausgedehn=
ten
Hüttengebietes. Eine recht zumftige Wanderung war die Fahrt nach
der Hornisgrinde bis zur Karlsruher Skihütte, welche der Jugend ein=
gehend
gezeigt wurde. Von dieſer Hütte aus erfolgte ein Abſtieg auf
wenig betretenen Pfaden in den kleinen, und großen Bieberkeſſel am
Oſtabſturz des Hornisgrinde=Plateaus. Tiefe Ruhe herrſcht in dieſen
hochgelegenen, ſchwer zugänglichen Talkeſſeln, die ſelten der Fuß eines
Wanderers betritt. Ein ſteiler Aufſtieg von 180 Metern führte die Ju=
gend
wieder an den öſtlichen Wächtenhang des Hornisgrindegipfels zu=
rück
, von wo der Nückmarſch über den neuen Turm und Mummelſee nach
der Hütte erfolgte.
Eine weitere Tageswanderung führte die Jugend in ſiebenſtündigem
Marſch über den Schliffkopf, Zuflucht, Kniebis nach Freudenſtadt, mit
Rückfahrt im Poſtauto. Weitere kleinere Wanderungen führten über die
Seitenkämme in der Nähe der Hütte, beſonders nach der württember=
giſchen
Seite, welche in ihrer Unberührtheit die reizvollſten Landſchafts=
bilder
zeigt.
Höhepunkte für die Schwimmer bildete das, faſt tägliche Bad im
Wildſee, den man wohl als den ſchönſten Punkt der näheren Hütten=
umgebung
bezeichnen kann. Freuen wollen wir uns über dieſen See,
der im Gegenſatz zum Mummelſe ſö ſtill und ruhevoll daliegt, umrahmt
von den uralten Bäumen des Naturſchutzparkes, der in ſeinen Wäldern
keine Axt duldet. Eine tiefe Stille herrſcht hier, die höchſten3 unter=
brochen
wird durch den ſchweren Flügelſchlag eines Auerhahns oder den
fröhlichen Ruf eines Schwimmers, der ſich jauchzend in die klaxe Flut
des Sees wirſt.
4. G.

Das dritte Vereinskonzert des Reichsbundes ehem. Militärmuſiker
am Dienstag, den 16. Auguſt, abends 8 Uhr, im Städtiſchen Saalbau=
garten
, wird wieder unter bewährter Leitung eine reiche Auswahl be=
liebter
Muſikſtücke bieten. Außer den klaſſiſchen Werken und Tänzen
dürften die gerne gehörten Militärmärſche ihre alte Anziehungskraft
ausüben. Der Vorverkauf zu ermäßigten Preiſen hat in den bekannten
Verkaufsſtellen (ſiehe Anzeige) ſchon gut eingeſetzt.
Frauenverein der Petrusgemeinde. Die Mitglieder des Frauen=
vereins
werden hierdurch nochmals an den am Donnerstag, den
18. Auguſt, ſtattfindenden gemeinſamen Spaziergang erinnert, mit
der herzlichen Bitte, ſich recht zahlreich zu beteiligen. Ferner wird ge=
beten
, ſich bis ſpäteſtens Dienstag bei dem Gemeindehausverwalter Herrn
Kropp mit Karten zu verſehen, damit es rechtzeitig möglich iſt, eine
Ueberſicht über die Zahl der Teilnehmer zu gewinnen.
Kunſinotizen,
Ueber Werte, Künſtier oder Hünſtieriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden drwähnung
geſchleht, behält ſich die Redatilon ihr Urtell vor
Palaſt=Lichtſpiele. Die Weber. Die Preſſe ſchreibt:
Welt am Abend: Zum erſtenmal gelang es der deutſchen Film=
produktion
, ein Werk zu ſchaffen, das über den Tag hinaus leben wird.
8Uhr=Abendblatt: Man hat Zelnik viel zugetraut . . . dieſes nicht.
Die Begeiſterung war einmütig. Es war eine Premiere von denkwür=
diger
Lebendigkeit. Neue Zeit‟: Ein Werk, das als eine der gran=
dioſeſten
unter den deutſchen Spitzenleiſtungen überhaupt zu gelten hat.
Voſſiſche Zeitung: Aus dem Film bricht die urſprüngliche Kampf=
kraft
der Hauptmannſchen Dichtung mit unerwarteter Wucht hervor und
ſetzt aufs neue wie vor 30 Jahren ein Publikum in Flammen. Neue
Berliner: Dieſer wundervoll ſtarke Film, er ſcheint ein politiſcher Film
und er bleibt eine Dichtug. Tägliche Rundſchau‟: Eine neue Gipfel=
leiſtung
des deutſchen Films. Gebe Gotte, daß ſich eines ſolchen Films,
der die Herzen erhebt, wen er die Herzen zermalmt, die deutſche Maſſe
endlich wieder reinen Herzens freuen kann. Der Berliner Weſten:
In techniſcher und darſtelleriſcher Hinſicht ſah man ein Meiſterwerk, wie
es die deutſche Filmproduktion bisher ſelten aufweiſen konnte. Der
Deutſche‟: Solche Filme zeigen, daß es noch Geiſt und Erlebnis gibt
jenſeits von Politik und Technik, und vermögen, ein Publikum heran=
zuziehen
, das den deutſchen Film wieder verſtehen und würdigen wird.
Berliner Tageblatt‟: Ein großer Sieg des deutſchen Films, über
den von Herzen uns zu freuen wir alle Anlaß haben. Herſteller iſt das
D.L.S., deſſen erkorener Regiſſeur iſt der größte Filmpraktiker und er=
fahrenſte
Routinier Deutſchlands, Friedrich Zelnik.
Union=Theater. Warum er ſeinen neuen Film Der
Seeräuber machte, ſchreibt Douglas Fairbanks: Oft wurde
ich gefragt, warum ich gerade einen Film hergeſtellt habe, der in der
Blütezeit der ſpaniſchen Weltherrſchaft ſpielt und der von Seeräubern
handelt. Für mich war es eigentlich etwas ganz Natürliches, daß ich
einen ſolchen Stoff verfilmen ſollte. Ich erinnere mich, ſchon als Knabe
Geſchichten über Piraten verſchlungen zu haben, und mein Spiel mit
anderen Jungen hatte immer mit Seeräubern zu tun. Tatſächlich hatte
ich ſchon ſeit Jahren den Plan, einen Piratenfilm herzuſtellen; die
größte Schwierigkeit war nur, das geeignete Manuſkript zu erhalten.
Als Elton Thomas mir ſeine feſſelnde Erzählung brachte, wußte ich,
daß ich das Material hatte, das ich brauchte. Der Seeräuber ſollte
urſprünglich ſchon vor dem Dieb von Bagdad hergeſtellt werden Bald
mußte ich jedoch einſehen, daß jahrelange Vorarbeiten ſir einen ſolchen
Film nötig waren, und ſo mußte Der Seeräuber vorläufig noch zurück=
ſtehen
. Wir mußten Gallionen des 18. Jahrhunderts bauen und ſehen,
daß die Beſegelung in jedem Detail authentiſch war. Das Drehen dieſes
Films war wundervoll, wir gingen auf in dem Leben, dieſer Meer=
briganten
, deren blutige Taten ſo manche Seite der Geſchichte bedeckt hat.
Trotzdem die Aufgabe gigantiſch war, ſie war es wert.
Lokale Veranſfaltungen.
Dis biernter erſcheinenden Notiten ſind andſchllefſich ais Hinwelſe auf Anzeigen in beiradhtn,
In keinem Faſſe irgendwie ale Beſprichung eder Kritil.
Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) findet heute
Sonntag abend Gartenkonzert ſtatt; bei ungünſtiger Witterung in den
Lokalitäten. Der Beſuch wird beſonders empfohlen.

Tageskalender für Sonntag, den 14. Auguſt 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus, nachm. 3½ Uhr: Wie einſt im Mai; abends 8 Uhr:
Schwarzwaldmädel. Orpheum; Geſchloſſen. Landes=
muſeum
, von 1019 Uhr: Ausſtellung Alte Kunſt
Mathildenhöhe, von 1019 Uhr: Ausſtellung Neue Kunſt.
Konzerte: Ludwigshöhe, Schloßkaffee, Café Rheingold Hotel=
Reſt. Schmitz, Hotel Poſt (am Hauptbahnhof), Hauptbahnhof= Reſtau=
rant
, Bismarck=Eck, Frankfurter Hof. Turnhalle am Woogsplatz,
Haferkaſten, Hotel Waldſchlößchen, Parktaffee. Neues Schießhaus,
Rummelbräu. Concordia, Darmſtadt, nachm. 4 Uhr, im
Rummelbräu: Sommerfeſt. Liedertafel 1842, nachm. 4 Uhr,
im Café Henn: Gemütliches Beiſammenſein. Odenwaldklub:
Wanderung nach Kreuznach Münſter am Stein. Kinovor=
ſtellungen
: Union= Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtfp. Arheilger
Mühlchen, nachm. 4 Uhr: Tanz. Eberſtadt, Kirchweihe:
Konzert und Tanz: Gashaus zum Bergſträßer Hof, Darmſtädter
Hof, Gaſthaus zum Odenwald, Stadt Heidelberg, Zur Traube,
Kühler Grund. Seeheim, Kirchweihe: Hotel Hufnagel.
Auerbach, Konzert: Hotel Krone.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Aus Heſſen.

Griesheim, 13. Aug. Von der Zelt=Volksmiſſion.
Mit zunehmendem Intereſſe verläuft der Vortragsdienſt. Abend für
Abend ſtellen ſich immer mehr Zuhörer ein. Das Zelt iſt eine Stätte,
wvo die Volks= und Geſellſchaftsunterſchiede verſchwinden; gehören doch
die Wahrheiten allen. Man merkt aus den Vorträgen, die einerſeits
volkstümkich gehalten und andererſeits doch den modernen Fragen Rech=
nung
tragen, die die Menſchen unſerer Zeit bewegen, daß der Zeltdienſt
ſeinem Ziel aufbauender und verſöhnender Arbeit gerecht wird. Nicht
in den ausgetretenen Gleiſen einer beſchränkten Frömmigkeitsauffaſſung
wwurden die Zuhörer mit den Lebenswerten des Chriſtentums bekannt
gemacht, ſondern mit der Sprache, die die Gegenwartsmenſchen von den
Vertretern des Chriſtentums erwarten. Nicht unerwähnt ſollen auch die
ſchönen Chorgeſänge, die die hieſige Jugend, ſowie der Stadt=Miſſions=
Chor von Darmſtadt und das Doppelquartett, das von Herrn Pfarrer
Mangold dirigiert wird, das die herrlichen Bach=Weiſen zum beſten gab,
Gleiben. Am Freitag früh wurde ein Hühnerzüchter, Sandgaſſe 12,
hier, auf ſeinen offenſtehenden Hühnerſtall und die darin fehlenden
Hühner aufmerkſam. Der Verluſt wurde ſofort der Gendarmerie und
Polizei gemeldet. Die ſofortigen Ermittelungen ergaben, daß ein Hund
aus der Nachbarſchaft die Türe aufgeriſſen und ein Huhn nach dem
andern totgebiſſen und in verſchiedenen Gärten einzeln verſcharrt hatte.
Der Schaden iſt um ſo größer, da die elf Jungtiere aus einem auf Lege=
tätigkeit
gezüchteten raſſereinen Zuchtſtamm gezogen ſind.
Griesheim, 13. Aug. In der Woche vom 15. bis 20. Auguſt fin=
bem
auf dem hieſigen Truppenübungsplatz folgende Scharfſchießübungen
ſtatt: Dienstag, vormittags von 58 Uhr; Mittwoch, Donnerstag und
Freitag, vormittags von 511 Uhr, und nachmittags von 1317 Uhr.
* Eberſtadt, 13. Aug. Verſtärkter Straßenbahnver=
kehr
an der Kirchweihe. Die Heag hat in dankenswerter Weiſe ver=
anlaßt
, daß am Sonntag, dem Kirchweihtag in Eberſtadt, von 13.25 Uhr
an ab Luiſenplatz in der Nichtung nach Eberſtadt und zurück alle 15 Mi=
nuten
ein Wagenzug verkehrt. Desgleichen ſoll abends nach Ablauf des
Fahrplanes der Straßenbahnbetrieb nach Bedarf verlängert werden.
* Ober=Ramſtadt, 13. Aug. Geſtern ereignete ſich auf der Darm=
ſtädterſtraße
ein ſchwerer Unfall dadurch, daß ein ſiebenjähriges Mädchen
beim Ueberqueren der Straße unter ein Perſonenauto geriet und ſo
ſchwere Verletzungen davontrug, daß es noch am Abend verſtarb. Wen
die Schuld an dem Vorkommnis trifft, iſt noch nicht geklärt. Man bringt
der ſchwerbetroffenen Familie allgemeine Teilnahme entgegen. Am
Montag, den 15. Auguſt, vormittags von 812 Uhr, werden bei der Ge=
meindekafſe
die Unterſtützungen an Klein= und Sozialrentner für den
Monat Auguſt ausgezahlt. Ausſtellung. Die Ausſtellung für
Geſundheitspflege und ſoziale Fükſorge findet nicht, wie urſprünglich
vorgeſehen, in der Gewerbeſchule, ſondern im Schulhaus, Darm=
ſtäd
rſtraße 66, ſtatt.
* Roßdorf, 13. Aug. 1. Die Bürgermeiſterei weiſt in einer Bekannt=
machug
darauf hin, daß bei der bevorſtehenden Obſternte das Ernten des
Obſtes von denjenigen Bäumen, welche in unmittelbarer Nähe ven
Sterkſtromleitungen (clektriſchen Leitungen) ſtehen, mit größter Vorſicht
in Bwug auf das Berühren der Leitungen vorgenommen wird. Jede
Berührung der Leitungen kann einen Unfall, ſogar mit tödlichem Aus=
gang
, nach ſich ziehen. 2. Am Montag, den 15. I. Mts., werdon die Zu=
ſatzrenten
für Kriegsbeſchädigte und =Hinterbliebene, ſowie Sozial= und
Kleinventner bei der Gemeindekaſſe ausgezahlt.. 3. Die nächſte Säug=
Tingsberatungsſtunde findet am Donnerstag, den 18. I. Mts., nachm. von
34 Uhr in der Kleinkinderſchule in Anweſenheit des Herrn Dr. med.
Baumann ſtatt.
*. Habitzheim, 13. Aug. Der Verein für Geflügel=, Kaninchen= und
Vogelzucht Groß=Umſtadt und Umgegend hielt hier eine Werbever=
ſammlung
, die ungemein viel Intereſſantes bot. Der Vorſitzende
Herr Oekonvmierat Haug. Direktor des Landwirtſchaftsamts, hielt
einen Vortrag füber Die bäuerliche Geflügelzucht und deren Rentabili=
tät‟
Er wies nach, daß die meiſten Geflügelzuchten auf dem Lande un=
xentabel
ſeien, weil ſie nicht richtig geleitet würden, und es ſei daher die
unüberwindliche Abneigung des Bauern gegen das Federvieh zu erklä=
ren
. Es ſei dies der Betriebszweig der Landwirtſchaft, von dem der
Bauer in der Regel nichts oder wenig verſtehe, auch nichts verſtehen
wolle.DDiefe Verachtung des Federviehs ſei aber ganz ungerechtfertigt,
nicht nur privatwirtſchaftlich, ſondern auch in Anſehung der geſamten
deutſchen Volkswirtſchaft. Während bei uns auf den Kopf der Bevölke=
rung
nur ein Huhn entfalle, ſei das Verhältnis in Dänemark 1:6,5 und
in Awerika 1:20; in dem berühmten Lande des Weizens, in Kanada,
ſtehe die Eier=Erzeugung im Werte über dem Weizen. Man dürfe doch
annehmen, daß der Amerikaner nichts treibe, was ihm unrentabel er=
ſcheine
. Wenn man weiter bedenke, daß die Eiereinfuhr nach Deutſch=
land
, das ein armes Land ſei, fährlich zunehme und die 300 Millionen
Mark bereits ziberſchritten habe, ſo müſſe man wie ein ſorgſamer Haus=
vater
fragen, wie dns enden ſoll. Ebenſogut wie die gegenwärtige In=
landerzeugung
an Eiern 650 Millionen Mark Wert ausmache, könnte
bei einigermaßen gutem Willen von der Landwirtſchaft auf dieſem Ge=
biet
auch noch ein Drittel mehr geleiſtet werden, und das nicht zum
Schaden der eigenen Wirtſchaft. An Hand des wundervollen Films
Die Geflügelzucht der Lehr= und Verſuchsanſtalt in Halle=Cröllwitz
wurden dann die techniſchen Einzelheiten einer rationellen Geflügelzucht
gezeigt. Alles in allem eine Verſammlung, die den Intereſſenten das
Beſte bot. Leider hatten die Landwirte durch ihr Fernbleiben von der
Verſammlung bewieſen, daß ſie an der Geflügelzucht noch kein Intereſſe
haben. Hier iſt alſo noch Neuland zu bearbeiten, und das iſt immer
ſchwer. Von den Vereinsmitgliedern waren von Groß=Umſtadt etwa
40 Damen und Herren erſchienen, die den Ausführungen mit großer
Freude und Aufmerkſamkeit folgten. Wieder ein Beweis dafür, daß die
ſtädtiſchen Vereine die Schrittmacher auf dieſem Gebiete ſind und ſein
müſſen. Möge man dies auch dadurch beweiſen, daß ihnen die Mittel
für die Förderung der Nutzgeflügelzucht nicht verweigert werden. Hier
ſind ſie in den beſten Händen.
* Mümling=Grumbach, 13. Aug. Nach mehrwöchigem Aufent=
halt
in ſeinem Geburtsort Mümling=Grumbach reiſte geſtern Herr Georg
Daum aus Dayton in Ohio, U. S.A., wieder ab. Herr Daum, ein
Bruder des hieſigen Bürgermeiſters, wanderte vor 45 Jahren nach den
Vereinigten Staaten Amerikas aus und hat ſeinen Wohnſitz in Datzton
im State Ohio, wo er in der Niederlaſſung der Chryslerautowerke einen
leitenden Poſten innehat. Die Gemeinde Mümling=Grumbach ſieht ihren
Gaſt ungern ſcheiden, denn Herr Daum iſt das Muſter eines deutſchen
Mannes, der mit ſeltener Liebe und Treue an ſeiner alten Heimat hängt.
In Anbetracht der Verdienſte um die Förderung ſeiner Heimatgemeinde
ernannte die Ortsgruppe Mümling=Grumbach des Odenwaldklubs Herrn
Daum zum Ehrenmitglied. Herr Daum iſt ein eifriger Mitarbeiter
und Leiter der deutſchen Vereine und Klubs in Ohio. Ihm und ſeinen
Freunden iſt die Wiedereröffnung der während des Krieges zwangsweiſe
geſchloſſenen deutſchen Schule zu Dayton zu verdanken.
* Michelſtadt, 13. Aug. Verfaſſungsfeier und Jugend=
feſt
. Die Obervealſchule und die Stadtſchule hatten das diesjährige
Jugendfeſt verlegt, um es nach der Eröffnung des Stadions dortſelbſt
abzuhalten. Schließlikch wurde vereinbart, daß das Jugendfeſt gemein=
ſam
mit der Verfaſſungsfeier am 11. Auguſt begangen werden ſollte.
So ſah denn vorgeſtern das Stadion wiederum einen überaus zahl=
reichen
Beſuch, nachdem in Begleitung Erwachſener die Jugend beider

Sonntag, den 1 4. Auguſt 1927
Schulen, von der Feuerwehrkapelle muſikaliſch begleitet, in feſtlichem
Zuge durch die Stadt marſchiert war. Im Stadion ſelbſt entwickelte ſich
ſofort lebhaftes Treiben, und es war ein überaus ſchönes und buntes
Bild, das ſich dem Beſchauer bot. Die Schülerchöre von der Oberreal=
ſchule
und der Stadtſchule unter der Leitung von Oberreallehrer Walti
und Lehrer Hartmann, die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr und alle
Mitwirkenden boten ihr Beſtes, um die Verfaſſungsfeier und den Ju=
gendtag
zu einem wirklichen Feſt zu geſtalten. Bürgermeiſter Nitzel
hielt die Verfaſſungsanſprache an die Jugend, darin mahnend, daß die
Jugend das Werk der Väter weiter ausbauen und vollenden möge. Eine
Spieltruppe des Gaues Südheſſen des Verbandes Deutſcher Jugend=
herbergen
führte das beifällig aufgenommene Mädchenſpiel von Kyber:
Der Giftpilz, unter Leitung des Herrn Inſpektors Brambach= Darm=
ſtadt
, der ſelbſt mitwirkte, auf. Das dann folgende Kaſperletheater
konnte ſich leider infolge des ſtarken Windes nicht ſo durchſetzen, wie es
wünſchenswert geweſen wäre. Nachdem die von der Stadt geſtifteten
Wecken und Würſte verteilt und vertilgt waren, ſetzte der ſportliche Teil
des Programms ein. Es wurde ein Handballſpiel zwiſchen den Schülern
der Oberrealſchule und den anweſenden Mitgliedern des Sportvereins
1898 Darmſtadt ausgetragen, bei dem ſehr ſchöne Leiſtungen zu ſehen
waren. Das Spiel endete mit 7:5 für Michelſtadt. In ſehr anzuerken=
nender
Weiſe beſtritt dann der zurzeit zur Kur hier weilende bekannte
deutſche Mittelſtrechenläufer Engelhard=Darmſtadt im Einzellauf die
Konkurrenz gegen eine Stafette von Schülern der Obrrealſchule auf 400
Meter. Sieger wurde, wie vorauszuſehen, Engelhard=Darmſtadt. Als=
dann
fand im Schwimmbad ein Staffelſchwimmen zwiſchen den Mädchen
der Stadtſchule und der Oberrealſchule ſtatt. Sieger waren die Schü=
lerinnen
der Oberrealſchule. Im Knaben=Staffelſchwimmen ſiegte die
Stadtſchule über die Oberrealſchule. Die Veranſtaltung hatte ein ſehr
lebhaftes Treiben auch außerhalb des Sportplatzes zur Folge, das auch
anhielt bis zum Beginn der eigentlichen Verfaſſungsfeier, die mit einiger
Verſpätung nach Eintritt der Dunkelheit begann. Es wirkten hier die
drei Geſangvereine Sängerluſt Eintracht und Lioderkranz mit, die
alle Ausgezeichnetes boten und ſich auch zu einem Maſſenchor zuſammen=
fanden
, bei dem das Odenwaldlied von Kurz zum Vortrag gelangte. Die
Feſtrede hielt Herr Rektor Koch=Friedberg zu der mehr als tauſend=
köpfigen
Menge. Die Rede wurde begeiſtert aufgenommen. Während
des ganzen Abends ſchwamm im Schwimmbecken eine mit Lampions
effektvoll geſchmückte Gondel, die einen Vorgeſchmack der für den 21. Aug.
geplanten venezianiſchen Nacht gab. Noch nie war hier eine Verfaſ=
ſungsfeier
unter ſo ſtarker Beteiligung der Bevölkerung und mit ſo
gutem Erfolge abgehalten worden. Das Stadion hatte wieder einmal
einen großen Tag.
* Bullau, 13. Aug. Nächſten Dienstag, den 16. Auguſt, feiert Herr
Lehrer i. R. Gg. Jakob Krämer=Darmſtadt, ſeinen 70. Geburts=
tag
. Herr Krämer wirkte beinahe ein halbes Jahrhundert als Lehrer
in der hieſigen Gemeinde, ſodaß der weitaus größte Teil der heutigen
Einwohner unſeres Ortes zu ſeinen Schülern gehörte. Sie alle werden
an ſeinem Ehrentage ſeiner in Dankbarkeit und Liebe gedenken. zumal
er ihnen nicht nur ein treuer, gewiſſenhafter Lehrer, ſondern im allen
Lebenslagen auch ein warmer Freund und ſelbſtloſer Berater und Hel=
fer
war.
* Waldmichelbach, 13. Aug. Unfall. Ein 13jähriger Junge von
hier ſtürzke mit ſeinem Fahrrad die Böſchung an der Hauptſtraße
hinunter und zog ſich ſo, ſchwere Kopfverletzungen zu, daß er in die
Klinik nach Heidelberg überführt werden mußte. Es hat ſich zwar eine
Beſſerung eingeſtellt, aber der Zuſtand des Patienten iſt immer noch
ernſt. Ernte. Die Getreideernte iſt nun auch in unſerer Gegend in
vollem Gange. Leider fällt dieſelbe nuht ſo gut aus, als man erwartete.
Die Kornäcker mußten teilweiſe im Frühjahr wegen des ſchlechten Saaten=
ſtandes
umgepflügt und mit Sommerfrucht beſtellt werden.
* Hirſchhorn, 13. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
12. Auguſt: 1,02 Meter; am 13. Auguſt: 1 Meter.
* Hirſchhorn, 13. Aug. Des öfteren kann von verunglückten Paddel=
bootlern
berichtet werden. So gerieten zwei von Eberbach kommende
junge Leute unter die Neckarfähre, wobei ihnen die Kleidungsſtücke uſw.
davonſchwammen; nachdem manches durch Kauf erſetzt war, ging’s wei=
ter
. In den Neckar fiel das Kind des Arbeiters Hirſch, ein mutiger
Schwimmer rettete es alsbald. In hieſiger Gegend wurde ein Beſen=
händler
eus Schönmattenwag von einem Auto überfahren und dabei ſo
ſchwer verletzt, daß er ins Krankenhaus nach Heidelberg verbracht werden
mußte.
1. Vom ſüdlichen Odenwalb, 13. Aug. Unſere Gegend hat nun
ſchon eine Reihe von Wochen das reinſte Treibhauswetter, was
ſich in Garten und Feld aufs angenehmſte bemerkbar macht. Eine Folge
davon iſt auch, daß einem heuer faſt ſämtliche Bauernregeln im Stiche
laſſen. Dieſe ſprechen auch davon, daß, wenn dieſes Feldgewächs üppig
wachſe, jenes nicht gedeihen kann. Davon iſt eben keine Rede, ſämtliche
Gewächſe ſind wohl geraten. Die Kornernte hat begonnen; wenn das
Korn auch nicht ſo dicht ſteht, ſo ſind doch die Aehren gut entwickelt, und
auch der Hafer hat ſich nun noch ganz gut gemacht. Die Hackfrüchte
ſtehen ſämtlich ſehr gut: Kartoffeln, Kraut und Rüben, alle zeigen üppi=
ges
Wachstum. Das Steinobſt liefert in Geſtalt von Pflaumen und
Früh=Mirabellen ſeine erſten Erträge, erſtgenannte Früchte gibts in gro=
ßer
Menge, auch Zwetſchen verſprechen guten Ertrag, Kernobſt iſt auch
noch ſchön herausgewachſen. Wenn in anderen, ſogenannten norma=
len
Jahren, ein Gewitter ſich bei uns austobte, gab’s ſicher einen Land=
regen
und eine Hundskälte, davon iſt diesmal gar nichts zu ſpüren. So
können wir das Jahr 1927 nur loben, wir wollen hoffen, daß die Gewit=
ter
weiter uns nur ihre angenehme Seite zeigen: das Spenden der nöti=
gen
Feuchtigkeit, uns aber verſchonen mit Vernichtung und Zerſtörung.
* Birkenau, 13. Ang. Walzarbeiten. Gegenwärtig ſind an
der hieſigen Ortsdurchfahrt nicht weniger als 3 Straßenwalzen tätig.
Da die Strecke Mörlenbach-Birkenau bereits fertiggeſtellt iſt, werden in
aller Küirze die Walzarbeiten bis an die badiſche Grenze beendigt ſein.
Steuerbeſprechtag. Am Mittwoch, den 17. d. M., hält das
Finanzamt Fürth auf dem hieſigen Rathauſe wieder einen Steuerbeſprech=
tag
ab. Waſſermangel. Abermals hat ſich Waſſermangel in
unſerer Gemeinde eingeſtellt, ſo daß man von heute ab nur von 58,
101 und 69 Uhr Waſſer der Waſſerleitung entnehmen kann; für die
übrige Zeit iſt ſie geſchloſſen.
* Heppenheim a. b. B., 12. Aug. Die Starkenburg. Die
Aufbauarbeiten an dem Turmbau der Starkenburg ſchreiten immer
weiter vorwärts. Von der Stadt aus ſind ſchon ein kleiner Teil des
Mauerwerkes ſowie die hohen Gerüſtſtangen wahrzunehmen. Bei der
Fertigſtellung des Geſamtbaues dürfte Heppenheim mit ſeiner Starken=
burg
einen beliebten Ausflugsort für die nähere und weitere Umgebung
bilden, um ſo mehr, als die Stadt Heppenheim beabſichtigt, ein würdiges
Ehrenmal für ſeine im Weltkrieg gefallenen Krieger in nächſter Nähe
erſtehen zu laſſen. Augenblicklich iſt man auch damit beſchäftigt, nach=
haltige
Verbeſſerungen der Wege mit ſchattigen Anlagen zu ſchaffen.
damit zu gegebener Zeit der Bergfrieden bequemer zu errcichen iſt.
Beförderung. Der ſeither auf dem Amtsgericht Lorſch amtierende
Amtsgerichtsrat Herr Dr. Metz von hier wurde zum Oberlandesgerichts=
rat
nach Darmſtadt berufen. Motorradunfall. Ein Motor=
radfahrer
, welcher vorgeſtern gegen Abend nach einem heftigen Gewitter=
regen
die Chauſſce nach Kirſchhauſen fuhr, kam in der Nähe der Kurve
bei Fiſchweiher an einer ſchlüpfrigen Stelle zu Fall, wodurch das Motor=
rad
ſehr ſtark beſchädigt wurde. Der Fahrer ſelbſt kam mit verhältnis=
mäßig
leichten Verletzungen davon.

Nummer 224
* Von der Bergſtraße, 13. Aug. Reiche Brombeerenernte,
Ungemein reich fällt die Brombeerenernte aus. Beladen mit gefüllten:
Körben und Kannen kommen die Pflücker nach Hauſe. Dieſe Beerss
liefert bekanntlich eine vorzügliche Marmelade und, richtig zubereitet.
einen Wein, der nicht zu verachten nſt.
* Biblis, 13. Aug. Ueberproduktion der Bibliſer=
Gurkenernte. Was man vor einigen Wochen noch unter keinen:
Umſtänden für möglich gehalten hätte, iſt nunmehr eingetroffen, unde
zuuar in dem Maße, wie man es ſeit Jahren auf dem hieſigen Gurken.
markte nicht mehr erlebte. Während bei Beginn der diesjährigen Gur=;
kenſaiſon faſt mit einer Mißernte zu rechnen war und dementſprechend=
hohe
Preiſe, zum Beiſpiel 44,50 Mark pro Hundert, bezahlt wurden.
erlebte der letzte Markt eine Maſſenanfuhr, die den Preis auf 1 Mark:
pro Zentner herabdrückte. Dieſer Preis wird aber nur für 1. Qualität:
bezahlt, und werden beiſpielsweiſe Salatgurken und die zum Einlegen:
zu großen Gurken obendrein herausgeleſen, ſodaß der produzierende=
Landwirt für ſeine erſte Qualität Gurken einen Preis erzielt, der under:
keinen Umſtänden der Mühe und Arbeit, die dieſe Feldfrucht erfordert.
entſpricht. Obendrein kommen noch die vielen auswärtigen Produzen=
ten
der ganzen Umgegend, ja ſogar von über dem Rhein bringen ſie ihre
Gurken auf den hieſigen Markt, ſo daß die vielen Händler tatzſächlich
nicht in der Lage ſind, das ungeheure Maſſenangebot zu bewaltigen.
Wohl glaubte man zu Beginn der diesjährigen Evnte von gewiſſer Seite.
das für den Gurkenbau ſo günſtige Bibliſer Ackerland ſei vielleicht er=
ſchöpft
; das Maſſenangebot hat dieſe Mutmaßung als vollkommen irrig
erwieſen. Wo aber liegt nun vor allem der Grund zu dieſer gewaltigen
Ueberproduktion? Vor allem darin, daß jeder hieſige Ackerland=Beſitzer.
vom Landwirt bis zum Arbeiter, Gurken, Gurken und abermals Gurden
baut, und daß bei einigermaßen Durchſchnitts=Sommerwetter die Gurken
hier dermaßen geraten, wie weit und breit nicht in der Umgegend. Dar=
auf
iſt es zurückzuführen, daß der Preis dermaßen niedrig iſt, daß die
Wroduzenten die Gurken nicht mehr abſetzen können und ſie deshalb
teilweiſe lieber auf den Aeckern ungerupft liegen laſſen oder, wie es
vorgeſtern vorgekommen, den Ueberſchuß in die Gräben der Gemarkung
fuhren, nur um ihn loszuwerden. Der Gurkenpreis wird von den
Händlern und Einlegern ganz nach ihrem eigenen Gutdünken feſtgelegt,
und ſind die Erzeuger troß gewaltigen Räſonnierens tatſächlich froh.
ihre mit vieler Mühe erworbene Ware an den Mann zu bringen, und
ſei es ſelbſt zu einem Preiſe, der kaum die Unkoſten deckt.
* Gernsheim, 13. Aug. Wafſerſtand des Rheins am
13. Auguſt, morgens 6 Uhr: 1,55 Meter.
* Gernsheim, 12. Aug. Herr Paul Draut, dahier, erwarb daß
Wohnhaus des Landwirts Andreas Wilhelm käuflich. Draut beabſch=
tigt
, in dem Anweſen eine Metzgerei zu eröffnen. Nachdem der in
der ganzen Umgegend bekannte Darmſtädter Hof wieder neu reſtan=
riert
worden iſt, findet die Wiedereröffnung des Wirtſchaftsbetribs
durch den neuen Beſitzer, Herrn Karl Beck aus Bad Ems, ſtatt. Die
von der Stadt Gernsheim an die Schweſtern von der göttlichen Vor=
ſehung
in Mainz getätigte Schenkung eines Wohnhauſes nebſt Grab=
gärten
der Karl Heinrich Habichſtiftung fand die Genehmigung des Heſ=
ſiſchen
Geſamtminiſteriums. Dev Geſangverein Liederkranz hält am
Dienstag, den 16. Auguſt, abends 9 Uhr, im Gaſthaus Zum Darm=
ſtädter
Hof ſeine diesjährige Genevalverſammlung ab. Seit Ein=
tritt
der Badeſaiſon macht man die Beobachtung, daß einige Kurgäſte
aus Auerbach mittelſt Autoomnibus hier eintreffen, um in den ſonnigen
Fluten des Rheins ein erfriſchendes Bad zu nehmen. Die Zahl der Be=
ſucher
iſt aber im Verhältnis zu den in den Luftkurorten Auerbach
Jugenheim, Lindenfels uſw. weilenden Erholungsſuchenden ſehr klein.
Es iſt ſo mancher Kurgaſt eben in ganz unmittelbarer Nähe des herr=
lichſten
Stromes aller Ströme Deutſchlands, ohne denſelben einmal be=
ſichtigt
zu haben, obwohl die Verkehrsgelegenheit von der Bergſtraße
nach dem Rhein die denkbar beſte iſt. Eine Tagestour an den Rhein
ſürde eine Abwechſlung in der Kette des Vergnügens ſein. Unterhalb
der Badeanſtalt bietet ſich die Gelegenheit, im freien Strom zu baden.
Die angrenzenden Wieſen ſind der denkbar beſte Aufenthalt für ein luf=
tiges
Sonnenbad. Die zu Berg und zu Tal fahrenden Vergnügungs=
dampfer
, Frachtdampfer und Schleppzüge, ſowie die Falt= und Ruder=
boote
geben vom Lande aus geſehen ein prächtiges Bild. Wer Luſt zum
Angeln oder Ruderſport hat, kommt voll und ganz auf ſeine Rechnung.
Darum auf an den Rhein, dem ſchönen deutſchen Rhein!
Lpd. Köngernheim (Rheinheſſen), 13. Aug. Beim Fruchtein=
fahren
tödlich verunglückt. Am Mittwoch nachmittag wurde
ein aus Bayern ſtammender Knecht von einem mit Frucht beladenen,
zweiſpännigen Wagen überfahren und getötet. Die Pferde ſcheuten vor
einem Auto, und bei dem Verſuch, die Tiere anzuhalten, kam der Fahrer
zu Fall. Dem Bedauernswerten gingen die Rädey über den Kopf. Der
Tod trat ſofort ein.
* Aus Oberhefſen, 13. Aug. Aus Grünbeyg verunglückten 2
junge Männer in der Fremde tödlich. Der Weißbinder Schönhals
befand ſich in Eſſen bei ſeiner Schweſter. Als deren 4jähviges Töchter=
chen
direkt vor ein Auto lief, wollte er es vetten, wunde jedoch mit über=
fahren
und getötet. Er hiterläßt eine Witwe und 4 kleine Kinder.
In der Weſer ertrank bei Weſermünde der 21jährige Schriftſetzer
Balſer von hier. Er war des Schwimmens unkundig und geviet in
eine tiefe Stelle, wo er verſank. Die älteſte Frau Ober=
heſſens
dürfte die Witwe Kathrine Kuhl in Kohden bei Nidda
ſein, die geſtern ihr 95. Lebensjahr vollendete. In Vilbel herrſcht
Hochbetrieb in der Waſſerinduſtrie. Der größte Betrieb am Platze iſt
das Haſſiawerk. Hier werden ſtündlich 1800 bis 2000 Flaſchen beſten
Tafelwaſſers zum Verſand gebracht, um dem Durſte der Menſchheit ab=
zuhelfen
. In Aſſenheim haben in der Gemarkung Burg umfang=
reiche
Ausgrabungen unter Leitung von Dr. Blecher=Friedberg begon=
nen
. Man ſtieß auf umfangreiche römiſche Siedlungen und konnte feſt=
ſtellen
, daß dieſe auf einer alten Steinzeitſiedlung errichtet war, letztere
weiſt auf die Zeit bis 3000 vor Chriſti hin. Es iſt dies ein Zeichen
dafür, daß die Fruchtbarkeit der Wetterau ſchon in früheſter Zeit zu
größeren Anſiedlungen Anlaß gab. In Schwalheim ſtieß dem
älteren Landwirt M. J. ein ſchwerer Unfall zu; er ſaß auf dem
hochbeladenen Erntewagen, als die Pferde ſcheuten und davonraſten. J.
ſtürzte vom Wagen und wurde ein Stüick geſchleift. Die Verletzungen
waren derart ſchwer, daß der Landwirt ins Bürgerhoſpital Friedberg
überführt werden mußte. Zwiſchen Schlitz und Grebenau
treiben Wilderer ihr Weſen. Forſtbeamter Weißgerber hatte aul
dem Anſtand einen Zuſammenſtoß, nachdem ihm zwei Wilddiebe den
ſtolzen Bock vor der Naſe wegſchoſſen. Obwohl die Diebe auf den Be
amten ſchoſſen, nahm er den Bock in Beſitz. In der Dunkelheit entkamel
die beiden Jagdfrevler. In der Klinik Gießen ſtarb Bergmann
Schäfer aus GroßenLinden. Er war tags vorher beim Sprengen ?
Erzmaſſen durch einen Stein am Kopfe ſchwer verletzt worden. 0
Gießen proteſtierten die Geſchäftsleute des Selverswegs, der Huuhe
geſchäftsſtraße der Stadt, gegen eine Polizeiverordnung, die den Veneh!
mit Rädern, Autos uſw. in der engen Straße erſchwert. Die Firme.
faßten eine Entſchließung und forderten Milderung des Verbotes, Verkehr erdroſſele und die Geſchäfte ſchwer ſchädige. Em Tr
pen=Gepäckmarſch als Vorübung für das militäniſche Sportfeſt fae
geſtern ſeitens des hieſigen Vataillons ſtatt. Der Marſch erſtreckte ſih
über 20 Kilometer langes, wechſelndes Gelände in Gruppen zu 1 Unn
offizier und 8 Mann. Sieger wurde die Gruppe Unteroffizier Jmeß
der 1. Kompagnie, welche die Strecke in 2 Stunden 50,5 Minuten zurus
legte. In Friedberg hat die Nachricht vom Tode des Inſtau,
teurs Friedrich Fündling, der nebſt ſeinem 6jährigen Sohn Ve'
Blankeneſe in der Elbe ertrunken iſt, allgemeine Teilnahme
erregt. Der 16jährige ältere Sohn iſt allein zurückgekehrt.

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Seite 8

Sonntag den 14 Auguſt 1927

Nummer 224

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Grundſtücks=
Enteignung.

Der Antrag auf Enteignung von Ge=
lände
zur bauplanmäßigen Anlage des
Hohlen Wegs zwiſchen Taunus= und
Kittlerſtraße liegt vom 16. bis 29. d8.
Mts. auf dem Stadthaus, Zimm. Nr. 49,
(st12669
zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 13. Aug. 1927.
Der Oberbürgermeiſter.

Arbeitsvergebung.

Die zur Verbreiterung und Neuher=
ſtellung
der ſogenannten Reitbahn in
Arheilgen erforderlichen Pflaſterarbei=
ten
ſollen durch öffentlichen Wettbewerb
vergeben werden. Angebote ſind bis
zum Dienstag, den 23. Auguſt ds.
Js., vormittags 11 Uhr, auf Heſſ.
Bürgermeiſterei Arheilgen einzureichen.
Vordrucke, werden daſelbſt zum Selbſt=
koſtenpreis
abgegeben. Zuſchlagsfriſt
(12687
2 Wochen.
Darmſtadt, den 10. Aug. 1927.
Provinzialdirektion Starkenburg
(Tiefbau).

I.

Dampfkeſſelfabrik vorm.
A. Rodberg A. G. Darmſtadt

Die ordentliche Generalverſammlung
unſerer Geſellſchaft, vom 11. Ap il 1927,
hat die Herabſetzung des Grundkapitals von
RM. 912000 auf RM. 112000. be=
ſchloſſen
, durch Zuſammenlegung des
Stammaktienkapitals von RM. 900000.
auf RM. 100 000. und Umwandlung der
RM. 12000 neunſtimmigen Namens=
vorzugsaktien
in RM. 12000. Inhaber=
ſtammaktien
.
Nachdem die Eintragung dieſes Be=
ſchluſſes
in das Handelsregiſter erfolgt iſt,
fordern wir hiermit die Aktionäre unſerer
Geſellſchaft auf, ihre Stammaktien nebſt
Gewinnanteil= und Erneuerungsſcheinen
zum Bwecke der Zuſammenlegung
in Frankfurt a. M.:
bei der Darmſtädter und Nationalbank,
Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, Filiale
Frankfnrt (Main), in Frankfurt a. M.
in Darmſtadt:
bei der Darmſtädter und Nationalbank,
Kommanditgeſellſchaft auf Aktien,
bis ſpäteſtens 29. Oktober 1927
unter Beifügung eines Nummernverzeich=
niſſesin
doppelterAusfertigung einzureichen.
Gegen je 15 Stück der bisherigen Stamm=
aktien
4 RM. 60 wird eine neue Stamm=
aktie
zu RM. 100. ausgegeben. Bei Ein=
reichung
derAktien wird eine Kaſſenquittung
ausgeſtellt, gegen deren Rückgabe ſ. Bt.
die Auslieferung der neuen Aktien erfolgen
wird.
Soweit von Aktionären eingereichte
Aktien, die zum Erſatz durch neue Aktien
erforderliche Bahl nicht erreichen, der Geſell=
ſchaft
aber zur Verwertung für Rechnung
der Beteiligten zur Verfügung geſtellt
werden, werden je 15 ſolcher Aktien durch
eine neue Aktie zu RM. 100. erſetzt; dieſe
wird durch äffentliche Verſteigerung ver=
kauft
. Der Erlös wird den Beteiligten an=
teilsgemäß
zur Verfügung geſtellt.
Aktien, die bis zum Ablauf der feſt=
geſetzten
Friſt nicht eingereicht werden,
ſowie eingereichte Aktien, welche die zum
Erſatz durch neue Aktien erforderliche Zahl
nicht erreichen und der Geſellſchaft nicht
zur Verwertung zur Verfügung geſtellt
werden, werden für kraftlos erklärt. An
Stelle von 15 für kraftlos erklärten Aktien
wird eine neue Aktie zu RM. 100 aus=
gegeben
. Dieſe neue Aktie wird für Rech=
nung
der Beteiligten durch öffentliche Ver=
ſteigerung
verkuft werden. Der Erlös wird
den Beteiligten nach dem Verhältnis ihres
Aktienbeſitzes zur Verfügung geſtellt werden.
Gleichzeitg fordern, wir gemäß 7 289
HGB. die Gläubiger unſerer Geſellſchaft
unter Hinsweis auf die Kapitalherabſetzung
auf, ihre Anſprüche bei uns anzumelden.
II.
(V1a66e
Die in der erſten Bekanntmachung,
erſchienen im Deutſchen Reichsanzeiger vom
28. Juli 1997, in der Frankfurter Zeitung
vom 20. Juli 1927, 2. Morgenblatt, und im
Darmſtädter Tagblatt vom 20. Juli 1927 feſt=
geſetzte
Friſt zum Bezuge der neuen Aktien
wird bis zum 18. Auguſt 1927 verlängert.
Darmſtadt, den 9. Auguſt 1927.
Dampfkeſſelfabrik

vorm. A. Rodberg A. G.

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Nummer 224

Sonntag, den 14 Anguſt 1927

Seite 9

Vor dem Start zum Ozeanſlug.

Letzte Proben.
brartvorbereitungen. Geſchenke und Rat=
ſchläge
. Empfangsvorbereitungen.
ſon unſerem eigens nach Deſſau entſandten Sonderberichterſtatter
Hans Tiſchert, Berlin.
ſugplatz Deſſau, 13. Auguſt.
(Nachdruck verboten!)
Die letzten Vorbereitungen für den Amerikaflug werden ge=
lofen
. Heute gilt es die drahtloſe Einrichtung, die Verſtändi=
ergsmöglichkeit
von Flugzeug zu Flugzeug, zu erproben, die in
Ir Theorie ausgezeichnet klappte, nun aber zeigen ſoll, daß es
ſch in der Praxis nicht anders iſt. Heute früh um vier Uhr ging
ſim Hotel Zum goldenen Beu=
A, dem Quartier der Journa=
ſtim
, Preſſephotographen, Schlach=
nbummler
und vor allem aber
r Piloten, wie in einem aufge=
wien
Bienenſtock zu. Die Piloten
utren ſich um dieſe Zeit wecken
Eſſen, um die letzten Proben und
erſuche zu unternehmen. Als
ie Journaliſten davon erfuhren,
ſaubte alles an den Start, und
ſe Amerikaner, die beſonders
ittrauiſch ſind, meinten, daß ihr
ſollege von der Hearſt=Preſſe
Inen ein Schnippchen ſchlagen
ſollte. Aber es iſt nur blinder
erm geweſen. Vor morgen Abend
mmt ein Start nicht in Frage,
Iſtt aber andererſeits auch nach
/y beſtimmten Erklärungen der
ſilwten damit zu rechnen iſt, daß
½: Start morgen abend ſtattfin=
Ity wird. Man will etwa zwei
ſtrnden vor Einbruch der Dunkel=
aufſteigen, um dann morgens
ſche Race auf Neu=Fundland zu
treichen, von wo, nach Anſicht der
leger, der ſchwierigſte Teil der
trecke beginnt. Man nimmt es
ſever in Kauf, in New York bei
tucht zu landen, als nachts in
fen=Fundland anzukommen.
ſenr. Alles ſtrömte zum Flug=
leßk
hinaus. Um halb 6 Uhr
un ein ſchweres Gewitter nieder,
g. nach einer halben Stunde aufhörte. Die beiden Ozeanflug=
einge
Bremen und Europa werden aus der Halle geholt,
Berriebsſtoff aufgefüllt und die Radioſtation eingebaut. Es ſind
inffache 3 Röhrengeräte, wie ſie allgemein üblich ſind. Die Flug=
enge
werden nur Empfangs= und keine Sendegeräte haben. Sie 11 Uhr vormittags ausgegebene Spezialwetterbericht über die
Bremen ſtartbereit und um 7,30 Uhr ſtartet Looſe zu einem 4= Frland erſtreckt. In ihr ſind mehrere Tiefdruckerne erkennbar,
nd bald darauf geht ein ſchweres Regenwetter nieder, das jeden reichen. Dabei fällt Regen ſtrichweiſe. Die Wolkendecken ſind
Karrt zur Unmöglichkeit macht. Man ſieht ſich auf dem Flugplatz
mrnd erfährt, daß für die Ozeanflieger aus dem Publikum die Ie9r Niedrich.
eibwürdigſten Geſchenke eingetroffen ſind. Meſſerputzer die
un, auch zum Blankhalten der Maſchine verwenden könne,
ſutereme, Huſtentropfen, vor allem aber eine Menge guter Rat=
hläge
, die für die Flieger völlig unbrauchbar ſind. Ueberall / Die geſtern gegen abend eingelaufenen Wetternachrichten
In. wan aber die Gewißheit heraus, daß der Start morgen haben leider die Hoffnungen auf einen baldigen Start noch nicht
dend ſtattfinden wird. Man iſt allgemein der Anſicht, daß der
du jerigſte Teil mit der Start iſt. Die Startbahn hat eine verſtärken können. Sie lauten im weſentlichen wie geſtern mit=
Dängt vorhanden iſt. Trotz alledem iſt man überall außer= Prof. Junkers, Geheimrat Stimming und Dr. Strube ſtattge=
M: Meldungen aus Berlin über die Ankunft Könneckes und blemen galt.
öſten für heute nachmittag geplanten Weiterflug nach Köln, haben
in großes Rätfelraten hervorgerufen, ob er mit ſeinen Vor=
mig
ſein wird, um eventuell zu gleicher Zeit nach Amerika zu Beſſerung der Lage. Sollte dieſe anhalten, ſo dürfte der Start
guten. Die Junkers=Flugzeuge werden auf alle Fälle nach wahrſcheinlich Sonntag abend 20 Uhr erfolgen.
ew York fliegen, während Könnecke in dem Falle, daß ſie zuerſt
Mew York ſein werden, nach Philadelphia fliegen will. Weit
merſichtlicher noch iſt man in Amerika, wo für den Empfang der
urſchen Flieger rieſige Vorbereitungen getroffen werden. In getankt und auf die Startbahn gebracht worden. Die dritte
er au iſt man fieberhaft geſpannt. Es iſt erklärlich, daß hier die
enölkerung beſonderen Anteil an dem Fluge nimmt, hat ſie doch
* Vorbereitungen aus unmittelbarer Nähe verfolgen können, ſtarten, ſie iſt nur gewiſſermaßen als Sicherheit vorgeſehen für
mut ſie ſeit langem die kühnen Piloten, die nun den Ozean be= den Fall, daß die Bremen oder Europa nicht gut vom Start
birigen wollen, den Grundſtein legen für den künftigen Trans= kommt.
ſeirnflugverkehr. Darüber hinaus aber begleiten ſie die
ſahenswünſche des geſamten deutſchen Volkes auf ihrem gefahr=
en
Weg und rufen ihnen eine glückliche Fahrt zu!
Die Ozeanflieger werden heute nicht ſtarten; das iſt das Er=
hmis
der Beſprechungen, die heute vormittag bei Junkers ſtatt=
nben
und an Hand der heutigen Frühnachrichten über die
erterlage auf dem Ozean die Frage des Starttermins klären
Inen. Gewiß hat ſich der Sturm auf dem Atlantik vermindert, Oeffentlichkeit großes Intereſſe entgegengebracht. Von amtlicher
lite er geſtern noch eine Stundengeſchwindigkeit von 50 bis Seite wurden in Verfolg des vor einigen Tagen an das Staats=
41, alſo ſoviel, wie die Veranſtalter als ungünſtiges Flugwetter ſchafters in Berlin alle im Atlantiſchen Ozean befindlichen
uchaus in ihre Berechnungen eingeſtellt hatten. Dazu kommt Schiffe angewieſen, auf Flieger zu achten. Ein beſonderer Wach=
dei
noch, daß über ſtarken Nebel berichtet wird. Man wird alſo dienſt wird in der Nähe von Neu=Fundland eingerichtet, da
Machſt abwarten müſſen, wie ſchnell er ſich nach Norden ver= dort infolge Nebels mit der größten Gefahr für die Flieger
ge rt, damit die Flugſtrecke wieder frei wird. Deshalb hat man
Borgezogen, den Abflug zu verſchieben. Dieſer Entſchluß iſt
ch iſt gerade das auf und ab von Hoffnung und Verzögerung halten, ſofort Flugzeuge zur Suche aufſteigen zu laſſen, falls die
Um Umſtänden abends zu ſtarten. Ernſtlich wird doch nicht da= Stadtverwaltung werden ſich ſofort nach dem Flugplatz begeben,
N geglaubt, daß der Start Sonntag früh erfolgt, denn die ganze ſobald feſtſteht, daß die deutſchen Flieger hier niedergehen. Die
an=dlung. Mit dieſer neuen Verzögerung hat die ſtarke Span= großen Empfang. Man ſagt nicht zuviel, wenn man feſtſtellt,
w8 ihr Ende gefunden, die heute früh in Deſſau herrſchte. Ju daß Amerika die deutſchen Flieger gleich feſtlich empfangen wird,
Goldenen Bergen, dem Hauptquartier der Journaliſten, wie Deutſchland die amerikaniſchen.

ging es ſchon in den frühen Morgenftunden lebhaft zu. Man
wartete auf die für 11 Uhr angekündigten Wetternachrichten, von
denen die Frage abhing, ob die Ozeanflieger nun endlich heute
abend ſtarten ſollten. Auch auf dem Flugplatz herrſchte ſchon
früh reges Leben. Die Maſchinen ſtehen noch vor den Hallen.
Monteure und Anſtreicher legen die letzte Hand an. Neben den
Flugzeugen iſt der Betriebsſtoff aufgeſtapelt, um in die Flug=
zeugtanks
gefüllt zu werden. Die Maſchinen werden zur Start=
bahn
gerollt werden, um dort ſix und fertig günſtigere Wetter=
meldungen
abzuwarten und dann ſofort ſtarten zu können. Zu=
nächſt
aber hat es damit noch ſeine gute Weile. Denn die Flie=
ger
ſtarten, da die Junkerswerke keinen Grund haben, nervös zu
werden, ſo raſch nicht. Man weiß, daß auch kein anderer Flieger
abfliegen kann, ſolange die Flüge durch die Ungunſt der Witte=
rung
unmöglich gemacht werden.

Die Ozeanflieger mit ihren Angehörigen.
An Schlaf dachte kein Menſch Looſe Frau Looſe, Köhl, Freiherr von Hünefeld, Riſzticz mit Frau und Kindern, Edzard,
Frau Edzard, Mrs. Knickerbocker und Knickerbocker vor dem Weltrekord=Flugzeug.
Die Wetterlage auf dem Nordatlantik.
Hamburg, 13. Auguſt.
Der von der Deutſchen Seewarte in Hamburg heute um
urden auf Welle 900 Meter angerufen und Wetterberichte zu= Wetterlage auf dem Nordatlantik beſagt: Der Wetterlage im
ähſt von der Funkſtation des Flugplatzes Deſſau, dann von nördlichen Atlantiſchen Ozean gibt eine Tiefdruckrinne das Ge=
turddeich
und den Dampfern auffangen. Kurz vor 7 Uhr iſt die präge, die ſich in weſtſüdweſt=oſt=nordöſtlicher Richtung bis nach
2 5ſtündigen Flug zur Erprobung der Empfangsgeräte und von denen der eine auf 52 Grad nördlicher Beite und 17 Grad
eſtändigungsmöglichkeiten. Schnell erhob ſich das Flugzeug in weſtlicher Länge, der andere auf 51 Grad nördlicher Breite und
ſe Luft und entſchwand in die Gegend des Harzes, um die 26 Grad weſtlicher Länge liegt. Auf der Südſeite der Tiefdruck=
ſurcke
bei Tageslicht zu erkunden, die man morgen womöglich rinne längs des Schiffahrtsweges nach New York herrſchen ſtark
Dunkelheit zu fliegen gezwungen ſein wird, wenn ſich der böige ſüdweſtliche bis weſtliche Winde, die an der Meeresober=
tart
verzögern ſollte. Das Flugzeug entſchwindet den Blicken, fläche zwiſchen 4055 Kilometer Stundengeſchwindigkeit er=
Der vorausſichtliche Start.
Deſſau, 14. Auguſt.
ſiege von 750 Metern, ein Gefälle von 2 Metern und iſt 10 tag, ſo daß alſo als theonetiſch früheſter Abſlugstermin heute
Reier breit. Es ſteht im ganzen eine Startlänge von 1,5 Km. abend in Frage kommt. In unterrichteten Kreiſen herrſcht aber
N Verfügung, aber die Flugzeuge müſſen bereits 750 Meter in auch weiter die Auffaſſung, daß vor Montag an den Start nicht
er Luft ſein, da ſonſt eine ſchwere Gefährdung des Erfolges un= zu denken iſt. Geſtern nachmittag hat eine Beſprechung zwiſchen
dentlich zuverſichtlich und zweifelt keinesfalls an dem Erfolg. funden, die den mit dem Ozeanflug zuſammenhängenden Pro=
Wie wir vor Redaktionsſchluß noch von beſtunterrichteter
ereeitungen, die er in Köln zu treffen gedenkt, bereits morgen Seite erfahren, melden die neueſten Wetterberichte eine beſtändige
Die drei für den Ozeanflug vorgeſehenen Apparate ſind
Maſchine, die einſtweilen noch keinen Namen hat, ſoll nicht
Sabotageakt an der Miß Columbia‟?
Es wird gemeldet, daß bei einer geſtern vorgenommenen
Beſichtigung der Miß Columbia Drouhin feſtſtellte, daß ein
Die Junkersflugzeuge noch nicht geſiartet. Flügel des Propellers verbogen war. Er mußte abmontiert
werden. Man vermutet, daß es ſich um einen Sabotageakt handelt.
Sicherungsmaßnahmen für die deutſchen Flieger.
Den deutſchen Ozeanfliegern wird von der amerikaniſchen
Fkilometer, ſo werden heute nur 30 bis 40 Kilometer gemel= departement gerichteten Telegrammes des amerikaniſchen Bot=
gerechnet
wird. Sämtliche öſtlichen Flugplätze werden einen be=
har
nicht mit großer Begeiſterung gefaßt worden. Denn ſchließ= ſonderen Wachdienſt unterhalten. Sie haben die Weſſung er=
N. Veranſtaltern des Fluges nicht genehm. Daß ſie ſelbſt ſo= deutſchen Flieger in der betreffenden Gegend vermutet werden.
ie als möglich beginnen wollen, geht ſchon daraus hervor, daß Beſonders zeichnen ſich bei den Vorbereitungen die amerikani=
ruymöglicher
Starttermin für Sonntag morgen angegeben ſchen Europaflieger aus. Die amtlichen New Yorker Stellen be=
man
alſo bereit iſt, die bisherige Abſicht aufzugeben, unter reiten einen beſonders feſtlichen Empfang vor. Vertreter der
Sn kerlage geſtattet jetzt noch keine Schlüſſe auf eine ſo ſchnelle deutſch=amerikaniſchen Geſellſchaften planen gleichfalls einen

OT. Meiſierſchaften im Schwimmen.
Darmſtädter Turner erfolgreich.
Bei den geſtern begonenen Meiſterſchaftskämpfen im Schwimmen
der deutſchen Turnerſchaft konnte die Bruſtſtaffel der Turngeſellſchaft
Darmſtadt 1875 in der Aufſtellung: Hüther, Habich, Jachtmann
und Späth zum drittenmal Meiſter der Deutſchen Turnerſchaft wer=
den
. Erſtmalig errang dieſelbe Mannſchaft 1925 in Frankfurt a. M.,
zum zweitenmal 1926 in Düſſeldorf den Meiſtertitel.
Lohrer wurde in einem Vorlauf im 100 Meter=Rückenſchwimmen
Erſter und kommt ſomit heute in die Entſcheidung.
Die Kämpfe, in denen die Wettkampfmannſchaft der Turngeſellſchaft
zum großen Teil verſchiedene Schwimmen belegt hat, nehmen heute ihren
Fortgang. Genauer Bericht folgt.
Bei den geſtern im Berliner Stadion ausgetragenen Schwimm=
Meiſterſchaften errang im der 4=mal=50=Meter=Lagenſtaffel für Turnerin=
nen
die Mannſchaft der Turngemeinde 1846 Darmſtadt in der Aufſtellung
Hoffmann, Horſt, Nothnagel, Gerhardt nach härteſtem Kampfe mit dem
Sieger Stuttgart den 2. Sieg. Die Niederlage war eine äußerſt knappe.
Man darf auf den Ausgang der Kämpfe am heutigen Sonntag ge=
ſpannt
ſein.
Fußball.
R.=Sp.=V. Germania Pfungſtadt 07 Mannheim.
Als erſter Gegner nach der Pauſe auf heimiſchem Boden hat die
Pfungſtädter Vereinsleitung die bekannte Kreisliggelf von 1907

Mannheim verpflichtet. Dieſer Gegner aus dem Rheinbezirk zählt
ſchon ſeit Jahren zu den führenden Vereinen ſeiner Klaſſe und war in
den Verbandsſpielen ſtets an der Tabellenſpitze zu finden, Gegen dieſen
auch techniſch guten Gegner wird Pfungſtadt einen ſchweren Stand
haben. Ein Beſuch des heute nachmittag 3 Uhr beginnenden Spieles
wird ſich lohnen.
Der Tennis= und Eisklub Darmſtadt gewinnt die Schluß=
runde
um die Bezirksmeiſterſchaft gegen Hockeyklub Wiesbaden
überlegen mit 7:2 Punkten. Wir kommen noch darauf zurück.
Tennis=Boruſſia Berlin ſchlug den holländiſchen Meiſter
Hergcles=Almento am Samstag mit 8:1 (3:1) Treffern.
Bei den deutſchen Tennismeiſterſchaften qualifizierten
ſich am Samstag Frau Friedleben und Frl. Auſſem für das
Endſpiel im Dameneinzel. Frau Friedleben ſchlug vorher Frau
Neppach leicht und Frl. Auſſem blieb überlegene Siegerin gegen die un=
gariſche
Meiſterin Frau v. Peterh=Varany.
9 1, 2 Km. Stundengeſchwindigkeit mit einem Motorboot er=
zielte
Fritz von Opel mit ſeinem Boot Opel 2 bei den Rennen auf
dem Starnberger See.
21,/4 Sek. für 200 Meter, die Zeit des DBS.=Rekordes, erzielte
Lammers Oldenburg am Samstag bei den Vorkämpfen der deutſchen
Turnermeiſterſchaften in Berlin.
Eine kataſtrophale Niederlage erlitt am Samstag Red Star=
Paris gegen den Berliner Fußballmeiſter Hertha BSC. Berlin
ſiegte 11:0 (6:0).
Altmeiſter Hubert Houben gewann am dritten Tag des Inter=
nationalen
Meetings in Oslo ein 100 Yards=Laufen in 9,7
Sek. gegen den norwegiſchen Sprintermeiſter Peer Oskar Anderſen.
Franz Diener, Deutſchlands Exmeiſter im Schwergewichtsboxen,
ſchlug in Hannover den Engländer Sullivan in der 4. Rundek. o.,
nachdem er ihn vorher beveits wiederholt zu Boden gebracht hatte.
Die ADAC. Reichsfahrt 1927 iſt völlig abgeſagt worden,
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vom Münchener Kaſperltheater. O 15: Chor=Konzert des Geſang=
vereins
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Sportplatz der Kickers in Stuttgart: zwiſchen F.=Sp.=V. Frank=
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a. M. und dem Sieger aus dem Spiel Nürnberg=Fürth4
18: Dr. Carl Gebhardt: Angelus Sileſius, zu ſeinem 256.
Todestag. O 20: Uebertr. aus dem Beethovenſaal der Muſikaus=
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Stuttgart.
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plattenkonzert. o 15: Fr. Spellig: Negermärchen. o 15.30:
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Pokal=Spiels. O 18.15: Konzert. Mitw.: Max von Wiſtinghauſen,
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Einl. Vortrag; Prof. Wilhelm. 20 Darbietungen. Anſchl.*
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Wien, dir hat man bald verziehen. Erwin: Mein Schatz adieu.
Rapee=Heymann: Heut fahr ich nach Amerika. Ballard: A
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G. Bamberger: Erlauſchtes aus dem Volksleben. O 17: Johannes
Troian (zum 90. Geburtstag). Einl. Worte: G. Hochſtetter.
Rezitation: C. Wallauer. S 17.30: Muſik. Weber: Ouv. zu
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toten Augen. Bach=Gounod: Ave Maria. Fresco: Whimſical
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Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 15. Auguft 1927.
(Nach der Wetterlage vom Samstag, den 13. Auguſt 1927.)
Fortdauer des wechſelnd wolkigen, mäßig warmen Wetters, mit
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[ ][  ][ ]

Nummer 224

Sonntag, den 14 Auguſt 1927

Geite 11

Reich und Ausland.
Koennecke in Berlin. Letzter Beſuch in der Reichshauptſtadt vor dem Ozeanflug.

ſaif4

Koenneckes Transozeanflug.
Wie mitgeteilt, wird der ehemalige Kampfflieger.
Kliegerleutnant a. D. Otto Koennecke, Ritter
des Pour le merite, der im Kriege 46 Luftſiege
e rungen hat, in Begleitung des ehemaligen Beobach=
tungsoffiziers
Grafen von Solms=Laubach
nät einem Spezialflugzeug der Caſpar=Flugzeugwerke
1ravemünde zu einem Flug nach Nordamerika
ſtinrten, nachdem die bisherigen Verſuchsflüge voll
bfriedigt haben. Er hatte ſchon ſeit Wochen in der
Ekille den Flug vorbereitet, der bekanntlich weit
ſwwieriger iſt, als der bisher allein ausgeführte von
Arnerika hierher, und der kulturell, techniſch, ſport=
lich
und national gleich bedeutungsvoll iſt. Jedes
Aolk, dem dies Unternehmen zuerſt gelingt, wird es
uEt Fug und Recht als große nationale Tat und als
nrtionalen Vorzug feiern und in der Geſchichte ver=
buchen
, zum Anſporn für ſpätere Geſchlechter. Je
nehr deutſche Flieger aber kameradſchaftlich wett=
eſtern
, um ſo mehr iſt die Gewähr gegeben, daß
mſer Vaterland im Wettkampf der Nationen den
Sreg davonträgt, und wem iſt wohl mehr zu wün=
ſaen
, daß es gelingt, als einem Flieger, der unſene
6rimat im Kriege ſo tapfer und ſo ſiegreich ver=
ſe
digen half?! In Amerika erwartet man Koen=
niake
voller Spannung. Zur Finanzierung haben
die Flieger und ſein Begleiter ſelbſt beigetragen, ſo=
wit
ſie dazu in der Lage waren, und haben be=
ſteidener
Weiſe allgemeine Sammlungen ablehnen
wollen. Um ihnen aber alle Sorge darum nach
Nöglichkeit abzunehmen, bemühen ſich ehemalige
armeraden Koenneckes nach beſten Kräften. Auch iſt,
ve wir hören, Reichsbankdirektor a. D. Pagel,
Reichsbank Berlin=Schöneberg, gern bereit, Spen=
dem
weiterzuleiten.
Koennecke nach Köln geſtartet.
Vor ſeinem Start nach Köln ſtieg Koennecke um
450 Uhr noch einmal zu einem Probeflug von
M Minuten Dauer auf, um Motor und Funkanlage
u erproben. Inzwiſchen war der amerikaniſche Bot=
ſchafter
Schurman auf dem Flughafen Tempelhof
eingetroffen. Er ſagte den beiden Fliegern vor ihrem
Sart nach Köln noch einmal Lebawohl.
Die Germania mit Koennecke und
raf Solms an Bord, iſt geſtern nachmittag,
138 Uhr, vom Flughafen Tempelhofer Feld nach
hiöln geſtartet.
Koenneckes Empfang in Köln.
Koennecke wurde be, ſeiner Landung von der
Mrenſchenmenge jubelnd begrüßt. Als Erſter hieß der
U=ine Georg Koennecke ſeinen Vater willkommen.
2rn erſt kam der Vertreter der Stadt zu Wort.
Irn Namen des von Köln abweſenden Oberbürger=
neiſters
richtete Beigeordneter Dr. Beſt herzliche
Tegrüßungsworte an Koennecke und ſeinen Begleiter,
dmn Grafen Solms. Nach weiteren Aaſprachen des
Flugplatzleiters und des Vertreters der Fliegerver=
emigung
fuhr Koennecke im Auto nach der Stadt.
Sein Auto wurde jedoch von der begeiſterten Menge
asgehalten und der Flieger auf den Schultern begei=
tester
Zuſchauer mehrmals im Kreiſe herumgetragen.
eiennecke wird morgen noch einige Probebelaſtungs=
üige
unternehmen.
Frankfurter Chronik.
WSN. Schwere Gasexploſion. In einem
arfee= und Konfitürengeſchäft in der Börneſtraße
ni tand abends gegen 9 Uhr eine ſchwere Gas=
p
oſion, die anſchließend einen Brand verurſachte.
ſer ſonen wurden glücklicherweiſe nicht verletzt. Der
nntandene Schaden beläuft ſich auf rund 2000 Mark.
ie Urſache der Exploſion iſt darauf zurückzuführen,
laß, vergeſſen wurde, an einer Kaffeeröſtmaſchine den
dushahn zu ſchließen. Ein jugendlicher
de fraudant. Freitag vormittag, gegen 9½ Uhr,
ollte ein 17½jähriger Kaſſenbote im Auftrage ſeiner
ſimna beim hieſigen Poſtſcheckamt den Betrag von
50D Mark abholen. Nachdem er die Summe abge=
ock
hatte, begab er ſich nach Hauſe, zog ſich um und
urr dann mit einem der Firma gehörenden Rade
is zum Forſthaus Hinkelſtein, wo ſpäter das Nad
U er Reiſig verſteckt aufgefunden wurde. Der Aus=
eier
ſcheint ſich von dort aus nach Mainz oder
Boesbaden begeben zu haben. Er iſt 1,75 Meter
Rreß, bartlos, dunkelblond und trug einen blauge=
ireiften
Anzug.
FGädigung der Mofelweinberge durch Unwetter
Trier. Ueber der Moſel ging in der ver=
au
genen Nacht ein ſchweres Gewitter mit Hagel=
unm
nieder, das in den Weinbergen ſehr ſchweren
ſchaden anrichtete. Beſonders betroffen wurden das
ſholshachtal, die Pfälzer Lagen, das untere Ruwer=
, Schweich und die Moſel bis herunter in die
eirend von Neuhagen und Dhron. Der Verluſt an
e Weinernte wird in den einzelnen Lagen auf
Sis 50 Prozent geſchätzt. An der Ruwer ſcheint
e Schaden am größten zu ſein. Er wird dort bis
R5 Prozent geſchätzt. Das Unwetter hat jedenfalls
e Hoffnungen auf einen mengenreichen Herbſt für
uen ſehr bedeutenden Teil der Moſel vernichtet.
Zmſammenſtoß zwiſchen Eiſenbahn und Auto
im Spreewald.
Lübben. Samstag vormittag ſtieß ein Laſt=
ackwagen
der Feldſchloß=Brauerei in Lübben auf
r Fahrt von Burglehn nach Altzauche, beim Ueber=
ueisen
der Gleiſe mit der Maſchine eines daherkom=
en
den Spreewaldbahnzuges zuſammen. Das Auto
ubde umgeworfen und verbrannte. Ein Mann wurde
e ötet, ein anderer ſchwer verletzt. Die Loko=
olibe
hatte ſich bei dem Zuſammenſtoß losgekoppelt
war aus den Schienen geſprungen. Reiſende
unden nicht verletzt.
Die Braunſchweiger Paddler am Kanal!
Wir erhalten ſoeben die Meldung, daß die bei=
n
Braunſchweiger Herren, mit ihrem Klepperboot
T 8. Auguſt 1927 Oſtende paſſiert haben, ſo
5 die Kanalüberquerung unmittelbar bevorſteht.
Boot erregte überall Aufſehen. Die hollän=
ſchoen
und belgiſchen Zollbehörden zeigten den
emen größtes Entgegenkommen. Die Bevölkerung
iniſt ſich überall äußerſt intereſſiert und gaſt=
mendlich
. Die vor kurzem erfolgte Kanalüber=
ſrung
durch einen Franzoſen in einem Boot mit
ealleitſchiff hat demnach die Braunſchweiger Herren
m ihrem Plan nicht zurückgehalten. Sie werden
u. ein Begleitſchiff verzichten, da ſie es für un=
hatlich
anſehen und außerdem ſich das Klepperboot
eſger glänzend bewährt hat.

Der Ozeanflieger Koennecke iſt mit ſeinem Begleiter Graf von Solms an Bord des Amerika=Flugzeuges Germania in Berlin
eingetroffen, um ſich von dem amerikaniſchen Botſchafter vor dem in Köln ſtattfindenden Start nach New York zu verabſchieden.
Unſer Bild linkts zeigt Frau Koennecke, den Ozeanflieger und ſeinen Sohn und den Grafen von Solms. Unſer Bild rechts zeigt
den Caſpar=Doppeldecker D 1145 Germania, Koenneckes Ozeanflugzeug.
Ein zweites Hollywood?
Eröffnung des deutſchen Weinmuſeums in Trier.

Ein Muſterkelterhaus
im neueröffneten erſten Deutſchen Weinmuſeum

Keltern aus dem 18. Jahrhundert
im Lichthof des Weinmuſeums

Eröffnung der Nekofa,
Berlin. In der Autohalle am Kaiſerdamm
wurde Samstag vormittag die Reichsausſtellung für
Kolonialwaren und Feinkoſt ſowie die dazugehörigen
Bedarfsgegenſtände (Rekofa) feierlich eröffnet. Ver=
treter
der Miniſterien, der Handelskammer und
Handwerkskammer, der Präſident des Reichsgeſund=
heitsamts
, Oberbürgermeiſter Böß und zahlreiche
Vertreter ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden und
intereſſierter Verbände nahmen an der Feier teil.
Oberbürgermeiſter Böß hielt im Namen der Stadt
Berlin eine Anſprache, in der er ſeiner Freude über
die rege Beteiligung des Auslandes an der Ausſtel=
lung
Ausdruck gab und der Ausſtellung beſten Erfolg
wünſchte. Der Präſident des Reichsverbands der
deutſchen Kolonialwaren= und Feinkoſthändler hieß
darauf die Gäſte herzlich willkommen und begrüßte
beſonders die Vertreter Dänemarks, der Schweiz,
Ungarns und der Sowjetunion. Er ſchloß mit einem
Hoch auf das deutſche Vaterland, worauf die Ver=
ſammlung
das Deutſchlandlied anſtimmte. Hierauf
ſprachen Generalſekretär Deiped für die Handelsver=
tretung
der Sowjetunion in Deutſchland und Staats=
konſulent
Jakobs von der Däniſchen Landwirtſchafts=
kammer
. Darauf überbrachte Staatsſekretär Tren=
delenburg
die Grüße des durch Krankheit verhin=
derten
Ernährungsminiſters und eröffnete die Aus=
ſtellung
in deſſen Namen. Hieran ſchloß ſich ein
Rundgang durch die Ausſtellung.
Weitere Veruntreuungen des Nachlaßpflegers
Ruppolt.
Berlin. Die Ermittlungen gegen den flüch=
tigen
Gerichtsverwalter und Nachlaßpfleger Paul
Ruppolt haben zur Aufdeckung von drei neuen
Fällen von Veruntreuungen geführt. Es haben ſich
die Erben eines Amtsgerichtsrates aus Weſtpreußen,
die einer Gräfin und die eines mittleren Beamten
gemeldet, die von dem Flüchtigen ſchwer geſchädigt
worden ſind. Es ſind bis jetzt ſieben Fälle von
Veruntreuungen von Nachlaßwerten bekanyt.
Schwerer Autounfall.
Lübeck. In der Nähe von Lübeck überſchlug
ſich in den Abendſtunden ein von dem Lübecker
Kraftwagenführer Wäger geſteuertes Auto. Von den
Inſaſſen wurde Frau Wäger getötet, während
Wäger ſelbſt und ſein Sohn mit leichteren Ver=
letzungen
davonkamen.
Bergwerksunglück.
Datteln. Auf der Zeche Emſcher=Lippe, Schacht
1 und 2, wurden am Freitag nachmittag drei
Bergleute durch niedergehende Geſteinsmaſſen
verſchüttet. Zwei derſelben konnten nur als
Leichen geborgen werden, während der dritte Berg=
mann
ſchwer verletzt aus den Geſteinsmaſſen gezogen
wurde.
Flugzeugunglück.
Wien. Auf der Fahrt von Wien nach dem
Atterſee ſtürzte der Flieger Boget Burian mit
dem Flugzeug A 37 in den Atterſee. Der Flieger,
deſſen Flugzeug nicht unerheblich beſchädigt wurde,
konnte ſich, obwohl er angeſchnallt war, losmachen
und an die Waſſeroberfläche retten, wo er von
einem Boote geborgen und ans Land gebracht wurde.

Ein franzöſiſcher Weltrekord von Deutſchland
überboten.
Berlin. Mit 100 Kilogramm Nutzlaſt ſtartete
am 12. Auguſt abends in Staaken das Großflugzeug
Rohrbach Roland, das in den letzten Wochen be=
reits
neun neue Nutzlaſtrekorde über Geſchwindigkeit
und Entfernung aufſtellte, unter Führung Steindorfs
zum Höhenflug. Dabei wurde laut amtlicher Feſt=
ſtellung
eine Höhe von 6850 Metern erreicht. Der in
franzöſiſchen Händen befindliche Weltrekord, der
Breguet 19 von 6540, iſt mit dieſer Höchſtleiſtung
um 310 Meter überboten worden. Das Ergebnis wird
der F. A. T. zur Anerkennung als Weltrekord ein=
gereicht
. Bei dieſem Flug dürfte beſonders zu er=
wähnen
ſein, daß die Rohrbach Roland, ebenſo
wie bei den bisherigen Flügen, mit normalen
B.M.W.=Serienmotoren ausgeſtattet war.
Das Internationale Flugmeeting in Zürich.
Zürich. Am Freitag, dem offiziellen Beginn
des Internationalen Flugmeetings auf dem Flugplatz
Dübendorf, ſind die Mannſchaften von Holland, der
Tſchechoflowakei, Polen und Italien vollzählig einge=
troffen
. Auch einige deutſche Flieger ſind anweſend.
Beſondere Beachtung erregte das von Waldemar
Roeder geſteuerte dreimotorige Junkersflugzeug, in
welchem 16 Erwachſene und 1 Kind Platz genommen
hatten. Der Apparat hatte Deſſau morgens um
10 Uhr verlaſſen, war in 1¾ Stunden nach Fürth
und von da in 1½ Stunde nach Dübendorf geflogen.
Am Montag um 10½ Uhr wird durch Bundesrat
Naab der Kongreß Foederation Aeronautic Inter=
national
eröffnet. In der Eröffnungsſitzung ſoll dem
Weltflieger de Pinedo die Goldene Medaille über=
reicht
werden.
Kampf mit einem Banditen.
Paris. Die Blätter berichten ausführlich über
die nach einem langen Kampf in einer hieſigen Unter=
grundbahnſtation
erfolgte Verhaftung des ſeit langem
von der Polizei geſuchten italieniſchen Banditen
Santos Palaſtro. Gleichzeitig trifft aus Lüttich
die Nachricht ein, daß dort zwei ſeiner Komplizen
verhaftet wurden. Der von Palaſtro geführten Bande
werden acht Morde in Italien zur Laſt gelegt,
denen man ſeinerzeit eine politiſche Bedeutung bei=
gemeſſen
hatte; ferner eine ganze Reihe von Ein=
brüchen
in Paris und in der Provinz. Palaſtro
war längere Zeit ungeſtört geblieben, weil man ihn
mit einem ſeiner Komplizen verwechſelt hatte, der im
Dezember 1926 Selbſtmord verübte.
Ein Waldbrand.
Paris. Wie der Petit Pariſien aus Cannes
meldet, iſt im Gebiete von Miramare ein Waldbrand
ausgebrochen, der ſich mit größter Schnelligkeit aus=
gebreitet
hat, ſo daß mehrere Straßen und eine
Eifenbahnlinie innerhalb des vom Feuer ergriffenen
Geländes liegen.
Dynamitexploſionen.
Daylestown. An verſchiedenen Stellen der
Hauptßraße von Buckingham=Mountain, ſechs Meilen
öſtlich von hier, haben einige Dynamitexploſionen
ſtattgefunden, die jedoch keinen Schaden anrichteten.
Von den Tätern fehlt jede Spur.

EP. Wie man aus Melbourne berichtet,
hat die auſtraliſche Filmkommiſſion eine Eingabe an
die Regierung gerichtet, worin ſie vorſchlägt, daß die
neue auſtraliſche Bundeshauptſtadt Canberra zu
einem auſtraliſchen Hollywood, d. h. einer Film=
ſtadt
nach kaliforniſchem Muſter, ausgebaut werden
ſoll. Die Eingabe erklärt, daß Canberra eine beden=
tungsloſe
Stadt bleiben werde, wenn es nicht ge=
länge
, eine bedutende Induſtrie dort zu zentrali=
ſieren
. Die Eingeber ſind der Anſicht, daß die Be=
dingungen
einer Filmſtadt, insbeſondere das Klima
und die Lichtverhältniſſe, in Canberra ebenſogut ge=
geben
ſeien, wie in Hollywood. Sie glauben vor
allem auch, daß der Umſtand, daß Canberra eine
Filmſtadt würde, dieſelbe populär machen würde, ſo
daß ein ſtärkerer Bevölkerungszuzug zu erwarten ſei.
Sie rechnen in dieſem Falle beſonders mit Touriſten=
zuzug
und glauben, daß nicht mehr als 250 000 Pfund
dazu nötig wären, die auſtraliſche Bundeshauptſtadt
zu einer Filmſtadt auszubauen.
Ein unfreiwilliges Bad Thea Raſches.
Poughkeepſie (New York). Die deutſche
Kunſtfliegerin Thea Raſche verſuchte unter der
Eiſenbahnbrücke von Poughkeepſie hindurchzufliegen.
Der Verſuch ſchlug indeſſen fehl und Thea Raſche
ſtürzte in den Hudſon River. Die Fliegerin blieb
unverletzt. Sie wurde von zwei Inſaſſen eines
Ruderbootes aufgefiſcht. Die Maſchine iſt geſunken,
nur das Schwanzſtück ragt noch aus dem Waſſer.
Man iſt bereits dabei, den Apparat zu bergen. Man
vermutet, daß die Fliegerin bei dem Verſuch, die
Brücke zu unterfliegen, dieſe mit dem Flugzeug be=
rührte
. Das verunglückte Flugzeug Thea Raſches
iſt von Tauchern, die in der Nähe beſchäftigt waren,
an die Oberfläche gezogen worden. Die durch das
Waſſer hervorgerufenen Beſchädigungen beſtehen in
einem Bruch der linken Tragfläche. Thea Raſche ver=
teilte
unter die Retter ihren Roſenſtrauß, der gleich=
falls
geborgen worden war.
Auch ein Weltrekord.
EP. Londoner Zeitungen bringen die bedeutſame
Meldung, daß eine Bauersfrau in Galvay innerhalb
acht Monaten fünf Kindern das Leben gegeben
hat, und zwar zunächſt Zwillingen und dann vor
einigen Tagen Drillingen, was ſicherlich einen Welt=
rekord
menſchlicher Fruchtbarkeit darſtellt. Mutter
und Kinder erfreuen ſich beſter Geſundheit.
Der älteſte König der Welt geſtorben.
101 Witwen trauern um den 87jährigen Herrſcher
von Kambodſcha.

König Siſowath von Kambodſcha
iſt in der Hauptſtadt ſeines von den Franzoſen ge=
ſchützten
Schein=Königreichs, nach 23 Regierungs=
en
87jährig geſtorben. Er war der älteſte
Monarch der Welt und hinterläßt 101 trauernde
Witwen.

[ ][  ][ ]

Nammer 22:

Sonntag, den 14. Auguſt

Darmſtadter

Sont jüerrälſchen Krosantenmärti.

In der diesmaligen Berichtswoche war die Umſatztätigkeit in Aus=
landsgetreide
, beſonders in Weizen, recht lebhaft. Hervorgerufen wurde
die Feſtigkeit durch Berichte, die beſagten, daß die kanadiſche Ernte durch
Froſt ſtark gelitten habe. Die Preiſe an der Chicagoer und Winipeger
Getrcidebörſe hatten an einigen Tagen ſtarke Preisſteigerungen zu ver=
zeichnen
. Man zahlte für Manitoba II, ſeeſchwimmend, 16,05 bis 16,30,
Manitoba IV dom. zu 14,54 bis 14,87½, Hardwinter II ſeeſchwimmend,
zu 14,60 bis 14,0, Hardwinter II Pacific, zu 14,35 und norddeutſchen
Weizen 75/76 Kg. per September zu 13,60 hfl., alles eif Seehäfen. In
ſüddeutſchem Weizen war das Geſchäft ebenfalls lebhafter, da unſere
Mühlen infolge beſſeren Konſumabſatzes größere Mengen akzeptierten.
Für neuen Inlandsweizen wurden 28 bis 28,50 RM. per 100 Kg. Fracht=
parität
Mannheim bezahlt. In Roggen war das Geſchäft etwas kleiner,
doch immerhin lebhafter als in der Vorwoche. Für Nr. II Weſtern=
Roggen per Auguſt=September=Lieferung zahlte man 10,80 und für ſee=
ſchwimmende
Waye 11 hfl. per 100 Kg. eif Rotterdam. Deutſch=polniſcher
Roggen 71/72 Kg. per Auguſt=September= und September=Oktober=
Lieferung wurde zu 11,15 hfl. per 100 Kg. eif Rotterdam=Antwerven
offeriert. In Inlandsroggen handelne man ſüddeutſche Ware per ſofor=
tige
Lieferung zu 23,75 bis 24 Mark per 100 Kg. Frachtparität Maun=
heim
. In Gerſte will das Geſchäft nur langſam in Schwung kon=
men
, zumal die Forderungen und Preisgebote noch nicht raht im Ein=
klang
ſtehen. Für pfälziſche Gerſte wurden Preiſe von 26 bis 27 RM.
per 100 Kg., je nach Qualität, ab Verladeſtarion, gefordert. Hafer
hatte ruhigeren Markt. In Inlandsware fehlt das Angebot noch faſt
vollkommen. In Mannheim disponibler Auslandshafer wird bei Bedarf,
je nach Qualität und Herkunft, zu 22,50 bis 24 RM. frei Waggon
Nannheim aus dem Markte genommen. Mais lag ſehr feſt, da die
Preiſe von den ausländiſchen Börſen weſentlich erhöht waren. Hier
disponibler Platamais wurde zu 19,75 bis 20 RM. per 100 Kg. mit Sack
waggonfrei Mannheim offeriert. Mais hatte, wie immer um dieſe
Jahreszeit ruhigen Markt. Die Preiſe bewegten ſich, je nach Qualität,
zwiſchen 45 bis 50 Mark per 100 Kg. waggonfrei Malzfabrikſtationen.
Auch am Futtermittelmarkte blieb der Verkehr klein. Die
Preiſe bewegten ſich auf ungefähr unverändertem Niveau. Man ver=
langte
für Weizenkleie 12,75 bis 13, für Roggenkleie 13 bi3 13,50, Bier=
treber
15,25 bis 16, Malzkeime 15,50 bis 16,50, Rapskuhen 16,50, Erd=
nußkuchen
22 bis 22,50, Trockenſchnitzel 12,50 bis 13 und für Haferſchalen=
melaſſe
10,50 bis 10,75 per 100 Kg. waggonfrei Mannheim. Vom
Hopfenmarkte iſt nichts Neues zu melden. Die Tendenz iſt ruhig
und die Preiſe für 1926er Hopfen ſtellen ſich, je nach Qualität, auf 375
bis 520 RM. per Zentner.
Mehl hatte lebhaften Verkehr, zumal der Konſum eine rege Kauf=
tätigkeitz
zeigte. Für Weizenmehl, Spezial Null, ſtellten ſich die letzten
Forderungen bis auf 40 RM., für ſüddeutſches Brotmehl bis 32 und für
ſüddeutſches Roggenmehl auf 34,50 bis 36 RM., alles die 100 Kg.
waggonfrei Mühle.
Tabak hatte unveränderten Markt. Die Berichte über den Stand
der neuen Tabake lauten weiter günſtig.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Frankfurter Freiverkehrsbörſe vom 13. Auguſt. Im heutigen Effek=
ten
=Verkehr von Büro zu Büro hörte man durchweg freundliche Kurſe.
Beſonders feſt nannte man Zellſtoff Waldhof und Bankaktien, ferner
auch wieder Elektrizitätswerte. Die Farbenaktien hörte man zur geſt=
rigen
Abendbörſe gut behauptet. Zellſtoff Waldhof 348; Farbeninduſtrie
317,25317,75: Deutſche Bank 168; Kommerzbank 187: Danat 244;
Diskonto 165; AEG. 195; Siemens u. Halske 2938. Am Geldmarkt dürfte
ſich die Entſpannung weiter fortſetzen. In Berlin ruhte das Geſchäft
in Aktienwerten vollkommen, doch hörte man auch in Hamburg von
Büro zu Büro einige Schätzungen, wobei auch hier die Kurſe einen
widerſtandsfähigen Grundton erkennen laſſen.
Kapitalerhöhung bei der A.E.G. Die bei der A. E.G. vorliegenden
Aufträge üüberſteigen die Ziffern des Vorjahres um 60 Prozent. Mit
der Erweiterung und Umſtellung der ſehr gut beſchäftigten Fabriken
ſind erhebliche Fortſchritte gemacht, die ebenſo wie die wachſende Aus=
dehnung
des Geſchäftes neue Mittel erfordern. Die Verwaltung wird
einer auf den 19. September einzuberufenden außerordentlichen Gene=
ralverſammlung
die Erhöhung des Grundkapitals um 30 Millionen RM.
auf 150 Millionen RM. Stammaktien mit Dividendenberechtigung ab
1. Oktober 1927 vorſchlagen. Die jungen Aktien ſollen zum Kurſe von
140 Prozent den Stammaktionären im Verhältnis von 6:1 und den
Vorzugsaktionären beider Kategorien im Verhältnis von 10:1 ange=
boten
werden. Es bleiben 6 375000 RM. Aktien zur Verfügung der
Verwaltung, über die zum Teil bereits disponiert iſt.
Verhandlungen zwecks Gründung eines Kupfer= und Mefſinghalb=
zeugverbandes
. Gegenwärtig ſchweben ernſthafte Verhandlungen über
die Gründung eines Halbzeugverbandes für Kupfer und Meſſing. Im
Zuſammenhang damit ſind zwiſchen den größten deutſchen Meſſing=
werken
, nämlich der BergHeckmannSelve=Akt.=Geſ., Altona, den
Hirſch Kupfer= und Meſſingwerken, Berlin, ſowie der Mansfeld=A.=G.
für Bergbau und Hüttenbetrieb, Eisleben, Beſprechungen im Gange, um
einen Block zu bilden, um den ſich die anderen Werke gruppieren können.
Der Zuſammenſchluß dieſer drei Werke iſt nicht auf finanzieller Grund=
lage
gedacht, ſondern es handelt ſich vorläufig lediglich um die Feſt=
ſtellung
eines einheitlichen Produktionsprogramms und um gemein=
ſchaftliche
Preiserveinbarungen.
Samſon Apparatebau A. G., Frankfurt a. M. In der Generalver=
ſammlung
wurde beſchloſſen, auf das Aktienkapital von 320000 RM.
10 (6) Prozent Dividende zu verteilen. Vor allem Neuerungen in
patentierten Meß=Regulierapparaten der Wärmetechnik würden zur ſtär=
keren
Beſchäftigung des Werkes beitragen.

Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 31. Juli bis 6. Auguſt im Ruhrgebiet in ſechs
Arbeitstagen 2097 284 To. Kohle gefördert gegen 2 174 688 To. in der
vorhergehenden Woche in ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die Kokserzeu=
gung
ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 517 063 gegen
512 325 To. in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung auf
63 269 To. gegen 59 955 To. in ſechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche
Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 31. Juli bis 6. Auguſt 349 547
To, gegen 362 478 To. in der vorhergehenden Woche. Die tägliche Koks=
erzeugung
ſtellte ſich auf 73 866 (73 189) To., die arbeitstägliche Preß=
kohlenherſtellung
auf 10 545 (9233) To. Die Zahl der wegen Abſatz=
mangel
eingelegten Feierſchichten ſtellte ſich auf 42 530 (arbeitstäglich
7088) gegen 66 323 (11 954) in der vorhergehenden Woche.

Berliner Liquidationskurſe per Medio Auguſt

Die Medio=Liquidationskurſe zeigen gegenüber dem Ultimo völlig
uneinheitliche Veränderungen. Die größeren Schwankungen, etwva von
10 Proz. und mehr, gehören allerdings zu den Seltenheiten. Beſonders
hervorzuheben iſt ein 26proz. Rückgang der Ver. Glanzſtoff=Aktien, wäh=
rend
ſonſt Verluſte von höchſtens 15 Proz. eintraten. Stärkere Be=
feſtigungen
erzielten mehrere Papiere, in erſter Linie der Schiffahrts=
aktienmarkt
, wo Hapag um 11 Proz., Nordd. Lloyd um 13 Proz., Ham=
burg
Süd um 10 Proz. und Hanſa Dampf um 9 Proz. ſtiegen. Weiter
hat das anhaltende Intereſſe für Elektrowerte, bei denen man bekannt=
lich
verſchiedene Transaktionen erwartet, deren Kurſe recht günſtig be=
einflußt
. Es gewannen Siemens 9 Proz., Schuckert 7 Proz., Gesfürel
19 Proz., Elektriſche Licht und Kraft 10 Proz., Elektriſche Lieferungen
9 Proz. und AGG. 7 Proz. Sonſt wäre noch die Beſſerung von Zell=
ſtoff
Waldhof um 10 Proz. und von Orenſtein um 8 Proz erwähnens=
wert
. Die Liquidationskurſe lauten im einzelnen wie folgt: Deutſche
Reichsbahn 102 (letzter Liquidationskurs 102), A.G. für Verkehrsweſen
173, Allg. Deutſche Eiſenb. 88 (85), Allg. Deutſche Credit 148 (150), Bar=
mer
Bankverein 151 (153), Berl. Handelsgeſellſchaft 252 (246), Commerz
u Privat 179 (180), Darmſt. u. Nationalbank 237 (235), Deutſche Bank
164 (164), Disconto=Geſ. 161 (162), Dresdner Bank 169 (170), Mitteld.
Credit 252 (254), Hamburg=Amerika 157 (146), Hamburg Süd 233 (223),
Hanſa Dampf 231 (222), Nordd. Lloyd 158 (145), Allg. Elektr.=Geſ. 192
(185), Bergmann 200 (193), Bl. M. Schwartzkopff 136 (136), Buderus
117 (119), Charlotte Waſſer 155 (154), Conti Cgoutchsuc 127 (130),
Daimler=Benz 124 (128), Deſſauer Glas 214 (214), Deutſche Erdöl 161
(156), Deutſche Maſch. 95 (37), Dynamit Nobel 151 (153), Elektr. Liefe=
rungen
195 (186), Elektr. Licht 207 (197), Eſſener Steinkohlen 174 (170),
Farbeninduſtrie 317 (319), Felten u. Guilleaume 140 (140), Gelſenkirchen
165 (167), Geſ. für elektr. Unternehmungen 262 (243), Goldſchmidt 140
(134), Hamb. Elektr. 165 (164), Harpener 208 (206), Hoeſch 187 (181),
Holzmann 198 (196), Ilſe 280 (275), Kali Aſchersleben 178 (177), Klöck=
ner
165 (166), Köln=Neueſſen 180 (180), Loewe 286 (282), Mannesmann
190 (191), Mansfeld 137 (132), Metallbank 148 (142), Nationale Auto
124 (126), Oberſchleſ. Eiſenbahnbedarf 101 (100), Oberſchleſ. Koks 99 (99)
Orenſtein 144 (136), Oſtwerke 438 (436), Phönix 123 (125), Rheiniſche
Braunkohlen 270 (268), Rhein. Elektr. 166 (167), Rhein. Stahl 218 (221),
Riebeck Montan 176 (181), Rütgerswerke 101 (100), Salzdetfurth 242
(235), Schleſ. Elektr. B. 182 (182), Schuckert 210 (203), Schultheiß 463
(455), Siemens u. Halske 294 (285), Tietz 159 (163), Transradio 136
(135), Ver. Glanzſtoff 732 (758), Ver. Stahlwerke 138 (137), Weſteregeln
188 (187), Zellſtoff Waldhof 340 (330), Otavi Shares 35 (37), Dividenden=
abſchläge
ſeit der letzten Liquidation: Otavi Shares 2,08 Mk. (am 28. 7.).

Viehmärkte.

Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. Zufuhr am 13. d. Mts.
412 Schweine. Verkauft wurden 403 Stück. Milchſchweine wurden ver=
kauf
: das Stück von 513 Mark, Läufer das Stück von 1435 Mark.

Produktenberichte.

Berliner Produktenbericht vom 13. Auguſt. Auch an der heutigen
Samstagsbörſe iſt es ſtill. Das Geſchäft kommt nur ſchleppend in Gang.
Die amerikaniſchen und Liverpooler Notierungen lauten etwas nied=
riger
, und auch die ausländiſchen Offerten haben ſich eher eine Kleinig=
keit
ermäßigt. Das Angebot in Weizen bleibt ſpärlich, dagegen iſt es
für Roggen in ſofortiger Ware etwas beſſer geworden. Sofort greif=
barer
Neuweizen erzielt ſeitens der Mühlen weiter ein Aufgeld. Die
Gebote für Auguſt und September ſind unverändert, ſie halten ſich auf
Baſis des Lieferungsmarktes. Es kommt aber kein Material heraus.
Die Tendenz am Lieferungsmarkt iſt ſtetig. Auch für Roggen muß man
die Tendenz als gut behauptet feſtſtellen. Die zu erzielenden Preiſe
liegen immer noch bis zu 2 Mark über den prompten Notierungen. Am
Lieferungsmarkt iſt es ruhiger. Am Mehlmarkt wurde nur für nahe
Sichten in kleinen Poſten gehandelt. In Sommer= und Wintergerſte hat
ſich die Situation wenig geändert. In Hafer iſt der Konſum nur
ſchwach verſorgt, ſo daß bei kleinem Angebot für ſofortige Ware höhere
Preiſe zu erzielen ſind, teilweiſe wird ſogar auf alte Ware zurück=
gegriffen
.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.

* Chieago, 13. Auguſt. (Priv.=Tel.)

Weizen: Der Weizenterminmarkt eröfnete auf die beſſere Export=
nachfrage
für amerikaniſchen und kanadiſchen Weizen und die günſtigen
Erntenachrichten vom Kontinent in freundlicher Stimmung. Späten
wurde es aber wieder ſchwächer, da günſtige Berichte aus dem amerika=
niſchen
und kanadiſchen Frühjahrsweizengebiet eintrafen und die Wetter=
vorherſagen
das Eintreten mäßiger Temperaturen und Aufheiterung
des Wetters über Sonntag ankündigen Gegen Schluß erfolgte eine
teilweiſe Erholung auf Grund von Meldungen über geringe Qualität
der Ernten im Staate Minneſota.

Mais: Der Maismarkt ſtand zu Beginn unter dem Einfluß wohl=
tuender
Regenfälle in den Staaten Nebraska, Illinois und Jowa. Die
Wetterberichte kündigen wärmere Witterung an. Im Verlaufe kam es
zu neuen Preisſteigerungen, da die Zufuhren klein ſind und aus dem
Staate Illinois eine Verſpätung der Ernte gemeldet wird. Auch die
Kommiſſionsfirmen nahmen verſchiedentlich Kaufe vor. Gegen Schluß
erfolgten einige Realiſationen.
Roggen: Der Roggenmarkt verkehrte auf Grund der folgenden Zu=
fuhren
neuer Ernte und der ſchwächeren Verfaſſung der Locomärkte in.
ſchwacher Haltung.
Hafer: Hafer mußte wieder etwas nachgeben, da die Vorherſage
ginſtigeren Erntewetters Verſtimmung auslöſte.
Fettwaren: Am Schmalzmarkte kam es anfänglich zu Liquidationen,
da die ſchwankende Verfaſſung des Locomarktes verſtimmte. Später er=
folgte
auf Grund der kleinen Schweinezufuhren eine Erholung.
Baumwolle: Baumwolle erfuhr am Wochenſchluß wieder einen
ſtärkeren Rückgang, welcher ſich im allgemeinen auf 5060 Punkte ſtellte.
Gleich zu Beginn gaben die Preiſe nach, da die Schwäche von Liverpool
und von Now Orleans Verſtimmung auslöſte und die Wallſtreethäuſer
weitere Abgaben vornahmen. Weitere Baiſſemomente waren das im all=
gemeinen
günſtige Wetter und die geringe Nachfrage für Locowme
Später erfolgte eine teilweiſe Erholung, da der Handel Käufe vornahn
und auch die Spekulation Deckungen tätigte. Dieſe Beſſerung der
Marktlage war fedoch nicht von langer Dauer, ſondern die Preiſe gaben
gegen Schluß erneut nach, da ſich die Realiſationen verſtärkten und viel=
fach
Angſtverkäufe erfolgten. Das Geſchäft hatte heute einen recht ert
heblichen Umfang. Der Markt ſchloß ſchwach.

Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Auguſte
Getreide. Weizen: September 141½/, Dezember 1452/e, März
148½/e: Mais: September 112/, Dezember 116, Märg 118/e;
Hafer: September 48½, Dezember 52½/, März 55; Roggen;
September 93, Dezember 97, März 100¾.
Schmalz: September 12,40, Oktober 12,55, Januar 12,92½,
Fleiſch. September 11,80, Oktober 11,90, Januar 12,757
Speck: loko 11,87½; leichte Schweine 9,5010,90, ſchwere
Schweine 8,359,40; Schweinezufuhr: Chicago 2000, Weſten
25 000.

Es notierten nach Meldungen aus New York am 13. Auguftz
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 150ſ=, hart 154½/8; Mais: neu
ank. Ernte 121; Mehl: ſpring wheat clears 6,757,25; Frachty
nach England 1,62,6, nach dem Kontinent 812.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,00; Talg: extra 7/o=
Die Kakaobörſe war geſchloſſen.

Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.

Vom Rohhäutemarkt. Am Rohhäutemarkt iſt die Kaufſtimmung
ruhig geblieben. Auf den letzten Verſteigerungen hat ſich, jedoch nur
für einzelne Gattungen, eine leichte Abſchwächung durchgeſetzt. Im all=
gemeinen
aber haben ſich die Preiſe meiſt behauptet und einzelne Gat=
tungen
erzielten ſogar eine Kleinigkeit höhere Preiſe, ſo Kalbfelle um
3 Prozent, Auf der ſoeben ſtattgefundenen Mitteldeutſchen Häuteauktion
in Leipzig wurden erzielt für Ochſenhäute 101, Rinderhäute 101, Kuh=
häute
75, Farrenhäute 101, leichte Kalbfelle v. K. 148155, ſchwere
138,50140 Pfg. pro Pfund.

Der Reichsfinanzminiſter hat die Verzinſung der 5 prozenti=
gen
Reichsanleihe 1927 mit Wirkung vom 1. Auguſt d. J. ab auf
6 Prozent erhöht. Ueber die techniſche Durchführung der Maß=
nahme
ergehen noch nähere Mitteilungen.
Die 68. Mucrena=Rauchwaren=Auktion findet vom 17. bis 19. Auguſt
in Leipzig ſtatt. Trotz vorgerückter Saiſon iſt das Angebot noch äußerſt
reichlich und auch in Qualität teilweiſe recht beachtlich.
In den Auſſichtsratsſitzungen der Deutſche Werft A.=G. Hamburg
und der Reiherſtieg=Deutſche Werft A.=G. Hamburg wurde be=
ſchloſſen
, den demnächſt einzuberufenden Genevalverſammlungen die
Fuſion der beiden Geſellſchaften vorzuſchlagen.
Die zweite Süddeutſche Wollauktion in Ulm wird, wie wir hören,
in der dritten Septemberwoche ſtattfinden.
Geſtern iſt das Reparationskohlenabkommen zwiſchen der belgiſchen
Regierung und dem Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlenſyndikat unterzeich=
net
worden.
Der diplomatiſche Berichterſtatter des Daily Telegraph begrüſit
den Abſchluß des engliſch=ſerbiſchen Schuldenabkommens und meldet, daß
Jugoſlawien ſeit einiger Zeit mit der Bank von England und dem
Schatzamt die Frage der Stabiliſierung des Dinars diskutiere. Es ſei
wahrſcheinlich, daß Serbien zu dieſem Zwecke eine Anleihe zur Stabilie
ſierung des Dinars auf dem engliſchen Markte wachſuchen und erhalten
würde.
Die ſeit Monaten bei der New Yorker Baumwollterminbörſe ſchwe
benden Erwägungen am dortigen Markte, nicht nur für Baumwolle,
ſondern auch für Rohwolle das Termingeſchäft einzuführen, ſcheint
namentlich infolge des Widerſpruchs der amerikaniſchen Wollinduſtne,
gegenſtandslos zu werden.
Die Weltzuckervorräte belaufen ſich nach der im Monat Juli fel
geſtellten Höhe der Zuckermengen in den von einer offiziellen Statl
erfaßten Ländern zuſammen auf 81,14 Millionen Doppelzencee
Nohwert.

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Nummer 33

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Schluß mit dem Amerika=Rummel!

Götze Dollar.
Von Prof. Dr. Nichard Preiſer.
Man braucht nicht ſtändiger Bezieher amerikaniſcher
Wirtſchaftszeitungen zu ſein, etwa des Nations Buſineß
oder der Commerce and Sinance, um zu erkennen, daß
das Idol des Amerikanismus der Dollar iſt. Ein Blick
in die erſte beſte Cageszeitung genügt.
Da planen etwa in einer Großſtadt die Frauenklubs
den Bau eines eigenen Wolkenkratzers: der erſte Zeitungs=
bericht
aber betrifft nicht etwa Bedürfnis, Platzwahl, Bau=
gedanken
, ſondern die Koſten. Die erſte Angabe, die
ein gewiſſer Bundesſenator über ſeine Cätigkeit macht,
lautet dahin, daß dieſe tatſächlich die 10 000 Dollar
wert ſei, die er jährlich dafür bekomme. Von einem
Bankier, der das Präſidium einer Univerſität über=
nommen
hat und dieſe umgeſtalten will, heißt es zu
allererſt, er gedenke darauf 20 Millionen zu ver=
wenden
; dann erfahren wir Namen und Stand ſeiner
Mitarbeiter, von den eigentlichen Plänen aber kein
Wort.
Und wie dem Seitungsleſer ergeht es dem Be=
ſucher
. Staunend ſteht er in Boſton vor dem
Wunderbau des Chriſtian Science=Cempels, der mit
St. Paul in London, ja mit St. Peter in Nom um
die Palme ringt. Da zupft ihn ein Bürger ſelbiger
Stadt am Aermel und ſpricht ſtrahlenden Auges:
Hat zig Millionen gekoſtet! Es wird dem Fremd=
ling
nicht einmal, nein, ein dutzendmal geſchehen,
daß ihm ſein Wirt, ehe er ihn mit einem Promi=
nenten
bekanntmacht, ins Ohr flüſtert: einhundert
Millionen ſchwer. Man ſtelle ſich vor, ein Hambur=
ger
Fremdenführer beginne bei der Hafenrundfahrt,
ein Berliner an der Pforte des Kaiſer=Friedrich=
Muſeums, ein Frankfurter beim erſten Blick auf die
neue Mainbrücke mit den Summen, die dieſe Wunder=
werke
der Cechnik und der Architektur verſchlungen
haben.
Der Dollar iſt, ſo ſcheint es, drüben das A und
das O. Immerhin, ganz ſo einfach liegt der Fall
nicht. Amerika iſt nicht ohne weiteres Dollarika.
Will ſagen: es gilt, ehe man urteilt, die Gründe
zu erforſchen, die zu dieſer Entwicklung geführt haben,
die Siele, die ſich der Dollarjäger ſteckt, und die
Gegenwirkungen, die nicht fehlen.
Beginnen wir mit dem zweiten. Iſt es etwa
Genußſucht, die ſich befriedigen will? Sicher
nicht immer. Auch das bloße Protzentum ſchei=
det
mehr oder weniger aus. Vielleicht aber ſteckt das
Beſtreben dahinter, den Kindern ein reiches Erbe
zu hinterlaſſen? Su Cauſenden jedoch zählen die Muſeen,
Krankenhäuſer, Büchereien und andere Bildungsſtätten, für
deren Stiftung die Schwerreichen einen Großteil ihrer Ver=
mögen
geſpendet, zu Hunderten die Fälle, wo ſie ihren
Söhnen nur eine Art Pflichtteil hinterlaſſen haben, deſſen
Höhe uns immer noch verblüfft, drüben aber nicht gar viel
bedeuten will. Bliebe noch der Wille zur Macht.
Er iſt freilich unleugbar. Und daß er ſich in einem Lande,
wo ſelbſt die Miniſter nur ausführende Sekretäre der
Höchſtgeſtellten ſind, und die Präſidententitel von Banken
und Induſtrien mit dem Austritt aus der Stellung wegfallen,
auf den Dollarbeſitz beſchränkt, leuchtet ein. Sumal wenn
man bedenkt, daß es nur in vorher feudaliſtiſchen Staaten
Macht ohne Geldreichtum gibt. Den Fürſten von Gottes
Gnaden erſetzt drüben der Fürſt von Dollars Gnaden.

Amerikaniſcher Sportgeiſt.
Von Frank Smetana.
Der Sport iſt endlich auch in Deutſchland ein weſent=
licher
Faktor geworden. Die ihn eingeführt haben, ver=
ſtanden
, den Deutſchen immer Amerika als das Land des
größten Sportenthuſiasmus, als Vorbild hinzuſtellen. Aber
der Umſtand, daß wir den Sport populärer machen wollen,
darf uns nicht verleiten, Amerika als Ideal in allen ſport=
lichen
Beziehungen hinzuſtellen. Im Gegenteil, Deutſchland
ſcheint in Wirklichkeit das idealere Land im Sport zu ſein.
In den Vereinigten Staaten iſt Sport wichtiger geworden
als alles andere; er hat das größte Uebergewicht gegenüber

allen geiſtigen Cätigkeiten. Und nicht nur, daß die Ameri=
kaner
etwa gute Sportsleute ſind, denn daran liegt ihnen
gar nichts, und das iſt es, was in Europa verkannt wird,
der amerikaniſche Sportsmann liebt den Sport nicht um
des Sports willen, ſondern wegen des Nekords, wegen des
Erfolgs, wegen des Nuhms. Der Nuhm eines Philoſophen,
eines Dichters, eines Künſtlers gilt nichts in Amerika, dort
gilt der Nuhm der Kanalſchwimmerin Ederle, der Boxmeiſter
Dempſey und Cunney. Die Verehrung der Sporthelden
geht ſo weit, daß es in Amerika Cunney=Damenhandtaſchen,
Ederle=Koſtüme und Dempſey=Krawatten gibt, wie in
Deutſchland Bismarck=Heringe und Schiller=Locken. Dieſe
Nekordſuchi, der erſte, der beſte, der einzige oder der größte
zu ſein, das iſt Amerikas ſportliches Ideal. Ob ſich die
Leute dabei ruinieren, ob ſie krank werden oder ſich Hals
und Beine brechen, das iſt unweſentlich, nur der ſicht= und
greifbare Erfolg entſcheidet.
Der amerikaniſche Sportgeiſt, den wir für faſt patho=
logiſch
halten können, hat nicht allein die unteren oder
oberen Schichten ergriffen, ſondern alle Kreiſe, die ganze
Oeffentlichkeit. In den Schulen wird Boxen gelehrt, die
Gymnaſien, Hochſchulen, Univerſitäten haben genau ſo wie
die Arbeiter= und Beamtenkolonien, wie die Klubs der
Stenotypiſtinnen und weiblichen Hausangeſtellten ihre Curn=
und Spielplätze, wo ſie einen großen Ceil ihrer Freizeit zu=
bringen
, die Männer meiſt Baſedall ſpielend, die Frauen
mit Hockey, Cennis und Leichtathletik. Bei Beurteilung
der Fähigkeiten eines Schülers iſt es bei der amerikaniſchen
Mentalität von größerer Bedeutung, daß er ein brillanter
Corwart oder preisgekrönter Baſeballheld iſt, als daß ſeine
mathematiſchen oder Sprachkenntniſſe über’m Durchſchnitt
ſtehen. Die amerikaniſche Sportbegeiſterung iſt zu einer
Manie, zu einer Sucht geworden. Nekorde zu ſchlagen,
Höchſtleiſtungen zu vollbringen. Dieſe Uebertreibungen eines
ſchönen Ideals, nämlich das Ideal des geiſtig hervorragen=
den
und dabei ſportlich ausgezeichneten Menſchen, hat die
Amerikaner wohl zu kräftigen, gut gebauten und geſunden
Menſchen gemacht, aber dieſer Sport,geiſt hat den eigent=
lichen
Geiſt dermußen vernachläſſigt und unterdrückt, daß
man ſchon heute ohne Ueberteibung ſagen kann: geiſtig iſt
der Amerikaner der minderwertigſte Menſch aller weißen
Naſſen.

Gegen die amerikaniſche Frau.
Von Gerhard Schäke.
Das Unweſen, um nicht zu ſagen der Unfug der Frauen=
verehrung
, die Vergötterung alles Weiblichen in Amerika,
hat einen ſolchen Umfang angenommen, daß jeder vernünf=
tige
Menſch ſich dagegen auflehnen muß. Die Verehrung
und Hochachtung, die alles Weibliche, vom dreijährigen
Mädelchen bis zur Greiſin, in dem Lande der überſchüſſigen
Männer ſchon ſeit Jahrzehnten genießt, iſt im Begriff, zum
Serrbild zu werden. Der amerikaniſche Mann, ohnehin
ſchon nichts anderes als Geldmacher (Verdiener kann man
nicht ſagen) und von Geſchäften Beſeſſener, wird für
die Europäer jangſam, aber abſolut ſicher, zum Crot=
tel
. Er ſchiebt den Kinderwagen, er beſorgt die Ein=
käufe
, er holt frühmorgens, wenn die Frau noch die
geſellſchaftliche Anſtrengung der letzten Nacht aus=
ſchläft
, Milch und Frühſtück; er ſäubert vielleicht
oberflächlich ſein Simmer, ehe er es verläßt; er ſorgt
ſich um den Haushalt, um die Wäſche; er geht zur
Arbeit, ſchuftet, verdient, ſpekuliert, ißt mittags in
kleinen Neſtaurants ſeinen Lunch, er arbeitet weiter
bis zum ſpäten Nachmittag oder Abend; er beſorgt
dann das Abendbrot, er hilft aufwaſchen, abtrocknen,
er putzt Schuhe; er unterſtützt ſeine Frau und ſogar
ſeine Cöchter bei der Coilette, er fährt ſie abends aus,
bis ſpät nachts in Kinos, Cheater und Geſellſchaften,
in denen die Frauen die Wortführer ſind und die
Männer nur als Cänzer oder aushilfsweiſe Geſell=
ſchafter
und Unterhalter nütze ſind.
Das iſt der Amerikaner, deſſen breite Schultern
wir Europäer lieben, deſſen ſelbſtverſtändliche Eleganz
und deſſen Höflichkeit wir bewundern.
Gewohnheit, Staat und Geſetz haben die ameri=
kaniſche
Frau zu dem gemacht, was ſie heute iſt: eitel,
oberflächlich, ſchön, dumm und hochmütig. Fortwäh=
rende
Schönheitswettbewerbe, die die Frauen in auf=
reizenden
(aber ſchönen, wie man zugeben muß) Bade=
koſtümen
zeigen, haben das ihrige getan. die Frau in
den Glauben zu verſetzen, ſie ſei das ſchenſte und da=
rum
auch das wichtigſte Geſchöpf auf Gottes Erd=
boden
. Ein amerikaniſcher Publiziſt behauptet, die
beſten Kameraden und Lebensgefährten ſeien die euro=
päiſchen
Frauen, die Amerikanerinnen ſeien keine
Frauen, keine Kameraden, ſie ſeien Luxusgeſchöpfe.
Und ſo ſehen alle Amerikanerinnen aus; ihre Sähne,
ihre Augen, ihre gepflegten Hände, der trainierte
Körper, alles iſt Luxusartikel. Nirgendwo blüht die
Kosmetik, die Körperpflege, der vernünftige Leibes=
ſport
(wir Europäer übertreiben leicht) mehr als in den
Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Die Frau iſt alles, der Mann iſt nichts.

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[ ][  ][ ]

Die ſchwimmende Stadt.

Das Nadioſchiff Klingende Brücken In der Bordfunkſtelle

Von Fritz Löwe.

Ein der wichtigſten Stellen für die Sicherheit des Schiffes
und der Paſſagiere iſt der Naum der drahtloſen Celegraphie,
Von hier führen die Drähte hinauf zu den zwiſchen den Maſten
aufgeſpannten Antennen, von wo aus die elektriſchen Sunken die
Verbindung mit der Welt aufrecht erhalten.
Die Station iſt unter Berückſichtigung aller in Betracht
kommenden Fortſchritte mit den neueſten Erzeugniſſen der Elek=
trotechnik
, den modernſten Apparaten für drahtloſe Nachrichten-
übermittlung
ausgerüſtet. Der Sender des großen Ozeandamp=
fers
iſt im Laufe weniger Jahre zu einer ſeiner wichtigſten Ein=
richtungen
geworden. Immer mehr hat man erkannt, welchen
Wert es für die ſchwimmende Stadt hat, durch ihn in Fühlung
mit dem Lande zu bleiben.
Die Bordfunkſtation iſt Cag und Nacht in Betrieb. Er=
probte
Sunkoffiziere, der ſchweren Verantwortung, die auf ihnen
ruht, voll und ganz bewußt, löſen ſich in dem anſtrengenden
Dienſt ab. Laufen doch fortgeſetzt von den einzelnen Küſten=

Junkſtellen und den Bordſtationen vorbeifahrender Schiffe
Wetterberichte, Sturmwarnungen, Meldungen über geſichtete
Wracks, Eisberge, treibende Minen, über plötzliche Verände=
rungen
im Fahrwaſſer ein, deren genaue Kenntnis für eine ſichere
Navigierung des Schiffes unbedingt erforderlich iſt.
Die Bord=Funktelegraphie hat bereits unendlichen Segen
geſtiftet. Ungezählte Menſchenleben und Werte an Schiffen und
Gütern ſind durch drahtlos herbeigerufene Hilfe gerettet worden.
Durch die Sunktelegraphie iſt es möglich, andere Schiffe drahtlos
um Nettung anzurufen oder ihnen Hilfe zu bringen.
So iſt die Sunkortung, das iſt die Möglichkeit, auf hoher
See durch funkentelegraphiſche Nichtungsbeſtimmung (Peilung)
ſeinen Schiffsort feſtlegen zu können, für die Sicherheit des
Schiffes von höchſter Bedeutung. Wenn es bei ſtarkem Nebel
der Schiffsführung unmöglich iſt, ſich auf See nach Geſtirns=
höhen
, in Sicht von Land nach Peilungen von Leuchtfeuern zu
orientieren, ſo ſetzt helfend und rettend die Sunkpeilung ein.
Immer mehr triumphiert die hochentwickelte, moderne Elek=
trotechnik
über die übermächtigen Naturgewalten. Mit hoch=
ragenden
Antennen hat ſie ihren Siegeszug angetreten. Sunk=
wellen
durchbrauſen den Aether. Swiſchen weitentfernten Näu=
men
bauen ſich klingende Brücken. Mit der Nadio=Celephonie
wurde der endgültige Sieg über den Naum gewonnen. Mit ihr

Der Weichenſteller.
Von Dorothea Hollatz.

Chriſtoph Cundren, oder Oenke Cundren, wie er ſich ſelbſt
in zärtlichen Augenblicken dank einer traumhaften Eingebung
nannte, iſt Weichenſteller zwiſchen Wunſtorf und Hannover.
Sein kleines Haus aus roten Backſteinen ſteht etwa vier Kilo=
meter
hinter Wunsdorf hart am Bahndamm, einſam auf dem
Felde. Das hintere Senſter ſchaut auf die endloſen Kartoffel=
äcker
, das vordere auf die blanken Schienen, die ſich gerade vor
Cundrens Haus dutzendfach kreuzen.
An dieſem Fenſter hockt Oenke Cundren hinter abgeblühten
Geranien. Im Sommer und im Winter, im Frühling und im
Herbſt hockt er da und wartet auf die Süge. Er braucht keine
Uhr, er braucht keine Sonne. Wer, wie Chriſtoph Cundren,
dreißig Jahre lang am Ufer des großen Verkehrsſtromes ſtand,
braucht ſo etwas nicht mehr. Daß Frau Katharina Cundren
den Alten faſt jedesmal erinnern muß, beſonders wenn Aende=
rungen
im Fahrplan eingetreten ſind, oder aus irgend welchen
anderen Gründen, das wird Oenke nie und nimmer zugeben.
Die kleinen Süge läßt er mit der mißmutigen Miene eines
überflüſſig Gequälten vorbeiſtöhnen; ihre Exiſtenz ärgert ihn.
er findet ſie ordinär. Aber die ſauſenden D=Süge, denen
Deutſchland womöglich nur Durchfahrtsland iſt, die von Paris
nach Polen fahren, von Hamburg nach Nom, die bringen ſein
erſtarrendes Blut zum Kochen, die ſprengen die Feſſeln ſeiner
eingezwengten, aber noch lebenzuckenden Phantaſie, die machen
ihn, den kleinen ſchiefköpfigen Oenke Cundren, zum Weltreiſen=
den
, zum Helden.
Während die kleinen Süge da ſind, um ihn das tägliche
Brot verdienen zu laſſen, ſind die großen dazu da, um ihn ver=
geſſen
zu laſſen, daß er Chriſtoph Cundren iſt, ein kleiner Eiſen=
bahnbeamter
mit ſpärlichen Penſionsausſichten und mit einer
Srau, deren Reinlichkeitsteufel einem das Leben zur Hölle machen
kann.
Himmel, wenn Kathe ina die karierte Schürze umtut und
das rote Cuch um den
jarigen Kopf ſchlingt, dann weiß
Oenke alles! Er weiß,
nun das Unterſte zu oberſt geſtellt
wird, daß die ſauberſten ubladen ausgeräumt, geſeift, ge=
fchrubbt
und gekürſtet werden; er weiß, daß die Fenſter nun fün
Cage lang ohne Gardinen ſein werden, daß die roten Betten
häßlich weit aus dem Fenſter hängen, und wie ein warnendes

Signal über die öden Kartoffeläcker hinleuchten: Vorſicht
Katharina Cundren hat Großreinemachen!
Ja, die großen Süge, die von der Welt zu erzählen wiſſen.
die ſind des alten Oenke Cundrens Lebenselixier. Wie ſtolz und
mächtig die dampfenden Maſchinen auf den glühenden Eiſen=
bändern
dahinſauſen, wie fröhlich die breiten Fenſter blitzen, und
wie prachtvoll die Sunken des Nachts aus den niedrigen Schorn=
ſteinen
ſpringen!
Ja ja, mit denen iſt Oenke gut Freund. Wie oft ſchon haben
ihn dieſe Nieſenleiber aufgenommen, wie oft ſchon war er in
Holland und fuhr von Bremen mit dem großen Expreß über
Wunſtorf nach Wien! Und in Wien gibt’s luſtige Mädels und
leckere Gerichte. O, Oenke kennt das alles, in Gedanken.
in Gedanken.
Natürlich ſitzt er am Speiſewagenfenſter bei Braten und
Champagner. Und wenn er an Cundrens Bahnhäuschen vorbei=
ſauſt
, ſteht Chriſtoph, der Doppelgänger, vor dem Haus und
legt ſtramm die Hand an die Mütze. Da beugt ſich Oenke, der
Weltreiſende, weit aus dem Speiſewagenfenſter und ruft dem
Mann zu: Cundren, Sie ſollen bald einen Orden haben, weil ſie
ſo brav und an der richtigen Stelle dageſtanden haben.
Und der Wagen ſauſt im Bogen weiter, und Oenke ſieht nur
noch von ferne das rote Inlett in der Sonne leuchten, das Katha=
rina
über das ganze Fenſterbrett ausgebreitet hat und denkt:
Gottlob, daß ich hier ſitze und mir Braten auftiſchen laſſe und
ſo in ſonniger Laune in die Welt hineinfahren kann. Bei Katha=
rina
iſt jetzt alles außer Nand und Band. Es wäre nichts für
mich, in ſo kleinen Verhältniſſen leben zu müſſen.
Ein andermal fährt Oenke mit dem Blitzzug Petersburg
AmſterdamCalais. Was er in Frankreich will, weiß er noch
nicht, aber er hält es für gut und nutzbringend, des öfteren die
Naſe ins Ausland zu ſtecken. Er hat ſagen hören, daß man erſt
dann ſeine Heimat wirklich lieben lernt. Es zieht ihn weiter nach
Paris, denn Paris will er geſehen haben. Nur dumm, daß er
das Franzöſiſche nicht kann. Aber er wird ſich auch ſo durch=
ſchlagen
. Wenn er gewichtig durch die fremde Weltſtadt geht
in Sivil natürlich, mit einem Zulinder dann ſchämt er ſich, daß
er einen Doppelgänger vier Kilometer hinter Wunſtorf hat, und
ihn pcinigt das Gefühl, es könne einer auf ihn zukommen, ihn
beim Jackenknopf nehmen und auf Deutſch ſagen: Sagen Sie
mal, Mann. Sie kommen mir ſo bekannt vor. Sind i nicht der
Weichenſteller zwiſchen Wunſtorf und Hannover? hab’ da
immer einen geſehen, der genau ſo ausſah wie Sie, mit ſo einem
windſchiefen Kopf zwiſchen den Schultern.

eröffnen ſich ungeahnte Perſpektiven. Es iſt wie im Märchen,
wenn wir, am warmen Kamin des Salons ſitzend, den durch den
Aether dringenden Stimmen lauſchen.
Die Schiffahrt, die ſtets darauf bedacht iſt, die Sicherheit
ihrer Schiffe zu erhöhen und den ſich ihnen anvertrauenden Paſ=
lagieren
alle nur denkbaren Annehmlichkeiten und Zerſtreuungen
zu bieten, hat als eine der erſten die ungeheure Wichtigkeit der
drahtloſen Celephonie erkannt und ſie in ihren Dienſt geſtellt. Um
den Erdball zieht ſich ein Netz von Nadioſtationen. Auf den in
See gehenden Dampfern wird der Ausrüſtung der Nadio=
ſtationen
die größte Sorgfalt gewidmet. Im Dienſte der Schiff=
fahrt
hat die drahtloſe Celephonie bereits große Fortſchritte zu
verzeichnen. Die Reichweiten wachſen ſtändig. Durch die Er=
findung
des ungedämpften Senders, wie durch die wunderbaren
Kathodenröhren als bereitwillige Helfer zur vieltauſendfachen
Empfangsverſtärkung und zur Umformung der ſchnellen elektri=
ſchen
Schwingungen in hörbare Frequenzen, iſt das Sende= und
Empfangsbereich heute nicht mehr auf einen einzelnen Ozean
beſchränkt.
Die Sunktelephonie von Schiff zu Land befindet ſich wegen
der techniſchen Schwierigkeiten, die ſich an Bord aus dem nahen
Suſammenliegen aller Antennen ergeben, noch in der Entwicklung.
Dagegen iſt die funkentelephoniſche Uebermittlung von Nach=
richten
von den Küſtenfunkſtellen zum Schiff bereits ſeit einiger
Seit im Gebrauch.
Nicht nur für ernſte Aufgaben ſind die Nadioſtationen auf
den großen Paſſagierdampfern in den Dienſt geſtellt worden. Sie
vermitteln auch frohe Stunden. Die Empfangseinrichtungen für
den Vergnügungsrundfunkt ſind bereits derart durch gebildet, daß
ſie imſtande ſind, während der ganzen Ozeanfahrt teils amerika=
niſche
, teils europäiſche Stationen aufnehmen zu können. Nadio=
Canzmuſik iſt jetzt das Neueſte an Bord der Ozeandampfer. Es
iſt für die tanzluſtige Jugend natürlich ſehr verlockend, auf hoher
See zu den Klängen eines von der fernen Küſte herüberklingen=
den
Orcheſters zu tanzen. Die Bordfunkſtelle iſt den Paſſagieren
wie ein guter Freund. Das Gefühl des Abgeſchnittenſeins vom
Lande kommt überhaupt nicht mehr auf. Man weiß genau, daß
man während des größten Ceiles der Reiſe vermittels der Sunk=
ſtation
mit ſeinen Angehörigen ſtändig in Verbindung bleiben
kann. Dies iſt eine große Beruhigung bei langen Seefahrten.
Sunkentelegraphie und Sunkentelephonie vermitteln fortgeſetzt
die wichtigſten politiſchen, wirtſchaftlichen, künſtleriſchen und
ſportlichen Ereigniſſe. Kurze Seit darauf leſen wir ſie in der an
Bord hergeſtellten Ozeanzeitung.
Eine große Anzahl von Paſſagieren des Dampfers ſind
Sportsmen oder Sportliebende. Früher waren ſie bei einer
Ozeanfahrt von allem, was mit dem Sport am Feſtland zuſam=
menhing
, abgeſchnitten. Das hat ſich jetzt geändert. Und dieſes
Wunder, den Sport, dieſen bedeutenden Faktor des öffentlichen
Lebens, ſich nutzbar zu machen, haben gleichfalls die drahtloſen
Wellen bewirkt. Sie übermitteln den auf dem Schiff befindlichen
Sportsmen alle ſportlichen Nachrichten, berichten über die neue=
ſten
Nennreſultate, Boxkampf=Ergebniſſe, über Kreigniſſe auf
dem Gebiete des Pferdeſports, des Automobilismus, des Nad=
und Waſſerſports. Sie erzählen von Siegen in Sußball-, Cennis=,
Winterſport uſw.
Auch über die Börſenkurſe iſt man an Bord ſtets unter=
richtet
, ſo daß Induſtrielle und Geſchäftsleute auf hoher See
Nachrichten empfangen und wichtige geſchäftliche Dispoſitionen
geben können.
Kaum hat das Schiff den Hafen verlaſſen, flitzen ſchon die
Funktelegramme über den Ozean.
Eine beſondere Kategorie von Paſſagieren gibt es, auf
deren Cätigkeit der Schiffs=Funkverkehr geradezu verhängnis=
voll
eingewirkt hat. Es iſt das Heer der Verbrecher und Hoch=
ſtapler
. Crotz aller Vorſicht der Schiffsgeſellſchaften kommt es
mitunter doch vor, daß Hochſtapler ſich an Bord einſchleichen,
Celegraphiſcher und telephoniſcher Funkverkehr haben durch die
Schnelligkeit der Nachrichtenvermittelung dieſen Calmi= Gentle=
men
einen heilloſen Schrecken eingejagt und manchen ſorg=
loſen
Paſſagier vor unliebſamen Bekanntſchaften geſchützt. Den
internationalen Caſchendieben, Kabinendieben, Falſchſpielern,
Scheckſchwindlern und wie die Pſeudakavaliere alle heißfen
mögen, hat die neueſte Entwicklung der Funkentechnik das Hand=
werk
auf den großen Ozeandampfern zu ihrem Leidweſen, aber
zum Segen der Paſſagiere, gründlich verdorben.

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der Feſtitelung 2
a ſch die Frdd
ziuter ein Buch /

Mn Wecicicht.
ſind.
vel
ſeinen Lebenskrei
die betrübende Er
ging und Padld
rechendem Maße

Gewandthei.
Füges.

U Knd, Spo
ach erſetzen
uir wollen
1Murt und Be
1Müreiben un
ur Seit brin
1 heit jenes

Aber mein Herr! würde Oenke antworten, was denken
Sie von mir!. Ich bin ein echter Pariſer!. Aber da hätte er
ſich ſchon verplappert und würde ſchnell und unendlich beſchämt i
eine Seitenſtraße einbiegen.
Den Abend bringt er in der luſtigſten Geſellſchaft zu. 20.
ſo viel gelacht hat er in ſeinem ganzen Leben noch nicht, obwo9l
er kein Wort Franzöſiſch kann. Er hält alle frei. Merkwürdc
ſein Geldbeutel iſt unerſchöpflich! Darum findet er ſo v
Freunde. Er läßt alles mit ſich geſchehen; er iſt ja ſo glüchlich
in der großen Welt zu leben. Er läßt ſich rechts und links uiel
faſſen und durch die Straßen ſchleifen. Ja, er läßt es wonneſelg
geſchehen, daß man lachend ſeinen Sylinder in einen Eierkug‟"
verwandelt.
Das gehört alles dazu, denkt Oenke wichtig.
Aber auch in Paris hält es ihn nicht lange. Er will d0c
die Welt kennen lernen und ſtürzt ſich von neuem in die große‟
D-Süge, atemlos, abenteuertrunken.
In Moskau hat er eine Braut, und ehe er in Parle
den Nieſenzug beſteigt, kauft er eine rote Borallenkette für /el0
Liebchen.
Es iſt Nacht, als er durch Deutſchland ſauſt, und als E.
Wunſtorf=Haunover wittert, drückt er ſich tief in die Polſier
ecke des Abteils, als fürchte er, Frau Katharina könne es gew!!
werden, daß ihr wirklicher Mann in der Welt herumſauſt, e
deſſen ſie ſich mit dem verdrießlichen Doppelgänger herumſchlage‟
muß. Oenke verzieht das Geſicht: Das iſt zu ſchwer, das Alle‟.
einanderhalten der zwei Perſonen, die eins ſind, oder das Lelle
der einen Perſon, damit zwei daraus werden. Wenn er darüge:
nachdenkt, wird ihm ſchwindlig; darum denkt er lieber nicht dat"
über nach.
Das eiſerne Noß trägt ihn nach Moskau, und ſeine Brau.
erwartet ihn auf dem Bahnſteig. Sie hat einen ganzen Sikann
von Sumpfdotterblumen. O, das erinnert verteufelt an dee
Bächlein vor Cundrens Haus in der Nähe von Wunſtorf. Zi
die Braut ihn gewahr wird, ſtutzt ſie, fängt an zu lachen, ſchutte‟
ſich vor Lachen. Dein Kopf. dein Kopf, platzt ſie heraus. dei
Kopf hängt ja ganz ſchief! Sie kann ſich kaum halten D*
Lachen. Aber Oenſe nimmt es ihr nicht übel; ſie iſt halt Ei
albernes junges Ding. Er verſucht auch nicht etwa, den K0R
gerade zu hängen, ſondern ſchiebt ſeinen Arm in den ihren Ais
zieht mit ihr los. Sie bummeln ſelig vergnüigt durch die frende"
Straßen, und er erzählt von ſeinen Neiſenabenteuern, von ſeile"
Dariſer Erlobniſſen und offenbart ihr ſeine Sukunftspläne. Le
ſie mit nach Amerika wolle? Ja, gewiß will ſie. Und nun ſteue.

[ ][  ][ ]

Was ſoll die Frau leſen?
Von Hanns Martin Elſter.
Angeſichts der nun ſchon jahrelang andauernden Abſatzkriſe
auf dem gegenwärtigen Buchmarkte iſt man verſucht, zuerſt zu
Fragen: Lieſt die Frau heutzutage überhaupt noch Bücher? Und
man iſt, verleitet durch den Prozeß der Vermännlichung, den
die Frau ſeit den Kriegszeiten ſchärfer denn je durchmacht, zu
der Feſtſtellung veranlaßt, daß die guten Seiten,
Da ſich die Frau nach des Cages Laſt und Mühe
winter ein Buch zu einer Stunde der Beſinnung
und Vertiefung zurückzog, vielleicht für immer
werſchwunden ſind. Wer ſich vorurteilslos in
eeinem Lebenskreiſe umſchaut, macht zweifellos
die betrübende Erfahrung, daß Canz, Sport,
Rino und Nadio die Frau in einem ganz er=
ſrhreckendem
Maße vom Buch entfernt haben.
Die Frau, die von jeher den größten Prozent=
ſatz
aller Leſenden dargeſtellt hat und in dieſer
Sinſich auch noch heute darſtellt. Das Bedenk=
ſäche
dabei iſt, daß die Frau ſich auch von dem
guten Buche, ja von der Lektüre überhaupt,
abgewendet hat. Das Leſen iſt den Frauen zu
mühſelig geworden. Kino, Nadio, vermitteln
Kenntniſſe, Phantaſien, Vorſtellungen, Bücher
euf vergnüglichere, angeblich unterhaltendere
SBeiſe; die tanzfrohe, ſportluſtige, berufstätige
Frau ſucht in ihren Freizeiten nur noch An=
tegung
und Seitvertreib, nicht mehr Vertiefung.
Die Frau iſt auf dieſem Entwicklungsweg nicht
urwa ſchuldhafte Veranlaſſerin, ſondern Sump=
tom
der allgemeinen Kulturkriſe. Ihre Buch=
(bgewandtheit iſt Beweis des Kulturnieder=
zanges
.
Denn, um es einmal eindeutig und offen
tuiszuſprechen, kein techniſches Mittel, wie Na=
(ao, Kino, Sport, noch Beruf können das gute
Buch erſetzen. Das ſchlechte Buch gewiß;
pir wollen uns freuen, wenn Nadio, Kino,
Sport und Beruf die Frau vom wertloſen Buch
forttreiben und zur werthaltigen Verwendung
wrer Seit bringen! Aber das gute Buch,
as heißt jenes Buch, das einer ſchöpferiſchen,
lächteriſchen oder wiſſenſchaftlichen Perſönlich=
eit
ſeine Exiſtenz verdankt, iſt ein Organismus
ir ſich, der Werte gibt wie kein anderes
Kunſtinſtrument der Welt. So lange der
Menſch lebt, ringt er mit der Sprache: ſie iſt
ein tiefſtes, klarſtes, reichſtes Ausdrucksmittel
ſär die Welt der Innerlichkeit und Aeußerlich=
reit
, ſie iſt der Menſch ſelbſt. Weder Muſik
noch Cechnik, weder bildende Künſte noch Fähig=
heiten
wie der Sport, vermitteln des Menſchen
Hein und Weſen ſo univerſal und unmittelbar
wie das ſchöpferiſche Buch. Ein Werther, ein
Grauſt iſt durch kein Kino, kein Nadio zu er=
letzen
. Aus dieſem Grunde wird auch unſere
deit über kurz oder lang eines Cages wieder
zm Buche, zum guten Buch, heimkehren, weil
ke in Organismus mit ſeiner Lebenskraft dem
Leben auf die Dauer entzogen werden kann.
Schon jetzt ſpürt man leiſe die Heimkehrſehn=
ſurht
nach dem Buche, nach der Stunde,
der Ausſprache mit einem reinen Geiſt und edlen Dichter, nach
der Verſenkung in die organiſch umſchloſſene Welt des guten
Buches. Wir können infolgedeſſen hoffen, daß auch die Frau,
die einſt die ſtärkſte und hingebendſte Bücherfreundin und leſerin
war, wieder zum Buche zurückkehrt, und daß ſie dann die Ant=
wort
auf die Frage: Was ſoll die Frau leſen? mit beſonderem
E=fer zu hören wünſcht. Su ihrem eigenen Nutzen!
Ganz allgemein muß man die geſtellte Frage erſt einmal da=
him
beantworten, daß die Frau ſich nur auf die Lektüre guter

Bücher einlaſſen ſoll. Ein gutes Buch iſt, ſelbſt wenn es noch
ſo viel Seit erfordert, niemals zu ſchade für einen Seitaufwand;
jede für die Lektüre eines guten Buches verbrauchte Seit lohnt
ſich tauſendfach. Ebenſo iſt jede für ein gutes Buch ausgegebene
Reichsmark die beſte Kapitalanlage, die billigſte Ausgabe! Dem=
gegenüber
iſt jeder Seit= und Geldverbrauch für ein ſchlechtes
Buch Seit= und Geldverſchwendung und verluſt. Die Frau
folge hier ruhig ihrem angeborenen Sparſamkeitstrieb und wende
ſich einem Buche nur nach ſorglamer Wahl zu, um ſich vor Geld=

ſie wieder zum Bahnhof, um nach dem neueſten Weltkursbuch
zu fragen. Sein Geſicht iſt Fleiſch gewordene Seligkeit, und ſeine
Sttimme ſchnappt faſt über.
In Trieſt hat Oenke noch eine Braut, und in dieſer Woche
mill er auch ſie wiederſehen. Er iſt zu der Erkenntnis gekommen,
drß man garnicht genug Bräute haben kann. Nur an Katha=
kma
darf man dabei nicht denken, und vor allem nicht an ihre
karierte Schürze und an ihr rotes Kopftuch. Dann iſt gleich
alles vorbei. Aus weiter, weiter Ferne hallt ein Pfiff über die
Selder, der Pfiff einer Lokomotive.
Ach, armer Oenke Cundren, dein Craum wird bald aus=
geträumt
ſein. Schon naht deine Frau Katharina, die eben einen
Allick auf die Uhr tat, und ſtapft mit geſchürzten Nöcken tapfer
du rch die Seifenwaſſerflut über den kleinen Flur. Ich weiß, was
ſue ſagen wird: Wach auf, Chriſtoph, alte Schlafmütze, was
träumſt du denn ſchon wieder! Los, in drei Minuten kommt der
dan Hanburg. Herrgott, wenn ich nicht wär‟! (Wie recht
Atſie!) Ja, wach doch auf, Oenke, ehe die irdiſche Stimme deiner
Frau dich aus deinem Craumland zurückruft. Wach auf! Ihre
Mwaſchfeuchte Hand liegt ſchon auf der Cürklinke.
Aber Oenke ſchläft ſo wundervoll feſt. Weiß Gott, wo er
ſt.. in Moskau, Budapeſt oder Konſtantinopel, oder bei welcher
ener Bräute er ſein Leben ſelig verſtrömen läßt, überali,
r nicht vier Kilometer hinter Wunſtorf. Sein Atem geht be=
gl
ückt und ahnungslos.
Armer Oenke Cundren! Jetzt neigt ſich der Griff und ſchon
itert man die Härte der Stimme, die dich wecken wird zur
PFlicht der Gegenwart. Eins zwei
Wach auf, Chriſtoph, alte Schlafmütze
Lebe wohl, Oenke
Der Mann ohne Kopf.
Eine luſtige Geſpenſtergeſchichte.
Von Wilhelm Demmler.
2llein Geblirtsort liegt in der heſſiſchen Provinz Starken=
Durr g zwiſchen Rhein und Bergſtraße. Bis zur Kreisſtadt Bens=
deuum
ſind es drei Wegſtunden. Am ſüdlichen Ausgang dieſes
9ädtchens zieht ſich, dem Lauf eines Baches entlang, ein ſchma=
K Lal, nach dem zuvorderſt gelegenen Ort Sell das Seller=Cal
2elannt. An dieſem Bach liegen einige Mühlen, in denen früher
N Liedbauern ihr Brotgetreide mahlen ließen. Jeder Ort hatte

und Seitverluſten zu ſchützen. Die Frau wird mich nun aber fra=
gen
, woran ſie denn ein gutes Buch erkennen könne. Auch hier
läßt ſich der allgemeine Hinweis geben, daß gute Buchhändler
die Empfehlung guter Bücher zumeiſt ſehr ernſt zu nehmen pfle=
gen
, ebenſo wie gute Seitungen und Seitſchriften die Beſprechune
guter Bücher mit Verantwortungsgefühl durchführen. Hierbei
ſoll die Frau vor allem darauf halten, dem Buchhändler zu er=
klären
, daß ſie weder Modebücher noch Unterhaltungsſchmöker
noch die Maſſebücher, die gleich in zwanzig= bis fünfzigtauſend

da ſeinen beſtimmten Müller, von dem die Bauern nur ſelten
wechſelten. Dieſe Gewohnheit ſtammte noch aus der Seit des
Mühlbannes, der früher dort beſtand und den Mühlenbeſitzern
das Recht verlieh, die Bewohner beſtimmter Bezirke zu zwingen,
ihr Getreide bei ihnen mahlen zu laſſen.
Das mittlere Drittel des Ortes, von dem hier die Rede iſt,
bis nach der erſten dieſer Mühlen, die nach dem Beſitzer die
Hahnsmühle genannt wird, führt durch den ſtaatlichen Forſt
Jägersburger Wald In dieſem Wald ſoll zu Anfang des
neunzehnten Jahrhunderts ein Mannheimer Kaufmann ermordet
und beraubt worden ſein. Bon der Leiche wurde nur der Nump
gefunden, und ſeitdem geht die Sage, daß der Ermordete ohne
Kopf umgehe, oder wie man im heſſiſchen Volksmund ſagt, er
wannert, d. h. wandert.
Hatten die Bauern in der Mühle zu tun, ſo befiel ſie immer
ein heimliches Grauen, ſobald ſie den Rückweg bei Nacht durch
den Wald nehmen mußten. Die ſchauerlichſten Erlebniſſe und
Geſpenſtergeſchichten konnte man von ſolchen Mühlfahrten er=
zählen
hören. Als Wirtsſohn hatte ich in meinen Knabenjahren
oft Gelegenheit, derlei Geſchichten mit anzuhören. Ich will nun
nachſtehend eine ſolche erzählen:
Unter den in unſerer Wirtſchaft verkehrenden Gäſten war
ein Original, ein alter Bauer, der im Erzählen ſolcher Geſpenſter=
geſchichten
ganz Hervorragendes leiſtete. Da er letztere ſchließ=
lich
ſelber glaubte, und ſich auch gern ſelbſt reden hörte, wurde
er von den anderen Gäſten auch öfters zum Erzählen aufge=
fordert
. Valtin (Valentin), hieß es da, vezäil emol, wie deß
waor mit dem Mann ohne Kopp. Und er erzählte: Ich ben
emol im Herbſcht in die Hahn’s Miehl gefaohrn. Dorch de =
jerſchborfer
Wald war de Weg net zum beſchte. Voller diefe
Gleis und vum Näjje offgewaicht, daß meu Gail ze ziehe hatte.
Wie ich in die Miehl kumm, warn ſchunn e paar Bauern vor
mer un ich häb warte miſſe bis zum annern Dag, denn deß Sprich=
wort
haaßt. Wer z’erſcht kimmt, mahlt zerſcht. Am annern
Dag hott ſich die Mahlerei aah noch lang enaus gezoe, un ich häb
zum Hahnmiller geſaat: Gevattermann, loß mich net hocke bis
in die Naacht, ich fahr net gäärn ſau ſpeet dorch de Wald.
S'eß awwer doch ſpeet worn, und wie ich dorch Benzem fahr,
rieft mer de Wert vun de Bachbrick zu: No, Valtin, was
häb ich der dann getoh, daß de meu Wertſchaft meide wilſcht?
Was wollt’ ich mache, ich bin halt eugekehrt un häb was Gut’s
geſſe, weil mers dahaam mei Chriſchtine doch net ſau gut zeräächt
macht, un häb en Schoppe Weu dezu getrunke (ein rheiniſcher
Schoppen ein halber Liter), un weil die Unerhalting ſau ſchee

Stücken auf den Markt geworfen werden, wünſche. Sondern ſig
ſoll mutig und charaktervoll nach dem ihr individuell erwünſch=
ten
Buche fragen und forſchen. Jede Frau hat ihre perſönlichen
Neigungen, Geſchmacksrichtungen und Lebensanſprüche. Wenn
alſo eine Frau beſondere Freude an beſeelten Büchern hat, dann
ſoll ſie bei ihrer Suche daran feſthalten, und ſie wird auf einmal
Wilhelm Naabes. Nomane oder den Noman Perpetua von
Wilhelm v. Scholz, dem Präſidenten der Dichterakademie, zur
Lektüre kaufen. Oder ihre Innerlichkeit ſtrebt in religiöſer
Nichtung, dann kann man ihr Hermann Stehrs
Heiligenhof oder Karl Vöttgers Chriſtus=
legenden
empfehlen. Die heimatliebende Frau
wird zu Sederers, Frenſſens, Sahns, Wincklers,
Helene Voigt=Diederichs Büchern greifen, die
Geſchichteſtudierende zu dem Parazelſusroman
Kolbenheyers, zum Wallenſteinroman Döblins,
zum Noman meines Volkes von Walter von
Molo, zu den Werken der Nicarda Huch, Wil=
helm
Schaefers uſw.; die weltliche Frau zieht
vielleicht Chomas Mann. Albrecht Schieffer,
Fr. Werfel vor; wem das Schickſal der Deut=
ſchen
beſonders am Herzen liegt, greift zu den
Büchern Frenſſens, Hans Grimms Volk ohne
Naum, Paul Ernſts Schatz im Morgenbrot=
ſtahl
, Anton Magers Peregrinus Winde=
ſprang
, Arnold Ulitz Ararat und den No=
manen
von Frank Chieß. Man ſieht ſchon: es
kann jede Frauenindividualität auf ihre Koſten
kommen, wenn nur Ernſt gemacht wird auf der
Suche nach dem ſubjektiv paſſenden Buche. Ein
paſſendes Buch ſuchen, erfordert die gleiche
Sorgfalt, wie ein paſſendes Kleid..
Ernſt machen mit dem Bekenntnis zu dem
Wertvollen, mit der Cat des Guten, das iſt
auch hier das Gebot. Denn dieſes Ernſtmachen
hat die in ſeiner Wirkung nicht abzumeſſende
fruchtbare Folge, daß die Frau mit dem guten
Buche ein Dauerbuch erwirbt, das immer
wieder und wieder im Laufe des Lebens zu
Leſen ihr Freude und Erlebnis bedeutet. Ein
Buch muß man nicht nur zum Seitvertreib
leſen, ſondern das Erlebnis wie die ſchönſten
Glücksereigniſſe des Lebens entgegennehmen
wollen. Dann wird man immer recht wählen.
Man wird auch raſch die verhältnismäßig im-
mer
noch wenigen guten Verlage kennen, deren
Produktionen man ſich anvertauen darf; man
wird unter den Dichtern und Gelehrten Lieb=
lingsautoren
gewinnen, und von deren Lebens=
bildung
aus den Weg zu anderen Autoren be=
kommen
.
Kurzum, man wird auch als Frau in
kurzer Seit ein Lebensverhältnis zum Neich
der Bücher erobern, und nur dadurch die Sahl
ſeiner glücklichen Stunden zu vermehren in der
Lage ſein.
Es bedarf nur des entſchiedenen Entſchluſſes,
daß man ernſt machen wolle mit ſeiner Lektüre.
Hilfe für die Durchführung dieſes ernſten
Willens findet man dann raſch, denn noch
immer betrachtet die Mehrzahl der Buch=
händler
den Buchverkauf nicht vom kraſſen
Geſchäfts=, ſondern vom menſchlichen
Standpunkte aus.
Die wahren Bücherfreunde ſind eine Gemeinde der Seligen,
welche um das ſchöne Geheimnis des Glückes der Lektüre
ſchöner Bücher wiſſen; alle ſolche Glücklichen wollen aber gerne
andere, die nach Glück durſtig ſind, auch glücklich machen, und
ſind drum hilfreich eben Freunden des Buches und all denen, die
das Buch ſuchen. Die Srauen ſind aber doch immer glücksdurſtig;
ſie ſollen es ſich geſagt ſein laſſen, daß es ein Veich der Glück=
lichen
gibt: das Reich des guten Buches.

waar, ſeun’s drei Schoppe draus worrn. Ehr liewe Brierer,
ich häb doch e bisje gewackelt, wie ich off meun Waue gekraw=
welt
ben. Off meu Frog, wieveel Uhr daß’s , ſegt mer de
Wert, daß es elfe dorch . Himmelmillioneſakrement, häb ich
do geſaat und häb off meu Gail gehaage, daß ſe wie doll devoh
gerennt ſeun. Dorch Schwane (Schwanheim) ben ich im velliche
Karrjeer (Karriere) gefahrn, daß mich der Lump, der Kronewert,
net aaach noch emol offhellt, un im Sauß ging’s in de Jäjerſch=
borfer
Wald eneu. Wie ich knapp off de Mannemer Stroß ben,
ſchlegt’s, hol mich der Deiwel, off die Schwanemer Kerch zwölfe,
un bumms, hänn meu Gail geſtanne. Kaa Peitſch, kaa Surufe
un Schnalze hott mai geholfe. Dene Gail henn die Flanke ge=
zirrert
, Schaum hannſe vorm Maul, un wie ich mich umguck, ſitzt
hinne Aaner off meum Wauediehl. Ich häb dann meu Kapp
runnegenumme un geſaat: Alle guure Geiſchter, ſowe Gott, ehrn
Meiſchter! awwer geholfe hott’s nix. Nor ganz langſam häb
ich mei Gail wirrer in Gang krigt, ſchwer hatteſe ze ziehe, als
wenn der Kerl dohinne verzig Hentner wieſe tet. Vun Seit zu
Seit häb ich wirrer emol runngeguckt, un do war mers, als werer
e bisje in ſich zammegeſunke un tet ſchlofe. Sau ging deß Speel
bis Jäjerſchborg. Do ſchlegt’s off amol off unſere Kerch aans.
Himmelderkemohredunnerkeil, häb ich do gedenkt, jetzt deu
Seit dohinne erumm. Ich häb off meu Gail gehaage, de Hand=
gaul
ſchmeißt hinne enaus, mer hott aaner meu Pfeif außem
Maul gereſſe, fort war ſe, ich häb ſe nimmäi geſäfe. Un flott
ſeun mei Gail wirrer gelaafe. Wie ich mich noch emol umguck,
war der Mann ohne Kopp fort.
Allgemeines Gelächter belohnte die Erzählung des Spuks.
Und die Erklärung desſelben? Von der Wirtſchaft an der Bach=
brücke
, wo ſich der Valentin den Rauſch geholt hatte, bis zu der
Stelle, wo der Spuk begann, ſind es zirka anderthalb Wegſtunden.
Wenn Pferde eine ſolche Strecke nur zeitweiſe im Crab oder
gar im Galopp gehalten werden, dann müſſen ihnen ſchon die
Flanken ſchlagen und aus dem ANaul ſchäumen.
Der Mann ohne Kopf war ein Kleieſack, der zuerſt obenauf
lag. Durch das Schüttern während der tollen Fahrt iſt er
Mehlſäcken nach hinten ab=
und foſtliege
von den ſchwere
gerutſcht und hat ſich mit dem Sackzipfel nach oben geſtellt. Der
Letztore hat dann dem Valentin in ſeinem benebelten Hirn den
Halsſtumpf des Ermordeten vorgegaukelt.
Die Pfeife hat ihm jedenfalls der Gaul aus dem Maul ge=
ſchlagen
. Der wieder beſſer gewordene Weg erleichterte den
Pferden das Ziehen, und bei dem gewaltigen Nuck iſt der Sack
vollends umgefallen und der Mann ohne Kopf war weg.

[ ][  ][ ]

Sommernacht.
Von Hilda von Schad.

Su Mergentheim ſaß ich im Warteſaal. Swiſchen grellen
Reklameſchildern fallen mir zwei Photographien auf, die Markt=
platz
und Orangerie in Weickersheim im Caubertal darſtellen.
Es gibt wohl nicht viele Deutſche, denen es im erſten Augenblick
anders ergehen würde als mir. Weickersheim? Unbekannt!
Doch die Bilder feſſeln mit ihrem Stück vergangener Seit.
Die ehewalige Neſidenz eines Fürſten in Caſchenformat, eine
Reſidenz aus Schloß und Hofſtaat, einem kleinen Kreis von
Honorationen und mehr oder weniger zufriedenem Volk
Ich liebe ſolche deuiſchen Kleinſtädte, in denen die Poeſie
der Cradition ſtcckt. Eine halbe Stunde ſpäter bringt mich der
Zug durch den leiſe herabſinkenden Abend nach Weickersheim.
Ich bin etwas enttäuſcht, als ich den Bahnhof verlaſſe. Keine
alte, verſteckte Schonheit enthüllt ſich, ſondern nur der Fluch
aller deutſchen Städte: die Bahnhofſtraße. Doch bald wird die
Straße zur Gaſſe, älter werden, die Häuſer und heimlicher die
Winkel. Und dann noch ein paar Schritte, der Markt liegt
vor mir.
Unwillkürlich hemme ich den Suß. Mir gegenüber an der
einen Schmalſeite liegt das Schloß mit Bogen und Curm, mit
Mauern und Coren. Feſtigkeit und Crotzigkeit, überwärmt von
der Leichtigkeit des Barock in liebenswürdigem Aufbau. Nechts
und links um den Platz herum liegen, zum Ceil über Bogen=
gängen
, die Häuslein mit ihren hohen, vorgebeugten Giebeln, mit
Blumen, die die Fenſter faſt verdecken. Gegenüber dem Schloß
die alte wuchtige Kirche als zweiter Beſchützer des Städtchens
und ſeines braven Völkchens.
Es iſt Abend geworden. Ich erklimme die ausgetretenen
Stufen des Grünen Baum der mit biederem, eiſernem Aus=
hängeſchild
lockt. Der Cauberwein iſt ſüffiger Art. Dazu laſſe
ich mir vom Wirt erzählen in der gemütlichen, etwas trägen
Weiſe behäbiger Kleinſtadt. In der Ecke eifert und lacht der
Stammtiſch. So vergeht die Seit.
Mir wird zu ſchwül im niedrigen Gaſtzimmer, ich will vor
dem Schlafengehen noch einen Weg durch das Städtchen machen
und mir den Kopf kühlen. Der Cauberwein hat es in ſich.
Nun biege ich ins nächſte Gäßchen ein. Es iſt zehn Uhr
vorüber, tiefnächtliche Seit für das Städtchen. Kaum ein Laut
dringt hinter geſchloſſenen Fenſterläden hervor, meine Schritte
hallen in der Nacht. Wie mit der Schere geſchnitten ſtehen Erker
und Cürmchen. Und dann ſteigt gerade der Mond über den
Giebeln auf. Silbern liegt ſein Licht über dem Marktbrunnen.
Caghell ſind die ſchlafenden Häuſer überſtrahlt und tiefe Schatten
fallen aufs Pflaſter. Ich lehne am Brunnen und laſſe mir die
Nachtluft um die Stirn ſtreichen.
Craum und Wirklichkeit verweben. Dort drüben in dem
alten Haus, das behauptet, eine Bank zu ſein, wohnt hinter
blütenweißen Gardinen der Herr Hofrat, der jeden Morgen
Glock acht ſeinen Stock mit dem Goldknopf ſpazieren trägt.
Dort im Giebelgeſchoß die alte Hofdame mit ihrem Spiegelſpion.
Und da wohnt der Herr Hofapotheker, und der Herr Amtmann
dort. Auf der anderen Seite in dem Haus mit der geteilten Cür
pflegt die Frau Bäckerneiſter jeden Morgen die Brötchen fürs
Schloß abzuzählen Bitte, Frau Meiſterin, recht reſche,
ſagt der Hoflakei. Durchlaucht geruhen ſie ſo zu belieben!
und tut ſie in den beſonderen Beutel mit dem fürſtlichen Wappen.
Und viele Blumen waren ſchon damals in den Fenſtern, und die
Meſſingſchilder und Meſſingknäufe an den ſchweren, geſchnitzten
Eichentüren waren ſchon damals ebenſo blitzblank wie heute, wo
ſich auf jedem einzelnen ein Stückchen Mondlicht hockt.
Vom Kirchturm dröhnen wuchtig, langſam verhallend, elf
Schläge übers Städtchen hin. Wenn man jetzt ins Schloß könnte,
fetzt durch den Park gehen! Vielleicht kann ich wenigſtens einen
Blick hineinwerfen. Der Wunſch wird zu heller Sehnſucht, da
fällt mein Blick aufs Schloßportal, und freudiger Schreck durch=
zuckt
mich. Das Cor ſteht weit offen.
Ich ſchreite hindurch in den Schloßhof und weiter durch ein
hohes Gittertor in den Park. Aus Muſchelſchalen ſteigen flim=
mernde
Waſſerſtrahlen auf, traumhaft im Silber des Mondes
liegt der Park. Hinter mir die breite Faſſade des Schloſſes mit
ſpiegelnden Senſterreihen; vor mir ſchnurgerade Wege, ſamtene
Naſenflächen, blütenüberſtürzte Beete von Noſen, Nelken und
Neſeden, deren Duft betäubend in die Nacht verſtrömt. Geſpen=
ſtiſch
ſchimmern unter uralten Bäumen die Statuen griechiſcher
Heroen, Götter und Göttinnen, und geheimnisvoll verrinnt das
Ende des Parkes im Schleier der Nacht.

Da aus dem Laubengange dort drüben perlt helles
Lachen. Mit wunderlich klopfendem Herzen gehe ich dem Klange
nach, Neugierde bedrängt, und ſtehe gebannt.
Die hohen Herrſchaften! Höchſtdieſelben ſitzen an einem Ciſch
von mächtiger Linde überdacht. Der alte Herr mit brokat=
geziertem
Nock, goldgeknöpfter Weſte und engen Beinkleidern
aus feinem Cuch, konverſiert mit einem jungen in ſchwarzſeidenem
Nock mit üppigem Jabot und Spitzen am Saum der Aermel, die
lang auf die ſchmalen weißen Hände herabfallen. Sein blaſſes
Geſicht umrahmt die wohlkoeffierte weiße Perücke. Er geſti=
kuliert
mit jener läſſig deſtinguierten Art junger Leute, die ſich
ihres Wertes wohl bewußt. Ich ſchätze, ein junger Diplomat,
der in gar weiſer, wohlgeſetzter Nede über Negierungsgeſchäfte

und Staatskunſt mit dem alten Herrn ſpricht, den er mit ein
wenig übertreibendem Neſpekt Herr Onkel Liebden nennt.
Nur von Seit zu Seit gleitet ſein Blick hinüber zu der jungen
Dame, ein Kind faſt noch mit ihrem ſüßen, ſchmalen Geſicht, aus
dem ein Paar große, jugendverwunderte Braunaugen leuchten.
Und braune Hängelocken umſchmeicheln zarte Wangen, und ein
kleiner roter Mund ſpitzt ſich keck.
Der junge Offizier in weißroter Uniform neigt ſich ihrem
Geplauder und zuweilen gleitet ſein Blick verſtohlen hinab, wo
unter dem Neifrock ein zierliches Füßchen im Stöckelſchuh her=
vorlugt
. Die alte Dame hat ſich in ihre Bank zurückgelegt,
unter hoher Friſur ſchauen gütige Augen nachdenklich hinüber
zu dem jungen, ſchmucken Offizier und dem queckſilbrigen Prin=
zeßchen
und ſind voll ſtiller Crauer und fraulichem Mitleid.
Die Windlichter auf dem Ciſch werfen goldene Neflexe und
der leiſe Wind raunt in der Linde. Auf dem Kies des Weges
ſtelzt majeſtätiſch ein Pfau, den feinen, metalliſchen Hals mit
ſcharf gezeichnetem Köpfchen und zierlicher, zitternder Krone
ſtolz gereckt.
Verträumt lauſcht Prinzeßchen in die Mondnacht. Dann
plötzlich wendet ſie ſich zu dem Offizier:

Ach, Herr von Steinwehrt, die Geige! Bitte, bitte, die
Geige!, Ihr Mund bettelt, die braunen Augen betteln. Der
C)) blickt fragend hinüber zur Fürſtin. Ein liebes Nicken
gibt Scwähr. Er winkt dem alten Lakeien. Schon eilen die
weißbeſtrümpften Waden die Allee entlang, dem Schloſſe zu.
und Prinzeßchen klatſcht in die Hände.
Mozart, bitte, ja?" Ihr Köpfchen neigt ſich in ſchelmi=
ſcher
Cyrannei:
Sie wiſſen ja, mein Geburtstag iſt heute!
Der Offizier neigt ſich und lächelt. Ein Mutterauge bangt
verſtehend für das junge Herz ihres Kindes. Haſtige Lakein=
geſchäftigkeit
bringt das Inſtrument.
Prinzeßchen fliegt auf und ſinkt im tiefſten Knix voll ſpötti=
ſcher
Seierlichkeit in ſich zuſammen vor dem eifernden Diploma=
ten
, der leichten Unwillen in ſteifem Kompliment verbirgt:
Darf ich bitten, cher cousin? Ein Menuett von Monſieur
Mozart!, Kraftvoll ſtreicht eine braune Jünglingshand über
die Saiten.
O Mozart, du Meiſter! Deine Kunſt im mondüberfluteten
Schloßpark! Jauchzend und weinend, ſüß und ſchmeichelnd und
ſchelmiſch tropfen die Cöne in die Nacht, rieſeln die Silberſtrahlen
in das Mondlicht und ſind Freude und Erhabenheit. Die Nacht
verhält den Atem und trinkt zitternd all die verſtrömende
Seligkeit.
Des Spielers Blicke hängen an der duftigen Geſtalt, die
ſich dreht und wendet in zierlichen Schritten, die ſich wiegt und
hingibt der Muſik und dem Canz. Mit graziöſen Fingern, wie
ſie es gelernt, hält ſie den Reifrock gefaßt, verneigt ſich und
ſchreitet ernſthaft an der Hand ihres Kavaliers, der ihre Finger
vorſichtig und geziert hält, wie koſtbares Porzellan.
Iſt nicht der ganze Park lebendig geworden? Wiſpert und
raunt bs nicht in jedem Buſch? Lugen nicht Elfen und Putten
hinter jedem Baum hervor? Schmiegen ſich die Göttinnen nicht
in den Arm ihrer Heroen?
Ein letztes Aufjauchzen, die Geige ſchweigt. Cief atmend
und wunderlich erregt ſenkt der Spieler die Arme. Prinzeßchen
verſinkt knirend in ihren Nöcken und der junge Kavalier ver=
neigt
ſich tief mit hölzerner Grandezza.
Pueh, ſagt Prinzeßchen ſchnippiſch, Herr von Stein=
wehrt
tanzt beſſer, und ein warmer, ſtrahlender Blick hinüber
zu dem Offizier, den ſein leicht errötetes Geſicht noch männlicher
verſchönt, übt ungewollten Verrat an ihrem Herzen.
Durchlaucht betonen die Nangſtufen, die Prinzeßchen ver=
letzt
, in ſeinem leicht ägrierten:
Mais done, ma petite! und eine Mutterhand ſchirmt mit
leiſem Druck vor preisgebender Widerrede die geſchürzten
Lippen.
Der Fürſt kaſchiert mit leiſem Handſchlag ein Gähnen und
erhebt ſich:
Mitternacht, ſagt er und bietet höchſtſeiner Gemahlin
galant den Arm. Und wendet ſich zurück:
Ah, 7a1 oublié. Neffe Hanno hat mir berichtet, daß dein
Verlobter auf baldige Heirat drängt. Ich ſehe kein Hindernis,
und ich denke, der Herr Hofmarſchall wird ſeiner Gattin ſchon
die Etikette beizubringen wiſſen, wendet er ſich leicht echauffiert
an die wartende Gemahlin.
Alle Lichter ſind erloſchen in Prinzeßchens Augen. Eine
Cräne rinnt aus ihrem jungen Leid. Die Kavaliere neigen ſich,
um ſie nicht ſehen zu müſſen, der Herr Vetter indigniert ver=
ſtändnislos
, doch Herr von Steinwehrt wagt mit einem diskreten
Näuſpern an Haltung zu mahnen. Er verſteht Prinzeßchens
erſten Schmerz beſſer als ſie ſelbſt, iſt ihm doch auch heut abend
ſo wunderlich warm unter der weißen Uniformweſte.
Swei Lakeien leuchten mit erhobenen Windlichtern, die
fürſtlichen Herrſchaften ſchreiten dem Schloß zu. Wippende
Reifröcke, zierliche Degen, der letzte Lakei verſchwindet mit
bewußter Würde hinter der Caxuswand.
Dröhnende Schläge hallen über mich hin: Mitternacht. Er=
ſtaunt
ſchaue ich auf. Droben flimmern rätſelhaft die Sterne,
ein Geranienzweig ſtreift meine Wange koſend. Ich lehne am
verſchloſſenen Corgitter des Schloßportals, tiefe Dunkelheit
unter dem Bogen, der Mond muß ſchon hinter den Dächern ver=
ſchwunden
ſein. Blaſſer Schimmer nur noch um die ſpitzigen
Giebel. Der Markt liegt ſtill und vor mir ragt im Schatten der
Nacht das Schloß des Fürſten von Weickersheim.
Craum der Sommernacht, der aus deutſcher Seele rann,
die in all der Schönheit ſolcher Nacht doch ein Leid finden muß,
ein Leid, das uns allen ward in dem Glanze der Jugend, das
ſelbſt Schönheit iſt.
Craum der Sommernacht, du weihteſt mir dieſe Stätte.

ner äbe
n 96b

Iimm wirds ſtill un fr.
Jaud fil un u geſtert
mezute ſetze un for

mnu remlich, däß waaß
Ultz Un ſchließlich is des
unf 4 Dug erum zu

Aund um ſchun guz
Iit imf grad ſei
M Am im Große Ga
Abie Voriäthafdichke
wwer du liewer 5
iu heidichen Lags.
Mn Johr i8 mir
I54 4 mecht io um
iAfe keumt id ſatli
Mmt elend
Nauich indem

103 Sleider
Alfühes los, un
ft 4 Merall brullerts
ie aufenal e paar
Ieriun Zeidung
Aau indem daß
MM emnnerſter k
RnKnuß, ſunſt
LaRtendſchloſſe,
Derin damit, daß
Wai, hocheide
BBi uach mit de bol
WM n8 Bos geſbielt
Mn4 Dag ſei s

Der zei
Rteuriſt
in nols 1o

eementrrer 8

enden Menſch
ao ſe m
Rücken kehre

Schach
al

Nummer 219.
Aufgabe 327.
J. A. Broholm in Fyn.
(1. Preis im Turnier des Nordiſchen Schachbundes 1917.)
b d g

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
ſtellung: Weiß: Kg7 Df7 Te5 h3 8d2el Be5 (7
Schwarz, Ed4 Lo8 Ba1 b7Bb2b4 06 kt g5 (9; 34
Aufgabe 328.

E S. Campliny.
Britiſh Cheß Magazine 1901.
Seiß: Kd7 Tb7 48 La2 P46 15 g5
Schwarz: Kf7 To/ Lo5 8c7 Bb4 8 (6.

Matt in zwei Zügen.
Enfragen, Beiträge, Löſungen uſw. nur
Durmſtäidter Tagblats pit. der Aufſchrift Schach!
Witicht ſche Hofbuchdruck
Drus 1

Schriftleitung des

Kätſel

Kreuzworträtſel.

Von links nach rechts: 2. Stadt in Pommern, 6. Naturerſcheinung,
7. Teil des Baumes, 9. Handlung, 11. Griechiſche Göttin, 13. Fluß
der Unterwelt, 14. Drehpunkt, 15. Chemiſches Element, 16. Waldgott,
18. Papageienart, 2. Teil des Schiffes, 22. Italieniſche Tonſtufe,
B. Farbe, 24. Arabiſcher Männername, 26. Anſiedlung, 29. Franzöſiſcher
Phyſiker, 30. Aeghptiſcher Sonnengott.
Von oben nach unten: 1. Singſtimme, 3. Teil des Geſichtes, 4. Fluß
in Kurland, 5. Verwandte, 8. Eingang, 10. Stadt in Perſien, 12. Mine=
ral
, 13. Auszeichnung, 14. Prediger, 17. Haustier, 18. Italieniſche
Grenzſtadt, 19. Pronomen, 21. Griechiſcher Buchſtabe, 25. Engliſcher
Adelstitel. V. Italieniſche Tonſtufe. 3. Verbackungsgewicht.

Keilrätſel.

Orientaliſches Fruchtgetränk,
Militäriſcher Rang,
Abſchlußſtreifen,
Spaniſcher Fluß,
Chemiſches Element,
Fluß in Sibirien,
Chemiſches Zeichen für
Sauerſtoff.

en=Ay

Jedes Wort enthält einen Buchſtaben weniger als das vorher
gehende. Man ſtreiche einen Buchſtaben und ſtelle die übrigen um.

Auflöſung der Rätſel ans Nr. 32.
Kreuzworträtſel.

W E SR R
O R T I E R
I
O
HI AM M
E L E A
U M AN N
G
BHLB
S E 1

Gitterrätſel.

Die fehlende Mittelſilbe.
Andernach, Niederwald, Ederle, Aderlaß, Federkiel, Paderborh,
Nordernet, Finderlohn, Rinderſtall. gleiderſtoff

Rheinſtr. B.Verantwortlich f. d. Redaktion: Dr. 6. Nette. Fernſpr. 1. 23892392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. Kliſchees: F. baußmann, alle in Darmkadt.

[ ][  ][ ]

Em Kallenner nooch ſin mer äwe in de diefſte Ferje.
te Bollidiſche un ballamendariſche Gemiesläde ſin zu. 1s is alſo
Zeit, vun däre de Goethe ſchun behaupt hott: Jeber allen
iwfeln iſt Ruh . . . . . Un do denkt mer ſelbſt ganz befrie=
m
: Gottlob, un Dank, es Schlimmſte ham=mer hinner uns,
ſetzt wärd mer äwenfalls for=e Weil ſei Ruh hawwe mit dene
hrerddauſende vun Uffreechunge un Ereichniſſe, wo aam die
fii her moläſtiert hawwe, dann wann emol ſo des Groß vun
Miniſter un Dibblomade un Ballamendarier im Urlaab is,

mr wärds ſtill un friedlich im Land un mer kann ſich for e
Yil, ſtill un u geſteert ſeines Läwens freie, un ſich ärchendwo
ſéchatte ſetze un for ſich hiedeeſe, was ſo zimmlich aa vun de
ſtumſte Beſchäfdichunge is, weil ſe nie in Arweit ausarte kann,
din nemlich, däß waaß mer doch: Arweit ſchennd net, ſie drickt
Un ſchließlich is des Ausruhe noch lang net die u’a genehmſt
, de Dag erum zu bringe, beſunners wann, mer ſo e paar
yat voller Geſchäft un Unruh un Unraſt hinner ſich hott. Do
mis aam ſchun ganz ſaumeßich gut, wann mer emol e paar
lche fimf grad ſei leßt, nix diut, un meechlichſt wenich
ah un im Große Ganze, Allgemeine un Spezielle ſich der
ſterſte Worſchthafdichkeit befleißicht.
Awwer du liewer Himmel, for die Worſchthafdichkeit dhun
ſuimn heidichen Dags. Un e Ruh loſſe ſe aam aach kaa. Un
ſhjedes Johr is mir bis jetzt in de letzte Johrgeng mein
uſch, es mecht ſo um de Auguſt erum die Weltuhr e bische
tieh, ſie kennt jo ſchließlich im Winder dofor e bische ſchneller
If. ganz elend ins Waſſer gefalle; geiſtweis un dißjohr ſogar
bſächlich, indem daß mer aus de Wolkebrich netmehr eraus
hime.
En ſo is es leider aach widder in dem Johr. Wo mer hie=
41 is äbbes los, un wo mer hiehorcht, do wärd wos gemun=
h
, iwwerall brullerts un putſchts, un wann mer maant,
ſe ennt emol e paar Dag lang ſich de lange Wähk uff die Seit
lh= un kaa Zeidung un nix mehr agucke, do is mer elend ge=
Emeiert, indem daß äwe allegebott un in jedem Aageblick är=
tu
. äbbes annerſter baſſiert, wo mer a’ſtandshalwer un unbe=
a
wiſſe muß, ſunſt kann mer ner mitſchwätze. Ich hab mich
ſotſoweit endſchloſſe, daß ich wenichſtens jeden Dag mei Zei=
ſie
les, um damit, daß ich uff em Laafende bleib mit de Daafe,
Eln wunge, Hochzeide un ſunſtiche Unglicksfäll. No un ſchließlich
W5eer aach mit de bollidiſche Ereichniſſe Schritt halte, um daß
m waaß, was geſpielt wärd; un ſchun wääche’m Roman muß
Malle Dag ſei Blättche läfe, damit mer erfehrt, was däß for
ſwere Brieder ſin, der Klub der Värrzich un daß mer net
WPerſähe den ſcheene Moment verpaßt, wo ſich der S honny
üdie Marion nooch wer waaß wieviele Foctſetzunge un
eie ſchreckliche Zwiſchefäll defenedief krieje, dann däß is e
ſirche wie Eel, bloß net ſo fett, un wann ſe net hinnes die
ſio diche Gaddiene kumme, dann finne ſe ſich noch hinner
nern Gaddiene un die Geſchicht nimmt e End, wie alle

Geſchichte e End nemme, indem ſe zuletzt doch umer ganer
Deck ſtecke. 3 Jwwriche kann mer ſich dann ſälwer denke.
Gered mer awwer ſo beim Zeidungsläſe in die zwaa, drei
vordere Seite, dann merkt mer mit Schrecke, daß ſich die Welt
aach im Summer dreht, un daß doch allerhand u’a genehme Sache
baſſiern, aach wann die Herrn Miniſter un Babblamendarier net
des Ihriche dezu beidrage.
Ganz beſunners lebhaft un ungemiedlich geht’s driwwe in
dem Ameriga zu, no mer der Gerechtichkeit mit Bombe un Gra=
nade
e bische uff die Strimb helfe will, e Manie, die ſich aach
dort un do noch bemerkbar macht. Ich muß zu meiner Schand
geſteh, daß ich ner richdich waaß, um was ſich’s hannelt, awwer
ſoviel waaß ich: es ſin am Rhei, an de Ruhr, im Saargebiet
ſo viel unſchuldiche Deitſche gepieſackt, beſtraft un ins Gefengnis
geworfe worn, un manche mußte die Lieb zu ihrm Vaderland
mit dem Dod beſiechele ohne daß mer ſich in de Welt driwwer
uffgerecht hett. 18 Aanziche, was unſer Rechierung degääche dhu
konnt, war, daals flammende un daals feierliche‟ Brodäſt
degääche zu erhewe. Um was däß for=en Wärt hatt un noch hott,
däß waas mer jo aus bidderer Erfahrung.
Un ſo ſin aach die Woch unſer Brominende aus ihre ſum=
merliche
Iwerallenwibbfelisruh uffgeſcheicht un nooch Berlin zu=
ſamme
gedrummelt worn, weil ſcheints der aane odder der
annere bletzlich dehinner kumme is, daß mer in Baries un in
London doch net ſo gut zu uns is, als mer’s vorgibt. Un ich bin
mer dorchaus net im Zweifel, daß es e eigehend Ausſprach
war, wo die Herrn mitnauner gebfloche hawwe, bloß . ..
Naa, es is ſchun des beſte, wann mer ſich e paar Woche Ruh
genne will, mer iwwerſchlehlt im Blatt 8 Bollidiſche un dhut ſich
ins rein Lokahle flichte, do find mer, wann mer Glick hott, wenig=
ſtens
hie un do was, wo aam 8 Härz erfreit. Wie beiſpiels=
meßich
die Woch den aißerſt liewenswärdiche un konnſiliande
Brief vum Kall Bohnebärcher, ſeines Zeichens fahrbarer Diräck=
ter
vun der mit Recht ſo beliebten Heag, an de Johann Hein=
rich
Möſer mit 5ö, ſeines Zeichens Erſter und langjähricher Vor=
ſitzender
vun dem mit Recht ſo gekrenkte Maddiensvärdelsverein,
wo alſo de Kall Bohnebärcher dem Johann Heinrich Möſer hoch
un feierlich verſpricht, daß er demnechſt es geſamdte Maddiens=
värdel
gleislos mit em Stadtinnere verbinne will, indem er’s dißjährich Verfaſſungsdag aach unſern erſte Reichspräſident uff
Maddiensvärdel diagonahl dorchſchneide dhut un leßt Andos
laafe. Freilich, ſchreibt er, es wird noch eine kurze Zeit dauern, ſein Name gäwwe hott. Offe geſtanne, ich hett mer aach
bis der Bedrieb aufgenomen wird. . ." No du liewer Gott, ohne den gewidderſe Gewidderrääche! die ganz Sach feier=
18 Maddiensvärdel word zeit dreißich Johr uff ſei Verbin=
dung
mit m Stadtinnere, un moochdem de Bezirksverein M.V. unbegrenzt Hochachdung hab, dann er hott in Deitſchlands
ich en kenn, uff e paar Johr jetzt aach net mehr al. Ich hab
allerdings (l)in allerBeſcheidencheit den Vorſchlag miudeneAudos Mueller, was unſer derzeidicher leidender Borjemaaſter is
ſchun vor zwaa Johr gemacht, diräckt denooch, wie ich aus Ber=
lin
kumme bin un hab dort gefähe, wie ſowas geſchaukelt kann zu leiſte un eizuweihe gehatt, 8 geht uff kaa Kuhhaut, ich brecht’s
wärrn, ſcheinbar hott mer awzver der Bohnebärcher däß net net hie alſo de Rudolf Mueller hott bei dem naſſe Weiheakt,
geglaabt un is äxdra noch emol verſeenlich nooch Berlin gefahrn
un hott ſich ſo e Audobußlinnje mit eichene Aage ageguckt; jetzt Worte gefunne. Un er hott, unner annerm, geſagt, daß e brunk=
glaabt
er’s. Un jetzt verhilft er alſo dem Herr Bezirksverein
Emm=Vau, der wo in dene dreißſich Jahr keine Mühe geſcheut daß der neie Blatz in ſeim Geiſt der Darmſtädter Jugend ſei
hat, zu=eme greifbare‟ Erfolch. Ich nemm a, daß dodruffhie
die gemiſchte Geſangsabdeilung vum Maddiensvärdelverein dem
Kall Bohnebärjer e Stendche bringt, indem die mit ihrm Gieß=
kannetenor
un mit ihrm Gliſtierſpritzeſabran den herrliche Kann=
duß
aſtimme: O du ſchööne, o du liiebe, o du guute e enei Stroß uffgemacht is worrn, odder es is en Gedenkdag ge=
Straße enbahn! Eins, zwei, drei, Hurrah!
wadd Schneider, die wärrn ſo mir=nin=dir=nix net in den Kann=
duß
mit eiſtimme, indem die ſchaff ſm uff die Heag, un reide
dauernd Addacke uff ſe, vun wääche däre ihrne Breisbolledick, aanich wärrn. Net verſteh kann ſe awwer heit, daß mer ſe awends
indem ſe die for verkehrt halte, un ſage, die Berechnung kennt
ausgefchloſſe ſtimme. Awwer die Heag hott Grundſätz, die
ſeecht eifach: zu Schleuderbreiſen fahn mir niſcht, wer net will,
hatt. Mach aaner was dra.
Iwwrichens macht unſer neies ſtädtiſches Verkehrsamt äwe dage dem Härz des Volks neher bringe kann. Un dodrum
Audobuß=Rundfahrte dorch Darmſtadt, däß geht blitz un ſchlag.

Alſo wann aaner was Bräſſandes zu beſorje hott in de Stadt,
do is er jetzt uff die Heag net mehr agewieſe, ſundern do wort
er afach, bis ſo e Audorundfahrt geht, do kann=er däß mit be=

ſorge. Ganz abgeſähe devo, daß die Audorundfahrte aach ſehr
indräſſant ſin, do erfehrt mancher Darmſtädter unnerwähks man=
ches
, wo er noch net waaß. Wann er awwer glaabt, er dhet ſee=
krank
wärrn, uff ſo=ere Rundfahrt, dann ſoll er ſich uffem Ver=
kehrshaische
den neie Führer dorch Darmſtadt kaafe for zehe
Fennich, do erfehrt er äwenfalls, was mer unbedingt wiſſe muß,
indem, wann mer Beſuch krickt, daß mer dann net doſteht, wie de
Ox for de Abbodhek. Ich wärr alſo nechſtens mol Abäll ab=
halte
: Fiehrer dorch Darmſtadt uff de Hand! un daß mer
keiner kommt un hatt kein.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Alſo jetzt hott mer, aläßlich vum
gut darmſtädtiſch Art geehrt, indem daß mer eme friſche Blatz
licher, gerhebender gedenkt, un de Fritz Ebert, vor dem ich e
endlich en greifbare‟ Erfolch errunge hott, do kimmt=ſem, ſoviel ſchwerſter Stund deitſcher gefiehlt als manch annerer ....
alſo de Fritz Ebert hett däß aach verdient. Gewiß, de Rudolf
Gott, was hott der Mann in de letzte vier Woche all zu leide,
hoffentlich hatt=er en waſſerdichte Zillinder uff aach ſcheene
vollerer Stätte net im Sinn vum Fritz Ebert gewäſe weer, un
ſoll, wo ſe druff rooſe un dolle kann, un kann ſich ſtärke un ſtähle.
Schee un gut! Awwer dann hett mer den Blatz aach mit
de Darmſtädter Jugend eiweihe ſolle, un am Dag, un
mit Bretzel un ſo, wie’s in unſere Jugend ieblich war, wann
feiert worrn. Dann die Jugend vergißt ſo Dage net, un de
Freilich, de Herr Verkehrsverein un de Herr Stadtrat Ede= Jugend geheert doch die Zukunft, do därfe mir alte abgeklebberde
Breeweldibbe als redde was mer wolle: erſt unſer Kinner wärrn
däß große Geſchehe un die nei Zeit richdich verſteh un mit=er
in=eme Faggelzug mit erumſchleift, beſunners wann’s aach noch
ſo gottſträflich ſchitt, die arme Wärmcher konnte aam lad dhu.
Iwwrichens: Faggelziech un Feierwerk ſin aach iwwerwundene
Standpinkter, es gibt annern Middel, wo demit mer Gedenk=
hannelt
ſich’s doch, net wohr!

Der zeitgemäße Haushalt.

Touriſten= und Wanderſtiefel vorzurichten.
c den endlos langen, verregneten Fruhlingswochen bricht
*ſuſt elementarer Gewalt der Wandertrieb bei den einzelnen.
atlliebenden Menſchen durch und ſie freuen ſich ſchon auf den
kyent, wo ſie marſchfertig der Großſtadt auf Stunden oder
e den Rücken kehren können. Freilich gehören zur komplet=
=Touriſten=Ausrüſtung auch kräftige, ſtrapazierfähige
m=ſtenſtiefel, ganz gleich, ob man der Sandale oder dem hoch=
üroſſenen
Schuh den Vorzug gibt.
Woch in welchem Zuſtande befinden ſich die Touriſtenſtiefel?
E ſchiefgelaufenen Abſätzen und durchgeſtoßenen Spitzen, zer=
tugenem
und verſchrammtem, farbloſem Oberleder präſentie=
ſe
ſich dem ſtillen Beobachter. Ja, muß das ſein? Keines=
*. Denn naudem man die genannten Schäden beim Fach=
M beheben ließ, werden die Stiefel wie neu erſtehen, wenn
ſſie mit reinem Terpentin ſauber abreibt und dann mit
hrm Pinſel und Wilbra in einem der jetzt modernen brau=
½ Töne auffriſcht. Am nächſten Tage werden die Stiefel
In rnoch mit farbloſer Lederereme oder Bohnerwachs behan=
Kumd blank poliert. Wenn dann noch die Sohlen ausgiebig
Leinöl geträntt werden, ſo können ſie bollkommen waſſer=
wieder
ihren Dienſt verrichten.
Aewährte Hausmittel gegen Ameiſen. Zum
Rül tigen Vertilgen von Ameiſen gibt es die verſchiedenſten
*Re- Das einfachſte davon iſt: im Keller auf dem Fußboden
9im der Speiſekammer einen dicken, breiten weißen Kreide=
Rau ziehen, da bekanntlich die Ameiſen dieſen als Hindernis
Hchten und nicht über ihn zu laufen verſuchen.
* Hilft das Auslegen von mit ſtarker Zuckerlöſung ge=
Mrten Schwämmen. Die Ameiſen fallen über dieſe her,
1Yich an ihnen zu ergötzen.
Erweiſen ſich friſche und getrocknete Holunder=
hNtt
er als vorzüglich, indem man dieſe in reicher Menge,
1Awar nachts, in Speiſekammer, Küche und Keller ausſtreut.
* Lege man Honigbrettchen auf dem Fußboden aus,
Ne Ameiſen zu fangen. Die auf dieſem gefangenen Tiere
uMman ebenfalls in heißem Waſſer.
2. Laſſen ſich Lavendelblüten, auf dem Boden aus=
9B zum Beſeitigen von Ameiſen benutzen.
Bietet auch die Pottaſche, mit Zucker zu gleichen
2an gemiſcht, ein gutes Fangmittel, an deren Genuß die
9 Kſn zugrunde gehen.
Hilft noch das Ausräuchern ihrer Schlupfwinkel mit
SSwlefel oder Ausgießen mit reinem Terpentin, wo=
D Mrach zu erwähnen iſt, daß man ſämtliche undichten Scheuer=
U Ny. Dielenritzen, Schwellen uſw. ſorgfältig mit Gips oder
Aämrſtreicht, damit ſie nicht wieder von neuem daraus hervor=
Dmu fkönnen, da ſonſt alle angewandten Bekämpfungsmaß=
m
lneonn nutzlos ſind.
Tevera.
Baſch= und Badeſchwämme verſehe man mit einem
Bnch, um ſie freiſchwebend lüften und austrocknen zu können.

Der Kleingarten.
Ein immer begehrtes Würzkraut, das man
auch jetzt noch ausſäenkann. Die gefüllte, krausblättrige
Peterſilie kann man noch bis in den Auguſt hinein ausſäen. Da
deren Samen zu den ſchwerkeimenden gehört, iſt es ratſam, den=
ſelben
vor ſeiner Ausfaat zwei bis drei Tage in lauem Waſſer
einzuquellen und ſo vorbereitet in nahrhaften Boden auszu=
ſtreuen
, wobei man ſchattiger Lage den Vorzug gibt. Auch liebt
die Peterſilie ſtändige Feuchtigkeit. Ertragreiche Sorten ſind:
Non plus ultra, Carters Feinblättrige ſowie die moosartig
gekrauſte Champion=Peterſilie.
Die Auguſt=Ausſaat von Teltower Rüben iſt
nur für jene Kleingärten zu empfehlen, die über Sandboden
(humusreich) verfügen, da ſie nur in dieſem gedeihen und echt
bleiben, d. h. weder Farbe noch Form verlieren und nicht ver=
wildern‟
. Die Teltower Rüben liefern im Frühjahr ein ernte=
fähiges
Gemüſe. Zum Anbau iſt die kleine märkiſche Teltower
zu empfehlen.
Speiſezettel.
Sonntag: Himbeerkaltſchale, Hirſchkeule, Schokoladen=
Auflauf. Montag: Heidelbeerpfanne. Dienstag:
Fleiſchgefüllte Kohlrabi. Mittwoch: Reis mit Pfiffer=
lingen
. Donnerstag: Gebackene Taſſeneier mit Gurken=
ſalat
. Freitag: Fiſchauflauf mit Tomatenſoße. Sams=
tag
: Dampfnudeln mit Obſt.

Humor

Wiie

Warum gehſt du auf den Balkon, wenn ich ſinge?
Damit die Nachbarn ſehen, daß ich dich nicht mißhandele.
Die Auswahl. Das Telephon läutet. Hier Liſſy Klein, ſagt die
funge Dame. Wer dort? Egon mein Liebling. ruft eine Stimme.
Wer, ich kann nicht verſtehen? E wie Edgar, G wie Georg, O wie
Oskar. N wie Nathan. Ja, aber um des Himmels willen, welcher hon
den Vieren iſt denn dran?

Die Hauptſache. Schneider, dem Kunden einen Anzug anmeſſend:
und wie wünſchen Sie die Taſchen, mein Herr? Nun, ſo, daß man
möglichſt ſchwer rankommt.
Unmöglich. Ich laſſe meine Kinder nie von fremden Leuten küſſen,
erklärt die junge Frau, die ſehr auf Hygiene hält. Da haben Sie ganz
recht, ſtimmt die ältere Freundin bei. Aber bei mir iſt das leider nicht
mehr durchführbar. Sie ſind alle über 18!
Mitleid. Der junge Ehemann konnte beim beſten Willen nicht mehr
von dem Kuchen eſſen, den ihm ſein Frauchen ſtolz vorgeſetzt hatte. Das
iſt ſchade, ſagte ſie. Wenn Du nicht mehr kannſt, muß ich alles dem
Hund geben Ja, das iſt wirklich ſchade, ſeufzte er. Es iſt ſo ein
netter Hund!
Der Undankbare. Der Patient beſchwert ſich über die Höhe der Rech=
nung
. Aber ich bin doch ſo oft bei Ihnen geweſen, ſagt der Doktor.
und das rechnen Sie für gar nichts, daß ich mit der Krankheit die
ganze Nachbarſchaft angeſteckt habe? hält ihm der Patient vor.
Einmal und nicht wieder. Ich habe nur ein einziges Mal i unſerer
zehnjährigen Ehe ein böſes Wort geſagt. Das iſt aber erſtaunlich.
Nicht ſo ſchr, betrachten Sie dieſe Narbe hier an der Stirn.
Grund zum Klatſchen. Das neue Stück iſt furchtbar langweilig, und
em Herr im Parkett ärgert ſich über ſeinen Nachbar, der aus Leibes=
kräften
klatſcht Gefällt Ihnen denn dieſes blöde Stücke, fragt er
Durchaus nicht, lautet die Antwort. Ja, warum klatſchen Sie denn
aber ſo furchtbar? Um mich wach zu halten.
Erkannt Iſt nicht die Dame zu Hauſe? fragt der herumziehende
Händler. Jawohl, antwortet der neugebackene Ehemann. Aber wir
brauchen wirklich nicht das Geringſte. Ach ſo ſagt der Händler. Na
werde ich mal wieder nachfragen, wenn die Flitterwochen vonüber ſind.
Das teure Lachen. Der große Schauſpieler Coquelin wurde einmal
von dem Dollarkönig Vanderbilt aufgefordert, ihm einen komiſchen ud
einen tragiſchen Monolog vorzuſprechen. Als der Millionär dann nach
dem Preis fragte, machte ihm Coquelin nach der Wirkug der beiden
Leiſtungen folgende Rechnung: 6 Tränen, jede zu 100 Dollar, und
12 Lachausbrüche, jeder zu 20 Dollar.
Nicht mehr nötig. Ich möchte gern ein hübſches Buch für emen
Kranken haben, ſagt die Dame im Buchladen. Vielleicht etwas Reli=
giöſes
? fragt der Verkäufer. Ach nein, lieber nicht, ſagt die Dame
zögernd, es geht ihm ſchon beſſer.
Die richtige Antwort. In der Zeit der napoleoniſchen Kriege ſagte
einmal ein franzöſiſcher Soldat verächtlich zu einem Oeſterreicher: Wir
kämpfen für die Ehre ihr ſürs Geld, worauf der Oeſterreicher gelaſſen
erwiderte: Jeder ficht halt für das, was ihm fehlt!
Der reingefallene Landſchafter. Jan Breughel, der wegen
ſeiner prächtigen Kleidung den Namen des Samt=Breughel erhielt,
war bei Lebzeiten ein hochberühmter Maler, konnte aber nur Land=
ſchaften
und Stileben ſchaffen. Die wenigen Figuren in ſeinen Bildern
ſind meiſt von Rubens gemalt. Einſt beſtellte ein Kuſtfneund bei ihm
ein Bild. Breughel malte eine Landſchaft mit einem romantiſchen Kirch=
lein
, in der aber kein Menſch zu ſehen war. Als der Auftraggeber das
Werk abnehmen wollte, ſagte er: Sie haben die Figuren vergeſſen,
Herr Breughel. Oh nein, antwortete dieſer Ich habe ſie nicht ver=
geſſen
. Die Leute ſind alle in der Kirche. Sehr wohl, erwiderte der
andere, dann werde ich das Bild erſt abnehmen, wenn die Leute aus
der Kirche herausgekommen ſind.
Der Gipfel der Zerſtreutheit. Profeſſor (nachdem er im letzten
Augenblick noch glücklich aus dem Waſſer aufgeſiſcht iſt) Das aller=
ſchlimmſte
iſt, daß mir jetzt eben erſt einfällt, daß ich ſchwimmen kann!
Der vorſichtige Vater. Aber ſucht Ihr Mann denn gar nichts
gegen ſeine immer zunehmende Schwerhörigkeit zu unternehmen?
Nein, er will es erſt, wenn die Kinder mit ihrem Klavierunterricht
zu Ende ſind?

[ ][  ][ ]

Neue Brautkleider.
Es gab eine Zeit, da man auf das Braut=
kleid
überhaupt keinen Wert legte und für die
Trauung nur die Straßen= oder Reiſekleidung
für angemeſſen hielt. Das war insbeſondere in
den erſten Nachrriegsjahren der Fall, und die
Sitte der ſozuſagen ſportlichen Aufmachung
für die Hochzeit bürgerte ſich immer mehr und
mehr ein.
Erſt ſeit dem Vorjahr iſt es wieder modern
geworden, weiße Brautkleider zu tragen, und
man kann wohl mit Recht behaupten, daß dieſe
Aufmachung dennoch die einzig richtige ſei.
Wohl wird man einwenden, daß unſere gehetzte
Zeit, die ſtändige Eile und Haſt des Alltags,
ſchließlich auch die Verſportlichung der Frau
mit der bräutlichen Auſmachung kaum in Ein=
klang
zu bringen ſei und letzten Endes auch die
Mittel nicht immer hinreichen, um ſich einen der=
artigen
Luxus geſtatten zu können; doch muß
man andererſeits zugeſtehen, daß es ſich hier um
einen Anlaß handelt, der durch entſprechende
Kleidung unbedingt an Feierlichkeit gewinnt.
Im übrigen iſt es ja auch möglich, das Braut=
kleid
derart zu arbeiten, daß es auch ſpäterhin
verwendbar ſei, wenn man es entſprechend um=
färbt
und einige kleine Aenderungen daran vor=
nimmt
. Drum wird man bei der Anſchaffung
der Hochzeitstoilette auf dieſen Umſtand unbe=
dingt
das beſondere Augenmerk richten und die
ſpätere Verwendbarkeit des betreffenden Modells
niemals außer Acht laſſen. Das neue Brautkleid
hat die verſchiedenartigſten Formen: Für ganz
jugendliche Dräute wirkt ein Stilkleid am vor=
nehmſten
und hat eine derart markante Note,
daß es unfehlbar ſofort den Mittelpunkt bil=
den
wird, da ſeine pompöſe Wirkung von keiner
anderen Modellart erteicht werden kann.
Wenn es ſich aber um eine nicht ganz ſchlanke
Braut handelt, wird man unbedingt gut daran
tun, eine Form zu wählen, die die Geſtalt ſtreckt.
In dieſem Falle kommen vornehmlich die mit
tiefem Schaltragen gearbeiteten, langgeſtreckten
Faſſons in Frage. In Verbindung damit pflegt man dem Braut=
kleide
auch gerne eine mantelartige Note zu geben, die aber im=
mer
derart ſein muß, daß ſie nicht alt wirke, ſondern eine
graziöſe Note wahrt, weshalb Brautkleider, die ſich an dieſe
Form halten, durch Stickereien, Applikationen oder die moderne
Bändchenarbeit zu garnieren wären.
Neben dieſen Faſſons haben natürlich auch die verſchiedenen
Stufen= und Volant=Modelle auf das neue Brautkleid einen
deutlich wahrnehmbaren Einfluß genommen.
Die Gewebe, die für die Brauttoilette herangezogen werden,
ſind ſehr mannigfaltig; abgeſehen von den ſogen. Standard=
Seiden (die niemals aus der Mode kommen), wie Chinakrepp,

Spätſommer tm
Gebtrge.
Vekanntlich ſind gerade die ſpäten Sommer=
und die beginnenden Herbſttage die ſchönſten im
Gebirge, ſodaß jene, die das Hochgebirge dem
Aufenthalt an der See vorziehen, meiſt trachten,
ihre Urlaubszeit ſo lange als möglich hinauszu=
ſchieben
, um die in der Regel zuverläſſig ſchönen,
warmen Tage zu erhaſchen.
Die Fahrt ins Gebirge iſt inſofern weniger
koſtſpielig als jeder andere Aufenthalt (was heute
natürlich eine ſehr weſentliche Rolle ſpielt), als
die Garderobeanforderungen in dieſem Falle ſehr
geringe ſind und mit ein paar guten Sportſachen
das Auslangen gefunden werden kann, ſoferne
man ſich nicht einen mondänen Gebirgsort zum
Aufenthalt auserſehen hat, für den natürlich
elegantere Kleider unerläßlich wären. Für jene
aber, die ſich wirklich lediglich dem Bergſporte
widmen wollen, ſoll die Ausrüſtung ſo einfach
als möglich ſein. Jedes Zuviel an Kleidungs=
ſtücken
wird unangenehm empfunden und nimmt
im Koffer oder Ruckſack den meiſt ſpärlich be=
meſſenen
Raum unnötigerweiſe weg. Es iſt
darum äußerſte Beſchränkung geboten, die ſich
nicht nur für die Brieftaſche als ſehr erſprießlich
erweiſen wird, ſondern auch in anderem Belange
wie ſchon früher angedeutet vorteilhaft iſt.
Die wenigen Stücke, die man mitnimmt, ſollen
aber allenfalls gut und zweckentſprechend ſein.
Vorbedingung hierfür iſt ſtrapazierfähiges, wo=
möglich
gleichzeitig auch waſſerdichtes Material
in einer guten Mittelfarbe, an der weder trockene
noch feuchte Flecke leicht ſichtbar werden. Beliebt
iſt ein mittleres Grau, ein unausgeſprochenes
Braun und ein mattes Grün, durchwegs Töne,
die an keine beſtimmte Jahreszeit gebunden ſind,
ſondern immer Geltung behalten. Auf dieſen
UImſtand muß ja auch wirklich ganz beſonderer Wert gelegt wer=
den
, iſt doch ein Sportkleidungsſtück eine einmalige Anſchaffung,
für die man ſogar um wirklich Erſtklaſſiges zu erwecken
gerne etwas mehr anlegt; doch verlangt man dann mit Recht
von dieſen Dingen, daß ſie unabhängig von der betreffenden
Jahreszeit allen Anforderungen durchaus gerecht werden und
für alle ſportlichen Gelegenheiten heranzuziehen ſind
Natürlich iſt auch ein anderer Punkt ſehr weſentlich: näm=
lich
, die Sportkleidung ſo zu arbeiten, daß ſie und dies darf
niemals auf Koſten der guten Wirkung gehen derart geſchnit=
ten
ſei, daß ſie volle Bewegungsfreiheit bietet

ſetzung darunter.

Georgette, Marokko=Krepp und Krepp=Mongol, findet jetzt wie=
der
vielfach Krepp=Satin Verwendung, der in der Herbſtmode
gerne geſehen werden wivd, ſodaß entſprechend eingefärbt
aus dem Brau=kleid ein ganz ausgezeichnetes Beſuchsmodell,
das auch für kleine abendliche Gelegenheiten heranzuziehen wäre,
entſtehen kann.
Spitze iſt ein für Brauttoiletten ſehr beliebtes Material, da
die daraus verfertigten Modelle feierlich und anmutig zugleich
wirken. Im übrigen und darauf muß man immer wieder
Rückſicht nehmen läßt ſich jeder Spitzenſtoff ſehr leicht um=
färben
, ſodaß man ein ſolches Brautkleid auch ſpäterhin noch ſehr
gut auszunützen in der Lage ſein wird.

nögli
DMWTaddlhndem=
zögerte

uf ſie lebhaft ert
fenbar wellen
er Grund 3
Furohlt 0ch
Nu gut, ſohe
Große Bedeutung kommt dem Schleier unn
den die Abſchriſ
ſeiner Steck=Art zu. Im allgemeinen muu
das würde ich 4
man ſich zum Prinzip machen, den Schleien
Zeichnen?
Es ſind eigentlie
immer in einem Material zu wählern
das ſich von jenem des betreffenden Brautkleidex Menicht lopieren, Kol
deutlich abhebt. Wäre alſo etwa das Kleid auu . erlächelte ſpotiſchle
Spitze verfertigt, darf man niemals einere zm zun zu tun?
Sie wußte ſich off
Spitzenſchleier, ſondern nur einen ſolchen au.0
Tüll oder Gaze heranziehen. Iſt aber das Klei.) / mit zu aus dem er
aus Taft, Krepp=Satin oder ähnlichen kompan/ 1 /,Vermutlich ſagte
ten Materialien gedacht, ſo wäre ein Schleie; mit wderſinnig erſchen
ſo gebe ich Ihnen
aus Spitzenſtoff ſehr am Platze.
Die neueſten Entwürfe eleganter Braut=To:) 0 M Letralen nd
letten, die aber dennoch unſchwer nachgearbeitenr Ein lurzes Schlſcein
werden können, zeigen wir in unſerer Gruppe. 5ſ0 d legte Mi8 R
Links das geraffte Modell aus ſchweremn 1 M Seien Sie Abel
Krepp=Satin mit langem, in eine Schleppe enden= Anüeſt. S0 jcheg 2
den Tüllſchleier, deſſen Rand mit Kränzen us Han Hick auf de Hickt.
Myrten benäht wird. Ein großer MyrtenZuf f
ſchließt auch die Raffung ſeitlich ab. Beachtens= iſt der originelle Braut=Kopfputz, der einsn
Art nationaler Bauernhaube aus Tüll mit Myr=n
Mu
tengarnierung veranſchaulicht.
Die zweite Figur bringt ein reizendes Stille
kleid mit kurzer Taille und Schalkragen, einenn
Myrtenſtrauße in der Mitte und weitem, untern
ausgezacktem Rock. Für ganz jugendliche Bräut=
nimmt
ſich ein aus Myrten verfertigtes Häukl
chen als Ausgangsſtelle des mit Spitzen beſetzten
Schleiers ſehr gut aus. Ein Biedermeierſträuß
chen iſt das richtigſte, weil entſprechend ſtiliſiern
Blumengewinde zu einem ſolchen Kleide.
Modell 3, ein weißes Georgette=Kleid ü
mantelartiger Form mit moderner Taftbank.
Schlupfengarnierung am unteren Rande und au
den Aermeln läßt die Figur ſchlank erſcheine
ie Verkä
und iſt ſehr leicht auf jede Schattierung einzu
färben, kann alſo im Herbſte ſehr gut verwend.
werden. Der halbgroße weiße Roßhaarhut m
dem halblangen, in der Art des Kleides mit Taſ
bändchen garnierten Cape=Schleier aus Gax
ſtellt eine Neuheit auf dem Gebiete der Bram
kleidung dar.
Sehr fein wirkt Modell 4, ein abgeſtuftes Spitzenkleid m.
Georgette=Sattel und einem Myrtenſtrauße anſtelle der Gürts Munädchenſ=
ſchließe
. Auch dieſes Kleid iſt leicht einzufärben und dann alu PMm koche
elegantes abendliches Modell für die kommende Saiſon zu v=AMmter 2
werten. Zum Spitzenkleide ſieht der einfache Tüllſchleier, de dr MSepe
P geſucht. 4
mit einem Myrtenkranze (der wie ein Steckkamm wirkt) abge Swiſchen 12
ſchloſſen iſt, am beſten aus.
umd nach 5u.
Alle in unſerer Skizze feſtgehaltenen Modelle ſind natürlio; eirfragen in
nicht nur als Brautkleider nachzuarbeiten, ſondern können auo. . Glatt,
als Anregungen für das neue Nachmittags= und Abendkleiie
betrachtet werden.
Robert Hohenberg.

Wir haben verſucht, in unſerer Skizze ein paar der wichtig=
ſten
Sportmodelle zuſammenzuſtellen, die allerdings bei der
äußerſten Beſchränkung für einen längeren Urlaubsaufenthalt
hinreichen dürften.
Im erſten Bilde zeigen wir das flotte Gebirgskoſtüm, das
für kleinere Touren ſehr geeignet iſt und gegebenenfalls auch für
Strapazzwecke in der Stadt herangezogen werden kann, alſo
allenfalls keine überflüſſige Ausgabe darſtellt. Man verfertigt den
Hohifaltenrock (es iſt dies die einzige Faſſon, welche die für den
Gebrauch im Gebirge notwendige Weite ſichert) aus glatten
Material, während die mit einem Ledergürtel anſtelle des Knopf=

verſchluſſes zuſammengehaltene Jacke aus kariern
tem Stoffe gedacht iſt. Gerne verbrämt man dieſin
Jacken mit Pelz (da ſie ja nicht für den Marſche
ſondern gegebenenfalls für die Raſt gedacht ſin9?
wo ein wenig Wärme in großer Höhe oft jehlt
angenehm empfunden wird), Opoſſum, ſozufagenn.
das klaſſiſche Sportfell, nimmt ſich immer an
beſten aus. Unter dieſer Jacke trägt man eiſſe.?
Fluſe aus Rohſeide, die ſich weniger drückt, 0
die aus Waſchmaterial verfertigten Stücke )
ſich trotzdem ſehr leicht reinigen läßt. Der
umlegkragen dieſer dem Schnitte der he
hemden nachempfundenen Bluſe wird en
mit einer ſchmalen Schmetterlingsbinde
oder aber mit einem langen geſtrickten Biſ.
(Bild 2) zuſammengehalten.
Bild 3 bringt dieſe Bluſe mit der modernenl
Knickerbockerhoſe in Verbindung, die für geoßee
Touren, für die der Rock ungeeignet, ja ſ994
hinderlich erſcheint, unerläßlich iſt. Zu dieſ e
Hoſe, die man aus dem Karomateriale der Foag
herſtellen kaun und auf dieſe Weiſe neuerlich.e!
nette Kombination ſchafft, trägt man ungemuſe.
Wollſtrümpfe und ſportliche Berghalbſchuhe Ml.
Doppelſohle. Originell iſt der in früheren Jah‟e
ſchon gebräuchlich geweſene Radfahrergürtel, *
man aus Wildleder oder aber aus dem eihlſ
bigen Tuche, das auch für den Hohlfaltenroc V=
wendet
wurde, verfertigt. Eine knopfgarni.
Naht in der Mitte und ſeitlich eingeſchnitle."
Taſchen nehmen ſich eigenartig aus und ſteue
eine gewiſſe Abwechſlung gegenüber den ſchl=
alltäglich
gewordenen Sportmoden dar. EI
weicher Filzhut mit dem flotten Gemshl.
macht einen guten Eindruck. Zu dem früher 9*
ſprochenen Reiſekoſtüm hingegen wählt man 9:"
auch die ſogenannte baskiſche Kappe, die ſie
den Bergſport wie auch für Motorrad= und Aul.
touren ſehr empfehlenswert iſt, weil ſie ens."
liegt und darum abſolut feſtſitzt.
Oftmals erſcheint ein Rock in Verbindung mit eſe=
ſommerlich
dünnen Bluſe allzu leicht, während aber O
Jacke noch zu ſchwer empfunden wird. In dieſem Falle m*4
man gerne eine jener kleidſamen und ungemein praktiſchen 4
ſtrickten Weſten, mit einer Knopfbahn durch die Mitte e
mit einem ſchmalen Ledergürtel, der heutzutage für ſportil
Zwecke ſchon kaum mehr auszuſchalten iſt. Gerne arbeiter e*
dieſe Weſten ärmellos, da ſie auch in dieſer Form bei erhe.
Bewegungsfreiheit den an ſie geſtellten Anforderungen dut
aus zu entſprechen vermögen.
Robert Hohenberg.

[ ][  ][ ]

Nummer 224

Sonntag, den 14 Auguſt 1927

Seite 19

Der Club der Vierzig.
ſei bearbeitet nach einem Roman von Robert W. Chambers
von Edgar May.
(Nachdruck verboten)
Einige Sekunden ſpäter kam das junge Mädchen mit einem
ſtü ck Papier in der Hand zurück. Sie zögerte und ſah Lanier
nſehlüſſig an.
Ich möchte dieſe Bluthunde von uns abſchütteln, ſagte
ain ier, wenn möglich, für immer. Eine Abſchrift genügt Ihnen
ſch für Ihre Zwecke?"
Jawvohl
Nun denn
Sie zögerte jedoch noch immer. Er ſah ſie verdutzt an,
br auf ſie lebhaft errötete.
Offenbar wollen Sie nicht, daß ich das Schriftſtück ſehe?
ſt das der Grund Ihres Zögerns?
Jawohl, gab ſie zurück, das iſt der Grund.
Nun gut, ſagte Lanier gleichmütig lächelnd, dann müſſen
F eben die Abſchrift ſelbſt anfertigen.
Das würde ich auch, aber leider kann ich nicht zeichnen.
Zeichnen?
Es ſind eigentlich Zeichnungen, Hieroglyphen. Ich kann
nicht kopieren. Könnten Sie es?
Er lächelte ſpöttiſch. Oh ja, ſagte er, ich könnte es. Was
inun zu tun?
Sie wußte ſich offenbar keinen Rat und warf, ihm einen
lick zu, aus dem er hilfloſes Verzagen las.
Vermutlich, ſagte er, würde Ihnen ein Ehrenwort von
ur widerſinnig erſcheinen. Wenn es Ihnen jedoch irgend etwas
/t ſo gebe ich Ihnen hiermit die feierliche Verſicherung, daß
1hr Vertrauen nicht täuſchen werde.
Ein kurzes Schweigen folgte; dann trat ſie lautlos an ſeine
(ie und legte das Papier vor ihm hin.
Seien Sie unbeſorgt, ſagte er, ich werde Sie nicht be=
ſuwen
. So ſchlecht bin ich denn doch nicht. Dann warf er
am: Blick auf die Hieroglyphen und die mit Bleiſtift vermerkte
ftberſetzung darunter.

Das iſt gar nichts, fuhr er fort und machte ſich an die
Abſchrift mit einer Flinkheit und Genauigkeit, die ſie in Er=
ſtaunen
verſetzte.
In einigen Minuten hatte er eine genaue Nachbildung der
Hieroglyphen und ihrer Ueberſetzung auf das Papier geworfen.
Das wäre geſchafft, ſagte er und reichte ihr die Abſchrift.
Nun kann ich das Schriftſtück Welper zurückgeben, damit die
leidige Angelegenheit aus der Welt geſchafft iſt. Weiß er, daß
es noch einen zweiten Teil zu dem Schriftſtück gibt?
Er kann es unmöglich wiſſen.
Lanier blieb einige Minuten regungslos ſitzen und betrach=
tete
zerſtreut das Original=Schriftſtück vor ſich.
An was denken Sie? wagte ſie nach einer Weile zu fragen,
als das Schweigen drückend wurde.
An nichts .. ich weiß es nicht . . . Schade, daß Sie ſich
den Mann zum Feind gemacht haben."
Aber ich gebe ihm doch zurück, was ich ihm nahm."
Trotzdem, ſagte er und ſah das junge Mädchen nachdenk=
lich
an. Ich habe Welper geſagt, fuhr er fort, daß ich ihn
umbringen würde, wenn er Sie nochmals beläſtigen ſollte. Aber
das wurde Ihnen nichts nützen, falls
Haben Sie das wirklich Mr. Welver geſagt? fragte ſie.
Jawohl; meine Rolle verlangte es. erwiderte er kalt. In
unſeren Kreiſen iſt es üblich, ſein Mädel in Schutz zu nehmen.
Es war Ihnen alſo nicht ernſt damit? entgegnete ſie
verletzt.
Warum nicht?
Welchen Grund hätten Sie, ſich meinethalben in einen
Kampf einzulaſſen?
Unſer Geſchäft!
Flammende Röte überzog das Geſicht des jungen Mädchens.
Selbſtverſtändlich, ſagte ſie, Ich vergaß. Jeder Hund
kämpft, wenn er ſeinen Knochen in Gefahr glaubt. Damit
wandte ſie ſich um und ſchritt mit der von Lanier angefertigten
Abſchrift in ihre Kabine.
Nach einer Weile klopfte es an ihre Türe. Sie öffnete und
erwiderte ſeinen freundlichen Blick mit einem, aus dem offene
Feindſeligkeit ſprach.
Wollen Sie ſich zu Bett begeben? fragte er.
Was geht das Sie an?
Es geht uns beide an, wenn Sie ſo hungrig ſind wie ich.

Schön, ſagte ſie, gehen wir frühſtücken. Ich habe nichts
dagegen.
Als ſie die Kabine verließen und während er die Tür ver=
ſchloß
, fragte er ſie, wo ſie ihre Papiere verwahrt habe.
In meinen Kleidern, erwiderte ſie. Alle beide. Und
meine Piſtole in der Handtaſche, fügte, ſie mit einer Schärfe
hinzu, der man anmerkte, daß ſie verletzen ſollte.
Er quittierte ihre Worte mit einem gutmütig ſpöttiſchen
Lächeln. Famos, ſagte er zuſtimmend. Man wird vermutlich
Ihre Kabine durchſtöbern, während wir beim Frühſtück ſitzen.
Haben Sie irgend etwas in Ihren Effekten, das Welper nicht
ſehen ſoll?
Nicht das Geringſte. Ich glaube jedoch nicht, daß er hier
hereinkommen kann.
Gott ſegne Ihre Einfalt, erwiderte er gutmütig ſpottend.
Dergleichen bereitet Welper keine Schwierigkeiten.
Sie betraten den Speiſeſaal zuſammen und nahmen an
einem kleinen Tiſch Platz. Nachdem Lanier das Frühſtück beſtellt
hatte, entfernte er ſich, kam jedoch ſchon nach einigen Minuten
zurück.
Ich habe das Dokument Welper übergeben, bemerkte er
erklärend.
So fagte ſie, hat er etwas geſagt?
Darüber wollen wir nach dem Frühſtück ſprechen.
Nein, bitte, jetzt! ſagte ſie leiſe, aber beſtimmt. Ich will
die Wahrheit wiſſen.
Es wird Ihnen vielleicht den Appetit verderben.
Keineswegs! Sprechen Sie.
Nun, ſagte er ausweichend, ich werde auch weiterhin gut
auf Sie aufpaſſen müſſen.
Sind Sie wirklich ſo beſorgt um Ihren Anteil aus unſerem
Unternehmen?
Möglich; jedenfalls werde ich an Ihrer Seite bleiben; meine
Erfahrungen mit Julian Welper
Lanier brach plötzlich ab. Marion ſah ihn überraſcht an und
bemerkte, daß er mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit die Tür zur An=
richte
beobachtete, durch die ſtändig ſchwarze Kellner, mit Tablet=
ten
beladen, aus= und eingingen.
Entſchuldigen Sie mich einen Augenblick, ſagte er, ſich er=
hebend
, und ſchritt raſch auf die Tür zu, vor der der Oberſtewart
in blauer, mit Meſſingknöpfen verzierter Uniform ſtand.
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ]

Seite 20

Sonntag, den 14. Auguff 1927

Nummer 224

Palast-Lichtspiele
Noch heute und morgen!
Der große Zelnik-Film des D. L. S.
DieTebel
Ein Menschheits-Drama aus den 40er Jahren
in 7 Akten von
Gerhart Hauptmann

AUsSTELLUNG
MIENCHEN
1 9 2.

EE

mit

Paul Wegener, Dagny Servaes,
Wißh. Dieterie, Herm. Picha,
Theodor Lo0s u. a. m. 12664

Mi, der aaakerkong
Eine lustige Kriminal-Parodie in 6 Akten.
Anfang 2½ Uhr. Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.

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Halbverdeck mit ab.
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FAIRBANKS
DER
Durkäusc

Jugendliche haben Zutritt! Anfang 2 Uhr.

Mit der Erstaufführung des
Films Der Seeränber hat die
Filmkunst einen großen Schritt
vorwärts gemacht.
Douglas Fairbanks er-
freut
uns durch eine ununter-
brochene
Reihe von Sensationen
Der größte Farbentilm der
Zeit!
Monty als
Automobilist
Groteske in 2 Akten.
Wochenschau

Residenz-Theater

Der Sittenroman in 6 Akten

Hotel Prinz Heinrich
J. Zimmermann

Heute
abend Garten-Konzerty
Bei ungünstiger Witterung in den Lokalitäten. (21012
Rummelbräg
Rheinstr. 101 Gegenüber der Festhalle Tel. 2519

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Den verehrlichen Einwohnern von Darmſiadt und Um=
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Hotel-Restaurant Kolpingshaus‟
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für jedermann zugänglich iſt. Ich führe eine nur erſtklaſſ. Küche
bei mäßigen Preiſen. Gutgepflegte Ausſchank= u. Flaſchen=
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ſowie das beliebte Grohebier nach Münchner Art.
Sonntag, den 14. Auguſt 1927
Menü 0 80 Menü 1.20
Meuü 2.00
Legierte Reisſuppe. Legierte Reisſuppe. Legierte Reisſuppe
Schweinebraten mit Wiener Schnitzel mit Verlor. Ei auf Purré
Kartoffeln u. Rotkohl, Kart. u. grün. Salat Tornedos garniert
Chokoladenpudding Königskuchen
Es ladet höflichſt ein Joſef Schilling
21019) Reſtaurateur des Hotelreſiaurant Kolpingshaus=

oder Der Kavaller von Wedding‟‟
Hauptdarsteller: Hanny Weise, Haly Delschaft,
Curt Vespermann, Walter Slezak.

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Sommerſpielzeit
im Kleinen Haus
des Heſſiſchen
Tandestheaters
Leitung: Direktor Adalbert Steffter
Heute Sonntag
2 Vorſtellungen ſ.

nachm. 3½ Uhr
Familien= und Fremdenvorſtellung!
Preiſe 43 Mk.
Zum letzten Male!
Wie einst im Mai
Operettenpoſſe in 4 Bildern von
Kollo u. Bredſchneider.
Abends 8 Uhr
Gaſiſpiel Hans Hey
Schwarzwaldmädel
Domkapellmeiſter . Hans Ney a. G.
Morgen Montag und täglich abends
8 Uhr
1! Nur noch einige Male !!
Gaſiſpiel Hans Ney
Schwarzwaldmädel
Schluß der Spielzeit: Sonntag,
21. Auguſt.

Orangeriegarten
Telephon 3546
Vorzüglichen Mittagstlsch
in verschied. Preislagen. Hb 4 Uhr
Käftee Keitent
Für Kinder allerlei Unterhaltung
Eselfahren und -reiten.
Hbends 8 Uhr (* 2107
Meitdere moi. Fände

hentenerfilm in 6 Akten.

(21084

Reichsbund ehem. Muitarmuſifer
Ortsgruppe Darmſtadt
Dienstag, den 18. Auguſt 1927, abends 8 Uhr
im Städtiſchen Saalbaugarten
3. Großes Vereins=Konzert
(Militärmuſik)
unter Leitung der Dirigenten
Buslau, Rühlemann und Weber
Abwechslungsreiche Spielfolge
Eintritt: 70 Pfg., an der Abendkaſſe 1. Mk. Für Studierende
in der Techniſchen Hochſchule 50 Pfg.
Vorverkauf zu 70 Pfg. im Verkehrbüro; bei Chr. Arnold, Ernſt=
Ludwig=Straße; Gerbert, Kurſt=Geigenbauer, Grafenſtraße, Ecke
Rheinſtr,; in den Zigarrenh andlungen: Hees jr., Arheilger Str.;
Franz Künzel, Waldſtr. 12; Mhlius, Ecke Herdweg und Karlſtr.;
Friſeur Schmidt, Heidelberger Straße 87 (Chauſſeehaus); Friſeur
Welter, Eliſabethenſtraße 53 und bei den Mitgliedern.
Bei ungünſtiger Witterung im Saale (126308

Siaof. Herrngarfen
Sonntag, 14. Auguſf, vorm. 11 Uhr

Leitung: Städt Kapellmeiſter
(Ernſt Guido Naumann
St. 12649)

kann

koſtenloſen

Erholungs-Aufenthalt
an der See oder im Gebirge haben? Durch ſtille Mitarbeit
für eine Krankenkaſſe alle Berufe. Krankengeld von 8.4
bis 34 4 pro Woche. Beitrag von 60 H an. Als Zuſatzkaſſe
für Mitgl. anderer Kaſſen geeignet. Arzt u. Apotheke
pro Monat 3.50 , Familie 5 . Vertreter bei hohem
Berdienſt geſucht. Generalvertretung W. Götzinger, Darm=
ſtadt
, Holzhof=Allee 25

Sonntag, 21. Auguſt 1927,
Dr. Minde Monzelt
m ſtädt. Saalbaugarten. Ausgeführt v. dem
geſamten Orcheſter der Beamtenvereinigung /Bekannt vorzügl. Küche• Gut ge0.
ehem. Militärmuſiker unter Leitung ihres Getränke• Angenehmster Aufenthal!
Dirigenten Gg. Greilich und unter Mitwir= Räder-Einstellung• Fremdenzimel
kung des Piſton=Virtuoſen Herm. Buslau.
Unſere Mitglieder u. deren Angehörige,
Kameraden anderer vaterländiſchen Be hän=
den
, ſowie Freunde und Gönner un erer
Vereinigung laden hiermit herzlichſt ein) an die herriiche Bergſtraße
Der Vorſtand.
1-619)
Heidelberger
Festspiele 1927
Künſtleriſche Leitung: Guſtav Hartung
Die letzten Spfeltage:
Sonntag, den 14. Auguſt:
Sommernachtstraum
Montag, den 15. Auguſt: (I V12661
Käthchen von Heisbronn
Dienstag, den 16. Auguſt:
Hacbeth
Mittwoch, den 17. Auguſt:
Käthchen von Heilbronn
Vorverkaufsſtellen: Bücherſtube Boden=
heimer
, Rheinſtr. 24, die Vertretungen
8 Preiburg im Breisgau 6
Hilda-Frauenschule
des Freiburger Frauenvereins
vom Nolen Kreuz
Für Töchter der gebildet. Stände ein=
und zweijähr. Ausbildungskurſe durch
ſtaatl. geprüfte Lehrkrä te. Außerdem
halbjährige Sonderkurſe in Hauswirt=
ſchaft
u. wiſſenſchaftl Fächern Geſell=
ſchaftliche
Weiterbildung. Herrl. Lage,
Waldesnähe. Auskunft u. Proſpekt durch
die Präſidentin Frau Prof. Heilig,
Freiburg i Br., Glümerſtr. 11. 11 12105
empf. Drogerie
Briuhefen, Gärmittel secher Nachf.

Laswigshohein
Heute nachmittag 4 Uhr
Konzert
Städt. Orcheſter 126321
Leitung: Konzertmeiſter Finke.
10er=Karten haben Gültigkeit.
Bei ungünſtiger Witterung Saalkonzeri.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.

15.20 Uhr erſch
tiadt. Sie war das
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Bestauralion zum Hordbahnhes
Frankfurterstraße 79
Heute
großer TANZ
Peter Rossmann. (*20980

zur Eberstädter
11Ur KIRCHWEIH.
zum Bchmiient

im Garten BLdcntModlt

2 Musik-Kapellen!
Tanzdiele
für Walzer und beliebte Volkstänze
HahBHnrHnd im Sache
EBERSTADTER JAZZ-KAPELLR"
nachmittags 4 Uhr ab: Kirchweih-Montag, ½10 Uhr vormitt. -
GR. FRUKSCROPPEA-KONZEKT
ABERDS: TANZ IMI SKKL UND GNRIK
Italien. Nacht . Fackel-Polonaise ei
(12614)
Sonntags-Ausflug
(Malchen Seeheim Jugenheim!
Kirchweih in Seeheim
Autobusfahrten ab weiß. Turm (Schloßl
Sonntagsfahrplan: Vorm. 8:0 100.
nachm. 250, 30 3, 40, 50 Rückfahrten
ab 6 Uhr abends etwa ſtündlich. (12642
Autobetrieb Bergſtraße‟
Kirchweihe in Seeheind
Hotel Hufnagel
Sonntag, den 14. und Montag, den 15. Auge
im neuen Feſiſaal 20830eS
der Mitelenestiſchen Reiet e. Tanz ab 4 Anſ.
Tanzdiele im Garten. Autoverbindung
Jeden Dienstag Tanzabend.

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Zur Krone‟ Nierſtein
Aelieſtes Nierſteiner Weinhaus
Beſitzer: Jakob Gerhardi
Ia gepfiegte Weine / Eigenbau, Handel.
Reichhaltige Küche (62952

Für Vereine empfehle:
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