Darmstädter Tagblatt 1927


17. Juli 1927

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche ilnſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 196
Sonntag, den 17. Juli 1927.
190. Jahrgang

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Rabatt weg. Banſtionto: Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbant.

Generalſtreik in Wien.

Oeſterreichs Tragödie.
Der Generalſtreik beſchloſſen.
* Berlin, 16. Juli. (Priv.=Tel.)
Die letzten Meldungen aus Wien oder Umgegend beſagten,
= der Generalrat der Sozialdemokratiſchen Partei im Ver=
In mit dem Gewerkſchaftsrat in einer mehrſtündigen Sitzung
e Proklamierung des Generalſtreiks erwogen und beſchloſſen
1 mit der Forderung einer ſofortigen Demiſſion ſowohl an
ei. Wiener Polizeipräſidenten als auch an die Regierung Seipel
ſeraanzutreten. Die Ereigniſſe ſcheinen ſich bisher auf Wien be=
19ränkt zu haben, obwohl berichtet wurde, daß der Schutzbund
ganzen Tag über Zuzug aus der Provinz erhalten hat.
Ye enfalls aber hat die Tiroler Landesregierung in einer drin=
erid
einberufenen Sitzung beſchloſſen, alle Maßnahmen zu tref=
0n, um ein Uebergreifen der Bewegung auf Tirol zu verhindern.
ürrbei ſollen die Erwägungen eine beſondere Rolle geſpielt
auen, daß Italien im Falle einer weiteren Ausdehnung der
ewvegung kaum ſeine Neutralität bewahren dürfte. Auch hin=
ch
=lich Ungarns ſind dieſe Bedenken laut geworden; die Buda=
ei
er Regierung hat aber offiziell verlautbaren laſſen, daß ſie
1 vollſtändig neutral verhalten werde. Da man, wie verſchie=
ene
Berichte beweiſen, auch im Ausland und insbeſondere in
en, alliierten Hauptſtädten die Bewegung mit großer Aufmerk=
mrkeit
verfolgt, iſt ohne weiteres erſichtlich, daß die Umſturz=
ewgegung
auch aktuelle außenpolitiſche Bedeutung erlangen kann.
Wer die Hintermänner der Bewegung ſind, ſteht noch nicht
mawandfrei feſt. Es ſcheint, daß die Entwicklung ſich ſo voll=
aen
hat: Der Empörung, die das Schattendorfer Urteil in
riiſen der radikalen Arbeiterſchaft ausgelöſt hat, haben ſich
enchiedene dunkle Elemente, darunter zweifellos kommuniſtiſche
gttatoren, bemächtigt, um daraus für revolutionäre Zwecke
geital zu ſchlagen. Das auf den erſten Blick uneinheitliche und
umtſchloſſene Vorgehen der Behörden erklärt ſich daraus, daß
Landeshauptmann und der Polizeipräſident verſchiedenen
asteien, der ſozialdemokratiſchen, bzw. der chriſtlich=ſozialen,
uehören. Der ſozialdemokratiſche Landeshauptmann erteilte
Befehl, von der Waffe nur im alleräußerſten Fall Gebrauch
machen; als der chriſtlich=ſoziale Polizeipräſident ſich zur
mu ubordination entſchloß und ſeinerſeits den Befehl gab, zu
uuern, war es bereits zu ſpät. Denn der Juſtizpalaſt und die
Ru ichspoſt brannten, und die Ausſchreitungen nahmen immer
füßeren Umfang an. Die Zahl der Todesopfer, die noch nicht
unnal endgültig feſtſteht, erklärt ſich auch nur daher, daß die
eſnörden ſich nicht rechtzeitig zu einem energiſchen Vorgehen
ſttz chloſſen.
Und ſo iſt aus der Revolte eine Revolution geworden, und
ſe! Demonſtration gegen ein Gerichtsurteil droht ſich zu einer
tu atskriſis auszuwachſen. Und die Tragödie des kleinen, ver=
ümimelten
und zerriſſenen deutſch=öſterreichiſchen Volkes wird
meut vor aller Welt offenbar. Durch den Vertrag von St.
enrmain aller ſeiner Machtmittel beraubt, beſitzt der Staat heute
mm noch die Autorität, um ſich im Innern, geſchweige denn
700 außen hin durchzuſetzen. Dieſer Zuſtand hat auch, genau
in Deutſchland, weite Kreiſe der Bevölkerung veranlaßt,
Selbſthilfe zu greifen. Es entſtanden politiſche Vereinigun=
und Verbände, legale und illegale, die zudem durch die
arsteien verhetzt und zu Parteizwecken benutzt werden. Länder
zt hochentwickelter Induſtrie, wie Deutſchland und Oeſterreich,
ragichen unbedirgt eine Polizei= und Wehrmacht, auf die ſie
ne Autorität ſtützen können. Vollends,braucht Oeſterreich, der
eime Reſt eines einſt mächtigen und ſtarken Staates, eine Macht,
nſdie es ſich anlehnt, da es ſich immer mehr erweift, daß dieſer
eune Staat, nach dem Rezept von St. Germain geſchaffen, nicht
byensfähig iſt. Die Machthaber von Verſailles und St. Ger=
tan
n haben das deutſche Volk für alle Zeiten zur Wehrloſigkeit
emarteilen wollen und damit den Keim gelegt für eine Saat,
fel jetzt wieder einmal in Wien aufgegangen iſt.
Der Verkehr in ganz Oeſierreich ſtillgelegt.
Die von den Gewerkſchaften ausgegebene Generalſtreik=
anwle
ſcheint von allen Beamtenorganiſationen der Bahn und
ſoitt bis ins Kleinſte durchgeführt zu werden. Heute mittag
ſa: es unmöglich, von Berlin aus weder Wien, noch andere
öißere Städte wie Salzburg, Innsbruck uſw. telephoniſch oder
laggraphiſch zu erreichen. Der öffentliche Verkehr liegt in ganz
efterreich vollkommen ſtill.
Wie wir auf Anfrage bei der Berliner öſterreichiſchen Ge= ſind im Extrazug Schutzbündler eingetroffen, um die Macht zu
motſchaft erfahren, beherrſcht die Polizei das Feld. Die Volks=
aſfen
leiſten den Anordnungen der Polizei und ihrer Führer
lge. Wie die Geſandtſchaft weiter mitteilt, wurde der Gene=
ſtreik
offiziell proklamiert und wird durchge=
ihrt
. Jeder Verkehr mit Wien iſt unmöglich. Die
oſ. ialdemokraten haben heute vormittag offiziell den Rücktritt
Bundeskanzlers Seipel gefordert.
Auch die amtlichen Reichsſtellen in Berlin haben, wie
erfahren, ſeit geſtern abend keinerlei Verbindung mehr mit
deutſchen Geſandtſchaft in Wien, ſo daß auch das Auswär=
Amt auf die ſpärlichen Nachrichten angewieſen iſt, die über
Tſchechei und aus Preßburg, 40 Kilometer von Wien ent=
Ziener Pöbel, das Arſenal geplündert hat und die Waffen
nier die Menge verteilte. Die Wiener Regierung ſehe dem
euntigen Nachmittag und dem morgigen Sonntag mit Sorge
iſtaniſchen Schutzbundes. In einem gewiſſen Gegenſatz dazu
et die Meldung, die Regierung Seipel verbreite, ſie ſei Herr merie rach Innsbruck gebracht. Trotzdem verlaſſen viele
Stadt und ſetze die Verhandlungen mit den Sozialdemokraten

h,denke aber nicht daran, zurückzutreten.

Wie die Reichsbahndirektion München mitteilt, wurde Frei=
tag
23,30 Uhr wegen Streik der geſamte Verkehr auf den öſter=
reichiſchen
Bahnen eingeſtellt. Der Abendvorzug von München
nach Wien wurde Freitag abend in Salzburg von den öſterreichi=
ſchen
Bahnen nicht mehr übernommen. Die Reiſenden fuhren,
ſoweit ſie nicht in Salzburg bleiben wollten, heute wieder nach
München zurück. Die Münchener Züge nach Oeſterreich verkehren
jetzt nur bis zur Landesgrenze, alſo bis Salzburg, Kufſtein,
Mittenwalde. Auch der Pariſer Zug über InnsbruckWien iſt
geſtern abend in Oeſterreich nicht mehr gefahren worden. Durch
den Streik ſtockt der geſamte internationale Reiſeverkehr nach
Oeſterreich, ſo vor allem nach Italien (Trieſt) und in Verbin=
dung
damit nach den ſüdſlawiſchen Gebieten. Die italieniſche
Verbindung iſt nur über die Schweiz möglich. Die Reiſenden
werden in München davon in Kenntnis geſetzt, daß die Fahrt
nach Oeſterreich auf eigenes Riſiko geſchieht.

Polizeipräſident Dr. Schober,
deſſen Rücktritt die Wiener Sozialdemokraten verlangen, da er
die polizeilichen Maßnahmen zum Schutz der öſterreichiſchen Bun=
deshauptſtadt
angeordnet hat. Neben dem Rücktritt Schobers
wird auch die Demiſſion des Bundeskanzlers Seipel gefordert.
Die Sozialdemokraten fordern den Rücktritt
der Regierung Seipel.
Die ſozialdemokratiſche Parteileitung verlangt, daß die Re=
gierung
Seipel nunmehr den Platz räumen ſoll. Seipel iſt jedoch
nichſt bereit, dieſer Aufforderung Folge zu leiſten. Um 10 Uhr
vormittags wurde ein außerordentlicher Miniſterrat einberufen,
deſſen Beratungen um 1 Uhr mittags noch andauerten. Es wurde
jedoch bisher kein Beſchluß gefaßt. Scheinbar iſt Seipel feſt
entſchloſſen, an der Regierung zu bleiben und
die Macht nicht in die Hände der Sozialdemokraten übergehen
zu laſſen. Die Sozialdemokraten dagegen wollen bis zur Aende=
rung
der Lage den angeordneten Generalſtreik nicht aufgeben.
Die Gebäude der Wiener Redaktionen der nationaliſtiſchen Zei=
tungen
ſind von ſtarken Polizeiaufgeboten beſetzt, damit keine
neuen Verwüſtungen und Plünderungen angerichtet werden kön=
nen
. Seit heute früh werden auch die Redaktionen der bürger=
lichen
Zeitungen bewacht. Der Ort des geſtrigen Straßenkampfes
wird von drei ſtarken Polizeikordons bewacht. In ganz Ober=
öſterreich
, Wienerneuſtadt, Graz und Linz ſind Proteſtverſamm=
lungen
abgehalten worden.
Die Lage der Regierung Seipel.
Die Bayeriſche Staatszeitung veröffentlicht einen Bericht
aus Wien, in dem es u. a. heißt: Die gegenwärtige Situation in
Oeſterreich iſt ſo, daß die Regierung Seipel dem An=
ſturm
der Sozialdemokraten machtlos gegen=
überſteht
. Sämtliche wichtigen Stellen in Wien
ſind von den Aufſtändigen beſetzt. Der Regierung
ſteht weder Telephon, noch eine Radioſtelle zur Verfügung. In
Salzburg, Linz, Kufſtein und anderen Städten außerhalb Tirols
haben die im Streik ſtehenden ſozialdemokratiſchen Eiſenbahner
teilweiſe mit Zuzug aus Wien die Bahnhöfe beſetzt. In Linz
übernehmen. Auch die Münchener Neueſten Nachrichten er=
fahren
von zuſtändiger öſterreichiſcher Stelle, daß die Bahnhöfe
von Linz und Insbruck von republikaniſchen Schutzbündlern in
Uniform beſetzt ſind, und daß alle öffentlichen Verkehrsſtellen in
Wien gleichfalls vom Schutzbund beſetzt ſind, der auch die tele=
phoniſchen
Verbindungen beherrſcht.
Ein Aufruf der Tiroler Landesregierung.
Die Tiroler Landesregierung hat einen Aufruf erlaſſen, in
dem ſie die Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung ermahnt. Jeder
ſoll weiter ſeine Arbeit tun und irgendwelcher Streikparole nicht
Folge leiſten. Auch die fremden Sommergäſte Tirols ſollen ſich
rt, einlaufen. Dieſe letzten Meldungen beſagen, daß der nicht beunruhigt fühlen, denn was in Wien geſchehe, werde von
Tirol auf das ſchärfſte verurteilk. Oeſterreich dürfe in keinen
Bürgerkrieg hineingezogen werden. Sonſt drohe nämlich dem
Lande die Intervention des Auslandes. In Innsbruck macht
itngegen, namentlich wegen der ungewiſſen Haltung des Repu= ſich der Generalſtreik bisher nur bei der Poſt bemerkbar. Die
in Permanenz tagende Landesregierung hat genügend Gendar=
Sommergäſte die Stadt auf Omnibuſſen, weil ſie auch hier Un=
ruhen
befürchten.

Deutſch=engliſche
Induſtrie=Beſprechungen.
Von
Dr. J. Herle,
Geſchäftsführer des Reichsverbandes der Deutſchen Induſtrie.
Die weltwirtſchaftliche Entwicklung und insbeſondere die
Geſtaltung der europäiſchen Wirtſchaftsverhältniſſe in der Nach=
kriegszeit
hat in wachſendem Maße zu der Verbreitung der Er=
kenntnis
geführt, daß die internationale Wirtſchaftsverſtändi=
gung
immer mehr als ein ſtändiger Zweig der wirtſchaftlichen
Beſtrebungen und der Wirtſchaftspolitik anzuſehen iſt. Auf
kommerziellem Gebiet iſt eine erhebliche Reihe internationaler
Produktions= oder Abſatzgemeinſchaften entſtanden, und darüber
hinaus haben ſich auf dem wirtſchaftspolitiſchen Gebiete die
Anſätze, die bereits vor dem Kriege zu verzeichnen waren, fort=
entwickelt
. Gerade die vergangenen Monate haben zwei auſ
dieſem Gebiete liegende Ereigniſſe allererſten Ranges gebracht,
nämlich die Arbeiten auf der Internationalen Wirtſchaftskonfe=
renz
in Genf und auf dem Stockholmer Kongreß der
Internationalen Handelskammer.
In der Erkenntnis der wachſenden Bedeutung dieſer Ten=
denz
und in der richtigen Würdigung, wenn auch nicht beſtimm=
ter
, ſo doch gewiſſer Erfolgsmöglichkeiten, iſt auch ſchon ſeit
längerer Zeit in den national organiſierten Induſtrien der füh=
renden
europäiſchen Länder der Wunſch laut geworden, zu wirt=
ſchaftspolitiſchen
Vereinbarungen von Induſtrieorganiſation zu
Induſtrieorganiſation zu gelangen. Eine beſondere Initiative
hat dabei die engliſche Induſtrieorganiſation, die Federation of
Britiſh Induſtries, entwickelt. Es haben zwiſchen ihr und
anderen nationalen Induſtrieorganiſationen, im letzten Jahre
wiederholt Beſprechungen ſtattgefunden, ſo z. B. mit dem Reichs=
verband
der Deutſchen Induſtrie im Dezember v. J. in London,
ferner mit der franzöſiſchen Induſtrie und der italieniſchen Indu=
ſtrie
. Die Beſprechungen mit dem Reichsverband haben in der
Form eines Gegenbeſuches der Federation in Berlin jüngſt am
4. und 5. Juli ihre Fortſetzung gefunden. Man hatte ſich bereits
in London eingehend über Fragen der allgemeinen europäiſchen
Handelspolitik, des Kartellweſens, des Kreditweſens, des Meſſe=
weſens
, des Subſidienweſens, der Doppelbeſterung und
anderes mehr unterhalten, und die jetzigen Beſprechungen haben
zum großen Teil an dieſe frühere Ausſprache angeknüpft, unter
Berückſichtigung der inzwiſchen erfolgten, zum Teil gemein=
ſchaftlichen
Arbeiten der beiden Induſtrieorganiſationen ſowie
der Ergebniſſe auf den großen Konferenzen in Genf und
Stockholm.
Die ausführliche Diskuſſion über das handelspolitiſche Er=
gebnis
der Weltwirtſchaftskonferenz ergab nicht nur eine Ueber=
einſtimmung
in der Anerkennung der von der Konferenz gelei=
ſteten
Arbeit, ſondern die beiden Induſtrieorganiſationen ſind
ſich auch über einige beſtimmte Gebiete einig geworden, auf
denen vielleicht ſchon in naher Zeit greifbare Ergebniſſe erzielt
werden können, ſo z. B. hinſichtlich der Beſeitigung der Ein=
und Ausfuhrverbote, der Vereinheitlichung und Vereinfachung
der Zollnomenklatur, und des Ausbaues der internationalen
Handelsſtatiſtik. Beide Organiſationen wollen (und ſie erhoffen
von der parallelen Aktion, eine beſondere Wirkung) bei den
Regierungen der beiden Länder vorſtellig werden, daß die Löſung
dieſer Aufgabe mit allen Kräften und mit höchſter Beſchleunigung
in Angriff genommen wird.
Angeſichts des Verhältniſſes der Internationalen Wirt=
ſchaftskonferenz
zum Völkerbund unterhielt man ſich auch lebhaft
über die allgemeine Frage der Behandlung wirtſchaftlicher Pro=
bleme
durch den Völkerbund. Hier wurde es zur Ausfüllung
einer Lücke vor allem für notwendig erachtet, daß den Vertretern
induſtrieller Organiſationen eine enge Mitarbeit bei den in
Frage kommenden Ausſchüſſen des Völkerbundes ermöglicht
würde. Bisher hat es der Völkerbund abgelehnt, ſolche Anträge
von Verbänden in den einzelnen angeſchloſſenen Staaten ent=
gegenzunehmen
. Demgegenüber wurde es als wünſchenswert
bezeichnet, daß nach dem Vorbild der bereits von anderen Wirt=
ſchaftsgruppen
eingeleiteten Gemeinſchaftsarbeit eine Fühlung=
nahme
zwiſchen den geſchäftsführenden Leitern der induſtriellen
Intereſſenvertretungen, wenigſtens der großen europäiſchen Län=
der
, herbeigeführt werde.
Eine beiderſeitige Zuſtimmung zu den Entſchließungen der
Internationalen Wirtſchaftskonferenz ergab ſich auch bezüglich
der internationalen Kartelle. Es iſt richtig, daß die Bedeutung
der internationalen Kartellierung nicht überſchätzt werden darf.
Kartelle ſind zwar nicht das alleinige Mittel, die Wirtſchaftsnot
zu beheben, aber immerhin können ſie doch ein geeignetes Mittel
für die Produktionsförderung ſein. Bei den deutſch=engliſchen
Induſtriebeſprechungen wurde übereinſtimmend zum Ausdruck
gebracht, daß zwar eine internationale Kartellkontrolle abzu=
lehnen
ſei, dagegen eine weitgehende Publizität und ein inter=
nationaler
Austauſch von Statiſtiken und Erfahrungen durchaus
dem Intereſſe der beteiligten Induſtrieſtaaten entſpräche. Unter
dem Zeichen des notwendigen Austauſches von Erfahrungen
ſtanden auch die Verhandlungen auf dem Gebiete der Export=
kredit
=Verſicherung wie der Verſicherung von Forderungen an
das Inland. Die Schwierigkeit der Abdeckung des Kataſtrophen=
riſikos
iſt heute in ihrer internationalen Bedeutung voll erkannt,
und die Prämienhöhe, die Rückverſicherung uſw. dürften ein
wichtiger Ausſprachengegenſtand künftiger Konferenzen ſein. Die
deutſche wie die engliſche Induſtrie begrüßen eine internationale
Zuſammenarbeit auch auf dieſem Gebiete, und die Leiſtung von
Vorarbeiten durch die beiderſeitigen Geſchäftsführungen wird
eine wichtige Aufgabe der nächſten Monate ſein. Unter mannig=
fachen
ſonſtigen Beratungspunkten ſei ſchließlich noch die wich=
tige
Frage der internationalen Regelung des Ausſtellungs= und
Meſſeweſens und der Bekämpfung von Mißſtänden auf dieſem
Gebiete erwähnt.
Der in vorſtehenden Ausführungen gegebene kurze Aus=
ſchnitt
aus den Ergebniſſen der Berliner Konferenz des Reichs=
verbandes
der Deutſchen Induſtrie und der Federation of Britiſh
Induſtries läßt erkennen, daß man erfreulicherweiſe ſchon erheb=

[ ][  ][ ]

Seite 2

lich über das Stadium der erſten Verſtändigungsanbahnung
hinausgekommen iſt. Der Reichsverband der Deutſchen Induſtrie
ſteht nicht an, der Federation of Britiſh Induſtries ſeine dank=
bare
Anerkennung für die Art und Weiſe auszuſprechen, wie
die Federation den deutſchen Anregungen entgegengekommen iſt,
und für die Manifeſtierung des freundſchaftlichen und fortſchritt=
lichen
Geiſtes, wie er bei den Verhandlungen zu Tage getreten
iſt. Es darf natürlich bei allem guten Willen, der auf beiden
Seiten vorhanden iſt, nicht außer acht gelaſſen werden, daß zwi=
ſchen
den beiden Induſtrieländern England und Deutſchland
notwendigerweiſe Intereſſengegenſätze beſtehen
müſſen, die ſich in erſter Linie aus dem gemeinſamen Wettbewerb
der beiden hochentwickelten Induſtrien auf dem Weltmarkt er=
geben
. Aber daneben beſteht auch eine große Reihe gemeinſamer
Intereſſen, die durch gemeinſame Arbeit gefördert werden können.
Das für das nationale Leben eines jeden Volkes wichtige Prin=
zip
, das Trennende nach Möglichkeit zurückzuſtellen und das
Einigende in den Vordergrund zu rücken, hat auch im inter=
nationalen
Zuſammenwirken eine ſtarke Geltung. Der euro=
päiſche
Kontinent iſt infolge der Kriegs= und Nachkriegsentwick=
lung
ſehr ſtark gegenüber Amerika ins Hintertreffen geraten, und
der daraus entſpringende Zwang zur Selbſthilfe iſt für Europa
einfach eine Exiſtenznotwendigkeit geworden. Die deutſch= eng=
liſchen
Induſtriebeſprechungen können neben den vielen anderen
und größeren Erſcheinungen der letzten Monate für ſich bean=
ſpruchen
, über die Förderung der ſpeziellen Induſtrieverhält=
niſſe
der beiden verhandelnden Länder hinaus auch der geſamt=
europäiſchen
Wirtſchaftsentwicklung einen Dienſt geleiſtet zu
haben.
Die Reichseinnahmen im Juni 1927.
Das Geſamtaufkommen an Steuern, Zöllen
und Abgaben.
Nach der vom Reichsfinanzminiſterium herausgegebenen
Ueberſicht weiſen die Einnahmen des Reiches aus Steuern,
Zöllen und Abgaben im Juni 1927 mit 553 Millionen Mark
gegenüber den im Mai 1927 aufgekommenen 622,8 Millionen
Mark eine Mindereinnahme von 68,9 Millionen Mark auf. Dieſe
Mindereinnahme entfällt ausſchließlich auf die Beſitz= und Ver=
kehrsſteuern
, die von 384,3 Millionen Mark im Mai auf 315,2
Millionen Mark im Juni zurückgegangen ſind, wogegen die Zölle
und Verbrauchsabgaben faſt genau die gleichen Einnahmen er=
geben
haben, wie im Vormonat. Der Einnahmerückgang bei den
Beſitz= und Verkehrsſteuern erklärt ſich in der Hauptſache dar=
aus
, daß am 15. Mai der Zahlungstermin für die Vermögens=
ſteuer
war, und dieſe daher im Monat Mai rund 75,3, im Juni
dagegen nur 19,7, alſo rund 55,6 Millionen Mark weniger er=
bracht
hat. Die Einkommenſteuer aus Lohnabzügen hat wieder
100 Millionen überſchritten und hat gegenüber dem Vormonat
8,3 Millionen Mark mehr ergeben, eine Folge des Rückganges
der Erſtattungen für 1926 und der Beſſerung auf dem Arbeits=
markt
.
Demgegenüber war das Aufkommen aus der veranlagten
Einkommenſteuer im Juni um 14,7 Millionen Mark niedriger als
im Monat Mai, was darauf zurückzuführen iſt, daß im Mai noch
größere Beträge aus dem Vierteljahrszahlungstermin vom
10. April eingegangen ſind. Auf den gleichen Umſtand iſt auch
bei der Umſatzſteuer, die gegenüber einem Vierteljahrseinſatz von
225 Mill. in Wirklichkeit nur 146 Mill. gebracht hat, die Minder=
einnahme
von 10,2 Mill. Mark im Juni gegenüber der Mai=
einnahme
zurückzuführen. Die vom Reichstag beſchloſſene Er=
mäßigung
der Zuckerſteuer von 50 Proz. tritt erſt vom 1. Auguſt
ab in Kraft. Sie wird ſich daher erſt in ſpäteren Monaten aus=
wirken
.
Zuſammenfaſſend iſt zu ſagen, daß das Geſamtaufkommen
an Steuern, Zöllen und Abgaben im erſten Vierteljahr des
Rechnungsjahres 1927 keine weſentlichen Mehreinnahmen für das
ganze Rechnungsjahr gegenüber dem Haushaltsvoranſchlag er=
warten
läßt. Mehreinnahmen bei verſchiedenen Poſitionen wer=
den
durch ſtarke Minderergebniſſe bei anderen aufgewogen. Der
geſamten Veranlagung von 7½ Milliarden im Reichshaushal=
tungsplan
, ſtehen an Einnahmen im erſten Vierteljahr 1,926 Mil=
liarden
gegenüber. Die Höhe der Einnahmen aus den übrigen
Beſitz= und Verbehrsſteuern im Juni hat ſich nicht weſentlich von
der Höhe der Einnahmen im Mai unterſchieden und entſpricht
im weſentlichen den Schätzungen. Die Einnahmen aus den Zöl=
len
ſind gegen den Vormonat Mai wieder um 6,8 Mill. Mark
geſtiegen. Dies dürfte in der Hauptſache auf die noch weiter
erhöhte Getreideeinfuhr infolge der vorjährigen ſchlechten Ernte
zurückzuführen ſein. Die Verbrauchsabgaben haben, abgefehen
von geringen durch die Jahreszeit bedingten Schwankungen, im
Juni den gleichen Ertrag ergeben wie im Vormonat. Das Vier=
teljahresſoll
iſt alſo nicht ganz erreicht worden.

Vom Tage.

Der deutſche Botſchafter in Waſhington, Baron
v. Maltzan, iſt geſtern in Berlin eingetroffen.Er befindet ſich
auf einer längeren Urlaubsreiſe.
Als Wahltag für den neuen Landtag des Memel=
gebietes
wurde nunmehr, nachdem die Hindernisgvinde endgültig
behoben ſind, amtlich der 30. Auguſt 1927 feſtgeſetzt.
Die Mitglieder der Familie Tſcharmann, die in
dem Schattendorfer Prozeß von dem Wiener Schwurgericht freigeſprg=
chen
worden waren, ſind, wie aus Budapeſt gemeldet wird, au3 Schat=
tendorf
geflüchtet und haben die ungariſche Grenze
überſchritten.
Die engliſche Regierung hat ſich veranlaßt geſehen, der
abeſſiniſchen Regierung einen ſcharfen Proteſt gegen
den Ueberfall einer Karawane zu überreichen, der ſich im
letzten Monat in Abeſſinien ereignete.
In Bolivien iſt eine kommuniſtiſche Verſchwörung
aufgedeckt worden.

Gegenmaßnahmen in Tirol.
Innsbruck, 16. Juli.
Die Tiroler Landesbehörden haben die in ihrem Bereich
liegenden Garniſonen und ſämtliche Polizeiabteilungen geſtern
nachmittag in voller Bereitſchaft gehalten. Geſtern abend traten
die Führer des republikaniſchen Schutzbundes zu einer Beſpre=
chung
zuſammen. Während der ganzen Nacht tagten außerdem
die Führer der Tiroler Landeswehr, um über die zu ergreifen=
den
Maßnahmen gegenüber den Vorgängen in Wien zu beraten.
Die Landesregierung fordert den Kommandanten des Schutz=
bundes
auf, im Intereſſe der Ruhe und Ordnung auf ſeine An=
hänger
beſchwichtigend einzuwirken. Weiter wurde ihm bedeutet,
daß die Landesregierung mit allen zur Verfügung ſtehenden
Mitteln jede Aktion der Tiroler Sozialdemokraten unterdrücken
werde. Auf Veranlaſſung der Gewerkſchaften iſt ſeit heute früh
5 Uhr der Eiſenbahnverkehr in ganz Tirol eingeſtellt worden.
Adet berichtet über die Wiener Ereigniſſe.
München, 16. Juli.
Heute abend nach ½7 Uhr landete hier, aus Wien kommend
der bekannte Sportflieger Udet mit ſeiner kleinen Maſchine. Er
war geſtern, von Budapeſt kommend, in Wien gelandet. Außer=
dem
traf faſt gleichzeitig die Verkehrsmaſchine der Süddeutſchen
Lufthanſa mit dem Piloten Doli und drei Paſſagieren in Mün=
chen
ein. Beide Flugzeuge hatten in Aſpern bei Wien bereits
heute früh ſtarten wollen, wurden aber daran gehindert, und
konnten erſt nach längeren =Ver andlungen, bei denen ſich auch
der deutſche Geſandte Graf Lerchenfeld bemühte, nachmittags
34 bzw. 4 Uhr aufſteigen. Während der Pilot Doli wenig zu
erzählen weiß, weil er nicht nach Wien hereingekommen iſt, in
Aſpern aber alles ruhig war der geſamte Verkehr zwiſchen
dem Flugplatz Aſpern und Wien iſt eingeſtellt , berichteten
Udet und eine als Paſſagier mitgekommene Dame, daß die Nacht
in Wien verhältnismäßig ruhig verlaufen ſei, ebenſo der Vor=
mittag
, da um 10 Uhr verlautete, daß zwiſchen der Regierung
Seipel und den ſozialdemokratiſchen Führern Verhandlungen
eingeleitet ſeien. Um 1 Uhr mittags hörte man plötzlich wieder
im Innern der Stadt in der Ringgegend Schüſſe fallen. Irgend
ein Verkehr war heute in Wien nicht im Gange. Sämtliche Ver=
lehrsmittel
einſchließlich der Autodroſchken und Omnibuſſe lagen
ſtill. Für den nichteingeweihten Betrachter ſtellte ſich heute nach=
mittag
in Wien die Lage noch vollkommen undurchſichtig und
verworren dar und man konnte nicht erkennen, wer eigentlich
wirklich Herr der Lage ſei. Die Leute des Republikaniſchen Schutz=
bundes
fah man uniformiert in Autos durch die Stadt ſauſen.
Die Polizeimannſchaften ſind, noch vollauf in Atem gehalten.
Wenn ſie hier eine Verſammlung zerſtreut haben, müſſen ſie
ſchon wieder an einer anderen Stelle eingreifen. Das Militär
verhält ſich vollkommen paſſiv. Die Zahl der Toten wird auf
120 angegeben. Ueber die Szenen, die ſich geſtern abgeſpielt
haben, beſonders bei dem Zerſtörungswerk am Juſtizpalaſt,
werden von den genannten Gewährsleuten erſchütternde Einzel=
heiten
über grauenvolle und brutale Gewalttaten gegen über=
wältigte
Polizeibeamte und vier Gerichtsbeamte mitgeteilt.
Von dem Flieger Hochmuth, der mit dem Flugzeug der
Linie InnsbruckMünchen ebenfalls in München gelandet iſt,
wird berichtet, daß der Generalſtreik in Innsbruck zwar nicht
offiziell verkündet worden iſt, daß aber die Bahn ſtillgelegt wor=
den
iſt und auch in den Privatbetrieben heute teilweiſe nicht
gearbeitet wird. In Innsbruck beobachtet man ein gewaltiges
Zuſammenſtrömen von Fremden aus dem inneren Tirol, die
das Land fluchtartig über die bayeriſche Grenze zu verlaſſen
trachten. Sonſt iſt die Lage in Innsbruck und Tirol jedoch ruhig.

Nummer 196
Die Ruhe nach dem Sturm.
Wiederaufnahme der Arbeit am Moniag.
EP. Wien, 16. Juli.
Heute herrſcht verhältnismäßige Ruhe in Wien. Große
Arbeitertrupps ziehen über die Straßen. Es kam aber zu keinen
Zuſammenſtößen. Die Abordnungen des Republikaniſchen
Schutzbundes patrouillieren fortwährend auf den Straßen. Es
wird vermutet, daß es heute eventl. zu einer Regierungskrife
kommen werde. Der allgemeine Streik dauert noch immer an.
Der Verkehr der elektriſchen Straßenbahn iſt noch nicht wieder
hergeſtellt worden. Die Zeitungen ſind nicht erſchienen, mit
Ausnahme einer Extraausgabe der Arbeiterzeitung mit der
Ueberſchrift: Mitteilungsblatt der Sozialdemokratie Deutſch=
Oeſterreichs‟. Das Blatt beſchäftigt ſich mit den geſtrigen Ereig=
niſſen
und lehnt jede Verantwortung für dieſe von der ſozial=
demokratiſchen
Partei ab. Es beſchuldigt die Polizei, die Zu=
ſammenſtöße
heraufbeſchworen zu haben.
Ein ernſter Zwiſchenfall ereignete ſich, als das Automobil
des Bundeskanzlers Seipel aufgehalten wurde. Das Auto be=
fand
ſich auf der Fahrt durch die Innenſtadt. Die das Auto
begleitenden Detektive wurden gezwungen, zu den Revolvern
zu greifen, konnten jedoch, ohne von der Waffe ernſtlich Gebrauch
zu machen, den Wagen des Bundeskanzlers befreien. Die Be=
völkerung
iſt über das Ausbleiben jeglicher Nachrichten beun=
ruhigt
, da das von der Arbeiterzeitung herausgegebene Extra=
blatt
den Nachrichtenhunger nicht befriedigte. Im Laufe des
Tages erſchien die vervielfältigte Zeitung Wiener Leben‟. Die
Zeitung beſtand aus 30 Zeilen Maſchinenſchrift ohne beſonderen
Inhalt und wurde mit 20 Groſchen in 30000 Exemplaren ver=
kauft
. Die Blätter wurden den Verkäufern förmlich aus den
Händen geriſſen. Es beſteht die Befürchtung, daß die Zuſammen=
ſtöße
und Zwiſchenfälle ſich anläßlich des Begräbniſſes der Opfer
wiederholen werden. Anſcheinend haben die Behörden das auch
ins Auge gefaßt, da ſie das für morgen Sonntag anberaumte
Begräbnis auf Mittwoch verſchoben haben. Die Sozialdem
kraten machen geltend, es müſſe in den Reihen der Arbeiterſchaſt
neue Erregung hervorgerufen werden, wenn am Tage des Be=
gräbniſſes
der Arbeiteropfer Schober noch Polizeipräſident und
Seipel Bundeskanzler ſeien. Der allgemeine Streik wird heute
abend ein Ende nehmen, doch gilt dies nur für eine beſtimmte
Anzahl von Berufsgruppen, für die die Gewerkſchaften den 24 Proteſtſtreik angeordnet hatten. Am Montag wird
überall die Arbeit wieder aufgenommen wer=
den
. Der Poſt=, Telegraphen=, Telephon= und Eiſenbahnverkehr
bleiben ginſtveilen unterbrochen. Die Radioſtation von Wien
arbeitet ſeit geſtern abend nicht. Geſtern abend ſind Offiziere
in dem Senderaum der Radiogefellſchaft erſchienen und haben.
die Angeſtellten aufgefordert, nach ihren Weiſungen zu handeln.
Zugleich beſetzten ſie die beiden Sendeapparate. Die Angeſtellten
weigerten ſich, dem Befehl Folge zu leiſten. Hierauf wurde die
Tätigkeit des Senders eingeſtellt.
Jtalieniſche Drohung an Oeſterreich.
Nach einer Meldung der Voſſiſchen Zeitung, aus Inns=
bruck
traf vom italieniſchen Militärkommando am Brenner die
Mitteilung ein, daß, wenn bis Samstag gbend nicht der Bahn=
verkehr
aufgenommen werde, Italien ſeine Tranfitzüge Brenner
Deutſchland unter militäriſcher Bedeckung ſelbſt, führen würde.
In der Gegend des Brenner liegen etwa 10000 Mann im
Manöver.
Die Voſſiſche Zeitung meldet aus Rom: Die Blätter brin=
gen
in großer Auſmachung die Vorgänge in Wien. Der Chef=
redakteur
des Blattes Tevera benutzt dieſe willlommene Ge=
legenheit
, die Anſchlußfrage in den Vordergrund zu ſtellen und
gewiſſermaßen die Zwiſchenfälle darauf zurückzuführen. Durch
die Illuſionspolitik ſei notgedrungen eine Atmoſphäre entſtan=
den
, in der die Unordnung regiere. Darum müſſe ein für allemal
Schluß gemacht werden mit ſolchen Utopien, die dem Volk etwas
Unerreichbares vorgaukeln, da der Vereinigung Oeſterreichs mit
Deutſchland das unbeugſame Veto der Großmächte gegenüber=
ſtehe
.

*Sommerausſtellung der Darmſtädter Gruppe.
In der Kunſthalle am Rheintor wird heute vormittag die
Sommerausſtellung der Darmſtädter Gruppe eröffnet werden.
Die Preſſe war zu einer Vorbeſichtigung bereits für Samstag
eingeladen.
Der Darmſtädter Gruppe gehören an die Herren: Georg
Breitwieſer, Karl Deppert, Ulrich Hallerſtede, Willi Hofferbert,
Alexander Poſch, Marcel W. Richter, Lothar Toller und Gott=
fried
Richter, Offenbach. Das Geſamtbild der Ausſtellung iſt,
wenn auch etwas wirr, ſo doch hocherfreulich, weil es durchweg
von friſch pulſierender, lebenerfüllter Arbeit am Kunſtwerk zeugt
und wveil eine ebenſo lebendige Farbigkeit die Räume der Kunſt=
halle
erfüllt. Sind es auch nicht durchweg reife Kunſtwerke,
denen man hier begegnet, ſo iſt gerade das Erfreuliche an dieſer
Ausſtellung, die vornehmlich von jungen Künſtlern beſtritten
wird, das Schäumende, Gärende, das ſeiner endgültigen Aus=
wirkung
und Klärung noch harrt; daß ſie überzeugend davon
ſpricht, daß die jungen Künſtler noch arbeiten und ringen.
Zu den Reifſten in der Gruppe zählt in erſter Linie Alexan=
der
Poſch, ein Künſtler, der ſchon oft Anlaß zu ehrlicher Aner=
kennung
gab. Sind ſeine Gemälde in erſter Linie auf flächig=
farbige
Wirkung berechnet, die immer neben dem erforderlichen
Verſtändnis auch liebevolles Mitgehen mit dem Kunſtwollen vor=
ausſetzt
, ſind die Landſchaften vor allem ſehr friſch und ſehr flott
geſehen, frei von allzu romantiſcher Träumerei, aber auch ebenſo
frei von überſtark betonter Sachlichkeit. Ebenſo wie ſeine far=
bigen
Bildniſſe und Stilleben, ſo ſind ſeine Zeichnungen, vor
allem eine Anzahl Köpfe in Kreidezeichnung, ganz ausgezeichnete
Porträts. Bildniſſe, die nicht in erſter Linie ſolche ſein ſollen,
d. h. Bilder, ſondern ſie ſind durchweg ganz ausgezeichnet ge=
gebene
Charakteriſierungen der dargeſtellten Perſönlichkeiten.
Nächſt ihm verraten auch die Bilder von Marcel W. Richter
Reife der künſtleriſchen Auffaſſung ebenſo wie des techniſchen
Könnens. In den farbig gedämpften, aber doch im Geſamt=
kolorit
ſehr reichen Bildern dieſes Künſtlers iſt ein Hang zum
romantiſchen Empfinden, zum Suchen der Schönheit, die die
ſachliche Wiedergabe der Natur überſtrahlt, unverkennbar.
Willi Hofferbert ſtellt diesmal neben einer Kollektion
von Blumenſtücken, unter denen namentlich die blühenden Kak=
teen
ungewöhnlich gut gelungen ſind, wenn auch die Glocken=
blumen
, Gladiolen und das Gartenbild farbig reicher ſein
mögen, ein großes Bild Zur roten Laterne aus, das fabelhaft
ſicher geſehen und ungewöhnlich gekonnt iſt. Georg Breit=
wieſer
kommt dieſem Künſtler vielleicht am nächſten, wenn
gleich ſeine Technik ſowohl wie die Erfaſſung der künſtleriſchen
Aufgabe a anderem Wege zu anderem Ziel zu gelangen ſucht.

Die breite, lockere Technik dieſes Künſtlers kommt beſonders
ſeinen Landſchaften zugute. In der künſtleriſchen Bewertung
ſind die einzelnen Exemplare dieſer Kollektion ungleich.
Karl Deppert gehört zu den Künſtlern, die immer wieder
überraſchen. Sein Selbſtbildnis mit Frau iſt in jeder Beziehung
eine intereſſante Arbeit. Auch die Aquarelle und Zeichnungen
von Ulrich Hallerſtede überraſchen durch die friſche Farben=
gebung
einerſeits und die flotte, gut charakteriſierende Linien=
führung
andererſeits.
Zwei Künſtler fallen in dieſer Ausſtellung beſonders auf.
Das iſt Anton Hartmann, Darmſtadt, der u. a. eine ſehr
umfangreiche Kollektion von Studien zur Ausmalung der Kirche
St. Fidelis in Darmſtadt ausſtellt. Die Studien ſelbſt laſſen
naturgemäß eine Beurteilung des endgültigen Werkes nicht zu,
aber ſie zeugen von dem ungeheueren Fleiß und der intenſiven
Vertiefung, mit der dieſer Künſtler an ſeine Aufgabe geht. Seine
Begabung für monumentale Wirkung und vor allem den
ſicheren Blick zur Schaffung wirkſamer Geſchloſſenheit bezeugen
einige andere Studien. Da iſt zum anderen Gottfried Rich=
ter
, Offenbach, der eine Kollektion, formatlich und inhaltlich
großer Landſchaften und Straßenbilder ausſtellt, teilweife auch
mit figürlichem Beiwerk. Die Bilder ſind ſelbſtverſtändlich nicht
alle fertig, aber der Künſtler frappiert durch die Art, wie er
rauſchende Farbe gibt und Tiefen erzielt, obwohl ſeine Farben
vielfach ungebrochen ſtark und aufdringlich, dabei aber im ein=
zelnen
doch nicht der Feinheit entbehrend, aufträgt.
Recht flott und inhaltreich, originell im Vorwurf und auch
in der Löſung der künſtleriſchen Aufgabe ſind die Bilder von
Hermann Rettberg, deſſen Meſſe am Abend beſonders
luſtig aufgefaßt iſt, und auch die Landſchaften und figürlichen
Bilder und Zeichnungen von Lothar Toller, der ſeine Vor=
würfe
meiſt in der heimatlichen Landſchaft findet. Gertrud
Ullman iſt mit dem intereſſanten Bildnis eines jungen
Mannes, intereſſant in erſter Linie durch das Kolorit, ferner
mit Stilleben, Blumenſtücken und einigen ſehr flotten Aqua=
rellen
vertreten, Richard Walter mit Landſchaften, Stilleben
und Genres. Die holländiſchen Landſchaften Kurt Werths
(Leipzig), der als Gaſt eingeladen iſt, feſſeln ebenfalls durch die
Eigenart der farbigen Auffaſſung. Die Zeichnungen von
Neſtor R. Diehl und die Bilder von Paul Arnoul ( Offen=
bach
) ſind in erſter Linie als gute Studien zu bewerten, wäh=
rend
Heinz Michel (Worms) wiederum Zeugnis ſeiner flotten,
friſchen Malweiſe, die eine faſzinierende Wirkung ausübt, ab=
gibt
.
Die Plaſtik iſt einſtweilen nur durch Ali Lichtenſtein ver=
treten
, die einen ganz ausgezeichnet modellierten Bildniskopf in
Gips ausſtellt, deſſen Geſichtsausdruck gute Erfaſſung des Gei=
ſtigen
zeigt. Einige weitere Plaſtiken werden noch erwartet, X.*

* Ein Kaiſer=Wilhelms=Inſtitut
für Heidelberg.
Aus Heidelberg wird uns gemeldet: Unter den vom Reichs=
tag
im letzten Etat bewilligten Mitteln befindet ſich auch eine
erhebliche Summe für wiſſenſchaftliche und andere kulturelle
Zwecke. Es handelt ſich hm 25 Millionen des ſogen. Grenzland=
fonds
, von denen freilich zwei Drittel für wirtſchaftliche Untet=
ſtützungen
in Frage kommen. Aus dieſem Fonds ſoll mit einem
Aufwand von etwa 1,5 Millionen Mark ein Forſchungsinſtitut
für innere Medizin errichtet werden. Dieſes Inſtitut kommt
neueren Abmachurgen zufolge nach Heidelberg. Die Stadt
Heidelberg wird das Baugelände zur Verfügung ſtellen. Das
neue Forſchungsinſtitut wird nach Anlage und Organiſation das
größte in ganz Deutſchland ſein und in ſeiner Art und Aufgabe
von einzigartiger Wichtigkeit. Der Haushaltsausſchuß
des Reichstags ſtimmte dem Vorſchlag der
Regierung von den nach Baden fließenden
3 260 000 Mark 780 000 Mark nach Heidelberé
für das neue Forſchungsinſtitut zu überwei‟
ſen, zu.
Das Inſtitut wird den Namen Forſchungsinſtitut fur
innere Medizin erhalten. In dem Umkreiſe dieſer Diſziplin
ſollen aber für alle wichtigſten Aufgaben der inneren Medizin
beſonders große Abteilungen errichtet werden, die von je einem
Direktor und mehieren Aſſiſtenten verwaltet werden. So ſing
im Forſchungsinſtitut beſondere Abteilungen, für pathold=
giſche
Phyſiologie für mediziniſche Chemie, für
mediziniſche Phyſik, für Serum= bzw. Krebs
forſchung, für mediziniſche Pſychologie geplant.
Wenn auch das reue Inſtitut naturgemäß im Anſchluß an die
Univerſität beſondere Arbeitsmöglichkeiten finden wird, ſo ſo4
doch der ſelbſtändige Charakter des Inſtituts verwaltungsmäßls
gewahrt werden. Das Juſtitut wird eigenen Stiftungschakalle‟
tragen mit einem beſonderen Kuratorium, in dem wohl nebe!
Krehl Leute wie Harnack, Schmidt=Ott, wohl auch Parlamene
tarier wie Schreiber ſitzen werden. Das Inſtitut ſteht alſo. !"
dieſem Sinne unabhängig von der Univerſität :dc
ähnlich wie etwa das Kohlenforſchungsinſtitut in Mülheim a"
der Ruhr oder die Forſchungsinſtitute in Dahlem, und man dar
annehmen, daß die Verwalterin dieſer Inſtitute, die Kalſe!
Wilhelm=Geſellſchaft, auch das Heidelberger Forſchunds
inſtitut in Obhut nehmen wird.
Als erſte Rate ſind alſo vom Haushaltsaus
ſchuß nach den Vorſchlägen des Innenminiſte‟
riums 780 000 Mark bewilligt worden, die 19.

[ ][  ][ ]

Nummer 196

Sonntag, den 17. Juli 1927

Seite 3

Die Dauerkriſe in Genf.
Die umſirittene Kreuzerfrage. Engliſch=
amerikaniſche
Zuſpitzung.
* Genf, 16. Juli. (Priv=Tel)
Die Abrüſiungskonferenz der drei großen Seemächte Eng=
n
d. Amerika und Japan iſt nach dreiwöchigen Verhandlungen
iAher ohne jedes greifbare Ergebnis verlaufen. Man ſteht
hTächlich heute genau auf demſelben Punkt, von dem die Kon=
nenz
vor drei Wochen ausgegangen war. In den bisherigen
ſwgwierigen Erörterungen, die hauptſächlich in vertraulichen
ie prechungen der Delegationsführer und gelegentlichen Sitzun=
ei
eines techniſchen Komitees beſtanden, iſt lediglich bisher die
eve Gegenſätzlichkeit der Anſchauungen zwiſchen den drei Dele=
uiionen
feſtgeſtellt worden.
Die Konferenz begann mit der Bekanntgabe der Flotten=
müſtungsprogramme
der drei Regierungen Es zeigte ſich tat=
jonlich
, daſ: man ſowohl diplematiſch als auch militäries,niſch
öſlig unvorbereitet in dieſe Konferenz eingetreten war. Selten
ü-fte wohl eine Konferenz von ſo weittragender Bedentung
ſo mangelhafter politiſcher Vorbereitung begonnen worden
un Bekanut war zu Beginn der Konferenz, daß Präſident
ſoclidge voin dem Gedanken einer progreſſiven dauernden Aus=
en
nung des Vaſhingtoner Abkommens, auf die leichten See=
rſitkräfte
ausg:gangen war. Wie groß die Bedürfniſſe der ein=
linien
Staaten in den leichten Seeſtreitkräften waren, ſcheint er=
manlicherweiſe
vor der Konferenz recht oberflächlich bekannt ge=
tei
en zu ſein. (leich nuch der Bekanntgabe der Abrüſtungs=
ogramme
der drei Delegationen gingen die engliſche und ame=
urniſche
Auffaſſung mit großer Schärfe auseinander. Der ame=
keniſche
und der engliſche Gegenſatz in der Behandlung der
wuzerfrage iſt ſeirdem der Mittelpunkr der geſamten Konfe=
erxz
geworden. Tie großen Divergenzen zwiſchen der Auffaſſüng
beiden Delenaiionen traten wiederum unverhehlt in den
rogrammatiſchen Erklärungen zutage, die die Delegationsführer
ſiwder zweiten öffentlichen Sitzung der Konſerenz am Donners=
ng
abgaben Die engliſche Delegation erklärte unumwunden,
bisher, auſ ihrer Mindeſtzahl von Krenzern, die England
uni Sdutze ſeiner Seewege und zur Sicherung der Verbindun=
mit
den Dominions bedürfe, beſtehen zu müſſen. Die in
uif in der engliſchen Delegation mitvertretenen Dominions
abeen ſi.h in dieſer Frage der engliſchen Delegation voll ange=
hnoſſen
. Die engliſche Delegation zeigte auf dieſer Konferen;
hu rbaupt ine geſchloſſene Haltung und ſcheint die einzige zu
ſia, die vorbereitet auf die Konferenz gekommen iſt. Das enn=
ſ
. Flettenabrüſtungsprogramm iſt das Reſultat eingehender
ſeishandlungen zwiſchen der Regierung und den Dominions.
iürdeuti; geht aus ihm hervor, welche überragende Bedeatung
lei Flotie iür das britiſche Weltreich und die Dominions beſitzi
Der amerikaniſche Standpunkt iſt dagegen ein grundſätzlich
nierer. Der amerikaniſche Delegationsführer Gibſon erklärte,
ach amerikaniſcher Auffaſſung gebe es kein abſolut feſtſtehendes
uordernis an Seeſtreitkräften für irgend ein Land. Der Um=
ingg
einer Flotte hänge lediglich von den Vereinbarungen mit
er übrigen Seemächten ab. Vor Anerkennung dieſes Grund=
ties
ſei ein internationales Abrüſtungsabkommen undenkbar.
merika beſtreitet ſomit kategoriſch die von England geltend ge=
hihte
Notwendigleit einer Mindeſtzahl von Kreuzern. Der
nilliſch=amerikaniſche Gegenſatz beſteht ferner auch weirgehend in
en Methoden der Abrüſtung. Die Engländer ſprechen lediglich
vr einer Beſchränkung der individuellen Schiffseinheit. Die
m erikaner verlangen entſprechend den franzöſiſchen Abrüſtungs=
ten
hoden Feſtſetzung einer Geſamtonnage für jede einzelne
chiiffsklaſſe. Dieſes iſt es gerade, was die Engländer unter
lm Umſtänden vermeiden wollen. Denn dies würde den un=
ihlnderten
Bau der großen 10 000=Tonnen=Kreuzer bedeuten,
inen Beſeitigung oder möglichſte Reduzierung das hauptſäch=
ch
= Ziel der engliſchen Vorſchläge iſt. Die von beiden Dele=
inonen
genannten Zahlen weichen erheblich voneinander ab.
it engliſche Regierung ſpricht für die Kreuzer und Zerſtörer
oih immer von einer Geſamtonnage von zirka 550000 bis
M0000 Tonnen. Die Amerikaner wollen lediglich eine Höchſt=
zriage
von 400 000 Tonnen für England und Amerika, und von
0 000 Tonnen für Japan gelten laſſen.
Der wahre Gegenſatz jedoch zwiſchen engliſcher und amerika=
iſcher
Auffaſſung dürfte nicht nur marinetechniſcher Art ſein,
ndern tiefere Urſachen haben. Die amerikaniſche Abrüſtungs=
ohrtik
läuft tatſächlich auf eine rein amerikaniſche Preſtigepolitik
imus. Praktiſch ſollen die Amerikaner aus verſchiedenen Ur=
ſhnen
weder die Möglichkeit noch die Abſicht haben, die von ihnen
eſrorderten Schiffsbauten vorzunehmen, jedoch fordert die ameri=
iäſche
öffentliche Meinung völlige Gleichſtellung mit der briti=
hem
Flotte. Dieſes rein preſtigemäßige Moment iſt für die Hal=

tung der amerikaniſchen Delegation entſcheidend. Sehr weſent=
lich
ſpielen bei der amerikaniſchen Delegation zweifellos inner=
politiſche
Gründe mit. Präſident Coolidge braucht für die bevor=
ſtehende
Präſidentſchaftskampagne eine geeignete Wahlplattform,
die zweifellos erheblich unter antiengliſchen Tendenzen verlaufen
ſoll. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die beſondere
Lage, in der ſich England in bezug auf ſeine Kolonien und Do=
minien
befindet, zu jeder Zeit die Aufrechterhaltung einer großen
Zahl gerade der leichten, überalt gut verwendbaren Kreuzerklaſſe
erforderlich macht. In den Genfer Abrüſtungsverhandlungen trat
denn auch immer deutlicher zutage, daß die Gegenſätze in der
amerikaniſch=engliſchen Auffaſſung weniger von marinetechniſchen
Geſichtspunkten beſtimmt ſind, als vielmehr auf politiſche Ur=
ſachen
zurückgehen. Es zeigt ſich, daß die politiſchen und han=
delspolitiſchen
Gegenſätze zwiſchen England und Amerika tat=
ſächlich
ſo weitgehend geworden ſind, daß deren Rüchwirkung auf
die gegenwärtige Wbrüſtungskonferenz unvermeidlich gewor=
den
iſt.
Die Konferenz erlebt gegenwärtig ſehr kritiſche Tage. Die
programmatiſchen Erklärungen der Delegationsführer in der
zweiten öffentlichen Sitzung ergaben, daß bisher keine Annähe=
rung
in den hauptſächlichſten Programmpunkten der Konſerenz
erzielt worden iſt. Nach wie vor ſcheinen die Ausſichten einer
Einigung ſehr gering zu ſein, wenn auch bei den Delegationen,
wie vom Beginn der Tagung an, der ernſthafte Wille beſteht, aus
Preſtige= und aus praktiſchen Gründen zu einer Einigung zu
kommen. Das Schwergewicht der Entſcheidung liegt gegenwärtig
nicht in Genf, ſondern bei den Regierungen von London und
Waſhington, die über das Schickſal der Genfer Abrüſtungskon=
ferenz
zu entſcheiden haben werden.
Die Frage der Militärattachés.
Franzöſiſche Kombinationen.
Die franzöſiſche Preſſe kann ſich noch immer nicht über unſere
Abſicht, den deutſchen diplomatiſchen Vertretungen im Ausland
Militärattachés an die Seite zu ſtellen, beruhigen. Da in Deutſch=
land
, weil keine Veranlaſſung vorhanden iſt, dieſes Thema nicht
mehr zur öffentlichen Diskuſſion ſteht, verſucht man von Paris
aus, uns mit aller Gewalt in Preſſeauseinanderſetzungen hinein=
zuziehen
. So ird behauptet, die franzöſiſche Regierung habe
ſich ſozuſagen über Nacht eines Beſſeren beſonnen und ſei bereit,
einen deutſchen Militärattaché bei unſerer Botſchaft in Paris
zuzulaſſen, umgekehrt wolle Frankreich nach Berlin einen Attaché
ſenden. Dieſe Meldung, die in mehreren franzöſiſchen Zeitun=
gen
zu finden iſt, iſt außerordentlich plump und paßt eigentlich
gar nicht in den Rahmen der ſonſt ſo geſchickten franzöſiſchen
Preſſepropaganda hinein. Kein Menſch in Deutſchland wird
dieſe Schwenkung der Pariſer Regierung ernſt nehmen, ſchon
deswegen nicht, weil ſie ſich noch vor wenigen Tagen unſeren
Wünſchen völlig unzugänglich zeigte, und weil gar nicht erſicht=
lich
iſt, weswegen ſie plötzlich anderen Sinnes geworden ſein
ſoll. Am beſten wird dieſe Pariſer Meldung aber durch die Tat=
ſache
charakteriſiert, daß Frankreich bereits einen Marineattaché
ſeit 2½ Jahren und einen Militärattaché ſeit einem halben Jahr
bei der Berliner Botſchaft unterhält.
Die Verwendung des Grenzpflegefonds.
* Berlin, 16. Juli. (Priv.=Tel.)
Die Miniſterialkommiſſion unter Führung des Staatsſekre=
tärs
Schmidt vom Miniſterium für die beſetzten Gebiete, die
vor einigen Tagen eine Reiſe längs der deutſchen Weſtgrenze
unternehmen wollte, hat dieſe Reiſe bis zur Mitte der nächſten
Woche verſchoben. Sie hängt, wie bekannt, mit den Schäden zu=
ſammen
, die durch die Grenzziehung im Weſten entſtanden ſind.
Zur Beſeitigung dieſer Schäden iſt ſeinerzeit ein Grenzpflege=
fonds
in Höhe von 12½ Millionen in den Etat eingeſetzt wor=
den
. Dieſem Fonds ſollen Geldmittel zur Anlegung neuer
Straßen, Brücken, Kraftverkehrswege, zur Unterſtützung gewerb=
licher
und landwirtſchaftlicher Fachſchulen, von Kirchen und
Schulen entnommen werden. Es handelt ſich aber nur um ein=
malige
Aufwendungen, zu denen auch die Länder und Gemein=
den
beizutragen haben, nicht jedoch um fortlaufende Zuſchüſſe.
Die Geldmittel werden aber nicht für Schäden angewandt, die
durch die Beſatzungstruppen verurſacht worden ſind. Auch wer=
den
keine Entſchädigungen an Privatperſonen gezahlt werden.
In Frage kommt nur der weſtliche Grenzſtrich mit Ausnahme
des badiſchen und der Saargrenze.

Kredite für die Landwirtſchaft.
Richtlinien und Ratſchläge für die Beteiligung
an der neuen 30=Mill.=Dollar=Anleihe der
Deutſchen Rentenbank=Kreditanſtalt.
Landwirte, die aus der neuen 30=Mill.=Dollar=Anleihe der
Deutſchen Rentenbank=Kreditanſtalt einen Kredit zu erhalten
wünſchen, wenden ſich an ihr Realkreditinſtitut unter Mitwahme
der notwendigen Unterlagen (Grundbuchauszug, berichtigter
Wehrbeitragswert, Taxe und dergleichen), bzw. zunächſt an ihre
Genoſſenſchaft. Sind auf das zu beleihende Grundſtück bereits
Vorlaſten eines Realkreditinſtituts eingetragen, ſo iſt zu empfeh=
len
, ſich an dieſes Inſtitut zu wenden. Im Vertrag über die
zweite Amerika=Anleihe iſt vorgeſehen, daß Vorbelaſtungen ( Auf=
wertungs
= und Hypothekarbelaſtungen) desjenigen Realkredit=
inſtituts
, das die Beleihung vornimmt, beſtehen bleiben dürfen.
Die Beleihung darf, ſofern das Realkreditinſtitut einwilligt, ein=
ſchließlich
der eben erwähnten Vorlaſten, bis zu 40 Prozent des
berichtigten Wehrbeitrags betragen. Die Auszahlungsbe=
dingungen
ſind die folgenden: für je 100 RM. aufgenommene
Schuld erhält der Landwirt 90,50 RM. bar ausgezahlt, bei Be=
trägen
bis zu 5000 RM. 90 RM. Die Schuld iſt mit 6 Prozent
jährlich zu verzinſen, außerdem iſt ½ Prozent Verwaltungs=
koſtenbeitrag
und 1 Prozent Tilgung zu zahlen, alſo jährlich in
zwei Halbjahresraten, am 1. Mai und 1 November, zuſammen
6,5 Proz., plus 1 Proz. Tilgung 7,5 Proz. der im Grundbuch
eingetragenen Hypothek.
Die Darlehen ſind ſeitens des Landwirts zu je=
dem
Zinstermin kündbar, und zwar zum Nennbetrag
in bar ohne Aufſchlag oder durch Rückgabe von Schuldverſchrei=
bungen
der Anleihe (Bonds) zahlbar. Je nach der zukünftigen
Entwicklung des Geldmarktes, iſt es alſo dem Landwirt ſtets
möglich, innerhalb von 33 Jahren ſeine Hypothek zurückzuzahlen,
und zwar, falls ,der Kurs der Bonds im Auslande lin Deutſch=
land
dürfen die Bonds an der Börſe nicht gehandelt werden)
unter 100 iſt, durch Einreichung ſolcher gekaufter Bonds zum
Nennwert. Der Landwirt kann alſo jederzeit ſich von ſeiner
Schuld befreien, falls er bei zukünftiger günſtiger Entwicklung
des Geldmarktes ein billigeres Darlehen erhalten kann. Der
Darlehnsgeber, alſo das Realkreditinſtitut, darf das
Darlehen dem Landwirt dagegen nicht kün=
digen
. Behält der Landwirt dasſelbe bis zum Ablauf, d. h.
33 Jahre, ſo iſt die Schuld getilgt. Das Geld darf bekanntlich
nur für produktive Zwecke, d. h. zur Förderung der landwirt=
ſchaftlichen
Erzeugung, oder zur wirtſchaftlicheren Geſtaltung des
Betriebes benutzt werden, u. a. auch zur Umwandlung drücken=
der
, hurzfriſtiger Verbindlichkeiten.
Das Echo des Schulgeſetzes.
* Berlin, 16. Juli. (Priv.=Tel.)
Die deutſchnationale Preſſe iſt mit dem Entwurf des Schul=
geſetzes
im weſentlichen zufrieden, der Abg. Mumm äußert ſich
in der Kreuzzeitung in dieſem Sinne, Profeſſor Klatt ähnlich
im Lokalanzeiger, Recht ſtarke Vorbehalte macht die Tägliche
Rundſchau, weil eine Reihe von Wünſchen noch nicht berück=
ſichtigt
ſei; immerhin bezeichnet ſie den Entwurf als Verhand=
lungsgrundlage
annehmbarer, als nach der urſprünglichen Faſ=
ſung
und nach den parlamentariſchen Vorverhandlungen zu er=
warten
geweſen ſei. Auf der Linken iſt man ganz Kritik. Das
Berliner Tageblatt behauptet, daß die Grundlagen der Wei=
marer
Verfaſſung preisgegeben ſeien und der Entwurf einen
tief beklagenswerten Rückſchritt bedeute. Die Voſſiſche Zeitung
verſteigt ſich ſogar zu der Behauptung, daß der frühere Schiele=
ſche
Entwurf ein Muſter an Liberalität gegenüber dem neuen
Entwurf geweſen ſei. Auch der Vorwärts lehnt die Vorlage
rundweg ab.
Die Miniſierferien.
Berlin, 16. Juli.
Wie wir erfahren, wird Reichskanzler Marx am kom=
menden
Montag einen längeren Sommerurlaub antreten,
Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann wollte ur=
ſprünglich
bereits morgen Berlin verlaſſen. Doch fragt es ſich,
ob ſeine Anweſenheit in Berlin infolge der Ereigniſſe in Oeſter=
reich
nicht noch längere Zeit notwendig ſein wird. Reichs=
finanzminiſter
Köhler tritt ſeinen Urlaub entweder
morgen oder am Montag an. Die Miniſter Brauns, Curduts,
Schätzel und Koch werden Ende der nächſten Woche folgen. Die
übrigen Miniſter bleiben vorläufig noch in Berlin.

oſ=t fällig werden. Es iſt zu hoffen, daß das
eſich auch in kommenden Jahren die notwendi=
ein
Mittel für das Inſtitut zur Verfügung
elllt. Der Jahresaufwand des Inſtituts iſt au
0/0 000 Mark berechnet, die als Averſum gleich=
10 I2 vom Reiche geleiſtet werden.
Die Stadt Heidelberg wird das Baugelände zur Verfügung
elgen. Als geeignetſtes Gelände wird der freie Block neben
enr urſprünglich geplanten Thermalbad angeſehen. Der Plan,
ufl. dem Thermalbad ein kliniſches Badhaus zu errichten, bleibt
eiſter beſtehen.
Der Weg zur Errichtung vollzieht ſich in der Weiſe, daß das
ſeitch die Geſamtmittel dem badiſchen Staat überweiſen wird
neiner den vorhergegangenen Abmachungen und Beſprechungen
ritprechenden Verteilung an Heidelberg. Aufſichtsbehörde iſt
181 Unterrichtsminiſterium. Um die Begründung des Inſtituts
(Heidelberg hat ſich beſonders der Zentrumsabgeordnete Prä=
tᛋSchreiber
und unſer Heidelberger Interniſt Geh. Rat
ihehl verdient gemacht.
Gein Mumienraub vor 3000 Jahren.
(Der leere Sarg der Königin Hetepheres.)
(CK. Ein 5000 Jahre altes Geheimnis iſt durch die Aufdeckung
18 Grabes der Königin Hetepheres, der Mutter des Pharao
hnops, enthüllt worden. Als der Leiter der Grabungen, Dr.
ſemerge A. Reisner, der Direktor der von der Harvard= Univer=
ä
und dem Boſtoner Kunſtmuſeum ausgerüſteten Expedition,
en Sarkophag der Königin in der völlig unberührten Grab=
mmer
öffnete, da zeigte ſich zum größten Erſtaunen, daß keine
tumie in dem Sarg lag. Es erſchien ganz unbegreiflich, daß
haops befohlen haben ſollte, den Sarg von Gizeh fortzubringen
10, ſo ſorgfältig unter einem Mauerwerk von hundert Fuß zu
liboergen, wenn nicht die Leiche, der wichtigſte Teil des ganzen
eg räbniszeremoniells, mitgeführt worden wäre. In der Weſt=
ayner
der Kammer war eine Niſche in dem Felſen erkennbar
eſßugemauert war. Man hoffte hier eine Erklärung des Rätſels
iſ inden, und nachdem die drei Steinblöcke weggeſchafft waren,
ichite man in eine unregelmäßige Höhle von 275 Zentimeter
ſn ge, 75 Zentimeter Höhe und etwa 200 Zentimeter Tiefe
n einer Ecke ſtand eine Alabaſterkiſte mit geſchloſſenem Deckel,
ſoemſelben Stil gehalten wie der Alabaſter=Sarkophag. Dieſe
iſtpe ſtand auf Holzſtückchen, die zerfallen waren und die Ueber=
ſtt
: eines Unterſatzes mit vier Handgriffen darſtellten. Dieſe
iſpe, die in dier rechteckige Fächer geteilt war, enthielt auf dem
oſoen jedes Fächers eine flache Matte von organiſcher Subſtanz,
yr in zweien der Fächer war die Maſſe mit einer klaren gelb=

lichen Flüſſigkeit 5 Zentimeter hoch überdeckt; in dem dritten
Fach war dieſe Flüſſigkeit nur an den Ecken und Höhlungen
der organiſchen Maſſe zu ſehen, während in dem vierten Fach
die Oberfläche der Maſſe trocken erſchien. Dieſe Flüſſigkeit iſt
augenſcheinlich ein Konſervierungsmittel, das ſich in einigen
Fällen 5000 Jahre lang flüſſig erhalten hat. Die in der Alabaſter=
kiſte
gefundenen organiſchen Beſtandteile waren zweifellos die
inneren Organe, der Königin Hetepheres; ſie waren bei der
Mumifizierung der Leiche entfernt worden, und die Entdeckung
dieſer Eingeweide, die ſtets mit der Mumie zuſammen beigeſetzt
wurden, machte es noch ſicherer, daß in dieſem geheimen Grabe
alles enthalten war, was von dem urſprünglichen Grabe zu
Dahſchur nach deſſen Verletzung übriggeblieben war. Reisner
findet, wie er in einem längeren Aufſatz der Times mitteilt,
für dieſen merkwürdigen und einzigartigen Fundbeſtand nur die
eine Erklärung, daß die Mumie von den Dieben, die das erſte
Grab der Herrſcherin heimſuchten, entweder beim Abreißen des
goldenen Schmuckes oder aus irgend einem unbekannten Aber=
glauben
vernichtet worden iſt.
Der Gelehrte ſtellt ſich die Vorgänge, die ſich vor 5000 Jahren
ereigneten, folgendermaßen vor: Königin Hetepheres I., die
Tochter eines Königs der dritten Dynaſtie und Gemahlin Sno=
frus
, des erſten Königs der vierten Dynaſtie, lebte noch als
Königin=Mutter, nachdem ihr älteſter Sohn Cheops den Thron
beſtiegen hatte. Ihr Grab war neben dem ihres Gemahls zu
Dahſchur vorbereitet, und als ſie ſtarb, wurde ſie dort mit allen
Feierlichkeiten beigeſetzt. Einige Jahre ſpäter brachen Diebe in
das Grab ein, öffneten gewaltſam den Deckel des Alabaſter=
Sarkophages und nahmen alles, was an goldenem Schmuck auf
der Mumie lag. Dann aber müſſen ſie die Mumie heraus=
genommen
haben, um zwiſchen den Leinenbinden, mit denen ſie
umwickelt war, weiter zu ſuchen, und dabei müſſen ſie die Leiche,
die ja nur noch aus Haut und Knochen beſtand, beſchädigt und
dann mit fortgeſchleppt haben. Solch Mumienraub iſt vielfach
in Königsgräbern, die von Räubern heimgeſucht waren, feſt=
geſtellt
worden. Als die Schändung des Grabes entdeckt wurde,
ergriff natürlich den ganzen Hof die größte Angſt, und zunächſt
wagte es niemand, dem Herrſcher mitzuteilen, welch furchtbares
Eeſchick die ſterblichen Ueberreſte ſeiner Mutter gehabt hatten.
Jedermann bis zum Premierminiſter hinauf fürchtete für ſeinen
Kopf, und man beſchloß daher, dem Herrſcher die wahre Sach=
lage
zu verheimlichen, in der Annahme, daß er die Stätte des
Raubes nicht perſönlich beſichtigen werde. Der Premierminiſter
geſtand alſo nur den Diebſtahl der Koſtbarkeiten, nicht den Raub
der Mumie. Die ſchuldigen Wächter des Grabes wurden gefol=
tert
und dann hingerichtet. Der Pharao dachte in ſeinem Kum=
mer
nicht daran, den ſorgfältig wieder geſchloſſenen Sarkophag
öffnen zu laſſen, und befahl nur die Ueberführung des Sarges

nach einem ſicheren Ort neben der Pyramide, die er ſich ſelbſt
zu Gizeh erbaute. So wurde denn die Beſtattung von neuem
vollzogen ohne die Leiche, der Sarg wurde von Dahſchur nach
Gizeh gebracht und in eine hundert Fuß tief in den Felſen ge=
ſchlagene
Grabkammer gelegt, wo der Deckel und mit ihm das
Geheimnis 5000 Jahre unberührt blieb. Jetzt erſt iſt dieſer
Mumienraub entdeckt worden, der in jenen fernen Zeiten die
Höflinge in ſo furchtbare Angſt verſetzte und ſie zu einem ſo
kühnen Betrug veranlaßte.
* Sommerſpielzeit im Kleinen Haus.
Gaſiſpiel Bruno Harprecht.
Bruno Harprecht hat noch nichts eingebüßt an Beliebtheit
bei den Darmſtädtern. Im Gegenteil, es ſcheint, als ſei die
Schar ſeiner Freunde noch im Wachſen. Man bereitete ihm
geſtern abend und nacht Ovationen wie einem ganz Großen.
Direktor Adalbert Steffter brachte als Abendvorſtellung
eine ſehr hübſche Neuinſzenierung der Geſangspoſſe Wie einſt
im Mai heraus, die zu einer ſehr abgerundeten, von feinem
Gefühl getragenen Vorſtellung wurde. Bruno Harprecht, den
wir früher als Fritz Jüterbog mit Käthe Gothe als Partnerin
hier ſahen, ſpielte geſtern als Gaſt den Methufalem. Auch in
dieſer Rolle war der routinierte Künſtler ganz ausgezeichnet und
entfeſſelte Beifallsſtürme, Ungezählte Male, wurde er mit
Direktor Steffter und den übrigen Hauptdarſtellern, vor die
Rampe gerufen, und es regnete Blumen.
Als Nachtvorſtellung wurde Der Meiſterboxer ge=
geben
mit Bruno Harrrecht in der Titelrolle. In dieſer Rolle,
die Harprechts Ruhm als unvergleichlicher Komiker über die
Bühnen auch der Reichshauptſtadt trug, ſahen wir ihn ebenfalls
ſchon hier. Er war einfach überwältigend. Man raſte Beifall
und erſtickte in Lachſalven.
Wir kommen auf die Aufführungen noch zurück.

Ueber Sonntag in Heringsdorf möchte wohl manche
unſerer ſchönen Leſerinnen ſein, wenn ſie das ſoeben erſchienene neueſte
Heft der Eleganten Welt mit den darin reizvollſt illuſtrierten Artikel
über feſche Strandanzüge und luſtiges Badeleben zur Hand nimmt. Aber
auch die anderen, mit künſtleriſchen Illuſtrationen geſchmückten Artikel
über Lebhafte Buntheit bleibt Trumpf Für Pelze gibt es keine
Jahreszeit Die Frau mit den 100 PS und ein feſſelnd geſchriebener
Theaterartikel dürften das Intereſſe unſerer Damenwelt erwecken. Wie
immer iſt auch diesmal die Elegante Welt ein unentbehrliches Vade=
nekum
für vorhildliche Eleganz und kultivierten Geſchmack.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 17. Juli 1927

Nummer 196

* Tangerfrage. Tangerkonferenz.
Wie ſieht nun England dazu?
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 16. Juli.
England hat bekanntlich ſeinerzeit auf den Vorſchlag, die Mit=
glieder
der Algeziras=Konferenz einzuberufen, empfohlen, daß ſich
Frankreich und Spanien zunächſt direkt miteinander über die Mei=
nungsverſchiedenheiten
und Wünſche unterhalten ſollten. Dieſe
Beſprechungen ſind ergebnislos verlaufen. Die engliſche Regie=
rung
hat von vornherein, als nächſte Etappe nicht eine neue Alge=
ziras
=Konferenz ins Auge gefaßt, ſondern eine Konferenz zwiſchen
den Meiſtintereſſierten, Spanien, Frankreich, England und Ita=
lien
. Das wird auch jetzt noch für das Praktiſchſte gehalten.
Diplomatiſche Meinungsaustauſche gehen freilich ohne Haſt
hin und her. Aus Frankreich iſt bisher keine einſtimmige Anſicht
berichtet worden. Es ſcheint in belangvollen Kreiſen ein Bedenken
zu herrſchen, daß in einer ſolchen Konferenz Spanien durch
freundſchaftliche Stellungnahme Italiens und Englands zu ſtark
ſein könne. Wie andere Kabinette denken, bei denen man vielleicht
auch ſchon gefühlt hat, iſt nicht bekannt.
Ueber den Hauptgeſichtspunkt der britiſchen
Regierung dürfte aber kein Zweifel herrſchen. Er hat ſich
nicht geändert. Schon vor der Bildung der Entente hat das
Prinzip gegolten: unter keinen Umſtänden darf die
britiſche Hochſtraße zur See gefährdet werden.
Es darf keine fremde Macht an dem Engpaß der=
ſelben
eine ſtrategiſche Stellung einnehmen.
Das iſt Englands Grund bei der Etablierung der Internatio=
nalität
geweſen. Darum darf ſie nicht verletzt werden. Hierauf
baut ſich nach dem Urteil der militäriſchen und Flottenberater
ein weiteres Prinzip auf, was den Wunſch des Königs Alfons
nach einer Beſchränkung des internationalen Gebiets um Tanger
betrifft. Die britiſchen Sachverſtändigen ſind der Anſicht, daß eine
befeſtigte Stadt und der zugehörige Hafen nur dann gegen einen
Angriff gehalten werden können, wenn ein genügend weites
Terrain im Umkreis in den Händen der Verteidiger iſt. Die
heutige Waffenwirkung läßt ſchon die jetzige Umgren=
zung
als zu eng erſcheinen.

England hat gewiß jedes Freundſchaftsempfinden für das
heutige Spanien. Wird die heutige Stellung der Mächte zu
einander aber auch in alle Zukunft dieſelbe bleiben? Daß bei
oder nach der Konferenz der Vier auch die anderen Signatar=
mächte
orientiert, beziehungsweiſe befragt werden müßten, hat
ſchon mit Rückſicht auf ſpätere Möglichkeiten als Selbſtverſtänd=
lichkeit
zu gelten. Wieviel Zeit wird man alſo noch brauchen, um
dieſe ewige Frage unter hinreichenden nationalen Garantien
zur Ruhe betten zu können?
Eine ewige Frage.
Es gibt Fragen, die anſcheinend nicht zur Löſung kommen
wollen. Wir nehmen natürlich diejenigen aus, an deren Ewig=
keit
von intereſſierter Seite mit allen Mitteln und raffinierter
Geſchicklichkeit unabläſſig gearbeitet wird, wie z. B. die Räu=
mungsfrage
, für die jedoch glücklicherweiſe ein feſter Endtermin
geſetzt iſt, den keine noch ſo bedentliche Taktik erſchüttern kann.
Aber es gibt auch Fragen, deren alle Intereſſierten herzlich
müde ſind, und die trotz allem nicht über den toten Punkt
hinaus gefördert werden können. Und wenn ſich auch jetzt gerade
endlich der ſchwache Schimmer eines Schimmers von Hoffnung
zeigt, ſo ſtehen ſie doch zurzeit vor einer Periode, in der alljähr=
lich
alle Kabinette traditionell nur an eine Sommervakanz
denken und für keine neue Entwicklung zu haben ſind. Der
Franzoſe nennt ſie die Saison morte der Engländer die Big
Gooseberry Time, die Zeit der großen Stachelbeeren der
Deutſche die Saure=Gurken=Zeit Auch die Staatsmänner
freuen ſich im Voraus wie die Schuljugend auf ſie und ſind
durchaus gegen Ferienarbeiten. Wird auch dieſe Zeit einmal
international feſtgeſetzt werden? Sicher eine ewige Frage‟
Im vorliegenden Falle iſt es König Alfons, der eine
Ferienarbeit aufgeben möchte. Man tut ſehr Unrecht daran,
dieſen Souverän zu unterſchätzen. Schon daß er trotz aller immer
wieder auf ihn anſtürmender Schwierigkeiten ſo feſt im Sattel
geblieben iſt, muß zu nachdenklicher Anerkennung führen. Die
Spanier haben in ihm einen Herrſcher, von dem ſie wiſſen, daß
er nur ein Ziel kennt, ſein Land wieder im Innern wie zur
internationalen Geltung zu heben. Und jenſeits der
Meerenge liegt das Zukunftsfeld. Iſt es zu ver=
wundern
, daß die Aufbaufrage und der Ausbau ihm ſtändig vor
Augen ſchweben, daß er danach ſtrebt wenn nun einmal der
internationale Status nicht fortzuſchaffen iſt , das betreffende

Gebiet zu verkleinern und ſodann in ihm allein für innere Ord=
nung
und Sicherung gegen außen ſorgen zu dürfen? Das wäre
für Spanien ein ſo enormer Fortſchritt, daß ihm dafür kein
Opfer zu ſchwer erſchiene. Man ſagt und die ſeine Eigenart
kennen, werden es zweifelsohne für richtig halten daß die
Ausdehnung ſeines Londoner Beſuchs in der Hauptſache auf
politiſche Gründe zurückzuführen iſt, und daß er ihn nach Kräften
ausgenutzt hat, ohne in ſeiner geſchickten und vorſichtigen Weiſe
einen Miniſter mitzunehmen. Man ſagt, er habe diskret an=
gedeutet
, Spanien werde ſogar bereit ſein, wieder in Genf zu
erſcheinen, wenn man ſeine Wünſche berückſichtige. Wie dem auch
ſei, er hat ſicher alles getan, Englands Unterſtützung zu gewinnen.
Der Zwiſchenfall Deutſchland-Belgien.
Berlin, 16. Juli,.
Wie von zuſtändiger Seite mitgeteilt wird, iſt die deutſche
Antwortnote auf die vorgeſtern überreichte belgiſche Note, in der
die Beſchwerden des belgiſchen Kriegsminiſters über angebliche
deutſche Rüſtungsverfehlungen aufgezählt ſind, bereits in Vorbe=
reitung
. Die Note wird vorausſichtlich im Laufe des morgigen
Tages in Brüſſel überreicht werden. Nachdem ſie in die Hände
der belgiſchen Regierung gelangt iſt, wird ſie zuſammen mit der
belgiſchen Note veröffentlicht werden. Schon jetzt kann man ſagen
daß die Behauptungen des belgiſchen Kriegsminiſters außeror=
dentlich
leicht zu widerlegen ſind.
Gegen die Erhöhung der Poſigebühren.
Berlin, 16. Juli.
Der Reichsverband des deutſchen Groß= und Ueberſeehan=
dels
hat in einer Denkſchrift die Reichspoſt aufgefordert, die neue
Gebührenvorlage zurückzuziehen. Die vorgeſehene Mehrbelaſtung
der deutſchen Wirtſchaft ſei untragbar. Der erforderliche Mehr=
bedarf
könne nach Auffaſſung wirtſchaftlicher Kreiſe durch Ratio=
naliſierung
und Anleihen gedeckt werden. Die Spitzenverbände
der Wirtſchaft ſind heute vormittag im Induſtrie= und Han=
delstag
zuſammengetreten, um gleichfalls zu der neuen Gebühren=
vorlage
Stellung zu nehmen. In dieſen Kreiſen iſt man über
die Vorſchläge des Reichspoſtminiſters äußerſt erregt. Die Auf=
hebung
des Ortsportos wird als ein Bruch der Garantie ange=
ſehen
, die ſeinerzeit bei der Ablöſung der Privatpoſten duſch
die Reichspoſt gegeben worden iſt.

Familiennachrichten

Die glückliche Ankunft
eines Stammhalters zeigen
hocherfreut an
Frauenarzt Dr. Klaus Hoffmann
und Frau Hilde, geb. Hausmann.

Privattlinik Riedeſelſtraße 52.

(18697

Margarete Götze
Hans Kraft
geben im Namen der Eltern ihre
Verlobung bekannt.

Altenburg

Darmſiadt.

(*18699

Paula Kunze
Artur Wagner
Verlobte

Darmſiadt
Wienerſtr. 70

Braunſchweig

Juli 1927

19440

Vermählte
Dr. med. Paul Alberti
prakt. Arzt
Dr. med. Berta Alberti
geb. Fassbender
Darmstadt
Dotzheim
b. Wiesbaden (*18338
Für die überaus zahlreichen Blumen=
ſpenden
, Geſchenke und Ehrungen zur
Silberhochzeit und Verlobung danken
(*18706
herzlichſt
Karl Melchior und Frau
Hugo Melchior und Brauf.

Todes=Anzeige.
Heute morgen 3 Uhr verſchied
ſanft nach langem, mit Geduld
ertragenem Leiden im Alter von
79Jahren mein lieber Gatte, unſer
Vater, Onkel, Großvater und Ur=
großvater

Herr
Jakob Bundſchuh

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, meinen lieben Mann,
den treuſorgenden Vater ſeiner Kinder, Bruder,
Schwager und Onkel
Herrn
Ahnns Eiennager
Metzgermeiſier
heute vormittag ½3 Uhr nach kurzem ſchweren,
mit ſehr großerGeduld ertragenem Leiden im
Alter von 46½ Jahren zu ſich in die Ewigkeit
abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Juliane Eidemüller Wwe. u. Kinder
Mariechen und Philipp
nebſt Angehörigen.
Eberſiadt, den 16. Juli 1927.
(11327
Die Beeerdigung findet Montag, den 18. Juli, nach=
mittags
4 Uhr, vom Sterbehauſe, Seeheimerſtraße 1,
aus ſtatt.

Während meiner Abweſenheit
bis 15. Auguſt werden die Herren
Dr. Bernet, Schießhausſtraße 34
Dr. Hammer, Beſſungerſtraße 3
Dr. Hein, Hermannſtraße 25
Dr. Kautſch, Riedeſelſtraße 37
San.=Nat Dr. Nöllner, Hölgesſtr. 12
die Güte haben, mich zu vertreten.
Dr. Begen zruzss

Meine Tätigkeit
iſt vom 17. bis 31. Juli 1927
unterbrochen
Dentiſt Otto Müller
Mühlſtraße 22 (*18145) Telephon 2684

Dr. L. Maver
verreiſt. (*18693
Vertreter: Dr. Draudt,
Heinrichſtraße 17, Dr.
Kautſch, Riedeſelſtr. 37
Dr. Orth, San. Rat
Bismarckſtr 57, Dr.
Stern II., Ernſt= Lud=
wigſtr
. 19, Dr. Schefers
(nur für Kinder).
B1. v. WI.
Zimmerſtraße 3½
unterbricht ſeine
zahnärztliche Tätig=
keit
bis zum 10. Auguſt.
( 18598)

Behandlg
DAhn- u. Erſatz.
Durch eigene Anferti
gung, billige Preiſe
ſchnelle Bedienung.
Große Beträge, Teil=
zahlg
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Lud. Scharfſchee
Landgraf=Georgſtr. 34, I
(Am Meßplatz)
Sprechſtund. 9-7 Uhr.
Behandlg. v. Kaſſenmitgl.
(*18735)

Altveieran.
Die trauernden Hinterbliebener
Frau Bundſchub, geb. K
nebſi Kindern, Enkeln u. ärenkelm
Heubach i. D., den 16. Ju
Die Beerdigung finde
nachmittag 1 U

Todes=Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden
und Bekannten die traurige Nach=
richt
, daß unſer lieber Vater und
Großvater
Herr
Philipp Lortz II.
Wagner
heute vormittag nach einem arbeits=
reichen
Leben im Alter von 76 Jah=
ren
ſanft dem Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Gg.Phil. Lortz, Ob.=Modau
Familie Gg. Ruths IV., Ob.=Modau
Familie Phil. Berſch, Balkhauſen
Familie Martin Ruths, Groß=
Bieberau
Familie Gg. Lortz, Arheilgen
Familie Leonh. Lortz, Rohrbach.
Ober=Modau, den 16. Juli 1927.
Die Beerdigung findet am Mon=
tag
, den 18. Juli, nachm. 3½ Uhr,
(11347
ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrich=
tiger
Teilnahme und überaus reichen
Blumenſpenden bei dem Heimgang
unſerer lieben Entſchlafenen ſagen
wir Allen herzl. Dank. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Lein für
ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
den Schweſtern der Martinsgemeinde
für ihre liebevolle Pflege und dem
Volkswohl=Bund für die ſchlichte,
zeitgemäße Beſtattung.
Joſeph Wüſt und Kinder.
Darmſtadt, den 16. Juli 1927.
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[ ][  ][ ]

Nummer 196

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 17. Juli.
Alle ehemaligen heſſiſchen Dragoner bewegt im Herzen
der Gedanke: Was wird mit unſerem Denkmal für mein
Rregiment und ſeine Gefallenen? Ihnen ſei folgendes mitge=
tiilt
: Ein gemeinſames Denkmal für das rote und
veiße‟ Dragoner=Regiment iſt in Darmſtadt in den Anlagen
zviſchen dem alten Main=Neckar=Bahnhof und der Roten=
Taragoner=Kaſerne im Bau, ſchon faſt vollendet. Seine Ein=
mreihung
findet beſtimmt am 80. Geburtstag des Generalfeld=
urarſchalls
von Hindenburg, Sonntag, den 2. Oktober 1927, ſtatt.
G=s gibt wohl keinen ehemaligen Dragoner, der nicht an dieſem
Arage mit ſeinen ehemaligen Kameraden zuſammen ſein möchte.
9oarum ergeht ſchon jetzt an alle Angehörigen der beiden Regi=
pnenter
der Ruf: Denkt an den 2. Oktober, erinnert auch eure
/Sameraden daran, teilt uns eure Adreſſen und vor allem die
der Angehörigen unſerer gefallenen Kameraden mit. Helft mit
zur Vollendung des Denkmals! Spenden: Denkmalfonds der
echemaligen Dragoner=Regimenter Nr. 23 und 24 in Darmſtadt
oſtſcheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 25 035. Mitteilungen und
Anmeldungen bitte baldigſt an den Denkmalsausſchuß, Darm=
ſyadt
, Riedeſelſtraße 14.
Ernannt wurden: am 11. Juni: der Schulamtsanwärter Wilhelm
ack aus Neu=Iſenburg (Kreis Offenbach) zum Lehrer an der Volks=
ſihule
zu Nordheim (Kreis Bensheim); am 25. Juni: der Studienrat
an der Aufbauſchule für Mädchen in Darmſtadt, D. Heinrich Matthes,
zuim Studienrat an dem Pädagogiſchen Inſtitut bei der Techniſchen
vsochſchule in Darmſtadt mit Wirkung vom 1. April 1927 ab; am 1. Juli:
der Lehrer Wilhelm Klock zu Babenhauſen (Kreis Dieburg) zum Rektor
am der Volksſchule daſelbſt.
Ernannt wurden: am 24. Juni: der Amtsgerichtsrat bei dem
Umtsgericht Pfeddersheim Philipp Karl Friedrich Hamm zum Ober=
amtsrichter
bei dem Amtsgericht Oſthofen, der Staatsanwalt bei dem
9andgericht der Provinz Rheinheſſen Adolf Michael Steeg zum
IImtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Bingen, der Staatsanwalt bei dem
UImtsgericht Mainz Auguſt Jakob Böhm zum Amtsgerichtsrat bei dem
AImtsgericht Pfeddersheim, der Staatsanwalt bei dem Amtsgericht Offen=
wach
Dr. Richard Jacob zum Staatsanwalt bei dem Landgericht der
/8rovinz Rheinheſſen, der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Oppen=
beim
Dr. Otto Grünewald, zum Amtsgerichtsrat bei dem Amts=
wericht
Groß=Gerau, der Gerichtsaſſeſſor Franz Joſeph Köppler in
Mppenheim zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Oppenheim, der
GGerichtsaſſeſſor Richard van Baßhuyſen in Offenbach zum Staats=
anwalt
bei dem Amtsgericht Offenbach; am 22. Juni: der Kanzleigehilfe
KSarl Rau zu Gießen mit Wirkung vom 1. Juli 1927 an zum Kanz=
it
ſten bei der Verwaltung der chirurgiſchen Klinik der Landesuniverſität
GGießen; am 27. Juni: die Schulamtsanwärterin Franziska Brunner
aus Offenbach zur Lehrerin an der evangeliſchen Volksſchule zu Hammel=
ſach
(Kreis Heppenheim), die Schulamtsanwärter Fritz Hartmann
mus Winterkaſten (Kreis Bensheim) zum Lehrer an der Volksſchule zu
b8otzenbach (Kreis Heppenheim), Paul Joſeph aus Offenbach zum
Behrer an der Volksſchule zu Erlenbach (Kreis Heppenheim), die Schul=
mmtsanwärterin
Emma Nauck aus Offenbach a. M. zur Lehrerin an
her Volksſchule zu Aſchbach (Kreis Heppenheim), der Schulamtsanwärter
9Bhilipp Speckhardt aus Darmſtadt zum Lehrer an der Volksſchule
zui Zotzenbach (Kreis Heppenheim); am 28. Juni: die Schulamtsanwär=
nerin
Gertrud Kremer aus Darmſtadt zur Lehrerin an der katholiſchen
BBolksſchule zu Gernsheim (Kreis Groß=Gerau).
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wurden übertragen: dem Pfarrer Ernſt Steiner, zu Ehringshauſen
die evangeliſche Pfarrſtelle zu Hauſen (Dekanat Gießen), dem Pfarr=
aſfſſiſtenten
Otto Trapp zu Mümling=Grumbach die evangeliſche Pfarr=
ſctelle
zu Ulrichſtein (Dekanat Schotten). Die Kirchenregierung hat die
wangeliſchen Pfarrer Otto Schulte zu Großen=Linden und Hermann
SSack zu Nieder=Weiſel auf ihr Nachſuchen und unter Anerkennung ihrer
hangjährigen treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 in den
ᛋkuheſtand verſetzt.
Heſſiſches Landestheater. Die Bekanntgabe des Spielplans und
der Neuverpflichtungen für 1927/28 hatte zur Folge, daß eine beträchtliche
h.nzahl Anfragen wegen Neuabſchluß oder Erneuerung des Miet=
vertrags
beim Landestheater einliefen. Daher wird die Mietabtei=
lrng
vom 18. Juli ab nochmals für kurze Zeit ſtr Neuanmeldungen
und Mieterneuerungen geöffnet werden. Die Friſt der Anmeldungen
här die Konzerte wurde aus dem gleichen Grunde bis zum 21.
z:uli verlängert.
Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters
(eitung: Divektor Adalbert Steffter). Heute Sonntag finden 2 Vor=
ſtzellungen
ſtatt. Nachmittags 4 Uhr iſt als Familien= und Fremdenvor=
ſtellung
zu kleinen Preiſen von 13 Mark die letzte Wiederholung der
hoperette Der Graf von Luxemburg; abends 8 Uhr wird
Wie einſt im Mai mit Bruno Harprecht als Gaſt gegeben. Mor=
aen
Montag (4 Abonnementsvorſtellung für Montagmieter) und täglich
ſunden Wiederholungen der Operettenpoſſe Wie einſt im Mai mit
F8runo Harprecht als Gaſt ſtatt.
Die Vorbereitungen zur Verfaſſungsfeier. Am Donnerstag
acbend wurde im Fürſtenſaal unter dem Vorſitz des Herrn Landtagsabge=
rdneten
Storck das Programm für die diesjährige Verfaſſungsfeier
unih Schluß der offiziellen Feier im Landestheater feſtgelegt. Darnach
wegt ſich ein Fackelzug nach einem kurzen Marſche zum Luiſenplatz, der
ich ſtlich illuminiert iſt. Das Monument erſtrahlt wieder in bengaliſcher
Aseleuchtung. Nach der Anſprache des Herrn Staatspräſidenten mar=
ſhiert
der Fackelzug durch verſchiedene Straßen nach dem Friedrich Ebert
A=latz, wo die feierliche Einweihung desſelben ſtattfindet. Die Feier wird
durch einen Maſſenchor von 600 Sängern eingeleitet und zum Abſchluß
en großes Brillantfeuerwerk abgebrannt.
Orpheum. Der Sonntagskartenverkauf findet ſtatt=
Aserkehrsburcau von 912 Uhr ſowie an der Kaſſe des Orpheums ab
3 Uhr ununterbrochen. Telephon. Beſtellungen Nr. 389. (Siehe Anz.)
Jubiläum. Heute ſind es 25 Jahre, daß Herr Direktor Ernſt
ſieermes bei der Firma A. Le Cog u. Co., Darmſtadt, eingetreten iſt.
Hohes Alter. Morgen, am 18. Juli, feiert Herr Privatier Wilh.
Arnheiter. Inſelſtraße 41, früher Metzgermeiſter, in körperlicher
pnid geiſtiger Friſche ſeinen 80. Geburtstag. Herr Arnheiter ſtammt aus
ener alteingeſeſſenen Familie und hat ein arbeitsreiches Leben hinter ſich.
76. Reſerve=Diviſion. Am 3. und 4. September 1927 findet in
rankfurt a. M. in der Feſthalle der 5. Diviſionstag ſtatt. Eine
gnoße Zahl von Anmeldungen liegt ſchon vor; aber es fehlen noch die
Anmeldungen vieler Kameraden. Es ſei daran erinnert, daß ſich die
iviſion zum größten Teil aus Angehörigen alter heſſiſcher
Bkegimenter zuſammenſetzt (R.J.R 252, 253, 254, R.F.A.R 56, 58,
92.Pi.K. 56 und 77 und vieler heſſiſcher Diviſionstruppen). Der vor=
bereitende
Ausſchuß bittet daher alle Kameraden, ihre Anmeldung um=
gwhend
einzuſenden, und für den Tag, der einen würdigen Verlauf ver=
ſnericht
, mit allen Kräften zu werben. Auskunft erteilt Kamerad Fritz
ſie öhn, Frankfurt=Ginnheim, Theodor Stormſtraße 7. Bei mindeſtens
20 Teilnehmern von einer Abfahrtsſtation gewährt die Reichsbahn eine
2Sprozentige Fahrpreisermäßigung. Bitte, ſich von ſelbſt zuſammen=
zuuſchließen
.
Schweres G=witter. Bei dem geſtern über Darmſtadt ſich ent=
lladenden
Unwetter ſchlug der Blitz in allen Stadtteilen ein, ohne jedoch
zu züju.den Die Feuerwehr wurde nicht weniger als 33mal zu Hilfe
gerufen. In der Alexander=, und der Sandbergſtraße und dem Breit=
neieſenweg
ſind Straßeneinbrüche erfolgt. In der Heidelberger Straße
hmatte ſich infolge Kanalverſtopfung ein See von 100 Meter Länge und
03.5 Meter Tiefe gebildet.
Aus Eberſtadt erfahren wir, daß in den tiefer gelegenen Stadt=
weilen
das Hochwaſſer Schaden angerichtet hat. Die Keller ſtehen unter
Aaſſer. Namentlich ſoll die Brauerei Bauer ſehr gelitten haben. Die
Yoarmſtädter Feuerwehr mußte auch in Eberſtadt eingeſetzt werden.

jeder Urt (auch Beinleiden) erhalten koſtenloſe
Heilberichte. Fr. Hornberger’s Heilinſtitut
Darmſtadt, Frankfurter Straße 40.
Mramte
Esprechſt. Werkt. 8 1 Uhr, Montags u. Donnerstags auch 46 Uhr. (11311a

Sonntag, den 17. Zuli 1927
Oeutſches Turnen und deutſches
Volkstum.
Die Bedeutung des 33. Mittelrheiniſchen Kreisturnfeſtes.
Wie der geſunde deutſche Menſch auf allen Gebieten ſeiner Lebens=
äußerungen
mit tiefem Ernſt und großem Eifer nach neuem Inhalt und
neuen Formen ſucht, ſo iſt auch der Turner mit neuer Tatkraft an die
Geſtaltung ſeiner dem ganzen Volke dienenden Arbeit herangetreten.
Woher nun empfängt der Turner Kraft und Anregung zur Erfüllung
ſeiner Aufgabe?
Was die Tagungen der geiſtigen Führer unſeres Volkes für die
Wiſſenſchaft, die Ausſtellungen für die Kunſt, und was Meſſen und Aus=
ſtellungen
für alle Gebiete des Wirtſchaftslebens bedeuten, das bedeuten
die Turnfeſte für das Turnen. Wie auf allen Gebieten des Volks=
lebens
das Weiterſtreben und Schaffen durch Wettbewerbe einen ſtarken
Anſporn erhält, ſo benutzt auch der Turner den Wettbewerb als Antrieb
zu eigenem Geſtalten. Seit der letzten großen Mittelrheiniſchen
Turnſchau 1925 im Gießen haben Verbände, Gaue, Bezirke und Vereine
die damals empfangenen Anregungen in emſiger ſtiller Arbeit ausge=
wertet
und daraus Neues geſchaffen. Wohl alle Turnführer legen ſich
nun die Frage vor, haſt du den richtigen Weg eingeſchlagen, wird deine
Arbeit neben der anderer beſtehen können? Das Kreisturnfeſt ſoll ihnen
darauf Antwort geben. Es wird die Arbeit Vieler beſtätigen, anderen
neue Bahnen weiſen und wird vor allem aufs neue begeiſtern, zu wirken
und zu opfern für ihr deutſches Volk und Vaterland.
Aber nicht nur den Frauen und Männern der Deutſchen Turner=
ſchaft
dürfbe das Kreisturnfeſt Auftakt zu neuem Streben ſein, auch die
Führer anderer Leibesübungen treibender Verbände werden als Gäſte
manche Anregung mitnehmen. Die Turner freuen ſich deſſen und wer=
dern
gerne das gleiche tun. Aus ſolch gegenſeitigem Lernen ergibt ſich
die Achtung vor der Arbeit anderer, und dieſe wieder iſt eine der beſten
Grundlagen für die erſtrebte deutſche Volksgemeinſchaft.
Aus alledem geht hervor, daß der Grundton des Kreisturnfeſtes
ernſte und fruchtbringende Arbeit, ſein wird, und daß
von dem Spruche Gutsmuths Turnen iſt Arbeit im Gewande jugend=
licher
Freude, der erſte Teil unter allen Umſtänden erfüllt wird und
darum auch die Berechtigung beſteht, den zweiten Teil, die jugendliche
Freude, für unſere Turner und Turnerinnen in Anſpruch zu nehmen.
Worin wird die jugendliche Freude beſtehen? Sehen wir uns die Feſt=
folge
an: Am Sonntag nachmittag, 24. Juli, dürfen auch die Kleinen
und Kleinſten des Main=Rheingaues bei einem großen Turnfeſt einmal
mit dabei ſein und dürfen ſich unter Leitung ihrer Führer auf dem
weiten herrlichen Plan des Feſtplatzes tummeln und fröhlich ſein. Wie
werden ihre Augen ſtrahlen, wenn ſie zeigen, was ſie gelernt haben!
Der Donnerstagabend wird beſonders genußreich ſein. Deutſcher Män=
nergeſang
, deutſche Bühnenkunſt und deutſches Frauenturnen werden ihn
zu einem feinen Dreiklang geſtalten.
Zu frohem Erleben geſellen ſich aber auch Stunden ernſter ſeeliſcher
Einkehr; deutſches Gemeitsleben und vaterländiſches Empfinden finden
hohe Augenblicke in:
der Gedenkſteinenthüillung für den im vorigen Jahre verſtorbenen
hochverdienten Kreisvertreter Emanuel Schmuck;
den Kranzniederlegungen an den Gräbern unſerer Meiſter und ehe=
maligen
Turnführer Spieß, Völſing, Reuter und Rothermel;
dem großtzen Feſtſpiel in der Feſthalle;
dem Feſtabend für die Turner des beſetzten Gebietes;
der Eröffnung des Feſtes am Landesmuſeum mit Weihe des neuen
Kreisbanners;
der Jugendfeierſtunde mit Weiheſpiel in der Pauluskirche und in der
Siegerehrung am Landesmuſeum.
So ſollen turneriſche Arbeit und Freude auf dem Kreisturnfeſt
geſtaltet werden. Wenn dies auch auf den vergangenen Feſten ähnlich
geſchah, ſo wird das 33. in Darmſtadt aber noch ein ganz beſonderes
Gepräge erhalten durch den Rahmen, in den es die Darmſtädter Turner=
ſchaft
ſtellen will mit tatkräftiger Unterſtützung der Stadt, insbeſondere
der perſönlichen durch den Ehrenvorſitzenden des Bauausſchuſſes, des
Heurn Bürgermeiſters Buxbaum. Dem Nawen Darmſtadt als Kunſt=
ſtadt
ſoll Rechnung getragen werden. Die erſchienene Feſtſchrift und
die ganze Feſtanlage laſſen dies ſchon deutlich erkennen. Und wenn
alle in Darmſtadt porhandenen Kräfte ſich regen und helfen, dann wird
das 33 Mittelrheiniſche Kreisturnfeſt nach ſeinem inneren Wert und
ſeiner äußeren Erſcheinung für Darmſtadt, ſeine Umgebung, die geſamte
Turnerſchaft des Mittelrheinkreiſes und weit über ſeine Grenzen hinaus
Roth.
in bedeutungsvolles Ergebnis.

* Orpheum.
Gaſtſpiel Celly de Rheidt.
Als Senſationsgaſtſpiel war Celly de Rheidt, die durch eine große
Reihe von Prozeſſen berühmt gewordene Nackt=Tänzerin, angekündigt
worden, und eine kleine Senſation war ihr geſtriges erſtes Auftreten in
Darmſtadt tatſächlich. Aeußerlich durch den unerwartet ſtarken Beſuch,
und dann natürlich durch ihre Darbietungen.
Dem Auftreten der Tänzerin und ihres Enſembles gehen eine Ab=
teilung
Varieté=Darbietungen voraus, die Lucie Brownie, eine
ganz entzückende Xhlophon=Virtuoſin, eröffnet. Entzückend in doppelter
Richtung Perſönlich liebenswürdig und graziös und in ihrer Kunſt
von fabelhafter Technik und temperamentvolle: Muſikalität. Ihr folg=
ten
die 2 Logert, exquilibriſtiſche Fangkünſtler, die ihre ſchwierigen
Geſchicklichkeitsleiſtungen ebenfalls ſehr elegant, ſehr ſchick nach dem
ſcharfen Rhythmus der Charleſton=Muſik geben, die ebenſo geſchickt eine
Unzahl Ringe, Reifen und ſonſtige Gegenſtände, wie ſchließlich ſich
ſelbſt in der Luft herumwirbelten und mit fabelhafter Sicherheit auf=
fingen
. Sehr vornehme, elegante und ſehr individuelle Parterve= und
Handſtand=Akrobaten.
Auf draſtiſchen Humor eingeſtellt die nächſten Nummern. Ein
Bauchredner, der ſich mit ſeinen zwei Freunden Johann und
Auguft, zwei Puppen, im ſchönſten Dialekt unterhält und dabei die
älteſten und neueſten Witze erzählt. Der Bauchredner frappiert und iſt
die Geſamtnummer ſehr erheiteind. Dann der luſtige Humſti=Bumſti=
Akt der 2 Leytons. Meiſterhafte akrobatiſche und turneriſche Lei=
ſtungen
, in derb=komiſches Gewand gekleidet.
Im zieiten Teil dann kam die Senſation: Celly de Rheidt
mit ihrem Pantomimen=Enſemble und Schönheits=
Ballett. Was an tanzkünſtleriſchen Leiſtungen geboten
wurde, war einwandfrei und ohne Einſchränkung gut. Vom Ballitt
teilneiſe unter Führung und Mitwirkung von Celly de Rheidt
und teikweiſe von Vera Cartiglieri und Bella Hart, wur=
den
getan;t der Frühlingsſtimmenwalzer, die Spieluhr von Blaauw,
Montis Zigeunerin, Offenboch3 Liebeslied, eine Phantaſie Indiſche
Tempelneihe und als das beſte in dieſer Reihe Schuberts Lebens=
freude
, das ganz entzückend, duftig und voll Grazie getanzt wurde.
Viel Temperament und ſeh= gure Tanztechnik zeigten die Cartiglieri
und Bella Hart, deren eigenſtes Gebiet eben der Charaktertanz zu ſein
ſcheint. Plaſtiſche Shönheiten boten Coeleſtine und Come3.
Celly de Rheidt brillierte beſonders in den beiden Pantomimen
Die Hexe, der Mönch und der Satan und Im Opiumrauſch Erſrere
eine Syene aus dem hexenverbrennenden Mittelalter in Deutſchland,
letztere eine cineſiſche Sache, die Celly de Rheidt ſelbſt erfunden hat.
Beide Pantomimen gaben der Künſtlerin Gelegenheit, ſowohl ihr tän=
zeriſch
=mimiſches Können zu entfalten, wie auch Las, was ſie berühmt
gemacht hat, ihren Körper in mehr oder weniger, eigentlich nur weni=
ger
Bekleidung zu zeigen. Es darf ihr aber teſtiert werden, daß die Dar=
bietungen
in keiner Weiſe indezent wirken. Man iſt heute ja allerhand
gewöhnt und iſt nücht mehr aufgeregt, wenn ein Tanzkoſtum ſich auf
einen ſchwarzen Tüllſchleier beſchränkt, oder auf einige Perlen=
nüre
. Jedenfalls fanden die Darbietungen durchweg reichen Beifall,
der hin und wieder ſogau begeiſtert war. Den Schluß des Abends
bildete der pantomimiſche Scherz Schulſpaziergang ton Ellen Pauers
und Fred Lind. Zeiſchen dieſem und dem Opfumrauſch fanden noch
einige ſehr gute Solotänzerinnen Gelegenheit, ihre Kunſt zu zeigen.
So Theſſa Lehner, die ſehr graziös, ſehr weich, ſehr anmutig
tanzt. Ganz entzückend war der Frühlingstraum von Grieg.
Jedenfalls iſt das Programm, das nur wenige Tage geſpielt wer=
den
kann, ſehr abweihſelungsvoll und reichhaltig, ſo daß der Beſuch
rüickhaltlos empfohlen werden kann. Die Direktion Fink ſchließt da=
mit
ihre Spielzeit für den Sommer ſehr wirkungsvoll ab.

Seite 5

* 25. Stiftungsfeſi
der Darmſtädter Burſchenſchaft Rugia.
Die Darmſtädter Burſchenſchaft Nugia (i. A. D. B.) begeht in die=
ſen
Tagen ihr 25. Stiftugsfeſt. Die Feiern aus dieſem Anlaß begannen
am Freitag mit einem Kreisſportfeſt des zweiten Bezirks des A. D.B.
auf dem Hochſchulſportplatz bei reger Beteiligung. Techniſcher Leiter
der Wettkämpfe war Herr cand. mach. Friedrich Debus. Leider litt die
ſportliche Betätigung ſehr unter der Ungunſt der Witterung.
In der Loge (Sandſtraße) war am Freitag ein Begrüßungs=
abend
, verbunden mit Preisverteilung an die Sieger des Kreisſport=
feſtes
. Außer der Aktivitas waren viele Alte Herren, namentlich von
auswärts, und zahlreiche Gäſte erſchienen. Die Veranſtaltung unterſtand
der Leitung des Erſten Chargierten Herrn cand. mach. Werner Krug,
der in einer Eröffnungsanſprache den Alten Herren, den Bundesbrüdern,
den Verkehrsdamen und den Gäſten für ihr zahlreiches Erſcheinen dankte
und zugleich den Wunſch ausſprach, daß das Stiftungsfeſt einen guten
und harmoniſchen Verlauf nehmen möge. Herr Dipl.=Ing. Klingelhöfer
dankte im Namen der Alten Herren für die herzlichen Begrüßungs=
worte
; er wies in ſeiner Rede auf die vielen ſchönen Studen hin, die
man in Darmſtadt verlebt habe, darum ziehe es jeden Alten Herrn wie=
der
hierher zurück. Die Muſik, die unter der Leitung von Herrn Ober=
muſikmeiſter
a. D. M. Weber ſtand, konzertierte und bot vorwiegend
Rheinlieder und die altbekannten Studentenweiſen. Im Verlaufe des
Abends wurde eine neue, von den Bundesſchweſtern und Verkehrsdamen
geſtiftete neue Fahne übergeben. Der Erſte Chargierte Herr cand. mach.
Werner Krug übernahm mit Dankesworten das neue Banner und nannte
die Fahne das Symbol der Ideale einer Korporation. Hoffentlich würdem
ſich ſtets viele junge Bundesbrüder um ſie ſcharen. Weiter wurden
Ehrengaben, die von Töchtern Alter Herren aus Hamburg geſtiftet
waren, überreicht; auch bei dieſer Gelegenheit wurde in einer Rede vom
Erſten Chargierten herzlich dafür gedankt.
In bereits vorgerückter Stunde wurden die Ergebniſſe des Sport=
feſtes
von heute morgen bekannt gegeben und die Pxeisverteilung vor=
genominen
.
Ergebniſſe: 1. 4X100=Meter=Staffel. A.D.B. Frankfurt a. M.
51 Sek., Wanderpreis. 2. Schwedenſtaffel. Rheno=Cheruskia Frankfurt
a. M. 2 Min. 50 Sek., Wanderpreis. 3. 3X1000=Meter=Staffel. Rheno=
Cheruskia Frankfurt a. M. 10 Min. 32 Sek., Wanderpreis. Fünf=
kampf
. 1. Sieger: Brötz=Rugia Darmſtadt mit 216 Pkt.; 2. Sieger:
Erckmann=Palatige Gießen mit 177 Pkt.; 3. Sieger: Wambach=Rug. mit
161 Pkt.; 4. Sieger: Markert=Gothiae Darmſtadt mit 145 Pkt.; 5. Sie=
ger
: Jrion=Rug. mit 106 Pkr. Einzelkämpfe. 100 Meter: 1. Erck=
mann
=Pal. in 11,8 Sek.; 2. Wambach=Rug. in 12,7 Sek.; 3. Markert=
Goth. in 12,8 Sek.; 800 Meter: 1. Brötz=Rug. in 2 Min. 21 Sek.;
2.: Schäffer=Teut. Frankfurt a. M. 2 Min. 22 Sek.; 3. Wambach=Rug.
und Markert=Goth. in 2 Min. 23 Sek.; 3000 Meter: Eckhardt=Rhen.=
Cher.=Teut. Frankfurt a. M. in 11 Min. 1,5 Sek. Hochſprung. 1.
Brötz=Rug. mit 1,65 Meter; 2. Dankleff=Rug. mit 1,55 Meter; 3. Erch=
mann
=Pal. mit 1,50 Meter. Kugelſtoßen (1¼ Ka.). 1. Hofmann=
Ghib.=Krlsr. mit 10,25 Meter; 2. Erckmann=Pal. mit 9,85 Meter; 3.
Schäffer=Teut. mit 9,26 Meter. Speerwerfen. 1. Jrion=Rug. 36,75
Meter; 2. Brötz=Rug. 26,52 Meter, (außer Konkurrenz 40 Meter).
Diskuswerfen. 1. Hofmann=Ghib. 28,10 Meter; 2. Frion=Rug. 27,40
Meter. Schleuderball. 1. Hoffmann=Ghib. 46,30 Meter; 2. Frion=
Rug. 43,35 Meter. Schlagballweitwurf. 1. Brötz=Rug. 92,50 Meter;
2. Hofmann= Ghib. 79,65 Meter; 3. Koch=Rhen.=Cher. 79,54 Meter.
Fauſtball. 1. Sieger und Wanderpreis: A.D.B. Frankfurt a. M.; 2. Sie=
ger
: Rugia Darmſtadt.
Ein Freundſchafts=Handballſpiel zwiſchen Frankfurter und Darm=
ſtädter
A. D.B. wurde von Frankfurt mit 5:1 gewonnen.
Um 11 Uhr geſtern vormittag fand die Einweihung eines
Tennis= und Sportplatzes der Burſchenſchaft Rugia ſtatt,
der an der Roßdörfer Straße, in der Nähe des Botaniſchen Gartens
liegt. Eine zahlreiche Teilnehmerſchaft wohnte dem feierlichen Akte bei,
der durch den Vortrag eines Orcheſters unter der Leitung von Ober=
muſikmeiſter
a. D. M. Weber ſtimmungsvoll eingeleitet wurde, und zwar
mit Wagners Einzug der Gäſte auf der Wartburg aus dem Tann=
häuſer‟
. Der Fuchsmajor, Herr cand. mach. Otto Bockemühl, hielt die
Weiherede. Nachdem ein Muſikſtück, das Motive aus Wagners Meiſter=
ſingern
bot, verklungen war, richtete Herr Profeſſor Dr.=Ing. Heide=
broek
im Namen des Akademiſchen Ausſchuſſes für Leibesübungen und
im Namen der Techniſchen Hochſchule herzliche Glückwünſche an die Bur=
ſchenſchaft
Rugia, daß ſie als erſte einen mit allen modernen Einrich=
tungen
verſehenen Sportplatze ins Leben gerufen hat. Der Redner gab
dann dem Gedanken Ausdruck, daß die Techniſche Hochſchule die Leibes=
übungen
fördere, damit die Studierenden nicht allein geiſtig geſchult,
ſondern auch körberlich geſtählt den Lebenskampf beſtehen und ſo für den
Wiederaufſtieg Deutſchlands wirken können. Noch beſtehe kein Zwang
zur Teilnahme an Leibesübungen und doch beteiligten ſich daran etwa
70 Prozent der Studierenden. Daß es der Rugia gelungen ſei, ſich
ſelbſt die ſportlichen Einrichtungen zu ſchaffen, dafür ſei ſie beſonders
zu beglückwünſchen. Er ſelbſt habe in der Inflationszeit das zweifelhafte
Vergnügen gehabt, einen Sportplatz zu ſchaffen, und er wiſſe darum,
welche Anforderungen hier geſtellt würden, wie es gelte, eine Sache um
ihrer ſelbſt willen zu tun. Der Redner lehnte den Sport ab, wie er
vielfach ausgeübt wird, als ein Jagen nach Rekorden; notwendig ſei die
gleichmäßige Ausbildung des Körpers. Auf Wettkämpfe könne man je=
doch
nicht verzichten, um den Sport nicht verflachen zu laſſen. Das letzte
Ziel ſportlicher Betätigung ſei Kameradſchaft und die Einſetzung der
Perſönlichkeit, das Herausholen der letzten Kräfte, wenn es nötig iſt.
Nur ſo könne ein Aufſchwung von Volk, Vaterland, Wirtſchaft, Technik
und Induſtrie erreicht werden, nur wenn die ganze Kraft eingeſetzt
werde. Es möchten der Wunſch und die Hoffnung in Erfüllung gehen,
daß dieſer Platz dazu diene, ein ungebrochenes, kraftvolles Geſchlecht zu
erziehen, zum Wohle unſeres geliebten Vaterlandes. (Lebhafter Beifall.)
Der Sprecher der Burſchenſchaft Rugia, Herr cand. mach. Werner
Krug, dankte dem Vorredner für ſeine markigen Worte, und übernahm
den Sportplatz. Er lobte das Erreichte und dankte allen, die mit Rat
und Tat geholfen haben, den Platz herzurichten. Zum Schluſſe ſeiner
Anſprache gab der Redner der Hoffnung Ausdruck, daß in dieſem kleinen
Kreiſe mit die Vorausſetzungen geſchaffen würden zum Wiederaufſtieg
des Vaterlandes. An ein Treugelöbnis ſchloß ſich dann das gemeinſam
geſungene Deutſchlandlied. Mit einem Marſch von Hilge Frei iſt der
Burſch! endete der offizielle Teil der Feier.
Es folgte hierauf die Beſichtigung des Platzes und des nach dem
Entwurf von Herrn Architekt P. Müller ausgeführten Sporthauſes
Um 9 Uhr abends fand ein Feſtkommers in der Otto Berndt=Halle
ſtatt; die Beteiligung war ſehr ſtark. Die Halle war ſchön geſchmückt,
und auf der Galerie hatten die Damen Platz genommen. Der Erſte
Chargierte Herr cand. mach. Werner Krug hielt die Begrüßungsanſprache
und entbot dem in Vertretung des Rektors erſchienenen Prorektor Herrn
Prof. Eberle, den Bundesbrüdern ſowie den Damen Grüße. Im wei=
teven
Verlauf des Abends wechſelten gemeinſam geſungene Lieder mit
Anſprachen. Dipl.=Ing. Klupp=Hamburg warf in einer Rede einen Rück=
blick
auf die vergangenen 25 Jahre ſeit Gründung der Rugia. Die
Bundesrede hielt Dipl.=Ing. W. Mayr=Koblenz, die Rede auf die
Profeſſoren hielt Dr.=Ing. H. Krug=Bochum, die Vertreter=Rede hielt
Herr stud. mach. H. Stoll, Sprecher der derzeit im A. D.B. präſidieren=
den
Burſchenſchaft Gothia=Darmſtadt, die Landesvater=Rede hielt Herr
Dipl.=Ing. E. Kuckuk=Dortmund; ferner ſprachen auf Darmſtadt Herr
Architekt S. Schwartau=Hamburg, auf die Alten Herren Herr cand.
mach. Otto Bockemühl und auf die Aktivitas Herr Oberingenieur W.
Ziegenhorn=Hamburg. Die muſikaliſche Leitung =der Veranſtaltung hatte
Herr Obermuſikmeiſter a. D. M. Weber, deſſen Orcheſter eine Reihe von
tonſchön geſpielten Märſchen bot.

Muſikverein. Unſere Mitglieder können in der Buchhandlung
Bergſträßer Eintrittskarten zur Ausſtellung Muſik im Leben der Völ=
ker
in Frankfurt zu ermäßigten Preiſen erhalten (ſtatt 2 Mk., Preis
1 Mk., bei zweimaligzm Eintritt).
Eine Penſionät=Verſammlung ſindet am Dienstag, den 19. Juli,
nachmittags, im Fürſtenſaale (Grafenſtraße) ſtatt. (Siehe Anzeige
m

[ ][  ][ ]

Seite 6

Sonntag, den 17. Juli 4927

Nummer 196

Reichsoffizierbund.

Bundestag 1927 in Düſſeldorf.
In Düſſeldorf fand die diesjährige 8. Bundestagung des Reichsoffi=
zierbundes
ſtatt. Zum Begrüßungsabend im Ritterſaal der Städt.
Tonhalle waren neben den einheimiſchen vaterländiſchen Verbänden
und Keiegervereinen Vorſtandsmitglieder und Angehörige aller Offizier=
Vereinigungen ſowie namhafte Vertreter von weltlichen und kirchlichen
Behörden und der Preſſe erſchienen. Die Bundestagung, die mit einer
Gedenkfeier und Kranzniederlegung des R.D.B. an der Richtſtätte
Schlageters endete, fand mit der Annahme folgender Entſchließungen
ihren Abſchluß:
Gegen die Schuldlüge:
Ueber acht Jahre ſind vergangen, ſeit von Deutſchland das ſchrnach=
volle
Geſtändnis der Schild am Weltkriege erpreßt worden iſt. Längſt
iſt es erwieſen, daß dieſe, dem aus tauſend Wunden blutenden deutſchen
Volke aufgezwungene Erklärung die ungeheuerlichſte Lüge darſtellt,
die die Weltgeſchichte kennt. Unſer Volk, wenn e3 noch einen Funken
nationales Ehrgefühl beſitzt, kann und darf dieſe Schmach nicht länger
ertragen. Wir bitten alle Volksgenoſſen, gleichgültig welcher Partei=
richtung
, endlich politiſche Rückſichten beiſeite zu ſtellen und geſchloſſen
die Reichsregierung und den Reichstag zu veranlaſſen, vor aller Welt
feienlichſt die Schuldlüge zurückzuweiſen. Auch wehrlos
kann ein Volk ſeine Ehre wahren, wenn es einig iſt.
Um die Befreiung der Rheinlande:
Trotz aller Verſprechungen unſerer Feinde wird die Beſetzung eines
großen Teiles des Aheinlandes aufrecht erhalten. Immer noch ſind dort
die deutſchen Bewohner der Willkür und der ſchmachvollen Behandlung
franzöſiſcher Heeresangehöriger preisgegeben. Der Reichs=Offizierbund
iſt der Auffaſſung, daß auch hier ein einheitlicher Abwehrwille des deut=
ſchen
Volkes der Negierung und dem Reichstag den nobwendigen Rück=
halt
geben kann. Es maß Ehrenpflicht aller Deutſchen ſein, zur Be=
freiung
unſerer Landsleute im Rheinland und an der Saar in Wort
und Schrift durch Aufrüttelung des deutſchen Gewiſſens beizutragen.
Für Kolonien:
Der Bundestag des Reichsoffiziersbundes fordert von allen maß=
gebenden
ſtaatlichen Behörden und Parlamenten, ſich nachdrüücklichſt für
die Wiedergewinnug des deutſchen Kolonialbeſitzes einzuſetzen. Dieſe
Forderung iſt für das deutſche Volk eine der dringendſten. Ohne über=
ſeeiſchen
Beſitz ſind wir nacht imſtande, unſer 60=Millionenolk einer
beſſeren Zukunft entgegenzuführen.

Ein großes Militär=Doppelkonzert wird der Reichsbund ehemali=
ger
Militärmuſiker am kommenden Dienstag, den 19. Juli d. J., im
ſtädtiſchen Saalbaugarten veranſtalten, das durch die Mitwirkung der
über 30 Mitglieder ſtarken Ortsgruppe Worms beſondere Darbietun=
gen
bringen wird. Die Wormſer Ortsgruppe, unter Leitung ihres
Dirigenten Leucht ſtehend, genießt dort in allen Kreiſen großes An=
ſehen
. Eine weitere Anziehungskraft für das Konzert dürfte die Mit=
wirkung
des bekannten Piſtonſoliſten H. Buslau von hier bieten, der ein
glänzendes, von dem hochangeſehenen hieſigen Kammervirtuoſen Louis
Kümmel geſchaffenes Wer:k Heralda, Große Fantaſie für Cornet
4 Piſton zum erſten Mal in Deutſchland (außer dem Komponiſten ſelbſt)
zum Vortrag bringen und damit zeigen wird, auf welche hohe Stufe der
künſtleriſchen Entwicklung er es auf ſeinem Inſtrument gebracht hat.
Auch die weitere Vortragsfolge, zum Teil von den einzelnen Orts=
gruppen
, zum Teil gemeinſam unter der Leitung der Dirigenten Grei=
lich
und Leucht ausgeführt, bringt abwechſlungsreiche Tonſtücke, darunter
die im vorigen Jahre mit größtem Beifall aufgenommenen Grawertſchen
Hiſtoriſchen Märſche u. a., ſo daß den Beſuchern ein genußreicher Abend
bevorſteht.
Ausgefallener Sonderzug. Der für den 17. Juli in Ausſicht ge=
nommene
Ausflugsſonderzug nach Wertheim muß wegen ungenügender
Beſetzung, die ausſchließlich auf die ungünſtige Witterung zurückzuführen
iſt, ausfallen. Das Fahrgeld wird ohne Abzug zurückvergütet.
Berichtigung. Man ſchreibt uns: In der Samstagsnummer fan=
den
wir einen freundlichen Bericht über die Bachfeierſtunde des Münche=
ner
Organiſten Nowothny. Als Veranſtalter wurden dort genannt die
Evangeliſche Jugendgemeinſchaft im Landesverband Heſſen und
Naſſau des Bundes deutſcher Jugendvereine; es muß ſtatt deſſen heißen:
Ortsverband des Bundes deutſcher Jugendvereine in dem genannten
Landesverband. Die Evangel. Jugendgemeinſchaft iſt eine Zuſammen=
faſſung
aller evangeliſchen Bünde Darmſtadts, die zu dieſer beſonderen
Veranſtaltung eingeladen waren. Nachtragen möchten wir noch einen
Dank an die Firma Heinrich Arnold (Wilhelminenſtraße), die uns einen
Konzertflügel koſtenlos zur Verfügung geſtellt hatte, der dem Künſtler
mit half zu ſeinem Erfolg.

Hindenburg=Spende. De Vorbereitugen für die Hindenburg=
Spende, die aus Anlaß des 80. Geburtstages des Neichspräſidenten zu=
gunſten
der Kriegsbeſchädigten und notleidenden Mittelſtandsangehöri=
gen
veranſtaltet wird, ſind nunmehr im Gange. Auch die Heſſiſche Giro=
zentrale
und die heſſiſchen Sparkaſſen haben ſich gerne bereit erklärt, als
Sammelſtellen für die Spende mitzuwirken. Die hieſige Städtiſche
Sparkaſſe hat dieſe Sammelſtelle bereits eingerichtet, ſo daß Ein=
zahlungen
zugunſten der Hindenburg=Spende dort während der üblichen
Kaſſenſtunden jederzeit geleiſtet werden können.
Waiſenſchutz Sommer= und Kinderfeſt. Wir erinnern nochmals
an das heute Sonntag, den 17. Juli, im Garten ſowie ſämtlichen Räu=
men
des Städtiſchen Saalbaues ſtattfindende Sommer= und Kinderfeſt
des Heſſiſchen Fechtvereins Waiſenſchutz (Zweigvevein Darmſtadt). U. a.
wird Herr Obermuſikmeiſter a. D. Weber, der am Nachmittag die Lei=
tung
des Konzerts übernommen hat, einen für das 33 Mittelrheiniſche
Kreisturnfeſt von ihm komponierten Marſch, betitelt Freundſchaft Mut
und Treu, zu Gehör bringen. Auch wird unſer altbekannter Piſton=
Virtuoſe Herr Buslau ſein Können in den Dienſt unſerer guten Sache ſtel=
len
. Der Geſangverein Sängerluſt unter Leitung ſeines Chormeiſters
Herrn Grimm hat den geſanglichen Teil übernommen. An größeren
Gewinnen für unſere Tombola haben bereits geſtiftet: Firma Konzel=
mann
1 großen Gasbratofen, Heag 1 elektriſchen Kochherd, Firma Alter
1 großen Tiſch, Firma Müller u. Rühle 1 großes Bild, Firma Karn
Nachfolger (Inhaber Eiſenhauer) 1 großes Bild, und nicht zuletzt unſer
altes verdienſtvolles Mitglied Herr Seip (zum Weinſchuſter) 4 Fäßchen
Wein je 30 Liter. Es kann jetzt ſchon verraten werden, daß unſere
Tombola über 500 Gewinne aufweiſt. Lospreis 20 Pfg. Außer Wurſt=
ſchnappen
, Eierlaufen, Sackhüpfen uſw. iſt es gelungen, in dieſem Jahr
für unſere Kleinen auch ein Eſelfuhrwerk zu bekommen, das für ein
kleines Entgelt die Kinder im Saalbaugarten ſpazierenfahren wird. Der
Tanz beginnt um 8 Uhr abends im großen Saal, und wird die Muſik
von einer Jazzbandkapelle ausgeführt. Alles weitere durch Plakate und
Anzeigen.
Bürgerverein, Saalbauſtraße 67 Unſere Mitglieder werden dar=
auf
aufmerkſam gemacht, daß das am Samstag ausgefallene Konzert
beſtimmt am Montag abend ſtattfindet; bei ungünſtiger Witte=
rung
im Saale.
Pilgerfahrt. Das katholiſche Reiſekomitee ( Vorſitzen=
der
S. Durchlaucht Fürſt Alois zu Löwenſtein) veranſtaltet vom 111.
Auguſt eine Pilgerfahrt nach Rom und Aſſiſi, beginnend und
endigend in Würzburg; vom 5.11. Auguſt eine Paris=Reiſe be=
ginnend
und endigend in Köln; vom 18.24. Auguſt eine Pilgerfahrt
nach Lourdes, Begim und Ende in Köln; vom 29. Auguſt bis 5. Sep=
tember
eine Pilgerfahrt nach Lourdes, mit Aufenthalt in Paris,
beginnend und endigend in Köln. Meldungen nimmt entgegen: Notala,
Reiſebureau für Katholiken, G.m.b. H., Würzburg, Sterngaſſe 5.
* Milchpreis. Durch gemeinſamen Beſchluß der Vertreter des Darm=
ſtädter
Milchhandels und der Landwirtſchaft iſt der Milchpreis ab Mon=
tag
, 18. Juli, auf 32 Pfg. feſtgeſetzt worden.
CPolizeibericht. Ein Dienſtmädchen aus Unter=Liederbach kam am
13. 7. 27 abends hier zugereiſt, um eine Bekannte, die es in Gießen
in der Klinik kennen gelernt hatte, zu beſuchen. Am folgenden Morgen
erzählte das Mädchen ſeiner Bekannten, daß es am Tage vorher in der
elterlichen Wohnung geboren und das Kind mitgebracht habe. Das
Mädchen holte darauf die Leiche eines neugeborenen Mädchens aus einem
Einkaufsbeutel und bat die Bekannte, ſie möchte für die Beerdigung des
Kindes ſorgen. Die von der Bekannten ſofort herbeigerufene Hebamme
verſtändigte die Kriminalpolizei, die die Verbringung der Wöchnerin in
das Stadtkrankenhaus veranlaßte. Das Dienſtmädchen wird ſich ver=
mutlich
wegen Kindestötung zu verantworten haben. In einem Ge=
ſchäftslokal
, Ecke Liebig= und Landwehrſtraße, wurde ein Einbruch ver=
übt
. Geſtohlen wurde aus der Ladenkaſſe ein bleinerer Geldbetrag.
Aus einem Lager wurde ein Sack gebrannter Kaffee entwendet. Per=
ſonen
, die Angaben machen können, die zur Aufklärung der Diebſtähle
beitragen, werden gebeten, bei der Kriminalabteilung, Zimmer 4, vor=
zuſprechen
.
Der Dornheimerweg iſt infolge Pflaſterarbeiten geſperrt, jedoch
iſt in der letzten Nacht verſäumt worden, die Sperre zu beleuchten, ſo
daß drei Radfahrer, die den Weg benutzten, gegen dieſe Sperrſtange ge=
fahren
ſind und ſich alle drei ſchwere Verletzungen zuzogen, ſo daß der
Transport durch Sanitätsauto ins Krankenhaus bzw. Wohnung erfolgen
mußte.

Billiger Tag im Frankfurter Zoo. Am Sonntag, den 17. Juli.
iſt der Boologiſche Garten und das Aquarium während des ganzen
Tages zu halben Eintrittspreiſen zugänglich. Bei ſchönem Wetter Reit=
und Fahrbetrieb im Wäldchen. Nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr
finden Konzerte ſtatt.
Kunſtnotizen.
Ueber Wert, Künſſier oder fünffieriſchs Veranſtaltungen, deren im Nachſicheden Gruchwms
geſchieht, behält ſich die Nedatton ihr Urtetl vos
Pat und Patachon im Union=Theater. Die beliebteſten Film=
komiker
und originellen Schauſpieler, wer möchte ſich nicht ein paar ge=
nußreiche
, ſorgenloſe Stunden unter ihrem Spiel gönnen. Es iſt erſtaun=
lich
, daß ſolche zwei Typen, mögen ſie kommen, wann ſie wollen, auch
außer Saiſon, ſtets den gleichen Erfolg erobern. Mady Chriſtians.
in dem zweiten Film Nanette macht alles, dürfte mithin auch ei be=
ſonderer
Anziehungspunkt für das Publikum ſein. Ihr Spiel iſt immer
gleichmäßig, gewinnend und wohlgefällig. Man erwartet von ihren Fil=
men
einfach keine Enttäuſchung, nach dem erfolgreichen Zuſpruch aber
gewinnt man eher den Eindruck, daß Filme mit ihrem Spiel in der
Hauptrolle noch lange nicht oft genug über die Leinwand gerollt ſind.
Im Reſidenz=Theater am weißen Turm finden heute die letzten
Vorführungen von dem Film Mädchenhändler ſtatt. Unglaublich ſcheint.
es uns daß an Hand treffend gewählter Beiſpiele in der heutigen Zeit
von Mädchenhändlern die Rede ſein kann, und doch iſt gerade dieſer
Film der ſchlagende Beweis für alle Schandtaten auf dem Gebiete.
Immer und immer wieder lockt es, ſei’s durch Annoneen und Stellen=
angebote
in Zeitungen oder auch in der Geſellſchaft, kein Menſch weiß
und ahnt auch nur, was oft hinter dieſen Anerbietungen ſteckt, die nach=
gewieſen
nur dazu dienen, um junge Mädchen durch Verſprechungen
und ſcheinbar glänzende Ausſichten ins Ausland zu lochen, und dort mit
tauſend Tricks, Gewalt und Liſt infam an internationale Mädchenhänd=
ler
auszuliefern. Blutig grimmig von beiden Seiten mit verbiſſener
Hartnäckigkeit geführt, iſt der Kampf zwiſchen internationaler Polizei
und internationalen Mädchenhändlern, darum, Eltern, ſchützt Eure Töch=
ter
im Inland, und Deutſche, ſchützt deutſche Mädchen im Ausland, und
beſucht zu dieſem Zwecke die heutigen und letzten Vorſtellungen.
Lokale Veranſialtungen.
Die Hierunter erſcheinenden Netiyen Aind andſchliedſich als Hinwelſe auf Amzeigen zu betradten.
imn leinem Falle ſrgendwie ale BVaſpnichung oder Krik.
Der Stahlhelm, Bund der Frontſoldaten, Ortsgruppe Darmſtadt,
veranſtaltet gemeiſam mit dem Bund Königin Luiſe, Ortsgruppe Darm=
ſtadt
, am Mittwoch, den 20. Juli, im großen Saale des Perkeo
Alexanderſtraße einen Vaterländiſchen Abend. Das ſorg=
fältig
zuſammengeſtellte Programm leiſtet Gewähr für einige genuß
reiche Stunden, zumal der mit großer Spanmung und Begeiſterung in
ganz Deutſchland aufgenommene Film über den Stahlhelmtag in Berlin
zur Vorführung kommt.
Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und
Heimatkunde. Donnerstag, abends 8½ Uhr, Vortragsabend. Eintracht=
ſaal
. Eliſabethenſtraße 12. Redner: Herr Wilhelm Kaminskyüber:
Bemerkenswerte und intereſſante Bäume in unſeren Wäldern.
Im Hotel Prinz Heinrich, Bleichſtraße, am Alten
Bahnhof, findet heute abend großes Garten=Konzert ſtatt. Bei ungün=
ſtiger
Witterung in den Lokalitäten.

Tageskalender für Sonntag, den 17. Juli 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus, nachm. 4 Uhr: Der Graf von Luxemburg; abends 8 Uhr:
Wie einſt im Mai. Orpheum, abends 8 Uhr: Celly de
Rheidt. Landesmuſeum von 1019 Uhr: Ausſtellung
Alte Kunſt. Mathildenhöhe von 1019 Uhr: Ausſtel=
lung
Neue Kunſt. Odenwaldklub, Ortsgr. Darmſtadt:
8. Wanderung mit Damen nach Reinheim. Heſſ. Fechtverein
Waiſenſchutz, nachm. 4 Uhr, im Saalbau: Sommerfeſt.
Geſangverein Melomanen im Rummelbräu: Sommer=
feſt
. Orangeriegarten, nachm. 4 Uhr: Sommerfeſt, ver=
bunden
mit der 35jähr. Gründungsfeier des Geſangvereins Einigkeit.
Konzerte: Schloßtaffee, Hotel=Reſt. Schmitz, Café Rheingold,
Hauptbahnhof=Reſtaurant, Bockshaut, Hotel= u. Kaffee=Reſt. Wald=
ſchlößchen
, Neues Schießhaus, Reſt. Rummelbräu, Bismarckeck, Frank=
furter
Hof, Park=Kaffee=Reſtaurant, Reſt. Sodereck, Reſt. Mohr.
Theaterſaal Perkeo, Alexanderſtr. 1214, abends 8 Uhr:
Thüringer Volksſänger. Kinovorſtellungen: Union=, Reſi=
den
=Theater, Palaſt=Lichtſpiele. Traiſa, Gaſthaus zur Krone,
von machm. 4 Uhr ab: Großes Tanzkränzchen. Zwingenberg
a. d. B.: Hotel zum Löwen: Großes Konzert, anſchl. Feſtball.
Auerbach: Hotel Krone: Konzert.

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[ ][  ][ ]

Nummer 196

Sonntag, den 17. Juli 1927

Seite 2

Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Erzhauſen, 15. Juli. In der letzten Gemeinderatsſitzung zur
EEinführung von Dampfheizung in dem Schulhausneubau, verbunden mit
BBadeeinvichtung, teilt der Bürgermeiſter mit, daß er in mehreren Ge=
nneinden
eine Beſichtigung von neuen Schulen vorgenommen habe. Es
awurde beſchloſſen, Warmwaſſerheizung einzuführen; hierzu wurden die
Firmen L. Nohl, K. Fritz, Darmſtadt, und Meyer u. Salweh, Frank=
furt
, vorgeſchlagen. Für Einführung des elektriſchen Lichtes wurden
Wannmacher, hier, Dammel, Mörfelden und Keil, Darmſtadt, vorge=
bchlagen
. Zur Erweiterung des Ortsnetzes Lahn= und Egelsbacherſtraße
biegt der Voranſchlag vor und wird genehmigt. Die Errichtung von
echs neuen Fenſtern in dem Gemeindehaus Egelsbacherſtraße wird auf
Sem Submiſſionsweg vergeben. Zur Errichtung der Waſſerleitung in
Oen Gemeindehäuſern ſoll ein Rundgang durch die Baukommiſſion ge=
nrnacht
werden.
* Griesheim, 16. Juli. In der Zeit vom 16 bis 21. Juli d. J.
nvird in der hieſigen Schulturnhalle die Heſſiſche Wanderausſtellung für
EBeſundheitspflege und ſoziale Fürſorge gezeigt werden. Die Ausſtel=
uung
umfaßt folgende Gebiete: 1. Die Tuberkuloſe und ihre Verhütung;
12. Säuglings= und Kleinkinderpflege; 3. Krüppelfürſorge; 4. Der Al=
bioholismus
als Volkskrankheit; 5. Die Geſchlechtskrankheiten und ihre
Heilung; 6 Zahnpflege; 7. Verhütung von Verkehrsunfällen; 8. Allge=
nneines
. Die Eröffnung der Ausſtellung fand Samstag, den 16. ds.
Mts., abends 8 Uhr, ſtatt. Der Beſuch wird allen Eimpohnern der Ge=
meinde
wärmſtens empfohlen. Die Ausſtellung iſt geöffnet täglich von
½11 Uhr abends und Sonntag, den 17. Juli, von 11 Uhr vormittags
ſais 8 Uhr abends. Vereine, die mit ihren Mitgliedern geſchloſſen die
Velusſtellung zu beſuchen wünſchen, werden gebeten, ſich rechtzeitig bei der
Würgermeiſterei unter Angabe der Teilnehmerzahl zu melden, damit fach=
ixemäße
Führung geſichert werden kann. Perſonen unter 16 Jahren
ſoaben nur Zutritt in Begleitung Erwachſener. Der Eintritt iſt frei.
Der Ortsbquplan Griesheim, betr. Feſtſetzung der Fluchtlinien in der
Otto Heſſe=Straße und dem Baublock zwiſchen Otto Heſſe=Straße und
Warmſtädter Gemartungsgrenze bzw. der Provinzialſtraße nach Darm=
ſnadt
und dem Darmſtädterweg, liegt vom 18: bis einſchließlich 31. Juli
bs. Js. auf der Bürgermeiſterei (Zimmer 8) während der Dienſtſtunden
ſoffen. Einwenduugen gegen den Plan ſind innerhalb der Offenlegungs=
nriſt
bei Meidung des Ausſchluſſes daſelbſt vorzubringen. In der kom=
mienden
Woche finden auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich vor=
mmittags
von 512 Uhr Scharfſchießübungen ſtatt. Die Kleinkinder=
ſrhule
feiert am Sonntag nachmittag um 4 Uhr im alten Schulhof ihr
hriesjähriges Sommerfeſt. Unſere Kleinen wollen zeigen, was ſie alles
nreiben und lernen. Die Eltern der Kinder, aber auch alle, die Intereſſe
urn der Kleinkinderſchule haben, beſonders Gemeindevorſtand und Frauen
veereinsvorſtand, ſind herzlich dazu eingeladen.
* Eberſtadt, 15 Juli. Veränderte Baufluchtlinie. Die
Baufluchtlinic an der Ecke der Frankenſteinerſtraße und des Strohweges
noll eine Aenderung erfahren. Der Entwurf der Abänderung liegt 14
TTage lang auf dem Gemeindebauamt zur allgemeinen Einſichtnahme auf
Standesamtsregiſter. Im erſten Halbjahr 1927 wurden im
ſivieſigen Standesamtsregiſter 67 Geburten (gegen 78 im Vorjahre), 65
ISterbefälle (gegen 70 im Jahre 1226) und 38 Eheſchließungen (im Vor=
ſeihre
34) regiſtriert.
* Pfungſtadt, 16. Juli. In der letzten Gemeinderatsſitzung war der
Wunkt 1 der Tagesordnung Gegenſtand längerer Veratungen. Es han=
elte
ſich hier um die Vergebung der Arbeiten für das Herſtellen von
Schulſälen in der Knabenſchule, Schulturnhalle, Handwerkerſchule und
Mkeuen Schule. Von dem Bauausſhuß wurden die eingeforderten Preiſe
ſtüir die Schreiner= und Weißbinderarbeiten als zu hech bezeichnet. Eine
yrochmakige ſpezifizierte Erreckmung der Submittenten ergab wohl eine
Mlleine Ermäßigung bei den Weißbinderarbeiten, dagegen eine Erhöhung
ei den Schreinerarbeiten. Der Bauausſchuß ſchlug deshalb vor, die
hrbeiten im Herbſt erneut auszuſchreiben. Herr Bürgermeiſter Schwinn
beiihrte hierzu aus, daß die Verwaltung wohl den Zuſammenſchluß des
Wandwerks anerkenne, aber immerhin müſſe ſich dann auch die Preis=
reſtaltung
in normalen Grenzen bewegen. Er glaubt, daß die zu hohen
Mreiſe durch die vermehrte Beſchäftigung des Handwerks in der privaten
WBautätigkeit entſtanden ſind. Herr Gemeinderat Haſſenzahl erläutert
ierauf als Vorſitzender der Handwerkervereinigung, daß der Zuſammen=
hluß
der Handwerker auf Betreiben des Ortsgewerbevereins entſtanden
i, aber nicht zu dem Zweck, Ueberpreiſe zu erzielen, fondern um ſkru=
pelloſe
Unterbietung der Submiſſionspreiſe zu verhindern. Herr Haſſen=
zaahl
fucht den Fehler in Unſtimmigkeiten bei der Ausſchreibung, die
ſdoch von der Vanleitung in Abrede geſtellt werden. Zur Aufklärung
bieſer Angelegenhei: will Herr Haſſenzahl in der =hſten Sitzung einen
herrzen Bericht geben. Des weiteren wird nun darüber beraten, ob die
Mrbeiten im Sommer oder Herbſt ausgeführt weyden ſollen. Die Ab=
5immung über das Bauausfchußprotokoll mit 10 gegen 4 Stimmen
grraab die Aunahme des Vorſchlags, die Arbeiten erſt im Herbſt aus=
üsihren
zu laſſen. Die Lieferung von Zugvorhängen für die Kunben=
huile
erhält Herr L. Bonhajo zum Preiſe von 113,20 RM., Höchſtan=
mebot
für dieſelbe Sorte wuar 152 RM. Das Baugeſuch des Friedrich
Merkel für Hillebergſtraße wird befürſvortet, ehenſo das Baugeſuch des
sakob Vöttiger, Mittelgaſſe. Von einer Wiederherſtellung des Brun=
ens
an der Griesheimer Brüicke wird Abſtand genommen, da die Her=
brellungskoſten
in Höhe ven 600 RM. zu hoch ſind. Zumal in näclſter
Mähe ein Brunnen mit gutem Trinkwaſſer im ſogenannten Gärtchen
morhanden iſt. . Der Bauausſchuß ſchlägt vor, die Bachſohle an der
w euherzuſtellenden Brücke an der Seeheierſtraße betonieren zu laſſen.
Das Angebot von 5,80 RM. dro Quadratmeter erſcheint zu hoch, wenn
mu Verhandlungsweg, 4,50 RM. pro Quadratmeter erreicht werden,
rinn die Arbeit ausgeführ werden. Die Ausführung de Arbeit wurde
wei dem letzten Preis einen Koſtenaufwand von 193,50 RM. verurſachten.
Das Geſuh des Theoder Heil, Ecke Rügner= und Waldſtraße, um
Berſetzung des elektriſ ken Verteilungsmaſtes wird befürwortet. Die
Ulngebote auf das Lieferungsausſchreiben einer Feuerſirene ſind alle
richr zweckentſprahend. In Betracht kommt nur eine Druikknopff hal=
nung
, die allerdings 300 RM. Mehrkoſten verurſacht, in Verbindung
lit einem 10 PS=Motor, dementſprechend ſollen neue Angebote eingeholt
werden. Die Anſchaffung eines 1 Tonnen=Flaſchenzugs für das
Waſſerwerk ſuird genehmigt. Ein im Jahre 1925 von der Kommu=
malen
Landesbank aufgenommenes kurzfriſtiges Darlehen in Höhe von
4500) RM wird in ein für 3 Jahre feſtes Darlehen umgewandelt zu
weiſelben Zinsfuß wvie für kurzfriſtiges Geld. Der Gemeinderat erteilt
ierzu ſeine Zuſtimmung. Herr Bürgermeiſter Schinn berichtet über
wen Stand der Aufertungsangelegenheiten zuiſchen Gemeinde und
Lirche und G.meind= und Gebr. Steinnetz; er hält es für uatſam, hier=
füir
einen Retsbeiſtand anzunehmen, wozu der Gemeinderat ſeine Ge=
.ehmigung erteilt. Friſtgeſuche und Wohlfahrtsangelegenheiten wur=
wen
hierauf in nichtöffentlicher Sitzung erledigt.
* Ober=Ramſtadt, 16. Juli. Für die am letzten Dienstag hier ſtatt=
wefundene
öffentliche Impfung findet der Reviſionstermin am kommen=
ween
Dienstag, den 19. Juli, im neuen Schulhaus auf dem Schießberg
ratt, und zwar nachmittags 2½ Uhr für Schul= und um 3 Uhr für Klein=
hinder
(Erſtimpflinge). Entſprechend einem ſeinerzeitigen Gemeinde=
matsbeſchluß
hat die Gemeinde nunmehr einen Straßenſprengwagen be=
rhafft
, und es iſt ihr gelungen, einen ſolchen Wagen als gebraucht, aber
ſehr gut erhalten, von einer Stadtverwaltung wvo er infolge Um=
krellung
auf Autobetrieb überzählig ward zu günſtigem Preife zu er=
wwerben
. Das Fahren desſelben in Bedarfsfällen, wird wohl in Kürze
Mffentlich vergeben werden.
* Roſidrf, 17. Juli. 1. Nutz= und Brennholzterſteige=
ng
. Am 10. d. Af., vorm. 9½ Uhr, findet auf dem Rathauz eine
verſteigernnn, ſtatt; es handelt ſih um Windfallholz. Näheres
n3. ige. 2. Steuer. Die vom Gemeinderat beſchhloſſe=
inen
Steuernusſchlagſätze füir das Rechnungsjahr 1927 ſind
Säuglingsberatungsſtunde.
genehmig
Donnersian, den 21. I. M., nachm von 3 bis 4 Uhr, finder Säug=
ings
=Veratzingſtuinde in der Kleinkinderſchule im Beiſein des Herrn
Baumann ſtatt.
* Babenhaufen, 16. Juli. Bei dem Beriht aus Babenhauſen über
buia Vorführung des Lehrfilms Das Volk der ſchwwarzen Zelte in
Wabenhaiſen handelt es ſich nicht, wie ierkümlich angegeben, um die
ſcſſiſche Lichtbildbühne, ſondern um die von Herrn Studienrat Dr.
Xetter geleiteten, ſtaatlich geförderten Heſſiſchen Lichtſpiele für
Schule und Volksbildung, welche dieſe Vorführung veranſtalteten. Um

Die Umlegung von Bauland in der
Gemeinde Eberſiadt.
H. Eberſtadt, 15. Juli. Wie in Nr. 42 dieſer Zeitung vom 11. Fobr.
1927 bereits berichtet wurde, beabſichtigt die Gemeinde, Bauland
durch Zuſammenlegung und Neuaufteilung von Grundſtücken und Ge=
winnung
von geeigneten Baugrundſtücken zu erſchließen. Die Gemeinde
wird ſich zunächſt darauf beſchränken, nur oinen Teil des von vornherein
in Ausſicht genommenen Gebiets als Bauland umzulegen, und zwar
dasjenige Gelände, das weſtlich von der Neuen Darmſtädterſtraße, öſt=
lich
von einer etwa 500 Mecer öſtlich der Alten Darmſtädterſtraße liegen=
den
Paralelle, ſüdlich; vom Ortsausgange und nördlich vom Waldfrieden
begrenzt wird. Die Nachfrage nach Baugelände iſt in dieſem Abſchnitt
am lebhafteſten. Es handelt ſich um einen Geländekomplex von rund
240 000 Quadratmetern Die Linienführung dorrſelbſt für den Orts=
bauplan
iſt im Prinzip bereits feſtgelegt. Auf Grund dieſer Linien=
führung
ſind die Arbeiten für ein Aufteilungsprojekt bereits fleißig im
Gange. Zur endgültigen Fertigſtellung werden im Laufe des Nah=
ſommers
die projektierten Straßen in der Natur feſtgelegt. Auf Grund
dieſer Feſtlegung wird ein vorläufiges Zuteilungsprojekt ausgearbeitet.
welches die Unteulagen für die Verhandlungen dor dem Umlegungsaus=
ſchuß
bildet. Die Ergebniſſe der endgültigen Verhandlungen werden
nach Ablauf der geſetzlichen Friſten unwiderruflich und die Ueberweiſung
des neu zugeteilten Geländes in der Natur erfolgt ſodann. Da mit
Schwierigkeiten ſeitens der von der Umlegung betroffenen Grundſtücks=
eigentümer
nicht zu rechnen ſein dürfte, iſt zu hoffen, das Projekt in
allernächſter Zeit in die Tat umgeſetzt zu ſehen. Odenwaldklub.
Der Odenwaldk(ub, Ortsgeuppe Eberſtadt, veranſtaltet am Sonntad, den
17. Juri, ſeine 7. Wanderung, die über Ober=RamſtadtRohrbach nach
Reinheim führt. Dortſelbſt findet an dem genannten Tag der Jugend=
tag
des Jung=Odenwaldklubs ſtatt. Abmarſch 6¾ Uhr vom Schweizer=
haus
aus. Marſchzeit zirka 4½ Stunden. Die Jugendgruppe fährt am
Samstag nachmittag nach Reinheim mit Sonntagskarte Nieder=Ramſtadr
Reinheim. Abmarſch 3½ Uhr, ebenfalls vom Schwoizerhaus aus.

Spendeß
für die
11250a
Unwettergeschädigten
im sächsischen Katastrophengebiet:
Annahmestelle: Tagblatthaus, Rheinstraße 23

* Lengfeld, 16. Juli. Zu der Notiz in der geſtrigen Nummer wird
uns geſchrießen: Das Kruzifix aus rotem Sandſtein, 4,20 Meter hoch,
nurde im September vorigen Jahres von dem Auto der Firma Gans
in Groß=Umſtadt angefahren, fiel um und ging in Trümmer. Auf Ber=
ankaſſung
des Denkmaloflegers wurde die Neuausfübrung Herrn Bild=
bauer
Scholl in Darmſtadt übertragen. Die Koſten der Neuherſtellung
bat die Verſicherungsgefellſchaft Stuttgart bezahlt. Die Schriftplatte
her Menfa wurde nicht erneuert, da die Inſchrift nicht zu entziffern
zar, und hielt man es für ratfam, die alte Platte zu verwenden.

K. Wiebelsbach, 14. Juli. Am Sonntag fand hier das Gauſchießen
des Gaues Otzberg des Südweſtdeutſchen K.K.S.=Verbandes ſtatt. Trotz
ungünſtigen Wetters war die Beteiligung gut. Bei dem offiziellen
Schießen wurde Kamerad Fritz Büchner=Habitzheim mit 93 Ringen
Gaumeiſter. Anſchließend fand ein Schießen auf die Gaumedaille und
auf Ehrenpreiſe ſtatt. Die Gaumedaille erhielten folgende Schützen:
Metzler=Reinhoim 29 Ringe, Riebel=Nd.=Klingen B8 Ringe Schmidt=
Neinheim B8 Ringe, Oppel=Reinheim 26. Ringe, Becker=Wiebelsbach
26 Ringe, Ohl=Wiebelsbach 25 Ringe, Kohlbacher=Lengfeld 23 Ringe,
Krenkel=Lengfeld 23 Ringe, Gugol=Reinheim 22 Ringe, Lotz, Adam=
Nd.=Klingen 22 Ninge, Lutz, Gg.=Wiebelsbach 22 Ringe, Ohl,Wilh.=
Wiebelsbach 21 Ringe, Rödger=Nd.=Klingen 20 Ringe und die Jung=
ſchüitzen
: Lehmann=Reinheim 20 Ringe, Keil=Ueberau 29 Ringe. Weiter
erhielten bei dem Schießen auf Ehrenpreiſe die 19 beſten Schützen je
einen Preis. Nach der Preisverteilung fand im Saale des Gaſtwirts
Ohl ein Ball ſtatt.
* Eubach i. O., 16. Juli. Zwölftes Reiterfeſt in Erbach.
Der Eulbacher Marktplatz wird ſich in dieſem Jahre in ganz neuem Ge=
wande
den Marktbeſuchern zeigen. Als Notſtandsarbeiten ſind dort
größere Erdbewegungen vorgenommen worden, die auf dem eigentlichen
Marktplatz die Unebenheiten beſeitigt haben. Die neue Pferde=Rennbahn
geht ihrer Vollendung entgegen. Auf ihr wird am Montag, den 25.
Juli, am zweiten Wieſenmarkttag, das 12. Erbacher Reiterfeſt abgehalten
werden. Die Erbacher Rennen bildeten von jeher für die Marktbeſucher
einen Hauptanziehungspunkt und werden es ſicher auch in dieſem Jahre
ſein, beſonders da der Platz ganz für dieſen Zweck hergerichtet und über=
ſichtlicher
iſt. Das erſte Rennen iſt wie in jedem Jahre das Er=
öffnungs
=Trabreiten. Es wird in zwei Abteilungen gerikten, die erſte
für Kaltblüter (Belgierſchlag), die zweite für Warmblüter. Das Rennen
iſt nur für Pferde offen, die im Betriebe der Landwirtſchaft oder des
Gewerbes verwendet werden. Eingetragene Traber ſind ausgeſchloſſen.
Die Entfernung beträgt 1200 Meter. Das Rennen iſt zu reiten vom
Beſitzer oder deſſen Angeſtellten. Als zweites Rennen kommt dann das
beliebte Eulbacher Markt=Hürdenrennen für Vollblüter, das in Farben
geritten wird. Dies Rennen iſt offen für alle Reiter, für Vollblüter
jeden Alters, ohne Gewichtsausgleich. Es wird regelmäßig ſtark be=
ſchickt
. Die Pferde kommen oft von weit her. Als drittes kommt das
Flachrennen für Halblüter um den Preis vom Mümlingtal. Es wird
ebenfalls nur in Farben geritten und iſt offen für Halblüter und alle
Reiter. Das Galoppreiten um den Heſſenpreis iſt das nächſte Rennen.
Es iſt nur für ſolche Warmblüter offen, die zum Betriebe der Land=
wirtſchaft
oder des Gewerbes verwendet werden. Das Jubiläums= Jagd=
rennen
für Vollblüter iſt das vorletzte Rennen. Es wird wieder in Far=
ben
geritten. Offen iſt es für alle Reiter, Vollblüter jeden Alters, ohne
Gewichtsausgleich. Den Schluß bildet das Erbacher Jagdrennen, das
ebenfalls in Farben geritten wird und für alle Halblüter und alle Reiter
offen iſt. Bei dem 1. und 4. Rennen müſſen die Beſitzer einem dem
Verband der Heſſiſchen Reit= und Fahrvereinigung angeſchloſſenen
Verein angehören. Nennungsſchluß für alle Bewerbungen iſt Montag,
der 18. Juli, abends 6 Uhr. Nachnennungsfchluß: Donnerstag, den 21.
Juli, abends 6 Uhr. Die Nennungen haben bei dem Schatzmeiſter des
Odenwälder Reitervereins. Herrn C. Fehr, Erbach i. O., zu erfolgen. Da
die Preiſe recht beträchtlich ſind, iſt anzunehmen, daß die Rennen gut be=
ſchickt
und auch von nah und fern beſucht werden. Schlägt man doch bei
dem Beſuche zwei Fliegen mit einer Klappe, denn erſtens hat man das
Rennen und zweitens daran anſchließend den Eulbacher Markt. Mehr
kann doch wirklich nicht geboten werden.
* Aus dem vorderen und mittleren Odenwald, 14. Juli. Nachdem
nun die letzten Wagen Hen geborgen ſind, beginnen im allgemeinen
die Hackarbeiten auf Rüben= und Kartoffelfeldern, die ſich bei dem feucht=
warmen
Wetter der letzten Wochen prächtig entwickelt haben. Soweit
man jetzt ſchon urteilen kann, ſcheint die Ernte für Hackfrüchte ſehr
gute Ausſichten zu haben. Auch iſt der Stand der Getreidefelder
beſſer als man im Frühjahr erwartet hatte. Beſonders hat ſich die
Winterfrucht, noch über Erwarten gut entwickelt. Die Felder an der
Sommerſeite zeigen bereits ein leiſes Gelb und wird bis Ende des
Monats mit dem Beginn der Getreideernte gerechnet werden dürfen.
Hirſchhorn, 16. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
15. Juli 1,27 Meter, am 16. Juli 1,14 Meter.
* Heppenheim, 16. Juli. Auf Einladung des Heppenheimer
Ortsgewerbevereins hatten ſich im Starkenburger Hof
überaus zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende eingefunden, um
einen Vortrag des Syndikus der Handwerkskammer=Nebenſtelle
Darmſtadt, Herrn Dr. Kollbach, über das Thema Organi=
ſationsfragen
im Handwerk, zu hören. Der Saal des
Starkenburger Hofs war bis zum letzten Platz beſetzt. Die Verſamm=
lung
wurde von dem langjährigen Vorſitzenden des Ortsgewerbevereins,
Herrn Schreinermeiſter Adom Giegerich, geleitet. Als Einleitung
zur Beſprechung der handwerkerlichen Organiſationsfragen der Jetztzeit
ſchilderte Herr Kollbach die Schickſale des deutſchen Handwerks wäh=
rend
des Krieges und der nächſten Nachkriegszeit. In Beſprechung der
ſpezifiſch heſſiſchen Verhältniſſe wurde ſodann der Tätigkeit der Heſſi=
ſchen
Handwerkskammer eingehend gedacht und im einzelnen dargelegt,
was bereits von dieſer aus für den ſchwerringenden Handwerkerſtand
geſchehen ſei und was noch getan werden müſſe. Die Art und Weiſe
z. B. wie die Heſſiſche Handwerkskammer überaus erfolgreich das Kredit=
problem
angepackt habe, ſei vorbildlich geweſen im ganzen Deutſchen
Reiche. Ein weiteres wichtiges Kapitel bildete die Schwarzarbeit und
deren Bekämpfung durch die zuſtändigen Stellen. Redner konnte hier
ein umfangreiches Tatſachenmaterial auf Grund ſeiner eigenen diesbezüg=
lichen
Erfahrungen vorlegen. Nachdem noch verſchiedene Einrichtungen
der Handwerkskammer, insbeſondere die Organiiation der Nebenſtellen,
die Handwerkerzentralgenoſſenſchaft, die Betricbsberatungsſtelle u. a. m.
beſprochen worden waren, kam Redner zur Frage des Nachwuchſes im
Handwerk. Dieſem Problem ſei die größte Aufmerkſamkeit zu ſchenken.
Zum Schluſſe berichtete Redner von ſeinen Beobachtungen in der Mün=
chener
Ausſtellung Das bayeriſche Handwerk. Man habe es dort vor=
trefflich
verſtanden, die Früchte eines harmoniſchen Zuſammenwirkens
zwiſchen Organiſation auf der einen und geſteigerter fachlicher Ausbil=
dung
auf der anderen Seite anſchaulich zur Darſtellung zu bringen.
Die über einſtündigen Ausführungen von Herrn Dr. Kollbach wurden
mit greßem langanhaltendem Beifall aufgenommen. Der Vorſitzende
ſprach dem Redner in herzlichen Worten den Dank der Verſammlung aus.
Es ſchloß ſich eine anregende Ausſprache an.

* Lorſch, 16. Juli. Schweres Unwetter. Ueber die hieſige
Gegend ſowie die Nachbargemeinden Klein= und Großhauſen ging geſtern
nachmittag ein Unwetter nieder, wie man es ſeit Jahrzehnten nicht
mehr erlebt hat. Unter fürchterlichem Blitzen und gewaltigen Donner=
ſchlägen
goß es wie aus Kübeln vom ſchwerbewölkten Himmel und ſetzte
im Nu verſchiedene Ortsſtraßen unter Waſſer, wodurch die Keller ver=
ſchiedentlich
gefüllt wurden. Die geſamten Tabak= und Getreidefelder
haben unter dem ſchweren Wetter fehr gelitten. Platzregen ſowie haſel=
nußgroße
Hagelkörner praſſelten alles nieder; lag doch der Hagel teil=
weiſe
10 Zentimeter hoch. Die Blätter der Tabakpflanzen ſind zum Teil
vollſtändig abgeſchlagen und bildem mit dem am Boden liegenden Ge=
treide
einen traurigen Anblick. Am ſchwerſten wütete das Unwetter über
den Nachbargemeinden Klein= und Großhauſen. Hier mußte ſogar die
Feuerwehr zur Hilfe herangezogen werden. Viel Kleinvieh, ſogar Zie=
gen
, ſollen den gewaltigen Waſſermengen zum Opfer gefallen ſein. Die
Weſchnitz iſt ſtetig im Steigen begriffen und führt gewaltige, ſchmutzig=
braune
Waſſermengen dem Rheine zu. Der durch das Unwetter hervor=
gerufene
Schaden iſt beträchtlich.
* Biblis, 14. Juli. Gemeinderatsſitzung. In der
geſtrigen, zum Teil nichtöffentlichen Gemeinderatsſitzung befaßte ſich der
Gemeinderat abermals mit dem ſchwierigen Problem der Wohnungs=
frage
. Trotz der regen Bautätigkeit und trotz der von der Gemeinde
wohnlich hergeſtellten zwei Eiſenbahnwagen iſt die hieſige Woh=
nungsnot
immer noch nicht völlig behoben und bildet durch das Drängen
und Bitten vereinzelter Wohnungsſuchender, allwo ſie nur ein Ge=
meinderatsmitglied
ſehen, naturgemäß das Schmerzenskind der Ge=
meindevertreter
. Das ſchönſte dabei iſt, daß, bevor die Waggons ein=
trafen
, dem Gemeinderat von verſchiedenen Seiten der Vorwurf gemacht=
wurde
, man würde in dieſer Hinſicht nicht genügend ſorgen, und jetzt,
nachdem die zwei Wagen wohnlich hergerichtet ſind, findet ſich in dem
über 3000 Einwohner zählenden Biblis keine Seele, die in den ſoge=
nannten
Baracken wohnen möchte. Der Gemeinderat iſt nun durch
dieſen, ſeither übrigens ſehr vermißten Bürgerſtolz der in Frage
kommenden Eiwohner auf eine glänzende Idee gekommen. Von dem
verſchiedenen Gemeindewohnungen, die übrigens zu ſehr niedrigen Miet=
preiſen
an die Bewohner abgegeben wurden, ſind noch Außenſtände
von 1925 zu verzeichnen. Der Gemeinderat hatte nun in ſeiner letztem
kurzen Sitzung beſchloſſen, die beiden ſäumigſten Zahler auszuquartieren
und ihnen die Waggons zuzuteilen; erlebte aber in dieſer Hinſicht eing
angenehme Ueberraſchung dadurch, daß nunmehr ſofortige Zahlung
der Rückſtände erfolgte. Die beiden nächſten Rückſtändigen zogen es
ebenfalls vor, lieber zu zahlen als in den Baracken wohnen zu müſſen.
Auf dieſe einfache Weiſe kam der Gemeinderat zu einem Mittel, das ſehr
zweckdienlich iſt und zwar dadurch, daß die Gemeinde die längſt fälligem
Mietaußenſtände ohne Mühe hereinbekommt und jeder Wohnungs=
ſuchende
ſich eher ſelbſt nach Möglichkeit für eine Wohnung ſorgt, als
daß er in die Eiſenbahnwagen einzieht. Vorausſichtlich werden alſo die
Eiſenbahnwagen vorläufig leer ſtehen; doch dürfte dies unter Um=
ſtänden
eher ein gewiſſer Vorteil für die Gemeinde ſein, als alles andeve,
Das Geſpenſt Baracke könnte unter Umſtänden ſehr zur Behebung
der hieſigen Wohnungsfrage beitragen. Die hieſige Gemeindewage
wurde einer Renovierung unterzogen, um den in aller Kürze für ſig
in Frage kommenden Anſprüchen, gewachſen zu ſein. Die Firma
Kölſch, Nachf., Gurkenfabrik, hier, ſtellt für die alsbald einſetzende
Gurkenſaiſon noch verſchiedene Frauen und Mädchen ein, die ſo beim
Gurkenſchälen und Gurkenſortieren auf einige Wochen Arbeit finden
können.
Gernsheim, 16. Juli Waſſerſtand des Rheins am
16. Juli 2/48 Meter.
* Groß=Gerau, 13. Juli. Die Gurkenernte kommt in dieſem
Jahre nur ſchleppend und allmählich in Gang. Sie hat in dieſem Jahre
eine empfindliche Verſpätung bekommen, da die erſte Gurkenſaat größten=
teils
durch die ungünſtige Witterung im Frühjahre vernichtet wurde,
ſodaß eine zweite Ausſaat nötig war. Die Erträgniſſe werden ſehr
verſchieden ſein. Der offizielle Beginn des Gurkenmarktes in Biebesheim
iſt daher um einige Tage verſchoben worden, und zwar auf den 28. Juli.
a. Mörfelden, 16. Juli. Vandalen. Am Montag morgen war
die Allee nach Langen in einer Länge von etwa 2 Kilometern mit
Aepfeln und jungen Aeſten beſtreut, die von Bubenhänden abgeriſſem
worden waren. Die Rohlinge konnten bis jetzt noch nicht ermittelt wer=
den
. Einem Einwohner von Walldorf wurde nachts das Hof=
tor
geöffnet und 10 junge Hühner geſtohlen.
a. Erfelden, 16. Juli. Feuer brach infolge eines Blitzſchlags in
der Scheune des Landwirts Karl Rothmann dahier aus, die aus
Holz erbaut und mit Heu, Stroh, landwirtſchaftlichen Maſchinen und
Geräten verſchiedener Art angefüllt war. Obwohl die Feuevwehr ſofort
zur Stelle war, brannte das Gebäude nieder.
r. Trebur, 13. Juli. Wegen Milchpantſcherei wurde eine
hieſige Cinwohnerin vom Amtsgericht Groß=Gerau zu 80 Mark Geld=
ſtrafe
verurteilt. Die Milch enthielt bei der Stichprobe 16,5 Prozent
Waſſer.
Rheinheſſen.
a. Nackenheim, 13. Juli. Leichenländung. Geländer wurde
underhalb des Ortes von Waſſerbauarbeitem die Leiche eines etwa
20jährigen Mädchens.
f. Nieder=Olm, 14. Juli. Betriebsaufnahme. Die ſeitherige
Backſteinfabrik von R. Ofr, die in letzter Zeit ſtillſtand, hat ihren Betrieb
als Borſäurefabrik wieder aufgenommen. Dadurch dürfte die
Erwerbsloſenziffer etwas zurückgehen.
M. Bingen a. Rh., 16. Juli. Preſſevertreter der größten
deutſchen Zeitungen in Bingen. Anläßlich der Anweſen=
heit
von Vertretern etwa 25 der größten Zeitungen Deutſchlands wird
die Stadt Bingen zu Ehren ihrer Gäſte eine Beleuchtung der
Burg Klopp veranſtalten, die am 30. Juli erfolgen wird. Am
Sonntag (31. Juli) wird den Preſſevertretern von der Stadt Bingem
der Willkommentrunk geboten und ihnen Proben feiner heimiſcher Ge=
wächſe
man denke da vor allem an den Scharlachberger kredenzt.
hI. Bingen a. Rh., 16. Juli. Unfall beim Sprengen. In
einem bei Neu=Bamberg (Rheinheſſen) gelegenen Steinbruch er=
eignete
ſich beim Laden eines Sprengſchuſſes ein Unglück, als der mit
Schwarzpulver gefüllte Sprengſtoffbehälter auf bisher ungeklärte Weiſe
explodierte. Der 24jährige Phil. Müller erlitt dabei ſchwere Brand=
wwunden
im Geſicht und an den Armen.
Oberheſſen.
* Friedberg, 13. Juli. Unter dem Vorſitz von Kreisdirektor Geb=
hardt
tagte der Kreistag des Kreiſes Friedberg. Die
Jahresrechnung für 1926 wurde mit einem Abſchluß von 1 576 000 Mk.
in Einnahme und in Ausgabe mit 1 464000 Mk. genehmigt, es bleibt
ein Ueberſchuß von 115000 Mk. Der Antrag des Kommuniſtem Oppen=
heimer
=Butzbach, eine Anleihe von 2 Millionen Mark für Notſtands=
arbeiten
aufzunehmen, wurde einſtimmig abgelehnt, dagegen ein Antrag
Wiedermann, im Bedarfsfalle für Notſtandsarbeiten 40000 Mk. vor=
zuſehen
, angenommen. Oppenheimer findet mit ſeinem Antrag auf
Errichtung eines Kreisſiechenhauſes keimen Anklang, das gleiche Schickſal
hat ein Antrag auf Erwerb eines Gebäudes für ein neues Kinderheim
in Bad=Nauheim. Der Voranſchlag des Kreiswohlfahrtsamtes mit=
einer
Einnahme und Ausgabe von 610 000 Mk. wird angenommen.
Der Kreiskaſſenvoranſchlag für 1927 zeigt infolge des
Uebergangs der Straßen auf die Provinz eine weſentliche Verringerung
der Ausgaben, ſodaß die Kreisumlage auf 135000 Mk. herabgeſetzt
werden konnte. Der Voranſchlag wurde mit 568 500 Mk. in Einnahme
und Ausgabe einſtimmig angenommen. Sodann wurde einſtimmig
beſchloſſen, oin Wohnhaus für den Fürſorgearzt und die
Fürſorgeſchveſter in Friedberg zu erbauen. Die Vergütung für aus=
wärtige
Brandhilfe wurde neu feſtgeſetzt.
WSN. Gießen, 16. Juli. Aus dem Gießener Stadtpar=
lament
. Das Stadtparlament beſchloß die Einführung einer Filial=
ſteuer
in Höhe von 200 Prezent Zuſchlag zur gemeindlichen Gewerbe=
ſteuer
mit Wirkung ab 1. April d. J. Ferner wurde die Erhebung
einer Gemeindebierſteuer in Höhe von 7 Prozent des Herſtellungspreiſes
mit Wirkung ab 1. Oktober gutgeheißen. Der Ertrag der beiden
Steuern wird auf 12 000 bziv. 50 000 Mark veranſchlagt.
WSN. Gießen, 16. Juli. Vom Ertrinken gerettet Vorgeſtern
geriet beim Baden in der freien Lahn eine Frau auf eine zuvor aus=
gebaggerte
Stelle und verſank plötzlich in den Fluten. Auf ihre Hilfe=
uufe
eilte der zufällig in der Nähe weilende Student Willy Liebau ihr
zu Hilfe und konnte ſie unter eigener Lebensgefahr retten. Liebau hat
damit zum dritten Male einem Menſchen das Leben gerettet.
* Grünberg, 13. Juli. Ein Eiſenbahnerlebnis. Schützen=
feſt
. Großer Andrang zum Vogelſchießen. Die Wagen 4. Kl. der Eiſen=
bahn
ſind überfüllt. Kurz dor Abgang des Zuges drängt ſich ein Händ=
ler
mit Luftballons durch die Menge, um unbedingt noch einen Platz zu
finden. So zieht er mit ſeinem Netz, in dem ungefähr 6070 Ballons
ſind, von Tür zu Tir. Der Zugführer gibt ſchon das Fahrzeichen. Der
Händler ſpringt auf den Zug in ein Abteil mit den Worten: Gott ſei
Dank, daß ich noch Platz gefunden habe. In dem Augenblick explodieren
die Ballons an der Zigarre ſeines Nebenmannes. Wirkung: Panik im
Abteil. 2 Fkauen ohnmächtig, ſonſt alles wohlauf. Die Antwort des
Ballonmannes: Ach, hätte ich doch auf den nächſten Zug gewartet, damn
hätte ich auch noch meine Ballons!

[ ][  ][ ]

Seite 8

Sonntag, den 17. Juli 1927

Nummer 196

Darmſtädter Herbſtmeſſ 1977.
Für die vom 25. September bis
einſchl. 4. Oktober ds. Js. dauernde
Herbſtmeſſe werden Plätze für Fahr=
geſchäfte
aller Art, Schau=, Schieß=
und Photographiebuden, ſowie für
Waffelbäckereien und Zuckerbuder
auf dem Wege des ſchriftlichen Ange=) Stenotypiſtim mit ſehr gut, Zeugn.,
bots vergeben. Angebote (mit Rückporto
und dem Kennwort: Angebote auf Meß=
plätze
verſehen) ſind bis ſpäteſtens
Stelle einzureichen. Genaue Bezeichnung
Die Angebote haben auf einen beſtimmten.
in Reichsmark ausgedrückten Betrag zu Fleiß. Mädchen vom männlich
lauten. Die Vergnügungsſteuer wird in
Form der Pauſchſteuer erhoben. Der
Steuerbetrag errechnet ſich aus einem
Vielfachen des Einzelpreiſes. Von der Ludwigspl. 8, ( 18591 für ſeine (41316
Zulaſſung ſind ausgeſchloſſen; Wahr=
ſagerei
und Vorführungen, die den guten
Telepathie oder Suggeſtion beruhen, ferner
Glücksſpiele, Verloſungsbuden, ſowieſtücht,, brav, Allein= Herrn zum ſofortigen
und Drehorgelſpieler.
Die Plätze für die Verkaufsbuden,
ſowie für Geſchirr=, Glas= und Por=
zellanwaren
werden am Montag,
den 5. September ds. Js., vorm. Suche ſolide, nicht
Bedingungen und Meßplan liegen bei
dem Marktmeiſter im Stadthaus Rhein=
ſtraße
16/18 (8immer26) zur Einſichtoffen, ſtraße.
Bahlung des Platzgeldes hat im
Boraus in voller Höhe zu erfolgen. Strebſam. Kaufmann

Der,Oberbürgermeiſter.
Bekanntmachung.
Verſammlung.
I
Die Stadtwahlkommiſſion hat feſt=
geſtellt
, daß anſtelle des ausgeſchiedenen
Herrn Dr. Kolb
HerrGeh. BauratProfeffor Dr. Ing.Otto Berndt
in die Stadtverordneten=Verſammlung
einzutreten hat. Das Protokoll liegt
am 19., 20. und 21. ds. Mts. im
Stadthaus Zimmer 33 während der
Dienſtſtunden zur Einſicht der beteiligten
und Stimmberechtigten offen. Einwen=
dungen
gegen die Wahl und den Ge=
wählten
ſind während dieſer Zeit fchrift=
lich
oder zu Protokoll bei dem Unter=
zeichneten
, bei Meidung des Ausſchluſſes,
vorzubringen.
(st11335
Darmſtadt, den 16. Juli 1927.
Der Stadtwahlkommiſſar.
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Geſchäftsſt. (11317

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Nummer 196

Sonntag, den 17. Zuli 1927

Seite 9

*Das Krankheitsbild des deutſchen Volkes.
Von
Georg Streiter, Berlin,
Mitglied des R. G.R. und des preuß. Landesgeſundheitsrats.
In einer ausgezeichneten Denkſchrift des Reichsminiſteriums
Des Innern über die geſundheitlichen Verhältniſſe des deutſchen
Wolkes, die der rührigen Arbeit des Reichsgeſundheitsamtes zu
werdanken iſt, wird ausführlich über die Krankheiten des deut=
ſichen
Volkes berichtet. Wenn auch, wie die Denkſchrift hervor=
Sebt, im allgemeinen die Ernähungslage in weiten Kreiſen des
Wolkes beſſer geworden iſt, ſo läßt ſie doch noch immer ſehr zu
rvünſchen übrig, insbeſondere in den Kreiſen der Arbeitsloſen,
iFerner bei den Sozialrentnern ſowie den ihres Vermögens und
lahrer Einkünfte verluſtig gegangenen Kleinrentnern und alten
Seuten, nicht zuletzt aber auch in den kinderreichen Familien.
EEinen recht empfindlichen Einfluß auf die Volksgeſundheit üben
ſauch die noch immer völlig unzureichenden Wohnungsverhältniſſe
aus. Zu dem Mangel an Wohnungen tritt keineswegs ſelten der
in geſundheitlicher wie auch in moraliſcher Hinſicht gleich bedenk=
iche
Mangel an Betten hinzu, über den in der Denkſchrift zum
Beiſpiel allein aus 12 preußiſchen Regierungsbezirken geklagt
rvird, ſo daß häufig mehrere Perſonen und oft ältere Geſchwiſter
werſchiedenen Geſchlechts auf eine gemeinſame Schlafſtelle ange=
nvieſen
ſind. Auch der beſonders in den Kriegs= und in den erſten
Machkriegsjahren ſo ſchwer empfundene Mangel an Wäſche und
Rleidung kann noch nicht überall als völlig beſeitigt angeſehen
wverden.
An Diphtherie waren noch im Jahre 1921 im ganzen Reiche
(53 018 Erkrankungen (10,2 auf je 10 000 der Bevölkerung) gemel=
ſoet
worden. Demgegenüber betrugen die Erkrankungszahlen
im Jahre 1922 37 949 bzw. 6,19 auf je 10 000 d. Bevölkerung
1923 31942 5,19
1924 37248 6,02
1925 36 296 5,82
Wenn man bedenkt, daß im Jahre 1915 allein in Preußen
tnoch 113 776 Erkrankungen an Diphtherie mit 14 852 Todesfällen
g=emeldet wurden, dann kann man den Segen der Schutzimpfungen
gregen dieſen Würgengel der Kinder klar und deutlich erkennen.
Wehnlich liegen die Verhältniſſe beim Scharlach. Die Erkrankun=
elen
an Scharlach betrugen im Reiche
im Jahre 1921 48281 bzw. 8,02 auf je 10 000 d. Bevölkerung
1922 32448 5,29

1923 27234 4,42
1924 32 798
5,30
1925 39919 6.40
Demgegenüber wurden im Jahre 1915 allein in Preußen
nroch 120 176 Erkrankungen an Scharlach mit 12 129 Todesfällen
zur Anzeige gebracht.Die für 1925 gemeldete Geſamtzahl iſt recht
wedenklich und mahnt zur Vorſicht.
Bezüglich der Typhuserkrankungen iſt ein deutlicher Rück=
gang
zu erkennen. Bei einer Anzahl von Typhusepidemien hat
ſtch als wahrſcheinlich ergeben, daß die Verbreitung der Typhus=
heime
durch Milch verurſacht wurde, während ſie in einigen ande=
uen
Fällen durch Trinkwaſſer verſchuldet war. Abgeſehen von
Aieſen Epidemien waren weitaus am häufigſten jedoch die
Pyphuserkrankungen auf Kontaktinfektionen, alſo durch Berüh=
maung
, zurückzuführen.
Sehr beachtenswert ſind die Kindbettfiebererkrankungen.
MOanach ſind im Jahre 1925 7003 Erkrankungen gegenüber 6935
in Vorjahre gemeldet worden! Da aber im Berichtsjahre auch
diie Zahl der Geburten ſich abſolut erhöht hat, ſo iſt dieſe Zahl
umi ſich trotzdem nicht beunruhigend, wenngleich natürlich noch
immer hoch genug. Das häufige Vorkommen des Kindbettfiebers
üitt faſt ausnahmslos auf die immer mehr ſich ausbreitenden Ab=
reibungsverſuche
zurückzuführen.

Was die gemeingefährlichen Krankheiten (Ausſatz, Cholera,
Fleckfieber, Gelbfieber, Peſt, Pocken) anbelangt, ſo ſind wir im
Jahre 1925 faſt völlig hiervon verſchont geblieben. Nur eine
Reihe von Pockenerkrankungen, die ja immer wieder vom Aus=
lande
eingeſchleppt werden, ſind vorgekommen. Ihre Zahl hat
jedoch nur 23 (mit 9 Todesfällen) betragen. Ein Triumph unſe=
rer
vorbildlichen Hygiene!
Die bereits für 1924 feſtgeſtellte Abnahme der Tuberkuloſe=
ſterbeſälle
hat erfreulicherweiſe auch im Jahre 1925 angehalten;
ſie ſind von 17,1 im Jahre 1923 auf 13,6 im Jahre 1924 und auf
11,7 im Jahre 1925 geſunben!
Für das ganze Reich betrug die Tuberkuloſeſterblichkeit auf
je 10 000 Einwohner:

im Jahre 1921
1922
1923
1924

13,6 Tuberkuloſe=Todesfälle
14,1
15,0
12,0

Ueber die Erkrankungshäufigkeit an Tuberkuloſe können für
das ganze Reich noch keine genaueren Angaben gemacht werden,
da bisher nur in einem Teil der deutſchen Länder eine Anzeige=
pflicht
für anſteckende (offene) Lungen= oder Kehlkopftuberkuloſe
beſteht. In Preußen, das etwa 61 Prozent der Geſamtbevölke=
rung
des Reiches umfaßt, wurden im Jahre 1924 auf Grund
des preußiſchen Tuberkuloſegeſetzes vom 4. Auguſt 1923 50 104
Fälle von anſteckender Lungen= oder Kehlkopftuberkuloſe gemel=
det
oder 13,26 auf je 10000 der Bevölkerung Preußens. Dieſe
Zahl ſtieg, wie die Denkſchrift annimmt, wohl inſolge des beſſe=
ren
Einganges der Meldungen für das Jahr 1925 auf 53 362
oder 14,02 auf je 10 000 Einwohner. Die Mitteilungen der be=
amteten
Aerzte lauten überwiegend dahin, daß neben den Todes=
fällen
auch die Erkrankungen an Tuberkuloſe zurüchgegangen
ſeien, oder daß wenigſtens eine Zunahme nicht ſtattgefunden
habe. Von einer leichten Zunahme wurde in den Regierungs=
bezirken
Marienwerder, Potsdam, Merſeburg, Oppeln und Kob=
lenz
berichtet. In Bayern nahmen die Erkrankungsfälle bei Kin=
dern
und Jugendlichen zu und zeigten zum Teil ſchwerere For=
men
. Die anhaltende wirtſchaftliche Notlage und die zunehmende
Arbeitsloſigkeit haben naturgemäß die Tuberkuloſekranken beſon=
ders
hart getroffen, zumal auch die Wohnungsnot gerade für die
Familien der Tuberkuloſen von den ſchwerwiegendſten Folgen
iſt. Zur Bekämpfung der Tuberkuloſe ſind im Deutſchen Neiche
in Betrieb: 175 Lungenheilſtätten für Erwachſene, 11 Verſor=
gungs
= (Lungen=) Krankenhäuſer, 82 Kinderheilſtätten für
Lungentuberkuloſe, außerdem 19 Kinderheilſtätten für Knochen=
tuberkuloſe
, 160 Erholungsheime für tuberkuloſebedrohte, ſkrofu=
löſe
und erholungsbedürftige Kinder, 29 Waldſchulen, 2041 Für=
ſorgeſtellen
.
Bei den Geſchlechtskrankheiten wurde ein Stillſtand oder ein
Zurückgehen dieſer Erkrankungen berichtet. Insbeſondere ſind
Neuerkrankungen an Syphilis ſelten geworden.
Im Gegenſatz zu den Städten wird, was außerordentlich be=
achtlich
iſt, aus ländlichen Verhältniſſen mancherorts eine Zu=
nahme
der Syphilis gegen früher gemeldet. Salvarſanſchäden
ſind in neuerer Zeit erfreulicherweiſe ſehr zurückgegangen. Man
hüte ſich vor Uebertreibungen bei einigen ſenſationell auf=
gebauſchten
Fällen!
Erſcheinungen von vorzeitigem Verfall der Körperkräfte,
frühzeitigem Altern und mangelnder Widerſtandsfähigkeit gegen
Krankheiten ſind glücklicherweiſe weiter zurückgetreten. Weniger
ausgeſprochen iſt der Rückgang pſychiſcher Störungen, die ſich in
allgemeiner Nervoſität, in Depreſſionszuſtänden und in Neigung
zu Geiſteskrankheiten äußern. Eine Beſſerung läßt ſich ferner
nicht feftſtellen in bezug auf den Mißbrauch von Rauſchgiften
(Morphinismus, Kokainismus), der, urſprünglich in der Lebe=
welt
verbreitet, mehr und mehr auch in weniger wohlhabenden
Kreiſen ſich einbürgert und leider auch nicht mehr als ein Vor=
recht
der Großſtädte anzuſehen iſt. Ueber eine bemerkenswerte
Zunahme dieſes Laſters wird beſonders in Schwaben und in
Sachſen Klage geführt! In engem Zuſammenhang mit den vor=

ſtehend behandelten Fragen ſteht auch die Zahl der Selbſtmorde,
die eine erhebliche Steigerung aufzuweiſen hat.
Einzelne typiſche Krankheiten traten in letzter Zeit ſtärker
hervor. In erſter Linie ſcheinen die krebsartigen Neubildungen
vielfach in größerer Verbreitung aufzutreten. Gegen den Krebs
müßte in Deutſchland viel mehr getan werden. Das New Yorker
Krebsforſchungsinſtitut hat jährlich über eine Million Dollar
zur Verfügung, das Londoner Inſtitut ebenfalls etwa eine Mil=
lion
Mark. Für das von dem anerkannten Menſchenfreunde und
Forſcher Prof. Blumenthal geleitete Berliner Inſtitut für Krebs=
forſchung
ſtanden bisher ganze 60 000 Mark jährlich zur Ver=
fügung
. Erſt in dieſem Jahre iſt es gelungen, dieſe Summe durch
den preußiſchen Landtag auf 100 000 Mark zu erhöhen.
Ueber gehäuftes Auftreten von Herz=, Gefäß= und Blutkrank=
heiten
berichten mehrere Bezirke. Dieſe letzteren Erſcheinungen
werden meiſt mit übertriebenem Tabakgenuß in Zuſammenhang
gebracht, der namentlich bei der Jugend verbreitet iſt. Die kropf=
artige
Entartung der Schilddrüſe wird noch immer in verſtärk=
tem
Maße beobachtet. Die in Deutſchland im allgemeinen rechr
ſeltene ägyptiſche Augenkrankheit (Trachom) erfuhr eine Zu=
nahme
dadurch, daß vornehmlich in der Pſalz (Haßloch und Um=
gegend
) einige Eridemien auftraten, die namentlich unter den
Schulkindern zahlreiche Erkrankungen zur Folge hatten.
Ein beſonders trauriges Bild bieten die Berichte über die
für die Geſundheit der Frau wie für die Zukunft unſeres Volkes
gleich gefährlichen Abtreibungen, die ſich immer mehr verbreiten
und auch bei der früher weniger zugänglichen Bevölkerung des
flachen Landes um ſich greifen! Vielfach konnten die ſehr nied=
rigen
Geburtenziffern unmittelbar mit der Zunahme der Ab=
treibungen
in Zuſammenhang gebracht werden. Mit den Klagen
über Zunahme der Abtreibungen wird auch über häufige Erkran=
kungen
der weiblichen Unterleibsorgane ſowie über eine Steige=
rung
der Erkrankungen an Kindbettfieber berichtet, wobei ein
tödlicher Ausgang nur zu häufig war. Was den Ernährungs=
und Geſundheitszuſtand der Kleinkinder, Schulkinder und
Jugendlichen anbetrifft, ſo ſchien zu Beginn des Jahres 1925
die Beſſerung der geſundheitlichen Verhältniſſe der Kleinkinder,
Schulkinder und Jugendlichen, wie ſie im Jahre 1924 nach den
vorangegangenen ſchlimmen Zeiten ſich angebahnt hatte, anzu=
halten
. Dieſe günſtige Weiterentwicklung iſt aber in der zweiten
Hälfte des Jahres 1925 durch die wiedereingetretene Verſchlech=
terung
der Wirtſchaftslage erheblich gehemmt, ja vereiezelt ſogar
rückgängig gemacht worden, beſonders in den großen Induſtrie=
zentren
. Bemerkenswert iſt, daß vielerorts, namentlich bei den
älteren Schulkindern, die Durchſchnittszahlen für Länge und
Gewicht zum Teil recht erheblich hinter den Normalzahlen zurück=
bleiben
. Die Sauberkeit der Schulkinder wird faſt überall als
erheblich gebeſſert angegeben. Obwohl die Tuberkuloſe in dieſem
Alter im ganzen zurückgegangen iſt, kommen an einzelnen Stel=
len
immer noch mehr oder weniger zahlreiche Erkrankungen und
auch Todesfälle vor. Auch der Kropf iſt, teils infolge der Jodkali=
behandlung
, an verſchiedenen Stellen auch ohne eine ſolche, im
allgemeinen im Rückgang.
Ueber den Zuſtand der Zähne liegen zwar nur wenige Be=
obachtungen
vor, doch ſcheint Zahnkaries noch recht häufig be=
obachtet
zu werden. Die ungünſtigſten Verhältniſſe zeigten hin=
ſichtlich
der Zahnbeſchaffenheit die elf= bis zwölfjährigen Kinder.
Wie ſähe es wohl in Deutſchland auf geſundheitlichem Ge=
biete
aus, wenn wir nicht über den grandioſen Ausbau der Für=
ſorgemaßnahmen
ſowie der Einrichtungen der öffentlichen und
privaten Wohlfahrtspflege verfügten? Wenn auch ein großer
Teil der geſundheitlichen Fortſchritte der zunehmenden Beachtung
zu danken iſt, die ſeit mehreren Jahren der körperlichen Ertüch=
tigung
durch Leibesübungen, Sport und Wandern geſchenkt
wird, ſo gebührt der öffentlichen und privaten Hilfstätigkeit in
erſter Linie der Dank für das im allgemeinen erfreuliche Bild.
Was ein Volk für ſeine Geſundheitsfürſorge ausgibt, iſt ein
Maßſtab für ſeine Kulturſtufe überhaupt. Möchte Deutſchland
recht bald wieder den Ruhm errungen haben, in dieſer Beziehung
unter den Kulturnationen an erſter Stelle zu ſtehen.

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Kostenlos W. Stuttgart, Sonnenhergstraage 15

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Seite 10

Sonntag den 17. Jrl 1927

Nummer 196

700jähriges Jubiläum der Neckarſtadt Eberbach.

Geſamtanſicht von Eberbach,
der entzückend gelegenen kleinen Neckarſtadt, die auf ein 700jähriges Beſtehen zurückblicken kann.
Eberbach iſt am Neckarſtrande zu Füßen der Burgruine Eberbach gelegen, des Hortes
Heinrichs VII., und gilt als eine der ſchönſten Städte Süddeutſchlands.
Das Feſt der Kinderzeche in Dinkelsbühl.

Das hiſtoriſche Muſikkorps der Kleinen.
Seit uralten Zeiten wird in Dinkelsbühl das Feſt der Kinderzeche mit Pomp, froher Laune
und heiteren Spielen begangen.
Dampfwolken aus Eisfluten.
Eine einzigartige Naturerſcheinung.

Aus den kalten Fluten des Wagg bei Bad Piſtyan in der Tſchechoflowakei ſteigen aus einer
Flußoberfläche von ca. 10 000 Quadratmeter heiße Dampſwolken auf. Dieſes unvergleichliche
Phänomen iſt auf die in Piſtyan entſpringenden ſtärkſten Schlammquellen unſeres Kontinents
zurückzuführen. Kapital und Geiſt des Auslandsdeutſchtums ſind in dem Ausbau des berühmten
Thermalbades inv ſtiert.

Reich und Ausland.
Refordflieger Bäumer tödlich
abgeſtürzt.
Kopenhagen. Der bekannte deutſche
Sportflieger Paul Bäumer, der noch in den
letzten Wochen durch die Aufſtellung zahlreicher
Flugrekorde viel von ſich reden machte, iſt am
Freitagabend an der Küſte von Oreſund töd=
lich
abgeſtürzt. Bäumer, der in Kopen=
hagen
mit der Flugmaſchine Sauſewind ein=
traf
, ſtieg am Freitag mit einer neuen Rohr=
bach
=Flugmaſchine zu einem Probeflug auf.
Das Flugzeug ſollte an die Türkei geliefert
werden. In einer Höhe von 3000 Metern machte
er über dem Meer einen Sturzflug, konnte
aber die Maſchine dann nicht wieder aufrichten
und ſtürzte in das Meer. Er konnte bis
jetzt noch nicht aufgefunden werden.
Frankfurter Chronik.
WSN. Beſuch einer däniſchen Kin=
dergruppe
. Im Kriege und in den ſchweren
Nachkriegsjahren hat das Däniſche Kinderhilfskomitee
in Kopenhagen durch das Deutſche Rote Kreuz in
Berlin über 5000 unterernährten und in ihrer Ge=
ſundheit
bedrohten deutſchen Kindern mehrwöchent=
lichen
koſtenloſen Erholungsaufenthalt in Dänemark
verſchafft. Dieſes von dem däniſchen Reichstagsabge=
ordneten
J. K. Nielſen ins Leben gerufene Hilfswerk
hat reichen Segen geſtiftet. Auch Frankfurter Kin=
dern
iſt es zugute gekommen. Seit dem Aufhören der
Lebensmittelknappheit in Deutſchland ſind die Maſ=
ſenverſendungen
deutſcher Kinder zwar eingeſtellt
worden, doch finden auch jetzt noch alljährlich Wie=
dereinladungen
einzelner Kinder ſtatt. Außerdem
werden Austauſchbeſuche däniſcher und deutſcher
Schulkindergruppen veranſtaltet, um die durch das
Liebeswerk geknüpften guten Beziehungen zwiſchen
Deutſchland und Dänemark fortzuſetzen und auch =
niſchen
Kindern Gelegenheit zu geben, Land und
Leute in Deutſchland kennenzulernen, um etwas von
der deutſchen Dankesſchuld abzutragen. Nachdem im
Vorjahre 40 Frankfurter Schulkinder auf Einladung
des däniſchen Komitees Kopenhagen beſucht und bei
der Bevölkerung eine herzliche Aufnahme gefunden
hatten, iſt in dieſem Jahre eine Einladung des hie=
ſigen
Jugendamtes zum Beſuch unſerer Mainſtadt
durch 30 vierzehnjährige däniſche Schüler und Schü=
lerinnen
ergangen. Dieſe Gruppe iſt, geführt von
zwei Begleitern aus Dänemark und einer Dame vom
Deutſchen Roten Kreuz, am 13. Juli 1927 einge=
troffen
. Ein reichhaltiges Programm ſiehr Stadt=
beſichtigungen
, Ausflüge an den Rhein und in den
Taunus, Beſuche der Frankfurter Muſeen, der Muſik=
ausſtellung
uſw. vor. Am 25. Juli treten die Kinder
die Rückreiſe an. Die größte Schlangen=
ſendung
dieſes Jahres im Zoo. Das
Aquarium des Zoologiſchen Gartens hat einen großen
Teil des Schlangenimports übernommen, den Herr
Lorenz Hagenbeck, Stellingen, kürzlich perſönlich von
ſeiner ſüdamerikaniſchen Reiſe mitbrachte; darunter
befindet ſich u. a. die prachtvolle, rot und ſchwarz
geringelte, giftige Korallenotter und zwei Arten der
ihr außerordentlich ähnlichen, aber ungiftigen Koral=
lennatter
. Korallenottern und Korallennattern ge=
hören
zu den farbenprächtigſten Schlangen. Die Sen=
dung
brachte außerdem eine neue Schauerklapper=
ſchlange
und eine der gefürchteten ſüdamerikaniſchen
Buſchmeiſterſchlangen. Sie enthält außerdem eine
Anzahl der ſchönſten ſüdamerikaniſchen ungiftigen
Nattern, u. a. Hackennatter, Gelbſchwanznatter,
Strumpfbandnatter u. a. m. Bemerkenswert iſt noch
ein rieſiges Exemplar der räuberiſchen Alligator=
Schildkröten von bisher noch nie geſehener Größe.
Der Rhein ſteigt.
Der Rhein und die Kinzig ſind in dauern=
dem
Steigen begriffen. Die neuen Rheinanlagen
bei Kehl ſtehen teilweiſe ſchon unter Waſſer. Die
Schiffahrt nach dem Oberrhein iſt gehemmt,
weil die von Baſel kommenden Schiffe nicht mehr
unter der Rheinbrücke durchkommen.
Schwere Unwetter in Schleſien.
Liegnitz. In unaufhörlicher Folge werden
die beiden ſchleſiſchen Provinzen von Unwettern
heimgeſucht, deren Auswirkungen ſich bis zur Stunde
noch gar nicht überſehen laſſen. Beſonders ſchwer
häufen ſich die Unwetter in der Liegnitzer Um=
gebung
. In Neuburg wurde ein Frau vom Blitz
erſchlagen, mehrere Perſonen verletzt. Ueber Bres=
lau
iſt am Samstag früh, zwiſchen 7 und 8 Uhr,
ein ſchweres Gewitter niedergegangen, das 1½ Spun=
den
lang von einem wolkenbruchartigen Regen be=
gleitet
war, wodurch abermals neue Ueberſchwem=
mungen
verurſacht wurden. Der Verkehr von den
Vorſtädten nach der Innenſtadt war teilweiſe unter=
brochen
.
Schlägerei in einem Bergarbeiterdorf.
In Schedewitz, bei Zwickau, kam es zu einem
ſchweren Zuſammenſtoß zwiſchen Bergarbeitern aus
Oberſchleſien und Polizei, die, da in einem Ver=
gnügungslokal
eine Schlägerei entſtanden war, Ruhe
ſtiften wollte. Ein Beamter erlitt ſchwere Ver=
letzungen
. Erſt nachdem die Polizei Verſtärkungen
erhalten hatte, gelang es ihr, die Raufbolde zu über=
wältigen
und 30 von ihnen feſtzunehmen.
Die letzten Stunden eines zum Tode verurteilten
Raubmörders.
DD. Metz. Der am letzten Freitag vor dem
hieſigen Bezirksgefängnis enthauptete Raubmörder
Sinn legte bis zum letzten Augenblick ein derart
zyniſches und verächtliches Benehmen an den Tag=
daß
ſogar der Scharfrichter Deibler den anweſenden
Preff=Zertretern erklärte, noch niemals einen zum
Tode Verurteilten mit derartiger Kaltblütigkeit auf
ſeinem Gang zur Hinrichtung geſehen zu haben. Sinn
ſat wenige Tage vor ſeiner Hinrichtung im Gefängnis
toch ein Gedicht verfaßt und der Preſſe zur Ver=
Iffentlichung übergeben, die dem Erſuchen jedoch nicht
lachgekommen iſt.
Verhaftung einer Falſchmünzerbande.
EP. Madrid. Die Polizei hat eine Falſch=
hünzerbande
verhaftet, die innerhalb ſechs Mongten
nne ganze Anzahl von falſchen Hundert=Peſetennoten
r Umlauf gebracht hatt. Einer der Falſchmünzer iſt
ein Offizier.

Ein Ehrenduell zwiſchen zwei franzöſiſchen
Arbeitern.
DD. Paris. Zwiſchen zwei Arbeitern fand in
der Nacht zum 15. Juli, um 5 Uhr morgens, auf den
Feſtungsmauern, die den 20. Stadtbezirk abgrenzen,
ein Revolverduell mit der Vereinbarung gleichzei=
tigen
Kugelwechſels ſtatt. Gleich beim erſten Schuß
wurden beide Duellanten ſchwer verletzt. Die Urſache
des Streits iſt ein junges Mädchen, auf das keiner
der beiden verzichten wollte.
Die Hitzewelle in den Vereinigten Staaten.
EP. New York. Die ſeit einigen Tagen in
den Vereinigten Staaten herrſchende Hitzewelle
hat bisher 84 Menſchenleben gefor=
dert
, darunter 18 in New York, 10 in Chikago und
5 in Philadelphia. Trotzdem in der Nacht zum Frei=
tag
Regen fiel, hält die Hitze weiter an. Die Feuer=
wehrſpritzen
ſind in Aktion getreten, um den Kin=
dern
auf den Straßen Abkühlung zu verſchaffen.
Im Staate Colorado iſt durch Sturm die
Weizenernte teilweiſe vernichtet wor=
den
. Man ſchätzt den Schaden auf 1½ Mil=
lionen
Dollar.

Zuſammenſtoß zwiſchen dem Dampfer Veen=
dam
und dem Dampfer Sagaland.
New York. Von dem Kapitän des Dampfers
Veendam der HollandAmerika=Linie iſt ein
Funkſpruch eingetroffen, der beſagt, daß der Veen=
dam
mit dem norwegiſchen Dampfer Saga=
land
vier Meilen öſtlich der Nuntucket=Inſel zu=
ſammengeſtoßen
und letzterer geſunken ſei. Alle
Paſſagiere des Sagaland, bis auf einen, ſeien
gerettet. Der Veendam konnte unbeſchädigt
die Reiſe nach New York fortſetzen.
New York. Der Dampfer Veendam
der HollandAmerika=Linie, der öſtlich vom Nan=
tucket
=Leuchtturm mit dem norwegiſchen Dampfer
Sagaland zuſammenſtieß, iſt am Freitag abend
im hieſigen Hafen eingelaufen. Der
Kapitän berichtete über den Zuſammenſtoß u. a. noch,
daß nach der Kolliſion ſofort 50 Mann der Saga=
land
auf die Veendam hinüberſprangen, während
fünf durch Boote der Veendam gerettet werden
konnten. Die Suche nach einem weiteren vermißten
Matroſen blieb ergebnislos. Die Sagaland ver=
ſank
eine Viertelſtunde nach dem Zuſammenſtoß. Die
Veendam hat keine Beichädigungen erlitten.

Der 10. Deutſche Studenteniag
in Würzburg.
Seit Donnerstag, den 14. Juli, ſind in Würz=
burg
der Hauptausſchuß und einige Kreiſe der Deut=
ſchen
Studentenſchaft verſammelt, um die letzten Vor=
bereitungen
für die Durchführung des 10. Deutſchen
Studentages zu treffen. Der Hauptausſchuß befaßte
ſich zunächſt weſentlich mit organiſatoriſchen Fragen.
die die Durchführung der Tagung betreffen. Die ein=
zelnen
Kreiſe der Deutſchen Studentenſchaft, die be=
kanntlich
die Zuſammenfaſſung der Einzelſtudenten=
ſchaften
nach Gauen darſtellen, beſprachen interne
Angelegenheiten ihres Kreiſes und nahmen zunächſt
zu verſchiedenen dem Studententag vorliegenden An=
trägen
Stellung. Am Freitag begannen die ver=
ſchiedenen
Ausſchüſſe des Deutſchen Studententages.
die die vorliegenden Fragen aus den verſchiedenen
Arbeitsgebieten vorberaten ſollen, ihre Beſprechungen.
Der Rechtsausſchuß befaßte ſich unter Leitung von
Dr. Stoeckle=München, mit den Rechtsgrundlagen der
einzelnen Studentenſchaften, die ihnen durch die ver=
ſchiedenen
Erlaſſe der Kultusbehörden gegeben ſind,
und den Folgerungen, die daraus für die augenblick=
lichen
Auseinanderſetzungen um den Aufbau der Stu=
dentenſchaft
zu ziehen ſind. Der Rechtsausſchuß kam
u. a. zu der Anſicht, daß die ſtaatliche Anerkennung
einer Studentenſchaft nicht eine Vorbedingung für
deren Mitgliedſchaft in der D. St. iſt. Aufnahme=
anträge
der Pädagogiſchen Akademie in Kiel und der
Kunſtſchule in Berlin in die D. St. mußten ein Jahr
zurückgeſtellt werden. Ein anderer Ausſchuß befaßte
ſich mit Fachfragen, wie Berufsberatung, Studien=
angleichung
und Zuſammenarbeit der verſchiedenen
Fachſtudentenſchaften mit den Organiſationen ihres
Berufes. Der Auslandsausſchuß nahm einen ein=
gehenden
Bericht des Vorſtandes und des Auskands=
amts
der D. St. über die Lage der D. St. gegenüber
der Confédération Internationale des Etudiants ent=
gegen
und beſprach eingehend die Auswirkungen der
letzten Verhandlungen mit der C. J. E. für die Mit=
arbeit
der D. St. in internationalen ſtudentiſchen
Fragen. Der Ausſchuß für politiſche Erziehungs=
arbeit
in der D. St. beſchäftigte ſich in dieſem Jahre
insbeſondere mit den grundlegendſten Fragen, unter
denen die Erziehungsarbeit durchgeführt werden ſoll,
Daneben wurde in breitem Rahmen auch die poli=
tiſche
Erziehungsarbeit innerhalb der Auslandsdeut=
ſchen
=Studentenvereinigungen behandelt. Der Ver=
waltungsausſchuß
beriet den Haushaltsplan der D.
St. für das nächſte Amtsjahr. Die Entſchlüſſe der
Ausſchüſſe werden am Montag und Dienstag den
Vollſitzungen des Studententages vorgelegt werden.
Der Vorſtand der D. St. hat ſeinen Tätigkeitsbericht
über das letzte Amtsjahr in einer umfangreichen
Druckſchrift dem Studententag vorgelegt, der einen
guten Ueberblick über die geſamte Arbeit aller Stel=
len
der Deutſchen Studentenſchaft gibt, mit den un=
leugbaren
Tatſachen geleiſteter Arbeit.
Aus Anlaß der Tagung und der Enthüllung des
Studentenſteins hatte der Herr Oberbürgermeiſter
der Stadt Würzburg namens des Stadtrats zu Würz=
burg
, am Abend des erſten Tages zu einer Freilicht=
aufführung
des Schauſpiels Wilhelm Tell einge=
laden
. Bei einem Imbiß der Stadt Würzburg an
dieſem Abend begrüßte der Oberbürgermeiſter, Dr.
med. h. c. Löffler, den Deutſchen Studententag, der
zum vierten Male in Würzburgs Mauern weilt.
Am Samstag vormittag ſetzten die verſchiedenen
Ausſchüſſe ihre Arbeit fort. Am Nachmittag erfolgte
um 3 Uhr=die feierliche Eröffnung des
Studententages in der Aula der neuen Uni=
verſität
. Der Vorſitzende der Deutſchen Studenten=
ſchaft
, cand. electr. Günther Thon=Brünn, eröffnete
mit einigen Begrüßungsworten die Tagung. Als
Tagesleitung wurden die drei Aelteſten der Deutſchen
Studentenſchaft, die Herren Dipl.=Ing. Hilgenſtock=
Hannover, Dr. Stoeckle=München, Dr. Führer=Wien,
ſowie die Herren Referendar Heinlein=Würzburg und
Dipl.=Ing. Kirbach=Charlottenburg eingeſetzt. Daran
anſchließend hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Edgar J.
Jung=München einen Vortrag: Die geiſtige Wende‟,
der in tief ſchürfenden Ausführungen der jungen
Studentengeneration die Gedanken derer, die aus
dem innerſten Drange ihres Kriegserlebniſſes heraus
die Deutſche Studentenſchaft ſchufen, näher bringen
ſollte.
Zur Einweihung des Denkmals, das
den Gefallenen der Deutſchen Studentenſchaft ge=
widmet
iſt, trafen am Samstag nachmittag die
Fahnen der alten Regimenter, unter denen viele
junge deutſche Studenten bei Langemarck den Helden=
tod
ſtarben, in Würzburg ein. Es ſind je drei Fahnen
von preußiſchen, bayeriſchen, ſächſiſchen und württem=
bergiſchen
Regimentern, die von einer Kompagnie
Reichswvehr feierlich übernommen wurden. An der
feierlichen Einholung beteiligte ſich der geſamte
Deutſche Studententag ſowie die Würzburger Stu=
dentenſchaft
mit ihren Chargierten. Am Abend dieſes
Tages folgte die Deutſche Studentenſchaft mit ihren
Ehrengäſten einer Einladung der bayeriſchen Staats=
regierung
zu einem Begrüßungsabend im Kaiſerſaal
der Reſidenz in Würzburg.
Auf der Suche nach der City of Oakland.
San Franzisko. Die drei Dampfer, die
die S.D.S.=Rufe der City of Oakland aufgefangen
hatten, befinden ſich auf der Suche nach dem Flug=
zeug
. Nachrichten aus Honolulu zufolge, wird der
große Fokker=Eindecker, worin kürzlich Maitland und
Hegenberger ihren Honoluluflug ausführten, ſtark=
bereit
gemacht, um Smith zu Hilfe zu eilen.
Das Flugzeug des Fliegers Smith zerſtört.
Honolulu. Da= Flugzeug von Smith iſt
am Freitag, um 9.45 Uhr vormittags pazifiſcher Zeil,
bei der Inſel Molocai gelandet, wobei
das Flugzeug zertrümmert wurde. Smith und
ſein Begleiter blieben unverletzt.
Vergebliche Suche nach Nungeſſers Flugzeu9=
Saint Johns (Neufundland). Major Cot:
ton, der Flieger, der vorausgeſchickt worden war,
um den Bericht über die angebliche Auffindung der
Trümmer von Nungeſſers Flugzeug zu unterſuchen,
hat telegraphiſch von St. George gemeldet, daß die
Mitteilung nicht zutreffe. Er fügte hinzu, daß
er beabſichtige, nach New York zurückzufliegen.
Tragiſche Hochzeitsfackeln.
EP. Während ein Farmer aus Renfrew ( Lu=
tario
) ſich in der Kirche befand, um ſich zum dmiten
Male zu verehelichen, brach in ſeiner Farm ein
Brand aus, durch den das ganze Anweſen zerſtor.
wurde. Vier Kinder aus erſter Ehe kamen in de‟
Flammen um.

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Mummer 4196

Gt. 3

Sonntag, den 17. Zuſ 1927

12 CFSt würden Sie rit
C
Vrsil zuftieden sein, ienn Sie eS
jebrouichten
icht.
*

Gewpiss, Sie freuen sich, dass Sie Persil haben und waschen gern. darnit.,
Dennoch haben Sie dieses aulsgezeichnete WDaschmittel. wahrscheinlich.
noch nierals beimn Waschen voll. au sgenztzt! Nachen Sie es so=
KGsen Sie die für Ihren Waschkessel erforderliche Nenge Persil kaft.
auf und. geben Sie die Wäsche locker in die fertigbereitete lauge.
Dann langsarn zuurn Kochert korrumnen lassen und. bei. Oferer Um
rühfen nux eirimal. eine Viertelstunde kochen!
Sie nohrnien eine prachtvoll. weisse Näsche auus dern Kessel, nuif noch
deis Spülen terst gut warm, donach kalt) bleibt z. Emn Ubrig. -
Pabier ist gealddig? Ach nein, verehrte leserin-esliegt an Ihinen,
sich. Z1 Uberzeugen.! I jedem Falle abee mulssen Sie Dersil
allein und ohne Zuisatz nehmnen und., wie getagt. Urnec kolk.
auffiösen!
Zur Weichmachen des Nassers verkühzt. man vor Bereitung der Jau1ge
Hanslol, Henko Bleich-Sod in kessel.- Auch zuim Crbeichen ist

Einige

Heriko Bleich,Sodd. undbettroffen.

Pfennig

Bot.
auch in

DaZOLeH zu

erhältlich

Niit

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Seite 12

Sonntag, den 17. Juli 41927

Nummer 196

Beutſcheseſchläfhient Meiſterſchäften 2.24

Drei neue deutſche Rekorde
am erſten Tag.
200m: 21,4 Gek. 3000 m: 15:03,2 Min.
Diskus, beidarmig: 72,66 m.
Berlin, 16. Juli. (Priv.=Tel.)
Deutſchlands große Leichtathletik=Prüfung nahm am Samstag bei
prächtigem Sommerwetter im Deutſchen Stadion zu Berlin=Grunewald
ihren Beginn. Obwohl die Hauptentſcheidungen erſt am Sonntag fallen,
kamen auch ſchon an dieſem Tage 67000 Sportbegeiſterte. Der Beſuch
der Kämpfe lohnte ſich aber auch ſchon am erſten Tage, denn man wurde
Zeuge von Kämpfen und Leiſtungen, wie man ſie auch bei Deutſchen
Meiſterſchaften nur höchſt ſelten geſehen hat. Leider war die Negie der
Titelkämpfe ſchlecht. Es mangelte an manchen Punkten. Bedauert wurde
auch das Fernbleiben verſchiedener bekannter Athleten. So vermißte
man Houben, der aber über die 100 Meter gehen wird und auch in der
Staffel mitwirken wird; Troßbach mußte einer Verletzung wegen darauf
verzichten, ſeinen Meiſtertitel im 110 Meter=Hürdenlaufen zu verteidigen,
und ſchließlich machten auch Dr. Peltzer und der Karlsruher Faiſt im
400 Meter=Laufen nicht mit. Faiſt lief dafür aber über 200 Meter.
Drei deutſche Rekorde mußten bereits am erſten Tage ihr Leben
laſſen. Körnig ſtellte den erſten über 200 Meter mit 21,4 Sekunden auf;
er verbeſſerte damit Houbens Beſtleiſtung um 01 Sekunde. Dann lief
die junge Langſtrecken=Hoffnung Cohn (Teutonia Berlin) über 5000 Me=
ter
mit 15:08,2 Min, einen neuen Rekord, und die dritte neue Beſtleiſtung
bot der ausgezeichnet disponierte Berliner Poliziſt Hänchen im beid=
armigen
Diskuswerfen mit 77,66 Meter.
Aber auch ſonſt gab es ganz hervorragende Leiſtungen. Im Hoch=
ſprung
brachten es Beetz=Berlin und Köppke=Stettin auf je 1,88 Meter.
Erſt durch einen Stichkampf fiel die Entſcheidung. Einen außerordent=
lich
harten Kampf und eine glänzende Zeit gab es über die 400 Meter=
Strecke. Büchner=Magdeburg riß ſchließlich in 48,8 Sekunden den Titel
an ſich; aber auch die übrigen Teilnehmer am Endlauf blieben alle unter
den 50 Sekunden=Grenze. Spannend war das 5000 Meter=Laufen.
Bis 3000 Meter lag das Feld ziemlich geſchloſſen beieinander. Dann
löſten ſich Klinzing, Boltze, Diekmann und Cohn von der Maſſe ab. Bei
4000 Meter fielen Boltze und Klinzing ab, und als vor der letzten Runde
auch Diekmann zurückfiel, hatte der junge Berliner Cohn gewonnenes
Spiel. Höhepunkt des Tages war der 200 Meter=Endlauf. Beim Ein=
gang
in die Gerade lagen alle Teilnehmer in einer Linie, dann ſchoben
ſich Körnig, Schlößke und Schüler etwa vor und lieferten ſich einen ganz
erbitetrten Kampf. Erſt 20 Meter vor dem Ziel konnte Körnig Schüller
und Schlößke abſchütteln Befriedigend waren ſchließlich auch die
Leiſtungen im Diskuswerfen. Im beidarmigen Werfen wurde Hänchen
nicht nur zum dritten Male Meiſter, ſondern auch Rekordmann, und
auch das beſtarmige Werfen fiel dem Berliner zu, da hier der Favoriat
Hoffmeiſter=Hannover wieder einmal verſagte. Beim 110 Meter= Hür=
denlaufen
hatte der Karlsruher Steinhardt nicht viel zu ſchlagen, nach=
dem
Troßbach nicht antrat. Bei etwas ſtärkerer Konkurrenz wäre hier
auch wohl die Zeit beſſer geworden.
Samstags=Ergebniſſe der Deutſchen Meiſterſchaften.
Entſcheidungen.
200 Meter: 1. Körnig (S.C. Charlottenburg) 21,4 Sek. (Neuer deutſcher
Nekord); 2. Schüller (Preußen=Krefeld) 21,6 Sek.: 3. Schlößke
(Brandenburg=Berlin) 21,6 Sekunden 4 Hintze=Wilhelmshaven;
5. Wege=Leipzig; 6. Faiſt (Phönix=Karlsruhe).
400 Meter: 1. Büchner=Magdeburg 48,8 Sek. 2. Nermann (DSC. Ber=
lin
) 49 Sek., 3. Schmidt (Teutonia=Berlin) 49 Sek., 4. Stortz
(V. f. L. 96 Halle) 49,3 Sek.
5000 Meter: 1. Cohn (Teutonia Berlin) 15:03,2 Min. (Neuer deutſcher
Rekord); 2. Diekmann=Hannover 15:17,2 Min.; 3. Boltze=Stettin
15:22,7 Min.; 4. Klinzing (Diskonto=Geſ. Berlin) 15:34,1 Min.
110 Meter Hürden: 1. Steinhardt (Phönix=Karlsruhe) 15,4 Sekunden;
2 Schulze=Berlin 16,1 Sek., 3. Kurallus=Berlin 16,4 Sek., 4. Barth=
Nürtingen.
Hochſprung: 1. Beetz=Berlin 1,88 Meter; 2. Köppke=Stettin, 1,88 Meter
durch Stechen entſchieden; 3. Skorzinkski=Berli, 1,85 Meter.
Diskuswerfen, beſtarmig: 1. Hänchen (Pol.=Sp.V. Berlin) 44,67 Meter;
2. Paulus=Gießen 44,06 Meter; 3. Seradaris=Dresden 41,70 Me=
ter
; 4. Hoffmeiſter=Hannover 41,07 Meter
Diskuswerfen, beidarmig: 1. Hänchen (Pol.=Sp.V. Berlin) 77,66 Meter
(Rekord); 2. Seradaris=Dresden 72,38 Meter; 3. Schauffele=
Stuttgart 70,97 Meter.
Hammerwerfen: 1. Mang=Regensburg 40,71 Meter; 2. Wenninger= Zuf=
fenhauſen
39,715 Meter; 3. Knieſe=Berlin 38315 Meter.
Vorläufe:
400 m: 1. Vorlauf: 1. Dr. Renell=Berlin 51,2 Sek., 2. Kunde=Breslau.
2. Vorlauf: 1. Stortz=Halle 51,4 Sek. 2. Meiſel=Nürnberg.
3. Vorlauf: 1. Büchner=Magdeburg 49 Sek., 2. Rommel=Breslau.
4. Vorlauf: 1. Schmidt (Teutonia=Berlin) 49,2 Sek., 2. Engel=
hardt
=D.
5. Vorlauf: 1.Neumann=Berlin 50,2 Sek., 2. Moſt=Eſſen.
6. Vorlauf: 1. Klähn=Berlin 49,8 Sek. 2. Schaurig=Kaſſel.
200 m: 1. Vorlauf: 1. Schüller=Krefeld, 2. Faiſt=Karlsruhe, 3. Wondra=
tſchek
=Berlin.
2. Vorlauf: 1. Schlößke=Bln., 2. Müllender=Frankfurt, 3. Jenker.
3. Vorlauf: 1. Körnig=Berlin, 2. Hintze=Wilhelmshaven, 3. Mei=
ſel
=Nünberg.
4. Vorlauf: 1. Wege=Leipzig, 2. Hübner=Berlin.
1. Zwiſchenlauf: 1. Schlößke, 2. Hintze, 3. Scküller, 4. Müllender.
2. Zwiſchenlauf: 1. Körnig, 2. Faiſt, 3. Wege, 4. Hübner.
Motorſport.
4. Tag der Deutſchen Sechs=Tagefahrt des D.M.V.
Zur 4. Tagesetadpe waren 59 Fahrer geſtartet. Die Streck= war
dieſelbe wie am 2. Tage, nur wurde ſie in umgekehrter Richtung durch=
fahren
. Die Hauptkontrolle lag in Adorf und war vorzüglich beſetzt.
Sämtliche geſtarteten Fahrer beendeten die ganze Tagesſtrecke, allerdings
der Beiwagenfahrer Ebert ohne Seitenwagen, den er wegen Achſenbruchs
abmontierte. Der Fahrer muß darum aus der Wertung ausſcheiden.
Die Maſchinen, die noch im Wettbewerb ſind, ſind ſelbſtverſtändlich ſtark
in Anſpruch genommen, aber dennoch faſt ausnahmslos in Ordnung.
Die Geſamtwertung nach dem 4. Tage ergibt, daß von den am
1. Tage geſtarteten 76 Fahrern ſich noch 52 im Wettbewerb befinden da=
von
17 ſtrafpunktfrei. Von den Fabrikmannſchaften wurde Schüttoff
mit 17. N.S.u. mit 20, 2. Mannſchaft Deutſche Induſtriewerke mit 161,
Standardwerke mit 124, D. K.W. 1. Mannſchaft mit 38, Zündapp mit
3 Strafpunkten belegt. Von den Klubmannſchaften iſt durch das heutige
Ausſcheiden von Ebert die Mannſchaft des Chemnitzer Motorradklubs
ebenfalls nicht mehr komplett. Die 2. Mannſchaft der Berliner Schutz=
polizei
hat bisher insgeſamt 35, die 3. Mannſchaft 171 Strafpunkte er=
halten
. Die übrigen Klubmannſchaften kommen durch Ausſcheiden ein=
zelner
Fahrer für die Wertung als Klubmannſchaft nicht mehr in Frage.
Die Stimmung unter den Fahrern iſt heute, nachdem die anſtrengendſten
Tage überſtanden ſind, die denkbar beſte. Anerkennung verdient die Be=
ſetzung
der Strecke durch Funktionäre und Mitglieder des Roten Kreuzes.
Eine Berg= und Flachprüfung am fünften Tage ſoll zeigen, ob die
ſtarken bisherigen Anforderungen den Motoren keinen übermäßigen Lei=
ſtungsverluſt
zugefügt haben.
Internationales Abendſportfeſt in Frankfurt a. M. Der Frankfur=
ter
Landesverband für Leichtathletik veranſtaltet am Dienstag, den 2. 8.,
auf den vorzüglichen Bahnen des Frankfurter Stadions ein großes inter=
nationales
Abendſportfeſt. An der Veranſtaltung werden ſich ein großer
Teil der deutſchen und ſchweizeriſchen Mannſchaften beteiligen, die zwei
Tage vorher in Düſſeldorf den Leichtathletik=Länderkampf Deutſchland
Düſſeldorf beſtreiten.
Köchermann kampfunfähig. Der vor einiger Zeit zur D. S.B. über=
getretene
D.T.=Meiſter im Weitſprung, Köchermann=Hamburg, hat ſich
eine Verletzung zugezogen, die iyn für einige Zeit außer Gefecht ſetzen
wird.
Deutſche Meiſterſchaft im Mannſchaftsringen Vor ausverkauftem
Hauſe fand am Freitag abend im Nürnberger Apollotheater der erſte
Zwiſchenrundenkampf um die Deutſche Meiſterſchaft im Mannſchaftsrin=
gen
zwiſchen dem S.C. Maxvorſtadt Nürnberg urd Heros=Dortmund
ſtatt. Die Dortmunder konnten den vorjährigen Meiſter überraſchend
hoch mit 10:4 Punkten ſchlagen.

Vereinsſtatiſtik über Turn= und
ſporttreibende Vereine
in Darmſtadt im Jahre 1927. (Stand 1. April 1927.)
(Nach Mitteilung des Amtes für Leibesübungen.)
Es beſtehen in Darmſtadt

a) Turnvereine . 9 mit zuſ. 3 006 Mitgliedern (2349*) b) Sportvereine 20 6 642 (6394) c) relig. Verbände 2. 230 d) Waſſerſportvereine . . 2 840 (1270) e) Radfahrervereine". 3 613 ( 679) f) Motorradfahrervereine ." 1. 114 ( 114) g) Automobilvereine . . 1 244 ( 300) h) ſonſt. Sport= Flug=, Reit=
und Winterſportvereine.
K 613 ( 613)

(1 719).
zuſammen Vereine 44 12 302
Die Mitgliederzahl, verteilt auf Alter und Geſchlecht, ergibt folgen=
des
Bild:
671 Mädchen bis 14 Jahren,
714 Knaben
474 weibl. von 1521 Jahren,
2 064 männl.
891 weibl. über 21 Jahre,
7 488 männl.
W36 weibl.
10 966 männl.
Aktiv Ausübende treten zu den jeweiligen Uebungsſtunden durch=
ſchnittlich
täglich an:

Turnen . . . 438 männl. 309 weibl. Leichtathletik . . . 462 136 Schwimmen und Rudern 586 162 Spiel .. . .. . 874 127 Fechten, Boxen, Ringen. 257 12 Radfahren . 91 12

las wefl.
zuſammen 2708 männl.
Zu bemerken iſt, daß in verſchiedenen Vereinen als Ergänzungs=
ſport
in beſonderen Abteilungen Schwimmen, Spielen,; Leichtathletik,
Fechten, Boxen, Jiu=Jitſu, Tennis uſw. mitgetrieben wird; dieſe Aus=
übenden
ſind in vorſtehenden Zahlen enthalten, mit Ausnahme der
Schützen und Wanderer, die eine Statiſtik nicht vorgelegt.
Das deutſche Sportabzeichen beſitzen:
Männer: Bronce 108, Silber 12, Gold 4;
Frauen: Bronce 7, Silber 1.
Eigene Sport= und Spielplätze beſitzen 0 Vereine;
Städtiſche Sport= und Spielplätze ſind vorhanden 3, auf welchen
ſtundenplanmäßig üben insgeſamt 8 Vereine.
Staatl. Plätze ſind vorhanden 5, die von 14 Vereinen benutzt werden.
Von Privat gemietete Plätze iſt einer im Beſitz eines Vereins.
Laufbahnen ſind vorhanden: auf Privatplätzen 1 330 Meter,
ſtädt. Plätzen 1 400 Meter, ſtaatl. Plätzen 3 je 380 Meter.
Sportplatzgarderoben ſind 4 vorhanden, wovon eine Waſch= und
Brauſegelegenheit beſitzt.
Eigene Turnhallen beſitzen 2 Vereine mit 3 Hallen.
Staatl. Turnhallen ſind 2 vorhanden: Hochſchule und Polizei;
18 Schulturnhallen.
Bezahlte Leiter werden von vier Vereinen gehalten, und zwar zwei
für Turnen, einer für Schwimmen, einer für Fechten.
Büchereien werden unterhalten von 18 Vereinen mit einem Geſamt=
beſtand
von 5228 Büchern.
Wandern und Geiſtespflege wird von 20 Vereinen getrieben.
Schwimmgelegenheit iſt vorhanden im Städtiſchen Hallenſchwimmbad
in zwei Schwimmhallen und im Sommer im großen Woog, letztere mit
jeuzeitlich hergerichteter Schwimmbahn nebſt 10 Meter=Springturm.

Radfahren.
Die Weltmeiſterſchaftswoche.
Die Weltmeiſterſchaftswoche der Radſportler brachte am Samston
in Köln den erſten ſportlichen Wettbewerb, das 100 Km.=Mannſchafts
fahren um die Deutſche Meiſterſchaft. Am Nachmittag erfolgte dann der
feierliche Einzug der Wanderfahrer mit einem Feſtakt vor dem Dom.
Deutſche Meiſterſchaft im 100 Km.=Mannſchaftsſahren.
R.C. Diamant Berlin ſiegt in Rekordzeit.
Von 23 gemeldeten Mannſchaften wurden am Samstag vormittag
19 in Abſtänden von je zwei Minuten auf die 100 Km lange Reiſe zur=
Deutſchen Meiſterſchaft im Vereins=Mannſchaftsfahren geſchickt. Die her=
vorragende
Beſetzung des Rennens garantierte von vornherein einen
feſſelnden Verlauf. Die Erwartungen wurden denn auch nicht ent=
täuſcht
. Jede Mannſchaft gab ihr Beſtes, um möglichſt ehvenvoll abzu=
ſchneiden
. Die glänzend aufeinander eingeſpielte Mannſchaft des R.C.
Diamant Berlin konnte mit den Fahrern Peter, Litſchi, Stöpel, Horn.
Buſſat, Hübſch das in ſie geſetzte Vertrauen glänzend rechtfertigen und
einen Sieg in neuer deutſcher Rekordzeit hevausfahren. Allerdings muß
geſagt werden, daß den Berlinern auch das Glück zur Seite ſtand. Die
Rüſſelsheimer Opel=Mannſchaft hatte dagegen Pech. Zind=Rüſſelsheim
fiel ſchon nach 20 Km. durch Reifendefekt aus und nach weiteren 10 Km.
hatte Keßmeier das gleiche Mißgeſchick. D. Gugau, W. Müller, Zeißner
und Geher fuhnen ein glänzendes Rennen und unterlagen nur höchſt
ehrenvoll. Diamant Chemnitz konnte nur den dritten Platz belegen, da
30 Km. vor dem Ziel ein Fahrer Defekte hatte und die geſchwächt an=
tretende
übrige Mannſchaft mit den Gebr. Wolke und Röſch warten
mußte, bis der Schaden behoben war. Dadurch ging natürlich koſtbare
Zeit verloren. Der Titelverteidiger Wanderfalke Dvesden mußte ſich mit
dem fünften Platz hinter Diamant Köln begnügen. Das Ergebms:
1. RC. Diamant Berlin 2:41.19,6 Std. (Neuer deutſcher Rekord); 2. RC.
Opel Rüſſelsheim 1. Mannſchaft 2:41,42 Std.; 3. Diamant Chemmitz
2:44,05 Std.; 4. Diamant Köln 2:47,10 Std: 5. Wanderfalke Dresden
2:47,58 Std.; 6. RC. Opel Rüſſelsheim 2. Mannſchaft 2:48,30,6 Std.;
7. Diamant Hannover 2:50 05.8 Std.: 8. Bergiſcher NV. Radevormwald
2:53, 13,8 Std.; 9. RV. Aöler Frankfurt a. M. 2:59,10 Std.; 10. RC.
Bochum 2:59,44.,8 Std.
Ankunft der Wanderfahrer in Köln.
Alljährlich, wenn der Bund Deutſcher Radfahrer ſein großes Bun=
desfeſt
veranſtaltet, wird das Heer der Wanderfahrer mobil gemacht,
Zum deutſchen Rhein war diesmal Parole und Ziel der Fahrt. Tau=
ſende
von Wanderfahrern aus allen Teilen des Reiches, folgten dem
Rufe zum Nhein und hielten am Samstag nachmittag geſchloſſen in
Köln ihren Einzug. Sie ſammelten ſich vor den Toven der Stadt un
zogen dann in gemeinſchaftlichem Zug durch die feſtlich geſchmückten
Straſſen der Stadt zum Dom, von deſſen Stufen aus der Bundesvor=
ſtand
und die Kölner Stadtverwaltung den Fahrern ihr Willkommen
entgegenriefen. Die kurze, aber eindrucksvolle Begrüßungsfeier ſchloß
mit einem Treugelöbnis zum deutſchen Vaterland.

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 17: Juli. 8: Morgenfeier. Veranſt. von der 1. Ge=
meinde
der Evangel. Gemeinſchaft. 6 11.15: Uebertr. aus dem
Park Wilhelmshöhe bei Kaſſel: Bundestagsfeier des Jugendbundes
vom Geweriſchaftsbund der Angeſtellten. 13: Aus dem deutſchen
Märchenborn, vorgetr. von Ilſe Helene Röttgen. Von Engeln und
Teufelchen, Märchen von Thea von Harbou. O 14: Uebertr. vom
Nürburgring: Groß. Preis von Deutſchland für Automobile.
16.30: Prof. Stern: Die Erziehung des kranken Kindes. o 173
an=

Zub) Darunter ſind alle Vereine genannt, welche Fußball, Handball
ſpielen, Leichtathletik, Schwerathletik, Schießen, Kegeln, Rudern,
Tennis, Fechten oder Golf betreiben.
Zu d) Die Verminderung kommt daher, weil die einzelnen Sch. vimm=
abteilungen
bei ihrem Mutterverein aufgeführt ſind.
*) Die eingeklammerten Zahlen ſtellen den Stand des Jahres 1926 dar.
Leichtathletik.
Stadtſtaffellauf Rund durch Mainz.
Die Vorbereitungen zu der am Sonntag, den 24. Juli, ſtattfinden=
den
Stadtſtaffel ſind ſoweit gediehen, daß ſich nun das Ereignis zum Teil
überſehen läßt. Das Intereſſe, das allſeitig der Stadtſtaffel entgegen=
gebracht
wird, läßt vermuten, daß die Rekordbeteiligung des vergange=
uen
Jahres erreicht, aber an Qualität übertroffen werden wird. Die
Stadtſtaffel wird in 8 Klaſſen ausgetragen. Jede ſtartende Mannſchaft
zählt 10 Mann: jie einer zu 1000, 800, 400 Meter; je zwei zu 300 und
100 Meter und drei zu 200 Meter. Verteidiger und vorigjähriger Sie=
ger
in der Klaſſe 4 (offen für alle Leichtathleten) iſt Eintracht
Frankfurt; in der B=Klaſſe fällt dieſe Aufgabe, der Polizei
Darmſtadt zu; der SpV. Darmſtadt gewann im letzten Jahre
die Fußballerſtaffel. Um die Siegerliſte von 1926 zu vervollſtändigen, ſei
noch gedacht des S.V. Wiesbaden als des Verteidigers des Wan=
derpreiſes
des Vereins der Sportfreunde (Leichtathletik=Jugend) und der
Olympia Weiſenau, deren jugendliche Fußballer den Wander=
preis
der Deutſchen Roſenſchau als beſte Mannſchaft an ſich bringen
konnten. Die Staffel, für die Nicht=D. S. B.=Vereine gewann
D. J. K.=St. Michael Mainz; die beſten Schüler waren die des
S. V. Darmſtadt.
Süddeutſcher Leichtathletik=Verbandstaa. Abermals verlegt ..
Der Verbandstag des Süddeutſchen Verbandes für Leichtathletik,
der nach mehrmaliger Verlegung am 30. und 31. Jüli in Stuttgart ab=
gehalten
werden ſollte, iſt wiederum verſchoben worden. Er ſoll nun=
mehr
am 10. und 11. September in Stuttgart abgehalten werden. Vor
der Tagung wird noch mit dem Süddeutſchen Fußballbzerband eine wich=
tige
Beſprechung in der Frage der geplanten Fuſion ſtattfinden. Es
wurde beſchloſſen, die für die Fuſionsverhandlungen bereits beſtehende
Kommiſſion des S V.f.L. durch Hinzuziehung je eines Vertreters der
ſechs ſüddeutſchen Landesverbände zu erweitern.
Segelflug.
Rhön=Segelflugwettbewerb 1927.
Der am 10. Juli erfolgte Nachnennungsſchluß für den am 31. Juli
beginnenden Rhön=Segelflugwettbewerb hat ein recht gutes Ergebnis
gebracht. Gemeldet haben 45 Flieger; die Zahl der Flugzeuge beträgt
72, gegen nur 53 Flugzeuge des Vorjahres. Mehrere Gruppen aus ver=
ſchiedenen
Teilen des Reiches, insbeſondere aus dem Weſten und Süd=
weſten
, werden in dieſem Jahre zum erſten Male in Wettbewerb treten.
Aus Düſſeldorf, Köln, Bonn, Ulm, Wangen (Allgäu) u. a. liegen Mel=
dungen
vor, von Akademiſchen Fliegergruppen werden Darmſtadt, Claus=
thal
, Coethen, München, Stuttgart und die Marcho Sileſia Breslau
zur Stelle ſein. Auch ein Franzoſe hat ſich mit eigenem Segelflugzeug
angemeldet. Die bekannteſten deutſchen Segelflieger wie Nehring, Heſſel=
bach
, Kegel werden nicht fehlen, leider iſt aber der Weltrekordmann
Ferdinand Schultz=Königsberg verhindert, auf die Rhön zu kommen.
Sehr groß iſt die Zahl der Jungflieger, die um die Preiſe des Schu=
lungs
= und Uebungs=Wettbewerbs ſtreiten werden. Von verſchiedenen
Seiten ſind auch wieder Geld= und Ehrenpreife für den Wettbewerb zur
Verfügung geſtellt worden. So hat das bayeriſche Handelsminiſterium
den Preis für den von der Waſſertuppe auf bayeriſches Gebiet hinüber=
führenden
Heidelſteinflug, die Stadt Frankfurt a. M. die Preiſe für
die größte Geſamtflugdauer und den Zielflugpreis geſtiftet. Der Wett=
bewerb
beginnt am 31. Juli, jdoch werden ſchon mehrere Gruppen
einige Tage vorher zum Schulen nach der Waſſerkuppe kommen,

mener: Die griechiſchen Aufführungen im griechiſchen Theater zu
Syrakus o 19.35: Einf. z. Uebertr. vom Badener Muſikfeſt, von
Kapellmeiſter Kl. Nettſtraeter. o 20: Uebertr. aus dem Baden=
Badener Kurtheater: Die Prinzeſſin auf der Erbſe, Muſikmärchen
von Ernſt Toch. Die Entführung der Europa‟. Opera Minute
von Darius Milhaud Mahagonny‟ Ein Singſpiel nach
Texten von Bert Brecht. Hin und Zurück, Sketſch von M.
Schiffer, Muſik von Paul Hindeiſieth. Anſchl.: Uebertr. von der
Tanzklauſe.
Stuttgart.
Sonntag, 17. Juli. 10: Uebertr. aus Baden=Baden: Muſikfeſt
1927. Waldmuſik d. Muſikanten=Gilde der Jugendbewegung.
O 13.15: Schallplattenkonzert. O 15: R. Formis: Die Türkei m
alter und neuer Zeit. o 15.30: Hier hab ich ſo manches liebe
Mal mit meiner Laute geſeſſen. Sendeimproviſation. Mitw.: Hideo
Sato der japaniſche Akkordeon=Virtuoſe. o 17: Komponiſten=
Stunde. Ausf.: H. Brehme (Klavier), H. Schulz (Tenor). Storm:
Suite in E=moll nach Immenſee. Morgenſtern: Vöglein Schwer=
mut
. Storm: Die Stadt. Löns: Roſe weiß, Roſe rot.
Liebesklage. Schumann: Lyriſche Variationen. Heſſe: Wende.
Gang bei der Nacht. Wie ſind die Tage ſchwer. Die Kindheit.
o 18.15: H. O. Röcker: Käthe Kollwitz (zum 60 Gehurtstag).
18.45: C. Elwenſpoek lieſt aus den Werken des Dichters Jacob
Haringer. o 20: Uebertr. aus Baden=Baden: Muſikfeſt 1927.
Die Prinzeſſin auf der Erbſe, Muſikmärchen von Toch. Die
Entführung der Europa, Opera Minute von Darius Milhaud.
Mahagonny, Singſpiel von Bert Brecht. Hin und zurück.
Skitſch, Muſik von Hindemith. Anſchl. aus Stuttgart und Frei=
burg
: Sportfunkdienſt.

Berlin.
Sonntag, 17. Juli. 6.30: Frühkonzert. 6 Darbietungen.

In der Pauſe: Gymnaſtik. O 9: Morgenfeier. S 11.30: Muſik des
Adolf Becker=Orcheſters. 12 Darbietungen. 14.30: Miniſterialrat
Corſing: Memoiren und ihre Bedeutung. O 15: Dr. Potonie: Die
geologiſche Kartierung von Gütern. o 3.30: 2 Märchen von
Manfred Kyber. Geleſen von R. Bramante. o 17: Kapelle
Gerhard Hoffmann. Doſtal: Flieger=Marſch. Strauß: Marien=
Klänge. Planquette: Faut. Glocken von Corneville. Moſzkowski
Serenata. Offenbach: Valſe chaloupee. Dechaux: Au pans de4
reves. Finck: Schattenſpiele. Cakoſio: Canzona amoroſa.
Rau: Flirtation. Don zetti=Schreiner: Fant. aus Regimentäl
tochter. Branſen: Colette und der Mond. Ohlſen: Pierette.
o 19.05: Dr. Hieber; Wien. 19.30: Dr. Lachmann: Berliner
Redensarten. 19.55: Dr. Heymann, Newyork: Ein Tag am
Iſthmus von Panama. 20.30: Unterhaltung. Strauß: Quv.
Zigeunerbaron. Körner: Ich möchte reich ſein, aus Königin der
Liebe May: Sag es mir ins Ohr. Drdla: Chant damour.
Czibulka: Stephanie=Gavotte. Körner: Verlieb dich im
Frühling. Egen: Ach. das Wetter iſt ſo ſchön, ſüßes Baby.
Goetze: Wer hat dem Mond das Näschen geputzt. May: Du=
meine
Fiedel. Lehar: Wir gehn ins Theater, aus Paganini=
Stolz: Irgend was iſt mit mir heut los, aus Tanzgräffn.
Erwin: Mein Schatz, adieu! Zeller: Potp. aus Oberſteiger.
Ziegler: Wann werden wir uns wiederſehen? Fresco: Heut
Nacht hab ich mich tolf verliebt. Blau iſt der Himmel, wenn
du mich liebſt Ziegler: Der Mond iſt heute voll. Profes:
Wir fliegen nach Amerika. Becucci: Teſoro mio. Am Flügel=
Ben Geyſel. O 22.30: Tanzmuſik.
Stettin. 9: Ihm nach! Mazas: Andantino. Romanze.
Bibelrezitation: Jeſu Jüngerſchaft. Kaempf: Jubilate für Alt=
ſtimme
und 2 Violinen. Anſprache des Paſtors Droß von der
Bugenhagenkirche. Giordani: Arie. Scheffler:, Mir nach, ſpricht
Chriſtus. Franz: Sonntag für Altſtimme und 2 Violinen.
Schlußchoral. Am Flügel: K. Schulz.

Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 18. Juli 1927.
(Nach der Wetterlage vom 16. Juli 1927.)
Wechſelnd wolkig, mit Aufheiterung und vereinzelt Gewit
terneigung, ſonſt trocken.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.

Saupiſchriftleitung Rudol; Maupe
Verantworlich für Politit und Wiriſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reich und
Ausland und Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; ſür Sport: Dr. Eugen Buhlmar!
ſür den Handel: Ur. C. 6. Queiſch für den Schlußdienſi: Andreas Bauer; W
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette: für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Oruck und Ver ag 2 C. u ittich mtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Mannſiripic wird Garaute der Nückiendung n ich übernomite""
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

[ ][  ][ ]

Nummer 196

Sonntag, den 17. Juli

Schuldnerſchutz und Oeffentlichkeit.
Von
Eduard Butzmann, Berlin.
Seit der Abſchaffung der Schuldhaft und der Schuldknecht=
Zerſelbe wird naturgemäß in Gläubigerkreiſen ſehr, bekämpft,
Vseranlaſſung dazu gibt, Erwägungen darüber anzuſtellen, ob
iune Aenderung der diesbezüglichen geſetzlichen Beſtimmungen
uund Vorſchriften angezeigt erſcheint. Die in allen Kulturſtaaten
eooch jedes auf geſetzliche Aenderung gerichtetes Vorgehen von
darnherein ausſichtslos. Die einzige Möglichkeit, im Sinne der
S.äubiger die beſtehenden Einrichtungen zu verbeſſern, gründen
duttereſſen nutzbar zu machen. Nach dieſer Richtung hin ſind in
ar letzten Jahrzehnten ſchon große Fortſchritte feſtzuſtellen,
Mtünſche zugunſten der Gläubigerkreiſe durchaus verſtändlich Schulden aus früherer Zeit zu tilgen.
uſcheint.
Den Gegenſtand ganz beſonderer Aufmerkſamkeit ſeitens der
Geſchäftswelt bilden diejenigen Perſonen, welche im beſten Falle
ich er das geſetzlich zuläſſige Minimum verfügen, die alſo nichts
ilitzen, womit ſie für etwaige Schulden zu haften vermögen und
ſtemen gegenüber jeder Gläubiger machtlos iſt. Nicht mit Unrecht
oſeil es ſo außerordentlich erſchwert iſt, ſich gegen eine Ausbeu=
unig
durch dieſelben zu ſchützen. Sie ſind zwar faſt ausnahms=
o
8 Manifeſtanten, das heißt alſo Leute welche den Offen=
unungseid
geleiſtet haben und in einer jedermann zur Einſicht= auf welchem er ſich wieder emporarbeiten kann.
Ahme ausliegenden Liſte aufgeführt ſind. Dieſe Liſten liegen
er nur in demienigen Amtsgericht aus, bei welchem der Mani=
eitant
offenbart hat, ſo daß es für den einzelnen Gläubiger un=
niöglich
iſt, diesbezügliche Feſtſtellungen zu machen. Er iſt dem=
chch
darauf angewieſen, durch Inanſpruchnahme eines großen
rſat an ihn herantretender Kunde in einer ſolchen Liſte verzeich=
it
ſteht. Natürlich iſt dies nicht nur mit nennenswerten un=
usten
verknüpft, ſondern es iſt damit auch in jedem Falle ein
cüäftsführung erſchwert und das Arbeiten beſonders mit den=
eiſnigen
neuen Kunden beeinträchtigt, welche auf Abſchluß und
Sisferung drängen und auch nicht zu den faulen Kunden gehören,
oss doch der Gläubiger aber vorher nicht wiſſen kann.
Um dieſe Liſte der Perſonen, welche den Offenbarungseid
ſe eiſtet haben, geht demgemäß immer wieder der Kampf zwi=
chen
den Gläubigern einerſeits und den Juſtizminiſterien der
8ü kanutgabe aller dieſer Liſten und bezeichnen die Auslegung
eisſelben nur bei den einzelnen Gerichten zwecks Einſichtnahme
m. Ort und Stelle als eine Maßnahme, die den beabſichtigten
Euffolg nur in völlig unzureichendem Maße zu ſichern vermag.
Afi dieſer Handhabung der Vorſchriften über die öffentliche
eirbſichtigte Heranziehung der Oeffentlichkeit als Kontroll= oder
Vorbeugungsinſtanz naturgemäß ihren Zweck vollkommen verfehlt,
bedarf keiner Beweiſe dafür, wie leicht es iſt, ſich aus ſeinem
ſändigen Wohnſitze für einige Zeit an einer anderen Stelle
o izeilich anzumelden, um dort bei dem zuſtändigen Amtsgericht
en Offenbarungseid zu leiſten und dann wieder nach ſeinem
heren Wohnſitz zurückzukehren. Hat der Betreffende dann
acch einen häufiger vorkommenden Namen, ſo iſt es geradezu
mnöglich, ihm auf den Ferſen zu bleiben und ſelbſt für die gro=
en
Auskunftsbureaus mit den größten Schwierigkeiten ver= wird über unzureichende Preiſe geklagt.
ſurpft, den Manifeſtanten zu identifizieren und die Tatſache der
ritolgten Leiſtung des Offenbarungseides in den zu erteilenden
I skünften zu berückſichtigen.
Nachdem es zuerſt in Hamburg und dann auch in Sachſen
no Württemberg gelungen iſt, die Juſtizbehörden von der Not=
vumdigkeit
der Bekanntgabe der Liſten der Manifeſtanten zu
herzeugen, haben dieſelben zu einer beſchränkten Veröffent=
rchebnislos
geblieben. Die Urſache dafür muß darin geſehen
verden, daß im Gegenſatz zu den großen Verbänden die Indu=
ein
antenliſten widerſetzen. Sie ſtützen ſich in der Hauptſache dar=
u
, daß durchaus ehrenwerte Perſonen durch unglückliche Um=
zurgsſchwierigkeiten
geraten können und ſchon geraten ſind, die
ünßzeſter Friſt nachzukommen, ſondern denen dies auch gelungen ten Stahlverken Dortmund, Abteilung Brückenbau, zu übertragen.
, obgleich ſie gezwungen worden waren, den Offenbarungseid! Das Bauwerk wird die größte Klappbrücke des europäiſchen Feſtlandes
u leiſten. Das wäre ihnen aber, ſo wird behauptet, nicht ge= ſein=
zugen
, wenn die Manifeſtation durch öffentliche Bekanntgabe
eI. Namens weiteren Kreiſen bekannt geworden wäre.
Wenn man die hier in Frage kommenden Verhältniſſe jedoch
MSefangen beurteilt, ſo kommt man zu dem Ergebnis, daß dieſe
igkeiten gerät, ob mit oder ohne Schuld ſei dabei unberückſich= auf 6ü363 To. gegen 18014 To, in 6 bzw. Fio Arbeitstagen.
9 gelaſſen, befindet ſich bis zu einem gewiſſen Grade im Ab=
oir
dem die Zwangsvollſtreckung betreibenden Gläubiger ab=
(mmkurs treiben will. Die Pflicht zur Wahrnehmung der eigenen
ſntereſſen und die Möglichkeit der Vermeidung jeglichen Zeit= Bauermanleihe im Betrnge von 25 Millionen Rubel auflegen will. Die
zilluſtes veranlaßt manchen Gläubiger, den Antrag auf Eröff=
rüglich
, zeitraubende Erhebungen darüber anzuſtellen, ob der
ſcheuldner ohne eigenes Verſchulden in dieſe Lage geraten iſt
ruß es ſich gefallen laſſen, daß ſein Name durch den Reichs=
ng
eiger und alle größeren Tages= und Fachzeitungen der brei=
iſten
Oeffentlichkeit mitgeteilt wird.
Hier im Konkursfalle iſt es aber nicht anders als in den (
ſüllen der Leiſtung des Offenbarungseides, daß nämlich nur ein 9
zichteil der Betroffenen ohne eigenes Verſchulden, in dieſe
hwierige Lage geraten iſt. Macht man aber für den Konkurs= 3533 723 äahet. Pfund gegenüber 344 050 äaypt. Pfund im Juni vori=
I. keinerlei Ausnahmen, ſo liegt kein zwingender Grund dafür gen Jahres. Die Extzerte beliefen ſich auf 3 767 508 ägypt. Pfund gegen=
ur
bei der Manifeſtation wegen der verhältnismäßig wenigen über 2525 M6 jagpt. Pfund im gleichen Monat vorigen Jalres.
ülle unverſchuldeter Zahlungsunfähigkeit die Namen aller
ſanifeſtanten überhaupt geheim zu halten. Nicht nur unter den jahre im Monat Junz ains Zunahma um 1 Mill. Dollar auf 330 Mill.
aanifeſtanten, ſondern auch unter den zum Konkurſe getriebenen Dollar, jedoch zeigt ſie gegen Mai einen beträchtlichen Rucgaug von
ois weiteſter Verbreitung ihres Namens in der Oeffentlichkeit
1üder, emvorarbeiten können.

Die ſogenannte öffentliche Auslegung kommt aber tatſäch=
lich
einer Geheimhaltung gleich, ſo daß den Beſtrebungen der Pon den juddeutſchen Waren= und
Kreditſchutz=Verbände voller Erfolg zu wünſchen iſt, daß min=
deſtens
eine beſchränkte Veröffentlichung der Namen der Mani=
feſtanten
auch in Preußen zugebilligt wird. Es genügt deu
Intereſſenten vollkommen, wenn die Liſten in ganz beſtimmten
= Fachblättern veröffentlicht werden, alſo zum Beiſpiel in den
ſcheaft hat ſich in ſteigendem Maße ein Schuldnerſchutz entwickelt. Publikationsorganen der Induſtrie= und Handelskammern ſowie der Ernte ſtark verflaut, wogegen Kanada ſtetige Preiſe meldete. In
in denjenigen der Gewerbekammern oder ſonſtigen als beſoll= Nußland erwartet man eine gute Ernte und in Deutſchland hat die
a daß das Vorgehen einzelner Berufsverbände immer wieder ders geeignet befundenen Organen. Auch dann noch wird die ſonnige Witterung den Saatenſtand reichlich verbeſſert, namentlich war
breitere Oeffentlichkeit die Namen nicht erfahren, wie dies ſonſt ſie für die Entwicllung des Roggens recht günſtig. Im allgemeinen rech=
Selbſt dieſe weiteſte Verbreitung einer Tatſache darf aber nicht des letzten Jahres bewegen wird und daß die deutſche Ernte gegenüber
arherrſchende Tendenz, jedem Menſchen ein gewiſſes Eriſtenz= darüber hinwegtäuſchen, daß die Oeffentlichkeit im allgemeinen normalen Durchſchnittzjahnen mit vierzehn Tagen Verſtätung berein=
m
.nimum zu ſichern und an dieſem Minimum nicht deuteln zu. große Neigung beſitzt, zu vergeſſen. Wenn alſo wirklich einmal Stimmung in der zmeiten Wochenhälfte am Weizenmarkt wieder etwas
aiſen, vielmehr eine Erhöhung desſelben zu erſtreben, machen im Zuſammenhange mit einer Zahlungsunfähigkeit oder gar gebeſſert und die Preiſe vermochten leicht anzuziehen auf NM. 31 bis
einem Konkurſe ein Name verbreitet wird, ſo wird dieſe Ver= 33 die 100 Kg. waggonfrei Mannheim gegen vorwöchentliche NM. 30,75
öffentlichung nur dann eine dauernde und ſchädliche Nachwirkung bis 33. Die Kaufluſt erſtreckte ſich in den letzten Tagen jedoch nur auf
icg deshalb darauf, die große Macht der Oeffentlichkeit ihren mal oder öfter im Zuſammenhang mit unrühmlichen Vorgängen ländern derladen wird, wogegen dishonile und nche ſälige Vare
ueshalb, die unveränderte Hoffnung auf Erfüllung weiterer oder des Konkurſes ſich bemüht, wieder hochzukommen und. Bergung der deutſchen Ernte. Man erwartet bei der nahen Ernte bil=
glücks
, alſo auch bei Ableiſtung des Offenbarungseides und im fort übernehmen werden.
Falle des Konkurſes nicht bei allen Geſchäftsfreunden vergange=
ner
Zeiten und für immer den Kredit eingebüßt zu haben pflegt. Baruſſo, 79 Kg, ladend 14,60; 78,5 Ka., ladend und Auguſt=Abladung.
Der ehrenwerte Kaufmann findet in ſeinem alten Lieferanten= 14.55; Entre Rios, 77 Ka. ladend, 1430; Red Winter II. disvonibel,
ſicht die Geſchäftswelt in dieſen Perſonen ihre größten Feinde, kreiſe immer wieder, wenn auch natürlich vereinzelt, Kreditgeber, 14.75: transborde. Ned Winter mit Knoblauch. Zult 1389 Nanſas,
mindeſtens aber ſolche Lieferanten, welche bereit ſind, Zug=um= Juli/Auguſt. 14,75 eif Rotterdam; Auſtral=Weizen 1560 eif Mannheim.
Zug=Geſchäfte mit ihm zu machen und ihm ſo den Weg zu ebnen, AuguſtSeptember 1135.
Es wird darum der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die ſtand Intereſſe für Mais und Futtergerſte, dann zeigte ſich Zurückhal=
luskunftsbureaus
ſich Gewißheit darüber zu verſchaffen, ob ein der beſchränkter Oeffentlichkeit eine wirkſame Kontrolle ermög= September 840 eif Notterdam. Hafer und Futtergerſte bliebem bernach=
licht
wird.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
hr oder minder großer Zeitverluſt berbunden, welcher die Ge . Die amtliche Großhaubeläinderzifer. Die auf den Stictag des laniſchr Hafer, phite elöbeh II. ſeſchwimmend, wurde eit Noterdam
13. Juli berechnete Großhandelsinderziffer des Statiſtiſchen Reichsamts
hat ſich gegenüber der Vorwoche im 02 v. H. auf 137,4 (137,1) erhöht.
Von den Hauptgruppen war die Indexziffer für Agrarſtoffe uverän=
dert
137.4. Die Indexziffer für Kolonialwaren iſt um 0,9 v. H. auf Konſum beſchränkt ſich darauf, ſeine vorgekauften Mehle abzurufen, ohne
127.3 (127,6) zurickgegangen. Unter den Induſtrieſtoffen hat die Inder= neue Käufe vorzunehmen, in der Erwartung, daß die neue Ernte verbil=
ziffer
der induſtriellen Rohſtoffe und Halbwaren um 0,2 v. H. auf 132,0
(131.7) und die für die induſtnfellen Fertigwaren um 94 b. H. auf 1470 baß ſch auch das Geſchäft zur Lieferung im Herbſt nur langſam ent=
(146,4) angezogen.
ſchiedenen Länder andererſeits. Die Gläubiger verlangen die Ludnia Ganz A.G., Mainz. Nachdem die Anfechtungsklage gegen (gegen NM. 36,75 bis 39 in der Vorwoche), für norddeutſche Noggen=
die
G.V.=Veſchlüſſe vom Oktober 1936 (Entlaſtung der Verwaltung) kürz=
lich
von der Kammer für Handelsſachen abgewieſen wurde, will Regie= auf dem Standpunkt ſteht, daß billigere Angebote nicht zu erwarten ſind,
gericht einlegen.
Iu Slegung der Manifeſtantenliſten hat die damit urſprünglich verfammlung unter dem Vorſitz von Rechtsanwalt König beſchloß ein= f einigen Tagen beſtehende Streik, dem ſich auch die Belegſchaft der Lud=
ſtimmig
, zur Beſeitigung des Verluſtes, der ſich von 230 344 NM. nuf
herabzuſetzen durch Einziehumg der der Geſellſchaft gehönenden Stamm= ſüddeutſches Weizenmebl, Spezial Null, ver JulkAiguſt NM. 41 (4125)
bleibenden Stammaktien im Verhältnis 5:4.
Die Lage der Eiſen= und Stahlwareninduſtrie im Monat Juni 1927.
Die Lage der deutſchen Giſen= und Stahlwareminduſtrie im Monat Juni NM 23 bis 23 50; Weizenfuttermehl, worin nur wenig Angebot beſteht
Der Beſchäftigungsgang war im allgemeinen zufriedenſtellend, der Auf= Auglität RM. 12,75 bis 13. Nogenkleie, die kaum angeboten wird,
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Die Preußiſche Staatsbank (Seehändlung) erhöht ihren Diskontſatz
für unberzinsliche preußiſche Reichsmartſchatzanweiſungen auf 534 Proz.
Die Abgabe an Private darf nicht unter 5½ Prozent erfolgen.
chung ihre Zuſtimmung gegeben. Aber im größten deutſchen baren Kohlen 6 Tonnen Steinkohlen 8329 Tonnen Pechkohlen und zuſen. Die Preisgeſtaltung hat keine Veränderung erfahren. Die For=
Frsiſtagte, in Preußen, ſind alle diesbezüglichen Beſtrebungen 89 635 Tonnen jüngere Braunkohle gefördert. Die Erzeugung an Braun= derungen bewegen ſich für 1926er Pfälzer Tabak, der zur Zigarren=
kohlenbrikets
belief ſich auf 13322 Tonnen.
ge= und Handelskammern ſich der Veröffentlichung der Manis men. Zuletzt wurden am 12. Juli die Preiſe um zirka 133 Prozenk, ſtehen ſehr ſtön; ſie haben ſich unter dem warmen Negen gut entwickelt
ermäßigt.
ännde und zumeiſt unverſchuldet in Vermögensverfall oder Zah= die Gemeinde Notterdam in ihrer Sitzung vom Freitag mit 28 gegen witter der letzten Zeit im verſchiedenen Gegenden dem Tabak Schaden
24 Stimmen beſthloſſen, den Auſtrag auf die Königin=Brüicke ( dobbel=
ſtst
nur das feſte Beſtreben hatten, ihren Verpflichtungen in aumige Klapzpbrucke) im Werte von rund 300 000 Gulden den Vereinig= zugeſüigt.
Nach vorläujigen Berachnungen wuwden in der Zeit von 3. bis 9. gend feſten Verlauf, bei dem geſtrige Verluſte faſt völlig aufgeholt wer=
Juli im Ruhrgebiet in ſechs Arbeitstagen 2 214 905 To. Kohle gefördert den konnten. Anfänglich war die Stimmung ſchwach auf Grund der
gegen 2 105305 To, in der vorhergehenden Weihe in 52/g Arbeitstagen, ungünſtigen Meldungen aus Liverpool und des Generalſtreiks in Oeſter=
Die Kokserzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche reich. Die Tendenz ſchlug jedoch bald um, da aus Süddakota Regenfälle
(in den Kokereien wird nuch Sonntags gearbeitet) auf 50350 To gegen 1 und hohe Temperaturen gemeldet wurden Außerdem erhoben ſich wieher
ölellungnahme nicht gerechtfertigt iſt. Wer in Zahlungsſchwie= 511 633 To. in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung Befürchtungen über Schädigung der Ernte durch Schwarzroſt. Weitere
Wie gemeldet wird, hat Harriman den neuen Zuſatzvertrag mit der
gungigkeitsverhältnis zu ſeinen Gläubigern. Es iſt beſonders Sowjetunion heſtätigt. Cs heißt, daß Harriman ſofort nach der Natifls Regenfälle in den Staaten Kanſas, Jowa und Miſſouri, und wärmeres
zierung des Zuſatzvertrages ſeitens des Nates der Volkskommiſſare der Wetter im Südweſten eröffnete der Markt in ſchwacher Haltung. Später
äungig, ob er den Schuldner zum Offenbarungseide oder in den Sowjetunion mit deutſchen Manganintereſſenten in Verhandlungen ein= erfolgte teilweiſe Erholung, da ein Bericht des Staates Ilinois eintraf,
treten wolle.
Aus Moskau wird gemeldet, daß das Finanzkommiſſariat eine neue aufzuweiſen hat.
Anleihe ſoll vor allem für die Anſchaffung von landwirtſckafliſchen Ma= und außerdem ſetzten Abgaben der Lokofirmen ein.
ung des Konkursverfahrens zu ſtellen und die Leiſtung des ſchinen im Auslande verwandt werden. Ferner wird eine innere An=
ſſitenbarungseides
zurückzuſtellen, da dieſer im Konkursverfah= leihe für die Kriegsinduſtrie geplant, und zwir im Betrage von 150
ſowieſo erzwungen wird. Es iſt dem Gläubiger zumeiſt nicht Millionen Nubel., Irgendwelche Auslandzanleihen ſind zurzeit ſo gut fluß günſtiger Nachrichten aus Liverpool und Aegypten. Im Oſteil des
wie ausgeſctloſſen.
Nach den ſtatiſtiſchen Mitteilungen betrug die Arbeitsloſigkeit in laufe wurde die Stimmung vorübergehend ſchwächer, da erhebliche Reg=
nſo
durch Nachſicht vor dieſem gefürchteten Ende ſeiner kauf= der Schweiz Ende Juni 7735 Perſonen gegenüber 9547 Ende Mai und liſationen erfolgten und auch New Orleanſer Firmen Abgaben vor=
räümniſchen
Laufbahn bewahrt werden kann. Darum hat ſchon 10 272 Ende Juni 1)26. Der Rückgang der Zahl der Stellungſuchenden nahmen. Gegen Schluß zogen die Preiſe aber erneut an. Es trafen un=
rumcher
ehrenwerte Kaufmann in Konkurs gehen müſſen und wird zum Teil mit dem größeren Bedarf der Sommerſtiſon erklärt, günſtige Wettervorherſagen ein, infolgedeſſen erfolgten Deckungen des
zum anderen Teil auf eine weitere Beſſerung der allgemeinen Arbeits= Handels Auch die Wallſtreet=Spetulation legte Kauforders an den Markt.
marktlage zurüickgeführt.
Der vom Eidgenöſſiſchen Arbeitsamt berechnete ſchweizeriſche Lebens=
haltungsinder
betrügt Ende Juni 160 Prozent gegenüber 159 Prozent
gegen 156 Prozent in Vormongt.
Die Einfuhr Aegyptens zeigt im Monat Juni eine Zunahme auf
Der Wert der amerikaniſchen Ausfuhr zeigt gegenüber dem Vor=
19t Mill. Dollar. Der Wareneinfuhrwert, dei ſich im Jun ebenfallz ank. Ernte 110½4, Mehl: ſpring wheat elears 700735. Fracht:
Auſſchuldnern gibt es chrenwerte Berſonlichkeiten, die ich auf 30 Mill Dolar ſtelle iſt aegen den gecher Monot des Ver= nach England 18.9 Schiling, nach dem Kontinent K.s Gents.
es um 2 Mill. Dollar geſtiegen, gegenüber dem Monat Mai 1927
nm 7 Mill. Dollar zirüickgebkiel

Produktenmärkten.
Zu Wochenanfang waren die amerikaniſchen Terminbörſen infolge
des günſtigen Berichtes des Waſhingtoner Ackerbaubüros über den Stand
bei allen Veröffentlichungen im Reichsanzeiger der Fall iſt, net man damit, daß die geſamte Welternte ſich ungefähr auf der Höhe
gebracht werden dürfte. Nach ſehr ruhigem Wochenbeginn war die
haben, wenn Gründe dafür vorliegen, dieſen Namen wieder ein= Getreide, welches in den Monaten Juli und Auguſt in den Export=
weniger
Beachtung fand. Auslandsroggen ging von RM. 26,75 bis 27
aufzufriſchen. Die Zeit heilt auch hier alle Wunden, wenn der auf. NM. 26,95 bis 25.50 zurück, im Verbindung mit der oben gengnnten
Betroffene nach dem gehabten Unglück der Zahlungsunfähigkeit Schätzung der amerikaniſchen Noggenernte und angeſichts der baldigen
ligere Preiſe, muß aber berückſichtigen, daß die deutſchen Vorräte voll=
Schließlich ſoll aber aus praktiſchen Erfahrungen nicht un= ſtändig erſchöpft ſind, ſo daß an unſerem Markte ſeit Monaten keine
Inlandsware mehr angeboten wird und daß desbalb die Provinzmühlen
erwähnt bleiben, daß der ehrenwerte Kaufmann trotz allen Un= in den in Betracht kommenden Teilen des Neiches die fertige Ware ſo=
Im Cifgeſchäft verlangte man u. a. für die 100 Kg. in Gulden:
Noggen, Weſtern, disponibel, koſtete transbordé Notterdam Fl. 11.80;
Der Markt für Futtergetreide verlief ungleichmäßig. Zunächſt be=
Induſtrie= und Handelskammern ihren bisher ablehnenden tung und in der zweiten Wochenhälfte war die Stimmung für Mais
Standpunkt in dieſer Frage aufgeben und die Wünſche der Ge= wieder gebeſſert, weil Rumänien und Bulgarien ſtarke Dürre meldeten,
ſchäftswelt unterſtützen werden, damit eine unberechtigte Scho= die die Maispflanze ſchädigt. Im Waagongeſchäft koſteten die 100 Kg.
nung der des Schutzes nicht würdigen Schuldner vermieden und Mais mit Sack RM. 19,25 bis 1950 Worwoche 19 bis 19,50): im Cif=
handel
Plata=Mais, ſchwimmend Fl. 8,25: Auguſt=Abladung Fl. 8,30;
läſſigt und im Preiſe rückgängig. Es koſteten die 100 Kg. Auslands=
hafer
RM. B bis 24 gegen vorwöchentliche RM. 23,25 bis 24,25: Futter=
gerſte
B,75 bis 24,50 (24 bis 24,50) Braugerſte war umſatzlos, Aus=
landsware
nannte man mit RM. 30 50 bis 34 MM. 31 bis 34); ameri=
mit
Fl. 9,90 die 100 Kg. angeboten.
Das Mehlgeſchäft hat ſich auch in dieſer Woche nicht entwickelt. Der
ligend auf die Preisgeſtaltung einwirken wird. Dies hat zur Folge,
wickelt. Wenngleich der Großhandel für Roggenmehl, das prompt, je
nach Ausmahlung, RM. 36,50 bis 38,50, im Durchſchnitt RM. 37,50
mehle, per September=Abladung RM. 33,50 bis 33,75, verlangt und dabei
rungsrat P. Loof in Mainz als Kläger Berufung an das Oberlandes= ſo verweiſt man in Konſumentenkreiſen auf den günſtigen Stand der
Noggenfelder und die Tatſache, daß das gleiche Mehl im Vorjahre mit
Kapitalherabſetzung der AG. Stahlwerke, Mannheim. Die Geueral= NM. 29 angeboten wurde. Der in den Mannheimer Mühlenwerken ſeit
zuigshafener Walzmühle angeſchloſſen hat, iſt auf das Geſchäft ohne jeden
344 330 MM., erhöhte, das Aktienkabital von 18 auf 112 Mill. MM. 1 Finflaß geblieben. Die Mühlenforderungen lauteten für die 100 Kg.
aktien im Betrage von 200 000 RM. und durch Herabſetzung der ver= der Sebtember/Dezember RM. 40,50: für Noggenmehl wie oben:
rheiniſches Roggenmehl. 70prozentig, iſt ver Sebtember/ Dezember mit
NM. 34 angeboten; Brotmehl koſtet NM. 33.
Am Futtermittelmarkt erhielt ſich Nachfrage für Nachmehl bei
hat ſich im allgemeinen gegen den Vormonat nicht weſentlich verändert, hei NM. 17. Sonſt verlangte man für die 100 Ka. Weizenkleie, je nach
tragseingang dagegen ließ hier und da zu wünſchen übrig. Allgemein zirka NM. 17. Maisſchrot, ver Auguſt=Lieferung NM. 20 75. Sebztember=
Oktober NM. 20,50 die 100 Kg. mit Sack, Biertreber RM. 15,50 bib
16. Kuchen vernachläſſigt; Rauhfutter unverändert.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt.
Am ſüddeutſchen Tabakmarkt iſt das Geſchäft in Inlandsware im
folge des geringen Angebotes ſehr ruhig geblieben, dagegen werden die
Im Mongt Juni 1977 wurden in Bahern insgeſamt an verwert= 1996er Tabake von den Verarbeitern lebhaft aus den Vergärerlagern ge=
herſtellung
geeignet iſt, zwiſchen NM. 105 bis 118 pro Zentner füc
Von der Sliddeutſchen Zinkblochhändlervereinigung wurde mit Wir= zittelgutes Schneidegut werden RM. 125 bis 140, für beſte Ware
kung bont 16. Jali eine Preiserhöhung um zirka 2 Prozent vorgenom= AM. 14h bis 155 MM, je Zentner, gefordert. Die neuen Tabakpfanzn
und man ſchätzt jetzt, daß es etwa 30 Prozent mehr Tabake als im Vor=
jahre
geben wird, womit das Erträgnis allerdings noch hinter einer
Wie die Deutſhe Bergwerkszeitung aus Notterdam erfährt, hat früheren normalen Ernte zurückbleiben würde. Leider haben die Ge=
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Weizen: Der Weizenmarkt nahm am Wochenſchluß einen überwie=
Baiſſemotive bildete ungünſtiges Wetter in Kanada und kleine Zuſuhren
im Sücweſten.
Mais: mußte heute wieder ewwas nachgeben. Auf Grund günſtiger
nach welchem die Ernte drei Wochen verſpätet iſt und kleines Wachstum
Hafer; ging heute eine Kleinigkeit zurück. Die Witterung iſt günſtig,
Baumwolle: Der Baumwollmankt ſtand anfänglich unter dem Ein=
Anbaugebietes ſind neue Regenfälle niedergegangen und ferner befürchtet
man wieder Schädigung der Ernte durch den Kapſelkäfer. Im Ver=
Es notierten nach Meldungen aus Chieago am 16. Jali:
Getreide. Weizen: Juli 142e, Sept. 140½. Dez. 143/; Mais:
Ende Mai. Der Index an Lebensmitteln allein beträgt 157 Prozent Juli 97½, Sept. 102½, Dez. 104e; Hafer: Juli 44, Sept. 44/s,
Dez. 471/g: Roggen: Juli 105, Sept. 957/e, Dez. 985ſs.
Schmalz: Juli 12,82½, Sept. 12,92½, Okt. 13,02½.
Fleiſch. Rippen: 12,62½, Sept. 12,80, Okt. : Speck: loko
12,75: leichte Schweine 9,6010,40, ſchwere Schweine 8,709,40;
Schweinezufuhr: Chicago 4000, Weſten 3000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 16. Juli:
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 153ſ, hart 157ſe; Mais: neu
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,45, Talg: extra Pſa.

[ ][  ][ ]

Anfang 2 Uhr

Seite 14

Sonntag, den 17. Juli 1927

Palask-Lichtspiele
Das glänzende Doppelprogramm:

Ein Frauenschicksal in 5 Akten mit
Harry Carrey in der Hauptrolle (41312

Im Schatten des Verhrechens
Frühere Verhältnisse
Ein humorvolles Lustspiel in 6 Akten
In den Hauptrollen: Ossi Ogwalda, Ciatre
Rommer, Adele Sandrock, Olga Engl,
FritzKampers, Paul Heidemann,Adolphe
Engers, Otto Reutter, Angelo Verrarin.am.
4bendrorstellung 8 Uhr.
Anfang 2½ Uhr.

Theater=Saal ,Perkeo‟

Alexanderſtraße 1214 (10601a
Monat Juli tägl. abds. 8 Uhr große Vorſtellung der
Thüringer Volksſänger
Direktion Paul Sternau

Zur Krone‟ Nierſtein
Aelteſtes Nierſteiner Weinhaus
Beſitzer: Jakob Gerhardt
Ia gepflegte Weine / Eigenbau, Handel.
Reſchhaltige Küche (6295a
Für Vereine empfehle:
Saalod. Nebenzimmer / Autogarage

Reichsbund ehem. Militärmuſiker
Ortsverein Darmſtadt (gegr. 1922)
Dienstag, den 19. Juli, 8 Uhr im Städt. Saalbaugarten
Zweites Vereinskonzert.

ausgeführt durch die Mitglieder der Ortsvereine Worms und
Darmſtadt. Leitung: Muſikdirektor Leucht=Worms und
Vereinsdirigent Greilich=Darmſtadt, unter Mitwirkung
des Cornet=a=Piston=Virtuoſen H. Buslau=Darmſtadt.
Eintrittspreis: im Vorverkauf 70 Pfg., an der Abend=
kaſſe
Mk. 1., Studierende 50 Pfg. in der Techn. Hochſchule.
Karten im Verkehrsbüro; bei Chr. Arnold, Ernſt=Ludwigſtr.;
Kunſt=Geigenbauer Gerbert, Grafenſtr., Ecke Rheinſtr.; Bigarren=
handlung
Hees jr., Arheilgerſtr.,; Bigarrenhandlung Franz Künzel,
Waldſtr. 12; Bigarrenhaus Mylius, Gcke Herdweg und Karlſtr.;
Friſeur, Schmidt, Heidelbergerſtr. 87 CChauſſeehaus); Friſeur
Welter, Eliſabethenſtr. 53 und bei den Mitgliedern. (11285gi
Bei ungünſtiger Witteruug im großen Saal.
zundunaf

AussrEllung
MIENCHER
1 9 2, 7

DASBAVER
HANDWERK
O

Rn

Siavl. Heilngaien
Sonntag, 17. Juli, vorm. 11 Uhr

Leitung: Städt. Kapellmeiſter
Ernſt Guido Naumann
Stiutscil.

Arb.=Radfahrer=Berein Fortung
Gegründet 1912
Sonntag, den 17. Juli 1927
Großes Tanzkränzchen
im Central=Hotel, Obergaſſe (*18665
Anf. 6 Uhr der Vorſtand Eintritt 30,3

R
z-Theater
Versäumen Sie nicht, sich noch heute den Großfilm
Mädchenhandel
anzusehen.
Eine internationale Gefahr, geschildert in 7 Akten.
Hanptdarsteller: Mia Pankaus, Trude Hesterberg,
Erich Kalser-Fletz, Wilhelm Dlegelmann.

Der Liebeskäfig

Nach dem gleichnamigen Roman von Hans Land in 6 Akten.
Regie: Richard Eichberg.
In der Hauptrolle: Lee Parry.

(18758

ORPHEUM

ORPHEUM

Ve

Ahends
815

Castdlel teis de Hiedt mit Ballett.

Abends
815

i Vorher Varieté!

Karten: Verkehrs-Büro, 9.12 Uhr.
Kasse Orphenm ab 3 Uhr, Tel. 389.

Nummer 196

Union-Theater
Mur noch heute und morgen:
Der große Gesellschaftsfilm in 6 Akten
Nanette macht alles

In den Hauptrollen: Mady Christians, Georg Alexander,
Siegfried Arno, Fritz Kampers.
Pat und Patachon
(18757
nd
Die kleine Tänzerin
Das letzte und beste Lustspiel der Saison in 6 Akten.

Anfang 2 Uhr

Lubwigshohe 5a
Heute nachmittag 4 Uhr
Konzert
Städt. Orcheſter (11319
Leitung: Konzertmeiſter Finke.
10er=Karten haben Gültigkeit.
Bei ungünſtiger Witterung Saalkonzert.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.

Hotel-Restaurant
Kolpingshaus
Josef Schilling
Sonntag, den 17. Jali 1927

Menu 4 0.80
Bouillon m. Einlage
Kalbsbraten mit
neuen Kartoffeln u.
grünen Salat.

Menu A 1.20
Ochsenschw.-Suppe
Roastbeet mit neuen
Kartofkeln u. grünen
Salat. Vanille-Creme

Menu A 2.
Ochsenschwanz-Suppe. Verlorenes Ei auf
Puree. Lendenschnitte m. neuen Kartofeln
und grünen Salat. Vanille-Creme (11303

Sonntag, den 17. Fuli, im (18410
Chauſſeehaus
Heidelbergerſtraße, ab 6 Uhr
Tanz Jazzband

Herrngarteikänee
Sonntag, 17. Juli 1923
Nachmittags 3½ Uhr (11340
Konzert

Sommerſpielzeit
im Kleinen Haus
des Heſſiſchen
Tandestheaters
Leitung Direktor Adalbert Steſſter.
Heute Sonntag
2 Vorstellungen 2
nachmittags 4 Uhr
Familien= und Fremdenvorſtellung
Der Graf
vonLuxemburg
Abends 8 Uhr, Gaſiſpiel
Bruno Harprecht
Wie einst im Mai

Morgen Montag und täglich abends
8 Uhr
Gaſfſpiel (11328
Bruno Harprecht
Wie einst im Mai

Das Katholische Reisekomitee
veranstaltet am:
1. 8. 11. 8. Rom-Assisi-Fahrt,
Preis ab Mk. 282.
5. 11 8. Paris-Reise Preis ab Mk. 125.
18.24. 8. Lourdes-Fahrt, Pr. ab Mk. 145.
29. 8.5. 9, Lourdes-Fahrt, Pr. ab Mk. 165.
Rotala-Reisebüro für Katholiken
Würzburg, Sterngasse 5. (V11336

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Hotel Prinz Heinrich!
Bleichstraße Am alten Bahnhof Bleichstraße
Heute abend
Großes Garten-Konzert
Bei ungünstiger Witterung in den Lokalitäten, (18678
Restaurant Rummelbräu
Rheinstr. 101 Gegenüber der Festhalle Tel. 2519
Vorzügl. bürgerl. Speiserestaurant
Auswahlreicher Mittagstisch von Mk. 0.90, 1.30,
1.60 und 2.
Jeden Sonntag Konzert
Eintritt frei! 47 und 811 Uhr. Eintritt frei!
Gleichzeitig
Sommerkest des desangver, Melomanen
unter Mitwirkung biesiger und auswärtiger Vereine.
Anfang 4 Uhr.
( 18679

Frankfurt a. M.
Restaurant Kölner Hof
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Anerkannt erste Küche
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Im Schloßhof:
Shakeſpeare/Sommernachtstraum
23. 24. 25. 27. 29. 30. 31. Juli, 6. 11. 15. Auguſt
Anfang abends 8½ Uhr am 11. Auguſt
(Verfaſſungstagl im Anſchluß an die Schloß=
beleuchtung
, Anfang 10 Uhr
Kleiſi /Käthchen von Heilbronn
3, 4 7. 9. 10. 12. 13. 14. 17. Auguſt, 8½ Uhr
Im Bandhaus:
Shakeſpeare / Macbeth
26, 28. Juli, 1. 5. 8. 16. Auguſt
Anfang abends 8 Uhr
Künſtleriſche Leitung: Guſtav Hartung
Eintrittspreiſe von 430 Mark
Vorverkaufsſtellen in Darmſtadt: Bücherſtube
Alfred Bodenheimer, Rheinſtr. 24, ſowie ſämt=
liche
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am Dienstag, den 19 Juli 1927, nachmittags
15 Uhr, im Fürſtenſaale, Grafenſtraße 18

(e18687

Tagung des Südd. Verbands, der Ruhe=
ſtandsbeamten
, Wartegeldbeamten und
Hinterbliebenen, wozu Herren aus Mün=
chen
, Stuttgart und Karlsruhe erſcheinen
werden. Auch Nichtmitglieder werden
höflichſt eingeladen und ihnen Gelegen=
heit
geboten, ſich anzuſchließen. Um zahl=
reiches
Erſcheinen bittet. Der Vorſiand.

Behrens-Hufnagel
Traisa
Heute Sonntag von 4 Uhr ab
Tanzkränzchen
Letzte Zugverbindung 10.15 u. 11.15 Uhr
Wochen-Ende 9 u. 11 Mk. (18712

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Nummer 196

Sonntag, den 17. Juli 1927

Seite 15

Chriſtine Berthold.
Roman von Emma Nuß.

(Nachdruck verboten)
So floß ihr Leben in ſteter Arbeit dahin, von keiner jubeln=
ſa
Freude, aber auch von keinem tieferen Echmerz unterbro=
hn
. Beinahe acht Jahre war ſie nun ſchon in Winnipeg, und
ioch nie in dieſer ganzen Zeit hatte ſie einen Urlaub genommen.
Eue hatte die Studt nur dann verlaſſen, wenn es dringende Ge=
cHäfte
nötig machten, und war auch da niemals über Ottawa,
Eteronto, Montreal oder Halifax hinausgekommen, hatte alſo
ſie Grenzen Kanadas nicht mehr überſchritten, ſeit ſie mit Mr.
ſondensmit in Montreal eingetroffen war. Es dünkte ihr eine
Ewwigkeit, die ſeitdem verfloſſen, und der Gedanke an eine Reiſe
ichch Deutſchland nahm immer feſtere Formen bei ihr an, ohne
ſiaß ſie bisher ihre Abſicht gegen irgend jemand geäußert hätte.
Da traf eines Tages aus Deutſchland, ein Brief, von der
2r rektion der Strafanſtalt ein, in der ihre Mutter untergebracht
vor. Das Schreiben enthielt die für Chriſtine ſo bedeutſame
Niitteilung, daſ ihre Mutter infolge fortgeſetzt guter Führung
ar letzten Jahre begnadigt und damit der Freiheit wieder=
eieben
werden ſolle. Und weiter hieß es in dem Berichte:
Heider hat ſich ſchon ſeit längerer Zeit ein, wie es ſcheint, nicht
iA bedeutendes Herzleiden bei Ihrer Mutter eingeſtellt, und es
vjäre daher Ihre Anweſenheit bei der Entlaſſung der alten,
jänzlich hilfloſen Frau erwünſcht, um ſie an einem geeigneten
Orte unterzubringen. Wie mir außerdem die Wärterin berich=
ei
, fragt Ihre Mutter häufig nach Ihnen, und wäre viellei=ht
ür Wiederſehen mit Ihnen von günſtigem Einfluß ſür das
vlehl in der Haupiſache ſeeliſche Leiden der Kranken.
Das gab für Chriſtine den Ausſchlag, ſich in kürzeſter Friſt
u. der Heimreiſe zu rüſten, und ein wahrer Freudentaumel er=
n
.ff ſie, als ſie ſich dieſes Entſchluſſes voll und ganz bewußt
vurrd. An die Direktion der Strafanſtalt ging ſogleich ein Brief
uräd eine anſehnliche Summe Geldes für die Pflege der Mutter
ih. mit der A:tte, daß man nichts unverſucht laſſen möge, was
ur Heilung eder Linderung ihres Leidens möglich wäre, und
laß ſie die Unterbringung der Mutter perſönlich leiten werde

Miß Dobbs war völlig einverſtanden, daß Chriſtine ſo raſch
wie möglich nach Europa reiſe, ſchwebte aber in tauſend Aeng=
ſten
über dieſe eutſetzlich lange Reiſe, und welchen Gefahren
Chriſtine dabei überall ausgeſetzt ſein würde. Sie kennte deren
faſt ausgelaſſene Freude nicht ſo ganz teilen und ſchalt ſie eine
Närrin, einen Kindskopf, ein verſpätetes Schulmädel, als Chri=
ſtine
, die ſchon längſt Tochterrechte hier genoß, die alte Dame
bei einem erneuten Freudenausbruch umfaßte und, ſo gut es
ging, mit ihr im Zimmer herumtanzte So hemmungslos
ſtrömte mit einem Male der Jubel über die bevorſtehende Heim=
reiſe
aus ihr hervor, daß ſie wirklich wie ein Schulmädel ſich be=
nahm
, dem der heißeſte Wunſch ſeiner jungen Jahre erfüllt wer=
den
ſoll. Miß; Dobbs aber ſchüttelte immer beſorgter das Haupt
und zweifelte bereits daran, daß Chriſtine jemals von dieſer
Reiſe wiederkommen würde, da ſie der Ueberzeugung war, daß
euf ſolcher Reiſe ſo viele Gefahren auf das junge Mädel lauer=
ten
, wie ſie vielleicht fonſt nur den Teilnehmern der Himalaya=
expedition
drohten. Und ſie beſchwor Chriſtine in ihrer großen
Liebe und Fürſorge ſo lange, bis dieſe den Bitten der alten
Dame nachgab und ihre Dienerin Jeſſy ſowie ihr eigenes Auto
ſamt dem ſo lange erprobten, zuverläſſigen Henner mitzunehmen
beſchloß. Da erſt lieruhigre ſich Miß Dobbs einigermaßen, wenn
auch die Kummerfalten aus, ihrem Geſicht nicht ſo raſch ver=
ſchwanden
. Den Henner nahm ſie dann noch beſonders ins Ge=
bet
und verſprach ihm, ohne Wiſſen Chriſtinens, eine bedeutende
Gehaltsaufbeſſerung, wenn er ſeine junge Herrin mit alter
Treue und Aufmerkſamkeit auf dieſer Reiſe begleite und ſo vor
allen Gefahren beſchütze, ſoweit dies in ſeinen Kräften ſtehe.
Nein, Miß Ddbbs, hatte der biedere Thüringer erwidert,
was ein echter Deutſcher iſt, der läßt ſich für ſeine Treue nicht
bezahlen. Ich ſehe Ihren Auftrag und Ihr Vertrauen als eine
große Ehre an und werde alles tun, um Ihr Vertrauen zu recht=
fertigen
. Und lachend vor Glück über dieſe Gunſt des Schick=
ſals
fügte er noch hinzu: Nun komme ich ja auch noch viel
eher wieder nac Deutſchland, zurück, als ich es dachte, Miß
Dobbs. Was werden ſich Vater und Muter freuen! ſchloß er
treuherzig.
Befonders, wenn ſie erführen, was für ein Nair ihr Sohn
iſt, eine Verbeſſerung ſeines Einkommens zurückzuweiſen wegen
einer romantiſcſen Schrulle, entgegnete ärgerlich, doch nicht un=
freundlich
Miß Dobbs, überlegte ſich aber, wie ſie dieſem jungen

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ät, Heirat. Ang. u.
13 an die Geſchſt.
(e18747)

Manne, wenn er zurückam, ihre Anerkennung ſonſtwie aus=
drücken
ſollte.
Und endlich war der Tag gekommen für Chriſtine, daß ſie
alles für die Dauer ihrer Abweſenheit wohlgeordnet und
in treuen Händen zurücklaſſen und die Heimreiſe antreten
konnte.
Miß Dobbs brachte ſie mit ihrem kleinen Gefolge zur Bahn
und trug dabei eine ſolche Leidensmiene zur Schau, daß Chri=
ſtine
behauptete, es fehle ihr bloß noch der Trauerſchleier, dann
könne die Beerdigung beginnen. Aber kein Scherz verfing mehr
bei der alten Dame tiefbekümmert ſah ſie drein, und Chri=
ſtine
traute ihren Augen kaum zwei dicke Tränen peilten
über die feiſten Bäckchen, als ſie nun vor dem Zuge ſtand und
noch Dutzende von Ratſchlägen mit auf den Weg gab. Uind:
Bleibe nicht allzulange fort, wir werden dich überall vermiſſen.
Kind, ſprach ſie noch dem langſam aus der Halle rollenden
Zuge nach, ohne daß Chriſtine es noch verſtanden hätte. Mecha=
niſch
winkte ſie mit ihrem Tüchlein den Abſchiedsgruß zu der
alten Dame, aber ihre Gedanken eilten weit voraus, in ſeligſter
Freude der Heimat, dem Vaterlande entgegen.
26. Kapitel.
Schwere, orkanartige Stürme hatten die beiden letzten Tage
und Nächte in Hamburg gewütet. Dächer waren abgedeckt,
Schaufenſter eingedrückt, Kamine zerſtört worden, ſo daß ein
unüberſehbarer Schaden in der Stadt und Umgebung gemeldet
wurde. Viele Schiffe konnten nur noch mit äußerſter Not den
Hafen erreichen, während ſo manches kleinere Fahrzeug meiſt
mit der ganzen Beſatzung ſeinen Untergang in den aufgepeitſch=
ten
Wellen fand.
An ſolchen Tagen hielt es Werner Krüß nicht mehr im
Hauſe. Die alte Uinruhe, der Kummer um die verlorene Ge=
liebte
trieben ihn dann hinaus in die aufgewühlte Natur, die
ihm dann ein Sinnbild ſeines eigenen Weſens zu ſein ſchien.
Die acht Jahre ſeit Chriſtinens Fortgehen waren nicht ſpurlos
an ihm vorübergegangen. Von ſeiner einſt ſo ſtrammen aufrech=
ten
Haltung war nichts mehr zu ſehen. Müde und etwas
vornübergebeugt ging er die Elbchauſſce entlang, den Blick
immer ins Weite gerichtet, als erwarte er von dorther irgend
eine Hilfsbotſchaft.
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17. Zuli 925

Illuſtrierte Wochenbeilage

Nummer 29

Die Dame zu Pferd in früheren Jahrhunderten.
Hiſtoriſche Plauderei von Dora Hantner=Buſch, München.

Die Sitte der vornehmen Frau, den Gemahl zu Pferd
auf die Jagd zu begleiten, iſt Jahrhunderte alt, nicht minder
die, ihm gleicher Weiſe auf kleinen Neiſen zu folgen.
Nicht nur dies: Die Damen der Frühe waren immer
ſchon emanzipiert oder wenn man will mutig genug,
ganz für ſich auf ihrem Selter, dieſen lediglich vom Neit=
knecht
am Handzügel geführt, einen Spazierritt zu unter=
nehmen
. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts pflegten adelige,
auch fürſtliche Frauen von höchſtem Nange, des Neitſports
mit viel Begeiſterung, mit ſicherer Grazie und raſſiger
Bravour. An ſehr geſchickten Veiterinnen fehlte es an den
Höfen nie; in Quadrille und Carouſſell elegant und tadel=
los
zu beſtehen, galt als Angelpunkt aller höfiſchen Er=
ziehung
.
Nichtsdeſtoweniger tummelten vornehme Amazonen zu=
malen
die feurigſten, vollblütigſten Andaluſier ohne Furcht
und ohne Cadel.
Ein Fräulein von Nieux, ſeinerzeit die gewandteſte Nei=
terin
von Paris geprieſen, kühn, temperamentvoll, leiden-
ſchaftlich
zugleich, ritt einmal bei einer Morgentour im
Bois einen ihr verhaßten Chevalier ſonder viel Feder=
leſens
nieder, nicht ohne in den eleganten Salons der Stadt
ob ihrer Kühne und Sicherheit als Neiterin höchlichſt be=
wundert
zu werden.
Die Hoffräulein der ſchönen Eliſabeth, Kaiſer Maxi=
milians
II. Cochter, des TK. Karl von Frankreich luxuriöſe
Gemahlin, zeichneten ſich Ende des 16. Jahrhunderts
als beſonders flotte, bravuröſe Neiterinnen aus, erſchienen
offiziell meiſt an der Seite ihrer hohen Gebieterin hoch zu
Noß, und nicht ſelten ſtürmte in blauen Nächten eine präch=

tige Kavalkade königlicher Frauen dahin, wehend die Locken,
wehend die Schleier, die koſtbaren Gewänder, wehend die
Federn, die Neiherbüſche, einzig dieſe nächtlichen Neiterin=
nen
von Palefreniers mit lohender Fackel begleitet..
Den eigenen Marſtall zu beſitzen, die ſchönſten Reit=
pferde
, die koſtbarſten Selter, ſtreng auf Damenſchritt dreſ=
ſiert
, ihr eigen zu nennen, war die glühendſte Leidenſchaft
dieſer Fürſtin.
Anna von Braunſchweig, des Bauernherzogs Albrecht III.
ſchönes Gemahl, war ſchon um 1440 wohlbektannt ob der
feinraſſigſten prachtvollſten Pferde ihres Geſtütes, ein
Glanzpunkt ihres ungemein prunkvolle Feſte feiernden
Hofes.
Beſonders ihre herrlich=ſchönen, edlen weißen Leibpferde,
Paradepferde exquiſiteſter Art, ſtets ſechs an Sahl, mit

ihrer fürſtlichen Herrin oftmalen in Sage und Erzählung
feſtgehalten, fanden hellſte Bewunderung.

Der Herzog kam auch dieſer Vorliebe ſeiner pracht=
frohen
Gattin galant entgegen, teilte ſie mit ihr, denn auch
er war der große Freund hochraſſiger Nenner, der Freund
ſtramm gefeſſelter, behender Neitpferde, wie die ritterlichen
Spiele ſeines Hofes uns heute noch beſagen.
Nenate, die Lothringerin um Mitte des 16. Jahr=
hunderts
des aus Kunſt= und Schönheitsfreude ſchuldig
gewordenen Herzogs Wilhelm V. von Bauern erlauchte Ge=
mahlin
fuhr nur zur Jagd, umgeben ihre Karoſſe von einem
entzückenden Schwarm reitender Hoffräulein in prächtigen
Gewändern, auf herrlich geſattelten weißen Pferden dahin=
ſprengend
.
Vor dem Wagen ritt die Lieblingsdame der erlauchten
Frau, der Palefroi vom reich betreßten Palefrenier am
Handzügel feierlich und behutſam zugleich geleitet. Ihren
Brauteinzug in ihre neue Heimat hielt die Fürſtin gleich=
falls
auf einem erleſenen ſchnittigen Selter von leuchtender
Weiße.
Bei ſolchen fürſtlichen Prunkzügen waren beſonders die
zierlich tänzelnden Pferde der Damen mit reich geſtickten
Samt= und Brokatdecken üppig geziert, mit ſilbernem und
goldenem Saumzeug gerüſtet.
Aber auch die Gruppenpferde, ſtärker von Art und Bau,
da ſie für zwei, ſelbſt für drei Perſonen Sitz zu bieten hatten,
ſtanden nicht an höfiſch=reichem Schmucke nach, folgten
rechts und links als Handpferde in der ſtolzbunten Neihe.
Das war Prachtentfaltung, war lebendiger Prunk, be=
rauſchender
Schönheitsdienſt!
Einzelne der jungen Schönen, hervorragend kühn im
Sattel, ſicher den Zügel in der kleinen energiſchen Hand,

umflogen, weißen Möwen gleich, erfüllt von jauchzender
Jagd= und Jugendluſt auf flinken Schimmeln den fürſtlichen
Wagen. Selbſt wenn man die hohe Gebieterin in der Sänfte
trug, ward ſie von ihren Damen zu Pferd begleitet, und es
hielt in der Cat damals ſchwer, die eleganten, ſportfrohen
Reiterinnen zu behaglicher Benützung der erſt gebräuchlich
gewordenen Kutſchen Gutſchiwagen genannt zu ver=
anlaſſen
.
Als dieſe aber, in Bau und Ausſtattung verbeſſert, be=
quemer
geworden, zu herrlichen Prunkwagen avancierten,
die Göttertempeln gleich hinter fein geſchliffenen Spiegel=
ſcheiben
, auf Seide gepolſtertem Hintergrund für die darin
thronende Frauenſchöne zu einem ſinnverwirrenden Nahmen
wurden, da verabſchiedete man doch allmählich dieſe immer
ariſtokratiſche, fürſtliche Srauengepflogenheit, hoch zu Noß
zu erſcheinen, faſt ganz.
Doch verſchmähten auch ſpäter nicht beſonders ſport=
und jagdbegeiſterte Damen, in den Sattel zu ſteigen, ſelbſt
nicht zu den damals ſo beliebten Parforceritten und den
Hetzjagden großen Stiles.
Der Querſitz für Frauen ſchien im 12. Jahrhundert ſchon
Brauch geweſen zu ſein, aber die Engländer brachen erſt im
14. Jahrhundert mit der für die Damen ausſchließlich üb=
lichen
Sitte, ganz wie die Männer im Sattel zu ſitzen.
Die erſten Querſättel, der rauhen Wortſitte jener Cage
entſprechend, Weiberſättel genannt, fanden, nunmehr
Mode geworden, mehr und mehr Verbreitung und be=
hielten
ſie.
Vor einigen Jahrhunderten war es in Frankreich auch
allgemein Gewohnheit in höheren Kreiſen, zu zweit auf
einem Pferde zu ſitzen, denn die Ariſtokratinnen jener Seit
pflegten, von ihren Landgütern zur Ordnung ihrer Geſchäfte
in die Stadt reitend, ungeniert im Gruppenſattel zu ihren
Ehegatten, ſelbſt zu ihren Stallknechten ſich zu geſellen. Ja,
ſogar Königinnen ſah man nicht ſelten hoch zu Noß hinter
ihrem Kammerherrn oder auch hinter ihrem Stallmeiſter
hoheitsvoll thronend.

Ja, dieſe Gewohnheit ging in Frankreich ſogar ſo weit,
daß man sans gene einen Freund zu ſich in den Sattel lud,
ganz wie es heute Con iſt, ihn gelegentlich in das Auto
zu bitten.
Im 15. Jahrhundert nahmen in Deutſchland, in Däne=
mark
und Schweden die Männer ihre Damen im Sattel mit
auf weitere Neiſen über Land, ſelbſt Prinzelſinnen von
Nang und Geblüt ſchmähten dies nicht und ſollten die Nitte
länger dauern, ſo ſchützten ſie ſich beide mit einer Art
Negenmantel, zeltähnlich im Schnitt, der aus Wachslein=
wand
geweſen.
eigentlich noch
Am längſten hielt ſich di
in England.

[ ][  ][ ]

Krak a u.
Ein Beſuch im polniſchen Nürnberg.
Von Dr. Leo Koſzella.
Polen beſitzt nicht allzuviel Städte, mit denen es repräſen=
tativ
nach außen hin wirken könnte, in denen ſich ſeine Ge=
ſchichte
ſpiegelt und der Charakter des Volkes dem fremden
Beſucher ſich offenbart. Städte alſo, in denen die Ahnen des

heutigen Geſchlechts ſich und ihre Caten verewigt, in denen ſich
die Beweiſe ihrer geiſtigen und künſtleriſchen Fähigkeiten auf=
geſpeichert
und den Grundſtein zu künftiger Größe und Be=
deutung
gelegt hatten.
Städte dieſer Art, die alſo nicht nur Wallfahrtsorte für die
eigenen Landsleute bilden, ſondern zugleich Anziehungspunkte
für alle Freunde der Volkskunde, für Kenner und Genießer
ſind, gibt es in Polen nicht viel. Warſchau iſt eine verhält=
mismäßig
junge Stadt und noch nicht allzulange die Sentrale
des politiſchen und kulturellen Lebens, ſo daß es eher als Grad=
meſſer
für die Anpaſſungsmöglichkeit Polens an die weſtliche
Kultur und als Brennpunkt aller modernen Criebkräfte in
Frage kommt, denn als beredter Seuge geſchichtlich verbrieften
Volkstums.
Lemberg iſt das polniſche Leipzig oder hat wenigſtens
die beſten Abſichten und Ausſichten, es zu werden. Alſo mehr
Fremdenſtadt im wirtſchaftlichen als im kulturellen Sinne.
Lodz iſt Induſtrieſtadt mit aller proletariſchen Dumpfheit
ſolcher Orte und all ihrer kalten Modernität.
Aehnlich ſteht es mit den andern Städten. Ueberall liegen
die Werte des Volkstums zerſtreut, ohne durch konzentriſche
Ballung zu europäiſcher Geltung und Wirkung gelangen zu
können.
Dieſe Forderung erfüllt, ſtreng genommen, einzig und allein
Polens älteſte, gegen den Südweſten vorgeſchobene Stadt
Krakau.
Hier hat man in der Cat das Ereignis einer wirklich alten
Stadt, einer durch alle Höhepunkte europäiſcher Kultur geweihte
Stätte, einer nach allen Nichtungen hin ausſtrahlenden Energie=
quelle
. Hier erhält man eine uneingeſchränkt eindrucksvolle
Vorleſung über Vergangenheit, Gegenwart und Sukunft des
polniſchen Volks, illuſtriert durch die beſten Beiſpiele.
Krakau war bereits den römiſchen Geographen des zweiten
Jahrhunderts n. Chr. bekannt und ſoll angeblich Carrodunum
geheißen haben, und im frühen Mittelalter ſollen ſogar die
Araber hierher gekommen ſein, da es damals anſcheinend die
gleiche wirtſchaftliche Brücke von Süden nach Norden ſpielte,
wie Frankfurt a. M. im Weſten, beſonders im Hinblick auf das
Schwarze Meer. Selbſt wer von der polniſchen Geſchichte und
der ſpeziellen Krakaus nicht allzuviel weiß, aber in der Lage iſt,
aus der architektoniſchen Phyſiognomie einer Stadt auf ihre
hiſtoriſche Vergangenheit zu ſchließen, auf die kulturelle und
wirtſchaftliche Nolle, die ſie einſt geſpielt hat, der wird in dem
Vielerlei der vorhandenen Stile, in dem Reichtum der zahl=
reichen
Kirchen und der künſtleriſch-äſthetiſchen Eigenart, die
ſich bereits in den Faſſaden der alten bürgerlichen Häuſer und
öffentlichen Gebäude dokumentierten, den Beweis erbracht
ſehen, das Krakau einſt eine ähnliche glänzende Epoche erlebt
haben muß, wie ehedem Augsburg, Nürnberg, die Hanſaſtädte
oder Brügge. Ihrer religiöſen Grundſtellung entſprechend nen=
nen
die Polen Krakau wegen ſeiner zweiundvierzig Kirchen das
polniſche Nom. Und doch läge ein Vergleich mit Bologna
oder Piacenca näher, wenn er auch nicht ſo populär=faßlich,
klangvoll und eitel wäre. Ueberhaupt liegt ſolchen Vergleichen
eine überaus ſtarke Doſis nationaler Selbſtüberhebung ebenſo
zugrunde, wie antinationaler Auslandskult und die naiv= bor=
nierte
Freude an nichts oder wenig beſagenden Schlagworten
und leeren Vergleichen. Man denke hierbei an Spreeathen,
Elbflorenz, Nordiſches Venedig, Kleinparis (ein Citel, der von
ſehr vielen, einer ſtarken Eigenkultur entbehrenden Städten in
Anſpruch genommen wird).
Immerhin können richtige Vergleiche zu einer ſchnellen
Analyſe führen. Und da liegt der Vergleich mit Augsburg und

Der Dieb und die Mutter Gottes.
Von Werner Land.
Es war einmal ein Dieb. Dem war kein Stück zu ſchwer
und keine Cat zu ruchlos. Siebenmal hatte er den Galgen ver=
dient
und dreimal das hölliſche Feuer.
Der hörte, daß in einer Kirche ein wundertätiges Mutter=
Gottesbild ſei, koſtbar über alle Maßen. Die Krone beſetzt mit
unzähligen Edolſteinen, der Mantel aus purem Gold, aber das
Herrlichſte die beiden Augen: Das waren zwei große ſchwarze
Perlen von unſchätzbarem Wert.
Da ſagte er ſich: Ich habe ſchon manchen ſilbernen Kelch
aus Kirchen und Klöſtern geſtohlen, den Galgen habe ich ſieben=
mal
verdient und die Ceufel in der Hölle haben ſchon lange ein
extra heißes Feuer für mich angemacht, warum ſoll ich nicht auch
das Mutter=Sottesbild aus der Kirche ſtehlen, das Gold, die
Verlen und die Edelſteine verkaufen und ein reicher Mann
werden?

Und eines Nachts raubte er das Bild.
du Haus ſtellte er es in ſeine Kammer, ein Licht daneber
dann trat er davor, ſchlug ſich an die Bruſt und ſprach ſpottend
Siehſt du, Mutter Sottes, was hat dir nun deine Wunder
kraft und Heiligkeit geholfen? Ich bin der größte Lump au
Erden, dennoch gehörſt du jetzt mir, und ich kann machen mit di
was ich will. Und Gott Vater, Gott Sohn und alle Heiliger
ſollen dich nicht davor bewahren, daß ich die Edelſteine aus deine
Krone breche, das Gold von deinem Mantel ſchabe und di
ſchwarzen Perlen aus deinen Augen löſe und das Alles verkau
und ein reicher Mann werde. Und wenn ich dir alle deine Koſt
barkeiten genommen habe, werfe ich dich wie ein ſchlechtes Bil
in die Numpelkammer, da kannſt du an Natten und Mäuſe=

Nürnberg ſchon bedeutend näher. Im Hinblick auf ſeine vielen
und oft außergewöhnlich reich ausgeſtatteten Kirchen iſt Krakau
ein polniſches Nom, jedoch mehr quantitativ als qualitativ
Umgekehrt aber, mehr qualitativ als quatitativ, iſt Krakau ein
polniſches Nürnberg, obwohl auch hier der Vergleich, wie eben
alle Vergleiche, ein wenig hinkt. Denn die Wucht, mit der das
Neuartige und Neizvolle auf den, der Nürnberg zum erſtenmal
beſucht, einſtürmt, fehlt Krakau. Es fehlt auch die in Nürnberg
ſo erſchütternd wirkende Geſchloſſenheit dieſes in die Neuzeit
geretteten mittelalterlichen Städtedenkmals und ſein harmoniſch
abgeſtimmter äußerer Eindruck.
Aber immerhin: Krakau bietet alle Reize einer alten und
einſt reichen Stadt. Und ebenſo wie Nürnberg, blickt es auf
ein wechſelvolles Schickſal zurück, das für das geſchulte Auge
bereits aus dem Aeußeren der Bauwerke erſichtlich iſt. Wie
Nürnberg, erlebte auch Krakau ſeine Blütezeit im ſechzehnten
Jahrhundert. Während aber Nürnberg ſchon unter den erſten
Rückwirkungen der Auffindung des Seeweges nach Oſtindien,
der Entdeckung Amerikas und der damit zuſammenhängenden
Verlagerung der Handelswege und =plätze zu leiden hatte, war
Krakau wegen ſeiner noch kontinentaleren Lage günſtiger ge=
ſtellt
und hätte die Periode ſeines Wohlſtandes ſicherlich noch
ausdehnen können, wenn es nicht König Siegmund III. einge=
fallen
wäre, die Neſidenz nach dem zentral gelegenen Warſchau
zu verlegen. (1609.)
Der Dreißigjährige Krieg gab dieſer wohlhabenden Stadt
vollends den Neſt. Von 100 000 ſank die Einwohnerzahl auf
10000 und ſpäter noch tiefer. Krakau verfiel in den Dorn=
röschenſchlaf
, der auch das Schickſal ſo vieler anderer Städte
geworden war. Aus ihm erwachte es erſt auf, als es durch
die Laune des Wiener Kongreſſes Mittelpunkt einer der vielen
Willkürſchöpfungen wurde, die ſogenannte Freie Unabhängige

und ſtreng neutrale Stadt Krakau mit Umgebung; als ſolche
beſtand ſie bis 1846 und wurde dann als Fürſtentum Krakau
nach dem erfolgreichen galiziſchen Aufſtand dem Habsburgiſchen
Reich zugeteilt. Aber erſt 1867 begann mit der Einführung der
Konſtitution der eigentliche wirtſchaftliche Aufſchwung, der nun
mit dem Wiedererſtehen der politiſchen Selbſtändigkeit des vol=
niſchen
Staates in eine neue Phaſe getreten iſt. Wie in
Nürnberg, ſpielten ſich alſo hier die wichtigſten dynaſtiſchen und
politiſchen Ereigniſſe ab, die eine repräſentative Ausgeſtaltung
des Aeußern geradezu herausforderten. Waren es aber in
Nürnberg mehr die wohlhabenden Bürger, die der künſtleriſch-
architektoniſchen
Entwicklung der Stadt die Wege bahnten und
vorſchrieben, ſo verdankt Krakau die bedeutendſten Bauwerke
den Königen, insbeſondere der Initiative Siegmunds des Alten.
Siegmund Auguſts und Stefan Batorys im 6. Jahrhundert und
vorher ſchon Kaſimir dem Großen, der das Schloß und die
Cuchhallen erbaute und etliche Kirchen begann.
Wie in Nürnberg iſt der erſte Eindruck, den man von der
Altſtadt erhält, ein Cor mit einem maleriſchen Wehrgang, der
hier allerdings nur noch fragmentariſch vorhanden iſt, während
er dort durch ſeine Unverſehrtheit und impoſante Größe zu
einem Erlebnis erſten Nanges wird. Wie dort folgt auch hier
eine Geſchäftsſtraße mit alten Häuſern, engen Seitengaſſen und
romantiſchen Höfen. Und wie dort ſtößt man auch hier auf eine
Mauthalle, hier Cuchhalle (Sukiente) genannt, und nicht gotiſch.
ſondern ein Nenaiſſancebau, aber ebenſo ſtilecht und bewun=
dernswürdig
. Und gleich gegenüber das Gegenſtück zu St. Lo=
renz
: die herrliche Marienkirche mit ihrem barocken Curmauf=
ſatz
. Der Vergleich mit Nürnberg liegt wahrlich nahe, birgt
doch Krakau Meiſterwerke Nürnberger Künſtler: Veit Stoß,
Adam Viſchen und Michael Bayer. Den erſteren nahmen
allerdings die Polen für ſich in Anſpruch.
Und draußen im Ghetto das Gegenſtück zu St. Sebald: die
Katharinenkirche. Stimmt bis St. Lorenz und der Marienkirche
der Vergleich aufs Haar, weil jene beiden Nivalinnen innen
und außen gleich bewundernswert ſchön und reich ausgeſtattet
ſind, ſo überragt die Katharinenkirche St. Sebald hinſichtlich der
im Inneren aufgeſpeicherten Werte. Dort eine Burg, hier ein
Schloß, das jetzt erſt in mühevoller Arbeit in ſeinen urſprünglichen
Suſtand zurückgebracht wird und ein Wunderwerk der profanen

Wunder tun. (Aber ich habe Mitleid mit dir. Darum will ich
dir zunächſt deine Augen nehmen, damit die mein ſündiges Crei=
ben
nicht zu ſehen brauchen.
Aber wie er nun ſeine Hand ausſtreckte nach dem rechten
Auge der Mutter Gottes, ſieh da tropfte die große ſchwarze
Perle als eine glitzernde Cräne langſam herab und fiel ihm
glühheiß auf die Hand, daß er erſchrocken innehielt und einen
Schlag verſpürte bis ins innerſte Mark.
An demſelben Cag getraute er ſich nicht mehr, das Bild an=
zufaſſen
, ließ es alſo ſtehen, ärgerte ſich nur über die verlorene
Derle und legte ſich ſchlafen. Aber er wurde von ſchlimmen
Cräumen gequält und ächzte und ſtöhnte die ganze Nacht.
Am nächſten Abend faßte er ſich wieder ein Herz, ſtieg in
die Kammer, um der Mutter Gottes nun das linke Auge aus=
zubrechen
. Wie er aber ſeine Hand nach der ſchwarzen Perle
ausſtreckte, da rann auch dieſe als eine große Cräne an der
Wange der Mutter Gottes herab, und als er ſie mit der Hand
auffing, durchfuhr es ihn wieder glühend heiß bis ins innerſte
Mark.

Erſchrocken ſtarrte er das Bild an, denn aus den Augen=
höhlen
, in denen die beiden ſchwarzen Perlen geſeſſen hatten,
blickten ihn zwei Menſchenaugen todestraurig an.
Da wurde ihm unheimlich zu Mut, er lief aus der Kammer
und fühlte die ganze Nacht den traurigen Blick der Mutter
Gottes.
Am nächſten Cag ſagte er ſich: Das mit dem Mutter=
Gotkesbild will nichts werden. Es bringt mir keinen Nutzen. Ich
muß mich wieder anderswo nach Beute umſehen. Er machte
ſich alſo in der Nacht auf und ſtahl einem Kaufmann eine gol=
dene
Kette aus der Cruhe. Mit der ging er wieder hinauf in die
Kammer, ſtellte ſich vor die Mutter Gottes und ſprach: Siehſt
du, Mutter Sottes, auch wenn du mir deine Derlen nicht gönnſt,

ſo führe ich doch ein herrliches Leben. Schon wieder habe ich
eine goldene Kette erbeutet, und es ſoll nicht die letzte ſein. Auch
ohne dein Gold und Edelſteine will ich durch meine Dieberei bald
ein reicher Mann ſein.
Die Mutter Gottes ſah ihn nur ſtumm mit unſagbar trau=
rigen
Augen an, ſo daß er endlich betroffen mit ſeinen Läſte=
rungen
innehielt. Er legte die Kette hin und ging hinaus. Wie
er ſchon in der Cür iſt, fühlt er den Blick der Mutter Gottes /0,
daß er ſtehen bleiben und ſich umſchauen muß. Auf einmal hal
er die Kette wieder in der Hand, war die Creppe hinunter, zum
Haus draußen und fand ſich, wie von einer unſichtbaren Mach
geleitet, wieder vor des Kaufmanns Wohnung, ſtieg dort durch
Fenſter und legte die Kette in dieſelbe Truhe, aus der er ſie
genommen hatte.
Das Bild muß mir aus dem Haus, ſchrie er zornig, wie er
wieder zu Hauſe war, es verdirbt mir mein ganzes Handwerk:
Aber er getraute ſich nicht, es anzufaſſen.
Und die traurigen Augen verfolgten ihn Cag und Nacht.

Jedesmal erging es ihm jetzt ſo, wenn er etwas geſtohlen
hatte , kaum daß ers im Haus hatte, mußie er’s wieder hine.
bringen, wo er’s hergeholt hatte. Ja, er begann ſogar, alls
Diebsſtücke, die von früher her im Hauſe waren, zuſammen 74
ſuchen und wegzubringen, oder wenn er den Eigentümer nic
mehr wußte, ſie Bettlern und armen Leuten zu ſchenken. Leichle
eher hatte er Nuh, als bis er alles aus dem Hauſe hatte. Le
war, als dulde die Mutter Gottes kein Diebsgut unter O
Dach, wo ſie weilte.

ſchienen ihm die Augen des Bildes weniger
Manchmal ſah ſie ihn ſoge

allein konnte er ruhig ſchlafen.

reundlich an un

Ste
Und
ſchid
Süt
auf
N
Dor
ſtätt
S
Mit dem
wachſen
raſchende (
kaum

Daut

[ ][  ][ ]

aukunſt zu werden verſpricht. Unten liegt die turmreiche
tchdt, liebend umſchlungen von der oft ſehr launiſchen Weichſel.
an der Peripherie Groß=Krakaus jene künſtlich aufge=
inthteten
Hügel des angeblichen Begründers der Stadt, eines
ſüſten Krakus, und des Nationalhelden Kosciuszko: Siele un=
ſörlicher
nationaler Pilgerfahrten.
Meben dem Schloß aber beſitzt Krakau auf dieſer Burg=
he
einen Schatz, den Nürnberg nicht aufzuweiſen hat: den
but, die Krönungsſtätte der polniſchen Könige, die Begräbnis=
tie
ſeiner Monarchen, Helden und berühmten Männer und der
tmamelpunkt hiſtoriſcher Erinnerungen und künſtleriſcher Werte.
dem Schloß zu einem gigantiſchen, großartigen Bau ver=
taeſen
, bildet dieſe Gruppe eine wirklich einzigartige und über=
ſogende
Einheit von einer Wirkung, wie ſie in Mitteleuropa
um berauſchender gedacht werden kann.
Wenn die Sonne um dieſe Cürme und Cürmchen, zinnernen,
pigernen und goldenen Kuppeln, Erker und Loggien ſpielt,
mr ſie verſtohlen in das Innere der geweihten Stätte mit ihrem
geſerlei an Stilen und internationalen Meiſterwerken bricht,
an, fühlt man erſt ſo recht, daß man ſich an einem Punkt der
( befindet, wo ſich menſchlicher Geiſt und Schönheitswille
4e uwiges Denkmal ſetzte.
1Gereichert um ein unvergängliches Erlebnis, das anſcheinend
ch! Licht in den wirren Fragenkomplex vom Sinn des Lebens
ſädfte, wird unten im Getrieb der Stadt kein Mißton mehr
ſſteind wirken können. Weder die eine Sondereinſtellung er=
ſderrnden
Eindrücke im Ghetto, doch die ſtark öſtlich ge=
ſouen
Bilder, die ſich zwiſchen das hiſtoriſche und das moderne
hib au einſchieben. Noch iſt hier manches, was ſchon die
inde Generation als unzulänglich empfindet, und die kom=
dge
wohl nicht mehr antreffen wird. Aber man muß be=
dean
, daß Krakau noch nicht lange Gelegenheit hat, an der
rieinerung ſeiner phyſiognomiſchen Süge zu arbeiten, durch
dcerenzen nach Deutſchland und Rußland ſtark behindert war
uin dieſer Arbeit durch den Weltkrieg unerbittlich unter=
dchren
wurde, wo es durch Evakuation, Beſatzung und die
bare Nähe des Kriegsſchauplatzes vor allem wirtſchaftlich
zu leiden hatte. Aber alle Vorausſetzungen für eine günſtige
Ftamntwicklung ſind vorhanden.
Amuch den verwöhnten Europäer kann Krakau als Sammel=
Ups ſchiſtoriſcher Denkwürdigkeiten und künſtleriſcher Werte be=
ſwdisgen
. Und wenn ſeine Cheater heute noch ſtark im Pro=
ypjellen
ſtecken, und die Vergnügungsſtätten und Cafés auch
Um nnanches zu wünſchen übrig laſſen, es dürfte nicht allzu lange
ſerm, bis auch dieſe Mißklänge in der ſonſt an Harmonie
ham Stadt verſchwunden ſind.

Lucienne gewinnt.
Von Walter Haſenclever (Paris).
Als Lucienne im leichten Seidenkleide, garniert mit einem
hellgrauen Hut, das Kaſino von Monte=Carlo betrat aber
wie war Lucienne nach Monte=Carlo gekommen? Woher hatte
eine kleine Verkäuferin der Parfümabteilung in den Galeries
Lafauette, die mit ihrer Kollegin ein einfaches Simmer für
monatlich 200 Francs in der Nähe der Baſtille teilte, plötzlich
das Geld, um mit dem berühmten blauen Sug von Care de Lyon
an die Küſte der Riviera zu fahren? Und das ausgerechnet im
April, der die Pariſer Straßen mit Negen überſchwemmte?
Mir ſelbſt, der ich dieſe Geſchichte erzähle, iſt der Vorgang
rätſelhaft. Neben Lucienne ſchritt kein lebensluſtiger Mann.
Keine Luxuskaroſſerie aus der letzten Automobilausſtellung im
Grand Palais wartete am Eingang. Die weißgrauen Berge
von La Curbie, die ariſtokratiſchen Palmen, das unendlich
blaue Aeer mit dem Feuerbrand des afrikaniſchen Himmels
leuchteten unentwegt in der paradieſiſchen Landſchaft, durch die
eine kleine Verkäuferin in den Höllenrachen des Kaſinos ſchritt.
Ich könnte aus darſtelleriſchen Gründen verraten, daß die
Galeries Lafauette an der Niviera eine Filiale haben. Aber ich
tue es nicht. Ich will Lucienne vor Aufdringlichkeit bewahren.
Die pſuchologiſchen Details der Romanſchriftſteller haben ſoviel
Unheil angerichtet, daß ich das Correcht des Erzählers benutze,
um den Anfang meiner Geſchichte zu verſchweigen.
Denn wer hätte den Mut, leichtfertig Zuſammenhänge auf=
zudecken
, die unſer Leben ins Unabänderliche rücken? Wie
kommt es, daß wir plötzlich eine Frau treffen, die wir lieben
müſſen, Glück und Unglück haben, einem Eiſenbahnunglück ent=
gehen
und, meiſt ohne es zu wollen, im Leben Anderer eine ent=
ſcheidende
Nolle ſpielen? Wir, die wir über Jahrtauſende Be=
ſcheid
wiſſen: was wiſſen wir vom Augenblick?
Und ſo ſchritt Lucienne etwas unſicher, aber in feſter Haltung
in den getäfelten Saal, wo an länglichen Ciſchen unter matten,
grünbeſchirmten Hängelampen verbiſſene Geſtalten kauerten, ent=
ſchloſſen
, den Kampf mit dem Abenteuerlichſten aufzunehmen:
dem Sufall.
Lucienne fand Platz neben zwei Herren, die mit ungeheuern
Summen operierten. Dieſe Summen, denen kein geordnetes
Konto, zu Grunde lag, ſchrieben ſie in raſender Eile auf ein
Papier, bedeckt mit Siffern und Seichen. Die grünlich blaſſe
Farbe ihrer Geſichter ließ auf ein langes, mühſeliges Studium
ſchließen, dem dieſe Herren ihr Leben opferten. Gegenüber ſaß
eine Dame exotiſcher Herkunft, die ebenfalls in wilder Haſt ein
PPapier bekritzelte, nur mit dem Unterſchied, daß ſie manchmal

viel Geld auf eine Sahl ſetzte und es ebenſo oft verlor. Dieſe
Dame, ſichtlich am Spieltiſch gealtert, ſah mit ſchiefem Mund
und flackernden Augen auf die leichte, weiße Kugel, die mit
hölzernem Geräuſch im ſchwarzen Seld über die lautlos ſich
drehende Scheibe rollte. Gedämpft klangen die Rufe der Crou=
piers
, vermiſcht mit dem Klappern der Einſätze, dem Scharren
der Schaufeln. Parfüm und Schweißtropfen dunſteten auf. Es
roch nach Geld.
Eine zitternde Erregung, Luſt und Codesangſt, kroch durch den
Saal. Die Heiſerkeit der Verzweiflung, das Gurgeln des Über=
raſchtſeins
erzeugten den allgemeinen Flüſterton. Wie Naub=
vögel
mit langen Krallen hockten die Menſchen am grünen Ciſch.
Dürre Matronen mit wippenden Kneifern und zerzauſten Federn
rangen kümmerlich um ihr Hab und Gut. Dann und wann ſtand
gelähmt ein Greis an der Wand. Gepflegte Herren verbargen
ihre Enttäuſchung hinter ſchlecht geſpielter Gleichgültigkeit. Da=
neben
ſaßen Damen, in den erſten Modehäuſern gekleidet, be=
reit
, ihren letzten Schmuck zu opfern.
Manchmal kam es vor, daß ein Spieler gewann. Gelang es
ihm, mit dem Neſt von Selbſtbeherrſchung, den man hier verlor,
den Wechſelſchalter zu erreichen und ſich die eingelöſten Scheine
in die Caſche zu ſtopfen: man konnt ehundert gegen eins wetten,
daß er am nächſten Cag wieder zur Stelle war. Dieſe Wette,
die leider von keiner Bank gehalten wird, hätte die größte Ge=
winnchance
in Monte=Carlo.
Lucienne war es wie ein Craum. Nebelhaft fühlte ſie Blicke
um ſich; Hände griffen an ihr vorbei. Die Menſchen bewegten
ſich ohne Körper; kein Laut, keine Empfindung ging von ihnen
aus. Die dumpfe, mit höchſter Energie geladene Luft wirkte
betäubend. Sie ſpürte langſam ihr Bewußtſein ſchwinden; die
Wände verſchleierten ſich, das Licht floß aus. Ein eigentümliches
Sittern ergriff ihre Knie und ſtieg ſpiralenförmig den Nücken
hinauf. In halber Verwirrung ſah ſie plötzlich eine Sahl. Es
war die Sahl 9. Sie ſah deutlich die obere Nundung, den nach
unten abfallenden Strich. Dann warf ſie ihr ganzes Geld auf
dieſe Sahl.
Sie erwachte, als man ihr einen großen Haufen Marken zu=
ſchob
. Sie hatte gewonnen. Die beiden Herren neben ihr ſchrie=
ben
mit ſteilen Lettern die Sahl aufs Papier. Sie ſtand auf.
Die Kleine hat Glück, hörte ſie hinter ſich flüſtern.
Die Sonne hatte noch nichts von ihrer Kraft verloren, als
Lucienne wieder durch die Palmenallee ſchritt. Krampfhaft hielt
ſie ein Bündel mit Scheinen in der Hand. Sekunden, an die ſie
ſich kaum entſinnen konnte, hatten ihr dieſe Summe gebracht.
Es war wie im Märchen.
Der Duft von Flieder und Sitronen wehte aus den Gärten
um Mentone. Weiße Segel ſchwammen zwiſchen Meer und
Himmel. Aus Cafés klang Muſik. Fahnen flatterten. Eine kleine
Verkäuferin rannte über die Steine: eilig, ſelig, außer ſich. Was
würde ſie ſich kaufen! Kleider? Ein Auto? Einen Sonnenſchirm?
Hier beginnt eine neue Geſchichte. Die Geſchichte von Lu=
cienne
, die in Monte=Carlo gewonnen hat und nicht weiß, was
ſie mit dem Seld machen ſoll. Es läge in meiner Hand, einen
Ausweg zu finden. Aber da ich den Anfang der Geſchichte ver=
ſchwiegen
habe, ſo will ich auch das Ende im Dunkeln laſſen.
Jeder hat ſchließlich ein Geheimnis. Und Lucienne könnte mit
Recht ſagen: was geht euch das an?

E’s wurde Winter und er kam in Not, denn ſeither hatte er
m EDiebſtahl gelebt, und der brachte ihm nichts mehr ein.
Emaachte er ſich eines Abends auf, um irgendwo einem Bauer
uc nihn oder ein Laib Brot zu ſtehlen. Er hatte auch Glück
1mhſpkam ein Brot zu faſſen. Wie er mit dem im Arm heim=
ht
, ſieht er ein Kind auf der Straße ſtehen das hungert
Umfriert. Er wollte raſch vorüber, aber kaum war er an ihm
rmet, ſo kam es ihm vor, als habe es ihn mit ebenſo traurigen
Hax angeſehen, wie die Mutter Gottes ſie hatte. Und er
blat: ſich nicht helfen, er mußte umkehren und das Brot in
E=Kündes Arme legen.
Aiie er nach Hauſe kam, ärgerte er ſich, daß er hungrig war
UErmnn nichts zu eſſen hatte aber wie er die Mutter Gottes
qwute, da leuchteten ihre Augen in ſo großer Freude, daß er
HAger und Kälte vergaß. Und die ganze Nacht träumte er
vmden leuchtenden Augen.
ſurn nächſten Morgen ſprach er: Nun könnte ich es machen
wudner heilige Criſpin und den Armen ſchenken, was ich den
AAhnn zuvor geſtohlen hätte. Dann würde die Mutter Gottes
gpßiimmer ein freundliches Geſicht machen. Aber ich kann ja
mu nnehr ſtehlen. So will ich ſie ſelbſt fragen, was ich tun ſoll.
kniete er vor dem Bild nieder und ſprach: Liebſte Mut=
t
1uötettes, ſage mir, was ich tun ſoll, damit du mich nie mehr
t1nrigr anzublicken brauchſt. Aber die Mutter Gottes ſchwieg.
ſagte er zu ſich: Gewiß kann ich nicht alles wieder gut
mmen, was ich auf dem Gewiſſen habe, aber wenn ich hin=
giel
uid mich anzeige und für meine Schandtaten bittere Strafen
eyn)e wenn ich’s büße, daß ich ſie aus der Kirche geraubt
hiel Sann muß ſie zufrieden ſein, denn dann iſt ihr und mir
Sßcchttigleeit geworden.
ind er ging hin zum Nat und zeigte an, daß er das Mutter=
Abecbild, nachder ſchon lange ein großes Geſchrei im ganzen

Land war, geſtohlen habe, und daß es zu Hauſe bei ihm ſtünde.
Man möge es dort abholen und wieder an ſeinen Platz bringen,
ihn aber ſolle man rädern und vierteilen, wie er es verdient
habe nach dem Geſetz.
Da ergriff man den Kirchenräuber und warf ihn in einen
Kerker. Andere aber liefen hin, holten das Bild in des Diebes
Wohnung und brachten es in großem Criumph wieder in die
Kirche, wo man es über dem Altar aufhing.
Ueber einige Cage wurde der Dieb abgeurteilt. Das Urteil
aber lautete: Sintemal der Dieb und Kirchenräuber ſich ſelber
angezeigt hat und als ein reuiger Sünder ſeine Miſſetat bekannt
hat, ſo hätte er vielleicht können begnadigt werden. Dieweil er
aber dem Mutter=Gottesbild beide Augen, ſo von großer Koſt=
barkeit
waren, ausgebrochen hat, ſomit alſo ſeine freventliche
Geſinnung durch die Schändung des Heiligtums offenbart hat,
die Derlen aber nicht mehr aufgefunden werden können, der Dieb
den Verluſt auch nicht erſetzen kann und ſeinem Behaupten, daß
dieſelben Augen ſich bei ſeinem Berühren in flüſſige Cränen
verwandelt hätten und alſo zerronnen wären, nicht geglaubt wer=
den
kann, ſo ſoll er den Cod durch den Strang erleiden.
So wurde er denn von einer großen Menſchenmenge begleitet
zur Richtſtatt geführt.
Wie ſie aber an der Kirche vorbei kamen, ſagte der Dieb zu
ſeinem Henker: Gewährt mir noch eine Gnade. Laßt mich noch
einmal die Mutter Gottes ſehen, ob ſie mich nun freundlich
anſieht, da ich gehe, gerechte Strafe zu erleiden. Das gewährte
man ihm, und er wurde in die Kirche geführt. Aber die ganze
Volksmenge ſtrömte mit herein.
Wie er nun vor das Bild getreten war, kniete er nieder
und ſprach Liebſte Mutter Gottes, nun gehe ich die gerechte
Strafe zu erleiden. Sib mir ein Seichen, daß du mir verziehen
haſt=

Aber die Mutter Gottes ſchwieg.
Da ſprach er zum andernmal: Liebſte Mutter Gottes, ich will
ja gern gerechte Strafe leiden, aber wenn ich weiß, daß du
mir nicht mehr zürnſt, fällt mir das Sterben nicht ſo ſchwer.
Aber die Mutter Gottes ſchwieg noch immer.
Da ſprach der Dieb zum drittenmal: Liebſte Mutter Gottes,
erbarme dich meiner. Ich bitte ja nicht um mein Leben, ich will
büßen, was ich verdient habe aber daß ich dich betrübt habe,
das iſt mir ſchlimmer als der ſchlimmſte Cod. Darum gib mir ein
Seichen, daß du mir verziehen haſt.
Aber die Mutter Gottes antwortete nicht.
Da ſtand der Dieb ſchwer ſeufzend auf und wandte ſich zur
Cür.
Mit einemmal rief eine Kinderſtimme hell und klar: O ſeht
doch, die Perlen, die Perlen!
Aller Augen blickten nach dem Altar und ſieh: Swei große
ſchwarze Derlen leuchteten wieder im Antlitz der Mutter Gottes
und ſtrahlten in überirdiſchem Glanz.
Da fiel die ganze Menge auf die Knie und pries das Wunder,
der Dieb aber weinte vor Slück, daß die Mutter Gottes ihm
verziehen hatte.

Noch am ſelben Cag verkündete der Nat: Sintemal es un=
ſerer
lieben Mutter Gottes gefallen hat, ihren Willen, dem Dieb
und Kirchenräuber zu verzeihen, durch ein wirkliches und wahr=
haftiges
Wunder alſo deutlich kund zu tun und ſie alſo will
Gnade für Recht ergehen laſſen, die Perlen auch wieder da ſind
und ein Schaden ſomit nicht mehr vorhanden iſt, ſo wollen auch
wir Menſchen nicht mehr richten und dem Dieb das Leben
ſchenken.

[ ][  ][ ]

Geheimnisvolle Unbekannte.
Von Dr. Carl Bollhauſen.
Geheimnisvolle Unbekannte haben von jeher die Neugier
und Phantaſie der Menſchen gereizt. Wir verweiſen nur auf
den Findling Kaſpar Hauſer oder, um ein Beiſpiel aus jüngſter
Seit zu nennen, auf das
PProblem Anaſtaſia, das
allerdings ſeit kurzem kein
PProblem mehr iſt.
Von einigen geheimnis=
vollen
Unbekannten, deren
Myſterium bis heute
noch nicht gelüftet iſt, ſei
nachſtehend ein Weniges
erzählt.
Nachdem die franzöſiſche
Mevolution ſich ſiegreich
durchgeſetzt, mußten Hun=
derte
der vornehmſten
franzöſiſchen Geſchlechter
aus ihrer Heimat flüchten.
So kam auch im Jahre
1804 eine Emigrantin mit
ihren Gefährten nach In=
gelfingen
, wo ihr der gut=
herzige
Fürſt von Hohen=
lohe
=Ingelfingen ein Aſyl
gewährte.
Die Franzöſin zeigte ſich
ſtets, auch in ihrem eige-
nen
Hauſe, nur tief ver=
ſchleiert
. Niemand kannte
Der Dunkelgraf.
ihren Namen. Ihr Be=

gleiter nannte ſich Cornelius van der Valk, beider Diener hieß
Sgarre. Als die Unbekannte von der erfolgten Feſtnahme des
Louis Anton Heinrich von Bourbon, Herzogs von Enghin,
durch franzöſiſche Dragoner zu Ettenheim in Baden erfahren
hatte, floh ſie mit ihren Begleitern in größter Haſt aus Ingel=
fingen
. Nach langen Irrfahrten gelangten ſie nach Hildburg=
hauſen
. Dort glückte es ihnen, bei einer Ausfahrt der Herzogin
Charlotte von Hildburghauſen, einer geborenen Prinzeſſin von

Neben dem Gefährt ging ein zierliches Mädchen und eine
Frau daher.

Mecklenburg=Strelitz, ihr eine Bittſchrift zu überreſchen, in
der ſie um Unterkunft und gütiges Aſyl gebeten wurde. Der
vorgenannte Herr van der Valk gab ſich in dieſem Schreiben
als ſpaniſcher Grande, Chevalier Vavel de Verſau aus, ſeine
Dame wurde als eine Nonne bezeichnet, die unter ſeinem Schutz
ſtand. Die Herzogin Charlotte, nicht weniger edelmütig wie
ihre Schweſter, Königin Luiſe von Preußen, wußte auf ge=
ſchickte
Art die Bedenken zu zerſtreuen, die ihr Gemahl, der
Herzog Friedrich, gegen eine Beherbergung der Hilfeſuchenden
äußerte. Die Flüchtlinge wurden als Schützlinge des Herzog=
lichen
Hofes aufgenommen und fanden zunächſt, dank der Be=
mühungen
der Herzogin, Unterkunft in der Stadt Hildburg=
hauſen
. Dort wurden ſie allgemein unter dem Namen Dunkel=
graf
und Dunkelgräfin bekannt. Viel iſt über ſie geſchrieben
worden. In dem Feſtſpiel zum 6o0jährigen Stadtjubiläum von
Hildburghauſen wurden ſie verherrlicht. Den fremdländiſchen
Namen Vavel verdrehte der Volksmund zu dem heimiſcher klin=
genden
Pfaffel. Aus dem dichten grünen Schleier, mit dem
die Dame ſtets ihr Geſicht verbarg, machte man eine eiſerne
Maske. Man dachte dabei wohl an den Mann mit der eiſernen
Maske, der in der Negierungszeit Ludwig XIV. ſo viel von
ſich reden machte. Auch ſpottete man, die geheimnisvolle Unbe=
kannte
hätte ſtatt einer Naſe einen Schweinerüſſel gehabt, und
aus dieſem Grunde ihr Geſicht ſtets verborgen gehalten. Mächtig
wurde die Legendenbildung durch die Catſache angeregt, daß die
Dunkelgräfin im Beſitze eines mit Lilien bemalten Kaſtens
war, was auf eine Abkunft von dem bourboniſchen Königshauſe
hinzudeuten ſchien.
Immer mächtiger wurde der Stadtklatſch, und die merk=
würdigſten
Gerüchte liefen über die geheimnisvollen Fremden
um. Crotzdem die Emigranten ſehr wohltätig waren und viel
Gutes taten, hörte man nicht auf, ſie zu beläſtigen. Schließlich
wurden dieſe Verhältniſſe ſo unhaltbar, daß der herzögliche Hof
ſich veranlaßt ſah, den Flüchtigen außerhalb der Stadt das
Schloß zu Eishauſen als Aufenthaltsort zu bewilligen. Aber
die Geſundheit der Dunkelgräfin war untergraben. Sie begann
zu kränkeln, ohne daß man es wagte, einen Arzt zu Nate zu
ziehen. Am 25. November 1857 wurde die Unbekannte von
ihrem Leiden erlöſt und im Berggarten Hildburghauſens bei=
geſetzt
. Die Beerdigung erfolgte des Nachts bei Sackelſchein.
In weißen Atlas gekleidet, lag die Cote im Sarg, drei Lilien
auf der Bruſt. Im Kirchenbuch wurde ſie eingetragen als
Sophia Botha, ledig, bürgerlichen Standes, aus Weſtfalen ge=
bürtig
, 58 Jahre alt. Vergeblich wurde das Meininger Gericht
in das Eishauſener Schloß befohlen, um den Nachlaß der Ver=
ſtorbenen
zu durchſuchen. Nichts wurde gefunden, was die Neu=
gier
befriedigen und Aufklärung über die wahre Herkunft der
Coten hätte geben können. Nichtsdeſtoweniger iſt mit Wahr=
ſcheinlichkeit
anzunehmen, daß die Dunkelgräfin aus höchſten
Kreiſen ſtammte.
Einige Jahre ſpäter ſtarb auch der Dunkelgraf und wurde
in Eishauſen begraben. Man forſchte nach Erben. Es meldete
ſich ein Herr van der Valk aus Holland, der nachwies, daß der
Verblichene mit ſeiner Familie korreſpondiert und Geld aus
dem Valkſchen Familienvermögen bezogen hatte. Das war alles
was ſich über ihn feſtſtellen ließ.
Noch von einem ähnlichen Fall ſoll hier die Nede ſein: Im
Herbſt 1811 langte in Krakow am Krakower See (Mecklenburg=
Schwerin) ein vollbepackter Wagen an, der von einem kleinen
ſtarken Pferde gezogen und von einem Jüngling gelenkt wurde.
Neben dem Gefährt gingen ein zierliches Mädchen und eine
Frau her. Alle drei ſprachen franzöſiſch. Beſonderes Aufſehen
erregte die Frau, die durch die imponierende Vornehmheit ihres
Weſens und die Eigenart ihrer Kleidung auffiel, durch ihren
ſeltſam geformten Hut, den langen hellen Mantel mit ledernem
Sürtel. Im Geſpräch mit dem des Franzöſiſchen kundigen
Natsherrn Schlottmann gaben die Reiſenden Plau als ihr
Neiſeziel an. Noch war das Dorf Karow am Plauer See aber
nicht erreicht, als die Flüchtlinge mit ihrem Wagen verun=
glückten
, und ihnen ſo ein jähes Halt geboten wurde. Der
Jüngling ſetzte ſich nun auf das Pferd und ritt nach Krakow
zurück. Dort berichtete er dem Natsherrn Schlottmann über das
böſe Ereignis. Gutherzig nahm ſich der um Hilfe Erſuchte der
Fremden an, holte ſie mit ſeinem eigenen Geſpann ab und ge=
währte
der vom Schreck und den Reiſeſtrapazen erkrankten
Dame ſowie ihrer Begleitung Aufnahme in ſeinem Hauſe.
Die Dame gab ſich für eine Gräfin Ekemann aus Schweden
aus, bezeichnete den jungen Mann als ihren Pflegeſohn Lorenz
und das junge Mädchen als Kammerzofe Amelie. Stets erſchien
die ſchwediſche Gräfin in gewählter Toilette, meiſt in grüne
Seide gekleidet. Faſt immer beſchäftigte ſie ſich mit dem Stick-

rahmen. Beſondere Bewunderung erregte eine Stickerei, die/
für den Herzog Karl Auguſt von Weimar beſtimmt war, zum
Seichen des Dankes dafür, daß dieſer ihr eine Freiſtatt zuger=
billigt
hatte. Im Frühjahr 1812 zog die Gräfin ins Weimariſche.,
Der Herzog hatte ihr hinter den Nuinen der Kunitzburg beiß
Jena 24 Acker Wald angewieſen. Dieſe Fläche, die ſpäter alss
Einſiedlerplatz bezeichnet wurde, ließ man umroden. Dies
Schultheißen in den nahegelegenem
Dörfern erhielten Befehl, der
Fremden keinerlei Hinderniſſe inn
den Weg zu legen. Sunächſt ließs
die hohe Dame ein Bretterhauss
auf dem Grundſtück errichten, dannn
erſtand daneben ein kleines ein= Wohnhaus ſowie eines
Stallung, in der ein Kälbchen.
Siegen, Hühner und ein Eſel un=
tergebracht
wurden.
Die Gräfin und ihr angeblicher:
Pflegeſohn vermieden es ängſtlich.
mit der Außenwelt in Verkehr zu/
treten. Das Mädchen allein ver=
mittelte
den Umgang mit Fremden.
Es konnte ſich aber, da es kaum
deutſch ſprach, nur ſchwer ver=
ſtändlich
machen. Herzog Karl!
Auguſt war der einzige, der, wen
er im benachbarten. Walde der
Jagd oblag, Sutritt zu dem Häus=
chen
hatte. Er ſoll ſich des öfteren
dort bei verſchloſſener Cür ge=
raume
Seit aufgehalten haben.
Als die Nachricht von der Leip=
Die Dunkelgräfin. ziger Schlacht zu den Ohren der
Gräfin drang, verſchwand ſie plötz=
lich
und insgeheim mit dem Jüngling, das Mädchen ihrem Schick=
ſal
überlaſſend. Auf dem Wiener Kongreß tauchte ſie wieder auf.
um ſpäter in München zu ſterben. Ihr jugendlicher Begleiter
erwies ſich als ihr Sohn. Er diente unter Blücher und erwat
ſich als Seichner unter dem Namen Ekemann d’Aleſſon einen
Ruf. Die als Dienſtmädchen ausgegebene und einſam zurückge=
laſſene
Amelie ſtellte ſich als Cochter der Gräfin heraus. Sie
fand Aufnahme in einem Jenaer Haus, wo ſie 1818 an der Aus=
zehrung
ſtarb.

So nahmen die Dunkelgräfin wie auch die ſchwediſche Grä=
fin
ihr Geheimnis mit ins Grab, ein Geheimnis, das ſie wohl
auch für ſpätere Seiten immer umhüllen wird.

Nie war ſie unverſchleiert.

Schach /I

Nummer 216.
Aufgabe 322.
W. Meredith in New Jerſey.
(1. Preis im 9. Problemturnier des Cheß Journal, 1891.)

Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kh6 Db4 Tf7 Lf3 Sb3 b6 (6);
Schwarz: Ke5 Dd3 Sa4 Be6 g5 g6 (6); 24
Aufgabe 323.
M. Towbin und J. Herzfeld in Baſel.
(Chemnitzer Tagblatt 1927.)
Weiß Kg1 Tb8 Le8 Sf1h3 Bc6 f4 16 (8);
Schwarz: Kh6 Ta3 La4 Bd3 h7
Matt in dre

Löfungen der Aufgaben 304306.
304. F. Sackmann, Münch. Zeit. 1918. (Kc7 Db7 Bb3; Ka5 Sd7: 4X.)
1. Kc7e6 Se5 2. Kd6 8d7 3. Kc7! 2. . . . So4 + 3. Kc5! Ein ſchönes
Zugwechſelproblem.
305. F. Sackmann, Akad. Monatshefte 1908. (Kh2 De5 Tg4 Lc7 h3 So5
e8; Ko8 Dt6 Lf1 Sg8 Bc6 f4 g6; 24.) 1. De5a1.
306. A. Ellermann. 1. Pr. i. T des Niederl. Ind. Sch. B. 1926. (Kb1 Da4
Tf2 h1 Lh5 St4 Bb2 62; Ka1 Da6 Tg4 h3 La4 Gel g5 B45 45; 24)
1. Sf4 g2! Eine feine Aufgabe mit dem von ihrem Verfaſſer meiſterhaft behan=
del
en Thema: Entfeſſelung weißer Steine. In obiger Aufgabe zieht der ſchw. l,o4,
der den weißen Themaſtein Bo2 feſſelt, auf und von ſeiner Wirkungslinie, wodurch
4 entzückende Mattſpiele entſtehen.
307. W. Frh. v. Holzhauſen. Tepl. Schön. Anz. 1926. (Ka4 Tb1 Lb3Sf4h1
Be5 g6 g7; Kh2 Sh8 BhZ h4; 34) I. Lh3-F7! S:t7 oder 8:g6 2. Bg7
g8 D!. Im Zugzwang öffnet Schwarz die Wirkungslinien für Weiß.
Löſerliſte: Neutzel; Leo Schott in Pfaffen=Beerfurth, Franz
Buchty in Mainz (alle); A. v. S. (304 und 306); Georg Peter (305
und 306).
Löfung der Aufgabe 300:
Sprenger. Urdruck. (Ka1 Tg3 La4 b6 Sf8 Be3 d2 f4; Kd5 Bct o6 d6
47 25: 44.) Beabſichtigt war 1. Lb6g1! Bc5 2. Ih2 Ke4 3. Ld1! 4Toder
LF. 1..... Ke4 2.8g6 Kd5 3. Ne3 4. T oder S+.
Die Löſer A. v. S. und L. Schott wieſen nach, daß leider auch
1. I.e7 zum Ziele führt.

1
Rätſel
II

Die wandernden Buchſtaben.

M 12 1 W A FMt M A Mf M AI U 2 A N. M 14 121.

P. R. R, R. S. S. T, T, ſind an die Stelle der Punkte zu ſehzen
ſo daß ſich die Wörter der nebenſtehenden Bedeutung ergeben.
Stern=Rätfel.

a, b d. e, e, e, e, e,l. m. n. n. n. o. o, p.r. ſ. u. u.
Obige 20 Buckſtaben ſetze man auf die 20 Punkte, ſo daß 5 Wönk.
von folgender Bedeutung erſcheinen: 12 fremdländiſches Geldſtück, 2
Gewebe, 34 Inſekt, 45 bibliſcher Ort, 51 Waffe.
Die Mittelbuchſtaben, richtig abgeleſen, nennen eine zeitgemaß
Beſchäftigung.
Carl Deubel.
Auflöfungen der Rätſel aus Nr. 28.
Die wandernden Buchſtaben.

Gemahlin des Alten Deſſauer
Sperrzone
Blutgefäß
Einen, den man kennt
Germanenſtamm
Nadelbaum
Bühnenwerk von Toller
Zuchſtaben A. B. B. D. D. E. E. E. E
ſ. J. J. K. L. L. 2, L. M. M. M. N. N.

E E. E

g: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdru
Rheinſtr. 23.
rantwortlich f. d. Nedattion: Dr. 6. Nette, Fernſpr. 1, 23842392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. Kliſches; F. Haußmann,alle in Darmſtadt

EI 7 W 18 11E 2 2 EI IPI S EI A 18 2 E R 2 U E 7 1U1 E 15 E 2I II 5 IN 8 E 7 W 1E 2 IN E4 TNf U . OI 218 7 IEI E 9 E * LaidfriMET,I.

rauf iun
he
dezu ..
in wam
ba in de Eſe
mehr odder wen
mers demt 100
leichdert ſecht:.
Härzklobbe in
Jwwrichens
die braadere Ef
Fahrer=Numme
mit de Reichsba
Sonder= un Seef
ſchenke, Landre
Leit was zu e
Alſo ich hab
wo vun Darmſ
land mitmache
Darmſtadt, ſur
der umliechend

Ruh
No.
Zwan
Neml
geräch
war
ganz

hal

[ ][  ][ ]

Ich als Wiggingern
odder:
Per Sonderzug an die Waſſerkant,
nooch Hamborch un nooch Hällgoland.
Auf der See, oh welche Luſt, ja welche Luſt,
Hebt ſich hoch des Seemanns Bruſt, ja Seemanns Bruſt..
Gäll do gucke Se! Ja, däß nennt mer e Endeiſchung, wo
ch doch ſchun jedes druff gefraad hott, 8 braicht heit nix vun
ter zu läſe. Jano, der Menſch denkt un dann kimmt’s alle=
aA
annerſter. Ich hett’s jo unſere Abbonnemente aach gärn
ſenunnt, wann ſe mol värrzeh. Dag lang nix vun mer geheert
eite. Dann alle Sunndag däß Zaiks läſe, do geheert was
Fiat ..
Un wan ſo e Abbonnement gor noch mit de zwaa Hinner=
a
: in de Effentlichkeit ſteht, un ſei Dhun un Laſſe is meiner
eSr odder wenicher fachmenniſche Kridick breisgäwwe, ſo kann
e*’s dem noochfiehle, wenn=er Sunndags morjens emol er=
ithdert
ſeecht: Gottlob, heit kannſte mol dei Dagblättche ohne
ärzklobbe in die Hand nemme.
Iwwrichens mecht ich bemärke, daß mei Zaiks heit net for
ſe! braadere Effentlichkeit beſtimmt es (daher der Name Sonder=
aGrer
=Nummer), ſundern es geht nor die a', die wo kärzlich
zi de Reichsbahn die großordich, äff=äff=brima=brima, eins A=
ſider
= un Seefahrt mitgemacht hawwe; die annern kenne ſich’s
hanke, Landratte kenne net mitredde, wann ſich ſeebefahrene
eick was zu erzehle hawwe
Alſo ich hab mer eigebild, ich weer die aanzich Perſon, die
o vun Darmſtadt aus die waghalzich Fahrt noch dem Hällgo=
uich
mitmache dhet. Oho, vun wääche! Net bloß vun
armſtadt, ſundern aach aus de iwwriche Weltteile Heſſens un
umliechenden Ortſchafte hawwe ſich die Seefahrer eigeſtellt.

SAwar en zimmlich indernatzionaler Verein. Die Sonderfahrte
aue ſich zu=ere effentliche Bedirfnisvera’ſtaldung vun großer
eſteidung aus. Meim Kubbeefreund, dem Gräwwehaiſer
lavedrotter ſei Stiwwelſchachtel, die wo dem brackdiſcherweis
sl Mädlerkoffer dient, die kann allerhand erzehle, die hott die
ſeiit geſähe ...
Nemlich des Wichdichſte is, daß mer bei ſo Sonderfahrte
eithlichſt wenich mitſchlebbt: omnia mea, mecum porto hott
um de alte Bias ſeiner Zeit ſehr richdich bemerkt. Ich hatt
ßwalb aach nix weider bei mer, als wie mein unvermeidliche
dcekiehl, do is alles enei gange, was nedich is: Saaf, Zah=
riht
, Nachtmutze, dobbelte Strimb, Balldrian= un Hofmanns=
ſbhebe
, Nelkeöl un Bullrichſalz, Kobbwehpulwer un Heftplaſter,
es Neediche zum Eſſe nadierlich. Dann war vun de Zug=
duung
noch vorgeſchriwwe, daß jeder Sonderfahrer die needich
ußh un e kräfdich Doſiß gude Laune mitzubringe hett.
d, dodra fehlt mir’s jo bekanntlich net, obgleich mich mei
vungsmiedern abſelut drum bringe wollt. Un däß war ſo:
dürlich ohne mei Brill bin ich bloß e halwer Menſch, un aus=
rächent
, wie ich mei Brill in mein Riddekiehl verſtaue will,
arſ ſe fort. Ich hab ſe geſucht wie en klaane Kreizer, hab mei
m: Hawitt uff de Kobb geſtellt, hab des Unnerſte zu owwerſt
keſört die Brill war fort . . . Ich hab nadierlich net anner=
rgedenkt
, als wie, mei Zwangsmiedern hott ſe mer verſteckelt,
mät ich jo de Zug verſäume ſollt. Däßhalb hab ich mich net
an dere Zugleidung ihr Vorſchrift gehalte, vun wääche
a Rüh, die Ruhe, ſundern hab mei Zwangsmiedern alles
huaße, was Gott verbodde hott. Awwer die hott ſeeleruhich
arht un hott geſagt, was ich vun=er wollt. Was ich will,
biich geſagt, un hab weider geſucht in alle Ecke un Schublade,
lals ich will?. Mei Brill ſuch ich, die wo Sie mer verſteckelt
mwe! Dodruff hott die mich ganz verwunnert ageguckt
eſeecht: Brill verſteckelt, ich hab Ihne Ihr Brill net ver=
Hült; awwer ſoviel kann ich Ihne ſage, do wo Se ſe ſuche,
I9 ſe beſtimmt net; un iwwrichens, ſeecht ſe, hett ſe garnet
wißt, daß ich zwaa Brille hett. Ich hab jo aach bloß a‟,
biich gekriſche, däßhalb ſuch ich ſe ſo verzweifelt! Dodruff
Ei) mich die Speckſtang ganz gemiedsruhich ageblinzelt, hott
Malwe Weck in de Kaffee gedunkt un langſam ausgezuckelt
wott dann ſpitz un ſpeddich geſagt, wann ich nadierlich bloß
WBrill hett, dann weer’s heechſtwwah’ſcheinlich die, die wo ich
rriuff die Stärn enuff geſchowe hett . .."
MMeine Zwangsmiedern hott’s wie gewehnlich nix gedha,
zuer mei Brill, die wo ich mer in de erſte Wut vun de Stärn
iſſe hab, die war in dauſend Fätze, weil ich aus Verſehe, an=
tüs
meine Zwangsmiedern ihrn Kobb, bloß die Wand gedroffe
b. No, ich hab mer dann als Erſatz mein Owerngucker mit=
aumme
...
Mittlerweile war’s awwer aach heechſte Zeit, dann ich wollt,
murt die Leit gach ſähe, daß ich verraas, ſtandesgemeß, mit de
ehrriſch an de Bahnhof fahrn, un do geheert bekannulich Zeit
zu. Beinoh weer mers aach geglickt, daß ich de Zug verſäumt
11. Awwer an de Bahnſpärr do is noch emol mei ſprichwört=
Muh uffe hatt Brob geſtellt worrn, indem daß ich mei Fahr=
eif
net gefunne hab. Ich hab in de Eil mein ganze Riddekiehl
mſeidumm gedreht un dorchenanner geriehrt win en Eierpanne=
G Zum Glick is mer’s im letzte Moment eigefalle, daß ich
zmei ſemtliche Fahrſchei in mein Strumb geſteckt hab, weil ich
u geſagt hab, do ſtiehlt der ſe gewiß kaaner. Der Billjädde=
Uſſeſer hott zwar gemaant, däß weer e bische en eichentiemliche
Fhlewahrungsort for die Fohrſchei, awwer ich hab ſchnibbich ge=
zu
. däß ging=en nix a, dann dodriwwer hett die Zugleidung
Wbeſunnere Vorſchrifte erausgäwe, die Haubtſach weer, daß
irſſe ſchnell greife kennt, wann mer ſe braicht ..

(Honder=Fahrer=llummer)

Wie ich an de Zug kumme bin, hawwe mich die Sonder=
fahrer
allerſeits mit=eme geraiſchloſe Hallo empfange, un ich hatt
ſo des Gefiehl, als wann ſe ſage wollte: Die hott grad noch
gefehlt! Ich wollt däßhalb noch raſch e Redd halte An mein
Volk un ſo, awwer der ſpitzbärdige Zugleider hott mich liewens=
wärdiſch
in e Kubbee kommblimediert un los gings, via Frank=
fort
, wo die annern Weltſeegler uff uns geſtoße ſin, ab nach
Kaſſel, wo’s was Warmes gäwwe hott. No un wann mer aach
ſo=e Fahrt net bleeslich wääſchem Eſſe mitmacht, ſo kamm=
mer
doch ſage, die Kaſſelaner hawwe ſich nix noochſage loſſe, es
war pickopällo. Nadierlich hawwe ſe mit ihrm Kaſſeler Natio=
nalgericht
brilliert, Ribbeſpeer; demgemäß hott ſich alles mit
glenzende Geſichter bräzies widder eigefunne un mir ſin weider
geſauſt, dorch die deitſche Lande, iwwer Bärch un Daal, bald
emol e Stick dorch Braunſchweich, wo die Leit agäblich des
feinſte Hochdeitſch ſ=preche (wie mich’s neilich ſo e gekrenkt
Braunſchweicher Läwwerworſcht weismache wollt); dann e Stick
dorch die Linneborjer Haide, wo mer an de Hermann Löns
un die Fraa Döllmer erinnert is worrn. In Hannover ham=
mer
vergäblich uff e Winke=winke vum Herr Noßke gerächent,
dohärngääche hanwe uns die Hildesheimer mit=eme erſtklaſſiſche
Gewidder iwwerraſcht; bloß vum Embfang in Hamborch war
ich e bißche endeiſcht. Ich hab mer nemlich eigebild, wann de
Hamborjer Senat erfehrt, daß Fremde kumme, do is ſicher e
Borjemaaſter mit e paar vun dene Senatsbrieder an de Bahn
un led uns zu=eme Nachteſſe ei un ſo. No die Hamborjer
wiſſe ſcheint’s noch net, was ſich geheert; in däre Beziehung
kenne ſe vun uns in Darmſtadt noch was lärne . . . .
Awwer mir ſin däßhalb in Hamborch doch gut uffgehowe
gewäſe, die Sach hott großordich funkzioniert un es hatt jeder
ſei Bett, ſoweit er aans gebraucht hott.
Hamborch hott viele Sähenswärdichkeite, beſunners bei
Nacht. Un ſo haaßt’s net vergäwens in dem ſcheene Liedche:
Hamborch iſt ein ſcheenes Städtchen, ſiehſte=woll, weil es an der
Elbe liegt, ſiehſte=woll, darinn gibt’s ſo ſcheene Mädchen .. . ."
Däßhalb hott die Reichseiſebahn die Zugdeilnehmer gradezu
flehentlich druff hiegewieſe, ſolied zu ſei. Awwer ſcheint’s wollte
die meiſte Sonderziegler emol konnſtadiern, ob die Reichsbahn
diräcktzion do aus eichner Erfahrung ſpricht, jedenfalls hab
ich manchen geſähe, der wo dere Sach ernſtlich noochgange is.
Awwer die Reichsbahndiräcktzion hatt recht, Saukt Pauli is e
gefehrlich Blaſter, un uff de Reeberbahn kann aaner leicht
iwwerfahrn wärrn, wann=er näwenaus geht. Mich zum Bei=
ſpiel
hott in ſo=eme Lokahl ſo=en Nachtſchwerarweider am Schla=
witſch
genumme un hott geſagt, mit mir do wollt er angeln
gehn . . . Ich hab=em awwer erkleert, daß er ſich zu dem
Zweck e anner Wärmche ausſuche mißt un hawweim zur Be=
kräfdichung
mein Riddekiehl in die Ank gefeiert. Leider is do=
debei
mei Nelkeölfläſchje äxblodiert, ſo daß ich zehe Meder im
Umkreis geroche hab, wie wann ich in Hamborch eme Zahdockter
in die Klubbe kumme weer. Dodefor bin ich awwer aach am
annern Dag mit meine Unſchuld ſtolz iwwer de Jungfernſtieg
ſtolziert; freilich, die bewußte Glöckcher hott mer aach bei mir
net leide heern. Dohärngääche hab ich mer erzehle loſſe, es
weer aam in Sankt Pauli de Spitzbart abhande kumme . . . Was
Sache
Iwwer mei ſunſtiche Eidrick in Hamborch redde mer e anner=
mol
; ich glaab, daß ich jetzt unſere Stadtverwaldung mit man=
chem
geniale Fingerzeich an die Hand geh kann .Nemlich dort
hab ich erſt geſähe, was ſich aus em Härrngadde in Verbindung
mit em große Woog un ſeine Umgäwung, dem Owwerwaldhaus,
dem Orrangſcheriegadde, dem Exert un em Balleegadde noch
eraushole leßt. Darmſtadt muß e zweides Hamborch
gäwwe; loßt mich nor mache
Iwwrichens, wie weer’s mit=ere Unnergrundbahn ins Mad=
diensvärdel
, unner de Hochſchul dorch? Ja, daß awwer aach
do noch kaaner druff kumme is! Awwer däß is es äwe, unſer
Leit kumme zu wenich enaus in die Welt, die wiſſe net, was es
all for Errungenſchafte gibt, wie de Elbtunnell un ſo. E Glick,
daß wenichſtens demnechſt e paar vun unſere Borjemaaſter emol
e bißche nooch Ameriga mache, damit ſe wenichſtens aach emol
was ſähe. Un wann ich en in aller Beſcheidenheit en gude Rat
gäwwe därf, dann nemme ſe mich mit zu däre Sonderfahrt;
erſtens kimmt’s uff die paar Mack jetzt aach net mehr a', un
zweidens kennt’s ihr Glick ſei, wann=en ſo e ſeebefahren Wig=
gingern
bei ihre Endeckungsfahrte zur Seit ſteht.
Nemlich wie’s uff ſo=eme Iwwerſeedambfer hergeht, däß
waaß ich jetzt aach, ich hab net umſunſt die Hamborch beſich=
dicht
, was zurzeit unſer greeßt Schiff is, un wo unner Brieder
gut un gärn ſei 22 000 Bruddoreſchiſtertonne faßt, wo mer ſich
leicht en Begriff devo mache kann. Un en Vorgeſchmack vun ſo=
ere
Seefahrt hab ich jetzt aach krickt, wie mer nooch Hällgoland
niwwer geſchifft ſin. Nadierlich hatt ich mich do am meiſte uff
die Seekrankheit gefraad, die wo die Leit krieje ſolle. Daß ich
ſeekrank wärrn kennt, hab ich for ausgeſchloſſe gehalte, dann ich
bin äxdra acht Dag lang vorher de Dag zwaamol dreningshalwer
mit de Dreier an die Bahn gefahrn. Drotzdem hab ich awwer,
vor dem mer in See geſtoche ſin, allerhand in mich enei=
gemamſcht
, um damit, wann’s doch losgeht, damit’s dann hinne=
nooch
net haaßt: Guck, die Hungerleidern, die Sonderfährtlern,
die armſeelich, de Dicke will ſe mache, awwer wann’s gilt, hott
ſe nix zum hergäwwe . . ." Schließlich hab ich mich vorſichts=
halwer
noch näwer die Muſick uff=em Schiff geſetzt un hab mich
mit dem Tubableeſer agefreunt, mir zwaa hette im Ernſtfall
Kibbe gemacht, dann in dem ſeine Bloos war Blatz un wann Reſte von gekochtem oder gebratenem Fleiſch (auch von Geflügel),
die Sach noch ſo ausgiewich ausgefalle weer.
Wärſchtche uff’s annere verdrickt un Kunnjack gelebbert, hab die
Leit ageguckt un uff den große Moment gewort, wo=ſen ſchlecht
wärd, un uff aamol warn mer in Hällgoland. Des Ausſchiffe
war dann noch en klaaner Erſatz, un es is mer ſeit lange Johrn. Salat als Mittag oder Abenogericht ſerviert.
widdermol baſſiert, daß ich voll Iwwerzeichung eme Mannsbild
in die Arm geſunke bin; awwer der hat ſcheint’s kaa Ahnung,

90 OOOOOO

was for=e beriehmt Perſeenlichkeit an ſeine rauhe Seemannsbruſt
liggt, dann er hott mich ziemlich unſanft uff mei vier Buſchſtawe
befördert.
Hällgoland! Noja, e ganz indräſſant Sach; awwer offe
geſtanne, ich hab mer mehr drunner vorgeſtellt. Es liggt un=

gefehr ſächzig Meder iwwer’m Meeresſpiechel, däß is nadierlich
gornix, do wohne jo die Leit im Herdwähk höher . . . . Freilich,
der Blick iwwer’s weite, weite Meer, affach goldich; beſunners
an dem Dag, wo mir’s lieje hawwe ſähe, do hatt’s raelich gor=
nix
Majeſtädiſches an ſich, ſundern es hott ausgeſähe wie e
Rieſeſubbeſchiſſel voll blaue Heinrich. Dementſprechend war aach
widder die Fahrt nooch Hamborch. Awwer um ſo luſticher is es
uff=em Schiff hergange, mer hott gemaant, mer weer uff=em
Rhei . . . Die Meenzer hawwe de Kannewallsmaſch geſpielt
krickt, en Wormſer Staar is mer um de Halz gefalle un hott ge=
ſagt
, er kennt ohne mich nemehr läwe, in de Mitt vum Schiff
hawwe ſe gedanzt, daß mer geglaabt hott, ſie wollte die Fleeh
aus de Hoſebaa ſchiddele, in de Ecke hawwe ſe geherzt un gekißt,
daß es nor ſo gekracht hott, un zum Schluß hott mer voll Rieh=
rung
un mit Drehne in de Aage bloß noch geſchnibbſt: Weh, daß
wir ſcheiden müſſen . . . . Noja, korz wie däß halt ſo is, nooch
ſo=eme ſcheene Dag
Da ich dem herrliche Dag nu aach noch perſeenlich en wir=
diche
Abſchluß gäwwe wollt, dann es war erſt korz nooch Elf,
do bin ich nochemool in Hamborjer Radskeller. Ich hab
mir nemlich geſagt, do driffſte beſtimmt dene Hummel ihrn
Owwerowwer, der wärd do hinner ſeim Stammſchobbe ſitze un
wärd ſei Quandum Porter zu ſich nemme. Im Notfall, wann
grad e paar vun ſeine hoche Senatsbrieder um=en=erum geſäſſe
hette, wie ich mer däß ſo vorgeſtellt hab, do hett ich dene effen=
duwäll
e Rund geſchmiſſe, un dodebei hett ich aus=en eraus ge=
lubbert
, was mir wiſſenswert war
Alſo, wer in Hamborch die Platzangſt krieje will, der ſoll
awends in die Radsbeller geh; ’s mißt grad ſei, daß der aach
bloß als Rebräſſendatzionsraum gedacht is. . . . . .
E bißche endeiſcht bin ich haamgeſtiefelt, es war korz nooch
zwelf, drotzdem is e Elektriſch nooch meim Quadier net mehr
gange, e Audo is mer aach net in die Hand gelaafe, bloß ge=
ſchidd
hott’s was vum Himmel runner gewollt hott. Ham=
borch
bei Nacht, außerhalb vun Sankt Pauli...
Sunſt muß ich awwer rickhaltslos ei geſteh, die Sach hott
großordich funktzionierd, un die Zugleidung hott Wort gehalte,
ſogar mit=em Wädder, geräjend hott’s bloß wann mer eichentlich
im Bett lieje ſollte: mit Ausnahm beim Hagenbeck, do ſin e
paar Spritzer ins Eſſe kumme, ohne was dra zu verdärwe, was
aach net gut mehr meechlich war. Gott, ich hatt jo net mit
Elefandekottlädd, Kamelshaxe noch Hollſteiner Art, Nilpferdbeef
un ſo Art Sache gerächent; awwer ere Abfidderung ſemtlicher
Raubtiere hett’s aach net ehnlich zu ſähe brauche. Vielleicht
ſeecht mer dem Hamborjer Verkehrsverein mol des neediche
odder leßt die Leit eſſe, wo ſe wolle; der Stellinger Tierpack ſoll
ſich geſund mache an wem er will. . .
Bräzies hott ſich alles widder zu de Haamfohrt ei gefunne.

Fa wer dutetre Dart

Un nachdem am Bahnhof in Hamborch verſchiedene Langſchlee=
fer
(21) ihr Stiwwel gäächeſeidich ausgewexelt hatte, die wo=en
ageblich im Hodäll verdauſcht ſin worrn, konnts haamwärts
geh. Mei Gräwwehaiſer Kubbeefreund un ich hawwe dezu ge=
ſunge
: Was blinkt ſo freundlich in der =här=nee, das iſt das
liebe Vaderhaus.
Awwer im Ufſdrag vun de geſamte Seefahrer ſoll ich unſere
famoſe Zugleidung unſern ſcheenſte Dank ſage. Mir hawwe in
Darmſtadt noch en Drollſchobbe uff ihr Wohl gedrunke un
hawwe ſe hochläwe loſſe in konndumatziam nadierlich.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Im Verdraue, ich hab mer als
Adenke vun Hällgoland e Tärrmoßflaſch voll Meerwaſſer mit=
genumme
, hoffentlich merke ſe’s net, die Hällgolender, daß e
bißche fehlt. Jedenfalls, mein Bedarf an Salz is for die nechſte
vier Woche gedeckt.
For die Sparbix: L., Waldfriedhof: 2 Mack; S., 2. Rate:
3 Mack. Danke aach ſchee!

Der zeitgemäße Haushalt.

Fleiſchſtrudel von Fleiſchreſten. Von 1 Ei,
nußgroß Butter und ſo viel Mehl, als nötig iſt, bereitet man
einen geſchmeidigen Teig, den man auf dem Nudelbrett auf
heißem Waſſertopf einige Minuten ſtehen läßt, um ihn dann auf
bemehlter Serviette zu einem Strudel dünn mit den Händen
auszuziehen. Nun miſcht man einen Teller voll feingewiegter
mit einer feingetiegten Zwiebel, etwas ebenſolcher Peterſilie,
Awwer wie geſagt, es war nix mit dem Spaß, ich hab aa einem Teelöffel Appels Kapern und dünſtet dies in Butter an,
überſtäubt mit 1 glattgeſtrichenen Eßlöffel Mehl und füllt die
erkaltete Fleiſchmaſſe in den Strudel, den man eng zuſammen=
gerollt
, in eingefetteter Form gebacken, noch heiß mit grünem
Käſe=Nudelwürſtchen. 250 Gramm breite Band=
nudeln
oder Mackkaroni läßt man in Salzwaſſer dick ausquellen.
Dann vom Kochw ſſer abgegoſſen, rührt man ¼ Pfund geriebe=
nen
Schweizer= oder Parmeſankäſe, 1 Ei wenig Pfeffer und
Salz darunter und zum Feſtigen der Maſſe geriebene Semmel.
Formt davon fin erlange und dicke Würſtchen, die man in
heißer Pfanne mit reichlich Butter, Margarine oder Oel licht=
braun
bäckt. Man reicht ſie mit einer Tomatenſoße als fleiſch=
loſe
Mittag= ode: Abendmahlzeit mit grünem Salat.
Praktiſche Winke für die Reiſezeit. Weiße
Strohhüte reinigt man leicht, wenn man ſie mit in heißem Waſſer
aufgelöſter Oxalſäure (1 Teelöffel auf ¼ Liter Waſſer) abbürſtet.
Gut mit reichlich Waſſer geſpült, da die Löſung giſtig iſt, laſſe
man ſie, über eine paſſende Schüſſel geſtürzt, in Form gezogen in
der Sonne trocknen.
Salmiakgeiſt, einfache Hausſeife und eſſig=
ſaure
Tonerde gehören in jede Reiſeapokheke, um bei In=
ſektenſtichen
Einreibe= und Kühlungsmittel zur Hand zu haben.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Krebsſuppe. Roaſtbeef mit jungem Miſch=
gemüſe
. Keffeecreme. Montag: Schmorgurken mit Röſt=
kartoffeln
Dienstag: Fleiſchbrühſuppe. Kirſchknödel
mit Mandelſoße. Donnerstag: Paprika=Kalbfleiſch mit
Fartoffelvürree Freitags, Fiſchkoteletten mit Dillſoße.
Samstag: Gebockene Baveſen mit geſchmorten Kirſchen.

[ ][  ]

Die Glocken=Mode
kommt wieder!
Vielen wird dieſe Modeneuheit (die eigentlich
keine iſt, weil es ja nicht allzulange her iſt, da man
allgemein nichts als Glockenkleider trug) ſehr
wenig behagen, da ſich die Frauen heute ſchon ſehr
mit der geraden Linie und vornehmlich mit den
glatten Jumperkleidern in allen Spielarten ver=
traut
gemacht haben.
Die ſportlichen Tendenzen der Mode ſind heuer
ſchon derart ausgeprägt, daß man jedes Kleid, das
nicht ganz ſchlicht und vollkommen auf Zweck=
mäßigkeit
eingeſtellt iſt, von vornherein ablehnt.
Andererſeits muß man es aber verſtehen, daß die
großen Schneiderfirmen nicht ewig an den Jum=
perkleidern
und an den hemdartigen Faſſons feſt=
halten
können, ſondern neue Wege zu gehen ver=
ſuchen
. Die Hochſommermode iſt natürlich ihren
Abſichten ſehr günſtig, weil man bekanntlich im
Sommer für elegante nachmittägliche und abend=
liche
Zwecke viel phantaſiereichere Kleider wünſcht,
als im Winter. Außerdem ſind die zur Verarbei=
tung
gelangenden Materialien ſo leicht und gra=
ziös
, daß ſie die Verwendung für glockige Faſſons
ſehr begünſtigen.
Der weſentliche Unterſchied zwiſchen der Glocken=
mode
des Vorjahres und der kommenden Linie
beſteht darin, daß ſeinerzeit dieſe Effekte durch
keilförmig eingeſetztes Material erreicht wurden
(wodurch ſich der glockige Fall leicht erzielen ließ),
während man in Hinkunft die glockige Wirkung
lediglich aus rundem, ſchürzenartigem Schnitt des
Gewebes zu holen gedenkt, ſo daß alſo die neuen
Linien viel weicher und anmutiger zu werden ver=
ſprechen
, als es die ehemaligen Glockenkleider
waren, die eine gewiſſe Steifheit an ſich hatten, die
vielleicht auch ſchuld daran war, daß man damals
ſo froh war, die Glockenmode gegen das gerade
Kleid vertauſchen zu können, und die möglicher=
weiſe
auch der Grund ſein wird, daß man der
Glockenform mit Mißtrauen begegnen wird, ſo daß ſie ſich viel=
leicht
ſchwerer durchſetzen dürfte, als man vielleicht vermutet.
Tatſache iſt aber, daß die neuen Formen ungemein graziös
ſind und darum ſchon den Anſpruch auf beſondere Beachtung
erheben dürfen.
Im übrigen wird es ſicherlich nicht verfehlt ſein, bei Anſchaf=
fung
eines neuen eleganten Kleides an ein ſolches zu denken,
das ſich ſchon die neue Linie zum Vorbilde nimmt, weil man
damit ſicherlich ein Modell erwerben wird, das der Mode weit
vorauseilt und darum noch während der kommenden Herbſt=
ſaiſon
als ganz neuartig gelten können wird.
Zur Verarbeitunug der neuen Modelle kommt jedes Moden=
material
in Frage, doch wird man angeſichts der vorgeſchrittenen
Saiſon gut daran tun, nur ſolche Gewebe heranzuziehen, die das

herbſtliches
neue Modell ehen auch als
Beſuchskleid verwendbar erſcheinen laſſen.
Da kommt nun vor allen Dingen Spitzenſtoff in Frage, der
ganz beſonders in Mode zu kommen verſpricht. Krepp=Georgette
bleibt auch weiterhin der allgemeinen Beachtung ſicher, weniger
allerdings Chinakrepp, der von vielen Damen für nachmittägliche
Zwecke abgelehnt und viel lieber durch Marokko=Krepp erſetzt
wird. Schöner Krepp=Satin gilt insbeſondere für den Herbſt als
ſehr ausſichtsreich, ſo daß man mit einem derartigen Kleide der
kommenden Mode unbedingt Rechnung tragen wird.
Die neueſten Glockenmoden zeigen wir in unſerer Gruppe in
praktiſcher Anwendung:
Bild 1 und 2 ſind als ein und dasſelbe Modell in der Rück= und

Vorderanſicht zu betrachten. Das gerade geſchnittene
Grundkleid iſt aus Georgette gearbeitet, ebenſo der
vorn und rückwärts gebundene Leiſtchenkragen und
die Oberärmel. Der Unterärmel iſt in Trichterform
mit Spitze angeſetzt. Aus dem Spitzenſtoff beſteht
auch die rundgeſchnittene Schürze, die nur rück=
wärts
einen ſchmalen Streifen des Grundkleides
ſehen läßt und eine weiche Glockenlinie ergibt, die
ſich ſehr gut ausnimmt.
Sehr eigenartig und keineswegs, alltäglich iſt
Bild 3, ein Kleid, das man ſowohl aus Georgette
wie auch aus Marokkokrepp oder auch aus Krepp=
ſatin
anfertigen kann. Der Ausſchnitt iſt hier
oval, das Grundkleid gerade. Ganz ungewöhnlich
iſt hier die Anbringung der glockig fallenden Schür=
zen
, da die eine (linke) Schürzenpartie unterſchoben
erſcheint. Die Rückanſicht hat man ſich ganz genau
ſo vorzuſtellen wie die vordere Bahn (auch im
Rücken deckt nämlich zum Teile die rechte Flügel=
partie
die linke). Die Aermel weiſen einen gloch=
gen
Abſchluß auf, der dem Schnitt der Schürzen
nachempfunden iſt.
Ganz anderer Art ſind die Glocken des vorletz=
ten
Modells. Sie ſtellen nämlich etwa ein Mittel=
ding
zwiſchen Volants und Glocken dar und tragen
darum der kommenden Mode in doppelter Hinſicht
Rechnung. Die Glockenwirkung wird hier derart
erzielt, daß man die einzelnen Volants dieſes
Georgettekleides nicht ganz bis zum unteren Rande
durchpliſſiert und die Kante außerdem mit einem
gelackten Börtchen randet, wodurch ſich eben dieſer
wellenförmige Effekt ergibt. Der Oberteil iſt ſchief
gekreuzt, der Ausſchnitt mit Spitze unterlegt. Die
Aermel ſind ganz einfach und eng anliegend. Ori=
ginell
iſt der breite Taftbandgürtel, der ſeitlich zu
einer großen Maſche gebunden iſt. Ein ſolches
Kleid wird ſowohl für elegante nachmittägliche
Zwecke wie auch für abendliche Gelegenheiten ſehr
gut verwendbar ſein.
Aber auch auf einfacheren Promenadekleidern
bekommt man die Glockenwirkungen ſchon jetzt zu
ſehen, wobei man feſtzuſtellen vermag, daß ſie ſich
nicht nur in glatten Seiden, ſondern auch in den
modernen gemuſterten Materialien ſehr gut ausnehmen. Das
letzte Bild unſerer Gruppe bringt ein ſolches buntes Seiden=
kleid
, das man aus Foulard, gemuſtertem Chinakrepp, ja ſogar
aus deſſinierter Rohſeide herſtellen kann. Dank ſeiner mantel=
artigen
Form kommt es ſelbſt für ſtärkere Geſtalten in Frage.
Der tiefe, ausgezackte Schalkragen (der ja immer dazu angetan
iſt, die Figur zu ſtrecken) iſt einfarbig wie das für dieſes vorn
offene Modell notwendige Unterkleid. Unten löſt ſich die Rock=
partie
in mehrere bortengerandete Volantreihen auf, die ſich
auch auf den Aermeln wiederholen. Auch der vorn mit einer
Schnalle zuſammengehaltene Gürtel und die Zacken des Schal=
kragens
ſind übrigens mit den modernen, gelackten Treſſen ein=
gefaßt
, wodurch man dem bunten Seidenmaterial eine prägnan=
tere
und ruhigere Note zu geben vermag.

Deek=End‟= Moden.
Gleichzeitig mit den Week=End=Häuſern und
Wochen=End=Ausflügen, die ja im Verlaufe der
letzten Jahre ſehr allgemein geworden ſind und
heute als das Allererſtrebenswerteſte gelten, hat
ſich auch etwas herauskriſtalliſiert, was man ge=
radezu
als Week=End=Mode anſprechen müßte.
Man hat es eben gelernt, ſich für zwei volle
Tage gut und entſprechend auszurüſten und will
ſein Wochen=Ende eben auch in dieſer Hinſicht nicht
primitiv geſtalten, ſondern mit beſcheidenen
Mitteln allerdings möglichſt gut und flott an=
gezogen
und für alle Gelegenheiten gerüſtet ſein.
Bei der Zuſammenſtellung dieſer Garderobe
muß man darauf Rückſicht nehmen, daß man ſo=
wohl
für ſchönes als auch für übles Wetter ge=
rüſtet
ſei, ſo daß man ſelbſt durch einen plötzlichen
Wetterumſturz nicht peinlich überraſcht werden
kann und durch unangemeſſene Kleidung die Stim=
mung
nicht zerſtört werde.
Ferner iſt es notwendig, ſolche Modelle zu
wählen, die ſich nicht allzuſehr zerknüllen, wenn
man ſie ins kleine Köfferchen packt, ſo daß ſie ſich
bald ohne Nachhilfe aushängen und nicht erſt
aufgefriſcht werden müſſen, ehe man ſie anzieht.
Letzten Endes dürfen dieſe Sachen auch nicht
zu viel Raum einnehmen, denn die kleine Hand=
taſche
, die man in das Wochen=End=Haus oder für
den Week=End=Ausflug mitnimmt, ſoll ja neben
den notendigſten Kleidern auch noch Toiletten=
gegenſtände
verſchiedenſter Art, ein paar Reſerve=
ſchuhe
, Strümpfe, Nachtwäſche uſw. faſſen.
Die Garderobe, die man für die Reiſe wählt
gleichgültig, ob man die Bahn benützt oder Ge=
legenheit
hat, eine Autotour zu unternehmen
ſoll derart beſchaffen ſein, daß ſie gleichzeitig auch
im Freien gebraucht werden kann, ſo daß das
Kleid eben vor allen Dingen ein gutes Strapazier=
modell
darſtellen muß, während der Mantel nöti=
genfalls
auch die Stelle einer waſſerdichten Regen=
umhülle
zu vertreten hat und darum aus dem=
entſprechendem
Material verfertigt ſein ſoll.
Es wird ſich allenfalls auch als unerläßlich erweiſen, außer der
Reiſeausrüſtung noch ein Kleid mitzuhaben, das an heißen Som=
mertagen
getragen werden kann. Natürlich ſoll es ſich hier keines=
zucgs
um ein elegantes Modell handeln, ſondern nur um ein ein=
faches
, leicht waſchbares Jumperkleidchen aus Rohſeide oder ähn=
lichein
Material, das zum Tennis, für den Weg zum Bade oder
für kleine Spaziergänge immer die beſten Dienſte leiſtet.

Da man ja gerade zum Wochenende reichlich Gelegenheit und
Muße zum Tanze hat, wird es auch gut ſein, ein Kleid für dieſen
Zweck mitzuhaben, das allerdings ganz beſonders wenig Raum
einnehmen darf, um die Reifekaſſette nicht allzuſehr zu belaſten.
Weil man es aber bei fommerabendlichen Gelegenheiten und
vornehmlich zum Week=End mit der Garderobe nicht ſo genau
nimmt, iſt man für dieſen Fall mit einem bedruckten, bunten

Seidenkleidchen, das in der Stadt etwa für nach=
mittägliche
Gelegenheiten Verwendung finden
würde, ſehr gut beraten.
In unſerem Bilde haben wir verſucht, eine
praktiſche, kleidſame und gut verwendbare Week=
End=Garderobe zuſammenzuſtellen:
Am Bahnſteige.
Für die Reiſe zeigt unſer Bild 1 die richtigſte
Aufmachung. Ein Jumperkleid mit dem modernen
viereckigen Ausſchnitt, mit einem zweifarbigen
Ledergürtel zuſammengehalten, ſieht mit einem in
der Mitte durchgeknöpften Rocke ſehr gut aus. Die=
ſer
Rock iſt deshalb ſehr praktiſch, weil er trotz=
dem
er ziemlich eng iſt teilweiſe aufgeknöpft,
auch für Bergtouren und größere Ausflüge in
Frage kommt, ohne am Ausſchreiten zu behindern.
Zu einem derartigen einfarbigen Jumperkleide
wählt man einen Reiſemantel aus ſchottiſchem
(möglichſt waſſerdichtem) Plaidſtoff, deſſen Grund=
ton
die gleiche Schattierung hat, wie das Material
des Jumperkleides. Der Filzhut iſt in dazu paſ=
ſender
Farbe gehalten und mit einem ſchottiſchen
Bande garniert.
Im Freien.
Für den heißen Sommertag iſt ein einfaches
Kleid aus Rohſeide, Leinen oder Zephir (Bild 2)
das ärmellos ſein kann, um gegenüber der Klei=
dung
in der Stadt eine wirkliche Erholung dar=
zuſtellen
, unbedingt das Richtige. Gutangebrachle,
ſchlichte Kreuzſtichſtickereien, die ja ſchnell herzu=
ſtellen
ſind, verurſachen ganz geringe Mäiske und
ſehen dennoch reizvoll aus.
Zum Tanze
benötigt man wie ſchon früher erwähnt im
Hochſommer und gerade zu Week=End niemals
eine pompöſe Toilette. Es genügt ein einfaches
Kleid aus bunter Seide, das allenfalls durch ſeine
aparte Note wirken kann. Unſere Skizze (3) bei=
anſchaulicht
ein kleidſames Modell, das gerade ine
folge ſeiner Ungezwungenheit gut zur Geltuns
kommt. Auch hier ſieht der viereckige Ausſchnin
vorteilhaft aus, um ſo mehr, als er durch eine
große Kunſtblume belebt wird. Der Oberteil !ſt
loſe und leicht bluſig, unten durch einen ſeitlich geknoteten Bäſe
gürtel abgebunden. Die Rockpartie erſcheint in drei Stufen v
teilt, die entweder gezogen oder pliſſiert werden. Man kann. "
ſolches Kleid aus buntem Chinakrepp, Gaze oder Georgette. Ai
fertigen und hat dadurch den Vorteil, daß man es kaum me..
wenn es vom Verpacken ein wenig zerknüllt wurde, da ſich ja. be
Büge in dem bunten Muſter faſt vollſtändig verlieren.