Einzelnummer 15 Pfennige
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Franfurt a. M. 1304.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 182
Sonntag, den 3. Juli 1927.
190. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadi 25 Reichspfg.
Finanz=Anzelgen 40 Reſchspfg., Rellamezele (92 mm
breiſ 2 Reſchemark. Anzelgen von auswärite 40 Reſchpfg.
FinanzeAlnzeigen 60 Reſchspfg, 92 mm breite Rellame
eiſe 300 Rechenaſt Afe Preſe n Reſchenaf
ſ4 Dollar — 420 Marh. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg. Aufruhr Strell uſw. erliſcht
ſede Verpſſchung auf Erfülung der
Anzeſgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtiſcher Beltreſbung fällt ſeder
Rabat weg. Banfkonto: Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Naiſonalbank.
Reichstag und Beſoldungsreform.
Die kritiſche Woche.
Die kommende Woche der Reichstagsverhandlungen, die nach
den bisherigen Dispoſitionen die letzte vor der Sommerpauſe
hätte ſein ſollen, ſcheint ziemlich kritiſch zu werden. Der
Reichs=
tag hat am Samstag die kommuniſtiſchen Amneſtieanträge in
namentlicher Abſtimmung abgelehnt, aber gleichzeitig eine
Ent=
ſchließung angenommen, worin der Regierung eine ndchmalige
wohlwollende Prüfung weiterer Gnadenbeweiſe empfohlen wird.
— vielleicht zum 80. Geburtstag des Reichspräſidenten —, und
dann das Kapitel der Beamtenbeſoldung zu einem nicht
ſonder=
lich befriedigenden Abſchluß gebracht. Die Regierungsparteien
haben ſich im Ausſchuß auf eine Entſchließung geeinigt, worin
für Abſchlagszahlungen vom 1. Oktober ab Gewähr geleiſtet wird.
Die Oppoſitionsparteien, die jetzt plötzlich ihr
beamtenfreund=
liches Herz entdeckt haben, ſind der Meinung, daß man bereits
früher etwas hätte tun müſſen. Der Auffaſſung war die Deutſche
Volkspartei auch, ſie hat ſich aber gegenüber dem Widerſpruch
des Finanzminiſters und der Länderregierungen fügen müſſen,
weil eben die Gelder vorher nicht mobil zu machen ſind. Die
Beamten wiſſen aber jetzt wenigſtens, daß ihnen von 1. Oktober
ab die Zulagen nicht mehr wegdisputiert werden können. Am
Montag ſteht die Zollvorlage auf der Tagesordnung, die durch
die Abſtimmung im Reichstag aktuellſte politiſche Bedeutung
gewonnen hat. Das Reichskabinett hat darüber die Ruhe nicht
wverloren. Es rechnet damit, daß es ſeiner Mehrheit im
Reichs=
rtag ſicher iſt. Man deutet auch an, daß die ſächſiſche Regierung
ſevielleicht ihren Vertreter anders inſtruieren könnte, womit eine
MMehrheitsverſchiebung im Reichsrat ſchon gegeben wäre.
Jeden=
falls hofft die Reichsregierung vorläufig darauf, daß der
Reichs=
rrat doch umfallen wird, wenn er ſich einer Mehrheit im
Reichs=
ttag gegenüber ſieht, und daß deswegen das komplizierte
Ver=
tfahren einer Rückverweiſung vom Reichstag an den Reichsrat
mmit Zwei=Orittel=Mehrheit nicht in die Erſcheinung zu treten von der Regierung zum Geſandten und bevollmächtigten Miniſter
Wbraucht. Inwieweit dieſe Rechnung richtig iſt, wird ſich aber erſt
Beigen, wenn die Beſchlüſſe des Reichstages vorliegen und wenn
fſich überſehen läßt, wie weit das preußiſche Zentrum mit den
SSozialdemokraten durch Dick und Dünn zu gehen entſchloſſen iſt.
Ueberweiſung der Beſoldungsvorlage an den
Haushaltsausſchuß.
Präſident Löbe eröffnet die Sitzung um 12 Uhr. Der von und falls die Verabſchiedung vor dem 1. Oktober nicht möglich iſt,
Iden Demokraten eingebrachte Geſetzentwurf zur Ablöſung der
Staatsrenten der früheren Landes= und Standesherren wird dem
Rechtsausſchuß überwieſen. Es folgt die zweite Beratung eines ſie den Beamten auf dieſe Weiſe am beſten dienen. Hoffentlich
von den Kommuniſten vorgelegten Geſetzentwurfes über die
Ge=
lwährung von Straffreiheiten. Abg. Haas=Baden (Dem.) be= wird es dem Haushaltsausſchuß gelingen, die Vorlage der
Re=
richtet über die Ausſchußverhandlungen. Der Rechtsausſchuß
tſchlägt vor, den kommuniſtiſchen Geſetzentwurf abzulehnen und amten möglchſt bald in den Genuß der Erhöhung konmen
idafür eine Entſchließung anzunehmen, in der die Reichsregie= können.
rrung erſucht wird, wohlwollend zu prüfen, ob im Gnadenwege
fin noch weiterem Umfange als bisher Zuchthausſtrafen gemildert
twerden können, die vor Inkrafttreten des Republikſchutzgeſetzes länglich. Den Beamten müſſe ſofort geholfen werden. Der
wwerhängt worden ſind, und ob Strafen gemildert werden können, Nedner begründet einen Antrag auf Vorauszahlung von 20 Mk.
Tdie lediglich deshalb nicht erlaſſen werden, weil die Verurteilung
terſt nach dem Iukraftreten des letzten Amneſtiegeſetzes erfolgt iſt.
Weiter ſoll auf Einzelbegnadigung ſolcher politiſchen Gefangenen
lhingewirkt werden, die infolge Unerfahrenheit oder Verführung begründet einen Antran, wonach ſchon im Juli, Auguſt und
Sep=
zu ihrem verbrecheriſchen Tun gekommen ſind.
Abg. Höllein (Kom.) kritiſiert die Rechtsſprechung des werden ſollen. Abg. Kling (Wirtſch. Vergg,) verurteit die Be=
Reichsgerichts, die Empörung hervorgerufen habe. Abg. Dr.
Frick (Nat. Soz.) fordert anläßlich des bevorſtehenden 80.
Ge=
burtstages des Reichspräſidenten von Hindenburg eine neue,
um=
tfaſſende Amneſtie für politiſche Vergehen. Abg. Dr.
Roſen=
klärt, unſere Zuſtände geſtatteten es uns, einen Strich unter die
politiſchen Straftaten der letzten Jahre zu machen. Die Zucht= vertreter der Parteien erſcheinen, um ſich ihre Gehälter zu
be=
hausſtrafen hätten bei der Amneſtie ſonſt als tablu geholten, willigen. — Abg. Dietrich=Franken (Nat. Soz.) weiſt darauf
295 Stimmen abgelehnt. Die Entſchließung des Rechtsausſchuſſes
wwird angenonmen.
dung. der Ausſchuß beautragt eine Entſchließung, wonach bedauert für die Gruppe der Deutſch=Hannoveraner, daß nicht
die beabſichtigte Negierungsvorlage ſofort nach ihrem Eingang
beim Reichstag in den Haushaltsausſchuß gehen ſoll und wenn ſofort mehr für die Beamten geſchehen könne, ſichert aber die
abſchiedet werden könnte, der Ausſchuß vor dieſem Termin über ſchaft zu. Damit ſchließt die Ausſprache. Unter Ablehnung aller
in welcher Höhe Abſchlagszahlungen auf die künftige Beſol=
Ddungserhöhung ab 1. Oktober 1927 ausgezahlt werden können.
Erklärung der Regierungsparteien
zur Beſoldungserhöhung.
parteien eine Erklärung ab. In dieſer heißt es, daß die Re= der beſtehenden Unklarheiten des geltenden Rechtes erſucht, die
gierungsparteien ſich darin einig ſind, daß entſprechend der Noi= Neuordnung der Reichsgewerbeordnung zu beſchleunigen. Das
lage der Beamten eine möglichſt ſchnelle Verabſchiedung der von Haus vertagt ſich auf Montag 14 Uhr: Zolländerungen, Zucker=
Der Regierung angekündigten Vorlage notwendig ſei. Sie for= zoll, Zuckerſteuer. Schluß nach 16 Uhr.
ſtellt und alen Beamten eine Lebenshaltung ermöglicht, auſ die lamente ſehnen ſich nach Ferien, und ſo beſchränkt man ſich in
ſie nach Vorbildung, Verantwortung und Leiſtung Anſpruch den verſchiedenen Ländern darauf, die noch zu erledigende
inner=
haben. Sie erwarten, daß Länder und Gemeinden ſich dem Vor= politiſche Kleinarbeit zu Ende zu führen in der ausgeſprochenen
gehen des Reiches anſchließen. Auch die Beamten im Warteſtand Abſicht, jede ernſte Kriſis, wenn nur irgend möglich, vorerſt
und die Ruheſtandsbeamten ſollen einbezogen werden. Da nach ſchutzgeſetz zunächſt bis zum 31. Dezember d. J. verlängert, d. h.
den Erklärungen des Finanzminiſters und der Länderregierungen
eine Beſoldungserhöhung vor dem 1. Oktober nicht möglich iſt, ſetzung über die Verlängerung des Fürſtenſperrgeſetzes gab es
haben ſich die Regierungsparteien, um die Einheitlichkeit der eine kleine Senſation, da das Zeutrum zuſammen mit den Par=
Beſoldung zu wahren, trotz ſchwerſter Bedenken entſchließen
Aus der Berliner Diplomatie.
Eduardo Dagnino,
Venezuelas nach Berlin verſetzt worden.
müſſen, den dringenden Wunſch auf Auszahlung vor dem 1.
Ok=
tober zurückzuſtellen. Die Negierungsparteien verpflichten ſich
jedoch, dafür zu ſorgen, daß die Reichsbeamten am 1. Oktober
Abſchlagszahlungen auf die kommende Beſoldungserhöhung
er=
halten. Zur Sicherſtellung dieſes Verſprechens haben die
Re=
gierungsparteien beantragt, die Vorlage über die Neuregelung
* Berlin, 2. Juli. (Eig. Bericht.) der Beamtenbeſoldung ſofort dem Haushaltsausſchuß vorzulegen
über eine Ermächtigung zu Abſchlagszahlungen ab 1. Oktober
Beſchluß zu faſſen. Die Regierungsparteien ſind ſich bewußt, daß
gierung in allerkürzeſter Zeit zu verabſchieden, damit die Be=
Abg. Bender (Soz.) hält dieſe Regelung für völlig
unzu=
auf die kommende Gehaltserhöhung für die Gruppen I bis VII.
Abg. Brodauf (Dem.) verlangt gleichfalls ſofortige Hilfe und
tember den Gruppen I bis III prozentuale Zuſchläge gezahlt
hätten noch weniger Einkommen als die Beamten. Der Redner
lehnt auch den Ausſchußantrag ab und fordert, daß der
Reichs=
bera (Unabh. Soz.) glaubt feſtſtellen zu können, daß die Juſtiz tag ſelbſt zuſammentrete, um die Abſchlagszahlungen zu be= darſtellt, und man darf ſich daher kaum wundern, wenn
der=
rmit berſchiedenem Maß meſſe. Abg. Landsberg (Soz.) ers ſchließen. Im Ausſchuß würden nachher doch nur die Beamten= artige Wahnvorſtellungen auch heute noch die breiten Maſſen
Der kommuniſtiſche Amneſtiegeſetzentwurf wird mit 164 gegen hin, daß bei den Wahlen die Verſprechungen für die Beamten= international wirken, der international fühlt.‟ Wir, die wir
gehälter eine Einheitsfront von den Kommuniſten bis zu den daran arbeiten und wünſchen, daß das deutſche Volk immer mehr
Es folgt die Beratung des Berichts des Haushaltsausſchuſſes Deutſchnationalen bildeten. Nichts ſei aber dann geſchehen, um haben gewiß für die nationale Einſtellung des franzöſiſchen
über die Anträge auf Erhöhung der Beamtenbeſol= dieſe Verſprechungen zu halten. — Abg. Alpers Wirtſch. Vgg.) Volkes volles Verſtändnis. Es wäre aber ein Verhängnis,
die Vorlage vor dem 1. Oktober vom Reichstag nicht mehr ver= Mithilfe ſeiner Partei bei allen Maßnahmen für die Beamten= ehrliche Verſtändigung mit den anderen eurobäiſchen Völkern
„eine Ermächtigung an die Reichsregierung Beſchluß faſſen ſoll, übrigen Anträge wird der Antrag des Ausſchuſſes angenommen, der deutſche Reichsaußenminiſter am vergangenen Mittwoch über
Annahme finden auch Anträge des Verkehrsausſchuſſes, die eine
Schädigung der Grundbeſitzer bei Anlage neuer und Vertiefung
bisheriger Waſſerſtraßen vermeiden wollen. Ferner wird ein
Antrag angenommen, der die Beigabe eines zweiten Mannes auf
elektriſch betriebenen Lokomotiven wünſcht. Weiter wird ein
Abg. Dr. Scholz (D. Vp.) gibt im Namen der Regierungs= Ausſchußantrag angenommen, der die Reichsregierung angeſichts Politik liegt eine Garantie für Frieden und Ruhe an den Gren=
Die Woche.
Den trüben Wochen außenpolitiſcher Hochſpannung iſt, rein
äußerlich geſehen, eine gewiſſe Beruhigung gefolgt. Nicht etwa,
dern, daß dieſe Vorlage die Mängel des Beſoldungsgeſetzes ab= daß die brennenden Probleme der Außenpolitik irgendwie gelöſt
oder ihrer Löſung näher gebracht worden wären, aber die
Par=
auszuſchalten. So hat der deutſche Reichstag u. a. das
Mieter=
die Entſcheidung bis dahin vertagt; nur bei der
Auseinander=
teien der Linken gegen ſeine Koalitionsfreunde ſtimmte. Wie
geſagt, nur ein Senſatiönchen, nur eine freundliche Geſte des
Zentrums nach links, da ja von vornherein feſtſtand, daß die für
die Verlängerung des Sperrgeſetzes verfaſſungsmäßig
notwen=
dige Zwei=Orittel=Mehrheit auch mit den Stimmen des
Zen=
trums keineswegs erreicht werden würde. Daß die
Verlänge=
rung des Sperrgeſetzes auf dieſe Weiſe abgelehnt wurde, iſt
inſo=
fern erfreulich, als die Länder dadurch mittelbar gezwungen
werden, nun endlich einmal alle die unerfreulichen Fragen aus
der Welt zu ſchaffen, die mit der vermögensrechtlichen
Ausein=
anderſetzung zwiſchen den Ländern und den früher regierenden
Fürſtenhäuſern zuſammenhängen, wobei nur zu hoffen wäre,
daß dieſe Auseinanderſetzung nunmehr in einer des deutſchen
Volkes würdigen Art und Weiſe überall in Angriff genommen
werden. Man ſehnt ſich nach der Ferien — nach ſommerlicher
Ruhe, woran auch eine ſolenne Prügelei im preußiſchen Landtag
nichts ändert, die nur wieder einmal bewieſen hat, daß es in
deutſchen Parlamenten noch immer genug „Volksvertreter” gibt,
durch die vertreten zu ſein, das deutſche Volk ohne Unterſchied
der Partei ſicherlich ablehnen dürfte.
Schon etwas ernſter wie bei uns ſehen die Dinge in
Frank=
reich aus, wo die Kammerdebatte über die Wahlrechtsreform
das Kabinett der „Heiligen Einigkeit” vor eine recht ſchwierige
Aufgabe ſtellt. Auch in Frankreich allerdings möchte man
an=
ſcheinend eine Kriſis für den Augenblick vermeiden, und wohl
hauptſächlich deswegen hatte man gerade die Verhandlung der
außenpolitiſchen Interpellationen in der Kammer ad calendas
grageas vertagt. Trotz aller Schwierigkeiten alſo, die bei einer
ſo heterogenen Regierungsmehrheit bei jeder ernſthaften Frage
naturgemäß entſtehen müſſen, darf man vielleicht annehmen,
der bisherige Geſandte Venezuelas beim Vatikan in Rom, iſt daß ſchließlich doch wieder alles im Sand verläuft — wenn nicht
die Ausſicht auf die kommenden Wahlen den Elan der
fran=
zöſiſchen Volkstribunen urplötzlich beflügelt.
Die kommenden Wahlen! Nachdem nunmehr faſt alle
zivili=
ſierten Staaten ein demokratiſches Regime haben, zeigt ſich mehr
und mehr, wie ſtark auch die außenpolitiſche Situation durch
Wahlausſichten in dem einen oder dem anderen Land
beein=
flußt wird. In wie hohem Maße das für Frankreich zutrifft,
iſt ſchon oft genug erörtert worden. Aber auch in England
wer=
fen die kommenden Wahlen immer ſtärkere Schatten voraus, und
die Zuſpitzung des Verhältniſſes zu Rußland entſpringt
offen=
bar nicht zuletzt dem Beſtreben, mit der Attacke gegen den
Kom=
munismus und darüber hinaus den Sozialismus überhaupt ein
gutes Wahlgeſchäft zu machen. Auch in den Vereinigten Staaten
beeinfluſſen die kommenden Präſidentenwahlen ſchon mit
außer=
ordentlicher Stärke die Außenpolitik, und zwar in einer für
Europa nicht unbedingt erfreulichen Richtung. Gewiß, die
euro=
päiſchen Dinge haben, für die Vereinigten Staaten, nicht die
gleiche Bedeutung wie z. B. die derzeitigen Genfer
Verhand=
lungen über den Pazifik, die man offiziell
Seeabrüſtungs=
konferenz nennt. Trotzdem aber muß es bei der Verflochtenheit
der weltpolitiſchen und weltwirtſchaftlichen Fragen zweifelhaft
erſcheinen, ob es vom amerikaniſchen Standpunkt aus richtig iſt,
die Dinge in Europa einfach gehen zu laſſen. An dem Frieden
in Europa ſind, ſo wie die Dinge heute liegen, auch die
Ameri=
kaner intereſſiert. Auch ob in allen europäiſchen Hauptſtädten
heute ſchon die Erkenntnis vorherrſcht, daß neue Konflikte
für unſeren ganzen Erdteil verhängnisvoll werden müſſen,
er=
ſcheint leider doch recht zweifelhaft. Der unſelige „
Friedens=
vertrag” von Verſailtes hat Exploſivſtoff an allen Ecken und
Enden angehäuft, den jeder Funke entzünden kann. Wer den
europäiſchen Frieden will, muß den Friedensvertrag von
Ver=
amtendemonſtrationen und erklärt, die Baueen und Arbeiter ſailles beſeitigen oder zum mindeſten alle weſentlichen
Beſtim=
mungen revidieren. Dem franzöſiſchen Volk aber hat man
jahre=
lang eingehämmert, daß der Verſailler Vertrag die herrliche
Frucht des ruhmreichen Sieges über den verhaßten Erbfeind
verwirren und ſie die Gefahren der Zukunft nicht erkennen laſſen.
In Frankfurt a. M. hat Herr Herriot, ſeinerzeit der Führer des
franzöſiſchen Linkskartells, das Wort geſprochen: „Nur der kann
von einem wirklichen nationalen Bewußtſein durchdrungen wird,
wenn eine Ueberſpannung des nationalen Bewußtſeins
in Frankreich die Erkenntnis verhindern würde, daß nur eine
und insbeſondere mit dem Deutſchen Reich die Intereſſen
Frank=
reichs auf die Dauer wirkſam zu fördern vermag. In Oslo hat
unſere Einſtellung zum europäiſchen Problem geſprochen, und er
hat ſeine Ausführungen mit Worten geſchloſſen, die gleichzeitig
einen ernſten Appell darſtellen an alle europäiſchen Völker: „Was
wir jetzt wollen, iſt kein Paradies auf Erden, aber wir gehen
doch einer neuen Aera entgegen. Auf dem Weg zu ihr bedeutet
Locarno einen Wendepunkt in der neuen Weltpolitik. In dieſer
zen. Die Locarnotolitik iſt unvereinbar mit einer Politik des
Mißtrauens, und die Beſetzung deutſchen Gebiets paßt nicht in
ihren Rahmen. Das neue Deutſchland ſieht der Zukunft
ent=
gegen, konſolidiert als Staat und ih ſeiner Wirtſchaft von Ideen
U.
geleitet, die Frieden und Arbeit entgegenſtreben.”
Seite 2
Sonntag, den 3. Juli 1927
Nummer 182
Italien im Oodecanes.
Die Leiden der griechiſchen Bevölkerung.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 2. Juli.
Von den zwölf kleinen Inſeln, welche im Aegäiſchen Meer
der Küſte Kleinaſiens dicht gegenüber liegen, iſt Rhodos die
größte. Von dort ſendet ein Sonderberichterſtatter der „
Weſt=
minſter Gazette” einen werkwürdigen Bericht: „In Anbetracht
der verfaſſungsmäßigen Privilegien, welche die Einwohner
wäh=
rend der langen Periode türkiſcher Herrſchaft genoſſen hatten,
ſollte man erwarten, daß die italieniſche Regierung dieſe Politik
der Nichteinmiſchung in die Lokalverwaltung fortſetzen würde.
Die Tatſachen beweiſen aber, daß Italien die Dinge in anderem
Lichte ſieht. Während meines mehrwöchentlichen Aufenthaltes
habe ich jede Gelegenheit benutzt, nicht nur mit Griechen,
ſon=
dern auch mit italieniſchen Beamten zu ſprechen. Aus den
Unterredungen ging hervor, daß eine ſyſtematiſche materielle
wie moraliſche Verfolgung der griechiſchen Bevölkerung zu dem
offenbaren Zweck ſtattfindet, ſie zur Auswanderung zu bewegen
und durch Italiener zu erſetzen. Aus dieſem Grunde hat ſich
die Kopfzahl der Griechen bereits um 20 Prozent verringert.
Die Einzelheiten der Verfolgung ſchließen eine Unterdrückung
der alten Privilegien ein, eine Landenteignung im großen
Maßſtabe, eine außergewöhnliche Erhöhung der Beſteuerung,
eine Einmiſchung in das Unterrichtsweſen, ohne
Gerichtsverfah=
ren verhängte Geld= und andere Strafen, eine harte Behandlung
der friedlichen Bauern durch an die Stelle der bürgerlichen
Polizei den Dienſt verſehende bewaffnete Karabinieri.
Neben dieſer anſcheinend unglaublichen Mißverwaltung und
Bedrückung kann man eine bemerkenswerte Entwicklung im Bau
von Straßen, öffentlichen Gebäuden, Kaſernen und Hoſpitälern
beobachten. Eine neue Markthalle wurde aus verſtärktem
Kon=
kret für 5 Millionen Lire auf Koſten der Bevölkerung gebaut,
groß genug, um den Bedarf einer dreimal ſo großen Stadt zu
befriedigen, groß genug, um mehrere Batterien zugleich
unter=
zubringen. Regierungsgebäude auf Acres umfaſſenden
Boden=
flächen nähern ſich der Vollendung, und es iſt bereits ein
Kon=
trakt für eine umfangreiche Verbeſſerung des Hafens abgeſchloſſen
worden. — Ich fragte einige prominente Italiener nach dem
Grunde dieſer großen Ausgaben, und ſie erwiderten mir mit
überraſchender Offenheit: „Rhodos ſoll uns als Baſis im
nächſten Kriege dienen. Für dieſen Zweck wird es ausgezeichnet
paſſen, um ſo mehr, als es ſich um Krieg mit einem Lande
han=
deln wird, das nur eine minderwertige Flotte beſitzt.”
Jenſeits der ſchmalen Meerenge blickten wir auf die reichen
Hügel Anatoliens. Heute kehrte der Gouverneur aus Italien
zurück. Die Stadt war im Feſtgewand. Die Bürgermeiſter,
Prieſter und Notabeln aller Dörfer waren zur Begrüßung
ge=
kommen. Männer und Frauen, die unter den Mißbräuchen
eines tyranniſchen Regimes leiden, die dazu gelangt ſind, den
Namen ihres Unterdrückers zu haſſen, warfen Blumengewinde
zu den Füßen des Chefs der Exekutive. Aber nur eine Gruppe
von Schwarzhemden, welche die Bevölkerung noch mehr haßt
wie die Soldaten, ſchrie „Hurrah‟ Das Volk verharrte in
Schweigen. Ich fragte einen alten Mann, warum er aus einem
fernen Dorfe hergewandert ſei. Die Antwort war kennzeichned
für die Haltung der griechiſchen Bauern im ganzen Lande: „Die
Soldaten befahlen es uns, und ungehorſam ſein, heißt leiden.”
Man mag fragen, warum dieſe Verhältniſſe nicht früher bekannt
geworden ſind. Rhodos iſt von den europäiſchen Hauptſtädten
weit entfernt. Jeder Beſucher von irgendwelcher Bedeutung
wird ſofort von den Behörden als Gaſt in Beſitz genommen,
und es wird dafür geſorgt, daß er nur mit wenigen ausgeſuchten
Griechen ſprechen kann, die ihre guten Gründe haben, von ihren
italieniſchen Herren nur gut zu ſprechen. Die griechiſchen
Lokal=
blätter exiſtieren unter ſtrikter Zenſur. Die Mehrheit der
Ein=
wohner aber fürchtet, daß der Fremde ſie verraten und
Gefäng=
nis oder Verbannung über ſie bringen könnte.”
Die U=Bootfrage auf
der Seeabrüſtungskonferenz.
Engliſch=japaniſche Einigung über die Frage
der Großkampfſchiffe.
EP. Genf, 2. Juli.
Obwohl die Kreuzerfrage nach wie vor die beherrſchende
Frage der Genfer Marinekonferenz darſtellt, haben die heutigen
Beratungen des techniſchen Komitees ausſchließlich der
Unter=
ſeebootsfrage gegolten. Nur in der Frage der Beſtückung wurde
eine vollkommene Einigung auf fünfzöllige Kanonen erzielt.
Im übrigen beſchränkten ſich die Verhandlungen darauf, daß
Vom Tage.
Zwiſchen den alliierten Sachverſtändigen und
General v. Pawelſz iſt ein völliges Einvernehmen
darüber erzielt worden, unter welchen Bedingungen die Zerſtörung
der Unterſtände an der deutſch=polniſchen Grenze nachgeprüft werden ſoll.
Das memelländiſche Direktorium hat wiederum drei
Vehrern, die für Deutſchland optiert haben, zum 1. Auguſt
ge=
kündigt.
Der hervorragende Berliner Kunſt= und Literaturhiſtoriker
Dr. Julius Elias iſt an den Folgen einer Ohrenoperation kurz
vor der Vollendung ſeines 60. Lebensjahres geſtorben.
Ozeanflieger Byrd und ſeine Begleiter trafen geſtern
mittag im Zug in Paris ein.
Die franzöſiſche Kolonialgeſellſchaft hat in einem
Telegramm Proteſt gegen die Abſicht erhoben,
Deutſch=
land einen Sitz in der Mandatskommiſſion
zuzuer=
kennen.
Ein offizielles Communiqué teilt mit, daß die in Marokko
operierenden verſchiedenen ſpaniſchen Truppent
abteilungen Bab Taza eingenommen und ſich dort
ver=
einigt haben.
In New=York fand die erſte Beſprechung der
Noten=
bankpräſidenten ſtatt.
Senator Borah gab eine Erklärung ab, in der Coolidge als der
wahrſcheinliche Kandidat der Republikaner und
Gouverneur Smith, New York, und Senator James Reed, Miſſouri,
als die meiſt genannten Kandidaten der Demokraten für die
amerika=
niſchen Präſidentenwahlen bezeichnet werden.
jede der drei Mächte ihren Standpunkt darlegen und erläutern
ließ. Die Unterſeebootsfrage wird noch einige Tage in Anſpruch
nehmen. Die Montagsſitzung fällt aus wegen des amerikaniſchen
Nationalfeiertages. Das wichtigſte Ereignis iſt die Beſtätigung
des engliſchen Einverſtändniſſes mit dem japaniſchen
Stand=
punkt, wonach die Frage der großen Schlachtſchiffe keinesfalls
vor der Erledigung des Programms der gegenwärtigen
Kon=
ferenz behandelt werden darf. — In der Kreuzerfrage,
die, wie wir bereits ankündigten, nicht vor nächſter Woche
wie=
der aufs Tapet kommt, ſtehen indeſſen noch ſehr große
Schwierigkeiten bevor, die um ſo weniger leicht zu
löſen ſein werden, als die urſprünglichen engliſchen Vorſchläge
auf der Annahme begründet waren, daß die Frage der
Schlacht=
ſchiffe, d. h. die Reviſion des Waſhingtoner Vertrages, vorher
werde erörtert werden können. Wie wir erfahren, überſteigen
die engliſchen Forderungen für die Kreuzerfrage
allein die Geſamttonnage, die nach den amerikaniſchen Anträgen
für Kreuzer und Zerſtörer zuſammen vorgeſehen war. Während
die Engländer anſcheinend 70 Kreuzer, eingeteilt in zwei
Kate=
gorien von 10 000 und 7500 Tonnen, fordern, ſehen die
amerika=
niſchen Vorſchläge insgeſamt nur 250= bis. 300000 Tonnen vor.
Hier liegen alſo noch große Differenzen.
Der Nachfolger des in Warſchau ermordeten
ruſſiſchen Geſandten.
B. S. Stomoniakow
iſt von der ruſſiſchen Regierung als Nachfolger des kürzlich in
Warſchau erſchoſſenen Wojkow zum Geſandten auserſehen.
Stomoniakow war früher Handelsvertreter der Sowjetunion in
Deutſchland.
* Der Kampf um die Zölle.
Regierung und Reichsrat.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Abſtimmung des Reichsrats gegen den Kartoffelzoll und
den Zuckerzoll wird in der Oppoſitionspreſſe begreiflicherweiſe
als ein großer Sieg über die Regierung Marx gefeiert. Die
Regierungspreſſe iſt ziemlich ſtill. Nur die „Deutſche
Tages=
zeitung” packt den Stier bei den Hörnern und macht darauf
auf=
merkſam, daß unter Umſtänden eine ſehr ernſte Situation
ent=
ſtehen kann. Sie legt die Verantwortung in erſter Linie auf
das Zentrum, deſſen preußiſcher Landwirtſchaftsminiſter ſich vor
wenigen Tagen noch für die Zollerhöhung ausgeſprochen hat,
und konſtruiert auch einen Zuſammenhang dazwiſchen, daß der
preußiſche Landtag, der nach Meinung der Deutſchnationalen
eine Mehrheit für die Zölle aufweiſt, nach Hauſe geſchickt wurde,
kurz bevor die preußiſche Regierung im Reichsrat ihre Stimme
gegen die Zölle abgab. Der ganze Widerſinn der Haltung des
Reichsrats zeigt ſich erſt recht, wenn man ſich vergegenwärtigt,
daß über die Herabſetzung der Zuckerſteuer — die zu den
ver=
pfändeten Abgaben gehört — lange Verhandlungen mit dem
Reparationsagenten notwendig waren, der mit der Herabſetzung
nur bei gleichzeitiger Erhöhung des Zuckerzolles einverſtanden
war, weil er nicht ohne weiteres auf die 140 Millionen, die
bisher aus der Steuer, mehr herauskamen, verzichten wollte.
Der Reichsrat hat alſo auch durch ſeine Taktik die finanziellen
Verhandlungen mit dem Reparationsagenten weſentlich
er=
ſchwert. Auch das iſt ein Grund, daß er ſich in dieſem Falle
wenigſtens ſeine Haltung noch einmal überlegen und auf einen
Konflikt es nicht ankommen laſſen wird.
Das Reichskabineit zur Zollfrage.
Berlin, 2 Juſt.
Das Reihskabinett trat heute vormittag unter dem Vorſitz des
Reichskanzlers zu einer Sitzung zuſammen, in der es ſich mict der
Ab=
lehnung des Kartoffel= und Zuckerzolles in der geſtrigen
Reichsrats=
ſitzung befaſte. Ds Kabinett beſchloß, die Frage der Zollerhöhungen
in Geſtalt einer doppelten Vorlage dem Reichstag vorzulegen, und zwar
1. die durch die geſtrigen Reichsratsbeſchlüſſe ebgeänderte
Regierungs=
vorlage, 2. den urſprünglich unveränderten Regietungsentwurf. Soweit
aus Kreiſen, die der Regierung naheſtehen, verlautet, glaubt man dort,
daß, falls der Reichstag den unveränderten Entwurf annimmt, Hann
auch verſchiedene Länder ihre geſtrige Stellungnahme im Reichsrat
revi=
dieren dürften. Man rechnet dabei vor allem auf Bayern.
Keine Rücktrittsdrohung des Reichsminiſters Schiele.
Berlin, 2. Juli.
Die Meldung eines Berliner Mittagsblattes, wonach
Reichs=
miniſter Schiele im Zuſammenhang mit der Ablehnung der
Zoll=
erhöhung für Kartoffel und Zucker durch den Reichsrat mit
ſei=
nem Rücktritt gedroht habe, trifft nicht zu. Wie es in der „Tägl.
Rundſchau” heißt, liegt nicht der geringſte Grund vor, von einer
Unſtimmigkeit innerhalb der Koalition zu ſprechen, die auch nicht
nach einem neuen Kompromiß ſuche. Die Regierung beharre auf
ihrer Vorlage, und die Regierungskoalition werde ihr dabei
zu=
ſtimmen. Das Blatt hegt übrigens die Hoffnung, daß die
Ver=
wicklung, die durch den Beſchluß des Reichsrats entſtanden iſt,
ſich wieder legen werde, und ſtützt ſich dabei auf die Annahme,
daß tatſächlich der Vertreter des Landes Sachſen im Reichsrat
infolge der Neubildung der ſächſiſchen Regierung (das ſächſiſche
Wirtſchaftsminiſterium befindet ſich jetzt in deutſchnationalen
Händen) mit neuen Inſtruktionen verſehen werde, ſo daß die
Tarifvorlage der Reichsregierung doch noch eine Mehrheit im
Reichsrat erhalten werde.
Das Ende der zweiten Woche der Marine=Konſerenz
hat das Ende der „allgemeinen Ausſprache” gebracht mit einer
Einigung über die hauptſächlichſten Charakteriſtiken der
Unter=
ſeeboote. Am Dienstag nach der Feier des amerikaniſchen
Un=
abhängigkeitstages beginnt die zweite Leſung über die heikelſte
Frage der Genfer Konferenz, die Kreuzer, die bis jetzt auch am
wenigſten geregelt iſt. Im Laufe der nächſten Woche werden
dann auch die ernſten politiſchen
Auseinander=
ſetzungen beginnen, da die Kreuzerfrage ohne eine
Behandlungdes Problems der Marineſtationen
nicht zu löſen iſt. Der engliſche Anſpruch auf eine
verhältnismäßig ſtarke Kreuzerflotte, ſtößt bei Amerika
und Japan vor allem deshalb auf Widerſpruch, weil
geltend gemacht wird, daß die Länge, der von England zu
ſchützenden Seeſvege mehr als ausgeglichen wird durch die
große Zahl der Flottenſtützpunkte, über die England in aller
Welt verfügt. Mir der Behandlung der Kreuzerfrage tritt die
Marinekonferenz zwar noch nicht in ein entſcheidendes, ſondern
in ein kritiſches Stadium ein, in deſſen Verlauf ſich die
wirk=
lichen Konferenzprobleme ſcharf herauskriſtalliſieren werden.
Ausſtellung Mathildenhöhe 1927.
Neue Kunſi
Berlin — Darmſtadt — München.
III. Heſſiſche Künſtler.
Zwiſchen die ſehr ſtark wirkende Gruppe der Berliner
Sezeſ=
ſion in den erſten fünf Sälen und die ihr in den letzten Sälen
folgende Münchener Neue Sezeſſion eingefügt, hat die Heſſiſche
Gruppe einen nicht leichten Stand. Es iſt bewundernswert und
erfreulich, wie ſie den Vergleich aushält und ſich ehrenvoll zu
behaupten weiß. Allerdings nur im Saal VII. Was im Saal VI
mit Ausnahme der zum Teil ſehr guten Aquarelle untergebracht
iſt, wäre beſſer weggeblieben.
Die Naturausſchnitte von Anna Bornemann
Ma=
thilde Hüber. Elſe Luthmer, Bertha Strauß,
Müller=Jenkhoff — von denen allen früher ſchon viel
Beſſeres zu ſehen war —, die kleinen Studien von Richard
Mager, Richard Stumm, Philipp Zeltner, Vala
Lamberger, die nur Anfänge zeigen, die noch ſo erſtaunliche
Kleinarbeit von Maria Seyd, die Landſchaftsſkizze
Ru=
dolf Bünnings das Hafenbildchen Walther
Waen=
tigs und Heinz Leitermanns phantaſtiſcher Verſuch,
auch die noch ſo ausgetüftelten Landſchaften Jakob
Wein=
heimers und Georg Altheims vollends der rein
deko=
rative Verſuch Gerhard Pfaffs — ſie würden alle etwa in
einer Kunſtvereins=Ausſtellung ihre Wirkung nicht verfehlen:
hier im großen Rahmen der Mathildenhöhe halten ſie nicht ſtand
und ſtören das Niveau.
Dagegen hängt in demſelben Sälchen eine Wand voll beſt
Aquarelle und Paſtelle. Allen voran die köſtlichen Pariſer Bl
ter von Georg Breitwieſer in feinſter atmoſphäriſch
Einfühlung, daneben Ulrich Hallerſtede, Willi Ho
ferbert in ihrer bekannten lockeren Art, Frhr. von Man
delsloh mit ſeiner virtuoſen „Zeche”, Frida Beſt,
He=
mann Rettberg, Karl Scheld mit flotten Sachen, Ri
Throll und ihm weſensnahe Adolf Schwindt mit de
rativen Stilleben, Hans Vielmetter mit einem heimatl
anmutenden Schneebildchen, Ali Lichtenſtein mit einer
fl=
ten Aktſtudie, Kurt Jaeckel mit einem feinen Interieur. E=
paar Zeichnungen, Radierungen und Linoleumdrucke von
Tol=
ler, Panitz, Reuleaux, Amersbach, Hamann
er=
gänzen den angenehmen Eindruck, der bekräftigt wird von den
in Vitrinen ausgelegten guten Tierzeichnungen von Clara
Groſch, feinen Steindrucken von Schmoll von
Eiſen=
wert, einer Radierung von E. von Schrader, trefflichen
Steinzeichnungen von Richard Stumm, Emil Stumpp
zwei Rötelzeichnungen von Fritz Stürtz, den zarten
Stift=
zeichnungen der Idi Teichmann, den farbigen Blättern von
Wilhelm Waldſchmidt und einer Sammlung reizender
Miniaturporträts auf Elfenbein, Originale und Kopien, von
Frau Becker=Emmerling.
Im Saal VII beherrſchen den Raum das meiſterliche
Bild=
nis von Richard Hoelſcher, deſſen Landſchaft dagegen
ab=
fällt, und das in vollem Farbenakkord aufklingende Stilleben
Paul Theſings. Den Blick am ſtärkſten auf ſich ziehen aber
zwei große Aktkompoſitionen des jungen Gottfried
Rich=
ter. Aus noch gärender Anſchauung und niedriger Sphäre
ſtam=
mend, verraten ſie eine außergewöhnliche Begabung von
ſicher=
lich großer Zukunft. Nächſt ihm tritt Willi Hofferbert
hervor, dem es gelingt, in ſeiner Spelunkenſzene und dem
ulki=
gen Selbſtbildnis friſch zupackend, neue klangvolle Töne
anzu=
ſchlagen. Aufhorchen laſſen die Bilder „Marktfrau” und „
Gar=
ten vor der Stadt” von Hermann Rettberg, wenn ſie auch
noch etwas das Atelier verraten, ferner Theo Gebürſch mit
ſeiner „Su”, die ſchon eine eigene Sprache ſprechen. Einen
mäch=
tigen Schritt vorwärts geht Karl Deppert in ſeinem
kompo=
ſitionell und farbig gereiften Dreibildnis und in der prachtvoll
gelungenen Kinderfigur ſeines Mutterbildes. Auch Karl
Gunſchmann zeigt ſich auf neuem Gebiet als ein
phantaſie=
voller Naturbeobachter. Auguſt Soeder, temperamentvoll
wie immer in ſeinem flotten Blütenbild, zügelt ſich in einer
großangelegten Vogelsberglandſchaft zu faſt altmeiſterlicher
Ge=
ſchloſſenheit. Richard Walter feſſelt durch die ſtark geſehene,
wenn auch in der Skizze ſteckengebliebene „Villa Trapp”, K. F.
Lippmann durch die techniſch intereſſanten „Sterbende
Blu=
men”. Mathilde Stegmayer gewinnt in ihrem Halbakt
eine neue wärmere Palette. Willi Reue ſtellt ſich in zwei
Blütenbildern vielverſprechend vor. Weniger günſtig zeigt ſich
diesmal Alexander Poſch, der mit ſeinem „Akt mit
Früch=
ten” ſich offenbar in einem Uebergang befindet. Ebenſo Lothar
Toller mit „Blick auf die Häuſer”, deſſen Stärke im figür=
lichen Interieur liegt, und Walther Reitzel deſſen
nebenan=
gehängter „Woogskarpfen” wertvoller ſcheint, als ſein „Sonniger
Hang”
Es machen ſich hier ſchon zurzeit ſtagnierende Momente
gel=
tend, die deutlicher noch in den folgenden hervortreten. Karl
Scheld vermag mit einem kleinen, allerdings kühn
hingewor=
fenen Sportbild nichts Neues zu ſagen. Ernſt Eimer beharrt
in „Alter Winkel” und „Auf Reiſen”, zeichneriſch völlendet, auf
ſeiner bekannten, fleißig durchgeführten Malweiſe. Kurt
Kem=
pin, in einem Blumenſtück ſtarke maleriſche Kultur beweiſend,
wirkt in dem großangelegten Mädchenakt akademiſch, mehr noch
Alexander Bertrand in ſeinem altmeiſterlichen Interieur.
Das virtuos gemachte Straßenbild von Anna May=Haas
wiederholt das oft von ihr behandelte Thema. Georg
Breit=
wieſer, in Aquarellen unübertrefflich, vermag in ſeinem Akt
nicht zu überzeugen. Auch von Marcell Richter waren im
vorigen Jahre friſchere Eindrücke zu gewinnen. Bei Gertrud
Ulmann hat ſich Wollen und Können noch nicht
zuſammen=
gefunden, wiewohl von ihrer „Heiligen Familie” etwas Eigenes
ausgeht. In zwei Sachlichkeitsbildern zeigt Günther
Hen=
nes klaren Farbenſinn, doch ohne eine perſönliche Note. Es iſt
leicht möglich, daß hier und dort Uebergangszeiten vorliegen,
die, wenn überwunden, zu neuen Entwicklungsſtufen führen
können.
Die heſſiſche Bildhauerkunſt ſchneidet gut ab. Mit ſtarken, in
großen Formen arbeitenden Werken ſtellt ſich A. H.
Hütten=
bach in vorteilhafter Weiſe vor. Sein Mädchentorſo, ſeine
bei=
den Bildnisbronzen ſprechen eine kräftige Sprache geſundeſter
Plaſtik. A. Antes fehlt dieſe Verankerung mit der
Wirklich=
keit. Er iſt in ſeinen weiblichen Figuren und Köpfen Aeſthet
preziöſer Art von eleganteſter Wirkung, wobei die Gefahr
be=
ſteht, daß er ſich feſtfährt. Geſunder gibt ſich Well Habicht
in ſeiner „Tanzenden” die zwar noch kein völliges Gelingen,
doch ein kräftiges Vorwärts beweiſt. Von Ali Lichtenſtein
werden talentvolle Porträtköpfe gezeigt und eine entzückende
Knabenſtatuette. Die kleine Majolikafigur von Eliſabeth
Weſtermann=Pfähler, von der früher ausgezeichnete
Köpfe zu ſehen waren, ſcheint auf eine lebergangszeit zu deuten.
Der junge Bär von Karl Wagner iſt eine friſche,
humor=
volle Arbeit.
Man hat im Saal VII den Verſuch gemacht, den Wänden
eine beſtimmtere Farbe zu geben. Der grauroſa Ton, auch
ander=
wärts bewährt, eignet ſich vortrefflich.
Gladius.
Nummer 182
Sonntag, den 3. Juli 1927
Seite 3
Zwiſchen den ruſſiſchenund engliſchen
Zentral=Trade=AnionOrganiſationen
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 2. Juli.
Wenn auch infolge des Abbruchs der diplomatiſchen
Bezie=
hungen mit Sowjetrußland kommerzielle und induſtrielle
Be=
ziehungen auf den toten Punkt geraten waren, ſo war es doch
höchſt zweifelhaft, ob die Arbeiterwelt beider Länder dem
Bei=
ſpiel folgen würde. Die internationalen Beziehungen zwiſchen
dem „All=Roten Trades Union Kongreß” und dem Generalrat
des Britiſchen Trades Union Kongreß, welche in dem „Anglo=
Ruſſiſchen Ausſchuß” zum Ausdruck gekommen ſind, mußten
bis=
her als abſolut feſte angeſehen werden. Wir haben jedoch ſchon
verſchiedentlich darauf hingewieſen, daß es ein Moment gibt,
das auch die intimſten Bande zwiſchen Britannien oder
briti=
ſchen Kreiſen und Rußland beziehungsweiſe anderen Ländern
oder ihren bezüglichen Kreiſen ſofort zum Zerreißen bringen
kann, nämlich eine Verletzung des britiſchen Selbſtbewußtſeins,
ein Verſuch der Einmiſchung oder Bevormundung. Ohne dieſes
Moment hätten die ruſſiſchen Kommuniſten ſchon längſt die
britiſchen Trade Unions gänzlich untergraben, den jetzigen Trade
Union Kongreß ſprengen oder unter ihren beherrſchenden
Ein=
fluß bringen können. Aber das „eivis britannieus sum” ſteht
allem dem gegenüber wie die Felſenküſte der Meeresbrandung.
Da hat nun vorgeſtern der „All=Rote” Kongreß an das
ruſſiſche wie britiſche Proletariat ein Manifeſt erlaſſen, für das
man hier ſofort die Bezeichnung „ein ganz impertinentes”
ge=
funden hat und das den Beweis liefert, daß die Urheber an
taktiſchem Ungeſchick Reichliches leiſten. Das Manifeſt tadelt
den Generalrat wegen ſeiner Tätigkeit in Verbindung mit dem
diplomatiſchen Bruch in ſchärfſter Weiſe. Die Beſtrebungen,
eine Verſammlung des Vereinigten Anglo=Ruſſiſchen
Aus=
ſchuſſes abzuhalten, ſeien nur auf Ausflüchte und Sabotage
ge=
ſtoßen. Darum wende man ſich direkt an die britiſchen Arbeiter
Der Generalrat ſei ſchuld, daß der Grubenſtreik ein ſo
unrühm=
liches Ende genommen habe, ſowie an dem Ausſchluß der
Kom=
muniſten aus der Arbeiterpartei. Die britiſchen Führer hätten
auf den Bruch mit den Sowjets hingearbeitet, und ihre Politik
bezüglich des Arcos=Raids habe tatſächlich den Zweck gehabt,
den Anglo=Ruſſiſchen Ausſchuß zu ſprengen. Ihr Proteſt=
Tele=
gramm gegen die Sowjet=Broſchüre „Spione der Weißen Garde‟
ſei eine direkte Beſchimpfung geweſen und bedeute einen
ſcham=
loſen Anſchluß der Führer des Generalrates an die von einer
ſeilen Bouvgeoispreſſe inſzenierte Antiſowjet=Kampagne. Am
Schluß wird das ganze Verhalten des Generalrats als Verrat
gebrandmarkt, und es wird indirekt mit Krieg gedroht, der nur
dadurch vermieden werden könne, daß die britiſchen Trade
Unions ſich erhöben und die von den Ruſſen geforderte volle
Anerkennung verlangten.
Nach Anſicht der Mitglieder des Generalrats des Trades
Union Kongreſſes bedeutet dies ſchöne Schriftſtück einen über= Polizei im Redaktionsgebäude eingeleiteten Unterſuchung
ver=
legten Bruch des zwiſchen den beiden Sektionen des Anglo=
Ruſſiichen Ausſchuſſes beſtehenden Abkommens. Eine Fortſetzung
der Verſammlungen des Ausſchuſſes könne zu nichts Gutem
führen. Jeder noch beſtehende Zweifel werde infolge dieſes
Manifeſtes verſchwinden, das ohne Vorlage an den Kongreß
direkt an die Mitglieder der Unions gerichtet ſei. Der
Inter=
nationale Ausſchuß des Kongreſſes iſt jetzt mit Erwägung der
Beziehungen zwiſchen den beiden Organiſationen beſchäftigt
und wird ſeinen Bericht dem Generalrat vorlegen, was, wenn
nicht unvorherzuſehende Entwicklungen eintreten, zum Abbruch
allen Beziehungen zwiſchen den Trade Union=Bewegungen
Großbritanniens und Rußlands führen wird. Solche
Bezie=
hungen würden dann nur noch ſeitens der britiſchen Kommu= nun ſchon länger als zwei Monate von der Ausübung ſeines
niſten unterhalten werden.
ſtehende Blatt, brir gt die ſenſationelle Meldung, daß die Frage jetzt behauptet, daß die deutſche Regierung ſich mit dem
Ge=
der polniſchen Stabiliſationsanleihe bis zum Herbſt jetzt end= danken trage, einen Interimsgeſandten bis zur Rückkehr des
bei der New Yorker Börſe im gegenwärtigen Augenblick
un=
möglich ſei. Seit einigen Tagen ſei jedoch von der Regierung in München, wo er ſich die Mandeln wegnehmen läßt. Er
leihe verhandelt worden. Man habe eine Einigung erreicht in können. Für dieſe kurze Friſt lohnt es ſich wohl kaum noch,
der Form, daß Polen 15 Millionen Dollar in Form einer kurz= eine beſondere Stellvertretung zu ſchaffen. Intereſſant iſt dabei
friſtigen Inveſtitionsanleihe zu 6 Prozent erhalten ſoll. Der
Vertrag werde in den nächſten Tagen durch den Finanzminiſter nur, daß von franzöſiſcher Seite als Erſatz auch der deutſche
Pzechowicz und die amerikaniſchen Vertreter des Konſortiums Geſandte in Warſchau, der Sozialdemokrat Rauſcher, genannt
Monnet und Cloſe unterſchrieben werden. 10 Millionen Dollar wird, der in Warſchau überfällig iſt und eigentlich durch Herrn
ſeien für Wirtſchaftszwecke beſtimmt, 5 Millionen für die Bank Rieth, den bisherigen Vertreter Hoeſch, erſetzt werden ſollte.
Polſki. Das Blatt behauptet, daß die große Anleihe auch noch
zuſtande kommen ſolle, jedoch nicht, bevor es möglich ſein werde,
einen normalen Obligationskurs an den amerikaniſchen Börſen ment zurückgeſtellt werden, das im Laufe des Sommers erwartet
zu erreichen.
*Hermann Heſſe.
Zu ſeinem 50. Geburtstag.
Hermann Heſſe, eine der reichſten Dichtergeſtalten unſerer
Zeit, hatte ein ſehr wechſelreiches Leben hinter ſich, als er zum
erſten Male mit ſeinem Werk an die Oeffentlichkeit trat. Er iſt
am 2. Juli 1877 in Calw geboren, iſt aber ſchon in ſeiner
frü=
heſten Jugend mit ſeinen Eltern nach der Schweiz gezogen, wo
er eine zweite Heimat gefunden hat. Seine Ausbildung erhielt
er zuerſt in dem Seminar zu Maulbronn, das er fluchtartig
verließ, um das Gymnaſium zu Cannſtatt zu beſuchen. Er
wurde dann Handwerkerlehrling, und zwar Mechaniker in einer
Uhrenfabrik. Aber auch dieſer Beruf feſſelte ihn nicht, ſondern
er widmete ſich ſchließlich in Tübingen dem Buchhandel. Das
erſte große Aufſehen erregte er im deutſchen Schrifttum durch
ſeinen Roman „Peter Camenzind”, der in Berlin bei S. Fiſcher
erſchien und bald eine große Anzahl von Auflagen erlebte. Eine
eigentümliche Dichterperſönlichkeit tar ſich in dieſem Roman
kund. Es waren weniger die tiefen Probleme, als das
eigen=
tümliche Lebensſchickſal des Helden, eines jungen
Bauern=
burſchen, und ſein tiefes und reiches Weltgefühl, das das
Ent=
zücken der Leſer bildete. Fern von den ausgetretenen Wegen
der Unterhaltungserzählungen hatte ſich hier ein Talent
offen=
bart, das an die beſten Geiſter der deutſchen Dichtung, an Jean
Paul, Novalis, Eichendorff und Möricke gemahnte. Schon
vor=
her hatte Hermann Heſſe mehrere Werke erſcheinen laſſen, unter
ihnen einen Band Gedichte, die er ſelbſt in richtiger Erkenntnis
ſeines innerſten Weſens „Romantiſche Lieder” nennt. Auch ſeine
ſpäteren Werke, wie z. B. „Hermann Lauſcher”, ſind von dem
Weſen der Romantik erfüllt. Alle Dichtungen Heſſes zeichnen
ſich dadurch aus, daß ſie gleich den Dichtungen Goethes
Lebens=
bekenntniſſe ſind. Am klarſten prägt ſich dieſer Charakter in der
Erzählung „Unterm Rad” aus, in der die Jugend Heſſes
dar=
geſtellt iſt, der innere Widerſtreit zwiſchen Schule und Leben,
zwiſchen Ideal und Wirklichkeit. Ein hochſtrebender Geiſt, der
die Welt mit eigenen idealen Augen ſieht, hat ſich hier
offen=
bart. Die gleichen Selbſtbekenntniſſe finden wir in den Romanen
„Gertrud” und „Roßhalde‟. Heſſe hatte ſich nach dem Erfolge
ſeines Romans „Peter Camenzind” verheiratet, aber in der Ehe
nicht die Ruhe und das Glück gefunden, von denen er geträumt
hatte. Beſonders der Roman „Roßhalde” ſtellt eine dichteriſche
Verklärung ſeiner Eheſchickſale dar. Der romantiſche und aben=
Folgen der Daudet=Befreiung.
Verhaftung der Telephoniſtin der „Action Frankaiſe.”
EP. Paris, 2. Juli.
Die Telephoniſtin der „Action Frangaiſe”, Frau Montard,
die ſeinerzeit aus dem Dienſte der ſtaatlichen
Telephonverwal=
tung entlaſſen worden war, weil der Verdacht beſtand, daß ſie
amtliche Geſpräche der Miniſter durch die „Action Frangaiſe‟
mithören ließ, iſt verhaftet und in das Santé=Gefängnis
ein=
geliefert worden. Der Unterſuchungsrichter erklärte ihr in einem
Verhör, der telephoniſche Anruf, der zur Freilaſſung Daudets
führte, ſei nicht vom Innenminiſterium ausgegangen, ſondern
von der geheimen Telephon=Zentrale der „Action Franeaiſe” halboffiziell dementiert wurde. Von Poincaré naheſtehenden
und ſo werde ſie — Frau Montard — als einzige Telephoniſtin Stellen verlautet beruhigend, daß der Franken noch ſehr lange
der „Action Frangaiſe” der Mitſchuld an der Amtsanmaßung
bezichtigt. — Vier Camelots du roi, die am 30. Juni nach einer
rohaliſtiſchen Verſammlung in Boulogne=ſur=Seine wegen
ver=
botenen Waffentragens, feſtgenommen worden waren, wurden
heute zu je ſechs Tagen Gefängnis und zu Geldſtrafen verurteilt.
Pujo, der Chefredakteur der „Action Frangaiſe‟,
wurde anläßlich der in der Daudet=Affäre von der franzöſiſchen
haftet. Pujo wird beſchuldigt, davon gewußt zu haben, daß
eine Myſtifikation der Staatsgewalt beabſichtigt worden war.
Die Unterſuchung hat ergeben, daß die Telephonzentrale der
„Action Frangaiſe” für das Abhören fremder Geſpräche und für
die Umſtellung auf andere Linien beſonders eingerichtet war.
Hoeſch” Vertreiung.
* Berlin, 2. Juli. (Priv.=Tel.)
Die Erkrankung des deutſchen Botſchafters von Hoeſch, der
Amtes ferngehalten wird, hat ſich bei den ſchwierigen
Verhand=
lungen in der letzten Zeit wiederholt ſtörend bemerkbar gemacht,
Die polniſche Amerika=Anleihe geſcheitert. zumal, da ſein Vertreter Rieth nicht immer ſonderlich glücklich
Die heutige „Glos Prawda”, das der Regierung nahe operiert hat. Trotzdem iſt es wohl unrichtig, wenn der „Matin”
gültig vertagt wurde, da die Emiſſion einer Auslandsanleihe Herrn von Hoeſch zu ernennen. Herr von Hoeſch iſt gegenwärtig
mit dem amerikaniſchen Konſortium über eine kurzfriſtige An= glaubt, in ſpäteſtens 14 Tagen ſein Amt wieder aufnehmen zu
Alle dieſe Fragen werden aber wohl bis zum großen
Reviere=
wird.
teuerliche Geiſt Heſſes findet einen eigentümlichen Ausdruck in
den Landſtreichergeſchichten „Knulp” und „In der alten Sonne‟.
Dieſe Vorliebe für die fahrenden Geſellen teilt Hermann Heſſe
mit anderen heutigen Dichtern, wie z. B. Bonſels, Eulenberg.
Das äußere Leben des Dichters wurde, wie das Leben jedes
Deutſchen, durch den Kriegsausbruch beeinflußt. Schon mehrere
Jahre vor dem Weltkrieg hatte ſich Heſſe in Bern angeſiedelt,
wo er während des Krieges bei der Geſandtſchaft tätig war. Er
erzählt über dieſe Zeit folgendes: „Lange war ich nicht mehr
in Deutſchland geweſen. Erſt hatten mich äußere Mächte
zurück=
gehalten, dann war im Laufe des Krieges auch ich der Grenze
der Dienſtpflichtigen nahe gerückt und mußte fürchten, nach einem
Beſuch drüben niche mehr zurückgelaſſen zu werden. Als endlich
der Befehl zum Einrücken auch an mich erging, hatte ich längſt
im Anſchluß an ſchweizeriſche Organiſationen ein kleines Stück
Arbeit im Dienſte der Gefangenen übernommen und wurde nicht
genötigt, dieſe Arbeit mit der kriegeriſchen zu vertauſchen.”
Wäh=
rend des Krieges entſtand ſeine Dichtung „Demian”. Heſſes
Geiſt wurde immer inniger an das Kosmiſche gebunden, und die
tiefſten Probleme des menſchlichen Lebens, myſtiſche und magiſche
Fragen drängten ſich ihm auf und fanden ihre Löſung in dem
Roman „Siddhartha” und in der Novellenſammlung „Klingſors
letzter Sommer”. Sein letztes großes Werk iſt der Roman
„Steppenwolf”, in dem er den Kampf ſchildert, den ein beſeelter
Menſch gegen das Zeitalter der Maſchine führt. Es iſt vielleicht
das tiefſte Werk, das Heſſe hervorgebracht hat.
*Zur Forſchung über das Weſen der
Krebs=
erfrankung.
Die Münchener mediziniſche Fakultät hat das Recht, den
Nordhof=Jung=Preis für die wichtigſte Arbeit über das
Krebs=
problem zu verleihen. Der erſte Preisträger war ſeinerzeit der
Kopenhagener Forſcher Fiebiger. Die diesmalige Verleihung
er=
folgte am 22. d. M. in feierlicher Weiſe an Prof. Warburg,
Berlin, durch Geh. Rat v. Romberg in Gegenwart der
ge=
ſamten Fakultät und eines großen Teiles der Münchener
Aerzte=
ſchaft mit der Begründung, daß „die vergleichenden Verſuche
Warburgs über Abbau und Wuchs normaler und
Geſchwulſt=
gewebe die wichtigſten der letzten Jahre ſind.‟ Dann ſprach Prof.
Warburg ſelbſt in lichtvoller Weiſe über ſeine Unterſuchungen.
Mißſimmung in Paris.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Pavis, 2. Juli.
In der breiten Oeffentlichkeit und beſonders in franzöſiſchen
Wirtſchaftskreiſen ſind ſeit einigen Tagen politiſche
Alarmnach=
richten verbreitet, Nachrichten, die jeder poſitiven Grundlage
entbehren, welche aber unzweifelhaft zu der Geſtaltung der
gegenwärtigen Stimmung oder Verſtimmung beitrugen. Man
ſprach von dem bevorſtehenden Sturz der Regierung — in
par=
lamentariſchen Kreiſen wußte man nichts davon — und von
einer weiteren Revaloriſierung des Franken, was inzwiſchen
auf ſeinem bisherigen Niveau bleiben wird . .
Man iſt alſo in dieſer Hinſicht nunmehr beruhigt. Die
allgemeine Verſtimmung will aber nicht ſchwinden. An der
Börſe herrſcht vorwiegend Stille. Sie iſt öd und verlaſſen, und
wie ſtets bei ſolchen Gelegenheiten, ſucht man die verzweifelte
Lage, die ſchon der Situation von 1921 ähnelt, durch myſteriöſe
politiſche Urfachen zu ergründen, ebenſo wie für den — übrigens
unerklärlichen — ſchlechten Gang der Geſchäfte die Politik
ver=
antwortlich ſein ſoll.
In Wirklichkeit läßt ſich aber über die innenpolitiſche Lage
in Frankreich nichts Beſtimmtes ſagen, was die allgemeine
Ver=
ſtimmung rechtfertigen würde. Nur daß alles ins Stocken
ge=
raten iſt. Die Regierung der nationalen Einigung hat ihren
Elan verloren. Sogar der Kampf gegen die Kommuniſten ſtockt,
Daudet hat mit ſeiner wunderlichen Extratour die
Aufmerkſam=
keit von der kommuniſtiſchen Gefahr abgelenkt. Er hätte der
äußerſten Linken keinen beſſeren Dienſt erweiſen können. Der
Rechten fällt es ſchwer, gegen die Kommuniſten zu donnern,
weil die Aufmerkſamkeit von der Tätigkeit der „Action
Fran=
gaiſe” gefeſſelt wird.
Von der Verfolgung der kommuniſtiſchen Abgeordneten hört
man alſo nichts. Dafür wird aber die Wahlreform verhandelt,
und man befürchtet peinliche Debatten. Die Zahl der
Abge=
ordneten ſoll gemäß der Vorlage von 584 auf 611 erhöht werden.
Der Antrag Bonnefous, daß man die Zahl der Mandate auf
500 beſchränken ſoll, findet — ſelbſtverſtändlich — keinen
An=
klang. Der Auffaſſung der breiten Maſſen würde indeſſen
dieſe Löſung beſſer entſprechen. Es iſt alſo eine ziemlich heikle
Frage ...
Die Wahlreform hat übrigens von ihrem konfuſen Aſpekt
nichts verloren. Wenn ſie ſchnell erledigt werden ſoll, ſo muß
man zu weitverzweigten Kompromiſſen greifen. Anders iſt das
Zuſtandebringen einer Mehrheit in kurzer Zeit nicht denkbar.
Der vertragsloſe Zuſiand in den
deutſch=
franzöſiſchen Handelsbeziehungen.
* Berlin, 2. Juli. (Priv.=Tel.)
Nach den Erklärungen, die von der franzöſiſchen Regierung
vorliegen, hat ſie die ernſte Abſicht, den vertragloſen Zuſtand
im deutſch=franzöſiſchen Handelsverkehr möglichſt abzukürzen.
Die Beſprechungen zwiſchen der deutſchen Delegation und dem
franzöſiſchen Handelsminiſter haben bereits begonnen auf der
Grundlage, daß zur Zeit über ein Interimsabkommen von
einem Jahr verhandelt wird, das aber gleichzeitig auch auf die
Wünſcher der deutſchen Exportinduſtrie mehr Rückſicht nimmt,
als das bei den bisherigen Proviſorien geſchah. Die
Unter=
händler legen einen ſehr ſtarken Optimismus an den Tag und
glauben, daß es ihnen gelingen wird, im Laufe der kommenden
Woche bereits zum Abſchluß zu kommen, ein Optimismus, den
man nach den bisherigen Erfahrungen nur bedingt teilen kann.
Die Gewerkſchaftsverireter
des beſetzten Gebietes beim Reichskanzler.
Berlin, 2. Juli.
Reichskanzler Dr. Marx empfing heute in ſeiner Eigenſchaft
als Reichsminiſter für die beſetzten Gebiete Vertreter der
Spitzen=
gewerkſchaften und des Gewerkſchaftsausſchuſſes für die beſetzten
Gebiete. In längerer Ausſprache würdigte der Reichskanzler
die vaterländiſche Haltung der Bevölkerung an Rhein und Ruhr
und teilte mit, daß er angeordnet habe, den Arbeitnehmeranteil
des im Reichsetat vorgeſehenen 30=Millionen=Fonds zur
Linde=
rung der Notlage im beſetzten Gebiet in Höhe von 10 Millionen
Reichsmark alsbald ſeiner Zweckbeſtimmung zuzuführen.
Danach ſchließen ſeine Stoffwechſelunterſuchungen die
Infektions=
theorie völlig aus. Alle früheren und jetzigen Entdeckungen von
Krebserregern ſeien Irrtümer. Das normale Gewebe atmet
unter Sauerſtoffaufnahme, die Geſchwulſtgewebe zeigen aber
neben verringerter Atmung vor allem Milchſäuregärung. Die
Gärung iſt nach Paſteur Leben ohne Sauerſtoff, was auch für
die Tumorzelle zutrifft. Dabei ſind Wachstum und
Milchſäure=
gärung verkettete Vorgänge. Bei einer Schädigung der
menſch=
lichen Zelle wird ihre Atmung zuerſt betroffen; es ſei möglich,
daß die Zuſammenſetzung des Blutſerums darüber entſcheide, ob
ſich eine Gärung bei der Zellſchädigung bilde oder nicht. Dr. A. G=
Neue Bücher.
Vittorias Vollendung. Roman von Herm. Cl. Koſel. Verlag bon
Rich. Bong, Berlin. Broſch. Mk. 4.—.
Carlo, der häßliche Novize eines Kloſters in Palermo, der den
Beruf zum Künſtler in ſich fühlt, entflieht aus dem Zwange des Kloſters
und kommt nach mancherlei Erlebniſſen nach Rom, wo er ſich dem 8
i=
jährigen Michelangelo nähert, der wie er von häßlicher Geſtalt iſt.
Tief=
ſinnige Geſpräche über Schönheitsideal, Kunſt und Poeſie führen ſie
zuſammen, und Carlo wird ein Schüler des Meiſters, der ihm Vorbild
ſeines künſtleriſchen Schaffens bleibt. Er wird ſelbſt ein berühmter
Bildhauer und Dichter. Als ſeine letzte Aufgabe erkennt er die größte
Ver=
vollkommnung der Seele und er will die von ihm geliebte ſchöne Vittoria,
eine Geliebte ſeiner Jugend, die ihn wegen ſeiner Häßlichkeit
zurück=
geſtoßen hat und auf Irrwegen gewandelt iſt, zur Vollendung führen,
denn Schönheit kann erſt mit Geiſt gepaart vollendet werden; er will
die Idee der ſinnlichen Schönheit ins Vollkommene erheben und die
Dämonen in ihrer Seele austilgen, damit ihre Seele durch ihn
voll=
kommen werde. Ihrer beider Schickſal iſt ſchon zu römiſcher Zeit von
einem Paare, der ſchönen Claudia, in deren aufgefundener Statue er
die Vittoria verkörpert ſieht, und dem häßlichen Nerſis vorgelebd
worden. Sein Plan gelingt und beide vereinigen ſich, nachdem die
ſchöne, bisher hochmnitige Vittoria nach ſeeliſcher Wandlung in „
gött=
licher Vergeiſtigung” in dem häßlichen Carlo deſſen ſchönen Geiſt und
ſeeliſche Größe zu verehren gelernt hat. Dieſe mit pſychologiſcher
Ver=
tiefung und dichteriſcher Geſtaltungskraft geſchilderte ſeeliſche
Wand=
lung iſt der Kernpunkt des bedeutenden Romans, in dem Myſtik, Symt
bolik und entfeſſelte Erotik Untertöne für das Seelengemälde abgeben,
und der in ſeiner Idee, künſtleriſchen Geſtaltung und Sprache als ein
großes Gedicht in Proſa bezeichnet werden kann. In dieſem Sinne
verdient er, wie desſelben Verfaſſers Dürer= und Michelangelo=Romane
U.
die Beachrung der gebildeten Leſerwelt.
Geite 4
Sonntag, den 3. Zult 1927
Nummer 182
Familiennachrichten
Ich bin heute angekommen!
Hannelore Kreiſchmer
Darmſtadt Gutenbergſtr. 76
2. Juli 1927. (10646
Ihre Verlobung beehren ſich
anzuzeigen:
Mariechen Schöneberger
Heinrich Hahn
Ihre Vermählung geben bekannt:
Dr. phil. Daniel Peters
Flora Peters, geb. Kehrer
Darmſtadt, den 2. Juli 1927. (17364
Weiterſiadt, 3 Juli 1927.
17210)
Dank.
Mit ſreudig bewegtem Herzen drängt
es uns, all den vielen lieben Menſchen,
die die Feier unſererSilbernen Hochzeit
durch herzl. Glückwünſche, ſchönen
Ge=
ſchenken und die herrlichen Blumen
ver=
ſchönt haben, auf dieſem Wege unſeren
tiefempfundenen Dank zu ſagen.
Friedrich Seeger und Frau
Marie Kath., geb. Göbel.
Nieder=Ramſtadt, Juni 1927. (10628
Danrfagung.
Für die zahlreichen Beweiſe
aufrichtiger Teilnahme bei dem
Heimgange unſeres lieben, guten
Vaters ſagen wir auf dieſem
Wege unſern innigen Dank.
Geſchwiſter Hölzel.
Darmſiadt, den 3. Juli 1927.
(17484)
Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die bielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme und
überaus reichen Blumenſpenden bei dem Heimgang unſeres
lieden Entſchlafenen
Herrn
Belel Beuen
ſprechen wir hiermiſt allen Verwandten und Bekannten
von nah und fern unſeren herzl. Dank aus. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Zimmermann für ſeine
troſi=
reichen Worte am Grabe, ſowie den Schweſiern der
Schloß=
gemeinde für ihre liebevolle, aufopfernde Pflege während
ſeiner langen Krankheit, ferner für die letzten Ehrungen
und Kranzniederlegungen, ſowie die ehrenden Nachrufe,
dem Darmſtädter Streichorcheſter, dem Geſangverein
Har=
monie, den in treuer Liebe gedenkenden Freunden, dem
Odenwaldklub „Frankonia”, der Schuhmacher=
Zwangs=
innung Darmſiadt und dem Reichsbund der
Kriegs=
beſchädigten und Hinterbliebenen, ſowie allen denen, die
ihn zur letzten Ruhe begleiteten.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Becker Wwe.
und Kinder.
Darmſtadt, den 2. Julf 1927.
Geiſiberg 6.
Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme bei dem Heimgange unſeres
unvergeßlichen, teuren Entſchlafenen
Herrn
Hermann Eggert
Allen meinen innigſten Dank
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Roſa Eggert Wwe.
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Sonntag, den 3. Juli 1922
Seite 3
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 3. Juli.
Zur Denkmalsweihe für die heſſiſche Artillerie und ihre Toten, die
heute ſtattfindet, ſind bereits ſeit geſtern mittag in großer Zahl ehemalige
Angehörige der Artillerie=Regimenter Nr. 25 und Nr. 61 hier
ein=
getroffen und am Haupt= und Oſtbahnhof durch Empfangsausſchüſſe
be=
grüßt worden. Im Beſſunger Herrngarten fand geſtern ein
Be=
grüßungsabend ſtatt, der ſtark beſucht war, trotz der Ungunſt der
Wit=
terung. Leider konnte deshalb die hierfür vorgeſehene Feſtfolge nicht
ganz durchgeführt werden, denn der zeitweilig heftiger einſetzende Regen
machte den Aufenthalt im Freien faſt unmöglich. Die geplante
Garten=
beleuchtung mit Feuerwerk und andere Veranſtaltungen mußten leider
ausfallen. Es konzertierten zwei Kapellen, die Regimentsmuſik des
5. Artillerie=Regiments in Fulda unter Leitung des Herrn
Muſik=
meiſters Hewers, und die Kapelle des Reichsbundes ehemaliger
Militär=
muſiter, Ortsgruppe Darmſtadt, unter Leitung des Herrn
Obermuſik=
meiſters a. D. Weber. Die Vortragsfolge brachte eine Reihe
vorzüg=
lich geſpielter Märſche. Alle Darbietungen wurden mit lebhaftem
Bei=
fall aufgenommen. Am Denkmal Ludwigs I. und Ludwigs IV., am
Landeskriegerdemkmal, am Veteranendenkmal 1782—1815 im
Herm=
garten, am Denkmal für die Gefallenen 1870/71 vor der Artilleriekaſerne,
auf dem Ehrenfriedhof des Waldfriedhofes und an dem Gedenkſtein am
Fuß der Ludwigshöhe wurden Kränze niedergelegt.
— Heſſiſches Landestheater. Friedrich Neubauer wurde von
Berlin nach Darmſtadt ans Landestheater als erſter Regiſſeur des
Schauſpiels verpflichtet.
— Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Heffſiſchen Landestheaters.
Leitung Direktor Adalbert Stefſter. Heute Sonntag finden zwei
Vor=
ſtellungen ſtatt. Nachmittags 3½ Uhr wird als Familien= und
Fremden=
vorſtellung zu kleinen Preiſen 1—3 Mark zum letzten Male die Operette
„Die Roſe von Stambul” gegeben; abends 8 Uhr gelangt die Operette
„Die Tereſina” mit Mizzi Marx=Freiberg als Gaſt zur Aufführung
Morgen, Montag, (2. Vorſtellung für Montagsmieterk und täglich
abends 8 Uhr ſinden Wiederholungen der Operette „Die Tereſina” mit
Mizzi Marx=Freiberg als Gaſt ſtatt.
* „Der Anſchluß Oeſterreichs als deutſches Problem” lautete das
Thema eines Vortrages, den Herr F. S. Langer, Frankfurt,
Vorſitzender des Landesverbands Heſſen und Heſſen=Naſſau des
Oeſter=
reichiſch=Deutſchen Volksbundes, im Fürſtenſaal hielt. Die Verſammlung
war von einem vorbereitenden Darmſtädter Komitee einberufen, um hier
eine Ortsgruppe des Volksbundes ins Leben zu rufen. Dem
Hauptvor=
ſtand des Bundes, der ſeinen Sitz in Berlin hat, gehören führende
Perſönlichkeiten aus allen Parteilagern an. Erſter Vorſitzender iſt
Reichstagspräſident Löbe. Auch der Wiener Hauptvorſtand weiſt eine
überparteiliche Zuſammenſetzung auf. Das Ziel, das der Oeſterreichiſch=
Deutſche Volksbund erſtrebt, iſt der Anſchluß Deutſch=Oeſterreichs an das
Deutſche Reich auf Grund des Selbſtbeſtimmungsrechtes der Völker
und der Friedensverträge. Ferner fordert der Volksbund das
uneinge=
ſchränkte Selbſtbeſtimmungsrecht und den Minderheitenſchutz der unter
Fromdherrſchaft verbliebenen deutſchen Volksteile, insbeſondere in den
Alpen= und Sudetenländern. Im Rahmen dieſer politiſchen Ziele will
er die Intereſſen der im Reiche lebenden Deutſchen aus dem ehemaligen
Oeſterreich=ungarn wahrnehmen, insbeſondere in Fragen der Einbür= des und Zuwahl der Herren Staatsrat Block, Prof. Hüthwohl,
gerung und rechtlicher Gleichſtellung mit den deutſchen Reichsangehörigen.
Den geſtrigen Abend eröffnete Stadtv. Leuſchner mit einer Anſprache,
in der er die Vertreter der Behörden begwüßte und auf das Programm
des Oeſterreichiſch=Deutſchen Volksbundes hinwies. Es ſei zu wünſchen.
daß auch in Darmſtadt eine Ortsaruppe des Bundes entſtehe. Der
Redner des Abends, Herr F. S. Langer, erinnerte zu Beginn ſeines
Vortrags daran, daß bereits einmal eine Ortsgruppe des Bundes hier
beſtanden hat, die aber zerfallen iſt; aber Darmſtadt ſei ein ſo
wich=
tiger Ort, daß der Verſuch, die Ortsgruppe wieder zu beleben,
unbe=
dingt erneuert werden müßte. Die Anſchlußfrage wird, wie der Redner
weiter ausführt, in Deutſchland anders bewertet als in Oeſterreich wo
ſich z. B. bei Probeabſtimmungen in Tirol 98 und in Salzburg 99 Proz.
der Bevölkerung für Deutſchland ausgeſprochen haben. Das
Anſchluß=
verlangen wird aber ſo lange in der Luſt hängen, wenn es nicht
Widerhall in Deutſchland findet, wenn 60 Millionen im Reich den
An=
ſchluß nicht als nationale Frage anſehen, ſondern nur Betrachtungen
über die kulturellen und wirtſchaftlichen Vorteile des Anſchluſſes anſtellen.
In Deutſchland iſt man zu leicht geneigt, nur die wirtſchaftliche Seite
der Frage in den Vordergrund zu ſtellen. Die deutſchen Wirtſchaftler
erklären, daß die Vorteile auf deutſcher Seite liegen; in jüngſter Zeit
haben ſich ſelbſt die Schwerinduſtriellen in Oeſterreich, die früher
An=
ſchlußgegner waren, für den Zuſammenſchluß mit Deutſchland
ausge=
droht ſei. Kulturell iſt gar kein Unterſchied zwiſchen Deutſchland und
über Oeſterreich führt der Weg zum Balkan und nach dem Oſten. Wien
iſt das Hamburg des Oſtens. Mit dem Anſchluß Oeſterreichs werden
nicht ſo viele Katholiken an das Reich kommen, wie dieſes durch den
Verluſt von Elſaß=Lothringen und Oberſchleſien verloren hat; man kann
alſo nicht behaupten, daß durch den Anſchluß der Proteſtantismus
be=
droht ſei. Kulterell iſt gar kein Unterſchied zwiſchen Deutſchland und der Werbeſonntag, den die Damen der Frauenortsaruppe mit bewähr=
Oeſterreich zu machen. Die Muſik der Nationalhymne iſt von einem
Oeſterreicher, Beethoven und Brahms, die in Oeſterreich zu Ehren
kamen, waren Reichsdeutſche. Wie ſind da noch Unterſcheidungen
mög=
lich2! Merkwürdigerweiſe ſt der Oeſterreich=Deutſche Volksbund Hauptergebniſſe und der Darmſtädter Ortsausſchuß der vereimigten
land; man lebt hier eben des Glaubens, es ſei eine Sache, die doch von
ſelbſt kommt. Es iſt aber eine Geſchloſſenheit der Nation notwendig; ehrlich Teil beigeſteuert hat.
der Anſchluß wird jedoch nur kommen, wenn daſür gearbeitet wird.
Bedauerlich iſt es, daß die Anſchlußfrage nicht mit mehr Begeiſterung
behandelt wird. Der Sinn und Zweck dieſer Verſammlung iſt für die
Idee eines Großdeutſchlands zu arbeiten, damit dieſer Traum in
Er=
füllung geht. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem
Beifall aufgenommen. Der Rede folgte eine Ausſprach:. Der Abend
ſchloß dann mit der vorläufigen Bildung einer Darmſtädter Ortsgruppe
des Oeſterreichiſch=Deutſchen Vollsbundes e. V. deſſen Vorſitz Herr dieſem Vortrag beſonders eingeladen. Gäſte ſind willkommen.
Schulrat Haſſinger übernommen hat, an den auch Beitrittserklärungen
zu richten ſind. Auch wurde ein Arbeitsausſchuß gebildet, dem
Ange=
hörige der verſchiedenſten Berufe und Parteirichtungen angehören.
— 25jähriges Geſchäftsjubiläum. Am 1. Juli waren es 25 Jahre,
daß das Geſchäft von Anton Fiſcher, Moosbergſtraße 49, unter
der jetzigen Führung ſeines Sohnes Martin Fiſcher beſteht.
— Die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft hat Herrn Direktor
Dr. Feigel zu einem öffentlichen Lichtbildervortrag über die
Mit=
telrheiniſche Kunſt und die Darmſtädter Ausſtellung
gewonnen. Da Herr Direktor Feigel der berufenſte Kenner dieſes
Kutſt=
gebietes und zugleich der Schöpfer der Darmſtädter Ausſtellung iſt,
diirfte der Vortrag in weiteſten Kreiſen lebhaftes Intereſſe finden. Der
Vortrag findet am Samstag, den 9. Juli 8 Uhr, im Feſtſaale der Ver= 2. Juli. Spargeln 1. Sorte 80—100, 2. Sorte 40—50, Kohlrabi 8—15
einigten Geſellſchaft ſtatt und tritt anſtelle des Shakeſpeare=Abends, Karotten 4—7. Rote Rüben 6—10, Spinat 40, Römiſckkohl 12—20.,
Weiß=
deſſen Veranſtaltung infolge Verhinderung des Generalintendanten kraut 25, Wirſing 20—25, Buſchbohnen 50—100, Wachsbohnen 50—60,
Legal leider unmöglich geworden iſt.
— Mozartverein. Seinem Beſtreben, den Mitgliedern eigenartige
geſellſchaftliche Veranſtaltungen zu bieten, bleibt der Verein auch diesmal
Perein ſir de Deuſchun im Auland.
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umwerfen. Denn der „Halbe Mond” bleibt bei jeder Witterung
glänzend: (Siehe Anzeige.)
—Rezitation. Am Donnerstag, den 7. Juli, abends 8 Uhr rezitiert
das Mitglied des Heſſiſchen Landestheaters Dr. Epnſt Rottluff im Saale
des Muſikvereins, Steinſtraße 22, lyriſcke Dichtungen des jungen
Darm=
ſtädter Dichters Peter Gerhard, über die anerkamte Perſönlichkeiten
der deutſchen Literatur höckſt bemerkenswerte Urteile abgegeben haben,
Die Veranſtaltung wird in literariſchen Kreiſen auf reges Jntereſſe
rechnen können!
— Im „Perkeo”, hat ein luſtiges Künſtlervöltchen ſeinen Einzug
gehalten. Herr Direktor Schnauber hat mit den Thüringer
Sängern, einen guten Griff getan. Den Reigen gröffnet das
Thü=
ringer Sängerquartett: ſtimmlich guter Geſang, ſchneidi, in der
Auf=
machung. Gerda Walden iſt eine reizende Kinderdarſtellerin; Walter
Kurtz verfügt über eine gewaltige Baritonſtimme und erntet reichlichen
Applaus Fritzi und Gerty, das ſtimmlicke Damenduett (Sobran und
Alt) ſind elegant, ſchick und bringen klangvolle Duette. Paul Sternau
iſt ein brillauter Humoriſt. Der Thüringer Mädel G=ſang und Tanz
erheitern alle Gemüiter. Fredy May, das muſikaliſche Unikum bringt
das Publikum in Stimmung, Lachen ohne Ende. Ruſchi Orloff iſt die
Tanz=Soubrette und beſitzt große Gelenkigkeit. Ein Volksſtück: „Ehre,
dem Ehre gebührt”, iſt ein wirkungsvoller Einakter, die Militär=
Bur=
lestke „In der Klemme” ein Lachſchlager erſten Nanges. Unſer
einhei=
miſcher Varieté=Kapellmeiſter Emil Kocks iſt als feinſinniger Begleiter
em Flügel längſt bekannt; auch ihm ein Lob.
Männergruppe Darmſtadt.
Als ein Ereignis der in der zweiten Maiwoche in ganz Heſſen mit
großem Erfolg abgehaltenen Verbewoche für den V.D A. Gedanken
kann es auch bezeichnet werden, daß ſich in den Ortsgruppen allenthalben
neues Leben zu regen beginnt. So auch in der Männergruppe
Darm=
ſtadt, die zu Beginn dieſer Woche eine gutbeſuchte Verſammlung abhielt.
Die Beratungen ſtanden unter der umſichtigen Leitung des Vorſitzenden
Dr. Röhm und ergaben ein erfreuliches Bild über den Stand der
V. D.A.=Sache. Zunächſt erſtattete der Rechner, Rektor Goy, den
Kaſ=
ſenbericht, nach dem einer Ginnahme von 2150 Mk. rund 1970 Mk.
Aus=
gaben gegenüberſtehen. An den Landesverband wurden ſir die
Betreu=
ungsarbeit in der Dobrudſcha 1500 Mk. abgeliefert. Dem Nechner wurde
für ſeine gewiſſenhafte Arbeit Dank und Entlaſtung zuteil. Sodann
berichtete Prof Dr. Köſer ausführlich über die Ergebniſſe der
Werbe=
woche. Gerade er war der berufenſte Mann hierzu. Standen doch die
außerordentlich umfangreichen Arbeiten unter ſeiner zielbewußten
Lei=
tung, und das günſtige Ergebnis wird zu einem guten Teil ſeiner
Tätig=
keit verdankt. Es ergab ſich das erfreuliche Bild, daß die Werbewoche
in Darmſtadt wohl einen Reinertrag von gegen 15000 Mk. ergeben
wird, ein Reſultat, an dem die Sammlungen der Schulgruppen mit
über 6000 Mk und der Wiener Abend der Frauengruppe mit 5000 Mk.
ausſchlaggebend mitwirken. Dr. Diemer der geſchäftsſührende
Landesverbandsvorſitzende, gab intereſſante Ergänzungen über die bis
jetzt vorliegenden Ergebniſſe auf dem Lande. Auch hier bot ſich ein
durchaus erfreuliches Bild. Es dürfte mit einem Geſamtgewinn von
über 30 000 Mk. zu rechnen ſein. Als nicht gering anzuſchlagendes
Er=
gebnis brachte die Werbewoche die Anmeldung einer Reihe von neuen
Mitgliedern, wobei die Tätigkeit der Schulgruppe des Realgymaſiums
unter Prof Hüthwohls Leitung hervorzuheben iſt. Wohlverdient
war der Dank des Vorſitzenden an Prof. Dr. Köſer und ſeine
Mitarbei=
ter. Anſchließend erſtattete Prof. Dr. Köſer einen ausführlichen
Bericht über die Pfingſttagung, des V. D.A. in Goslar,
jene machtvolle Kundgebung des geſamten Deutſchtums, die alljährlich
in immer ſteigender Zahl namentlich die Jugend aus allen deutſchen
Gauen zuſammenſührt. Waren diesmal doch über 20 000 Jugendliche
in der alten Kaiſerſtadt Goslar verſammelt. Auch aus Heſſen rollte ein
Extrazug mit 900 friſchen Buben und Mädels nach Norden, die wohl
mit reichem Gewinn und wertvollen Erlebniſſen zurückgekehrt ſein
dürf=
ten. Profeſſor Köſer verſtand es meiſterhaft, ein farbenprächtiges Bild
von all” der jugendlichen Begeiſterung und Fröhlichkeit zu entwerfen,
deren Höhepunkt der Feſtzug der 20000 bildete. Ebenſo ſprach er
aus=
führlich über die ernſten Beratungen und Verhandlungen von
Haupt=
ausſchuß und Hauptverſammlung mit alle den vielen Problemen, die
dort in gewinnbringender Ausſprache erörtert und gefördertt wurden.
Reicher Beifall der Anweſenden dankte dem Redner. Die anſchließende
Beſprechung brachte auf die Anregungen des Vorſitzenden Dr.
Röhm die Erörterung einzelner, zur Zeit ſchwebender Fragen, z. B.
über die Verbindung mit dem Schutzbund, die abgelehnt wurde, um den
VD.A. nicht politiſch zu belaſten, über das Hineintragen des V.DA.=
Gedankens in weiteſte Volkskreiſe, über die Zeitſchriftenfrage, die
Be=
lehrung der Schuljugend über Verbreitung und Nöte des
Auslands=
deutſchtums und vieles andere. Die Ausſprache verlief durchaus
an=
geregt und zeigte erneut das ſtarke Indereſſe, das in weiten Kreiſen für
den V.D.A.=Gedanken herrſcht. Dr. Diemer gab wertvollen
Auf=
ſchluß über den ſich gerade vollziehenden Aufbau des Landesverbandes,
der bereits 32 Ortsgruppen und über 50 Schulgruppen zählt. bei dem
jetzt beſonderer Wert auf die weitere Erfaſſung der Volksſchulen und
auf die Werbung korporativer Mitglieder gelegt wird. — Die folgende
Vorſtandswahl ergab die Wiederwahl des ſeitherigen Vorſtan=
Studienrat Dr. Diemer, Dr. Scheuring, Dr. Götz,
Verwal=
tungsinſpektor Wolpert und Kaufmann Grünveter. Dr. Götz
übernahm das Amt des Schriftführers, Inſpektor Wolpert das des
Schatzmeiſters. Der Beitrag wurde auf ſeiner ſeitherigen Höhe
belaſſen. — Um 11 Uhr ſchloß der Vorſitzende mit Worten des Dankes
die Verſammlung, indem er dem Wunſche Ausdruck verlieh, daß der
V.D. A.=Gedanke immer weitere Kreiſe erfaſſen, und daß er ſeine
volks=
verbindende Kraft auch bei uns erneut beweiſen möge zum Nutzen
unſeres ganzen Volstums.
— Werbewoche des Vereins für das Deutſchtum im Ausland. Nach
Abſchluß aller Abrechnungen ſieht ſich der Verein veranlaßt, öffentlich
allen Helfern und Förderern den aufrichtigſten Dank zu ſagen. Das
erfreuliche Ergebnis wäre nicht möglich geweſen, hätten nicht alle
Be=
hörden, insbeſondere die Schulbehörde, das größte Entgegenkommen
gezeigt, die Vereine in edlem Wetteifer ſich bemüht, das ſchöne Werk zu
unterſtützen, zahlreiche Firmen und Freunde des Vereins in
bewunders=
werter Bereitwilligkeit wertvolle Spenden geſandt, hätte die Preſſe nicht
Spalte um Spalte gefüllt mit ernſtem Hinweis auf die Pflicht, der
Arbeit des V. D.A. Kraft und Eifer zu widmen. Es fällt ſchwer, in
dieſer Dankſagung von Namen abzuſehen, aber die Befürchtung, wir
könnten bei der Fülle unſerer Wohltäter den einen oder anderen
ver=
geſſen, führt uns zu dieſem Verzicht. Wenn auch nicht alle
Veranſtal=
tungen der Werbewoche ein hohes finanzielles Ergebnis gehabt haben,
ſo iſt doch die Werbekraft, die von manchem Abend ausging auch ein
Lohn, der reichlich lohnt. Den größten Sieg haben die Sckülerinnen
und Schüler der Darmſtädter Schulen durch ihre Liſtenſammlung
davon=
getragen. Sie haben 6810 Mark zuſammengebracht. Daneben erbrachte
tem Geſchick leiteten, ein Sammelergehnis von 4300 Mark. Der „Wiener
Abend” der Frauenortsgruppe geſellte zu dem künſtkeriſchen Erfolg
einen Neingewinn von 5000 Mark. Damit nennen wir nur die hieſigen
in Süddeutſchland weniger verbreitet als in Mittel= und Norddeutſch= hieſigen Ortsgruppen kann mit Stolz und Dankbarkeit ſagen, daß er Geora I. hatte die Fegepflicht hinſichtlich des Landgrabens angeordnet.
zu dem Geſamtergebnis, das in Heſſen 3000 Mark erbracht hat, ein
Männer=Vereinigung der Petrusgemeinde. In der nächſten)
Wonatsverſammlung am Mittwoch, 6. Juli, 8.30 Uhr abends,
wird Herr Pfarrvikar Schäfer, einen Vortrag halten über Walter
Flex, den „Körner des Weltkrieges” aus Anlaß der 10. Wiederkehr
ſeines Todestages. Wem es ſchwer fällt, den tieferen Sinn des
Welt=
krieges zu erfaſſen, findet bei Walter Flex Hilfe. Es ſei deshalb zu
— Orpheum. Das Gaſtſpiel Joſef Weinreiß mit der
Schlager Novität „Stöpſel” hatte geſtern abend einen
außergewöhn=
lichen Lacherfolg. Heute Sonntag, abends 8 Uhr, iſt die erſte
Wieder=
holung. Der Kartenvorverkauf findet ſtatt: Verkehrsbüro von 9—12
phoniſche Beſtellungen unter 389. (Siehe heutige Anzeige.)
— Waiſenſchutz=Sommerfeſt. Am Sonntag, den 10. Juli, feiert der
hieſige Zweigverein ſein dirsjähriges Sommerfeſt im ſtädtiſchen
Saalbau. Alles Weitere durch Anzeige in dieſer Zeitung in den nächſten
Tagen.
— Wochenmarkt zu Darmſtadt. Kleinhandels=Tagespreiſe vom
Erbſen 25—30, Zwiebeln 25—30 Knoblauch 8 Nhabarber 15—3. To= ſpringer Willy Röhrig aus Darmſtadt führte geſtern vormittag
gurken 40—80. ausl. Blumenkohl 60—10), einheim. 20—60, Rettich 8—15,
Meerrettich 70—80 Nadieschen 5—8. Frühkartoffeln 15—20. Mäuschen
kofen 70—80. Kirſchen 40—55, Johannisbeeren 25. Stachelbeeren 25—40,
Himbeeren 554—60, Heidelbeeren 45. Apfelſinen 10—20, Zitronen 5—10,
Süßrahmbutter 200, Landbutter 170—100, Weicktäſe 30—35. Handkäſe
4—15, Eier, friſche 10—14. Hühner 120—180. Tauben 80—100.
Nind=
fleiſch, friſch 80—110, Kalbfleiſch 120, Hammelfleiſch 80, Schweinefleiſch
90—130, Dörrfleiſch 140, Schinken 200. Wurſt 70—140, Wurſtfet. 60,
außgelaſſenes Schnalz 100.
— Bedauernswerter Unglücksfall. Geſtern nachmittag ſtieß in der
Nieder=Ramſtädter Straße ein mit Sand beladenes Fuhrwverk an das
Gerüſt eines Neubaues, auf dem ein älterer Schreiner beſchäftigt war.
Er, fiel durch den Anprall vom Gerüiſt und zog ſich einen
Oberſchenkel=
bruch zu, ſo daß er durch die Städtiſche Rettungswache in das
Kranken=
haus gebracht werden mußte.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld der hieſigen höheren Schulen
iſt bis zum 11. Juli d. J3. an die Stadtkaſſe, Grafenſtraß= 2
zahlen. (S. auch Bekanntmachung im Anzeigenteil des Blattes.)
5. Juli:
5. Juli:
5. Juli:
10. Juli:
10. Juli:
10. Juli:
15. Juli:
15. Juli:
für die Zeit vom 1. bis 15. Juli 1927.
Ablauf der Schonfriſt für die zweite Vorauszahlung
ſtaatliches Ziel) auf die Grundſteuer,
Gewerbe=
ſteuer und Sondergebäudeſteuer für das
Rech=
nungsjahr 1937.
Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 16.
bis 30. Juni erfolgten Lohnzahlungen. (Keine Schonfriſt).
f: Abgabe der Beſcheinigung an die Finanzkaſſe,
daß die Summe der im Juni abgeführten Steuerabzugsbeträge
mit der Summe der im Juni einbehaltenen Steuerbeträge
übereinſtimmt. (Keine Schonfriſt.)
Zahlung der Börſenumſatzſteuer, ſoweit dieſe im
Abrechnungsverfahren entrichtet wird. (Keing
Schonfriſt).
10. Juli: Umſatzſteuer — Voranmeldung und Vorauszahlung für
das zweite Vierteljahr 1927 (für diejenigen Steuerpflichtigen,
die freiwillig weiter monatlich zahlen, auch
Ter=
min für Juni). Schonfriſt für alle Zahlungen bis zum
15. Juli.
Eikommenſteuer=Vorauszahlung für das zweite
Vierteljahr 1997. Nicht für Landwirte! Keine Schonfriſt!.
Körperſchaftsſteuer=Vorauszahlung für das
zweite Vierteljahr 1927. Nicht für Landwirte! Keine
Schon=
friſt!
Zweite Rate der Vorauszahlungen nach dem
Aufbrin=
gungsgeſetz. (War urſprünglich am 1. Juni 1927 fällig
geweſen, val. den Steuerkalender in Nr. 154 des Tagblattes).
Ablauf der Schonfriſt für die am 10. Juli fällig
geweſene Umſatzſteuerzahlung.
Kirchenſteuer.
Wegen des Zahlungstermins und der Zuſtellung der
Be=
ſcheide in Darmſtadt wird noch einmal auf den Steuerkalender
für die 2. Junihälfte (in Nr. 166 des Tagblatts) verwieſen.
Gemeindeſteuern
Auch bezüglich des Termins für die Zahlung des erſten
gemeindlichen Zieles der Grundſteuer,
Ge=
werbeſteuer und Sondergebäudeſteuer, ſowie
wegen der Zuſtellung der Beſcheide wird auf den vorigen
Steuerkalender Bezug genommen. Alle diejenigen, die ihren
Steuerbeſcheid (Gemeindeſteuerzettel für 1927)
noch nicht erhalten haben wüſſen ſich bei der Stadtkaſſe,
Darmſtadt, Grafenſtraße, am Schalter Nr. 8 melden. SSiehe
Bekanntmachung in Nr. 177 des Tagblatts vom B. Juni)
O
IA
* Provinzialausſchuß.
„Eine kleine, aber trotzdem inhaltsreiche, Tagesordnung gilt es, kurz
vor den Gerichtsferien, zu erledigen: 1. Unterhaltung des
Land=
grabens; hier: Antrag des Kreisamts Groß=Gerau auf Feſtſtellung
der Unterhaltungspflicht der Gemeinden Langen und Egelsbach.
Ver=
bunden wird mit 1. 2. Berufung der Gemeinden Egelsbach
und Langen gegen das Urteil des Kreisausſchufſes
Groß=Gerau vom 15. Oktober 1926 betr, die
Unter=
haltungspflicht des Landgrabens durch die
enann=
ten Gemeinden.
Der Kreisausſchuß hat die Gemeinden Langen und Egelsbach zur
Unterhaltungspflicht des Landgrabens verurteilt, und zwar Langen
bezüglich einer beſtimmten Strecke oberhalb der Kreisſtraßenbrücke bei
Berkach (nach Angaben des Kulturbauamtes) und Egelsbach bezüglich
einer beſtimmten Strecke unterhalb dieſer Kreisſtraßenbrücke.
Schon Landgraf Georg I. hatte dieſe Reinigungspflicht ausgeſprochen.
Der Kreisausſchuß hat ſeine örtliche und ſachliche Zuſtändigkeit aus
Artikel 12 3. 1 und 14 des Verwaltungsrechtspflegegeſetzes vom 8. Juli
1911 hergeleitet. Nach Art. 140 3. 11 des Bachgeſetzes erſcheint das
G2. Kreisamt als Aufſichtsorgan. Bis zum Jahre 1912 haben die
genann=
ten beiden Gemeinden die auf ſie entfallenden Reſinigungskoſten an die
Kreiskaſſe Groß=Gerau bezahlt; ſie beſtreiten ihre Rechtspflicht. In
erſter Linie beſtreiten die beiden Gemeinden die Zuſtändigkeit des
Kreis=
ausſchuſſes Groß=Gerau, da in erſter Inſtanz der Probinzialausſchuß
zuſtändig ſei. Das Kreisamt Groß=Gerau hat in nebenherlaufendem
Verfahren beim Provinzialausſchuſſe die Feſtſtellung der
Unterhaltungs=
pflicht der beiden Gemeinden beantragt, demgegenüber die beiden
Ge=
meinden die Einrede der Rechtshängigkeit vorſchützen.
Der Vorſitzende betont, daß verſchiedene Fragen zu löſen ſind:
1. findet das Bachgeſetz überhaupt Anwendung? (Es wird die
urſprüng=
liche Staatsfrohndennatur behauptet, während dieſe Frohnden 1819
ab=
geſchafft wurden.) 2. Liegt hier ein Verband im Sinne des Bachgeſetzes
vor? 3. Wenn ſolcher kein Verband vorliegt, wer iſt dann
reinigungs=
pflichtig? 4. Sind die Kreisausſcküſſe der beteiligten Kreiſe nicht
zu=
nächſt zu hören?., 5. Iſt die Tatſache weſentlich, daß die beiden Gemeinden
etwa 90 Jahre lang anſtandslos der Bachräumungspflicht genügt habend
Bedeutungsvoll für die in Rede ſtehende Entſcheidung iſt eine im
Jahre 1886 ergangene Entſcheidung des Verwaltungsgerichtshofes
be=
treffend die Gemeinde Arheilgen.
Die Frage der Errichtung des Landgrabens geht bis ins 16.
Jahr=
hundert zurück. Er war weſtlich von Zwingenberg zur Entſumpfung
des Geländes angelegt und ſollte die ſich ſammelnden Abwäſſer
auf=
nehmen, die bei Ginsheim in den Rhein geleitet wurden. Landgraf
So eriſtierte damals ſchon eine Art Verband, dem jahrhundertelang
die Reinigungspflicht oblag. Man ſprach von einer
Landgrabenkonkur=
renz. Im Jahre 1908 verſuchten einige Gemeinden, darunter Langen, zu
bewirken, daß dieſer Verband aufgehoben werde. Das Miniſterium des
Innern, das damals der verſtorbene Miniſter Braun vertvaltete trat
dieſen Beſtrebungen in einer am 10. März 1908 an das Kreisamt Groß=
Gerau gerichteten Entſchließung entgegen. Der beſtehende Zuſtand kann,
ſo wird vom Vertreter des Kreisamtes ausgeführt, nicht ohne weiteres
durch die Willkür zweier Gemeinden aufgehoben werden. Das würde,
ſo wird weiter dargelegt, zu unerträglichen Zuſtänden führen. Zur
Kontrolle der Fegepflicht wurde auch früher eine Bachſchau gehandhabt.
Das hier zuſtändige Verwaltungsgericht erſter Inſtanz ſei als Gericht
der belegenen Sache der Kreisausſchuß Groß=Gerau.
Nach langer Beratung des Gerichtes wirft dieſes die Frage
Uhr und Kaſſe des Orpheums ab 3 Uhr ununterbrochen, daſelbſt tele= auf, ob nicht auch vielleicht ein Verfahren nach Art, 139 des Bachgeſetzes
in Gang gebracht werden müſſe, und daß hier das Verwaltungsgericht
ausſcheide, weil nach Art, 139 des Bachgeſetzes nur ein Rekurs an das
Miniſterium des Innern platzgreife.
Das Urteil in der Berufung der Gemeinden Langen und
Egels=
bach gibt dieſer ſtatt und hebt die Entſcheidung des
Kreis=
ausſchuſſes auf. In der weiteren Sache wird die Klage des
Kreisamtes als unzuläſſig abgewieſen.
— Luftakrobatik am Flugzeug! Der Akrobat und
Fallſchirmab=
mſtten 50—80. Gärtner=Kopfſalat 8—10 Freiland=Kopfſalat 8—10, Salat= zwiſchen 8 und 9 Uhr auf dem hieſigen Flugplatz eine volkommen
neue Attraktion vor. Er ſtieg bei voller Fluggeſchwindigkeit aus
dem Flugzeug kletterte an einer 10 Meter langen Strickleiter bis an
15. Erdbeeren, 1. Sorte 50—60, 2. Sorte 40—45, Pfirſiche 70—80, Apri= die unterſte Sproſſe und führte hier die verwegenſten turneriſchen
Uebungen aus, wie Todeshang uſw. Die Vorführungen erfolgten an
dem Flugzeug. D. 1121, Type Pelikan, unter Führung des bekannten
Chefziloten Kunſtflieger Jährling=Darmſtadt. Dieſe Leiſtungen
verdienen Anerkennung und Bewunderung, zumal Herr Willy Röhrig
erſt 20 Jahre alt iſt. Die Vorführungen wurden von dem polizeilichen
Sachverſtändigen Herrn Polizeihauptmann Bingu abgenommen.
Tageskalender für Sonntag, den 3. Juli 1927.
Landestheater, Großes Haus; Geſchloſſen. — Kleines
Haus, nachm. 3½ Uhr: „Die Noſe von Stambul”; abends 8 Uhr=
„Tereſina” — Orpheum, abends 8 Uhr, Gaſpiel Joſef Weinreiß:
„Stöpſel‟ — Heiſ Artilleriſten im Orangeriegarten ab
4 Uhr Großes Militä Doppel=Konzert. — Konzerte: Schloß=
Café: Café=Reſtaurant Waldesruhe; Hotel=Reſtaurant Schmitz; Lad=
wigshöhe; „Hotel und Café=Reſtaurant Waldſchlößchen; Bockshaut;
Hauptbahnhof=Reſtaurant: Reſtaurant Rummelbrän; Herrngarten=
Café: Neues Schießhaus: Frankfurter Hof: Bismarck=Eck; Reichskrone;
Park=Café=Reſtaurant „Beſſunger Turnhalle; Hotel Krone, Auerbach;
Hotel Prinz Heinrich. — Frankonia nam. 4 Uhr im
Rummel=
bräu: Sommerfeſt. — Bäcker=Gehilfen=Verein im
Konkor=
diaſaal, nachm. 3 Uhr: 40jähr. Stiftungsfeſt. — Sektion
Star=
tenbura des Deutſch. u. Oeſterr, Altenvereins: Wanderung
Darm=
ſtadt-Neutſch-Zwingenberg. — Kinovorſtellungen: Union=
Reſidenz=Thegter, Palaſt=Lichtſpiele. — Ausſtellung von 10—19
Smuſeum: Alte Kunſt. — Ausſtellung von 10—19 Uhr
Mathildenhöhe: Neue Kunſt. — Lengfeld i. Odw.: Landvolk=Tag.
Seite 6
Sonntag, den 3. Juli 1927
Nummer 482
Von Bürgermeiſter Buxbaum.
In der Stadtverordneten=Verſammlung vom 30. Juni 1927 iſt
end=
lich das Wohnungsbauprogramm der Stadt Darmſtadt für das Jahr
1927 verabſchiedet worden. Schon im Herbſt 1926 iſt dieſes
Wohnungs=
bauprogramm aufgeſtellt und in den Voranſchlag aufgenommen worden.
So lange aber die heſſiſche Geſetzgebung über die Förderung des
Woh=
nungsbaues durch verbilligte Baudarlehen im Jahre 1927 noch nicht
er=
ſchienen war, konnte an eine endgültige Verabſchiedung nicht gedacht
werden, und auch nach der Bekanntgabe dieſes Geſetzes im Mai d. J.
ſtellten ſich noch reichlich viele Hemmungen ein, bis es nun gelungen iſt,
das Wohnungsbauprogramm zu verabſchieden und die Unklarheiten zu
beſeitigen, die durch die Haltung der verſchiedenen Parteien entſtanden
waren. Auf der einen Seite ſtellte man den Grundſatz auf, den
Eigen=
bau der Stadt nach Möglichkeit zu beſchränken oder ganz aufzuheben
und in erſter Linie den Privatbau zu fördern. Auf der anderen Seite
wollte man den Eigenbau in den Vordergrund ſtellen. Die
Stadt=
verwaltung iſt den Mittelweg gegangen und hat fowohl Eigenbauten
wie Privatbauten in ihrem Programm aufgenommen.
Gegenüber dem Vorjahre hat ſich in Darmſtadt die Wohnungsnot
nicht weſentlich gemildert, obwohl eine Zunahme der Bevölkerung nicht
eingetreten iſt. Noch immer iſt die Wohnungsnot die Urſache einer
großen und auch berechtigten Unzufriedenheit und Verärgerung, von der
ſich der Fernſtehende und alle die keinen richtigen Begriff machen können,
die in geſicherten und geſunden Wohnungsverhältniſſen leben.
Nach einer Aufſtellung, die das Städtiſche Wohnungsamt vor kurzem
gemacht hat, beträgt die Zahl derer, die ohne ſelbſtändige Wohnung
ſind, oder in Notwohnungen leben, 1961. Dieſe Zahl ergibt ſich aus
folgender Aufſtellung:
1. Verheiratete in Notwohnungen" .
196
2. Es wollen heiraten:
a) ſofort
b) im Jahre 1927
c) im Jahre 1928,
d) unbeſtimmt
3. Ledige, die einen ſelbſtändigen Haushalt grünnden wollen 35
4. Verheiratete
a) bei Verwandten
575
b) in Untermiete:
möbliert ohne Kochgelegenheit
82
möbliert mit Kochgelegenheit
216
unmöbliert ohne Kochgelegenheit.
137
unmöbliert mit Kochgelegenheit
259
5. Zuzug von auswärts
a) Verſetzung
b) ſonſtige Gründe .
*
30
257
39
47
Zuſammer 1861
Scheidet man von dieſer Zahl auch einen noch ſo großen Prozentſatz
aus, ſo bleiben bei einer ſehr ſtrengen Auswahl immer noch 1600
Haus=
haltungen übrig, die eine ſelbſtändige Wohnung begehren.
Dazu kommt noch der jährliche Zuwachs. Die Zahl der
Ehe=
ſchließungen iſt wieder zurückgegangen auf einen Jahresdurchſchnitt von
660 in den Jahren 1925 und 1926 gegen 897 im Jahre 1920 und 631 im Jahre
1914. Die Zahl der Todesfälle betrug in 1925 1177, im Jahre 1926 1227,
Durch Tod und Wegzug werden in Darmſtadt etwa 300—330
Woh=
nungen jährlich frei. Für etwa 45 Prozent aller Eheſchließungen müſſen
neue Wohnungen beſchafft werden. Daraus geht hervor, daß der
Zu=
wachs an neuen Wohnungen alljährlich etwa 300 beträgt. Die Urſache
der Wohnungsnot iſt in der Zunahme der Haushaltungen zu erblicken.
Es wurden 1910 in Darmſtadt feſtgeſtellt 20 221 Haushaltungen.
Zur=
zeit ſind es etwa 25 800. Die Zunahme betrug alſo beinahe 5579
Haus=
haltungen — M Prozent. Dieſe Vermehrung beruht auf der ſtark
ein=
getretenen Heiratsfreudigkeit nach dem Krieg, die aber inzwiſchen
wieder nachgelaſſen hat. 1910 betrug die Zahl der Einwohner 87 089,
darunter 4748 Militärperſonen, ohne Militär alſo 82341. Im Jahre
1927 haben wir 89 500 Einwohner, alſo eine Zunahme um rund 7000
Köpfe, das ſind etwa 8 Prozent. Die Haushaltungen haben ſich ſeit
1910 vermehrt um 27 Prozent, die Bevölkerung aber nur um 8 Prozent.
Eine weitere Urſache der Wohnungsnot waren die durch das
Reichs=
mietengeſetz und die Zwangswirtſchaft künſtlich niedrig gehaltenen
Miet=
preiſe. Jetzt erſt nach erfolgter Heraufſetzung der Miete auf 110 Prozent
und bei einem hinreichenden Angebot an möblierten Zimmern zeigt ſich
mehr und mehr das Beſtreben, zu große Wohnungen aufzugeben.
Leider ſind aber kleinere Wohnungen z. Zt. nicht hinreichend vorhanden.
Nach den vorſtehenden Feſtſtellungen kanm man annehmen, daß
in Darmſtadt zurzeit etwa 1500 Wohnungen fehlen, und daß
alljähr=
lich ein Bedarf von etwa 300 Wohnungen vorhanden iſt. Wenn wir nun
jährlich nicht mehr wie 300 Wohnungen bauen, dann befriedigen wir
den Bedarf gerade nur für die neuen Haushaltungen und kommen aus
der Wohnungsnor überhaupt nicht heraus. Wir müſſen alſo mehr
bauen, und vor allem möglichſt viele Kleinwohnungen ſchaffen.
Im Jahre 1926 wurden von der Stadt erbaut bzw. ſind noch im
Bau 310 Wohnungen, durch Private wurden erbaut 119 Wohnungen mit
Unterſtützung der Stadt und 35 Wohnungen ohne Unterſtützung der
Stadt. Insgeſamt beträgt der Zuwachs aus 1926 464 Wohnungen. Die
310 Wohnungen der Stadt erforderten ohne Bauplatz eine Bauſumme
von etwa 4 Millionen Mark.
Es kann nicht Aufgabe der Stadt ſein, den Wohnungsbau dauernd
im großen Maße ſelbſt einzuleiten. Es muß vielmehr angeſtrebt werden,
dieſen Wohnungsbau wieder auf die Schultern der Privatwirtſchaft
ab=
zuwälzen. Das iſt aber zurzeit noch nicht möglich. Deshalb hat die
Stadtverwaltung verſucht, eine gemeinnützige Geſellſchaft für
Wohnungs=
bau zu begründen. Leider hatte ſie damit gar keinen Erfolg.
Der Bauindex beträgt nach den amtlichen Feſtſtellungen zurzeit etwa
1,65. Ein Neubau iſt alſo zurzeit 1,65mal teurer wie im Frieden. Die
Löhne ſind ſogar mehr wie doppelt ſo hoch wie im Frieden, aber bei
den Baumaterialien haben wir zum großen Teil geringere
Verteue=
rungen zu verzeichnen. Daß die Baupreiſe in abſehbarer Zeit erheblich
ſinken, iſt nicht anzunehmen, weil im Baugewerbe mit etwa 50 Prozent
direkten Löhnen und 30 Prozent indirekten Löhnen zu rechnen iſt.
Koſtete im Frieden der Kubikmeter umbauten Raumes für eine gut
ausgeſtattete ſtädtiſche Wohnung etwa 18—22 Mark, ſo koſtet jetzt der
Kubikmeter 28—33 Mark. Betrug der Zinsfuß im Frieden
durchſchnitt=
lich 4,6 Prozent für Baugeld, und die Aufwendungen für
Betriebs=
koſten und Unterhaltung 1 Prozent des Hauswertes, ſo beträgt heute der
Zinsfuß 7—8 Prozent und die Aufwendungen für Betriebskoſten und
Unterhaltung 2 Prozent des Bauwertes. Die Rente aus den
Neu=
bauten der Stadt beträgt bei den derzeitigen Mieten rund 4 Prozent
der tatſächlichen Aufwendungen. Zurzeit werden in den ſtädtiſchen
Neu=
bauten Mieten erhoben, die berechnet ſind nach der Formel: ebm
umbau=
ter Raum X 18 Mark X 5,6 Prozent — 1 Mark und Bauplatz X 5,6
Prozent. In einzelnen gutgelegenen Wohnungen ſind die Mieten zwar
ſchon etwas erhöht worden, aber noch nicht auf das novwendige Maß.
Es wird nicht möglich ſein, der Privatwirtſchaft den Bau von
Klein=
wohnungen aufzudrängen und ſofort die ganze Wohnungswirtſchaft
um=
zuſtellen, weil der größte Teil der in Betracht kommenden Mieter nicht
in der Lage iſt, die Mieten zu bezahlen, die die Privatwirtſchaft
ver=
langen muß. Um trotzdem den Wohnungsbau der Privatwirtſchaft
zu fördern, hat ſich die Stadtverwaltung entſchloſſen, in dieſem Jahre
350 000 Mark in den Voranſchlag einzuſtellen, um damit ſowohl bei dem
ſtadteigenen Bau wie bei den Mietwohnungen der Privatwirtſchaft
Miet=
verbilligungen zu bewilligen. Die Höhe der Mieten in den fraglichen
Wohnungen ſoll allfährlich durch eine beſondere Kommiſſion nachgeprüft
und die Mietzuſchüſſe feſtgeſetzt werden. Dieſe Zuſchüſſe werden ſich mit
ſteigender Miete verringern. Die Stadt kann ſich zur Leiſtung der
Miet=
zuſchüſſe nur bis zur Beendigung der Zwangswirtſchaft verpflichten,
d. h. ſo lange ihr die Mittel aus der Hauszinsſteuer zur Verfügung
ſtehen.
Nach dem Vorſchlag der Stadtverwaltung geſtaltet ſich das
Woh=
nungsbauprogramm für 1927 folgendermaßen:
1. Wohnungsbau.
I. Eigenbauten der Stadt.
Mark
40 Ein=Zimmerw. je 6800 M
272 000 Mk.
190 Zwei=Zimmerr. je 10 200 Mk.
1020 00
100 Drei=Zimmerw. je 14 400 Mk. — 1440000
60 Vier=Zimmerw. je 18700 Mk.
AR.S
3854 000 Mk.
Bei den Einheitsſätzen iſt der Geländewert mit 20
Maxk pro Quadratmeter inbegriffen und der
Kubik=
metev unbebaute Raum mit 30—33 Mk. angenommen.
II. Privat= und Genoffenſchaftsbauten, Reihenhäuſer, mit
ſtädtiſchen Darlehen.
Es wird angenommen, daß etwa 150 Wohnungen,
und zwar 100 Dreizimmer= und 50
Vierzimmer=
wohnungen mit ſtädt. Darlehen von 75 Prozent der
Geſamtkoſten errichtet werden, insgeſamt ſtellt man
daher ein
Die Darlehen ſollen mit 6 Prozent derzinſt
wer=
den und ſind hypothekariſch zu ſichern,
III. Privat= und Genoſſenſchaftsbauten.
Einfamilien=
häuſer und Erbbauhäuſer mit ſtädtiſchen Darlehen.
Es wird angenommen, daß etwa 100 Wohnungen
mir ſtädt. Darlehen errichtet werden, und zwar:
25 kleine Einfamilienhäuſer von 450 Kubikmeter
um=
bautem Raum,
25 mittlere Einfamilienhäuſer von 700 Kubikmeter
umbautem Raum,
25 größere Einfamilienhäuſer von 1000 Kubikmeter
umbautem Raum,
25 größere Einfamilienhäuſer von 1000 Kubikmeter
umbaurem Raum für Staatsbeamte.
Die Darlehen für Einfamalienhäuſer ſollen
gege=
ben werden bis zu 70 Prozent der tatſächlichen Koſten.
zu 6 Prozent Zinſen und einer zu vereinbarenden
Tilgung, jedoch in keinem Falle mehr wie 25 000 Mt.
pro Wohnung. Insgeſamt werden rorgeſehen . .
TV. Erhaltung privater Wohnungen.
Für die Erhaltung und Wiederherſtellung privater
Wohnungen, ſowie für den Ausbau von Dachgeſchoſſen
und dergl. zu Wohnungen mit Hilfe ſtädtiſcher
Dar=
lehen werden vorgeſehen
Auch dieſe Darlehen ſind mit 6 Prozent zu
ver=
zinſen und nach Abrede zu tilgen.
V. Behebung von Baugebrechen nach Feſtſtellung der
In=
ſtandſetzungskommiſſion durch ſtädt. Daylehen",
Die Darlehen ſind möglichſt unverzinslich zu geben.
VI. Erwerb von Baugelände einſchl. Grunderwerbsſteuer,
etwaiger Enteignungs= und Prozeßkoſten uſw
VII. Koſten der Bqureifmachung (Straßen, Kanäle uſw.).
z) Herſtellung von Straßen:
1. Eſchollbrücker Straße zwiſchen
ehe=
maliger Main=Neckar=Bahn und
Groß=Gerauer Weg. Umbau der
Fahrbahn durch Chauſſierung in
vertiefter Lage, Pflaſterung der
Rinnen und Verſetzen von
Rand=
ſteinen (Beſchluß der Stadty.=Verſ.
vom 15, 4. 1926) ..
45 000 Mk
2. Vor den Artilleriewagenhäuſern,
Chauſſierung der Fahrbahn mit
Pflaſterung der Rinne und
Ver=
ſetzen von Sinkkaſten .
14000
(Beſchluß der Stadtverordn.=Verſ.
vom 15. 4. 1926.)
3. Heinrichſtraße zwiſchen
Heidenreich=
ſtraße und Erlenweg, Ausbau der
Straße auf halbe Fahrbahnbreite
mit Fußſteigherſtellung .
16 300
(Beſchluß der Stadtverordn.=Verſ.
vom 2. 10. 1925.)
4. Hopfengartengebiet, Ausbau der
Straßen vor den neuen
Wohn=
gebäuden, Reſtſumme rund
730M.
(Beſchluß der Stadtverordn,Verſ.
vom 7. 5. 1925.)
Anmerkung zu 1—4: Die Krebite
waren zu Laſten der Rubrik 59
des Stadtkaſſe=Voranſchlags
geneh=
migt worden. Da jedoch von 1927
ab die Ausgaben für die
Beureif=
machung von Gelände zu Laſten
der Wohnungskaſſe gehen ſollen,
ſind die genannten Kredite für die
noch nüht zur Ausführung
gelang=
ten Herſtellungen hier nochmals
ein=
geſtellt.
5. Speſſartring zwiſchen Hohler Weg
und Dieburger Straße,
Chaufſie=
rung der Farhbahn in vertiefter
Lage, Pflaſterung der Rinnen und
Fußſteigherſtellung
18 000
6. Bruſtſtraße zwiſchen Martinsſtraße
und Niebergallweg, Chauſſierung
der Fahrbahn, Pflaſterung der
Rin=
nen und Fußſteigherſtellung
12000
7. Küchlerſtraße und Seitenſtraße
ba=
ſelbſt, Ausbau der Küchlerſtraße und
der Seitenſtraßen .
700.
8. Eugen=Bracht=Weg, Ausbau des
Wegs auf die Länge der
An=
bauung
3 200
9. Neue Straßen, Straßen in
neu=
eröffneten Bauquartieren,
unvor=
hergeſehene dringliche Planierungs=,
Chauſſierungs= und Pflaſterarbeiten 38 000
h) Erbauung von Kanälen.
1. Zement= und Steinzeugrohrkanal
in der Nieder=Ramſtädter Sttaße
zwiſchen Schießhausſtraße und
Kirch=
weg, ſoivie Steinzeugrohrkanal in
der Kekuléſtraße .
56 009
2. Steinzeugrohrkanal im
Speſſart=
ring zwiſchen Hohler Weg und
Die=
burger Straße .
9 50
Anmerkung zu 1 und 2: Die
Kredite waren bereits unter Rubrik
60 des Voranſchlags für 1926
vor=
geſehen. Da jedoch von 1927 ab
die Ausgaben für die
Baureif=
mgchung von Gelände zu Laſten
der Wohnungsbaukaſſe gehen ſollen,
ſtellt man die bezeichneten Kredite
für die noch nicht zur Ausführung
gelangten Arbeiten hier nochmals
ein.
3. Steinzeugrohrkanal in der
Holzhof=
allee zwiſchen Am Hopfengarten
und Hindenburgſtraße . .
28000
4. Steinzeugrohrkanal im Eugen=
Bracht=Weg zwiſchen Rinckweg und
Flotowſtraße . .
8 500
5. Steinzeugrohrkanal in der
Lands=
tronſtraße zwiſchen Ludvigshöh=
und Goetheſtraße, ſowie in der
Orangerieſtraße nächſt der
Lands=
kronſtraße
24
3. Unvorhergeſehene. Straßenkanäle
zum Anſchluß von
Wohnhausneu=
bauten, vorbehältlich der
Genehmi=
migung der einzelnen
Ausfüh=
rungen durch die Bau=Deputatier . 20000
) Für weitere Baureifmachung von Gelände
2. Zinsverpflichtungen aus Anlehen und
Darlehen.
a) aus früher aufgenommenen Anlehen und Darlehen:
Zinſen
420 000 Mk.
Tilgung
45 000
h) aus einem in 1227 nen aufzunehmenden Anlehen
ven 8 900 000 Mk. 7 Prozent — rd.
Die Zinſen ſind nur für 7 Monate eingeſtellt, da
die Aufnahm= des Darlehens vorausſichrlich nicht vor
dem 1. Ostober 1927 erfolgen wird.
2 400000
1600000
120 0/0
50 000
420 000
226 500
146 000
S2000
465 000
325 700
3. Wohnungsfreimachungsprämien.
Nach den Erfahrungen des Vorjahres werden vor=
..
geſehen . . .
Es werden gezahlt:
für eino Wohnung mit 1 Zimmer und Küche —
100 Mark,
für ein: Wohnung mit 2 Zimmern und Kiſche —
200 Mark,
für eine Wohnung mit 3 Zimmern und Küche —
400 Mark,
für eineWohnung mit 4 Zimmern und Küche —
400 Mark,
für eine Wohnung über 4 Zimmer und Kücke —
400 Mark.
4. Gebäude=Unterhaltungsboſten für die in der
Nach=
kriegszeit erbauten Wohnungen in der Stadt, It.
Beilage
5. Steuern, Brandverſicherungsbeiträge und ſonſtige
Abgaben für die in der Nachkriegszeit erbauten
Wohnungen
6. Koſten des Waſſerverbrauchs in den in der
Nach=
kriegszoit erbauten Wohnungen
7. Hausverwaltung für die in der Nachkriegszeit
erbauten Wohnungen . . .
8. Koſten der Aufnahme des neuen Anlehens von
800000 Mark . ....
9. Vertragliche Zinsvergütung an die Unternehmer
des Anlehens Buchſtabe 4 (1926), Anteil der
Woh=
nungsbaukaſſe . .
10. Für Mietverbilligungen werden vorgeſehen . . .
Bei Annahme von Baugeldern zu 6 Prozent
Zin=
ſen und bei einem Bauindex von 170 Prozent
er=
geben ſich einſchließlich Betriebstoſten und
An=
liegerbeiträgen Mieten, dio für die Mehrzahl der
in Betraht kommenden Mieter nicht erträglich ſind.
Es wird deshalb vorgeſchlagen, daß die Stadt für
Mietwohnungen Mietzuſchüſſe bewilligt. Die Höhe
der Mieten in den fraglichen Wohnungen ſoll
alljährlich durch eine beſondere Kommiſſion
nachge=
prüft und die Mietzuſchüſſe feſtgeſetzt werden. Dieſe
Zuſchüſſe werden ſich mit ſteigender Miete
verrin=
gern. Die Stadt kann ſich zur Leiſtung nur bis zur
Beendigung der Zwangswirtſchaft verpflichten, d. h.
ſolange ihr die Mittel aus der Hauszinsſteuer zur
Verfügung ſtehen.
11. Für Abſchreibungen an den Koſten der ſtädtiſchen
Eigenbauten
Die Baukoſten der derzeitigen Neubauten
ent=
halten einen unrentierlichen Aufwand, der geſchätzt
wird mit 20 Prozent. Dieſer unrentierliche
Auf=
wand muß ſo ſchnell wie möglich abgeſchrieben
werden. Es ſollen deshalb alljährlich 3½ Prozent
des derzeitigen Aufwandes abgeſchrieben werden.
Summe: 10 604 730
Dieſen Ausgaben ſtehen au Einnahmen gegenüben die
Sonver=
ſteuer vom bebauten Grundbeſitz, ſoweit ſie für den Wohnungsbau
be=
ſtimmt iſt, die Zinſen der ſchon früher hinausgegebenen Baudarlehen
und die Mieteinnahmen von den in der Nachkriegszeit erbauten
Woh=
nungen der Stadt. Danach ſteht feſt, daß die Stadt einen Geldbedarf
von etwa 8 000 000 Mark für die Abwickelung des ganzen
Baupro=
gramms nötig hat.
Selbſtverſtändlich iſt, daß dieſes Bauprogramm nicht bis 1. April
1323 durhgeführt ſein kann. Dazu iſt die Zeit ſchon zu weit
vorge=
ſchritten. Inzwiſchen hat die Stadtverwaſtung bereits 98 Wohnungen
in Auftrag gegeben und wird in den nächſten Wochen mit weiteren
Baublöcken beginnen, ſo daß eine Lücke in der Bautätigkeit nicht
ei=
tritt. Weiter iſt mit den Vorbereitungen für 50 Kleinwohnungen an
der Pallaswieſenſtraße begonnen worden. Eine ähnliche Kolonie von
50 Wohnungen foll alsbald folgen. Beſondere Erwähnung verdieut,
daß die Freimachuengsprämien in anderer Weiſe geregelt worden ſind.
Für eine Wohnung mit 1 Zimmer und Küche werden nun 100 Mark
bezahlt, für eine Wohnung mit 2 Zimmern und Küche 200 Mark, für
eine Wohnung mit 3 und mehr Zimmern mit Küche 400 Mark. Die
Freimachungsprämie wird ſelbſtverſtändlich nur dann bezahlt, wenn
der Wohnuaigsinhaber eine ſofoit beziehbare Wöhnung zur Verfügung
ſtellt und keine weiteren Anſprüche auf eine Wohnung gaehr matt.
Die Wohnungsfreimachungsprämie kommt nicht in Frage, wenn der
Wohnungsinhaber eine ſtadteigene Neubauwohnung bezieht oder eine
Wohnung, die wit ſtädtiſcher Unterſtützung errichtet iſt.
Beſondere Sorgfalt ſoll in dem neuen Bauprogramm darauf
ver=
wvendet werden, daß geſunde Wohnungen für Lungenkranke errichſtet
werden.
Die Vorausſetzung für alle dieſe Maßnahmen bildet die
Möglick=
keit, das erforderlihe Geld auf dem Wege einer Anleihe zu beſchaffen.
Die Lage auf dem inländiſchen Geldmarkt iſt zurzeit ſehr kritiſch. Durch
das vollſtändige Verſagen des inländiſchen Kapitalmarktes droht für
die Durchführung des diesjährigen Bauprogramms die Gefahr des
Er=
liegens. Ausſandsgeld iſt in genügender Höhe angeboten. Der
Reichs=
miniſter der Finanzen (Beratungsſtelle für Auslandsanleihen) hat aber
ſeither ſeine Zuſtimmung zur Aufnahme von Auslandsgeld ſtets
ver=
ſagt, wenn es für Wohnungsbauzwecke beſtimmt war
Um einen Ueberblick über die im Johre 1927 zur Ausführung
kom=
menden Privatbauten zu erhalten, werden diejenigen, die derartige
Bauten ausführen wollen, aufgefordert, ihre Anträge bis ſpäteſteus
15. Juli d. J. der Stadtserwaltung vorzulegen,
Wir behalten uns vor, zu der vorſtehenden Zuſchrift zu gegebener
Zeit Stellung zu nehmen Die Red.
Gemeinde=, Kreis= und Provinzialſteuern für 1927 (grauer
Steuer=
beſcheid). Das erſte Ziel iſt laut der heutigen Bekanntmachung
bei Meidung der Beitreibung bis ſpäteſtens 12. Juli d. Js. an die
Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zu zahlen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werſe, Künſſier oder künftieriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Grwchnun
geſchleht, behätt ſich die Redaktion ihr Urteil poe
— „Valencia” feiert am Montag im „Union=Theater” ihren
Abſchied. Alle Darmſtädter, die der berühmten ſpaniſchen Schönheit noch
keinen Beſuch abgeſtattet haben, ſind hierzu herzlichſt eingeladen. Den
ſchwingenden Rhythmus des Schlagers hat der Regiſſeur (Jaap Speyer)
in ebenſo leicht beſchwingte, bildhafte Bewegung umgeſetzt. Südliche
Glut und Leidenſchaft weht einem aus dieſem Film an. Wundervoll
das landſchaftliche Kolorit. Regietechniſch ſtellt der Film eine
Glanz=
leiſtung dar, voll Lichter in den Details (ein Stierkampf von noch nicht
geſehener Dezenz und doch von ſtärkſter Spannung), und ſicher in der
Geſamtführung. Auch als Schauſpielerregiſſeur gebührt Speyer volle
Ehre. Die Kontraſte in den Charakteren ſind aufs ſchärfſte
heraus=
gearbeitet. Maria Dalbaiein, eine raſſige Spanierin, Dorothea Wieck
von zarteſter Anmut, Oscar Marion männlich verhalten, Johannes
Riemann ein verliebter Schwächling und Jean Murat ein lockerer
Ge=
ſelle, alle ſind ſie auf ihrem Platze. Der Beifall iſt ſtark und ehrlich,
trotzdem iſt es uns unmöglich, über den Film länger wie bis Montag
zu verfügen, da der beliebte und ſtets gern geſehene „Buſter Keaton”
diesmal in ſeinem neueſten und beſten Film im Union=Theater ſeinen
Einzug halten will.
—Palaſt=Lichtſpiele. „Der Meiſter der Welt‟. Ein Film
voller Sportbegeiſterung, der ſtärkſte deutſche Großfilm, nach dem
Roman von Werner Scheff. Der ſportliche Teil iſt im Berliner
Stadion und auf der Londoner Leichtathletikbahn mit vollendeter
Vir=
tuoſität gemacht. Originalaufnahmen von der jwbelnden Menge auf
den Sportplätzen wurden in erſtaunlich geſchickter Weiſe zu einer
Ein=
heit verſchmolzen, ſo daß das Publikum den Meiſterſchaftskampf
mit=
zuerleben glaubt. Wenn der Läufer Iſſing zum Schluß den gefürchteten
Engländer Darrik mit dem Aufgebot ſeiner letzten Kräfte und Energie
niederringt, dann ſetzt auch der Film zu nervenpackendem, gewaltigem
Spurt ein, mit unwiderſtehlicher Kraft den Zuſchauer mitreißend. Ein
Filmſieg nicht nur im Zeichen des Sports, ſondern auch in dem einer
kultivierten Regie und einer lebensvollen Daxſtellung. Olga Tchechowa
und Xenia Defni überragen mit ihrer großen Kraft alles bis jetzt in
dieſem Stil dageweſene. Fred Solm, als Läufer Iſſing, eine ſportlich
geſtählte Erſcheinung mit ſchauſpieleriſchem Können. Ein Muſterbeiſpiel
iſt die Regie des Righelli.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notlzen ſind ans ſchlieſilich als Hinwelſe auf Anzeigen zu beirachien.
in keinem Faſſe irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Im Hotel Prin; Heinrich (am Alten Bahnhof) findet
heute abend großes Garten=Konzert ſtatt; bei ungünſtiger Witterung in
den Lokalitäten.
— Kriegerperein. Die Kameraden werden hiermit nochmals
zur Denkmalsfeier kameradſchaftlichſt eingeladen. Zahlreiche Beteiligung
am Feſtzug ſehr erwünſcht. Treffpunkt der Aegteilnehmer 2.20 Uhr
nachmittags in der Wilhelmſtraße, Ecke Heidelberger Str. ße.
D
200
20000
10000
300
5000
560
350 000
350 000
[ ← ][ ][ → ]K
Sonntag, den 3. Züli 1927
Seite 7
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Arheilgen, 2. Juli. Die von den vier oberen Jahrgängen unſerer
Schule geplante Rheinfahrt iſt auf Montag, den 11. ds. Mts.,
feſt=
geſetzt. Die Zahl der Angemeldeten beträgt nahezu 700 und können
weitere Meldungen nicht mehr angenommen werden. — Der hieſige
Ortsgewerbeberein veranſtaltet am Sonntag, den 10. ds. Mts.,
einen Ausflug nach Gaimühle—Wolfsſchlucht—Zwingenberg a. N. und
mit Schiff nach Heidelberg. Der Preis der Bahnfahrt beträgt 3,80 Mk.
— Hilfsbedürftige Perſonem, die dauernd oder vorübergehend eine
Miet=
erhöhung, ſoweit ſie durch die Sondergebäudeſteuer bedingt iſt, nicht
tragen und eine eventuelle Wohnungsänderung nicht vornehmen können,
ſind durch die Fürſorgeämter zu unterſtützen. Perſonen, die glauben,
Anſpruch auf ſolche Unterſtützung zu haben, wollen ſich unter Vorlage
des ſtaatlichen Steuerzettels für die Jahre 1926/27 bei der hieſigen
Bür=
germeiſterei melden. — Bei der am 16. Mai ds Js. ſtattgefundenen
Wohnungszählung wurden hier in 1103 Grundſtüchen 1808 Wohnungen
feſtgeſtellt. Bei Feſtſtellung der Wohnungsſuchenden wurden 67 ohne
ſelbſtändige Wohnung und 65 mit ſelbſtändiger Wohnung gezählt. —
Die gegenwärtig hier ſtattfindende Ausſtellung für
Geſund=
heitspflege und ſoziale Fürſorge erfreut ſich eines ſehr
regen Beſuches. Unſere drei hieſigen Aerzte, die Herren Dr. Goge,
Ritſert und Voltz, haben ſich in dankenswerteſter Weiſe bereit erklärt,
täglich Führungen zu veranſtalten. Die Ausſtellung zeigt vor allem
die Volkskrankheiten, beſonders die Tuberkuloſe, ferner
Geſchlechtskrank=
heiten und ihre Heilung, Säuglingspflege, Krüppelfürſorge, Zahnpflege
und Alkoholismus und ſeine Folgen. Durch Bilder, Tabellen und
Mo=
delle wird beſonders auf die Verhütung und Heilung hingewieſen, und
ſei hierdurch nochmals der Beſuch der Veranſtaltung dringend empfohlen.
Die Ausſtellung bleibt noch bis zum Donnerstag dieſer Woche hier, der
Zutritt iſt frei.
* Griesheim, 2. Juli. ZurWaſſerverſorgung. Die hieſige
Dürgermeiſterei weiſt in einer Bekanntmachung darauf hin, daß die
an=
gebrachten Plomben nur durch die Bürgermeiſterei entfernt werden
dür=
fen. Abnehmer, deren Leitungen noch verplombt ſind und die die
Ent=
nahme von Waſſer beabſichtigen, müſſen dies ſpäteſtens von dem Tage,
an dem die erſte Waſſerentnahme erfolgen ſoll, bis längſtens vormittags
10 Uhr bei der Bürgermeiſterei (Zimmer 8) melden. — Die
Schulamts=
anwärter Wilhelm Grohe nus Gau=Biſchofsheim und Friedrich Nöll
aus Darmſtadt wurden zu Lehrern an der hieſigen Volksſchule ernannt.
In der Woche vom 4. bis 9. Juli finden auf dem hieſigen
Truppen=
übungsplatz, täglich vormittags von 5—12 Uhr, Scharfſchießübungen ſtatt.
H. Eberſtadt, 2. Juli. Obſt= und Gartenbauverein.
Am Mittwoch abend fand im Rathausſaal auf Veranlaſſung des Obſt=
und Gartenbauvereins eine Vorbeſprechung mit Intereſſenten und
Ver=
tretern der Gemeinde über die Möglichkeiten der Beteiligung des
Ver=
eins ſowvohl als auch hieſiger Obſt= und Gemüſe=Einzelzüchter an der
Obſt= und Gemüſeausſtellung, die mit der am 15. bis 20. September
ds. Js. in Darmſtadt geplanten Landwirtſchaftlichen Ausſtellung
ver=
bunden ſein wird, ſtatt. Her Kreisobſtbauinſpektor Behne machte an
Hand des Ausſtellungsprogramms in einem längeren Vortrag
Ausfüh=
rungen über die Art der großen Ausſtellung und ihren Umfang. Dabei
wies er darauf hin, daß für Eberſtadt in erſter Linie eine Beteiligung
an der Obſtausſtellung gegeben und notwendig ſei und ſich im Hinblick
auf die für Eberſtadt vorliegende Bequemlichkeit leicht durchführen
laſſe. Das Augenmerk müſſe, ſo führte der Vortragende aus, darauf
gerichtet werden, vornehmlich ſolches Obſt zur Ausſtellung zu bringen,
das der Großhandel benötigt und worin das Obſtbaugebiet beſonders
lieferungsfähig iſt. Die im Ausſtellungsprogramm verzeichneten
Obſt=
klaſſen wurden im einzelnen durchgeſprochen und dabei erläutert, in
welcher Verpackungsform die verſchiedenen Obſtſorten zur Ausſtellung
zu bringen ſind. Es wurde beſchloſſen, zur Durchführung einer
um=
faſſenden örtlichen Beteiligung eine dreigliedrige Kommiſſion zu bilden
und dieſer die erforderlichen Arbeiten zu übertragen.
* Pfungſtadt, 1. Juli. Brückenſperre. Die Rathausbrücke
iſt vom kommenden Montag ab auf die Dauer von drei Wochen für den
Verkehr geſperrt.
* Nieder=Ramſtadt, 2. Juli. Die Anmeldungen zur
Land=
wirtſchaftlichen Ausſtellung in Darmſtadt von ſeiten der Ausſteller
müſſen bis zum 1. Auguſt Ifd. Js. getätigt ſein. Der Obſt= und
Gar=
tenbauverein wird in Kürze eine Verſammlung abhalten, in der das
Nähere erläutert werden ſoll. Die Mitglieder müſſen ſich ſchon jetzt
darüber klar werden, welche einzelnen Obſtſorten für die Ausſtellung
geeignet ſind. Der Verein gibt die Anmeldungen geſammelt weiter. —
Die Zahl der Erwerbsloſen beträgt in hieſiger Gemeinde zu
Anfang Juli Ifd. Js. noch 15, darunter 5 weibliche. In der
Kriſen=
fürſorge wunden unterſtützt 17 Perſonen, darunter 2 weibliche.
Der Geſangverein „Eintracht” veranſtaltet am 17. ds. Mts. in den
Räumen des Gaſthauſes „Zur Poſt” ein Sommerfeſt. Verſchiedene
auswärtige und die hieſigen Geſangvereine haben ihre Mitwirkung
zu=
geſagt. — Die hieſige Kirchweihe findet am 7. und 8. Auguſt
Ifd. Js ſtatt.
* Ober=Ramſtadt, 2. Juli. Im Monat Juni 1927 kamen beim
Standesamt Ober=Ramſtadt 10 Geburten. 10 Eheſchließungen und 2
Sterbefälle zur Beurkundung. Das 1. Halbjahr 1927 ſchließt ſonach
mit 44 Geburten, 29 Eheſchließungen und 19 Sterbefällen ab.
* Roßdorf, 2. Juli. Die Landwirtſchaftskammer Darmſtadt
ver=
anſtaltet am Dienstag, den 5. Juli, dahier eine
Verſuchsbeſich=
tigung. Treffpunkt um 9½ Uhr vormittags bei Gg. Frdr.
Zim=
mer 2., Ober=Ramſtädterſtraße.
r. Babenhauſen, 2. Iuli. Dieſen Sonntag halten, wie alljährlich,
die hieſigen Vereine ihr Waldfeſt in dem herrlichen Eichenwald am
alten Seligenſtädter Weg ab. Gleichzeitig feiern die hieſigen Schulen
ihr Jugendfeſt.
r: Babenhauſen, 2. Juli. Bei der öffentl.
Gemeinderats=
ſitzung am Freitag abend erſtattete der Vorſitzende, Herr
Bürger=
meiſter Rühl, zunächſt einige Mitteilungen. Die Heſſenflieger bitten
um Erlaß des in der letzten Sitzung beſchloſſenen
Vergnügungsſteuer=
betrages von 50 Mark. Das Geſuch wird abgelehnt. Die Mittel= für
Würſtchen und Brezeln zum Jugend= und Waldfeſt werden bewilligt.
Der Gemeinderat nimmt Kenntnis von der Verfügung betr.
Grund=
ſteuerbefreifung bei Neubauten 1927 und genehmigt ſie. Bedauert und
gerügt wird, daß unſere beiden Gemeindepolizeibeamten infolge des
allzu langen Ausbleibens der Richtlinien über die Polizeiuniformierung
noch immer ohne Uniform ihren Dienſt verſehen müſſen. Zum Punkt 1
der Tagesordnung übergehend, gibt der Vorſitzende den
Waldwirtſchafts=
plan für 1928 bekannt. Den Vorſchlägen der Feld= und Waldkommiſſion
wird im allgemeinen zugeſtimmt. Beim Kreisamt ſoll beantragt werden,
daß in den nächſten zwei Jahren außer dem vorgeſehenen Hieb noch
3000 Fm. Holz als Mithilfe zur Beſtreitung der Waſſerleitungskoſten
gefällt werden ſollen, die aber nicht von der in den Wirtſchaftsplänen
vorgeſehenen Menge abgezogen werden dürfen. Der diesjährige
Wald=
wirtſchaftsplan ſieht eine Fällung von 7675 Fm. Holz vor, die
Geneh=
migung findet. Für Kulturarbeiten und ähnliche Aufgaben erſcheint
der ſehr ſtattliche Ausgabepoſten von 14000 Mk. Ueber den derzeitigen
Stand der Waſſerleitungsfrage berichtet eingehend der Herr
Bürger=
meiſter. Mit der Herſtellung des Brunnens iſt begonnen worden und
bis zu einer Tiefe von 20,90 Meter gegraben worden. Eine Beſprechung
zwiſchen der Bürgermeiſterei, Herrn Oberbaurat Hauck vom Kultur=
Bauamt Darmſtadt und Herrn Baurat Schöberl, dem Beſitzer des
hieſigen Elektrizitätswerkes, wegen der Lieferung des Kraftſtromes hat
unterdeſſen ſtattgefunden. Waſſerturm oder automatiſche
Druckpump=
anlage? Darüber ſind die Meinungen des Gemeinderats und auch der
Sachverſtändigen geteilt. Es wird beſchloſſen, daß ſich eine Kommiſſion,
die ſich aus dem Herrn Bürgermeiſter und den Gemeinderäten Franke
und Kloos zuſammenſetzt, zur Beſichtigung eines badiſchen
auto=
matiſchen Druckpumpenwerkes begeben ſoll. Erſt dann ſoll eine
end=
gültige Entſcheidung getroffen werden. Der nächſte wichtige Punkt
der Tagesordnung betrifft die Ablöſung der Babenhäuſer Stadtanleihe.
Nach Beſprechungen der Stadtverwaltung mit der Treuhänderſtelle
empfiehlt die letztere der Stadt eine Ablöſung von 25 Prozent, tilgbar
in 20 Jahren. Die Gemeindevertretung beſchließt eine Barablöſung
in Höhe von 20 Prozent. Die Spitzenbeträge von Altanleihen ſollen mit
10 Prozent vergütet, die Neubeſitzſtücke unter 500 Mark mit 2 Prozent
eingelöſt werden. Der Ankaufsantrag der hieſigen Zellba um
Er=
werhung eines Stück Weges hinter der Fabrik findet Genehmigung zum
alten Preiſe von 2 Mark für den qm. Der Vorſitzende teilt nun mit, daß
das Kreisamt Dieburg den von der Gemeinde vorgelegten
Finan=
zierungsplan der Waſſerleitung genehmigt hat. Nach Verleſung einiger
Wohnungsgeſuche ſchreitet man zur Beratung des Voranſchlags der
Höheren Bürgerſchule, der in Einnahmen und Ausgaben mit 26 107 Mk.
abſchließt und einen ſtädtiſchen Zuſchuß von 9 753 Mk. erfordert. Der
Voranſchlag wird nach kurzer Beſprechung gutgeheißen. Schluß der
Sitzung noch vor Mitternacht.
* Groß=Umſtadt, 2. Iuli. Dekanatstagung. Am letzten
Donnerstag fand zu Babenhauſen die Dekanatstagung des Dekanats
Groß=Umſtadt ſtait. Als Vertreter der zum Dekanat gehörigen 26
Ge=
meinden waren 18 Geiſtliche und ebenſoviel weltliche Mitglieder
er=
ſchienen. Außerdem wohnte der Tagung auch Herr Dr. Satorius aus
Schaafheim als Mitglied des Landeskirchenrates bei. Die einleitende
An=
dacht, in der Pfarrer Kehr=Babenhauſen die Anſprache hielt, war äußerſt
eindrucksvoll. Dem Rechenſchaftsbericht, den Pfarrer Weiß=Babenhauſen
erſtattete, entnehmen wir folgendes: Das Dekanat umfaßt 22911
Evangeliſche. Im Jahre 1925 ſind 7 und im Jahre 1926 15 Perſonen
zur evangeliſchen Kirche übergetreten. Im Jahre 1925 fanden 168 und
im Jahr 1926 188 Trauungen ſtatt. Darunter befanden ſich 21 bzw. 26
Miſchehen. In 14 Gemeinden des Dekanats erhob ſich die Zahl der
Kirchenbeſucher über den Durchſchnitt, und in 16 Gemeinden überſchritt
Lie Zahl der Abendmahlsgäſte den Durchſchnittsprozentſatz. An Gaben
für Wohltätigkeitszwecke entfielen auf den Kopf der Bevölkerung 1,30
Mark. Die Zahl der Abendmahlsgäſte betrug im Jahre 1925 6) und
im Jahre 1926 75,8 Prozent. — Pfarrer Hartmann=Groß=Umſtadt prach
in eingehender Weiſe über das Thema: „Der Kindergottesdie ſt in
unſeren Gemeinden.” — Der Tod hat in dem letzten Jahre iche
Ernte in dem Vorſtand des Dekanats gehalten. Dekan Knod Broß=
Zimmern ſowie deſſen Stellvertreter Pfarrer Briegleb=Groß=Unſtadt
wurden uns durch den Tod entriſſen. Infolgedeſſen mußte eine
Neu=
wahl ſtattfinden. Als Dekan wurde Pfarrer Reichert, Lengfeld, und als
erſter bzw. zweiter Stellvertreter die Herren Pfarrer Hartmann, Groß=
Umſtadt, und Pfarrer Schrimpf, Dieburg, gewählt.
* Reichelsheim i. Odw., 2. Juli. Ferkelmärkt e. Aus
ver=
ſchiedenen Gründen wurde die Auftriebszeit auch für die
Sommer=
monate von ½10 bis 10 Uhr feſtgeſetzt. Die morgens mit dem 10=Uhr=
Zug kommenden Käufer haben deshalb die Möglichkeit, ſofort bei
Marktbeginn zur Stelle zu ſein. Bei den letzten Märkten war ſtets
ein Auftrieb von 3—400 Ferkeln zu verzeichnen, und zwar faſt
durch=
weg erſtklaſſiges Material. — Schwimmbad. Das urſprünglich am
3 „Juli für Frankfurt a. M. vorgeſehen geweſene große.
Gauwett=
ſchwimmen wurde in letzter Minute anläßlich der
Einweihungsfeier=
lichkeiten unſeres Schwimmbades nach Reichelsheim i. Odw. verlegt.
Es ſteht zu erwarten, daß das Einweihungsfeſt einen großen Umfang
annehmen wird, vorausgeſetzt, daß auch die Wetterlage bis dahin ſich
günſtig geſtaltet. Es wird alſo am 3. Juli in Reichelsheim i. Odw. viel
Intereſſantes vom Schwimmſport zu ſehen ſein.
* Sandbach, 2. Juli. Sonnenfinſternis. Infolge des am
Mittwoch vorherrſchenden dichten Nebels war die Sonnenfinſternis
aus=
gezeichnet gut zu beobachten. Anfangs konnte man ſogar mit bloßem
Auge in die Sonne ſehen. Um 6 Uhr trat eine merkliche Dämmerung
ein. Die hieſigen Volksſchüler beobachteten die Finſternis unter
An=
leitung ihrer Lehrer von Anbeginn bis zum Ende. —
Geſund=
heitszuſtand der Kinder. Der Geſundheitszuſtand der
hie=
ſigen Kinder iſt zurzeit ſehr ſchlecht. Zahlreiche Kinder ſind an Maſern
erkrankt. Leider iſt auch ein Todesfall eines fünfjährigen Kindes zu
verzeichnen. Im Juni kamen in der Grundſchule insgeſamt 250
Ver=
ſäumniſſe infolge Krankheit vor.
* Vielbrunn, 2. Juli. Gemeinderatsſitzung. Betr.
An=
trag wegen Kleinrentnerunterſtützung verlangt der Gemeinderat
Ein=
ſicht in die Akten. Einem Bürgſchaftsgeſuch wird ſtattgegeben mit dem
Vorbehalt, daß Geſuchſteller der Gemeinde gegenüber 2 zahlungsfähige
Bürgen ſtellt. Der Antrag, einen Teil der Miete für die Wohnung
der Lehrerin zu übernehmen, wird abgelehnt mit der Begründung, daß
die unbewohnte Dienſtwohnung bezogen hätte werden können. Einem
Schreiben der O.P.D. Würzburg, einen Unterſtellraum für ein drittes,
die Linie Amorbach-Michelſtadt fahrendes Auto bereitzuhalten, wird
nicht entſprochen, da die Gemeinde an dieſen Fahrten kein Intereſſe
hat. Dem Schutzmann Straub wird in Anbetracht ſeiner in
unermüd=
licher, treuer Pflichterfüllung verbrachten 40jährigen Dienſtzeit eine
monatliche Zulage von 10 Mk. bewilligt. Es iſt dies umſo angebrachter,
da er eine Verſetzung in den wohlverdienten Ruheſtand ablehnt, indem
er ſich mit dem nun 4 Jahrzehnte innegehabten Poſten verwachſen fühlt
und ihn in der an ihm gewohnten Gewiſſenhaftigkeit und Pünktlichkeit
weiter ausüben will.
* Aus dem Odenwald, 2. Juli. Landheim. Der frühere
Jagd=
pächter der Gemeindejagd der Gemarkung Ober=Finkenbach in Firma
Hambitzer u. Schaub zu Frankfurt a. M. erbaute vor einiger Zeit auf
dem Wetterberg ein komfortabel eingerichtetes Jagdhaus. Da
Zahlungs=
ſchwierigkeiten eintraten und man mit dem Pachtzins im Rückſtande
blieb, nahm die Gemeinde Ober=Finkenbach das Gebäude an ſich um
den Preis von 14 000 Mark. Das Haus wird nunmehr zu einem
Land=
heim eingerichtet werden, in welchem einzelne Klaſſen obiger Schule
das Jahr über ſich einige Zeit zur Erholung aufhalten.
* Erbach i. O., 2. Juli. Gemeinderatsſitzung. Die
Farrenhaltung wurde auf Grund der vorliegenden Submiſſions=
An=
gebote der bisherigen Farrenhalterin, Frau Leonhard Hübner 2.,
über=
tragen. — Die Beſchlüſſe der Marktkommiſſion für den Eulbacher
Markt wurden genehmigt. — Der Bericht des ſtädtiſchen Baumeiſters
über den Stand der Notſtandsarbeiten veranlaßte den Gemeinderat,
ge=
eignete Maßnahmen zur ſchnelleren Durchführung der noch rückſtändigen
Arbeiten zu beſchließen. — Weiterhin befaßte ſich der Gemeinderat mit
der Ausgeſtaltung der Sportanlagen des Wieſenplatzes, der
Wegan=
lagen uſw.
* Bensheim, 2. Juli. Kreistag des Kreiſes Bensheim.
Am 24. Juni I. Js. fand die ordentliche Kreistagsſitzung ſtatt. Die
Verhandlungen erſtreckten ſich bis in die ſpäten Abendſtunden, beſonders
die Voranſchlagsberatung nahm viel Zeit in Anſpruch. Die
Tagesord=
nung wurde wie folgt erledigt: Die Kreiskaſſerechnung und
Kreisab=
deckereirechnung wurden geprüft und nicht beanſtandet. Die
Geſamt=
ſumme des Voranſchlags in Einnahme und Ausgabe wurde auf RM.
1 207 253,83 feſtgeſetzt. Zur Deckung der Kreisumlagen wurden folgende
Steuerſätze genehmigt: 6 Pfg. auf Gebäude und Bauplätze, 11,5 Pfg.
land= und forſtwirtſchaftlichen Grundbeſitz, 12 Pfg. gewerbliches
Be=
triebskapital, 12 Prozent Gewerbeertragsſteuer und 9,2 Prozent
Sonder=
ſteuer vom bebauten Grundbeſitz. Die Erhebung einer
Wertzuwachs=
ſteuer und einer Bierſteuer in den ſelbſtändigen Gemarkungen des
Krei=
ſes wurde beſchloſſen, ſowie weiter die Anſchaffung eines neuen
Sani=
tätsautos ſowie eines neuen Perſonenkraftwagens ſür die Verwaltung.
* Bensheim, 2. Juli. Ausflug der Kreisverwaltung
nach Bingen. Die Kreisverwaltung unternahm am Donnerstag
und Freitag einen eineinhalbtägigen Ausflug an den Rhein. Auf
be=
ſondere Einladung hatten ſich faſt alle Bürgermeiſter und Rechner nebſt
deren Damen an dem Ausflug beteiligt. Es konnte die ſtattliche Zahl
von über 150 Perſonen feſtgeſtellt werden, die mittelſt Sonderwagen
Bensheims Mauern verließ, um gegen 3 Uhr Bingen zu erreichen. Dort
fand am Bahnhof eine kurze Begrüßung durch die dortige
Kreisverwal=
tung ſtatt, und ſchon gings mit wunderſchönen Autobuſſen in die
Um=
gebung von Bingen. Um 7 Uhr abends fand eine Beſichtigung der
ſtädtiſchen Weinkeller ſtatt. Die Beſichtigung fiel ſehr gut aus — dies
ſei zur beſonderen Ehre der Stadt Bingen geſagt. Am Abend
ver=
ſammelten ſich die Feſtteilnehmer im großen Saal des
Bahnhofsreſtau=
rants, wo für allerhand Ueberraſchungen geſorgt war. In fröhlichſter
Wein= und Rheinſtimmung verfloſſen die Stunden nur allzu ſchnell. Die
Quartiere wunden nun „geſucht”. Am frühen Morgen gings weiter per
Extraſchiff nach St. Goar; ein Teil hatte es vorgezogen, das
Nieder=
walddenkmal zu beſuchen und beſtieg ſpäter das Schiff. Unter Sang und
Klang — die Bingener Feuerwehrkapelle ließ es an den nötigen
Rhein=
liedern nicht fehlen — wurde von 9½ bis nachmittags 8 Uhr die
Rhein=
fahrt ausgeführt, und gegen ¼4 Uhr gings zurück in die Heimat. Alle
Teilnehmer waren vollauf befriedigt von der äußerſt ſchön verlaufenen
Veranftaltung.
* Heppenheim a. d. B., 2. Juli. Bezirksſparkaſſe
Hep=
penheim. Unter Vorſitz von Herrn Direktor Arnold fand im Kath.
Sparkaſſen= und Giroverbandes deſſen Vorſitzende, Herr Juſtizrat Dr.
Reh=Darmſtadt, bei. Die vom Aufſichtsrat vorgeprüfte Rechnung wurde
der Oberrechnungskammer Darmſtadt zur eingehenden Prüfung
über=
wieſen und dem Rechner—Entlaſtung erteilt. Der Geſamtumſatz der
Sparkaſſe in Heppenheim hat ſich im Jahre 1926 auf 67 Mill. RM. im
Vergleich zu 52 Mill. RM. im Jahre 1925 erhöht. Auch die
Sparein=
lagen haben ſich um über eine Million RM. erhöht, ſodaß die
Spar=
ſumme nun ſchon 34 Prozent der Vorkriegszeit beträgt. Die Zahl der
Einleger hat ſich um etwa 4000 vermehrt, ſodaß die Hälfte der
Ein=
legerzahl vom Jahre 1914 erreicht iſt. Innerhalb von zwei Jahren ſind
im Kleinſparverkehr für 17000 RM. Marken verkauft worden. In
den Schulſparkaſſen wurden etwa 20000 RM. geſdart. Im Jahre 1926
wurden 78 Darlehen im Betrage von 318000 RM. vergeben. Heute
ſind es nun ſchon 180 Einzelausleihungen im Betrage von 800 000 RM.
Beſonders wurden hier Darlehen ſuir Wohnungsbauten berückſichtigt. Zu
erwähnen wäre noch, daß an 845 bedürftige und über 65 Jahre alte
Sparer die erſt im Jahre 1932 fälligen Aufwertungsbeträge mit rund
100 000 Mark bereits ſchon ausbezahlt worden ſind. —
Heugras=
verſteigerung. Bei den diesjährigen Heugrasverſteigerungen
wurden im allgemeinen nur ganz niedrige Beträge erzielt. Bei der letzten
Verſteigerung vor etwa acht Tagen wurden ſo niebrige Preiſe geboten,
daß die Verſteigerung wegen Mangel an Steigerern abgebrochen
wer=
den mußte. Aeltere Leute können ſich nicht erinnern, daß in
Heppen=
heim das Gras jemals ſo billig war. In vielen Fällen wurde nicht die
halbe Pacht erlöſt wie im vergangenen Jahre, während in benachbarten
Gemarkungen der 2—3fache Preis vom vergangenen Jahr erzielt wurde.
— Spar= und Darlehnskaſſe. Bei der hieſigen Spar= und
Darlehnskaſſe verſchwand dieſer Tage eine größere, proviſoriſch
aufbe=
wahrte Geldſumme. Man nimmt an, daß ſich ein Dieb Einlaß in das
Geſchäftszimmer verſchaffte, während die Familie ihre Mahlzeit
ein=
nahm. Eine Verhaftung, welche bereits erfolgt war, wurde aus Mangel
an Beweiſen wieder aufgehoben.”
V. C.=Sommerfeſt an der Bergſtraße.
Wie alljährlich, ſo fand am vergangenen Samstag auch in dieſem
Jahre im „Deutſchen Haus” zu Bensheim das Sommerfeſt an
der Bergſtraße vom V. C., dem Verband der Turnerſchaften auf
deut=
ſchen Hochſchulen, ſtatt. Eine große Anzahl „Alter Turnerſchafter” vom
Rhein=, Main= und Neckar=Gau, ſowie ſämtliche Turnerſchaften der
Uni=
verſitäten Gießen, Frankfurt a. M., Heidelberg und der Techniſchen
Hochſchulen Darmſtadt und Karlsruhe waren mit ihrem Damen
er=
ſchienen. Die Kapelle Greilich=Darmſtadt füllte den muſikaliſchen Teil
aus. Schnell vergingen die Stunden bei Kaffge und Konzert, bis dann
um 20 Uhr der Feſtkommers unter Leitung des Vorſitzenden des V. A. T.
Darmſtadt, Herrm Dr. Schömer, begann. Herr Oberſtudiendirektor Prof.
Dr. Kraemer=Bensheim hielt die Feſtrede, bei der er in beredten Worten
ausführte, daß der V.C. in bezug auf turneriſche und ſportliche
Betäti=
gung, die er ſchon ſeit vielen Jahrzehnten ausübt, an der Spitze der
großen ſtudentiſchen Verbände marſchiert und ſich ſomit einen großen
Anteil an der Ertüchtigung unſerer akademiſchen Jugend und deren
Heranbildung zu deutſchen Männern zuſchreiben kann. Nach
Beendi=
gung des Kommerſes wurde Terpſichores edler Kunſt gehuldigt. Der
wohlgelungene Verlauf der Veranſtaltung hat wieder einmal bewieſen,
daß ſich der V.C.=Gedanke auch in Süddeutſchland immer mehr
durch=
tt.
* Von der Bergſtraße, 2. Juli. Schwerer Fahrradunfall.
Der Töpfer Otto Baatz von Schwetzingen, der von der Nachtſchicht
heim=
kehrte, ſtürzte im Walde vom Rade und blieb drei Stunden bewußtlos
liegen, bis Vorübergehende ſich ſeiner annahmen. — Roher
Un=
fug. Kürzlich wurde auf der Straße bei Lützelſachſen ein Stacheldraht
quer über die Straße geſpannt, um die Paſſanten zum Sturze zu
bringen und Autos zu gefährden. In der Gorxheimer Talſtraße
wur=
den zwölf ſchwere Steine zerſtreut auf die Straße geworfen, ebenfalls
in der bubiſchen Abſicht, die Fuhrwerke zu gefährden. Leider gelang
es der Polizei noch nicht, die Rohlinge zu faſſen. — Gefaßter
Fahrradmarder. In der Nähe der Ziegelhütte bei Weinheim
wurde ein verdächtiger Mann feſtgenommen. Bei dem Verhör ſtellte
es ſich heraus, daß er mehrere Fahrraddiebſtähle auf dem Gewiſſen
hatte. Er wurde in Haft genommen.
* Aus dem Virkenauer Tal, 1. Juli. 35jähriges Jubiläum.
Der Athletenklub Weinheim 1892 feiert am 2., 3. und 4. Juli auf dem
herrlich gelegenen Sportplatz im Birkenauer Tal ſein 35jähriges
Jubi=
läum mit nationalem Wettſtreit. Das außerordenrlich reiche Programm
wird auf dem als Feſtplatz gewählten Sportplatz abgewickelt. Für die
Dauer der Feſttage wird ein Autoverkehr nach dem Feſtplatz eingerichtet.
Bei günſtigem Wetter iſt wohl ein ſtarker Zuzug von Gäſten zu erwarten.
— Hirſchhorn, 2. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
1. Juli 0,87 Meter, am 2. Juli 0,87 Meter.
* Biblis, 2. Juli. Gemeinderatsſitzung. Vorgeſtern abend
fand unter Beteiligung der für den Bibliſer Gurbenwarkt im Frage
kommenden Großhändler und deren Einkäufer eine Gemeindevatsſitzung
ſtatt, die ſich ausſchließlich auf die Neverung, die dieſes Jahr im
Bib=
liſer Gurkenmarkt eintreten ſoll, bezog. Herr Bürgermeiſter Frank
er=
öffnete die Sitzung, und erhielt als erſter Redner Hery Heller, Inhaber
der bekanntem Bibliſer Gurkenfabrik Kölſch Nachf., das Wort zur
Klax=
legung der in Frage kommenden Einzelheiten. Redner begrüßt es, daß
der Gemeinderat ſofort damit einverſtanden war, die Amſichten der
Kon=
fumenten zu hören, führt aber unter anderem an, daß abſolut kein
Zwang irgendwie durch dieſe Sitzung den Landwirvem ufgebürdet
wer=
den ſollte, daß es vielmehr nur in der Abſicht der Verbraucher läge, die
Anſichten des Gemeinderats zu hörem und ihm nicht rückſichtslos zu
übergehen. Er kommt nun auf den eigentlichem Kerm der Sache zu
ſpre=
chen. Unter anderem erklärt er, wie er ſich die Sache wit der im Biblis
unbedingt notwendig gewordenen Neuerung, die für beide Teile abſolut
kein Schadem ſein könne, denke. Es ſollen die Gurkem nicht mehr, wie
es ſeither auf dem Bibliſer Gurkenmarkt Brauch geweſen ſei, ſtüchweiſe,
ſondern zentnerweiſe von den Produzenten abgeſetzt werdem. Dies habe
gewiſſe Vorteile; erſtens brauche der Landmann nicht ſeine um dieſe
Zeit ohnehin koſtbare Zeit nutzlos mit ſtundenlangem Zählen zu
ver=
ſchwenden, zweitens komme durch dieſen neuem Verkaufsmodus beſtimmt
wieder die in aller Welt bekannte Bibliſer Qualitätsgurbe, die in dem
letzten Jahren vollſtändig verſchwunden war, in den Vordergrund, und
würde ſo naturgemäß ein hoher Preis erzielt, und drittens verſchwinde
das Mißtrauen, das der Einleger gegen den Bauersmann ſeither hegte,
dadurch, daß er ſeine Ware jederzeit kontrollieren könne. Es wird
weiter angeführt, daß das Weißkraut in früher auch ſtüchweiſe verkauft
worden ſei und jetzt, wo man ſich an den Verkauf auf Gewicht gewöhnt
hätte, der Handel gewiß flotter ginge als früher. Es ſpricht noch ein
weiterer Vertreter des Einlegerverbandes, der jedoch im allgemeinen die
Rede ſeines Vorgängers unterſtreicht. Davauf erteilt Herr
Bürgermei=
ſter Frank verſchiedenen im Gemeinderat anweſendem Mäitgliedern der
Bauernſchaft das Wort. Es wird num unter anderem angeführt, daß
der Gemeinderat an ſich überhaupt nicht die richtige Stelle ſei, über
der=
lei Neuerungen maßgebend mitzuſprechen, doch ſtelle der Gemeinderat
als ſolcher dem Anſinnen der Konſumentem kein Hindermis in den Weg.
Ob die Landwirte, ſolange ſie in dieſer Neuerung keinem Vorteil oder
aber zum mindeſten keinen Schaden ſehem, von dem Althergebrachten
ab=
weichen werden, ſei eine andere Frage, die ſicher nur im einer öffentlichemn
Verſammlung entſchieden werden könnte. Weiter ſtehe man allen
Neue=
rungen des Einlegerverbandes im allgemeinen ziemlich ſkeptiſch
gegen=
über, da man bis jetzt hierin noch keine gute Erfahrung gemacht habe.
Es wird alsdann von den Vertretern der Bquernſchaft vorgeſchlagem,
zumal in dieſem Jahre doch nicht mit einer guten Ernte gerechnet
wer=
den könne, es ſo zu machen, daß derjenige, der ſeine Gurkem zentnerweiſe
verkaufen will, dies erproben kann, damit man erſt einmal die
Vor=
oder Nachteile, die dieſer Verkaufsmodus mit ſich bringt, erſehen kann.
Nach beiderſeits lebhafter Debatte kam man zu dem Entſchluß, vor
allem eine allgemeine Verſammlung der Gurkem bauenden Landwirte
einzuberufen, damit die Produzenten ſelbſt genau über den neuen
Ver=
kaufsmodus orientiert werden könnten und ihre Anſicht zu hören. Es
wäre auf alle Fälle ſeitens der Einleger nicht das richtige, auf ihre
gewiſſe Macht zu pochen und dieſe Neuerung einfach auf eigene Fauſt
durchzuführen, es könnte dies die Landwirte gewiß nicht überzeugen und
das Mißtrauen würde nur geſteigert.
* Lampertheim, 2. Juli. Todesfolge durch
Motorrad=
unfall. Der bei einem Zuſammenſtoß mit einem Fuhrwerk auf der
Straßenbrücke bei Worms am Freitag vom Soziusſitz des Motorrades
des Peter Oberfeld herabgeſchleuderte Johannes Rüßler von hier, iſt
an den Folgen des erlittenen Schädelbruchs geſtorben. — Neuer
Motorradunfall. Der mit Zigarren handelnde Johannes Biegi
von hier wurde auf einer Straße bei Worms mit ſeinem Motorrad
bewußtlos aufgefunden und nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus Worms
verbracht. Angeblich ſoll er von einem Auto angefahren worden ſein,
das ſich aber nicht um ihn kümmerte. Dieſer Unfall iſt der vierte
inner=
halb kurzer Zeit, den hieſige Motorfahrer betroffen haben und von
denen zwei tödlich verliefen.
— Gernsheim, 2. Juli. Waſſerſtand des Rheins an
2. Juli 1,60 Meter.
Groß=Gerau, 1. Juli. Die Bezirksſparkaſſe Groß.
Gerau hat ihr hundertſtes Geſchäftsjahr hinter ſich. In dem ad
gelaufenen Geſchäftsjahr haben ſich die Spareinlagen bei der Kaſſe beib
doppelt. Sie belaufen ſich gegenwärtig auf über 3,6 Millionen Mark,
Der Jahresumſatz betrug nahezu 60 Millionen. Anſtelle des durch Toh
ausgeſchiedenen Bürgermeiſters Engel von Klein=Gerau wurde
Bürget=
meiſter Barthel=Büttelborn in die Verwaltung berufen. —
Tuber=
kuloſefürſorge. Auf Koſten des Kreiſes Groß=Gerau wird hier
für die Orte Ginsheim, Guſtavsburg, Biſchofsheim, Kelſterbach,
Raun=
heim und Rüſſelsheim eine Tuberkuloſe=Fürſorgeſtelle zur Errichtung
kommen
* Offenbach, 2. Juli. An der ſüdlichen Seite der
Frankfurter=
ſtraße, nicht weit von der Landesgrenze bei Oberrad entfernt, ehemals
natürlich im freien Felde, liegt langgeſtreckt ein altes Gebäude, das
Lagerhaus. Auf dem freien Platze vor ihm ſtehen meiſt
Möbel=
frachtwagen hieſiger Unternehmer. Dieſes Lagerhaus ſah einſt beſſere
Zeiten. Es erinnert an die Offenbacher Meſſe, die von 1828 bis 1835,
als ſich Frankfurt weigerte, dem Zollverein beizutreten, mächtig
auf=
blühte. Es träumt von dieſer Zeit, ſeit Frankfurt, deſſen Meſſe ſeit
1828 ſtändig zurückging, ſeinen Fehler einſah und im Jahre 1835
wider=
willig dem Zollverein beitrat. Verſchiedene Vorſchläge wurden ſchon
gemacht, das Lagerhaus und den geräumigen Platz davor nutzbringend
zu verwerten. Es wurde vorübergehend als Ausſtellungsgebäude
heran=
gezogen. Vor dem Kriege gedachte man es zum Theater umzubauen.
Im vergangenen Jahre plante man, es zum Kunſthauſe, das nicht nur
die Bretter, die die Welt bedeuten, beherbergen ſollte, umzugeſtalten.
Neuerdings hat nun ein Baufachmann einen ausführlichen Plan, es
zur Markthalle umzubauen, ausgearbeitet. Der Markt wird gegenwärrig
auf dem Wilhelmsplatze, der noch vor hundert Jahren Friedhof war, im
Freien abgehalten. Bei der herrſchenden Ebbe in der Stadtkaſſe iſt es
aber ſicher, von anderen Erwägungen ganz abgeſehen, daß das
Lager=
haus in ſeinem heutigen Zuſtande das Jahr 1928 überleben wird, in
dem die einſtige Offenbacher Meſſe, was außerhalb Offenbachs wenig
bekannt ſein wird, ihre Hundertjahrfeier begehen könnte.
* Walldorf, 2. Juli. Erſatzwahl. Anſtelle des zum Beigeork
neten gewählten Gemeinderatsmitgliedes Ernſt Emmerich 2. iſt Schreiner
Gg: Wilker in den Gemeinderat eingetreten,
Nummer 182
Seite 8.
Sonntag, den 3. Juli 4927
Rheinheſſen.
* 630jähriges Stadtjubiläum von Alzen.
Die Feierlichkeiten wurden am Samstag abend mit einem
ſtim=
mungsvoll verlaufenen Feſtkommers, ſportlichen Veranſtaltungen
und Illumination der Stadt eingeleitet. Wir werden in unſerer
Mon=
tagsnummer eingehend auf die Veranſtaltungen des Samsdags und
Sonntags zurückkommen.
Flugtag in Alzey. Dem Hauptausſchuß für die 650=
Jahr=
feier iſt es gelungen, am Dienstag, den 5. Juli, für Alzey einen
Flugtag zu veranſtaltem. Der berühmte Kunſtflieger Jährling wird
auf dem Feſtplatz ſeine geradezu tollkühnen Kunſtflüge ausführen.. Habem
wir doch im beſetzten Gebiet ſo gut wie keine Gelegenheit gehabt, uns
von den ungeheuren Fortſchritten des modernen Kunſtflugweſens zu
überzeugen, während im unbeſetzten Deurſchland Flugtage und
Flug=
wochen ſtattfanden. So darf ſicher zu evwarten ſein, daß dieſe
Diens=
tagsvorführung das allergrößte Intereſſe, in der nahen und weiteren
Umgebung Alzeys wachruſen wird. — Auch die Alzeyer
Stadt=
farben kommen anläßlich der 650=Jahrfeier zur beſonderen Geltung,
denn überall zieren nebew den Reichs= und Landesfarbew die
ſchwarzgel=
ben Wimpel und Fahnem die reichgeſchmückten Straßen und Häuſer.
Zeigt doch das Alzeyer Stadtwappen im oberen Felde den ſchwarzen
Pfälzer Löwen auf goldenem Grunde, weil Alzey Jahrhunderte lang
als Landeshauptſtadt der Pfalzgrafen das Wappen ſeiner Landesherren
als Stadtwappen führte. Im unterem Felde führt Alzey die rote Fiedel
im weißen Felde, als Erinnerung an den Alzeyer Nationalhelden, den
ſagenumwobenen Volker von Alzey.
* Worms, 2. Juli. Jahresfeſt des evangelifchen
Ver=
eins für innere Miſſion (Gemeinſchaftsverband, Rheinheſſen=
Ried=Bergſtraße). Das 41. Jahresfeſt des Gemeinſchaftsverbands wurde
am vergangenen Sonntag in Worms in würdiger Weiſe begangen. Es
waren etwa 100 Schweſtern zu einer Schweſternkonfevenz
zufammen=
gekommen, bei welcher Herr Miſſionar Braun vom Erholungsheim
„Schönblick” die Predigt hielt. Am Sonntag fand Morgenandacht in
der Stadtmiſſion ſtatt bei ſtarker Beteiligung. Die Hauptfeier war
nach=
mittags um 2 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche, die dicht beſetzt war.
Vor=
träge des Poſaunenchors leiteten dieſe Stunde ein, worauf Herr Pfr.
Eßlinger=Auerbach die Begwißungsanſprache in herzgewinnender Weiſe
hieltz an zweiter Stelle ſprach Herr Miſſionar Braun über die
Stel=
lung der Gemeinde Gottes zur Welt. Herr Stadtmiſſionar
Zimmer=
mamm=Worms wußte in packenden Worten den Glaubensweg zu
erläu=
tern. Nach dem Schlußwort von Verbandsſekretär Stahl=Worms begab
ſich ein Teil der Befucher noch in das Mädchenheim, wo eine ſchlichte
Nachfeier gehalten wurde, in der Lehrer Adolf Heller, Pfr. Eßlinger
und Pfr. Hill=Dalsheim noch erbauende Worte an die Verſammlung
richteten. Damit ſchloß der erhebend verlaufene Gemeinſchaftstag.
Oberheſſen.
* Bad=Nauheiu, 2. Juli. Die Frage des Krankenhaus=
Nenbaues, der für unſere Weltbadeſtadt eine dringende
Nodwendig=
keit iſt, wird ſchon ſeit längerer Zeit eingehend erörtert. Die
Ausfüh=
rung ſcheiterte bisher an der Aufbringung der Koſten. Der Staat hat
ſich bis heute noch nicht bereit erklärt, einen entſprechenden Betrag
beizuſteuern, obwohl auch eine Abordnung von Landtagsabgeordneten
vor einigen Monaten die ſeitherigen Zuſtände im Krankenhausweſen als
unhaltbar, für eine Badeſtadt anſah. Zunächſt wird ein Anfang mit
dem Neubau gemacht. Die Stadtverordneten bewilligten die Mittel für
den Bau eines neuzeitlich eingerichteten Iſolierhauſes in Höhe
von 186 000 Mk. Wann der Hauptbau des neuen Krankenhauſes zur
Ausführung kommt, läßt ſich noch nicht abſehen.
* Büdingen, 30. Jumi. Der heſſiſche Hebammenverband hielt ſeinen
13. Verbandstag unter ſtarker Beteiligung der Hebammen aus allen
Teilen Heſſens hier ab. Unter den Gäſten befanden ſich
Obermedizinal=
rat Dr. Freſenius als Vertreter der hefſiſchen Regierung,
Obermedizinal=
rar Dr. Königer vom heſſiſchem Medizinalbeamtenverein, Regierungsrat
Dr. Weber vom Kreisamt Büdingen, Dr. Grein als Vertreter des
heſ=
ſiſchen Städtetages, Bürgermeiſter Albrecht als Vertreter des heſſiſchen
Landgemeindetages und Profeſſor Dr. Seitz von der Univerſitätsklinik
Gießen. Die erſte Vorſitzende des Landesverbandes, Frau Kern,
er=
ſtattete den Jahresbericht und ſchilderte die Notlage der Hebammen.
Si ſchlug vor, die Hebammen als Gemeindebeamte anzuſtellen. Der
Dezernent der ſozialen Fürſorge, Dr. Greiner, und der Hebammenlehrer
Profeſſor Dr. Walther=Gießen traten ebenfalls für die Beſſerung des
Hebammenſtandes im Intereſſe des Volkswohles ein. Der Antrag des
Kreiſes Worms, der eine Ausbildung von einem Jahr mit anſchileßender
praktiſcher Tätigkeit für ausreichend hält, wird angenommen. Der
An=
trag des Kreiſes Erbach, der eine Ausbildung von 18 Monaten fordert,
wird abgelehnt. Bezüglich der Erneuerung aller Hebammenverträge der
Gemeinden, ſoll ein Antvag an den heſſiſchen Landtag gehen, der eine
geſetzliche Regelung vornehmen ſoll. Zum Schluſſe wurde eine
Ent=
ſchließung an die heſſiſche Regierung angenommen, in der die
Hebam=
men eine Rewiſion der Gemeinde=Hebammen=Verträge auf geſetzlichem
Wege und Schutz ihrer Intereſſen durch ein entſprechendes Geſetz
for=
dern. Der mächſtjährige Verbandstag ſoll in Oppenheim am Rhein
ſtattfinden.
Internationales Tanz=Turnier in Bad=Nauheim.
Zu dem Internationalen Tanz=Turnier, das ſich im Kurhaus Bad=
Nauheim abſpielte, hatten ſich namhafte Amateurpaare eingefunden, die
dem zahlreich erſchienenen Publikum das feſſelnde Schauſpiel
ausgezeich=
neter tänzeriſcher Begabung und Bildung boten. — Die Siegerpaare
ſind folgende:
Bäderklaffe: 1. Preis: Herr Lohr=Frl. Köhler=München;
2. Preis: Herr Dr. Scheel=Frau Boelſen=Frankfurt a. M.; 3. Preis:
Herr Staatsſekretär Dr. Euler=Frl. Schickel=Frankfurt a. M.
B=Klaſſe: 1. Preis: Herr Kienz=Frl. von Chruſtſchoff, Schwarz=
Weiß=Club. Karlsruhe; 2. Preis: Herr Jacoby=Frl. Brinitzer, Rot=
Weiß=Club, Frankfurt a. M.; 3. Preis; Herr Müller=Frl. John, Not=
Weiß=Club, Bad=Nauheim.
A=Klaſſe: 1. Preis Herr Ali Bey=Frl. Gutmann, Türkei=
Deutſch=
land; 2. Preis; Herr Dannenberg=Frl. Nöltner, Not=Weiß=Club,
Frank=
furt a. M.; 3. Preis; Herr Kienz=Frl. von Chruſtſchoff, Schwarz=Weiß=
Club, Karlsruhe.
Sonderklaſſe: Meiſterſchaft von Heſſen und Bad=Nauheim:
Herr Grünberg=Frl. Jurmann. Rußland=Deutſchland: 2. Preis; Herr
Leichfenring=Frl. Berthold, Blaugold=Club, Dresden: 3. Preis: Herr
Dr. Neuroth=Frl. Koeppel, Gelb=Schwarz=Caſino, München; 4. Preis
Herr Dr. Term Bunnag=Frl. Apruſchenko, Siam=Schweiz.
Die techniſche Durchführung des Tanz=Turniers, die unter der
Ober=
leitung von Herrn A. P. Hartmann=Emerſen ſtand, fand den lebhaften
Beifall aller Teilnehmer.
* Gießen, 2. Juli. Das Jahresfeſt der Univerſität wurde
geſtern beſonders feſtlich begangen. Das Univerſitätsgebäude trug reichen
Flaggenſchmuck, und um 11 Uhr trafen die ſtudentiſchem Verbindungen
in vollem Wichs mit Fahnen ein. Auch Vertreter der Behörden, der
Stadt, das Offizierskorps hatten ſich in der Neuen Aula eingefunden.
Unter den Klängen des Krönungsmarſches aus „Die Folkunger” erfolgte
der Einmarſch der Profeſſoren und Senatoren. Univerſitätsrektor
Pro=
feſſor Dr. Zwick hielt den Feſtvortrag über „Tierſeuchen und ihre
Be=
kämpfung” Anſchließend erfolgte Vorleſung der Jahreschronik der
Univerſität, Veränderung in der Profeſſoren= und Studentenſchaft. Für
zwei wiſſenſchaftliche Arbeiten wurden die Preiſe verteilt und die
Preis=
träger verleſen. Der Rektor dankte allen, die im Laufe des Jahres der
Univerſitär Stiftungen und Geſchenke überwieſen haben, z. B. der
Deut=
ſchen Norgemeinſchaft der Wiſſenſchaft, der Hochſchulgeſellſchaft für
Bücherſpenden, ferner einzelnen Firmen, z. B. C. Seitz=Wetzlar für
Stif=
tung wiſſenſchaftlicher Inſtrumente. Die Stadt Gießen hat 10 000 Mk.
für Inneneinrichtung des Phiſiologiſchem Inſtiruts geſtiftet, zum Neubau
einer Univerſitäts=Kinderklinik das Baugelände geſtellt, der
Studenten=
hilfe für Errichtung eines Studentenhauſes Baugelände im Werte von
50 000 Mk. überwieſen. Zum Schluſſe wies der Rektor noch auf die
Er=
weiterung des Umiverſitäts=Sportplatzes und auf die hohe Bedeutung
der körperlichen Ausbildung für die ſtudierende Jugend hin. Unter dem
Geſang „Kömg Heinrichs Aufruf und Gebet” aus Lohengrin verließen
Profeſſoren und Senat die Aula. — Nachmittags fand auf dem
Sport=
platz die Einweihung der oberem Terraſſen ſtatt, anſchließend wurden
Staffelläufe und Spiele veranftaltet. Konzert und Tanz auf der „
Lie=
bigshöhe” bildeten den Abſchluß der Feier.
* Alsfeld, 1. Juli. Ein Großfeuer brach vorgeſtern im
An=
weſen des Gutspächters Steinmetz bei Schrecksbach aus. Der
ſüd=
liche Flügel, der die Schaf=, Schweine= und Pferdeſtälle, die Vorrats= und
Futterräume umfaßte, brannte bis auf die Grundmauern nieder Die
Motorſpritze aus Alsfeld traf ein, die Wehren aus den Orten
Heidel=
bach, Holzburg, Röllshaufen uſw. eilten zu Hilfe. Sämtliches Vieh
konnte gerettet werden, auch die anſchließende große Geflügelfarm mit
etwa 1000 Tieren.
* Schotten, 2. Juli. Unter dem Vorſitz von Geheimrat Böckmann
fand eine Kreistagfitzung ſtatt, welche entſchieden gegen die
ſtief=
mütterliche Behandlung des Kreiſes Schotten
Ein=
ſpruch erhob. In einer Entſchließung wurde gefordert, daß
mindeſtens drei Straßen von der Provinz als D=Straßen (
Durchgangs=
ſtraßen) behandelt werden müßten: 1. Lauterbach—Ulrichſtein—Schotten
—Nidda; 2. Herbſtein—Gedern—Ortenberg; 3. Hungen—Wetterfeld. Es
wurde ferner gefordert, daß der Vogelsberg mehr Beachtung in der
Unterhaltung ſeiner Straßen finde. Für die Errichtung einer
Kreis=
abdeckerei, zu der ſich ein Unternehmer bereit erklärt hat, wurde ein
Darlehen von 20 000 Mk. bewilligt.
* Aus Oberhefſen, 1. Juli. In der Nähe von Rainrod ereignete
ſich ein Unglücksfall. Als der Beigeordnete Konrad mit ſeinem
Pferde=
geſpann heimwärts fuhr, ſcheute am Bahndamm plötzlich das Pferd vor
einem vorbeifahrenden Zuge. Das Pferd wurde vom Zuge erfaßt und
mußte ſchwer verletzt in die Veterinärklinik nach Gießen befördert
wer=
den, während Beigeordneter Konrad mit dem Schreckem davonkam. —
Die Kirchengemeinde zu Ober=Seemen beſchloß die Anſchaffung
einer neuen Kinhenorgel für 5000 Mark. — Der Vilbeler Markt
ſoll in dieſem Jahre wieder reich ausgeſtattet werden, u. a. ſoll das
Martiniſche Feſtſpiel. „Aus Vilbels Vergangenheit” zur Aufführung
kommen. — Daß man beim Grasmähen vorſichtig ſein muß, erfuhren
Einwohner zu Oberohmen; eine Frau fiel mit der Hand in die Senſe,
eine zweite Frau geriet mit dem Bein in die Mähmaſchine, beide Frauen
erlitten ſchwere Verletzungen. — In Keſtrich brannte das Backhaus
nieder. — In Windhauſen fand man auf dew Kleeacker einen
Kinderluftballon, den eine Brüſſeler Fabrik abgelaſſen hatte. — In
Nieder=Ohmen hat Ludwig Schloſſer eine Werkſtatt für Orgel=
und Harmoniumbau errichtet. — Ein ſchwerer Unfall ſtieß dem
Land=
wirt Martin Kaiſer zu Unter=Schwarz zu. Er war auf dem
Scheunengerüſt mit dem Abnehmen des Heues beſchäftigt, als er plötzlich
ausglitt, auf die Tenne herabſtürzte und mit ſchweren Verletzungen am
Kopfe bewußtlos liegen blieb. — Das 160. Jubiläum eines
Hagelfeiertages, begeht am 27. Juni die Kirchengemeinde zu
Gedern. Der Hagelfeiertag wird zur Erinnerung an ein furchtbares
Hagelunwetter, welches am 27. Juni 1767 die hieſige Gegend ſchwer
heimſuchte, feierlich durch einen Gottesdienſt begangen. Von dieſem
Un=
wetter wurden 25 Gemeinden betroffen, die Kornfelder zerſchlagen,
Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt. — Das große Sägewerk
Himmelsbach bei Nidda arbeitet mit Hochdruck. Zahlreiche
Ar=
beiter wurden neu eingeſtellt. Das Werk arbeitet in Tag= und
Nacht=
ſchicht.
dann nur
Fliegenfänger 2
„Schwapp”
nehmen.
Zu haben in allen einſchlägigen Geſchäften
Fliegenplage
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Senntag, 3. Juli. 8: Morgenfeier. 11.30: Elternſtunde.
Erziehungsinſp. Liers: Die Fürſorge für Schwachſinnige in der
Hilfsſchule. O 12: Glockenſpiel aus Darmſtadt. O 12.10: Dr. Heinitz:
Klänge aus der Südſee. O 15: Stunde der Jugend. Für Kinder
vom 4. Jahre ab. & 18: vom Nürburgring: Großer Preis von
Europa für Motorräder. O 18: Rhein=Mainiſcher Verband für
Volksbildung. O 19.30: Aus dem Staatstheater Kaſſel: Gräfin
Mariza”. Operette von Kalman. Anſchl.: Sportnachrichten. Darauf:
bis 0.30: Tanzprogramm.
Siuttgart.
Sonntag, 3. Juli. 11.30: Morgenfeier. Mitw.: Konzertmeiſter
Köhler, Kammermuſiter Köhler, A. Haagen. 4 „Darbietungen.
G 15: Dr. Elwenſpoek: Chariotte von Mexiko. Lebens= und
Leidens=
weg einer Kaiſerin. 0 15.30: Eifenfunk an die Jugend. o 16:
Konzert. Mitw.: Käte Mann, H. Hanus, E. Stockinger. 14
Dar=
bietungen. 6 18.15: Prof. Veweyen: Macht und Geiſt. O 18.45:
Oscar Wöhrle lieſt aus eigenen Werken. O 20: Klavierabend.
Th. Demetriescu. Bach: Chromatiſche Fantaſie. — Scarlatti=
Tauſig: Paſtorale. — Beethoven: Sonate op. 111. — Schubert:
Drei Impromptus op. 90, Es=dur, G=dur, As=dur. — Mendelsſohn:
Variations ſerieuſes. D 21: Unterhaltung. Roſſini: Ouv. zu Die
diebiſche Elſter. — Arditi: LArdita. — Peſchel: Die drei
Wein=
kenner. — Friedmann: Im Gärtchen zum Rebſtock beim Wein. Franz
der Geiger. — Helmburg=Holmes: Viſion d'amour. — Tſchaikowsky:
Troika=Fahrt. — „Der Unheimliche”. Sketſch von Heye. — Clutſam:
Negerwiegenlied. — Manfred: Rheiniſche Mädchen. — Benatzky:
Heut Nacht aus Adieu Mimi. — Kowarik u. Leopoldi: Komm mit
nach Kopenhagen. — Uyrd: Czardas. — „Der Vertrauensbruch””
Luſtſpiel von Heye. — Abt: Trinklied. — Stolz: Irgend was
iſt mit mir heut los. — Benes: Mallaroni. — Latann: Frei weg.
Berlin.
Sonntag, 3. Juli. 6.30: Frühkonzert. 7 Darbietungen. In
der Pauſe: Gymnaſtik. o 9: Morgenfeier. An heiliger Stätte.
O 11.30: Dominator=Orcheſter Wenneis. Liſzt: Conſolation Nr. 4.
— Schubert: Ballettmuſik aus Roſamunde. — Tſchafkowski: Nur
wer die Sehnſucht kennt. — Muſſorgsky: Duett aus Boris
Go=
dunow. — Herbert: Indianiſche Klage. Indianiſcher Liebesſang. —
Wenneis: Iſola Garda. — Strauß: Potp. aus Fledermaus. —
Borch: Sündhafte Liebe. — Lehar: Eva=Walzer. — Blon: Unter
der Friedensſonne. O 14.30: Dr. Carthaus: Der Diamant und
ſeine Entſtehung. O 15: Dr. Büſſelberg: Die betriebswirtſchaftliche
Bedeutung von Bodenverbeſſerungsarbeiten. o 15.30: Märchen.
16.15: Dr. Hochdorf: Der Schauſpieler und ſein Anſehen. O 17:
Kapelle Gebr. Steiner. Nicolai: Ouv. Die luſtigen Weiber von
Windſor. — Heinecke: Walzer. — Meyerbeer: Fant Afrikanerin.
— Boccherini: Menuett. — Grieg: Norwegiſcher Brautzug. —
Suppe: Ouv. Dichter und Bauer. — Strauß: Du und Du. —
Capua: Maria, Mari. — Meiſel: Debreczin, Romanze. — Zeller:
Potp. aus Oberſteiger. O 19.05: Dr. Brettner: Ein neues
Kapitel Berliner Hafenwirtſchaft. 19.30: Studienrat Satow:
Die Wunder der Eisrieſenwelt im Tennengebirge. o 19.55: G.
Jarcho: Die nordiſche Riviera. O 20.30: Tänze. Tor Aulin;
Schwed. Tänze op. 32. — Grieg: Norweg. Tänze op. 35. —
Dvorak: Slawiſche Tänze op. 72. — Bartok: Rumän. Volkstänze.
— Brahms: Ungar. Tänze Nr. 2 und 7. — Anſchl.: Nachrichten,
Tanzmuſik.
Stettin. 9: Morgenfeier. „Freude die Fülle‟, Haydn: Chor
aus dem Oratorium „Die Schöpfung”. — Beethoven: Adagio.
— Holland: Morgenbitte. — Klein: Pſalm 46, 1—2. — Anſprache
des Generalſekretars Strodthoff. — Beethoven: Religioſo. —
Bibelrezitation Unſeres Glaubens Freude. — Schlußchoral. Am
Harmonium: E. Lehnhardt.
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Sonntag, den 3 Juli 1927
Reich und Ausland.
Beſuch engliſcher Bürgermeiſter und Stadträte.
Wiesbaden. Augenblicklich weilt in
Wies=
baden eine Geſellſchaft engliſcher Bügermeiſter und
Stadträte, die ſich unter Führung des
Oberbürger=
meiſters und Stadtkämmerers von Birmingham
über das kommunale Bankweſen in Deutſchland und
Oeſterreich unterrichten will. Sie beſichtigten hier
die Naſſauiſche Landesbank, wo ſie von
General=
direktor Dr. Lammers begrüßt und mit der
vorbild=
lichen Organiſation der als kommunales Bankinſtitut
bekannten Landesbank vertraut gemacht wurden. Die
Einrichtungen fanden die volle Anerkennung der
eng=
liſchen Bürgermeiſter. Die Herren haben bereits
ver=
ſchiedene Vankinſtitute ähnlicher Art in Berlin, Wien
und München beſucht und beſichtigt.
* 160 amerikaniſche Aerzte beſuchen Heidelberg.
fm. Heidelberg. Hier trafen 160 amerikaniſche
Aerzte mit ihren Damen, von Straßburg kommend,
ein. Der Reiſegeſellſchaft gehören bekannte
ameri=
kaniſche Aerzte an, ihr Leiter iſt Dr. William Peck.
Die Gäſte werden hier die Kliniken beſuchen, wo
ihnen zahlreiche Vorführungen und Demonſtrationen
gezeigt werden. Sonntag erfolgt die Weiterreiſe
nach Frankfurt a. M.
* Durch glühende Eiſenmaſſe getötet.
fm. Mannheim. Im Strobelwerk III
er=
eignete ſich ein tödlicher Betriebsunfall. Ein mit
glühender Eiſenmaſſe gefüllter Transportwagen
ſtürzte um und ein Teil der glühenden Maſſe ergoß
ſich über den 31 Jahre alten verheirateten Gießer
Alexander Ellwanger von hier, der ſo ſchwere
Brand=
wunden erlitt, daß der Tod alsbald eintrat.
Kein Deutſcher mehr im franzöſiſchen Kerker
in Landau.
fm. Ludwigshafen. Dieſer Tage wurde die
letzte deutſche Strafgefangene, die ſich noch im
Mili=
tärgefängnis Landau befand, die 23 Jahre alte Maria
Müller aus Kaiſerslautern, von der franzöſiſchen
Militärſtaatsanwaltſchaft der deutſchen Juſtizbehörde
übergeben und in das Landgerichtsgefängnis
Franken=
thal überführt. Damit hat, ſo fügt die „Pfälziſche
Rundſchau” dieſer Nachricht hinzu, der letzte deutſche
Strafgefangene das franzöſiſche Militärgefängnis der
Pfalz verlaſſen. Es iſt dies das erſtemal ſeit der
Be=
ſetzung der Pfalz und ſeit der Tätigkeit der
franzö=
ſiſchen Militärjuſtiz, daß ſich in dem Landauer
Mili=
tärgefängnis, in dem während des paſſiven
Wider=
ſtandes Hunderte von politiſchen Gefangenen
ſchmach=
teten, kein einziger Deutſcher mehr befindet. Gemäß
Ordonnanz 2 der Rheinlandkommiſſion hat die
fran=
zöſiſche Militärſtaatsanwaltſchaft die wenigen
deut=
ſchen Strafgefangenen, die noch Strafen zu verbüßen
haben, den deutſchen Behörden zum Strafvollzug
übergeben.
* Eine ſchwere Bluttat.
fm. Singen. Eine ſchwere Bluttat ſpielte ſich
am Freitag in den Abendſtunden im hieſigen
Kranken=
hauſe „ab. Der 40 Jahre alte Speditionsarbeiter
Oswald Gerſter ſollte aus dem Krankenhauſe nach
der Kreispflegeanſtalt Blumenfeld entlaſſen werden.
Mit dieſer Entſcheidung war er offenbar nicht
zu=
frieden. Gerſter fuhr nach Konſtanz und kaufte ſich
dort einen Revolver. Nach ſeiner Rückkehr hierher
begab er ſich wieder ins Krankenhaus und drang in
den Aufenthaltsraum der Schweſtern ein und ſchloß
den Raum ab. Mit der Erklärung: „Jetzt müßt
ihr alle ſterben!” feuerte er auf die anweſenden
Schweſtern. Die 44 Jahre alte Oberſchweſter
Hilde=
brand wurde zweimal getroffen und wurde durch
einen Herzſchuß auf der Stelle getötet. Auf die
Hilfe=
rufe der Schweſtern eilte ein Schutzmann herbei.
Gerſter richtete die Waffe auf ihn und verwundete
ihn durch einen Lungenſchuß ſchwer. Sodann richtete
der Unhold die Waffe auf ſich ſelbſt und brachte ſich
eine leichtere Verletzung bei. Ein inzwiſchen
ein=
getroffener zweiter Polizeibeamter nahm den Mörder
alsdann feſt, worauf er nach dem Amtsgefängnis
Ra=
dolfzell verbracht wurde.
Ein Wunderwerk der Uhrmacherkunft.
Die aſtronomiſche Kunſtuhr,
ein Werk, das in mühevoller 17jähriger Arbeit von
Johann Ueberbacher aus Brixen konſtruiert wurde,
wird mit Recht als aſtronomiſches Kunſtwerk
be=
zeichnet. Die Uhr hat ein Ausmaß von 44
Zenti=
meter Höhe und 20,5 Zentimeter Breite. Oberhalb
des Gehäuſes befindet ſich die Armillarſphäre oder
Erdkreiskugel zur Veranſchaulichung der Erd= und
Himmelskreiſe. Das zwölfſtündige Uhrenzifferblatt
ſowie das aſtronomiſche Zifferblatt füllen die vordere
Gehäuſewand. Die übrigen Wände der Uhr
ent=
halten je ein Planeten=, politopiſches und
chronolo=
giſches Zifferblatt, ſowie ein ſolches mit 24
Stunden=
teilung. Da das Größenverhältnis der ganzen Uhr
ein kleines iſt, ſo war der ſehr komplizierte
Mecha=
nismus eine ungemein ſchwierige Arbeit, die viel
Zeit, Geduld, Geſchicklichkeit und peinlichſt genaue
mathematiſche und aſtronomiſche Berechnungen
er=
forderte.
Jahrhundertfeier der Univerſität Graz.
Nummer 182
Byrds Irrfahrt über Frankreich.
otlanduings, Stelle Buros
Außenanſicht des Univerſitäts=Gebäudes.
Die Grazer Univerſität blickt auf ein 100jähriges Beſtehen zurück. Anläßlich der
Jahrhundert=
feier wurden der öſterreichiſche Bundespräſident Dr. Hainiſch und Reichspräſident v. Hindenburg
zu Ehrendoktoren der Rechts= und Staatswiſſenſchaften ernannt.
Ein Flugzeug=Sanitätsauto
Um das zweimalige Umladen von Verwundeten und Kranken zu vermeiden, trägt das
zwei=
motorige Flugzeug zwiſchen ſeinen ſehr großen Tragflächen ein leicht gebautes Lazarettauto.
Die Landung erfolgt möglichſt nahe der Unglücksſtelle. Das Sanitätsauto verläßt rückwärts den
Rumpf des Flugzeuges, kann alſo vorwärts eingefahren werden. Da es im Schwerpunkt des
Flugapparates blockiert wird, kann auch ein Flug ohne den Wagen erfolgen.
Automobiliſten fahrt vorſichtiger!
Die in letzter Zeit erfolgten ſchweren Automobil=Kataſtrophen begründen nur zu ſehr dieſe
dringende Warnung an unſere autofahrenden Leſer.
Schweres Steinbruchunglück.
WSN. Marienberg (Weſterwald). Ein ſchweres
Unglück, das leicht noch ſchlimmere Folgen hätte
zei=
tigen können, ereignete ſich am Donnerstag
nach=
mittag 3 Uhr in dem der Firma Vereinigte
Grau=
wacke= und Baſalt=Aktiengeſellſchaft Bonn gehörigen,
in der Bacher Ley gelegenen Steinbruch bei
Stollen=
ſprengungen. Etwa ſieben Zentner Rohrprüfer waren
in den acht Meter tiefen rechts und links fünf bzw.
zwei Meter ſich ausdehnenden Stollen gebracht
worden. Nachdem derſelbe durch Sandmaſſen
ab=
gedichtet und der Sprengſtoff entzündet worden war,
drängte ſich die Pulvermaſſe, ſtatt ſich nach innen
aus=
zuwirken, an einer ſchwachen Stelle zum Ausbruch,
ſchleuderte unter gewaltigen Detonationen die
Stein=
maſſen heraus und überſchüttete das unmittelbare
Steinbruchgelände mit einem dichten Steinhagel.
Die vor der Unfallſtelle ſtehenden Kipperbuden
wur=
den glatt hinweggefegt; die Wände des in dem
Stein=
bruch gelegenen Mannſchaftsraumes und der Büros
unter dem gewaltigen Anprall der Steine
durch=
ſchlagen und Hochſpannungsmaſten abgebrochen. Die
Steinmaſſen wurden zum Teil bis in das über
1 Kilometer entfernt liegende Dorf Pfuhl
hineinge=
ſchleudert, wo ein vier Zentner ſchwerer Stein eine
Mauer total zertrümmerte und das Dach eines
Hauſes beſchädigte. Arbeiter, die auf der
gegen=
überliegenden Höhe der Sprengſtelle ſich befanden,
um hier die Sprengwirkung abzuwarten, wurden
durch den heftigen Luftdruck zu Boden geſchleudert.
Der Steinbauarbeiter Robert Schumann aus Bach
erlitt ſchwere Verletzungen an beiden Beinen, am
linken Oberarm und Hinterkopf, ſo daß er dem
Krankenhaus zugeführt werden mußte. Zehn bis
zwölf Mann kamen mit leichteren Verletzungen
da=
von. Das Unglück iſt darauf zurückzuführen, daß
die Pulvermaſſen eine ſchwache, widerſtandsloſe
Erz=
ſtelle trafen, ſich durch dieſe ins Freie entluden und
hier die verheerende Wirkung ausübten. Die
Un=
fallſtelle wurde unmittelbar nach dem Unglück durch
das Gericht beſichtigt, um Erhebungen über die
Ur=
ſache und Wirkungen derſelben anzuſtellen. Der
Be=
trieb, der insgeſamt 90 Mann beſchäftigt, iſt
vor=
läufig ſtillgelegt bis zur Durchführung der
Unter=
ſuchung durch die
tatsanwaltſchaft.
Gräßlicher Tod.
Kaſſel. Einen älteren Kaufmann hatten
Geld=
ſorgen derart aufgerieben, daß er beſchloß, ſeinem
Leben ein Ende zu machen. Zu dem Zwecke riegelte
er ſich in ein Zimmer ſeiner Wohnung ein, öffnere
den Gashahn und ſteckte ſich im Seſſel ſitzend eine
Zigarre an. Plötzlich ſetzte ſich das ausſtrömende Gas
an der Zigarrenglut in Brand. Mit furchtbaren
Brandwunden wurde er in das Landeskrankenhaus
überführt. Hier erlag er ſeinen ſchweren
Ver=
letzungen.
Der Mörder der Gräfin Lambsdorf zum Tode
verurteilt.
Berlin. Das Schwurgericht III in Berlin
ver=
urteilte den Arbeiter Karl Böttcher wegen doppelten
Mordes zweimal zum Tode und zum Verluſt der
bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Ferner
wegen Diebſtahl, unerlaubten Waffenbeſitzes, ſchweren
Raubes und Notzucht zu 15 Jahren Zuchthaus und
zehn Jahren Ehrverluſt.
Menſchenknochen im Landesausſtellungspark
gefunden.
Berlin. Bei Ausſchachtungsarbeiten im
Landes=
ausſtellungspark am Lehrter Bahnhof wurden in der
vergtngenen Nacht menſchliche Knochen gefunden.
Bis jetzt wurden ſieben Schädel und die übrigen
Knochen menſchlicher Gerippe geborgen. Die
Krimi=
nalpolizei iſt mit der Unterſuchung der Funde
be=
ſchäftigt. Man vermutet, daß es ſich um Perionen
handelt, die bei den Spartakiſtenkämpfen ums Leben
gekommen ſind. — Zu den ſieben Skeletten, die am
Lehrter Bahnhof entdeckt wurden, fand man bei
wei=
teren Nachgrabungen noch neun. Es handelt ſich im
ganzen um 16 Perſonen. Die Knochen, die regeilos
über= und durcheinander lagen, ſind noch ziemlich gut
erhalten. Die Mordkommiſſion und die
Sachverſtän=
digen ſind zur Ueberzeugung gekommen, daß die
Skeiette ſchon lange vor der Revolutionszeit an der
Fundſtelle geiegen haben mögen. Prof. Strauß
er=
klärt in ſeinem Gutachten, daß die Skelette nicht
weniger als 50 Jahre unter der Erde gelegen haben.
Es können aber auch 200 Jahre ſein.
Karte zur Landung des Ozeanfliegers Byrd
bei Bayeux zwiſchen Cherbourg und Le Havre.
Eine Operettendiva am lebendigen Leibe
verbrannt.
Warſchau. Die Warſchauer Schauſpielerin
Ka=
zimiera Niewiarowſka, die bekannteſte Operettendiva
Polens, iſt am Donnerstag einem ſchrecklichen Unfall
zum Opfer gefallen. Nach einem Auftreten im
Ope=
retten=Theater in Wilna übernachtete ſie in ihrem
Pülmannwaggon auf dem Wilnger Bahnhof. Beim
Verſuch, einen Spiritus=Brenner anzuzünden, fing
ihr Kleid infolge einer Unvorſichtigkeit Feuer und
ſie ſtand augenblicklich in hellen Flammen. Die
Schau=
ſpieierin ſprang aus dem Wagen, jedoch konnte ihr
nicht mehr rechtzeitig Hilfe gebracht werden. Schwer
verletzt wurde ſie ins Wilnaer Krankenhaus gebracht,
wo ſie jedoch nach mehreren Stunden an ihren
ſchweren Brandwunden ſtarb.
Flugrekord. Venedig—Wien in 1.50 Stunden.
EP. Wien. Auf der Paſſagierſtrecke Wien—
Venedig wurde ein neuer Geſchwindigkeitsrekord
auf=
geſtellt. Ein einmotoriges Junkers=Flugzeug der
öſterreichiſchen Luftverkehrsgeſellſchaft hat mit vier
Paſſagieren an Bord, allerdings begünſtigt durch
Rückenwind, die Strecke Venedig—Wien, die 560
Kilo=
meter beträgt, in einer Stunde 50 Minuten
zurück=
gelegt, was einer Stundengeſchwindigkeit von 300
Kilometern entſpricht.
Hitze und Erdbeben.
EP. Rom. Aus Apulien wird eine
außerordent=
liche Hitze gemeldet. In Bari wurde am Freitag
41 Grad im Schatten gemeſſen. An der ganzen
apu=
liſchen Küſte wurde früh morgens 1,23 Uhr ein ſtarkes
Erdbeben verſpürt. Donnerstag kurz nach
Mitter=
nacht hat die Erdbebenwarte von Turin und am
Freitag morgen 9,21 Uhr die Florenzer Warte ein
Erdbeben verſpürt, und zwar in einer Entfernung
von 1000—1500 Kilometern. Dieſes Beben wurde
auch von der Bevölkerung von Neapel
wahrgenom=
men, hat jedoch keinen weſentlichen Schaden an
gerichtet.
Ein neuer Fernflug.
EP. Waſhington. Fliegerleutnant George
Pond hat das Marinedepartement um die Erlaubnis
erſucht, einen Flug San=Franzisko—Manila oder
unter Umſtänden bis nach Tokio unternehmen zu
dürfen.
Das amerikaniſche Flugweſen.
EP. NewYork. Nach einer Erklärung des
Unterſtaatsſekretärs im Kriegsdepartement,
David=
ſon, beabſichtigt dieſer, für die nächſten fünf Jahre
einen Kredit von 21,9 Millionen Dollar für die
Ausgaben der amerikaniſchen Heeresluftflotte zu
for=
dern. Die Luftflotte ſoll im Jahre 1932 über 1650
aktive Fliegeroffiziere, 550 Reſerve=Fliegeroffiziere
und 15 000 freiwillige Soldaten der Luftarmee
ver=
fügen und im Ganzen umfaſſen: 48 Jagdflugzeuge,
95 Angriffsflugzeuge, 165 Bombardierflugzeuge, 72.
Transportflugzeuge, 420 Beobachtungsflugzeuge, 72
Amphibienflugzeuge und 479 Schulflugzeuge, wozu
noch 110 Spezialflugzeuge für beſtimmte
Sonder=
zwecke treten.
97 Todesopfer der Hitzewelle in Amerika.
Nach einer Abendblättermeldung hat die
Hitze=
velle in den Vereinigten Staaten bereits 97
Todes=
opfer gefordert.
Die Ueberwinder des St llen Ozeans.
Die beiden amerikaniſchen Marineflieger
Leutnant Hagenberger (links) und Maidland.
Nummer 182
Sonntag, den 3. Juli 1927
Seite 11
Engliſche Leichtathletik=Meiſterſchaften.
Bisher vier deutſche Siege.
Körnig, Houben, Dobermann und
Brechen=
machererfolgreich. Enttäuſchungen am Freitag.
London, 2. Juli. (Drahtbericht.)
Die Vorkämpfe am Freitag.
Der Auftakt der engliſchen Leichtathletikmeiſterſchaften hat der
deutſchen Expedition einige ſchöne Erfolge, aber auch einige
Enttäuſchun=
gen gebracht. Während unſere Sprinter Schüller, Houben und Körnig
die in ſie geſetzten Hoffnungen erfüllten, während Böcher und
Dober=
mann ſich gleichfalls mit guten Leiſtungen durchſetzten, verſagten leider
Büchner und Köchermann in unerwarteter Weiſe. Büchner unterlag
ſowohl im Vorlauf, wie auch im Zwiſchenlauf und Köchermann, der
ſonſt regelmäßig über 7 Meter ſpringt, mußte mit einer Leiſtung von
nur 6,86 Meter ausſcheiden.
Trotzdem für Freitag nur Vorkämpfe angeſetzt waren und obwohl
die Witterung recht unfreundlich war, verſammelte ſich im Stadion von
Stamford Bridge doch eine anſehnliche Menſchenmenge, die an den
Vor=
kämpfen lebhaften Anteil nahm. Im 220 Yardslaufen, zu dem Büchner
und Corts nicht antraten, quglifizierten ſich die Deutſchen Houben,
Schüller und Körnig zuſammen mit Anderſen=Norwegen, Broos, van
der Berghe (Holland) und Butler, Gills, Simmons (England) für die
Zwiſchenläufe. Die drei Zwiſchenläufe wurden von den Deutſchen glatt
gewonnen. Schüller ſchlug in 21,7 Sek. den vorjährigen Meiſter Butler,
Houben in 22 Sek. Anderſen und Gills, Körnig in 21,8 Sek.
Sim=
mons und van der Berghe. Zuſammen mit den drei Deutſchen kam
Butler als ſchnellſter Zweiter in die Entſcheidung. — Büchner
unter=
lag im Vorlauf zur 440 Yardsmeiſterſchaft gegen Lowe und im
Zwiſchen=
lauf, den er als ſchnellſter Zweiter mitmachen durfte, gegen Paulen
(Holland). — Böcher gewann dagegen ſeinen Vorlauf im Meilenlaufen
leicht in 4.25 Min. gegen Boll und White. Im Endlauf trifft er u. a.
mit den Franzoſen Martin und Baraton zuſammen. — Dobermann
qualifizierte ſich mit einem Sprung von 7,10 Meter für die
Entſchei=
dung im Weitſprung. — Die Halbmeilen=Meiſterſchaft, bei der der
Titelverteidiger Dr. Peltzer fehlt, wird im Endkampf die Engländer
Lowe, Griffith, Taylor, Taham, Houghton und den Franzoſen Feger
ſehen.
Der Samstag brachte bei den engliſchen Leichtathletik=Meiſterſchaften
in Stamford=Bridge den größten Teil der Entſcheidungen, für den
Montag ſtehen nur noch wenige Endkämpfe, darunter allerdings die in
den Staffeln aus. Trübes, regneriſches Wetter beeinträchtigte leider den
Verlauf der Kämpfe. Immerhin kamen aber trotz der Ungunſt der
Verhältniſſe 20 000 Zuſchauer, die an den Kämpfen lebhaften Anteil
nahmen und nächſt den Erfolgen ihrer Landsleute beſonders die
erfolg=
reichen Deutſchen mit herzlichem Beifall bedachten. Auch rein ſportlich
befriedigte der Samstag ſehr. Wie die Ergebniſſe zeigen, wurden
durch=
weg ſehr gute Leiſtungen geboten. Die deutſche Expedition erlebie trotz
einiger Enttäuſchungen einen ſehr ſchönen Erfolg. Vier Deutſche
konn=
ten engliſcher Meiſter werden und in zahlreichen anderen Wettbewerben
fah man die deutſchen Farben auf guten Plätzen. Beim 100=Yards=Laufen
ſchieden Corts und Schüller in den Vorläufen aus; letzterer, weil er ſich
am Start verſpätet hatte. Im Endlauf ſiegte Körnig knapp vor dem
ſchlecht geſtarteten Houben und dem Engländer Hodge. Ueber 220
Yards, wo Körnig wegen einer Fußverletzung nicht mehr ſtarten konnte,
lief Houben ein größes Rennen. Der Krefelder war beſonders in der
Kurve überragend und ſiegte leicht vor dem Titelverteidiger Butler und
Schüller. Eine Ueberraſchung gab es im Meilenlaufen, wo der bislang
gänzlich unbekannte Engländer Ellis in Front blieb. Böcher kam nach
gutem Lauf vor dem Franzoſen Martin auf den 2. Platz. Baraton war
ſchon früh zurückgefallen. Dann gab es wieder zwei deutſche Erfolge;
Dobermann erſpraug ſich mit 7,30 Meter den erſten Platz im
Weit=
ſprung und Brechenmacher belegte mit 14,04 Meter den Sieg im
Kugelſtoßen. Söllinger erreichte nur den dritten Platz. Beim
Diskus=
werfen blieb Hoffmeiſter leider hinter ſeiner heimatlichen Form zurück,
er kam nur auf den dritten Platz, Der Regensburger Mang belegte im
Hammerwerfen ebenfalls nur den 3. Platz, aber hier konnte man ja auch
nicht mehr erwarten.
Die Ergebniſſe vom Samstag.
100 Yards: 1. Körnig=Deutſchland 10,1 Sek., 2. Honben=Deutſchland
½ Meter zumick, 3. Hodge=England.
220 Yards: 1. Houben=Deutſchland 218 Sek., 2. Butler=England
1 Meter zurück, 3. Schüller=Deutſchland 5 Meter zurück.
440 Yerds: 1. Lowe=England 48,8 Sek., 2. Garuiollo=Italien,
3. Leith=Wood=England.
½ Meile (880 Yards): 1. Lowe=England 1:54,6 Min, 2. Griffith=
England, 3. Feger=Frankreich.
1 Meile: 1. Ellis=England 4:17 Min., 2. Böcher=Deutfchland 4 Mtr.
zurück, 3. Martin=Frankreich Bruſtbreite zurück.
4 Meilen: 1. Dern=Schweden 19:40,8 Min., 2. Frich=England 10
Meter zurück, 3. Oddie=England.
120=Yards=Hürden: 1. Gaby=England 14,9 Sek. 2. Wightmann=
Smith=Südafrika ½ Meter zurück, 3. Lord Burghley=England.
440=Yards=Hürden: 1. Lord Burghley=England 54,1 Sek., 2.
Living=
ſtone=England, 3. Facelli=Italien.
Hochſprung: 1. Adolfsſon=Schweden 1,83 Meter, 2. London=
Eng=
land, 3. O'Connor=Irland und Tweed=England alle je 1,82 Metzer.
Weitſprung: 1. Dobermann=Deutſchland 7.30 Meter, 2. Spennſſon=
Schweden 7,28 Meter, 3. Peters=Holland 7,27 Meter.
Stabhochſprung: 1. Lindblad=Schweden 3,80 Meter, 2. Ca lovits=
Ungarn und Peterſen=Dänemark je 3,65 Meter.
Kugelſtoßen: 1. Brechenmacher=Deutſchland 14,04 Meter, 2. Darany=
Ungarn 1403 Meter 3. Söllinger=Deutſchland 13,43 Meter.
Diskuswerfen: 1. Marvalits=Ungarn 44,39 Meter, 2. Egry=Ungarn
43,76 Meter, 3. Hoffmeiſter=Deutſchland 42,29 Meter.
Hammerwerfen: 1. Sköld=Schweden 50,28 Meter, 2, Nokes=England
49,37 Meter, 3. Mang=Deutſchland 42,80 Meter.
Fechten.
Fechtmeiſterſchaften der Deutſchen Turnerſchaft.
Die Kämpfe im Florett.
Bei reger Beteiligung nahmen die Fechtmeiſterſchaften der Deutſchen
Turnerſchaft am Freitag in Leipzig mit den Kämpfen im Floxett ihren
Anfang. Zwiſchen J. Thompfon=Offenbach und Löffler=Frankfurt war
ein Stichkampf notwendig, da beide es auf 10 Siege gebracht hatten.
den Stichkampf entſchied der Offenbacher zu ſeinen Gunſten. Den dritten
Platz belegte Dr. Hoops=Berlin mit 8 Siegen vor Berthold=Chemnitz 7
und Weidlitz=Leipzig, Jgcob=Frankfurt und Dr. Schöndube=Frankfurt
je 6 Siege.
Schwimmen.
Techniſche Hochſchule Darmſtadt im Frankfurter Stadion.
Einer Einladung der Univerſität Frankfurt leiſtete am Freitag die
Techniſche Hochſchule Folge, um bei den internen Schwimm=
Meiſterſchaf=
ten der Frankfurter Studenten eine Lagenſtaffel gegen die Univerſität
Frankfurt zu ſchwimmen und ein Waſſerballſpiel auszutragen. Dem
Schwimmen der Darmſtädter waren die Frankfurter nicht gewachſen, und
wurden mit 15 Metern überlegen geſchlagen. Orlemann (41,4), hatte
einen kleinen Vorſprung, den Petri (40,6) und Ober (42) noch
vergrö=
ßerten. Cordes (32,3) konnte dann das Rennen, ohne ſich auszugeben,
mit großem Vorſprung beenden.
Das anſchließende Waſſerballſpiel brachte jedoch eine kleine
Ueber=
raſchung, deu Frankfurt konnte das Spiel knapp 5:4 gewinnen.
Aller=
dings war die Frankfurter Mannſchaft durch zwei Ligaſpieler des
Frank=
furter Schwimmvereins verſtärkt, da die Univerſität nicht genügend
Leute zur Stelle hatte. Ein großer Nachteil für die Darmſtädter
Mann=
ſchaft war ferner der, daß das Spielfeld ungefähr 8 Meter zu kurz war
und dadurch die Frankfurter ihre Fernſchüſſe anbringen konnten. Die
Techniſche Hochſchule, ſpielte in neuer Aufſtellung mit: Göth (Tor);
Appfel, Leherzapf (Vert.); Orlemann (Verbindung); Kloſtermann,
Cor=
des, Ober (Sturm). Trotzdem klappte das Zuſammenſpiel ſehr gut,
denn bei mehr Glück mit den vielen Lattenſchüſſen hätte Darmſtadt das
Spiel glatt gewinnen müſſen. Allerdnigs hielt der Frankfurter
Tor=
wächter Juda, der bekannte frühere Handballſpieler des Sportverins 98
Darmſtadt, einige Schüſſe von Cordes ſehr gut, während Darmſtadts
Torwart einen ſchlechten Tag hatte
Am nächſten Freitag wird die Techniſche Hochſchule bei ihren
inter=
nen Meiſterſchaften im Woog die Gelegenheit wahrnehmen, an der
Frankfurter Mannſchaft Revanche zu nehmen.
Erſter Tag der
Süddeutſchen Meiſterſchaften.
Der erſte Tag der ſüddeutſchen Leichtathletik=Meiſterſchaften, die auf
dem V. f. B.=Platz in Stuttgart zum Austrag kamen, blieb zwar vom
Regen verſchont, dafür war es aber ſehr ſtürmiſch. Zeitweiſe hüllten
dichte und große Staubwolben Platz und Laufbahnen ein. Dennoch
ſtand der Sport des Tages auf hoher Stufe, in verſchiedenen
Wett=
bewerben wurden erſtklaſſige Leiſtungen geboten. Im 800=Meter=Lauf
blieb der Sieger, Engelhardt=Darmſtadt, mit 1:58,5 Min. beträchtlich
unter der Zweiminutengrenze, und auch die beiden Nächſtplaeierten,
Hoffmann=München und Dammert=Karlsruhe, blieben noch unter zwei
Minuten. Beim 110=Meter=Hürdenlaußem fehlten Steinhardt und Suhr
(Karlsruhe), in ihrer Abweſenheit ſiegte Dr. Wichmann=Frankfurt leicht
in 16 Sekunden. Helber=Stuttgart gewann die 5000. Meter leicht in
15:52,3 Min vor Kettner=Stuttgart und Engelhardt II=Darmſtadt. Die
4 mal 400=Meter=Staffel brachte eine große Ueberraſchung: der 1. F.C.
Nürnberg ſchlug in 3:25,1 Min, unerwartet und dabei ganz überlegen
die Stuttgarter Kickers und München 1860. Engelhardt=Darmſtadt 98
und Faiſt=Phönix Karlsruhe lagen beim letzten Wechſel ſo weit zurück,
daß ſie das ausſichtsloſe Rennen aufgoben und nur verhalten liefen.
Recht unangenehm war ein Zwiſchenfall bei den Vorläufen zur 4 mal
100=Meter=Staffel. Im erſten Vorlauf wurde die Eintracht Frankfurt,
die ganz knapp hinter den Stuttgarter Kickers einkam und ſich damit für
die Entſcheidung qualifiziert hätte, in durchaus ungerechtfertigter Weiſe
disqualifiziert. Den zweiten Vorlauf gewann Phönix Karlsruhe vor
dem 1. F.C. Nürnberg. Dieſe beiden Staffeln ſtehen mit zwei Staffeln
der Stuttgarter Kickers in der Entſcheidung. — Für die Entſcheidung
im 200=Meter=Laufen quglifizierten, ſich Meiſel=Nürnberg, Faiſt=
Karls=
ruhe, v. Rappard=Karlsruhe und Müllender=Frankfurt. U. a. ſchieden
Suhr, Faiſt, Voß, Krämer und Hubrich aus. — Den Vorkampf im
Dis=
kuswerfen gewannen Steinbvenner=Frankfurt (40,30 Meter), Zeder=
Mün=
chen (38,25), Wenninger=Zuffenhauſen (37 /43 Meter) und Zeller (37,40)
Beim beidarmigen Diskus gelangten Zeder (68,3 Meter), Steinbrenner
(66,25 Meter), Nödl=München (64,22 Meter) und Zeller=Gislingen in die
Entſcheidung.
Auch bei den Damen gab es, wie die Ergebniſſe zeigen, teilweiſe
recht gute Ergebniſſe.
Die Entſcheidungen des erſten Tages.
110 Meter Hürden: 1. Dr. Wichmann=Eintracht Frankfurt
16 Sek., 2. Barth=Nürtingen 16,2 Sek., 3. Maier= V. f. B. Stuttgart
163 Sek.
800 Meter: 1 Engelhardt=Darmſtadt 98 1:58,5 Min 2.
Hoff=
mann= München 1:59,3 Min., 3. Dammert=Karlsruher F.V. 1:59,6 Min.
5000 Meter: 1. Hlber=V. f. B. Stuttgart 15:52,3 Min., 2.
Kett=
ner=Stuttgarter Kickers 16:072 Min., 3. Engelhardt II=Darmſtadt 98
16:12,8 Min.
4 mal 400 Meter: 1. I. F.C. Nürnberg 3:25,1 Min., 2.
Stutt=
garter Kickers 3:31,4 Min., 3. München 1860, 3:31,5 Min.
DamenWettbewerbe.
Diskuswerfen: 1 Reuter=Frankfurt 1860 34,88 Meter, 2.
Elſer=Jahn München 30,83 Meter, 3. Schöner=ASV. Nürnberg,
Hochſprung; 1. Elſer=München 1:50,5 Meter, 2. Bonnetsmüller=
München 1:43,5 Meter, 3. Sommer=Schorndorf 1:38 Meter.
Kugelſtoßen: 1. Jungkunz=Ulm 9,80 Meter, 2. Alt=München
2,79 Meter, 3. Roos=Stuttgart 9,52 Meter.
Leichtathletik.
Interne Hochſchulmeiſterſchaften der Techn. Hochſchule Darmſtadt.
Ergebniſſe des zweiten Tages.
100=Meter=Lauf: Hochſchulmeiſter 1927, Bemmann. A. S. C., Zeit 12,4
Sek.; 2. Keſting, Starkenburg, 12,5 Sek.; 3. Weber, A.T.V. Alemannia,
Handbr. zurück.
Speerwerfen: Hochſchulmeiſter Knoch, A.T.V. Ghibellinia, 43,62
Meter; 2. Allwohn 42,87 Meter; 3. Onnechen, Gilde Wieland, 39,87 Mtr.
800 Meter für Erſtlinge: 1. Conrad, A. S. C., 2:19,8 Min.; 2.
Pfeil=
ſchifter, Winfried, 2:20,2 Min.; 3. Wicht, Comenia, 2:22,1 Min.
Hochſprung: Hochſchulmeiſter Allwohn 1,67 Meter Stockmaß: 2.
Ge=
ſang. A. T.V. Alemannig, 1,62 Meter; 3. Heinrichs, A. S. C., 1,57 Meter;
Bolland 1,57 Meter.
4 mal 100=Meter=Staffel: Hochſchulmeiſter: A. T. V. Alemannia 47,7
Sek.; 2. A.S.C. 47,9 Sek.; 3. Sportverein 98 482 Sek.
Weitſprung: Hochſchulmeiſter Allwohn 6,01 Meter; 2. Werner 5,88
Meter; 3. Seitz, A. S. C. 5,68 Meter.
Werner ſtellt außer Konkurrenz einen neuen Darmſtädter
Hochſchul=
rekord auf mit 6,07Meter.
400=Meter=Lauf: Hochſchulmeiſter Koch. A. T. V. Alemannia, Zeit 57,8,
Vorl. 54,0; 2. Bürgy, Zeit 61,3=Sek.; 3. Faulhabep, Wingolf.
Kugelſtoßen, beſth.: Hochſchulmeiſter Allwohn 10,81 Meter; 2.
Hein=
richs, A. S. C., 10,15 Meter; 3. Geſting, Starkenburg, 9,75 Metzer,
Kugelſtoßen, beidh.: Hochſchulmeiſter Wiegand, A. S. C., 17.R7 Meter,
Olympiſche Staffel: Hochſchulmeiſter: A.T.V. Alemannia. Zeit
2:00,8; 2. A. S. C., Zeit 2:01.
Diskuswerfen: Hochſchulmeiſter Allwohn 35,91 Meter; 2. Heinrichs,
A. S. C., 29,68 Meter; 3. Keſting, Starbenburg, 29,56 Meter.
20 mal ½=Rundenſtaffel: Um den Wanderpreis des Heſſ.
Landes=
amtes für das Bildungsweſen: 1. A.S.C.; 2. A.T. B.
Hindernislauf über 2000 Meter: Einzel= und Mannſchaftslauf.
Ein=
zellauf: 1. Onnechen, Gilde Wieland; 2. Liebel, A.S. C.; 3. Wiele, Gilde
Wieland. — Mannſchaftslauf: 1. Gilde Wieland 15 Punkte: 2. A.S. C.
21 Punkte.
Olympiſcher Fünfkampf: 100Meter=Lauf. Diskuswerfen,
Speerwer=
fen, Hochſprung, Weitſprung: 1. Allwohn 265 Punkte — 100 Meter:
122, Hochſpr.: 1,72,5, Weitſpr.: 5,70, Diskus: 34,75, Speer: 42,87;
Keſting, Starkenburg, 214 Punkte; 3. Onnecken, Gilde Wieland, 192
Punkte; 4, Geſang, A. T.V. Alemannia, 190 Punkte.
Fußball.
Spielvereinigung 1921 Darmſtadt.
Die erſte Mannſchaft des Vereins erwardet Gäſte aus Biſchofsheim.
Biſchofsheim, hinreichend als ſportlich gut dunchgebildeter und fairer
Gegner bekannt, bietet die Gewähr für intereſſanten Sport. Zu beachten
iſt dabei, daß die funge, flinke Mannſchaft des Veveins Biſchofsheim in
letzter Zeit gute Leiſtungen und Reſultate erzielt hat. Das Spiel gegen
Mainz aus Anlaß des Reichsarbeiterſporttages hat auch die Spielweiſe
Darmſtadts genügend gekennzeichnet, ſo daß geſagt werden kann, daß
Intereſſenten Befriedigung im Spiele ſinden werden. — Vorausgehend
vormittags 10 Uhr ſtehen ſich die 1b=Mannſchaft des Vereins und die
Griesheims gegenüber. Die Spiele ſelbſt werden auf dem Sportplatze
an der Windmühle, Gräfenhäuſerweg ausgetragen. Da außerdem die
Handballmannſchaften der Freien Turngemeinde vorausgehend ſehr
ſchöne Spiele abſolvieren, dürfte ſich ein Beſuch ſchon lohnen. Der
Sportbetrieb ſelbſt wird ſehr rege,
V.f.R. Mannheim—Europa Barcelona 3:1.
Mit einem Freundſchaftstreffen gegen die ſpaniſche Mannſchaft
Europa Barcelona beendete der V.f.R. Mannheim die diesjährige
Fuß=
ballſaiſon. Das Spiel war nur ſchwach beſucht, etwa 3000 Zuſchauer
ſahen ein ſchönes, flottes Treffen. Die Spanier verrieten ein gutes
Können, ihre Arbeit war gefälliger und einheitlicher als die der
Mann=
heimer. Vor dem Tore verſagten die Spanier dagegen vollſtändig. In
der Aufregung wurden die unglaublichſten Sachen dicht vor dem Tore
ausgelaſſen. Der V. f. R. hielt ſich recht gut, beſonders die Abwehr
war auf der Höhe. Freiländer als Mittelläufer war ſchwach, wurde
außerdem verletzt und nach Halbzeit durch eine jüngere Kraft erſetzt.
Der V.f.R. beherrſchte zuerſt die Lage, konnte ſich aber nicht
durch=
ſetzen. Allmählich wurden die Spanier beſſer. Die 37. Minute brachte
durch Zinn nach Durchſpiel das erſte Tor für Mannheim. Bei
dauern=
der Ueberlegenheit der Spanier blieb der Ausgleich wegen zu großer
Aufgeregtheit der Stürmer aus. Nach dem Wechſel kam Mannheim i
dr 10. Minute durch Grünauer zum 2. Tor, dem die Spanier nach
über=
legenem Spiel durch den Mittelſtürmer ihr Ehrentor entgegenſetzten.
Durch Gränauer gelang dem V.f.R. in der 30. Minute überraſchend
das dritte und entſcheidende Tor.
Pferdeſport.
Mannheimer Herbſi=Pferderennen.
Die dreitägigen Mannheimer Herbſt=Pferderennen werden im
An=
ſchluß an das Baden=Badener Meeting am Sonntag, den 11., Mittwoch,
den 14., und Sonntag, den 18. September, ſtattfinden. Durch die
dies=
malige Späterlegung der Baden=Badener Rennen um eine Woche hat
ſich auch das Mannheimer Meeting verſchoben, was von vielen
Sports=
freunden, die ſich Anfang September noch in Ferien befinden, begrüßt
werden wird. Das Geſamt=Programm umfaßt 78 200 Mark
Geld=
preiſe und 10 Ehrenpreiſe, ſo daß es einſchließlich der Züchterprämien
auf rund 90 000 Mark zu ſtehen kommt. Am mittleren Nenntag wird
dem bei den Mannheimer Rennen traditionellen Herrenſport durch
2 Jagd= und 1 Flachrennen ein weiteres Betätigungsfeld geöffnet. Der
„Mannheimer Herbſtpreis”, das mit 9000 Mark auszuſchreibende
Haupt=
rennen auf der Hindernisbahn iſt für den Badeniakurs von 4800 Meter
vorgeſehen und wird am Schlußtag gelaufen. Der „Baden=Preis”, die
mit 7000 Mark dotierte wertvollſte Flachprüfung über 2800 Meter gibt
dem Eröffnungstag beſonderes Gepräge, während am Mittwoch das
Herrenprogramm intereſſieren wird.
Kegeln.
Darmſtädter Keglerverband. — 200=Kugelkampf
In der Zeit vom 29. Mai ds. J8. bis zum vergangenen Donnerstag
fand aunf den beiden Aſphaltbahnen im Bürgerverein ein 200=
Kugel=
kampf ſtatt. Beſonders groß war das Intereſſe, das dieſem Gegeln
entgegengebracht worden iſt. 91 Kegelbrüder haben ſich dieſem Kegeln
gewidmet. Gar mancher betrat mit dem Gefühle die Bahn: werde ich
auch eine ſo große Zahl von Kugeln hintereinander abwerſen können,
Aber er ſah ſich angenehm enttäuſcht. Es wurde durchgehalten und die
Wahrnehmung gewacht, daß man es ſchaffen kann. Vielfach konnte mam
hören: „Schon fertig, ich könnte noch einmal 100 abſchieben.‟ Ein
Be=
weis, dafür, daß man dem Kegelſport immer mehr Intereſſe abgewinnt.
Mögen auch dieſe ſportlichen Kämpfe dazu beitragen, uch in Darmſtadt
weitere Anhänger dem Verhande zuzuführen.
An Prämien, für dieſen Kampf ſind Medaillen ausgeſetzt, welche fürz
10 Höchſtleiſtungen zur Verteilung kommen. Diefenigem Teilmnehmer,
welche der 1. bzw. 2. Kampfriege angehörten, mußtem den übrigen Kegelz
brüdern 40 bzw. 20 Holz vorgeben. Dies bezweckte, auch dem wenigen
geübtzen Keglern Ausſicht auf Erringung einer Prämie zu gewähren.
Under Berückſichtigung dieſer Beſtimmung gehen als Sieger aus
dem Kampfe hervor:
1. Thümmel (R.K. 1911) 1104 Holz, ab Vorgabe 40, 1064: 2. Joſtl
(9. 8.) 1058; 3. Gebhardt (D.K.K. 23) 1050; 4. Pohlmamm (Haſſia 1919)
1067 Holz, ab Vorgabe 20, 1047; 5. Bangert (Kranz) 1055 Holz, ab
Vor=
gabe 20, 1035: 6. Grün (L.L.) 1074 Holz, ab Vorgabe 40, 1034; 7. Ziggel
(Hafſia 1919) 1028: 8. Sattler (Gut Holz, Eberſtadt) 1022; 9. Dahlem
(12er) 1040 Holz, ab Vorgabe 20, 1020; 10. Heldmanm (Sportkegler) 1017
Den Durchſchnitt von 1000 Holz und darüber erreichten 22 Gegels
brüder,
Die Auszeichnung der Kegelbrüder erfolgt am 17. Juli b8. J8. bef
einer allgemeinen Siegerfeier, „die im der Turnhalle am Woogsplatz
ſtattfindet.
Auswärtige ſportliche Kämpfe.
Der Verband Aſchaffenburg weiht heute ſeine neue Sporthalle ein.
Vom hieſigen Verbande beteiligen ſich dabei eine 10er=Mannſchaft bei
den Städtewettkämpfen und drei 5er=Klubriegen bei den
Klubwett=
kämpſen.
Tennis. „
Internationales Tennnisturnier in Köln.
Der Kölner Tenmisverband veranſtaltet vom 7. bis 10. Juli auf den
Plätzen im Stadion Köln=Müngersdorf ſein alljährliches großes
Tur=
nier, das ganz ausgezeichneten Sport verſpricht, obwohl der Meldeſchluß
noch nicht abgelauſen iſt. Für das Herreneinzel liegen bisher die
Nen=
nungen der ausgezeichneten Franzoſen Bouſſus und Landry, ferner von
Miſhu, Fiſher und Artens vor, von der deutſchen Extraklaſſe haben
be=
reits Froitzheim, Kreuzer, Moldenhauer, Rahe und Hannemann
zuge=
ſagt. Internationale Extraklaſſe iſt auch im Daweneinzel vertreten.
Neben der guten Franzöſin Mme. Mathieu hat die erfolgreiche
Süd=
afrikanerin Mrs. Pegcock gemadet. Von deutſchen Spielevinnen ſind
Frau Friedleben, Frau v. Reenicek, Frl. Kallmetzer, Frl. Außem und
Frl. Hagelin zu nenmen.
Wimbledon=Tennisturnier.
Die zum Teil noch ſehr zurückliegendem Doppelſpiele konnten am
Freitag in Wimbledon weſentlich gefördert werden. Eine glänzende
Form zeigten wieder die Franzoſen Cochet/Brugnon, die die Engländer
Gregory/Kingslet 8:6, 6:3, 3:6, 6:4 aus dem Renmen warfen und nun
in der Vorſchlußrunde auf die Südafrikaner Raymond/Condon treffen,
die 6:3, 6:4, 6:4 über Higgs/Beſter triumphierten. Die übrigen
Ergeb=
niſſe: Damendopgel: Peacock/Heine-Harvey/Mac Jlquham 5:7,
6:2, 6:1; Wills/Ryan-Watſon/Goldſack 6:2, 6:2. — Gemiſchtes
Doppel: Miß, Bennett/von Kerhling—Mrs. Mallory/Tilden 3:6,
6:1, 6:4; Miß Bennett/von Kehrling—Mme. Valentimi/ Sherwell 6:3,
6e4; Ehepaar Godfree—Miß Harvey/Gregory 6:4, 6:4; Miß Nuthall/
Auſtin-Mme, Bordes/Borotra 6:4, 8:6; Miß Ryan/Hunter-Mrs.
Lombert=Chambers/Berger 6:1, 8:6.
Cochet Sieger in Wimbledon. Helen Wills gewinnt das Dameneinzel.
Der Samstag brachte in Wimbledon die Entſcheidungen in den
Einzelſpielen. Da das prächtigſte Sommerwetter die Veranſtaltuma
be=
günſtigte, war natürlich alles ausverkauft. Das Endſpiel bei den
Herren zwiſchen den Franzoſen Cochet und Borotra war nicht ſo feſſelnd
wie man hätte erwarten können. Beide ſpielten ziemlich wüide,
be=
ſonders Borotra machte viele Fehler. Henri Cochet, als der ſichere und
überlegtere Spieler gewann 4:6, 4:6, 6:3, 6:4, 7:5 und wurde damit
Sieger von Wimbledon. Auch bei den Damen fiel am Samstag die
Entſcheidung zugunſten der zweifellos beſſeren Spielerin. Die
Ameri=
kanerin Helen Wills knüpft allmählich wieder an ihre Form von vor
zwei Jahren an. Die Spanierin de Alvaréz war ihr trotz guter
Leiſtungen nicht gewachſen und Helen Wills ſiegte 6:2, 6:4. — Im
Herrendoppel qualifizierten ſich Tilden=Hunter durch einen 6:0 10:8,
6:4 Sieg über die Engländer Auſtin=Lycett für das Demifinal And im
Damendoppel kamen Mrs. Godfree=Miß Nuthall 3:6, 6:2, 6:1 über Miß
Fry=Miß Saunders ins Viertelfinal. Das Gemiſchte Doppel ſah die
ausſichtsreichen Südafrikaner Miß Pegcock=Condon 6:4, 3:6, 6:3. über
Miß Colyer=Brugnon erfolgreich.
Rudern.
Kanuwettfahrt des Oberrhein=Mainkreiſes.
Die zweite Landſtrecken=Kanuwettfahrt des Oberrhein= und
Main=
kreiſes, die über 12 Km. auf der Kinzig mit dem Ziel Hanau führt und
in deren Rahmen der Südmarken=Preis ausgetragen wird, hat
Nennun=
gen von Vereinen aus neun Städten, vom Rhein, Main, Neckar und
der Donau erhalten. Neben dem Verteidiger des Südmarken=Preiſes,
dem Mühldorfer Faltboot=Klub, haben zu dieſem Faltboot=Zweierrennen
aus Oeſterreich der Salzburger Faltboot=Klub, ferner Vereine aus
Neckarau, Heidelberg, Frankfurt und Mainz gemeldet.
Geſchäftliches.
Der ſtaatl. geprüfte Lehrer der Stenographie, Hans Schlöſſer,
Darmſtadt, Schwanenſtraße 30, I., eröffnet in ſeinen
Unterrichts=
räumen neue Anfänger=Kurſe in der ſog. Reichskurzſchrift. Die
Teilnahme an dieſen Kurſen iſt beſonders zu empfehlen, da kein Klaſſen=
Unterricht ſtattfindet und infolgedeſſen eine gwüindliche und ſchnelle
Aus=
bildung gewährleiſtet iſt. Das Honoray einſchl. Lehrbuch beträgt
Mk. 13— (Siehe heutige Anzeige.)
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 4. Juli,
(nach der Wetterlage vom 2. Juli).
Noch wechſelnd wolkig mit zeitweiſer Aufheiterung und ſtrichweiſe
Niederſchläge wahrſcheinlich.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Sauptſchriftleitung: Rudol: Mauve
Verantwortlich jär Politlk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr: C. H. Quetſch: für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herberf Netie; für den Inſeratenteil: Willy Kuhle.
— lämtlich in Darmſtadt.
Druck und Veflag 4. C. W
Für unveriatigie Mannſiripte wird Garantie der Nückſendung n ich übeinommen.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 182
Sonntag, den 3. Juli
Bekanntmachungspflicht der
Aktiengeſellſchaft.
Von
Eduard Butzmann, Berlin.
Die Bekanntmachungspflicht der Aktiengeſellſchaft erſtreckt ſich auf
die verſchiedenartigſten Dinge, von denen allerdings diejenigen über das
Ergebnis des zuletzt verfloſſenen Geſchäftsjahres allein die
Aufmerk=
ſamkeit weiterer Kreiſe der Oeffentlichkeit in Anſpruch nehmen. Es
kommen hierfür neben der Bilanz, die Gewinn= und Verluſt=Rechnung,
ſowie der den Vermögensſtand und die Verhältniſſe der Geſellſchaft
ent=
wickelnde Bericht des Vorſtandes an den Aufſichtsrat mit deſſen
Be=
merkungen für die General=Verſammlung in Frage, auf welche allein
dieſe Ausführungen ſich beziehen ſollen.
Man kann dieſe Pflichten zur Veröffentlichung in ſolche teilen, welche
vor der Abhaltung der Generalverſammlung zu erfüllen ſind, und ſolche,
deren Bekanntgabe nach ſtattgefundener Hauptverſammlung zu erfolgen
hat. Wenn die Satzungen der Geſellſchaft nicht eine längere Friſt
vor=
ſehen, ſo muß nach geſetzlicher Vorſchrift während der letzten zwei Wochen
vor dem Tage der General=Verſammlung eine Auslegung der Bilanz,
Gewinn= und Verluſt=Rechnung und des Geſchäftsberichts erfolgen. Dieſe
Auslegung iſt aber nicht öffentlich, ſondern nur für die Aktionäre
be=
ſtimmt. Infolgedeſſen kann die Geſellſchaft, welche die diesbezüglichen
Schriftſtücke in ihren Geſchäftsräumen auslegt, von den die Einſicht
ver=
langenden Perſonen einen Ausweis darüber fordern, daß ſie Aktionär
der Geſellſchaft ſind. Außer in den eigenen Geſchäftsräumen kann auch
an anderen Stellen für die Einſichtnahme Vorſorge getroffen werden,
und zwar iſt das Material gewöhnlich auch noch bei den der Geſellſchaft
naheſtehenden Banken einzuſehen. In der Regel wird bei den
Geſell=
ſchaften von der Nachprüfung der Berechtigung der die Einſicht
ver=
langenden Perſonen keinerlei Gebrauch gemacht. Im Gegenteil hat ſich
die Gewohnheit herausgebildet, der Bekanntmachung der fraglichen
Schriftſtücke die weiteſte Verbreitung zu gewähren. Aus dieſem Grunde
erfolgt vielfach der Druck dieſer Schriften und die Verſendung an die
Tages= und Fachpreſſe, ſodaß alſo in dieſen Fällen die breiteſte
Oeffent=
lichkeit unterrichtet wird und die vom Geſetzgeber gewollte Nachprüfung
der veröffentlichten Zahlen und Mitteilungen vorzunehmen vermag. Nur
ein kleiner Bruchteil der Geſellſchaften beteiligt ſich hieran nicht, um ſich
unerwünſchter Kritik nicht auszuſetzen oder aber aus übertriebener Furcht
davor, daß die Konkurrenz mehr Einblick in die inneren Verhältniſſe der
Geſellſchaft gewinnen könnte als dem Vorſtande lieb erſcheint. Mit dieſer
Auslegung und der üblich gewordenen Drucklegung und Verſendung der
Ergebniſſe an die Preſſe ſind aber die Pflichten des Unternehmens noch
nicht erſchöpft.
Recht wenig bekannt iſt es, daß jeder Aktionär das Recht hat, eine
Abſchrift der Bilanz, der Gewinn= und Verluſt=Rechnung, der
Bemer=
kungen des Aufſichtsrats und des Geſchäftsberichtes zu verlangen.
Darüber hinaus kann er ſogar durch Hinterlegung einer Aktie eine beſondere
ſchriftliche Einladung zur General=Verſammlung fordern, in welcher ihm
gleichzeitig die Tagesordnung mitzuteilen iſt. Wer hiervon Gebrauch
macht, tut dies zum Schutze vor der Verſäumnis der Teilnahme an der
Hauptverſammlung, zu welcher in der Regel nur im Reichsanzeiger
ein=
geladen wird, den täglich zu leſen ihm nicht zugemutet werden kann. In
dieſer Pflicht der direkten Benachrichtigung der einzelnen Aktionäre, die
natürlich im eingeſchriebenen Briefe zu erfolgen hat, liegt in allen den
Fällen eine ſchwere Belaſtung der Geſellſchaft, in denen ſich die Aktien
bis zu RM. 20.— Nennwert herab ſtückeln und eine größere Anzahl
von Kleinaktionären von ihrem Rechte auf direkte Einladung Gebrauch
macht. Dagegen wird dem Verlangen nach Abſchriften der erwähnten
Schriftſtücke darum ſtets leicht entſprochen werden können, weil dieſelben
faſt ausnahmslos gedruckt werden. In jedem Falle muß die Erteilung
der Abſchriften aber koſtenlos erfolgon und darf von der Verwaltung
unter keinem Vorwande verweigert werden. Darum kann der Aktionär
die Durchſetzung ſeines Anſpruchs gegebenenfalls durch das Gericht
er=
zwingen, ſei es durch einſtweilige Verfügung oder durch Klageerhebung.
Mit Rückſicht darauf, daß ſowohl die Bilanz, als auch die Gewinn=
und Verluſtrechnung ebenſo der Geſchäftsbericht der Genehmigung der
Generalverſammlung bedürfen, lehnen vorſichtige Verwaltungen von
Aktiengeſellſchaften es ab, die entſprechenden Schriftſtücke ſchon vorher
der Oeffentlichkeit zugängiglich zu machen und verſenden die Druckſchriften
erſt nach ſtattgefundener Hauptverſammlung. Dem Aktionär ſteht aber
das Recht zu, vorher unterrichtet zu werden. Nach erfolgter Genehmigung
durch die Generalverſammlung iſt die Bekanntgabe der Ergebniſſe des
verfloſſenen Geſchäftsjahres dann eine geſetzlich vorgeſchriebene
Not=
wendigkeit. Auf jeden Fall muß die Publikation dann im Reichsanzeiger
erfolgen, außerdem aber in den durch die Satzungen noch vorgeſchriebenen
Geſellſchaftsblättern. Die Veröffentlichung iſt gemäß § 265 HGB. nach
der Genehmigung unverzüglich vorzunehmen, was jedoch in den letzten
Jahren nicht ſo genau genommen zu werden pflegt. So vergehen recht
oft viele Monate, bevor die Publikationen erſcheinen, und zwar kann man
feſtſtellen, daß die derartigen Pflichten der Verwaltungen um ſo
nach=
läſſiger erfüllt werden, je unbedeutender die Aktiengeſellſchaften ſind. Da
die Oeffentlichkeit an den kleinen und kleinſten Geſellſchaften naturgemäß
auch wenig Intereſſe hat, ſo kann man über dieſe Nachläſſigkeiten ohne
weiteres hinweggehen.
Schließlich ſchreibt das Geſetz dann noch vor, daß dieſe
Bekannt=
machungen mit dem Geſchäftsbericht und den Bemerkungen des
Aufſichts=
rats zum Handelsregiſter einzureichen ſind, womit eine weitere
Möglich=
keit geſchaffen wurde, durch die die an dem Unternehmen Intereſſe
habende Oeffentlichkeit ſich über die Geſellſchaft und ihre Entwicklung
Gewißheit und Aufklärung zu verſchaffen vermag. Denn das
Handels=
regiſter kann von jedermann eingeſehen werden und liegt auf dem ein
Handelsregiſter führenden zuſtändigen Amtsgerichte jedermann zugänglich
aus. Es iſt aber dabei zu beachten, daß die Einreichung der Schriftſtücke
nur der formalen Vorſchrift entſprechend erfolgt, daß alſo dem
Regiſter=
richter nicht etwa das Recht oder gar die Pflicht zur Nachprüfung des
Inhalts der eingereichten Papiere zuſteht. Ob alſo die Bilanz oder die
Gewinn= und Verluſtrechnung in vollſtändigem Umfange oder gekürzt
zur Veröffentlichung gelangt ſind oder ob dieſe Aufſtellungen den
geſetz=
lichen Vorſchriften entſprechend richtig ſind, enzieht ſich der Nachprüfung
durch den Richter. Die Kenntnis dieſer Tatſache mahnt demnach zu
vorſichtiger Beurteilung der der Einſichtnahme zugänglichen Akten über
das Unternehmen und zu ſelbſtändiger Nachprüfung der einzelnen
Poſitionen.
Aus dieſen Darlegungen ergibt ſich eine weitgehende geſetzliche
Fürſorge für die Aktionäre und die Schaffung einer Grundlage für die
notwendige öffentliche Kontrolle im Aktienweſen, die von der deutſchen
Handelspreſſe auch in umfangreichem Maße und mit beſtem Erfolge geübt
wird.
Die Reichseinnahmen und Ausgaben in den
Monaten April und Mai.
Nach einer Ueberſicht der Reichshauptkaſſe betragen im ordentlichen
Haushalt die Einnahmen aus Steuern, Zöllen und Abgaben im April
749,1, im Mai 622,8 Mill. RM. Die Geſamtſumme der Einnahmen be=
RM., ſo daß ein Ueberſchuß von 22,6 Mill. RM. verbleibt. Hierzu tritt
der Beſtand aus dem Rechnungsjahr 1926 von 548,0, ſo daß der
ordent=
liche Haushalt mit 570,6 Millionen RM. abſchließt. Im
außerordent=
lichen Haushalt iſt der Uebertrag aus dem Rechnungsjahr 1926, eine
Mehrausgabe gegenüber der Einnahme, die aus ſpäteren
Anleihe=
erlöſen abzudecken iſt, minus 290,0 Mill. RM. Aus April und Ma
verbleibt ein Zuſchuß von minus 70,4 Mill, RM., ſo daß der
außer=
ordentliche Haushalt mit minus 360,4 Mill. RM. abſchließt. Insgeſamt
ergibt ſich demnach ein Beſtand von 210,2 Millionen RM. Der Stand
der ſchwebenden Schuld am 31. Mai iſt an Zahlungsverpflichtungen aus
der Begebung von Schatzanweiſungen 9,7 an Sicherheitsleiſtungen 51,1,
an Darlehen von der Poſt 110 Mill. RM.
fm. Süddeutſche Edelmetallnotierungen vom 2. Juli.
Pforz=
heim. Edelmetalle notierten folgende Großhandelspreiſe: Barrengold
das Gramm 2,800 RM. (Geld), 2,814 RM. (Brief); Platin,
handels=
übliche Ware, das Gramm 7,75 RM. (Geld), 8,50 RM. (Brief);
Fein=
ſilber das Kilogramm 77,70 RM. (Geld), 78,30—80,40 RM. (Brief)
Tendenz: ruhig. — Stuttgart. Edelmetalle notierten folgende
Dumn fasdealſcen Kroralnemartn.
Der Brotgetreidemarkt lag ruhig, die Mühlen ſind für ihre
unbe=
deutenden Neuabſchlüſſe an Mehl genügend mit Weizen verſorgt, und
auch der Handel hält ſich angeſichts der täglich ſchwankenden, meiſt
rück=
gängigen Kurſe zuwick. In den Vereinigten Staaten rechnet man
aller=
dings immer noch damit, daß Europa weiter kaufen müſſe, bevor ſeine
eigenen Ernten zur Verfügung ſtehen; insbeſondere wird auch darauf
hingewieſen, daß Rußland unter den gegenwärtigen politiſchen und
wirtſchaftlichen Verhältniſſen nicht als Verkäufer in Frage kommt. Man
kann ſich aber trotzdem nicht gegen die Abſchwächung ſtemmen, da von
allen Seiten günſtige Witterungsberichte vorliegen. Verſtärkt wird die
Geſchäftsunluſt durch den Umſtand, daß nunmehr ſowohl in Rotterdam
und Antwerpen als auch im Rheinland ſich doch recht anſehnliche
Vor=
räte angeſammelt haben, die angeſichts der herannahenden deutſchen
Ernte auf den Markt drücken. Gefordert wurden im Cif=Geſchäft mit
Rotterdam in Gulden für die 100 Kilo zuſetzt: Kanſas II 14,65 (
Vor=
woche Fl. 15,05), Baruſſo, 78,5 Kilo, 14,50 (14,65), Roſa Fé, 78,5 Kilo,
14,70, beides Juli=Abladung, Red=Winter, disponibel, 14,75 (15,00), Juli=
Abladung 14,55 (14,75), Manitoba III, disponibel, 15,00 (15,65), Juli=
Abladung; Manitoba I 16,50 (16,75), II 16,05, III 15,35 (15,45—15,70),
IV 14,50 (unverändert), Oktober/November=Abladungen: Manitoba I
15,95 (16,15), II 15,75 (17,85), III 14,45 (15,52½).
Die Stimmung für Roggen ließ nur unbedeutende Umſätze
auf=
kommen; insbeſondere beſtand für Juli=Abladung im Hinblick auf das
ab Auguſt erwartete deutſche Angebot nur geringes. Intereſſe. Im
Wagen=Geſchäft ging Auslands=Roggen von vorwöchentlichen 28—28,25
RM. auf 27,00 RM. die 100 Kilo zurück; neuen rheiniſchen Roggen
nannte man fracht= und verſicherungsfrei Mannheim mit 25—25,50 RM.
Für Gerſte war die Stimmung etwas freundlicher, die Forderungen
blieben jedoch unverändert. In der Oberrheinebene iſt der Schnitt der
neuen Wintergerſte voll im Gange. Ohne daß ſich Geſchäft zu den
ver=
langten Sätzen entwickelte, nannte man neue Wintergerſte ab Starionen
Mittelbadens mit 24—25 RM., ab rheiniſchen Stationen mit 23 RM.,
und ab mitteldeutſchen Stationen mit 22—22,50 RM. Futtergerſte
un=
verändert. Hafer lag abgeſchwächt bei 23,50—24,50 RM. (vorm. 24 bis
25 RM.). Mais zu bisherigen Preiſen gut behauptet. — Das
Mehl=
geſchäft verlief ſchleppend, die Forderungen für Weizenmehl wurden um
0,25 RM., für Roggenwehl um 0,75 RM. ermäßigt, ſodaß ſich
ſüddeut=
ſches Weizenmehl Spezial Null heute auf 41,25—41,50, RM.,
ſüddeut=
ſches Rogegnmehl, je nach Ausmahlung, auf 37,75—40,00 M. ſtellt.
Nord=
deutſches Roggenmehl aus neuer Ernte, Ausmahlung etwa 65 Prozent,
wurde auf September/Oktober=Lieferung zu 33,50—34,00 RM. franko
Mannheim angeboten. Die zweite Hand war vereinzelt mit Angeboten
ſüddeutſchen Weizenmehls prompt zu 44,00 RM. im Markte — Für
Futterartikel zu alsbaldiger Lieferung erhielt ſich Nachfrage, für ſpätere
Lieferung hielten die Käufer zurück. Futtermehl, mit deſſen Lieferung
die Mühlen im Rückſtande ſind, lag feſt, und man verlangte ſür die
100 Kilo 17—17,75 RMk., für Nachmehl 23—23,50 RM., für Kleie 12,75
bis 13,25 RM. je nach Qualität und Lieferzeit. Maisſchrot 20,50—20,75
RM., Sohaſchrot, ab Mannheim, September/Dezember=Lieferung, 20,25
RM., Trockenſchnitzel und Biertreber engliſcher Herkunft 12,50—13 RM.
bzw. 15,50—15,75 RM. die 100 Kilo mit Sack, franko Mannheim.
Der Stand der Hopfenpflanzungen in Süddeutſchland wird
unter=
ſchiedlich geſchildert; aus einzelnen württembergiſchen Gegenden liegen
Klagen vor Feſt ſteht, daß der Anbau in erheblich größerem Umfange
als im Vorjahr vorgenommen worden iſt. — Die Grünkern=Ernte, die
ſonſt um dieſe Jahreszeit bald beendet iſt, verſchiebt ſich diesmal um
14 Tage bis drei Wochen, ſodaß erſt gegen Ende Juli die erſten
Notie=
rungen bekannt werden Lürften.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Der Markt für verarbeitungsreiche
1926er Tabake, worin nur wenig Angebot beſteht, liegt feſt. Tabake
pfelziſcher Herkunft koſten 128—155 RM. je Zentner, geringere Ware
118—127 RM. Die in den Vergärerlagern jetzt zur Verpackung
kom=
menden 1926er Tabake befriedigen in ihrem Ausfall; das Schneidegut
hat ſeine ſchöne Farbe behalten. Für die ſich bisher günſtig aber
lang=
ſam entwickelnden jungen Tabakpflanzen im Felde wird warmes Wetter
gewünſcht; die Böden beſitzen jetzt genug Feuchtigkeit. Der ſüddeutſche
Anbau wird um 25 Prozent größer als im Vorjahr angenommen.
Das Geſetz über die Verzinſung aufgewerteter
Hypothefen.
Der Reichstag nahm geſtern den Endwurf eines Gefetzes über die
Verzinſung aufgewerteter Hypotheken, ihre Umwandlung in
Grund=
ſchulden ſowie über die Vorzugsrenten in dritter Leſung an. Das Geſetz
wind im Reichsgeſetzblatt veröffentlicht werden, ſobald der Reichsrat
ent=
ſprechend der Verfaſſung über die Einlegung eines Einſpruchs beſchloſſen
hat. Da mit einem Einſpruch des Reichsrats zu rechnen iſt, ſeien die
Grundzüge des Geſetzes zur Vorbereitung ſeiner Durchführung durch die
zuſtändigen Behörden ſchon jetzt mitgeteilt: 1. Das Geſetz ſieht zunächſt
vor, daß die Verzinſung bereits gelöſchter Aufwertungshypotheken, die
nach dem Aufwertungsgeſetz erſt mit dem auf die Wiedereintragung
folgenden Kalendevvierteljahr beginnen ſollte, bereits vom 1. 4. 1926 ab
erfolgen ſoll. Die Zinſen, die der Gläubiger bereits für die vor dieſem
Termin liegende Zeit erhielt, braucht er nicht zurückzuzahlen. 2. Der
Gläubiger kann der Gefahr des Abſinkens des Aufwertungsbetrags als
ſelbſtändiger Folge eines erfolgreichen Herabſetzungsantrages des
per=
ſönlichen Schuldners (§ 4 des Aufwertungsgeſetzes) dadurch entgehen,
daß er den Aufwertungsbetrag ſtatt als Hypothek als Grundſchuld
ein=
tragen läßt; die perſönliche Forderung erliſcht in dieſem Falle. Dieſe
Regelung hat rückwirkende Kraft. Sie greift alſo auch dann Platz, wenn
die Hypothek auf Grund des Paragraphen 4 des Aufwertungsgeſetzes
bereits auf weniger als 25 Prozent des Goldmarkbetrages aufgewertet
iſt. Wählt der Gläubiger nunmehr die Rechtsform der Grundſchuld, ſo
iſt, falls nicht etwa das Grundſtück vor dem Bekanntwerden der
Re=
gierungsvorlage, d. h. am 15. März 1927 auf Grund eines
rechtgeſchäft=
lichen Erwerbes den Eigentümer gewechſelt hat, der Aufwertungsbetrag
auf 25 v. H. des Goldmarkbetrags aufzufüllen, und zwar entweder an
die bisherige Rangſtelle oder, wenn ſich vor dem 15. März durch
Rechtsgeſchäft erworbene Rechte dazwiſchenſchieben, durch eine
Zuſatz=
grundſchuld an die nächſtfreie Rangſtelle. Die Grundſchuld und die
Zuſatz=
grundſchuld unterliegen denſelben Einreden wie Hypotheken. Die
Be=
fugniſſe des Eigentümers, ſich auf die für ihn gegebenen
Härtevorſchrif=
ten des Aufwertungsgeſetzes zu berufen, bleiben unberührt. 3. Der
öffentliche Glaube des Grundbuchs wird in den Fällen eingeſchränkt, in
denen der Erwerber des Grundſtückes das Eigentum zwar laſtenfrei
er=
warb, vorher aber die Hypothek ablöſte oder für ſeine Rechnung
ab=
löſen ließ. 4. Reſtkaufgeldforderungen und Forderungen aus
Gutsüber=
laſſungsverträgen aus dem Jahre 1921, die bisher nur bis zu 100
Pro=
zent des Goldmarkbetrags, berechnet nach der Tabelle des
Aufwertungs=
geſetzes aufgewertet werden konnten, können, wenn es zur Vermeidung von
groben Unbilligkeiten erforderlich iſt, jetzt bis 400 Prozent, und wenn
ſie aus dem letzten Vierteljahr 1921 herrühren, bis 600 Prozent ihres
Goldmarkbetrages aufgewertet werden. Vorausſetzung iſt der Antrag
des Gläubigers. Die Antragsfriſt läuft bis 1. Oktober 1927, zuſtändig
iſt die Aufwertungsſtelle. 5. Kann der Gläubiger nachweiſen, daß er
ohne ſein Verſchulden rechtzeitige Anmeldung des Anſpruchs auf
Auf=
wertung auf Grund des Vorbehalts der Rechte oder kraft Rückwirkung
(§ 16 Aufwertungsgeſetzes) verſäumte, ſo iſt ihm auf Antrag von der
Aufwertungsſtelle die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand zu
be=
willigen. Die Friſt für den Antrag läuft bis zum 1. 10. 1927. Hat der
Antrag Erfolg, ſo wird aber nur die perſönliche Forderung aufgewertet.
Eine Aufwertung dinglichen Rechts findet nicht ſtatt, und im übrigen
bringt der Entwurf noch einige Vorſchriften, die die Erleichterung des
Grundbuchverkehrs vorſehen. Die Vergleiche und rechtkräftigen Urteile,
die lediglich in dem neuen Geſetz die Rechtsverhältniſſe regelten,
ſollen der Anwendung der neuen Vorſchriften nicht entgegenſtehen.
8. Auf dem Gebiete der Anleiheablöſung bringt das Geſetz für Altbeſitzer
und Reichsauleihe eine wichtige Beſtimmung, daß die Vorzugsrente ſchon
bei einem Jahreseinkommen, von nicht mehr als 1000 Mark (bisher
800 Mark) gewährt werden ſoll.
Viehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am 2. Juli wurden
zugeführt 323 Schweine. Verkauft wurden 309 Stück. Milchſchweine
wurden verkauft das Stück von 7 bis 16 Mark; Läufer das Stück von
17 bis 45 Mark.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 29. Juni. Die auf den
Stichtag des 29. Juni 1927 berechnete Großhandelsindexziffer des
Sta=
tiſtiſchen Reichsamts hat gegenüber der Vorwoche um 0,4 v. H. auf 137,9
(137,4) angezogen. Von den Hauptgruppen hat ſich die Indexziffer der
Agrarſtoffe um 0,9 v. H. auf 139,5 (138,2) erhöht. Gleichzeitig iſt die
Indexziffer für Kolonialwaren um 0,3 v. H. auf 128,7 (128,3)
ge=
ſtiegen. Die Inderziffer der induſtriellen Rohſtoffe und Halbwaren
hat um 0,2 v. H. auf (131,7) angezogen, während diejenige der
in=
duſtriellen Fertigwaren unverändert auf 146,3 lag.
Die Börſennotierungen an den Samstagen der Monate Juli
und Auguſt fallen, wie wir bereits meldeten, auf Beſchluß der
Börſenvorſtände aus.
Die Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt. Auf dem Berliner
Ar=
beitsmaukt hat die Beſſerung der Beſchäftigungsverhältniſſe nicht in dem
Maße wie in den Vorwochen angehalten. Die Abnahme der
Arbeits=
loſigkeit beträgt insgeſamt nur 1760 Perſonen, ſo daß ſich der
gegen=
wärtige Stand auf 193 084 Perſonen beläuft, gegen 194 844 der
Vor=
woche.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 19. bis 25. Juni im Ruhrgebiet in 6
Arbeits=
tagen 2281 458 Tonnen Kohle gefördert gegen 2073 926 Tonnen in
der vorhergehenden Woche in 57/ Arbeitstagen. Die Kokserzeugung
ſtellte ſich in den 7 Tagen der Berichtswoche auf 503 706 Tonnen gegen
491 068 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung
auf 75 538 Tonnen gegen 64 718 Tonnen in den 6 bzw. 5¾/ Arbeitstagen.
Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 19. bis
25. Juni 380 243 Tonnen gegen 368 698 Tonnen in der vorgehenden
Woche. Die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 71 958 (70 153) Tonnen,
die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung auf 12 590 (11 505) Tonnen.
Die Zahl der wegen Abfatzmangels eingelegten Feierſchichten ſtellte ſich
auf 16 971 (arbeitstäglich 2829) gegen 4442 (790) in der vorhergehenden
Woche.
Konkurſe im erſten Halbjahr 1927. Nach einer Zuſammenſtellung der
Finanzzeitſchrift „Die Bank” beträgt die Geſamtziffer der
Konkurser=
öffnungen in den verfloſſenen ſechs Monaten 2899 gegen 9302 im erſten
Halbjahr 1926. Die Geſchäftsaufſichten ſind gleichzeitig von 6787 auf
725 zurückgegangen. Im Monat Juni ſind 439 Konkurſe (949 i. V.)
er=
öffnet und 98 Geſchäftsaufſichten (486) verhängt worden.
Das ſpaniſche Petroleummonopol. Wie aus Madrid gekabelt wird,
hat die Regierung heute das Dekret über das Petroleummonopol
ver=
öffentlicht. Die öffentliche Ausſchreibung wird nach Ablauf von 5 Tagen
erfolgen. Die amtlichen Bedingungen für die Beteiligung an dieſer
Ausſchreibung gehen dahin, daß zunächſt 2 Mill. Pef. als Depot zu
hinterlegen ſind. Das für das Petroleummonopol erforderliche
Privat=
kapital iſt mit einem Betrag von 125 Mill. Peſ. feſtgeſetzt. Der Staat
wird an der neuen Monopolgeſellſchaft ohne geldliche oder anderweitige
Sacheinlagen, d. h. alſo ohne Gegenleiſtung, mit 30 Prozent
be=
teiligt ſein.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Weizen: Nach ſchwächerem Beginn konnten die Weizenpreiſe
erheb=
lich anziehen auf Meldungen über ſehr hohe Temperatur im
Frühjahrs=
weizengebiet und Regenſchauer in den Erntedeſtrikten vom
Winter=
weizen an der Seeküſte.
Mais: Die Meldungen, daß in Süddakotha das Wachſen der
Pflanzen einen ungewöhnlich ſchnellen Fortgang nimmt und
Regen=
fällen in den Gebieten wo Trockenheit herrſchte niedergegangen ſind,
verſetzten den Maismarkt in eine ſchwache Stimmung. Später vollzog
ſich jedoch ein entſchiedener Stimmungswechſel.
Hafer: Die vorliegenden Meldungen über nur mäßige Ankünfte und
Käufe der Locohäuſer führten zu einer Befeſtigung des Hafermarktes.
Baumwolle: Das Geſchäft am Baumwollmarft geſtaltete ſich
außer=
ordentlich ruhig, da viele Makler der Börſe fern blieben. Die Tendenz
war gut behauptet. Als Grund für die leichten Preisbeſſerungen
ver=
wies man auf die feſte Veranlagung Liverpools.
Kaffee: Geſchloſſen.
Zucker: Geſchloſſen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 2. Juli:
Getreide: Weizen, Juli 146½, September 145½, Dezember
148½: Mais, Juli 97½, September 1062/s, Dezember 110½;
Hafer, Juli 45¾/, September 47½, Dezember 49½; Roggen,
Juli 110, September 101½, Dezember 105½.
Schmalz: Schmalz, Juli 12,57½, September 12,75, Okt. 12,85.
Fleiſch: Rippen, Juli 11,90, September 12,10; Speck loco 12,
1. Schweine 8,70—9,35, ſchw. Schweine 8,35—9,00;
Schweine=
zufuhr, Chicago 6000, Weſten 30000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 2. Juli:
Getreide: Weizen Nr. 2, rot 156¾, hart 165½: Mais neu
ank. Ernte 110½ Mehl Spring Patent 7,00—7,35; Fracht nach
England 1,6—2 sh, nach Kontinent 6—8 d.
Schmalz: Prima Weſtern loco 13,30, Talg extra 77/8.
Kakao: Börſe geſchloſſen.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Der Verband Deutſcher Gas=, Waſſer= und
Dampfarmaturenfabri=
kanten hat die bisherigen Liſtenpreife um 3 Punkte erhöht, ſo daß der
gegenwärtige Zuſchlag 8 Prozent beträgt.
Wie aus Wien berichtet wird, haben in Wien anläßlich der
An=
weſenheit einiger prominenter Perſönlichkeiten der polniſchen
Petro=
leuminduſtrie Verhandlungen über die Erneuerung des polniſchen
Naph=
thakartells ſtattgefunden. Die Verhandlungen haben aber zu keinem
Ergebnis geführt.
Die Ausſichten für die öſterreichiſche Ernte ſind weſentlich cünſtiger
als im Vorjahre. Es wird eine übermittelgute Ernte erwartet. Nach
den Schätzungen des Bundesminiſteriums für Land= und Forſtwirtſchaft
wird die Ernte mit der Qualifikationsnote 2 (gegenüber 3 im Vorjahre)
bewertet.
Die Donau=Dampfſchiffahrts=Geſellſchaft beabſichtigt, 7prozentige
Obligationen im Betrage von 15 Mill, Schilling auszugeben. Dieſe
Obligationen ſollen zum Kurſe von 96 Prozent aufgelegt werden und
eine Laufzeit von 25 Jahren haben. Sie ſollen auf Schilling,
Reichs=
mark und Schweizer Franken lauten.
Die Nationalbank ton Belgien hat 3343 Unzen Gold, das in
Belgiſch=Kongo gefördert und in Belgien raffiniert worden war,
über=
nommen. Zum erſten Male hat die Nationalbank von Belgien Gold
erhalten, das nur auf belgiſchem Gebiet behandelt worden iſt, während
früher das Gold aus dem Kongo ſtets nach London zur Läuterung
ge=
ſandt wurde.
Wie aus Moskau gemeldet wird, ſind die Verhandlungen zwiſchen
der Sowjetregierung und der norwegiſchen Regicrung über die
Ge=
währung eines Kredites in Höhe von 40 Millionen Kr. geſcheitert.
Nach den bisher bei der ſüdſlawiſchen Regierung vorliegenden
Statiſtiken wird die diesjährige Oxiumemnte günſtig ausfallen. Man
rechnet mit einem Ergebnis von 37000 Kilo reinem Opinm. Bekanntlich
erfreut ſich das ſüdſerbiſche Opium eines beſonderen guten Rufes wegen
ſeiner Qualität.
In ruterrichteten Budapeſter Kreiſen verlautet, daß die Fuſion der
ungariſchen Staatsbahnen mit der ungariſchen Teilſtrecke der Donau=
Save—Adria=Bahn im Herbſt aktuell werden wird.
Staatsbahndirek=
tionspräſident Keleti ſcheidet von ſeinem Poſten und an ſeine Stelle
ſird der Generaldirektor der Südbahn Robert Gordan treten.
Eine Gruppe italieniſcher Geſellſchaften der Elektrizitätsinduſtrie
hat ſoeben die Verhandlungen zum Abſchluß geführt, die die Aufnahme
einer Anleihe von 25 Mill. Schw. Fr. zum Gegenſtand hatten. Es iſt
zu erwarten, daß die formelle Zuſtimmung des Schweizeriſchen
Schatz=
amtes und der Nationalbank in Kürze erteilt werden wird.
Nach Mitteilung aus Japan beabſichtigt eine Reihe japaniſcher
Ge=
ſellſchaften, die bereits Unternehmungen auf dem Gebiete der U.d. S. S.R.
betreiben, eine A.=G. mit einem Kavital von 10) Mill. Den zwecks
Aus=
beutung der Bodenſchätze Sowjet=Sachalins zu organiſieren.
Die Wollverſteigerungen in Brisbane, die hürzlich abgeſchloſſen
wurden, zeigten bei guter Markiſtimmung bis zum Schluß ſteigende
Tendenz. Hauptſächlich wurde von japaniſchen und ruſſiſchen
Intereſſen=
ten gekauft.
Nummer 182
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Neueste Wochenschau
Seite 14
Sonntag, den 3. Juli 1927
Numier 182
Residenz-Theater
D Heute leizter Tag!
Die entzückende Verfilmung der bekannten „Wiener O
Sas lne Ta
Paul Heidemann — Mills Asther — Imogene Re
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Die neueste Wochenschau
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von Werner Scheff, mit
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St denn diene ein Verhrechen
Neueste Wochenschau (10631
Anfang 3½ Uhr.
Abends 8 Uhr.
Hozart-Verein
Samstag, den 9. Juli 1927
„Halbe Nacht im Halben Mond”
Abfahrt des Sonderzuges nach Heppenheim
am Hauptbahnhof 20½, am Südbahnhof 202
Ankunft des Sonderzuges von Heppenheim
am Hauptbahnhof 2‟, am Südbahnhof 2u
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Vormittags: 8.30, 9.00, 10.00, 12.00 Uhr.
Nachmittags: 2.00, 2.30, 3.15, 3.45, 4.25, 5.00 Uhr.
Rückfahrten ab 6 Uhr abends ſtündlich. (10624
Hochmoderner Autobus neu eingeſtellt.
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Mk. 0.90; Kraftbrühe mit Einlage, Sauerbraten mit
Maccaroni.
Mk. 1.30: Krattbrühe mit Einlage, Kalbskeule in
Tomatentunke, Gurken u. Kopfsalat,
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takartoffeln, Erdbeertorte,
Mk. 1.50; Kraftbrühe mit Einlage, Roastbeef nach
Gärtnerinnenart, Erdbeertorte.
Mk. 2.—: Kraftbrühe mit Einlage, Russische Eier,
Roastbeef nach Gärtnerinnenart, Eis-Waffel.
Jeden Sonntag
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Eintritt frei! AONZCFE Eintritt frei!
Aoterrestaurant AolpIngsnaus
Rh einstraße 48
Fachmännische Leitung: Josef Schilling.
Sonntag, den 3. Juli 1927
Menu A 0.80
Ochsenschwanzsuppe Ochsenschwanzsuppe
Kalbsfricandeau mit
Kartoffeln, Erbsen und
Karotten
Achtung!
Ia. Ramstadt
Achtung!
Hiermit gestatte ich mir, das verehrte Publikum
zu meiner am Sonntag, den 3. Juli, stattfindenden
Saal-deihe
ganz ergebenst einzuladen. Bei einem vollbesetzten
Orchester und besten Speisen und Getränken in
altgewohnter Weise, dürfte den Besuchern in meinem
neuen, wohl schönsten Saal am hiesigen Orte einige
genußreiche Stunden bevorstehen. — Zu recht
zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein
Adam Knapp und Frau
Wirtschaft u Metzgerei „Zum Darmstädter Hof‟
Menu à 1.20
Roastbeef
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Erbsen und Karotten
Dessert nach Wahl
Menu A 1.60
Ochsenschwanzsuppe
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Roastbeef, garniert
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Tages-
zeit — la Grohebier sowie gut gepflegte Ausschank-
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Muſikvereins, Steinſtraße 22
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Heute Sonntag, nachm. 3½ Uhr
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Roulädchen m. Erbsen u. neuen Kart.
1.20 Mark
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Lammbraten oder Kapaun mit neuen
Kartoffeln und Salat-Dessert
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K o n z er
(Sitz Darmſtadt). (17508
Wir machen unſere Mitglieder in
Darmſtadt darauf aufmerkſam, daß
das Polizeiamt auf unſeren Antrag
die Polizeiſtunde vom 1. bis 3. Juli
gelegentlich des Jubiläums=Feſtes
der 25er u. 6ler Artillerie bis 4 Uhr
früh für Darmſtadt verlängert hat
Der Vorſtand: J. Schnauber.
Der Geſangverein
„Liederhalle‟
unternimmt am Sonn
tag, 14. Auguſt 1927, eine
Rheinfahrt
nach St. Goarshauſen
und zurück mit Muſik.
Fahrpreis einſchießl.
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fenſtr., Götz,
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tiusftr., Fuchs,
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gerſtr., Echert,
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heilgerſtraße, Friſeur
Sehnert, Karlſtr.,
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iann, Pankratiusſtr.
Vereine können ſich
anſchließen.
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gungen ſind bindend
Meldeſchluß 15. Juli
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Der Vorſtand.
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Anz. 10 ℳ, Wochen=
Nate 3 ℳ, evtl. vhne
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Nummer 182
Sonntag, den 3. Juli 1927
Geite 15
Chriſtine Berthold.
Roman von Emma Nuß.
(Nachdruck verboren)
28
„Hahaha!” lachte Werner gezwungen auf, denn die Angſt,
dieſe mehr und mehr zunehmende Angſt ließ ihn nicht mehr los.
„Und was berechtigt dich zu dieſer Annahme?”
„Eine kleine Unterredung mit Fräulein Berthold, mein
Junge, bei der ich ihr die Unmöglichkeit einer Verbindung
zwiſchen dir und ihr zu erklären bemüht war.”
Voller Empörung ruft da Werner: „Das haſt du getan?
Oh pfui über ſo viel Härte, ſo viel Dunkel!”
„Mäßige dich, Werner, um ſo mehr, als du mir früher oder
ſpäter doch Recht damit geben wirſt, daß du nie und nimmer
eine ſolche Ehe eingehen konnteſt. Und was du heute als Härte
und Dünkel bei mir empfindeſt, wirſt du bei ruhiger
Ueber=
legung als Pflichtgefühl und Standesbewußtſein erkennen
müſſen. Wir ſind nicht nur für uns allein auf der Welt,
ſon=
dern haben, wenn wir nicht vereinſamt leben wollen, oft recht
ſaure Pflichten gegen die Geſellſchaft und unſere Mitmenſchen.
Und eine ſolche Pflicht iſt es jetzt von dir, auf dieſe Ehe mit
Fräulein Berthold zu verzichten.”
„Niemals! — Eher pfeife ich auf die ganze Geſellſchaft und
alle meine Mitmenſchen.”
„Du biſt ſehr offen. — Aber, wenn nun — nehmen wir mal
an — Fräulein Berthold auf dich verzichten würde?" —
„So würde ich ſehr raſch herausgebracht haben, auf welche
Weiſe man ſie dazu gepreßt hat,” klang es faſt drohend zu dem
Vater.
„Und wenn ſie es doch, auch ohne dieſe — Erpreſſung, aus
ganz freien Stücken täte?"
Faſt mitleidig blickte jetzt Werner auf den Vater: „Dein
Verſtändnis, für Liebesangelegenheiten, ſcheint mit der Zeit
vollkommen in Kontobüchern oder Geſchäftsabſchlüſſen
aufge=
gangen zu ſein. Du weißt jedenfalls nicht, wie ſie mich liebt,
und wie ſie an mich glaubt. Darum laß dir auch als letztes
ſagen, daß nichts in der Welt mich bewegen könnte, von ihr zu
laſſen, gleichviel, ob es Glück oder Untergang für mich wird.”
„Narr, der du biſt!” rief da der alte Krüß wütend aus. „Du
weißt von deiner ſpohlbehüteten Poſition aus ja ſo wenig, was
Untergang bedeutet, wie ein Indianer vom Telephon, ſonſt
würdeſt du nicht ſo leichtfertig Ehre und geſellſchaftliche Stellung
mißachten, die du dir ohne den verhärteten, dünkelhaften Vater
wohl etwas ſchwerer hätteſt erringen müſſen, als es ſo der Fall
war.”
Damit verließ Krüß, die Türe heftig ins Schloß werfend
das Zimmer. Im ſelbeen Augenblick trat zur anderen Türe das
Mädchen mit einem Brief für Werner herein, den er ſogleich
als von Chriſtine kommend erkannte. Zitternd vor Ungeduld
riß er den Umſchlag auf; doch als er das Schreiben zu Ende
geleſen, ſank ſein Haupt tief auf die Bruſt, der ſih ein
qual=
volles Stöhnen entrang. So alſo hatte es der Vater gemeint
und ſchon um alles gewußt, als er noch eben mit ihm ſprach.
Und wieder las er mit brennenden Augen das Unfaßbare,
Furchtbare, was in Chriſtinens Handſchrift klar und deutlich da
ſtand, was ſie ſelbſt wohl in unerhörter Qual ihm hatte
ſchrei=
ben müſſen:
Mein Werner!
Wenn ich dir jetzt Schmerz bereiten muß, anſtatt, wie ich
erhofft und gewollt, alles Glück, das ein Menſch dem andern
zu geben vermag, dir zu geben, ſo weißt du, wenn du meine
Zeilen zu Ende, geleſen, daß ich nur ſo und nicht anders
handeln kann und darf. Wir müſſen Abſchied voneinander
nehmen, mein Werner, denn niemals kann der Sohn von
Friedrich Krüß die Tochter einer Zuchthäuslerin, einer
Mör=
derin — zur Frau nehmen. Ich erfuhr es in dieſen Tagen,
daß ich noch eine Mutter habe, die wegen Mordes an ihrem
Gatten kurz vor meiner Geburt zum Tode verurteilt und
dann zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden iſt.
Ich habe ſie geſtern in der Strafanſtalt beſucht und mich
alſo überzeugt, daß das alles kein wüſter Traum, ſondern
furchtbare, unerbittliche Wirklichkeit iſt. Erſt meinte ich, das
alles nicht überleben zu können. Doch ein Etwas in mir
ſträubte ſich gegen ſolche Feigheit, und ſo will ich verſuchen, aus
meinem Leben ſo viel zu machen, als ſich mir irgendwo in der
Welt Möglichkeiten dazu bieten werden. Forſche nicht nach mir,
mein Geliebter, denn du mußt mich zur Genüge kennen, um zu
wiſſen, daß ich nichts halbes tue, und ich muß mit dem heutigen
Tage ausgelöſcht ſein aus deinem Leben, will ich nicht Schmach
und Schande hineintragen. Verſuche auch du ſo glücklich zu
wer=
den, wie es meine Gebete allabendlich für dich erflehen ſollen,
denn ich werde dich lieben über Länder und Meere hinweg bis
an mein Lebensende.
Chriſtine.
Mehrere Minuten hindurch ſaß Werner völlig unbeweglich
und ſtarrte mit faſt erloſchenen Augen ins Leere. Es war das
alles zu überraſchend für ihn gekommen, er faßte noch nicht, daß
und warum ihm Chriſtine für alle Zeiten verloren ſein ſollte.
Für ſein Empfinden, ſeine Liebe war das doch alles kein Grund,
ihn zu verlaſſen, ihn und ſie ſelbſt ſo ſterbensunglücklich zu
machen. Und plötzlich ſprang er leidenſchaftlich auf. „Ich aber
werde dich finden über alle Länder und Meere hinweg, meine
tapfere Liebſte,” hatte er es geſagt oder nur gedacht — er wußte
es ſelbſt nicht und ſtürmte zur Türe hinaus in wilder
Entſchloſ=
ſenheit, nicht eher zu ruhen, bis er ſie wiedergefunden.
20. Kapitel.
Frau Tweſten war eben damit beſchäftigt, das freigewordene
Zimmer Chriftinens für einen neu zu erwartenden Mieter
her=
zurichten. Es geſchah dies unter manchen Stoßſeufzern, denn
ihre Gedanken beſchäftigten ſich faſt unausgeſetzt mit dem
Schick=
ſale des jungen Mädchens, das ſie liebgewonnen wie ihre eigene
Tochter, und das nun ſo freudlos in die Fremde gezogen war.
Sie grübelte über das Wie und Warum von Chriſtinens
plötz=
lichem Entſchluß, Stellung und Heimat zu verlaſſen, um
irgend=
wo in der weiten Welt ein neues Leben zu beginnen. Das war
alles ſo ſeltſam, ſo gar nicht vereinbar mit dem Charakter des
jungen Mädchens, der doch ſo gar nichts Abenteuerliches ſonſt
gezeigt hatte. Was da wohl dahinter ſtecken mochte? Aus
Chriſtine ſelbſt war ja nichts herauszubringen geſreſen. Die
war ſo verſtört und vernichtet in den letzten Tagen ihres
Hier=
ſeins, daß Frau Tweſten nur noch ſtill und kopfſchüttelnd alles
beobachtete, ohne des Rätſels Löſung zu finden. Daß aber ein
Mann dahinterſteckte, darüber heirſchte für die gute Frau kein
Zweifel; ſolche weittragenden Eniſchlüſſe eines jungen
Mäd=
chens hingen nach ihren Erfahrungen ja immer nur mit
irgend=
einem Mannsbild zuſammen. Und wer das Mannsbild in
die=
ſem Falle war, das wußte Frau Tweſten auch ganz genau, denn
eine tüchtige Zimmervermieterin weiß; in den Schränken und
Geheimniſſen ihrer Mieter ekenſo raſch und gründlich Beſcheid,
wie eine gute Hausfrau in ſolchen Dingen ihrer Dienſtboten.
Sie hatte ſchon ſehr bald die Beziehungen zwiſchen Chriſtine
und dem jungen Krüß entdecki und war öfter ſchon nahe daran
geweſen, das unerfahrene junge Ding zu warnen vor einem
reichen jungen Windhund, der ja do niemals ans Heiraten
denken würde. Aber damit hätte ſie ja verraten, woher ſie ihre
Kenntniſſe beſaß, und ſo hatte ſie ſchweren Herzens ſchweigen
müſſen. Natürlich häufte ſie nun ihren ganzen Groll auf den
ihr perſönlich unbekannten Werner Krüß, der ſicher die
allei=
nige Schuld an Chriſtinens ſo plötzlicher Abreiſe trug.
Draußen ſchrillte die Korridorklingel. Doch Frau Tweſten
ſchlug eben mit ſolcher Wucht ihren ganzen Grimm auf den
Verführer, wie ſie Werner für ſich nannte, in das Sofa hinein,
daß ſie das Klingeln ganz überhörte.
Nochmals, und diesmal ſtärker, tönie die Klingel. Jetzt
hatte ſie es gehört, ging hinaus und ſah durch das ileine
Gurk=
loch einen jungen Herrn draußen ſtehen. Sicher ein
zimmer=
ſuchender Herr, dachte ſie, der unten den Zettel geleſen haite.
Schnell zupfte ſie ſich zurecht und öffnete mit ihrem
freundlich=
ſten Geſicht, nach ſeinem Begehr fragend, die Tür.
„Kann ich wohl mal Frau Tweſten ſprechen?“
„Bin ich ſelbſt, mein Herr.”
„Mein Name iſt Krüß, ich komme wegen Fräulein Berthold,
Frau Tweſten.”
Sofort verſchwand alle Freundlichkeit aus ihrem Geſicht,
und ſie forderte mit einer ſteifen Bewegung den Herrn auf,
näher zu treten.
„Können Sie mir wohl ſagen, Frau Tweſten, wann
Fräu=
lein Berthold abgereiſt, und was ihr nächſtes Reiſeziel iſt?”
begann Werner ſogleich mit etwas flackernder Stimme ſeine
Erkundigungen. Er war wie ſinnlos von Hauſe weggeſtürmt,
um ſeine Nachforſchungen nach der Geliebten ſofort zu beginnen.
„Darf ich fragen, mit welchem Recht Sie dieſen Beſcheid
von mir verlangen, Herr Krüß?”
Werner etwas erſtaunt, doch ſogleich gefaßt, ſagt ruhig:
„Fräulein Berthold iſt meine Braut.”
„Ach nee! — Dann ſollten Sie aber doch beſſer darüber
Be=
ſcheid wiſſen, was Ihre — Ihre Braut vorhat, als ich, Herr
Kruß.”
„Frau Tweſten, Sie müſſen doch ſehen, daß mich nur die
Angſt um das Schickſal meiner Braut zu Ihnen ſührt — ich
be=
ſchwöre Sie, ſagen Sie mir, was Sie von ihrer Abreiſe und
ihren ſonſtigen Plänen wiſſen, denn ich weiß nichts, als daß
ſie Hamburg verlaſſen hat. Nicht, was ſie vor hat, und auch
nicht das Ziel ihrer Reiſe. Ein großes Mißverſtändnis hat
meine Braut zu dieſem unglückſeligen Schritte veranlaßt.”
(Fortſetzung folgt.)
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Nummer 27
Schloß des Schickſals. / 300 Jahre Verſailles.
Eine Erinnerungsſtudie von 5. L. Dunbar v. Kalckreuth.
Vor dreihundert Jahren, im Jahre
1627, wurde der Grundſtein zu dem
Schloß Verſailles gelegt, dem
berühm-
keſten aller Schlöſſer, in dem die
Ge=
ſchichte und das Schickſal nicht nur
Frankreichs und Deutſchlands, ſondern
der ganzen Welt mehr als einmal
ent=
ſchieden wurde.
Wie eine Perlenkette den Hals einer ſchönen
Frau ſchmückt, ſo umkränzen die Luſtſchlöſſer
vergangenen Königtums die Hauptſtadt
Frank=
reichs: Compiegne, Chantilly, St. Cloud,
Ver=
ſailles und die Crianons, Meudon, Sceaux,
Fontainebleau und Vincennes. Sie alle haben
ihre eigenen Schickſale gehabt, und Schickſale
anderer wurden in ihnen entſchieden. — Denn
in keinem anderen Lande knüpfen ſich ſo
aus=
ſchließlich die großen Entſcheidungen der
Ge=
ſchichte an die Namen berühmter Schlöſſer, wie
in Frankreich. — Die Stürme der Nevolution
haben viele dem Erdboden gleichgemacht,
zu=
letzt ging bei der Belagerung von Paris (1871)
das liebliche St. Cloud in Flammen auf, und
während des Weltkrieges brannte faſt Compiegne nieder.
Die übrigen dienen jetzt als kunſthiſtoriſche Muſeen, nur
das prächtigſte, die einſtige Neſidenz des Sonnenkönigs,
blieb auch der Stolz der Nepublik, in ihm wird ſein
bürger=
licher Nachfolger, der Präſident, gewählt, und jeden
Som=
mermonat einmal ſpringen die herrlichen Waſſerkünſte, um
Hunderttauſenden des Volkes ein „königliches Schauſpiel”,
zu bieten. Für deutſche Ohren aber klingt der Name des
Schloſſes wie ein Hohnruf des „Schickſals, hatte doch in
ihm Ludwig XTV. die Verwüſtung der ſchönen Pfalz und
die Annexion des Elſaß dekretiert, und in ihm wurde nach
dem Weltkrieg Deutſchland der Wille der Sieger diktiert.
Dieſe Erinnerungen wiegen jenen Swiſchenakt nach dem
ſiegreichen Kriege von 1870 auf, als in der Spiegelgalerie
das deutſche Kaiſertum proklamiert wurde. Aber wir
wer=
den hören, daß auch Frankreichs Schickſalsſtunden hier
ge=
ſchlagen haben.
Das Schloß von Verſailles, deſſen ominöſer Name „Korn=
Umwerfer”, nach den Stürmen, die hier über die
Getreide=
felder zu brauſen pflegten, bedeutet, kann auf eine 300jährige
Vergangenheit zurückblicken; es entſtand in jener für
Deutſch=
land verhängnisvollen Seit, als alle Völker Europas es zum
Cummelplatze ihrer religiöſen und politiſchen Kämpfe
mach=
ten, mitten im 30jährigen Kriege. Damals (1626/27) kaufte
Ludwig XIII. das Jagdgebiet der Herren von Verſailles
und baute ein kleines quadratiſches Schlößchen, das er
regel=
mäßig zur Abhaltung großer Herbſtjagden im Oktober
be=
wohnte.
Sehn Jahre ſpäter wurde der Park angelegt, der zu
Ehren der Geburt des Dauphins (Louis XIV.) Bosquet de
Dauphin genannt wurde. Die Glanzzeit aber für dieſes einſt
weltvergeſſene Dorf hub an, als Ludwig XTV. (1660)
be=
ſchloß, das Jagdhaus ſeines Vaters zur würdigen Reſidenz
des von ihm zur Selbſtapotheoſe erhobenen Königstums
aus=
zubauen. Swölf Jahre ſpäter wurde es mit dem denkbar
größten Pomp eingerichtet und bezogen. Aber nur hundert
Jahre ſollte das Königtum hier ſeine Criumphe feiern.
Welche Bilder äußeren Glanzes und innerer Hohlheit
ziehen am Auge des nachdenklichen Beſuchers vorüber, wenn
er die Prinzentreppe hinaufſteigt und durch den Saal des
Ochſenauges, einſt Sentrum des Hofklatſches
von ganz Europa, in das Paradeſchlafzimmer
Ludwigs XTV. eintritt, wo dieſer prachtliebende
Monarch nach 75jähriger Negierung ſtarb,
und ſein Volk unten vor den liliengekrönten
Gittern den Leichenzug mit Steinwürfen
er=
wartete.
Ich durchſchritt die großen Apartements, in
denen ſein Nachfolger, der Negent, Unſummen
an ſeine Favoritin, die Herzogin v. Pholaris,
verſpielte. Ich beſuchte die darunter gelegenen
Gemächer der Marquiſe von Pompadour, deren
Motto: „Nach uns die Sündflut” war,
nach=
dem ihre Politik im Siebenjährigen Kriege
200 000 Mann gekoſtet hatte, dazu die Preſtige
in Nordamerika, Indien und Europa und die
Finanzzerrüttung der Monarchie den Codesſtoß
bereitete.
Lange verweile ich in den jetzt dem Publikum
endlich geöffneten, entzückend eingerichteten
Nokokozimmerchen jener als Palaſtdame
ein=
geführten Gaſſendirne, der Dubarry. Sie hatte
durch die hier ſtattgefundenen königlichen
Or=
gien den letzten Funken Anſtand am Hofe von
Verſailles ausgelöſcht und den Chron zum
Symbol der Harlekinaden erniedrigt.
zm
1n71
Hurona un1
77177771
L 5
einſtdierte und mit ihren Kindern von Madame
Lebrun gemalt wurde.
Die ſchönen Cür= und Fenſtervorhänge
ſtam-
men von ihrem Gatten, deſſen Beruf beſſer
das Schloſſerhandwerk als die Negierung eines
verrotteten Staates geweſen wäre. Wenige
Schritte, und wir ſind in den offiziellen Prunk=,
räumen, welche die Herrſcherinnen Frankreichs,
als vergoldete Käfige, zeitlebens bewohnen
mußten.
Und weiter führt der Weg, den das Schickſal Frankreichs
durch dieſe Säle nahm, hinüber in jene ſogenannten Petits
Apartements, welche noch heute die ganze Wohnlichkeit
zei=
gen, mit der ſie ſich einſt Marie=Antoinette hatte einrichten
laſſen, wo die Königin die verhaßte Etikette fahren ließ und
Ludwig XlV.
ſich von ihrer Freundin, der Prinzeſſin Lamballe, aus der
kleinen Bibliothek, die heute noch an ihrem Platze iſt,
vor=
leſen ließ, mit dem Grafen von Artois kleine Cheaterrollen
Hier hinein ſtürzte der wütende Pöbel an
jenem Oktobermorgen (1789), und als er die
verhaßte Oeſterreicherin nicht fand, durchſtach
er das eben verlaſſene Bett und ſchlug alles
kurz und klein.
Die Schickſalsſtunde für Verſailles hatte
ge=
ſchlagen. In fürchterlichem Aufzuge wurde das
Königstum aus ſeiner geſchändeten Neſidenz
gefangen nach Paris geſchleppt. Das Spiel
war aus. Schnell ſank die Bevölkerung von
100 000 auf nur noch 80 000 Einwohner herab.
Die vergoldeten Gitter, welche die drei Ehrenhöfe
von=
einander abſchloſſen, wurden niedergeriſſen, das Schloß
ſeiner ganzen Inneneinrichtung beraubt und in ein
Invali=
denhaus verwandelt. Verſailles ſank in eine Art
Dorn=
röschenſchlaf.
Paris wurde wieder die Neſidenz des Kaiſertums und
der Neſtauration. Nur einmal weilte Napoleon hier, als
er, in Nußland geſchlagen, im ſtrengen Winter die Orangerie
beſuchte, alle Bäume erfroren fand und nur einige Blumen,
die er noch vorfand, zum Andenken an dieſen Winter mit
lich nahm.
Als Louis Philippe, der Bürgerkönig, zur Negierung
gelangte, weihte er das alte Schloß ſeiner Vorfahren
„A toute 1a Gloire de la France” und verwandelte alle
Näume mit einem Koſtenaufwand von 15 Millionen Franken
in die noch heute beſtehende Staatsbildergalerie, von deren
Wänden uns die ganze Geſchichte Frankreichs vorüberzieht,
gleichſam ein gewaltiges Panorama des Schickſals dieſes
Landes bietend.
Noch einmal hat man im Schloß unter Napoleon III.
höfiſche Seſte geſehen, noch ſtehen in dem kleinen Cheater,
das zur Hochzeit von Marie=Antoinette eröffnet worden
war, die Kuliſſen, als man hier zu Ehren des ſpaniſchen
Königspaares eine Vorſtellung gab.
Im Jahre 1857 fand in der Spiegelgalerie ein Staatsball
für die Königin Victoria ſtatt; vierzehn Jahre ſpäter, und
der ſiegreiche Preußenkönig wurde hier zum deutſchen Kaiſer
ausgerufen, Frankreich war wieder einmal Nepublik, und
die neue Negierung verlegte ihren Sitz nach faſt einhundert
Jahren wieder von Paris nach dem Schloſſe von Verſailles
zurück.
Der Südhof des Schloſſes wurde 1875 in den
Sitzungs=
ſaal der Deputiertenkammer umgewandelt, in welchem alle
vier Jahre der Präſident der Nepublik gewählt
wird.
Im Jahre 1897 empfing das Schloß den
friedlichen Beſuch des letzten Sarenpaares;
man hatte die Säle neu möbliert, Kronleuchter
mit 10000 Kerzen waren in der Galerie des
Glaces angebracht, die Waſſerkünſte ſpielten,
aber die Kaiſerin brach in den Näumen Marie
Antoinettes in Cränen aus, ahnte ſie das gleiche
ſchreckliche Schickſal?
Wieder 20 Jahre ſpäter, Millionen hatte der
Weltkrieg umgebracht, uralte Chrone waren
geſtürzt worden, das Sarenpaar ermordet, ein
deutſches Kaiſertum gab es nicht mehr, die
Ne=
volution, die zuerſt an die Core des Verſailler
Schloſſes geklopft hatte, war auf ihrem Lauf
bis in den fernen Oſten gelangt, da
verſammel=
ten ſich in dem Spiegelſaal zur „friedlichen
Neu=
ordnung der Welt” Vertreter faſt aller
Staa=
ten, aber von dem „genius loci” (vers-ailles —
Sturm, der die Getreidefelder verwüſtet) übel
beraten, wurde nur Wind geſät, der einmal zum
Sturm anwachſen könnte.
Zuunnnnnnrnn
AAI
[ ← ][ ][ → ]Von Fritz Lang.
Es gibt nach meiner feſten
Ueberzeu-
gung keinen Beruf auf der Welt, der
auch nur in annähernd ähnlichem Maße
die Nerven ſeiner Arbeiter in Anſpruch
nimmt, bis zum Zerreißen anſpannt durch
ein Höchſtmaß von Konzentration oder ſie
langſam zerfaſert durch ſtundenlanges
Warten — erzwungenes Warten,
her=
vorgerufen durch irgendeine winzige,
zu=
fällige Cücke des Objekts — als den
Filmberuf.
Ein Aufnahmetag in Neubabelsberg:
Der Morgen iſt ſchön und ſonnig. Was
ſchon ein übles Seichen iſt. Bis an den
Nand meiner Seele mit Mißtrauen
ge=
füllt, betrachte ich den glasklaren Himmel
und die ſchuldlos lächelnde Sonne. Ich
kenne die Kanaille. Erſtens habe ich
Außenaufnahme. Sweitens ſind 500
Kom=
parſen beſtellt. Drittens hat die
Wetter=
warte „bei aufklärendem Oſtwind”
Fort=
dauer der guten Witterung prophezeit.
Und viertens ſcheint die Sonne. Da iſt
100mal gegen 1 zu wetten, daß es ſich um
11 Uhr trüben wird und daß es um 5 Uhr in Strömen gießt, und
daß abends um 6, wenn wir zum Drehen kein Licht mehr haben,
„bei aufklärendem Oſtwind” das ſchönſte Wetter herrſcht. Das
iſt die eine Form der Außenaufnahme, und es iſt die
barmherzi=
gere, denn da weiß man wenigſtens ſchon um 11 Uhr, woran man
iſt. Es gibt aber auch noch andere, viel gemeinere Variationen
und eine davon haben wir auch in den „Nibelungen” bis zur
Coblucht ausgekoſtet. Das iſt: blauer Himmel, große ſchneeweiße
Wolken und Babelsberger Wind. Das heißt nämlich: wenn die
Wolken vor der Sonne ſtehen, es iſt ziemlich windſtill, und man
könnte drehen, aber es würde ein troſtlos trübes Bild geben.
Kommt aber die Sonne durch, weht eine Sorte von Wind über
das Gelände, daß den Frauen, die zu weiland Kriemhilds und
Brunhilds Seiten die
Dom=
treppe hinaufzogen, die
Gewän=
der bis über die Köpfe flogen,
was zwar mitunter ſehr hübſch)
und drollig ausſah, aber
keines=
wegs zum Stil der „Nibelungen”
paßte. Auf allen Cürmen der
Burg zu Worms hockten damals
die Beobachter mit Blaugläſern
bewaffnet und beobachteten
zwiſchen Sone und Wolken, und
es wurden hohe Wetten
abge=
ſchloſſen, ob diesmal die Sonne
„durchhalten” würde, daß man
die Szene zu Ende drehen
könnte, oder ob der ſo
berüch=
tigte Lichtwechſel von Helle zur
Crübe wieder einmal die
Auf=
nahme verderben würde. Dieſes
heitere Spiel haben wir um der
Szenen auf der Domtreppe
wil=
len im holden Jahre 1923
bei=
nahe zwei Monate lang
ge=
trieben. Kein Wunder alſo,
wenn ich den Himmel über
Neu=
babelsberg ſtets nach dem
Grundſatz betrachte: Crau der
Sonne nicht, wenn ſie am
Mor=
gen ſcheint! Es hat geſtern
ge=
regnet — nur in leichten Schauern, ſelbſtverſtändlich — mit
un=
zuverläſſigem Sonnenſchein dazwiſchen, um uns beſonders boshaft
zu necken. Man ſieht die Spuren des Negens an einer beſonders
dem Blick exponierten Häuſerwand; ein dunkler, in zahlreiche
Windungen verlaufender Waſſerfleck zieht ſich fünf Stockwerke
hoch durch das einförmige Grau, das die Arbeiterſtadt von
Metropolis charakteriſiert. Auf einer Feuerwehrleiter balanciert
ein Mann und trocknet dieſen dunklen Waſſerlauf — womit?
Mit dem Fön! Der Erfinder dieſes nützlichen Apparates hat
ſich wahrſcheinlich auch nicht träumen laſſen, wozu ſein Fön im
Film einmal verwendet werden würde. Es wird ein bißchen
dauern, bis dieſer Fleck, der die Aufnahme unmöglich macht,
weggetrocknet iſt, aber trocken wird er — vorausgeſetzt, daß es
unterdeſſen nicht wieder zu regnen anfängt. Denn dies iſt das
Problem, mit dem wir uns nun heute den ganzen Cag beſchäftigen
müſſen: Wird es regnen? Wie oft wird es regnen? Werden
wir zwiſchen den einzelnen
In=
tervallen des Negens Seit genug
haben, den Boden der
Arbei=
terſtadt wieder abzutrocknen?
Allein der Platz mit dem Alarm=
Gong in der Mitte der
Arbei=
terſtadt iſt ſo groß, daß die 500
Menſchen, die ihn als
Volks=
menge beleben, nur wie ein
Häufchen Ameiſen wirken. Aber
wir haben das Kunſtſtück
fertig-
bringen müſſen, dieſen
Nieſen=
platz von Regenſchauer zu
Ne=
genſchauer Cag um Cag mit
Lötlampen auszutrocknen, Linie
um Linie, Sentimeter um
Senti=
meter.
Was uns überhaupt in
die=
ſem Silm
Cemperaturunter=
ſchiede für Streiche geſpielt
A
haben, das ſpottet der
Beſchrei=
bung. Ich erinnere mich des
Abends, oder vielmehr der
Nacht, in der wir den Canz eines
Suges von Frauen drehten,
deren hauptſächlichſte Kleidung in Schmuck
und phantaſtiſchen Kopfputzen beſtand. Die
Szene ſpielte ſich auf der Creppe von
Yoſhi=
wara ab, dem Haus der Cänzerinnen von
„Metropolis”. Entgegen allen Naturgeſetzen
war der Herbſt ſo unfreundlich wie nur
mög=
lich. Es herrſchte eine Hundekälte, und die
armen Cänzerinnen froren wie die jungen
Hunde. Eine kleine Jazz=Kapelle, durch
glü=
hende Koksöfen notdürftig aufgewärmt,
ſpielte ihnen mit blaugefrorenen Händen und
Naſen unermüdlich zum Canz auf.
Eimer=
weiſe wurde Grog gekocht. Aber es war
das reine Eisballett. In der Erinnerung an
dieſe Szene fällt mir übrigens ein kleiner
Dialog ein, den ich bei einer dieſer
Nachtauf=
nahmen belauſchte. Sur Erzielung eines
be=
ſonderen Lichteffektes wurden von den
Be=
leuchtern vor den großen Scheinwerfern
halbentlaubte Sweige bewegt. Ein
Kom=
parſe ſah ſich dieſen rätſelhaften Vorgang
kopfſchüttelnd an und wandte ſich ſchließlich
an einen Kollegen mit der Frage: „Sag mal,
was machen die eigentlich da oben?” worauf
prompt die Antwort erfolgte: Die wärmen
det Abendbrot für die Maikäfer!”
Sur Abwechſlung nach dieſen kühlen
Näch=
ten wurden wir dafür ein andermal wieder
ins Dampfbad genommen — wörtlich zu
ver=
verſtehen.
Es iſt ein eigenes Ding um die Arbeitsgemeinſchaft beim
Silm, ganz beſonders da, wo es hart auf hart geht. Aber man
kann es auch nicht oft genug betonen, daß am Gelingen eines
Films jeder einzelne, der mitſchafft, gleichermaßen beteiligt iſt.
Sei es nun Manuſkriptſchreiber oder Negiſſeur, Kamera=Mann
oder Architekt, Schauſpieler oder Cechniker, Bühnenarbeiter
oder Beleuchter; dem die kleinſte Unachtſamkeit des Einzelnen
gefährdet das Ganze. Aber die Arbeitsfreudigkeit und
Pflicht-
treue des Einzelnen iſt auch ein unentbehrliches Steinchen in dem
Moſaikwerk, das wir Film nennen. Die Schönheit einer ſolchen
Arbeitsgemeinſchaft iſt auch eines jener Geheimniſſe des Silms,
die man nicht erzählen kann, die man miterleben muß, um ſie
ganz zu würdigen. Wir haben in „Metropolis” die Polar=
Cem=
peratur der mit keinem Mittel zu erheizenden Staakener Großen
Ateliers durchgemacht, ſo daß uns allen der Atem dick vor dem
Munde ſtand. Wir ſind von der
Glut der Maſchinenräume
ge=
röſtet worden, daß wir ein
Ge=
fühl hatten, als vertrocknete uns
das bißchen Gehirn im Kopfe.
Wir haben bis an die Hüften in
eiskaltem Waſſer geſtanden und
uns faſt einen Monat lang
Nacht für Nacht um die Ohren
geſchlagen. Aber — und das iſt
vielleicht in Wahrheit das ganz
große Geheimnis des Films, das
ihn ſo über alle Begriffe
an=
ziehend und reizvoll macht und
uns niemals wieder losläßt:
Dieſe Abenteuerlichkeit des
Un=
berechenbaren, dieſer
immer=
währende Kampf mit dem
Su=
fall, die geben der Arbeit am
Silm etwas von der Nomantik
einer Expedition in unerforſchte
Länder. Hinter jedem Buſch
kann die ſchönſte und bösartigſte
Ueberraſchung lauern.
Film=
leute ſind immer auf irgend
etwas neugierig. Der Entwicklungsraum einer Kopieranſtalt
wird vom Gruſeln der ewigen Frage: „Iſt’s gelungen? Iſt’s nicht
gelungen?” umwittert, und der Filmmenſch, der ſich ohne
Herz=
klopfen in den Vorführungsraum begibt, um ſich das Ergebnis
des vergangenen
Arbeits=
tages anzuſehen, der kann
ſich begraben laſſen. Aber
faſt möchte ich wetten,
daß es den gar nicht gibt.
Denn um einer Arbeit
von Monaten und
Jah=
ren in täglich wiederholter
unerhörter Arbeit von
morgens bis mitternachts
gewächſen zu ſein, dazu
gehört Beſeſſenheit,
ge=
hört ein brennendes Herz,
die reſtloſe Hingabe an
das Werk.
Ja, ja, det is ja bloß
Kientopp.
Nein — es iſt Film,
d. h. die Quinteſſenz von
tauſend Energien,
tau=
ſend Arbeitsſtunden,
tau=
ſend Entbehrungen und
endlich doch beſiegten
Hinderniſſen, verwünſcht
und in die ſchwärzeſte
Hölle hinein verflucht und
doch mehr als irgend
gro
etwas auf der Welt ge=
Wird’s wärmer?
liebt: — Film!!!
Eine kleine Jazz=Kapelle
5wei Wege.
Von Elſa Maria Bud.
Sur Seit der Dynaſtie Cſchou, vor wei und einem halben
Jahrtauſend, hatten ſich aus der Millionenzahl chineſiſcher
Men=
ſchengeſchlechter zwei Männer von überragendem Geiſteswuchs
kriſtalliſiert. Laostſe und Kong=tſe; zwei Perlen im Sandmeer.
Lao=tſe war ein Mann aus dem Dorf Kü=dſchen, Bezirk
Li, Kreis Ku, im Lehnſtaate Cſchu. Sein Familienname war Li,
ſein Nufname Ni, ſein Mannesname Poh=yang. Er war
Ge=
ſchichtsſchreiber im Staate Cſchou. Schrieb das Buch vom Cao,
dem Begriff des höchſten Weſens, lehrte Abkehr von irdiſcher
Begierde und ging, ſiebenundachtzigjährig, in die Wildnis
hinaus. Niemand weiß, wo er geendet hat.
Einmal begegneten ſich die beiden großen Männer, und zwar
reiſte der junge, tatendurſtige Kong=tſe zum greiſen Lehrer des
Cao. Sie hatten eine lange Unterredung, von der die Hiſtoriker
weniges zu ſagen wiſſen. Nur eins ſcheint gewiß, daß ſie
an=
einander vorbeiſprachen; zwei welteneinſame Geſtirne, deren
Konjunktion eine ſcheinbare, keine wirkliche Annäherung
be=
deutet, und die durch nichts aus der Bahn ihres inneren
Ge=
ſetzes gedrängt werden können.
Kong=tſe ſagte: „Mich führt das ewige Leid der Menſchen
zu dir, o Meiſter des Wiſſens. Wir leben in trauriger Seit; der
Krieg benagt unſere Grenzen, die Stände ringen feindlich
gegen=
einander, unſere Staatsform iſt morſch. Ich ſah viele Provinzen
auf meiner Wanderung; ihr Wohlſtand iſt zerfallen. Und das
Volk, wie leidet das Volkl Es hungert; freſſende Krankheit
kam vom Himmel, und Dürre vernichtete die Neisfelder. Die
Lehnsfürſten ſaugen es ungehindert aus, denn die Dynaſtie wurde
ſchwach, das Haus der Cſchou gab einen Fallſüchtigen für des
Neiches Chron. In der Provinz Kiang hat ein Meeresſturm die
Waſſer des großen Stroms ins Land gedrängt, die Ebenen
überflutet, Dörfer und Städte weggeſpült.”
Lao=tſe wiegte den Greiſenkopf: „Himmel und Erde haben
keine Menſchenliebe; ſie nehmen alle Weſen für einen Heuhund.
Wende dich von dieſer Welt, Kong=tſe, der Edle findet kein
Genügen in ihr!”
„Mich abwenden, oh Lao=tſe! Wie darf ich meine Brüder im
Stiche laſſen, da mein Arm ſtark iſt zum Helfen, mein Kopf
be=
gabt zum Denken, meine Seele reich genug zum Lieben! Ich will
mein unglückliches Volk befreien, ich will —‟
„Wende dich von dieſer Welt,” rief Laostſe wiederum. „Was
wollen alle dieſe Dinge für dein Selbſt bedeuten. Du wirſt den
einzigen Weg zum Cao verfehlen, Kong=tſe — glaube mir,
nie=
mand iſt von außen her glücklich zu machen. Baue jeder ſein
Haus — du aber laſſe das Unkraut wachſen, werde ein
Namen=
loſer, vollende dich in Einſamkeit!”
„Kämeſt du vom Himmel auf feurigem Drachen zu mir
herab und ſprächeſt dieſe Worte,” gab Kong=tſe zurück, „dennoch
könnte ich ſie nicht hören, denn allzuviel Jammer der Hilfloſen
gellt noch in meinen Ohren. Helfen muß ich — es iſt mein Los!”
Laostſe griff nach einem Buch und ſagte: „Lies mir und dir
aus dem Schu=king, wie es ſeit dreitauſend Jahren es ſich
ent=
faltete, dies Leben unſeres Volkes”.
Kong=tſe erwiderte: „Gut ich trage die Geſchichte im
Ge=
dächtnis. Ich will ſie herſagen: Es war der Kaiſer Fohi; er
gründete das Neich. Sein Geſchlecht regierte ſechshundert Jahre.
Swanzig Kriege führte die Dynaſtie, unzählige Male war Peſt,
Hunger, Überſchwemmung im Lande. Dann verfiel das
Herrſcher=
haus, es kam die Dynaſtie Yao. Sie regierte vierhundert Jahre,
lud Steuern auf das Volk, führte Kriege. Das Volk aber litt
wieder; Peſt, Dürre. Dann folgte die Dynaſtie Aen, baute
Paläſte, erpreßte den Schweißpfennig der Untertanen, führte
Kriege. Einmal rang die Maſſe der Negierten gegen ihre Führer
an, zertrat ſie, ſengte ihr Andenken nieder und warf ſich,
führerlos geworden, wider ſich ſelbſt, Bruder gegen Bruder im
blutigſten Kampf. Aus den Wirren dieſer Seit wuchs die ſtarke
Dynaſtie Cſchou hervor; ſie führte Kriege, viele Kriege, und das
Volk litt wieder Unterdrückung, Peſt und Elend. Aber ſeines
—. Soll ich weiter=
Blutes Bäche waren unerſchöpflich
reden? Sie iſt ſehr eintönig, die Geſchichte unſeres Volkes!”
„Nicht nur unſeres Volkes, allen Volkes Geſchichte lautet
ſo”, ſagte Laostſe. „Hinter ein paar glänzenden Namen liegt das
ungekannte Leben der Menſchenherde. Nimm immerhin an, es
habe in blinder Nachfolge oder in freiem Gehorſam für den
Nuhm weniger Menſchen ſein Daſeinsglück geopfert. Willſt du
ändern können, daß es dies tut, nach dem Geſetz allen
Herden=
viehes, und es weiter ſo ewig tun wird? Gebiete dem Meere
Nuhe, hindere ſeinen Wellengang, vielleicht gelingt dir dann
auch, den Auf= und Abſtieg aller Menſchenflut zu bannen.”
„Sieht der weiße Laostſe ein Geſetz im Unſinn?” fragte
Kong=tſe aufflammend in Leidenſchaft. „Nie werde ich glauben,
daß es der Menſchheit Berufung iſt, immer zu leiden, und ſo ganz
unſchöpferiſch, ohne Segen für die Welt, alſo ſinnls zu
leiden! Ich werde mich mit meiner ganzen Kraft für das
Glück meiner Brüder einſetzen, will ſie lehren, klug zu leben —.”
„Und wirſt den einzigen Weg zum Cao verfehlen, unweiſer
Mann” rief Lao=tſe. „Der Wiſſende redet nicht; der Nedende
weiß nicht! Steh ab von deinem zweckloſen Streben! Nur fern
vom irdiſchen Gebrodel vollendet ſich der Weiſe und geht ein zum
Höchſten. Was liegt am Leibe? Iſt er nicht Schranke nur, die
uns hindert, ins All=Eine hinauszufließen?”
„So ſpricht der wegmüde Greis; doch auch Jugend hat ihre
eigene Weisheit”, antwortete Kong=tſe. „Und dieſe Weisheit
ſagt: Alles liegt uns am Leibe! Laßt uns leben, würdig des
großen Geſchenks; im geſunden freien, glücklichen Menſchenleibe
iſt der Gottheit fröhliche Wohnſtatt. Su welchem Nutzen wären
wir wohl in dieſe Spanne Daſein geſtellt, wir im Kreiſe
Wan=
dernden, die wir vom Nichts zum Nichts die Brücke ſchlagen?”
„Fragſt du nach dem Sweck der Welt?” entgegnete Laostſe
mit weiſem, weltfernem Lächeln. „Wiſſe, mein Freund, Erkennen
des Nichterkennens iſt das Ende aller Fragen — —
Und ſie ſchieden voneinander. Lao=tſe wanderte in die
Ein=
ſamkeit; Kong=tſe beſchritt den Dornenweg zur Beglückung der
Menſchen.
Die Märchenſtadt Cetuan.
Von Leo Matthias.
„Da wird es wild hergehen,” ſagte meine Cante, als ich
nach Marokko aufbrach.
Ach, die gute Cante! Ich hätte ſie ruhig mitnehmen
kön=
nen. Es war hier noch alles ſehr viel vornehmer als in ihrem
Hauſe. Das Hotel hatte ſechs Etagen, zwei Fahrſtühle, 150
Badeziwmer und eine Halle, die mit Perſerteppichen horizontal
und vertikal belegt war. Die Kellner liefen im Frack herum und
die Boys in lila Uniformen. Nichts, aber auch gar nichts war
hier überraſchend. Nur die W. C.’s hatten keinen Holzring.
„Hamido, ich bin von Deinem Land enttäuſcht. Ich bleibe
nur vierundzwanzig Stunden hier.”
Der Marokkaner, den ich auf mein Simmer mitgenommen
hatte, lüftete ſeinen Sez, legte ſein Kabylenzöpfchen kunſtvoll auf
ſeinem geſchorenen Kopf zuſammen, ſtülpte den Fez ſchnell wieder
„drüber und bedeckte ſeine nackten Beine, die in gelben
Pan=
ttoffeln ſtaken, mit dem rieſigen Umhang, der während dieſer
PProzedur herabgerutſcht war.
„Mein Herr, Sie werden fünf Cage bleiben.”
„Ich werde nicht fünf Cage bleiben.”
„Sind Sie fertig?”
Ich hatte Hamido erſt vor einer Stunde auf dem Bahnhof
ennen gelernt und ihn als arabiſchen Dolmetſcher gemietet. Er
brannte darauf, mir ſeine Fähigkeiten zu beweiſen.
„Fertig, Hamido. — Ich bin darauf gefaßt, Afrika geſucht
su haben und Magdeburg zu finden.
Du kennſt doch Magdeburg, Hamido?‟
„Eine ſchöne Stadt. — Als ich noch Artiſt war . .."
Wir brachen auf.
Hamido erzählte von ſeinem Arriſtenleben; von ſeinen Er=
Folgen, von Kalkutta und New=York; von ſeiner italieniſchen
Brau, die London mehr liebte, als ihn, und die er zwei Jahre
micht geſehen hatte; von ſeinem Sturz, der ihn zwang, feinen
Weruf aufzugeben und ſich hier, in Cetuan, als Führer und
Dol=
metſcher durchzuſchlagen.
„Vor etwa vier Wochen führte ich
einen Hindu, deſſen Geſicht ich irgendwo
ſchon geſehen hatte; ich fragte ihn
ſchließ=
lich, aus welcher Stadt er ſei. Da ſtellte
ſich dann heraus, daß er einmal mich
ge=
führt hatte — vor drei Jahren, in Delhi.
— Vor acht Cagen war der Sohn von
Karl Baedeker hier. Er will Cetuan in
irgendeinen ſeiner Führer aufnehmen. Er
ſagte: Cetuan ſei intereſſanter als
Kairo.”
Die Erzählungen Hamidos waren der
einzige Neiz des Spaziergangs. Die
Straßen liefen langweilig dahin und
ſchnitten ſich in Quadraten. Ich fragte
Hamido, was Baedeker eigentlich
be=
wundert habe.
Hamido nahm mich bei der Hand und
führte mich durch einen dunklen Gang,
der — ſcheinbar als Paſſage zu einer
anderen Straße — durch ein Haus lief.
Als ich wieder Licht ſah, war Cetuan
verſchwunden.
Ich befand mich in einer mauriſchen
Stadt. Ein Strom von Menſchen — alle
in gelben Pantoffeln, mit Curban oder
Fez und ſchaukelndem Umhang — wühlte
ſich durch eine Straße von kaum zwei
Meter Breite. Eſel und Ochſen
ver=
ſperrten den Weg oder wurden von
zer=
lumpten Creibern mit Stockſchlägen
vor=
wärts getrieben. Statt der Ninnſteine
ſah man hockende Reihen von alten
Männern, die ſchwatzten. Ausrufer
johl=
ten. Ein irrſinniger Lärm ſchlug gegen
die Wände.
„Ich wollte nicht durch das Haupttor
gehen,” bemerkte Hamido. „Och werde
Ihnen die Stadtmauer ſpäter zeigen.”
Und beluſtigt über meine Verwirrung:
„Wie Sie ſehen, iſt von Magdeburg nach
Bagdad nur ein Sprung.”
Es war tatſächlich die Welt von Cauſend und eine Nacht,
die ſich auftat. Sämtliche Märchenilluſtrationen erſchienen als
lebende Bilder. Gleich gegenüber, auf der anderen Seite der
Straße, über den Köpfen der Hockenden, lag wie in einem
Schaufenſter ein Greis in ſeidenem, weißen Umhang und Curban,
den rechten Arm auf Kiſſen geſtützt, in der Linken eine
Haſchiſch=
pfeife; wie mir Hamido verriet, ein Kadi. Man ſah
Waſſer=
ſackträger und Geldwechſler, die, beide Hände voll Silber, wie
Ausſätzige mit den Münzen klapperten; Frauen, in knallroten
Schuhen, unter einem weißen Laken verſteckt, die Augen nur
durch einen Spalt ſichtbar; hin und wieder auch andere, ohne
Schleier, wit weißen Kapuzen oder großen Strohhüten, deren
Nänder durch Schnüre hochgenommen waren.
„Iſt es ein Seichen von Freigeiſterei, wenn eine
Moha=
medanerin ſich ohne Schleier zeigt?”
„Nein. — Die Frauen mit Strohhüten kommen vom Land
und die anderen ſind Sklaven.”
„Sklaven?”
„Man kann auch ſagen: Dienſtmädchen.”
„Nennt Ihr Diener und Dienſtmädchen hier Sklaven?”
„Ja.”
„Nennen ſie ſich auch ſelbſt ſo?‟
„Ja.”
Seit Ali Babas Seiten ſchien ſich hier tatſächlich nichts
verändert zu haben. Ich war nicht überraſcht, zu hören, daß es
hier tatſächlich noch Sklavenmärkte gibt. Man ſah in dieſer
Stadt von 40000 Menſchen nicht einen Wagen; kein
euro=
päiſches Haus; auch nicht die kleinſte europäiſche Maſchine. Die
Arbeit der Stadt war ſichtbar wie in einer Fabrik, an der man
die Front heruntergeriſſen hat. Jeder ſaß in ſeinem Käfig, der
halbhoch über der Erde lag — und ſo niedrig war, daß man
kaum darin ſtehen konnte — nähte oder klopfte, ſchnitt oder
klebte; ganze Straßen gehörten den Schneidern oder Schuſtern,
Sattlern oder Webern, Färbern oder Gerbern.
Manchmal begann irgend einer der Alten, eine Koranſure
zu ſingen; ein zweiter fiel ein — über den Geſchäftslärm der
Menge hinaus ertönte der Wechſelgeſang zu Ehren Allahs.
„Hamido, ich möchte eine Moſchee ſehen.”
Aber es war umöglich, ihn dazu zu bewegen. Es war hier
jedem Nicht=Mohammedaner noch bei Codesſtrafe verboten, ein
Heiligtum zu betreten. Alle Vorſchläge, die ich ihm machte, um
hineinzukommen, lehnte er ab. Ich mußte mich darauf
beſchrän=
ken, m einem unbewachten Augenblick durch eine Nollwand zu
ſehen — aber was man ſah, waren nur einige europäiſche
Lam=
pen, die an den Decken hingen. Es waren die häßlichſten, die wir
haben: mit baumelnden Glasſtäben und Perlen; Dinger, die
aus=
ſahen, als ob ſie einſtmals in irgend einem Korridor gehangen
haben.
„Iſt die Gemeinde ſo arm, daß ſie keine ſchöneren Lampen
kaufen kann?”
„Arm?” — Hamido lachte. „Sehen Sie den alten Mann
dort?”
Ich ſuchte in der Nichtung ſeines Fingers und fand in einer
Ecke einen Greis, der in einem ſchmutzigen, braunen Kittel auf
der Erde ſaß, die Hände unter den Knieen gefaltet.
„Er hat 300 000 X auf der Bank von England, 5000
Mor=
gen Land in Marokko und über 10 000 Stück Vieh.”
„Und warum geht er als Bettler? — Iſt er ſo geizig?"
„Wir lieben es nicht, unſeren Neichtum zu zeigen. —
Kom=
men Sie mit, Sie werden alles beſſer verſtehen, wenn Sie die
Straßen geſehen haben, in denen wir wohnen.”
Die Wohnſtraßen lagen in einem anderen Viertel. Es ging
wieder durch Gaſſen, kreuz und quer, an offenen Küchen vorbei,
durch das Gewimmel von Menſchen und Cieren hindurch — es
wäre unmöglich geweſen, ſich hier allein zurechtzufinden.
Nach einer Weile blieb Hamido ſtehen. Vor mir lag eine
Gaſſe, die wie ein Corweg überbaut war. Durch zwei, drei
Schächte fiel etwas Licht. Es reichte gerade aus, um zu
erken-
nen, daß in Abſtänden von zehn bis fänfzehn Metern Cüren
durch die Wände gingen, die zu beiden Seiten, kahl und ſchmutzig,
wieder in das Dunkel liefen.
„Dort auf der rechten Seite wohnt der Millionär, den ich
Ihnen vorhin gezeigt habe. — Er hat das ſchönſte Haus in
Cetuan und den ſchonſten Patio. Alles Marmor und Flieſen.
Hier, links .. .
„Genug, Hamidol —, Sch werde fünf Cage bleiben.”
Seelenwanderung.
Ein buddhiſtiſches Märchen, aus dem Chineſiſchen überſetzt
von W. Carl.
Wie Dr. Ma Li=ſche erzählt, bewohnte er in ſeiner Jugend
gin Haus in Cſchang=tſchou, hinter dem die Gärtnerei des
Aſtern=
üichters Wang=muo gelegen war. Sein Studierzimmer lag nach
ſiieſer Seite zu und ſo konnte er den alten Wang bei ſeinen
Ar=
beiten gut beobachten. Eines Morgens ſah Dr. Ma, wie ein
Wüngerhändler, zwei Fäſſer mit Dünger an einer Cragſtange
tragend, den Garten des Wang=muo betrat, dem auf einer Cer=,
rſſe arbeitenden alten Wang=muo entgegenſchritt und ihm
an=
ſcheinend den Dünger zum Kauf anbot. Der alte Wang mochte
mohl keinen Bedarf haben, denn er wies den Düngerhändler
zurück. Da dieſer nicht gleich ging, gerieten ſie miteinander in
ennen Wortwechſel und Wang=muo verſetzte ſeinem Gegner
thließlich einen Stoß, ſo daß dieſer auf den naſſen Steinen
aus=
giitt und die Cerraſſe hinunterfiel. Da er ſich nicht wieder erhob,
elllte Wang=muo erſchrocken die wenigen Stufen hinab und fand,
daß der Düngerhändler verſchieden war. Ein, Düngerfaß war
Maauf den hingeſtürzten Händler gefallen, hatte ihm den Bruſtkorb
emgedrückt und ſo ſeinen ſofortigen Cod herbeigeführt.
Wang=
muo beſann ſich nicht lange, ſchleifte den Coten zu dem am
Gar=
tan vorbeifließenden Hung=tſchuan=ho und warf ihn in den Fluß.
Hiierauf holte er die Cragſtange und die beiden Fäſſer, warf ſie
dnzu, verſchloß die Gartentüre und legte ſich ſchlafen.
Dr. Ma war zwar noch ein Kind, doch wußte er bereits, daß
man bei ſolchen Anläſſen am beſten den Mund hält, um
Schere=
raien mit den Gerichten aus dem Wege zu gehen. Gegen Mittag
hirte er dann, daß man aus dem Hung=tſchuan=ho einen Coten
ſerausgefiſcht habe und der Mandarin bereits benachrichtigt
worden ſei. Letzterer erſchien eine Stunde ſpäter, begleitet von
nen Bütteln, die mit einem Gong vor ihm herſchritten und
ihn den Weg frei machten. Der Mandarin kniete bei der Leiche
nieder, unterſuchte ſie eingehend, und, da er keine Verletzungen
fannd, äußerte er, der Mann müſſe durch einen Fehltritt in den
Smiß gefallen ſein und gab die Leiche zur Beerdigung frei.
Neun Jahre war Ma Li=ſche ſchon ein junger Student von
Jahren, und, da er inzwiſchen ſeinen Vater verloren hätte,
mußte er ſeinen Unterhalt durch Stundengeben ſelbſt beſtreiten.
An dem Cag, an dem er ſeine Prüfung machen ſollte, erhob er
ſich ſehr frühe, öffnete das Fenſter ſeines Studierzimmers und
lehnte ſich hinaus, um friſche Luft zu ſchöpfen. Da gewahrte er
in einer nahen Gaſſe einen Düngerhändler langſam
näherkom=
men, in dem er zu ſeinem Schrecken den vor Jahren um’s Leben
gekommenen Händler erkannte. Ma Li=ſche glaubte, der
Händ=
ler ſei gekommen, um ſich an dem alten Wang=muo zu rächen
und verfolgte ihn mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit. Su ſeiner
Ueberraſchung ging der Düngerhändler am Hauſe des alten
Wang vorüber und betrat das einige Schritte weiter gelegene
Anweſen der Familie Li. Familie Li war ſehr begütert und
ge=
hörte zum Bekanntenkreiſe des jungen Studenten. Da Ma
Li=ſche ſich nicht erklären konnte, was der Düngerhändler im
Hauſe der Familie Li zu ſuchen habe, ſchloß er eilig das Fenſter
und begab ſich zum Hauſe der Samilie Li. Als er es erreichte,
rannte ihm eine Dienerin entgegen und erklärte ihm auf
Be=
fragen, ſie müſſe ſchnell zur Hebamme laufen, denn ihre Herrin
erwarte Familienzuwachs. Ma Li=ſche fragte ſie, was denn der
Düngerhändler bei ihnen wolle, und die Dienerin antwortete
ziemlich verſtändnislos, ſie habe keinen geſehen, und es ſei auch
ganz ſicher keiner im Hauſe. In dieſem Augenblick öffnete eine
zweite Dienerin die Haustüre und rief der erſteren zu, ſie brauche
nicht mehr zur Hebamme zu gehen, denn das Kind ſei bereits da
und es ſei ein Junge. Ma Li=ſche wußte genug: Der Geiſt des
Düngerhändlers war gekommen, um von dem Körper des
Neu=
geborenen Beſitz zu ergreifen und ein neues Leben zu beginnen.
Er wunderte ſich, daß der arme Düngerhändler als Sohn der
reichen Familie Li wiederverkörpert wurde und beſchloß, den
Jungen im Auge zu behalten.
Sieben Jahre ſpäter war der junge Li ſchon ein recht
ſtram=
mes Bürſchchen, doch liebte er die Bücher nicht, ſondern
be=
ſchäftigte ſich viel lieber mit ſeinen Cauben, von denen er eine
ganze Anzahl hielt. Eines Morgens, als Dr. Ma Li=ſche wieder
am Fenſter ſtand, ſah er den alten Wang, der mittlerweile das
80. Lebensjahr überſchritten hatte, in ſeinem Garten die
Blu=
men begießen. Der kleine Li öffnete in dieſem Augenblick ſeinen
Caubenſchlag, und ein ganzer Schwarm dieſer munteren
Cier=
chen erhob ſich in die Lüfte. Nach einiger Seit ließen ſich etliche
auf der Wang’ſchen Cerraſſe nieder, und da der Junge dort Ge=
fahr für ſeine Cauben witterte, rief er ſie zurück. Als ſie auf
ſeine Lockrufe nicht zurückkamen, ergriff er einen Stein und
warf nach ihnen. Unglücklicherweiſe traf er den alten Wang.
Dieſer erſchrak ſo ſehr, daß er das Gleichgewicht verlor, die
Cerraſſe hinabſtürzte und dort bewegungslos liegen blieb. Der
Junge ſchrak ſichtlich zuſammen, doch kein Laut kam über ſeine
Lippen. — Verſtohlen ſchlich er ſich davon.
Gegen Mittag fanden die Kinder und Enkel des alten Wang
den Verunglückten, nahmen an, daß er durch einen Fehltritt die
Cerraſſe hinabgefallen ſei und beerdigten ihn unter vielen Cränen.
Alſo zu leſen im 5. Kapitel des chineſiſchen Buches Sin=tſi-tſi.
Das Arodromhofel.
In einigen Bezirken Londons müſſen Sonntags die
Schank=
lokale geſchloſſen ſein, und es darf kein Alkohol verkauft
wer=
den. Die Schankwirte in den Gegenden mit Sonntagsruhe ſind
auf die Schankwirte in den Gegenden ohne Sonntagsruhe nicht
gut zu ſprechen, was recht verſtändlich iſt. Sum Beiſpiel iſt in
Kenſington Sonntagsruhe und nebenan in Padington nicht. Man
kann es den Kenſingtoner Bürgern nicht verdenken, wenn ſie
Sonntags in die Paddingtoner Lokale gehen. Aber die
Lon=
doner Lizenzbehörde, die ſo großartig die Crunkſucht ihrer
Bevölkerung bekämpft, iſt nicht zu bewegen, eine einheitliche
Regelung zu treffen.
Der Londoner Flugplatz liegt ebenfalls in einer
trocken=
gelegten Gegend. Aber das Arodromhotel hat es durchgeſetzt,
daß die Luftreiſenden, die Sonntags von der Neiſe kommen, auch
Alkohol trinken dürfen. Sogar die Angehörigen und Freunde,
welche die Ankommenden und Abreiſenden begleiten, haben die
Erlaubnis, auf das Wohl ihrer Lieben mit einem Whisku oder
Sherru Brandy anzuſtoßen. Aber die Neugierigen, die nur
gekommen ſind, einen Aroplan ſtarten oder landen zu ſehen,
haben bloß die Wahl zwiſchen einer Caſſe Cee und einem Glas
Limonade. Seitdem die Lizenzbehörde mit dem Arodromhotel
dieſe Abmachung getroffen hat, iſt es erſtaunlich, wieviel Freunde
und Angehörige Neiſende haben, die Sonntags aus den Lüften
herabſteigen. Und wenn es gilt, auf ihre glückliche Landung
anzuſtoßen, genügt ſelten ein einziges Glas Whisky. Drei bis
vier Glas pro Kopf gehen dabei regelmäßig drauf.
Alltag in Hollywood.
Von Lil Dagower.
Hollywood iſt bokanntlich ein Paradies, und zum Weſen des
Paradieſes gehört ja, daß es eigentlich nur Sonntage hat, aber
keinen Altag. Gerade dies aber macht einem Europäer das
Leben drübon anfangs ſo ungewohnt und auf die Dauer — die
Wahrheit zu ſagen — ein wenig erdrückend. Man hat ſeinen
ſpaniſchen, von einer weißen Mauer umgebenen Garten mit
Palmen, Orangen, Pfirſichen, Bananen, Datteln, ſogar — den
ſchönſten Garten hat Emil Jannings —, man ißt jene leichte und
offenbar von Frauen unter dem ehernen Geſetz des
Schlank=
bleibenmüſſens ganz Hollywood auch den Männern
aufgezwun=
gene Koſt aus Früchten, Gemüſen, Küken, man macht Ausflüge
zum Strand hinunter und abends — abends geht man in
Geſell=
ſchaft — natürlich immer ausſchließlich Filmleute — oder fährt
in den Ocean=Park. Das iſt Hollywoods Lunapark. Seine
bei=
den Hauptattraktionen ſind ein Wahrſager, zu dem, heimlich oder
eingeſtandenermaßen, alle Filmleute pilgern — ein alter Mann,
der in der Hand lieſt, einom die Nativität ſtellt, die Kopfform
Lil Dagower
prüft und dann in einem raſchen, nervöſen Gekritzel ſeine
Nat=
ſchläge erteilt — und Lie Berg= und Calbahn, die allerdings
eigentlich Steil= und Abſturzbahn genannt werden müßte, ein
„Vergnügen”, bei dem ich denn auch prompt ohnmächtig
gewor=
den bin. Uebrigens ſicher nicht als einzige Dame. Denn als ich
in einer Bretterbude wieder zu mir kam, ſtand ein ganzes
Ar=
ſenal von Flaſchen und Niechſalzen bereit, das auf häufigen
Ge=
brauch ſchließen ließ. Einer Hausfrau wird der Alltag ſehr leicht
gemacht. Kaum waren wir eingezogen, ſtellte ſich ein Mann vor,
der behauptete, der Verſorger unſerer Vorgänger geweſen zu
ſein. Ob auch wir ſeine Kunden werden wollten? Er ſtellte ſich
jeden Morgen ein, man beſtellte bei ihm, was man im Laufe des
Cages brauchte, und erhielt es prompt in immer ausgezeichneter
Qualität zugeſtellt. Abgerechnet wurde an jedem Monatsende.
Mit den übrigen Sachen ſteht es allerdings weniger günſtig.
Kleider ſind ausgeſprochen teuer, Strümpfe koſten etwa das
Oreifache wie hier, ein Stückchen Schleier, Spitze iſt ein
regu=
lärer Einkauf. Gereinigt wird ſchlecht und eigentlich
unbrauch=
bar. Es iſt darum begreiflich, daß der in Hollywood feſt
An=
läſſige — wir waren ja nur Gäſte zur Information dort —
ein=
mal im Jahre nach Europa fährt und ſich eindeckt. Die
Dienſt=
boten haben, wie überall in der Welt, ihre guten und ſchlechten
Seiten. Meine Sofe z. B., eine Mulattin, Dorothy geheißen,
war ein reizendes Weſen, hübſch, klug, ſcharmant, liebenswürdig
und ſehr vielſeitig begabt. Ich lernte chauffieren von ihr, denn
natürlich hatte jeder unſerer drei Dienſtboten ſei eigenes Auto.
Sie manikürte, maſſierte, ſie nähte Wäſche, ſie telephonierte, ſie
ſtiliſierte meine engliſchen Celegramme, erledigte meine
Korre=
ſpondenz, kurz, ſie konnte alles. Nur hatte ſie die Angewohnheit,
Kleinigkeiten, die mir gehörten, zu — wie nenn ich’s nur? — alſo
lagen wir, zu „verlegen”. Strümpfe, Cäſchchen, Döschen, die
man nicht täglich unter Augen hatte, fingen unter Dorothys
umſichtiger Behandlung an, ſich in verborgene Winkel ſchmollend
zurückzuziehen. Erinnerte man ſich ihrer rechtzeitig, tauchten ſie
prompt wieder auf, im anderen Fall verſanken ſie
unwiederbring=
lich ins dunkle Meer der Vergeſſenheit. Mit den anderen beiden
wird es wahrſcheinlich ebenſo geweſen ſein, aber da merkten wir
es weniger. Aber ſonſt fließt das Leben ſo ungeſtört und gleich=
mäßig dahin. Es gibt eben wr zwei Dinge in Hollywood: die
Berufsarbeit und ein wahres Phäakenleben. Und man verſteht,
daß ſie drüben alle Dinge leichter nehmen, alle
Unannehmlich=
keiten leichter ertragen. Der Alltag in Hollywood iſt leichter,
aber unſerer iſt bewegter.
Romeo und Julia vor 300 Jahren.
Drei Uhr Nachmittag. Vom Giebel des Globe=Cheaters
in London, in dem die Shakeſpearſche Cruppe „Lord
Chamber=
lains Servants” ſpielt, flattert ſchon die Jahne als Seichen des
Spielbeginns. Vor den Kneipen und Gauklerbuden um das
Cheater lungert Geſindel, Caſchenſpieler, Dirnen. Ein Diener
ſammelt von einem Haufen Soldaten das Eintrittsgeld in ſeiner
Blechbüchſe.
Im dichtgefüllten Parterre grauer Qualm von Cabak,
Geſchrei der Schiffer, Handwerker, Lehrburſchen und Scholaren,
die ihre Bierkrüge ſchwenken und den neueſten Gaſſenhauer gegen
die Galerie ſchreien, von der die Bürgerſchaft und maskierte
Damen der Londoner Halbwelt ſich über den Lärm unterhalten.
— Nings um die Bühne ſitzen die Kavaliere und vornehmen
Patrone des Cheaters in ihren Prunkkleidern, laſſen ſich von
ihren Bedienten die langen Pfeifen anbrennen, vom Parterre
die prächtigen Hüte bewundern und teilen Stockhiebe nach den
frechſten Witzbolden aus. —
Crompeten erſchallen, der Prologus tritt vor und
dekla=
miert, das Spiel beginnt. Oekorationen und
Beleuchtungs=
effekte ſind dürftig, einzig die Phantalie des Publikums herrſcht.
Nomeo wandelt nach der Unterredung auf der Straße mit ſeinen
Freunden um die Bühne und zeigt ſo an, daß der Schauplatz
wechſelt. Ein Ceppich im Hintergrunde deutet auf den Saal
Capulets, vom Balkon der Hinterbühne ſpricht Julia bei
Sonnenſchein mit ihrem Geliebten. Mit großem Pomp,
präch=
tigen Koſtümen und ſchallender Muſike wird das Feſt bei Capulet
gefeiert, der Sweikampf zwiſchen Mercutio und Cybalt nach
allen Regeln der Kunſt ausgefochten. In der Scene, da Romeo
vor dem Pater Lorenzo zuſammenbricht, entſteht ein Cumult:
Ein junger Stutzer bläſt Romeo den Cabaksrauch in das
Ge=
ſicht — ein Ceil des Parterres brült Beifall, der andere murrt,
Apfelreſte und Cabakbeutel fliegen gegen den jungen Lord —
die Schauſpieler ſprechen weiter. —
Und während nach Schluß des Stückes alle Darſteller,
knieend auf der Bühne das obligate Gebet für die Königin
ver=
richten, ſchreien draußen ſchon die Balladenverkäufer,
Cier=
bändiger und Gaukler nach dem Publikum Shakeſpeares. —
Dr. Volkmar Tro.
Wenn ich mich ſeh‟
Von Maria Solveg.
Wenn alle Menſchen ſehen könnten, wie ſie ſich bewegen, wie
ſie gehen, wie ſie ſitzen, wie ſie ſich gar bei Liebeserklärungen und
bei ſchlechter Stimmung benehmen, ſie würden manches anders
und manches beſſer machen. Das Objektiv der Kamera iſt der
rückſichtsloſeſte Kritiker. Ihm bleibt nichts verborgen, es
er=
ſpäht alles, was in ſein Geſichtsfeld gelangt. Manche Menſchen
ſind mitunter ſtolz auf eine Geſte, manche Menſchen haben ſich
Operateurs harrt man voller Spannung auf die erſten Bilder.
Profil beſonders ſchön — und ſind alle im gleichen Irrtum. Ja,
könnten ſie ſich ſehen, ſie würden das Gegenteil vielleicht
bevor=
zugen, würden, ſofern ſie der ſcharfen Kritik ſtandhielten, an
mancherlei täglichen Gewohnheiten Korrekturen verſuchen. Alle
dieſe Erwägungen berückſichtigt die Filmſchauſpielerin, deren
Beruf es iſt, nicht nur ſich ſelbſt auf der Leinwand wiederzuſehen,
ſondern auch die Leinwand vor Cauſenden von Menſchen für
ſich ſprechen zu laſſen. Die Erwägungen erſchweren den Gang
zur erſten Vorführung eines Films. Bange Sorgen ob des Ge=
Ein Dutzend Kleinigkeiten, über die man ſich freut.
1. Wenn man ſieht, daß der Nedner nur noch wenige Blätter
in der Hand hält und mit leinem Vortrag gleich zu Ende lein
wird.
2. Wenn man ſich erinnert, wo man ſich erkältet hat.
3. Wenn man unter liegengebliebenen Briefen, zu deren
ver=
ſpäteter Beantwortung man ſich anſchickt, eine Anzahl findet, die
ſich inzwiſchen erledigt haben, und auf die eine Antwort
über=
flüſſig geworden iſt.
4. Wenn man im Bahnhof auf dem Kai ſeine Koffer
er=
blickt.
5. Wenn man, krank, das Simmer hüten muß und die Freunde
zu Beſuch ſich über das ſcheußliche Wetter beklagen.
6. Wenn man auf einer Wohltätigkeits=Sammelliſte eine
großmütige Schenkung verzeichnet findet, deren anonymer Geber
dieſelben Initialen hat, wie wir ſelbſt.
7. Wenn man bei jehr empfindlichen Freunden ein dieſen
ge=
machtes Geſchenk, über deſſen Wirkung man ſeinerzeit in
ängſt=
lichem Zweifel war, an einem Ehrenplatz bemerkt.
8. Wenn man im Walde plötzlich das kleine Licht wahrnimmt,
das uns den Weg zeigt, den wir ſeit geraumer Weile vergeblich
geſucht haben.
9. Wenn man als fünfter in einem Eiſenbahnabteil ſich,
be=
findet, und eine der Perſonen, die einen Eckplatz innehat, ſich
anſchickt, auszuſteigen.
10. Wenn ein Bekannter, den wir in ſehr ſchlechten
Geld=
verhältniſſen wilſen, bei uns vorſpricht und um unſeren Nat bittet,
wie er eine ihm ganz unverhofft zugefallene Geldſumme am beſten
anlegen kann.
11. Wenn man in einem unangenehmen Prozeß als Seuge
vors Gericht geladen worden iſt und dort erfährt, daß ſich die
Parteien gerade geinigt haben, und daß wir nach Hauſe gehen
können.
12. Wenn man einen Poſten Aktien,verkauft hat und ſieht,
wie die Papiere in den folgenden Cagen immer niedriger notieren.
Maria Solveg,
lingens der einzelnen Szenen begleiten ſie. Crotz der wiederholten
Verſicherungen des Negiſſeurs, trotz des liebreichen Croſtes des
ſtatiert ringsum großen Erfolg. Das iſt das ewig traurige Los
Die Vermutungen ſind richtig geweſen. Gott, wie komiſch ſieht
man da aus, wie blöd’ ſchaut man da in der zweiten Szenel Wie
ungraziös geht man jetzt aus der Cür! Wie viel anmutiger die
letzte Statiſtin neben einem wirkt. Das hätte einem doch der
Negiſſeur wirklich ſagen, da hätte doch der Operateur mit einem
Cip helfen können!. Dort hat die Friſeuſe nicht aufgepaßt, dort
hätte mir das Sportkleid beſſer geſtanden als das
Nachmittags=
kleid! Kurzum: man iſt mit ſich ſelbſt gar nicht zufrieden.
Cau=
ſende von Fehlern erſtehen plötzlich, Cauſende von neuen Ideen
fallen einem plötzlich ein. Jetzt, da man nichts mehr ändern kann.
Die ſeltſamſten Gedanken ſchwirren durch den Kopf: was wird
der Herr Direktor, was wird die Preſſe, was werden die
Su=
ſchauer ſagen. Da flammt das Licht auf. Applaus, nochmal
Applaus! Viele Hände ſtrecken ſich einem entgegen. Man
kon=
ſtatiert ringsum großen Erfolg. Das iſt das ewig traurige Los
des Schauſpielers, daß er mit ſich ſelbſt niemals zufrieden iſt, daß
er ſeine Leiſtungen immer mehr zu ſteigern wünſcht, immer mehr
bemüht iſt, ſeine Kräfte anzuſpannen und einzuſetzen. Wer da
glaubt, dieſe Sorge vor der erſten Vorführung eines Films werde
bei ſpäteren Gelegenheiten durch kalte Noutine und Erfahrung
erſetzt, befindet ſich in einem großen Irrtum. Jedes Mal von
neuem ſteigert ſich die Spannung, jedes Mal von neuem iſt man
mit ſich unzufrieden, bis dann die Preſſe, bis dann die Suſchauer
das Gegenteil behaupten. Wenn ich mich ſeh’, dann muß ich
wirklich weinen! Ein bekannter Nefrain, von dem ich nur ſagen
kann, daß er für mich durchaus — wenigſtens bei Premieren —
Geltung beſitzt!
Nummer 214.
Aufgabe 320.
J. J. Rietveld in Keſteren.
d. Preis im Problemturnier des Niederländiſchen SSchachbundes, 1919.)
Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen matt.
Prüfſtellung; Beiß: Kh6 Dg5 Ta5 d1 La7 45 8d6e1 Batet r3 01
Schwarz: k44 Db6 Nh2 b8 Ta8 43 9g8 Ko3 er (9)3 94.
Ein ausgezeichmetes Stick.
Anfgabe za1.
3. Kolodnas.
(Deutſche Schachzeitung 1926.)
Weiß: Kd8 Dd4 Sf6 Be3, (4);
Schwarz: Kes 4).
Matt in drei Zügen
Ein Seitenſtück zu Aufgabe 313 vom gleichen Verfaſſer (Fünfſteiner
mit D +. 9=Matt.)
Rätſel
G
Kätſe
2. 3. 5. 7. Bebruar Mai Juni Dezember 1. 4. 5. 3. März Juli April Juli 3. 4. 1. Mai Oktober November April 5. 6. Bebruar August September Januar Die Auföſumg ſagt, was ſich alle Zeitungen winſchen.
Th. Hüttl.
Diagonalen=Rätſel.
1 2 3 4 5 6 7 8 9
AAAAABDDE
EEEEEGH
I. LI
WNOPRRI.
S S s TTTu
z b def g.h.
Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die Diagonalreihen Wörter
von folgender Bedeutung enthalten:
1—e engliſche Hauptſtadt, 2—f Holzplatte 3—g ruſſiſcher
Staats=
mann, 4—h Fluß in Ungarn, 5—i dalmatiniſche Inſel, a—5 Nebenfluß
der Elbe b.6 Frauenname, e—7 Naturgabe, d—8 deutſcher Dichter,
e—9 Blütenſtand.
Die mittlere wagrechte Reihe nennt eine berühmte Frau
Carl Deubel.
Silben=Wechſel=Rätſel.
(Ein Sommerurlaub.)
Vorteil, Tiger Lenau, Wagen, Raſen, Elbe, Muſe, Waldhorn,
Bibel, Siegel, Vater, Biber, Daland, Beute, Lama, Brille, Winzer,
Kali, Raupe, Tümpel, Roſa, Votum, Düng, Marder, Vorgang,
Glimmer, Bora, Zulauf, Tugend.
In obigen Wörtern ſind die Anfangsſilben auszuwechſeln, ſo daß
wieder belannte Hauptwörter entſtehen, deren Anfangsbuchſtaben ein
auf den Sommerurlaub des heurigen Jahres paſſendes Zitat nennen.
Zur Verwendung kommen folgende Silben: Auf. Chi. De, Do, Ei,
Ein, Ein, En, Eng, Es, Eu, Ga, Ge, Ger, Gim, Her, Irr. Ju, Lis,
Nat, Ne, Nor, Num, Ra, Rau, Po, Ta, Tän, Ur. CarlDeubel.
Zahlenrätſel.
Jahreszeit
Nebenfluß des Rheins
Gefäß
Inſektenlarve
Bodenerhebung
Erzieher
Säugetier
Landzunge
Schreibgerät
Ein Rechenſcherz.
Wie kann bewieſen werden, daß die Hälfte von fünfzehn, multipliziert
mit der Hälſte von achtzehn, gleich 100 iſt?
Carl Deubel.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 26.
Stern=Rätſel.
1—2 Säbel, 2—3 Laura, 3—4 Adria, 4—5 Agabe, 5—1 Ebers.
„Bauer”.
(Landmann, Vogelkäfig, Kegel und Schachfigur.)
Verſteckrätfel
Wer—degang, Kla—vier—r, Pa—les—trina, Ka—bri—olett, Ja—
ngt—ſekiang, Wir=ballen, Er—dma—ſſe, Bro—nch—itis, S—eme-le,
Brau twa—gen Ga—sbr. enner, G= ing eweide, En—gerling.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.
de9.
tei de beif 20
ſthene Begift un 1
s hünz in die echu
wnder rägenaich gei
Jett, 8 ½ Mk
dene zwag nüderſ
vu, ben Ner die
finternitBi
wüche de ft
mer dohätn
Drautwece
wüiche de iuli n ar
al mer d dlacht
bent wer die
ner kemt darch
MAitziherte uf die d
Iach
1 don d Richt Un
Na ich for mei
vetie net 10 au8,
iwwerlaſfe, ſich in
Jedenfals, ohne di
de Sunn noch be
po ſch berufmel
die ſolle die
dich net not
däßhalb uff e
en, unbeſck
ſchidern.
Begin
dem däß d
dags um el
noch zu na
devo, daß mer
fußg zu mache
ün wie ge
neirennoferte
nie Anzuzuf
Auguft 14lbft
ſecht, mir
wehntſte ?
dhu, Ich wil
1M2
oßt Leit.
de Große
digliche Bo
wer ſch n de
Balle wart
Hoz M
de Gehet
was uſt
Bode in de
en unberzeil
1s heit noch
dibſche, d
weſche kenne.
daunet genau,
hot.
heit mol im
De Ade
Dim m iolt
Deie Auis hift
eincht.
3. I
zuiſten
EF RAr
Druck u. Verlag: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. B.—Verantwortlich f.d. Redaltion: Dr. H. Nette, Fernſpr. 1, 280—3244, Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. — Aliſches: F. Haußmann, alle in Darmſtadt.
[ ← ][ ][ → ] Die Woch warn’s alſo widder zwaa wälderſchiddernde
Be=
gäwenheide, an dene wo ich, daals ehren= un daals
neigierde=
halwer, daalnemme genumme hab. Nemlich erſtensmal die
Drauwe=Beſichdigung un zweidensmal die
Sunne=
finſterniß. Un do war’s nor inſofärn e Glich, daß
wenich=
ſtens die Drauwe=Beſichdichung en Dag vor de Sunnefinſternis
war, un net denooch. Dann ſo wie ich nooch däre verflixte
Sunne=Beſichdichung ausgeſähe hab, ſo hab ich noch nooch kaaner
Croſtes de
gurige Los
We
rN
h der
it einen
dort
kann.
duirnd
BBeſichdichung ausgeſähe, un ich hett mich in däre Uffmachung
Feinesfalls bei de Drauwe=Beſichdichung blicke loſſe kenne. Do
Chett de Herr Gabler, was unſer neier Drauwewärt is, en
fſcheene Begriff vun mer krickt; meechlicherweis weer=em valleicht
2s Härz in die Schuh gefalle un er hett den ganze Pachtverdrag
widder rickgengich gemacht.
Jetzt, es is mer wärklich heit noch net ganz klar, was vun
dene zwaa wälderſchiddernde Begäwenheide die wichdichſt
war. Heert mer die Aſtronome, dann ſage die, die
Sunne=
ffinſterniß=Beſichdichung weer vun de allergreeßte Bedeidung
nväache de fiſfigahliſche Verhältniſſe vun de Sunn; heert
er dohärngääche die Gaſtronome, dann ſage die, die
Drauwe=Beſichdichung weer vun de allergreeßte Bedeidung
wpääche de kulinariſche Verhältniſſe vun de Stadt. Wem
ſſoll mer do glaawe — —
Heert mer die Fiſſigal=Wiſſenſchaftler, dann ſage die,
ener kennt dorch die Sunnefinſterniß de einſteiniſche
Reladiffi=
whätstheorie uff die Grund kumme; heert mer die Kommunal=
EWiſſenſchaftler, dann ſage die, mer kennt dorch die Drauwe=
BBeſichdichung unſere ſtädtiſche Verkehrstheorie noochſpirn. — Wer
Hott do Recht! Un wem ſei Berechnung ſtimmt hinnenooch!
No, ich for mei Daal kenn mich in de ſphäriſche
Driggono=
medrie net ſo aus, un ich muß es in dem Fall ſchun de Fachleit
wwerloſſe, ſich iwwer däß „Zahleſpiel” de Kobb zu verbrache.
Jedenfalls, ohne die heechere Maddemadick wärd mer wedder bei
we Sunn noch bei de Drauwe auskumme, un die Leit, die
wo ſich „berufsmeßich” mit ſo Art Berechnunge abploge miſſe,
die ſolle die Sach erausknowele, ich kann däß Räſuldatsergäbnis
ſoch net noochbriefe, un es kimmt mir perſeenlich in dem Fall
äßhalb uff e bißche mehr odder wenicher net ai: ich glaab’s
an, unbeſchwokn. Mei Uffgab is nor, die Datſache zu
ſchildern, damit die Noochwäld im Bild is.
Beginn ich alſo, un zwat mit de Drauwe=Beſichdichung,
in=
dem däß doch immerhie e erfreilicher Ageläächenheit war,
mid=
dags um elf, wie die äbſch Sunnefinſterniß, die wo ſich ſozuſage
roch zu nachtſchlafender Zeit abgewiggelt hott. Ganz abgeſähe
devo, daß mer bei de Drauwe=Beſichdichung kaa Fenſterſcheiwe
tmißig zu mache hott brauche, wann mer was ſähe wollt.
Un wie geſagt, ſie is ſähenswärt, die Drauwe, in ihrm
neirennofierte Zuſtand, un ich hab meine Worte vum letztemol
is hinzuzufieche un nix ewäckzunemme: dißmol hott ſich unſer
Auguſt ſälbſt iwwerdroffe! Un wann jetzt noch aamol aaner
ſeecht, mir hette in Darmſtadt kaa Hodäll, däß wo de
ver=
wehntſte Aſprich genieche dhet, dann krickt er’s mit mir zu
Ahu. Ich will mich dodebei gornet druff feſtleeche, ob die
Aus=
ſuaddung luxuriös is, odder bloß räbbräſſendawel,
daann es gibt Leit, die halte Luxus for räbbräſendadief, un es
gäbt Leit, die halte die Räbbräſendendatzion forin Luxus.
Was haaßt ivwerhaubt Luxus. — Wie de Kaiſer Wilhelm
de Große in Berlin ſein Hausſtand ei gericht hott, do war des
Dägliche Bad noch en Luxus, un wann=er mal bade wollt, hott
urer ſich in de Nachberſchaft e Badbitt lehne miſſe, weil kaa im
Arallee war; iwwrichens warn die Badbidde domols noch aus
Holz un mer konnt ſe aach als Backmull benutze. Un was
de Geheimerat Geethe bedrifft, der wo doch gewiß aach
was uff ſich gehalte hott, ſo war zu dem ſeine Zeit es
ade iwwerhaubt unſchicklich un es iwwermeeßiche Weſche
en unverzeihlicher Luxus; em Geethe ſei Weſchſchiſſel — ſie
i heit noch zu ſähe — is net greeßer wie e Aaportzione=
Subbe=
diebbche, die zwaa Hend uff aamol hott er ſich gornet drinn
weſche kenne. Un was de Schiller bedrifft, ſo waaß mer däß heit
gornet genau, ob, wie un wo ſich unſer großer Schiller geweſche
ſwtt. — Jedenfalls, wann ganer vun dene zwaa Geiſtesfärſchte
heeit emol in de Drauwe „abſteife” dhet, der dhet vermudlich
die Bade= un Weſch=Ageläächenheit, die wo in jedem Zimmer
warm un kalt zu hawwe is, ganz entſchiede for=en
iwwerdriw=
wene Luxus halte, ohne ſei Räbbudatzion uff’s Spiel zu ſetze. —
Heit, wo dohärngääche in e jedere beſſere Wohnung e
Bade=
erichdung is, heit, wo ſich die Menſche langſam zum Ammfibium
zurrickendwickele, heit muß in=eme Hodäll, däß wo e bißche was
uf ſich hellt, der Reiſende aus em Bett eraus mit gleicher Fieß
in die Weſchſchiſſel hibbe kenne, ſunſt fiehlt er ſich net wohl. Es
is alſo dem neizeitliche „Bedirfnis” in däre Beziehung in de
Drauwe weitgehenſt Rächnung gedrage. Un wann ich alſo an
de Weſchſchiſſele afang un ſchließ dann uff die annere
Eirichdunge, do kann mer ſich ungefehr en Begriff devo mache,
daß kaan Wunſch un kaa Bequemlichkeit unerfillt gebliwwe is.
Ob mer däß awwer räbbräſſendadief, kummfordawel odder
luxu=
riös nenne mag, däß kann vun mir aus jeder mache wie er will,
däß is gehubbt wie gedubbt. — Jedenfalls, mer hott in die letzte
Johrn in Darmſtadt in aam fort noch eme Wältſtadt=
Hodäll gekriſche, wie en Härſch noch friſchem Waſſer; jetzt
die brennend Petroleumfunſel, die wo däß Duſſeldier uff en
Stuhl geſtellt hatt, un dann is es uns ganz vun ſälbſt ſchwazz
vor de Aage worrn, ohne Ruß un Sunnefinſterniß . . .
hammer’s, un jetzt ſoll ſich nor kaaner mehr muxe. Sundern
ganz im Gäächedaal, die, wo am lautſte gekriſche hawwe, die
hawwe jetzt die verdammt Flicht un Schuldichkeit, unſer
Stadt=
verwaldung mit em Borjermaaſter Buxbaum an de Spitz, der
wo ſich, alle Widderſtend zum Drutz, ſo tatkräfdich dorchgeſetzt
hott, net im Stich zuloſſe. — Däß is mei Maanung.
Mir is allerdings in de letzte Zeit ſchun widderholt
vorge=
ſchmiſſe worrn, ich kennt nor ſchimbfe un ich hett an allem was
auszuſetze. Gut, ich gäb’s zu, ich bin in hunnert vun
neunun=
neunzich Fäll annerer Maanung wie unſer hoche
Stadthaibt=
ling un aach wie gut de dreivärdelſte Daal vun unſere
verehr=
lichte Stadträt. Däß kimmt halt doher, weil ich die Verhältniſſe
ſäh, wie ſe ſin, und net wie ich mer ſe winſch. Awwer ich
loß mich gärn belehrn, un es freit ſich niemand mehr wie ich,
wann ich äbbes ſo aus vollem Hals lowe kann. Un was unſer
Bux aus de Drauwe gemacht hott, däß därf mer ruhig lowe,
mer vergibt ſich dodebei nix. Lowe därf mer awwer aach den
un=
erſchitterliche Obbdimißmuß, mit dem die Familie Gabler den
Bedrieb iwwernumme hett: ich denk, die wärrn’s ſchun
gaw=
wele. — Lowe därf mer net zuletzt aach unſer Darmſtädter
Handwärksleit, un wann, wie de Herr Gabler geſagt hott, daß e
Hodäll die Viſiddekadd is, die wo e Stadt abgibt, ſo is die
Viſiddekadd vum Hodäll Drauwe zu gleicher Zeit e
Empfäh=
lungsſchreiwe vum Darmſtädter Handwärk. — Ich denk,
mit dem Lob ſolle ſich alle Beteilichte for heit zufridde gäwwe;
am erſte Oktower, bei de endgildiche Eiweihung, do ſoll mer’s
dann uff en feierliche „Weihegeſang” net akumme; ich bräbarier
mich einſtweile uff die Arie ausem Tannhaiſer: „Dich, teure
Halle, grieß ich wieder ..
Dohärngääche, was die Sunnefinſterniß bedrifft, ſo
kann mich in Zukumft die ganz Reladiffidhätstheorie emol gärn
hawwe, dann ich hab die Nas voll, un net nor bloß reladief,
ſun=
dern buſchſtäblich, indem daß mich der Spaß um a! Hoor es
Läwe gekoſt hett. Un däß is ſo zugange: Mei Zwangsmiedern
un ich, mir wollte nadierlich den große Mommend äwenfalls mit
unſere Aweſenheit beehrn. Ich hab alſo de Wecker uff halwer
Fimf geſtellt, un wie’s gerabbelt hott, bin ich erausgetornt,
hab mein Aſtandsunnerrock notdirfdich umgedha un hab mei
Zwangsmiedern erausgedrummelt. Dorch mei Schlofſtubfenſter
hott bereits die Sunn geſchiene, als wann ſe ſage wollt: den
Mond will ich ſähe, der wo mich verfinſtern will
Wie mer nu eweil ſo in die Sunn geblinſelt hawwe, daß
mer ſchun ganz mickedormelich warn, do is mer ei gefalle, daß
mer mit bloße Aage net eneigucke därft, ſundern daß mer e rußich
Glasſcherb dezu nemme mißt Jetzt, weller Hund mobbelt aam
morjens um fimf Uhr ſchnell e rußich Glasſcherb. — Mei
Zwangsmiedern is däßhalb uff die Idee kumme, mer ſollte
afach e verrußt Owekabbſel nemme, die dhet’s zur Not aach.
Alſo mei Zwangsmiedern uff de Owe, un die Kabbſel
eraus=
geriſſe. Daß dodebei aach es Owewrohr erausgange is un de
ganze Ruß iwwer mich, däß hott ſich in de Eil net vermeide loſſe.
Nor hott ſich noochheer erausgeſtellt, baß die Owekabbſel net
dorchſichdich genug war. — Nu hott mei Zwangsmiedern
ge=
maant, wann mer de Owerngucker mit Wix ſchmazz mache dhet.
— Däß war allerdings ſchun beſſer, awwer mer hott äwenfalls
nig dorch geſähe. — Alſo es hott nix geholfe, es muß e rußich
Elasſcheib e bei. Nu hab ich mir geſagt, wann ſchun, dann ſchun;
am beſte, wann mer gleich die Fenſterſcheiwe aruße bhut, dann
extra e Bild aus=eme Rahme mache is zu umſtendlich. —
Mitt=
lerweil is es ſchun ſtack uff ſex gange, es war alſo heechſte
Eiſe=
bah’. — Während alſo mei Zwangsmiedern die
Petroleums=
lamb heelt un ſetzt ſe in Betrieb, do hab ich den Fenſterrahme
aus de Angel gehowe . . . . ei=nen Rück! .. . . noch emol".
ei nen Ruck!.
No alſo, ich kann’s net mehr geniau ſage, wie’s war,
jeden=
falls hat ſich dodebei der owerſte Klowe gelockert, ich hab die
Ballangs verlorn, es dhut en Krach, ich ſteck mit=em Kobb im
Fenſterrahme, mei Zwangsmiedern ſetzt ſich im erſte Schreck uff
Wie mer widder bei uns warn, ham=mer uns for alle Dinge
kalte Uffſchleech gemacht, ich im Geſicht un mei Zwangsmiedern
uff de anner Seit. Dann ham=mer uns gäächeſeidich verbunne,
was bei mir weider kaa Schwierigkeite gemacht hott".
Gottſeidank bin ich jo aach ſoweit widder hergeſtellt, ſo daß
ich an de heidiche Addoleriefeier daalnemme kann; die paar
Kritzer im Geſicht falle net in’s Gewicht. Bei meine
Zwangs=
miedern allerdings is die Sach net ſo ganz a fach, un die
Addole=
riſte wärrn wohl mit Recht froge kenne: „Wo iſt ſie denn, wo
bleibt ſie denn, die ſcheenſte aller Roſen . . . ." — Die Antwort
meeche ſe ſich ſälbſt gäwwe. — Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Mittlerererweil nimmt unſern
Ruf als zukimfdiche Fremdeſtadt kommbackdere Forme a‟.
Dann es geht ſchaff uff’s „Tornfeſt” zu, un ſemtliche
Aus=
ſchiß ſin in fiewerhafter Dädichkeit un bohrn ſich e Loch ins Knie,
damit alles ſchee klappt. Jetzt wärd alſo Darmſtadt nooch langer
Zeit widder mol de Beweis liwwern kenne, ob’s ſein alte gude
Ruf als „Feſtſtadt” ſich noch erhalte hott. Däß haaßt, vun=eme
Feſt kann do eichentlich kaa Redd ſei, ſundern die deitſch
Torner=
ſach gilt’s zu wahrn, im Geiſt vum Jahn, Fichte un Felſing. Un
Ihr wärd’s erläwe, die Tornerſach is kaa gewehnlich
Sport=
fäxerei, ſundern die liggt diefer, däß wärd=der ſähe, wann die
Dauſende vun echte deitſche Brieder aus em beſetzte Gebiet un
vun de Saar zu uns kumme, um emol widder frei adme un unſer
alte, echte gurdeitſche Lieder ſinge zu kenne. — Herrgott, wann
ich noch vorichs Johr an däß große ſcheene Sengerfeſt im
gol=
dene Mainz denk — was war däße ehrlich Begeiſterung! — Un
grad dieſer Dag is mer aus em „Beſetzte” widder en
Schreiwe=
brief zugange, wo die hell Fraad erausgeſtrahlt hott, for en
liewe Beſuch un for e gut Wort aus=em „Unbeſetzte‟
Was brauch ich do noch viel zu ſage: die deitſch
Tor=
nerſach gilt’s zu ſtitze, die wo blieht unner dem ewich ſcheene
Simmbohl: „Friſch, fromm, froh un frei!” — Do is alles mit
geſagt. — Un Darmſtadt wärd ſich däre große Uffgab wirdich
er=
weiſe, däß is mein feſter Glaawe!
Iwwrichens is in de letzte Zeit ſo viel devo geredd worrn,
daß Darmſtadts Name enausgedrage mißt wärrn, alſo bidde:
Hick rodes, hick ſalda! — Tade beweiſe, net bloß ſcheene Wörter,
die ſvo aam nix koſte! — Wer alſo nor e Bett, e Kannabee odder
e Schäßlongſch frei hott, der wärd un muß ſich ſo en Torner
zu Gaſt lade, dann in de „Drauwe” kenne mer ſe net all
unner=
bringe. — Un grad in däre Beziehung bin ich emol geſpannt,
wer all däre ſcheene Verpflichdung noochkimmt, un wer ſich devo
drickt. — Nooch=em Tornfeſt wärd mer’s jo ſähe!
De Darmſtidter is allerdings e bißche e komiſcher Chriſt,
wann=er bei große Dagunge un Zuſammekimft Auswärts
war, do kann=er net genug vun Wunner ſage, wie gut er
uff=
genumme is worrn . . . . un ſo. Genau ſo is es, wann
Aus=
wärts was zu ſähe is. Wieviel hawwe mir jetzt ſchun erzehlt,
was es in de Frankforter ihre Muſick=Ausſtellung all for
Rarri=
dhäte un Koſtbarkeite zu ſähe gibt; un wann ich ſe frog, ob ſe
aach ſchun emol im Landesmuſeum warn un hette ſich all
die Herrlichkeite, die wo do unner dem Dittel „Alte Kunſt am
Mittelrhein” zu ſähe ſin, ageguckt, dann krieje ſe en rote
Kobb. — Wer mir alſo kimfdich vun Auswärts was erzehle
will un kann net de Noochweis bringe, daß er aach ſchun im
Landesmuſeum war, der ſoll mer vun de Socke bleiwe. Baſta!
Freilich, wann ſe draus in de Welt verſtreit ſin, die gude
Darmſtädter un die liewe Heſſe, dann beſinne ſe ſich uff ihr alt
Heimat un ſin ſtolz druff un finne ſich zuſamme. Mancher Gruß
aus aller Herrn Lender beweiſt mer’s. — Un wie ſteht’s mit
un=
ſerm „Berliner Heſſeverein”, hott der ſich net großordich
end=
wiggeld?! Do ſtehn aach Leit an de Spitz mit’m neediche
Idea=
lismuß, wie beiſpielsmeßich unſer alter Afriganer, de
Krieg=
baums Kall, unſer Schriftführer, dem is kaa Zeit un kaa
Mieh zu viel, un wann de Berliner Heſſeverein däß is, was er
heit is, ſo hott er’s mit in erſter Linie ſeim dichdiche
Schrift=
fiehrer zu danke. Iwwrichens, er feiert mit ſeine liewe Fraa
morje ſei „Silwern Hochzeit”, un do meecht ich em im Name
vum geſamte Berliner Heſſeverein unſern allerherzlichſte
Glickwunſch ſage; hoffentlich bleibt er uns in Berlin noch recht
lang erhalte. In dieſem Sinn: Glick auf zur Goldenen!
For die Sparbix: 25 Mack vun unſerm gute, alte Ludwig
Säng aus Alaß vun ſeim värzichjähriche Geſchäftsjuwiläum
mer ſieht, es gibt doch noch Lokalpaddriodißmuß!). — Danke
aach vielmols.
Der zeitgemäße Haushalt.
Vertragene leichte weiße Sommerbluſen oder
ſolche, die an den Aermeln ſchadhaft wurden oder irgendwelche
Defekte aufweiſen, die ein nochmaliges Tragen unmöglich machen,
könrinen noch ſehr gute Dienſte leiſten, wenn man ſie als
Unter=
ſta illen verwendet, indem man Knöpfe und Knopflöcher
weg=
ſich neidet, mit Biſenſäumchen die beiden Teile verbindet und die
Aermel ausſchneidet. Die Armlöcher erhalten zur Säuberung
un=d Verzierung eine ſchmale Zwirn= oder Klöppelſpitze, und
uch der untere Rand, wenn es ſich um lange Jumperbluſen
han=
delt, wird in gleicher Weiſe garniert.
Durch Regenwetter ſtark verſchmutzte
Sei=
denſtrümpfe ſollte man ſofort nach dem Heimkommen in
kal=
enn Waſſer einweichen, damit die Schmutzſpritzer nicht erſt im
Zewebe feſttrocknen. Sie beſtehen meiſt aus einer Miſchung von
Srraßenſtaub, Autoöl uſw. und hinterlaſſen zumneiſt nach dem
aſchen noch dunkel ſchimmernde Stellen. Werden aber die
Smrümpfe ſofort mit Seife ausgewaſchen, ſo löſt ſich der Schmutz
us den Geweben ſehr raſch und gründlich.
Kartoffelhaſchee mit Pfifferlingen. 1 Pfund
eehochte, in Scheiben oder Würfel geſchnittene Kartoffeln dünſtet
nan zuſammen mit 1 Pfund ſauber zugeputzten Pfifferlingen in
eichlich Speck oder Margarine an, übergießt das Ganze mit
Taſſe Sahne, miſcht es mit ½ Pfund grobgewiegtem
Corned=
ef, ſchmeckt mit Salz und Pfeffer ab und bäckt das Ganze, mit
Enem verquirlten Ei übergoſſen, in einer vorbereiteten
Auflauf=
orm. Heiß in der Form aufgetragen, reicht man dazu grünen
Ealat oder Gurken=, Bohnen=, Tomatenſalt uſw.
Speiſezettel.
Sonntag: Stachelbeerkaltſchale; Iriſche Hammelskeule;
Rhabarbergrütze. Montag: Geback. Kirſch=Auflauf.
Diens=
tag: Miſchgemüſe mit Semmelklößchen. Mittwoch:
Butter=
nudeln mit Tomatenſoße. Donnerstag: Reisklöße mit
Kir=
ſchen Freitag: Fiſchmayonaiſe mit Salat. Samstag:
Reis mit Blumenkohl.
Vergeßt im Juli nicht das Beſchneiden und
Auslichten der Tomaten. Wenn auch dieſes Jahr infolge
der ungünſtigen Witterung mit einem eigentlichen „
Tomaten=
jahr” nicht gerechnet werden kann, ſo darf man doch die geringere
Ernte darum nicht weniger achten, reſpektiv miß dieſer doppelte
Aufmerkſamkeit ſchenken. Und zwar geht dieſe auf die Erzielung
möglichſt großfrüchtiger, gut ausgereifter Tomaten hinaus. Um
dieſe zu erzielen, darf man das rechtzeitige Beſchneiden und
„Auslichten” nicht vergeſſen. Dieſes iſt ſowohl an den
Garten=
wie Käſtenkulturen vorzunehmen. Allwöchentlich unterſucht man
ſeine Pflanzen, um die am Hauptſtamm ſich unnötig bildenden
Gabelzweige zu entfernen, da dieſe den erſteren unnötige Kraft
entziehen, die andernfalls der Fruchtbildung zugute käme. Zu
rigoroſes Vorgehen muß allerdings vermieden werden, um nicht
blütenbeſetzte Seitentriebe mit zu entfernen. Geſellt ſich dann im
Auguſt auch noch das Entfernen aller überflüſſigen Triebe wozu
auch ſolche gehören, an denen ſich noch Blüten bilden, die aber
bis September keine Fruchtbildung mehr erhoffen laſſen) ſowie
das Beſeitigen aller überflüſſigen Blätter, damit die Sonne
un=
gehindert die Früchte treffen kann, dann iſt auf einen
zufrieden=
ſtellenden Ertrag ſchöner reifer Tomaten zu rechnen.
ihn gar nicht mevke.”
„Wiſſen Sie, m
Polants,
die neue Modeform.
Trotzdem man die gerade Linie allenthalben
ſehr ſchön findet und weiß, daß ſie in jeder
Bezie=
hung als unbedingt vorteilhaft zu bezeichnen iſt,
ſucht die mode=orientierte Frau dennoch nach neuen
Formen, weil die gerade Silhouette ſchon
allzu=
lange vorhält und kaum mehr weſentlich neues zu
bieten vermag.
Natürlich will man keineswegs einen radikalen
Umſchwung, der modiſch das Unterſte zu oberſt kehrt,
ſondern ſucht nur neue Anregungen, die der
hoch=
ſommerlichen Mode eine originelle Note zu geben
imſtande ſind und ſich vielleicht in dem Maße
durch=
ſetzen, daß ſie ſogar ſchon für die herbſtliche Linie
von Einfluß zu ſein vermögen.
Vorerſt verſuchte man, die Neuorientierung der
Mode nicht ſo ſehr aus der Linie zu holen, als
viel=
mehr aus dem Materiale, das für die neuen
Hoch=
ſommerkleider verwendet werden ſollte: Es zeigte
ſich aber, daß faſt alle Frauen ſo ſehr auf die
bis=
herigen Stoffe und Seiden eingeſtellt waren, daß
ſie ſie nicht durch andere Gewebe erſetzt wiſſen
wollten.
Darum mußte man ſich ſchließlich doch dazu
ent=
ſchließen, die Faſſons der neuen Modelle derart
zu variieren, daß ſie zwar nicht grundſätzlich von
der geraden Linie abweichen und nicht als
unmoti=
vierte, gewaltſame Neuerung gewertet würden,
trotzdem aber (im Rahmen des bisherigen) neue
Wege bahnen.
Sicherlich iſt die Volant=Mode ein ſehr
glücklicher Einfall geweſen, und daß er die
unbe=
dingte Zuſtimmung der maßgebenden Kreiſe fand,
beweiſt ſchon der Umſtand, daß heute die reizenden
Stufenkleidchen in faſt alle großen Modeſalons
Eingang gefunden haben und als die beſten Stücke
der Kollektionen angeſehen werden können.
Es gibt kein ſommerliches Material, das für
dieſen Zweck nicht mit Erfolg heranzuziehen wäre.
China= und Marokko=Krepp ergeben hier ſehr beachtenswerte
Effekte, Georgette ſieht duftig und zart aus, bunte,
hochſommer=
liche Seiden können die gute Wirkung niemals verfehlen, und
die blumigen Seidengaze=Materialien ſehen aus, als hätte man
den Sommer in ſeiner Blütenpracht auf die ſchönen Kleider
gezaubert.
Die Mode gefällt ſich inbezug auf die neueſten Materialien
in Extremen, denn während die einfarbigen Seiden in ganz
zar=
ten, indifferenten, niemals ausgeſprochenen oder gar ſchreienden
Farben gehalten weiden (man, erinnere ſich nur an das feine
moderne Altroſa, das aparte Gelblichgrün, das unter den
dunkel=
haarigen Frauen ſehr viele Anhängerinnen gefunden hat, und
Bunte Rleider
für den Hochſommer.
Trotzdem im Vorjahre die bunten Seiden von den großen
Fabriken ſehr viel gebracht wurden, hatten ſie eigentlich nicht den
Erfolg, den man erwartet hatte, ſondern blieben im Modenbilde
ziemlich vereinzelt. Die Schuld daran lag vor allen Dingen an
der allzu auffälligen, übertrieben großen und faſt ſchreiend
bun=
ten Muſterung, die ſicherlich ganz originell, aber unbedingt
extrem wirkte, alſo niemals für eine durchgreifende Mode in
Frage kam. Außerdem war es damals zweifellos ein Fehler der
großen Modeſalons, dieſe bunten Seiden für abendliche Kleider
heranzuziehen. Die Frau von heute hat es ja lernen müſſen, mit
ihrem Toilettengelde ſehr haushälteriſch umzugehen und will
darum ein abendliches Kleid wirklich gut ausnützen können.
Dar=
um darf es auch weder in der Linie noch auch in ſeinem Material
allzu auffallend ſein, weil man ſich daran ſonſt viel zu raſch
ſatt=
ſehen würde und die Trägerin das unangenehme Gefühl haben
müßte, daß ihr Kleid im erſten Augenblick als das ſchon vielfach
geſehene wiedererkannt werden würde
endlich an das unausgeſprochene Gobelinblau), ſind die blumigen
Seiden, ob es ſich nun um Chinakrepps oder die durchſichtigen
Gazegewebe handelt, ſo vielfarbig als nur irgend möglich.
Aller=
dings hat man es auch hier verſtanden, trotz der großen
Bunt=
heit immer einen gemeinſamen Grundton zu finden, der die
Viel=
farbigkeit ſozuſagen mildert und ihr eine dezente Note vermittelt.
Die Faſſons der Volantkleider können natürlich
vonein=
ander grundverſchieden ſein. Da gibt es gerade, ſtufenförmige
Modelle, die ſich gerne der Pliſſee=Effekte bedienen, dann ſieht
man wieder Volantſchaffungen mit leicht glockigen Wirkungen,
die darauf hinweiſen, daß wir uns über kurz oder lang mit der
glockigen Linie zu befaſſen haben werden, aber man bemerkt auch
Außerdem waren ja bekanntlich die Seiden des Vorjahres
derart parant, daß ſie ſelbſt bei einer noch ſo ſchlichten Faſſon,
die man dem Kleide gab, auffällig, faſt möchte man ſagen:
auf=
dringlich blieben.
Darum hatte die Mode heuer, da ſie die bunten Seiden
neuerlich in den Vordergrund zu rücken wünſchte, zwei Aufgaben
zu erfüllen. Die Muſterung dieſer Modegewebe mußte kleiner,
beſcheidener, feiner in den Farben: kurzum ſubtiler werden, und
alle Knalleffekte waren darum unbedingt auszuſcheiden. Ferner
mußten ſich die Modeateliers dahin umſtellen, daß ſie aus den
gemuſterten und geblumten Seiden nicht mehr abendliche
Modelle ſchufen, ſondern ſchlichte, ganz unkomplizierte
Prome=
nadekleider die ſowohl in der Stadt wie auch in der
Sommerfriſche gute Dienſte leiſten ſollen. Und noch ein übriges
mußte getan werden: es war angeſichts der allgemeinen
Geld=
knappheit ganz unvermeidlich und ſehr notwendig, gemuſterte
Seiden zu ſchaffen, die nicht ſo phantaſtiſch teuer waren, wie jene
des Vorjahres; tatſächlich iſt es den Seidenfabriken auch
gelun=
gen, ſehr ſchöne Muſter in billigerem Materiale (wie Foulard,
Pongis, Gaze uſw.) wiederzugeben, ſo daß heute das bunte Kleid
nicht mehr nur für ſehr Bemittelte erreichbar iſt, ſondern auch
in Kreiſe Eingang finden kann, die darauf angewieſen ſind, bei
Anſchaffung der Garderobe mit aller Sparſamkeit zu Werke zu
gehen.
Für die Art der Farbſtellung der neuen Seiden läßt ſich
eigentlich keine beſtimmte Regel aufſtellen. Man ſieht ſowohl
zweifarbig gedruckte Gewebe, als auch ſolche mit einer großen
Menge von Farbtönen. Natürlich ſind die vielfarbigen Seiden
auch bedeutend teurer als jene, die ſich mit wenigen Tönen
begnügen.
Die Formen der bunten Seidenkleider ſind allenfalls ſehr
einfach, und es wäre ſicherlich unangebracht, ja faſt geſchmacklos,
wollte man ſolchen Schaffungen, die ja in den meiſten Fällen für
die Promenade und kleine nachmittägliche Gelegenheiten gedacht
ſind, allzu komplizierte Linien geben. — In der Regel werden
dieſe Kleider auch mit einfarbigen Seiden kombiniert (und zwar
wählt man in dieſem Falle die in dem betreffenden Muſter
vor=
herrſchende Schattierung), wodurch den Modellen trotz ihrer
Buntheit eine ruhige Note vermittelt wird.
Eine Auswahl der neueſten bunten Kleider zeigen wir in
unſerer Gruppe:
Bild 1: ein flottes Nachmittagskleid, oben etwas bluſig mit
einem einfarbigen, geknoteten Schalkragen, offenen, ebenfalls
ein=
farbig, und zwar in Zackenform gerandeten Aermeln und vier
geraden Flügeln, die über das Grundkleid fallen und mit
Zacken=
beſätzen umrandet ſind. Ein durch eine Spange
zuſammengehal=
tener Gürtel nimmt ſich hier ſehr vorteilhaft aus.
Bild 2: iſt ein ganz ſchlichtes Mantelkleid mit einem
ein=
farbigen Schalkragen und einfarbig beſetzten, weiten Aermeln.
Aus der gleichen Seide iſt auch der ſchmale Gürtel gedacht.
Die=
ſes bunte Sidenmodell muß über einem einfarbigen Unterkleide
getragen werden. Man kann darunter allerdings auch jedes in
der Farbe entſprechende einfarbige Jumperkleid tragen, ſo daß
das Kleid in dieſem Falle mehr oder weniger als Umhülle
anzu=
ſehen wäre und auch als ſolche im Hochſommer ſehr gut
verwend=
bar ſein muß und insbeſondere für die Sommerfriſche ſehr
ele=
gant und praktiſch zugleich iſt.
ganz ſchlichte Volantkleider, bei denen die einzelnen
Teile ganz gerade anliegen, alſo von der bisherigen
Linie kaum abweichen; kurzum, man darf gerade
auf dem Gebiete der neuen Modeform ſeine
Er=
wartungen recht hoch ſpannen und wird trotzdem
ſicherlich nicht enttäuſcht werden.
Wie man ſich die neuen Volantkleider
vorzu=
ſtellen hat, zeigen die Figuren unſerer Gruppe:
Gleich Bild 1 macht mit einem typiſchen Modell
der kommenden Modeform vertraut und führt
deut=
lich vor Augen, wie vorzüglich ſich die geblumten
Seiden für die Stufen=Schaffungen eignen. Die
viereckig ausgeſchnittene obere Partie (dieſe ſowie
die ſpitzigen Pullover=Ausſchnitte beherrſchen die
Mode durchaus) mit den durch Volants garnierten
engen Aermeln iſt nicht ſonderlich bemerkenswert.
Das Hauptintereſſe wird ſich unbedingt dem
unte=
ren Teile dieſes Kleides zuwenden: über einen
ge=
raden Grundrock fallen dreifach abgeſtufte,
ſchürzen=
artige Pliſſee=Partien, die mit einfarbigem
Mate=
riale (in der Hauptſchattierung des bunten Muſters)
abgekantet ſind und vorn eine halbſpannenbreite
Bahn freilaſſen, während die Rückenpartie durch
dieſe Volants ganz gedeckt erſcheint. — Ein
mittel=
großer Strohhut in heller Farbe, deſſen Innenſeite
mit Stroh oder Seide im Tone der als Kanten
der Volants verwendeten Blenden ausgeſchlagen
iſt, ſieht — ebenſo wie ein entſprechender
Sonnen=
ſchirm — zu einem ſolchen Modell ſehr vornehm aus.
Bild 2 und 3 zeigen ein und dasſelbe Modell,
bei dem die Volants ſo angebracht ſind, wie jene
des eben beſprochenen Bildes, jedoch nicht pliſſiert,
ſondern ſo ſtark eingereiht erſcheinen, daß ſich eine
glockige Wirkung ergibt.
Bild 4 zeigt, daß ein Kleid trotz ſeiner Volants
ganz gerade wirken kann. Dieſes Modell wird
angeſichts ſeiner mantelkleidartigen Form in
Ver=
bindung mit einem geraden, vorn pliſſierten
Unter=
kleide hauptſächlich für ſtärkere Figuren ſehr
vor=
teilhaft ſein. Für kleine Geſtalten iſt dieſes Modell
allerdings — ebenſo wie alle anderen
Volant=
formen — ſehr wenig geeignet, weil die
Stufen=
effekte eine gedrungene Figur unbedingt verkürzen.
Bild 5 iſt als Jungmädchenkleid aufzufaſſen. Der
ungezwun=
gene bluſige Oberteil in Verbindung mit der höchſt originellen
Rockpartie ergibt ein reizendes Modell, das man für den
Sommer=
nachmittag ebenſo wie für abendliche Veranſtaltungen verwenden
kann und auch noch im Herbſt gut ausnützen wird. Die Volants
ſind inſofern beachtenswert, als ihre Pliſſees noch oberhalb der
Kante enden, ſo daß der Rand hierdurch eine glockige Form ergibt.
Daß man auch zu einem ſolchen Modell nur den neumodiſchen
großen Hut und nicht etwa die kleine Form tragen darf, iſt der
allgemeinen Neuorientierung auf dem Gebiete der Hutmode
zu=
zuſchreiben, die für den Hochſommer unbedingt die kleidſamen
großen Formen begünſtigt.
Bild 4: zeigt, wie man einfarbige Seide mit buntem
Mate=
riale kombiniert. Aus der bedruckten Seide verarbeitet man den
einfachen, viereckig ausgeſchnittenen Jumper, aus entſprechendem
einfarbigen Materiale den pliſſierten Rock. Jede Umhülle, die
in der Farbe zu dem Kleide paßt, kann (ob ſie nun aus Seide
oder Stoff verfertigt ſei) mit dem bunten Materiale eingefüttert
werden und vermag, wie
Bild 3 zeigt, das früher beſprochene Jumperkleid (Bild 4)
zu einem ausgezeichneten Promenade=Complet zu ergänzen.
Zu dieſen bunten Kleidern kommen natürlich ausſchließlich
einfarbige Hüte in Frage.
Gläſerne Kirſchen anſtelle der künſtlichen Anſteckblume
wer=
den auf den erſten Blick ſicherlich als recht nett, wenn auch
manie=
riert befunden werden. Falls aber dieſe maßlos uneleganten
künſtlichen Früchte, die von den verſchiedenen Modeſalons ab und
zu gezeigt werden, dennoch als „unvermeidliches Uebel”
Beach=
tung finden ſollten, ſo wird man gut daran tun, dieſe Neuerung
nur dann mitzumachen, wenn man weit unter zwanzig iſt und
als Rechtfertigung dieſes Modeunſinns die große Jugend ins
Treffen führen kann. Man ſieht dieſe künſtlichen Glaskirſchen in
allen Farben, und zwar vorwiegend in Rot, Grün und Gelb.