Einzelnummer 15 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 168
Sonntag, den 19. Juni 1927.
190. Jahrgang
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ſtädter und Nalionalbank.
Die Shnäct des Tofterbandes.
Löſung des Memelkonflikts außerhalb der Ratstagung. — Die Danziger Frage erneut vertagt.
Probleme der Weltwirtſchaft ungelöſi. — Gegenſätze hinſichtlich der Abrüſtung — Die
Ver=
handlungen über die Beſatzungsverminderung und die Oſifeſiungen noch nicht abgeſchloſſen.
Die ergebnisloſe Ratstagung.
Vor und hinier den Kuliſſen von Genf.
* Genf, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Der Völkerbundsrat hat ſeine Tagung beendet, die ſich durch
geine mehr als übliche Zahl von Vertagungsbeſchlüſſen ausge=
5zeichnet hat. Die diesmaligen Ergebniſſe müſſen als wenig
be=
friedigend bezeichnet werden. Die Regelung der Beziehungen
Hwiſchen dem Memelgebiet und Litauen hat ſich außerhalb der
RRatstagung abgeſpielt, während der Völkerbundsrat nur den
Sahmen für die formale Zuſage des litauiſchen Miniſterpräſi=
Genten über die künftige Einhaltung der Memelkonvention
ab=
gab. Es bleibt vorläufig abzuwarten, ob die Zuſage des
Aitauiſchen Miniſterpräſidenten auch von der litauiſchen
Regie=
gung eingehalten wird. Eine Gewähr hierfür dürfte unter
Be=
rückſichtigung der Handhabung der Regierungsgeſchäfte in Kowno
moch kaum vorhanden ſein. In jedem Falle wird man in
Zu=
kunft in Deutſchland ſorgfältig über die Handhabung der
Memelkonvention zu wachen haben.
Die Behandlung der Danziger Frage
uim Rat wird als ganz unbefriedigend angeſehen werden. Im
Waufe der langen Geſchäftsordnungsdebatte trat offen zu Tage,
waß von ſeiten Danzigs bereits ſeit Wochen mit aller Entſchie=
Genheit auf die Herbeiführung einer materiellen Entſcheidung
ſoes Völkerbundsrates gedrängt worden war. Dennoch hat dieſer
ien allen Fragen von größerer politiſcher Bedeutung die
Ent=
cheidung vertagt, eine Methode, die nur das Preſtige und die
Wedeutung des Völkerbundes vermindern dürfte. Es lag
tat=
ſächlich nicht die geringſte Veranlaſſung vor, eine Entſcheidung,
ſüber die bereits zehrmal vor dem Völkerbundsrat verhandelt
wurde, wieder zu vertagen. Der Tatbeſtand war ſämtlichen
maß=
gebenden Mitgliedern des Rates hinlänglich bekannt. Trotz des
ehr ernſten Hinweiſes des Danziger Senatspräſidenten auf die
große Gefahr, die nach den Erfahrungen von Krakau in der
wolniſchen Munitionslagerung innerhalb des Danziger
Stadt=
ggebietes für das Leben und Eigentum der Danziger Bevölkerung
worhanden ſei, hat der Völkerbundsrat in keiner Weiſe dieſer
Sachlage Rechnung getragen. Wahrſcheinlich dürften hierbei
ſoolitiſche Erwägungen entſcheidend mitgewirkt habe. Das
Inter=
ſſe Englands an Polen dürfte mit den Ausſchlag gegeben haben.
Die jetzige Entſcheidung iſt in jedem Falle außerordentlich zu
ſoedauern. Die Anträge Streſemanns und des
Senatspräſiden=
ven Sahm gingen dahin, die frühere Regelung wieder
einzu=
ſtühren, den Danziger Behörden die Möglichkeit einer Kontrolle
ſoer auf der Weſterplatte lagernden polniſchen Munition zu
ver=
ſüchaffen. Durch die ſehr geſchickte Leitung der Verhandlungen
deurch den engliſchen Außenminiſter Chamberlain wurden dieſe
Anträge nicht zur Diskuſſion geſtellt und damit abgelehnt. Auch
ſeie Danzig aus wirtſchaftlichen Gründen beſonders
intereſſie=
ende Frage der Beſchränkung des Flugzeugbaues iſt ohne irgend
welche Gründe auf die September=Tagung vertagt worden.
Ebenſo vertagte der Völkerbundsrat den ungariſch=rumäniſchen
Konflikt auf die September=Tagung.
Auch hier handelt es ſich um Fragen von größerer politiſcher
Be=
beutung, denen der Völkerbundsrat während der abgelaufenen
Ratstagung ziemlich ratlos gegenüber geſtanden hat. Immer
wieder zeigt es ſich, daß das notwendige Verantwortungsgefühl
und der ernſte Wille, die Verantwortung auf ſich zu nehmen,
umn Völkerbundsrat nicht zu finden iſt. Als einziges praktiſches
EErgebnis dürfte lediglich der Beſchluß des Völkerbundsrates zu
emwähnen ſein, Deutſchland einen Sitz in der
Mandatskommiſ=
ſ on des Völkerbundes einzuräumen. Jedoch wird auch hier die
ſwrmelle Entſcheidung erſt in der September=Tagung des Rates
fallen. Die Bedeutung einer Beteiligung Deutſchlands an der
Mandatskommiſſion dürfte allerdings kaum allzu hoch
einzu=
ſchätzen ſein, da Deutſchland weder über ein Mandatsgebiet
ver=
ſiigt und wohl kaum in abſehbarer Zeit mit der Einräumung
exnes Mandatsgebietes wird rechnen können.
Eine große Anzahl von Einzelfragen, wie die Mobiliſierung
des Völkerbundes bei Kriegsgefahr, finanzielle Unterſtützung
der angegriffenen Staaten, eine Frage, die bezeichnenderweiſe
von der finnländiſchen Regierung und anderen Nachbarn
Rußlands angeſchnitten worden iſt, verfielen ebenfalls einer
Vertagung auf den September.
9rur der Bericht über die Weltwirtſchaftskonferenz gab
Gelegen=
heit zu vier etwas lebhafteren Ausſprachen. Der ſehr eingehende
ud ſehr optimiſtiſche Bericht Streſemanns fand allgemein
roßen Beifall und führte zu einer großen Zahl von Hinweiſen
gif die Verdienſte, die ſich der Völkerbundsrat auf dieſem Gebiet
eirworben habe. Allerdings mußte die Frage, wie die vielfach
fahr theoretiſchen Beſchlüſſe der Weltwirtſchaftskonferenz in die
Praxis umgeſetzt werden ſollen, gleichfalls auf den September
vertagt werden, da auch ſie dem Völkerbundsrat noch erhebliche
S orgen bereitet. Es handelt ſich hierbei um den Organismus,
dem die Durchführung der Beſchlüſſe der Konferenz übertragen
werden ſoll. Bereits ſeit einiger Zeit geht über die
Zu=
ſaummenſetzung dieſer künftigen Organiſation ein ſehr lebhafter
Mampf hinter den Kuliſſen vor ſich, und zwar darum, ob in ihr
neeben Vertretern der Regierungen auch Vertreter der
wirtſchaft=
lochen Verbände und der Arbeiter ſitzen ſollen.
Die Debatte über den Bericht der vorbereitenden
Abrüſtungs=
kommiſſion verlief in ſehr peſſimiſtiſchem Tone.
Entgegen der Darſtellung Paul Boncours über die erheblichen
Fortſchritte der letzten Tagung der Abrüſtungskommiſſion auf
dem Wege zur allgemeinen Abrüſtung wies Dr. Streſemann mit
großem Ernſt auf die grundlegenden Gegenſätze hin, die in
Europa hinſichtlich der Abrüſtung noch beſtänden. Er erklärte
unumwunden, daß nur eine Behandlung des
Abrüſtungspro=
blems in einer ganz anders gearteten Kommiſſion zu wirklich
praktiſchen Ergebniſſen führen könnte. Die am kommenden
Montag hier in Genf beginnende Konferenz der drei Seemächte
wird zweifellos für die weiteren Abrüſtungsverhandlungen von
ganz beſonderer Bedeutung ſein, da hierin die drei großen
See=
mächte ſich auf ein gemeinſames Programm der Beſchränkungen
einigen werden, jedoch ſo, daß in irgend einer Weiſe die aktiven
Marine=Streitkräfte der Mächte an ihrer Aktionskraft und
mili=
täriſchen Bedeutung verlieren werden. — Der wie immer in
Genf während der Tagung ſtattfindende Meinungsaustauſch hat
ſich diesmal im Rahmen einer Konferenz der Mitgliedsſtaaten
der Botſchafterkonferenz mit Deutſchland abgeſpielt. Es ſcheint,
als ob die Abſicht beſteht, dieſe erweiterte neue Form in
Zu=
kunft beizubehalten, wohl als Baſis der von den Großmächten
erſtrebten Vereinheitlichung der Politik gegen
Sowjetrußland.
Das ruſſiſche Problem
bildete in beinahe ausſchließlicher Weiſe den
Hinter=
grund aller Erörterungen und Beſprechungen
der Außenminiſter. Trotz aller in Paris, London und
Berlin gegebenen offiziellen und offiziöſen Dementis, nach denen
von einem Zuſammenſchluß der Weſtmächte gegenüber
Sowjet=
rußland nicht die Nede ſein könne, darf doch wohl angenommen
werden, das durch die planmäßige Methode der engliſchen
aus=
wärtigen Plitik in den abgelaufenen Genfer Beratungen zum
mindeſten die Atmoſphäre für einen europäiſchen
Zuſammen=
ſchluß gegenüber der kommuniſtiſchen Propaganda der Dritten
Juternationale geſchaffen worden iſt. Zweifellos iſt zunächſt
verſucht worden, Deutſchland zu einer grundſätzlichen oder
for=
malen Abkehr von ſeiner bisherigen Politik gegenüber
Sowjet=
rußland zu veranlaſſen. Der Ausgangspunkt einer
Vereinheit=
lichung der Politik der Weſtmächte gegenüber der ruſſiſchen
Regie=
rung dürfte wohl die Schaffung einer gemeinſamen Baſis zur
Abwehr der kommuniſtiſchen Propagandatätigkeit ſein. In dieſem
Punkt ſcheint zwiſchen den Vertretern der ſechs Mächte eine
ein=
heitliche Linie vorhanden zu ſein. Man dürfte ſich darüber klar
geworden ſein, daß eine weitere Ausbreitung und Fortſetzung
der kommuniſtiſchen Propagandatätigkeit nicht mehr geduldet
werden könne und daß im Falle ihrer Fortſetzung gegen
Mos=
kau gemeinſame Maßnahmen erwogen werden ſollen. Die
offi=
ziöſen Meldungen der franzöſiſchen Preſſe über eine
bevor=
ſtehende internationale Konferenz zur Klärung des ruſſiſchen
Problems dürften als Verſuchsballon angeſehen werden können.
In den beiden Deutſchland unmittelbar berührenden Fragen
der Verringerung der Rheinlandtruppen und der Kontrolle
der zerſtörten Oſtfeſtungen wurde kein praktiſches Ergebnis
erzielt,
obwohl gleich zu Beginn der Ratstägung von engliſcher und
franzöſiſcher Seite unterſchiedslos erklärt wurde, daß eine
prin=
zipielle Einigung erzielt ſei, daß die Durchführung der
Kon=
trolle einem neutralen Offizier übertragen werden ſolle und daß
man ſich über die Verringerung der Rheinlandtruppen
gleich=
falls grundſätzlich einig geworden ſei. Man diskutiere
gegen=
wärtig nur noch über die Zahl der Truppenherabſetzung. Man
wird wohl annehmen können, daß im Laufe der nächſten Zeit
eine Klarheit über die tatſächlichen Ergebniſſe der Genfer
Be=
ſprechungen der Miniſter geſchaffen werden wird. Gegenwärtig
würde lediglich feſtſtehen, daß auf dem Wege diplomatiſcher
Ver=
handlungen die Klärung dieſer beiden Fragen fortgeführt
wer=
den wird.
Empörung in Danzig über die Vertagung
der Weſierplattenfrage.
Danzig, 18. Juni.
Die Vertagung der Entſcheidung über die
Weſterplatten=
frage durch den Völkerbundsrat hat helle Empörung ausgelöſt
Angeſichts der ſeit Wochen aufs höchſte geſtiegenen
Beunruhi=
gung der Danziger Bevölkerung hatte man hier beſtimmt mit
einer Erledigung der für Danzigs Zukunft ſo außerordentlich
wichtigen Frage gerechnet. Um ſo enttäuſchter und verbitterter
iſt man darüber, daß der Rat die Angelegenheit wiederum nur
dilatoriſch behandelt und auf den Herbſt vertagt hat.
Ungarn mit dem Völkerbund unzufrieden.
Der Vertagungsbeſchluß des Völkerbundsrats im
unga=
riſch=rumäniſchen Eigentumskonflikt hat in Budapeſt in allen
parlamentariſchen Parteien erneute Verſtimmung hervorgerufen.
Man hat bereits die Frage aufgeworfen, ob nicht Ungarn beſſer
täte, aus dem Völkerbund auszuſcheiden. Nicht nur die
bür=
gerlichen Blätter wenden ſich in aller Schärfe gegen die
kom=
promittierenden Verſchleppungsmanöver des Völkerbundes, der
ſelbſt den Friedeusvertrag von Trianon verletzt und damit die
Frage der Vertragsreviſion wieder aufgeworfen hätte, ſondern
auch der ſozialdemokratiſche „Nepſzava” ſtellt feſt, daß der
Völkerbund die internationale Rechtsordnung in ein
internatio=
nales Chaos verwandelt habe.
Die Woche.
An die diesmalige Genfer Tagung des Völkerbundsrates
hatte wohl niemand, der die politiſchen Dinge einigermaßen
überſieht, auch nur die geringſten hoffnungsvollen Erwartungen
geknüpft, und Verlauf und Ergebnis der Genfer Tagung haben
dieſe allgemeine Skepſis als nur zu berechtigt erwieſen. Nicht
ganz verſtändlich alſo muß die Enttäuſchung erſcheinen, die hie
und da jetzt doch zu beobachten iſt. Die offizielle Tagesordnung
der Völkerbundsratstagung war gewiß nicht welterſchütternd,
wenn ſie auch den deutſchen Vertretern mehrfach, ſo insbeſondere
bei der Erörterung der Danziger Angelegenheiten, Gelegenheit
gab zu geſchicktem und bis zu einem gewiſſen Grade erfolgreichen
Eingreifen. Das Weſentliche aber war das, was nicht auf der
Tagesordnung ſtand, war die Tatſache, daß die Tagung des
Völkerbundsrates den Außenminiſtern Gelegenheit zu
perſön=
licher Ausſprache gab gerade in einem Augenblick, in dem ſich
düſtere Gewitterwolken am politiſchen Horizont auftürmten. Das
Geſprächsthema für dieſe perſönlichen Unterhaltungen der
Außen=
miniſter war von vornherein gegeben: die ſcharfe Zuſpitzung
des engliſch=ruſſiſchen Verhältniſſes und im unmittelbaren oder
mittelbaren Zuſammenhang damit der ganze Fragenkomplex der
europäiſchen Politik, die ſeit Verſailles noch nicht zur Ruhe
ge=
kommen iſt. Es iſt ſchon viel geſprochen worden von den
eng=
liſchen Verſuchen, eine Einheitsfront der europäiſchen Völker
gegen die Sowjets zuſtande zu bringen, und man hatte von
vornherein ſtark damit gerechnet, daß Chamberlain die Genfer
Ratstagung dazu benutzen würde, ſeinem Ziele näher zu kommen.
Selbſtverſtändlich, daß die Erörterung des ruſſiſchen Problems
in Genf im Mittelpunkt der Erörterungen ſtand. Wenn aber die
Bemerkungen guter Beobachter zutreffen, ſo brauchte der
eng=
lifche Außenminiſter gar keine allzu große Aktivität an den Tag
zu legen, ſondern eine ganze Reihe von Staaten, die ſich durch
die Propaganda der Sowjets ſelbſt bedroht fühlen, haben vom
ſich aus den Verſuch gemacht, Anſchluß an die engliſche Politik
zu finden, nebenbei vielleicht allerdings auch in der ſtillen
Hoff=
nung, bei dieſer Gelegenheit einige Vorteile für ſich zu erhaſchen.
Der britiſche Außenminiſter hingegen hat in mehr wie einer
Be=
ziehung eine faſt auffällige Zurückhaltung an den Tag gelegt.
Eines jedenfalls iſt feſtzuſtellen: die Einheitsfront der
euro=
bäiſchen Mächte gegen Rußland iſt nicht zuſtande gekommen,
und es iſt bemerkenswert, daß in dem Augenblick, in dem es ſich
um eine Reſolution gegen die ruſſiſcherſeits getriebene
Propa=
ganda handelte, auch von Frankreich und Belgien alsbald
be=
tont wurde, daß man ſcharf ſcheiden müſſe zwiſchen der offiziellen
ruſſiſchen Regierung und der Dritten Internationale. Dieſe
feine Unterſcheidung von Dingen, die in der Tat eigentlich nicht
zu unterſcheiden ſind, hat ſich ja ſchon mehrfach in der
Ver=
gangenheit als recht brauchbares Hilfsmittel erwieſen. Es war
alſo nicht allein das Deutſche Reich, das den Stein des Anſtoßes
für die engliſche Politik bildete.
Daß wir weder die Luſt noch die Macht dazu haben, für die
Engländer die Kaſtanien aus dem Feuer zu holen, iſt
deutſcher=
ſeits ſchon oft genug betont worden, und für Herrn Dr.
Streſe=
mann hat ſich ſicherlich in Genf die Gelegenheit ergeben, auf
die beſondere Lage des Deutſchen Reiches in dieſem Fall
hin=
zuweiſen. Man ſollte nachgerade auch in London und Paris
verſtehen lernen, daß jede deutſche Politik letzten Endes diktiert
ſein muß von dem Beſtreben, die ungeheuerlichen Feſſeln des
Verſailler Diktats abzuſtreifen, auch wenn heute die
überwälti=
gende Mehrheit des deutſchen Volkes längſt eingeſehen hat, daß
der Weg zur Freiheit nur über die friedliche Verſtändigung der
europäiſchen Völler, nicht über einen neuen Krieg führen kann.
Mit Rußland haben wir dieſe Verſtändigung ſchon ſeit Jahren
herbeigeführt, auch wenn uns die innerpolitiſchen Methoden der
Sowjets wirklich nicht ſympathiſch ſind. Sollte man annehmen,
daß wir leichtherzig das Erreichte opfern, nur um den
Englän=
dern einen Gefallen zu tun? Gewiß, man könnte ſich vielleicht
die Frage ſtellen, ob nicht eine Verſtändigung mit dem Weſten
vorteilhafter für uns wäre als eine Verſtändigung mit dem
Oſten, wenn es ſich tatſächlich erweiſen ſollte, daß eine
wirk=
liche Verſtändigung mit Oſt und Weſt bei dem geſchichtlich
be=
dingten engliſch=ruſſiſchen Gegenſatz nicht möglich iſt. Schon dieſe
Frageſtellung aber führt ſofort zum Kernpunkt der Dinge.
Seit Jahren haben wir uns um eine ehrliche Verſtändigung
mit den Franzoſen bemüht, und in Locarno ſchien es auch ſo, als
ob dieſes Ziel in abſehbarer Zeit erreicht werden könnte, ſchien es
ſo, als ob auch die Franzoſen allmählich einſähen, daß ihr eigenes
Intereſſe eine grundſätzliche Schwenkung der franzöſiſchen Politik
erforderlich macht. Seit Locarno ſind annähernd zwei Jahre
vergangen, und der innerpolitiſche Szenenwechſel in Frankreich
hat den Dingen ein weſentlich anderes Geſicht gegeben. Am
Mittwoch iſt im Anſchluß an eine mehrſtündige Beratung der
Locarno=Mächte ein franzöſiſches Communiqué ausgegeben
wor=
den. „In Fortſetzung der Arbeiten der letzten Konferenz vom
1. Dezember haben, die Mitglieder, der Konferenz die in der
Schwebe gebliebenen Fragen geprüft. Sie haben feſtgeſtellt, wie
weit einige von ihnen erfüllt worden ſind und für die anderen die
Maßnahmen angenommen, welche Gewähr geben für ihre
Durch=
führung in kürzeſter Zeit. Die Mitglieder der Kommiſſion haben
erneut ihren einmütigen Willen feſtgeſtellt, die Politik von
Locarno fortzuſetzen, die bereits bedeutende Reſultate
im Intereſſe des Friedens erzeugt habe und weiterhin erzeugen
werde.” Ueber die Deutung dieſer etwas orakelhaften
Mittei=
lung ſoll hier richt nochmals geſprochen werden. Fortſetzung
der Politik von Locarno! Als es ſich um die Fortſetzung der
Beſprechungen über die ſeinerzeit verſprochene Reduktion der
Beſatzungstruppen handelte, iſt Herr Briand plötzlich abgereiſt.
Aus Geſundheitsrückſichten. In der Tat handelt es ſich nicht
um eine diplomatiſche Krankheit, ſondern wirklich um einen
An=
fall von Geſichtsroſe, und man kann es ſchließlich dem doch
immerhin 64 Jahre alten Herrn nicht ernſtlich verübeln, wenn
er, dem dringenden ärztlichen Rat folgend, abreiſte. Ein
pein=
licher Zufall aber, daß die Krankheit des franzöſiſchen
Außen=
miniſters gerade in dieſem Augenblick auftrat. Man wird es
auch in Paris und London einſehen müſſen, daß wir an eine
Fortſetzung der Politik von Locarno, d. h. eine Politik der
Ver=
ſtändigung, nur zu glauben vermögen, wenn den Werten endlich
Nummer 168
Seite 2
Sonntag, den 19. Juni 1927
Taten folgen. Höchſt bedenklich, wenn dieſe Taten durch die
Er=
krankung des franzöſiſchen Außenminiſters abermals
hinaus=
geſchoben werden ſollten, da dann verſtändlicherweiſe der
ohne=
hin ſchon ſchwer erſchütterte Glaube an die franzöſiſche
Verſtän=
digungsbereitſchaft wohl nicht ſo bald wieder zu beleben ſein
würde. Daran ändern auch Pfläſterchen wie die Einräumung
eines Sitzes in der Mandatskommiſſion nichts. Zu einer
Ent=
täuſchung über das Ergebnis der Genfer Tagung liegt, wie ſchon
einmal feſtgeſtellt, kein Grund vor, weil man mit einem ſolchen
negativen Ergebnis von vornherein rechnen mußte. Beſtätigt
hat ſich, daß bis zu einem deutſch=franzöſiſchen Ausgleich noch
ein recht weiter Weg iſt, beſtätigt hat ſich auch unſere ſkeptiſche
Beurteilung der innerpolitiſchen Stellung Briands.
Wenn unter ſolchen Umſtänden von Zeitungen der deutſchen
Linken erneut der Verſuch gemacht wird, die parteipolitiſche
Zu=
ſammenſetzung der deutſchen Reichsregierung, d. h. die
Beteili=
gung der Deutſchnationalen an der Regierung, für alles
verant=
wortlich zu machen, ſo mutet das doch ſehr ſonderbar an, ganz
abgeſehen davon, daß die Entwicklung der europäiſchen Lage
ganz gewiß nichts mit der parteipolitiſchen Konſtellation bei uns
zu tun hat und auch keine Rückſicht auf ſie nimmt. Der Kurs
der deutſchen Außenpolitik iſt ebenſo wie die Perſönlichkeit
ihres Trägers die gleiche geblieben. Glaubt man vielleicht, daß
die konſervative Regierung Baldwin oder die ſich auch auf die
Parteien der Rechten ſtützende Regierung Poincaré ſich ebenſo
von parteipolitiſchen Sympathien oder Antipathien beſtimmen
ließen, wie offenbar gegenwärtig unſere deutſche Linke, noch
da=
zu, wo es ſich, wie unſere Linke immer behauptet, um
Ge=
ſinnungsverwandte handelt? Demokraten und
Sozialdemokra=
ten ſind früher mehrfach, zum Teil mit anerkennenswerter
Ener=
gie, für die von Streſemann inaugurierte Außenpolitik
einge=
treten. Es wäre ein betrübendes Zeichen des unſeligen deutſchen
Parteigeiſtes, wenn man aus den außenpolitiſchen
Schwierig=
keiten, die mit Parteipolitik doch ganz gewiß nichts zu tun haben,
parteipolitiſches Kapital zu ſchlagen verſuchen ſollte, nur um
dem innerpolitiſchen Gegner etwas am Zeuge zu flicken. M.
Vom Tage.
Der bekamte Segelflieger Lehrer Schultz iſt am Freitag
auf dem Flughafen Danzig=Langfuhr mit ſeinem
Segelflug=
zeug abgeſtürzt.
Der Danziger Volkstag nahm eine Entſchließung gegen
die polniſchen Munitionslagerungen im Danziger
Hafen an.
Bei den Betriebsratswahlen der Schleſiſchen
Zinkhütte in Liping errangen die deutſchen
Ge=
werkſchaften einen überwältigenden Sieg von 78
Prozent der abgegebenen Stimmen.
Am Fronleichnamstage wurden die Sportfreunde
Roß=
berg, als ſie nach einem Spiel in Pickar in Oberſchleſien ſich
auf dem Rückwege nach Deutſch=Oberſchleſien befanden, von
Auf=
ſtändiſchen angefallen und mißhandelt.
Die Sowjetregierung dementirt die Verhaftung
von deutſchen Staatsangehörigen in Moskau.
Zwei polniſche Spione, die angeblich im Herbſt 1926 ſich
in die Ukraine eingeſchmuggelt und den Auftrag gehabt haben ſollen,
einige Mitglieder der ukrainiſchen Regierung zu ermorden, ſind vom
Charkower Gericht zum Tode verurteilt und
erſchoſ=
ſen worden.
Vandervelde dementiert die Gerüchte über die Bildung
einer Einheitsfront gegen Rußland.
einem Optimismus für die rein praktiſchen Fragen
zuſammen=
geht — haben die Franzoſen unbedingt viel beigetragen. Das
kann aber auch gar nicht anders ſein. Von allen zufälligen Faktoven
abgeſehen, iſt die franzöſiſche Außenpolitik ſchon durch die
un=
klare Lage innerhalb des Kabinetts gehemmt. Die „union
nationale” ſcheint noch ſehr lange zu dauern, aber dadurch ſind
die Hemmungen des Kabinetts in allen Angelegenheiten nicht
kleiner geworden. In der Außenpolitik ſollen dieſe Hemmungen
in erſter Linie durch die Meinungsverſchiedenheiten Briands mit
ſeinen Kollegen, beſonders mit Louis Marin, entſtehen.
Geheimdiplomatie in Genf.
Die realpolitiſche Situation Deutſchlands.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 18. Juni.
Noch nie haben die Methoden der geheimen Diplomatie bei
dem Völkerbund ſo ſtark vorgeherrſcht, wie jetzt, bei der
45. Seſſion. Man kann ſich darüber nicht entrüſten; die
Erfah=
rungen in der nahen Vergangenheit und die Komplikationen in
der Gegenwart rechtfertigen vollkommen die geheime
Arbeits=
weiſe. Aber es ſteht außer jedem Zweifel, daß das neuerliche
Vorherrſchen der Geheimdiplomatie die ohnehin überaus große
Konfuſion, welche über Genf herrſcht, noch weiter verſtärkt.
Ueberall hat man — wir haben hier dieſer Aaffaſſung ſchon
mehrmals Ausdruck gegeben — von Briand eine große
mora=
liſche Initiative erwartet oder erwünſcht, welche Europa aus
der Verſtimmung der letzten Monate aufgerüttelt hätte. Von
allen materiellen Fragen abgeſehen, hat man ein Wiederaufleben
des „Geiſtes von Locarno” eine weitausholende Geſte von
Briand erwartet. Aber Briand iſt plötzlich krank geworden;
er konnte die Verhandlungen nicht fortſetzen, er mußte aus Genf
abreiſen. Das allein rechtfertigt ſchon das Gefühl der
Enttäu=
ſchung, welche ſich ganz Europas — nicht nur Deutſchlands —
anläßlich der Völkerbundstagung bemächtigt hat.
Die realpolitiſche Situation Deutſchlands in Genf wird im
allgemeinen überall beſſer beurteilt, als in Deutſchland ſelbſt.
Sollte man den Stimmen, die in hieſigen politiſchen Kreiſen laut
werden, glauben, ſo hat ſich Frankreich in Genf zu einer ganzen
Reihe von unerwarteten politiſchen Zugeſtändniſſen entſchloſſen.
Jedenfalls iſt man hier von den Genfer Ereigniſſen
keines=
wegs entzückt. Dazu hat man mehrere Gründe.
Der Völkerbund — ſeit langer Zeit ein beſonderer Schützling
der franzöſiſchen Diplomatie — hat ſich diesmal wieder
beſon=
ders ſchwach erwieſen. Im Vergleich zu den früheren Seſſionen,
hat man kaum noch den Schem gewahrt, daß der Völkerbund
das Forum der internationalen Politik iſt. Seit langem ſpricht
man von ihm nur als von einem „Inſtrument‟ Dieſes
Inſtw=
ment erweiſt ſich aber immer unbrauchbarer. Man muß immer
mehr ernſtere Fragen umgehen, um den Völkerbund vor dem
offenen Untergange zu retten. So erwies ſich zum Beiſpiel die
albaniſche Frage als viel zu gefährlich für Genf. Man muß
den Docht, welcher zum Pulverfaß führt, vorläufig
weiter=
brennen laſſen, bis die Zeiten zu einer entſcheidenden
Inter=
vention geeigneter werden. . .
Gerüchten zufolge, die aus Genf kommen, findet die
fran=
zöſiſche Diplomatie die Stimmung ziemlich gedrückt. Beſonders
die Polen und Tſchechen ſollen ſich unbehaglich fühlen. Zu der
gedrückten Stimmung in Genf — welche merkwürdigerweiſe mit
Der neue niederländiſche Geſandte in Berlin.
Graf von Limburg=Stirum,
der neuernannte holländiſche Geſandte für Berlin, hat ſoeben
die Nachfolgerſchaft des Barons Gevers in der Reichshauptſtadt
angetreten und wird in den nächſten Tagen dem
Reichspräſi=
denten ſein Beglaubigungsſchreiben überreichen.
Pandervelde über die Genfer Ratstagung.
Paris, 18. Juni.
Wie Havas aus Brüſſel meldet, läßt Außenminiſter
Van=
dervelde durch die offiziöſe Depeſchenagentur eine Erklärung
verbreiten, in der er ſich über das Ergebnis der jetzt
abgeſchloſ=
ſenen Tagung des Völkerbundsrats äußert. Vandervelde ſagt
u. a., das energiſche Eingreifen Streſemanns, ebenſo wie das
Ein=
greifen Sir Auſten Chamberlains habe die litauiſche Regierung
dazu gebracht, ihre Achtung vor den
Selbſtverwaltungseinrich=
tungen der Stadt Memel zu bekunden. Die Locarnopolitik
werde, wie auch im Schlußcommunigué der Konferenz der ſechs
Mächte erklärt wird, fortgeſetzt. Die Frage der Befeſtigungen,
die zu unerfreulichen Polemiken geführt hätte, ſei geregelt. Die
Herabſetzung der Stärke der franzöſiſchen Beſatzungstruppen im
Rheinland ſcheint nicht mehr auf ſich warten laſſen zu wollen.
Engliſche Sorgen.
Das ruſſiſch=chineſiſche Problem. — Die Regelung den
deutſch=franzöſiſchen Beziehungen.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 18. Juni.
Wenn man nach längerer Abweſenheit wieder nach Londom
kommt und mit politiſchen Kreiſen erneut Fühlung nimmt, kanm
man im erſten Augenblick im Zweifel ſein, welches denn num
zurzeit die eigentliche beherrſchende Frage iſt, die auf der
über=
laſteten Regierung wuchtet. Iſt es eine der äußeren oder den
inneren Politik? Wurzelt ſie in Aſien oder in Europa, im
China oder in Mitteleuropa oder im Oſten? Man hört da kurx;
und bündig ſagen, das ruſſiſche Problem habe alle anderen über=;
wuchert. „Es könnte ſo ſcheinen,” ſagte mir ein befreunn
deter Politiker nach der erſten Begrüßung. „Es kommttt
eben darauf an, welches Problem man als das wichtigſte
an-
ſieht, ob es in ſich die Möglichkeit ſeiner Löſung bietet odem
welches andere Problem zunächſt als Vorbedingung gelöſt wer.”
den muß, welches dritte Problem vielleicht die Löſung des zwei=i
ten bietet und ſo fort. Das klingt wie pedantiſche Theorie, aben
es klingt nur ſo. Der vorſichtige Staatsmann muß die ganze
Stufenleiter hinabſteigen, bis er auf ſicheren Grund ſtößt, aufu
dem er wieder aufwärts bauen kann. Das dominierende Pro= iſt dasjenige, das die Löſung aller anderen in ſich am
Ende=
nötig macht.
Iſt China nötig, um das ruſſiſche Problem zu löſen? Vom
ſich aus: nein. Iſt aber Rußland nötig, um das chineſiſche Pro= zu löſen? Nach engliſcher Auffaſſung ganz gewiß. Ehe
Rußlands Hand nicht aus dem chineſiſchen Wirrſal ausgeſchieden
iſt, kann das Himmliſche Reich nicht zur Ruhe kommen, kannn
der vollſtändig ruinierte britiſche Handel ebenſo wenig zum
Wiederaufblühen gebracht werden wie der internationale, wirdch
ewig eine drohende Wolke der Möglichkeiten internationaler
Ver=
wickelungen am Horizont lauern. Man wiege ſich in dieſer Bes
ziehung ja nicht in Sicherheit. Es iſt nicht die geringſte
Garantie=
vorhanden, daß der erſte Donner einſt nicht in Europa, ſondern
vom Fernen Oſten her grollen wird. Alſo China iſt das Haupt=t
problem, Rußland das ſekundäre. Beide wetteifern
mitein=
ander in Schwierigkeiten. Für Rußland iſt andererſeits
Eng-
land das Hauptproblem. Es iſt ihm der Erzfeind, der böſe
Geiſt im Bunde der Völker. Die Sowjetblätter ſprechen von dem
„geeinten Front”, die bereits gegen Rußland gebildet ſei oden
ſich in Genf gebildet habe. Man möchte lächeln. Es iſt nun
erſtaunlich, daß kontinentale Blätter dieſe Hetzmär von der „ges
einten Front” nachgedruckt haben. Damit kommen wir in die
Probleme dritter Ordnung. Die Beilegung aller anderen
Diffe=
renzen iſt die Vorbedingung zur Löſung des ruſſiſchen Problems.?
Das wichtigſte, für die Befriedung Europasl
grundlegende Problem wird durch die deutſcher
Fragen Forderungen und Hoffnungen, durch die Regelung
ſeiner Beziehungen zu Frankreich gebildet. Denn ich muß offenn
herausſagen: Wir ſelber haben in der Sache nur das HauptA
intereſſe, daß ſich der deutſch=engliſche Verkehr wieder ganz un=d
gehindert entwickeln möge, und Deutſchland wird erſt wieden
emporkommen zu wachſender Handels= und Induſtriebetätigung.
wenn die Laſt der Beſetzung fällt und politiſch die Beziehungen,
mit Frankreich ſich den normalen nähern. Aber da ſtehen wim
vor einem Dilemma. Wie auch Herr Streſemann zugeben wird,
iſt es von äußerſter Wichtigkeit, dem alles andere nachſtehem
muß, daß Briand an ſeiner Stelle bleibt. Er kann nicht, wies
er wohl möchte, wird aber gern bei den Verſtändigungen übern
die internationale Lage im Falle einer Einigung ſich zu einee
weſentlichen Verringerung der Beſatzungsſtärke bereit finden-
Freilich der Begriff „weſentlich” deckt ſich nicht in beidenn
Ländern.
Was den formalen Bruch mit Sowjetrußland angeht, ſol
kann man derſchiedener Anſicht ſein. Als Kampfmittel hat en
den Zuſtrom fremder Kredite für die Sowjets gerade in einen
ſchlimmſten Lage, für ſie getroffen. Die Landbevölkerung iſt
höchſt unzufrieden mit der Handhabung der Staats=
Handels=
monopole und den hohen Preiſen wichtiger Einfuhrartikel.!
Eines möchte ich aber doch betonen: Gerade die jetzigen
Maſſen=
hinrichtungsgreuel ſind kein Zeichen innerer Stärke, ganz abge=”
ſehen davon, daß die Sowjets gar kein ſtärkeres
Propaganda=
mittel gegen ſich finden könnten. Ich bin überzeugt, daß die
Sowjets in der Geſchichte Rußlands wie in der des Himmliſchen
Reiches nur eine Epiſode bleiben werden. Es iſt das Rußlanch
ſelber, die gewaltige Ländermaſſe des Oſtens, mit ſeiner Rieſen=!
bevölkerung, ſeinen unermeßlichen natürlichen Schätzen, auf das
jeder Staatsmann ſeine Blicke gerichtet halten ſollte. Dies
Ruß=
land und die Geſtaltung ſeiner Beziehungen zu ihm wird die
eigentliche beherrſchende Frage der Zukunft für die Großmächte
Europas in Europa und anderswo bilden.”
Ausſtellung Neue KunſtMathildenhöbe
Berlin—Darmſtadt-München.
I. Ueberblick.
Als im Jahre 1901 Darmſtadt durch ſeine erſte große
Aus=
ſtellung, nicht aus eigenem Wachstum, ſondern auf äußeren
An=
trieb des heſſiſchen Landesherrn, zur Kunſtſtadt ausgerufen
wurde, geſchah das Wunderbare, daß ein kleiner Fürſtenſitz, der
wohl auf dem Gebiet der Muſik, beſonders der Oper, ſeinen
an=
erkannten Platz beſaß, bildende Künſtler von größerer
Bedeu=
tung aber weder hervorgebracht, noch für länger beherbergt hatte,
mit einem Male Weltgeltung als Pflegeſtätte der Kunſt erhielt.
Es ſchien ſo, als ob Land und Stadt gewillt und befähigt ſeien,
dieſen Ruf feſtzuhalten und tiefer zu begründen. Die bald
fol=
genden großen Ausſtellungen ließen ihn vorwiegend auf
kunſt=
gewerblichen und wirtſchaftlichen Gebieten erſtarken. Man ſprach
von Darmſtädter Möbeln, Darmſtädter Schmuck, ja von
Darm=
ſtädter Stil. Wohl regten ſich auch die freien Künſte in Heſſen;
nicht aber mit einer Darmſtädter Schule, einer Darmſtädter
be=
ſonderen Richtung, ſondern reproduktiv durch Veranſtaltungen
von Gemäldeausſtellungen größeren Umfangs, die, nachdem
kunſtgewerbliche Schauſtellungen ſich überlebt hatten, noch in
be=
deutſamer Weiſe ſich bis in den Krieg hinein und darüber hinaus
hielten, und in dem geheiligten Kunſtbezirk der Mathildenhöhe
in dem von der Stadt großzügig angelegten Ausſtellungsgebäude
von Olbrich ſich als das beſte Mittel erwieſen, den
übernomme=
nen Beruf der Kunſtpflege, insbeſondere der lebendigen
Gegen=
wartskunſt fortzuſetzen. Die ſchweren Nachkriegszeiten brachten,
trotz der Scheinerfolge der Inflationszeit, Rückſchläge im
Aus=
ſtellungsweſen, verurſacht und begleitet von Gärungen,
Splitte=
rungen und Kämpfen der Künſtlerſchaft hier und allerorten mit
den Städten, dem Staat und in ſich ſelbſt, die heute noch nicht
ganz zur Ruhe gekommen ſind.
Eins aber hielt in wunderbarer und kaum begründbarer
Weiſe in allen Zeitläuften ſeit 1901 feſt: der Ruf Darmſtadts als
Kunſtſtätte in Deutſchland, in der ganzen Welt. Ihn jetzt bei ſich
mählig feſtigender Lage nicht untergehen zu laſſen, ſondern zu
kräftigen, ja zu beleben, muß die Sorge des heſſiſchen Staates
und der Stadt ſein, wenn ſie nicht kulturell und wirtſchaftlich
überflügelt werden wollen. Hierfür bleiben Kunſtausſtellungen,
mögen ſie nun kunſthiſtoriſch oder modern ſein, ein bewährtes
nicht allzuſchwer durchführbares Mittel.
Mit der Finanzierung, die von Staat und Stadt auch in
die=
ſem Jahre hochherzig unterſtützt wird, allein iſt es jedoch nicht
getan. Die Ausſtellung muß auch einen Beſuch haben, der ihrem
Wert und ihrer Aufgabe entſpricht. Sie muß ein Publikum
fin=
den, das ſich von ihr führen, von ihr bilden laſſen will. Und
gerade hierin fehlt es in unſerem Darmſtadt gegenüber der Kunſt
der Gegenwart.
Dasſelbe Darmſtadt, das vor 25 Jahren unter ſeines
Lan=
desherrn Führung vor den gewagteſten künſtleriſchen Verſuchen
auf allen Gebieten nicht zurückſchreckte, das, den herrſchenden
Jugendſtil verdrängend, ganz neuen, modernſten Ideen in der
angewandten Kunſt den Weg öffnete — es verſagt in den freien
Künſten, wie es damals freilich ſchon nur zaghaft mitging, heute
faſt völlig. Als ob es zweierlei Kunſt gäbe: alte konſervative
Kunſt und neue, revolutionäre. Und doch waren unſere großen
alten Meiſter zu ihren Zeiten ebenſo modern und ihre Mitwelt
revolutionierend, nie die heutigen, wie es immer war und ſein
wird. Es iſt unverſtändlich, wie es möglich iſt, daß der größte
Teil unſerer kunſtpflegenden und kunſtliebenden Einwohner, die
vielfach ſelbſt Kunſt in irgend einer Form ausüben, ſich von der
Kunſt der Gegenwart fernhalten, ja ſie oft mit Verachtung
abzu=
lehnen für richtig halten, ohne ſich die Mühe zu nehmen, ſie
kennen zu lernen. Es iſt beſchämend, wie Menſchen, die in der
Technik, im Verkehisweſen, in der Hygiene, im Sport, in der
Mode ſich beeilen, an vorderſter Stelle zu marſchieren, vor einem
modernen Bild rat= und urteilslos daſtehen.
Hier liegt die große bildende und erzieheriſche Aufgabe der
Sommerausſtellungen auf der Mathildenhöhe, die jedem nur
irgendwie Willigen das Material bietet, das zu ſtudieren er
allerdings mit innigſtem Bemühen ſich vornehmen muß. Eine
Aufgabe, die auszunutzen alle Bildungsanſtalten, Schulen,
Ver=
eine weit mehr ſich beſtreben ſollten, als es geſchieht. Jeder
Ge=
nuß will erworben werden und kommt nicht von ſelbſt. Es gilt,
die Entwicklung zu verfolgen. In den bildenden Künſten der
Gegenwart fügt ſich, ebenſo wie in der Literatur und in der
Muſik, Stufe auf Stufe. Einer baut auf den anderen, keiner
bleibt ſtehen. Man muß mit. Unorganiſches, über die Grenzen
Hauendes, nur Mitlaufendes ſcheidet ſich von ſelbſt ſchnell aus.
Stein auf Stein wird geſchichtet, und wer den einzelnen Bauſtein
nicht miterlebt, kann den Geſamtbau nicht begreifen. Es iſt
not=
wendig, ſich mit allen Aeußerungen der Kunſt, mögen ſie anfangs
noch ſo unzugänglich, das früher Gelernte umwerfend, die
Über=
lieferung brechend erſcheinen, auseinanderzuſetzen. Beiſeite zu
ſtehen und abzuwarten, bis die Kunſt zu einem kommt, führt
nicht zum Ziel. Es heißt ihr entgegenzugehen und ſie gutend
Willens mit aufnahmebereiter Seele zu empfangen. Wer derd
Zuſammenhang, und ſei es nur für wenige Jahre, verliern
bleibt unrettbar ſtehen und gewinnt die Fühlung nur ſchwer
wieder. Dem Glücklichen, der den Ueberblick behält, iſt aber eitt
Genuß von ſeltenſter Befriedigung beſchieden, eine Freude, die
ſich in jedem Jahre erneuert. Indes, auch für unſere heſſiſchenk
Künſtler ſind die Sommer=Ausſtellungen auf der Mathilden!
höhe eine ergiebigſte Fundgrube des Studiums und eigenen
Vorwärtskommens. Dies um ſo mehr, je weniger ſie
Gelegen=
heit haben, auswärtige Ausſtellungen zu beſichtigen,
Studien=
reiſen zu machen oder im Ausland ſich umzuſehen. Dieſer Ein= iſt von Jahr zu Jahr deutlich verfolgbar und in ſeiner?
Wirkungen ganz unſchätzbar.
Ein Programm für ſolche Sommer=Ausſtellungen
aufzu=
ſtellen, die ihre Wirkung außerhalb Darmſtadts und Heſſens, als
Anreiz für Fremde, zur Feſtigung unſeres Kunſtrufes, zur
Bik=
dung und Erziehung des Publikums, als Studienmaterial fr
unſere Künſtler ausüben ſollen, iſt nicht leicht und wurde an
verſchiedene Weiſe verſucht. Vorſchläge, wie man ſie oft
holb=
als: das Porträt, der Rhein, Frauenbildniſſe beſtimmter
Zeitel-
oder Städte, die Romantik früher und heute, das Blumenmotih.
das Märchen, das Interieur, der Sport in der Kunſt und ähn.
liche: ſie lauten zunächſt intereſſant und ausbaufähig, ſcheider
aber bei einer Schau, die 5—600 Kunſtwerke zu umfaſſen hAlb- vornherein aus. Sie ſind nur für Sonder=Ausſtellungen II
kleinen Räumen brauchbar. Die Zuſammenſtellung einer ein
zigen Künſtlergruppe zu überlaſſen, führte zu ſehr einheitlichem.
aber auch einſeitigen Löſungen. Einen breiteren Kreis der Be
deutendſten mit wenigen Werken einzuladen, ſcheint das Rice
tige, wenn es gelänge, nur ſolche Werke zu bekommen, die
mal-
will. Es wurde verſucht und ſcheiterte daran, daß die Künſtler.
die man vertreten wünſchte, verſagten oder im letzten Augenblie.
eine andere Auswahl trafen. Es iſt zu verſtehen, daß die
jahl-
lichen großen Kunſtſchauen in München, Berlin, Dresdei
Düſſeldorf, weil kunſtpolitiſch wichtiger und für Ankäufe aus
ſichtsvoller, unſerem Darmſtadt vorgezogen werden. Es iſt aug= bedenken, daß ſich mancher Künſtler ſcheute, ſeine neueſte.
Arbeiten fünf Monate lang an einem Ort zu belaſſen.
In dieſem Jahre hat man zwei, und zwar die bedeutendmel
Künſtlergruppen in Berlin und Mürchen zu einer ſelbſtausge‟
wählten geſchloſſenen Beſchickung eingeladen, in der Erwartung= jede dieſer Gruppen ihre Ehre einſetze für eine möglichſe
eindrucksvolle Vertretung ihrer Mitglieder. Man hat ihr ale
dritte eine ſcharf ausgeſuchte Gruppe heſſiſcher Künſtler hinzl=
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Nummer 168
Sonntag, den 19 Zuni 1927
Seite 3
Die Beamtenbeſoldungsreform
Das Reichskabinett beſchiießt Neuregeiung
der Bezüge mit Wirkung vom 1. Oftober.
Berlin, 18. Juni.
Das Reichskabinett hat in ſeiner geſtrigen Sitzung in der
Frage der Beamtenkeſoldung zum folgenden Beſchluß Stellung
genommen: Die Reichsregierung verſchließt ſich nicht der
Er=
kenninis, daß die Bezüge der Beamten im Hinblick
auf die geſteigerten Lebenshaltungskoſten
un=
zulänglich ſind, und iſt daher auch aus ſtaatspolitiſchen
Gründen gewillt, die wüederholt verſprochene
Aufbeſſe=
rung dieſer Bezüge durchzuführen. Sie glaubt, in
der Annahme, daß eine Verſchlechterung der allgemeinen
Wiri=
ſchaftslage nicht eintreten wird, zuſagen zu können, daß noch
im laufenden Kalenderjahr, und zwar mit Wirkung vom
1. Oktober 1927 eine durchgreifende, alle Beamtengruppen
umfaſſende Reform der Beamtenbeſoldung erfolgen
wird. Im Reichsfinanzminiſterium iſt man dementſprechend
wit der Ausarbeitung eines Entwurfes beſchäftigt, der bei einer
durchgängigen Erhöhung der Bezüge auch eine
Aende=
rung des derzeit geltenden
Beſoldungsge=
ſetzes bringen und die vielen berechtigten Beſchwerden
beſei=
tigen will, die ſich ſeit dem Jahre 1920 engeben haben und
Ge=
pgenſtand der parlamentariſchen Behandlung und zahlreicher
Vorſtellungen der Beamten waren. Das heutige
Beſoldungs=
fſyſtem beizubehalten und darauf prozentuale Zuſchläge zu geben,
iſt beabſichtigt. Auch ſoll keine Teillöſung der Beſoldungsfrage
Durch Gewährung vorläufiger Abſchlagszahlungen geſucht wer=
IDen. Die Bezüge der Ruhegehaltsempfänger,
Wartegeldempfän=
yger ſowie der Hinterbliebenen, ſollen bei dieſer Regelung eine
entſprechende Berückſichtigung erfahren. Im Zuſammenhang
twit der Erhöhung der Beamtenbeſoldung werden auch gemäß
1§ 87 des Reichsverſorgungsgeſetzes die zur Verbeſſerung der
Lage der Kriegsbeſchädigten erfonderlichen Mittel bereitgeſtellt
Swerden.
* Die von dem Reichskabinett getroffene Entſcheidung über
Ddie Beſoldungsveform der Beamten iſt inſofern nicht ganz
be=
friedigend, als die Beamten nun doch auf den 1. Oktober
ver=
ttröſtet werden. Der Beſchluß iſt im übrigen aber ſo gehalten,
ſdaß er den berechtigten Wünſchen der Beamten entſpricht und
Heine neue Zwiſchenlöſung, ſondern eine endgültige Löſung
ſtſchaffen und den ganzen Auſbau des Beſoldungsweſens neu
rvegeln will. Das einzige, was uns darin ſehlt, iſt die Zuſage,
(daß alle Beamtenkategorien gleichmäßig bedacht werden ſollen,
(daß alſo nicht wieder die mittleren und oberen Beamten
gegen=
ſüber den unteren Beamten zurückſtehen müſſen. Wir glauben
daber zu wiſſen, daß auch der Finanzminiſter umbedingt daran
ffeſthält, daß die Spannungsverhältniſſe der Gehälter ſich
wenig=
ifſtens nicht zu Ungunſten der oberen Beamten weiter
verſchlech=
ſttern dürfen.
Der 11. Auguſi Nationalfeiertag?
* Berlin, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett befaßte ſich heute mit der Regelung des
SDienſtes am Verfaſſungstage. Es wurde beſchloſſen, durchgängig
ffür alle Reichsbehörden Sonntagsdienſt anzuordnen, mit
ge=
ſviſſen, aus der Natur der Sache ſich ergebenden
Sonderrege=
lungen für die Betriebsverwaltungen. — Der Reichstag hat am
SSamstag den ſozialdemokratiſchen Antrag, der den
Verfaſſungs=
ſtag zum Nationalfeiertag machen will, ohne Ausſprache dem
Eechtsausſchuß überwieſen. Was dabei herauskommen wird, iſt
moch nicht zu überſehen. Sozialdemokraten und Demokraten
rechnen damit, daß das Zentrum dem Antrag zuſtimmen wird,
wen es vor fünf Jahren ſelbſt einmal geſtellt hat. Auf der
an=
weren Seite iſt ſicher, daß die Bayern nicht dafür zu haben ſein
verden. Das Zentrum wird ſich aber gerade jetzt ſehr ungern
in Gegenſätze zu den Bayern ſtellen wollen, wird alſo im
gün=
tigſten Fall den Sozialdemokraten ein lauer Bundesgenoſſe ſein.
Auf die Deutſche Volkspartei wird man kaum rechnen können.
Sie würde für ihn nur zu haben ſein, wenn die Sozialdemo=
Eraten ſich verpflichten, auf die Feier des Revolutionstages und
wes 1. Mai zu verzichten, wozu ſie nicht bereit ſein ſollten. Die
Deutſchpationalen und Völkiſchen ſind ganz ſicher dagegen, die
Rommuniſten vermutlich auch, ſo daß die Weimarer Koalition
Mühe haben wird, eine Mehrheit zu finden, ſelbſt wenn, der
Anvegung des Zentrums entſprechend, die Feier dieſes Tages
muf den nächſtfolgenden Sonntag verlegt wird.
Aufwertungsfragen.
* Berlin, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Der interfraktionelle Ausſchuß iſt am Samstag abend zu
einer Beſprechung von Aufwertungsfragen zuſammengetreten
Die Regierung hat ſich bereit erklärt, beſtimmte ſoziale Härten
und Ungleichheiten des Aufwertungsgeſetzes auszugleichen, hat
aber weiter erklärt, daß ſie an den Grundlagen des Geſetzes
nicht rütteln laſſen wolle. Trotzdem wird jetzt der Verſuch
ge=
macht, die im Aufwertungsgeſetz vorgeſehenen Friſten
zurück=
zuverlegen. Das könnte unüberſehbare wirtſchaftliche Folgen
hahen und würde nur die eine Ungerechtigkeit durch eine andere
erſetzen. Es hilft nun einmal nichts: die Regierungsparteien
müſſen, ſo ſtark das menſchliche Mitleid mit den unſchuldigen
Opfern der Inflation ſein mag, mit der Aufſertung Schluß
machen, und wenn ſie nicht Diſziplin halten, kann der Erfolg
nur der ſein, daß ſie von der Oppoſition über den Haufen
ge=
rannt werden und wir in einen neuen Aufwertungsſtreit
hinein=
ſteuern, der die ganzen Grundlagen unſerer Wirtſchaft
erſchüt=
tern würde.
Die Komödie
um die Poſigebührenerhöhung.
Eine Unterredung Chamberlains mit Streſemann.
* Genf, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Chamberlain und Streſemann hatten heute eine
zweiſtün=
dige Unterredung miteinander, die kurz vor 12 Uhr zu Ende
war. Da außer den beiden Miniſtern niemand an der
Unter=
redung teilnahm und ſowohl Streſemann wie Chamberlain
jede Auskunft über die Unterredung ablehnten, ſind nähere
Mit=
keilungen unmöglich. Man nimmt aber an, daß die
Unter=
redung hauptſächlich den Mitteilungen gegolten hat, die
Streſe=
mann aus Berlin über die dortige Unterredung mit
Tſchitſche=
rin hatte und über die Möglichkeit einer Fortſetzung der in
Genf begonnenen Lorcarnoverhandlungen.
Streſemanns Heimkehr.
* Berlin, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Der Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann wird Genf
ver=
mutlich erſt am Sonntag verlaſſen. Seine Ankunft in Berlin
wird für Montag vormittag in Berlin erwartet. Am Nachmittag
ſoll er dem Kabinett Bericht erſtatten. Dann geht der große
Apparat über den Auswärtigen Ausſchuß des Reichstages und
den des Reichsrates bis zur Beſprechung der außenpolitiſchen
Lage im Plenum des Reichstages los. Ob der Außenminiſter
unter dieſen Umſtänden, wie urſprünglich beabſichtigt war, nach
Oslo fahren wird, um ſeinen Nobelpreis=Vortrag zu halten, iſt
jetzt einigermaßen zweifelhaft geworden.
Das Ende des ungariſchen Kommuniſien=
Führers Bela Kun.
Bela Kun,
der einſtige bolſchewiſtiſche Diktator von Ungarn, der ſeit dem
Zuſammenbruch des ungariſchen Kommunismus in Moskau
lebte, iſt plötzlich tobſüchtig geworden und mußte in ein
Irren=
haus überführt werden.
Die ſchwankende Hal ung des Reichspoſtminiffers.
Der Reichspoſtminiſter Schätzle hat die eigenartige Nolle, in
der er am Freitag vor dem Verwaltungsrat der Reichspoſt
debü=
tierte, auch am Samstag fortgeſetzt. Er hat eine Erklärung
ab=
gegeben, worin er vergeblich ſeine ſchwankende Haltung zu
be=
gründen ſuchte, und ſich dann damit einverſtanden erklärt, daß
der Verwaltungsrat ſehe Entſcheidung von neuem vertagte,
in=
dem er eine Entſchließung annahm, die zwar ſein alleiniges
Entſcheidungsrecht über die Gebührenerhöhung feſtſtellt, ſich aber
doch vorläufig mit der Zurückziehung der Vorlage durch
Kennt=
nisnahme einverſtanden erklärt und von der Regierung eine
be=
ſchleunigte Neuvorlage verlangt. Die Oppoſition des
Reichstags hat alſo, obwohl ihr nach der formalen Seite
hin irgendeine Beeinfluſſung der Gebührenſätze fehlt, einen
Erfolg zu verzeichnen, weil der
Reichspoſt=
miniſter ſich ihrem Votum beugte, trotzdem
unmit=
telbar nach der Abſtimmung im Reichstag die Führer der vier
Regierungsparteien Herrn Schätzel erklärt haben, daß ſie ihm
dringend anrieten, auf ſeiner Vorlage beſtehen zu bleiben. Es
ſcheint aber, als ob der Reichskanzler auf den Reichspoſtminiſter
eingewirkt habe und ihn zur Zurückziehung der Vorlage
veran=
laßte, um dadurch wenigſtens in der Form dem
Reichstagsbe=
ſchluß Rechnung zu tragen. In der Sache freilich wird das
Entgegenkommen der Reichstagsmehrheit gegenüber nur ein
vorübergehendes ſein. Wenn wir recht unterrichtet ſind, wird
das Reichspoſtminiſterium ſchon in den allernächſten Tagen eine
neue Vorlage ausarbeiten, die ſich im weſentlichen auf der
Vor=
lage des Ausſchuſſes aufbaut.‟ Dann wird der Verwaltungsrat
wohl ſo einberufen, daß er in 14 Tagen die Gebührenerhöhung
verabſchieden kann. — Der Reichspoſtminiſter war zwiſchendurch
auch auf den unglücklichen Gedanken gekommen, die
Rundfunk=
gebühr von 2 auf 3 Mark zu erhöhen. Er hatte dieſe Vorlage
am „Freitag ganz überraſchend eingebracht, hat ſie aber am
Samstag gleich wieder zurückgezogen, weil ihm aus der
Deut=
ſchen Volkspartei heraus klargemacht worden iſt, daß das ein
völliger Schlag ins Waſſer ſein werde, weil die dann
kommen=
den Abmeldungen die Einnahmeerhöhung wieder ausgleichen
würde. Man wird alſo annehmen dürfen, daß wenigſtens dieſer
Teil der Gebührenerhöhung keine fröhlichen Urſtände feiern
wird.
Parteiausſchuß des Zentrums.
* Berlin, 18. Juni. Priv.=Tel.)
Der Reichsparteiausſchuß des Zentrums iſt für den 3. Juli
nach Berlin einberufen worden, um die neuen Geſetzesvorlagen,
insbeſondere das Reichsſchulgeſetz, zu beraten. Ferner ſollen auf
dem Parteitag laufende Parteifragen behandelt werden. Die
Ver=
handlungen über die Vereinigung der Bayeriſchen Volkspartei
mit dem Zentrum wurden einer beſonders gebildeten Kommiſſion
zur weiteren Beratung übergeben. Das Reichsſchulgeſetz wird
jedenfalls den Drehpunkt der ganzen Ausſprache bedeuten, denn
bis dahin ſteht feſt, ob es möglich ſein wird, überhaupt noch die
erſte Leſung vor der Sommerpauſe des Reichstags vorzunehmen.
Die Regierungsparteien werden ſich daher zu entſcheiden haben,
wie ſie ſich zu den einzelnen Fragen ſtellen wollen, und das
Zentrum wird ſich klar werden müſſen, ob, falls es wirklich
nicht mehr zur erſten Leſung kommen ſollte, es daraus
irgend=
welche Konſequenzen ziehen will.
Deutſch=franzöſiſche Induſtriellenbeſprechungen.
Paris, 17. Juni.
Das deutſch==franzöſiſche Studienkomitee, das under dem
Vorſitz des luxembungiſchen Induſtriellem Mayriſch tagte, hat
geſtern ſeine Arbeiten in Paris beendet. Die Beſprechungen
gal=
ten u. a. den Formen der heutigen induſtriellen Entwicklung und
den Rüchwirkungen, die dieſe auf allgemein wirtſchaftlichem und
ſozüalem Gebiet haben. Der deutſche Geſichtspunkt wurde von
Dr. Bücher vertreten. Bei der für Ende Oktober nach Luxemburg
einzuberufenden letzten Sitzung ſollen neben mehr allgemeinen
Themen die Folgen behandelt werden, die die zunehmende
Ra=
vvonalliſierung der Produkvion aller Länder auf die internationale
Wirtſchaft ausübt.
gefügt. Dieſe Hoffnung hat nicht getrogen und ſich auch in der
geſſiſchen Gruppe erfüllt. Sie hat die prachtvolle harmoniſche
Wirkung zuſtande gebracht, die alle Säle zum Entzücken der
Be=
chauer ausſtrahlen.
Bei allen drei Gruppen war offenbar das Beſtreben, nicht
ſas gewöhnliche Bild oft geſehener, abgeſtempelter Kunſtkanonen
zu geben, ſondern auch mit ſeither weniger hervorgetretenen
Kräften bewährten oder neu hervorbrechenden Schlages
aufzu=
warten. Es kommt hierdurch ein friſcher Zug feſſelnder und
wergleichender Art hinein, der in die Zukunft weiſt. Das Niveau
ſoer drei Gruppen iſt ziemlich gleichartig und unbedingt
hoch=
ttehend. Gleichwohl heben ſich die Unterſchiede deutlich
vonein=
mnder ab.
Während von Berlin eine ſtark geiſtige, temperamentvolle,
fruweilen ſchon nervös geſpannte Atmoſphäre ausſtrömt, die zum
Teil zu dekorativen Leiſtungen neigt, feſſelt München durch die
Erfahrung alter Malüberlieferung, feiner Farbkultur bei mancher
Meigung zum Beſchaulichen. Heſſen, das ſich den Großen
gegen=
üüber in Ehren behauptet, zeigt, naturgemäß eklektiſch gebunden,
meben tüchtig Bewährtem manchen Aufſchwung und ſogar
ein=
ſielne neue Ausſichten.
Ueberall iſt, um in Schlagworten deutlich zu werden, der
Expreſſionismus überwunden, die neue Sachlichkeit wohl als
lsandwerkliche Grundlage ſichtbar, aber ſinnlich geſteigert. Die
Programm= und Tendenz=Malerei hat aufgehört. Das Rein=
Maleriſche überwiegt. Eine geſunde, ruhigere, abgeklärtere
Ge=
ſännung kommt zum Durchbruch. Und wenn auch diesmal keine
tjanz neuen richtunggebenden Begabungen auftauchen, ſo iſt die
allgemeine Betonung des rein maleriſchen Momentes als
Ge=
winn bedeutungsvoll genug, um feſtgehalten zu werden.
Auf=
ballend iſt die zunehmende Neigung zu figürlichen Vorwürfen,
während noch vor kurzer Zeit das Stilleben und die Landſchaft
daſt alleinherrſchend waren.
Die gut geordnete und glänzend gehängte, in jeder
Bezie=
ſeung erfreuliche und ſehenswerte Ausſtellung iſt es wert, die
roße körperliche und geiſtige Arbeit, die in ihrer
Zuſammen=
ftellung ſteckt, belohnt zu ſehen durch Anteil und Beſuch von hier
und auswärts. Beſonders Darmſtadt, das ſtolz ſein kann, in
)eieſem Sommer nicht nur dieſe, ſondern zwei Ausſtellungen von
zrußergewöhnlicher Art und beſonders hohem Werte unter ſeinem
Mamen der Kunſtwelt bieten zu können, muß es als ſeine
Ehren=
ſeflicht anſehen, ihren Ruf zu verbreiten, dafür zu werben und
Gladius.
ſelbſt zu kommen, ſo oft und viel es kann
„Zeitſtil oder Anarchie in der Baukunſt”
Vortrag von Dr. Fritz Rupp, Frankfurt a. M.
Ein hübſches, junges Mädchen ſaß neben mir. Meine Frage,
ob ſie Architektin ſei, verneinte ſie und erzählte, ſie ſei mit einem
Architekten verlobt; ihr Bräutigam ſei verreiſt; aus dem Vortrag
bekomme ſie Stoff für ihren nächſten Brief; deshalb ſei ſie
ge=
kommen; aber die Architektur ſei überhaupt ſehr intereſſant. Die
glückliche Braut wird auf ihre Koſten gekommen ſein. Der
Vor=
trag, den Kunſtſchriftſteller Dr. Fritz Rupp aus Frankfurt a. M.
vorgeſtern auf Veranlaſſung verſchiedener Architekten= und
In=
genieurverbände in der Landesbauſchule hielt, war ſehr lehrreich
und gab einen objektiven Einblick in die meiſten, wenn auch nicht
alle Beſtrebungen in der neuen Baukunſt.
Dr. Rupp trat zunächſt der Ueberſchätzung Amerikas für
die moderne Architektur entgegen. Aus einem Land, das keine
Kultur hat, kann uns keine Rettung kommen. In Europa ſind
neue Anſätze namentlich in Holland und Frankreich feſtzuſtellen;
die blendenden Enwürfe von Le Corbuſier ſind jedoch
viel=
fach praktiſch undurchführbar. Dänemark gibt in einem neuen
Klaſſizismus klare und ſchöne Bauten.
Deutſchland iſt in Gärung begriffen. Weſentliche Werke von
Pölzig, Bruno Taut, Mendelsſohn wurden in Lichtbildern
ge=
zeigt. Gegen Gropius verhält Dr. Rupp ſich ablehnend; die
weißen Flecken ſeiner „Meiſter=Häuſer” inmitten der Natur ſind
Verſündigungen gegen die Schönheit des ſie umgebenden
Wal=
des. Auch gegen Stadtrat May=Fraukfurt erhebt Dr. Rupp
erhebliche Einwendungen. May ſteht unter dem Einfluß von
Le Corbuſier; ſeine frühere Siedlung in Schleſien war eine
acht=
bare Leiſtung; die neue Siedlung in Praunheim kann keine
Billigung finden; die Wohnungen ſind ſo klein, daß ſie nach
Be=
ſeitigung der Wohnungsnot kaum mehr Liebhaber finden
wer=
den. Dr. Rupp hegt dieſelben Bedenken, wie ſie anläßlich des
May=Vortrages an dieſer Stelle geäußert wurden.
Hoffnungen für die Entwicklung des Bauſtils geben die
neuen Bauſtoffe, die neuen konſtruktiven Zuſammenhänge und
die Veränderung der dynamiſchen Verhältniſſe. Sie werden für
den neuen Bauſtil anregend ſein. Er muß die Uebereinſtimmung
von Schauen und Fühlen bringen. Die Bauten müſſen wieder
einen menſchlich bedeutungsvollen Gehalt haben, wie ihn die
Gotik hatte. Das ſinnliche und das geiſtige Weſen müſſen ſich
zu harmoniſchem Zuſammenklang vereinigen!
Studienrat Stumpf dankte in warmen Worten dem
Red=
ner für ſeine lehrreichen Ausführungen.
Wie Kaiſer Maximilian von Mexiko
erſchoſſen wurde.
(Zum 19. Juni.)
inf. Am 19. Juni ſind es 60 Jahre her, daß Kaiſer
Maximi=
lian von Mexiko nach einem kurzen Traum von Herrſchermacht
nach kriegsrechtlicher Verurteilung von ſeinen ehemaligen
Unter=
tanen erſchoſſen wurde. Maximilian lebte vor ſeiner Krönung
zum Kaiſer als Erzherzog von Oeſterreich auf dem herrlichen
Schloß Miramare bei Trieſt und ließ ſich von Nepoleon III. und
ſeiner Gemahlin, einer geborenen Prinzeſſin Charlotte von
Bel=
gien, dazu überreden, die Kaiſerkrone von Mexiko anzunehmen.
Am 14. April 1864 verließ er Trieſt, kam Ende Mai in Veracruz
an und zog am 12. Juni an der Seite ſeiner Gemahlin unter
ungeheuerem Prunk und dem begeiſterten Jubel der Bevölkerung
in die Hauptſtadt von Mexiko ein. Bald aber zeigte es ſich, daß
dieſe Herrlichkeit nur ſehr fadenſcheinig war, denn er wurde von
Napoleon III. im Stich gelaſſen und geriet in die Abhängigkeit
des franzöſiſchen Oberbefehlshabers, des bekannten Generals
Bazaine. Seinen Gegner Juarez, der im Juni 1861 zum
Präſi=
denten gewählt worden war, erklärte Kaiſer Maximilian auf
Wunſch des Generals Bazaine in Acht und Bann. Damit war
aber der Kleinkrieg mit Juarez nicht zu Ende. Als die
Fran=
zoſen im März 1867 ihre Truppen zurückgezogen hatten, ohne
daß ſich Napoleon III. durch die Bitten des Kaiſers Maximilian
und insbeſondere ſeiner Gemahlin, der Kaiſerin Charlotte, hätte
beſtimmen laſſen, den Beſchluß, die Truppen zurückzuziehen,
rück=
gängig zu machen, war Maximilian den Republikanern
gegen=
über völlig ohnmächtig. Trotzdem weigerte er ſich, Mexiko zu
ver=
laſſen, obwohl dies von Napoleon gewünſcht wurde, da dies die
einzige Möglichkeit war, den Kaiſer zu retten. Maximilian zog
ſich mit ſeinen Getreuen nach Queretaro zurück, wo er von dem
republikaniſchen General Escobedo eingeſchloſſen wurde.
Maxi=
milian verteidigte die Feſtung mit großem Heldenmut. Sie hielt
ſich auch bis zum 15. Mai 1867 und wäre auch dann noch nicht in
die Hände der Feinde gefallen, wenn ſie nicht durch den Oberſten
Lopes verraten worden wäre. Mit Kaiſer Maximilian fielen
die beiden Generäle Thomas Mejia und Miguel Miramon in
die Hände der Anhänger von Juarez. Beide Generäle wurden
mit Kaiſer Maximilian am 19. Juni nach kriegsgerichtlicher
Ver=
urteilung erſchoſſen. Das war das traurige Ende eines
ehrgeizi=
gen öſterreichiſchen Erzherzogs. Die Leiche des Kaiſers wurde
durch den öſterreichiſchen Admiral Tegetthoff aus Mexiko geholt
und am 18. Januar 1868 in der Kaiſergruft zu Wien beigeſetzt.
Seite 4
Sonntag, den 19. Juni 1927
Nummer 168
Die Parteien zu den Zollbeſchlüſſen
des Reichskabinetts.
Berlin, 18. Juni.
Wie berichtet wird, befaßte ſich das Reichskabinett in ſeiner
geſtrigen Sitzung auch mit den ſchwebenden Zolltariffragen.
Amtlich wird hierüber bekanntgegeben: Das Reichskabinett ſteht
in dieſer Frage auf dem Boden der Beſchlüſſe der Genfer
Welt=
wirtſchaftskonferenz. Es wird demgemäß unverzüglich der
Reichswirtſchaftsrat um Erſtattung eines Gutachtens unter
Zu=
ziehung des Handelspolitiſchen Ausſchuſſes des Reichstags über
eine Reviſion des deutſchen Zolltarifgeſetzes zwecks Herabſetzung
des Zollniveaus erſucht werden. Sodann ſollen entſprechende
Vorſchläge beſchleunigt den geſetzgebenden Körperſchaften
zu=
gehen. Die Beachtung der Grundſätze der
Weltwirtſchaftskon=
ferenz ſchließt nicht aus, daß wir Rückſicht auf die Exiſtenz der
bäuerlichen Betriebe und im Intereſſe der inneren Koloniſation
einzelne landwirtſchaftliche Zollſätze eine gewiſſe Erhöhung
er=
fahren. Auf Grund dieſer Erwägungen hat das Kabinett
be=
ſchloſſen, den geſetzgebenden Körperſchaften die Erhöhung des
autonomen Kartoffelzolles auf 1 Mark vom 1. Dezember 1927 ab
ſowie die Streichung des Zwiſchenzolls für Schweinefleiſch
vor=
zuſchlagen, ſo daß bezüglich des Schweinefleiſchs der Zollſatz des
ſchwediſchen Handelsvertrags von 32 Mark volle Bedeutung
er=
langt.
* Ob mit dem Beſchluß des Reichskabinetts über die
Ver=
längerung des Zolltarifs die parlamentariſche Kriſe, die ſich um
dieſe Frage herumgruppiert, bereits endgültig ausgeſtanden iſt,
ſcheint noch nicht ganz ſicher. Zentrum, Bayeriſche und Deutſche
Volkspartei, und wohl auch die Wirtſchaftspartei, werden dem
Beſchluß zuſtimmen. Bei den Deutſchnationalen dagegen ſcheint
eine ſtarke Enttäuſchung zu herrſchen — jedenfalls bei dem
land=
wirtſchaftlichen Flügel — die ihren erſten Niederſchlag in der
„Deutſchen Tageszeitung” findet. Sie kündigt an, daß die
Deutſchnationalen mit beſonderen Anträgen hervortreten wollen,
die ſich nicht auf den Kartoffelzoll beſchränken, ſondern auch auf
den Mehlzoll übergreifen. Das zeigt, daß dort bereits eine ſtarke
Verſtimmung, ebenſo wie in der Landwirtſchaft, vorhanden iſt.
Es könnte alſo ſein, daß der Konflikt im Plenum des
Reichs=
tags oder im Ausſchuß noch einmal durchgefochten werden muß.
Immerhin hatten die Regierungsparteien am Donnerstag, als
ſich zeigte, wie ſchwer eine Verſtändigung war, einen
Untersaus=
ſchuß eingeſetzt, der am Freitag abend, vollkommen unabhängig
von den Kabinettsbeſchlüſſen, zu ähnlichen Vorſchlägen gelangt
iſt, wie ſie das Kabinett nachher beſchloſſen hat. Es beſteht alſo
begründete Ausſicht, daß ſich die Deutſchnationalen doch fügen
werden, wenn ſie ſehen, daß nichts zu erreichen iſt.
Erſatz für die Beſatzung.
* Berlin, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Pertinax deutet im „Daily Telegraph” an, daß Dr.
Streſe=
mann bei einer Beſprechuung mit Briand darauf hingewieſen
habe, wenn Frankreich für die Räumumg des Rheinlandes als
Erſatz eine ſtändige Kontrolle in Form der Slements stables
am deutſchen Rhein haben wolle, ſei das nur möglich auf Grund
der Gegenſeitigkeit.
Ob dieſe Fnage in Genf zwiſchen Briand und Streſemann
überhaupt geſtreiſt worden iſt, wiſſen wir nicht. Richtig iſt aber
jedenfalls, daß dies in der Tat der deutſche Standpunkt iſt.
Schon bei früheren Gelegenheiten haben wir darauf
hingewie=
ſen, daß die élements stables für uns nur dann ammehmbar
ſind, wenn ſie nicht lediglich einſeitig die deutſche Grenzzone
be=
qufſichſtigen, ſondern in gleicher Weiſe auch die franzöſiſche
Grenzzone einer ſtändigen Kontrolle unterfteht, wobei
ſelbſter=
ſtändlich iſt, daß in dieſer Kommiſſion auch Deutſchland genau
ſo ſtark wie Frankreich vertreten iſt. Die Frage iſt aber im
Augen=
blick noch gar nicht altuell, da Fronkreich keine Neigung zeigt,
den deutſchen Wünſchen nach Zurückziehumg der
Beſatzungs=
truppen aus dem Rheinland Folge zu geben, und wir ohnehin
ſchon Schwierigkeiten genug haben, die Zuſagen der Weſtmächte
über die Herabſetzung der Beſatzungstruppen in den beiden
noch beſetzten Zonen durchzuſetzen.
Die Inſtrultionen der japaniſchen Oelegaiion
Die aus Tokio vorliegenden Meldungen über die japaniſche
Haltung auf der Konferenz beſagen, daß die japaniſche
Dele=
gation angewieſen ſei, der Verminderung der Höchſttonnage für
individuelle Schlachtſchiffe von 35= auf 20000 Tonnen
zuzu=
ſtimmen, desgleichen bei Kreuzern von 10= auf 8= oder 6000 und
bei entſprechenden Beſchränkungen in der Größe der U=Boote.
Die Japaner werden jedoch das Stärkeverhältnis 5:5:3 für
Kriegs= und Hilfsſchiffe von Kreuzern an abwärts ablehnen.
Japan hofft, das Verhältnis von 5:5:4 zu erreichen. Die
japaniſche Preſſe ſagt, die Regierung ſei nur dann bereit, dem
alten Stärkeverhältnis zuzuſtimmen, wenn das Projekt der
Singapore=Baſis aufgegeben und die ſtrikte Aufrechterhaltung
des status auo der Hawaibefeſtigungen und =garniſonen
zuge=
ſichert werde.
Familiennachrichten
Statt Karten.
Die Verlobung meiner Tochter
Erna mit Herrn Dipl=Ing.
Fritz Loeſſer, Telegraphendirektor
gebe ich bekannt
4
Meta Milkau
geb. Petter
z. Zt Brenden i. Baden
Meine Verlobung mit Fräulein
Erna Milkau
Tochter des verſtorbenen Herrn
Ober= Poſidirektions=Präſidenten
Ferdinand Milkau und ſeiner Frau
Gemahlin Meta, geb. Petter,
zeige ich hiermit an
Dipl.=Ing. Fritz Loeſſer
Telegraphendirektor
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Juni 1927.
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Die Geburt eines Sohnes
Arnulf Wiegand
zeigen an
Thekla RalsS, geh. Braunwarih
Dipl.-Ing. Heinrich Raiss.
Darmstadt, den 17. Juni
Wilhelm-Jägersfr. 2.
1927
(*16306
Todes=Anzeige.
Heute vormittag wurde meine innigſtgeliebte
Frau, unſere herzensgute, treuſorgende Mutter,
Großmutter, Schweſter und Tante
geb Köhler
nach einem langen, mit großer Geduld getragenen
Leiden, im Alter von 66 Jahren durch einen ſanſten
Tod erlöſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Schmidt, Ständehausinſp. i. R.
Karl Schmidt
Ernſt Schmidt / Dentiſten
Anni Schmidt, geb. Paul
Gretel Schmidt, geb. Bitter
Karl=Heinz, Enkel.
(9953
Langsdorf, den 17. Juni 1927.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 19. Juni,
nachmittags 3 Uhr, ſtatt.
Todeg=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, Freitag abend 9½ Uhr
unſere liebe, gute Mutter,
Schwie=
germutter und Großmutter
Frau
Sohanna Henge Wwe.
geb. Horn
plötzlich und unerwartet zu ſich in
die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Franz Henge
Familie Anton Henge
Marie Henge
Familie Koch
Familie Kienaſt
Familie Bernhardt.
Darmſtadt, Heinheimerſtr. 80, I.,
Mannheim, den 18. Juni 1927.
Die Beerdigung findet Mentag
nachmittag 4 Uhr auf dem
Wald=
friedhof ſtatt. (*16320
Nach längegem, mit großer
Ge=
duld getragenem Leiden verſchied
heute früh 5 Uhr mein lieber Gatte,
mein herzensguter Vater,
Schwie=
gervater, Großvater, Bruder,
Schwager und Onkel
Herr
Ludwig Altzweig
im kaum vollendeten 60.
Lebens=
jahre.
In tiefer Trauér:
Eliſe Altzweig, geb. Frank
1 Martin Altzweig u. Familie.
Darmſtadt, Kiesbergſtr. 64,
Reichen=
bach i. Odw., Wimpfen a. N., den
(9945
17. Juni 1927.
Auf Wunſch des Entſchlafenen findet
die Einäſcherung in der Stille ſtatt.
Vor der Genfer Orei=Mächte=
Flottenabrüſiungskonferenz.
Amerikas Vorſchläge.
EP. Waſhington, 18. Junk.
Wie mitgeteilt wird, ſind die Vorſchläge, die die amerikaniſche
Kommiſſion der Genfer Drei=Mächte=Flottenabrüſtungskonferenz
unterbreiten wird, endgültig feſtgelegt. Sie werden begleitet von
eingehenden Erläuterungen, die in der Eröffnungsſitzung
be=
kanntgegeben werden. Man glaubt hier zu wiſſen, daß die
Haupt=
punkte dieſer Vorſchläge folgende ſind:
1. Auch für Hilfsſchiffe wird das Stärkeverhältnis von 5:5:3
zwiſchen den Vereinigten Staaten, England und Japan feſtgeſetzt,
2. Die Höchſttonnage der Kreuzer beträgt 10 000 Tonnen.
Dieſer Vorſchlag wird offenbar von den Vereinigten Staaten
gemacht, um der Möglichkeit vorzubeugen, daß England und
Japan eine Höchſtgrenze von 6= oder 8000 Tonnen fordern.
3. Amerika ſchlägt als Höchſtkaliber für die Beſtückung der
Kreuzer 8 Zoll vor, während man damit rechnet, daß England
ein Höchſtkaliber von 6 Zoll fordern wird, um die Bewaffnung
der Handelsſchiffe in Kriegszeiten zu ermöglichen, was nach
amerikaniſcher Anſicht diejenigen Mächte begünſtigen würde, die
über eine große Handelsflotte verfügen.
4. Die Vereinigten Staaten werden für ſich die gleiche
Ge=
ſamttonnage an Kreuzern fordern, die England beſitzt. Daraus
würde ſich ein neues amerikaniſches Bauprogramm ergeben, da
ja eine Verminderung der engliſchen Kreuzertonnage nicht in
Frage kommt.
5. Die Vereinigten Staaten widerſetzen ſich energiſch einer
Tonnageverminderung der Panzerſchiffe oder einer anderen
Ver=
teilung der Panzerkreuzertonnage, als ſeinerzeit in Waſhington
vereinbart worden iſt.
6. Amerika lehnt jeden Verſuch der japaniſchen Delegierten
ab, das Problem der Flottenſtützpunkte im Pazifiſchen Ozean
zu diskutieren.
7. Die Vereinigten Staaten weigern ſich gleichfalls, über
den Panamakanal oder die Freiheit der internationalen Seewege
zu verhandeln.
Dieſe ſo umriſſene Politik der amerikaniſchen Delegierten
auf der Genfer Konferenz ſoll von den politiſchen und
Marine=
kreiſen der Vereinigten Staaten gebilligt worden ſein, ſo daß
man hofft, diesmal eine Unzufriedenheit wie nach der
Waſhing=
toner Marinekonferenz zu vermeiden.
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Hiermit die traurige
Mit=
teilung, daß am 15. ds. Mts.
meine liebe Tochter, unſere gute
Schweſter, Schwägerin u. Tante
Auguſie Weber
verehelichte Leonhard
im Alter von 37 Jahren infolge
eines Herzſchlags von ihrem
un=
heilbaren Leiden erlöſt wurde.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſt Weber.
Die Einäſcherung fand in der
Stille ſtatt. (*16257
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Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme und
die zahlreicheu Blumenſpenden bei dem uns ſo ſchwer
betroffenen Verluſte ſagen wir Allen auf dieſem Wege
unſern herzlichſten Dank. Ganz beſonders danken wir
Herrn Pfarrer Bickel für die troſtreiche Grabrede,
ferner Herrn Stumpf für den ehrenden Nachruf und
dem Geſangverein Liederkranz für den erhebenden
Grabgeſang, dem Bläſerquartett für die ſchöne
Grab=
muſik, ſowie dem Stammtiſch „Feuchtes Eck”, der
Gaſtwirte=Innung und dem Doppelquartett „
Rhein=
gold” für die Kranzniederlegungen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anna Pfaff Wwe. und Kinder.
Darmſtadt, den 1C. Juni 1927
(B. 9943
Mafftge
Oskar Scheidhauer
Frau Erna Ebert, Darmſtadt
Hügelſtr. 75 (8152a) Zel. 1117
ſage ich Allen auf dieſem Wege innigſten Dank. Beſonderen Dank
Herrn Pfarrer Beringer für die troſtireichen Worte am Grabe, der
General=
direktion des Heſſ. Tandestheaters, den Mitgliedern des Orcheſiers, dem
Opernperſonal, dem Deutſchen Muſikerverband, dem Männergeſangverein
Concordia Darmſtadt, ſowie all denen, welche dem Verſiorbenen das
letzte Geleit gaben
In tiefem Schmerz:
Agathe Scheidhauer, geb. Schief.
Darmſtadt, den 17. Juni 1927.
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Nummer 168
Seite 5
u
ſchmitta
Faale Baldſtraß.
eſame
rachtun
kotenkuß gat
hrkil
Aus der Landeshauptſiadt. Das Rote Kreuz im täglichen Leben.
Darmſiadt, 19. Juni.
— Ernannt wurden: am 2. Juni 1927 der Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Bingen Fritz Wachtel zum Amtsgerichtsdirektor bei dem
Amtsgericht Bingen mit Wirkung vom 1. Juli 1927 ab der
Amtsge=
richtsrat bei dem Amtsgericht Gießen Fritz Neuroth unter Belaſſung
in ſeiner Stelle als Amtsrichter zugleich zum Landgerichtsrat bei dem
Landgericht der Provinz Oberheſſen und der Amtsgerichtsrat bei dem
Amtsgericht Offenbach Dr. Wilhelm Wodgege zum Amtsgerichtsrat
bei dem Amtsgericht Gießen; am 15. Juni 1927, der Finanzpraktikant
Wilhelm Schäfer zu Darmſtadt vom 1. Juni 1927 ab zum
außer=
planmäßigen Oberſekretär. — Verſetzunginden Ruheſtand:
Auf Grund des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom
2. Juli/19. Dezember 1923 bzw. 8. Oktober 1825 (Regierungsbl. S. 509,
5ll und 249) tritt am 1. Auguſt 1927 in den Ruheſtand; der
Juſtizober=
wachtmeiſter beim Landgericht der Provinz Starkenburg Auguſt
Zeh=
ner zu Darmſtadt. — Erledigt ſind zwei Lehrerſtellen an der
katholiſchen Volksſchule in Dieburg. Eine Lehrerſtelle an der
evan=
geliſchen Volksſchule in Groß=Umſtadt (Kreis Dieburg);
Dienſt=
wohnung iſt vorhanden, zurzeit aber nicht frei.
Heſſiſches Landestheater. In der heutigen Aufführung von
Wag=
ners „Siegfried”, die bereits nahezu ausverkauft iſt, treten Gotthelf
Piſtor und Charlotte Maſſenburg in den Partien des Siegfried
und der Byünnhilde zum letzten Male vor ihrem Ausſcheiden aus dem
Verbande des Ländestheaters auf. Morgen Montag beginnt der
allge=
meine Vorverkauf zu dem Abſchiedsabend von Heinrich Hölzlin am
Mittwoch, den 22. Juni. Der Künſtler, der nach ſechsjähriger Tätigkeit
Darmſtadt verläßt, um einem Rufe an das Staatstheater in
Wies=
baden zu folgen, ſingt an dieſem Abend den Figaro in „Figaros
Hoch=
geit” „Smetangs Verkaufte Braut”, die ſeit langen Jahren
nicht mehr im Landestheater zur Aufführung gelangte, wird die letzte
Neuheit der Oper ſein. Das Werk kommt als letzte Aufführung der
Spielzeit am Sonntag, den 25. Juni, in vollſtändig neuer Inſzenierung
durch den Generalintendant Ernſt Legal und unter der muſikaliſchen
Leitung von Generalmuſikdirektor Joſeph Roſenſtock heraus. Als
Nachfolger von Imre Aldori tritt Hans Komregg vom
Landes=
theater in Prag mit Beginn der neuen Spielzeit in den Verband des
Landestheaters. Seine erſte Aufgabe wird die Titelpartie in Händels
„Julius Cäſar” ſein. Aber auch ſonſt wird der Sänger eine vielfache
Verwendung finden. Als zweite große Partie iſt der Jochangan in der
„Salome” beſtimmt worden.
D Ade euidercit zean un aet. Wr. d aue
Orpheum ab 3 Uhr. Siehe Anzeige.)
— Das Promenadenkonzert im Herrngarten heute Sonntag
vor=
mittag 11 Uhr hat folgendes Programm: 1. Seiffertitz=Marſch von
Ach=
leitner, 2. Triumph=Marſch und Hymne aus „Aida” von G. Verdi,
3. „Ein Albumblatt” von R. Wagner, 4. „Morgenblätter”. Walzer von
Joh. Strauß, 5. „Rheiniſcher Turnermarſch” zum Mittelrheiniſchen
Kreisturnfeſt mit dem Feſtlied „Gut Heil, dir, deutſche Turnerſchaft”
Dichtung K. Göbel, von Hauske, 6. Melodien aus dem „Luſtigen Krieg”
von J. Strauß und A. Die Leitung hat in Vertretung Herr Hauske.
— Gartenbauverein Darmſtadt. Am 26. Juni findet der in der
Maiverſammlung bereits bekanntgegebene Ausflug des Kreisverbandes
nach Veitshöchheim und Würzburg ſtatt. Die Abfahrt iſt aus der
An=
geige im heutigen Blatt erſichtlich, die Ankunft in Würzburg erfolgt um
10,52 Uhr. Hierauf Beſichtigung von Würzburg und Mittageſſen
nach freier Wahl. Um 13,40 Uhr Abfahrt nach Veitshöchheim.
Dort=
felbſt Beſichtigung der ſtaatlichen Lehranſtalt für Wein= Obſt= und
Gartenbau ſowie des Schloßgartens unter Führung von Beamten der
/Schule. Abfahrt in Veitshöchheim um 1704 Uhr. Ankunft in Darmſtadt
721,51 Uhr. Da Sonntagskarten nach Würzburg hier nicht aufliegen und
ider Aufenthalt in Aſchaffenburg zu knapp iſt, müſſen die Karten
FAſchaffenburg—Würzburg von hier aus telegraphiſch beſtellt werben,
Uwas bis um 725 Uhr im Warteſaal 3. Klaſſe erfolgen kann. Der
PPreis beträgt 4 Mark. Es werden nur ſoviel Karten beſtellt, als bis
77.25 Uhr beſtellt und bezahlt ſind. Erwünſcht iſt Anmeldung der
Teil=
nehwer bis zum 24. Juni d3, J8. bei dem Vorſitzenden. Der Ausflug
Gbietet viel Sehenswertes und iſt deshalb eine zahlreiche Beteiligung zu
gempfehlen.
— Zufolge Erhöhung des Reichsbankdiskontſatzes haben die Banken
Tbeſchloſſen, die Haben=Binsſätze mit Wirkung vom 14. d3. Mts. ab und
V. a. W. feſtzuſetzen. (Siehe Anzeige)
— Lichtbildervortrag! Zum Beſten der afrkaniſchen Miſſion wird
mam Dienstag 21. Juni, abends 8.15 Uhr, im Konkordiaſaal (Waldſtr. 33)
Dder Afrikamiſſionar P. Mare, Bruno. R. M. M., einen hochintereſſanden
WVortrag über ſeine Bjährige Tätigkeit im dunklen Afrika unter Wilden
rund Gebildeten halten. Der Vortrag iſt durch ſelbſtaufgenommene Licht=
Tbilder, die Ernſtes und Heiteres in reicher Folge bringen, illuſtriert.
DDer lehrreiche Vortrag kann jedermann auf das wärmſte empfohlen
werden. Saalöffnung 7.30 Uhr. (Siehe auch heutige Anzeige.)
— Alt=Darmſtadt, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Mächſter Vortragsabend Donnerstag, abends 8.30 Uhr, im Saal
Der „Eintracht‟, Eliſabethenſtraße 12. Herr Bühneninſpektor, Hohl
Ppricht über die Entwicklung des Theaters und des Bühnenbildes, mit
Wichtbildervorführung.
* Stadtbücherei. Wir machen unſere Leſer darauf aufmerkſam, daß
wwegen Prüfung der Bücherbeſtände alle Bücher eingezogen
wverden. Es müſſen an den jeweiligen Fälligkeitsterminen die aus der
SStadtbücherei entliehenen Bücher abgeliefert werden.
* Hohes Alter. Am Dienstag, 21. Juni, begeht Frau J. B. Mayer,
Bismarchſtraße 46, in ſeltener geiſtiger Friſche den 80. Geburtstag.
* 50jähriges Doktor=Jubiläum. Herr Geh. Sanitätsrat Dr. A.
Soffmann, der in dem jugendlichen Alter von 22 Jahrem an der
Iniverſität Straßburg promovierte, hat in dieſen Tagen das 50jährige
Doktor=Jubiläum begangen. Aus dieſem Anlaß wurden dem
Jubi=
dar zahlreiche Ehrungen aus nah und fern zuteil. Die Univerſität
„Frankfurt a. M. ſtellte als Nachfolgerin der Univerſität Straßburg
ſeine Emneuerung des Doktor=Diploms aus, die in künſtleriſcher Form
überreicht wurde. Der ärztliche Kreisverein ernannte Herrn Dr. A.
Soffmann zum Ehrenmitglied und ließ durch eine Abordnung
folgen=
oes Diplom überreichen: „In Anbetracht ſeinen langjährigen Verdienſte
mum den ärztlichen Kreisverein, beſonders auch ſeiner erfolgreichen
Be=
mühungen um die Wiederbelebung des mittelrheiniſchen Aerztetages
rund im Hinblick auf ſeine wiſſenſchuftliche Betätigung ernennnt der
arztliche Kreisverein Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. A. Hoffmann zu
ſei=
uem Ehrenmitglied.” Namens des Kreisvereins betonte Herr Dr.
Schlippe im einer längeren Anſprache, daß der Jubilav es verſtanden
abe, neben ſeiner regen praktiſchen Tätigkeit auch die Wiſſenſchaft zu
ſteflegen, wovon die zahlreichen ſchriſtlichen Arbeiten zeugen. Auch ſei,
Ss ihm zu verdanken, daß die Bücherei des Vereins ſtets beſondere
Sorg=
fralt genoß und in der ſchwerſten Zeit der Bezug wiſſenſchaftlicher
Ar=
heiten keine Unterbrechung erfahren habe. Große Verdienſte habe ſich
9or. Hoffmann um die Wiederbelebung der mittelrheiniſchen
Aerzte=
geſellſchaft erworben, die heute noch beſtehe. Als Vorſitzender der
Heſ=
ſiſchen Aerztekammer überbrachte Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Habicht
Fie Grüße derſelben und betonte, daß der Jubilar auch in der
ſchwer=
dren Zeit ſtets treu zu dem Verein und ſeinen ſittlihen Forderungen
gehalten habe. Der Jubilar dankte in längerer Rede und gab der
Goffnung Ausdruck, daß auch die jüngere Generation der
wiſſenſchaft=
lichen Soite der Medizin ihr Intereſſe widme. Auch außerhalb ſeiner
arztlichen Tätigkeit hat der Jubilar ſich bedeutende Verdienſte in
un=
ſerer Stadt erworben, ſo war er 45 Jahre im Vorſtand der
Klein=
lünderſchule in der Mauerſtraße tätig und hat während der ſchwierigen
Peit der Inflation als Vorſitzender das Fortbeſtehen dieſer älteſten
Wohltätigkeitsanſtalt Darmſtadts durchgeführt.
Es gehört für uns ſeit Jahrzehnten zur Selbſtverſtändlichkeit, daß
bei allen plötzlichen Notſtänden, Kataſtrophen, großen Unglücksfällen
das Note Kreuz ſofort zur Stelle iſt und die erſte Hilfe leiſtet. Bei
Eiſenbahn=, Bergwerks=, Brand= und Bau=Unfällen, bei Erdbeben,
Un=
wetterkataſtrotzhen, Hungersnöten und ausbrechenden Gpidemien greifen
ſofort die Hilfskräſte des Roten Kreuzes — Sanitätsmannſchaften,
Schweſtern, Samariterinnen — helfend ein, ſtehen Verbandmaterial.
Medikamente, Krankenwagen, Baracken und ſonſtige Hilfsmittel zur
Verfügung, werden umgehend Lebensmittel und Kleidungsſtücke
herbei=
geſchafft und verteilt und Geldmittel zur Behebung der ſchlimmſten
Not aufgebracht. Es iſt ein Beweis für die vorzügliche, weitſchauende
Organiſation des Roten Kreuzes, für ſeine Elaſtizität und
Leiſtungs=
fähigkeit, daß es den ungeheuren Apparat, den es für ſeine Uraufgabe berichte der Stadt Darmſtadt iſt folgendes zu entnehmen:
— die Pflege verwundeter und erkrankter Krieger und Linderung der
produktiv und nutzbringend im Dienſte der Allgemeinheit verwertet.
So ſtark das Note Kreuz in außergewöhnlichen Zeiten und
be=
ſonderen Fällen im der Oeffentlichkeit in die Erſcheinung tritt, ſo wenig
wird ſein ſtilles Wirken in normalen Zeiten im allgemeinen beachtet.
Und doch ſpielt es im öffentlichen Leben durch ſeine Mitarbeit auf allen
Gebieten der Volkswohlfahrtspflege eine entſcheidende Rolle, und doch
hütet und ſckützt es — für die meiſten unbemerkt und unbewußt. —
Leben und Geſundheit jedes Einzelnen. Der Kampf gegen die
Volks=
krankheiten — Tuberkuloſe, Geſchlechtskrankheiten, Alkoholismus — in
dem das Note Kreuz Pionierarbeit geleiſtet hat und den es auch jetzt
noch mit allen Kräften und Mitteln weiterführt, wirkt ſich nur zum
Teil in der Pflege, Betreuuug und Heilung der ſchon Erkrankten und
Gefährdeten in Fürſorgeſtellen, Heilſtätten und Krankenhäuſern aus:
notwendiger und wichtiger noch iſt der Schutz der Geſunden. Viel iſt
im Laufe der Jahre hier ſchon erreicht worden durch eine großzügige
Aufklärungsarbeit des Roten Kreuzes, das unermüdlich durch Schrift
und Bild, durch Vorträge und Ausſtellungen von Mund zu Mund dem
Erkrankten nahebringt, wie er ſich zu verhalten hat, um ſeine Umgebung
nicht zu gefährden, den Geſunden belehrt, wie er ſich vor Anſteckung
ſchützt, wie er ſeine Geſundheit erhält und kräftigt, und dauüber hinaus,
wie wir uns einen an Leib und Seele geſunden Nachwuchs ſchaffen
können.
Den tragenden Gedanken der modernen Sozialpolitik: Erhaltung
der Geſundheit und Arbeitsfähigkeit des Einzelnen durch vorbeugende
Maßnahmen und ihre Wiederherſtellung bei eintretenden Krankheits=
und Notfällen durch Hilfeleiſtung jeder Art im Intereſſe und zum Wohle
des Volksganzen, hat auch das Rote Kreuz ſich in ſeiner geſamten
Arbeit zu eigen gemacht.
Dieſem Gedanken dienen ſeine Anſtalten und Einrichtungen, in
dieſem Sinne arbeiten ſeine zahlloſen ehrenamtlichen Kräfte an der
Linderung der unabſehbaren Not unſerer Tage. Eing unermeßliche
Füille von entſagungsvoller ſelbſtloſer Kleinarbeit wird von dieſen
frei=
willigen Hilfskräften in aller Stille geleiſtet.
Wenn nun das Note Kreuz alljährlich einmal am Rotkreuztag aus
ſeiner Zurückhaltung in die Oeffentlichkeit tritt und für ſeine Tärigkeit
Intereſſe erwecken möchte, ſo geſchieht das nicht, um ſich ſeiner Taten
zu rühmen oder um öffentliche Anerkennung zu ernten. Es will nur
denen, die noch nicht zu ihm gehören. Rechenſchaft über ſeine Arbeit
ab=
legen; es will den Gedanken des Roten Kreuzes — Zuſammenſchluß
aller Hilfsbereiten uhne Anſehen des Standes, der politiſchen
Zu=
gehörigkeit und des religiöſen Bekenntniſſes — in alle Kreiſe unſeres
Volkes hineintragen. Und es hofft, alle in unſerer Bevölkerung noch
brachliegenden Kräfte dadurch allmählich für ſeine großen Ziele zu
ge=
frauenvereins und ſpendet reichlich am heutigen
Tage. Auch die kleinſte Gabe iſt willkommen.
Ab=
löſungszeichen loſten 1 Mark.
— Glockenſpiel. Zur Vornahme von Inſtandſetzungsarbeiten muß
das Glockenſpiel vom Montag, den 20. ds. Mts., ab für einige Tage
ſtillgelegt werden.
— Wochenmarkt zu Darmſtadt. Kleinhandels=Tagespreiſe vom
18. Juni 1927 pro Pfund bzw. Stick in Pfg.: 1. Gemüſe: Spargeln
1. Sorte 70—80, 2. Sorte 35—40. Kohlrabi 8—10, Karotten 8—12,
Rö=
miſchkohl 15—2, Wirſing 20—25, Buſchbohnen 50—100, Wachsbohnen
60, Erbſen 25, Zwiebeln 15—20, Knoblauch 80, Rhabarber 18—20,
Toma=
ten 50—100, Gärtner=Kopfſalat 8—16. Freiland=Kopfſalat 5—8,
Salat=
gurken 40—100, Blumenkohl, ausländiſcher 50—100, Rettich 8—15,
Meer=
rettich 70, Radieschen, Bund 6—8. 2. Kartoffeln; Frühkartoffeln
18—30, Spätkartoffeln 10. Mäuschen 15. 3 Obſt: Gröbeeren,
1. Sorte, 60—70, 2. Sorte 50, Abrikoſen 70—80, Kirſchen 35—45,
Bana=
nen 80—30, Apfelſinen 10—20, Zitronen 5—10. 4. Eßwaren:
Süß=
rahmbutter 200, Landbutter 160—180, Weichkäfe 30—35, Handkäſe 4—15.
Eier, friſche 12—13. 5. Wild und Geflügel: Hühner 120—180,
Tauben 80—100, 6. Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch,
friſch 8—110. Kalbfleiſch 120, Hammelfleiſch 80, Schweinefleiſch 90—139.
Dörrfleiſch 140. Schinken 200, Wurſt 70—140, Wurſtfett 60, Schmalz,
aus=
gelaſſen 100 Pfg.
Jauansurgen
ruugt
Rhiutr.1
*Ballonweitbewerb am Roten Kreuz=Tag.
Es wird noch einmal auf den Ballonwettbewerb am heutigen
Roten Kreuz=Tag hingewieſen, der im Orangeriegarten und im
Platanenhain ſtattfindet. Wie wir bereits mitteilten, ſtehen den
Siegern wertvolle Preiſe in Ausſicht. Da im Orangeriegarten
gleichzeitig ein japaniſches Kinderfeſt ſtattfindet, wird dort von
den Veranſtaltern ein kleiner Eintrittspreis erhoben, während
im Platanenhain der Eintritt frei iſt.
Darmſiadt in der Statiſtik.
Der Mainummer des Jahrgangs 1927 der Statiſtiſchen Monats=
1. Bevölkerungsſtand: Nach den bolizeilichen Fortſchrei=
Not im Kriegsfall — ins Leben gerufen hat, in normalen Zeiten ſo bungen betrug die Bevölkerung der Stadt Darmſtadt Ende April 1927
41910 männliche und 47 238 weibliche, zuſammen 89 138 Perſonen
gegen 89 148 Ende März 1937
2. Bevölkerungsbewegung: Im April 1927 balief ſich
die Zahl der polizeilich gemeldeten Zugezogenen auf 1037 (513 männliche
und 524 weibliche) und die der polizeilich gemeldeten Weggezogenem
auf 1035 (491 männliche und 544 weibliche) Perſonen.
Wanderungs=
gewinn und Wanderungsverluſt halten ſich ſomit im Berichtsmonat die
Wagſchale — Zu bemerken iſt noch, daß im Monat April 1927 die
An=
zahl der Todesfälle in Darmſtadt die der Geburten um 12 überſteigt.
3. Flächengröße des Stadtgebietes: Die Gemarkung
Darmſtadt umfaßte nach dem Zentralkataſter Ende März 1927 rund
5761 Hektar. Hiervon entfallen auf Wald 2977 Hektar, Ackerfeld 954
Hektar. Wieſen 475 Hektar, Hofreiten, Hofreitegründe und Bauplätze
449 Hektar, Grabgärten und Grasgärten 307 Hektar, Straßen und
Wege 267 Hektar, Eiſenbahnen 181 Hektar und Friedhöfe 48 Hektar.
Der Reſt von rund 103 Gektar verteilt ſich auf Uebungsplätze, Anlagen,
Bäche, Gräben und Teiche.
4. Brandverſicherungskapitalien uſw. für die
Ge=
ſamtgemarkung Darmſtadt. Es betrug das Geſamtverſicherungskapital
Ende 1924: 91 485 530 Mark. Ende 1925: 28 306 230 Mauk. Ende 1996:
295 930 871 Mark. — Das Geſamtumlagekapital belief ſich
Ende 1924 auf 314 258 20 Mark. Ende 1925 auf 315 813 010 Mark und
Ende 1926 auf 318 215 850 Mark. — Der Beitrag betrug in jedem der
3 Jahre für je 100 Mark Umlagekapital 8 Pfg.
5. Schlachtungen und Fleiſchunterſuchungen in
Darmſtadt im Monat April 1937. Geſchlachtet wurden 149 Ochſen,
3 Bullen, 147 Kühe, 16 Jungrinder, 716 Kälber, 2273 Schweine,
89 Schafe, B Ziegen und 2 Pferde. — Beanſtandet wurden 92 Ochſen,
1 Bulle, 116 Kühe, 9 Jungrinder, 15 Kälber, 508 Schweine 22 Schafe
und 10 Pferde. — Als minderwertig wurde erklärt das Fleiſch von
1½ Ochſen, 2, Kühen und 15 Schweinen. — Bedingt tauglich war das
Fleiſch von 1 Ochſen. — Untauglich waren 2 Kühe, 1 Schaf und 1 Pferd.
— Untauglich waren ferner 1061 Organe, 197,5 Kilo Fett und 140,5 Kilo
Fleiſch von 773 Tieren. — Auf Trichinen wurden unterſucht 2973 im
Schlachthof von Metzgern geſchlachtete Schweine und 1362 Kilo für
bie=
ſige Metzger eingeführtes friſches Fleiſch von 61 Schweinen. — Der
Nachunterſuchung wurden unterzogen 1449 Sendungen, enthaltend
51 937,5 Kilo Rindfleiſch, 1188 Kilo Kalbfleiſch, 1448 Kilo Ziegenfleiſch,
9805 Klo Schweinefleiſch, 330 Kilo Hammelfleiſch und 259 Kilo
Pferdefleiſch.
— Männervereinigung und Frauenverein der Petrusgemeinde. Am
Mittwoch, 22. Juni, abends 8.30 Uhr, findet im Gemeindehaus in der
winnen. Darum werdet Mitglieder des Heſſiſchen Eichwieſenſtraße 8 eine außerordentliche Hauptverſammlung der Männer=
Landesvereins vom Roten Kreuz oder des Alice= vereinigung und des Frauenvereins ſtatt, zu der diejenigen Mitglieder
eingeladen ſind, welche ſich zu der beabſichtigten Gründung einer
Sterbe=
kaſſe angemeldet haben oder die Abſicht haben, dies noch zu tun. Es
ſoll auf dieſer Hauptverſammlung endgültig entſchieden werden, ob die
Sterbekaſſe ins Leben treten ſoll oder nicht. Deshalb werden alle, die
es angeht, dringend gebeten, ſich pünktlich einzufinden.
— Reichswirtſchaftsverband bildender Künſtler, „Gzu Volksſtaat
Heſſen E. V.‟ Der heutigen Notlage der Künſtlerſchaft Rechnung
tra=
gend, iſt die Ausſtellungsleitung „Alte Kunſt am Mittelrhein=Darmſtadt
1927, Heſſiſches Landesmuſeum, bereit, den Mitgliedern unſeres
Verban=
des folgende Vergünſtigungen zu gewähren: Die Mitglieder löſen ein
einziges Mal eine Eintrittskarte zu einer Mark und erhalten bei dieſer
Gelegenheit durch Abſtempelung ihrer Mitgliedskarte, die mit Lichtbild
verſehen iſt, die Berechtigung zum freien Eintritt bei ihven weiteren
Beſuchen der Ausſtellung.
— Darmſtadt—Rhein. Es iſt nunmehr, wie uns der Verein
Darm=
ſtadte-Rhein mitteilt, von der Oberpoſtdirektion Darmſtadt in
dankens=
werter Weiſe angeovdnet worden, daß der Kraftwagen der Schnell=
Linie Darmſtadt—Rhein für die Folge 15 Minuten vor der
planmäßigen Abfahrt am Ausgangspunkt der Linie auf den Luiſenplatz
in Darmſtadt bereitſteht. Hierdurch iſt den Wünſchen zahlreicher
Reiſen=
der, ſofort nach Ankunft auf der Abfahrtsſtelle einſteigen zu können,
Rechnung getragen.
— Dampfer=Expeditionen des Norddeutſchen Lloyd, Bremen. Nach
New York ab Bremen=Bremerhaven: „Columbus” am
23. 6., „Berlin” am 26. 6., „George Waſhington” am 29. 6. „Preſident
Harding” am 4. 7., „München” am 6. 7. — Nach dem La Plata
ab Bremen=Bremerhaben: „Werra” am 25. Juni, „Weſer” am 16. Jul:
— Nach Oſtaſien ab Bremen: „Eurhlochus” am 25. 6., Gerrat”
am 2. 7., „Saarbrücken” am 9. 7. — Nach Auſtralien ab Bremen:
„Alle” am 21. 6. „Eſſen” am 2. 7., „Idomeneus” am 12. 7. — Mitgeteilt
von der Auswanderungsagentur Anton Fiſcher, Darmſtadt,
Frank=
furter Straße 19/14.
— Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg—Amerika=Linie. Nach
New York: „Thuringia” ab Hamburg am 22. 6. „New York” ab
Hamburg am 23. 6., ab Kuxhaven am 24. 6., „Deutſchland” ab Hamburg
am 29. 6., ab Kuxhaven am 30. 6., „Cleveland” ab Hamburg am 6. 7.,
ab Kuxhaven am 7. 7. „Hamburg” ab Hamburg am 14. 7.. ab Kuxhaven
am 15. 7., „Weſtphalia” ab Hamburg am 2. 7., „Reliance” ab Hamburg
am 29. 7., ab Cuxhaven am 30 7. — Nach Philadelphia,
Bal=
timore, Norfolk: „Carl Legien” am 24. 6., „Iſerlohn” am 8. 7.,
„Kiel” am 2. 7. — Nach der Weſtküſte Nordamerikas: Iſis”
am 2. 7., „9. A. Chriſtenſen” am B. 7., „Odenwald” am 13. 8. — Nach
Kubg: „Feodoſia” am 15. 7., ein Dampfer am 15. 8. — Nach
Mexiko: Aragonia” am 2. 6. „Rio Panuco” am 5. 7., „Seſoſtris”
am 16. 7. „Nordſchleswig” am B. 7., „Rio Bravo” am 9. 8. — Nach
Porto Rico, Jamaica, Santiago de Cuba, Haiti,
Do=
mingo: „Cuba am 9. 7., „Kreta” am 30. 7., „Danzig” am D. 8. —
Nach WeſtindienWeſtküſte, Zentralamerika: „Albert
Vögler” am 22. 6. „Galicia” am 2. 7., „Amaſſia” am 13. 7., „Altmark”
am B. 7., „Rugia” am 3. 8. — Nach der Oſtküſte Südamerikas=
„Gmden” am 22. 6., „Frankenwald” am 22. 6., „Würtemberg” am 29. 6.,
„Ludendorff” am 6. 7., „Liquria am 6. 7., „General Mitre” am 13. 7.,
„Hindenburg” am 2. 7. „Harburg” am 20. 7. — Nach der Weſtküſte
Südamerikas: „Itauri” am 29 6. Nitokris” am 2. 7., „
Spree=
wald” am 9. 7., „Uruguay” am 16. 7., „Idarwald” am 30. 7., „
Rhodo=
pis” am 13. 8. — Nach Niederländiſch=Indien: „Altona”
am 6. 7., „Kaſſel” am 3. 8. — NacAuſtralien: „Eſſen” am 29 6.,
„Bochum” am 30. 7. — Nach Oſtaſien: „Germar” am 22. 6. „
An=
halt” am B. 6., „Adolf von Baeher” am 25. 6., „Telamon” am 2. 7.—
Nach Afrika: „Toledo” am 9. 8. — Hamburg=Rhein=Linie:
wöchentlich ein Dampfer — Mitgeteilt durch die hieſige Vertretung:
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n
Grafenſtr. 233, 1. Ctage
Seite 6
Sonntag, den 19. Juni 1927
Nummer 168
*Entſchließung des Heſſiſchen Induſtrie= und
Handelskammertages zur Gewerbeſteuer.
Der Heſſiſche Induſtrie= und Handelskammertag hat mit
Entrüſtung von dem Beſchluß des Finanzausſchuſſes des
Heſſi=
ſchen Landtags Kenntnis genommen, der dem Landtag empfiehlt,
die für 1925, 1926 und 1927 als vorläufig geleiſteten
Gewerbe=
ſteuer=Vorauszahlungen für endgültig zu erklären. Als
Begrün=
dung hierfür wird im weſentlichen angeführt, daß die Vorteile,
die eine endgültige Verankagung bringen würde, nicht die
unge=
heure Arbeit, die den Finanzämtern durch ein ſolches Geſetz
erwüchſe, rechtfertigten.
Demgegenüber weiſen die heſſiſchen Induftrie= und
Handels=
kammern darauf hin, daß der ſeitherige Zuſtand der Erhebung
von Gewerbeſteuer=Vorauszahlungen, die ſich auf an ſich ſchon
mangelhafte Steiergrundlagen der Jahre 1924 und 1925
auf=
bauten, von Anfang an als unerträglich und die Wirtſchaft
ſchä=
digend empfunden worden iſt. Nur notgedrungen konnte der
befonderen Umſtände wegen der Verzicht einer endgültigen
Ver=
anlagung der Gewerbeſteuerzahlungen für das Jahr 1924
hin=
genommen werden. Von Jahr zu Jahr war dann aus den
Krei=
ſen der Wirtſchaft immer wieder auf die Notwendigkeit der
Schaffung einer ordentlichen und gerechten
Veranlagungsgrund=
lage und einer endgültigen Veranlagung der heſſiſchen ſtaatlichen
und gemeindlichen Gewerbeſteuern hingewieſen worden. Als
ſich dieſe Forderungen endlich zu dem Enturf eines
Gewerbe=
ſteuergeſetzes und damit zu dem Beſtreben des Heſſiſchen
Finanz=
miniſteriums, eine baldige endgültige Veranlagung
herbeizu=
führen, vor Jahresfrift verdichtet hatten, wurde ſeitens der
Wirtſchaftskreiſe mit wachſender Beſorgnis die zögernde
parla=
mentariſche Behandlung dieſer Materie verfolgt. Die in dieſer
Zeit gehegten Befürchtungen, daß die zögernde Behandlung der
Gewerbeſteuerfrage zu einer Ablehnung des Geſetzentwurfes
ſeitens des Landtags führen könnte, erhalten jetzt durch den
unglücklichen obenerwähnten Beſchluß des Finanzausſchuſſes des
Heſſiſchen Landtags ihre Beſtätigung.
In letzter Stunde halten die heſſiſchen Wirtſchaftskreiſe ſich
für verpflichtet, auf das Unhaltbare dieſes Beſchluſſes die
Heſ=
ſiſche Regierung, den Heſſiſchen Landtag und die breite
Oeffent=
lichkeit hinzuweiſen. Die heſſiſche Wirtſchaft darf nicht nur
ver=
langen, daß ſeitens der Heſſiſchen Regierung und des Heſſiſchen
Landtags das wiederholt gegebene Verſprechen einer endgültigen
Veranlagung eingelöſt wird, ſondern ſie muß auch nachdrücklichſt
fordern, daß in den heſſiſchen Gewerbeſteuern das elementarſte
Prinzip der ſteuerlichen Gerechtigkeit Anwendung findet. Der
Notwendigkeit einer gerechten Durchführung der
Gewerbeſteuer=
erhebung gegenüber kann die möglicherweiſe eintretende
Mehr=
belaſtung der Finanzämter keine ausſchläggebende Rolle ſpielen.
Dieſe Geſichtspunkte müſſen diejenigen Parteien des
Heſſi=
ſchen Landtags, deren Vertreter ſich im Finanzausſchuß in
Ver=
kennung der notwendigen Belange der Wirtſchaft gegen eine
ſofortige geſetzliche Regelung der Gewerbeſteuern in Heſſen
aus=
geſprochen haben, veranlaſſen, ihre Stellungnahme grundlegend
zu ändern. Die heſſiſche Wirtſchaft erwartet von dem Heſſiſchen
Landtag die ſofortige endgültige Regelung der Gewerbeſteuern
1925, 1926, 1927 und darüber hinaus bis zum Inkrafttreten der
Reichsrahmengeſetze für die Realſteuern.
* Provinzialausſchuß.
1. Beſchwerde des Wilhelm Schupp 4. zu Griesheim
gegen den Beſcheid des Kreisamts Groß=Gerau wegen Verſagung der
Erlaubnis zum Handel mit unedlen Metallen. Das Kreisamt hat
abgelehnt, weil nach Gutachten der Induſtrie= und Handelskammer
Schupp nicht die erforderliche Kenntnis beſitzt. Schupp iſt Vollinvalide,
hat rechts ein Glasauge, am anderen Auge nur die halbe Sehkraft.
Schupp beſitzt die Erlaubnis zum Handel mit Lumpen und Altmetall.
Auch das neuerliche Gutachten der Induſtrie= und Handelskammer
ſpricht ſich gerade mit Rückſicht auf die mangelnde Sehkraft gegen die
Erteilung der Erlaubnis aus. Das Gericht gibt der Beſchwerde
ſtatt und erteilt die Erlaubnis.
2. Klage der Marie Heckhaus, hier, Kirchſtraße 10, gegen
den Beſcheid des Kreisamts wegen Nichterteilung des
Wandergewerbe=
ſcheins. Die Geſuchſtellerin iſt, 1904 geboren, noch nicht 25 Jahre alt,
welches Alter das Geſetz regelmäßig erfordert. Der Ehemann iſt
zur=
zeit arbeitslos. Die Geſuchſtellerin will Galanteriewaren und
Speiſe=
eis vertreiben. Der Klage wird ſtattgegeben und der
Wan=
dergewerbeſchein erteilt.
8. Geſuch des Philipp Müller um Erteilung der Erlaubnis
zum Betriebe einer Gaſtwirtſchaft im Hauſe Obergaſſe 12. Das Geſuch
iſt zurückgezogen.
4. Geſuch der Eugenie Müller geb. Ruhmann zu
Darm=
ſtadt um Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft
mit Branntweinausſchank im Hauſe Bleichſtraße 43. Es handelt ſich
um ein Kaffee mit voller Konzeſſion; die in Miltenberg geborene
Ge=
ſuchſtellerin hat 5 Kinder, der Ehemann iſt ſchon 25 Jahre im
Wirts=
gewerbe tätig. Das Kreisamt bringt Beanſtandungen zur Sprache, die
in der Perſon des Ehemannes Müller liegen. Die Gaſtwirteinnung
befaht das Bedürfnis, die Deputation der Stadtverordneten verneint
es. Das Kaffee Haſſic wird ſeit 1898 betrieben. Der Vertreter der
Ge=
ſuchſtellerin führt aus, Müllen habe in Mainz am Schillerplatz Wirtſchaft
geführr, ſei von den Franzoſen ausgewieſen worden und habe ſich dann
hier als Wirt niedergelaſſem; eine Stempelſtrafe und eine Strafe wegen
Ueberwirtens könne nicht in Betracht kommen. Der Ehemanm
Müller fucht ſtatt der Ehefrau um die Konzeſſion
nach. Dieſe Konzeſſion erteilt der
Provinzialaus=
ſchuß.
5. Geſuch der Marie Feld geb Laſotta zu Darmſtadt um
Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft im Hauſe
Lauteſchlägerſtraße 4. Die Wirtſchaft beſteht ſeit 30. April 1914. Die
Wirteinnung bejaht ein Bedürfnis, die Deputation der Stadtverordneten
verneint es der letzteren Anſicht ſchließen ſich Kreisamt und Polizeiamt
an. Die Ehefrau Feld hat in Friedberg Wirtſchaft betrieben. Die
Ge=
ſuchſtellerin beabſichtigt, auch Speiſewirtſchaft zu betreiben. Die
Konzeſſion wird erteilt.
6. Klage des Bezirksfürſorgeverbands Aſchaffenburg=Stadt gegen
den Bezirksfürſorgeverband Darmſtadt=Stadt wegen Erſatzes von
armen=
rechtlichen Aufwendungen für den Arbeiter Friedrich Jaroſch. Jaroſch
litt an offener beiderſeitiger Lungentuberkuloſe und wurde nur gebeſſert
aus dem Städtiſchen Krankenhauſe hier entlaſſen, da er als früherer
24 Jahre alter Bergarbeiter — nach ſeiner Heimat Gleiwitz reiſen
wollte. Darmſtadt beſtreitet, daß in Aſchaffenburg Hilfsbedürftigkeit
vorgelegen habe, Jaroſch ſei ſchon nach 10 Tagen dort entlaſſen worden.
In Aſchaffenburg handele es ſich höchſtens um einen neuen Pflegefall.
Jaroſch leidet ſchon lange an Lungentuberkuloſe. Aſchaffenburg ſteht
auf dem Standpunkt, es handele ſich um einen fortgeſetzten Pflegefall.
Jaroſch ging von hier nach Aſchaffenburg zu Fuß. Unaufgeklärt iſt, wo
er ſich in den drei Tagen bis zur Einlieferung im Aſchaffenburger
Krankenhauſe aufgehalten hat. Das Urteil weiſt die Klage ab.
— Der Darmſtädter Zweig des Deutſchen Sprachvereins brachte
Tagung des Geſamtvereins, die in der Pfingſtwoche zu Wien ſta
fand, den Antrag ein, es möge der Sprachverein zu den Gütern, die
pflegt, auch die deutſche Schrift rechnen. Von ſeiner Gründu
(1885) an bis in die jüngſte Zeit war der Sprachverein der Meinur
zur Schriftfrage dürfe er aus Rüickſicht auf lateinſchriftliche Anhän
keine Stellung nehmen. Mittlerweile iſt aber die Einſicht in den Scht
heits= und Volkskumswert unſerer deutſchen Buchſtaben ſo erheblich
wachſen, daß die heurige Hauptverſammlung im Sinne des Darmſtäd
Antrages mit überwältigender Mehrheit folgende Entſchließung faf
„Die deutſche Schrift iſt ein hohes Gut, das auf Grund jahrhundertelang
Verbindung mit der deutſchen Sprache und auf Grund enger Anpaſſu
an deutſche Sprachbedürfniſſe das deutſche Volk verpflichtet. Der Spra
verein bekennt ſich zu dem in weiteſten Kreiſen gehegten Wunſche, d
deutſche Volksſchrift erhalten, gepflegt und gefördert zu ſehen.” W
die Feinde des deutſchen Volkstums, die in der deutſchen Schrift
auffallendes Wahrzeichen des Deutſchtums und eine ſeiner beſten Stüt
erblicken, in Tirol, Böhmen, Polen und anderswo dieſe Buchſtal
verboten, ſo konnten ſie ſich bisher leider darauf berufen, daß ſogar
Deutſche Sprachverein die deutſche Schrift nicht zu den wertvollen C
tern des deutſchen Volkstums zähle. Dieſer Behauptung iſt nun
Boden entzogen, und der Darmſtädter Zweig kann ſich freuen, daß
den Gefamtverein zu einem klaren Bekenntnis veranlaßt hat. Auch
haſſiſche Mitglied des Geſamtvorſtandes, Univerſitätsprofeſſor Dr. 9
baghel, hat jene Kundgebung gebilligt-
Heſſiſcher Induſtrie= und Handelskammertag
in Mainz.
Die Vollverſammlung des Heſſiſchen Induſtrie= und
Handelskammer=
tages wurde am Samstag, den 18. Juni, gegen 11 Uhr, im Weißen
Saale des Kurfürſtlichen Schloſſes zu Mainz durch den Vorſitzenden,
Herrn Fabrikant Chriſtian Scholz, eröffnet. Er gedachte zunächſt des
im Vorjahre verſtorbenen langjährigen Vorſitzenden des Induſtrie= und
Handelskammertages, Kommerzienrat Dr. Bamberger, in ehrenden
Worten, zu deſſen Andenken ſich die Anweſenden von den Sitzen
erho=
ben. Hierauf begrüßte der Vorſitzende die zahlreich erſchienenen Gäſte,
a. a. Miniſterialrat Müller für den Reichsminiſter der beſetzten
Ge=
bietze, Regierungsrat Dr. Voß für den Reichskommiſſar für die beſetzten
Gebiete, Herrn Miniſter Raab für den heſſiſchen Staatspräſidenten
und Herrn Staatsſekretär Dr. Trendelenburg. Hierauf wurden
die Herren Gimbel=Bingen und Schenck=Darmſtadt zu
Bei=
ſitzern gewählt.
In ſeiner Begrüßungsanſprache übermittelte Miniſter Raab die
Grüße des heſſiſchen Staatspräſidenten und wünſchte den Verhandlungen
den beſten Verlauf. Es folgte als Punkt 1 der Tagesordnung ein
außer=
ordentlich tiefſchürfender Vortrag des Staatsſekretärs Dr.
Tren=
delenburg=Berlin über „Weltwirtſchaftliche Fragen”.
Redner gab im Anſchluß an ſeine Teilnahme an der
Weltwirtſchafts=
konferenz in Genf ein anſchauliches Bild über den gegenwärtigen Stand
der weltwirtſchaftlichen Verhandlungen. Die Ausführungen des
Red=
ners bewegten ſich in dem Rahmen, wie ſie ſchon von ihm und dem
Füh=
rer der Delegation, Dr. Lammers, vor dem Auswärtigen Ausſchuß
des Reichstages, dem Ausſchuß für Volkswirtſchaft und dem Ausſchuß
für Handelspolitik am Freitag gemacht worden ſind. Wir werden
darauf noch näher zurückkommen.
Ueber die wirtſchaftliche Lage in Heſſen berichteten die
Vertreter der einzelnen Wirtſchaftszweige. Dr Cratz=Offenbach
ſprach über die Wirtſchaftslage der Offenbacher Leder=,
Lederwaren=
induſtrie und Schuhfabrikation. Die Lage ſei wegen der Abſatzmängel
auf dem Weltwarkt und der hohen Geſtehungskoſten außerordentlich
ungünftig. Die Arbeitsloſigkeit im Offenbacher Wirtſchaftsgebiet iſt
viermal ſo groß wie im Reichsdurchſchnitt.
Für den Wormſer Wirtſchaftsbezirk unter beſonderer
Berückſichti=
gung des Einzelhandels ſprach Herr Lohnſtein=Worms. Eine
Beſſerung der ſchwierigen Lage ſei erſt von einer vollſtändigen
Be=
freiung des beſetzten Gebietes zu erwarten. Herr Sichel=Mainz
be=
handelte die Verhältniſſe auf dem Gebiet des Weinbaues und
Wein=
handels. Seine Ausführungen bewegten ſich in dem Rahmen der von
ihm gemachten Darlegungen auf der Hauptverſammlung des
Heſſi=
ſchen Weinbauverbandes, die wir in unſerer Dienstag=Nummer
ver=
öffentlicht haben. Herr Fabrikant Schenck=Darmſtadt ſprach über die
Lage der heſſiſchen Maſchinenbauinduſtrie. Sie leide
immer noch unter den Nachwirkungen des Rhein= und Ruhrkampfes.
Durch die durch die Zollſchranken bedingten Einſchränkungen der
Be=
ziehungen zu dem Saargebiet ſei die heſſiſche Maſchineninduſtrie ſchwer
geſchädigt worden. Erſt eine zollpolitiſche Wiedervereinigung des
Saar=
gebiets könne da einen nachhaltigen Wandel ſchaffen,
Geheimrat von Opel ſetzte ſich in äußerſt temperamentvoller
Weiſe für die Intereſſen der deutſchen und heſſiſchen Automobilinduſtrie
ein und forderte durch zweckmäßige Zölle einen weitergehenden Schuttz
der einheimiſchen Automobilinduſtrie als ſeither. Ueber die
vielgeſtal=
tigen und eigenartigen Verhältniſſe in Oberheſſen ſprach
Kom=
merzienrat Klingſpohr=Gießen. Wir werden auf die
Aus=
führungen der einzelnen Vertreter noch näher zurückkommen.
Nach dem Schlußwort des Vorſitzenden, Herrn Ch. Scholz im
dem dieſer auf die in Heſſen als Rand= und beſetztes Gebiet beſonders
ſchwierige Lage hinwies, wurde noch folgende Entſchließung einſtimmig
angenommen.
Entſchließung.
Der Wiederaufbau der Wirtſchaft iſt ſolange unmöglich, als ſich die
Staaten durch prohibitive Zollſchranken voneinander abſchließen. Durch
dieſe Politik des Hochſchutzzolls wird die deutſche Wirtſchaft beſonders
beeinträchtigt, da ſie infolge der ihr auferlegten ſchweren Kriegslaſten
mehr noch als die der anderen Länder gezwungen iſt, die Ausfuhr ihrer
Fertigfabrikate zu ſteigern.
Darüber hinaus wird jedoch Handel und Induſtrie Heſſens noch
beſonders betroffen durch die Loslöſung des Saargebiets aus der
deut=
ſchen Zolleinheit, eines Gebietes, mit dem die heſſiſche Wirtſchaft von
jeher in engſter Beziehung geſtanden hat. Die freie Entwicklung des
Wirtſchaftslebens im Bereiche der heſſiſchen Induſtrie= und
Handels=
kammern, und zwar ſowohl im beſetzten wie auch im angrenzenden
Ge=
biet, wird weiterhin durch die Beſetzung unterbunden. Dieſe verhindert
die Gründung neuer Unternehmungen und hemmt die Entfaltung
ein=
heimiſchen Unternehmungsgeiſtes. Die Auswertung des neueſten
Ver=
kehrsmittels, des Flugzeugs, iſt heute noch im beſetzten Gebiet praktiſch
unmöglich gemacht
Die heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammern halten die Befreiung
des beſetzten Gebietes von allen Beſchränkungen, die Beſeitigung der
Zollgrenzen an der Saar und die Aufhebung der Beſetzung für eine
unerläßliche Vorbedingung der Geſundung der Wirtſchaft.
Anſchließend berichtete Herr Dr Cratz=Offenbach noch in
ein=
gehender Weiſe über die auf dem Gebiet der Gewerbeſteuerzahlungen
herrſchenden Mißſtände. Eine diesbezügliche Erklärung, die den
Stand=
punkt des Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammertages präziſiert,
wird dem Landtag, der Regierung und Preſſe unverzüglich zugeleitet
werden. Nach 2 Uhr wurde die harmoniſch verlaufene Sitzung geſchloſſen.
* Bezirksſchöffengericht. 1 Wegen gemeinſchaftlicher gefährlicher
Körperverletzung haben ſich drei hier wohnende Arbeiter zu verantwon
ten. Sie waren in der Nacht vom 17./18. Dezember 1926 in einer
hieſi=
gen Wirtſchaft. Dort ſoll es ſchon, nach Angabe der Angeklagten, zu
Unſtimmigkeiten gekommen ſein. Die Anklage legt den Genannten zur
Laſt, ſich der Körperverletzung ſchuldig gemacht zu haben; dabei ſoll mit
einem Meſſer und Schlagring gearbeitet worden ſein, während der dritte
den Verletzten feſtgehalten habe. Die Angeklagten wollen ſich gegenüber
Angriffen gewehrt und in Notwehr gehandelt haben. Der Verletzte
hatte ein Verhältnis mit der Schweſter des einen der drei Angeklagten
gehabt. Er hatte verſchiedene Stiche erhalten und war nach ſeiner
An=
gabe ein Vierteljahr arbeitsunfähig; als Buße verlangt er 500 Mk.; er
beſtreitet, geſtochen zu haben, allerdings hatte er ein Meſſer bei ſich,
vill aber nicht dazu gekommen ſein, es aus der Taſche zu nehwen.
Spä=
ter kehrten die drei Angeklagten wieder in die Wirtſchaft zurück, und
einer von ihnen äußerte dabei: Der hat ſein Fett”; einer von ihnen
erklärte, er ſei geſtochen worden. Der Verletzte wurde mit dem
Kranken=
auto ins Krankenhaus gebracht. Nach dem ärztlichen Befund hatte der
Verletzte zwvei Wunden im Rücken, die Lunge muß verletzt geweſen ſein.
Komplikationen waren zu befürchten. Nach ſechs Wochen wurde der
Verletzte aus dem Kronkenhaus entlaſſen, ſollte jedoch ſchwere Arkeit
zunächſt nicht leiſten. Der eine der Angeklagten hatte zwei Verletzungen,
je eine an der Bruſt und auf dem Schulterblatt. Der Staatsanwalt
ſtellt feſt, daß die Angeklagten mit dem Verletzten abrechnen wollten und
ihm auf die Straße folgten. Von einer Notwehr derſelben könne keine
Rede ſein. Gs werden Gefängnisſtrafen von 7, 4 und 3 Monaten
beam=
tragt. Das Urteil erkennt auf die vom Staatsanwalt beantragten
Stra=
fen und eine Buße von 500 Mk. — 2. Der weiteve zur Verhandlung
ſtehende Fall betrifft eine Anklage wegen Erpreſſung. Der Angeklagte
ſoll mit Anzeige wegen angeblich ſittlicher Verfehlung gedroht und den
anderen ſo zur Hergabe von Geld und Kartoffeln genötigt haben. Der
Vorfall liegt ſchon einige Zeit zurück. Der Staatsanwalt hält Vollendung
und Verſuch der Erpreſſung als eine fortgeſetzte Tat für erwieſen
und beantragt vier Monate Gefängnis und Aberkennung der
bürger=
lichen Ehrenrechte auf drei Jahre. Der Verteidiger hält nur Betrug
für vorliegend und bittet hiernach nur Beſtrafung eintreten zu laſſen.
Das Urteil erkennt auf die beantragte Strafe von vier Monaten. Von
Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wird abgeſehen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die Meranter urſchtimenden Nefiyen find andſchllefftich als Hinwelſe auf Anzeigen zu bekrechten
In frinem Falle irgendwie alt Deſprechung oder Rritſl.
— Alldeutſcher Verband. Indem wir auf unſere Anzeige
in der heutigen Nummer dieſes Blattes hinweiſen, machen wir darau
aufmerkſam, daß der am Dienstag, den 21. Juni, abends 8 Uhr, in
Weißen Saal bei Chriſt (Grafenſtraße 18) ſtattfindende Lichtbilder
Vortrag über „Kinderheim Schloß Neuſorge” die Schö)
fung der bekannten deutſchfreundlichen Schwedin Elſa Brandſtröm be
handelt. Freunde und Gäſte ſind willkommen — Am 12. Juli (3. Diens
tag) finden Alldeutſche 2 bende um 6 Uhr bei Chriſt, möglichſt im Gar
ten, ſtatt. Beſondere Einladungen ergehen nicht
— Im Hotel Prinz Heinrich am alten Bahnhof, ſchöner
ſchattiger ſtaubfreier Garten mit gediegenen Hallen, findet heute
Sonn=
tag abend großes Gartenkonzert ſtatt. Dem Beſucher ſtehen genußreiche
Stunden bevor. Siehe Anzeige.
Deutſcher Philologentag in Oresden.
Der Deutſche Philologenverband hielt vom 9. bis 11. Juni in
Dres=
den ſeinen 10. Verbandstag ab. Drei wichtige Gedankenkreiſe ſind aus
dem vielſeitigen Verhandlungsſtoff hervorzuheben: das ſtarke Bekenntnis
zu der Kultureinheit der Reichs= und Auslandsdeutſchen, die Sorge um
die Zerriſſenheit des gegenwärtigen deutſchen Schulweſens und der
Kampf um eine gerechte Beſoldung der höheren Beamten ſchlechthim
und der Philologen im beſonderen.
Die enge Verbundenheit aller derer, die die deutſche Sprache und
das deutſche Kulturgut eint, fand ihren äußeren Ausdruck in der
ſtar=
ken Beteiligung der au slandsdeutſchen Philologen. Unter ſtürmiſchem
Beifall der Verſammlung hieß der erſte Vorſitzende des Verbandes.
Geheimrat Dr. Mellmann=Berlin, die zur Tagung erſchienenen Pioniere
des Deutſchtums aus Lettland, Eſtland, Siebenbürgen, Rumänien und
anderen Grenz= und Auslandsgebieten willkommen. Jubelmder
Bei=
fall ſetzte erneut ein, als Vertreter der auslandsdeutſchen Philologen
vor der Verſammlung ein feierliches Bekenntnis zum Deutſchtum
ab=
legten und Vertreter Oeſterreichs den innigen Wunſch der öſterreichiſchen
Philologen nach der ſtagtlichen Einheit mit Deutſchland betonte.
Die Zerriſſenheit des heutigen deutſchen Schulweſens wurde ſchon
vom Vorſitzenden in ſeiner Begrüßungsanſprache bedauert. Die
Zer=
ſplitterung komme daher, daß die Schulreformen der deutſchen Länder
zu ſehr vom grünen Tiſch aus und ohne genügende Fühlungnahme der
Länder untereinander geſchaffen wurden. Es rächt ſich nun die
Ver=
ſäumnis, daß ſowohl von der kulturpolitiſchen Abteilung des
Reichs=
miniſteriums des Innern als auch von dem 8er=Ausſchuß, in dem die
Länder vertreten ſind, zu wenig die ſachkundigen Kreiſe der Philologen
zur Mitarbeit herangezogen worden ſeien. Der zweite Vorſitzende,
Oberſtudiendirektor Dr. Behrend=Berlin, ging in einem Vortrag über
„Die gegenwärtige Lage des höheren deutſchen Schulweſens” auf dieſe
Dinge näher ein und zeigte, wie ſtark der Unterſchied der
Schul=
reformen der deutſchen Länder in bezug auf die Schultypen, Lehrfächer
und Stoffverteilung iſt. Dieſe Zerſplitterung ſchädigt nicht nur das
Werk der Erziehung, ſondern vor allem die Elternſchaft, die im Falle
eines Wechſels des Wohnſitzes ſchwer unter dieſem unhaltbaren
Zu=
ſtand leidet. Um dem Uebel zu ſteuern, verlangt der Verbandstag
einſtimmig den Erlaß eines die Einheit des deutſchen Schulweſens
wah=
renden Reichsrahmengeſetzes und die Schaffung eines aus Fachleuten
beſtehenden Reichsſchulbeirates. Behrend wandte ſich dann gegen die
Behauptung von der Aufblähung der höheren Schulen, deren
Halt=
loſigkeit er an Hand eines umfangreichen ſtatiſtiſchen Materials
nach=
wies. Das völlig normale Anwachſen der Schüilerzahlen geht einmal
darauf zurück, daß durch die Schaffung neuer Schultypen wie der
Auf=
bauſchulen, durch weitgehende Schulgelderwäßigung und die heutigen
Verkehrserleichterungen die Kreiſe der ländlichen und der
Arbeiterbe=
völkerung ihre Kinder heute in größerem Umfang als früher der höheren
Schule zuführen können. Dieſe geſunde ſoziale Entwicklung wird
nie=
mand bedauern und zurückdämmen wollen. Auf der anderen Seite
mußte die geſteigerte Anforberung an die Vorbildung in allen Berufen
und die mit dem Ueberangebot von Arbeitskräften verbundene
Ausdeh=
nung des Berechtigungsweſens notwendig zu einer Steigerung der
Schi=
lerzahl der höheren Schulen führen. Dieſe in unſerer
volkswirtſchaft=
lichen Lage begründete Entwicklung darf man der Schule nicht zum Von
wurf machen; die Hemmung dieſer Entwicklung liegt nicht in der
Mach=
der Schule, ja zur Zeit noch nicht einmal in der des Staates.
Ueber den Kampf der deutſchen Philologen um eine gerechte
Be=
ſoldung berichtete der durch ſeine Veröffentlichungen in weiten Kreiſen
bekannte Kenner der Beſoldungsfragen Dr. Bohlen=Berlin. Mit den
übrigen höheren Beamten teilen die Philologen das Geſchick, am weiteſten
hinter dem Friedensrealgehalt zurückgeblieben zu ſein. Die kommende
Beſoldungsordnung muß neben der Sicherung einer die Vorbildung,
Leiſtung und Verantwortlichkeit berückſichtigenden Gehaltshöhe die
ge=
rechte Ordnung unter den verſchiedenen Beamtengruppen wieder
her=
ſtellen, die in den letzten Jahren durch fortgeſetzte Höherſtufung einzelner
Gruppen, durch iſolierte Beſoldungsordnungem der Gemeinden und durch
ein ſchwer kontrollierbares Zulagenſyſtem geſtört worden iſt. Im
An=
ſchluß an Bohlens Ausführungen forderte der Verbandstag in einer
einſtimmigen Entſchließung, daß die Beſoldungsreform mit der
Ge=
währung des vollen Friedensrealgehaltes und mit der gleichen
Ein=
ſtufung und gleichen Beförderungsmöglichkeit für die geſamte höhere
Beamtenſchaft nun endlich zur Tatſache werde.
In der öffentlichen Hauptverſammlung am 11. ſprach
Oberſtudien=
direktor Lie. Dr. Keſſeler=Düiſſeldorf über die Kulturaufgaben der höheren
Schule. In tiefſchürfender Rede, die durch den Dresdener Rundfun
verbreitet wurde, deutete er die Aufgabe der höheren Schule dahin, daß
ſie die objektiven Kulturgüter des eigenen Volkes und wichtiger fremder
Völker dem jugendlichen Menſchen zu vermitteln und deſſen ſubjektive
Bildung durch logiſche Schulung, ethiſche Erziehung und Weckung der
emotionalen Regungen für das Schöne und das Göttliche zu leiten
habe. Das Ziel der Erziehung iſt die ſtarke aktive Perſönlichkeit, deren
Handeln beſtimmt wird durch hohes Pflichtbewußtſein und einen
aus=
geſprochenen ſozialen und ſtaatlichen Gemeinſchaftsſinn. Staat und
Wirt=
ſchaft brauchen zu ihrem Beſtand und ihrer Entwicklung dieſen
Men=
ſchentypus und ſollten deshalb die hohe Bedeutung, die der ſchweren
und verantwortungsvollen Aufgabe des Erziehers zukommt, nach
Gebühr=
würdigen. Mit dieſer ernſten Beſinnung auf die letzten Ziele des
Gr=
ziehungswerkes und mit dieſer Mahnung an die Oeffentlichkeit fand der
Verbandstag einen wirkungsvollen Abſchluß.
Kunſfnotizen.
Ueber Werte, Künfſtier oder fünfflleriſche Veranſfaltungen, deren im NachtteM
geſchieht, behält ſich die Redattien ihr Urtell vor
— Etwas ganz Neues für Darmſtadt bereitet das Union=
Theater vor. Morgen Montag nacht 11 Uhr wird zum erſten Male
ein großer Aufklärungsfilm gezeigt, mit dem Titel: „Der Film der
Menſchwerdung”. (Was man vor der Ehe und von der Ehe wiſſen muß.)
Es handelt ſich hier um ein äußerſt wertvolles Filmwerk, als deſſen
Mit=
arbeiter eine größere Anzahl Profeſſoren von den Univerſitäten in
Wien und Prag zu nennen ſind. Der Film behandelt zuerſt die
Tuhen=
kuloſe, ihre ungeheure Verbreitung und ihre Bekämpfung. Alsdann
zeigt er die Rachitis und die Geſchlechtskrankheiten, ihre Erſcheinungen,
ihre Gefahren und ihre Heilung. Zum Schluſſe ſehen wir die richtige
und falſche Säuglings= und Kinderbehandlung. Der Film wurde von
dem Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht in Berlin als ei
Werk anerkannt, das nicht nur jeder Mann und jede Frau über 18
Jah=
re geſehen haben ſollte, ſondern auch zur Vorführung an
Volkshoch=
ſchulen und höheren Lehranſtalten empfohlen wird. Den begleitenden
Vortrag wird Herr Dr. med. Hans Walther halten.
— Reſidenz=Theater am weißen Turm bietet ein ſehr
unterhaltendes Doppelprogramm. Fred Thomſen der beltebte Sen
ſationsdarſteller, mit ſeinem Wunderhengſt „Silberkönig” in der Haupn
rolle bietet ſehr viel Intereſſantes. Fred Thomſen iſt, wie immer, mum
in dieſem Film gewandt in ſeinen Senſationen, die er auszuführen hab.
Schweigen, das hohe Lied der Vaterliebe, in der Hauptrolle Vera Meh”
nolds und H. B. Warner, in ein Film von guter Darſtellung. Ahe
Programm iſt noch Sonntag und Montag auf dem Spielplan,
Tageskalender für Sonntag, den 19. Juni 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 5½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Siegfried”. — Kleines Haus: Keine Vorſtellung. —
Orpheum, abends 8 Uhr: Gaſtſpiel des „Teatro dei Piccoll.”
— Orangeriegarten, nachm. 4 Uhr: Japaniſches Kinderfelk:
abends 8 Uhr: Konzert. — Bürgergeſangverein Bell
ſungen, nachm. 4 Uhr, im Chauſſeehaus: Großes Sommerfell.
Liederzweig: Fgmilienausflug nach Nierſtein a. Rh. —
Schützengeſellſchaft Weidmannsheil, in Roßdorſ:
Preisſchießen. — Deutſche Feuerbeſtattungskaile
Flamme‟, 10 Uhr: Führung durch das Krematorium. *
Konzerte: Schloßkaffee, Ludwigshöhe, Kaffee=Reſt. Waldesruge,
Hauptbahnhof=Reſtaurant, Bockshaut, Frankfurter Hof, Hotel une
Kaffee=Reſt. Waldſchlößchen, Hotel=Reſt. Schmitz, Reſt. Rummelbrau=
Kaffee=Reſt. Neues Schießhaus, Konditorei u. Kaffee Egenriede.
Niederramſtädter Straße, Turnhalle am Woogsplatz Reſt. Bismalg
Eck, Zentralhotel, Hotel Prinz Heinrich; Hotel Krone Auerbach=
Heſſiſcher Hof, Worfelden. — Tanz: Arheilger Mühlchen, K
4 Uhr nachm.: Behrens=Hufnagel, Traiſa. — Theater=Varieté=San.
Perkeo, Alexanderſtraße, abends 8 Uhr: Heitere Burlesken.
Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichl
ſpiele.
Sonntag, den 19. Juni 1927
Seite 7
Nummer 168
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Heſſiſche Frauentagung in Heßpenheim.
Rednerin kommt ſodann auf die Verhältniſſe in Schleswig=Holſtein
„Bonsndt und Bonsgemeinſchaft”, zu ſppechen. Der Däme kemt nur eine außenbolitziſche Frage, und das
iſt die ſchleswig=holſteiniſche Frage, und er kennt auch nur eine imer=
* Heppenbeim, 18. Juni.
politiſche Frage, das iſt die Entdeutſchung Nordſchleswigs. Er läßt M. d. R.,
keine Mittel unverſucht, um das zu erreichen. Darum gilt es, das
Der erſte Arbeitstag der Heſſiſchen Frauentagug erreichte einen Deutzſchtum in der Nordmark zu ſtärben. Möchte auch endlich dort das
lwürdigen Abſchluß im einem geſelligen Abend in dem großen Saale des wieder vereint werdem, was nie hätte getvennt werden dürſen. Das
„Halben Mond‟. Der Erfolg des Konzerts, der Zuhörer wie Künſtler iſt der Wunſch aller Norddautſchen. Das iſt die Sehnſucht aller Schles=
Cbefriedigt haben dürfte, war von vornherein geſichert dunch die glück= wig=Holſteiner,
kliche Wahl der Mitwirkenden. Herr Heinrich Hölzlin, über deſſen
Künſtleviſche Quglitänen wir unſenen Leſern nichts zu ſagen brauchen,
Dazig: Die unalte deutſche Stadt mit deutſcher Kultur. Danzig
verſtand es wie immer mit Leichtigkeit, die Zuhöwrimen m ſeinen ſollte eigentlich im Verſailler Verwag Polen zugeſprochen werden.
Nur dem Einſpruch Englonds verdanken wir es, daß das nicht ge=
(Bamn zu ziehen. Seine Partnerin, Frau belan Nöſeyer, überraſchte ſchehen iſt. England fürchtete eben, Polen könnte zu mächtig werden.
Burch ihre anſprechende Stimme und dunch die Hingabe und das maſche
Tinfühlen in die geſchickt auf das Auditorium abgeſtimmten Lieder, Deshalb wurde Dnnzig zum ſogenannten Freiſtgat gemacht. Es wurde
DDer erſte Konzertmeiſter am Staatstheater im Wiesbadem. Herr Ed= ſür uns Deutſche zum Ausland geſtempelt, mit Paßzwang, anderem Von der Mags bis an die Memel, von der Etſch bis an den Belt. Im
Geld, anderem Recht. Aber von eigener Hoheit iſt keime Rede. Es
rmmd Wehns, als Dnitter im Bude, erwarb ſich durch ſeine ſich ſtetig iſt gernebelt dunch volniſche Nechte, die den Polen gegeben ſind, und
Seigernde künſtleriſche Leiſtung raſch die Herzen der Höverinnen. In
Berm Kapellmeiſter H. Simon=Darmſtadt hatten die Künſtler einen zum anderen durch den Völkerbundskommiſſar, der dort Eimig und
meſchickten Begleiter. Aufrichtiger Beifall, der ſogar von Herrn Weyns allein im Sinne der Entente, im Sinne Polens herrſcht. Danzig iſt
Eine Zugabe ſtürmiſch forderte, lohnte den Künſtlern ihre Arbeit, Frau im Innern und Aeußern gefährdet. Der Pole will dort Herr werden,
Möſener wurde durch Ueberreichung eines Blumenſtraußes beſonders er will Danzia entrechten, er will das Deutſchtum umterdrüchken. Das
geehrt.
zeigt ſo recht die Sprachverordnung: kein Beamter darf angenommen
werden, der der polniſchen Sprache nicht in Wort und Schrift dunchaus
mächtig iſt. Das ſind alles Schikanen Verſuche, die volſtändige Selb=
Unter dem Vorſitz von Frau Abg. Hattemer wurde der zweite Ar= ſtändigkeit, die eigentlich Danzig zugeſprochen iſt, zu underdrücken. Es
Heitstag mit einem Reſerat der Gräfin Pauline Montgelas gibt leimen Danziger, der ſich nicht als Deutſcher fühlt und der nicht
1übev
bis zum letzten Blutstrohfen gegen den Polen für ſein Deutſchtum
Deuiſche Grenzlandnot
kämpft. Ganz beſonders ſind es die Frauen, die in vorbildlicher Weiſe
arbeiten und für ihr Deutſchnum kämpfen.
Sröffnet. Rednerin ſührte u. a. aus:
Der polniſche Korridor von Schneidemühl bis Dirſchau iſt brutal
Nach dem funchtbaven Niederbruch, den wir erlebten, und dem durch deutſches Land gezogen um dem Polen einen Weg nach dem
gamaus ſich ergebenden Ruhreinfall mit allen Gewaltätigkeiten, die er Meer zu geben. Er twemmt Oſtpreußen vom Geimatland.
rur Folge hatte, beginnt eine merkliche Beſſerung unſerer Lage. Sie
Wemn man dunch den volniſchen Korridor fährt, dann kommen in
macht ſich auch im beſetzten Gebiet ſpürbar. Letzten Endes haben wir Schneidemühl volniſche Beamte, die deutſchen Beamten werden
einge=
hieſe Beſſerung dem paſſiven Widerſtand zu verdanken, den wir dem ſperrt, die Polen verſiogeln und plombieven jede Tür, die Läden werden
Nuhrverbrechen entgegenbrachten. Zwar hat der Ruhrkampf bewieſen, herumtergelaſſen, die Fenſter werden zugemacht, ſo fährt der Deutſche
daß auch heiligſtes Recht von materieller Macht geſchützt werden muß, dunchs eigene Land. Dieſer Kornidor iſt eine Kulturſchande, und es iſt
Aber die Heiligkeit dieſes Rechtes iſt durch ihn vor aller Augen veran= geſtem mit Racht erwähnt worden, daß nach der Rheinlandräumung
khaulicht worden.
die Korridorfrage für uns die wichtigſte iſt, auf die immer wieder hin=
Dieſes Beſſer bedeutet indes noch lange nicht gut. Gerade im be= gewieſen werden muß.
getzten Gebiet iſt Anlaß genug zur Klage über Uebergriffe der beſetzenden
Das Memelland: Mewel, früher unſere äußerſte Grenzſtadt, jedem
Macht und Einengung berſönlicher Freiheit. Vor allem iſt es die un= Deutſchen bekannt durch das Deutſchlmdlied, jetzt abgetrennt mit
arträgliche Tatſache, daß auf Heimatboden noch fremdes Militär ſteht, ſeinem gangen Hinterland, und den Litauemn überwieſen, die in keiner
Deutſche Grenglandnot iſt nicht allein im Weſten ſpürbar. Rund Weiſe das Deutſchtum auſkommen laſſen wollen, ſondern die Deutſchen
mm das Neich wurde eine künſtliche Gwenze gezogen die Deutſchtum lnechten. In Litauen herrſchen merhörte Zuſtände und wenn nicht
non Deutſchtum trennt. Mit Einbeziehung Oeſterneichs iſt 16½z Mill, bald eine Aenderung eintritt, iſt das Memelland einfach dem Chaos
Seutſchen dunch Diktatfrieden, das Selbſtbeſtimmungsnecht verwehrt, breisgegeben. Die Regierung kümmert ſich in keiner Weiſe um die
(lm tngurigſten ſind die Verhältniſſe jetzt in Südtivol, wo ein wahrer Memelkonention, die der Völkerbund eingeſetzt hat. Wohin man ſieht,
Bermichtungskampf gegen die völliſche Gigenart dieſes kerndeutſchen erblickt man die Unterdrückung des Deutſchtums.
Beandes geführt wird. Hinder der Thegterfaſſade eines ſich laut ge=
Oſtppeußen: Dieſes landſchaftlich ſchöne Land jetzt getvennt vom
bändenden Nationalismus vollzieht ſich die Tragödie der zwangsweiſen Vatzerland, ganz und gar auf ſich allein angewieſen, umgeben und
ge=
staligniſierung der Jugend durch die Schule. Deutſche Kindergärten, wiſſermaßen preisgegeben, den heimtückiſchen, beutegierigen Nachbarn,
teutſcher Ppwatunterricht iſt verboten, ja, ſogar der Religionsmter= dem Litauern, Ruſſen und Polen; von jeder Hilfe abgeſchloſſen. Der
mcht darf nicht mehr in deutſcher Sprache erteilt werden.
polniſche Korridor liegt davor. In der Stunde der Gefahr könnte
All dies beweiſt, daß ungeachtet einer nicht abzuleugnenden Beſſe= kei Deutſcher hin, um rettend einzugreien. Oſtpreußen iſt auf ſich
mma uſerer Weltlage, wir noch immer unter anormalen Vewhältniſſen allein angewieſen und in großer wirtſchaftlicher Not. Die
Landwirt=
eben. Es iſt notwendig, ſich dieſes ſtets gegenwärtig zu halten, um der ſchaft iſt ſelbſtverſtändlich durch die Abſperrung in ihrer
Ausfuhrmög=
gSefahr des Sichabfinden und Sichbeſcheiden zu begegnen. Es darf nicht lichkeit gehemmt. Mit ſchwerſter Sorge wirtſchaftlicher und kultureller
Alltag werden über eimen Zuſtand, der fremde Truppenmacht auf deut= Art ſchaut Oſtwppeußen in die Zukunft.
chem Boden beläßt, der deutſche Menſchen der Willkür fremder Stgats=
Die Grenzlandnot beginnt am Südende von Pommerellen, zieht durch
Swalt ausliefert, internationales Necht verletzt und Gerechtigkeit miß= die Grenzmark, umfaßt die Provinz Gwenzwark, die jetzt die Ueberreſte
ahtet. Es iſt eine Einbuße an Freiheit und Ehre, die dunch keinen von Weſtpreußen und Poſen in ſich bengen bis hinunter nach
Nieder=
rirtſchaftlichen Aufſchwumg und keinen techniſchen Triumph wett gemacht ſchleſen, Oberſchleſſen und die Tſchechoſlowakei, bis an die böhmiſche
werden kann. Es iſt unmöglich, daß eine Jugend aufwächſt, für die Grenze. Jenſeits und diesſeits dieſer langen Linie beſteht die
Oſtland=
jülch aufgezwungene Bedingungen Selbſtverſtändlichleit werden ſollten, not. Jenſeits die kulturelle Not der geknechteten Deutſchen und dies=
Yor allem iſt ungunhörlicher Proteſt notwendig gegen einſeitige Ent= ſeits die wirtſchaftliche Not. Es iſt die Gwenze, die uns deutſches Land
waffnung, die der Angelpukt umſerer Stellung in der Welt bedeutet raubte, die Deutſche unter Fremdherrſchaft brachte, die Deutſche von
Aicht allein aus Gründen materieller Sicherheit, ſondern auch, weil es ihrer Heimatſcholle vertrieb und ſie brotlos machte. Dort iſt die
Oſt=
mme Frage nationaler Ehre iſt.
landnot. Der wirtſchaftliche Kernpunkt der Oſtlandwot iſt die Abſchnei=
Zur Erringung dieſer Freileit haben wir uns auch des Völkerbun= dung des Handels, des Verkehrs und die Uebervölkerung. Die Oſte
däs zu bediemen, der zumal im Artikel 19 die Möglichkeit der Rebiſion, mark trägt ihre Leiden, ohne viele Worte davon zu machen; erſt im
der uns einſchnüvenden Bedingungen öffnet. Auch für unſere Minder= letzten Jahre ſind all dieſe Notſtände zur Sprache gekommen. Gerade
hriten müſſen wir im Völkerbund und dunch den Völkerbud kämpfen, weil dieſe Gnenzlandgebiete Bollwerke der deutſchen Kultur ſind, müſſen
pswohl es naiv wäre, alles Heil von einer Inſtitution zu erwarten, ſie ſo geſtärkt werden, daß ſie blühen und wachſen können, damit ſie
dae in ihrer jetzigen Verfaſſumg nur das Zerrbild einer urſprünglichen von ſich aus fähig ſind, die deutſche Kultur zu verteidigen. Wir können
Doee darſtellt. Die ganze öffentliche Meinung Deutſchlands muß auch den abgetvennten Gebieten, nur die ſo notwendige Hülfe geben, wenn
urausgeſetzt fordern, daß dem Ulavem Wortlaut des Artikel 431 des wir ſelbſt im Gnenzland nicht mehr ums eigene Brot ringen müſſen.
Verſailler Vertrags, der ſich auf die Zurückziehung der Truppen aus
Die geognaphiſche Lage iſt das Schickſal eines Landes. Das gilt
drm Mheinland bezieht, ſtattgegeben wird.
beſonders für Schleſien. Oberſchleſſen iſt die beſt durchorganiſierte
Ferner verlangt der große Gedanke des Zuſammenſchluſſes mit Wirtſchaſtseinheit, die überhaupt denkbar iſt. Site hat den Neid und
Eieſterreich den Einheitswillen des ganzen Volles. Mit elementarer den Haß der Feinde erweckt und deshalb wurde das
Wſtimmungs=
bruaft muß er wirken, damit das Großdeutſchtum, das wie ein Stern engebnis negiert. Duuch Oberſchleſien wude ein willkürlicher Strich
dee Hoffnung über unſere Not aufging, Verwirklichung findet.
gezogen. Oberſchleſien wurde erſt nach der Wſtimmung zerriſſen,
Geſimnmungstreue und mationale Haltung ſind die Hälfte, die ein während vorher immer nur davon die Rede war, daß es ganz an
ſchoer von uns und ein jeder an ſeiner Stelle uſerer Gnenzlandnot Polen fallen ſollte. Der Pole kennt keine Rückſicht und ſcheut kein
A. bringen vermag. Sie bilden die ſicherſte Bürgſchaft, daß dieſe Not Mittel in ſeinem nationalen Wollen. Er hat alles daran geſetzt, um
emmal ihr Ende ſinden wird, wemm der Tag anbricht, an dem das dieſes Ziel zu erreichen. Zu ſeinem nationalen Stolz kommt der
Drutſchland unſerer Hoffnung Erfüllung geworden iſt. Ohne inneren Raſſenhaß zwiſchen Slawen und Deutſchen, der ganz weſentlich mit=
Awſammenſchluß würde jedoch äußere Ginigung nur geiſtüiges Stück= ſpricht.
Polen iſt längſt nicht wit dem zufrieden, was es erreicht hat.
wik ſeim. Darum gilt es, wahre Vollsgemeinſchaft zu bilden, imn der
abe religiöſen und politiſchen Kräfte zuſammenwirhen, in der Ehrfurcht. Seime Ziele gehen viel weiter. Sein Ziel iſt die vechte Seite der Oder,
beerſcht vor den Wertem der Vergangenheit und freudige Bejahung ſein Ziel ſt die Linie Breslau-Danzig-Königsberg. Polen arbeitet
nauzer Lebensziele, im der die große Vertikale Geiſtesſchaffen und ſyſtematiſch. Wir müſſen dieſer Maulwunfsarbeit der Polen wachſam
bandegrbeit miteinander vereint. Das Du=Verhältmis des deutſchen endgegentreten. Site bedeutet die größte Gefahr für die deutſche Kultur.
Ugenſchen muß in= und außerhalb unſerer Notzgwenzen entſtehem, damit
Die Schickſalsfuage aber, ob das Deutſchtum in den geraubten
Ge=
des erſehnte größere Vaterland wahrhaft Heimat ſei für alle ohne bieten erhalten bleiben wird, können wir ſtolz bejahen. Das Deutſch=
Ausnahme.
tum dort kämpft nicht nur um die Oſtmark, es kämpft um das Vater=
Nach einer kurzen Pauſe engreift Frau von Rechenberg= land. Bricht dort die deutſche Kultur zuſaommen, dann bricht die ſla=
Gw eslau das Wort zu dem gleichen Thema. Sie führte u. a. aus: wiſche Welle über uns herein und in ihrer Gefolgſchaft der Bolſchewis=
6 wird meine Aufgabe ſein, von der Not und dem Leid im Norden mus, dann iſt der Untergang des Abendlandes ſicher. Oſtnot iſt
Vater=
uſd im Oſtem unſeres Reiches zu ſppechen. Ueberall wird deutſche Not landsnot, die aber auch das ganze Volk erkennen muß. Die Oſtmark
uöd deutſches Leid als Einzelnot wohl empfunden, aber doch nicht als ich ſchön, die Oſtmark iſt reich und treu im Herzen für alles Deutſche
Ri. große Volksnot erkannt, die ſie doch iſt. Darum iſt dieſe Tagung und hat empfänglichen Sinn für alles, was von Weſten kommt. Wir
mu ſo mehr zu begrüßen, als ſie geeignet iſt, die inmerem Zuſammen= müüſen beherzigen, was auf der Kölner Gloche ſteht, die ſeinerzeit in
ſurge herauszuarbeiten. Nur durch das ganze Vole kamn dieſe Not der Befreiungsſtunde der Kölner Zone zum erſtenmal erklungen iſt:
rhgewehrt werden. Der Einzelne hat keine Stoßkmaft.
Geboven aus deutſchem Leid, rufe ich zur Einigkeſit, zur Einigkeit im
deutſchen Leid. Wber nicht nur Dulden und Leiden, ſondern Wollen
und Handeln iſt das Element aller lebendigen Kräfte im Menſchen ud
im Volk. Darum müſſon auch wir wollen und handeln in der
Zuver=
ſicht auf die ausgleichende Gerechtigkeit der göttlichen Vorſehung und
in dem feſten Glauben an die Zukuft unſeres Vaterlandes, an unſer
deutſches Volk. — Stürmiſcher Beifall der Verſammlung folgte dieſen
Ausführugen. Die Vorſitzende ſchloß ſodann die Vormittagsſitzung.
Am Nachmittag ſprach Reichsminiſter a. D. Dr. Emminger,
über den großdeutſchen Gedanken.
In ſeinem Roman „Volk ohne Raum” ſtellt Hans Grinns die Frage:
„Wann beginnt eines Menſchen Geſchichte?‟ Die Antwort lautat: Die
Geſchichte jedes Einzelnen fängt bei ſeinem Volke an. Wie ein Volk
ſich entwickelt, das hängt immer von dem Verhältnis zwiſchen dem Volk
und dem von ihm bewohnten Raume ab. 65 Millionen im Deutſchen
Reichl. 25 Millionen Deutſche im übnigen Europa! Was iſt mun der
Naum des deutſchen Volkes? Der Dichter der Nationalhymne ſingt:
Mittelalter, in der Zeit vom 9. bis 12. Jahrhundert, war dieſe Formel
noch viel weiter geſteckt, deutſches Volkstum herrſchte damals von der
Nord= und Oſtſee bis zur Advia. Die Beſiedelung der gerade heute
ſo gefährdeten Grenzlande mit deutſchem Blut reicht bis zu jener Zeit
zurück. Nedner kommt in ſeinen weiteren Ausführungen dann
s auf die zwangsläufige geſchichtliche Entwickelung der klein= und
groß=
deutſchen Auffaſſung zu ſprechen. Das Frankfurter Parlament war
nicht in der Lag=, dieſe Probleme zu löſen. Es mußte ein Größerer
kommen: Fürſt Bismarck. Nach der Verflechtung Deutſchlands in die
Weltwirtſchaft, nach dem Kriege 1870/71 und nach der Gründung des
Deutſchen Kaiſerreiches wurde die Aufmerkſamkeit von der Aufgabe,
den großen mitteleuropäiſchen Naum zu ſchaffen, abgelenkt. So trat
eine ſtarke innere Entfremdung zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich
ein. Und ſelbſt im Jahre 1918 wußte Deutſchland mit der neu
ge=
ſchaffenen Lage nichts enzufangen, wohl aber Oeſterreich. Am 11.
No=
vember 1918 dankte Kaiſer Karl ab. Am 12. Noveuber bereits
ver=
ſammelten ſich alle Abgeordneten, gaben ſich eine proviſoriſche
Ne=
gierung, deren erſter Paragraph lautete: „Deutſch=Oeſterreich iſt
Be=
ſtandteil der deutſchen Nepublik.” Deutſchland war in dieſem Jahre
noch nicht reif, an die Löſung des großdeutſchen Gedankens
heranzu=
gehen. Aber raſch iſt es beſſer geworden. Man erinnerte ſich nun
daran, daß Reichszugehörigkeit und Deutſchtum nicht dasſelbe ſind, daß
es außerhalb der Reichsgrenzen noch Millionen Deutſcher gibt. Nun
kamen die Oraaniſationen, die die Anbahnung des Zuſammenſchluſſes
ſich zur Aufgabe machen. Aber nur in ſchwieriger, mühſamer Arbeit,
unter Aufbietung ſtürkſter nationaler Willenskraft, zäheſter,
mühſam=
ſter Kleinarbeit wird das möglich ſein. Die Verwirklichung der
Er=
reichung des deutſ hen Vollstums in ſeinem naturgegebenen
mittel=
europäiſchen Naume iſt keine Utopie. Denn das gibt uns Hoffnung:
Trotz unerhörter Not und Unterdrüchung ſtanden, die Minderheiten
außerhalb der Reichsarenzen treu zu dem am Boden liegenden
deut=
ſchen Vaterland. Mit elementarer Macht ſetzte ſich der großdeutſche
Gedanke durch. Der „Schutzbund” hat den großdeutſchen Gedanken zu
einer Volksbewegung entfacht. So gibt es für uns Neichsdeutſche nur
ein Ziel: Den Beſtund unſeres Volkstums in Mitteleuropa zu wahren
als einzige Grundlage zur Schaffung des großen Deutſchen Neiches
in Mitteleuropa als des Staates der geſchloſſen ſiedelnden Deutſchen,
gerechtfertigt durch gleiches Blut. Wie der Zuſammenſchluß
Oeſter=
reichs mit Deutſchland erſchwert wird, wiſſen wir. Unſere. Feinde
wünſchen die Verſchweizerung Oeſterreichs. Aber die Schweiz und
Oeſter=
reich ſind politiſche Gebilde mit grundverſchiedener Struktur,
grurd=
verſchiedener geſchichtlicher Entwickelung.
Die Oeſterreicher ſind auch heute ſich über den Anſchluß völlig
einig. Wie aber ſteht es damit im Deutſchen Reich? Es wird Sache
der Oroaniſationen ſein, die wirtſchaftliche, juriſtiſche und finanzielle
Seite vorzubereiten. Die ſeeliſche Vorbereitung iſt Sache des guten
Willens, des gegenſeitigen Verſtehens, des Nückſichtnehmens
aufeinan=
der, und da muß man eins begreifen: Das Deutſchtum in Deſterreich
hat ganz anders gelitten als wir. Wie müſſen uns im Verkehr mit
Oeſterreichern ſehr davor hiten, unſeren ſogen, höheren Standpunkt
heranszukehren. Oeſterreich kommt nicht als Bettler zu uns. Seine
Bodenſchätze, ſeine Waſſerkraft, ſein Holzreichtum und der ganz
groß=
artige Handelsapparat ſind anſehnliche Morgengaben. Wenn wir die
oftmals in die Debatte geworfenen Geſicktspunkte des konfeſſionellen,
des politiſchen Gegenſatzes nicht aus dem Kampf um den
mitteleuro=
päiſch deutſchen Lebensraum ausſchalten können, ſind wir verloren.
Und wenn es im beſetzten Gebiet immer gelungen iſt, dieſe
Gegen=
ſätze auf ein Minimum zurückzudrängen, ſollte es dann in der großen,
vielleicht neben der Befreiung der beſetzten Gebiete größten deutſchen
Frage nicht möglich ſein, das, ganze deutſche Volk zu einigen? Ein
Ve=
weis dafür, daß Oeſterreich und Deutſchland nur einen Gewinn davon
haben, iſt die bittene Zähigkeit, mit der unſere Feinde das verhindern
wollen. Auch ſeeliſch kann das deutſche Volk gewinnen: denn daburch,
daß wir ein großes Fernziel haben, einen Brenmpunkt, in dem wir
alles einigen können, haben wir in dieſer Bewegung etwas Befreiendes
und Erlöſendes, was unſerer parteimäßigen Zerklüftung
entgegen=
arbeitet. An dieſer Hofnung auf einen Zuſammenſchluß, für den wir
mit aller Zähigkeit und Energie arbeiten wollen, können wir uns
aufrichten, bei all dem Leid und all dem Unglück, von dem wir geſtern
und beute gehört haben. Wir empfinden im Binnenland mit Ihnen.
Wir ſind ohne Unterſchied der Richtung bereit, alle Opfer zu bringen,
um Ihr Los zu erleichtern und die Stunde der Befreiung zu
beſchleu=
nigen. Letzten Endes aber kommt alles wieder auf ſeeliſche Faktoren
hinaus. Nicht die Technik und nicht die Wirtſchaft ſind es, die in
erſter Linie hier maßgebend ſind, daneben kommt der ſeeliſche Faktor
der Erkenntis und des Bewußtſeins der Volksgemeinſchaft. Die noch
draußen Stehenden werden an dieſer Volksgemeiſchaft ſich aufrichten.
ſich ſtärken, weil ſie wiſſen, daß ſie immer das nötige Mitgefühl, das
nötige Verſtändnis in dem dann großen deutſchen mitteleuropäiſchen
Block finden. Und für uns muß es ein Gelöbnis ſein, dieſen Bloc,
dieſen neuen großdeutſchen Staat möglichſt raſch zu ſchaffen. Deutſch=
Oeſterreich und das Deutſche Reich können zuſammen kommen, wemn ſie
mit eiſernem Willen dieſes Ziel erſtrehen. Dann wird man ſagen
können: Was iſt des Deutſchen Vaterland, ſo nenne mir das große
Land. Soweit die deutſche Zunge klingt und Gott im Himmel
Lie=
der ſingt, das ganze Deutſchland ſoll es ſein, o. Gott im Himmel, ſieh‟
barein.
An dieſes Referat ſchloß ſich eine längere Diskuſſion an, in der die
Vertreterinnen zahlreicher Verbände Wünſche und Anregungen gaben,
die zum Wohle des beſetzten Gebietes unbedingt beherzigt werden
müßten.
Das Deutſchlandlied beſchloß die Tagung.
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Seite 8
Sonntag, den 19. Juni 1927
Nummer 168
Starkenburg.
* Griesheim, 17. Juni. Gemeinderatsbericht. Der
Vor=
anſchlag für das Nechnungsjahr 1927 fand in ſeiner vorliegenden Form
einſtimmige Annahme. Ueber die einzelnen Einnahme= und
Ausgabe=
boſten wird in einem beſonderen Bericht das Nähere mitgeteilt 2. Jür
drei Bauluſtige wurde die Bürgſchaft zur Aufnahme von
Zwiſchenkredi=
ten in Höhe von 6000 M., 1000 Mk. und 5000 Mk. übernommen. 3. Die
am 19. Mai d. Js beſchloſſene Kapitalaufnahme von 100 000 Mk. ſoll
bei der Heſſiſchen Landesbank in Darmſtadt erfolgen 4. Der Anſchluß
der Sportplätze des Sportklubs Viktoria und der Freien Turnerſchaft
an die Waſſerleitung wurde beſchloſſen. 5. Die Grasſamenernte aus
dem Gemeindewald wurde dem Meiſtbietenden Heinrich Müller 7. hier
zum Angebotspreis von 198 Mk. übertragen. 6. Ludwig Altmoos aus
Wiesbaden will im Hauſe Nathenauſtraße 78 hier eine Schankvckrt),d ft
betreiben. Die Bedürfnisfrage wurde bejaht. 7. Dem Wiegmeſter
Wilhelm Rühl 3. hier wurde der Verkauf von Flaſchenbier in dem
Gemeindehaus Nathenauſtraße 102 auf Widerruf geſtattet. 8. Dem
Wil=
helm Feuerbach und Bernhard Schnaars von hier wurde je ein
Bau=
platz von dem Gelände hinter dem neuen Bahnhof in der Heinrichſtraße
zum Preiſe von 3 Mk. pro Quadratmeter gegen Barzahlung überwieſen.
9. Die durch die Unterbringung der Heſſiſchen Wanderausſtellung ent= meiſter in Reichelsheim i. D., tritt.
ſtehenden Koſten wurden auf die Gemeindekaſſe übernommen. Als
Aus=
ſtellungslokal ſoll ein Schulhaus benutzt werden. 10. Auf Vorſchlag des
Kreisamts wurde beſchloſſen, daß Wohnungsneubauten, die im
Kalender=
jahr 1927 begonnen werden, für das zur Zeit der Fertigſtellung laufende
und für die nächſtfolgenden fünf Rechnungsjahre auf Antrag
grund=
ſteuerfrei bleiben ſollen. Entſprechendes gilt für den verhältnismäßigen
Teil der Grundſteuer von ſolchen Neubauten, die nur zum Teil
Wohn=
zwecken dienen. Die Heranziehung des Hofreitengrundes zur
Grund=
ſteuer bleibt unberührt. Ein Bau gilt in dieſem Sinne als begonnen,
wenn mit der Ausführung des Mauerwerks begonnen worden iſt.
* Griesheim, 18. Juni Der Voranſchlag für das Rechnungsjahr
1977 liegt vom 18. bis einſchließlich 24. Juni ds. Js. auf der
Bürger=
meiſterei zur Einſicht offen. Während der Offenlegungsfriſt können
da=
ſelbſt Ginwendungen gegen denſelben vorgebracht werden. Zu der
be=
ſchloſſenen Umlage werden auch die Ausmärker herangezogen. — Die
Arbeitszeit im Friſeurgewerbe an Sonn= und Feſtagen iſt von 7—9
Uhr vormittags feſtgeſetzt. — In der Zeit vom 2. bis 25. Jum finden
auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich vormittags von 5—12 Uhr
Scharfſchießübungen ſtatt.
I. Eberſtadt, 17. Juni. Gemeinderatsſitzung. Die geſtrige
Gemeinderatsſitzung wurde in Vertretung des erkrankten Bürgermeiſters
von dem Beigeordneten Flick geleitet. Ortsgewerbeverein,
Hausbeſitzer=
verein und Landbund (Ortsgruppe Eberſtadt) haben gegen den
Ge=
meindevoranſchlag und den Voranſchlag des Gemeindewaſſerwerks für
das Nachnungsjahr 1927 Einſpruch erhoben. In der dem Gemeinderat
übermittelten Begründung des Einſpruchs iſt nur allgemein auf die
angeſpannte ſteuerliche Belaſtung aller Berufsgruppen hingewieſen und
erſucht worden, die Voranſchläge auf etwa mögliche Abſtriche einer
Prüfung zu unterziehen. Nach längerer Ausſprache wird der
Ein=
ſpruch mit 11 gegen 7 Stimmen als unbegründet zurückgewieſen. Zur
Deckung des im Gemeindevoranſchlag für das Rechnungsjahr 1927
nach=
gewieſenen Fehlbetrags von 128 244.36 Mark beſchließt der Gemeinderat
mit 11 gegen 4 Stimmen Gemeindeumlagen in folgendem Ausmaße,
vorbehaltlich der kreisamtlichen Genehmigung, zu erheben: 1.
Sonder=
gebäudeſtener: 34,33 Prozent vom ſtaatlichen Sondergebäudeſteuer=
Vor=
ſoll; 2. Gebäudeſteuer: 21 Pfg. je 100 Mark Steuerwert; 3. land= und
forſtwirtſchaftlicher Grundbeſitz: 46 Pfg. je 100 Mark Steuerwert: 4.
Ge=
werbeſteuer vom Anlage= und Betriebskapital: 53 Pfg. je 100 Mark
Steuerwert; 5. Gewerbeſteuer vom Ertrag: 86 Pf. von 1 Mark
Steier=
ſoll von 1925. Da das Vertragsverhältnis zwuiſchen der Gemeinde
Eberſtadt und den Gas= und Elektrizitätswerken A.=G. Bremen am
13. Auguſt 1929 abläuft, muß ſich die Gemeinde vertragsmäßig bis zum
13. Auguſt ds. Js. entſcheiden, ob das Vertragsverhältnis foutgeſetzt
vder gekündigt werden ſoll. Im letzteren Falle iſt die Gemeinde
ge=
miſſion — beſtehend aus den Gemeinderäten Schäfer, Heißt und
Gärt=
ner — wird ſich mit der Vorberatung des Gegenſtandes befaſſen. Der
Aufnahme einer Anleihe von 40 000 Mark, die als Baudarlehen für
Wohnhaus=Neubauten am Lämmchesberg werden wie folgt zugeſchlagen:
a)Erd= und Maurerarbeiten: Franz Simon; b) Zimmerarbeiten:
Wil=
helm Kern 4.; ) Grobſchloſſer= und Schloſſerarbeiten: Friedr. Bauer:
deckerarbeiten: Ludwig Hindermeher 4.; 1) Schreinerarbeiten: Friedrich
Neuroth; h) Glaſerarbeit: Philipp Dächert 4.: 1) Spengler= und
In=
ſtallationsarbeiten: Joh. Phil. Kehrer; 8) Herd= und
Waſchkeſſelliefe=
rung: Peter Kaltwaſſer 3. Die Dachdeckerarbeiten für das auszubauende
Geſuchen um Geländeerverb a) des Lehrers Göllner in der
Villen=
kolonie und b) des Ludwig Berg in der Pfungſtädterſtraße wird
zuge=
ſtimmt. Zur Friedhofs= und Begräbnisordnung wird eine Beſtimmung
beſchloſſen, nach der das Mitbringen von Fahrrädern und Kinderwagen
auf den Friedhof unterſagt iſt. Die Baugeſuche des Lehrens Schanz,
Karl Beutel und Leonhard Eck wird gemäß den vorgelegten Bauplänen
errichtet werden ſoll, wird der Firma Gebr. Achenbach=Weidenau (Sieg),
die vorkommende Maurerarbeit dem Ludwig Hindermeher 2, gemäß
deren Angebote, übertragen. Da die Mietrückſtände von Mietern in
Gemeindewohnungen ſtändig anwachſen, beſchließt der Gemeinderat, die
Säumigen auszumieten und in Notwohnungen (Holzbaracken und
alten Eiſenbahnwagen) unterzubringen. Gemäß einer kreisamtlichen
Verfügung wird beſchloſſen, die im Rechnungsjahr 1927 zur Erſtellung
gelangenden Wohnungsneubguten hinſichtlich der Grundſteuer von der
Gemeinde=, Kreis= und Provinzialumlage auf 5 Jahre freizuſtellen.
Der Gemeinderat trat einem Angebot der Heſſiſchen Wander=
Aus=
ſtellung näheu und bewilligte den erforderlichen Kredit zu einer im
Juli geplantem Ausſtellung auf dem Gebiete der Geſundheitspflege und
ſozialen Fürſorge. Für das Deutſchtum im Auslande bewilligte der
Gemeinderat einen jährlichen Beitrag von 30 Mark. Dem Geſuch des
9. Behrmann=Darmſtadt um pachtweiſe bzw. täufliche Ueberlaſſung
farm wurde nicht entſprochen. In geheimer Sitzung beſchäftigte ſich
fahrtsangelegenheiten. Als Badewärter für das in der
Eleonoren=
ſchule errichtete Braufe= und Wannenhad wurde Wilhelm Lieter 5.
gewählt. Schluß der Sitzung um 12 Uhr.
* Nieber=Beerbach (Burg Frankenſtein), 17. Juni. Die Nieder=
Beerbacher Autobusgenoſſenſchaft hielt ihre Jahresverſammlung im
Saale der Burgwirtſchaft des Frankenſteins ab. Nachdem der
geſchäft=
liche Teil zur allgemeinen Befriedigung erledigt war, ſchloß ſich ein
gemütliches Beiſammenſein unter freundlicher Mitwirkung der Kapelle
Fertig an. Der Verſammlungsleiter, Herr Oberlehrer Jourdan,
ſchaft. Die Teilnehmer hielt es bis zum Morgengrauen
zuſam=
men, doch wer in der Dunkelheit nach Hauſe ging, empfand es als eine
ſtein nach Nieder=Berbach wandeln zu können. Auswärtigen ſteht dann
noch von hier aus bei genügender Beteiligung der Autobus zu jeder
Nachtzeit zur Verfügung. — In den nächſten Tagen wird auch der Bau
des Denkmals für die im Weltkriege gefallenen „Deutſchen Turner” auf
dem Frankenſtein im Angriff genommen.
* Ober=Namſtadt, 18. Jui. Arbeitsmarkt. Im Wochenende
ſtanden hier noch 49 Perſonen in Erwerbsloſen= und Kriſenfürſorge,
darunter 6 weibliche.
daß der Arbeiter Wilhelm Keller, dahier in die chemiſche Fabrik E.
Merck zu Darmſtadt eintrat. Vier Jahrzehnte lang hat er ein und
derſelben Firma treu gedient und in guten und ſchweren Zeiten ſich
als einen zuverläſſigen Arbeiter bewährt. Der Jubilar, der, von Ober=
Ramſtadt gebürtig, das Müllergeſchäft erlernt und auch einige Jahre
betrieben hat, ſteht im 65. Lebensjahr und iſt immer rüſtig und fleißig
beſcheidene Mann als Veteran treuer Arbeit ſein wohlverdientes
Arbeits=
jubiläum im Kreiſe ſeiner Vorgeſetzten und Mitarbeiter begehen. Möge
er der Arbeit, ſeiner Familie, ſeiner Gemeinde noch viele Jahre geſund
und friſch erhalten kleiben und einen allzeit ſonnigen Lebensabend
ge=
nießen. — Sonntag, den 19. Juni begehen hier die 60=Jährigen
ihre Feier. Morgens iſt Kirchgaug und Abendmahlsfeier, dann Beſuch
der Gräber der Altersgenoſſen auf dem Friedhof. Nachmittags und
abends geſelliges Beiſammenſein bei Wirth Barth.
* Ober=Kainsbach, 18. Juni. Sonntag, 25. d. M., beabſichtigt der
hieſige Militär= und Soldatenverein ſein 50jähriges
Be=
ſtehen zu feiern, wobei der im Weltkrieg Gefallenen gedacht werden ſoll.
Der Damenchor, Geſaugverein und Schüitzenverein haben ihre
Mitwir=
kung zugeſagt. Um 1 Uhr gehen ſämtliche Vereine mit Muſik an das
Denkmal, woſelbſt einige Chöre und Anſprachen zu Gehör kommen.
An=
ſchließend findet die Chrung für 30= und 25jährige Mitgliedſchaft im
Vereinslokgl ſtatt.
Erbach, 18. Juni. Die Ortsgruppe Erbach des
Odenwald=
klubs unternimmt am Sonntag, den 19. ds. Mts., ihre 7.
Wande=
rung, die von hier „nach Hirſchhorn, Steinerner Tiſch-Mückenloch—
Dilsberg—Neckarſteinach führt. — Dem Pfarraſſtenten Friedrich Clotz
zu Griesheim wurde die evangeliſche Pfarrſtelle in Ober=Moſſau,
Deka=
nat Erbach, übertvagen. — Geſtern verließ wieder eine Abteilung
Kin=
der aus dem Kreiſe Erbach unſer Städtchen, um für ſechs Wochen eine
Erholungskur in dem Hermann= und Johannaheim in Göhren auf
Rügen mitzumachen. Die Fahrt führt über Berlin, wo die Kleinen
übernachten werden und am nächſten Tag Berlin gezeigt bekommen.
Die letzte Seebadekur in Göhren hat unſern Kindern ſehr gur getan,
betrug doch die Durchſchnittszunahme acht Pfund. Gewiß ein ſchöner
Erfolg. Leider war zu Anfang der Kur die See noch zu kalt, ſo daß
die Kleinen erſt gegen Schluß des Aufenthalts in der See baden
konn=
ten. — Vorgeſtern ſtarb in dem nahen Würzberg der langjährige
Bür=
germeiſter dieſer Gemeinde. Herr Georg Heinrich Reichert 2. Schon
ſein Vater hatte dort das Amt des Bürgermeiſters bekleidet. Auch er
erſreute ſich allgemeiner Beliebtheit und Sympathie ſowohl bei den
Behörden als auch in ſeiner Gemeinde. Der Heimgang dieſes
allge=
mein geſchätzten und beliebten Mannes wird in unſever Gegend
leb=
haft bedauert — Da der bei der Wahl der Kreistagsmitglieder
ge=
wählte Herr Otto Mühlhäuſer, Reutmeiſter a. D. und Fabrikant in
Steinbach, ſein Amt als Kreistagsmitglied niedergelegt hat, hat die
Kreistagswahlkommiſſion in ihrer Sitzung vom 25 Mai d. J. feſtgeſetzt,
daß an Stelle des Ausgeſchiedenen Herr Georg Dequis, Schuhmacher=
. Beerfelden, 18. Juni. Unglücksfälle. Mit Heuaufladen
beſchäftigt, verunglückte geſtern nachmittag ein hieſiger Bäckermeiſter
dadurch, daß er einen Unterarmbruch erlitt. — In einem unbewachten
Augenblick geriet ein etwa zweijähriges Kind unter die Näder eines
leeren Pferdefuhrwerks. Die Beſchädigungen ſind erfreulicherweiſe nicht
ſo ſchlimm, wie es im erſten Moment den Anſchein hatte.
* Waldmichelbach, 18. Juni. Bürgermeiſterwahl. Bei
der kürzlich ſtattgefundenen Bürgermeiſterwahl der Nachbargemeinde
Wahlen wurde der ſeitherige Bürgermeiſter Peter Horle wieder
neu=
gewählt.
* Fürth, 18. Juni. Neuer Rechner. Herr Georg Bitſch im
Filial Krumbach wurde zum Rechner dieſer Gemeinde ernannt und
ver=
pflichtet.
m. Vom Odenwald, 17. Juni. Autoverkehr. Wer vom
ſüd=
lichen Odenwald per Auto ins Neckartal will, der muß, falls er über
den Krähberg fährt, ſich merken, daß die Verbindungsſtraße vom
Kräh=
berg nach Ober=Sensbach von letzterer Gemeinde geſperrt iſt, man muß
alſo über Schöllenbach fahren. Ferner ſei mitgeteilt, daß die neugebaute
Straße Hetſchbach-Höchſt bis auf weiteres für Autos und für
Fuhr=
werke mit über 25 Ztr. Ladung polizeilich geſperrt iſt.
— Hirſchhorn, 18. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
17. Juni 107 Meter, am 18. Juni 0,99 Meter.
* Heppenheim a. d. B., 18. Juni, Heuarasverſteigerung.
Am kommenden Montag, nachmittags um 130 Uhr, wird im Saalbau
Kärchner das Heu= und Grummetgras von den Weidſtrücken, der
Hoſpitalien, von den gerichtlich gepfändeten Weidſtücken, von den von
Vollziehungsbeamten beſchlagnahmten Weidſtücken und von den freiwillig
zum Ausgebot kommenden Weidſtücken meiſtbietend verſteigert. — Die
am 10. Juni abgehaltene ſtädtiſche Heugrasverſteigerung iſt genehmigt.
Die Abfuhrſcheine ſind innerhalb von 14 Tagen gegen Zahlung des
Steigpreiſes oder Stellung von Bürgſchaft an den bekannten
Zahl=
tagen bei der Stadtkaſſe in Empfang zu nehmen. — Am Montag um
1.15 Uhr werden ebenfalls im Saalbau Kärchmer die zum Nachlaß der
Philipp Unger 2. Wwe, gehörigen Liegenſchaften nochmals meiſtbietend
verſteigert. — Beethoven=Gedächtnis=Feier. Der
Orcheſter=
verein Heppenheim ſowie der Männergeſangverein 1843 Heppenheim
hielten im Hotel „Halber Mond” eine Beethovenfeier ab, welche überaus
gut beſucht war. Beide Vereine boten Vorzügliches, was durch eifrigen
Beifall belohnt wurde. Der erſte Teil des Programms wies nur
Beet=
hovenſche Muſik auf. Die Quvertüre „Egmont” wurde als Einleitung
vom Orcheſterverein geſpielt, worauf der Geſangverein „Die Himmell
rühmen des ewigen Chre” mit Orcheſterbegleitung vortrug. Es folgten
darauf zwei Trios für Klavier, Cello und Violine, ſowie das
halten, das Werk käuflich zu übernehmen. Eine dreigliedrige Kom= „Larghetto” aus der 2. Symphonie. „Vervolſtändigt wurde der erſte
Teil des Programms durch die Chöre „Die Veſper” und „Hymme an
die Nacht‟. Die zweite Hälfte der Vortragsfolge brachte Kompoſitionen
von Flotow, Strauß, Silcher Anzer uſw. Herr Lehrer Mauer.
Bauluſtige Verwendung finden ſoll, wird zugeſtimmt. Die ſubmiſſions= Erbach, wies in einer kurzen Anſprache auf die Bedeutung Beethovens
weiſe auusgeſchriebenen Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde= für die Nachwelt hin und zeichnete in kurzen Zügen ein Lebensbild von
dem großen Meiſter. — Weinberge. In verſchiedenen Lagen hat
die Traubenblüite, dunch das warme Wetter begünſtigt, ihren Anfang
genommen und dürſte bei warmer Witterung in etwa 2 Tagen voyüber
4) Trägerlieferung: Fritz Hofmann und Wilhelm Bauer; e) Dach= ſein. Wer mit dem 1. Spritzen noch im Rückſtande iſt, hole das bald
nach, da bei evtl. eintretender feuchter Witterung mit ſehr ſtorken
Kölſch 2.; g) Weißbinderarbeiten: Friedrich Darmſtädter und Georg Peronoſpora=Ausbrüchen zu rechnen ſein wird. Wo die Beſpritzung
ſchon vor Pfingſten ſtattfand iſt eine nochmalige Beſpritzung am Platze.
Da in verſchiedenen Lagen Aeſcherigſporen feſtgeſtellt wurden, iſt zu
empfehlen, bei ſonnigem Wetter alsbald zu ſchwefeln. — Konzert.
Gebäude im Induſtrieviertel erhält Johannes Becker=Traiſa. Den Am kommenden Sonntag findet auf vielſeitigen Wunſch ein Konzert
des Wormſer Konzertorcheſters im Hotel „Halber Mond” ſtatt. Es
iſt dieſelbe Kavelle, welche an „Himmelfahrt” hier gaſtierte und ſich
beliebt machte durch ihre guten Leiſtungen.
* Viernheim, 18. Juni. Ein Bierunfall. Ein eigenartiger
Unfall ſtieß dieſer Tage einem Bierguto der Mannheimer
Eichbaum=
zugeſtimmt. Die Lieferung einer Schutzhütte, die bei den Sportplätzen brauerei hier zu. Beim Einbiegen in eine Seitenſtraße bekam der
Wagen, wabrſcheinlich durch Auffahren auf einen Nandſtein, einen
der=
art ſtarken Stoß, daß der Wagenkaſten ſich öffnete und im Nu B teils
ſchwerbeſchädigte Faß Bier vor dem Nathausportal lagen. Hoch ſpritzte
aus einigen Fäſſern der weiße Schaum, ein ſtarkes Durſtgefühl bei den
ſofort zuſammenſtrömenden Zuſchauern hervorrufend. Obwohl gleich
einige Steingläfer zur Stelle waven, war es doch nichts mit dem
Frei=
bier, denn was herauslief, war meiſt Schaum und lauwavm. Als ein
großes Glück kann es bezeichnket werden, daß an der ſehr belebten
Straßenkreuzung durch die herumkugelnden Bierfäſſer niemand
ver=
letzt wurde.
— Gernsheim, 18. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
18. Juni. 2,17 Meter.
Ha. Biebesheim, 18. Juni. Im hohen Alter von faſt 82 Jahren
verſtarb in Schleswig ein treuer Sohn unſeres Dorfes, Diviſionspfarrer
a. D. D. theol., Büttel, der ſeinem Wunſche gemäß auf dem hieſigen
von Gemeindegelände im Induſtriegebiet für Errichtung einer Geflügel= Friedhofe ſeine letzte Ruheſtätte gefunden hat. Mit der heſſiſchen Kirche zwiſchen Sontheim und Heilbronn bis Mitte Juli geſperrt. ſeine frühere Wirkſamkeit in Groß=Gevau, Framersheim und
der Gemeinderat mit Geländeonkäufen, Stundungsgeſuchen und Wohl= Mainz eng verbunden, blieb er ihr auch im der Ferne treu und war ein
auf Kirchenverſammlungen und heſſiſchen Pfarrkonferenzen ſtets gern
geſehener Gaſt. Im deutſchen Guſtav=Adolf=Verein an führender Stelle
ſtehend, hat er ſich um die Erbauug der Spehener Gedächtniskirche und
die Wiederernichtung der Schloßkirche zu Gottorp bleibende Verdienſte
erworben. Durch zahlreiche Stiftungen und Schenkungen förderte er
eifrig auch das Werk des heſſiſchen Guſtav=Adolf=Vereins. Die
theolo=
giſche Fakultät zu Gießen ehrte ihn und ſeine Tätigkeit durch die
Ver=
leihung des Titels eines Doktors der Theologie. Seine Heimatgemeinde
dankt ihm die beiden zur Erinnerung an ſeinen Vater, den verſtorbenen
ſchilberte in kurzen Vorten den Werdegang der „Genoſſen= Bürgermeiſter Bittel, geſtiſteten, gemalten Kinchenfenſter, die Luther=
Melanchthon und Philipp den Großmütigen= Guſtab=Adolf darſtellen. Im
Kampf für die Erhaltung des Deutſchtums in der Nordmark, ſtand
große Wohltat, auf dem hell elektriſch beleuchteten Wege vom Franken= Pfarrer Büttel, der auch im Weltkrieg aufopfernd dem Vaterland ſeine
Kräfte widmete, bis zuletzt an führender Stelle. Ein guter Hirte und
Seelſorger, ein treuer, deutſch geſinnter Mann von vornehm
liebens=
würdigem Weſen, iſt mit ihm in die Gruft geſunken. Von der Liebe
und Verehrung, deren ſich der Verewigte bei hoch und niedrig erfreute.
zeugte die zahlreiche Arauerverſammlung und die überaus große Zahl
der Kränze, die den in der Ortskirche aufgeſtellten Sapa bedeckten oder
am offenen Grabe niedergelegt wurden. Es ſprachen für den Guſtav=
Adolf=Verein Pfarrer Wagner=Bensheim, für die Kinchengemeinden
* Noßdorſf, 18. Juni. Am Montag, den 20. Juni. ſind es 40 Jahre, Gernsheim und Groß=Gerau Dekan Vogel und Pfarrer Seriba, ſowie
der Pfarner von Framersheim, für den Hiſtoriſchem Verein und die
theo=
logiſche Fakultät Profeſſor Dr. E. Becker=Darmſtadt. Für den Kirchen= d
vorſtand und die Gemeinde Biebesheim legten Herr Molter und
Bür=
germeiſter Hamman, für das Korps Starkenburgia=Gießen und deſſen
Alten Herrenverband Herr Heß und Forſtmeiſter Joſeph mit Worten
ehrender Anerkennung Kränze nieder. Auch das Landeskirchenamt hatte
bei der Arbeit. Bei allen, die ihn kennen, beliebt, darf der brave und in warmen Worten ſeine Teilnahme ausgeſprochen. In der heſſiſchen
Heimat aber und weit darüber hmaus wird das Andenken an
Diviſions=
pfarrer D. Büttel ſo bald nicht erlöſchen.
Rüſſelsheim (Main), 18. Jmi. Eine wackere Tat. Ein 13 Knabe war trotz des Verbotes auf die Motorboothalle des
Ru=
dervereins geklettert und ſtürzte durch Unvorſichtigkeit ab in den Main, des angefangenen Monats bringt wieder eine lebhafte Betätigung d
Sein gleichalteriger Schulkamerad Erich Schäfer ſprang dem
Ertrin=
wackere Tat des Jugendlichen verdient allgemeine Anerkennung.
dann nur
Fliegenfänge:
Fliegenplage?
„Schwapp
nehmen.
Bu haben
llen einſchlägigen Geſchäften
Heſſiicher Straßenbericht
für die Woche vom 19. bis 25. Juni 1927.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
Darmſtadt—Dieburg-Babenhauſen—
Aſchaffen=
burg, infolge des Bahnhofsumbaues an der Kreuzung mit
dem Bahnhof Babenhaufen vom 12. 5. bis auf weiteres geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat über die als Proviſorium neu
angelegte Umleitungsſtraße zu erfolgen. Auf ihr iſt für
Kraft=
wagen bis zu 5,5 Tonnen Geſamtgewicht die Geſchwindigkeit
auf 15 Kilometer und für Kraftwagen über 5,5 Tonnen
Geſamt=
gewicht auf 12 Kilometer ſeſtgelegt. Vorſicht!
Darmſtadt—Veinheim—Heidelberg. Die
Berg=
ſtraße in Weinheim zwiſchen Km. 8083 und 8,393 iſt bis auf
weiteres geſperrt.
Mainz—Bingen von Km. 9,37—11,16 vom 30. 5. bis
25. 6. geſperrt. Umleitung: Gonſenheim—Leniaberg—
Heides=
heim-Nieder=Ingelheim.
Darmſtadt—Mainz zwiſchen Darmſtadt und
Büttel=
born von Km. 9,0—11,0 und zwiſchen Hof=Schönau und
Biſchofs=
heim Km. 21,4—25,8 vom 20. Juni bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Für Strecke Darmſtadt—Groß=Gerau über Griesheim
—Wolfskehlen, für Strecke Groß=Gerau-Biſchofsheim über
Rüſſelsheim.
Ortsdurchfahrt Ober=Rosbach vom 19. 5. bis
25. 6. geſperrt, Umleit, nach und von Bad=Homburg über
Fried=
berg—Fauerbach-Bruchenbrücken — Nieder=Wöllſtadt—Rodheim
v. d. H.—Köppern.
Lollar—Landesgrenze (Sichertshauſen) bis zum
Ab=
zweig nach Station Friedelshauſen vom 7. 6. bis auf weiteres
ge=
ſperrt. Umleitung: Daubringen—Mainzlar—Allendorf a. Nidda
—Londorf-Nordeck.
Lich-Butzbach (zwiſchen Abzweig Dorf=Gill und Abzweig
Münzenberg) vom 8. 6. auf ca. drei Wochen geſperrt. Umleitung:
Dorf=Gill—Gambach oder Muſchenheim—Trais—Münzenberg.
Friedberg—Ober=Wöllſtadt vom 13. 6. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Fauerbach-Bruchenbrücken—
Nieder=Wöllſtadt—Rodheim.
Büdingen—Büches vom 18. 6. bis auf weiteres
ge=
ſperrt. Umleitung: Orleshaufen.
Offenau—Wimpfen und Untereiſesheim—
Wimpfen a. Berg vom 21. 3. vorausſichtlich auf 3 Monate
geſperrt. umleitung, Durchgangsverkehr: Heinsheim—
Gundels=
heim bzw. Biberach.
Michelſtadt—Weitengeſäß zwiſchen Km. 0,00 und
100 (Waldſtraße in Michelſtadt) vom 15. bis 30. 6. geſperrt,
Umleitung je nach dem Stand der Arbeiten über
DOrfille=
ſtraße und Hohe Straße in Michelſtadt oder über den bei
Km. 1,20 nach dem Bahnhof Michelſtadt abzweigenden Feldweg.
Nidda—Dauernheim vom 19. 4 bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Bad Salzhauſen—Geiß=Nidda.
Nieder=Rosbach-Rodheim vom 23. 5. bis auf
wei=
teres geſperrt. Umleitung: Rodheim-Nied.=Wöllſtadt—Friedberg.
Ruppertenrod—Ermenrod vom 30. 5. bis auf
wei=
weiteres geſperrt. Umleitung: Ober=Ohmen-Zeilbach oder
Elmenrod—Hainbach.
Ortsdurchfahrt Heuchelheim b. Reichelsheim in
der Wetterau vom 7. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Bingenheim.
Fauerbach—Ofſenheim (Reparatur der Wetterbrücke
bei Oſſenheim) vom 31. 5. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Bruchenbrücken.
Gießen— Steinbach vom 13. bis 19. 6. geſperrt,
Um=
leitung: Annerod oder Garbenteich.
Gießen—Wieſeck vom 20. bis 26. 6. geſperrt.
Um=
leitung: Marburgerſtraße.
Queck— Hutzdorf vom 17. 6. bis auf weiteres geſperrt.
umleitung: Wernges—Grebenau—Nieder=Joſſa.
Wichtige Anſchlußſtraßen.
Schmitten—Oberurſel (zwiſchen Hohemark und
Oberurſel Km. 15,7—16,6) bis auf weiteres geſperrt.
Umlei=
tung: Nach Homburg ab Km. 11,8 über Schloß Friedrichshof-
Oberurſel; nach Frankfurt ab Km. 11,8 über Cronberg—Nieder=
Höchſtadt—Eſchborn.
Wiesbaden—Ems—Koblenz (zwiſchen Nieder=
Lahnſtein) vom 1. 4. bis 30, 6. geſperrt. Umleitung nach
Kob=
lenz: Arenberg; nach Braubach: Ober= und Nieder=Lahnſteiner
Forſthaus.
Frankfurt—Limburg (bei Limburg) vom 30. 5. bis
21. 6. geſperrt. Umleitg. Lindenholzhauſen—Eſchhofen—Limburg.
Wiesbaden—Limburg Km. 39,0 bis 39,4 vom 30. 5.
bis 21. 6. geſperrt. Umleitung: Altes Zollhaus—
Lindenholz=
hauſen—Eſchhofen—Limburg.
Königſtein—Eppſtein von Km. 5,7 bis 6,3 vom 20.
bis 29. 6. geſperrt. Umleitung: Kelkheim—Münſter—Hofheim.
Dillenburg—Haiger zwiſchen Dillenburg und
Sechs=
helden vom 9. 5. bis 22. 6. geſperrt. Umleitung: von Haiger
und Dillenburg über Donsbach und Manderbach=Sechshelden.
Neuſtadt—Frankenſtein (Brückenumbau bei
Bahl=
übergang Schöntal) Km. 2,2 vom 25. 5. auf 4 bis 5 Wochen
ge=
ſperrt. Umleitung: Fabrik= und Telegraphenſtraße.
Heilbronn—Stuttgart (zwiſchen Bietigheim und
Beſigheim) geſperrt. Umleitung: „Bietigheim-Freudeital—=
Bönnigheim-Kirchheim a. N. (Straße Löchgau geſperrt) und
Umleitung: durch das Bettwartal oder über Bönnigheim—
Brackenheim.
(Weitere Straßenſperren inerhalb des Reiches ſind durch!
das Sekretariat des Heſſiſchen Automobil=Clubs, Darmſtadt,=
Heiurichſtraße 2, Telephon 888, zu erfahren.)
Oberheſſen.
* Laubach, 17. Juni. Das Solms=Laubachſche
National=
feſt fand unter ſehr ſtarker Beteiligung der Bevölkerung der geſamten=
Umgebung ſtatt. Als Glanzpunkt des Tages gilt der hiſtoriſche
Feſtzug=
der ſich unter Leitung des diesjährigen Hauptmanns S. Heymmann zus
erſt zum gräflichen Schloß bewegte. Das Gräfliche Haus wurde
von=
ihm zur Beteiligung am Feſte eingeladen. Bei dem Umzug durch
die Stadt wurde dem Altveteronen K. Salzmann, dem früheren Haupts
mann, ein Ständchen gebracht. Um 11 Uhr begann auf dem Feſtplas
das Preisſchießen. Graf Georn und die übrigen Mitglieder der
gräſ=
lichen Familie und zahlreiche Private hatten Preiſe geſtiftet. Bei dem
Preisſchießen errang den vom Grafen geſtifteten hiſtoriſchen Hammell
der Schutze Fr. Knöß. Auf dem Gabelſtand erzielten 1. Preiſe= V. Silz=
Hch. Löber, H. Döll, Ernſt Günther, Fr. Kraft. D. Högy, Hch. Salzs
mann, Hch. Momberger, K. Graulich und Karl Poth.
* Kloſter Arnsburg, 16. Juni. Unter außerordentlich ſtarkem
An=
drang der Bevölkerung der nördlichen Wetterau fand das Jahresfeſt
des Kinderrettungshauſes ſtatt, das in den Räumen des
ehe=
maligen Kloſters untergebracht iſt. Superintendent Meinberg aus
Dül=
ſeldorf und Kirchenrat Trommershauſen=Frankfurt waren Feſtprediger.
Die Poſaunenchöre von Lich und Langgöns wirkten bei dem
Waldgot=
tesdienſt mit. Im abgelaufenen Jahre waren 59 Kinder im
Retungs=
haus untergebracht, zurzeit noch 45 Mädchen. Eine Lehrerin und zwei
Diakoniſſinnen vom Eliſabethenſtift in Darmſtadt ſind am
Rettungs=
haus tätig.
k. Aus dem Lande, 17. Juni. Gewerbliches. Die zweite Halſe
Handwerkskammernekenſtellen. Die Nebenſtelle Darmſtadt für die Kreiſt
kenden ohne Beſinnen nach und konnte ihn aus den Fluten retten. Die Darmſtadt, Bensheim, Heppenheim und Groß=Gerau hält Sprechtage 0.
an 7 Orten; die Nebenſtelle Friedberg für die Kreiſe Friedberg,
Bi=
dingen und Schotten in Friedberg Montags. Dienstags, Donnerstag”
und Freitags, und auswärts an 8 Orten; die Nebenſtelle Mainz ſ.
Stadt und Kreis Mainz und Kreis Bingen im Mainz an 4 Wochentager
und in Bingen täglich; die Neberſtelle Offenbach für die Kreiſe Offel
lach, Dieburg und Erbach an 9 Orten: die Nebenſtelle Worms für di
Kreiſe Worms und Opponheim an 4 Orten, und in Worms ſelbſt mit
Ausnahme, von Mittwoch und Samstag an ſämtlichen Wochentagen vol
8—12 Uhr und 2—4 Uhr.
Nummer 168
8 auf wei
Alendorf a.
*Gil und Ag.
ſperrt. Unſtin
m 13. 6. h4
ereifeshen
tlich auf 3 An
insheim-Gud
ſchen Km. 00 1
bis 30. 6. gir
ten über 924
der über M
weigenden Felk.
4 bis auf binz
Sonntag, den 19. Juni 1927
Seite 9
Der Ozeanflug New York-Berlin.
zeiten ſogar noch voraufeilten. Aber all der Zeitgewinn in dieſem
*4iewir uber den Ozean flogen Teil unſeres Fli ges ging wieder verloren, als wir über Europa
23.5. bis auf 4
Völlſtadt-Friüt.
t 30. 5. bis aufk
men-Zeilbac
berst. 1uat
Aice
Clarence Chamberlin und Charles A. Levine.
(World Copyright by „New York Times” and „Acht=Uhr=
Abend=
blatt” Berlin.)
(Nachdruck, auch auszugsweiſe, verboten.)
V.
(inige allgemeine Bemerkungen über unſeren Transozeanflug.
Blicken wir auf unſeren Flug über den Atlantik zurück, ſo
flllen uns alle möglichen Zwiſchenfälle, ernſte und heitere, ein.
Jetzt zum Beiſpiel, wo wir wieder in komfortable Betten am
Abend kriechen und ſtundenlang ſchlafen können, rufen wir uns
von neuem in die Erinnerung zurück, wie ſchwer es für uns beide
war, auch nur ein paar kleine Augenblicke des Schlummers zu
eſhaſchen, während wir von New York nach Deutſchland flogen.
ATan gewöhnt ſich dermaßen daran, auf das donnernde Geräuſch
dis Motors zu hören, daß das Ohr mit feinſter Empfänglichkeit
dan Takt und Stoß des Motorrhythmus in ſich aufnimmt. Fehlt
dees rhythmiſche Geräuſch, dann würde ja die Maſchine in den
nuſſen Abgrund hinabſtürzen, wo der Tod einen erwartet.
Des=
herlb. kaum biſt du eingeſchlummert, ſo ſpringſt du auch ſchon
mät einem Satz wieder auf, weil du glaubſt, der Motor hat
auf=
gkhört zu gehen. Zu verſchiedenen Malen verſuchten wir auf
unſerer Ozeanfahrt, es uns ſo bequem wie möglich oben auf dem
Grasbehälter zu machen und dort einzuſchlafen. Aber ſo ſehr
wir uns auch nach einigen Minuten Schlummers ſehnten, wir
lomnten ihn nicht finden, gaben es ſchließlich auf und ſaßen
wie=
dar beiſammen am Steuer.
Wenn man an der Steuerung eines Flugzeuges ſitzt, und
ganz beſonders bei einem Fluge quer über das Weltmeer, dann
dmkt man nicht viel an andere Dinge, als an die rechte
Manöv=
rierung der Maſchine. Nur wenn der Fahrgenoſſe dich ablöſt,
ſai ießen allerhand Gedanken durch dein Hirn — oft genug
Ge=
danken, die mit dem Fliegen nicht das mindeſte zu tun haben.
Emß Chamberlin am Steuer, dann überließ er ſich im
allge=
meinen nicht ſo ſehr dem Zuge ſeiner Gedanken wie Levine, der
dä ſeiner abſoluten Schlafloſigkeit ſich häufig in allerhand
un=
ſuſammenhängende Gedanken und Vorſtellungen verſenkte.
So=
delld am Samstag und Sonntag unſeres Fluges die
nächt=
üße Dunkelheit hereinbrach, überraſchte ſich Levine bei dem
Ge=
dmmken an ſeine kleine Tochter Eloyſe, die nun zu Hauſe, viele
ſundert Meilen weſtlich, in ihr Bettchen ging. „Faſt kann ich ſie
ſimen, wie ſie ihr Gebet aufſagt”, bekannte er zu Chamberlin,
ich meine ihre Stimme zu hören, wie ſie den lieben Gott bittet,
Maddy” treulich über das große Waſſer zu bringen. Ich ſehe
8, faſt vor mir, wie ihre Mutter ſich im Gebet der Kleinen
ver=
irat, ihr Aufſchrei gellt mit im Ohr.”
Urſprünglich hatten wir geglaubt, die Strecke New York—
Bſerlin in 36 Stunden machen zu können. Tatſächlich aber
brauch=
eix wir 43 Stunden von New York bis zu unſerer erſten Landung
n. der Nähe von Eisleben, ſüdlich von Berlin, benötigten alſo
iiſhben gute Stunden mehr. Wir flogen von New York nach
eund’s End an der Südſpitze von England in 33½ Stunden.
Zwiſchen New York und Neufundland büßten wir nur
zweiein=
ollb Stunden ein Unter günſtigen Windverhältniſſen und
reifter Sicht war es uns indeſſen möglich, den Atlantik mit ſo
ocher Geſchwindigkeit zu kreuzen, daß wir unſeren Programm=
uns mitten in dem gewaltigen Sturm ſahen. Ueber die
atmoſphäriſchen Verhältniſſe in Europa hatten wir nämlich vor
unſerem Start in New York keine ſehr zuverläſſigen Auskünfte
erhalten können.
Unſere „Miß Columbia” benahm ſich tadellos, einfach
wun=
derbar. Chamberlin iſt der Anſicht, er hätte mit Erfolg ſogar
weitere 500 Pfund Gaſolin mehr mitſchleppen können, als unſere
Maſchine auf dem Flug trug. Der Apparat iſt eine ſo
wunder=
volle Konſtruktion, daß wir bis jetzt noch nicht die Grenze
herausgefunden haben, bis zu der er ſteigfähig iſt. Während
un=
ſerer Probeflüge dachten wir jedesmal, das Maximum an
Be=
laſtung, mit ber die Maſchine überhaupt in die Luft ſich erheben
konnte, an Bord zu haben. Sie aber „ſpazierte” ſo von dannen,
als wenn es nichts wäre, und doch trug ſie praktiſch zweimal
ihr eigenes Gewicht!
Den Nachmittag vor dem Starttage in New York verbrachten
wir im Wetterbüro bei Mr. Kimball, dem hervorragenden
meteorologiſchen Sachverſtändigen. Mit ihm zuſammen ſtudierten
wir die Wetterkarte und die neueſten atmoſphäriſchen
Entwick=
lungen über dem Ozean und Europa, ſoweit ſie in New York
bekannt geworden waren. Kimball war ganz und gar nicht
begeiſtert über unſere Erfolgausſichten. Er bemerkte lediglich zu
uns, die Möglichkeit, es zu ſchaffen, ſei natürlich vorhanden.
Er war es, der uns darauf aufmerkſam machte, daß wir zwiſchen
New York und Neuſchottland nur auf geringen Nebel ſtoßen
würden und daß wir über Neuſchottland und Neufundland auf
vollkommene Sicht mit Kopfwinden zu rechnen hätten. Zu jenem
Zeitpunkt herrſchte auf dem mittleren Atlantik ſchwerer Sturm,
dem allerdings Zeichen bevorſtehender Aufklärung nicht fehlten.
Sollte dieſe Aufklärung aber nicht eintreten, ſo riet uns Kimball,
falls wir noch mitten in das Sturmgebiet hineingerieten,
ſüd=
licheren Kurs zu fliegen, um aus dem Sturmgebiet
herauszu=
kommen. Auch ſagte er uns mäßige ſüdweſtliche Winde am Ende
dieſes Teiles unſeres Fluges voraus. Indeſſen, über das Wetter,
das uns auf anderen Seiten in den nächſten 48 Stunden
erwar=
tete, konnte er uns leider keine Prophezeihungen mit auf den
Weg geben. Er beſchränkte ſich darauf, uns zu bemerken, das
Wetter ſcheine ſich zum Beſſeren zu wenden. Bei dem Start war
uns bekannt, daß das Wetter über dem Atlantik recht ſchlecht
war, aber wir hofften zugleich, es würde ſich klären. Kimball
riet uns, mit dem Start noch einen Tag zu warten, dann würde
das Wetter auf der anderen Seite des Ozeans ſicher beſſer ſein.
Aber uns hatte ſchon zu ſehr die Ungeduld gepackt. Wir meinten,
unſere Maſchine würde bis zum Ende der Fahrt auch miſerables
Wetter überſtehen und uns noch an das Ziel bringen. Wir
hatten eben keine Vorſtellung davon, daß die Witterung ſo ſchlecht
ſein könnte, wie ſie es tatſächlich über dem Ozean wurde.
Unſer Transozeanflug hat zum mindeſten für die Vereinigten
Staaten die Notwendigkeit eingehenderer und beſſerer Funk=
Wetterberichte der Dampfer auf See erwieſen. Nur mit ihrer
Hilfe kann der Mann des Wetterdienſtes die Bewegungen und
Fortſchritte der Stürme zweckmäßig ſtudieren und zutreffendere
Vorausſagungen geben. Was der New Yorker Wetterdienſt mit
dem geringen Material, das ihm zur Verfügung ſtand, bei
un=
ſerem Fluge leiſtete, bleibt einfach wunderbar! Wir fanden alle
ſeine Vorausſagungen bis auf die Stürme in Deutſchland
beſtä=
tigt. Das New Yorker Wetterbureau konnte uns über die
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland keine Information ertei=
len. Er warnte uns nur vor möglichem „dicken Wetter”. Mit mehr
Zeit und beſſeren Informationseinrichtungen könnte unſer
hei=
miſches Wetterbureau zweifelsohne noch weit beſſere Arbeit
leiſten. Aber auch ſo, wie es iſt, hat ſich ſein Rat, welche Route
wir im Sturmwetter wählen ſollten, ganz hervorragend bewährt.
Obwohl wir gezwungen waren, lediglich mit Hilfe eines
altmodiſchen magnetiſchen Kompaſſes zu navigieren, war unſere
Lage doch nicht ganz ſo furchtbar ernſt, wie es den Anſchein hätte
haben können. Denn wir fanden bald heraus, daß wir unſeren
Kurs in der erſten Nacht über dem Ozean ziemlich genau danach
kontrollieren konnten, daß wir das Auge unverwandt auf einen
beſtimmten helleuchtenden Stern im Oſten des Firmaments
richteten. Dieſe Orientierung nach den Sternen ermöglichte
es uns, beim Fliegen in allgemein öſtlicher Richtung zu halten.
Auch konnten wir unſere Poſition in großen Zügen dadurch
fixieren, daß wir andere Geſtirnkonſtellationen beobachteten.
Als die Sonne ſich am vergangenen Sonntag morgen über
dem Atlantik erhob, hatten wir damit ein Mittel, unſere
Poſi=
tion zu beſtimmen. Im Oſten ging die Sonne auf, die Zeit des
Sonnenaufgangs war noch eine andere, denn nach unſerer
Kenut=
nis war der Sonnenaufgang um vier Uhr morgens Greenwicher
Zeit. Dann, bei Sonnenuntergang am Abend, hatten wir einen
weiteren Anhaltspunkt darin, daß die Sonne im Weſten
unter=
ging. So hätten wir beinahe geradeaus über den Ozean fliegen
und auf Europa ohne Kompaß ſtoßen können, wenn nur das
Wetter klarer geweſen wäre.
Alle paar Minuten blickte Levine auf den ſchon mehrfach
erwähnten Erdinduktionskompaß. Als das Ding gar nicht mehr
funktionierte, fluchte er, wie ein alter Feldwebel. Sein Kummer
war, daß er nicht nur eine Unmenge Geld dafür ausgegeben
hatte, ſondern ganz beſonders, daß das Inſtrument gerade im
kritiſchen Augenblick verſagte.
Vor dem Start hatte Levine die Vorſtellung, daß der
Ozean=
flug fürchterlich monoton ſein müſſe. Als Lindbergh im
ver=
gangenen Februar zu ihm kam und ihm den Vorſchlag machte,
er wollte ſich zur Hälfte mit Geld an dem Columbia=Flug nach
Europa beteiligen, da konnte Levine nicht begreifen, warum
Lindbergh durchaus allein zu fliegen wünſchte. Levine hielt es
für ſicher, daß die troſtloſe Monotonie der langen Flugſtunden
über Meer und Land Lindbergh beſtimmt in Schlaf einlullen
müſſe. Er redete Lindbergh heftig zu, doch einen zweiten Mann
mit auf die Fahrt zu nehmen. (Hätte er eingewilligt, wäre dieſer
zweite Chamberlin geweſen). Lindbergh aber beſtand hartnäckig
darauf, allein zu fliegen. Nicht nur ſchlief Lindbergh trotz der
Monotonie ſeiner 33 Flugſtunden nicht, ſondern auch Levine
ſühlte in den 43 Stunden des Ozeanfluges nicht ein einziges Mal
das bleierne Gewicht der Eintönigkeit — immer gab es irgend
etwas Intereſſantes, worüber man nachdenken konnte, und
ſchlafen konnte er ſchon gar nicht, ſo ſehr er ſich auch darum
be=
mühte.
Nichts Schreckenerregenderes, nichts Unheimlicheres auf der
ganzen Fahrt als die Stunden, in denen wir durch dichte
Nebel=
maſſen flogen, oft vollſtändig ahnungslos, wo wir ſein konnten
oder was uns im nächſten Augenblick zuſtoßen würde. Nebel
am Tage war ſchon ſchlimm genug; aber viel ſchlimmer war er
in der Nacht, als wir durch die Luft donnerten, ohne etwas
Anderes zu ſehen als die blauen Flämmchen der Exhauſter=
Röhren, die man am Tage überhaupt nicht bemerkt. Wir wußten
nur ſehr wohl, daß, wenn dieſe blauen Flämmchen nur ein
ein=
ziges Mal erloſchen, auch wir „Erloſchene” waren, denn ihr
Ver=
ſchwinden hätte bedeutet, daß unſer Motor verſagt hatte. Dies
aber hätte geheißen, aus Tauſenden von Metern Höhe durch
den tröpfelnden Nebel herabſtürzen, bis uns der Ozean verſchlang
oder wir auf dem Lande zerſchmetterten. So war uns alſo jedes
Glimmen dieſer flackernden blauen Flämmchen die beſte
Be=
ruhigung.
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2.
Verjüngungs-Frucht
Wie kann man sich verjüngen?
Nimmt man den beutigen Kulturmenschen unter die Lupe, dann findet man kaum
einen Vollgesunden. Der Stempel der Lebensgifte, Berufsschäden, Nahrungs- und
Genußsünden und Gesundheitsstörungen drückt sich in der Form vorzeitiger
Hlters-
symptome auf den äußeren und inneren Menschen deutlich ab.
Jungsein ist der Zustand, in dem unser Körper frei und rein ist. Hltsein
ist der Zustand, schon des Jugendlichen, der vorzeitig müde, dessen Körper vergiftet
ist, dessen Blut verunreinigt, dessen Verdauung schwach und träge, dessen
Drüsen-
system belastet und daber funktionsuntüchtig ist. Die Verjüngung muß naturgemäß
vorsichgehen und gleichzeitig vom Blut, von der Verdauung, vom Darm und von
den Drüsen aus erfolgen. Verjüngen beißt — Reinigen!
Lukutate ist eine indische Beerenfrucht mit ausgesprochenen Reinigungs-,
Ent-
giftungs- und Verjüngungseigenschaften. Lukutate reinigt und entgiftet allmäblich den
ganzen Organismus, kräftigt die Organe, belebt die Funktionen von Leber, Galle und
Nieren und befreit und verjüngt die Drüsen mit innerer Sekretion. — Die
Forscher Racha-Maraka, Freiberr von Gagern, die Doktoren Hotz und Kroschinski sind die
ersten Pioniere der Lukutate als spezifsche Verjüngungsfrucht. Man verlange Literatur.
Lukutate ist Natur, keine „Kunst” und dient als einfache Vor= und Nachspeise
und als Brotaufstrich. — Man wählt je nach Geschmack oder wechselt:
z Lukutate-Gelee-Früchfe, die süße Geschmadsform Mk. 3.60
2 Lukutate-Bouillonwürfel für den, der „süß” nicht
mag, sowie für Korpulente und Diabetiler, Mk. 3.60
z. Lukutate-Mark, Marmelade als Brotaufstrich etc. . . . Mk. 3.60
In allen Hpotheken, Drogerien und Reformbäusern erhältlich. Literatur durch die Fadrm.
Wilhelm Hiller, Chemische u. Nahrungsmittel-Fabrik, Hannover
zugleich Hersteller der Brotella-Darm-Dlät nach Prof. Dr. Geweche.
IBIn 219
Sommerſproſſen
Verſch=
garantiert. Anfrag. u. L. 63 Geſchſt.
Völliges. Wer würde jg. Man
88912 ausbeſſen3 Angeb. u.
EIL. 82 Geſchſt. (16245
Parkett-Reinigung
Mühiſtr.
Gebr. Lang Telef. 1433
7050a)
Seite 10
Sonntag, den 19. Juni 1927
Reich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
WSN. Frankfurt a. M. An der Hauptwache
wurde der Schreiner Ludwig von einem
Motorrad=
fahrer angefahren und zu Boden geſchleudert.
An=
ſcheinend trug L. innere Verletzungen davon. — An
der Wittelsbacher Allee ſtießen ein Perſonenauto und
ein Motorradfahrer zuſammen, wobei der
Motorrad=
fahrer leicht verletzt wurde. — Auf der Offenbacher
Landſtraße wurde ein Kutſcher beim Ueberqueren der
Straße von einem Perſonenauto umgefahren und
ſchwer verletzt, ſo daß ſeine Ueberführung in ein
Krankenhaus notwendig war. — Ein in Offenbach
wohnender Mann verlor an der Schleuſe an der
Ger=
bermühle das Gleichgewicht und fiel in den Main.
Ein Schleuſenarbeiter, der ihm ſofort nachſprang,
konnte nur noch eine Leiche bergen. Der Tod war
anſcheinend durch Herzſchlag eingetreten. — In der
Hallerhofſtraße verſchied ein 38jähriger Mann
in=
folge Gasvergiftung. — Im Stadtteil Oberrad wurde
ein Gärtnerburſche in dem Augenblick, als er mit
einem Schubkarren in die Offenbacher Landſtraße
ein=
biegen wollte, von einem Auto überfahren. Der Tod
trat auf der Stelle ein.
Stickelmann zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt:
WSN. Frankfurt a. M. Das Urteil im
Srickelmann=Prozeß, das nach längerer Beratung
vom 5. Strafſenat des Reichsgerichts zu Leipzig am
Samstag vormittag verkündet wurde, lautet wegen
Vergehens gegen 88 89, 90, Landesverrat, des
St.=G.=B., dem Antrag des Reichsanwalts
ent=
ſprechend, auf 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre
CEhrverluſt und Stellung unter Polizeiaufſicht. Das
Gericht hielt es für erwieſen, daß Stickelmann die
drei Reichsdeutſchen lediglich deswegen an die
Fran=
zoſen ausgeliefert habe, weil ſie für den deutſchen
Nachrichtendienſt tätig waren. Die Tat ſelbſt ſei als
beſonders gemein anzuſehen, weil die drei Perſonen
wirtſchaftlich und geſundheitlich aufs ſchwerſte
ge=
ſchädigt worden ſind. Einer davon ſei an Tuberkuloſe
erkrankt und Zeit ſeines Lebens zum Krüppel
ge=
worden. Beſonders gemein ſei, daß ein Deutſcher für
die Silberlinge eines Franzoſen ſeine deutſchen
Brüder ausgeliefert habe. Das Gericht hat demnach
auf die ſchwerſte Strafe zurückkommen müſſen.
Chamberlin und Levine wieder in Berlin.
Berlin. In zwei Dornier=Merkur=
Sonder=
flugzeugen der Deutſchen Lufthanſa ſind am Freitag
abend 8.30 Uhr die beiden Weltmeerflieger
Cham=
berlin und Levine mit ihren Gattinnen im
Berliner Flughafen Tempelhof eingetroffen. Zu
ihrem Empfang fanden ſich zahlreiche Perſonen ein,
darunter Vertreter der amerikaniſchen Botſchaft, der
in= und ausländiſchen Preſſe und die Direktoren der
Deutſchen Lufthanſa, Merkel, Wronſky und Milch.
Nachdem die Flieger, die von Magdeburg kamen und
in deren Begleitung ſich einige amerikaniſche
Journa=
liſten befanden, gelandet waren, begrüßte
Miniſte=
rialdirektor Brandenburg vom
Reichsverkehrsmini=
ſterium die beiden Damen und die Flieger mit
fol=
genden Worten: Meine verehrten Damen! Wir
haben in Deutſchland eine ſo hohe Bewunderung
für die Leiſtungen der beiden amerikaniſchen Flieger,
daß wir Sie zu ihren vortrefflichen Ehemännern nur
aufrichtig beglückwünſchen können. Ich habe die Ehre,
Sie namens der Reichsregierung in der
Reichshaupt=
ſtadt herzlich willkommen zu heißen. Hierauf
über=
reichte er den beiden Damen prachtvolle
Blumen=
ſträuße. Die beiden Flieger wurden mit ihren Damen
durch lebhafte Zurufe vom Publikum herzlichſt
be=
grüßt. Dann begaben ſich die beiden Ehepaare nach
dem Hotel Adlon, wo ſie Wohnung nehmen. Der
Weiterflug wird vorausſichtlich Sonntag vormittag
erfolgen.
Eine Spende der Hapag an die Ozeanflieger.
Hamburg. Geheimrat Cuno überreichte den
Ozeanfliegern Chamberlin und Levine
wäh=
rend ihres Aufenthalts in Hamburg namens der
Hamburg—Amerika=Linie eine reich geſchmückte
Leder=
mappe, die die Widmung trägt: „Den kühnen
Ozean=
fliegern, den Schöpfern einer neuen Verbindung
zwi=
ſchen dem amerikaniſchen und dem deutſchen Volke, in
Bewunderung ihres erſten erfolgreichen Fluges von
Amerika nach Deutſchland. Hamburg—Amerika=Linie.”
Aufklärung der Lichtzeichen vom St.=Germain=
Wald.
Quebec. Die geheimnisvollen Lichtzeichen, die
in den letzten Tagen im Siguemah=Bezirk beobachtet
wurden und die man für Notſignale der beiden
ver=
mißten franzöſiſchen Flieger Nungeſſer und Coli
hielt, haben ihre Aufklärung gefunden. Sie
ent=
ſtammen der neuen Kraftanlage, die zum erſten
Male in Betrieb geſetzt wunde.
Ein Denkmal für die Gefallenen
des Sanitätskorps.
Modell des Denkmals.
Für die im Weltkrieg gefallenen Aerzte, Offiz
und Mannſchaften des Sanitätskorps ſoll jetzt
wündiges Denkmal geſetzt werden. Es iſt bereits
anſehnlicher Fonds geſammelt, aus dem ein von B
hauer Dietzſch=Sachſenhauſen geſchaffenes Modell
worben wurde.
Schweres Autobusunglück in Berlin.
27 Perſonen verletzt.
Der umgeſtürzte Wagen.
Im Weſten Berlins hat ſich am Donnerstag nachmittag ein ſchweres Autobusunglück ereignet.
Ein Wagen der Linie 5 ſtürzte, als der Chauffeur einem ungeſchickten Radfahrer ausweichen
wollte, in voller Fahrt um. 27 Perſonen erlitten mehr oder minder ſchwere Verletzungen. Wie
durch ein Wunder hat ſich beim Umſturz des dicht beſetzten Wagens kein Todesfall ereignet.
Eine biologiſche Forſchungsanſtalt auf Helgoland.
Das Bild zeigt das vor kurzem vollendete Gebäude der Biologiſchen Forſchungsanſtalt auf
Helgoland, der einzigen meeresbiologiſchen Forſchungsanſtalt Deutſchlands.
Spielzeug im Gerichtsſaal.
Zur Rekonſtruktion von Straßenunfällen.
Die kleinen Wagenmodelle.
(Die Wagen in der Mitte (X) veranſchaulichen einen Autozuſammenſtoß.
Die nachträgliche Feſtſtellung des genauen Sachverhaltes begegnete bisher, namentlich bei
Auto=
unfällen und Straßenbahnzuſammenſtößen, erheblichen Schwierigkeiten, weil viele Augenzeugen
ihre Wahrnehmungen nicht plaſtiſch genug darſtellen können. Das Landgericht II in Berlin hat
deshalb für ſeine Strafkammern einen ganzen Park von winzig kleinen Wagen angeſchafft, der
die meiſten vorkommenden Typen enthält. Auf dem Richtertiſch aufgebaut, geben dieſe kleinen
Modelle ein anſchauliches Bild des zur Verhandlung ſtehenden Vorfalles.
Tagung des Vereins Deutſcher
Zeitungs=
verleger in Dresden.
VDZ. Dresden. Die diesjährige Tagung des
Vereins deurſcher Zeitungsverleger (Herausgeber der
deutſchen Tageszeitungen) wurde Donnerstag
vor=
mittag mit einem Feſtakt im Großen Saale des
Ver=
einshauſes in der Zinzendorfſtraße eröffnet. Nachdem
die Sächſiſche Staatskapelle unter Leitung von
Gene=
ralmuſikdirektor Buſch das Meiſterſinger=Vorſpiel zu
Gehör gebracht und reichen Beifall dafür geerntet
hatte, nahm der Vorſitzende des Vereins Deutſcher
Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr.
Krumb=
haar=Liegnitz, das Wort zur Eröffnungsanſprache.
Er gab zunächſt das durch W. T. B. bereits
verbrei=
tete Begrüßungstelegramm des Reichspräſidenten von
Hindenburg bekannt: „Der verantwortungsvollen
Arbeit des deutſchen Zeitungsweſens gelten meine
aufrichtigen Wünſche. Möge auch Ihre diesjährige
Haupwerſammlung von dem Beſtreben getragen ſein,
bei der Erfüllung der Aufgaben der deutſchen Preſſe,
die in dem Verein deutſcher Zeitungsverleger
zuſam=
mengefaßten Kräfte in Unterordnung des
Trennen=
den unter die großen gemeinſamen Aufgaben zum
Wohle des Vaterlandes einzuſetzen. gez. v.
Hinden=
burg.” — Die Verſammlung zollte dem Telegramm
des Reichspräſidenten lebhaften Beifall, und Dr.
Krumbhaar begrüßte dann den ſächſiſchen Miniſter
des Innern, Prof. Dr. Apelt, den ſächſiſchen
Wirt=
ſchaftsminiſter Dr. Wilhelm, den Vertreter der
Reichsregierung Geheimrat Baligaß, von der
Preſſe=
abteilung des Auswärtigen Amts, den Dresdener
Oberbürgermeiſter Dr. Blüher, und von den
aus=
wärtigen Gäſten den Vorſitzenden des Vereins Oeſter=
reichiſcher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Flieel,
Prof. Dr. Dörffler=Wien, den Vertreter der
ſchwedi=
ſchen Zeitungsverleger Dr. Gunnar=Bjurman, den
Vertreter der norwegiſchen Zeitungsvertreter
Mükle=
gaardt von der „Natione”, ferner Rechtsanwalt Papſt,
als Vertreter der baltiſchen Preſſe, und Dr. Brin,
von der United Preß of America. Außerdem hieß Dr.
Krumbhaar noch die Vertreter des Reichsverbands
der Deutſchen Preſſe, des Deutſchen
Buchdruckerver=
eins, des Deutſchen Arbeitgeberverbands, ſowie
zahl=
reicher Behörden, Wirtſchaftsorganiſationen,
Han=
delskammern willkommen. Reichsminiſter des Innern
Dr. v. Keudell und der Reichspreſſechef Dr. Zechlin
hatten in Telegrammen ihr Bedauern zum Ausdruck
gebracht, an der Tagung perſönlich nicht teilnehmen
zu können. Dann hielt der erſte ſtellvertretende
Vor=
ſitzende des V. D.Z., Prof. Julius Ferdinand Wolff=
Berlin, einen Vortrag über das Thema „Freiheit
der Preſſe, ihre Vorausſetzungen und ihre Grenzen.”
Mit einem Vortrag der Sächſiſchen Staatskapelle, der
Phantaſie in G=Dur von Joh. Seb. Bach, fand der
Feſtakt ſeinen Abſchluß.
Schweres Bootsunglück im Hamburger Hafen.
Hamburg. Freitagnacht holte der Wachtmann
eines im Waltershofer Hafen liegenden engliſchen
Dampfers fünf Männer und eine Frau eines anderen
engliſchen Dampfers mit einem Boot über. Kurz vor
dem Dampfer drehte das Fahrzeug und kippte um.
Die ſieben Inſaſſen ſtürzten ins Waſſer. Während es
fünf Männern gelang, ſich zu retten, ertrank ein
Ingenieurehepagr.
Nummer 168
Der Prozeß gegen Stickelmann.
WSN. Leipzig. Der 5. Strafſenat des
Reichks=
gerichts verhandelte gegen den 35jährigen Mechaniker
Hermann Stickelmann aus Frankfurt a. M.,
den ſogenannten „Kleinen Diktator von Frankfurt”,
der in der Revolutionszeit eine große Rolle ſpielte.
Stickelmann hatte ſich wegen Landesverrats,
Frei=
heitsberaubung uſw. zu verantworten. Er wurde im
Jahre 1918 und 1919 Führer einer kleinen Marine==
Abteilung in Frankfurt a. M. und hatte zur Zeit;
des Umſturzes auch andere führende Stellungen inne.
Es wird ihm u. a. zur Laſt gelegt, daß er im Juli;
1919 drei Reichsdeutſche, die von Elſaß=Lothringen:
nach Berlin Nachrichten bringen ſollten, in Frankfurt;
verhaftete und den Franzoſen auslieferte. Er
be=
ſtreitet dies entſchieden. Nachdem am Montag die
Verhandlungen ausgeſetzt werden mußten, weil!
Rechtsanwalt Dr. Paul Levy die Verteidigung
nie=
dergelegt hatte, da mehrere ſeiner Beweisanträge:
abgelehnt worden waren, wurden ſie am Freitga;
wieder aufgenommen. Das Gericht hat dem
Ange=
klagten einen Offizialverteidiger in der Perſon dess
Rechtsanwalts Dr. Schümichen aus Leipzig zur
Ver=
fügung geſtellt. Gleich zu Beginn der heutigen:
Sitzung kam es zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen dem:
Angeklagten und dem Vorſitzenden. Stickelmann be=, daß er am Montag, am Schluſſe der Ver=n
handlung, von einem richterlichen Beiſitzer auf dass
ſchwerſte beleidigt worden ſei. Der Vorſitzende wiess
dieſe Beſchuldigung als unbegründet zurück.
Dar=
auf erklärte der Angeklagte, er werde keine Ausſages
mehr machen, weil er ſich in ſeiner Verteidigung be= fühle. Hierauf wurde in die
Zeugenverneh=
mung eingetreten. Bei der Vernehmung des Zeugenn
Eichhorn, eines der Reichsdeutſchen, der von Stickel= in der Nacht zum 16. Juni 1919 als Spionn
den Franzoſen ausgeliefert worden war, wurde dien
Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatsſicherheitzt
ausgeſchloſſen.
Die Zeugenvernehmung im Prozeß Stickelmannn
vor dem 5. Strafſenat des Reichsgerichts geſtalteten
ſich für den Angeklagten geradezu kataſtrophal. Sies
galt hauptſächlich der Klarſtellung der ihm beſonderss
zur Laſt gelegten Auslieferung von drei deutſchem
Spionen an die Franzoſen im Juni 1919. Die dreäf
jungen Leute waren mit dem Auftrage, im Elſaßß
Spionage zu treiben, und einem beſonderen Auftrag.)
den ſie noch vor Schluß der Friedensverhandlungenn
erledigen ſollten, nach Frankfurt gekommen. Der An=/
geklagte behauptet, daß er lediglich unter dem Ein=”
fluß und auf Befehl des Führers des
Matroſenſiches=
rungsdienſtes, Grönke, gehandelt und geglaubt habe.:
es handele ſich um franzöſiſche Staatsangehörige. Die
drei Spione, der damals 19 Jahre alte Kaufmanm
Peter Eichhorn, der Ingenieur Eugen Kirch, und der
Mechaniker Walter Six, wurden dann am 20. Märs
vom franzöſiſchen Kriegsgericht in Nancy zu 5 bzw./
6 Jahren Feſtungshaft verurteilt. Der Zeuge Eich=z
horn ſagt aus, er ſei mit ſeinen Kameraden vom
Stickelmann gefeſſelt in ein Auto gebracht worden.!
Stickelmann habe die Fahrt über Goldſtein in das
beſetzte Gebiet bis nach Mainz dirigiert. Unterwegs!
habe Stickelman gedroht, ſie zu erſchießen, wenn ſisl
es wagten, zu ſprechen oder die Flucht zu ergreifen.”
Stickelmann habe ſie dann den Franzoſen
ausgelies=
fert und von dem franzöſiſchen Offizier Kroficy
ſofors=
die Belohnung in die Hand gezählt bekommen. 98
ſie abgeführt wurden, habe Stickelmann ihnen höß
niſch zugerufen: „Bald habe ich 15 Jahre bewirit.
Die Ausſage des Zeugen Kirch deckt ſich im weſent=”
lichen mit dieſer Angabe, und ebenſo die des wegenn
Krankheit kommiſſariſch vernommenen dritten Leid=, Six. Sämtliche Entlaſtungszeugen füm=
Stickelman verſagten. Die Ausſagen beſtätigten viel=)
mehr die Angaben der ehemaligen drei Spione, ſcl
namentlich die des Zeugen Krottke, der in der
Ver=
handlungspauſe vom Vorſitzenden des 5. Strafſenats=
Dr. Baumgarten, in Bad Homburg, wo er kran:
darniederliegt, kommiſſariſch befragt wurde. Den
Gaſtwirt Georg Schneider aus Homburg, der nack)
den Angaben Stickelmanns bezeugen ſollte, daß en
am fraglichen Tage nachmittags Stickelmann aus den 1
Bett geholt und ihm erzählt habe, daß Grönke die
drei Leute feſtgenommen und alles weitere veranlaß:
habe, beſtreitet dies entſchieden. Er wiſſe von dem
ganzen Sache nur vom Hörenſagen. Eine Anzahl
von Zeugenausſagen beſtätigt, daß Stickelmann mit
franzöſiſchen Offizieren verkehrt habe. Der Ober
kellner Johann Barth aus Homburg, der 1919 Ober
kellner im Carlton=Hotel in Frankfurt war, in den 1
damals viele franzöſiſche Offiziere verkehrten, ſagt
aus, Stickelmann ſei damals ein= und ausgeganger 7
und habe viel mit franzöſiſchen Offizieren konferiert
Am 20. Juni, alſo nach der Entführung der dree
Reichsdeutſchen, hat er wiederum mit franzöſiſchen
Offizieren im Carlton=Hotel geſeſſen. Dabei ſei
e=
zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen einem Schweize
Staatsangehörigen und Stickelmann gekommem
Stickelmann habe dabei dem Schweizer den Selt—
kübel an den Kopf geworfen. Nachdem noch einig-
Zeugenausſagen unter Ausſchluß der
Oeffentlichlel=
gemacht worden waren, wurde die Beweisaufnahme
geſchloſſen und die Verhandlung auf Samstag vertagl
Frau Kolomak zu acht Monaten
Gefängnis verurteilt.
TU. Bremen. Im Prozeß gegen Frau Kold
mak wurde die Angeklagte nach längerer Beratun.
des Gerichts zu einer Geſamtſtrafe von acht Mo
naten Gefängnis und zur Tragung de
Koſten des Verfahrens verurteilt. Die Unter
ſuchungshaft wird angerechnet. — Die Urteilsbegrun.
dung beſagt, daß nach Anſicht des Gerichts Fran
Kolomak von dem Verkehr ihrer Tochter in zweiſen
haften Lokalen gewußt hat. Vor der Berliner Reil
muß die Angeklagte von dem intimen Verkehr de
Tochter gewußt haben. Sie iſt von anderer
Seil-
darauf genügend aufmerkſam gemacht worden. Wenc
die Ausſagen, der Belaſtungszeugin G. W. weges
ihres Zerwürfniſſes mit Frau Kolomak nicht voll be
wertet worden ſind, ſo nahm das Gericht jedoch 0.
Ausſagen der G. W. über ihren und der Lisbei=
Männerumgang im Hauſe Kolomak als wahr ane
Frau Kolomak hat dies für Geld geduldet. Mildern”
wurde die Haltung der Frau Kolomak in Anbetrag"
ihrer wirtſchaftlichen Notlage und der Inflationszel.
beurteilt. Für die Kuppelei gegenüber der eigenel
Tochter wurden 7 Monate Gefängnis und für de
Kuppelei gegenüber der G. W. wurden 3 Monaue
Gefängnis feſtgeſetzt, durch Zuſammenziehung der
Strafen wurde auf acht Monate Gefängnis erkanne
unter der Betonung, daß für die Angeklagte die=
Amneſtie nicht in Frage kommen könnte. — De
Verteidigung legte gegen das Urteil ſoſol.
Berufung ein.
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Der Film vom Großkraftwerk Rummelsburg.
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In dieſem Film, deſſen Bauten an 80 Millionen Mark
gekoſtet haben, gibt es keine Stars, es wirken darin 4000
Arbeiter als Hauptdarſteller mit, von keinem iſt eine
Groß=
aufnahme gemacht worden, man ſieht in einzelnen Szenen
höchſtens zehn von ihnen im ernſten Zuſammenſpiel. 170
In=
genieure, Poliere und Montagemeiſter haben als Negiſſeure
voneinander unabhängig ihre Akteure geleitet, den Erfolg
der Uraufführung in der Cechniſchen Hochſchule verdankt
der Silm nur den Kurbelmännern, die von einem 40 Meter
hohen Curmſtativ und auf dem Gelände des Großkraftwerks
Nummelsburg ein Jahr lang gedreht haben. Dieſes
Film=
band, der techniſchen Großtat des Jahres 1926 hat im
Premierenpublikum einen überwältigenden Eindruck
hinter=
laſſen. Und iſt doch nie ein Drehbuch zu dieſem Film
ge=
ſchrieben worden.
Die Silmidee: Auf allen Kohlenzechen der Erde liegt
als läſtiger Abfall in rieſigen Halden die Staubkohle. Die
Sorge, dieſen Schutt loszuwerden, hat während des letzten
Jahrzehnts ſehr günſtige Ergebniſſe in der Heizungsforſchung
gezeigt. Man hat die nichtswürdige Staubwolke zum Golde
erhoben! Natürlich in Amerika! In großen Pendelmühlen
zu feinſtem Kohlenpuder zerkleinert, mittels
Druckluft=
pumpen unter die Keſſel geblaſen, gibt die entzündete
Staub=
kohle eine ſo hohe Heizkraft, daß ſie darin nur von der
Gasfeuerung übertroffen wird. Großartig! Der Bedarf der
rapid anwachſenden Weltſtadt Berlin an elektriſchem Strom
muß auf die Höhe der Seit gebracht werden. Bei dieſer
Gelegenheit will man endlich einmal mit der teuren
Stein=
kohle brechen, die nur 30 Prozent ihrer Heizkraft als
Nutzeffekt hergibt, aber dafür ungeheure Aſchen- und
Schlackenhalden hinterläßt. Man ſchließt mit dem
Nuhr=
gebiet und Oberſchleſien günſtige Lieferungsverträge für
Staubkohle ab und projektiert ein gigantiſches Kraftwerk
für Staubkohlenfeuerung mit einer Leiſtung von 280000
Kilowattſtunden täglich; 16 Mammuthkeſſel werden den
Dampf von 37 Atmoſphären Spannung in 4 Großturbinen
zu je 70 000 Kilowatt liefern. Dem Kabelnetz der
Welt=
ſtadt mit 40 000 Fabrikbetrieben, —zigtauſend Fahrſtühlen,
Aber=Millionen Glühkörpern auf den Straßen und in den
Kinos, auf und in den Warenhäuſern, Lokalen und in den
Haushaltungen ſoll es auf Jahrzehnte hinaus nicht an
elek=
triſchem Strom mangeln!
Die Filmbilder ſind hiſtoriſche Cagebuchaufnahmen mit
Datumsangabe: Erſter Cag: Die bauleitenden Ingenieure
ergehen ſich vergnügt auf dem Bauplatz an der Oberſpree,
Laubengelände, im Hintergrunde dampfen traurig zwei
Schlote des alten Elektrizitätswerks Nummelsburg. Man
pflückt Erdbeeren, einer erwiſcht noch einen Arm voll
Spargel, den ein Laubenkoloniſt bei der Näumung ſeines
Landes im Stich gelaſſen hat. Sweiter Cag: Ein
mäch=
tiger Löffelbagger verſenkt ſein Maul ins Gelände, jede
Bewegung hebt zwei Feſtmeter Erde auf die Hunte einer
Seldbahn. Die vollbeladenen Feldbahnzüge kippen in
Spree=
kähne. Am nächſten Morgen. Dampframmen an der
Ar=
beit bohren eiſerne Pfähle für die Fundamente des Werkes
in den Sand. Der Bagger hat mit großem Hunger das
ganze Gelände angefreſſen, die Betonklötze der
Hallen=
fundamente wachſen wie Pilze aus dem Boden. Die
Gitter=
halme der Montagekräne ſchießen empor, ſchon ſchlingt ſich
ein Kloben mit Drahtſeil um den Ständer des erſten
Hallen-
binders, die elektriſchen Winden leiern ihn ins Lot. Sein
Gegenſtück ſteht auch ſchon, das Verbindungsſtück paßt in
die Nietlöcher — über dem Bauplatz ſteht als Bild der
zu=
künftigen Curbinenhalle die erſte Hauptrippe ihrer
Eiſen=
konſtruktion. Cäglich reiht ſich ein Hallenbinder neben den
anderen, man mauert ſchon die Swiſchenräume im
Eiſen=
fachwerk aus. Jenſeits der Köpenicker Chauſſee iſt das
Schalthaus im Entſtehen begriffen. Das Keſſelhaus wächſt
Eröffnung des Großkraftwerkes Berlin=Nummelsburg. Das Hauptmaſchinenhaus.
tungen wie Nieſenbambuſſe aus. Der große Montagekran
der Maſchinenhalle ſteigt in drei Ceilen zu einen
Lauf=
ſchienen empor. Der erſte Kondenſator ſchwebt dem
Nieſen=
fundament aus tauſend Kubikmeter Eiſenbeton zu. Sitzt
ſchon richtig vermauert. Die Vor= und Hauptkeſſel erſteigen
in den Drahtſeilen ihre zukünftigen Dienſtſtellen — 16 Stück
Blick auf das Großkraftwerk „Klingenberg”.
Blick in die Hauptwarte. Swei Arbeiter ſteuern von hier
aus das geſamte Werk.
auch ſchon, die ſchlanken Eiſenkonſtruktionen ſehen mit den
Blechrippen und Nieten in ihren organiſch ſchönen
Hal=
zu 160 Connen. Ueber dem Keſſelhaus wachſen die
Schorh=
ſteine in den Montagetürmen hoch. Swei Firmen bauen
daran nach verſchiedenen Methoden um die Wette! Das
Lehrgerüſt für die Brücke ſteht über der Chauſſee, ſie wird
ſchon betoniert. Der Bagger frißt hinter ihr ſchon das
Bett für den Stichhafen aus. Am Kohlenplatz entſteht der
fahrbare Portalkran von 120 Meter Spannweite und
langt mit einem ſtarren Auslegearm über den 20 Meter
breiten Stichkanal hinüber. Seine eingleiſige Laufkatze hockt
ſchon in der Schiene. Sie iſt mit ihrem Schnelligkeitsrekord
von 6 Sekundenmetern der Nurmi unter den Laufkatzen
der Erde.
Großaufnahme! In der Curbinenhalle ſenkt ſich der
Rotor der erſten Curbine mit ſeinen Schaufelchen in die
untere Statorhälfte. Ein Prachtſtück das! Nach den
neueſten Erfahrungen der Curbotechnik elegant geſchnitten.
Der 30 „Tonnen ſchwere Curbinendeckel entzieht dieſes
Wunder unſeren Blicken.
Streik! Sechs Wochen dampft keine Namme, leer ſteht
das Corſo der Bauten, die Seile ſpielen ſchlaff im Winde.
Dann — morgen iſt ein Freudentag! Die Straßenbrücke
iſt längſt fertig, die Autos befahren ſie ſchon, der Bagger
hat ſchon beinahe nichts zu freſſen, der Stichhafen iſt fertig
gebaggert. Nur ein ſchwacher Erddamm trennt ſein noch
jungfräuliches Bett von der Spree. Swei Arbeiter ſtechen
unter größter Spannung aller Werkangeſtellten den Damm
durch. Suerſt langfam, dann immer rapider ſtrömt das
Spreewaſſer in den neuen Landeinſchnitt. Die Erdmaſſen des
Damms weichen unter den Füßen der Suſchauer, die ſich
zurückziehen, um nicht ins Waſſer zu fallen. Der
Durch=
bruch iſt gelungen, das Waſſer hat ſich beruhigt, zum erſten
Male malt ſich der Bogen der neuen Brücke im
Waſſer=
ſpiegel. Wieder ein Freudentag! Der erſte Kohlenzug aus
10 neuen Spezialkohlenſtaubwagen mit einem Ladegewicht
von 50 Connen trifft aus Oberſchleſien im Nummelsburger
Kraftwerk ein. Ein einziger Mann entleert die 50 000
Connen Sugladung mit 10 Handgriffen in fünf Minuten,
früher eine Cagesleiſtung von 30 Mann!
Die Laufkatze ſtartet zum erſtenmal mit Kohlenlaſt nach
den Bunkern. Es klappt fabelhaft. In allen Ceilen des
Werkes iſt man fieberhaft an den Montagearbeiten
be=
ſchäftigt, die Hauptbauarbeit iſt nach knapp einjährigem
Bau fertig. Schluß des erſten Ceils. — Der zweite wird
noch gedreht.
Im Großfilm „Elektropolis” (wie ich ihn nenne) iſt
keine Pappe, keine Schminke und kein Komparſe verwendet
worden. Seine Handlung iſt von allen Sentimentalitäten
frei. Man hat weder den letzten Weg des Autors von
Nummelsburg, des genialen Ingenieurs Klingenberg,
der während des Baues ſtarb, noch die Beerdigung des
ver=
unglückten Montagemeiſters und der drei Arbeiter
ver=
filmt. Die Cechnik dreht nur ſachliche Szenen.
Man führe „Elektropolis” öffentlich vor! Edmund
Meisl ſchreibe dazu die Montagemuſik! Man höre die
ſchweren Vorſchlaghämmer der Monteure, die fauchenden
Nammbären, das Preßluftnieten, die Signalpfeifen und
Kommandoworte der Montagemeiſter! Die murrende
Lauf=
katze, die brummenden Kranmotore, das Nangieren der
Kohlenzüge, den dumpfen Bunkerlärm der Staubkohle
wollen wir hören!
Die Vorwärmerturbinen, die eine Leiſtung von
je 10000 KW. haben."
EAAAInnannaagnnnngngnannnnnaganagnannnnnnnn
[ ← ][ ][ → ] Die Schule der Coreros.
Von B. E. Lüthge.
Eine Woche war ich erſt in Spanien, und ſchon hatte ich
mir die markanteſte und ſicher liebenswürdigſte Cätigkeit des
Spaniers angewöhnt: „dolce far niente” und im Café ſitzen.
Ich war ſchlechter Laune. Nachdem ich meine Kunſtneugierde
an den Sehenswürdigkeiten von Malaga geſtillt hatte, hatte ich
mich noch auf eins gefreut: die Stierkämpfe. Jedoch wußte ich
nicht, daß es auch dafür eine Saiſon gibt, die erſt in einigen
Wochen beginnen ſollte.
Als ich zahlen wollte, um mich in eine der kleinen Kneipen
in der Calle de los Criſtos zu begeben, wo die Stierkämpfer
verkehren, ſchlägt mich jemand von hinten auf die Schulter, und
ein alter Bekannter von mir, ein Spanier, den ich aus Berlin
kannte, ſteht vor mir. In dieſem Moment begrüßt ihn über
zwei Ciſche weg ein Spanier, der mir ſchon vorher durch ſein
energiſches Geſicht aufgefallen war. Sie ſprechen ſchnell hin und
her. Mein Freund ſtellt mich vor und ſagt:
„Dieſer Caballero iſt ein junger Stierkämpfer. Er will
gerade herausfahren, in die Stierkampfſchule. Er wird heute
einen Stier erledigen, den ihm ein Süchter dediziert hat. Er
lädt uns dazu ein.”
Als der Spanier den breikrämpigen Hut abnimmt, ſehe ich
auch, daß auf ſeinem Kopf das kleine Söpfchen liegt nach vorn
herübergelegt: das Sildenzeichen des Coreros.
Wir töffen in einem Fordauto durch die winkligen ſchmalen
Gaſſen Malagas hinaus, den auflebenden Karneval hinter uns
laſſend. Nach zwanzig Minuten kommen wir an eine einſame
Sonda, eine Art Gaſthaus. Sie gehört einem alten Stierkämpfer,
der über 20 Jahre Picador und Eſpado in Mexiko war, und der,
nachdem man ihm die Konzeſſion ſeiner Kneipe in Malaga ſelbſt
wegen einer Meſſerſtecherei genommen hatte, ſich hier außerhalb
des Weichbildes der Stadt niedergelaſſen hatte. Es ſind nur
etwa 20 Perſonen in der Sonda außer den „Novilleros”, den
jungen Stierkämpfern, die bei dem Kampf zu tun haben. Alles
nur „Kenner” oder Stierzüchter oder Mäzene der
Stierkampf=
ſchüler.
Unſer Freund, der junge Stierkämpfer, hat inzwiſchen Coilette
gemacht und ſich eine kleine weiße Jacke angezogen, die anderen
ſind in Sivil und haben nur den Kragen abgebunden. Man ſieht
ihnen allen an, daß ſie an den großen Gallite denken, oder an
Guerrita, der in einer Saiſon allein 225 Stiere tötete und
einen Neingewinn von 76 000 Duros, das ſind 300 000 Mark,
hatte, und daß ſie alle Bombite ſein möchten oder Belmonte, der
„Dompſey” der Arena, der ſchön iſt wie ein Gladiator. Die
Vorbereitungen ſind das Aufregendſte an der Sache. Unſer
Freund ſcheint mir ein wenig blaß, aber er hat Haltung. Ich
frage, ob auch mit Pferden gekämpft wird, und als ich höre,
daß dieſer Ceil des Kampfes nie in Schulen geübt wird, da
Seuer.
Erzählung von E. Carretero.
Vor der Gerichtsverhandlung habe ich Gelegenheit gehabt,
die Akten des Brandſtifters durchzuſehen. Außerdem habe ich
mit einem Mann geſprochen, der ein Gutachten abzugeben hatte.
Er hat mir in der Akte ein einziges Blatt gezeigt mit der Geſte
eines Allwiſſenden, ſo als ob er endgültig ſagen wollte: Da ſteht
es, da iſt es bewieſen, es war alſo nichts mehr daran zu ändern,
und da haben wir die ganze Lebensgeſchichte des Brandſtifters
Werner Hegwald. Und es iſt auch wirklich eine ſchreckliche
Seite in dieſer Akte.
Die Schweſter berichtet, daß Werner Hegwald als Kind von
2½ Jahren einmal mit ſeiner Großmutter allein im Hauſe war.
Er holte geſpaltenes Holz vom Ofen und ſchichtete es auf, er
tat auch etwas Papier darunter, und dann ging er in das Simmer
der Großmutter. Er wollte von ihr Streichhölzer haben. Die
Großmutter ſtand auf und ging mit dem Kind in das Simmer, wo
ſie auf dem Sofa den kleinen Scheiterhaufen aufgeſchichtet ſah,
und da merkte ſie, daß faſt etwas Schreckliches geſchehen wäre.
Als ich dieſe Seite geleſen hatte, war ich ſehr im Sweifel,
was ſie wohl zu bedeuten hätte. Gewiß, ſie konnte für die
Su=
kunft des Menſchen alles beſagen, aber wieviel tauſend andre
Kinder hatten ſchon mit Feuer geſpielt und hatten eben eine
natürliche Freude am Seuer. Würde man da etwa auf jeden
Fall großen Wert auf ein ſolches Ereignis in der Kindheit legen?
Nein, das glaube ich nicht. Ich ſelbſt erinnerte zwar nicht von
mir, daß ich in der Kindheit ſolche Spiele gemacht hatte, aber ich
erinnerte eben überhaupt nichts aus meiner Kindheit, und man
hatte mir nachher nichts von mir ſelbſt erzählt. Es konnte genau
ſo gut ſein, daß ich einmal in ſolcher Weiſe Seuer angelegt hatte.
Und dann habe ich in der Akte weiter geleſen. Ich habe nicht
weiter mit dem Gutachter geſprochen, ſondern habe ihm einfach
recht gegeben, weil er ſo ein Menſch war, der durchaus Necht
haben mußte, — und worin hatte er eigentlich recht? Er wollte
mit lauten, dröhnenden Worten in der Gerichtverhandlung
auf=
treten und ſagen: Man ſieht, daß Werner Hegwald von früheſter
Jugend an ein verdorbenes Kind, ein gefährliches Mitglied der
menſchlichen Gemeinde war, und hier iſt der Beweis.
Ich habe mich alſo weiter in die Akte vertieft, und da mußte
man ſchon ſagen, daß es ſchrecklich iſt, was alles in einem ſolchen
Fall an das Cageslicht kommt, und wie furchtbar alle dieſe
Er=
innerungen ſind, die man dem Menſchen aufrechnet, wenn er
wirklich bei einem ſchlechten Ende angelangt iſt.
atme ich auf. So bleibt uns der grauenhafte Ceil des
Stier=
kampfes erſpart.
Der Lehrer verſammelt noch einmal die jungen Kämpfer und
ſpricht mit unſerem Freund. Der nickt nur flüchtig. Dann öffnet
er das Cor, und ein prächtiger ſchwarzer Stier ſpringt in den
Hof. Die Männer weichen zurück und ſtehen ſtarr. Der Stier
hebt den Kopf, zieht hörbar die Luft ein. Dann galoppiert er
umher. Pauſe. Wer fängt an? Ich hebe meinen Photoapparat.
Der Lehrer ruft jetzt unſerem Freund etwas zu. Langſam hebt
der den Mantel vor ſich und geht auf den Stier zu, ihn ſtarr
an=
ſehend. Der Anfang iſt am gefährlichſten. Er kennt das
Cem=
perament des Stieres nicht. Denn mancher läßt ſich durch den
Mantel nicht irretieren und geht auf den Mann. Der Stier
ſtutzt, dann ſenkt er den Kopf und rennt los. Wie zwei Dolche
ſtehen die Hörner nach vorn. Wieder ruft der Lehrer etwas.
Aber ehe wir atmen können, hat der Schüler blitzſchnell den
Mantel nach der Seite genommen — der Stier ſtößt ins Leere
und bricht in die Knie, da er keinen Widerſtand findet. Geſchickt
ſpringt der Schüler zurück.
Bis jetzt iſt noch kein Blut gefloſſen. Der zweite Ceil naht,
die Suerte de banderillear. Dabei werden dem Stier die
Ban=
derillas, etwa 75 Sentimeter lange Stöcke mit Widerhaken ins
Genick geſtoßen, damit er noch wilder wird. Im Nu hat er zwei
im Genick. Er ſchlägt aus und brüllt faſt wie ein Löwe, mit
blutunterlaufenen Augen ſeinen Gegner betrachtend. Blut rieſelt
ihm über das Fell. Der Erfolg macht unſeren Freund kühn.
Wieder will er zeigen, was er kann. Er will dem Stier die
kleinen Banderillas, die Banderillas a =uarta”, die nur 15
Sen=
timeter ſind, anheften. Dies iſt ebenfalls eins von den
Bravour=
kunſtſtücken der Arena. Er legt auch noch ein Caſchentuch auf
den Boden, auf das er ſich ſtellt. Er will zeigen, daß der Stier
ihn nicht davon herunterbekommen wird . ."
Der Lehrer ruft laut und warnt. Aber ſchon rennt der
Stier an, erfaßt den Kämpfer mit den Hörnern und wirft ihn
hoch in die Luft über den Rücken. Schon will er den hilflos
am Boden Liegenden aufſpießen, da ſpringt der Alte, mit einem
Satz, den man ihm gar nicht zugetraut hätte, hinzu und faßt den
Stier — am Schwanz. Einen Augenblick ſteht der Stier. Doch
das genügt, daß die anderen ihre Cücher davorhalten, den
Ge=
ſtürzten hochreißen und den Stier nach einer anderen Seite
ab=
lenken. Das Horn des Stieres hat die Haut des Oberſchenkels
aufgeriſſen. Blutstropfen ſickern hervor.
Eine andere Schweſter erinnert nach dieſen Papieren, daß
der kleine Werner mit vier Jahren Geld bekam, um etwas vom
Krämer zu holen. Als er zurückkam, brachte er ſo wenig, daß es
dieſer Schweſter auffiel. Es waren übrigens beides
Stief=
ſchweſtern, wie ich nachher aus den Akten ſah, Das Kind konnte
es nicht erklären, aber während es ſo daſtand, da fiel ihm aus
dem Kittel eine kleine Cafel Schokolade. Nun, das Kind hatte
alſo eine Unterſchlagung gemacht, und dafür wurde es dreimal
oder viermal beſtraft, von den Schweſtern und von den Eltern.
Auf dieſer Seite der Akte war ein Hinweis auf eine ſpätere
Seite. Ich habe nachgeſchlagen, und da ſtand, daß Werner
Heg=
wald zu einer ſpäteren Seit als Bote angeſtellt war, für ſeinen
Herrn kleine Geldbeträge einzukaſſieren. Dabei hatte er einige
Beträge unterſchlagen und für ſich verbraucht. Er war beſtraft
worden.
Hiernach bin ich wieder in die erſten Berichte zurückgegangen,
und auf einer weiteren Seite hatte wieder eine der beiden
Stief=
ſchweſtern niedergeſchrieben, daß der kleine Werner etwa in
ſeinem fünften oder ſechſten Jahr mit einem Litergefäß bei einem
Kaufmann vorbeigeſchlendert war, der an der Straße ein Saß
Petroleum ſtehen hatte. Er hatte heimlich, als er glaubte, nicht
bemerkt zu werden, ſeinen Copf vollaufen laſſen, und dann hatte
er das Petroleum ausgetrunken. Nachher hatte er geſagt, er
hätte geglaubt, es wäre Waſſer geweſen.
Nun, das Gefäß wird etwa nicht ganz voll geweſen ſein, es
kann ſogar ziemlich leer geweſen ſein. Hatte dieſe Ausſage von
einer der Stiefſchweſtern etwa eine größere Bedeutung? Und
vor allen Dingen ſtand da kein Wort, ob der Knabe unter den
Solgen dieſes Petroleum=Crinkens gelitten hatte, es ſollte nur
an einen weiteren Diebſtahl erinnert werden. Aber ich muß
ſagen, daß wenn ich dieſe Petroleum-Angelegenheit nicht
ein=
fach als eine böswillige Erfindung anſehen wollte, dann war es
wirklich das Merkwürdigſte in dieſer Kindergeſchichte. Sonſt
konnte man nur ſehen, daß der Vater von Werner Hegwald
eben nur dieſen Sohn aus ſeiner erſten Ehe hatte, und dann
heiratete er eine Frau mit zwei älteren Cöchtern, eben dieſen
Stiefſchweſtern, und dieſe hatten den Knaben wohl als einen
kleinen Hausknecht, als etwas unendlich Minderwertiges gedacht,
und hatten ihn das einemal gebraucht für alle ihre eignen
Be=
quemlichkeiten, dann aber hatte er ihnen natürlich nie genügt,
und ſie fanden immer Gelegenheit, mit ihm zu zanken und ihn zu
ſchelten, zu mißhandeln, und es war ein uralter Haß geweſen, der
ſich durch alle jene Jahre hinzog.
Ich glaube allerdings nicht, daß Werner Hegwald das
Pe=
troleum für Waſſer hielt. Es war noch in der Seit der Pe=
Wenn dies alles ſo in einem richtigen Kampfe in einer Areng
ſtattgefunden hätte, der Stierkämpfer wäre mit Pfeifen und
Johlen herausgejagt worden. Aber wir ſind ja hier in einer
Schule.
Der Alte fragt, ob er weiterkämpfen wolle. Crotzig nickt
der Schüler.
Dann wendet er ſich um, dem Stier zu, der langſam
zurück=
weicht, das Auge auf den Gegner gerichtet. Der Stierkämpfer
ziſcht ihn an, ſtampft mit dem Suß am Boden, der Stier peitſcht
mit ſeinem Schweif und ſcharrt mit den Hufen, nur zwei Meter
von der Degenſpitze entfernt. Der Mann zielt wie ein Fechter.
Dann bewegt er das Scharlachtuch, und der Stier ſtößt vor.
Einen Augenblick ſtrauchelt der Coreador, dann ſitzt der Degen
etwa zur Hälfte in dem blutenden Körper. Wie verſteinert ſteht
einen Augenblick der Stier, dann brüllt er und ſchüttelt ſich: in
weitem Bogen fliegt der Degen aus dem Genick in die Luft.
Mir wird ganz ſchwach. Ich habe nichts als Mitleid lmit
dem armen Cier, das nicht weiß, was mit ihm geſchieht und
nur fort möchte, fort —
Der Lehrer iſt in die Arena geſprungen und hat dem Schüler
den Degen wieder gereicht. Mit überſtürzenden Worten gibt
er ihm Natſchläge und nennt ihm „Schritte”, wie er den Stier
in die richtige Stellung bekommen würde, daß er den Kopf tief
hält. Wieder ſticht er zu. Wieder nicht genug. Grauenhaft iſt
das Bild, wie das Cier, den Degen halb im Leib, herumwankt,
brüllt und ihm Blut aus dem Maul quillt, weil ihm durch das
Laufen die ſcharfe Klinge innere Ceile zerſchheidet. Als er bei
uns vorbeikommt, ſtößt der Lehrer von der Cribüne aus mit der
Fauſt auf den Degen, der noch ein Stück tiefer hineingeht, aber
feſtſitzt und federt. Ich wende mich ab. —
Nochmals zieht man den Degen heraus. Ich möchte
weg=
ſehen, aber wie gebannt ſtarre ich auf das grauſige Schauſpiel,
bis endlich ein dritter richtiger Stoß den Stier auf die Knie
bringt, ſo daß er ſich nicht mehr erheben kann.
Alles ſpringt über die Cribünen. Ein paar Fleiſcher erſetzen
hier die „Puntilleros” der Arena und geben dem Stier den
Snadenſtoß, denn das Fleiſch ſoll noch brauchbar zum Genuß
ſein. In wenigen Minuten iſt das Cier zerlegt und ausgenommen.
Iſt das überhaupt nicht mehr Schlächterei als Kampf? Ich
lehne mich an die Wand, während die Schüler den „Sieger” auf
die Schultern heben. Auch ich drücke ihm die blutende zitternde
Hand. Dann reicht mir mein Freund ein Glas Mancanilla, den
ich herunterſtürze.
Draußen knattert das Auto. Mir iſt immer noch, als wenn
man mir mein Herz herausgeriſſen hätte. Ich kann nicht reden.
Doch was iſt geſchehen? Ein Stier iſt abgeſtochen worden, wie
alle Sonntage in Spanien 1500 Stiere in zweihundert Arenen
getötet werden. Ich ſehe den todtraurigen Blick des armen
gehetzten Cieres, das uns Menſchen gleichſam anklagt und höre
ſein verzweifeltes Blöken und ſein faſt menſchliches Schreien.
Das überſchreit in mir das Lärmen und die Muſik der Kapellen
des Karnevals, der uns ſchäumend empfängt und ſich jubelnd
und tönend durch die abendlichen Straßen Malagas wälzt. ..
troleumlampen, und ein Knabe, den man im Hauſe zu allerlei
an=
ſtellte, wußte ſchon ganz gut, was Petroleum war. Man konnte
auch ganz gut annehmen, daß er ſchon mehr als einmal Petroleum
gekauft hatte, und daß er auch wußte, daß nichts ſo gut wie
Petroleum brennt. Ich würde meinerſeits beiſpielsweiſe
an=
nehmen, daß der kleine Werner auch ſchon ganz gut wußte, daß
man aus Bequemlichkeit mit Petroleum Feuer ſchnell anmachen
kann. Und dann hatte er das Petroleum genommen und
ge=
trunken? Wenn das wahr ſein ſollte, ſo hatte er ſicher im erſten
Augenblick das Petroleum genommen, um wieder irgendein
Seuer zu machen. Das konnte man wohl ſchon glauben, wenn er
auch vielleicht ſelbſt noch gar nicht wußte, was für ein Feuer das
werden ſollte, aber als er dann geſtohlen hatte, da fühlte er ſich
ertappt, — es war ſicher ein Kind, das ununterbrochen ertappt
wurde, und da hatte er dieſen wahnſinnigen Entſchluß gefaßt, das
Petroleum für Waſſer zu halten, und er hatte es ausgetrunken.
Es war dann erſtens kein Diebſtahl mehr, weil es nicht ſchlimm
ſein kann, wenn man Waſſer nimmt, und dann konnte es auch
nicht bewieſen werden, daß hinter dem Diebſtahl noch eine tiefere
Abſicht verborgen war. —
Nun, die Akte enthielt unendlich viel Papier, aber über die
Vorfahren des Brandſtifters habe ich gar nichts gefunden, und
alles, was ich ſonſt noch ſah, waren unweſentliche Schriftſtücke.
Gewiß, Werner Hegwald war eine lange Seit ein ganz zuver”
läſſiger Bankbeamter geweſen, und dann hatte er aus der Kaſſe
genommen, und man hatte ihn geſtellt, dafür hatte er die erſte-
Strafe bekommen, und die kleine Unterſchlagung als ſpäterer
Bote hatte ihm die zweite Strafe gebracht. Wozu hatte er bel.
ſeiner erſten Unterſchlagung das Geld verbraucht? Mit
Sreun=
den. Nicht mit Frauen. Ueber Frauen fand ich kein Wort. Er
hatte, wie mir ſcheint, durch die Stiefſchweſtern eine
unüberwind=
liche Abneigung vor Frauen gefaßtund dabei war es wohl
im=
mer geblieben. Sonſt habe ich in der Akte gar nichts gefundel,
und jetzt ſoll ich verſuchen, mir klar zu werden, wie dieſer Mann
zu den Brandſtiftungen gekommen iſt? Man hat in einem
Um=
kreis von etwa zehn Dörfern dem Werner Hegwald mehr als
zwanztg Brände zur Laſt gelegt, die ſich über etwa zwei Jahlk
erſtrecken. Es iſt natürlich durchaus nicht ſicher, daß dieſer
Mann alle dieſe Feuer verurſacht hat. Ich glaube in ſolchen
Fällen vielmehr, daß manche Menſchen die Gelegenheit ſolcher
unaufgeklärter Brände benutzen, ſich zu bereichern, gut verſicher”.
abzubrennen, weil da doch alles auf eine Rechnung geht.
Wenig beſchäftigten mich die verſchiedenen Unterſchlagungel.
Gewiß ſind ſie nicht richtig, aber unterſcheiden wir genauer: Ce
gilt durchaus als ehrenhaft, wenn ein Menſch zu dem was er 90=
1
d=
mer M
Blick des u
Kinderbuch und Satire.
Sum 200jährigen Iubiläum von Gullivers Reiſen.
Selige Kindheitserinnerungen
ſtei=
inen bei dem Worte Gulliver in uns
truf. Wie haben wir gejubelt und in
ksie Hände geklatſcht, als wir, zu klein
goch, um ſelbſt leſen zu können, zum
arſtenmal die Abenteuer Gullivers bei
d en Lilliputanern hörten und die
köſt=
ſächen Bilder ſahen, die alles zum
ſöchſten Entzücken ſteigerten. Wie
haben wir mitgelebt mit dieſen kaum
no Sentimeter großen Geſchöpfen, mit
wren im Verhältnis ebenſo kleinen
*Vohnungen, Cieren, Bäumen, Gerät=
Ehaften.
Und wir glaubten nicht etwa ein
TNärchen zu hören; wir waren feſt
davon überzeugt, ebenſo wie bei Er=
Eheinen des Buches und auch ſpäter
rüele tauſende von Erwachſenen, daß
s irgendwo auf der Welt das Land
Killiput wirklich gäbe.
Geringeren Eindruck hat auf die
9inder das zweite Buch des Werkes
gemacht, das Gulliver in das Land der „
Rieſen führt. Vielleicht liegt es daran,
4—ß iböhi diie eiwas Furcht haben vor
Lieſen übergewaltigen Menſchen, deren
hleinſte 12 Meter groß waren, die
hratzen hatten dreimal ſo groß als bei
uns ein Ochſe, Bulldoggen an Umfang
nier Elefanten gleich. In dieſer Welt
k—nn ein Kinderherz doch nicht ſo recht
kreimiſch werden.
Der dritte und vierte Ceil des
Werkes iſt für Kinder faſt völlig
un=
gSeignet. Auch der Mehrzahl der
Er=
wachſenen werden dieſe beiden Ceile
uibekannt ſein; ſie haben Gullivers
9Teiſen für ein Kinderbuch gehalten
und deshalb nie Gelegenheit
genom-
men, das ganze ungekürzte Werk zu
IUen.
Welcher Genuß iſt ihnen dadurch
eutgangen! Gullivers Neiſen ſind ja
mcht als Kinderbuch geſchrieben —
diazu ſind ſie erſt durch ſpätere
Be=
arbeiter gemacht worden — ſie ſind als Satire auf die
Su=
ſiinde des 18. Jahrhunderts und auf das ganze Leben und
Crreiben der Menſchheit gedacht, und dieſe Satire iſt vielleicht
dye großartigſte der Weltliteratur.
In den Neiſen nach Lilliput und zu den Nieſen iſt die
Dar=
ſtlellung ſeltſamer Menſchen und Begebenheiten noch die
Haupt=
ſache, die Satire tritt zurück, ſie iſt noch zahm und von
köſt=
lithem Humor durchtränkt. So, wenn Gulliver berichtet, daß in
LAlliput ein freigewordenes hohes Amt demjenigen gegeben wird,
dar am beſten Seiltanzen kann oder daß Orden und andere hohe
Auszeichnungen denjenigen verliehen werden, die am beſten über
eitien vom Kaiſer vorgehaltenen Stock ſpringen oder darunter
egkriechen können. Oder, wenn er ſchildert, welche blutigen
Rmpfe um die Frage entbrannten, ob man ein Ei, bevor man
verzehrt, am breiten oder ſchmalen Ende einzuſchlagen habe.
Die beiden erſten Bücher von Gulliver zeigen, daß nichts
qnoß oder klein iſt, es würde denn verglichen. In beiden der
Normalmenſch Gulliver: bei den Lilliputanern der angeſtaunte
un d gefürchtete Koloß, „Menſchenberg” genannt, bei den Nieſen
leſooch ein jämmerliches Geſchöpfchen, das man mit einem Druck
des Singers töten kann.
Im dritten Buch, das Gulliver nach verſchiedenen Ländern
uwrt, iſt nicht mehr die Erzählung die Hauptſache, ſondern die
Sntire, die von Kapitel zu Kapitel grimmiger wird. Der liebens=
Von A. Sander.
Gulliver cilt herbei, um einen Brand im
Schloß des Swergkonigs zu löſchen.
würdige Schalk, der mit Humor und feiner Oronie auf das Leben
der großen und kleinen Menſchen ſchaute, verſchwindet immer
mehr, und an ſeine Stelle tritt der die Geißel ſchwingende
Satiriker.
Die erſten Ceile des dritten Buches haben freilich noch
Szenen köſtlichen Humors. So bei der Schilderung der Suſtände
auf der fliegenden Inſel Laputa. Dort ſind die Vornehmen ſo
in ihre wiſſenſchaftlichen Grübeleien verſunken, daß ſie erſt durch
einen Schlag aufgeweckt werden müſſen, wenn es gilt, eine
all=
tägliche Handlung auszuführen. Sie haben deshalb ſtets einen
Bedienten, Klapſer genannt, bei ſich, der die Aufgabe hat, dem
Herrn im rechten Augenblick mittels einer mit Erbſen gefüllten
Blaſe den aufweckenden Klaps zu geben.
Köſtlich iſt auch die Schilderung des Lebens im Lande
Balni=
barbi. Das ganze Volk iſt von einer tollen Projektenmacherei
ergriffen, an der Spitze die Profeſſoren, die nichts tun, als nur
immer neue Projekte auszudenken, die aber ſämtlich
unaus=
führbar ſind.
Auf der kleinen Inſel Glubbdubdrib, deren Herrſcher die
Macht beſitzt, jeden Coten zu berufen, unterhält ſich Gulliver
tagelang mit den Größen der Vergangenheit, die ihm
wahr=
heitsgetreu antworten müſſen, und was er von dem Gehörten
berichtet, iſt ein einziger Spott und Hohn gegen die Menſchen
der Neuzeit.
Im vierten und letzten Buche kommt Gulliver in das Land
der Houuhnhnms, der weiſen und gerechten Pferde und
Be=
herrſcher einer Inſel, die auch von menſchenähnlichen Geſchöpfen,
Yahoos genannt, bewohnt wird. Der Anblick dieſer vertierten
Yahoos erfüllt Gulliver mit Abſcheu, aber er ſelbſt wird von
den Houuhnhnms für einen Yahoo gehalten. Bei einem
Herr=
pferd findet Sulliver gute Aufnahme und bald kann er ſich mit
dieſem verſtändigen und führt lange Unterhaltungen mit ihm.
Der Inhalt iſt eine ſo bittere und boshafte Darſtellung vor
allem der engliſchen Verhältniſſe, wie ſie auch nur annähernd
von keinem andern Satiriker geſchrieben iſt.
Alle Menſchen erſcheinen ihm immer mehr wie dieſe
ver=
abſcheuten Vahoos, und ſein ſehnſüchtiger Wunſch iſt, für immer
bei den Houuhnhnms bleiben zu dürfen, denen ſchon der Begriff
von Lüge, Verleumdung, Bosheit, Haß, Neid und aller ſonſtigen
Sihlechtigkeiten der Menſehen fremd iſt und die in ihrer Cugend
und Weisheit beinahe vollkommene Geſchöpfe ſind. Und als er
die Inſel doch verlaſſen muß, weil er ja als ein Yahoo gilt, da
iſt ihm, in ſeine Heimat zurückgekehrt, der Umgang, ja ſchon der
Anblicſ von Menſchen unerträglich; er kauft ſich zwei
Nenn=
pferde, um durch ſie gewiſſermaßen bei den erhabenen
Houyhn=
hums weiterzuleben, und Jahre vergehen, ehe er ſich überwinden
kann, mit Frau und Kindern wieder in nähere Berührung zu
kommen. Mit dieſem ſchrillen Mißklang endet das Werk.
Und wer war der Verfaſſer von Gullivers Reiſen, Jonathan
Swift? Ein zerriſſener, unglücklicher Menſch mit einer
Doppel=
ſeele, von glühendem Ehrgeiz erfüllt und mit dem Erreichten
nie zufrieden, ein Verhöhner der politiſchen Parteien und doch
ſelbſt ein arteimann, freilich von einer Partei zur andern
ſchwankend, ein Verſpotter der einzelnen Neligionen und doch
Geiſtlicher und ein gläubiger Chriſt, der größte Haſſer und
Ver=
ächter des Menſchengeſchlechtes und dabei ſtets auf die
Beſſe=
rung des Loſes der Armen bedacht.
Sein Hauptwerk „Gullivers Neiſen” 1720—1724 verfaßt,
erſchien als Geſamtausgabe nach den neueſten Forſchungen 1727,
nicht wie früher angenommen 1726. Swei Jahrhunderte ſind
darüber hingerauſcht, aber es iſt ſo jugendfriſch geblieben wie bei
ſeinem Erſcheinen. Nach Gulliver hat Swift nichts Bedeutendes
mehr geſchrieben. 1736 fing er an, ſein Gedächtnis zu
ver=
lieren, 1740 wurde er blödſinnig, 1745 erlöſte ihn der Cod im
Alter von 78 Jahren.
ußd bekommt, mehr hinzuerwerben verſucht und ich gebe da auch
eiugen ganz beſtimmten Unterſchied zu: Es iſt ſicher ein beſſeres
Si ichen, wenn ein Menſch für das, was er haben will, auch
eiwas an Kräften aufzuwenden vermag. Man ſagt heute zwar
nmnchmal, daß Kapital dasſelbe iſt wie begangener Diebſtahl,
ihner es ſind doch beim Erwerb Kräfte aufgewandt worden, die
inren Wert hatten. Ob wir nun Intelligenz, Wagemut,
Ver=
nurgen zum Schweigen und hundert verſchiedene andre Mittel
eſ en, durch die ein Menſch das Seine erlangt hat: Immer hat
r aus ſich heraus dafür bezahlt, das kann man ihm nicht
be=
tneiten, und damit hat er in gewiſſen Grenzen ein gutes
Ge=
vſſen. Auch der Dieb bezahlt mit etwas, auch das ſoll nicht
iherſehen werden. Er bezahlt mit ſeinem Gewiſſen, mit ſeiner
Argſt, mit ſeiner Geſchicklichkeit, wenn man ſo will, — und da
ch nicht über die geſellſchaftlichen Cugenden zu ſprechen habe,
ou=dern über die inneren Werte bei den Menſchen, iſt es
be=
reiflich, daß ich ſorgfältige Unterſchiede brauche. Der Dieb, ſo
ſoninte man ſagen, gibt zuerſt aus, er gibt ſich vielleicht immer
auf den letzten Pfennig aus und wird es meiſtens immer
vieder tun, und die Eindeckung am Verbrauchten muß nun mit
rießter Haft erfolgen, während umgekehrt ein andrer Cup von
ienſchen immer zuerſt ſammelt und ſpeichert, um dann in
ge=
viſſſen, meiſtens beſcheidenen Grenzen auszugeben. Solche
Unter=
chuede kennt jeder von uns, und ſie gehen vielleicht im Ganzen
enrommen auf ſehr einfache Dinge zurück. Nehmen wir da als
Gü iſpiel die Ernährung des Kindes. Ein Kind wird
außer=
an=entlich regelmäßig und gut genährt, Leiſtungen werden von
ong nur in geringem Grad verlangt, — wie ſoll es dazu kommen,
berverbraucht zu ſein? Ein anderes Kind bekommt nur ſehr
nuregelmäßige Nahrung, es muß dauernd Leiſtungen vollbringen,
dü d dazu gereizt, gezwungen, auch wenn ſein Vorrat ungenügend
1, und ſo muß ein ſolches Kind immer auf die Vorräte ſeiner
dellſten Organe zurückgreifen. Iſt dieſer Verbrauch zu weit
ge=
aurgen, ſo muß eine immenſe, einſeitige Anſpannung erfolgen,
enuit die Eindeckung der Kräfte erfolgen kann. Mit dieſem
rüiten Menſchentup, ſcheint mir, ſehen wir alle Erſcheinungen,
e man heute Verbrecher nennt, vor uns bildlich erſcheinen: Es
t ihre Gewohnheit geworden, zuerſt zu verbrauchen, ſich bis
ur Aeußerſten auszugeben, und ſo können ſie an langſames
Er=
darden nicht mehr denken. Mir genügen dieſe beiden
Stief=
hroeſtern durchaus, um mir zu ſagen, daß ſelbſt bei ungefähr
onmalen Verhältniſſen beim Vater Hegwald dieſer Sohn recht
na enügend ernährt wurde, und ich denke dabei nicht ſo ſehr an
enperliche, ſondern viel mehr noch an ſeeliſche Nahrung.
leer nun komme ich zu der wichtigeren Frage: Iſt es denk=
bar, daß dieſer Knabe im Alter von 2½ Jahren irgendwie daran
gedacht hat, das Haus ſeines Vater anzuzünden? Damals lebte
der Vater mit ſeiner erſten Frau zuſammen. Alles, was in
Be=
ziehung zu ſeiner zweiten Ehe ſteht, kann man hier deshalb gar
nicht in Erwägung ziehen, überhaupt glaube ich nicht an eine
Vorſtellung, die wie ſie iſt, nun durch fahrläſſige
Gedankenüber=
tragung von den Eltern her etwa auf das Kind übergegangen
wäre. Ich glaube aber ebenſowenig daran, daß das Kind, im
Augenblick, in dem es ein Seuer anlegen wollte, irgendeine
Vor=
ſtellung haben konnte, daß dies ein Mittel ſei, ein ganzes Haus
anzuzünden, denn der Vergleics mit einem Ofen= oder
Herd=
feuer konnte nicht zur Vorſtellung eines brennenden Hauſes ohne
weiteres führen. Und da muß ich nun entweder an einen Sufall
glauben, oder ich muß einen außerordentlichen Zuſammenhang
annehmen.
An dieſer Stelle konnte ich wochenlang nicht weiter kommen
und ganz vergeſſen habe ich den Brandſtifter auch nicht. Ich
bin, wie es ſo meine Art iſt, bald hier und bald dort geweſen,
gewandert und geſeſſen, ich habe Menſchen geſehen und habe
ge=
lcſen, und eines Cages war ich irgendwo in einem ganz
ab=
gelegenen Wald, und man hat mir geſagt, daß es da noch
Kohlen=
meiler gäbe. Ich habe mir die geſchichteſten Meiler angeſehen,
ich ſah ſolche, die mit Grasſoden zugedeckt waren, und ich habe
ſoſche geſehen, die brannten. Ein paar Leute waren dabei. Ich
habe mich nicht mit ihnen verſtändigen können, weil ich den
Dialekt dieſer Leute nicht verſtand, aber in der nächſten
Ort=
ſchaft hat man mir geſagt, daß dieſes Gowerbe immer von
den=
ſelben Samilien betrieben würde, und früher wäre es ein
ein=
träglicher Beruf geweſen, jetzt aber wäre es nur ein großes
Elend.
Lange Seit nachher iſt mir an mir ſelbſt etwas aufgefallen.
Meine Vorfahren ſind Holzhändler geweſen. Seit ich geboren
war, hat niemand mehr von ihnen dieſen Beruf gehabt,
ſon=
dern da waren es Stadtleute, die von ihren Mitteln lebten.
Aber ich habe ſtets gefunden, ohne mir je etwas dabei zu denken,
daß mich der Seruch von friſchem Holz wie nichts andres
be=
rührte, es war der einzige Geruch, bei dem ich unbewußt etwas
Außerordentliches empfand. Erſt ſetzt aber war mir an mir ſelbſt
etwas aufgefallen. Ich habe mir angewöhnt, in meinen Simmern
immer Weihrauch und Murrhen, Benzoe oder Storax, — kurz,
alle Arten von Harzen zu verbrennen, die mir nur irgend
zu=
gänglich waren, und ich habe wahrhaftig ſonſt nicht eine einzige
luxuriöſe Gewohnheit. Und das eben habe ich geſehen, daß ich
eben zu dieſen Harzen, zu dieſen Geruchsſtoffen der Bäume eine
ſo unbedingte Suneigung hatte, daß ich inſtinktiv zu allen dieſen
Harzen einen Weg doch nur gefunden habe, weil eben meine
Vorfahren immerfort Bäume hatten ſchlagen laſſen und weil ſie
ſelbſt immer unter den harzigen Ausatmungen der Hölzer gelebt
haben. Und als ich ſo Urſache hatte, mich mit mir ſelbſt zu
be=
ſchäftigen, da fiel mir auf einmal wieder ein, daß dieſe
Meiler=
leute und der Brandſtifter genau ſo zuſammenhängen könnten,
und ich habe dem Unterſuchungsrichter geſagt, daß für mich in
dieſem Prozeß gegen Werner Hegwald nur alles darauf
an=
käme, zu wiſſen, ob die Vorfahren des Mannes Meilerleute
ge=
weſen wären oder nicht.
Nun, man iſt oft ungewöhnlich gefällig gegen mich, wenn ich
etwas ſo ganz Unverſtändiges ſage, geht man merkwürdigerweiſe
auf mich ein, und es ſind alle Nachforſchungen in dieſer Nichtung
gemacht worden, — drei Generationen zurück hat Werner
Heg=
wald eine lange Reihe ſolcher Vorfahren. Und da bin ich zur
Verhandlung gegangen, habe gemeldet, daß ich vielleicht etwas
zur Sache beitragen könnte, — und ich bin allerdings ein
ſchlech=
ter Redner, aber ich habe meine gewiſſe Schüchternheit
über=
wunden, um zu ſagen, daß nach meiner Meinung dieſe
Brand=
ſtiftungen ein Erbe wären von Menſchen, die beruflich nichts
andres taten, als ſolche Brände zu ſtiften. Man ſollte nur
nach=
ſehen, ob dieſe Seuer von außen oder von innen her angelegt
worden ſind. — Man hat meine Ausſage nicht für wichtig genug
gehalten, um ſie zu Protokoll zu nehmen, ich habe aber noch
Hegwalds Geſtändnis gehört, daß er ſich in die Häuſer
einge=
ſchlichen hat, und daß er aus allerlei Dingen einen Haufen
machte, und dieſen angezündet hat. Dann habe ich vor dem
Urteil den Gerichtsſaal verlaſſen, denn es war klar, wie der
Richter entſcheiden muß? Häuſer ſind niedergebrannt, Hegwald
hat geſtanden, man braucht heute keine Meiler mehr und keine
Holzkohle, die auf dieſe Weiſe gewonnen worden iſt, der Beruf
iſt ausgelöſcht und alle Neigungen und Erinnerungen, die mit
ihm zuſammenhängen, müſſen gleichfalls ausſterben. Aber jetzt
habe ich eine andre Erklärung dafür, daß Werner Hegwald
als kleiner Junge Petroleum getrunken hat, es brannten dioſe
ewigen Meilerfeuer in ihm, und er konnte alſo auch das Seuer
in ſich entzünden wollen. Es kann auch ſein, daß er als Kind nicht
ſehr darunter gelitten hatte, daß er Petroleum getrunken hatte,
vielleicht war da von ſeinen Vorfahren eine gewiſſe Vererbung,
daß die Organe des Halſes ſehr ſtark abgehärtet waren?
Nun, vielleicht mußte ich das alles auch nur ſo ſehen, weil ich
ſelbſt zu den Holzleuten gehöre, vielleicht ſind das keine
Ein=
ſichten, ſondern auch nur Dichtungen des Holzes in mir, aber ich
werde immer ratloſer in dieſer Welt, wenn ſich ſolche
Zuſammen=
hänge in wir geſellen.
Gärtehen im Frühling.
Von L. 2. Schultheis.
Ich beſitze ein Gärtchen. In einer amtlichen Urkunde ſteht
es beſiegelt, daß es mir gehört. Eine unfaßbare Catſache! Wenn
es nicht gar ſo winzig wäre, würde ich es für anmaßend halten,
ein paar Dutzend Quadratmeter aus dem Rücken eines
Himmels=
körpers zu ſchneiden und zu ſagen: Das iſt mein! Die alte Erde
muß das lachhaft finden. Aber da es nun mal ſo klein iſt, faſſe
ich mein Verhältnis zu dem bißchen Erdboden nicht als Arroganz
auf, ſondern als ein ewiges, liebes Wunder. Auch iſt das
Beſitz=
verhältnis nicht ſo geklärt, wie es nach der Urkunde den
An=
ſchein hat: manchmal kommt es mir vor, als ob nicht ich das
Gärtchen habe, ſondern eher: das Gärtchen hat mich! Von den
drei Birken, die darin ſtehen, iſt dies unbedingt wahr. Ich habe
wohl eine leichtſinnige Art zu ſagen: Meine Birken! Aber wie
iſt es möglich, einen Baum zu beſitzen? Die Birken tun alles,
ohne mich zu fragen — ſie nehmen, was ſie brauchen, aus meiner
Erde ſvielleicht auch aus der des Nachbars), ſie machen lich
Blüten und Blätter daraus, ſie ſtrecken ihre ſilbernen Arme
ins Blau, ſoweit ſie wollen, ſie wiſpern und flüſtern und rauſchen
und dröhnen; und alles, was ſie nicht mehr brauchen können,
werfen ſie mir vor die Füße: Blütenkätzchen und
Fruchtſchüpp=
chen und Beſenreiſer. Die halten mich für einen Kehrichtfeger.
Dabei lind ſie ein Problem, das mir großes Kopfzerbrechen
ver=
urſacht. Denn wie ſoll ſo ein winziges Gärtchen auf die Dauer
drei ſolche Nieſen ernähren? Böſe Menſchen kommene, ſehen
und ſagen: Sch würde die Birken umhauen!. Dieſe Menſchen
möchte ich mit meiner kleinen Hacke erſchlagen, aber ſie ahnen
wohl nicht, wie ich den ganzen Winter über auf den Augenblick
warte, wo drei Frühlingsbräute im Gärtchen ſtehn und über
ſchimmernde Glieder zitternde, grüne Schleier breiten. Ueber
Nacht, wie im Märchen!
Als pflanzliche Anlage hat mein Gärtchen einen Ehrgeiz, der
außer allem Verhältnis zu ſeiner Größe ſteht. Es enthält ſo
ziemlich alles, was man in einem Großbetrieb zu finden hofft, und
noch ein gut Ceil mehr. Natürlich tritt ein Ding dem andern
auf die Sehen, aber mit der Seit lernen ſie ſich vertragen und es
geht immer noch beſſer als im Völkerbund. Jetzt kommt die Seit,
wo man alles, was Wurzeln hat, in die Erde ſtupſt, um zu ſehen,
was daraus wird; wo man nie ohne erdige Finger lebt; wo aus
jedem Loch, das man gräbt, ein unternehmender Wurm
hervor=
bricht, dem man väterlich zureden muß, lieber wieder ins
Privat=
leben zurückzukehren, weil die Amſel ſchon längſt auf den
Augen=
blick wartet, wo man ſie mit ihrem Opfer allein läßt; wo man
vertrauensvoll ſät, was der bibelfeſte Spatz erntet; eine
deli=
rierende Seit!. Alle Staudenkinder ſchlagen die Augen auf. Wie
ein blutvoller Herzmuskel iſt die Rhabarberknoſpe. Not ſprießt
auch eine Päonie, die nachher weiß blüht. Ekſtaſe brachten die
Schneeglöckchen — ſie iſt ſchon abgeklungen; es blauen noch
Veilchen, aber auch ihr Senith iſt vorüber; über ſie hinweg recken
ſich das überzarte Cränenherz, und die giftatmende Kaiſerkrone,
Ballköniginnen von morgen — heute noch leiblichſte, verheißende
Jugend., Mädel von ſechzehn Jahren in dem Augenblick, von
dem der Dichter lagt: „Sie wollen ſchön ſein, ſchön ſein heißt
blüh’n.”
Ueber die Mauer herüber flammt eine Forſytia. Sie ſollte
Sonnenfackel heißen. Sie täuſcht Sommer vor, ſelbſt an trüben
Cagen. Nur mit dem Lenz hat ſie nicht ſo recht zu tun — ſie
blüht, wenn es ihr gefällt, mehr im Winter als im Frühling. Sie
iſt Britin. Das erklärt vieles. Auf einer Mittelmeerinſel kannte
ich eine Weidenart, die war aus Auſtralien dorthin verpflauzt.
Als ſie das erſtemal blühte, machte ſie’s, wie ſie’s gewohnt war;
aber ihr Sommer war dort Winter. Das zweitemal traf
ſie=
zwiſchen hinein. Das drittemal hatte ſie gleichen Schritt und
Critt mit den andern. Sie war ſo recht das Holz, aus dem man
Reſtruten ſchuitzt. Sehr vernünftig und paßte ſich der Welt an.
Die Sorſutia iſt Holz, aus dem man gar keine Vekruten ſchnitzt,
aber öfters Narren, Pioniere und Genies. Die Welt
kann ſich ihr anpaſſen, aber ſie legt kein Gewicht drauf.
Doch kehren wir zum Gärtchen zurück. Da ſt eine kleine
Bank in der Sonne. Sie iſt ſchon ganz warm. Sch ſetze mich
darauf und ſchließe die Augen. Es iſt gut, manchmal die Augen
zu ſchließen. Man lebt zu viel für und durch ſie. Dann können
die andern Sinne reden. Hinter den Augenlidern ſchafft das
Sonnenlicht eine roſenrote, formloſe Welt. Und Wärme dringt
durch die Haut, und allerlei Frühlingsodem ſteigt aus dem Grund
empor. Und irgendwo gackert eine Henne, die mit ihrem Ei
fertig geworden iſt, arglos und glücklich. Es iſt gar ſo kein
übler Lenzton, das Gackern. Und doch bringt es in die kaum
au=
geſtrebte Melodie etwas Gegenſätzliches, Antiphonales. Der
Nilke’ſche Vers ſingt a capella um mich her:
„Sie wollen ſchön ſein, ſchön ſein heißt blüh’n” — ihr
Gackern vollendet:
„Wir wollen reifen, reifen heißt dunkel ſein und ſich
bemüh’n."”
Nun ja, man muß ſich begnügen. Es iſt ſchön, in der Sonne
zu ſitzen. . . Sch mache die Augen gerade im rechten Moment
auf, als ein junger Sitronenfalter ſich auf mein Kirſchbäumchen
ſetzt. Aber die Knoſpen ſind alle noch geſchloſſen.
Der Cod des Spaziergängers.
„Von Matthäus Becker.
Was iſt aus dem Spaziergänger geworden? Er iſt eines
Cages von ſeinem Ausgang nicht heimgekehrt. Wie es ſeine
Gewohnheit war, ſchritt er auch an dieſm Tage gemächlich
durchs Stadttor und bog dort, wo die Gärten aufhören und die
Selder beginnen, in den ſchmalen Feldweg ein. Man hat
beob=
achtet, wie er kleiner und kleiner wurde. Immer geradeaus iſt
er gegangen, mitten in die mächtige, rote Sonne hinein, die zum
Untergang lich anſchickte, und es iſt, als hätte ſie ihn mit
davon=
genommen.
Wie wäre es, wenn man eine Vermißt=Anzeige ſchreiben
würde?
Vielleicht würde man aus dieſem oder jenem Ort hören,
man habe ihn allein oder auch zuſammen mit mehreren ſeines
Schlages da und dort geſehen. Aber nur zu bald würde ſich
ergeben, daß es der rechte alte Spaziergänger nicht geweſen iſt.
Wir haben Wanderer in Bünden und fern von Bünden.
Vielfältig ſind die Merkmale, danach dieſe Wanderer ſich
unter=
ſcheiden. Aber gegenüber dem alten Spaziergänger ſind alle eine
große uniformierte Gemeinſchaft.
Das Wandern war ehemals die freieſte Betätigung des
freien Menſchen. Wir haben erlebt, daß man das Wandern
und die Wanderer organiſieren kann.
Den Spaziergänger kann man nicht organiſieren. Schon der
Gedanke wirkt lächerlich. Nicht einmal zum Gegenſtand von
Vekorden kann man das Spazierengehen machen. Oder glaubt
wirklich einer, daß der Bedächtigkeits=Rekord oder der
Be=
ſchaulichkeits=Vekord oder der Zweckloſigkeits=Vekord im
Bereich des Möglichen läge? Was ſollte alſo der Spaziergänger
noch unter uns beginnen?
Das Spazierengehen iſt Sache des einzelnen, allenfalls zweier
Menſchen. Immer war es eine höchſt bedachtſame, höchſt
be=
ſchauliche, höchſt zweckferne Angelegenheit! Und doch ſind ganze
philoſophiſche Syſteme auf Spaziergängen entſtanden. Die
er=
lauchteſten Geiſter der Menſchheit haben von ihren
Spazier=
gängen die beſten Eingebungen mit nach Hauſe gebracht.
Strichen wir aus den Schriften unſerer Großen, was in ihren
Hirnen zum erſten Male auf einem Spaziergang aufleuchtete —
die Verheerungen wären grauenvoll. Alle Philolſophen ſind —
wenn man ſo ſagen darf — bedeutende Spaziergänger geweſen,
nicht minder alle großen Dichter, voran der gravitätiſch
ſchrei=
tende Goethe.
In ſeinem größten. Werk zeigt er uns den philoſophiſchen
Spaziergänger, mit dem zu ſpazieren Gewinn iſt. Jeder echte
Spaziergänger hat etwas vom Weltweiſen. Unzählig die
Schriften mit dem Citel: „Philolophiſche Spaziergänge” „
Lite=
rariſche Spaziergänge”, „Aeſthetiſche Spaziergänge‟. Es war
die Seit des — ich möchte ſagen: des fanatiſchen Spaziers
gängertums und der fanatiſchen Nachdenklichkeit.
In feierlicher Haltung ſchreiten alte und junge Herren durch
die Alleen der Städte und durch die Gärten und Felder vor den
Coren. Der Spaziergang iſt ihnen nicht nur Angelegenheit des
Genießens, ſondern, ſo etwas wie Pflicht, wie repräſentative
Pflicht. Der Spazierſtock mit der kunſtvollen Krücke iſt nicht
wegzudenken aus dieſem Bild. Man kann ihn übermütig durch
die Luft ſchwirren laſſen oder damit tändeln, kann damit nach
dem wiedergekehrten Storchenpaar auf dem fernen Dach
deu=
ten oder beim angeregten Geplauder halb unbewußt Figureu
in den Sand zeichnen. Von fern ſchon läßt der Spazierſtock
erkennen, wie Seine Gnaden heute gelaunt ſind.
Sie ſind lange dahin, dieſe beſchaulich wandelnden Herren,
die nicht immer frei von Poſe und deren jeder irgendwie ein
kleiner Metternich war. Stets nahmen ſie Anteil an allen
Be=
gebenheiten der Straße, und ſtets wiederum auch wußten ſie
feierliche Oiſtanz zu wahren.
Der letzte Spaziergänger hat den letzten Hauch des
Bieder=
meier mit fortgenommen.
Bei Marburg an der Lahn, eine Stunde von der Stadt,
iſt im Eichenwald ein hundertjähriges Grab. Der hier im Jahre
1820 beſtattet wurde, der kurheſſiſche Oberforſtmeiſter von
Wil=
dungen, hatte mit einem Freund, dem Obergerichtsrat Knierin,
ein merkwürdiges Abkommen getroffen: Wer den anderen
über=
leben werde, ſollte jeden Cag des Freundes Grab beſuchen. Noch
ums Jahr 1850 iſt mein Urgroßvater dem alten Gerichtsherrn
auf deſſen Weg zum Waldgrab täglich begegnet. Dreißig Jahre
hindurch iſt er jeden Cag, den der Himmel ihm ſchenkte, den
Weg gegangen, Winter und Sommer, bei Schnee, Regen und
in der Sonnenglut.
Dieſer kurheſſiſche Obergerichtsrat hat im goldenen Seitalter
des Spaziergängers gelebt. Der Spaziergang war, wie ich ſagte,
für einen Allann ſeiner Art ſo etwas wie repräſentative Pflicht.
Da verband er denn dieſe repräſentative Pflicht wit der, die
durch das Verſprechen ihm auferlegt war.
Sch weiß, dieſe Erklärung ſtimmt nur halb.
Es wäre vielleicht richtiger geweſen, oben zu ſagen: Nicht
nur der echte Spaziergänger, ſondern auch der wahre Freund
iſt eines Cages davongegangen.
Wir haben zwar Parteifreunde und Geſchäftsfreunde, aber
ſie würden weder dreißig Jahre tagaus, tagein unſer Grab
be=
ſuchen, noch würden wir unſerſeits ein Menſchenleben hindurch
uns täglich an das ihre begeben. Die Partei= und die
Ge=
ſchäftsfreunde erwarten das auch gar nicht von uns. Sie werden
uns viel dankbarer ſein, wenn wir auch weiterhin jeden Freitag
am politiſchen Stammtiſch erſcheinen oder vom Sohn die
Cex=
tilien oder die techniſchen Oele und Fette beziehen, wie wir ſie
vom Vater bezogen haben.
Wir werden uns auf dieſe Weiſe weder einen
Rheumatis=
mus noch eine Erkältung zuziehen. Die frühere Form der
Freundſchaft mag romantiſcher geweſen ſein. Hugieniſcher iſt
die von heute.
Nummer 212.
Aufgabe 318.
Franz Sackmann, Kaiſerslautern
(1. Preis im Problemturnier des Deutſchen Schachbundes
zu Frankfurt a. M. 1923.)
a
b
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Brüfſtellung: Weiß; Kb3 Da8 Lg4 Set 14 Be2 13 k5 h2 ();
Schwarz: Kd4 Td2 16 Le5 8b2g8 Bd3 g6 (8); 34
Aufgabe 319.
B. Fiſon.
(A. C. White, Simple Two=Move Themes, 1924.)
Beili k4d D43 1s1 8e1 Bh5 G)
Schwarz: Ef4 841 d7 Bg4 (4).
Matt in zwei Zügen.
Hanfe eaunslt.
S SIE4 E EI E 12 E E 17 42 2 12 A Me Tels S S 15 17 Verkaufsveranſtaltung,
Wundabſonderung,
Pflanzenteil,
Das Unſterbliche,
Laubbäume.
Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß ſich Wörter nebenſtehender
Bedeutung ergeben. Senkrechte und Wagerechte lauten gleich.
Streichholz=Rätſel.
Durch Umlegung der 6 fetten Hölzchen erfährt man den Vornamen
des Herrn.
Carl Deubel.
eetlt.
Kohlenſtaub
Sonntag
Handwerksgerät
Schillerſche Dramengeſtalt
Engliſche Stadt
Italieniſche Inſel.
Ke
Humor
Fi.
Die mit I bezeichnete Senkrechte bedeutet einen deutſchen Dichter,
die mit II bezeichnete ein Bühnenwerk von dieſem.
*
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 24.
Die gleiche Mittelſilbe.
Ausloſung, Elogen, Elohim. Felonie, Galomir, Galoſche, Gallone,
Kalorie, Melone, Verlobung, Wallone, Zeloten.
„Wo kommſt du her?‟
„Bahnhof. Olle abfahren laſſen.”
„Und warum haſt du ſo ſchwarze Hände?‟
„Lokomotwe geſtreichelt.”
„Wie war die Muſik bei dem Begräbnis?” — Großartig! Das
we=
kein Begräbnis mit Muſik, das war ſchon mehr ein Konzert mit Be
(Kaſper.)
gräbnis!”“
Unter Verbrechern. „Der Arzt, der mir mein Bein kurierte, da
ich mir bei dem Einbruch im Poſtamt gebrochen hatte, verlmgte u
(Paſſing Show.)
100 Schillinge ab.” — „Solch ein Räuber!”
Druck u. Verlag: L. C. Wittich ſche Gofbuchdruckerei, Rheinſtr. B.—Verantwortlich f. d. Redaktion: Dr. 6. Nette. Fernſpr. 1, 2389—B92. Alle Nechte vorbehalten. Nachdruck verb. — Kliſches: F. Haußmann, alle in Darmſtadt.
[ ← ][ ][ → ] Un wittlererweil hab ich allerhand geſähe, erlebt un
mitge=
wacht; eröffent, begrießt un ei geweiht. So hab ich uff de
Marhildeheeh die nei, un im Muſeum die alt Kunſt aus de
Daaf hewe helfe, war debei, wie ſe de letzte Backſtaa in de „Heag”
jährm neie Vewaldungsbajes eneigemauert hawwe; un bin
Swiſchedorch emol uff=en Aageblick in Eulbachs diſteren Grinden
miff altremiſche Fußdabbe erum gewandelt
Wann mer däß zuſamme nimmt, ſo is es doch e bische viel,
wvas ich ſo in knabbs ere Dagener acht bewäldicht hab, awwer
ſich mißt lieje, wann ich ſage wollt, daß ich nennenswerte Bläſſurn
wevo gedrage hett; net daß ich wißt, ſundern ich hab vielmehr
Elles ſoweit gut iwwerſtanne.
Noja, ich hab gottſeidank aach e Strabbliziernadur, die kann
Fich ſähe loſſe. Un ſchließlich, mer muß ſich aach e bische was zu=
Draue. Mer krickt dann mit de Zeit de Boge raus, un die needich
ewung vun wääche Nobläß obliſcho, un krickt aach de richdiche
BBlieh un en weltmenniſche Benimm an ſich, for den Fall, daß
die gam emol ganz kromnubromißlicher Weis zum erſte weibliche
Staatsbräſendent ernenne nenne dhete. — Drau, ſchau, wem.. .
Freilich, heit dembt mer doch e bische de Kobb, un es is
rner noch e bische ſchleierees, wie ich noochdräglich all die große
EErläbnifſe un die welterſchiddernde Stadibegäwenheite unner aan
Sut bringe ſoll. — Awwer no, ich denk mir, nor emol dreiſt un
ſottesſärchdich druff, dra un dewedder, es is noch immer worrn,
rin ſo wärds aach heit widder wärrn. Fange mer alſo mol ruhich
w, dan es haaßt heit net vergäwens: Am Anfang war das
Wort ..
Sellbſtredend loſſe mer bei de heidiche Bebrachſdunge vun all dene
ſttädtiſche Welwbegäwenheite, die wo ſich baſiert ſin, do loſſe mer
hrenhalwer un honoraris kauſa — de „Wärtſchaft” de Vordritt.
— Net bloß, weil ſe ſich eibild, ſie weer „diejeniche welche‟,
fundern weil ſe’s dadſächlich aach is. Bis zu=eme gewiſſe Grad
wadierlich. Dann mir ſin aach noch do. Un was wollt „die
WVärtſchaft” mache, wann mir net weern, mir, die Maſſe die
Werkonnſumierer? — Glatt uffgeſchmiſſe weer ſe .. . „die
Wärt=
bchaft”. — s wunnert aam als bloß, daß es noch geſcheide Leit
zwibt, die wo ſich iwwer die a fachſte wärtſchaftliche Froge de
Robb verbreche, un halte große Redde, un mache mit ihrm
fach=
mienniſche Verſtehdermich e filleſofiſch Broblem aus dem afache
eolkswärtſchaftliche Fundamendalſatz, der wo dodrinn gibfelt, daß
ra Hand die anner weſcht, un daß mer allmitnanner
uffenan=
ier a gewieſe ſin: die „Wärtſchaft” kann ohne uns net ſei, un
mir net ohne die Wärtſchaft, alles annere is Blech. — Däßhalb:
AVärtſchaft, Horratziol —
Un damit kemt ich ad eins uff des neie Verwaldungsbajes
mun de „Heag”, vun dem ich liewer geſähe hett, daß es mitte in
de Rheinſtroß ſtind, damit mer doch e bische mit hett Brulljes
mrache kenne, wann die Fremde kumme. — — — Awwer no, zum
„Brulljes mache” is es jo aach net gebaut worrn, zu dem Zweck
wärrn demnechſt annere Gebeilichkeite ei geweiht. Sundern ganz
im Gäächedaal, des neie „Heag=Haus” is der Arweit geweiht.
1In wann aaner glaabt, vun wääche daß mer ſeecht: „Heag=
Fried=
hof” un ſo, do wärds Eſſig ſei mit dem: Hier ruhen ſoundſoviel
nrave Biamten! — Ausgeſchloſſe. Ich glaab kaum, daß do als
noch emol aaner vun dene Ageſtellte e bische „bremmſe” kann;
ſ=e ſitze ſo gut wie in=ere Widdriehn un mer kann ſe vun alle
SSeite belinſe. — Awwer groß genuchene Reimlichkeit ſin do, ſie
ſitze alſo net wehr uffenanner wie die Affe, ſundern die Arweit
is en ſchee un bequem gemacht, ſo daß es Schaffe gradezu e
Er=
holung ſei muß; baß uff, am End wolle die Heag=Ageſtellte
gorbaon Urlaab mehr, ſo ſchee gefellts en dodrinn . . . Bad un ſo
alles da; aach Soda.
Awwer aach die Vorderfaſſad macht en hochmowele Eidruck.
Mer is zwar im erſte Aageblick e bische verdutzt, vun wääche dem
zickzackiche Fenſtervorbau im erſte Stock, aſwwer wer net mit
Blindheit geſchlage is, un e klaa bische en Gribbs hott, der merkt
ſofort, daß der Aſchideckt domit den elektriſche Funke
ſimmboliſch zum Ausdruck bringe wollt. Un den „Zickzack” find
mer däßhalb als Verzierung iwwerall widder, inn= und
aus=
wennich; bloß bei dem Diſch im „Sitzungszimmer”, do is ſogar
die Diſchblatt geſchweift, jedenfalls ſoll däß gedanklich zum
Ausdruck bringe: „Der Uffſichtsrat, der hott de Boge haus ..."
No unſer Owwerowwer un unſer Landesbabba, die hawwe aach
bei de Beſichdichung vun dem ſcheene Verwaldungsgebaide mit
berechdichtem Neid uff ihr kimmerliche Bieroverhältniſſe
hiege=
wieſe. Eijano, die ſin awwer aach kaa Heag. .. .
Jedenfalls, zu dem Bau kann ſich net bloß die Heag un die
Stadt, ſundern aach de Mackwort un Seiwert graddeliern, die wo
als Aſchideckte die Uffgab ſo glenzend geleeſt hawwe. Un es is
nor bedauerlich, daß ſich de Herr Kriegsrat Merk, der wo vorher
in dem alte Haus gewohnt hott un em Goethe ſein Freund war,
daß ſich der bereits dodgeſchoſſe hott, — was dhet der heit gucke,
wann, er ſähe dhet, wie do neies Läben aus de Ruiene
ge=
blieht is .. . ."
Die Bicherſtubb Bodenheimer hott däß Verdienſt,
promi=
nende Perſeenlichkeite als hierher zu bringe, die wo uns ſage
ſolle, was draus in de Welt los is un vor ſich geht. Die
Be=
ſtrewunge ſin ſehr lowenswert. Awwer daß ſe neilich de
Frank=
forter ihr Stadibauſchennie hierher genext howwe, der wo uns
den Vordrag gehalte hott iwwer „neizeitliches Baue” — alſo däß
war net needich. Wie ich den redde hab heern, den Herr May,
do hab ich mir geſagt: wann der ſo baut, wie er ſchwätzt,
will ich kaa Haus vun=em. — Nag, mir hawwe hier Aſchideckte
uffzuweiſe, die wo ſchun große Frage leeſe kenne.
Un weil ich äwe grad vum Jcks=Ibbſilon=vormache redd, do
kemt ich dann uff die Ausſtellung bedräffend: neie, ganz
neie, un allerallerneieſte Kunſt, die wo do owwe uff de
Mathilde=
heeh ihr Wäſe, un zum Daal ihr Unwäſe dreibt. — No ich bin
jo gewiß kaa Purridanern, ganz im Gäächedaal, ich kann ſchun
emol en Stoß verdrage. Drotzdem frog ich mich, wo wohl die
Schirrie ihr Agage hatt, bei gewiſſe „Gemälde‟. — Un ich frog
mich weider, was ſich wohl ſo e Malersmann denkt, wo mer ſo
fragwärdiche Negliſchee=Bilder dehaam hiehenke ſoll. — Ganz
ab=
geſehe devo, daß ich mich aach als emol frog, was wohl mit dene
Bilder all geſchieht, die wo ſo johraus, johrei gemolt un
aus=
geſtellt wärrn . . . . Dann mer wolle uns doch nix weiß mache.
die Leit, die ſich frieher for „Kunſt” un ſo indräſſiert hawwe, die
ſin dorch allerhand Verluſte un Not verbiddert; un die wo heit
Geld haſwwve, die haſvwe for ſo nowele Paſſione kaan Sinn. Däß
is draurich awwer wahr. — Im Iwwriche kann mer awwwer
aach de Maler den Vorworf net erſparn, daß ſe an ihrm
Miß=
geſchick ſelbſt net ganz ſchuldlos ſin, ſie hatwwe in de
Nachkriegs=
jahrn ſiſtemadiſch es Publigumm mit ihre Sache aus de
Aus=
ſtellunge enausgeekelt. Däß rächt ſich jetzt. — No, die Mehrzahl
vun=en hott ſich jo grindlich gebeſſert, wer ſich devo iwwerzeiche
will, der ſoll ſich die Ausſtellung uff de Mathildeheeh a gucke, es
is jedem Geſchmack Rächnung gedrage. — Un mer därf ruhich
fage: die Heſſiſche Moler nemme ſich zwiſche de
Minch=
ner um de Berliner gornet ſo ſchlecht aus, ſie kenne näwern
beſteh. Wann mer will, kann mer däß als e groß Lob uffaſſe".
ALTE KUNSTAM
MITELRHEIN
MATHILDENHOHE
Der zeitgemäße Haushalt.
Ein Nothelfer für verbrauchte
Metallputz=
miittel. Sind im Haushalt einmal die fertigkäuflichen
Putz=
mrttel „ausgegangen”, ſo kann man an deren Stelle einfach
ge=
reinigte Schlemmkreide mit Brennſpiritus, zu
einiem Brei angerührt, zum Putzen des Silberzeugs uſw.
ver=
wienden. Gut damit eingerieben, poliert man die Kreideſchicht,
die ſich nach dem Verdunſten des Spiritus gebildet hat, mit
einem wollenen Lappen wieder ab. Handelt es ſich um
Meſſing=
gerätſchaften, wie Leitungs= und Gashähne, Türſchilder und
klänken uſw., ſo verwende man zum Anrühren lieber
Sal=
nſiakgeiſt, da dieſer beſſer „greift” Sind Aetzungen,
Gra=
vierungen und Verzierungen in den geputzten Gegenſtänden
vor=
ſamden, in denen ſich leicht die Kreideſpuren feſtſetzen, ſo
ent=
eunt man dieſe mit einer mit einem Ladten überſpannten
ſchar=
eir Bürſte.
Etwas über die „Korken=Sammelkiſte” Faſt
n jedem Haushalt ſammeln ſich im Laufe der Zeit von leeren
Gein=, Oel=, Fruchtſaft=, Arznei= und anderen Flaſchen größere
indd kleinere Korken, die von den meiſten Hausfrauen achtlos
voggeworfen werden. Doch auch ſie können noch Nutzen ſtiften
ind manche Pfennige für einen neuen erſparen, wenn man eine
Kork=Sammelkiſte” bereithält. Dieſer wird jeder
unbeſchä=
iegte Kork zugeführt, den man zuvor von Flaſchenlack befreite,
i= dann alle geſammelten mit Seifenwaſſer auszukochen und in
ſei warmen Ofenröhre ausgebreitet zu trocknen. Schlechte Korke
ſagegen in einer Blechbüchſe beſonders geſammelt und mit
kerxzenreſten oder Siegellack erwärmt, ergeben guten Erſatz
ürr Holz beim Feueranzünden.
Die Fleiſchbrühe wird kräftiger im Ge
ch mack, wenn man die zum Auskochen beſtimmten Knochen
owie das Suppengrün in heißer Pfanne mit wenig Fett
an=
nä=unt und dann erſt mit kaltem Waſſer aufs Feuer ſetzt.
Feine Stachelbeer=Grütze. 1 Pfund grüne, geputzte
Stüchelbeeren ſetzt man mit ½ bis ¼½ Liter Waſſer, 1 Stückchen
Zin ronenſchale zum Kochen auf, ſtreicht ſie durch ein Haarſieb
ind läßt darin 1 Taſſe Hafergrütze dick aufquellen, ſüßt mit
Taſſe Zucker und fügt als Würze entweder Vanillezucker, Rum
dar Arrak oder 1 geriebene bittere Mandel bei. Dann füllt man
ie Stachelbeergrütze in kleine Formen oder Obertaſſen und läßt
egerkalten. Ausgeſtürzt, reicht man dazu entweder eine
Mandel=
nihich=, Vanille= oder Fruchtſoße.
Kirſchſchmarrn auf ſüddeutſche Art. ½ Liter
ſülch verquirlt man mit 2 bis 3 Eiern, etwas Salz und ſoviel
Mehl, daß ein dicklicher Eierkuchenteig entſteht, den man in
hei=
ßer Pfanne mit reichlich Butter unter öfterem Wenden mit einer
Gabel bäckt. Bevor der Schenarrn feſt wird, ſtreut man reichlich
½ bis ¼ Pfund Schwarzkirſchen darunter und bäckt den
Schmarrn fertig und reicht ihn mit Zucker beſtreut.
Süße Kartoffel=Polenta. 1 Pfund vom Tage
zu=
vor gekochte, geriebene Kartoffeln verrührt man mit 2 bis
3 Eiern, 100 Gramm zerlaſſener Butter, 1 Taſſe mit 1 Eßlöffel
Süßſtofflöſung verquirlter Sahne, ½ Teelöffel Salz, 2 bis 3
ge=
riebenen Mandeln und 50 Gramm feingewiegten ſüßen
Man=
deln, ſowie der abgeriebenen Schale einer Zitrone. Zuletzt mit
dem ſteifen Schnee der Eiweiße untermiſcht, füllt man die
Kar=
toffelmaſſe in eine eingebutterte Auflaufform und bäckt die
Kar=
toffelpolenta, auf Stein erhöht geſtellt, bei Mittelhitze 35 bis 45
Minuten. Noch heiß geſtürzt, reicht man geſchmortes Obſt oder
eine Fruchtſaftſoße dazu.
Senf=Rinderſchmorbraten (Tiroler Rezept). Ein
ſchönes Rindslendenſtück klopft man recht gut, beſtreut es mit
Salz und Pfeffer, beſtreicht es dann mit reichlich Appels
Eſtra=
gonſenf und bedeckt das Fleiſch mit geräucherten Speckſcheiben.
Zuſammengerollt, umwindet man das Fleiſch mit gebrühtem
Bindfaden und wälzt es in Mehl. In heißer Pfanne mit
reich=
lich Fett oder Butter goldbraun angebraten, läßt man den
Schmorbraten mit heißem Waſſer und ſaurer Sahne dämpfen.
Die mit Kartoffelmehl gebundene Soße reicht man zum Braten.
Feine Erdbeertörtchen. ¼ Pfund geſiebtes
Weizen=
mehl, 80 Gramm Butter oder Margarine, 1—2 Teelöffel
Vanille=
zucker, 1—2 Eßlöffel Süßſtofflöſung und 1 Meſſerſpitze Salz
ver=
arbeitet man zu einem Mürbteig, den man nach zweiſtündigem
Ruhenlaſſen, nicht zu dünn ausgemangelt, mit einem großen
Waſſer= oder Weinglas zu kleinen Tortenböden ausſticht, die man
lichtbraun bei Mittelhitze bäckt. Dann belegt man ſie mit kleinen
eingezuckerten Wald= oder Gartenerdbeeren, überzieht ſie mit
geſüßtem Eisſchnee und bäckt ſie nochmals über, damit der Schnee
eine lichtbraune Farbe annimmt.
Speiſezettel.
Sonntag: Stachelbeerkaltſchale. Schwäbiſche Kalbsvögel mit
Miſchgemüſe. Sahnenſpeiſe.
Montag: Rhabarberkaltſchale. Serbiſches Reisfleiſch. hirn.
Dienstag: Gebr. Grießſuppe. Kartoffelſalat mit geb. Kalbs=
Mittwoch: Kerbelſuppe. Makkaroniauflauf mit Tomatenſoße.
Donnerstag: Fleiſchgefüllte Zwiebeln mit Butterſoße.
Freitag: Pikante Fiſchbällchen mit Tomatenſoße,
Samstag: Kartoffelauflauf mit Pilzſoße.
Des Schennſte un Beſte cwwer, was gebote wärd, däß
is im Landes=Muſeum zu ſehe, unner dem Tiddel „alte
Kunſt”. Und ich glaab, des Muſeum wärd jedenfalls in dem
Summer zu=eme Wallfahrtsort, un wer noch e klaa bische
was in ſich ſchwinge fiehlt, der werd dort mianch Feierſtund
er=
läwe.
Ganz abgeſähe devo, daß all die Seltenheide un Koſtbarkeite
an Gemälde, Schrulbdurn un Reliequie vohl net mehr ſo
zu=
ſamme gedrage wärrn kenne, wies do geſchähe is. Es is ſo
zimmlich alles do un es fehlt bloß noch die deitſch
Kaiſer=
kron, die wo jedenfalls aach aus de Gäächend vun Mainz
ſtammt, un wo awwer in Wien uffbewahrt wärd. Die Wiener
gäwe ſe awwer net aus de Hend, weil, wie de Herr Feigel bei de
Ereffnung geſagt hott, die deitſch Kaiſerkron e gar zu zerbrechlich
Ding weer
Wann ich awwer en Wunſch aißern derft, ſo weer’s der:
nenlich beſunners an Sunndage „Fiehrunge” zu vera’ſtalte. Es
ſinne ſich gewiß e paar Kunſthiſtoricker, die ſvo mit de Leit dorch
die Sääl geh un dhun ſe uff all däß Scheene un Großordiche
un Koſtbare hieweiſe, wann ſe’s valleicht aach net ſo gut verſteh,
wie de Herr Feigel; dem hett ich noch ſtundelang mit zuheern
kenne. Un däß will bei mir ſchun was haaße.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Der heidiche Sunndag ſteht in
Darmſtadt unnerm Zeiche bum „Rote Kreiz”, alſo: ſteckt Eich
e bische klaa Geld ei, mer kann net wiſſe, wies kimmt. Un daß
ſich niemand ausſchließt, däß is gewiß, dann mer waaß nie, wie
mer es „Rote Kreiz” ſelbſt emol brauche kann, un dann macht
mer ſich hinnenooch Vorwerf. Gebraucht hawwe mers awwer
all ſchun emol, in dene beeſe Kriegsjohrn, ſei’s im Feld odder in
de Heimat, ſei’s dorch Unnerſtitzung, odder Rat un Beiſtand.
Jetz hott ſich des „Rote Kreiz” leugſt uff Friedensarweit
umgeſtellt. Un es is for jedermann da, es freecht net noch
Glaawe un Reliſchion, Partei un Herkumft. Es is da bei
bletz=
liche Unglicksfäll, bei Um= un Uffzieg, bei Unruhe, Feiersbrunſt,
Iwwerſchwemmnge un Eiſebahnunglicker. Sei erprobte Sani=
täts=Mannſchafte ſin immer uff=em Kiwief, ſei Schweſtern wirke
in Krankehaiſer, Saiglings= un Erholungsheime, ſie bemuddern
Schwache un Sieche, Kribbel un Kranke. — Korzum, was des
„Rote Kreiz” dhut, is in aam Ademszug gornet all uffzuzehle.
All, die ſe brauche, finne im Zeiche des Roten Kreizes Hilf un
Unnerſtitzung, bis zu de alte Vedderane aus 66 un 70/71.
Freilich, ich gebs zu, es wärd in unſere Dage e bische aſch
biel geſammelt un geworwe, un gawer gibt dem annern die
Dierſchlenk in die Hand. s is de reinſte Sport. Awwer ich
denk, wann die Wohltätichreit ſportlich bedriwwe wärd,
do wolle mer net abſeits ſteh, ſundern do wolle mer allmitnanner
ausiewende Schbortswenſche ſei; es kimmt uns un unſerm
Wohlergeh widder zugut. — Un wenn mer aach ſelbſt net helfe
kenne, ſo wolle mer dene helfe helfe, die wo de annern helfe
wolle. Un, wie geſagt, wann ganer dem annern hilft, do is uns
allmitnanner gehelfe! — Däß is praktiſcher Widderaufbau,
un däß fiehrt allaans zur Volksgemeinſchaft im ſcheenſte
Sinn des Wortes. — Un däß hott ſich s „Rote Kreiz” uff’s
Panier geſchriwwe. Däßhalb: Helfe, helfe! haaßt heit die
Barohle un s Feldgeſchrei; vergäßt däß net!
For die Sparbix: Zwanzich Mack vun de Keglerſportwoch.
Danke aach vielmols.
Humor I
V
Die Mode in der Kinderſtube.
WVie ſich die Puppe den Bubiſchnitt und die „moderne Linie‟
ſefallen laſſen muß.
„Wir ſammeln für die Elternloſen, lieber Herr.” — „Bitte, hier
haben ſie einen Scheck über 10 000 Franken.
„Aber er iſt ja nicht
unterſchrieben.” — „Ja, ſehen Sie, ich gebe aus Prinzip nur
anonym!
(Péle Méle.)
Seine Auffaſſung. „Hiermit möchte ich Sie um die Hand Ihrer
Tochter bitten." Vater (entſchieden): „Daraus wird nie und
nimmer etwas.” — Bewerber (verwundert); „Ja, was iſt denn mit
ihr los
Das Kennzeichen. „Minna, woran merken Sie, daß ein Huhn alt
den Zähnen, gnädige Frau.” — „Wie dumm, Hühner haben
doch keine Zähne!” — „Aber ic
Keine Gefahr. Jetzt, da Sie eine Frau genommen haben, werden
Sie doch gewiß auch Ihr Leben verſichern?” — „Nein, wieſo denn? Ich
habe noch nicht bemerkt, daß ſie ſo gefährlich iſt.”
trandmoden.
(Trikot, Seide und Frottierſtoffe.)
Den ganzen Winter über beſchäftigt man ſich mit der
Som=
merreiſe wie mit einem ſchönen Traume, den man — erwachend —
gerne feſthalten möchte. Immer wieder werden Berechnungen
aufgeſtellt, die die Sommerreiſe zum Gegenſtande haben, und
ſchon die ganze Saiſon über trachtet man, da und dort etwas zu
erübrigen und beiſeite zu legen, um auf der Reiſe nicht knickeriſch
ſein zu müſſen.
Natürlich bildet die richtige Garderobe einen ſehr
weſent=
lichen Faktor der Urlaubsfahrt, und wohin immer man nun
gehen möge, ob an den See, ans Meer, ins Mittelgebirge oder in
die kleine Sommerfriſche, in jedem Falle benötigt man eine gute
Bade=Ausrüſtung; denn die Mode hat bekanntlich gerade in
die=
ſer Hinſicht in den letzten Jahren ganz erſtaunliche Fortſchritte
aufzuweiſen gehabt.
Man trachtet in der Regel, die Strandſachen ſo bunt als
möglich zu arbeiten, da man die Erfahrung gemacht hat, daß
Grellfarbigkeit hier ein beſonderer Vorteil iſt und keineswegs
unangenehm auffällt, ſondern ganz im Gegenteil immer ſehr
wirkungsvoll und ſchick anmutet. Natürlich werden unterſetzte
Geſtalten ſich niemals zu dieſer Mode bekennen dürfen, ſondern
werden unbedingt gut daran tun, dunkle Badeanzüge zu
wäh=
len, alſo etwa Schwarz, Dunkelblau, ein ſattes Grün oder mattes
tiefes Lila, das immer ſolid wirkt.
Früher, da man im Strandbade nur das Trikot verwendete
war es ungemein leicht, ſich auszurüſten. Heute iſt dies aber
ganz anders geworden. In den meiſten Bädern iſt ja das
eng=
anliegende Badetrikot für den Strand verboten und nur zum
Schwimmen geſtattet, weil es mitunter wirklich nicht abſolut
äſthetiſch wirkt und ein modernes Badehemdchen darum ſicherlich
vorzuziehen iſt. Im übrigen iſt die hemdartige Form der neuen
Badeanzüge inſofern ſehr vorteilhaft, als ſie die Geſtalt ſtrecken
und dadurch der Figur der Trägerin ſehr förderlich ſind.
Die beliebte Gürtelmode wirkt ſich auch hier ganz
augen=
fällig aus, da faſt jeder neue Badeanzug in der Taille mit einem
Riemchen zuſammengehalten wird.
Die Materialien, die für den ſchönen Strandanzug
heran=
gezogen werden, ſind ſehr verſchiedenartig, doch dürften wohl
wie bisher Shantung und Taft vorherrſchen. Zwar muß man
bei Taft immer ſehr vorſichtig ſein, um keine brüchige Qualität
zu erſtehen, doch hat er andererſeits den großen Vorteil, ſehr
raſch abzutrocknen und niemals Flecken zu zeigen, da der Sand
nicht wie bei anderen Materialien in die Poren einzudringen
vermag, ſondern ſofort abfällt.
Viele werden es aber vorziehen, weder das Trikot allein zu
tragen, noch auch einen ganzen Badeanzug (beſtehend aus
Hemd=
chen und Hoſe) zu wählen, ſondern ſich an eine Zuſammenſtel=
Spitzenkleider
gehören bekanntlich zu einer jener Modellarten, die niemals ganz
verſchwinden, die aber — wenn ſie einmal von der Zauberin
„Mode” aus der Menge herausgehoben werden — mit
einmüti=
gem Beifalle begrüßt werden und in den allerverſchiedenſten
Spielarten zu ſehen ſind. Heuer ſind es weniger die ganz aus
Spitze gearbeiteten Modelle, die im Vordergrunde ſtehen, als
vielmehr jene Stücke, die die Spitzen nur als dominierenden
Be=
ſtandteil aufweiſen, ſie alſo in der Kombination mit Georgette,
Gaze oder ähnlichem Materiale zeigen. Natürlich kann das
Spitzenkleid nicht immer der vorherrſchenden, geraden Linie
fol=
gen da ſeine luftige und zarte Struktur häufig etwas
phantaſie=
reichere Formen bedingt.
Die Modefarben des Spitzenkleides paſſen ſich jenen der
Tagesmode durchaus an, nur trachtet man natürlich, dieſen neuen
Modellen möglichſt zarte Töne zu geben, da der Spitzenſtoff in
dunkler Farbe ſeine Wirkung ganz bedeutend einbüßt, bisweilen
lung zu halten, die ſicherlich
prak=
tiſch iſt und darum viel Ausſicht
auf Erfolg zu haben ſcheint: es iſt
dies das abnehmbare Röckchen
in Verbindung mit dem Badetrikot.
Unſer Bild 5 zeigt eine ſolche
Zuſammenſtellung: man ſieht hier
das ſchwarze Badetrikot und ein in
zwei Volants geteiltes Taftröckchen
auf Gummizug, das man für den
Strand umnimmt, zum
Schwim=
men aber abſtreift. Die Anſatzſtelle
des Taftröckchens iſt durch einen
der modernen, zweifarbigen
Lei=
nengürtel gedeckt und gibt dieſem
Badeanzuge eine unbedingt flotte
Note. Natürlich iſt ein ſolches
Mo=
dell nicht nur in Schwarz=weiß zu
denken, ſondern auch in Schwarz
(Trikot) mit einem ganz bunten
Schotten=Taftröckchen, oder aber in
Dunkelblau mit einem entſprechend
abgetönten Rock und Gürtel.
Bild 2 veranſchaulicht den
Bade=
anzug, den auch eine etwas
unter=
ſetzte Frau wählen kann. Das
ge=
zogene Röckchen iſt dazu angetan,
die Figur gut zu decken, der ſpitzige
Ausſchnitt, der mit einem Plaſtron
unterlegt iſt, bedeutet bekanntlich
auch einen großen Vorteil für
ſtarke Frauen. Der ſchmale Gürtel
kann niemals unſchön ſein,
ſon=
dern wird vielmehr auch hier ſeine
Wirkung unbedingt nicht verfehlen.
Bild 1 zeigt einen ſehr flotten,
zweiteiligen Trikotanzug, der
aus einem verlängerten
ſchwarz=
weißen Pullover und aus einer
weißen Hoſe beſteht. Ein
eingeſtick=
tes Monogramm wirkt immer
bur=
ſchikos und elegant zugleich.
Na=
türlich muß die Gummi=Badehaube
in den gleichen Farben gehalten ſein.
Sehr wichtig iſt auch die Frage
des Badeumhangs, und hier wird man zwiſchen Pyjama, Mantel
oder Cape zu wählen haben, wobei aber ſchon jetzt geſagt
wer=
den kann, daß das Cape heuer etwas in den Hintergrund tritt
Das Pyjama wird demnach in den meiſten Fällen für jugendliche,
zierliche Geſtalten herangezogen werden, während man ſonſt un=
ſogar ſtumpf, wenn nicht „ſtaubig” ausſieht. Nicht ſelten arbeitet
man das moderne Spitzenkleid auch zweifarbig, wobei man neben
Schwarz=weiß und Blau=weiß nur an abſchattierte Farben, faſt
niemals aber an kontraſtierende Töne zu denken hat. Sehr
ele=
gant wirkt darum zum Beiſpiel ein zartes Gobelin mit einem
ſchönen Kornblumenblau, ein feines Beige mit einem kräftigen
Goldbraun, ein blaſſes Roſa mit dazu abgeſtimmtem Weinrot
Die Verwendungsart der Spitzen iſt eine ſehr mannigfaltige.
Oft werden ſie in Volantform angebracht, oft auch eingearbeitet,
alſo ganz von dem Stile des betreffenden Modelles, abhängig
gemacht. Als ganz beſonders vornehm gelten die durch Ajouren
eingearbeiteten Spitzen, da dieſe Technik ſchon angeſichts der
da=
bei notwendigen Handarbeit eine ſehr erleſene iſt.
Die Formen der neuen Spitzenkleider ſind eigentlich auch
nicht in beſtimmte Kategorien einzuteilen. Man ſieht hier alle
neuen Ideen verwertet, die die gegenwärtige Mode zu bieten
vermag, alſo glatte Kleider neben den beliebten Schürzenformen,
dann wieder Volant=Typen, ja ſogar in letzter Zeit die „rund
feſchnittenen”, das heißt alſo etas glockig fallenden Kleider.
Da man von dem eleganten
Hoch=
ſommermodell — und als ſolches
iſt ja das Spitzenkleid unbedingt
anzuſehen — viel mehr Bewegung,
Leichtigkeit und Grazie verlangt
als von jedem anderen, iſt eine
phantaſiereiche Form bei dieſen
Schaffungen ſicherlich ſehr
erſtre=
benswert und niemals von der
Hand zu weiſen.
Wenn man bei der Anfertigung
des Spitzenkleides praktiſch zu
Werke geht, muß es keineswegs
allzu koſtſpielig ſein, iſt jedoch
allenfalls teuerer als andere
Mo=
delle, da es ja unbedingt ein
un=
durchſichtiges Unterkleid
erforder=
lich macht.
Ein Spitzenkleid bedarf im
übrigen einiger Toilettendetails,
die die elegante Aufmachung der
Frau vervollſtändigen. Dazu iſt
eine aparte, nicht allzu ſchwer
wir=
kende Handtaſche zu zählen (wir
empfehlen eine jener ſchönen,
kunſt=
gewerblichen Schaffungen in Petit=
Point= oder Gobelin=Manier, die
man auch ſelbſt herſtellen und
an=
geſichts der Vielfarbigkeit zu
jed=
wedem Kleide tragen kann); dazu
käme eventuell auch einer jener
ori=
ginellen Schirme, die von der
heu=
rigen Mode ganz beſonders
liebe=
voll bedacht ſind und einen Farben=
und Formenreichtum bieten, wie er
bisher auf dieſem Gebiete kaum
feſtgeſtellt werden konnte. Der Hut
zum Spitzenkleide ſoll nicht ſo klein
ſein, wie es die bisherigen
For=
men waren, ſondern etwas
breit=
randiger und phantaſiereicher
ge=
arbeitet werden. Daher dürften ſich
ſicherlich die neuen Faſſons mit
den halbbreiten Rändern in Ver=
Geſteppte Hute
R‟
2e
finden ſchon deshalb große Beachtung,
weil ſie ſich der allgemein
vorherrſchen=
den Pliſſee=, Säumchen= und
Stepp=
mode ganz ausgezeichnet anzupaſſen
vermögen und im übrigen die
einfach=
elegante Note haben, die heuer
bevor=
zugt wird. Solche Hüte, die eine exakte
Handarbeit erfordern, unterſcheiden ſich
natürlich trotz ihrer Einfachheit ſehr
von den ſchablonenhaften
Fabriks=
hüten aus Filz, die ja außerhalb der
ſportlichen Mode und der
Regenklei=
dung in letzter Zeit möglichſt
ausge=
ſchaltet werden, ſo daß man auch die
neuen Stepphüte in der Regel
nur aus Georgette oder Taft (dem
allermodernſten Hutmateriale)
arbei=
tet. In der Regel ſtechen die neuen
Hüte von der Farbe der betreffenden
bedingt den Mantel wählen wird. Beide ſind aus Frottierſtoffen
gearbeitet und bringen die Farben des betr. Badeanzugs durch
Blendenwirkung oder zweiſeitiges, zweifarbiges Frottiergewebe.
Durch einen flotten Badeſchirm und nette Badeſchuhe in der
gleichen Farbe kann man die Strandausrüftung gut ergänzen.
bindung mit dieſen Kleidern ſehr gut ausnehmen und ſchöne
Erfolge erzielen können. Unſere Bildgruppe gewährt eine
Ueber=
ſicht über das Neueſte auf dem Gebiete der Spitzenmode:
Bild 1 iſt vielleicht gerade wegen ſeiner Einfachheit
außer=
ordentlich elegant. Dieſes Kleid iſt aus Georgette und Spitze
derart zuſammengeſetzt, daß der Oberteil die Spitze nur in Form
eines dem unteren Rande der Bluſe folgenden Einſatzes und in
Geſtalt der reichen Puffärmel zeigt, während die in vier Schürzen
aufgelöſte Rockpartie (die natürlich ein ganzes, darunter
befind=
liches Seidenröckchen bedingt) ganz aus Spitze gedacht iſt, wobei
die einzelnen Spitzenſchürzen mit Blenden aus Georgette
ge=
randet werden müſſen.
Einfacher herzuſtellen iſt vielleicht noch Bild 2, deſſen
bluſi=
ger Oberteil mit einem zackigen Schalkragen verſehen wird,
wäh=
rend die Aermel einen trompetenförmigen Spitzenbeſatz
auf=
weiſen. Der ſchmale Gürtel bleibt auch der Hochſommermode
noch treu. Der Rock weiſt einen Beſatz aus Spitze auf und wird
ganz durchpliſſiert, wodurch auch die Spitzen bekanntlich einen
ganz neuen Charakter gewinnen.
Auf die vornehme Manier der mittels Ajouren
eingearbeite=
ten Spitze weiſt das letzte Modell (3) hin. Auch hier iſt der
Oberteil gebluſt, wie bei den beiden früher beſprochenen
Klei=
dern; die Rockpartie wird rund geſchnitten, womit man eine
glockige Wirkung erreicht, und im übrigen mit einfarbiger Seide
beſetzt. Der ſich hier durch Inkruſtation der Spitze ergebende,
wirklich ganz ausgezeichnete Effekt wiederholt ſich bei der
ſchma=
len, eingeſetzten Spitzenbahn des Aermels.
Die ſchon früher erwähnten halbgroßen Hüte werden
ent=
weder aus Stroh oder Seide verfertigt, nicht ſelten auch aus
bei=
den Materialien derart kombiniert, daß die hellere Seite für
außen, die dunklere aber für den Innenrand verwendet wird.
Natürlich läßt ſich der gleiche Effekt auch durch zweierlei
Stroh=
arten erreichen.
Eine elegante Anſteckblume iſt gerade für hochſommerliche
Kleider faſt unerläßlich und gibt ihnen — ebenſo wie der aparte
Schirm, der, wie dies Bild 1 zeigt, mit Franſen in flotter Weiſé
garniert ſein kann — den entſprechenden vornehmen Rahmen,
Kleidungsſtücke inſofern ab, als ſie nicht die gleiche Schattierung
haben, ſondern meiſt einen jener modernen Zwiſchentöne
brin=
gen, die ſich als allgemein verwendbar erwieſen haben, womc
Beige, Sand oder Mittelgrau gemeint iſt.
Rummer 168
Sonntag, den 19. Junt 1927
Gette 19
Sport, Spiel und Turnen.
Darmſtädter Sporikalender.
Der Sport des Sonntags.
Fußball.
aus Frottierfüß
mzugs M
tiergetzt
e nar in ſ0
unter hit
ht iſt.
Fußball.
Trotz der ſommerlichen Jahreszeit und trotz der nahenden
Sperr=
iſt, wird allenthalben noch munter Fußball geſpielt. Das Wochenende
ringt uns in Süddeutſchland ſogar einige größere Ereigniſſe. Als
ſtes iſt das im Frankfurter Stadion ſtattfindende Freundſchaftsſpiel
Süd, gegen Norddeutſchland
rur nennen. Es geht diesmal um einen Goldpokal des Frankfurter
SStadions. Im Gegenſatz zu einigen repräſentativen
Freundſchafts=
wielen, die man in letzter Zeit ſah und die alles andere als
repräſen=
mtive Mannſchaften im Kampfe ſahen, haben die beiden Verbände für
äeſes Spiel recht ſtarke, wenn auch nicht die ſtärkſten Mannſchaften
aufgeſtellt. Es ſpielen:
für Süddeutſchland:
Krieger,
(F. S. V. Frankfurt)
Kraus,
Furch,
(Sp.=Vg. Fürth)
(F. S. V. Frankfurt)
Knöpfle,
Leinberger,
Hagen,
Kießling, Frank,
Zeilfelder
Franz,
Auer.
(Mit Ausnahme von Zeilfelder (Neckarau), alle Sp.=Vg. Fürth.)
Hander,
Sommer, Horn,
Wolpers,
Nave,
Lang,
Halvorſen,
Carlsſon,
Beier,
Riſſe,
Blunck.
(Alle Hamburger S.=V.)
für Norddeutſchland.
Es handelt ſich hier alſo faſt um einen Klubkampf zwiſchen zwei der
ſtärkſten deutſchen Mannſchaften, Hamburger S.=V. und Sp.=Vg. Fürth.
Aser aus dieſem Treffen als Sieger hervorgehen wird, iſt ſchwer zu
ſagen. Der H.S.V. iſt zweifelsohne eine würdige Vertretung ſeines
Agerbandes und wird nicht leicht zu ſchlagen ſein. Vor allem iſt ſein
Amgriff gut, während es uns fraglich erſcheint, ob ſich die
Hintermann=
ſcaft der füddeutſchen Elf verſtehen wird. Auch in der ſüddeutſchen
Aannſchaft ſteht ein ſchlagkräftiger Angriff, aber er triffſt beim
Ggegner auf eine harmoniſche Abwehr. Der Ausgang des Spieles iſt
derrchaus offen.
Das Städteſpiel Mannheim—Frankfurt
buingt in Mannheim die folgenden Mannſchaften zuſammen:
Frankfurt: Kreß; Engelhardt, Komnrumpf (alle Rot=Weiß);
brnß, Fritz, Völler; „Wifk, Bretteville, Klumpp, A. Strehlke, Brück
ale F.S. V.).
Mannheim: Rihm (Waldhof); Broſe (Neckarau), Freiländer
2..f. R.); Wühlet (Phönix), Bretzing 2. (Waldhof), Größle (
Sand=
heffen); Jöſt (08) Zinn, Fleiſchmann (beide V. f. R.), Kaiſer (Neckarau),
Grünauer (V. f. R.)
Auch hier ſind die Mannſchaften recht gut und im übrigen ziemlich
glseichwertig. Beide haben die beſten Ausſichten auf einen Sieg.
Anſonſten gibt es am Sonntag in Süddeutſchland noch einige
freundſchaftsſpiele, von denen erwähnenswert ſind:
Offen=
daccher Kickers — Freiburger F.=C. (Samstag); F.=C. 93 Hanau —
Frei=
jumger F.=C.; Eintracht Frankfurt — Höchſt 01; V. f. L. Neu=Iſenburg
—S.=V. 98 Darmſtadt; „Boruſſia Neunkirchen — S.=V. 05 Trier.
Im Reich gibt es weiter nichts von Belang. Dagegen finden im
Au sland wieder einige intereſſante Länderſpiele ſtatt: Novwegen—
Funland in Oslo, Rumänien-Polen in Bukareſt, Schweden—Dänemark
n Stockholm.
Leichtathletik.
Beſondere Bedeutung kommt den Europa=Wettkämpfen
s Berliner S.=C. am Samstag zu. Die Elite der deutſchen
Lü.chtathletik trifft hier auf ſo gute Leute wie Lewden, Pelé (Frankreich),
La ulen, van der Berghe (Holland), Petterſon, Johansſon (Schweden),
5ſtidu, Marvalits, Balogh, Szepes. Karlowicz (Ungarn), Wightman=
Emnith (Südafrika), H. Peterſen, A. Peterſen (Dänemark), Jänsſon
funnland), Facelli und R. Franco (Italien). Dieſe Ausländer ſind
durchweg Meiſter ihres Landes, und werden alſo für unſere Beſten
cwere Gegner abgeben. Im Rahmen dieſer Europa=Wettkämpfe findet
uch ein Fußballſpiel zwiſchen dem Berliner Meiſter Hertha/B.S.C.
mo Europa=Barcelona ſtatt. — In Süddeutſchland finden die
Farbands=Meiſterſchaften ſtatt. Der Frankfurter Landesvepband hält
eire Titelkämpfe in Frankfurt ab, der Württembergiſche Verband ruft
ach Stuttgart, der Nordbayeriſche Verband nach Nürnberg, der
Süd=
aueeriſche nach München. — Auch in den übrigen deutſchen
Landes=
eſbänden finden durchweg die Meiſterſchaftskämpfe der Unterverbände
art.
Tennis.
Am Montag nimmt das Weltmeiſterſchaftsturnier im
Wimble=
ou ſeinen Anfang.
Rudern.
Die Große Grünauer Regatta auf dem Langen See
rungt 232 Boote mit 1151 Ruderern aus Berlin, Hamburg, Mainz,
ſonn, Frankfurt a. M., Breslau an den Start. Die Beſetzung iſt
varr nicht ſo ſtark als in den Vorjahren, immerhin wird aber auch
jehsmal wieder „die Grünquer” ein Ereignis ſein. — Die Zwölfte
urlsruher Regatta iſt mit B Vereinen, 100 Booten und
Ruderern aus Karlsruhe Ludwigshafen, Mannheim, Worms,
Ninz, Cannſtatt, Frankfurt, Saarbrücken, Stuttgart und Heilbronn
zemfalls recht gut beſetzt. — Die Fünfte Kaſſeler Regatta
ino ein Meldeergebnis von 22 Vereinen mit 76 Booten und 359
tugerern aus Kaſſel, Hannover, Hameln, Offenbach, Gießen, Münſter,
uffeldorf.
Radfahren.
Straßenrennen: Die 8 Etappe des Großen
Opel=
reiſes führt von München nach Stuttgart. An Straßenrennen
n). ferner erwähnenswert: „Rund um Wiesbaden” (B. D.R.),
Straßen=
e4s von Baden (D R.V.), Großer Induſtriepreis der Stadt Bremen.
Motorſport.
Der Nürburg=Ring, Deutſchlands größte, überhaupt eine
größten und ſchönſten Automobilſtraßen der Welt, wird am
Sonn=
gi mit ganz erſtklaſſig beſetzten Automobil= und Motorradrennen
ein=
tmeiht. Gegenüber dieſem Ereignis verblaſſen die wenigen kleineren zum Großen Preis von Europa auf dam Nürburg=Ring am 2. und 3. 7.
eranſtaltungen, die es ſonſt noch im Reich gibt.
Pferdeſport.
mr der Derby=Woche), in Magdeburg, Dortmund und Auteuil. bungen ſind von der D.M.S., Berlin W. 62, Kurfürſtenſtraße 118, an=
Turnen.
Main=Rhein=Gau.
DDie auf dem Hochſchlſportplatz heute ſtattfindenden Ausſcheidungs= zig Prozent Aufſchlag zu zahlen.
mife der Turner des 2. Gauverbandes vom 9. Kreis (Mittelrhein)
an inen um 9 Uhr. Die Entſcheidungskämpfe werden am Nachmittag
730 Uhr ausgetragen. Das Meldeergebnis iſt gut, ſo daß in
ſämt=
hm Uebuingsarten gute Leiſtungen zu erwarten ſind. Alle Freunde
r2Leibesübungen ſind bei freiem Eintritt freundlichſt eingeladen.
Darmſiädter Kegler=Verband.
Gaumeiſterſchaftskämpfe in Mainz.
Die Austragung der diesjährigen Gaumeiſterſchaftskämpfe iſt dem Schöpfer ihre Anerkennung ausſprachen. Anſchließend folgte ein Korſo
eſoand Mainz übertragen. Deſſen gegelſporthaus mit acht Aſphalt=, von 250 Wagen. Nachdem dann noch 1000 Turner und Sportler des
Bohlen= und zwei Scherenbahnen iſt dazu eine geeignete Stätte.
nlbeſonderes Gaufeſt findet dieſes Jahr in dem ſüddeutſchen Gau nicht Start zum erſten Motorrad=Rennen. Das Wetter war ausgezeichnet,
t. da im Auguſt in Mainz die deutſchen Bundesmeiſterſchaften aus= Startplatz und Tribünen waren feſtlich geſchmückt. In der 20=
Kubikzen=
tragen werden.
UUm die Gaumeiſterſchaften kämpfen die 1. und 2. Bezirksmeiſter der
ts. Bezirke des Südd. Gaues. Unter ihnen befindet ſich auch die erſte, dorf (NSU) kam mit leichten Verletzungen davon. Die erſten Rennen
anrnſchaft des hieſigen Verbandes, welche die erſte Bezirksmeiſterſchaft haben bereits bewieſen, daß trotz der großen Schwierigkeiten, die die
Aritten Bezirk errungen hat.
Die Kämpfe erſtrecken ſich vom 18. Juni bis einſchließlich 20. Juni.
ſind von jader Mannſchaft 1000 Kugeln in die Vollen abzuwerfen.
rurtag, den 20. Juni, ſtartet die erſte Mannſchaft des hieſigen Bezirks. 1. Sprung=Zſchoppau (DKW) 1:48:58,2 Std. 2 Geiß=Pforzheim (DKW)
one ihr Erfolg beſchieden ſein. Diejenige Mannſchaft, welche die 1:49:25,2 Std. 3. Henckelmann=Wanne (2KW) 1:54:48,3 Std. 4.
Heher=
aite Holzahl erreicht, erringt die Gaumeiſterſchaft des ſüddeutſchen Krefeld (Puch) 1:58:47 Std. 12 Teilnehmer.
ures und nimmt als ſolche an den Kämpfen um die
Bundesmeiſter=
rſtk im Auguſt teil. An dem Ausſcheidungskegeln der Einzelmeiſter Fransfurt (NSU) 1:53:32,3 Std. 2. Schumacher=Aachen (Ruſh) 1:56:35,2
teſlligt ſich vom hieſigen Verband Kegelbruder Grün vom Klub „L.L.”. Stunden. 3. Krins=Solingen (Patria), 2:01:55,3 Std. 4. Schwarz=
PFreundſchaftsſdiel Darmſtabt—Bensheim. Zu dem Bericht über Koblenz (Ardie=Jap) 2:06:29,4 Std. 16 Teilnehmer.
eiess Spiel iſt noch nachzutragen: Beſter Mann von Darmſtadt:
gAlbruder Bangert=Krauz mit 284 Holz; Höchſtleiſtung von Vensheim Düſſeldorf (Velocette) 1:40:51 Std. 2. Pätzold=Köln (Sunbeam)
6 Holz, erzielt von den Kegelbrüdern Schuſter und Moehler.
16.00 Uhr:
14.15 Uhr:
Union — Boruſſia Rüſſelsheim (Rennbahn).
Handball.
Tgde. Beſſungen — Tgſ. Sachſenhauſen.
Tennis.
T.= u. E.=C. Darmſtadt — T.= u. H.=C. Hanau und
T.=V. Heimgarten Frankfurt.
Handball.
Turnverein 1862 Weinheim-Techniſche Hochſchule Darmſtadt 7:7 (1:4).
Am Fronleichnamstage empfing die 1. Mannſchaft der Techniſchen
Hochſchule Darmſtadt die gleiche Elf des Turnvereins 62 Weinheim auf
ihrem herrlich gelegenen Sportplatz zu einem Freundſchaftsſpiele. Die
Mannſchaft des T.V.W. ſpielte in der Gauſonderklaſſe der D.T. und
verlor nur knapp gegen den Deutſchen D.T.=Meiſter am Gauendſpiel.
Die Hochſchüler ſind Südweſideutſcher Hochſchulmeiſter und ſtanden i
folgender Aufſtellung: „Frion; Koch, Bußmann; Spiegel, Leber,
Schleef; Oſterhage, Allwohn, Leonharbt, Hauſer, Rettig. Sie mußten
alſo auf 2 ihrer beſten Leute (Fiedler, Werner) verzichten.
Für die Hochſchule ſollte dieſes Spiel ein Trainingſpiel für die
kommenden Kämpfe um die Deutſche Akademiſche Meiſterſchaft ſein,
und ein Ausprobieren einiger Spieler auf verſchiedenen Poſten war
notwendig. Jedoch zeigte ſich ſchon bald nach der Halbzeit, daß die
innerhalb der Mannſchaft erfolgte Umſtellung zwar eine Verſtärkung
der Schußkraft des Sturmes bedeutete, aber der Hintermannſchaft, die
außer dem Torwart ſich teilweiſe recht mäßig zeigte, eine weſentliche
Stütze (Mittelläufer) nahm.
Das Spiel wurde jederzeit fair durchgeführt. Die Weinheimer,
durch die vielen Verbandsſpiele zu einer Einheit verſchmolzen, zeigten
ihr Können in der zweiten Halbzeit, beſonders im Endſpurt. Das
Innentrio war in der Hauptſache der Träger der Angriffe, und dank
ihres energiſchen Spieles konnten ſie noch Tor für Tor aufholen, um
ſchließlich noch ein recht ſchmeichelhaftes Ergebnis zu erzielen. Die
Innenſtürmer waren der beſte Mannſchaftsteil. Die übrigen Spieler
fügten ſich gut in den Rahmen der Mannſchaft ein, ohne dunch
be=
ſondere Leiſtungen hervorzutreten.
Bei Darmſtadt konnte der Tormann, die rechte Sturmſeite
ge=
fallen. Beſonders Allwohn brachte ein recht gefälliges
Rombinations=
ſpiel in die Angriffsreihe, und durch ſeine uneigennützigen Vorlagen
konnte manches Tor erzielt werden. Verteidigung und Läuferreihe
waren recht mäßig.
Der Schiedsrichter konnte bis auf einige Entſcheidungen gefallen.
Turngemeinde Beſſungen-—Turngeſellſchaft Sachſenhauſen.
Entgegen anders lautender Mitteilung ſpielt die erſte Mannſchaft
erſtgenannten Vereines nochmals am kommenden Sonntag, den 19.
Jum, und zwar gegen die beſtbekannte Elf der Turngeſellſchaft
Sachſen=
hauſen 1873. Den Franffurtern geht ein guter Ruf voraus, es gelang
ihnen ſchon wiederholt, die mit an der Spitze ſchreitenden Vereine
Frank=
furts zu ſchlagen, ihr Können wird außerdem in den in der letzten
Zeit aufgeſtellten Reſultaten beſtens dokumentiert. Das Spiel gilt als
Retourſpiel für das im Januar d. J. ausgetragene Treffen, bei dem
die Sachſenhäuſer allerdings den Sieg an ihre Fahne heften konnten.
Die von den Einheimiſchen in der letzten Zeit erzielten Ergebniſſe gegen
beſte Vereine aber beweiſen die Zunahme der Spielſtärke, ſo daß die
Er=
langung eines Sieges den Beſſungern eigentlich im Bereiche der
Mög=
lichkit liegen ſollte. Der gerade in den letzten Spielen gezeigte Wille
dürfte wohl auch den Ausſchlag wieder in dieſem Treffen geben, ſelbſt
wenn ihnen dieſe Frankfurter Klaſſenmannſchaft den größten Widerſtand
entgegenſetzen ſollte. Inſolge der Platzverhältniſſe beginnt das
Haupt=
treffen um 2.15 Uhr, vor demſelben um 1 Uhr, treffen ſich die beiden
zweiten Garnituren genannter Vereine.
Fußball.
F. C. Union 1913, e. V.—Boruſſia Rüffelsheim.
Die Ligawannſchaft empfängt am Sonntag, den 19. ds. Mts.,
nach=
mittags 4 Uhr, auf der Rennbahn die gleiche Mannſchaft von Boruſſia
Rüſſelsheim. Die Gäſte ſtellen eine vollſtändig ausgeglichene
Mann=
ſchaft ins Feld und verfügen über eine ſehr gute Ballbehandlung. Der
Sturm iſt ſehr durchſchlagskräftig und wird die Hinzermannſchaft der
Einheimiſchen ſich ſchon gewaltig anſtrengen müſſen, um denſelben nicht
zu Torerfolgen kommen zu laſſen. Die Spielſtüärke der Boruſſen geht
beſonders aus ihrem Tabellenſtand in den Verbands= und Pokalſpielen
hervor. In den Verbandsſpielen konnten ſie den 2. Platz hinter dem
Meiſter Germania Wiesbaden mit einem Punkte Abſtand belegen
Da=
gegen gelang es ihnen, in den Pokalſpielen die Meiſterſchaft zu erringen.
Die Unioniſten ſtellen ſich den Gäſten mit faſt derſelben Mannſchaft wie
gegen Sprendlingen. Die Einheimiſchen werden alles daran ſetzen, um
das neue Vereinsgeſchäftsjahr mit einem Siege zu beginnen. Dem
Spiele wäre ein guter Schiedsrichter zu wünſchen. Die Liggewſatz tritt
in Dornheim gegen die 1. Monnſchaft dortſelbſt an. Abfahrt 12.30 Uhr
ab Hauptbahnhof.
Sportverein Lengfeld—Sportverein Geinsheim.
Zum letzten Gaumeiſterſchaftsſpiel auf eigenem Platz empfängt der
Sportwverein Lengfeld am 19. d. M. den Meſter des Bezirks 3, den
Sportvevein Geinsheim. Die Geinsheimer verfügen, über eine gute
Spielſtärke, und muß deshalb der Sporwerein Lengfeld ſein ganzes
Können einſetzen, damit Sieg und Punkte in Lengfeld bleiben. Aber
auch Geinsheim wird alles hergeben, was es hat, denn durch einen Sieg
der Geinsheimer fällt ihnen die Gaumeiſterſchaft zu. Aus dieſen
Grün=
den iſt mit einem ſpannenden Spiel zu rechmen.
Motorſport.
Großer Preis von Europa.
Die Deutſche Motorrad=Sportgemeinſchaft hat eine Geſellſchaftsfahrt
d. Js. beſchloſſen. Jeder Teilnehmer, der bis zum B. Juni genannt
und die Zielkontrolle ordnungsgemäß paſſiert hat, erhält eine künſtleriſch
ausgeführte Plakette. Die Geſellſchaftsfahrt iſt offen für Räder ud
ſGalopprennen gibt es am Sonntag in Hamburg=Horn (Be= Wagen und für alle Mitglieder des A. D.A.C. und D.M.V.
Ausſchrei=
zufordern, wohin auch die Nennungen zu richten ſind. Das Nenngeld
beträgt 4 Mk. Plaketten können auch von Beiwagenfahrern und
Mit=
fahrern von Automobilen erworben werden, ſofern ſie ordnungsgemäß
mennen; für verſpätet eingehende Nennungen iſt das Nenngeld mit fünf=
Die Eröffnung des Nürburg=Ringes.
Die feierliche Einweihung der größten Auto=Rennſtrecke der Welt,
des Nürburg=Ringes bei Adenau (Eifel), erfolgte am Samstag, um
10 Uhr, in Anweſenheit vieler Prominenter und Ehrengäſte, darunter
des Reichsminiſters Dr. Krohne und des Staatsminiſters Hirtſiefer,
durch den Schöpfer, Landrat Creutz. Nachdem Creutz die Anweſenden
willkommen geheißen und den Nürburg=Ring ſeiner Beſtimmung
über=
geben hatte, hielten die beiden Miniſter Anſprachen, in der ſie dem
Kölner Verbandes Freiübungen vorführten, erfolgte um 14 Uhr der
timeter=Klaſſe gab es einen Sturz. bei dem Scherrer=Kochendorf (NSu)
eine Gehirnerſchütterung erlitt. Der ebenfalls geſtürzte Herzog=Kochen=
Strecke aufweiſt, doch ziemliche Schnelligkeiten erzielt werden können.
Die Ergebniſſe:
Kategorie bis 175 Kubikzentimeter (5 Runden — 141,5 Kilometer):
Bis 250 Kubikzentimeter (5 Runden — 1415 Kilom.) 1. Glöckler=
Bis 350 Kubikzentimeter (5 Runden — 141,5 Kilom.); 1. Ulmen=
1:41:02,3 Std. 14 Teilnehmer.
Pferdeſport.
Rennen zu Hamburg=Horn am Samstag, den 18. Juni.
1. Eröffnungs=Renn n, 4500 Mark, 1200 Meter: 1. W. Welps
Port=
land (E. Grabſch), 2. Atropos, 3. Prinzeß Ronald. Ferner:
Schwal=
berich, Der Kohinoor, Nicodemus, Fahnenwacht, Meiſe, Viſion 2.,
Oppo=
ſition, City. Tot.: 35; Pl.: 25, 19, 97:10. 1—5), Länge.
2. Amf=Kämmerer=Erinnerungs=Rennen, Ehrenpreis und 6000 Mk.,
1800 Meter: 1. Stall Halmas Vardar (Pretzner), 2. Favorit, 3.
Al=
tenberg. Ferner: Maravedis, Caſanova, Brieftaube, Formoſus,
Helgo=
länder, Stahleck, Diocletian, Jvy, Limanova. Tot.: 71: Pl.: 19, 16,
19:10. 2—½ Lg.
3. Eilbeker=Ausgleich, 6000 Mark, 1400 Meter: 1. Graf Seidlitz=
Sandr. Burgwart (P. Ludwig), 2. Amandus, 3. Verona 2. Ferner:
Herzog Chriſtoph, Schaumſchläger, Schneeberg, Trajan, Escariol,
Burg=
fink, Gigilolf, Der Nord, Examen, Trier, Sea Lord, Frintrop, Heiliger
Narr. Tot.: 141; Pl.: 42, 43, 65:10. Kopf bis ½ Lg.
4. Ulrich von Dertzen=Rennen, 13 500 Mk., 1600 Meter: 1. R.
Haniels Palü (F. Williams), 2. Leibküraſſier, 3. Serapis. Ferner:
Prinz Chriſtians, Schneeball, Augenweide. Tot.: 35; Pl.: 22, 2:10.
2—2 Lg.
5. Jugend=Rennen, 4500 Mark, 1000 Meter: 1. O. Blumenfeld
u. N. Samſons Ferrara (E. Haynes), 2. Drachenſchlucht, 3.
Schäfer=
burg. Ferner: Die Nacht, Donaukind, Honoria. Tot.: 16: Pl.: 12,
17:10. 1—34 Lg.
6. Hammonia=Ausgleich, 8000 Mark, 2400 Meter: 1. Gräfin A.
Oſtheims Himalaya (M. Dreißig), 2. Dorn 2., 3. Opar. Ferner:
Roſanera, Hartſchier, Grafenſtein, Sonnengott, Fredigunde. Tot.: 43;
Platz: 17. 17, 17:10. Hals bis 2 Längen.
7. Hannibal=Rennen, 6000 Mark, 1600 Meter: 1. v. Pleotz=Stuchows
Hohenfels (R. Keſina), 2. San Marco, 3. Original. Ferner: Lago,
Graziella, Lieſerer, Dompfaff, Silberkatze, Maidi, Islam, Isländer,
Lockenkopf, Siegeszug. Tot.: 143; Pl.: 47, 52, 16:10. Hals bis 7/a.
Der Kurfus für Ausbildung von Vorfechtern
den der Generalſekretär des Deutſchen Fechterbundes, Herr Generalmajor
von Tenner, für die heſſiſchen Sportfechter beim Darmſtädter Fecht=
Klub ſeit 1. Juni hält, wird Ende nächſter Woche ſeinen Abſchluß finden.
Durch praktiſchen und theoretiſchen Unterricht in täglich 1½ Stunden
und weiter durch praktiſche Uebung an 3 Fechtabenden erfordert der
Kurſus neben der Berufsarbeit von den teilnehmenden Fechtern und
Fechterinnen großen Fleiß und ſelbſtloſe Hingabe an den ſchönen
Fecht=
ſport. Einen etwas feſtlichen Schluß ſoll der Kurſus finden in der
Ver=
anſtaltung eines Fechtabends am nächſten Donnerstag, bei dem Herr
General von Tenner einen kurzen Vortrag über die Fechtkunſt halten
und anſchließend die Vorfechterinnen und Fechter das Erlernte und die
freie Ausübung des Fechtſports zeigen laſſen wird. Zu dieſem
Fecht=
abend iſt die Anweſenheit der Mitglieder und aller Sportfreunde
will=
kommen. (Siehe Anzeige in heutiger Nummer.)
Briefkaſien.
Nr. 99. Eingezogene Erkundigungen ergeben: Tarifmäßig beſteht
kein Anſpruch, ſozial eingeſtellte Arbeitgeber gewähren bis zu
6 Tagen.
„Alter Abonnent‟. Die Auskunft, die Ihnen erteilt wurde, iſt
richtig. Sollte die perſönliche Forderung irgend durch Manipulationen
gefährdet werden, ſo bleibt nur ein Arreſtantrag bei Gericht behufs
Sicherſtellung übrig.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 19. Juni. 8: Morgenfeier, O 11.30: Elternſtunde.
Geh.=Rat Walter: Die Lebensgemeinſchaft zwiſchen Elternhaus und
Schule auf Grund eigener Erfahrung. O 12: Glockenſpiel aus
Darm=
ſtadt. o 14: Stunde der Jugend. Aus dem deutſchen Märchenborn.
Die kluge Trine. — König und Schildwache. — Die Kobolde,
japa=
niſches Märchen. — Die Stopfnadel. — Das Abenteuer im Walde.
Für Kinder vom 4. Jahre ab. o 15: aus dem Stadion:
Fußballe=
ſpiel Süddeutſchland gegen Norddeutſchland. o 17.
Muſikwiſſen=
ſchaftlicher Vortrag von Prof. Heinitz. o 18: Rhein=Mainiſcher
Verband für Volksbildung. o 19.30: aus Würzburg: Erſtes
Or=
cheſterkonzert des Mozart=Feſtes. Anſchl.: Heiterer Abend. Darauf:
Tanzmuſik.
Stuttgart.
Sonntag, 19. Juni. 10.30: Uebertr. aus Gaggenau:
Kunſt=
geſang des Männergeſangvereins Gaggenau. o 13.10: Konzert.
14.20: Uebertr. aus Ettlingen i. B.: Heimatkundgebung auf
dem Marktplatz von Ettlingen. o 15: Frau Dr. Carnier: Das
700=Jahr=Jubiläum der Stadt Ettlingen. 0 15.30: Ernſt Stockinger
lieſt Gedichte von Joſef Schanderl. 6 16: „Nur am Rheine möcht
ich leben”. Eine heitere Sendeimproviſation. O 18.15: W. Ehmer,
Stuttgart: Rund ums Mittelmeer. Paläſtina. o 18.45: Dr.
Elwenſpoek: Charlotte von Mexiko der Leidensweg einer Kaiſerin:
Maximilian als Menſch und Künſtler. O 19.15: K. Figdor: Kreuz
und quer durch Indien: Wunder und Schrecken. 20: Ital.
Muſik. Verdi: Ouv. Troubadour. Stretta. — Mascagni: Interm.
aus Cavalleria ruſticana. — Leoncavallo: Fant. aus Baiazzo,
Jetzt ſpielen, Lied aus Baiazzo. — Verdi: Einzugsmarſch aus Aida,
21: „Der Erbonkel”, Hörpoſſe von Max Heye. — Anſchl.: Souſat=
Gladiatorenmarſch.
Berlin.
Sonntag, 19. Juni. 6.30: Frühkonzert des Berl. Fanfaren=
Bläſerkorps. O 9: Morgenfeier. 0 11.30: Konzert der Funkkapelle.
Siede: Zur Attacke Marſch. — Strauß: Telegramme, Walzer. —
Lachner: Ouv. zu Vier Menſchenalter. — Steindal: Un petit rien,
— Ackermans: Valſe en Sourdine. — Lehar: Potp. aus Wo die
Lerche ſingt. — Levi: Der letzte Gruß, Lied. — George: Tango)
Criollo. — Rubinſtein: Toreador et Andalouſe. — Vogel: In der
Manege, Marſch. 2: H. Roſen: Das Sammeln von Marken
auf Briefen. o 14.30: Prof. Wundſch: Die Karpfenzucht in
Teichen und ihre wirtſchaftliche Bedeutung. O 15.10: Uebertr, der
Großen Berliner Ruder=Regatta aus Grünau. o 17: Märchen von
Anderſen. o 17.30: Orcheſter Prof. Fahrbach=Ehmki. Horatio
Nicholls: Tay drum major. — Strauß: Geſchichten aus dem
Wiener Wald, Walzer. — Hildach: Der Lenz, Lied. — Lincke:
Glühwürmchen, Idyll (P. Wrobel, Kunſtpfeifer). — Tſchaikowsky:
Fant. aus Pique Dame. — Schubert: Am Meer, Lied. (Em,
Giudici, Trompete). — Canaro; Alfredo, Tango mit Gelangt
— Chopin: Nocturno op. 9. — Kreisler: Chanſon Hindu. (Prof.
Ehmki, Violine). — Jopin: Maple leaf Rag, Ragtime. O. 75
Einf. zu der Uebertr. aus der Städt. Oper. Anſchl.: Inhaltsang.
und Perſonenverzeichnis. o 7.30: Uebertr. aus der Städt, Oper
Charlottenbg. „Fatinitza” Operette in drei Akten. Muſik von Suppe=
— Anſchl.: Nachrichten. Tanzmuſik.
Stettin. 9: Morgenfeier. Mitw.: Waldhornquartett, Fr.
Haſſelmann (Klavier), Sprechchor des Jungmännervereins von St.
Jakobi, Ann: Straube (Mezoſopran), Paſtor Domke (Anſprache),
W. Grünberg (Violine). o 11.30: Feuer der Betriebseröffnung
des Flughafens Stettin.
Geſchäftliches.
— Der ſtaatl. gepr. Lehrer Dr Stenographie Hans Schlöfſer,
Darmſtadt, Schwanenſkraße 30, I., eröffnet in ſeinen
Unterrichtsräumen neue Anfänger= und Fortbildungskurſe in
Gabelz=
erger Stenographie (die Kurzſchrift der Zukunft) und
Reichskurz=
ſchrift. (Siehe heutige Anzeigen.)
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 20. Juni 1927,
(Nach der Wetterlage vom 18. Juni 1927.)
Teils heiter, teils wolkig und vorwiegend trochen, ſtellenweiſe
witterneigung.
Ge=
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung: Rudol! Maupe
Veranwortlich für Polil und Wirtſchaft: Rudolf Mauve;, ſür Feulleton Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; ſür Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. 6. Quetſch: für den Schlußdſenſt: Andreas Bauen für den
Inſeratenteil: J. V.: Adam Fleiſchmann: Druck und Verlag: . C. Wittich
ämiſch in Darmſtadt
Für unverlangte Mannſtripte wird Garaniie der Rückendung n ich 1 übernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Seiſten.
[ ← ][ ][ → ] Reichsbankausweis vom 15. Juni.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Jumi 1927 hat ſich die
geſamte Kapitalanlage der Bank an Wechſeln und Schecks, Lombards
und Effekten um 247,5 Millionen Rmk. auf 2238,5 Millionen Rmk.
ver=
ringert. Die Beſtände an Wechſeln und Schecks habem um 221,3
Mil=
lionen Rmk. auf 2116,9 Millionen Rmt., die Lombardbeſtände um 26,4
Millionen Rmk. auf 28,5 Millionen Rmk. abgenommen. Die Anlage in
Effekten hat ſich geringfügig, und zwar um 178000 Nmk. auf 93,1
Mil=
lionen Rmk. erhöht. An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen ſind
insgeſamt 401,0 Millionen Rmk. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen.
Der Umlauf an Reichsbanknoten hat ſich um 347,2 Millionen Rmk. auf
3342,0 Millionen Rmk. verringert, der Umlauf an Rentenbankſcheinen
um 53,8 Millionen Rmk. auf 958,5 Millionen Rmk., dementſprechend
ſind die Beſtände der Reichsbank an ſolchen Scheinen auf 114,4 Millionen
MRmk. geſtiegen. Die fremden Gelder zeigen eine Zunahme um 108,7
Mäillionen Rmk. auf 759,6 Millionen Rmk. Die Beſtände an Gold und
deckungsfähigen Deviſen ſind um 23,6 Millionen Rmk. auf 1878,8
Mil=
lionen Rmk. zurückgegangen, und zwar haben die Goldbeſtände um
11,9 Millionen Rmk. auf 1803,6 Millionen Rmk. und die Beſtände an
deckungsfähigen Deviſen um 11,7 Millionen Rmk. auf 75,2 Millionen
Rmck. abgenommen. Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſert
ſich von 49,2 Prozent am Ende der Vorwoche auf 54,0 Prozent, die
Deckung durch Gold und deckungsfähige Devifen von 51,6 Prozent auf
56,2 Prozent.
Vom ſüddeutſchen Holzmarkt
Auch in der abgelaufenen Berichtswoche hat ſich die Holzmarktlage
nicht weſentlich verändert. Die Preiſe ſind etwas leicht geblieben und
nach wie vor feſt. Auf dem Nadelſtammholzmarkt herrſchte weiterhin
rege Kaufſtimmung. Schöne Fichtenware war beſonders gefragt. Bei
den letzten Verſteigerungen erzielte das F. A. Horrenwies für 1704
Feſt=
meter Fichten und Tannen 150 Prozent der Landesgrundpreife bei einem
Fuhrlohn zur Bahn 4,50 Mk., während das F. A. Vühlingen für 214
Feſtmeter bei gleichem Fuhrlohn 136 Prozent erzielen konnte. Der
badiſche Waldbeſitzerverband verkaufte ſür die Stadtgemeinde
Föhren=
bach Forlen, 2.—6. Klaſſe, 141,3 Prozent (Fuhrlohn 1,80—2,50 Mk.),
Fichten, 1.—6. Klaſſe, 142,7 Prozent. Die Papierholzpreiſe behaupteten
ihre bisherige Höhe. Nadelſtangen konnten entſprechend der Qualität
und Abfuhrlager gut untergebracht werden. Laubſtammholzverkäufe
wurden nur in Einzelfällen bekannt. In der Rheinpfalz wurden bei
einer Verſteigerung des F. A. Hinterweidenthal Oſt 255 Feſtmerter
Kiefernblockholz 1.—3. Klaſſe zu 148,5 Prozent abgeſetzt. Bei einem
freihändigen Verkauf des gleichen F. A. wurde der Grundpreis erzielt.
Durch die lebhafte Entwicklung des Baumarktes beſteht eine gute
Nach=
frage nach ſofort lieferbarem geſchnittonen Tannen= und Fichtenbauholz
mit üblicher Waldkante geſchnitten und wurde von Scharzwälder
Säge=
werken etwa 70 RM. pro Kubikmeter prompt gefordert und bezahlt.
Vorratsholz ſtellte ſich auf etwa 65 Mk. Spalierplatten, in denen ſich
eine Knappheit bemerkbar macht, wurden für Mannheim=Karlsruhe zu
1,20 Mk. pro Bund offeriert.
Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkt.
Auch in dieſer Berichtswoche zeigte ſich eine ſtärkere Belebung des
Eiſenmauktes. Neben der eiſenverarbeitenden Induſtrie trat auch
insbe=
ſondere die Bauinduſtrie wieder ſtärker mit Kauforders an den Maukt.
Hier waren beſonders Täger und Moniereiſen gefragt. In den
Preiſen hält die feſte Tendenz weiter an. Eine Aenderung
iſt nicht eingetreten. Formeiſen Frachtbaſis Neunkirchen=Saar
nannte man im Großhandel 125 Mk., Stabeiſen 128 Mk., Bandeiſen
Baſis Homburg notierte 152 RM. pro T. Am Roheiſenmarkt iſt auf
Grund des ſtarken Bedarfes die Nachfrage weiter recht gut, ſodaß auch
Luxemburger Roheiſen in ſtärkerem Maße herangezogen werden mußte.
Im Gegenſatz hierzu iſt am Schrottmarkt weiter nur Bedarfsgeſchäft.
Kernſchrott notierte ab rheiniſch=weſtfäliſcher Bahnſtation ca. 66 RM.,
Stahlſchrott 67,50 RM., Martinofenſpäne 55 RM., Hochofenſpäne
53 RM. Der Markt in Grobblechen hat ſich etwas gebeſſert, da die
Maſchinenfabriken, Waggonfabriken uſw. größeren Bedarf zeigen wie
in den letzten Wochen. Die Preiſe zeigen aber keine Veränderung.
Frankfurter Effekterbörſe.
Frankfurt a. M., 18 Juni.
Im Einklang mit der Berliner Börſe eröffnete der Markt etwas
feſter. Auf dem Geldmarkt war eine, wenn auch nur geringe,
Entſpan=
mung zu verzeichnen, die zuſammen mit dem Bericht der
Diskontogeſell=
ſchaft einen guten Eindruck hinterließ und Wochenſchlußdeckungen
ver=
anlaßte. Das Ausbleiben eines Dementis ſeitens der Verwaltung der
J G. Farbenind. ſtrie zu den viel erörterten Ausſihrungen über den
inneren Wert der J G. Farben=Aktie des Direktors Brückmann und
die feſte Haltung der Pariſer und New=Yorker Börſe hatten auch
Aus=
landskäufe zur Folge, während das Publikum ſich nur in beſchränktem
Maße am Geſchäft beteiligte. Es gab Kursbeſſerungen bis zu 3
Pro=
zent für Harpener, J. G. Farben und Siemens u. Halske.
Kommerz=
bank zogen beſonders großes Intereſſe auf ſich und gewannen ſogar
5 Prozent, ebenſo Zellſtoff Waldhof. Sonſt betrugen die
Kursſteige=
rungen nur ½ bis 2 Prozent Reichsablöſungsſchuld eine Kleinigkeit
feſter, Schutzgebiete dagegen nachgebend. Ausländer ſtill und dann
ſchwächer, Mazedonier aber weiter feſt. Im weiteren Verlaufe flaute
das Geſchäft ſtark ab. Von den urſprünglichen Kursbeſſerungen gingen
erhebliche Teile wieder verloren, da infolge des Ausbleibens von
Publi=
kumskäufen ſeitens der Tagesſpekulation Gewinnſicherungen
vorgenom=
men wurden. Nur Zellſtoffaktien konnten ſich weiter befeſtigen. Von
Anleihen waren gegen Schluß Schutzgebietsanleihen ſtark angeboten.
Tägliches Geld 6 Prozent. Auf dem Deviſenmarkt notierte Mark gegen
Dollar 4,2192 gegen Pfund 20,483, London=Paris 124—
Berliner Effektenborſe.
Berlin, 18. Juni.
Die letzte Börſe dieſer ſehr unregelmäßig verkehrenden Woche hat
wieder einmal ziemlich freundliches Ausſehen. Das Geſchäft iſt durch
den frühen Beginn ſtark eingeengt und beſchräkt ſich auf die
berufs=
mäßige Spekulation, die Deckungen vornimmt. Nur in Spezialwerten
beſteht ſeitens des Auslandes Intereſſe während für die übrigen Märkte
neue Anregungen faſt ganz fehlen. Die Wirtſchaftsberichte der
Deut=
ſchen Bauk und der Mitteldeutſchen Kreditbank dürften kaum den
ge=
wüünſchten Eindruck machen. Da ſie ſogar in den Grundlinien wieder
ſprechende Auffaſſungen vertreten, iſt es nicht verwunderlich, daß das
Publikum durch ſolche uneinheitliche Berichterſtattung kopfſcheu gemacht
wird und wieder der Börſe fernbleibt. Die erſten Kurſe liegen gut
be=
hauptet, die Abweichungen gegen geſtern betragen ſelten mehr als
bis 2 Prozent. Sehr feſt liegen nur wenige Papiere, Schultheis
Oſtwerke, Waldhof, Bemberg und Glanzſtoff ragen teils aus dem
Go=
ſamtbild heraus. Die anfangs ſehr ſchwachen Rheiniſchen Braunkohlen
können im Verlaufe einen Teil ihres Kursberiuſtes zuräickgewinnen,
Nach den erſten Kurſen wird es — von der feſten Haltung der
Spezial=
werte ausgehend — allgemein etwas feſter, das Kursniveau konnte ſich
bei lebhafterem Geſchäft um 1—3 Prozent erhöhen, darüber hinaus
liegen Bemberg bis 24 Prozent, Glanzſtoff bis 15 Prozent, Schultheis
bis 6 Prozent, Waldhof bis 5 Prozent feſter. Der Pfandbriefmarkt
verkehrt bei nur geringen Aenderungen in lautloſer Haltung.
An=
leihen ruhig und eher nachgebend, Ausländer geſchäftslos Mazedonier
ſchon zu Beginn 1 Prozent höher, können im Verlaufe noch ½ Prozent
anziehen, Anatolier und Ruſſen etwas feſter. Der Geldmaukt bleibt
auch heute bei unveränderten Sätzen etwas angeſpannt, in Frankfurt
ſollen die Sätze für Tagesgeld noch höher ſein, der Privatdiskont mußte
um 4/= Prozent für beide Sichten auf 52/. Prozent erhöht werden. Im
weiteren Verlaufe wird die Tendenz wieder rückgängig. Am
Deviſen=
markt liegt das Pfund feſter. Gegen Schluß der Börſe trat eine
ge=
wiſſe Verſtimmung ein, da Gerüchte bekannt wurden, die davon wiſſen
wollten daß die Reichsbank zur Prüfung der Schuldenengagements
ginge, um den Umfang des Kreditabbaucs feſtzuſtellen. Als dann aber
der Nachbörſe bekannt wurde, daß dieſe Verſionen den Tatſachen nicht
entſprechen, konnte das Kursniveau ſich wieder weſentlich erhöhen.
Gegen 2,30 Uhr hörte man u. a.: Rheinſtahl 201½, Phönix 127½,
Gelſenkirchen 172, Harpener 203½, Ver. Glanzſtoff 662, Schulheis 413,
Oſtwerke 378, J. G. Farben 287, Siemens 264½, A.E. G 181½,
Hapag 141, Norddeutſcher Lloyd 142½ Danatbank 252½, Berliner
Handelsgeſellſchaft 240½.
Aſchaffb. Zellſtoft
Augsb. Nürnb. Maſch
Bamag=Meguin.
Berlin el. 1
Berlin. Karlsruhe?
Braunkohl.=Briketts
Bremer Vulkan.
Bremer Wolle..
Deutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Deutſch.=Nied. Tel..
Deutſche Erdöl.
Deutſche Petroleum
Dt. Kalilverke
Donnersmardkhütte
Tynami Nobel.
Elektr. Lieferung.
. G. Farben
R. Friſter.
Gaggenau 2
Eelſenk. Eußſte
G. f. elektr. Unter=
Salle Maſchinen
Han. Maſch. Egeſt.
Hanſa=Dampfſchf.
Amſterdam=R
Buenos=Aires
Brüſſel=Antſv.
Lslo ......."
Kopenhagen..
tockholm. . .
elſingfors ...
Ztalien ....."
London. . . . ..
Nets=York. . . ."
198.5 18 6
ſ2o1. 146.— 48.- 112.— 113.50 190.5 140.25 199.— 201.5 109.— 108.50 96.75 96.875 12.125. 12 875 150.5 1150.50 62.— 61.- 148— 149.875/ 115.—
142.—
179.—
286.—
98.75
64.—
233.—
177.5 116.—
143.— (9
176.5 9
288.—
98.75 1
65.—
f2
233.—
174.75 121.- 122.— 19 215.25 216.—
Hemvor=Zeient.
144 5 Hirſch Kupfer.
49.— Höſch Eiſen
Hohenlohe Werke
Kahla Porzellan
188. 125/Lindes Eismaſch
143.25 Lingel Schuh.
Linke u. Hofmann
2. Loewe u. Co.
Orenſtein.
17. 6
235.75
123.—
178.5
157.5
180 —
88.5
76.125
264.
122 25
183.—
132.—
100 5
92.5
92.
118.875
PaJ
141.—
55.75
60.—
252.—
18. 6.
234.—
123.
77.25
22.9
111.—
156.25
85.
76.50
265.-
122.50
182.—
7.32.75
101.—
92.75
91.—
118.875
171.—
140.—
59.25
60.25
250.—
Deviſenmarkt.
77. 6. 18. Beid Brie Geld Brie 168.91 69.25 68.89 169.231 1.788 1.792 1.780 1.6941 (3e.545 58.665 108. 941 19.16 108.97 109.101Japan fit2 70 12.92 12.71 fl12.81 3. 13 112.94 13.16 Wa.614 10.634 70.616 10 636 23.475 3.515 23.48 23.5‟ 20.47 20.51 0.468 0.5081 4.21 4.223 4.215/ 4.22: Paris ...... . /16 505 16.545 116.50 16.54/Athen. Schweiz .. . . . / 81.05/ 8:.21 181.085 81. 225lKanada Spanien ..... / 72.43/ 72.57 71.92/ 72.06/Uruguan Wien D.=Oſt. abe
Prag. . .
58.55 58 671Budapeſt, Peng
1 12.93)Rio de Janeiro
Sofia ..."
Jugoſlavien ..
Konſtantinopel
Liſſabon ..
Danzig.
17. 3.
Geld /Brie
59.271 59.30
2. 487
73.43
1.970
2. 507
73.60
1.974
1.4965/0.4985
3.044 3.050
.407/ 7.42
2. 198 2.20.
20.881 20.94
31.34/ 81.50
18. 8.
Geld Brief
59.27 59.39
12.489 12.508
73.43/ 73.57
1.978/ 1.982
9 4965 1.4985
3.044 3.050
7.408 7.422
2.193/ 2.187
20 88 20.92
81. 551 81.71
5. 7441 5. 7561 5.714/ 3. 736
1.213/ 4.22:/ 4.210 4.218
1.216/ 4.22:/ 4.215/ 1.224
Heraufſetzung des Zinsfußes für kurzfriſtige Perſonalkrebite ſeitens
der Deutfchen Rentenbank und der Rentenbank=Kreditanſtalt. Die
Deut=
ſche Nentenbank und die Rentenbank=Kreditanſtalt teilen mit: In
An=
lehnung an die Erhöhung des Reichsbankdiskontfatzes haben die
Deut=
ſche Rentenbank und die Rentenbank=Kreditanſtalt den Zinsfuß für ihre
kurzfriſtigen Perſonalkredite um 1 Prozent heraufgeſetzt.
Schließung der Berliner Produktenbörfe an den Samstagen im
Juli. Der Vorſtand der Berliner Produftenbörfe hat jetzt offiziell den
endgültigen Ausfall des Produktenverkehrs im Juli an den Samstagen
beſchloſſen. Für den Auguſt iſt eine gleiche Maßnahme jedoch kaum zu
erwarten, da dann die Erntebewegung bereits einſetzen dürfte. Im Juli
fällt ſomit an Samstagen an der Produktenbörſe jegliches Geſchäft aus.
Chemiſche Fabrik Flörsheim, Dr. H. Noerdlinger A.G., Flörsheim
im Main. Am 2. Juli findet in Fraukfurt a. M. die diesfährige ord.
Hauptverſammlung der Geſellſchaft ſtatt. Neben der Genehmigung der
Regularien wird die Verwaltung ihren Aktionären vorſchlagen, das A.K.
von 300 000 um 300 000 auf 600 000 RM. zu erhöhen
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Rheinmühlen=Werke A.=G., Mannheim. Die o. H. V. genehmigte
den Abſchluß für 1926/27, wonach nach Abſchreibungen von 143 12
(123 106) RM. aus einem Neingewinn von 327 737 (200 702) RM.
10 Prozent (6 Prozent) Dividende zur Ausſchüttung gelangen. 32 737
NM. beanſpruchen Tantiemen, 45 000 RM. werden dem Delkrederekonto
zugewieſen und 30000 RM. vorgetragen. Nach dem Geſchäftsbericht
war das Ergebnis unter Berückſichtigung der nicht ſehr günſtigen
Vor=
bedingungen befriedigend.
Ma4heus Müller, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, Eltville a. Rh.
Einſchließlich 66 000 Mk. Vortrag ergeben ſich für 1926 Roheinnahmen
von 1 232 985 (987 549) Mk. Füir Generalunkoſten wurden 983 712 Mr
(627 489 Mk.), für Zinſen 7026 (4717) Mk. aufgewendet. Nach
Abſchrei=
bungen von 81 755 (58 932) Mk. verbleibt ein Reingewinn von 220 440
(226 410) Mk., aus dem die ordentliche Hauptverſammlung die
Vertei=
lung einer Dividende von 6 Prozent auf die Stammanteile beſchloß. In
der Bilanz ſind die Waren mit 2 640 268 (2 819 921) Mk. ausgewieſen.
Die Debitoren erhöhten ſich von 1 219 283 auf 1821 191 Mk., Kaſſe und
Bankguthaben von 38 309 auf 76 570 Mk., Wechſel von 58 544 auf 62 976
Mark. Wertpapiere und Beteiligungen erſcheinen mit 414 207 (463 986)
Mark. Auf der Paſſivſeite ſind die Kreditoren auf 1935 877 (1327 594
Mark angewachſen.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Darmſtadt: Fa. Haus= und Sportſchuhfabrik AG., Konkursverfahren
mangels Maſſe eingeſtellt; Kaufmann Wilhelm Hartmann,
Konkursver=
fahren mangels Maſſe eingeſtellt; Fa. Richard Boller, Konkursverfahren
aufgehoben. — Bad=Nauheim: Luiſe Gödel Wwe. geb. Pape, Af. 2. 7.,
Wt. u. Gl.V. 9. 7., Prft. 9. 7. — Alsfeld (Heſſen): Kfm. Karl Borneis,
Konkursverfahren mangels Maſſe eingeſtellt. — Büdingen: Geleefabrik
Frl. Hermine Henrich, Vergl. T. 24. 6.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbeziek Frankfurt a. M.
Frankfurt a. M.: Kfm. Friedrich Würz, Konkursverfahren aufgehoben;
Kfm. Arthur Dambitſch, Konkursverfahren aufgehoben. — Bad
Hom=
burg v. d. Höhe: Fa. Eberhard Häußler, Af. 2. 7., Wt. und GlV. und
Prft. 9 7.; Kfm. Carl Ehrlich, Konkursverfahren mangels Maſſe
ein=
geſtellt. — Hadamar: Kfm. Hans Diefenbach, Af. 20. 7., GlV. u. Prft.
30. 7. — Diez:, Fa. Metzger u. Heinemann, Konkursverfahren
aufge=
hoben.
Fuſion in der Erdölinduſtrie. Vor kurzem haben ſich, wie dem
Fachblatt „Induſtrie=Kurier” mitgeteilt wird, die Gleiwitzer Chemiſche
Fabrik Dr. Hiller G. m. b. H., die Höfler=Uhlmann A.=G. in
Mürn=
berg, die Germania Erdöl=Induſtrie A.=G. in Leipzig=Dresden die
Werthag Mineralöl A.=G. in Berlin ſowie die Erjag Benzin= und
Oel=Zapfſtellen G. m b. H., Berlin, mit der Erdöl=Induſtrie A.=,G. in
Zerlin vereinigt. Die genannten Werke firmieren nunmehr als
Zweig=
niederlaſſungen der Erdöl=Induſtrie A.=G., die bereits Niederlaſſungen
in Hamburg und Köln beſitzt.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 5. bis 11. Juni im Ruhrgebiet in ſünf
Ar=
beitstagen 1865 702 Tonnen Kohlen gefördert gegen 2 219 007 Tonnen
in der vorhergehenden Woche in ſechs Arbeitstagen. Die
Kokserzeu=
gung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien
wird auch Sonutags gearbeitet) auf 477 460 Tonnen gegen 504 704
Ton=
nen in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung auf 51 501
Tonnen gegen 64 933 Tonnen in fünf bzw. ſechs Arbeitstagen. Die
arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 5. bis 11. Juni
373 145 Tonnen gegen 359 835 Tonnen in der vorhergehenden Woche,
die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 68 209 Tonnen (72 101 Tonnen),
die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung auf 10300 Tonnen (10 822
Tonnen). Die Zahl der wegen Abſatzmangels eingelegten Feierſchichten
ſtellte ſich auf 6284 (arbeitstäglich 1257) gegen 19 954 (3326) in der
vor=
hergehenden Woche.
Leonhard Tietz A.=G., Berlin. Im Geſchäftsjahr 1926 gingen die
Roheinnahmen auf Warenkonto von 32,52 auf 31,59 Mill. RM zurück.
Unkoſten konnten von 25,34 auf 24,83 Mill. RM. reduziert werden.
Steuern und Laſten wurden von 4,26 auf 4,16 Mill. RM. ermäßigt,
Nach Abſchreibungen von 0,71 (103) Mill. RM. verbleibt ein
Rein=
gewinn von 1,87 (1,88) Mill. RM., aus dem wiederum eine Dividende
von 6 Prozent auf 25 Mill. RM. Stammaktien und von 7 Prozent auf
0,2 Mill. RM. Vorzugsaktien vorgeſchlagen wird. Nach dem Bericht
hatte der deutſche Einzelhandel während des größeren Teiles der
Be=
richtsperiode mit nicht geringeren Schwierigkeiten zu kämpfen, als in
den Vorjahren. Erſt die letzten Monate brachten eine Geſchäftsbelebung
und der Geſamtumſatz ſtieg nur unweſentlich. Die Erfahrungen, die
mit den erſten 1925 eröffneten Einheitspreisläden der Tochtergeſellſchaft
Chape Einheitspreis=Handelsgeſellſchaft m. b. H. gemacht wurden,
er=
mutigten zur weiteren Ausdehnung des Netzes dieſer Betriebe.
Die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft beftellt über 100 elektriſche
Loko=
motiven und Triebwagen. Die Verkehrszunahme auf den elektriſch
be=
triebenen Strecken in Schleſien und Oſtſachſen ſowie der weitere
Aus=
ban des elektriſchen Zugbetriebes in Bayern machen die Beſchaffung
einer größeren Zahl elektriſcher Lokomotiven erforderlich. Die Deutſche
Reichsbahngeſellſchaft gibt deshalb Beſtellungen über 100 elektriſche
Loko=
motiven und Triebwagen heraus.
Berger baut Eiſenbahnen in Kleinaſien. Wie von zuſtändiger Seite
mitgeteilt wird, iſt die Nachricht, wonach die deutſche Regierung der
für=
kiſchen Regierung eine Anleihe in Höhe von 65 Millionen gewährt habe,
unzutreffend. Die türkiſche Regierung hat dieſer Tage mit der deut
ſchen Eiſenfirma Julius Berger und dem deutſchen
Orientbankenkonſor=
tium einen Vertrag über den Bau einer Eiſenbahn in Kleinaſien
abge=
ſchloſſen. An dieſem Vertrag iſt die deutſche Regierung jedoch nicht
beteiligt. Das Reich hat lediglich dem deutſchen Orientbankenkonſortium
gegenüber eine Garantie von 30 Millionen Mk. fibernommen.
. Brantfarler Kürsbertcht Boat 10.Banr Lect
Staatspapiere
a) Deutſche
2. Reichsanl. Ablöf=
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Sch. 1. Teil
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuldohne
Aus=
loſungsſcheine
6½% Reichsp. Sch
. 1. 10. 30....
7%Baher. Staats=
Sch. v. 1. 4. 29
6½% H. V. Sch.
v. 1. 4. 29 ..
6½% Pr. St.=Sch.
b. 1. 3. 29.
6½%0 Pr. St.=Sch.
v. 1. 10. 30 .."
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. v. 1. 7. 29
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. o. 1. 7. 30
6½%Württ. Freiſt.
Schatz. v. 1. 3. 29
b) Ausländ iſche
5% Bos. E. B. 1914
5%. 2.Inv. 1914
„ 1898
4½% „ 1902 ..
47
302.05
II. Teill302.75
17.7
97
96
96.75
3.75
5% Bulg. Taba 02/ 25.1
4½½ Oſt. Staatsr.
v.1913, Kdb.1918 3.25
4½%Oſt. Schatz. 141 25.25
4½% Oſt. Silberr.
4% „ Goldr.
4% „einh. R. (kon)
8% Port. (Spz.) III
( Türk. (Adm.)03
„(Bagd.) I
„ (Bagd.) II
„ unif. 1903/ 21.5
42 „ 1911 Boll./ 13.65
1.9
4½0 Ung. St. 1913/ 24‟
4½% „St. 1914/ 25.5
40
„ Goldr. . . 26.75
4% „ St. 10
4½ „ Kronr.
3% „ Eiſ. Tor..
Außereuro=
päiſche
5%Mex.am. in abg.
5% „ äuß. 99
42 „ Gold 04ſtf.,
3% „ konſ. inn. . .,
4½% Frrigat.,
5% Tamaulipas I.,
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10%Berl. H.=Bk. G.
Berl. St.=Gold
Darmſt. St.=G.
9. D. Hyp-=Bank
Meining. Goldpf. /100.4
8% Frk.=Gyp.=B.=
Goldpfdbr.. . . . 99
Frkf. 5.=B.-Gld. /200
2 Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.. . . . . . 100,5
9 Pfbr.=Bk.=Golt
20 Frkf. Pfdbr.=B!
Goldpfbr.
E2.5
8% H. 2bs.-Bk. Gld. /102.65
5% Rum.am. R.03
4½X Gold. 13.
am. konv.
12 „ am. 05
Sie
101.25
2n R.Elektr. M‟
Hagen) Goldobl. /102.8
K. Landesban
Darmſt., Reihe 1/z01
Reihe II/100.75
M.=Kraitböchſt! 92.75
8% Mannh. St.=G./ 99.25
% Naſſ. Ldb. Gold/104
O‟ Nbg. St. Gldal.
8% Pfälz. Hyp.Bk.
Gold=Pfdbr. .
98
80 Pforzh. St.=G./ 991).
8% Pr. Centr.=Bd.=
Cr.=Bk. Gldpfbr. 101.25
102
8% Pr. Centr.=St.=Goldpfpr. /104
82 Rh. Hhb.=Bank
Gold. Pfdbr.. . . 99.25
100.5
%Rh. St.=W. 25/150
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf..
½ Südd. B.-Cr. B.
Goldpfdbr.. . . . . 100
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyp.=Gld.
obl. mit Option/105
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyv.-Gd.. ohne Option! 95
8½ Loigtck Häffner
Goldobl.
98.5
8% Württbg. Hhp.-
Bank Goldefbr.. / 99
Ohne
Zins=
berechnung
5% Bdw. Kohl 23
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſ. Brk.=Rg. 23
5% Roggen . . 23/ 8.75
59 Pr. Kaliw. . . 6.2
5% Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. 6
Vorkricgs=Oyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Vereinsb.
Bayr. Handelsb.
Bahr. Hhp.u. Wechſ.
Berliner Hyp.=Bk.
Frkf. Hhp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hhp.=Bk...
Mecklb. Hyp.=u. Wb.
Meining. Hyp.Bk.
Nordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk. ...
Preuß.Bod.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=Cr. B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B...
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr. .
Württ. Hyp.=Bk...
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hhp.=B...
Landeskr. Caſſel".
Naſſau. Ldsb. . ..
Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4½ Galiz. Carl=
Lud..B.
5%Oſt. Sb. (L.)ſtfr.
2,6% Alte „
2,6% Neue,
5% Oſt.=Ung. 73/74
4%Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. „ 1.b.8.E.
3%Oſt. .. 9. E.
3% Oſt. .. 1885
3%Oſt. „Erg. Net
3% Raab Oedbg.8:
42 Rud. Silber
4½ Rud. (Salzke
4½% Anat., S. I
4½% Anat. S. II
4½% Anat., S. III
Salon. Monaſt.
Tehuantepec.
1
.
12
15
14
12.8
15
12.n5
9.3
4.8
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit.. . .
Bad. Bk. ..... ...
Bk. f. Brauind. . . .
Barmer Bankv.
Bay. Hyp.=Wchſ...
Berl. Handelsgeſ.
Comm.u. Privatb. .
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Bank
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk. ..
Disk.=Geſellſch. ...
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk.
Frrf. Pfdbr.=B
Gotha. Grundk
Lux. Intern.
Metallbank.
Mitteld. Crede
Pfälz. Hyp.=Bk. ..
Pr. Bd.=Credikbank
Hyp.=Akt.=Ban
Reichsbank=Ant. .
Rhein. Creditbk. . . .
Rhein=Hyp.=Bk. .
Südd. B.=Creditbk.
Südd. Disc.=Geſ...
Oſterr. Creditanſt. .
Wiener Bankverein
10½- Vergwerks=Rkt.
Bochum. Bergb.
Buderus.. ..
Dt. Luxemburg.
23.5 Eſchw. Bergwv.. . . . /136.75
19 Gelſenkirch. Bgw.
18.75 ‟ Harp. Bergb. . . . . . 1202.75
9.8 Flie Bergb. St.. .1273
„ Genußſchein. 13.
21. 25 1 Kali. Aſchersleb.
Kali. Salzdetfurth.
Kali. Weſterregln. 176
21 Klöcknerwerke . . . . 168
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder ....."
19
147.2:
153
216.5
149
173
180.5
232
163.75
140
147.5
107
162.75
164
139
151
157
192
8.75
145
215
144
121
139
142
8.9
6.8
Oberbedarf ....../ 98
Otavi=Min.=Ant..
Phönix=Bergb. . . . 126.75
Rhein. Braunk. . . . 266
Rhein. Stahlw.. . . 200
A. Riebeck Montan
Rombach. Hütte
SalzwerkHeilbronn 178
118
Tellus Bgb..
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke. 142.5
Induſtrie=Rkt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh. )/271
Henninger
1185
Hereules, Heſſiſche 148
Löwenbr.=München
Mainz. Aktienbr. . . 242
Schöfferhof(Bind.)/344
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg.
Werger .
.../183
117.5
170
1174
223.9
132:
130.5
Akkum. Berlin.
oler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleyer)
6¾E. A. G. Vzg. A. .
5%A. E. G. Vzg. B..
A. E. G. Stamm . . .
Anglo=Cont. Guano
Bab. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw
Bamag=Meguin .
Baſt Nürnberg
Bahr. Spiegel
Beck & Henkel ....
Bergmann El. . . . .
Bing. Metall.
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfbr. Erlung.
Cement. Heidelb. ..!.
Cement. Karlſtadt /186
Tement. Lothr.
Chem. Aibert.... . 144
Chem. Brockh.
Chem. Milch .....!
130
89
81.5
173.75
139
25
49
56.25
81.5
182
28
152.5
88
66
Daimler=Benz A. G.)
Dt. Eiſenhandel. ..
Deutſche Erdöl ...!
D. G. u. Silb. Scheid
Dingler, Zweibrück.
Dresd. Schnellpr.
Dürrkopp.
Dürr. Rattingen.
Dyckerhof & W. ..
Eiſenw. Kaiſersl.. .
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El. Lieferung ....!"
Elſ. Bad. Wolle".
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Eßlinger. Maſch. . .
Ettlinger Spinn..
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher.
Fahr, Pirmaſens..
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau. /
Feinmech. (Jetter) /
Feiſt, Sekt.
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Frankfurter Hof .. 1
Frkf.=M. Pok. u. W.
Geiling E Cie. ..
Germania Linol.. .
Gelſenk. Gußſt. . .
Goldſchmidt, Th...
Gotha Waggon ..
Gritzner, Maſch. . . 1
Grün & Bilfinger.
Dafenmühle, Frkft. 1
Hammerſen
Hanfw. Füſſen ..."
Hanſa=Lloyd, Br. .
Hartm. & Braun ..!
Heyligenſtaedt. . ..
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ... 4:.
Hoch=Tief Eſſen ../1
Holzmann
4.
Holzverk. Ind.
Hydrom. Breslau".
Inag ..."
51.5
61.5
77
Junghans St....
Kammg. Kaiſersl.
2 Karlruher Maſch.
Karſtadt, R.......
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn
Konſerv. Braun ..
Krw. Alt=Württbg.
Krauß, Lokom. .
Lahmeher.
Lech, Augsburg
Lederw. Rothe
Spicharz.
Lingel Schuhw.. .
Löhnberg. Mühle
Ludwigsh. Walzm.
Lüdenſcheid Metall
Lux, Induſtrie
Mainkraft Höchſt.
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Miag, Mühlenb. . . 1144
Moenus, Stamm
Motorenf. Deutz.
Motorenf. Oberurſ.
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Neckarw. Eßlingen 1144.5
Peters Union .. . . 115.5
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Rein. Gebb. &Schal/140
Rhein. Elektr.
Rhenania,Kunhe
Rütgerswerke
Schneid. & Har
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Schramm Lae
Schriftg. Stemp.. .
Schuckert, Elektr. .
Schuhf. Weſſel.
Schuhf. Herz
Schulz, Grünlack . / 40.5
Seilind. Wolff ...
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Siemens & Halske /263
Ja
190
33.21
153
138
70
*=
20
51
128
110
30
136
88.25
80
50
174
62
92.75
1104
100.5
31
180
92
Südd. Immob. ./100
Südd. Zucker=A.=G.
Thür. elektr. Lief..
Uhren Furtwängl.
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Voigt & Haeffner .1135
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Frankona Rückv.
Darmſt. Berte
Bahnbedarf.. . ..
Dampfk. Rodberg
Helvetia Konſ... ..
Gebr. Lutz.......
Motorf. Darmſt.
Gebr. Roeder ..."
VenulethckEllenb.
152.5
U.5
7.5
40
[ ← ][ ][ → ]Nummer 168
Sonntag, den 19. Juni 1927
9470
Danzigs Außenhandel im Mai. Die Einfuhr betrug im Mai d. Js.
m51528 Doppelzentner, die Ausfuhr 5027 585 Dz. Gegen den Vor=
—monat hat ſich die Einfuhr um 530 096 Dz. vermehrt, die Ausfuhr um
254 971 Dz. In erſter Linie wurde Weizen (349 430 Dz.) eingeführt.
Für die Ausfuhr kommen in der Hauptſache Kohlen (2248 860 Dz.) in
Setracht. Beſonders vermehrte ſich der Export von Melaſſe, Oel und
Werſte.
Die F. G. Farbeninduſtrie A.=G. und die Erklärungen Direktor
Wrückmenns. Wie dem W.T.B.=Handeldienſt von der Verwaltung der
. G. Farbeninduſtrie A.=G. mitgeteilt wird, ſind die Ausführungen
wes Generaldirektors Brückmann in der Generalverſammlung der A.=G.
Für Induſtrie und Technik über die Aktien der J. G. Farbeninduſtrie
E.=G. lediglich als rein perſönliche Aeußerungen aufzufaſſen und zu
werten.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 18. Juni. Das Geſchäft im
Ber=
iner Produktenhandel erfährt wiederum keinerlei Belebung, da ſich bei
ſwen niedrigeren Auslandsforderungen und der warmien Witterung das
auptintereſſe nur auf die allerdringendſten Anſchaffungen konzentriert.
Dieferungsweizen wurde zum erſten Kurs ½—1 Mark ſchwächer, auch;
Roggen, mit Ausnahme des etwas feſteren Oktober, nicht ganz
be=
ſpauptet. Meöl hat nur geringes Konſumgeſchäft. Futtermittel ohne
große Preisveränderung. Die verhältnismäßig hohen Forderungen des
Enlandes ſind nicht oder nur ſchwer zu erreichen.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 18. Juni. (Priv.=Tel.)
Weizen: Im Anfangsverkehr war die Tendenz abgeſchwächt auf
er=
mäßigte Kabel und ſchleppende Exportnachfrage. Dann trat eine
Be=
eſtigung ein auf Glattſtellungen zum Wochenende. Die Termine
ge=
wvannen bis ¾ C.
Mais: Nach ſchwächerem Beginn trat hier ebenfalls eine Befeſtigung
ſ in auf Deckungskäufe und gebeſſerte Lokopreiſe. Die Termine ſchließen
t*4 C. höher.
Hafer: Nach ſtetigem Verlauf zeigen die Termine leichte
Aufbeſſe=
grungen.
Baumwolle: Höhere Liverpooler Kabel, ungünſtige Wetterberichte
ernd ſtärkeres Auftreten des Baumwollwurmes riefen Deckungskäufe
er Wallſtreetſpekulation hervor, ſo daß die Termine bis 10 Pkt.
ge=
wannen.
Geite 21
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 145½, Sept. 143: Mais: Juli
100½, Sept. 106½½; Hafer: Juli 48½, Sept. 482/; Roggen:
Juli 1167i=, Sept. 1042/s.
Scmalz: Juli 12,75, Sept. 12,95.
Fleiſch. Rippen: Juli 12.10, Sept. 12,35: Speck 12,12;
Schweine: ſchwer 8,50—8,95, leicht 8,60—9,20; Schweinezufuhr:
Chicago 3000, Weſten 29000; Talg Ohio 77/s.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 18. Juni:
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 157½, hart 163½; Mais Nr. 2:
113½; Hafer Nr. 3: 582ſe; Roggen exp.: 1292/e; Mehl: Spring
Patent 6.90; Getreidefracht: nach England 1,9 Schilling, nach
dem Kontinent 8 Cents.
Schmalz: Mittel, Weſten 13,40.
Schweinefleiſch: Family 33.
Kſeine Wirtſchafts=Nachrichten.
Die auf den Stichtag des 15 Juni berechnete
Großhandels=
indexziffer des Statiſtiſchen Reichsamtes war gegenüber der
Vor=
woche mit 1380 (138,2) faſt unverändert.
Geheimer Juſtizrat Dr. Bernhard Schwering, der erſte
ſtellver=
tretende Vorſitzende des Reichskartellgerichts, iſt dieſer Tage im Alter
von 74 Jahren in Münſter i. W. verſchieden.
Der Termin der Frankfurter Herbſtmeſſe iſt nunmehr endgültig
auf den 18. bis 21. September feſtgelegt worden. Mit der Meſſe
ver=
bunden iſt u. a. eine Ausſtellung „Blumen und Früchte”, die in
Ge=
meinſchaft mit den in Frage kommenden Verbänden des Gartenbaues
Fruhtgroßhandels und der Konſerveninduſtrie veranſtaltet wird.
Die Verwaltung der Firma Adam Opel in Rüſſelsheim erklärt,
daß Geruchte über einen Zuſammenſchluß der Opelwerke mit den
Mitteldeutſchen Fahrradwerken (Mifa) in Sangershauſen der Unterlage
entbehren.
Wie wir erfahren, ſind die auf Veranlaſſung der Vereinigten
Stahlwerke Düſſeldorf begonnenen Vorbeſprechungen über einen
Ab=
bau der Inlandsröhrenpreiſe abgebrochen worden. Die Frage iſt auf
unbeſtimmte Zeit zurückgeſtellt. Ein Antrag auf Evmäßigung der
Röhrenpreiſe beim Röhrenverband ſelbſt hat noch niht vorgelegen, da
es ſich um unverbindliche Vorbeſprechungen der Intereſſenten handelt.
Das Rheiniſch=Weſtfäliſche Kohlenſyndikat mußte für den
laufen=
den Monat eine erneute Einſchränkung der Kofsverkaufsbeteiligung
von 60—67 Prozent vornehmen, nachdem erſt am 10. Mai rüchwirkend
per 1. April die Einſchränkung auf 60 Prozent feſtgeſetzt worden war.
Der Roheiſenverband hat den Verkauf für den Monat Juli d. J.
zut unveränderten Preiſen aufgenommen. Auch die
Zahlungsbedingun=
gen haben keine Aenderung erfahren.
Die Saargruben förderten im April 1041 558 To. Kohle gegen
1288 813 To. im März. Davon entfallen auf die ſtaatlichen Gruben
1010 623 To. und 30895 To. auf die verpachteten (Tagesförderung
49 458 gegen 49 856 To. im März). Die Vorräte nahmen um 77 646
Tonnen auf 411 202 To. zu. Die Maiförderung ſoll infolge der
Feier=
ſchichten ſtärker abgenommen haben.
Die franzöſiſche Bergberwaltung ſieht ſich gezwungen, am 20. Juni
infolge Abſatzmangels im Saarrevier wieder Feierſchichten einzulegen.
Die Bank von Danzig hat mit Wirkung vom 18. Juni d. J. ihren
Diskontſatz von 5½ auf 6 Prozent und ihren Lombardſatz von 6½ auf
7 Prozent erhöht.
Die Handelsvertragsverhandlungen zwiſchen Oeſterreich und der
Tſchechoſlwakei ſind in einer ſchwierigen Lage. Da die Gegenſätze auf
beiden Seiten beſonders auf die Haltung der Induſtrie, insbeſondere
der Textilinduſtrie, zurückzuführen ſind, wurden in den letzten Tagen
in Wien direkte Beſprechungen zwiſchen Vertretern der öſterreichiſchen
und tſchechoflowakiſcher Baumwollinduſtrie veranſtaltet, doch gelang es
nicht, eine Verſtändigung in dieſen Fragen zu erzielen.
Nach den Ermittelungen des tſche hoflowakiſchen Statiſtiſchen
Staatsamts wurden in der Tſchechoſlowakei im Mai d. J. 237
Aus=
gleichsverfahren gegenüber 192 im April angemeldet. In demſelben
Monat wurden 40 Konkurſe gegenüber 49 im April eröffnet.
In der Gegend von Prowadia hat man bei den kürzlich
vorge=
nommenen Bohrungen neue Kochſalzlager entdeckt, die nach einem
Be=
richt des polniſchen Handelsminiſteriums ungewöhnlich rein, ohne
Bei=
mengung von Magneſia und Pottaſche ſein ſollen. Nach vorläufigen
Schätzungen ſollen dieſe Vorkommen 14 Millionen Tonnen Salz
ent=
halten.
Nach den ſoeben im „Przemyſli=Handel” veröffentlichten Daten hat
Polen im Mai insgeſamt 852000 To. Kohle gegenüber 829 000 To. im
April ausgeführt; davon gingen nach Schweden 216 000 To. (232000
Tonnen im April), nach Oeſterreich 156 000 To. (144 000 To. im April),
nach Dänemark 123000 To. (93000 To. im April) uſw.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Carl
Bir=
hreneder und der Frieda Birken=
6der, Inhaber des Zirkus Geſchw.
Bir=
teneder zu Darmſtadt, wird heute, am
. Juni 1927, mittags 12 Uhr, das
KSonkursverfahren eröffnet, da die
Zah=
lungen eingeſtellt ſind.
Der Rechtsanwalt Dr. Heß in
Darm=
ſadt wird zum Konkursverwalter
er=
wannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
1S. Auguſt 1927 bei dem Gerichte
an=
zamelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten oder die
Wahl eines anderen Verwalters ſowie
über die Beſtellung eines
Gläubigeraus=
ſchuſſes und eintretenden Falls über die
imm § 132 der Konkursordnung
bezeichne=
inn Gegenſtände, auf
Montag, den 11. Juli 1927,
vormittags 9 Uhr,
umd zur Prüfung der angemeldeten
For=
derungen auf
Mittwoch, den 24. Auguſt 1927,
vormittags 9 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer
Yr. 226, Termin anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Kon=
karsmaſſe gehörige Sache in Beſitz haben
vſoer zur Konkursmaſſe etwas ſchuldi
ſund, wird aufgegeben, nichts an den
Gemeinſchuldner zu verabfolgen oder zu
lekſten, auch die Verpflichtung auferlegt,
vien dem Beſitze der Sache und von den
Forderungen, für welche ſie aus der
emche abgeſonderte Befriedigung in An= Saulſchwdhaung
ſpruch nehmen, dem Konkursverwalter
b5 zum 15. Auguſt 1927 Anzeige zu
machen.
Darmſtadt, den 15. Juni 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bismarckſtr. 100,
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ſollen für die Dauer eines Jahres
ver=
giben werden. Bedingungen können vor
mrttags auf dem Geſchäftszimmer der
ßhächenverwaltung, ehemalige 6ler
Ka=
ſenne, eingeſehen werden. Angebote ſind
ſpäiteſtens zum 25. ds. Mts. einzu
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Kh chenverwaltung der Bereitſchaftspolizei.
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Poſtinſp., Erbach
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Mahnung.
Bis ſpäteſtens 24. Juni 1927 ſind
an die Finanzkaſſe Darmſtadt=Stadt, Alex=
„derſtraße 22 dahier, bei Meidung der
Bü itreibung zu zahlen die
Vorauszah=
unigen auf Landesſteuern 1927 1. Ziel,
ällig geweſen am 25. April 1927. (9980
Darmſtadt, den 17. Juni 1927.
Finanzamt Darmſtadt=Stadt.
Deltauf don Fchſennlen.
Die Gemeinde Eberſtadt hat einen
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ſiwtern. Angebote auf Lebendgewich
vurden bis Donnerstag, den 23. ds.
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Eberſtadt, den 17. Juni 1927.
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Haben=Zinsſätze
a) in proviſionsfreier Rechnung auf 4
o p. a.
b)in proviſionspflichtiger Rechnung auf 41/ p. a.
und zwar mit Wirkung vom 14. ds Mts. ab und b. a. W.
feſtzuſetzen
Die für Gelder auf längere Zeit (mindeſtens 14 Tage
feſi) gültigen Sätze, die ebenfalls erhöht wurden, ſind an
unſeren Schaltern zu erfahren.
Darmſtadt, den 18. Juni 1927.
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Seite 22
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 168
Sonntag, den 19. Juni 1927
Seite 23
45)
Chriſtine Berthold.
Roman von Emma Nuß.
(Nachdruck verboten)
Allmählich ſchwieg auch ſie und preßte Chriſtinens Arm
zärt=
lich an ſich. Dieſe brachte ihr ein Herz voll innigſter Liebe
ent=
gegen. Das wußte ſie ſeit ihrer früheſten Kindheit und empfand
es in dieſer Minute als ein köſtlich wohltuendes Geſchenk des
Himmels.
Die Teeſtunde verlief wieder in allgemein heiterer
Stim=
mung, doch vermied es Werner Krüß, Chriſtine auch nur ein
einziges Mal anzublicken. Als ſie ſich jedoch nach einer Weile
erhob, um ſich zu verabſchieden, da ſtand auch er auf und ſagte:
„Wenn Sie geſtatten, begleite ich Sie ein Stückchen, Fräulein
Berthold. Wir haben ja denſelben Weg, wenn Sie nach der
in=
neren Stadt gehen.”
Chriſtine ſah verblüfft auf, doch unter ſeinem zwingenden
Blick brachte ſie keine Autsflüchte über die Lippen.
Enttäuſcht rief aber Suſi: „Wie, Sie wollen auch ſchon
gehen, Werner?”
„Wenn ich mit dem großen Urteil, das ich für die morgige
Sitzung noch zu bauen habe, bis zu Ihrem Erſcheinen heute
abend fertig werden ſoll, darf ich allerdings nicht mehr länger
ſäumen,” lächelte er ſie wie ein troſtbedürftiges Kind an.
„Ach, Onkel, wir gehen heute abend zum Hummereſſen?”
jubelte ſie vor lauter Glück, Werner ſo bald wieder zu ſehen.
Voller Herzlichkeit nahm ſie Abſchied von Chriſtine und
for=
derte dieſe auf, ja recht bald und oft wieder zu kommen.
Und Chriſtine verließ beglückt das Haus, in dem ſie ſo gut
atfgenommen worden, und darinnen ihre Suſi, ihre liebſte
Jugendfreundin lebte. Mit einer ihr ganz fremden Zärtlichkeit
dachte ſie an das blonde, anmutige Geſchöpf, als Werner Krüß
an ihrer Seite jetzt ſtunm die Elbchauſſee entlang ging. Doch
bald begann er mit ruhiger Stimme: „So, Fräulein Berthold,
num können wir unſer Geſpräch von vorhin im Garten beendigen.
Sie blieben ja mitten im Satze ſtecken.”
„Ach, es war ſicher nicht ſo wichtig, was ich ſagen wollte,
daß es ſich lohnte, noch einmal davon zu ſprechen,” meinte
Chri=
ſtime etwas befangen.
„Und wenn es wir nun doch ſo wwichtig wäre — würden
Sie dann den Satz auch jetzt noch in demſelben Simne zu Ende
führen?”
„Es hat ſich ja inzwiſchen nichts ereignet, Herr Aſſeſſor, das
weine Meinung über dieſen Punkt hätte beeinfluſſen können.”
„So halten Sie mich alſo für einen jener traurigen Burſchen,
der den Menſchen als mindewwertig anſieht, der gelernt hat, zu
arbeiten und auf eigenen Füßen zu ſtehen?”
Scharf klangen ſeine Worte, ſo daß Chriſtine überraſcht
ſtehen blieb.
„Ich wollte Sie gewiß nicht kränken, Herr Krüß. Doch ich
kenne aus Ihren Kreiſen nur dieſe eine Behandlungsweiſe und
bitte Sie um Verzeihung, wenn ich Ihnen unrecht getan habe.
Ich ſah aber bisher nur da Achtung und Anerkennung, wo gewiß
nebſt vielem Lobenswerten vor allem jedoch der wohlgefüllte
Geldbeutel ſeinen Glorienſchein um den Menſchen wob. Sie
ſtreckte ihm frei die Hand hin, die er ergriff und an die Lipepn
führte. Erſchrocken wollte ſie die Hand zurückziehen. Es war
das erſte Mal, daß ein Herr ihr die Hand geküßt hatte.
Doch er ſchiein dieſe Abwehr nicht zu bemerken und ſagte
nun: „Es klingt ungemein traurig, was Sie da ſagen.
Beſon=
ders, wenn es eine junge Dame in Ihrem Alter ausſpricht. Wie
gerne möchte ich Sie eines Beſſeren über unſere Kreiſe belehren!
Sie ſollten doch mit einem wahren Heißhunger verſuchen, Ihre
Jugend zu genießen.”
Voller Entſetzen ſtarrte ihn da Chriſtine an. Dieſe ſelben
Worte hatte ihr ſchon einmal jemand geſagt, daß ſie tagelang
wie unter einer rohen, körperlichen Mißhandlung darunter
ge=
litten hatte. Und Döhlens Bild ſtieg vor ihren Augen auf, ſo
daß ſie kalt fragte: Wie ſtellen Sie ſich denn das vor mit dem
Genießen meiner Jugend, Herr Krüß?”
Er hörte den ſchneidenden Ton in ihrer Frage und
ver=
ſtand ihn nicht.
„Es gibt dafür wohl kein beſtimmtes Rezept,” ſagte er.
„Aber haben Sie nie ſelbſt das Bedürfnis, auch wie andere
junge Damen Ihres Alters in einem fröhlichen Kreiſe vergnügt
zu ſein?”
„Und wenn ich es hätte? Was könnte das für ein Kreis
ſein?” fragte ſie etwas verſöhnlicher, als ſie in ſein offenes
Geſicht blickte. „Ich gehöre keinerlei Kreiſen an. Es blieben
nur meine Kollegen und Kolleginnen. Doch die haben wohl
alle eine fröhlichere, kindlichere Jugend gehabt als ich. Sie
konnten doch faſt alle Vater und Mutter ſagen. Oder,” fuhr
ſie fort, „ich bin zu ſchwerfällig für ihre gewiß harmloſen
Ver=
gnügungen, von denen ſie ſoviel ſprechen. Wie ich das oft
be=
dauere! — Na, und der Oberbürgermeiſter von Hamburg wird
mich wohl nicht in ſeine Kreiſe ziehen,” ſchloß ſie mit einem
Verſuch, zu ſcherzen.
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„Wie einſam und traurig muß Ihre Jugend doch ſein!“
Er blickte ſie ſo innig und ſo voll heißen Mitleids an, daß ihr
Geſicht ſich mit einer leichten Röte bedeckte und ſie verwirrt
die Augen zu Boden ſenkte.
Sie waren bis zum Altonger Rathaus gelangt und gingen
eben durch eine ſchmale Allee der gänzlich menſchenleeren
An=
lagen, als Chriſtine am Ausgang derſelben ſtehen blieb und auf
die Halteſtelle der Straßenbahn vor ſich wies: „Ich werde von
hier aus fahren, Herr Krüß.”
Freundlich bot ſie ihm die Hand, die er wieder an die
Lip=
pen zog. „Leben Sie wohl, Fräulein Berthold,” ſagte er und
ſah ihr mit einem ſo glücklichen Aufleuchten in die erſchrockenen
Augen, daß ſie die Lider darüber ſenkte, und doch in ihrem
Herzen eine ſeltſam weiche, freudige Empfindung verſpürte.
Ihr war mit einem Male zu Mute, als fiele alle Schwere des
Lebens von ihr ab, als wüchſen ihrer Seele Flügel, die ſie in
ein Wunderland von ungeahnter Schönheit und Glückſeligkeit
trügen.
Dann ſchieden ſie, und ſein Blick folgte ihr in
heißauf=
wallender Zärtlichkeit, um den Suſi — hätte er ihr gegolten —
Jahre ihres Lebens freudig dahingegeben hätte.
13. Kapitel.
Von nun an begann für Chriftine ein neues, ungeahnt
ſchönes Leben. Ihre Freundſchaft mit Suſi erſchien ihr wie ein
ſeltenes Kleinod, das ihr unerwartet in den Schoß gefallen war.
Und auch Suſi empfand eine innige Zuneigung für die
Freundin, deren ruhige, ſtarke Perſönlichkeit großen Einfluß
auf ſie hatte. Chriſtine war auch der einzige Menſch, der ſie
ernſt zu nehmen ſchien. Mit ihren übrigen Freundinnen
ver=
banden ſie nur rein geſellſchaftliche Intereſſen; der Onkel
ber=
hätſchelte ſie wie ein verwöhntes Kind, die Bekannten
wett=
eiferten mit ihm darin, und Werner Krüß — —? Der hatte
ſtets nur gutmütigen Spott für ſie und all ihr Tun. Darum
glaubte ſie ihn manchmal zu haſſen, ſtampfte in ſeiner
Gegen=
wart zornig mit dem Fuße auf, wenn jedes ernſte Wort von
ihr ein wohlwollend entſchuldigendes Lächeln bei ihm
her=
vorrief, und ſehnte ſich nur um ſo mehr nach ſeiner Gegenwart,
wenn er nur kaum das Haus verlaſſen hatte. So erſchien ihr
Chriſtine als willkommene Ablenkung in ihrem ohnmächtigen
Ringen um den Geliebten. Mit ihr kam ein ganz neuer, ihr
fremder Intereſſenkreis in Suſis Daſein.
Sie beſuchte die Freundin in ihrer beſcheiden möblierten
Stube bei Frau Tweſten, ſie fing an, dieſe Stube umzumodelg,
brachte Bilder und Kiſſen und allerhand kleine
Luxusgegen=
ſtände, während Chriſtine ahnungslos im Geſchäft an ihrer
Arbeit ſaß. Als ſie dann nach Hauſe kam und dieſe glanzvolle
Veränderung bemerkte, blieb ſie überraſcht auf der Schwelle
ſtehen und rief dann laut lachend: „Frau Tweſten, Sie wöllen
mich wohl in der Miete ſteigern, oder haben Sie das große
Los gewonnen, daß Sie mich hier wie ein verwöhntes
Prinzeſß=
chen in weiche, ſeidene Kiſſen ſetzen wollen?” (Fortſ. folgt.)
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[ ← ][ ]Seite 24
Sonntag, den 19 Juni 1927
Nummer 168
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Darmſtädter Keglerverband
Bitte
Derſenige Kegelbruder, der am 28. Mai
Samstags nach dem Preiskegeln im
Bürger=
verein — den Blumenſtänder abgeholt, ha
wird freundlichſt gebeten, denſelben an Haus
meiſter Keſter, Saalbauſir. 67, zurückzugeben,
da eine Verwechſelung vorliegt.
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Der Vorſiand
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Wilden und Gebildeten
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Lichtbilder=Vortrag
des Afrikamiſſionars P. Marcellinus Bruno, R. M. M.
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Hierdurch laden wir unſere Mitglieder
zu der am Dienstag, den 28. Juni 1927,
nachmittags 6h c. t., im Muſikzimmer des
Studentenheimes, Alexanderſtraße 22
ſtatt=
findenden diesjährigen
Mitglieder=Verſammlung
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Tagesordnung:
1. Bericht über das letzte Geſchäftsjahr.
2. Entlaſtung des Vorſtandes.
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Handlung in 3 Aufzügen
Muſikaliſcher Leiter: Mag Hüsgen
InSzene geſetzt v. Hans=EsdrasMutzenbeche
Bühnenbild: Arthur Pohl
Perſonen:
„. Gotthelf Piſtor
Siegfried".
Mime
Eugen Vogt
Der Wanderer
Johs. Biſchoff
Alberich .
.. . . Heinrich Kuhn
Fafner
. . Heinrich Hölzli
Erda
.. Martha Liebel
.. . . Ch. Maſſenburg
Brünnhilde
Die Stimme des
Wald=
vogels . . . . . . . . . Joh. Buchheinn
Schauplatz der Handlung: Erſter Aufzug—
Eine Felſenhöhle im Walde. Zweitem
Aufzug: Tiefer Wald. Dritter Aufzug2
Wilde Gegend am Fuße eines Felsberges
dann; aufdem Gipſeldes Brünnhildenſteir
Spielwart Fritz Wilde
Preiſe der Plätze 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerrau
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſ.
Nach dem 1. Aufzug findet eine Pauſe
von 15 Minuten, nach dem 2. AufzuS
eine Pauſe von 20 Minuten ſtatt.
Ende 10 Uh=
Anfang 5½ Uhr
A 24. Dienstag, den 21 Juni 1927, abenb
7½Uhr. Der Troubadour. Preiſe 1—1092
E 26. Mittwoch, den 22. Juni 1927, aben
7 Uhr. Figaros Hochzeit. Preiſe 1—109é
C 24 Donnerstag, den 23. Juni 1927, abd.
7 Uhr, Nathan der Weiſe, Preiſe 2
Plätze 1—10 Mk
Sommerſpielzeit 1927 im Kleinen 5a41
(Leitung: Direktor Adalbert Steffter)
Eröffnungs=Vorſtellung
Samstag, den 25. Juni 1927, abends 8u-5
Gaſtſpiel Erik Wirl
Die Roſe von Stambul
Der Berkauf der Tageskarten beginn.
Mittwoch, den 22. Juni.
Sanator, Dr. Möller, Dresden-Loschwit
Diät-, Schroth-, Fastenkuren
Gr. Hellerfolge — Broschüre fſ.