Einzelnummer 15 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai 1927.
190. Jahrgang
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jede Verpſlichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto: Deutſche Bani und
Darm=
ſtſdter und Natlonalbank.
Vor dem Abbruch der
diplomatiſchen Beziehungen?
In Erwartung der engliſchen Antwort an Rußland.
London, 21. Mai.
Die Entwicklung der ruſſiſch=engliſchen Spannung beanſprucht
nach wie vor das geſamte Intereſſe der britiſchen Oeffentlichkeit.
Heute verkündet die „Daily Mail” in beſonderer Aufmachung, ein
vollſtändiger Bruch der Beziehungen zwiſchen
Großbritannien und Rußland werde vom Kabinett
jetzt für unvermeidlich angeſehen. In gut unterrichteten
Kreiſen zweifelt man nicht, daß die engliſche Note an Rußland
in der kommenden Woche der bolſchewiſtiſchen Regierung
mit=
teilen werde, daß infolge der Enthüllungen in den Dokumenten,
die während der Durchſuchung im Arcos=Gebäude beſchlagnahmt
wurden, das Handelsgbkommen beendet und die diplomatiſchen
Beziehungen gelöſt ſeien. Die Veröffentlichung der
Note erwartet man am Dienstag nachmittag. Es
be=
ſtehe kein Zweifel darüber, daß die engliſche Regierung
im Beſitze ſicherer Beweiſe ſei, daß in
Groß=
britannien eine vollſtändige Organiſation mit
der Sowjetgeſandtſchaft als Spitze beſtehe,
deren Ziel der Umſturz der britiſchen
Verfaſ=
ſungſei. Es heißt auch, daß die Polizei bei der Durchſuchung
entgegen allen anders lautenden Nachrichten ein äußerſt
wich=
tiges Dokument gefunden habe.
Der engliſche Generalkonful in Konſtantinopel hat alle im
Schwarzen Meer befindlichen engliſchen Fahrzeuge über die
Mög=
lichkeit eines Abbruches der engliſch=ruſſiſchen Beziehungen
ver=
ſtändigt. Nach Erhalt einer beſtimmten Radiobotſchaft dürfen in
keinen Häfen mehr engliſche Schiffe anlaufen oder müſſen
die=
ſelben mit größter Geſchwindigkeit verlaſſen.
Umſchwung in der Stellungnahme
Chamber=
lains gegenüber Rußland.
Der „Mancheſter Guardian” meldet, daß gewiſſe in den Arcos=
Büros beſchlagnahmte Dokumente eine ſolche Bedeutung beſäßen,
daß geſtern der Verteidigungsrat des britiſchen Reiches
zuſam=
mengetreten ſei, um von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen.
„Evening Standard” berichtet dagegen, der Inhalt der
Doku=
mente ſei bereits ſeit längerer Zeit im Foreign Office bekannt
geweſen, und es ſei zweifelhaft, ob Balfour oder Lord Robert
Cecil alle auf den etwaigen Abbruch der Handelsbeziehungen
mit Rußland hinzielenden Beſchlüſſe der Regierung gutheißen
würden. Wenn die Regierung auch berechtigt ſei, beſondere
Maß=
nahmen gegen Rußland zu ergreifen, ſo müſſe man doch feſtſtellen,
daß allzu energiſche Maßnahmen ſchlecht zu der Harmonie des
Locarnogeiſtes paſſen würden. Es ſei jedoch wahrſcheinlich, daß
die Haltung der für einen Abbruch mit Rußland eintretenden
Miniſter beeinflußt worden ſei durch den Umſchwung in der
Stellungnahme Chamberlains, der jetzt der Anſicht ſei, ein
ſolcher Bruch ſei nicht nur unvermeidlich, ſondern auch unbedingt
notwendig.
Für und gegen einen Bruch mit Rußland.
Angeſichts der in London vielfach erwähnten Möglichkeiten
eines Bruches zwiſchen England und Rußland haben ſich ſowohl
innerhalb der Kreiſe der Finanz als auch insbeſondere ſeitens
der Induſtrie eine Reihe von Stimmen dagegen bemerkbar
ge=
macht. In den Kreiſen der Metallinduſtrie wird zum Ausdruck
gebracht, daß viele Angeſtellte durch die rüſſiſchen Aufträge in
der Arbeit gehalten werden und daß durch einen etwaigen Bruch
oder ſelbſt durch eine Verſchärfung in den Beziehungen die
Mög=
lichkeit für Kredite für Rußland abgeſchnitten ſei. Das
anglo=
ruſſiſche tarlamentariſche Komitee, dem eine große Anzahl
eng=
liſcher Firmen angehören, erläßt eine neue Meinungsäußerung
in dem gleichen Sinne. Auch ſeitens der Genoſſenſchaftsvereine
ſowie ſeitens der unabhängigen Arbeiterpartei ſind Proteſte laut
geworden. Lord Beaverbrook bringt zu der Lage einen längeren
Artikel in ſeinem „Daily Expreß”. In dieſem ſagt er, es mag
wohl einmal die Zeit kommen, wo der Abbruch der Beziehungen
ſtattfinden muß, aber der jetzige Augenblick iſt dazu nicht günſtig.
Es werfe ſich die Frage auf, wer in dieſem Falle mehr leiden
würde, ob Rußland oder der engliſche Fabrikant.
Dem ſtehen zahlreiche andere Berichte gegenüber, wonach
innerhalb der Konſervativen Partei und auch innerhalb des
Kabinetts ſtarke Strömungen beſtehen, es zu einem Abbruch
kommen zu laſſen. Am weiteſten geht dabei die „Daily Mail”,
welche einen neuen Propagandafeldzug gegen Sowjetrußland und
damit beginnt, daß ſie an alle kleinen Verkäufer von
Automobil=
benzin Schilder folgenden Inhalts verteilen läßt: „Hier wird
kein Sowjet=Petroleum verkauft.‟ Die tatſächliche Lage ſcheint
jedoch die zu ſein, daß ſich das Kabinett zunächſt auf eine
ener=
giſche Note gegen Rußland beſchränken wird. Eine endgültige
Entſcheidung iſt jedoch noch nicht gefallen. Die Schwierigkeiten
liegen anſcheinend hauptſächlich darin, wie weit der
Innen=
miniſter in ſeinen Erklärungen im Unterhaus gehen kann und
darf, ohne die Stellung der Regierung dadurch ſchwvieris zu
machen.
kafntſce Srumang.
Einigung in Genf.
Annahme der Ruſſen=Reſolution.
* Genf, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Heute mittag iſt im Koordinationskomitee auf Grund einer
von dem amerikaniſchen Delegierten Boyden gefundenen
For=
mulierung eine von uns als bevorſtehend angekündigte Einigung
mit der ruſſiſchen Delegation zuſtande gekommen, wobei, wie ſich
aus der Formel ergibt, ſowohl die bisher widerſtrebenden
Mit=
glieder der Weltwirtſchaftskonferenz ſtarke Konzeſſionen gemacht
haben, wie guch die Mitglieder der ruſſiſchen Delegation ziemlich
weitgehend entgegengekommen ſind. Die Formel, auf welcher
die Einigung erfolgte, iſt durch Vermittlungsbemühungen einer
Reihe von Debegierten, und übrigens auch unter Anteilnahme
der engliſchen Delegierten an den Vermittlungsverſuchen zuſtande
gekommen. Sie lqutet in der vom Koordinationskomitee der
Wirtſchaftskonferenz angenommenen Form folgendermaßen:
„Die Konferenz erbennt die Bedeutung der Geſundung des
Welthandels an, erklärt ſich unbedingt gegen jede Vermiſchung
politiſcher Fragen mit dieſer Frage und betrachtet die Teilnahme
der Mitglieder aller an der Konferenz anweſenden Staaten ohne
Rückſicht auf ihre verſchiedenen Wirtſchaftsſyſtewe als ein
erfreu=
liches Anzeichen für eine friedliche Zuſammenarbeit aller
Na=
tionen auf dem Gebiete des Handels. Es iſt zu bemerken, daß
die ruſſiſchen Delegierten für die Reſolutionen a. b, c und d
ge=
ſtimmt haben, daß aber die übrigen Reſolutionen für die Union
der ſozialiſtiſchen Sowjetrepubliken keine Geltung haben."
Die Bedeutung der heute erzielten Einigung zwiſchen der
ruſſiſchen Delegation und der Weltwirtſchaftskonferenz, die in
der mitgeteilten Reſolution zum Handelsproblem zum Ausdruck
kommt, darf nicht deshalb unterſchätzt werden, weil ihr vorher
eine teilweiſe übertriebene Bedeutung beigelegt wurde. Daß die
Moskauer Delegierten viel nachgegeben haben, iſt ſicher, aber
ebenſo haben auch beſonders die franzöſiſchen und die
Randſtaa=
ten=Delegierten erhebliche Konzeſſionen gemacht. Man kann
ſagen, daß in der Sache die Ruſſen geſiegt haben und
in der Form die anderen. Tatſächlich iſt keine
eigentliche Empfehlung der friedlichen
Zuſam=
menarbeit ausgeſprochen worden, aber der
ganze Wortlaut drückt ziemlich deutlich die
Be=
friedigung über das „erfreuliche Vorzeichen” der
Zuſammenarbeit aus, als daß eine Enttäuſchung
dar=
über beſtehen könnte, daß es ſich um eine Empfehlung handelt.
Daß man ſtatt, wie es die Ruſſen wollten, auf die Beſonderheit
des ſowjetruſſiſchen Wirtſchaftsſyſtems hinwies, ſich mit einer
allgemeinen Betonung der Verſchiedenheiten der
Wirtſchafts=
ſyſteme begnügt hat, konnte den Ruſſen ebenſowenig genügen,
wie es im Grunde nicht eine Anerkennung des franzöſiſchen
Standpunktes iſt, wonach das ſowjetruſſiſche Wirtſchaftsſyſtem
von den weſteuropäiſchen gar nicht verſchieden, ſondern nur
anders etikettiert ſei. Die Einigung wird in allen
Konferenz=
kreiſen, auch in engliſchen, mit großer Genugtuung aufgenommen.
Die Vollſitzung der Wirtſchaftskonferenz,
die geſtern plötzlich für heute, Samstag, nachmittag einberufen
wurde, hat zu abenteuerlichen Gerüchten Anlaß gegeben, während
die Wahrheit ſehr einfach iſt: heute nachmittag ſollen die
Be=
richte der Berichterſtatter der drei Kommiſſionen der Konferenz,
nämlich 1. für Haudel, 2. für Induſtrie und 3. für
Landwirt=
ſchaft von der Konferenz angehört ſowie die Entſchließungen
dieſer drei Kommiſſionen angenommen werden. Dagegen
be=
treibt der frühere engliſche Handelsminiſter Runciman eine
Zu=
ſammenkunft der Handelsminiſter einer Reihe von Regierungen
in Genf, in der die Reſolution der Weltwirtſchaftskonferenz in
die Tat umgeſetzt werden ſoll. Dieſe Bemühungen Runcimans
ſtoßen nun aber auf große Schwierigkeiten nicht nur in
franzö=
ſiſchen, ſondern auch in italieniſchen und anderm
Konferenz=
kreiſen, da dort ziemlich allgemein erklärt wird, die Regierungen
würden die Beſchlüſſe der Wirtſchaftskonferenz erſt genau prüfen
müſſen, bevor von irgend einer neuen Zuſammenkunft überhaupt
die Rede ſein könne.
Am Schluß der heutigen Nachmittagsſitzung der
Weltwirt=
ſchaftskonferenz fanden die Abſtimmungen über die Berichte der
drei Kommiſſionen für Handel, Induſtrie und Landwirtſchaft
ſtatt. Alle drei Berichte wurden mit allen Stimmen gegen die der
Ruſſen angenommen.
Bei der Abſtimmung über den Bericht der Induſtrie=
Kommiſſion enthielten ſich wegen der Reſolution über die
Kartell=
frage mehrere Vertreter der Amſterdamer Gewerkſchafts=
Juter=
nationale, u. a. Jouhaux=Frankreich, Mertens=Belgien und
Tayerle=Tſchechoſlowakei der Stimme, während der deutſche
Gewerkſchaftsführer Eggert für den Bericht mit der Mehrheit
ſtimmte.
Die nächſte Sitzung der Weltwirtſchafts=Konferenz findet
Montag vormittag 10 Uhr ſtatt. In ihr werden zunächſt die zu
den verſchiedenen Reſolutionen vorliegenden Anträge, alſo auch
die vereinbarte Einigungsformel mit den Ruſſen, zur
Abſtim=
mung gelangen. Nach Annahme dieſer Einigungsformel werden
ſich die ruſſiſchen Delegierten bei der folgenden
Geſamtabſtim=
mung der Srimme enthalten, damit die einſtimmige Annahme der
Reſolutionen ermöglicht wird,
Die Woche.
Mit allem Pomp und höfiſchem Zeremoniell, das uns an
vergangene Zeiten erinnert, iſt Frankreichs Präſident in London
empfangen, und in tönenden Tiſchreden iſt die engliſch=
franzö=
ſiſche Freundſchaft gefeiert worden. Ein Jahr liegt es gerade
zurück, daß dieſer Staatsbeſuch geplant wurde, und wenn man
ihn, den oft hinausgeſchobenen, gerade jetzt zur Ausführung
brachte, ſo betont dieſe Tatſache vielleicht beſonders den politiſchen
Charakter mehr noch als die Tatſache, daß Herr Doumergue von
Briand begleitet war. Der franzöſiſche Präſident darf ſich ja
nach der franzöſiſchen Verfaſſung nur in Begleitung ſeines
Außenminiſters ins Ausland begeben. Es iſt etwa zwei Monate
her, daß jene Gerüchte auftauchten von einer neuen Entente
cordiale zwiſchen England und Frankreich, und damals ſprach
man ja bekanntlich auch davon, daß die Vereinigten Staaten
von Amerika der Dritte im Bunde ſein ſollten. Daß dieſe
Ge=
rüchte rein äußerlich dadurch an Wahrſcheinlichkeit gewannen,
daß faſt gleichzeitig die Ausführung des lange geplanten
Be=
ſuches Doumergues in London in Ausſicht geſtellt wurde, liegt
auf der Hand. An innerer Wahrſcheinlichkeit gewannen ſie
jedoch dadurch nicht. Unſtreitig iſt die politiſche Situation
zur=
zeit recht verwickelt und auch nach den Londoner Feſtbanketten
iſt ſie nicht durchſichtiger geworden.
Für die Londoner Staatsmänner ſteht, faſt möchte man ſagen
ſelbſtverſtändlich, die Entwicklung der Dinge in China im
Vor=
dergrund. Gewaltige wirtſchaftliche Intereſſen ſind es, um die
es ſich hier handelt — es ſind ja nicht nur die engliſchen
Spinne=
reien, die durch den chineſiſchen Boykott engliſcher Waren aufs
ſchwerſte getroffen wurden —, zum anderen aber, und das dürfte
in dieſem Falle noch wichtiger ſein, ſind es politiſche
Lebens=
intereſſen des britiſchen Imperiums, die durch das Eingreifen
der Ruſſen in die chineſiſchen Wirren gefährdet wurden. Schon
viele Monate zurück liegen daher die erſten Verſuche
Chamber=
lains, eine Einheitsfront gegen den gefährlichen Feind Englands
zuſtande zu bringen. Man hatte nicht viel Glück zunächſt mit
dieſen Verſuchen, und zwar insbeſondere nicht bei den
Fran=
zoſen, und auch das war durchaus verſtändlich. Nicht nur, daß
die franzöſiſche Politik damals aus den verſchiedenſten Gründen
beſtrebt war, mit den Ruſſen in ein einigermaßen erträgliches
Verhältnis zu kommen, auch Frankreich iſt eine große
Kolonial=
macht geworden, und ſo fürchtete man in Paris vielleicht nicht ſo
ganz mit Unrecht, daß ein aktives Eingreifen in China unter
Umſtänden recht unangenehme Folgen für die ſich außerordentlich
gut rentierenden franzöſiſchen Unternehmungen in Indochina
haben könnte. Schon damals aber wieſen wir darauf hin, daß
England gewiſſe Möglichkeiten habe, auf den alten Alliierten von
1914 einen ſanften Druck auszuüben, und das iſt in der
Zwiſchen=
zeit reichlich geſchehen. Man hat in Warſchau und Riga den
franzöſiſchen Freund einigermaßen aus dem Sattel gehoben, man
hat im Süden Italien gegen den franzöſiſchen Einfluß am
Bal=
kan mobil gemacht, und man hat auch in Nordafrika die
Inter=
eſſen Frankreichs nicht gerade gefördert. So hat man nach und
nach Paris ſturmreif gemacht, wobei die engliſche Politik
zwei=
fellos noch durch die innerpolitiſche Entwicklung in Frankreich
unterſtützt wurde.
Der franzöſiſche Franc iſt zwar noch nicht endgültig, aber
jedenfalls doch faktiſch ſtabiliſiert — inwieweit mit freundlicher
Unterſtützung des engliſchen Pfunds, mag an dieſer Stelle
un=
erörtert bleiben — und Herr Poincaré iſt der Mann des Tages.
Der Vater des Ruhrkrieges hat den Mann von Locarno erſetzt,
und je ſtärker die innerpolitiſche Stellung Poincarés wird, um ſo
ausgeſprochener greift er auch in die Außenpolitik ein. Dabei
empfindet man es in London offenſichtlich ſehr angenehm, daß
der franzöſiſche Miniſterpräſident zunächſt außerordentlich
vor=
ſichtig zu Werke ging und ſo wenigſtens für die engliſche
Oeffent=
lichkeit das Odium der Sabotage der Politik von Locarno nicht
allzu ſtark auf ſich zog. An Locarno aber hat man zurzeit in
London nicht allzu viel Intereſſe, ſo lange man in Berlin den
engliſchen Verſuchen, auch das Deutſche Reich in die antiruſſiſche
Front einzugliedern, hartnäckigen Widerſtand entgegenſetzt. So
kam Herr Doumergue nach London, und wenn ihm die
verſchie=
denen Feſtreden und Bankette Zeit dazu gelaſſen hätten, hätte er
die beſte Gelegenheit gehabt, ſich auch perſönlich die geſprengten
Safes in den Gebäuden der ruſſiſchen Arcos=Geſellſchaft
anzu=
ſehen. Wenn früher die Engländer gern fremde Staatsbeſucher an
der endloſen Reihe der in Parade aufgeſtellten engliſchen
Kriegs=
flotte vorbeifahren ließen, ſo hatte man ſich diesmal eine neue und
zeitgemäßere Senſation ausgedacht. Unter Außerachtlaſſung
jeg=
licher Höflichkeitsformen ließ man die engliſche Polizei in den
Bereich der ruſſiſchen Handelsdelegation eindringen, angeblich
auf der Suche nach einem geſtohlenen wichtigen Dokument,
tat=
ſächlich jedoch wohl nur, um der Welt und insbeſondere den
fran=
zöſiſchen Freunden einmal ad oeulos zu demonſtrieren, wie wenig
man ſich in London noch aus ruſſiſchen Proteſten macht.
Tat=
ſächlich, das ſteht außer allem Zweifel, eine Provokation der
Ruſſen, wie ſie ſtärker nicht gedacht werden kann, und es iſt
bemerkenswert, daß die Moskauer Proteſtnote diesmal unter
Berückſichtigung der ganzen Verhältniſſe außerordentlich zahm
ausgefallen iſt, während es doch ſonſt Herr Tſchitſcherin ſehr
wohl verſteht, derartige Schriftſtücke durch Robuſtheit des Tones
intereſſant zu geſtalten. Man hat offenbar in Moskau aus den
Fehlſchlägen der letzten Monate gelernt und begnügt ſich vorerſt
damit, die Fauſt in der Taſche zu ballen. In Genf ſitzen ja noch
die ruſſiſchen Vertreter am grünen Tiſch der
Weltwirtſchafts=
konferenz, wo ſie vielleicht die Hoffnung noch nicht ganz
aufge=
geben haben, außer der Erinnerung an zum Teil recht intereſſante
Reden auch etwas Greifbares mit nach Hauſe zu nehmen. Dabei
iſt vielleicht die Feſtſtellung nicht ohne Intereſſe, daß ſich in Genf
ſo etwas wie eine leichte ruſſiſch=amerikaniſche Annäherung
an=
zubahnen ſcheint, die vielleicht in gewiſſem Zuſammenhang ſteht
mit der engliſchen Haltung in China und andererſeits vielleicht
auch mit den engliſchen Verſuchen, das ſeinerzeit getroffene
engliſch=amerikaniſche Schuldenabkommen einer Reviſion zu
unterziehen.
Das praktiſche Ergebnis des franzöſiſchen Beſuches in
Toll=
don läßt ſich bis zur Stunde noch kaum überſehen, und
insbe=
ſondere die Aeußerungen Briands, die, wenn auch mit anderen
Worten, doch nur mehr oder weniger den Inhalt der amtlichen
Communiques wiedergeben, können eine Aufklärung nicht geben.
Für uns iſt das inſofern nicht angenehm, weil ja auch deutſche
Intereſſen mit im Spiele ſind. Daß in London auch über die
Räumung der beſetzten Gebiete verhandelt werden ſollte, ſtand
von vornherein feſt. Daß dieſe Verhandlungen ein für uns
gün=
ſtiges oder auch nur tragbares Ergebnis zeitigen würden, war
von vornherein ſehr zweifelhaft. Herr Briand hat ſicherlich ſehr
wenig Luſt, ſeine ohnehin nicht ſehr ſtarke Stellung durch die
Zurückziehung der franzöſiſchen Truppen aus dem Rheinland
noch weiter zu ſchwächen, die ja nicht nur für die franzöſiſchen
Militärs, ſondern auch für die geſamte franzöſiſche Rechte etwa
dasſelbe iſt, wie das rote Tuch für den Stier. Aber auch die
Engländer dürften in dieſem Falle kaum Gelegenheit genommen
haben, ihren Freunden gut zuzureden. Herr Chamberlain
revan=
chiert ſich jetzt für den Berliner Vertrag und für die deutſche
Weigerung, ſich in die antiruſſiſche Front eingliedern zu laſſen.
Wir werden trotzdem nicht vergeſſen, daß es auch in der Politik
verhängnisvoll iſt, wenn man einen Augenblicksvorteil mit einer
dauernden Verletzung lebenswichtiger Intereſſen erkaufen wollte.
A.
Der Kampf um die
Rheinland=
räumung.
Fraukreich beſteht auf Nachprüfung der
Zerſtörungs=
arbeiten an den deutſchen Oſtbefeſtigungen.
Paris, 21. Mai.
Der „Matin” tritt heute in einem längeren Artikel den in
der Preſſe aufgetauchten Befürchtungen, daß die Londoner
Be=
ſprechung zwiſchen Briand und Chamberlain zu einer
Kompro=
mittierung des Geiſtes von Locarno, geführt habe, entgegen.
Dieſe Kommentare bezeichnet das Blatt als romantiſch. Es habe
kaum in der Abſichſt Chamberlains noch Briands gelegen, die
Frage der Rheinlandräumung oder der Hevabſetzung der
Be=
ſatzungstruzppen endgültig zu entſcheiden, da dieſe Frage
bekannt=
lich mit der Beendigung der Zerſtörung der Oſtbefeſtigungen
zu=
ſammenhänge.
Was die Mitteilungen über die tatſächlliche Durchführung
der Zerſtörung der Oſtbefeſtigungen betrifft, ſo weiſt „Petit
Pariſien” darauf hin, daß eine einfache briefliche Mitteilung den
diplomatiſchen Gepflogenheiten nicht entſprechen werde. Die
Bot=
ſchafterkonſerenz könne nämlich die Zerſtörmg der
Oſtbefeſtigun=
gen nur an Hand von Feſtſtellungen der Sachverſtändigen als
erfüllt betrachten.
* In Paris macht ſich ganz offenſichtlich das Beſtreben
gel=
tend, die Frage einer Kontrolle der Zerſtörungen an der
Oſt=
grenze in den Vordevgrund zu ſchieben und mit dem Abbau der
Beſatzungstruppen zu verkuppeln. Faſt macht es den Eindruck,
als ob hier künſtlich neue Schwierigkeiten geſchaffen werden
ſollen, damit Frankreich ſich um jedes größere Entgegenkommen
in der Herabſetzung der Beſatzungstruppen ſich herumdrücken
kann. Dabei liegen die Dinge doch formal=juriſtiſch denkbar
ein=
fach. Die Kontrollkommiſſion iſt am 30. Januar aufgelöſt
wor=
den. Nach den Genſer Beſprechugen vom 12. Dezember
be=
wahrten ſich die Locarnomächte das Recht, techniſche
Sachver=
ſhändige bei ihren Botſchaften in Berlin anzuſtellen. Das iſt
weiter nichts als eine Formſache, da das internationale Recht
dieſe Ernennung von Militärattachés in beliebiger Zahl
frei=
ſtellt. Es iſt damals ausdrücklich ausgeſprochen worden, daß
dieſe techniſchen Sachverſtändigen kein Gremium wären, das
etwa als Erſatz der Kontrollkommiſſion gedacht ſei, ſonderen, daß
ſie lediglich Berater ihrer Regierungen wären, alſo nur
berech=
tigt ſeien, ihren Regierungen Bericht zu erſtatten. Der Franzoſe
ſcheint ſelbſt zu fühlen, daß er ſich hier auf etwas ſchwachem
Boden befindet und ſchlägt deshalb vor, die Nachprüfung der
Zerſtörungem durch den Völkerbund vornehmen zu laſſen. Auch
dazu gibt es keinerlei Handhabe, denn bas wäre eine
Inveſti=
gation des Völkerbundes, die nach den Sſatzungen nur durch
Be=
ſchluß des Rates gegen Mitglieder eingeleitet werden kann, die
ſich eine Verfehlung haben zuſchulden kommen laſſen. Alle dieſe
Vorausſetzungen liegen nicht vor. Es kann alſo kein Zweifel
darüber beſtehen, daß Deutſchland durchaus loyal ſeine
Verpflich=
tungen erfüllt, wenn es der Botſchafterkonferenz die Tatſache
der Zerſtörung anzeigt. Deutſchland will ſogar noch etwas
wei=
tergehen. Dazu dient der in Paris vorliegende
Kompromißvor=
ſchlog, der auch hier wieder unſeren guten Willen beweiſen ſoll,
während die Gegenſeite jetzt ſeit 15 Monaten jede Gelegenheit
vorübergehen läßt, um auf ihrer Seite einmal emen Beweis
ihres guten Willens zu geben.
Vom Tage.
Am Mityvoch, den 25. Mai, wird in Stuttgart eine
Reichs=
wohnungskonferenz abgehalten. Gegenſtand der Beratung
wird in erſter Linie eine vom Reichsarbeitsminiſterium ausgearbeitete
Denkſchrift über die Wohnungsnot und die Bekämpfung ſein.
In einer gemeinſamen Beſprechung zwiſchen Vertretern der beiden
Städte Trier und Luxemburg wurde endgültig beſchloſſen, einen
ge=
meinſamen Flugplatz für Trier und Luxemburg auf
luxemburgiſchem Gebiet zu errichten.
Der Weltverband der
Völkerbundsgeſellſchaf=
ten tritt zu ſeinem 11. Jahreskongreß in der Zeit vom 25.
bis 31. Mai in Berlin zuſammen.
Zwiſchen Frankreich und Spanien haben ſich ſolche
Mei=
nungsverſchiedenheiten ergeben, daß die
Tangerver=
handlungen abgebrochen werden.
Aus Dublin wird gemeldet, daß das ſüdiriſche
Parla=
mentdie Neuwahlen auf den 9. Juni feſtgeſetzt hat. Das
Schluß=
datum der gegenwärtigen Legislatur iſt noch nicht bekannt.
Nach einer Meldung aus Beirut hat ſich an der Grenzo von
Transjordanien und Syrien ein blutiges Gefecht
zwiſchen Franzoſen und Aufſtändiſchen abgeſpielt, die
verſucht hatten, nach Damaskus zu gelangen.
Nach Meldungen aus Los Angeles hat ſich der ehemalige
Prä=
ſident der mexikaniſchen Republik, Adolfo della
Huerta, gegen den ein Haftbefehl vom Juſtizdepartement der
Ver=
einigten Staaten erlaſſen worden war, ſelbſt in Los Angeles
ge=
ſtellt. Er iſt in Haft genommen worden.
Marſchall Tſchiang Kai=ſchek hat die Abreiſe des ruſſiſchen
General=
konſuls in Schanghai, Linde, verlangt. Dieſer hat das Erſuchen
ab=
gelehnt, ſo daß die Beziehungen zwiſchen Moskau und
Nanking eine neue Zuſpitzung erfahren haben.
Aus New York wird gemeldet, daß die Truppen der kommuniſtiſchen
Regierung Hankau in Richtung auf Tſchengtſchau verlafſen haben,
worauf die Stadt von den Nordtruppen beſetzt wurde. Borodin ſeiſ
geflohen.
Zur Tagung des Hanſa=Bundes.
Neichstagsabgeordneter Dr. Fiſcher, Präſident des Hanſa=Bundes.
Der Hanſa=Bund für Gewerbe, Handel und Induſtrie hat
anläßlich ſeiner diesjährigen Hauptverſammlung in Berlin eine
Kundgebung für „Europäiſche Wirtſchaftsverſtändigung”
veran=
ſtaltet. Als Referenten fungiertem Sir Philip Dawſon, London,
Profeſſor Francis Delaiſi, Paris und Geheimrat Profeſſor Dr.
Wiedenfeld, Leipzig.
Erhöhung der franzöſiſchen Beamtengehälter.
EP. Paris, 21. Mai.
Miniſterpräſident Poincaré empfing heute den
Vorſitzen=
den der Finanzkommiſſion, Malvy, und teilte ihm mit, daß er
am Mittwoch nächſter Woche vor der Finanzkommiſſion ſich über
die Erhöhung der Beamtengehälter und Penſionen zu äußern
gedenke, bevor die Kommiſſion in dieſer Frage einen Beſchluß
faſſe. Wie verlautet, wird durch dieſe Erhöhung faſt der
ge=
ſamte Budgetüberſchuß aufgezehrt, da die dafür erforderlichen
Beträge insgeſamt 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken ausmachen
werden.
Nummer 141
Kriſenluft in Frankreich.
Die Oppoſition gegen die Regierung. — Der
Beſiand des Kabinetts Poincaré gefährdet.
Die Ausſichten der „union nationale.”
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 21. Mai.
Die kommenden Wahlen von 1928 werfen ihren Schatten
bereits immer ſtärker voraus. Die Oppoſition zeigt ſich mehr
und mehr intranſigenter. Es verlautet, daß die Kartellparteien
alles verſuchen wollen, um für die Zeit vor und während der
Wahlen die Macht an ſich zu reißen. Die ſtändigen und
konzen=
trierten Angriffe der linksſtehenden Oppoſition laſſen darauf
deuten, daß man die Regierung um ihr Preſtige bringen und
ſtürzen möchte. In Regierungskreiſen iſt man enttäuſcht. Man
glaubte nämlich, daß nach der Beendigung der Oſterferien die
Kammer ſachlich arbeiten würde. Davon iſt aber keine Rede.
Die Kammer intereſſiert ſich nur für Politik.
In rechtsſtehenden Kreiſen iſt man ziemlich verbittert. In
der Tat, welche Vorlage die Regierung auch vor die Kammer
bringt — und man hat nach dem Mißerfolg mit der Zollvorlage
die wirklich ungefährlichen Militärgeſetze in den Vordergrund
geſchoben —, die Oppoſition zieht die Debatte auf das politiſche
Terrain. Es ſcheint, daß die Sozialiſten mit Rückſicht auf die
kommenden Wahlen auf ihre bisherige Paſſivität verzichten.
Die Regierung ſelbſt zeigt ſich nicht beſonders energiſch. Man
hat zwar dem Handelsminiſter Bokanowſki für ſeinen Mißerfolg
dadurch Genugtuung gegeben, daß man ihn ermächtigte, bei der
Zollreform die Vertrauensfrage im Namen der ganzen
Regie=
rung aufzuwerfen. Aber alles geſchieht lau, und ſogar die
Ver=
folgung der Kommuniſten wird nicht beſonders ernſt genommen.
Die rechtsſtehenden Blätter ſind darob ſehr empört. Ueberhaupt
findet man rechts die Lage immer unerträglicher. „IInF aplus
au une solution: la dissolution” ſchrieb „L'Echo de Paris” Aber
auch gemäßigtere Blätter wie „Le Matin” fordern die Auflöſung
der Kammer. Das iſt aber in Frankreich eine ſehr ſchwierige
Sache. Abgeſehen von dem reichhaltigen Programm der Kammer
und den verfaſſungstechniſchen Komplikationen gibt es noch einen
wunden Punkt, welcher die Auflöſung der Kammer
unwahr=
ſcheinlich macht: Poincaré wie Doumergue ſind prinzipielle
Gegner dieſer verzweifelten Maßnahme. Die Taktik Poincarés
geht auf etwas ganz anderes aus. Er weiß, daß das Schickſal
der Finanzen mit dem Geſchick der Regierung verbunden iſt. Das
iſt es, was die Oppoſition bisher davon zurückgehalten hat, die
Regierung zu ſtürzen; denn niemand wagt die Verantwortung
für einen etwaigen neuen Frankenſturz auf ſich zu nehmen. Und
auch jetzt will die Oppoſition, indem ſie die Regierung bekämpft,
nur den Boden für die neuen Wahlen vorbereiten. Aber die
Tragweite ſolch feiner Schachzüge läßt ſich in der franzöſiſchen
Kammer niemals genau berechnen. Es iſt möglich, ſagte mir
ein der Regierung naheſtehender Poliziker, daß man die „union
nationale” ſtürzt. Aber dann wird ſie in zehn Tagen im Anſehen.
erſtarkt zurückkehren.
Die Lage in China.
Der Fall von Hankau.
EP. London, 21. Mai.
Die letzten Meldungen aus China befagen, daß die Truppen,
Wu Pei=fus in Hankau eingerückt ſind. Die Stadt ſtehe in
Flammen. Angeſichts des Ernſtes der Lage ſind zwei japaniſche
Zerſtörer mit 150 Marineſoldaten und ſechs Geſchützen an Bord
von Schanghai nach Hankau abgegangen. Ferner ſind einige
amerikaniſche Kriegsſchiffe nach Hankau ausgelaufen.
Nach einer Meldung aus Peking hat General Yangtſen die
Stadt Tſchangtſchau beſetzt, wo er eine Anzahl von Extremiſten
und Syndikaliſten hinrichten ließ. Gegenwärtig rückt er an der
Eiſenbahnlinie Kanton-Hankau entlang vor. — Der General
der Nordtruppen Hia Tſu=hin iſt vor Tſchen Fang, 20 Kilometer
vor Wutſchang, angekommen. Er verhandelt mit den Behörden
von Hankau über die kampfloſe Uebergabe der Stadt unter
fol=
genden Bedingungen: Beſeitigung der Kommuniſten,
Aner=
kennung der Nankinger Regierung Tſchiang Kai=ſcheks und
Kampf gegen die Regierung Tſchang Tſo=lins. Man wartet noch
die Zuſtimmung des Generals Tan Tſchau ab, der einen Erfolg
über die Truppei von Feng Tien davongetragen habe und die
Macht in Hankau übernehmen ſoll. — In einer am 19. Mai
ab=
gehaltenen Sitzung des Zentral=Komitees haben die Extremiſten
ſich bereit erklärt, den Gemäßigten die Macht zu überlaſſen. Des
Außenminiſter Tſchen ſcheint, wie berichtet wird, zu beabſichtigen
ſich dem gemäßigten Kuomintang=Flügel, anzuſchließen.
* Frankfurter Muſikbrief.
Die Max=Reger=Geſellſchaft, die ſich im Todesjahr des
Mei=
ſters (1916) unter dem Ehrenvorſitz von Richard Strauß gebildet
hat, feierte ihre fünfte feſtliche Veranſtaltung Ende April in
Frankfurt a. M. Die Abende wieſen einen durchweg guten
Be=
ſuch auf, ohne den Beweis liefern zu können, daß eine innere
Notwendigkeit für die Aufführungen beſtand. Max Reger gehört
zu den Großen ſeiner Zunft, zu den Größten wird man ihn nie
zählen. Er hat die Stärke des Erlebens und die Stärke der
Er=
findung, aber die Konzentration, die Fähigkeit, dem großen
muſi=
kaliſchen Gedanken nachhaltig und gleichbleibend Ausdruck zu
verleihen, fehlt. Daher iſt auch der Eindruck zwieſpältig; man
iſt überraſcht von dem Außerordentlichen der Inſpiration und iſt
enttäuſcht von der Durchführung. Deshalb ſollte man in ſeinem
Intereſſe ſich vor Strichen nicht ſcheuen; er hat in Erkenntnis
ſeiner Schwächen ſich zum Beiſpiel bei der hier auch zur
Auffüh=
rung gelangten, mir grandioſen muſikaliſchen Ideen durchſetzten
Symphoniſchen Ouvertüre zu einer Tragödie nicht dagegen
ge=
wehrt. Die Längen bei Reger ſind ſchwerer zu ertragen wie etwa
bei Bruckner. Bei Reger arbeitet dann der Verſtand, das große
techniſche Können; bei Bruckner, dem Katholiken, iſt es die
Freude an dem Klanglichen, Sinnlichen, kein völliges Ausſetzen
muſikaliſcher Konzeption.
Am erſten Abend ſpielte der Leipziger Organiſt Günther
Ramin in der Paulskirche Introduktion und Paſſacaglia Op. 63
in E=Moll, die Orgelſonate D=Moll und die Phantaſie über den
Choral „Straf mich nicht in deinem Zorn” — alles mit einer
verbluffenden, im Großen und Kleinen erſtaunlichen Vollendung.
Anſchließend ſang die hier bereits bekannte Stuttgarter
Holle=
ſche Madrigalvereinigung die Motetten „O Tod, wie
bitter biſt dus (Opus 110 Nr. 3) und „Herr, ſtrafe mich nicht”
eindrucksvoll und mit ſtarkem Können, das aber nicht alle
Schwie=
rigkeiten der Werke meiſtern konnte. — Der zweite Abend brachte
als Orcheſterkonzert die Wiedergabe der Sinfonietta Opus 90
und der bekannten Mozartvariationen. Die Ehrlichkeit der
erſte=
zen Kompoſition wird man ehren, und die ideenreichen
Mozart=
pariationen haben immer beifallsfreudige Hörer gefunden. Die
Ausführung lag in den bewährten Händen des
Opernhaus=
orcheſters unter der Leitung von Profeſſor Cl. Krauß.
Von den Mitwirkenden des Feſtes erzielte das Frankfurter
Rmar=Hindemith=Quartett, das in erſter Linie die
rammermuſikaliſchen Abende des dritten und vierten Tages
aus=
füllte, den verdient größten Erfolg. Die ausgezeichneten Künftler
ſpielten das in den Stimmungen wechſelnde, der inneren
Ein=
ſtellung nach grübleriſch=ernſte Eis=Moll=Streichquartett (op. 121)
und unter Mitwirkung von Alfred Höhn das nachgelaſſene, dem
vorangegangenen in der Auffaſſung völlig entgegengeſetzte Es=
Dur=Klavierquintett prachtvoll nachempfindend, von dem
Pia=
niſten ſtileinheitlich begleitet. Die Berliner Altiſtin Emmi
Leisner ſang mit vornehmer Empfindung in zwei
Abtei=
lungen meiſt weniger bekannte Lieder des Meiſters, die ein
be=
ſonderes Intereſſe nicht beanſpruchen konnten. Der vierte Tag
brachte das Klavierquartett in A=Moll op. 133 und das
Streich=
quartett in A=Dur op. 54 — beides wertvolle, in ihrer
Durch=
führung reizvolle Werke. Dazwiſchen ſpielte Paul Hindemith,
der uns demnächſt leider verläßt und nach Berlin geht, eine
Suite für Bratſche in D=Dur, die mehr durch ihre Wiedergabe
als ihren Wert die Aufmerkſamkeit feſſelte. — Das Beſondere des
Abends war die Aufführung der Variationen und der Fuge über
ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere (op. 86) durch
Alfred Höhn und Walter Gieſeking. Das war ſchlechthin
vollendet; prachtvoll und wuchtig wirkte die genial hingeworfene
Schlußfuge, deren gotiſcher Monumentalität Alfred Höhn mehr
wie ſein Parkhier gerecht wurde. — Das Schlußkonzert brachte —
leider ungekürzt — die bereits erwähnte Ouvertüre zu einer
Tragödie und unter Mitwirkung des Cäcilien= und
Rühl=
ſchen Vereins den 100. Pſalm, dazwiſchen ſtimmungsſtörend
die Ballettſuite, bei deren Wiedergabe der Dirigent, Profeſſor
Krauß, die durch nichts zu rechtfertigende Stilloſigkeit beging,
den allzu wieneriſch genommenen Walzer auf den zeitgemäßen
Beifall hin zu wiederholen. — Der 100. Pſalm iſt in ſeinem
machtvollen, wenn auch zuweilen mit allzu außerlichen Mitteln
gearbeiteten Aufbau bei einigermaßen Zureichender Wiedergabe
der Wirkung ſicher. Prof. Krauß leitete Orcheſter und Chor mit
Umſicht und verhalf dem Schlußſatz zu eindringlichſtem Ausdruck.
Das Ende der Beethoven=Feiern bildeten zwei
Orcheſter=
konzerte, von denen das eine die herrlichſte aller Beethoven=
Ehrungen war und von denen das andere eigentlich das Wunder
dieſer Feier erſt begreifen ließ. Die eine Feier war ein
Beet=
hoven=Konzert der Berliner Philharmoniker unter
der Leitung Wilhelm Furtwänglers, das andere Konzert
gab Willem Mengelberg mit ſeinem Concertgebouw=
Orcheſter. Mengelberg war über zehn Jahre hier als
Diri=
gent der Freitags=Konzerte und des Cäcilienvereins tätig. Er
iſt ein Orcheſter= und Chorpädagoge erſten Ranges, dem vor
allem der Cäcilienverein ſehr viel zu verdanken hat. Er hat in
Amerika, dem Lande des Aeußerlichen und Materiellen, große
Erfolge gehabt. — Das iſt in mancher Beziehung typiſch für ihn,
denn man wird ſchwerlich einen äußerlicheren Dirigenten von
Ruf finden. Und nun gar die Eroica unter ſeiner Leitung!
Gewiß — die Tempis waren nicht zu beanſtanden, und das
Orcheſter, deſſen ausgezeichnete Schulung dem Dirigenten zu
ver=
danken iſt, ſpielte in den einzelnen Inſtrumenten prachtvoll und
tonwarm. Aber von dem Geiſte Beethovens war kein Hauch zu
verſpüren. Der Trauermarſch ließ kalt, die Steigerung des
Schlußſatzes wirkte gemacht und erlernt — alles in allem ein,
was den Dirigenten angeht, wenig erfreulicher Abend, der auch
durch die Wiedergabe des Heldenlebens von R. Strauß — das
Werk iſt Mengelberg und ſeinem Orcheſter gewidmet — keine
anderen Lichter bekem. — Einige Tage ſpäter kam Furtwängler
mit ſeinen Getreuen und brachte die „Egmont”=Ouvertüre und
die 4. und 5. Symphonie. Frankfurt hat ſeit Jahren ein größeres
Erlebnis nicht gehabt, und es iſt ſchwer für den Kritiker, ſeiner
Begeiſterung Zügel anzulegen. So iſt Beethoven, wie ihn
Furk=
wängler gibt — dieſer germaniſchſte aller Dirigenten mit ſeinem
verhaltenen und trotzdem großen, faſt übermächtigen Gefühl. Er
ſpürt das Weſentliche der Beethovenſchen Werke, großzügig gehl
er davon aus und untermalt die ausgeführten Stellen — bei
den erſten Klängen hat man das Bewußtſein und das Verſtändnis
der Idee. Furtwängler ſteht auf der Höhe ſeiner Entwicklung,
er iſt ſeit ſeinem letzten Hierſein reifer geworden. Und dazll
dieſes Orcheſter, das ihn kennt und das er kennt, mit dieſer
be=
wundernswerten Nachfühlſamkeit! An das Techniſche denkt man
gar nicht, das iſt wie bei allen Großen eine
Selbſtverſtänd=
lichkeit.
Das Publikum jubelte wie nach einer Offenbarung, wie
nach einem Wunder! Wir Deutſche wollen dankbar und ſtolz
ſein, daß wir im Beethoven=Erinnerungsjahr derartige Künder
des Ruhmes unſeres größten Komponiſten haben. D. W. Kn.
* Emil Pretorius.
Der bekannte Zeichner und Illuſtrator E. P., ein gebürtiger
Darmſtädter, wurde an die Münchener Kunſtgewerbeſchule
be=
rufen, um daſelbſt ein Atelier für Unterricht in dekoratiber
Theaterkunſt zu leiten. Die großen Erfolge, die der Künſtler am
Münchener Staatstheater und an der Berliner ſtädtiſchen Opak
mit Bühnenausſtattungen erzielte, laſſen ihn für die neu
geſchaf=
fene Lehrſtelle als beſonders geeignet erſcheinen. Pretorius'
künſtleriſche Entwicklung, von Beardsley ausgehend, iſt
neuer=
dings ſtark von der Kunſt Oſtaſiens beeinflußt, mit der ſich P.
als Kenner und Sammler beſonders eingehend beſchäftigte. Seine
Theaterdekorationen entſprechen dem modernen Geſchmack durch
ihre eindringliche Wirkung und vornehme Einfachheit. A.G
Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai 1927
Seite 3
Die Tagung des preußiſchen Zentrums
Konkordat und Zentrumspolitik in Preußen.
Berlin, 21. Mai.
Der dritte Parteitag der preußiſchen Zentrumspartei, der
am Samstag und Sonntag im preußiſchen Landtagsgebäude
ſtattfindet, begann heute vormittag mit einer Vorſtandsſitzung
unter Vorſitz des Abg. Dr. Porſch, die ſich lediglich mit
ites noch eint
ſind prinzipiell
Taktik Poincaret
aß das Schickit
den iſt. 2u
hat, M
internen Fragen beſchäftigte, insbeſondere mit der
Beſchluß=
faſſung über den nächſten Parteitag. Dieſer ſoll in zwei Jahren
ſtattfinden. Es wurde dem Vorſtand überlaſſen, Zeit und Ort
zu beſtimmen. Die Vollverſammlung des preußiſchen
Zen=
trumsparteitages trat heute nachmittag im Plenarſitzungsſaal
des Preußiſchen Landtags zuſammen. Der Vorſitzende,
Land=
tagsvizepräſident Dr. Porſch, kam nach Begrüßungsworten
an die Gäſte, unter denen man die Miniſter Dr. Köhler,
Hirt=
ſiefer und Schmidt bemerkte, auf die Konkordatsfrage zu
ſprechen. Dabei bemerkte er, je weniger man vom Konkordat
verſtehe, deſto mehr rege man ſich über den Begriff des
Konkor=
dats auf. Man müſſe die Entwicklung der Dinge ruhig abwarten.
Ueber die Zentrumspolitik in Preußen ſprach Abg.
Dr. Heß, der darlegte, daß ſich für Deutſchland der
Unitaris=
mus aus tiefliegenden inneren Gründen verbiete. Jeder
grund=
ſätzliche Schritt zur Unitariſierung ſei ein verhängnisvoller
Schritt ins Dunkle. Die Politik der preußiſchen
Zentrumsfrak=
tion ſei darauf angelegt geweſen, die ſchwierige Lage des
Zen=
trums durch eine möglichſt konſtante Linienführung in Preußen
nach Kräften zu erleichtern. Preußen ſei wiederholt ſeit 1918
ein fühlbarer Sicherheitsmotor für das Reich geweſen. Der
chroniſche Kriſenmacher im Reich und in Preußen ſei die
Volks=
partei, und die Sozialdemokratie müſſe ſich endlich zu einer
zu=
verläſſigen politiſchen Linie durchringen. Die Regierung in
Preußen ſei heute nicht mehr zu ſtürzen. Zur Paritätsfrage
er=
klärte Dr. Heß, daß erſt der demokratiſche Staat dem Zentrum
die Möglichkeit gegeben habe, den ihm zukommenden Platz an
der Sonne durch unbehinderten Wettbewerb der Kräfte zu
erkämpfen.
Eine Rede des Reichsfinanzminiſters auf dem
preußiſchen Zentrumsparteitag.
Auf dem Parteitag des preußiſchen Zeutrums verteidigte
Reichsfinanzminiſter Dr. Köhler die Zentrumspolitik im Reiche
gegen den Vorwurf reaktionärer Entwicklung. Er wies auf die
bisherigen Leiſtungen der Reichsregierung hin, mit dem
Be=
merken, daß die bisher zuſtandegekommenen Geſetze auch bei
einer Linksregierung nicht weſentlich anders ausgefallen wären.
Die Kulturpolitik ſei bisher bewußt zurückgeſtellt worden. Auf
finanzpolitiſchem Gebiet erſtrebe er die Vereinfachung des
Steuerſyſtems und ſuche die Einführung des einheitlichen
Steuer=
beſcheides zu verwirklichen. Dr. Köhler will dem Reichstag
ſo=
fort bei ſeinem Wiederzuſammentritt eine Vorlage über
gerech=
tere Steuerverteilung vorlegen. Zu dem neuerdings
ausge=
brochenen Konflikt zwiſchen Reich und Preußen gab er ſeiner
beſtimmten Hoffnung Ausdruck, daß die Schwierigkeiten bei den
Beſprechungen in den nächſten Tagen ſehr raſch ſchwinden
wür=
den. Zum Problem „Unitarismus und Föderalismus” ſagte
der Miniſter, daß das Nebeneinander und Gegeneinander
beſei=
tigt werden und eine Vereinigung der Länder und des Reiches
im Sinne der Weimarer Verfaſſung ſtattfinden müſſe. Nochmals
verwahrte ſich der Miniſter dagegen, daß das Zentrum im Reich
die Rolle des Steigbügelhalters eines Beſitzbürgerblocks ſpiele
und freiwilliger Helfer der Reaktion ſei. Das Zentrum im Reich
und in Preußen ſei nicht nur im Ziele, ſondern auch im Wege
durchaus einig.
Wirihs Parole gegen das Zentrum.
* Berlin, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Als Auftakt zum Sozialdemokratiſchen Parteitag und vielleicht auch
zur Preußentagung des Zentrums ſchreibt Herr Dr. Wirth im „Berl.
Tagbl.” einen Artikel, worin er ſich mit der Stellung der
Deutſch=
rnationalen zum Republikſchutzgeſetz befaßt und unſere ganze politiſche
Lage zu analyſieven verſucht. Er wirft den Deutſchnationalen
Unauf=
richtigkeit und Zweideutigkeit vor und glaubt ſich leider auch berufen,
den Anwalt des Auslandes zu ſpielen, das angeſichts ſolcher
Erſcheinun=
gen fragen müſſe, was denn in Wahrheit die deutſche Politik ſei.
Ge=
rade die Herren Parlamentarier müßten doch wiſſen, daß innere
Schwierigkeiten rein nach taktiſchen Geſichtspunkten erledigt werden. Die
(parlamentariſchen Länder England und Frankreich haben aber für
plötz=
liche Schwenkungen ganzer Parteien aus taktiſchen Gründen ſehr viel
*Verſtändnis und würden gar nicht auf den Gedanken kommen, ſolche
WVorgänge außenpolitiſch auszunutzen wenn man nicht ſelbſt ſtets aus
DDeutſchland ſie mit der Naſe darauf ſtoßen würde. Das Fabelhafteſte iſt
aber doch, daß Dr. Wirth in ſeinem Schlußſatz einen beſonderen Appell
an ſeine Parteifreunde richtet. Er ſieht zwar auch eine fortſchreitende
Radikaliſierung der Sozialdemokraten vor Augen, trotzdem gibt er die
Parole aus, wir müſſen zum Angriff gegen die Regierung und gegen
Edie Parteien, die ſie ſtüitzen, übergehen, alſo doch auf gut Deutſch geſagt,
iſt die Aufforderung ein Kampf gegen das Zentrum und den vom
Zen=
trum geſtellten Kanzler. Das iſt für ein prominentes Mitglied des
Zentrums immerhin eine harte Sache und man iſt einigermaßen
ge=
ſpannt darauf, wie lange es dauert, bis dem Zentrum angeſichts dieſer
dauernden Extratouren, die doch allmählich die Parteidiſziplin
unter=
graben, der Geduldsfaden reißt.
Das Reichskabinett gegen Hörſing.
* Berlin, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Der Reichsbannerführer Hörſing, der „im Nebenamt” ja noch
Ober=
präſident der preußiſchen Provinz Sachſen iſt, hat in Oſtpreußen
hirz=
lich eine Rede gehalten, worin er die Deutſchnationalen für die
Ver=
ſchlechterung unſerer auswärtigen Lage verantwortlich machte und
be=
ſonders ſcharfe Kritik an dem Vizekanzler Hergt übte. Der
Reichs=
kanzlerhat ſichnun auf Grund eines Kabinettsbeſchluſſes deswegen
mit einer ſchriftlichen Beſchwerde an die preußiſche
Regierung gewandt, und entſprechende Schritte gegen den
Ober=
präſidenten Hörſing verlangt.
Wie die „Kreuzzeitung” erfahren haben will, legt das Schreiben des
Reichskanzlers an den preußiſchen Miniſterpräſidenten ſchärfſte
Ver=
wahrung ein. Der „Kreuzztg.” genügt das nicht. Nach ihrer Meinung wäre
ein ſchärferes Vorgehen am Platze geweſen, wobei ſie hinzufügt „
viel=
leicht hätte das Republikſchutzgeſetz doch die Handhabe dazu gegeben; ſo
beſteht die Gefahr, daß die preußiſche Regierung es bei einer bloßen
Rüge bewenden läßt”
Die neue Partei Ruth Fiſchers.
* Berlin, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Mit einem Rieſenſkandal iſt in Berlin am Freitag eine neue
Komuniſtiſche Partei gegründet worden, die ſich unter dem
Namen „Linke Oppoſition” organiſieren will. Sie ſteht unter der
Führung der aus der Kommuniſtiſchen Partei ausgeſchloſſenen
Ruth Fiſcher und ihrer Anhängerſchaft. Sie haben auch bereits
eine neue Zeitung gegründet, die ſie die „Fahne des
Kommu=
nismus” nennen und worin ſie für den unverfälſchten
Leni=
nismus und die ſchleunige Herſtellung der proletariſchen
Dik=
tatur eintreten. Obwohl die Kommuniſten behaupten, daß dieſe
Linksoppoſition in Berlin nur einige Hundert Anhänger habe,
darunter allerdings 11 Reichstagsabgeordnete, haben ſie ſich doch
ſchwere Mühe gegeben, die Eröffnungsverſammlung durch
Tumultſzenen zu ſprengen, was allerdings nicht ganz
ge=
lungen iſt.
Die Beratung der Portoerhöhung.
* Berlin, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Der Arbeitsausſchuß des Verwaltungsrates der Reichspoſt
hat am Donnerstag ſeine Beratungen über die Portoerhöhungen
begonnen. Er hat die erſte Leſung am Samstag zu Ende geführt
und beſchloſſen, am 2. Juni eine zweite Leſung vorzunehmen,
weil ein Teil der ſozialdemokratiſchen Mitglieder gezwungen war,
zu dem ſozialdemokratiſchen Parteitag zu fahren. In den erſten
Tagen waren lediglich die unverbindlichen Beſprechungen der
Mitglieder untereinander, und es ſind nur die Fragen der
An=
leihen und des Bedarfs beſprochen worden.
Neuer Pizekanzler in Oeſterreich.
der als Vertreter des Landbundes in der neugewählten
öſter=
reichiſchen Regierung den Poſten eines Vizekanzlers bekleidet.
Er iſt das einzige Mitglied des neuen Seipel=Kabinetts, der der
früheren Regierung nicht angehört hat.
Um die Fortführung der
deutſch=
franzöſiſchen
Handelsvertrags=
verhandlungen.
Ein geſchickter Schachzug. — Die Franzoſen
wollen nach Berlin.
Der franzöſiſche Hauptdelegierte in Genf hat einem deutſchen
Zeitungsmann gegenüber geſagt, er wäre gern bereit, die
deutſch=
franzöſiſchen Wirtſchaftsverhandlungen nächſtens wieder
aufzu=
nehmen und in Berlin weiterzuführen. Das iſt ein ſehr geſchickter
Schachzug. Die Franzoſen legen ſonſt immer Wert darauf, daß
alle derartigen Verhandlungen in Paris geführt werden.
Dies=
mal iſt ihnen das unangenehm, weil ſie in Paris gleichzeitig mit
den Schweizern und Belgiern noch verhandeln, und ſie werden
wohl ſchon den Eindruck haben, daß ſich eine ſtarke
Intereſſen=
ſolidarität zwiſchen den Deutſchen, Schweizern und Belgiern
gegenüber dem franzöſiſchen Schutzzoll herausgebildet hat. Dieſen
Block mögten ſie zerſchlagen, indem ſie jetzt die Verhandlungen
in Berlin führen und uns gegen die Belgier oder
Schweizer und umgekehrt, ausſpielen. Unter
dieſen Umſtänden hat Deutſchland kein Intereſſe daran, die
Ver=
handlungen in Berlin fortzuſetzen. Alle ſachlichen Gründe
ſprechen dafür, daß Paris der Knotenpunkt bleibt. Wie es mit
den Ausſichten überhaupt ſteht, iſt nach wie vor ſchwer zu
über=
ſehen. Herr Serruys hat ſich für einen Handelsvertrag von
min=
deſtens fünf Jahren eingeſetzt. Das iſt auch unſer Wunſch. Aber
der Stein des Anſtoßes bleibt eben der franzöſiſche
Tarifentwurf, der jetzt wieder im Kammerausſchuß liegt.
Herr Bokanowſki hat mit dem Abbau der Zollſätze gewinkt,
und vermutlich glaubt er, ein ſchon ſtarkes Entgegenkommen zu
zeigen, wenn er die Zölle um 10 Prozent ermäßigt, womit uns
jedoch nicht gedient iſt. Wenn und ſolange Frankreich ſich nicht
zu einer weſentlichen Reduktion ſeiner Minimalzölle bereit
erklärt, iſt weder an den Abſchluß eines endgültigen noch eines
proviſoriſchen Handelsvertrags zu denken.
Aenderung der franzöſiſchen Taktik.
* Paris, 21. Mai. (Priv.=Tel.)
Handelsminiſter Bokanowſki hat heute vor ſeiner Abreiſe
nach Madrid einem Vertreter des „Echo de Paris”
be=
ſtätigt, was er bereits in der Kammer zum Ausdruck
ge=
bracht hat, als der ſtarke Widerſpruch aus allen Kreiſem
der Abgeordneten keine Zweifel mehr darüber aufkommen
ließ, daß die von ihm gewünſchte Durchpeitſchung der
Zolltarif=
novelle nicht gelingen wird, nämlich, daß die Regierung den
Minimaltarif keineswegs als die unterſte Grenze der von
Frank=
reich zu gewährenden Konzeſſionen betrachtet, ſondern vielmehr
nur als Verhandlungsbaſis, die im Austauſch gegen
entſpre=
chende Kompenſationen herabgeſetzt werden könne.
Die heutige Beſtätigung deſſen, was der Handelsminiſter am
Dienstag in der Kammer angekündigt hat, läßt es nun gewiß
erſcheinen, daß mit einer Aenderung der franzöſiſchen Taktik auch
in den deutſch=franzöſiſchen Handelsvertragsverhandlungen zu
rechnen iſt. Bisher hat Frankreich gegenüber den deutſchen
Unterhändlern ſtets die Theſe vertreten, daß es unter die im
Mindeſttarif vorgeſehenen Sätze eben nicht heruntergehen könne.
Nur in dem Ende Februar unterzeichneten Proviſorium machte
Frankreich als beſonderes Entgegenkommen das Zugeſtändnis,
daß es im endgültigen Handelsvertrag eventuell auch unter die
Sätze des neuen Miniwaltarifes herabgehen werde.
Die Feſtſtellungen des franzöſiſchen Handelsminiſters ſind
alſo nicht völlig neu. Neu iſt allerdings, daß die franzöſiſche
Re=
gierung ſich zum erſten Male in voller Oeffentlichkeit dazu
be=
kannt hat. Unter dem Druck der Kammer hat der Handelsminiſter
dieſes Zugeſtändnis machen müſſen, da er eingeſehen hat, daß
er ſeinen protektioniſtiſchen Zolltarif nicht gegen die Kammer
durchbringen kann.
Die Zolltarifnovelle iſt nach ihrer Ablehnung in der Kammer
nun wieder der Finanz= und Zollkommiſſion zugegangen. Dieſe
neuerliche Durchberatung wird natürlich eine ungeheure
Ver=
zögerung bedeuten, ſo daß es mehr als fraglich iſt, ob die
Kam=
mer in der Lage ſein wird, Anfang Juni wieder in die
Be=
ratung einzutreten. Inzwiſchen ſollen aber ſchon in kurzer Zeit
die deutſchen Delegierten zur Aufnahme der Verhandlungen in
Paris eintreffen. Augenblicklich ſteht noch die Erwägung im
Mittelpunkt, ob die franzöſiſche Regierung überhaupt berechtigt
iſt, unter die vom Parlament feſtgelegten Zollſätze herabzugehen.
Es iſt anzunehmen, daß auch dieſe Frage eine böllige Klärung
erfährt, ſo daß die durch die Vertagung der Zolldebatte ohnehin
erſchwerte Lage in den bevorſtehenden
Handelsvertragsverhand=
lungen nicht noch weiter kompliziert wird.
*Wiesbadener Brief.
Wiesbaden, 19. Mai.
Die Maifeſtwoche, die erſtmalig wieder ſeit 1914 in Wies=
Waden mit beſonderen Veranſtaltungen im Kurhaus, im
Staats=
theater und auf den Sportplätzen eine Erinnerung an den frü=
Cheren Glanz der Wiesbadener Maifeſtſpiele in der Kaiſerzeit
Kvachrufen ſoll, hat ihren Zweck nicht verfehlt. Die hohe Frem=
Genziffer, ſchon bedingt durch die Hochſaiſon, die hier in den
Monaten Mai und Auguſt herrſcht, hat ſich infolge der vielfachen
ffeſtlichen Darbietungen noch erheblich geſteigert. Waren es bis
H2. Mai bereits 44 470 Kurgäſte und Paſſanten, die nach der amt=
Aichen Feſtſtellung Wiesbaden ſeit 1. Januar d. J. aufgeſucht
catten, ſo dürfte dieſe gegen das Vorjahr beträchtlich höhere Zahl
Durch die Maifeſtwoche vom 15. bis 22. Mai verhältnismäßig
moch viel ſtärker anwachſen.
Auch das Ausland ſchickt nach Wiesbaden heuer
erfreulicher=
ſveiſe mehr Beſucher als in den letzten Jahren. Von den 15 791
Rurgäſten Wiesbadens im April waren 2316 Ausländer. Hol=
Aand ſtellte davon die höchſte Zahl mit 679 Perſonen, dann kam
SAmerika mit 266, England mit 241, die Schweiz mit 125, Polen
nnit 120, Schweden mit 119, Frankreich mit 104 und Dänemark
mnit 100 Kurgäſten, die übrigen Länder der ganzen Welt, außer
Deutſchland, hatten zuſammen 562 Kurfremde nach Wiesbaden
geſchickt. Das Deutſche Reich ſtellte 13 375 Beſucher der Welt=
Xurſtadt, davon 1731 aus dem beſetzten Gebiet.
„Ehrt eure deutſchen Meiſter, dann bannt ihr gute Geiſter” —
ſio Hans Sachs in den „Meiſterſingern‟ Es konnte keine beſſere
Dper als Eröffnungsvorſtellung der Maifeſtwoche am Sonntag
ggefunden werden, als dieſes muſikaliſche Luſtſpiel Richard
Wag=
iers mit deutſchem Fühlen und berechtigtem deutſchen Stolz.
Micht zu vergeſſen, daß es aus echt deutſchem Gemüt ſchöpft und
won echt deutſchem Humor durchdrungen iſt. Das Werk wurde
won Otto Klemperer, den wir leider mit Schluß der Spielzeit
werlieren, dirigiert. Es war eine Glanzleiſtung. Von den
frü=
ſeren ſoliſtiſchen Kräften, die noch im dahingegangenen „goldenen
ZZeitalter” der vorkriegszeitlichen Wiesbadener Maifeſtſpiele
mit=
gewirkt hatten, waren nur noch die Kammerſänger Nicola Geiße=
Winkel als Kothner und Waldemar Henke als David an alter
SStelle tätig. Henke als Gaſt. Er iſt ſeit 1911 Mitglied der Ber=
Uiner Staatsoper.
Zehn Jahre, von 1901 bis 1911, war Waldemar Henke am
Tdamaligen Königlichen Theater in Wiesbaden einer der
promi=
rnenteſten Vertreter ſeines Faches: lyriſche und Tenorbuffopartien.
Henke war der Liebling des Wiesbadener Theaterpublikums wäh=
rend der zehn Jahre ſeiner hieſigen Tätigkeit. Der verſtorbene
Generalintendant für Berlin, Wiesbaden, Kaſſel und Hannover,
Georg von Hülſen, hatte ihn in Poſen entdeckt und vom dortigen
Stadttheater für unſere Bühne verpflichtet. Das iſt jetzt 26 Jahre
her. Aber Henke — man müßte ihn „Cidher, den ewig Jungen”
nennen, das bewies am Sonntag wieder ſein unvergleichlicher
David in den „Meiſterſingern” — hatte ſchon, bevor er in Poſen
war, die Bühnenlaufbahn ergriffen. In Königsberg, der Stadt
des ſüßen Marzipans und der reinen Vernunft. Dort begann
er, und zwar als Schauſpieler, im Jahre 1896 ſeine künſtleriſche
Tätigkeit. Waldemar iſt in der Nähe von Königsberg geboren,
im Seebad Cranz, woſelbſt ſein Vater Paſtor war. — Den
Ban=
diten Beppo in Aubers „Fra Diavola”, in welcher Rolle er,
gleichwie in den Lortzing=Opern, kaum von einem anderen
Dar=
ſteller je in Wiesbaden erreicht worden iſt, gab Henke noch
ein=
mal kurz vor ſeinem Scheiden aus Wiesbaden. Und als er mit
ſeinem Banditenkameraden im dritten Akt den Brief Fra
Dia=
volos in der bekannten zweichfellerſchütternden Weiſe ganz
ver=
kehrt vorlas: „Wenn die Karbonaden aufgegeſſen (Karabinier!
aufgeſeſſen) und kein Salat (Soldat) mehr da iſt,” kam er
end=
lich bis zur Unterſchrift des Räuberhauptmanns „Fra Diavolo”
die er mit Frau Digvolo wiedergab. Als ihm nun ſein Genoſſe
ſagte, das wüßte er ja gar nicht, daß der Hauptmann verheiratet
ſei, da meinte Bepro=Henke in reinſtem wiesbadeneriſchen
Dia=
lekt: „Frau oder Fraa, des is doch aanerlaa”
J. G.
*Konzert.
Violin=Abend von Edmund Wayns
mit Joſeph Noſenſtock am Klavier.
Die Namen der beiden rühmlich Bekannten hatten das Kleine
Haus mit verſtändigen, dankbaren Hörern gefüllt. Alle
Erwar=
tungen wurden befriedigt und übertroffen. Zwei Künſtler und
zwei Virtuoſen zugleich von höchſtem Rang machten eine
herr=
liche Muſik. Wie da die letzten Sätze der Mozart=Sonate B=Dur
und des Bach=Konzcrts A=Moll erklangen — übrigens zwei
Wun=
derwerke des Genies —, das war ſchon meiſterlich. Und welche
Geſangstöne in den beiden Stücken von Tartini der freilich
wun=
dervollen Geige entſtrömten, war faſt überirdiſch. Hier verſtummt
die Kritik und kann nur berichten, daß, wer da war, ſtill entzückt
genießen, warm und freudig Beifall ſpenden durfte. Ein
er=
leſener Genuß von erleſenen Künſtlern, wie er ſelten geboten
worden iſt und ſelten ſo einmütig begeiſterte Anerkennung
ge=
funden hat.
VH.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
— Die Mannheimer Städtiſche Kunſthalle zeigt
in der Zeit vom 22. Mai bis 26. Juni eine neue umfaſſende Ausſtellung
kultur= und geiſtesgeſchichtlichen Charakters unter dem Titel „Das
Zeitalter Luthers und Fauſts im Spiegel der
deut=
ſchen Graphik”. Die Beſtände der Ausſtellung ſind aus den
ein=
heimiſchen Sammlungen der Kunſthalle und der Schloßgalerie, ferner
aus der Heidelberger und der Freiburger Univerſitätsbibliothet, aus der
Badiſchen, Landesbiblithek Karlsruhe, aus dem Reuchlin=Muſeum im
Pforzheim und dem Melanchthonhaus in Bretten, endlich aus der
Stadt=
bibliothek Bamberg entliehen worden.
EP. Die männlichen Amazonen. Den Frauen iſt vom
ſtär=
keren Geſchlecht ſchon auf ſo vielen Gebieten die Priorität ſtrittig
gemacht worden, daß man ſich nicht darüber zu wundern braucht,
wenn ihnen jetzt ein Dr. Myres aus Philadelphia ſogar das
Recht aberkennt, auf ihre kriegeriſchen Vorfahren, die Amazonen,
als auf einen Beweis ihrer Gleichberechtigung und gleichen
Be=
fähigung ſtolz zu ſein. Dieſe Amazonen, ſo führt der Gelehrte
beweiskräftig aus, waren nämlich gar keine Frauen, ſondern —
Männer! Ganz wie die allergewöhnlichſten Hopliten eines
x=beliebigen Miltiades oder Epaminondas. Den
Schlußfolge=
rungen Dr. Myres nach hat Homer eine Legende übernommen,
die zu ſeinen Lebzeiten unter den bärtigen und beſchnurrbarten
Griechen umlief, eine Legende, die wahrſcheinlich auf das Konto
der „feldgrauen Helden” des trojaniſchen Krieges zu ſetzen ſein
dürfte. Was die Athener als „Amazonen” bezeichneten und
be=
kämpften, waren nach Anſicht Dr. Myres Haetiter, die bereits im
Jahre 1250 v. Chriſti die Mode der glattraſierten Geſichter
ein=
geführt hatten, obwohl nicht nachgewieſen werden konnte, daß es
zu dieſer Zeit ſchon Sicherheitsraſierapparate gab. Die an lange
und ſchöngelockte Bärte gewohnten Griechen nahmen die „
glatt=
geſichtigen” Reiter, vor deren Pfeilen ſie den „ſtrategiſchen
Rück=
zug” antraten, für Frauen und erzählten nach ihrer Rückkehr in
die Heimat zur eigenen Entlaſtung phantaſtiſche Geſchichten von
den unbeſiegbaren Reiterinnen. Und kurz danach ſtarben die
„Amazonen” ganz einfach aus, indem ſie ſich zu der Bartmode
be=
kehrten. — Dr. Myres entzieht hier einer ganzen auf den Mythos
aufgebauten Kultur den Boden. Was wird danach aus den bielen
Blüten der Poeſie, aus den unzähligen Werken der klaſſiſchen
Kunſt, die den männlich=kriegeriſchen Tugenden der Amazcmei
gewidmet worden ſind?
Nach ſchwerem Teiden entſchlief heute früh mein
herzensguter, innigſigeliebter Mann
Fabrikant.
In tiefer Trauer:
Katharina Lutz, geb. Schwab.
Darmſtadt, Landwehrſir. 42, den 21. Mai 1927.
Die Beerdigung findet auf dem Waldfriedhofe Montag,
den 23. Mai, nachmittags 4 Uhr, ſtatt
Von Beileidsbeſuchen wird höfl. gebeten abzuſehen
Marke Röniſch
Für die vielen Beweiſe wohltuender
An=
teilnahme an unſerm ſchweren Verluſt, ſowie
für die reichen Blumenſpenden ſagen herz=
(851
lichen Dank
Profeſſor Vogt
Familie Dr. Grebert.
Seite 4
Sonntag, den 22. Mai 1927
Nummer 141
Statt Karten.
Eliſabeth Ihrig
Erwin Helferich
Verlobte
Darmſiadt
Schützenſir. 14
(*13785)
Dankſagung.
Durch die vielen Gratulationen, die
uns bei unſerer Goldenen Hochzeitfeier
zugegangen ſind, iſt es nicht gut möglich,
ſedem Einzelnen unſern Dank
auszu=
ſprechen und ſagen wir auf dieſem Wege
Allen unſern beſten Dank dafür.
Familie Beilſtein.
Herchenrode, den 19. Mai 1927. (8531
Todes=Anzeige.
Am 18. Mai entſchlief ſanft
und ruhig unſere liebe Mutter,
Schwiegermuttter, Großmutter,
Schweſter; Schwägerin u. Tante
Frau
Anna Luther Wwe.
geb. Lutterloh
im 66. Lebensjahr.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Guſtav Franke.
Darmſtadt, den 21. Mai 1927.
Die Beerdigung fand in aller Stille
(*13858
ſtatt
Heute früh iſt der Vorſtand unſerer Geſellſchaft
Heit Mielldt Satdo Tut
nach kurzer Krankheit entſchlafen. Er hat die Teitung des
Unternehmens ſeit ſeiner Gründung, alſo 26 Jahre lang,
in Händen gehabt und kannte keine andere Aufgabe, als
die Förderung der Intereſſen ſeiner Geſellſchaft. Seine
unermüdliche Arbeitskraft, ſeine vorbildliche Geradheit,
wie auch ſein liebenswürdiges Weſen haben wir in
jahre=
langer gemeinſchaftlicher Arbeit ſchätzen gelernt. Wir
verlieren in ihm einen guten Freund, deſſen Andenken
wir ſiets in Ehren halten werden.
Der Aufſichtsrat
der Gebrüder Lutz Aktiengeſellſchaft
Maſchinenfabrik und Keſſelſchmiede.
Darmſiadt, den 21. Mai 1927.
Erfolgreichstes
WHeilverfahren!
Durch mein Heilsystem wurden oft rasche
verblüffende Heilungen erzielt, selbt in
recht hartnäckigen Fällen. Mancher
Hoff-
nungslose verdankt mir seine Heilung.
Der Eingang von Dank und
Anerkennungs-
schreiben beweisen meine großen
Heiler-
folge. Manche Operation wurde durch
mein Wirken verhindert. (13795
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Wr
Durch das am 21. ds. Mts, erfolgte Hinſcheiden unſeres
hoch=
verehrten Direktors
Herrn Jakob Lutz
ſind wir in tiefe Trauer verſetzt. Wir verlieren in dem Entſchlafenen
einen väterlichen Fleund mit ſozialer Geſinnung, dem das Wohl
und Wehe ſeiner Angeſtellten und Arbeiter ſtets am Herzen lag=
und dem wir dafür über das Grab hinaus unſeren Dank zollen
Seine unermüdliche, raſtloſe Schaffenskraft regte an, ihm auf
gleicher Bahn zu folgen und ſein hohes Wiſſen und Können,
ver=
bunden mit zielbewußter Tatkraft, werden uns ſtets ein
nach=
ſtrebenswertes, leuchtendes Vorbild ſein und bleiben. Zu früh
ſchied er von uns.
Tieftrauernd an ſeiner Bahre bleibt uns unbegrenzte
Hoch=
achtung und Liebe im Herzen zurück.
Prokuriſt, Angeſtellte und Arbeiterſchaft
der Firma Gebrüder Lutz, A.=G.
Maſchinenfabrik und Kefſelſchmiede, Darmſtadt.
Darmſtadt, den 22. Mai 1827.
(8532
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Heute morgen um 10 Uhr durfte mein lieber
Bruder, unſer treuer Onkel
D. Tonneim Linß
Oberjuſtizrat i. R.
in die ewige Heimat eingehen.
Auguſte Groſch, geb Linß
und Töchter.
(8541
Darmſtadt, den 21. Mai 1927.
Soderſtr. 89.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Mai,
nach=
mittags 4 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſtatt
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des Entſchlafenen.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſere
liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Ur=
großmutter, Schweſter und Tante
Frau
Eva Mahler Wwe.
geb. Dörr
nach arbeitsreichem Leben und kurzen, ſchweren
Leiden im Alter von 73 Jahren zu ſich zu nehmen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Guſiav Mahler.
Darmſtadt, den 21. Mai 1927.
(13819
Liebfrauenſtr 27, II.
Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Mai,
nachmittags 3 Uhr, vom Portal des Waldfriedhofs
aus ſtatt
Für die vielen Beweiſe herzlichſter
Teil=
nahme bei dem Hinſcheiden unſeres lieben
Gatten und Vaters ſagen wir nur auf
dieſem Wege Allen unſeren beſien Dank.
Frau Luiſe Immel
Dr. med. Immel.
Darmſtadi, Mai 1927.
(ehet
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme und
Kranzſpenden beim Hinſcheiden meiner innigſtgeliebten
Frau, unſerer treubeſorgten Mutter
Sopne Kafei
geb. Egly
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren tiefgefühlten Dank.
Insbeſondere danken wir Herrn Pfarrer Schäfer für
ſeine troſtreichen Worte, wie den Schweſtern der
Petrusgemeinde für ihre liebevolle Pflege und der
Metzgerinnung Darmſtadt für die Kranzniederlegung
am Grabe der Entſchlafenen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
philipp Küſter und Kinder.
Darmſtadt, den 20. Mai 1927.
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11 Dr 5619
[ ← ][ ][ → ]Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai 1927
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 22. Mai.
An den Pranger!
Von der Stadtverwaltung wird uns geſchrieben:
Eine große Entrüſtung bemächtigte ſich am Donnerstag
vormittag der Beſucher des Herrngartens, denn eine
Rotte jugendlicher „Helden” hatte bei Nacht ihren Unfug
im Herrngarten getrieben. Die Bänke um den
Spring=
brunnen waren zum Teil in das Waſſer geworfen, zum Teil in
die naheliegenden Anlagen verſchleppt, die meiſten Bänke
waren auf die Raſeuflächen geworfen, eine ſogar in die
Bedürf=
nisanſtalt, wo ſie noch mit Abſicht beſchmutzt worden iſt. Am
Goethedenkmal hatten die Frevler ebenfalls ihren Mut
bewie=
ſen. Zwei Schirme aus dem Herrngarten=Café waren in die
weit eutſernt liegenden Hecken geworfen. Auch am
Herrngarten=
teich haben ſie verſucht, die Bänke ins Waſſer zu werfen. Die
Schilder an den Bäumen haben ſie abgeriſſen, ſoweit ſie ſie
er=
reichen konnten. Leider iſt eine derartige Tat ſchon wiederholt
feſtgeſtellt worden. Die Täter ſind von der Polizei ermittelt
worden und werden die übliche Polizeiſtrafe (7,10 Mk.) erhalten.
Die Stadt kann gegen derartige Uebeltäter leider nicht mit
Erfolg vorgehen, weil ſie ja einen poſitiven Schaden nachweiſen
müßte. Sie hat nur angeordnet, daß für die Folge der
Herrngarten bei Nacht wieder geſchloſſen
gehal=
ten wird. Mit den Polizeiſtunden des Herrngarten=Cafes um
12 Uhr werktags und 1 Uhr Sonntags wird für die Folge der
Herrngarten geſchloſſen und erſt morgens um 6 Uhr wieder
geöffnet.
Die Namen der Uebeltäter aber kommen von jetzt
an ſtets an den Pranger. Es ſind:
der Kaufmann Wilhelm Berg, Roquetteweg 14,
der Kaufmannslehrling Ludwig Wolf, Riedeſelſtr. 21,
der Kaufmann Wilhelm Wehner, Hochſtraße 54,
der Kaufmann Spanier, Saalbauſtraße 61, und
der Handlungsgehilfe Bauer, Ahaſtraße 14.
— Grnannt wurden: am 3. Mai 1927 der Gefängnisoberwachtmeiſter
bei dem Amtsgericht in Büdingen Chriſtian Seuling zum
Amts=
gehilfen mit der Amtsbezeichnung „Juſtizoberwachtmeiſter” bei dem
Amtsgericht Bad=Nauheim mit Wirkung vom 16. Mai d. J.; der
Juſtiz=
wachtmeiſter bei dem Amtsgericht Bensheim Jobann Georg Kautz zum
Juſtizwachtmeiſter bei dem Oberlandesgericht Darmſtadt mit Wirkung
vom 1. Juni d. J.
L.U. Von der Landesuniverſität Gießen. Die Theologiſche Fakultät
unſerer Landesuniverſität hat den Geheimen Juſtizrat Dr. Arthur Benno
Schmidt, ordentlichen Profeſſor der Rechte an der Univerſität
Tü=
bingen, der an den Geſchicken der deutſchen evangeliſchen Landeskirchen,
insbeſondere Heſſens und Württembergs, während einer langen
gkade=
miſchen Wirkungszeit lebendigſten Anteil genommen und ſolcher
Teil=
nahme in Wort und Schrift erfolgreichen Ausdruck verliehen hat,
ehren=
halber zum Doktor der Theologie ernannt.
— Heſſiſches Landestheater. Bei den Aufführungen der 9.
Sin=
fonie am Montag, den 23., und Dienstag, den 24 Mai, wirkt neben
dem Chor des Landestheaters und dem Chor des Muſikvereins
Darm=
ſtadt der neu gegründete ſtädtiſche Chor Worms gaſtweiſe mit. Dieſer
Chor brachte im März 1977 unter der Leitung von Generalmuſitdirektor
Joſeph Roſenſtock und unter Mitwirkung des Landestheaterorcheſters die
9. Sinfonie in Worms mit großem Erfolg zur Aufführung. Außerdem
haben ſich die Madrigalvereinigung Darmſtadt ſowie Mitglieder der
Vereinigung Darmſtädter Soliſtinnen und des Mozartvereins
freud=
lichſt zur Verfügung geſtellt. Hierdurch wird ein Chor von etwa 400
geſchulten Stimmen mitwirken, ſo daß alle Vorbedingungen für eine
feſtliche Aufführung gegeben ſind. Der 9. Sinfonie geht die 2. Sinfonie
von Beethoven voraus. Beide Konzerte beginnen um 8 Uhr abends
und werden um 9½ Uhr beendet ſein. Die heute abend im Großen
Haus ſtattfindende und der Miete I. ſowie der Miete P. der
Darm=
ſtädter Volksbühne zugeteilte Aufführung der „Meiſterfinger
von Nürnberg” wird von Kapellmeiſter Adolf Wach aus München
als Gaſt auf Anſtellung muſikaliſch geleitet.
— Zehnte Morgenfeier im Kleinen Haus des Landestheaters. Im
Rahmen der zehnten, am Sonntag, den 2. Mai, vormittags 11½ Uhr,
im Kleinen Haus ſtattfindenden Morgenfeier ſingt Heinrich Hölzlin
eine Reihe ſelten gehörter Lieder von Arnold Mendelsſohn, Erich Riede
und Bodo Wolf. Am Bechſtein=Flügel: Erich Riede. Herr Hölzlin
ver=
läßt bekanntlich mit Ablauf dieſer Spielzeit Darmſtadt, um einem Rufe
an das Staatstheater in Wiesbaden zu folgen; es iſt dies deshalb eine
der letzten Gelegenheiten, den Künſtler im Konzertſaal zu hören.
* Darmſtädter Groß=Staffellauf. Nach Beendigung des am
heutigen Sonntag vormittag zwiſchen 11 und 12 Uhr innerhalb
des Stadtgebietes vom Ausſchuß für Leibesübungen Darmſtadt
veranſtalteten 1. Darmſtädter Groß=Staffellaufes verſammeln ſich
alle Teilnehmer im Anfchluß an den Lauf um 12 Uhr vor dem
Landesmuſeum zur Preisverteilung.
— Volkshochſchule. Der Unterricht in der ſpaniſchen Sprache wird
am Dienstag, den 24. Mai, abends 7½ Uhr, im Saal 258 der Techniſchen
Hochſchule fortgeſetzt. Anmeldungen erfolgen bis dahin in der
Ge=
ſchäftsſtelle der Volkshochſchule, Mathildenplatz 17. Die Führung durch
die Einrichtungen der Heſſchen Landesbibliothek findet am Mittwoch,
den 25. Mai nachmittags 5 Uhr, ſtatt. Da dieſe Führungen immer
ſtarkem Intereſſe begegnen, denn unſere Landesbibliothek iſt eine der
bedeutendſten Deutſchlands, müſſen ſich die Teilnehmer bis Dienstag
abend in unſerer Geſchiftsſtelle melden.
— Viertes Konzert des Muſikvereins. Der Vorſtand des
Muſikver=
eins macht nochmals beſonders darauf aufmerkſam, daß das am
Diens=
tag, den 24. Mai, abends 8 Uhr, vom Landestheater und Muſikverein
veranſtaltete große Beethoven=Konzert als Feier des
Muſik=
vereins zu Beethovens 100, Todestag und zugleich als viertes
Haupt=
konzert des Muſikvereins gilt. Die Mitglieder des Muſikvereins haben
alſo auf die in ihren Händen befindlichen Karten hin Zutritt zur
Haupt=
probe am Montag abend und zum Konzert. Zur Aufführung kommen
Beehovens Zweite und Neunte Symphonie. Die Aufführung der
letz=
teren wird diesmal für Darmſtadt ein beſonders künſtleriſches Ereignis
bedeuten, als die Chöre des Landestheaters und Muſikvereins durch die
Mitwirkung des Wormſer Stadtchors, der hieſigen Madrigalvereinigung
und von Mitgliedern der Vereinigung Darmſtädter Soliſtinnen und
des Mozartvereins auf annähernd 400 Perſonen verſtärkt ſind.
* Fabrikant Jakob Lutz k
Am geſtrigen Samstag verſchied nach ſchwerer Erkrankung im
67. Lebensjahre Fabrikdirektor Jacob Lutz. Als gebürtiger
Darmſtädter mit den Geſchicken unſerer Stadt eng verwachſen, hat
es Herr Lutz verſtanden, das im Jahre 1858 gegründete, ihm
vom Vater ererbte Unternehmen, deſſen Erzeugniſſe,
vorzugs=
weiſe Lokomobile und Damt ſkeſſel, den beſten Ruf genießen, nicht
nur zu erhalten, ſondern es auch ganz weſentlich auszubauen.
Seit der Umwandlung der Firma in eine Aktien=Geſellſchaft im
Jahre 1901 war der Verſtorbene Vorſtand der Firma, deren
Namen im In= und Auslande durch ihre hochwertigen
Erzeug=
niſſe beſten Klang hat. Abgeſehen von ſeiner eigentlichen
Be=
rufsarbeit, widmete Herr Lutz ſeine wertvollen Kräfte im
beſon=
deren Umfange der Allgemeinheit. Wenn es galt, das Wohl der
Vaterſtadt zu fördern, war der Verſtorbene immer bereit zu
tat=
kräftigſter Mitarbeit. Als einer der Erſten erkannte Jacob Lutz
die Bedeutung des Luftverkehrs, ſchon vor dem Kriege
unter=
ſtützte er die Luftfahrt. Er war hervorragend tätig bei den
Prinz=Heinrich=Flügen und allen Flugverſuchen Eulers, ferner
war er Mitbegründer und langjähriges Vorſtandsmitglied des
Heſſenflieger=Vereins für Luftfahrt und ſchließlich Aufſichtsrats= von der deutſchen Scele erzählt, wie dann der junge Gaſt aufſteht, auf
mitglied der Hefag. In den Kriegs= und Nachkriegsjahren ſtellte
Herr Lutz bereitwilligſt ſeine Kräfte in den Dienſt der ſtädtiſchen
Kohlenverteilung. Die Stadtverwaltung unterſtützte er auch
ſonſt durch tätige Mitarbeit in der Krankenhaus=Deputation und
in der Gas= und Waſſerwerks=Deputation. Der Verſtorbene war „Liebe deutſche Mutter!”
langjähriges Vorſtandsmitglied der Allgemeinen
Ortskranken=
kaſſe, des Ortsgewerbevereins und der Handwerker=Vereinigung
veranlagung des Finanzamtes Darmſtadt=Stadt,
Aufſichtsrats=
mitglied der Firma Wehner und Fahr A.=G., hier, Mitglied des
Schulvorſtandes der Höheren Maſchinenbauſchule und
Gewerbe=
ſchule Darmſtadt, ſowie nicht zuletzt ſeit 1921 Mitglied der
Indu=
ſtrie= und Handelskammer Darmſtadt. Sein verbindliches, ſtets
zuvorkommendes und, wo es am Platze war, humorvolles Weſen
machte den Verſtorbenen bei allen lieb und wert, mit denen er
zuſammen zu wirken berufen war. Sein patriarchaliſches Ver=
Wehe er nach Kräften bewüht war, iſt ſtadtbekannt. In ſeiner
ſozialen Geſinnung und ſteten Hilfsbereitſchaft war er ein ſtiller
Helfer für Arme und Bedräugte. Alle, die Jacob Lutz kennen
und ſchätzen gelernt haben, werden ſein allzu frühes Hinſcheiden
bedauern und ſein Andenken in hohen Ehren halten.
Zum Beiſchreiben der 20%igen
Aufwertungs=
beträge sind bereits aufgerufen die
Sparbücher Nr. 1 —203000
Für die Woche von Montag, den 23. Mai,
bis Samstag, den 28. Mai werden hiermit
neu aufgerufen die
Sparbücher Nr. 205001—212000
Kaſſeſiunden: Vormittags von 8 bis 1 Uhr
Nachmittags von 3 bis 4½, Uhr.
Samstags nachmittags geſchloſſen.
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Städtische Sparkasse Darmstadt
— Don=Koſaken. Am 29. Mai wird der berühmte Donkoſakenchor
bei uns im Städtiſchen Saalbau konzertieren. Es wird wohl von dem
großen muſikliebenden Publikum mit Intereſſe und Freude begrüßt
werden, daß es möglich wurde, dieſen Chor, der in ſeiner Vollendung
etwas einmaliges darſtellt, für uns wieder zu gewinnen. Wie die
Paw=
lowa, wie Schaliapin, ſo gehört auch der Donkoſakenchor als Geſamtheit
zu den Genies, die vielleicht alls 100 Jahre einmal die Welt beglücken.
Serge Jaroff iſt der junge berühmte Dirigent dieſes Chores.
Welt=
liche und geiſtliche Lieder bilden das Programm. Karten zu 5, 4, 3,20,
2.40, 1.80 Mk. einſchließlich Steuer ſind ab Montag, den B. Mai, bei
Konzert=Arnold, Wilhelminenſtraße 9 (Telephon 2560), zu haben.
BADILAUIE
in jeder Farbe und Form (13849
Hermine Streuber, Kirchstr. 12, II.
2 Hermine Strelber, Kirchstr. 12, I.
üngſter Zeit geguindete Verband will die bis dahin unorganiſierte
Maſſe der deutſchen Steuerzahler zu einer einflußreichen Machtgruppe
zuſammengreifen. Er erſtrebt u. a. eine Vereinfachung des derzeitigen
Steuervollzugs, eine Verminderung der vielen Steuerarten, maßgebenden
Einfluß bei Feſtſetzung neuer und bei Abänderung bzw. Durchführung
beſtehender Steuergeſetze und Beſtimmungen. Die Mitglieder werden
durch eine Zeitſchrift (koſtenlos) über ſämtliche aktuellen Steuerfragen
auf dem Laufenden gehalten. Der Verband appelliert an alle deutſchen
Steuerzahler, die Reihen durch vollzähligen Beitritt zu ſchließen. (Siehe
heutiges Inſerat der hieſigen Geſchäftsſtelle.)
=Zum deutſchen Mutertage.
„Liebe deutſche Mutter!”
Von Reinhold Braun.
Laßt ihn leiſe, leiſe klingen,
dieſen heiligen, deutſchen Tag!
Laßt das Reickſte, Tieſſte ſingen,
was das Menſchenherz vermag!
Pauken und Trompeten
künden eitlen Nuhm! — —
Schreitet wie zum Beten
in ein Heiligtum!
Heiligtum der reinen Herzeu,
beide: Mutter und auch Kind!
Roſen ſagens unter Kerzen.
Was wir uns einander ſind!
R. B. in „Mutter”.
In ſeinem Roman „Wolfgang, das Jahr eines Jünglings ſchildert
Hans Heinrich Ehrler, wie ein Bretone Abendgaſt eines deutſchen
Pro=
feſſorenhauſes iſt und wie die Frau des Hauſes ſchön und ergreifend
die Frau zugeht, ihr die Hand küßt und bewegten Herzens ſtammelt:
„Liebe deutſche Frau!”
Der Fremdling fühlt das Wunderbare der deutſchen Seele und
vor=
nehmlich der deutſchen Frauenſeele.
„Liebe deutſche Frau!” fügen wir hinzu, was den Klang erhöht:
Ja: Liebe deutſche Mutter! Oh. das iſt Wehen von der Heimat her,
iſt Herzenlied und unvergeſſener Blick der allergrößten Liebe, iſt ſegnende
Darmſtadt, Ausſchußmitglied für die Grundwert= und Gewerbe= Hand und innig koſtbares Wort, Weisheitsſpruch und allertiefſte
Frommheit, unübertroffene Heimeligkeit, das Ganz=daheim=ſein=dürfen,
iſt nicht aus weihnachtlicher
Ein Stück des wahren deutſchen Herzenstumes grüßt uns
Quellen=
land, Urgründigkeit aus unſeres Volkes Eigenart!
Liebe deutſche Mutter. Das iſt Gnade aber auch Pflicht! Vielleicht
die höchſte und ſchwerſte in unſonem deutſchen Leben. Es iſt der Adel
echten, ſchöpferiſchen Weſens! Denn eine Mutter ſteht nie ſtill; ſie kann
garnicht anders, als immer beſſer, mütterlicher zu werden, als immer
noch mehr ihre Pflicht zu erſillen!
Der Klang bedeutet Ruf in die Weſentlichkeit, die Schönheit der
hältnis zu den Angehörigen ſeiner Firma, für deren Wohl und Seele, in das Wunder der großen, reinen Ginfalt, in die Inbrunſt zur
Einfackheit und Natürlichkeit! Dieſe Gedanken können in der Zeit
ver=
hängnisvoller Süchtigkeiten nicht ernſt genug betont werden! —
Liebe deutſche Mutter‟. Oh, das bedeutet Schickſal für den
Einzel=
menſchen und unſer ganzes Volk!
So groß und ernſt müſſen wir das Erlebnis des deutſchen
Mutter=
tages auffaſſen! Er ſoll nicht nur ein Tag voll Hymnus und Preiſung
ſein, ſondern auch einer der tieferen Einkehr und wahren Beſinnung!
Ein Tag der Rechenſchaft und zugleich der Andacht vor dem Schöpfer
alles Seins! —
Nicht zuletzt aber diene der Tag der Verinnigung der lebendigen
Beziehung zwiſchen Mutter und Kind, dieſes ewig neuen und ewig
unausgeforſchten Myſteriums! Knüpft gelockerte Fäden wieder feſter,
ſchaut einander wieder liebevoll ins Auge! Laßt vergeſſen ſoin, was
vielleicht euer Verhältnis trüht! Seid die Alten wie einſt!
Hell und ſchön fließe der Strom des Lebens! Harmoniſch ſei des
Tages Erlebnis und Geſtalt!
Und noch eins! Gegnüßt ſei in deutſchen Landen und fern den
Grenzen jede mütterliche deutſche Seele!. Denn ſie lebt in jedem, was
echtes, tiefes Weibstum iſt! Sie lebt in vielen kinderlofen Frauen
und vielen, vielen, die einſam gehen ...
Wir grüßen jede Mutterſeele, auch die, die fern ſchon im Lichte
ſind
Es blüht die Blume „Unvergeſſen” auf dem letzten Winkelgrab, da
eine Mutter ruht. —
Heiliger Tag, heilige uns in unſerem Wollen und Empfinden, heilige
alles, was Mutter heißt und Kind!
Klinge auf, du Wort voll Dank und Ehrfurcht: „Liebe, deutſche
Mutter!”
— Eine 75jährige Angeſtellte. Fräulein Julie Friedrich im Hauſe
Gebrüder Unger begeht morgen, Montag, den 23. Mai, ihren 75.
Ge=
burtstag. Fräulein Friedrich iſt nicht nur in Darmſtädter Kreiſen eine
bekannte Perſönlichkeit, ſondern weit über die Grenzen hinaus vielen
Leuten in guter und angenehmer Erinnerung. Sie war 50 Jahre
un=
unterbrochen im Hauſe Wilhelm Krätzinger als Vertrauensperſon. Nach
Auflöſung der Firma und Verkauf des Hauſes im Jahre 1921 ging Frl.
Friedrich zur Firma Unger über. So iſt Frl. Friedrich heute noch von
morgens bis abends ununterbrochen in ſelten körperlicher und geiſtiger
Friſche tätig und ſteht einer Abteilung als Leiterin vor. Möge es
Frl. Friedrich vergönnt ſein, noch recht viele Jahre in dieſer Friſche
weiter zu leben.
— Orpheum. Zauberſchau uferini. Heute, Sonntag ſind zwei
Vor=
ſtellungen: nachmittags 3½ und abend 8½4 Uhr. Zur Nachmittags=
Volks= und Kindervorſtellung hat jeder Beſucher trotz bedeutend
er=
mäßigter Eintrittspreiſe noch die beſondere Vergünſtigung, ein Kind
frei einzuführen. Die reichhaltigen und äußerſt vielſeitigen Darbietungen
des hervorragenden Illuſioniſten. Uferini bieten für groß und klein
einige Stunden angenehmſter Unterhaltung. Insbeſondere iſt in der
Nachmittagsvorſtellung den Eltern Gelegenheit geboten, ihren Kindern
für wenig Geld eine große Freude zu bereiten. (Siehe Anzeige.)
— Wochenmarkt zu Darmſtadt. Kleinhandels= Tagespreiſe vom
21. Mai. Spargeln. 1. Sorte 95—100, dt. 2. Sorte 50—60, Kohlrabi
Stück 30. Karotten Bündel 30—50. Gelbe Rüben 8—10, Spinat 12—15,
Römiſchkohl 12—15. Rotkraut 30—35, Weißkraut 30—35, Wirſing 30—40,
Buſchbohnen 50, Erbſen 60, Zwiebeln 18—20, Knoblauch 80. Rhabarber
15—20, Tomaten 100—120, Gärtner=Kopfſalat 10, Freiland=Kopfſalat 19.
Salatgurken 60—80, Blumenkohl. ausl. 70—90, Rettich 5—10. Selleri
10—50, Lauch 3—10. Meerrettich 70, Radieschen 5—8, Frühkartoffeln
25—38, Spätkartoffeln 9—10, Mäuschen 15, Erdbeeren, 1. Sorte 200
Kirſchen 80. Tafeläpfel 35—65, Wirtſchaftsäpfel 25—30, Bananen 8
bis 82, Apfelſinen 5—15, Zitronen 5—10. Süßrahmbutter 200,
Land=
butter 180—190, Weichkäſe 30—40. Handkäſe 4—15, Eier friſche 11—1,
Hühner 140—180 Tauben 80—100, Haſen 70—80. Rindfleiſch, friſg 8
bis 100, Kalbfleiſch 110—120, Hammelfleiſch 80. Schweinefleiſch 90—100,
Dörrfleiſch 150, Schinken 200, Wurſt 70—140, Wurſtfett 70, ausgelaſſenes
Schmalz 100 Pf.
Marg-
Aplorsand
MassarsRitter
GOLD-u SEIDENMUNDST.
O=
Massars Belft
GOLD-u. TÜIRKIS MUNDST
Uienefe 9ie Solost :
MassarF-Liggreiien-Fabrik Aktien Geselschaf Berlin 842. Geveralverkreter: Erieh Köppler, Frank furt a. H., Sandwen 44a. Fernspr.: Carolus 47672.
Fer Arzt spricht zum Jatienten:
„Seßennennicht Naoß und Bel
Beachten Sie die Warung:
Sie rauchen viel zu viel!—
Der andte aus muder Kiassarz
Mteinen tießsen Lug:
Auviel hann man wohlrauchen
Doch nie raudit man genugl-
C
Seite 6
Nummer 141
Wegen Totſchlagsverſuchs hat ſich die Karl Schreiber II.
Ehe=
frau Katharina geb. Kiebler in Klein=Winternheim
zu verantworten. Die Angeklagte wurde am 6. Dezember 1926 vom
Schwurgericht Mainz freigeſprochen. Auf Reviſion der
Staatsanwalt=
ſchaft hat das Reicksgericht das Urteil aufgehoben und die Sache zur
nochmaligen Verhandlung und Entſcheidung an das Schwurgericht
Darm=
ſtadt verwieſen.
Als Sachverſtändige ſind Obermedizinalrat Dr. Langermamn hier
und Dr. Michel=Niederolm erſchienen. Der Angeklagten iſt zur Laſt
ge=
legt, daß ſie am 27. Auguſt 1926 zu Kleinwinternheim den Verſuch
unter=
nommen habe, das neugeborene uneheliche Kind ihrer Tochter zu töten
und daß ſie dabei nicht mit Ueberlegung gehandelt habe. Das
Schwur=
gericht hat erwogen, daß der Gedanke an die Tötung nicht zum ſicheren
Entſchluß gereift ſei. Das Reichsgericht hat dagegen ausgeführt, daß
der Begriff des bedingten Vorſatzes vom Schwurgericht verkannt ſei,
da weiter auch nicht geprüft worden ſei, ob die Angeklagte nicht die
Nechtspflicht unterlaſſen habe, ſüv das Kind der Tochter zu ſorgen.
Aus der Beweisaufnahme geht hervor, daß es damals
außerordent=
lich heiß war; ſpäter wurde, nachdem die Geburt im Orte ruchbar
geworden war, die Hebamme herbeigeholt (es war dies am anderen
Tage); auch der Arzt von Niederolm wurde telephoniſch herbeigerufen.
Beide fanden ein lebendes Kind vor. Die 18jährige Tochter der
Ange=
klagten verweigert das Zeugnis. Im Orte ging das Gerucht, daß das
Kind aus blutſchänderiſchem Verkehr hervorgegangen ſei. Das
dieſer=
halb eingeleitete Verfahren iſt eingeſtellt worden.
Der Staatsanwalt bittet, hier das Gefühl bei Beurteilung der Tat
nicht dominieren zu laſſen, das Urteil des Mainzer Gerichts habe ſich
anſcheinend von ſolchen gefühlsmäßigen Einſtellungen leiten laſſen. Hier
habe nur der Verſtand zu ſppechen. Die Tat müſſe pſychologiſch erklärt
werden. Da ſei zu ſagen, die Angeklagte habe das Kind ins
Neben=
zimmer getragen (ſie hat ſelbſt 13 Kinder in die Welt geſetzt), es ſei der
Angeklagten unliebſam geweſen, wenn das Kind am Leben bleibe. In
unſauberem Zuſtande habe die Angeklagte das Kind im Nebenzimmer
liegen laſſen. Der Gendarm ſei durch Zufall der Lebensretter des
Kin=
des geworden. Es ſei kein Zweifel, die Angeklagte habe ſchuldhaft und
mit klarem Vorſatz gehandelt. Die Angeklagte habe dem Gendarmen
er=
klärt, daß ſie das Kind habe beſeitigen wollen, damit die Oeffentlichkeit
und ihr Ehemann nichts davon erfahre. Erwieſen ſei objektiv und
ſub=
jektiv der Verſuch des Totſchlags. Eine Verzweiflungstat der
Angeklag=
ten könne nicht in Frage kommen. Es wird eine Strafe von 1 Jahr
6 Monaten Gefängnis beantragt.
Der Verteidiger betont, das Mainzer Schwurgericht habe ſich von
der Schuld der Angeklagten nicht überzeugen können. Das Reichsgericht
habe nur geſagt, der Eventualdolus ſei zu prüfen. Allgemein werde es
ſo gehandhabt, das neugeborene Kind in ein Tuch einzuwickeln. Die
Angeklagte, eine einfache Bauersfrau, ſei bei der Vernehmung durch
den Gendarweriewachtmeiſter allerdings in Erregung geweſen. Gewiſſe
Verdachlsmowente beſtänden zwar, aber ſie reichten zu einem
Schuldig=
ſpruch nicht aus. Die Angeklagte ſei eine gedwickte Perſon, die unter
einem gewalttätigen Manne zu leiden habe. Hier liege der
Schuldaus=
ſchließungsgrund des § 51 vor; eine Frage, die zu prüfen bleibe, wenn
Eventualdolus angenommen werde. Der Antrag geht auf Freiſprechung.
Das Urteil erkennt auf 1 Jahr Gefängnis unter
Anrech=
nung von 3 Monaten Unterſuchungshaft. Zur
Anwen=
dung kommen die Beſtimmungen über den Totſchlag nach §8 A2, 213,
42flgg. R. St. G.
Die lebensgefährliche Unſitte, daß zwei Perſonen auf einem
Fahrrad fahren, hat geſtern wieder zu einem ſchweren Unfall geführt.
Kurz nach 6 Uhr abends fuhren zwei junge Leute auf einem Rad die
Kirchſchneiſe herunter in Richtung Nieder=Ramſtadt. Bei der abfallenden
Schneiſe kamen ſie wohl in größere Geſchwindigkeit, ſtürzten in den
Chauſſeegraben und überſchlugen ſich. Einer erlitt dabei eine
Gehirn=
erſchütterung und mußte durch die ſtädtiſche Rettungswache nach
dem Stadtkrankenhaus verbracht werden. Der andere kam mit dem
Schrecken davon. Das Rad iſt bei dem Sturz demoliert worden. Einem
glüicklichen Zufall haben es die beiden jungen Leute zu verdanken, daß ſie
nicht einen Meter weiter in ein großes Sumpfloch ſtürzten, ſonſt würe
der Sturz wohl noch ſchlimmer ausgegangen. Wir möchten hierbei
noch=
mals vor der Unſitte warnen, daß zwei erwachſene Perſonen ein
Fahr=
rad benutzen, zumal dies auch u. W. polizeilich verboten und daher
ſtrafbar iſt.
— Aufwertung von Sparguthaben. Wie aus der Anzeige der
Städtiſchen Sparkaſſe in Darmſtadt in der heutigen Nummer erſichtlich,
werden von Montag, den B. Mai, ab die Sparkaſſenbücher mit den
Nummern 25 001—212000 zur Beiſchveibung der Wprozentigen
Auf=
wertungsbeträge neu aufgerufen. Da von den bis jetzt aufgerufenen
Nummern (1—3 000) noch eine größere Anzahl Bücher nicht vorgelegt
worden iſt, werden die Einleger an dieſer Stelle gebeten, ſich genau an
die Reihenfolge der aufgerufenen Nummern zu halten, um ein
uner=
wüinſchtes Zuſammendrängen bei dem Aufruf weiterer Nummem zu
verhindern. Die bis jetzt möglich geweſene glatte Abwicklung des
Ein=
tragungsgeſchäftes würde ſonſt zum Nachteil des Publikums erheblich
erſchwert. Die Annahmeſtelle befinder ſich im erſten Stock, Eingang
Hügelſtraße.
— Bayreuther Bund der deutſchen Jugend, Gau Heſſen=
Mittel=
rhein. Die geplante Rheinfahrt auf einem Sonderdampfer findet
mangels hinreichender Beteiligung nicht ſtatt.
* Arbeitsgerichtsgeſetz. In die württembergiſche
Arbeits=
gerichtsbarkeit iſt der heſſiſche Bezirk Wimpfen für beide
Inſtanzen einbezogen worden.
Frühlahrskur für
Mervenkranke
u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hofheim im Taunus
bei Frankfurt am Main. — Prospekte durch:
(I.8386
Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
Conntag, den 22. Mai 1927
Barabfindungen aus dem Notopferhärtefonds. Am 31. März 1927
war die Friſt abgelaufen, innerhalb deren bedürftige Perſonen
Bar=
abfindung für das ſeinerzeit in Kriegsanleihen entrichtete und noch nicht
erſtattete Reichsnotopfer beantragen konnten. Der Reichsfinanzminiſter
hat dieſe Friſt letztmalig bis 31. Mai 1927 verlängert.
Lokale Veranſtaltungen.
— Alt=Darmſtadt; Vereinigung für Ortsgeſchichte
und Heimatkunde. Nächſte Veranſtaltung Donnerstag:
Wald=
führung durch Wilh. Kaminsky. Tveffen vormittags 7 Uhr am
Botani=
ſchen Garten.
— Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) findet Sonntag
abend Familien=Konzert ſtatt. Der Beſuch wird beſonders empfohlen.
— Alle ehemaligen Lützower werden auf die Anzeige
in heutiger Nummer aufmertſam gemacht.
Kunſinotizen.
Ueber Werte, Künfiler oder Künſtieriſche Vrranſtaltungen, deren im Nachſtehendun Crwchnnng
geſchlebt, dehält ſich die Redalſion ihr Urtell vei
— Union=Theater. „Das edle Blut”, nach Ernſt v.
Wilden=
bruch. Man kann ſich dem Bann nicht entziehen, der immer noch von
dieſer Kindertragödie ausgeht. Auch im Film nicht, gerade im Film
nicht. Carl Bocſe ſchafft hier ein außerordentliches Bildgefüge, gleich
feſſelnd im einzelnen, wie im ſzeniſch=dramatiſchen Aufbau. Er zeichlet
prachtvoll den Kontraſt zwiſchen zwei Welten. Er rückt das Ganze ins
Ewig=Menſchliche. Wir alle laſen ſeinerzeit als Schulkinder
Wilden=
bruchs ergreifende Kadettengeſchichte mit heißen, oft tränenenumflorten
Augen. Jetzt hat die Phöbus nun das Wagnis unternommen, dieſe
Novelle zu verfilmen, und das Ergebnis befriedigt vollauf. Das Beſte
iſt die außerordentlich glückliche Befetzung der tragenden Kinderrollen.
Der kleine Pottier hat erſchütternde Momente.
— Reſidenz=Theater am Weißen Turm. „Kreuzzug des
Weibes‟. Dieſer Film iſt nach den Verrufenen” der erſte große ſoziale
Bildſtreifen. Dieſen Film, ein Manifeſt wirkungsvollſter Art, hat
Martin Berger in einen Rahmen geſtellt, der eine ganz neue Richtung
einſchlägt. Die eindrucksvollſte Schilderung. Die Bildentwürfe, für die
Oſio Koffler und Robert Dietrich zu danken iſt, ſind uerhörteſte
Raum=
ſtilkunſt. Maly Delſchaft Es iſt die reifſte Leiſtung der Künſtlerin.
Der Film iſt nur noch kurze Zeit auf dem Spielplan, und ſollte es
nie=
mand verſäumen, ſich dieſes ſoziale Werk anzuſehen.
— Palaſt=Lichtſpiele. „Soiſt Paris”. Die New Yorker
Preſſe ſchreibt: „Lubitſch hat wieder den Vogel abgeſchoſſen. Vom
erſten Schmunzeln bis zur letzten Lachſalve ein Erfolg. Die Wirkung
auf das Publikum war wunderbar. — Vom erſten Augenblick an
ver=
gaß man im Zuſchauerraum Hitze und Sorgen .. . ein vollkommenes
Meiſtevwerk. — Der Genius der Filmkunſt Ernſt Lubitſch hat wieder ein
Meiſterwerk geſchaffen. „So iſt Paris” die neueſte Luſtſpielkomödie
wird beſtimmt monatelang das Programm beherrſchen. — „Dreimal
Hoch und ein Hurrah!‟ Ein wirklich köſtlicher Schlager eine
bril=
lante, ſprudelnde Unterhaltung . . . es iſt dem Kino das, was dem
Feſtmahl der Champagner bedeutet. — Der Meiſter Ernſt Lubitſch hat
die Leinwand abermals durch ein Kunſtwerk bezaubert. — Ein Film,
ausgezeichnet in Details, witzig, beſtechend mit überraſchenden und
be=
wundernden Beigaben. Ernſt Lubitſch beweiſt wieder einmal, daß er
einer der wenigen Regiſſeure iſt, die ihre Kunſt verſtehen. — 1½
Stun=
den Spieldauer, 1½ Stunden Unterhaltung. — Keine Attraktion New
Yorks iſt halb ſo gut als „So iſt Paris”, der letzte Film von Ernſt
Lubitſch.”
Aus den Parieien.
— Frauengruppe der Deutſchen Volkspartei.
Ueber das Thema „Die Not der Rentner =und ihre
Be=
hebung” wird Frau Dr. Matz, M. d. R., am 31. Mai hier in
Darmſtadt ſprechen. Frau Dr. Matz iſt eine unentwegte Vorkämpferin
für die Rechte der Rentner, die ſich ſeit Jahren um die Beſſerung ihrer
Lage bemüht, ungeachtet der Widerſtände und Schwierigkeiten, die ſich
ihr entgegenſtellen. Ihre klare, zielbewußte Perſönlichkeit weiß ſich
durchzuſetzen; ſie iſt im Reichstag eine geſchätzte Mitarbeiterin an den
verſchiedenen geſetzlichen Vorlagen, eine Rednerin, die durch klare
Sach=
lichkeit feſſelt. Kürzlich auch nach Genf berufen, hat ſie in einzelnen
Kommiſſionen des Völkerbundes als Sachverſtändige mitarbeiten können.
Wir dürfen annehmen, daß ein Vortrag von Frau Dr. Matz auch hier
weite Kreiſe intereſſieren wird, zumal der Reichstag über neue
An=
träge zur Rentnerfürſorge Beſchlüſſe gefaßt hat, von benen Frau Dr.
Matz berichten wird. Näheres wird durch die Tageszeitungen
bekannt=
gegeben.
Tageskalender für Sonntag, den 22. Mai 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, L 21, F 12 (Darmſtädter
Volksbühne), Anfang 5 Uhr, Ende 10 Uhr: „Die Meiſterſinger von
Nürnberg.” — Kleines Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 10 Uhr:
„Der Raub der Sabinerinnen.” — Orpheum, nachm. 3½ Uhr u.
abends 8 Uhr: Uferinis Zauberſchau. — Richard=Wagner=
Verband deutſcher Frauen, Neckarſtr. 19 vorm. 11½ Uhr:
Morgenfeier. — Konzerte: Schloßkaffee, Café Rheingold, Perkeo,
Hotel=Reſt. Schmitz, Café=Reſt. Waldſchlößchen, Hauptbahnhof=
Reſtau=
rant, Orangeriehaus, Rummelbräu, Zentral=Hotel, Eintracht Neues
Schießhaus, Frankfurter Hof, Arheilger Mühlchen, Prinz Heinrich,
Bismarck=Eck, Turnhalle am Woogsplatz. —
Kinovorſtel=
lungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Verſteigerungskalender für Montag, den 23. Mai 1927.
Holzhofallee 27, nachm. 3 Uhr: Werſteigerung von 200 Kilogr.
Werkzeugſtahl.
5283a
Starkenburg.
HI. Eberſtadt, 21. Mai. Gemeinderatsſitzung. In der
vorgeſtrigen Sitzung des Gemeinderats wurde mit der Beratung des
Gemeindeberanſchlags für das Rechnungsjahr 1927 begonnen. Bei
Rubrik 1 (Rechnungsreſt) wird auf Vorſchlag des Finanzausſchuſſes
be=
ſchloſſen, von dem aus 1925 vorhandenen baren Rechnungsreſt, anſtatt
wie vorgeſehen, 59 000 Mk. nur 47 200 Mk. zur Bildung des
Betriebs=
kapitals zu verwenden. Die Rubrik ſchließt alsdann in Einnahme mit
42 127,B Mk., in Ausgabe mit 3361,21 Mk. Bei Rubrik 2 (Gebäude)
wird ein Antrag des Gemeinderats Knodt, den für laufende
Unterhal=
tung der gemeindlüchen Gebäude vorgeſehenen Betrag von 2700 Mk.
auf 3700 Mk. zu erhöhen, angenommen, der Antrag des Gemeinderats
Quari, von einer Erhöhung der geſetzlichen Miete für
Gemeindewoh=
nungen abzuſehen und die dafür in Einnahme vorgeſehenen 3298,50 Mk.
zu ſtreichen, abgelehnt. Die Rubrik ergibt ſonach eine Einnahme von
25 288,50 Mk. und eine Ausgabe von 19 339,25 Mk. Bei Rubrik 3 (
Grund=
ſtücke) werden für die Beſchaffung von Kunſtdünger 400 Mk. geſtrichen.
Im übrigen findet dieſe Rubrik, ebenſo wie die Rubrik 4 (Waldungen),
die in Einnahme 66 383,72 Mk., in Ausgabe 42 332,40 Mk. vorſieht,
An=
nahme. Die Rubriken 5 (Jagden, Fiſchereien, Teiche), 7 (Grundrenten),
8 (Freibank), 11 (Meſſen und Märkte), 12 (Eich= und Waganſtalten),
14 (Waſſerverſorgung), 18 (Gemeindeapotheke), 19 (Schwimmbad), 20
Volksbildung) werden entſprechend dem Voranſchlag angenommen. Ein
Antrag des Gemeinderats Dächert, die bei Rubrik 20 als Beitrag für
die Bibliothek des Gewerkſchaftskartells in Ausgabe eingeſtellten 250
Mark zu ſtreichen, verfiel der Ablehnung. Rubrik 22 (Allgemeine
Ver=
waltung) ſieht in Einnahme 3770 Mk., in Ausgabe 49 053,2) Mk. gegen
42 596,30 Mk. im Vorjahre vor. Die Vermehrung der Ausgaben iſt
bedingt durch Erhöhung der Aufwendungen für Beamte und Hilfskräfte.
Tagegelder der Ortsvorſtandsperſonen und der allgemeinen lanfenden
Verwaltungskoſten. Ein Antrag des Gemeinderats Dächert zu dieſer
Rubrik, die amtlichen Vekanntmachungen der Bürgermeiſtereien künftig
im „Volksfreund” nicht mehr zu veröffentlichen, wird abgelehnt. Die
Rubrik B (Oeffentliche Sicherheit) erfordert gegen das Vorjahr einen
Mehraufwand in Ausgabe von 4500 Mk., die durch die Einſtellung eines
weiteren Nachtſchutzmanns und für Uniformierung und Ausrüſtung des
Polizeiporſonals erforderlich werden. Die Rubrik ſchließt mit 1125,50
Mark in Einnahme und mit 16 680,50 Mk. in Ausgabe Rubrit 24
(Oeffentliche Gefundheitspflege) ſchließt mit 1050 Mk. in Einnahme und
nach Streichung eines für die Errichtung einer Wandererherberge
vor=
geſehenen Betrags von 2200 Mk. mit 9653,25 Mk. in Ausgabe. Die
Rubriken 25 (Abdeckereiweſen), 26 (Feuerlöſchweſen) und 27 (
Armen=
pflege) werden debattelos angenommen. Letztere Rubrik ſieht in
Em=
nahme 6657,18 Mk., in Ausgabe 32 368 Mk. gegenüber 7725,30 Mk. bzw
25 200 Mk. im Vorjahre vor. Bei Rubrik 28 (Schulen) ſind in Einnahms
4763,20 Mk., in Ausgabe 32 056 Mk. eingeſtellt. Hierbei ſind, gemäß
dem Beſchluß des Finanzausſchuſſes, die aus dem in der
Eleonoren=
ſchule eingerichteten Wannen= und Brauſebad zu erwartenden
Einnah=
men mit 200 Mk., anſtatt mit 700 Mk. angenommen und anſtelle von
1500 Mk. 2500 Mk. als Vergütung für einen noch einzuſtellenden
Bade=
wärter eingeſtellt worden. Unter den „beſonderen Herſtellungen” der
Ruhrik 28 ſind u. a. 3550 Mk. für Inſtandſetzung der Flure, von 4 Lehr=
und 2 Zeichenſälen, der Wohnung im Dachgeſchoß u. a. in der
Guten=
bergſchule, 2600 Mk. für Herſtellung einer Rampen= und
Verdunkelungs=
anlage im Phyſikſaal der Eleonorenſchule und 500 EMk. für Erſtellung
eines Aborts bei der Georgenſchule vorgeſehen. Rubrik 29 (Evangeliſche
Kirche) und Rubrik 31 (Sport= und Feſtplätze) fanden Annahme. Bei
letzterer iſt der Betrag für eine bei den Sportplätzen zu errichtende
Schutzhütte von 2000 Mk. auf 1500 Mk. reduziert worden. Nuhrik 33
(Gemeinde=Friedhöfe) weiſt in Einnahme einen Betrag von 1776 Mk.,
in Ausgabe einen Betrag von 7952 Mk. aus und wird debattelos
an=
genommen. Bei Rubrik 34 (Straßen) einigte man ſich nach
ausgedehn=
ter Debatte dahin, die für die Herſtellung einer Eiſenbalkenbetonbrücke
an der Eſchollmühle eingeſtellten 30 000 Mark zu ſtreichen und nur 3000
Mark für die zur Eröffnung der Verbindungsſtraße zwiſchen Ludwig=
und Ningſtraße erforderlichen Geländeankäufe einzuſtellen. Weiter
wurde ein Antrag des Gemeinderats Dächert angenommen, nach dem
für die Chauſſierung des Weinwegs vom Mühlweg ab auf eine Länge
von 329 Metern 91009 Mk. eingeſtellt werden. Annahme findet ſchließlich
auch ein Antrag Gärtner, unter genannter Rubrik einen Betrag von
2000 Mark zur Beſeitigung des Zugangs zur Modau in der
Heidelber=
gerſtraße in Ausgabe vorzuſehen. Unter Berüickſichtigung der Anträge
und der Streichung der 30000 Maxk ſchließt die Rubrik in Einnahme
mit 18 600 Mk., in Ausgabe mit 51 287,50 Mk. Die Sitzung wird
hierauf auf Freitag abend vertagt.
H. Eberſtadt, 21. Mai. Schwimmbad. Die offizielle
Eröff=
nung des Schwimmbades findet am Sonntag, 22. Mai, ſtatt.
Die Badezeiten für die diesjährige Badeſaifon ſind wie folgt feſtgeſetzt
worden: Montags von vormittags 8 bis nachmittags 1 Uhr:
Familien=
bad, von 1 bis 6 Uhr: Damenbad und von 6 bis 9 Uhr reſerviert für
Vereine: Dienstags und Mittwochs von vormittags 8 bis nachmittags
9 Uhr: Familienbad; Donnerstags von vormittags 8 bis nachmittags
1 Uhr: Familienbad, von 1 bis 6 Uhr: Damenbad ud von 6 bis 9 Uhr:
Familienbad; Freitags von vormittags 8 bis nachmittags 5 Uhr:
Fa=
milienbad, hierauf Reinigung des Schwimmbaſſins; Samstags von
vor=
mittags 8 bis nachmittags 5 Uhr Familienbad, von 5 bis 9 Uhr:
Herren=
bad; Sonntags von vormittags 8 bis nachmittags 9 Uhr: Familienbad.
Die Badepreiſe und die Leihgebühr für Badewäſche ſind die gleichen wie
im Vorjahre.
* Pfungſtadt, 21. Mai. Unfall eines jungen
Pfung=
ſtädters. Der Sohn des verſtorbenen Tabakarbeiters Georg
Kämmerer, der in Bendorf a. Rhein beſchäftigte 27 Jahre alte
Hein=
rich Kämmerer, wurde beim Schöpfen von Benzol durch giftige Gaſe
be=
täubt und fiel in den Tank. Sein Verſchwinden wurde erſt bemerkt,
als er in der Arbeitspauſe fehlte. Die Beerdigung fand geſtern in
Ben=
dorf ſtatt. — Grasverſteigerung. Die Grasmtzung von
ver=
ſchiedenen Wegen in der Klingsackertanne ſowie in den Anlagen, (es
gandelt ſich um 17 Loſe), und von zwei Loſen in der Malchertanne (
Mal=
cherwieſe und Sauerkrautweg) und auf dem alten Friedhof wird am
kommenden Dienstag vormittag (24. Mai) im Rathaus öffentlich
ver=
ſteigert.
Umlusf zur Arbeit
ist die Folge eines schlechten Blutzustandes; durch
die aufreibende Tätigkeit werden die Nerven sehr
schnell abgenutzt und vielfach wird nicht beizeiten
daran gedacht, diese aufzufriſchen, so stellen sich
al Folge allerlei Beſchwerden, wie Schlaflosigkeit,
Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Mädigkeit ete. ein;
der Betreffende ist beim besten Willen nicht in
der Lage, seinen Funktionen so nachzukommen.
wie er es gern möchte, hiergegen leistet
oft vorzügliche Dienste, schon nach kurzem Gebrzud
fühlt sich der Körper frischer und leistungsfähige
er kann seinen Pflichten in vollem Maße nachkommer
schon manche Existenz ist auf diese Weise gerett
worden, und manche Beförderung durch besser
Ausfällung des Postens eingetreten, deshalb ve
säume niemand bei Zeiten seine Nerven dur
Leciferrin zu kräſtigen. Preis 1.75, Gr. Fl. 5.—
zu haben in den Apotheken und Drogerien.
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ſchere Wag. kommen
in Frage. Ausführ=
25 Ztr. Tragkraft, zuſlihe Angeb erbitte
kaufen geſucht. Ange=ſunter ( 103 an die
Be chäftsſt (13700ss
wenig gebraucht, bill.
zu verkaufen (*13836
Nieder=
Ramſtädter=
ſtraße 22, part
Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai 1927
Seite 7
* Pfungſtadt, 21. Mai. Feuer. In einem Nebengebäude der
Kon=
ditorei Einſiedel brach in den Abendſtunden Feuer aus. In dem
Schuppen lagerte größtenteils Stroh. Es gelang jedoch bald, des Feuers
Herr zu werden, ſodaß eine weitere Ausdehnung nicht Platz greifen
konnte. — Holzverſteigerung. Am kommenden Dienstag
vor=
mittag findet auf dem Rathaus eine Holzverſteigerung ſtatt, bei der 14
Rm. Kiefernſcheitholz, 4 Rm. Knüppelholz, 3 Rm. Stockholz und 240
Wellen zum Ausgebot gelangen.
Griesheim, 21. Mai. Gemeinderatsbericht. 1. Der
zwi=
ſchen der Allgemeinen Gas= und Elettrizitätsgeſellſchaft in Bremen und
der Gemeinde Griesheim im Jahre 1900 bezüglich Lieferung von Gas
abgeſchloſſene Vertrag läuft am 1. April 1930 ab. Die hieſige Gemeinde
hat nach Ablauf der Vertragsdauer die Wahl, entweder das Gaswerk
anzukaufen o der in eine Vertragsverlängerung einzuwilligen. Es
wer=
den deshalv zwiſchen den Parteien ſeit einiger Zeit Verhandlungen
ge=
führt, die in der Vorlage eines neuen Vertragsentwurfs, der eine
Ver=
längerung des beſtehenden Vertrags bis Ende Dezember 1956 vorſieht,
ihren vorläufigen Abſchluß gefunden haben. Dieſer Vertragsentwurf
wurde der Finanzkommiſſion zur Prüfung überwieſen. 2. Die zur
Be=
kämpfung der Weidenſchädlinge in den gemeinſchaftlichen
Weidenkultu=
ren erforderlichen Mittel wwden bewilligt. 3. dem Friedrich Schupp 12.
wurde zur Fertigſtellung ſeines Wohnhauſes ein weiterer
Baukoſten=
zuſchuß von 500 Mk. aus der Gemeindekaſſe bewilligt. 4. Die Gemeinde
übernimmt die Bürgſchaft für einen weiteren Zwiſchenkredit von 2000
Mark bei der Heſſ. Landesbank in Darmſtadt für Johannes Klinger 2.
hier. 5. Zur Deck ing verſchiedener Kreditüberſchreitungen und zur
Be=
willigung weiterer Baukoſtenzuſchüſſe wurde eine Kapitalaufnahme von
100 000 Mark beſchloſſen. 6. Die für die Einkieſung des Zöllerplatzes
erforderlichen Mittel wurden bewilligt; ebenſo für die Anſchaffung von
Schulutenſilien. 7. Die hieſige Fortbildungsſchule wird von einer
grö=
ßeren Anzahl auswärtiger Schüler beſucht. Mit Wirkung vom 1. April
1927 ab ſoll nun von den in Betracht kommenden Gemeinden ein
jähr=
licher Beitrag von 10 Mk. pro Schüler erhoben werden. 8. Die
Ein=
führung einer Bierſteuer wurde abgelehnt. 9. Da eine Anzahl Mieter
von Gemeindewohnungen ſchon ſeit geraumer Zeit mit der Zahlung
der Wohnungsmiete im Rückſtande iſt, wurde für deren Unterbringung
der Ankauf von Baracken bzw. Eiſenbahuwagen beſchloſſen.
* Griesheim, 21. Mai. Dem Geſongverein „Sängerbund” ſind jetzt
ſchon eine große Anzahl wertvoller Ehrenpreiſe von Vereinen und
Pri=
vaten für ſeinen Geſangswettſtreit zugegangen und noch eine ganze
An=
zahl weiterer Ehrenpreiſe ſtehen in ſicherer Ausſicht. Auch der
Reichs=
präſident von Hindenburg hat dem Verein einen Ehrenpreis geſtiftet,
und zwar ſein Bildnis mit eigenhändiger Unterſchrift und den beſten
Glückwünſchen für den Verein. Die Preiſe ſind im Schaufenſter der
Tabak= und Zigarrenhandlung von Herrn Seibert ausgeſtellt. Heute
wendet ſich der Verein an die hieſige Einwohnerſchaft mit der Bitte um
Ueberlaſſung von Freiquartieren an die zahlreich von weit her
eintref=
fenden Teilnehmer am Geſangswettſtreit. Sogar von Oberhauſen in der
Rheinprovinz hat ſich ein Verein angemeldet. — Auf ebenſo einfache
wie bequeme Weiſe iſt die Einwohnerſchaft geſtern ihr altes,
unbrauch=
bar gewordenes Emaille= und Blechgeſchirr los geworden. Zwei
Fuhr=
werke aus Koſtheim haben den alten Plunder, der in den meiſten Fällen
nichts weniger als eine Zierde in der Hofreite empfunden wurde,
un=
entgeltlich abgeholt und an die Bahn geſchafft, wo er verladen wurde.
Auch die Gräben und Wege in Feld und Wald haben ſie von dem alten
Gerümpel gereinigt, was jeder Naturfreund nur mit Genugtuung
be=
grüßen muß, denn nichts war für den Naturfreund häßlicher und ſtörte
ihm den Naturgenuß mehr als das Umherliegen dieſer alten
Blech=
geſchirre. Da dieſe alten Sachen jetzt periodiſch abgeholt werden, follte
ſich niemand ihrer entledigen, indem er ſie einfach ins Feld oder in den
Wald trägt.
* Wixhauſen, 21. Mai. Oeffentliche
Gemeinderats=
ſitzung. Durch die Verlegung der Straßenfluchtlinie in der Meſſeler
Straße wird dieſe auf beiden Seiten je 4 Meter breiter, jedoch können
auf der Nordſeite die Vorgärten benutzt werden unter der Bedingung,
daß keine maſſiven Einfriedigungen gemacht werden. Die Gemeinde
er=
hebt Einſpruch gegen die geplante Schließung des Bahnübergangs
Poſten 18 da die Intereſſen der Gemeinde nicht genügend vorgeſehen,
und beſteht auf dem Beſchluß vom 1. Okt. 1926. Es ſollen cinige
Repa=
raruren im Gemeindehaus, Bahnhofſtraße, gemacht werden. Die
Ein=
ſprüche gegen den aufgelegten Voranſchlag wurden dahin entſchieden:
der des iKrchenvorſtandes wurde abgelehnt. Der des Bauernbundes und
der Gewerbetreibenben, die hohen Umlagen nicht aufbringen zu können,
wurde Rechnung getragen, und an der Rubrik 28 wurden 500 Mark,
an der Rubrik 43 die Hälfte des vorgeſehenen Betrages vorgeſehen,
ſo daß 4000 Mark weniger in Umlage kommen.
— Traiſa, 21. Mai. Café=Reſtaurant „Waldesruhe”, bei
Traiſa, wegon ſeiner ſchönen Lage und guten Bewirtung früher
viel aufgeſuchter Ausflugsort, ging in den Beſitz der Familie
Dier=
gardt aus Bochum über und wird nach gründlicher Erneuerung
unter fachmänniſcher Leitung am Himmelfahrtstage mit einem
Früh=
konzert ſeiner urſprünglichen Beſtimmung wieder übergeben. (Siehe
auch Inſeratenteil.)
g. Groß=Bieberau, 21. Mai. Auch hier fand eine Werbewoche für
das Deutſchtum im Auslande ſtatt. Neben einer Haus= und
Straßen=
ſammlung wurde am letzten Sonntag im Lud. Lortz’ſchen Saale ein
Familienabend veranſtaltet, der recht gut beſucht war und einen ſehr
erhebenden Verlauf nahm. Der im Mittelpunkt des Abends ſtehende
Vortrag des Herin Dr. Heldmann über deutſche Sprache und Mundart
fand bei den aufmerkſamen Zuhörern reichen Beifall. Er war
um=
rahmt von zum Teil meiſterhaft vorgetragenen Gedichten und
Dialekt=
vorträgen der Schüler hieſiger Schulen. Große Heiterkeit erregte das
von Darmſtädter Schülerinnen aufgeführte Luſtſpiel: „Der
Kaktus=
freund”. — Reichlich beſchickt war der letzte Ferkelmarkt. Doch
ging der Verkauf ſehr langſam vor ſich. Es blieb ziemlich Rückſtand.
Für das Paar wurden 22—36 Mk. bezahlt. Läufer koſteten 36—40 Mk.
pro Kopf. Der nächſte Markt iſt erſt am 13. Juni. — Zu der für den
hieſigen Bezirk anberaumten Stutenkörung waren nahezu 60 Stuten
vorgeführt worden. Etwa die Hälfte davon wird auf die Darmſtädter
Ausſtellung gelangen. Bei den geringen Fohlenpreiſen iſt die
Fohlen=
zucht niht mehr lohnend, ſo daß mancher Landwirt die Zucht aufgibt.
* Neuſtadt i. O., 21. Mai. Die Burg Breuberg war auc)
am letzten Sonntag das Ziel vieler Fremden geweſen. U. a. unternahm
der „Hiſtoriſche Verein von Heſſen” eine Wanderung, vom Otzberg
kom=
mend, nach der Burg. Archidrat Morneweg=Erbach hielt dort einen
Vortrag über die Entſtehung und Geſchichte der Burg. Die gemütliche
Nachraſt fand im Gaſthaus zum Ochfen ſtatt. — Nachmittags wurde
ſeitens der Schützenabteilung des Kriegervereins ein Uebungsſchießen
im Burggraben abgehalten. Die Beteiligung war gut. — Unter
klingendem Spiel zog nachmittags der Geſangverein „Sängerluſt” aus
Groß=Umſtadt, der eine Wanderung in das benachbarte bayeriſche Gebiet
unternommen hatte, unter ſehr ſtarker Beteiligung durch unſer Städtchen.
— Es ſind ſchon einige Kurgäſte angekommen. Der Odenwaldklub hat
wieder einige neue Bänke aufgeſtellt. Von hier aus laſſen ſich eine
Reihe kleinere und größere Spaziergänge bequem in die nähere und
weitere Umgegend unternehmen.
s. Beerfelden, 21. Mai. Aus den Vereinen. Der hieſige
Krieger= und Beteranenverein hat ſeine im Jahre 1874 beſchaffte Fahne
den Vereinsheiligtümern einverleibt und ſich von der Freiburger
Fah=
nenfabrik eine neue Fahne beſtellt. Von einer regelrechten Fahnenweihe
wurde für dieſes Jahr abgeſehen, da hier kommendes Jahr, das Gaufeſt
ab=
gehalten wird. Um aber das neue Vereinsbanner doch vorläufig zu
weihen, wird ſich der Verein kommenden Sonntag mit demſelben am
Gottesdienſte beteiligen. Außer dem genannten Gaufeſt wird das Jahr
1928 dem hieſigen Städtchen vorausſichtlich ein Feuerwehrfeſt, ein
Sän=
gerfeſt und die Feier deſſen, daß Beerfelden nunmehr 600 Jahre die
Stadtgerechtigkeit beſitzt, bringen. — Der Turnverin plant für
Himmel=
fahrt, dem „Götzwandertag der Deutſchen Turnerſchaft”, eine Tour nach
Weinheim a. d. Bergſtraße in folgender Art: Frühwanderung nach
Affolterbach, Bahnfahrt bis Birkenau, Wanderung durch das Tal über
die Burgen nach Weinheim. Beſichtigung der Stadt; Rückkehr per Bahn
nach Affolterbach und Wanderung oder Fahrt in die Heimat.
*Aus dem B.ifellauer Tal
wird uns geſchrieben: Seitens der Eiſenbahndirektion Mainz war
recht=
zeitig erkannt wonden, daß die vor 35 Jahren erbaute eiſerne Brücke im
Birkenauer Tal, die hinter der Hildebrandſchen Mühle beim Bahnhof
Tal die Odenwaldbahn über die Kreisſtraße und über die Weſchnitz
hin=
überführt, heute in keiner Weiſe mehr den Anfovderungen der modernen
Verkehrslaſten mit ihren ſchweren Lokomotiven genügt. Die
Eiſenbahn=
direktion war nun vor die Frage geſtellt, ob ſie eine vollſtändig neue
Brücke bauen oder die vorhandene der Neuzeit entſprechend verſtärken
ſollte. Im erſteren Falle hätte man die ſtark belaſtete Odenwaldſtrecke
auf Monate betrieblich ſtillegen müſſen, was weder für die
Reichsahn=
geſellſchaft noch für die Bewohner des Odenwaldes tragbar geweſen
wäre. So entſchloß man ſich zu einer den modernen Verhältniſſen
an=
gepaßten Verſtärkung der Ueberführungsbrricke über die Weſchnitz unter
voller Aufrechterhaltung des Verkehrs der Odenwaldbahn. Monatelang
tönte das monotone Hämmern der Preßluft=Niethämmer. Immer nach
kurzen Arbeitspauſen mußte die Strecke wieder völlig betriebsſicher
her=
geſtellt ſein, um Zugunfälle zu vermeiden. Unter der Straßenöffnung
wurde ein großer Portalträger auf mächtigen Betonfundamenten
auf=
geſtellt, der etwa 400 Zentner Gewicht beſaß, und unter der Flutöffnung
ein noch mächtigerer Portalrahmen von faſt 70) Zentnern Gewicht. War
ſchon der Hertransport ſolcher Giganten — allerdings in je Dreiteile
zerlegt — nicht leicht, ſo war deren Zuſammenſtellung und Aufſtellung
noch ſchwieriger. Nebenher ging die allgemeine Verſtärkung der
Ueber=
führungsbrücke, an der etwa 12000 Nieten neu gebohrt und geſetzt
wer=
den mußten. Unter der Straße mußte für den großen Portalträger
ein beſonderer Zugbandgraben hergeſtellt werden, um die auf die
Wider=
lager fallenden ſchädlichen Seitendrucke von je etwa 150 Tonnen
auszu=
gleichen. Hand in Hand mit dieſen Arbeiten ging eine vollſtändige
Er=
neuerung des Oberbaues der großen Weſchnitzbrücke, ſowie der
Fahr=
ſchienen und der eichenen Unterlagsbauten. Der Bahnſteig des
Bahn=
hof3 Birkenauer Tal iſt nun in voller Breite bis über die Flutöffnung
erweitert worden, womit gleichfalls einem alten Uebelſtande abgeholfen
wurde. Die ſehr ſchwierigen Arbeiten des Geſamtwerkes vollzogen ſich
ohne den geringſten Unfall. Mit der Fertigſteilung desſelben iſt
nun=
mehr das Birkenauer Tal um eine techniſche Sehenswürdigkeit, die in
ihrer Art geradezu als ein Wunder anzuſehen iſt, bereichert worden.
Nur dem Zuſammenwirken vom einfachſten Hilfsarbeiter bis zur
zober=
ſten bauleitenden Stelle iſt es zu verdanken, daß die geſamten Arbeiten
ohne jede Störung des Eiſenbahnbetriebs ſich vollziehen konnten. Die
örtliche Bauleitung lag in Händen des Eiſenbahnbau=Oberinſpektors
Wilhelm Molitor, unterſtützt durch Oberbahnmeiſter Müller,
Ober=
bahnmeiſter Schulz und techniſchen Eiſenbahnoberſekretär Treuſch.
Aus=
geführt wurde der Bau durch die Firma Neußer Eiſenbau vorm.
Blei=
chert in Neuß. Die Eiſenbetonarbeiten führte die Firma Jakob Hörot=
Weinheim aus.
* Fürth i. Odw., 21. Mai. Eine größere Abteilung badiſcher Schupo,
von Mannheim kommend, raſtete geſtern vormittag in unſerem Orte.
Dieſelben waren in zehn Autos inkl. zwei Aerztewagen hierher gefahren
worden zu einer Dienſtübung. Der Rücktransport fand gegen mittag
ſtatt. — Der hieſigen Bürgermeiſterei ſind für Neubauten für dieſes
Jahr 52 500 RM. Staatsbaugelder bewilligt worden. Infolgedeſſen iſt
die Bautätigkeit auf das höchſte geſtiegen. An Staatsgebäuden iſt
neuerdings ein ſtattlicher Bau für das Vermeſſungsamt erſtanden. Das
neue Viertel nach Kröckelbach iſt ſoweit ausgebaut. Zurzeit iſt man
an der Herrichtung neuer Straßen für ein weiteres aufgeſchloſſenes
Bau=
viertel tätig.
* Reckarſteinach, 21. Mai. Im benachbarten Dilsberg veranſtaltet
der Badiſche Sängerbund am Sonntag, den 22. ds. Mts., ein
Preis=
ſingen, an dem 22 Vereine teilnehmen werden. Der hieſige „
Sänger=
bund” ſingt an 15. Stelle den Hegar=Chor „Morgen im Walde” und das
Volkslied „Das verlaſſene Mägdlein” (Früh, wenn die Hähne kräh’n).
— Am 3. Juli veranſtaltet der Verkehrsverein Neckargemünd wieder
eine Beſchießung und Beleuchtung der altehrwürdigen Feſte Dilsberg,
wie ſie aus dem vorigen Jahr noch in Aller Erinnerung iſt. Die in
gemeinſchaftlicher Arbeit der Verkehrsvereine Neckarſteinach und
Neckar=
gemlind getroffenen Vorbereitungen verſprechen auch diesmal ein volles
Gelingen des Unternehmens und eine von den zahlreichen fremden
Gäſten willkommen geheißene Abwechſlung. — Es ſoll nicht beſſer
werden. Der am 15. Mai in Kraft getretene neue Fahrplan
ver=
ſagt dem heſſiſchen Neckartal auch dieſes Jahr die heiß umkämpfte
Vor=
mittagsverbindung von Heidelberg nach Eberbach zwiſchen 8 und 13 Uhr.
Es iſt ein ganz unhaltbarer Zuſtand, daß unſer gerade jetzt von
zahl=
loſen Fremden beſuchtes heſſiſches Neckartal während 5
Vormittagsſtun=
den von Heidelberg aus nicht mehr erreicht werden kann. Nicht ſelten
haben Fremde angeſichts dieſes Umſtandes noch in letzter Minute ihr
Reiſeziel geändert und haben das alltäglich in gleicher Zeitſpanne durch
drei günſtige Zugverbindungen erreichbare Bauland als Aufenthalt
ge=
wählt, umſomehr, als dieſes über täglich 12 Zugverbindungen nach und
von Heidelberg verfügt, während das an der Hauptſtrecke Mannheim—
Würzburg—Berlin gelegene Neckartal deren nur acht hat! Selbſt die
heſſiſche Regierung, die dieſerhalb, wie wir wiſſen, bei der zuſtändigen
Fahrplanſtelle vorſtellig geworden iſt, konnte bislang nichts für ihre
ge=
ſchädigte Geſchäftswelt im Neckartal erreichen. Die Widerſtände, welche
die badiſche Reichsbahndirektion den heſſiſchen Beſtrebungen in dieſer
Nichtung entgegenſetzt, ſcheinen unbezwingbar zu ſein. Nichtsdeſtotrotz
muß eine Vermehrung der Zugfolge zwiſchen Heidelberg—Eberbach in
den Vormittagsſtunden mit allen zu Gebote ſtehenden Mitteln
ver=
langt werden.
* Neckargerach, 18. Mai. Gedenktafel. Dieſer Tage wurde
am Müllerſchen Hauſe gegenüber dem Kaufhauſe Bödigheimer eine
Ge=
denktafel angebracht zur Erinnerung an die Mutter des erſten deutſchen
Reichspräſidenten, Friedrich Ebert aus Heidelberg. Dieſe iſt in
Neckar=
gerach geboren und wohnte einige Jahr in obigem Hauſe. Mit der
demnächſt erfolgenden Einweihung der Gedenktafel ſoll eine kleine Ebert=
Gedächtnisfeier verbunden werden. (Wiederholt, da irrtümlich aus
Nckarſteinach datiert.)
— Hirſchhorn, 21. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
20. Mai 1,10 Meter, am 21. Mai 1,11 Meter.
— Gernsheim, 21. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
21. Mai 149 Zentimeter.
* Aus dem Kreiſe Heppenheim, 21. Mai, Auflöſung einer
Zwangsinnung. Die Zwangsinnungen ſcheinen wieder nach und
nach abgebaut zu werden. Vor etwa 4 Wochen wurde die
Küferzwangs=
innung Bensheim=Heppenheim geſchloſſen, und nun ſoll auch die
Zwangsinnung für das Barbier= und Friſeurgewerbe im Kreiſe
Heppen=
heim aufgelöſt werden. Dies macht das Kreisamt bekannt und fordert
die Innungsmitglieder auf, die rückſtändigen und fälligen Beiträge
als=
bald zu leiſten. Die Liquidation erfolgt unter der Aufſicht des
Kreis=
amts. — An Waiſenbüchſengelder gingen für 1926 durch
Ver=
mittlung der Bürgermeiſtereien im ganzen 460 Mark ein. Den größten
Betrag leiſtete Viernheim mit 38,62 Mk., den kleinſten Ober=Laudenbach,
mit 60 Pfg.
* Von der Bergſtraße, 21. Mai. Die erſten Frühkirſchen
kamen vorgeſtern auf den Maukt; das Pfund koſtet aber 80 Pfg. Die
Erdbeeren pro Pfund 4,50 Mk.
Vergee
De
Sblette
Rheuma,
Sicht,
Ischias,
Kerven= und
Ropfſchmerzen,
Grippe,
Inſiuenza u. a. Erkältungskrankheiten.
Dt. notarieller Beftätigung ſind innerhalb 6 Monaten mehr als 1500 Gutachten allein
aus Arztekreiſen eingegangen, darunter von namhaften Profeſſoren und aus erſten
Klinik- . — Togal ftillt die Schmerzen und ſcheidet die Harnſäure aus. Keine
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Heppenheim a. b. B, 21. Mai.
Odenwaldkraftwagen=
verkehrs= A.=G. Genannte Vereinigung läßt am Montag einen
Sonderwagen nach folgendem Plan verkehren: Heppenheim ab
vor=
mittags 6,45 Uhr, Fürth ab 7.23 Uhr, Erbach an 8,43 Uhr. Der
Son=
derwagen hält an ſämtlichen Haltoſtellen. Die Fahrzeiten werden dem
z. Zt. gültigen Fahrplan angepaßt. — Geſtern vollendete Herr
Regie=
rungs=Baurat E. von Bandel in körperlicher und geiſtiger Friſche
ſein 70. Lebensjahr. Herr E. von Bandel iſt der Enkel des Erbauers
vom Hermannsdenkmal. — Starkenburg. Die Arbeiten an der
Erbauung des neuen Burgfriedes ſind nun wieder aufgenommen
wor=
den, nachdem ſie bei Beginn des Winters eingeſtellt waren. Wenn der
Turmbau bis zum Spätherbſt vollendet ſein ſoll, dürfen keine weiteren
Zwiſchenfälle mehr eintreten, da der Turm eine Höhe von 2 Metern
erreichen ſoll und bei einem Turmbau verhältnismäßig nur wenig
Ar=
beiter beſchäſtigt werden können. Außerdem werden die Arbeiten, je
höher ſie kommen, immer umſtändlicher und zeitraubender. —
Beſitz=
wechſel. Die Gaſtuirtſchaft Lang an der Ecke der Poſt= und
Rhein=
ſtraße, iſt in den Beſitz des ſeitherigen Mieters, Herin Schönperle,
übergegangen. Augenblicklich werden ſchon größere Umbauarbeiten
vorgenommen, wodurch der Bahnhofsvorplatz eine neue Verſchönerung
erhält. Ein Teil der umfingreichen Veränderungen ſoll bis zur
General=
verſammlung des Odenwaldklubes fertiggeſtellt ſein. —
Mandel=
ernte. Die grüne Mandelernte hat bereits begonnen. Mit dem
Behang iſt man zufrieden.
— Gernsheim, 21. Mai. V. D. A. Obwohl der Eintrittspreis für
den Mundartabend des Vereins für das Deutſchtum im Ausland,
Schul=
gruppe Gernsheim, ſich in ſehr mäßigen Grenzen gehalten hatte, war
die am Donnerstag abend im Saalbau Haas abgehaltene Veranſtaltung
ſehr ſchwach beſucht, was in Anbetracht der guten und nützlichen Sache
bedauerlich iſt. Herr Studiendirektor Scholl von der hieſigen Realſchule
gab in ſeinen einleitenden Worten ein klares Bild über das Wirken und
die Tätigkeit der Deutſchen im Ausland. Er zeigte im Geiſte wie der
Deutſche ſich durch ſeine Intelligenz außerhalb der Grenzen ſeinen
Vaterlandes Autorität verſchafft hat. Um die Sitten und Gebräuch
bewahren zu können, müſſen Einrichtungen wie Kirchen, Schulen pp. vor
handen ſein, deren Ausbau und Unterhaltung aber den Auslandsdeuf
ſchen allein nicht zugemutet werden kann. Für die Finanzierung de
Unternehmungen müſſen Geldmittel vorhanden ſein, und die zu ver
ſchaffen, ſei nicht nur Aufgabe, ſondern auch Pflicht eines jeden Deutſchen.
Die Bitte des Nedners ging dahin, die gute Sache nach beſten Kräften,
ſei es durch Beitritt zum Verein für das Deutſchtum im Ausland ode
auf ſonſtige Weiſe zu unterſtützen. Beſonderen Dank zollte Herr
Direſ=
tor Scholl all denjenigen, die ſich in den Dienſt des guten Zwecks ſtellten,
insbeſondere Frl. Lehrerin Naumann von der Eleonorenſchule,
Darm=
ſtadt, Herrn Rektor Schmitt und dem „ſpiritus rector” der ganzen
Veran=
ſtaltung, Herrn Studienaſſeſſor Herbert. Mit dem Schlußwort: „Friſch
auf zum fröhlichen Spiel” nahm das Programm des Abends ſeinen
An=
fang. Unter der exakten Leitung des Herrn Lehrer Kliemeſch trug der
Knabenchor der hieſigen katholiſchen Volksſchule einige gut eingeſchulte
Lieder vor, die bei den Zuhörern lebhaften Beifall auslöſten. Die von
einigen Schülerinnen vorgetragenen Dialektdichtungen, beiſpielsweiſe
„Die Eisheiligen” „Das geſtrenzte Brot”, „Gut Früchtche” und dal.
mehr, erweckten helle Freude. Den Abſchluß des Abends bildete das
Theaterſtückchen in Darmſtädter Mundart Der Kaktusfreund‟. Dig
Spielerinnen (Spielabteilung der Eleonorenſchule Darmſtadt) gaben in
ihrer echten Heinerſprache eine reizende und mit lebhaftem Beifall
auf=
genommene Aufführung.
Oberheſſen.
* Friedberg, 21. Mai. Vorgeſtern fand eine Stadtverordnetenſitzung
ſtatt, in der neben eiigen anderen Fragen die Erweiterung des Waſſer=
und Gasnetzes an der Hindenburgſtraße, ſowie an der Gießener Straße
mit 8600,— bzw. 4000 Mk. bewilligt wurde. Die Waſſerleitung im
weſt=
lichen Fußſteig der Kaiſerſtraße muß verlegt werden, weil die Rohre
zu eng ſind. Die Kinoſteuer wird auf Erſuchen für die flauen
Sommer=
monate von 15 auf 10 Prozent ermäßigt. Der ſüdliche Teil der
Kaiſer=
ſtraße wird aſphaltiert. Nach Fertigſtellung der Rohnlegungsarbeiten
wird ſofort begonnen werden. Die Koſten werden etwa 110 000 Mark
betragen. Mit den Arbeiten in der Ludwig=, Hanauer= und
Bismarck=
ſtraße iſt bereits begonnen worden. Sehr erregt und dramatiſch geſtaltete
ſich teilweiſe die Ausſprache bei der Verhandlung der Platzfrage für
die Friedberger Kriegerehrung. Der Bürgermeiſter ſpricht für die
Ver=
bindung dieſes Projektes mit dem zu erbauenden Waſſerturm, während
Dr. Leuchtgens ſich dagegen wendet, zumal ein dahingehender Beſchluß
der Verſammlung vorliege. Ein Vorſchlag, die Angelegenheit zu
ver=
tagen, fand keine Annahme, und ſchließlich wurde mit grotzer Mehrheit
nach längerer Ausſprache ein Betrag angenommen, der den Vorſchlägen
des Bürgermeiſters entſpricht.
WSN. Gießen, 21. Mai. Luftballonflug Rumänien—
Oberheſſen. In den großen Staatswaldungen zwiſchen Grünberg
und Laubach fanden einige Herren der ſtaatswiſſenſchaflichen Fachſchaft
der Univerſität Gießen am Sonntag nachmittag in der Nähe des
Dor=
fes Weickartshain einen kleinen Luftballon, der nach ſeiner Aufſchrift
in Rumänien aufgeſtiegen und bis nach Oberheſſen geflogen war. Der
Ballon hatte folgende Aufſchrift: „Spiegel= und Porzellan=Manufaktn:
La Trei=Lulele, Magazin Popular Ploeſti”, Weitere
Erkennungsmerk=
male waren bei dem Fund nicht vorhanden, infolgedeſſen konnten
Ermitt=
lungen über den Aufſtieg uſw. nicht vorgenommen werden.
* Grünberg, 21. Mai. Zum geſtrigen Schweinemarkt waren 721
Ferkel aufgetrieben. Infolge des großen Auftriebs ging der Handel
zu Anfang etwas ſchleppend um zum Schluß lebhafter zu werden. Die
Preiſe für 7—8 Wochen alte Ferkel betrugen 25—28 Mark, für 9—10
Wochen alte 30—35 RM., für 10—12 Wochen alte 35—45 RM., Läufer
koſteten 45—55 RM.
s. Lguterbach, 21. Mai. Für vergangenes Jahr war eine
Kreis=
ſchau für Klauenvieh geplant; da dieſelbe ausfiel, ſoll ſie am
14. und 15. Juni ds. Js. nachgeholt werden. Am erſten Tag iſt die
Prämiierung, für die namhaſte Ehrenpreiſe ud ſonſtige Preiſe zur
Verfügung ſtehen. Die Ausſtellung der prämiierten Tiere findet am
folgenden Tage ſtatt, dieſelbe erſtreckt ſich auf Rinder des heſſiſchen
Fleck=
viehs und Vogelsberger, ferner Schweine (veredelte Landſchweine) und
Ziegen (Saanenziegen). Beim Fleckvieh iſt ein getrennter Wettbewerb
für die Bezirke Angersbach und Maar, und die übrigen Bezirke des
Kreiſes vorgeſehen. Es ſind nur ſolche Tiere zugelaſſen, die in die
Herd=
bücher des Landwirtſchaftskammerausſchuſſes eingetragen ſind. Dieſe
Schau ſoll eine Vorſchau für die Landesausſtellung in Darmſtadt ſein,
darum wird mit einer zahlreichen Beſchickung der Schau zu rechnen ſein.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beantwortet. DieBeantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlſchkelt.
M. in 1. Die Invaliden=(Alters=)Rente beſteht aus: 1. einem
Reichszuſchuß von jährlich 72 Mk. (8 1285 RVO.); 2. einem für
alle Lohnklaſſen gleich hohen Grundbetrage von jährlich 120 Mk.;
3. einem Steigerungsbetrage der für jede
ordnungs=
mäßig verwendete Beitragsmarke der bis zum 30. Sept.
1921 gültigen Lohnklaſſen gewährt wird; derſelbe beträgt in der
Lohn=
klaſſe II 4 Pfg., in der Lohnklaſſe III 8 Pfg., in der Lohnklaſſe IV
14 Pfg., in der V. Klaſſe 20 Pfg. (Die Beſtimmung unter Ziffer 3 iſt
am 1. Apvil 1927 in Kraft getreten.) Bei den vor dem 1. April 1927
feſtgeſtellten und am 1. Juli 1927 noch laufenden Renten, die einen
Steigerungsbetrag für Beitragszeiten vor dem 1. Oktober 1921 enthalten,
wird dieſer Steigerungsbetrag vom 1. Juli 1927 an verdoppelt. —
Hiernach können Sie ſich die Rente berechnen.
G. H. hier. 1. Wegen Fertigung eines Gutachtens wird man wohl
in erſter Linie eine Vergütung vereinbaren. Iſt dies nicht
ge=
ſchehen, ſo iſt eine angemeſſene Vergütung zu leiſten. Wie hoch
dieſelbe im Einzelfalle ſein kann, kommt auf die Umſtände des
Einzel=
falles, die Vorbereitung der Erſtattung des Gutachtens ſelbſt und die
auf die Abfaſſung verwendete Zeit an. 2. Sie müſſen zunächſt beim
Ortsgericht ein Armutszeugnis beantragen und unter deſſen Vorlage
bei Gericht die Bewilligung des Armenrechts nachſuchen.
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Teilhaberin
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ſtadt. Hoher Verdienſt.
Kaution 500 ℳ
Be=
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Von hieſiger Firma
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Das Sechs-Zylinder-Modell „60‟ (12/55 PS.) hergestellt in der
Chrysler-Fabrik, Berlin, ist herabgesetzt auf:
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Chrysler Modell ,70‟ (14/70 PS) Chrysler Modell ,80‟ (19/95 PS.)
Der Name „Chrysler”” sagt alles!
„Chrysler”” hält, was er versprichtl
Wir laden zu einer unverbindlichen Besichtigung u. Probefahrt ein.
Autorisierte Vertretung:
Geite 10
Reich und Ausland.
Ein vielſeitiger Betrüger.
WSN. Frankfurt a. M. Der 21jährige
Chauffeur Franz Philipp Thomas hatte ſich dieſer
Tage wiederum vor dem Kleinen Schöffengericht
wegen Rückfallbetrugs zu verantworten. Wie früher,
ſo hatte er es auch jetzt hauptſächlich auf Parteien
und Verbände mit politiſchem Anſtrich abgeſehen,
wobei es ihm gleich war, ob dieſe auf der linken oder
auf der rechten Seite ſtanden. Diesmal hatte er
ſo=
wohl den Stahlhelm, wie das Reichsbanner
hinein=
gelegt. Thomas ging bei ſeinen Betrügereien immer
nach einem beſtimmten Syſtem vor. Er erbot ſich,
Mitgliedsbeiträge zu kaſſieren, neue Mitglieder zu
werben und Karten für Veranſtaltungen zu
ver=
kaufen. Die kaſſierten Gelder behielt er jedoch für
ſich. Die Leidtragenden waren die Kaſſierer der
be=
treffenden Verbände. Da es ſich um
verhältnis=
mäßig geringe Beträge handelte, verurteilte ihn das
Gericht unter Zubilligung mildernder Umſtände zu
drei Monaten Gefängnis.
Die Kaſſeler Kataſtrophe ein techniſcher Unfall?
Der „Lokal=Anzeiger” meldet aus Kaſſel: Nach
Anſicht der Straßenbahnverwaltung kann den beiden
Straßenbahnbeamten eine Schuld an dem Unglück
nicht beigemeſſen werden. Es ſteht zweifellos feſt,
daß die Bremſe ſich von ſelbſt gelockert
hat, und daß wahrſcheinlich ein techniſcher Unfall
vorliegt, für den niemand verantwortlich
gemacht werden kann.
Gemeinſamer Flugplatz Trier—Luxemburg.
Drier. In einer gemeinſamen Beſprechung
zwiſchen Vertretern der beiden Städte Trier und
Luxemburg wurde endgültig beſchloſſen, einen
ge=
meinſamen Flugplatz für Trier und Luxemburg auf
luxemburgiſchem Gebiet zu errichten. Der Platz iſt
noch nicht beſtimmt. Beide Städte bilden eine
Flug=
platzgeſellſchaft, in die ſie zu gleichen Anteilen
ein=
treten. Die Abgabe von Anteilen an andere Stellen
iſt nicht ausgeſchloſſen. Grundlegend iſt die
Beſtim=
mung, daß jede der beiden Städte ohne weiteres das
Recht hat, den Flugplatz für diejenigen Linien zu
benutzen, die ſie wünſcht. Es werden zwei
Flug=
inien, nämlich die Linie Trier—Frankfurt und die
Linie Eſſen-Köln—Trier—Saarbrücken, den
Flug=
platz anfliegen. Es iſt aber bereits Fühlung
ge=
iommen, um auch Anſchluß an die Hauptfluglinien
des Weſtens, nach Brüſſel, Antwerpen, Paris und
London, zu erhalten.
Wieder veruntreute Wohlfahrtsgelder.
Bei dem Berliner Bezirksamt Mitte, bei dem
ſchon vor einigen Tagen Veruntreuungen von
Wohl=
fahrtsgeldern feſtgeſtellt wurden, ſind jetzt wiederum
Veruntreuungen eines Wohlfahrtsvorſtehers, der
Gelder in Höhe von über 1000 Mark unterſchlagen
hat, aufgedeckt worden. Es iſt ein Strafverfahren
gegen ihn eingeleitet worden.
Notlandung eines deutſchen Beamten
am polniſchen Korridor.
Beim Heimflug vom Küſtenſegelflugwettbewerb
in Roſſitten war das Flugzeug D989, mit dem Ober=
Regierungsrat Geye vom Verkehrsminiſterium,
wegen Motorſchadens gezwungen, umweit der Grenze
des polniſchen Korridors bei Labuhn eine
Not=
landung vorzunehmen. Dabei überſchlug ſich die
Maſchine. Die Inſaſſen ſind ohne Schaden
davonge=
kommen und konnten bald aus ihrer unglücklichen
Lage befreit werden. Das Flugzeug wurde
abmon=
tiert und nach Lauenburg geſchafft.
Ein Petroleummagnat zu Gefängnis verurteilt.
Waſhington. Der Petroleummagnat
Sin=
elair, der vor dem Senatsausſchuß ſich geweigert
hatte, auf die vier ihm vorgelegten Fragen zu
ant=
worten, iſt wegen ungebührlichen Verhaltens zu
drei Monaten Gefängnis verurteilt
worden.
Drei Kinder in einem Sandberg verſchüttet.
Roermond. Am Freitag wurden bei Caſtel
an einem Sandberg, auf dem Kinder ſpielten, vier
derſelben, drei Mädchen und ein Junge, verſchüttet.
Zwei Mädchen und der Junge, im Alter von etwa
drei Jahren, fanden dabei den Tod. Das
vierte Mädchen, etwa ſechs Jahre alt, wurde gerettet,
ſchwebt aber in Lebensgefahr.
Der Flug de Pinedos.
EP. Mailand. De Pinedo hat laut einer
Kabelmeldung an die italieniſche Preſſe beſchloſſen,
am Samstag abend von Trepaſſey über den
Ozean nach Liſſabon, mit einer Zwiſchenlandung
auf den Azoren, zu fliegen.
Ein Wohltäter der Taubſtummen.
Das Samuel=Heinicke=Denkmal in Nautſchü
Samuel Heinicke, dem erſten Taubſtummenlehrer u
Begründer der erſten deutſchen Taubſtummenanſt
n Leipzig, wurde anläßlich der 200. Wiederk
ſeines Geburtstages in ſeinem Heimatsort Ne
ſchütz, Kreis Weißenfels, ein Denkmal geweiht.
ſeſteht aus einem Findlingsblock mit einem Bror
Medaillon.
Sonntag, den 22. Mai 1927
Nummer 141
An der Unglücksſtätte.
Bochum baut ein neues Rathaus.
Modell des für Bochum geplanten Rathaus=Neubaues.
Das Bild zeigt das Rathaus, deſſen Hauptbau als Platzwand von ſtarker Wirkung iſt, von der
Bongardſtraße aus geſehen.
600=Jahrfeier der Stadt Frieſack.
Das zur Jubiläumsfeier errichtete Berliner Tor wit Blick in die Hauptſtraße von Frieſack.
Die Stadt Frieſack in der Mark Brandenburg kann nunmehr auf ein 600jähriges Beſtehen
zurück=
blicken. Wer Theodor Fontanes wundervolle „Wanderungen durch die Mark Brandenburg” geleſen
hat, weiß von dem ſtillen Zauber dieſer märkiſchen Kleinſtadt, in der noch viele alte Häuſer in
ihrer urſprünglichen Geſtalt erhalten geblieben ſind.
Regierungs=Jubiläum in Spanien.
Ein königlicher Kuß.
König Alphons von Spanien, der an ſeinem 41. Geburtstage das 25jährige Jubiläum ſeines
Regierungsantritts begehen konnte, nahm aus dieſem Anlaß an einer großen militäriſchen Parade
teil, wobei er zahlreiche Auszeichnungen verteilt hat. — Unſer Bild zeigt den Konig, wie er einem
heldenhaften Marokko=Kämpfer zum Zeichen einer beſonderen Ehrung einen Kuß gibt.
Der Ozean
im Flugzeug überquert.
Lindbergh nach 33½ Stunden
in Paris gelandet.
* EP. Paris, 21. Maf.
Der amerikaniſche Atlantikflieger
Lind=
bergh iſt ſoeben, um 10.22 Uhr abends, auf dem
Flugplatz Le Bourget bei Paris gelandet,
Er hat alſo die Strecke New York-Paris in der
außerordentlich kurzen Zeit von 33 Stunden
27 Minuten zurückgelegt. Eine rieſige
Menſchen=
menge, die ſich auf die Meldung vom Paſſieren
Cherbourgs auf dem hieſigen Flugplatz
ange=
ſammelt hatte, brachte dem jungen kühnen
Flieger begeiſterte Ovationen dar.
Hauptmann Lindbergh.
Lindbergh über Neuſchottland geſichtet?
EP. New York. Wie aus Halifax gemeldet
wird, wurde um 1.25 Uhr amerikaniſche Zeit bei
Meteghan in Neuſchottland ein Flugzeug
geſichtet, das ſeinen Weg in öſtlicher Richtung
fortſetzte. Da um dieſe Zeit kein kanadiſches
Flug=
zeug unterwegs war, nimmt man an, daß es ſich um
Lindberghs „Spirit of St. Louis” handelt.
Lindbergh vor dem Ziel.
Lindbergh überflog um 17.20 Uhr die Bucht
von Smerwick, in der Grafſchaft Kerry.
Lindbergh über Frankreich.
Um 10 Uhr abends wird aus Cherbour?
gemeldet, daß ein Eindecker, den man für den Lindy
berghs hält, die Stadt in ſüdöſtlicher Richtung
paſſiert hat.
Die engliſche Admiralität teilt mit, daß das
Kriegsſchiff „Maidome” drahtlos mitgeteilt hat, e3
habe ein Flugzeug unbekannter Nationalität mit
ſüd=
öſtlichem Kurs um 7.40 Uhr abends
ge=
ſichtet.
Um 8. 45 Uhr abends paſſierte das
Flug=
zeug Plymouth.
Lindbergh.
EP. Kopenhagen. Die Zeitungen bringen
intereſſante Einzelheiten über den Ozeanflieger
Lind=
bergh. Lindbergh, der etwa 25 Jahre alt iſt, iſt in
Detroit von ſchwediſchen Eltern geboren. Sein
Aeußeres iſt typiſch nordiſch, er hat helles Haar und
blaue Augen. Er hat ſich in Amerika mehrere Jahre
lang als Berufsflieger betätigt und ſich wegen ſeiner
ſportsmänniſchen Eigenſchaften in amerikaniſchen
Flugkreiſen einen geachteten Namen erworben. Man
nennt ihn den fliegenden Ford, wegen ſeiner
Kühn=
heit aber auch den „kühnen Lindbergh”. Bereits
vier=
mal hat er ſich in Lebensgefahr befunden. Das
eine=
mal hatte er den Auftrag, in dichtem Nebel wichtige
Poſt rechtzeitig an ihren Beſtimmungsort zu bringen.
Da unter dieſen Verhältniſſen eine Landung
den ſicheren Tod bedeutet hätte, ließ er zuerſt im
Nebel die Poſt herunterfallen, und, nachdem der
Nebel gewichen war, ſprang er mit dem Fallſchirm
ab. In keinem dieſer Fälle hat er Verletzungen
erlitten.
Die „Columbia” noch nicht geſtartet.
New York. Der Start des Bellanca=
Flug=
zeuges „Columbia”, zum Transozeanflug iſt durch
ſchlechtes Wetter verzögert.
Sprengung von Gasgranaten auf den
Schlacht=
feldern.
* Amſterdam. Beim Wegräumen von
Kriegs=
material in Weſtflandern mußte man einen
Berg von Gasgranaten zur Exploſion bringen. Das
Giftgas verbreitete ſich durch den Wind über das
Land. Einige Bauern konnten nur mit knapper
Not rechtzeitig die Flucht ergreifen. Die Ernte der
Umgegend iſt durch das Gas vernichtet worden.
Selbſtmord eines Großgrundbeſitzers.
EP. Budapeſt. Der bekannte Großinduſtrielle
und Großgrundbeſitzer Louis Egydi, ein Mann
von 70 Jahren, hat ſich am Freitag in Budapeſt
er=
ſchoſſen. Er unterhielt ſeit 40 Jahren einen
Rennſtall, und ſeine Pferde haben zahlloſe Rennen,
darunter auch in Berlin und Hamburg, gewonnen.
Das Motiv des Selbſtmords ſoll nach der einen
Verſion Krankheit nach einer anderen materielle
Zer=
rüttung ſein.
Verleihung der Franklin=Medaille an Profeſſor
Planck.
Philadelphia. Im Franklin=Inſtitut fand
die feierliche Uebergabe der dem Berliner Phyſiker
Prof. Hans Planck verliehenen Franklin=Medaille
ſtatt. Sie gilt in Amerika als größte Auszeichnung,
die für Leiſtungen auf dem Gebiete phyſikaliſcher
Forſchung verliehen wird. Die Medaille wurde in
Abweſenheit von Prof. Planck von Botſchaftsrat
Dr. Kiep entgegengenommen.
Rummer 141
Seite 11
Sonntag, den 22. Mai 1927
Cotl Shler und Tarnen.
Motorſport.
„M. D. A. C.=Opelbahn=Rennen 1927.”
Glänzendes Nennungsergebnis. — Ein Großkampftag im internationalen
Motorſport.
Näher rückt der 29. Mai, das große motorſportliche Ereignis im
Gau IIIa des Allgemeinen Deutſchen Automobilklubs, und mit jedem
neuen Tag zeigt ſich der über alles Erwarten große, wachſende
Er=
folg des A. D.A.C.=Aufrufes zum Opelbahn=Rennen in der deutſchen
und internatonalen Motorſportwelt.
Wir erleben das ſeltene Ereignis in der Motorſportgeſchichte, daß
eine im Entſtehen begriffene, großzügig aufgezogene Veranſtaltung ſich
über den Rahmen ihrer urſprünglichen Beſtimmung hinaus zu einem
internationalen Motorſporttag allergrößten Formats entwickelt.
Eine Rekordziffer von Nemnungen iſt bis jetzt, kurz vor dem
Nennungsſchluß, zu verzeichnen. Das Ausland entſendet eine
in=
ternationale Fahrerklaſſe und läßt damit erkennen, welche
Bedeutung es dem A. D.A. C.=Opelbahn=Rennen beilegt. Der deutſche
Motorradſport iſt mit ſeiner Elite am Start, um die deutſchen
Farben würdig zu vertreten. Die beſten in= und ausländiſchen
Bahn=
fahrer, Spezialiſten der Zementbahn, werden ihr Können unter
Be=
weis ſtellen und wird die beiſpielsloſe glänzende Beſetzung der
ein=
zelnen Klaſſen überaus ſpannende Kämpfe bringen, wie ſie die
Opel=
bahn bis jetzt noch nicht geſehen haben dürfte.
Die Bekanntgabe der offiziellen Meldeliſte erfolgt ſobald dieſelbe
endgültig abgeſchloſſen iſt, da die enorme Nachfrage aus dem In= und
Auslande, wie ſchon mitgeteilt, eine Verlängerung des Meldetermins
bis zum 21. Mai, nachmittags 6 Uhr nötig machte. Für heute
ſei nur geſagt, daß alles, was Namen und Ruf im deutſchen Motorſport
hat, das Rennen beſtreitet.
Der Organiſationsausſchuß iſt unter Anſpannung aller ſeiner Kräfte
bemtht, dem gebotenen klaſſiſchen Sport einen würdigen äußeren
Rahmen zu verleihen und wird die anläßlich des Rennens international
ausgeſchriebene Geſchwaderfahrt zum A. D. A. C.=
Opel=
bahn=Rennen 1927” ſich zu einer impoſanten, machtvollen
Kund=
gebung des Motorſports und des A.D.A. C. geſtalten.
Der 29. Mai, der Tag der Opelbahn, dürfte ein Großkampftag,
ein Erlebnis im deutſchen Motorſport werden.
Handball.
Handballenbſpiel der DSB. am 20. Mai.
Der Termin ſür die Endſpiele um die deutſche Handballmeiſterſchaft
der DSB hat ſich inſofern geändert, als die Spiele nicht Himmelfahrt,
ſondern erſt am Sonntag, den 29. Mai, auf dem SCC.=Platz in Berlin
ausgetragen werden. Die Endſpielkandidaten ſind bei den Damen Guts
Muths Dresden und SC. Charlottenburg und bei den Herren die
Poli=
ziſten aus Hannover und Berlin,
1. Polizeiſportverein Wiesbaden—1. Akad. Sportklub.
Am Sonntag treffen ſich obige Mannſchaften um 16 (4) Uhr auf dem
„Hochſchulſportplatz zu einem Freundſchaftsſpiel. Polizeiſportverin ſpielt
in feinem Bezirke in der Liga und konnte ſich in den Verbandsſpielen
eeinen guten Platz ſichern. Die Darmſtädter, die ſich in der letzten
Ver=
bandsrunde als B=Klaſſenmeiſter qualifizieven konnten, werden zeigen
müfſen, daß ſie auch gegen beſte Klaſſe beſtehen können.
Rugby.
Süddertſchland gewinnt gegen Rumänien 6:0.
Nach dem ſchönen Sieg der deutſchen Ländermannſchaft über die
Franzoſen, durfte nun auch die ſüddeutſche Rugby=Ländermannſchaft
fihren erſten internationalen Kampf ſiegreich beſtehen. Die Austragung
des Kampfes ſtand allerdings unter einem ganz unglücklichen Stern,
ſtſonſt wäre das Treffen mit einem ganz anderen Ergebnis für Süd=
„(deutſchland, ausgegangen. Der am Nachmittag plötzlich eingetretene
BBindfadenregen machte den Platz faſt ſpielunfähig und dazu half noch
was regelwidrige Abſeits= und Zerſtörungsſpiel der Rumänen, daß eine
aauf Erfolg eingeſtellte Spielweiſe ſich kaum entfalten konnte. Aber auch
Konſt war die ſüddeutſche Mannſchaft durch einige Verſager wie Bocken=
Beimer und Prinz an ihrer Entwicklung ſtark gehemmt. Die Rumänen
Tieferten dagegen ein eifriges Spiel, dem der eifrige Sturm das Gepräge
wab. In der erſten Spielzeit übernahmen die ſüddeutſchen mit einem
minerhörten Verſuch und einem Straftreffer die Führung, die aber in
Der zweiten Spielhälfte von den Rumänen durch eine eifrige
Spiel=
wveiſe ſtark ungekämpft wurde, ſodaß die ſüddeutſche Mannſhaft nur
minter Aufwendung aller Kräfte ſich den entgültigen Sieg ſichern konnte.
MMit dieſem Erfolg konnte der Rugbyſport ſeine Frühjahrsſaiſon gut
Geſchließen.
Rudern.
Siebente Wormſer Ruderregatta.
Für die ſiebente Wormſer Ruderregatta am Sonntag, den 5. Juni,
ſaben 15 Vereine aus Mannheim, Frankfurt, Worms, Karlsruhe, Mainz,
Wimburg, Offenbach, Heidelberg und Koſtheim mit 53 Booten und 250
Muderern ihre Meldung abgegeben. Zahlenmäßig ſteht das
Melde=
gergebnis hinter dem des Vorjahres wohl etwas zurück, dafür weiſen
ſiedoch die erſtklaſſigen Rennen qualitativ eine gute Beſchickung auf.
Weſonders der Vierer ohne St. und der Erſte Achter bringen bekannte
SMannſchaften großer Vereine an den Start. Von den erfolgten
Nen=
mrungsabgaben ſind hervorzuheben: Erſter Vierer (Wanderpreis von
Srhr. Heyl zu Herrnsheim) Wormſer R.V., Mainzer R.V., Heidelberger
R. C. von 1872; Vierer ohne Steuermann (Ehrenpreis) Offenbacher
M. V. 1874, Mannheimer R.G., Heidelberger R.C. von 1872, Frank=
Furter R.V. von 1865, Mannheimer R.V. Amieitia, Mainzer R.V.;
EErſter Einer (Preis vom Nonnenhof, Herausforderungspreis von A.
WWeber=Mönchhof) R.G. Worms (Georg Lerch), Offenbacher R.V. 1874
/(Fritz Wagner); Doppelzweier ohne Steuermann (Ehrenpreis) Offen=
Eacher R.V. 1874 (Braun=Wagner), R.G. Worms (Marchand=Lerch),
Mainzer R.V. (Magel=De Beiſac); Erſter Achter (Nibelungen=Achter,
SWanderpreis von Fritz Reinhart van Gülpen) Mannheimer R.V. Ami=
(citia, Offenbacher R.V. 1874, Wormſer R.V., Mainzer R.V.,
Frankfur=
er R.V. 1865.
Schwimmen.
Vorrunde um die Deutſche Waſſerballmeiſterſchaft.
Die Spiele um die Deutſche Waſſerballmeiſterſchaft 1927 werden am
„Himmelfahrtstag (26. Mai) durch die Begegnung des ſächſiſchen Meiſters
Poſeidon=Leipzig mit dem brandenburgiſchen Meiſter
Wei=
fßenſee 69 in dem neuen Hallenbad im Lunapark eingeleitet. Es
Swird verſucht, bei dieſer Gelegenheit auch das Vorrundenſpiel Hellas
MMagdeburg gegen Waſſerfreunde Spandau, das bereits einmal verlegt
werden mußte, abzuwickeln.
Darmſtädter Sportkalender.
Leichtathletik.
11.00—12.00 Uhr: Darmſtädter Groß=Staffellauf.
Fußball.
4.00 Uhr: Sportverein Darmſtadt 98 — V. f. L. Neckarau.
Schießſport.
Sport= und Werbeſchießen, Sch. G. M. Windmühle.
Kegeln.
Sport= und Werbewoche (Bürgerverein, Saalbauſtraße).
Schießſport.
Deutſchland ſchlägt Däwemark.
3738: 3716 Punkte.
Den Reigen der diesjährigen Auslandskämpfe im K.K. S.=Sport
er=
öffnete die Auswahlmannſchaft des deutſchen Kartells für Jagd= und
Sportſchießen am Sonntag, den 8. Mai, in Kopenhagen. Der
Repräſen=
tant Dänemarks, Danske Forsvarsbördre Club, ſtellte der deutſchen
Mannſchaft, welcher die bekannten Herren Fitzkow, G Bock, M. Schulz,
O. Schulze, W. Hintze, Birnbaum und Schäfer angehörten, die beſten
Dänewarks gegenüber, die däniſchen Meiſter Soetter=Laſſen und Möller
ſowie die bekannten Olympigkämpfer Anderſen, Johannſen, Chriſtenſen,
Alwar und Bilbo.
Der Kampf war offen. Beide Parteien unterſchätzten ſich nicht.
Be=
reits die erſte Konkurvens, je 20 Schuß liegend und ſtehend auf die
däniſche 50=Meter=Scheibe, brachte der deutſchen Mannſchaft einen
Vor=
teil von 18 Punkten. Mit Beginn der zweiten Konkurrenz, gleiche
Schußzahl auf die deutſche 10er=Ringſcheibe, ſchien ſich das Blatt zu
wenden. Ein heißer Kampf entbrannte. Punkt um Punkt gewinnt
Dänewark. Uebervaſchend trat die Wendung ein. Der deutſche
Rekord=
mann Fitzkow=Berlin glich mit einer in Deutſchland noch nie dageweſenen
3:50 und 1:49 Ringſerie die Schlappe aus. Friſcher Mur jedes deutſchen
Schützen brachte die Entſcheidung in der letzten ſtehenden Serie. Mit
3738 zu 3716 Ringen war der Kampf nach achtſtündiger Dauer zugunſtem
Deutſchlands entſchieden.
Wer die Eigenart des K.K.S.=Sports kennt, wird die Leiſtung
bei=
der Mannſchaften würdigen. Der Kampf bewies eindrucksvoll, daß
unſere deutſchen „Sportſchützen” eine Begegnung auf internatios
nalem Boden nicht zu ſcheuen brauchen. Nach demKampf hatte die deutſche
Mannſchaft Gelegenheit, ſich die vorbildlichem Schießſtandanlagen des
Kopenhagener Stadions anzuſehen.
Bei dem zu Ehren der deutſchen Gäſte arvangierten Feſteſſem, zu dem
auch der deutſche Geſandte erſchien, wurde nach längeren Reden ein
neues Band von Nord nach Süd geſponnen.
Am 26. Ju erſcheinen die Dänen in Berlin zum Städtekampf
Berlin-Kopenhagen. Wir hoffen, daß es der deurſchen Mannſchaft
ge=
lingt, den Bären Berlins zu verteidigen. Sieg dem Beſten.
Auch bei uns in Darmſtadt wird tüchtig an der Hebung der
Lei=
ſtungen gearbeitet. Beim deutſchen Städtewettkampf, der endgültig am
3. September, 13 Uhr, ausgetragen wird, werden unſere Beſten zeigen
dürfen, wieweit unſere Landeshauptſtadt ſich mit den deutſchen
Groß=
ſtädten meſſen darf. Die Leiſtungen unſerer beſten „Zehn” ſind derart,
daß wir imſtande ſein werden, den Namen unſeres Landes und der
Landeshauptſtadt ehrenvoll zu vertreten.
Auch die Deutſche Meiſterſchaft wird für die Bezirke Bayern, Baden,
Rheinprovinz unb Heſſen in Darmſtadt ausgetragen werden am 4.
Sep=
tember I. J. Es iſt dies erneut ein Beweis dafür, daß man im Reich
unſeren rein ſportlichen Beſtrebungen größte Aufmerkſamkeit ſchenkt.
Die Pfingſtfeiertage vereinigen die Darmſtädter Schützen zwecks
Austragung der Darmſtädter Meiſterſchaften im Einzel= und
Mann=
ſchaftskampf auf den Ständen am Karlshof. Geſchoſſen wird auf 15 und
50 Meter Entfernung. Da wir gleichzeitig ein Werbeſchießen
veranſtal=
ten, iſt auch unſeren Freunden und Gäſten Gelegenheit geboten, ihr
Können zu zeigen.
Der Veranſtalter wird keine Mühe ſcheuen, alles zu tun, damit
ge=
rade dieſe Veranſtaltung zu einem Feſt ſich auswächſt für die geſamte
Bevölkerung.
Tennis.
Berliner Blau=Weiß=Tennisturnier.
Mit dem Eindreffen der ausländiſchen Gäſte erlebte am Freitag das
Berliner Blau=Weiß=Tennisturnier im Grunewald ſeine erſten wichtigen
Begegnungen. Im Herreneinzel ſchlug der Engländer Graig nach
ſchwe=
vem Kampf W. Stapenhorſt 6:4, 4:6, 6:4. Demaſius hatte Mühe, um
Sporberg 7:5, 6:3 abzufertigen. Ebenſo fiel Zander der Sieg über den
talentierten Leipziger Heyne mit 9:7, 6:3 ziemlich ſchwer. Bei den
Da=
men ſpielte Frau Friedleben gegen Fvau Olm 6:2, 6:2. Bemerkenswert
iſt die Niederlage von Frau Mieth gegen Frau Richter, die 6:4, 3:6,
6:4 die Oberhand behielt. Das Gemiſchte Doppel konnte gut gefördert
werden. Frau Hemp/Graig ſchlugen Frau Sturm/Bratanoff 6:1, 6:1,
Frau Friedleben/Hughes waren 6:0, 6:3 gegen Frau Benzer/Beermann
erfolgreich, Frau Neppach/Demaſius ſchlugen 6:3, 6:2 das Ehepaar Uhl
aus dem Felde und Frl. Hoffmann/Lorenz fertigten Frau Dombois/
Stroweg 6:1, 6:1 ab. Im Herrendoppel blieben Gebr. Stapenhorſt
über Maly/Heyne 6:3, 7:5 erfolgreich. — Am Samstag gab es eine
Reihe weiterer ſehr bedeutſamer Ergebniſſe. Im Herreneinzel um die
Meiſterſchaft von Preußen ſiegte Dr. Landmann gegen Lindenſtädt
6:0, 9:7 und gegen von Gersdorf 6:0, 6:3. Demoſius fertigte
Schle=
ſinger 6:0, 6:2 ab, der Engländer Hughes gewann gegen Zander 5:7,
6:0, 6:1, wurde aber in der nächſten Runde von ſeinem Landsmann
Graig mit 6:2, 6:8, 4:6 aus dem Rennen geworfen.
Zweite Davis=Pokalvorrunde. — England-—Dänemark 1:1.
In Harrogate (England) begann das zweite Davis=
Pokalvorrunden=
ſpiel zwiſchen den aus der erſten Runde ſiegreichen Vertretern von
Eng=
land und Dänemark. Beide Parteien konnten am erſten Spieltag
ein=
mal erfolgreich ſein. Der Däne Ulrich ſchlug den guten Gregory nach
hartem Fünfſatzkampf 6:0, 6:3, 3:6, 3:6, 6:2, ſeim Landsmann Worm
wurde dagegen von dem Engländer Higgs ebenfalls nach erbittertem
Kampf in vier Sätzen 3:6, 3:6, 10:8, 8:10 geſchlagen.
Tennis=Länderkampf England—Deutſchböhmen.
Ein Tennis=Länderkampf England—Deutſchböhmen wurde i Prag
in Angriff genommen. Am erſten Tage gewann der Tſcheche Wenzel
6:3, 8:6, 6:1. gegen den Engländer Dearman, im Gemiſchten Doppel
konnten dagegen die Engländer Miß Harvey—Summerſon 8:6, 6:1
über Frl. Seina—Zemla erfolgreich bleiben.
Kegeln.
Darmſtädter Keglerverband. Sport= und Werbewoche.
Der ſechſte Tag des Kegelns brachte unvermindertes Intereſſe und
Zuſpruch. Acht Riegen traten zum Start an. Namentlich von
Nichtver=
bandsmitgliedern zeigte ſich lebhaftes Indereſſe an der neuen, ſchönen
Bahnanlage und dem Kegelſport. Wer noch nicht die Bahnen erprobt
hat, der hat heute noch hireichend Gelegenheit, dies zu tun, und ſollte
den Sonntag nicht unbenützt vorübergehen laſſem. Höchſtreſultate
wur=
den folgende erzielt:
Ehrenbahn: Sperb (Kranz) 55; Müller (Sportkegler) 53.
Prämienbahn I: Bangert (Kranz) 34; Schild (Sportkegler) 38.
Prämienbahn II: Kehr (Einzelk.) 27.
Damenbahn: Frau Wilbert (Rollendes Glück) 22: Frau
Sei=
bert (Rollendes Glück) 21.
Riegenkegeln, Abt. 1: D.K.K. 1911 492. K.K. B 413,
Kranz 484, Sportkegler 437, Zwölfer 2. Rg. 370.
Riegenkegeln Abt. II: Freitagskegelgeſ. B.V. 1. Rg. 414,
Freitagskegelgeſ. B.V. 2. Rg. 326, Donnerstagsgeſ. Tiede Beſſg. 379.
Geſchäftliches.
Der Orient=Reiſeklub, Leipzia N. 22 feit 35 Jahren
ſeſtehend, ladet zur Teilnahme an folgenden Reiſen ein: Am 30. Juni
nach Paris und den Schlachtfeldern von Reims und Verdun, am 14. Juli
zu einer Btägigen Mittelmeerfahrt nach Konſtantinopel und Athen, am
15. Juli mit dem Hapagdampfer „Hamburg” nach England und
Schott=
land, am 1. Auguſt nach Finnland und Schweden. Wer in kleinem
Kreiſe, aller Sorgen enthoben, bequem, gut und preiswert reiſen
will, verlange das Hauptprogramm, was auch zu Herbſtreiſen nach
Dalmatien, nach Paris und zu großen Fahrten Ende 1927 nach
Abeſ=
ſinien und Ende 1928 um die Erde auffordert.
I. I., 8387.
Rund=Funk=Programme.
Franffurt.
Sonntag, 22. Mai. 8: Morgenfeier. O 11: Elternſtunde.
O 11.30: Uebertragung vom Münſterplatz in Bonn. Feſtakt vor dem
Beethoven=Denkmal. — Feſtakt in der Beethoven=Halle. O 3: Stunde
der Jugend. Märchen vom Frühling und Sonne. Der Sonnenſtrahl,
Wie die Sonnenſtrahlen das Mütterlein geſund machten. — Das
Neckſtrählchen. — Auf der Gänſewieſe. — Wie die Vergißmeinnicht
auf die Erde kamen. — Sternblumen. — Für Kinder vom 4. Jahre
ab. O 4: „Die Wachtparade des Frankfurter Linienbataillons”,
Vortrag Jacob Ballin mit Vorf, eines Trommlerchors und des
Frankf, Harmonieorch. O 6: Redakteur Libſchütz: „Georg Büchner”
o 7: Vortrag des Dichters Auguſt Weber aus eigenen Werken=
8.30: Internationaler Lieder=Abend. o 9.30: Konzert für zwei
Klaviere .J. S. Bach: Paſſacaglia in C=Moll — Mozart:
Sonate. — Reger: Variationen und Fuge über ein Thema von
Mozart. Ausf.: E. Freund und F. Loeffler. Darauf bis 12.307
Uebertr. aus Cafe Sacher=Wien.
Stuttgari.
Sonntag, 22. Mai. 11.30: Uebertr. aus Bonn: Beethoven=
Feier auf dem Münſterplatz. Rede Oberbürgerm. Fak, Muſikvortr,
der Ver. Bonner Männergeſangvereine und Blasorch. o 12.151
Feſtakt in der Beethovenhalle. Reden: Reichskanzler Dr. Marx,
Min. Prof. Dr. Becker. Kölner ſtädt. Orch. 15: K. Goetz:
Als Kohlentrimmer in amerikaniſchen Gewäſſern. O 15.30: Uebertr.
der Märchenſtunde. Funkheinzelmann von der Norag, Hamburg.
16: Dem Andenken Richard Wagners. Mitw.: Maria Thereſia
Deimann, Erich Baudiſtel, H. Lingor Funkorch. Ouv. Rienzi.
Albumblatt. Wotans Abſchied und Feuerzauber aus Walküre.
Arie aus Rienzi (Allmächtiger Vater). Immer iſt Undank Loges
Lohn aus Rheingold. Fant. Lohengrin. Duett Ortrud=Telramund
aus Lohengrin. Lohengrins Abſchied. Chor der Friedensboten aus
Rienzi. Fünf Weſendonck=Lieder. Blick ich umher, aus Tannhäuſer.
Dir töne Lob, Lied an den Abendſtern und Pilgerchor aus
Tann=
häuſer, O 18.15: Dr. Elwenſpoek: Charlotte von Mexiko. o 18.45:
Willo, Rall lieſt aus eigenen Werken. O 20: Bunter Abend.
Mitw.: Lieſel Olmesdahl, Ellen Beck, Käte Mann, Gerda Hanſi,
Adolf Harlacher, Arthur Vorwerk (Kiew), Hans Hanus, Ernſt
Stockinger, Max Heye „Funkorch. 28 Darbietungen, darunter ein 4
Sketſch von Heye: „Der Unheimliche‟.
Berlin.
Sonntag, 22. Mai. 9: Morgenfeier. Mitw.: Chor der
Zwingli=
kirche, Gerda Reichert (Violine), Hertha Mack=Reichert (Klavier),
Margarete Schlicht (Alt), Elſe Hammerſchmidt (Rezit.), o 11.30:
mit Kranzniederlegung. — Die Ehre Gottes aus der Natur.
Ver=
einigte Bonner Männergeſangvereine und ein Blas=Orch. 12.154
Feſtakt in der Beethoven=Halle. Ouv. Egmont. — Anſprache (
Reichs=
kanzler Dr. Marx). — Anſprache (Min. Prof. Dr. Becker). —
Anſprache eines Vertreters Oeſterreichs. — Ouv. Leonore Nr. 3
(Gürzenich=Orch. Köln). o 14.30: P. Lindenberg: Die Briefmarken
der Türkei. O 15: Dr. J. Evenius: Die Erkrankungen der
Honigbiene. O 15.30: Märchen, gel. von Erika Meingaſt. Anderſen=
Die kleine Seejungfrau. Die Galoſchen des Glücks. o 4: Georg
Bamberger: Berliner Humor. o 16.30: Kapelle Gebr. Steiner.
Beethoven: Ouv. Prometheus. — Strauß: Aquarellen, Walzer,
— Rhode: Gounodiana, Fant. — Königsberger: Asra. — Mac
Dowell: Hexentanz. — Leoncavallo: Mattinata. — Verdi: Fant,
Rigoletto. — Roſtok: Legende. — Macbeth: Vergißmeinnicht. —
Bayer: Potp. Puppenfee. — Lincke: Verſchmähte Liebe, Walzer,
O 19.05: Der Rundfunkfilm, ein Interview am Mikrophon. O 19.30:
Schreiber=Loetzenburg: Vom Rhein ſeinen Burgen und Sagen.
O 19.55: Fr. Böhme: Vom magiſchen Kult=Tanz zum modernen
Lied aus Hans Heiling (Müller). — Weber: Ouv. Prezioſa. —
Wagner: Siegfried=Idyl.. Erda=Szene aus Rheingold (Müller).
Walkürenritt. Ouv. Tan häuſer. 0 22.30: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 23. Mai 1927.
(Nach der Wetterlage vom 21. Mai 1927.)
Heiter, zeitweiſe etwas bewölkt, tagsüber Erwärmung, durchweg trocken.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Poliiſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reſch und
Ausland und Seiſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdieuſf: Andreas Bauer; für den
Inſeratenteil: Willy Kuhle; Druck und Verlag: L. C. Wlttich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantſe der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
Die SPfg.Zigarette
der dervonlenk
Perusa-Zigarettenfabrik
Georg Metzger G.m.b.H.
München
Ae
Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai
Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von urſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 20. Mai.
Nach der Konſolidierung der Finanzen iſt eine Konſolidierung
der Privatwirtſchaft erfolgt. Sie erfolgte allerdings langſam
und iſt teilweiſe noch nicht beendet. Es läßt ſich aber jetzt ſchon
feſt=
ſtellen, daß man ſeinerzeit die Bedeutung und Ausmaße der franzöſiſchen
Wirtſchaftskriſe ſtark überſchätzt hat. Die Konſolidierung brachte weniger
Erſchütterungen als man dachte.
Das beunruhigendſte Symptom der jeweiligen Kriſen, die
Arbeits=
loſigkeit, iſt größtenteils verſchwunden. Die Kaufluſt iſt zurückgekehrt,
obwohl manche Fabrikerzeugniſſe noch immer ſehr teuer ſind. Die
Frage der Rationaliſierung beſchäftigt viel die hieſigen
Wirtſchafts=
kreife; man behauptet jedoch, daß die Rationaliſierung in den meiſten
Fällen praktiſch undurchführbar iſt, da hier die Marktlage ganz anders
geſtaltet iſt wie z. B. in Amerika. Die Zollreform wird ebenfalls viel
erörtert Einerſeits beſürchtet man die Retorſivmaßnahmen anderer
Länder, deren Produktion durch die Zollreform empfindlich getroffen
wird, andererſeits hofft man aber die Herausbildung und den
Auf=
ſchwung neuer Induſtrien. Jedenfalls wird aber die Zollvorlage faſt
überall als ein Beweis der Iſolierungsbeſtrebungen der
franzöſiſchen Wirtſchaft aufgefaßt.
Die Stimmung der Effektenbörſe war günſtig. Plötzliche
Baiſſe=
bewegungen ſind nur in der Folge des Einfluſſes der ausländiſchen
Märkte entſtanden.
Die Lage des franzöſiſchen Kohlenbergbaus iſt
günſtig zu nennen. Ausgenommen vielleicht einige Bergwerke der
nor=
diſchen Departements, in denen bereits die Kurzarbeit
ein=
geführt worden iſt. Aber auch dieſe haben im Laufe des vorigen
Ge=
ſchäftsjahres große Gewinne erzielt. Ueber die ausländiſche Konkurrenz
klagt man nach wie vor viel, aber mit Unrecht, denn die franzöſiſche
Produktion iſt, trotzdem ſie ſtark erhöht wurde, noch immer ungenügend.
Und der Verbrauch ſteigt infolge des Aufſchwunges der Induſtrie ſtändig.
Es wird behauptet, daß die franzöſiſche Induſtrie übermäßig viel Kohle
ver=
braucht, ja daß ſie mit dieſem Rohſtoff geradezu Verſchwendung treibt.
Nach manchen — wohl überaus peſſimiſtiſchen — Statiſtiken ſollen die
meiſten Minen innerhalb 60 Jahren vollſtändig erſchöpft ſein. Die
Kohlenproduktion der nordiſchen Departements belief ſich im März auf
3 04220 Tonnen. Das iſt eine Rekordziffer, welche die monatliche
Durchſchnittsproduktion der Vorkriegszeit um ungefähr 2 Proz.
über=
ragt. Man ſchätzt die diesjährige Produktion der nordiſchen Minen
vorläufig auf 34 700 000 Tonnen, was eine bedeutende Steigerung von
2 200 000 dem Vorjahre gegenüber aufweiſen wünde.
Die franzöſiſchen Kohlenwerte haben in der vergangenen Woche eine
außerordentlich ſtarke Hauſſebewegung erfahren. Ihre Kurſe ſind aber
— von wenigen Ausnahmen abgeſehen — noch immer nicht übertrieben
hoch, da die Dividenden meiſtens erhöht werden.
Die Lage der Schwerinduſtrie iſt günſtig. Die Zahl der in Betrieb
ſtehenden Hochöfen iſt zwar zurückgegangen — von 156 in Januar auf
145 in April — dagegen iſt die Produktion an Gußeiſen erheblich
ge=
wachſen. Der Betrieb der Hochöfen wurde nämlich ergiebiger
geſtal=
tet, was die Herſtellungskoſten bedeutend verringerte. Die Produktion
belief ſich im März auf 801000 Tonnen, ein Quantum, welches die
durchſchnittliche Monatsproduktion des Vorjahres erheblich überragt.
Die Stahlproduktion wächſt in noch viel ſtärkerem Tempo; ſie war
im März um 10 Prozent höher als im Fehruar. Die engliſche und
die deutſche Konkurrenz laſſen ſich aber immer ſtärker fühlen. Man
hat darum den Exportpreis des Eiſens von 71 sh. auf 69 sh. herabgeſetzt.
Auch ſtehen Preisherabſetzungen für den Inlandsmarkt bevor. Die
größte Schwierigkeit für die Hochöfen verurſacht der hohe Preis des
Kokſes. Jetzt hofft man durch die Vermittlung der Regierung die
Herabſetzung der Kokspreiſe zu erreichen. Viel Erleichterung brachte
für die Schwerinduſtrie der neuerliche Aufſchwung des Schiffsbaus ſowie
der Automobilinduſtrie und verſchiedener Maſchinenbauinduſtrien. Die
Schwerinduſtriewerte waren faſt alle in Hauſſe, ſie ſind aber noch immer
ſtark unterwertet.
Der Metallmarkt war in der letzten Zeit ziemlich ſchwach und die
Preiſe ſehr niedrig. Die Verſtimmung des Marktes wird aber — wenn
nicht alle Anzeichen trügen — nur eine kurze Zeitlang dauern.
Ins=
beſondere gilt dies für Kupfer und Blei, da jene Induſtriezweige, welche
dieſe Metalle anwenden, jetzt wieder ſtark beſchäftigt ſind. Der
euro=
päiſche Kupferverbrauch hat ſich auch, wenn auch nur mäßig, erhöht.
Dies gilt noch in höherem Maße für Blei, deſſen Preisſchwankungen
in der letzten Zeit ſehr groß waren. Die Beſtrebung, die Kupferpreiſe
zu ſtabiliſieren und die Spekulation auszuſchalten, erwies ſich
erfolg=
los. Füir das Jahresende ſieht man ſtarke Preiserhöhungen vor. Man
ſpricht viel von einer Einſchränkung der amerikaniſchen Kupferproduktion,
was von großer Bedeutung wäre.
Der Preis des Zinns iſt zur Zeit ſehr niedrig. Der ſtarke Rückgang
des Zinnpreiſes ſoll auch auf die Preisbewegungen der übrigen Metalle
ungünſtig gewirkt haben. Die Zinnbaiſſe wurde hauptſächlich durch
die Geriichte hervorgerufen, daß die Vorräte infolge der Steigerung
der malaiſchen Produktion ſtark gewachſen ſind. Was aber die
Pro=
duktion beziehungsweiſe den Verbrauch an Zinn betrifft, liegen keine
zuverläſſigen Statiſtiken vor. Die verſchiedenen Minewverte waren
ſchwach, beſonders diejenige des Kupfers und Zinns.
Die Lage des Petroleummarktes iſt bedeutend günſtiger geworden.
Der Kampf mit den amerikaniſchen Produzenten hat aufgehört; die
Produktion iſt aber noch höher als früher. Man beruft ſich darauf, daß
während der Sommerſaiſon der Verbrauch viel größer ſein wird. Die
Petroleumwerte waren in ſtarker Hauſſe, beſonders die polniſchen. Die
Lage der dortigen Petroleuminduſtrie ſoll beſonders günſtig ſein.
Da=
gegen kämpft die rumäniſche Petroleuminduſtrie mit vielen
Schwierig=
keiten.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 21. Mai.
Der Wochenſchluß war ausgeſprochen ſchwach, da die Maßnahmen
der Stempelvereinigung in der Vorwoche nun doch ſich ſtärker
auszu=
wirken beginnen. Man hat anſcheinend zur Vermeidung von größeren
Verluſten den Liquidationstag ſowie den Zahlungstag durch etwas
er=
holte Kurſe vorübergehen laſſen, um jedoch der weiteren Entwicklung
der Börſe den durch den gegebenen Sachverhalt bedingten Lauf zu
laſſen. Zu der heutigen Kursbewegung kam noch die verſtimmende
Meldung über die Verſchlechterung der deutſchen Außenhandelsbilanz
im April. Kursverluſte bei der amtlichen Eröffnung von 3—6 Prozent
an den Terminmärkten waren an der Tagesordnung. In der zweiten
Börſenſtunde traten weitere Verluſte von nochmals 2—4 Prozent ein.
Anleihen gleichfalls ſchwächer. Am Geldmarkte war Tagesgeld wieder
leicht und auf 4 Prozent ermäßigt, Monatsgeld dagegen ſtramm geſucht
6½—8 Prozent, Privatdiskont 47/s Prozent. Am Deviſenmarkt London
erholt, London-Paris 124, — Mailand 88½, — Zürich 25, 94,3, — New
York 4,8557½, — Pfunde — Mark 20,49½, — Dollar — Mark 4,2210.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 21. Mai.
Nach einem ſehr luſtloſem Vormittagsverkehr zeigte die heutige
Börſe zum Wochenſchluß ein ſehr ruhiges Bild. Unter Nachwirkung der
ſchon geſtern vorgelegenen Handelsbilanz und des Monatsberichtes der
Diskontogeſellſchaft, beſonders aber aus börſentechmiſchen Momenten
heraus machte die Abwärtsbewegung weitere Fortſchritte. Die
Kund=
ſchaft hatte einen Teil der bei den Banken liegenden Limite ſtreichen
laſſen, ſo daß den angeblich vorgenommenen Exekutionen und Beſtens=
Verkaufs=Order der Provinz nur ein eventuelles Decouvert
gegenüber=
ſtand. Beſonders vom Hamburger Platze will man ſtärkere Abgaben
beobachtet haben. Bei der herrſchenden Aufnahmeunluſt und dem
mini=
malen Geſchäft ſind wenige Mille kursbeſtimmend. Im Durchſchnitt ſind
Rückfälle von vier bis ſechs Prozent feſtzuſtellen, Spezialwerte wie
Glanzſtoff, Spritaktien, Zellſtoff Waldhof uſw. noch erheblich ſtärker
ge=
drückt. Eine Ausnahme machen eigentlich nur Karſtadt, die 2½ Prozent
höher einſetzten, und einige Nebenwerte, die ihren geſtrigen Kursſtand
behaupten konnten. Im Verlaufe änderte ſich an der matten
Grund=
ſtimmung nichts. Die Kurſe bröckelten langſam weiter ab. Nur
vor=
übergehend war im Anfang der zweiten Börſenſtunde als Deckungen
eine Erholung erkennbar. Am Anleihemarkt und bei ausländiſchen
Renten blieb die Tendenz ebenfalls ſchwächer. Pfandbriefe haben eine
uneinheitliche Kursentwicklung aufzuweiſen, doch überwiegen auch hier
die Abſchwächungen. Am Deviſenmarkt konnte ſich das engliſche Pfund
und der Yen etwas erholen, auch Spanien auf angebliche
Anleihever=
handlungen mit Amerika feſter. Am Geldmarkt iſt die Situation
un=
verändert. Tagesgeld 4½—6½ Prozent, Monatsgeld 7—8½½ Prozent.
Privatdiskont kurze Sicht 47/8, lange Sicht 4‟/s. Die Börfe ſchloß in
gedrückter Tendenz und ohne Erholung. An der Nachbörſe hörte man
abermals niedrigere Kurſe.
Aſchaffb Zellſtoff.
Augsb. Nürnb. Maſch
Bamag=Meguin.
Berlin el. W..
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohl.=Briketts
Bremer Vulkan. .
Bremer Wolle...
Deutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen.
Deutſch.=Nied. Tel..
Deutſche Erdöl ...
Deutſche Petroleum.
Dt Kaliwerke.
Donnersmarckhütte
Dynamit Nobel.
Elektr. Lieferung.
J. G. Farben ..
R. Friſter.
Gaggenau Vorz
Gelſenk. Gußſtahl
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen".
Han. Maſch. Egeſt.
Hanſa=Dampfſchf..
Deviſenmarkt.
Amſterdam =R.
Buenos=Aires
Brüſſel=Antw.
Sslo.
Kopenhagen.
Stockholm. . .
Helſingfors ...
Italien ..
London. . . .
New=York. . .
Paris ...
Schweiz..
Spanien..
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Wöllſtein, Heſſen: Kfm Johann Mayer. KVerf. aufgehoben. Mainz:
Kfm. Rudolf Hasler. KVerf. aufgehoben. Kfm. Jean Bornheimer.
GAufſ. beendet. Nieder=Olm: David Goldſchmitt. GAufſ. angeordnet.
Ofſenbach a. M.: Fa. Theodor Leo, Goldwarengeſchäft. KVerf.
mangels Maſſe eingeſtellt. Lampertheim: Emil Ulmer, Wäſchehaus.
Af. 8. 6. Wt. u. Prft. 9. 6. Lorſch, Heſſen: Fa. Georg Tuger A.=G.,
Eierteigwarenfabrik. Af. 10. 6. Wt. u. GlV. 28. 5. Prft. 18. 6.
Vom ſüddeutſchen Produktenmarki.
Da ſich die Aufwärtsbewegung an den überſeeiſchen Weizenmärkten.
wenn auch in vermindertem Umfang, fortgeſetzt hat, und inländiſches
Brotgetreide an den ſüddeutſchen Märkten nicht mehr angeboten wurde,
blieb die Grundſtimmung ſehr feſt. Der Geſchäftsumfang hat jedoch
gegenüber den Vorwochen eine ziemliche Einſchränkung erfahren,
wenn=
gleich man auch jetzt noch glaubt, daß die europäiſchen Einfuhrhäuſer
bis zum Einbringen der neuen Ernte noch große Käufe auszuführen
haben dürften. Mit immer größerer Beſtimmtheit heißt es, daß am
3t. Juli die erhöhten Zölle in Kraft treten werden, was bereits
an=
fängt, ſtimulierend auf die Preſſe zu wirken. Verlangt wurden für die
100 Kilogramm in Gulden (1 holl. Gulden gleich 1,6908 RM.) je nach
Abladezeit: Kanſas 2 14,40—14,85 rheinſchwimmend, fracht= und
ver=
ſicherungsfrei Mannheim 15,60, Manitoba 1: 16,62½, 2: 16.30, 3: 15,45
bis 15,60, 4: 14,60—14,75; Plataweizen 14,/45—14,70, Auſtralweizen
15,60 bis herunter zu 15,35. Im Waggongeſchäft ſtieg der Preis für
Auslandsweizen von vorwöchentlichen RM. 30,75—33,00 auf 31,00—33,00
Reichsmark, Auslandsroggen von 28,25—28,60 RM. auf 28,75—29,00 RM,
fracht= und verſicherungsfrei Rotterdam lauteten die Angebote auf 13,00
bis 13,10 Fl. (Fl. gleich 1 holl. Gulden). Inländiſche Gerſte war nicht
am Markt, ausländiſche ſtieg um 0,75 RM. auf 30,25—33,75 RM. die
100 Kilo; däniſche Goldgerſte, loko Hamburg, wurde mit 21 d. Kr.
(1 d. Kr. gleich 1 dän. Krone gleich 1,1299 RM.) ab Hamburg angeboten.
Futtergerſte ſtieg im Wochenverlauf um 0,50 RM., Hafer lag feſt, in
inländiſcher Herkunft lagen Angebote nicht mehr vor,
Auslandsprove=
nienz ſtieg von 23,00—24,00 auf 23,75—25,00 RM. die 100 Kilo. Ruhiger
und eher abgeſchwächt lag allein Mais mit 19,25 (19,50) RM. die 100 Kilo
mit Sack. Am Mehlmarkt beſtand feſte Tendenz, die Käufer hielten
jedoch zurück, da ſich die Forderungen der ſüdd. Mühlen gegen die
Vorwoche bis um 0,50 RM. die 100 Kilo erhöht haben. Für
Futter=
mittel erhielt ſich Nachfrage. Verlangt wurden für die 100 Kilo
Weizen=
nachmehl, je nach Qualität 21,50—22,50 RM., Weizenfuttermehl 16,00
bis 16,75 RM., Juni/Dezember 16,00 RM. Weizenkleie, prompt 14,00
bis 14,25 RM., Juli/Dezember 13,00 RM., Biertreber 16,00—17,00 RM.,
Malzkeime 16,00—16,50 RM., Trockenſchnitzel 13,00—13,50 RM.,
Wieſen=
heu 9,25—10,00 RM., Kleeheu 11,50—12,00 RM., drahtgepreßtes Stroh
4,50—5,00 RM.
Vom füddeutſchen Tabakmarkt.
Die Beſtände in 1926er Pfälzer Rohtabaken verringerten ſich weiter,
und trotz der hohen Einſtandspreiſe drängen die Eigner keineswegs
mit dem Verkauf. Für fermentiertes Pfälzer Schneidegut verlangte
man 120 RM. und mehr je Zentner, Juni/Auguſt=Lieferung, mittelgute
Sorten 135,00—155,00 RM. und beſte 150—158 RM.; für 1926er
Zigarrengut blieben die Gebote unter 115,00 RM., wurden aber vom
Rohtabakhandel nicht angenommen, zeigte ſich doch in der zweiten
Fer=
mentation, daß die 1926er Ernte geſund und ſchön im Blatt
heraus=
kommt, weshalb man auch mit wenig Abfall zu rechnen hat. Das
Rippengeſchäft lag unverändert. Die Tabakſetzlinge haben ſich kräftig
entwickelt.
Wirtſchaftliche Rundſckau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 18. Mai. Die auf den
Stichtag des 18. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen
Reichsamtes hat gegemüber der Vorwoche um 0,4 Prozent auf 137,/4
(136,8) angezogen. Von den Hauptgruppen ſtiegen die Agrarſtoffe um
0,8 Prozent auf 140 (138,9), die Kolonialwaren um 0,1 Prozent auf 127,5
(127,4), die induſtriellen Rohſtoffe und Halbwaren um 0,2 Prozent auf
131,2 (131,0) und die indnſtriellen Fertigwaren um 0/4 Prozent auf
144,6 (144).
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt
am Main. Frankfurt a. M.: Mechaniſche Weberei Guckelmühle G. m.
b. H. Af. 11: 6. GlV. 24. 5. Pft. 21. 6. Kfm. Paul Bayer,
Elettro=
techniſche Großhdl. KVerf. aufgehoben. Höchſt a. M.: Fa. Gg. Vollrath,
G. m. b. H., Faßfabrik. KVerf. aufgehoben. Kirchen: Gaſtwirt Rob.
Becher. KVerf. aufgehoben. Wiesbaden: Fa. Land= u. Seeverkehr
Johann Conrad. GAufſ. angeordnet. Braunfels: Kfm. Wilhelm Stock I.
Af. 28. 5. GlV. u. Prft. 9. 6. Frankfurt a. M.: Karl Oehler,
Bau=
geſchäft, G. m. b. H. KVerf. mangels Maſſe eingeſtellt. Verſt. Hermann
Eckſtein. KVerf. mangels Maſſe eingeſtellt. Süddeutſche
Schokoladen=
fabrik G m. b. H. KVerf. mangels Maſſe eingeſtellt. Kfm. David gen.
Robert Gottſchalk. GAufſ. angeordnet.
Voigt u. Häffner A.=G., Frankfurt a. M. Die G.=V. genehmigte
die Regularien, die eine von 8 auf 6 Prozent ermäßigte Dividende für
die Stammaktien vorſehen. Die Dividende für die Vorzugsaktien
bleibt unverändert 7 Prozent. Der Fuſionsvertrag mit der Prometheus=
A.=G. wurde einſtimmig genehmigt und dazu von Verwaltungsſeite
ausgeführt, daß auch die Voigt u. Häffner A.=G. mit ähnlichen
Schwierigkeiten wie die Tochtergeſellſchaft Prometheus A.=G. zu
kämpfen habe. Die Geſchäftslage ſei im neuen Jahre bedeutend
leb=
hafter, aber die Konkurrenz in der elektrotechniſchen Induſtrie ſei außef
ordentlich groß, ſo daß nur bei ſchärfſter Rationaliſierung ein günſtige.
Reſultat erzielt werden könne.
Prometheus A.=G., Frankfurt a. M. Die G.=V. genehmigte die von
der Verwaltung vorgeſchlagene Fuſion mit der Voigt u. Häffner A.=G.
faſt einſtimmig. Je 200 Mark Aktien der Geſellſchaft werden gegen
40 Mark Aktien der Voigt u. Häffner A.=G. umgetauſcht. Der
Vor=
ſitzende des Aufſichtsrates führte aus, daß eme Zuſammenlegung des
Kapitals und eine Wiedererhöhung bei der derzeitigen Börſenlage
un=
möglich ſei. Auch die Marktverhältniſſe, mit denen die Geſellſchaft zu
rechnen habe, ſeien nicht dergeſtalt, daß das Unternehmen aus eigener
Kraft wieder hochkommen könne.
Hermann Wronker A.=G., Frankfurt a. M. Für das Jahr 1926
beantragt die Verwaltung 8 (i. V. 6) Prozent Dividende.
Staatöpapiere
Deutſche
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld einſchl.
Alusloſ.-Sch. I. Zeill315.5
1I. Teil317/,
D.Reichsanl. Ablöſ=
Schuld ohne Aus=
(oſungsſcheine ...
6‟/,26 Reichsp. Sch.
p. 1. 10. 30 .
7% Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29
6‟.% H. V. Sch.
p. 1. 4. 29
811.%0 Pr. St.= Sch.
p. 1. 3. 29
97
6‟,%0 Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 80
79 Sächſ. Freiſtaat
Schatz. p. 1. 7. 29
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. p. 1. 7. 30
61% Württ. Freiſt.
Schatz. p. 1. 3. 22/ 97.25
a) Ausländiſchel
5% Bos. E. B 1914
5% „9.Inv. 1914
4½% „ 1898
4½% 1902.
6 % Bulg. Taba 102
4½.% Oſt. Staator.
v. 1918, Kbb. 1918
4½¾Oſt. Schatz. 14
4½% Oſt. Silberr.
4½ „ Goldr.
42 „einh. R. (kon)
5% Port. (Spz.) II
4% Rum.am. R. 03.
(½% Gold. 13..
4% „ am.konv..
5% „ am. 05...
9.75
47Türk. (Adm.103/
„(Bagd.) II
„ (Bagd.)I7/ 19.5
42 Türk. unif. 1903/ 23
4% „ 1911 Zoll.
½% Ung. St. 1913
4½% „St. 1914/
„ Goldr.. . 28
St. 10 ..
„ Kronr. ..
„Eiſ. Tor..
Außereuro-
päiſche
5% Mex.am. in. abg
5% „ äuß. 99
4% „ Golb04ſtf.,/
3% „ konſ. inn. .,
4½% „ Irrigat.,
52 Tamaulipas II.
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10%Berl. 6.=B1. G.
6%6 Berl. St.=Gold/ 96.25
82 Darmſt. St.=G.
82 D. Hhp.=Bank
Meining., Goldpf. /101
% Frl.=Hyp.=B.,
Goldpfdbr. . . . 102.5
2o Frkf. 6.-B. Gld. /100.5
3% Frkſ. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr. . .. . 100.5
7% Pfbr.=Bk., Gb./100.9
%Frkſ. Pfdbr.=Bk.
Goldpfdbr. . . /101
8% H. Lds.-Bl. Gld.
10% R. Glettr. Mark
(Hagen) Goldobl./103
8% L. Landesbank
Darmſt Reihe 1 1102
Reihe T1/101
zM.=Krft. Höchſt
Lien, Surmfragt. Brantfärter Karsoeriche Boit er. Mar Lont.
8% Mannh. St.G.)
80 Naſſ. Ldb. Goldſ;
8% Nbg. St.=Gldal.
82 Pfälz. Hyp.=Bk.
Gold=Pfdbr.
30 Pforzh. St.=G.
8% Pr. Centr.=Bd.=
Cr.-Bk. Gldpfbr. 102
8% Pr. Centr.=St..Goldpfbr.
2
25 Rh. Hhp.=Bank
Gold=Pfdbr. ...
½%Rh. St.=W.25
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk., Goldpf.
8% Südb. B. Cr.=B.
Goldpfdbr. . ..
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorföhp.=Gld.. mit Option
7% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHyp.=Gld.. ohne Option
8% Boigt &Häffner
Goldobl.. . . . . ..
8% Württba. Hyp.
Bank Goldpfbr.
00.9
99.5
100
105
100
102
98
109
Ohne
Zins=
berechnung
5% Bdw. Kohl 231 20.5
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% beſ. Brk.=Rg. 23
5% „Roggen ..23/ 9
5% Pr. Kaliw. ..
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt=B.0/ 2.22
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Bereinsb. .
Bayr. Handelsb..
Bahr. Hyp.i. Wechſſ
Berliner Hyp.=Bk.
Frkf. Hyp.=Bk. . . .
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp=Bk.
Mecklb. Hyp.=u Wb.
Meining. Hhp.Bk
Nordd. Gr.=Cr Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk..
Preuß. Bod.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=Cr.=B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B....
Rh. Wſtf.=B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr. ..
Württ. Hyp.=Bk...
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hyp.=B...
Landeskr. Caſſel ..
Naſſau. Ldsb. . . .
Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4½ Galiz. Carl=
Lud.=B.
42
„ abg.
5% O. Sb. /Lb. )ſtfr.
2,6% Alte „
2.6% Neue ..
501 Oſt.-Ung. 73/74
4%Oſt. Staatsb. 83
3% Oſt. „ 1.b.8.E.
8%Oſt. „ 9. E..
3%Oſt. „ 1885
3%Oſt. „ Erg. Netz
3% Raab Oedbg. 83
91
97
4½ Rud. Silber ..
4 Rud. Salzkg.)
4½%Anat., S.l.
4½% Anat. S. III
4½% Anat. S. III
3% Salon. Monaſt.
% Tehuantepec.
%
„.
16.35
16.7
13.2
13.8
13
14.25
13
.
294
25.5
23.5
23
21
20
24
24.5
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit.. . .
Bad. Bk. ... .
Bk. f. Brauind. .
Barmer Banko.
Bah. Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsge
Comm. u. Privatb. . .
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Bank
D. Eff.u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.)”
D. Vereins=Bk.
Disk.=Geſellſch. ...!!
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk.. ..
Frkf. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Bank
Metallbank. .
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bl..
Pr. Bd.=Creditbank
Hyp.=Akt.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbk. . .
Rhein=Hyp.=Bk. .
Südd. B.=Creditbk.
Südd. Disc.=Geſ..
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banwerein
Bergwerks=Aki.
Bochum. Bergb...
Buderus.. . . . . . ..
Dt. Luxemburg . ..
Eſchw. Bergw... . .
Gelſenkirch. Bgw.
Harp. Bergb......
Ilſe Bergb. St. . . 1275
Genußſchein .1141
Kali=Aſchersleb.
Kali. Salzdetfurt..
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerke
Maunnesm.=Röhr. 1194
Mansfelder ......"
152.5
153‟
224
150.25
188
242
183
237
170
158
152
118
167
173
144
165
168
10
151
228
137
9.5
7.15
113
172
207
230
180
176
1135
Oberbedarf . ../107.75
Otavi=Min.=Ant. . .
Phönix=Bergb. . . /130
Rhein. Braunk. . . . /262
Rhein. Stahlw.. . . /205
A. Riebeck Montan! —
—
Rombach. Hütte.
Salzwerk Heilbr...
Tellus Bgb.. . . . . . 120
Ver. Laurahütte . . 81
Ver. Stahlwerke . . 141.9
Induſtrie=Akt.
Brauereien.
Eichbaum (Mannh.)/ 275
Henninger ...
Hereules Heſſiſche. 162
Löwenbr.=München!
Mainz. Aktienbr. . .
Schö fferhof(Bind, 1/362
Schwarz Storchen. 287
Tucher, Nürnberg".
Werger .. .. .. . . . 191.5
Akkum. Berlin.
Adler & Oppenh...
Adlerw. (v. Kleyer)
6%A. E. G. Vzg. A..
5% A. E. G. Vzg.B.. 83
A. E. G. Stamm .. . 186.1
Anglo=Cont. Guano
Bad. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Meguin.
Baſt Nürnberg ...
Banr. Spiegel
Beck & Henkel.
Bergmann El.
Bing. Metall.
Brem.=Beſigh=Sl.
Bürſtenfbr. Erlang.
Cement=Heidelb. ..
Cement, Karlſtad:
Cement. Lothr.. ..
Chem. Albert. . . .. .
Chem. Brockh. ..."
Chem. Milch ....."
170
140
137
g6
144
R3
53
240
68
85
182
28.25
71
169
200
165
78
Daimler=Benz A.6.
Dt. Eiſenhandel.
Deutſche Erdöl ...
D. G u. Silb. Scheid.
Dingler. Zweibrück.
Dresd, Schnellpr.
Dürkopp ......"
Dürr, Rattingen ..
Dyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
El. Licht= u. Kraft
El. Lieferung ...
Elſ. Bad. Wolle .
Email. Ulrich ..
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch..
Ettlinger Spinn.
Faber Bleiſtift...
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens.
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau.
Feinmech. (Jetter)
Feiſt, Sekt. ..
Frankfurter Gas.
Frankfurter Hof..!
Frkf.=M. Pok. u. W.
Geiling & Cie..
Germania Linol.
Gelſenk. Gußſt.
Goldſchmnidt, Th..
Gotha Waggon
Gritzner. Maſch.. ..
Grün & Bilfinger
Dafenmühle, Frkft.
Hammerſen
Hanſw. Füſſen ...
Hanſa=Lloyd. Br..
Hartm. & Braun..
Heyligenſtaedt....
Hilvert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch. Kupfer ...
Hoch=Tief Eſſen ..
Holzmann
Holzverk. Ind...
Hydrom. Breslau
Inag ..........
102
155
23
81
46. 25
50
W
177
54
83
80
122
50
293
141
107
60
124
93.5
85
135
130
193
138
138
86
120
118
149
83
34
1100
„Junghans St.
Kammg. Kaiſersl.
Karlsruher Maſch.
Karſtadt, R.
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn
Konſerv. Braun
Krw. Alt=Württbg.
Krauß Lofom
Lahmeyer ..
Lech, Augsburg ...
Lederw. Rothe ...
Spicharz.
Linge Schuhw.. .
Löhnberg. Mühle
Ludwigsh. Walzm
Lüdenſcheid Metal
Lux. Induſtrie
Mainkraft Höchſt 1
Mars=W. Nürnberg!;
Metallgef. Frkf.
Miag. Mühlenb. .
Moenus, Stamm
Motorenf. Deutz
Motorenf. Lberur).
Münch Lichtſpielk..
Neckarſ. Fahrz. ...
Neckurw. Eßlingen
Peters Union ....!"
Pfälz. Näh. Kayſer
Philipps.. .."
Porzellan Weſſel
Rein. Gebb.& Schal
Rhein. Elektr.
Rhenania, Kunheim
Rütgerswerke
Schneid. & Hanau.
Schnellpr. Frank. .
Schramm Lackf.
Schrift, Stemp..
Schuckert, Elektr.
Schuhf. Weiſe!
Schuhf. Herz
Schulz. Grünlack
Seilind. Wolff
Siemens Glas
Siemens & Halske
42
170
132
198
80
179
130.25
39.75
59
137
113
131.25
142.5
193
145
84
126
124.5
n0
69
56
29
71
113
104
40
189.5
78
93
275
Südd. Immob.
Züdd.Zucker=A.=G.
Thür. eleftr. Lief..
Uhren Furtwäng .
Unter fr. Kr.=El.=V.
Beithwerke
Ver. ſ. Chem.Ind.,
Ver. d. Olfbr. Mann.
Ver. Faßf. Caſſel..
Gummi. Bln.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg.
Ultramarin . . . . .
Zellſto ffBerl. ...
Vogtl. Maſch. ..
Voigt & Haeffner
Volthom. Eei
Wahß, & Freytag
Wegelin Rußfbr.
Zellſt. Aſchaffenbe
Zellſt. Waldhof ..
Zucker; Rheingau=
Transport= und
Berſicherungs=Akt.
Dt. Reichsb.=Vorze
A. Dt. Eiſenbahn
A. Lokalb. u. Kraftw
Dt. Eiſenb.=Gef.
Schantung E.B.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Hapag ......."
Nordb. Lloyzd. . . . .
110
110
89
3.
154
170
112
153.25
80
185
J210
304
106.5
90
190
142
161
137
140
Frrft. Allg. Ver).
Frankona Rückv.
Darmſt Berte
Bahnbedar. ..
Dampfl. Rodberg
Helvetia Konſ.....
Gebr. Lutz.
Motorf. Darmſt.
Gebr. Roeder ...."
Benuleth & Ellenb.”
(160
1121
45
gi=
50
150.5
Nummer 141
Sonntag, den 22 Mai 1927
Geite 13
19
Küufer Kihl
Hö=
futermel1u
promt 14
60-1
50 RM 94
gerten ſich wi=
Eigner
kein=
nedegut bein
ferung, mit
N3 ſir 1
wurden aber i
der zieitel
im Blat hen.
Die deuſche Reſchsbahn im Aprſt.
Dem Monatsberiht der Deutſchen Reichsbahn für April iſt zu
ent=
nehmen: Der Güterverkehr hat ſich im April nur wenig belebt.
Ins=
geſamt wurden 3 489 311 Wagen geſtellt. 399 000 Wagen weniger als im
März. Die Betriebsleiſtungen waren im April im Güterverkehr etwas
geringer als im März. Der Kohlenverkehr ging im ganzen etwas
zurück. Im mitteldeutſchen Braunkohlengebiet zeigte ſich in der zweiten
Aprilhälfte eine ſtarke Verſandſteigerung. Der Verſand von
Früh=
gemiſe und Bananen über Bremerhaven hat eingeſetzt. Der Verſand
künſtlicher Düngemittel ging weiter zurück. Merklich nachgelaſſen haben
auch die Transporte landwirtſchaftlicher Erzeugniſſe. Ebenſo haben die
Bauſtofftransporte nachgelaſſen. Die Betriebsleiſtungen im
Perſonen=
verkehr waren im allgemeinen ebenſo hoch wie im März. Die Betriebs.
ergebniſſe des Monats März zeigen folgendes Bild: Einnahmen
ins=
geſamt 395,6 Millionen RM., davon 96,6 aus dem Perſonen= und
Gepäckverkehr, 269,7 aus dem Güterverkehr, 29,3 aus ſonſtigen
Ein=
nahmen. Die Ausgaben betrugen: für Betrieb, Unterhaltung und
Er=
neuerung 294,4 Millionen RM. Dienſt und
Neparationsſchuldverſchrei=
bungen 40.1, feſte Laſten 14,0, allgemeine Rückſtellung 470. Der Verkehr
geſtaltete ſich im März lebhafter als in den Vormonaten. Der
Perſo=
nalbeſtand betrug im März 1927 680 688 Köpfe gegen 652 617 Köpfe
im Februar 1927.
Frankfurter Gas=Geſellſchaft, Frankfurt a. M. In der in Eſſen
ab=
gehaltenen A.=R.=Sitzung wurde beſchloſſen, der am 15. Juni
ſtatt=
findenden G.=V. für das Geſchäftsjahr 1926 die Verteilung von 7 Proz.
Dividende vorzuſchlagen. Der Reingewinn beträgt 1,62 (1,23) Mill.
NM. nach 101 (1,04) Mill. RM. Abſchreibungen. Die Gasabgabe hat
ſich im Berichtsjahr weiter auf 73,43 (020) Mill. Kubikmeter erhöht.
Schnellpreffenfabrik Frankenthal Albert u. Cie Frankenthal. Die
Geſellſchaft ſchließt 1928 mit 241 048 (845 4B) RM. Reingewinn, woraus
wieder 5 Prozent Dividende auf die Stammaktien verteilt werden. Die
erſte Hälfte des Geſchäftsjahres hatte unbefriedigenden Auftvagseingang,
wodurch Abbau der Belegſchaft und verkürzte Arbeitszeit notwendig
wurden, die zweite Hälfte brachte eine Beſſerung, wodurch im November
„Vollarbeit ermöglicht war. Augenblicklich iſt das Unternehmen voll
be=
ſchäftigt, mehrere Neukonſtruktionen haben im In= und Auslande
An=
klang gefunden.
Generalverſammlungen im Zellſtoff=Waldhof=Konzern. Die G.=V.
der Zelſtoff=Fabrik Waldhof A.G. genehmigte den Abſchluß für 1998
mit 12 Prozent Dividende auf die St.A. und wählte an Stelle des
aus=
geſchiedenen Kommerzienrats Herm. Lotz, Bankdirektor Ludwig Fuld,
Südd, Diskontogeſellſchaft, neu in den Aufſichtsrat. Die G.=V. der
„Bahngeſellſchaft Waldhof A=G. genehmigte den dividendenloſen
Ab=
ſchluß mit Vortrag der verſchiedenen Abſchreibungen und einer
Rück=
tſtellung von 16000 RM. für Steuern, verbleibenden Reingewinn 297
RM. In der G=V. der Simonuiſchen Zelluloſenfabriken A.=G.
Focken=
idorf wurde der Abſchluß für 1926 mit 8 Prozent Dividende aus einem
„Reingewinn von 123348 RM. genehmigt und neu Bankdirektor Ludwig
Fuld in den A.=R. gewählt. In der G.=V. der Zellſtoffabrik Waldhof
twurden Mitteilungen über die Urſache der kürzlichen Zelſtoffhauſſe
werweigert.
Verein für Zellſtoff=Induſtrie A.=G. Der Verein für Zellſtoff=
IInduſtrie A.=G. fordert zum 24. 6. N die Reſtzahlung auf die laut
Weneralverſammlungsbeſchluß vom 22. 11. 25 neugeſchaffenen 750 000
BRM. jungen Aktien in Höhe von 75 Prozent des Nominalbetrages ein.
DDie jungen Aktien ſind für das am 30. 6. ablaufende Geſchäftsjahr
be=
reits voll dividendenberechtigt. Wie wir hören, iſt das Geſchäftsjahr
D99697 befriedigend verlaufen, ſo daß, wemn nicht unvorhergeſehene
Weränderungen eintreten, auch auf das erhöhte Aktienkapital mindeſtens
Wie gleiche Dibidende wie im Vorjahre (8 Prozent) zur Ausſchüttung ge=
Uangen wird. Die Geſellſchaft iſt zur Zeit gut beſchäftigt.
Neuorganiſation des ſüddeutſchen Mehlhandels. In einer in Mann=
Beim abgehaltenen, von ganz Süddeutſchland beſuchten
Mehlhändler=
werſammlung beſchloſſen nach einem ausführlichen Referat von
Syn=
ſikus Dr. Buß über die Lage des Mehlhandels die amweſenden
Ver=
ſtreter von Mehlhändlerorganiſationen in Frankfurt a. M., Heſſen, der
WPfalz, dem Saargebiet, Württemberg und Bayern, dem als Dachorgani=
Nation auszubauenden Verein ſüddeutſcher Mehlhändler in Mannheim
mmter Aufrechterhaltung der eigenen Organiſationen korpovatiw beizu=
Areten. Im Zuſammenhang mit dieſem korvoratiwen Beſtritt wurden
wie Herven SeligmannSgarbrücken, HeßDarmſtadt. Wolf=Bensheim und
Wosheimer=Mainz dem Vorſtand des Vereins ſüddeutſcher Mehlhändler
meu hinzugewählt. Ein noch hinzuzuwählender Vertreter des baheri=
Ichen Verbandes wird noch ernannt werden. Zwecks Schaffung einer
Bemtralorganiſation für den geſamten deutſchen Mehlhandel ſoll in den
rrächſten Tagen eine Verſammlung in Wiesbaden ſtattſinden.
Große ausländiſche Auſträge an die öſterreichiſchen Papierfabriken.
Wie wir erfahren, hat ſich die Beſchäftigung der öſterreichiſchen Pavier=
Fabriken ſeit April d. J. weſentlich gebeſſert. Die zuletzt veröffentlichten
Szw. in der nächſten Zeit zur Veröffentlichung gelangenden
Geſchäfts=
abſchlüſſe der Papierfabriken beziehen ſich bekanntlich auf das abge=
Taufene Geſchäftsjahr, welches zwar nicht ungünſtig, jedoch nicht zu den
Seſten Jahren für die Papierinduſtrie zu rechnen war. Seit April d. J.
ſt jedoch der Auſtragseingang als durchweg günſtig zu bezeichnen. In=
Folge ſtaatlicher Aufträge aus Ungarn. Jugoſlawien, Aegypten. Grie=
Ehenland und Bulgarien ſind derzeit faſt ſämtliche öſterreichiſche Papier=
Fabriken auf Monate hinaus vollauf beſchäftigt. Zur Beſeitigung der
wegenſeitigen Konkurrenz, die ſich namentlich im Auslandsgeſchäft in
uunliebſamer Weiſe fühlbar macht, ſind bereits ſeit geraumer Zeit
Be=
ratungen im Gange, die die Schaffung eines Kartells in der Papier=
Eenduſtrie bezwecken.
Das Handelsgewerbe im Wiriſchaftsleben.
Bei der gewerblichen Betriebszählung von 1925 ſind im
Handels=
gewerbe und in den verwandten Wirtſchaftszweigen, denen Funktion in
der Organiſation des Wirtſchaftslebens beſteht (Geldweſen,
Verſiche=
rungsweſen uſw.) 1148000 Betriebe mit 3 92000 beſchäftigten
Per=
ſonen ermittelt worden. Im Vergleich mit dem gewerblichen Produk=
ZAHL DER MM HANDEL
BESCHAF TIGTEN PERSONEN.
DER HANDEL IM VERGLEICH ZUR
UNDUSTRIE UND ZUM VERKEHR.
T400
Zohl den
Pensonen
Hendel
700:
Undustrie Hondel Verkehn
tionsapparat zeigt ſich, daß die Betriebszahl des Handels= und
Organi=
ſationsapparates etwa zwei Drittel und die Perſonenzahl über ein
Viertel von Induſtrie und Handwerk ausmacht. Im Vergleich zum
Ver=
kehrsapparat ergibt ſich, daß auf je zwei im Handel tätigen Perſonen
ein im Verkehrsweſen Beſchäftigter entfällt. Die Verteilung der
Män=
ner= und Frauenarbeit im Handel= und Organiſationsgewerbe
voll=
zieht ſich im Verhältnis von 2:1, während i Induſtrie und Handwert
nur etwa 25 Prozent aller Beſchäftigten Frauen ſind.
Viehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am 21. Mai wunden
zugeführt B8 Stück, verkauft wurden B1 Stück. Milchſchweine wurden
verkauft das Stück von 12—22 Mk., Läufer das Stück von B—32 Mk.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 91. Mai. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Beginn des Marktes war auf ermäßigte
Auslands=
notierungen abgeſchwächt. Dann wurde die Haltung feſter auf
un=
günſtige Berichte aus Kanäda und Argentinien. Die Termine gewannen
bis 1½ C.
Mais: Anfangs war die Haltung ſtetig auf Käufe der
Kommiſſions=
ſirmen. Später wurde die Haltung abgeſchwächt auf Liquidationen und
ſchleppende heimiſche Lokonachfrage. Die Termine gaben bis 114 C. nach.
Hafer: Der Markt verlief abgeſchwächt bei leichten Kurzeinbußen.
Baumwolle: Der Markt war überwiegend feſt auf übermäßige
Niederſchläge in den Golſtaaten und Käufe der Kommiſſionäre und der
Walſtreet. Die Schlußſtunde war ſchwach auf Glattſtellungen zum
Wochenende. Die Termine mußten einige Pkt, nachgeben.
Kafſe: Bet Beginn war der Markt ſtetig auf Deckungsläufe und
höhere Kabelmeldungen. Dann wurden europäiſche Verkäufe beobachtet,
die mit ermäßigten braſiligniſchen Forderungen eine Abſchwächung
her=
vomiefen. Die Termine gaben einige Pkt. nach.
Zucker: Die Aufwärtsbewegung machte weitere Fortſchritte auf
Käufe der Raffinerien und zuwückhaltendes kubaniſches Angebot.
Kakao: Der Markt verlief in feſter Haltung auf Käufe des Handels.
Gegen Schluß wurden Liquidationen vorgenommen. Nahe Termine
konnten 10 Pkt. gewinnen, entferntere mußten bis 5 Pkt. nachgeben.
Fanadlierten nach Nelungen aus Chieaßo an 2. Mai=
Getreide. Weizen: Mai 141½, Juli 140, Sept. 137½; Mafs:
Mai 88½, Juli 912ſ, Sept. 932; Hafer: Mai 48½, Juli 49/9
Sept. 4634; Roggen: Mai 1097e, Juli 108½½, Sept. 100.
Schmalz: Mittel, Weſten 12,37, Juli 12,47.
Fleiſch. Rippen: Mai 13, Juli 13,05; Speck 13.25; Schweine:
ſchwer 930—9,80, leicht 9,65—10,10; Schweinezufuhr: Chicago
5000, Weſten 30 000; Talg Ohio Ple.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 21. Mai=
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 155¾, hart 161½: Mais Nr. 2:
103, Hafer Nr. 3: 60½; Roggen exp. 122ſe; Mehl: Spring
Patent 6,35; Getreidefracht; nach England 2,3 Schilling, nach
dem Kontinent 15 Cents.
Schmalz: Mittel, Weſten 13,12.
Schweinefleiſch: Family 34.
Produktenberichte.
Der Berliner Produktenhandel beſchließt die Woche ſehr ruchig. Für
Weizen wanen die Forderungen des Auslandes wenig verandert. Auch
am Berliner Markt kamen ſelbſt zu ermäßigten Angeboten kaum
Um=
ſätze zuſtande. Lieferung war für Mai behauptet, ſonſt niedriger. Für
Roggen kamen vermehrte Angebote heraus, ohne allerdings großes
In=
tereſſe zu ſinden. Im Terminhandel baſierten die Preiſe zwiſchen
1½ ud 2½ Mark unter geſtrigem Schluß. Futtergetweide luſtlos.
Sonſt wäre von den übrigen Märkten nichts beſondeves zu ſagen.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Anfang Mai iſt in einer Präſidial= und Vorſtandsſitzung des
Zem=
tralverbandes des Deutſchen Großhandels verhandelt worden über eine
geplante Verſchmelzung mit dem Reichsverband des Deutſchen Eim=
und Ausfuhrhandels. Wie der DHD. hierzu erfährt, ſind die
Ver=
ſchmelzungsverhandlungen der beiden Verbände nunmehr zum
Ab=
ſchluß gelangt und der neue Reichsverband dürſte ſich unter obigem
Titel Mitte Juni der Oeffentlichteit vorſtellen.
Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenmarkt iſt in der Berichtswoche im
allgemeinen unverändert geblieben. Obwohl, verurſacht durch die
un=
durchſichtige Preisbewegung teilweiſe eine gewiſſe Zurückhaltung im
Werksgeſchäft zu bemerken war, kamen doch auf der ganzen Linie neue
Käufe zum Abſchluß. Die Abrufe aus früheren Abſchlüſſen gehen
durch=
weg prompt ein.
Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 8. bis
14. Mai im Ruhrgebiet in 6 Arbeitstagen 2 284 115 To. Kohle gefördert
gegen 2 191 041 To, in der vorhergehenden Woche in ebenfalls ſechs
Arbeitstagen.
Die Kokserzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche
(in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 497 812 To. gegen
487 600 To. in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung
auf 57 268 To, gegen 55 372 To, in ſechs Arbeitstagen.
Infolge der Bohkottandrohung des Reichsverbandes der
Automobil=
induſtrie hat die Intereſſengemeinſchaft der Importeure und
General=
vertreter ausländiſcher Motorfahrzeuge und Zubehörteile die für den
3. bis 14. Juli 1927 geplante internationale Automobilausſtellung im
Dortmund auf einen ſpäteren Termin verſchoben.
Wie verlautet, ſchweben augenblicklich zwiſchen der
Gemeindeverwal=
tung Sondernheim und der J=G. Farbeninduſtrie Ludwigshafen
Ver=
handlungen über dem Ankauf des ehemaligen Depotgeländes, auf dem
die J.G. Farbeninduſtrie angeblich eine größere Zweigſtelle zu errichten
beabſichtigt. Eine Beſtätigung dieſer Nachricht von maßgebender Seite
iſt bisher noch nicht erfolgt.
Der Zentralverband des Deutſchen Großhandels und die
Haupt=
gemeinſchaft des Deutſchen Einzelhandels haben ſich veranlaßt geſehen,
imfolge des Beſchluſſes der Landwirtſchaftskommiſſion bei der
Inter=
nationalen Weltwirtſchaftskonferenz ein Telegramm an die deutſchen
Delegierten zu richten. In dieſem Telegramm wird dagegen proteſtiert,
daß in der Entſchließung der erwähnten Kommiſſion in einſeitiger Weiſe
für die Genoſſenſchaften Stellung genommen wird, ohne die großen
volkswirtſchaftlichen Aufgaben des an der Verteilung der Produkte
be=
teiligten Handels in entſprechender Weiſe zu berückſichtigen.
Zwiſchen der Schwechater Brauerei A.=G., Dreher, und der
Hittel=
dorfer Brauerei A.=G., Wien ſind Fuſionsverhandlungen im Gange,
die zu einem baldigen günſtigen Abſchluß kommen dürften. Die
Schwechater Brauerei, die größte in Oeſterreich, hat einen jährlichen
Bierausſtoß von 1 Mill. Hektoliter, während die Hitteldorfer Brauerei
einen ſolchen von jährlich 200 000 Hektoliter aufweiſt.
Die niederländiſche Handelsbilanz ſchließt mit einem
Einfuhrüben=
ſchuß ab und beträgt für die Periode Januar bis April 1927 im Vergleich
zu den entſprechenden Monaten des Vorjahres 52.9, 55, 65,2 und 52,6
Millionen Gulden, insgeſamt 225,6 Millionen Gulden gegen 285,5 Mill.
Gulden für die entſprechende Periode im Vorjahre.
In der am 7. Mai beendeten Arbeitswoche wurden in den engliſchen
Bergbaubezirken insgeſamt 5072 700 To. Kohle gegen 5500 100 To. in
der Vorwoche gefördert. Die Zahl der Geſamtbelegſchaft iſt dabei
weiter, nämlich von 1088700 Mann in der Vorwoche auf 1030 20
Mann am 7. Mat geſtiegen.
Nf
W 4518
Gegen Gicht, Stein- und Stoffwechselleiden! — Ermäßigte Pauschalkuren (mindestens) 3 Wochen: Pauschalpreis Mk. 189.—,
m Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 80.50, im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.—- — Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung.
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen des
Wirtes Ludwig Büſcher in Darmſtadt, Beſſungerſtraße 28,
m Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 5. Juli 1927, nachmittags 31, Uhr,
wurch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
werſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ftreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 31. März 1927 in das
Brundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
find ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
ſgerung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Bericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls, ſie bei der Feſtſtellung
ſoes geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
heilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
wigers und den übrigen Nechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
ees Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Buſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Werſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
(6571a
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 12. April 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk V, Band XK, Blatt 1349
Beirag dei
Nr. Flur Nr. Kultwrart u. Gewann am Schätzung
1 V 909 Hofreite Nr 8 Beſſun=
315 12000 RM.
gerſtraße
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Eliſabeth Läpple, geb. Kehres, Ehefrau des
Händ=
lers Wilhelm Läpple in Darmſtadt, im Grundbuch
einge=
tragen war, ſoll
Dienstag, den 31. Mai 1927, nachm. 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,/
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 7. März 1927 in das
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diefenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
(5071a1
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 19. März 1927.
Heſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
dbuch für Da mſtadt, Bezirk II, Band IIII, Blatt 622./
Betrag der
Flur Nr. Kulturart u. Gewann Am Schätzung
II 1316 Hofreite Nr. 58 Pan=
327 16 000 RM.I
kratiusſtraße
Vergebung von Baſer.
Zur Herſtellung der
Waſſerverſor=
gungsanlage für die Gemeinde
Kirſch=
hauſen (Kreis Heppenheim) ſollen die
An=
gebote für die erforderlichen Arbeiten u.
Lieferungen, und zwar:
8os 1: Quellfaſſungsarbeiten mit
Er=
richtung einer Quellkammer,
Bos II: Hochbehälter von 100 cbm
Nutz=
inhalt,
8os III: Herſtellen der Rohrgräben,
Lieferung der erforderlichenl=
Gußeiſenrohre und Formſtücke
uſw. für das Ortsrohrnetz und
die Hausanſchlüſſe, 3650 m
Hauptleitungen von 100 und
80 mm Durchm., 800 m Haus=!.
zuleitungen
Mittwoch, den 8. Juni ds. Js.,
vormittags 10 Uhr, bei uns,
Bleich=
ſtraße 1, entgegengenommen und
er=
öffnet werden. Pläne und Bedingungen
ſind bei uns einzuſehen.
Angebote für alle 3 Loſe ſind bei der
unterzeichneten Behörde gegen
Vorein=
ſendung von je 1 Mk. für Los I und II
und von 2 Mk. für Los III zu erhalten,
Die Gemeinde behält, ſich freie
Aus=
wahl unter den Unternehmern und die
Vergebung der Arbeiten im geſamten
oder in einzelnen Loſen vor.
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Darmſtadt, den 18. Mai 1927.
Heſſiſches Kulturbaugmt.
Aphaltarbeiten.
Die Herſtellung von etwa 4000 qm
Gußaſphaltbelag in den ſtädtiſchen
Stra=
ßen ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Bedingun=
gen liegen bei dem unterzeichneten Amte,
Zimmer Nr. 6, während der
Dienſt=
ſtunden zur Einſicht offen. Auch werden
dort die Angebotsſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis Mittwoch, den
1. Juni Ifd. Js., vorm. 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 18. Mai 1927.
Tiefbauamt. (st8496
Faſeleber=Verkauf.
Am Dienstag, den 24. ds. Mts.,
vorm. 11½, Uhr, wird auf der
Bürger=
meiſterei Roßdorf im Wege der
öffent=
lichen Submiſſion ein zur Zucht
untaug=
licher, gut gehaltener
Faſeleber verkauft.
Die Angebote müſſen auf das Pfund
Lebendgewicht erfolgen und ſind bis zum
vorgenannten Termin bei der
unter=
zeichneten Stelle einzureichen, woſelbſt
auch die Verkaufsbedingungen eingeſehen
werden können.
(8495
Roßdorf, den 21. Mai 1927.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
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Lonise Dresser, Donglas Falrbanks jr.
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mit Maly Delschaft, Harry Liedtke, Conrad Veidt u. Werner Krauß
Je oller, je doller, Lustspiel in 6 Akten
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Anfang 2 Uhr.
Sonniag, de: 22 Mai 1927
Nummer 141
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Sonntag abend
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Eintritt frei! (s540) (Eintritt frei!
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Sonntag, den 22. Mai, vormittags 11 Uhr
Leitung: Kapellmeiſter C. Zöllner.
(St.8471)
Ludwigshöhe
Heute Nachmittag
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Städtisches Orchester
Leitung: Kapellmeiſter Zöllner.
10er=Karten haben Gültigkeit.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.
Behrens-Aufnagel, Traisa
Heute Nachmittag von 4 Uhr ab
Tanzkränzchen
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Bismarck=Eck
Ecke Bismarck= und Wendelſiadtſtraße
Heute Sonntag
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Darmstadt.
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OMO
die Bässe orgeln, die Tenöre harfen und geigen Stürme
rauschen über die Steppe, es donnert. Nachtigallen
sin-
gen — da sangen die Kosaken ein Räuberlied und dann
ein Kriegslied mit Hussa und Trompeten — und es schoß
aus diesem Lied mit Pfiffen und Hundegebell untermischt,
die feurige Lohe barbarischer Wildheit, daß die Herzen
emporgerissen wurden und die Seelen der stillen, Hörer
überschäumten, sodaß sie nicht anders konnten als die
Hände der Menschen in barbarischer Raserei
zusammen-
schlagen zu lassen — eine panische Seliakeit hatte sich
aller im Saale bemächtigt. (Frankfurter Zeitung.)
Einmaliges Konzert am 29. Mai 1927, im Städt. Saalbau
abds 8 Uhr. Karten z. M. 5—, 4.—, 3.20, 2 40, 1.80 einscht
Steuer bei Konzert-Arnold, Wilhelminenstr. 9 /Telef. 2560)
und an der Abendkasse.
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Sonntag, den 22. Mai 1927
nachmittags 5 Uhr
Die Meiſterſinger von Nürnberg
Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner
Muſikaliſche Leitung:
Adolf Wach=Münhen, a. G.
In der Inſzenierung von Joſeph Schlembach
Perſonen:
Hans Sachs, Schuſter „ Joh Biſchoff
Veit Poyner, Goldſchmied! Alfred Karen
KunzVogelgeſang,
Kürſch=
ner
Konr. Nachtigall, Spengler/=Adolf Klotz
Sixt. Beckmeſſer, Schreiber! Heinrich Kuhn
Fritz Kothner, Bäcker . .1.— Imre Aldori
Balthaſ. Zorn, Zinngießer!3 Chriſt. Möbus
Ulrich Eißlinger,
Würz=
krämer
AuguſtinMoſer, Schneider Rud. Strzeletz
Herm. Ortel, Seifenſieder! Hans Debus
Hans Schwarz,
Strumpf=
wirker . . . .
Hans Foltz, Kupferſchmied! Gſt= Baumgarten
Walther von Stoltzing, ein
junger Ritter aus Franken Karl Jörna 0,
David, Sachſens Lehrbube. Eugen Vogt
Eva, Pogners Tochter . . . Hedwig Werlt
Magdalene, Evas Amme . . Anna Facobs
Ein Nachtwächter . . . . . Hans Ney
Bürger und Frauen aller Zünfte.
Geſellen. Lehrbuben. Mädchen. Volk.
Nürnberg: Um die Mitte des 16. Jahrh.
Preiſe der Plätze 1.20—12 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Pauſen nach dem 1. und 2. Aufzug
Anfang 5 Uhr Ende gegen 10 Uhr
Montag, 23 Mai. Hauptprobe zum
Beethovenkonzert. Anfang 8 Uhr.
Preiſe 1—5 Mk.
Dienstag, 24. Mai. Beethoven=Konzert.
Leitung: Joſeph Roſenſtock. Soliſten:
Ria Ginſter=Frankfurt, Anna Baumeiſter=
Jacobs. Hans Hoefflin=Mainz, Heinrich
Hölzlin. Anfang 8 Uhr. Preiſe 1.50-7 Mk.
Mittwock, 25. Mai. B 21. Spiel im Schloß=
Anfang 7½ Uhr. Preiſe 1—10 Mk.
Kleines Haus
Sonntag, den 22. Mai 1927
abends 7½ Uhr
Außer Miete
Vorſtellung zu ermäßigten Preiſen
Der Raub der Habinerinnen
Schwank in 4 Akten von
Franz und Paul von Schönthan
In Szene geſetzt von Oscar Fritz Schuh
Perſonen:
Martin Gollwitz, Profeſſor K. Weſtermann
Friederike, deſſen Frau. Marg. Carlſen
Paula, deren Tochter . . Kaete Foerder
Dr. Neumeiſter . . . . . Robert Klupp
Marianne, ſeine Frau . . Ilſe Lahn
Karl Groß . . . . . . Hans Baumeiſter
Emil Groß, genannt Sterneck,
deſſen Sohn . . . . . . Walter Bluhm
Emanuel Strieſe, Theater=
.. . . Paul Maletzki
direktor . .
Roſa. Dienſtmädchen bei
Gollwitz . . . . . . . . Käthe Gothe
Auguſte. Dienſtmädchen
beiNeumeiſter . . . . . Hilde Schwara
Meißner, Schuldiener . . Richard Jürgas
Ort der Handlung: Eine kleine
deutſche Stadt. Zeit: 1880
Spielwart: Willi Krichbaum
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Nach dem 2. Akte findet eine längere
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Konstantinopel-Athen, etc, 22 Tage
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30. Juli: Finnland-Schweden, 22 Tage.
September: Dalmatien, 10 Tage. Paris, 6 Tage.
Ende 1827; Abessinien und ganz Aegypten, 3 Monate
Ende 1928: Reise um die Erde, 7 Monate.
— Ausführliche Rugdschreiben durch die Schriftleitung: D
Nummer 141
Sonntag, den 22. Mai 1927
Geite 15
RVOFrRAI
ao
RSAI
Rdestheat
Haus FM
2. Mai 1977
FJuhr.
von Nürnben
zuard An
ahegn a d.
Afred au
Ha
20-12M
Marimum.
38)
Roman von Hans Schulze.
(Nachdruck verboten.)
Und das Brauſen in ſeinem Kopf ward immer ſtärker und
ſtärker, daß er faſt daran zu vergehen meinte.
So ſaß er lange in zielloſem Brüten und nun, da er noch
einmal über die Straße ſeines Lebens zurückblickte, ſchien ihm
Sieg oder Niederlage, Ruhm oder Vergeſſenheit, Sein oder
Nicht=
ſein vor dem großen Sphinxrätſel des Todes gleich nichtig und
belanglos.
Ein ſeltſam gewundenes Band war ſein Leben geweſen, voll
bunter Abenteuer und wechſelnder Wanderfahrten über Land und
Meer.
Er hatte immer andere Wege gehen wollen als die anderen
und ſtets um den höchſten Einſatz geſpielt.
Maximum!
Nun hatte die rollende Kugel des unabänderlichen Fatums
gegen ihn entſchieden.
Die ſchillernde Seifenblaſe ſeines einſtigen Glücks war
zer=
ſprungen.
Das Leben, das jetzt noch vor ihm lag, dem er ſelbſt die
ſtärkſte Stütze entzogen, hatte ſeinen letzten Sinn und Inhalt
für ihn verloren.
Es blieb ihm nichts mehr, als mit Anſtand von der Bühne
Tdieſes Daſeins abzutreten und dem Tode feſt und ruhig ins Auge
zu ſchauen, wenn er jetzt aus eigenem Willen dem Rade ſeines
Schickſals in die Speichen fiel. —
Mit einem tiefen Seufzer richtete ſich der Einſame höher.
Noch einmal rann die Sehnſucht nach der fernen Frau in ihm.
„Süß, ſchwer und brennend.
Dann ſchloß er langſam das Fenſter und machte ſich bereit
Bur letzten Reiſe. —
20.
„Sie ſchließen alſo doch noch nicht jede Hoffnung aus, Herr
WGeheimrat?”
In angſtvoller Spannung ſah Daiſy dem berühmten
Chirur=
wen ins Geſicht.
„Ich kann Ihnen noch keine Gewißheit geben, gnädige Frau!”
wvar die vorſichtig abgewogene Antwort. „Es handelt ſich um
geinen ſehr ſchweren Lungenſchuß. Die Kugel hat die linke Bruſt
Feitlich des Herzens durchbohrt. Ein Fingerbreit mehr nach rechts,
uund alles wäre vorbei geweſen. Aber auch ſo liegt der Fall noch
urnſt und ſeine weitere Entwicklung iſt noch gar nicht abzuſehen!”
Mit leiſen Schritten kam Daiſy in das Krankenzimmer
zu=
rück und ließ ſich vorſichtig an Achims Bett nieder.
Sie war zum Umſinken matt, die Aufregungen der letzten
vicrundzwanzig Stunden hatte auch ihre jugendkräftige Natur
bis zum Aeußerſten erſchöpft.
Eine jäh aufſchießende unnennbare Herzensangſt hatte ſie
bald nach Achims Abfahrt aus Groß=Rauſen gleichfalls nach
Berlin getrieben.
Mitten in der Nacht noch war ſie mit Eva zur Wohnung
Dr. Hardts gekommen in der beſtimmten Hoffnung, Achim dort
vielleicht noch zu treffen oder jedenfalls über ſeinen Verbleib
etwas zu erfahren.
Dr. Hardt hatte ſeine ſpäten Beſucherinnen gerade in ſein
Arbeitszimmer geleitet, als er aus einem Hotel in der
Dorotheen=
ſtraße angerufen wurde, daß dort ein Herr von Wehrſtädt einen
Selbſtmordverſuch unternommen und einen Brief mit Dr. Hardts
Adreſſe auf ſeinem Schreibtiſch hinterlaſſen habe.
Nur Dr. Hardt hatte in dem Durcheinander der allgemeinen
Verwirrung ſeine unerſchütterliche Ruhe bewahrt und Achim
durch Sanitätsmaunſchaften der nächſten Rettungswache in eine
chirurgiſche Privatklinik am Friedrich=Karl=Ufer überführen laſſen.
Dort war das Ergebnis der erſten ärztlichen Unterſuchung
zunächſt niederſchmetternd geweſen.
Die
* schmerzlindernde Wirkung
begründet die allgemeine Beliebtheit der
abletten
Echtkeit und Qualität
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bürgt die Originalpackung /
Arrn” mider
Hae-
ten Banderole.
In allen Apotheken erhältlich.
Ein ſofort herbeigerufener Chirurg hatte angeſichts der
an=
ſcheinend unſtillbaren Lungenblur. I dem Verwundeten kaum
noch für den Reſt der Nacht Lebel,s=auer gegeben und ſich erſt
am anderen Tage bei ſeinem Morgenbeſuch einer etwas
hoff=
nungsvolltren Auffeſſung zugeneigt.
Trotzdem war ſeine Beurteilung der Sachlage aber noch
immer ſehr ernſt geblieben und er hatte Daiſy die Fernhaltung
jeder, auch der geringſten Aufregung, als die vornehmſte Pflicht
ihres freiwilligen Pflegerinnendienſtes auf das Nachdrücklichſte
eingeſchärft.
In tödlicher Einförmigkeit ſchlichen die Stunden dahin.
Draußen auf dem Korridor klaug zuweilen ein Schritt, ein
halblauter Ruf, ein Krankenwagen wurde vorſichtig
vorbeige=
ſchoben.
Das abgeblendete Licht der Beitlampe legte einen matten
Dämmerglanz über das kleine, weiße Gemach, der die Umriſſe
der Gegenſtände ins Ungewiſſe zu dehnen ſchien.
Der Verwundete ſchlummerte, das Geſicht von phantaſtiſchen
Schatten überzittert.
Das ſcharfe Richeln ſeines Atems hatte ſich allmählich in
einen erſterbenden Hauch gewandelt, der ſich in langen, leiſen
Stößen aus dem halbgeöffneten Munde ſtahl.
In grenzenloſem Mitleid ſah Daiſy auf das qualvolle Leiden
des Geliebten und ein ſehnſüchtiges Verlangen ſtieg heiß in ihr
auf, dieſe trockenen, lechzenden Lippen noch ein letztes Mal mit
einem Kuſſe zu berühren.
Ganz zart und heimlich.
Und ſie fühlte ihr Herz in dieſem Augenblick wie eine
bren=
nende Wunde. —
Dann ſaß ſie lange in ſich zuſammengeſunken und überlas
immer wieder den Abſchiedsbrief Achims an Dr. Hardt, bis ihr
die aufſteigenden Tränen die Augen verdunkelten.
„Ich kann nicht weiterleben, weil ich die Vorſtellung nicht
ertrage, daß mich Daiſy verachtet. Gott iſt mein Zeuge, daß
jeder Gedanke an den ſchmählichen Pakt mit ihrem Gatten in
mir tot war, noch ehe ich ſie kennen lernte. Das aber werde ich
ihr nie beweiſen können, wenn ſie nicht ſelber fühlt, daß ich die
Wahrheit ſpreche. Ich habe niemand auf der Welt ſo tief
ge=
liebt, wie ſie, und es iſt die Tragik meines verfehlten Lebens,
daß ich an dieſer Liebe ſterben muß!”
In ratloſer Verzweiflung barg die einſam Sinnende ihr
Ge=
ſicht in beide Hände, ein lautloſes Schluchzen ſchüttelte ſie, als
wage ſich der tiefſte Jammer ihres Herzens nicht zum Lichte
herauf.
(Fortſetzung folgt.)
Secdtellbie die deNoclallbelsällSy
die jeden Würfel von MAGGls Suppen aufgedruckt iſi. Sie iſt zwar ſehr einfach,
aber natürlich nicht für jede der vielen Sorten die gleiche. Verfahren Sie nicht nach
Gutdünken. Nach Vorſchrift gekocht, ſchmecken MAGGls Suppen delikat. (v. 767
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22. Mai 1925
Nummer 21
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Frühling in Marburg.
400 Jahre alma mater philippina.
Von Matthäus Becker.
„Nein, es iſt auf dem Papier nicht zu erſchwingen, was
ich brauchte, dir zu ſagen, was man hier in einer Minute
empfinden kann; ich mochte in einer Minute wahnſinnig und
geſcheut, dichtend und liebend und ſpottend und lebend und
ſterbend ſein, um dir dies Leben recht wieder zuzuſtrömen.”
So ſchreibt aus Marburg Clemens Brentano an Bettina.
Dieſe kleine Stadt bietet ein geſtrichenes Maß von allem,
was ſo ein Nomantikerherz jubilieren machen kann: ſteinerne
Denkmale der Gotik in ihrer früheſten und herbſten
Schön=
heit, ſteinerne und geſchriebene Denkmale auch des
Nefor=
mators und ſeiner erſten Mitſtreiter auf Chron und
Ka=
theder, dazu eine Landſchaft, ſo lieblich — nein noch ſchöner
und lieblicher als ein engliſcher Garten!
Aus dem neunzehnten Jahrhundert, dieſer Seit des
Bilderſturms in Dermanenz, iſt dieſe ganze pittoreske, ſteil
den Berg erklimmende Wohnanlage faſt ohne Verluſte
her=
vorgegangen. Die blaue Blume iſt nicht entblättert. Noch
ſtrömt ſie Duft und niemals ſüßeren als gerade in dieſen
Cagen.
Frühlingin Marburg! Das Wort weckt
Sehn=
ſucht nach den tauſend Wohlgerüchen aus den lauſchigen
Gärten des Schloßbergs, nach dem erſten Grün der Buchen=
und Eichenwälder des Dammelbergs, der Lahnberge und der
Wälder über dem Marbachtal. Vor dem Weidenhäuſer Cor
blühen Kirſch= und Apfelbäume und violetter Seidelbaſt, und
im Götzenhain ſchlagen abends die Nachtigallen. Die alten
wehrhaften Häuſer oben an der Nitterſtraße umſpinnt der
Efeu mit einer dichten grünen Wand. In dem einen dort lebt
ein halbes Jahrhundert ſchon der berühmte Verfaſſer der
römiſchen Charakterköpfe, der Profeſſor Cheodor Birt.
Dieſe Straßen hinauf iſt es ein ſchweißtreibendes
Klet=
tern nach dem verwitterten Schloß. Die Baumeiſter, die
dieſe Häuſer errichtet haben, waren erfindungsreiche Leute:
wenn die Unebenheiten des Bodens gar zu ſchwierige
Auf=
gaben ſtellten, haben ſie einfach ſtatt einer zwei Haustüren
gemacht, die eine zu ebener Erde, die andere im Dach, ſo
daß man durchs Dach gleich auf die dort oben
vorüber=
führende Straße treten kann. Das iſt luſtig zu ſehen und
mutet an wie eine Variation der Geſchichte vom Ei des
Kolumbus.
Die Univerſität Marburg begeht in dieſem Sommer ihr
400jähriges Jubiläum. Hier zuerſt wurde Luthers
Evangelium an einer Hohen Schule gelehrt. Der Gründer,
Landgraf Philipp, iſt als der Beſchützer des Neformators
in der Geſchichte bekannt. Eine Ahnfrau dieſes Fürſten, die
Landgräfin Eliſabeth von Chüringen, war jene Heilige, die
hier den Grundſtein zu einem der ſchönſten Denkmäler
früh=
gotiſcher Kirchenbaukunſt gelegt hat. Das Lied aus Stein,
ſo hat der Literaturhiſtoriker Vilmar den Dom genannt.
Viele bedeutende Männer ſind in dieſen 400 Jahren in
den Straßen der kleinen Stadt gewandelt: der Humaniſt
Eobanus Heſſus, der berühmte Phyſiker Denis Papin, deſſen
Dampfſchiff genau hundert Jahre vor Fultons erſtem
Dampfer die Weſerſchiffer zerſchlugen, der Philoſoph
Chriſtian Wolff, deſſen rationaliſtiſcher Dogmatismus vor
große Entdecker Nobert Bunſen, die Brüder Jakob und
Wilhelm Grimm, der Beſieger der Diphterie, Behring, die
viele viele andere, die im Reich der Wiſſenſchaft einen
un=
vergänglichen. Namen
haben.
Dieſe kleine Stadt
mit ihren knapp mehr
als 20000 Einwohnern
iſt der Univerſität mit
ihren Hunderten
ge=
lehrter Herren und mit
ihren weit über
zwei=
tauſend Anwärtern der
Gelehrſamkeit
ſozu-
ſagen nur beigegeben
als die Brücke zum
praktiſchen Leben, als
das für des Leibes
Notdurft. Nahrung
und Erholung ſorgende
Drumherum. Alles in
dieſer kleinen Stadt
lebt mit, für und durch
die Univerſität. „In
Göttingen iſt’s kalt,
fein und ſtolz.
Ueber=
all riecht’s nach
Pro=
feſſoren und
Heine-
ſchen Perſonalwitzen.
In Marburg iſt’s
warm, grob und
zu=
traulich. In Göttingen
gedeihen Kamele,
Hei=
dekraut,
Profeſſoren=
töchter und Würſte; in
Marburg frohe
Bur=
ſchen, Maiblumen, liebe
Mädchen und irdene
Waren. Ein Ball in
Göttingen iſt ein
Handſchuh, den die
Damenwelt in den
Sirkus der
gräßlich=
ſten Langeweile wirft,
und den die
Männer=
welt mit Schaudern
zurückholt. Ein Ball
in Marburg iſt eine
lachende Noſe, welche
die Studenten den
Marburger Mädchen
ſchenken. Göttingen
hat eine Univerſität,
Marburg iſt eine,
in=
dem hier alles, vom
Prorektor bis zum
Stiefelwichſer, zurUni=
M
HAAHIAIEHARÄHIELHAAAannnanannaannaEnEnnnnn
verſität gehört.” So zu leſen in dem nun bald
hundert=
jährigen halbverſchollenen „Prinz Noſa Stramin” des
Heſſendichters Ernſt Koch, deſſen Leben noch bunter und
zerfahrener war als dieſes bunte und zerfahrene, heitere und
ernſte Buch.
Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als der
Stand der Ackerbürger den größten Ceil der Bewohner
aus=
machte, galt es in Marburg als Kennzeichen des
Voll=
bürgers, daß zu ſeinem Hausſtand eine Siege, ein
Kanarien=
vogel und ein Student gehöre.
Die Ackerbürger ſind nicht mehr; aber auch heute ſind
da ganze Straßen, wo jede Samilie ohne Ausnahme einen
Studenten bei ſich aufgenommen hat. Sumal bei den
ein=
geſeſſenen Marburgern iſt das Vermieten an einen Jünger
der alma mater Philippina altüberlieferte Cradition. Und
dieſe Studentenbuden in den oft vielhundertjährigen Häuſern
haben ſamt und ſonders ihre Geſchichte. Ganze Generationen
von Muſenſöhnen haben darm gehauſt, und manchmal ſind
ſie wahre Naritätenkammern an kulturhiſtoriſchen Schätzen.
In dieſer Stadt, die ausſchaut wie ein Wirklichkeit
ge=
wordenes Gemälde von Spitzweg, gibt es für den Frühling,
den richtiggehenden, von Wintergewohnheiten endgültig
freien Frühling,, ein untrügliches Kennzeichen: die
Fäßchen=
partien. Dann vergeht kein Cag, wo nicht die eine oder
andere Korporation, eine Muſikkapelle an der Spitze, nach
der Schäferbuche oder der Weintrautseiche zieht zu einem
Gelage, bei dem man Gaſt und Wirt zu gleicher Seit iſt. Am
ſpäten Abend kehrt die jugendliche Schar im Sug der Fackeln
mit Muſik und Sang nach der Stadt zurück. Und dann die
Suchſenſchokoladen! Da verſammelt man ſich zu einer für
korporations=ſtudentiſche Begriffe unerhört frühen
Morgen=
ſtunde auf dem Marktplatz, um an gebeckten Ciſchen
Schoko=
lade und Kuchen ſich munden zu laſſen. Das ſtudentiſche
Creiben im geſchloſſenen Nahmen des alten Marktplatzes, die
Buntheit der Mützen und Kneipjacken und der Crachten der
oberheſſiſchen Landmädchen — das alles gibt ein gar luſtiges
Bild, unvergeßlich dem, der es einmal geſehen hat.
Und nun wird, ich ſagte es ſchon, dieſer kleinen Stadt der
vierhundertſte Geburtstag ihrer Univerſität feſtliche Cage
beſcheren. Marburg verſteht ſich auf das Feſtefeiern; durch
Kant die herrſchende Philoſophie Deutſchlands war, der die allſommerlichen Stiftungsfeſte der Korporationen hat man
Literarhiſtoriker Vilmar, der Nechtslehrer Savigny, der Uebung darin. Aber ein Univerſitätsjubiläum werden wohl,
da es nur alle hundert Jahre vorkommt, ſelbſt die älteſten
Semeſter beſtenfalls nur einmal erleben. Dieſe Gelegenheit des
Vertreter der „Marburger Schule”. Cohen und Natorp und Erlebens und die vielleicht noch ſchönere des Erinnerns an
Erlebtes wird kein richtiger Marburger Student verſäumen.
Hnngannnnangnni
nnnnannn
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HIEna
Vom Fälſchen der Altertümer.
„Alt” iſt nicht echt!
Von Profeſſor J. Wenzel.
Der berufsmäßige Sammler altertümlicher Kunſtwerke wird
oft genug von guten Sreunden um Nat und Meinung gefragt,
ob dies oder jenes Stück, das ſie beim Antiquitätenhändler oder
noch häufiger beim Crödler für geringes, leider manchmal auch
für teures Geld erſtanden haben, wirklich echt ſei. Da gilt es
denn, über Bilder, Möbel, Porzellane, Canagrafiguren und alte
griechiſche Münzen, auch wohl über Negerplaſtiken zu Gericht
zu ſitzen; aber meiſtens ſollte ſich die Anklage weniger gegen
den unglücklichen Angeklagten, das Kunſtwerk und ſeinen
Er=
zeuger, den Fälſcher, als vielmehr gegen den Käufer richten, dem
man überdies die bittere Enttäuſchung bereiten muß, daß man
ſeine glücklichen Erwerbungen als unecht bezeichnet.
Führt uns ſo ein Unglücksmenſch in ſein „
Biedermeier=
zimmer”! Noch vor einem Monat war der Naum mit lchönen
modernen Ledermöbeln und überhaupt allem ausgeſtattet, was
zu einem gemütlichen Herrenzimmer gehört. Auch ein paar
gute Bronzen hatten damals nicht gefehlt. Heute prangt alles
in geflammtem Birkenholz. An den Wänden hängen
Familien=
porträts von Herren und Damen in verſchollener Cracht. Es
gibt da eine Glasſervante, darin Caſſen mit
Streublumen=
malerei und der Aufſchrift.„Wandle auf Noſen” oder „Nimm’s
freundlich an”. Kurz, man vermißt nur noch, daß vor dem
Senſter der Poſtillon bläſt.
Wie enttäuſcht iſt dann der Beſitzer aller dieſer
Herrlich=
keiten bei der Mitteilung, daß ſeine ſchönen Möbel unecht ſind.
Aber noch ſchlimmer wird ſeine Laune, wenn man ihn in
ein=
zelne Feinheiten der Fälſcherkunſt einweiht. Erklärte man ihm
nämlich, daß ſein ſchönes Glasſpind einfach ſchlecht und recht
gefälſcht iſt, ſo hätte er wenigſtens die Freude, ſich als Opfer
eines abgefeimten Betrügers zu fühlen. Aber ſelbſt dieſe
be=
ſcheidene Genugtuung müſſen wir ihm vorenthalten, denn der
böſe Antiquitätenhändler war gar kein Betrüger, er hat nur ein
wenig dort nachgeholfen, wo der Wunſch des unvernünftigen
Publikums unmögliche Forderungen aufſtellte. Er hat einen
wirklich alten Kleiderſchrank in die nun einmal allenthalben
begehrte Sorm der Glasſervante „umgeſchaffen‟. Denn ſoviel
Servanten mit und ohne Säulen, mit und ohne
Spiegelhinter=
grund, mit und ohne Aufſatz, wie ſie in den Handel kommen,
gab es in der ganzen Biedermeierzeit nicht, und hätte ſie nicht
von 1815 bis 1848, ſondern von Chriſti Geburt bis Seppelin
gedauert. Aehnlich verhält es ſich mit den kreisrunden Ciſchen
der Biedermeierzimmer. Da feiert die Füllung der
Kleider=
ſpindtür, die bei der Umwandlung des Schranks in eine
Glas=
ſervante abfiel, fröhliche Auferſtehung als Ciſchplatte. Aus
einem alten Bettgeſtell wird bei einigem guten Willen das
geradlehnige Sofa mit den ſchönen Großvaterecken; und ſo darf
der Händler mit einer für dieſe Sorte von Käufern
ausreichen-
den Berechtigung beteuern, er verkaufe gutes altes Holz.
Es iſt nämlich eine merkwürdige, nichtsdeſtoweniger aber
unbeſtreitbare Catſache, daß die meiſten dilettantiſchen Sammler
ihren Händlern gegenüber gar nicht von ihrem Necht exakter
Frageſtellung Gebrauch machen. Denn täten ſie es, ſo würde es
Lu:ſe.
Von Ernſt Glaeſer.
Sie war noch blonder als ihr Name. Die federnde
Leich=
tigkeit ihres Haares, ihr lautloſer Schritt und die ſtille
Unbe=
denklichkeit, mit der ſie die Blumen im väterlichen Garten
oflückte, beſonders aber ihre Stimme, deren Cönung
unver=
gleichlich zart war, hatte es uns angetan, und jeder, den ſie
anſprach mit Worten wie „Guten Cag” oder. „Was machſt du?‟
war für Stunden in einem jener wunderbaren Knabenräuſche, die
ſich immer in Capſigkeit oder plumper Vertrauensſeligkeit
äußern. Auf den großen Wieſen am Fluß, wo das Gras ſchon
ſauer wrd und ſcharf, daß man ſich ſchneiden kann, wurden
große Schlachten in ihrem Namen geſchlagen, und es gab
nie=
manden, der nicht für ein Lächeln von ihr todesmutig in den
Knabentod des Soldatenſpielens geſtürzt wäre. Der Zauber, der
von ihr ausging, verfolgte uns bis in die dunkelſten
Schul=
ſtunden, in klobigen, hartgeſchnittenen Buchſtaben, rot oder
tintenſchwarz ausgelegt, ſtand ihr Name auf den troſtloſen
Schulbänken der Klaſſenzimmer, ja, es kam oft vor, daß bei
Troſtklarem Wetter auf den beſchlagenen Scheiben in breiten
Strichen und zärtlichen Schnörkeln „Luiſe” zu leſen war, ein
Suf, der aus kaum geahnten Provinzen des Lebens über uns
Renaben hing wie die große, purpurne FJahne einer gemeinſamen
Sehnſucht.
Man erzählte ſich tolle. Dinge von ihr, ſie ſollte eit
Aſſeſſor ſchon heimlich verlobt ſein, einem Mann, der ein
goldenen Kneifer trug und unangenehm rote Hände hatte;
Vater, von dem man kaum mehr wußte, als daß er ſehr re
ſei und ſein Geld auf Neiſen verlebe, hätte dieſen Mann
ſie ausgeſucht, ſie ſelbſt ſich ihm gefügt mit einem Lächeln,
wir alle kannten, da es uns durch und durch ging, wenn wir
trafen. Unſere Klaſſe war eine gute Klaſſe, wir erreichten imn
ohne große Anſtrengung das Jahrspenſum, und bei den geſ
bfel wenlger Fälſchungen geben. Der Liebhader fragt meiſt ganz
allgemein: „Iſt das Stück alt?” worauf er regelmäßig bejahende
Antwort erhält. Und mit Necht. Denn einzelne Ceile des
Möbels ſind faſt ſtets alt. Und wie alt das Ganze ſei, unterliegt
nicht der Nachforſchung des Käufers, dem der Händler anſieht,
daß er bereits in das Ding verliebt iſt.
Aber iſt denn nicht eigentlich die Frage „Iſt das Stück alt?”
eine künſtleriſche Ungeheuerlichkeit? Gewiß, man kann ſie
ver=
ſtehen; gemeint iſt ja damit, daß ein Gegenſtand, der nach 100
oder womöglich 300 oder gar 600 Jahren noch unſerem heutigen
Geſchmack entſpricht, von wirklich überzeitlicher, abſoluter
Schönheit ſein müſſe. Aber leider iſt aus dieſer richtigen Wurzel
die Schlußfolgerung entſprungen, daß — umgekehrt — jedes
Ding, das alt iſt, nun auch wertvoll ſei. Und damit iſt eine
Nück=
ſtändigkeit in der Beurteilung künſtleriſcher Schöpfungen, eine
Unſelbſtändigkeit des Geſchmackes eingeriſſen, die der ehrliche
Künſtler unſerer Cage bitter empfinden muß. Es hat natürlich
eine gewiſſe Berechtigung, wenn man die Seitprobe anſtellt, d. h.
wenn man nicht jeder Neuerung auf kunſtgewerblichem Gebiet
begeiſtert zujubelt, oder gar, was für den eigenen Geldbeutel
wichtiger iſt, ihre Erzeugniſſe unbedenklich erwirbt. Man ſtelle
ſich nur einmal vor, jemand hätte vor ungefähr 25 Jahren
Jugendſtilmöbel gekauft und damit ſeine Näume gefüllt. Einen
Widerwillen wie beim Anblick dieſer zerfahrenen Linienführung,
erlebt er allerdings vor einem Barockſchrank nie und nimmer,
und wäre auch nur ſein Siebel echt, Vorder= und Seitenteile
aber, wie oft genug, aus altersgeſchwärzten Dachbalken ergänzt.
Nun ſchließt unſer Freund ſeine Glasſervante auf und lädt
uns zur Würdigung ſeines Privatmuſeums ein. Daß ſeine
Caſſen alt ſind, „beweiſt” die Marke. Jawohl, aber die Marke
iſt bei Porzellan nicht ausſchlaggebend; denn ſehr häufig
wer=
den alte Stücke nachträglich bemalt, noch einmal leicht
ge=
brannt und führen nun ein wertgeſteigertes Daſein. Auch hier
kann der Händler mit gutem Gewiſſen das Alter dieſer Ware
beteuern, da der dilettantiſche Sammler gar nicht auf den
Ge=
danken kommt, daß man zwiſchen Form und Farbe bei einem
nun einmal fertigen Gegenſtand noch Unterſchiede machen muß.
Gerade bei Porzellan kann man übrigens dem Altertumsfen
auch nicht den mindeſten Neſt von Wohlwollen zubilligen, denn
auf dieſem Gebiet (Porzellan iſt vielleicht das ſchönſte, delikateſte
Sammelgebiet überhaupt) könnte er ſeine ehrlich gemeinten
Wünſche nach den alten, guten Formen vollauf befriedigen. Die
berühmten Manufakturen ſtellen nämlich nach alten Modellen in
ihren eigenen Werkſtätten die vorzüglichſten Neugüſſe her. Wer
alſo an Nokokoporzellan Gefallen findet, der ſollte lieber die um
ihre wirtſchaftliche Exiſtenz ſchwer kämpfenden Manufakturen
urch den Ankauf eines erwieſenermaßen ſchönen Stückes
unter=
ſtützen, als den unſicheren Pfad des kunſtgewerblichen
Wünſchel=
rutengängers beſchreiten.
In einer wirklich dilettantiſchen Sammlung dürfen ein paar
alte Münzen oder eine Canagrafigur nicht fehlen. Alte Münzen
werden am beſten engros hergeſtellt und gefälſcht, ſonſt lohnt ſich
nämlich die Prägung nicht. Kommen ſie aus der Werkſtatt, ſo
müſſen ſie erſt ein paar Mal das Innenleben einer Gans paſſieren,
dann bekommen ſie die Patina, den Edelgrünſpan. Der
Spazier=
gang durch die Gans darf beliebig oft wiederholt werden.
Manche „Sammler” lieben nämlich Stücke, auf denen man
über=
haupt nichts mehr erkennen kann, während andere, offenbar
rauſamer angelegte Naturen, für ihr gutes Geld den Namen
Nero noch entziffern wollen. Und all das ſpielt ſich in unſerer
Zeit ab, die gerade auf dem Gebiet der Kleinkunſt, in Plaketten
und Prägungen, ganz vorzügliche Leiſtungen aufweiſt. Aber was
lichen Schulfeiern wurde ſtets einer von uns ausgeſucht, der
mühelos und in ſeltener Souveränität einen Geſang aus der
Odyſſee aufſagte. Auch die Aufſatzthemen, die man uns ſtellte,
waren ſchon für die „reifere Jugend” — und einmal, ich glaube,
es war im zweiten Kriegsjahr, ſtellte man uns vor die große
Frage: „Warum muß Deutſchland ſiegen?” — ein Chema, das
bei uns ein Gewitter von Fanfarentönen entfeſſelte und in
gehobener Proſa, bei manchen ſogar in freien Rhythmen
beant=
wortet wurde.
Damals blühten gerade die Kaſtanien und die Luft troff von
Honig. Luiſe trug ein zartes Kleid aus leichtem Muſſeline, man
konnte den Wind ſehen, wie er um ihre Schultern ſpielte. Abends,
wenn der Himmel ſich langſam verdunkelte wie eine überreife
Frucht, ſahen wir ſie oft im Garten, der an die Wieſe ſtieß, wo
wir Sußball ſpielten. Sie ging, den Nock immer leicht gerafft,
zwiſchen den Beeten mit einer Lautloſigkeit im Schritt, vor der
uns der Atem ſtockte. Wir wußten, daß ſie uns ſah. Unſer Spiel
nahm daraufhin eine Heftigkeit an, die lautlos war, aber
ver=
biſſen. Kein Schrei oder ermunternder Suruf ſtieg hoch, es
wurde ſchweigend gekämpft, mit gepreßtem Atem. Luiſe näherte
ſich langſam dem Saun, hinter dem Nadieschen wuchſen, hob ſich
ein wenig und ſehr graziös auf die Fußſpitzen und ſah uns mit
einem Lächeln zu, während ihr Haar blond in der Abendluft
wehte und eine Welle von Zärtlichkeit zu uns herüberſchickte,
vor der uns die Hände ſchwer wurden. Niemals mehr in meinem
Leben iſt mir ein ähnliches Geheimnis begegnet, wie dieſes
Lächeln eines ſicherlich ahnungsloſen Mädchens, unter dem die
Knaben mit einer Bravour und Erbitterung fochten, wie ſie nur
in alten, unkontrollierbaren Büchern zu leſen iſt. Hier in dieſen
Knabenſpielen war der Kampf wieder zu fener verehrenden Geſte
geworden, mit der einſt längſt verſchollene Geſchlechter ihren
Frauen huldigten, und wenn auch die Nomantik dieſer
knaben=
haften Verehrung durch die Kampfmethoden der ſpäteren Jahre
erfriſchend widerlegt wurde, eine ſchönere Melodie hat niemals
über meinem Leben gelegen, als an dieſen Abenden, wo wir alle
kämpften, um alle zu gefallen.
ſoll eln ſunger Künftler tun, dem niemand ſeine ehrlichen
Eigen=
ſchöpfungen abkauft? Er knetet eben aus Con ein Figürchen,
pufft ihm mit ſanftem Stoß das Näschen ab und behandelt es
überhaupt ſo ſchlecht, daß man dem Altertumsfreund noch Dank
wiſſen muß, wenn er dieſem Invaliden eine ſtandesgemäße Unters
kunft im Glasſpind bereitet.
Wozu ſich manche Leute nur alte Bilder aufhängen! Die
Bilder, die unſer Simmer ſchmücken, müſſen ihre Anweſenheit
durch Beziehungen zu uns verdienen. Es iſt wirklich kein Seichen
eines guten Geſchmackes, wenn jeder beliebige Arzt, Kaufmann,
Nechtsanwalt oder Schullehrer eine wilde Lager= oder
Lands=
knechtſzene von Wouwermann in ſein Simmer hängt, nur um
das für dieſen Maler ſo charakteriſtiſche (2) weiße Pferd im
Vordergrund ſchon am frühen Morgen begrüßen zu können.
Na=
türlich werden viele Maler durch die Mißachtung ihrer ehrlichen
Kunſt zum Fälſchen gezwungen. Denn vom Kopieren zum Fälſchen
und vom Ergänzen zum Kopieren iſt’s immer nur ein Schritt. Ich
glaube, im geſamten Kunſthandel wird gar nicht ſo viel gefälſcht,
als vielmehr überſtilgerecht kopiert. Wenn da beiſpielsweiſe ein
Kupferſtichſammler von Nang, um die Lücken ſeiner Sammlung
aufzufüllen, ein paar gute Neudrucke nach alten Meiſtern kauft
und ihnen vielleicht in einer ſpieleriſchen Laune, denn mit einer
ſolchen muß man bei Sammlern immer rechnen, durch ein ſanftes
Ceebad mit nachträglicher Sonnenbehandlung eine leicht vergilbte
Cönung zuteil werden läßt, ſo kann er dadurch unter Umſtänden
inen Nattenkönig von Mißverſtändniſſen hervorrufen. Merzt
er nämlich die Falſifikate nach einiger Seit aus, — er braucht ja
nur die echten Blätter inzwiſchen erworben zu haben — ſo
ge=
hört ſchon ein großer Aufwand von Ehrlichkeit dazu, die unechten
nachgetönten Drucke vom Handel fern zu halten. Gibt er ſie
mit voller Aufklärung ihres geringen Wertes an einen großen
Antiquitätenhändler, ſo legt ſie dieſer in ſeine Ausſchußmappe;
aus ihr erwirbt ſie der kleine Crödler, zu dem der vornehme
Antiquitätenhändler gewiſſe Beziehungen nicht abbrechen darf,
und führt ſie in den Antiquitätenkreislauf ein. Wie in ſo vielem
wäre auch hier ein gewiſſer Wahrheitsfanatismus
wünſchens=
wert, denn, würde der Sammler den Nachdruck nicht tönen,
würde er ihn ſpäter, wenn er ein gutes Original beſitzt, einfach
vernichten, ſo würde die Kette der Irrtümer gar nicht erſt
zu=
ſtande kommen. Da aber die Laſt der Verantwortung ſich auf ſo
viele Schultern verteilt, ſo trifft letzten Endes eigentlich keinen
eine wirkliche Schuld.
Wie ſchütze ich mich vor Fälſchungen beim Erwerb
alter=
tümlicher Kunſtwerke? Die Antwort iſt leicht. Man kauft nur
dann, wenn man durch theoretiſches und praktiſches Studium
ſich in wirkliche, innere Beziehungen zu den zu erwerbenden
Kunſtgegenſtänden geſetzt hat. D. h. man kauft keine alten
Biedermeiermöbel, wenn man nicht das Biedermeier in allen
ſeinen kunſtgewerblichen, ſeeliſchen, politiſchen, kurzum
kultur=
geſchichtlichen Aeußerungen ſich zu eigen gemacht hat. Denn
ſonſt hat das Aufſtellen der Möbelſtücke, das Anhängen alter
Bilder keinen Sinn. Man erwirbt keine einzelne Canagrafigur,
wenn man nicht die Möglichkeit beſitzt, Sammlung und
Kennt=
niſſe durch den Erwerb mehrerer zu erweitern. Und damit haben
wir den Schlüſſel, der die Cür aller Fälſcherwerkſtätten öffnet:
Man ſammelt nicht mit Gefühl und Sentimentalität, und die
Kunſt iſt auch nicht heiter, ſondern leitet ſich von dem Worte
„Können” ab. Können und Kenntniſſe ſind aber
Swillings=
ſchweſtern.
Wie weit dagegen die Kenntnisloſigkeit mancher „
Kunſt=
enthuſiaſten” geht, möge ſchließlich nach folgendes Geſchehnis
be=
weiſen, das ſich kürzlich abſpielte.
Es war im Sommer, über den Wieſen ſchwebte der
bren=
nende Geruch der erſten Heuernte. Luiſe ſtand am Saun, einen
leichten blauen Schal um die Schultern, als von dem ſtarken
Critt des linken Stürmers der Ball, haushoch geſchleudert, in
ſcharfer Senkrechte in den Garten klatſchte, in dem das Mädchen
ſtand. Wir erſchraken und ſtarrten mit hochroten Köpfen in
die Luft. Der Himmel war ſchon violett getönt, es war gegen
neun Uhr. Langſam, ohne weiter nach uns zu ſehen, wandte ſich
Luiſe nach der Ciefe des Gartens, hin auf das Gebüſch, wo der
Ball zu vermuten war. Sie verſchwand hinter einer Wand
Spalierobſt, nur ihr helles Kleid tupfte noch manchmal die Luft.
Als ſie an dem Gebüſch ſein mußte, verloren wir ſie aus den
Augen, denn vom Fluß her ſtieg die Nacht hoch und fraß gierig
das Licht, das noch über den Wieſen ſpielte. Wir warteten. Es
war kein Laut zu hören. Jeder von uns wußte, daß etwas
Entſcheidendes bevorſtand. Plötzlich löſte ſich unſer linker
Stürmer aus der Neihe, ging ſchnell auf den Saun los, griff
ihn, daß die Drähte zitterten, und ſchwang ſich mit einer
Ver=
wegenheit, die wir nicht begriffen, mitten in den Garten. Wir
rückten zuſammen. Leiſe wagten ſich die erſten Worte hervor:
Was wird mit Luiſe?” An den Ball dachte niemand. Wir
ſetzten uns an den Nain und warteten. Es war dunkel, nichts
regte ſich im Garten, nur durch ſeine Bäume turnte der Wind.
Plötzlich begann einer zu reden. Unſer Primus in Mathematik.
„Kinder,” ſagte er, „das ſieht nach Verabredung aus. Die
wollen allein ſein.” Sein Lachen klang häßlich und alt. Wir
mußten ihm recht geben, denn bald ſahen wir ein weißes Kleid,
dem ein Schatten folgte, im Gartenhaus verſchwinden.
Als am nächſten Morgen in der großen Pauſe der linke
Stürmer grobe Andeutungen machte, welch ein „fabelhaftes
Weib” Luiſe ſei, wußten wir, daß wir eine Gemeinſamkeit
ver=
loren hatten, aber es fehlten uns die Worte, es zu ſagen.
Denn wir waren noch nicht ſo lebenstüchtig und gewandt,
uns mit Metaphern z tröſten. Sonſt hätte vielleicht einer vom
„verlorenen Paradies” geſprochen und den Fußball mit dem
Erzengel des „feurigen Schwerts” verglichen..
Menſchliſche Dumhelt hat bekanntlich ſeit ſeher ihre
An=
zkehungskraft auf Leute nicht verfehlt, bei denen ſich die Liebe
zum Geld nicht mit der entſprechenden Arbeitsfreudigkeit paarte.
Und wenn auch die irdiſchen Nichter für gewöhnlich nur den
einen Ceil, nämlich die Nicht=Dummen, zu beſtrafen pflegen,
während die Dummen mit dem Ausdruck gerechten Sorns auf
der Seugenbank ſitzen, ſo hat ſich das menſchliche Intereſſe doch
leit jeher den letzteren zugewandt. Denn inſtinktiv erkannte auch
der primitivſte Menſch, daß die Dummheit etwas Aufreizendes
an ſich habe, das ſchließlich auch den ehrlichſten Menſchen dazu
verleiten könne, die ſchlummernden Criebkräfte dieſer
Dumm=
heit als Waſſer auf die eigene Mühle zu leiten. Deshalb kann
man auch in dem jungen Emilo C., der neulich wegen Betruges
zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt worden iſt, beim beſten
Willen keinen fluchwürdigen Verbrecher ſehen, denn er hat ſich
vor der Ausführung ſeiner Cat einer Art Gottesurteil
unter=
worfen.
C. war ein unbeſtrafter armer Ceufel zu Berlin, ſein
Kon=
trahent einer jener Amerikaner, die ſchwach an Geiſt, aber ſtark
im Bctzuthaben ſind und ſich nebenbei mit der Sammlung
von Altertümern beſchäftigen, die ſie dann daheim zentnerweiſe
gegeneinander abwiegen. Von dieſem Amerikaner hörte C.,
daß er an Dummheit alles dageweſene übertreffe, und das
ver=
anlaßte ihn, einen kühnen Entſchluß zu faſſen.
Es muß eine Grenze von Dummheit geben, ſagte ſich C. Ich
denke mir eine Grenze. Geht ſeine Dummheit darüber hinaus,
dann kann es ihm wirklich nicht ſchaden, wenn ich ihn um ein paar
Cauſender erleichtere. Wenn nicht, dann Gnade mir Gott!
Er kleidete ſich in das Gewand eines alten Holländers, wie
ſolche auf jeder Sigarrenkiſte zu ſehen ſind, beſorgte ſich ein
billiges Ohrgehänge aus Glasſteinen und begab ſich zu dem
Amerikaner.
„Herr Van Dyk” — meldete der Kammerdiener. „Jawohl,
Van Dyk,” beſtätigte C. auf die erſtaunte Frage des
Ameri=
kaners. „Ich hörte, daß Sie ein begeiſterter Verehrer meines
Vaters ſind.” „Sie — ein Sohn des verehrten Meiſters!” rief
der Amerikaner aus, „Herr, dies iſt der glücklichſte Cag meines
Lebens.”
Nach einer Stunde trat C. aus der Wohnung des
Ameri=
kaners auf die Straße. Er hatte einen Scheck auf 30000
Fran=
ken in der Caſche, der Amerikaner wiederum verwahrte in ſeinem
Creſor die koſtbarſten Ohrgehänge, die Van Dyk junior von
ſeinem — 1641 geſtorbenen Vater geerbt hatte
Der junge C. iſt dann verhaftet worden. Denn der
Ameri=
kaner hat natürlich überall von ſeiner wunderbaren
Bekannt=
ſchaft erzählt, und es ſcheint darunter Leute gegeben zu haben,
denen die Langlebigkeit dieſes holländiſchen Geſchlechts doch
ver=
dächtig ſchien ..."
Der anonume Brief.
Von Walter Haſenclever.
Wer hat nicht ſchon in ſeinem Leben einen anonymen Brief
bekommen? Keiner will ihn geleſen haben, und jeder lieſt ihn.
Welcher Vater, welcher Bräutigam, welche harmloſe Ehefrau
erhielt nicht ſchon in ſteilen Lettern oder ſachlicher
Schreib=
maſchinenſchrift eines jener berühmten Epiſtel, deſſen erſter Satz
unweigerlich mit den Worten beginnt: „Jemand, der es gut mit
Ihnen meint ."
Der anonyme Brief, ein nicht zu unterſchätzender Faktor der
menſchlichen Geſellſchaft, ſteht außerhalb jeder Geſetzgebung. Er
darf beleidigend, tröſtend, verräteriſch, hundsgemein ſein; er darf
ſein wie er will; er iſt nicht zu faſſen. Er vernichtet Ehen, ent=
zweit Freundſchaften, vergiftet die Harmloſigkeit; Argwohn und
Eiferſucht niſten ſich ein, Familien werden zerſtört, Geſchäfte
rückgangig gemacht — es gibt kein Mittel gegen ihn, nicht
ein-
mal den oft zitierten Papierkorb.
Der anonyme Brief iſt eine gefährliche Macht. Das
Unwahr=
ſcheinlichſte wird wahrſcheinlich, weil der Schreiber im
Ver=
borgenen bleibt. Dieſe Pfeile aus dem Dunkel treffen immer ins
Schwarze, auch wenn gar nichts Schwarzes vorhanden iſt. Er iſt
ſozuſagen der Nährboden des ſchlechten Gewiſſens, das wir alle
der Wahrheit gegenüber haben. Er iſt unſer Doppelgänger im
Schatten.
Weshalb ſpricht man ſo ſelten von ihm? Es geht ihm wie
den Verdauungsbeſchwerden, von denen man auch nicht ſpricht
und die jeder hat. Er verſtopft das Zuſammenleben. Nicht
genug, daß ſeine unverdauliche Subſtanz uns und anderen im
Magen liegt: wir möchten zu gerne wiſſen, wer der Abſender iſt.
In ſchlafloſen Nächten laſſen wir alle Bekannten vorüberziehen.
Welcher Wolf verbirgt ſich im Schafspelz der Moral? Wer
weiß was von wem über wen?
Ja, es kommt vor, daß ehrbare Gerichtshöfe durch ſolche
Briefe in arge Verwirrung geraten. Schon war alles in
ſchön=
ſter Ordnung, ſchon lag der Kopf des Angeklagten auf der
Ge=
ſchworenenbank, da meldet ſich plötzlich eine unſichtbare Stimme,
und plötzlich ſieht alles ganz anders aus . . .
In Boulogne ſur Mer ſtirbt ein engliſches Kinderfräulein:
Miß Daniels. Sie wird begraben, und kein Hahn kräht nach
hr. Eines Cages erſcheint vor dem Kommiſſar der Stadt ein
algeriſcher Arzt, der Doktor Soliman, und erklärt, es liege ein
Verbrechen vor. Der damalige Dienſtherr der Coten habe ihn,
den Arzt, kommen laſſen und gebeten, gegen hohe Belohnung
einen unerlaubten Eingriff vorzunehmen. Er habe ſich geweigert.
Der Angegriffene proteſtiert erregt. Kein Wort ſei wahr
Die Sache kommt nach Paris. Vernehmungen. Die Behörde
ſchickt den Gerichtsarzt Doktor Paul nach Bologne, um die
Codesurſache feſtzuſtellen. Die Leiche wird exhumiert. Am
Bahnhof empfangen den Doktor Paul die Journaliſten. „Ich
habe ſchreckliche Sahnſchmerzen,” erklärt er und ſteigt ins Auto.
Die Unterſuchung dauert knapp zwei Stunden. Sie endet
mit einem überraſchenden Reſultat. „Die Cote,” ſagt der Doktor
Paul, „iſt erdroſſelt worden. Dann fährt er zurück nach Paris.
Die Oeffentlichkeit wird unruhig. Es ſtellt ſich heraus, daß
Miß Daniels zuletzt mit einer Freundin, Miß Mac Carthy,
zu=
ſammen war. Am Cage ihres Codes ſtürzte eine junge
Eng=
länderin in aufgelöſtem Suſtand in einen Grünkramladen und bat,
hre Kleider in Ordnung zu bringen. Heugen behaupten, dieſe
Engländerin und Miß Mac Carthy ſeien ein und dieſelbe
Perſon..
Miß Mac Carthy ſitzt in England und hüllt ſich in Schweigen.
Sie weiß von nichts. Sie will auch nicht nach Frankreich zur
Vernehmung kommen. Vergeblich bietet man ihr alle
Erleich=
terungen an. Sie will nicht.
Die franzöſiſche Polizei iſt machtlos. Soll ſie nach England
fahren? Da bekommt der Inſpektor Deruelle einen anonymen,
unfrankierten Brief aus Nizza. Er macht ihn auf und findet eine
Anſichtskarte der Strandpromenade, von der die
Ortsbezeich=
nung abgeſchnitten iſt. Auf der Rückſeite ſteht in engliſcher
Sprache: „Ich habe Miß Daniels ermordet, aber ihr werdet
mich nie bekommen.” Unterſchrift: „B. B. B.”
Die Seitungen in Nizza erſcheinen mit ſenſationellen Citeln:
Der Mörder war in Nizzal Sämtliche Engländerinnen im
Ne=
gresco erſchauern. Die kleinen Mädchen auf der Promenade
ſehen jeden Vorübergehenden ängſtlich an. Womöglich iſt es der
Mörder?
Die Unterſuchung geht ihren Gang. Was tun? Vielleicht iſt
Miß Daniels gar nicht ermordet worden, und es irren ſich ſowohl
der Gerichtsarzt wie die Seugen, die Miß Mac Carthy zu
er=
kennen glaubten — wie ſich der Doktor Soliman bereits geirrt
hat. Und daß Miß Mac Carthy nicht nach Frankreich kommen
will, kann ihr keiner verübeln. Vielleicht denkt ſie an den
be=
rühmten Ausſpruch eines franzöſiſchen Dichters: „Wenn man
mich beſchuldigte, die Cürme von Notre Dame geſtohlen zu
haben, das erſte wäre, ich würde ausreißen.”
Die ganze Angelegenheit iſt dunkel. Es gibt nur eine
Cat=
ſache: das iſt der anonume Brief.* Der iſt vorhanden und liegt
bei den Akten. Ob Miß Daniels ermordet wurde oder nicht,
wird vielleicht nie aufgeklärt werden. Eins jedoch ſteht feſt: der
Mörder war in Nizza.
Arme Literatur.
Von Annette Nobody.
Wenn ich mit meinem Freund im Kino ſitze und auf der
Leinwand flimmert es ſo rührend, ſo ſchön, ſo elegant und ſo
traurig, da ſagt er gewiß: „Das iſt kein Film, das iſt Literatur.”
Mein Freund iſt Künſtler, der muß es doch wiſſen.
In der Kunſtausſtellung bleibe ich vor einem Bild ſtehen,
auf welchem ein Liebespaar im Abendſonnenſchein am
Meeres=
ſtrand ſpazieren geht. Da ſagt er: „Sieh weg, du verdirbſt
deinen Geſchmack; das iſt kein Bild, das iſt Literatur.”
Und bei dem nackten Mädchen aus Bronze, das ſich gerade
nach einem Kätzchen bückt und dabei ihre ſanften rückwartigen
Rundungen noch oben wendet, ſagt er: „Das iſt keine plaſtiſche
Form, das iſt Literatur.” Und wie wir aus der Kunſtausſtellung
herauskommen, ſind wir gerade in einer altdeutſchen Straße im
bageriſchen Viertel, mit lauſchigen Erkern und Fenſterleinchen,
unten darunter noch etwas verſtaubter Holunder. Da erklärt er
ſchon wieder: „Siehſt du, mein Kind, das war der Geſchmack ſo
vor 15 Jahren, da baute man ganz romantiſch, pfui, und es wurde
ſtatt Architekt- — Literatur.”
„Ach bitte, nun erkläre mir doch endlich, was du eigentlich
gegen das arme Mädchen haſt. Mir haben die ſchönen Sachen
doch ſo gut gefallen!” ſagte ich zu meinem Freund.
„Bedaure die lockere Perſon nicht; ſie wirft ſich an allen
und jeden weg, an den Film, an die Malerei, ſogar an die
Bau=
kunſt und dabei hat ſie doch ihre geſicherte Exiſtenz und
an=
geſehene Poſition im Bücherſchrank.”
Su Haus angekommen, ging ich alſo zum Bücherſchrank und
entnahm ihm ein ſchönes neues Buch, es war ein Detektivroman.
Dazu nahm ich eine Schachtel Konfekt, denn mein Gewicht
er=
laubt mir das, legte mich aufs Sofa und begab mich auf die Suche
nach der Literatur — denn ich muß geſtehen, geheime Sympathie
verband mich mit dem Weſen, das ſich nicht mit einer ſicheren,
aber vermittels Druck und Schwärze flarhgepreßten papierenen
Exiſtenz begnügen will, ſondern ſo verzweifelt ihre Seſſeln zu
durchbrechen ſucht. Aber wie ich ſo auf meiner molligen
Chaiſe=
longue liege, mit vielen weichen Kiſſen, Pitzel, mein ſüßes
Hünd=
chen, neben mir, begreife ich ihren Wankelmut nicht mehr, denn
dieſe ihre Erſcheinungsform als Detektivbuch, geſteigert durch
den ſüßen Geſchmack der Kognakbohnen, die auf meiner Sunge
zerfließen, gefällt mir ganz ausgezeichnet. —
So findet mich mein Freund. Er entreißt mir das ſchöne
Buch, wirft es in den brennenden Kamin und ſchreit: „Was
lieſt du da, fort damit, das iſt keine Literatur!”
Und nun weiß ich weder aus noch ein. Wenn mein Freund,
der Künſtler, mir keine beſſeren Aufſchlüſſe geben kann, muß ich
es wie die arme Literatur machen und mir neue Gebiete erobern.
Geſtern wurde mir ein Bankdirektor in der roten Mühle
vor=
geſtellt, vielleicht gibt der mir logiſchere Erklärungen.
Die fünf Kanonen.
Von Oskar Maurus Fontana.
Oben auf der alten Baſtion ſtanden die fünf Kanonen.
Nie=
mand kümmerte ſich um ſie. Von unten kam der Lärm der
Stadt, kamen aber auch manchmal die Buben, und die ſetzten ſich
dann rittlings aufs Vohr und machten, als hätten ſie Pferde
unter ſich. Das ſchmerzte die Kanonen ein wenig, denn eigentlich
waren ſie ſehr ſtolz, daß ſie ſo daſtanden und mit dem offenen
Mund zum Himmel recht gefährlich emporzielten. Das erinnerte
ſie an die alten Cage, von denen ſie immer träumten und dem
Wind und den Wolken und ſich erzählten von den Cagen, da
aus ihnen Feuer geſprungen war und die Davorſtehenden klotztot
und blutig gemacht und die Dahinterſtehenden mit Pulver und
Nauch geſchwärzt hatte. Aber der zerbröckelte Stein der Baſtion
hörte das nicht gern und zuckte ſehr hochmütig die Achſeln und
begann ein großes Neden von den Männern, die gegen ihn Sturm
gelaufen waren, von dem Sterbenden, der ſeine verkrampften
Hände in ihn gekrallt hatte, von dem ſüßen Blut, das in ihn
ge=
ſickert war.
Da verſtummten die Kanonen ſehr geärgert und blickten mit
ſchiefem offenem Mund zum Himmel. Plötzlich machte es:
Plumps! und es war ſchon wieder ein Stein von der Mauer
hinuntergefallen. „Ja, Sie werden alt, meine liebe Baſtion,”
ſagten die fünf Kanonen und kicherten. „Wir ſind alle nicht
viel jünger!” meinte knurrend die Baſtion. „Ach, aus uns wird
doch noch mal geſchoſſen werden, wenn Sie, Brau Baſtion, ſchon
ganz kaputt ſein werden,” lachten luſtig und ſchadenfroh die fünf
Kanonen. Und dann ſchwiegen alle, ſchauten zum Himmel, voller
Cräume und Erinnerungen, und dachten darüber nach, wie ſie
einer dem anderen etwas Siftiges ſagen könnten, daß ſich der
andere nur recht ärgere. Und das war eigentlich ihr ganzes
Ge=
ſchäft, ob nun der Frühlingswind Lindenblüten in die Nohre
blies, oder der Sommer das Gras fett machte auf der Mauer
oder Herbſtregen klatſchte oder Schnee ſich auf ſie ſetzte. Nur
der Efeu ſtieg immer mehr und mehr empor, rankte ſich um die
alten Steine in einer heimlichen Beſcheidenheit, die dann plötzlich
das zerſprungene Gemäuer bedeckte. Spät im Herbſt fing er
an zu blühen, und die Bienen ſummten und ſummten in ihm und
waren oft allein hörbar auf dieſer vergeſſenen Schanze.
Am Sonntag ſtiegen zuweilen Großväter und Großmütter
hinauf, hatten einen Enkel bei ſich, ſagten: „Nein, der Efeu, jetzt
iſt er ſchon wieder größer geworden! Und wie alt er iſt! Denn
nur hundertjähriger Efeu blüht!” Vor den Kanonen blieben ſie
ehrfürchtig ſtehen, und im Mude der alten Leute kollerten der
Dreißigjährige Krieg und Napoleon zuſammen. Und der Enkel,
der von all dem nichts wußte, wackelte mit dem Kopf und hatte
großen Neſpekt vor den Kanonen und den Großeltern. Und die
einen wie die anderen dachten: „So gehört ſich’s!”
In einer milden Herbſtnacht erwachten die Kanonen aus einem
Craum, und fanden ſich gar nicht zurecht. Denn da war eine
Geſellſchaft von ungefähr zwanzig Menſchen auf die Baſtion
ge=
klettert und lärmte und ſang und ſchrie. „Es gibt viele Piefkes,
aber wenig Menſchen!” brüllte einer, der eigentlich ein berühmter
Maler, jetzt aber nur ein Krug mit Wem und einem Mund
vorne dran war: Und ein anderer ſchlug ihm den Hut ins Geſicht
und ſchrie: „Es lebe der ewige Piefke!” Und der Krug mit Wein
wäre mitſamt ſeinem Mund bald gefallen, aber er faßte ſich,
nahm den Hut, ſchlug ein Loch in ihn, riß die Krempe ab, ſetzte
ſich dieſen Corſo auf den Kopf, torkelte auf eine Kanone zu und
ſtieg auf ſie. Oben ſtemmte er den linken Arm in die Hufte, warf
den Leib etwas nach hinten, machte ein Schafsgeſicht und ſagte:
„Monument des tauſendfältigen Piefkel Hoch! Hoch!‟ Die
anderen drängten ſich darum und ſchrien: „Hoch!” und „Vivat!”
und „Hurra!”
Aber wie ſich alle ſo um die Kanone drängten, fingen die
verroſteten Näder an, ſich zu drehen, und kamen in Cakt und
liefen unter dem Gejauchze der weingefüllten Menſchen den Hang
hinunter, mitten auf die Straße der ſchlafenden Stadt. Der
Maler war ſchon ins Gras gefallen, als die Kanone don Marſch
begann, und nun ein, zwei, drei, vier erhob er ſich und — hinter
ihm die Kumpane — ſandten ſie die Kanonen ihrem
davon=
gelaufenen Bruder nach, daß ſie ſtolperten, ſtürzten, ſich
über=
ſchlugen.
Das gab einen Lärm, da klang die Bronze der Kanonen hell
und dann wieder dumpf. Sogar die oben auf der Baſtion
er=
ſchraken und machten ſich fort wie Schatten. Aber die
Nacht=
wächter wachten nicht auf, die ſchliefen weiter.
Suerſt ſah den Schrecken ein Milchmädchen und ließ alle
Kannen fallen und die Milch rann über das Pflaſter bis zu den
Kanonen hin, die überaus kläglich über die ganze Breite der
Straße zerſtreut lagen wie ein Haufen betrunkener Greiſe. Ein
Seitungsjunge, der nachher kam, lief ſofort zurück, warf den
Stoß Seitungen hin und ſagte, die da taugen nichts, er wolle
neue haben, in denen da ſtehe nichts von den Kanonen drinnen.
Inzwiſchen war der Fuhrmann Pferdeſchwanz mit ſeinem Karren
gekommen und konnte nicht weiter. Und war auch die elektriſche
Bahn gekommen und konnte nicht weiter. Und waren Menſchen
und Wagen, Nadfahrer und Automobile, Neiter und Invalide
gekommen und konnten nicht weiter. Und die Schuljungen und
Schulmädchen waren gekommen und konnten auch nicht weiter
und konnten nicht in die Schule und freuten ſich, daß ſie heute
nicht um 8 Uhr beginnen könne. Und tanzten und ſtiegen auf die
Kanonen und begannen ihr Butterbrot zu eſſen. Das
Milch=
mädchen weint über die ausgeronnene Milch, der Fuhrmann
Pferdeſchwanz fluchte, der Agent Seitiſtgeld warf die Hände
herum und wollte Entſchädigung, der Poliziſt Säbelſpitze drängte
fortwährend Kinder und Neugierige zurück, der Lokalredakteur
von der Extrapoſt hüpfte von einem Bein auf das andere und
notierte und wollte durchaus auf die andere Seite. Aber er
konnte es nicht, und keiner konnte es, und alle blieben ſtehen,
und alles, die ganze, ganze Stadt.
Die Kanonen aber lagen in der Straße und ſchämten ſich und
duckten die Köpfe tiefer, wenn ſie einen auf den alten Krempel
ſchimpfen hörten.
Seither glauben die Kanonen nicht mehr, daß aus ihnen noB.
einmal geſchoſſen werden wird.
Wochenend.
Von Georg Grabenhorſt.
Morgen iſt Samstag! Gott ſei dank! Wir haben es wieder
geſchafft! Die Woche iſt erledigt! Punkt! Schreibmaſchine ins
Etui, Jalouſien herunter, Sicherheitsſchlüſſel, ſo, und nun los, ab
durch die Mitte: Ferien! Anderthalb Cage Bleibmirgewogen
und Dukannſtmirmal!
Ach, wenn das nicht wäre! Wenn man nicht einmal in der
WWoche ſeinen Paletot anziehen könnte mit dem Bewußtſein:
morgen werde ich euch was puſten, morgen gehe ich ins Grüne,
morgen um dieſe Seit ſitze ich in Schweißnichtwo, ſtrecke die
Beine lang und trinke Kaffee mit Sahne...
Wenn das nicht wäre? Ich will es Ihnen ſagen: ich würde
auf das Vergnügen verzichten, noch länger Seitgenoſſe zu ſein.
Die erſten fünfeinhalb Cage der Woche haben ſicher ihr Necht
und ihre tiefere Bedeutung, was das Portemonnaie und den
ſittlichen Sweck unſeres Daſeins anbetrifft. Aber das iſt auch
alles. Im übrigen ſind ſie vollkommen belanglos, zählen ſie gar
nicht mit. Wenn jemand glaubt, von jedem Jahre ſeines Lebens
dreihundertfünfundſechzig Cage gelebt zu haben, ſo iſt das ein
Irrtum oder eine Beſcheidenheit, zu der ich mich nie hinabläutern
werde. Ich lebe von jeder Woche meines irdiſchen Aufenthaltes
nur anderthalb Cage, das iſt das Wochenende: Samstag=Sonntag,
abgeſehen von den feierlichen Wochen, in die Oſtern fällt,
Pfing=
ſten und Weihnachten, und was es ſonſt noch gibt an
außerordent-
lichen Gelegenheiten. Vielleicht liegt es bei mir daran, daß ich
ein Sonntagskind bin. Ich kann mich an die anderen Cage der
Woche nun einmal nicht gewöhnen.
Warum hat man eigentlich dieſe anderthalb glücklichen Cage
der Woche, an denen es uns offiziell geſtattet iſt, nach unſerer
Sagon und auf eigene Nechnung zu leben, an denen uns jedesmal
von neuem eine Ahnung aufgeht, was es bedeutet: leben, was
es bedeuten könntel, — warum hat man ſie Wochen ende
ge=
nannt? Warum nicht Wochen anfang? Fangen wir nicht an,
aufzuatmen, Samstags, ſo um die Mittagszeit, wenn der Seiger
endlich über zwölf hinüber iſt und auf eins, zwei, drei losgeht?
Fangen wir nicht erſt richtig an, uns als Menſch zu fühlen, wenn
wir den beſagten Sicherheitsſchlüſſel herumgedreht haben, wenn
der „Laden dicht” iſt und wir heimwärtstrollen im Drejachteltakt
der ſonntäglichen Vorgefühle?
Aber vielleicht hat es doch einen Sinn, „Wochenend” zu
ſagen (ohne „e” am Ende klingt es überzeugender!) und nlihft
Wochenanfang! Die Woche iſt ja auch wirklich zu Ende, das
heißt die Woche des Geldverdienens, der überreizten Nerven, des
Aergers und der Langeweile! Die Woche der tauſend
Nichtig=
keiten und Wichtigkeiten, der Celephone, der Abſchlüſſe, der
Cermine und Kontokorrente, der Sitzungen, Neviſionen und
Fälligkeiten. Iſt vorbei, iſt abgetan, abgelegt mit dem übrigen
Material, iſt nur noch Kartothek und Negiſtratur. Wochenend:
das Geſchäft, das Werkeln und Mühn iſt zu Ende, das
Leben beginnt!
Ich ſage es Ihnen: das einzige Celephongeſpräch, das
wirk=
lich wichtig war in der ganzen Woche, das war das mit Ihrer
Freundin Lila, Ihre Verabredung für Samstag=Sonntag! Ob ſie
das graue Koſtüm anzieht oder das braune, ob ſie das blaßroſa
Stilkleid mitnimmt oder das bleu oder das baige oder . . . und
wo und wann Sie ſich treffen. Das iſt wichtig! Ich ſpreche es
feierlich aus, daß es nichts gibt, was wichtiger wäre! Nichts!
Der Bürgerkrieg in China iſt eine Bagatelle dagegen!
Lieber Freund, denken Sie: morgen, Samstagnachmittag,
Punkt fünf, Punkt ſechs, ſitzen Sie zu zweit in Ihrem kleinen
Hanomag, in Ihrem Opel oder ganz gewöhnlich in Ihrer
Eiſen=
bahn, und ab geht es, durch die Mitte über alle Berge! Ueber
alle Berge der Gewohnheit und des Berufs, der Alltäglichkeit
und der Bedenken!
Berauſchendes Gefühll Koſten Sie es ganz! Geben Sie ſich
hin dem ſanft prickelnden Augenblick! Spüren Sie in ihm die
Ver=
ſöhnung Ihres Schickſals, vergeben Sie großmütig alle
Unzu=
länglichkeiten der Schöpfung um dieſes einen Momentes willen!
Geſtehen Sie, daß es ſich trotz allem, trotz Büro und fünfeinhalb
Cage ſchweren Herzens, noch lohnt zu leben!
O, dieſe Samstag=Abende! Denken Sie: Arm in Arm mit
Ihrer Freundin über die Wieſen gehen, den Berg hinunter, an
den See, durch den Wald, den Park, über die Promenade, von
fern im Antlitz den Widerſchein der untergehenden Sonne,
glück=
ſtrahlend, plaudernd von morgen, von Sonntag, von lauter
an=
genehmen und ſchönen Dingen, vom Srühſtück auf der Cerraſſe,
ſom Kurkonzert, vom Cennis und wie wunderbar es doch iſt, zu
zweien allein zu ſein! Denken Sie: und immer, jede Sekunde,
jeden Atemzug, im unendlichen Vorgefühl eines ganzen Abends,
einer langen, träumhaft langen Nacht und eines unausdenkbar
köſtlichen Morgens ohne Eile und andere Verpflichtung, als ihn
zu genießen mit ganzer Seele!
Ach, und Sie, mein Freund, der Sie gleich mir den Vorzug
haben, verheiratet zu ſein, alſo auch von Montag bis
Samstag=
mittag, dieſe ſchreckliche Woche der Alltäglichkeiten hindurch,
mit welch unausſprechlichen Gefühlen werden Sie Samstags
„über alle Berge” gehen! Heraus aus der Enge der Gewöhnung,
aus der Bequemlichkeit, aus der Crägheit der ſoliden und
un=
veränderlichen Verhältniſſe, heraus aus der geſchmackvoll
möblierten Etage, aus der tipptoppen Villa mit Garten und
Garage, — herau= und einmal unterwegs gehen, unterwegs
äußerlich und innerlich, andere Menſchen ſehen oder keine,
an=
eren Komfort haben oder keinen, jedenfalls aber miteinander
einmal wieder allein ſein, ohne die tauſend täglichen Dinge herum,
ohne die allzubekannten vier Wände und ſoundſoviel Sorgen und
Pflichten, einmal wieder ganz los und ledig, ganz neu und
hem=
mungslos ſein, verliebt, galant und zu jedem Abenteuer bereit!
O, Sie ahnen ja nicht, mein Freund, wie ſehnſüchtig Ihre Gattin
Sonntagsmorgens aus dem Fenſter ſchaut, in den blitzblauen
Himmel, den Wolken, nach, die leicht und glücklich darüber
hin=
ziehen! Mit einer Hochzeitsreiſe iſt ja ſo wenig getan...
Begreifen Sie mich? Das Wochenend iſt die moraliſche
Rechtfertigung unſeres Jahrhunderts, des atemloſen, ruheloſen,
von tauſend Ceufeln gehetzten. Nechtfertigen Sie mit! Ihre
Frau, das verſichere ich Sie, wird darüber ebenſo entzückt wie
entzückend ſein!-
Nauberhauptmann Caruga.
Von Klabund.
In Jugoſlawien iſt der Näuberhauptmann Caruga ungeheuer
populär. Jetzt hat man ihn endlich gefaßt und macht ihm den
Prozeß, über deſſen Ausgang kaum ein Sweifel beſtehen kann.
Er hat ſoviel Naubmorde auf bzw. unter dem Gewiſſen, daß es
heißen wird: Kopf ab. — Jugoſlawien liegt geographiſch
ziem-
lich weit von Nordamerika entfernt. Aber „geiſtig‟? Einige
amerikaniſche Fortſchrittsbazillen haben ſich ſcheinbar über den
Ozean nach Agram verirrt und die jugoſlawiſche Geſchäftswelt
infiziert. Die iſt auf den gar nicht jugoſlawiſchen, ſondern eben
amerikaniſchen Gedanken gekommen, die Popularität des
Näuberhauptmanns für ſich auszubeuten. Herr X., Inhaber der
bokannten Schuhwarenfabrik, hat Herrn Caruga für ſeine
An=
gehörigen X=tauſend Dinar geboten, wenn er in der letzten
Minute vor ſeiner Hinrichtung, die öffentlich ſtattfinden ſoll, vom
Schafott herunter der erſtaunt aufhorchenden Menge verkündet,
daß er bei ſeinen Näuberfahrten im Gebirge immer nur die
dauerhaften R.=Stiefel benutzt habe und daß er ſie ſeinen
pp. Kollegen und dem pp. Publikum nur beſtens empfehlen könne.
Herr 9., Inhaber einer Nährſchokoladefabrik, bietet u=tauſend
Dinar, wenn Caruga ſich zu der Seſtſtellung herabläßt, daß er
ſich zu allen ſeinen Mordtaten mit der Nährſchokolade A.
ge=
ſtärkt habe. Am marteſten erwies ſich aber Herr
Stahlwaren=
fabrikant 5. Herr 5. macht ſich anheiſchig, das Henkerbeil zu
liefern und verſpricht dem Räuberhauptmann und ſeinen Erben
ein Vermögen, wenn er ſich mit einem ſcharfgeſchliffenen Beil
Marke 5. hinrichten läßt und in einem kurzen, markigen Prolog
auf die Vorzüge der Stahlmarke S. hinweiſt. . . Kopf abl heißt
es bei Herrn Caruga, aber: Hut abl vor Herrn S.! Er hat die
Seit und ihre Seichen begriffen und wird von Herrn Spengler in
ſeinem nächſten Werk als Neklamezäſar gefeiert werden.
Chineſiſche Künſtleranekdoten.
Von Nudolf von Delius.
Der Chineſe atmet in ungebrochener, blutdurchpulſter
Ein=
heitswelt. Er trennt niemals das Denken vom Dichten. Und ſo
geſtaltet er ſeine tiefſte Kunſterfahrung in bunten Erzählungen,
in kleinen feinen Geſchichten von berühmten Malern. Aus der
epiſchen Darſtellung ſteigt ſo das Wiſſen auf, wie aus der Blume
der Duft. Ich teile drei ſolcher Meiſteranekdoten mit, in denen
der Quellgrund aller chineſiſchen Aeſthetik enthalten iſt.
Die älteſten Maler näherten ſich der Natur, forſchend und
lauſchend wie Jäger. Sie hielten durch Skizzen das Erlebnis feſt
und bildeten aus denen dann allmählich das Werk. Da eines
Cages war die Entwicklung reif zur freien Schöpfung ganz aus
dem Innern. Dieſer Wendepunkt wird durch eine Erzählung aus
dem Leben des Wutaotſe ſymboliſiert.
Wutaotſe wollte die Landſchaft um den Jangtſe malen. Er
ging hin in das Flußgebiet, wohl ausgerüſtet mit Skizzenpapier
und dem Cuſchekaſten. Er blieb lange fort. Er ſaß auf dem
Uferfelſen, er fühlte das Waſſer. Er beobachtete, wie die Bäume
hier wuchſen, wie der Strom durch die Berge brach, wie das
Waſſer ſpielte in den tauſend Verwandlungen. Aber er malte
nichts. Endlich kam Wutaotſe zurück. Seine Freunde drängten
ſich um ihn, die Skizzen zu ſehen. Alle Blätter waren leer. Doch
ein neues Leuchten ſtrahlte in des Meiſters Auge. Er rief nur
immer das eine Wort: „Ich habe die Landſchaft in meinem
Herzen!‟ Dann zog er ſich zurück in die Stille der Werkſtatt und
malte den Jangtſe: konzentriert, weſentlich, Extrakt aller
Er=
lebniſſe, Neugeburt aus dem ſtolzen, ſouveränen Sch.
Dem Kaiſer wurden aus der Cartarei Pferde geſchenkt, ſo
ſchöne, wie man ſie noch niemals ſah. Am Hofe lebte der Maler
Lilungmien. Er ſchaute die Pferde an. Cagelang blieb er bei
den Pferden. Er verfolgte ihre Bewegungen: wie ſie ſprangen,
wie ſie die Mähne ſchüttelten, wie ſie ſchnoben und wieherten.
Dann plötzlich war er ſatt des Schauens. Er ging in die
Ein=
ſamkeit und malte die Pferde: geſteigerte Lebendigkeit, erhöhtes
innerſtes Weſen des Pferdes. Und als die Bilder fertig waren,
da begab ſich etwas Seltſames. Die Pferde wurden krank, ihre
Augen trübten ſich, ſie magerten ab, ſie ſtarben. Das Volk aber
wußte den Grund, man flüſterte ihn ſich zu in der ganzen Stadt:
„Jener Maler hatte mit ſeinem durchdringenden Blick den
Pfer=
den die Seele aus dem Leibe geſogen. So mußten die irdiſchen
Pferde ſterben, denn alle ihre Lebensgeiſter waren übergegangen
in die Gemälde.”
Wutaotſe wurde alt, ſchneeweiß war er und uralt. Seine
Schöpfungen aber lebten ihr eigenes Leben. Da befahl ihm der
Kaiſer, nun das letzte Meiſterwerk zu ſchaffen, die reife
Voll=
endung ſeiner 80 Jahre. Und man wies ihm im Feſtſaal des
Palaſtes eine große weiße Wand an. Nun ſchloß der Künſtler
ſich dort ein und malte das Hochgebirge, die einſame Wildheit;
Kraft, Größe, unerbittliche Gewalt der Natur.
Die feierliche erſte Beſichtigung wurde angeordnet. Der
Kaiſer erſchien ſelber und mit ihm der ganze Hof. Wutaotſe
ſtand zur Seite. Niemand wagte zu ſprechen, dieſer Dämonwille
des Genies nahm jedem den Atem. Natlos ſaß man da,
gegen=
über dem Ungeheuren.
Da löſte ſich leiſe Wutaotſe von den Menſchen ab, er ging auf
ſein Werk zu. Oben in der heiligen Felſenſtille war eine Höhle
gemalt, jetzt bewegten ſich die Linien, die Höhle wurde breiter,
Wutaotſe ſchritt in ſein Bild hinein. Stumm, einſam, ohne ſich
umzuſehen, verſchn and er in der Höhle.
Und im Nu, wie durch Sauberſchlag, war das ganze Gemälde
verſchwunden. Der Kaiſer und alle Miniſter ſtarrten auf eine
leere, weiße Wand. Der Craumſchöpfer löſchte den Craum aus,
nahm ſein Koſtbarſtes mit bei der Heimkehr in das Quellende=
Ewige.
Sch ach
Nummer 208.
Aufgabe 312.
Dr. A. Simay=Molnar in Budapeſt.
(1. Preis im „Problematikus=Turnier 1925/26.)
Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kau Dh6 Tb5 Ld8 h1 Sf5 18 Ba4
f6h7 (10);
Schwarz: Kc6 Dd5 Ta6 Lh8 Ba2 b6 b7 c5 (8); 2.
Dr. Ed. Birgfeld, der bewährte Leiter der Schachſpalte des
„Chemnitzer Tagblattes”, veranſtaltete 1925/26 ein großes „
Problemati=
kus=Turnier”, in welchem Original=Probleme von Autoren aller Länder
zur Bewerbung ſtanden. Dabei wurde in der Klaſſe der Zweiziger obige
Aufgabe mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Aufgabe 313.
Z. Kolodnas.
(Deutſche Schachzeitung 1926.
Weiß: Ke7 Dc2 Sh2 (3);
Schwarz: Kd5 Be5 (2).
Matt in drei Zügen.
I
Rätſel
Zahlenrätſel.
K G 4 2 55 6 2 Kirchliches Feſt,
Vogel,
Ritter des Artushofes,
Fiſch.
Waſſerfahrzeug,
Teil der Rundfunkanlage,
Amerikaniſche Münze,
Deutſcher Dichter,
Baum,
Lebensgemeinſchaft,
Verwandte.
Diamanträtſel.
E E E E E E F G G G HI N N N O. R P P R 2 S. U U n. Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 33.—V
Mette
daktion: Dr. H. Nette. Fernſpr 1. 2389—2392 Alle Rechte
Konſonant, Anſiedlung, Schmetterlingslarve, Germanenſtamm,
Jahreszeit, Einbuße, Männliches Rind, Antilopenart, Kontonant.
Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß ſich Wörter der
oben=
ſtehenden Bedeutung ergeben. Die mittelſte Senkrechte und Wagerechte
lauten gleich.
Auflöfung der Rätſel aus Nr. 20.
Magiſches Quadrat.
W E N N
E FBU
N E T *
N U T E
Silbenrätſel.
1. Mantel, 2. Ideal, 3. Titania, 4. Waiſenhaus, 5. Oberſt, 6. Rarität,
7 Totenkopf 8. Eisberg, 9. Nehemia, 10. Lichtenberg, 11. Alice, 12.
Erl=
könig, 13. Saffi, 14. Sofa, 15. Treber, 16. Sardinien, 17. Iſtrien,
18. Cahors. — (Mit Worten läßt ſich trefflich ſtreiten.)
vorbehalten. Nachdruck verb. — Kliſchees: F. Haußmann, alle in Darmſtadt.
Hizenp
Er ſaß au
2e, wie die B.
brach, wie du
Aber er
Greunde dre
waren leer.
ge. Er rief mu
dſchaft in
Verkſto
bte der Male
uing blieb er 10
wie ſie ſprange
in die Ein
der fertig waren
urden krank, ihr
Das Volk aue
hle wurde br
ohne
Gibt’s ärchendwo noch in=re Sprach
E Wort vun ſcheenerem Klang,
Als wie däß Wördche „Mudder” — ſag?
Ich glaab, do ſucht mer lang.
Was in dem aane Wördche leiht,
Leßt alles uns verſteh:
Des Himmels Fraad un Seelichkeit,
Der Erde Laad un Weh!—
Un gibt’s wo noch e klarer Licht,
Als wie=en Mudderblick,
Voll Glaawe, Lieb un Zuverſicht,
Voll Hoffe un voll Glick.
Gibt’s was, däß wo noch diefer ſtrahlt,
Bis in die Seel enei
Un ſchmerzlos jeden Kummer haalt,
Mag noch ſo ſchwer er ſei?!
Gibt’s was, däß wo noch heller blinkt,
Als wie e Mudderdrehn
Die wie der Tau vum Himmel ſinkt
Uff Werde un Vergehn.
E Mudderdrehn, ſo klar un ſchee
Voll iwvererdichem Schei‟
Des höchſte Glick, des diefſte Weh,
Däß ſpiegelt ſich dodrei”.
Gibt’s was, wo ſo voll Liewe glieht,
Als wie e Mudderherz,
Däß wo nor bloß des Gude ſieht
Um ſich, un allerwärts;
E Mudderherz, zu jeder Stun”,
Voll himmlich=giedichem Sinn,
Däß is des Herrgotts Werkſtatt, un
Do ſchafft er ſälwer drinn . . .
Drum: gibt es wo noch in=ere Sprach
E Wort vun ſcheenerem Klang,
Als wie däß Wörtche „Mudder”, ſag,
Ich glaab, do ſucht mer lang.
Der ganze Himmel liggt dodrei
Un alle Seelichkeit,
Loßt drum däß Wort uns heilich ſei,
Zu all un jeder Zeit!
Däß is däß, was ich zum „Mudderdag” zu ſage hett. —
ſlingt valleicht e bißche altfrenkich, fo e bißche nooch Fencheltee,
innerwinnele, Stremienpandoffel, Schlummerrolle, Lewwerklees
un Sauerkraut un wie die vormärzliche Dribude vun eme
glick=
iche Familieläwe all gehaaße hawwe. Un es wärd manch
ſ .modärn” Mudder, falls ſe iwwerhaubt noch Gedichte lieſt,
weddiſch driwwer die Nas runzele. — Mag ſe, mir ſoll’s worſcht
ſei, indem daß jo iwwerhaubt die beſcheidene un altbackene Vers
grornet uff ſie geminzt ſin, ſundern die gälde äwwenfalls noch
die altfrenkiche Mudder, die wo noch ihrn Spaß hott an
ſchre Haislichkeit, und däre wo nix e greeßer Vergnieche macht, als
wie wann’s ihrm alte Breeweldibbe dehaam orndlich ſchmeckt.
Iwwrichens, ich mißt mich ſehr teiſche, wann der „
Mudder=
diag”, der wo zu Ehrn vun de deitſche Mudder an ärchend=eme
Maiſunndag obligadoriſch in ganz Deitſchland begange wärrn
ſoll, un beiſpielsmeßich heit in Darmſtadt, als wann der
Ehren=
dag nor in die Welt geſetzt worrn weer, um dem odder jenem
Geläächenheit zu gäwwe, e lengere Redd zu halte, wie däß nu
emol bei dene neizeitliche Vera’ſtaldunge Mode is. — Sundern
ich hab ſo des Gefiehl, als wann mer ganz genau wißt, was
Der zeitgemäße Haushalt.
Wohin mit den Winterpelzen? Das bekannte
Sprichwort: „Ein rechter Mann nach deutſcher Art, trägt ſeinen
Pelz bis Himmelfahrt!” ſchien bei den Kälterückfällen im Mai
wieder einmal recht behalten zu wollen, trotzdem ſind, aber die
ſchwereren Pelzſachen, wie Pelzjaketts, mäntel uſw. vollkommen
von der Bildfläche verſchwunden, da für kühlere Tage nur noch
die Füchſe für die Frauen modegerecht ſind.
Wohin nun mit den „haarigen Schätzen”? Als
motten=
ſicherer Behälter kommen fugendichte Schränke, Kommoden
oSer Truhen in Betracht, die der größeren Sicherheit wegen am
beſten im Innern mit ſogen. Makulaturpapier austapeziert
wer=
den, nachdem man zuvor dieſe gut gereinigt, evtl. feucht
aus=
gswiſcht hat. Vor dem Verwahren der Pelzſachen werden dieſe
nochmals ſorgſam geklopft und gebürſtet oder mit dem
Staub=
ſnuger „entſaugt”, wobei man die einzelnen Pelzſtücke auf ewaige
Schäden hin unterſucht, die man ſofort dem Fachmann zum
Be=
arbeiten übergibt. Denn jetzt werden dieſe Arbeiten, da noch kein
„Hochdruck” im Pelzfach herrſcht, bedeutend billiger ausgeführt,
wie in den ſpäteren Wintermonaten. Der größeren Sicherheit
wegen, kann man zwiſchen das Pelzwerk eines der angebotenen
Mottenpulver ſtreuen, auch ſpäter Tomatenkraut friſch und
ge=
wocknet, dazwiſchen hängen.
Ganz ausgezeichnete Schutzhüllen für Pelzmäntel und =ſachen
ergeben Leinentücher, die man auf beiden Seiten mit Kernſeife
oder Bienenwachs eingerieben hat und darin die Pelzſtücke
ein=
näht. Dieſe billigen Schutzhüllen werden von den Motten ge=
V. A.
mieden.
Wie erhält man den Meſſing= und
Nickel=
gegenſtänden ihren Glanz?. Wenn man beim
Früh=
jahrs=Reinemachen auch ſämtliche Metallgegenſtände einmal
gründlich durchgeputzt hat, dann möchte man auch als Ausgleich
für die viele Mühe, recht lange deren Glanz zu erhalten ſuchen.
Dieſes erreicht man nun mit folgendem einfachen Mittel:
So=
bald man die Metallgegenſtände geputzt hat, pinſelt man ſie mit
feinem Haarpinſel und dem farbloſen Zaponlack (Drogerie)
eini. Dieſer trocknet unſichtbar auf und die betreffenden
Gegen=
ſtände ſind vor dem „Neubeſchlagen” durch Beleuchtungs= und
T.
Ausdünſtungsgaſe geſchützt.
Gebackene Blumenkohlroſen. (Von Reſten.)
Uebriggebliebenen gekochten Blumenkohl taucht man „roſenmeiſe‟
in einen Eierkuchenteig von 1 Taſſe Milch, 1 Ei, etwas Salz und
2—-3 Eßlöffel Mehl und bäckt ihn in ſchwimmendem Fett
gold=
hraun aus. Man reicht ihn zu allerlei Braten.
uffm Spiel ſund, nemlich des deitſche Familljeläwe, un
daß es do mit mehr odder wenicher ſcheene Wörder net mehr
gedha weer —
Drotzdem, mer wärd net drum=erum kumme un wärd e paar
entſprächende Redde halte, nooch dem bekannde „Leitfadem für
Sozzial= un Volkswärdſchaftler” fier einemackfimfunſibbzich in
jeder Buchhandlung. Un da wärrn mer heern, daß die Familie
die Keimzelle des Staates is, un daß die Arweit die Quelle
aller Werte weer, un daß geſunde Wohnverhältniſſe erforderlich
ſin for die Geſundung des Volks, un daß in unſere Juchend
un=
ſer Zukumft liggt, un daß e kinnerveich Familie kaa Schand weer,
un daß der Staat un daß die Gemeinde . . ., un daß . . .
un daß . . Korzum, wos äwwe bei ſo Geläächenheite vun
amtlicher un halbamtlicher Seit als geredd un verſproche wärd.
Iwwrichens därf mer doch net ſage, daß nix geſchehe
dhet. So is däß dann doch net. Erſt neilich hawwe ſich im
Landtag die weibliche Abgeordneterinne for ihr
Mit=
ſchweſtern ins Zeich geleecht un hawwe im Indräſſe der Familie
un der Kinnererziehung ihr Prinzibieſteckegailcher geridde, je
nooch de „Welta’ſchauung” daß es nor ſo e Art hatt. Bloß ich
hab des Gefiehl, es kimmt net viel eraus debei, dann allemol,
wann’s an de Bindriehme geht, helt mer ſich „heecheren Orts”
for unzuſtendich un berifft ſich uff’s Reich.
No un in Berlin ſin ſe aach net undhädich un vera’ſtalte zur
Abwexlung widder mal e Reichswohnungszehlung. Was däß
for=en moraliſche Hoſeboddem hawwe ſoll, is mer aach noch e
bißche ſchleieres, awwer ich denk mir, bis ſe im ganze deitſche
Vadderland all die beſchriwwene Babierboge glicklich widder
bei=
ſamme hawwe, hawwe Kobbzahl un Zimmerzahl grindlich un
umſtendlich feſtgeſtellt, un die Summe addiert, differdiert,
mul=
dibliziert un ſubdrachiert, do geht e gut Johr druff; no un dann
ſieht mer widder weiter
Mittlerweil lieje ſe bei uns in de Altſtadt ganz
familliärer=
weis zu ſiwwet in aam Bett un kaans will an de Wand ſchlofe,
Iwwrichens, aach unſer Stadtverwaldung leßt ſich’s agelege
ſei”, de „Familljeſinn” zu hewe, und zwar nooch dem ſcheene
Spruch „Dehaam is dehaam; awwer im Wertshaus is es
blackeweis aach als ganz ſchee‟ — Wem’s alſo dehaam zu eng
un zu ungemiedlich is, der kann kimfdich ſei „Familieläwe”, in
die Drauwe verleeche; Platz genug is do.
Annererſeits waaß unſer Stadtverwaldung awwer aach,
daß de Menſch viel glicklicher un zufriddener is, wamn=er gud
Kleine Kartoffelklößchen als Suppeneinlage.
1 Pfund gekochte, geriebene Kartoffeln miſcht man mit ½
Tee=
löffel Salz, wenig geriebener Muskatnuß, 80 Gramm Butter
und 1 Teelöffel Appels Hühnervollei und 1 Eßlöffel
Weizen=
mehl und formt nußgroße Klößchen, die man in kochender
Fleiſch=
brühe 10 Minuten kochen läßt. Man kann die Klößchen noch
ver=
feinern, wenn man 1 Teelöffel gewiegte Peterſilie unter die
Kar=
toffelmaſſe miſcht. Sie bilden eine gute Einlage in klare
Fleiſch=
brühſuppen.
Rhabarberkompott, wie es ſein ſollte! In
den ſeltenſten Fällen gelingt es den Hausfrauen,
Rhabarber=
kompott in appetitanregender Weiſe auf den Tiſch zu bringen.
Entweder iſt die „Brühe zu lang”, alſo zu viel Saft vorhanden,
oder der Rhabarber iſt bis zur Unkenntlichkeit zerkocht und bildet
nur faſeriges Mus, von wenig ſchönem Ausſehen.
Auch Rhabarberkompott will zu kochen verſtanden ſein. Es
gelingt jedoch immer, wenn man den Rhabarber in Stückchen
ge=
ſchnitten (ungeſchält) mit wenig Waſſer zum Kochen aufſetzt (da
er ſelbſt ſehr ſaftreich iſt) und ihn kurz vor dem Kochen vom
Feuer nimmt, dann ſofort den Rhabarber mit dem Schaumlöffel
in eine Schüſſel gibt, um den Saft zuvor mit Natron zu „
ent=
ſäuern” mit Zucker, oder halb Zucker, halb Süßſtoff aufzukochen
und mit wenig Kartoffelmehl gebunden, über das Kompott zu
gießen. Wer Gewürz daran liebt, kann evtl. noch etwas
Zitronenſchale und wenig Zimt beifügen, das nach dem Kochen
V.
wieder entfernt wird.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Spargelſuppe, Stangenſpargel mit brauner Butter
und Räucherlachs, Apfelſinenereme.
Montag: Eierkuchen mit grünem Salat.
Dienstag: Dicker Reis mit Pilzgemüſe.
Mittwoch: Rinderbruſt mit Meerettichſoße u. Kartoffelklößen.
Donnerstag: Porreegemüſe mit gekochtem Hammelfleiſch.
Freitag: Fiſch=Hoppel=Poppel.
Samstag: Königsberger Klopſe.
Zurück zur Eva. Tochter: „Nein lieber Vater, in dieſem Sommer
brauche ich keine Kleider.” Vater: „Um Gotteswillen! Das habe ich
ſchon immer befürchtet, daß das kommen würde!
Der kleine Märtyrer. „Warum ſchreiſt Du denn ſo, mein Junge?‟
„Ach, Vater hat eine neue Seife erfunden, und jedesmal, wenn ein
Kunde kommt, muß ich rein und mich mal vorwaſchen laſſen.”
Das nächſte Mal. Beſucher: „Es tut mir ſehr leid, daß ich nicht zu
Ihver Hochzeit kommen konnte.” Filmſtar: „Macht nichts, dann können
Sie ja das nächſte Mal kommen.”
gäſſe hott. Un de erſte Parregraf in=ere junge Eh’ der haaßt
doch for die Hausfraa „Dhu=en gut fiddern!“ — Deswääche leßt
unſer hochwohlweiſe Stadtverwaldung jedem Päärche, däß wo
ärchend welche eheliche Abſichte uffs Standesamt fiehrt,
neier=
dings e — „Kochbuch” iwwerreiche. — Noja, alle Owend
Ge=
quellte un „Dorchfohrſel” odder „Zwiwweldungſel” odder
wann’s hoch kimmt, e „Schuſterforell” vum Fuld, däß unnengrebt
ſchließlich mit de Zeit jed Familljeglick. Awwer wann mer erſt
emol waaß, daß mer zu de Gequellte aach Hummerwajonees eſſe
kann, un wie Bulladde gemacht wärrn, un Roßbiff, un
Paſteed=
cher, do wärd ſchließlich aach in de ärmſte Famillje Glick un
Zufriedenheit eikehrn
Spaß abadd: Kinnerglick, Mudderglick un Familieglick, däß
ſin net nor bloß reine Welta’ſchauungs= un Wertſchaftsfroge.
Wer ſo als Flickmammſäll wie ich mit ſeine Neehmaſchien mit
ſemtliche Kreiſe in Beriehrung kimmt, hoche un niedriche, der
waaß un ſieht, daß e glicklich Familieläwe net bloß vun Rang un
Eikkumme abhengich is, un daß die ſogenannte Beſſergeſtellte
däßhalb net immer die glicklichere ſin. Ganz im Gäächedaal.
Sundern die Grundbedingung for e glicklich Familieläwe, däß is
in erſter Linnje die Mudder! Die Mutter vum alte Schrot
un Korn, ausgeriſt mit de neediche Gemiedsruh un
Zufrieden=
heit un — wann unſer Herrgott des Maß voll mache will —
mit=
eme ſtets freehliche Härz!
Däre Mudder wolle mer heit in Ehrn gedenke, un däre
gälde heit mei altfrenkiche Verſelcher. Meeche ſich recht, recht viell
bedroffe fiehle, dann:
Gibt’s ärchendwo noch in=re Sprach
E Wort vun heeherem Klang,
Als wie däß Wördche „Mudder” — ſag?
Ich glaab, do ſucht mer lang. —
Der ganze Himmel liggt dodrei
Un alle Seelichkeit,
Loßt drum däß Wort uns heilich ſei,
Zu all un jeder Zeit!
Bienche Bimmbernell,
Poſtſchkribbdumm: — Wann mer nadierlich vun
Kinner, Mudder un Famillje ſchwäzzt, kimmt mer ganz vun
ſälbſt aach uff die „Erziehung”. Däß wollt ich näwebei bemärke.
Und däß ſteht jetzt uff=eme ganz annere Blatt. — Erziehung! —
Mit „kommuniſtiſche Kadäddeſchule”, Frau Landtagsabgeordnete
Roth, is es do nooch weiner Aſicht net 8allaa gedha. Im
Gäächedaal, ich hab des Gefiehl, als dhete die Kinner heitzudag
viel zu frieh der Familie un der midderliche Obhut endzoge
wärrn. Ja, ich ſags grad frei eraus: ich maan mit däre
ſoge=
nannte „Erdiſchdichung” un mit däre ewiche „Sportfexerei” un
mit däre härnverbohrte „Rekordſchlagerei” — do dhet mit des
Wichdichſte, wos der Menſch brauch, vernoochläſſigt, odder
iwwerſähe wärrn, nehmlich ’s Gemied! — 8 mag ſei, daß
aach däß ebißche e altfrenkich A’ſicht vun mer is. — Was ſoll e
modärner Menſch heit noch mit Gemied, däß is iwwerfliſſicher
Ballaſt. — Der Bizäbb is Drumb, un e paar rickſichtsloſe
Elleboge! — Gemied?! — Domit kann mer kaan Rekord
ſchlage!
Rekord is awwer heit alles. Wääche e paar Mann (in
Darmſtadt ſin’s valleicht vier in ganzem) wärd äxdra en
Sprungtorm in de große Woog gebaut. Nooch dene
Hun=
nerte un Dauſende, dene de Woog zeitläwens zur Erfriſchung
vun Leib un Seel geniecht hott, nooch dene kreht kaan Hahn;
die kenne widder mol diß Johr vor’s Erſte in Mond gucke! —
Sport! — Sport!! — Sport!!!
Nu hott ſich neierdings in Darmſtadt widder mal ſo e Art
„Sport” erausgebild, dem ſollt der Hermann Uſinger doch emol
ganz enärſchich endgääche drete. Ich maan die Verwieſtunge in
unſere Allage un Vorgärde. Wie beiſpielsmeßich die Woch im
Härrngadde, wo ſoe paar Lausbuwe, dene wo jeder Funke
vun Erziehung un Gewied fehlt, anſcheinend ihr „iwwerſchießend
Enärſchie” un ihr Mußgelkraft beweiſe wollte. — Mit e paar
Mack Bollezeiſtrof is es do net gedho. s Richdiche wer: drei,
vier Woche Staa klobbe uff de Schoſſee, do kennte ſe irhn
„Humor” an de Mann bringe. Jedenfalls zeiche derardiche „
Hel=
dendhate” vun=ere ſehr ſchlechte Kinnerſtub, ſunſt dhete ſich die
Bävſchje ſcheeme, zu mindeſte vor ihre Mudder!
„Zeit ohne Seele”, hott mol de Bruno Bürgel geſagt. Däß
„gedragene”, Niebergalldenkmal beweiſt äwenfalls grad kaan
Iwwerſchuß an Zartgefiehl. — No die Woch ſin mer widder
10 Mack zugeſteckt worrn: Danke ſchee! — Un wann’s aach nor
ſpärlich eigeht, ſo e Armudszeichnis ſtelle mer uns awwer doch
net aus, un wann mei Korrallehalskädd un mein echt goldern
Dubleeverlowungsbroſch noch dro glaawe muß. . .
Humor
N
„Warum bis Du aus euerm Verein ausgetreten!
„Denke Dir die Unverſchämtheit, wählen mich zum Vereinskaſſier
und ſchaffen eine Regiſtrierkaſſe an.”
Liebesbrief. „Geliebter Heinz! Habe heute vergebens an der
bewußten Ecke gewartet. Hoffentlich biſt du nur krank geweſen! Komma
morgen beſtimmt! Deine Liſſy.”
In der Muſikſtunde. Der Profeſſor iſt in der Muſikgeſchichte bei
Wagner angelangt und fragt: „Nun, Fräulein Berta, was verſtehen
Sie unter Zukunftsmuſik?” — Dieſe erwidert errötendt „Liebes= und
Wiegenlieder.
Beſcheiden. „Geſtatten Sie mir, mein Fräulein, Ihnen als Zeichen
meiner Verehrung eine dieſer 5 Schmuckſachen zum Geſchenk anzubieten.
Bitte, wählen Sie!” — Die Filmdiva: „Schönſten Dank für Ihr
An=
erbieten, aber ich bin nicht fürs Wählen — ich bin mit allem
zu=
frieden.”
Der Haken. „Ich weiß nicht, lieber Müller, warum Sie ſich noch
immer als Junggeſelle herumtreiben. Bei Ihrem Verdienſt können Sie
doch eine Frau ernähren!“ — „Ja, ernähren könnte ich ſchon eine
Frau, aber — kleiden, kleiden!“
„Nein, mit Anderſen Geſchäfte zu machen, iſt wirklich kein
Ver=
gnügen! Wenn er etwas von uns kauft, prellen wir ihn. Und wenm
es ans Bezahlen geht, prellt er uns!“
(Politiken.)
„Habe ich Ihnen ſchon die wunderbare Geſchichte erzählt, die ich
mit meinem Gärtner und einem Papagei erlebt habe?”
(Politiken.
„Nein, aber ich habe ſie Ihnen neulich erzählt!“
Im Lande Fords. „Sieh mal,” ſagt die junge Mutter voller Skol=
und Freude „Baby lernt laufen.” „Muß es das wirklich noch lernen
meint der Vater nüchtern, „heutzutage läuft doch niemand mehr.
Jungdamen=Rletder.
Backfiſch=Kleider! — Welch’ veralteter Begriff!
Jedes Mädchen zwiſchen vierzehn und ſiebzehn
wehrt ſich mit Entſchiedenheit gegen dieſe
abge=
brauchte Mädchenlektüre=Bezeichnung.
Jungdamen=Kleid! — Ja, das hört ſich freilich
ganz anders an! Unſere Zeit der Emanzipation
hat natürlich auch die Mode nicht unbeeinflußt
ge=
laſſen, und ebenſo wie ſich das junge Mädchen
gegen die Bezeichnung „Backfiſch” auflehnt, wehrt
es ſich auch gegen eine allzu „ſimple” Mode, die
dieſer Benennung entſprechen könnte.
Mehr oder weniger muß man ſich ja eingeſtehen,
daß es eigentlich keine Jungdamen=Mode gibt. Die
Mütter von heute ſetzen alles daran, um durch
Sport, Mode, Körterkultur ihre jugendliche Friſche
zu erhalten und auch nach außen hin zu
dokumen=
tieren, und lehnen in dieſer Erwägung auch alle
Moden, die nicht jugendlich ſind, ab. Dadurch
er=
ſcheinen natürlich die Töchter ein wenig
benach=
teiligt, weil die entſprechende Abſtufung, die man
früher immer feſtſtellen konnte, ſich faſt gänzlich
verloren hat.
Es iſt aber trotzdem nicht notwendig, die jungen
Mädchen „damenhaft” zu kleiden, denn noch immer
iſt es bei einigem Geſchmack und gutem Willen
möglich, eine jugendlich=perſönliche Note zu finden,
die der Jungdame eben entſpricht.
Sicherlich wird man für die jungen Mädchen
nicht allzu große Ausgaben machen wollen, wird
auch die Garderobe nicht zu umfangreich halten,
ſondern eben nur einige gute Stücke anſchaffen, die
dann den verſchiedenſten Zwecken gerecht werden
und für alle Gelegenheiten brauchbar ſein müſſen.
Der gegenwärtigen Koſtümmode entſprechend,
iſt es allenfalls gut, ein ſolches Stück zu beſitzen,
denn wenn es weder zu ſportlich noch auch zu
elegant, ſondern gewiſſermaßen neutral iſt, wird es
ausgezeichnete Dienſte zu leiſten imſtande ſein. Der
Rock wird überdies in Verbindung mit einer
flot=
ten Bluſe ein nettes Kleid abgeben können, ſo daß
eine derartige Zuſammenſtellung auch für den Sommer ſehr zu
empfehlen wäre. — In unſerem Mittelbilde zeigen wir ein
der=
artiges Koſtüm. Das Jäckchen hat jene offene Form, die ſich
heuer ſo großer Beliebtheit erfreut, iſt am unteren Rande und
an den Aermeln mit den ſchlichten und dennoch dekorativen Hohl=
ſäumen geziert und anſtelle von Knöpfen mit einem ſchmalen
Wildledergürtel verſchloſſen. Der Rücken wird durch eine breite
Steppbahn verziert und auch die Aermel bringen derartige Effekte
allerdings in beſcheidenem Maße. Der Rock iſt immer
vollkom=
men glatt; um ihn eben zu verſchiedenen Bluſen — gewiſſer=
maßen als „Kleid=Erſatz” — tragen zu können.
Während man ein ſolches Koſtüm in Blau oder
Schwarz oder auch in einer Zwiſchenfarbe wie
Beige, Sand oder dergleichen anfertigen wird, hält
man die Bluſe zu dunklen (alſo ſchwarzen oder
blauen) Stoffen in Weiß, Elfenbein, Roſa oder
Gobelinblau, wählt aber zu den zwiſchenfarbigen
Stoffen nur Bluſen aus Ton=in=Ton abſchattierter
Seide. — Die in unſerem Bilde vorgeſchlagene
Bluſe iſt mit einem viereckigen Ausſchnitte gedacht
und mit Seiden=Steppſtichen in Querrichtung
ge=
ziert. Dieſe Steppſtiche haben immer die Farbe
des Koſtümſtoffes, ſo daß die auch heuer noch ſehr
beliebte Complet=Wirkung geſichert wird. Zu einem
derartigen Koſtüme trägt man natürlich einen ſehr
einfachen Hut aus Filz oder glattem Modeſtroh
mi. einem ſchlichten Bande geputzt.
Für Gebrauchszwecke, ſchlechtes Wetter und für
die Sommerreiſe iſt ein bequemer, womöglich in
Raglanform geſchnittener Mantel faſt
unerläß=
lich. Man verfertigt ſolche Stücke gerne aus
zwei=
ſeitigem (Double=) Stoffe, ſo zwar, daß die karierte
Seite nach außen kommt und die glatte und
un=
deſſinierte Innenſeite an den Manſchetten und am
Kragen ſichtbar wird.
Unter dem Mantel nimmt ſich ein einfarbiges
Klcid aus Kaſha, Fresko, Krepella oder einem
anderen poröſen Mode=Wollſtoffe ſehr gut aus.
Der Oberteil iſt glatt, in der Mitte geknöpft und
ſetzt ſich in Schößelform unterhalb des Gürtels fort.
Der Rock iſt pliſſiert oder in ſchmale Hohlfalten
gelegt. (Skizze rechts.)
Eine wichtige Rolle in der Garderobe der
Jung=
dame ſpielt natürlich das Tanzkleid, das
der=
art gearbeitet ſein ſoll, daß es gleichzeitig als
ele=
gantes Sommerkleid, ebenſo aber für
nachmittäg=
liche und abendliche Gelegenheiten verwendbar iſt.
Man wird es gerne aus gemuſtertem Materiale
herſtellen, und zwar wirken die geblumten
China=
krepps und Georgette mit Blütenmuſtern ſehr gut.
Ein Strauß kleiner Kunſtblumen vermag die
Wir=
kung eines folchen Kleidchens ſehr zu fördern. Wir
zeigen ein Modell dieſer Art in unſerem erſten
Bilde. Die Taille wird durch einen in Form von
drei Bändern angedeuteten Gürtel markiert. Die Rockpartie iſt
beiderſeits leicht gezogen und in Bogenform mit einer pliſſierten
Rüſche aus gleichem Materiale garniert. Der Oberteil iſt gebluſt
und bringt ebenfalls gezogene Partien. Der Aermel iſt halbkurz
und unterſtreicht die jugendliche Note.
Die geſtrickte Reiſe=Ausrüſtung muß gut zuſammengeſtellt
ſein, um ihren Zweck voll und ganz zu erfüllen. Darum ſoll ſelbſt
der kleinſten Kleinigkeit große Sorgfalt gewidmet werden, um
auf Reiſen einerſeits keinen unnötigen Ballaſt mit ſich führen zu
müſſen, andererſeits aber auch nicht vielleicht gerade das Nötigſte
fehlen zu laſſen. Die Hauptſache iſt immer das flotte Reiſekleid,
für das man in der Regel das geſtrickte Jumpermodell
wählt, das ſeine Wirkung nicht verfehlen kann, immer praktiſch
iſt und niemals zerknüllt ausſieht, was natürlich auf Reiſen einen
nicht zu unterſchätzenden Vorteil bedeutet. Selbſt der pliſſierte
Rock behält immer ſeine Fältelung, da doch dieſe Pliſſés nicht
gebügelt werden, ſondern auf ſtricktechniſchem Wege hergeſtellt
Das leichte Rleid für
den Nachmittag.
Schon lange war die Mode nicht ſo
mannig=
faltig wie eben heuer. Iſt ſie doch auch an
keiner=
lei beſtimmte Linien und Vorſchriften gebunden,
ſondern geſtattet der Trägerin, ihre Individualität
in hohem Maße zu unterſtreichen.
Eigentlich hat ja nur eine ſolche Mode wirkliche
Berechtigung, und faſt ſollte man ſich entſchließen,
jede andere Tendenz unbedingt zu verwerfen; denn
ſie birgt ſchließlich und endlich nur die Gefahr der
Uniformierung in ſich und läßt befürchten, daß die
modiſche Eigenart der Frau von Geſchmack völlig
unterdrückt werde.
Nun, heuer haben ſich die Frauen in dieſer
Hin=
ſicht allenfalls nicht zu beklagen, denn ſowohl was
die Linienführung als auch das zur Verwendung
gelangende Material betrifft, iſt ihnen volle
Frei=
heit belaſſen, und wenn man Gelegenheit hat, die
Kollektionen und beachtenswerteſten Modelle der
führenden Häuſer zu ſehen, ſo kann man mit Fug
und Recht behaupten, daß das neue Syſtem ſich
bewährt und ſich als unbedingt erfolgreich erweiſt.
Man wird heuer ſowohl auf der Promenade in
der Stadt als auch in der Sommerfriſche eine
Menge von neuen Ideen an leichten Kleidern
wahrnehmen können und feſtſtellen, daß auch die
modekundige Frau ſich bei der Vielgeſtaltigkeit der
gegenwärtigen Mode ſehr wohlbefindet.
Will man die vorherrſchenden Gewebe, die zur
Verarbeitung des Sommerkleides Verwendung
finden ſollen, charakteriſieren, ſo muß man ſagen,
daß die durchſichtigen, duftigen Seiden diejenigen
ſind, die als ausſichtsreichſte und als unbedingt
erfolgverſprechend zu bezeichnen ſind. Dazu wären
in der Hauptſache Georgette und Kreppgaze (
Chif=
fon) zu zählen, die gemuſtert oder einfarbig ſein
können. Daneben aber finden natürlich auch wie
bisher Chinakrepp, Mongol, Marokkokrepp und
ähnliche dichte Seiden Verwendung, doch treten
ſie alle gegenüber den durchſcheinenden Seidenſtoffen
un=
zweifelhaft in den Hintergrund.
Die Garnierung des Sommerkleides iſt in den meiſten Fällen
fehr einfach. In der Regel wird die gewünſchte Wirkung aus
der Linie ſelbſt geholt, alſo aus Pliſſees, Volant= und
Schürzen=
effekten, allenfalls auch aus einer aparten Kragenpartie und
der=
gleichen. Der Aufputz aber beſchränkt ſich auf einen originellen
Gürtel, auf Inkruſtationen von Spitze gder auf etwas Stickerei
ſind. Ueber das Reiſekleid kann man eventuell für kühle
Nacht=
fahrten oder für das Gebirge eine einreihige wollene „
Kamel=
haarweſte” wählen, die auch ſonſt noch vielfach verwendbar ſein
wird. Als Umhülle nimmt ſich ein geſtrickter Karo=Mantel
vortrefflich aus. Eine ſolche Zuſammenſtellung wäre allenfalls
noch durch den modernen und an ſeinen Enden mit Franſen
ge=
zierten geſtrickten Schal zu ergänzen. Der weiche Hut iſt
für die Reiſe unerläßlich, ebenſo eine dauerhafte, geräumige
Handtaſche aus einem ſtrapazfähigen, ſoliden Leder. W. U.
Der Allwetter=Schirm hat heuer unbedingt große Ausſicht
auf Erfolg, da man endlich einſehen zu lernen beginnt, daß der
(die heuer ſehr beliebt iſt!) oder endlich auf ein gut angebrachtes
Blumenſträußchen, das man nicht mehr entbehren will, weil
man erkannt hat, wie vortrefflich es die Wirkung eines Kleides
zu fördern vermag.
Wenn auch bisweilen der Schnitt der neuen Kleider nicht
ganz unkompliziert iſt, ſo erſcheint ihre Wirkung dennoch ganz
ſchlicht und hat jene Uingezwungenheit an ſich, die immer
Vor=
bedingung der Eleganz iſt.
ſchwarze Regenſchium, den ſchon unſere Großmütter trugen,
wirk=
lich nicht mehr in unſere Zeit daſſe und eigentlich den Eindruck
jedes hellenen Kleidungsſtückes beeinträchtige. Der neutrale
„Allwetter=Schirm” in ſeiner indifferenten Farbe (wie matt=oliv,
beige, ſund uſw.) paßt ſich faſt jeder Modeſchattierung vortrefflich
an und bietet außerdem noch den Vorteil, ſowohl an Regentagen,
wie auch als Sonnenſchirm Verwendung finden zu können,
bedeu=
tet demzufolge auch eine erhebliche Erſparnis. Natürlich bleiben
die Neuheiten der Mode auch auf den letzten Schirmmodellen
nicht berückſichtigt. So zeigt z. B. ein neues Modell einen mit
Schlangenleder überzogenen Griff und einen Rand aus
Seidenſtoff, der wie Schlangenhaut gemuſtert iſt.
W. U.
Daß man mit verhältnismäßig geringen
Mit=
teln ſehr vornehm wirkende Modelle für den
Früh=
ſommer herſtellen kann, beweiſen die in unſerem
Bilde wiedergegebenen Skizzen:
Wir beginnen mit einem einfachen,
buntge=
muſterten Seidenkleide aus Chinakrepp oder
deſſi=
niertem Georgette. Auffällig und markant für die
heurige Mode iſt der breite Seidengürtel, der meiſt
die im Kolorit der Seide hervortretende Farbe hat.
Den gleichen Ton bringen auch die verſchiedenen
Kantierungen des Ausſchnittes, der doppelten,
vorn offenen Schürzenpartie, ſowie der abgeſtuften,
kelchfö migen Aermel. Dieſelbe Schattierung ſoll
natürlich auch dem Blumenſtrauß gegeben werden,
der den (heuer ganz beſonders modernen)
vier=
eckigen Ausſchnitt ziert.
Neben dem eben beſprochenen Modell iſt ein
Georgettekleid zu ſehen, deſſen Oberteil ganz
ein=
fach und bluſig gehalten iſt, während der Rock in
vier gleichbreite Flügel aufgelöſt erſcheint. Dieſe
Flügel ſind — ebenſo wie ein Teil des Oberteils —
beſtickt, eine Arbeit, die man ſicherlich gern ſelbſt
herſtellen wird. Am beſten wirken hier
kunſtgewerb=
lich ſtiliſierte Ornamente, die in Seide (eventuell
mit Wolle und Garn untermengt) zu arbeiten
wären. Eigenartig ſind die in den Unterärmel
ein=
geſtickten Querbahnen, die einen Armreifen zu
er=
ſetzen vermögen.
Daß auch das mit Spitzen geputzte Kleid nicht
ganz ausgeſchaltet iſt, beweiſt das dritte Bild. Die
Grundform dieſes Modells iſt ganz gerade, nur
zwiſchen den die Hüften bogig umrahmenden
Spitzeneinſätzen iſt die Georgette=Seide etwas
glockig eingearbeitet, ſo daß die einfache Linie
da=
durch eine flotte Variante erhält. Schön ſind auch
die mit Spitzen angeſetzten Trompetenärmel. Auch
hier ſei der mit einer Schnalle verſchloſſene Gürtel
nicht vergeſſen, der im Modenbilde dieſer Saiſon
eine nicht zu unterſchätzende Rolle ſpielt.
Wie man mit ganz einfachen Effekten, eventuell
nur durch Pliſſees eine ausgezeichnete und
unbe=
dingt elegant: Wirkung zu erreichen vermag, zeigen
wir im letzten Bilde. Die in der Mitte geteilte
Rockpartie iſt vellkommen gefältelt, und oben mit den ebenſo
modernen wie beliebten Steppſtichen verſehen, die ſich im übrigen
auch am bluſigen Oberteile wiederholen und ſeinen Pliſſee=
Bahnen einen ſicheren Halt geben, ſo daß ſie niemals aufſpringen
können, was ja ſchlecht ausſehen würde.
Zu all dieſen Kleidern trägt man halbgroße Hüte aus
Modeſtroh, die — im Gegenfax zu den Formen des Vorjahres —
etwas garniert ſein dürfen.