Einzelnummer 15 Pfennige
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Heſſiſche Neueſie Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 134
Sonntag, den 15. Mai 1927.
190. Jahrgang
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Finanz=Anzeſgen 40 Reſchspfg. Rellamezelle 92 mm
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zelle 300 Reichsmart. Alle Preiſe in Reſchemark
ſ4 Doſſat — 420 Marll — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg. Aufruhr Streltl uſw. erliſcht
jede Verpſtichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auſtäge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konſurs oder gerichtliſcher Beltreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Bankkonto‟ Deutſche Bani und
Darm=
ſädlei und Natiopalban”.
Der Kampf um die Beſatzungsverminderung
4Briands Antwort vertagt.
Der Widerſiand der franzöſiſchen Militärs.
Ein Ablenkungsmanöver.
Herr Briand hatte urſprünglich der deutſchen Regierung für
Samstag eine Antwort zugeſagt wegen der Vorſtellungen auf
Herabminderung der Beſatzungstruppen. In amtlichen Kreiſen
nimmt man aber kaum mehr an, daß der Termin innegehalten
wird, da Herr Briand bereits Wochenende gemacht hat, und im
An=
ſchluß daran mit dem Staatspräſidenten Doumergue nach
Lon=
don fährt. Es könnte unter dieſen Umſtänden ſein, daß die
Ant=
wort überhaupt verſchoben wird, bis die Londoner Beſprechungen
vorüber ſind, von der ſich möglicherweiſe Briand eine
Einfluß=
nahme Chamberlains auf Doumergue verſpricht.
Zurzeit ſind die Ausſichten auf eine Deutſchland
be=
friedigende Regelung mehr als gering, da der
Widerſtand der franzöſiſchen Militärs gegen
die Herabſetzung der Beſatzung ſehr ſtark iſt und
auch ſehr ſtark bleiben dürfte, ſelbſt wenn wegen des Streites um
die Beſichtigung der zerſtörten Oſtbefeſtigungen eine Verſtändigung
erzielt werden ſollte. Hier liegt jetzt in Paris ein neuer deutſcher
Vorſchlag vor, der gemeinſam von dem Reichswehrminiſter
Dr. Geßler, dem Vizekanzler Hergt und dem Außenminiſter
Dr. Streſemann ausgearbeitet iſt. Er hält daran feſt, daß nach
den Genfer Abmachungen Deutſchlands Verpflichtungen erfüllt
ſind, wenn wir in amtlicher Form die Tatſache der erfolgten
Zer=
ſtörung notifizieren, hält auch daran feſt, daß das Kabinett ſich
mit der Frage erſt wieder beſchäftigen wird, nachdem die
Zer=
ſtörungen vollendet ſind, gibt aber für einen ſpäteren Zeitpunkt
die Möglichkeit, daß die Ententeſtaaten ſich von der erfolgten
Zer=
ſtörung überzeugen können.
Gleichſam als Auftakt zu den Londoner Beſprechungen
zwi=
ſchen Briand und Chamberlain, ſoweit ſie Deutſchland betreffen,
ift ſowohl ein Artikel gedacht, den wir in der „Times” finden und
der eigentlich lediglich darauf eingeſtellt iſt, zu zeigen, was die
Deutſchnationalen in der Außenpolitik alles verpaßt haben ſollen;
die lärmenden Forderungen nach ſofortiger und völliger
Räu=
mung ſeien eine Methode, die ſchwerlich Erfolg haben werde uſw.
uſw. Man braucht ſich auf die Einzelheiten kaum einzulaſſen,
weil ſie ſchon zu oft widerlegt ſind. Nur die deutſche
Oppoſitions=
preſſe wird ſich mit Begeiſterung auf dieſen Artikel werfen, um
daraus eine Stütze für ihre Behauptung zu ziehen, daß nur durch
den Eintritt der Deutſchnationalen in die Regierung jetzt die
Verhandlungen über die Herabminderung der Beſatzungstruppen
ſcheitern werden. Die ganze Rechnung hat nur den einen Fehler,
daß die Deutſchnationalen erſt einige Monate in der Regierung
ſind, während die Zuſage der Botſchafterkonferenz bereits
ein=
einhalb Jahre zurückdatiert. Die Entente hätte alſo 1½ Jahr
Gelegenheit gehabt, ihre Verſprechungen zu erfüllen, ohne damit
den Deutſchnationalen einen Gefallen zu tun oder durch ſie als
Regierungspartei geſtört zu werden.
Der Rheiniſche Städtetag fordert Räumung.
Godesberg, 14. Mai.
Der Rheiniſche Städtetag hielt heute unter Vorſitz des
Oberbürger=
meiſters Dr. Jarres=Duisburg ſeine diesjährige Hauptverſammlung
ab. Er faßte unter anderem folgende Entſchließung: „Der
Rhei=
niſche Städtetag gibt ſeiner lebhaften Enttäuſchung und Entrüſtung
darüber Ausdruck, daß trotz allen fridlichen und opferwilligen
Ent=
gegenkommens des Reiches die fremde Beſatzung immer noch auf
rheini=
ſchem Boden ſteht und eine große Zahl rheiniſcher Städte ſchwer
ſchä=
digt und bednickt. Nach Art. 431 des Friedensvertrags hat Deutſchland
einen Rechtsanſpruch auf ſofortige Zurückziehung der
Befatzungstrup=
pen. Entgegen dieſer klaren Rechtslage machen die Beſatzungsmächte
keinerlei Anſtalten, das beſetzte rheiniſche Gebiet militäriſch zu räumen.
Vielmehr deutet alles darauf hin, daß dieſe widerrechtliche Beſetzung
von ihnen noch lange fortgeſetzt werden ſoll. Nicht einmal die von den
Mächten zugeſicherte ſofortige Herabſetzung der Beſatzungszahl auf die
deutſche Friedensgarniſonſtärke iſt erfolgt. Er bittet die
Reichsregie=
rung, mit allem Nachdruck bei den Beſatzungsmächten darauf zu drängen,
daß dem Rheinland endlich und ohne weitere deutſche Gegenleiſtungen
die Freiheit werde, welche ihm nach den internationalen Abmachungen
völkerrechtlich zuſteht.‟ Nach einem Referat des Präſidenten des
Deut=
ſchen Städtetags Dr. Mulert über die Finanzlage der deutſchen Städte
wurde eine Entſchließung angenommen, in der ſich der Rheiniſche
Städtetag in der Frage des Finanzausgleichs hinter den Vorſtand des
Deutſchen und des Preußiſchen Städtetags ſtellt und von eigenen
An=
trägen abſieht.
Die Finanzlage Preußens.
Berlin, 14. Mai.
Im preußiſchen Landtag äußerte ſich heute Fimanzminiſter
Dr. Höpker=Aſchoff zu Beginn der Ausſprache zum Etat der
all=
gemeinen Finanzverwaltung über die Lage der preußiſchen
Finanzen. Auf eine deutſchnationale Anfrage bezeichnete der
Miniſter die Senkung der Nealſteuern durch die
Ge=
meinden als durchaus durchführbar mit Rückſicht auf die den
Gemeinden zuteil gewordenen Erleichterungen hinſichtlich der
Erwerbslofenfürſorge und die größeren Ueberweiſungen. Eine
demokratiſche Interpellation über die Auswirkung der kommenden
neuen Reichsfinanzgeſetze bat der Miniſter, dem Hauptausſchuß
zu überweiſen. Die Entwürfe lägen noch nicht vor. Nach
Pfing=
ſten werde er im Ausſchuß dazu Stellung nehmen. Die
weite=
ren Pläne des Reichsfinanzminiſteriums ſeien zu billigen mit
Rückſicht darauf, daß den Gemeinden größere Freiheit in der
Finanzgeſtal ung ihres Etats gewährt werde, wenn ſie ſpäter das
Zuſchlagsrecht erhielten. Bedenken beſtänden allerdings
hinſichtlich der Gewerbeſteuer. Zur. Anleihepolitik
erklärte der Miniſter, daß hier Vorſicht geboten ſei und daß am
inneren Markt eine Anleihe ſchwer aufzubringen ſein werde.
Jedenfalls ſei nicht daran zu zweifeln, daß Preußens
Anleihe=
bedarf von 250 Millionen für produktive Arbeiten für das Jahr
1927. nicht gedeckt werden könne. Zur Börſenlage billigte der
Miniſter, daß der Reichsbankpräſident den Diskontſatz nicht
er=
höhen wolle, um nicht zum Schaden der produktiven Wirtſchaft
ein algemeines Anziehen der Zinsſätze herbeizuführen.
Waldecks Anſchluß an Preußen.
Arolſen, 14. Mai.
In Arolſen in Waldeck fand laut „Lokalanzeiger” eine
ge=
meinſame Sitzung des Landes= und Verfaſfungsausſchuſſes ſtatt,
in der über das Ergebnis der kürlich in Berlin ſtattgefundenen
Anſchlußverhandlungen beraten und folgender Beſchluß gefaßt
wurde: Der Landesausſchuß Waldeck iſt damit einverſtanden, daß
in dem Entwurf eines neuen Staatsvertrages die vom preußiſchen
Staatsminiſterium verlangte bindende Erklärung über den
An=
ſchluß Waldecks unmittelbar nach Ablauf dieſes neuen Vertrages
aufgenommen wird. Die Regierung wird daher erſucht, dem
Landes= und Verfaſſungsausſchuß einen ſolchen Vertragsentwurf
vorzulegen, der vor allen Dingen die ſpäteren
Anſchlußbedingun=
gen enthalten muß.
Rilerlei im Reichstag.
Die Brotgetreigeberforgung des deutſchen Volkes.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichstag ſucht ſich ſeine Tagesordnung nach wie vor
mühſelig zuſammen. Das Auswärtige Amt hat ihm einen
Gefal=
len getan, ihm einen deutſch=bulgariſchen Vertrag über den
Rechtsverkehr zuzuleiten, den der ſozialdemokratiſche Abgeordnete
Roſenfeld, der vor einigen Tagen von dem bulgariſchen
Sicher=
heitskommando über die Grenze gebracht worden war, dazu
be=
nutzte, um ſeinem empörten Herzen Luft zu machen. Er verſtieg
ſich ſogar dazu, gegenüber der „fasciſtiſchen” bulgariſchen
Regie=
rung die ungariſche geradezu als human zu bezeichnen.
Trotz=
dem will ſeine Fraktion den Vertrag nicht ablehnen, und da alle
Parteien nichts dagegen zu ſagen haben, wird man mit dem
Ver=
trag ſchon in allen drei Leſungen fertig. Der
Reichsernäh=
rungsminiſter Schiele kommt mit einem Entwurf, der
die Suspendierung der Einfuhrſcheine bis zum Einſetzen der
neuen Ernte beantragt. Er begründet die Notwendigkeit mit
dem Hinweis auf das ſtarke Anziehen der Getreidepreiſe, das
bei dem Einfuhrbedürfnis verſchiedener europäiſcher Staaten eine
Abwanderung von Getreide aus Deutſchland zur Folge haben
könnte, benutzt aber auch dieſe Gelegenheit wieder, um gegenüber
den Unkenrufen von einer bevorſtehenden Getreidernappheit
nach=
zurechnen, daß wir bis zum Beginn der neuen Ernte reichlich
eingedeckt ſind und ſogar noch eine kleine Reſerve behalten. Die
Sozialdemokraten freilich überzeugt er damit nicht. Frau Toni
Sender tut ſo, als ob Herr Schiele überhaupt nicht geſprochen
hätte. Nach ihrer Meinung iſt die Lage ſehr bedrohlich, da der
„Beſitzbürgerblock” eine rückſichtsloſe Politik gegenüber den
Ver=
brauchern treibe. Trotzdem ſtimmen auch in dieſem Falle die
Sozialdemokraten, ebenſo wie die Kommuniſten ſchließlich für die
Vorlage, die in allen drei Leſungen einſtimmig — eine
Selten=
heit — angenommen wird. Man greift dann auf das
Jugend=
ſchutzgeſetz zurück, das nun wohl oder übel fertiggeſtellt werden
muß. Langfam geht es durch die einzelnen Paragraphen
hin=
durch. Die Abſtimmungen werden im allſeitigen Einverſtändnis
auf Montag verſchoben, weil die gähnende Leere des Hauſes die
Beſchlußunfähigkeit ahnen läßt. Merkwürdigerweiſe hält die
Regierung es nicht für nötig, zum Geſetz überhaupt etwas
zu ſagen. Sie läßt ſich auch durch verſchiedene Vorſtöße der
Sozialdemokraten nicht aus ihrer Reſerve herauslocken, ſondern
ſchweigt ſich vollſtändig aus. Am Montag ſteht nun das
Republik=
ſchutzgeſetz an erſter Stelle auf der Tagesordnung. Die
Sozial=
demokraten wollten auch die Portoerhöhung beſprechen, da aber
nur 198 Abgeordncte anweſend waren, blieb es bei der vom
Präſidenten vorgeſchlgenen Tagesordnung.
Reichstags=Sitzungsbericht.
Der Reichstag, der ſeine Beratungen heute bereits um 12 Uhr
begann, beſchäftigte ſich zunächſt mit einem kürzlich
abgeſchloſſe=
nen deutſch=bulgariſchen Rechtsverkehrsabkommen. In der
Aus=
ſprache nahm als einziger Redner nur der Abg. Dr.
Roſen=
feld (Soz.) das Wort, um ſeine Erlebniſſe in Bulgarien zu
ſchildern, wohin er ſich kürzlich mit Einreiſeerlaubnis begeben
hatte, um als Zuhörer an einem Prozeß teilzunehmen. Er und
ſeine Freunde ſeien jedoch von den Bulgaren feſtgenommen und
wie Schwerverbrecher behandelt und ſodann ausgewieſen
wor=
den. Nicht einmal der deutſche Geſandte ſei benachrichtigt
wor=
den. Der Redner verlangte ein energiſches Einſchreiten der
Ne=
gierung, da das Recht aller Deutſchen in Bulgarien verletzt
wor=
den ſei. Dort herrſche unbeſchränkter weißer Terror.
Die Vorlage wurde in allen drei Leſungen angenommen.
Es folgte die Beratung eines Geſetzes über die
Getreide=
einfuhrſcheine, durch das der Preisſteigerung für Getreide
ent=
gegengewirkt werden ſoll, indem bis zum Eintritt der neuen
Ernte, d. h. bis 31. Juli 1927, Einfuhrſcheine nicht mehr erteilt
werden ſollen.
In der Begründung des Geſetzes wies
Reichsernährungs=
miniſter Schiele darauf hin, daß die Getreidepreiſe in der letzten
Zeit merklich geſtiegen ſeien, und zwar nicht nur in Deutſchland,
ſondern in gleichem Rahmen auch im Auslande, überhaupt gehe
die Preisbildung von Ueberſee aus. Von einer Gefährdung der
Brotverſorgung Deutſchlands könne aber keine Rede ſein.
Men=
genmäßig ſei die Verſorgungslage günſtig. Der Preisſteigerung
glaube die Regierung beſonders dadurch begegnen zu können,
daß ſie vorläufig keine Einfuhrſcheine mehr erteilen werde. Es
handele ſich dabei nur um eine Ausnahmemaßnahme. Eine
eventuelle Verlängerung komme für die Regierung nicht in
Be=
tracht. Der Miniſter lehnte zum Schluß die von den
Sozial=
demokraten verlangte Suspendierung des Roggenzolles ab, von
1
der nur das Ausland den Vorteil haben würde.
Die Woche.
Es war wundervoller Frühling und die Eisheiligen hatten
noch nicht ihre ſtrenge Herrſchaft angetreten, als im Heſſiſchen
Landtag die Generaldebatte über den diesjährigen Etat
ſtatt=
fand, und wenn man den Erörterungen folgte, ſo hätte man faſt
den Eindruck gewinnen können, daß die Frühlingsſtimmung auch
auf die Redner nicht ohne Einfluß geblieben wäre. Es iſt ein
alter geheiligter parlamentariſcher Brauch, daß alljährlich die
Beratungen über den Etat, dieſe wichtigſte Aufgabe aller
Parla=
mente, eingeleitet werden durch ein allgemeines „Aufwaſchen”
das man Generaldebatte nennt. Hier ergibt ſich die Gelegenheit,
alles loszuwerden, was man auf dem Herzen hat, wobei es im
allgemeinen nicht ſo ſehr darauf ankommt, ob die Ausführungen
für die kommenden Beratungen von irgendwelcher Bedeutung
ſind, und in den Parlamenten der deutſchen Länder benutzt man
dieſe Gelegenheit gern, um auch alle diejenigen Fragen in den
Kreis der Crörterung zu ziehen, die als Angelegenheit des Reichs
mit den Aufgaben der jeweiligen Landesregierung nur in recht
lockerem Zuſammenhang ſtehen. Man ſtellt „vor dem Lande” feſt,
und die Fenſter ſind weit geöffnet. In Heſſen aber tobte
wäh=
rend des vergangenen Jahres der heiße Kampf um den
Volks=
entſcheid, die Neuwahlen zum Heſſiſchen Landtag ſtehen vor der
Tür. Peſſimiſtiſche Beurteiler haben unter dieſen Umſtänden mit
ſcharfen Auseinanderſetzungen gerechnet, erfreulicherweiſe aber
haben ſie nicht recht behalten. Nur in gedämpften Tönen kam
man auf den Kampf um den Volksentſcheid zurück, und
unver=
kennbar war bei den meiſten Rednern das Beſtreben, die
kom=
mende ſachliche Exörterung nicht zu gefährden. Darf man die
Hoffnung hegen, daß auch die politiſchen Parteien Heſſens
nach=
gerade zu der Einſicht gekommen ſind, daß es ſich in einem ſo
kleinen Lande wie dem unſeren faſt ausnahmslos nicht um
tief=
gehende „weltanſchauungsmäßige” Gegenſätze handelt, die um
jeden Preis durchgefochten werden müſſen, ſondern um
Verwal=
tungsfragen, über die ſich bei gutem Willen doch ſtets eine
ſach=
liche Einigung erzielen laſſen muß, eine Einigung, die vielleicht
von allen Seiten ein Nachgeben erfordert, die aber den
gemein=
ſamen Intereſſen des Landes dafür um ſo mehr Rechnung trägt?
Es wäre wahrlich von Segen für unſer Land, wenn dieſe
Ein=
ſicht immer mehr an Boden gewinnen und wenn man allgemein
erkennen würde, daß in ſo engen Verhältniſſen nicht der eine
gegen den anderen regieren kann ohne daß das Ganze Schaden
leidet. Eine Frühlingshoffnung hat die Generaldebatte im
Heſſi=
ſchen Landtag erwackt; es iſt zu wünſchen, daß ſie nicht durch den
Froſt der Eisheiligen zerſtört wird.
In einem weſentlichen Punkte griff die Erörterung über
Heſſen hinaus, und zwar ſoweit die Verhältniſſe Heſſens zum
Reich in Rede ſtehen. Es lag in der Natur der Sache, daß auch
diesmal wieder die Frage des Einheitsſtaates berührt wurde.
Daß die ſtaatliche Entwicklung in Deutſchland letzten Endes zu
ihm hinführt, führen muß aus ſtaatlich=ideellen Gründen ſowohl
wie aus wirtſchaftlichen, kann keinem Zweifel unterliegen, und
die Zahl derer, die ſich innerlich gegen dieſe Entwicklung
ſträu=
ben, dürfte nicht nur in Heſſen, ſondern auch im ganzen Deutſchen
Reich außerordentlich gering ſein. Trotzdem aber war es
erfreu=
lich, daß der Redner der Deutſchen Volkspartei, an ſein klares
Bekenntnis zum Einheitsſtaat die ſehr nachdrückliche Warnung
anfügte, dieſe Dinge nicht zu überſtürzen. Der Gedanke des
deutſchen Einheitsſtaates mag uns Leitſtern ſein, aber er ſollte
nicht zur Wahlparole degradiert werden. Der deutſche
Einheits=
ſtaat, wir haben es ſchon oft betont, wird nicht auf dem Papier
gemacht, ſondern er muß aus der Entwicklung heraus als
Not=
wvendigkeit erwachſen. Wenn gerade in den kleinen Ländern in
letzter Zeit der Gedanke des deutſchen Einheitsſtaates wieder
ſehr lebendig geworden iſt, da die Koſtſpieligkeit der ſtaatlichen
Verwaltung bei der gegenwärtigen wirtſchaftlichen Bedrängnis
geradezu auf ihn hinweiſt, ſo darf man aber doch nicht vergeſſen,
daß ja die Hemmungen nicht bei den kleinen Ländern liegen, und
daß dieſe ganz gewiß nicht die Führerrolle zu übernehmen
ver=
mögen. Nichts iſt gefährlicher, nichts würde verhängnisvoller
ſein, als ein abermaliger Verſuch, einige Stufen ſtaatlicher
Ent=
wicklung zu überſpringen. Als Friedrich Wilhelm IV. von
Preu=
ßen die ihm angebotene Kaiſerkone ablehnte, hat er die
heiß=
erſehnte Gründung des Deutſchen Reiches nicht verzögert,
ſon=
dern er hat einen argen Fehlſchlag verhütet und dadurch
Bis=
marcks Werk ermöglicht.
Die Aufgabe auch der kleinen Länder iſt es, durch eine
ſpar=
ſame und vernünftige Verwaltung eine ruhige Entwicklung zu
ermöglichen, die Aufgabe des Reiches aber iſt es, den Ländern
nach Kräften zu helfen, insbeſondere wenn es ſich darum handelt,
Nöte abzuſtellen, die dieſe nicht verſchuldet haben. Heſſen hat
vom Reich Zuſchüſſe verlangt, welche die Ausfälle erſetzen ſollen,
die dem Land dadurch erwachſen ſind, daß über 40 Prozent ſeines
Gebietes von den franzöſiſchen Truppen beſetzt ſind. Daß das
Reich hierzu verpflichtet iſt, haben wir ſtets nachdrücklichſt betont,
und es war erfreulich, daß ſich in dieſer Beziehung ſämtliche
Parteien des Heſſiſchen Landtcgs einig waren. Gerade aber wenn
man wünſcht, daß das Reich ſeinen Verpflichtungen Heſſen
gegen=
über nachkommt, muß man logiſcherweiſe äußerſte Sparſamkeit
auf allen Gebieten ſtaatlicher Verwaltung anſtreben, da ein
be=
rechtigter Hinweis auf unberechtigte Ausgaben unter Umſtänden
den Vorwand für eine Ablehnung finanzieller Hilfe liefern könnte.
Trotz dieſes erfreulichen Auftaktes werden vielleicht noch
manchmal die Gegenſätze aufeinanderprallen, und auch der
Wahl=
kampf im Herbſt wird vielleicht nicht gerade zur Beruhigung
der Gemüter beitragen. Jedenfalls aber ein „Silberſtreifen am
Horizont”.
Auch im größeren Rahmen der Reichspolitik geht man
offen=
bar mehr und mehr zu ernſter ſachlicher Arbeit über. Die
Hoff=
nungen der Linken auf einen Rückfall der Deutſchnationalen in
die Methoden früherer Zeiten ſcheinen ſich mehr und mehr zu
ver=
flüchtigen, und vielleicht führt die Erkenntnis, daß man ſich durch
eigene Schuld auf abſehbare Zeit ausgeſchaltet hat, die
Sozial=
demokratie doch zu einiger Selbſtbeſinnung. Das aber wäre im
Intereſſe des ganzen deutſchen Volkes zu wünſchen, denn
way=
rend unſere innerpolitiſche Feſtigung zweifellos Fortſchritte gee
Seite 2
Sonntag, den 15 Mai 1927
Nummer 134
macht hat, hat ſich unſer außenpolitiſcher Horizont ganz
außer=
ordentlich verfinſtert.
In Genf tagt die Weltwirtſchaftskonferenz und in Paris
ver=
handelt der deutſche Geſchäftsträger mit Herrn Briand. Ohne
äußeren Zuſammenhang beides und doch handelt es ſich letzten
Endes um dasſelbe. In Genf berät man über die wirtſchaftlichen
Nöte der Welt und insbeſondere Europas, und wenn man die
dortigen Reden genau verfolgt, ſo wird man immer wieder
darauf ſtoßen, daß ein Geſundung Europas nur möglich iſt bei
einer tatſächlichen Verſtändigung der Völker bei einer endgültigen
Liquidation des Weltkrieges. Den Beweis aber dafür, daß die
Vorausſetzungen für die Umſetzung dieſer Gedanken in die Tat
noch nicht gegeben ſind, liefern die erwähnten Pariſer
Verhand=
lungen. Wer die Ausführungen unſeres Pariſer
Korreſponden=
ten vor wenigen Tagen geleſen hat, konnte ſich wohl davon
über=
zeugen, daß jede Illuſion hinſichtlich der franzöſiſchen Politik für
uns gefährlich ſein müßte. Poincaré regiert in Frankreich und
glaubt eine Verſtändigung mit Deutſchland nicht mehr nötig zu
haben. Zwecklos, wenn man nachzuweiſen verſuchen wollte, daß
die Auffaſſung des franzöſiſchen Miniſterpräſidenten vom
fran=
zöſiſchen Standpunkt aus durchaus nicht unbedenklich iſt. In der
Politik muß man mit Tatſachen rechnen, und eine Tatſache iſt
es, daß das franzöſiſche Volk in Poincaré den Retter aus der
Finanzmiſere ſieht, dem es Gefolgſchaft zu leiſten bereit iſt. Die
Zuſagen von Locarno werden nicht gehalten, vergeſſen ſind die
Unterhaltungen von Thoiry. Die deutſche Außenpolitik wird
dieſer veränderten Lage Rechnung tragen müſſen.
M.
„Das bayeriſche Handwerk.”
Die Eröffnung der Münchener Handwerksausſtellung.
München, 14. Mai.
Wiederum flattern auf der Thereſienhöhe bei ſtrahlendem
Sonnen=
ſchein in langer Reihe breite Wimpel, diesmal geſchwückt mit den
Ab=
zeichen der Gewerbe und der einzelnen Handwerkszweige, und geleiten
die Beſucher zum Haupteingang des Münchener Ausſtellungsparkes, in
dem am Samstag die Ausſtellung „Das bayeriſche Handwerk,
München 1927”, der Allgemeinheit ihre Pforten öffnete. Vor der
einen märchenhaften Eindruck bietenden „Goldenen Stadt” dem
Reprä=
ſentationsraum der Ausſtellung, hatten ſich zum Feſtakte
Miniſterprä=
ſident Dr. Held mit ſämtlichen Staatsminiſtern, der Reichskommiſſar
für das Handwerk und Kleingewerbe, Miniſterialdirektor Dr. Reichert,
die Spitzen der Behörden und führenden Männer aus den
ausſtellen=
den Wirtſchaftszweigen und ihren Organiſationen eingefunden. Aus
der Pfalz waren gekommen: Regierungspräſident Dr. Matheus, der
Präfident der Pfälziſchen Handwerkskammer Geheimrat Lützel und der
Dircktor der Landesgewerbeanſtalt in Kaiſerslautern Dr. Graf.
Der Feſtakt wurde eingeleitet durch den Aufzug von
Fanfarenblä=
ſern in rotem Mantel mit goldenen Poſaunen. Sie poſtierten ſich vor
den Türen der Goldenen Stadt. Fanfaren, Glockengeläute, dann ſetzte
die Orgel ein und leitete über zum Einzugsmarſch des Orcheſters. Durch
das Oſttor ziehen in langer Reihe die Lehrbuben aus dem Münchener
Handwerk in ihrem zweifarbigen Gewande ein und begrüßen die im
Nordtor mit den Zunftzeichen erſcheinenden Geſellen. Aus dem
Weſt=
tor tritt, von vier Pagen geleitet, der Herold im weißblauen Gewande.
Sein Gehilfe überreichte die Schlüſſel zur Goldenen Stadt. Dann hielt
der Herold, Schauſpieler Framer von den Münch wer Kammerſpielen,
mit weithin ſchallender Stimme den Vorſpruch, der Mah Michel Oswald
zum Verfaſſer hat und in dem auch Hans Sachſens Reime zur Geltung
kommen. Es erſcheint eine Jungfrau, angetan mit ſilbernem Gewande,
in der erhobenen Hand einen Goldenen Pokal, aus dem dem
Miniſter=
präſidenten der Ehrentrunk — edelſtes Pfälzer G.wächs (Dürkheimer
Hochb nn 1921) — geboten wird. Mit Begrüßungsworten übernimmt der
Präſident der Ausſtellung, Geheimrat Würz, die Schlüſſel und bittet
den Miniſterpräſidenten, die Ausſtellung zu eröffnen, die ein Zeichen
ſein ſoll für die Lebenskraft und den ZukunftSwillen unſeres bayeriſchen
und deutſchen Handwerks, unſeres bayeriſchen und deutſchen
Vater=
landes. Oberbürgermeiſter Scharnagl begwißte die Ehrengäſte im Namen
der Stadtverwaltung, bekannte ſich ſelbſt mit Stolz als Mitglied des
Handwerks, und ſchloß mit dem Wunſche, daß die Ausſtellung beitragen
möge zum Wohle unſeres Vaterlandes und zum Anſehen der
Landes=
hauptſtadt. — Miniſterpräſident Dr. Held, öffnete die Tore der
Gol=
denen Stadt und erklärte mit den wärmſten Segenswünſchen der
baye=
riſchen Staatsregierung die Ausſtellung für eröffnet.
Die Ehrengäſte traten dann den erſten Rundgang durch das
Aus=
ſtellungsgelände an. Schon der erſte Ueberblick zeigte, daß die
Fertig=
ſtellung in weitgehendem Maße geglückt iſt und daß eine in ihrer Art
einzigartige Ueberſchau über die Geſchichte, den Arbeitsbetrieb und die
Erzeuaniſſe des Handwerks geboten wird, eine Ueberſchau, die in
glei=
chem Maß das Intereſſe von Laien, und Fachleuten zu befriedigen vermag.
Aus der Pfalz ſind an Ausſtellern beteiligt: das Pfälziſche
Ge=
werbemuſeum in Kaiſerslautern und die Landesgewerbeanſtalt in
Kai=
ſerslautern, ferner die Meiſterſchule des Handwerks und die Bauſchule
in Kaiſerslautern. Gerade die pfälziſche Abteilung konnte nur mit Mühe
noch vor Eröffnung der Ausſtellung fertiggeſtellt werden. Daß dies
überhaupt noch gelungen iſt, iſt in erſter Linie ein Verdienſt des
Direk=
tors der Landesgewerbeanſtalt Dr. Graf. Nach einer Eröffnungsfahrt
auf der Liliputbahn, die ſchon bei der Verkehrsausſtellung großen
An=
klang gefunden hatte, folgte ein Feſteſſen im Hauptreſtaurant. Den
Abſchluß der Feierlichkeiten bildete eine Feſtvorſtellung der „Meiſterſinger”
im Nationaltheater.
Vom Tage.
Der diesjährige große deutſche Bauerntag, der
alljährlich von der Reihsorganiſation der deutſchen
Bauernvereins=
organiſationen veranſtaltet wird, findet vorausſichtlich in
Bayern ſtatt. Termin und Ort der Tagung werden noch bekannt
gegeben.
Nach einer Meldung aus Athen hat Griechenland die
Ein=
ladung zur Konferenz der Kleinen Entente im
Tagesordnung ſtehenden Fragen Griechenland nicht intereſſieren.
Tagesordnnug ſtehenden Fragen Griechenland nicht intereſſieren.
Wie gemeldet wird, ſollen ſofort nach der Rückkehr des
Außenmini=
ſters Marinkowitſch von der Kleinen Entente=Konferenz zwiſchen
Belgrad und Rom die Verhandlungen über alle
zwi=
ſchen Jugoſlawien und Italien ſchwebenden
Fra=
gen beginnen.
Nach einer Belgrader Preſſemeldung iſt es möglich, daß
Außenminiſter Marinkowitſch nach Italien reiſen
wird, um mit Muſſolini zuſammenzutreffen.
Sinojew iſt auf Beſchluß des Zentralrates der
kommuniſtiſchen Partei dem Parteigericht
über=
wieſen worden.
Wie Reuter meldet, tritt das am Mittwoch zwiſchen der
Mid=
land Bank und der ruſſiſchen Handelsvertretung
unterzeichnete Kreditabkommen über 10 Millionen
Pfund Sterling unverzüglich in Kraft.
Präſident Coolidge hat an den Präſidenten der
franzöſiſchen Republik ein Telegramm geſandt, in
dem er die Hoffnung ausdrückt, daß die verſchollenen franzöſiſchen
Flie=
ger Nungeſſer und Coli wieder aufgefunden werden.
Die Federal Reſerve=Bank hat ankündigen laſſen, daß ſie
für 60 Millionen Dollar Gold gekauft hat. Man nehme
allgemein an, daß dieſes Gold ein Teil des von der Bank von England
verwerteten franzöſiſchen Goldes ſei. Der Kauf des Goldes durch die
Federal Reſerve=Bank ſoll den Zweck haben, zu verhindern, daß weitere
Goldmengen nach den Vereinigten Staaten berſchickt würden.
Das amerikaniſche Kriegsminiſterium teilt
offi=
ziell mit, daß die Konſervativen und die Liberalen in Nicaragua
ſich endgültig geeinigt haben und daß dadurch die Revolution
be=
endet ſei.
Der Endkampf in Genf.
Die Taxifkommiſſion tritt zufammen.
* Genf, 14. Mai. (Priv.=Tel.)
Nach zehntägigen Beratungen iſt heute die internationale
Wirtſchaftskonferenz ſo weit, daß om Nachmittag der wichtigſte
ihrer Unterausſchüſſe, die ſogenannte Tarifkommiſſion,
zuſam=
mentreten kann, um die grundlegende Reſolution der Konferenz
zu beraten. Obwohl alle Welt die ungeheure Bedeutung der
Kartellfrage und der Induſtriefrage überhaupt anerkennt und
obwohl man immer mehr zu der Erkenntnis der Wichtigkeit der
landwirtſchaftlichen Produktion kommnt, iſt doch für die
Willens=
richtung der Konferenzteilnehmer die Handelsfrage, wie es
übri=
gens ſeit altersher in der Volkswirtſchaft der Fall iſt,
charakteri=
ſtiſch. Deshalb legt man hier auch in allen Konfevenzkreiſen ſo
großen Wert auf jeden einzelnen Ausdruck dieſer Reſolution,
über Zolltarife, Meiſtbegünſtigung, Handelsverträge, Stabilität
der Verträge uſw., und deshalb kämpft wan verhältnismäßig ſo
zähe um jede Poſition, gleich als handele es ſich hier um einen
Handelsvertrag. Trotzdem wird es immer deutlicher, daß der
Urheber des Reſolutionsentwurfes, der fronzöſiſche Delegierde
Serruys, viele und wichtige Konzeſſionen an den
freihändleri=
ſchen Standpunkt gemacht hat und daß die Reſolution einen
rela=
tiv ferihändleriſchen Charakter tragen wird.
Das wird der Koordinationskommiſſion aber nicht
unerheb=
liche Schwierigkeiten verurſachen, denn die Reſolutionen,
die von der Landwirtſchaftskommiſſion kommen
wer=
den, ſehen nicht ſehrfreihändlerifch aus. Dort wird
im allgemeinen um eine Preisverbeſſerung der
Pro=
dukte gekämpft, weil man der Anſicht iſt, daß die
landwirtſchaft=
lichen Produkte gegenüber den Induſtrieprodukten im Preiſe
künſtlich zurückgehalten worden ſind. Ob dieſe Preiserhöhung
durch Zollſchutz oder Verſtändigung der Produzenten oder
Orga=
niſation der Produktion und des Abſatzes erzielt werden ſoll,
wird man abwarten müſſen. In der Hauptſache erſtrebt man
auch in der landwirtſchaftlichen Kommiſſion größere
Stabi=
lität der Preiſe, um die Unſtabilität der Ernten und damit
die Exiſtenzverhältniſſe der Landwirtſchaft auszugleichen.
Ueber=
einſtimmend haben deshalb ſowohl die landwirtſchaftliche, wie
auch die Induſtriekommiſſion den Wunſch nach einer größeren
Feſtigkeit der Zolltarife und nach dem Aufhören der
Mode=
launen in Zollfragen ausgedrückt.
Die Konferenz wird nach der Meinung vieler hervorragender
Sachverſtändiger ſchon etwas getan haben, wenn ſie nur dazu
beiträgt, wieder ſtabile Verhältniſſe in allen Zweigen der
Wirt=
ſchaft zu ſchaffen.
Die Razzia in London.
Gewaliſame Oeffnung ruſſiſcher Geheimſchränke.
Beſchlagnahme wicht ger Dokumente.
EP. London, 14. Mai.
In dem Gebäude der „Arcos”=Geſellſchaft arbeiten ſeit
geſtern nacht beſondere Sachverſtändige und eine größere Anzahl
von Arbeitern am Aufbrechen der diebesſicheren Kammern. Aue
möglichen Inſtrumente und Motoren, im Geſamtgewicht von
zwei Tonnen ſind herangebracht worden. Die Arbeiten ſind noch
im vollen Gange und werden angeſichts der modernen und ſehr
ſtarken Anlagen noch viele Stunden in Anſpruch nehmen. — Der
Entſchluß der engliſchen Behörden zu dieſem Schritt iſt darauf
zurückzuführen, daß es bisher noch nicht gelungen iſt, die
Doku=
mente zu finden, nach denen beſonders gefahndet wird und die
angeblich aus dem Kriegsminiſterium entwendet worden ſind,
Die Polizei hat dem Chef der „Arcos”, der die Herausgabe der
Schlüſſel verweigerte, ein dreiſtündiges Ultimatum geſtellt und
danach noch eine halbe Stunde Bedenkzeit gelaſſen, ohne jedoch
die Schlüſſel zu erhalten. In den Straßen hört man das
Ge=
räuſch der pneumatiſchen Bohrer. Gegen 5 Uhr morgens waren
die ſieben Fuß dicken Wände etwa zur Hälfte angebohrt.
Fortgang der Polizei=Aktion gegen die „Arcos.”
Es iſt der engliſchen Polizei gelungen, die unterirdiſchen
Räume in dem Arcosgebäude aufzubrechen und zwei Safes zu
öffnen. Da es ſich nun herausgeſtellt hat, daß noch weitere
Näume und Safes vorhanden ſind, ſo werden die
Aufbruch=
arbeiten mit unverminderter Energie fortgeſetzt. Das Gebäude
verbleibt während des Samstags und Sonntags unter ſchärfſter
Polizeiaufſicht. Es wird bekanndgegeben, daß das Dokument,
nach welchem gefahndet wird, bereits vor mehreren Monaten
aus einem engliſchen Regierungsbüro verſchwunden iſt. Die
Polizei gibt bekannt, daß ſie eine Reihe von wichtigen
Doku=
menten in den heute erbrochenen Safes gefunden hat, es wird
jedoch nicht mitgetilt, ob das Dokument, um welches es ſich hier
handelt, gefunden worden iſt. Unter den beſchlagnahmten
Papie=
ren befinden ſich viele, die chiffriert ſind und nun entziffert
wer=
den müſſen. Wenn die bisher veröffentlichten Tatſachen dem
wahren Sachverhalt entſprechen, ſo geht daraus hervor, daß es
ſich bei der Razzia um mehr als lediglich die Wiedergewinnung
eines ſeit Monaten vermißten Dokumentes handelt.
Die engliſchen Zeitungen bringen lange Abhandlungen zu
dem Fall Arcos, in denen der Schritt der Polizei für
gerecht=
fertigt erklärt wird. Sie ſind mit der Tendenz geſchrieben, den
Ruſſen ſelbſt die Schuld in die Schuhe zu ſchieben, da ſie die
Herausgabe der Schlüſſel zu den Safes mit der Begründung
verweigert hätten, daß ſie diplomatiſche Korreſpondenz
enthiel=
ten, die Eigentum der Handelsdelegation ſei und ſomit unter
diplomatiſchem Vorrecht ſtünden.
Chamberlains Antwort an Rußland.
„Mancheſter Guardian” veröffentlicht die Erklärung, die
Cham=
berlain geſtern abend dem ruſſiſchen Geſchäftsträger bei der
Ueberreichung der Proteſtnote abgegeben hat und die das Blatt
offenbar durch eine Indiskretion erfahren hat. Die Erklärung
lautet nach dem Blatt: „Im Verlaufe der normalen Tätigkeit der
Polizei, ungeſetzliche Beſtrebungen zu überwachen, hat die Polizei
Beweiſe geſammelt für eine heimliche Propaganda, die
unter dem Deckmantel des Handels vom Arcos=
Gebäude aus betrieben wurde. Anfang dieſer Woche
war das Beweismaterial ſo weit vervollſtändigt worden, daß die
Polizei ſich berechtigt glaubte, beim Friedensrichter einen
Haus=
ſuchungsantrag zu ſtellen. Die Initiative zur Durchſuchung kam
alſo von der Polizei.
Da die Arcos zahlreiche ruſſiſche Staatsangehörige beſchäftigt,
hat die Polizei beim Innenminiſterium angefragt, ob beſtimmte
politiſche Gründe vorliegen, die ein Eingreifen der Polizei
zur=
zeit ungeeignet erſcheinen laſſen würden. Als der Innenminiſter
verſicherte, daß keine politiſchen Gründe vorhanden ſeien, um die
Tätigkeit der Polizei zu verhindern, wurde die Razzia ausgefüort.
Das Ziel der Razzia war alſo, weiteres Beweismaterial zu
finden, um die ſtarken Verdachtsgründe der Polizei zu ſtützen.
Keine „neue Demarche” in Paris.
Berlin, 14. Mai.
Entgegen anders lautenden Meldungen wird mitgeteilt, daß
geſtern keine neue Demarche in der Frage der
Beſatzungsver=
minderung erfolgt iſt. Botſchaftsrat Dr. Rieth iſt nicht geſtern,
ſondern vorgeſtern bei Berthelot geweſen, und dabei handelte es
ſich nur um die Fortſetzung der Unterhaltungen. Dieſer Beſuch
erfolgte übrigens auf Wunſch Berthelots.
*Eröffnung der Deutſchen Theater=
Ausſtellung.
Das Theater von geſtern und heute. — Die Vorbeſichtigung durch
die Preſſe. — Schminke und Kuliſſe. — Das Freilicht=Theater.
Eigenbericht unſeres nach Magdeburg
ent=
ſandten Mitarbeiters Hans Tiſchert, Berlin.
Magdeburg, den 14. Mai 1927.
Heute iſt hier die Deutſche Theater=Ausſtellung, die in der
Zeit von Mai bis Oktober ſtattfindet, in Anweſenheit bieler
Ver=
treter der Reichs= und Staatsbehörden, der Induſtrie und Preſſe
eröffnet worden.
Generaldirektor Walther Beck leitete mit den feierlich
ge=
tragenen Akkorden von Mozarts „Zauberflöte”=Ouvertüre mit
dem Städtiſchen Orcheſter die Veranſtaltung ein. Daraufhin
übergab der Vorſitzende des Aufſichtsrats der Mitteldeutſchen
Ausſtellungs=Geſellſchaft, Stadtverordneter Carl Miller, die
Ausſtellung in die Obhut der Stadt Magdeburg. Hieran
ſchloſ=
ſen ſich die Anſprachen des Herrn Oberbürgermeiſters Beims
für die Stadt Magdeburg und die des Kultusminiſters Prof. Dr.
Becker als Protektor der Ausſtellung. Ferner ſprachen noch die
Vertreter der Genoſſenſchaft Deutſcher Bühnenangehöriger, des
Verbandes Deutſcher Volksbühnenvereine, des
Bühnenvolks=
bundes und ein Vertreter des Deutſchen Bühnenvereins.
Mit Richard Strauß' Feſtmarſch ſchloß die Feier, worauf ſich
ein Rundgang für die Vertreter der Preſſe anſchloß.
Die Deutſche Theater=Ausſtellung Magdeburg ſtellt ohne
Zweifel ein großes kulturelles Werk dar. Dieſem kulturellen
Wert entſprechend iſt auch der äußere Rahmen der Ausſtellung,
für den in der Hauptfache Profeſſor Albinmüller
verant=
wortlich zeichnet. In 10 Minuten gelangt man vom
Hauptbahn=
hof zur Friedrich=Ebert=Brücke, einer der ſchönſten Brückenzuge
des neueren Deutſchland, die den Zugang zur Ausſtellung bildet.
Schon von weitem grüßt das Wahrzeichen der Theater=
Ausſtel=
lung, der 60 Meter hohe Turm. Auf einer Grundfläche von 9 mal
9 Metern erhebt ſich bis zu 45 Meter Höhe der wuchtige Klotz,
auf dem ein 15 Meter hoher, in Eiſen und Glas konſtruierter,
feingeſtaffelter Aufbau ſitzt. Hier ſind die Reſtaurationsräume
untergebracht.
Das Eingangstor zum Feſtpark bildet, ein Tor von ſechs
Bylonen, das ähnlich wie das Löwentor in Darmſtadt gehalten
iſt und allſeitig große Zuſtimmung findet. Durch dieſes Tor
betritt man das Ausſtellungsgelände, das in landſchaftlich
reizendſter Lage auf der Rote=Horn=Inſel, umſpült von zwei
Elbarmen, liegt. In überaus anſprechender Weiſe ſind die
bei=
den großen Doppelhallen der Ausſtellung und der Platz zwiſchen
ihnen zu einer Einheit — dem Forum der Ausſtellung —
zuſam=
nengefaßt. Hat man durch den äußeren Rahmen allein ſchon
gewaltige Eindrücke empfangen, ſo werden dieſe noch von dem
übertroffen, was ſich den Blicken des Beſchauers in der
Ausſtel=
lung ſelbſt darbietet.
Man weiß nicht, womit man bei der Fülle des Materials
zuerſt anfangen ſoll, und man wird ſich darauf beſchränken
müſ=
ſen, das Weſentlichſte zu betrachten. Zunächſt ſei hier die
Origi=
nal=,„Räuber”=Dekoration, eines der ehrwürdigſten Stücke der
deutſchen Theater= und Literaturgeſchichte, erwähnt. Vor dieſer
Dekoration wurden am 13. Januar 1782 unter der Leitung von
Heribert von Dalberg Schillers „Räuber” zum erſten Male
ge=
ſpielt, wobei Iffland den erſten Franz Mohr verkörperte. Seit
150 Jahren verläßt dieſe Dekoration zum erſten Male das
Mann=
heimer Nationaltheater. Etwas ganz Entgegengeſetztes, deshalb
aber nicht minder intereſſant, iſt eine getreue Nachbildung des
Bauerntheaters in Kiefersfelde. Es iſt das älteſte
Bauern=
theater, das wir in Deutſchland haben. Seine Gründungszeit
fällt in das Jahr 1681, der jetzige Bau ſtammt aus dem Jahre
1832. Intereſſant hieran iſt vor allem die Bühneneinrichtung,
die auf den Kanon des Jeſuitenpaters Andres Pozzo
zurückzu=
führen iſt. Die Verwandlungen auf dieſer primitiven Bühne
kommen dadurch zuſtande, daß die Kuliſſen, die auf Zapfen
ſtehen, gedreht werden. Auf jeder der Kuliſſen befinden ſich vier
Bildtafeln, ſo daß mit größter Schnelligkeit vier Bühnenbilder
durch einfaches Drehen und Umklappen der Kuliſſen
aufeinander=
folgen können.
Die hiſtoriſche Abteilung zeigt den weiten Weg der
Entwick=
lung der deutſchen Bühne von den mittelalterlichen geiſtlichen
Schauſpielen an bis in die neue Zeit, als Endpunkt des Weges
etwa die Stilbühne eines Max Reinhardt oder das
Künſtler=
theater eines Cordon Graeg. Von den namhafteſten Künſtlern
und Technikern des Theaters wird in anſchaulichen und
überſicht=
lichen Modellen in der künſtleriſchen Abteilung des Theaters dem
Beſucher das Ringen der heutigen Bühnenkunſt um eine
Neu=
geſtaltung der Szene gezeigt. Handelt es ſich bei dieſen
künſt=
leriſchen Arbeiten hauptſächlich um eine Reaktion gegen das in
ſeinen Wirkungsmöglichkeiten verminderte naturaliſtiſche Bild
und um das ſtärkere Betonen der künſtleriſchen Form, ſo kommen
neue Probleme von einer ganz anderen Seite — von der Technik
unſerer Tage her — in das Theater. Keine Bühne von heute
kann die Arbeit des Bühnenbeleuchters entbehren, und eine in
ihrer Leiſtung mrſtergültige, vom Ausland gerühmte
Beleuch=
tungsinduſtrie hat in Deutſchland Apparate geſchaffen, die
Jllu=
ſionsmittel tauſendfältiger Art bilden. Freilich iſt dieſe Induſtrie
ſaſt allzu ſchnell vorgeſchritten, den komplizierten und wirkungs=
reichen Apparaten fehlt noch die Hand, ſie wirkſam zu bediene=
und ſo leiſtet die Deutſche Theater=Ausſtellung der Entwicklun
der Bühnenkunſt einen gewaltigen Dienſt dadurch, daß ſie eit
beſondere Verſuchsbühne geſchaffen hat, die der Vorführung un
Erprobung bühnentechniſcher Einrichtungen, Maſchinen und
Hilfsmittel dienen wird. Dem Laien wird ſie beſonders dadur
intereſſant, daß ſie ihm den vielbegehrten Blick hinter die Kuliſſei
verſchafft.
Die Zunahme der techniſchen Hilfsmittel wie überhaupt der
Bedingungen, die heute an das Theaterhaus ſowohl in ſein
Teilen vor wie jer ſeits der Kuliſſen geſtellt werden, fordern ein
ganz andere Art des Bühnenhauſes, über die ebenfalls wertvol
Modelle Rechenſchaft ablegen und für die ſie Anregungen geben
Vor allem die Fragen der Sicherheit und
Brandſchutzeinrichtun=
gen und Maßnahmen im Theater, denen eine beſondere Beder
tung zukommt, werden in überaus reichhaltiger Weiſe in zwe
großen Ausſtellungshallen gezeigt.
In der Handſchriftenſammlung fallen vor allem die Original
pläne der Luzerner Oſterſpiele, die Handſchriften der ſogenanntel
Donau=Eſchingener und Villinger Paſſionsſpiele, das Alsfelder
Paſſionsſpiel aus dem 15. Jahrhundert und das aus dem Jahre
1321 ſtammende, zu Eiſenach aufgeführte Spiel von den zeh
Jungfrauen auf.
Auch das Ausland iſt auf der Ausſtellung vertreten, vor allem
die Ruſſen, von denen in der letzten Zeit auch ſtarke Anregungt
für das deutſche Theater ausgegangen ſind.
Das iſt nur eine kleine Blütenleſe aus dem großen Kran?
all der Probleme, die heute mit dem deutſchen Theater verknup
ſind und die aufzuzeigen und zu ihrer Löſung beizutragen di
Hauptaufgabe der Deutſchen Theater=Ausſtellung Magdeburg 19
iſt. Dem Beſucher wird ſie eine Reihe von unvergeßlichen
Ein=
drücken vermitteln, und der Kenner wird hier manches Materia.
vorfinden, das ihm bisher noch unbekannt war.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
* Neuerwerbungen der Bayeriſchen Staats
ſammlungen. Aus der Sammlung Rauers gelangte in der
Beſitz der Neuen Staatsgalerie das Köpſchen einer junger
Dachauerin, eines der reizvollſten kleineren Werke W. Leibl=
Das Gegenſtik ging an die Bremer Kunſthalle über. — Eben
wichtig war für die Aeltere Pinakothek der Ankauf eines Haup
der Ealerie Arenberg in
lung J. Böhler nach
R 9e
ſeither eine Hauptzierd
am durch die Kunſthand
A. G.
Nummer 134
Sonntag, den 15. Mai 1927
Geite 3
Die Koiferenf dei Meiielt eiene.
Probſeme der Joachimsthaler
Konferenz.
Weſtorientierung der Kleinen Entente. — Das
Verhältnis zwiſchen Jugoſlawien und Italien.
Die öſierreichiſche Anſchlußfrage.
EP. Joachimsthal, 14. Mai.
Während das offizielle Communiqug über die geſtrigen
Be=
ſprechungen der Außenminiſter nur ziemlich nichtsſagende
An=
gaben enthält, werden in Konferenzkreiſen über die zutage
tre=
tenden Abſichten und Möglichkeiten eine Reihe von Verſionen
ver=
breitet. Danach ſcheint der jugoſlawiſche
Außen=
miniſter Marinkowitſch mit Beneſch gegen den
Weſten hin eine Art pazifiſtiſcher Demonſtration zu planen, in
der Richtung, daß die Kleine Entente unverändet fortbeſteht,
wo=
bei man auf die Unterſtützung Frankreichs rechnet. Das
Ver=
hältnis zwiſchen Jugoſlawien und Italien ſpielt
natürlich eine erhebliche Rolle, doch gewinnt man den Eindruck,
daß auf jugoſlawiſcher Seite noch Unklarheit bezgl. des
Vor=
gehens gegenüber Italien beſteht. Im übrigen herrſcht der
Ein=
druck vor, daß eine ſolidariſche Haltung der Staaten der Kleinen
Entente Italien gegenüber unmöglich iſt. — Was die
öſter=
reichiſche Anſchlußfrage betrifft, ſo ſpricht man davon,
daß Rumänien in dieſer Frage gegenüber der Tſchechoſlowakei
gewiſſe Verpflichtungen eingegangen ſein ſoll, da es künftig
alleiniger Vertreter der Kleinen Entente im Völkerbundsrat iſt.
— Von den wirtſchaftspolitiſchen Aufgaben, die die Kleine
En=
tente übernehmen ſollte, wird überhaupt nicht mehr geſprochen.
Der Reſt des Freitag abend nach der gemeldeten erſten
Zuſam=
menkunft der Außenminiſter war feſtlichen Veranſtaltungen
ge=
widmet, die die Konferenz in erheblichem Ausmaß belaſten. Am
Samstag morgen begannen die Beratungen der Miniſter über
die allgemeine Lage. Die Beſprechungen, die urſprünglich bis
10,30 Uhr dauern ſollten, zogen ſich in die Länge, ſo daß erſt knapp
vor 12 Uhr ein ſehr allgemein gehaltenes Communiqué
heraus=
gegeben wurde. Es weiſt darauf hin, daß die Prüfung der
allgemeinen Fragen im Geiſte des Friedens und
gegenſeitigen Freundſchaft beendet ſei. Die drei
Miniſter ſtimmen in der Fortſetzung ihrer Friedensarbeit und
der Erhaltung des status guo überein, wobei das loyale
Zuſammenarbeiten mit den Nachbarn und der
Ein=
klang mit den Prinzipien des Völkerbundes
her=
vorgehoben werden.
Die Politik der drei Staaten gegenüber Oeutſchland.
Am Sonntag vormittag findet eine dritte Konferenz ſtatt, die
ſich mit Spezialfragen, vermutlich beſonders mit der ungariſchen
Frage, beſchäftigen wird. Aus informierten Kreiſen verlautet,
daß ſich die Miniſter auch über deutſche Fragen unterhalten
hätten. Den Ausgangspunkt hätten die freundſchaftlichen
Be=
ziehungen zwiſchen Frankreich und Deutſchland gebildet. Da
nach dieſer Richtung eine endgültige Klärung der Verhältniſſe zu
erwarten ſei, könnten jetzt auch die drei Staaten der
Klei=
nen Entente zur freundſchaftlichen Regelung
ihrer Beziehungen zu Deutſchland ſchreiten,
wo=
bei jedem einzelnen Staat freie Hand gelaſſen ſei. Es ſcheint
ſo=
mit in der Politik dieſer Staaten gegenüber
Deutſchland eine bisher beſtehende Hemmung weggefallen zu
ſein. Dieſe Wendung bezieht ſich jedoch nicht auf die öſterreichiſche
Anſchlußfrage.
Polniſche Zurückhaltung gegenüber der Konferenz.
Die Konferenzteilnehmer der Kleinen Entente, Miniſter,
Sach=
verſtändige und Journaliſten, unternahmen heute mittag einen
Ausflug nach Marienbad und Ellenbogen, da man den Ausländern
Gelegenheit geben wollte, die nordböhmiſchen Bäder kennen zu
lernen. In Karlsbad gab die tſchecho=ſlowakiſche Delegation ein
Frühſtück. — Gleichzeitig trafen in Joachimsthal unter Führung
eines Miniſterialrats aus Warſchau 15 polniſche Journaliſten ein,
die am Abend von den drei Miniſtern empſangen werden. —
Polen bewahrt dieſesmal gegenüber der Konſerenz große
Zurück=
haltung, da es ſich in die inneren Differenzen der Kleinen
En=
tente nicht einmiſchen will. — Die Ausländer beklagen die große
Zahl von Ausflügen und Veranſtaltungen, denn neben den
Be=
ſichtigungen, Feſteſſen und einem muſikaliſchen Abend wird ſogar
ein Film über den vorjährigen Sokol=Kongreß vorgeführt. Das
tſchechoſlowakiſche Außenminiſterium hat ſich vor allem bemüht,
die Konferenz, die, wie es hier heißt, eine Radium=Kur nötig hatte,
als großes geſellſchaftliches Ereignis in die Erſcheinung treten zu
laſſen.
Keine (inwendungen der Kleinen Enlenie
gegen die Aufhebung der Militärkontrolle
in Bulgarien.
In der heutigen dreiſtündigen Beratung der drei
Außen=
miniſter wurde die geſtern begonnene Generaldebatte zu Ende
geführt und die Spezialdebatte angeſchnitten. Unter den
Be=
ſchlüſſen, die heute gefaßt wurden, iſt ein Beſchluß bemerkenswert,
wonach die Vertreter der Kleinen Entente gegen die Aufhebung
der Militärkontrolle in Bulgarien keine Einwendungen erheben
werden. Nach Schluß der heutigen Sitzung machten die
Konfe=
renzteilnehmer mit ihren Damen einen Ausflug nach Karlsbad
und Marienbad, wo ſie der dort gegenwärtig weilenden Königin
von Jugoſlawien einen Beſuch abſtatten.
Frankreich und Amerika.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 14. Mai.
Die Beziehungen zwiſchen Paris und Waſhington ſind ſeit
einiger Zeit regſamer geworden. Die gegenſeitigen Probleme
werden mit mehr Intereſſe betrachtet, die Verſtimmung wegen
der Schuldenfrage hat nachgelaſſen, zum Teil allerdings nur,
denn die unerwartcte Initiative Churchills hat die Schuldenfrage,
wenigſtens für einige Tage wieder, in den Vordergrund gerückt.
Eine kurioſe Sache, welche Bärendienſte England manchmal der
franzöſiſchen Sache erweiſen kann! Man hätte Churchill eigentlich
für ſeine Debatte mit Mellon dankbar ſein ſollen. Und dennoch
war ſeine letzte Note an Mellon ſehr unangenehm.
Deſſenungeachtet bemüht ſich jetzt die franzöſiſche Regierung,
eine günſtigere Atmoſphäre in den franzöſiſch=amerikaniſchen
Be=
ziehungen herbeizuführen. Ein lebhafter Gedankenaustauſch iſt
von beiden Seiten im Gange, ſo daß man ohne Uebertreibung
bereits von einem Nachlaſſen der Spannung, welche die
Schul=
denfrage hervorgerufen hat, ſprechen kann. Das alles ſtützt ſich
aber vorläufig nur auf pſychologiſche Momente.
Zwei völlig verſchiedene Tatſachen müſſen hier genannt
wer=
den: der tragiſche Verſuch der beiden franzöſiſchen Aviatiker
Nun=
geſſer und Coli, den Atlantik zu überqueren, welcher ganz Paris
in namenloſer Aufregung hält, hat in Amerika dieſelbe Teilnahme
gefunden. Das hat die beiden Völker pſychologiſch wieder etwas
näher gebracht. Zum anderen iſt der — übrigens bereits alte —
Gedanke eines frauzöſiſch=amerikaniſchen Freundſchaftsvertrages
wieder aufgetaucht. Der Appell Briands im April hat in der
amerikaniſchen Preſſe einen lebhaften Anklang gefunden und es
verlautet, daß auch Senator Borah einen ſolchen
Freundſchafts=
vertrag gerne ſehen würde.
Es läßt ſich noch nicht ſagen, ob der franzöſiſch=amerikaniſche
Freundſchaftsvertrag tatſächlich zuſtandekommen wird. Wenn
man nur nach der bisherigen Außenpolitik der Vereinigten
Staa=
ten urteilen würde, hätte er wenig Ausſicht. Aber Amerika hat
in ſeiner Außenpolitik bisher ſtets ſehr wenig Beſtändigkeit
ge=
zeigt. Und die Sache muß auch vom Standpunkte der
franzöſi=
ſchen Innenpolitik aus beurteilt werden. In einem Jahr finden
die amerikaniſchen Präſidentenwahlen ſtatt, und Coolidge hat die
Volkstümlichkeit duich ſeine Außenpolitik eingebüßt, nicht nur
vielerorts in anderen Kontinenten, ſondern auch bei den
ameri=
kaniſchen Maſſen. Andererſeits ſoll Coolidge — oder ein etwaiger
Kandidat, aus ſeiner nächſten Umgebung — keine ernſthaften
Konkurrenten bei der lommenden Präſidentenwahl finden. Die
Demolraten ſind uneinig und ihr volkstümlichſter Vertreter iſt
Katholik. Coolidge und die ihm naheſtehende politiſche Fraktion
denkt alſo daran, die Macht weiter zu behalten. Dazu braucht
man aber doch etwas Volkstümlichkeit.
Für Frankreich kommen eigentlich auch nur pſychologiſche
Motive in Betracht. Denn es handelt ſich ja nicht etwa um eine
diplomatiſche Zuſammenarbeit oder um eine außenpolitiſche
Neu=
orientierung, ſondern nur um Gefühlsmomente. Dieſe haben
ihre unableugbare Wichtigkeit, aber, ob Frankreich und Amerika
ein „ewiges Freundſchaftsband” ſchließen oder die alte
Herzlich=
keit des Verhältniſſes zwiſchen den beiden Staaten auf eine
andere Weiſe wiederhergeſtellt werden wird, — an der
real=
politiſchen Weltlage wird dies kaum etwas ändern.
Römiſches Konkordat
und deutſche Geiſtesgeſchichte.
Von Herrn Direktor Dr. Meller=Darmſtadt erhalten wir
nachſtehende Zuſchrift:
Als Katholik möchte ich auf die Zuſchrift von evangeliſcher
Seite in Nr. 124 Ihres Blattes vom 5. Maj folgendes erwidern:
1. Der Verfaſſer macht einen grundſätzlichen Unterſchied
zwiſchen Religion und Kirche. Dem deutſchen
Katho=
lizismus iſt er geſvogen, nicht aber der römiſchen Kirche. Er will
ſogar die deutſchen Katholiken gegen die bedrohliche Macht dieſer
Kirche in der Freiheit ihrer religiöſen Entwicklung ſchützen.
Dieſe Unterſcheidung hat im Katholizismus keinen Platz. Die
Kirche iſt nach katholiſcher Auffaſſung nicht etwas, was ſich neben
der Religion entwickelt hat und der Reinheit und Innerlichkeit
des religiöſen Lebens zur Gefahr werden könnte, ſie iſt vielmehr
die Anſtalt, die von Chriſtus beſtellt iſt, die Heilslehre und die
Heilsgüter rein und unverfälſcht an die Menſchheit zu vermitteln.
Es ſteht dem Katholiken nicht frei, die katholiſche Religion
anzu=
erkennen und die Kirche abzulehnen; vielmehr iſt ſein Glaube
an die Kirche und ſeine Treue zu ihr ein weſentliches Stück ſeiner
Religion. Darüber, ob das weſentlich oder unweſentlich für den
Katholiken iſt, entſcheidet aber nicht der oder jener Katholik, auch
wenn er noch ſo intelligent wäre, ſelbſt nicht der von dem
Ver=
faſſer zitierte Wittig, ſondern allein die Kirche. Man mag das
billigen oder nicht, auf alle Fälle iſt es katholiſch. Wer deshalb
unſere Kirche angreift, greift allemal unſere Religion an, und
zwar in einem Kernſtück, wenn er auch noch ſo viele Vorbehalte
dabei macht.
In der Auffaſſung des Verfaſſers liegt aber auch eine gewiſſe
Geringſchätzung der deutſchen Katholiken. Er ſieht ſie in einem
unbewachten, unmündigen Zuſtand, in dem die Kirche noch
Ge=
walt über ihre Gemüter hat, und er glaubt, ihnen helfen zu
müſſen, daß ſie aus der Enge und Knechtſchaft Roms befreit
wer=
den. Er überſieht dabei, daß es unter den Katholiken wohl
eben=
ſoviele hochſtehende, ihrer ſittlichen Freiheit und Verantwortung
bewußte Menſchen gibt, wie unter Bekennern anderer Religionen,
und daß dieſe gern auf ſolch unerbetene Hilfe verzichten. Er
überſieht, daß dieſe Katholiken nicht trotz ihrer Kirche, ſondern in
ihr und durch ſie ihre geiſtige und ſittliche Reife bekommen haben
und deshalb der Kirche dankbar und freudig anhängen, und daß
ſie einen Katholizismus ohne die römiſche Kirche weit von ſich
weiſen würden.
2. Bei der Frage nach dem Verhältnis von Staat
und Kirche iſt es für den evangeliſchen Verfaſſer
ſelbſtver=
ſtändlich, daß dem Staat unbedingt und in allem der Vorrang
gebührt. Die ähnliche Frage nach dem Verhältnis von Politik
und Religion würde er wohl nicht in der gleichen Weiſe
beant=
worten. Wenn aber nun für den Katholiken ſich ebenſo die
Reli=
gion in der Kirche verkörpert wie die Politik in den Staaten, ſo
iſt begreiflich, daß von dieſem Standpunkt aus die Antwort
erheblich anders ausfällt. Nach katholiſcher Auffaſſung kommt
zwar dem Staat auf ſeinem Gebiet volle Eigenſtändigkeit zu,
hin=
gegen fehlt ihm die letzte Kompetenz auf dem Gebiet der Religion
und Sittlichkeit. Jeglichem Ding ſind ſeine Grenzen gezogen.
Das gilt ebenſo für den Staat wie für die Kirche. Nicht
will=
kürlich kann ſich der Staat ſeine Grenzen ſetzen, ſondern er trägt
ſie weſenhaft in ſich. Und wenn er es wagt, ſie zu überſchreiten,
wird ſich an ihm wie an jeder Kreatur die Maßloſigkeit rächen.
Wir Katholiken halten es für ein großes Verdienſt der Kirche,
daß ſie immer eine treue und ſtrenge Hüterin der Schranken
ge=
weſen iſt, die ſie nicht geſetzt, ſondern die ſie in der Natur der
Dinge begründet vorgefunden hat.
Das Nebeneinander von Kirche und Staat, das eigentlich erſt
mit dem Chriſtentum in die Welt kam, iſt kein beklagenswertes
Unglück, ſo oft daraus auch Konflikte entſtanden ſind und noch
entſtehen werden; vielmehr iſt es die letzte und tiefſte Urſache für
die ſeeliſch=geiſtige Entbindung des Individuums. Das
Einzel=
gewiſſen, das der Proteſtantismus mit Recht ſo hoch ſtellt, wäre
gar nicht erwacht, wenn nicht der Einzelne als Angehöriger
zweier Reiche, des Gottesreichs in der Kirche und des weltlichen
Reichs im Staat, immer wieder neu vor Entſcheidungen geſtellt
worden wäre. In der Antike war das Einzelgewiſſen noch im
Kollektivgewiſſen des Staates ertrunken, und das gleiche erlebten
wir im zariſtiſchen Rußland, wo infolge der Einheit von Kirche
und Staat die Einzelperſönlichkeit noch im Volke ſchlummerte.
Das iſt die Gefahr jedes Staatskirchentums, daß es die ſittliche
Verantwortlichkeit der Staatsbürger lähmt. Wir Katholiken
ſehen deshalb in der Kirche die Weckerin auch unſeres
ſtaats=
bürgerlichen Gewiſſens, diejenige geiſtige Macht, die uns
be=
fähigt, nicht nur dem Staat treu zu dienen, ſondern ihm auch
Widerſtand zu leiſten, wenn er durch Unvernunft oder
Maßloſig=
keit ſeine Grenzen überſchreitet und ſo ſeine eigene Exiſtenz ge=
*Wiener Abend V. D.A.
„Wo deutſche Frauen wirken und bilden, herrſcht deutſche
Art, deutſche Zucht und deutſche Sitte!”
So ſchloß Profeſſor Gugen Köſer, der unermüdliche und
ſtets erfolgreiche Organiſator der V. D.A.=Feſte und =Arbeit, ſeine
Begrüßungs= und Glückwunſchanſprache, die er geſtern abend
den Beſuchern des Wiener Abends — der Saalbau konnte die
Menge nicht faſſen — und der Frauenortsgruppe zum 25jährigen
Jubiläum ihres Beſtehens widmete. Worte der Anerkennung, ſo
herzlich, daß ſie ſtarke Werbekraft ausſtrömten. Im Namen der
Hauptleitung des Vereins in Berlin, des Landesvereins Heſſen,
der Männer=Ortsgruppe und der Akademiſchen Ortsgruppe
Darmſtadt ſprach er die Glückwünſche aus und erinnerte dann an
die Gründung der Frauen=Ortsgruppe am 1. Dezember 1900 und
den begeiſterten Erfolg, der ſchon nach wenigen Monaten über
900 Mitglieder brachte. Und erinnerte an die erfolgreiche
Tätig=
keit von Frau Profeſſor Lenz, die bis 1917 die Frauengruppe
leitete und die Schulvereinsfeſte zu den erfolgreichſten und
geſell=
ſchaftlich tonangebenden in Darmſtadt geſtaltete, bis 1917 Frau
p. Falkenhayn die Leitung übernahm und den Verein über
die ſchwere Zeit der Kriegsjahre hielt, bis Frau Dr. Köpke
dann die ſchwere Arbeit des Wiederaufbaues übernahm mit
einem Erfolg, von dem die Werbewoche und der geſtrige Abend
beſtes Zeugnis ablegen. An die Summen erinnerte er, die dem
Zweck des Vereins gegeben werden konnten und die ſo unendlich
viel Wirken für das Deutſchtum im Ausland ermöglichten.
Ein beredter Zeuge entſtand ihm dann aus glücklichem
Zu=
fall. Dekan Honigberger aus Budapeſt, der zufällig hier
weilte und in der V.D.A.=Verſorgung des Deutſchtums in der
Dobrudſcha tätig iſt, berichtete von den Ergebniſſen einer
Rund=
reiſe, die überzeugend erwies, wie ſegensvoll die Mittel des
V. D.A. verwandt werden und für das Deutſchtum wirken. Er
ſprach aber auch von dem trotz allem geſunden und
kraftſpenden=
den Baum des Mutterlandes, deſſen geſunde Säfte auch die
weiteſt ausgebreiteten Blätter ſpeiſen!
Wiener Abend! Wiener Muſik, Wiener Geſang und
Wiener Tanz! — Es war eine Wohltat in einer Zeit, da
Char=
leſton, Blackbottem und ſonſtige Niggermuſik Ball= und
Konzert=
ſaal beherrſchen, melodiereiche, ſinnlich=ſchöne und doch prickelnde
Muſik zu hören, die ſo viel — deutſcher iſt! Strauß herrſchte und
Leo Fall. In höchſt anzuerkennender Weiſe techniſch und
gefühls=
mäßig durch den Inſtrumentalverein, verſtärkt durch das
Städtiſche Orcheſter unter temperamentvoller Führung Wilhelm
Schmitts auf ſehr hobes künſtleriſcher Niveau gehoben.
Die ſelten gehörte, ausgezeichnet geſpielte Ouvertüre zu
„Prinz Methuſalem” leitete das Programm ein. Dann kam Leo
Falls feines und liebes Altwiener Singſpiel „Brüderlein fein”
unter der Spielleitung Heinrich Kuhns, von Eugen Vogt und
den Damen A. Kaiſer und H. Kaufmann ſo lieb und fein
geſungen, geſpielt und getanzt, daß der Erfolg begreiflich ward.
Bühnenentwurf und Koſtümentwürfe ſtammten von Frau Vally
Reinecke=Sander. Dieſe ausgezeichnete Künſtlerin und
Kunſtgewerblerin hatte auch die Koſtüme zu den nachfolgenden
Tänzen entworfen und damit eine echte Probe ihres künſtleriſchen
Wirkens in Darmſtadt gegeben, die viel und Beſtes erwarten
läßt. Mit feinſtem künſtleriſchen Geſchmack war hier in Farbe
und Schnitt ein Vild ſchönſter Harmonie gepaart mit lebendigſter
Farbigkeit geſchaffen, ſo zwar, daß der Rahmen des
Bühnen=
bildes gleich ausgezeichnet war, wie der treffende Zuſammenklang
von Farbe, Linie und Tanzbewegung.
Eine Künſtlerin betrat dann die Bühne, die wir ungern aus
der Oper des Landestheaters ſcheiden ſahen. Der Beifall, der ſie
ſchon beim Auftritt begrüßte, bewies, wie ſehr und dankbar auch
das Publikum ſie ſchätzte: Frau Callam! Sie ſang „
Ge=
ſchichten aus dem Wiener Wald” und „Frühlingsſtimmen‟. Die
Hörer jübelten ihr zu!
Dann die Tänze: ganz entzückend. Ein Bild ſprühenden
Lebens und melodienerfüllter Freudigkeit. Aus der „
Fleder=
maus” wurde die Marianka=Polka getanzt, dann die Louiſen=
Polka, „An der ſchönen blauen Donau” und zum Schluſſe der
ganz entzückend mit feiner Groteske getanzte Radetzky=Marſch. —
Neben Vally Reinecke=Sander gebührt Fräulein Aenne Reis
vom Landestheater, die die Tänze einſtudiert hatte, vollſte
An=
erkennung. Blumen und rauſchender Beifall durften beide ebenſo
ernten, wie die kleinen und großen Tanzkünſtlerinnen und =
Künſt=
ler, die hier verzeichnet ſein ſollen: Helga May, P. Trier, Frieda
Engelhardt, Waltraut Schwindt, Herta Thoß, Liſelotte Michel,
Ortrud Storck, Adda Bär, Liſel Müller, Evi Neuroth, Julica
Prager, Erna Hufnagel, Lore Staudinger, Gabriele Kredel, Wita
Luiſe Beuer, Urſula Pfotenhauer, Marianne Röhm, Annelieſe
Hedderich, Lotti Wildau, Margot Pfotenhauer, Lieſi Brücher,
Irmgard Pätzold, Maya Barth, Lily Schmuttermeier, Sigrid
Stanſchek, Trude Oxpenheimer, Helma May, Ines Bohnenberger,
H. Zinnkann, Marga Röder, Hanna Goldſchmidt, Annelieſe
Sar=
tori, Elli Elbert, Edith Klump, Hilde Enders, Annelies Matzelt,
Irmgard Matzelt, Annemarie Fuchs, Lotte Vollheim, Erika
Beuer, Lucie Schubkegel, Hilde Fiſcher, Bertel Tiſcher, Käthe
Leuſchner, Margarete Delp, Anita Rothſchild, Elli Möller, Trude
Lenhardt, Margot Auler, Käthe Hamann, Lina Eck, Annelieſe
Berghoff, Lieſelotte Hermann.
Um 11 Uhr war der künſtleriſche Teil des Abends beendet.
Dann entwickelte ſich das bekannte, reich lebendige Bild
geſell=
ſchaftlichen Lebens in ſämtlichen Räumen des Saalbaus, das wir
in dieſem vornehmen, gediegenen und ſchönen Rahmen nur vom
V. D.A. gewohnt ſind. Neben dem Ball im großen Saal war
außer Erfriſchungsbüfetts ein Wiener Kaffeehaus errichtet, wurde
in einem beſonders ſchön dekorierten Raum „Grinzinger Leben”
geboten. In der Tanzklauſe bot u. a. ein Staatsſekretär a. D. mit
einer Partnerin, diren Namen das Programm nicht verzeichnet,
moderne Meiſtertänze. Ungezählte junge Damen boten Loſe für
die Tombola, Tanzabzeichen und Blumen feil. An den Büfetts
uſw. wirkten opferfreudig ausſchließlich Damen der Geſellſchaft.
M. St.
inf. Das große Los in der Pfandleihe. Eine tragikomiſche
Geſchichte ſpielte ſich vor einigen Tagen in der Seineſtadt ab.
Ein kleiner Privatbeamter Proſper Marleß hatte ſich vor
meh=
reren Wochen ein Los einer Wohltätigkeitslotterie gekauft und
ſich kurze Zeit darauf genötigt geſehen, ſeinen Anzug in die
Pfandleihe zu tragen. In dieſem Anzug befand ſich das Los.
Als nun der Tag der Ziehung herankam, ſah er zu ſeiner größten
Begeiſterung, daß der Haupttreffer in Höhe von 200 000 Mark
ihm zugefallen war. Er ſuchte das Los in ſeinen Taſchen, und
das Glück verwandelt ſich in Schrecken, denn er ſtellt feſt, daß
ſeine Brieftaſche ſich in dem verſetzten Anzug befand. Mit dem
letzten Reſt ſeiner Habe mictet er eine Droſchke und fährt zur
Pfandleihe. Aber Schrecken über Schrecken. Das wohltätige
Etabliſſement iſt verſchwunden, und wie der Concierge mitteilt,
hat die Pfandleihe vor knappen drei Wochen Konkurs gemacht,
Die verfallenen Pfänder ſind natürlich alle verſteigert worden.
Herr Marleß iſt außer ſich, ratlos, bis zum Wahnſinn erregt.
Was ſoll er tun? Nunmehr begann eine wahre Hetzjagd nach
dem verſchwundenen großen Los. Herr Marleß erſtattete ſofort
Anzeige bei der Polizei, aber er begegnete lebhaftem
Kopfſchüt=
teln und man erklärte ihm, daß er wenig Ausſicht habe, ſein Los
wieder zu erhalten. Trotzdem läßt ſich der gute Mann in ſeinen
weiteren Bemühungen nicht abhalten, und da er kein Vermögen
beſitzt, findet er ſogar einen wohlwollenden Freund, der ihm
einige Hundert Franes vorſtreckt, um die Koſten der Recherchen
durch Privatdetektive zu decken. Lange wird geſucht, und man
ſetzt alle Hebel in Bewegung, um den Käufer des Haupttreffers
ausfindig zu machen, der ſich merkwürdigerweiſe bisher nicht
gemeldet hatte und ſeinen Gewinn augenſcheinlich auch nicht
er=
heben ſollte. In dieſer Zeit ſchrecklicher Zweifel machte Herk
Marleß einen Selbſtmordverſuch, der glücklicherweiſe mißlang.
Das Los aber blieb verſchollen. Nun will er durch einen Prozeß
feſtſtellen laſſen, daß er der Losinhaber iſt.
Nummer 134
Seite 4
fährdet. Wir glauben nicht, daß Vaterlandsliebe blind ſein muß,
vielmehr bemühen wir uns um eine ſolche, die mit tauſend Augen
ſieht und den Staat vor ſich ſelbſt und ſeinen ſogenannten
Freun=
den zu ſchützen vermag.
Wir hören deshalb auf die Stimme der Kirche auch in
reli=
giös=ſittlichen Fragen des ſtaatlich=politiſchen Lebens.
3. Endlich huldigt der evangeliſche Verfaſſer der Auffaſſung,
daß alles Deutſche erſtrebenswert und alles
Nicht=
deutſche abzulehnen ſei. Es iſt für ihn ausgemacht, daß die
Kirche als nationalfremde Macht die nationale Reinheit deutſchen
Geiſtes und Lebens gefährdet. Darum wird die Frage nach dem
Inhalt des Kenkordats gar nicht zur Erörterung geſtellt; es
genügt, daß das kanoniſche Recht nicht auf deutſchem Boden
er=
wachſen, ſondern fremden Urſprungs iſt. Solchem Nationalismus
können wir als katholiſche Chriſten nicht beipflichten. Wir
glau=
ben vielmehr, daß Gut und Böſe bei den Deutſchen ebenſo wie
bei anderen Völkern vermiſcht iſt, daß wir deshalb alles prüfen
und das Beſte behalten ſollen, nicht aber etwas deshalb ſchon
ab=
lehnen müſſen, weil es nicht deutſcher Herkunft iſt. Welch eine
Verkennung der deutſchen Geſchichte ſowohl wie des Weſens jeder
Kultur! Hier erleben wir einen Rückfall in heidniſches Denken,
dem alles Fremde auch barbariſch erſcheint, weil dieſes heidniſche
Denken zur Anerkennung des Allgemein=Menſchlichen noch nicht
durchgedrungen iſt. Keine der bisherigen großen Kulturen iſt
aus Inzucht geboren, vielmehr war nachweisbar Vorbedingung
ihrer Entſtehung die Befruchtung durch Fremdkulturen. Das gilt
ebenſo für die Gricchen wie für die Römer und Germanen. Was
wäre Deutſchland ohne die wiederholte Rezeption der Antike!
Warum halten unſere Gebildeten heute noch mit Zähigkeit an
der humaniſtiſchen Erziehung unſerer Jugend feſt? Folgerichtig
müßte der evangeliſche Verfaſſer auch das Chriſtentum ablehnen,
weil es nicht deutſchen Urſprungs iſt. Möge der Himmel unſer
Volk vor ſolcher Enge in kulturellen Dingen bewahren!
Das kanoniſche Recht iſt keine Geheimwiſſenſchaft. Sein
Inhalt iſt für jedermann erfahrbar. Und wer ſeine Beſtimmungen
ablehnt, muß es ſachlich begründen, nicht einfach damit, daß es
nicht deutſchen Hirnen entſprungen ſei. Es wäre auch irrig, es
als römiſches Recht abzutun; es iſt chriſtlich=germaniſches Recht,
wie es im Laufe der Geſchichte durch die beſten, auch deutſchen
Köpfe des Abendlandes ausgebildet worden iſt. Eine
Anerken=
nung kanoniſchen Rechts bedeutet deshalb keine Gefahr für
deut=
ſches Rechtsempfinden und deutſche Kultur. Rom hat ſich immer
als Hüterin echten nationalen Lebens erwieſen, und wer die
Geſchichte kennt, weiß, daß die Kirche die Nationen nicht zerſtört,
daß die Nationen ſich vielmehr umgekehrt unter ihrem Schutz erſt
Sonntag, den 15. Mai 1927
zur Mündigkeit entwickelt haben. Auch unſer nationales Unglüdh
hat nicht Rom verſchuldet, weit eher jene Kräfte, die uns durch
nationaliſtiſche Enge in die unſelige Iſolierung hineingetrieben
haben, unter der wir noch heute leiden. Wenn der Einfluß der
katholiſchen Kirche in Deutſchland verſchwände, ſo wäre das ohne
Zweifel ein weit größerer Schaden für Deutſchland als für Rom,
und kein einſichtiger Katholik könnte ſeinem Vaterlande ein
ſolches Unglück wünſchen. Niemals wird man uns überzeugen,
daß ein Konkordat als ſolches die Intereſſen unſeres Vaterlandes
gefährden könnte, vielmehr werden uns Verſuche ſolcher
Beweis=
führung immer nur vor Augen führen, wie weit das
nichtkatho=
liſche Deutſchland noch von einer ſachlichen und gerechten
Be=
urteilung katholiſcher Belange entfernt iſt.
Es liegt mir fern, den evangeliſchen Verfaſſer und diejenigen,
die ſeine Anſchauungen teilen, zu unſerer Auffaſſung bekehren
zu wollen, vielmehr wollte ich nur dartun, daß wir von anderen
Vorausſetzungen ausgehen und deshalb zu anderen Folgerungen
kommen, und daß auch wir Katholiken nicht daran denken, uns
zu ſeiner Auffaſſung zu bekehren. Dürfen nun die einen, weil ſie
die Mehrheit und Macht haben, die anderen in Fragen des
Ge=
wiſſens und der Religion maforiſieren? Das heißt, am alten
Grundſatz Cuzus regio, ejus religio feſthalten, an einem
Grund=
ſatz, den wir als Chriſten und moderne Menſchen verabſcheuen.
Er bleibt auch verdammenswert, wo er auf katholiſcher Seite
an=
gewendet wurde oder noch angewendet werden ſollte. Mit dem
Abſchluß eines Konkordates wenigſtens ſoll kein nichtkatohiliſcher
Deutſcher auch nur im geringſten in ſeiner Freiheit und in ſeinen
Rechten gekränkt werden. Die nichtkatholiſchen Kreiſe haben aber
hier Gelegenheit, die vielgeprieſene Maxime, jeden nach ſeiner
Faſſon ſelig werden zu laſſen, in die Praxis überzuführen.
Lockerung der Wohnungszwangswirtſchaft?
Zu den Ausführungen des Generalſekretärs der
Deutſchen Volkspartei Welkow in unſerer Nummer
vom 6. Mai unter der Ueberſchrift: „Zur Abſtimmung
über die Lockerung der Wohnungszwangswirtſchaft im
Heſſiſchen Landtag” erhalten wir von deutſchnationaler
Seite eine Zuſchrift, in der es u. a. heißt:
Die Deutſchnationalen Heſſens ſind und bleiben, in vollem
Einklang mit ihrer Geſamtpartei, entſchiedene Gegner der
Zwangswirtſchaft im Wohnungsweſen. Sie vergegenwärtigen
ſich auch, daß das Zwangsſyſtem einſchneidende ſoziale und
öko=
nomiſche Wirkungen feſtgelegt hat, daß ſich Beamtengehälter,
Arbeiterlöhne, Verträge und Kalkulationen darauf eingeſtellt
haben, daß dementſtrechend ein ſachwidriges Vorgehen ſchwerſte
Erſchütterungen im ganzen Volksleben verurſachen müßte. Für
durchaus verfehtt halten die heſſiſchen Deutſchnationalen den
Antrag der Deutſchen Volkspartei. Im weſentlichen verlangt
dieſer, daß von der Zwangswirtſchaft befreit werden
1. in Gemeinden mit einer Zahl von
a) über 20 000 Einwohnern alle Wohnungen mit einem
Jah=
resmietpreis von 1000 Mark ab,
b) über 10 000 Einwohnern alle Wohnungen mit einem
Jah=
resmietpreis von 800 Mark ab,
c) in den übrigen Gemeinden alle Wohnungen mit einem
Jahresmietpreis von über 600 Mark ab;
2. in allen Gemeinden ſämtliche nicht Wohnzwecken dienende
Räume.
Durch die Annahme des Antrags, ſo heißt es in der Zuſchrift
weiter, würden mit Beſtimmtheit empfindlich geſchädigt:
1. alle Inhaber von Wohnungen mittlerer Größe,
vornehm=
lich Beamte, Angeſtellte und freie Berufe;
2. mittelbar auch die Anwärter auf billigere Wohnungen, die
in der Zwangswirtſchaft verbleiben ſollen;
3. alle leiſtungsſchwächeren Hausbeſitzer mit kleineren
Woh=
nungen;
4. ſämtliche in Mieträumen tätige Handwerker,
Kleinkauf=
leute, Gaſtwirte.
Deshalb haben die Deutſchnationalen den Antrag der
Deut=
ſchen Volkspartei abgelehnt.
Um die Frage der Lockerung der Wohnungszwangswirtſchaft
weiterzutreiben, hatte der deutſchnationale Abg. Dr. Werner
fol=
genden Antrag eingebracht:
„Die Regierung zu erſuchen, eine Lockerung der
Zwangs=
wirtſchaft demnächſt in Vorſchlag zu bringen, und hierfür die
Anträge der Volkspartei, des Zentrums, der Demokraten
als Material zu überweiſen.”
Dieſem Antrag hätten die anderen bürgerlichen Parteien nach
Ablehnung ihrer eigenen Anträge, wobei ſie ſich nicht einmal
gegenſeitig geſchloſſen unterſtützt hatten, unbedingt zuſtimmen
müſſen, um die widerſtrebende Regierung zu zwingen, Farbe zu
bekennen, um ihr die Verantwortung für die Weiterbehandlung
des ganzen Problems aufzubürden. Jedenfalls iſt Miniſter Raab
durch die Nichtunterſtützung des Antrags Werner der leidigen
Notwendigkeit enthoben worden, im Gegenſatz zum Willen ſeiner
Anhänger eine Vorlage über die Lockerung der
Wohnungs=
zwangswirtſchaft mechen zu müſſen. So iſt die Frage der
Locke=
rung ins Stocken geraten.
Todes=Anzeige.
Unſere liebe, treuſorgende Mutter, Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Margarethe Vogt
geb. Dreher
Witwe des verſtorbenen Fuhrunternehmers GuſtavVogt
iſt heute früh im Alter von 51 Jahren nach langer,
ſchwerer Krankheit ſanft entſchlafen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Vogt.
Darmſiadt, den 14. Mai 1927.
Die Beerdigung findet Montag, den 16. Mai, nachm. 3 Uhr, vom
Portale des alten Friedhofs aus ſtatt. — Beileidsbeſuche dankend
verbeten.
(*13220
Dankſagung
(Statt Karten.)
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme und die
zahl=
reichen Blumenſpenden anläßlich des Ablebens meiner lieben
Frau ſpreche ich auf dieſem Wege allen meinen herzlichen Dank
aus. In Sonderheit danke ich Herrn Prof. Dr. Zander, Herrn
Oberarzt Dr. Spamer, ſowie allen anderen behandelnden Aerzten
für ihre Mühewaltung, ſie mir zu erhalten. Den Schweſtern
und Helferinnen des Eliſabethen=Stiftes für ihre liebevolle
und aufopfernde Pflege, und nicht zuletzt den Herren Pfarrern
Waldeck und Kleeberger für ihren Troſt.
Darmſtadt, den 15. Mai 1927
13108
Todes=Anzeige.
Ein ſanfter Tod erlöſte heute meine liebe Frau,
unſere liebe, gute, unvergeßliche Mutter, Großmutter,
Schwiegermutter, Schwägerin und Tante
Dunt Scaffnn
von ihrem langen, ſchweren, mit großer Geduld
ertragenem Leiden im Alter von 55 Jahren ihres
arbeitsreichen Lebens.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Adam Schaffnit.
Darmſtadt, den 13. Mai 1927.
Die Beerdigung findet Montag nachm. 3½ Uhr
auf dem alten Friedhof ſtatt.
Mein teurer, guter Mann, unſer ſo
geliebter Vater, Großvater und Bruder
ſi heute morgen im Alter von 65 Jal
en ruhig entſchlafen.
Matilde Ornſtein, geb. Steiner
Marie Trier, geb. Ornſtein
Chriſtel Roſenthal, geb. Ornſteit
Walter Trier
Zurt Roſenthal
und 5 Enkelkinder.
Berlin W 50, Würzburgerſtr. 12,
Darmſiadt, Wien, Paris,
13. Mai 1927.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meine innigſtgeliebte Frau, unſere treue, gute
Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Eliſabethe Blitz
geb. Bader
zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Blitz
Familie Alex. Reitz Familie Fohann Blitz
Familie Georg Blitz Familie Sebaftlan Blitz.
Kranichſtein, den 13. Mai 1927.
234
Die Beerdigung findet am 16. Mai, nachmittags
2½, Uhr, vom Trauerhauſe Kranichſtein ab ſtatt.
Dankſagung.
Für die wohltuende
Teil=
nahme, die uns bei dem
Heimgang unſeres lieben
Entſchlafenen allerſeits
er=
wieſen wurden, ſagen
innig=
ſien Dank
Familie
Seelbach,
Damen-Hüte
dſerden umfaſſonie
vbelle
auch für Bubiköpfe) zur
wahl vorhand
Hutfabrikation J. Kiffe
Grafenſtraße 39, gegenüb, der Stadtkaſſe.
(E13322)
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme bei dem
Heim=
gange unſeres lieben Entſchlafenen
ſagen wir auf dieſem Wege
herz=
lichen Dank.
Beſonders danken wir Herrn
Pfarrer Marx für die troſtreichen
Worte am Grabe, der
Gewerk=
ſchaft heſſ. Gem.=Beamten, der
Direktion der Städt. Betriebe und
der Arbeiterſchaft des Städtiſchen
Gaswerks.
Frau Marie Vogel
und Kinder
Darmſtraße 2.
3215
Kupscs!
Zu dem laufenden Kurſns in Herren
„tärkewäſche werden von Montag ab noch
Damen angenommen. (8156
SCHELL, Schießhausſtraße 48.
Statt beſonderer Anzeige.
Es bat Gott dem Allmächtigen gefallen, unſere
liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und
Urgroßmutter, Frau
Etiſe Bergſtraßer zw., geb. Grode
geſtern abend nach langem ſchweren Leiden im
81. Lebensjahre zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefer Trauer:
Ottilie Craß, geb. Bergſträßer
Lina Bergſträßer, Lehrerin
Karl Bergſträßer, Ober=Regierungsrat
Eiſabeth Schewes, geb. Bergſträßer
Jacob Jguaz Craß, Weinautsbeſitzer
Anna Ber ſträßer, geb. Lehnert
Anton Schewes, Landwirt
Enkel und Urenkel.
Nieder=Olm, den 13. Mai 1927.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. Mai,
nachmittags 1 Uhr, ſtatt.
(*13146
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheiden meines lieben unvergeßlichen
Gatten und Vater ſeiner Kinder
Auguſt Englert, Gaſtwirt
ſage ich allen, beſonders für die liebevolle Pflege
der Herz=Jeſu=Brüder, ferner für die troſtreiche
Grabrede des Herrn Pfarrer Zimmermann, weiter
für die Kranzniederlegung der Brauerei Diſchinger,
dem Krieger=Militär=Verein Blücher, der Gaſtwirte=
Innung, dem Bund der Hotel=, Reſtauration= und
Kaffee=Angeſtellten, dem Verein der Württemberger,
ſowie ſeinen Freunden, Gönnern und Stammgäſten
für die vielen Blumenſpenden meinen herzlichen
Dank.
Frau Eliſabeth Englert
und Kinder.
Wissen Sie
daß bei läst Schweiß,
Pickel, Flechten,
Schuppen Schnupten
Ausschlag Beinschäd
Hautjucken Krätze,
Haemorrhoid.„
Haut-
heil‟ 1000 000 fach
bewährt, gebraucht
wird ? 75, 100, 150
Gr Pack Mk. 1.50,
-. Auch Versd
Drogerie Beckenhaub
schulstraße. (347a
Hut=
erh. Kinderwag
zu verkaufen (*13133
Feldberaſtr. 321a, I I.
Haturheilinstitat
Nie. Burischell
Darmſtadt, Stiftſtraße 19
Straßenbahn 5, 6 und 2
Behandlung aller, auch veralteter Leiden
Chiropraktik (13o42
Sprechzeit von 1/,9—11 und 2—5 Uhr
Miitwoch nachmitt., Samstag
nachm. u. Sonntag geſchloſſen.
M Au Wunſch komme a außerh
Leinöl, Terpenti=
Drogerie Secker Nachf.,
jecativ (B3785
Ludwigshöhſtr. 1
Johanna
beim Tanz.
Fräher nahmen Hühnerangen
Für den Tanz mir allen Sinn
Seit ich „Lebewohl”* gebrauchte,
Bin ich fotte Tänzerin!
eineint ist natürlich das berühmte von vielen Aerzten empfohlene
Hühneraugen-Lebewohl für die Zehen und Lebewohl-Ballensch eiben
für die Fußsohle, Blechdose (8 Pllaster 75 Pf Lebewohl-Fusbad,
gesenempfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel /2 Bäder, 50 Pl.
erhältlich in Apotlieken und Drogerien Sicher zu naben beil
Gg Liebig & Co Droverie, Luisenstr 4, Fr Schaefer,
Ludwige-
platz7, Engel-Drog. H Schaub Karls r. 28. Gebr. Vierheller Dros-
Schustergasse 14, in Groß-Umstadty Adler-Drogerie, (II Dr 561-
Nummer 134
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 15. Mai.
— Ernannt wurden: am 10. Mai: die Forſtreferendare Ernſt Feick
ßu Darmſtadt, Hermann Hamburger zu Laubach i. Oberh.,
Gün=
ther Heil zu Darmſtadt, Helmut Kempf zu Zwingenberg a. d. B.,
Karl König, zu Beerfelden i. Odw., Wilhelm Trautwein zu
Worms a. Rh., Fritz Walter zu Lengfeld i. Odw., Ulrich Weber
zu Darmſtadt, zu Forſtaſſeſſoren.
— Verſetzungen in den Ruheſtand. Auf Grund des Geſetzes über
die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember
1923 (Reg.=Blatt S. 509 und 511) in der Faſſung des Geſetzes vom
8. Oktober 1925 (Reg.=Blatt S. 249) tritt am 1. Juli 1927 in den Ruhe
ſtand der Bauoberinſpektor Steinbrecher bei der Zellenſtrafanſtalt
Butzbach; ferner wurde in den Ruheſtand verſetzt der
Gefängniswacht=
meiſter bei dem Amtsgerichtsgefängwis in Dieburg Wilh. Bödecker
auf Nachſuchen mit Wirkung vom 1. September 1927.
— Erledigt ſind folgende Stellen: 1. des Förſters der Förſterei
Petershainerhof des Forſtamts Laubach, 2. des Förſters der
Förſterei Ulrichſtein des Forſtamts Ulrichſtein, 3. des Förſters der
Förſterei Schwabenrod des Forſtamts Eudorf. Bewerbungen
um Uebertragung einer dieſer Stellen ſind bis zum 31. Mai Ifd. Jahrs
an das Miniſterium der Finanzen, Abteilung für Forſt= und
Kameral=
verwaltung, einzureichen.
* Beſichtigung der Weinbaudomäne. Die heſſiſche
Regie=
rung und der Finanzausſchuß des Landtages werden am
kom=
menden Montag die Weinbaudomäne in Nierſtein und Mainz beſichtigen.
— Heſſiſches Landestheater. Als dritte Vorſtellung des Mozart=
(Byklus wird am Dienstag, den 17. Mai, „Coſifan tutte” in neuer
Einſtudierung und teilweiſe neuer Beſetzung gegeben. Die Aufführung
wird von Kapellmeiſter Max Hrisgen dirigiert. Sie iſt der Miete G
der Darmſtädter Volksbühne als 16. Vorſtellung zugeteilt.
Die Aufführung von Richard Strauß: „Ariadne auf Naxos”
in der erſten Faſſung mit Molieres „Bürger als Edelmann”
wird unter der muſikaliſchen Leitung von Generalmuſikdicektor Joſeph
Roſenſtock und in der Inſzenierung von Jacob Geis in der letzten
Mai=
woche ſtattfinden.
— Bücherſtube Alfred Bobenheimer. Der Kartenverkauf zum
Vor=
trag des Frankfurter Architekten Stadtbaurat May begimnt am
Dienstag, den 17. Mai. Der Vortrag, der durch Lichtbilder ergänzt
wird, iſt am Montag, den 30. Mai, in der Techniſchen Hochſchule.
Nähe=
res in der heutigen Anzeige.
— Bühnenvolksbund. Der Vorſtand hat den Herrn Oberregiſſeur
Mutzenbecher vom Landestheater hier dazu gewonnen, ſeinen im
Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters mit außerordentlichem
Intereſſe aufgenommenen Vortrag „Aus der Werkſtatt der
Regie” am Montag, den 16. Mai, abends 8 Uhr, in der Aula des
Realgymnaſiums für unſere Mitglieder zu wiederholen. Wm erwarten,
daß unſere Mitglieder dem Vortrag ebenfalls reges Intereſſe
entgegen=
bringen. Der Eintritt iſt frei.
— Die Ortsgruppe Darmſtadt des R. Wagner=Verbands beutſcher Frauen
veranſtaltet zum Beſten der R. Wagner=Stipendienſtiftung am Sonntag,
den 22. Mai, dem Geburtstage des Meiſters, vormittags 11.15 Uhr, im
Gauſe ihrer Vorſitzenden, Frau von Selzam, Neckarſtraße 19 eine
Morgenfeier, zu der in liebenswürdigſter Weiſe Frau Dr.
Roeſe=
ner, die Bayreuther Freha 1925, Frl. Ehrhardt, Horr Geheimrat Prof.
Dr. Paul Ernſt von der Univerſität Heidelberg, ſowie Herr Kapellmeiſter
Riede ihre Mitwirkung zugeſagt haben. Profeſſor Ernſt wird einen
Vortrag halten: „Ein Tag in Bayreuth” (perſönliche
Erinnerun=
gen eines Feſtſpielbummlers). In dem zweiten Teil der Veranſtaltung
wird Frau Roeſener Lieder von H. Wolf und Pfitzner, ſowie
„Meine Ruh’ iſt hin” aus „Fauſt”, kompomiert von R. Wagner, zu
Gehör bringen. Frl. Ehrhardt wird „Neige, du Schmerzensreiche‟
aus „Fauſt”, als Melodram von R. Wagner komponiert, ſowie Gedichte
von Fontane und Wildenbruch und ein Melodram „Gorm Grymme‟
(Fontane), komponiert von Kapellmeiſter Erich Riede, rezitieren. Die
Begleitung liegt in den bewährten Händen des Heurn Riede (Siehe
Anzeige.)
— Liedertafel=Konzert am 16. Mai, abends 8 Uhr, im Großen Haus
bes Heſſiſchen Landestheaters. Während die hieſige
Madrigalvereini=
gung vorwiegend Madrigale und Chorkompoſitionen des 17. und 18
Jahrhunderts zum Vortrag bringt, ſingt der Chor der Liedertafel eine
Ausleſe herrlicher Volkslieder dieſer Zeit. Die Bearbeiter dieſer
Volks=
lieder für Männerchöre ſind alles Namen mit gutem Klang, wie Max
Reger Volkmar=Andre, F. M. Böhme, Fritz Brückmann, Fr. Hegar
und Othegraven. Wem das deutſche Gemütsleben und das deutſche
Volkstum noch etwas gilt, und wer noch Freude an dem Edelſtein des
deutſchen Volkes und dem Urquell des deutſchen Chorgeſangs hat, dem
ſei gerade dieſes Konzert empfohlen. Zwei berufene
Chorvereinigun=
gen werden in der beſten Weiſe dafür ſorgen, herrliche deutſche Lyrik
in Chorliedern erſtehen zu laſſen und ſo für das deutſche Volks= und
Chorlied werben und einen wertvollen Teil deutſchen Kulturlebens
pfle=
gen und fördern. (Näheres ſiehe Anzeige.)
— Don=Koſaken=Chor. Wie wir erfahren, kommt der berühmte Don=
Koſaken=Chor am 29. Mai wieder nach Darmſtadt. Das Intereſſe an
den Konzerten im vorigen Jahre war bekanntlich ſo groß, daß nicht
alle mit Eintrittskarten befriedigt werden konnten; es kann deshalb nur
dringend empfohlen wenden, ſich rechtzeitig die Eintrittskarten bei
Kon=
zert=Arnold (Wilhelminenſtraße 9) zu ſichern, bei welcher Stelle ſchon
jetzt Karten=Vorausbeſtellungen entgegengenommen werden. Das Konzert
findet im Städtiſchen Saalbau ſtatt.
— Gründung einer Vereinigung Hefſiſcher Polizei=Offiziere. Am
10. Mai 1927 trafen die heſſiſchen Polizei=Offiziere im Reſtaurant „Sitte‟
hier zurſammen und beſchloſſen die Gründung einer der
Reichsvereini=
gung Deutſcher Polizei=Offiziere in Berlin angegliederten Offiziers=
Vereinigung. Der Zweck der Vereinigung iſt, alle beruflichen und
wirt=
ſchaftlichen Angelegenheiten der heſſiſchen Polizei=Offiziere zu vertreten,
Kameradſchaft und Gemeinſinn zu pflegen und das Standesanſehen des
Polizei=Offizierkorps zu wahren. Durch die numehr vollzogene
Grün=
dung iſt ein lange gehegter Wunſch aller heſſiſchen Polizei=Offiziere in
Erfüllung gegangen. Wie wir hören, ſteht der Anſchluß der Polizei=
Offiziere an den Reichsbund höherer Beamten in Form einer
beſon=
deren Fachſäule unmittelbar bevor. In den Vorſtand den Vereinigung
der heſſiſchen Offiziere wurden gewählt: Major Fendel=Sartorius,
Darm=
ſtadt, als 1. Vorſitzender, Hauptmann Schmitt, Darmſtadt, als 2.
Vor=
ſitzender, Oberleutnant Auwärter, Darmſtadt, als Geſchäftsführer,
Ober=
leutnant Faber, Darmſtadt, als Schatzmeiſter. Wir wünſchen der
jun=
gen Vereinigung für die Zukunft alles Gute und hoffen, daß ſich die
von ihr erſtrebten Ziele erfüllen. Die Zuſammenſetzung des Vorſtandes
ſcheint hierfür zu bürgen.
— Alldeutſcher Verbanb. Am Dienstag, den 17. Mai, 8 Uhr abends,
findet im Weißen Saale bei Chriſt, Grafenſtraße 18, ein Vortrag über
„Das Siedlungsproblem in der Oſtmark” ſtatt, auf den
wir unſere Mitglieder beſonders aufmerkſam machen. Freunde und
Gäſte ſind willkommen. (Siehe Anzeige.)
Sonntag, den 15. Mai 1927
Geh. Rat Prof. Dr. Hermann Wiener feiert am 15. Mai ſeinen
70. Geburtstag. Seit über 35 Jahren an der Hochſchule tätig, hat ſich
der Jubilar eine große Anzahl von dankbaren Schülern erworben. Seine
tiefgründigen wiſſenſchaftlichen Arbeiten betreffen meiſtens die
Grund=
lagen der Mathematik. Bekannt ſind ſeine Arbeiten über ſogenannte
„Spiegelungen” und ſeine über die ganze Erde verbreiteten ſtarven
und beweglichen Fadenmodelle für die Vorleſungen in höherer
Mathe=
matik. Erwähnt ſei noch, daß Profeſſor Wiener langjähriges Mitglied
des Muſikvereins und eine zuverläſſige Stütze des Chors iſt. Möge
dem Jubilar die körperliche und geiſtige Rüſtigkeit, deren er ſich
in=
folge naturgemäßev Lebensweiſe erfreut, noch recht lange erhalten
bleiben!
— Werbeveranſtaltung des Darmſtädter Reitervereins, e. V. Der
funge Verein tritt am Sonntag, den 15. Mai 1927, zum erſten Male
mit einem internen Turnier an die Oeffentlichkeit. Man kann an die
reiterliche Fähigkeit der Mitglieder natürlich noch nicht den Maßſtab
eines großen Turniers legen, denn es handelt ſich nicht um eigentliche
Turnierreiter, — aber ohne Wettkämpfe iſt kein Sport lebensfähig und
das Intereſſe der Oeffentlichkeit kann nur auf dieſe Weiſe dem
Reit=
ſport wieder zugewandt werden. Da die Leitung der Schutzpolizei die
Beteiligung des berittenen Zugs freundlicherweiſe geſtattet hat, auf
deren Reitplatz in der ehemaligen Artilleriekaſerne 61 (am Südbahnhof)
die Veranſtaltung auch ſtattfindet, wird bei dieſer Gelegenheit aber auch
das Können und das Pferdematerial der Polizeireiter einer öffentlichen
Probe unterworfen, — und dabei dürften auch verwöhntere Geſchmäcker
auf ihre Koſten kommen. Turniermäßig wird die Vorſtellung ſeines
Schimmels „Quäker” durch Polizeimajor Freher ſein, — und
Barriere=
ſprünge über drei 10 Meter auseinanderſtehende Koppelricks, deren
Höhe von 1—1,50 Meter Höhe geſteigert wird, durch Polizeimajor
Freyer auf „Seppl” und Polizeioberleutnant Rettig auf „Turm”
dürf=
ten einen ſpannungsvollen Zweikampf darſtellen.
Aufwberrang von epärgaryaben
Zum Beiſchreiben der 20%igen
Aufwertungs=
beträge sind bereits aufgerufen die
Sparbücher Nr. 1—200000
Für die Woche von Montag, den 16. Mai,
bis Samstag, den 21. Mai werden hiermit
neu aufgerufen die
Sparbücher Nr. 200 001—205000
Kaſſeſiunden: Vormittags von 8 bis 1 Uhr
Nachmittags von 3 bis 4½½= Uhr.
Samstags nachmittags geſchloſſen.
— Annahmeſtelle im 1. Stock —
(St. 8162
Städtische Sparkasse Darmstadt
— Deutſche Jugendherbergen. Am Samstag und Sonntag, den A1.
und 22. Mai, findet in Oppenheim a. Rh. ein
Jugendher=
bergs=Werbetag ſtatt. Samstag: Fackelzug und Beleuchtung
der „Landskrone” Poſaunenblaſen von der Katharinenkirche. Sonntag:
Jugendgottesdienſte, Ausſtellung, Kinderfeſt, Aufführung „Hans Frey”
durch die Darmſtädter Spielſchar, Volkstänze und Spiele. Schluß 6½
Uhr abends. Für die Darmſtädter Teilnehmer weden zur Verringerung
der Fahrtkoſten vorausſichtlich zwei Laſtwagen gemietet. Als Beitrag
zu den Unkoſten ſind 1,50 Mk. zu zahlen (einſchließlich Fahrt,
Verpfle=
gung, Fackelgebühr uſw.). Abfahrt Samstag nachmittag 3.30 Uhr vom
Marienplatz. Letzte Beſprechung der Vertreter der Büinde uſw. am
Mittwoch, den 18. d. M., abends 8 Uhr, Mühlſtraße 70. Wir bitten um
recht zahlreiche Beteibigung.
— Schülerabende Müller=Söllner, Freitag, den 20., und Samstag,
den 21. Mai, abends 8 Uhr, finden im Mozartſaale, Schulſtraße, zwei
Vortragsabende ſtatt. Ausführende: Schüiiler von Müller=Söllner,
Ge=
ſangsmeiſter der Ausbildungsklaſſen und der Opernſchule der
Städti=
ſchen Akademie für Tonkunſt. Die Begleitung hat Herr Karl Dietrich
übernommen. Der „Steinway”=Konzertflügel wurde von der Firma
Karl Arnold u. Sohn, Ecke Erbacher Straße, Rheinſtraße,
Eliſabethen=
ſtraße 28, freundlichſt zur Verfüigung geſtellt. (Näh. ſ. Anz.)
— Der neueſte Luftflugplan Mai—Oktober 1927, mit Perſonen= und
Gepäcktarif und allen Angaben über Zielſtation, Hin= und Rückflug der
Flugzeuge erſcheint demnächſt und iſt unentgeltlich zu beziehen
bei der Heſſiſchen Flugbetriebs=A.=G., Darmſtadt, Stadthaus.
— Die Vereinigung ehem. 80er und Kriegsf. hatte zu einem
Aus=
flug mit Familie nach Roßdorf eingeladen. Ein gemeinſchaftlicher
Spaziergang führte die Teilnehmer durch den in friſchem Maiengrün
ſtehenden herrlichen Wald. Aus dem nahen und fernen Odenwald
fan=
den ſich Kameraden ein. Der Geſangverein „Liederkranz” Roßdorf
hatte ſich in uneigennütziger Weiſe zur Verfügung geſtellt. Der Saal
der Germania war faſt zu klein, um die Erſchienenen aufzunehmen.
Nach der Begrüßung durch den 2. Vorſitzenden entwickelte ſich durch
Ge=
ſang, Tanz und Vorträge abwechſelndes fröhliches Treiben, und viel zu
ſchnell enteilte die Zeit. In ſchon ziemlich vorgerückter Stunde mußte
zum Aufbruch geblaſen werden, was allerſeits lebhaft bedauert wurde,
Mit dem Verſprechen, recht bald wieder zu kommen, ſchieden die
Kame=
raden. Der fröhliche Tag wird vielen in froher Erinnerung bleiben.
Zugleich war es aber auch ein ſchöner Werbetag für unſere
Vereini=
gung, denn eine ganze Anzahl Kameraden ſchloſſen ſich unſeren Reihen
an. Allen, die zu dem ſchönen Verlauf des Tages mit beigetragen, ſei
an dieſer Stelle nochmals herzlichſt gedankt
Sonderfahrt des beſſiſchen Handwerks und
Gewerbes zur Münchener Gewerbeausſiellung
Zur Sonderfahrt nach München wird folgendes endgüiltig
mitgeteilt:
1. Die gemeinſame Abfahrt nach München erfolgt am
Mitt=
woch, den 15. Juni, vormittags, mit Sonderzug. Dieſer Sonderzug
geht von Mainz ab und nimmt in Biſchofsheim, Groß=Gerau,
Darm=
ſtadt, Bensheim, Heppenheim und Weinheim die weiteren
Fahrtteil=
nehmer auf. Der Fahrplan, deſſen Bekanntgabe rechtzeitig erfolgt, wird
ſo feſtgelegt, daß alle Hauptanſchlüſſe, auch aus Rheinheſſen und
Ober=
heſſen, gewährleiſtet ſind. Bei genügender Anmeldeziffer (380 Perſonen)
aus Oberheſſen ſoll von Gießen her der Anſchluß durch Sonderzug
her=
geſtellt werden.
2. Der Sonderzug wird aus modernen Durchgangswagen 4. Klaſſe
zuſammengeſtellt und fährt mit der Geſchwindigkeit eines D=Zuges. Die
Fahrt geht über Sturtgart, Ulm; rechtzeitiges Eintreffen in München.
3. Die Teilnahme zur Fahrt ſteht allen Angehörigen,
Familien=
mitgliedern und Freunden des Handwerks, (auch außerhalb Heſſens)
offen.
Anmeldungen für den Sonderzug nach Muinchen ſind
unmittelbar durch die Innungen an die
Handwerks=
kammer=Nebenſtellen zu richten, und zwar möglichſt bis
ſpä=
teſtens 1. Juni.
Die Anſchriften der Handwerkskammer=Nebenſtellen lauten:
Handwerkskammer=Nebenſtelle Darmſtadt, Hügelſtraße 16;
Offenbach, Ludwigſtraße 95
Friedberg, Gewerbeſchule;
Gießen, Kiuchſtraße 16;
Mamnz, Schulſtraße 3;
Worms, Kämmererſtraße 40;
Handwerksamt Alzey, Amtsgaſſe 13.
4. Die Anmeldungen werden erſt mit der Einzahlung des
verbilligten Fahrpreiſes für die Hinfahrt wirkſam, der vorher
bei der Anmeldungsſtelle eingezahlt werden muß.
Verbilligte Sonderfahrkarten nach München werden nur ausgegeben
ab Mainz, ab Darmſtadt und ab Bensheim.
Die vorher einzuzahlenden Fahrpreiſe betragen für Ausgabeſtation
Mainz 10 Mk., Darmſtadt 9,20 Mk., Bensheim 8,80 Mk.
Die beſtellten und bezahlten Fahrkarten für den Sonderzug
wer=
den, ſoweit ſie nicht ſchon vorher den Beſtellern zugeſtellt wurden, am
Reiſetage am Fahrkartenſchalter in Mainz bzw. Darmſtadt bzw.
Bens=
heim durch unſere Beauftragten — die bereits zwei Stunden vor
Ab=
gang des Zuges zur Stelle ſind — dem betreffenden angemeldeten
Fahrt=
teilnehmer ausgehändigt. Rechtzeitiges Erſcheinen im Bahnhof liegt im
Intereſſe eines jeden Teilnehmers.
5. Die Rückfahrt von München wird nicht
gemein=
ſam mit Sonderzug ausgeführt, ſondern es ſteht jedem
Fahrt=
teilnehmer frei, ſich einen beliebigen Tag für die Rückfahrt
auszuſuchen.
Auch für dieſe Einzelnückfahrten wird eine Preisermäßigung
in Höhe von 25 Prozent des gewöhnlichen Fahrpreiſes gewährt,
wenn ſich jedesmal mindeſtens 20 Perſonen zu einer ſogen.
Geſell=
ſchaftsfahrt für die Rückfahrt von München zuſammenſchließen.
Die Beſtellung dieſer ermäßigten Rückfahrkarten iſt Sache der
Be=
teiligten. Für jeden ſolchen Fall muß ein beſonderer „Beſteller”, im
Minchener Hauptbahnhof die „Geſellſchaftsfahrt” anmelden und erhält
bann dort einen Sammelſchein und im Zuſammenhang damit
Fahrt=
ausweiſe für die betr, einzelnen Fahrtteilnehmer ſeiner Gruppe. Die
Bezahlung hat ebenfalls vorher zu erfolgen. Nachträgliche weitere
An=
meldungen für einen beveits ausgeſtellten Sammelſchein kurz vor der
Abfahrt können keine Berückſichtigung mehr finden.
Es wird dringend empfohlen, die Geſellſchaftsfahrten für
die Rückreiſe bereits gleich bei der Ankunft im
Mün=
chener Hauptbahnhof anzumelden.
Für die Rückfahrt wird der beſchleunigte Perſonenzug 6 Uhr 30
Min. morgens ab München empfohlen, der bereits 2.25 Uhr in
Aſchaf=
fenburg eintrifft, 4 Uhr 10 Min. in Darmſtadt und 4.58 Uhr in Mainz.
Auch für D=Züge gibt es Geſellſchaftsfahrten mit Preisermäßigung
von 25 Prozent.
6. Sämtlichen Teilnehmern der Sonderfahrt wird auf beſonderen
Wunſch hin Unterkunft in München vermittelt.
Anzugeben iſt: Anzahl der Perſonen, genaue Adreſſe, Anzahl
der gewünſchten Zimmer, Angabe für wie lange, Angabe, ob
Privat=
quartier oder Hotel gewiſcht wird, und zwar oberer, mittlerer oder
unterer Preislage.
Wir werden uns nachdrücklichſt für Preisermäßigung einſetzen.
Auch die Quartierbeſtellungen ſind ſpäteſtens bis 1. Juni an die
Handwerkskammer=Nebenſtellen zu richten. Spätere Beſtellungen
er=
folgen auf die Gefahr hin, keine geeignete Unterkunft mehr bekommen
zu können.
Die Ausgabe der Quartierkarten erfolgt ſpäteſtens im
Sonderzug während der Fahrt.
7. Weitere Mitteilungen, die den Beſuch der Ausſtellung und die
Vergnſtaltung von Ausflügen in die Umgebung Münchens betreffen,
erfolgen ebenfalls im Sonderzug.
Zum Schluſſe ſei noch einmal wiederholt: Unſere
Sonderfahrt nach München bietet die einzig ſchöne und zugleich billige
Gelegenheit, die bedeutſame Ausſtellung und die herrliche Stadt
Mün=
chen mit ihrer wundervollen Umgebung, den Seen und Bergen, kennen
zu lernen. Schon jetzt kann geſagt werden, daß unſere
Sonder=
fahrt ein großer Erfolg, ſein wird, liegen doch bereits jetzt
ſchon viele Hundert Anmeldungen vor.
Darum auf nach Mürchen und zögert nicht mehr länger mit Euver
Anmeldung!
— Ballonwettflug der Heffſenflieger. Die anläßlich des Flugtages
zugunſten der Krüppelfürſorge auf dem Flugplatz in die Lüfte geſandten
Ballons haben inzwiſchen ihr kurzes Leben ausgeblaſen und haben von
ihrem frühzeitigen Ende ein letztes Lebenszeichen an die Heſſenflieger
geſandt. Von dem vielen Ballons haben nur etwa 40 ihre Todesanzeige
mitgeteilt, und zwar hat die weiteſte Reiſe der Ballon des Herrn Fritz
Ihrig, Martinſtr. 66, zurückgelegt. Er hat die geſegneten Fluren
Rhein=
heſſens nördlich Alzey in der Gegend von Armsheim erreicht und den
wackeren Weinbauern des beſetzten Gebiets unſere Grüße geſandt. Der
größte Teil hat den Rhein überflogen und die herrſchenden
Wind=
ſtrömungen gebührend ausgenutzt. Nur etwa vier Ausreißer ſind
ſchein=
bar durch ſchnelles Steigen in höhere Regionen gelangt und hierdurch
von einer ſüdlichen Windrichtung erfaßt worden und landeten in den
Wäldern des Odenwaldes, wo Ausflügler ſie, teibeiſe unter
Lebens=
gefahr, von großen Bäumen herunterholten, um die Rärnhen ihrer
Be=
ſtimmng zuzuführen. Nur zwei Ballons konnten ſich vom ſchönen
Darmſtadt nicht trennen, von denen der eine es ſich auf dem Dache der
Bockshaut gemütlich machte (ſollte der Herr Beſitzer dort etwa
Stamm=
gaſt ſein?). So hätte der Ballonwettflug ſein Ende erreicht und dem
glücklichen Beſitzer des ſiegenden Ballons einen Freiflug eingebracht,
der ihn hoffentlich von den Schönheiten eines Fluges durch die Lüfte
überzeugen und ihn zum Werber des Luftfahrtgedankens machen wird.
s hat die Rose sich beklagt,
ODaß gar so schnell ihr Duft vergehtz
Oa hab ich ihr zumm Frost gesagt.
Daß süßer Duft niemals vergeht.
„Geändert hat sie mu das Heid.
And wervondlem die Aosepis
Der findet in Wassarp
heut-
en deblich duftend. Saradies.
UReee Ue belbs!
MassarsJittert
SassarsDeltt6.
GOLD- u. SEIDEN MuNDsT.
GOLD- u. TÜRKIS MUNDST.
S42. Heveralverireler: Erich
furt a. M., Sandweg 44a. Bernspr.: Carolus 47672.
Aassary-Bipareiten-Fahrik
Seite 6
(Sonntag, den 13. Mal 1927
Nummer 134
* Eine Fahrt nach Italien war ub iſt dach wohl der Wunſch bieler
Deutſchen. Jeder möchte wenigſtens einmal den ſonnigen Süden
ge=
ſchaut und erlebt haben. Wie wenigen iſt aber das Glück beſchert, und
alle die anderen müſſen ſich dann eben mit dem begnugen, was ihnen
die Glücklicheren erzählen. Das kann aber auch ein großer Genuß ſein,
beſonders wenn es von eimem Menſchen geſchieht, der mit den Augen
des Künſtlers ſchaute, und der aus folch einer Fahrt noch viel mehr
herauszuholen weiß. — Der in den Kreiſen Darmſtädter Kunſtfreunde
längſt nicht mehr unbekannte junge Maler Nichard Walter wird am
heutigen Sonntag im Chriſtl. Verein Junger Männer einen
Licht=
bildervortrag über ſeine Italien=Fahrt halten, die für viele unſerer
Leſer von Intereſſe ſein dürſte. Neben den vielen landſchaftlichen und
architektoniſchen Schönheiten des Landes wird der Vortragende ſeinen
Hörern auch beſonders von den Werten der alten italieniſchen Meiſter
des Pinſels zu ſagen und zu zeigen haben. Der Vortrag findet im
Heim des Vereins ſtatt: „Alexanderſtraße 22, Inf.=Kaſerne. Er
be=
ginnt um 8 Uhr und iſt öffentlich, alſo auch für Damen. Richard
Wal=
ter wird bei der Gelegenheit einige Aquarelle von dieſer Reiſe
aus=
ſtellen. Dieſe kleine Ausſtellung wird ab 7 Uhr geöffnet ſein. Der
Eintritt zu beiden Veranſtaltungen iſt frei, und es dürfte wohl mancher
von dieſer günſtigen Gelegenheit, awas Schönes zu ſehen und zu hören,
Gebrauch machen.
Vortrag Rudolf Kaßner. Am 20. Mai wird ſich im Hörſaal 326
der Techniſchen Hochſchule um 8 Uhr abends die ſeltene Gelegenheit
bieten, einen der tieſſten und exkluſivſten Geiſter der Gegenwart zu
hören; der exkluſivſten, weil ſeine Bücher, von den Beſten der ganzen
Welt geſchätzt, nur von den Beſten überhaupt bisher geleſen werden.
Sein Thema wird „Was iſt Phyſiognomik?” lauten. Aber in
einem ganz anderen Sinn, als die meiſten, die das Wort häufig
ver=
nehmen, erwarten dürften: Kaßner iſt ein echter Myſtiker, nur überdies
mit der Gabe des Verſtehens für die Symbolik der Geſtalt begabt. Alles
Aeußerliche iſt ihm ganz ſelbſtverſtändlich umittelbarer Ausdruck des
Innerlichen und Tiefſten. Seine Bücher („Moral der Muſik”, „Zahl
und Geſicht”. „Die Elemente wenſchlicher Größe” uſw.) ſind nicht vielen
unmittelbar verſtändlich. Aber als Redner iſt er kriſtallklar. Ein
geiſtreichſter Cauſeur im Sinn des 18. Jahrhunderts, ein Meiſter des
geſprochenen Wortes, durch Paradoxe wetterleuchtend, hat er überall,
wo er perſönlich auftrat — was er bisher nur ſelten tat — den
Ein=
druck eines der Bedeutendſten dieſer Zeit hinterlaſſen. Es wäre ſchön,
wenn dieſe ſeltene Gelegenheit, einen ſeltenen Geiſt zu hören, von recht
vielen wahrgenommen würde. Karten bei der Geſchäftsſtelle der
Geſell=
ſchaft für Freie Philoſophie, Paradeplatz 2, und am Eingang des
Vor=
tragsſaales erhältlich. Mitglieder der Geſellſchaft für Freie Philoſophie,
die den Vortrag veranſtaltet, erhalten ſolche mit 25 Prozent Ermäßigung
nur auf der Geſchäftsſtelle, Paradeplatz 2.
— Aufwertung von Sparguthaben. Wie aus der Anzeige der
Städti=
ſchen Sparkaſſe in der heutigen Nummer erſichtlich, werden vom
Mon=
tag, den 16. Mai 1927, ab die Sparkaſſenbücher mit den Nummern
200 001—205 000 zur Beiſchreibung der Wprozentigen
Aufwertungs=
beträge neu aufgerufen. Da von den bis jetzt aufgerufenen Nummern
(1—200 000) noch eine größere Anzahl Bücher nicht vorgelegt worden
iſt, werden die Einleger an dieſer Stelle gebeten, ſich genau an die
Reihenfolge der aufgerufenen Numern zu halten, um ein
unerwünſch=
tes Zuſammendrängen bei dem Aufruf weiterer Nummern zu
verhin=
dern. Die bis jetzt möglich gwweſene glatte Abwickelung des
Eintra=
gungsgeſchäfts würbe ſonſt zum Nachteil des Publikums erheblich
er=
ſchwert. Die Annahmeſtelle befindet ſich im 1. Stock, Eingang
Hügel=
ſtraße.
— Immer „Rechts fahren”. Am Samstag nachmittag ereignete ſich
Ecke der Zeughausſtraße ein ſchwerer Unfall. Ein Schüler der
auf dem Rade links fuhr, wurde von einem aus entgegengeſetzter
Rich=
tung kommenden Auto erfaßt. Das Rad wurde völlig zerbrümmert.
Der Schüler erlitt Verletzungen an Kopf und Beinen und wurde von
dem Autofahrer in die elterliche Wohnung in der Landwehrſtraße
ver=
bracht.
* Der Provinzial=Ansſchuß hat in ſeiner Sitzung am 14. Mai 1927
die Klage des Bezirksfürſorgeverbands Frankfurt a. M. gegen den
Landesverband Heſſen wegen Erſatzes der ſitr den Georg Lopatka
auf=
gewendeten Krankenhauskoſten abgelehn.t, da eine fortgeſetzte
Hilfs=
bedürftigkeit nicht anerkannt werden konnte. — Auf die Klage der
Metz=
ger Heinrich Kumpf und Friedrich Wilhelm Neuer aus Beerfelden
wurde die durch Beſcheid des Kreisamts Erbach vom. Febr. 1927
wegen Zuwiderhandlungen gegen die Lehrlingsvorſchriften der
Hand=
werkskammer feſtgeſetzten Strafen im Falle Kumpf auf 10 Mk.
herab=
geſetzt und im Falle Neuer beſtätigt. Die Koſten fallen den Klägern
zur Laſt. — Das Geſuch des Martin Krichbaum zu Darmſtadt um
Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft im Hauſe
Weinbergſtraße 10 zu Darmſtadt wird abgelehnt, da ein Bedürfnis
nicht anerkannt wurd. — Dem Adam Germann zu Nieder=
Beer=
bach, der gegen den Beſcheid des Kreisamts Darmſtadt vom 14. Jan.
1927 wegen Nichterteilung eines Wandergewerbeſcheins Klage erhoben
hat, iſt derſelbe zu erteilen. — Der Frau Käthe Weicker zu
Darm=
ſtadt iſt die Erlaubnis zum Betrieb einer alkoholfreien Kaffeewiutſchaft
in Darmſtadt im Hauſe Rundeturmſtraße 17 zu erteilen; in den zu
kon=
zeſſionierenden Räumen darf jedoch Handel mit Spirituoſen und
Likö=
ven, der von dem Ehemann betweben wird, nicht ausgeübt werden.
Polizeibericht. In der Heidelberger Straße kam der Führer
eines Motordreirades durch Axbruch zu Fall. Durch den Sturz trug
der Fahrer erhebliche Verletzungen davon, die ſeine Ueberführung in
das Stadtkrankenhaus notwendig machten. — Auf dem 1. Polizeibezirk
in der Kirchſtraße ſind nachſtehend aufgeführte Firmenſchilder: „Dentiſt
C. A. Burkhard”, „Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten”, „Agrippina=
Konzern”, „Bayer u. Haak”, „Karl Kohler‟. Darmſtädter
Bewachungs=
geſellſchaft” und „Nama=Margarine” ſichergeſtellt. Die Eigentümer
kön=
nen die Schilder auf dem Bezirk abholen. — Während des
Wochen=
marktes wurde ein im Schloßgraben aufgeſtellter zweirädriger
Feder=
handwagen entwendet. Der Wagen iſt etwa 2 Meter lang, 1 Meter
breit und rechts und links mit 25 Zentimeter hohen Aufſtellbrettern
verſehen. Perſonen, die Angaben zur Ermittelung des Täters und
Wagens machen können, werden gebeten, bei der Kriminal=Abteilung,
Zimmer 4, Mitteilung zu machen. — Auf Grund von Ausſchreiben
auswärtiger Behörden wurden feſtgenommen: Dienſtknecht Michael
Burkart wegen Betrugs und Kaufmann Erich Friedmann wegen
Dieb=
ſtahls.
Landesbibliothek.
*
Verwaltungsgerichtshof.
Neue Erwerbungen,
vom 16. Mai 1927 an auf 14 Tage im Leſeſaal zur
Anſicht aufgeſtellt:
Abhandlungen, Germaniſt. 56: Trier, Der heilige
Jodocus; 57: Steller, Das altweſtfrieſiſche Schulzenrecht.
Bres=
lau 1924—26. Bibliothek der Kirchenväter: Origenes 2. 3.
Theodoret 1. 2. München 1926. Bühler, Das deutſche
Geiſtes=
leben im Mittelalter. Leipzig 1927. Floericke, Ausſterbende
Tiere. Stuttgart 1927. Handbuch d. Mittelalterl. und Neuer.
Geſchichte. 2. Auflage TV: Luſchin, Allgem. Münzkunde und
Geldgeſchichte. München=Berlin 1926. Kunſtſtätten,
Be=
rühmte, 77/78: Neapel. Leipzig 1927. Laun, Soziales
Chriſten=
tum in England. Berlin 1926. Luckey, Whence Comest Thou?
Whither Goest Thou? Boſton 1927. Mc. Phee, The Economio
Revolution in British West-Africa. London 1926. Menz=
Flutwende. Leipzig 1927. Unterſuchungen, Neue
Philo=
logiſche. 1—3. Berlin 1926.
Zeitſchriften: Altſchleſien 1. Breslau 1926. Der
praktiſche Arzt, 23. 1926. Leipzig. Berichte über die geſ.
Phyſiologie, 36,Berlin 1926. Bulletin du Bibliophile Nouv.
Série, 5. 1926, Paris. Die neue Erziehung, 8, 1926, Berlin.
Hereynia, 1, Aſchaffenburg 1924—26. Heſſenland, 37, 38.
Kaſſel 1925—56. Wochenſchrift, Münchener Mediziniſche,
73, 1. München 1926. Zeitſchrift f. d. geſ. Neurologie und
Pſhchiatrie, 106. Berlin 1926.
(Vom 30. Mai an verleihbar. Vormerkungen werden
im Leſeſaale entgegengenommen.)
Kunſtnotizen.
lcber Weiſe, Künftl & oder Hünftierticht Diranſtaltungen, deren Im NachſteM
geſchteht, behäut ſich die Rebaſten hr Urteil vos
— Union=Theater: Rudolph Valentino wieder
Scheich durch Volksbegehren. Rudolph Valentino, der ſeinen
erſten großen Aßelterfolg in ſeinem Film „Der Scheich” hatte ſpielte
ſeit damals in werſchiedenen Rollen, Spanier, Ruſſen, Franzoſen uſw.
Das Publikum ſedoch wollte ſeinen Liebling wieder als Araber ſehen.
In Amerika weuden von Zeit zu Zeit in den Theatern Abſtimmungen
vorgenommen, in denen das Publikum auf Zetteln ſeine Wünſche
auf=
ſchreibt, welche E5tars und in welchen Rollen es dieſe wiederſehen möchte.
Dabei ſtellte ſich heraus, daß die Zettel immer häufiger wurden, auf
denen man Rujvolph Valentino wieder als Scheich zu ſehen wüſchte.
So entſchloß ſich Valentino, wieder einen in der Wüſte ſpielenden Film
zu drehen, und zwar „Der Sohn des Scheich”. Man ſieht ihn
in dieſem Film als der alte und der junge Scheich, und zwar in einer
Doppelrolle als Vater und Sohn.
* Palaſt=Lichtſpiele: Erſtaufführung des großen deutſchen
Geſellſchafts= und Kriminalfilms „Da hält die Welt den Atem
an!” Auch Sie werden einen Film ſehen wollen, über den die
reichs=
hauptſtädtiſche Preſſe anläßlich ſeiner Uraufführung ſchreibt: „Werner
Krauß, dieſes größte ſchauſpieleriſche Genie der deutſchen Bühne,
aber=
mals von einer Vollendung, die ihn weit über alles hebt.” Lokalanzeiger
13. 3. 27. — „Marcella Albani iſt nicht nur ſchön, ſondern verſteht auch
zu ſpielen. Groß war der Beifall; dieſer Film hat alles, was dem
Publikum zuſagt.” Film=Journal 11. 3. 2. — „Mit ſeiner glänzenden
äußeren Erſcheirung gewinnt Alfons Fryland die Herzen für ſich.”
Neue Zeit 9. 3. 27. — „Unter den deutſchen Filmen, die in letzter Zeit
zur Aufführung gelangten, iſt dies einer der intereſſanteſten.” Berliner
Nachtausgabe 9. 3. 27
— Reſibenz=Theater am Weißen Turm: Mae Murray,
die Tänzerin von Moulin Rouge, iſt durch verſchiedene Filme ſchon dem
Publikum bekaunt; ſie zeigt auch heute wieder ihr ſchauſpieleriſches
Können. Auch iſt ihr in dem Film in verſchiedenen Tänzen Gelegenheit
geboten, ihr Beſtes zu geben. — Der zweite Film, betitelt „
Irr=
garten der Leidenſchaft”, bietet inhaltlich ſowie landſchaftlich
viel Gutes.
Lokale Veranſtaltungen.
— Die Kanzraden der Kriegerkameradſchaft Germania
treffen ſich heute Sonntag, nachmittags 2.30 Uhr, an der Odenwaldbrüicke
(Dieburger Styaße) zu einem Familienſpaziergang mit Muſik nach dem
Einſiedel. Die anderen Kriegervereine ſind hierzu eingeladen, und wäre
es zu begrüßen, wenn ſich recht viele Kameraden zu dieſem ſchönen
Mai=Spaziergamg einfinden wirden (S. Anzeige.)
Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) ſindet Sonntag
abend Familienkonzert ſtatt. Der Beſuch wird beſonders empfohlen.
Aus den Parteien.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt.
Wir verweiſen, auf die heutige Anzeige, wonach am
kommen=
den Mittwoch, den 18. Mai, abends 8 Uhr, bei „Sitte”,
Gelber Saal, eine Mitgliederverſammlung ſtattfindet. Der
neue Wahlkreisgeſchäftsführer, Herr Welkow, wird bei dieſer
Ge=
legenheit ſich den Darmſtädter Parteifreunden vorſtellen und über das
Konkordat und andere aktuelle Zeitfragen ſprechen.
Gottesdienſtliche Anzeige.
Sonntag Cantate, den 15. Mai 1927.
Evang. Wemeinde Roßdorf: Vorm. ½10 Uhr: Haupgottesdienſt.
— Um ½11 Uhr: Chriſtenlehre. — Nachm. 2 Uhr: Frauenverein.
Gang nach Nieder= Ramſtadt. — Abends 8 Uhr: Bibelſtunde —
Diens=
tag, abends; Kirchenverein. — Mittwoch, abends: Jugendbund
Wartburg.
Besuicht das deutsche
ns Wordseebad Borkum
Bäderzige und Flngverbindung aus allen Teilen Deutschands.
Prospekte durch die Badedirektion und Reisebüros.
1. Der Lehrer Hch. Stroh in Butzbach hat gegen den Rektor W.
Henſel daſelbſt Beleidigungsklage erhoben. Dieſer Klage liegt folgem
der Vorgang zu Grunde:
Stroh war Lehrer an der Oberrealſchule in Butzbach und
hatt=
da den Zeichenunterricht. Wegen grober Täuſchung des Leiters dieſer
Schule, durch Vorlage von falſchen Schüler=Zeichnungen begangen,
er=
folgte ſeitens des Landesamtes für das Bildungsweſen die Verſetzung
Strohs nach Lich aus Gründen der Verwaltung. Dies war im Jahre
1920. Im Jahre 1925 fragte das Landesamt bei Rektor Henſel an.
ob gegen die Verſetzung Strohs an die von Henſel geleitete
Volks=
ſchule Einwendungen erhoben würden. Rektor Henſel ſchrieb nun am
20. September 1925 an den Miniſterialdirektor Urſtadt einen Brief
in welchem er die Verſetzung Strohs an die Volksſchule für unmöglich
erklärte; in dieſem Briefe war von „Wühlereien” Strohs die Rede,
und wurde von Stroh als einem „hinterliſtigen, falſchen und krankhaft
ehrgeizigen Menſchen” geſprochen. Stroh erhielt Kenntnis von dieſem
Brief bei Einſicht ſeiner Diſziplinarakten. Er ließ durch Rechtsanwalt
Brücher in Butzbach Privatklage wegen Beleidigung erheben. Das
Amtsgericht legte die Akten dem Landesamt für das Bildungsweſen
vor, das eine Vorentſcheidung des Verwaltungsgerichtshofs beantragt
hat. Es ſind eine Reihe von Zeugen geladen, u. a. auch
Miniſterial=
direktor Urſtadt. Die Butzbacher Zeugen ſollen darüber vernommen
werden, ob die zum Gegenſtand der Privatklage in dem Briefe
ge=
machten Aeußerungen der Wahrheit entſprechend oder in gutem
Glau=
ben getan wurden. Rektor Weber an der Fortbildungsſchule in
Butz=
bach ſpricht ſich über Strohs dienſtliches und außerdienſtliches
Verhal=
ten nicht günſtig aus. Zu bemerken iſt, daß Lehrer Stroh zum
Beigeordneten der Stadt Butzbach gewählt iſt.
Im Plädoyer ſtellt Rechtsanwalt Sturmfels als Vertreter des
Lehrers Stroh feſt daß es ſich in dem Briefe vom 20. September 1925
um eine amtliche Auskunftserteilung zwar handle, aber Rektor Henfel
den zuläſſigen Rahmen überſchritten habe. Sein Urteil ſei leichtfertig,
ohne genügende ſachliche Unterlagen abgegeben, Rektor Henſel habe
hier ſeine Pflichten verletzt und Stroh ſchlecht zu machen geſucht.
Hen=
ſel habe dem Direktor der Butzbacher Oberrealſchule einen Gefallen
tun wollen. Auch in der Form der Ausdrücke habe Henſel gefehlt.
Rechtsanwalt Schwörer als Henſels Vertreter betont, dieſer ſei
damals nur ſtellvertretender Rektor geweſen, und habe vor ſeiner
Er=
nennung zum definitiven Rektor geſtanden, er ſei dienſtlich zu einem
Werturteil aufgefordert geweſen. Die Handlung Strohs an der
Ober=
realſchule (Fälſchung von Zeichnungen), hätte einem Schüler die
Rele=
gation gekoſtet. Von einer Ueberſchreitung der Amtsbefugniſſe könne
keine Rede ſein.
Der Vertreter des Staatsintereſſes Regierungsrat Henrich, führt
aus, Stroh habe wegen eines graven Vergehens verſetzt werden
müſ=
ſen. Die Frage ſei aufgetaucht, ob er unter Umſtänden an der
Volksſchule in Butzbach beſchäftigt werden könne. Hier habe nur
Rektor Henſel Auskunft erteilen können, die Behörde habe gerade
über Strohs Charakter Auskunft haben wollen, Henſel habe dieſe
un=
geſchminkt gegeben, was die vorgeſetzte Behörde ihm nur habe danken
können. Deshalb habe Henſel eine Amtspflicht gehabt, zu antworten;
er habe dabei kräftige Ausdrücke gebraucht, aber hier ſeien die
beſon=
deren Butzbacher Verhältniſſe in Rückſicht zu ziehen. Auch in der
innerdienſtlichen Berichterſtattung müſſe ein offenes Wort geſagt
wen=
den dürfen. Aus dem Bericht ſpreche eine ausgeſprochene Sorge fün
die Schule; ein animus injuriandi habe den Schreiber des Berichts
nicht beſeelt. Es wird gebeten, die Frage der Amtsüberſchreitung zu
verneinen. In dieſem Sinne erkennt auch der Gerichtshof.
2. Klage des Mühlenbeſitzers Amend auf der Scharmühle bei
Ren=
del gegen einen kreisamtlichen Polizeibefehl wegen Herrichtung des
Mühlenwehrs.
Der Kläger iſt allein erſchienen.
Das Kreisamt hat ihm einen Polizeibefehl zugehen laſſen, der
verſchiedene Auflagen, binnen zwei Monaten zu erfüllen enthält, u. a.
die, das Mühlenwehr, ſoweit es auf heſſiſchem Gebiet liege, auf
Auf=
pfahlhöhe zu ſenken. Gegen dieſen Polizeibefehl vom 13. Mai 1925
erhob der Anwalt des Klägers Klage bei dem Provinzialausſchuß
mit dem Antrag auf deſſen Aufhebung und berief ſich auf Erſitzung und
Verjährung. Ueber die Mühle iſt Zwangsverſteigerung angeordnet
worden, derzeit ſteht ſie unter Zwangsverwaltung. Das Urteil des
Provinzialausſchuſſes erkannte die Klage zum überwiegenden Teile als
unbegründet und hob nur Ziffer 4 des Polizeibefehls auf. Die Ueben
ſchwemmungen und Verſumpfungen zu beiden Seiten der Nidda ſpitz
len in der Sache eine große Rolle. Nach Art. 3 Abſ. 3 des
Bach=
geſetzes darf die Benutzung der Bäche nicht für fremdes
Grundeigen=
tum oder fremde Anlagen ſchädlichen Rückſtau. Ueberſchwemmung oder
Verſumpfung bewirken. Die Anlagen zur Bemutzung der Bäche
(namentlich Stau=, Zu= und Ableitungsanlagen), ſind ſtets in ſolcher
Weiſe einzurichten, daß ein nutzloſer Verbrauch oder eine nutzloſe
Auf=
ſtauung des Waſſers zum Nachteil anderer Beteiligter ausgeſchloſſen
iſt. Die Ausübung vorſtehender Befugniſſe kann polizeilich (auch durch
Polizeibefehl) nach Anſicht des Urteils, geregelt werden. Kläger
en=
hebt Berufung an den Verwaltungsgerichtshof; er erklärt den
Polizei=
befehl für techniſch nicht ausführbar und benennt dafür
Sachverſtän=
dige, u. g. Profeſſor Weber in Gießen.
Das Gericht beſchließt, zunächſt über die Frage zu verhandeln, ob
der Polizeibefehl in der gewählten Form überhaupt zuläſſig war. Der
Vertreter des Staatsintereſſes, Regierungsrat Bornſcheuer, erachtet,
nur Art. 139 des Bachgeſetzes ſei anzuwenden, dieſer ſehe aber gegen
alle Verfügungen der Kreisämter den Rekurs an den Miniſter des
In=
nern vor, der binnen rechtszerſtörlicher vierwöchiger Friſt vorzulegen
ſei. Der Antrag geht dahin, der Berufung ſtattzugeben und den
Polizeibefehl als unzuläſſig aufzuheben. — Das Urteil hebt das
Urteil des Provinzialausſchuſſes und den Polizeibefehl — dieſen als
unzuläſſig — auf und belaſtet den Staat mit den Koſten.
Tageskalender für Sonntag, den 15. Mai 1927.
Landestheater Großes Haus, 10. Vorſtellung der
Sonntagt=
fremdenmiete, Anfang 6½ Uhr, Ende 10 Uhr: „Der Roſenkovalier”,
— gleines Haus. Zuſatzmiete III (12), Anfang 7½ Uhr, Ende
nach 9½ Uhr: „Die Märchen der Königin von Navarra‟. —
Or=
pheum, abends 8 Uhr: „Der fidele Bauer”. — Konzerte!
Schloß=Café: Café Rheingold; Perkeo; Münchner Hofbräu; Hotel=
Reſtaurant Schmitz; Hotel Prinz Heinrich; Hauptbahnhofreſtaurant:
Brauerei Schul; Café=Reſtaurant Waldſchlößchen; Haferkaſten;
Franl=
furter Hof; Bismarck=Eck; Zentral=Hotel. — Kinovorſtellungen
Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele,
Fußgewölbe- und Seitenstütze
Mit oder ¼L ohne Bellenschutz
Skdoaffa. „Schuß-
Diesen,(Shgoafa-Schuh ist eine Wohltat fün
be ſicht etende. Senkfüße und für schugehe Füße die beim
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Strage 12½2-
R
[ ← ][ ][ → ]Nummer 134
Sonntag, den 15. Mai 1927
Seite 2
63. Perbandstag der Heſſiſchen
Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften.
Um 10,20 Uhr eröffnete der Verbandspräſident, Herr
Molkerei=
zwrektor Bill, in der Turnhalle (Woogsplatz) den 63. Verbandstag
dss Verbandes der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften. Er
bogrüßte die zahlreich erſchienenen Ehrengäſte, u. a. beſonders als
Tertreter des Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft, die Herren
Träſident Uebel, Miniſterialrat Becker, für das Finanzminiſte=
—um, Miniſterialrat Schrod, als Vertreter der
Landwirtſchafts=
ſaanmer Präſident Henſel, den Direktor der Reichsbank Müller,
dm Vertreter des Verbands der Erwerbs= und
Wirtſchaftsgenoſſen=
ſcaft Dr. Reiß, die Vertreter der Heſſiſchen Landwirtſchaftsämter,
der Land= und Forſtwirtſchaftlichen Genoſſenſchaft Freiherrn v. Löw,
ſeener die Vertreter der Auskunftsſtellen des Kaliſyndikats, Herrn Dr.
V eidemannn, den Vertreter der Verſuchsanſtalt der
landwirt=
ſo aftlichen Genoſſenſchaften, ſowie Herrn Direktor Schröder von
dr Norddeutſchen Hagelverſicherung, uſw. Warme Begrüßungsworte
n dmete er dem Herrn Referenten des Tages, Landwirtſchafts=Attaché
6fi der Königl. Däniſchen Geſandtſchaft in Berlin, Herrn A. P.
Nacobſen, ſowie all den zahlreich erſchienenen Genoſſenſchaftlern.
(— gab dem Wunſche Ausdruck, daß die landwirtſchaftliche
Genoſſen=
ſowaft ſich günſtig weiter entwickeln möge. Der Vorſitzende ſtellte feſt,
d1 ß die Einladung ordnungsgemäß ergangen iſt. Jedem Anweſenden
ein Bericht zugeſtellt worden. Zum Schriftführer wurde
Verbands=
ſerretär Herr Dr. Strub ernannt. In ſeinen weiteren Ausführungen
amg der Redner auf das Weſen und die tiefere Bedeutung der
land=
m—rtſchaftlichen Genoſſenſchaften ein. Er ſchloß ſeine Ausführungen
nit dem Appell, treu der Genoſſenſchaft zu bleiben und ſie zu fördern.
Herr Verbandsdirektor Berg erſtattete zu Punkt 1 den
Jahres=
brricht für 1926. Dieſer Bericht liegt gedruckt vor, ſo daß der
Vor=
tragende an Hand dieſes Berichtes ſeine Ausführungen machte. Er
urterſtrich, daß Landwirtſchaft und genoſſenſchaftlicher Betrieb eng
zu=
ſemnmengehöre. Das Genoſſenſchaftsweſen ſei ein Teil des
wirtſchaft=
liſhen Lebens. Die Landwirtſchaft müſſe vor allem durch Selbſthilfe
ſiSh wieder hochſchaffen. Die Forderungen des Zollſchutzes, Befreiung
von übermäßigen Steuern und Laſten, Gleichberechtigung mit den
an=
daren Zweigen der Wirtſchaft müſſe gefördert werden. Mehr Einſicht
und Verſtändnis für die Lage der Landwirtſchaft ſei unbedingt
eben=
fhlls zu fordern. In unendlich ſchwerer Kleinarbeit ſei in ſchwerer
Atzeit der 50er und 60er Jahre die damalige Landwirtſchaft, die
ſcower darniederlag, wieder aufgebaut worden. Das
Genoſſenſchafts=
ueſen als Mittel der Selbſthilfe und Selbſtverwaltung müſſe auch heute
z—m Aufſchwung helfen. Die Parole müſſe ſein: „Mehr heraus aus
drr Fremdhilfe und hinein in die Selbſthilfe”. In der Druckſchrift ſei
em offenes Bild über die Lage gegeben, ohne etwas zu beſchönigen.
Der Nedner gibt nun an Hand des Druckberichtes einen eingehenden
Iberblick. Im einzelnen gab er prägnante Zahlen über den Stand
der Genoſſenſchaften, ferner über die Milchverſorgung ſowie weiter über
e Einlagen und den Reſtand der Kreditgenoſſenſchaften uſw. Er
un=
tmſtrich, daß die Oeffentlichkeit Intereſſe an der Tätigkeit der
Genoſſen=
caft habe und dieſe durchaus ein Hervortreten in die Oeffentlichkeit
nocht zu ſcheuen brauche. Des weiteren ging der Redner auf die
Kredit=
g barung ein und bezeichnete als Ziel der Zukunft, die eigenen
Finanz=
ih ſtitute nach Möglichkeit zu ſtärken. In der Genoſſenſchaft ſelbſt müſſe
mibedingt Friede gehalten werden. Langfriſtiger, billiger
Real=
kedit in weitem Ausmaße iſt anzuſtreben.
Der Vorſitzende dankte für den eingehenden klaren Jahresbericht des
cherrn Direktors Berg und ſchloß daran den Dank an alle Direktoren,
Beamten, Angeſtellten und Mitarbeiter der Genoſſeuſchaft für ihre Mühe
mid geleiſtete Arbeit.
Herr Scheuermann. Direktor der Winzergenoſſenſchaft (
Ober=
ungelheim) ſprach ſeine Befriedigung über die Tagung aus und über
d.e Tätigkeit der Genoſſenſchaft und kam dann im einzelnen auf die
Not=
wendigkeit des Beſtehens der Winzergenoſſenſchaften zu ſprechen. Er
be=
gte ſeine Ausführungen über die Tätigkeit der Winzergenoſſenſchaften
mrit intereſſanten Zahlen und bezeichnete beſonders die ſchwere doppelte
SSteuerbelaſtung der Winzer als unerträglich.
Mehrere Diskuſſionsredner nahmen zu verſchiedenen Fragen
Stel=
lung, u. a. ſtreifte Herr Blum=Wixhauſen die Aufwertungsfragen, Herr
Laettweiler nahm zu den Ausführungen des Herrn Direktors Berg
hezgl. Milchverſorgung Stellung, Präſident Oppenheimer=
Gau=
ickelheim kritiſierte die Wein=Conſumreklame durch den Verband. Er
uröchte die Neklame mehr durch die Pioniere, durch den Handel und nicht
durrch den Verband betätigt wiſſen. Herr Generalſekretär Secker=
Gon=
ſenheim ſprach über Obſt= und Gemüſebau und die wirtſchaftliche Not der
(Bewüſebauern, ebenſo Herr Direktor Maus=Griesheim. — Herr
Direk=
tor Mager nimmt zu den Auslaſſungen des Herrn Direktors
Scheuer=
unann Stellung und unterſtützt deſſen Ausführungen warm, da eine
nehrfache Belaſtung der Winzer tatſächlich untragbar ſei, ferner geht
e auf die Ausführungen der übrigen Redner ein. Herr Direktor
18olkmann=Heuchelheim äußert ſich über die Spareinlagen und warnt
nor Zerſplitterung im Genoſſenſchaftsweſen von einem Land zum
an=
deren. Nach einigen weiteren Ausführungen verſchiedener
Diskuſſions=
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Punkt 2 der Tagesordnung, die Vorlage und Beſcheinigung der
Rechuung und Bilanz, die im Druck vorliegt, von Herrn Direktor Berg
kurz erläutert. Dir. Weidmann=Höchſt i. O. erſtattet den Reviſionsbericht,
ſomit wird Punkt 3 debattelos erledigt. Entlaſtung wird erteilt.
Die durch Ablauf der Wahlperiode ausſcheidenden Mitglieder des
Verbandsausſchuſſes: Heinz, Bürgermeiſter in Dietesheim;
Trink=
aus Leonhard 2., Landwirt in Brensbach; Weidmann Fr., Rektor
in Höchſt i. O.: Eifländer, Bürgermeiſter in Brauerſchwend!
Schmidt Friedrich, Altbürgermeiſter in Echzell; Stang Karl.
Nen=
dant in Schotten; Kaiſer Joſ. Hch., Rendant in Gau=Algesheim;
Schätzel Emil. Gutsbeſitzer in Guntersblum; Schmuck Jakob,
Leh=
rere in Wendelsheim; werden einſtimmig wiedergewählt.
Dann ergriff Herr Jacobſen, Landwirtſchafts=Attaché bei der
Kgl. Däniſch. Geſandtſchaft in Berlin das Wort zu ſeinem Vortrag über
„Das landwirtſchaftliche Genofſenſchaftsweſen in Dänemark”.
Nach herzlichem Dank für die Einladung und Begrüßung kam der
Redner auf das landwirtſchaftliche Genoſſenſchaftsweſen in Dänemark zu
ſprechen. Dänemark iſt ausgeſprochenes Agrarland, obgleich nur 334/=
Prozent der Bevölkerung der Landwirtſchaft angehören. Dänemark iſt
trotz ſeiner verhältnismäßig geringen ländlichen Ausdehnung (7mal ſo
viel Ackerland als Heſſen) und trotz den nicht immer ſehr günſtigen
Bodenverhältniſſe (z. T. arme Sandböden), ſtark ackerbautreibend und
ein ausgeſprochenes Bauernland. Größere Betriebe haben 57 Prozent
der Fläche ime. Die däniſchen Landwirte ſind zu 90 Prozent
Selbſt=
beſitzer. Ihre Höfe liegen in einem Stück und geſchloſſen zuſammen. 87
Prozent des Landes in Dänemark iſt Ackerland, beſonders Hafer, Gerſte,
Noggen und Weizen werden gebaut, während die übrigen
Bebauungs=
arten ganz zurücktreten Dänemark iſt weiter ein Land der Viehzucht
und Viehhaltung, z. B. Pferde, Milchkühe, Schweine, Geflügel uſw.
Der Redner gibt nun intereſſante Vergleichszahlen vom Viehbeſtand in
Dänemark und Heſſen. Sehr gute Durchſchnittsleiſtungen des Rindviehs
in der Milchproduktion ſind zu verzeichnen. Die däniſche Landwirtſchaft
iſt, kurz geſagt, eingeſtellt auf Butterherſtellung, Schweinefleiſch= und
Eierproduktion. Durch das ausgebaute landwirtſchaftliche
Genoſſenſchafts=
weſen, die güinſtig entwickelten Kreditgenoſſenſchaften und die ländlichen
Konſumvereine auf dem platten Lande wurde die Regelung des
däni=
ſchen landwirtſchaftlichen Verbrauchs, Exports uſw. geregelt.
Segens=
reicher als die Konſumpereine beeinflußten die
landwirtſchaft=
lichen Produktionsgenoſſenſchaften den Aufſchwung der däniſchen
Land=
wirtſchaft. In acht Jahren wurden ſeit Gründung über 700 Molkereien
gegründet, ſo daß dadurch die Butterherſtellung qualitativ vereinheitlicht
wurde. Die Molkereibutter war in einem Dezennium zweifellos beſſer
als alle private und von der Gutsmolkerei gelieferten Butterprodukte.
Es beſtehen heute 1680 Molkereien, von denen 1350 genoſſenſchaftlich ſind.
Der Redner ging nun im einzelnen auf die organiſatoriſche
Zuſammen=
ſetzung der Molkereien und weiter auf deren Grundzüge (Haftung.
Ver=
pflichtungen und Zuſammenſetzung) ein. Obwohl die Butterproduktion
in den Molkereien die Hauptrolle ſpielt, iſt jetzt die Käſeproduktion im
Steigen begriffen. Trinkmilchumſatz wird weniger betrieben, letzterer
ſindet bei der Milchbelieferung der Städte durch organiſierte
Geſellſchaf=
ten ſtatt. Die Bezahlung der Milch erfolgt nach Qualität. Ein
Milch=
richter nimmt wöchentlich einmal Proben. Die Verpackung der
däni=
ſchen Butter unter beſonderer Schutzmarke (der Markenverein wurde
1900 gegründet) garantiert gute Qualität. Die Marke wurde 1906 durch
ein Geſetz in Dänemark geſchützt. Die Markenbutter kann durch einen
der däniſchen Butter beiliegenden Nummerzettel von berufenen Stellen
genau kontrolliert werden. Wird eine minderwertige Butter durch eine
Molkerei verkauft, ſo kann ihr Export durch die Kontrollſtellen
unter=
bunden werden. Die Ueberwachung der Butterkontrolle in Dänemark iſt
äußerſt ſcharf. Man kann genau feſtſtellen, welche Molkerei die Butter
hergeſtellt hat und an welchem Tag ſie hergeſtellt wurde. Die Molkereien
ſind durch Verbände untereinander feſter organiſiert. Exportgeſchäfte
wer=
den durch die Molkereien nicht getätigt, da die kaufmänniſche Ausbildung
der Molkereiorgane nicht gepflegt wird. Exportvereine haben die
Täti=
gung der Geſchäfte übernommen. Die Geſamtbutterproduktion in
Däne=
mark betrug 1926 152 000 engl. Tonnen (1 Tonne — 1000 Kg.).
Däne=
marks Butterexport iſt verhältnismäßig der größte aller Länder. Es
exportiert 87 Prozent und verbraucht im Lande nur 13 Prozent.
Inter=
eſſant iſt, daß in Dänemark ſelbſt doppelt ſoviel Magarine verzehrt wird,
als Butter. Die Genoſſenſchaftsmolkereien ſtellen die Grundſteine der
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften in Dänemark dar, auf die ſich
eigentlich die übrigen Genoſſenſchaften aufbauen. 1885 wurde die erſte
Genoſſenſchaftsſchlächterei gegründet. Die Bewegung wuchs trotz
gro=
ſier Schwierigkeiten ſehr ſchnell. Heute gibt es 64 Schlächtereien, von
denen 47 genoſſenſchaftlich ſind. Sie ſind im Steigen begriffen. Der
Nedner geht näher auf die Organiſation dieſer Genoſſenſchaften ein,
ferner auf die Schweinepreiſe und den enormen Export an
Schweine=
fleiſch und behandelt dann den dritten, für Dänemark wichtigen Faktor:
die Hühnerzucht, und die Aufgaben der Genoſſenſchaften auf dieſem
Ge=
biete. Die Genoſſenſchaften arbeiten hier ungefähr nach demſelben
Prinzip. Der Eierexport wird ebenfalls durch Exportvereine geregelt.
Es beſtehen Sammelorgamiſationen, die die guten und ſauberen Eier
den Sammlern mit Nummer des Kreiſes und der eigenen Nummer
ver=
ſehen, in Körben abliefern und von dieſen verpackt, nach Gewicht
be=
zahlt und weiter befördert werden. Auch hier iſt, wie bei den übrigen
Produkten die Kontrolle ſcharf. Die Eier werden hauptſächlich nach
England und Deutſchland exportiert. 1926 wurden (da auch die Eier
nach Gewicht exportiert werden), 52 000 engl. Tonnen ausgeführt. Die
größten Eierexporteure ſind China, Dänemark und England. Neben
die=
ſen Genoſſenſchaften beſtehen noch mehrere andere landwirtſchaftliche
Ge=
noſſenſchaften, die im Vergleich zu den angeführten allerdings von
gerin=
gerer Bedeutung, aber trotzdem zu erwähnen ſind und ähnlich wie die
größenen Verbände organiſiert ſind. Hier ſind die
Einkaufsgenoſſen=
ſchaften z. B. für Futtermittel und eine Einkaufsorganiſation für
Kunſt=
dünger zu nennen. — Eine Genoſſenſchaftsbank wurde 1914 gegründet.
Heute etwa 100 beſtehender Genoſſenſchaftskaſſen ſehen weiterer
Entwick=
lung entgegen. Ein Genoſſenſchaftsgeſetz beſteht in Dänemark nicht. Das
landwirtſchaftliche Genoſſenſchaftsweſen in Dänemark iſt den Landwirten
in Fleiſch und Blut übergegangen. Die Bewegung iſt eng mit dem
Leben in Dänemark verbunden, und die däniſche Landwirtſchaft könnte
ohne dieſe landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften heute nicht mehr beſtehen.
Der Vorſitzende dankte dem Vortragenden für ſeine klaren
Ausfüh=
rungen und ſchließt, da ſich zu Punkt 6 niemand zum Wort meldet, gegem
2 Uhr den Verbandstag.
Die Gerauer Woche!
Die Vorbereitungen zur Gerauer Woche, der vom Verkehrsverein
für Groß=Gerau und Umgegend veranſtalteten großen Werbewoche,
ſind ihrem Abſchluß nahe. Es iſt ein großzügiges Programm
zuſam=
mengeſtellt worden, das die Aufmerkſamkeit weiteſter Kreiſe eine Woche
lang auf das Gerauer Land und ſeine Geſchäftswelt lenben wird. Die
Gerauer Woche beginnt, wie bereits mitgeteilt, am Freitag, den 20.
Mai. Sie wird nachmittags 4 Uhr vor geladenen Gäſten, unter denen
ſich Vertreter der Reichs=, Staats= und Gemeindebehörden ſowie von
Induſtrie, Handel und Gewerbe befinden, im Adlerſaal der Kreisſtadt
Groß=Gerau eröffnet werden. Abends von 6.15 Uhr bis 6.45 Uhr wird
der Bürgermeiſter von Groß=Gerau, Herr Dr. Lüdecke, im Frankfurter
Sender einen Radiovortrag über die Gerauer Woche und die
Beſonder=
heiten des Gerauer Landes und ſeiner Bevölkerung halten. Damit
wird der Gedanke der Gerauer Woche weiteſten Kreiſen über die
Gren=
zen, ſelbſt über die Grenzen Heſſens hinaus, vermittelt werden, und
man wird überall eine anſchauliche Darſtellung des neuerdings ſo
auf=
ſtrebenden Kreiſes Groß=Gerau gewinnen können. Anſchließend an den
Radiovortrag findet ein von Bürgermeiſter Dr. Lüdecke veranſtalteter
parlamentariſcher Abend vor geladenen Perſönlichkeiten aus dem
Be=
hörden= und Wirtſchaftsleben ſtatt, in deſſen Mittelpunkt ein Film und
Lichtbildervortrag des Herrn Dr. Eicke=Frankfurt a. M. über „
Behör=
den= und Wirtſchaftsorganiſation” ſtehen wird. Am Samstag, den 21.
Mai, wird ein Schaufenſterwettbewerb der Groß=Gerauer Geſchäftswelt
abgehalten werden. Der Sonntag ſteht durchaus im Zeichen des
Ver=
kehrs und der Reklame für das heimiſche Geſchäftsleben. Sämtliche
Ge=
ſchäfte bleiben an dieſem Tage geöffnet, das Straßenbild wird mit
ſeinen zahlreichen Reklameaufſchriften und Hinweiſen auf die
Erzeug=
niſſe des Gerauer Landes ein durchaus meſſeähnliches Gepräge
erhal=
ten. — Nachdem am Vormittag turneriſche und ſportliche Wettkämpfe
um die von der Stadt Groß=Gerau und vom Verkehrsverein geſtifteten
Wanderpokale abgehalten worden ſind, wird ſich in früher
Nachmittags=
ſtunde durch die Straßen der Kreisſtadt Groß=Gerau ein edwa zwei
Kilo=
meter langer Werbezug bewegen. Die Geſchäftswelt Groß=Geraus und
der umliegenden Gemeinden wird an dieſem Werbefeſtzug durch
Stel=
lung von Reklamegruppen und Propagandawagen ihre
Leiſtungsfähig=
keit augenfällig zum Ausdruck zu bringen. Der Neklameumzug, in dem 4
Kapellen, u. a. die Beamtenvereinigung ehemaliger Militärmuſiker
Darmſtadt, mitmarſchieren werden, wird ſo den Höhepunkt der
geſam=
ten Gerauer Woche bilden. Dieſer Teil des Programms wird eine
Ver=
anſtaltung ſein, wie ſie das flache Land in Heſſen, wo es auch immer
ſein mag, noch nirgends geſehen hat. Der Gang der Vorarbeiten
er=
gibt das lebhafteſte Intereſſe aller Beteiligten des Gerauer Landes und
der auswärtigen Markenfirmen, ſo daß man zu den ſchönſten
Hoff=
nungen berechtigt iſt. Aus der Mainmetropole werden am
Werbeſonn=
tag Mitglieder der dortigen Keglerverſammlung in ſehr großer Zahl
eintreffen, um in Groß=Gerau die Gründung einer Keglervereinigung
vorzunehmen. Ueberhaupt rechnet man nach den bisherigen
Mittei=
lungen für dieſen Tag mit zahlreichen Gäſten aus den an den Grenzem
Groß=Geraus gelegenen Großſtädten. Am Montag wird ein
Haus=
frauen=Nachmittag ſtattfinden, in dem eine Führerin der
Frauenbewe=
gung, Frau Profeſſor Altendorf=Mainz, über moderne
Hausfrauen=
organiſation ſprechen wird. Am Dienstag gaſtiert das Heſſ.
Künſtler=
theater für Rhein und Main mit Fuldas Jugendfreunden in der
Kreis=
ſtadt. Am Mittwoch halten die im Verkehrsverein organiſierten Vereine
einen bunten Abend ab, in deſſen Verlauf die Prämijerung der
Schau=
fenſter und die Ueberreichung der Wanderpokale, an die Turn= und
Sportvereine ſtattfindet. Den Abſchluß der Gerauer Woche bildet am
Himmelfahrtstag ein Waldfeſt im Groß=Gerauer Stadtwald. Von
gro=
ßer Bedeutung für die Gerauer Woche und ihren Erfolg iſt das vom
Verkehrsverein herausgegebene Werbeheft, das mit zahlreichen Artikeln
über das Gerauer Land ausgeſtattet und durch photographiſche
Auf=
nahmen reich illuſtriert iſt. Es wird einen Umfang von etwa 100
Sei=
ten haben und iſt zu einem ungemein niedrigen Preis von 50 Pfennig
durch den Verkehrsverein zu beziehen. Bemerkenswert iſt, daß die am
Dienstag, den 10. Mai, in Groß=Gerau ſtattgehabte Sitzung der
In=
duſtrie= und Handelskammer Darmſtadt der Gerauer Woche ihr
lebhaf=
tes Intereſſe zum Ausdruck gebracht hat.
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Seifen u. Schmierseifen
Seite 8
Sonntag, den 15. Mai 1927
Nummer 134
Aus Heſſen.
Gärineriſche Lehrlingsprüfungen in Heſſen.
Zu den diesjährigen Frühjahrsprüfungen der
Landwirtſchaftskam=
mer hatten ſich im ganzen 51 Prüflinge gemeldet. Sämtliche Prüflinge
beſtanden die Prüfung, und zwar in folgender Reihenfolge
3 mit der Note „ſehr gut”;
16 mit der Note „gut”.
21 mit der Note „ziemlich gut”;
11 mit der Note „genügend”.
Die Anforderungen, die an die Prüflinge geſtellt wurden, waren
hrößer wie in den Vorjahren, um durch die Prüfung eine gewiſſe
Aus=
leſe zu treffen und die für den Beruf ungeeigneten Leute auszuſcheiden.
Der anzulegende Maßſtab wird daher auch in Zukunft noch ein
ſtrenge=
verer werden. Hieraus iſt zu folgern, daß, um mit Erfolg im
gärtneri=
ſchen Berufe tätig zu ſein, nicht unerhebliche Vorausſetzungen in Bezug
auf die körperlichen und geiſtigen Fähigkeiten der Betreffenden gegeben
ſein müſſen. In Verkennung dieſer Vorausſetzungen wenden ſich noch
immer viele junge Leute dem Berufe zu, die ihn ſpäter wieder aufgeben
gnüſſen.
Für die Eltern von Gärtnerlehrlingen iſt wichtig, zu wiſſen, daß
nur Lehrlinge aus anerkannten Lehrbetrieben zu den Prüfungen der
Landwirtſchaftskammer zugelaſſen werden. Dies iſt beſonders zu
be=
achten, da immer noch Lehrlinge in nicht anerkannten Betrieben gehalten
werden und dieſe dann in ihrem ſpäteren beruflichen Fortkommen ſtark
behindert ſind, da ſie weder zu den Lehrlingsprüfungen, noch zu den
ſpäteren Obergärtnerprüfungen, weder in Heſſen noch in einem anderen
Gliedſtaat zugelaſſen werden.
Allgemein üblich iſt eine vierwöchentliche Probezeit, während der
der Lehrling ſich überlegen kann, ob er den Beruf ergreifen will, oder
nicht. Nach Ablauf dieſer Zeit müſſen Lehrverträge nach dem Vordruck
der Landwirtſchaftskammer abgeſchloſſen und dieſer zur Prüfung und
Eintragung in die Stammrolle vorgelegt werden.
* Griesheim, 13. Mai. Durch das Geſetz über die Vergütung von
Beſatzungsleiſtungen und =vermögensſchäden (Beſatzungsleiſtungsgeſetz),
das in nächſter Zeit in Kraft treten wird, werden die Vorſchriften über
die Anmeldung von Beſatzungsſchäden teilweiſe geändert
werden. Die Anmeldung hat künftig ſchriftlich oder zu Protokoll bei
einer Gemeindebehörde oder bei einer Feſtſtellungsbehörde zu erfolgen,
und zwar in jedem Falle innerhalb eines Monats nach dem Eintritt
des Schadens Die Anmeldungsfriſt für laufende Leiſtungen,
insbeſon=
dere alſo für Quartiergewährung, die bisher 3 Monate betrug, iſt alſo
auf einen Monat verkürzt; die bisherige zuläſſige mündliche Meldung
ge=
nügt künftig nicht mehr. Die Verſäumung der Anmeldungsfriſt hat
den Verluſt des Anſpruchs zur Folge. Es wird dringend empfohlen,
die Anmeldungsvorſchriften des neuen Geſetzes ſchon jetzt zu beachten
und jeden Schaden unverzüglich und nicht erſt gegen Ende der
einmona=
tigen Anmeldungsfriſt ſchriftlich anzumelden. Soweit der Schaden der
Hohe nach nicht angegeben werden kann, genügt die Anzeige des
Schaden=
falles unter Vorbehalt der noch zu ermittelnden Schadensſumme.
* Griesheim, 14. Mai. Vorſicht beim Schließen der
Coupé=Türen! Geſtern abend brachte ein junges Mädchen von
hier beim Einſteigen eines Reiſenden die linke Hand in die Türe und
erlitt eine ſchwere Quetſchung des Mittelfingers. Den einſteigenden
Reiſenden trifft keine Schuld
* Ober=Ramſtadt, 14. Mai. Reichswohnungszählung.
Für die am Montag, den 16. Mai, ſtattfindende Reichswohnungszählung
und der damit verbundenen Aufnahme der Wohnungsfuchenden, wurden
an die Grundſtücksbeſitzer und Wohnungsinhaber verſchiedene Formulare
ausgegeben. Die ſorgfältige und vollſtändige Ausfüllung dieſer iſt, wenn
die Zählung eine genaue Da ſtellung der Wohnungsverhältniſſe der
Be=
völkerung abgeben ſoll, von größter Bedeutung. Deshalb vor der
Aus=
füllung der einzelnen Bogen die auf dieſen aufgedruckten Anleitungen
durchleſen! Alle Formulare ſind ſo rechtzeitig auszufüllen, daß ſie ab
Dienstag, den 17. Mai, vormittags, zur Abholung durch die Zähler
be=
reit liegen.
* Ober=Ramſtadt, 14. Mai. Gemarkungsgrenzgang. Am
Sonntag, 15. Mai, unternimmt der Ortsvorſtand einen
Gemarkungs=
rundgang, und zwar der Grenze Geiſenwald, Ludwigsteich, Eiſernhand
entlang; anſchließend hieran iſt Einkehr bei Gaſtwirt Scherer in Traiſa
geplant. Die Bürgermeiſterei lädt hierzu alle Intereſſenten freundlichſt
ein. Abmarſch der Teilnehmer pünktlich 12½ Uhr am Gaſthaus „Zum
weißen Schwanen”, Bahnhofſtraße.
* Nieder=Ramſtadt, 14. Mai Gemeinderatsbericht. Als
Platz für die Errichtung einer Kraftpumpſtation der
Gemeindewaſſer=
leitung wird die Mauer am erhöhten Fußſteig beim alten
Krieger=
denkmal ausgewählt. Falls bautechniſch Bedenken nicht beſtehen, kann
die Arbeit, die Bereits der Firma Nohl in Darmſtadt übertragen iſt,
ausgeführt werden — Für die Baukommiſſion erſtattet Gemeinderat
Rückert Bericht. Nach der vorgenommenen Beſichtigung ſind
verſchie=
dene Gemeindewohnungen reparaturbedürftig. Die in Betracht
kom=
menden Arbeiten ſollen nach Angabe der Baukommiſſion auf dem
Submiſſionswege vergeben werden. — Ueber das Verlegen der
Wand=
platten in der Gemeindebadeanſtalt wurden bereits Preiſe eingeholt.
In Anbetracht deſſen, daß es ſich um eine größere Arbeit, ca. 120
Quadratmeter, handelt, ſollen weitere Angebote eingeholt werden. Bei
dieſer Gelegenheit wurde gewigt, daß die Beſtimmungen der
Bade=
vrdnung nicht mehr eingehalten werden. Die Verwaltung wird
be=
auftragt, hierin Abhilfe zu ſchaffen. — Die Erhebung einer örtlichen
Bierverbrauchsabgabe wird abſchlägig beſchieden. — Oberſchutzmann
Bender iſt jetzt bereits 26 Jahre im Gemeindedienſt tätig. Seine
Dienſtführung iſt eine durchaus einwandfreie, ſo daß bei ihm alle
Be=
dingungen, die an eine unwiderrufliche Anſtellung im Gemeindedienſt
geknüpft werden, erfüllt ſind. Der Gemeinderat beſchließt daher die
unwiderrufliche Anſtellung. — Nach Anſicht des Gemeinderats wird der
Neubau des Frd. Schneider in der Kirchſtraße nicht nach den durch
den Gemeinderat ſeinerzeit feſtgeſetzten Bedingungen ausgeführt. Die
Verwaltung wird beauftragt, ſofort die notwendigen Schritte wegen
Aenderung der Bauweiſe einzuleiten. — Der Kanal in der Fahrſtraße
ſoll eine Verbeſſerung dadurch erfahren, daß der Witwe Heppenheimer
auf=
gegeben werden ſoll, ihre Hofreite an den Kanal anzuſchließen.
Nöti=
genfalls können die entſtehenden Koſten vorlagsweiſe durch die Gemeinde
beſtritten werden.
* Groß=Umſtadt, 14. Mai. Aus dem Gemeinderat. Dem
Wilhelm Fendt, Altheim, werden 100. Zentner Wieſenheu zum Preiſe
von 3,20 Mk. für den Zentner verkauft. Dagegen ſoll von Heinrich
Freund 2. Kleeheu zum Preiſe von 4 Mk. pro Zentner gekauft werden,
falls dasſelbe von der Landwirtſchaftskommiſſion für gut befunden wird.
— Wegen Herſtellung von Kleinpflaſter in der Kaiſerſtraße (Dieburger
Straße) wird die Bürgermeiſterei beauftragt, mit der Provinzialdirektion
Starkenburg in Verhandlungen einzutreten. — Bezüglich der
Her=
ſtellung von Steinholzfußböden in der Direktorwohnung der
Oberreal=
ſchule dahier, wird dem Johannes Neff der Zuſchlag für die
Her=
ſtellung des Lattenroſtes zu ſeinem Angebot von 187,50 Mk. erteilt.
Die Herſtellung des Steinholzfußbodens wird der Firma Auguſt und
Philipp Schüßler, Worms, zu dem Angebot von 363 Mk. übertragen. —
Es wird die Beſchaffung eines Sprengwagens und einer Zugmaſchine
(Bulldogg) beſchloſſen. Hieſige Firmen werden zur Einreichung von
Angeboten aufgefordert. — Die Beſchaffung von Bahnbaracken und
die Erbauung einſtöckiger Fachwerkbauten für Novvohnungen wird
ab=
gelehnt. — Der Pferde= und Zuchtviehmarkt für 1927 findet am Freitag,
den 23. September, ſtatt. Die Ziehung der damit verbundenen Lotterie
findet am Samstag, den 24. September, ſtatt. — Die Lieferung von
Bettonröhren wird dem J. Böhm zum Preiſe von 3,78 Mk. pro Ifd.
Meter übertragen. — Dem Georg Georg wird der Zuſchlag zur
Her=
ſtellung einer Brücke an der Bleiſteinsmühle zum Preiſe von 119 Mk.
erteilt und Jakob May 5. ſoll die Verſetzung einer Mauer am
Staab=
ſchen Hauſe zur Verbeiterung des Frießenbeunewegs zum Preiſe von 133
Mark vornehmen. — Dem Jungmädchenbund wird für eine
Theater=
aufführung die Vergnügungsſteuer erlaſſen. — Dem Rudolf Jöckel wird
die Erlaubnis zur Anbringung einer Markiſe an ſeinem Schaufenſter
nach der Mühlſtraße genehmigt. Salomon Lindheimer erhält die
Er=
laubnis zum Umbau ſeines Wohn= und Geſchäftshauſes.
* Klein=Umſtadt, 14. Mai. Am vergangenen Sonntag wurde unter
außerordentlich großer Teilnahme der auf dem Bahnhof Babenhauſen
auf ſo tragiſche Art und Weiſe ums Leben gekommene Bahnbedienſtete
Deinrich Arnold zu Grabe getragen. Der Eiſenbohwverein „Babenhauſen
beliebt der Verſtorbene allgemein war, bezeugten die Kranzſpenden,
Kranzniederlegungen am Grabe und die warmen Nachrufe.
25. Heſſiſcher Landesfeuerwehrtag in Worms.
Vom 2. bis 4. Juli findet in den Mauern der alten
Nibelungen=
ſtadt Worms der 25. Heſſiſche Landesfeuerwehrtag ſtatt, der noch den
großzügigen Vorbereitungen einen glänzenden Verlauf verſpricht. Mit
ihm „verbunden iſt eine Löſchgeräteausſtellung in der Turnhalle am
Jahnplatz, die am Freitag, den 1. Juli, eröffnet wird. Am 2. leitet
nach einer nachmittäglichen Verbandstagung im Städtiſchen Spiel= und
Feſthauſe ein großer Zapfenſtreich mit nachfolgendem Kommerſe in der
Feſthalle die Tagung ein. Der Hauptfeſttag, Sonntag, der 3. Juli,
ſieht nach einem Tagweckruf eine große Schul= und Angriffsübung auf
dem Maxktplatz, einen Feſtzug und ein allgemeines Volksfeſt auf dem
Feſtplatz bei der Jahnturnhalle vor, das am Montag, den 4. Juli,
wiederholt und mit einem g=oßartigen Brillant=Feuerwerk beſchloſſen
wird. Für die Unterbringung der in großer Zahl zu erwartenden Feit
gäſte ſorgt das Empfangs= und Wohnungszuxeau, das zu jede: ge
wünſchten Auskunft heute ſchon bereit iſt. Alt=Worms mit ſeiner be
währten Gaſtfreundſchaft aber wird ſeinem alten Ruf als Feſt= und
Tagungsſtadt auch bei dieſer ſommerlichen Feſtfeier entſprechen, die zu
den glänzendſten gehören dürfte, die es in ſeinen Mquern jah.
r. Bahenhanſen, 13. Mai. Die Preisverteilung voy letzten
Preisſchießen fand vorgeſtern Abend im Schützenhaus ſtatt. Eine Reihe
auswärtiger Schützen hatte es ſich nicht nehmen laſſen,, die herrlichen
Schießanlagen auch am Mittwoch zu Schießübungen zu benutzen und der
anſchtießenden Preisverteilung beizuwohnen. Sie hatte folgendes
Er=
gebnis: Feſtſcheibe „Heſſen” 1. Preis Friedlein=Michelſtadt, Feldſcheibe
(300 Meter) 1. Schmucker=Ober=Moſſau, 175 Meter Auflage 1. Georg
Krapp=Babenhauſen, Standmeiſterſcheibe (175 Meter) 1. Gunſchmann=
Darmſtadt Standmeiſterſcheibe (175 Meter) Glück” 1. Schätzler=Groß=
Umſtadt, Feſtſcheibe Babenhauſen” 1. Schönberger=Darmſtadt,
Rehbock=
ſcheibe 1. Friedlein=Michelſtadt, laufender Keiler 1. Ofenſtein=
Aſchaffen=
burg a. M., Keiler „Glück” 1. Büchner=Habitzheim, Kleinkaliber=
Feſt=
ſcheibe 1. Herr=Dieburg. Stehend freihändig 1. Bender=Babenkfauſen,
kniend freihändig 1. Weil=Babenhauſen, liegend freihändig 1. Fath=
Afchaffenburg, Abteilung A, Schießen für Jugendliche, liegend
frei=
händig 1. Roſe=Babenhauſen. — Der Straßenübergang an
der Darmſtädterſtraße wurde geſtern für allen Verkehr dauernd
ge=
ſchloſſen. Mit dem gleichen Zeitpunkt wird eine Unterführung neben
dem Bahnübergang für den Fußgänger=, Radfahrer= und
Kleinfuhrwerk=
verkehr eröffnet. Für den Verkehr wird die neue Umgehungsſtraße
nordweſtlich des Bahnhofs freigegeben. Sie iſt durch Schilder kenntlich
gemacht, für Kraftfahrzeuge beträgt die Fahrgeſchwindigkeit höchſtens
15 Kilometer und für Laſtkraftwagen 12 Kilometer. Da die Fahrſtraße
nur eine Breite von 4,70 Metern beſitzt, ſo iſt bei dem Ausweichen
größte Vorſicht geboten. Vor allem für Fuhrwerke beim Bahnübergang
an dem Sägewerk Kreh wegen der geringen Ueberſichtlichkeit der
Stra=
ßenſtrecke. Alle Fahrzeuge, die aus Richtung Darmſtadt-Dieburg
kom=
men, müſſen bei dem Sägewerk links in dieſe Umgehungsſtraße, die
nachts erleuchtet iſt, einbiegen. — Der hieſige Stenographen=Verein
„Stolze=Schrey” nahm am vergangenen Sonntag in Wiesbaden
am 41. Bundestag des Mitteldeutſchen Stenographenbundes teil. Mit
10 Teilnehmern trat der Verein zum Wettkampf an und konnte ſehr
ſchöne Erfolge erzielen. 5 Ehrenpreiſe konnten mit nach Hauſe
genom=
men werden, ſämtliche Schreiberinnen und Schreiber wurden
preis=
gekrönt. In der Abteilung 200 Silben erhielt den 1. und Ehrenpreis
L. Gonder. Beim Wettleſen errang Schriftfreund Hch. A. Fendt mit
einer Minuten=Leſegeſchwindigkeit von 482 Silben den 5. Preis. Beim
Richtigſchreiben wurden ebenfalls 4 Preiſe erzielt. Mit dieſem ſchönen
Ergebnis hat der hieſige Stenographenverein „Stolze Schrey” die
dritt=
beſte Geſamtleiſtung vom ganzen Bund zu verzeichnen.
* Ober=Klingen, 14. Mai. Das für den 3 Juli angekündigte
all=
gemeine evangeliſch=kirchliche Jugendtreffen am Otzberg findet mit
Rückſicht auf das Jungbauernfeſt in Lengfeld erſt am 10. Juli ſtatt.
Vielbrunn, 14. Mai. Unſer älteſter Einwohner Georg Adam
Sachs, gen. Sachſeſchneider, konnte vorgeſtern ſeinen R. Geburtstag
feiern. Die lange, faſt ein Jahrhundert zählende Reihe ſeiner
Lebens=
jahre hat kaum vermocht, ihn geiſtig wie körperlich zu brechen, er
raucht nach wie vor ſeine Pfeife und ſucht gern anregende
Unter=
haltung.
Michelſtadt, 14. Mai. Werbewoche des Vereins für das
Deutſchtum im Auslande. Die Werbewoche, die ſich wegen der
Ausge=
dehntheit des Kreiſes Erbach auf die Zeit vom 7.—22 Mai erſtrecken
muß, hat bereits am 6. Mai in den Schulen begonneg. Herr
Kreis=
ſchulrat Gerbig=Erbach ſprach in Reichelsheim vor den Volksſchulklaſſen
Reichelsheims und der Umgegend und am 10. Mai vo= den Schülern
der Volksſchule Erbach. Herr Oberſtudiendirektor Dr. Weiner bielt
am 12. Mai vor den Schülern und Schülerinnen der Oberrealſchule
Michelſtadt in „Schmerkers Garten” einen Lichtbildesvortrag üüber
„Südtirol unter der Fremdherrſchaft” und am 13. Mai einen
ebenſol=
chen vor den Schülern Beerfeldens und der Oberzent. Die Ortsgruppe
Michelſtadt—Erbach tritt auch am 14. Mai an die Oeff=ntlichkeit mit
einem Laufbild über die Kulturnot des Auslandsdeutſchtmrs und einer
Anſprache von Herrn Oberſtudiendirektor Dr. Weiner; außerdem
ver=
anſtaltet dieſelbe für Michelſtadt und Erbach einen öffentlichen
Werbe=
abend in Stockheim und eine Straßenſammlung mit Platzmuſik.
* Erbach i. O., 14. Mai. Noch vor zwei Tagen war die ganze
hieſige Gegend und das Mümlingtal voll weißer Blütenpracht. Die
beiden letzten Nächte mit ihren Fröften haben alle Blüten ſo gut wie
vernichtet. „Pankratius und Servatius”, die beiden Eisheiligen, haben
ganze Arbeit geliefert. Geſtern morgen war ſogar bei uns im
Oden=
wald vielfach leichter Schneefall. Der plötzliche Witterungswechſel iſt
für alle Obſtbaumbeſitzer ein empfindlicher Schlag. — Die Ortsgruppe
Erbach des Odenwaldklubs unternimmt am Sonntag, den 15. ds. Mts.,
eine außerordentliche Wanderung nach Ober=Moſſau. Abmarſch 9 Uhr
vormittags, Fachſchule.
* Hammelbach, 14. Mai. Maimarkt. Am Sonntag, den 15.
und Montag, den 16. Mai, findet der hieſige Maimarkt ſtatt. Das
Marktrecht erſtreckt ſich ſchon über Hunderte von Jahren. Aus alten
Akten iſt erſichtlich, daß das Abhalten eines Jahrmarktes in
Hammel=
bach im Jahre 1809 „neu konzeſſioniert worden iſt. Der Maimarkt
liegt jeweils am 3. Sonntag vor Pfingſten. Er wird immer gern von
nah und fern beſucht, beſonders da für Unterhaltung reichlich Sorge
getragen iſt. — Schnee. Die drei Eisheiligen machten auch dieſes
Jahr ihrem Namen alle Ehre. Während im verfloſſenen Jahre am
9. Mai morgens früh alles in eine dichte Schneedecke gehüllt war,
kämpfte, geſtern, am 13. Mai, der Schnee mit der Sonne. Aber die
Kraft des Winters iſt doch gebrochen. Hoffentlich richtet er o den
überreich blühenden Obſrbäumen keinen Schaden mehr an.
* Vom ſüdlichen Odenwald, 13. Mai. Es fiel ein Reif in der
Früh=
lingsnacht! — Nein, ſchon zwei kalte Nächte war es, Mamertus ſchickte
kalt, Pankraz noch kälter. Die Birnbäume habem meiſt verblüht, obs
denen noch viel geſchadet hat, ſei dahin geſtellt, aber an der Apfelblüte
hat die Kälte zweifellos erheblich geſchadet, das ſieht man an dem Gelb,
dem das wunderbare Weiß Platz machen mußte. Im Wald ſind die
jun=
gen Triebe der Tannen und Eichen vielfach erfroren, und wo die
Heidel=
beerſträucher nicht viel Schutz haben, ſind die Müten ſicher zerſtört. Wo
in den Gärten junge Pflanzen der hieſigen Zeit vorauseilten, müſſen
ſie es mit dem Leben bezahlen, und der fleißige Gartenliebhaber mit
neuem Samen und neuen Setzlingen. — Das Sprichwort ſagt: „Wenn
die Apfelbäume blühen, müſſen die Ofenplatten glühen”; heuer können
wir ſeine Wahrheit prüffen. Es iſt eine alte Erfahrung, daß für unſere
Gegend ein ſpätes Frühjahr am heilſamſten iſt.
Hirſchhorn, 14. Mai. Waſſerſtand des Neckars. Am
13. Mai: 1,26 Meter; am 14. Ma:: 1.24 Meter.
* Neckarfteinach, 14. Mai. Vom Starkſtrom getötet. Der
75 Jahre alte, verheiratete Monteur Meier beſchäftigte ſich an einem
Maſt der Starkſtromleitung. Unvorſichtigerweiſe kam er der Leitung
zu nahe und wurde ſofort vom Strom getötet. Der Verunglückte, ein
tüchtiger, zuverläſſiger Arbeiter, ſtand über 21 Jahre im Dienſte der
badiſchen Ueberlandzentrale.
Gernsheim, 14. Mai. Rhein=Waſſerſtand. Am 14. Mai:
2.10 Meter.
Jetzt iſt es
Zeit, Som
Solmersglossen merſproſſen,
Leberflecke,
gelbe Flecke 8
im Geſicht und an den Händen zu beſeitigen durch Bleichen mit
Klorokrem und Kloroſeife. Unſchädlich und ſeit Jahren bewährt
Mit genauer Anweiſung in allen Chlorodont=Verkaufsſtellen zu haben.
Er ..Ri=Arbeitszeitverhandlungen in der Metallindufirie
Hefſens und Heſſen=Naſſaus wiederum geſcheitert.
Auf Veranlaſſung des Reichsarbeitsminiſteriums fanden am
Don=
nerstag unter dem Vorſitz der beiden Schlichter, Herrn
Oberregierungs=
rat Dr. Bernheim=Darmſtadt und Gewerberat Schilling=Hanau, erneut
Verhandlungen zwiſchen dem K7etallinduſtriellenverband und dem
Chriſtlichen und Deutſchen Metallarbeiterverband ſtatt. Nach
ſtunden=
langen Bemühungen der beiden Schlichter ſcheiterten die Verhandlungen,
da die Metallinduſtriellen keine weſentliche Zugeſtändniſſe auf die
For=
derungen der beiden Metallarbeiterverbände machen wollten.
Die Forderungen der Metallarbeiterverbände lauteten u. a. bei
Mehrarbeit, d. h. Arbeitsleiſtung über die 48=Stundenwoche, iſt neben
einem angemeſſenen Zuſchlag, die Zuſtimmung der geſetzlichen
Betriebs=
vertretung (Betriebsrat) vor der Verlängerung der Arbeitszeit
einzu=
holen. Dieſes Mitbeſtimmungsrecht bekämpften die Unternehmer. Die
Lage in der Metallinduſtrie iſt durch dieſe erneut geſcheiterten
Verhand=
lungen ſehr geſpannt. Wahrſcheinlich wird nunmehr der
Reichsarbeits=
miniſter die Parteien in den nächſten Tagen nach Berlin zu
Verhand=
lungen einladen.
Dieſer Unnachgiebigkeit der Metallinduſtriellen, kann nur begegnet
werden durch eine ſtarke Berufsorganiſation. Es muß deshalb auch für
den letzten Unorganiſierten die Parole heißen: Anſchluß an den
Chriſt=
lichen Metallarbeiterverband und damit Stärkung der
Berufsorgani=
ſativn.
* Heppenheim a. d. B., 13. Mai. Kreisausſchußſitzung. Am
kommenden Dienstag findet im Kreisamtsgebäude Heppenheim,
vormit=
tags um 8,30 Uhr, eine öffentlehe Sitzung des Kreisausſchuſſes mit
fol=
gender Tagesordnung ſtatt: 1. Beſchwerde des Georg Berg in
Ober=
abtſteinach gegen die dortige Beigeordnetenwahl. 2. Die Ernennung eines
Polizeidieners für die Gemeinde Gadern. 3. Die Erhebung einer
Wert=
zuwachsſteier in Hammelhach. — Bei der letzten Sitzung des
Kreis=
ausſchuſſes kamen unter dem Vorſitz des Herrn Kreisdirektors Pfeiffer
folgende Punkte zur Verhandlung: 1. Die Bürgermeiſterwahl in
Wah=
len; gegen die ein Einſpruch gegen den gewählten Peter Horle vorlag.
Der Kreisausſchuß lelnte die Verhandlung über die Qualifikation des
Peter Horle von Wahlen zum Bürgermeiſter ab und wies die Beſchwerde
des Johann Emig und Genoſſen als geſetzlich unzuläſſig zurück. Die
Reklamanten wurden zur Tragung der Koſten verurteilt. 2. Dem Geſuch
des Karl Faltermann aus Viernheim um Erlaubnis zum Betriebe einer
Gaſtwirtſchaft wurde ſtattgegeben. 3. Die Gemeinde Zotzenbach wurde
verurteilt den Anteil zu den ſachlichen Koſten der gemeinſamen
gewerb=
lichen Fortbildungsſchule an die Gemeindekaſſe Mörlenbac) zu bezahlen.
Die Gemeinde Zotzenbach wurde verurteilt, die Koſten der Verhandlung
zu bezahlen. — Odenwald=Kraftwagen=Vertehrs=
Aktiengeſellſchaft. Für die Bäckermeiſter der hieſigen Gegend
iſt es von großer Wichtigkeit zu erfahren, daß zu dem Verbandstag des
Zentralverbandes Deutſcher Bäckerinnungen am 22. Mai in Erbach i. L.
die Kraftwagenverkehrsgeſellſchaft morgens einen Kraftwagen von
Heppenheim nach Erbach ſo einlegt, daß Erbach bereits morgens vor. 9
Uhr erreicht werden kann. Für die Rückfahrt ſind ebenfalls wieder
Son=
derwagen ſo vorgeſehen, daß dieſelben erſt nach Beendigung der Tagung
in Erbach abgehen.
— Dietzenbach, 13. Mai. Begünſtigt von herrlichſtem Maiwetter
nahm der 1. Frauentag des Verbandes evangeliſcher Frauenvereine im
Kreis Offenbach einen erhehenden Verlauf. Obwohl noch nicht alle
Frauenvereine angeſchlöſſen ſind, waren über 1000 Frauen
zuſammen=
gekommen. Die geräumige, im Frühlingsſchmuck prangende Kirche
ver=
mochte die Maſſen nicht ganz zu faſſen. Trotz der Ueberfülle aber lag
feierliche Stille, ſtarke Glaubenseinmütigkeit über dem Gottesdienſt, der
in der Weihe einer Kirchenfahne ſeinen Höhepunkt hatte. Die
Weihe=
worte des Herrn Dekan Lehn, die Worte der jungen Mädchen und des
Fahnenträgers, gedichtet von Frau Dekan Lehn, wirkten tief ergreifend.
Nach dieſer Feier zeigte ein mächtiger, aus 15 Vereinen beſtehender
Feſt=
zug mit Muſik und der weithin durch ihre Schönheit und Einfachheit
wirkenden Fahne, daß auch bei uns evangeliſches Chriſtentum noch eine
feſte Burg iſt. Nicht weniger eindrucksvoll verlief auch die
Nachver=
ſammlung im feſtlich geſchmückten neuen Löwenſaale. 7 große Keſſel
Kaffee und über 100 Kuchen ſtillten nun auch den leiblichen Hunger und
Durſt. Ein reiches Programm des Dietzenbacher Frauenvereins unter
Leitung von Frau Pfarrer Weber ließ die Stunden überaus raſch
ver=
gehen. Eine große Freude war es auch für die Feſttagung, daß die
Vorſitzende des Geſamtverbandes evangeliſcher Frauenvereine für Heſſen,
Fürſtin Eliſabeth zu Erbach=Schönberg, am Feſte teilnahm und mit
herzlichen Worten die Veranſtaltung begrüßte.
WSN. Gießen, 14. Mai Großer Waldbrand Vorgeſtern
nachmittag entſtand in dem ſtaatlichen Forſt Schiffenberg bei Gießen ein
Waldbrand, durch den ein junger Fichtenbeſtand, von etwa 500
Quadrat=
metern Umfang in Mitleidenſchaft gezogen wurde. Zur Unterdrückung
der hoch auflodernden Flammen eilte eine große Anzahl
Waldarbeite=
rinnen herbei, außerdem wurde die Gießener Berufsfeuerwehr zur
Hilfe gerufen. Nach mehrſtündiger angeſtrengter Arbeit gelang es, den
Brand abzudämmen und ſchließlich zu löſchen. Ueber die
Entſtehungs=
urſache iſt noch nichts genaues bekannt, es wird aber angenommen, daß
ein achtlos fortgeworfener Zigarren= oder Zigarettenſtummel in dem
dort ſtehenden drirren Untergras den Ausbruch des Brandes veruſachte
Die Höhe des Schadens ſteht noch nicht feſt.
WVSN. Butzbach, 13. Mai. Heſſiſche Gaſtwirtetagung
in Butzbach (zweiter Tag). Am zweiten Tage des 44. Verbandstages
des Heſſiſchen Gaſtrirteverbandes ſprach der Vorſitzende des
Reichs=
verbandes, Direktor Köſter=Berlin, über das Thema: „Das deutſche
Gaſtwirtsgewerbe im Rahmen der Geſamtwirtſchaft‟ Er betonte, daß
das Gaſtwirtsgewerbe während der Inflationszeit im Großen und
Ganzen zwar ſeine Subſtanz ewhalten konnte, daß aber in der
De=
flationszeit der Stand ſelber immer mehr an das Lieferantenkapital
ver=
ſchuldet worden ſei. Der Redner beſchäftigte ſich dann eingehend mit
den Fragen der Bierſteuer, der Abſtinenzbewegung, dem
Beherbergungs=
weſen, der Konzeſſionserteilung ſowie der Polizeiſtunde und mit der
Tanzfrage. Gegen die Abſicht der Reichsbahngeſellſchaft, die
Bahnhofs=
wirtſchaften in eigene Regie zu übernehmen, müſſe mit allen geſetzlichen
Mitteln Front gemacht werden. Während der nun folgenden 20
Be=
ratungspunkte konnte man hören, wie ſchwer der Gaſtwirteſtand um
ſeine Exiſtenz zu ringen und mit welch großen Schwierigkeiten er zu
kämpfen hat. Zahlreiche Anträge, ſo z. B. derfenige auf eine ſtärkere
Vertretung im Reichswirtſchaftsrat, ferner Anträge auf Aufhebung der
Feierabendſtunde, Nach=Eichung der Bierfäſſer ſtatt alle zwei Jahre in
jedem Jahre und Konzeſſionsverweigerung für Turnhallen, wurden dem
Verband als Material überwieſen. Ferner wurde gefordert, bei
Neu=
regelung der Arbeitsſchutzgeſetze dahin zu wirken, daß das Verbot zur
Herſtellung von Eis, Schlagfahne uſw. an Sonntagen fällt. Ein
An=
trag, die Vergnügungsſteuerſätze denjenigen des Kinos gleichzuſtellen,
ſoll vom Reichsverband verfolgt werden. Der nächſtjährige
Verbands=
tag ſoll in Darmſtadt ſtattfinden. Abends fand im Heſſiſchen Hof aus
Anlaß des gleichzeitig ſtattfindenden 25jährigen Jubiläums des
Butz=
bacher Gaſtwirte=Vereins ein großer Feſtakt ſtatt, bei dem Vertreter der
Reichs= und Landesorganiſationen ſowie zahlreicher heſſiſcher
Gaſtwirte=
vereine dem Jubelverein ihre Glückwünſche ausſprachen. Dem einzigen
noch lebenden Mitbegründer des Vereins, Gaſtwirt Häuſer in Nieder=
Weiſel, der zugleich auf eine 50jährige Tätigkeit als Gaſtwirt
zurück=
blicken kann, wurde eine Ehrenurkunde überreicht. — Muſikaliſche und
turneriſche Vorſtellungen umrahmten den Feſtakt, der die Teilnehmer
bis in die frühen Morgenſtunden zuſammenhielt. Geſtern vormittag
fand ein gemeinſamer Ausflug nach dem Hubertus bei Münſter ſtatt.
— Bad=Nauheim, 13. Mai Kunſtausſtellung in Bad
Nauheim. In dem Staatlichen Ausſtellungsraum in den
Kolvi=
naden von Bad=Nauheim (Kunſthandlung Richard Banger) findet zure
zeit eine Ausſtellung oberheſſiſcher Künſtler ſtatt, die von der Neuen
Heſſiſchen Arbeitsgemeinſchaft für bildende Kunſt veranſtaltet iſt. Sie
enthält eine kleine, gewählte Anzahl von Landſchaften, Stilleben und
figürlichen Werken, graphiſchen Blättern, Bildhauerarbeiten,
Handzeich=
nungen, Buchſchmuck, Buchbindereien und kunſtgewerblichen Arbeiten.
Von Künſtlern treten hervor: E. Eimer, M. Stegmayer, K. Scheld, M.
Velte, E. Beithan, Barnas, Kutſcher, Steinbach, Müller=Leutert,
Wal=
ther, Ködding u. a. Die geſchmackvolle Ausſtellung, bei freiem
Ein=
tritt federzeit zugänglich, ſei jedem Kunſtfreund empfohlen. v. H.
Wetterbericht.
Wtterungsausſichten für Montag, den 16. Mai,
(nach der Wetterlage vom 14. Mai).
Wolkig, Temperaturen ſchwankend und vereinzelt Niederſchläge.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Nummer 134
Sonntag den 15. Mal 1927
Seite 9
Sl1 mol Wilfde ein Leinenstück
mit Persil gewaschen unter
fach-
amtlicher Aufsicht— Das ge=
Daschene Stück wurde auf seine
Festigkeit untersucht, und es erdab sich
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ein Qusserordlentlich gunstiges Er.
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Nummer 134
Sonntag, den 15 Mai 1927
Adolf Braun
Erſter
. .. Wilh. Wegerich
Zweiter
Karl Lochmann
Dritter
Adolf Klotz
Vierter
. . Ludwig Wenzel
Ein Hausknecht
Ein kleiner Neger, Lakaien, Laufer,
Heiduken, Küchenperſonal, ein Arzt,
Gäſte, Muſikanten, Kellner, Kutſcher,
zwei Wächter, vier kleine Kinder.
Verſchiedene verdächtige Geſtalten.
Ort und Zeit der Handlung: Wien, in
den erſten Jahren der Regierung
Maria Thereſias
Preiſe der Plätze 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Pauſen nach dem 1. und 2. Aufzug.
Anfang 6½ Uhr
Ende 10 Uhr
Alideutscher
Verband
Dienstag, d. 17. Mai,
8 Uhr abends
Vortrag: Das
Sied=
lungsproblem in der
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Grafenſtraße 18,
Weißer Saal (*13201
Spiel
A.
Paß
Kellner
Beſondere
Belegenheit
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Große Schauspieler von internationaler Bedentung, wie:
Das erstklassige Beiprogramm
Eduard v. Winterstein, Ferdinand Bonn, Sandra Milevanoff, Fritz
Kampers spielen in diesem Film, zu dem die Aufnahmen in Paris und Berlin gemacht
wurden, die Hauptrolle. Das berühmte Parlser Revuetheater „Moulin rouge‟‟,
mit seiner unerhört reichen und glänzenden Bühnenansstattung, ist eine der Glanzszenen
dieses großen Gesellschafts- und Kriminal-Films.
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Ihr großer Reinfall
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Sonntag, den 15. Mai 1927
abends 6½ Uhr
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Der Roſenkavalier
Komödie für Muſik in 3 Aufzügen von
Hugo von Hofmannsthal
Muſik von Richard, Strauß
Muſikaliſcher Leiter: Joſeph Roſenſtock
Verſonen:
Die Feldmarſchallin
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ſtin Werdenberg . . . . Anna Jacobs
Der Baron Ochs auf
Lerchenau .
Heinrich Kuhn
Octavian, gen. Quinguin Hedwig Werle
Herr von Faninal, ein
reicher Neugeadelter . Joh. Biſchoff
Sophie, ſeine Tochter . . Margar. Albrecht
Jungfer Marianne
Leit=
metzerin, die Duenna Grete Penſe
Valzacchi, ein Intrigant Eugen Vogt Franz I König von
Annina, ſeine Begleiterin Martha Liebel
Ein Polizeikommiſſar . . Hans Ney
Der Haushofmeiſter bei
der Feldmarſchallin . . Karl Ebert
Der Haushofmeiſter bei
Faninal".
Alfred Karen
Ein Notar.
Joſef Poerner
Ein Sänger.
Wilh. Wegerich /Ein Sekretär
Ein Gelehrter
Rudolf Strzeletz
Ein Tierhändler
Criſtoph Möbus
Ein Flötiſt
Richard Jürgas
Ein Friſeur
Dore Sauerwein
Ein Friſeurgehilfe
Eine adelige Witwe . . . Margar Carlſen
Erſte
adelige
Annelies Roerig
Zweite
Dritte / Waiſe
M. Fleiſchmann
Eine Modiſtin".
Rudolf Strzeletz
Ein Wirt . ."
DerLerchenauſcheLeiblakei G. Baumgarten
Erſter
Fritz Lang
Zweiter / Lakai der . . Kurt Schüppel
Dritter ( Marſchallin . . Jacob Schambach
Vierter
Rostaurant Rummelbräu
Heute Sonntag, abends 8 Uhr
Frankfurter Operetten-Gastspiel
Der
Rheinstr. 101 Iuh: K. Heidenreich Tel. 2519
Kleines Haus
Sonntag, den 15. Mai 1927
abends 7½ Uhr
Zuſatzmiete III, 12
Die Geſchichten
der Königin von Navarra
Luſtſpiel in 4 Aufzügen nach Seribe und
Legouvé von Otto Stockhauſen
In Szene geſetzt von Edgar Klitſch
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Perſonen:
Karl V., Kaiſer von Deutſchland
und König von Spanien, Robert Klupp
Eleonore, ſeine Schweſter Ilſe Lahn
Fſabella, Infantin von
Portugal, ſeine Braut. Beſſie Hoffart
.. . Joach. Büttner
Frankreich".
Margarete, ſeine Schweſter , Käthe Meißner
Henri, Graf d’Albret, ein
franzöſiſcher Edelmann, Rudolf Wittgen
Guattinara, Miniſter des
Rudolf Strzeletz/ Königs von Span en, HansBaumeiſter
Babieca, Kabinetiskurier
des Königs von Spanien Hans Epskamp
Otto Wenke
Ein Diener . . . . . . . Walter Bluhm
Ort: Das königliche Schloß zu Madrid
Preiſe der Plätze: 1.50 bis 6 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
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Eintritt frei!
Eintritt frei!
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Karten: Verkehrsbüro von 9—12 Uhr, sowie
Kasse des Orpheums ab 3 Uhr. (8206
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2 Vortragsabende
am Freitag, den 20. und Samstag den 21. Mai, abends
8 Uhr im „Mozartſaale‟, Schulſtraße
Ausführende:
Schüler von Müller-Söllner,
Heſangsmeiſter der Ausbildungsklaſſen u. der Obernſchule
der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt.
Am Flügel Herr Karl Dietrich
Karten, pro Abend Mk. 2.00, 1.50 u. 0.75, im Vorverkauf
bei Schutter, Muſikalienhandlung in der Eliſabethenſtraße
und abends an der Kaſſe (*13166
am Mittwoch, den 18. Mai, abends 8 Uhr
bei „Sitte” (gelber Saal), Karlſtraße.
Generalſekretär Welkow
ſpricht über:
(8170
„Politiſche Zeit= und Streitfragen” (mit
be=
ſonderer Berückſichtigung des Konkordats)
— Nur für Mitglieder der D. V.p. —
Ortsgruppe Darmſtadt. Der Vorſiand
Montag, 16. Mat. Keine Vorſtellung.
Dienstag, 17. Mai. G 16 (Darmſt.
Volks=
bühne). Mozart=Zyklus, 3. Vorſt. Cost
fan tutte. A.f. 7½ Uhr. Preiſe 2-6 Mk,
Ludwig Wenzel Mittwoch, 18. Mai. Keine Vorſtellung
Residenz-Theater
Vorletzter Tag
Der letzte Film von
Noch heute Sonntag
Mae Murrag
Die Tänzerin von
Nach der Komödie von
FRANZ MOLNAR
Hauptdarsteller:
Maria Corda
Alfred Abel
Anfang 2 Uhr
Irrgarten der Leidenschaft
Sittenroman in 7 Akten
Anfang 2 Uhr.
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Bleichstraße
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Familien - Konzert
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Deutſcher Frauen
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Morgenfeier
Mitwirkende: Frl. Roeſener, Frl. Ehrhardt,
Herr Geheimrat Prof. Dr. Paul Ernſt,
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Herr Riede.
Karten für Mitglieder bei Fr. v. Selzam,
Neckarſtr. 19; für Nichtmitgl. bei H. Arnold,
Wilhelminenſtr. 9 und Ch. Arnold, am
Der Vorſtand.
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Leitung: Kapellmeiſter Zöllner,
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Für Nichtkonzertbeſucher oberer Saal.
Bei günſtiger Witterung Konzert im
Garten.
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Krafenſtr. 43/45.
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Juhnenvolksbund
Leitung: Kapellmeiſier C. Zöllner.
St.4150)
Montag, den 16. Mai 1927 abends in de
Aula des Realgymnaſiums
Vortrag desH errn Oberregiſſeurs
Mutzenbecher vom Landes=Theater
„Aus der
Werkſtatt der Regie‟
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Der Vorſtand
8 Minuten hinter dem Waldfriedhof,
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2. Beethoven=Abend
im Donnerstag, den 19. Mai 1927,
im Feſtſaal des Real=Gymnaſiums
itwirkende: Hans Höfflin(Tenor)
FrauElſeHucke/Klavier)u d
HerrenKammer=
muſik. Hucke(Violine),Horn(Bratſche),Klammer
(Cello), Jung (Flöte und Heynau (Klarinette)
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 134
Sonntag, den 15 Mai 1927
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Und fillt, eht bricht der Winter ein,
Den Kelller sich mit Michelstein.
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Ist es manchmal eine Plage,
Und gerad zu dieser Zeit
Halte dich bereit
Sind dir auch die Glieder schlaff —
Michelkohlen dir beschaff,
Denn die kalten Witertage
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Nummer 134
Sonntag, den 15 Mai 1927
Geite 13
Reich und Ausland.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Gasvergiftung. Am Donnerstag
arnd kurz vor 9 Uhr wurde in einem Hauſe der
rendſtraße ein Mann durch Gasgeruch betäubt, der
urch eine zu ſtark ausgeſchwefelte, verſchloſſene.
ubenanliegende Manſarde in ſeinen Wohnraum
ein=
zSrungen war. Der herbeigerufene Arzt konnte den
urigen Mann zum Bewußtſein zurückbringen; die
/ uerwehr beſeitigte weitere Gefahr. —
Fabrik=
rand. Am Donnerstag vormittag kurz vor 10 Uhr
imſtand in dem Glüh= und Härteraum der Fabrik
2hangenbach u. Co. in der Adalbertſtraße ein Brand,
diw durch Ueberlaufen von Oel aus dem Oelbehälter
z.f den Glühofen entſtand, in dem ſich das Oel
da=
urch entzündete. Die Feuerwehr löſchte den Brand
it kurzer Zeit. Es iſt nur Sachſchaden entſtanden. —
In den Kellerräumen der Firma Löwenberg, Goethe=
Kaße 11, entſtand am Donnerstag abend kurz vor
19Uhr ein Brand, deſſen Entſtehungsurſache noch nicht
bckannt iſt. Der entſtandene Schaden iſt noch nicht
Etgeſtellt.
Crholungsheim für junge Mädchen in Nordholz.
Seinem Kindererholungsheim in Nordholz bei
Cux=
haben hat das Deutſche Rote Kreuz jetzt ein
Jugend=
gim für junge Mädchen angegliedert. Dieſes
J—igendheim für junge Mädchen iſt von dem Kinder=
Veholungsheim räumlich vollkommen getrennt. Es
be=
finndet ſich in einem in der Nähe liegenden eigenen
Csbäude und nimmt junge Mädchen im Alter von
1— bis 20 Jahren zur Erholung auf. Geſundes
Nord=
ſteklima und ſchöner Wald begünſtigen dieſes
Er=
hrlungsheim ganz beſonders. Außer der guten Ver=
Fllegung bei mäßigem Preiſe wird ärztliche
Ueber=
nachung geboten. Anmeldung und Auskunft durch
dus Deutſche Rote Kreuz, Heimverwaltung, in Ber=
Um W 10, Corneliusſtr. 4 b.
Fjord= und Polarfahrten.
An der vor dem Kriege erfolgten Erſchließung
ds Nordlandes für den deutſchen Reiſe= und
Tou=
rfſtenverkehr hatte die Hapag durch ihre zahlreichen
früheren Nordlandfahrten beſtimmenden Anteil. In
wenigen Monaten werden nun von der Hamburg=
9 merika=Linie zum erſten Male wieder nach dem
4rriege Luxusreiſen nach dem hohen Norden ver=
—ſtaltet, die zweifellos das große geſellſchaftliche
(reignis des kommenden Sommers ſind. Die beiden
1- 20000 Bruttoregiſtertonnen großen Luxusſchiffe
Seſolute” und „Reliance” werden am 3. bis 26.
Fruli und vom 26. Juli bis 9. Auguſt Fjord= und
Asolarfahrten ausführen, die den Teilehmern die
SSchönheiten der norwegiſchen Fjorde, die Gebirgs=
und Waſſerwelt der Lofoten und die Möglichkeit des
rwigen Eiſes auf Spitzbergen zeigen. Die Dampfer
„MReſolute” und „Reliance” ſind auf deutſchen
Werf=
tan für die Hamburg=Amerika=Linie gebaute Schiffe,
dre ſich durch Vergnügungsreiſen nach Weſtindien
und Weltreiſen in wenigen Jahren Weltruf
er=
mrarben. Das geſellſchaftliche Leben an Bord wird
forh in mit auserleſenem Geſchmack eingerichteten
Ge=
ſtellſchaftsräumen abſpielen. Mit großer Sorgfalt
ſsellte man unter Beachtung der Erfahrungen aus
frrüheren Jahren ein Reiſeprogramm zuſammen, das
eohl keine ſehenswerte Landſchaft unberückſichtigt
ſäßt. Ueber ſämtliche Einzelheiten unterrichtet auf
Punſch die Hamburg=Amerika=Linie, Hamburg, oder
deren Vertretung, Bankgeſchäft Friedrich Zaun,
Darmſtadt, Luiſenplatz 1.
Die internationale Journaliſtentagung in Wien.
Wien. Am Freitag mittag fand auf Einladung
des Bundespreſſeamts eine geſellſchaftliche
Zuſammen=
kuunft der Teilnehmer an der Tagung der Fédération
Futernationale des Journaliſtes ſtatt, bei der der
KZorſtand des Bundespreſſeamtes, Geſandter Ludwig,
rach einem kurzen Ueberblick über Organiſations= und
Fechtsfragen im Preſſeweſen Oeſterreichs auf die
Be=
krebungen der öſterreichiſchen Preſſe hinwies, an
ainer Vereinheitlichung des Preſſerechts in ſämtlichen
9=ändern tätig mitzuwirken. Der Redner begrüßte
ſiie vom Völkerbundsſekretariat für die Schaffung
tänes Preſſeamts beim Völkerbund geleiſteten
Vor=
arrbeiten und regte an, die profeſſionellen und
mate=
niellen Fragen, die die Angehörigen der Preſſe heute
bewegen, in einen engeren Zuſammenhang mit dem
miternationalen Arbeitsamt in Genf zu bringen, das
ut vielen dieſer Fragen fördernd und ausgleichend
ein=
greifen könne. Nachdem Geſandter Ludwig am Schluß
ſeeiner Ausführungen die Teilnehmer der Tagung
rochmals wärmſtens willkommen geheißen hatte,
Prach der Präſident der Fédération, Bourdon, ſeinen
Dank für die herzliche Aufnahme aus, die der
Ver=
rand in Wien gefunden habe und machte dann noch
elusführungen über die Notwendigkeit internationaler
Zuſammenarbeit auf dem Gebiet des Preſſeweſens.
Hauptmanns „Weber” im Film.
Paul Wegener,
e zusgezeichnete deutſche Bühnen= und
Film=
idarſteller in einer Hauptrolle des neuen Filmes „Die
Weber”, der nach dem berühmten gleichnamigen
Drama Gerhart Hauptmanns gedreht worden iſt.
Zur 1000=Jahrfeier Nordhaufens.
Blick auf das alte Rathaus.
Die ehemals freie Reichsſtadt Nordhauſen am Fuße des Harzes feiert vom 27. bis zum 29. Mai
ihr 1000jähriges Beſtehen. Auf die offizielle Feier, zu der ſich zahlreiche Gäſte aus dem ganzen
Reiche einfinden werden, folgt ein achttägiges Volksfeſt.
Eine Heilſtätte für herzkranke Kinder.
Neuer Fortſchritt der Kinderfürſorge in Deutſchland.
Anſicht der Heilſtätte im Roeder=Tal.
Am 1. Mai iſt vom Landesverein für innere Miſſion in Sachſen die erſte Heilſtätte für herzkranke
Kinder in Deutſchland ihrer Beſtimmung übergeben worden. Das im lieblichen Roeder=Tal am
Anfang des Seifersdorfer Tales liegende Kurhaus diente ein halbes Jahrhundert lang als
Kinder=
erholungsheim, das unter der tatkräftigen Leitung von Diakoniſſinnen 16 000 Kindern Erholung
verſchaffte.
Das Flugzeug des kleinen Mannes.
Billige Volksmaſchinen der Daimler=Werke.
Die Daimler=Werke in Stuttgart haben ein neuartiges Klein=Flugzeug konſtruiert, das in
An=
betracht des niedrigen Anſchaffungspreiſes ſehr bald ein volkstümliches Verkehrsmittel, ein
„Flugzeug des kleinen Mannes” werden könnte. Es iſt mit einem 1500 ccm=Motor ausgeſtattet
und ſchafft bei günſtigem Wetter 120 Kilometer in der Stunde. Der neue Daimler=Aeroplan ſoll
zuerſt probeweiſe auf der Strecke Kopenhagen-Lübeck-Berlin bzw. Kopenhagen-Hamburg den
Dienſt aufnehmen. Der Plan begegnet in Dänemark großem Intereſſe. — Unſer Bild zeigt die
zweiſitzige Volksmaſchine der Daimler=Werke.
Der Kampf gegen die Maffia.
EP. Rom. Zur weiteren Vertilgung der Maffia
in Sizilien hat der Präfekt von Palermo, Mori, durch
Kriminalbeamte neuerdings 228 Mitglieder des
ver=
brecheriſchen Geheimbundes verhaften laſſen, denen
ſchwere Verbrechen zur Laſt gelegt werden.
Moralitätsklauſel für amerikaniſche
Filmſchauſpieler.
* New York. Die Direktoren der großen
Film=
geſellſchaften in Hollywood haben, offenbar unter dem
Eindruck der Skandalaffäre Charlie Chaplins, an
alle Schauſpieler und Schaufpielerinnen der
Film=
ſtadt ein Rundſchreiben gerichtet, worin die
Schau=
ſpieler aufgefordert werden, entweder einen
mora=
liſchen einwandfreien Lebenswandel zu führen, oder
aber eheſtens den Beruf eines Filmſchauſpielers
auf=
zugeben. Es ſei richtig, heißt es in dem
Rund=
ſchreiben, daß das Liebesleben der Künſtler und
Künſtlerinnen eigentlich ihre Privatangelegenheit ſei,
doch müſſen ſich die Direktoren der
Filminduſtrie=
geſellſchaften vorbehalten, jeden Schauſpieler
kurzer=
hand zu entlaſſen, deſſen Privatleben beim Publikum
Anſtoß erregt und daher geeignet iſt, die Gewinne der
Filmgeſellſchaften zu ſchmälern. Ueberdies haben die
Filmdirektoren in Hollywoog beſchloſſen, in Zukunft
in alle Verträge mit Filmſtars eine „
Moralitäts=
klauſel” aufzunehmen, in welcher der oder die
En=
gagierte ſich verpflichtet, einen „dezenten und
ehren=
haften” Lebenswandel zu führen.
Der gefeſſelte Bräutigam.
EP. Eine tragikomiſche Geſchichte melden die
Blätter aus Séleſtat, beſſer bekannt unter der
Be=
zeichnung Schlettſtadt im Elſaß. Ein junger, bei
einer Straßburger Verwaltung angeſtellter Mann
wollte ſeinen Jahresurlaub benutzen, um in den mit
mehr oder minder großer Berechtigung beliebten und
als heilig bezeichneten „Stand der Ehe” einzutreten.
Sein Vater aber erhob gegen dieſes Projekt
Ein=
ſpruch, weil er keine Jüdin zur Schwiegertochter haben
wollte. Da der junge Mann aber auf ſein Projekt
nicht verzichten wollte, wandte der offenbar ſehr
reſolute alte Herr Gewalt an: Er ſchloß ihn in ein
Zimmer ein, legte ihn an eine an der Wand
be=
feſtigte Kette und nahm ihm obendrein noch alle
Kleider bis auf das Hemd fort, um ihn an der
Flucht zu verhindern (und vielleicht auch, um ſeine
Gefühle ein wenig abzukühlen). Leider kam die
Ge=
ſchichte unter den Dorfbewohnern herum; der
Kan=
tonsrichter begab ſich zu dem tatkräftigen Vater und
machte ihn darauf aufmerkſam, daß ſein Sohn
groß=
jährig ſegi und daher ſeiner väterlichen Einwilligung
zur Verehelichung nicht mehr bedürfe. Der Richter
mußte aber dem guten Mann erſt mit der
Verhaf=
tung drohen, bis er ihn dazu bewegen konnte, ſeinen
Sohn von der Kette zu befreien. Ueber die weitere
Entwicklung der Angelegenheit wird nur berichtet,
daß dem jungen Manne die Abkühlung nichts
ge=
ſchadet, aber auch nichts genützt hat, denn die Hochzeit
werde trotz allem demnächſt ſtattfinden.
Jahrhundertfeier der Erzdiözeſe
Freiburg i. Br.
Blick auf den herrlichen Münſter in Freiburg.
Die Freiburger Erzdiözeſe konnte dieſer Tage ihre
Jahrhundertfeier begehen, zu der zahlreiche Gäſte
mit dem päpſtlichen Nuntius Pacelli an ihrer Spitze
in Freiburg eingetroffen ſind.
Die Kanalſchwimmer.
EP. London. Die Verſuche zur
Kanalüber=
ſchwimmung haben dieſes Jahr bereits eingeſetzt. So
iſt am Donnerstag in Plymouth die Schwimmerin
Frau Corſon angekommen, die bereits im
vergange=
nen Jahr den Kanal vom Kap Grisnez nach Dover
durchquert hat. Sie beabſichtigt, nach ſechswöchigem
Training eine neue Ueberquerung zu verſuchen, und
zwar diesmal in umgekehrter Richtung.
Der Wettbewerb um die Ozean=Ueberquerung.
EP. New York. Auf dem Flugfeld von
Curtis=
field ſind nun drei Apparate für verſchiedene
Ozean=
flüge ſtartbereit, nämlich die „Miß Columbia”
Bel=
lancas, der Eindecker des Hauptmanns Lindberg,
und die dreimotorige „America” des Nordpolfliegers
Byrd. Mechaniker und Poliziſten halten an den
Flugzeugen Wache, denn ſie ſind das Ziel einer
un=
aufhörlichen Prozeſſion unzähliger Neugieriger, die
das Flugfeld umlagern, in der Hoffnung, dem Start
eines Ozeanfliegers beiwohnen zu können. Lindberg
hat jede Auskunft verweigert, aber man glaubt, er
wolle mit einem plötzlichen Start ſeinen
unmittel=
baren Konkurrenten Bellanca bzw. die Flieger
Ber=
thand und Chamberlain überraſchen. Dagegen richtet
ſich Byrd nach dem Beſchluß ſeines Geldgebers
Wan=
namaker, ſeinen Ozeanflug nicht zu beginnen, bevor
nicht endgültige Nachrichten über das Schickſal der
Mannſchaft des „Weißen Vogels” vorliegen.
Die Ueberſchwemmungskataſtrophe
des Miſſiſſippi.
EP. New York. Das Zuckerplantagengebiet im
Staate Luiſiana verſchwindet ſeit Freitag allmählich
in den Fluten des Miſſiſſippi, da die Bemühungen
von 10 000 Arbeitern, die Dämme zu erhalten, ſich
als vergeblich herausgeſtellt haben. Zurzeit ſtehen
ſchon über 100 000 Acres unter Waſſer, wodurch 20000
Einwohner zur Räumung ihrer Häuſer gezwungen
werden. Dank den getroffenen Vorbereitungen wird
die Räumung in 24 Stunden durchgeführt ſein. —
Handelsminiſter Hoover bezifferte den durch die
Ueberſchwemmung bisher angerichteten Schaden auf
250 Millionen Dollar.
Im 9-Zug durch das Wattenmeer.
Ein Damm vom Feftland nach Sylt.
Ueberſichtskarte.
Zwiſchen der Morſumer Oſtſpitze der Inſel Sylt und
dem Feſtland iſt mit einem Koſtenaufwand von
18,5 Millionen Mark ein Damm geſchaffen worden.
Die Arbeiten ſind bereits faſt vollendet, ſo daß die
feierliche Eröffnung der direkten D=Zug=Verbindung
nach Weſterland in wenigen Wochen vor ſich gehen
kann. Zur Aufſchüttung des gewaltigen Dammes
dienten 3 200 000 Kubikmeter Boden, zur Pflaſterung
wurden 300 000 Tonnen Stein verbraucht. Der Fuß
des Dammes iſt 50 bis 60 Meter breit, ſeine Krone,
auf der die Gleiſe ruhen, 11 Meter. Die Länge des
Dammes beträgt 12 Kilometer,
Seite 14
Sonntag, den 15. Mai 1922
Rummer 134
Stort, Spiel und Turnen.
Der Sport des Sonntags.
Nicht ganz ſo umfang= und inhaltsreich, wie das des 8. Mai iſt das
Sportprogramm des 15. Mai, aber auch diesmal gibt es eine Fülle
nennenswerter Veranſtaltungen. Im Fußball ſteigt die zweite
Haupt=
runde um den ſüddeutſchen Pokal, Burnley gaſtiert in Duisburg und
Hamburg, in M.=Gladbach veranſtaltet der D.f.B. einige Auswahlſpiele;
die Rugbyleute haben ihr Länderſpiel Deutſchland—Frankreich. Im
Tennisſport iſt unter den Davis=Pokalſpielen auch das Treffen
Portu=
gal-Deutſchland verzeichnet, außerdem dauert in Baden=Boden noch
das große Internationale Turnier an, Leichtathletik und Radſport haben
zahlreiche Veranſtaltungen und ſo marſchiert wieder faſt jede Sportart
mit einem hübſchen Programm an.
Fußball.
Die Kämpfe um den Süddeutſchen Pokal
werden am Sonntag mit der zweiten Han”trunde fortgeſetzt. Die noch
beteiligten elf Mannſchaften treffen ſich in ſünf Spielen, der Karlsruher
F. V. bleibt ſpielfrei. Die fünf Treffen ſind:
FC. Pirmaſens — FSV. Mainz 05; 1. F. C. Nürnberg — V.f.B.
Stuttgart; Sp.Vg. Fürth — Stu.tgarter S.C.; FSV. Frankfurt —
Saar 05 Saarbrücken; Bahern München — Freiburger F.C.
Mit einer Ausnahme ſind in allen Kämpfen die Paarungen derart,
daß man mit ziemlicher Gewißheit den Sieger vorausſagen kann. Die
Ausnahme iſt das Spiel in Pirmaſens. Die Mainzer ſind der
Papierform nach gewiß ſtärker, als die Leute aus Pirmaſens, aber die
Pfälzer haben an ihrem Platz und ihrem Publikum eine bedeutende
Rückenſtärkung. Das mußte ja ſchon die Eintracht Frankfurt erfahren,
als ſie trotz überlegenen Spieles in der erſten Hauptrunde auf dem
Felde der Pirmaſenſer ausſchied. Man tut gut daran, den Ausgang
dieſes Spieles vollkommen offen zu laſſen. In Nürnberg dürfte
der „Club” den V.f.B. Stuttgart ebenſo ſicher ſchlagen, wie er das ja
ſchon in den Spielen um die Süddeutſche Meiſterſchaft getan hat.
Vor=
ausgeſetzt natürlich, daß die Nürnberger mit ihrer vollſtändigen erſten
Garnitur antreten. Dieſe Einſchränkung gilt auch füür das Spiel in
Fürth. Stellen die Kleeblätter ihre komplette erſte Elf, dann wird
auch für die zähe Mannſchaft des Stuttgarter S.C. die Stunde des
Ausſcheidens aus dem Pokalwettbewerb geſchlagen haben. In
Frank=
furt hat der Maimeiſter FSV. in Saar 05 Saarbrücken eine
Mann=
ſchaft, die er unbedingt ſchlagen kann und muß. In München
werden die „Bayern” in ihver gegenwärtig wieder ſo guten Form auch
mit der in Pokalſpielen ſo glücklichen Elf des Freiburger F. C. fertig
weaden. Wir erwarten alſo für die dritte Haupt=Pokalrunde die
Mann=
ſchaften F. C. Pirmaſens oder FSV. 05 Mainz, 1. F. C. Mirnberg, Sp.=
Vg. Fürth, FSV. Frankfurt, Bayern München und den diesmal
ſpiel=
freien Karlsruher F.V. Die Endkämpfe können dann ſehr intereſſant
werden.
Die Aufſtiegsſpiele
ſind im Bezirk Rheinheſſen=Saar mit dem Siege von
Kreuz=
nach 02 bereits abgeſchloſſen und auch in den anderen Bezirken gehen
ſie mählich zu Ende. Für Sonntag ſind die folgenden Spiele angeſetzt:
Bezirk Bayern: Schwaben Ulm — FSV. Würzburg, DSV.
München — Bayern Hof, FSV. Nürnberg — Jahn Regensburg.
Be=
zirk Württemberg=Baden; V.f.B. Karlsruhe — F. C.
Birken=
feld, Sp.=Vg. Freiburg — F. V. Villingen, FV. Zuffenhauſen — V.f.R.
Gaisburg. Rheinbezirk: Mannheim 08 — Pfalz Ludwigshafen,
Sp.=Vg. Arheilgen — V.f.R. Pirmaſens. Mainbezirk: Hanau
1806 — Fechenheim 03.
Freundſchaftsſpiele.
Wacker=Mäinchen empfängt eine der bekannteſten mitteldeutſchen
Mannſchaften, Guts Muts Dresden. Die Stuttgarter Kichers wollen
gegen ihre Namensvettern aus Offenbach ſpielen. Sonft intsreſſieren
noch die folgenden Treffen: Sp.=Vg. Sandhofen — V.f. L. Neu=Iſenburg,
Phönix Mannheim — Rot=Weiß Frankfurt, Griesheim 02 — Hanau 93,
Boruſſia Neunkirchen — F. V. Speyer.
Süddeutſche Mannſchaften auf Reiſen.
Der Karlsruher F.V. beſucht den Berliner Meiſter Hertha BSC.
und fährt dann weiter zum Stettiner SC. Eintracht Frankfurt iſt Gaſt
von Kurheſſen Kaſſel.
Das Ausland
weiſt einige intereſſante Repräſentativkämpfe auf: Nordholland gegen
Norddeutſchland, Bulgarien — Jugoſlawien und Schweiz gegen Ungarn.
Handball.
In Darmſtadt findet zwiſchen dem ſüddeutſchen Meiſter SV. 98
Darmſtadt und dem Handballſportverein Rödelheim das Endſpiel um
den Pokal des Frankfurter Verbandes für Leichtathletik ſtatt.
Leichtathletik.
In Köslin, Hannoper, Wiesbaden (Pol.=Sp.=V.) und Gießen finden
am 15. Mai Bahnwettkämpfe ſtatt, die zum Teil recht gut beſetzt ſind.
So ſtartet in Köslin u. a. Dr. Peltzer mit den Stettiner Preußen. —
Faſt 2½ Tauſend Läufer nehmen am Staffellauf „Quer durch
Stutt=
gart” teil. Bräutigam=Leipzig und Printzler=Jeng beteiligen ſich an
einem 5,5 Kilometer Diſtanzlaufen in Wien.
Tennis.
Die zweite Dabis=Pokalrunde der europäiſchen Zone
bringt neben den Spielen Frankreich=Rumänien und Ungarn=Italien
vor allem den uns beſonders intereſſierenden Kampf Deutſchland
gegen Portugal in Liſſabon. Da die portugieſiſchen Tennisſpieler
nicht allzu ſtark ſind, iſt wohl mit einem Siege Deutſchlands, das durch
Moldenhauer, Rahe und Demaſius vertreten wird, zu rechnen, obwohl
natürlich der Austragsort gewiſſe Schwierigkoiten für unſere Spieler
mit ſich bringt. In Baden=Baden wird das ganz vorziglich
be=
ſetzte Internationale Turnier fortgeführt.
Schwimmen.
Gelegentlich der Einweihung des neuen Hallenbades im Berliner
Bunapark finden dort Schwimm=Wettkämpfe mit erſtklaſſiger
internatio=
naler Beſetzung ſtatt. Man wird u a. die beſten deutſchen Kräfte mit ſo
guten Leuten wie Arne Borg, Schweden, van Parys, Belgien, und
franzäſiſchen Schwimmern im Kampf ſehen.
Turnen.
Die Deutſche Turnerſchaft bringt am Sonntag die Vorrunde
um ihre Meiſterſchaften im Hand= und Fußball zum
Austrag. In Mannheim treffen die Handhaller von Pol.=Sp.=V. Raſtatt
und TSV. Eßlingen, ſowie die Fußballer von Mannheim 1846 und T. V.
Möhringen zuſammen. In Hannover ſpielen T.C. Hannover — T.V.
Stoppenberg (Handball), T. V. 74 Caſtrop — Harburger Tbd. (Fußball),
in Gera TSV. 60 Spandau — T.V. Gera (Handball), ATV. Weida
gegen Forſt 1861 (Fußball). In Königsberg: MTV. Königsberg gegen
TV Chemnitz (Handball). Da es einen oſtdeutſchen Fußballmmeiſter
nicht gibt, kommt der ſüdoſtdeutſche Meiſter ATV. Radebeul kampflos
in die Zwiſchenrunde.
Radſport.
Bahnrennen: Frankfurt a. M. (wit Lefour, Läurpi,
Krewer, Weiß, Chriſtmann bei den Stehern und Rauſch, Rauch, Schrage,
Hürtgen uſw. bei den Fliegern). Chemnitz (mit P. Suter, Roſellen,
Junghanns, Thomas, van Ruyſſeveldt, Vandenborſch), Dresden (mit
Saldow, Meddy, Feja, Lewanow, Dickentmann, Pariſot, Erxloben),
Berliner Olympiabahn (mit Linart, Sawall, Möller, Brumer.
Vanderſtuhft), Erfurt, Krefeld (Fliegerländerkampf Deutſchland
gegen Belgien), Bremen (Eröffnung der Stadionbahn).
Straßenrennen: „Harzrundfahrt” (BDR., 771
Kilo=
meter) mit Berufsfahrer, Kottbus—Görlitz—Kattbus (200
Kilometer — BDR.), „Rund um Krefeld” (BDR.), „
Bismarck=
breis vom Rhein (218 Kilometer — DRU.), Grozer
Früh=
lingspreis von Mannheim” (223 Kilometer — VDRV.),
Bremen—Wilhelmshaven —Bremen (198 Kilometer
DRu.).
Motorſport.
Von den motorſportlichen Veranſtaltungen des Sonntags verdienen
das Kilometer=Flachrennen bei Saarbrücken, die Zuverläſſigkeitsfahrt
„Quer durch Mecklenburg” und die Prüfung auf der Strecke Bremen—
Hannover—Bremen Erwähnung.
Darmſtädter Sportkalender.
Handball.
3,30 Uhr Stadion: Sp. V. 98 — H. S. V. Rödelheim.
Vorm. Rennbahn: F. C. Union — H. S. V. Rödelheim 1b.
4,45 Uhr, Exerzierplatz: Pol. Sp. V. — Braunshard.
Fußball.
4 Uhr, Rheinſtr.: V. f. R. — Fußball=V. Hofheim 1912.
Kegeln.
10 Uhr vorm: Büngerverein, Bahnweihe.
Fußball.
Sportverein Darmſtaßt 98 ſiegt in Dresden.
Die Darmſtädder konnten ihr eiſtes Spiel in Mitteldeutſchland
gegen Dresdenſia=Dresden, der neben dem dortigen Sportklub und
Guts=Muts als ſpielſtärkſter Verein der Hauptſtadt Sachſens anzuſehen
iſt, ſiegreich geſtalten. Die Darmſtädter waren in der erſten Halbzeit
glatt überlegen. Sie gingen denn auch bald durch Geher in Führung
und erhöhten den Vorſprung in der erſten Halbzeit um weitere zwei
Tore. Torſchützen waren Geher und Jakobi. Die zweite Hälfte ſah
ein ausgeglichenes Spiel. Die Darmſtädter, denen noch das ſchwere
Spiel gegen Fortuna=Leipzig bevorſteht, legten ſich offenſichtlich
Re=
ſerve auf. Dresdenſia holte denn auch in der 55, Minute ein Tor auf
und konnte zwei Minuten vor Spielende noch einen Strafſtoß in einen
Nachſchuß verwandeln. Nach dem Spielverlauf, der ſich durch eine
ritterliche Spielweiſe beider Mannſchaften auszeichnete, war der 3:2=
Sieg der Darmſtädter verdient. Die Aufnahme in Dresden war äußerſt
zuvorkommend. — Die Ligaerſatz= Mannſchaft der 98er gewann
nach Leiſtungen, die nur in der letzten Viertelſtunde befriedigen
konn=
ten, gegen Viktoria=Griesheim ebenfalls mit 3:2 Toren.
Handball.
Königſtädten—Rot=Weiß 22.
Rot=Weiß 22 begibt ſich am Sonntag nach Königſtädten, um gegen
die dortige erſte Elf um 4/45 Uhr das fällige Rückſpiel auszutragen.
Wohl ein ſchwerer Gang der hieſigen, doch dürften ſie, ihrem Können
nach zu urteilen, die Punkte mit nach Hauſe bringen. Die ſo
ſpiel=
eifrige zweite Mannſchaft der Rothoſen empfängt auf dem Platze an
der Rheinallee die gleiche von Langen um 4,30 Uhr nachm. Vor
die=
ſem Spiele, und zwar um 3.30 kämpft der ſichere Meiſter, die erſte
Jugend Rot=Weiß, gegen die erſte Jugend der Turner aus
Brauns=
hardt. Die zweite Jugend ſpielt vormittags 10,30 Uhr auf dem
Sta=
dium gegen die erſte Jugend des Sportvereins 98 hier. Die dritte
Jugend trägt ein Uebungsſpiel um 2.30 Uhr auf dem Rot=Weiß=Platze
gegen die erſte Schüler vom gleichen Vereine aus. Ein Beſuch des
Spiels wäre ſehr zu empfehlen.
Polizei=Sportverein—Braunshardt.
In der Handballrunde im S.D.T. treffen ſich am Sontag
nach=
mittag um 4 45 Uhr auf dem Sportplatze des Heſſ. Pol.=Sportvereins
obige Mannſchaften. Bei dem Vorſpiel in Braunshardt konnte die
Polizeiſportvereins=Mannſchaft knapper Sieger bleiben. Braunshardt
ſtellt eine gute Mannſchaft ins Feld und wird alles verſuchen, die
bei=
den Punkte mit nach Hauſe zu nehmen. Die Polizeiſportvereins=
Mannſchaft, welche ſich in letzter Zeit ſehr gut entwickelt hat, wird
ihrerſeits verſuchen, ihren ſeitherigen Tabellenſtand zu behaupten,
oder ſogar zu verbeſſern. Die Begegnung wird ein heißer Kampf
werden, und wenn dem Spiel ein guter Unparteiiſcher vorſteht, iſt mit
einem ſpannenden, fairen Spiele zu rechnen. Der Beſuch wird ſich
lohnen, zumal der Eintritt frei iſt.
Turnen.
4. Bezirk, Main=Rheingan, Deutſche Turnerſchaft.
Die Turnwarte und Vorturner für das Männer= und Frauenturnen
waren vom Bez.=Ober=Turnwart Löffler und Bez.=Frauenturnwart
Schwarz am vergangenen Sonntag zu einer Uebungsſtunde in das
Turn=
haus der Tgſ. Darmſtadt 1875 gerufen. Mit ein und der anderen
Aus=
nahme waren die Vereine dann auch gut vertreten. Nach
vorausgegan=
gener Beſprechung des Bezirksausſchuſſes begann vorm. 8 Uhr pünktlich
die Turnwarte=Uebungsſtunde für das Männerturnen. Turner Lehmann,
Vorſitzender der Tgſ. Darmſtadt 1875, begrüßte mit kernigen Worten die
anweſenden Turnwarte und Vorturner, die er trefflich als die
Sauge=
wurzeln am großen Baum der Deutſchen Turnerſchaft bezeichnete, die
berufen ſeien, das, was ihnen eine Uebungsſtunde im Verbande des
Be=
zirkes oder Gaues vermittelt, in ſich aufzunehmen und bis zum jüngſten
Turnſchüler herab weiter zu verarbeiten, damit der Baum der D.T.
weiter mächtig wachſe. — Es wurden dann unter Löffler die allgemeinen
Freiübungen für das Kreisturnfeſt, die Freiübungen der Schüler ſowie
der Schülerinen durchgeommen. Die Vereine ſind ſchon recht gut mit
denſelben vertraut. Unter Schneider und Debus wurden alsdann die
Geräteübungen für Gau und Kreis geturnt, während durch Löffler
noch=
mals die Geräteübungen für das Jugendturnen vorgenommen wurden.
Dem folgte das Durchturnen der Sonderführung des 4. Bezirks beim
Kreisturnfeſt in Darmſtadt; dieſe beſteht aus einem Turnen am Barren
mit vorgeſtelltem Querpferd. Schärtl, Tgſ. Darmſtadt, leitete das
Turnen, der auch den Uebungsſtoff ausarbeitete, welcher aus einem
Wettbewerb, den der Bezirk ſpeziell für dieſen Zweck ausſchrieb, als beſte
Arbeit laut Bewertung durch Gauoberturnwart Hofferberth, hervorging.
— Den Schluß der Uebungsſtunde bildeten einige ſchöne Turnſpiele unter
Debus und Kunz. Auf Turner wie Zuſchauer übten die Spiele Freude
und zum Teil auch beſondere Anſtrengung der Lachmuskeln aus. —
Um ½2 Uhr begann die Uebungsſtunde für Leiter und Vorturner der
Frauenabteilungen. Auch hier war die Teilnahme recht befriedigend
wenn auch nicht reſtlos. Der geſamte Uebungsſtoff für die diesjährigen
Veranſtaltungen des Frauenturnens in Gau und Kreis iſt derart
um=
fangreich, daß eine Fülle von Arbeit zu leiſten iſt, die für die leitenden
Turner in Bezirk und Verein jede nur verfügbare Zeit in Anſpruch
nimmt. Und unter dieſem Zeichen ſtand auch die Uebungsſtunde der
Turnerinnen unter ihrem wackeren Bez.=Turnwart Schwarz. Eine brave
Schar Turnerinnen ſamt Leiter eines kleinen Bezirksvereins ließ es
ſich nicht nehmen, ihrem Bez.=Turnwart Schwarz einen ſchönen Strauß
Blumen, der auf dem Weg zur Uebungsſtunde in Wieſe und Feld
ge=
pflückt wurde, zu überreichen. Dieſe Blumen haben geſprochen. —
Der 4. Bezirk hat einen überaus arbeitsreichen Tag gehabt, dem die
Gau= und Kreisfeſte Richtung gaben. — Es ſei noch darauf hingewieſen,
daß das diesjährige Jugendturnfeſt am 12. Juni d. J. in Nieder=
Ram=
ſtadt ſtattfindet. Am Vorabend findet ein Werbeturnen im neuevbauten
Saale des Gaſtwirts Knapp ſtatt.
Neuer deuiſcher Segelflug=Weltrekord.
Schulz fliegt 62 Kilometer.
Ein böiger Nordweſtwind von 24 Sekundenmetern, der aber ſpäter
etwas abflaute, lockte am Samstag beim Roſitten=Segelflug=Wettbewerb
die Flieger in hellen Scharen zum Start. Die günſtige Gelegenheit
wurde ausgenutzt, und tatſächlich konnte auch ein neuer Weltrekord
auf=
geſtellt werden. Um 11.30 Uhr mittags ſtieg der oſtpreußiſche
Weltrekord=
mann Ferdinand Schmilz mit ſeiner, Weſtpreußen” an der Oſtſee=
Dünen=
küſte auf und entſchwand bald den Blicken in der Richtung nach Memel.
Schulz flog die Küſte entlang und landete bereits um 12.45 Uhr an der
Seidmole von Memel. In dieſer Zeit hatte Schulz nicht weniger als
62 Klm. zurückgelegt und damit Kegels Rhön=Rekord von 55,2 Klm.
er=
heblich verbeſſert. Auch die übrigen Flieger zeigten ausgezeichnete
Lei=
ſtungen. Kegel=Kaſſel und Laubenthal von der Akademiſchen
Fliegergruppe Darmſtadt landeten nach Zurücklegung von zirka 25
Kilometern in der Nähe von Preil 300 Meter voneinander entfernt. In
den frühen Nachmittagsſtunden ſtieg auch Nehring von der Akadem.
Fliegergruppe Darmſtadt auf, flog etwa 20 Klm. und ſetzte bei Nidden
wieder ab.
Leichtathletik.
Sportverein Darmſtadt 1898.
Nachdem nun die Zeit der Frühjahrswaldläufe zu Ende iſt, die
den 98ern zahlreiche erſre Siegerehren gebracht haben, gilt es nun, mit
doppeltem Eifer zu rüſten, um die beginnenden mannigfachen
leicht=
athletiſchen Veranſtaltungen mit brgründeter Ausſicht auf Erfolg
be=
ſtehen zu können. Es gilt zu beweiſen, daß die Leichtathleten des
Sportvereins Darmſtadt 1898 auch auf den auswärtigen Laufbahnen
dominieren und die Beteiligung derſelben ein gewaltiger Werbe=
Nekord, fowohl in Bezug auf Anzahl als auch Erfolg für den
Sport=
verein Darmſtadt 1898 wird. Die Uebungsabende erfreuen ſich bereits
und man iſt allenthalben eifrig k
wird die Leiſtungen des Vorjahres überbieten. Man ſieht neue, doch
in der deutſchen Leichtathletik ſehr bekannte Geſtalten. Die Ausbildung
und Vorbereitung der Staffelläufer liegt in bewährten Händen. Die
kommende Woche wird ſtrengſtem Training der Leichtathleten
gewid=
met ſein. Die größte Leiſtungsprüfung iſt für die Aktiven, Alt oder
Jung, der Darmſtädter Großſtaffeltag am 22. Mai 1927. Die 98er
wer=
den mit ihren geſamten Leichtathleten, Fußballern. Handballern,
Boxern und Hockeyleuten in ſämtlichen Klaſſen des Großſtaffellaufes
vertreten ſein. Am Dienstag, den 17. d. M., wird die Einteilung in
die verſchiedenen Klaſſen vorgenommen, und zwar, ab 6 Uhr ſämtliche
Schüler, ab 7 Uhr die Jugend, ab 8 Uhr Aktive. Wer unentſchuldigt
fehlt, kann keinen Anſpruch auf Berückſichtigung erheben. Sämtliche
Aktide des Vereins haben im Stadion zu erſcheinen. Alle werden
ge=
braucht zum großen Staffellauf. Die Inaktiven wollen ſich zum
Ord=
nungsdienſt uſw. melden, ſo daß auch eine tadelloſe Organiſation einen
vollen Erfolg gewährleiſtet. Nur der hat ein Anrecht, ein echtes
Sport=
vereinsmitglied genannt zu werden, der ſeinen Verein bei der
wichtig=
ſten Werbeveranſtaltung des Jahres nicht im Stiche läßt.
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8. bis 26. Auguſt angeſetzte Spitzbergenfahrt iſt bereits ſeit vier Wochen
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wegiſchen Fjorde bis hinauf zum Nordkap führen, noch Anmeldungen
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Telephon 2 und 838.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 15. Mai. 8: Morgenfeier, O 11: Volkslieder. 0 12:
Elternſtunde. „Der monatliche Wandertag der Schulen” eine
Auf=
klärung, vorgetr. von E. Köhler, o 4: Stunde der Jugend. Hedwig
Heyer: Aus der Märchentruhe. Von dem Mäuschen, Vögelchen
und der Bratwurſt. — Von dem Breikeſſel. — Helge=Hal im
blauen Berg. — Das goldene Schloß. Für Kinder vom 4. Jahre
ab. 5: Uebertr. des Rugby=Länderſpiels Frankreich—Deutſchland.
O 7: Dr. Gebhardt: „Goethes Spinozismus” o 8: „Erzählung von
einem Medium”. o 8.30: Kammermuſik. Programm: Arien von
Bach, Lieder von Reichardt und Zumſteeg, chineſiſche Volkslieder,
„Wanderer=Fantaſie”, Klavierſuite von Händel und Variationen über
ein eigenes Thema von E. Vidor. Ausf.: Carmen v. Scheele=Vidor
(Mezzoſopran) und Emmerich Vidor (Klavier). o 9.30:
Harmonie=
orch, des Frankf. Orcheſtervereins. Darauf bis 1.30: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Sonntag, 15. Mai. 11.30: Morgenfeier. Schubert: Rondo
brillante. Großes Octett. O 1.10 (13.10): Konzert. 3 (15):
Paſtor Lic. Ohl: Die Bedeutung der Perſönlichkeit in der
Wohl=
fahrtspflege. O 3.30 (15.30): Funkheinzelmann von der Norag,
Hamburg. — Anſchl.: Konzert. Mitw.: Eliſabeth H. May, Gerda
Hanſi, Hans Hanus. O 6.15 (18.15): Prof. Verweyen: Feindesliebe.
H. Hanus, C. Struve, Funkorch. Wagner: Vorſpiel und Anſprache
des Pogner aus Meiſterſinger. — Meyerbeer: Pagenarie a.
Huge=
notten. — Wagner: Fant. und Wotans Abſchied aus Walküre. —
Mozart: Arie des Cherubin aus Figaros Hochzeit; Ihr, die ihr
Triebe des Herzen kennt. — Lehar: Potp. Zarewitſch. — Kalman;
Grüß mir mein Wien, und weitere 12 Darbietungen.
Berlin.
Sonntag, 15. Mai. 9: Morgenfeier. Mitw.; Dr. Böhme, Joh.
Schulzke (Bibelrezitation), Soliſtenquartett, Lucie Krug (Cello), Annt
Ritter (Alt), Pfarrer Möller (Anſprache). o 11.30: Muſikkorps
der 3. (Preuß.) Nachr.=Abteilung. O 14.30 (2.30): Major von
Rudolphi: Philateliſtiſche Einrichtungen und Veranſtaltungen. O 15
(3): Prof. Nöller: Kaninchenkrankheiten. O 15.30 (3.30): Märchen
von Brüder Grimm, gel. von Grete Mosheim. O 16 (4): Leo Hirſch:
Vom Schaffen des Dichters. O 16.30 (4.30): Dr. Becce’s Kammer=
Orcheſter. 19.05 (7.05): Dr. Pauly: Einf. zu der Uebertr.
aus der Oper am 16. Mai. O 19.30 (7.30): H. Siebert von Heiſter:
Die diesjährige große Berliner Kunſtſchau. O 19.55 (7.55): Joſeph
Delmont: Tigerfang in Zentralindien. O 20.30 (8.30): Serenaden.
Dir.: Selmar Meyrowitz v. d. Staatsoper. Mozart: Allegro,
Andante und Rondo aus der Haffner=Serenade. Horch auf den
Klang der Zither, aus Don Juan. — Schubert: An die Laute
(Wilh. Guttmann, Bariton). — Volkmann: Serenade für
Streich=
orcheſter. — Wolf=Ferrari: Serenade aus Der Schmuck der Madonna.
— Goldmark: Serenade aus Die ländliche Hochzeit. — Tſchatowsky:
Serenade Der Don Juan. — Moſzkowski: Serenade. S 22.30
(10.30): Tanzmuſik.
Stettin. 9: Morgenfeier. Heſſe: Präludium C=dur. —
Haydn: Auf ſtarkem Fittige, Arie aus Die Schöpfung (Hedwig
Gronow, Sopran). — Bibelrezitation Weltüberwindender Glaube
(Paſtor, Langkutſch). — Bach: Air auf der G=Saite (K. H.
Schumacher (Violine). — Anſprache des Paſtors Ludz. — Dvoral:
Drei bibliſche Lieder (Hedwig Gronow). — Schmolck: Seele, ſei
zufrieden (Paſtor Langkutſch). — Flotow: Kirchenarie aus Stradella.
— Schlußchoral.
Königswuſterhauſen. Sonntag, 15. Mai. 9: Uebertr. aus Berli
(bis 6). O 8.15: Uebertr. aus Dresden.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten
DEÜTSCHER
Gein
[ ← ][ ][ → ]Nummer 134
Sonntag, den 13. Mai
Tau
Der Getreidemarkt verkehrte in feſter Stimmung,
aus=
ehend von einer Erhöhung des Maitermins in Chikago von mehr als
Cents je Bufhel ſeit voriger Woche. Die Gründe hierfür dürfen hier
IIs bekannt vorausgeſetzt werden, doch erſcheint die Feſtſtellung angezeigt,
Taß nunmehr auch der europäiſche Getreideeinfuhrhandel, der ſich in
ieſer Woche neben Deutſchland auch aus England, Belgien, Holland,
Bolen und Italien wieder ſtark am Einkauf beteiligte, mit einer
gerin=
eren amerikaniſchen und einer verſpäteten kanadiſchen Ernte rechnet.
Die Frachten von Argentinien lagen auch in dieſer Woche wieder ſehr
—ſt. In inländiſchem Brotgetreide zeigte ſich weder an der Mannheimer
och an der Karlsruher Produktenbörſe Angebot, weshalb man im
roßhandel vor Einbringung der neuen Ernte kaum noch weſentliche
Breisyückgänge erwartet. Trotzdem hielten ſich die Umſätze in engen
Brenzen; die Mühlen, bei denen ſich der Mehlabſatz nicht gebeſſert hat,
ehmen nur kleine Poſten auf. Dabei verlangte man für Manitoba I,
Mai=Abladung, 17,00, Juni 16,75, desgleichen III, je nach Poſition, 15,50
is 15,80 Gulden, für Kanſas II 15,50—15,60, neue Ernte, Juli=Ab=
„dung 14,70, Auguſt=Abladung 14/45 Gulden; Plata=Weizen, je nach
Seſchaffenheit und Lieferzeit, 14,40—14,80 Gulden — alles eif
Notter=
ham; Ausſtral=Weizen, ſeeſchwimmend, 15,55 Gulden transbordé.
Deut=
he Gerſte wurde nur etwas oſtpreußiſcher Herkunft zu 29,50 RM. die
90 Kilo waggonfrei Mannheim gehandelt. Auslandsgerſte bedang
—1—32,75 RM., Futtergerſte zog um eine halbe Mark an auf 23—24,50
RM. Plata=Roggen, Mai—Juni, koſtete 13,10 Gulden. Weſternroggen,
Mitte Mai ladender Dampfer, 12,95 Gulden eif Rotterdam. Hafer war
efeſtigt und zog um 25—50 Pfg. die 100 Kilo an. Mais feſt und im
Breis unverändert. Die zu Wochenbeginn beſtehende kleine Beſſerung
ai der Nachfrage für Weizenmehl hielt nicht ſtand. Einige Abſchlüſſe
arfolgten in norddeutſchem Roggenmehl aus neuer Ernte zur
Herbſt=
läeferung. Die ſüddeutſchen Mühlen haben ihre Forderungen erhöht
füir Weizenmehl Spezial Null auf 41,25—41,50 (40,75—41) RM.,
Roggen=
niehl je nach Ausmahlung 38—39,50 (37—39) RM. die 100 Kilo.
Fut=
grmittel hatten weiter feſte Tendenz; Wieſenheu 9,50—10,25 RM.,
leeheu 11,50—12 RM., drahtgepreßtes Stroh 4,75—5,25 RM. die 100
Kilo ab ſüddeutſcher Station. Am Hopfenmarkt vollzogen ſich in Baden
(inige Umſätze in ganz altem Hopfen, der zu Brauzwecken nicht
mehr=
g eeignet iſt, zu 30 RM. pro Zentner. Dieſe Hopfen bleiben in
Deutſch=
gand und werden zu techniſchen Zwecken verwandt. Malz lag feſt, doch
and die Umſätze klein geblieben. Für prima Malz aus pfälziſcher Gerſte
wurden 49—50 RM., für württembergiſches Malz 44—45 RM. die 100
Kilo verlangt.
Im ſüddeutſchen Tabakmarkt bezahlte man für Oberguttabake 125
ſois 150 RM., für Sandblatt 140—180 RM. je Zentner per
Sommer=
jieferung 1927. Die beſten Partien darin ſind längſt verkauft. Rippen
(twas beſſer geſucht. Von Ueberſeetabaken wurde geſchnittene
Blatt=
einlage, geſund in Brand, Geſchmack, Geruch, zu 85 RM. pro Zentner
werzollt; Seedleaf, Ia Umblatt, zu 120 RM. verzollt, Braſilblatt zu
L15 RM. verzollt, je Zentner, angeboten. In der Ziganreninduſtrie
rörtert man die Notwendigkeit einer Preiserhöhung, die von einzelnen
Fabriken bereits durchgeführt iſt und wodurch die 10 Pfg.=Zigarre ihr
eEnde finden dürfte.
Wirtſchaftliche Rundſckhau.
Die Aprileinnahmen des Reiches an Steuern, Zöllen und Abgaben.
Mach einer Ueberſicht der Einnahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und
leAlbgaben ſind im April 1927 aufgekommen an Beſitz= und Verkehrsſteuern
*39 256 179 RM., an Zöllen und Verbrauchsabgaben 209 831 787 RM.,
mn ſonſtigen Abgaben 7087 RM., insgeſamt 749 095 053 RM. Die ent=
Fprechenden, im Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1927
ver=
gnſchlagten Ziffern betragen an Beſitz= und Verkehrsſteuern 5 305 000 000
ERM., an Zöllen und Verbrauchsabgaben 2 445 000 000, im ganzen alſo
IR 750 000 000 RM.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
nvurden in der Zeit vom 1.—7. Mai im Ruhrgebiet in ſechs
Arbeits=
kagen 2191 041 Tonnen Kohle gefördert gegen 2310 277 To. in der
worhergehenden Woche in ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
Kokserzeu=
gung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 487 60) To.
gegen 494 798 To. in der vorhergehenden Woche, die
Preßkohlenherſtel=
lung auf 55 372 gegen 57 863 To. in ſechs Arbeitstagen. Die
arbeits=
tägliche Kohlenfövderung betrug in der Zeit vom 1.—7 Mai 365 174 To.
wegen 385 046 To. in der vorhergehenden Woche. Die tägliche
Koks=
erzeugung ſtellte ſich auf 69 657 To. gegen 70 685 To., die arbeitstäg=
Tiche Preßkohlenherſtellung auf 9229 To. gegen 9644 To. Infolge Ab=
Tatzmangel und Wagenmangel mußten in der Berichtswoche zahlreiche
Feierſchichten eingelegt werden. Die Zahl dieſer Feierſchichten ſtellte
ſtſich auf 45 469 (arbeitstäglich 7578) gegen 53 821 (8970) in der
vorher=
gehenden Woche.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 12. Mai. Die auf den
Stichtag des 11. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen
Reichsamtes hat gegember der Vorwoche um 0,5 Prozent auf 136, 8
(136,1) angezogen.
Frankfurter Gasgeſellſchaft, Frankfurt a. M. In der
Generalver=
fammlung wurde die angekündigte Kapitalserhöhung um 5 Millionen
Reichsmark auf 25 Mill. RM. genehmigt. Die neuen Aktien ſind ab
1. Juli 1927 dividendenberechtigt und werden unter Ausſchluß des
Be=
zugsrechts an die Aktionäre zu 137,5 Prozent begeben. Die Stadt
Offen=
bach a. M. erhält auf Grund ihres am 23. März 1927 abgeſchloſſenen
Vertrags bezüglich ihrer Beteiligung von 20 Prozent an der
Frantfur=
ter Gasgeſellſchaft von der Emiſſion einen Betrag von 3.563 Mill.
RM. als Gegenwert der mit etwa 4,9 Mill. RM. bezifferten
eingebrach=
ten Vermögenswerten (Erzeugungsanlage für Gas und Elektrizität),
während die roſtlichen 1,437 Mill. RM. im Intereſſe der Geſellſchaft
verwertet werden ſollen. Die künftige Beteiligung der Stadt Frankfurt
am Main beträgt nur noch rund 50,45 Prozent gegenüber 56 Prozent
bisher. Da jedoch trotz eines Dementis der Stadt Frankfurt und der
Frankfurter Gasgeſellſchaft wir unſere frühere Information über ein
Desintereſſement des mit 40 Prozent beteiligten Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Elektrizitätswerkes auch heute noch aufrecht erhalten können, wird in
nächſter Zeit die Beteiligung der Stadt Frankfurt a. M. an der
Gas=
geſellſchaft ſich um dieſen Betrag noch verſtärken. Im Laufe der
näch=
ſten Woche dürfte darüber endgültig entſchieden werden.
Chemiſche Werke vorm. H. u. E. Albert, Amöneburg bei Wiesbaden=
Biebrich. Der ziemlich kurze Geſchäftsbericht erwähnt, daß infolge der
mangelnden Kaufkraft der Landwirtſchaft ſich der Abfatz im
Dünge=
mittelgeſchäft erſt im Heubſt etwas erhöhen konnte. Die
Superphosphat=
induſtrie benötigte dringend einen Zollſchutz, um bei Beſchränkung der
Einfuhr die vorhandenen Anlagen beſſer ausnützen zu können. Das
Chemi=
kaliengeſchäft habe ſich für einige Artikel befriedigend entwickelt, während
für andere der Cxport erſchwert ſei. Die Aufnahme neuer Artikel werde
vorbereitet. Techniſche Verbeſſerungen zur Konkurrenzkräftigung
durch=
geführt. Die Einführung der pharmazeutiſchen Artikel mache
Fort=
ſchritte, erfordere aber noch hohe Reklamekoſten. Aus einem
Reinge=
winn von 0,528 (0,546) Mill. RM. werden bekanntlich wieder 6
Pro=
zent Dividende vorgeſchlagen. In der Bilanz erſcheinen bei
unverän=
derten 7,5 Mill. A.=K. St.=A. und 0,04 V.=A. und 0,75 Reſerve und
0,8 Sonderrücklage und 0,5 ſoziale Fonds die Kreditoren mit 4,23 (407)
RM., denen an Immobilien 1,69 (1,71) Maſchinen, Einrichtungen 2,43
(2,5) Kaſſe, Wechſel, Effekten, 0,41 (0,27), nicht angegebene Beteiligungen
3,91 (2,8) Mill. RM. Debitoren
3,65 (3,67), Vorräte
nüberſtehen. Der Bericht läßt auch über das laufende Geſchäftsjahr
Mitteilungen vermiſſen.
A.=G. für Zellſtoff= und Papierfabrikation, Afchaffenburg. Die
Ge=
ſellſchaft war 1926 voll beſchäftigt und konnte die Zellſtoff= und
Pavier=
fabrikation ſteigern. Die Moderniſierung und Umbauten der Betriebe
wurden erfolgreich fortgeſetzt. Die kurzfriſtigen Kredite wurden faſt
h in kangfriſtige umgewandelt. Von dem Bruttogewinn von
47 Mili. RM. erforderten Unkoſten und Steuern 3,27 Mill. RM., Ziu=
und Probiſionen 1,2 Mill. Abſchreibungen auf Fabrikanlagen 1
Mil=
on, Abſchreibungen auf das
i0 0,63 Mill. RMN. Aus einem
ver=
iden Reingewinn von 1,69 (1.20 Mill.) werden 10 (8 Prozent
dibidende verteilt. In der Bila:; erſcheinen bei 14,4 Mill. A.=K. d
Kreditoren mit 5,2 (14,32) Mill. RM. langfriſtige Anleihen 8,48 (0 25
ill. RM., Abſchreibungs= und Werkerhaltungskonto 2,51 (1,51) Miſt
RM. Gegenüber werden ausgewieſen: Debitoren 8,23 (8,45) Mill.
RM., Bar= und Warenbeſtände 11,21 Mill. RM. (11,87) und
Fabrik=
anlagen 142,79 (13,28) Mill. RM. Die in Finnland gegründete
Geſell=
ſchaft für Holzbeſchaffung haße ſich gut bewährt. Ueber das laufende
Geſchäftsjahr werden keine Mitteilungen gemac
Deutſche Steinzeugwarenfabrik für Kanalifation und chemiſche
In=
duſtrie, Friedrichsfeld in Baden. Der A.R. beſchloß, der auf den 9. Juni
1927 einzuberufenden H.=V. die Verteilung einer Dividende von 12
Pro=
zent (10 Prozent) vorzuſchlagen.
Getreidekredit=A. G., Mannheim. Die Generalverſammlung der
Ge=
treidekredit=A. G. beſchloß antragsgemäß die Verteilung einer Dividende
von 10 Prozent und die Kapitalserhöhung um bis 400 000 RM. under
Ausſchluß des geſetzlichen Bezugsrechtes. Die ab 1. Juni
gewinnberech=
tigten Aktien werden zum Kurſe von 110 Prozent ausgegeben.
Der Internationale Kongreß der Weizenpools. Kürzlich hat die vom
kanadiſchen Weizenpool einberufene Konferenz der Internationalen
Weizenpools ſtattgefunden. Es waren die Weizenpools der Vereinigten
Staaten und Auſtraliens vertreten, ferner nahmen Abgeſandte von
Ar=
gentinien, Italien und Rußland an der Sitzung teil. Die Verhandlungen
über die Schaffung eines ſich über alle Ueberſchußgebiete erſtreckenden
Pools und eine gemeinſame Preispolitik wurden zwar unter Ausſchluß
der Oeffentlichkeit geführt, doch wurde bekannt, daß alle Teilnehmer für
das ſogenannte „orderly markding”, d. h. die zweckmäßige Verteilung
des Angebotes auf eine ganze Verbrauchsperiode durch eine zentrale
Ver=
kaufsſtelle ſich ausgeſprochen haben. Obgleich engere Abreden nicht getroffen
ſrurden, ſondern auf ſpäteren Zuſammenkünften erfolgen ſollen, iſt man
in den Kreiſen des kanadiſchen Weizenpools von dem Ergebnis der
Konferenz ſehr befriedigt, da zu hoffen iſt, daß man dem Ziel des
er=
ſtrebten Weltweizenpools erheblich nähergekommen iſt.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 14. Mai.
Die Effektenbörſe lag nach dem geſtrigen ſcharfen Kurseinbruch
und er noch nervöſen Abendbörſe über die weitere Abwicklung der
Reportgeldkürzungen beruhigter, vor allem, da es nicht zu
Zwangsglatt=
ſtellungen für heute kommen mußte. Unruhe beſteht nur noch in
er=
höhtem Maße füir die Medioabwicklung. Deckungsbedürfnis führte zu
Kursexholungen von durchweg 4—10 Prozent. Die Umſätze in den
Hauptwerten waren groß, ſowohl zum erſten Kurs allein amtlich über
300 000 RM. nominell Farbeninduſtrie geſucht. Dieſe ſetzten zunächſt
5,5 Prozent höher ein, gewannen im Verlaufe nochmals 10 Prozeut,
Von Elektrowerten Lieferungen um 13, Felten um 11, Bergmann um
11,5, Siemens um 9,5 Prozent erholt. Montanwerte faſt ſämtliche 6—8
Prozent befeſtigt. Bankaktien ruhiger, bis 3 Prozent höher.
Metall=
bank plus 7. Automobilaktien gut erholt, Daimler und Kleher um
5 Prozent. Der Börſenverlauf blieb ruhig, jedoch abwartend, da man
den Ausgang des Medios noch nicht überblicken kann. Kursmäßig war
man über den erſten Kurſen behauptet. Anleihen in Rückdeckungen
gleichfalls fveundlicher. Der Geldmarkt zeigte eine unveränderte
Ver=
faſſung. Tagesgeld bleibt leichter und 4 Proz., Termingeld weiter
ver=
langt, 6½—8 Prozent. Privatdiskonte für beide Sichten und Wo
en=
wechſel in Ffm. je 5 Prozent. Am Deviſenmarkt erholte ſich die
deut=
ſche Reichsmark international weiter mäßig, während von Deviſen Paris
etwas ſchwächer liegt. London gegen Paris 124,03, gegen Mailand 89,5,
gegen Holland 12,14, gegen Zürich 25,26½, gegen New Yort 4,8570,
Pfunde gegen Mark 20,50, Dollar gegen Mark 4,22.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 14. Mai.
Die Stimmung war nach den unerhörten Kursverluſten am
Wochen=
ſchluß leicht beruhigt. Das Tempo dee Rückganges der Aktienwerte hat
ſich langſam verringert und iſt teilweiſe zum Stiülſtand gekommen. Eine
Anzahl von Papieren konnte ſich ſogar gegenüber den tiefſten
Freitags=
notierungen etwas erholen. Die Stimmung an der Börſe war aber
immer noch äußerſt erregt. Man hatte während der erſten Stunde nicht
den Eindruck, daß alle Gefahr bereits gebannt ſei. An Käufern
beob=
achtete man lediglich die Baiſſe=Spekulation und ſolche, die
Deckungs=
bedürfnis zeigte und ausländiſihe Intereſſenten. Die Bankenkundſchaft
erteilte dagegen außerordentlich umfangreiche, zunächſt überwiegend
frei=
willige Verkaufsaufträge, um wenigſtens einen Teil der Depots zu
ret=
ten. Infolgedeſſen lag der Markt der Einheitswerte heute äußerſt ſchwach.
Exekutionen beobachtete man dagegen in geringerem Umfange, da ſolhe
drei Tage borher angekündigt werden müſſen. Es beſteht alſo die
Mög=
lichkeit, daß die erſten Tage der nächſten Woche für die Börſe noch
kri=
tiſch werden. Hierin lag der Grund, weshalb ſich die inländiſchen
Spe=
kulanten auf die notivendigen Deckungskäufe beſchränkten und ſonſt eine
abwartende Haltung zeigten. Zu der Beruhigung, die aber
unverkenn=
bau eingetreten iſt, trug das Funktionieren der Lignidationskaſſe
weſent=
lich bei. Ebenſo kann das Kommuniqué der Privatbanken angeſichts
der geſpannten Lage eine befriedigende Aufgabe löſen. Am Geldmarkt
drückte ſich der Kurseinbruch in einer ſtärkeren Nachfrage aus, ſodaß die
Sätze anzögen. Die Möglichkeit einer Herabſetzung der engliſchen
Dis=
kontſätze löſte im Deviſenverkehr Pfundabgaben aus. Der Pfundkurs
lag daher gegen New York mit 4,8560 ſchwäche:. Cbenſo neigte der
fran=
zöſiſthe Frank gegen London mit 124,10 nach einer längeren Zeit der
Stabilität deutlich zur Schwäche. London=Mailand ca. 89,90.
Im weiteren Verlauf der Börſe wurde das Geſchäft lebhafter. Die
Platzſpekulation ſetzte ihre Deckungskäufe fort und ſoll das Niveau
teil=
weiſe ſchon, wieder als niedrig genug anſehen, um Rückkäufe zu
be=
ſchaffen. J. G. Farbeninduſtrie zogen daraufhin in der zweiten Stunde
bis 303 an. Siemens gingen mit 281 nach 274,5, Schuckert mit 195 nach
180, AEG. mit 191 nach 182, Rheinſtahl mit 210 nach 204. Gelſenkirchen
mit 175 nach 171,5, Harpener mit 217 nach 208 und Glanzſtoff mit 560
um. Wie verlautet, haben die Banken der Kundſchaft im allgemeinen
dis zum Montag Aufſchub für die Exekutionen gewährt. Die Geldſätze
lauten auf 5,5 bis 7 Prozent für Tagesgeld und 7 bis 8 Prozent für
Monatsgeld. Tagesgeld blieb auch ſpäter rege geſucht. Im
Termin=
geld war das Angebot matt.
Privatdiskont kurze Sicht 42/s, lange Sicht 41/s. Die Börſe ſchloß
freundlicher, um im Nachbörſengeſchäft wieder eine uneinheitliche
Ten=
denz anzunehmen. Die Farbeninduſtrie hörte man im Spatverkehr mit
300—302, Schultheiß ſchloſſen mit 415 und Oſtwerke mit 387,5, Vereinigte
Glanzſtoff mit 545—550. Von Montanwerten Harpener feſter mit 215,
Gelſenkirchen mit 174, ferner nannte man an der Nahbörſe Deutſche
Erdöl mit 165, Charlottenburger Waſſer 152,5, Deſſauer Gas 198,5,
AEG. 191, Siemens 280, Schuckert 189, Leonhart Tietz 173,5, Hapac
138, Nordd. Lloyd 141, Hanſa 211, Hamburg=Süd 216, Danatbank 240,
Dresdner Bank 176,5, Ablöſungsanleihe 18.
199.— 14 5. Hemoor=Zement. 13.
241. 14. 5. Augsb. Nürnb. Maſch. 148.— 146.5 Hirſch Kupfer. 113.— 113. Bamag=Meguin". 48 5 Höſch Eiſen 192.— 199. Berlin el. W. 90.125 90.— Hohenlohe Werke 22.25 Berlin. KarlsruheInd 115. 120. (Kahla Porzellan 125. 125. Braunkohl.=Briketts 197.— 290. — Lindes Eismaſch. 1635 160. Bremer Vulkan. 152.— 150. Lingel Schuh. 90. Bremer Wolle. 219.— 209.— Linke u. Hofmann. 75.75 79.5 Deutſch.=Atlant. Tel 117. 120.— L. Loewe u. Co 275. — 1275.— Deutſche Maſchinen 100.25 100.— C. Lorenz 115 — 135.— Deutſch. =Nied. Tel 12.5 Niederlauſitzer 185.— 187. Deutſche Erdöl, 176. Nordd. Gnmmi Deutſche Petroleum. n7.— Orenſtein 125. 138. Dt. Kaliwerke 133.— 145.— Rathgeber Waggon". 110.— 106.25 Donnersmarckhütte 1132.— Rombacher Hütten Dynamit Nobel Roſitzer Zucker. zo2. 101.5 Elektr. Lieferung 163. Rütgerswerke. 118.— 124. J. G. Farben 290.— 307.— Sachſenwerk 110. 120.— R. Friſter. 103.— 105. Sächſ. Gußſtahl.
Siemens Glas.. Gaggenau Vorz 70. 69.— 179.— 170. Eelſenk. Gußſtahl. 17.5 17.5 Ver. Lauſitzer Glas.. !
Volkſtedter Porzell. 147.— 147.75 E. f. elektr. Untern. . 227 875 240.125 65- 64.— Halle Maſchinen 195.— Weſtf. C. Langendreer 57.— Han. Maſch. Egeſt. 123.— 125.25 Wittener Gußſtahl. Hanſa=Dampfſchf.. . . 209.5 213.5 jWanderer=Werke 2s0. 233.—
Deviſenmarkt.
Amſterdam =R.
Buenos=Aires
Brüſſel-Antt
Lslo"
Kopenhage
Stocheln
Helſingfor=
Italien
London.
New=York
Paris
Schweiz
Sbanie
13. 5
Heid. / Brie
168.74 169.16
.784/ 1. 7*
58.58 58.72
108.81 129.09/
112 50/112.75
2.73113.01
10. 640/10.644
22.80 22.88
20 474 20.526
4.215 4.25*
16 515 16.55
81.06/ 8:-26
74.041 74 22
4
(Eeld /Prie
168.67/169.08
1.785 1.78‟
58.59 58.7:
08.81/109.09
112.48 112.76
2.71/112.93
0.604 10.644
22.785 22 8451
20.474 20.523
1.215, 4.225
16.51/ 16.5
81.06 81.26
73. 71. 23 89
Wien D.=Oſt. abg.
Prag..
Budapeſt. Pen
Japan
Rio de Janeir
Sofia
Fugoflavien
Konſtantinopel
Liiſſabon
Danzig ..."
Atben.
.
Ranada ..
Urnguag
13.
Geld /Brie
59.301 59.44
2.483/12. 523
73.48, 73.661
2.009/ 2.012
9. 1971 0.498
3.0431 3.053
7.407 7.42
2.21 1 2.22
1.495/21.545
81. 701 31.941
5. 611 5.63
4.2151 4.225
1.2151 4.225
14. 5.
Geld Brie
59.30 59.44
2.483 12.523
3.47 13.67
2.008 2.012
0 427 1. 499
3.045 3.055
7.405 1.42,5
.215 2.225
495 21.545
81.74 81.94
5.61 3.63
1.215/ 4.225
1.215 4.225
* Die Börſenkataſirophe.
An der Berliner Börſe ſah es am Samstag etwas ruhiger aus. Die
Kurſe haben eine Kleinigkeit angezogen, aber die Nervoſität iſt doch noch
geblieben, weil niemand die Größe der Kataſtrophe in den letzten Tagen
zu überſehen vermag. Das wird erſt um die Mitte der nächſten Woche
möglich ſein, wenn ſich zeigt, in welchem Umfange ſich einzelne Firmen
übernommen haben und infolgedeſſen ihre Zahlungen einſtellen müſſen.
Gegenwärtig ſchätzt man die in den letzten Tagen entſtandenen Verluſte
auf rund 0,25 Milliarde Mk. Ob das nötig war, ob nicht durch eine
vorſichtigere Ankurbelung der neuen Maßregeln, ein langſamerer
Ab=
bau ohne ſolche Verluſte hätte erzwungen werden können, darüber
ſtrei=
ten ſich die Beteiligten ſehr ſtark. Schuld will niemand geweſen ſein.
Es ſcheint aber doch, als wenn der Reichsbankpräſident die
Bankdirek=
toren in jener Sitzung, in der er ſie für ſeine Borſchläge gewann, unter
denkbar ſtärkſten Druck geſtellt hat, und als wenn in der Sitzung auch
zum Ausdruck gekommen iſt, daß der Rat der Neuregelung eine
Kata=
ſtrophe zur Folge haben mißte. Volkswirtſchaftlich wefentlicher ſcheint
es uns aber doch, daß man einmal den Gründen nachgeht, aus denen
heraus Dr. Schacht gezwungen war, auf die Banken zu drücken. Er
ſtand vor der Tatſache, daß unſere Deviſenkurſe ſcharf anzogen und daß
er ſich dicht vor der Notwendigkeit ſah, Gold zu exportieren oder den
Bankdiskont heraufzuſetzen, wenn er nicht an irgend einer Stelle
Ent=
laſtung ſchaffte. Das Anziehen der Deviſenkurſe iſt alſo der
Ausgangs=
punkt der ganzen Deroute, und das wiederum iſt verurſacht worden
da=
durch, daß der Reparationsagent Parker Gilbert zum erſten Male den
Verſuch gemacht hat, in großem Stil die deutſchen
Reparationszahlun=
gen zu trausferieren. Er hat im Monat April über 100 Millionen RM.
umgeſvechſeit, das iſt faſt ſoviel wie im ganzen Vorjahr. Dieſen ſtarken
Abfluß an Deviſen hat unſer Finanzſyſtem nicht ausgehalten, und ſo
entſtanden die Erſchütterungen. Wenn man ſich vergegenwärtigt, daß
das bei einem Betrage von 100 Millionen eintritt, wie ſoll es erſt dann
werden, wenn einmal die Beträge in der vollen Höhe von 2,5
Mil=
liarden Mark jährlich fällig werden? Die Folgen ſind einfach
unüber=
ſehbar, und ſo ergibt ſich indirekt wieder aus der Börſenkataſtrophe die
doppelte Lehre, daß einmal das Bild, das man ſich von der deutſchen
Wirtſchaft im Auslande macht, falſch iſt, daß aber zum anderen kein
Gedanke daran iſt, auch nur Bruchteile der Kriegsentſchädigung, die
wvir nun einmal zahlen ſollen, in das Ausland zu bringen.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 14. Maf. Im Berliner
Produkten=
geſchäft war Weizen unverändert, für ſpätere Lieferung 2,5 Mk. feſter.
Noggen eröffnete ſtill. Mehl und Hafer wenig angeboten. Gegemrber
geſtern iſt eine leichte Erholung für Mehl ſowie Weizen I und Roggen
eingetreten.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 14. Mai. (Priv.=Tel.)
Weizen: Angeſichts der Weizenhauſſe eröffnete der Markt in feſter
Haltung. Außerdem trug die Feſtigkeit der Kaſſamärkte zur
Aufwärts=
bevegung noch bei. Später trat eine Abſchwächung ein auf ſchleppende
Exportnachfrage. Die Termine ſchließen auf geſtrigem Niveau.
Mais: Der heutige Markt nahm einen feſten Verlauf, wodurch
die Termine bis zu 1¾ C. anziehen konnten. Käufe der
Kommiſſions=
firmen und der Spekulation ſowie kleine Ankünfte führten die ſteigende
Tendenz herbei.
Hafer: Nach ſtetigem Marktverlauf zeigen die Termine leichte
Auf=
beſſerungen.
Baumwolle: Günſtiges Pflanzwvetter und Abgaben der Wallſtreet
hatten einen ſchwachen Verlauf zur Folge. Im Schlußverkehr wurden
Glattſtellungen beobachtet, wodurch eine Erholung eintrat. Die
Ter=
mine mußten bis 15 Punkte nachgeben.
Kaffee: Kaufreſerve des hieſigen Handels ſowie niedrigere
brafi=
lianiſche Forderungen verurſachten einen ſchwächeren Verlauf, wozu
noch Glattſtellungen beitrugen.
Zucker: Nach der geſtrigen Abſchwächung konnte heute eine
Er=
holung eintreten, wodurch die Kurseinbußen wieder eingeholt werden
konnten. Zurückhaltendes kubaniſches Angebot, Käufe des lokalen
Han=
dels und der Raffinerien ſowie gebeſſerte europäiſche Nachfrage
bewirk=
ten einen ziemlich feſten Verlauf.
Kakao: Die Aufwärtsbewegung machte weitere Fortſchritte auf
höhere Kabelmeldungen, feſte Lokopreiſe, Käufe des Handels und
Glatt=
ſtellungen zum Wochenende. Die Termine konnten bis zu 15 Punkten
anziehen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 14. Mai:
Getreide: Weizen, Mai 142½/, Weizen, Juli 136, Weizen,
Sep=
tember 133½/, Mais, Mai 447/, Mais, Juli 492/e, Mais,
Septem=
ber 912/8, Hafer, Mai 49½, Hafer, Juli 50½, Hafer, September
46½, Roggen, Mai 108, Roggen, Juli 107, Roggen, Sept. 997/s.
Schmalz: Schmalz, Mai 12,22, Schmalz, Juli 12,30.
Fleiſch: Rippen, Mai 12,80, Rippen, Juli 12,80, Speck 13,
Schweine, ſchwer 9,25—9,60, Schweine, leicht 9,60—10,
Schweine=
zufuhr Chicago 4000, Schweinezufuhr Weſten 30000, Talg
Ohio 734.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 14. Mai:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 1537/, Weizen Nr. 2 hart 156½/e,
Mais Nr. 2 992/, Hafer Nr. 3 61½, Roggen exp. 122½, Mehl
Spring Patent 6¾, Getreidefr. n. Engl. 2 sh, Getreidefr. n.
Kont. 17 d.
Schmatz: Schmalz Mittel, Weſten 12,97.
Schweinefleiſch: Schweinefleiſch Family 36.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Das bekanntlich bis Ende 1929 verlängerte Seildrahtfyndikat
beab=
ſichtigt, den bisherigen Export nach Belgien und Holland auszubauen
und ſeinen Mitgliedern aufzugeben, ihre bisherige Abſatzmenge
einzu=
reichen. Aus dieſen Zahlen ſollen ſodann die Quoten für den
allge=
meinen Export des Seildrahtſyndikates nach Belgien und Holland
er=
rechnet werden.
Die Märzproduktion der Saargruben betrug 1 288 813 Tonnen
Kohlen gegen 1211 512 Tonnen im Februar. Die Halden=Vorräte
ſteigerten ſich innerhalb Monatsfriſt um 200 137 Tonnen auf 333 383
Ton=
nen. Die Koksproduktion im März betrug 22145 Tonnen gegenüber
18 831 Tonnen im Februar.
Ein Konſortium franzöſiſcher und Schweizer Banken hat mit einem
Aktienkapital von 15 Mill. Frs. eine Export=Kredit=Verſicherung in
Paris gegründet, die beſonders für die franzöſiſche Eiſeninduſtrie von
Vorteil ſein wird.
Die Auflegung der Freiwilligen Nationalen Anleihe, die unter
Finanzminiſter Peret im April zur Rettung des franz. Fr. aufgelegt
wurde, hat einen bemerkenswerten Mißerſolg gebracht. Sie ergab im
Laufe eines Jahres nicht ganz 300 Millionen Franken.
Der neueſte Wochenausweis der Bank von Frankreich weiſt eine
Er=
höhung der Vorſchüſſe an den Staat um 600 Mill. Frs. aus. Der
Bank=
notenumlauf hat um 702 Mill. Frs. abgenommen.
Die Belebung, die gegen das Ende der Londoner
Kolonialwollauk=
tionen eingeſetzt hatte, hielt auch am Schlußtage an. Es herrſchte rege
Kaufluſt bei feſter Preiskendenz. Am Schlußtage gelangte ein
Geſamt=
angebot von 12 550 Ballen unter den Hammer. Bis auf 15 Prozent des
Angebotes fanden die Waren glatte Aufnahme.
Auf der Konferenz der Börſen der Sowjet=Union teilte ein
Ver=
treter des Finanzkommiſſariats mit, daß es gelungen ſei, ſowohl die
100 Mill. Rubel=Inlandsanleihe von 1927 als auch die inländiſche
30 Mill.=Rubel=Ausloſungsanleihe von 1926 durch reine
Publikums=
zeichnung aufzubringen.
Nach Blättermeldungen werden die ungariſchen Linien der
Süd=
bahn nrch im Laufe dieſes Jahres von der Verwaltung der usgariſchen
Staatsbahnen übernommen.
Die Wertziffern für den Export Argentiniens in den erſten vier
Monaten 1927 zeigen gegenüber 1926 eine Zunahme um 77 Mill. Peſos
auf 380 Mill. Peſos
Die kontinentalen Importeure von ſüdafrikaniſchen Diamanten
haben jetzt der Durchführung des Aktienberkaufs durch das Diamanten=
Syndikat zugeſtimmt.
Seite 16
Sonntag, den 15. Mai 1927
Nummer 134
Frankfurter Kurzbericht vom 14. Mai 1927.
Staatepapiere
a) Deutſche
D. Meichsant Ablöſ
Schuld einſch
Ausloſ.=Sch.I.Teil 315.5
1I Teil318
2 Reichsanl.Ablöſ=!
Schuld ohne Aus=
(pſungsſcheine .— 18.5
8!.% Reichsp. Sch.
v. 1. 10. 30.
7% Bayer, Staats=
Sch. p. 1. 4 29
6ſ,% H. V. Sch
b. 1. 4. 29
6l.% Pr. St.=Sch.
b. 1. 3. 39.
8I.30 Pr. St.=Sch.
b. 1. 10. 30
79 Sächſ. Freiſtaat
Schotz, p. 1. 7. 29
22a Sächſ. Freiſtaatl
Schatz. p. 1. 7. 30
810 Würt. Freiſt.!
Schatz, v. 1. 5. 29
)Ausländ iſche
5% Bos. E.V 1914
5o9 .„ L.Ind. 1914
4½% u 1898 „.
4½%o u 1902 ..
47
6 % Bulg. Taba 102/ 27
49.% Oſt. Staatsr.
b. 1918, Kdb.19181 Zel.
4½%Sſt. Schatz. 14
41,2 Oſt. Silber.
4% „ Goldr..
4% „einh. R. ckon)
8% Port,/ Spz.) III
2 Rum am. R.03.
5½%, Gold, 13...
42 „ amkonp.
4% am. 0b.:
%Türk. Adm./031
(Bagb.)
42 Bagd.17k
425 Türk. unif. 1903
4%. 1911 Zoll.
4½% Ung. St. 1913
412% St. 19141
42 „ Goldr.. 25
42 St. 10
42 „ Kronr.
82 Eiſ.Tor.
Außereuro:
päiſche.
52 Mex am.in abg
5% n äuß. 99
42 : Goldo4ſti,
82o „ konſ. inn. n
43% Frigat.
52Tamaulivas 1.
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mt:
Zinsberech=
nung
10%Berl. H.=Bt. 6.
825 Berl. St.:Gobd/ 95.6
880 Darmſt. St.=G.
824 D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf.
82 Frl.=Hhp.=B.,
Goldpfdbr.
l100
72Frrf. H. B. Glb., 100.,5
32 Fri. Pfbr.=Bi.
Goldpfdbr.
100
70Pfbr.=Br=Gld,/ 101.5
5% Frkſ. Pfdbr.=Bk.)
Golbpſdbr.
88.1
8% 5. Lds.-Bl. Glb./102
101.5
720
10% R. Gettr. Mark
(Hagen) Goldobl. /103.9
82o T. Landesban!!.
Darmſt. Reihe 1 102
8e
Reihe 11101
72M. Krſt.Höchſt
19.5
21.3
16.25
% Mannh. St.6./100—
8eg Naſt Lob. Gold 103,5
82 Nbg. St.=Gldal.
822 Pfälz Hyp=Bk.)
Gold=Pfdbr.
182. Bforzh. St.G./101
820 Pr. Gentr.=Bd.=)
Gr.=Bl. Gldpfbr. 102,5
103‟
820 Pr. Gentr.=St.= Golbpfbr.
8% Rh. Hhp.=Bank
Gold=Pfdbr.
7½%Rh. St. W.25
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf. 103
22 Südd.B. Cr.=B.
Goldnfobr.
72, V. Stahlw.
Düſ=
jeldorföhp.=Gld.=)
obl. mit Optionl
12.P. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfchyp=Gld.. ohne Option
82 Voigt &Häffner
Goldobl.
82 Wärtbo. Hhp.=
Bank Golbpfbr. 109
Ohne
Zins=
berechnung
5% Bdw. Kohl. 23
823Großk. Mannh.
Kohl. 23
16%0 bel. Brl.=Rg.23
1598 „Roggen. 2
525 Pr. Kaliw.
525 Pr. Roggenw.!
5% Südd.Feſt=B. 6
Borkriegs=oyp.=B.
Pfandbriefe.
Bahr. Bereinsb.
Bayr. Handelsb.
Bahr. Hyp.u. Bechſſ
Berliner Hyp.=Bk.
Frrſ.Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp Bk.
Mecklb. Hhp.=u Wb.)
Meining Hyp. Br.
Nordd. Gr.Er Bi
Pfälz.Hyp.=Br.
Preuß. Bod. Fr.=B.
BrCent.=B.=Cr.=B.
Breuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B.
Rh Wſti.=B.=Fr.=B.
Südd, Bodenk.
Bürt. Oyp.=Bk.
Staatl. od. prov.
garantiert.
Heſſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel ..
Naſſau. Oosb.
Obligationen v.
Transportanſt.
425 Eliſ.=Bahn ſtſr.
425 Galiz. Carl.
Lud.=B.
abg.
4%
59 O. Sb. Ob. ſtfr.
2.,6% Ate „
2.62 Neue . .
5%0 Oſt.-Ung. 73/74
425Oſt. Staatsb.83
325 Oſt. 1.b.8.E.
30Oſt. „ 9. C.
8%Oſt. „ 1885
8%Oſt. „ Erg.Netz
820 Raab Oedbg.83
911
33
97
42 Rub Silber
4 Rud. Salzrg.)
4½% Angt. S.l.
4½%Angt. S II
4½% Angt. S. iII
32 Salon Monaſt.
58 Tebuantepee.
Aie
18
12.2
14.10
14.5
14.5
20.25
19.25
Vankaktien
Alig D.=Kredit.. 151
..152
Ba5. B:.
Br. i. Brauind.
Barmer Banw. 156
Bay Hyp.=Bchſ.
Berl.Handelsgeſ.
Comm.u. Privatb. 188
Darmſt.u.Nat.=Bl. /842,5
Deutſche Ban:.
175
D Eff.u.Bchſ.=Bk. 158
D Hyp.=Bk. Mein. 152
168
133.5
195
D. Vereins=Bk 1118
Disl.=Geſelſch.
Dresdener Bk. ...189
Frankf. Bk.
Frkf Hyp.=Bk.
Frif. Pfdbr.=Bl. 173
Gotha. Grundkr.Bk.
Lur Intern Bank! 11
Melallbank.
154
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bi.
Pr. Bd.=Creditbankl152
6yp =Akt.=Bank 195
Reichsbank=Ant 185
Rhein Creditbl. 135
Rhein=Hyp.=Bk. 196
Süod B.: Creditbl.
Südd Disc.=Gel. 154
Oſterr Ereditanſt. 9.5
Biener Banwerein! 8.9
Gergwerks=Akt.
Bochum. Bergb. ..
Buderus . . /117
Di Luxemburg. ..
Eſchw Bergw.
Geſſentirch. Baw 180
Harp. Vergb. . 215
Flſe Bergb. St.
Genußſchein 143
Kalt=Aſchersleb. 191
Tal. Salzvetfurt.
Kali Beſterregln 192
180
Rlöcknerwerke.
Mannesm.=Röhr. 203
Mansfelder
Oberbedarf /114
Oitwi=Min=Ant.
Bhönir=Bergb. .134.75
Rhein Braunk. 264
Rhein, Stahlw. 218
A. Riebeck Montan /170
Rombach bütte.
Salzwerk Heilbr.
Tellus Bgb.
Ver Laurahätte..
Ber Stahlwerke 1140
zndnſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh. //275
Henninger
Heraules Heſſiſche 1159.5
Löwenbr.=München
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148‟
169
223
195
120
125
185
302
146
z12
299
127
138
135
140
191
83
86
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135
165
128
38.25
59
128
198
83.25
65
132
128.5
120.75
65.5
57
165
125
114.5
90.5
139.75
190
30.5
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Boigt & Haeffner 148
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Gegen Gicht, Stein- und Stoffwechselleiden! — Ermäßigse Pauschalkuren (mindestens) 3 Wochen: Pauschalpreis Mk. 189.—.
Im Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 80.50, im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.— . — Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung.
Darmſtädter Stadtanleihen.
Unter Bezugnahme auf meine
Bekannt=
machung in dieſer Zeitung vom 3. Aug.
1926 gebe ich hiermit bekannt, daß
An=
trägen auf Barablöſung der Darmſtädter
Stadtanleihen Buchſtabe C vom 1.
Ok=
tober 1922, Buchſtabe D vom 20. Januar
1923, der Serienanleihe vom 1. Juni
1923 ſowie der vom 24. Februar bis
21. November 1923 gegebenen
Schuld=
ſcheindarlehen von Privaten nur noch
ſtattgegeben wird, wenn ſie bis
ſpäte=
ſtens 30. Juni 1927 bei der Stadtkaſſe
Darmſtadt eingegangen ſind.
Die öffentlichen Sparkaſſen und die
Banken werden erſucht, ihre Kunden in
dieſem Sinne zu bedeuten und nach dem
genannten Zeitpunkt keine Anträkge mehr
entgegenzunehmen und einzuſenden.
Darmſtadt, den 7. Mai 1927. (st820‟
Der oberbürgermeiſter.
Die elektriſchen Inſtallations=
Wdeienf
für die ſtädtiſche Feſthalle am
Exerzier=
platz und den Orangeriegarten ſollen
alsbald vergeben werden. Angebote ſind
zum Selbſtkoſtenpreis von je 1,50 Mk.
auf unſerem techniſchen Büro,
Frankfur=
terſtraße 100, erhältlich, woſelbſt auch
die Angebotsunterlagen eingeſehen
wer=
den können.
Die Angebote ſind bis
Donners=
tag, den 19. Mai 1927, vormittags
10 Uhr, bei der unterzeichneten
Diret=
tion, Frankfurterſtraße 69, 1. Stock,
ein=
zureichen.
(t8151
Direhtion der ſtädtiſchen Betriebe,
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Magdalene Wloſt, geb. Kiefer, Damenſchneiderin,
Ehe=
frau des Bürvaſſiſtenten Adolf Wloſt in Saarbrücken,
Bahn=
hofſtraße 26, im Grundbuch eingetragen war, ſoll.
Freitag, den 24. Juni 1927, nachm. 3‟/, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer 219, verſteigert
werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 30. März 1927 in das!
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſtei=
gerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpckteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(6546a
Darmſtadt, den 12. April 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band IV, Blatt 222,
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann qm
Schätzung
1. T 463 Hofreite Nr. 14 Große
Bachgaſſe
413 10000 RM.
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Montag, den 16. ds. Mts., von
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moden, Waſchtiſche für Unteroffiz.
und Gemeine, Schränke, Spinde,
Fußbadewannen uſw. öffentl.
meiſt=
bietend gegen Barzahlung verſteigert.
Eingang Nordweſtſeite Gefang=Lager
zwiſchen Griesheim und
Wirtſchafts=
viertel. Eingangstor durch weiße Flagge
erkenntlich.
Event. Dienstag 8 Uhr vormittags
Fortſetzung.
(8191
Reichsvermögensſtelle
Truppenübungsplatz Griesheim.
Arbeitsvergebung.
Die Gemeinde Nieder=Ramutadt
vergibt die Lieſerung und das Verlegen!9
von ca. 120 am weißen Wandplatten
2. Wahl in der Gemeindebadeanſtalt.
Die Wände ſind vorher aufzurauhen.
Angebote pro am über Liefern und
Verlegen ſind bis ſpäteſtens 21. ds.
Mts, an die Bürgermeiſterei Nieder=
Ramſtadt einzureichen.
(8179
Nieder=Ramſtadt, den 13. Mai 1927.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
gez. Jährling.
7
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtücke, das zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerls auf den Namen
der Friedrich Karl Schlamp Ehefrau, Luiſe, geb. Kohl
in Lorſch, im Grundbuch eirgetragen war, ſoll
Dienstag, den 24. Mai 1927, nachm. 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 8. September 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſtei=
gerungsvermerke aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe, von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehendes
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(5123a
Darmſtadt, den 16. März 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XII, Blatt 616
e
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Nummer 2o
zuurunnnnsunnret
Unnrunnennnnnnnrnvrnnnennnnnrurt
Innn
Das ſpielende Kind.
Ein kulturgeſchichtlicher Spaziergang durch die Jahrtauſende.
Das Spielzeug unſerer Kinder iſt, wie faſt alles in der
Welt, der Mode und dem wechſelnden Geſchmack der Seiten
unterworfen.
Nur ein Geſchenk iſt immer willkommen geweſen, wenn
Mädchenaugen über den Gabentiſch blickten: die Puppe.
Höchſtens die Bleiſoldaten der Knaben machen der Puppe
in der Beliebtheit einen ernſtlichen Wettbewerb. Ob es die
einfache Wollpuppe iſt, die ſelbſt den eifrigſten Babyfäuſten
lange einen erfolgreichen Widerſtand leiſtet, oder das hübſche
Modell in neueſter Nobe und modernſtem Hut — immer
findet die Puppe ihre ehrlichen Bewunderer, ſoweit die
Kultur in unſerem Sinne auf der Erde zu finden iſt und war.
Denn, um es gleich vorwegzunehmen, die Kinder der
Natur=
völker kennen das Spiel mit Puppen nicht.
Afrikareiſende haben Negerpuppen mitgenommen, um
den Eindruck zu ſtudieren, den dieſes Spielzeug auf die
Schwarzen und ihre Kinder machen würde. Die Neger
überſahen die ſchwarze Puppe vollſtändig, höchſtens die
Puppe in Europäergeſtalt reizte ſie zur Beluſtigung. Auch
bei den Urvölkern Amerikas, die ſonſt viel Spielzeug
an=
fertigten, das ſelbſt unſerer Jugend nicht mißfallen würde,
finden wir keine Puppen. Während der Indianerknabe am
Amazonas ſich aus dem Wachs der wilden Bienen Kreiſel,
aus einer hohlen Baumfrucht den Brummkreiſel formt, aus
Dentſche Tonpuppe aus dem 14. Jahrhundert.
WWachs die Ciere des Urwaldes mehr oder weniger geſchickt
nachknetet und nach den Vögeln mit dem kleinen Blasrohr
ſchießt, das er aus Maisſtroh anfertigt, finden wir die
Puppe nie in den Händen dieſer Kinder. Allerdings
ver=
fertigen die Naturvölker auch Siguren in Menſchengeſtalt
und bemalen ſie, aber dieſe Bildwerke dienen ſtets der
Götzenverehrung.
Dagegen haben die alten Inder ſchon lange vor der
chriſtlichen Seitrechnung die Puppe gekannt. Die Puppe der
Inderkinder war eine Gliederpuppe aus Elfenbein. Arme
Väter werden ihren Cöchtern wahrſcheinlich das Spielzeug
aus billigerem Stoff in die kleinen Händchen gegeben haben.
Puppen, aus Con geformt, waren in Indien genau ſo
be=
kannt wie anderes Conſpielzeug. Der Citel des alten
Sans=
krit=Dramas „Das irdene Kinderwägelchen”, auf unſeren
Bühnen als „Vaſantaſena” gegeben, erinnert daran, daß
die Inder das Spielzeug ſchon kannten. Auch die alten
Agypter, bei denen die Holzſchnitzerei, das Kneten in Con
und Wachs in hohem Maße entwickelt war, haben
höchſt=
wahrſcheinlich auch Puppen geformt. Wenn wir in ihren
Grabkammern, die ſonſt eine Menge von Geräten für den
täglichen Gebrauch, von Schmuckſachen und Götterbildern
aufweiſen, keine Puppen zum Spielen finden, ſo liegt das
daran, daß auch im Altertum, wie bei uns, der Puppe kein
langes Daſein winkte. Sicher iſt es, daß die Kinder im alten
Pharaonenlande die Puppe kannten, wie der ägyptiſchen
Kinderſtube auch das Märchen nicht fremd war. Wir
beſitzen in dem Papyrus Weſtcar, geſchrieben etwa
1700 Jahre vor Chriſti Geburt, das älteſte äguptiſche
Märchen. Auch die Chineſen haben ſeit uralter Seit Puppen,
und zwar iſt die chineſiſche Gliederpuppe älter als die
europäiſche. Ein Sonneberger Puppenfabrikant wurde auf
einer Londoner Induſtrieausſtellung erſt durch ein chineſiſches
Modell zur Anfertigung moderner Gliederpuppen angeregt.
Das griechiſche Altertum hat uns in ſeinen Crümmern
eine reiche Anzahl von Puppen hinterlaſſen, wenn auch
viele Sunde naturgemäß nur in unvollſtändigen Exemplaren
Curnierpuppen aus dem 12. Jahrhundert.
das Spielzeug des griechiſchen Mädchens zeigen. Sowohl
im eigentlichen Griechenland, als in den Kolonien an den
Geſtaden des Mittelmeeres und des Pontus ſpielten
Griechenkinder mit Puppen, die aus gebranntem Con
ge=
formt waren. Auch das Puppentheater war den Griechen
nicht fremd. Der Schriftſteller Heron, der im dritten
Jahr=
hundert vor Chriſto lebte, ſchildert es ſo, daß wir in dieſem
Puppenſpiel faſt das Urbild des deutſchen Kaſperltheaters
wiedererkennen möchten. In Nom ſpielte jedes Mädchen
mit der Puppe, die an dem Cage im Cempel der Venus als
Weihegeſchenk niedergelegt wurde, an dem das Kind zur
Jungfrau erwachſen war.
Die Seit der Völkerwanderung und der erſten Neiche,
die ſich auf den Crümmern des alten römiſchen
Kaiſer=
reiches erhoben, haben uns nichts Beſtimmtes in ihrer
Malerei und Bildnerkunſt hinterlaſſen, aus dem wir auf das
Daſein der Kinderpuppe beſtimmt ſchließen dürften. Doch
iſt mit gutem Grunde anzunehmen, daß die römiſche Puppe,
die vom Euphrat bis zu den Grenzkaſtellen Germaniens
im Reiche der römiſchen Kaiſer verbreitet war, nicht
ſpur=
los in den Wogen der Völkerwanderung untergegangen iſt.
Jedenfalls finden wir die bewegliche Puppe als Spielzeug in
vornehmen Häuſern zur Seit der Hohenſtaufen wieder. Eine
Bilderhandſchrift der Abtiſſin Herrad von Landsperg zeigt
dem 16. Jahrhundert.
Sn.
zwei Knaben, die auf einem Ciſch an Schnüren zwei Puppen
in Ritterrüſtung gegeneinander fechten laſſen. Wenn aber
ſolche Marionetten in den Häuſern der Reichen waren, ſo
fehlte die einfache Puppe in jenen Seiten auch nicht. Das
deutſche Mittelalter nannte die Puppe „Docke‟. Der
Aus=
druck iſt auch heute noch nicht vollſtändig ausgeſtorben. In
Norwegen heißt die Puppe auch heute noch „Dukke‟. Auch
bei uns findet er ſich noch in manchen Gegenden auf dem
Lande. Das Mittelalter hat uns kein Exemplar einer
„Docke” hinterlaſſen. Die Kinder jener Jahrhunderte waren
eben genau ſo wißbegierig und zerſtörungsſüchtig wie zu
unſerer Seit, in der auch die beſte Puppe entweder der
Ana=
tomie der Kinderſtube oder einem tückiſchen Zufall zum
Opfer fällt.
Im Hinblick auf dies ewige Schickſal aller Puppen redet
unſere Wappenkunde von einer „Docke”, wenn ſie einen
menſchlichen Numpf mit verſtümmelten Gliedmaßen in einem
Schilde meint. Kulturhiſtoriker und Muſeumsdirektoren gab
es im Mittelalter leider noch nicht, die uns eine Sammlung
von Kinderſpielzeug erhalten hätten. Erſt das 16.
Jahr=
hundert zeigt uns in Wort und Bild die Spiele und das
Spielzeug der Jugend. Da ſehen wir den Knaben auf dem
Steckenpferd und das Mädchen mit der Puppe, und ſchon
der im 16. Jahrhundert lebende Schriftſteller Joh. Fiſchart
knüpft an dieſes Spielen der Mädchen mit der Puppe eine
ſinnvolle Betrachtung in ſeiner Art: „Was iſt’s Wunder,
daß die Weiber ſo fein wiſſen, mit ihren Ehegetrauten
umzugehen, demnach ſie es doch von Jugend auf mit Docken
und Poppen ſpielsweis alſo gewohnen, daß ſie nachgehends
in der Ehe auch ſolches Poppenſpiel mit ihrem Ehegepareten
üben."
Daß das Mittelalter die Puppen gekannt hat, beweiſen
die Handſchriften ſeiner Dichter und Sänger. Da iſt der
philoſophiſche Ulrich von Cürlin, der der Welt Freude als
ein Puppenſpiel bezeichnet. Auch Wolfram von Eſchenbach
ſpricht in ſeinem „Citurel” vom Puppenſpiel, ebenſo Hans
Burckmair in der Jugendbeſchreibung des Kaiſers
Maxi=
milian, dem „Weißkunig‟. Die Minneſänger gebrauchen in
Conpuppe aus dem 14. Jahrhundert.
ihren Liedern häufig genug die Docke und das Dockenſpiel.
Die männliche Puppe war der „Dockenhanſel”, der mit
ſeiner Schweſter oder Frau im „Dockenhaus” wohnte. Von
ſolchen Puppenhäuſern ſind uns einige aus dem 17. und
18. Jahrhundert erhalten, die neben den Möbeln und
Geräten auch Puppen in allerlei Cracht zeigen. Das
Ger=
maniſche Muſeum in Nürnberg, das Kunſtgewerbemuſeum
zu Berlin und das South=Kenſington=Muſeum zu London
beſitzen einige vollkommen erhaltene Puppenhäuſer, die in
ihrer Einrichtung das 17. Jahrhundert zeigen. — Dieſe
koſt=
baren Puppenhäuſer waren natürlich nur für die Kinder
reicher Handelsherren oder der Fürſten beſtimmt. So wiſſen
wir, daß Herzog Albrecht V. von Bayern im Jahre 1558 in
Augsburg ein Puppenhaus mit 16 Fenſtern Front und vier
Stockwerken Höhe beſtellte. Sogar die Namen der
Hand=
werker, die es bauten und ausſtatteten, ſind erhalten, es
waren der Schloſſer Hans Klein, der Maler Hans
Oſten=
dorfer und der Ciſchler Wolf Grieß. Der Herzog leiſtete
ſich für dieſes Spielzeug die Ausgabe von 330 Gulden, eine
Summe, die heute etwa 3000 Mark entſpricht. — Bis zum
heutigen Cage hat ſich dieſer Luxus erhalten, und wir ſehen
in unſeren Kaufhäuſern auch heute noch die teuerſten PPuppen
Dr. A. Stürmer.
und Puppenſtuben.
inanAHHHHHnHHHHgHHanaghannnnEnaEaHHngngannnnannnnnngnnnhgggnannagnnnnHnnnHHngiEHHHHHEHHHHHAHHHAHHEEAHEHAIg
[ ← ][ ][ → ] Guatemal a.
Ein Reiſefilm von Hertha Lang.
Von den fünf Millionen Einwohnern Mittel=Amerikas ſind
zirka vier Millionen Indios, eine Million Meſtizen; in keinem
der Staaten treten ihre Stammesſitten und Crachten heute noch
ſo in Erſcheinung, wie in Guatemala. Das Hafenbild von
PPuerto Bärrios beherrſchen zwar zunächſt die
kanarien=
gelben Gebäude und die weißen Dampfer der „American Fruit
Company” bald aber wächſt über dieſe Kleinwelt der Cechnik
das Urtümliche, die Mutter Natur, der Urwald auf — Heimat
des heiligen Vogels „Quetzal”. Im weitgeſpannten Halbrund
der blauen Kette des Vulkangebirges, in weitem Bogen des
Hafenbeckens herrſcht unbegrenzte Fülle der tropiſchen
Vege=
tation: weich ineinander übergehend Gewächsformen und Farben,
von Schlingpflanzen verkettet, Bambuswedel ſchließen die
Swiſchenräume. Urwald bis zur Mündung des Nio Dulce,
mit ſeinen ſchlanken Kanus und maisſtrohbedeckten Nanchos.
bis zum zweiten Hafen Livingſton und weiter zur Grenze
von Britiſch Honduras.
Das Flußgebiet des Nio Dulce, der ſich landeinwärts zum
Jzabal—See weitet, iſt der Sugang zu den Kaffee=Plan=
jagen und Suckerfeldern, „Cannalen”, von Cobän, einem der
ilteſten deutſchen Siedlungsgebiete in Guatemala. Viele große
und kleine Indios ſind hier blond. Aber Haltung und Cracht
ſind die altüberkommenen: Gemeſſenheit und Surückhaltung;
ernſte, ſchwarze Kopftücher, mit reichen Ciermuſtern beſtickte
Hemden, „Hupeele”. Sur langdauernden Negenzeit iſt dieſes
Hochland unwegbar.
Swiſchen Puerto Bärrios und der Hauptſtadt, inmitten der
Bananen=Olantagen: Quirigug — jetzt amerikaniſche
Erholungsſtation für die Indios, die im heißen Küſtengebiet an
Malaria und Leukämie ſiech werden — einſt eine Kultſtätte der
alten Maja=Kultur, die von Yucatan her eindrang. Nuinen,
Maſa=Steine”, darunter eine Königs=Darſtellung — in der
Haltung ähnlich dem „Voland von Bremen”, zeugen davon.
Das geſellſchaftliche Leben in der Hauptſtadt
Gua=
temala iſt ſehr rege. Das Klima iſt herrlich infolge der hohen
Lage. Von weit her, von den Haciendas, kommen die „
Hacien=
déros”, Spanier und Deutſche, „Finchiéros” verkaufen ihre
Kaffee=Ernte, 3000, 6000, 10000 Hentner — die Jahresernte
je nach Größe der „Finca” andere verhandeln Sucker, kaufen
ein, begleitet von ihren Damen. Zahlreich ſind die Handels=
häuſer, die Klubs und Vereine. Man ſpricht ſoviel deutſch wie
ſpaniſch, es gibt eine deutſche Schule, den „Deutſchen Verein”,
das „Deutſche Haus”, den „Deutſchen Klub”.
Der Sitz der deutſchen Geſandtſchaft für die fünf
mittelamerikaniſchen Staaten iſt Guatemala City. Ein echt
deutſches Heim iſt das Haus des Geſandten Miniſters v.
Kuhl=
nann, und ſeiner liebenswürdigen, kunſtſinnigen Gemahlin.
Um=
faſſend und vielſeitig iſt die Cätigkeit des Geſandten; eine
umfaſſende Sammlung von Crachten und Stickereien aus den
fünf Ländern, von „Idolos”, der alten Kulte, von köſtlichem
Goldſchmuck, aus San Salvador hat Frau v. Kuhlmann
ge=
chaffen. Gemälde deutſcher Maler: Landſchaftsbilder
Guate=
malas und der deutſchen Heimat ſchmücken die wohnlichen
Näume.
Die Häuſer Guatemalas ſind faſt alle einſtöckig; ein
Erd=
deben zerſtörte 1925 nahezu die ganze Stadt. Davon berichtet
uns ein Landsmann, der bei der Kataſtrophe ſiebenundzwanzig
Knochenbrüche erlitt. . . . In den Straßen fällt der
merkwür=
dige, weiche Laufſchritt der Indios auf, der Laſtträger, die mit
dem Stirnband die ſchwere Nückenlaſt leicht gebeugt tragen,
während die Frauen aufgerichtet ſchreiten, die leichtere Laſt auf
dem Kopf, den Oberkörper unbewegt über den wiegenden Hüften.
Haustrunk.
Von Nikolaus Schwarzkopf.
Der Schmied von Creſternheim war ein kleiner, ſtämmiger
Mann, deſſen Antlitz von Sommerſproſſen ganz durchſpritzt war,
als ſeien Funken vom Amboß hineingeraten, deſſen Haar und
Bart lichterloh braunten wie die Flammen ſeiner Eſſe. Dieſen
Feuerbrand hatte er von ſeiner Mutter bekommen, indes der
Vater ihm einen anderen Brand mitgegeben, und der ſaß
un=
gleich tiefer und wollte allezeit gelöſcht ſein!
War irgendwo ein Waſſerhähnchen nicht mehr dicht, ſo
mußte der Schmied herbei, und neben dem tropfenden Hähnchen
ſtand ſchon ein Krug. Wein bereit! Wollte das Eimerchen der
Gartenpumpe nicht mehr ſchöpfen, ſo mußte der Schmied herbei,
und die Hausfrau trug ihm einen Krug. Wein an die Gartentür!
Hatte der Ochs ſich losgeriſſen im Stall, ſo mußte der Schmied
herbei, und der Schmied kam ſofort und ſchlug die Kette an,
und der Ochs folgte wie ein Böcklein der berußten Hand. Aber
an der Stalltür lehnte die Hausfrau und hielt den gefüllten
Weinkrug in der Hand!
So konnte es alſo nicht wunder nehmen, daß der kleine
Schmied, wenn er gegen Abend die ſchweren Hämmer durch die
Gaſſen ſchlenkerte, bedenklich hin= und herſchwankte, daß er
wirklich oft betrunken war, daß er aber auch gewohnt war, zu
trinken, wohin er kam.
Nun war aber der letzte Winter ohne Schnee geblieben, das
Frühjahr ohne rechten Negen, und im Sommer zeigten ſich unten
im Vhein die Hungerſteine, und die Inſeln lagen wie Leichen da.
Faſt täglich ſchwebte aus dem Weſten kompagnieweiſe ein
kleines Nogengewölk hinüber ins unbeſetzte Deutſchland, und des
Abends kamen dieſe Wolken aufgebläht und zuſammengeballt
wieder zurück und ſtrömten in die untergehende Sonne
Frank=
reichs wie gigantiſche Golddukaten! Negen wollte dies feindliche
Gewölk nicht bringen, und die Creſternheimer Waſſerleitung
verſiegte faſt ganz. Da mußte denn der Schmied, dem das
(Waſſerwerk übertragen war, die Hähne tagsüber ſchließen und
durfte ſie nur eine halbe Stunde offen halten. Oft bergan, oft
bergab, und da oben gabs keinen Crunk, denn das Waſſer iſt in
erſter Linie für die Ochſen da und für alle, die Freud dran haben
konnen, nicht aber für den Schmied! Und wenn die Weiber ihn
zum Berg gehen oder vom Berg kommen ſahen, riefen ſie ihm
zu :,Wer uns kein Waſſer gibt, der bekommt auch keinen Wein
mehr, mein Lieber!” Und ſie ſchimpften laut. Er aber kehrte ſich
nicht an ſie und rief ihnen höchſtens einmal dagegen: „Umſonſt
iſt der Cod, das wißt ihr doch, ihr dummen Weiber!”
Sie taten ſich aber zuſammen, die Weiber, die im Bergweg
wohnten, denn ſie wollten haben, daß die Leitung am Abend
wenigſtens noch fünf Minuten laufe, bis das Vieh verſorgt ſeil
Und einmal treibt ſich der Schmied im Bergweg umher, zu
orkunden, was die Weiber für ihn zu tun gedächten, da ſieht er
auf einer Fenſterbank einen Krug ſtehen. Er trinkt ihn aus und
holt den Schraubenhammer aus dem Schurzfell, und ſchon ſieht
er an einem anderen Senſter wieder einen Krug ſtehen, auch deu
trinkt er aus. Dann eilt er ans Wallerwerk und drebt die Hähne
auf, fünf Minuten lang, und wie er heimzu geht, ſtehen Krüge
an allen Fenſtern. Die trinkt er alle aus, neun an der Sahl, und
er gibt ſeiner jungen Frau einen Kuß und ſchläft beſſer als jel
Es geſchah aber, daß ganz oben auf dem Berg ſich Mönche
anſiedelten, weiße Väter, die errichteten ein Kloſter, und der
Schmied mußte helfen. Der Dater Seraphim hatte ſeine Freude
an dem kleinen Schmied und nannte ihn, weil er weiß von
An=
geſicht, rot von Haar, ſonſthin aber gänzlich ſchwarz war, den
kaiſerlichen Schmied, und machte viel Späße mit ihm.
„Ich habe Sie geſtern im Dorf geſehen,” ſagte er einmal,
„aber Sie waren ganz ſchwarz!”
„Ich ſchwarz?” verſetzte der Schmied, „da haben Sie falſch
geguckt! Mich kann ſo leicht niemand ſchwarz machen, Herr
Pater, ſelbſt mit firnem Weine nicht!”
„So meinte ich das auch nicht,” verſetzte der Pater, „ſchwarz
gekleidet waren Sie, das fiel mir auf! Denn ich kenne einen
Schornſteinfeger, der kleidet ſich Sonntags ganz weiß; dagegen
kenne ich einen Müller, der kleidet ſich Sonntags ganz dunkel!”
„Nun, ſo ſagt mir, Herr Pater: warum gehen Sie ſo weiß?”
„Das hat ſeinen tieferen Grund, mein Lieber, denn ſo weiß
wie das Kleid, ſo weiß ſoll auch die Seele des Ordensmannes ſein!”
Da richtete ſich der Schmied empor und ließ den ſchweren
Engländer über die Lederſchürze herunterrutſchen in den Lehm
und erwiderte, mit den verbuſchten Augen zwinkernd:
„Na, wenn ſich der Schornſteinfeger auch weiß kleidet, ſo
werden die weißen Herrn Patres ja recht ſchwarze Geſellen ſein,
denk ich!”
Der Paker ſteckte beide Daumen in den Ledergurt ſeiner
Kutte und lachte ſo laut, daß die Maurer herüberſahen, der
Schmied aber ſprach:
„Was ich Ihnen ſchon lang einmal ſagen wollte!”
„Ja?‟ Heraus damit!”
Die Creſternheimer Handwerker ſind gewiß fleißige Leut‟”
verſetzte der Schmied, „aber die Herrn Patres müßten
manch=
mal, na, wie ſoll ich ſagen — ein bißchen ölen!”
„Olen?”
„Nun ja, mit Wein, das verſteht ſich doch! Haustrunk
natürlich! Es braucht kein Firner zu ſein! Das verlangt
nie=
mand! Sudem die Maurer, die bekanntlich Durſt haben wie
ungelöſchter Kalk. . .
„Ein paar Slaſchen hab’ ich in der Küche, aber das iſt
firner Wein, alt, ſchwer, dabei kann man nicht ſchaffen!
Eigent=
lich dürfen wir ja gar keinen. Wein im Haus haben!”
„Im Haus haben dürfen Sie ihn ſchon; nur trinken dürfen
Sie ihn nicht!“
„Nein, nicht einmal im Haus ſollen wir ihn haben!”
„Aber warum nicht?“
Weil er ein zu großer Verführer iſt!“
Verführer?” lachte der Schmied, „ich könnt ein ganzes
Saß zu mir ins Bett legen, ohne daß ich daran nipptel”
Wieder lachte der Pater, aber er ſagte alsdann:
Wenn der Hahn gedichtet iſt, ſo kommen Sie, doch gehen
Sie hinten heium, daß die Maurer Sie nicht ſehen!”
Der Schinied ſchraubte und drehte, dann ſchritt er an den
Maurern vorüber, die ein Umſchalthäuschen fundamentierten.
Nal” rief er und blieb ſtehen und ſchaute nach einer großen
Flaſche, die neben dem Backſteinhaufen eingegraben war, „es
macht heiß heut!”
„Das mußt du dem Pater ſagen!” antworteten ſie, aber
ſie boten ihm keinen Schluck. Schade: er hätte nichts von ihnen
angenommen!
In der Küche knallte ein Pfropfen, der Pater goß zwei
Gläſer voll. — Wie der Schmied den firnen Wein ſah, wehrte
er mit beiden Händen ab und rief:
„Aber nein, Pater, dieſen feinen Cropfen dürfen Sie dem
Grobſchmied nicht anbieten! Wir Handwerksleut wollen unſeren
gewohnten Haustrunk, der darf zehnmal verſtochen ſein!”
Pater Seraphim ſtieß an, der Schmied leckte ſich die Lippen
ab und ſprach: Wer vom Papſt ißt, der ſtirbt daran!”
Vielleicht dieſes Wortes eingedenk, vielleicht auch, weil er
ſich ſchämte, gebeitelt zu haben, ließ ſich der Schmied nicht mehr
eingießien und ging. Als er ans Waſſerwerk kam, ziſchte die
dünne Flut nur leiſe im Gehäus. Er leckte immer noch an den
Lippen, trat zum Wirt Klingelbeutel und beſtellte einen Halben
und griff tief in die Caſche ſeiner weiten, blauen Bluſe, zog eine
Hand voll ſchwarzer Papierſcheine hervor und bezahlte.
„Klingelbeutel,” ſagte er, „kannſt du den Patres nicht
ein=
mal ein Faß Haustrunk ſchenken?”
„Hahaha!” lachte der Wirt, „wärſt du etwa zu mir
herein=
gekommen, wenn der Pater dir was zu trinken gegeben hätte?"
„Bin ich nicht ſchon gekommen, auch wenn ich zuvor
ge=
trunken hatte?"
„Du haſt zudem ſchon getrunken, und zwar haſt du Sirnen
getrunken!”
„Wie hätt ich dich um Haustrunk gebeten, wenn ich Sirnen
bekommen hätte!”
Der Wirt beugte ſich zum Schmied und roch ſeinen Atem
und ſprach: „Freilich haſt du Firnen getrunken, und zwar
Ein=
undzwanziger, und zwar aus dem „Himmelreich!” Aber, das
ſag’ ich dir: laß die Singer davon!”
„Hab’ ich ihn etwa geſtohlen?”
„Geſchenkt oder geſtohlen, das iſt dem Wirt gleich; aber
dein Gedärm hat bereits Weinſtein angeſetzt, das kann
Ein=
undzwanziger nicht mehr durchpumpen!”
Ein Bäuerlein kam herein, faßte den Schmied am Leder
und nahm ihn mit in die Schmiede, wo ein Suchs beſchlagen
ſein wollte.
Mit dieſen Mönchen verſäumt man ſeine beſte Seit!” ſagte
der Schmied; aber als der Suchs friſchbeſchlagen fortklapperte,
kam der Pater Seraphim herein und trug eine kleine Ketts
in der Hand, die am Ledergurt herunterhing wie ein rieſiger
Noſenkranz. Er zog den Blasbalg, die Glut ſprühte auf; er
klingelte mit dem Zuſchläger auf dem Amboß, und der Suchs
ſpitzte draußen die Ohren und wieherte.
„Wie ſtark iſt die Kette?” fragte der Pater.
„Seigen Sie her, ob ich ſie zerreißen kann!”
„Sie iſt ſchon zerriſſen, aber ſo meine ich es nicht! Wie ſtark
iſt jede Kette?"
„Wenn das ein Nätſel iſt. . .."
Wundervoll iſt die Umgebung der Hauptſtadt. Frucht= und
PPflanzenfülle ſetzt ſich fort bis zur Höhe von 1800 Metern, bis
Bum Fuße der drei Vulkane: Agua, Fuego und des rauchenden
FAcatenango.
Immer iſt frühlingshafte Helligkeit und Klarheit über dem
Wande, nur der nahe Agua umhüllt ſich friedlich ſpielend mit
Wolkenſtreifen, wie eine Frau mit dem Schleier tändelt.
Um=
wwaldet, ruhig, einfach und groß ragt er über Antigua. Aber
uvor Jahrhunderten überſchüttete er mit Maſſen von Waſſer und
SSchlamm die alte ſpaniſche Hauptſtadt. Sie wurde verlaſſen.
etzt iſt Antigua wieder zur Stadt der Indios geworden; ſie
wpflanzen Kaffee und hauſen zwiſchen den alten Numen ſpaniſcher
Klöſter; in den weiten Höfen der alten Jeſuitenkirche iſt ihr
MMarkt.
Hier erfüllen ſich hundert Cräume von ſüdlicher Farbe und
Fülle: Frauen hocken in Reihen vor den ſüßen Früchten,
Stickerei und Farbe der bunten Huipeele kennzeichnen Dorf und
„Nix da, kein Rätſell Sie als Schmied müſſen das wiſſen!
ſHaben Sie kein Examen gemacht?”
„Examen?” erwiderte der Schmied und hob die hohle Hand
dan den Mund, „Examen: wer in Creſternheim am beſten trinken
Ukann?”
„Ihr ſeid mir ein ſeltſames Völkchen! Alles iſt euch der
ſ.Wein! Vater iſt er euch, Arzt, Lehrer, ſchließlich ſogar der
Herrgott!”
„Wir müſſen uns aber auch ſchön drum plagen!”
„Ich weiß, ich weiß,” verſetzte der Pater, „aber wie ſtark
fiſt eine Kette?"
„Ich liebe meinen Herrgott, ich liebe mein Vaterland, aber
da oben im Kopf hab’ ich keinen Amboß!”
Dann will ich es Ihnen ſagen! Eine Kette iſt genau ſo
ſtark, wie ihr ſchwächſtes Glied!. Und ſehn Sie, meiner Kette iſt
bdieſes Glied gebrochen! Machen Sie es ſtärker, als es war,
Schmied!”
„Ich will es Ihnen ſchweißen, daß ſelbſt der Ceufel es nicht
fzerreißen kann!”
„Nun, laſſen Sie mir aber hübſch den Ceufel aus Ihrer
ſWerkſtatt draußen!”
„Oho, Herr Pater, wenn Sie ihn in Ihrer Werkſtatt
vor=
führen dürfen, warum ſoll ich ihn in meiner Werkſtatt nicht
vorführen dürfen! Aber da fällt mir eben etwas ein. . . . hören
Sie ihn wieder? Horchen Sie, wie er tobt, wie er immer noch
ſeine Schlachtmuſik durch unſere Dörfer trommelt: immer Sturm,
immer Sturm! So eifrig hat’s ſelbſt der Preuße nicht getrieben!
Aber: wer vor dem Krieg und auch nach dem Krieg ſo
leicht=
fertig gemeint hat: wir Rheinländer ſeien keine guten Deutſchen,
wir ſeien das ſchwächſte Glied in der Kette . . . nun, wenn alle
Glieder ſo ſtark ſind, wie wir, dann ſteht’s nicht ſchlecht!”
Und der Schmied ging an die Cür und pfiff durch die
Finger. Da erſchien im Fenſterchen neben der hohen Creppe
leine Frau und ſtreckte den Kopf heraus. „Der Herr Pater
Seraphim iſt da!” rief der Schmied, und ſogleich verſchwand die
Srau, und es dauerte keine Minute, ſo kam ſie mit dem
Wein=
krug in die Werkſtatt und ſtellte zwei Gläſer auf den Amboß.
Da ſchoben ſich die erſten Bajonette der Marokkaner am
Senſter vorbei, und die Frau goß ein und ſprach:
„Der Franzmann ſchmiedet uns hart!”,
„Er wird an uns zu knuppern haben wollen!” erwiderte der
Schmied, und er fuhr fort: „Wir kleinen Weinbauern tun
wahr=
lich nicht ſo, als ob wir von unſerem guten Cropfen verwöhnt
leien! Unſere beſten Cropfen trinkt eben der Franzmann, die
zweitbeſten ſchleppen wir auf den Berg, und was übrig bleibt,
das iſt unſer köſtlicher Haustrunk, der unſere Gedärme
durch=
ſeift und unſeren Kopf hell ſein läßt! Proſit, Herr Pater,
ver=
ſchmähen Sie nicht meinen Haustrunk!”
Sie hoben die Gläſer, der Pater hielt das ſeine gegen die
Sonne, aber die Sonne konnte nicht hinein= und erſt recht nicht
berausſcheinen aus dem getrübten Geſüff. Der Schmied aber
reichte ſein Glas ſeiner Frau und zog die Lippen ſpitz, als hätt
er küſſen wollen, und er ſprach:
„Nun ſoll dir der Pater verraten, ob dein Mann ſich
beberrſchen kann oder nicht: eine ganze halbe Slaſche Sirnen
Stamm: ſchlanke Knaden kauern vor Haufen von
ſcharfgewür=
zigem Chile, rotem und grünen; geſondert in den Höfen ſtehen
die Männer in ſchweren dunklen Sarapen, Futter für die Mulas
und Pferde, reiche Sättel und Matten bringen ſie zum Verkauf;
aber nirgends wird man zum Kaufen gedrängt — ſcheu und
ver=
ſchloſſen iſt der Indio.
Die Mehrzahl der Indios kommt nur zur Erntearbeit auf
die Haciendas. Nur ungern laſſen ſie ſich ſtändig dort anſiedeln.
Mancher Indio weicht lieber vor den Pflicht=Arbeiten an
Straßen- und Brückenbau in die undurchdringlichen Wälder
zurück. Andere wandern nach San Salvador und Mexiko ab,
wo ſie in den neuen Pflanzungen beſſer bezahlt werden. Der
Arbeitermangel iſt zur großen Schwierigkeit für den Finchiero
geworden. Aber die Sonne des Landes erleichtert ſie ihm; durch
weniger oder mehr Beſchneiden der Schattenbäume in den
Kaffeeplantagen kann er Reife und Erntezeit regeln, je nachdem
Arbeitskräfte zu haben ſind.
Die Indios haben noch ihre Medizin=Männer, ihre
„Hauberer” Sie heilen Schlangenbiſſe und Krankheiten,
aber es kommt auch vor, daß ſie ihren Einfluß mißbrauchen. . ..
Ein Sauberer ſagte: „Gott will, daß du mir ein Schaf gibſt —
ſonſt ſtirbt dein Kind!‟ Ein armer Indio gibt nicht gerne ein
Schaf her. Und ſein Kind ſtirbt. . . . Aber zu dieſem Zauberer
ſagte der deutſche Padrone (es war auf der Finca
St. Julian; man plauderte vom Deutſchen Klub, vom Prinzen
Sigismund, der als Graf Falkenſtein die Hacienda San André
ſu Suma verwaltet, vom „Untergang des Abendlandes” beſah
im „Heimkino” Krater=Aufnahmen und Bilder neuer
Sucker=
mühlen und eines Staudammes — zur Muſik der „Victrola”;
Don Guſtavo wies zuletzt den runden Zauberſtein”, den er dem
Medizinmann abgenommen . . .), zum Zauberer alſo ſagte der
deutſche Padrone: „Mein Gott will nicht, daß die Kinder
ſterben. Geh auf dein Maisfeld. Du wirſt ſehen, daß zwanzig
Maisſtauden die Köpfe hängen. Wenn noch mehr Kinder
ſter=
ben, ſo werden alle deine Maisſtauden die Köpfe hängen.‟ . .
Ein feiner Meſſerſchnitt an der Wurzel war die weiſe und weiße
Magie des weißen Mannes.
Bei den großen Sprengungen für ein wichtiges Stauwerk
weiß der kluge Ingenieur ſich der „Sauberer” z bedienen.
Müſſen die Indios an beſonders exponierter Stelle arbeiten, ſo
ſpricht der Medizinmann ſeinen Sauberſpruch — und furchtlos
leiſtete der Indio ſeinen Dienſt.
Ein Indio ſpricht zu uns: „Wir wiſſen, wo die
alten Goldſchätze unſerer alten Götter liegen. . . . Eines Cages
werden wir ſie holen — und unſer Land wieder beſitzen...
Hoch oben — rund umſchloſſen von Vulkanen — ſchimmert
der Attitlan-See: Licht des hellſten Himmels verguickt
mit lichter Helligkeit der Flut. Ein baskiſcher Siedler in der
Einſamkeit iſt Fährmann mit ſeinem ſelbſterbauten Motorboot.
Neſpektvoll erkundigt ſich der Fährmann am Attitlan-See nach
näheren Einzelheiten über das deutſche „Notor=Schiff”, von dem
Kunde zu ihm gedrungen iſt.
Cief unten, in der heißen, feuchten, fruchtbaren pazifiſchen
Niederung gehen die tiefbraunen und kupferfarbenen Indios und
Indias nackt. Wenn ſie ſich den Siedlungen der Europäer
hab’ ich oben ſtehen laſſen in der Küche des Kloſters, die riecht
nach Flieder und Weihrauch, und bis ich wieder einmal hinauf
komme, iſt ſie verdorbenl. Iſt der Duft dahin, iſt der Geſchmack
dahin, iſt nur noch Eſſig in der Flaſch!! Aber mach Platz, ich
will das Kettchen raſch zuſammenſchmieden, daß dem Herrn
Pater der Ceufel nicht davonläuft, wenn er ihn am Sonntag
wieder auf der Kanzel vorführt!”
Der Pater wollte nicht warten, bis die Kette geſchmiedet
war, er mußte nochmals ins Dorf!
„Kein Wunder,” dachte der Schmied, „mein Haustrunk
ſchmeckt ihm nicht!” Und er zog den Blasbalg und klingelte auf
dem Amboß umher und ſpürte den feinen Duft des firnen
Weines, den er im Kloſter getrunken, in der Naſe.
Als das Kettchen fertig war, trat der Schmied vor ſeine
Cür und guckte ſtraßauf und ſtraßab, und da er den Pater
nirgends ſah, nahm er die Kette, ergriff die ſchwere Sange dazu
und einen Hammer und eilte, als hätt er wunder welch wichtige
Arbeit noch zu leiſten, dem Berge zu. Er wiſchte ſich oft den
Schweiß von der Stirn, und als er vorm Portal der Kapelle
ſtand, ſtieß er das rote Caſchentuch weit von ſich ab in die Luft
und ſchlug ſich mit der flachen Hand an die Stirn und ſprach zu
ſich ſelber:
Menſchenskind, nun biſt du in Gedanken heraufgetappt
und haſt doch gar nichts mehr hier zu tun!. Aber das ſind die
Gedanken, die nicht in einen Schmiedeſchädel gehören, in ein
ſeifiges Jäßchen, das nur Haustrunk zu faſſen vermag. . . ."
Und gerade, wie er ſich umwenden wollte, kam die weiße Kutte
des Paters Seraphim zur Staffel herauf, und ſchon von weitem
rief der Pater: „Jetzt trinken wir aber noch ein Gläschen
miteinander, weil Feierabend iſt!“ Der Schmied kollerte ein
lautes Lachen in den Abend, das klang, als rutſche eine
Farren=
kette vom Crog herunter, und antwortete:
aus!”
Der Sirne duftete noch ſo ſtark wie vor einer Stunde, ja,
die ganze Küche, wo die Flaſche noch offen auf dem Tiſche ſtand,
duftete wie Flieder, und dem Schmied lief das Waſſer im Munde
zuſammen und netzte leine Lippen und Mundwinkel. Er zog das
Caſchentuch, er ſtrich den Schnurrbart beiſeit, und als er das
erſte Glas getrunken hatte, dankte er nicht! Der Pater
ver=
teilte den Neſt ſo, daß er ſein eigenes Glas nur bis zur Hälfte
füllen konnte, aber nun geriet der Schmied ganz aus dem
Häuschen; es blieb dem Pater nichts übrig, er mußte eine neue
Slaſche entkorken, und die duftete noch weit ſtärker nach Flieder,
als die erſtel
platz eilen mußte. . . . und daß er dem Schmied anriet, die Flaſche
allein zu leeren! Allein zu leeren, weil er, der Herr Schmied, ja
kein Gelübde geleiſtet habe, wie er, der Pater Seraphim! Und
das war eine luſtige Sache! Da blieb dem Schmied ſchließlich
gar nichts anderes übrig: er mußte die Slaſche allein austrinken!
Und als der Pater hinausgegangen war, ſetzte der Schmied Nur ihr Lumpen, ihr wißt es nicht!”
die Flaſche an den Mund und trank ſie in einem Sug aus.
Dann ging er fort aus der Küche, winkte dem Pater gute „dann wiſſen wir auch, wann wir genug haben!”
Nacht und machte ſich auf den Weg zu Cal. Als er ans Waſſer=
nähern, müſſen ſie ſich dekleiden — nach einem neuen Erlaß, der
den Lieferanten europäiſcher Hemden zugute kommt. Sie
bin=
den ſich die Aermel um den Hals — und tragen das Hemd als
„Nückencape”. Und genügen ſo auf ihre Weiſe der
Vor=
ſchrift. . .
Wieder hinauf nach Quetzaltenängo, die alte Straße,
die Cortez 1526 von Aucatan her nach Honduras und Nicaragua
z0g. Immer noch ein Hauptverkehrsweg der Indios.
Wochen=
weit wandert der Händler mit der Craglaſt, die ihm über
mannshoch auf den Nücken gepackt iſt. Die neue elektriſche
Bahn wird 1927 eröffnet, durch ſie ſoll das ganze Gebiet neue
Geltung gewinnen. Quetzaltenango iſt die wichtigſte Stadt nach
Suatemala City. Es hat eine beſonders ſtarke deutſche Kolonie,
die ſich durch ihren engen geſelligen und wirtſchaftlichen
Suſam=
menhang auszeichnet.
Coſend bricht aus einer Schlucht des rauchenden Vulkanes
Santa Maria ein Waſſerfall, deſſen wilde Kräfte genutzt
ſind in dem großen Kraftwerk der A. E. G. Ebenſo
großartig im Eindruck und in der Auswirkung wie die Natur
erſcheint hier das großzügige Menſchenwerk, die gewaltige
Dimenſion der Stauanlage, die Präziſion der techniſchen Form.
Mit einheimiſchen Arbeitern, Indios, ſchufen deutſche Ingenieure
dieſes Werk. Dem Chefingenieur gelang es, die Anlage als
deutſchen Beſitz zu erhalten, während andere Anlagen in der
Seit des Krieges in engliſche und amerikaniſche Hände
über=
gingen. Von den aus Sederplatten gefügten, geräumigen und
wohnlichen Häuſern der Ingenieure aus geht der Blick über das
weite, von 1800 Metern Höhe in ſchwingenden Wellen
ab=
fallende Land, hin bis zur unendlichen Horizontlinie des fernen
Pazifik.
Nahe dem ſtillen Ozean, an der mexikaniſchen Grenze, liegt
Ajätla, eine Holzhausſiedlung mit Wild=Weſt=Nomantik.
Swei ehemalige mexikaniſche Coreros führen das erſte Hotel,
das „Hotel Sevilla.” Ein Plakat im großen Hof beſagt in
großen Lettern: „Die Neiſenden werden gebeten, ihre
Wert=
gegenſtände abzuliefern und ihre Cüren doppelt zu verſchließen,
um ſich vor Naubüberfällen zu ſchützen.‟ Die Cüren habe keine
Schlöſſer, und die meiſten Zimmer ſind nur durch halbhohe
Wände von einander getrennt. Das Eſſen iſt gut, die
Stier=
kämpfer ſind von bezaubernder Grandezza, im Hof blühen
Cauſende weißer Gardenien. Der große Atem des Pazifik liegt
über dem tropiſchen Ajätla.
werk kam, hörte er das vermummte Nauſchen unter dem
eiſernen Deckel nicht mehr, aber er wollte es hören! Er war
gewohnt, ſeine Pflicht zu erfüllen, und er blieb lange ſtehen und
lauſchte. Er hörte am Rheinufer einen Eiſenbahnzug raſen, er
ſah ein Schiff, an deſſen Maſt ein Licht brannte, langſam
dahin=
gleiten, aber das Waſſer, das er hören ſollte, das hörte er
nicht. Es mochte ihm ſcheinen, die Quellen ringsum ſeien
ein=
getrocknet . . eingetrocknet wie ſeine Kehlel Die ganze Natur
war ja ſchier am Verlöſchen, am Verdurſten! Er ſuchte nach
Negenwolken am Himmel, allein das Wetterloch war prall
an=
gefüllt mit Purpur, den hatte die Sonne hinterlaſſen, die Sonne,
die heuer den Durſt nur ſo herunterſchüttete, herunterſchoß in
die Kehlen von Menſch und Vieh und bis in die Wurzeln des
Weizens und des Weinſtocks!
Der Schmied ſtand unſchlüſſig, da; Hammer und Sange
zerrten an ſeiner Linken: Sollte er die Eiſentür des
Waſſer=
hauſes aufbrechen, um nachzuſehen, ob die Quellen gänzlich
ver=
trocknet waren? Sollte er nicht ſelber einen Schluck Waſſer ſich
gönnen dürfen, er, der Meiſter dieſes Werkes, er, ohne den die
verſoffene Bande da unten in den Hütten jederzeit verdurſten
könnte, wenn die Keller ihr letztes Saß des edlen Haustrunks
hergegeben!
Er wollte noch einmal genau hinhorchen auf das vermummte
Nauſchen. Er ſetzte ſich nieder, er legte das Ohr auf den
guß=
eiſernen Deckel, und die friſche Kälte der gerieften Platte tollte
in den Wirbel ſeines ungewohnt erregten Blutes.
Dunkel ward es vor ſeinen Augen. Er hielt den Hammer
feſt gepackt, er wollte an die Schrauben . . . und das war ſein
letzter Willel
Die Schmiedsfrau aß allein zu Nacht, daran war ſie
ge=
wohnt. Dann gegen zehn Uhr ging ſie zum Klingelbeutel an die
Wirtſchaft; ſie hob da, wie immer, die Klinke aus dem Schloß
„Na alſo: ein rechter Mann ſchlägt nie keinen Cropfen / und ſtreckte nur die Naſe hinein; aber der Schmied war nicht dal
Sie trat ein. Niemand wußte, wo der Schmied ſein könnte.
„Er hat beim Pater Seraphim firnen Wein getrunken!” ſagte
die Frau verängſtigt, und ſofort erhoben ſich die Burſchen, und
ſie begannen zu ſcherzen und ſagten: „Wenn er Sirnen getrunken
hat, ſo wird er nicht am Waſſerwerk vorüberkommen, ohne zu
trinken!” Und: „Nun weiß ich auch, warum die Leitung ſo
dünn fließt: der Schmied bekommt von dem Firnen einen ſo
großen Durſt, daß er uns alles Waſſer wegtrinkt!”
Und ſie machten ſich auf, den Schmied zu ſuchen, und ſie
fanden ihn am Waſſerwerk! Sie rüttelten ihn und ſchüttelten
ihn, aber ſein Kopf war ſo ſchwer wie ſeine Hämmer, und
ſchließlich erkannten die Burſchen, daß da nicht zu ſpaßen ſei,
Und es geſchah, daß der Pater noch einmal auf den Bau= und ſie legten ihn auf Wingertspfähle und trugen ihn in die
Schmiede.
„Was braucht er auch Waſſer zu trinken,” ſagten ſie, wenn
er es nicht vertragen kann!”
Und die Frau begann zu ſchimpfen, und ſie raſte zur Creppe
herunter und rief: „Jeder Ochs weiß doch, wann er genug hat!
„Wenn wir Waſſer trinken,” erwiderten die Burſchen,
Aber es war nicht zu ſpaßen, denn der Schmied war tonl
Im „Blockhäuschen.”
Von Fips.
„Jeder ſein eigener Villenbeſitzer! So weit muß es in zwei
bis drei Jahren kommen,” ſagte der Hausherr, der uns am
Sonntag auch zur Einweihungsfeier ſeiner neuen „Billa ein=
geladen hatte. Sie gehört zu einem eineinhalb Kilometer langen
„Block”. Es ſind fabelhaft gemütliche Blockhäuſer, dieſe
Vil=
len, welche uns die „neue Sachlichkeit” mit ſoviel Charme und
Niedlichkeit vor Augen führen. Man iſt mit einem Bein noch
auf der Straße, ſteht mit dem andern ſchon im Speiſezimmer,
und da man ſchon die Haustür wegen der Creppe dahinter nicht
ſo weit aufreißen kann, zieht es nicht, und die Wärme bleibt im
Haus ..
Im Keller ſteht ein kleines elektriſches Oefchen als
Dampf=
heizung, die eine mollige Hitze bis unters Dach ausſtrahlt.
„Dach iſt vielleicht etwas zu viel geſagt, die neuen ſachlichen
Häuſer haben nur noch ſo ine Art Simmerdecke! Neulich iſt
ſogar mal bei einer Exploſion der Bubikopf=Brennſchere der
gnädigen Frau ein Stück Dachdecke hinaus in die Luft geflogen,
und man hätte an jenem Abend, da es wolkenlos war, einen
herrlichen Ausblick auf die mit Necht ſo geheimnisvolle
Sternen=
welt gehabt, wenn man durch ein Stück Verzierung von der
DDecke auf dem Kopfe nicht einen etwas verſchleierten Blick
gehabt hätte.
Natürlich haben die flachen Dächer auch wieder große
prak=
tiſche Vorteile, und in weiſer Vorausſicht ſind ſie vom
Bau=
meiſter angelegt, um die engen Creppen zu ſchonen. Wer in
eine neue ſachliche Villa zieht,ſollte überhaupt gar keine Möbel
mitbringen, ſondern ſie zum Spediteur ſo lauge in Miete ſtellen,
bis er das neue Blockhaus wieder verläßt. Die Ewigkeit kann
das ja nicht dauern. Neulich war einer aber ſo unpraktiſch, ſein
Sofa beim Umzug mitzubringen. Da man die Cüren und
Crep=
pen hätte abreißen müſſen, ſtellte man einen Flaſchenzug auf
das Dach und ließ es durchs Fenſter herein. Natürlich nicht
durch ſo’n niedliches „kleines, wie ſie das Mädchenzimmer hat.
Eigentlich ſollte da ja gar kein Fenſter hinkommen, aber es
blieb eine kleine Ecke übrig, und da ſagte der Baumeiſter, hier
neben den Salon könnte ich Ihnen eigentlich die Mädchenkammer
hinlegen, ſie müſſen aber bei der Mädchen=Vermieterin darauf
achten, daß das Mädchen nicht länger als 1,48 iſt, ſonſt geht
ſein Bett nicht hinein. Genau ſo „niedlich” iſt au chder Salon,
zu deſſen Cür der Slügel herausſchaut, ſo daß ein Klavierſpieler,
wenn er Baß ſpielen will, immer erſt hinaus auf den Vorplatz
muß.
Die Wändchen der Simmerchen tragen ausgewählte farbige
Capeten, gelb, rot, grün, blau, alles in hellen Cönen, das tut den
ſAugen ſo wohl und gibt einen freundlichen Hintergrund für die
dunkleren Möbel, die man, da man ſie ja doch nicht ſtellen kann,
am beſten darauf malen läßt. Nur kann man in gemalten
Bet=
ten ſchwer ſchlafen. Aber auch da hat mancher weiſe Bauherr
der neuen Nichtung moderner Ehen entſprechend einen Ausweg
gefunden. Swei Betten in ein Simmer, das kriegt er nicht unter,
er richtet alſo im unteren Stockwerk das Schlafzimmer der
gnädigen Frau ein, und darüber das des Ehemannes. Nur iſt
die Verbindung über die Creppe etwas unbequem, und in
eini=
gen geplanten Neubauten ſoll deshalb ein direkter
Verbindungs=
weg durch eine Strickleiter von unten nach oben hergeſtellt
werden, man kann ſich dann beim Gutenachtkuß noch ſo nett
zu=
winken . . .
Bei der oben erwähnten Einweihungsfeier paſſierte übrigens
auch ein kleiner Swiſchenfall. Wir ſaßen im Salon — fünf bis
ſechs Leute, etwa, von denen aber nur 2½ hereinpaßten, ſo daß
ich den ganzen Abend über ein hübſches junges Sräulein auf den
Schoß nehmen mußte. Plötzlich hörte man dumpfe dröhnende
Schläge, als ſei ein Erdbeben, und ein Nauſchen wie von einem
Wolkenbruch, unſer Hausherr beruhigte uns, im Nebenhaus
zerkleinere nur jemand ſeine Briketts, heize den Badeofen und
laſſe das Waſſer laufen. Dieſe entzückende Vertraulichkeit von
Nachbar zu Nachbar aber war noch viel intenſiver, als wir
ahnten. Plötzlich griff einer der Anweſenden hinten ins Genick,
weil ihn dort etwas kitzele. Hatte der Nachbar doch gar keine
Briketts zerſchlagen, ſondern einen Nagel in die Wand gehauen,
der jetzt hüben bei uns herauskam und unſeren Schreck in große
Heiterkeit verwandelte.
Der Spaß war ſo goldig, daß ſich die Nachbarn durch das
ungebohrte Loch der Sumpathie gleich noch weiter verſtändigten,
ſie wollten gemeinſam an der gleichen Stelle ihre Bilder
auſ=
hängen, und wir würden jetzt 75 Sentinoter nach rechts auch
einen Nagel hinüberſchlagen, dort ſollte er auch etwas hinhängen.
„Sehen Sie, das iſt die große praktiſche Sparſamkeit bei den
Häuſer,” ſagte unſer Hausherr: „Wir brauchen auch nur ein
Grammophon zum Canzen für zwei Häuſer. Ebenſo ſtolz war
natürlich die Hausfrau auf ihre Einheitsküche. Wenn die
Haus=
frau drinſteht, geht die Cür nicht auf, oder ſie müßte ſich dann
erſt auf den Gasherd ſetzen. Möbel ſind nicht darin
unterzu=
bringen. Es iſt alles „eingebaut”: die Speiſekammer in einer
Schublade. Die eine Wand bedeckt die Küchenuhr, die andere
wird durch einen Abreißkalender tapeziert. Sonntags dürfen die
Kinder aus der Nachbarſchaft „Puppenküche” darin ſpielen.
Die entzückendſte Sache war der Hausfrau mit dieſer Küche beim
Stollenbacken paſſiert. Abends hatte ſie den Hefeteig zum
„Gehen” in der Küche an die Heizung geſtellt. Aber der Ceig
ging derart, daß die Küche für ihn zu klein wurde. Am nächſten
Morgen war er bis auf den Vorplatz hinausgegangen. Es wurde
natürlich ſofort eine Cypenverordnung an die Hefefabrikanten
erlaſſen, daß die Stärke der Hefe ſich nach den Maßen der
„typiſierten Küchen” zu richten hätte.
Wie ja überhaupt in Sukunft die gauze Sache noch
weſent=
lich vereinfacht werden ſoll. Man errichtet die Grundmauern
und die Sußböden der Stockwerke, zieht mit ſeinen Möbeln ein
und dann erſt werden Wände, Cüren Fenſter und Creppen
drum=
herumgebaut. Dieſe alte unpraktiſche Bauweiſe mit
Hinterher=
erſt=einziehen, dieſe alte Schlamperei, kann einfach heutzutage
nicht mehr geduldet werden!
Frühlin g.
Von Richard Gerlach.
Jetzt hängen wir den Wintermantel in den Schrank. Wenn
wir noch einen halbwegs anſtändigen Anzug auf dem Leib haben
zu fühlen, dazu muß man ein ſentimentaler Deutſcher ſein. Die
Franzoſen bleiben im Salon und huldigen von dort aus den
blühenden Gärten. Die Natur iſt ihnen nur Sierde des Menſchen.
Ohne den deutſchen Frühling wäre alles Glück für mich
ſchal. Jedes Jahr glaube ich von neuem: Noch nie ſind die
Lerchen ſo ungeſtüm emporgejubelt wie heute, noch nie haben die
Droſſeln Sieg und Unſterblichkeit von allen Wipfeln ſo ſchallend
gekündet wie heute, ich liebe den Strauch, den Halm, den Bach.
und wenn ich allen anderen geprieſenen Erdengegenden mit
einem Srühlingstag in den Feldern daheim vergleiche, ſo
be=
deuten ſie nichts.
Da ſind plötzlich wieder die Spazierwege in der Einſamkeit,
das Lauſchen unter den Buchen, das Entzücken über die Primeln
und Crollblumen, da ſind die Gänge zu weit, Erröten,
Schüch=
ternheit, Küſſe....
Es wird heuer nicht möglich ſein, ein Kleid zum Frühjahr
zu kaufen. Mein Simmernachbar iſt ſeit drei Jahren arbeitslos.
er war Bankprokuriſt. Ein Kollege von ihm iſt vorige Woche
bei einer Behörde als Diener untergekommen. Mein
Simmer=
nachbar hat oft ſchlechte Laune. Ich will ihm zeigen, daß der
Srühling da iſt. Ob er einmal zum Fenſter hinausſchauen möchte?
Er antwortete verdroſſen.
Ein Menſch in einem gewiſſen Alter, ohne Kapital, was
nützt den der Frühling? Wenn man den Mantel nicht mehr
anzieht, werden die Flicken im Hoſenboden ſichtbar, die Leute
werden ſich umdrehen. Laſſen Sie mich mit Finken und
Ver=
gißmeinnicht in Frieden.
Bitte, der Frühling iſt auch eine Art Kapital, werde ich
ſagen. Mut zum Beiſpiel kann man ganz umſonſt davon abheben.
Und Mut wäre ſchon was wert für den Anfang, beſtimmt.
Die Seifenblaſe.
Bon Wolfgang Juenemann.
An einem Pfeifenkopf war ſie entſtanden. Erfüllt von dem
warmen Atem des Kindes. In die Welt hinaus ſchwebte ſie,
ſonnenau. Swei große Augen blickten voller Weh ihr nach,
riefen ſie zurück aus dem finſteren Gewoge, das die Seifenblaſe
zu umringen begann, zurück in den Wunderſchein der Schöpfung.
Doch die purpurn glitzernde Kugel hörte nicht.
Sinnen=
trunken ſchwankte ſie durch den Naum, der vor ihr flüſternd das
bunte Moſaik der Sukunft ausbreitete.
Jahrtauſendlang durchrollte das Gefäß zitternden Lichtes
das Dunkel der Nacht. Das Flammenſpiel der Sterne
wider=
ſpiegelte ſich an dem blitzenden Körper.
Da dröhnte der Sphärenſang der ſteigenden Sonne und
ver=
hallte in dem Gewande hauchfeinen Schleiers. Himmelsglut
ſchwirrte. In Negenbogenfarben tanzten ſilberne Perlen auf der
ſchillernden Kugel. Immer lichter wurde der Glanz.
Ahnungs=
bang erbebte ihre Seele. Sie ſchwoll und ſchwoll. —
Ein ſchriller Schrei taumelte durch den erdrückenden
Wogenbrand der Sonne. . ..
Die Seifenblaſe war geplatzt. Die Crümmer einſtiger Größe,
vergangener Pracht fielen und fielen.
Offenen Mundes ſtarrte ihnen das Kind entgegen und
jubelte laut über den winzigen Cropfen, den es feſt umſchloſſen
in den Händen hielt.
Deutſcher, der für den Blumenzauber da unten ſchwärmen
wollte, hätte gewiß die Seligkeit eines kühlen grünenden Früh=
und die Flicken im Hoſenboden nicht gar zu herausfordernd
abſtechen, ſo können wir leicht und luftig ins Freie wandern.
Die Italiener ſagen Primavera für Frühling, das tönt
großartig, ſo ähnlich wie Primadonna. Was wir unter
Früh=
ling verſtehen, gibt es in wärmeren Sonen nicht, und ein
lingstages bei uns nie geſpürt. Denken wir uns etwas Schönes,
ſo meinen wir eigentlich immer die Friſche, das Wunder der
reinen unberührten Knoſpen, einen Morgen nach tiefem Schlaf,
eine kindliche zarte Bewegung. Der Süden iſt Mittag. Wir
ſtaunen in ſein klares Licht hinein, fremd und erſchrocken. Die
heiße Sonne hemmt die Lebensluſt, und die vollendeten Formen
ſind uns tot, wenn ſie nicht den Duft von Wäldern und Wieſen
haben.
Auch anderswo lächelt die holde Jahreszeit, ſo iſt der
fran=
zöſiſche Frühling ſehr ſchön, aber um ihn mit all ſeiner Sartheit
Nummer 207.
Aufgabe 310.
L. Schor in Budapeſt.
(1. Preis im Turnier der Haagſchen Poſt 1921.)
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen mat
Fräfſtellung: Weiß: Kb7 D.
4 (7
Schwarz: Kc5 Le5 Sd7 18
Aufgche 711
Erich Brunner i Moscin
(Int. Zweizügerturnier des Chemnitzer Wochenſchachs 1925/26;
Sonder=
preis der Miniatur=Zugwechſel=Zweizüger.)
Beiß: Kb4 Df3 Ld5 Bh4 (4);
Schwarz: Ke5 Bd6 h5 (3).
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 297—299.
297. H. Johner. 1. Preis im Anderſſen=Gedenkturnier 1918. (Kd8 De4 Tg5
Sh7 Bb6 e5 g6; Ke6 Tg8 Lc4 f8 Sd4 h2 BbTc5 c6 ei g4 g7; 34)
1. Sh7—t6 Lc4—a6 (b5) 2. Sf6—e8! 3. De4—c4 oder Ses—eic; 1.
Lc4—a2 (b3) 2. Sf6—d7: 3. De4—e4 oder Sd7kc5c: 1... . . Le4—f1
(e 21 2. Sf6-h5! 3. De4—c4 oder Sh5—f4+. Auf das Fluchtſchutzmanöver des
ſchwarzen Läufers folgt die feine, verborgene Drohung des weißen Springers.
298. G. J. Slater. Ehr. Erw. Weſtern Daily Mercury 1907. (Kh5 Da5 Te3
LfA g4So4; Kf4 Ld4 Be6 h6: 24) 1. Pa5—b4: Ein entzückendes Beiſpiel
für eine gemiſchte Batterie. Bei den Zügen des ſchwarzen Läuſers nach a3. c5, 16
uſw. iſt die Batterieſtellung auszunutzen, denn nun ſetzt Weiß durch einen
ent=
ſprechenden Springerabzug den Schwarzen matt. Jedoch bei 1. .. . . Le3: oder
1. . . . Le5 folgt kein Springerabzug. Aber Weiß kann, da Db4 den Se4 deckt,
mit dem Zug Lg3, bzw. Tf3 mattgeben.
299. F. Buchth. Urdruck. (Kh3 Db2 Tg2 g6 La2 h2 Sf3 g8 Bd3: Kf5
Dh8 Te4 d7 La1 Sb5cl Bc5 h5h6; 2½) 1. Db2—d4. Sechsfaches
Damen=
opfer) Auf 1. La2xc4 oder 1. DF2 (2) folgt Ta3:! Die Aufgabe wurde gelobt
Löſerliſte: Reutzel; Franz Buchty in Mainz (alle); A. v.
S. (297, 299); Georg Peter (298, 299), Max Forbach in Berlin (298)
IR
Rätſel
Magiſches Quadrat.
An Stelle der Punkte ſind die Buchſtaben e, e, e,
f. n. n. t. t. t. u., u. w. zu ſetzen, ſo daß die
wage=
rechten und ſenkrechten Reihen gleichlautende Wörter
enthalten.
Redaktion: Dr. H. Nette Fernſpr 1 2389—238 Alle 9
Silbenrätſel.
Aus den Silben:
a — a — a — al — ber — berg — berg — berſt — ca — ce
de — di — eis — en — en — erl — fa — fi — haus — he — hors—
i — i — kopf — k5 — li — lich — man — mi — ne — ni — ni —
nig — v — ra — ri — ſaf — ſar — ſen — ſo — ſtri — ta — tät—
tel — ten — ten — ti — to — tre — wai —
ſind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchſtaben, von oben nach
unten, und deren 3. Buchſtabe, von unten nach oben geleſen, ein Zukal
von Goethe ergeben.
Die Vörter bedeuten: 1. Kleidungsſtück, 2. Vorbild, 3.
Elfen=
könig, 4. Soziales Gebäude, 5. Militäriſcher Titel, 6. Seltenheit,
7. Schmetterling, 8. Naturerſcheinung, 9. Bibliſche Perſon 10. Vorork
von Berlin, 11. Frauenname, 12. Ballade von Goethe, 13. Frauengeſtalk
aus „Zigeunerbaron”, 14. Möbel, 15. Brauereiwickſtand, 16. Italieniſche
Inſel, 17. Halbinſel des Mittelmeeres, 18. Franzöſiſche Stadt.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 19.
Eine Frage.
Werkel, Onkel, Henkel, Inland, Neuland, Grönland, Elbe, Habe,
Erbe, Nagel, Wrangel, Igel, Rundlauf, Auflauf. Umlauf, Ferſe, Senle,
Linfe, Alter, Natter, Dotter.
„Wohin gehen wir aufs Land?‟”
Verwandlungsrätſel.
„Denn erſtens kommt es anderſt, un zweidens als man
mkt.* — Däß is zwar bloß e Sprichwort, awwer ausnahmsweis
zaiverleſſiches, aans, uff däß mer ſich rechelrecht, un in alle
äwenslage feſt verloſſe kann. Im konndreere Gäächedaal vun
ine viele annern, wo als aans verlogener is wie des annere.
e zum Beiſpiel däß: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt
illſt hinein.” — Du liewer Himmel, wann heit aaner eme
nnern e Grub grebt, glaabt mer valleicht, der bedräffende
iwegräwer dhet, wie=ſem des Sprichwort ausdricklich vor=
)eeibt, gefellichſt ſälbſt eneifalle? — Fellt dem net im Schlof
ſundern der hockt ſeelevergniecht näwer ſeine Grub un wort
ryff, bis der annere, uff den wo er die Grub geminzt hott,
aüiborzelt. — Un wer grebt ſo Gruwe? Die Herrn
Steier=
exbauunnernemmer. — Un uff wen ſin ſe geminzt? —
Nadier=
ch. uffuns. Un wer fellt enei? — No, ich will nix geſagt hawwe,
uver mir kimmt’s ſo vor, als dhete uns allmitnanner ſemtliche
roche weh, grad als wie wann mer ſeit lengerer Zeit unſer
anzich Beſchäfdichung dodrinn finne dhete, als nix annerſter
uldhu, wie in ſemtliche Gruwe zu falle, die wo mer ſo alle
naſe=
in=g finne dhut. — Deß haaßt, finne dhun mer ſe immer erſt,
ſan mer ſchun drinn lieje.
No, wie mer ſo heert, will jo unſer neier Reichsfinanzmaaſter,
ſei Herr Köhler, der wo bekanntlich im Steierwäſe groß is worrn,
an, als Steierſcheometer vun de Piek uff gedient hott un den
ſamze winnche Steierſchlorum aus em Aff=Aff kennt, alſo der will
ills moderner Steierhärrguläß e paar Hunnert odder e paar
Orauſend vun dene Reichs=, Staats= un Gemeindeſteiermiſtkaude
irſchebbe, indem er e Steierverei verfachungsverfahrn
eraus=
difffdele will. So e Art Simmultanſteier, wo alles
gemeinſchaft=
uß zuſamme bezahlt wärd.
Er wärd ſich nadierlich in dem Fall mit de verſchiedene Staate
am senannerſetze miſſe. Un was dodebei eraus kimmt,
ſeinne mer uns halbwägks denke. — Un do fellt mer gleich widder
ſo e anner verlogenes Sprichwort ei” nemlich däß: „Wann Zwaa
uß ſtreide — freit ſich der Dritte”, weil nemlich in dem Fall
ſih der Dritte dorchaus net „freie” kann, wie’s in dem
Sprich=
wort ſteht, ſundern bezahle muß. — Un wer is der Dritte? —
irog net, heer!—
Alſo wie geſagt, es is kaan Verloß mer uff die Sprichwörder,
aſrßer uff däß, wo ich ganz vorne am allervorderſte Wfang
er=
mehnt hab: „Denn erſtens kommt es anders, un zweidens als
mſuan denkt.”
Nemlich wer des Glaawens war, ich dhet heit e paar
ethno=
latchiſche Bemerkunge falle loſſe iwwer die exodiſche Velkerſtemm,
biee wo diß Johr die „Meß” bevölkern, außer unſerm beriehmte
Mraffelbäcker Säng, däß wo e Hieſiſcher is, un wo däßhalb
geernix Exodiſches an ſich hott; wer alſo geglaabt hott, ich dhet
mſich iwwer die iwwerſee’iſche exodiſche Velkerſchafte ausloſſe, die
nuo als Neger, Inder, Ameriganer, als Gaukler, Feierfräſſer,
Zakier, Kauboys, Rieſedame, Zauwerer, Spirrediſte un ſo for
zche Fennich Eidritt ihr Unwäſe dreiwe, daß es aam eiskalt
inwer de Buckel laaft, wer däß glaabt, der werd ſich eklich in
Koals ſchneide. Die exodiſche Meßfremde ſin mir genzlich piebe.
Dann ſag ich mir: „Warum in die Färnee ſchweifen?” — Wann
uH Gaukler, Feierfräſſer, Kunſtſchitze, Rieſemenſche, Fakier,
Zau=
werer un ſo ſähe will, do brauch ich kaan Finger krumm zu mache.
Remlich do geh ich bloß in unſern Landdag, un mit einicher
Manndaſie kann ich mich do in die entfernſte exodiſche Lender
verſetzt ſähe. — 8 is mer däßhalb eichentlich net klar, warum
der Adelung, was doch ſunſt kaa Dummer is, warum der net
hergeht un erhebt Eidritt for die Landdagsvorſtellunge. Mer
wrißt nadierlich in dem Fall die Härrſchafte e bißche erausſtaffiern
un ſchmicke; awwer ſunſt kennt mer ſe loſſe, wie ſe ſin. Zum
98eiſpiel ’s Katherienche Roth als „medezieniſches Wunder, halb
Aeib, halb Mann”; odder de Kaul als „Feierſpucker” odder de
/8ichner Schorſch als „Moddo Feno, unemfindlich gääche Hieb un
(Stich”: odder de Dingeldey als „Säwelſchlucker”: odder de Kindt
als „Rieſedam” — alles Leit, die wo ſich ſähe loſſe kenne. Un
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O
do hab ich nor bloß die uffgegriffe, wo mer in de Eil ſo ei gefalle
ſin; awwer ich mach e Wett, es finne ſich noch e paar, die wo
ganz gut als Gaukler, Zauwerer, Fakier un Schonkleer uffdräde
kennte. Wie geſagt, wann er mir folcht, de Adelung, dann leßt
er ſich däß emol dorch de Kobb geh; ich bin iwwerzeicht, die Sach
zieht, un es „Haus” is Schlag uff Schlag geſchwabbelt voll.
Jedenfalls, es muß ärchend äbbes geſchähe, damit ſich der
Beſuch widder e bißche hebt. Dann wann mer äwe en Blick
ins Blehnumm wärft, do kann mer die Blatzangſt krieje. No
un en Landdag, räß is doch ſchließlich kaa „Theater”, wo unner
alle Umſtend geſpielt muß wärrn, aach wann niemand
drinn ſitzt
Freilich, im Stadtrat is es kaa Hoor annerſter, aach do ſieht
mer im Zuſchauerraum e Maſſe, wo fehle. Zum Beiſpiel bei
dere große Zauwerpoſſe „Des verwunſchene Deffizidd” odder „Der
verhexte Gemeindevora’ſchlag”, do warn die Reng un die Looſche
zum Bräche leer. — Alſo wann däß beim Publigumm net mehr
zieht, wo ſich’s um die Uffwärdung vun unſerm ſchwinnſichdiche
Stadtſeckel dreht, dann waaß ich net, mit was mer es Indräſſe
vun de Bärjerſchaft noch wecke ſoll. Es ſoll nor kaans ſage, ſie
hette „kaa Zeit” dann wann wo gäſſe und gedrunke wärd, do
laafe ſe doch aach hie un gucke zu. Un däß kann mer doch net
verlange, daß ſich unſer Stadträt dauernd im Indräſſe vun de
Bärjerſchaft de Mage iwerlade. Odder bild ſich valleicht aaner
ei’, mer ſollt bei ſo Stadtratsſitzunge exdra e Gala=Elide=
Wett=
fuddern vera’ſtalte, nor damit Leit kumme un gucke zu? — Däß
geht ſchlechterdings net. — Awwer ich ſag mir, wann däß ſo
weider geht, daß ſich niemand mehr for die Stadtratsſitzunge
indräſſiert un geht hie un horcht zu, do denk ich ſchun mit Schrecke
ro, wie däß wärd, wann ſe erſt emol im neie Kubbelſaal vum
Radhaus dage. Ich glaab, do kumme ſe ſich recht verlorn drinn
vor, un unſer Owwerowwer, der kann ſich en Feldſtächer
um=
binne, daß er den wenichſtens vun weitem ſieht, der wo grad
redde dhut.
Un wie geſagt, mir ſcheint, mit dem pure Reddehalte, do
hawwe ſe abfloriert; do fellt niemand mehr druff enei; un däß
ſollt=en doch zu denke gäwwe. Es muß alſo was gebodde
wärrn, wo demit mer Leit ebeilocke kann. — Jetzt, wie mer’s
Publigumm in de Landdag näxe kann, däß hab ich jo dorch e
glenzend Idee eichenen Waxtums dem Adelung gezeicht. Mit’m
Rodhaus, do fellt mer däß erheblich ſchwerer, indem mer unſer
verehrliche Stadträt weder als exodiſche, noch als ſunſtiche Kinſtler
uffdräte loſſe kann, dodezu langt’s net. Hechſtens, daß mer
valleicht zu dene Stadtratsſitzunge e paar unbeſchäftigte Kinſtler
vum Thefader nemme dhet, die wo e bißche for „Stimmung”
ſorgje dhete. Anueinfalls mißte halt des Beibrogramm die
Herrn vun de Verwaldung ſelbſt beſtreide. Däß gingt aach. Zum
Beiſpiel kennt ſich unſer Ower als „Schnellmaler” ſähe loſſe, de
Rudolf Mueller kennt e Dobbelnummer iwwernemme, als „
Kunſt=
reider” un als „Kurſtfliecher” de Auguſt kennt als „Kunſtpeifer”
uffdräte, de Kall Nidſert valleicht als „Lionell, der Löwenmenſch”
un de klaane Delp kennt als „Lilliputaner” kumme un kennt
Borzelbeem ſchlage. Däß weer ſo zimmlich die aanzich
Meech=
lichkeit, de Zuſchauerraum zu fille.
Daß awwer des Indräſſe vum Publigumm geweckt kanm
wärrn, däß is ohne Zweifel; un daß es aach mitgeht, wann
die Sach richdich uffgezoge wärd, däß hott doch de „Verein for’s
Deitſchtum im Ausland” mit ſeine Wärwewoch bewieſe. No, die
Fraa Sabinche Köbbke un de Euſcheen Köſer, die hawwe
awwer aach ihrn Verein ſchee im Schuß, wann mer ſe Art Leit
aach an de Spitz hett im „Verein zur Erhaldung des Deitſchtums
im Inland” do weer’s gut.
Nemlich mit unſerm „Deitſchtum” däß is aach e märkwärdich
Sach. „Deitſche” gibts nemlich bloß im Ausland, im
In=
land ſin’s Preiße, Bayern, Heſſe, Sachſe, Badenſer un Schwowe,
ätzäddera pehpeh, un wann die aane vun de annern ſchwätze
dann dhun ſe ſich noch mit allerhand Koſename behege, wie: „
Sau=
preiß”, „grower Bayer”, „Pälzer Kriſcher” „Pommeriſche Gans”
„Waſſerbollacke”, „blinde Heſſe”, „kaiwe Schwowe” un ſo. Nor im
Ausland fiehle ſich die Deitſche wärklich als „Deitſche” däß heert
mer allgemein. — Un däßhalb muß mer die Beſtrewunge, die wo
druff enauslaafe, unſer Deitſchtum zu erhalte, aach nooch jeder
Richdung hie unnerſtitze. Valleicht, daß uff die Art dene
ver=
ſchiedene innerdeitſche Völkerſchafte, die wo ſich gäächeſeidich noch
als „exodiſch” agucke, daß dene mol en Saafeſieder uffgeht un
daß valleicht eines Dags däß goldene Zeitalter ausbräche dhut,
wo jeder Deitſche im annern erſt de „Deitſche” ſieht —
Däß haaßt, ſo wie ſe im heſſiſche Landdag den „großdeitſche‟
Gedanke kulldiviern, ſo geht däß net, dann däß is net großdeitſch,
ſundern klagdeitſch gedacht, un weider nix, offe erausgeſagt,
wie e Armutszeichnis. — is nor e Glick, die Herrſchafte
därfe redde, was ſe wolle, aach in dem Fall gilt däß Sprichwort:
„Denn erſtens kommt es anderſt, un zweidens als man denkt!“ —
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Wann mer als die Zeit her vun
äbbes ganz Unglaablichem geſchwäzzt hott, un hott en baſſende
Verglich geſucht, um ſeim Erſtaune Ausdruck zu gäwwe, do hott
mer als geſagt: „Däß is net an Himmel zu mole!”
Alſo der Verglich hott ſich iwwerlebt, der is net mehr
ſtich=
haltich. — Seidem nemlich die Woch der Himmelsſchreiwer
dogewäſe is, do wärd wohl aach der Himmels moler net mehr
lang uff ſich worte loſſe. Un de Michel Jäger brauch ſich in
Zukunft uff ſein Tiddel nix mehr ei zubilde.
Alſo ſoweit is es glicklich kumme, aach de Himmel, den
ſcheene blaue Himmel dhun ſe jetzt bekritzele un verunziern, un
dhun=en zu=ere Reklamewand deggradadiern, zu=ere Liddfaßſail
„. alſo däß is net an Himmel zu mole!
Un der gude, alte Himmel, der kann net emol was degääche
mache un kimmt ſich vor wie die Bordwand am „Drauwe‟
No, däß kann gut wärrn, wann jetzt alleritt ſo e waghalzicher
Luftkutſcher am Himmel erumrutſcht un vollfiehrt wie e Abe=
Schitz allerhand Schreibiewunge: auf, ab, auf — Dibbelche drauf.
— Un unne uff de Erd ſtehn ganze Ortſchafte un recke die Häls,
wie die Hans=Guckindielufte, un renne wädder Ladärnepoſte,
kumme unner die Audos, un halde die Elektriſche uff. Bloß weil
do owe am Himmel aaner de Nome vun=eme Waſch= odder
Schuhbutzmiddelche hieſchreibt.
8 mag ſei, daß die Himmelsſchreiwerei e groß un aach e
läwensgefehrlich Kunſt is, do will ich net driwwer ſtreide. Awwer
mei Aſicht is die: es gibt „Fläche” uff de Erd grad genuch,
die wo mer bemole un beſchmiern kann; unſern Himmel, den
liewe, gude, alte Himmel, den ſollt mer däre uffdringliche Reklame
endziehe un ſollt=en, wie ſeither, liewer de Engel un de Spatze
iwwerloſſe — un valleicht dem odder jenem, der wo in ſtille
Stunde ſein Blick nooch „owwe” richte will . . . Noja, alſo mer
wärd mich verſteh.
Schließlich, wie geſagt, mer kann uff de Erd grad Reklame
mache genug. Un ſogar e ſchee un e „großſtädtiſch”. Guckt nor
emol die Kärchſtroß, was die ſich geleiſt hott; gradezu feenhaft,
wenichſtens wann mer awends dorchgeht. Mer kimmt ſich uff=en
Aageblick vor, wie in Berlin. — Hoffentlich hawwe die
Kärch=
ſträßer ihr Pulwer net umſunſt verſchoſſe. Däßhalb: man komme
un ſtaune — denn das muß man geſähen haben, da muß man
hineingetreten ſein".
Der zeitgemäße Haushalt.
Sonnen= und Wärmeſchutz im Heim. Wenn wir
uruch längft ſchon davon abgekommen ſind, unſere Wohnung durch
FFenſterläden, Jolouſien oder dicke Vorhänge vor der
eindrin=
gienden Sonne zu ſchützen, weil wir wiſſen, daß der Arzt dorthin
hommt, wo man die Sonne fernhält, gibt es doch heiße
Früh=
hings= und Sommertage, an denen wir wenigſtens zeitweiſe
Sonne und Wärme vom Heim fernhalten müſſen, wenn die
letz=
here darin jicht läſtig werden ſoll. Am beſten eignen ſich dazu
ſounkelfarbige Zuggardinen, die man ſich aus dem ſogen. leichten
mnd dabei ſehr preiswerten Tapeziererneſſel anfertigt und mit
(Citocollöſung in Dunkelgrün, =blau oder =rot einfärbt. Sind
ſoieſe ſchwer anzubringen, da ſchon weiße oder eremefarbige zum
Schmuck des Fenſters vorhanden ſind, dann fertige man ſie in
ganzer Breite des Fenſters, nur bis zum Fenſterbrett reichend,
an und befeſtige ſie mit Bandöſen an kleinen Schraubhäfchen,
ſcie man gut erreichbar im Rahmen anbringt. Verblaſſen ſie
ſchurch die Sonne, dann ſind ſie raſch wieder durch einfaches
SSpülen in verdünnter Farblöſung in Ausſehen und Wirkung
rerneuert. Für das Schlafzimmer ſind dunkelgrüne Vorhänge
ſin hellen Sommernüchten geradezu eine Wohltat für die durch
ſdas Licht gereizten Nerven und verbürgen tiefen, traumloſen
ASchlaf. In der Speiſekammer aber halten kräftig feuerrote
2Schutzgardinen, ſtraff vor die Scheibe geſpannt, die ultravioletten,
valſo lebenerweckenden Strahlen ab, die zu raſcherem Verderben
Kder Speiſen durch Vermehrung von Bakterien beitragen, wie ſie
auch die Fliegenplage verhüten helfen, da dieſe Plagegeiſter
Kdunkle Räume meiden.
Sommergebäck für den Kaffee= und Teetiſch.
Engliſche Kekſe. 3 Eigelb rühre man mit 3 Eßlöffeln
Zucker 1 Pfund Butter, 3 Eßlöffeln Weiß= oder Apfelwein,
11 Meſſerſpitze Salz und ½ Pfund Weizenmehl zu glattem Teig.
Ausgemangelt, ſticht man mit kleinen Gläſern runde Plätzchen
aus, die man mit dem Reibeiſen ſchön muſtert, beſtreut ſie mit
Zucker und feingeriebenen füßen Mandeln und bäckt ſie goldgelb
bei mäßiger Hitze.
Sehr guter Eintaſſenkuchen. 1 Taſſe Zucker wird
mit 1 Ei ſch umig gerührt, 1 Taſſe Grieß, 1 Taſſe Kartoffelmehl
1 Taſſe Weizenmehl, 1 Taſſe Milch, Gewürz nach Geſchmack,
1 Taſſe Fett oder Butter und 1 Backpulver wird zu weichem
Teig verrührt, in einer Kaſten= oder Springform gebacken und
nach dem Fertigſtellen mit reichlich Butter beträufelt und mit
Puderzucker dick beſtreut.
Nudelplätzchen. Unter ½ Pfund dick ausgequollene,
erkaltete Nudeln miſcht man ½ Pfund gekochte, geriebene
Kar=
toffeln, 1 Ei, etwas Salz und eine geriebene Zwiebel. Dann
formt man runde, flache Klößchen von einem Teig, wendet ſie in
Mehl und geriebener Semmel, bäckt ſie in Fett braun und
be=
ſtreut ſie mit Zimtzucker.
Rhabarber=Gelee. Den Saft von eingemachtem oder
friſch gekochtem Rhabarber ſüßt man nach dem Entſäuern mit
½ Teelöffel doppeltkohlenſaurem Natron, und zwar gibt man auf
1 Liter Saft 1 Taſſe Zucker oder 2 Eßlöffel Zucker und 2 Eßlöffel
Süßſtofflöſung, ſchmeckt noch mit einigen Tropfen Vanille=,
Rum=, Arrak=Eſſenz oder etwas abgeriebener Zitronen= oder
Apfelſinenſchale ab und rührt unter den Saft 12 Blatt halb rote,
halb weiße Gelatine. Einen Tag kalt geſtellt, ſtürzt man das
erfriſchende Rhabatber=Gelee und reicht es mit einer
dickſchau=
migen Vanille= oder Mandelmilchſoße als köſtlichen Nachtiſch.
Fleiſchgefüllte Semmelpaſteten. Altbackene
Sem=
meln (1 bis 2 Tage alt) ſchneidet man in Hälften, höhlt ſie etwas
aus, weicht die gewonnene Semmelkrume mit Milch ein,
ver=
rührt ſie mit feingewiegtem Cornedbeef, Bratenreſten oder Rind=
und Schweinegehacktem zu gleichen Teilen (auf 6 Semmeln ¼
Pfund) ſowie einer nußgroßen, feingeriebenen Zwiebel, ½
Tee=
löffel Appels Sardellenpaſte, Salz und Pfeffer nach Geſchmack,
½ Teelöffel Kümmel, 1 Eigelb und geriebener Semmel. Gut
abgeſchmeckt, füllt man die ausgehöhlten Semmeln damit, wendet
ſie in Ei und Semmelmehl und bäckt ſie in ſchwimmendem Fett
goldgelb.
Speiſezettel.
Sonntag: Windſorſuppe, Kalbsrücken mit gemiſchtem
Ge=
müſe, Rhabarber=Gelee. — Montag: Fleiſchgefüllte
Semmel=
paſteten mit grünem Salat. — Dienstag: Kalbsgekröſe mit
Roſinenſoße und Grießklößchen. — Mittwoch: Gebackener
Makkaroniauflauf mit Kopfſalat. — Donnerstag:
Sauer=
kraut mit Eisbein. — Freitag: Gefüllter geſpickter Seelachs.
Samstag: Eierkuchen mit geſchmortem Rhabarber.
Beſcheiden. Kürzlich bat mich meine Hausbeſorgerin — ſo wird in
„Reclams Unive ſum” erzählt — ich möchte doch der Firmpate ihres
16jährigen Sohnes werden; ſie habe ſonſt niemanden. Ich war erſt
ein bißchen verlegen, denn die Zeiten ſind ja herzlich ſchlecht; aber da
man’s in Wien mit ſeiner Hausmeiſterin nicht verderben darf, will gte
ich ein. Ich betonte, daß ich dem Peperl nicht viel bieten könne. Jedoch
werde es mir auf eine Praterfahrt mit allem Drum und Dran ſowie
auf ein Sparkaſſenbuch mit 100 000 Kronen Einlage nicht ankommen.
„Aber ja, gnä Herr,” ſagte die Gute, „küß d: Hand, er hat ja vorig’s
Jahr a net mehr kriegt.”
Friſeur=Streik.
Die anmutigen Bubiköpfe nach einem Friſeur=Streik.
Erinnerung an die Töchterſchule. „Längere Zeit verreiſt geweſen,
war in Italien!” erzählt der Herr ſeiner jungen Tiſchnachbarin. —
„Ach, in Italien!” fragte dieſe eifrig. „Dann ſagen Sie mir doch bitte,
ob Italien auf Sie auch den Eindruck eines Stiefels gemacht hat?”
Vorſicht iſt eine Tugend. „Ich möchte gerne deine aufrichtige
Mei=
nung über mich hören!“ — „Dann möchte ich dir vorſchlagen, daß wir
uns durchs Telephon darüber unterhalten.” (Buen Humor, Madrid.)
Boshaft. Das ältere Fräulein: „Meine Liebſte, erſt heute
erfahre ich, daß Sie ſich vor einem Monat verheiratet haben, und nun
kann ich Ihnen doch nicht mehr gut Glück zu dieſem Ereignis wünſchen!”
(London Opinion.)
„Deine Frau wird auf eine Vergnügungsreiſe gehen?”
„Ja, unglücklicherweiſe!
„Was meinſt du damit?”
„Sie nimmt mich mit!“
(Auſſie, Sydneh.)
Patient: „Und wird die Operation, die Sie mir vorſchlagen,
gefährlich ſein?
Arzt: „Ich will es Ihnen ehrlich ſagen, von fünf Operationen
dieſer Art glückt in der Regel nur eine. Aber Sie können ganz ruhig
ſein, die vier letzten, die ich gemacht habe, ſind alle mißglückt!“
„Starb Ihr Mann eines natürlichen Todes?”
„Ja, er wurde von einem Automobil überfahren.” (Polihfen!
Seite 24
Sonntag, den 15. Mai 1922
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