Einzelnnmmer 20 Pfennige
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mwöchentlch 2 mallgem Erſchelnen vom 4 Februar
Ds Februar, ais Reichemar und 22 Prennig
Mrugegebüht abgebol 2,25 Reichsmar”, durch die
ten vuren 2.40 Reichemart wei Haus. Poſibezugspreie
3mbruar obne Beſtellgeld monatl. 273 Reichemark.
Na nwortlichtet du Aumahme von Anzeigen an
ſmmmten Tagen wird gicht Ubernommen. Nicht.
nnt unen einzelner Nummern imntolge töherer Gewal
Uesoitg den Beziehel nicht zuu Kürzung des
hu gspreiſee Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
mruf obte Verhindlichtet, für uns. Poſtſcheckonto
Franfurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927. 190. Jahrgang
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zelle 200 Reſchsmackt. Alle preiſe m Reichemark
ſ4 Dollat — 420 Mackl. — Im Faſlt höberer
Gewalt wie Krieg Aufrudr Strell uſw ertiſcht
ede Verpſichtung au Erfüllung der
Anzelgen=
auſträge und Teiſtung von Schadenerſatz Bei
Konturs oder gerichtlicher Betrelbung fällt feder
Rabatt weg. Banſkonto. Deutſche Banl und Darm=
Lädter und Nationalbant.
Jahre Darmſtadter Tagblatt
21P
Darmſtädter Tagblatt.
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Zahrgang.
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DDensrmentspreis
DT 44 jährtich indl Bringrst
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Haten Beſellungen empeg
mn iu 32 ir vun Quartal inel Poſtſ
zuſchlag und Beiſt
Mi
Oriwrat.
verhde aumommmn i Darnte.
— de Citotlomn Rotalte Be *2
(n Dellungen von Frniede. wötzen.
Fngrichältr. Nr T. lowie augwärn
Frag- und Anzeigeblatt.
fim alg PAiwong WtenEine
Mißs.
137. Jahrgang.
Amtliches Grgan für die Bekanntmachungen des Großherzoglichen Kreisamts Parmſiadt.
Sankaß den 22. Angaß
ME7n.
Jahrgang
Daruſtädter Cagblatt.
w
(Srag= und Anzeigeblatt.)
Uderemerssinrtiu
ermeltene 7 Wact i pr. ha
erden emnmmnet nDerestat
Mit der Sonntags=Beilage:
Dringstenn Twwirt wrdm m
m m Frrtite Rirtuie 7 m.
eUem Feflmim Beitelemct m
aBtllensen m Veter. Bütre.
enennmoemmm m. 1 Mart V.
Dslifrete Nr 14 bwie autwünd
Im Quandl hd Velleshidln
Juuſtrirtes Unterhaltungsblatt. —mchim
Amtliches Organ
für die Bekanntmachungen des Großſ. Kreisamts, des Großh. Polizeiamts und ſämmtlicher Behörden.
Allergnädigſt privilegirtes
Darmſtädter
Allergnädigſt privilegirtes
Darmſtädter
Frag= und Anzeige=Blatt.
Frag- und Anzeige.
ℳ8 3.
8 Eindundert und einanddreißiaſer Jadrgang F
Samſtag den 18. Januar
135. Jahrgang.
1868.
Wier Gwditen, Wemſreiße, W. m n
Sfchrem
Vrölndung mit 1em
Fonumgäblaut für den Lrei
Ra
Aaenn
Em
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augenehen wird, jäglich, aube
OH
Huenſags und Leshteres Donnerſtag”. Jahreck=Abonnement der drei Blätter zuſammen 2K. Auswärtd kann man dei allen Poſäntern olomien. In Damnſtaß
Sonmiog ud Wonias.
Demrnnnd
Suſerer
vr dem angenommen in Darm=
Na dt von der Lrpeliton Mei
gratze Nr. 2, in Belſtungen
— Nntiarkia Enter.
Gnania=
ente Nr. 7. ſewit eriwire
W 3r M 5
erettang
Allergnädigft privilezirtes
Darmſtädter
Frag= und Anzeigeblatt.
Num. 9. Samstag den 29. Februar
1840.
Rrimmerantent. Prelit für den 7431en Jahrzeng ipel. der Gelage 1 4. 70 k. — Nr dn Maidee Johrzaut U kr.
viertellädete 23 Fr.
Alſergnädigf privilegirſer
Mci SSR
Num. 3.M 0 n1 0 0 den 13, 9 0 n0 05 315.
Num. XFIII. 174o, den 28. Januar.
Mit Hochfürſtl. Gnädigſtem PRIYIIEGIO.
Darmſtädti ſche 8
allergnädigſt privilegirres
Frag= und Anzeige Blatt.
Montag den 2. Julp
1810.
Num. 27.
8o6.
den
Mit Großherzogl. Heſſiſchem
Darmſtädtiſches
Anzeige.
zu ſinden in der Großherzoglichen
1. Sept.
ℳ6. 35
gnädigſten Privilegio.
Frag= und
Blatty
Hof= und Kanzleibuchdruckerei.
Darmſtädtiſches
Krag und AEnzeigungs
blättgen
den 18. October.
Num. 42.
Anno T784.
Mit Hochfürſtl.
gnädigſtem
Darmſtädti=
Anzeigungs=
zu ſinden in der
Hof= und Canzley=
Heſſiſchem
Privilegio.
ſches Frag= und
Hättgen;
Hochfürſtlichen
buchdruckerev.
zu finden bey Gottfried Heinrich Eylau, Hof=Buchdrucker.
Rnnnth9tttsthtttttttn. Hrhmnfagg.
Es wird zum Derkauf angetragen:
z. Es iſt in einer nahe am Marckt gelegenen Gaſſe ein wohlgebautes Hauß
zu verkauffen, wobey nebſt der Schild=Gerechtigkeir das Privilegium über
ein Caffee-Hauß zu bekommen; Wer Luſt darzu hat, kan in der Buchdrus
ckerey nähere Nachricht erfragen.
2. Leßthin hat zwar das im Gaſt=Hauß zum Trauben beſindliche gank neu
auf Straßburger fagou verfertigte Contoir ſollen heraus geſpielet werdenz
weilen gber die Herren Liebhabere nicht alle zuſammen gekommen, und alſo
nicht ausgeſpielet worden, als werden hiermit noch einmahl die Herren
Liebhabere nach Standes=Gebühr und Würden erſucht, bey jeßzt
geinach=
ten 8o, Looßen, jedes Looß 2 I. f. ſich auf zukünftigen Mitwochen.
Nach=
mit=
Geite 2
Dienstag, den 1. Febtuar 1927
Nummer 32
Jahre
*
erſcheint nun das Darmſtädter Cagblatt im Verlag und Druck
der L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei in
Darm-
ſtadt, die als Druckerei im 244. Jahr beſteht. Unter ihrem
dritten Inhaber kam es 1736/38 zur Gründung der Seitung.
Sebaſtian Griebel, der Drucker, hatte 1684 die Sirma
be=
gründet; Gottfried Haußmann, der Negierungsbeamte, der
Griebels Witwe ehelichte, ſicherte dem Unternehmen die für die
Folgezeit wichtigen Privilegien für den Druck des Geſangbuchs,
des Neuen Ceſtaments uſw.; Joh. Chriſtoph Forter, der
Buchbinder, der die Druckerei von Haußmann erkaufte, brachte
den Unternehmungsgeiſt ins Geſchäft und begründete die
Verlagstätigkeit mit Werken und den erſten Plänen
zur Seitung.
Im Geiſt der Seit, die Belehrung und „Bekanntmachung
von allerhand Sachen, ſo dem gemeinen Weſen nöthig und nützlich
ſind” verlangte, regte er ſchon 1736 die
Heraus=
gabe eines „Blättchens” an. Zuerſt wurde ſein
Nachſuchen abgeſchlagen. 1738 griff er ſein
Projekt erneut auf und erreichte, daß ihm von
der Negierung aufgegeben wurde, „daß er von
ſeinem Vorhaben einmal eine Woche die Probe
machen und ſolche zu Hochfürſtlicher Negierung
einſchicken ſolle”. Als Modell ſollte ihm dabei
das „Hanauer Blättchen” dienen. Forter kam
dieſem Erſuchen nach und erhielt daraufhin am
24. Oktober 1 7 38 zu ſeinem „vorhabenden
Unternehmen” die Konzeſſion.
Dieſe für das Gründungsjahr des „
Darm-
ſtädtiſchenFrag= und Anzeigungs=
Blättgens” wichtige Urkunde bilden wir
nebenſtehend (= Originalgröße) ab.
Von 1739 an, unter Forters Schwiegerſohn
und Nachfolger, Gottfried Heinrich Eglau
erſchien dann das „Blättgen” regelmäßig
wöchentlich einmal.
Die Sahl der Seitungen, die in Deutſchland
auf ein ſo langes ununterbrochenes Beſtehen
von 190 Jahren zurückblicken können, iſt ſehr
gering. Umſomehr verdient in dieſem
Zuſammen-
hang auf die Catſache hingewieſen zu werden,
daß die Sirma Wittich auch die zweite Seitung
Darmſtadts, die in das 18. Jahrhundert
zurück=
reicht, die „Darmſtädter Seitung” an
die 144 Jahre druckt. Wenn auch die erſten
Jahrgänge, unter Verletzung des Wittich’ſchen
Privilegs auf Veranlaſſung des Miniſters von
Moſer in einer ad hoe gegründeten, mit
Staats=
mitteln geſtützten Druckerei (Krämer) gedruckt
wurde, ſo erreichte doch die Sirma die
Aner=
kennung ihres Privilegs, auf Grund deſſen ſie
die Darmſtädter Zeitung ſeit 1783 druckt. Dieſer
Sall, daß der Druck zweier ſo alter Seitungen
in einer Sirma ſich befindet, ſteht in Deutſchland
wehl einzig da.
Der Name.
Wie ſich das Werden eines Menſchen mehr
oder minder ordnungsgemäß, auch in etwas
un=
ſicheren Seiten, durch ſeine Prädikate und Citel
ausdrückt, ſo läßt ſich das Werden unſerer
Seitung an den Köpfen ableſen. Wir wollen
uiſere Leſer nicht aufhalten mit langatmigen
Aufzählungen über den Wechſel in Format und
Umfang im Wandel der Seiten. Vielmehr
bil=
den wir umſtehend die Citelſeite einer der erſten Nummern
in Originalgröße ab und glauben, ſo ein anſchauliches
Bild von Größe und Ausſehen der Seitung bei ihrem erſten
Er=
ſcheinen, als die Nummer nur 4 Seiten umfaßte, zu geben.
Einſt und Jetzt.
Am meiſten intereſſiert natürlich der Inhalt der Zeitung
und es reizt, ſich eine Nummer von damals daraufhin anzuſehen.
Gottfried Heinrich Eylau hatte in ſeinem „Advertiſſement
von dem neuen wöchentlichen Darmſtädtiſchen Frag= und
An=
zeigungs=Blättgens” das Erſcheinen dergleichen wöchentlicher
Blätter ausführlich begründet:
„Sie haben das Glück, daß ſie zweuerleu Leuten
wohl=
gefallen: Erſtlich ſolchen, die ſie blos aus Neugierigkeit leſen.
Dann da ſichs manche Perſonen faſt als eine Nothwendigkeit
vorſtellen, von allem, was in einer Stadt oder auch auf dem
Lande vorgehet, Nachricht zu haben, ſo wird ihre mühſame
Curioſität dadurch ungemein erleichtert, indem ſie auf einem
ſolchen Blatt in einer Minute mehr leſen, als ſonſt in einem
Cag erfahren können, wenn ſie gleich manchen Beſuch blos aus
dem Sweck abſtatteten, um Neuigkeiten zu erfahren, wobei ihnen
doch noch manche ungegründete Ausſtreuungen aufgebunden
wer=
den, dahingegen gedachte Nachrichten ihre Erzählungen mit Be=
Nand und Gewißheit thun. Sie werden aber auch zum andern
von ſolchen mit Vergnügen gebraucht und geleſen, die einen
größeren Nutzen davon haben, als die bloße Neugierigkeit geben
kann. Der Nutzen, den man daraus zu gewarten hat, iſt
mancherley. Sum Exempel: Zuweilen hat eine Perſon etwas
zu verkaufen, und eine andere möchte ebendieſelbe Sache
kau=
fen, etc.”
In 12 Punkten gab er an, wie ſich der Inhalt zukünftig
geſtalten ſolle. Wir können es vorwegnehmen, daß er die
Nach=
richten mehr allgemeinen Inhalts aus Stadt und Land, die er
wohl in Punkt 1 und 11 andeutete und die wir heute in erſter
Linie von einer Seitung verlangen, ſo gut wie gar nicht brachte.
Die Zeitung enthielt Jahrzehnte hindurch hauptſächlich
All=
gemeine Vekanntmachungen, ſolche über Sachen, die zu
ver=
kaufen oder zu kaufen geſucht werden, vor allen Dingen auch
über Bücher; ferner Stellengeſuche; ſodann das Preisverzeichnis
der Lebensmittel, oder wie es damals ſo ſchön hieß: Viktualien=
und Marktpreis; ferner das Verzeichnis der Geborenen,
Ge=
tauften und Verſtorbenen und ſchließlich die Liſte der „
angekom=
menen fremden Herrn Paſſagiers” und „der ab= und zugereiſten
Herrn Paſſagiers”
Einige dieſer Anzeigen ausdem Jahrgang 1 7 41
drucken wir als Proben nebſt den zugehörigen Nubriken hier
ab, wobei wir unſern Leſern überlaſſen, ſich ihre Gloſſen über
Inhalt und Sorm dieſer Nachrichten zu machen.
Su verlehnen wird angetragen:
Der Laden unter dem Nahthauß ſoll an den Meiſtbietenden
verlehnt werden. Wer Luſt und Lieb darzu hat, kan ſich
deß=
wegen auf dem Nahthauß melden; doch aber mit dieſer
Con=
dition, daß keiner in Winters Seit mit Holtz feuern darff, ſondern
mit Schmidt=Kohlen, welches expreſſe ausgehalten wird.
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F4.
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Verlohrne Sachen.
Es ſind geſtern vom Nittſtein biß an den Loewen=Brunnen,
zweg Stuecker reich Bant, das eine iſt einen halben Stab und das
andere ein Stab und ein Viertel lang, noch ein Stueck Spitzen
von 10½ Ehlen lang, verlohren gangen, ſo nun jemand ſolche
gefunden, beliebe es in der Druckerey zu melden, wovor es ein
gut Crinckgeld zu gewarten hat.
Geſtohlne Sachen.
Ein ſilber-verguldeter Pocal von 32. bis 34. Loth ſchwer, iſt
ſeit vergangenen Dienstag 3. Tag in einem ſichern Hauß
ver=
miſſet, folglich diebiſcher weiſe entwendet worden; Wer einige
Nachricht davon hat, und die Anzeige in der Buchdruckerey
thun wird, ſoll recht wohl recompenſirt werden.
Es ſind auch vor etlichen Cagen in einem gewiſſen Hauß
zwey Schnüren große Granaten geſtohlen worden; Wer dem
Buchdrucker einige Nachricht hiervon geben kan, hat ſich eines
raiſonablen Gratiale zu verſichern.
Beſondere Nachrichten.
Ein Extra guter und wohl=erfahrner Frantzoeſiſcher
Sprach=
meiſter, welcher eine ſehr gute methode grammatice zu
infor=
miren hat, redet ſein perfert Srantzoeſiſch und Ceutſch, ſchreibet
uuch eine ſchoene Srantzoeſiſche Hand, ſucht Stunden in den
häuſern, und in ſeinem Logis eine kleine Schuhl zu halten, iſt
wohnhafft und anzutreffen in des Kaerchers Stadt=Foerſters
Hauß an der Hinckel=Gaß, nicht monathlich ein billiges.
Der Herr Senſor.
Bis zum Sommer 1744 erſchien die Seitung ohne in publice
Anſtoß erregt oder der hohen Negierung Anlaß zur
Unzufrieden-
heit mit ihren Leiſtungen gegeben zu haben. Daß in einer
Oktobernummer des Jahres 1 741 das Wappen auf
der erſten Seite auf dem Kopf geſtanden hatte, war ohne
be=
ſonderes Neſkript und Vermahnung an den verantwortlichen
Buchdrucker, Verleger und Nedakteur in einer Perſon
hin=
gegangen.
Aber die Nummer vom 30. Juli 1744 rief die Negierung
zu einer geharniſchten Maßnahme auf den Plan. Es war darin
„eine höchſt anſtößige passage”, wie es
regierungs-
leitig ſpäter hieß, „aus Unvorſichtigkeit” gedruckt worden.
Uber dieſe höchſt anſtößige passage haben ſich ſchon viele
geſcheite Leute den Kopf zerbrochen. Einige meinten, es handle
ſich um eine Anzeige, die „Bilder” öffentlich anpreiſt; andere
wieder meinen, es handele ſich um die unten abgedruckte Anzeige
unter der Nubrik „Verlohrne Sachen” Wir hatten erſt die
Meinung, die ganzen vier Seiten jener Nummer hier
abzu=
drucken und unſere Leſer zu bitten „die höchſt anſtößige passage‟
zu finden, wobei wir allerdings gleichzeitig gebeten hätten zu bes
gründen, warum der Leſer die oder jene passage „für höchſt
an=
ſtößig” hält. Da ſich aber die Mehrzahl „der Forſcher” für die
folgende „blau plimmerante” Anzeige entſchieden hat, ſo wollen
wir es auch dabei belaſſen und ſie zur allgemeinen Kenntnis hier
abdrucken:
„Drey Stab blau plimmeranter Noll=Gros de Cour iſt aus
des Buchbinder Sparſchneiders Hauſz biſz ins Schloſz am
ver=
gangenen Montag verlohren gangen; Wer ſol4
chen gefunden, oder Nachricht hiervon bringt,
ſoll einen guten Necompens bekommen.”
Ein gros de tour, bekannter vielleicht als
cul de Paris, ein damals nicht unentbehrlicher
Coilettebeſtandteil, alſo war die Urſache, daß
die Regierung am 26. Oktober 1744 — ein
Vierteljahr nachdem ihr die Sache mißfällig
vorgebracht worden warl — den Drucker
„ernſtlich verwies” und folgendermaßen
ver=
ordnete:
„Nachdem Uns miſzfällig vorgebracht
wor=
den, was geſtalten von Unſerm Poſt- und
Cantzley Buchdrucker Eulau in das bieſige
Frag= und Anzeigungs Blättgen vom 3Oten
July eine höchſt anſtöſzige pahsage aus
Un=
vorſichtigkeit gedruckt worden; So wird
dem=
ſelben ſolches hiermit ernſtlich verwieſen, und
dabei anbefohlen, hinkünftig ſorgſamer zu ſeun,
und von ohnbekandten Perſonen zum Druck
nichts mehr annehmen noch durch den Druck
bekand werden zu laſzen; Und da wir dieſzfalls
gnädigſt zu verordnen vor gut befunden, daß der
allhieſige Pro Nektor Feigk hinführo
alles was alhier zum Druck gebracht werden
wird, vorhero gegen eine von denen ſo etwas
drucken laſzen wollen, ihme Suverabreichende
— und die dabey vorfallende Mühe
propor=
tionirte Ergötzlichkeit inſpiciren und cenſiren,
mithin ohne deſzen Einſicht oder correctur nichts
mehr gedruckt werden ſoll; Als hat beſagter
Buchdrucker Eylau ſich darnach zu achten, und
gedachtem Pro Nectori bei Vermeudung
ohn=
nachläſziger Strafe zuforderſt alles zu dem Ende
ohnfehlbar zuzuſchicken, und von demſelben die
Cenſur und Erlaubnis, ob mit dem Druck
fort=
zufahren oder nicht? zu erwarthen.”
Das Fenilleton.
Es iſt nicht richtig, wenn man meint, daß
die Seitung erſt reichlich ſpät, im 19.
Jahrhun=
dert, an einen Ausbau gedacht habe. Schon in
den 1780er Jahren enthält die vierte Seite der
Nummer Nachrichten, die der Seitung gegen=
*
über früheren und ſpäteren Jahrgängen ein
beſonderes Gepräge geben. Um dies unſern
Leſern etwas deutlicher zu machen, zählen wir
im Folgenden die Citel der kürzeren und
länge=
ren Geſchichten und Nachrichten auf, die der
Jahrgcng 1785 enthält. Danach wird man ſich leicht überzeugen
können, daß ganz im Sinne der Seit verſucht wurde, moraliſch
zu wirken. Naummangel verbietet es uns, eine oder die andere
Geſchichte abzudrucken. Die Citel ſelbſt lauten:
Anweiſung wie den Menſchen, welche im Waſſer oder von
Kälte erſtarret, oder erhenket, oder erdroſſelt, oder auch von
ſchädlichen Dünſten entkräftet, gefunden worden, zu helfen
ſey=
um ſie beg Leben zu erhalten (in mehreren No. fortgeſetzt.). Die
unbeſonnenen Knaben. Zur Warnung für die Horcher. Die
beſſere Religion. Der Beutel voll Verſtand. Beiſpiele einer
edlen Großmut. Mittel, Kinder gegen ſich mißtrauiſch zu machen.
Vorwand eines Feigen. Etwas Großmütiges. Zärtlichkeit gegen
Eltern. Der würdige Sohn. Der kleine König (über mehrere
No.). Sweikampf. Der verſchwiegene Papyrus. Wohltätigkeit.
Dukatenregen. Fritz und Ernſt. Mittel, ſich bei den Kindern
verhaßt zu machen.
Ab= und durchgereiſte Herrn Paſſagiers.
Für uns ſelbſt, wie für die Stadt Darmſtadt ſtellt dieſe
Nu=
brik eine Art Gäſtebuch dar, umſo intereſſanter dann, wenn ſich
in beſonderem Seitläuften gerade diejenigen eingetragen haben,
die von ihrer Nation früher oder ſpäter als Größen erſten
Nanges verehrt wurden.
Am früheſten erſcheint Herder; es folgen 1771 Gleim
zuſammen mit Wieland, im Hauſe des Kriegsrats Merck
abgeſtiegen und wie Herder mit der Großen Landgräfin bekannt
gemacht. Von Goethe heißt es in No. 10 vom 9. März 1772:
Herr Schloſſer und Herr Göde, beude von Franckfurt.
Klop=
ſtock erſcheint im Herbſt 1774. Leſſing in No. 4 des Jahres
1777 und ſchließlich Schiller in der No. 1 vom 3. Januar
1785 „als Herr Schiller Doktor von Mannheim, am 27.
Dezem=
ber 1784‟
Schon dieſe Proben zeigen, wie ſehr es ſich verlohnen
würde, die einzelnen Jahrgänge durchzublättern. So trochken
manche Nachrichten erſcheinen, ſie laſſen ſich, für uns in gehörigen
Suſammenhang gebracht, beleben. Mögen ſie nun in der Schüle,
in einem Volkshochſchulkurſus oder im Familienzirkel wieder
ge ſen werden, ſie zeigen uns eine Seit, die war, aber auf derel
Schultern wir — dankbar ſtehen ſollen!
Sürſtenlager, im Januar 1927.
Dr. Hermann Bräuning=Oktavio.
Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 3
ZumI. Februar 192
Don Oberbürgermeiſrer Dr. Gläſſing
Ker Cag der Erinnerung an geiſtige Cätigkeit in Darmſtadt
in einer Seitſpanne von 190 Jahren dürfte in weiteren
Kreiſen der Bevölkerung herzlicher Anteilnahme ſicher
ain. Die Arbeit der Seitung iſt Arbeit ſür die Stunde, auch in
drr Erſcheinungsform weit vergänglicher, als andere
Erſchei=
mungsformen menſchlichen Geiſtes. Und doch iſt die Seitung von
machhaltig wirkender Kraft, wenn zielbewußter Wille mitwirkt in
dum Dienſt der öffentlichen Meinung. Generationen von
Schrift=
ſtellern haben an führender Stelle für ſie ſchaffen helfen.
Lebens=
fmng und friſch ſteht ſie da, wenn ſie mit Gegenwart und Jugend
güeht. Gibt ihre Darſtellung vorwiegend die zeitgenöſſiſch
inter-
ehianten Ereigniſſe und Gedanken, gibt ſie ſelbſt den flüchtigen
Cmmpuls des Augenblicks, ſo bietet ſie doch auch dem rückwärts
geerichteten Betrachter eine Fundgrube für die Beurteilung der
Welt der Seitſpanne. Die Darſtellung der Seit der letzten
200 Jahre, im Cagblatt und in künſtleriſch hochſtehenden
Einzel=
uusgaben von Wittich wiederholt in ausgezeichneter Weiſe für
ennzelne Epochen bearbeitet, konnte in einer kulturgeſchichtlich
höchſt anſprechenden Seit entſtehen.
Wer die Darmſtädter Erinnerungen von Wilhelm Hamm
(N820—1880), des Stadtpfarrers Friedrich Ritſert (1803—1883),
dees Geſchichtsſchreibers Georg Gottfried Gervinus (1805—1871)
kennt, ſieht in einen Seitabſchnitt, der kulturgeſchichtlich über die
Aöedeutung des rein Lokalgeſchichtlichen hinausgeht. Geiſter mit
grroßer Begabung für die Kritik, alle Spielarten des Humors,
ſtSwierige Charaktere und Schriftſteller mit beſonderer Klarheit
dier Gedanken und einer wunderbar geſchliffenen Sprache
ver=
lüihen ihrer Seit den charakteriſtiſchen Ausdruck. Auch in der
Alrchitektur iſt es der Geiſt, der ſich den Körper baut. Der
Stadt=
hicaumeiſter Ludwigs I., Georg Moller, bringt Ruhe und
Gelaſſen=
ieeit in vornehm wirkender Ausdrucksweiſe in das Stadtbild. Die
h2ultur dieſer Seit erſcheint mit der antiken Welt verbunden durch
ſas unſchätzbaxe Gut der Unbefangenheit. Auch in der Seit vor
Moller trat dieſer Ausdruck in einzelnen Bauwerken hervor. Die
Setraßenzüge um die Nheinſtraße, das Ständehaus mit dem für
ueine Seit vorbildlichen Sitzungsſaale, das Kaſinogebäude mit der
guiten Ecklöſung, die Katholiſche Kirche, der feingeformte
Luiſen=
platz ſtellen Anlagen dar, die edle Linien mit geringſtem Aufwand
merbinden. Dieſe Bauten ſind heute noch richtunggebend, ſo ſehr
däe Neuzeit das Stadtbild ſtark verändert hat. Darmſtadt, als die
Setadt der alten und neuen Cürme, mit dem Wahrzeichen ſeiner
Akkropolis, des hochragenden Baues des
Kunſtausſtellungsgebäu=
ares mit dem wegweiſenden Hochzeitsturm, tritt beſonders gut in
hie Erſcheinung für den Wanderer, der von Norden und
Nord=
meeſten ſich der Stadt nähert. Wer die Bilder und alten Stiche
her Städteanſichten aus dem achtzehnten Jahrhundert, ſowie das
gechloß von 1675, den Marktplatz von 1676, das Jäger= und
Geporer Cor in ihren architektoniſchen Ausdruckslinien kennt, findet
ſüer die beſonderen Neize einer Seit, die urſprüngliches und
feſt=
yerwachſenes Leben beſaß, die noch mit dem Grund und Boden
der Landwirtſchaft und der Umgebung aufs engſte verbunden war
MKicht minder bietet aber auch die Gegenwart beſonders geartete,
nait neuem Willen geſchaffene Ausdrucksformen, die das
künſt=
heriſch geſchulte Urteil der Gegenwart freudig anerkennt. Der
Architekt der Gegenwart, die Anforderungen der ſtädtebaulichen
Entwicklung genau kennend, bringt heute die Wirkungen des
(Sanzen, der Maſſen in Linie und Form, und legt ſich in der
Wehandlung der Oetailfragen bewußte Beſchränkungen auf. Die
nuhige Wirkung, die natürliche Einfachheit, wie ſie beſonders in
em Klaſſizismus vertreten war, iſt in neuen, der Gegenwart
amtſprechenden Ausdrucksformen zum Leben gebracht. Die Bie=
Mermeierzeit, ſo ſehr die Gegenwart es liebt, ſie in Farbe und
0Ornament zum Leben zu bringen, wird immer nur eine anmutige
(*rinnerung bleiben an die Seit vor hundert Jahren in dem Leben
eüner Kleinſtadt. Iſt es doch unmöglich, das Gewand einer Seit
iſeſtzuhalten, wenn der Geiſt entſchwunden iſt.
Die Darmſtädter „Berſer”, im Anfang des 19. Jahrhunderts
ſaſt nur in der Altſtadt wohnend, mit ihrem
Geſellſchaftshaupt=
quartier, dem berühmten Gaſthauſe „Sum roten Ochſen”, waren
MTreiſe, die in ihrer Lebenswärme und dem ſonnig ausſtrahlenden
höumor nicht geſtört ſein wollten. Ihnen ging die Behaglichkeit
mnd Nuhe über alles. Ein geſundes Gegengewicht entſtand ihnen
Ehon am Ende des 18. Jahrhunderts in dem Erbprinzen und
nach=
cialigen Landgrafen und Großherzog Ludwig I. Er verſtand es
um Vielſeitigkeit und ſeiner von Goethe gerühmten ſtarken
geiſti=
gien Negſamkeit, die Menſchen beweglich zu machen, vor Fragen
zu ſtellen und in die Sukunft blickend die Anziehungskraft ſeiner
MMeſidenzſtadt zu wahren. Als einſt die Spießbürger von Köln es
raicht über ſich gewinnen konnten, dem Baron von Hübſch für
ſneine Kunſtſammlungen ein Gebäude zu geben, gingen die an alter
hoeutſcher Kleinkunſt und Malerei ſo reichen Sammlungen — wer
lxennt nicht das wundervolle Altarbild von Vinzenz Lochner. —
nach Darmſtadt in den Beſitz des Landgrafen, der 1854 das
Muſeum in die Verwaltung des Staates übermittelte.
Die Altſtadt, ein Gemiſch ſtark willkürlich angelegter Straßen
und Sträßchen, von Häuſern mit Fachwerk und Giebeln nach der
Straße, vorſpringenden Obergeſchoſſen, Cüren und Cürchen,
kleinen Fenſtern, mit zuſammengedrängten Näumen ohne Licht
und Luft, gab ein beſchauliches Daſein. Welch eine Welt ſteht
zwiſchen dieſer verſunkenen Epoche und der gärenden
Gegen=
wart! Es ſcheint wie ein Naturgeſetz, daß eine beſchauliche Seit.
arm an Kämpfen und erſchütternden Ereigniſſen, ſtarkes Leben
nicht vorbereiten konnte. Heute, das wirtſchaftliche und ſeeliſche
Not zu einer Not des Volksganzen werden ließ, ringt ſich ein
tapferer Glaube durch, daß aus dem Zerbrochenen und
Be=
grabenen doch ein lebensſtarkes Neues emporſteigen muß. Ja,
es gilt bis zu dem Erkennen vorzudringen, daß manches in
unſerem eigenen Leben fallen und ſterben muß, auf daß ſich
das Große und Beſſere geſtalten kann. „Stirb und
Werde” zeigt die Gegenwart in einem Bilde gewaltiger
Umſchichtungen und ſtürmiſch drängenden Willens zu neuen
Bil=
dungen. Unſere Jugend, in ſchwerſter Übergangszeit ringend und
nach Lebensgeſtaltung rufend, hat trotz allem, was in chaotiſcher
Weiſe auf den jungen Menſchen hereinſtürmte, wieder Beſitz
ergriffen von einem gewiſſen Geiſt der Sucht und Selbſtdilziplin.
Dem Elend der Seit verſucht eine umfaſſende Fürſorge=
Organiſation beizukommen. Mit unbewußter
Selbſtverſtändlich=
keit und einer Geſinnung, die nicht verletzen kann, verſuchen
Helfer und Helferinnen die notwendige Hilfe zu bringen. Wir
fühlen, daß es nicht mehr genügt, die Blößen mit Phraſen
zuzudecken, wie notwendig es iſt, auch geiſtige Nahrung
beizu-
ſchaffen. In dem Hunger nach ſolcher Nahrung lehnen wir alles
ab, was zerſetzt und die Erſcheinungen des Verfalls nicht
auf=
halten kann. In Geſchichte und Neligion führt uns das
Nichtung=
gebende und das Intuitive; es zieht uns in die Höhe. Der Glaube
gewährt die lebendige Nahrung, wenn er uns führt in allem
Werdenden und ſich Verwandelnden. Wir haben nicht nur
Aus=
atmen, ſondern auch Einatmen nötig im innerſten Leben, das zum
Siele führt im Wege ſteter Entwicklung, Verfeinerung, Steigerung
und Hinführung zum Höchſten.
In dem zentrifugalen Weſen, das die Deutſchen ſeit Beginn
des Eintritts in die Geſchichte kennzeichnet, in dem
Auseinander-
ſtreben aller Kräfte liegt eine der größten Gefahren. Bei dem
Suſammenbruch dieſe Gefahr durch eine ſtraffe Zuſammenziehung
überwindend, haben wir doch in der Gegenwart noch ſehr
ge=
trennte Welten. Wir feiern das Weihnachtsfeſt in innigſter
deutſcher Art und ſind doch noch weit entfernt von der Erlöſung
durch Liebe. Der Kampfcharakter und die Disharmonie der
Gegenwart tritt ſtark in den Vordergrund durch den Widerſtreit
privater und öffentlicher Intereſſen, ihr Ringen um den Einfluß
auf die Geſetzgebung bei den bevorſtehenden Entſcheidungen,
ein Kampf, der bei der Ungunſt der Seit nicht immer in
guten Formen ausgetragen wird. Crotzdem gilt es, nicht zu
ruhen, ſich nicht abſperren, und nicht in ſich ſelbſt zu
ver=
ſinken. Die öffentlichen Verwaltungen, jede Gelegenheit
be=
nutzend, den Segen der Arbeit den Arbeitsloſen zu gewähren,
können dazu beitragen, neues Leben zu ſchaffen. Die
Zuſammen-
arbeit der Preſſe und der öffentlichen Verwaltungen erſcheint um
ſo nützlicher und fruchtbringender, als die Gegenwart in ihrer
geradezu verwirrenden Art die Heraushebung des Gemeinſamen
und Wahren erfordert. Im Inland ein ſtarkes Cempo von
Ver=
änderungen und Umſchichtungen. Dabei ein Anſchwellen der
Armenlaſten infolge der wachſenden Not, das heute z. B. bei der
Stadt Darmſtadt nahezu das Sehnfache der Armenlaſten bedeutet,
die im Jahre 1914, vor dem Kriege, aufzubringen waren. Im
Auslande die noch jetzt in der Preſſe vertretene Behauptung, daß
Deutſchland einen „einzigartigen Aufſtieg” auf Koſten Englands
erreicht habe und außerordentliche wirtſchaftliche Fortſchritte
mache. Die Auslandspreſſe überſieht, daß die Nationierung der
Wirtſchaft zu einer Vermehrung der Sahl der Erwerbsloſen
geführt hat. Sie kennt auch nicht den Umfang der Not,
ins=
beſondere nicht die wirtſchaftliche Not der freien geiſtigen
Arbeiter, deren nagende Sorge die wertvollſten Menſchenleben
infolge der Grauſamkeit der Seitverhältniſſe vernichtet. Wenn
der Dawesplan ſich ſehr bald als unmöglich, auch vom Standpunkt
der weltwirtſchaftlichen Beziehungen erweiſen wird, ſo erſcheint
es nützlich und jedenfalls ehrlich, die in der Auslandspreſſe
ver=
tietene Behauptung auf das rechte und beſcheidene Maß
zuzu=
führen. Es iſt aufwärts gegangen, ſowohl innen- und
außen-
politiſch, wenn auch ſehr langſam und mühevoll und in einem recht
beſcheidenen Maße. Wer noch erlebt hatte, wie die
Nachkriegs=
zeitverhältniſſe ſo drückend wirkten, kann ermeſſen, daß wir in
der Bereinigung und Konſolidierung große Fortſchritte gemacht
haben. Im Gegenſatz zu der beängſtigenden Kapitalknappheit des
Jahres 1925 trat eine Flüſſigkeit ein, die zu einer Senkung der
Sinsſätze führte. Swar haben Stimmen des Haſſes und der
Seind=
ſchaft noch 1926 die Arbeit zum Srieden gehemmt. Crotzdem ging
es auch hier langſam vorwärts. Ein hervorragender franzöſiſcher
Schriftſteller, der die Stimmen des Haſſes bedauert, bat ein
wahres Wort geſprochen, wenn er auf die große Verwüſtung
ſeiner Heimat in Nordfrankreich Bezug nimmt und bemerkt, daß
die Annäherung nicht von heute auf morgen kommen werde,
hätten wir uns doch vier Jahre lang die Schädel eingeſchlagen.
Sicherlich wird auch in Sukunft die nüchterne Erwägung ſtärker
ſein, als die Slluſion. Nur eine abwartende, des eigenen Wertes
bewußte Haltung, iſt für unſer Volk möglich. Allein die
Gemein=
ſamkeit der Intereſſen auf wirtſchaftlichem und geiſtigem Gebiete
und die ſchon erzielte Neuorganiſation großer europäiſcher
Induſtrien im Gebiete der Weltwirtſchaft ſpricht dafür, daß
Deutſchland an dieſen weltwirtſchaftlichen Intereſſenverbindungen
auch in Zukunft in hervorragendem Maße beteiligt ſein wird.
Im Innern iſt und bleibt die ſchwerſte und größte Frage: die
Beſchäftigung von 1½ Millionen Arbeitsloſen, ihre Einreihung
in den produktiven Prozeß. Das Problem der Erwerbsloſigkeit,
als ein Dauerproblem, ſteht mit ſeinem vollen Ernſte im
Vorder=
grund. Die Solgen in unſerem Heimatland Heſſen ſind nur zu
ſehr bekannt und Gegenſtand ſchwerſter Sorgen. Neich, Länder
und Kommunalverwaltungen werden auch in Sukunft beſtrebt
ſein, die betretenen Wege weiter zu verfolgen; inſolange die
Ein=
reihung in ein ordentliches Arbeitsverhältnis nicht möglich iſt,
bleibt nichts anderes übrig, als Arbeitsaufträge dei den
öffentlichen Verwaltungen zu beſchaffen und die
Erwerbsloſen=
unterſtützung in eine Vergütung für geleiſtete Arbeit zu
ver=
wandeln. Die Siedlung auf dem Lande wird einmal ausſichtsvoll
erſcheinen, wenn es gelingt, die Kriſis der Landwirtſchaft m
überwinden und ein Einkommen auf dem Lande zu ſichern, das den
gegenwärtigen Ciefſtand erheblich überſteigt. Die Wirtſchaft in
der Stadt und die Wirtſchaft auf dem Lande leiden beide unter
der ernſten Lage der Gegenwart. Aber ſchließlich dürfen wir
nicht in den Städten zur Mutloſigkeit zurückſinken. Es erſcheint
immer wieder notwendig, die verzweifelte Stimmung und die
Demoraliſierung bei den Erwerbsloſen als Gefahr zu erkennen,
die gebannt werden muß. Die unſicheren Seiten der Gegenwart
erinnern in der Größe der Arbeitsloſigkeit an das Jahr nach dem
Suſammenbruch, in dem es gelingen mußte, die aus dem
Heeres=
verband entlaſſenen Maſſen von der Straße hinweg zu bringen
und ſie zur Ordnung und Arbeit hinzuführen. Was damals gelang,
muß auch in Sukunft gelingen.
Wenn ich zurückblicke auf die ſeit dem Zuſammenbruch
abge=
laufenen Jahre, ſo muß ich bekennen, daß ohne die Mitarbeit
unſerer Preſſe, ohne die Heranziehung eines jeden, der den guten
Willen hatte, mitzuarbeiten, dieſe Jahre kaum zu ertragen
ge=
weſen wären. In dem herzlichen Dank für das, was die deutſche
Preſſe in der Suſammenarbeit mit öffentlichen Verwaltungen
geleiſtet hat, möchte ich die Hoffnung ausſprechen, daß auch in
anderen wichtigen Gebieten dieſer Zuſammenhalt uns erhalten
bleibt. Haben doch Preſſe und öffentliche Verwaltung eine große
Verantwortung für die Gemeinſchaft unſeres Volkes. Wie kann
die Seitung die Herzen vorbereiten, damit neue Gedanken Wurzel
faſſen können in dem gelockerten Ackerboden. Wie kann ſie
große und gute Gedanken in die Seele unſeres Volkes
hinein=
tragen. Goethe, der Altmeiſter der Lebenskunſt, ſprach
einmal das wahre Wort: „Behandelt die Menſchen ſo, als ob
ſie ſchon ſo gut wären, wie ihr ſie haben wollt. Es iſt der
einzige Weg, ſie dazu zu machen.” Wie können Preſſe und
öffentliche Verwaltung auch aufrichtend wirken für alle, die
leiden in dieſer ſchweren Übergangszeit. Wir müſſen unſere ganze
Kraft daranſetzen, das Nechte zu tun, einerlei ob der Erfolg heute
oder erſt ſpäter kommt. Arbeiten wir doch nicht ohne Hoffnung.
Entſprechend der allgemeinen Entwicklung in unſerem
Heimat=
lande Heſſen, hat auch in unſerer Stadt eine große Vermehrung
der Einkommen aus Arbeit jeder Art ſtattgefunden, ebenſo ein
ſtarkes Wachstum der Sparkaſſeneinlagen. Nur zu ſehr bewußt
der rauhen Wirklichkeit, dürfen wir nicht klagen, daß wir
arbeiten müſſen in einer erſchwerten Seit, die vorwärts drängt,
aber auch Werdendes vorbereitet. Auch die Vergangenheit hatte
ihre Sorgen. In ernſter Seit hat einſt Creitſchke das Wort
geprägt: „Wer heute die Kraft in ſich fühlt,
emporzuragenüber den Durchſchnitt der
Men=
ſchen, ſoll ſich freihalten von dem
unmänn=
lichen Gefühl der Verbitterung und
Ver=
ennung und ſich feſt ſtützen auf den freudigen
Glauhen edler Geiſter, auf den Glauben un die
Unſterblichkeit nicht des Namens, londern der
Sdee.”
Seite 4
Dienstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
Unſere Aufgabe.
Von
Nudol) Manve,
Hauptſchriftleiter des Darmſtädter Cagblatts.
Es iſt ſchon viel über die Preſſe geſchrieben worden. Das
Schlagwort von der ſiebenten Großmacht iſt allgemein bekannt
und auch einige Hundert deutſche Doktordiſſertationen über ſie
ſind bereits verfaßt worden Crotzdem aber gibt es wohl kein
Gebiet von wirklicher Bedeutung für die Allgemeinheit, das in
leinem Weſen und Aufgabenkreis der Maſſe zum mindeſten
unſe=
res Volkes ſo fremd iſt wie unſere Preſſe. „Das aber iſt
bedenk=
lich, denn die Preſſe iſt tatſächlich insbeſondere unter den
heu=
tigen Verhältniſſen eine wirkliche Macht, und durch die ſteigende
Bedeutung der Preſſe iſt nicht nur die Verantwortung aller im
Seitungsbetriebe tätigen Perſonen außerordentlich
gewachſen, ſondern gleichzeitig auch die
Gefahr=
möglichkeiten, die aus einem Mißbrauch dieſer
Macht der Preſſe entſtehen können. Dieſe
Gefahr=
möglichkeiten aber ſind um ſo größer, je geringer
die Kenntnis des Zeitungsleſers von Weſen und
Aufgabe der Seitung iſt. Die Maſſe derienigen,
die noch heute alles, was gedruckt iſt, für richtig
und lautere Wahrheit halten, iſt viel größer, als
man gemeinhin denkt, und daran ändern auch die
mehr oder weniger guten Witze über Zeitungsenten
nichts. Nun iſt aber naturgemäß der geſamte
In=
halt einer Seitung keineswegs unbedingt objektiv
richtig, ſondern überall da, wo ein Kommentar zu
den Ereigniſſen gegeben wird — und eine gute
Seitung darf und kann ſich nicht nur auf die
allei=
nige Wiedergabe des reinen Catſachenmaterials
beſchränken — werden ſelbſtverſtändlich
ſudjek=
tive Auffaſſungen des Schriftleiters oder eines
Mitarbeiters der Zeitung zum Ausdruck
ge=
bracht, die, wie alles Menſchliche, Irrtümern
unterworfen ſind. Schon aus dieſer grundſätzlichen
Seſtſtellung ergibt ſich die Aufgabe der Seitung,
d. h. ihrer geiſtigen Leitung. Die erſte Aufgabe
einer gut redigierten Seitung beſteht darin, dem
Seitungsleſer durch ein möglichſt lückenloſes
Nach=
richtenmaterial die Möglichkeit zu geben, ſich
ſelbſt ein Bild vom Geſchehen des Cages und
ſeiner Bedeutung zu machen. Dieſes
Catſachen-
material aber ſollte nicht gefärdt ſein. Da jedoch
ſchon ein Weglaſſen — dei der Fülle des Stoffes
iſt eine ſorgfältige Ausleſe zwingendes Erfordernis
— unter Umſtänden eine Färdung dedeuten kann,
liegt bier eine der verantwortungsvollſten
Auf=
gaben des Schriftleiters, denn der Leſer muß m
„leiner” Zeitung das Vertrauen haben können,
daß ſie ihm die Möglichkeit einer eigenen richtigen
Urteilsbildung gewäbrleiſtet. Das liegt nicht nur
im Intereſſe des Staates, im Intereſſe der
Negie=
rung, die beſonders bei einer demokratiſchen
Staatsform unbedingt die Neſonanz im Volke
braucht, ſondern es liegt ebenſo im Intereſſe der
Geitung ſelbſt. Nur wenn der Zeitungsleſer ſich
aus dem ihm gebotenen Nachrichtenmaterial ein
eigenes Urteil zu bilden vermag, werden die Ceile
der Zeitung, in denen die Meinung der
Schrift=
leitung zum Ausdruck kommt, wird z. B.
der Leitartikel mit dem Intereſſe und dem
Ver=
ſtändnis geleſen werden, das allein die ſtändige
geiſtige Verbindung zwiſchen Schriftleitung und
Leſerſchaft aufrecht erhält, auf die jede Zeitung
allergrößten Wert legen muß. Das iſt natürlich
nicht ſo zu verſtehen, daß Seitung und Leſer ſtets
einer Meinung ſein müßten. Man muß ſich nur
einmal die Ausdehnung des Leſerkreiſes einer
gro=
ßen Zeitung vorſtellen, um alsbald die
Ausſichts=
loſigkeit zu erkennen, ſo viele Sehntauſende von
Köpfen unter einen Hut zu bringen. Wenn eine
Seitung die Meinung der Schriftleitung zum
Aus=
druck bringt, ſo geſchieht das nicht, um dem Leſer dieſe Meinung
aufzuzwingen, ſondern lediglich zu dem Swecke, Wegweiſer zu
ſein, Anreger zu eigener Meinungsbildung.
Die Seitung unterliegt ſteis der öffentlichen Kritik. Eine
ſachliche Kritik, die ſich nicht nur auf ein paar anonyme, ſich in
mehr oder weniger parlamentariſchen Ausdrücken bewegende
Seilen beſchränkt, wird jede Schriftleitung nur begrüßen müſſen.
Man könnte faſt ſagen, daß das Maß, in dem eine ſolche Kritik,
ein ſolcher Meinungsaustauſch zwiſchen Leſer und Schriftleitung
ausgeübt wird, der Gradmeſſer iſt für die Seſtigkeit, mit der die
Seitung in ihrer Leſerſchaft wurzelt. Man unterzieht ſich der
Mühe einer Kritik im allgemeinen doch nur dann, wenn man
an dem Gegenſtand dieſer Kritik intereſſiert iſt, d. h. in unſerm
Sall, man wird ſich als Leſer zu der Stellungnahme einer
Sei=
tung doch nur dann äußern, wenn man die Seitung ſchätzt, wenn
man auf das Urteil der Zeitung Wert legt. Vermag eine
Schriftleitung ihre Leſer dergeſtalt zu ſachlicher Kritik
an=
zuregen — Kritik braucht ja keineswegs immer nur
ab=
lehnend zu ſein —, ſo wird daraus für beide Ceile, Leſerſchaft
und Schriftleitung, eine Fülle gegenſeitiger Anregung ſtandig
erwachſen. Aus allem ergibt ſich mit zwingender
Nof=
wendigkeit, daß eine gute Seitung bei aller Objektivität
der Berichterſtattung eine eigene Meinung klar und ſachlich
zum Ausdruk bringen muß. Das gilt nicht nur von
Sei=
tungen, die ein Organ beſtimmter politiſcher Parteien oder
irgendwelcher wirtſchaftlicher Intereſſengruppen ſind, ſondern
insbeſondere auch von unabhängigen Seitungen, die nach keiner
Seite hin irgendwie gebunden ſind.
Parteilos heißt nicht meinungslos, heißt nicht kritiklos.
Es hat in früheren Seiten in Deutſchland Seitungen gegeben, die
grundſätzlich eigene Meinungsäußerungen vermieden. In dem
Maße, in dem die öffentliche Meinung, und damit auch ihr
Organ, die Preſſe, infolge der Entwicklung der Dinge an Be=
deutung für unſer ſtaatliches Leben gewann, iſt man auch bei
dieſen parteiloſen Seitungen aus den oben angedeuteten Gründen
dazu übergegangen, die eigene Meinung ſtets zum Ausdruck zu
dringen. Wenn man, wie ich, die ehrenvolle Aufgabe hat, eine
parteiloſe Zeitung in dieſem Sinne redaktionell zu leiten, ſo
be-
gegnet man häufig der Auffaſſung, daß die Seitung mit der
Außerung der eigenen Meinung die Unparteilichkeit aufgäbe, und
zwar begegnet man verſtändlicherweiſe dieſer Auffaſſung ſtets bei
den Kreiſen, die jeweils mit der Meinung der Seitung nicht
übet-
einſtimmen. Daß dieſe Auffaſſung nicht richtig iſt, liegt doch
wohl auf der Hand. Es ſei wiederholt: Parteilos iſt nicht
gleich=
bedeutend mit kritiklos. Ihre Parteiloſigkeit gibt eine Zeitung
erſt dann auf, wenn ſie mit ihrer eigenen Meinung
zurück=
hält, um anſtatt deſſen die Meinung irgend einer Partei
oder einer Intereſſengruppe zum Ausdruck zu bringen.
Partei=
los iſt eine Seitung ſo lange, als ihre Schriftleitung frei iſt, ſich
vor ihrem eigenen Gewiſſen frei fühlt von jeglicher Bindung, und
nur nach der eigenen Überzeugung rein ſachlich urteilt auf Grund
einer umfaſſenden Kenntnis des Seitgeſchehens und ſeiner
Su=
ſammenhänge. Parteilos iſt eine Seitung, ſo lange ſie dieſe ihre
Uberzeugung — ohne natürlich zu glauben, daß ſie allein den
„echten Ning” beſitzt — freimütig zum Ausdruck bringt, auch auf
die Gefahr hin, heute bei dieſer und morgen bei jener Partei auf
lebhaften Widerſpruch zu ſtoßen.
Das alles gilt natürlich nicht nur von den rein politiſchen,
nicht nur von den wirtſchaftlichen Dingen, ſondern in mindeſtens
dem gleichen Maße auch von den Fragen unſerer kulturellen
Ent=
wicklung. Man hat die Seitung ein Kulturdokument genannt.
Das iſt richtig inſofern, als ſich in einer guten Zeitung der
jewei=
lige Kulturſtand eines Volkes widerſpiegelt und widerſpiegeln
muß, nicht nur dadurch, daß ſie zu den kulturellen Problemen
Stellung nimmt, ſondern auch durch die Art, wie dies geſchieht.
Die Seitung iſt nichts Abſolutes, im freien Naum Schwebendes,
ſondern ſie muß feſtſtehen auf dem Boden des eigenen
Volks=
tums. Sie muß verſuchen, ſtets den Pulsſchlag der Seit zu fühlen,
ſie muß unabläſſig bemüht ſein, nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen
mitzuarbeiten zum Wohle der Geſamtheit. Wenn ich heute, wo
wir des 190jährigen Beſtehens des Darmſtädter Cagblatts
ge=
denken, für die geſamte Schriftleitung zu unſeren Leſern ſprechen
darf, ſo darf ich das in dem Bewußtſein tun, daß das
Darm-
ſtädter Cagblatt nicht nur eine der älteſten deutſchen Zeitungen
ſt, ſondern auch wie vielleicht wenige feſtwurzelt in ſeinem
Heimatland und ſeiner Bevölkerung. Alte Überlieferung
ver=
pflichtet. Sie verpflichtet zu raſtloſem Streben, das Erbe
ver=
gangener Seiten zu wahren und zu mehren, und ſo wird auch das
Darmſtädter Cagblatt in Sukunft bemüht ſein, die
vertrauens-
vollen Beziehungen zu ſeiner Leſerſchaft, zur heſſiſchen Heimat,
aufrecht zu erhalten und, wo möglich, noch enger zu geſtalten in
der Hoffnung und der Überzeugung, dadurch mitzuarbeiten am
Wohle unſeres ganzen deutſchen Vaterlandes.
Teas Darmſtadt
mir oedeuret.
Von Graf Hermann Kegſerling.
Je länger ich hier lebe, deſto weniger wundere ich mich, wenn
es dem „Darmſtädter Cagblatt” von einer bekannten
Perſön=
lichkeit nach der anderen nachzuweiſen gelingt, daß ſie, ſo oder
anders, irgend einmal mit Darmſtadt in Beziehung ſtand. Es iſt
ſchon eine „ſonderliche” Stadt.
Was einen Menſchen weſentlich mit einem Ort verknüpft.
iſt immer etwas durchaus Subjektives. So will ich denn von
allen ſachlichen Erwägungen abſehen, und ganz einfach ſagen,
worin für mich der Neiz und die Bedeutung Darmſtadts liegt,
warum ich hier von Jahr zu Jahr lieber hauſe.
Im Jahre 1920 zog ich her. Meine ganze
bis=
herige Lebensbaſis, mein geſamtes Vermogen hatte
ich verloren. Ich mußte vollkommen neu anfangen.
Uber die Einzelheiten der ſeltſamen Fügung, die
dem Großherzog Ernſt Ludwig die Initiative
ein=
gab, mich hierher zu ziehen, leſe man die
auto=
biographiſche Einleitung meiner „Menſchen als
Sinnbilder” nach. Wer an das Blut als Schickſal
glaubt, mag der Catſache nachgrübeln, daß mein
einer Urgroßvater väterlicherſeits, der Begründer
des ruſſiſchen Sinanzweſens, Graf Georg Cancrin,
ein geborener Heſſe war — vielleicht drängte es
mich auch blutmäßig hierher, nachdem mir meine
Wurzeln in der baltiſchen Heimat durch die dortige
Agrarrevolution abgeſchnitten worden waren,
Doch, wie dem auch ſei: ich fühlte, daß ich dem
Nuf nach Darmſtadt Folge leiſten mußte.
Wen ſchon aller Anfang ſchwer iſt, ſo iſt es
erſt recht aller Neuanfang. Zumal, wenn er einen
Bruch mit vierzigjährigen Lebensgewohnheiten
be=
deutet und die Lebensbaſis an ſich — in meinem
Salle die Schule der Weisheit — jeder
traditio=
nellen Rückverſicherung entbehrt. Doch, ſo gut es
überhaupt gehen konnte, ging es. In erſter Linie
natürlich dank den Freunden und Förderern meines
Werkes, unter denen ich an erſter Stelle des
Groß=
herzogspaares, des Grafen Hardenberg, Dr. W.
Wilbrands und des Verlages Otto Neichl gedenke.
Aber es waren nicht nur einzelne Verſtehende, die
mir Darmſtadt zur neuen, lieben Heimat machen:
es war die Stadt lelbſt, ihr
belon=
derer Genius loci.
Damit gelange ich denn zu meinem eigentlichen
Chema. Menſchen meiner Artung verlangen von
ihrer Umwelt anderes als andere. Sie ſind
weſentlich einſam. Die banale Seite des Lebens
ihrem Bewußtſein möglichſt fernzuhalten, iſt ihnen
Notwendigkeit. Sie „verkehren” nicht. So hängt
für ſie das Wohlbefinden in einer Stadt ganz davon
ab, ob die neutrale Umgebung diskret iſt oder nicht.
Wenn die meiſten ſchöpferiſchen Menſchen Paris
lieben, ſo liegt dies eben däran, daß ſie in keiner
Stadt der Welt ſo einſam ſein können — einſam,
ohne ſich dabei verlaſſen zu fühlen. Denn ſie fühlen
ſich umgeben von Menſchen, die zur
Abgeſchloſſen=
heit des Einzelnen ein verſtehend=poſitives
Ver=
halten haben. Nun, eben dies charakteriſiert für
mich die Atmoſphäre Darmſtadts. Und eben die
iſt ſicherlich der Grund, warum ſo viele Schaffende
ſo gern in Darmſtadt lebten. Nachdem ich meinen
eſtländiſchen Beſitz verloren hatte, wo ich mich
ſchon beläſtigt vorkam, wenn mich mehr als fünf
Menſchen im Jahre beſuchten, es ſei denn zu geiſtigem
Sweck, da erwartete ich Schlimmſtes von der
Not=
wendigkeit, fortan in einer kleinen Stadt zu leben.
Doch ſiehe da: hier kann ich beinahe ebenſo
weiter=
exiſtieren wie im verlorenen Nayküll. Nicht nur ſind
endloſe Wälder beinahe ebenſo nahe: hier erfreue
ich mich der gleichen Form der Abgeſchiedenheit.
Mich dünkt: ein höheres Lob in
kulturel=
lem Sinn iſt einer Stadt vom Standpunkt eines
Schaffenden überhaupt nicht zu ſpenden. Ich kenne
hier ja ſo viele liebe Menſchen. Begegnen wir einander,
ſo ſind wir uns herzlich freund. Und gilt es gemeinſames
Werk, dann arbeiten wir aufs innigſte zuſammen. Aber
nie noch ward ich in Darmſtadt geſtört. Nie traten an
mich Anſprüche heran, die ich aus Selbſterhaltung hätte
abweiſen müſſen. Darin liegt höchſter Cakt. Der iſt hier:
der Ausdruck uralter Cradition. Es mag ſein, daß Dieburg 1
zur Seit des Mithras=Kultes mehr bedeutet hat, als
Darm=
ſtadt: Kultur gab es in dieſer Gegend ſchon ſeit Vömertagen.=
In den letzten Jahrhunderten ſchufen die Samilienbeziehungen des
Hofes der Darmſtädter Cradition einen europäiſch -weiten!
Hintergrund, den keine andere deutſche Kleinſtadt hat.
Jebl=
aber geht es auf neue Weiſe im alten Sinne weiter. So iſt e8
denn kein Wunder, daß ich den führenden Franzoſen, die mir imd
vergangenen Frühjahr nahelegten, die Schule der Weisheit doc‟
nach Paris zu verlegen, erwiderte: Ihr Vorſchlag bedeutet
für-
mich eine hohe Ehre; aber . . . . kennen Sie Darmſtadt?
Meine Leſer mögen ſich wundern, daß ich die Hauptkulture
bedeutung Darmſtadts darin ſehe, daß dieſe Stadt die
Einſam-
keit des Einzelnen ehrt. Aber es gibt tatſächlich kein höheres
Lob für eine Stadt als Ganzes. Gewiß wird einem auch in Darm— viel „geboten”. Doch „geboten” wird in Großſtädten noch
mehr. Dieſe nun aber können gerade das nicht ſchaffen und er—
halten, was das wichtigſte iſt für alle Volkskultur: die rechle
Atmoſphäre für inneres Wachstum, für ungeſtörtes Schaffen.
Deshalb erwarte ich perſönlich mehr als jemals früher vol.
Deutſchlands kleinen Städten. Die Großſtädte ſind gleichſam!
die dlearing-houses; dort wird der Weltkrieg liquidiert. Den
Neuaufbau beginnt von kleinen Keimzellen aus. Unter dieſer
nun halte ich Darmſtadt für eine der zukunftreichſten. Dieſe
Stadt hat eine beſonders alte Cradition. Dieſe ward auch durc2
den Umſturz nicht wirklich unterbrochen. Und ſie beſteht in
den-
einen, was vom Kulturſtandpunkt überall am meiſten
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Nummer 32
Olenstag, den 1. Februar 1927
Seite 7
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7
19.
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Dienstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
Volkskunſt, Stilkunſt und olkstunde
Von Dr. Ernſt Zeh
Fachwerkwand von Langgöns (Oberheſſen) vom Jahr 1834 im Landesmuſeum Darmſtadt
ie Volkskunſt wurde nicht ſo ſehr von der Kunſtgeſchichte
4)der wiſſenſchaftlichen Behandlung zugeführt als von der
Z
Volkskunde. Daß es überhaupt eine ſog. Volkskunſt gibt,
entdeckte man erſt in den letzten Jahrzehnten. Die offizielle
Kunſt=
geſchichte überſah jene Werke „vollswüchſiger Bildnerei”, die wir
im Gegenſatz zur ſogenannten Stilkunſt Volkskunſt nennen. Mit
dem Begriff „Stilkunſt” faſſen wir die in der Regel durch
indi=
viduelle, wenn auch nicht immer genannte
Künſtlerperſönlich=
keiten vertretene, durch eine eindeutige Formenſprache
ausge=
zeichnete und ſo zeitlich ſtets beſtimmbare Kunſtübung zuſammen,
wie man ſie in die Stilperioden Antike, Romanik, Gotik,
Renaiſ=
ſance, Barock, Rokoko, Empire, Biedermeier gegliedert hat. Nur
die zeitlich beſtimmbaren höchſten Leiſtungen dieſer Stile wertete
man als allein geeignete Objekte der Kunſtforſchung aus. Was
aber Conze ſchon von Springer ſagte, er fange das
kunſtgeſchicht=
liche Lehrgebäude bei der Bel=Erage an, das gilt noch für den
Forſchunsbereich der Kunſtgeſchichte von heute. Denn die
Denk=
mäler der Volkskunſt ſind noch keineswegs allgemein anerkannte
oder gar willkommene Objekte der kunſtgeſchichtlichen Forſchung.
Aber die Kunſtgeſchichte kann und darf nicht mehr darauf
ver=
zichten, von ihrem Forſchungsgebiet die Volkskunſt
auszuſchlie=
ßen in der vorgefaßten irrigen Meinung, es handle ſich hier ja
doch nur um unſelbſtändiges Geſtalten, um verwäſſerte und
ver=
bauerte Reproduktion der Stilkunſt. d. h. um eine nur ſcheinbare
Kunſtübung, die lediglich von den Almoſen der höheren Stilkunſt
zehrt und lebt. Dieſer der Erforſchung der Volkskunſt
ſei=
tens der Kunſtgeſchichte ſo ſehr im Wege ſtehende Standpunkt iſt
unhaltbar geworden, muß aufgegeben werden. Die
Kunſt=
geſchichte muß nun auch dem Vorbild der Literaturgeſchichte
fol=
gen, die ſchon längſt Mundart und Volksdichtung als geſchätzte
Erweiterung ihres Forſchungsgebietes auswertet. Volkskunſt iſt
mehr als nur bloße die Stilkunſt verſchleppende Bauernkunſt,
und ihr beſonderer Charakter kann keineswegs mit der
enwwer=
tenden Formel „geſunkenes Kulturgut” umſchrieben werden.
Mit noch mehr Berechtigung könnte man die Gegenfrage ſtellen,
wieviel die Herrenkunſt, die Stilkunſt, der Volkskunſt zu
verdan=
ken hat. Nur ein Beiſpiel! So iſt die Spitze, dieſes in der
höch=
ſten europäiſchen Geſellſchaftsſchicht beſonders geſchätzte textile
Erzeugnis, aus der dalmatiniſchen Volkskunſt hervorgegangen.
Was die abgearbeiteten Hände einfachſter Bauernfrauen in der
weltfernen Einſamkeit der Steinhalden dalmatiniſcher Berge an
märchenhaften Wunderwerken der Spitzenkunſt geſchaffen haben,
ohne Vorzeichnung, mit ſelbſtgemachtem Material, ſtatt der
Na=
deln oft nur Dornen zum Feſthalten der Fäden benützend, das
kann ſich an letzter techniſcher und künſtleriſcher Vollendung mit
jedem Erzeugnis der ſogenannten Stilkunſt meſſen. Geſunkenes
Kulturgut?? „klomo kaber!‟ Der Menſch iſt von Natur aus
Geſtalter, Handwerker, Künſtler.
Der Begriff „Volkskunſt” iſt in den letzten Jahren durch
un=
taugliche und meiſt von unberufenen Unternehmern gemachte
Verſuche, die Volkskunſt wieder zu „beleben”, um daraus ein
Modegeſchäft zu machen, in Verruf gebracht worden. Man
brauchte ſich nur die auf den letzten deutſchen Handelsmeſſen
ge=
ſchloſſen auftretende ruſſiſche Volkskunſtausſtellung auf ihre
wirk=
lich volkskünſtleriſchen Leiſtungen hin einmal anzuſehen, um gar
bald zu dem Ergebnis zu kommen, daß man es mit einer für den
Allerweltsgeſchmack zurecht gemachten Produktion zu tun hatte,
aber nicht mit naturhaft gewachſener Volkskunſt. Ueber die
Wert=
loſigkeit ſolcher verheerenden „Volkskunſtpflege” braucht man kein
Wort zu verlieren. Aber es gilt deſto mehr, den durch ſolche
Machenſchaften ausgelaugten Begriff „Volkskunſt” wieder mit
einem lebendigen Inhalt zu füllen.
Die hohe, ja einzigartige Bedeutung volkskünſtleriſcher
Er=
zeugniſſe für die Kunſt= und Kulturgeſchichte möge ein einziger
an ſich unſcheinbarer Fund der deutſchen Turfanexpedition
blitz=
artig beleuchten. In der Oaſe von Turfan (Zentralaſien) fand
man u. a. auch ein Tüchlein mit verſchiedenen geometriſchen
Slickmuſtern, das wie die anderen großartigen Funde dieſes
Ge=
bietes, der Zeit um 850 n. Chr. angehören dürſte. Der nur auf
hohe Kunſt Achtende wird an einem ſolchen „Fetzen” vorbeiſehen,
der Voliskunſtforſcher aber in ſolchem unſcheinbaren, mit
primi=
tiven ſplektogenen) Ornamenten beſtickten Gewebe das älteſte
uns bis jetzt belannte Beiſpiel der beſonders im 18.
Jahrhun=
dert blühenden Gattung „Stickmuſtertücher” erkennen und hoch
einſchätzen. Denn die wiſſenſchaftliche Auswertung dieſes
Fun=
des, ſowohl nach der technolegiſchen als auch kunſtgeſchichtlichen
Seite, wie ſie A. Haberlandt als glänzendes vorbildliches Beiſpiel
Forſchen wir ernſthaft dem Urſprung der Volkskunſt nach, ſo tümliches Kunſtgut mit in ihre neue griechiſche Heimat brachten
Romaniſierender heſ iſcher Leuchter. 18. Jahrlundert
griechiſchen Vaſen des ſog. geometriſchen Stils aus dem 9. und
etwa der Anſang der Kunſt der ſeßhaft gewordenen doriſchen
Unterſtrom neben der höfiſchen kretiſch=mykeniſchen Kultur als
volkskünſtleriſcher Forſchung gegeben hat, eröffnet ein von der bäuerliche Kunſtübung einherging und „nach dem
Zuſammen=
frühen Volkskunſt Oſteuropas über Turkeſtan bis zu den Shan bruch der alten Herrſchergeſchlechter und der ganzen ägäiſchen
(zw. Jravadi=Mekong) und zu den Katſchin (Hinterindien) Kultur wieder auſtauchte, um die erſte Führung in der ſich neu
reichendes Blickfeld kunſt= und kulturgeſchichtlicher Beziehungen, geſtaltenden Griechenwelt zu übernehmen”. Nach der anderen
ein noch gar nicht ausgewertetes Forſchungsergebnis, das ſich Auffaſſung (Furwängler, Loeſchke) aber ſind die geometriſchen
an wiſſenſchaftlichem Rang meſſen kann mit jeder Ausdeutungs= Muſter dieſer frühgriechiſchen Vaſen eine Uebertragung von
möglichkeit von Funden auf dem Boden der antiken Kultur. Webornamenien, welche die nordiſchen Einavanderer Als
volls=
machen wir überhaupt die grundlegende Enideckung, daß die bil= Welche Auffaſſung nun auch die richtige iſt, in beiden Fällen
haben wir es mit Volkskunſt zu tun. Vielleicht wird uns
hier=
über das Werk über griechiſche Volkskunſt, das A. Hagimihali
vorbereitet, endgültige Klarheit und noch tieſere Einſicht in das
Weſen der griechiſchen Volkskunſt bringen. Auch die
frühchriſt=
liche Freskenmalerei, meiſt von Freigelaſſenen und Sllaven
aus=
geführt, war eine Art Volkskunſt neben der römiſchen Hoſ= und
Luxuskunſt. — Ja, die nordiſch=mittelalterliche, byzantiniſche und
orientaliſche Kunſt haben eine gemeinſame volkskünſtleriſche
Unterſchicht, deren Zuſammenhänge aufzuhellen wohl eine der
vornehmſten Aufgaben einer fortgeſchrittenen Volkskunſtforſchung
werden dürfte.
Erſt wenn die Kunſtgeſchichte die Denkmäler der Vorgeſchichte
und die in ihr wurzelnde und heute in manchen Gebieten noch
nicht abgeſtorbene primäre Volkskunſt einbezieht, wenn ſie nicht
willtürlich die zeitlichen und lokalen Grenzen abſteckt, d. h. nur
ein Teilgebiet des künſtleriſchen Schaffens berückſichtigt, wenn ſie
vielmehr vorgeſchichtliche und volkskünſtleriſche Kunſtübung als
den Mutterſchoß, als die Vorausſetzung der hohen Stilkunſt
au=
erkennt und andererſeits die Rückhwirkung dieſer Stilkunſt auf
die gleichzeitige Volkskunſt als einen beſonderen ſchöpferiſchen
Akt künſtleriſcher Metamorphoſe würdigt, wenn ſie ohne klaſſ zie
ſtiſche Bevormundung und Engherzigkeit alle Stufen des
Wachs=
tums der Kunſtenwicklung klar durchſchaut und erforſcht, wird
ſie ſich zur wahren Wiſſenſchaft erheben, zu allgemeingültigen
be=
grifflichen Feſtſtellungen, zur Erkenntnis der künſtleriſchen
Phö=
nomene vordringen. Jeder ernſthafte Kunſtforſcher, den es über
bloße, gewiß zuerſt notwendige Inventariſation der Denkmäler
hinaus zur Erfaſſung des lebendigen univerſalen
Zuſammen=
hangs aller bildlünſtleriſchen Aeußerungen und ihrer
Grund=
geſetze drängt, ſteht heute im ſchwerſten Ringen um den Aufbau
einer noch fehlenden wiſſenſchaftlichen Prinzipienlehre, die der
Geſamtheit des künſtleriſchen Lebens gerecht wird. Mögen
auch vorgeſchichtliche und volkskünſtleriſche Forſchung nicht
un=
ſere letzten äſthetiſchen Erwarjungen befriedigen, wie die
Denl=
mäler der Stilkunſt, obwohl ſolcher Standpunkt ein
unwiſſen=
ſchaftlicher, weil ſubjektiver iſt, ſo ſei in dieſem Zuſammenhang
doch an ein Wort Schnaaſes, des Pioniers kunſtgeſchichtlicher
Forſchung, erinnert: „Um den Tag zu verſtehen, müſſen wir aus
der Nacht durch die Dämmerung ſchreiten.”
Die Anzeichen, daß die Volkskunſt ſchon in abſehbarer Zeit
aus ihrer Pariarolle, die ſie bis jetzt in der Kunſtgeſchichte
ge=
ſpielt hat, erlöſt werden wird, ſind unverkennbar. Zunächſt ſei
auf das kurz noch vor Jahresſchluß 1926 im Verlag E. Wasmuth
(Berlin) erſchienene monumentale Werk „H. Th. Boſſert,
Volls=
kunſt in Europa”, die erſte vergleichende Zuſammenſtellung der
Volkskunſtdenkmäler Europas hingewieſen Sozufagen ein
Zentralmuſeum europäiſcher Volkskunſt in Bildern”, eine
Ver=
öffentlichung, die durch die überwältigende Fülle des geſamten
Materials die Rieſenaufgabe ahnen läßt, die der Wiſſenſchaft
in der vergleichenden Erforſchung der Volkskunſt erwachſen wird.
Auf 132 zumeiſt faubigen Tafeln von vollendeter Druckqualität
wurden 2100 verſchiedene Gegenſtände und Motive aus den
füh=
renden Volkskunſtmuſeen Europas zuſammengetragen.
Abge=
ſehen von den deutſchen Sammlungen ſind folgende außerdeutſche
Muſeen mit volkskünſtleriſchen Denkmälern vertreten:
Norwe=
giſches Volksmuſeum auf Bygdö bei Oslo, Nordiſches Muſeum
Stockholm, Freilichtmuſeum Lyngby. Däniſches Vollsmuſeun
Kopenhagen, Finniſches Nationalmuſeum Helſingfors, Schweie
Aus den Sammlungen für deutſche Dolkskunde, Berlin, zeriſches Landesmuſeum Zürich, Kunſtgewerbemuſeum St. Gallen,
Völkerkundemuſeum Baſel, die Muſeen Londons. Nationale
muſeum Dublin, Muſeum für Folklore Antwerpen, Muſée du
denden Künſte aller Hochkulturen, auch der antiken Kultur, aus Cinquantenaire Brüſſel, Trocadero Paris, Baskiſches Muſeum
der Quelle der Volfskunſt geſchöpft haben. So ſind z. B. die San Sebaſtian, Nationalmuſeum Madrid, Muſeum Belem,
Kunſtgewerbemuſeum Rom, Ethnographiſches Muſeum Tivoli=
8. vorchriſtlichen Jahrhundert nach der einen Auffaſſung nicht Sizilianiſches Muſeum Palermo, Kunſtgewerbemuſeum Athen,
Ethnographiſches Nuſeum Zagieb, Landesmuſeum Sergjewo,
Vanderer, ſondern einheimiſche Volks= und Bauernkunſt, die im die Muſeen von P ag, Warſchau und verſchiedene hervorragend=
Privatſammlungen. Solche etwas lexikaliſche Aufzählung möge
Nummer 32
Oen Reichtum dieſes Werkes ſprechen. Wie hinfüllig iſt doch
geſichts dieſer geradezu verwirrenden Fülle volkskünſtleriſchen
kſtaltens, wie ſie in dieſem Werk von Boſſert ausgebreitet wird,
be Behauptung, Volkskunſt ſei gleichförmig, umperſönlich,
phan=
ſicklos, geſunkenes Kulturgut und deshalb der Hingabe ernſter
ſe chung gar nicht wert. Der Herausgeber dieſer Pionierarbeit,
mit dazu beitragen wird, den in Verruf gekommenen Begriff
Yelkskunſt” wieder zu Ehren zu bringen, hat bereits in dem
Bahre 1924 im gleichen Verlag und in gleicher muſtergültiger
Arge erſchienenen „Ornamentwerk” auch eine ſtattliche Reihe
m Volkskanſtdenkmälern aufgenomen. Und doch bekennt er,
½ mit dieſen zwei Follobänden die bildliche Inventariſation
hi8künſtleriſcher Gegenſtände noch keineswegs abgeſchloſſen ſei.
74 fſtellen denn Autor und Verlag noch einen zweiten Band
Harstunſt in Europa” in Ausſicht. Vielleicht dürfen wir dann
iten, daß ſich auch der begleitende Text
Hirer zu einem erſten Verſuch einer
ver=
ſechenden Darſtellung der gegenſeitigen
Iz-ehungen der europäiſchen Volkshuuft,
In zunächſt das Wort „Geſchichte” wegen
ſu mur in ſeltenen Fällen ſicheren zeitlichen
Mifimmbarkeit der Werke der Volkskunſt
wermeiden. Vorläufig ſei aber dieſer
Hü Band „Europäiſche Volkskunſt” mit
ireer wertvollen Liſte ſeltener datierter
Mcke, dem willkommenen Sachregiſter und
Iirer volkskünſtleriſchen Bibliographie eine
(uForderung an die Vertreter der
deut=
ſten Kunſtgeſchichte, zunächſt einmal im
44.
zmen Lande nach Denkmälern unſerer
bſu ſchen Volkskunſt Umſchau zu halten.
eirhskunſtwart Dr. Redslob hat neben
ſe=us Brinckmann, dem Gründer des
Urmburger Muſeums für Kunſt und Ge=
Leube, unter den deurſchen Kunſtforſchern
ſtt als einer der erſten die Bedeutung der
orkskunft als der lauterſten, aber dem
IeMiegen nahen Quelle für unſer deutſches
oxstum erkannt. Dank ſeiner Anregung
w nun die deutſche Vollskunſt nach
ſürimheitlichen Gebieten in zunächſt
zu=
mmenfaſſenden monographiſchen Quer=
Ihyitten behandelt. Im Delphin=Verlag
ſtoienen bis jetzt in kurzer Zeit acht
ände über die volkstümliche Bildnerei
Nerſachſens, der Mark Brandenburg, der
hi inlande, Schwabens, Bayerns, des
ann=fränkiſchen Gebietes, der Thüringer
al de und Schleſiens. und daß unſer
ſeochskunſtwart nicht bloß Anreger,
ſon=
un auch freudiger Mitarbeiter iſt, ſei
be=
nicers hervorgehoben. So iſt der Band
Tſüringen” ſelbſt von Redslob verſaßt.
mie wir ſpüren in jedem Satz dieſes Ban=
14 innere Nötigung, echte Liebe zum
deut=
de Volkstum, gepaart mit einer
unent=
bürlichen fachwiſſenſchaftlichen Einſicht.
ſrr Redslob verfolgt nicht allein ein
üiß enſchaftliches Ziel, ſo ſehr auch durch
ſe Reihe dieſer Volkskunſtbücher die
ürundlage zur Tiefenforſchung gelegt
ſiwd. Es geht um mehr. Wenn W. H.
Rehl in ſeinem aufrüttelnden Vortrag
Dee Volkskunde als Wiſſenſchaft” (1858) noch darüber klagt, Volkskunft, das „Wie” ihrer Fomenſprache zu erkennen. Welche
45, „kaum einer die Erkenntnis des Volkslebens zum bewegen= poſitiven künſtleriſchen Werte ſind ihr eigen, müſſen ihr ſelbft
n. Mittelpunkt ſeines Schaffens mache”, ſo muß feſtgeſtellt dann noch zuerkanni werden, wenn Formenanleihen bei der
Stil=
eilden, daß unſer Reichskunſtwart deutſches Volkstum „als den kunſt feſtſtehen? W. Frenger hat für ſolche Wechſelwirkung ſchon
Fyregenden Mittelpunkt ſeines Schaffens” erkannt hat, ſein das richtige Wort gefunden. (Jahrbuch für hiſtoriſche
Volks=
dhes Amt in der Tat in den Dienſt der Erneuerung deut= kunde, Band II.) Er ſpricht von einer aktiven
Aufnahmefähig=
hm Volkstums ſtellt. Redslob hat noch den ſchöpferiſchen keit der Volkskunſt, von einer aktiven Subſtanzverwandlung
kul=
ſaauben an die deutſche werktätige Hand, deren drohende Ver= turgezüchteter Elemente in volkswüchſige. In dieſer Frage nach
drrung in dem mehr und mehr mechaniſierten Arbeitsbetrieb dem „Wie” ſind auch die beſonderen ſtiliſtiſchen Unterſcheidungs=
7 Gegenwart auch Abſterben unſeres Volkstums bedeuten muß, merkmale gegenüber der Stilkunſt mit eingeſchloſſen. Mit der
mo in dieſer Erkenntnis, die uns tiefer als politiſche Gegenſätze Frage nach dem „Wie” ſtellt ſich aber auch zugleich ein die äußerſt
eſtchäftigen ſollte, bereitet denn auch der Reichskunſtwart für verwickelte und noch reichen Ertrag verheißende Frage nach dem
n1 Jahr 1929 gleichzeitig mit einer „Jahresſchau für deutſche „Woher”. Inwieweit ſtellt Volkskunſt eine primäre künſtleriſche
uhreit” in Dresden eine. Deutſche Volkskunſt=Ausſtellung” vor.
uſ der im „Jahrbuch für hiſtoriſche Volkskunde, II. Band 1926‟
Varlag H. Stubenrauch=Berlin) bereits abgedruckten
Denk=
hüäft ſtellt der Reichskunſtwart bereits ein ſcharfumriſſenes
pogramm auf, für deſſen Vewwirklichung ſich alle deutſchen
ände regen müßten. Von den Leitſätzen heben wir nur zwei
nldieſer Stelle hervor, weil ſie Sinn und Nowwendigkeit volks=
Anfſtleriſcher Forſchungsarbeit und ihrer möglichen lebendigen
huswirkung klar umſchreiben: „So hat man ſchon einmal in den
ſämpfen und Wirrniſſen der Zeit der Freiheitskriege, welche die
Sarte Volkstum und Volkskultur entſtehen ließ und zu Begriffen
ſchwb, auf Sprache, Sage und Dichtung als die alle Deutſchen
m genden Grundelemente hingewieſen und ihren lebendigen
Ket der Geſamtheit bewußt gemacht Heute kann es ſich
ii uns nicht ſo ſehr um Sprache, Volkslied und Märchen
han=
ſelm: bedroht und verrottet iſt der Erbbeſitz des Könnens, iſt die
Ru tterſprache der deutſchen Hand . . . Es geht um brennende
ſuſkunftsfragen unſeres Volkes, das ſeine Eigenart und
Lei=
ungsfähigkeit und ſomit die Verbundenheit aller Stämme
ver=
eit begreift, wenn es die Grundbedingungen ſeiner
Geſtaltungs=
af1 und den über das Zeitliche erhobenen Wert von Brauch und
üike verſteht, wie ſie in der Volkskunſt enthalten ſind‟. Was
ärt abgeriſſene volkskünſtleriſche Ueberlieferung auch
wirtſchaft=
ch. für ein Volk bedeuten kann, läßt ſich ohne weiteres an der
eſmten Textilproduktion Schwedens erweiſen. Geſtützt auf
nſeimiſche Bauernarbeit, hat die textile Heimarbeit in
Schwe=
en heute noch eine Verbreitung wie in keinem anderen Land.
daß eine induſtrielle Tertilkunſt gar nicht aufkommen
emmte. Schweden iſt heute das Land handgefertigter Stoffe
0: volkskünſtleriſcher Qualität. Kommt nun der
Ver=
ay=genheit, Gegenwart und Zukunft unſeres deutſchen
Falkstums in gleich ſtarkem Maße umſchließende Plan des
teh chskunſtwarts zur Durchführung, ſo dürfte die Volkskunſt
pochl endgültig aus ihrer Aſchenbrödelrolle erlöſt werden, die ſie
Iwer Kunſtgeſchichte bis jetzt geſpielt hat. Ja, man hört ſagen,
a): der Völkerbund in Genf ein Muſeum für europäiſche
Volks=
un ſt ins Leben rufen will, man hört ſchon von der Einberufung
imes internationalen Kongreſſes zur Klärung der wohl jeden
ol kskunſtforſcher quälenden zahlloſen Fragen. Denn was jetzt
ſuſ etzen muß, iſt wirkliche Tiefenforſchung. Ausbau einer
aner=
mten Prinzipienlehre iſt dringlichſte Aufgabe.
Hat man es in der Volkskunſt mit wirklichen Kunſtäußerun=
Fü. zu tun, woran niemand mehr zweifeln wird, der nur die
iſten Tafeln des Boſſert’ſchen Werkes durchgeſehen hat, deren
einkmäler ſamt und ſonders über rein techniſche Leiſtungen
mausgehen, und hält man daran feſt, daß im Künſtleriſchen Schloßblech einer Eiſentruhe mit wiederauflebender
M, im Religiöſen ein menſchlicher Grundrrieb, ein aprioriſcher altgermaniſcher Tierromantik. 17. Jahrhundert. Aus
ſeittaltungsdrang über das rein Zweckliche und Biologiſche
maus erkannt iſt, ſo kann und muß das rein Künſtleriſche der „Göbel, Entwicklung des ſüddeutſchen Bürgerhauſes”
ſenkmäler der Volkskunſt nur im Forſchungsgebiet der
Kunſt=
biſſſenſchaft und Kunſtgeſchichte aufgezeigt werden. Mag die
fol=kskunde noch ſo ſehr übergreifende Geſamtwiſſenſchaft ſein, ſie Leiſtung dar, und aus welchen Formenkreiſen ſchöpft die
ſekun=
enmag mit ihren Forſchungsmethoden niemals die künſt= däre Volkskunſt? Ungeahunte Ueberraſchungen dürfte die
Beant=
ei iſche Eigentümlichkeit und Eigengeſetzlichkeit der Volkskunſt wortung dieſer Fragen noch bringen. Die bis in die Urgeſchichte
Weſtimmen. Für die immanente Entwicklung der künſtleriſchen der „Menſchheit zurückreichenden ergologiſchen
Stambaum=
orm ſpielen außerkünſtleriſche kulturelle Faktoren nur eine tabellen, die von L. Rütimeyer für die Schweiz aufgeſtellt wurden,
ſuundäre Rolle, ohne daß wir mit ſolcher prinzipiellen Feſt= müſſen nun auch von der volkskünſtleriſchen Forſchung weitergeführt
ellung die kulturhiſtoriſchen Bedingtheiten irgendwie unberück= werden. Beſtehen doch zwiſchen vorgeſchichtlicher Kunſt und einem
Gtigt laſſen möchten. A. Riegls nur ſcheinbar engbe= nicht geringen Teil neuzeitlichen Volkskunſtgutes noch ganz
Dienstag, den 1. Februar 1927
Geite 11
grenzte Forderung, die Kunſtgeſchichte als Wiſſenſchaft enge Zuſammendänge. Huzulen, Mordwwen md Nordalbanier
Zimte als Form= und Farbgeſtalrungen in der Fläche und in der gleichen Technik, wie es ſchon in der älteren Eiſenzeit
watiſche Bedeurng. A. Haberlandt, einer unſerer beſten Ken= Volkskunſt iſt hochbedeutſam das bis ins 19. Jahrhundert
hinein=
ner öſterreichiſcher Volkskunſt, weiſt mit Recht darauf hin, daß ragende Nachleben einer dem germaniſchen Norden eigentüm=
und Todaustragen, an die Kornpuppen und dergleichen zu erin= zeit zwei Gruppen: Arbeiten aus edlen Metallen in Anlehnung
tehſeen Anſchauung der Denkmäler von ihrer kulrun= ſchätzen germaniſcher Fürſten vertreten ſind, und eine
volrstüm=
zu exakten Forſchungsergebniſſen. Anſätze zu einer Prin= eine „Volkskunſt, die in der romaniſchen Zeit, als die Zeit des
zivienlehre volkskünſtleriſchen Geſtaltens ſind ſchon gemacht. Es Bvzantinismus abgelaufen war, wiederum Früchte trogen
gilt zunächft, die beſonderen künſtleriſchen Ausdruckswerte der ſollte: (O. v. Falke). Erſt eine ernſthafte Volkstunſtforſchung
R
7
44
R
R
Bauernkalender aus Holz. Aus dem Algäu. Um 1800
Aus den „Sammlungen für deutſche Dolkskunde, Berlin”
moge die Dentmäler der bildenden Kunſt in allererſter gießen noch deute ihren Volksſchmuck genau in denſelben Formen
und im Raum ſehen, hat für immer ihre program= geſchah, um nur ein Beiſpiel anzuführen. In unſerer nordiſchen
die lebendigſte Weltanſchauung allein noch kein Kunſtwerk ſchaffe, lichen Kunſtübung, der ſogenannten Tier= und Bandornamentik.
Man braucht nur an die improviſierten Puppen beim Winter= Deutlich ſondern ſich im Kunſtgewerbe der
Völkerwanderungs=
nern. Ohne ſolche rein theoretiſche Trennung einer allein künſt= an die byzantiniſche Hofkunft, wie ſie beſonders in den Gold=
und geiſtesgeſchichtlichen Amoſphäre kommen wir niemals liche Kunſtübung, die phantaſtiſche Tier= und Bandornamentik,
wird im Verein mit der prähiſtoriſchen
Forſchung auch über die Herkunft und
Entſtehung dieſes nordiſchen Ornaments
zu ganz anderen Erkenntniſſen gelangen,
als die einſeitig nur auf die antike
Mittel=
meerkultur eingeſtellte offizielle
Kunft=
geſchichte. Gerade die anitke Kunſt mit
ihrer durchaus herrſchenden ſtädtiſchen
Kultur war ausgeſprochen
volkskunſtfeind=
lich. Der Urſprung der nordiſchen
Tier=
ornamentik muß im Norden ſelbſt geſucht
werden. Die Ableitung von der römiſchen
Spätantike ſtellt ſich immer mehr als
halt=
los und konſtruiert heraus, die wahre
Hei=
mat der altgermaniſchen Ornamentik muß
in jenem rieſigen Nordraum unſerer Erde
geſucht werden, der ſich vom
ſkandina=
viſchen Norden über die Kaſpiſche Senke
hinweg bis zum Jeniſſei (Bronzen von
Minuſſinsk) und bis zum goldreichen
Altgigebirge (Metallarbeiten der
Türd=
völker) imer mehr als ein für den
Nor=
den äußerſt fruchtbares primäres
Volls=
kunſtgebiet zu erkennen gibt.*) Das in
dieſer frühgermaniſchen Volkskunſt ſich
äußernde Vitalgefühl mit ſeinem
elemen=
taren Drang nach irrationaler
Bewegungs=
darſtellung, nicht die Antike mit ihrem auf
die Darſtellung klar abgegrenzter und
ſtatiſch ausgeglichener Körper gerichteten
künſtleriſchen Wollen, war auch die
trei=
bende Kraft in der nordiſchen
mittekalter=
lichen Kunſt. Worringer hat, ohne zu
phantaſieren, von der geheimen Gotik
dieſer durch und durch volkstümlichen
non=
diſchen Ornamentik geſprochen. Kein
Ge=
ringerer als Biſchof Bernward von
Hil=
desheim hat dieſe heidniſch=germaniſche
Volkskunſt, dieſe durchaus im Gegenſatz
zur herrſchenden karolingiſchen=ottoniſchen
Hof= und Kloſterkunſt ſtehende heidniſche
Tier= und Bandornamentik in den Dienſt
der Kirche geſtellt, als er die in ſeinem Grabe
gefundenen Bernwardsleuchter von einem
der Lehrlinge ſeiner Kunſtſchule gießen ließ.
Das war ihiodiske Kunſt in des Wortes
urſprünglichſter Bedeutung, d. h.
volkstüm=
liche Kunſt, gegen die ſich ſchon Bonifatius
als heidniſche, als unchriſtliche wandte, nordiſch=germaniſche
Volls=
himſt, wie ſie uns im Fund des norwegiſchen Oſebergſchiffes (um
800 entſtanden) in höchſter Vollendung entgegentritt. Das war
Volks= und Herrenkunſt zugleich. Wie König Olaf der Heilige im
Kreiſe ſeiner Mannen auf der Schiffswerft mit eigener Hand
einen Kopf für den Vorderſteven ſeines Schiffes ſchnitzte, ſo war
auch die ſtabreimende Dichtung jener Zeit „Beſitz der Nation von
unten bis oben” (Heusler). Nur eines müſſen wir bei ſolcher
Volkskunſt in Betracht ziehen, mag ſie nun Dichtung oder
Ge=
ſtaltung mit werkender Hand ſein, daß es für die Bewertung der
künſtleriſchen Leiſtung wohl Grad=, aber keine Artunterſchiede geben
konnte. Die volkskünſtleriſchen Elemente der mit dem Geiſt dieſer
altnordiſchen Volkskunſt erfüllten mittelalterlichen Kunſt, wie ſie ſich
auch an Möbeln, Textilien, ja auch in der Baukunſt aufzeigen
laſſen — Beziehungen der an mittelalterlichen gotiſchen Kirchen
niſtenden dämoniſchen Ungeheuer zu den Masken der
Volks=
kunſt! — ſind noch gänzlich unbekannt. — Daß nun eine
große Gruppe unſerer Volkskünſtler aus dem
Formen=
ſchatz der Stilkunſt geſchöpft hat, liegt klar auf der
Hand. Aber auch in dieſem Fall hat volkskünſtleriſcher
Geſtaltungsdrang mehr ſchöpferiſche Umformungsenergie und
künſtleriſchen Inſtinkt bewieſen, als alle Vertreter der Stilhetze
des 19. und 20. Jahrhunderis. So hat ein einfacher heſſiſcher
Dorfzimmermeiſter in ſeinen Schnitzereien auf einer ins heſſiſche
Landesmuſeum geretteten Fachwerkwand vom Jahre 1834 (1) die
künſtleriſche Zeugungskraft und den Formenſchatz von mehr als
einem Jahrtauſend zu einem in ſich geſchloſſenen raſſigen
Volks=
kunſtwerk ohne jegliche geiſtloſe Stilnachäfferei, wie ſie unſere
alademiſche Reißbrettkunſt ſo lange beherrſchte, zuſammengefaßt.
Angeſichts ſolcher geradezu erſchütternden Denkmäler unſerer
deutſchen Vollskunſt könnte uns zum Bewußtſein kommen, was
der Begriff „Volk” für das geſunde kulturelle Leben einer Nation
bedeutet. Und ſolche Deukmäler, noch zeugend von mythilſcher
handwerklicher Treue, müßten einen Ehrenplatz in unſerer
deut=
ſchen Kunſtgeſchichte einnehmen. Wenn wir ſo die künſtleriſchen
Elemente der Volkskunft, ihre Fomenpſychologie, ihr Verhältnis
zur Stilkunſt, ſozuſagen ihre Elementarlehre und Syntax, ihre
lokalen Formenwandlungen auf dem Wege wiſſenſchaftlicher
Methodik erkennen wollen, ſo kann uns alſo für ſolche
Feſtſtel=
lungen keine andere Diſziplin der Wiſſenſchaft Führerin ſein als
Kunſtgeſchichte und Kunſtwiſſenſchaft.
Doch wir betreten ſofort einen anderen Boden
wiſſenſchaft=
licher Forſchung, wenn wir nach dem Bildſinn der Dentmäler
der Volkskunſt fragen, nach dem „Warum” ihrer Entſtehung.
Und die Beantwortung dieſer Frage iſt für die vollskünſtleriſche
Forſchung von gleicher Bedeutung wie die Frage nach den rein
künſtleriſchen Merkmalen. Einzig und allein die Volkskunde
ver=
mag unſere dringliche Frage nach dem „Warum” zu beantworten.
Steht doch gerade volkskünſtleriſches Geſtalten noch in engſter
Verbindung mit der in Brauch. Sitte und religiöſen
Vorſtel=
lungen gleichmäßig wurzelnden Gemeinſchaft! Ohne
Berückſich=
tigung und Mithilfe volkskundlicher Forſchung würde uns ein
großer Teil voliskünſtleriſcher Erzeugniſſe, und zwar der
ur=
wüchſigſte und wertvollſte, allein betrachtet auf die Reinheit ſeiner
*) Eine vermittelnde Rolle für den Austuſch mobiler Volkskunſtgüter
in dieſem vom Atlantiſchen Ozean bis China reichenden Rieſengebiet
haben u. a. geſpielt beſonders die Hſiung=nu (wahrſcheinlich die
keines=
wegs kulturarmen Hunnen), die einſt gefährlichen Nachbarn Chinas,
ferner die einſt von den Hſiung=nu in den Jahren 177—157 b. Chr. vom
aſiatiſchen Oſten verdrängten Indo=Skythen, ein indogermaniſches Volk,
das dann bis 350 n. Chr. über Nordweſt=Indien herrſchte, von den
Chin=ſen einſt Yüe =chih genannt. Mit dieſer Verdrängung der Indo=
Scythen von den weſtlichen Randgebieten Chinas wurde wohl zuerſt
jene gewaltige Völkerbewegung im euraſiſchen Gebiet eingeleitet, die ſich
bis nach Europa fortpflanzte und hier zur germaniſchen
Völkerwan=
derung führte, in der auch die Alanen, ein iraniſcher Volksſtamm. von
dem ſich unter dem Namen Oſſeten heute noch Reſte im Kaukaſus finden,
auftreten mit einer von Turleſtan bis Frankreich (die Gegend von
Balence wurde von Alanen beſiedelt), Portugal und Afrika reichenden
Aktionslinie. Von Bedeutung für die nordiſche Velkskunſt ſind ferner
die Wanderzüge der Goten, ſpäter der Wilinger (Waräger) urd der
Kreuzfahrer. Vielleicht dürfte dieſer kurze Hinweis auf ſolche weltweiten
Perſpektiven genügen um von der Volkskunſtforſchung den Verdacht
wiſſenſchaftlich ſich nicht lohnender Kleinkrämerei zu nehmen.
Seite 12
künftleriſchen Werte, tot und ſtumm bleiben. Man braucht nur
zu erinnern an die in der nordiſchen und ruſſiſchen Volkskunſ
ſo beliebten kultiſchen Trinkgefäße in Vogelgeſtalt, deren tieferen
Sinn uns nur vergleichende Vollskunde zu enträtſeln vermag.
Gar nicht auszuſchalten aus dem Bereich volfskünſtleriſcher
For=
ſchung ſind ferner die von der Vollskunde ermittelten
Erkennt=
niſſe der „geſellſchaftsbiologiſchen Aeſtheiik‟. Den altariigen,
vorgeſchichtlichen Charakter der Vollskunſt ſüdflawiſcher Völker
(Slowenen, Kroaten, Serben, Bulgaren) wird man erſt
dann in ſeiner Bedingiheit verſtehen, wenn man von
der Volkskunde erfähri, daß ſich z. B. in manchen
Ge=
genden (Montemgro, Herzegowina) noch bis vor einigen
Jahrzehnten die uralte Geſchlechtsverfaſſung (genz, elan),
die ſogenannte Zadugra, ein Hauskommunismus, erhalten hat,
daß in manchen Gebieten noch Klageweiber die Toten
bewei=
nen, auf den Gräbern noch Leichenſchmäuſe gehalten werden,
daß es im nordweſtlichen Bulgarien noch Erdwohnungen gtbt,
daß man noch mit Einbäumen Flüſſe befährt, Wagen ohne
irgend=
weſche Eiſenbeſtandteile bau: uſw. Nach einem Vortrag
Stand der Volksrunde bei den Südſlawen” von Prof.
M. Murko=Graz.) Gleichzeitig hat ſich aber auch in dieſen
bis noch vor kurzem noch nicht ziviliſatoriſch infizierten
Gebieten eine über vorgeſchichtliche Techniken und Formen noch
weit hinausgehende blühende Volkskunſt entwickelt, die nur aus
einer beſonderen hochkünſtleriſchen Veranlagung der Südſlawen
erklärt werden kann, aber gerade wegen der ethnographiſchen
Reinheit und Abgeſchloſſenheit dieſer Völker ſich nicht zur
Stil=
kunſt entfalten konnte. Ein Eingehen auf die wiſſenſchaftlichen
Fikenntniſſe, die aus ſolchen eihnographiſchen Tatbeſtänden
ge=
wonnen werden könnten, würde den Rahmen dieſes nur
pro=
grammatiſchen Aufſatzes überſchreiten. Die Volkskunde vermag
auch durch Aufzeigen mancher Parallelen auf nicht
kunſtgeſchicht=
lichen: Gebiet die Volkskunſtforſchung zu befruchten und zu
be=
leben. So hat M. Haberlandt in ſeinem groß angelegten Werk
Oeſter reichiſche Volkskuuſt” (1911), der erſten ſtreng
wiſſenſchaft=
lichen vergleichenden Darſtellung, den Vergleich von dem
mund=
artlichen Charakter der Volkskunſt gebraucht. In weiterer
Aus=
deutung dieſes Vergleiches dürfte uns manche wertvolle
ver=
gleichende Feſtſtellung gelingen. Wie ſich in der Mundart durch
das Ohr von Geſchlecht zu Geſchlecht noch ſprachliches Leben des
Mittelalters erhilten hat, Klänge der Sprache Walters von der
Vogelweide und des Nibelungenliedes — man braucht ja bloß
an einige Formen der oſtfränkiſchen Mundart zu erinnern: „Bea”
(nder becke‟ — Bäcker), „Benk” („der benke‟ — Bank), „ich
gibb” („ich gib(e)" — ich gebe), „me(r) ſenn” („wir ſin” — wir
ſind) —, ſo hat ſich ebenſo mittelalierliches Kunſtgut durch das
Auge und die ſchaffende Hand unſerer Volkskünſtler bis in die
Neuzeit hinein erhalten. Es gibt heſſiſche Holzleuchter aus dem
18. Jahrhundert, die mit ihren am Fuß angebrachten Löwen
noch eine frühromaniſche Form beibehalten. Ja, unſer
abgebil=
deies Beiſpiel zeigt ſogar als Bekrönung der Leuchterſtange noch
ein Dreigeſicht, Urälteſtes, das uns ſchon in der heidniſch=galli=
Nummer 32
wohl die Ernte zum größten Teil in die Scheuern gebracht. Ader
die weit mehr als koſtbare Kunſtgegenſtände der Zerſtörung und
Verſchleuderung ausgeſetzten Dentmäler der Vollskunſt hat
man nur gelegentlich und ſo nebenbei eines Blickes und
wiſſen=
ſchaftlicher muſealer Pflege gewürdigt. Hier harren noch leere
Scheuern der Ernte. Aber in vielen Gebieten Deutſchlands dürſte
ſolche Ernte nur noch einem kümmerlichen Nachleſen verſtreuter
Aehren auf einem Stoppelfeld gleichen. Die Verſchleuderung und
Vernichtung dieſer Volksgüter hat in den letzten Jahrzehnten
gleich einer Sintflut gewütet. Was wir heute noch bergen können,
iſt zum größten Teil nur noch Strandgut. Und wenn nicht in
letzter Stunde noch zielbewußte und fachkundige Bergung
ein=
ſetzt, wird man ſchon morgen die tiefbeſchämende
Tarſache feſtſtellen müſſen, daß wir über die
Kunſtübung afrikaniſcher, ozeaniſcher,
india=
niſcher Völker weit beſſer unterrichtet ſind als
über unſere eigene deutſche volkskünſtleriſche
Vergangenheit. Und gerade Heſſen wäre noch
der Boden, auf dem ſich ſolche Rettungsarbeit
mehr als anderwärts lohnen würde
Oberheſ=
ſen war geradezu ein Zentrum deutſcher Volts,
kunſt, ja in einigen Gebieten iſt ſie heute noch
lebendig. Der Ankauf von Kunſtgegenſtänden, die von
amerikaniſchen Dollarkönigen umworben werden, iſt heute
für uns ſo gut wie ausgeſchloſſen. Aber es liegt
durch=
aus im Breich der Möglichkeit, gerade für Oberheſſen
nach wiſſenſchaftlichen Grundſätzen ein Muſeum für
volkskund=
liche Sachgüter auszubauen. Der gegebene Platz iſt Gießen.
Ganz abgeſehen davon, daß Gießen mit ſeiner Landesuniverſität
ein Mittelpunkt volkskundlicher Forſchung iſt, beſteht an dieſem
Ort ſchon eine hochwertige, wiſſenſchaftlich geſichtete, dem
heſſi=
ſchen Boden in zäher Spatenarbeit abgerungene vorgeſchichtliche
Sammlung als Grundlage für eine Verbreiterung nach der in
dieſem Aufſatz angedeuteten Richrung. Oberheſſen wäre in der
Tat noch in der Lage, ein vorbildliches, geographiſch und
ſtamm=
heitlich geſchloſſenes Muſeum für volkskundliche und
volkskünſt=
leriſche Realien im Anſchluß an die ſchon vorhandene für
ober=
heſſiſche Volkskunde und Volkskunſt gleich wichtige prähiſtoriſche
Sammlung ins Leben zu rufen und damit gleichzeitig eine
Zen=
tralftelle zur Pflege und Belebung echter Heimatforſchung. Aus
ſolcher volkskundlichen Pflanzſchule könnte dann als reife Frucht
und als letztes literariſches Ziel die lebendige Heimatkunde dieſes
Gebietes hervorgehen, deren Aufgabe es wäre, die Ergebniſſe
der analytiſchen Erſorſchung der volkskundlichen
Erkenntnis=
gegenſtände zur höheren organiſchen Zuſammenſchau der
Sinn=
zuſammenhänge des ſo ſtark ausgeprägten oberheſſiſchen
Volls=
tums zu verarbeiten. „Erkenntnis iſt ein Begreifen der Dinge
nach ihrem Weſen und Geſetz, nach ihrer inneren Notwendigkeit,
Die bloße Kenntnis der Tarſachen des Volkslebens gibt niemals
eine Wiſſenſchaft vom Volk; es muß die Kenntnis der Geſetze
des Volkslebens hinzukommen und zu einem Organismus
ge=
ordnet werden.” (W. H. Riehl.)
Dienstag, den 1. Februar 1927
Pferd aus glaſiertem Con als Tinrenzeug.
Oberheſſiſche Bauernröpferei.
mung und untergeordneten künftleriſchen Bearbeitung weit mehr
in den kulturgeſchichtlichen Kreis der Volkskunde hineinragen als
in den künſtleriſchen.
Kein Gebiet unſerer Geiſteswiſſenſchaft iſt ſo bedroht, der
Wiſſenſchaft und dem Volksbewußtſein für immer verloren zu
gehen, wie die Volkskunſt. Auf dem Gebiet der ſprachlichen
Denk=
mäler, von dem ja die Volkskunde unter der Führung der
Brü=
der Grimm ihren Ausgang genommen hat, iſt die Forſchung
ſchon ſeit mehr als einem Jahchundert in Fluß. Hier iſt
ſchen Kunſt entgegentritt. So iſt es das erſtrebenswerte Ideal,
daß ſich Vollskunſtforſcher und Volkskundler in einer
Perſon zuſammenfinden möchten. Denn wie oft wechſeln
die Denkmäler hinüber und herüber, was beſonders für die
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zahl=
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[ ← ][ ][ → ]„Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 17
werodaſtamioigang der ieuel Pelafgkadmtenn!
49e= letzten Verhandlungen. — Graef und Hergt beim Reichspräſidenten. — Die Deutſchnationalen präſentieren Herrn.
on Keudel. — Hindenburg ermennt Hergt zum Suſtzminſer und von Keaudell zum Reſchsminſe des Junern.
Der Beſchluß der Deutſchnationalen.
Die deutſchnationale Reichstagsfraktion faßte nach
mehrſtün=
tagsfraktion nimmt Kenntnis von der dem Herrn Reichspräſiden=
Amm Samstag abend war der Stand ſo, daß Herr von Hin= ten abgegebenen gemeinſamen Verzichtsertlärung der Abg. Hergt
An Deutſchnationalen die Möglichkeit gab, bis zum Montag Appell des Herrn Reichspräſidenten an die Fraktion, die ſolange
amd ihre Entſcheidung zu ändern. Der Fraktionsvorſtand der ſich hinziehende Regierungsbildung nunmehr baldigſt zu ermög=
Abtiſthnationalen hat am Montag mehrere Stunden geſeſſen, lichen. Die Fraktion beſchloß im Hinblick auf dieſe Lage und die
peir Kandidaten Graef und Hergt beim Reichs= Abg. von Lineiner=Wildau die bisherige Liſte durch Hinzufügung
zu links nach rechts: Schiele (Dntl.) Ernährung; Dr. Koch (Dntl.) Verkehr:; Hergt (Dntl.) Vizekanzler und Juſtiz; Dr.
ſe=Brauns (Zentr.) Arbeit; Dr. Köhler (Zentr.) Finanzen; Dr. Schätzl (Bayer. Vpt.) Reichspoſt. — Mitte: Reichskanzler
mann (D.V.P.); darunter; v. Keudelr (Ontl.) Innenminiſter.
Das Ende der Kriſe.
Der Ausweg.
nun iſt ſchließlich doch noch eine Löſung gefunden worden.
Alis eutſchnatioralen haben ſich dem Einſpruch gegen die von
il Un aufgeſtellten Miniſter gefügt und in langen Ueberlegungen
dianoch einen Ausweg gefunden, der ihnen ein Nachgeben ohne
Abuweverluſt ermöglicht. Allzu leicht iſt ihnen das nicht
ge=
flAn. Sie konnten ſich mit einigem Recht darüber beklagen, daß
i ſem ganzen Verfahren, das der Reichskanzler Marx ihnen
Aſtnüber angewandt hat, ein Mangel an Loyalität liege, denn
Aſehame des Herrn Graef für das Juſtizminiſterium iſt bereits
AMtage vorher genannt worden. Wenn Herr Marx gegen ihn
dFtruch erheben wollte, lonnte er das tun, bevor die Fraktion
Hſalf ihn feſtgelegt hatte. Tatſächlich hat er denn auch den
Be=
flaß der Deutſchnationalen ohne jeden Vorbehalt zur Kenntnis
Aum men und erſt nachträglich Bedenken geäußert, nachdem der
Au Bentrum vorgeſchlagene Finanzminiſter Köhler, gegen den
Aüsgeutſchnationalen mindeſtens ebenſo ſtark begründete Ein=
Apduungen hatten, durchs Ziel gegangen war. Wir möchten bei
Hülr Gelegenheit doch feſtſtellen, daß es falſch iſt, für dieſen
499 der Dinge die Deutſche Volkspartei verantwortlich zu
Aun. Von ihrer Seite ſind irgendwelche Schwierigkeiten nicht
Altak. Der Ausgaugspunkt war entweder die Zentrumsfraktion
H) ſoer Herr Reichspräſident ſelbſt, der aus menſchlich begreif=
IIIIn Gründen zum wenigſten gegen Herrn Graef ſehr ſtarke diger Sitzung folgenden Beſchluß: Die Deutſchnationale Reichs=
Abellken hatte.
Awuurg weitere Beſprechungen mit den Parteien ablehnte und und Graef auf ihre Miniſterlandidatur und von dem dringenden
Altſe lange die Fraktion am Abend. Inzwiſchen waren die bereits früher erfolgte Ablehnung einer Kandidatur durch den
Aiſ identen. Der Ausweg, der ſchließlich gefunden des Abg, von Keudell zu ergänzen.
And= war der, daß beide Herren auf das ihnen angetragene
APtafeuille verzichteten und dem Reichspräſidenten gegenüber
Abe. Verzicht perſönlich zum Ausdruck brachten. Herr von Hin=
Abourg hat ihnen ſeinen Dank und Anerkennung ausgeſprochen,
Uhſi= aber im Anſchluß daran doch noch gebeten, mit der gleichen
4Kemwilligkeit ſich zur Verfügung zu ſtellen, wenn er trotz ihres
ABzühtes genötigt ſei, auf, einen von ihnen zurückzugreifen.
2Duſt war eigentlich die Taktik ſchon ſehr deutlich angezeigt, mit
10m an aus den Schwierigkeiten herauskommen wollte und die
Auu achher die deutſchnationale Fraktion übernommen hat. Die
42tüuchnationalen haben neben den bisherigen beiden Kandi=
30n, an denen ſie feſthielten, noch ihr Fraktionsmitglied von
And=ll genannt, ſo daß alſo gewiſſermaßen der Reichspräſident
Uſe berei Perſönlichkeiten für zwei Aemter zur Auswahl hatte.
Ehat alſo Herrn von Keudell zum Innenminiſter
Serrn Hergt zum Fuſtizminiſter ernannt, während
Ahr Wraef wie bisher Vizepräſident des Reichstags bleibt. Herr
10 Lindeiner, das ſtärkſte politiſche Talent der Deutſchnatio=
Der Abzug der Kontrollkommiſſion.
10n, iſt dadurch unter den Tiſch gefallen.
In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar
Herr von Keudell iſt eine Perſönlichkeit, die wenig An= um 12 Uhr wirdoffiziell die Tätigkeitder Inter=
Amöflächen bietet. Er iſt von Haus aus Landrat, kennt alſo die allierten Kontrollkommiſſion als Organ der
3Amaltungsgeſchäfte. Dr. h. e. Walter von Keudell iſt Ritter= Botſchafterkonferenz in Berlin aufhören. Die
ABlrſitzer auf Hohenlübbichow (Kreis Königsberg=Neumarr) Kommiſſion wird nicht ſofort abreiſen, ſondern zunächſt ihren
u9 ſom Wahlkreis 5 in den Reichstag gewählt worden. Er Tätigkeitsbericht fertigſtellen, an dem ſie ſchon ſeit Tagen arbeitet
Apd: am 17. Juli 1884 in Caſtelamare di Stabia geboren. Nach und der ſehr umfangreich ſein wird. Dieſer Bericht iſt für die
AAtüſſcher landwirtſchaftlicher Betätigung ſtudierte er in Königs= allierten Negierungen beſtimmt. Daneben haben die Kontroll=
17 München und Halle. Den Feldzug machte er beim Kürgſſier= offiziere noch eine Reihe von privaten Angelegenheiten zu ord=
ARimnent Graf Wrangel Nr. 3 1914 und 1915 mit. 1916 bis 1990 nen, die noch etliche Tage dauern werden. Vom 1. Februar ab
Un ar Landrat des Kreiſes Königsberg=Neumark, Mitglied des werden allmählich die Wohnungen und Gebäude und die recht
7Ag—uusſchuſſes und Kreistages in Königsberg=Neumark. Von großen Automobilhallen, die das Reich der Kommiſſion zur Ver=
1B vis 1923 war er dann Deichhauptmann im Oderbruch, 1923 fügung ſtellen mußte, an die Reichsvermögensverwaltung zurück=
Eds er Dr. h. g. der Forſtakademie Eberswalde. Dem Reichs= gegeben. Es iſt damit zu rechnen, daß innerhalb der nächſten acht
Tage die Kommiſſion auch die letzte Abwicklungsſtelle aufheben
1 gshört er ſeit der zweiten Wahlperiode 1924 an.
wird und dann die verbleibenden Offiziere und Mannſchaften der
etwa 160 Köpfe zählenden Kontrollkommiſſion Berlin und das
Die amtliche Beſtätigung.
Reich verlaſſen haben werden.
Almtlich wird bekanntgegeben: Der Herr Reichspräſident hat
Asorſchlag des Herrn Reichskanzlers den Staatsminiſter a. D.
Sergt, Mitglied des Reichstages, zum Juſtizminiſter und
Elgerreter des Reichskanzlers und den Landrat a. D. Dr. von
(dsll. Mitglied des Reichstages, zum Reichsminiſter des In=
7
imn dernannt.
Der Empfang beim Reichspräſidenten.
9oer Herr Reichspräſident empfing heute nachmittag die
Meordneten Weſtarp und Keudell, Hergt und Graef=Thüringen.
Albgeordneten Hergt und Graef gaben dem Herrn
Reichs=
in enten die Erklärung ab, daß ſie, um die bei den übrigen
urungsparteien erwachſenen Schwierigkeiten wegzuräumen,
dei ſolidariſch ihre Fraktion gebeten hätten, von dem Vorſchlag
r Perſon für die Miniſterliſte abzuſehen. Der Herr
Reichs=
din ent nahm dieſe Erklärung entgegen, dankte beiden Herren
Uhre ſelbſtloſe und ſachliche Handlungsweiſe und betonte
hiei unter Hinweis auf die irreführenden Preſſemeldungen
ſetzten Tage, daß er ſelbſt keinerlei Bedenken gegen die
inn und Eignung der beiden bisher von der deutſchnationalen
Gleichzeitig mit der Militärkontrollkommiſſion beenden auch
ſtüſion für die Poſten des Reichsjuſtizminiſters und des
Reichs=
ſem miniſters vorgeſchlagenen Kand daten vorzubringen gehabt die ſogenannten Heeres=Friedenskommiſſion und die Marine=
Der Herr Reichspräſiden: ſchloß hieran das Erſuchen an Friedenskommiſſion (Friko) ihre Tätigkeit. General von Paweli,
Grafen Weſtarp als den Vorſitzenden der deutſchnationalen, der den Vertehr mit dieſen Kommiſſionen zu leiten hatte, wird
ſitlion nunmehr alsbald eine die endgültige Zuſammenſtellung dieſe Tätigkeit noch einige Zeit beibehalten, um mögliche Rück= 119 Millionen Dollar. Man ſieht, daß weitaus der größte Teil
Meichsregierung ermöglichende Entſcheidung zu faſſen. Er, fragen der Allierten bzw. ihrer einzelnen Botſchaften ſofort
be=
f, daß ſalls einer der beiden bisher vorgeſchlagenen Kan= antworten zu können. Derartige Anfragen können künftig nur
dnten in Frage kommen ſollte, der oben erklärte Verzicht dann, noch von den einzelnen Botſchaften der Ententemächte aussehen
n Gindernis bedeute und richtete einen entſprechenden Appell und eine Verflichtung zur Beantwortung wird für Deutſchland
Udge beiden Herren.
nicht nehr beſtehen.
Curtius (D.V. P.) Wirtſchaft; Dr. Geßler, Reichswehr;
Dr. Marx (Zentr.); — Reichsaußenminiſter Dr. Streſe=
Stille „Reſerven.”
Von unſerem „=Korreſpondenten
Rom, den 30. Januar.
Für die Beſtändigkeit des fasciſtiſchen Regimes und die
Dauer der Diktatur Muſſolinis iſt zur Zeit das wirtſchaftliche
Problem der Geldbeſchaffung die Hauptſache. Eine neue
Jn=
flation iſt nach Muſſolinis klar ausgeſprochenem Willen nicht
beabſichtigt. Papiergeld zur Belebung der ſtagnierenden
Ge=
ſchäftstätigkeit und Induſtrie und zur vorübergehenden
Erleich=
terung bei Auslandszahlungen wird alſo nicht gedruckt. Es
bleibt nur der Weg der Steuereintreibung, der inneren oder
äußeren Anleihen und das Streben nach einer aktiven
Handels=
bilanz.
Um mit dem letzten Punkte zu beginnen, ſo ſei mit
Be=
dauern feſtgeſtellt, daß infolge der mangelnden oder vollſtändig
unkontrollierbaren Ausweiſe keine Klarheit darüber zu erhalten
iſt, ob die Handelsbilanz aktiv oder paſſiv iſt. Denn es iſt in
keiner Weiſe ſicher, ob bei den Ausweiſen nicht alle Poſten
weg=
gelaſſen ſind, die in irgendeiner Form Nüſtungsfragen betreffen
und deshalb als nicht zum Handel gehörig angeſehen werden,
obwohl ſie natürlich genau ſo gut Deviſen verlangen wie
irgend=
ein Waggon Kohle oder eine Tonne Stahl. Hier beſteht alſo ein
Non liquet. Aber ſelbſt wenn die Handelsbilanz aktiv wäre, ſo
würde ihr Ueberſchuß nur ſehr gering ſein, jedenfalls nicht ſo
groß, um nennenswert für die Ausgaben der „Verſchönerung”
des Landes, jener Arbeiten, die obwohl verdienſtvoll doch
zu=
nächſt nur unproduktiv ſind, oder für die Auslandspropaganda
und die Rützungsmaßnahmen in Betracht zu kommen. Dieſe
Belange” Italiens ſollen auch angeblich vorwiegend aus den
Steuern gedeckt werden. Nun iſt zuzugeben, daß die Steuern
unter der Herrſchaft Muſſolinis nicht nur ſtark erhöht wurden,
ſondern auch mit Energie und Erfolg endlich einmal eingetrieben
werden. Früher war die dirette Steuer in Italien eine Spielerei.
Kaum ein Menſch zahlte nennenswerte Summen, faſt jeder
ver=
ſtand ſich um die geringen direkten Steuern zu drücken. Die
in=
direkte Steuer, u. a. durch das Tabakmonopol, das
Salzmono=
pol und durch den „Bollo”, die Stempelmarke, der jede Ware
und Rechnung untertänig war, belaſtete die Schultern des
kleinen Mannes dafür zur Genüge. Heute kommen alſo
zweiſel=
los bedeutende Beträge durch die geregeltere Steuereintreibung
ein. Auch ſie tragen nicht dazu bei, den Geldumlauf im Lande
zu erleichtern, weil ſie nur in verringertem Betrage in das Volk
zurückfließen, während ein Teil zweifellos in Auslandspaluten
umgewechſelt zur Deckung von Verpflichtungen jenſeits der
Grenzen verwandt werden muß. Es geht alſo nicht ohne
An=
leihen ab. Dieſe wurden bisher offiziell (mit Ausnahme der
Schuldenregelung) nicht im Auslande abgeſchloſſen, ſondern
durch die Inanſpruchnahme des inneren Marktes herausgezogen.
Nach der berühmten Dollarſammlung iſt jetzt die „Littor o”=
Anleihe aufgelegt worden. Ihren Erfolg kennt man, ihr Zweck
iſt nur zum Teil erfüllt, ihr Ergebnis wird dringend gebraucht,
um die konvertierten Schatzſcheine beleihen zu können, damit
end=
lich wenigſtens geringe Zahlungen innerhalb des Handels
er=
folgen können.
Italien müßte alſo eigentlich auch Anleihen im Auslande
unterzubringen verſuchen. Man fürchtet aber einen Mißerfolg,
weil die Gegner des Faseismus, beſonders die Freimaurer
inner=
halb der internationalen Bankwelt, Stellung gegen ene Anleihe
nehmen könnten, und weil man bei irgendwelchen Schwierigkeiten
eine neue Erſchütterung der Lira mit in den Kauf nehmen müßte.
Dabei würden neue Stützungen zweifellos nennenswerte
Be=
träge einer Auslandsanleihe wieder eingebüßt werden. Deshalb
hat die Regerung vorgezogen, die einheimiſche Induſtrie zu
privaten Anleihen im Auslande zu ermutigen. Sie hat dann mit
der ſattſam bekannten Schlauheit des Finanzminiſters Volpi die
Beträge dieſer privaten Anleihen in Edelvaluten für
Staats=
zwecke eingefordert, indem ſie den Beſitzern dieſer Anleihen nur
die Amortiſation und den Zinſendienſt in fremder Valuta
zu=
ſicherte und den Kurs dafür garantierte. Es iſt deshalb vielleicht
von Wert, einmal eine Ueberſicht nach Preſſemeldungen darüber
zu geben, was an privaten Anleihen der italieniſchen Induſtrie
im Auslande untergebracht wurde. Hauptſächlich kommen dafür
amerikaniſche Dollaranleihen in Betracht, während England und
Holland nur mit je einem Betrag vertreten ſind.
Im letzten Jahre ſind folgende Anleihen abgeſchloſſen
wor=
den: Societz Italo=Olandeſe Enka 3 Millionen holländiſche
Gulden, Snia Visconſa (das bedeutendſte Werk Italiens) 1.4
Millionen engliſche Pfund; dieſe beiden Summen entſprechen
ungefähr zuſammen 8 Millionen Dollar. Dazu treten in
Mil=
lionen Dollar folgende amerikaniſche Anleihen:
Iſtituto di Credito Impreſe Pubblica Utilitz . 20——
Societä Monteegtini
10.—
Societä Fiat
10.—
Societs Ediſon ..
10.—
Soc. Lombarda Diſtribuzione Energia Elettrica . 10.——
Societz Adriatica di Elettricitä
10.—
Societä Terhi
10.—
Societä Elettrica Adameklo
10.—
Unione Eſereizi Elettrici
6.—
Societä Meridionale Elettricita.
5.—
Societz Generale Elettrica Sieilia
5.—
Societä Italiana per il Gaz ...
5.—
Zuſammen in Millionen Dollar: 111.—
Mit den beiden oben genannten andern Anleihen ergeben
ſich alſo als ſtlle „Reſerven” für Staatsbedürfniſſe immerhin
der Auslandsgelder, die der italieniſchen Induſtrie zur
Ver=
fügung geſtellt wurden, auf Unternehmungen, der elektriſchen
Juduſtrie fallen. Hier liegt ja auch infolge der immer weiter um
ſich greifenden Erſchließung der elektriſch zu verwertenden
Waſſer=
kräſte Italiens eine der Hauptmöglichkeiten Italiens, in ge=
Geite 20
Otenstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
auffaſſung, die durch die Normaliſierung der Wirtſchaft und
der hiervon bedingten allgemeinen Lebenshaltung noch erheblich
gefördert wird. Das amerikaniſche Volk ſtellte eine einförmige
Maſſe dar, die die vom Großkapital beherrſchten beiden großen
öffentlichen Faktoren des Landes, die Preſſe und der
Berufs=
politiker, nach Belieben zu kneten vermögen. Nur ſo verſteht
man es, wie leicht das amerikaniſche Volk rettungslos in eine
falſche Politik hineingetrieben werden kann. Nirgends wird
die Kunſt der Maſſenbeeinfluſſung ſo meiſterhaſt betrieben, als
in dieſem Land der geiſtigen Unfreiheit, und nirgends verſteht
man es ſo, eine ſchlechte Politik zu beſchönigen und in grotesker
Verdrehung als moraliſch gut erſcheinen zu laſſen, als im Lande
der unbegrenzten Möglichkeiten. Die „splendid isolation” des
Landes ermöglicht es zudem, ungewollte geiſtige Berührungen
des amerikaniſchen Volkes mit anderen Kulturvölkern
fernzu=
halten und einer unerwünſchten Volksaufklärung
entgegenzu=
arbeiten. Dieſe Abwehrarbeit des maßgebenden Bonzentums
wird durch die angeborene Abneigung gegen alles Ausländiſche
weſentlich erleichtert. So ſieht das amerikaniſche Volk die
Feſ=
ſeln nicht, die es ſich in naiver Unkenntnis ſelbſt anlegt.
Ich konnte oft genug beobachten, wie raſch und gründlich
man den Amerikaner über das Unrecht des verfloſſenen Krieges
mit Deutſchland zu beſchwichtigen vermochte. Infolge der in
den letzten Jahren fortſchreitenden Aufklärung über die wahren
Urſachen des Welttrieges konnte es vorkommen, daß die Preſſe
etwa die Tatſache eines „übereilten” Eintritts Amerikas in den
Weltkrieg verſchleiert zugeben mußte. Der amerikaniſche
Spie=
ßer ließ ſich aber gerne beruhigen durch den Hinweis auf den
kapitalen Tawes=Plan, für den Deutſchland angeblich Amerika
nicht genug dankbar ſein könne. Man wies vor zwei Jahren
mit Vorliebe auf die Tatſache hin, daß ein amerikaniſcher
Gene=
ral die Wunden, die er dem Geguer im Kriege ſchlagen mußte,
nun endgültig wieder heilte, und das ſentimental=naive
ameri=
kaniſche Volk nahm mit ſichtlicher Rührung und im guten
Glau=
ben dieſe erbärmliche Heuchelei entgegen. Wohl konnte ich mich
oft davon überzeugen, daß in dieſem Volke das dunkle Gefühl
dafür dämmert, daß man nicht für Völkerideale, ſondern für
den Schutz amerikaniſchen Kapitals Deutſchland niederwerfen
half. Aber dieſes Volksempfinden wird bald erlöſchen,
nach=
dem es weder in der Preſſe, noch bei den politiſchen Vertretern
des Volkes — von Ausnahmen abgeſehen — Widerhall
gefun=
den hat und aufgegriffen wurde. Der zurzeit herrſchende
Wohl=
ſtand und die Furcht, die allgemeine wirtſchaftliche Proſperität
durch unſichere politiſche Experimente zu zerſtören, trägt ein
Uebriges dazu bei, daß ſich der amerikaniſche Bürger mit den
offiziellen Erklärungen ſeiner verantwortlichen Führer willig
abfindet. Da in Amerika das politiſche Geſchäft — Politik iſt
dort Geſchäft — vollkommen von bezahlten Politikern der beiden
maßgebenden Parteien beſorgt wird, ſo wäre es ſelbſt dann
un=
möglich, die Dinge zu ändern, wenn das Volk die Notwendigkeit
einer politiſchen Sanierung erkennen und fordern würde. Das
zeigen auch die in Amerika immer wiederkehrenden „
Enthüllun=
gen” haarſträubender Korruptionsfälle, die in der Regel im
Sande zu verlaufen pflegen. Es darf auch nicht unbeachtet
bleiben, daß der Amerikaner bei dem ungemein raſchen Tempo
ſeiner Lebensführung innere Hemmungen viel raſcher
über=
windet, als der mehr durch die Tradition gebundene Europäer.
Gegenwart und Zukunft bedeuten für den dollarjagenden
Yankee alles, und die Vergangenheit iſt für, ihn eine
über=
wundene Sache, die man am beſten der Wiſſenſchaft überläßt.
So iſt die Behandlung der Kriegsſchuldfrage in Amerika heute
zu einer akademiſchen Angelegenheit geſporden, die in der Preſſe
kaum gewürdigt wird und daher auch im Volke kein lebendiges
Echo findet.
Faſſen wir unſere Betrachtungen zuſammen, ſo kommen
wir zu dem Ergebnis, daß der ſtark triebhaft veranlagte
ameri=
kaniſche Bürger dank ſeiner ſchablonenhaften Lebensauffaſſung
den das Land beherrſchenden plutokratiſchen Mächten
vollkom=
men ausgeliefert iſt. Seine Begeiſterungsfähigkeit macht ihn blind
für die klare Betrachtung einer Sache, ſeine wirtſchaftlich ſtark
ent=
wickelte Einſtellung kommen den kapitaliſtiſchen Tendenzen ſeiner
Führer bis zu einem gewiſſen Grade entgegen und ſtützen die
Theſe von den parallel laufenden Intereſſen, die man beſonders
dem Arbeiter einzuimpſen verſtand. Gegen dieſe Mauer
un=
wiſſend gehaltenen und eingeſchüchterten Stimmviehs
anzuren=
nen, iſt heute ausſichtslos. Das mußte bei der letzten
Präſiden=
tenwahl auch der mutige La Follette, der wahrheitsliebende
Führer der Progreſſiven, erfahren, deſſen Enthüllungen über
das herrſchende Shſtem bei uns wohl eine Revolution ausgelöſt
hätten. Es iſt ſicher, daß zwiſchen der Maſſe des amerikaniſchen
Volkes und den es beherrſchenden inneren Mächten eine große
Kluft beſteht. Dieſe Kluft kann aber das Volk ſo lange nicht
klar erkennen, als es ſich nicht ſeiner geiſtigen Knechtſchaft und
wirtſchäftlichen Abhängigkeit von einer kleinen, kulturloſen
Oberſchicht bewußt wird. Solange überdies der amerikaniſche
Bürger in engſtirniger Selbſtüberhebung der Auffaſſung huldigt,
daß er der freieſte Mann und Amerika das freieſte und beſte
Land der Welt ſei, wird die notwendige geiſtige
Revolutionie=
rung Amerikas nicht möglich ſein. Der vom Erfolg geblendete
Amerikaner nennt ſein Land ja auch „God’s omn sountry”
(Land Gottes), und je erfolgreicher ſich Amerika entwickelt, um
ſo mehr wird er in ſeinem Glauben an eine beſondere Miſſion
ſeines Landes unter den Völkern dieſer Welt beſtärkt. Und
letzten Endes bedeutet der Erfolg im Hirn des Amerikaners
alles. Es iſt eine grauſame Verirrung, die wir als Tatſache
hinnehmen müſſen, wenn ſich Amerikaner zu der Anmaßung
verſteigen, daß ein erfolgreicher Krieg, der das Land weiterhin
emporblühen läßt, eine Gott wohlgefällige Sache iſt, und ſei er
auch mit bedenklichen Mitteln erkauft.
Nach dem Geſagten wird man ſich vielleicht fragen, wie ein
in politiſchen und geiſtigen Dingen ſo gebundenes Volk, wie
das amerikaniſche, eine in der neueren Geſchichte beiſpiellos
daſtehende erfolgreiche Entwicklung durchlaufen konnte. Prüfen
wir die Frage, warum der äußere Aufſtieg des Landes ſo wenig
von den beſtehenden inneren geiſtigen und politiſchen
Hemmun=
gen beeinträchtigt wurde, ſo kommen wir zu dem Ergebnis, daß
der Amerikaner bisher einfach keine Zeit hatte und den Maßſtab
noch nicht fand, um leine Unfreiheit zu erkennen und ſich mit
ſeinen inneren Feinden auseinanderzuſetzen. Für eine
zivili=
ſatoriſche Entwicklung, wie ſie die Vereinigten Staaten
durch=
laufen hatten, ließ das bisherige Syſtem Spielraum genug. Es
iſt hier zu beachten, daß die Vormachtſtellung Amerikas nur auf
wirtſchaftlichem und techniſchem Gebiet vorhanden iſt, und daß
das Land weder eine Tradition noch eine eigene Kultur wie
die der alten Welt aufweiſen kann. Das amerikaniſche Volk,
dem man mit Recht einen geſunden Blick für praktiſche Dinge
und eine bemerkenswerte natürliche Intelligenz nachſagt, hat
ſich ſeinen Weg mit leichtem Gepäck bahnen können. Es konnte
ſich ohne innere Hemmungen und ohne Ballaſt der natürlichen
Erſchließung un? Ausbeutung ſeines an Naturſchätzen
uner=
meßlich reichen Landes widmen, und dadurch ein Höchſtmaß an
materiellen Leiſtungen erzielen. Seine tiefſten Kräfte waren
nicht wie bei uns auf die Vergeiſtigung und kulturelle
Umwer=
tung der Umgebungswelt gerichtet. Immer waren es die
tüch=
tigſten und phyſiſch brauchbarſten Elemente, die dem Land neue
Kraft zuführten. Sie verfolgten allen Hinderniſſen zum Trotz
ihren neuen Lebensweg und vollzogen ſo die Koloniſierung und
Ziviliſierung des nordamerikaniſchen Kontinents. Aus dieſen
kühnen und trotzigen Männern der Tat, den „old timers”
ent=
ſtand eine neue Raſſe, deren Denken und Handeln faſt
aus=
ſchließlich auf die wirtſchaftliche Erſchließung ihres
naturbegün=
ſtigten Landes hinauslief. Aus dem tppiſch amerikaniſchen
Hang, jede wirtſchaftliche Chance voll und ganz auszunützen
und dem Anderen dabei zuvorzukommen, entwickelte ſich das
Tempo der amerikaniſchen Arbeit, das den Rhythmus eines
neuen Zeitalters der Wirtſchaſt und Technik ſchuf. Wenn wir
heute gebannt vor den Schöpfungen amerikaniſcher Arbeit
ſtehen, ſo müſſen wir zugeben, daß hier das Größte geſchaffen
wurde, was Menſchenhänden bisher möglich war.
Wir ahnen jetzt wohl auch, warum das amerikaniſech Volk
die Mißſtände im Land nicht mehr tragiſch nimmt und äußerlich
durchaus nicht den Eindruck einer irgendwie unterdrückten und
unfreien Maſſe erweckt. Die Jugendfriſche, die von dieſem
Volke ausgeht, erſcheint uns vielleicht jetzt auch weniger
rätſel=
haft. Der materielle Erfolg ſeiner Arbeit erzeugt im
Ameri=
kaner das Gefühl perſönlicher Freiheit, und ſein natürlicher, oft
ins Extreme gehender Optimismus verleitet ihn dazu, die
Dinge möglichſt von der günſtigen und für ihn angenehmen
Seite aus zu ſehen. Mit dem Motto „keep emiling”, zwingt
er ſich und andere dazu, überall frohe Miene zu zeigen und die
Welt des Diesleits als erträglich und befriedigend zu
empfin=
den. „Keep smiling” ſah ich drühen in allen möglichen
Arbeits=
ſtätten angeſchrieben. Und immer wieder konnte ich die
benei=
denswerte Friſche und Elaſtizität bewundern, mit der oftmals
die unangenehmſte Arbeit bewältigt wurde. Es iſt zum Teil
auch der aus ſeiner Jugend hervorgehende, durch wenig
Fehl=
ſchläge und üble Lebenserfahrungen gebemmte Lebensmut des
amerikaniſchen Volkes, der es die ſchweren Mängel und S
hat=
tenſeiten der amerikaniſchen Welt, ſoweit es ſie zu erkennen
vermag, ohne nachhaltige Verärgerung oder innere Auflehnung
ertragen läßt. Der Amerikaner weiß am beſten, wie ſehr alles
im Fluß begriffen iſt, er weiß, daß, wer heute noch Ambos iſt,
vielleicht morgen ſchon den Hammer ſchwingen kann. Er hat
noch den Glauben der Jugend an das Leben, der Berge zu
ver=
ſetzen imſtande iſt. Auf den Amerikaner trifft in ganz
beſon=
derem Maße die philoſophiſche Theſe zu, daß nicht die Dinge
ſelbſt, ſondern unſere Meinungen über dieſe Dinge es ſind, die
uns glücklich oder unglücklich ſein laſſen.
Zweifellos kommt einmal der Zeitpunkt, an dem ſich in
Amerika das Tempo der materiellen Entwicklung verlangſamt
und zu einem gewiſſen Abſchluß kommt. Dann erſt, wenn ſich
der Amerikaner nicht mehr ausſchließlich auf Arbeit und Erfolg
zu konzentrieren vermag, wird er die innere Leerheit und Oede
empfinden, die ihm eine nur auf den Erwerb gerichtete Epoche
als Erbe hinterlaſſen hat. Wenn dann im amerikaniſchen Volke
eine bisher ungekannte Sehnſucht nach einer höheren Welt des
geiſtigen Seins um ihren Ausdruck ringt, wird erſt die Stunde
ſeiner wahren inneren Befreiung geſchlagen haben.
Beginnende Einigung in Ching.
Auch Peking will die Zuſchlagszölle erheben.
EP. London, 31. Januar.
Aus Peking wird gemeldet, daß ab Dienstag, den 1.
Fe=
bruar, auch die Pekinger Regierung, dem Beiſpiel der
Regierungene von Kanton und Schanghai folgend,
Zuſchlags=
zölle erheben werde. Die Mächte hätten bereits gegen
die Zuſchlagszölle der Regierungen von Kanton und Schanghai
proteſtiert, und zwar mit beſonderem Nachdruck auch Japan. Es
ſei vorauszuſehen, daß wenigſtens dieſe letztere Macht ſich
ener=
giſch weigern werde, das Vorgehen der Pekinger Regierung
gutzuheißen. Es ſtelle ſich die Frage, welche Haltung letzten
Endes die Mächte einnehmen werden. Wenn ſie die
Zuſchlags=
zölle guthießen, würde dadurch ein ſtarker Proteſt in Südching
ausgelöſt, denn die Kantoneſen würden geltend machen, daß die
Mächte den Zuſchlagszöllen Pekngs nur deshalb zugeſtimmt
hätten, um der Nordarmee zu ermöglichen, ihren Kampf gegen
den Süden beſſer zu finanzieren. In dieſem Falle könnte die
Kanton=Armee den Vorwand benützen, um den ausländiſchen
Zinſendienſt, der durch de Zolleinnahmen garantiert wird,
über=
haupt nicht mehr anzuerkennen. Wenn aber die Mächte die
Er=
hebung von Zuſchlagszöllen durch die Pekinger Regierung nicht i
anerkennen würden, ſo ſei vorauszuſehen, daß dieſe gemäß dem 1
Beiſpiel Kantons einfach darüber hinweggehe. Dann hätte man
es, wenigſtens in dieſem Punkte, mit einem gegen die Mächte
ge=
einigten China zu tun.
Tſchang Tſo=lin — Engländer und Kantoneſen.
Der frühere chineſiſche Außenminiſter Wang hatte eine
Be=
ſprechung mit dem engliſchen Generalkonſul in Schanghai, um
ſich über die engliſchen Abſichten zu informieren. Er erklärte, daß
England die Ereigniſſe in China zur Zeit durch eine rote Brille
anſehe. Marſchall Tſchang Tſo=lin äußerte ſich unwill g über die
engliſchen Vorſchläge und droht, ſeine Truppen vom Süden
Chinas zurückzuziehen, wenn ihm keine finanzielle Hilfe zuteil !
würde. Man glaubt jedoch in Peking, daß es gelingt, ihn von
dieſem Vorhaben abzuhalten, jedoch wäre mit der Möglichkeit
daß Tſchang Tſo=lin ſeinen Plan durchführen will, zu rechnen.
Die Stimmung des Marſchalls Tſchang Tſo=lin gegen die ſo= bolſchewiſtiſche Bewegung finde Unterſtützung bei Taſhin
Lama, einem der reichſten Fürſten in China, deſſen Stellung mann
große Bedeutung be mißt. Innerhalb der Kreiſe der engliſchenn
Staatsangehörigen in Schanghai iſt die Auffaſſung über dien
Wirkung der engliſchen Vorſchläge ſehr geteilt. Die meiſten
be=
fürchten, daß die Nachgiebigkeit Englands zu Unheil führen wird.
Chineſiſcher Proteſi gegen die engliſchen
Truppenlandungen.
Nach einer Meldung der „Britiſh United Preß” aus Tolice
hat das Pekinger Außenminiſterium das Foreign Office
tele=
graphiſch verſtändigt, daß die Eutſendung von Trup=, Kriegsſchiffen und Flugzeugen nach Chinc
eine Verletzung des im Jahre 1921 in
Waſhing=
ton abgeſchloſſenen Neunmächteabkommens unin
ferner des Artikels 10 des Völkerbundspaktes
darſtellt. Die chineſiſche Regierung müſſe die Folgen dieſer Maß;
nahmen ablehnen. In offiziellen Kreiſen Londons erklärt mann
daß dieſe Note noch nicht eingetroffen ſei. Man glaubt, daß die
neuen engliſchen Vorſchläge von der Pekinger Regierung
ange=
nommen werden. — Dem entſpricht eine Meldung des Pekinge=
Korreſpondenten der „Britiſh United Preß”, dem aus zuſtämn
digen Kreiſen erklärt wurde, die letzten Vorſhläge Englandse
ſeien geeignet, das Statut der Ausländer in China völlig zu
ver=
ändern, da die Engländer bereit ſeien, alle Privi
legien aufzugeben und infolgedeſſen die übrigen Mächty
nicht nationaliſtiſcher ſein könnten als England. Die Annahmn
der neuen Vorſchläge durch die Zentralregierung erſcheine
dahe-
ſicher und es ſei damit zu rechnen, daß die Kantonregierung din
Hauptpunkte gleichfalls annehme.
Japan — Rußland — Kanton.
Aus Tokio wird gemeldet, daß der japaniſche Generalſtab be5t
ſchloſſen habe, von Tſchang Tſo=lin abzurücken, um durch Ver
mittlung von zwei mit Kanton beſreundeten Generälen ein Ab
kommen mit der Kuomintang zu erreichen. Als Beweis der ver
änderten Haltung Tokios gelte der mißglückte Verſuch des Macht;
habers der Mandſchurei, eine Anleihe in Japan aufzunehmern
— Das Volkskommiſſariat des Auswärtigen erteilte dem ruſſiſ
ſchen Diplomaten die Inſtruktion, freundſchaftliche
Beziehunge=
mit japaniſchen Vertretern anzuknüpfen, da nach der unvermeicd.
lichen Niederlage Englands in China eine Annäherung zwiſchen
Rußland, China und Japan bevorſtehe.
Großes Hau=
Montag, den 31. Januar.
Erſies Volkskonzert.
F.N. Der Gedanke, Orcheſterkonzerte mit volkstümlicher
Vor=
tragsfolge im Landestheater zu veranſtalten, ſcheint — nach dem
Beſuch des erſten derartigen Konzerts zu ſchließen — auf
frucht=
baren Boden gefallen zu ſein, das Haus war gut beſucht und der
Widerhall des Gebotenen beim Publikum ausgezeichnet. Solange
durch ſolche Veranſtaltungen den Sinfoniekonzerten und ihren
Zielen kein Eintrag getan wird, iſt dieſe Neuerung aufs
lebhaf=
teſte zu begrüßen. So mancher, dem gute Kunſt ein ſeeliſches
Bedürfnis iſt, fühlt ſich nach der Tagesarbeit zu abgeſpannt, um
neue, ſchwierige Werke, die zur Diskuſſion geſtellt werden, in ſich
aufzunehmen, ein Grund, warum ſo viele ſich vor der
Proble=
matik neueſter Kunſt ſcheuen. Dieſen dienen derartige Konzerte,
in denen anerkannte Meiſterwerke von Komponiſten, zu denen
jeder Muſikliebhaber gewiſſermaßen ein perſönliches Verhältnis
beſitzt, aufgeführt werden.
Der erſte Abend galt der Muſik des 18. Jahrhunderts, deſſen
erſten muſikaliſchen Höhepunkt die Meiſter Händel und Bach
be=
zeichnen, während Haydn die erſte geniale Vollenderperſönlichkeit
iſt nach dem Stilumſchwung, der ſich um die Jahrhundertmitte
vollzog. Von Bach brachte der Abend das herrliche 5.
Branden=
burgiſche Konzert, in dem drei Soliſten, Klavier, Geige und
Flöte, dem Streichorcheſter gegenübertreten. Joſeph Roſen=
EDc leitete vom Klavier aus und erfüllte alle Mitwirkenden mit
Spannung und Temperament. Otto Drumm und Marrin
Geißler ſtanden ihm gleichwertig als Soliſten zur Seite. Die
Randſätze ſprudelten von Lebhaftigkeit und Laune, der ſoliſtiſche
Mittelſatz war ein herrliches Verweilen in melodiſcher Schönheit
und Wohlklang. Anſchließend ſang Anna Baumeiſter=
Jacobs die Arie „et exultarit spiritus meus”, die in Bachs
fünfſtimmigem D=Dur=Magnificat dem 2. Sopran zugeteilt iſt.
Sie ſang mit der Würde des Ausdrucks und Klarheit des Tones,
die dieſem für Bach ungewöhnlich kurzem Solo entſprechen, und
brachte wieder ſtark zum Bewußtſein, daß hier in der
muſika=
lifchen Kultur unſerer Stadt eine fühlbare Lücke vorhanden iſt,
denn ſolche Meiſterwerke k inmen faſt nie zu Gehör. Den
Kirchen=
geſangvereinen iſt der lateiniſche Text, die Fünfſtimmigkeit und
die Fünfzahl der Soliſten hinderlich, der Muſikberein bevorzugt
abendfüllende Werke, obwohl er allein die Chorſtärke hat, die uns
heute für die großen Kantaten oder das Magnificat Bachs
not=
wendig erſcheint.
Nun folgte ein D=Dur=Konzert von Händel, das von Guſtav
Kogel ziemlich ſtark überarbeitet ſchien, da manches in den
Spiel=
arten der Streicher, aus denen ſich zwei Violinen, an einigen
Stellen auch ein Violoncell konzertierend loslöſten, nachhändelſche
Errungenſchaften ſind. Hier wird hoffentlich die im Vorjahre
gegründete „Neue Deutſche Händelgeſellſchaft” bald dafür ſorgen,
daß würdige und nicht zu ſtark retouchierte Ausgaben für den
praktiſchen Gebrauch eingeführt werden. Intereſſant iſt der
ſoliſtiſch improviſierende Anfang des langſamen
Einleitungs=
ſatzes, reizvoll und feinſinnig die reiche Fülle von Gegenſätzen
und wertvollen Einfällen, die in der ſuitenartigen Satzfolge
vorkommen.
Den Schluß bildete eine ſehr gelungene Aufführung der
ſpäten D=Moll=Sinfonie von Hadyn, die nach dem
Perpendikel=
rhythmus des Andante „Die Uhr” genannt wird. Bei der großen
Anzahl auch heute noch bedeutend und originell wirkenden
Sin=
fonien des Meiſters verſtehen wir allerdings nicht recht, warum
dieſes Werk uns nun im Laufe nicht vieler Jahre zum — wenn
wir nicht irren — drittenmal geſpielt wurde, während andere,
zum Teil noch bedeutendere Sinfonien ſeit Jahrzehnten in
Darmſtadt nicht mehr erklangen. Joſeph Roſenſtock ſchloß ſich
eng an die Auslegung des Werkes durch Michgel Balling an, der
beſonders durch ſeine dynamiſche Schattierung und klare
Phra=
ſierung die Sinfonie überaus eindrucksvoll wiedergegeben hatte.
C. K. Aus Beethovens Haushaltungsbüchern. Die
alltäg=
lichſten Dokumente aus dem Leben Beethovens machen dadurch
einen ſo erſchütternden Eindruck, daß ſich hier der Zuſammenſtoß
des Küſtlers mit der harten Wirklichkeit ſo ſchroff vollzieht wie
ſonſt wohl kaum je. Dies zeigt ſich auch in zwei Schriftſtücken
die demnächſt auf der Autographen=Verſteigerung von Karl
Ernſt Henrici zu Berlin ausgeboten und in dem ſoeben
er=
ſchienenen Katalog behandelt werden. Da iſt zunächſt ein
Tagebuchblatt des Meiſters über ſeine Erlebniſſe und
Saushaliung vom 11. März bis 22. April 1826. Die flüchtig
hingeworfenen Aufzcichnungen gewähren einen Einblick in die
Widerwärtigkeiten, deren der Künſtler in ſeinem Haushalt nicht
Herr werden konnte. Da finden ſich neben Hinweiſen auf die
9. Zymphonie und die Galitzin=Quartette Streitigkeiten mit den
Dienſtboten, Uneinigkeiten über einige Kreuzer oder wenige
Gulden uſt. Ein Bild von dieſen Aufzeichnungen gewähri die
folgende Probe: „Am 12. März die neue Haushälterin
ein=
getreten. — 6 Krüge Selterswaſſer im Keller. — Am 17. März
die Schweſter eingetreten. — Am 16. März abends 5 Kreuzer
ge=
geben. — Am 13. April die neue Haushälterin ſamt Küchenmädchen
eingetreten. — Am 23. März Gründonnerstag. Beide Dienſtſ
boten mit 14 Tagen entlaſſen. — Am Mittwoch, den 5. Aprin/
das Unglück uſw.‟ Das andere Dokument ſtammt aus dem bei
rühmten Küchenbuch Beethovens. Es iſt ein Blatt, auf dem
die Köchin in ungeheuerlicher, humoriſtiſch wirkender Orthot
graphie ihre Auslagen aufſchreibt. Beethoven, der die betrügen
riſchen Neigungen der Köchinnen kannte, addierte die mehr alne
100 Eintragungen mit eigener Hand zuſammen und ſchreibt alle
vorſorglicher Hausvater Bemerkungen dazu wie: „Gegeben 3
Kreuzer, 2. Rechnung 19 Gulden 42, geg. 7,52, bleibt 12,32” (wan
unrichtig ſubtrahiert iſt). „Rechnung 16,42, bezahlt”, „Kommes
heraus 8,18” uſw.
N.-V. Aus der Statiſtik der Auswanderung. Nach den Arn
gaben des Einwanderungsbureaus der Vereinigten Staaten vog
Nordamerika wurden im Jahre 1925/26 (1. Juli bis 1. Juli) etwa
500 000 Ausländer zugelaſſen. Davon waren 157 432 ſog. Quoterkr
einwanderer. Bekanntlich haben die Vereinigten Staaten vog
Nordamerika die Einwanderung beſchränkt und laſſen nach einen=
Schlüſſel nur eine gewiſſe Quote Auswanderer aus den einzes
nen Ländern zu. Die übrigen Einwanderer kommen aus
Län=
dern, für die derartige Einſchränkungsbeſtimmungen, nicht
bio=
ſtehen, wie Canada und Mexiko, oder es handelt ſich um
Angiß=
hörige nordamerikaniſcher Bürger und andere Gruppen, zi
denen auch Beſucher und Geſchäftsreiſende und dergleichen
gis=
hören. Unter den Einwanderern befanden ſich 58 675 deutſcher
Zunge, d. h. alſo Reichsdeutſche, Deutſchöſterreicher, Schweiz
uſw., 4460 mehr als im vorhergehenden Jahre. Im ganzen ſinv
im Jahre 1925 62 813 Deutſche nach Ueberſee, alſo nicht nur nar.
Nordamerika, ausgewandert. Die größte Zahl von ihnen gine.
über Hamburg, einige Tauſend weniger über Bremen, 11 übe=
Emden und rund 4500 über fremde Häfen, meiſt wohl
hollän=
diſche. Die Provinz Sachſen ſtellte 1405 Auswanderer, darunte
776 Männer. Bei dieſer Zahl überraſcht der verhältnismäßi;
große Anteil der Frauen.
EP. Nach dem Rofenkavalier” die Roſen=Weſten. Augen=
Heinlich ſchlagen die grauen und ſchwarzen Nebel den engliſcho=
Herrenſchneidern auf das Gemüt und ſie ſuchen nach etwas AlEl
wichſlung. Warum ſoll auch die arme Männerwelt immer f
eintönig grau oder ſchwarz, wie die Mäuſe oder wie Hidigeigs!
der berühmte Kater, herumlaufens Sie wollen auch einmen
etwas anderes haben, wenigſtens ihre Schneider wollen es ihnocl
einreden. Hoffen wir, daß ſie Erfolg haben. Vorläufig ves
anſtalten ſie Ausſtellungen in ihren Schaufenſtirn von roſenfar.
benen Weſten und fliederfarkenen, zariblanen und roſa Anzügs”
mit dazu paſſenden Kravatten, Strümpfen uſw.
a D.
Mr 44
e
Hse e
79
*
[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
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gebändert, 48X100 cm
Stück 0.45
Topflappen
weiß, Molton
Stück 0.10
Tochtöple gestanst
16 cm, Deltt emailliert
emailliert, Windmäblenmuste
a Stoffe, Hohlsaum
Poliertücher
mit Deckel
Trägerform, solide Stoffe
weis emailliert
Achselschluß oder Trägerf. 1.75.
Een er Hiant
Erstlings-
Jäckchen
Stück 0.35
Mull-Windeln
75X75 cm
Stäck 0.38
Achselschlaß, solide Onalität
mit Ausguß, Netz emailliert
20 cm mit Deckel, Netz emailliert
mit Umlegkragen und Feston
10 Rollen
Nähgarn, weiß
Hemdenpassen
m. reicher Klöppelsp.
Taschentücher
Batist m. Hohls. 6 Stek.
18 cm, rein Alnminnm
Cretonne, mit Hohlsaum
Damenbinden
gestrickt
Stück 0.25
mit Deckel, rein Alnmininm
mit Klöppelspitze u. Eins. 2.95,
10 cm, rein Alumininm
mit Stickerei u Klöppeleins. 2.96
Brises-blses
Stück 0.35
0.25
mit Stiel, Alnmininm
mit breiter Stickere
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3.50, 2.95
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E
[ ← ][ ][ → ] Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Geite 23
—Elternabend in der Liebigs=berrealſchule. Heute Dienstag, den
1. Februar, findet um 8 Uhr ein Elternabend der Liebigs=Ober=
Aus der Landeshauptſtaut. realſchule (Eingang Lagerhausſtraße) ſtatt, zu dem jebermann eings=
463 Jahre.
Darmſtadt, 1. Februar.
*Darmſiadi, die Stadt der Parks und Gärten.
Wir berichteten vor einigen Tagen von dem Ankauf des
Prinz=Emils=Gartens durch die Stadt Darmſtadt. Zur Stunde
liegen naturgemäß Pläne über die Umgeſtaltung dieſes
wunder=
vollen alten Parks zu einem öffentlichen Volkspark noch nicht
feſt. Als feſtliegend darf nur angenommen werden, daß die
prachtvollen Baumbeſtände, vor allem die exotiſchen Baum= und
Strauchgruppen wie überhaupt das Charakteriſtikum des Prinz=
Emils=Gartens nach Möglichkeit erhalten bleibt. Es beſteht die
Abſicht, zwei Straßen, die notwendige Verbindungen herſtellen,
den Park ſchneiden zu laſſen. Das kann geſchehen ohne
Beein=
trächtigung der wundervollen Schönheiten dieſes Parks. Auch
die Freigabe eines Teiles des
Gartens zur Bebauung mit Villen
braucht und darf ſein
Charakteriſti=
kum nicht beeinträchtigen. Wir
dür=
fen wohl überzeugt ſein, daß
Bür=
germeiſter Buxbaum, deſſen
Initig=
tive wir eine Reihe wundervoller
Anlagen, um die viele Städte uns
beneiden, zu verdanken haben, und
der oft bewährten Leiſtungsfähigkeit
unſerer Stadtgärtnerei es gelingen
werde, Darmſtadt um eine neue
Sehenswürdigkeit reicher zu machen,
die mehr als das iſt, weil ſie von
nun an reſtlos der Allgemeinheit
erſchloſſen und zugänglich gemacht
wird, alſo auch vom wirtſchaftlichen
und ganz beſonders volkshygieniſchen
Standpunkt aus mit Genugtuung
zu begrüßen iſt. Wir dürfen auch
die Ueberzeugung haben, daß die
Herkunft und die Erſtehung des
Prinz=Emils=Gartens
Traditions=
verpflichtung auferlegt, die dafür
Sorge tragen wird, daß auch hier
ein Schmuckaſten erſteht, der zu
werden der Herrngarten mit
ſeiner Vollendung entgegenſieht.
Wer in den letzten Tagen, da der
Winter ſein Traumkleid über die
Erde gebreitet, durch den
Herrn=
garten ging, wurde immer wieder
entzückt von den auch im
Winter=
ſchmuck von Reif und Schnee ſo
ſchönen Szenerien, die ſich bei jeder
Wegbiegung dem Auge darboten. So
iſt der Herrngarten, ſo ſind alle
Gär=
ten Darmſtadts zu jeder Jahreszeit
Schönheit ſpendend. Wer nur zu
ſchauen verſteht, findet überall
Schönheit in der wundervollen
Na=
zur. Der wird auch einſehen und
verſtehen lernen, daß einer
Stadt=
verwaltung auch in Zeiten ſchwerer
wirtſchaftlicher Not die Verpflichtung nicht erſpart bleibt, für
dieſe Zwecke Opfer zu bringen, die dem Volksganzen dienen und
bei denen rechtzeitig Verſäumtes unvergleichlich höhere Opfer
zu anderer Zeit fordert.
M. 8t.
— Ernannt wurden: am 18. Januar: die Gewerbelehrer an der
Gewerbeſchule in Bensheim Ludwig Keßler und Wilhelm
Nahr=
gang mit Wirkung vom 1. Januar 19R7 ab zu Gewerbelehrern an
den gewerblichen Abteilungen der Fortbildungsſchulen im Bezirk
Bens=
heim” am 90. Januar der Oberheizer und Inſtallateur an der
Auf=
bauſchule in Bensheim Johann Klober zum Amtsgehilfen an dem
Gymnaſum und der Realſchule in Bingen, mit Wirkung vom Tage des
Dienſtantritts ab; am 25. Januar der Schulamtsanwärter Philipp
Schweickhardt aus Nieder=Ingelheim (Kreis Bingen) zum Lehrer
an der Volksſchale zu Dietzenbach (Kreis Offenbach a M.). — Durch
Boſchluß des Heſſiſchen Landesamts für das Bildungsweſen wurde der
Studienpeferendar Dr. Karl Steitz zu Darmſtadt zum Studienaſſeſſor
ernannt.
— Aus dem heſſiſchen Schuldienſt entlafſen wurde am 26. Januar
die techniſche Lehrerin Hedwig Hahn zu Darmſtadt auf ihr
Nach=
ſuchen mit Wirkung vom 1. Februar 1927 ab.
—Verſetzung in den Ruheſtand. Auf Grund des 8 1 des Geſetzes
Uber die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dez.
1983 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1925 (Reg=Bl. 6. 249)
treten am 1. Februar 1997 in den dauernden Ruheſtand: der Lehrer im
einſtweiligen Ruheſtand Jakob Braunewell zu Wieſeck (Kreis
Gießen), die Lehrerin im einſtweiligen Ruheſtand Dorothea Eva
Schü=
ler zu Mainz.
—Erledigt ſind: eine Schulſtelle für eine evangeliſche Lehrerin an
der Volksſchule in Angersbach (Kreis Lauterbach). Dienſtwohnung
iſt vorhanden; ferner ſind an der Vollsſchule in Offenbach folgende
1Schulſtellen zu beſetzen: 7 Schulſtellen mit evangeliſchen Lehrern, zwei
/Schuſtellen mit epangrliſchen Lehrerinnen und zwei Schulſtellen mit
Katholiſchen Lehrern.
— Lichtbilder=Vorträge von Fräulein Gütſchow. Der Kartenverkauf
Ffür die beiden Vorträge von Fräulein Gütſchow über die „Ausgra=
Wungen in Oſtig” findet außer im Leſeſaal des Gewerbemuſeums
gauch an der Abendkaſſe am 2. und 9. Februar von 5.30 Uhr an ſtatt.
—Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Sonntag, den 6. Febr.,
Findet, wie faſt jedes Jahr, gine Schneewanderung in den
Taums ſtatt. Trotz der warmen Witterung ſind die
Schneeverhält=
miſſe auf dem Feldberg noch günſtig, ſodaß den Wanderern vorausſicht=
Aich noch Winterfreuden in Ausſicht ſtehen. — Am Freitag abend findet
fäm Klublokal ein Lichtbildervortrag ſtatt. Mäheres ſiehe Anz)
laden iſt, insbeſondere die Eltern der Schüller. Herr Studienrat Dr.
Seiler wird an Hand von Lichtbildern ſprechen über ſeinen
Studien=
aufenthalt in Neapel. Sizilien uſw. — Am Freitag, den 4. Februar,
wird um 8 Uhr ein Film laufen über „Die Wunder des blauen
Golfes”, zu dem Herr Dr. Seiler einleitende Worte ſprechen wird.
— Rezitationsabend an der Techniſchen Hochſchule. Bezugnehmend
auf unſeren Artikel in der Montagnummer teilen wir noch ergänzend
mit, daß der Vortrag des Herrn Prof, Dr. Grohmann am Mitte
woch, den 2. Februar, abends 8 Uhr, im Hörſaal 326 ſtattfindet. Der
Vortrag iſt Effentlich. Eintrittskarten ſind zum Preiſe vo 60 Pfg. an
der Abendkaſſe zu haben.
— Vogelsberger Höhen=Club Darmſtabt. Nächſten Sonntag, den
6. Februar, findet die zweite Wanderung in dieſem
Wander=
jahre ſtatt. Sie führt von hier nach Stockſtadt, und verſpricht recht
intereſſant zu werden. Es wird erwartet, daß ſich die Mitalieder recht
zahlreich am Treffpunkt einfinden. Näheres iſt aus der Anzeige im
heutigen Blatte erſichtlich.
— Hefſiſches Landestheater. In der heute abend im Großen Haus
ſtattfindenden erſten diesjährigen Wiederholung von Mogarts „
Zau=
berflöte” ſingt Alfred Karen, hier zum erſten Male die Partie
des Saraſtro. Pamina: Margarete Albrecht. Beginn der
Auffüh=
rung 7 Uhr.
Die nächſte Neuheit des Schauſpiels wird das Luſtſpiel von Seribe
und Legoupe „Die Märchen der Königin von Navarra”,
im der Bearbeitung von Oto Stockhauſen ſein, die damit zum
erſten Male auf die Bühne kommt. Von Stockhaufen gelangte
bekannt=
lich vor zwei Jahren ſeine ausgezeichnete Bearbeitung des Luſtſpiels
„Ein Glas Waſſer” von Seribe mit außerordentlichem Erfolg zur
Auf=
führung.
Der fünfte ud letzte Beethovenabend des Drumm=
Quartetts am Mittwoch, 2. Februar, abends 8 Uhr, im Kleinen
Haus bringt die Streichquartette Op. 18 Nr. 5, Op. 74 und Op. 131.
— Fünfte Morgenfeier. Die fünfte, am Sonntag, den 6. Februar,
vormittags 11.30 Uhr im Kleinen Haus ſtattfindende Morgenfeier
eröffnet Oskar Grauert mit einer Reihe von Schumann=Liedern, u. a.
die „Lotosblume”, dann folgt Margarete Albrecht mit vier Liedern des
Meiſters, von dem der leider viel zu ſelten gehörte „Nußbaum”
ge=
ſungen werden wird. Im zweiten Teil der Morgenveranſtaltung
ver=
einigen ſich Margarete Albrecht, Anna Baumeiſter=Jacobs. Rudolf
Strzeletz und Oskar Grauert zur Wiedergabe der „Spaniſchen
Liebes=
lieber” von Schumann, wobei beſonders darauf hingewieſen wird, daß
es ſich hier nicht um das ſpaniſche Liederſpiel handelt, das in der erſten
dießjährigen Morgenfeier, am Sonntag, 14. November, zur Aufführung
gelangte. Die Begleitung am Steinway=Flügel haben Erich Niede und
Fritz Bohne. Preiſe 50 und 80 Pfg. Vorverkauf der Eintrittskarten
ab Donnerstag, 3. Februar, an der Tageskaſſe des Kleinen Hauſes und
bei Schutter (Eliſabethenſtraße).
— Schriftkurſe im Gewerbemuſeum. Der neue Schreibkurſus
unter Leitung von Herrn Heinrichſen beginnt am
Donners=
tag, den 3. Februar, um 5 Uhr im Hörſaal 41.
— Leſeabende der Stadtbiicherei. Mittwoch, den 2. Februar,
8 Uhr: Hans Prinzhorn: Geſpäche über Pſychoanalyſe.
Frei=
tag, den 4. Februar, 8 Uhr: Mittelalterkreis.
* Goldene Hochzeit. Herr Friedrich Happel und Ehefrau, hier
Luiſenplatz 5, begehen am Mittwoch, 2. Februar, das ſeltene Feſt der
Goldenen Hochzeit.
— Auf den Ski=Kurſus auf der Darmſtädter Ski= und Wanderhütte
im Schwarzwald vom 6.—13. Februar ſei hiermit nochmals hingewieſen.
Anmeldungen, werden bis ſpäteſtens Donnerstag im Sporthaus
Adelmann entgegengenommen. Daſelbſt auch Näheres.
Von Prälat D. Dr. Diehl.
163 Jahre ſind verfloſſen, ſeit die 1684 gegründete Griebelſche
Buchdruckerei an die Familie Wittich kam, in deren Beſitz
ſie ſich heute noch befindet. Ich biete im Nachfolgenden einige
Bilder aus der Entwicklung der Druckerei bis zum Uebergang
an das Haus Wittich.
In Darmſtadt wurde eine Druckerei erſtmalig im Jahre 1605
errichtet. Ihr Inhaber war Balthaſar Hofmann, der ſein
Geſchäft bis zu ſeinem im Auguſt 1622 erfolgten Tod betrieb.
Nach Hofmann haben in den nächſten 60 Jahren drei Drucker in
Darmſtadt ihr Geſchäft gehabt; zuerſt 1623 bis 1635 Johannes
Leinhoſe, dann nach einer Unterbrechung von einem
Viertel=
jahrhundert, in dem Darmſtadt keine Druckerei beſaß, in den 60er
Jahren Chriſtoph Abel, dann in den 70er und anfangs der
Dder Jahre Henning Müller.
Alle dieſe Druckereien gingen mit
dem Tod oder Wegzug ihrer Beſitzer
wieder ein. Die erſte Druckerei, die
einen über einen Inhaber
hinaus=
gehenden Beſtand hatte, iſt die
Griebelſche Druckerei, die
heutige Druckerei Wittich, die
wahr=
ſcheinlich im Jahre 1684 errichtet
und mit den von altersher für
Darm=
ſtädter Drucker üblichen Privilegien
ausgeſtattet war. Das Griebelſche
Geſchäft ging nach Griebels Tod an
ſeine Witwe über.
Da Frau Regina Walpungis
Griebelin nicht imſtande war, das
Geſchäft allein zu führen, war es für
ſie ein Glück, daß der fürſtlich
heſſi=
ſche Kanzelliſt und juris Candidatus
Gottfried Haußmann, ein
Sohn des geweſenen Tuchhändlers
Chriſtian Haußmann in Bautzen, ſich
entſchloß, eine Ehe mit der Griebelin
einzugehen. Aus der Geſchichte der
nunmehr Haußmänniſchen Druckerei,
deren Beſitzer nach wie vor
Staats=
beamter blieb und ſein Geſchäft
durch einen Faktor leiten ließ, iſt
zweierlei hervorzuheben. Erſtens die
Tatſache, daß Haußmann mit einem
Druckprivilegium begnadet ward,
das in dem nächſten Jahrhundern
für den Beſtand und die
Entwick=
lung ſeiner Firma von der
aller=
größten Bedeutung war. Zum
zwei=
ten die andere Tatſache, daß auch er
von den leidigen Konkurrenten viel
auszuhalten hatte.
Fohann Chriſtoph
For=
ter, der folgende Beſitzer der
Druckerei, war geborener Heſſen=
Kaſ=
ſeler. Er ſtammte von Sontra. Im
dem Leben Forters trat im Jahre
1717 dadurch eine weſentliche
Aen=
derung ein, daß der Buchbinder zum Beſitzer einer bereits über
30 Jahre beſtehenden Druckerei und zum Verleger ward. Die
Druckerei verpachtete er ſeinem Schwager Klug, der bald nachher
mit dem Titel eines „Hof= und Kanzleibuchdruckers” begnadet
ward und Pächter bis zu ſeinem im Jahre 1736 erfolgten Tode
verblieb. Die im April 1717 eröffnete Buchdruckerei fand ihr
Heim in einer Mietwohnung, in der ſie ſicher bis zu Klugs Tode
(1736), wahrſcheinlich aber noch länger verblieb.
Das Bild Forters wäre nicht vollſtändig, wenn nicht noch
zweierlei erwähnt würde. Zum erſten, daß er in Darmſtadt
hohes Anſehen genoß. Er war lange Jahre Mitglied des Rates
und bekleidete mehrere Ehrenämter. Zum zweiten, daß er ein
Mann war, der Gott im Herzen trug und das Herz auf dem
rech=
ten Fleck hatte. Letzteres geht aus einem Schreiben hervor, das
er, um den gebrückten Darmſtädter Buchbinderſtand gegen mit
Büchern handelnde Geiſtliche zu ſchützen, an einen Darmſtädter
Pfarrer abfandte.
Da Forter keinen Sohn hatte, war es ihm ein ernſtes
An=
liegen, dafür zu ſorgen, daß der Verlag beneben den Privilegien
ſeinem Haufſe nicht verloren gehe. Den beſten Weg zur Erfüllung
dieſes Wunſches fand er darin, daß er ſuchte ſeine älteſte
Toch=
ter einem ehrlichen Buchdruckergeſellen zum Weibe zu geben. Der
Tochtermann wurde Gottfried Heinrich Eylau. Er war
am 18. Mai 1698 „in der Stadt Rötha, 3 Stund von Leipzig” als
Sohn des Kirchners und Glöckners Andreas Eylau und der
Maria gebrorenen Fleck geboren. Am 21. März 1737 trat er in
die Ehe mit Maria Juliang Forterin, des Darmſtädter
Natsverwandten und Buchbinders älteſten Tochter, die damals
im 23. Lebensjahr ſtand.
Das wichtigſte Ereignis, das in die Zeit, da Eylau Inhaber
der Firma war, fällt, iſt unſtreitig die Errichtung der erſten
Darmſtädter Zeitung, des heutigen „Darmſtädter
Tag=
blatts”. Eylau begründete damit den Zuſammenhang ſeiner
Druckerei mit der Tagespreſſe.
Eylau hatte nur eine Tochter, keinen Sohn. Da auch er wie
ſein Schwiegervater Forter daran hing, daß das Geſchäft der
Familie erhalten blieb, lenkte er ſeine Gedanken, die Zukunft
ſeiner Jungfer betreffend, in derſelben Richtung, wie der
Schwie=
gervater Forter mit Eylaus Frau getan hatte. Die Erfüllung
Partie aus dem Darmſtädter Herrngarten
Wriches onferar in anfferer Heurigen Nainier Harten die jür as woirrangsssaſte?
Eine Preisfrage für unſere Leſer
anläß=
lch des odächnrigen Beſehensunſes
„Darmſtädter Tagblatt”.
SZur Beurteilung kommen alle Inſerate, die das Kemzeichen W. B.
eine Nummer tragen.)
In dieſer Sonderausgabe findet der Teſer eine gre
Anzahl von Anzeigen, die durch ihre gute Satzart 1
künſtleriſche Form beſonders wirken. Der Verlag des Dar
ſtädter Tagblatt aubeitet ſeit langer Zeit darauthin, daß unſe
Inſerenten ihre Anzeigen neuzeitlich geſtalten, damit dieſe ſie
loie Aufmerkſamkeit des Leſers erwecken.
Diesmal foll der Leſer das Urteil über die wirkungspol
Anzeige fällen; die Größe einer Anzeige allein entſchei
micht, ſondern die geſchickte und geſchmackvolle Aufmachu
Voll maßgebend ſein.
Unter den eingeſandten Stimmzetteln, lautend auf
Unterat, das die meiſten Stimmen erhalten hat, findet
Auslojung der nachſiehenden Preiſe ſtatt.
von Mk. 150.—
1 Preis
1 Preis".
von Mk. 100.—
von Mk. 75.—
1 Preis".
von je Mk. 50.—
2 Preiſe
5 Preiſe.
von je Mk. 25.—
20 Preiſe
von je Mk. 10.—
Jeder Teilnehmer an dieſem Preisausſchreiben darf nur
ein Inſerat begutachten. Die Einſendung des
neben=
ſtehenden Zettels muß bis ſpäteſtens 8. Februar abends
6 Uhr erfolgen und zwar in einem verſchloſſenen Kuvert
adreſſiert an den Verlag des „Darmſtädter Tagblatts” mit
der Aufſchrift „Betrifft Preisausſchreiben”.
Am 20. Februar veröffentlichen wir im „Darmſtädter
Tagblatt” die Reſultate. Die Preisträger erhalten tür obige
Beträge Gutſcheine ausgeſtellt auf Firmen ihrer Wahl, die
Teilnehmer des Anzeigenwettbewerbs waren. Gegen das
Ergebnis der Ausloſung iſt ein Einſpruch nicht möglich.
Von der Teilnahme an dieſer Preisfrage iſt das
ge=
ſamte Perſonal der L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei
ausgeſchloſſen.
Der Verlag
des „Darmſtädter Tagblatt”
Von den in der Nummer vom 1. Februar
veröffent=
lichten Wettbewerbanzeigen halte ich das Inſerat
W. B.—
— der Firma —
für das wirkungsvollſie.
Name: —
Adreſſe:
[ ← ][ ][ → ]Seite 24
Dienstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
dieſes Wunſches erlebte Eylau allerdings nicht. Er ſtarb im
Jahre 1762, ohne dieſen „ehrlichen und verſtändigen
Buchdrucker=
geſellen” gefunden zu haben. Vorerſt führte Eylaus Witwe mit
Hilfe eines Faktors das Geſchäft weiter. 1764 kam dann dadurch
wieder ein Mann ins Haus, daß der Geheime Kanzleiſekretär
Johann Georg Wittich ſich mit Eylaus einziger Tochter
Maria Juliana am 12. Juni dieſes Jahres verheiratete. Mit
Johann Georg Wittich kam in die Entwicklungsgeſchichte der
Griebelſchen Druckerei ein neues Element. Ein neues zu den vier
alten, die in Griebel, Haußmann, Forter und Eylau ihren
Ur=
ſprung ſehen. Wittich blieb es vorbehalten, eine innere
Bezie=
hung ſeines Geſchäftes zu dem geiſtigen Darmſtadt ſeiner Zeit
herbeizuführen.
Durch nun bald 134 Jahrhunderte iſt die Druckerei des
„Darmſtädter Tagblatts” und die „L. C. Wittich’ſche‟ Druckerei
im Beſitz der Familie Wittich. Gerade im Zeitungsverlag dürfte
das in Darmſtadt einzig daſtehen. Faſt alle alten deutſchen
Tageszeitungen haben ihren Beſitzer, oft mehrmals, gewechſelt.
— Religionsgemeinſchaftliche Vorträge. Von den drei geiſtigen
Nichtungen, die heute in erſter Linie die Lebensanſchauungen
beherr=
ſchen, der humaniſtiſchen, der katholiſch.n und der proteſtantiſchen iſt
die letztere, trotzdem in Deutſchland am meiſten ausgebreitet, zur Zeit
die unbekannteſte. Vor kurzem noch glaubte man das Weſen des
Pro=
teſtantismus zu verſtehen, wenn man ihn gleich dem Humanismus als
Aufklärungsbewegung verſtand. Dieſe Auffaſſung iſt
wiſſen=
ſchaftlich überwunden; zumal in den Schulfragen ſind infolge des
Underſchieds zwiſchen dem Chriſtentum und dem Neuhumanismus
hef=
tige Kämpfe entſtanden. Die neue wiſſenſchaftliche und dem wirklichen
Weſen des Proteſtantismus gerecht werdende Auffaſſung iſt vielen
noch nicht bekannt; am leichteſten abev kann ſich auch der Laie ein
eige=
nes Urteil bilden durch Darſtellung der geiſtigen Auswirkungen des
Proteſtantismus im Leben. Nachdem die Vorträge von Lie Wünſch
und D. Schöttler die Wivkungen des Proteſtantismus auf die Wirtſchaft
und auf das Volkstum behandelten, wird der nächſte der Vorträge von
Proteſtantismus und Literatur” handeln. Als Redner
iſt der Profeſſor für Literaturgeſchichte an unſerer Landesuniverſität
Dr. Viétor gewonnen worden. Er gehört der neueren Richtung der
Literaturwiſſenſchaft an, die die philologiſche Wiſſenſchaft in den
Rah=
men der Geiſtesgeſchichte ſtellt, und wird in objektiver Darſtellung
auf Grund neueſter Forſchungen die Wirkungen des Proteſtantismus
auf das geiſtige Schaffen der deutſchen Dichter und Schriftſteller
dar=
ſtellen. Der Vortrag findat Montag, den 7. Februar, abends
8 Uhr pünkklich, im F.ſtſaale des Gymnaſiums ſtatt. Eintrittskarten
zu 1 Mk. und zu 50 Pfg. (Studenten und Schüler die Hälfte) ſind im
Vorverkauf in der Buchhandlung von J. Waitz, Eliſabethenſtraße, und
der Papierhandlung von W. Heckmann, Mühlſtraße, zu beziehen.
— Premiere im Orpheum. Das Hamburger Operetten=Theater,
durch ſein November=Gaſtſpiel hier in beſter Erinnerung, beginnt heute
Dienstag, abends 8 Uhr mit der Erſtaufführung der Operette
„Die Tugendprinzeſſin” ein kurzes 2. Gaſtſpiel. — Die „
Tu=
gendprinzeſſin”, die zurzeit Hauptzugſtück vieler deutſcher Bühnen iſt
und überall, beſonders aber in Berlin, größte Erfolge zu verzeichnen
hatte, wurde unter der geſchickten Hand Dir. L. Bendiners (der
auch das „Champagner=Girl” herausgebracht hat) revueartig
ausge=
ſtaltet; die reizenden Liliputaner treten hierbei als „kleinſte
Büh=
nendarſteller der Welt” auf. Die Tänze der 8 „Champagner=
Girls”, ebenſo der Original=Pariſer Schönheits=Balletts „Les
ſom=
nambules hyſteriques” unter Leitung von Baroneſſe Lafaire,
geben der Geſamtdarbietung eine beſonders reizvolle Note. — Karten
von 1.10 Mk. an bei de Waal (Rheinſtraße 14) und im Verkehrsbureau).
(Siehe heutige Anzeige.)
— Martinsgemeinde. Familienfeier. Frau Suſanne Horn,
bei ihrem Auftreten ſtürmiſch begrüßt, hatte diesmal Lieder von C. M.
von Weber und Schubert gewählt, während ihr Gatte. Herr
Kammer=
muſiker Horn, eine Reihe von Violinvorträgen bot. Das beliebte
Ehe=
paar erntete begiſterten Beifall. Eine allbekannte Perſönlichkeit, ſtets
zum Singen bereit, iſt Herr Chorſänger Fritz Lang, deſſen Lieder (Arie
aus der „Zauberflöte” und Gralserzählung) nicht minderen Beifall
ent=
feſſelten. Zur Belebung der Feier trug weſentlich auch der
Poſaunen=
chor unter Leitung des Herrn Breitrück durch ſeine friſchen,
ermuntern=
den Weiſen bei. Auch ein Elfenreigen fehlte nicht. Ein beſonderes
Gepräge erhielt die Feier durch eine kleine Aufführug: „Aus
Peſta=
lozzis Leben‟. Herr Pfr. Beringer hatte ſchon in ſeinen
Begrüßungs=
worten auf die Bed=utung dieſes Volkserziehers hingewieſen. Sehr
eindrucksvoll und ergreifend war der Schluß: Peſtalozzi als Waiſenvater
in Stans. Die Mitſpielenden wurden ihrer Aufgabe mit Liebe und
Verſtändnis gerecht. Herr Pfr. Waitz dankte in ſeinem Schlußwort
allen Mitwirkenden beſonders Fräulein Weiße, der vührigen und
un=
ermüdlichen Schriftführerin, für ihre Mühe und Arbeit. Ein Einakter folgende Fuhrleiſtungen ausgeführt: 2) nach Taglohn: einſpännig 1998,
— „Die Unſchuld vom Lande” — beſchloß die Feier.
folgt und bedenkt, wie gering noch vor 30 Jahren die Zahl der
gewerk=
ſchaftlich organiſierten Arbeitnehmer war und dagegen die heutige
Stärke der Gewerkſchaften betrachtet, wird man erkennen, daß in der fnüheren Jahren, am 1. Dezomber ſtatt und erſtreckte ſich wieder auf das
Kaufmannsgehilfen, dem Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverband, die Feſtſtellung der vorhandenen Viehrafſen vorgenommen. Die
Schluß zu, daß der große Berufsverband ſich zu einer Volksbewegung 794, 2. Rindviehbeſtand 291 (darunter 191 Kühe, die nur zur
Milch=
auszuwachſen im Begriff iſt. Ueber das vorgenannte Thema wird das gewinnung gehalten wurden und 22 Kühe, die zur Milchgewinnung und
Mitglied der Verwaltung des D.H.V. Herr Max Habermann aus
Hamburg, M. d. RWR., einer der führenden Sozialpolitiker des Ver= nach der Raſſe ergibt folgendes Bild: Höhenvieh: heſſiſches Flockvich
bandes, am Donnerstag, den 3. Februar, abends im Fürſtenſaal ſpre=
Ortsgruppe Darmſtadt des D.H.V., der in den Genuß der am 1. Jan. 5. Ziegen 604 (darunter 1 Jahr alte und ältere weibliche Ziegen 528),
1927 in Kraft getretenen Altersrente des D.H.V. kommt, in entſpre= 6. Federvieh 21 861, und zwar: Gänſe, Gänſeriche und Gänſekücken 512,
den. (Siehe heutige Anzeige.)
Darmſiadt in der Statiſiik.
Der Januarnummer des Jahrgangs 1927 der Statiſtiſchen
Mhnatsberichte der Stadt Darmſtadt iſt folgendes zu ontnehmen:
1. Bevölkerungsſtand: Nach den polizeilichen
Fortſchreibun=
gen belief ſich die Bevölterungszahl der Stadt Darmſtadt Ende Dezem=
2. Bevölkerungswechſel: Im Kalenderjahr 1926 betrug die
männliche und 5373 weibliche) Perſonen und die der polizeilich gemelde=
Hiernach ergibt ſich für das Kalenderjahr 1926 ein
Wanderungs=
verluſt von 326 Perſonen (298 männliche und 28 weibliche).
Worms errechueten heſſiſchen Indexzahlen, die ſich auf Ernährung,
Bedarf (ohne Steuern und ſoziale Ausgaben) erſtreaen, betragen für bewußter leben!
iſt ſomit um 2,3 v. H. höher als die für September 1926.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten beträgt
für September 1926 142, für Oktober 1926 142,2, für November 1926 Freund und Führer ungezählter Tauſender von materialiſtiſcher zu ideu
143,6 und für Dezember 1926 144,3. Bei der Reichsindexziffer beträgt gerichteter Lebens= und Schickſalsbemeiſterung mit einen
hiernach die Erhöhung für die Vergleichszeit 1,6 v. H.
Die deutſche Großhandelsindexziffer hat ſich in den
vorgenannten Vergleichsmonaten ebenfalls ſtändig erhöht. Sie beträgt
— nach der neuen Berechnungsmethode ermittelt — für September
1926 134,9, für Oktober 1926 136,2, für November 1926 137,1 und für
Dezember 1926 ebenfalls 137,1. Die Erhöhung der deutſchen
Großhandels=
indexziffer beläuft ſich ſomit in der Vergleichszeit ebenfalls auf 1,6
v. H. wie bei der Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten.
4. Preiſe der wichtigſten Lebensbedürfniſſe und
für die Zeit vom 22. September bis 22. Dezember 1926 ergibt ſich, daß in
dieſer Zeit die Preiſe für nachbenannte Nahrungsmittel geſtiegen ſind:
Brot, Hülſenfrüchte, Kartoffel, Kalbfleiſch, Schellfiſch, Butter und Eier.
Die Marktpreiſe für Genüſe wechſelten. Der Milchpreis, der im
Sep=
tember 1996 um 1 Pf. (auf 33 Pf.) für den Liter erhöht wurde, iſt im
geblieben.
Vee
BCCHSTEIN GROTRIAN STEINMEG•BlATHNER
Rrt
5. Städtiſcher Fuhrpark. Der Fuhrpark hat in der Zeit
vom 1. April bis Ende September 1926 für die ſtädtiſchen Aemter
zweiſpännig 1154; b) nach Stunden: einſpännig 3971,5, zweiſpännig
— Vom Berufsverband zur Volksbewegung. Wenn man die Ent= 1556,5; e) beſondere Fuhren: einſpännig 4, zweiſpännig 37; 4) nach
wicklung der Gewerkſchaftsbewegung von ihren erſten Anfängen an ver= Kubikmeter 2605,79; e) nach Kilogramm 4119 225. An
Unternehmer=
geſpannen wurden beſchäftigt: einſpännig 1709, zweiſpännig 657.
6. Viehzählung: Die Viehzählung im Jahre 1926 fand, wie in
Bedeutung der Gewerkſchaften eine erhebliche Veränderung eingetreten Reichsgebiet: Gezählt wurden: Pferde, der Rindviehbeſtand, Schafe,
iſt. Die fruchtbringende Apbeit, die von der größten Gewerkſchaft der Schweine, Ziegen und Federvieh. Bei dieſer Zählung wurde erſtmalig
auf kulturellem und ſozialpolitiſchem Gebiet geleiſtet wird, läßt den Zählung für Darmſtadt hatte jeweils folgendes Geſamtergebnis: 1. Pferde
gleichzeitig zur Arbeit dienten). Die Verteilung des Rindviehbeſtandes
(Simmentaler) 87, Odenwälder 12, Niederungsvieh (ſchwarze und
rot=
chen. Außerdem wird anläßlich dieſes Abends der erſte Jubilar der bunte) 157, Kreuzungsprodukte 35. 3. Schafe 545, 4. Schweine 723,
chender Weiſe geehrt und ihm die erſte Rate der Rente überreicht wer= Enten Euteriche und Entenkücken 407 und Hühner, Hähne und Kücken
(ohne Trut= und Perlhühner) 20 942.
Wie erziehe ich mich ſelbſt?
Cous=Portrag in der Landesbauſchule.
Zu den „Pfunden” mit denen zu „wuchern” unſere Pflicht iſt, me
ber 1926 auf 42 267 männliche und 47 431 weibliche, zuſammen 89 758 hören auch die Kräfte, deren wir uns meiſt gar nicht bewußt ſind odr=
Berſonen, gegen 8.465 Perſonen bei der Vollszählung am 16. Juni 1925, die wir, wenn ihre nachteiligen Wirkungen ſich in irgend einer Wefe
Zahl der in Darmſtadt polizeilich gemeldeten Zugezogenen 1o 251 (4g78 fühlbar machen, gerne abtun möchſten als etwas nicht Beſtehendes, etwaß
für unſere Lebensführung nicht Beſtimmend.s. Wir möchten ſie nicht
ten Weggezogenen 10 577 (5176 männliche und 5401 weibliche) Perſonen, gelten laſſen, und doch ſind gerade dieſe unterbewußten Kräfte urd
Gedanken nicht Schall und Rauch, ſondern poſitive Kräfte, die
bi=
dend und formend in unſeren Lebensgang eingreifen, die, gewähren wr
3. Indexziffern: Die aus den Durchſchnittsteuerungszahlen ihnen Zutritt zu den bisher oeſchloſſenen Türen in unſerem Innereu,
der drei heſſiſchen Eildienſtgemeinden Darmſtadt, Gießen und ſich ergießen werden als Segensſtrom überall hin, ſpenden werden neu=8
Heizung und Beleuchtung, Wohnung, Bekleidung, Verkehr und ſonſtigen Leben, Geſundheit, Erfolg, Freude und — Friede: Pir müſſen
September 1926 142,38, Oktober 1926 143,09, November 1926 143,91 und Dies das Fundament, auf dem Pfarrer Gimmi am Samstag n
für Dezember 1926 145,71. Die heſſiſche Indexziffer für Dezember 1926 der Landesbauſchule vor zahlreichen Neugeiſtanhängern und =freundm
das Gebäude der Lehre Couds vom erſten Menſchentum
aru=
baute. Viel Neues läßt ſich über den Lebensprozeß, wie ihn Coué a3
oft ans Wunderbare grenzenden Erfolge praktiſch vorlebte, kaun
noch ſagen, aber auf das eine, das Wegweiſende, ſei immer wieder häu
gewieſen, jeder, der es ernſt meint mit harmoniſcher Lebensgeſtaltung,
ſo viele leiden Schiffbruch, ſo viele ſind krank, ſo viele unzufrieden mut
ſich ſelbſt, weil das Unangenehme, das ſie erfahren, eine
Kraru=
heit, die ſie befällt, erſt ſchlimm wird, ja ſogar zum Tobe
führen kann, durch die Vorſtellung, die wir davon
haben! Unſer größter Feind iſt alſo das eigene Weſen, ein durh
äußere Beeinfluſſung von Minderwertigkeitsgefühlen erfaßt=8, ni drigss
Kleiderpreiſein Darmſtadt: Aus den ſtatiſtiſchen Ueberſichten „Ich” ſo ſehr von der Einbildung eines Unvermögensgedanke s
feſtgehalten und gepeinigt, daß es jede Zielſetzung verliert, daß — und
das iſt das Schlimme — nicht wir ſelbſt, ſnodern andere unſer Leb g
führen. Wollen wir uns alſo befreien von dieſem Feinde, der unßr
Lebensglück zerſtört, ſo wüſſen wir, ſo ſonderbar das klingt, Sugg e
ſtion eben wieder durch Suggeſtion beſeitigen lerne n
November wieder auf 32 Pf. zurückgegangen. Die Preiſe für Be= Coué hat hierfür beſtimmte Formeln aufgeſtellt, wie etwa: „Gs ſt
kleidungsgegenſtände ſind in der vorgenannten Zeit ſtabil mir eine Freude, in dieſem Berufe tätig zu ſein”, „ich fühle, wie 4
mir beſſer geht mit jodem Tage”, „meine Arbeit macht mich froh
und frei” „es geht vorwärts” uſw. Gute, reine und harmoniſot
Gedanken müſſen es ſein, und ſie wüſſen ſo in unſer Bewußtſein treter,
daß wir an nichts anderes mehr zu denken vermögen als, wie wir diee
Gedankenzucht, der als beſte Förderin die Arbeit ſich zugeſell,
ſtets und ſtändig üben, am Morgen und am Abend, ſodaß wir
da=
ernd mehr Macht gewinnen über dies höhere, reichere Jo,
das nur eine Vorſtufe iſt höher hinauf zur „inneren Glückſeligkei.”
Wären Coués Vorſchriften nicht wohlbegründet durch pſychologiſche
Ta=
ſachen, kein Menſch würde ſie ernſt nehmen. Freilich, leicht iſt es nich
aber nur die Treueim Kleinen führt dem Ziele, das unverriät
bar feſtſtehen muß, näher und näher. So iſt manche Leidenſchaft
S=
ſchwunden (wir müſſen ihr ja nicht frönen!), Haß wurde verwandnt
in Liebe, und, oh Wunder, Kranke wurden wieder geſund. Es iſt
I=
wieſen, daß Autoſuggeſtion Störungen funktioneller Art vol
kommen geheilt hat; ſie hat aber auch bei Krankheiten mit organ
ſchen Veränderungen viel vermocht, wenn auch hier nur in der Wei.”
daß der Patient, der der ärztlichen Hilfsmittel niemals ganz entratm
möge, ſehr viel zun Heilung dadurch beitrug, daß er in der Lage war
die ſeeliſchen Komponenten des körperlichen uebe 9
zu beſeitigen und ſo ſeine Lebenskraft neu anzufachen. Ungehern
viel iſt, ſo bemerkte der Redner, auf geſundheitlichem Gebiete auf dime
Weiſe erreicht worden nur durch die Treue gegen ſich ſelbſt, was in Sitl
kunft noch weiter erreicht werden kann, wird von der vorwärts ſchreiter
den Erfahrung abhängen.
Von außerordentlicher Wichtigkeit iſt ein bewußtes
Nebeneinank-
von Maßnahmen und Vorkehrungen ſür den Erzieher. Eltern und Pi
dagogen ſollten daher beſondere Sorgfalt vrwenden auf die
Pfle=
des Gefühls= und Willenslebens, des Gemütes und Eis
Charakters des Kindes. Nicht Angſt und Schrecken fördern ds
Wachstum der Kindesſeele, nein, ſie müſſen, das gilt für den Pädagogxy
in erſter Linie, ihren Erzieher als Freund betrachten dürferl
Ins allgemeine übertragen: „Wo Pflicht und Neigung ſich
gleicher Richtung bewegen und alle Kraft im Dienge
des Erfolges ſteht, wird das Tagewerk eitel Luſt urd
Freude ſein!“
— Back=Kurfus. Wie aus unſerem Anzeigenteil erſichtlich, findur
unter der Mitwirkung des hieſigen Gaswerkes wiederum die einar
Großteil unſerer Leſerinnen bekannten Kurſe von Frau Dr. W. Jü
genſen ſtatt. Bisher hat die Kurſusleiterin ihre Back= und Süß
ſpeiſenkurſe immer nachmittags, die Vorſpeiſen= und Abendplattenkur”
dagegen abends erteilt. Diesmal wurde auf Wunſch derjenigen Daman
die teils nachmittags, teils abends verhindert waren, an dieſen Kurſſy
teilzunehmen, die Kursfolge geändert in der Weiſe, daß nunmehr am
Nachmittag der Vorſpciſen= und Abendplattenkurſus abgehalten wird
Wir wollten nicht verſäumen, unſere Leſerinnen einerſeits auf die
All=
haltung dieſer Kurſe, andererſeits auf dieſe Aenderung aufuerkſcm
gemacht zu haben, und verweiſen ſür alle weiteren Einzelheiten auf 5=
Veröffentlichungen in unſerem Anzeigenteil. Die Kurſe der Frau B=
Jürgenſen, die ja bereits von früher noch in beſter Erinnerung ſan
dürften, ſind von hohem Wert beſonders für die heranwachſende we ) Jugend. Ein Beſuch derſelben wird jeder Hausfrau und jedan
jungen Mädchen viele wertvolle und nützliche Kenntniſſe und
Anregu=
gen zur Ausgeſtaltung der feineren Küche vermitteln. Das Lokal,
dem die Kurſe ſtattfinden, wird in Kürze bekanntgegeben.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld der hieſigen höheren
Schull=
für den Monat. Januar 1927 iſt bei Meidung der Beitreibu-y
bis zum 10. Februar an die Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zu zahles
(Siehe auch Bekanntmachung im Anzeigenteil des Blattes.)
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Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1922
Geite 25
Darmſiadt — Rhein.
Seit Jahrzehnten erſtrebt man ſowohl in der Landeshauptſtadt wie
„och in den Städten und Gemeinden des mittleren Rheinheſſen,
nament=
in Oppenheim und Nierſtein, eine gegenſeitige bequeme Schnellver=
„dung, da bei einer Entfernung in der Luflinie von 21 Km. der
der=
rtige Bahnweg Oppenheim-Darmſtadt mit 51 Km. keine zeitgemäße
„hindung mehr darſtellt. Leider hat die Erwartung, daß die ſeit
ſwiger Zeit verkehrende Poſtkraftwagenlinie Darmſtadt—Groß=Gerau—
ſmenheim—Nierſtein dieſen Wunſch der Erfüllung näherbringen werde,
rogen: Der weite Umweg, den die genannte Kraftpoſtlinie
notge=
rrngen macht — bei den meiſten Fahrten beträgt die Entfernung
Darm=
pt4-Oppenheim 36 Km., und die Aufenthalte, die infolge der
Berüh=
zu g zahlreicher Ortſchaften notwendig werden, haben verhindert, daß
n. nennenswerter Durchgangsverkehr zwiſchen dem Rhein und
Darm=
ſot t und zurück aufkommen konnte. Die genannte Kraftpoſtlinie hat
viel=
nwr ihre Hauptbedeutung in dem Verkehr von Ort zu Ort, in welcher
6ysiehung ſie durchaus ſegensreich wirkt.
Um endlich die langerſehnte Fernverbindung herzuſtellen, hatten
c. auf Einladung des Heſſiſchen Verkehrsverbandes am Mittwoch, den
6 ds, Mts. im Sitzungsſaale des Rathauſes zu Oppenheim Vertreter
Provinzen Rheinheſſen und Starkenburg, der Kreiſe Darmſtadt,
wß=Gerau, Oppenheim, der Städte Darmſtadt, Oppenheim, Nierſtein,
„Areicher Gemeinden, der Induſtrie= und Handelskammern Mainz und
diacmſtadt, ſowie mehrerer Verkehrsorganiſationen zu einer eingehenden
Sſprache über den Plan der Herſtellung einer Schnellverbindung
wöſchen dem mittleren Rheinheſſen und der Landeshauptſtadt
eingefun=
er Nach eingehenden Beratungen wurde eine beſenvere Organiſation
erründet, die die Bezeichnung „Darmſtadt=Rhein e. V.” führt, ihren
zus in Oppenheim hat und deren ſatzungsmäßiger Zweck es iſt,
drurchgreifende Verbeſſerungen der
Verkehrsver=
imdungen mit dem mittleren Rheinheſſen und der
de ffiſchen Landeshauptſtadt” herbeizuführen. Der Verein
ſt änzwiſchen in das Vereinsregiſter des Amtsgerichts Oppenheim
einge=
renen worden und hat hierdurch Rechtsfähigkeit erlangt.
In einer ſofort einberufenen erſten Mitgliederverſammlung hat der
Feein ſeinen erſten Vorſtand gewählt, dem folgende Herren angehören:
I)s Vorſitzender der Vorſitzende des Heſſiſchen Verkehrsverbandes
Theo=
ſo:Stemmer= Darmſtadt, als Mitglieder die Kreisdirektoren der
riſe Groß=Gerau und Oppenheim, Dr. Merck und Herberg, die
B1rgermeiſter von Darmſtadt, Oppenheim und Nierſtein, Ritſert,
g.Rhumbler und Dr. Wollmer ſowie Regierungsrat Dr.
ſweſener. Syndikus der Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt.
Dis Mitgliederverſammlung beſchloß, mit allem Nachdruck ſofort die
Carxwirklichung des Planes in die Wege zu leiten.
Eine vom Heſſiſchen Miniſterium des Innern anberaumte
Be=
ſyrechung gab erwünſchten Anlaß, mit der für die Verkehrsentwicklung
dus Landes maßgebenden Behörde den Plan zu erörtern. Die
erſchie=
nanen Vertveter der Provinzen, Kreiſe und Gemeinden waren
überein=
tmmend der Auffaſſung, daß mit der endlichen Verwirklichung des
Lyojektes nunmehr nicht mehr länger geſäumt werden dürfe. Die
Ver=
hiürdung müſſe von vornherein ſo hergeſtellt werden, daß ſie eine
zuver=
äfſige, bequeme und preiswerte
Schnellverbin=
ſu ng des mittleren Rheinheſſen mit Darmſtadt
dar=
toke. Der Fahrpreis für die einfache Fahrt dürfe zwiſchen den
End=
mrkten Darmſtadt (Luiſenplatz) und Oppenheim=Nierſtein nicht mehr
ih—2 Mark, für Hin= und Rüfahrt höchſtens 3,50 Mark betragen, wobei
ü regelmäßig die Linie Benützende beſondere Preisermäßigungen
ein=
ſeääumt werden müßten. Zum mindeſten ſeien täglich drei
Fahrten=
ſa re auszuführen. Eine Garantieleiſtung durch irgendwelche Stelle
önne nicht in Botracht kommen.
Der anweſende Vertreter der Poſtverwaltung wurde gebeten, eine
Exſcheidung der Oberpoſtdirektion darüber herbeizuführen, ob ſie unter
ſei genannten Bedingungen, unter denen ein Privatunternehmer ſeine
Brreitwilligkeit zur Inbetriebſetzung der Linie erklärt hat, die
Betriebs=
ünrung der Linie übernehmen wolle. Falls die Reichspoſt in der Lage
me bereit iſt, ohne Garantieleiſtung zu den genannten gegenüber ihren
oifſtigen Einheitsſätzen ermäßigten Fahrpreiſen zu fahren, ſtünde
ſelbſt=
ſeüſſtändlich nichts im Wege, daß die Reichspoſt den Betrieb der
Schnell=
inge übernimmt. Andernfalls muß ein anderer Betriebsunternehmer
gewonnen werden, da den beteiligten Provinzen, Kreiſen, Städten,
Ge=
meinden uſw. nicht zugemutet werden kann, ein Riſiko für die Linie zu
übernehmen, wenn dies, wie im vorliegenden Falle feſteſteht,
unter=
bleiben kann.
Einmütig ſtimmten ſämtliche beteiligten Vertreter darin überein, daß
die bisherige Kraftpoſtlinie Darmſtadt—Groß=Gerau—Oppenheim—
Gun=
tersblum grundfätzlich beibehalten werden ſoll. Indeſſen ſoll erſtrebt
werden, durch eine zweckmäßige Geſtaltung des Fahrplans die bisher
notleidenden Teilſtrecken lohnender zu geſtalten.
Durch die Verhandlungen der letzten Tage iſt der bisher immer
wie=
der vertagte Plan eines engeren Anſchluſſes zwiſchen Darmſtadt
einer=
ſeits und dem mittleren Rheinheſſen andererſeits um ein weſentliches
Stück der Verwirklichung nähergebracht worden. Hoffentlich gelingt es,
die ſich der Ausführung des Planes noch entgegenſtemmenden
Schwierig=
keiten reſtlos zu überwinden. Eine Forderung muß an ſämtliche
Be=
teiligten geſtellt werden: Einſeitige Intereſſen, wie immer ſie geartet
ſein mögen, müſſen gegenüber der Notwendigkeit, das geſteckte Ziel zu
erreichen, den Intereſſen der Allgemeinheit
unter=
geordnet werden, die dahin gehen, die Schnellverbindung
zwiſchen Darmſtadt und dem Nhein auf dem naturgegebenen
kürzeſten Wege, der mangels einer direkten Bahnverbindung bis
auf weiteres über die durchgehende Provinzialſtraße Darmſtadt—
Gries=
heim-Wolfskehlen—Leeheim—Geinsheim-Kornſand führt, nunmehr
mit aller Beſchleunigung herzuſtellen.
— Adreßbuch. Es wird nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß
in dem demnächſt erſcheinenden Adreßbuch 1927 auch die Vereine und
Verbände aller Art (Berufsverbände, Turn= und Sportvereine, Geſang=
und Geſelligkeitsvereine, Vereine ſozialer Zwecke uſw.) wieder möglichſt
vollzählig aufgeführt werden ſollen. Zu dieſem Zwecke werden im
Stadthaus (Zimmer Nr. 41) Fragebogen ausgegeben. Die
Ver=
einsvorſtände werden gebeten, dieſe Fragebogen in Empfang zu
nehwen und möglichſt genau ausgefüllt umgehend wieder dort
abzulie=
fern. Wer es verſäumt, hat ſich ſpäter das Fehlen erwinſchter
An=
gaben im Adreßbuch ſelbſt zuzuſchreiben.
Polizeibericht. Warnung vor einem Betrüger! In
Kaſſel trat ein Betrüger auf, der Konzertſänger für ein Amſterdamer
Konzertunternehmen, deſſen Sekretär er ſei, engagierte Er ließ ſich von
den Betrogenen Beträge bis zu 48 Mk. zahlen, um für Reklamezwecke
Kliſchees anfertigen zu laſſen. Mit dem erhaltenen Gelde iſt der
an=
gebliche Sckretär verſch.vunden und die Geſchädigten warten vergeblich
auf ihre Anſtellung. — Wegen Bannbruchs wurde der Schloſſer Edm.
Felkel feſtgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. — Einer der
fugendlichen Täter, die Mitte Dezember vorigen Jahres einen 6ſitzigen
Horch=Perſonenwagen hier entwendeten und in Baden feſtgenommen
worden waren, iſt vor einigen Tagen aus der Anſtalt in Klein. Zimmern
entwichen, konnte aber bald danach hier wieder ergriffen und in die
Anſtalt zurückverbracht werden.
Lokale Veranſtaltungen.
* Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, findet in den dekorierten
Räumen der Rheingauer Weinſtube vom 1.—12. Februar das
bekannte Winzerfeſt ſtatt. Eine Künſtlerkapelle wird in rheiniſcher
Weiſe für Stimmung ſorgen.
Tageskalender für Dienstag, den 1. Februar 1927.
Heſſ. Landestheater Großes Haus A 11, Schülermiete
rot 6, Anfang 7 Uhr, Ende 101 Uhr: Die Zauberflöte‟ —
Kleines Haus, Anfang 6 und 8 Uhr, Film: „Das Paradies
Europas”, — Orpheum, abends 8 Uhr: „Die Tugendprinzeſſin”
— Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Lichtſpiele. — Deutſche Volkspartei:
Mitgliederverſamm=
lung abends 8 Uhr Loge Sandſtr. 10. — Konzerte: Schloß=Café,
Perkeo, Hotel Schmitz Rheingold, Weißer Turm, Rheingauer
Wein=
ſtube. — Tanz: Maxim, Taunusburg, Rheingold, Weißer Turm,
Café Haſſia Kappenabend.
Verſteigerungskalender für Mittwoch, den 2. Februar 1927.
Bürgermeiſterei Weiher, nachm. 2½ Uhr, Wirtſchaft Knapp:
Verpachtung der Wald= und Feldjagd.
* Ein Bürgermeiſter unter der Anklage von
Amts=
delikten, Betrug, Anterſchlagung und Untreue.
Aus der geſtern fortgeſetzten Beweisaufnahme iſt beſonders die
Ausſage des Zeugen Georg Reubold in Stockheim hervorzuheben, der
auch in recht draſtiſcher Weiſe die Vertröſtungen ſchildert, mit denen
Angeklagter ihn fortwährend hinzuhalten verſtand, er betont, daß auch
er beim Kreisamt abgewieſen und an das Gericht verwieſen worden
ſei. Reubold, als Gemeinderat, hat die Sache mit dem gefälſchten
Protokoll in dem Protokollbuch des Gemeinderats aufgedeckt. Die
Anklage wird auf einen weiteren Betrugsfall zum Nachteil des
genann=
ten Zeugen Reubold ausgedehnt. — Zeuge Walther drang in den
Angeklagten, er ſolle als Bürgermeiſter abdanken, da ſich die Gerüchte
über Unregelmäßigkeiten immer mehr verdichteten. — Der
Sachwer=
ſtändige erklärt die Buchführung der G. m. b. H. für mangelhaft und
unordentlich. Ein buchmäßig feſtgeſtellter Kaſſebeſtand war tatſächlich
nicht vorhanden. Schwierig iſt die Zahl der im Saiſonbetrieb
gemach=
ten Backſteinbrände feſtzuſtellen, es werden etwa 42—44 Brände
ge=
weſen ſein. Angeklagter hatte zu dem Zeugen Walther geäußert, daß
48 Brände gemacht worden ſeien. — Der Staatsanwalt geißelt mit
ſcharfen Worten, daß Angeklagter den Gemeindeſäckel und die G. m. b.
H. als melkende Kuh für ſich benutzt habe. Als das einzig mildernde
Moment bei der Strafbemeſſung komme die bisherige Unbeſtraftheit
in Betracht, ſtraferſchwerend erſcheine die gewiſſenloſe und ſkrupelloſe
Art, mit der Volk ſein Amt verwaltete.
Der Strafantrag geht auf eine Geſamtzuchthausſtrafe von zwei
Jahren 6 Monaten unter Anrechnung der Unterſuchungshaft und 1000
Mark Geldſtrafe (letztere Strafe nach § 349 St. G.B.), in zwei Fällen
wird Freiſprechung beantvagt. — Die Verteidigung verkennt nicht die
ſchwveren Verfehlungen, die dem Angeklagten zur Laſt fallen, aber eine
Neihe von Fällen der Anklage müßten ausfallen, ſo z. B. der Fall
Haußner, die Beziehungen zur G. m. b. H., die auf Schulden, nicht auf
Kapital aufgebaut geweſen ſei. Da die G. m. b. H. nicht proſperierte,
hätte man im Angeklagten den Sündenbock geſucht. Angeklagter habe
doch immer mit der Möglichkeit gerechnet, wieder auf einen grünen
Zweig zu kommen. Zum Punkt 1 der Anklage (Nr. 28 vom 28. Jan.)
vermißt die Verteidigung den ſtrikten Nachweis, daß die Vernichtung
des alten Gemeinderatsprotokolls in der Abſicht geſchehen ſei, ſich einen
Vermögensvorteil zu verſchaffen. Eine Schädigung der Gemeinde ſei
ja gar nicht eingetreten. Ein Motiv für die Fälſchung der Summe
(25 000 in 35 000) ſei nicht erfindlich.
Das Urteil lautet auf 2 Jahre Zuchthaus und 1000 Marb
Geldſtrafe, in drei Fällen erfolgt Freiſprechung. Die bürgerlichem
Ehrenrechte werden auf die Dauer von fünf Jahren abekannt. Auf die
Stafe werden 5 Monate Unterſuchungshaft angerechnet. Freiſprechung
erfolgte in dem Falle der Vereinnahmung des Geldes für den
Gemeinde=
ullen und in dem Falle der Unterſchlagung und Untreue zum Nachteil
der G. m. b. H., obwohl im letzteren Falle ein ſtarker Verdacht vorliegt:
Freiſprechung erfolgte ſchließlich auch im Falle Brunner.
Aus den Parteien.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt.
Wir verweiſen unſere Mitglieder auf die heutige Anzeige und bitten
nochmals um baldige Einzeichnung in die auf der Geſchäftsſtelle —
Rheinſtraße 22 — aufliegende Liſte.
— Deutſche Volkspartei Darmſtadt. Die jüngſten
politiſchen Vorgänge in Berlin beanſpruchen größtes Intereſſe. Nicht
alle Zuſammenhänge waren der Tagespreſſe zu entnehmen! Eine
Per=
ſönlichkeit, die die Ereigniſſe aus nächſter Nähe beobachtet hat, nämlich
unſer Reichstagsabgeordneter Dr. Becker, wird nunmehr darüber
berichten. Dieſer Vortrag findet heute abend um 8 Uhr im großen
Saale der Loge (Sandſtraße 10) ſtatt. Eintritt nur für Mitglieder! —
Wer von berufener Seite Näheves über einen außerordentlich
bemer=
kenswerten Abſchnitt der deutſchen Nachkriegsgeſchichte hören und mehr
über die Ausſichten und Pläne der neuen Reichsregierung erfahren
will, der beſuche heute abend die Mitgliederverſammlung. Eingeführte
Fveunde der Deutſchen Volkspartei willkommen! (Siehe auch die
heu=
tige Anzeige.)
k und
e Peilt
NHAUSSMANN
REKLAME
und Ihre Sattin muß. Kaffee, Tee, Abend- oden
Mittagessen auf unvollständigem oder abgestoßenem
und unmodernem dervice darreichen. Können elie
Ihrer lieben Gattin, sich selber und Ihren Freunden
größere Freude bereiten, als wenn eie Ihrer Frau
em neues, schönes, seitgemäß geformtes und
deko-
riertes Seschtr schenken? Gine reiche Auswahl in
Opeise-, Kaffee- und Cee-Geschirren, rinkservicen
usw. finden olie bei mir. Aber auch der echmuck
Ihrer Räume bedarf der zeitgemäßen Grneuerung.
Haben elie noch nie die vornehme Wirkung einer
Bleikristalloase oder =Bonboniere bewundert?
O Besichtigen eſie bitte unverbindlich meine großen Läger O
(W. B.191
Hermann Roſenthal
Kunstgewerbe 2. Forzellan e Kristalle
Seite 26
Dienstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
Famitiennachrichten
Da es uns nicht möglich iſt, für die
Geſchenke, Blumen und Glückwünſche,
die uns zur Goldenen Hochzeit zuteil
wurden, ſedem Einzelnen perſönlich zu
danken, ſprechen wir Allen, auf dieſem
Wege unſern herzlichſien Dank aus.
Rar
Ph. Diehl und Frau
Tannenſtraße 16.
Todes=Anzeige.
Am Sonntag früh iſt unſer lieber
Vater, Schwiegervater, Großvater
Bruder, Schwager und Onkel
Snloo Tauel
nach einem arbeitsreichen Leben
im Alter von 84 Jahren durh
einen ſanften Tod von uns
ge=
ſhieden.
Um ſtille Teilnahme bitten:
Die trauernd. Hinterbliebenen.
Waſchenbach, 80. Januar 1927.
Die Beeidigung findet Mittwoh
nachmitlag 3 Uhe vom
Sterbe=
hauſe aus ſtatt. 2115
Todes=Anzeige.
Allen Verwandten und
Bekann=
ten die traurige Nachricht, daß
meine gute Frau, unſere gute
Mutter, Schwiegermutter,
Groß=
mutter und Schweſter
Frau Zohanna Ganß
geb. Kartſcher
nach langem, mit Geduld
ertrage=
nem Leiden im Alter von 58 Jahren
ſanft verſchieden iſt
Um ſtille Teilnahme bitten
Die trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Ganß
und Kinder.
Darmſtadt, den 3I. Januar 1927.
(2729
Heidelbergerſtr. 87.
Die Beerdigung findet Mittwoch
nachmittag 3 Uhr auf dem
Wald=
friedhof ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzl.
Teilnahme beim Heimgange unſerer
lieben Entſchlafenen
Frau
geb. Hebbel
ſagen wir hiermit herzl. Dank.
Be=
ſonderen Dank Herrn Pfarrer
Be=
ringer für die troſtreichen Worte am
G:abe, der Kranz= und
Blumen=
ſpenden, ſowie Allen, welche während
der Krankheit ihrer in Liebe und
(*2619
Verehrung gedachten.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anna Graulich, Tochter
Familie Karl Hirſch.
Darmſtadt, den 31. Januar 1927.
Dankſagung.
Allen denen, die uns bei dem
Heimgang unſerer lieben
Ent=
ſchlafenen ihre Teilnahme
be=
zeugten, ſagen wir herzlichen
Oank, ebenſo Herrn Pfarrer
Scriba für die troſtreichen Worte
am Grabe und den Schweſtern
der Martinsgemeinde für liebe=
(2622
volle Pflege
Im Namen der Hinterbliebenen:
Georg Simon
Zugführer i. R.
Dankſagung.
Statt Karten.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Heimgang
unſe=
res lieben Entſchlafenen
Herrn Bäckermeiſter
Mrutit Glriebrih Mühr d.
ſagen wir auf dieſem Wege allen
Verwandten und Bekannten und
für die troſtreichen Worte des Herrn
Pfarrer Draudt, ſowie für die
zahl=
reichen Kranz= und Blumenſpenden
(*2728
unſeren beſten Dank.
Die trauernd Hinterbliebenen.
Gundernhauſen, den 31. Jan. 1927.
GeorgWillenbücher
Beerdigungs=Geſchäft
Darmſtadt• Herdweg ſtr. 6
Telephon 238
W.
Pribatſchule= Qucius
(Vorſchule für Knaben und
Mädchen mit Anſchluß an die
Sexta der höheren
Lehran=
ſtalten. — Die Anmeldung
von Kindern in das erſte
Schuljahr kann täglich von
4—5 Uhr nachm. erfolgen.
Ge=
burts= u. Impfſchein iſt mit=
(*2647
zubringen.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32.
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44. In dieſer Zeit wurden nahezu 4 Million Kochapparate für Kohlen,
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Lebens=
dauer unſerer Herde beträgt zirka 25 Jahre. Weit über eine halbe Million
der von uns gelieferten Herde ſind wohl noch im täglichen Gebrauch und
werben neue Abnehmer für unſer Fabrikat. Großkochanlagen aus unſerem
Werk befinden ſich in vielen weltbekannten Hotels des In= und Auslandes,
in den größten Krankenhäuſern und Ueberſeedampfern.
Roeder=Herde ſind in Bezug auf die Qualität des Materials und der
Ausführung, höchſien Wirkungsgrad und lange Lebensdauer unübertroffen.
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Seite 93
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[ ← ][ ][ → ]Seite 30
Dienstag, den 1. Februar 1927
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Nummer 32
[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 31
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Der VII. Liedertag in Eberſiadt.
Es adelt das Lied,
Herz und Gemüt.
II. In dieſem Jahre trafen ſich zum Liedertage, dem ſiebenten, von
fechs örtlichen Geſangvereinen nur fünf. Der ſechſte Verein hatte
ſchon alsbald nach dem vorjährigen Liedertag beſchloſſen, an den
künf=
tigen Liedertagen ſich nicht mehr zu beteiligen. Die für dieſen
bedauer=
lichen Entſchluß maßgebenden Gründe können hier unerörtert bleiben.
Eins aber ſteht feſt: der Liedertag wird ſolange als ſeiner vollen
Bedeutung verluſtig erklärt werden müſſen, ſolange auch nur ein Verein
gbſeits ſteht. Deun des Liedertages vornehmſte Aufgabe ſoll es ſein,
um alle Sänger, ohne Unterſchied ihres Standes, ihres politiſchen oder
ſonſtigen Bekenntniſſes, um die Geſamtheit ihrer Vereine am Orte
all=
jährlich wenigſtens einmal das ſchöne Band des
Zuſammengehörigkeits=
gefühls zu legen. Das war der tiefe Gedanke ſeines Gründers, wert,
von den den Geſang pflegenden Vereinen niemals vergeſſen zu werden.
Mögen ihre Führer daher um des Liedertages Sinn und Zweck willen
der, Verſuch nicht ſcheuen, bis zum nächſten Liedertag das unliebſame
Hindernis eines geſchloſſenen geſangsbrüderlichen Zuſammenwirkens zu
beſeitigen. Gelingt dies, ſo wird ſich über den zwar nicht böſe
gemein=
ten, aber durchaus verſtändlichen Vorwurf des Präſidenten des
Geſang=
vereins „Frohſinn” Brückner, noch reden laſſen, der ſeinen lieben
Eberſtädtern einmal gründlich die Meinung ſagte, weil ſie nach ſeiner
Anſicht dem Liedertage nicht die ihm gebührende Beachtung und
Unter=
ſtützung entgegenbringen. Mittel und Wege, den Beſuch zu heben,
dürf=
ten ſich wohl unſchwer finden laſſen.
Der Liedertag fand am Samstag abend im
Schwanenſaale ſtatt. Die muſikaliſche
Umrah=
mung ſtellte der Muſikverein „Edelweiß”, mit
einem 15 Mann ſtarken Orcheſter. Er eröffnete
den Abend mit dem flotten Marſch von Teike:
„In Treue feſt” und der Ouvertüre „Dichter
und Bauer”, von Suppé. Fräulein. Anna
Fiſcher ſprach dann zur Begrüßung
einen ſehr beifällig aufgenommenen Prolog mit
der ihr ſtets eigenen Schwungkraft des
Vor=
trages, Redakteur Heinz Heinrich Roth hielt die
Feſtanſprache, in der er den Geſang als eine
Verſchönerung des Lebens bezeichnete. Niemand,
ſo führte er aus, könne dies ernſtlich in Zweifel
ziehen. Im Lied liege eine Wunderkraft, die
jeder verſpüre, der noch Sinn für das Gute und
Schöne habe. Man könne ſich keine Gruppe
ſpie=
lender Kinder, keinen Reigen ohne lieblichen
Ge=
ſang, kein Feſt irgend welcher Art ohne ein
fro=
hes, jubilierendes Lied denken. Der Geſang im
Vereim ſei der Kern für ein frohes und geſundes
Gemüt im Volke. Das Volkslied bedürfe
beſon=
derer Pflege, weil es uns mit dem Weſen und
der Schönheit unſerer Heimat eng verbinde. Die
Muſik feierte der Redner als die untrennliche
Schweſter des Geſanges, die erſt rechte
Harmo=
nie geſtalte. Möge daher, ſo ſchloß Redner, ſtets
im Liede und der Muſik erklingen, was ſchön
und gut, edel und froh je zum Lob von Heimat
und Vaterland, von Natur und Liebe, zum
Preiſe Gottes und ſeiner Schöpfung unſer Herz
bewege.
Die geſanglichen Darbietungen der Vereine
beſchränkten ſich heuer auf den Vortrag je dreier
Chöre. Von Gruppenchören hatte man
abge=
ſehen. Geſangverein „Sängerluſt” (Dirigent:
Herr Bäniſch) eröffnete den Reigen mit dem
„Sängergruß” und dem Chor: „Grüß” mir die
Reben” von Sonnet. Im zweiten Teil trug er
die Chöre: „Abſchied” von Kirſchl und „Jugend”
von Gummel vor. Es fangen die übrigen
Ver=
eine wie nachſtehend: Geſangverein „Frohſinn”
(Dingent: Herr Pfeiffer) den Chor: „
Maien=
zeit” im erſten und die Chöre: „Schnitterlied”
(altes Volkslied 1837) von Berger und „Es hat
ein Bauer” von Blohner im zweiten Teil; Geſangverein „
Mäuner=
quartet Harmonie” (Dirigent: Herr Lehrer Knöß) den Chor:
„Durch junges Grün” von Clarus im erſten und die beiden
Chöre: „Wiegenlied” von Mozart und „Preis der Tanne” von Hochſchild, zu Grabe getragen. — Abendunterhaltung. Der
Podbertsty im zweiten Teil; Geſangverein „Liederkranz” (Dirigent:
berr Horon), den Chor: „Fremdenlegionär” von Wengert im
erſten und die beiden Chöre: „Negerknabe” von Pauly und Spielmann”
von ſrämer im zweiten Teil; Geſangverein „Germania” (Dirigent:
Herr Metzner) den Chor: „Wachauf” von Wohlgemuth im erſten und
die beiden Chöre: „Jugend” von Hummel und „Das Wandern iſt des
Müllers Luſt” von Müller im zweiten Teil.
Damit fanden die fünf Geſangvereine Gelegenheit, Proben ihres
Könnens abzulegen. Eine Würdigung im einzelnen entſpricht nicht dem
Sinn des Liedertags. Es darf daher genügen, die Darbietungen der
Vereine, die durchweg auf ſehr beachtlicher Höhe ſtanden und von dem
leiſtung zu regiſtrieren. Der Muſikverein „Edelweiß” half mit ſeinen oder nicht. Herr Bürgermeiſter Schwinn ſtreifte nochmals kurz die
im Laufe des Abends noch zu Gehör gebrachten Muſikſtücken worunter
der „Florentiner Marſch” von Futeick, das Potpourrie aus „Fledermaus”
von Strauß und der Walzer „Eſtudiantina” von Waldteufel
hervorge=
zur Befriedigung. Daß er ſich unentgeltlich in den Dienſt der edlen Sache
geſtellt hat, muß dem Verein und ſeinem Dirigenten, Herrn Karl
Geiß=
ler, beſonders angerechnet werden. Das Publikum zeigte ſich durch
lebhaften Beifall dankbar und nahm einen guten Eindruck von dem
Liedertage mit nach Hauſe.
Arheilgen, 31. Jan. Gemeinderatsbericht. In der letzten
Gemeinderatsſitzung wurde die Mitteilung des Kreisamts über die
Gebühren der Feldgeſchworenen bekanntgegeben. — Zur
Gemeinderech=
nung 1925 wurden die Kreditüberſchreitungen und Mehreinnahmen
ge=
nehmigt. — Zu der Bürgſchaf sübernahme für den gemeinnützigen
Bau=
berein beharrt die Verſammlung auf ihrem früheren Beſchluß, da es
ſich hierbei um unbelaſtete Objekte handelt und das Darlehen nur als
Zwiſchenkredit gegeben wird. — Der Notverkauf eines Faſelochſen
wird nachträglich gutgeheißen und der Ankauf eines neuen Faſels
beſchloſſen. — Die Verlängerung des Waſſerrohrnetzes nach den neu
gerrichteten Wohnbaracken am Dieburger Wege findet Genehmigung und
wird ein Zuſchlag zu den Löhnen der Arbeiter beſchloſſen. — Die
Wege=
hauſſierung bis zu den Baracken wird genehmigt und hierfür die Summe
von 300 Mark vorgeſehen. — Die Vergütung des Vertrauensmannes für
Ddie Kriegsbeſchädigten und Kriegshinterbliebenen wird für 1926 geneh=
Tmigt. — Die Uebernahme des Forſtwartſtellvertreters Fleck in den
Poli=
fzeidienſt findet die Zuſtimmung der Verſammlung — Als letzter Punkt
der Tagesordnung wurde noch die Einrichtung von Elternbeiräten an
der hieſigen Volksſchule beſchloſſen. — In der anſchließenden geheimen
Beitzung fanden noch verſchiedene Unterſtützungs= und Steu=
rſtundungs=
geſuche ihre Erledigung. — Bei dem am letzten Sonntag auf den
Schieß=
ſtänden am Karlshof ſtattgefundenen Wettſchießen beteiligte ſich
Dauch die hieſige Geſellſchaft „Weidmannsheil” mit ihrer 1. Gruppe, welche
mit 33 Ringen den erſten Platz belegen konnte. Auch gewann das Knüppelholz und 100 Wellen beziehen, nach Hauſe. Die Fuhrleute dräu=
EMitglied Heinrich Hochmuth die kleine Ehrennadel. Somit hat die
Ge=
lelſchaft Weidmannsheil drei Mitglieder, die Inhaber dieſer Auszeich= durch den fortſchreitenden Bahnumbau noch nicht geſperrten
Bahnüber=
nnung ſind.
* Erzhauſen, 29. Jan. Nächſten Dienstag, den 1. Februar, begeht
unſer allſeits geachteter und beliebter Arzt, Herr Dr. Spiro, ſein
25jähriges Jubiläum als praktiſcher Arzt in unſerer Gemeinde. Kranke
und Gefunde bringen ihm an dieſem Tag ihre beſten Glüchwünſche, denn
unermüdlich hat er es verſtanden, in dem verfloſſenen Vierteljahrhundert ſehr guten Beſuches erfreute. — Der Jahresball, den die hieſige
mit Rat und Tat jedermann beizuſtehen, ob bei Tag oder Nacht, wenn
er begehrt wurde, war er hilfsbereit. Seine Leutſeligkeit bei Arm und
Reich wird ihm beſonders angerechnet. Möge es Herrn Dr. Spiro
ver=
gönnt ſein, noch lange zum Wohle unſerer Gemeinde in voller
Ge=
ſundheit und Rüſtigkeit zu wirken.
Ck. Wixhauſen, 31. Jan. Oeffentliche
Gemeinderats=
ſitzung. Bei der Prüfung der Gemeinderechnungen pro 1925 er= gingen.
gaben ſich keine Beanſtandungen. Das Baugeſuch des Heinrich Jakobi
zwecks Einhaltung der ſeitherigen Baufluchtlinie in der
Erzhäuſer=
ſtraße wurde genehmigt. Die Vorgärten in der Mittel= und Dietergaſſe
werden von der Gemeinde angekauft und beſeitigt, um dadurch die zwei
Straßen zu verbreitern.
II. Eberſtadt, 31. Jan. Am Samstag wurde unter großer
Be=
teiligung der Bevölkerung der hier in beſtem Anſehen ſtehende
Kauf=
mann Ludwig Büttel zu Grabe getragen. Der Verſtorbene, welcher
im 70. Lebensjahre ſtand, war 40 Jahre hindurch bei der bekannten
Papierwarenfabrik G. C. Klebe als Büroangeſtellter und ſpäter als
Prokuriſt tätig. Lange Jahre hindurch gehörte er dem ev.
Kirchen=
vorſtande an. Der Verein „Soldatenkameradſchaft” gab dem Kameraden
unter Vorantritt einer Muſikkapelle das letzte Geleit. Der Vorſitzende
des Vereins, Herr Oſt, widmete ihm am Grabe unter Niederlegung einer
Kranzſpende einen warmen Nachruf. Weitere Kranzſpenden legten
nieder: Lehrer Roth namens des ev. Kirchenvorſtandes, Kaufmann
Ludwig Becker namens der Firma G. C. Klebe und Werkmeiſter
Vogelſang namens des Perſonals dieſer Firma. Pfarrer Paul
hielt die Grabpredigt.
Schloß Steinbach bei Michelſiadt i. O.
* Pfungſtadt, 28. Jan. Todesfakl. Dieſer Tage wurde unter
großer Beteiligung die nach längerer Krankheit geſtorbene Gattin des
hieſigen Rektors und Komponiſten A. Neff. Frau Eliſabeth Neff, geb.
Geſangverein „Harmonie”, deſſen Dirigent Lehrer Hofmann iſt, hält am
kommenden Sonntag abend im „Rheiniſchen Hof” (Koch) eine
Abend=
unterhaltung ab. — In der diesjährigen Hauptverſammlung des
1. Pfungſtädter Kohlenkaſſeſparvereins wurde, ein
umfangreicher Tätigkeitsbericht erſtattet. Beſonders hervorzuheben iſt,
daß der Mitgliederſtand die Zahl der Mitglieder vor dem Kriege
be=
reits überſchritten hat. Die Lieferung von Brennmaterial habe in den
letzten Jahren ſtark zugenommen. Eine außerordentliche
Hauptver=
ſammlung ſoll im Laufe des Sommers zur Beratung neuer Statuten
ſtattfinden.
* Pfungſtadt, 31. Jan. In der letzten Gemeinderatsſitzung
ernſten Beſtreben zeugten Beſtes zu bieten, als eine ſchöne Geſamt= ſollte entſchieden werden, ob Pfungſtadt mit Gas verſorgt werden ſoll
Frage, ob es nicht zweckmäßiger ſei, ein eigenes Gaswerk zu errichten.
Aber im Gemeindekollegium iſt dafür keine Neigung vorhanden.
So=
dann wurde die Frage erörtert, ob das Gasnetz ab Gaswerk Darmſtadt
hoben ſeien, den 7. Liedertag glücklich vollenden. Es gereiche dies ihm von der Gemeinde Pfungſtadt gelegt und finanziert werden ſoll, oder
ob dieſe Arbeiten von der Gasverſorgungsgeſellſchaft ausgeführt werden
ſollen. Sämtliche anweſenden Gemeinderäte einigten ſich dahin, dieſe
Arbeiten der Geſellſchaft zu übertragen. Zur Regelung all dieſer, die
Gasverſorgung betreffenden Fragen, ſoll ein Vertrag ausgearbeitet
werden, der beiderſeits alle Rechte und Pflichten feſtlegt. Dieſe Arbeit
wird einer im Anſchluß hieran gewählten Kommiſſion übertragen,
Herr Amtmann Kreiter von der Gasverſorgungsgeſellſchaft Darmſtadt
wurde hierauf zu der Sitzung hinzugezogen und ihm die gefaßten
Be=
ſchlüſſe mitgeteilt. Mit Worten des Dankes begrüßte Herr Amtmann
Kreiter die Annahme des Projekts und iſt überzeugt davon, daß die
Zuſammenarbeit immer hamoniſch verlaufen wird. — Das
Wirtſchafts=
konzeſſionsgeſuch des Ad. Gandenberger (Inhaber des u. T.) wurde
genehmigt. Ebenſo, fand das Geſuch des Guſtav Leichtweiß um
Ueber=
laſſung eines Bauplatzes in der Lindenſtraße Genehmiung. — Im
Ge=
meinderatsbericht vom 22. Januar muß es heißen, anſtatt
Weihnachts=
beihilfe: einmalige Beihilfe.
r. Babenhauſen, 30. Jan. Hier wurde am 27. Januar ds. Js. der
Verein der Reichskurzſchriftler geguindet. Zu Mitgliedern
ſeines Vorſtandes wurden die Herren Jakob Rock als Vorſitzender,
Adam Mohrhardt als Schriftführer und Ludwig Heinlein als
Nechner gewählt. Schon ſeit November v. J. hatten ſich die
Gründungs=
mitglieder zuſammengefunden, um durch gemeinſchaftliche Uebungsſtunden
ihre Kenntniſſe in d.r Reichskurzſchrift zu verbeſſern. So wurden bis
jetzt ſchon beachtenswerte Schreibgeſchwindigkeitserfolge erzielt
r. Babenhauſen, 28. Jan. Unſer Städtchen ſteht ſeit einigen Tagen
ganz im Zeichen der Holzabfuhr. Die Ortsbürger — es mögen
über 500 ſein — fahren von früh morgens bis abends ſpät ihr Losholz,
das ſie alljährlich v. der Gemeinde in Geſtalt von 6 Rm. Scheiter= und
gen abſichtlich mit der raſchen Abfuhr, da ſie die Gelegenheit der bis jetzt
fahrt an der Darmſtädter Straße noch ausnutzen wollen.
r. Babenhaufen, 30. Jan. Als närriſcher Auftakt zu der Kette von
Schützengeſellſchaft am Samstag abend im Saalbau „Deutſcher Hof”
veranſtaltete, nahm einen ſehr ſchönen Verlauf. Der Saal war
pracht=
voll geſchmückt, ſein grünes G=wand gab der Veranſtaltung einen
ſehr=
ſtimmungsvollen Rahmen. Die Kapelle Lautz=Wohlfahrt muſizierte
vor=
trefflich, ſo daß die Stunden, die die Schützen mit ihren Gäſten bei
ge=
mütlichem Zuſammenſein und Tanz verbrachten, nur zu ſchnell ver=
* Vielbrunn, 30. Jan. Kraftpoſt Main—Mümling. Im
Monat Dezember 1926 hat ſich auf der Strecke Miltenberg—Michelſtadt—
König ein Fehlbetrag von 565.55 Mark ergeben. Hiervon haben zu
leiſten der Stadtrat Miltenberg 56.,60 Mark, Bezirk Miltenberg 35.37
Mark, die Gemeinden Klein=Heubach 7.07 Mk. Vielbrunn 83.49 Mk.,
Kimbach 14.15 Mk., König 33.96 Mk. und Michelſtadt 52.36 Mk. Zu der
bis zum 30. Juni 1926 an die Oberpoſtdirektion Würzburg gezahlten
Garantieſumme von 3210,93 Mk. gewährt der heſſiſche Staat einen
Zu=
ſchuß bis zur Hälfte mit 1605 46 Mk. Es erhalten die Gemeinden Erbach
585. 63 Mark, Michelſtadt 568,01 Mark, König 208,55 Mark, Vielbrunn
202,02 Mark und Kimbach 23.25 Mark.
* Michelſtadt, 31. Jan. Die Inbetriebnahme des neuen
Selbſt=
anſchluß= und Fernamts hier hat Samstag nachmittag um 5 Uhr
ſtatt=
gefunden. Die Umſchlatung iſt, ſoweit man hört, ohne viel Störungen
ausgeführt worden. Bald nach Umſchaltung haben ſchon viele
Teil=
nehmer Verbindungen unter ſich hergeſtellt. Die Teilnehmer müſſen ſich
noch mehr mit den Angaben, der ihnen übergebenen
Benutzungs=
anweiſung vertraut machen, was in ihrem eigenen Intereſſe zu
empfehlen iſt.
* Erbach i. O., 31. Jan. Man ſchreibt uns:
Die Eiſenbahnverwaltung hat ſich jetzt endlich
ent=
ſchloſſen, die große Fläche um den hieſigen
Bahn=
hof, die bei Tau= und Regenwetter meiſt eine
große Pfütze bildete, mit grobem Schotter zu
überfahren. Die vor mehr als 50 Jahren
ge=
plaſterten Pfade darauf liegen jetzt tiefer als die
Beſchotterung. Das nennt man eine
Verbeſſe=
rung. — Von ſeiten der Stadt hat man die
Bahn=
hofſtraße im vorigen Jahre mit erhöhtem,
plat=
tenbelegtem Fußſteig verſehen; die Fahrbahn
je=
doch mit einem ſo minderwertigen Material
be=
deckt, daß ſie eine Schlammaſſe bildet. Das
Gleiche gilt für die neue „Lange
Bischen=
ſtraße”, die von neuen hübſchen Häuſern
einge=
faßt iſt. Das Ueberſchreiten dieſer Straßen
be=
darf eines Entſchluſſes, da ſie von Schmutz
ſtar=
ven. Aehnlich iſt es mit dem erhöhten Fußſteig
vom „Schützenhof” zum Kreisamt; dort kann man
freilich die mit Kleinpflaſter verſehene Fahrbahn
gehen. — Die Straßenverwaltung hat
jetzt eine ganze Anzahl Ahornbäume der
ſchönen Allee, die Erbach mit Stockheim verbindet
und einen beſonders vornehmen Zugang zu dem
Kreisſtädtchen bildet, fällen laſſen. Der eine
An=
lieger will an ſeinem Hauſe einen Benzintank
aufſtellen laſſen, einem anderen ſind die Wurzeln
der Bäume in ſeinem Garten nicht angenehm,
andere klagen über den Schatten der jetzt nahezu
fünfzigjährigen Bäume, welche der Gegend zum
Schmuck dienen. Würde man alle die wunderbarem
Bäume beſeitigen, dann würden wohl die Wünſche
und Klagen verſtummen. Alle Vorübergehenden
ſind empört über die Beſeitigung ſolcher
Schmuck=
ſtücke.
* Reichelsheim i. O., 31. Jan. Fräulein
Mar=
garetha Schmitt aus Kocherbach wurde infolge 46 treuer Dienſte im Hauſe Heil mit einem
Ehrendiplom nebſt einem Geldgeſchenk von
unſe=
rem Herrn Reichspräſidenten ausgezeichnet.
— Hirſchhorn, 31. Jan. Waſſerſtand des
Neckars: am 39. Januar 1927 104 Meter; am
30. Januar 1927 1.04 Meter.
* Lampertheim, 28. Jan. Der Mannheimer Bürgerausſchuß
beſchloß, ſämtliche Bahnſtrecken der Nebenbahnen Mannheim—
Secken=
heim-Heidelberg—Schriesheim-Weinheim und Mannheim-Käfertal—
Hoddesheim für elektriſchen Betrieb einzurichten, ſowie neue elektriſche
Bahnen über Ladenburg nach Schriesheim, von Rheinan—Brühl nach
Schwetzingen und von Sandhofen nach Lampertheim zu bauen.
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Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 35
9JTJ
Recht und Wirtſchaft
Dde
Einheitliche Arbeitsgerichtsbarkeit.
Das neue Arbeitsgerichtsgeſetz.
Von
Dr. jur. Fritz Koehne, Berlin.
Wie die vor faſt fünfzig Jahren erfolgte Vereinheitlichung des
Gerichtsverfahrens auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechts die
Schaffung des Bürgerlichen Geſetzbuchs und damit ein
Reichs=
zivilrecht an Stelle der zahlreichen Landesgeſetze ermöglichte, ſo
bedeutet auch der Erlaß des Arbeitsgerichtsgeſetzes vom 21.
De=
zember 1926 (RGBl. I S. 507 ff.) einen großen Fortſchritt für
die Ausbildung des neuen Arbeitsrechts, der bei ſeiner
Würdi=
gung beſonders hervorgehoben zu werden verdient, mag man
auch mit einzelnen Vorſchriften des Geſetzes nicht einverſtanden
ſein.
Das Geſetz hat den Arbeitsgerichtsbehörden den
weitaus größten Teil aller bürgerlich=rechtlichen
Streitigkeiten auf dem Gebiete des Arbeitsrechts
zuge=
wieſen, und zwar nicht nur die Streitigkeiten aus dem
einzel=
nen Arbeitsvertrage, zu dem in dieſem Sinne auch der
Lehrver=
trag gerechnet wird, ſondern ebenſo die bürgerlich rechtlichen
Streitigkeiten aus den beſonderen Rechtsverhältniſſen des
Ar=
beitslebens, ſo daß auch die Geſamtſtreitigkeiten aus
Tarifver=
trägen und Streitigkeiten aus unerlaubten Handlungen, ſofern
es ſich um Maßnahmen zu Zwecken des Arbeitskampfes oder um
Fragen der Vereinigungsfreiheit handelt, vor die Arbeitsgerichte
gehören. Selbſt die vermögensrechtlichen Anſprüche aus einer
Betriebserfindung müſſen ausſchließlich vor den Arbeitsgerichten
geltend gemacht werden. Alle dieſe Streitigkeiten werden vor den
Arbeitsgerichten in einem Urteilsverfahren ausgetragen,
welches ſich im allgemeinen dem Verfahren der ordentlichen
bür=
gerlichen Gerichte nach der Ziv’lprozeßordnung anſchließt, aber
den beſonderen Bedürfniſſen des Arbeitslebens auf beſchleunigte
und billige Durchführung der Prozeſſe weitgehend Rechnung
trägt. Neben dieſem Urteilsverfahren ſteht ein
Beſchlußver=
fahren, das als eine Art freiwilliger Gerichtsbarkeit auf dem
Gebiete des Arbeitsrechts bezeichnet werden kann. Dieſes
Be=
ſchlußverfahren betrifft in der Hauptſache Fälle aus dem
Be=
triebsrätegeſetz, wie z. B. die Auflöſung der Betriebsvertretung,
Berufung einer vorläufigen Betriebsvertretung, Entſcheidung
über die Einrichtung, Zuſtändigkeit und Geſchäftsführung der
Betriebsvertretung und Betriebsverſammlung. Auch für dieſes
Verfahren gilt im allgemeinen die Zivilprozeßordnung, ſoweit
nicht Abweichungen durch die freiere Stellung des Richters und
den Fortfall des Parteibetriebes bedingt ſind. Eine
Ueber=
tragung von Strafſachen an die Arbeitsgerichte, z. B. die
Be=
ſtrafung der Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften der
Ge=
werbeordnung, oder von Verwaltungsſtreitigkeiten, die auf dem
Gebiete des Arbeitsrechts nicht allzu häufig vorkommen werden,
iſt dagegen im Geſetz nicht erfolgt.
Die Vorſchriften des Geſetzes über die
Ver=
tretung vor den Arbeitsgerichten haben in
juriſti=
ſchen Kreiſen lebhaften Widerſpruch gefunden. In der erſten
In=
ſtanz ſind die Rechtsanwälte von der Vertretung der Parteien
vollſtändig ausgeſchloſſen worden; zur Vertretung berechtigt ſind
nur Mitglieder und Angeſtellte wirtſchaftlicher Vereinigungen von
Arbeitgebern oder von Arbeitnehmern oder von Verbänden
ſolcher Vereinigungen, die kraft Satzung oder Vollmacht zur
Ver=
tretung befugt ſind, ſoweit ſie für die Verein gung oder für
Mit=
glieder der Vereinigung auftreten und nicht neben dieſer
Ver=
tretung die Tätigkeit als Rechtsanwalt ausüben oder, ohne
Rechtsanwalt zu ſein, das Verhandeln vor Gericht gewerbsmäßig
gegen Entgelt betreiben. Die zur Vertretung vor den
Arbeits=
gerichten berechtigten Perſonen dürfen auch vor den bei den
Land=
gerichten gebildeten Landesarbeitsgerichten auftreten, wenn die
Veremigung, der Verband oder Mitglieder der Vereinigung
Par=
tei ſind; ſo wird der Anwaltszwang, der ſonſt bei den
Land=
gerichten und auch vor den Landesarbeitsgerichten gilt,
durch=
brochen. Der Ausſchluß der Rechtsanwälte läßt ſich nur mit der
hiſtoriſchen Endwicklung der Arbeitsgerichte aus den Kaufmanns=
und Gewerbegerichten, bei denen die Anwälte gleichfalls nicht
zu=
gelaſſen waren, und mit der angeblichen Verſchleppung des
Ver=
fahrens durch die Zuziehung von Anwälten begründen; er
ent=
hält auch inſofern eine beſondere Ungerechtigkeit, als nicht wenige
Anwälte an der Ausbildung des neuen Arbeitsrechts
hervorragen=
den Anteil haben."
Neben den Verfahrensvorſchriften enthält das
Arbeits=
gerichtsgeſetz die Beſtimmungen über den Aufbau der
Ar=
beitsgerichtsbehörden und iſt inſoweit mit dem
Gerichts=
berfaſſungsgeſetz vergleichbar. Während gegenwärtig noch die
Arbeitsgerichtsbarkeit von den verſchiedenſten Gerichten ausgeübt
wird, von denen die wichtigſten die Gewerbe= und
Kaufmanns=
berichte ſind, ſind nach dem neuen Geſetz die
Arbeitsgerichts=
behörden ausſchließlich die Arbeitsgerichte, Landesarbeitsgerichte
und Las Reichsarbeitsgericht. Damit wird die
Arbeitsgerichts=
barkeit nach dem Vorbilde der ordentlichen Gerichtsbarkeit auf=
Beraut, ſo daß ihre Träger in den mittleren und un eren
In=
ntanzen die Länder und in der oberſten Inſtanz das Reich
ſind, dagegen nicht mehr die Gemeinden, welche heute
in einem großen Teil des Reichsgebiets die Kaufmanns= und
Gewerbegerichte errichtet haben. In die ordentliche Gerichtsbar1
keit ſind die Arbeitsgerichtsbehörden aber nur im zweiten und
Hliiten Rechtszug eingegliedert; die Landesarbeitsgerichte
wer=
den bei den Landgerichten, das Reichsarbeitsgericht bei dem
Reſchsgericht errichtet. Dagegen werden die im erſten Rechtszug
eutſcheidenden Arbeitsgerchte als ſelbſtändige Gerichte errichtet,
wenn ihre Bezirke auch regelmäßig mit denen eines Amtsgerichts
zu ſammenfallen ſollen. Dieſe Trennung von der ordentlichen
Belichtsbarkeit wird gleichfalls mit der hiſtoriſchen Entwicklung
aus den Kaufmanns= und Gewerbegerichten erklärt.
In allen drei Stuſen der Arbeitsgerichtsbarkeit wirken neben
bechtsgelehrten Richtern Beiſitzer aus den Kreiſen der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit, was bei dem
Reichsarbeitsgericht, das nur über Rechtsfragen zu entſcheiden
Hay eine Neuerung bedeutet, deren Zweckmäß gkeit ſich erſt noch
weiſen muß. Die Laienbeiſitzer bei den Arbeitsgerichten und
den Landesarbeitsgerichten werden nicht wie urſprünglich die
Deſſitzer der Kauſmanns= und Gewerbegerichte gewählt, ſondern
von der höheren Verwaltungsbehörde im Einvernehmen mit dem
Pkoſidenten des Landgerchts auf die Dauer von drei Jahren
berufen. Dieſe Vorſchrift verwertet die günſtigen Erfahrungen,
Die mit einer ſolchen Regelung durch die Ausführungsverordnung
du der Verordnung über das Schlichtungsweſen vom 10.
Dezem=
der 1923 für die Ergänzung des Beiſitzerſtandes der Kaufmanns=
2 Sewerbegerichte gemacht worden ſind. Die rechtsgelehrten
Zokſitzenden und ihre Stellvertreter werden von der Landes=
Nmzverwaltung im Cinvernehmen mit der oberſten Landes=
Lehörde für die Soz alverwaltung beſtellt; ſie ſind in der Regel
Nrdentliche Richter oder ſie müſſen wenigſtens die Befähigung
Düm Richteramt haben. Ihre Beſtellung erfolgt zunächſt auf Zeit
und erſt rach dreijähriger Amtsdaust kann eine Anſtellung auf
Lebenszeit ausgedehnt werden.
Im Einzelfall entſcheidet das Arbeitsgericht in der
Zuſam=
menſetzung mit einem Vorſitzenden und je einem Beiſitzer der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bei Geſamtſtreitigkeiten vor dem
Arbeitsgericht und den Prozeſſen vor dem Landesarbeitsgericht
in der Beſetzung mit einem Vorſitzenden und je zwei Beiſitzern
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Senate des
Reichs=
arbeitsgerichts werden mit einem Vorſitzenden, zwei richterlichen
Beiſitzern und je zwei Beiſitzern aus den Kreiſen der
Arbeit=
geber und Arbeitnehmer beſetzt, ſo daß auch hier das
Laien=
element überwiegt.
Von den übrigen Vorſchriften des Geſetzes iſt noch
hervor=
zuheben, daß die Berufung gegen ein Urteil des
Arbeits=
gerichts und die Reviſion gegen ein Urteil des
Landes=
arbeitsgerichts nicht nur bei einem beſtimmten Streitwert
zu=
läſſig iſt, ſondern auch wegen der grundſätzlichen Bedeutung eines
Rechtsſtreits in dem Urteil des unteren Gerichts zugelaſſen
wer=
den kann. Dieſe weitgehende Nachprüfbarkeit der Urteile der
unteren Inſtanzen ſoll die einheitliche Auslegung des
Arbeits=
rechts gewährleiſten.
Die Maßnahmen zur Durchführung des
Arbeitsgerichts=
geſetzes ſollen mit dem Tage der Verkündung des Geſetzes
(28. Dezember 1926) beginnen. Im übrigen tritt das Geſetz,
ſo=
weit der Reichsarbeitsminiſter und der Reichsjuſtizminiſter
ge=
meinſam keinen ſpäteren Zeitpunkt beſtimmen, mit dem 1. Juli
1927 in Kraft.
* Aus Entſcheidungen des Reichsgerichts
und anderer Gerichtshöfe.
Schutz der Angeſtellten gegen Anſteckungsgefahr.
§ 618 BGB. bezweckt bekanntlich Schutz des
Dienſtverpflich=
teten gegen Gefahr für Leben und Geſundheit. Die ſtändig im
Telephondienſt beſchaftigten Perſonen dürfien insbeſondere
nach=
ſtehende Ausführungen, die einem Urteile des 3. Zivilſenats
des Reichsgerichts vom 16. Februar 1923 entnommen ſind,
in=
tereſſieren:
„Die Aufſichtsbeamten und insbeſondere der Vorſteher des
Fernſprechamdes tvaren geſſttzlich verpflichtet, die Angeſtellten
gegen Gefahren für das Leben und Geſundheit zu ſchützen.
Die=
ſer Pflicht genügten ſie nicht dadurch, daß ſie eine
Fernſprecher=
anfrage an den Poſtvertrauensarzt richteten, ob
Anſteckungs=
gefahr beſtände. Sie durften ſich mit der telephoniſchen
Ver=
neinung dieſer Froge, die wit der allgemeinen Ueberzeugung in
Widerſpruch ſtand, nicht begnügen, ſondern mußten auf eine
grünöliche Unterſuchung durch den Arzt drängen und ſich mit
ihm eingehend beraten, und als ſich die Kraniheit weiter
ent=
wickelte, auch ohne ärztlichen Rat, ja ſelbſt im Gegenſatze zu
einer ärztlichen Auskunft, das Zuſammenſein der X. mit
an=
deren Angeſtellten verhindern, um ihrer geſetzlichen Pflicht zu
ge=
nügen, da es für jeden verſtändigen Menſchen ohne weiteres klar
iſt, daß ein an ſtark vorgeſchrittener Tuberkuloſe Erkrankter eine
Anſteckungsgefahr für ſeine Umgebung bedeutet. Da ſie dies
ſchuldhaft unterlaſſen haben, haftet der Poſtfiskus nach den in
den §8 618, 278 BGB. zum Ausdruck gelangten allgemeinen
Nechtsgedanken, die auch für das öffentlichrechtliche
Beamten=
verhäliis gelten, der X. für den ihr dadurch erwachſenen
Schaden."
Fehlerhaft gebaute Rutſchbahn, Schadenshaftung.
Der Beklagte hatte auf einem von ihm gemieteten Platze
eine von einem anderen — fehlerhaft — gebaute Rutſchbahn
auf=
geſtellt und alsdann vermietet. Bei ihrem Betrieb war
Kläge=
rin zu Schaden gekommen. „Der Berufungsrichter (das
Ober=
landesgericht Frankfurt a. M.) irrt, wenn er meint, der Beklagte
hafte nicht für eine fehlerhaft bauliche Anlage, weil er die
Nutſchbahn nicht gebaut, ſondern nur aufgeſtellt habe und man
könne ohne Ueberſpannung der im Verlehr erforderlichen
Sorg=
falt von ihm nicht fordern, daß er ſie vor der Verpachtung
dar=
auf unterſuche, ob ſie Mängel habe, die bei nicht
ordnungsmäßi=
ger Unterhaltung gefährlich werden könnten. Dabei verkennt der
Berufungsrichter, daß der, der eine dem öffentlichen Verkehr zu
dienen beſtimmte Anlage errichtet, die Verpflichtung hat, dafür
zu ſorgen, daß ſie keine Gefahr für die Verkehrsſicherheit in ſich
birgt und daß er, wonn ſie fehlerhaft konſtruiert iſt, ſie eben nicht
aufſtellen darf. Er überſieht aber auch weiter, daß nach § 536
BGB. der Vermieter dem Mieter die Sache in einem zum
ver=
tragsmäßigen Gebrauche geeigmeten Zuſtande zu übergeben hat.
Daraus folgt aber auch ſeine Pflicht, ſich vor der Ueberlaſſung
an den Mieter Gewißheit von dem gefahrloſen Zuſtande der
Sache zu verſchaffen und in erhöhtem Maße gilt dies, wenn ſie
dem öffentlichen Verkehr zugänglich gemacht werden ſoll.”
Entlaſſung eines Teſtamentsvollſtreckers durch das Nachlaßgericht.
„Sie iſt, wie das Kammergericht Berlin ausführt, aus jedem
wichtigen Grunde gerechtfertigt. Solcher kann auch in einem
auch nicht ſchuldhaften Verhalten des Teſtamentsvollſtreckers
er=
blickt werden, das begründeten Anlaß zu der Annahme bietet,
ein längeres Verbleiben im Amte werde den Intereſſen des
Nachlaſſes und der daran beteiligten Perſonen ſchädlich oder
ge=
fährlich ſein. Das Amt iſt beſtimmt, ſofern nicht der Erblaſſer
den Vollſtrecker in ſeinem Teſtament bedacht hat, ausſchließlich
fremdem Intereſſe zu dienen und die ihm übertragene
Ver=
waltung iſt in der gleichen Richtung auszuüben Als Verwalter
fremden Vermögens darf daher der Teſtamentsvollſtrecker ſein
Amt nicht dazu benutzen, ſich ſelbſt ihm durch das Teſtament
nicht zugewieſene Vorteile zu verſchaffen und ſo mit ſeinen durch
das Geſetz und den Willen des Erblaſſers feſtgelegten Aufgaben
eigene Intereſſen zu verflechten.”
Vorſicht mit Blumentöpfen an Fenſiern.
Am 24. Auguſt 1920 fiel dem Kläger in der Nordſtraße in
Leipzig ein Blumentopf auf den Kopf, der dort unbefeſtigt vor
dem Fenſter einer Wohnung im 3. Stock geſtanden hatte. Die
Folge war eine ſchwere Kopfverletzung. Der Wohnungsinhaber
iſt in 3 Inſtanzen zum Schadenserſatz verurteilt. Reichsgericht
ſagt: „Es kann dahingeſtellt bleiben, ob Beklagter die Führung
des Haushalts, der von ſeiner 28 Jahre alten Schweſter anſtelle
ſeiner erkrankten Frau verſehen wurde, zu leiten hatte.
Jeden=
falls iſt die Haftung nach 8 823 BGB. gegeben. Kurz vorher
hatte der Umzug in dieſe Wohnung ſtattgefunden, ſodaß zunächſt
Unordnung hervorgerufen war. Die Anforderungen an die
Schweſter waren über das gewöhnliche Maß hnaus geſteigert.
Hiernach lag dem Beklagten die Pflicht ob, anſtelle der durch
Krankheit verhinderten Ehefrau die mit Einrichtung der neuen
Wohnung verbundenen Verrichtungen der Schweſter zu
über=
wachen, insbeſondere darauf zu achten, daß achtlos weggeſtellte
Sachen andern Menſchen keine Gefahr brachten. Dieſe
Aufſichts=
pflicht hat Beklagter fahrläſſig nicht erfüllt. (Wohl mancher wird
ſich gegen ſolche Gefahren verſichern wollen!)
Der Steuerabzug vom Kapitalertrag
im Einkommenſteuergeſetz.
Von
Dr. Paul Ruprecht, Syndikus der Dresdner Kaufmannſchaft.
Wohl kaum eine Beſtimmung des neuen
Einkommenſteuer=
geſetzes wird in Laienkreiſen ſo mißverſtanden, wie diejenige
über den Steuerabzug vom Kapitalertrag, die deshalb an dieſer
Stelle kurz und leicht verſtändlich erklärt werden ſoll.
Dieſe Steuererhebung iſt im § 23 Eink. St. G. vorgeſchrieben,
und zwar dahin, daß „bei inländiſchen Kapitalerträgen die
Steuer durch Einbehaltung von 10 v. H. zu erheben iſt” Aus
dieſem Wortlaut in Verbindung mit der Tatſache, daß dieſe
Be=
ſtimmung im Einkommenſteuergeſetz enthalten iſt, geht hervor,
daßſieſichnuraufdie Erhebungder
Einkommen=
ſteuer bezieht und nicht etwa, wie viele
Steuer=
pflichtige glauben, eine Wiedereinführung der
alten, mit dem Geldentwertungsgeſetz vom
20. März 1923 ſuspendierten
Kapitalertrags=
ſtener darſtellt. Von ihr hat man in der Erkenntnis, daß
dieſe Abgabe die Kapitalbildung, die das dringendſte Bedürfnis
unſerer Wirtſchaft iſt, behindert, Abſtand genommen.
Was zur Verwechſlung beider Steuern Veranlaſſung gibt,
iſt die ihnen gemeinſame Vorſchrift, daß ſie beide durch den
Schuldner vom Kapitalertrage abzuziehen und ſür den Gläubiger
an die Steuerkaſſe abzuführen ſind, was bereits die zweite
Steuer=
notverordnung als Neuerung in die Einkommenſteuererhebung
eingeführt hatte. Der Steuerabzug vom
Kapital=
ertrag des § 83 Eink. St. G. ſtellt alſo nur eine
Vorauszahlung aufdie Einkommenſteuer
inner=
halb und nicht etwa außerhalb von ihr dar. Er
erſtreckt ſich nur auf inländiſche Kapitalerträge, und zwar:
1. auf Dividenden, Zinſen, Ausbeuten und ſonſtige Gewinne.
aus Aktien, Kuxen, Genußſcheinen juriſtiſcher Perſonen und von
Genoſſenſchaften, ſofern bei letzteren die Zinſen je Mitglied und
Jahr 10 Reichsmark überſteigen,
2. auf die Einkünfte aus der Beteiligung an einem
Handels=
gewerbe als ſtiller Geſellſchafter.
3. auf Zinſen aus öffentlichen Anleihen, die entweder nach
Einführung der Rentenmark aufgenommen worden oder
wert=
beſtändig ſind.
Im Gegenſatz zum Kapitalertragsſteuergeſetz, das auch
Hypothekenzinſen dem Steuerabzug unterwarf, hat alſo das neue
Einkommenſteuergeſetz ſie und die Gewinne der Geſellſchafter
einer G. m. b. H. davon freigelaſſen, weil bei den erſteren der
Vorteil dieſer Erhebung durch die Schwierigkeiten ihrer
Nach=
kontrolle wieder aufgehoben worden iſt, und bei den letzteren im
Hinblick auf 8 57 Eink. St. G. konnte man dies um ſo leichter tun,
als Einkommen aus Hypotheken im allgemeinen aus Rückſicht
auf deren Eintragung ins Grundbuch verhältnismäßig
zuver=
läſſig angegeben wird.
Da nun allein aus techniſchen Gründen. dem Schuldner die
Prüfung der individuellen Verhältniſſe ſeines Gläubigers nicht
überlaſſen werden kann, ſo hat das Geſetz den Steuerabzug für
die angegebenen Kapitalerträge ohne Rückſicht darauf
vorge=
ſchrieben, ob die Gläubiger zu den im Inland unbeſchränkt
ſteuerpflichtigen Perſonen gehören oder nicht und ferner ohne
Berückſichtigung ihres Familienſtandes oder ſonſtigen
Ein=
kommens.
Das erſtere haben wir vom Auslande übernommen. So ſind
z. B. in England wie in Amerika die Zinſen inländiſcher
An=
leihen, die einem in Deutſchland wohnhaften Deutſchen zufließen,
ebenfalls dem Ster erabzug unterworfen, ohne daß die Beträge
dem Anleihebeſitzer erſtattet würden.
Wenn aber die Vorteile dieſes Verfahrens der
Steuer=
erhebung an der Quelle, auf das im Hinblick darauf, daß
Kapital=
einkommen ſich am leichteſten der Beſteuerung entziehen kann,
nicht verzichtet werden kann, nicht wie bei der
Kapitalertrags=
ſteuer verloren gehen ſollen, dann dürfen dabei Befreiungen
oder eine Berückſichtigung der perſönlichen Verhältniſſe des
Steuerpflichtigen nicht zugelaſſen werden. Aus dieſem Grunde
hat das Geſetz alſo davon Abſtand genommen.
Eine Erſtattung der nach dieſen Vorſchriften einbehaltenem
Beträge findet nur ſtatt, wenn das geſamte abgerundete
Ein=
kommen für 1925 1100 und für ſpätere Steuerabſchnitte den
Be=
trag von 1300 RM. nicht überſteigt und darin dem
Kapital=
ertragsſteuerabzug unterworfene Einkünfte enthalten waren. In
dieſem Falle werden aber auch nur nach §,94 Eink. St.G. die
5 RM. im Vierteljahr überſteigenden Beträge erſtattet.
Die Anrechnung dieſer Abzüge, die ſelbſtverſtändlich nur dann
geſchieht, wenn ſie auf die Einkünfte entfallen, die nach 8 92
Eink. St.G. veranlagt worden ſind, regelt 8 102 Eink. St. G. dahin,
daß ſie auf die nach § 25 Eink. St.G. für den Steuerabſchnitt
feſt=
geſetzte Steuerſchuld erfolgt. Soweit die angerechneten Beträge
die Steuerſchuld überſteigen, was bei reinem Renteneinkommen
durch die Nichtberückſichtigung des Familienſtandes faſt immer
der Fall ſein wird, ſind ſie nach der Veranlagung zurückzuzahlen,
ſobald die letztere nicht mehr angefochten werden kann.
Ueber die Erſtattung überzahlter Steuern enthalten die 88
128, 129, 130 und 132 der Reichsabgabenordnung nähere
Beſtim=
mungen, von denen für die Steuerpflichtigen beſonders
wiſſens=
wert iſt, daß Erſtattungsanſprüche im allgemeinen erlöſchen, wenn
ſie nicht bis zum Schluſſe des Jahres geltend gemacht werden,
das auf das Jahr folgt, in dem die Ereigniſſe, die den Anſpruch
begründen, eingetreten ſind. Bei den in Rede ſtehenden
An=
ſprüchen wird dies wohl ſtets der Tag ſein, an dem der
zuge=
ſtellte Steuerbeſcheid unanfechtbar geworden iſt. Ueberſteigen die
zu erſtattenden Beträge 300 RM., dann ſind ſie nach 8 132 R.A.O.
von der Entrichtung an mit 5 Prozent zu verzinſen, wobei jedoch
Zinsbeträge unter 10 RM. nicht ausbezahlt werden.
Landgericht Darmſtadt.
Uuzuläſſigkeit der Pfändung des Rangvorbehalts
(8 7 Aufw.=Geſetzes).
Die (aus anderen Gründen) as unzuläſſig zurückgewieſene
Beſchwerde iſt auch ſachlich nicht begründet. Die Befugnis, die
den Rangvorbehalt gewährt, iſt derart mit dem Eigentum
ver=
knüpft, daß ſie von dieſem nicht getrennt, und ohne es nicht auf
andere Perſonen übertragen werden kann. Wie die
Uebertra=
gung, ſo iſt auch die Pfändung der Befugnis ausgeſchloſſen.
(Vgl. 8 851 Z.PO., Quaſſowski 4. Aufl., 8 7. 1, Schlegelberger
Anm. 4 zu 8 7, Levis 883.) Auch die Eintragung einer
Siche=
rungshypothek mit vorbehaltenem Rang iſt nicht zuläſſig,
eben=
ſowenig die Pfändung des geſetzlichen Rechts des Eigentümers
auf Eintragung einer Eigentümergrundſchuld mit dem
einge=
tragenen Rang. (Vgl. näheres bei Quaſſowski a. a. O., dieſer
auch mit Recht gegen Bing J. W. 1925 S. 2571.) (Beſchluß vom
80. November 1926 I. T 203/26.)
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3)
Rummer 32
Der Ritt in vie Conne.
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(Nachdruck verboten.)
Alſo ſo was hätt’ ich mir nicht träumen laſſen.” Reimers
verſenkte die Hände behaglich in die Jakettaſchen. „Die ſind ja
heil.” konſtatierte er verblüfft.
„So was gibt’s” beſtätigte Jacobſen. „Und denk mal, ſiebzig
Pfennige habe ich gefunden.”
„Menſch, heute gehen wir ins Palais de Danſe!”
„Jacobſen ſieht aus wie in Graf,” ſagte Jonny Reimers.
„Wie n Graf,” wiederholte Hieronimy geringſchätzig. „Er
ſieht direkt aus wie ein Hochſtapler.”
Die drei gingen, mutig den Dingen ins Auge blickend, am
Rande des Tiergartens entlang. Dort drüben glühte die
La=
ternenreihe der Charlottenburger Chauſſee. Und, ſeltſam genug,
in der Haltung der beiden andern ſchimmerte ein ganz leiſer
Reſpekt vor dem raglantragenden Jacobſen auf.
„Jetzt ein paar Würſte,” meinte Reimers, „und dazu ein
Glas Bier.”
„Und ein paar Zigaretten,” ſetzte Jacobſen hinzu.
„Warum nicht gleich Sekt,” lachte Hieronimy. „Ihr ſeid
Phantaſten. Weiß Gott, was uns blüht.”
Jacobſen drückte den Hut, dieſen wunderbaren, ſteifen,
leder=
gefütterten Hut, zärtlich auf die Schläfen. „Vergeßt nicht; dies
alles haben wir uns geliehen. Dieſe Anzüge und dieſen Mantel
und die Hüte und die Schuhe. Eine Woche lang gehört es uns.
Wir wollen nicht überſchnappen, weil wir Glück gehabt haben.
Win bleiben zuſammen und warten ab, was da kommt.”
„Da kommt zunächſt ein Auto,” ſagte Hieronimy, „nimmt dich
in acht.”
Ein dicker Herr, der Typ eines Kommerzienrats, ſaß im
Fond des Wagens. Sein Blick ſtreifte die drei Männer — nein,
die drei Herren — und plötzlich, während ſeine Augen über
Jacobſen glitten, zog er den Hut. Gleichzeitig rief er ſeinem
Chauffeur etwas zu. Knirſchend ſtoppte der Wagen.
Die drei fahen ſich an.. „Was will denn der?” erkundigte
ſich Jacobſen.
„Frag” ihn,” ſpottete Hieronimy.
Der Schlag des Wagens öffnete ſich. Der Inſaſſe ging, den
Hut in der Hand, auf die drei zu. Und indem er Jacobſen die
Rechte entgegenſtreckte, ſagte er in jubelndem Ton:
„Welch eine Freude, Mr. Vandergult, Sie in
Europa zu treffen!“
Jacobſen warf einen Blick nach links auf Reimers und einen
Blick nach rechts auf Hieronimy. Die ſahen beide intereſſiert
ge=
radeaus.
„Jawohl,” ſagte er.
„Sie kennen mich doch noch?” fragte der fremde Herr mit
einer Stimme, die noch jubilierender klang als zuvor. „
Kom=
merzienrat Sudicatis! Darf ich fragen, was Sie hier in Berlin
machen?” Uebrigens, wo wohnen Sie, Dumme Frage,” lachte
er ſich ſelbſt aus, „im Adlon natürlich. Und dieſe beide Herren?
Wohl Geſchäftsfreunde? Alſo im Tiergarten muß man ſuchen,
wenn man den reichſten Mann Amerikas treffen will. Nein, wie
komiſch!”
„Ja,” ſagte Jacobſen. „Es iſt zum Totlachen.”
Ich glaubte faſt, Sie wären abgereiſt, ohne mir überhaupt
die Ehre erwieſen zu baben!“
„Ich bin in der Tat ſozuſagen nur auf der Durchreiſe da.‟
„Wiſſen Sie, woran ich Sie erkannt habe? An Ihrem Ulſter.
Es gibt nur ein Mann auf der Welt, der dieſe fabelhaften Stoffe
trägt. Der iſt, wenn ich nicht irre, aus Ihrer eigenen Weberei."
„Natürlich,” ſagte Jacobſen.
„Bin ich ein Textilfachmanm?” triumphierte Herr Sudicatis.
„Ein Blick, und das Fabrikat der Weberei Vandergult iſt
ent=
deckt.”
„Es iſt fabelhaft,” ſagte Jacobſen.
„Als ich dieſen Ulſter ſah, wußte ich: dort geht Cornelius
Vandegult ſpäzieren. Wie ein einfacher Bürgersmann. Aber
da ſieht man die Kultur des wahren Reichtums. Oder den
Reichtum der wahren Kultur. Oder man könnte auch ſagen . . ."
„Sie werden entſchuldigen,” ſagte Jacobſen. „Um es Ihnen
offen zu ſagen: wir haben nämlich Hunger.”
„Welch ein wundervolles Deutſch Sie ſprechen! Man merit
ſofort, daß Sie in Deutſchland ſtudiert haben. Und Hunger haben
Sie? Meine Herren, das iſt goldig. Darf ich Ihnen einen
Vor=
ſchlag machen? Erweiſen Sie mir die Ehre und ſteigen Sie in
meinen Wagen — Ihre Geſchäftsfreunde ebenfalls, und nehmen
Sie bei mir einen kleinen Imbiß.”
„Gott,” ſagte Jacobſen und ſah ſich achſelzuckend nach den
beiden um. Die zwinkerten ihm lebhaft zu.
„Alſo ſagen Sie ſchon ja.”
Die drei ſtiegen ein; der Chauffeur hielt die Hand
ſalu=
tierend an die Mütze.
Eine Villa tat ſich vor den dreien auf — ein Herrenzimmer,
ein Speiſeſaal mit franzöſiſchen Gobelins, mit Languſten und
Faſan, mit Kapaun= Croquetts, mit kaliforniſchen Früchten und
mit Vordure Madeleine. Und eine Halle mit Klubſeſſeln von
unergründlicher Tiefe — mit Importen in zwanzigerlei Kiſten,
mit Zigaretten und Likören aller Art.
Und der Kommerzienrat Sudicatis konſtatierte mit
geſchmei=
chelter Andacht, daß er ſich nicht erinnern konnte, jemals Gäſte
beherbergt, zu haben, die einen derartigen Appetit entwickelt
hatten wie Herr Vandergult und ſeine Freunde. Während der
fünf Gänge des Deſſerts bereits hatte der Gaſtgeber ſeinen
illuſt=
ren Beſucher von der Seite angeblinzelt; eben, als er ihm
eigen=
händig die Sahne in den Mokka goß — doppelt loviel als nötig
war, hier war alles reichlich — lagte er blinzelnd:
„Ich habe eben eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Soll
ich Ihnen ſagen, was Sie ſind?”
Jacobſen ſchob den Seſſel mit einer ſchreckhaften Bewegung
zurück und blicte hinüber zu den beiden Freunden. Auch ſie
hatten die alarmierenden Worte vernommen.
her
„Sie ſind obdachlos,” ſagte der Kommerzienrat.
Jacobſens Hand klatſchte auf die Lehne. „Woher
Wo=
Der Kommerzienrat zog den goldenen Chronometer. Alls
Züge ſind fort. Und Ihr Gepäck iſt natürlich mit. Sie haben lein
Stuck mehr hier in Berlin.”
Jacobſen beſtätigte dieſe Vermutung.
„Alſo, das iſt großartig. Soll ich Ihnen die Wahrheit ſagen?
Ich habe ſchon ans Hotel Adlon telephoniert, daß Sie heute dort
übernachten werden. Und draußen ſteht ein kleiner Koffer, fertig
gepackt mit dem Nowwendigſten, was der Menſch ſo braucht. Das
hatten Sie nicht erwartet, was?"
„Nein,” ſagte Jacobſen.
Die beiden Freunde zündeten ſich eben beruhigt Zigarren am
von Dimenſionen, die ſie noch vor zwei Stunden nicht für
mög=
lich gehalten haben würden. Jacobſen ſah ein, daß er über ihre
Haltung wachen müſſe. Er erhob ſich ein ganz klein wenig
un=
ſicher.
„Lieber Kommerzienrat. Ich bin wahrhaftig müde. Wenn
Sie alſo nichts dagegen haben
„Aber wie ſollt’ ich! Das Auto ſteht vor der Tür. Ich
be=
gleite Sie ſelbſtverſtändlich.”
Während ſie die Treppe hinuntergingen, ſogte der
Kommer=
zienrat: „Sehen Sie mal.‟ Dabei ſtreichelte er zärtlich ſeine
Hoſe. „Kennen Sie das?"
Fritz kannte es nicht, und er verſtand überhaupt nicht, was
Herr Sudicatis meinte.
„Vandergult. Weberei Vandergult. Alles Vandergult.”
„Ach ſo. Natürlich.”
Der kleine Koffer wit dem Notwendigſten erwies ſich als ein
rindledernes Ungetüm mit tauſend Dingen, von denen die drei
bisher nur zum Teil gehört hatten: vom ſeidenen Oberhemd bis
zu den Hanöſchuhen, fehlte nichts. Daneben Neceſſaires in allen
Größen, mit ſo vielen Scherem, Bürſtchen, Feilen, daß Hieronimy
ſofort innerlich ſeine Taxation fertig hatte: Geſamtwert unter
Brüdern 1000 bis 2000 Mark.
Das Auto hielt vor dem nächſten Hotel. Ein Spalier ſich
tief verneigender Livrierter empſing Herrn Vandergult aus New
York, der inzwiſchen auch für ſeine beiden Geſchäftsfreunde —
ſie hatten ihre Anſchlüſſe nach auswärts ebenfalls verſäumt —
Zinmer verlangt hatte.
In dicken Läufern ertrank der Lauf ihrer Schritte.
Licht=
ſignale dirigierten geräuſchlos einen Stab gehorſamer Diener —
weiße Türen öffneten ſich, führten in ſchimmernde Gemächer voll
Duft und Glanz und Farbe. Seidene Frauenröcke kniſterten,
leuchtende Augen muſterten voll unterwürfiger Neugier den
in=
vereſſanten Gaſt, deſſen Name wohl ſchon durch das Haus
ſchwirrte.
Bei einer Flaſche Burgunder ſaßen die drei zuſammen auf
Jacobſens Zimmer und beſprachen die Ereigniſſe dieſes
ſelt=
ſamen Tages. Aber ihren müden Händen entfielen die
dampfen=
den Zigarren, und ihre Hirne, übevanſtrengt, verwirrt und
über=
wältigt von den unfaßbaren Dingen dieſer Stunden waven nicht
im Stande, Neues aufzunehmen. „Und dann Klante=Konzern”
ſagte eben Hieronimy und blickte ſich um.
Keiner antwortete; die beiden lagen in ihre Seſſel
zurück=
gelehnt und rührten ſich nicht.
Da machte auch er ſichs bequem. Und während er noch
be=
hutſam die Zigarre auf dem Lederbezug des Schreibtiſches
aus=
löſchte, ſchlief er ein.
(Fortſetzung folgt.)
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154 / Teiehh."
Reich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
wsN. Schweres Unglückauf der
Schil=
lerſtraße. Am Samstag nachmittag gegen 4 Uhr
fprang der Kaufmann Rudolf Gunſch auf der
Schiller=
ſtraße von einem fahrenden Straßenbahnzug, ohne
darauf zu achten, daß neben dem Straßenbahnzug
ein Motorfahrer fuhr. Er wurde mit voller Wucht
angefahren und überſchlug ſich, wobei er einen
ſchweren Schädelbruch erlitt, an deſſen Folgen er kurz
darauf verſtarb. Der Motorfahrer wurde nicht
verletzt.
Der Frankfurter Milchverbrauch.
Frankfurt a. M. Nach amtlichen
Ermitt=
lungen verbrauchte die Bevölkerung des Stodtkreiſes
Frankfurt a. M. im Monat Januar 1927 täglich
150 000 Liter Milch. Hiervon werden durch eigene
Viehhaltung von den hi ſigen Milchkuranſtalten,
Gütern und Landwirten etwa 7000 Liter erzeugt.
Durch hieſige Sammelſtellen und Molkereien werden
eingeführt und abgeſetzt a) ohne nichmalige
Be=
arbeitung etwa 28300 Liter, b) mit nochmaliger
Be=
arbeitung etwa 63 000 Liter, zuſammen alſo 91 600
Liter. Durch hieſige Milchhändler werden
unmittel=
bar von auswärtigen Molkercien, Sammlern und
Landwirten eingeſührt: von Molkereien etwa 25000
Liter, von Sammlern und Landwirten und Gütern
atwa 26 400 Liter, zuſammen alſo 51 400 Liter. Mit
dem Milchvertrieb beſchäftigen ſich in Frankfurt
a. M. außer 14 Sammelſtellen und Molkereien nebſt
Filialen rund 310 Milchhändler.
Abonnements im Berliner
Kraftdroſchken=
verkehr — Ein Projekt der Innung Vereinigter
Kraftdroſchkenbeſitzer.
* Berlin. Um das große Publikum noch mehr
als bisher an die Benutzung von Kraftdroſchken zu
gewöhnen, trägt ſich die Innung vereinigter
Droſch=
kenbeſitzer Groß=Berlins, zu deren ca. 6000
der im Verkehr befindlichen 8000 Berliner
Kraft=
broſchken gehören, mit dem Plan, Abonnements
zu ermäßigten Preiſen für die dieſe
Droſch=
ken benutzenden Fahrgäſte auszugeben. Die
Durchführung dieſer Neueinrichtung befindet ſich aber
noch im allererſten Stadium, da in mancherlei
Hin=
ſicht noch Schwierigkeiten für die Verwirklichung
dieſer Idee beſtehen. Da dieſe Abonnements nur auf
die Innungsdroſchken beſchränkt werden, iſt es
zu=
nächſt notwendig, dieſe Kraftwagen zur
Kenntlich=
machung für die Beſitzer von Abonnements mit
ent=
ſprechenden Zeichen zu verſehen. Man denkt dabei an
die Anbringung von Plaketten an den Wagentüren.
Ferner müſſen die Abonnementshefte einmal ſo
ein=
gerichtet ſein, daß ſie dem Fahrer eine Quittung
über den abgefahrenen Betrag ausſtellen, und daß
gleichzeitig ein entſpechender nicht korrigierbarer
Ver=
merk auf der Abonnementskarte ſelbſt erfolgen kann.
Weiterhin muß daſür Sorge getragen werden, daß
die für die Abonnements vorgeſehene
Ermäßi=
gung von 10 Prozent gleichmäßig auf alle
der Innung angeſchloſſenen Kraftdroſchkenbeſitzer, ca.
2600 an der Zahl, verteilt wird, damit nicht einzelne
Beſitzer in dieſer Hinſicht ſtärker belaſtet werden, als
andere. Die Innung ſteht dabei auf dem Standpunkt,
daß dieſe ganze Maßnahme erſt bei dem von ihr
imer noch erſtrebten Einheitstarif für ſämtliche
Kraftdroſchken voll in Wirkſamkeit treten kann,
ob=
gleich die Innungsdroſchken heute bereits durchweg
zu derſelben Taxe, nämlich zum Mitteltarif fahren.
In welcher Höhe dieſe Abonnements ausgeſtellt
werden ſollen, ſteht noch nicht feſt, man trägt ſich mit
dem Gedenken, ſie zum Preiſe von 90 Mk.
aus=
zuſtellen, für die dann Droſchkenfahrten bis zur Höhe
von 100 Mk. ausgeführt werden können.
Unwetter im Kattegatt und Skagerrak.
Berlin. Dem „Montag” zufolge hat in der
Sonntag Nacht im Kattegatt und Skagerrak ein
furchtbares Sturmwetter getobt. Vor und in Skagen
wurden große Zerſtörungen angerichtet. Mehrere
Fiſchkutter ſind bis heute noch nicht zurückgekehrt. Mit
großer Mühe gelang es einem Rettungsboot, die
Mannſchaft eines däniſchen Dreimaſters zu bergen.
Kurz nachdem die Mannſchaft das Schiff verlaſſen
hatte, wurde es losgeriſſen und treibt ſeitdem gegen
das Skagenriff. Gleichzeitig wurde ein
Bergungs=
dampfer von Ferderikshafen zu einem in Not
befind=
lichen Schiff geſandt. Auch über Norwegen hat das
Unwetter großen Schaden angerichtet. Ein
Motor=
kutter ſcheiterte an der Küſte, wobei ein Mann der
Mannſchaft ertrank. Im norwegiſchen Hochgebirge
herrſchen Schneegeſtöber. Die Nachtzüge konnten nur
mit großer Verſpätung ihr Ziel erreichen.
Kinobrand in Oberſchöneweide.
In einem Lichtſpieltheater in Oberſchöneweide
kam am Sonntag nachmittag während einer
Kinder=
vorſtellung ein Brand auf. Die anweſenden
Kinder konnten unter Aufſicht der Angeſtellten ruhig
das Kino verlaſſen. Dagegen erlitt der Vorführer
Brandwunden am Kopf und den Händ n. Die
Ober=
ſchöneweider Feuerwehr konnte mit kleinem
Löſch=
gerät das Feuer ablöſchen, doch hatten die
Mann=
ſchaften unter der ſtarken Qualmentwicklung ſehr zu
leiden. Der Vorführungsraum iſt zum großen Teil
ausgebrannt. Das Feuer iſt offenbar dadurch
ent=
ſtanden, daß durch Reißen des Filmſtreifens im
Vor=
ſhrungsapparat der Film zu lange der Belichtung
ausgeſ.tzt war und ſich entzündete.
Ein tragiſcher Unfall.
EP. Anläßlich der Weiterreiſe des engliſchen
Ge=
ſchwaders, das der griechiſchen Flotte für die Dauer
von zehn Tagen einen Beſuch abgeſtattet hatte,
er=
eönete ſich ein folgenſchwerer Unfall. Sechs
eng=
liche Deckoffiziere, die bis in die frühen
Morgen=
ſunden in Athen bei ſchw. rem Südwein Abſchied
ge=
feiert hatten, begaben ſich mittels eines Taxis
morgens um vier Uhr nach Piräus, um bei der
Aus=
fahrt ihrer Schiffe wieder an Bord zu ſein. Da auch
die beiden Chauffeure ſinnlos betrunken waren, ge=
Der auf der Höhe von Keratſini der Wagen vom
Bege ab und fuhr mit voller G. ſchwindigkeit über
eine Steilküſte in das offene Meer. Da der
Wellen=
gang ſehr hoch war und über dem Waſſer noch vol=
*9es Dunkel lag, wurde der Vorgang von der Straße
aus, auf der noch mehrere engliſche Schiffsangehörige
ihren Schiffen zuſtrebten, nicht bemerkt. Durch
Zu=
fall kreuzte an der Unfallſt Ue das Hilfsſchiff
„Alexander”, das auf den Vorfall aufmerkſam wurde
und dem es endlich gelang, fünf Offiziere und die
beiden Mechaniker zu retten. Ein Offizier kam
wahr=
ſcheinlich unter die Karoſſerie des Wagens zu liegen
und konnte nicht aufgefunden wenden.
Hindenburgs Dank
an das Schweizer Volk.
In dankbarer Erinnerung an das ſchweizeriſche Liebeswerk am deutſchen Volk in den ſchwerſten
Jahren der Not hat der deutſche Geſandte in Bern Dr. Adolf Müller im Auftrage des
Reichs=
präſidenten von Hindenburg dem ſchweizeriſchen Bundespräſidenten, den Mitgliedern des
Bundesrates ſowie allen Perſönlichkeiten, die an dem Hilfswerk tätig waren, eine künſtleriſche
Gabe in Geſtalt eines Glasgemäldes überreicht. Das Bild ſtellt die Figur der Helvetia dar,
im Hintergrund die Alpengipfel, und trägt die Inſchrift: „Reichspräſident von Hindenburg
den Freunden in der Not‟. Der Entwurf zu dem Glasgemälde ſtammt von Profeſſor Max
Pechſtein. Die Ausführung beſorgte die Berliner Firma Puhl & Wagener, Gottfried Heinersdorff.
Neue Erfindungen.
Seifenſchaum zum Löſchen von Benzinbränden.
Die Berliner Feuerwehr hat einen Schaumlöſch=Apparat in Betrieb genommen, der bei großen
Benzinbränden als Anhänger eines Feuerwehrautos an die Brandſtelle gebracht wird. An der
Rückſeite des zweirädrigen Anhängers ſind zwei große Schaum=Generatoren angebracht, während
das Innere des Fahrzeugs 1000 Kilogramm Schaumpulver enthält. Die Anwendung des
Appa=
rates an der Brandſtelle geht ſo vor ſich, daß einer der Generatoren mit Schaumpulver gefüllt
wird, während ein Rohr großen Kalibers Waſſer in den Apparat führt. Das Waſſer verwandelt
ſich durch das Pulver in Schaum, der mit zwei Schläuchen gegen das brennende Oel oder Benzin,
das ja mit Waſſer nicht gelöſcht werden kann, geſchleudert wird. Jeder Generator des
Schaum=
löſchapparates erzeugt in einer Minute 8000 Liter Seifenſchaum.
Der „Radiokoffer”.
Lebhaftes Intereſſe wird ſeitens der Funkfreunde einem neuen Radiokoffer entgegengebracht, der
ohne Hochantenne und ohne beſondere Erdung alle erforderlichen Apparate in ſich birgt und (inen
guten Empfang von der Sendeſtation überall, in der Wohnung wie draußen in Wald und Feld,
ermöglicht. Unſer Bild zeigt, wie eine Streife von Polizeibeamten auf der Fahrt über Land von
ihrer Dienſtſtelle neue Weiſungen entgegennimmt.
Großer Schloßbrand in Pommern.
Ein Hauslehrer umgekommen.
TU. Greifswald. In der Nacht zum Samstag
brach in dem dem Grafen Behr gehörigen S chloß
Bandelin bei Gützkow ein Großfeuer aus. Die
Be=
wohner des Schloſſes konnten bis auf den
Haus=
lehrer, der den Tod in den Flammen fand, gerettet
werden. Das geſamte wertvolle Mobiliar iſt reſtlos
verbrannt. Von den wertvollen Kunſtſchätzen ſowie
der Bibliothek des Schloſſes konnte nur ſehr wenig
gerettet werden.
Kaltes Nachtquartier.
WSN. Bad=Ems. Zwei Holzhauer aus dem
benachbarten Dorf Becheln fanden früh morgens
einen etwa 40jährigen Mann auf einem Stein im
Feld vor dem Dorf ſitzend. Der Mann, ein
Kriegs=
beſchädigter aus Niepern, war am Abend von zu
Hauſe fortgegangen und überall geſucht worden; er
ſtarrte völlig t ilnahmlos vor ſich hin und zitterte
am ganzen Körper, als man ihn fand, und gab auf
Anruf keine Antwort. Halb erfroren wurde er ins
Dorf gebracht.
Der Preſſeball 1927.
Berlin. Der Verein Berliner Preſſe
veran=
ſtaltete zum Beſten ſeiner Wohlfahrtskaſſe am
tradi=
tionellen letzten Januarſamstag ſein diesjähriges
Ballfeſt Keine der zahlreichen illuſtren
Veranſtal=
tungen der Berliner Winterſaiſon weiſt ein
glanz=
volleres Bild auf als der Preſſeball, der noch
alljähr=
lich ſeine Anziehungskraft auf die beſten Kreiſe der
Reichshauptſtadt bewieſen hat. So auch diesmal, ohne
der repräſentativſten Revue Berlins gerecht zu
wer=
den. Eine ſolche Reihe von perſönlicher
Berühmt=
heiten wird man, wie auf dem Preſſeball, ſo leicht
nicht wieder einmal zu ſehen bekommen. Politik,
Wirtſchaft und die Finanz, alles war durch
Promi=
nente vertreten. Der Reichskanzler Dr. Marx, die
Reichsminiſter Dr. Streſemann, Dr. Curtius, Dr.
Geßler, der preußiſche Miniſter Braun, die
Staats=
miniſter Am Zehnhof=Höpker=Aſchoff, Dr. Becker,
Erzeſinſki, die Staatsſekretäre Dr. Günther, Sauter,
Meiſter, Schweigert, die Reichskanzler a. D. Dr.
Luther, Dr. Wirth, der Generaldirek or der
Reichs=
bahn Dr. Dorpmüller, Miniſterialdirektor Dr. Zechlin,
Legationsrat Twardowſki, Min ſterialrat Dr. Goslar,
der Präſident der Handelskammer Franz von
Men=
delsſohn, der Geſchäftsinhaber der Darmſtädter und
Nationalbank, Jakob Goldſchmidt, Dr. von Staus,
Dr. von Simens, Univerſi.ätsrektor Profeſſor Dr.
Triepel, Profeſſor Einſtein, der Komponiſt Reznick,
Graf Arco, Fedor von Zobelkid, Karl Zuckmeyes,
Henny Porten, Mady Chriſtian und andere mehr.
Vergebliches Bemühen, ſie alle nennen zu wollen.
Dazu ein Flor ſchöner, eleganter Frauen. Die
Ber=
liner Modehäuſer hatten darin gewetteifert, durch
farbenprächtige, kunſtvolle Schöpfungen, dem
wohl=
gelungenen Feſt auch den äußeren Rahmen des
ele=
ganteſten und prächtigſten Ereigniſſes der diesjährigen
Ballſaiſon zu geben. Daß ſich die gewohnte
Stim=
mung des Preſſeballs ſich auch diesmal wieder
ein=
ſtellte, dafür ſorgten die ausgezeichneten Tanzkapellen,
zu deren lockenden Rhythmen unermüdlich und
be=
geiſtert bis in die frühen Morgenſtunden getanzt
wurde. Erwähnt ſeien noch die geſchmackvollen
Herren= und Damenſpenden, insbeſondere der reich
ausgeſtattete Almanach, die dem Ganzen von
vorne=
herein eine ſo perſönliche Note gaben. Alles in
allem ein ungewöhnlich gut gelungenes Feſt, das
ſicherlich dank der reichen Tombola auch ſeinen
eigent=
lichen ſozialen Zweck, den Wohlfahr skaſſen des
Vereins Berliner Peſſe eine erkleckliche Summe neu
zuzuführen erfüllt haben wird.
Der Filmbrand im Voxhauſe.
* Berlin. Am 25. März 1925 fand im
Kon=
zertſaal des Voxhauſes ein von der Europa=Film=
A.=G. und der Heimlicht=Geſellſchaft vor geladenen
Filmintereſſenten veranſtalteter Lichtbildervortrag
ſtatt. Wegen des nichtöffentlichen Charakters der
Vorführung war um eine Gegehmigung nicht
nach=
geſucht worden und der Vorführungsapparat befand
ſich in demſelben Raum, in dem die Zuſchauer ſaßen.
Der Saal war überfüllt, es herrſchte große Enge
und es wurde ſogar geraucht. Als der zweite Akt
gedreht wurde und der Gehilfe O. mit dem
Wieder=
aufrollen des erſten Aktes beſchäftigt war, geriet der
Film in Brand und mußte zu Boden geworfen
wer=
den. Der Brandherd übertrug ſich auf einige in der
Nähe liegende weitere Filme. Die Vorhänge, am
Ausgang fingen ebenfalls Feuer, und auch eine
Holz=
wand fing an zu brennen. Es entſtand eine große
Panik, es gelang aber allen Teiln hmern glücklich,
bis auf einige geringfügige Verletzungen,
hinaus=
zukommen. Die Veranſtalter hatten die Vorführung
der Verantwortung des Operateurs überlaſſen,
Dieſer hatte ſich nun geſtern mit dem Gehilfen
zu=
ſammen wegen fahrläſſiger Brandſtiftung vor dem
Schöffengericht Mitte zu v.rantworten. Die
An=
geklagten machten geltend, daß ſie zum Jubiläum
der Schupo im Hauſe des Miniſters Severing und
im Beiſein der Reichsregierung und hoher Offiziere
und Beamten einen Film zur vollen Zufriedenheit
unter gleichen Bedingungen vorgeſſührt härten. Nach
Vernehmung zahlr icher Zeugen und
Sachverſtändi=
ger ſchloß ſich das Gericht dem Standpunkt von
R. A. Dr. Frey an, daß die Urſache des Brandes
nicht genügend geklärt ſei, um eine Schuldfrage zu
bejahen. Infolgedeſſem wurden beide Angcklagtg
freigeſproch n.
Das Raſiermeſſerattentat auf die Ehefrau
nach 40jähriger Ehe.
* Berlin. Die Ehe des Arbeiters Auguſt
Maſſal, der heute 63 Jahre alt iſt, war trotz ihres
vierzigjährigen Beſtehens von Anfang an eine
un=
glückliche Ehe geweſen. Der Mann war ein
Trunken=
hold und Rohling, und Frau und Sohn hatten
unter ihm ein Martyrium durchgemach”, bis ſie es
nicht mehr aushalten konnten. Schli ßlich erwirkte
die Ehefrau gegen den dauernden Störer ihres
häuslichen Friedens eine einſtweilige Verfügung,
durch die er aus der Wohnung herausgeſetzt wurde.
Der Angeklagte kam von Zeit zu Zeit, um ſich Sachen
abzuholen. Als er eines Tages zu dieſem Zwecke
wiedr erſchien, ſagte die Frau, er ſolle auch gleich
ſeine Feldbettſtelle mitnehmen, die ihr im Wege
ſtehe. Zuerſt blieb der Angeklagte ruhig, plötzlich
ſtürzte er ſich mit dem Raſſierm ſſer in der Hand
auf ſeine Frau und wollte ihr die Kehle
durch=
ſchneiden. Es gelang ihm nur, ihr eine leichte
Fleiſchwunde am Halſe beizubringen, da die
tat=
kräftige Frau den Attentäter abwehren und
hilfe=
rufend hinauslaufen konnte. Maſſal hatte ſich
kürz=
lich wegen verſuchten Totſchlages vor dem
Schwur=
gericht I zu verantworten. Das Gericht war der
Meinung, daß ſeine Tat haarſcharf an einen
Mord=
verſuch gegrenzt habe, denn er ſei zweifellos ſchon
mit dem wohlüberlegten Plan in die Wohnung
ge=
kommen. Da aber die Möglickkeit beſtehe, daß er
plötzlich in einen Erregungszuſtand geraten ſei, ſo
wurde die Ueberlegung doch verneint. Mit Rückſicht
auf ſein hohes Alter und ſeine Minderwertigkeit
billigte das Gericht dem Angeklagten mildernde
Um=
ſtände zu, zog aber bei dem Strafmaß die beſondere
Rohheit in Betracht und erkannte auf ein Jahr ſechs
Monate Gefängnis, unter Anrechnung von ſechs
Monaten Unterſuchungshaft.
Verhängnisvoller Irrtum einer
Krankenſchweſter.
EP. Mailand. Ein n verhängnisvollen
Irr=
tum beging am vergangenen Sonntag eine
Kranken=
ſchweſter im hieſigen großen ſtädtiſchen Krankenhaus,
indem ſie zu Einſpritzungen für acht hautkranke
Patientinnen das vorgeſchriebene Mittel verwechſelte.
Vier der Unglücklichen ſtarben im Laufe der Woche,
während die übrigen vier in Lebensgefahr ſchwv ben,
Die verantwortliche Krankenſchweſter, die zuerſt eine
Verwechſelung beſtritt, iſt jetzt unauffindbar.
EUR EINE MARK
ESEUEHRLL.
RAREK
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KRUPPELHEIMS
KeEEAL EBEETREBBEATEBRBIK DRBDer SET TSHBHIESE EBERatd Eukgscet
Seite 42
Dienstag, den 1. Februar 1927
Nummer 32
Die Eröffnung der „Grünen Woche” in Berlin.
Berlin. In den neuen Autohallen am Kaiſerdamm wurde
die deutſche große landwirtſchaftliche Ausſtellung, eine
Veranſtal=
tung des Berliner Meſſeamtes, die „Grüne Woche Berlin 1927‟,
im Beiſein von über 500 Vertretern aller Berufs= und
Fachorga=
niſationen ſowie der Preſſe eröffnet. Die land= und
forſtwirt=
ſchaftliche Organiſation hat in dieſem Jahre beſonders zahlreiche
Delegierte entſandt. Unter der großen Zahl der Ehrengäſte
be=
merkte man u. a. den preußiſchen Landwirtſchaftsiminiſter Dr.
Brandes, den Präſidenten für die Landwirtſchaftskammer für
Berlin und die Mark Brandenburg, von Oppen,
Oberlandesforſt=
meiſter Dr. Freiherr von dem Buſche, den Präſidenten des Reichs=
Landbundes, Graf Kaltreuth, den Polizeipräſidenten Zörgiebel.
In ſeiner Eröffnungsrede bezeichnete der preußiſche
Landwirt=
ſchaftsminiſter Dr. Steiger die Grüne Woche als eine
Veranſtal=
tung, die geeignet ſei, uns dem großen und wertvollen Ziel,
nämlich der Ernährung des Volkes aus der eigenen Scholle, um
einen großen Schritt näher zu bringen. Er wies darauf hin, daß
namentlich die Tatſeche verſchwinden müſſe, daß Deutſchland
jährlich mehrere Milliarden für Ernährungszwecke ins Ausland
fließen laſſe. Es nutze dagegen nur die Zuſammenfaſſung aller
Kräfte zur Steigerung der heimiſchen Erzeugniſſe. Deutſchland
müſſe die Kargheit ſeines Bodens und die Ungunſt ſeines
Kli=
mas durch die Steigerung der Leiſtungen in der
landwirtſchaft=
lichen Produktion auszugleichen verſuchen.
Oberbürgermeiſter Dr. Boes betonte den Wert der
landwirt=
ſchaftlichen Woche in Berlin und ſprach den Dank der
Reichs=
hauptſtadt den Organiſationen für ihre praktiſche Mithilfe zur
Erreichung des großen Zieles aus. Beſonders hob er die
Tat=
ſache hervor, daß die Ausſtellung in einer Stadt wie Berlin als
dem Platz, an dem die meiſten deutſchen Konſumenten
zuſammen=
wohnten, veranſtaltet werde. Sein Wunſch gehe dahin, daß eine
möglich große Anzahl von Konſumenten ſich die Ausſtellung
an=
ſehen möchten, damit das Intereſſe für die Landwirtſchaft und
ihre Bedeutung mehr und mehr gehoben werde.
Der Präſident des Deutſchen Jagdklubs, Abg. Held, begrüßte
in ſeiner Anſprache beſonders die Tatſache, daß die deutſche
Jägerei auf der Grünen Woche in Berlin in dieſem Jahre
reichlich vertreten ſei.
Zum Schluß ſprach der 1. Vorſitzende des Deutſchen Foy
verbandes, Major a. D. Dr. Wadpes. Er ſprach den Dank A
Deutſchen Forſtverbandes darüber aus, daß es den Leuten vo
grünen Fach möglich gemacht wurde, mit in die Reihe der
Ko=
kurrenten zu treten, um auch ihre Leiſtungen der moderniſiert
deutſchen Landwirtſchaft vor Augen zu führen.
An die Eröffnung ſchloß ſich ein gemeinſamer Rundga
durch die Ausſtellungshallen an unter Führung des Direktors d
Berliner Meſſeamtes Dr. Schick. Im Gegenſatz zum Voria
hat die Grüne Woche in Berlin in dieſem Jahre eine weit
Vergrößerung erfahren. Alle drei Ausſtellungshallen ſtehen
ihrem Dienſt. Alle führenden Fachgruppen haben ſich auch
die=
mal an dem Aufbau beteiligt. Die Grüne Woche ſoll nicht m
eine reine Einkaufswoche ſein, ſondern am Objekt ſelbſt ſoll d.
Land= und Forſtwirten Gelegenheit gegeben werden, ſich
bilden und ihre Kenntniſſe zu erweitern.
Juternationale Jagd=Trophäen der Expedition Gontard durch das ehemalige
Deutſch=Oſtafrika.
Neuartige Kombination zwiſchen Fräſe und Scharrpflug der Dürkoppwerke.
Der Ackerboden wird mittels der Fräſe ſaatfertig gemacht.
Geheimnisvolle Zeichen
am nächtlichen Himmel.
Eine ſenſationelle Erfindung. — Der Fingerzeig von oben.
Die Bedeutung für die Luftſchiffahrt!
(Nachdruck verboten!)
Die Sonne iſt ſchon längſt hinter den Bergen zur Ruhe
ge=
gangen und am nächtlichen Firmament leuchten die Sterne.
Da, plötzlich zucken Strahlen auf und auf dem dunklen Samt des
nächtlichen Himmels erſcheinen geheimnisvolle Zeichen, die davon
Kunde geben, daß der Menſch wieder einmal bemüht iſt, ſich die
Natur für ſeine Zwecke dienſtbar zu machen. Erſtaunt ſieht man
hoch in der Luſt Gegenſtände in naturgetreuer Projektion, die
man bisher nur in den Auslagen optiſcher Geſchäfte zu ſehen
gewohnt war, nämlich Mikroſkope, Feldſtecher, Brillen uſw.
Geht man den Urſachen dieſer Wirkung auf den Grund,
ſo kommt man zu der überraſchenden Tatſache, daß eines unſerer
größten optiſchen Werke Thüringens Verſuche zur Ausprobung
einer neuen Erfindung macht, die nichts weniger bezweckt, als
die ungeheure Fläche des nächtlichen Himmels für Reklamezwecke
nutzbar zu machen. Ein ſolcher Verſuch lohnt ſchon deshalb, weil
der Himmel den Vorzug hat, nichts zu koſten und der Aufwand
für Projektionsſcheinwerfer und Lichtſtrom ſich faſt in denſelben
Grenzen hält, wie der für die bisher übliche Lichtreklame. Dieſe
Erfindung legt wieder einmal davon Zeugn’s ab, wie der
deut=
ſche Erfindergeiſt raſtlos mit Erfolg bemüht iſt, auf allen
Ge=
bieten der Technik neue Möglichkeiten zu erſchließen. Mit dieſer
Neuerung dürfte beſonders auf dem Gebiete der Reklame
zwei=
fellos in gewiſſem Sinne eine Umwälzung ſtattfnden.
Zwar haben die Amerikaner mit Hilfe von Flugzeugen
Rauchbuchſtaben in die Luft malen laſſen, die dem Publikum
als Fingerzeig von oben mitteilten, wo es das beſte Obſt, die
ſchönſten Kleidungsſtücke uſw. gibt. Auch hat man nachts mit
Hilfe von Scheinwerfern dieſe Rauchbuchſtaben ſichtbar zu machen
verſucht, doch ſtand der Aufwand an Koſten in keinem Verhältnis
zu der reichen Wirkung. Anders aber bei der neuen deutſchen
Erfindung. Flugzeug und Rauchbuchſtaben brauchen wir bei
uns nicht. Der Lichtſtrahl, der in Amerika nur zur Beleuchtung
der Buchſtaben dient, iſt bei der neuen Erfindung auch
gleich=
zeitig der Träger der Reklame, und der Zuſchauer fühlt ſich in
ein Kino mit rieſenhafter Projektionsfläche verſetzt, wenn er die
Reklameankündigungen hoch droben am Himmel ſieht.
Verfolgt man die Fortſchritte, die die Reklame in allen ihren
Formen, insbeſondere aber die Lichtreklame in Deutſchland
ge=
macht hat, ſo wird man ohne weiteres zu dem Schluß kommen,
daß von dieſer neuen Art ſehr weitgehend Gebrauch gemacht
wer=
den wird, da ſie infolge ihrer ſenſationellen Art auf das
Publi=
kum unzweifelhaft eine größere Wirkung haben wird, als die
Lichtreklame in den Straßen.
Allerdings wird man vielleicht gezwungen ſein, für dieſe neue
Reklame auch eine neue Verkehrsregelung zu erfinden, denn wer
mit entrückten Blicken zu den Sternen und dem was ſie uns
dann künden werden, hinaufblickt, wird leicht die Kleinigkeiten
überſehen, die in ſeiner nächſten Umgebung auf der Erde vor ſich
gehen, die aber groß genug ſind, um noch einen Verkehrsunfall
ſeinem Geiſt die Möglichkeit zu geben, ſich die Zeichen am
Himmel in unmittelbarer Nähe zu betrachten. Zweifelhaft jedoch
bleibt dabei, ob davon die Geſchäftsinhaber den von ihnen
er=
wünſchten Erfolg erzielen werden. Und wenn man ſeine
Phan=
taſie noch weiter ſchweifen läßt und den ſcharfen
Konkurrenz=
kampf der auf der Erde herrſcht, auch auf die Himmelsreklame
überträgt, ſo dürfen ſicherlich dadurch, daß die Konkurrenz mit
ihren Scheinwerfern die Retlame der anderen überdeckt,
farben=
freudige und kaleidoſkopartige Bilder zu erzielen ſein.
Trotz dieſer ſcherzhaften Ausblicke ſtellt dieſe Erfindung
jeden=
falls einen bedeutenden Fortſchritt dar, der ſich zweifellos nicht
nur auf dem Gebiete der Reklame auswirken wird, ſondern
namentlich für den Flugverkehr eine erhebliche Bedeutunge
winnen wird. Da man im Flugverkehr mehr und mehr da
übergeht, auch nachts zu fliegen, wird einmal die Kennzeichnig
der Strecke durch ein Lichtband, das ſich ununterbrochen m
Ausgangspunkt der Fahrt zum Ziel hinz eht, die Orientie ng
bedeutend erleichtern, und auf der anderen Seite mit Ze
dieſer Apparate dem Flugzeugführer in deutlicher Schriftſn
Name der hauptſächlichſten Punkte ſeiner Route zeigen".
Laſſen ſich auch im Augenblick weitere Ausführungen mt
machen, ſo ſtellt dieſe epochemachende Erfindung ein mes
Ruhmesblatt deutſcher Technik dar.
Hans Tiſchef
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonymen Afragen wemi
nicht beantwortel.
„Aufwetung”. Nach 8 5 der heſſiſchen Verordnung vom N. Oter
1926 iſt binnen einer am 31. Januar 1927 ablaufenden Ausſchlußfräter
Anſpruch bei der Sparkaſſe anzumelden, bei der das Guthaben geärt
wird oder zuletzt geführt wurde. (Vgl. auch Inſerat der Städren
Sparkaſſe in Darmſtadt in Nr. 350 vom 18. Dezember 1926 S. 15 ſſie
Anmeldung iſt danach Ihrerſeits rechtzeitig erfolgt. Die Anordn en
über den Ausgleich zwiſchen den beiden Sparkaſſen trifft der M Er
des Innern und gibt ſie den Sparkaſſen bekannt.
Nobody. 1. Unter „Lumber Jack” verſteht man eine bluſen we
Sportjacke. 2. Bei Verheirateten beträgt das Krankengeld 60 Prz,
bei Ledigen 50 Prozent des verſicherten Lohnes.
Die Entfettungs=Kur im Winter.
Allen korpulenten oder zum Starkwerden veranlagten Leſern:d
Leſerinnen können wir nur raten, gerade jetzt im Winter, wo der Kier
am meiſten zum Anſatz neigt eine Entfettungs=Kur mit den
urich=
lichen, dabei ſehr wirkſamen Toluba=Kernen vorzunehmen, ſe
erhalten die echten Toluba=Kerne mit hervorragendem Gutachte e
nauer Anweiſung und Angabe über Zuſammenſetzung in Apokſa,
(IV A
Uas man von dieser Wohlkahrtslotterie Wissen mul
In unserem Hessenlande werden vondem Hessischen
Fürsorgeverein für Krüppel, dem erste Kapazitäten
der Medizin und Verwaltung als Vorstandsmitglieder
angehören, jährlich ca. 400 Hellbehandlungsfälle von
verkrüppelten Kindern mit erheblichen Kosten
durch-
geführt In allen Landesteilen hat dieserKrüppelverein
öffentliche Fach- und Beratungsstellen, in denen
un-
entgeltlich und ohne Unterschied von Partei und
Be-
kenntnis Auskünfte, Rat und Hilfe in Krüppelfällen
erteil wird. Hauptsächlich giltes, aus den Erfahrungen
der Heil- und Beratungsstellen festgestellt, die
unge-
heuerlichen und fast unglaublichen Schäden, die die
spiale Kinderlähmung verursucht, zu heilen und bei
dieser Gelegenheit eine restlose Bekämptung dieses
furchtbaren Bazillus zu finden. Zu diesem Zwecke
wird ein Krüppelheim zur Aufnahme der
Verkrüp-
pelten dringend benötigt. Der Krüppelverein, dessen
Sitz in Darmstadt ist, beabsichtigt dieses
Krüppel-
heim nach dem Wunsche der Landes-Universität
dieser in Gießen anzugliedern und zu gleicher Zeit
ein Forschungsinstitut mit Klinik zu errichten, damit
auch für einen gut ausgebildeten Arztenachwuchs
gesorgt ist. Denn die rechtzeitige Erkenntnis der
Krüppelschäden ist halbe Heilbehandlung. Da die
hessische Staatsregierung leider die Mittel zum Bau
eines solchen Krüppelheims und zur Erweiterung der
Landes-Universität um das erwähnte Forschungsin-
stitut mit Klinik nicht zur Verfügung hat, hat der HI
Hessische Minister des Innern dem hessischen
F-
sorge-Verein für Krüppel die Genehmigung zu W
Waren-Wohlfahrtslotterie erteilt, damit sich dA
Verein an die gesamte hessische Bevölkerung zwes
Förderung dieses sozialen Vorhabens wenden 191.
Unter den Gewinnen ist ais Hauptgewinn d
Haus vorgesehen, denn werden ganze Wohnurß-
Einrichtungen, Klavier, Nähmeschinen, Räder A
sehr vieles andere für jeden Brauchbare ausg eſt.
Die Lose kosten — wie es die bekannten Pleiß
besagen- nur 1.— Mark, sodaß jeder sein Sche in
für die der hessischen Allgemeinheit zugute 1 Sache beitragen kann und dabei noc B
begründete Aussicht hat, für diese billige scze
Pflichterfüllung auch noch ein eigenes Haus ei
sonst wes Schönes zu gewinnen. Deshalb darfin
Hessischer Bürger ohne Los sein. Der Loste t0
geschieht ehrenamtlich, die Losverkaufsstellerd
durch Plakate kenntlich gemacht. Wo keine 6 f
lichen Verkaufsstellen sind, wende man sich bikken
die Herren Schulleiteroder direkt an die Beam e
bank Darmstadt e. G. m. b. H., Rheins 1
Lotterieabteilung, die dann entweder gegen De"
nahme oder bei Voreinsendung des Betrages fn32
die gewünschten Lose zustellt.
Hiso jeder hessische Bürger mußf Lose hahel
[ ← ][ ][ → ]verke.
Bedeutung
und mehr Na
Kennzeichren
terbrochen
w=
e Orientien
1t
*chrift /
Frungen m
s Tiſcher
Der Mörder geſtändig.
Eigener Bericht von Otto Schwerin.
Der ſenſationellſte Fall. — Hervorragende Arbeit des
Frank=
furter Fahndungskommiſſariats. — Wie die Feſtnahme erfolgte.
— Ein ſchwerer Unfall des Frankfurter Mordautos. — Wo
ſind die geraubten Wertſachen?
Genau ſieben Tage nach der Entdeckung des Mordes an dem
Juwelier Grebenau gelang es der Frankfurter Kriminalpolizei
nach unſäglichen Mühen, den Mörder zu ermitteln und
feſtzu=
nehmen. Noch kein Kriminalfall der letzten Jahre hat bei der
Bevölkerung ein derartiges Intereſſe und Anteilnahme gefunden
und als, heute vormittag, die erſten Telegramme an den
Stra=
ßenecken erſchienen, die die Feſtnahme des Täters in knappen
Sätzen kund gaben, da nahm wohl jeder der zahlreichen
Neu=
gierigen dieſe Mitteilung mit größter Befriedigung auf, der
fenſationellſte Fall der letzten zehn Jahre, ein Fall, der beinahe
hoffnungslos ſchien, iſt geklärt, wenn auch im Augenblick noch
nicht in allen ſeinen Einzelheiten.
Wer Gelegenheit hatte, einen Blick hinter die Kuliſſen des
bedeutend verſtärkten Frankfurter Fahndungskommiſſariats zu
werfen, und, wie unſer Mitarbeiter, mit den beiden leitenden
Beamten Kriminalrat Hader und Kriminalkommiſſar Römer
verſchiedentlich in einen Meinungsaustäuſch trat, mußte immer
wieder feſtſtellen, daß der Fall gerade von Rat Hader, durchaus
nicht übertrieben peſſimiſtiſch beurteilt wurde. Hader verfolgte
mit ſeinem Kommiſſar Römer zuſammen von Anfang an eine
ganz beſtimmte Spur, und er war ſo klug, kein Wort darüber
in die Oeffentlichkeit kommen zu laſſen. Die Mordkommiſſion
fand nämlich in dem Zimmer, das hinter dem Grebenau’ſchen
Laden lag, einen Brief der achtlos unter einen Tiſch geworfen
worden war. Auf Grund einer peinlichſt genauen
Schriftverglei=
chung ermittelte der Kriminalrat als Schreiber des Briefes, den
46jjährigen Inſtallateur F. Schultheis, der heute in Wiſſelsheim
bei Bad=Nauheim in kleines Fuhrgeſchäft betreibt.
Schult=
heis iſt ein bereits mit Zuchthaus ſchwer vorbeſtrafter Mann,
der, und das ſchien der Kriminalpolizei weſentlich, bereits
früher in einem Frankfurter Juwelengeſchäft einen ſchweren
Einbruch verübte. Die Kriminalpolizei glaubte weiterhin
feſt=
geſtellt zu haben, daß Sch. am Tage der Mordtat in Frankfurt
weilte, und am Samstag vormittag fuhren Kriminalrat Hader
und Kommiſſar Römer, mit den Beamten Lüdke, Ruppel, Ley,
Jacob, nach Wiſſelsheim. Leider trafen ſie den Geſuchten aber
nicht an. — Inzwiſchen hatte ſich jedoch eine intereſſante Sache
ereignet, vielleicht iſt es jene große Dummheit, die ſich häufig
Berufsverbrecher zuſchulden kommen laſſen. Schultheis war
näm=
lich inzwiſchen ſelbſt nach Frankfurt gefahren, und ſuchte das
Polizeipräſidium auf. Dort proteſtierte er energiſch gegen
Ge=
rüchte, die ihm zu Ohren gekommen ſein wollten, und die ihn
mit der Tat in Zuſammenhang brachten. Der Kriminalſekretär
Mielke, der genau wußte, daß eine Anzahl Beamte nach
Wiſſels=
heim gefohren waren, nahm Schultheis feſt, und ſetzte ſich ſofort
telephoniſch mit Kriminalrat Hader in Verbindung. Kommiſſar
Römer hatte inzwiſchen in Wiſſelsheim eine Hausſuchung
vor=
genommen, und, den Rock, den Schultheis am Mordtage
getra=
gen hatte, entdeckt. Der Rock war am Aermel und am Rücken
ſtark mit Blut beſudelt, außerdem ſollen noch eine ganze Anzahl
weitere Judizien gefunden worden ſein.
Schultheis wurde im Frankfurter Polizeipräſidium einem
eingehenden Verhör unterworſen, gefilzt, wie der terminus
technieus lautet, aber leugnete trotz erdrückender Beweiſe. Das
Verſteck der geraubten Wertgegenſtände iſt im Augenblick noch
nicht bekannt, doch glaubt die Kriminalpolizei, die Pretioſen,
wenigſtens teilweiſe, wieder herbeiſchaffen zu können.
Man war ſich von Anfang an darüber klar, daß Schultheis
mindeſtens noch einen Mitſchuldigen gehabt haben mußte. Auch
dieſer wurde im Laufe des Sonntags ermittelt, und eine Anzahl
Kriminabeamte fuhren erneut im Auto nach Wiſſelsheim, um
eine Verhaftung vorzunehmen. Leider erlitt der Kraftwagen
kurz vor Nauheim einen ſchweren Unfall, bei dem der Wagen
ſtark beſchädigt wurde, erfreulicherweiſe kamen die Beamten
an=
ſcheinend mit leichteren Verletzungen davon, und die Verhaftung
ſoll nach einer telephoniſchen Meldung des Kriminalſekretärs
Ley, trotzdem vorgenommen werden. Ueber die Urſache dieſes
Autounglücks iſt man vorläufig auf Vermutungen angewieſen.
Da dies jedoch innerhalb weniger Monaten das 2. Mal der Fall
iſt, wo ein Mordauto der Frankfurter Kriminalpolizei
unter=
wegs verunglückte, dürfen die Akten über dieſen Fall nicht ohne
weiteres geſchloſſen werden.
WSN. Frankfurt a. M. Der in der Mordſache Grebenau
verhaftete Friedrich Schultheis aus Wiſſelsheim bei Bad=
Nau=
heim hat ein umfaſſendes Geſtändnis abgelegt.
Die Bluttat in der Dahlmannſtraße.
WSN. Frankfurt a. M. Vor dem Schwurgericht iſt für
heute und die drei folgenden Tage der Fall aus der
Dahlmann=
ſtraße anberaumt, der ſchon Mitte November angeſetzt war,
damals aber vertagt werden mußte, weil die einzige Tatzeugin
ſich in einem nicht vernehmungsfähigen Zuſtand befand und auf
ihr Verhör nicht verzichtet werden konnte. Auch jetzt iſt die
Verhandlung wiederum in Frage geſtellt, weil dieſe Zeugin, die
ſich in Darmſtadt aufhält, an Grippe erkrankie und wiederum
nicht vernehmungsfähig ſein ſoll. Es kann aber ſein, daß das
Gericht ihre Vernehmung im Hauſe an einem der beiden letzten
Verhandlungstage anordnet.
Zum Verſtändnis des Prozeſſes ſei hier kurz der Tatbeſtand
rekapituliert. Der Angeklagte, der 29jährige Kontoriſt Wilhelm
Hermann, der des Mordes in zwei Fällen und des Mordverſuchs
beſchuldigt wird, beraubte ſich ſeinerzeit durch einen in
ſelbſt=
mörderiſcher Abſicht abgegebenen Schuß des Lichtes des rechten
Auges, eine Tatſache, die noch bei der Frage der
Zurechnungs=
fähigkeit in der Verhandlung eine Rolle ſpielen dürfte, in der
auch ſein Vorleben aufs genaueſte erörtert werden wird. Darum
ſei hier auch zunächſt nur darauf hingewieſen, daß der aus
Offenbach ſtammende. Angeklagte ſich zuletzt als Aushilfskellner
betätigte. Als der ſexuell ſehr leidenſchaftlich veranlagte Mann
auf einer Spazierfahrt im Stadtwald die 26jährige ledige
Kuni=
gunde Hufnagel gewahrte, da gefiel ihm das Mädchen derart,
daß er es nach ihrer Wohnung, Dahlmannſtraße 5, verfolgte. Er
dichtete das Mädchen an, unterhielt ſich telephoniſch mit ihm und
erreichte auch eine Zuſammenkunft, wird ober an weiterem
Zu=
ſammentreffen verhindert, und in der Enttäuſchung darüber, ſein
Ziel nicht erreichen zu können, kommt es zu der furchtbaren Tat
am Morgen des 5. Auguſt, wo er in die Wohnung eindringt, die
alte Frau Hufnagel — die jetzt nicht vernehmungsfähige Zeugin
— durch einen Streifſchuß verletzt, die 25jährige Ehefrau des
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag. 1. Februar. 3.30: Stunde der Jugend. Studiendir.
Dr. Maier=Leonhard: „Odyſſeus in der Unterwelt” — Für Kinder
vom 10. Jahre ab. O 4.30: Aus Operetten von Leo Fall. O 5.45:
Leſeſtunde: Aus dem Roman Die Buddenbrooks” von Thomas
Mann. O 6.15: von Kaſſel: „Ueber die Zuſammenſetzung und
Ver=
fälſchung einiger Lebensmittel: Fleiſch, Eier und Dauerwaren” von
Dr. Haun. O 6.45: Dr. Götz: „Altdeutſche Tafelmalerei”. O 7.15:
Engliſch. O 7.45: Senckenbergvortrag: Der Leichtſinn”, von Dr.
Edinger. O 8.15: Raoul Auernheimer=Wien. „Stanniol‟ — „
Mör=
der Babinsky”. — „Hochteur”. O 9.15: von Kaſſel: Kaſſeler
Sinfonieorch. Anſchl.: Verſuch der Uebertragung auswärtiger und
ausländiſcher Stationen.
Stuttgart.
Dienstag, 1. Febr. 3.50: Bücherfunk. O 4.15: Konzert.
Eilenbrg: Ber agli re=Ma ſch. — Hohmann=Webau: Rheinſagen.
— S.on: Melitta. — Berlioz: Ouv. Die Trojaner in Karthayo.
— Schubert: Du biſt die Ruh, Horn=Solo. — d’Albert:Fant.
Liebesketten
Blon: Traumweben. — Goldmark: Aus
Länd=
liche Hochzeit. — Fucik: Gotteskämpfer, Marſch. — Einl.:
Anne=
marie Serta. O 6.15: Erna Stach von Goltzheim: Der
Schön=
heitskult von einſt und jetzt. O 7.15: H. Pirang, Riga: Das
baltiſche Bauernhaus. O 7.45: Nachrichten des Oberd. Funkverb.
O 8: „Das Schwarzwaldmädel”, Operette in drei Akten von
Leon Jeſſel. Hauptperſ.: Blaſius Römer, Domkapellmeiſter: H.
Hanus: Hannele, ſeine Tochter: Thea Struve=Jöhnſſen; Jürgen,
der Wirt v. blauen Ochſen: G. Ott; Lorle, ſeine Tochter: Hilde
Binder; Malvine von Haynau: Käte Mann u. a. Handlung
ſpielt in St. Criſtoff im Schwarzwald.
Berlin.
Dienstag, 1. Febr. 12.30: Viertelſtunde für den Landwirt,
O 4: Erna Arnhold: Die Anfänge des Theaters in Berlin (1. T.).
O 4.30: Ette=Kammer=Orch. Suppe: Ouv. Die ſchöne Galathee.
— Waldteufel: Dolores. — Humperdinck: Fant. Das Wunder. —
Robrecht: Das letzte Stelldichein. — Morena: Extravaganzen, Potp.
— Paderewski: Menuett. — Jeſſel: Potp. Schwarzwaldmädel. —
Czibulka: Hamburger Gavotte. — Robrecht: My little Dolln.
O 6.15: Stunde mit Büchern. O 6.40: Einf. zu der Oper am
2 Februar. O 7.05: Heinrich Pabſt: Ich und mein Konkurrent
(Der Buchhalter zwiſchen Buch= und Rechenmaſchine). O 7.30:
Otto Zarei: Das neue Drama des Auslandes. O 7.55: Prof.
Wegener: Die Entwicklungsgeſchichte der Erde (Altertum). O 8.30:
Acht Richard Straußſche Lieder. (Franz Steiner, Bariton). O 9:
Bunte Stunde. Urbach: Per aſpera ad aſtra. — Lincke: Ouv.
Im Reiche des Indra. (Finkeſche Mandolinenchöre). — Calſon: Alle
Vögel ſind ſchon wieder da. — Roſen: Sag” einer ſchönen Frau.
— Goldſtein: Honolulu=Makabumba (Schwarz, Vortragskünſtler).
— Siede: Leuchtfä erchens Stelldichein. — Braga: Der Engel Lied.
(Finkeſche Mandolinenchöre). — Spenzer: Mädel, wo ſind deine
Zöpſchen. — Stept: Heinat. — Seeiharſt: Mondenſchein (Schwarz).
— Steiano: Eine Blume aus Italien. — Urbach: Durch Nacht
und Nebel (Finkeſche Mandolinenchöre).
Stettin. 7.05: Dr. Asmus: Baſtlerkurſus. 5. Abt.:
Be=
ſchreibung eines rückkopplungsloſen Drei=Röhren=Geräts.
Königswuſterhauſen. Dienstag. 1. F bruar. 3.30: Ob.=Stud.=
Dir. Dr. Schönebeck: Die Förderung d. Begabten u. d.
Schüleraus=
leſe. O 4: Dr. Müller=Freienfels: Phcho ogie des jugendlichen
Men=
ſchen. O 4.30: Aus dem Zentralinſtitut. O 5: Dipl.=Ing. G.
Haeb=
ler: Bildtelegraphie. O 6: Min.=Rat Dr. Meitgenherg: Das
Aus=
lieferungsrecht und ſeine Neugeſtaltung. O 6.30: G. van Enſeren,
C. M.. Alfieri: Spaniſch für Anſänger. O 6.55: Stud.=Rat Dr.
John: Aegypten u. d. ägyptiſche Sudan. O 7.20: Dr. Hans
Boeit=
cher: Beethoven als Liederkomponiſt. Geſang: Käthe Wegner=Peiſer:
Klavier: E. Schröder.
2
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Seite 44
Dienstag, den 1. Februar 1927
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Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 47
Ein Gang durch Kairo.
Von Alfred Kaufmann.
Ungemein feſſelnd und romantiſch iſt ein Gang durch
Kairo, das ſich, wenn auch mehr europäiſiert, als „Königin
der Städte” und größte Stadt Afritas (800400 Einwohner)
wür=
dig den anderen Perlen des Orients, Damasuus und
Kon=
ſtantinopel, zur Seite ſtellt. Unvermittelt und kaum vermiſcht
ſtehen die neuen europäiſchen Staotteile neben den
alt=
einheimiſchen. Wir gehen vom modernen Mittelpunt, dem
Esbetijegarien, durch die berühmte Muski, die enge
Geſchäfts=
ſtraße des einheimiſchen Kairo. Wohl haben ſich ſchon zahlreiche
Läden europäiſcher Art in dieſe Straße eingedrangt, aber in
reiner Urſprünglichkeit flutet hier das orientaliſche Leben und
Treiben großſtadtiſchen Gepräges auf und ab. Das Beſondere
iſt das Bunte und Mannigfaluige der Trachten, Raſſen, Typen,
Sprachen, der ungeheure Lärm, das Stoßen und Drängen der
ſeltſamen Geſtalten und Erſcheinungen. Kamele mit Hausrat
oder Ballen beladen, Eſel mit weit abſtehenden Blechgefäßen,
Wagen mit ſchimpfenden, in blumenreichen aradiſchen Zurufen
ununterbrochen zum Ausweichen mahnenden Kutſchern, Karren
mit Gemüſe, Laſtwagen mit Kiſten, Autos mit „vornehmen
Herrſchaften”; alles drängt ſich durcheinander, ſo daß man kaum
noch vorwärts kommen kann. Da nahen würdige Efendis im
ſchwarzen Rock und Darbuſch, Fellachen im blauen Kittel und
Turban, Beduinen mit weißen wallenden Gewändern, wie
wan=
delnde Vogelſcheuchen einhertrippelnde ſchwarzverhüllte Frauen,
das „ſtändige Verkehrshindernis”, europäiſche Herren mit
Akten=
mappen, modiſch gekleidete Bürofräuleins, dunkelhäutige Neger,
Bauernfrauen mit Gemüſe, Händler mit Früchten, luſtige
Schuh=
wichſerjungen, Waſſerverkäufer, gebeugt unter der Laſt des
Zie=
genfellſchlauchs, Limonadenverkäufer, dauernd mit Meſſingplatten
tlappernd, europäiſche Touriſten im Troenhelm und Strohhut,
koptiſche Prieſter im ſchwarzen Kaftan und Turban engliſche
Soldaten im Khaki, halbnaate Betiler, Hauſierer mit Knöpfen
und Nadeln, weißbärtige griechiſche Prieſter mit hoher ſchwarzer
Kopfbedeckung, Konſulatskawaſſen in goldgeſtickter Uniform,
Bäcker mit Brotkörben auf dem Kopf und ſo ſort. Ein
Fellachen=
junge mit Hämmeln und Ziegen drückt ſich durch das
Menſchen=
gewoge, ein Auto ſucht ſich einen Weg zu ſchaffen, ein
Leichen=
zug mit kreiſchenden Frauen und eintönigem Männergeſang
macht ſich Bahn durch die Menge, Garküchen laſſen den Duft von
ſchmorendem Hammelfett und bratenden Fiſchen in die Naſe
ſteigen — wer möchte den Strudel von Menſchen, Tieren und
Wagen, in den man hier hineingeriſſen wird, das Durcheinander
von Geſtalten, Farben, Trachten, Sprachen, Geſchrei, Gerüchen,
die in buntem Wechſel an einem vorüberziehen, beſchreiben!
Wiederholt muß man die alten Straßen Kairos durchwandern,
langſam, zu Fuß, beobachtend, ſchauend die feſſelnden Eindrücke
aufzunehmen ſuchen.
Und dann die Baſare! Von der Muski hinein in den Chan
el=Chalil und in das bunte Gewirr der anderen Gaſſen und
Gäßchen, wo alle Waren Mfrikas, Europas und Indiens dir
entgegenſchauen: der Sük der Schuhmacher mit den rotem gelben
und ſchwarzen Schuhen, der Gold= und Silberſchmiede mit den
herrlichen Schmuckfachen, Ketten, Broſchen, Filigranarbeiten;
auch billige europäiſche Waren aus Pforzheim, Hanau,
Schwä=
biſch=Gmünd ſind darunter. Der Sück der Kupferſchmiede mit
den wundervollen ziſelierten Schalen, Vaſen, Platten, Käſtchen,
Tiſchplatten, die vor unſeren Augen gehämmert werden. Der
Säk der Teppichhändler mit koſtbaren Teppichen und gold= und
ſilbergeſtickten Decken und Schals. Der Sük der
Gewürz=
krämer, wo alle Düfte Indiens uns umwehen. Der Sük der
„Waffenhändler, der Töpfer, der Kunſtſchreiner mit den mit
*) Der vorſtehende Aufſatz entſtammt dem kürzlich erſchienenen
reich=
bebilderten Buch: „Kaufmann, Ewiges Stromland, Land und Menſch in
Aegypten” (geb. 10 Mk.). Ein umfaſſendes und zugleich volkstümliches
Werk über das in der Gegenwart wieder ſo wichtig werdende und in
ueder Hinſicht intereſſante Land Aegypten fehlte uns bisher. Der
Ver=
faſſer war mehr als ein Jahrzehnt Direktor der Deutſchen Schule und
Pfaruer in Alexandrien. Er hat Geſchichte, Land, Volksart, Leben,
Kultur und Religion nicht nur ſcharf beobachtet und ſtudiert, ſondern
ſich auch innerlich eingefühlt und eingelebt. Wer ſich für Aegypten
intereſſiert, greife zu dieſem Buch.
Elfenbein, Perlmutter und Ebenholz eingelegten Tiſchchen und
zierlich gedrechſelten Maſchrabiien, der Süt der Zuckerbäcker und
ſo weiter. Auch der Sük der Buchhändler fehlt nicht, der
Sam=
melpuntt der gelehrten Welt Kairos, vvo die würdevollen, ernſten
Buchvertäufer, vielfach ſelbſt gelehrte Sachkenner, ihre
rotgebun=
denen arabiſchen Bücher feilbieten. Neben den Buchhändlern
der Sük der Buchbinder, die auf der Straße ihr Kleiſtergeſchäft
beſorgen.
Wer kaufen will, muß Zeit und Geduld haben. Der Kauf
im Sük iſt ſteis ein Handel. Es kommt dabei darauf an,
zwi=
ſchen der Forderung des Verkäufers und dem Angebot des
Käu=
fers nach dramatiſchem Hin und Her, nach wiederholter
Ver=
ſicherung des Verkäufers, daß er bankerott werde bei einem ſo
niederen Preis, und daß er das Stück dem feinen Herrn lieber
ganz umſonſt gäbe, ſchließlich ſich auf die richtige Mitte zu
eini=
gen. Wenn man bei einem wertvollen Stück, etwa einem
Tep=
pich, ſtunden= oder tagelang gehandelt, wiederholt Kaffee
ge=
trunken und Zigaretten geraucht hat als Gaſt des Verräufers,
dazwiſchen weggegangen iſt, als ob einem gar nichts an der
Sache läge, und wiedergekommen iſt und den Preis auf mehr
als die Hälfte herabgedrückt hat, dann hat man ſchließlich immer
noch mehr bezahlt, als der mit Schmerzensmiene die Ware
aus=
händigende Verkäufer erwartete; denn dieſer weiß von
vorn=
herein ganz genau den Preis, unter den er nicht heruntergehen
darf, und weiß es ſtets ſo einzurichten, daß der Käufer glaubt,
die letzte Möglichkeit des Handelns ſei erſchöpft. Uebrigens wird
ſelbſt im Buchhändler=Sük gehandelt, nicht einmal die Bücher
haben feſte Preiſe!
Doch hinaus aus dem Trubel! Durch die Fortſetzung der
Muski, die Siket el=gedide (Neue Straße) gelangen wir öſtlich
zur Stadt hinaus und ſtoßen dort gleich an Sandhügel und
Wüſtenberge. Auf den Windmühlenhügeln überblicken wir aus
unmittelbarer Nähe dieſe Stadt, wie ein Märchen aus Fels
und Sand aufſteigend, die ſich der Iſlam gebaut hat, die Wüſte
im Rücken, das grüne Kulturland des Nil vor ſich. Durch
arabiſche Friedhöfe geht es zu anderen Stätten des Todes, die
mit ihren ſchlanken, ornamentverzierten Kuppeln mit zu den
Wahrzeichen der alten Chalifenſtadt gehören, den ſogenannten
„Chalifengräbern‟ Es ſind die Grabmoſcheen der tſcherkeſſiſchen
Mamelukenſultane, verträumt als Zeugen mittelalterlicher
Herr=
lichkeit aus Staubwegen und Sand emporragend; beſonders die
Grabmoſchee des Sultans Kait Bey mit der mit feinem
Netz=
werk überzogenen Kuppel und dem in wechſelnden Seinfarben
geſchichteten Mauerwerk iſt eindrucksvoll.
Von da an in die Stadt zurück und kreuz und quer durch
die Straßen und Gaſſen der arabiſchen Stadtteile. Immer
wie=
der wird der Blick gefeſſelt durch maleriſche Häuſer, die mit ihren
vergitterten Erkern und überragenden oberen Stockweken ſich in
den engen Gaſſen faſt berühren, durch ſchlanke balkongeſchmückte
Minarette, deren Steinſchichten in den Farben wechſeln, durch
herrliche Moſcheeportale in mächtigen Niſchen mit
Stalaktiten=
geſimſen, durch Brunnen mit wundervollen Ornamenten. Faſt
unwirklich, wie ein Märchen aus Tauſendundeiner Nacht, kommt
einem dieſe Welt vor. Wir betrachten in der Moſchee El=Azhar
den wundervollen Hof mit ſeinen Säulenhallen, in der Mugjad
die feinen Spitzenbogenarladen, in der mächtigen Sultan Haſan
mit ihrem 25 Meter hohen Minaret das Haupiportal, ein
Mei=
ſterwerk arabiſcher Baukunſt, und den Kuppelraum mit dem Grab
Haſans (S. 156). Wir empfangen Eindrücke ſtimmungsvoller
Andacht in den Gebetsräumen der Moſcheen ſelbſt, die mit ihrem
fein abgetönten ornamentalen Schmuck und dem gedämpften
Licht ohne ablenkende bildliche Darſtellungen, ihrer feierlichen
Stille, Vorbilder religiöſer Andachtsſtätten ſind.
Endlich betreten wir den gewaltigen Bau der Ibn=Tulün=
Moſchee unterhalb der Zitadelle, der, nicht mehr als Gotteshaus
benutzt und halb in Trümmern, eine Erinnerung iſt an die erſte
Blütezeit des ägyptiſchen Iilam im neunten Jahrhundert. Der
Kaaba von Mekka nachgeahmt, iſt das Bauwerk mit ſeinen
mäch=
tigen Höfen und den farbigen Bogenhallen etwas ganz anderes
als alle übrigen Moſcheen Kairos, ein Stück einer fremden Welt,
die vom Euphrat her aus der Glanzzeit des dortigen
Chalifen=
reiches hierher übergeführt wurde.
Ueberaus eindrucksvoll iſt der Blick von der Plattform des
Minaretts, zu der man auf einer gewundenen Treppe von außen
hinaufſteigt. Wer Kairo überblickt hat von der Höhe des
Mokattam, der muß zur Ergänzung auch den Blick von Ihn=
Tulün auf ſich wirten laſſen. Hier iſt die Rieſenſtadt mit ihrem.
Minare=ten, Kuppeln, und Paläſten in unmittelbarer Nahe,
wo=
durch die Erhakenheit des gewaltigen Baus erſt recht zur Geſ= lommt; man ſchaut auf die Dächer der ſeltſamen kleinen.
Häufer und in die engen Gaſſen der Eingeborenenſtadt, in der
wie überall im Orient vieles ſo ruinenhaft ausſieht. Man
ſchaut=
auf den nah aufragenden Motattam mit der Zitadelle und der
Alakaſtermoſchee auf die benachbarte mächtige Sul an= Haſan=
Moſchee, über die Chalifengräber ins Nildelta und auf der
ande=
ren Seite über den Nil zu den fernen Pyramiden: ein
unver=
geßliches Bild!
Nun zurück mit der Elektriſchen oder im Wagen, den man im
Katro auf Schritt und Tritt haben kann, und der noch nicht im
gleichen Maß dem Auto gewichen iſt wie in den europäiſchem
Städten, duich die ſchnurgerade Mohamwed=Ali=Straße, die
Anfang der ſiebziger Jahre vom Fuß der Zitadelle aus quen
durch die arabiſchen Stadtteile bis zum Mittelpunkt des
europä=
iſchen Verkehrslebens am Czbektjegarten durchgebrochen wurde
lieber Mangel an Staub braucht man ſich bei der Fahrt durch
dieſe Straße nicht zu bellagen, wie nirgens in Kairo bei den
gewaltigen Veriehr, der beſonders im der Bahnhofgegend im
ungeheurer Menge und mit einer Ueberfülle von lärmender
Autos in Erſcheinung tritt. Der Ezbekljegarten, mit
wunder=
vollen Königspalmen und grünem Raſen bewachſen, eine Stättg
der Erholung, des Vergnügens, der Feſtlichkeiten und öffent.
lichen Muſiidarbieingen liegt an der Erenze der Altſtadt und
der durch den Chediwen Iſmarl in den ſechziger und ſiebzigen
Jahren geſchaffenen „Iſmail?je”, der europäiſchen Neuſtadt.
Hie-
in dieſem Viertel befinden ſich alle großen Gaſthöfe und Reſtau
rants, die Banken, europäiſchen Läden, Miniſterien, Gefand
ſchaften und Konſulate, Kirchen, Theater und Paläſte. Breite
villenumſäumte vornehme Straßen durchziehen die Europäer
ſtadt wie in Paris und anderen europäiſchen Hauptſtädten.
Nichts=
an Luxus, das dort das moderne Straßenleben bietet, fehlt hier
ja hier iſt durch den Reichtum des Landes und die ſorgloſe
Hei=
terkeit der Bewohner alles noch in größere Maßſtäbe
emporge=
tragen. Wie die Muski das Bild gibt des Kairo des Orient=
und der Vergangenheit, ſo biete die Scharia Kamel, die am
Ezbekljegarten entlang an den weltberühmten Hotels Shephear:d
und Continental vorüber zum Opernplatz führt, das Bild de=s
Kairo von heute. Nirgends in anderen orientaliſchen Städten
iſt beides ſo unmittelbar nebeneinander, nirgends das eine ſiw
großartig wie das andere. Es ſind zwei Städte, völlig verſchig
den in ihrem Charakter und doch in einer Stadt vereinigt, zwe
Welten, im Grund gegenſätzlich, die ſich aber doch verſtehen und
vertragen. Es iſt nicht die eine die Stadt der Arbeit und diie
andere die des Genuſſes; beide ſind Städte der Arbeit und de
Genuſſes zugleich, nur daß ſo ohl die Arbeit wie der Genu
hier wie dort verſchieden geſtaltet ſind, aber den verſchiedene-
Menſchen entſprechend beiden das bieten, was ſie brauchen.
Den Schluß unſeres Ganges durch Kairo bildet eine Wagem
fahrt vom Opernplatz aus durch die vornehme Kaſr=en=Nin
Straße zum Gezire=Palace=Hotel. In einer ganzen Kette elegan
ter Herrſchaftswagen und Automobile fahren wir dahin, arn
Aegyptiſchen Muſeum vorüber mit ſeinen unermeßlichen Schätzen,
wo die alten Pharaonen aufbewahrt ſind, und über die am Cirn
gang und Ausgang wit zwei mächtigen Löwen geſchmücky.
Eroße Nilbrücke, die den ganzen Tag von einem Strom von
Menſchen, Wagen und Laſttieren überflutet iſt. Hier zweigt d:
Straße links ab nach Eize und den Pyramiden; rechts
fahre-
wir auf die von dem Hauptarm des Nil und einem
Seitern=
kanal gebildete Inſel Gezire. Es iſt ein herrlicher Park mit de
ſeltenſten tropiſchen Pflanzen, Spielplätzen und
Vergnügungs=
ſtätten aller Art. In der Mitte das Gezire=Palace=Hotel an de‟
Stelle eines ehemaligen Schloſſes. Da iſt der Korſo der
vornell=
men Welt von Kairo, da verſammelt ſich alles, was zur. Gejel;
ſchaft gehört, bei den Nachmittagskonzerten zum Tee T auf., dac
Hotelterraſſe; dahin kommt der Fremde, um die Elgeanz um=
Eigenart der internationalen Geſellſchaft Kairos ſich vor Augen
führen zu laſſen. Während die ſiniende Sone drüben über denn
Nil den Mokattam und die Alabaſtermoſchee vergoldet und dr
Lichter der Rieſenſtadt aufleuchten, empfindet man in balſamiſche;
Luft und umgeben von Klängen und Mienen der Freude: S,
gibt nur ein Kairo!
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Eine Zigarette zum Preise von 4 Pfennig begegnete nicht
dem vollen Vertrauen des urteilsfähigen Rauchers.
Entweder — s0 lehrte ihn seine Erfahrung — ist der
Geschmack der billigen Zigarette unbefriedigend oder
zumindest die Verpackung unansehnlich und nicht
haltbar.
Künftig: Grundlegende, übrigens technisch sehr interessante,
Neuerungen im Herstellungsverfahren der Kartonnagen
ermöglichen eine bessere Gestaltung der Schachteln,
die bei eleganterem Außeren besonders
zweckent-
sprechend sind. Uberdies bringt die neue Arbeitsweise
wesentliche Einsparungen. So steht jetzt auch bei der
4-Pfennig-Zigarette für Tabak ein zulänglicher Betrag
zur Verfügung und gestattet die Bereitung einer
wohl-
schmeckenden, milden Zigarette. Die hierfür
unbe-
dingt nötigen, hochwertigen Tabake können bei der
Mischungsbereitung in hinreichendem Umfange
deran-
gezogen werden.
Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 4
Der Kampf in China.
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Die maßgebendſien Perſönlichkeiten der Kantonregierung.
1ſ General Li=Fu=lin, Regimentskommandant; 2) Frau Borodin; 3), Frau Liau. geb. Ho, Witwe des 1925 ermordeten Arbeitsminiſters der Kantonregierung: 4) Borodin; 5) Frau Tſchiang=
Kia=tſchek; 6) Tſchang=Chin=kiang, einer der Vorſitzenden der Kuomintang, der ſich von ſeiner ſchweren Erkrankung noch nicht völlig erholt hat: 7 General Tſchiang=Kia=tſchek,
Generaliſſi=
mus der Kantonregierung; 8) Wu=Dſchi=hni, ein bekannter Sozialiſtenführer; 9) General Tan=Ye=kan, Mitglied des Regierungskomitees von Kanton; 10) General Li=Chistſchen,
Regi=
mentskommandant; 11) Soong=Tſe=wen, der Finanzminiſter der Kantonregierung, der bei den Vorgängen in Hankau eine große Rolle geſpielt hat und jetzt zum Mitglied, des proviſoriſchen
Verwaltungsrats für die ehemalige engliſche Konzeſſion in Hankau ernannt iſt; 12) Koo=Mun=yü, einer der Führer der Linken in der Kuomintang.
Chinas Führer und ſeine Feinde.
Von chineſiſcher Seite wird uns geſchrieben: Das obere Bild
eit die maßgebendſten Perſönlichkeiten der Kantonregierung auf
aner Bahnſtation bei der Durchreiſe. Es iſt bemerkenswert, daß
Ech auch die chineſiſchen Frauen an der nationalen Bewegung
uit großer Aktivität beteiligen. Sowohl Frau Liau, die jetzt
mter ihrem Mädchennamen Ho=Hſian=lin auftritt, als auch die
Witwe des verſtorbenen Dr. Sun=Aat=ſen, Soong=Ching=ling,
ge=
ſren als Mitglieder dem Regierungskomitee von Kanton an.
eide zeichnen ſich als gewandte Politiker aus. Das untere Bild
ſeigt gerade die Gegenſpieler von Kanton, die Generäle des
Nor=
gens, vereint. Tſchang=Tſo=lin und Wu=pei=fu ſpielten bei den
nahrelangen Bürgerkriegen in China die Hauptrolle. Sie haben
wartnäckig gegeneinander gekämpft, und jeder bezeichnete den
underen als Vaterlandsverräter; bis Kanton plötzlich nach ſeinem
Urationalen Prograr m ſich zu einem Feldzug gegen den Norden
mhob und ganz unerwartet einen Sieg nach dem anderen errang.
Die beiden Führer der Pe=Yang=Militärpartei ſahen nun, daß ſie
Unter ſich gar keine Feinde ſind und ihr gemeinſamer Feind nur
anton iſt. Dadurch kam eine Zuſammenkunft zwiſchen Tſchang=
Aſolin und Wu=pei=fu in Peling im letzten Herbſt zuſtande. Es
heurde ein Zuſammenhalten der Pe=Yang=Partei und eine
Zu=
ſummenarbeit aller Militariſten des Nordens vereinbart, um
tgen die „Roren” des Südens zu kämpfen. Das Bild iſt im
tzten Herbſt ſchon aufgenommen, aber die Hauptperſonen ſind
eute zum größten Teil noch dieſelben geblieben. Auch das
Rcheinkabinett in Peking hat ſich im weſentlichen wenig geändert.
Aur an Stelle des Admirals Tu iſt der Außenminiſter
Welling=
uem Koo mittlerweile als Miniſterträſident getreten. Tſchaug=
Aſolin ſpielt heute in Peking die Rolle eines Diktators, während
tine beiden Hauptunterführer, Tſchang=Tſun=chang und
Tſchang=
ſuesliang, in Bereitſchaft ſtehen, um den Entſcheidungskampf
Mit Kanton auszufechten.
Nach den letzten Nachrichten aus China hat der
General=
guverneur von Schanghai, Sun=Tſchuan=fan, auch ein Partei=
Aänger der Pe=Nang=Militariſten, wieder eine ſchwere
Nieder=
uge ſüdlich von Schanghai erlitten. Vorausſichtlich wird auch
Schanghai bald in die Hände der Kantoneſen fallen, was für
Danton einen außerordentlichen Machtzuwachs bedeuten würde.
As ſind weiter Anzeichen da, daß einerſeits der Genergliſſimus
von Kanton, Tſchiang=Kia=tſchek, ſich nun ernſtlich bemüht, eine
reine national=chineſiſche Politik zu verfolgen und die ruſſiſchen
Einflüſſe allmählich von ſich abzuſchütteln, was in der Offenſive
in Tſche=kiang gegen Sun=Tſchuan=fan und in dem energiſchen
Eingreifen gegen die Ausſchreitungen in Futſchau deutlich zum
Ausdruck kommt, und daß andererſeits der kantoneſiſche
Außen=
miniſter Tſchen tatſächlich weiter imſtande iſt, die Außenpolitik
mit außerordentlicher Geſchicklichkeit zu leiten. Die beiden
Mo=
mente bilden Vorausſetzungen für weitere Erfolge der
Kanto=
neſen. (Siehe den Artikel „Chineſiſche Vorgänge von chineſiſchem
Standpunkt aus” in unſerem Blatt vom 23. d. Mts.)
Die ſtarken Truppenlandungen der Engländer in Schanghai
muten doch recht ſonderbar an. Während das Foreign=Office in
London immer wieder betonte, England beabſichtige nicht,
mili=
täriſche Interventionen in China zu unternehmen, berauſchen
ſich die Londoner Preſſen ſchon mit Kriegsplänen und
militäri=
ſchen Illuſionen. Das iſt doch paradox! Die Engländer wollen
offenbar einerſeits mit Kanton verhandeln und andererſeits aber
den Chineſen zeigen, daß ſie nicht gewillt ſeien, die Konzeſſionen
auf friedlichem Wege an China zurückzugeben, um die Chineſen
vor einem derartigen Wagnis zurückzuſchrecken. Ob die Chineſen
durch dieſes Verhalten von ihren berechtigten Forderungen
ab=
ſehen werden? Es iſt kaum anzunehmen, daß die Kautontruppen,
wenn ſie Schanghai erreichen, ſelbſt auf die Niederlaſſung
ſtür=
men werden, ſondern vielmehr würde möglicherweiſe von dem
Innern der Niederlaſſung heraus eine Rewolution ausbrechen,
falls die Volkswut ſich nicht mehr zäumen läßt; denn in der
Niederlaſſung ſelbſt befinden ſich Zehntauſende von chineſiſchen
Arbeitern und Studenten. Welchen Zweck hat es daher, um die
Niederlaſſung herum Barrikaden und Schützengräben zu
errich=
ten? Welchen Sinn, „Schanghai zu verteidigen”? Die Maſſen
werden durch dieſe unnötige und unnützliche Vorkehrung nur
aufgereizt. Wollen die Engländer gegen die Ziviliſten, die nur
ihr Recht verlangen, wie jeder Engländer und jeder Europäer
es tun wird, mit Bajonetten vorgehen? Es ſind Millionen von
Chineſen in der Niederlaſſung! Können die Engländer alle die
Millionen niedermetzeln? Es ſind noch Hunderte von Millionen
Chineſen in der Welt! Für jedes Blutvergießen, das an den
Zivilbürgern Chinas begangen wird, müſſen die Engländer
allein vor aller Welt und der Menſchheit gegenüber die Verant=
G. Djang.
wortung tragen.
Englands Spiel mit dem Feuer.
Die „friedliche Durchdringung” Chinas mit Artillerie.
* London, 30. Jan. (Priv.=Tel.)
Auf einer Konferenz der Arbeiterpartei in Daventry
um=
ſchrieb Ramſay Macdonald die Haltung der britiſchen
Arbeiter=
partei gegenüber China. Die gegenwartige Situation in Ch.na,
ſo ſagte er, verurſach,e der Nation zweifellos ernſte Sorgen. Er
wünſchte bei dieſer Gelegenheit in ſchärfſter Form gegen die
Hal=
tung gewiſſer Zeitungen zu proteſtieren, die die Politik der
Arbeiterpartei gegenüber Ch.na als eine Manifeſtierung
partei=
gängeriſcher Beſtrebungen hinſtellte. Das entſpreche nicht den
Ta ſachen der wichtigen Rolle, die die britiſche Arbeiterpartei im
Kantoneſer Außenmimiſterium erhalten könne. Die eigene
Re=
gierung jage die Arbeiter auf den Boden des fernen Oſtens.
China müßte ſo behandelt werden, daß es ſich aus den
Schlin=
gen befreie könne, die das Ergebnis aufgezwungener Verträge
ſeien. In dem Augenblia, in dem die engliſche Regierung
ent=
ſchieden habe, eine Verteidigungsſtreitmacht nach China zu
ent=
ſenden, habe ſie mit dem Feuer zu ſpielen begonnen.
Unter großer Anteilnahme der Londoner Bevölkerung
ver=
ließ geſtern das zweite Bataillon der Coldſteam=Garde London
mit dem Ziel China. In den Royal Albert Docls in London
trafen von Mitternacht ab für Chna beſtimmte Truppen ein,
die auf die Transportſchiffe „Carmala” und „Herminia” verladen
wurden. Darunter befindet ſich auch eine größere Abteilung
Artillerie.
Chamberlain hielt am Samstag abend in Birmingham eine
Rede über die China=Politik der engliſchen Regierung. Er
er=
klärte, daß England ein einiges, ſtarkes und wohlhabendes
China wünſche. Es ſei bereit, zu der Verwirklichung dieſer
Ziele das ſeinige beizutragen und auf einen Teil ſeiner
bis=
herigen Nechte zu verzichten, ſobald die chineſiſche Regierung im
Stande ſein werde, die Ausländer wirkſam zu beſchützen.
Eng=
land erkenne an, daß die bisherigen Verträge veraltet ſind und
daher den modernen Zeitverhältniſſen angepaßt werden müſſen.
Solange aber keine allgemein anerlannte Zentralregierung in
China beſtehe, ſei es ſchwierig, dahingehende Verhandlungen zu
eröffnen. England könne die Kanton=Regierung nicht
anerken=
nen, da dieſe nur über ein Drittel der chineſiſchen Bevölkerung
heuuſche.
Die Gegenſpieler von Kanton, die Generale des Nordens.
In der erſten Reihe ſitzend von links nach rechts: Jen=Ko=tſchen, Innen= und Juſtizminiſter; Tſchang=Dſchi=tan, Verkehr; Wellington Koo, Aeußere Angelegenheiten; General Tſchang;
Gouver=
neur Bao; Admiral Tu, Miniſterpräſident und Marine: Tſchang=Tſo=lin; Wu=pei=fu; Marſchall Wang, Oberſter Kommandant der Stadt Peking; Geueral Tſchiang, Miniſter für Heerweſen;
Stehend hinter Tſchang=
Sigang=Tſun=chang, Generalgouverneur von Schangtung; Tien=Yin=huang, Kultusminiſter; Gouverneur Dſchao; Yang=Wen=kai, Miniſter für Handel und Agrar,
Tfunchang links Tſchang=Hſue=liang, Sohn von Tſchang=Tſo=lin; rechts neben ihm Tſchu=hü=pu, Generalgouverneur von Chili.
Seite 48
Dienstag, den 1. Februar 1927.
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Seite 30
Dienstag, den 1 Februar 1922
Nummer 32
Phantaſie und Wirklichkeit
im Luftverkehr.
Von Rudolf Mueller.
In der Nummer 61 der „Kölniſchen Zeitung” vom 24.
Ja=
nuar veröffentlicht ein unbekannter Verfaſſer einen Artikel über
den Luftverkehr im Jahre 1926, den er „Phantaſie und
Wirk=
lichkeit” überſchreibt. Er verſucht darin an Hand der
vorliegen=
den Betriebsergebniſſe über den nordweſtdeutſchen Flugbezirk
nachzuweiſen, daß das „Zeitalter des Luftverkehrs” noch längſt
licht gekommen ſei, und daß es daher ſchon aus Gründen an
ſich gebotener Sparſamkeit für ganz Nordweſtdeutſchland nötig
fei, auf einen eigenen Flugverkehr zu verzichten und — ſich Köln
anzuſchließen. Das iſt erfriſchende Deutlichkeit. Die Konkurrenz
ter Düſſeldorf, Eſſen=Mülheim, Dortmund, Krefeld, Münſter
iſt Köln läſtig; es will für ſie gern die Arbeit übernehmen.
ehnliche Opferwilligkeiten können wir ja auch aus unſerer
Gegend. Für den Durchſchnittsleſer haben die vorgebrachten
rgumente etwas Beſtechendes. Die Perſonen=, Fracht= und
Poſt=Ziffern aus dem Sommer 1926 ſind in der Tat nicht
ge=
tade ermutigend. Um ſie noch wirkſamer zu geſtalten, ſcheut der
Verfaſſer auch vor falſchen Angaben nicht zurück. So behauptet
er kühn, die Koſten einer Eiſenbahnfahrt zweiter Klaſſe
ent=
ſprächen ungefähr den Koſten einer Luftreiſe nach dem
entſpre=
chenden Ort, ſo daß die Eiſenbahnreiſenden für dasſelbe Geld
mit dem Flugzeug an ihr Ziel gelangen könnten. Tatſächlich
betrugen die Koſten für die Luftreiſe im Sommer 1926 mehr als
das Doppelte derjenigen für die Eiſenbahnreiſe. Erſt für den
Winterluftverkehr hat die Deutſche Luft=Hanſa die Flugpreiſe
um rund ein Drittel herabgeſetzt. Der Winterluftverkehr hat
davon allerdings nicht profitiert; aber lediglich deshalb, weil er
heute verkehrstechniſch noch nicht zuverläſſig genug iſt. Ein
wirk=
licher Anreiz zur Benutzung des Flugzeuges im Winter liegt
daher für den Geſchäftsmann, der ſein Ziel raſch und pünktlich
erreichen will, nicht vor; die Eiſenbahn bietet ihm da heute noch
weſentlich ſicherere Garantien. Aus der Winterfrequenz des
Luftverkehrs können alſo für ſeine verkehrspolitiſche Bedeutung
zurzeit noch keinerlei Schlüſſe gezogen werden. Aber auch
aus der Sommerfrequenz noch nicht! Abgeſehen von
den weſentlich höheren Koſten, die für den
Durchſchnittsreiſen=
den heute noch erheblich ins Gewicht fallen, ſpielt auch der
Um=
ſtand eine bedeutende Rolle, daß noch immer von 95 Prozent der
Bevölkerung die Benutzung des Flugzeuges als eine Heldentat
angeſehen wird, die der brave Bürger nicht ohne Not auf ſich
zu nehmen geſonnen iſt. Auch über dieſe Tatſache ſchweigt ſich
der Verfaſſer des Artikels völlig aus. Ob die rheiniſch=
weſt=
fäliſchen Nachbarſtädte die kölniſche Mahnung beherzigen und
ihren eigenen Flugverkehr aufgeben werden, ſcheint mir
zweifel=
haft. Grundſätzlich iſt der Gedanke durchaus richtig, den
Luft=
verkehr auf wenige, weit von einander gelegene Großſtationen
zu beſchränken, weil der Vorteil der ſchnellen Beförderung ſonſt
ja bis zu einem gewiſſen Grade wieder illuforiſch gemacht wird.
So muß auch für unſer Gebiet der Gedanke der Errichtung eines
rhein=mainiſchen Zentralflughafens nachdrücklich feſtgehalten
und weiter verfolgt werden. Es wäre aber ein großer Fehler,
von vornherein nur ein paar deutſche Großſtädte in den
Flug=
verkehr einzubeziehen und das Gros der deutſchen Bevölkerung
von der Benutzung dieſes einzigartigen Verkehrsmittels
prak=
tiſch auszuſchließen. Denn es bedeutet ein Ausſchließen, wenn
ich erſt umſtändliche Wege und Fahrten machen muß, um auf
einen Flugplatz zu gelangen. Das dichte Flugliniennetz, das
ſich im kommenden Sommer über Deutſchland ausſpannen wird,
hat für ſeine ganze wirtſchaftliche Entwickelung geradezu
un=
ſchätzbare Vorteile. Es erzieht vor allen Dingen in allen
Schich=
ten unſerer Bevölkerung den notwendigen fliegeriſchen Geiſt,
den Willen zur Einſtellung auf ein neues Zeitalter, eines in
dieſem Ausmaß bisher nicht dageweſenen techniſchen Fortſchritts
auf allen Gebieten. Wer ſich dem neuen Verkehrsmittel
anver=
traut, der wird auch ſonſt die Augen offen und die Ohren ſteif
halten. Wer hinter dem Ofen ſitzen bleibt, der mag vielleicht
Befriedigung darüber empfinden, daß ihm keine Zugluft um
die Naſe weht, aber Welt und Leben werden über ihn zur
Tagesordnung übergehen.
r unmittelbar praktiſch geſehen, bedeuten die in die
wei=
teſten Terzweigungen der deutſchen Beſiedelung hineingetriebenen
Flug: iienſtränge für zahlloſe im politiſchen und
wirtſchaft=
lichen Leben ſtehende Kräfte wertvollſte Gelegenheit,
Konjunk=
turen auszunützen, Konkurrenzen wirkſam zu begegnen und
wichtige Geſchäfte aller Art raſcheſtens zu erledigen. Es wäre
unrecht, dieſe Möglichkeiten ausſchließlich den glücklichen
Bewoh=
nern einiger Verkehrszentralen vorzubehalten.
SfchFfenz SRTSlau SrülnES-BütFRNEK
DBdSFDT, SDFESTS. 81 Mrcter BElSrR.
WBz8
Wir beſcheiden das Rüſtzeug iſt, auf Grund deſſen der
Ver=
faſſer ſich für legitimiert erachtet, in einer ſo bedeutungsvollen
Frage und an ſo exponierter Stelle das Wort zu ergreifen und
Ratſchläge zu erteilen, geht aus der Tatſache hervor, daß er die
Aufſtellung des Flugplatzes nach den Grundſätzen der
Wirtſchaft=
lichkeit fordert. Es ſcheint ihm ganz unbekannt zu ſein, daß
von einer Wirtſchaftlichkeit des Flugverkehrs heute noch
über=
haupt keine Rede ſei kann, daß ſelbſt unausgeſetzte lückenloſe
Vollbeſetzungen Zuſchüſſe erfordern würden. Beſtenfalls wäre
alſo die Wirtſchaftlichkeit nach den geringſten Zuſchüſſen zu
nor=
mieren. Der Verfaſſer irrt aber, wenn er annimmt, daß dann
nur die fünf, ſechs deutſchen Großſtationen Berüſichtigung finden
könnten. Die Statiſtik des letztſommerlichen Flugverkehrs zeigt
deutlich, daß die größere Stadt durchaus nicht immer die
größe=
ren Frequenzziffern aufweiſt. Das erklärt ſich auch ohne
wei=
teres aus den minimalen Platzmöglichkeiten im Flugzeug
gegen=
über den mit ihren Tauſenden von Plätzen auf Maſſenverkehr
eingerichteten Eiſenbahnen. Es iſt eben ein Unding, zu
be=
haupten, ein vierſitziges Flugzeug wurde eher in Berlin
voll=
beſetzt werden, als etwa in Köln oder ſelbſt in Halle. . Alles das
iſt ſchon hundertmal geſagt worden. Es ſcheint aber immer aufs
neue geſagt werden zu müſſen, weil man es vergißt, oder nicht
verſteht, oder nicht verſtehen will. Es mag ſchon ſein, daß der
Idealismus mauchmal etwas mehr Kräfte in Bewegung ſetzt,
als gerade dringend notwendig oder wirtſchaftlich zu
verant=
worten iſt. Die Verfechter dieſes Idealismus ſind mir aber
immer noch lieber als die Suverklugen, die vor lauter Bedenken
im Sumpſe ſtecken bleiben. Es gibt kein beſſeres
Erziehungs=
mittel für eine fortſchrittliche Geſinnung in der Wiſſenſchaft der
Lebensbemeiſterung, wie das Fliegen. Und dafür auch Opfer
zu bringen, große Opfer ſogar, das kann uns nur zur Ehre
gereichen.
Neue Wege der Sozialpolitik.
Der im Herbſt 1925 beröffentlichte Geſetzentwurf einer Arbeits,
loſenverſicherung iſt ſoeben in weſentlich abgeänderter Form
dem Reichstag zugegangen. Der Entwurf ſpricht die Hoffnung aus, daß
das Geſetz ſchon am 1. April d. Js. in Kraft treten kann.
Verſicherungspflichtig ſind die in der Krankenkaſſe und
die in der Angeſtelltenverſicherung pflichtverſicherten Arbeitnehmer (
An=
geſtellte und Arbeiter), ſowie die Seeleute, insgeſamt ein
Perſonen=
kreis, der, wie die Deutſche Allgemeine Zeitung mitteilt, auf etwa 16,4
Millionen Menſchen berechnet wird. — Träger der Verſicherung ſind die
ſogen. Landesarbeitsloſenklaſſen, die bei den
Landes=
ämtern für Arbei.svermittelung errichtet werden. Die Mittel
wer=
den je zur Hälfte durch Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer
(bis zu einer Höckſtbeitragsgrenze von 3 Prozent d 3 Lohnes)
aufge=
bracht. Es ſollen auf dieſem Wege die Mittel zur Untſtützung von etwa
700 000 Arbeitsloſen geſcheffen werden. Für die Bemeſſung der
Unter=
ſtützungsſätze ſelbſt ſind ſieben Lohnklaſſen eingeführt, in der Weiſe, daß
in den beiden unterſten Lohnklaſſen 45 Prozent, in den drei mittleren
Klaſſen 40 Prozent, in den beiden höchſten Klaſſen 35 Prozent des
Lohnes gewährt werden. Hierzu tritt ein Zuſchlag von 5 Prozent für
jeden Familienangehörigen. Für Zeiten „andauernd beſonders
un=
günſtiger Arbeitsmarktlage” iſt die bereits beſtehende „Krifenfürſorge‟
in das Geſetz eingebaut.
Die Veränderung gegenüber der bisherigen Erwerbsloſenfürſorge
beſteht u. a. darin, daß die Bedürftigkeitsprüfung künftig in Wegfall;
kommt. Bemerkenswert iſt, daß die Erwerbsloſenverſicherung in
Ver=
bindung gebracht wird mit der Schaffung neuer
Arbeitsmög=
lichkeiten, für die Mittel aus der Verſicherung bereitgeſtellt werden;
ſollen.
Das Geſetz, an deſſen Annahme im Reichstag wohl kaum zu
zwei=
feln iſt, dürfte als ein bedeutſamer Fortſchritt auf dem Wege der
Sozialpolitik zu bezeichnen ſein. Die ſoziale Zwangslage in
der ſich der Arbeitsloſe befindet, und ſein Rechtsanſpruch auf das
ſolidariſche Eintreten der Gemeinſchaft iſt mit Einführung der
Erwerbs=
loſenverſicherung anerkannt.
Neuerſcheinungen der Plattenliteratur.
Zwei Fernaufnahmen der Electrola=Geſellſchaft ſind neue willkom
mene Beweiſe techniſchen Fortſchrittes. Während der Feſtvorſtellung:
im Convent Garden (London) ſind Enſemble=Aufnahmen aus „Othello”
gemacht worden, die ebenſo verblüffen durch die Atmoſphäre wie
Klange=
ſchönheit. Eine Doppelplatte aus der „H=Moll=Meſſe” von Bach iſt*
während eines Konzertes aufgenommen, und fraglos eine wertvolle Be= ähnlicher bisher erſchienenen Choraufnahmen, die „Electrola‟”
ſo ſchnell populär gemacht haben.
Eine Duettaufnahme aus Aida, die große Sterbeſzene aus dem
letz=
ten Akt, verdient beſondere Erwähnung (D.A. 809); hier haben ſich zwein
große Sänger und glänzende Künſtler zu einer großen künſtleriſchen Taru
vereinigt. Unter den Orcheſteraufnahmen fallen die „Tannhäuſer”= undo
„Oberon”=Ouvertüre, E.J. 51 und 54, und eine von Stockowski geſpielte.
ſelten ſchöne Aufnahme „Totentanz” von Saint Saens auf. Meiſtern
Gigli ſingt Neapolitaniſche Volkslieder und Maria, Mari in ſeiner
uns=
nachahmlichen Art (DA. 763). Nur einer Meiſterin wie Julia Culpy
gelingt es, mit ihren meiſterlich geſungenen Liedern von Schubert,
Schu-
mann und Brahms (E.J. 41 und E.W, 9) ebenſo ſtark zu intereſſieren.”
Fritz Kreislers Charme und Virtuoſentum bringt die „Electrola”=”
Aufnahme D.A. 803 voll zur Geltung, während Földeſys Cello=Vortragg
des bekannten Kol Nidrei E.H. 15 durch den naturwahren Celloton be= auffällt. Zwei moderne Orgelkompoſitionen „Sturm” von Mals‟
werden Freunden des Orgelſpiels aufs neue beweiſen, daß durch das
neue „Electrola”=Aufnahmeverfahren auch die Orgel vollendet
wieder=
gegeben wird. Marek Weber ſpielt Walzer von Johann Strauß (E.G4
264) und Schlager von Lehär und Meyer=Helmund mit der nur ihnn
eigenen faſzinierenden Vortragskunſt, während Blandine Ebingers Kao
barettvortrag E. G. B1 zwar nicht an die große Maſſe appelliert, aber=
Freunde der modernen Kabavettkunſt um ſo mehr entzücken muß. Einar
große Serie internationaler Tanzſchlager wird der Tanz= und beſonders;
Charleſton=Wut des Februars gerecht werden, um ſo mehr, als dieſ=
Aufnahmen ſich durch beſondere Lautſtärken und Rhythmus ganz hern
vorragend auszeichnen.
Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Seite 53
Dienstag, den 1. Februar 1927
Oeſterreichs Anteil
an der deutſchen Kultur.
Ernſie, zähe Pflege ihrer geſchichtlichen Kulturgemeinſchafr
vhört heute zu den dringendſten Aufgaben im Verkehr
Deutſch=
ſrnds und Oeſterreichs. Die Erkenntnis, daß wir uns immer
nSchſelſeitig gefördert haben, und daß die eigentümliche, durch
twe Vielgeſtaltigkeit reiche Kultur des deutſchen Volkes ohne
geeſes Zuſammenwirken nie hätte entſtehen, nie ihre Welt=
ᛋillung häte erringen können, muß immer mehr vertieft werden.
Amf dem Boden dieſer Kulturgemeinſchaft war ftets ein Geben
und Nehmen.
Zu allen Zeiten hat der deutſch=öſterreichiſche Stamm Güter
um bleibendem Werte dem Kulturbeſitz der Nation zugeführt:
nrade deshalb, weil hier das Künſtleriſche nicht Auswirkung
us geiſtigen Erbteils Einzelner, ſondern Gabe des
mitſchaffen=
der Volkes war, deſſen Individualität, durch ununterbrochene
Inffaugung anderer Elemente entſtanden, das urſprünglich
baju=
nriſche Volkstum veränderte und, Neues mit Altem
verbin=
eid, dem Beharrungs= und Anpaſſungsvermögen immer reiche
ſpeen und Gefühle aus Landſchaft und Völkerverkehr zuſtrömen
iſß, welche die ererbten Fähigkeiten erſt recht zur Entfaltung
nachten.
Durch ſeine geographiſche Grenzſtellung und politiſche
Sen=
umig war der Oſtmarkdeutſche gezwungen, Fremdes dem
Eige=
urr zu verbinden, es zu nationaliſieren und dem geiſtigen
Be=
ite des ganzen Volkes zu vermitteln. Iſt die öſterreichiſche
üriſtleriſche Kultur alſo immer eine Erſcheinung durchaus
per=
önlicher Art geweſen, ſo war ſie doch ſtets in allen ihren
boden=
jämdigen Aeußerungen ein weſensverwandter Teil des Ganzen.
5u in der ſchöpferiſch auftretenden Babenbergerzeit, in ihrer
bil=
ernden und handwerklichen Kunſt, in ihrer volkstümlichen
Dich=
ung der Sänger und Spielleute wie in Bewahrung und
Bear=
zei tung der alten nationalen Poeſie, in der großartigen
Erſchei=
umg Walters von der Vogelweide mit ſeinen Verhältniſſen
u Natur und Menſchentum, und im politiſchen” nationalen
7 mpfe. Oder in der Lokalkunſt Salzburgs, die weit in die
Awenländer eingriff, und in der quantitativ und qualitatid
ußerordentlichen Leiſtung der gotiſchen Epoche. Der ſtarke
An=
eſl Oeſterreichs an der blühenden Donauſchule, die heute die
vfſſenſchaftliche Forſchung ſo lebhaft beſchäftigt, zeigt, wie
leben=
dn und von welchem Einfluß das Kunſtleben der
Donau=
deutſchen geweſen iſt. Iſt Oeſterreich auch nicht eben ſtark bedacht
ntt Werken der Renaiſſance, ſo darf doch nicht überſehen
wer=
nen, wie in Maximilians, des Geiſtesverwandten eines Dürer
uw Burgkmair, Auseinanderſetzung zwiſchen Altem und Neuem
a8 Ringen der Zeit ſymboliſiert iſt.
Zu den merkwürdigen Schickſalen Oeſterreichs gehört, daß
in ſo tief aufwühlendes, ſchmerzliches Ereignis, wie die
Gegen=
eſormation war, welche ſo viele Werke der Kunſt vernichtet hat,
urleich zum Ausgangspunkt einer auch im nationalen Sinne
verhört fruchtbaren Epoche künſtleriſchen Schaffens, der Epoche
e Barocks, wurde. Oeſtereich war es, das durch ſeinen
todes=
u tigen fanatiſchen Widerſtand gegen die Türken damals die
eſmmte deutſche Kultur vor dem Untergang rettete; es baute ſie
eu auf und ſchuf unvergleichliche Vorbilder. Volksgefühl und
überlieferte Kunſtübung, Rhythmus und Sinnenfreude trafen
hier zuſamen in der alten Einheit von Farben, Formen und
Tönen. Aufnehmend und verarbeitend, was von außen kam,
geſtalteten Fiſcher, Hildebrand, Donner, Prandauer ſowie
zahl=
reiche Freskomaler und Kunſthandwerker das Barock zu einem
deutſchen Kunſtſtil von außerordentlicher Kraft, Größe, Tiefe
und Eigenart.
Auch in der Zeit der Romantik, der Neurenaiſſance und in
der modernen Kunſtbewegung erlangte Oeſterreich höchſte
Be=
deutung; die alte Macht der Tradition, Gefühlsleben,
muſikali=
ſcher Sinn, poetiſche Erfaſſung von Natur und Volksleben, die
inſtinktive Gegnerſchaft gegen Spekulation, Dialektik,
Rationalis=
mus, die Sehnſucht nach dem Tranſzendenten empfängt hier
neues Leben. Es iſt kein Zufall, daß den großen ſtrengen
Mei=
ſtern Bach und Händel in Oeſterreich Mozart, Haydn, Schubert
folgten, Beethoven hier zur höchſten Entfalrung ſeiner titaniſchen
Kraft eglangte, dann hier Lanner und Strauß lebten und
wirk=
ten, Grillparzer, Raimund, Stifter, Neſtroy, Anzengruber,
Roſegger, Moritz Schwind, Joſef Führich, Rudolf Alt,
Wald=
müller, Makart entſtanden. Nur ganz naturgemäße Auswirkung
urſprünglich ererbter Fähigkeit iſt es, daß die Neubelebung der
Kunſt und ein gut Teil der Führung der modernen Werkkunſt bei
Oeſterreich iſt, auf deſſen Boden Otto Wagner, Guſtav Klimt,
K. Moſer, A. Roller und J. Hoffmann als kühne Erneuerer des
Schaffens auftraten und wo die letzteren mit Hanak und Strnad
noch heute wirken. Und iſt es ein Zufall, daß ſo viele Künſtler
aus dem Südweſten und Norden Dentſchland im Wien des 18.
und 19. Jahrhunderts erſt zur vollen Entfaltung gelangten, wie
Füger, Krafft, Fernkorn, Fr. Schmidt, Zumbuſch, William Unger
daß Hebbel, Laube, Brahms und Richard Strauß hierher kamen?
Und daß gerade auf Wiener Boden in den Zeiten, als das
Klein=
handwerk zu Manufakturen zuſammengefaßt wurde und die
erſten Anſätze zu induftrieller Entwickelung ſich zeigten, in der
Epoche von 1740 bis 1790 und dann wieder nach den
Befreiungs=
kriegen und ſodann in den Fünfziger= und Sechzigerjahren
des 19. Jahrhunderts reichsdeutſche Techniker und Kaufleute ſich
in Oeſterreich niederließen und mit ihrer ſtrengeren Schulung
und Organiſationsgabe die heimiſchen Kräfte zu geſchloſſener,
großzügiger Arbeit emporhoben, auch das iſt kein Zufall,
ſon=
dern eine ganze natürliche Sache. Die Organiſierung der
Ar=
beit in Oeſterreich bedurfte oft der Miſchung des weicheren
phantaſievollen künſtleriſchen Elementes, das aus dieſem Boden
wächſt, mit kühleren, ſtrengeren, härteren Naturen, wie ſie der
Norden hervorbringt, oder mit Angehörigen der begabten
weſensverwandten Raſſe des rheiniſchen Weſtens.
Dafür aber gab Oeſterreich reichlich ab von der Fülle und
Ueberfülle ſeiner Talente, da ſeine Wirtſchaft nicht ſtark und
tragfähig genug war, daß ſie alle geiſtigen Potenzen der
Hei=
mat hätte voll ausnützen können. Viele wertvolle, Menſchen
gingen ins fremdſprachige Ausland, wo ſie nicht immer dem
nationalen Leben erhalten werden konnten, ſehr viele
glücklicher=
weiſe in das ſtammperwandte Reich, wo man ſie ſehr notwendig
brauchte. Auf dem Gebiete der Wiſſenſchaft fand immer der
regſte Wechſelverkehr ſtatt. Die Zahl hervorragender Gelehrter,
die vom Deutſchen Reiche nach Oeſterreich kam, hat ſich vor dem
Kriege im großen und ganzen mit jener der von dort
übernom=
menen öſterreichiſchen Kräfte die Wage gehalten. Seit dem
Kriege nimmt die Ab= und Rückwanderung von Oeſterreich nach
Deutſchland freilich leider immer mehr zu, neue Einwanderung
ſcheitert vorläufig an dem wirtſchaftlichen Notſtande
Oeſter=
reichs. Die Abſchließung Oeſterreichs vom unmitelbaren
geiſti=
gen Verkehr mit Deutſchland nimmt bedenkliche Formen an,
zum Schaden der Geſamtkultur. Nur die Künſiler von
Schau=
bühne, Oper und Operette, die Konzertgrößen und die
Geſang=
bereine halten die Verbindung mit dem Reiche dermalen noch
aufrecht Ein intereſſantes Beiſpiel des wechſelſeitigen Gebens
und Nehmens bot immer das Tbeater. Wie diele der größten
Künſtler des Burgtbeaters ſtammten aus dem Reiche. Das
Burgtheater war ihnen Sehnſucht und Ziel, und hier ſind ſie
zu ihrer Bedeutung emporgewachſen. Oeſterreich hat hierfür
an das Theater der deutſchen Städte, an Oper und Operette und
überhaupt an Deutſchlands Muſikleben reichlich Rückerſatz
ge=
leiſtet. Und ebenſo war es gebend auf dem Gebiete der
bilden=
den Kunſt. Schwind und Defregger waren Oeſterreicher. Bis
vor kurzem gab es keine reichsdeutſche Kunſtſchule, an der nicht
Oeſterreicher in maßgebender Stellung gewirkt hätten oder noch
wirken. Lederer und Metzner, Kokoſchka, Orlik, Czeſcha kamen
aus Altöſterreich hinaus in das Reich. Das öſterreichiſche
Kunſt=
gewerbe, das heute im eigenen Lande den ſchwerſten
Daſeins=
kampf führt, wird im Reich als eine Herzensangelegenheit
be=
trachtet, die Erhaltung der Kulturſtellung Wiens bereitet den
Brüdern im Reiche die gleiche Sorge wie uns.
So ſehen wir im Wechſel der Zeiten und Menſchen immer
das gleiche Bild, bald in leuchtenden, bald in bläſſeren Farben.
Oeſterreichs Schickſal und geſchichtliche Aufgabe iſt es,
Grenz=
wacht zu halten, die deutſche Kultur durch Aufnahme und
Ver=
arbeitung fremder Einflüſſe zu bereichern, bodenſtändige Kräfte
zu höchſten Leiſtungen anzuſpornen, andere Deutſche in ſeine
Mitte aufzunehmen und zu ſördern. Oeſterreich, das viel
ver=
kannte, oft geſchmähte, ſeiner eigenen Fähigkeit nicht immer
be=
wußt geweſene, gar oft an ſich ſelbſt irre gewordene, ergänzt das
Weſen der änderen deutſchen Stämme. Schöpferiſch war es zu
allen Zeiten und wird es bleiben, weil es ſeiner ganzen Natur
und Anlage nach nicht anders kann, als immer aufs neue zu
ge=
ſtalten. Was an Muſik, Farbe, Formen, ſinnvollen Ideen und
unverwüſtlicher Lebenskunſt in ihm iſt, wirkt ins Weite. Aber
auch in Wiſſenſchaft und Lehre, in Sozialreform und
Volksbil=
dung hat es Gutes und Großes geleiſtet und wird noch ganz
neue Seiten ſeines Weſens zur Geltung bringen, wenn es, als
eng verbundener tätiger Teil des Ganzen der Nation, wieder
zum klaren Bewußtſein und zur vollen Ansreifung ſeiner ſelbſt
gelangt.
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verzeichneten Holzſortimente öffentli i
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ſteigert werden:
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17
„ II — 2451
131
„ III — 110,65
32
IV — 16,74
Zuſammenkunft der Steigerer auf der
Chauſſee Eberſtadt—Darmſtadt an de
Halte „Waldfriede‟. — Nähere Auskumn.)
erteilt. Herr Förſter Kirſchner Ebeoel
ſtadt, Müderſtraße 11. — Gegen
Bürr=
ſchafts=Errichtung wird zinsloſe Stuisl
dung des Steigbetrages bis 11. Non.
1927 gewährt. Es wird beſonders ble
merkt, daß das Holz in nächſter NäE=l
der Darmſtädterſtraße lagert und
fiſ=
hierunter ſehr ſchönes Schnittholz befindc.
Eberſtadt, den 27. Jan. 1927.
Heſſ. Bürgermeiſterei Eberſtadtt
(19363
Schäfer.
Am Mittwoch, den 2. Februn?
1927, nachmittags 2 Uhr, verſteigen!
ich zwangsweiſe gegen Barzahlung
Verſteigerungslokal Luiſenſtraße 32.—
eient Potten Bigate.
(Schwartzburg, Nymphenburg vi‟
Hutſchenreuter). (2ll*
Verſtei erung findet beſtimmt ſto4
Darmſtadt, den 1. Feb. 1927.
Geite 54
Schulgeld=Mahnung.
Das Schulgeld für die hieſigen
höhe=
ren Schulen für den Monat Januar
1927 iſt bei Meidung der
Beitrei=
bung bis zum 10. Februar 1927 an
die unterzeichnete Kaſſe zu zahlen. (st2091
Darmſtadt, den 31. Jan 1927.
Stadtkaſſe Darmſtadt.
Eintrage in das Handelstegiſter:
Ab=
teilung A: Am 24. Januar 1927
hin=
ſichtlich der Firmen: 1. Steinfabrik
Darmſtadt, Paul Klingenberg,
Darmſtadt: Die Prokura der Kaufmaun
Paul Klingenberg Ehefrau, Philippine
geborene Lohr in Darmſtadt, iſt
er=
loſchen. Die Firma iſt erloſchen. 2.
Heſ=
ſiſche Papier=Induſtrie Niklas &
Co., Darmſtadt: Kaufmann Ludwig
Gebhart in Darmſtadt iſt aus der
Ge=
ſellſchaft ausgeſchieden, die von den
übri=
gen Geſellſchaftern fortgeſetzt wird. Am
27. Januar 1927 hinſichtlich der Firmen:
1. J. J. Diefenbach, Darmſtadt: Die
Geſellſchaft iſt mit Wirkung vom 1.
Ja=
nuar 1927 aufgelöſt. Geſchäft ſamt
Firma iſt auf den ſeitherigen
Geſell=
ſchafter Kaufmann Otto Diefenbach in
Darmſtadt als Einzelkaufmann
überge=
gangen. Kaufmann Jakob Diefenbach in
Darmſtadt iſt zum Prokuriſten beſtellt
2. Hugo Sadowsky,
Verlagsbuch=
handlung, Darmſtadt: Geſchäft ſamt
Firma iſt auf Robert Kiepert,
Verlags=
buchhändler in Charlottenburg,
überge=
gangen und wird von dieſem fortgeführt.
Der Ort der Niederlaſſung iſt jetzt:
Ber=
lin=Charlottenburg. Der Uebergang der in
dem Betriebe des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen iſt bei
dem Erwerbe des Geſchäfts durch
Verlags=
buchhändler Robert Kiepert ausgeſchoſſen.
3. Fabrik chem.=pharm. Präparate
Moenania, Hauptniederlaſſung
Würz=
burg, Zweigniederlaſſung Darmſtadt:
Die Geſellſchaft iſt aufgelöſt. Die Firma
iſt erloſchen 4 Neueintrag: Firma:
„Kraftfahrzeug”
Motorwagenver=
kaufsbüro Otto Heiurich Graf
Ha=
genburg, Darmſtadt. Inhaber: Otto
Heinrich Graf Hagenburg, Kaufmann in
Darmſtadt. Jakob Krümmel, Kaufn ann
in Darmſtadt, iſt zum Prokuriſten
be=
ſtellt. — Abteilung B: Am 22 Januar
1927 hinſichtlich der Firma
Siedlungs=
geſellſchaft für das
Verkehrperſo=
nal, gemeinnützige Gefellſchaft mit
beſchränkter Haftung, Darmſtadt:
Dipl.=Ing. Guſtav Blöcher in
Darm=
ſtadt iſt zum Einzelprokuriſten beſtellt.
Der ſtellvertretende Geſchäftsführer Kurt
Runge iſt ausgeſchieden. Am 25. Januar
1927 hinſichtlich der Firma: „
Tech=
nika‟, Geſellſchaft mit
beſchränk=
ter Haftung, Darmſtadt: Durch
Ge=
ſellſchafterbeſchluß vom 24. Januar 1927
iſt die Geſellſchaft aufgelöſt. Elſe Heim,
geborene Dunker, genannt Hoyer, in
Darmſtadt iſt zur Liquidatorin beſtellt.
Am 26. Januar 1927 hinſichtlich der
Firma: Auguſt Jacobi,
Aktiengeſell=
ſchaft, Darmſtadt: Die Prokura des
Kaufmannes Karl Hammer iſt erloſchen.
Dr.=Ing. Herbert Fiſcher, Chemiker, und
Karl Hammer, Kaufmann, beide in
Darm=
ſtadt, ſind zu Vorſtandsmitgliedern
be=
ſtellt in der Weiſe, daß jeder von ihnen
zuſammen mit einem anderen
Zeich=
nungsberechtigten zeichnungsberechtigt
ſein ſoll. Kaufmann Johannes
Sur=
mann iſt aus dem Vorſtand
ausge=
ſchieden.
(2084
Darmſtadt, den 28. Jan. 1927.
Amtsgericht I.
Nächlaß=
Seifteigerang.
Wegen Auflöſung des
Haus=
haltes der Frau Bäcker.
meiſter M. Koch, geb. Emich,
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Dienstag, den 1. Februar 1927
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Nummer 2 DARMSTADTER TAGBLATT — HESSISCHE NEUESTE NACHRICHTEN
Der Kleinmotor in der
Landwirtschaft.
Von
Dipl. Ing. Mangold, Dulsburg.
Im landwirtſchaftlichen Betrieb gibt es viele kleinere und
ut benutzte Maſchinen, deren Kraftbedarf ſo gering iſt, daß ihre
Betätigung bisher faſt ausſchließlich durch eine Handkurbel
er=
fplgte. Da ſie immer nur kurze Zeit im Gebrauch ſind, ſo ſcheint
ür Arbeitsſtundenverbrauch nicht beſonders hervorzutreien. Das
nrag auch vielleicht der Grund ſein, weshalb man hier noch
ver=
lältnismäßig wenig zum elettriſchen Antrieb übergegangen iſt,
pährend man den größeren Maſchinen, wie z. B.
Dreſch=
p=aſchinen, Schrottmühlen, Häcſelſchneidemaſchinen uſw., wohl
ſchon in jedem gut eingerichteten Gutshof den elektriſchen
An=
t ieb verwendet, ſoweit irgend Kraft vorhanden iſt.
Es iſt natürlich durchaus unwirtſchaftlich, die Vorteile, die
der elektriſche Antrieb bietet, nur bei den größeren Maſchinen
zu benutzen und bei dieſen kleinen noch mit den veralteten
Be=
drenungen durch Hand zu arbeiten. Zu dieſen Maſchinen ſind
z. B. zu rechnen: die auf dem Kornboden verwendeten Trieure
ud Windfeger, Kartoffelſortierungsmaſchinen, Schleifſteine,
Wiſchzentrifugen, Butterfäſſer und dergl. Angenehm iſt es, wenn
der elektriſche Antrieb ſo an der Maſchine angebracht iſt, daß
n an die Einrichtung der Handkurbel als Reſerve auch noch hat.
Vielfach ſieh man bei der Neubeſchaffung derartiger Geräte
geshalb heute die Einrichtung für den elektriſchen Betrieb von
wornherein vor und beſchafft auch gleich den Motor mit.
Wün=
ſhenswert iſt es jedoch, daß auch die urſprünglich nicht dafür
TK4
cs
WBild 1. Der tragbare AEG-Kleinmotor für die Landwirtschaft.
angerichteten Maſchinen nachträglich noch mit motoriſchem
An=
rieb verſehen werden können, der möglichſt auch bei von
vorn=
herein für elektriſchen Betrieb eingerichteten Maſchinen mit ver=
Mendbar iſt.
Grundbedingung dafür iſt, daß der antreibende Motor leicht
an der Maſchine anzubringen und ebenſo leicht wieder
abzuneh=
wen iſt, damit er wechſelweiſe für mehrere Maſchinen verwendet
werden kann, ſo daß die Koſten für die Anſchaffung mehrerer
Motoren vermieden werden. Es liegt hier der Gedanke nahe,
ten Motor unmittelbar dort angreifen zu laſſen, wo die
Hand=
turbel angreift; dieſer Gedanke iſt auch bereits verwirklicht
wor=
den, alerdings nur unter Schwierigkeiten, die auf folgendem
heruhen:
Zunächſt muß man die Drehzahl des Motors, der ſelbſt eine
hehe Umlaufzahl beſitzen muß, um klein und billig auszufallen,
durch Rädervorgelege ſtark herunterſetzen, da an der
Kurbel=
delle nur etwa 50 bis 60 Umdrehungen in der Minute gemacht
herden. Außerdem iſt der unmittelbar auf der Kurbelwelle
ar=
hitende Motor nur ſchwer an der betreffenden Maſchine anzu=
4e
Blld 2. Kartoffelsortiermaschiene mit Kleinmotor.
Mingen. Das hat zur Verwendung beſonderer Geſtelle geführt,
I die der Motor eingehängt wird, und die an die betreffende
A beitsmaſchine herangerückt werden. Abgeſehen von den damit
erbundenen Umſtändlichkeiten bei der Aufſtellung und der
Be=
huderung des Raumes neben der Maſchine durch ein ſolches
G ſtell erſcheint es auch wenig zweckmäßig, die Drehzahl bis auf
A= der Kurbel herunterzuſetzen und ſie dann in der
Arbeis=
urſchine ſelbſt wieder durch Vorgelege ins Schnelle
hinaufzu=
ſitzen, wodurch unnötigerweiſe die Reibungsverluſte in den
Ge=
uigeben erhöht werden.
Von dieſen Geſichtspunkten ausgehend, hat die A.E.G. einen
inen tragbaren Landwirtſchaftsmotor für Drehſtrom 380/220
Nolt mit Kurzſchlußläufer herausgebracht, deſſen Leiſtung mit
ſtwoa ½/ P8 bemeſſen iſt und der an ſeiner Riemenſcheibenwelle
20 uml=Min, hat, während der Motoranker ſelbſt mit etwa
200 Undrehungen in der Minute läuſt. Das in dem Motor=
Pääuſe eingebaute und volſtändig eingeſchloſſene Vorgelege
ſo angordnet, daß die austretende Niemenſcheibenwelle
der Motorachſe liegt. Sie trägt eine Stuſenſcheibe mit
ſwei Stufen, die eine Breite von je 40 Millimeter haben.
Raſilos vorwärts mußt du ſtreben,
Nie ermüdet ſiille ſieh’n,
Willſi du die Vollendung ſeh’n;
Mußt in’s Breite dich entfalten,
Soll ſich dir die Welt geſtalten;
In die Tiefe mußt du ſieigen,
Soll ſich dir das Weſen zeigen,
Nur Beharrung führt zum Ziel,
Nur die Fülle führt zur Klarheit
Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
Schiller (4759—1805)
K
Auf der anderen Seite des Motors iſt die Motorwelle
ſelbſt frei herausgeführt; auf dieſe raſch laufende Welle kann
beiſpielsweiſe eine Schmiergelſcheibe oder das Anſchlußſtück einer
biegſamen Welle für ingendein Werkzeug aufgeſteckt werden. Der
Bila 3. Mindiese mit Kleinmotor
Motor beſitzt Kurzſchlußläufer und wird durch einen auf dem
Motorgehäuſe befeſtigten Drehſchalter eingeſchaltet. Der
An=
ſchluß an das Leitungsnetz erfolgt durch ein bewegliches Kabel,
das an beiden Enden einen Stecker trägt und auf der einen Seite
an die mit dem Anlaßſchalter vereinigte Stecdoſe des Motors
angeſchloſſen wird. Durch weitgehende Verwendung von
Leicht=
metall iſt das Gewicht des Motors auf etwa 13,6 9g.
ver=
ringert, ſo daß er bequem durch eine Perſon getragen werden
kann. (Vergl. Bild 1.)
Die Befeſtigung des Motors auf der Arbeitsmaſchine erfolgt
durch Einſchieben des Motorfußes in Flacheiſenſchienen, die nach
der Zahl der Verwendungsſtellen des Mojors bezogen und auf
die betreffenden Arbeitsmaſchinen aufgeſchraubt werden. Das
Bild 4 Trieur mit Kleinmotor.
Feſthalten erfolgt durch einen Vorreiber. Dieſe Befeſtigungsart
ermöglicht ein raſches und einfaches Auswechſeln des Motors
zweals Verwendung an mehreren Gebrauchsſtellen.
Die Bilder zeigen als Beiſpiele den Zuſammenbau des
Mo=
tors mit verſchiedenen Arbeitsmaſchinen, und zwar mit einer
Kartoffelſortiermaſchine, einer Windfege und einem Trieur. Auf
dem Geſtell der betreffenden Maſchine iſt oben ein ſtarkes Brett
befeſtigt, auf das die Schienen für den Motor aufgeſchraubt
wer=
den. Der Motor arbeitet mittels eines Riemens auf eine
ge=
eignete Welle der Arbeitsmaſchine, auf der zu dieſem Zweck eine
kleine Riemenſcheibe angeordnet iſt.
Jedes der in Frage kommenden Geräte läßt ſich in einfachſter
Weiſe für den Antrieb durch den kleinen tragbaren Motor
her=
richten. Wie dies im einzelnen geſchieht, geht aus den Bilder
hervor. Daß der Motor zum Betrieb der Kartoffelklapper
aus=
reicht, zeigt die Meſſung der Wattaufnahme, die 217,5 Watt
be=
trug, während des Einſchüttens (kurzzeitig während 3 Sekunden)
etwa 285 Watt. Die erreichte Leiſtung entſpricht etwa 68 Zentner
Kartoffeln in der Stunde.
Bei der Windfege ſchwankte die Leiſtungsaufnahme des
Motors zwiſchen 105 und 165 Watt. Die Leiſtung betrug einen
Zentner Getreide in 5,5 Minuten. Falls dieſe Geſchwindigkeit
zu groß erſcheint, iſt ſie ohne weiteres durch Umlegen des
Rie=
mens auf die kleine Scheibe des Motors entſprechend zu
ver=
ringern. Es ſei bei der Windfege noch auf einen Punkt
aufmerk=
ſam gemacht. Bei Handbetrieb findet die Regelung der
Wind=
geſchwindigkeit, die je nach der Korngröße ſtärker oder ſchwächer
ſein muß, durch raſcheres oder langſameres Drehen der
Hand=
kurbel ſtatt. Um die Windgeſchwindigkeit auch bei der
gleich=
mäßigen Drehzahl des Motors regeln zu können, empfiehlt es
ſich, an der Oeffnung, in welcher der Wind in das Windrad
ein=
tritt, Holzſchieber vorzuſehen, durch die die Eintrittsöffnung
ein=
geſtellt werden kann.
Bei dem Trieur betrug die Leiſtung einen Zentner Getreide
in 24 Minuten, die Wattaufnahme des Motors 75 Watt. Wird
der Riemen auf die größere Scheibe aufgelegt, ſo läßt ſich eine
Steigerung von 50 Prozent erzielen. Der Trieur arbeitet bei
dieſer höheren Geſchwindigkeit beſſer, da das Rütteln des oberen
Siebes erfolgt.
Auch bei Maſchinen, bei denen man nicht auf eine
Zwiſchen=
welle arbeiten kann — z. B. bei Milchzentrifugen, bei denen die
Vorlegewelle nicht herausgeführt iſt —, iſt ein Antrieb auf die
Kurbelwelle ſelbſt leicht durchführbar. Hier wird eine
entſpre=
chende Riemenſcheibe angeordnet, die bei dem geringen
Ueber=
ſetzungsverhältnis von 60:230, alſo etwa 1:3,5, im Durchmeſſer
nicht groß auffällt und gleich mit der Kurbel vereinigt werden
kann.
Fragt man nach den Vorteilen, die ſich aus einer derartigen,
leicht vorzunehmenden Umſtellung aus Kraftantrieb ergeben, ſo
iſt es zu beachten, daß bei Handbetrieb, wenn man flott arbeiten.
will, außer dem Mann an der Handkurbel noch eine Perſon als
Zureicher benötigt wird, die bei motoriſchem Betrieb fortfallen
kann. Die betreffende Arbeit kann alſo durch eine Perſon, die
Bild 5. Schermaschine mit elektrischem Antrieb.
z. B. laufend das zu reinigende Saatgut einfüllt, erledigt
wer=
den, wobei der Motor das Arbeitstempo angibt, ſo daß ſich die
geringen Anſchaffungskoſten des elektriſchen Antriebes bald
be=
zahlt machen werden.
Da, wie ſchon kurz erwähnt, auf der der Riemenſcheibe
gegenüberliegenden Seite des Motors die Welle des
Motor=
läufers, die 2800 Umdrehungen in der Minute macht,
heraus=
geführt iſt, ſo iſt dies ſehr geeignet zum Anſetzen einer
bieg=
ſamen Welle, und damit wird noch die Vornahme anderer
Ar=
beiten mit dem Motor ermöglicht. Zunächſt kann eine ſolche
bieg=
ſame Welle mit einem Kopf geliefert werden, der eine kleine
Schmirgelſcheibe trägt. Der Motor kann ſo zum Schleifen aller
möglichen Geräte mit ſchneidenden Kanten verwendet werden.
Hierunter nehmen die Maſchinenmeſſer eine beſonders wichtige
Stelle ein, da ihr Nachſchleifen umſtändlich und zeitraubend iſt,
während gerade in der Erntezeit die Arbeit drängt.
Außer Pflugſcharen, Scharen der Hackmaſchinen,
Häckſel=
maſchinenmeſſern uſw. können auf dieſe Weiſe auch allerhand
Handgeräte ſcharf gemacht werden. Das Anſetzen der biegſamen
Wellen iſt für beide Einrichtungen (Schleiſen und Scheren) ſehr
einfach. Der Motor erhält ein Anſchlußſtück, für das die
Be=
feſtigungslicher an jedem Motor vorgeſehen ſind und das zum
Befeſtigen des Schutzſchlauches der biegſamen Welle dient.
Letzt=
genannte ſelbſt wird mit einer Hülſe auf das Wellenende des
Motors aufgeſetzt und durch den Federkeil mitgenommen. Durch
dieſe Cinrichtungen wird eine recht univerſelle Anwendung des
kleinen Motors ermöglicht.
Reihenherstellung und
Einzelantertigund.
Ein Beitrag zur Frage der Rationalisierung
im Maschinenbau.
Von
Oberingenier Weil, Frankfurt a. M.
Die ſchwere, unſer geſamtes Wirtſchaftsieben bedrohende
Kriſe, in der wir uns gegenwärtig noch befinden und die
un=
ſeren Maſchinenbau ganz beſonders ſcharf in Mitleidenſchaft
zieht, hat die beſten führenden Köpfe der Maſchineninduſtrie
auf den Plan ger, jen, um wirkſame Mittel zur Abhilfe zu
er=
ſinnen.
So leicht es auch ſein mag, die Urſachen der gegenwärtigen
trüben Lage her” Szufinden, die hauptſächlich in drückender
Geldnot, in gegen, rüher vielfach geſteigerten Geſchäftsunkoſten,
bei denen die Steuern und öffentlichen Abgaben eine
weſent=
liche Nolle ſpielen, ſowie in Erſchwerung der
Exportmöglich=
keiten infolge unſerer hohen Erzeugungspreiſe beſtehen, ſo ſchwer
iſt es, ſie in ihrer Gänze zu erfaſſen und zu bekämpfen.
Als wirkſamſtes Mittel hierfür wird die Rationaliſierung
der Betriebe unter Herſtellung hochwertiger Maſchinen
empfoh=
len und hervorgehoben, welch großer Fehler bisher von einem
großen Teil der Maſchinenfabriken dadurch begangen wurde,
daß ſie zu vielerlei Typen bauten und dadurch jowohl ihre
tech=
niſchen als auch wirtſchaftlichen Kräfte zu ſehr verzettelten. Es
wird bemrkt, daß durch die zu große Anzahl der geführten
Mo=
delle, die immer wieder neue Konſtruktionen notwendig machen.
die unproduktiven Koſten des Konſtruktionsbureaus, der
Modell=
ſchreinerei und auch des kaufmänniſchen Betriebs zu hohe ſind
und ein weſentlicher Nutzen daher kaum erzielbar iſt. Dies iſt
wohl durchaus richtig, trotzdem aber wäre es falſch, wollte man
den Ruf nach Nationaliſierung als einen neuen, früher
miß=
achteten Helfer in der Not anſehen, oder als eine Erkenntnis,
die uns vorher fremd war und uns erſt jetzt zum vollen
Bewußt=
ſein kommt. Es wäre auch ein ungünſtiges Zeugnis für den
Geiſt und für den Scharfſinn unſerer früheren leitenden
Wirt=
ſchaftskapitäne, wenn man annehmen wollte, daß ſie die
unbe=
ſtreitbaren Vorteile einer Spezialiſierung nicht voll erkannt
hät=
ten, und erſt eine Kriſe wie die gegenwwärtige kommen mußte,
um zu zeigen, wie falſch die früher eingeſchlagenen Vege waren.
Als Beweis hierfür mag die Tatſache gelten, daß, während im
Anfang unſerer induſtriellen Entwickelung faſt jede
Maſchinen=
fabrik, ſozuſagen wahllos, alle jene Maſchinen baute, die gerade
beſtellt wurden, im Laufe der Jahre doch eine ziemlich
weit=
gehende Scheidung der Typen ſich vollzog, daß die eine Firma
Dampfmaſchineu, die andere Krane und Hebzeuge, die dritte
Tertilmaſchinen uſw. herſtellte. Allerdings die Spezialiſierung
wurde nicht in der weitgehenden Weiſe vorgenommen, wie ſie
heute empfohlen wird, und es kam und kommt noch vor, daß
Samstag, 1. Bebruar 1927.
Technik der Gegenwart
Nuimer 2.
Maſchinenfabriken eine übergroße Anzahl von einander ganz
ähnlichen Modellen führen, wo ein Bruchteil derſelben genügen
würde. Die Hauptfrage bleibt aber immer die, ob ein
einge=
ſchränktes Arbeitsprogramm genügend Abſatz gewährleiſtet. In
guten Zeiten und in ſolchen der Hochkonjunktur wird dies ſicher
der Fall ſein, und auch bei ſchlechtem Geſchäftsgang, ſofern
der=
ſelbe nicht zu lange andauert, kann auf Vorrat gearbeitet und
der Lagerbeſtand bei eintretender Beſſerung zu günſtigen
Prei=
ſen verkauft werden; wenn aber Kriſen, die ſolange wie die
gegenwärtige andauern, eintreten, ſo müſſen ſich die geldlichen
Mittel für das Arbeiten auf Lager bald erſchöpfen, und die
Werke ſind wie früher gezwungen, vieles zu bauen, das ihnen
vorher ferngelegen hatte.
Von der Spezialiſierung zur Reihenherſtellung iſt nur ein
kurzer Schritt, und es liegt auf der Hand, daß z. B. eine
Pum=
penfabrik, eine Motorenfabrik oder eine
Werkzeugmaſchinen=
fabrik, die ihr Arbeitsfeld auf wenige Typen zuſammengedräng:
hat, dieſe auch in größerer Anzahl in Serienfabrikation
anfer=
tigt, um die Herſtellungskoſten weitgehendſt zu verbilligen,
da=
durch im hohen Maße konkurrenzfähig zu werden und ſo den
Abſatz zu erhöhen.
Worin liegen nun die Vorteile der Serienerzeugung? Jedem
in der Praxis ſtehenden Ingenieur oder Kaufmann iſt die
feſt=
ſtehende Tatſache bekannt, daß die Herſtellungskoſten einer
Ma=
ſchine bei Erſtanfertigung ganz weſentlich höher ausfallen,
als wenn die Maſchine zum zweiten oder dritten Male zur
Aus=
führung gelangt; denn nicht nur die mit der Herſtellung einer
neuen Maſchinenkonſtruktion beſchäftigten Maſchinenarbeiter,
wie Dreher, Hobler und Fräſer, brauchen für die erſtmalige
Be=
arbeitung der ihnen unbekannten Teile längere Zeit als
nor=
mal, ſondern auch der Zuſammenbau nimmt bei einer
Erſtanfer=
tigung naturgemäß viel mehr Zeit in Anſpruch als ſpäter; die
Arbeitslöhne dürften etwa 15—20 Prozent höher ſein. Noch viel
kraſſer tritt dieſer Unterſchied bei Serienfabrikation hervor, die
eine ganz weſentliche Verbilligung der Herſtellung mit ſich
bringt, welche Verbilligung um ſo größer wird, je größer die
Anzahl der in Reihen angefertigten Maſchinen ſich beziffert. Die
Vorteile der Serienfabrikation liegen einerſeits auf
kaufmän=
niſch=wirtſchaftlicher= andererſeits aber auch auf rein techniſchem
Gebiete. Ganz abgeſehen davon, daß der geſamte
Verkaufs=
apparat ſich weſentlich vereinfacht und daher verbilligt, ſo kann
auch die Belegſchaft des Konſtruktionsbureaus bedeutend
verrin=
gert, die Betriebsbuchhaltung vereinfacht und die
Modell=
ſchreinerei verkleinert werden. Die größten Erſparniſſe aber
gegen die Einzelanfertigung laſſen ſich bei der maſchinellen
Be=
arbeitung erzielen; denn es können hierbei eine größere Anzahl
gleicher Stücke gleichzeitig gehobelt, gefräſt, gebohrt oder
ge=
ſchliffen werden, ſofern die entſprechenden Werkzeugmaſchinen
vorhanden ſind. Dadurch, daß die Serienherſtellung gezwungen
iſt, ſich im Intereſſe der Austauſchbarkeit der einzelnen
Ma=
ſchinenteile des Toleranz= und Paſſungsſyſtems in
hervorragen=
dem Maße zu bedienen, wird die höchſte, früher nicht gekannte
Genauigkeit erzielt und eine höchſtgeſteigerte Verfeinerung der
Arbeit erreicht. Es braucht nicht beſonders betont zu werden,
daß eine Umſtellung auf Serienfabrikation nicht ſo ganz einfach
iſt und die in Frage kommenden Einrichtungen nur von
ge=
übten, erfahrenen Leuten durchgeführt werden können. Auch
die Koſten ſind unter Umſtänden ſehr beträchtlich; ſo haben z. B.
die von einer amerikaniſchen Firma getroffenen Einrichtungen
für Herſtellung einer neuen Radialbohrmaſchinentype nicht
weni=
ger als etwa 40 000 Dollar gekoſtet; dieſe Ausgaben machten ſich
aber vollauf bezahlt, denn die Maſchine wurde dann in
Tauſen=
den von Exemplaren umgeſetzt.
Sache einer jeden unparteiiſchen Kritik iſt es, nicht nur die
Vorzüge, ſondern auch die Schattenſeiten der zu beſprechenden
Einrichtungen zu erörtern, und ſo darf nicht verſchwiegen
wer=
den, daß der Serienherſtellung der, allerdings in ihrem Weſen
begründete, Fehler anhaftet, daß ſie zu wenig elaſtiſch iſt, um
den in dem betreffenden Fach aufgetauchten Neuerungen zu
fol=
gen und ihnen genügend Rechnung zu tragen; denn die
Kon=
ſtruktionen, die Modelle, die Vorrichtungen für die Bearbeitung,
wie Bohrlehren, Aufſpannapparate u. dal., können nur ſchwer
geändert werden, und da dieſe viel Kapital verſchlungen haben.
ſo wird der Entſchluß einer Aenderung oder Erneuerung nicht
leicht.
Die in Reihen hergeſtellten Maſchinen müſſen naturgemäß,
um einen möglichſt großen Abſatz zu ermöglichen, in ihrer
Kon=
ſtruktion ſehr vielſeitig ſein, da ſie den oft ſo ſehr verſchiedenen
Wünſchen der einzelnen Abnehmer entſprechen ſollen. So kommt
es, daß ſie mit Einrichtungen ausgeſtattet ſein müſſen, die für
eine Reihe von Käufern überflüſſig ſind, die Bauart
komplizie=
ren, und die Preiſe unnötig erhöhen. Beſonders im
Werkzeug=
maſchinenbau tritt dies vielfach in Erſcheinung; es ſeien als
typiſcher Fall die Radialbohrmaſchinen angeführt, die mit
Um=
ſteuerung der Spindel für Gewindeſchneiden, mit ſelbſttätiger
Auslöſung nach ereichter Bohrtiefe, die eigentlich nur für
Maſſen=
fabrikation notwendig iſt, mit einer großen Anzahl von
Bohr=
geſchwindigkeiten ausgeſtattet ſind, die nur in ſeltenen Fällen
gebraucht werden.
Einen ſtarken Impuls hatte die Serienherſtellung während
des Krieges genommen, und damals hörte man ſeitens vieler
Werke die Meinung ausſprechen, wie unpraktiſch es vorher
ge=
weſen ſei, daß ſie ſich zu ſehr mit Einzelanfertigung und
Sonder=
konſtruktionen befaßt hätten. Aber dieſer Standpunkt iſt nicht
ganz richtig; denn auch die Einzelherſtellung hat für gewiſſe
Fälle ihre volle Berechtigung und wirft Nutzen ab, ſofern die
ganze Organiſation darauf zugeſchnitten iſt; es beſtehen eine
große Zahl von Maſchinenbauanſtalten, welche hauptſächlich die
Einzelherſtellung betreiben und es in der Vorkriegszeit zu hober
Blüte brachten; es ſeien hier nur die Motorenfabriken, die
Elektroinduſtrie, der Großwerkzeugmaſchinenbau genannt. Die
Einzelherſtellung, beſonders die Spezialausführungen des
mittle=
ren und des Großbaues, bietet allerdings nicht die
Bequemlich=
keiten und Erleichterungen der Serienfabrikation; ſie erfordert
eine viel intenſivere Tätigkeit als dieſe, ſtellt an die
ausführen=
den Organe hohe Anſprüche und verlangt daher ein geſchultes,
erfahrenes, tüchtiges Perſonal, das von hohem
Pflichtbewußt=
ſein getragen ſein muß. Sehr wichtig erſcheint eine ſtetige, von
Woche zu Woche auszuübende Kontrolle des Standes der
Werk=
ſtattarbeiten und der bereits verausgabten Löhne; denn nur
da=
durch iſt es möglich, jederzeit eingreifen zu können, um ſich vor
größeren Lohnüberſchreitungen zu ſichern. Durchaus verpönt
aber muß die öfters gehörte Meinung bleiben — die dann als
Entſchuldigung ſeitens der verantwortlichen Beamten
ausge=
prochen wird —, daß „Erſtausführungen immer Verluſtgeſchäfte
ſeien”; eine ganze Reihe von Werken, die nur Einzelherſtellung
betreiben, beweiſt das Gegenteil.
Die Einzelherſtellung bietet den nicht zu unterſchätzenden
Vorteil, daß ſie viel mehr als die Serienfabrikation den
Neue=
rungen ſofort Rechnung tragen und die konſtruktiven Wunſche
der Abnehmer, ſofern dieſe berechtigt ſind, befriedigen kann; das
iſt auch unbedingt erforderlich, denn der Abnehmer, der eine
große und teure Maſchine beſtellt, darf wohl verlangen, daß
die=
ſelbe ſo gebaut iſt, daß ſie ſeinen beſonderen Bedürfniſſen vollauf
entſpricht.
Wenn nun für den mittleren und ſchweren Maſchinenban
aus hier nicht näher zu erläuternden, aber leicht verſtändlichen
Grüuden eine Serienfabrikation nicht in Betracht kommen kann,
ſo darf hierbei trotzdem der Ruf nach Rationaliſierung nicht
unge=
hört verhallen; denn auch hier laſſen ſich durch entſprechende
Or=
ganiſation wefentliche Vereinfachungen und Verbilligungen
er=
zielen. Zunächſt iſt die Normaliſierung häufig wiederkehrender
Maſchinenteile, auch ganzer Gruppen zuſammengehöriger Teile,
vie dies ja bereits vielfach geſchieht, durchzuführen. Es wären
dies beiſpielsweiſe Hebel, Handräder, Lagerböcke, Laufrollen,
Räderkaſten, Windenteile u. dal. Mit der Normung allein iſt es
allerdings nicht getan: denn es iſt auch erforderlich, dieſe in
grö=
ßeren Maſſen herzuſtellen und auf Vorrat zu halten. Es gibt
wohl keinen Zweig des Maſchinenbaues, be” dem eine derartige
Normung nicht möglich und nutzbringend wäre. Vielfach kommt
es auch vor, daß eine Anzahl gleicher Stücke an einzelnen
Ma=
ſchinen zu bearbeiten ſind, bei denen es lohnend iſt, von der
Einzelbearbeitung abzugehen, zu warten, bis die Rohteile alle
vorhanden ſind, und ſie dann gemeinſchaftlich, möglichſt in einer
Aufſpannung in einer vorher genau feſtzulegenden
wirtſchaft=
lichen Weiſe zu bearbeiten. Selbſtverſtändlich muß ſchon im
Konſtruktionsbureau darauf ausreichend Rückſicht genommen,
und die Teile müſſen ſo geſtaltet werden, daß ihre maſchinelle
Herſtellung auf billigſte Weiſe erfolgen kaun.
Ein Punkt, der im mittleren, hauptſächlich aber im
Groß=
maſchinenbau von größter Bedeutung iſt, während er im
Klein=
bau eine nur untergeordnete Rolle ſpielt, iſt die Einhaltung der
vorkalkulierten Gewichte, deren Ueberſchreitung unter Umſtänden
hohe geldliche Verluſte bedeutet, ohne den Wert des Fabrikats
zu erhöhen. Eine ſtändige Kontrolle der Gewichte ſeitens des
Konſtrukteurs bietet die beſte Gewähr von Ueberraſchungen in
dieſer Richtung, da derſelbe dann oft noch in der Lage iſt,
Ab=
hilfe zu ſchaffen
Nicht unerwähnt darf bleiben, daß als Ausfluß der
gegen=
wärtigen Rationaliſierungsbeſtrebungen im Maſchinenbau von
eiten vieler Wirtſchaftsführer der Zuſammenſchluß möglichſt
gleichartiger Werke bzw. Verteilung des Arbeitsprogramms an
die konzernierten Werke dringend empfohlen wird. Ob ein
ſol=
cher Zuſammenſchluß im größeren Maßſtabe möglich iſt, und ob
er für die Induſtrie wirklich den erhofften Vorteil bringen
würde, muß erſt die Zukunft lehren.
Aus dem deutschen
Von
Dipl Ing. H. Harms.
Infolge politiſcher und wirtſchaftlicher Verhältniſſe hat ſich
ein eigener Sch ffbau in Deutſchland erſt verhältnismäßig ſpät
entwickeln können. Die erſten deutſchen Ueberſeeſchiffe wurden
aus England, dem Mutterlande des Schiffbaus, bezogen, doch
deutſche Tatkraft und deutſcher Unternehmungsgeiſt ſchufen eine
Werftinduſtrie, die bald nach ihrer Gründung eine führende
Stel=
lung einnahm. Es ſei nur an die Schnelldampfer der
Vorkriegs=
zeit erinnert, von denen die „Deutſchland” lange Jahre hindurch
das ſchnellſte Schiff der Welt war, ferner an die 3 Rieſendampfer
der Imperator=Klaſſe, die in ihrer Größe bislang immer noch
einzig daſtehen, ſowie ſchließlich an unſere Kriegsſchiffe, die vor
allem in der Stagarrack=Schlacht bewieſen haben, daß ſie
artille=
riſtiſch und ſchiffbautechniſch dem Gegner weit überlegen waren.
Der Wiederaufbau der Handelsflotte nach dem Kriege ſtellte den
deutſchen Schiffbau, infolge grundlegender Veränderung der
wirt=
ſchaftlichen Lage, vor ganz neue Aufgaben, denen er ſich jedoch
voll gewachſen gezeigt hat, ſo daß die neugeſchaffene, wenn auch
noch kleine Flotte einen äußerſt wichtigen Faktor im Weltverkehr
darſtellt. Weniger bekannt iſt jedoch, daß deutſche Werften eine
große Anzahl Fahrzeuge für ausländiſche Rechnung gebaut
haben, nicht etwa nur normale und kleine, ſondern vielfach gerade
Bild 1: Erz-Motorschiff „Svealand.”
beſonders bemerkenswerte Bauten, ſo daß das Vertrauen
aus=
ländiſcher Reeder in die Leiſtungsfähigkeit unſerer
Schiffbau=
induſtrie deutlich zum Ausdruck kommt. Es würde zu weit
führen, die vielen „Ausländer” alle aufzuzählen, doch dürfte für
eine kurze Behandlung der intereſſanteſten allgemeines Intereſſe
vorhanden ſein.
Es iſt im Auslande nicht unbeachtet geblieben, daß eine
deutſche Werft die größten bislang gebauten Frachtſchiffe
ge=
jefert hat, nämlich die Doppelſchrauben=Motor=Erzſchiffe „
Svea=
land” (Bild 1) und „Americaland” der Reederei Arel Broſtröm
u. Sohn, Göteborg, die auf der Deutſchen Werft, Hamburg,
ent=
ſtanden ſind. Die Rieſenfahrzeuge mit einer Tragfähigkeit von
Vassekballast
Bild 2: Hauptspant, Amerikaland, Svealand.
20 000 Tonnen fahren in Charter für die Bethlehem Steel Co.
und dienen dem Erztransport vom chileniſchen Hafen Cruz=
Grande durch den Panamakanal nach Sparrows Point bei
Bal=
timore. Der Aufbau derſelben iſt ſehr weſentlich durch die in
dieſen Häfen vorhandenen Lade= und Löſcheinrichtungen
beein=
flußt worden, muß doch das Laden der 20000 Tonnen Erz
inner=
halb 90 Minuten erfolgen, während für das Löſchen im
ameri=
kaniſchen Hafen nur zwei Tage zu Verfügung ſtehen. Es leuchtet
ein, daß die äußerſt kurze Ladezeit — das Erz wird über Schurren
aus Silos direkt in die Laderäume abgelaſſen — hohe
Anforde=
rungen an die Hilfsmaſchinen ſtellt; denn das Schiff ſinkt
inner=
halb der angegebenen Zeit um etwa 7,00 Meter, ſo daß geeignete
Vorkehrungen getroffen werden müſſen, um trotz der gewaltigen
Stabilitäts= Tiefgangs= und Trimmänderungen das Fahrzeug
ſtets genau unter den Schurren zu halten. Das Löſchen erfolgt
vom Ufer aus durch Greifer, deren mehrere zur Einhaltung der
vorgeſchriebenen Zeit, gleichzeitig tätig ſein müſſen. Große und
vor allem ununterbrochene Laderäume waren deshalb erforderlich
und ſind durch Verlegen der Maſchinenanlage ins Hinterſchiff
uch erreicht worden. Die Erzräume haben ferner glatte Wände
und Böden erhalten, damit die Greifer nirgends hinterhaken
konnen, ſo daß der Querſchnitt der Schiffe entſtanden iſt, wie ihn
Bild 2 zeigt. Es ergibt ſich ſo eine im Verhältnis zur Größe
außerſt günſtige Vermeſſung und ſomit verhältnismäßig geringe
Gebühren bei der Durchfahrt durch den Panamakanal — die ſeit=
lichen Räume werden, da ſie als Ballaſttanks auf der Rückfahr,
dienen, nicht berückſichtigt.
Ganz beſonders hohe Anforderungen werden an die
Haupt=
maſchinen der Fahrzeuge geſtellt. Letztere ſollen, abgeſehen vom
einer vierzehntägigen Ueberholungszeit jährlich, ununterbroche
im Betriebe ſein, ſo daß die Wahl des Dieſelmotors als
Antriebs=
maſchine zeigt, welch hohes Vertrauen die Auftraggeberin in di
Leiſtungsfähigkeit deutſcher Motoren ſetzt. Der Antrieb erfolg
durch 2 in den Werlſtätten der A.=E.=G., Berlin, hergeſtellte
eir=
fachwirkende, achtzylindrige Dieſelmotoren Bauart Burmeiſter
u. Wain, die bei einer Geſamtleiſtung von 6500 PS dem be
ladenen Fahrzeug eine Geſchwindigkeit von 13 Seemeilen in de
Stunde erteilen. Sämtliche Hilfsmaſchinen haben elektriſchen Ar= erhalten; zur Stromerzeugung ſtehen 3 Dieſeldynamos vo
je 100 Kilowatt zur Verfügung.
Nicht ganz ſo groß wie die vorſtehend beſchriebenen, doch 7u
hrer Gattung ebenfalls die größten Fahrzeuge ſind die 3 Motor=
Tankſch ffe „Onteriolibe‟, „Canadolibe” und „Montrolibe”, die auf
der Friedr. Krupp Germaniawerft, Kiel, gebaut worden ſind,
Bld 3: „Chnese Prince” verläßt die Elbe.
Bei einer Länge von 155,5 Meter, einer Breite von 20,7 Met=a
und 8,5 Meter Tiefgang beträgt die Tragfähigkeit 15 600 Tonne-
Der Antrieb erfolgt durch 2 einfachwirkende, vierzylindrige Zwe‟
takt=Motoren von je 1600 PS, und die Geſchwindigkeit beträgt 1
Seemeilen in der Stunde. (Eigner: Imperial Oil Ltd., Toronn,
Canada.)
Die Einführung des Motors als Schiffsantriebsmaſchine hit
eine neue Schiffsgattung geſchaffen, nämlich das Eilfrachtſchff
mit einer Geſchwindigkeit bis hinauf zu 17 Seemeilen in dir
Stunde; denn der geringe Bunkerraumbedarf des Oeles ergilt,
im Gegenſatz zur Kohle, keine unwirtſchaftliche Verringerung dir
Ladefähigkeit, und der höhere Brennſtoffverbrauch wird dumh
die größere Anzahl jährlicher Reiſen leicht ausgeglichen. Wiedr
iſt Deutſchland an der Entwicklung derartiger hochwertiger Falye
zeuge hervorragend beteiligt, und zwar hat die eingangs erwähme
Deutſche Werft 5 Schweſterſchiffe für Furneß Withy u. Co., Liver
pool gebaut. Die Vergebung dieſes Auftrages nach Deutſchland
hat in England naturgemäß großes Aufſehen erregt, und
wurde in den Zeitungen dem niedrigen deutſchen Angebot zug.
ſchrieben, doch es kann kein Zweifel darüber herrſchen, daß d
Vertrauen in die Leiſtungsfähigkeit der Deutſchen Werft letzt:
Endes den Ausſchlag gegeben hat. Die Deutſche Werft hat Fh
des Vertrauens würdig erwieſen; denn der Generaldirektor dnn
Reederei konnte in der letzten Generalverſammlung die Mitteilu
machen, daß ſich die in Deutſchland gebauten Schiffe glänzend E
währt haben, und ſich ganz beſonderer Beliebtheit bei den
Vo=
ladern erfreuen. Bild 3 zeigt den gefälligen äußeren Aufbau Ery
Fahrzeuge. Auffallend iſt die Anordnung einer Reihe von Lak
pfählen neben den beiden Lademaſten, doch iſt die Unterbringu e.
reichlichen Ladegeſchirrs durch den Charakter als Eilſchiff bedin=t
da nur ſchnelle Abfertigung in den Häfen die größere Anzcy
jährlicher Reiſen und damit die Wirtſchaftlichkeit ſicherſtellt.
Die Abmeſſungen der 5 Prince=Schiffe betragen: Länge 1I
Meter, Breite 13,8 Meter, Tiefgang 8,4 Meter, Tragfähigk=0
10000 Tonnen. Die beiden Hauptmotoren der
Doppelſchrauber=
farzeuge, ausgeführt von der A=E.=G. in Bauart Burmeiſter t
Wain als einfachwirkende, achtzylindrige, direkt umſteuerben
Zweitakt=Motoren leiſten bei 125 minutlichen Umläufen insgeſa—n
5600 PS und erteilen den Schiffen eine Geſchwindigkeit von 1—
Seemeilen. Der Brennſtoffverbrauch zeigt den niedrigen
W=
von 180 g PS/Stde.
HEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIFTE
* Jahrbuch der Deutſchen Geſellſchaft für Bquingenieurweſen 1943
V. D. J. Verlag, G. m. b. H., Berlin NW 7. 31 Abb. 1 Bildr:3
229 Seiten.
Das neue Jahrbuch iſt mit dem gleichen Geſchick wie das
vorjähr=
erſte zuſammengeſtellt. Neben dem Jahresbericht, dem Mitgliedert)
zeichnis und ſonſtigen Veröffentlichungen, die in der jährlichen Wiel.
kehr und Ergänzung ihren beſonderen Wert gewinnen, ſind wieder
eine Reihe von Aufſätzen in dem vorliegenden Buche enthalten, die A
gemeinen Intereſſes würdig ſind. Kleinlogel berichtet zuſammenfaſſen
über die Fortſchritte des Beton= und Eiſenbetonbaues. Dem heute
Zeitmangel krankenden Ingenieur ſind gerade derartige Berichte L!
ganz beſonderem Werte. Aehnliche Aufſätze auf anderen Gebie=)
— Eiſenbau, Klärtechnik u. ähnl. — ſollten in keinem Jahrgange fehl!)
Beſondere Erwähnung verdient auch eine von Ludin bearbeitete Zuſc.
menſtellung aller deutſchen Groß=Waſſerkraftanlagen — über 7500 PS
Dreiunddreißig Werke ſind aufgezählt und durch nähere Angaben erl
tert. Der wiſſenſchaftlich tätige Ingenieur wird es mit Freude
begrukk=
daß in dem Buch nun endlich auch eine Bibliographie der von 1918
1926 genehmigten Dr.=Ing.=Diſſertationen erſchienen iſt. Vielfach nur
Schreibmaſchinenmanuſkript vorliegend, waren dieſe ſeither der aligen
nen Benutzung faſt nicht zugänglich. Das Jahrbuch iſt geeignet, e‟
verbindende Stellung zwiſchen allen Bauingenieuren einzunehmen,
daß wir ihm weiteſte Verbreitung wünſchen.
* Deutſcher Kalender für Elektrotechniker, Ausgabe 1927/28, Teil I u.
Begründet von F. Uppenborn, herausgegeben von Dr. Ing. e. h
Dettmar. Verlag R. Oldenbourg, München. Teil I gebd. 7,50 Ma=
Teil II geh. 4 Mark.
Der zum 43. Male erſcheinende Kalender iſt nach und nach —
Fachmann immer unentbehrlicher geworden. Nicht nur, daß er das E
hält, was man allgemein von einem teckniſchen Kalender an Nachſchlae
material erwartet, bringt er auch eine Fülle von Spezialwiſſen;
letzte-
ſo reichhaltig, daß vieles aus d.m eigentlichen Taſchenbuch in den Ti
gänzungsband verwieſen werden mußte. Der ſtetige Fortſchritt hat an”
Zuwachs an Inhalt gebracht, von dem vielleicht am meiſten die Uern!
ſpannungsleitſätze des V.D.E. von Intereſſe ſein dürft n. Sonſti
Umarbeitungen und Ergänzungen des Inhalts, ſowie eine große
Anz=
führender Männer der Elektrotechnik als Mitarbeiter geben eine G we.?
dafür, daß alle Auskunft, die man aus dem Kalender ſchöpft — und *
iſt der große Vorteil des Kalenders gegenüber dem Lehrbuch — nach C
neueſten Stand der Wiſſenſchaft erteilt wird.
* Wachfende Häuſer von Arthur Wiechula Naturbau=Ingenic-
Verlag der Naturbau=Geſellſchaft m. b. H., Berlin=Friedenau.
In der Gartenkunſt iſt der Natur leider ſchon vielfach Gewalt aln
tan worden, man hat den Obſtbaum in Spalieren verbildet, den Be.
zu geometriſchen Zierformen ge= — nein — verſtutzt. Nun will man
Häuſer, Hallen, Brücken, Treppen uſw. aus Bäumen wachſen laſſen.
gegeben, daß dies wirklich möglich ſein ſollte, ſo gehört hierzu nicht
eine langjährige Geduld, ſondern auch eine Geſchmacksverbildung,
die unſer Volk hoffentlich nech zu natürlich empfindet, um an derark!-
Spielereien einen Gefallen zu finden. Laſſen wir die Bäume lieber
im Walde wachſen und holen ſie, wann und wie wir ſie braun7
zum Bau unſerer Häuſer heran.
Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 39
Doaud OaltttTANA
Haupterzeugnisse:
Dorenia Rindlackleder
Kalochrom Boxkalbleder
Sigridcalf glatte Kalbleder
WBs
Ferner:
Phantasieleder und
Spalt-
leder für Schuh- und
Portefeuille Fabrikation
ALottoLMMe UOnttle L RIA5
Stöcke eeeeessee Handschuhe ee Mülzen
Deutſchnationaler
Kandlungsgehilfen=
Verband
Ortsgrunpe Darrſtant
Vorirags=Abend
Donnerstag, den 3. Februar 1927,
abends 8½, Uhr,
im „Fürſienſaal‟, Grafenſir. 18
Max Habermann=Hamburg
M. 6. 5. 308.
ſpricht über das Thema: (2130
„Vom Berufsverband
zur Volksbewegung”
Bwmnd anoeinee!
8
Werkäufek
Außb pol.
Kleider=
ſterank 120.4 eichene
Gsttſtelle 50 K, weiß
em eiſ.Bettſtelle 28 4
meißem eiſ Kinderb
2 X. Divan ſchwer
Awkett 110,R.
Klub=
ſeffel 95 ℳ,
Chaiſe=
ungue und
Ehaiſe=
ſgoguebett, pr Polſt
S55bis 120,0 Pat.=
Umtratzen 14.0
Flur=
underoben 35 ℳ,
Nichen, nat laſ ſchw
ABeit 220 N, eichene
Ewlafz. mit Sriegel
uw Marmor 485 ℳ.
Eneiſez, eiche kompl
1D 4. Schreibtiſch,
eine, 110 . Büffet,
nFb poltert, 180 ℳK,
Brherſchr eich 1404
ABbelhaus. Menger
Leſchſtr. 1— (1956a
Hh
Beiderſchrank ſvol),.
MRommode poltert,
11Klappſportwagen,
d.es gut erha ten,
zu verkaufen. /22655
Bütmannſtr. 34, pt.
U
lang, für Damen, wie
neu, für 50 Mk
abzu=
geben. Ang unt N74
an die Geſchſt. *2635
Schlafzimmer
Herrenzimmer
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Diplomat= u.
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ſchreibtiſche,
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ſtellen, Spral= und
Wollmatratz,, Stand=
und Regulatoruhren,
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nur billig im (2092
Möbel= und
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1 Bleichſtraße 1
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Karotten geichnitt.. . 9.48
Dirnen geſchält, R. Dofe 1.20
Michte
19
Aprikoſen
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Karlſtr. 47
Telefon 641
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lung. Nachmittags 2 Uhr Vortrag über das
Rettungsweſen in Offenbach, Tagesordnung
zur Hauptverſammlung: 1. Jahresbericht
des 1. Vorſ., 2. Kaſſenbericht, 3. Berichte
der Be irte, 4 Anträge der Bezirke, 5
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ſchiedenes. Alle deutſche S uwimm= und
Turnvereine von Heſſen werden höflichſt
eingeladen, Vertreter zu dieſer
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Sansſouei.
„unſer Leben iſt ein raſcher Uebergang vom Augenblick
unſe=
ser Geburt bis zu dem des Todes. Während dieſes kurzen
Zeit=
raums iſt der Menſch beſtimmt, zu arbeiten für das Wohl der
Befellſchaft, deren Mitglied er iſt.”
Kein Geringerer hat dieſen Ausſpruch getan als der
könig=
ſtiche Philoſoph von Sansſouci, der Flötenſpieler von Potsdam!
Potzdam und dus vor ſeinem Brandenburger Tor in großem,
werrlichem Park gelegene Schloß Sansſouci iſt durch die Geſchichte
weltberühmt geworden. Iſt das Potsdam von einſt auch tot, ſo
Krahlt die Erinnerung aus dieſer toten Stadt neues Leben,
Sansſouci bedeutet eine Welt!
Des Vaters ſtrenge Erziehung hatte dem Kronprinz
Fried=
ich eiſerne Pflichterfüllung eingeimpft.
„In Zukunft iſt mein Volk, das warm ich liebe,
Der einz ge Gott, dem meine Arbeit gilt.
Lebt wohl, ihr Verſe und ihr Melodien,
Leb wohl, Genuß, ſelbſt Voltaire, lebe wohl,
Die höchſte Göttin iſt die Pflicht fortan.”
Dieſe Worte des jungen Königs bildeten die Richtſchnur
eines Lebens. Aber gerade, um für ſein Volk arbeiten zu
kön=
en, faßte König Friedrich den Plan, ſich außerhalb der Stadt
Sotsdam ein aumutig=ſchlichtes Landhaus zu erbauen, in dem er
ein Leben ganz nach ſeinen Wünſchen einrichten und wohin er
ſch ſtets zurückziehen konnte, wenn dies ſeine Pflicht ihm
er=
aubte.
Durch ein Tor, aus ſchlanken Korintherſäulen gebildet,
be=
gitt man den Park, deſſen Zauber ſich einem ſofort mitteilt: Dort
das Reiterdenkmal des großen Königs aus Marmor, eine
ver=
keinerte Kopie des berühmten Rauchſchen Bronzedenkmals
mnter den Linden in Berlin! So wie dieſes Denkmal ihn
dar=
ſellt, iſt der „Alte Fritz” auf ſeinem Lieblingspferde, dem
Schim=
rzel Condé, durch den Park von Sansſouci zu den Manövern
geritten. Die große Fontäne, die jetzt 36. Meter hoch ſpringt,
war eine Lieblingsſchöpfung des Königs, die zu ſeinen Lebzeiten
aber nicht in Erfüllung gegangen iſt, weil die Holzröhren faulten
nd nicht dicht hielten.
Von der großen Fontäne gelangt man über die Stufen der
Terraſſen hinauf zu einem der ſchönſten Schlöſſer des Rokoko, das
n ach König Friedrichs eigenen Skizzen der Baumeiſter von
Rnobelsdorff auf der Anhöhe eines Weinberges hat erſtehen
gaſſen. Der nur einſtöckige Schloßbau von Sansſouei ſtimmt zur
Undacht.
Der 97 Meter lange und 15 Meter tiefe Bau hat in der Mitte
ſine flachrunde Ausbiegung mit einer Kuppel, die von mächtigen
Karyatiden getragen wird. Hier in der Mitte befindet ſich der
Abgerundete Saal, der durch Menzels Gemälde „Die Tafelrunde‟
und „Das Flötenkonzert” bekannt geworden iſt. Oeſtlich an dieſen
Gaal anſchließend befinden ſich die drei vom großen König
be=
nohnten Zimmer, weſtlich des Saales die Gaſtzimmer, in denen
inerzeit auch Voltaire gewohnt hat; dieſe Gaſtzimmer waren
wäter die Sommerreſidenz König Friedrich Wilhelms IV. An
der Rückſeite des Schloſſes befindet ſich eine einen Halbkreis
lildende Kolonnade von 88 korinthiſchen Säulen.
Die Meinung, daß Schloß Sansſouci noch vollkommen ſo
nie zu Lebzeiten König Friedrichs erhalten iſt, trifft nicht zu.
Bohn= und Schlafzimmer des Philoſophen von Sansſouci
wur=
dan zur Zeit Friedrich Wilhems IV. vollſtändig ausgeräumt;
ſrt ſteht aber noch der alte Lehnſtuhl, in dem der große König
ſ inen Geiſt aufgab, ſowie ſein Schreibpult, an dem er gearbeitet
ſgt. Daneben ein zur Aufnahme von Dokumenten beſtimmter
Aaſten und die Seſſel, auf denen des Monarchen Lieblingshunde
urrühen pflegten. Unſcheinbar, alt, grau, vernagelt, unanſehn=
Dienstag, den 1. Februar 1927
lich ſteht dort auch des großen Königs Reiſekiſte, die ihn auch im
Siebenjährigen Kriege begleitet hat. Sie hat Kirchen und Paläſte,
aber auch Bauernſtuben, Ställe, Pfützen und Blutlachen geſehen;
auf ihr hat König Friedrich oft geſeſſen, ſich ſeinen Gedanken
hingegeben oder einen kargen Imbiß eingenommen. Dieſe
Reiſe=
kiſte barg dereinſt wichtige Briefe an die preußiſchen Miniſter,
an das ruſſiſche Kaiſerhaus, Flötenkompoſitionen, Voltaire=
Gedanken, Geſetzentwürfe u. dal. Vollſtändig erhalten iſt die
Bibliothek, die auch einen eigenhändigen Entwurf des Planes
von Sansſouci enthält. Auch die Wand= und Deckendekorationen
der vom König Friedrich bewohnten Zimmer ſind echt. Hier iſt
in einem der drei Räume das Deckengemälde beſonders
beach=
tenswert, das eine Spinne in ihrem Netze darſtellt. Es erinnert
daran, daß in dieſem Zimmer des großen Friedrich Leben einſt
in allergrößter Gefahr war: Wenn König Friedrich von ſeinem
Nachmittagsſpazierritt zurückkehrte, pflegte er ſich durch eine Taſſe
Kaffee zu neuer Arbeit zu ſtärken. Eines Tages, als er gerade
die Taſſe zum Munde führen wollte, erblickte er eine Spinne im
Kaffee. Der König ſtutzte, und in demſelben Augenblick trat der
lange Grenadier ein, der im Flur Poſtendienſt hatte. Dieſer
Grenadier meldete dem König, daß er durch das Flur und
Zim=
mer verbindende kleine, hoch angebrachte Fenſter, durch das zu
blicken ihm nur kraft ſeiner Länge möglich war, geſehen habe,
wie der Lakai aus einem kleinen Fläſchchen einige Tropfen in
die eingegoſſene Taſſe Kaffee geträufelt hat. So war das
Gift=
mord=Attentat vereitelt, des Königs Leben gerettet: der
Grena=
dier wurde königlich belohnt, der Lakai dem Richter übergeben,
der warnenden Spinne, die von der Decke herabgefallen war, in
dieſer Decke ein Denkmal in Form eines Deckengemäldes geſetzt.
Wenn von König Friedrichs Tafelrunde, Flötenkonzert,
ſei=
ner geiſtreichen Korreſpondenz, ſeinen literariſchen und
philo=
ſophiſchen Werken uſw. geſprochen wird, ſo wird meiſtens ganz
überſehen, daß dieſes alles vom großen König erſt zu ſeiner
Er=
holung und geiſtigen Erfriſchung nach den ſchweren, mit
peinlich=
ſtem Fleiß und allergrößter Gewiſſenhaftigkeit erfüllten
Regie=
rungspflichten für ſein Volk und Land ausgeübt wurde. Im
Sommer und Winter ſaß der König bereits um 5 Uhr
vormit=
tags an ſeinem Arbeitspult, ſah alle Eingänge perſönlich durch
und verteilte ſie zur Bearbeitung nach ſeinen Anweiſungen an
drei Geheimſchreiber. Tägliches Exerzieren, täglicher Empfang
ſeiner Miniſter, tägliche Napporte ſeiner Generale, tägliche
An=
nahme und Erledigung von Bittſchriften füllten den Hauptteil
des Tageslaufes aus. Etwa 4 Monate alljährlich bereiſte König
Friedrich ſeine Provinzen, bei den ſchlechten Wegen und den
alt=
modiſchen Wagen wahrlich eine große Strapaze.
Die Zeit vom 1. Mai 1747, dem Tage der Vollendung des
Schloßbaues, und dem 29. Auguſt 1756, dem Beginn des
Sieben=
jährigen Krieges, war die Glanzzeit von Sansſouci. In dieſer
Zeit vereinte König Friedrich den geiſtreichen, aber gemütsarmen
Voltaire, den Marguis dArgens, den Philoſophen Maupertuis,
den Oberhofmarſchall Graf Gotter, den Baron von Pöllnitz, den
ſpöttiſchen Arzt La Mettrie u. a. zur Tafelrunde um ſich.
War auch die Pceſie König Friedrichs „Göttin”, ſo liebte er
die Muſik aus dem Grunde, weil nach ſeinem eigenen Urteil „die
Muſik in ihrer Wirkung der gewaltigſten und leidenſchaftlichſten
Veredſamkeit gleichkommt”. Mit 7 Jahren bereits
Klavierunter=
richt, widmet Friedrich ſich ſehr bald dem Flötenſpiel. Eigene
Kompoſitionen trägt er ſchon als 16jähriger Prinz bei dem
Be=
ſuche des Dresdener Hofes vor. Von Zeitgenoſſen wird beſonders
die Schönheit ſeines Adagiovortrages gelobt und verſichert, daß
ſeine Muſik den Hörern tiefe Einblicke in ein eigenartiges
Seelen=
leben geöffnet haben. König Friedrichs Flötenkonzerte fanden in
der Hauptſache in Sansſouci, aber auch im Stadtſchloß zu
Pots=
dam und ſpäter auch im Neuen Palais ſtatt. Die kleine eigene
Kapelle, die der Kronprinz Friedrich in Rheinsberg errichtet
hatte, war der Grundſtock der ſpäteren Kapelle der Königlichen
Seite 61
Oper in Berlin, die, vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges
40 Mitglieder ſtarl, dem berühmten Dresdener Hoforcheſter
nicht nachſtand.
Auch der Park von Sansſouci iſt verändert: zu des
Fride=
rieus Rex Zeiten war der Park, dem Geſchmack der Zeit
ent=
ſprechend, in frau zöſiſchem Gartenſtile angelegt, ſpäter wurde er
durch Lenné in einen engliſchen Park umgeſtaltet.
Nach dem Hubertusburger Frieden kehrte der König nach
Sansſouci zurück: trotz ſeiner erſt 51 Jahre abgehärmt, alt,
ge=
bückt, der „Alte Fritz”, aus dem allmählich „Friedrich der
Ein=
ſame” wurde. Gäſte zur Tafelrunde ſah der König immer
ſelte=
ner, das Abendeſſen hatte er ſich im Kriege ganz abgewöhnt. Die
Muſik wurde zwar weiter gepflegt, aber mit dem Verluſt ſeiner
Zähne hörte das Flötenſpiel auf. Immer mehr vertiefte ſich der
König in die Arbeit für ſeinen Staat und für ſein Volk.
Um der Welt zu beweiſen, daß nicht Geldmangel ihn zum
Friedensſchluß gezwungen hat, erbaute König Friedrich gleich
nach Friedensſchluß mit für damalige Zeiten ungeheueren Koſten
am Ende des Parkes von Sansſouci das gewaltige „Neue
Pa=
lais”, das, in „Schloß Friedrichskron” umgetauft, die Reſidenz
Kaiſer Friedrichs, und dann wieder „Neues Palais” genannt,
die Sommerreſidenz Kaiſer Wilhelms II. war. Der Volkswitz
hat die drei Grazien, die, auf der Kuppel des „Neuen Palais”,
ſtehend, die Krone tragen, für die Kaiſerinnen von Oeſterreich
und von Rußland und die Marquiſe von Pompadour erklärt, die
nach der Krone Preußens greifen.
Sansſouci, ſein Tuskulum, dem er den Stempel ſeines
Gei=
ſtes aufgedrückt hat, ſollte nach des Königs Willen auch ſeine
Grabſtätte ſein: auf der oberſten Terraſſe hatte König Friedrich
ſich eine Gruft ausmauern laſſen: „wenn ich hier liegen werde,
werde ich saus sonei ſein”, hatte, er einſtmals dem Marquis
dArgens gegenüber geäußert. Klar und deutlich drückt das
Teſta=
ment des Königs den Wünſch aus, auf der oberſten Terraſſe von
Sansſouci, und zwar ohne jeden Pomp, beigeſetzt zu werden.
Der Umſtand, daß die Eröffnung des Teſtaments erſt nach der
Ueberführung des königlichen Leichnams nach der Garniſonkirche
von Potsdam, aber noch vor der Beiſetzung, erfolgte, kann
nie=
mals eine Entſchuldigung für die Nichtausführung des letzten
Willens und Lieblingswunſches des großen Königs ſein.
Sansſouci und Friedrich der Große ſind untrennbar. Die
Bilder, die den großen König darſtellen, ſind wohl ausſchließlich
auf Porträts Chodowieckis zurückzuführen. Höchſtwahrſcheinlich
hat ihm der König niemals geſeſſen, Chodowiecki hat ſich
Fried=
richs charakteriſtiſches Bild nach ſeiner Beobachtung eingeprägt
und eventuell Verbeſſerungen vorgenommen.
Der „Flötenbläſer von Sansſouci” war nicht nur preußiſcher
König. Sein Ruhm als Landesvater, Feldherr und Diplomat
ſtrahlte über Europa und bereitete, vereint mit ſeinem Wirken,
das Zuſammenſchweißen der deutſchen Nation vor. Klar tritt
dieſes durch die Gründung des Deutſchen Fürſtenbundes durch
Friedrich den Großen von Sansſouci aus im Jahre 1785 hervor,
der die deutſchen Fürſten und ihre Länder ſchützen ſollte gegen
die Ausbreitung der öſterreichiſchen Macht, hauptſächlich in
Süd=
deutſchland; dieſem Deutſchen Fürſtenbund, und damit ſeinem
Gründer, Friedrich dem Großen, verdankt es auch Bayern, daß
es damals nicht an Oeſterreich gefallen iſt.
Weltberühmt wie ſein Bauherr iſt Schloß Sansſouci
gewor=
den. Fehlt dort jetzt auch jeglicher Prunk, jede Pracht, hallen
auch die Schritte der Grenadiere und der dumpfe Schlag des
Krückſtocks des großen Königs dort nicht mehr, als Muſeum hat
der hiſtoriſche Rokoko=Schloßbau ſeine Tore geöffnet und erzählt
der Nachwelt von dem landesväterlichen Walten Friedrichs des
Großen, des Einſamen, des Einzigen, der in ſeinem Teſtament
ausgeſprochen hat: „Meine Wünſche ſim Augenblick meines letzten.
Atemzuges werden dem Glück meines Reiches gelten.” Bi.
Gerne betrete ich den Weg der Oeffentlichkeit zur Rechtfertigung meines mir ſeit langen Jahren eng befreundeten Kollegen Herrn
Profeſſor Scharfblick. Zu Beſuch bei demſelben, in Geſellſchaft bei einem Glaſe Wein in etwas angeheitertem Zuſtand, kamen wir
unter anderem auf die heutigen Rieſenfortſchritte der deutſchen Induſtrie zu ſprechen. Die Behauptung meines Herrn Kollegen, daß
auch die deutſche Herren=Konfektion eine gewiſſe Ueberlegenheit gegenüber derjenigen vieler anderer Völker beſitze, und daß man
derſelben durch die mehr einfachen, ſolid gehaltenen (gerade deshalb) feinen Schnitte in den fortgeſchrittenſten Ländern eine ernſthafte
Beachtung ſchenkt, nicht ſelten ſogar eine bevorzugte Stellung einräume, wies ich mit überlegenem Lächeln zurück. Eine bis zur
Siede=
hitze gehende Auseinanderſetzung und ein unfreundliches Auseinandergehen, das ſeitdem eifrig weiter kolportiert wird, war die Folge.
Um mich in der von mir vertretenen Anſicht zu beſtärken, ging ich zu dem Kleider=Lieferanten meines Herrn Kollegen in der Abſicht, alle
etwaigen Mängel der Konfektion auf mein Konto zu buchen. Kaufen wollte ich eigentlich nicht. Ein überwältigender Eindruck bemächtigte
ſich meiner beim Eintritt in ein noch nie geſehen großes Lager der Herren=Konfektion. Hier wurde ich ſehr ſchnell eines beſſeren
belehrt. Schon der erſte Rock, den ich anzog, der paßte genau ſo gut und bequem wie meine beſonders gut geratenen Maßſtücke. Einige
andere zog ich an. Sie paßten ebenſo gut. Meine Bewunderung darüber äußernd wurde mir erklärt: Wir führen Anzüge für jede
Körperform und ſehen ſofort, was jedem paßt. Ich zog Hoſe und Weſte zu dem erſten Rock an, kaufte und bezahlte gern den mich
außerordentlich gut kleidenden Anzug. Beim Weggehen fragte ich den Konfektionär: Wie iſt es Ihnen möglich, ein ſolch phänomenales
pompöſes Lokal und ſo ein Rieſenlager zu halten? So etwas habe ich ja noch nie geſehen. Mir wurde erklärt: Tauſende und
Aber=
tauſende von Herren aus allen Ständen dürfen wir zu unſerem feſten Kundenkreis zählen. Täglich vermehrt ſich derſelbe. Auch Ihnen,
Herr Profeſſor, empfehlen wir uns beſtens. Der von Ihnen gekaufte Anzug wird das Uebrige tun. Zu Hauſe angefommen, ſah ich
mich verpflichtet, bei meinem Herrn Kollegen ſchriftlich mich zu entſchuldigen mit dem Verſprechen, daß ich am ſelben Tage ſeine von
mir in Zweifel gezogene wiſſenſchaftliche Autorität öffentlich wieder herſtellen werde, da ich alles das beſtätigt gefunden hätte, was
er behauptete. Auch ich werde fernerhin meine Anzüge beim Kleider=Hörr in Darmſtadt kaufen, man ſpart obendrein noch eine Menge Geld.
gezeichnet Profeſſor Fortſchritt.
[ ← ][ ][ → ]Seite 62
Dienstag, den 1. Februar 1927
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Ein Brief des Außenminiſters an den Reichsausſchuß
Berlin, den 10. Januar 1927.
Se. Exz. Herrn Staatsſekretär a. D. Dr. Lewald,
Deut=
ſcher Reichsausſchuß für Leibesübungen, Berlin W 35.
Sehr verehrter Herr Staatsſekretär!
In Ihrem freundlichen Schreiben vom 28. Dezember fordern
Sie mich auf, für die Neujahrsnummer „Blätter für
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geſundheit und Volkskraft” einen Beitrag zu liefern, der
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wiſſermaßen einen Kommentar darſtelle zu den Ausführungen,
die ich in Köln anläßlich des Parteitages der Deutſchen
Volks=
partei gemacht habe und die, wie Sie ſchreiben, vielfach
mißver=
ſtanden worden ſind und dadurch Freunde der Sportbewegung
davon abgehalten haben, ihr die bisherige Unterſtützung zu
ge=
währen. An ſich, ſollte ich glauben, bedürften meine Worte
über=
haupt nicht eines beſonderen Kommentats. Wie ſie aber
miß=
verſtanden werden können, erſehe ich u. a. aus der Monatlichen
Rundſchau des Schwimmvereins München, die mir kürzlich
zu=
geſandt wurde, und in der etwa zum Ausdruck kommt, daß ich
den Sportgegnern die Parole für einen Kampf gegen körperliche
Ertüchtigung oder Sport gegeben hätte.
Darf ich demgegenüber bitten, zunächſt einmal von dem
Wortlaut meiner Ausführungen ſelber Kenntnis zu nehmen.
Nach dem Stenogramm meiner Kölner Rede habe ich folgendes
erklärt:
„Mir ſcheint es notwendig, auch wieder auf die Gefahr
hin, weiten Maſſen zu mißfallen, einmal ein Wort davon zu
ſagen, daß das Geiſtige gegenüber dem
Körper=
lichen nicht weiter ſo zurücktreten darf, wie es
jetzt der Fall iſt. Wir ſind Freunde jeder körperlichen
Ertüch=
tigung. Aber wie es bereits auf dem Katholikentag geſagr
wurde, kann nicht die Ariſtokratie des Geiſtes durch die
Ari=
ſtokratie des Bizeps erfetzt werden. Das gemeinſchaftliche
ge=
ſundheitliche Vorwärtskommen iſt das, was wir wollen, aber
nicht die vollkommene Verfiberung der Menſchen und das
Auf=
gehen darin, als wenn dieſe Dinge heute Lebensziel der Nation
geworden wären. Was wir heute ſehen, ſcheint eine Groteske
zu ſein auf den Gedanken des Volkes der Dichter und Denker,
ſo daß ich davor warne, in dieſer Form der Maſſenſuggeſtion
unſere eigene geiſtige Bedeutung herabzudrücken”.
Ich glaube, daß jeder, der die letzte Entwickelung der
ſport=
lichen Verhältniſſe bei uns verfolgt hat, daraus, klar erſehen
wird, wie weit ich mit der ſportlichen Bewegung mitgehe und
wo meine Kritik einſetzt. Ich halte Ihre Beſtrebungen ſpeziell
im Reichsausſchuß für Leibesübungen für außerordentlich
ver=
dienſtvoll, und Sie werden bei mir, an welcher Stelle ich auch
immer ſtehe, ſtets die tatkräftige Unterſtützung ſinden. Ich habe
ſelbſt ſo oft für Sportvereine Preiſe geſtiftet und mich an dieſen
Veranſtaltungen, ſoweit es meine karg bemeſſene Zeit geſtattet,
beteiligt, daß ich glaube, davor geſchützt zu ſein, den
Sportgeg=
nern Material liefern zu wollen. Alles, was dazu beiträgt, uns
von der Erziehung zu befreien, unter der ich ſelbſt als junger
Menſch gelitten habe und die an Stelle von Wanderungen, Sport
und Liebe zur Natur die reine Stubenerziehung ſetzt — alles.
was ich dazu tun kann, um uns von dieſer Einſeitigkeit und
Engherzigkeit zu befreien, werde ich jederzeit tun.
Ich glaube deshalb, mit gutem Gewiſſen ſagen zu können,
daß ich nicht nur ein Freund jeder ſportlichen Betätigung,
ſon=
dern auch einer Betätigung in ſportlichen Vereinen bin, und daß
in dem deutſchen Sport für die Vorbereitungen der nächſten
Ilhmpiade von Herzen guten Erfolg wünſche.
Wogegen ich mich aber wende und ſvo meine Kritik anfängt,
iſt die Art und Weiſe, wie alles, was zum Sport gehört, jetzt in
die Oeffentlichkeit gezerrt wird, daß weiter an Stelle eines
kör=
verlichen Trainings, das den Körper während des ganzen
Le=
bens geſund erhält, die Hervorhebung der einzelnen
Rekordlei=
ſtungen tritt, und wie dadurch ſchließlich die
Selbſtverſtändlich=
keit des Sportes, ich möchte ſagen, die Natürlichkeit der
ſport=
lichen Bewegung immer mehr dadurch zurückgedrängt wird, daß
alles Geſchehene in das Rampenlicht der Oeffentlichkeit kommt
und der Uebergang geſchaffen wird von der ſportlichen
Ausbil=
dung neben dem Berufsleben zu jenem Berufsſportſyftem, dem
ich jehr wenig Geſchmack abgewinnen kann, und letzten Endes
zul ſener in der Oeffentlichkeit bemerkbaren Ueberſchätzung jeder
Einzelleiſtung, die zu einem Zurückdrängen des Geiſtigen in der
Offentlichen Bewertung führt, das nicht im Sinne einer geſunden
Sportentwickelung liegen kann.
Ich glaube, ſehr verehrte Exzellenz, daß ich es mir verſagen
kann, für dieſe einzelnen Darlegungen viele Beweiſe bringen
zu müſſen. Ich bitte Sie, eine Montagszeitung aufzuſchlagen
und einmal zu ſehen, wie ſeitenlang über jede Veranſtaltung
berichtet wird, die für einen hochſtehenden geiſtigen Vortrag
wahrſcheinlich nicht den kleinſten Teil ihres Blattes zur
Ver=
fügung ſtellen würde. Ich bitte weiter, hinweiſen zu dürfen auf
Las, was von der „Deutſchen Turnerſchaft” in Jahren und Jahr=
Zehnten im ſtillen ohne großes Tamtam an Erziehungsarheit im
deutſchen Volke geleiſtet worden iſt. Auch ſie trat mit Recht in
ihren Turnerfeſten vor das ganze deutſche Volk, auch ſie hatte
ihre Kernriege, die ſie auch in fremde Länder ſandre, aber das
alles ging natürlich und ſelbſtverſtändlich vor ſich, und es wurde
nicht jede Veranſtaltung zu einem Ereignis geſtempelt. Die
beſten Leiſtungen wurden unbewußt dargeboten und nicht mit
dem Bewußtſein, vor der Kritik des Sportredakteurs richtig zu
beſtehen. Was die Rekordleiſtungen anbelangt, ſo verſtehe ich
ihre Bedeutung im Sport, aber ich möchte die Frage aufwerfen,
ob nicht das Drängen nach dem Rekord an ſich dazu führt, daß
der einzelne Menſch ſich überanſtrengt, um während der
Jugend=
zeit einmal einen Rekord zu erzielen und dann vielleicht für die
weitere Entwickelung ſeines Lebens, nicht mehr auf der Höhe
bleibt.
Meine ſtärkſte Abneigung aber geht dagegen, in welcher Weiſe
beiſpielsweiſe einzelne profeſſionale Boxer und Radfahrer
ge=
wiſſermaßen zu Nationalhelden geſtempelt werden. Ich betrachte
Veranſtaltungen, wie ſie das Sechstage=Rennen ſind, als etwas,
was mit Sport ſehr wenig zu tun hat. Ich vermag nicht zu
verſtehen, warum auf der erſten Seite ernſter Zeitungen
Entſchei=
dungen über den Boxkampf ſtehen, und warum dieſe Dinge in
einer Weiſe behandelt werden, als wenn es ſich um große
natio=
nale Angelegenheiten handelte.
In meinem Gymnaſium ſtand über der Turnhalle das Wort:
„Mens sana in corpore sano‟. Das iſt das Ziel, dem, wie ich
glaube, auch der Reichsausſchuß für Leibesübungen zuſtrebt. Je
mehr die ſportliche Bewegung ſich ſelber gegen die Auswüchſe
wendet, die ich bekämpfe, umſomehr wird ſie die Zahl derer
ver=
mehren, die den durchaus geſunden Kern der deutſchen
Sport=
entwickelung begrüßen und fördern.
Mit dem Ausdsruck meiner vorzüglichften Hochachtung bin ich
Ihr Ihnen ſehr ergebener
gez. Streſemann.
Ein Schritt vorwärts!
Auf dem Wege zur täglichen Turnſtunde.
Der Ausſchuß des Reichstags zur Förderung der
Leibes=
übungen, dem 15 Reichstagsabgeordnete aller Parteien und ſieben
Vertreter der großen Leibesübungen treibenden Verbände
an=
gehören, hat ſich in drei Sitzungen eingehend mit der täglichen
Turnſtunde beſchäftigt. Das Ergebnis war, daß er einſtimmig
Dr. Diem beauftragte, ſeine Anſichten über die tägliche
Turn=
ſtunde in einer Denkſchrift niederzulegen und ſie dem Reichstage
zur Kenntnisnahme einzureichen. Dieſe Denkſchrift liegt
nun=
mehr als Nr. 2893 der amtlichen Druckſchriften des Reichstages
unter dem Titel „Warum die tägliche Turnſtunde?” vor. Dieſe
Denkſchrift zerfällt in drei Teile. Im erſten werden die
hygieni=
ſchen und pädagogiſchen Notwendigkeiten für die Einführung der
täglichen Turnſtunde dargelegt. Erſchütternde Zahlen über den
geſundheitlichen Tiefſtand unſerer Schuljugend und über die
Wachstumshemmungen, die durch den Sitzzwang der Schule und
die Beſonderheiten des heutigen Lebens geſchaffen werden, ziehen
am Leſer vorüber. Es ſind nur wenige Zahlen über
Längen=
wachstum, Bruſtumfang, Körpergewicht. Aber ſie wirken
ſchlag=
lichtartig, und hinter ihnen tauchen die großen Maſſen der
ver=
kümmerten, blutarmen, rachitiſchen Stadtjugend unſeres Volkes
auf und fordern ihr Recht auf ein geſundes natürliches Leben,
auf Sonne, Waſſer und Wald. An wenigen anderen Zahlen
zeigt Diem beweiskräftig, welche ſtarken Entwicklungsreiz ſolches
Leben für Jugendliche hat und wie ſo durch Turnen und Sport
Beſtand und Kraft unſeres Volkes geſichert werden können. Er
zeigt weiter aber auch, wie Willenskraft und Perſönlichkeit, wie
vor allem auch geiftige Friſche an Geſundheit und Tüchtigkeit
des Lebens gebunden ſind. Erfahrungen, die berühmte Aerzte
wie Profeſſor Dr. F. A. Schmidt=Bonn und Geheimrat Bier=
Berlin in dieſer Beziehung gemacht haben, lehren, daß, wenn
auch auf den Schulen vier geiſteswiſſenſchaftliche Stunden
zu=
gunſten des Turnens geopfert werden, ein Rückgang der deutſchen
Geiſteshöhe darum wahrlich nicht befürchtet zu werden braucht.
Damit kommen wir ſchon zu dem zweiten Teil der Denkſchrift,
welche von den Vorausſetzungen handelt, unter denen die tägliche
Turnſtunde eingeführt werden kann. In kluger und maßvoller
Weiſe wird über die Vermehrung der Uebungsſtätten, die ja auch
im Intereſſe der Turn= und Sportvereine dringend notwendig
iſt, über die Ausbildung von Turnlehrern, über die Geſtaltung
des Turnunterrichts geſprochen. Daß die Förderer der täglichen
Turnſtunde an eine Vermehrung der Geſamtzahl der
Unterrichts=
ſtunden nicht gedacht haben, hebt die Denkſchrift mit Recht hervor.
So würden keine eigentlichen neuen Koſten durch Einführung der
täglichen Turnſtunde entſtehen. Daß ſie im übrigen nicht ſofort
in aller Vollkommenheit an allen Schulen eingeführt werden
kann, weiß auch die Denkſchrift. Aber befehlsmäßig kann ſie
an ſehr vielen Stellen ſofort eingeführt werden, und an vielen
anderen Verſuche unternommen werden. Das fordert die
Denk=
ſchrift nachdrücklich. Wie recht ſie damit hat, zeigt ihr 3. Teil,
der einen kurzen Blick in die Geſchichte und auf das Ausland
gewährt. Wir ſehen, wie ſchon ſeit langen Zeiten eine tägliche
Uebungszeit des Körpers von Pädagogen und Aerzten für
not=
wendig gehalten wird und wie das Ausland mit aller Macht
daran arbeitet, die Wunden zu heilen, die der Krieg dem
Volks=
körper geſchlagen hat. Und wir, deren Wunden vielleicht die
tiefſten geweſen ſind, wir ſollten untätig bleiben? Wir ſollten
nicht alles tun. um die Geſundheit und Kraft unſerer Jugend
und damit die Arbeitstüchtigkeit unſeres Volkes zu heben? Der
Reichstagsausſchuß zur Förderung der Leibesübungen fordert es
dringend mit ſeiner Denkſchrift. Der Reichstag kann garnicht
anders, als ſich ihm anſchließen. Möchte ſeine Stimme dann
end=
lich zu den Ländern dringen, bei denen die Schulhoheit liegt
und damit die Möglichkeit, die Forderung der täglichen
Turn=
ſtunde, die immer unabweisbarer, endlich zu verwirklichen.
Edmund Neuendorff.
Leber den „Kleinkaliber=Anfug.
Von Staatsminiſter a. D. Dominicus.
Die Erörterung über den ſogenannten „Kleinkaliber=Unfug”
iſt in den letzten Wochen in den Zeitungen immer wieder
auf=
getaucht, ja ſogar in manchen Blättern zu einer ſtändigen Rubrik
geworden. Erſt kürzlich las man im „Berliner Tageblatt” eine
Notiz, in der mit Entrüſtung davon Mitteilung gemacht wurde,
daß an der Univerſität Tübingen ſtudentiſche Korporationen den
Kleinkaliber=Schießſport für ihre Angehörigen verbindlich gemacht
haben. — Dem gegenüber iſt es erforderlich, die folgenden
Feſt=
ſtellungen zu machen: Es iſt richtig, daß der Kleinkaliber=
Schieß=
ſport in der letzten Zeit in Deutſchland zu einer großen
Bewe=
gung angewachſen iſt. Dem Deutſchen Reichsausſchuß für
Leibesübungen allein gehören zurzeit bereits drei derartige
Or=
ganiſationen an; es ſind die:
Der Deutſche Schützenbund;
Die Kleinkaliber=Abteilung des Deutſchen Kartells für
Jagd= und Sportſchießen (bisher als „Deutſche
Sport=
behörde” bekannt);
Der Reichsverband Deutſcher Kleinkaliber=
Schützenver=
bände (deſſen Spitze bisher den Namen „
Reichszen=
trale” geführt hat).
Dieſe drei Organifationen haben ſich am 3. Dezember 1926 zu
einer Reichsgemeinſchaft für Kleinkaliber=Schießſport
zuſammen=
geſchloſſen, deren Vorſitz im Ehrenamt der Unterzeichnete
über=
nommen hat.
Dieſe Entwicklung bei uns in Deutſchland folgt aber nur
der gleichen Entwicklung im Ausland. In England iſt der
Kleinkaliber=Schießſport bereits am Ende des vorigen
Jahr=
hunderts entſtander, und hat ſich unter dem Einfluß bedeutender
Perſönlichkeiten, z. B. des Lord Norberts, dort ſchnell ſehr
erheb=
lich ausgebreitet. Schon 1905 umfaßte der entſprechende
eng=
liſche Verband über 1500 Vereine. 1908 wurde das Kleinkaliber=
Schießen in Englaud in die Olympiſchen Spiele eingereiht. Von
dort übernahmen 1912 die Olympiſchen Spiele in Stodholm
die=
ſen Sport. Eine weitere erhebliche Ausdehnung fand der
Klein=
kaliber=Schießſport in Amerika. Zwiſchen den Vereinigten
Staa=
ten und England haben in den letzten Jahren regelmäßige
Sport=
wettkämpfe in dieſer Sportart ſtattgefunden.
In der Tat handelt es ſich bei der Kleinkaliber=Büchſe um
ein Sportgerät und keine Waffe. Ihre Tragweite iſt eine kurze,
es wird nur auf eine Entfernung von 50 Metern geſchoſſen. Die
Kleinkaliberbüchſe hat keinen Sicherungsflügel und kann
infolge=
deſſen weder als Erſatz für eine Jagd= noch für eine
Militär=
waffe angeſehen werden. Stärkere Munition als die
Sport=
munition kann aus der Kleinkaliber=Büchſe nicht verſchoſſen
wer=
den, weil die Waffe ſonſt zu ſchwach wäre und zerſprengt würde.
Geſchoſſen wird nur auf Ringſcheiben kleinerer Größe (34
Zenti=
meter), nicht auf irgendwelche Figuren oder bewegliche Scheiben.
Aus allen dieſen Gründen hat der Artikel 177 des Verſailler
Vertrages Sport= und Schützenvereine ausdrücklich zugelaſſen;
die Entente hat daher auch einen Widerſpruch gegen den
Klein=
kaliberſport nicht erhoben. — Wenn ſo jedes außenpolitiſche
Be=
denken wegfällt, ſo muß man ſich doch fragen, warum es in
Deutſchland nicht möglich ſein ſollte, ebenſo wie in den anderen
angelſächſiſchen Ländern, dieſen Sport zu pflegen, ja ihn zur
Volksſitte zu machen? Warum in aller Welt ſollte dies in
Deutſchland nicht möglich ſein, wo doch z. B. in der Schweiz, wie
Jedermann weiß, ſeit langen Jahrzehnten das regelmäßige
Schießen mit dem Militärgewehr überall eingeführt iſt und mit
der größten Liebe betrieben wird.
Man fürchtet bei uns den politiſchen Mißbrauch, und in der
Tat iſt es richtig, daß einzelne Vereinigungen politiſcher Art dazu
übergegangen ſind, dieſen Kleinkaliber=Schießſport bei ſich
ein=
zuführen. Wir verſtehen, daß der Staat ſich dagegen wendet,
aber die Pflege des Kleinkaliber=Schießſports als ſolchen ſoll der
Staat unbehelligt laſſen. Es muß für ihn genügen, die
erfor=
derlichen polizeilichen Sicherungen zu treffen, zu deren Erfüllung
die Sportorganiſationen gern bereit ſind. Zu dieſem Zweck wird
es ausreichen, wenn die Schießſportvereine verpflichtet werden,
amtlich anzugeben, wieviel Büchſen ſie haben und wo dieſe
lagern. Dann kann die Polizeibehörde im Falle der Not
recht=
zeitige Vorkehrungen treffen, Ablieferung verlangen oder
Be=
ſchlagnahme eintreten laſſen. Weitergehende Maßnahmen der
Polizei aber ſcheinen uns durchaus überflüſſig zu ſein.
Insbe=
ſor dere iſt es eine ſchwere Beeinträchtigung des Sports, wenn,
wie in einzelnen Staaten es leider ſchon geſchehen iſt, von der
Polizei eine Beſchränkung der Zahl der Büchſen etwa auf einen
beſtimmten Prozentſatz der Zahl der Mitglieder der Vereine
verfügt wird. Denn es iſt einleuchtend, daß, wenn z. B. nur
eine Büchſe auf 10 Vereinsmitglieder zugelaſſen wird, dadurch
eine erhebliche Verlengſcmung des Schießbetriebs eintreten
müßte, die den ganzen Geiſt des betreffenden Vereins unliebſam
beeinfluſſen würde.
In der Reichsgemeinſchaft für Kleinkaliberſchießſport ſind
be=
reits jetzt ungefähr 500 000 deutſche Jungens und Männer
ver=
einigt. Man laſſ ihnen die Freiheit und die Freude an ihrem
Sporte, man beſchränke ſich ſeitens der Polizeiverwaltung auf die
unbedingt erforderliche Wahrnehmung der Intereſſen der
öffent=
lichen Ordnung und man fördere auch ſeitens der Preſſe dieſe
Bewegung und unierlaſſe in Zukunft das Gerede von dem „
Klein=
kaliber=Unfug‟!!
Vor dem Besuch von
Gesell-
schaften, Theater, Bällen usw.
versäumen Sie nicht Ihre Zähne
mit der herrlich erfrischenden
Chlorodont-Zahnpaste zu
putzen.
Die Chlorodont-Zahnpaste
macht die Zähne blendend
weiß,
entfernt häßlich gefärbten
Zahnbelag,
beseitigt unangenehmen
Hundgeruch.
Seite 6
Dienstag, den 1 Februar 1922
Nummer 32
Radfahren.
Die Preisverteilung des Darmſtädter Bichcle=Clubs 1883 am
Sonntag, den 30. Januar 1927, im Muſikvereinsſaale, Steinſtr.
Wie alljährlich, ſo hielt auch dieſes Jahr der Darmſtädter
Bieycle=Club 1823, ſomit eines der älteſten Bundesvereine, im
B.D.R., ſeine Preisverteilung im dicht gefüllten Saale des
Muſikvereins ab.
Was im Jahre 1926 im D.B.C. 83 auf ſportlichem Gebiet
geleiſtet wurde, bewies am Sonntag die Preisverteilung.
Konn=
ten doch mehr als 200 Preſe zur Verteilung gelangen. Der
Hauptfaktor des Darmſtädter Bichcle=Clubs iſt, wie ſeit ſeines
Beſtehens, der Saalſport. Wenn man bedenkt, daß unter der
vorjährigen bewährten Leitung des über die Grenzen von
Deutſchland hinaus bekannten Saalfahrwartes Louis Hax über
500 Reigenproben abgehalten wurden, ſo zeugt dies doch von
einem Idealismus der Mitglieder, der ſeinesgleichen ſucht. Und
ſo konnten auch im Jahre 1926 die Früchte des gut geſäten
Feldes ncht ausbleiben.
Vorerwähnte Feier wurde mit zwei flott geſpielten
Muſik=
ſtücken eingeleitet. Hiernach ergriff der 1. Vorſitzende, Herr Ad.
Ober, das Wort und führte die Anweſenden zurück in das
ver=
floſſene, arbeitsreiche und auf ſportlich hoher Stufe ſtehende
Geſchäftsjahr 1926. Wie ſchon eingangs erwähnt, waren es
die Saalmannſchaften, die den Klub aufs neue zu Ehren brachten.
Nicht weniger als 20 Saalfeſte wurden beſucht und dabei 35 Preiſe
errungen. Hierbei iſt ganz beſonders die Beteiligung des D.BC.
83 am Bundesfeſt im Auguſt v. J. zu erwähnen. Vertrat
der=
ſelbe doch nicht allein den Gau 70 Heſſen=Darmſtadt, ſondern er
betätigte ſich auch als alleinige Mannſchaft im Saalſport von
ganz Süddeutſchland und konnte mit ſeinen dort geſtarteten
2 Mannſchaften 3 Preiſe erringen. Auch im Jahre 1927 beſtritt
die kampferprobte 6er aktive Mannſchaft ſchon eine Konkurrenz
in Groß=Gerau, wo dieſe ebenfalls unter der Leitung des
nun=
mehrigen jungen Saalfahrwartes Ad. Rühl den 1. Preis errang
Ebenſo wurde auch im Wanderſport hervorragendes geleiſtet.
In der Wanderſaiſon 1926 wurden insgeſamt 16 000 Kilometer
gefahren, d. i. eine Durchſchnittsleiſtung von 400 Kilometer auf
den Fahrer. Herr Ober ſchließt ſeine Worte in der Hoffnung, daß
der Geiſt, der ſeit Beſtehen im D.BC. herrſcht, ſich auf die
Jugend des D.B.C. vererben möge zum Wohle unſeres Klubs
und unſeres deutſchen Vaterlandes. Lang anhaltender Beifall
belohnte die von Herzen kommende kernige Begrüßung.
Weiter wurden in Anerkennung verdienſtvoller Tätigkeit die
Herren Wilh. Mahr und Rudolph Lyncker zu Ehrenmitgliedern
des Klubs ernannt. Seit 35 Jahren gehört Herr Mahr dem
Klub an und hat ſich ſchon große Verdienſte erworben. Gerade
durch dieſes neue Ehrenmitglied wurde der D.B.C. vor beinahe
3 Jahren wieder ins Leben gerufen und trägt er mit das
Ver=
dienſt, daß der Klub auf ſeine vorkriegszeitliche Höhe gekommen
iſt. Ebenſo iſt es Herr Lyncker, dem die Ehrenmitgliedſchaft des
Klubs in Anerkennung hoher Verdienſte zuerkannt wurde. Herr
Lyncker, der mit ſeinen 70 Jahren faſt jede Klubtour fährt und
früher ein nicht zu unterſchätzender Rennfahrer auf dem Hochrade
war, dient heute noch der heranblühenden Jugend als
leuchten=
des Vorbild. Den beiden neuen Ehrenmitgliedern wurden
Plaketten zuteil.
Für die Beteiligung an dem Feſte der Heimat in
Wies=
baden=Bierſtadt im Jahre 1925 konnten bei der diesjährigen
Preisverteilung 52 Fahrerinnen und Fahrer mit Medaillen,
eigens zu dieſem Zwecke vom Landesverband Heſſen angefertigt,
ausgezeichnet werden. All die Namen hier anzuführen würde zu
weit führen.
Die höchſte Auszeichnung des Klubs, die ſilberne
Ehren=
nadel, wurde nachfolgenden Herren durch Herrn Ober zuteil.
Gerade dieſe Herren haben es verſtanden, durch ihre hingebende,
raſtloſe Tätigkeit in den letzten Jahren den Klub zu fördern und
mit ganzer Kraft für die geſteckten Ziele des Klubs einzutreten.
Es ſind dies die Herren: Hch. Hornung, Chr. Sames, Karl
Schneider. Ad. Rühl und Paul Haas. Ebenſo erhielt auch
Fa=
brikant Konzelmann, der ſich jederzeit durch die größte
Bereit=
willigkeit in den Dienſt der guten Sache ſtellte, die ſilberne
Ehrennadel. Im Namen der Ausgezeichneten ſpricht Herr
Fabrikant Konzelmann und gelobt auch fernerhin die Treue zum
D.B. C. 83. Ein ſchneidig geſpieltes Muſikſtück erhöhte die
feſt=
liche Stimmung.
Für das im vorigen Jahre gefahrene Klubrennnen über
45 Kilometer wurden 4 Herren ausgezeichnet. Den 1. Platz
belegte Herr Schmunk. Hierauf folgten die Herren Rühl und
Platſcheck. In der Klaſſe B belegte Herr K. Dauernheim den
1. Platz. Vorgenannte 4 Herren erhielten klubſeitig Medaillen.
Für die Meiſtbeteiligung an den Reigenproben erh elten
11 Damen, 7 Herren und 5 Jugendmitglieder Auszeichnungen in
Form von Bechern.
Die am 5. September gefahrene Schnitzeljagd des Klubs ſah
Frau Kämmerer=Wedekind, die Herren Glaub, Platſcheck, Storck,
Schubert und Netz als Sieger. Die Genannten erhielten
wert=
volle Auszeichungen.
Für die Meiſtbeteiligung an den Klubabenden wurden die
Herren Rühl, Dauernheim, Storck, Riedel, Haas, Glaub,
Thüm=
mel, Ziegler, Hax und Hornung mit Chatelaine bzw.
dazuge=
hörige Schieber ausgezeichnet.
Bei der Gaupreistour über 50 Kilometer belegte Herr Gg.
Schmunk den 2. Platz mit 1 Stunde 22 Min. und unterbot ſomit
mit 2 Min. den ſeit 1912 gehaltenen deutſchen Rekord. Bei
dieſem Rennen belegten die Herren Glaub und Rühl den 12.
bzw. den 11. Platz und wurden die 3 Herren ebenfalls durch den
Klub gauſeitig ausgezeichnet. Das vorjährige Gaurennen über
100 Kilometer ſtellte große Anforderungen an die Rennfahrer und
iſt es hoch anzuerkennen, daß die Herren Rühl und Platſcheck die
Farben des Klubs würdig vertraten und den 10. und 11. Platz
belegen konnten, wofür die Sieger ebenſo gebührend ausgezeichnet
wurden.
Für das ſeinerzeitige Starten in Hanau=Keſſelſtadt erhielten
die Jugendmitglieder Volkmar, Netz, Dörr, Rickert, Eidebenz und
Häusler Medaillen. Herr Rühl, der die Jugendmitglieder
aus=
zeichnete, appelliert an die Eltern der Jugend, ihre Kinder zu
uns zu ſchicken, damit ſie in Sitte und ehrbarer Zucht heranblühe
ihren Eltern zur Freude und der Geſamtheit zum Wohle.
Im Wanderſport wurden 5 Damen und 6 Herren durch
Herrn Thümmel ausgezeichnet. Als jüngſtes und eifrigſtes
Jugendmitglied wird Frl. Gerta Thümmel mit einem Becher
ausgezeichnet und erhält dieſe auch noch eine ſolche von der
Fahrt nach Keſſelſtadt.
Als perſönliche Auszeichnung erhielten die Damen Wedekind,
Kämmerer, Schmunk, Mahr, M. Reinhard, K. Reinhard, Flach,
Müller, Nauhe’mer je einen Becher.
Für die Meiſtbeteiligung an de nausgeſchriebenen
Gau=
touren werden die Herren Lyncker, Dauernheim, Thümmel,
Daum, Rühl, Storck, Glaub, Hörr, Ettl, Riedel, Ober, Hornung,
Raabe, Haas, Weber, Schneider jr., Hahn, Ziegler, Schmunk,
Platſcheck und Leichtlein und die Damen Riedel, Storck, Klotz,
Schmunk, Wedekind, Leidiſch, Müller und Quenzer durch den
Gautourenwanderfahrwart Herrn Thümmel ausgezeichnet. Von
der Motorradabteilung erhielten gauſeitig Herr J. Schneider und
Frau die Gaubecher.
Herr Rühl nimmt die Verteilung von Medaillen anläßlich
des Startens einer Damen= und einer gemifchten Mannſchaft
in Alsfeld vor und werden hierbei die Damen Mahr, Schmenger,
Wedekind, K. Reinhard, Müller, Schmunk, Brenner, Giloth und
die Herren Haas, Glaub, Rühl und Storck mit ſolchen bedacht.
26 Damen und Herren wurden für die Wanderfahrt zu dem
Feſte der Heimat im Jahre 1926 nach Frankfurt a. M.=Seckbach.
mit Medaillen durch Herrn Ober ausgezeichnet.
Zu dem alljährlichen Bundesfeſte des B.D.R., das im
Vor=
jahre nach Dresden fiel, war eine Wanderfahrt nach dort au
s=
geſchrieben. Vom D.B.C. beſtritt dieſe Herr Oskar Hans. Für
dieſe vorzügliche Leiſtung wird ihm neben der Auszeichnung das
Bundes eine Ehrung des D.B.C. zuteil.
In gleicher Weiſe wird Herr K. Dauernheim für ſein
rührige Tätigkeit durch den 1. Vorſitzenden ausgezeichnet.
Im Namen eines nicht genannt ſein wollenden Mitgliede;
wird dem Klub durch Herrn Thümmel ein Pokal überreicht, und
bleibt es dem Klub überlaſſen, in welcher Art und Weiſe er Sie
Trophäe zur Austragung kommen laſſen will. Dem edlen
Spen=
der wird durch Herrn Ober gedankt.
Eine äußerſt reichhaltige Tombola und der unvermeidliche
Tanz hielten die Anweſenden noch einige Stunden zuſammen
Mit einem dreifachen All Heil gelobten die Anweſenden, den
Klub auch fernerhin in Freud und Leid die Treue zu halten un
den neuen Vorſtand in jeder Beziehung zu unterſtützen.
Hauptverfammlung der Vereinigung
Deutſcher Radſpori=Verbände.
Die Vereinigung Deutſcher Radſportverbände hielt am Sonntag u
Zentral=Hotel zu Mainz ihre fällige Hauptverſammlung ab. Von
Anſchlußverbänden waren 10 vertreten; es fehlte nur der Oberlauſitze
Radfahrer=Verband, von dem jedoch eine begründete Entſchuldigun
vorlag. Stadtrat Haas und Generalſekretär Schirmer=Hannover eu
ſtatteten die Berichte, aus denen hervorging, daß die 11 Anſchlu;
verbände heute zuſammen 80 093 Mitglieder zählen. Die Kaſſenverhäß
niſſe ſind gut; im vergangenen Jahre wurde ein Ueberſchuß von 800 —ſt
erzielt. Sportlich hat das dritte Jahr des Beſtehens der Vereinigun
einen Forlſchritt gebracht. Die größte Veranſtaltung war der Deutfq
Radſporttag in Meiningen. Insgeſamt kamen 23 Straßenfernfahrt,
zur Durchſſihrung. Die Schaffung eines deutſchen Radſportabzeichen
wirkte ſich ſportlich gut aus. 222 Abzeichen konnten auf Grund der Ae
dingungen ausgehändigt werden; 4 Abzeichen in Gold wurden ehre,
halber verliehen. Wiederholt wurde die Vereinigung von den Behörbn
als Gutachter für Verkehrsfragen hinzugezogen. Ziemlich ausführld
behandelte die Verſammlung die Frage nach der Stellung der Er
einigung im deutſchen Radſport. Die Aufnahme in den Deutſchn
Reichsausſchuß für Leibesübungen ſoll weiter betrieben werden. Wa
den Anträgen verdiente beſonders der Beachtung, der die Verlegun
des 3. Deutſchen Radſporttages auf das Jahr 1928 berlangte. Für 2u
Radſporttag in Ausſicht genommen iſt Konſtanz. Die deutſchen Meiſtn
ſchaften der Vereinigung kommen wie folgt zur Durchſtihrung: Baln
meiſterſchaften durch die D.R.U. am 10. Juli in Magdeburg; deutfh
Straßenmeiſterſchaften durch die D.R.U. (Termin und Strecke noch nih
feſtgelegt); deutſche Saalſportmeiſterſchaften durch den HeſſiſchNo
Radfahrer=Verband am 21. Auguſt in Mainz oder Wiesbaden. Die Em
der Union vorgelegte Neuordnung des Straßenrennſports fand ein
ſtimmige Annahme. Danach ſtarten die Straßenfahrer in Zukunft u
zwei Klaſſen, einer 4= und einer B=Klaſſe. 4 Fahrer ſind ſolche, ſi
einen 1. bis 5. Platz in einem verbandsoffenen Rennen belegten; ell
übrigen Fahrer zählen zur B=Klaſſe. Der Sieger eines B=Klaſſenrenncu
gilt automatiſch als A=Klaſſenfahrer. Ein A Klaſſenfahrer der inmn
halb eines Jahres ohne Erfolg bleiltt, ſteigt wieder zur B=Klaſſe I
Das Tragen von Reklametrikols iſt verboten. Der Antrag auf Au
nahme in die Union Cyeliſte Internationale wurde dem Präſiden
zur Erledigung übergeben. Dann fand die nachſtehende Entſchließrn
einſtimmige Annahme: „Die Nachricht des Bundes Deutſcher Radfahwi
er ſei von der U. C.J. als alleiniger Vertreter des deutſchen Radſpat
inerkannt worden, gibt zu der folgenden Aufklärung Anlaß: Die Ze,
einigung Deutſcher Radſportverbände iſt eine Organiſation von veine
Amateur=Radfahrern. Sie übt den Sport national aus und vertritt.
den ihr angeſchloſſenen Verbänden 80000 Radfahrer. Sie hat z
B. D.N. mit der Vertretung ihrer Belange weder v rtraut, noch u
eine ſolche mit Rückſicht auf die gegenwärtige Einſtellung des B.2)
gewünſcht.” — Die Neuwahlen zum Vorſtand hatten das folgende
gebnis: 1. Präſident: Bergmann=Leipzig; ſtellv. Präſident: Haas=Bu
berg; „Geſchäftsführer: Schirmer=Hannover; Sportausſchuß: Laxy
Hörlitz, Dorner Mainz und Schmid=Eßlingen. — Das Sportprogram
ſoll am 15. Februar bekanntgegeben werden. Es wird vorausſichüf
ſür die kommende Saiſon 25 Straßenrennen enthalten. Die Satzun/
wurden inſofern geändert, als in Zukunft nur noch ein ſtellvertret.77N
Präſident gewählt wird. Nach achtſtündiger Dauer nahm die harmpm
verlaufene Tagung ihren Abſchluß.
IE
ſch
Ae
Arbeit wird zur Spielerei,
kaust du stets P.K. dabei!
P K.-Kau-Bonbons sind während der Arbeit ein
glänzendes Mittel zur Beruhigung der Nerven,
be-
sonders wenn das gewohnte Rauchen nicht zulässig.
Mlillionen Menschen, jung und alt, erkreuen sich der
angenchmen Wirkung der berühmten P K.-Kau-
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Die besondeus gute, daher besondeus vreiswerte"
5Hg. Cigarette
TV 280
[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 67
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Leichtathletik.
Um die Rhein/Main=Kreismeiſierſchaft
im Gewichtheben.
Athl.=S.=V. Frankfurt Kreismeiſter.
In Neu=Iſenburg wurde am Sonntag die Meiſterſchaft des Kreiſes
Rhein=Main im Mannſchafts Gewich=sheben zur Durchführung gebracht.
um den Titel bewarben ſich die Mannſchaften von Frankfurt, Neu=
Ifenburg, Aſchaffenburg und Koſtheim, die in jeder der ſieben
Gewichts=
rlaſſen je einen Vertreter hatten. Die Kämpfe wurden beidarmig im
Reißen, Drücken und Stoßen ausgetragen. Eine ſehr ſchöne Leiſtung
zeigte Grundſtein=Neu=Iſenburg, der im Fliegengewicht 145 Pfund ſtieß.
(m Geſamtergebnis wurde der Athl.=S.=V. Frankfurt Kreismeiſter mit
3190 Pfund vor Kraft=S.=V. Neu=Iſenburg 3160 und KSV.
Aſchaffen=
burg 2830 Pfund.
Fußball.
Starkenburgia Heppenheim-V. f. L. Lampertheim 2:1 (2:0).
Die Würfel ſind gefallen. Mit dem wenig überzeugenden Siege
gegen Lampertheim iſt Starkenburgia Heppenheim wahrſcheinlich der
Meiſter des Gaues Ried geworden. In einem unſchönen, zerfahrenen
Spiele gelang es Heppenheim, mit Aufbietung aller Kräfte den Sieg an
ſich zu reißen. Die große Zuſchauermenge, vom wachen Auge des
Ge=
ſetzes ſtark beeinflußt, enthielt ſich faſt jeder Aeußerung. Der bekannte
Galgen bot gähnende Leere und die Zugvögel waren ausgeflogen. Erſt
nach Schluß des Spieles wollte der Jubel der Anhänger Heppenheims
kein Ende nehmen. Auf den Schultern wurden die Spieler vom Platze
getragen und i begeiſterten Rufen hochleben laſſen. Noch ein letzter
ſchwerer Kampf ſteht ihnen bevor, das Lokal=Derby mit dem F. C. 07
Vensheim, auf ihrem Platze. Nur einen Punkt, und die Meiſterſchaft iſt
geſichert! Wird es dem F. C. 07 Bensheim in einem grandioſen
End=
kampf gelingen, ſeinen Pokal=Rivalen vernichtend zu ſchlagen, oder wird
er ſich mit dem 2. Platze in der Tabelle begnügen? Dem Beſſeren der
Sieg! Es iſt ſchwer, im Gau Ried ein wirklich klares Bild der
beſtehen=
den Situation zu geben, und es wäre an der Zeit, daß hier endlich
ein=
mal Aufklärung geſchaffen würde. Gilt es doch für uns alle, daß jedem
einzelnen Vereine gerecht getan wird und alle unnötigen Gerüchte aus
der Welt geſchafft werden.
V. f. R.—Sportverein Groß=Gerau 3:2, Ecken 16:5.
Mit obigem Reſultat konnten die Raſenſpieler wiederum zwei
wert=
volle Punkte erobern. Wie ſchon bekannt, gab Groß=Gerau einen ſehr
beachtenswerten Gegner ab. Die Mannſchaft ſpielt einen ſchnellen,
flachen Fußball, der ihr noch manchen Sieg bringen dürfte. Die Stärke
dieſer Mannſchaft liegt in dem Schlußtrio; und hier iſt ganz beſonders
der Torhüter zu erwähnen, deſſen Stellungsſpiel und Verwegenheit auch
heute wieder ſeinen Verein vor einer größeren Niederlage ſchützte. Was
die Mannſchaft des V. f. R. anbetrifft, ſo führte ſie heute wieder ein
Spiel vor, das jedom gefallen konnte. Gutes Zu= und Abſpielen der
Hin=
termannſchaft mochte dem Sturm, der ohne ſeinen verletzten Möſer
ſpielte, behagen, deun ſeine ſchnellen Angriffe waren immer gefährlich.
V. f. R. II. Mannſchaft—Groß=Gerau 5:2.
Die II. Elf des V. f. R. weilte in Groß=Gerau und holte ſich einen
ſchönen 5:2=Sieg nach Hauſe. Mit dieſem Reſultat hat dieſelbe wieder
bewieſen, daß ſie in kompletter Aufſtellung ſchwer zu ſchlagen iſt.
Polizei=Sportverein Darmſtadt—Fußballverein 1911 Michelſtadt
1:1 (0:0).
Einen unerwarteten Punktverluſt erlitt geſtern der
Polizeiſport=
verein, da es dem Fußballverein 1911 Michelſtadt gelang, durch
auf=
opferndes Spiel ein unentſchiedenes Reſultat herauszuholen. Das Spiel
wurde durch den herrſchenden Wind ſtark beeinflußt; die techniſche
Ueber=
legenheit der Polizeiſportler machte Michelſtadt durch eifriges und
hin=
gebungsvolles Spiel wett. Taktiſch richtig war es ferner, daß
Michel=
ſtadt die geſamte Läuferreihe und meiſtens auch die Verbindungsſtürmer
i die Verteidigung zurückzog, ſodaß die fortwährenden Angriffe des
Polizeiſportvereins immer im letzten Augenblick ſcheiterten. Falls
Michelſtadt weiterhin den Energieaufwand aufbringen kann, wie in
dte=
ſem Spiele, ſo wird ihnen noch mancher Punkt ſicher ſein.
Handball.
Deutſche Turnerſchaft; Main=Rhein=Gau. Langen—Pfungſtadt 4:1 (2:1).
Mik einem ſchönen Spiel und von ſeiten Langens wohl mit dem
beſten in der letzten Zeit wurde die Spielreihe 1926/27 beendet. Langen
hatte ſeinen großen Tag und im ähnlichen Verhältnis, wie man Teile
ſeiner Mannſchaft loben kann, waren bei Pfungſtadt Schwächen
feſtzu=
ſtellen. Ueber beiden Parteien ſtand Meyer=Eberſtadt und machte alle
Befürchtungen, die einen harten Kampf vorausgeſehen hatten, zu nichte.
Langs Anwurf wurde abgefangen, vom eigenen Läufer unglücklich in den
Torraum gefauſtet: 16,50 Meter von Pfungſtadt zum billigen Tor in der
erſten Minute verwandelt. Bald darauf dieſelbe Torgelegenheit für
Pfungſtadt, die aber verſchoſſen wurde. Dann waren beide Parteien
voll im Spiel. Kaum hatten Doll=Werner geklärt, die die Pfungſtädter
Der deutſche Motorſport 1927.
Die Terminliſte der deutſchen Motorradſportgemeinſchaft ſieht an
Straßenwettbewerben für das laufende Jahr nicht weniger als 101
reſervierte offene bzw. internationale Veranſtaltungen vor; immer noch
des Guten etwas zu viel, gegen das Vorjahr bedeutet jedoch die Zahl
ſchon eine nicht unweſentliche Abſchwächung. An offenen
Veranſtal=
tungen kommen insgeſamt 12 zur Erledigung, darunter die acht zur
Deutſchen Meiſterſchaft zählenden Rennen. International gibt es
einige ganz große Rennen. An erſter Stelle ſteht der zum erſten Male
in Deutſchland ſtattfindende Große Preis von Europa, dev
am 3. Juli auf dem Nürburg=Ring ausgefahren wird. Dann kommen
am 30. und 31. Juli das Kolberger Bäderrennen und am
6. und 7. Auguſt der Kilometer= und Bergrekord in
Frei=
burg. Die wichtigſten Termine ſind nachſtehend wie folgt verzeichnet:
Spiel und Sport im Schnee.
Das neue Winterſpiel in Amerika, der Looping the Loop im Pneumatik=Reifen. Das Spiel
erfordert große Geſchicklichkeit.
Verteidigung diesmal durch ſichere Abwehr im richtigen Augenblick
üben=
ragten, ſo war Pfungſtadts Tor ſchon wieder in Gefahr. Linksaußen von
Langen erhielt den Ball, überrannte Pfungſtadts Läufer, ſteuerte nach
der Mitte, umſpielte nacheinander den Mittelläufer, beide Verteidiger und
ſchoß mhaltbar das erſte Tor für Langen. Von jetzt an verſagte
Pfung=
ſtadt. Nicht techniſch fondern durch mangelnde Ueberlegung. Das Spiel
konnte nur ausgeglichen werden durch doppelte Bewachung der linken
Sturmſeite von Langen und für ſich ſelbſt durch raumgreifendes
Stürmer=
ſpiel. Weil diefes nicht geſchah, war Langen ſtets im Vorteil und ſein
Sieg ein verdienter. Sehr unſicher waren auch Pfungſtadts Torabwürfe.
So ſpielte der Torwächter zum Verteidiger, dieſer beſann ſich zu lange;
ſchon war ihm der Ball abgenommen und zum zweiten Tor für Langen
verwandelt. Seine beiden anderen Tore ſchoß es von rechts; auch ſie
waren zu verhindern. Hervorzuheben iſt vor allem die Behendigkeit der
Langener, äußerſt flink und deshalb gefährlich. Das Beſte leiſtete ihre
Verteidigung, denn im Druck aufs Tor war Pfungſtadt überlegen. Gut
waren noch beide Mittelläufer. Im übrigen war der Geſamteindurck ein
guter.
B=Klaſſe: Eberſtadt—Babenhauſen 4:2, ein verdienter Sieg des
Beſſ
ven.
C Klaſſe: Langen—Egelsbach 1:1.
Wolfskehlen hat ſeine erſte Mannſchaft neu zuſammengeſtellt und
ſchlug im Freundſchaftsſpiel die gleiche von Bickenbach (9 Mann)
empfind=
lich mit 13:2.
März: W. Eilenriede=Rennen (Meiſterſchaftslauf 175, 250, 750
Kubikzentimeter); April: 5. Pokal der Stadt Hannover (
Meiſten=
ſchaftslauf 350, 750, 1000 Kubikzentimeter); Mai: 8. Quer durch
Mitteldeutſchland, Hainbergrennen 1927, 7. Nordbayeriſche
Zuverläſſig=
keitsfahrt, Rund um Berlin. — 22. Wiesbadener Automobilturnier,
Oſtmärkiſches Straßendreieck, Solitude=Rennen (Meiſterſchaftslauf 350,
500, 1000 Kubikzentimeter). — 29. Dreiecksrennen Speyer 1937. Junig=
12. Dreiecksrennen Marienberg (Meiſterſchaftslauf 175, 350, 500
Kubih=
zentimeter). — 19. Eifelrennen (Eröffnungsrennen auf dem
Mürburg=
ring), Marburger Bergrennen. — 26. Oſtſeepokal Swinemünde (
Meiſter=
ſchaftslauf) 250, 750, 1000 Kubikzentimeter). Juli: 3. Großev
Preis von Europa der Fédération internationale des Clubs
Motorcheliſtes auf dem Nürburg=Ring (international). — 10. 8.
Gabel=
bachrennen, Bergrennen Hohe Wurzel. — 12. bis 17. Sechstagefahrt
des D. M. V. — 30. und 31. Kolberger Bäderrennen (international).
Auguſt: 6. und 7. Freiburger Kilometer= und Bergrekord (
inter=
national). — 15. und 16. Nürburgrennen. — 21. Schleizer
Dreiecks=
rennen (Meiſterſchaftslauf 250, 350, 1000 Kubikzentimeter). — B. bis 27.
ADAC.. Reichsfahrt für Krafträder 1927. — 28. Dreiecksrennen im
Moritzburger Wald. September: 4. Dreiſtädtefahrt Frankfurk
a. M. (Meiſterſchaftslauf 175, 250, 500 Kubikzentimeter). Durch Schleſiens
Berge. — 11. Avus Rennen (Klub=Meiſterſchaft), Naumburger
Berg=
prüfungsfahrt. — 18. Buckower Dreieck (Meiſterſchaftslauf 175, 500, 750
Kubikzentimeter), Ruſelbergfahrt 1927. Oktober: 2. Mannheimen
Dreiecksrennen.
amt war ſchon im Altertum bekannt.
Aus dem märchenhaſten,
farbenpräch-
tigen Orient kam er nach Europa. Aber
wegen ſeiner Koſtbarkeit war er nur den mit
irdiſchen Gütern beſonders Geſegneten
zugäng=
lich; ihn zu tragen galt viele Jahrhunderte
hin=
durch als ein Vorrecht.
Erſt die Möglichteit maſchineller Herſtellung
ſchuf hierin Wandel. Auch Minderbemittelte
können heute Samttleider tragen, die nicht nur
wegen ihrer ſchmeichelnden Schönheit, ſondern
auch wegen ihrer faſt unbegrenzten Daltbarkeit
beſonders beliebt ſind. / Die älteſte und größte
Samtfabrit der Welt iſt die
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Das Herz der Fettleibigen (anatom. Aufnahme)
Setzt sich beim Menschen Fett an. so zieht
sich dieses Fett nicht nur über den ganzen
Körper, sondern es umgibt auch das Herz mit
einem wuchernden Fettmantel. Außerdem
eind die Herzklappen, die Herzmuskeln und
die Muskelbündel von Fett durchsetzt. Dieses
Fett hindert das Herz an seinen
Zusammen-
ziehungen und schließlich erlahmt es, so daß
Herzschwäche und Kurzatmigkeit in
gestei-
gertem Maße eintreten. Die Arbeit die einHerz
zu leisten hat, ist geradezu ungebeuerlich. Mit
jedem Schlage pumpt es !/,,Liter Blut durch
die Adern, das sind in der Minute 7 Liter und
10000 Liter in 24 Stunden. Und nicht genug
damit: die dicken Fettschichten beherbergen
ebenfalls unzählige Blutadern, und dem
Herzen liegt es ob, auch durch diese dünnen,
vom Fett zusammengepreßtenAdern das Blut
zu pumpen. Lockern Sie deshalb das
Fettge-
webe Ihres Körpers auf! Nehmen Sie den
„Punkt-Roller” zur Hand und bearbeiten Sie
den Körper damit täglich nur 5-10 Minuten!
Sofort werden Sie spüren, daß das Blut durch
das Geäder leichter pulsiert. Sie fühlen sich
frischer und jünger. Das Herz schlägt leichter
und ist entlastet.
Auf keinem anderen Wege kann der
Kör-
per Fett ansetzen oder ausscheiden, als aus
dem Blute und durch das Blut. Fließt das
Blut zu langsam durch die Adern, was bei den
Korpulenten fast immer der Fall ist, so
spricht man von ungenügendem Stoffwechsel.
Die Folge ist eine weitere Ablagerung von
Fett in immer größerem Maße, und langsam
stellt sich Rheuma, Gicht, Zucker oder
Ar-
terienverkalkung ein. Ist jedoch der
Blut-
kreislauf kräftig und lebhaft, so kann sich
kein weiteres Fett ansetzen.
Normales Herz (anatom. Aufnahme)
Chefarzt Prof. Dr. med. J. Ferrug schrelbt:
Unter all den bis zur Gegenwart
angeprie-
senen Mitteln zur Beseitigung der
Fettleibig-
keit, ohne irgendwelche physologische
Stö-
rungen der lebenswichtigen Organe
hervorzu-
rufen, gibt es keines, das dem „Punkt-Roller”
zur Seite gestellt werden könnte. Alle
inner-
lichen Arzneien, selbst wenn sie auch einen
gewissen Grad von Abmagerung
herbei-
führen, die mitunter ganz unmäßig einsetzt,
können sehr erhebliche Nachteile
hervor-
rufen, die einen sehr gefährlichen Einfuß auf
Magen und Nieren ausüben. Der „Punkt-
Roller”” bringt die Zirkulation des gesamten
haarfeinen Hautnetzes in Gang und regt es zu
erhöhter Tätigkeit an, begünstigt die
Aufzeh-
rung u. Fortschaffung des ſett. Zellengewebes.
Nicht allein der Körper wird erleichtert
von seiner Uberlast an Fett, sondern auch
das Herz. Auch zögere ich nicht, diese
hervor-
ragende Methode der pneumatischen Massage
als ein absolut sicheres, unschädlich u schnell
wirkendes Mittel fürFettleibige zu empfehlen.
Man kennt die Wirkung der Massage, doch
ist dle Selbstmassage mit dem „Punkt-Rollere
noch weit darüber zu stellen. Prof.Dr. J. Ferrug.
10 Minuten haben Sie sicher übrig, wenn es
gilt, ihren Körper mit neuer Lebenskraft und
Energie zu erfüllen, und die einmalige
Aus-
abe von 12,50 M. oder 17,50 M. (stärkere
Wirkung) wird gegenüber dem Zuwachs an
Lebensfreude auch kein Hindernis für Sie sein.
Besorgen Sie sich deshalb den „Punkt-
Roller”” sofort und achten Sie auf die
Schutz-
marke „Punkt auf der Stirn”, denn nurdieser
Apparat hat die patentierten wirksamen
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
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Birrein
Bautte
Südweſideutſcher Baumarkt.
Im. Der ſüdweſtdeutſche Baumarkt ſteht gegenwärtig im Zeichen
ſaiſonmäßiger Stille, die allerorts einen ſtarken Rückgang der
Beſchäf=
tigung gebracht hat; großenteils ruhen, durch die Witterung bedingt,
die Bauarbeiten vollſtändig. Das verfloſſene Jahr, namentlich deſſen
zweite Hälfte, hat einen lebhaften Aufſchwung der Bautätigkeit
ge=
bracht, der ſich wohl auch in dieſem Jahre, ſobald es die jahreszeitlichen
Verhältniſſe geſtatten, fortſetzen wird. In den einzelnen Städlen wurde
eine rege Bautätigkeit, namentlich auf dem Gebiete des Wohnungs=
und Straßenbaus, entfaltet. Die anhaltende Geldknappheit einerſeits
und die noch nicht gänzlich beſeitigte Wohnungsnot andererſeits brachten
es mit ſich, daß vorwiegend der Wohnungsbau gefördert wurde, während
die Erſtellung von Geſchäftshäuſern und Induſtriebauten mehr
verein=
zelt blieb. Auf dem Wege von Notſtandsarbeiten wurden zahlreiche
Straßenneu= und =ausbauten durchgeführt bzw. begonnen. Neuerdings
nimmt der badiſche Staat eine Anleihe auf, von welcher eine
beträcht=
liche Summe für den Ausbau der Straßen, der dringend notwendig
er=
ſcheint, Verwendung finden wird.
Im Bauhandwerk hat ſich während der letzten Wochen der
Geſchäfts=
gang verſchlechtert. Die Abſatzkriſe in der Bauſtoffinduſtrie hat ſich noch
verſchärft; in der Steininduſtrie nahm die Arbeitsloſigkeit weiter zu.
Die Baumaterialienpreiſe haben keine nennenswerten Veränderungen
er=
fahren. Die Bauholzpreiſe haben angezogen; ſie ſtehen in keinem
Ver=
hältnis zu den bei Submiſſionen zu erzielenden Preiſen. Die Lage am
Schnittholzmarkt läßt zu wünſchen übrig. Der Konkurrenzkampf am
Bauſtoffmarkt hat an Schärfe zugenommen und die Preiſe gedrückt. In
den meiſten Betrieben der Hartſteininduſtrie wird auf Vorrat gearbeitet.
Das Exportgeſchäft iſt unbefriedigend. — Die Ausſichten für das
Früh=
jahr werden im allgemeinen nicht ungünſtig beurteilt. Man hofft, daß
im Frühjahr die Bautätigbeit wieder rege einſetzen und den
Arbeits=
markt entlaſten wird.
Süddeutſcher Kohlenmarkt.
Im Koksgeſchäft iſt nach Zurückgang der froſtigen Witterung, die
in der Zeit um Weihnachten eine lebhafte Nachfrage für den Hausbrand
hervorrief, wieder verhältnismäßige Ruhe eingetreten. Da der Handel
ſich nirgendswo größere Kursvorräte hinterlegt, ſind auf den
oberrhei=
niſchen Lägern des Syndikates noch große Kursbeſtände vorhanden.
Man rechnet mit deren Abnahme in erſter Linie durch die Induſtrie
des Hinterlandes, der Plätze Guſtavsburg, Frankfurt, Worms,
Mann=
heim=Ludwigshafen, Rheinau. Nach heutiger Ueberſicht ſcheint der
Kursbedarf der Induſtrie doch nicht in erwardetem Maße einzutreten,
ſo daß alle Aufträge flott erledigt werden. Ab Zeche ſtellt ſich die
Lie=
ferlage in Koks nicht ſo günſtig dar, beſonders Perlkoks und
Brech=
koks II ſind ſchwer zu erhalten. Knapp ſind nach wie vor
Fettfein=
kohle, deren Anfall bei ſteigender Koksproduktion in entſprechendem
Um=
fange zurückgeht. Da zudem in erſter Linie die Gaswerke als
Abneh=
mer in Frage kommen, wird die Induſtrie gut daran tun, dieſe
Tat=
ſache noch einige Zeit in Rechnung zu ſtellen. Fettnußkohlen der groben
Körnungen für den Hausbrand werden wieder beſſer geliefert.
Allge=
mein kann bei der Erledigung durch Aufträge in dieſer Sorte mit einer
Friſt von drei Wochen gerechnet werden. Schwieriger ſind die
Beſchaf=
fungsmöglichkeiten in Keſſelkohle, wobei nicht außer acht gelaſſen werden
darf, daß die Nachfrage nach den für dieſen Zweck in erſter Linie in
Frage kommenden Nußkohlen 3 und 4 in den letzten Monaten erheblich
zugenommen hat. Hier muß ſchon durchſchnittlich wit vier Wochen
Lie=
ferzeit gerechnet werden, doch ſind in den letzten Wochen Notſtände, die
zur Vermeidung der Betriebsſtillegung oder =einſchränkung ein
Eingrei=
fen des Reichskohlenkommiſſars erforderlich machte, nirgends mehr
ein=
getreten, zumal zur Aushilfe immer Förderprodukte, ferner Fett= und
Gasflammkohlen (Förderkohlen, melierte und beſtmelierte) in
genügen=
dem Umfange ſtanden. In Anthräzitnußkohlen wird wieder flott
ge=
liefert. Begünſtigt wird dieſe Entwicklung durch die warme Witterung.
Im allgemeinen läßt ſich hinſichtlich der Verſorgung Südweſtdeutſchlands
ſagen, daß die erſte Erleichterung mit dem Tage eintrat, als die
Pfalz=
verſorgung wieder zum großen Teil von der Saar übernommen wurde.
Die hierdurch freiwerdenden Mengen Ruhrkohle, die zugunſten der Pfalz
von dem für Heſſen, Baden und Bayern beſtimmten Kontingenten
ab=
gezweigt wurde, kamen wieder den vechtsrheiniſchen Gebieten zugute.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 31. Januar.
Die Börſe eröffnete in uneinheitlicher, vorwiegend rückgängiger
Tendenz. Die Spekulation verſtimmt vor allem durch den ungünſtigen
Ausfall des Haager Schiedsgerichtsurteils über die deutſchen
Auslands=
entſchädigugen, nur in Bankaktien ſammelte ſich ein anhaltend ſtarkes
Kaufintereſſe. Im Vordergrund der Geſchäftstätigkeit ſtanden hier
Deutſche Bank mit 27 (plus 8,75), Diskonto=Geſellſchaft 193,5 (plus 3,5).
Dies wird einmal darauf zurückgeführt, daß bei beiden Inſtituten eine
Dividende von 12 Prozent zu erwarten ſei, zum anderen aber auch
dar=
auf, daß der frühere Reichsfinanzminiſter Reinhold in die Verwaltung
der Deutſchen Bank eintreten würde. Auch Bauwerte begegneten
grö=
ßeren Zuſpruchs. Hoch und Tief 145 (plus 5); Wehß u. Frehtag 191.5
(plus 2,75); daneben Miag 170 (plus 7.,5). Stahltruſt 157 (minus 1,5);
Mannesmann 246,5 (minus 2). J. G.=Farben 325,5 (minus 2);
Metall=
bank 177,5: Scheideanſtalt 264,5 je minus 1,5. Schiffahrtsaktien waren
kräftig erholt. Hapag 175,75 (plus 3,75); Lloyd 162 (plus 2,5). Am
Elektromarkt AGG. 174,5 (minus 1,5); Bergmann 191 (plus 2,25);
Sie=
mens u. Halske 214 (minus 1). Am Anleihemarkt ſtanden Schutzgebiete
unter ſcharfem Abgabedruck bei einer Erſtnotiz 15,75 (minus 1,5). 5proz.
Kriegsanleihe 0,897.,5. —
Am Deviſenmarkt lag London gegenüber Kabelauszablung New
York ziemlich unverändert mit 4,8503. London-Paris 123,10; Madrid
29,91, ſpäter wieder 30 Peſeten, Mailand 1134/, Lire, Mailand 12.14;
Schweiz 25,21,75: Oslo 18,75 Kr. — Am Geldmarkt war Tagesgeld
ſehr geſucht bei einem erhöhten Satz von 4,5—5 Prozent, Monatsgeld
4), bis 6,75; Privatdiskont 4 Prozent. Induſtrieakzepte 42), Prozent.
Die Abendbörſe hatte ſtürmiſche Hauſſe in Montan= und
Bank=
aktien. Ganz beſonders große Gewinne verbuchten Harpener 221,50,
dann 223 (—10), Rheiniſche Braunkohle 307,50, plus 9.50, Gelſenkirchen
202, plus 6,75, Kali Aſchersleben 192, pl. 11. Auch Rütgerswerke auf
ſehr guten Geſchäftsgang vom Rheinland ſcharf geſucht, 152, pl. 5,50.
Die größten Steigerungen am Bankenmarkt verbuchten Dresdener Bank,
auf den großen Anleiheerfolg der Krupp=Anleihe 199, ſpäter 197, pl. 6,
Diskontogeſellſchaft 20, plus 5, Danatbank 298, pl. 7, jedoch Bayer.
Hypotheken und Wechſelbank 250, minus 2. Chemiewerte waren
eben=
falls f.ſt. Bei der Farbenaktie ſei doch mit einer erhöhten Dividende
zu rechnen, 329 G., pl. 4. Sonſt noch Th. Goldſchmidt 175,50, pl. 9,50,
und Scheideanſtalt 270, pl. 4,50. Bei Elektropapieren betrugen die
Stei=
gerungen 2—3 Proz., ebenſo bei Bauaktien. Sehr feſt ſind noch
Zell=
ſtoffwerte Waldhof 273, pl. 7, Aſchaffenburger Zellſtoff 190,25, pl. 3,75.
Anleihen waren zum Schluß etwas geſucht; 5proz. Kriegsanleihe 0,895
Geld. Auch Türkenrenten feſter; Zolltürken 182/e, plus 7/.. Ferner
waren noch Mexikaner gefragt. Bei hieſigen Banken ſind Londoner
Telegramme eingegangen, wonach die mexikaniſchen Zinsgelder
ein=
getroffen ſind. Das Abenddeviſengeſchäft zeigte keine nennenswerten
Veränderungen. Der Markkurs iſt 4,22 RM. je Dollar und 20,46¾ je
Pfund. Das engliſche Pfund iſt unverändert bei einem Gegenwert von
4,85 Dollar. Sonſt werden gegen London genannt: Paris mit 123,20
Fr., Mailand mit 113 Lire, Madrid mit 28,90 Peſeten.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 31. Januar.
Auf den heutigen Börſenverkehr wirkten mancherlei ungünſtige
Ein=
flüſſe ein. Verſtimmend wirkten die Haager Schiedsgerichtsentſcheidung
in der Entſchädigungsfrage, ferner Meldungen über weſentliche
Ver=
ſchlechterung der Freigabebill und endlich ſtarke Nachfrage nach Geld
über Ultimo zu 6 bis 7 Prozent bei gleichzeitigem Herauskommen von
Ware im Zuſammenhang mit der Prämienerklärung. Dagegen herrſchte
gute Meinung für Bankaktien in Erwartung der Jahresabſchlüſſe und
wegen des glänzenden Erfolges der Krupp=Anleihe. Bevorzugt war
Bank elektr. Werte mit über 13prozentiger Beſſerung. Ferner Deutſche
Bank, Dresdner Bank, Diskonto. B=deutende Steigerung erfuhren die
Kunſtſeideunternehmungen, Vereinigte Glanzſtoff und Bemberg, die 25
bzw. 35 Prozont ſtiegen. Stark gedrückt waren im Zuſammenhang mit
den eingangs erwähnten Gründen Schantungbahn, Deutſch=Atl. Tele=
graphen. Im übrigen wies die Kursbewegung große Unregelmäßigkeiten
auf. Am Montanmarkte beſſerten ſich Höſch, Köln=Neueſſen, Ilſe Berg=
bau anſehnlich, konnten dann aber unter dem Einfluß der vorwiegend
herrſchenden Unſicherheit ihren Gewinn nicht voll aufrechterhalten.
Kali=
werte waren meiſt feſt gehalten. In Goldſchmidt=Aktien fanden
an=
ſcheinend von guter Bankſeite Käufe ſtatt, die den Kurs von mehr als
6 Prozent erhöhte. Auch Riedel zogen an. Farbeninduſtrie lagen
ſchwächer. Deutſche Fonds neigten nach anfänglicher guter Behauptung
zum Nachgeben. Von ausländiſchen Renten ſind türkiſche Unifizierte und
Liſſaboner Stadtanleihe als gebeſſert zu erwähnen. Schiffahrtsaktien
verloren 2 bis 5 Prozent wegen des ungewiſſen Schickſals der
Freigabe=
angelegenheit. Sachwertanleihen und Vorkriegspfandbriefe leicht
abge=
ſchwächt. Im ſpäteren Verlauf machte ſich eine allgemeine Befeſtigung
bemerkbar.
Aſchaffb. Bellſtoff.
Augsb.=Nürnb. Maſch
Bamag=Mequin . . . .
Berl. E. W. Stamm.
Berlin. Karlsruhe Ind
Braunkohl.=Briketts.
remer Vulkan ....
Bremer Wolle..
Deutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen.
Deutſch.=Nied. Tel.. .
Teutſche Erdöl ....
Deutſche Petroleum.
Ilt. Kaliwerke.
Zonnersmarckhüte.
Tynamit Nobel.
Rektr. L eferung,
B. G. Farben".
2. Friſter. .
Taggenau Porz.
Eelſenk Gußſtahl.
G. f. elertr. Untern..
Salle Maſchinen. . . .
Han. Maſch. Egeſt.. . .
Hanſa Tampfſchf.. . .
184.875 31. 1.
185.— Hemoor Zement. 29. 1.
236.5 142. 142.5 Hirſch Kupfer 1122.— 64.75 Höſch Eiſen.. Aan 6 221.5 225.5 Hohenlohe Werke 32.68 109.25 106.5 Kahla Vorzellan 133 — 223.— 228 — Lindes Eismaſch. 203.75 146.— 146.— 1Lingel Schuh.. 90.— 190.— 191.— (Linke u. Hofmann .. 97.— 132. 124. — 1L. Loewe u. Co..... 323. 127.5 125.— . Lorenz 60.875 14.5 Niederlauſitzer Kohle 210.— 212.— 213.5 Nordb. Gummi. . 93.— 98 9 Crenſtein. .
. 1 45.75 140.5 141.5 Rathgeber Waggon .1116.— 140.— 139.— Rombacher Hütten. 13.125 160.25 159.75 Roſitzer Zucker. . . 110.— 182.25 85.75 Rütgerswerke .. . . . 1146.5 328.— 323.25 Sachſenwerk 145.— 115.— 116. Sächſ. Gußſtahl ... . /175 — 62.5 84.5 Siemens Glas.. 178.— 18 25 n Ver. Lauſitzer Glas". 158.75 232. 232 8751 Volkſtedter Porzell. 69.875 214.75 217.— Weſtf. E. Langendreer 65.875. 142.— 139.— Wittener Gußſtahl. 86. 1 239.75 228. — (Wanderer=Werke.... ! R
31 1.
124 125
209 5
32 25
135.—
202.—
93.—
98.75
329.75
163.—
215.—
147.75
116.5
13.—
146.—
143.—
17..—
69 5
65.87
64.755
268.5
Deviſenmarkt.
Amſterdam=R.
Euenos=Aires.
Prüſſel=Antw.
CSo ...
Kopenhagen
Stodkholm
Kelſingſors.
Italien ..."
London ....
Nen=York. ..
Paris.
Schneiz
2panien
168.42/168.841168.381 168.60
29. 1.
Geld Brief
1.738/ 1.743
158. 62 58.76
ios.56 108.8
Iie siltte.59/112.30/112.5
Hi2.43/112 7ütiz-esit2.7
o.527/10.637
H18.09 18.13118.09
120.44220.494/20.439
4.2145 4.2245/4-2145/4-2245
16 S1/ 16.6
st.08 18:.28
69 78 69.9
31. I.
Celd /Brief
1.741/ 1.745
59.615 58.735
108.94/109.22
10.598
18.60
91.08
70.59
10.638
8. 13
20.491
16.64
91.28
70.7
Wien 2.-Oft.ab
Prag. ..
Budapeſt( Beng
Japan. . . . .
Rio de Janeiro
Sofia ........
Jugoflavien .. .
Konſtantinopel
Liſſabon.
Danzig.
Athen.
Kanada. . .
Uruguav. .
1. J.
Geld /Brie
59.45 59.59
2.47 3/12. 513
73.73/ 73. 91
2.060/ 2.064
0.500/ 2.502
3.05 3.08
7.407/ 7.427
2.145 2.155
21 565 21.615
81.30 31.50
5.52 5.54
4.207/ 4.217
4.245/ 4.255
Dienstag, den 1. Februar
Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, Ende Januar 1977.
Die Stabilität des Franken iſt eine Tatſache geworden, mit der man
unbednigt rechnen muß. Es hat ſich erwieſen, daß die Spekulation keine
Kursſchwankungen wehr hervorruſen kann. Man erwartet daher keine
Ueberraſchungen mehr auf finanziellem G. biete. Die endgültige
geſetz=
mäßige Stabiliſierung iſt nur eine Frage der Zeit, oder richtiger eines
kurzen Zeitraumes. Das iſt die allgemein herrſchende Auffaſſung,
ob=
wohl eine gewiſſe Unſicherheit noch immer vorhanden iſt. Die
Möglich=
keit, daß der Frankenkurs auf einem von dem jetzigen verſchiedenen
Niveau feſtgeſetzt werden könnte, ſcheint manchen Wirtſchaftskreiſen noch
nicht ausgeſchloſſen. Die letzten Wochen haben aber für die Wirtſchaft
und beſonders für die Induſtrie eine Erleichterung gebracht, die ſich
nicht nur darin ausdrückt, daß Fabriken, bei denen man beſonders viel
über Abſatzſchwierigekiten klagte, den Vollbetrieb wieder aufgenommen
haben, ſondern darin, daß ein Umſchwung der Stimmung zum Beſſern
eingetreten iſt. Der Peſſimismus, welcher während Dezember in
ſämt=
lichen Wirtſchaftskreiſen fühlbar war, hat einem fühlbaren Optimismus
Platz gemacht. Auch die Stimmung bei der Effektenbörſe war
außer=
ordentlich günſtig. Die Hauſſebewegung ging bei einigen Gruppen bis
zu 30 Prozent. Die Geldknappheit hat aufgehört.
Auf dem Kohlenmarkt war die Konkurrenz der engliſchen Kohle
noch nicht zu fühlen, dagegen klagten die Kohlenbergwerke der nordiſchen
Departements über die deutſche und die belgiſche Konkurrenz. Die
fran=
zöſiſchen Kohlenpreiſe ſind zur Zeit übertrieben hoch. Bisher hat man
nur den Preis der Briketts reduziert. Der Kohlenmangel der letzten
Monate und das ſtarke Aufſchnellen der Preiſe brachte einen großen
Aufſchwung für faſt ſämtliche Unternehmungen. Dementſprechend ſind
Kohlenwerte ſehr geſucht.
Die Lage der Schwerinduſtrie iſt nicht ſehr giinſtig. Am inneren
Markt iſt der Geſchäftsgang lau, die Größe des Exports ſchwankt
be=
ſtändig, und die ausländiſche Konkurrenz wird auch hier lebhaft b.klagt.
Der Preis des Phosphoreiſens wurde um 60 Franken die Tonne
pedu=
ziert. Der Exportpreis des Gußeiſens zu 85 Schillings wurde zunächſt
beibehalten, wird aber wahrſcheinlich in Kürze auf 80 Schilling
redu=
ziert werden. Man behauptet ſogar, daß ſchon mehrere große Verkäufe
zu einem reduzierten Preis ſtattgefunden haben. Der Stahlmarkt liegt
ſehr ruhig. Die Preiſe ſind ſtark geſunken, und nach Anſicht der
Produ=
zenten kann der Preisrückgang nicht weitergehen.
Die Schieneninduſtrie ausgenommen, die mit Aufträgen geradezu
überſchüttet ſein ſoll, iſt der Geſchäftsgang in der ganzen Metallurgie
ziemlich ruhig; die Preisreduzierungen haben auf dem inneren Markte
bis jetzt noch keine belebende Wirkung zure Folge gehabt. Die
Schwer=
induſtriewerte haben faſt alle aus der allgemeinen Hauſſe profitiert;
man muß aber berückſichtigen, daß dieſe Werte unter allen Aktien noch
die verhältnismäßig niedrigſten Kurſe aufweiſen. Der übrige
Metall=
markt liegt ebenfalls ruhig. Die Kupferpreiſe ſind niedrig und der Be
darf an Kupfer iſt zur Zeit gering. Man erklärt die niedrigen Kupfer
preiſe auch damit, daß die Herſtellungskoſten bedeutend billiger gewor
den ſind, und die Geſellſchaften ſelbſt auch bei dieſen niedrigen Preifel
noch große Gewinne erzielen. Fir die Konjunktur auf dem Bleimarkt
war das Jahr 1926 bekanntlich ſehr ungünſtig. Die Preiſe ſind unauf
haltſam geſunken. Der ſtarke Rückgang des Verbrauchs wurde, abge
ſehen von dem engliſchen Streik, durch den Stillſtand in der Bauindu
ſtrie verurſacht. Die Bleivorräte ſollen noch immer groß ſein. Für
Zink dagegen erwartet man große Preisſteigerungen. Die meiſten Kar
fer haben ſich noch nicht eingedeckt, die Vorräte ſind gering. Eine wirl
liche Hauſſe wird aber wahrſcheinlich erſt dann einſetzen, wenn das neu
Syndikat der Produzenten zuſtande gekommen iſt. Der Zinnprei
ſchwankte in der letzten Woche ſehr ſtark. Man hat nämlich angenom
men, daß infolge der malgiiſchen Ueberſchwemmungen die Minen ſtar
geſchädigt wurden, und dadurch große Vorräte zugrunde gegangen ſird
Die diesbezüglichen Nachrichten erwieſen ſich aber als übertrieben.
Das Zuſtandekommen eines definitiven deutſch=franzöſiſchen Kall
Abkommens wirkte ſehr günſtig auf die franzöſiſche Kaliinduſtrie. Die
Eiſenbahngeſellſchaften werden in Kürze einen Vorzugstarif für Ka
transporte gewähren. Infolge der günſtigen Nachrichten haben die Kaßt
werte eine ſtarke Hauſſe erfahren. Der Verbrauch an Kunſtdünger ha
ſich bedeutend geſteigert. Die Preiſe mancher Sorten, beſonders be
Phosphats, wurde zwar herabgeſetzt, dieſe Preisermäßigungen entſpn
chen aber nur der Aufwertung des Franken. Die Lage der nordafrib
niſchen Phosphatinduſtvie hat ſich im Laufe des Jahres 1926 weſentli
gebeſſert, dagegen ſind die Ausſichten der chileniſchen Nitratinduſt;
ziemlich düſter. In Frankreich wie auch in den meiſten anderen Län
dern zieht man die künſtlichen Nitrate den natürlichen vor. Der Ve
brauch an natürlichem Nitrat belicf ſich im Jahre 1926 auf 290000 Jr
gegemüber 377 000 To. 1925. Der Rückgang beträgt alſo nahezu 25 Pn
zent. Die chileniſche Nitratinduſtrie produziert zur Zeit entſprechen
der geringeren Nachfrage nur 30 Prozent ihrer Lciſtungsfähigkeit. De
Verbrauch an künſtlichem Nitrat hat ſich dagegen von 480 000 Tonte
auf 650 000 Tonnen geſteigert. Aller Wahrſcheinlichkeit nach wird †
chileniſche Induſtrie der wachſenden Konkurrenz nur dann ſtandhale
können, wenn ſie von der Regierung wirkſam unterſtützt wird.
Die Lage am Kautſchukmarkt wird verſchieden beurteilt. Bekann
lich iſt der Preis des Kautſchuks im Laufe des verfloſſenen Jahres vo
3 Schilling 10 auf 1 Schilling 7 zurückgegangen. Dieſer ſtarke Pre
ſturz wird vielfach auf die Anwendung des regenerierten, wieder de
wendungsfähigen gebrauchten Kautſchuks zurückgeführt. Dieſe Auffa
ſung iſt aber wohl einſeitig, denn man überſchätzt die Bedeutung 9
regenerierten Kautſchuks, deſſen Herſtellung ziemlich teuer und bei de
jetzigen niedrigen Kautſchukpreiſen kaum mehr lohnend iſt.
vr. Brandfütler Kutsbelict Bonr dr. Bänane Lesf
Staatspaplere
sDeutiche
XZReichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 ...
7½ Bayer. Staats=
Sch. p. 1. 4. 20
G.% H. B.- Sch.
p. 1. 4. 29
Vl.7 Pr. St.=Sch.
p. 1. 5. 29
67,½ Pr. St.=Sch
P. 1. 10. 30.
720 Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7 29
72 Sächt Fr.=Sch.
p. 1. 7 3o
V.%Württ. F. Sch.
p. 1 7 29
1016
100.5
104.25
101.25
99.75
4% Türk. (Adm.)0:
4% Türk. Bagd. I
4% „ (Bagd.)I
4½ „ 1911 8ol
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen
368
Borkriegsanleihen
5% D Meichsanl.
4X D. Reichsan!
42 D. Schutzgb. v.
08 —11 u. 19..
4% D. Schußg. v. 14
4 % Preuß. Konſ.
P Vaden. ... ..
4FBayern ......
4½ Heſſen . .. ..
4 2 Württemberger
b) Ausländtſche
5BVos. C.B 1914
5%., 9.Inv. 1914
*½ 1898
(½½ 1909 .
42
6% Bulg. Tabal0:
0.905
1:.60
1 .60
0.90
B BON. Silberr.
Goldr
4x „einh. R. (kon
3 % Port./Spz) III
5% Rum.am. R.03
4½2-Gold. 13.
4% „ am.konv.
2 „ am. 05.. .
4½% Ung. St. 1915
½% . St. 1914
2 „ Goldr.
4% „ St. 10
4% „ Kronr.
3% „ Eiſ. Tor. G.
Außereuro-
päiſche
5 % Mex.am.inn
5% äuß 99
4% Gold 04,ſt
3½ kon). inn. .
4½½ Irrigat.
5 ½ Tamaulipas I
6.25
28
2.315
11.9
13
23.62
9.76
6.125
6.04
44% ON. Staarst.
v. 1913, Kdb. 1918
2 Oſ. Schn. 14
34.50
Sachwert=
Schuld-
verſchreibungen
Mit
Binsderech=
nung
10% Berl. 5.-Bk. G.
1½ „
„
6% Beu. St. Gold.
9½ Darmſt. St.-G.
8% D. Hyp.=-Bant
Meining., Goldpf.
1½ Frtf.-Oyp.-B-
Goldpfdbr
1% Frkſ. Bfbr.=Bi.
Goldpfdbr.
5% Frli. Bfbr.=Bk.
Goldpſdbr.. . ..
7% Komm. Lob. 2.,
Goldſchuldver
8% Heſſ. Ldb. Gold.
10% Komm• Elektr
Mark (Hag.) Gold
g‟ Mannh. St.=G
826 Mainz St.=G.
8‟‟ Naſſ. Lbv. Golt
3% Pfälzer H. B
Goldpfandbr.
8% Pforzh. St.-0
5% Pr. C..B. Tr.:3
Goldpfandbr.
8% Rh. Hyp .B. E
7.1.%Rh. St.-W. 25
10% Rh.=Weſtſ. B.=
Cr.=Bk. Goldpf
8%
32a Südb. B.-Fr.B.
Goldpfandbr. .
103.
105
104
93.5
Ohne Zins:
berechnung
5% Bdw. Kohl. 231 15 25
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſt. Brk.=Rog.
231 7.8
5% „Roggen 23
5% Pr. Kaliw. . 6.1
5% Pr. Roggenw.
5 %½ Südd. Feſt-B.G 2 485
Sorkriegs-Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bayr. Handelsb..
Bayr. Hyp. u. Wechſſ
Berliner Hyp Bt./ 17
Frrf. dyp.=Br.
17.20
Frii Pfandbr.=B 17a
damb Hyp.=B..
13.9
Mecklb Oyp. u. W
Meining. dyp. Bi 14.3.
Nordd Gr.Kr.=Bk
Pfälz. Hyp.=Bt.
Breuß. Bob. Kr.=B
Br. Cent.-D. Kr.-9. —
105
143
105
Ar z6
103
105
101
152
107
103
105
Breuß. Pfdbr.=B1
Rhein. Hyp.=B..
Rh.=Wſtf. B. -Cr.=B.
Südd. Bodenkr.
Württ Hyp.=Br.
Staatl. ob. prov.
garanti rt
Heſſ. B.=Hyp=B.
Landeskr. Caſſel
Naſſau Ldsb. . .!
Obligationen v.
Transportanſt.
4%Dux. Bdb Em.9
„ 93
4%
4% Eliſ.=Bahn ſtfr
42 Galiz. Carl=
Lud..B.
abg.
2 Laſchau=Sderb.
4%
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5½ Oſt. Nwſtb. 74
5% Oſt. Südb (L)
2.6% Alte
2,6% Neue.
50 Oſt.=Ung. 13/74
4% Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. . 1.b.8.E.
8½Oſt. .. 9. E.
3%Oſt. 1885
3%Oſt. „ Erg. Net=
2 Raab Oedbg. 8:
91
3%
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4% Rud. Silber ..
* Rud. Salzig.
½½ Anat. S.1
4½% Anat., S. 1I
(½½ Anat., S. 1III
5‟ Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec
(½%
14 5
15.2
14.3
8.95
Aré
9.3
7.3
14
20.10
33
28
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20.37-
32.50
1. 125
Jank=Altie=
Allg. D.=Kredi.:
Bad. Bk. . . . . . . . . 1185
Bk. f. Brauinb. . . .1243
Barmer Banſv. . .
Bay. Hyp.=Wchſ...
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat=Bk.
Deutſche Ban. ...!
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk. „
Disk.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
Franff. Bi.
Frif. Hyp.=Bk..
Frrf. Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Bank
Metallbank .. . . .."
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Creditbk. . . .
Rhein=Hyp.=Bk. .
Südo. Disc.-Geſ. 1173.2.5
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein
Vergwerf8-Akt.
Bochum.Bergb. ..
Buderus. ..
Dr. Lugemburg.
Eſchw. Bergw...
Gelienhirch. Bgw.
Harp. Bergb. . . .
JIlſe Bergb. St..
Genußſchein.
Kali=Aſchersieb.
Ralt. Salzdetfurt.
Fali. Weſterregln.
Flöcknerwerke .."
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder .. . .."
Oberbedarf .. ..
Stavi=Min.=Ant.
Bhöntr=Bergb
Rhein. Braunk.
Rhein. Stahlw..
A. Riebec Montan
Rombach. Hütte
186
2: 2
223
217
291
210.5
190
197
129
19 .5
191
151.5
235
216
275.5
187.5
156.75
252.7-
10.-
2.20
192
143
193
190.50
244.
1.3.5
Salzwerk Heilbr
Tellus Bgb..
Ver. Laurabütte
Ber. Stahlwerke
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.)
Henninger
Hereules. Heſſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz. Aktienbr. .
Schöfferhof(Bind.
Schwarz=Storchen
Eucher, Nürnberg
Zerger
146.
2.—8
21.
188.5
13.25
Akkum. Berlin.
Avler & Oppenh...
Aolerw. (v. Rleher
6 % E. A. G. Vzg. A.
5% A. E. G. Bzg.B.
A. E. G. Stamm .
Anglo=ont. Guano
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Buyr. Spiegel
Beck & bente
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Bing. Metall..
Brem.-Beſigh=Ol. .
Bür tenfbr. Erlang
Zement-Heibelv. ..
Seinent, Karlſtad:
Tement, Lothr.
Them. Albert.
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Them. Nilh
daimler=Benz A. G.
Dt. Eiſenhandel
Deutſche Eroöl .
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dingler, Zweibrück.
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157
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Lyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
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Gü. Bad. Wolle .
Email. u. rich .
Enzinger Werke
Eglinger. Maſch.
Ettlinger Spinn..
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr. Virmaſens
Farbenino. J. G.
Felten & Guilleau.
Feinmeh. (Jetter)
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof..!
Frlf.-N. Bok.u. W.
Fuh Waggon St.
seiling & Cie. ...."
Germania Linol.
Gelſenk. Gußſt.
Goloſchmidt, Th. . .
Gotha Waggon".
Grizner, Maſch.. . .
Grün & Bilfinger
Daienmühle Frift.
Hammerſen
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Hartm. & Braun . .
Heyligenſtaedt . ..
Hilpert, Armatur.
Hindrihs-Au ferm.
Hirſch, Kupfer ..
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Nammg. aiſerst.
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0.60
2.0
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130.5
19
Karſtadt, R.
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn
Konſerv. Braun ..
Krauß, Lokom.
Lahmeyer ..
Lech Augsburg...
Lederw Rothe
Spi harz.
Lingel Schuhw..
Löhnberg. Mühle
Ludwigsy. Walzm.
Lüdenſcheiv Metall
Lux. Induſtrie
Rainkraft Höchſt
Nars= 8. Nürnberg
Metallgef. Frkf.
Miag. Mühlenb.
Moenus. Stamm
Motoren! Dent.
Motorenf. Oberur
Rün h. Lichtſpiell
Leckar). Fahrz.
Neckarw. Eßlingen
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Siemens & Halske
Südo. Zmmob. . / 98.75
Fhüriny- Bief.-Geſ.
62
134.75
137
139
209.5
169.
73.75
97
75
114
133.25
130.2.
67
67.5
73
141
99.5
61.23
146.5
213
117.5
Weenc
Beithwerke
Ver. i. Chem. Ind.
Ver.d. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
Gumml. Bin.=Frlt.
Pinſel=Nürnberg
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Zerlicherungs-Alt.
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Di Eiſenb.=Gef
A. Hochbahn=BerI.
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Benuleta & Ellend.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 69
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Dui Barenhänder imn Sayte 2320.
Zeichen der Wiedergewinnung der Liquidität.
Das Jahr 1926 iſt für den Warenhandel — Großhandel
wie Einzelhandel — in entgegengeſetzter Weiſe verlaufen wie das
Jahr 1925. Das Jahr 1925 hatte, wie der linke Teil des
Schau=
bildes zeigt, in der zweiten Jahreshälfte eine ſtarke
Verſchlechte=
rung der Liquidität gebracht. Die Kurve der Konkurſe und
Geſchäftsaufſichten im Warenhandel, die wir in einer Zahl
zuſamengefaßt haben, ſteigt nämlich vom September 1925 ab
außerordentlich ſtark. Umgekehrt iſt das abgelaufene Jahr 1926
für den Warenhandel ein Jahr erfolgreicher
Wiedergewin=
nung der Liquidität geweſen. Vom März bis zum
Sep=
tember 1926 ſinkt die Kurve der Konkurs= und
Geſchäftsaufſichts=
fälle ſehr ſtark, um von da ab auf einem Niveau zu ſtagnieren,
das man wahrſcheinlich als normal wird anſprechen dürfen.
GESCHAFTSAUFSICHTEN
ID
udn UfARENANDEt — 1925— . +7926
RONRUASE Un0
GESCHAFrsaur SstCtTEN
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HANDEL wir
AHRLMCS- UND
GcmussssirTEin
jea gi e 7u1
Der rechte Teil des Schaubildes zeigt die Entwicklung der
Konkurſe und Geſchäftsaufſichten in den beiden größten Gruppen
des Warenhandels, dem mit Nahrungs= und
Genuß=
mitteln und dem mit Bekleidung und Schuhen. Fürs
Jahr 1925 liegen entſprechende Angaben nicht vor, weil die
amtliche Statiſtik eine genauere Spezialiſierung der
Konkurs=
ſtatiſtik erſt ſeit Januar 1926 vornimmt.
Wiriſchaftliche Rundſchau.
Zeichnungsbeginn auf die 5prozentige auslosbare Reichsanleihe. Am
Donnerstag beginnt die Zeichnung auf die 5prozentige auslosbare
Reichs=
anleihe, von der 300 Millionen RM. von einem Bankenkonſortium feſt
übernommen ſind und zum Kurſe von 92 Prozent aufgelegt werden. Für
die reſtlichen 200 Millionen RM., die für den dauernden Beſitz von
Neichsſtellen vorgeſehen ſind, iſt, wie wir erfahren, eine
Sperrverpflich=
tung von 9 Monaten übernommen worden, ſo daß die zur öffentlichen
Zeichmung kommenden 300 Millionen RM. den ganzen zunächſt auf den
Markt kommenden Betrag darſtellen. Mit der Ausgabe einer weiteren
Reichsanleihe auf Grund der Haushaltsgeſetze iſt im laufenden
Kalender=
jahr nicht zu rechnen. Die Stückelung der nach § 1807 des Bürgerlichen
Geſetzbuches mündelſicheren Schuldverſchreibungen zeigt Stücke von 100,
200, 500, 1000, 2000, 5000. 10 000 und 20 000 RM.
Ueberzeichnung der Krupp=Anleihe. Die Zeichnung für die deutſche
Tranche von 45 Millionen Reichsmark der Krupp=Anleihe mußte ſofort
nach Eröffnnug geſchloſſen werden, weil allein die Anmeldungen für
Stücke mit ſechsmonatiger Sperrverpflichtung das zur Verfügung
ſtehende Material um ein Vielfaches überſtiegen. Das Ergebnis der
Emiſſion iſt ein über alles Erwarten günſtiges. — Der 15 Millionen
betragende holländiſche Abſchnitt der 6prozentigen Obligationsanleihe der
Krupp A. G. wird am 4. Februar zu 93½ Prozenr aufgelegt werden.
Verein für chemiſche Induſtrie A. G., Frankfurt a. M. Wie uns
die Verwaltung mitteilt, ſind die bereits vor einiger Zeit von uns
ge=
meldeten Verhandlungen nunmehr mit Erfolg beendet. Zwiſchen der
Frankfurter G. ſellſchaft und der holländiſchen A.G. Allgemeene Norit
Maatſchappif in Amſterdam iſt ein Abkommen getroffen, wonach die
gemeinſamen Intereſſen von aktivierter Kohle durch einen 30jährigen
Intereſſengemeinſchaftsvertrag vereinigt werden. Gleichzeitig übernimmt
der Verein für chemiſche Induſtrie, Frankfurt a. M., die in Deutſchland
gelegenen Erzeugungsſtätten von aktivierter Kohle. Einen der
Haupt=
gründe des Zuſammenſchluſſes, der auf das geſamte Gebiet des
Patent=
weſens und der techniſchen und wiſſenſchaftlichen Errungenſchaften
bei=
der Geſellſchaften umfaßt, bildet das gemeinſame Intereſſe an
Holz=
kohle, einem der wichtigſten Erzeugniſſe des Vereins für chemiſche
In=
duſtrie. Die bedeutende Erzeugung der Norit ſteht vor einer neuen
Erweiterung, die ohne die breite Rohſtoffgrundlage für Holzkohle des
Vereins für chemiſche Induſtrie Schwierigkeiten begegnen würde. Zur
Durchführung der Angelegenheit wird vorausſichtlich bei dem Verein
fur chemiſche Induſtrie auch eine Kapitalsveränderung nötig werden,
wozu Anfangs März eine außerordentliche Hauptverſammlung
einbe=
rufen werden ſoll.
J.G. Farbeninduſtrie A.G., Frankfurt a. M. Die Geſellſchaft hat
ſih entſchloſſen, demnächſt die Aufwertungsobligationen der
Fuſions=
geſeilſchaften zur Rückzahlung aufzurufen. Es handelt ſich dabei um
einen Geſamtbetrag von zirka 10 Millionen. Hinſichtlich des
Rückzah=
lungsbetrags wird die Spruchſtelle von der J. G. Farbeninduſtrie
an=
gerufen.
Hofbrauhaus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay A.=G., in Hanau a. M.
Die in Frankfurt a. M. abgehaltene H.=V. genehmigte den bekannten
Abſchluß, der die Ausſchüttung einer Dividende von 10 Prozent (i. V.
9 Prozent) vorſieht.
Vereinigte Kapſelfabriken Nackenheim=Beherbach Nachfolger A.=G.,
Nackenheim a. Rhein. Die Hauptverſammlung genehmigte 8 Prozent
Dwidende auf die Stammaktien aus RM. 67 720 Reingewinn. Das
Anienkapital der Geſellſchaft wird mit Wirkung des laufenden
Geſchäfts=
ſares (31. Oktober 1927) auf RM. 600 000 durch Einziehung von 1000
Vorratsaktien ermäßigt, da der Gegenwert dieſer Aktien, nicht mehr
benotigt wird. Hierdurch ergibt ſich ein kleiner buchmäßiger Gewvinn,
der in dem Endergebnis zum Ausdruck kommt.
Der Verkauf der Hannoverſchen Bodenkreditbank Gisher Michael=
Nonzern.) Ein Bankenkonſortium beſtehend aus den Firmen J. Drey=
Is u. Co., Verlin=Frankfurt a. M., Gebr. Arnhold, Dresden=Berlin, der
Dildesheimer Bank, Hildesheim, der Firma A. F. Waſſermann, Berlin=
Damburg und der Firma Ephraim Meher und Sohn, Hannover, hat
Lund M Prozent des A. K. der Hannoverſchen Bodenkreditbank in
Hildes=
heim aus den Händen des Michael=Konzernes zu einem Ueberparikurs
tauflich erworben. Das Inſtitut verfügt bekanntlich über ein lebhaftes
Pſandbriefgeſchäft und rechnet damit, wie im Vorjahre, eine Dividende
Son 13 Prozent verteilen zu können. Mit Rückſicht auf die Ausdehnung
des Geſchäftsbereiches ſoll eine Kapitalserhöhung notwendig
gewor=
den ſein.
Eine neue Elektrizitätszentrale im Unterelbegebiet. Nach einem
Damhirger Telegramm iſt in Hamburg die Errichtung einer neuen
Sienrizitätszentrale für das geſamte Unter=Elbe=Gebiet beſchloſſen
wor=
ven. Das neue Werk wird von der A.E.G. bei Schulau errichtet und
über 12 Millionen Reichsmark koſten.
verabſetzung des öſterreichiſchen Einlagezinsfußes. Nach langen
Derhandlungen haben die öſterreichiſchen Banken beſchloſſen, entſprechend
der vor kurzem erfolgten Herabſetzung der Nationalbankrate den Zins=
148 fur Geldeinlagen auf Einlagebücher mit Wirkung vom 29. Januar
N 4 Proz. auf 4½ Proz. zu ermäßigen. Der Zinsfuß für Kaſſen=
Mine beträgt nunmehr bei 30tägiger Kündigungsfriſt 434, bei 60
tägi=
ger Kündigungsfriſt 5½ Prozent.
Belgiſch Luxemburgiſcher Außenhandel im Jahre 1926. Die Belgiſch=
Zuxemburgiſche Handelsbilanz ſchließt im Monat Dezember mit einem
Deiizit von 39 Millionen Francs ab gegen einen Exportüberſchuß von
129 Millionen Frs. im Monat Oktober und 55 Millionen Frs. im Monat
Nobember. Die Ausfuhr nach England war während dieſer beiden
Sireikmonate beſonders ſtark. Im Jahre 1926 ſteht einer Einfuhr von
3000 Mill. Frs. eine Ausfuhr von nur 19 500 Mill. Frs. gegenüber,
2 daß die Handelsbilanz für 1926 mit 3500 Mill. Frs. paſſiv bleibt.
Deutſche Roheiſeneinfuhr in Amerika. Schneller als die beteiligten
ArEſe erwarteten, hat ſich das amerikaniſche Schatzamt entſchloſſen, auf
EEe Einfuhr von deutſchem Roheiſen die Dumpingklauſel in Anwendung
** Ormgen, die ſich auf Artikel 316, Abſatz a bis G des amerikaniſchen
Zolktarifes ſtützt. Danach kann künftig die Einfuhr von deutſchem Roh=
Ehen entweder mit Zuſhlagszöllen von mindeſtens 10 bis höchſtens
D½ Prozent des Wertes belegt werden, wobei ſich der Wert nach
Amntel 402, Litel 4 des Zollgeſetzes richtet, oder aber es kann die
Ein=
fuhr gänzlich unterſagt werden.
Vom Holzmarkt.
Man gewinnt nach den letzten Verkaufsterminen der Staatsforſten
den Eindruck, daß die Aufgabe der Gebote vielfach etwas vorſichtiger
er=
folgt iſt. Eine vernünftigere Kalkulation iſt notwendig, denn ſchon
er=
klären größere Bauunternehmer, daß eino weitere weſentliche Steigerung
der Schnittholzpreiſe viele Geſchäfte am Baumarkt unmöglich machen
würde. Die Schnittholzkäufe im Platzholzhandel ſind zur Zeit
unter=
nehmungsluſtig, im Gegenſatz zu den Intereſſenten im Konſum, die nur
bei eintretendem Bedarf einkaufen und ſich nicht auf Lager nehmen
wollen. Auch im Tiſchlereigewerbe ſind die Verhältniſſe nur
unbedeu=
tend beſſer geworden. Allerdings bemerkt man überall, daß ſich die
Lagerbeſtände in fertigen Möbeln lichten. Die Abzahlungsgeſchäfte
haben wieder beſſer zu tun. Freilich hängt die Lage der Möbelinduſtrie
für 1927 m hohem Grade von der Geſtaltung des Baumarktes ab. Zu
erwähnen iſt, daß auch i Polen die Kaufluſt der deutſchen
Sägewerks=
beſitzer nachgelaſſen hat. Man will zunächſt einmal die Entwicklung der
Schnittholzpreiſe abwarten und dann zu den Angeboten Stellung
neh=
men. Ein größeres Waldgeſchäft in Wolhynien wurde an eine
Char=
lottenburger Holzgroßhandlung verkauft, es handelt ſich um Kiefern,
Eichen und Erlen. Das Geſchäft mit England iſt ſehr viel flauer
ge=
worden, da lie heutigen Rohholzpreiſe und die dadurch bedingte
Bewer=
tung der Schnitthölzer keinen Anreiz zu Abſchlüſſen über Danzig bieten.
Aſtreine Seiten wurden in größeren Mengen nach Hannover,
Oeynhau=
ſen und Herford verkauft. Das Eichengeſchäft beginnt ſich zu beleben.
Auch trockene Furniers waren geſucht. Erlendickten wurden 8 und 10
Millimeter ſtark gefragt.
* Sonderzölle für deutſches Eiſen in Amerika.
Aus Amerika laufen Meldungen ein, wonach von jetzt ab eine
be=
ſondere Abgabe auf aus Deutſchland in den Vereinigten Staaten
ein=
geführte Roheiſenerzeugniſſe erhoben werden ſolle. Gleichzeitig werde
die aus dem Sommer des vergangenen Jahres ſtammende Verordnung
über die Erhebung von Sonderzuſchlägen für deutſche Eiſen= und
Stahl=
produkte außer Kraft geſetzt. Dieſe recht unklare Meldung hat das
Auswärtige Amt veranlaßt, ſich ſofort mit dem deutſchen Botſchafter in
Waſhington in Verbindung zu ſetzen und ihn zu beauftragen, von der
amerikaniſchen Regierung Aufklärung zu verlangen. Die Amerikaner
glaubten ſeinerzeit, die deutſche Eiſen= und Stahleinfuhr mit beſonderen
Zollzuſchlägen belegen zu müſſen, weil angeblich die deutſche einſchlägige
Induſtrie ſtaatliche Subvention erhalte. Eine deutſch=amerikaniſche
Kommiſſion ſtellte feſt, daß die im amerikaniſchen Zolltarif vorgeſehene
Anti=Dumpingklauſel nicht angewendet werden könne, weil die
Reichs=
regierung der Eiſen= und Stahlinduſtrie keine Sonderzuwendungen
gewährt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 31. Jan. (Priv.=Tel.)
Weizen: Angeſichts des hauſſegünſtigen Wochenberichtes und
ge=
beſſerter Exportnachfrage ſtellten ſich die Eröffnungskurſe etwas höher
Als aber große Ankünfte gemeldet wurden, nahmen die Abgaben zu.
Die Termine ſchließen bis 1 C. niedriger.
Mais: Der Markt verlief in ſchwächerer Haltung auf die
Wochen=
ſtatiſtik, ſchleppende heimiſche Nachfrage und günſtige
Witterungs=
berichte. Die Termine ſchließen ½ C. niedriger.
Hafer: Der Markt verlief unter dem Einfluß von Weizen und Mais
ebenfalls in abgeſchwächter Haltung.
Baumwolle: Aus dem Ausland lagen erhöhte Notierungen vor,
außerdem nahm die Baiſſe Deckungskäufe vor, ſo daß der Markt in
ſtetiger Haltung begann. Dann überwogen jedoch die Abgaben der
Pflanzer und es trat auch auf die Zurückhaltung der amerikaniſchen
Spinnereien eine Abſchwächung ein.
Kaffee: Auf erhöhte ausländiſche Kabel und geringes braſilianiſches
Angebot erfolgten Deckungskäufe, ſo daß der Markt einen ziemlich
ſtetigen Verlauf nahm.
Zucker: Der Markt begann in ſtetiger Haltung, da höhere
aus=
ländiſche Notierungen vorlagen und Kuban Zurückhaltung übte. Im
Schlußverkehr trat eine Abſchwächung ein auf Liquidationen.
Kakao: Zuerſt überwogen die Verkäufe, die eine Abſchwächung
her=
vorriefen. Dann wurde die Haltung feſt auf die Feſtigkeit der
Loko=
preiſe und der lokale Handel die vorher abgeſtoßene Ware wieder
zurückkaufte.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 31. Januar. Das Angebot von
deutſchem Weizen macht ſich immer knapper und das wenig
herauskom=
mende Material findet bei den Provinzmühlen Unterbunft. Die leicht
er=
mäßigten Cifofferten für Plata=Weizen ließen den
Weizenlieferungs=
markt zu ½ bis 1 Mark niedrigeren Preiſen eröffnen, während prompte
Ware kaum eine Preisveränderung zeigte. Die Unternehmungsluſt iſt
im allgemeinen recht gering. Roggen iſt in Waggon=Ware faſt gar nicht,
in Kahnware nur vereinzelt angeboten. Die Preiſe erfuhren ſowohl für
Lieferungs= als auch für prompte Ware kaum eine vennenswerte
Ver=
änderung. Vom Auslande fehlte es dem Roggenmarkt an Anregung.
Roggen= und Weizenmehl haben bei unveränderten Preiſen ruhiges
Geſchäft. Für Hafer hielt die Feſtigkeit weiter an. Gerſte blieb ruhig.
Frankfurter Produktenmarkt vom 31. Januar. Der hieſige
Produkten=
markt eröffnete die neue Woche in erneut befeſtigter Tendenz, da die
feſten Kurſe der ausländiſchen Börſen einige Anregung boten. Das
Geſchäft war im allgemeinen ziemlich lebhaft. Roggen und Hafer
ſtan=
den wieder beſonders in Nachfrage, aber auch Roggenmehl konnte im
Preiſe anziehen, obwohl das Mehlgeſchäft nach wie vor ziemlich ruhig iſt.
Alle Futtermittel bleiben lebhaft gefragt, beſonders aber Kleie. Man
notierte: Weizen 29,75—30; Roggen 27—,25: Sommergerſte 26—27,50;
Hafer inl. 21,25—22: Mais 18,75—19; Weizenmehl 40,25—40,75;
Roggen=
mehl 38,25—38,75; Weizenkleie 13 50; Roggenkleie 13,50; Erbſen 35—65;
Linſen 50—90; Heu 9—10,25; Weizen= und Roggenſtroh drahtgepreßt
4,25—5: gebündelt 3,75—4: Treber 16,50—16,75.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Wie in den vergangenen Jahren veranſtaltet die Dresdner Bank auch
in dieſem Jahre, und zwar am 4. und 5. Februar 1927, im großen
Sitzungsſaal des ehemaligen Herrenhauſes eme Tagung des
genoſſen=
ſchaftlichen Giroverbandes der Dresdner Bank.
Auf der Leipziger Frühjahrsmoſſe wird diesmal eine anſehnliche
britiſche Sonderausſtellung im Ringmeßhaus ſtattfinden.
Der Entwicklung des Rohkupfermarktes entſprechend, hat die
Ver=
kaufsſtelle des Kupferblechſyndikats Kaſſel den Grundpreis der
Kupfer=
blechfabrikate mit Wirkung ab 15. Januar 1927 von 164 auf 166
Reichs=
mark erhöht.
Die Erſte Böhmiſche Glasinduſtrie A.G. in Bleiſtadt hat
unmittel=
bar beim New Yorker Bankhaus Lißmann u. Co. eine 30jährige, mit
7 Prozent verzinsliche Obligationenanloihe von 1,5 Mill. Dollar
auf=
genommen.
Nachdem die franzöſiſchen Kohlenpreiſe ermäßigt worden ſind, wird
in der kommenden Woche auch der Benzinpreis herabgeſetzt werden, und
zwar von 10,50 auf 9,50 ffrs. für die Kanne.
Das polniſche Stahlſyndikat hat die Einladung zu der am 3.
Fe=
bruar in Düſſeldorf ſtattfindenden Sitzung des Internationalen
Stahl=
kartells angenommen. Sie will ſich dem Kartell anſchließen, wenn die
ge=
forderte polniſche Quote bewilligt werde.
Wie die Leningrader „Prawda” meldet, hat das geologiſche Komitee
von ſeiner Filiale in Usbekiſtan die Mitteilung erhalten, daß im
Fer=
ganagebiet ein großes Naphtharevier entdeckt worden iſt, das ſogar nach
ſeinen Naphthamengen mit dem Bakurevier konkurrieren kann.
Die Einnahmen der Türkei im Jahre 1926 aus dem Petroleum=
Monopol dürften ſich nach vorläufiger Berechnung auf etwa 6 Mill.
Türkpfund belaufen, die Einnahmen aus dem Zucker=Monopol auf etwas
mehr als dieſe Summe.
Der Geſetzentwurf über die Schaffung eines Freihafens in
Konſtan=
tinopel iſt fertiggeſtellt. Der Entwurf ſchließt ſich im allgemeinen an die
Beſtimmungen über andere europäiſche Freihäfen an, beſonders den
Hamburger Freihafen.
Im Jahre 1926 hat der Kupferverbrauch in den Vereinigten Staaten
gegenüber dem Vorjahre von 1401 Mill. Ibs. auf 1584 Mill. Ibs.
zuge=
nommen.
Zur Ausfuhr nach Deutſchland zugunſten der Deutſchen Reichsbank
wurden weitere Dollars 4 989 000 Gold aus den Beſtänden der
Bundes=
reſervebank in New York angemeldet. — Zur Goldeinfuhr aus Japan
wurden Dollar zwei Millionen angemeldet.
Nach einem Bericht aus Ottawa hat ſich der kanadiſche Außenhandel
im Jahre 1926 gegenüber dem Vorjahr um 116 Mill. Dollar erhöht, und
zwar ſtieg die Einfuhr um 118 Mill. Dollar auf 1008 Mill. Dollar,
wäh=
rend ſich die Ausfuhr um 2 Mill. Dollar, auf 1268 Mill. Dollar
ver=
minderte.
Der japaniſche Rohſeiden=Verband, unterſtützt durch die japaniſche
R gierung ſowie die Silk Aſſociation of American, planen, ſür 1928 die
Einberufung einer internationalen Konferenz, die die Klaſſifizierung
der Rohſeide zum Gegenſtand haben ſoll.
Vieh=und Fleiſchpreiſe in Deutſchland
Die Bewegung der Vieh= und Fleiſchpreiſe iſt nur ſchwer
einheitlich zu erfaſſen, weil die Güte und Größe der Tiere, der
Futterzuſtand uſw. einen eindeutigen Vergleich unmöglich
machen. Gleichwohl herrſchen an den einzelnen Märkten
natür=
lich ziemlich feſtliegende Gebräuche, und die Beobachtung der
Preisbewegungen an einem Marktplatz bietet immerhin eine gute
Handhabe zur Beurteilung der geſamten Richtung der
Preis=
entwickelung.
1244
180
160
740
Schweinefleischpreise? Pne
2preise— sch U K hwe Rar At 9— Ochsel Wfe Se Vieh-und Fleischpreise in Berlin EeI 1924 1925 1926
120
80
In dem vorſtehenden Schaubild ſind die Berliner
Groß=
handelspreiſe für „vollfleiſchige, ausgemäſtete Ochſen höchſten
Schlachtwertes, ungejocht” und für „vollfleiſchige Schweine im
Gewicht von 80 bis 100 Kilogramm” dargeſtellt, ferner für
„Ochſenfleiſch beſter Qualität” und für „Schweinefleiſch in
hal=
ben Schweinen”
Die geſamte Preisbewegung zeigt im Laufe der letzten drei
Jahre einen ziemlich gleichmäßigen Anſtieg, deſſen Stetigkeit der
Hauptſache nach nur durch eine Teuerungswelle im Sommer
1925 unterbrochen wird. Bei den Schweinen iſt die
Preis=
bewegung etwas unruhiger als bei den Ochſen, doch iſt auch bei
dieſen Preislinien die ſtetig anſteigende Richtung deutlich
er=
kennbar. Die Preislinien für Fleiſch verlaufen natürlich im
weſentliche gleichartig wie die Viehpreiſe.
Viehmärkte.
Frankfurter Viehmarkt vom 31. Januar. Der Auftrieb des
heuti=
gen Hauptmarktes beſtand aus 232 Ochſen, 67 Bullen, 644 Kühen, 312
Färſen, 416 Kälbern, 152 Schafen und 4703 Schweinen. Ferner ſtanden
45 Kälber und 100 Schafe weniger zum Verkauf, während Schweine einen
Minderantrieb von 160 Stück verzeichneten. Bezahlt wurde pro Ztr.
Lebendgewicht: Ochſen 58—61, 52—57, 47—51, 43—46; Bullen 52—54,
47—51; Kühe 47—52 38—46, 31—37, 23—30; Färſen 57—63, 50—56,
42—49; Kälber 70—76, 60—69 5059; Schafe 45—50, 40—44; Schweine
von über 3 Ztr. Lebendgewicht 61—64, von 240—300 Pfund 61—64, von
200—210 Pfund 62—64, von 160—20 Pfund 63—65, von 120—160 Pfd.
56—60; Sauen 50—58. Marktverlauf: Rinder werden bei ruhigem,
Kälber bei ſchleppendem und Schafe bei lebhaftem Handel ausverkauft.
In Schweinen verbleibt bei gedrücktem Geſchäft Ueberſtand.
Mannheimer Viehmaukt vom 31. Januar. Dem heutigen Viehmarkt
waren zugefahren: 216 Ochſen, 108 Bullen, 287 Kühe, 310 Rinder, 540
Kälber, 65 Schafe und 2569 Schweine. Preiſe: Ochſen a) 56—58: b) 48
bis 51; c) 46—49; d) 38—42: e) 32—34: f) 30—32. Bullen a) 45—50;
b) 38—44: c) 32—36: d) 30—32. Kühe a) 46—50; b) 36—40; c) 28—34;
d) 14—18. Freſſer a) 57—60; b) 45—52: c) 38—42. Kälber d) 76—78;
() 70—74: d) 60—66: e) 50—56. Schafe b) 32—46. Schweine a) 66—67;
b) 66—67: c) 67—68: d) 64—65: e) 62—64; f) 62—64; Sauen 50—60. —
Marktverlauf: Mit Großvieh mittelmäßig, geräumt: mit Kälbern
mittel=
mäßig, langſam ausverkauft; mit Schweinen ruhig, Ueberſtand.
Wirtſthafts=Literatur
* Geld und Börſenweſen, von Prof. Dr. Georg Obſt. (Preis in
Ganz=
leinen geb. 11 Mk.) C. E. Poeſchel, Verlag, Stuttgart.
Geld, Bank und Börſenweſen erlebt mit ſeiner 23. Neuauflage —
ein Jubiläum, das mehr als Worte nicht nur den rieſenhaften Erfolg,
dem 100. Tauſend ſeit dem Erſterſcheinen des Werkes vor 25 Jahren —
ſondern hauptſächlich die enorme Bedeutung dieſes Buch’s beweiſt.
Wenn ein ernſt=wiſſenſchaftliches Werk in einer ſolch gewaltigen
Auf=
lage erſchienen iſt, dann muß ihm etwas eigen ſein, was dem lebendigen
Bedürfuis weiteſter Leſerkveiſe entſpricht. Und dieſe Eigenheit wohnt
Obſts Werk inne. Entſtanden aus der Praxis, unter vollſter
Beherr=
ſchung des Materials auf eigen erworbene Kenntniſſe in= und
ausländi=
ſcher Großbetriebe aufgebaut, und bei aller Wiſſenſchaft allgemein=
ver=
ſtändlich geſchrieben, bietet dieſes Buch des Profeſſors für
Betriebswirt=
ſchaftslehre an der Univerſität Breslau und ehemaligen Bankdirektors
Dr. Georg Obſt in ſeiner Klarheit und Gründlichkeit nicht nur all den
im Bankfach Tätigen, die beſtrebt ſind, ſich gediegenes Wiſſen anzueignen
und dadurch vorwärts zu kommen, eine unentbehrliche Grundlage,
ſondern außerdem auch allen Studierenden der Wirtſchaftswiſſenſchaften
und allen mit dem Wirtſchaftsleben irgendwie in Berührung kommenden
Perſonen, mögen ſie nun dem Kaufmannsſtande angehören oder Juriſten,
Beamter oder Techniker ſein. Eine reſtloſe Erfaſſung und Erkenntnis
der wirtſchaftlichen Vorgänge iſt eben nicht möglich ohne vorheriges
intenſives Studium aller, den Wirtſchaftsgang beeinflußender Momente
und ohne Kenntnis aller mit ihr zuſammenhängenden Faktoren,
ins=
beſondere das Geld, Bank und Börſenweſen, das man als das
Wirt=
ſchaftsſkelett bezeichnen kann, deſſen genaue Kenntnis vorauszuſetzen iſt.
Die Auslaſſungen des Organs des Zentralverbandes des Deutſchen
Bank= und Bankiergewerbes „Es gibt in der in= und ausländiſchen
Literatur kein Werk, das in ſo reichem Maße die Kenntnis des
Wiſſens=
werteſten auf dieſem Gebiete vermittelt, wie das von Obſt”, kann nur
unterſtrichen werden. Das Buch iſt heute tatſächlich jedem Tätigen,
jedem Studierenden und Wiſſenſchaftler unentbehrlich, beſonders, da ſtets,
wie auch die Neuauflage zeigt, alle wichtigen Neuerungen, die mit dem
Geld, Bank und Börſen zuſammenhängen, in dem dreiteiligen Werk
an der geeigneten Stelle bis auf die jüngſte Zeit berückſichtigt ſind, und
eine überſichtliche Inhaltsangabe ſowie ein alphabetiſches Sachregiſter
eine ſchnelle Information bei auftauchenden Zweif In ermöglicht. Der
Verfaſſer geht in ſeiner Annahme, daß ſein Werk ſeinen Zweck doch
er=
ſfillt hat, nicht irre. Das Buch muß als ernſte Quelle allen Wiſſens
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im Bank= und Geldweſen warm empfohlen werden.
Fünfundzwanzig Jahre im Dienſte der Berliner Kaufmannſchaft. Von
Prof. Dr. Max Apt. (Preis geheftet 12 Mk., Ganzleinenband 15 Mk.)
Sieben=Stäbe=Verlag G. m. b. H., Berlin=Zehlendorf,
Unter obigem Titel veröffentlicht der langjährige erſte Syndikus
der Korporation der Kaufmannſchaft zu Berlin und Kurator der
Handelshochſchule Berlin, Prof. Dr. Max Apt, ein umfangreiches Werk,
in welchem er von ſeiner 25jährigen Tätigkeit bei der Kaufmannſchaft
Rechenſchaft ablegt. Das Werk geht aber über den Gedanken einer
Auto=
biographie und eines lokalen Werkes weit hinaus und bringt eine ſolche
Menge fachlichen Materials, daß es für den zuknftigen Geſchichtsſchreiber
eine wahre Fundgrube bildet. Das Material gruppiert ſich zwanglos um
drei Hauptabſchnitte: Handelskammer Börſe und Handelshochſchule.
In dem Abſchnitt Handelskammer werden die jahrzehntelangen Kämpfe
geſchildert, welche zur Entſtehung der Handelskammer zu Berlin und
zur Umwandlung der altangeſehenen Korporation der Kaufmannſchaft
in eine Handelskammer geführt haben. Der zweite Hauptabſchnitt
be=
zieht ſich auf die Kämpfe um die Reform des Börſengeſetzes und auf die
Kämpfe um die Aufſicht und Verwaltung der Berliner Börſe. Der dritte
Hauptabſchnitt gibt eine authentiſche Geſchichte über die Entſtehung und
Entwicklung der Handelshochſchule zu Berlin, deren Anreger und
Organi=
ſator der Verfaſſer geweſen iſt. Der Verfaſſer des Werkes wirkte überall
im deuiſchen Wirtſchaftsleben anregend und befruchtend. Aus allen
ſeinen Arbeiten tritt uns eine zielbewußte, vorausſchauende
Perſönlich=
keit entgegen, die ſich zweifellos um die Hebung des Anſehens und der
Wohlfahrt nicht nur der Berliner Kaufmannſchaft, ſondern der Deutſchen
Kaufmannſchaft überhaupt große Verdienſte erworben hat. Das
um=
fangreiche Werk iſt ausgezeichn=t ausgeſtattet, mehr als 20 Bilder auf
(Kunſtdrucktafeln) aus dem alten Berlin verleihen dem Werke
be=
ſonderen Reiz. Das Buch iſt füir Kaufleute, Induſtrielle, Juriſten,
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Nummer 32
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
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U M
Nummer 1
Darmſitädier Tagblait / Heſſiſche Neueſie Nachrichten
1. Februar 1927
Ein „Soll und Haben” im Stoff von
Druck und Verlag.
In der Pfälziſchen Verlagsanſtalt Neuſtadt a. d. H. erſchien
Sin die graphiſche Kunſt und das Schrifttum überhaupt
roman=
caft, aber mit ſteter Berückſichtigung des wirklichen Lebens be=
Gandelndes bedentungsvolles Werk, betitelt: „Peter Joſef
Böllgen. Ein Leben im Geſetz von Nehmen und Geben”.
FPreis geb. 9 Mk.) Verfaſſer des Buches iſt Kommerzienrat
Carl Lieſenberg in Neuſtadt a. d. H. Es ſucht wie
Frey=
nags „Soll und Haben” das Volk bei der Arbeit auf. Das Buch
wes Lebens — ſo heißt es in einer der vielen Lebensprobleme
be=
chandelnden Stellen — iſt das ſchönſte, ſpannendſte, lehrreichſte
SBuch, das es gibt. Wer daraus zu leſen, zu lernen ſich übt, der
nvird ein wahrhaft Weiſer, deſſen Herz und Sinn iſt ſtets beglückt,
nd ſelten wird ſeiner Frage eine Antwort fehlen. Wenn wir
aaber unter uns Umſchau halten, dann erkennen wir bald, daß aus
wem Leben zu lernen nicht ſo allgemein verbreitet iſt, wie man
woft meint. Und: das Schönſte im menſchlichen Tun iſt nun
ein=
wnal das Geben, aber nicht das Nehmen, allerdings das richtige
ABehen und zur rechten Zeit, ſagt der Vater des Peter Löllgen,
weſſen Lebensbild in dieſem Buche gegeben wird, eines Mannes,
wer durch eigene Kraft, Fleiß und Energie ſich vom Setzerlehrling
Sum Teilhaber der größten Kölner Verlagsfirma emporgearbeitet
ſhat. Das Buch umfaßt den Zeitraum von faſt 50 Jahren, von
r1869 bis 1915, da auch das Lebensſchickſal der Eltern Löllgens
ggeſchildert werden. Die Handlung iſt im erſten Teile mit Köln
werwoben. Von dem alten heiligen Köln der ſechziger Jahre,
=Kölner Art und Sinn, Sitten und Gebräuchen wird in lebhaften
FFarben ein Bild gezeichnet; der zweite Teil führt nach Hamburg,
Dder verkehrsreichen Hafenſtadt, wo an allem erkennbar der
wirk=
iliche Weltverkehr pulſte. Das Buch ſchildert den Lebensgang des
fjungen Peter, in deſſen Vaterhauſe in Köln das Wort Pflicht mit
ggroßen Lettern geſchrieben wurde, ſeine Erziehung, in die auch
gein entfernter Onkel, ein Major a. D., eingriff, der ihn nach
mili=
mtäriſchen Grundſätzen zum praktiſchen Leben erziehen will, und
ſſeinen Schulbeſuch. Er iſt kein hervorragender Schüler, der
Rek=
ſtor nannte ihn einmal ein pädagogiſches Rätſel. Ein alter
Schul=
mnann und Freund ſeines Vaters ſagt, er ſtelle es als größtes
Wedenken hin, einem Schüler aus ſchlechter Schulzenſur eine Vor=
Abedeutung für ſein ſpäteres Leben zu geben; alle Schulerfahrung
ſſpreche dagegen. Die Meinung, im Schulzeugnis ſpiegelten ſich
ſdie wirklichen Qualitäten der jungen Menſchen wider, ſei falſch,
ſchon deshalb, weil alles Schlummernde darin noch fehle. Jedes
Sbgangszeugnis ſei nur ein bedingtes Atteſt. Was der junge
(Menſch wert ſei, beweiſe es nie, auch wiſſenſchaftlich nicht.
„Zehn Jahre ſpäter die gleichen Bilder vergleichend nochmals
ge=
fſpiegelt, gäbe im Reſultat faſt jedesmal ein Lachkabinett.” Für
praktiſche Dinge hat der junge Peter dagegen ſtets größtes
Inter=
eſſe. Schon in der Jugend hatte er ſich ſelbſt eine Druckpreſſe
angefertigt, auf der er druckte. Bei einem heimlichen Beſuche der
Gewerbe= und Induſtrie=Ausſtellung beſtaunt er die erſten
Rotationsdruckmaſchinen. Mit Primareife tritt er in das größte
Verlagsunternehmen in Köln, das ſowohl als Zeitungsverlag
wie als graphiſche Kunſtanſtalt und Buchverlag Weltruf genoß,
als Lehrling mit vierjähriger Lehrzeit ein, während welcher er
in allen Abteilungen ausgebildet wird. Dem Vater Löllgens
hält der Verleger bei dieſer Gelegenheit einen intereſſanten
Vor=
trag über Techniker, Akademiker und Redakteure. Er kenne, ſagt Er kommt nach Baſel, wo ihn die Heilsarmee vom Untergang rettet.
er, keine Gelehrtenaufgabe, bei der mehr verlangt würde, als
von einem Redakteur. Tüchtige Redakteure gehörten zu den Wahnſinn weiter ſeinem Heimatort zu, wo er Streinklopfer wird.
band einer Zeitung, ſo erſchrickt man faſt, was da eine Unſumme
von Geiſtesarbeit zuſammengehäuft iſt. Welches Kollegium leiſte
rmehr? So könne ein Redakteur ſehr, ſehr viel Tüchtiges leiſten
und vermöge publiziſtiſch ein zeitführender, wertvoller Menſch
zu ſein.
Wir übergehen die Einzelheiten in der Ausbildung des
jungen Lehrlings, der gegen Beſchränktheit und Neid ſeines bunden. Calonder, der nach dem Attentat von ſeinem Irrſinn geheilt
Lehrmeiſters zu kämpfen hat, durch zwei preisgekrönte Arbeiten worden war, kann ſich auf nichts beſinnen. Die Geſchworenen
erken=
für Druckentwürfe aber ſich raſch eine Poſition verſchafft und
freien Zeit bereitet er ſich zum Maturitätsexamen vor, das er ders, die plötzlich wieder aufgetaucht iſt, nehmen in Goldbach Aufent=
Imit Auszeichnung beſteht. So iſt er als fertiger Mann in ſeine
Lebensaufgabe hineingewachſen und wird nach und nach
Proku=
miſt und Ehrenteilhaber der Firma. Da er die Hand der Tochter, treten durch die Selbſtgeſpräche, Viſionen und Phantaſien des „Toren”
ſeines Chefs, die ihm ihre Liebe bekannt hat, ausſchlögt, entſteht Calonder, dieſer durch den wahnſinnig gewordenen Pfarr
mnſtalt und Druckerei in Hamburg, das geſchäftlich zerrüttet iſt, Kirchturmraum, hängt ihn dort auf und kreuzigt ihn. Seine Verwandten
Gringt er das Unternehmen wieder hoch und gründet eine neue kreuzigten, die Seiltänzer legen ihn in einen Sarg und führen dieſen
Beitung. Sehr intereſſant iſt die Darlegung der Grundſätze, nach mit ſich herum, und die Jugendfreundin Calonders geigt und tanzt auf
wenen ein Zeitungsunternehmen zu gründen und zu leiten iſt, ihm. Von dem Pfarrar, der in Pflege gegeben wird, und von dem
wobei die notwendige Vereinigung des realen und idealen Ge= Nebenſache. Das Ganze iſt ein Moſaik aus einzelnen loſe zuſammen=
Fichtspunktes, des finanziellen und kulturellen Problems betont hängenden Stücken und Epiſoden. Motive und Erklärungen für
Hand=
twird. Bei einem Beſuche des Königs von Schweden hält er die= lungen werden nicht oder nur ſehr ſelten gegeben Schlußfolgerungen
em einen Vortrag über Verleger= und Schrifttum. Auf der Höhe uicht gezogen. Der Verfaſſer vermeidet offenſichtlich, die Dinge bei
einer Erfolge wird er von der Kölner Firma zurückgerufen und Anſichten hinter myſtiſchem Geranke. Nebendinge, die mit dem ganzen
hm die Teilhaberſchaft der Firma mit Anteil am Neingewinn in keinem Zuſammenhange ſtehen, werden mit großer Ausführlichkeit
ſangeboten. Da er mit dem Aufſichtsrat in Hambung, dem er zu und Breite behandelt, die Erwartungen erwecken, dann aber ganz
elbſtändig geworden, in Konflikt geraten iſt, nimmt er das An= fallen gelaſſen. Nur einmal iſt die Gandlung ſpannen, das iſt die
gebot an und wird der alleinige geſchäftliche Führer der Firma / Gorichtsverhandlung, das beſte Stück iſt die Erzählung von den Er=
Lnd nach dem Tode ſeiner erſten Frau auch der Schwiegerſohn ſchaft zu dem Seiltänzermädchen, einer Art Mignongeſtalt. Den Kern
Oes Chefs der Firma. Als der Weltkrieg ausbrach, wird ihm die
Sazarettinſpektion in Köln zugeteilt. Reſigniert ſagt er im zwei= in Selbſtgeſprächen, Zwiegeſprächen, Phantaſien, Viſionen und
Träu=
en Kriegsjahre: „Mir ahnt, wir werden einen großen politiſchen men. Es wird über alles und jedes philoſophiert, von Gott und Welt
Mückſchlag erleben, ganz gleich, ob wir den Krieg gewinnen oder an bis zur Makulatur im Kloſett. Die Philoſophie mephiſtopheliſch,
werlieren”, worauf ihm ſein alter Lehrer erwidert: „Und trotzdem,
nd wenn es ſchon platter Unſinn wäre, müſſen wir uns roſige. Beiſpiele dienen: „denn des näheren war nicht der Erbe, ſondern irgend
Schönſeherei bewahren. Und das können wir auch vernünftiger ein Schwabe, jener in das Aufmerken der vielen geratene Menſch” —
Weiſe, wenn wir den unerſchöpflichen Vorrat an Kräften erken= „beſitzen wir die Macht nicht, ihm in der Geſchwindigkeit Lebensfälle
men, der im deutſchen Volkstum ſo wunderbar an Verſtandes= auſzubürden, die ſein Geiſt und Herz unter dem Zwange der Not des
Sildung und Arbeitsfleiſt gehäuft iſt. Unſer Deutſchland braucht wirklichen Seins beſtehen müßten, ſo ſoll er dafür den Weiberaugen
mur tüchtige, ehrliche, führende Köpfe, ſonſt nichts, dann kommt
*2 aus alem Schlamaſſel heraus und bald wieder in eine große allenthalben ausgeſprochen und vorangetragen, und der Verzicht nie=
Beit hinein.‟ Damit ſchließt das Buch.
Das Buch enthält einen Reichtum an wertvoller
Lebens=
welsheit, und es werden im Anſchluß an den eigentlichen Stoff
Sceißſtem Iintereſſe behandelt, die das ſoziale, politiſche, wirt= dank n können in klarer Sprache ausgedrückt werden, wie unſere
Neicſitiche, ſittliche und künſtleriſche Leben betreffen, und zwar in Klaſſiker und Meiſter des Stils bewieſen haben. — Wer Gefallen findet
einer klaren, allen verſtändlichen Sprache, und es kommt bei ihrer
Stifferung immer wieder zum Vorſchein, daß der Verfaſſer ein ſtehen, der möge eine mehrwöchige Wanderung antreten und den Irr=
Mann mit klarem Blick iſt, der im praktiſchen Leben ſteht und
muem Phantaſtiſchen abhold iſt. So bietet das Buch auch denen,
Die an dem eigentlichen Thema weniger intereſſiert ſind, eine
Reiche Fülle von Anregung und Velehrung. In Schilderungen Waldenbuch auf den Fildern. Zwölf Origmal=Golzſchnitte von Joachim
wes Familenlebens, der Nater, des Rheins und rheiniſcher
Gſeſte erhebt ſich die Sprache zu ſchöner Wärme und poetiſchem
SSchwung.
W.
*Oito Wirz, Gewalien eines Toren! =Auf Hellas” Spuren in Oſtturkiſtan.
2 Bände. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart.
Das Buch, das ganze 840 Seiten umfaßt, könnte auch „Irrwege
eines Entgleiſten” oder „Philoſophie eines Toren”
Nachf., Stuttgart. Das Buch, das ganze 840 Seiten umfaßt, könnte ſo lautet der Titel eines etwa 160 Seiten langen, mit zahlreichen
auch „Irrwege eines Entgleiſten” oder Philoſophie eines Toren” vorzüglichen Abbildungen verſehenen Buches, das den Profeſſor
betitelt werden. Im Mittelpunkt der Handlung, ſoweit man von einer Dr. v. Le Cog. Direktor am Staatlichen Muſeum für Völkerkunde
rufes Techmniter und Student des Maſchinenbaufaches, der ausgezogen handlung zu Leipzig, 1926.) Der Verfaſſer dieſes ungewöhnlich
inter=
war als einer, dem „für ein Feld zur Tätigkeit die Heimat zu eng und eſſanten Buches hat früher in Darmſtadt die Schule beſucht und hat eine
die Welt einſtweilen ausreichend groß erſchien‟. Er bezieht gegen Ende / Darmſtädterin zur Gattin; das Thema, über das er vor einigen Jahren
ſeiner Studienzeit eine deutſche Techniſche Hochſchule. Aus einer der hier auch einmal einen Vortrag hielt, dürfte daher in Darmſtadt
beſon=
ſchreibung des Land=sſtrſten, die Gründung der Künſtlerkolonie und Aufklärung. Durch die Ausgrabungen und Funde des Herrn v. Le Cog
Ortsbeſchreibungen wohl auf Phantaſie beruhen. Durch einen tollen klare Zuſammenhänge zwiſchen der alten griechiſchen und der ſpäteren
tröſtlichen Unterſchlupf bei ſeiner Sippe in der Heimat: er arbeitet in hat daher nicht nur in Europa und auf die ſpäteren Griſtlichen Völker
der Fabrik ſeines Vetters oder arbeitet vielmehr nicht, ſondern
vaga=
bundiert, lieſt, muſiziert und philoſophiert über alle möglichen und
un=
weshalb, wird nicht recht klar — dem Pfarrherrn des Ortes ihre Hand ſtark abgewandelter Form, über den Hindukuſch und das Pamirplateau
reicht, worauf er als „Vexierer und Sprüicheklopfer” in Begleitung
ſeines Hundes nach dem Süden wandert. Er tritt auf kurze Zeit bei und über die Ergebniſſe der verſchiedenen Expeditionen, deren Ausbeute
einem Bauer als Knecht ein, wandert weiter über Thur, St. Moritz
uſw. ins Veltlin nach Italien, wo er ſich umhertreibt, allerlei Aben= von Niniveh durch Sir Auſten Henry Layard iſt kein anderes
Unter=
teuer erlebt, die Meſſaline eines Freudenhauſes narrt und von einem
nun „irgendwie mit Belang bewähren und ſeine Freude an Sprüchen
abſchwören will‟. Er tritt in eine Turbinenfabrik in Goldbach ein,
wo er mit ſeinen Mitarbeitern in fortwährenden Konflikten lebt, hält Seitenſtraßen bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts Völker
indoger=
in einer Verſammlung eine philoſophierende Rede zugunſten des
Wer=
kes und verläßt die Fabrik, gibt Muſikunterricht und macht die
Be=
kanntſchaft einer ruſſiſchen Studentin, mit der er philoſophiſche Ge= nicht bekannt waren, wurden in zahlreichen Manuſkripten gefunden.
ſpräche führt und die ihrer entgegengeſetzten Anſicht durch einen
Fauſt=
ſchlag in ſein Geſicht Nachdruck verleiht, wird Konzertreferent für eine handelt. . . Für die Kunde des Buddhismus geben zahlreiche
Sanſkrit=
ſozialiſtiſche Zeitung, gibt die Stelle nach wenigen Wochen auf und
Holzträger und Trambahnführer, findet einen myſtiſchen Freund, mit den gefunden, aber auch zahlreiche Handſchriften neſtorianiſch=chriſtlichen
dem er in einer Fabrik einbricht, wird dann Straßenkehrer und als
ſpiener”, Kunſtſchütze und Seiltänzer bei einer wandernden Artiſten=
Das beste Geschenk für jede Gelegenheit
ist eine Originalradierung oder ein
Radierungen von 3.—, Relchsdrucke schon
von 75 Pfg. an in reicher Auswahl vorrätig
bei
Heinrich Schroth, vorm. Karl Buchner
Hofbuchhandlung
Rheinstrassel5
eutflieht und ſich mit ſeinem myſtiſchen Freunde nach Süden wendet
und halb verſchmachtet am Boden von einer mitleidigen Völlerin
auf=
geleſen wird. Der Narrheit verfallen, wird er umherürend beim
Betteln erwiſcht und ins Gefängnis geworfen, aus dem er entflieht.
Er wind Zeitungsverkäufer und Lumpenſammler und irrt in ſeinem
fähigſten Wiſſenſchaftlern. Vergegenwärtigt man ſich den Jahres= Hier finden ihn Clio, ſeine frühere Geliebte, und ihr Gatte, der
Pfarr=
herr. Sie beſuchen ihn öfters. Plötzlich macht Clio in einem
ſchein=
baren Anfall von Raſerei einen Mordverſuch auf ihn. In der darauf
folgenden Gerichtsverhandlung erfährt man etwas über die Motive
ihrer Tat. Sie hat ein Erlöſungswerk an ihrem früheren Geliebten
vollziehen wollen, hat ſich ihm hingegeben, und da ſie den
jämmer=
lichen Anblick des Verblödeten nicht habe ertragen können, das
Meſſer gegen ihn gezückt, ihn aber nicht getötet, ſondern ſpäter
ver=
nen auf nichtſchuldig. Gründe werden nicht angegeben.
Wahrſchein=
lich ſind ſie aus der ganzen Sache nicht klug geworden. Clio, die ein
Liebling des Hauſes und maßgebende Autorität wird. In ſeiner Kind von Calonder im Schoße trägt, und die Jugendfreundin
Calon=
halt. Hier beſucht ſie Calonder, zieht ſich nackt vor den Frauen aus
uſw.; dann begibt er ſich in ſeinen Heimatsort als Gaſt des
Pfarr=
herrn. Der Schluß geht ganz in Myſtik und Wahnſinn auf, jene
ver=
eine Verſtimmung zwiſchen ſeinem Chef und ihm, und er nimmt herrn, deſſen Reden bewußter Irrſinn ſind. Der „Tor” Calonder findet
Einen Antrag, eine Stellung als Direktor einer großen Verlags= ein gräßliches Ende. Der wahnſinnige Pfarrer knebelt ihn und
mar=
tert ihn in entſetzlicher Weiſe zu Tode, ſchleppt den noch Lebenden in den
ſGü übernehmen, an. Durch ſeine Energie und Geſchäftstüchtigkeit und die Seiltänzertruppe, die wieder aufgetaucht iſt, finden den Ge=
Mond erfährt man nichts weiter — Die Handlung iſt, wie geſagt,
ihrem eigentlichen Namen zu nennen und verſt. ct ſeine Gedanlen und
lebniſſen Calonders bei der Seiltänzergeſellſchaft und ſeiner
Freund=
des Buches bilden die philoſophiſchen Betrachtungen und Erörterungen
kritiſch zerſtörend und peſſimiſtiſch. Die Sprache iſt ergrübelt und oft
bis zur Unverſtändlichkeit konſtruiert. Einige Sätze mögen dafür als
nicht ſchuldig bleiben, was ſie ſonſt zu erſchimmern vermögen”. — „Gine
kräftige Lebenshelle und ein unumwundener Lebensanſpruch waren
mals von innen aus allgemeiner Neigung oder Gedankenrichtung,
ſon=
dern ſtets von außen her gelenkig ohne geſprächiges Weſen vor dem
einmaligen Hindernis geſtührt und abgetan” — Soll es Selbſtironie
ſein, wenn von den Reden des Toren geſagt wird, ſie ſeien „verſtiegen,
Don Druck und Verlag epiſodiſch Fragen und Probleme von alle toll und krank ?. Myſtik iſt immer ſenil. Auch tiefe und tieſte
Ge=
an ſolchen philoſophiſchen Abſtraktionen, und ſich zutraut, ſie zu
ver=
wegen des entgleiſten Toren nachgehen. Aber vieler Geduld bedarf
w.
es dazu!
Lutz dazu eine Einführung von Martin Lang Preis; Kartonband
5 RM., Ganzleinenband 7 RM., Ganzleinen=Vorzugsausgabe num.
und ſigniart 8 RM. Bücher der Heimat, Bd. I. Gengenbachu. Hahn,
Druckerei ud Verlag, A.=G., Mannheim.
Berichte und Abenteuer der II. und III. deutſchen Turfan=
Expedition”
ſolchen ſprechen kann, ſteht ein Schweizer, Hans Calonder, ſeines Be= in Berlin, zum Verfaſſer hat. (Verlag der J. C. Hinrichs’ſchen
Buch=
vielen Epiſoden, aus denen ſich das Buch im weſentlichen zuſammen= derem Intereſſe begegnen. Der Titel des Buches frappiert zunächſt; das
ſetzt, erkennen wir, daß dieſe Hochſchule Darmſtadt iſt, auf das die Be= einleitende Kapitel gibt jedoch in leichtfaßlicher Weiſe die erforderliche
des Ausſtellungsgebäudes mit dem Hochzeitsturm paßt, während andere in Zentralaſien wird zum erſten Mal der Beweis dafür erbrack, daß
Streich verliert er die Liebe eines Mädchens und ſucht Zuflucht und buddhiſtiſchen Kunſt einmal beſtanden haben. Die alte griechiſche Kunſt
befruchtend eingewirkt; vielmehr gelangte ſie durch die Züge Alexanders
des Großen auch bis nach Nordweſt=Indien, wo ſie ſich dem Buddhismus
möglichen Dinge, gewinnt die Liebe ſeiner Kuſine Clio, die aber — mitteilte, der ſie dann ſpäter, wenn auch natürlich in mancherlei und
nach Turkiſtan und nach ganz Oſtaſien bis Korea weitertrug. — Hierüber
fetzt im Muſeum für Völkerkunde in Berlin untergebracht iſt, äußert
ſich Herr v. Le Cog ſelbſt wie folgt: „Seit der Erforſchung der Nuinen
nehmen durchgeführt worden, welches ſich an Wichtigkeit der Ergebniſſe
Pater, mit dem er philoſophiert, zur Vernunſt gebracht wird und ſich mit dieſen mittelaſiatiſchen Forſchungsreiſen vergleichen könnte. Denn
hier fand man Neuland! Anſtatt eines Türkenlandes — dies iſt ja der
Sinn des Wortes „Turkiſtan” — entdeckten wir, daß überall an den
maniſcher Zunge, Iranier, Inder und ſogar Europäer, geſeſſen haben.
Ihre Sprachen, die zum Teil dem Namen nach zum Teil überhaupt
Sie wurden alle in Berlin entziffert, überſetzt und wiſſenſchaftlich be=
Handſchriften neuen und unerwarteten Aufſchluß; große Mengen
litur=
wandert weiter, meldet ſich brim Arbeitsamt einer großen Stadt, wird giſcher Werke der neſtorianiſch=ſyriſchen Kirche in ſyriſcher Sprache wur=
Inhalts in ſoghdiſcher Sprache. Endlich entſtand aus den waſſerloſen
„Landſtreicher, der abſeits von den Zeitmenſchen ging, und als Ausge= Negionen der Turfan=Oaſe ein großer Teil der vollſtändig verſchollenen
manichäiſchen Literatur. . . . Dieſe manichäiſchen Funde ſind um ſo
wert=
truppe, dann als Geiſtesgeſtörter ins Irrenhaus gebracht, aus dem er voller, als in ganz Nordafrika, Südeuropa und Weſtaſien, wo der
Manichäismus früher große Verbreitung gefunden hatte, durch den
Haß der Chriſten, wie der Mohammedaner nicht der geringſte Ueberreſt
dieſer Literatur erhalten geblieben iſt. Von ganz beſonderer Wichligkeit
iſt ferner die Erkenntnis, daß die indogermaniſchen Bewohner des
Lan=
des dem Fernen Oſten mit der buddhiſtiſchen Religion auch die
budd=
hiſtiſche Kunſt überliefert haben. Dieſe Kunſt, von Baktrien und
Nord=
weſt=Indien ausgehend, beruht aber auf der helleniſtiſchen Spätantike,
1 4GOUTCkund unſere Forſchungen haben den Beweis erbracht, daß die berühmte
buddhiſtiſche Kunſt des Fernen Oſtens in letzter Linie von der
Spät=
antike abhängt, wie es bei den Kunſtübungen der weſtlichen Nationen
der Fall iſt.”
Aus der Darſtellung des Herrn von Le Cog gewinnen wir aber auch
(786a ein anſchauliches Bild von den hohen Anforderungen, die beruflich an
einen Archäologen auch ſonſt geſtellt werden können, und von der
Per=
ſönlichkeit des Verfaſſers ſelbſt. Mit Recht iſt im Untertitel des Buches
nicht nur von Berichten, ſondern auch von Abenteuern die Nede. Herr
v. Le Cog war nämlich nicht nur Arckäologe, ſondern auch Forſcher und
Aſienreiſender im Sinne Sven Hedins. Gar oft hat er ſich in fatalen
Situationen befunden, die an ſeine Tatkraft, ſeinen Mut, ſeine
Erfin=
dungsgabe, fowie an ſeine Geſchicklichkeit im Umgang mit den
Landes=
einwohnern hohe Anforderungen ſtellten. Aeußerſt ſpannend iſt die
Schilderung der Rückreiſe über den Himalaya, die in Geſellſchaft eines
engliſchen Offiziers angetreten wurde. An der gefährlichſten Stelle des
Gebirgsüberganges — im ganzen waren drei Päſſe von etwa 6000 Meter
Höhe zu überſchreiten — erkrankte der Engländer lebensgefährlich und
konnte nicht weiter. Um Hilfe zu holen, mußte Herr v. Le Cog ſich
vorübergehend von ihm trennen und vorausreiſen. Dann kehrte er mit
Hilfsmannſchaften an den Ort zurück, wo er den Kranken zurückgelaſſen
hatte, und es gelang tatſächlich, dieſen in ſchwerem Schneeſturm über
die Gebirgspäſſe hinüberzuretten. Während des kritiſchen Teils dieſer
Reiſe kam Herr v. Le Cog acht Wochen hintereinander nicht aus den
Kleidern. Für die Lebensrettung dieſes Engländers erhielt er einige
Monate nach ſeiner Rückkehr nach Deutſchland von dem engliſchen
Johanniterorden die Goldene Medaille „for service in the eause of
lumanity”, die weder vorher noch ſeitdem in Gold wieder verliehen
worden iſt.
Es iſt lebhaft zu begrüßen, daß Herr v. Le Cog ſich noch dazu
entſchloſſen hat, dieſes Buch zu veröffentlichen. Ueber zwanzig Jahre
ſind verfloſſen, ſeitdem die geſchilderten Expeditionen ſtattfanden und
zwiſchen jenen Jahren und heute liegt das große Geſchehen des
Welt=
krieges. Heute ſind wir Deutſche von der Außenwelt abgeſchnitten und
müſſen uns — vorläufig wenigſtens noch — mit den Erinnerungen der
Vergangenheit begnügen. Ein Buch wie das beſchriebene trägt aber
auch dazu bei, das deutſche Anſehen im Auslande wiederherzuſtellen;
namentlich wäre das der Fall, wenn es gelänge, auch einen engliſchen
Verleger für es zu finden. Die Charaktereigenſchaften der Deutſchen
zeigen ſich in dem Buch von ihrer beſten Seite. Möge es in dieſem
Sinne dem jungen Geſchlecht zum Anſporn und zur Nacheiferung dienen,
Fregattenkapitän a. D. Trapp.
Romane, Novellen, Erzählungen
„Wieland”, ein Helden=Roman von Wilhelm Platz. Haus Lhotzky=
Verlag, München=Grünwald.
Jetzt, zur ſchönen Winterszeit, hat der bekannte Dichter und
Ehren=
doktor, der dazu noch faſt ein Landsmann von uns iſt, ein Weinheimer,
ſeinen übrigen, warm empfohlenen Bäichern mit Ob.nwaldgeſchichten
und anderen ſeinen „Wieland” folgen laſſen, der zeigt, wie wir
ge=
plagten Menſchen des Maſchinenzeitalters oder, wie Graf Keyſerling ſo
treffend ſagt, wir im „der Barbarenzeit des Chauffeurs” Lebenden, den
genialen Schmied ſehen und ſchätzen dürfen. Es iſt ja wohl alles ſchon
einmal dageweſen, und ſo auch Neuerzählungen der ſchönen
Wieland=
ſage. Da aber hier der deutſche Ingenieur und Erfinder geſtaltet und
die Liebe zur Heimat mitſpricht, und zur germaniſchen Frühzeit, die
uns der Erzähler meiſterlich vors Auge führt, zugleich aber auch das
Herz eines Dichters, ſo wird das Buch überall willkommen ſein, nicht
nur als ſpannender Leſeſtoff, ſondern auch als beherzigenswerter. W.8.
Ernſt Lothar: Drri Tage und eine Nacht. Novelle F. G. Speidelſche
Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. 168 Seiten Oktav. Geb.
280 Mk., in Leinen gebd. 4 Mk.
Ein atemloſer Dialog, der nichts anderes geben will, als ein
Pro=
tokoll des Lebens. Aber gerade, indem er alle Literatur vermeidet gibt
er in ſeiner knappen Sachlichkeit, in ſeiner minutiöſen Gegenſtändlichkeit
alles: den Fall der 26jährigen Anna Wiefer, aber auch ſeine ſozialen
Veräſtelungen, das Ambiante des vom Kriege zerrütteten Büürgertums,
die Hintergründe einer Künſtlerehe, die Perſpektive des Theaters der
Großſtadt und eines entfeſſelten Betriebes, der immer mehr auch die
Herzen ergreift.
Das Medium. Ein Roman aus dem Reiche des Spiritismus von Nobert
Falke. 191 S. In Leinwand gebd. 4 Mk. Walter Loepthien
Ver=
lag in Meiringen und Leipzig.
Spiritismus und Okkultismus gehören zu den ſtärkſten
Zeilſtrömun=
gen der Gegenwart. Die Beſchäftigung mit dem Okkultismus, mit den
im Unterbewußtſein der Seele liegenden geheimnisvollen Kräften, zieht
heute in allen Erdteilen Tauſende in ihren Bann. Auf chriſtlichem
Standpunkt ſtehend ſchildert der Verfaſſer an einer glänz nd begabten
Pfarrerstochter in lebendig=wahrer, pſychologiſch feiner Darſtellung, wie
dieſes Mädchen einem ſpiritiſtiſchen Betrüger in die Hände fällt und an
Leib und Seele zugrunde geht. Die Darſtellung iſt nicht nur
erſchüt=
ternd, ſondem auch blehrend, führt in die Geheimniſſe der okkulten
Wiſſenſchaften ein und zeigt nach Ablehnung des Unmöglichen, daß
Tele=
vathie und Hellfehen in gewiſſer Hinſicht feſtgehalten werden wüſſen.
Der ernſte, erſchlitternde Roman iſt ein kurzer Wegweiſer in den okkulten
Zeitzſtrömungen der Gegenwart.
Nummer
Ernſt Didring: Inſeln des Sturms. Roman. Berechtigte Uebertragung
aus dem Schwediſchen von Elſe v. Hollander=Loſſow. 335 S.
Oktav. In Ganzleinen 7 Mk. Verlag von Georg Weſtermann,
Braun=
ſchweig, Hamburg und Berlin.
Sturmwind brauſt durch dies Buch. Es kracht auf Eis und
Schiffs=
planke. Menſch kämpft gegen Menſchen und Natur, und wo Schickſal
derb zupackt, bäumt Härte trotzig ſich auf. Gin Geſchlecht lebt auf den
Inſeln, das, oſt darbend, dem Mer ſein kärgliches Brot abringt und
doch mit zärtlicher Liebe an der unfruchtbaren, wogenumbrandeten
Scholle hängt — Burſcen, denen das Meſſer locker in der Taſche ſitzt,
wenn es um die Mädchen geht oder um die Ehre der Säppe. Viele ziehen
als Seleute hinaus in die Welt, weit fort — manchen behält das Meer
aber die anderen kehren zurück in die Heimat auf ihre Hallig. Wie eine
nordiſche Saga mutet dieſes Buch an und iſt doch lebendigſte Gegenwart.
A. von Voß: Einer Seele Not. 240 Sciten. Halbleinen 2,50 Mark,
Ganzleinen 3 Mark. Hugo Wille, Verlag, Berlin NW. 87.
Das Buch, ein Noman menſchlicher Leidenſch=ft, beruht auf
ein=
gehenden pſychologiſchen und kulturhiſtoriſchen Studien. Als
geſchicht=
lichen Hintergrund das Ende des Templerordens in Magdeburg
be=
nutzend, ſchildert der Verfaſſer ſeine Geſtalten lebenswahr im Geiſte
jener Zeit und bietet einen tiefen Einblick in das im allgemeinen wenig
bekannte Leben eines Ordensritters.
* „Wir Förſters Kinder”, Waldgeſchichten von Walter Schweter,
mit Zeichnungen von Hans von Volkmann. Kranz=Bücherei, Heft 79.
Verlag Moritz Dieſterweg, Frankfurt a. M. 1926.
Jugenderinnerungen, heitere und ernſte, erzählt uns der durch ſeine
„Waldgeſchichten” zum erſten Mal bekanntgewordene Verfaſſer. Sind
ſie auch nur ſchlicht und einfach, ſo reden ſie doch gerade darum am
eheſten zum Herzen der Kinder, für die das Büchlein wohl in erſter
Linie geſchrieben iſt. Am beſten gefallen hat uns darin „Unſer eiſtes
Weihnachtsfeſt im Walde” und „Eingeſchmeit‟. Die Liebe zu Kindern
und der Wunſch, ihnen Führer ſein zu Lürfen im Land der Phantaſie
hat Walter Schweter die Feder geführt. Und weil er ſich ſo ganz frei
hält vom „Lehrhaften” werden ſeine Erzählungen immer ein Freund der
d.
Kleinen ſein.
* „Unterm Stern von Bethlehem”. Vier Geſchichten ſür
Weih=
nachten und Oſtern, von Guſtav Adolf Müller, Verfaſſer des
Chriſtusromans „Ecce homo”. Mit zwölf Scherenſchnitten von
Ger=
trud Klingler. 159 Seiten. Preis geb. RM. 3,D oder Fr. 4,—, Verlag
Walter Loepthien, Meiringen und Leipzig.
lich das rechte Weihnachts= und Oſternbuch für groß und klein ſich
gerad zu begeiſtert aufgenommenen Chriſtusromans „Bece homa!” hat
noch am Abend ſeines nicht immer heiteren Lobens, in Erinnerung an
Empfindungen zu wecken und wahrhaft poetiſche Erhebung in die Herzen
zu zaubern.
der landesgeſchichtlichen Ereigniſſe dem gewordenen Leben dieſes
Bauern=
ſtädtchens gerecht wird.
Luiſe Goth=Emmerich, „Roſen vom Felde der Ehre” (Märchen deutſcher
Soldaten von 1914— 1918). Verlag: Bayeriſches Kriegsanchiv München
N0.3 1926. Preis gebunden 5, in Leinen 6, Luxusausgabe 10 Mk.
(Letztere zu Gunſten ein=s Invalidenheimes).
Märchen ſind es, dieſe „Roſen vom Felde der Ehre‟ — Märchen,
die von deutſchen Soldaten während des Weltkrieges verfaßt und größ= „Denn”, ſagt ſie, die Ehe iſt eine unſittliche Induſtrie, die Frau iſt aus
tenteils in den Feldz itungen veröffentlicht, nun in Buchform geſammelt
ſind. — Mit zartem Duft wollen dieſe Märchen=Roſen tiefe und ſchöne
Erinnerungen necken! Wollen Kinder kindlich erfreuen! Wollen
Lie=
benden auf ihren Wegen folgen, dem Ninger Lebensweisheit geben,
Allen Humor! Spielend lachen ſie mit der Jugend und mit tiefem
Ernſte begleiten ſie uns in Tod und Ewigkeit. Die Kapitelüberſchriften
deuten an, daß es ein Buch für alle Lebensalter iſt: „Von lieben
Kindern und Engelein” — „Lauter Liebe‟ — Lebensweisheit” — „Von
„Tod und Ewigkeit” — Vierzig Soldaten haben dieſe 70 Märchen einſt
im Weltkrieg 1914—1918 geſchrieben, in einer bewegten Zrit, in dev die
Alltagsſprache nicht ausduücken konnte, was das Herz ſagen mußte.
und ſo haben dieſe deutſchen Männer in ſchwerſter Zeit den Weg ins und der ſkandinaviſchen Sprache vergeben.
Feenreich gefunden, und dem Geſtalt gegeben, was tief ihr Gemüt
bewegte.
* Kindernovelle” von Klaus Mann. In Didot=Antiqua auf Alpha=
Pavier gedruckt. Umfang 7 Bogen. Ganzleinen 3,50 RM. Broſchiert
2— RM. Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg.
In außerordentlich kurzer Zeit iſt das Talent Klaus Manns
be=
trächtlich reifer und umfaſſender geworden. Mit der feſten Hand des abbildungen, Muſik und Text eine Darſtellung der modernen
Geſell=
ſchöpferiſchen Geſtalters gelingt es ihm, heute bereits auch diejenigen
ihr Stofflich s zuerſt eigenartig und fnemd erſchnen. In ſeinem neueſten
Werk „Kindernovelle” wird die enſtaunliche Entwicklung des jungen des Heſtes, der früher Solotänzer der Berliner Staatsoper war und jetzt
Dichters beſonders augenfällig.
Am Sonnenbühl. Luſtig=nachdenkliche Geſchichten v.
Schröng=
hamer=Heimdal, mit 13 reſtlos gelungenen Bildern geſchmückt ſtanden.
von A. Roesler, dem bekannten Illuſtrator und Mitarbeiter der
„Ftiegenden Blätter”. In Leinen geb. Mk. 4,50.
An ſolchen Büchern iſt immer Mangel, trotz aller ſonſtigen
Ueber=
produktion. Schrönghamers neues Buch ſteckt ſo voll von guten
volks=
tümlich gefaßten Bauerngeſchichten, daß der Leſer, ſo er ſich nur wenig
darein vertieft, ſachte aber unwiderſt hlich hinaufgehoben wird aus dem
harten und erbärmlich nüchternen Alltag unſerer Zeit in vergnüglichere
und freundlichere Zonen. Der Dichter gibt alſo gerade das in reichem
Maße, was unſerer Zeit nottut, uud ihre tiefſte Sehnſucht iſt trotz allem
ſonſt gebotenen Nerbenkitzel und Bluff, der nur Schalheit und
unbe=
friedigtſein zunückläßt.
Ludwwig Diehl: „Sphinx”. Erlebniſſe, Studien und Gedanken aus meinem
Aufenthalt im Lande der Wunder. Broſchiert RM. 4.—, Ganzleinen
RM. 6.—.
Mit ſeinen beiden erſten Werken „Suſo”, dem Roman des deutſchen
Seelenmenſchen und „Ahasver”, dem Heine=Noman, hatte Diehl einen
ganz ungewöhnlich ſtarken Erfolg, der ihn mit einem Schlage im die
Reihe der „Großen” unter den Schriftſtellern einrückenließ. Aun liegt
Diehls drittes Werk vor uns. Diesmal kein Roman, aber auch keine
dern ein reines Dichtwerk. Ein Aegyptenbuch voll tiefe des Verſtehens,
voller Myſtik und von ungeheurer Spannung.
76 Seiten Text, 8. 10 farbige Bilder von Theodor Herrmann. Geb.
3 Mk. Verlag Georg Weſtermann, Braunſchweig. Hamburg, Berliun.
Die bekannten Berni=Büch=r ſind längſt zu den Lieblingsbüchern der
Mitten hinein ins volle Menſchenleben packt Heinrich Scharrelmanns
Erzählungskunſt. Er weiß intereſſant zu plaudern, Ereigniſſe und die
Menſchen ud ihre Schickſale mit ein paar knappen Strichen lebendig
zu ſchildern. Wer Kindern ſolche Büicher in die Hand gibt, ſchenkt ihnen
einen Schatz fürs Leben und lehrt ſie, fröhlich und mit offenen Augen in
die Welt zu ſehen.
Bildende Kunfi, Theater, Muſik
Julius Bab, Schaufpieler und Schauſpielkunſt. Mit 32 ganzſeitigen
Schauſpielerporträts. Preis 6.50 N.Mk. Verlag von Oeſterheld
& Co., Berlin W 15.
Literatur und Kunſt
1. Februar 1927
Verfaſſer des Buches, der vor 2 Jahrzehnten zuſammen mit dem
Wiener Kritiker Handl ein Buch „Deutſche Schauſpielerporträts aus
Berlin und Wie” herausgegeben hat, tritt, nachdem ſeit dem Kriegsende
eine auffallende Fülle neuer ſchaufpieleriſcher Perſönlichkeiten von
Be=
deutung in die Erſcheinung getreten ſind, mit einer Reihe neuer
Schau=
ſpielerporträts an die Oeffeutlichkeit. Er hat dafür eine neue Form
gewählt: das Doppelbildnis, das vergleichende Porträt, z. B. Wogener
und Durieux oder der öſltiche Einſchlag, Jannings und Klöpfer oder
Leib und Seele Agnes Straub und Gerda Müller oder die
Entfeſſel=
ten:. „Mit der Darſtellung der Schauſpieler will der Verfaſſer zugleich
eine Darſtellung der Schauſpielkunſt in ihrem zeitloſen Weſen und ihrer
beſonderen Verkörperung unſerer gegenwärtigen Zeit geben.
Berück=
ſichtigt ſind faſt ausſchließlich Künſtler der Berliner Bühnen. Da aber
die bedeutendſten Kräfte faſt alle in Berlin ſichtbar werden und zwiſchen
Berlin und Wien ein faſt immerwährender Austauſch von Kräften
ſtatt=
findet, ſo dürſten in dem Buche nicht viele der gegenwärtigen
Schau=
ſpieler von Bedeutung fehlen. Es ſind, nicht eingerechnet die in dem
bſenderen Kapitel „Der Nachwuchs” erwähnten, etwa 49—50 Vertreter
mehr Schauſpieler berückſichtigt, als ſich in den Ueberſchriſten Namen Einleitung, in vier Bänden herausgegeben von Johannes
Mum=
befinden. Es ſind nicht Biographien oder Mitteilungen aus dem Leben
der Künſtler, ſondern eingehende kritiſche Würdigungen ihrer Kunſt,
ihrer künſtleriſchen Individualität und ihrer ſubjektiven künſtleriſchen ganzen Werk.
Schatz von Bühnenerlebniſſen, Erfahrungen und Wiſſen iſt hier
ver=
einigt mit ſcharffinniger, geiſtvoller und ſprachbeherrſchender Kritik, die Zweiter Band: Wie Uli der gnecht glücklich wird. Eine Gab
mit ſtaunenswerter Vielſeitigkeit alle Erſcheinungen und Weſensarten
der darſtellenden Kunſt umfaßt. Ein feſſelnd geſchriebener Anhang be= Dritter Band; Geld und Geiſt oder Die Verſöhnung. (I
rückſichtigt die großen Gäſte Eleonore Duſe Sarah Bernhard und
Avette Guilbert. Wer Intereſſe für Schauſpieler und Schauſpielkunſt Vierter Band: Käthi, die Großmutter. UIII u. 474 S.; 1 Tafel)
hat — und welcher Gebildete hätte dies nicht — dem wird das mit vielen,
zum Teil noch unbekannten Bildern geſchmückte Buch erwünſchte
An=
regung und Gelegenheit zur Bildung des künſtleriſchen Urteils bieten.
W.
* Sportsopfer. Schwank in 2 Akten von Hans Otto Becker. Paul
Mähler Verlag, Stuttgart. Das Stück, das hier und auswärts bereits
mit Erfolg aufgeführt worden iſt, iſt jetzt im Buchhandel erſchienen. Es
ſchildert in humorvoller Weiſe, wie die ſportswütige Tochter eines
Profeſſors, die ihrem Bewerber einen Korb gibt, weil er ein gelehrter
Bücherwurm und dem Sport abhold iſt, von ihrer Schwärmerei für den
Sport und die Sportsleute geheilt wird. Der abgewieſene Liebhaber
wirft ſich in ein Sportkoſtüm und will in Schimmeltewog dem Sport
huldigen, um ſich die Gunſt ſeiner Geliebten zu erwerben. Er hat damit
zwar wenig Glück, zeigt aber im Gegenſatz zu dem feigen Weltmeiſter
im Ringkampf, der vor einer wild gewordenen Kuh die Flucht ergreift,
ſo vielen perſönlichen Mut, daß er ſich ſchließlich Hand und Herz der
Geliebten erwirbt. Kleine Familienzwiſtigkeiten, die zur Erheiterung
der Handlung beitragen, löſen ſich in Wohlgefallen auf, und eine
fröh=
liche Verlobungsfeier beſchließt das Stück.
Dover—Calais. Luſtſpiel in drei Akten von Julius Berſtl. Verlag
von Georg Weſtermann in Braunſchweig.
Folgende Zeitungsnotizen ſtehen dem Süücke voran: . . . verſtarb
der amerikaniſche Milliardär S., der die letzten zwei Jahrzehnte ſeines
Lebens in freiwilliger Verbannung auf ſeiner Jacht zugebracht hat.. .
Uebertrumpft wurde er durch den engliſchen Multimillioär B., der den
Lockungen und Widerwärtigkeiten der Welt auf ſeinem Luxusdampfer
36 Jahre zu widerſtehen vermochte. . . Erſteren hat der Verfaſſer
zum Mittelpunkt ſeines unterhaltenden Luſtſpiels gemacht. Mit
Aus=
ſicht auf, die verwegenſte Entwicklung ſeines Vermögens zieht ſich der
ſpleenige Miliardär Sandercroft als Menſchenfeind, erſt 30 Jahre alt,
eines Tag,s auf ſeine Luxusjacht Ulyſſes zurück, und iſt ſeit 20 Jahren
nicht mehr ans aLnd gegangen; er weiß ſich alle Menſchen namentlich
Ein Buch, das nach innerem Wert und nach äußerem Gewand wirk= die Journaliſten, vom Leibe zu halten. Aber eine Frau überliſtet ihn
ſchließlich. Von der Mannſchaft, die ſich übrigens auf drei Jahre ihm
nennen darf. Der Dichter des bei allen chriſtlichen Bekenntniſſen einſt verpflichten und ſeine Weltflucht mit ihm teilen muß, wird eines Tages
auf See eine „dreiviertelstote‟ Miß an Bord gefiſcht, angeblich, um ſich
für die Durchſchwimmung des Kanals zu trainieren, in Wirklichkeit aber
ſaine Studienfahrten ins Heilige Land „unterm Stern von Bethlehem”, iſt ſie eine Fournaliſtin, die den berühmt gewordenen Sandereroft kennen
vier ergreifende Geſchichten geſchrieben, die geeignet ſind, tiefſte religiöſe lernen und von ſeiner Weltflucht heilen will. Hartnäckig bleibt ſie da
und erzwingt ein Interview. Um einen Zeitungsbericht zu verhindern,
ſetzt Sandereroft die Dame gefangen. Schließlich aber gelingt es ihr
Ein württembergiſches Heimatbüchlein, ſorgfältig in Satz und Druck, nicht nur der geſamten Beſatzung, ſondern auch Sondereroft den Kopf
Seine Bilder begleitet von einer Betrachtung, die im knappen Rahmen, zu verdreh.n: ſie hält dem aus allen Wolken gefallenen Menſchenfeind
eine Standrede nach der anderen und entwickelt ihre Anſichten über das
männliche und weibliche Geſchlecht, das die Männer aus kraſſeſtem
Egois=
mus jahrtauſendelang im Zuſtand der Kindheit, der Unfreiheit und der
Inferiorität belaſſen haben. Die ganze Entwicklung der beiden letzten
Jahrzehnte, alle Fragen von der Frauenemanzipation bis zur
Girl=
kultur wenden mit prächtigem. Humor und geiſtreicher Satire behandelt.
Der von ſeiner Weltfremdheit geheilte Sandereroft bietet ihr ſeine Hand rung dieſer Gntdeckungen ſieht die internationale Gelehrtenwelt no
und ſeine Millionen an, denn ſie hat ihm imponiert. Aber ſie lehnt ab.
der Lethargie des Genommenwerdens erwacht. Sie will ſich enthalten, ſchen Gefängniſſen verhinderten Pfizenmayer bisher, ſeine Erlebnſt
Gleich’s Recht! Der Mann iſt nicht mehr das Idegl der Frau. Er hat
es ihr nur durch Jahrhunderte einzureden geſucht. Die nächſte
Revolu=
tion geht von uns Frauen aus.” Aber ſie hat den Sonderling Sander= Verfaſſer iſt Jäger mit Leib und Seele, und ſeine beiden Erpedition”
eroft geheilt, und er nimmt den Kurs nach Dover ans Land. Er muß
die Frauen ſehen, von denen die nächſte Revolution ausgeht, er muß die
Männer kennen lernen, die dieſe Generation haben groß werden laſſen. Pfizenmayer entdeckte im fernen, wenig erforſchten Jakutſkgebiet eit
Die Miß ſchwimnt ans Land zurüick. Ein köſtliches Luſtſpiel, das im neue, jetzt wiſſenſchaftlich beſchriebrne und ihm zu Ehren benannte Ehg
Tieren und Pflanzen” — „Krieg und Frieden‟ — „Myſtiſches” — Manuſkript bereits von mehr als 40 Bühnen angenommen worden iſt,
darunter auch vom Neuen Thegter in Frankfurt a. M., den National= So wird das Werk auch den Weidmann intereſſieren, um ſo mehr, 1
theatern in Mannh im und Weimar, außerdem in ungariſcher Sprache
in Peſt. Ferner wurde das Stück für Aufführungen in der italieniſchen
—ld.
„Moderne Geſellſchaftstänze”, herausgegeben von Curt v. Paquet=
Léon, betitelt ſich das neue Einzelheſt Nr. 201, das als Beginn einer
neuen Serie der bekannte Modenverlag W. Vobach u. Co. Gmbch.,
Ber=
lin=Leipzig, ſoehen auf den Markt bringt. „Moderne Geſellſchaftstänzel
wahrlich ein aktuelles Thema. Das Büchlein zeigt in Bild, Lanzſchritt= hinter= und untergründig „aus dunkler Unterwelt heraufgehoben”
ſchaftstänze, wie wuir ſie bisher noch nicht zu ſehen gewohnt waren. Das dem Verfaſſer vorgeſchweht hat, und dieſes nie Dageweſene ſpielt
zu bannen und zu erſcküttern, denen ſeine Dichtung, ihre Welt und bekannte deutſche Amateurtänzerpaar Fräulein Tanieuſkie und Heru in einer faſt automatiſchen Folgerichtigkeit im „Kainsgrund” ab, d
1. Vorſitzender des Allgemeinen Deutſchen Tanzlehrerverbandes iſt, in
allen Tanzſtellungen des Foxtrott, One=Step. Modernen Walzers, Tango, Und als gehörte es gar nicht dazu, ſucht ſcheu auch ein Winkelchen,
Blues und Charleſton zu den photographiſchen Aufnahmen Modell ge=
Biographiſcke=, Geſchichtliche= und Reiſewerke
In die Freiheit. Eine abenteuerliche Flucht durch Mongolei und
Mandſchurei. Von Egon von Stern. Mit 6 Bildern und
einer Kartenſkizze. Verlag von B. Eiſenſchmidt, Berlin NW. 7. in Anſpruch. Er iſt ein Mörder, der die Bewohner des Kainsarunß
1927. Preis geh. 6.50 R.Mk.
Das Buch eines deutſchen Reiteroffiziers ſchildert dieſe wechſelvollen
Schickſale in ruſſiſcher Gefangenſchaft und die Erlebniſſe auf ſeinen
aben=
teuerlichen, mit großer Energie und zäher Ausdauer bewerkſtelligten dritten Mord an einem Gendarmen, um ſich ſeine Kleider zur Fluch.”
Flucht. Als Patrouillenführer wurde er im Oktober 1914 auf einem verſchaffen, und taucht ſchließlich in der Fremdenlegion unter, die
Patroullenritt in Polen von Koſaken gefangen genommen und ins indeſſen auf Erſuchm des Staatsanwalts an das deutſche Gericht. 0
Geſingnis nach Groiee gebracht, machte einen Fluchtverſuch, der aber liefert, das ihn zum Tode verurteilt. Iſt dies vollkommene Erlent
mißlang und ihn vor ein ruſſiſches Feldgericht brachte; er wurde nach etwa gar Weltüberlegenheit, die aus gar vielen Stellen des Buches
Warſchau transportiert und ſeine Verſchickung nach Sibirien beſchloſſen.
Der Transport in dieſes unwirtliche Land mit all ſeinen Gefahren und Angeſicht des Tod,s beſchimpftd. Füir den die ganze Menſchheit ein in
Leiden wird ausführlich und anſchaulich geſchildert. In Krasnojarſk am
Jeniſſei weilte er vom 12. Dezember bis 2. Februar im
Gefangenen=
lager. Nach längerer Vorbereitung entfloh er und fuhr unter Ueber= Todesſtrafe verdient. Aber zwiſchen den Zeilen läßt der Verfaſſer
Reiſebeſchreibung, wie man nach dem Untertitel vermuten könnte, ſon= windung ungeheurer Strapazen im Schlitten den Jeniſſei aufwärts bis Frage durchblicken, ob der Mörder vielmehr ein Irregeleiteter iſt,
an die chineſiſch=mongoliſche Grenze. Packend geſchildert werden ſeine, das Haupt unſchuldig auf den Block gelegt hat, mehr ein Ankläger
Weiterfahrt zu den Mongolen und die wechſelvollen Erlebniſſe auf dieſer
Heinrich Scharrelmann, Berni Bd. 5: „Berni lernt Menſchen verſtehen.” Flucht. Nach ſechswöchiger Reiſe traf er mit ſeinen Begleitern, in durch das Unausgeſprochene, als durch das, was geſagt wird, entwl
Uljaſſutai, 975 Kilometer von Krasnojarſk, ein, von wo unter mancherlei, in ſeiner Tendenz antiſtagtlich oder nur ein gut gelungener Wurf en
Abenteuern der Weiterritt nach Uria erfolgte. Hier wurde er von
Koſaken verraten und an den ruſſiſchen Generalkonſul ausgeliefert. In, die Kriegsjahre verlegt wird, macht die letztere Annahme zum mind!
Uria empfing er von dort vorhandenen Deutſchen Liebesgaben. Unter
Jugend gewotden. Mit dem neuen Bande wird das Schckfal des leinen Begleitung von Mongolen wurde er nach Kiachta gebracht, ins Ge= vielem Geſchick unternonmener Verſuch iſt, harmloſe Gemiter mit
Berni weitergeführt. Wes gibts da alles zu hören und zu ſehen in der fängnis geſetzt und von dort im Geſängniswagen mit Kettengefangenen
Großtadt, nänlich in Bremen, und auf dem Lande und im Moorl nach Argsnojarſk zurückgebracht. In dieſem Gefangenenlager waren Liſte des Widerſtandes gegen Necht. Geſietz und Neligion zu eF
inzwiſchen von ca. 8000 Mannſchaften faſt ein Viertel an Flecktyphus
geſtorben. Die Toten, deren Namen niemand bekannt waren, wurden
zu je 5 in ein Grab geworfen. In Verkleidung gelang es ihm
aber=
mals, zu entfliehen; er erreichte in einem Zugtransport Irkutſkt und
das Gebirge von Chingon, dann unter großen Strapazen zu Fuß die in Anſpruch nimmt, als gerade die Vereinigten Staaten, das Land
Mandſchurei, wurde zum zweiten Male von den Mongolen an die Wolkenkratzer, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das ged
Ruſſen ausgeliefert und nach Chaitas Charbin und Nikolſk, nahe am
japaniſchen Meere, und von hier in das Gefangenenlager des berüch= alte Ideal iſt ab.r, beſonders nach dem Einwanderungsgeſetz von 4
tigten Krasnuja Bietſchka gebracht, von wo er und ſeine Mitgefangenen aufgegeben und das Kernproblem der Vereinigten Staaten, das
durch einen von ihnen angelegten unterirdiſchen Gang einige Wochen wie der Verfaſſer mit Necht in der Einleitung ſagt, nicht allein im !
nach Weihnachten in die Freiheit gelangten. Die Schilderung dieſer
Flucht in die Freiheit hat ſich der Verfaſſer für ſpäter vorbehalten. 1917 den die ganz verſchiedenen Nationalitäten, die aus allen Teilen?
endlich gelang es ihm, in die geliebte deutſche Heimat zu entkommen.
Der Verfaſſer beſchließt die hochintereſſante Schilderung ſeiner in der zu einer einheitlichen amerikaniſchen Nation zuſammengeſchweißt
Geſchichte des Krieges wohl einzig daſtehenden Erlebniſſe in folgender den können, nicht ſo ſehr durch phyſiſche Miſchung als durch Anglei44
Betrachtung von allgemeinem Intereſſe: Für Deutſchlands Zukunft wird an den puritaniſchen Typus, oder werden ſie, wenn der treibende
S=
der Oſten die wichtigſte Rolle ſpielen. Jene aſiatiſchen Gebiete, in die
mich die Gefangenſchaft geführt hat, dürſten nach dem befruchtenden keit entwickeln, in der ſich die Buntheit europäiſcher Staaten tu:
Negen der Kultur. Keine Nation iſt ſo wie Deutſchland berufen, dieſe ſpiegelte? Die Schlagworte „Amrikaniſierung” und Europäiſieau
öſtliche Kulturmiſſion zu erfüllen. Sobald Rußland vom
Bolſchewis=
mus geheilt ſein wird und ſich an den Kulturaufgaben der Menſchheit
zu beteiligen wünſcht, wird deutſche Geiſtes= und Arbeitskraft ihm als denden Problems, mit dem wie der Verfaſſer meint, Amerika, das
williger Helfer und Berater zur Seite ſtehen. Wir haben erkannt, daß
der ruſſiſche Charakter dem deutſchen in mancher Hinſicht verwandt iſt,
und daß deutſche und ruſſiſche Art untereinander einen guten Zweiklang der als Nationalökonom brkannte Verfaſſer, der im Vorjahre ernen
geben.
Frz. Strelzik: Goldene Kinderzeit, Bilder von Gg. Hinke. Jugend=Ver= antwortct hat und die intereſſanten Ergebniſſe, zu denen er ge!
lag, Charlottenburg.
Joh. Friedr. Schmidt, Seminar=Muſiklehrer, ein Lebensbild. Verlag von Geſchehens, mit dieſem Buche beſchäftigt, das zudem den Vorzug,
C. Bindernagel, Friedbemg (Heſſen). 150 Mk.
und Vertreterinnen der Schauſpielkunſt behandelt und es werden viel / Ausgewählte Werke drs Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius). Mit einer
bauer, 122 (XIIII und 1968 Seiten: 4 Tafeln). Freiburg i. Br.
1925. Herder. Gbd. in Leinwand je 7 Mk.; dazu Geſchenkkaſten zum
Einſtellung unter ſteter Berückſichtigung ihrer Hauptrollen. Ein reicher Erſter Band: Einleitung und Kleinere Erzählungen, IIII und
510 Seiten; 1 Tafel.)
für Dienſtboten und Meiſterleute. (III und 496 Seiten; 1 Tafel.)
und 508 Seiten: 1 Tafel.)
Der unvergleichliche naturgewaltige Schilderer und Dichter des
Schweizer, ſpeziell des Emmentaler Bauerntums, Jeremias Gotth.ff.
einer der alle größten, viclleicht der größte Epiker deutſcher Sprache
jebenfalls der einzige wirklich „homeriſchen” Ausmaß s, iſt in ſeinen
Werken zu neuem Leben und neuer Bedeutung erwacht. Durch den
Zeitabſtand den politiſchen Kämpfen des Tages entrückt, bietet er wie
wenige andere Erzähler in monumentaler dichteriſcher Geſtalt diejenigen
ſittlichen Kräfte dar, die allein zu einer Erneuerung des Volks ums
au=
ſeiner eigenen echten Wurzel ſühren können. Der ungeheure Umfang
ſeines erſtaunlich reichen Schriftums verbietet es leider aus praktiſch
ökonomiſchen Gründen, die ganze Fülle ſeiner blutvollen Schöpfungen
gerade denjenigen Leſerſchicht.n zu eigen zu machen, die unter den heutt
gen Verhältniſſen, obwohl ſie vorzugsweiſe für den Genuß der Got hell.
ſchen Dichtungen beſtimmt ſcheinen, ihre Mittel ſorgfältig zu Rate halten
müſſen. Dieſe Kreiſe ſind daher auf eine geeignete Auswahl unbeding
angewvieſen. Das Wertvollſte aus dem Werk des gewaltigen Schweizers
ſo auszuleſen, daß dadurch gleichzeitig ein möglichſt umfaſſendes Bill
ſeiner reichen Vielſeitigkeit erreicht wird, iſt keine leichte Aufgabe, zuma
wenn man Rückſicht auf de unter allen Umſtänden anzuſtrebende Wohl
feilheit ein gewiſſer knapper Umfang vorgeſchrieben iſt. Wir glauben
daß in der vorliegenden, von Johannes Mumbauer beſorgten vierbändi
gen Ausgabe die rechte Mitte zwiſchen zu großer Dürftigkeit bzw. Un
vollſtändigkeit und übermäßiger Ausdehnung gefunden iſt, daß
vielmeh=
hier der Jeremigs Gotthelf für die Dirchſchnittsgebildeten geboten wird
Aufgenommen wurden von den großen Romanen „Uli, der Knecht
„Geld und Geiſt” und „Käthi, die Großmutter”, d. h. das Berne
Bauernhaus im Kampf und Ringen, mit dem Abſtieg des Untüchtige.
und dem Aufſtieg der Tüchtigen; dann das Bauernhaus in der Ruhe
in dem Glanze ſeiner adeligen, abgeklärten Vornehmheit und innerer
Schönheit: endlich die niederen Bauernſchichten, verklärt durch ſittlich
religiöſe Ergebenheit und Zufried nheit im Schatten der Tugend. Daz
kommt ein Band ſorgfältig nach den oben erwähnten Grundſätzen aus
gewählter kleinerer Erzählungen, aus denen die ganze Unerſchöpflichkei
der Gotthelfſchen G ſtaltungskraft hervorleuchtet. Auf gewiſſenhafteſt
Medaktion des Textes, der bei den Gotthelfſchen Büchern bekanntlich rech
kompliziert vorliegt, wurde beſonderer Wert gelegt. Eine ausführlich.
Einleitung führt erſchöpfend und zuverläſſig in des Dichters Leben
Werk und Bedeutung ein. Die Ausſtattung der vier ſtattlichen Bänd
läßt — den Herderſchen vornehmen Traditionen gemäß — an nürdige
Solidität nichts zu wünſchen übrig.
E. W. Pfizenmayer: Mammuthleichen und Urwaldmenſchen in Nordoß
Sibirien, 340 Seiten mit 118 Abhildungen auf 50 Tafeln (darunn,
16 in Tieſdruck) und im Text. Leinen 15 Mark. F. A. Brockhaut
Leipzig.
Hofrat E. W. Pfizenmayer, langjähriger Kuſtos an den zoo=peſt
ontologiſchen Muſen in St. Petersburg und Tiflis, hat im Auftro
der Ruſſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften an zwei Expeditionen tei
genommen, deren Aufgabe es war, in Nordoſt=Sibirien nzu entdeck
Mammutkadaver auszugraben und zu bergen. Der ausführlichen
Schild=
heute entgegen. Gr iſt der einzige noch lebende europäiſche Teilnehnie
an dieſen Expeditionen; der Krieg und ſchließlich Internierung in
ruſſ=
niederzuſchreiben und einem größeren Kreis zugänglich zu machen. De
und der Aufenthalt an den Fundſtätten geben ihm reichlich Gelegenhe
zur Jagd auf Edelfalken und Adler, Schneehühner, Auerhühner. Gägt
und Schwäng, Beraſchaf und wilde Renntiere, Polarfuchs und Woß
raſſe. Sein Buch zeigt gewaltige Elchſchaufler von 26 und 34 Endel
die primitiven Fallen und Fanavorrichtungen der Eingeborenen ei.
gehend unter Beifügung einer Reihe von Zeichnungen behandelt werde,
*
* „Der Kainsgrund”. Roman von Axel Lübbe. In Engelhom
Verlag, Stuttgart 1926.
Ein Buch voller Geheimniſſe und Rätſel. Das nach den verſche
denſten geheimnisvollen Andeutungen ein „vollkommenes Erlebrſ”
ſchildern verſucht. Ctwas nie Dageweſenes, das iſt es ſcheinbar, zu
Waldmann vom Blau=Orange=Club. Berlin, haben dem Herausgeber wir uns wohl als eine Art von Symbol menſchlicher Hölle
vorſtel=
können. Was wohnt dort nicht alles beieinander! Mord, Habgier, 9
denſchaft, Wahn, Lüſternheit; ein Grund, vollgefüillt bis an den Nah
Geborgenſein vor alles durchdringenden Blicken, regt ſich inmitten die
Hölle ein Elementargefühl: Befreitſeinwollen vom eigenen dunklen 5.
ein Herausſtreben ans Licht: ſelbſt der alte Kain, dieſe
Symbolfig=
einer von ihren dunklen Trieben gehetzten Menſchheit, iſt nicht ganz
davon; etwas hält ihn ab, einen unweit vom Hauſe friedlich ſchlummm
den Wanderer zu überfallen und zu ermorden, und er ſucht ſein Gewiſt.
zu befreien. Neben den myſtiſch=ſymboliſchen Nebenfiguren,
Mänre=
des Geſetzes, der Religion und Wiſſenſchaft, nimmt das
Hauptinten=
die Hauptfigur des Buches, Volkmann, ein Heimkehrer aus dem Krit
mit ſeinem Karabiner erſchneßt, aus Ingrimm darüber, daß anſtän
Menſchen gefallen ſind, für ſo ein Vieh”, das weiterlebt und Gold
hamſtert hat. Er verſenkt die Leichen in den Teich und begeht eit
ausſchaut?. Soll das ein naer Menſch ſein, der das Evangelium”
bares Wild geworden iſt, der Luſt hat am Töten?, Volkmann fühnt ſit
ſchreckliche Tat mit dem Tode, und er hat nach Geſetz und Recht
ein Angeklagter?. So iſt, wie hier ſo dort, der Roman viel gefährl”
ſymboliſchen Menſchendaſeins, „mit Leiden ohne Zahl‟. Daß er
abe=
unwahrſcheinlich, und cs bleibt nach allem der Eindruck, daß es ein
Weshalb der Noman nicht in unreife Hände gehört.
Amerika und ſein Problem. Von M. J. Born. Verlag von G.B&
in Karlsruhe. Preis geh. 3 Mk.
Es gibt wohl kaum ein Land der Erde, das unſer Intereſſe ſo ſe
Land, ſagte man früher, das Aſhl der Verfolgten und Bedrückten. 2c
York, der „Eingangspforte”, ſtudieren folle, iſt heute das folgende: A.
bewohnten Erde in den nordamerikaniſchen Kontingent eingeſtrömt
zum Stillſtand gekommen iſt, ſich zu einer amerikaniſchen Vielgeſt.!
werden in ihrem geſchickſtlichen Werden bhandelt und ſo die Grumd”
gegeben zu einer obiektiven und intereſſanten Betrachtung des en 1”
mehr „nach Menſchen ruft”, bis jetzt nur geſpielt hat und das es je
gigantiſch m Maße zu löſen verſuchen müſſe. Die Gründlichkeit, m!
V=reinigten Staaten bereiſt bat, des Problem und die damit zuſan”
hängenden Fragen vom Standbunkte des Ethnologen behandelt uru
verdienen es, daß ſich jeder, der nicht iſoliert ſein will im Strorz
anſchaulich und allgemeinverſtändlich geſchrieben zu ſein.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 32
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Dienstag, den 1. Februar 1927
Seite 75
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