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Nummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927. 190. Jahrgang
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ſede Verpſiſchtung auf Erfüſlung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerſchlicher Beltrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Banſkonto: Deutſche Bank und Darme
ſtädler und Nationalbank.
Die Regierungskriſe noch ungelöſt.
Das politiſche Sechs=Tage=
Rennen.
9er Kampf um die Taktik. — Die Berſchiebung der
Aerhandlungsbafis. — Die Verbenprobe. — Die
Haus=
fehde bei den Oemokraten.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichstag hat am Mittwoch nach mehr als
vierwöchent=
icher Pauſe ſeine Beratungen wieder aufgenommen. Eigentlich
um parlamentariſchen Standpunkt aus ein grotesker Gedanke,
IN 5 die Volksvertretung mit gepackten Koffern ſchnell noch ein
gabinett ſtürzt und dann, ohne ſich um alles zu kümmern, nach
änuſe fährt, ſich dort vier Wochen ausruht, um dann langſam
dm Faden weiterzuſpinnen, während das geſchäftsführende
1 iniſterium unter der mangelnden Autorität auf innen= wie
1. ßenpolitiſchem Gebiet ſchwer zu kämpfen hat. Den Herren
Ab=
uordneten leuchtet das Abſurde ihres Tuns nicht recht ein.
iſe haben am Mittwoch kaum eine halbe Stunde geſeſſen und
ich eigentlich nur gegenſeitig für das neue Jahr die Hände
ge=
aüttelt, um dann die Beratungen auf Donnerstag zu vertagen.
so wird es wohl weitergehen, bis aus dem verbiſſenen Kampf
ymiter den Kuliſſen endlich irgendeine Regierung hervorgehen
u rd. Soweit aber ſind wir noch lange nicht. Daspolitiſche
Sechs=Tage=Rennen ſcheint ſich ſehr in die
Zänge zu ziehen.
Der Kanzler iſt am Mittwoch beim
Reichspräſi=
dienten geweſen, um ihm einen Zwiſchenbericht zu er=
1 tten. Irgendwelche ſachlichen Mitteilungen über ſeine
Ab=
igten und Ausſichten konnte er nicht machen, weil er — bei Licht
Fehen — noch immer nicht um einen Zentimeter vorwärts
ge=
a—nmen iſt. Ob das ſeine Schuld oder die Schuld der Tatſachen
ſt- läßt ſich ſchwer entſcheiden. Herr Marx hatte vom
Reichs=
ärſidenten den Auftrag bekommen, über die Möglichkeiten einer
Regierung der Mitte — wohl verſtanden nicht etwa einer
Minder=
hätsregierung der Mitte — zu ſondieren. Wenn man dieſen
Anftrag richtig interpretiert, ſo kann es ſich dabei nur um eine
Mehrheitsregierung handeln; denn der Reichspräſident mußte
dervon ausgehen, da ſchon ſeit mehr als einem Jahr der Ruf
ach einer geſicherten Mehrheit gerade aus dem
Reichstag heraus gekommen iſt und auch die Mittelparteien ſich
ert Anfang November davon überzeugt hatten, daß eine
Fort=
üchrung der Minderheitsregierung politiſche Fraktionen mit ſich
yrngen mußte. Da nun Herr Marx Mitte Dezember
m Reichspräfidenten erklärt hat, daß die
große Koalition für abſehbare Zeit auch für
as Zentrum nicht mehr in Frage komme, blieb
um vornherein nur der eine Ausweg einer Verlängerung der
Ihegierungsbaſis nach rechts. Aber gerade den will das Zentrum
ucht gehen. Es hat deshalb Herrn Dr. Curtius ſabotiert und ſetzt
ihe Mittel der Taktik ein, um daran vorbeizukommen; denn das
der eine Punkt, bei dem die Einheit des Zentrums in ſich
die Brüche gehen kann. Daher das Liebäugeln des
ſtanzlers mit den Sozialdemokraten, das in
venigen Tagen ſchon zu einer vollkommenen Verſchiebung
der Verhandlungsbaſis geführt hat.
Als der Kanzler ſeine Fühlungnahme begann, hielt man es
duch mindeſtens für ſelbſtverſtändlich, daß er von den
Sozial=
nonokraten verlangen würde, ſie müßten ein Kabinett der Mitte
m terſtützen. Es konnte ſich nur darum handeln, welche
Be=
dingungen ſie dafür ſtellten. Statt deſſen ſind wir jetzt glücklich
o weit, daß die Sozialdemokraten den Spieß umdrehen. Sie
vollen den Kanzler ein Kabinett bilden und ein Programm
auf=
tilllen laſſen; beides wollen ſie ſich nachher anſehen, um davon
hre Entſcheidung abhängig zu machen, d. h. auf deutſch, ein
oſches Kabinett wäre auf den guten Willen der Sozialdemokraten
ungewieſen, es würde mit ſozialdemokratiſcher Unterſtützung über
deri Start des Vertrauensvotum hinweggehen, dann aber
tag=
äglich ein neues Ende wie im Dezember erwarten können, wenn
* nicht bereit wäre, die Forderung der Sozialdemokraten zu
rrüllen. Allerdings hat ein ſolches Verfahren den Vorzug, daß
nan im Augenblick um alle Schwierigkeiten herumkommt und im
Vertrauen auf die Zukunft den Riß erſt einmal überkleiſtert. Es
rugt ſich nur, was die übrigen Fraktionen dazu ſagen. Faſt
cheint es, als wenn Zentrum und Demokraten bereit wären, auf
disſe Brücke zu treten. Die Deutſche Volkspartei hat das ab=
„Tehnt. Sie hat in einer Eutſchließung feſtgeſtellt, daß die
Mög=
iskeiten eines Zuſammenarbeitens zwiſchen Deutſchnationalen
u d Zentrum durch die Schuld des Zentrums noch nicht
end=
zültig geklärt ſind. Sie hat damit dem Zentrum die
Verant=
vortung noch einmal begreiflich machen wollen, die es Herrn Dr.
Furtius gegenüber übernommen hat, und gleichzeitig zu
ver=
tchen geben wollen, daß jetzt mit allen Parteien erſt
Verhand=
zrigen über eine bürgerliche Koalition in Angriff genommen
verden müſſen. Solange das nicht entſchieden iſt, kommt
irgend=
ziue Kombination für die D.V.P. nicht in Frage. Das Zentrum
ward ſich auch damit nicht aus der Verlegenheit helfen können,
du ß es ſagt, die Verſuche mit den Deutſchnationalen wären bereits
cheitert. So billig wird es ſich nicht loskaufen.
Die D.V.P. beſteht darauf, daß jetzt der einzig mögliche
Ver=
uEh einer Mehrheitsbildung mit den Deutſchnationalen gemacht
prd. Zentrum und Sozialdemokraten werden weiter durch
tak=
üiſche Mittel ſich bemühen, um dieſe Alternative herumzukommen.
2ue ganze Kabinettsbildung iſt alſo jetzt eine Nervenprobe.
im erſter Linie beim Zentrum, wo der Reichsarbeitsminiſter nach
rchts zieht, der dafür in den demokratiſchen Blättern ſtark
ge=
rü ffelt wird, und Herr Dr. Wirth nach der entgegengeſetzten
Seit=
adbeitet unter Berufung darauf, daß der linke Flügel der
Zeu=
tmimspartei in der Zwiſchenzeit ſtark angewachſen ſei. Ein
be=
ſoderes Zwiſchenſpiel iſt die Hausfehde bei den
De=
mokraten, die über Herrn Geßler zu Gericht ſitzen und eine
Formel ſuchen, wie ſie ſich dieſes unbequemen Miniſters
ent=
ledigen können. Vielleicht werden ſie mit ihren Vorbereitungen
dazu bis zur endgültigen Kabinettsbildung noch rechtzeitig fertig.
Ausſicht dafür iſt vorhanden, denn die Hoffnung, daß wir noch
im Laufe dieſer Woche zu einer neuen Regierung kommen, iſt
recht gering.
Die Demokraten gegen den Reichswehrminiſier
Berlin, 19. Januar.
Die demokratiſche Reichstagsfraktion beſchäftigte ſich heute
abend mit der Frage der Regierungsbildung. Die Fraktion
be=
ſchloß, Erklärungen des Reichskanzlers, Dr. Marx abzuwarten.
Bisher ſind von dieſem der Fraktion keine ſachlichen oder
perſön=
lichen Vorſchläge gemacht worden. Die Fraktion behandelte
fer=
ner die Frage der Reichswehr und nahm bei faſt vollſtändiger
Beſetzung einſtimmig folgenden Beſchluß an: Die deutſche
demo=
kratiſche Fraktion, die ſich durch alle berufenen Vertreter ſtets für
die Reichswehr eingeſetzt und deren Entpolitiſierung als
Voraus=
ſetzung der Wehrhaftigkeit der Nation gefordert hat, mißbilligt
es auſ das ſchärfſte, daß ein General in die Politik eingreift und
hierbei verletzende und durch Tatſachen widerlegte Angriffe gegen
die Deutſche Demokratiſche Partei erhebt. Sie erſucht ihren
Vorſtand, die nötigen Schritte gegen die Wiederholung eines
ſol=
chen Vorganges und für die Beſeitigung der Mißſtände, die ihm
zu Grunde liegen, zu tun, weil nur dann die Reichswehr eine
Sache des geſamten Volkes werden kann.
Die Oeutſche Volkspartei zur Regierungskriſe.
Berlin, 19. Januar.
Ueber die Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutſchen
Volkspartei wird folgendes Communiqus ausgegeben: Die
Reichstagsfraktion der Deutſchen Volkspartei nahm in ihrer
heutigen Sitzung die Berichte ihrer Abgeordneten Dr. Scholz
und Dr. Curtius über den bisherigen Gang der
Regierungs=
bildung entgegen. Die Fraktion ſprach dem Abgeordneten Dr.
Curtius den Dank für ſeine Führung der Verhandlungen aus
und erklärte ſich einmütig mit der Art dieſer ausſichtsreich
ge=
führten Verhandlungen einverſtanden. Die Fraktion ſtellte feſt,
daß infolge des Abbruches der Verhandlungen
durch die Zentrumsfraktion die Frage nicht
endgültig geklärt iſt, ob die ſachlichen
Voraus=
ſetzungen für ein Zuſammenwirken mit der
deutſchnationalen Fraktion auf innen= und
außenpolitiſchem Gebiete gegeben ſind. Die
Fraktion betraut ihren Vorſitzenden mit der Weiterführung der
Verhandlungen und wird dieſe auf der Grundlage ihrer
bis=
herigen Beſchlüſſe führen.
Die Wirtſchaſtliche Vereinigung zur Regierungsbildung.
Berlin, 19. Januar.
Die Reichstagsfraktion der wirtſchaftlichen Vereinigung hat
in ihrer heutigen Fraktionsſitzung folgenden Beſchluß gefaßt: Die
wirtſchaftliche Vereinigung, deren Vertreter bisher noch nicht
über ihre Stellungnahme befragt worden ſind, hält an ihrem
alten Standpunkt feſt, daß ſie ſich keinem Kabinett gegenüber
dauernd binde, ſondern ihre jeweilige Entſcheidung nach den
wirtſchaftlichen Bedürfniſſen der von ihr vertretenen Volkskreiſe
treffen muß. Im Intereſſe dieſer Volkskreiſe würde ſie
Be=
denken gegen ein Kabinett der Mitte haben, das
in ſozialpolitiſchen Beziehungen zu
weit=
gehende Bindungen eingeht.
Die Haltung der Sozialdemokraten.
Berlin, 19. Januar.
Die ſozialdemokratiſch: Reichstagsfraktion nahm heute vor
dem Plenum in einer Sitzung den Bericht des
Fraktionsvorſtan=
des über die Verhandlungen mit Dr. Marx wegen der Bildung
eines Kabinetts der Mitte mit ſozialdemokratiſcher Unterſtützung
entgegen. Nach etwa zweiſtündiger Ausſprache wurde nahezu
einſtimmig ein Beſchluß gefaßt des Inhalts, daß die Fraktion
grundfätzlich gegen ein Kabinett der Mitte nichts einzuwenden
habe, daß ſie ſich aber ihre letzte Entſcheidung vorbehalte, bis über
Zuſammenſetzung und Programm eines ſolchen Kabinetts
Klar=
heit beſtehe.
Von
Profeſſor Dr. Wilhelm Schüßler.
An den Grenzen des italieniſchen Königreichs wohnten vor
dem Kriege einige hunderttauſend Italiener unter öſterreichiſcher
Herrſchaft; die Stadt Trieſt war ebenſo wie Südtirol und das
Küſtenland das Ziel der Sehnſucht Italiens, obwohl dieſe reiche
Handelsſtadt in ihrem wirtſchaftlichen Gedeihen von der Exiſtenz
der öſterreichiſchen Monarchie ſchlechthin abhing. Und wegen der
„unerlöſten Brüder” hat Italien den Eintritt in den Weltkrieg
nicht geſcheut.
Vor unſeren Toren leben, faſt 7 Millionen
Deutſchöſter=
reicher, die ihre Aufnahme ins deutſche Vaterhaus wünſchen.
Aber bei uns im „Reiche” wagt man von der Vereinigung aller
Deutſchen im großdeutſchen Nationalſtaat kaum zu reden; man
ſieht Probleme über Probleme, Schwierigkeiten der inneren zu
denen der äußeren Politik. Und Literaten — zum Teil undeutſchen
Urſprungs — wie Oskar A. H. Schmitz ſchreibt ein Buch gegen
den Anſchluß und — wird von dem Unwillen der Geſamtnation
nicht gerichtet, obwohl ſeine Kenntniſſe Oeſterreichs grauenpoll
lückenhaft ſind und ſeine Ausführungen den Wünſchen unſerer
Feinde vollſtändig entſprechen! Gibt es ein beſchämenderes
Zeugnis für die Schwäche unſeres Nationalgefühls? Und iſt es
nicht überhaupt lücherlich — um nicht zu ſagen: verächtlich —,
daß ein Literat, der gelegentlich zum Beſuch von Verwandten
nach Deutſchöſterreich kommt, ein Buch über den „
Deutſchöſter=
reichiſchen Menſchen” ſchreibt?
Aber Lächerlichkeit tötet bekanntlich in Deutſchland nicht, und
unnationales Verhalten ächtet nicht bei uns. Gegen Giftpflanzen
hilft nur ein kräftiges Ausjäten. Es iſt ein ſehr großes Verdienſt
des bekannten Publiziſten und ehemaligen öſterreichiſchen
Mini=
ſterialrates Friedrich F. G. Kleinwaechter, daß er im Eckart=
Verlag in Wien ein Buch hat erſcheinen laſſen, das gegen das
Schmitzſche Buch gerichtet iſt, das, aber in vorbildlicher Weiſe
zugleich das Buch über den Anſchluß Oeſterreichs iſt, das jeder
Deutſche geleſen haben müßte, der über dieſe Frage — leider
„Der deutſchöſterreichiſche Menſch und der Anſchluß” und
wendet ſich im erſten Teil nicht nur gegen die Behauptung von
Schmitz, daß der Deutſchöſterreicher eine beſondere Sorte von
Menſch und von den übrigen Deutſchen weit unterſchieden ſei,
ſondern bringt dabei auch eine klaſſiſch zu nennende Analyſe der
deutſchöſterreichiſchen Bevölkerung. Wer die ſoziologiſch
tiefgrün=
digen Abſchnitte über den Bauern, den Ariſtokraten, den Bürger,
den Arbeiter, das Judentum, den Katholizismus, das
Deutſch=
tum geleſen hat, wird nicht nur eine ausgezeichnete Ueberſicht
über die ſoziale Schichtung, Lage, Intereſſen der einzelnen
Be=
völkerungsſchichten haben, ſondern er wird auch fähig ſein, das
Literatengewäſch von dem „undeutſchen‟ Deutſchöfterreichertum
mit Sachkenntnis und Empörung abzulehnen!
Iſt der erſte Teil des Buches mehr polemiſcher Natur, gibt
der zweite die Antwort auf die vielen Fragen, die mit dem
An=
ſchluß Oeſterreichs verknüpft ſind.
Da im heutigen materialiſtiſchen Zeitalter die wirtſchaftlichen
Erwägungen im Vordergrunde ſtehen, da zumal im Deutſchen
Reiche heute die ehemaligen Denker und Dichter zu
gewinnſüch=
tigen Kaufleuten geworden ſind, hat Kleinwaechter einen ganzen
Abſchnitt dem „Anſchluß als wirtſchaftliches Problem” gewidmet.
Zunächſt werden die Folgen der Zerſtörung des ehemaligen
öſter=
reichiſch=ungariſchen Wirtſchaftsgebietes in ihrer ganzen
Furcht=
barkeit für Deutſchöſterreich gezeigt: es iſt wirtſchaftlich dem
Tode geweiht. Es wird dann bewieſen, daß Wiens wirtſchaftliche
Stellung nach der Zerſtörung des großen Wirtſchaftsgebietes
durch Verbindung mit den Nachfolgeſtaaten nicht
wiederher=
geſtellt werden kann, weil Wien das Bankzentrum und
Wirt=
ſchaftskontor der alten Monarchie war, die neuen Staaten aber
ſelber imſtande geweſen ſind, in Prag, Warſchau, Bukareſt und
Belgrad Wien vollkommen zu erſetzen. Kleinwaechter zeigt dann,
daß die einzige wirtſchaftliche Löſung des Problems der
Anſchluß Oeſterreichs an das Deutſche Reich iſt: nur die
Verbin=
dung mit dem großen deutſchen Wirtſchaftsgebiet kann
Deutſch=
öſterreich und Wien aus der völligen Verelendung retten. Um
den reichsdeutſchen „Geldbeutel=Patrioten” ihre Sorgen zu
neh=
men, daß der Anſchluß von 6½ Millionen Deutſchen ein
ſchlech=
tes „Geſchäft” ſei, wird in einem beſonderen Abſchnitt noch
ge=
zeigt, welche wirtſchaftliche Bedeutung der Anſchluß für das
Reich haben würde und was Deutſchöſterreich an reichen Gütern
alles mitbringt.
Der letzte Abſchnitt iſt dem Anſchluß als politiſches Problem
gewidmet. Kann Deutſchöſterreich, wie die Entente will, und wie
ſie es durch die Völkerbundanleihe aufrechtzuerhalten gedenkt,
wirklich als ſelbſtändiges Staatsweſen beſtehen? Die Antwort
iſt, ſchon aus wirtſchaftlichen Gründen: auf keinen Fall!. Die
Entente iſt ratlos. Das einzige Organiſche und Natürliche: den
Anſchluß an das Deutſche Reich, verbietet ſie, um Deutſchland
nicht zu groß werden zu laſſen. Was bleibt übrig, wenn nicht die
Vecelendung von 6½ Millionen Deutſchen im Herzen Europas?
Frankreich ſpielt mit dem Gedanken der Donauföderation. Aber
der iſt nicht und niemals zu verwirklichen! Zunächſt: was immer
wieder überſehen wird und worauf Kleinwaechter ſo energiſch
hinweiſt: die übrigen Teilſtücke der alten öſterreichiſch=ungariſchen
Monarchie haben ſich ja mit großen Nationalſtaaten verbunden!
Sollten ſich wirklich jemals Deutſchöſterreich, Rumpf=Ungarn,
Großrumänien, Südſlawien, Polen, die Tſchechoflowakei und —
Italien zu einem wirtſchaftlichen und dann ſtaatlichen Verbande
zuſammenſchließen? Schon die Frage ſtellen heißt, ſie verneinen!
Alle Nachfolgeſtaaten mit Ausnahme Deutſchöſterreichs ſind nicht
nur für ſich allein wirtſchaftlich lebensfähig, ſondern ſind vor
allen Dingen froh, der Vereinigung mit anderen entronnen und
nun ſelbſtändig zu ſein. Nie würden ſie ſich zuſammenſchließen
und ihre eben ſtolz errungene Unabhängigkeit nur deshalb opfern,
um Deutſchöſterreich wirtſchaftlich lebensfähig zu machen! Ganz
abgeſehen davon, daß vom nationaldeutſchen Standpunkt eine
Seite 2
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
ſolche Donauföderation unannehmbar iſt, weil angeſichts der
er=
drückenden nichtdeutſchen Mehrheit in einem ſolchen Gebilde der
nationale Tod Deurſchöſterreichs die ſichere Folge ſein müßte!
Die Anſchlußgegner außerhalb und innerhalb Deutſchlands
ſpielen nun weiter mit der „Idee „Pan=Europa”, um uns zu
ſagen, daß im künftigen enropäiſchen Bundesſtaat alle nationalen
Fragen gelöſt ſein werden! Darauf erwidert Kleinwaechter mit
vollſtem Recht, daß die geiſtigen Vorausſetzungen zur
baldi=
gen Schaffung Pan=Europas bei allen Völkern völlig
feh=
len, daß aber das mit dem Tode bedrohte Deutſchöſterreich
nicht ſo lange warten kann, bis die Vorausſetzungen erfüllt ſind!
So bleibt tatſächlich — was ja vom nationalen Standpunkt
von vornherein ſelbſtverſtändlich war — nicht anderes übrig, als
der Anſchluß Deutſchöfterreichs an das Deutſche Reich — das ſich
dann erſt wirklich mit vollem Recht. Deutſchland” nennen könnte!
Wir hoffen und glauben, daß die Macht der Tatſachen ſchließlich
ſtärker ſein wird als die außenpolitiſche Schwierigkeit (
Frank=
reich, Italien, Tſchechoſlowakei) und die innerdeutſchen Bedenken
(Konfeſſion, Großpreußen, Bayern). Wir leben nicht mehr im
Zeitalter der Glaubenskämpfe, als man ſich mit dem
auslän=
diſchen Glaubensgenoſſen, gegen den deutſchen Bruder verband.
Wir glauben nicht mehr, daß Großpreußen das letzte Ziel der
deutſchen Geſchichte iſt, ſondern wir erinnern uns an das Wort
Bismarcks, des Mannes, der 1866 10 Millionen Deutſche in
Oeſterreich und Böhmen aus dem uralten Verband der deutſchen
Stämme drängte und der dennoch 1879 ſeinem Kaiſer ſchrieb:
„daß der Begriff „Deutſches Vaterland” ſich nach tauſendjähriger
Tradition auch an der Donau, in Steiermark und in Tirol
wiederfindet!“
Die „Ausſöhnungspolitik” gegenüber Deutſchland.
Keine Räumung ohne Kompenſattonen.
Paris, 19. Januar.
Dem heutigen Bericht vor der Auswärtigen
Kawmerkommiſ=
ſion ſah man mit großer Spannung entgegen, da er den Auftakt
der parlamentariſchen Erörierung der Briandſchen Außenpolitik
bedeutet. Ueber den Verlauf der Sitzung der außenpolitiſchen
Kammerkommiſſion haben wir folgende Information erhalten:
Briands Erilärungen ſcheinen in erſter Linie von
innerpoli=
tiſchen und weniger von außenpolitiſchen Nückſichten
be=
einflußt zu ſein. Er betonte zunächſt, daß er nicht ſeine
eigene, ſondern die Politik der geſamten
Re=
gierung verteidige, mit der er ſich in völligem
Einver=
nehmen befinde. Die Räumung der Rheinlande ſtehe
gegenwärtig, wenigſtens vom diplomatiſchen Standpunkt aus
ge=
ſehen, nicht zur Erörterung. Er, Briand, lehne
die Räumung durchaus nicht als unmöglich ab,
ſei aber der Anſicht, daß ſie auf keinen Fall ohne
wei=
tere Kompenſationen für die Sicherheit
Frank=
reichs und vielleicht auch finanzieller Axt in
Frage kommen könne. Bei der Sicherungsfrage denke er an die
Einrichtung eines beſonderen
Kontrollorga=
nismus, der vollſtändiger ſei als die Inveſtigationskommiſſion
und die unter der Leitung des Völkerbundes
dauernd im Rheinland bleiben müſſe. Auf
finan=
ziellem Gebiet ſei vielleicht der deutſche Vorſchlag, die B=
Obliga=
tionen des Dawesplanes zu mobiliſieren, eine ernſte Erwägung
wert. — Auf eine Interpellation der elſäſſiſchen Abgeordneten
Frey und Oberkirch, die für eine unbegrenzte Beibehaltung der
Rheinlandbeſetzung ſelbſt über die im Verſailler Vertrag
feſtge=
ſetzte Friſt hinaus eintraten, erwiderte Briand, es handele ſich
eben darum, zu wiſſen, ob man die Beſetzung auf unbeſtimmte
Zeit beibehalten oder eine Räumung in Ausſicht nehmen wolle.
Er verfolge eine von der geſamten Regierung gebilligte Politik,
und es ſei nicht mehr möglich, in Frankreich eine
andere als die Ausſöhnungspolitik gegenüber
Deutſchland zu betreiben. Jede andere Politik ſei
lächerlich und abſurd. Im weiteren Verlauf antwortete Briand
auf die Zwiſchenfrage, wann vorausſichtlich die Räumungsfrage
aufgeworſen werden würde, dies werde ſicherlich noch in dieſem
Jahre der Fall ſein.
In diplomatiſchen Kreiſen iſt der allgemeine Eindruck
der Erklärungen Briands vor der Außenkommiſſion
ſehrgünſtig. Man betrachtet ſie als einen Beweis dafür, daß
er eine Räumung der Rheinlande in nicht allzuferner Zeit für
unvermeidbar halte. Offenbar ſei er ſich aber noch nicht klar
darüber, was als Kompenſationsobjekt in Frage komme.
Be=
ſonders hervorgehoben wird, daß die Oppoſition in der
Kom=
mifſionsſitzung keinerlei Vorſchläge gegen ſein Syſtem und keine
Einwendungen gegen ſeine Politik vorgebracht habe. Briand habe
ſich in beſter Form befunden und einen großen redneriſchen
Erfolg erzielt. Loucheur erklärte, wenn Briand dieſe Rede vor
dem Kammerplenum gehalten hätte, ſo würde er zweifellos einen
gewaltigen Erfolg damit erzielt haben.
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Mittwoch, den 19. Januar.
Die Walfüre.
Muſikdrama von Nichard Waguer.
Nach der neuen Faſſung des „Rheingolds” kam heute der
erſte Tag der „Nibelungen”=Trilogie in der neuen Inſzenierung
H. E. Mutzenbechers, mit den neuen Bühnenbildern Arthur
Pohls und zum erſten Male von Joſeph Roſenſtock
muſi=
kaliſch geleitet, heraus. Ebenſo wie die des „Rheingolds” kann
die Aufführung auch der „Walküre” nur als ein Verſuch gelten,
dem Problem „Richard Wagner auf der Gegenwartsbühne‟
deren Schwierigkeiten. Sie beſtehen ſzeniſch in dem eng mit der
Muſik verwachſenen Naturalismus, dramatiſch in den
retardie=
renden Erzählungen, muſikeliſih in der populär gewordenen
Melodik. Sie werden alle, mag die Inſzenierung im alten Stil
oder modern ſein, die Regie wechſeln, der oder jener dirigieren,
ſedesmal ſiegreich überwunden, weil dieſem Stück im Aufbau und
in den Hauptſzenen eine Bühnenkraft innewohnt, die Wagner in
9 ſeltenem Grade zu geben verſtand, wie ſie keinem einzigen
Deutigen mehr zu Gebote ſteht. Alles wirkt oder packt irgendwie,
wenn auch nicht mit den Mitteln der Oper. Eine Muſik erklingt,
die das eigenſte perſönliche Gepräge hat. Ein Muſikdrama
enk=
ſteht, das nicht das alleinſeligmachende Vorbild der Oper wird,
wie es der Meiſter wähnte, wohl aber das einzig ihm gemaße
Inſtrument, ſeiner Gedankenwelt Ausdruck zu verleihen.
Vom Tage.
Der Reichsverband der Deutſchen Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaft
hält ſeine diesjährige Tagung, den 40. Deutſchen
Landwirt=
ſchaftlichen Genoſſenſchaftstag vom 20.—25. Juni in
Kaſſel ab.
An Stelle des mit dem 1. Februar ausſcheidenden Generalmajors
Brueck wird der mit dem 1. Februar zum
Artillerie=
führer IV ernannte Oberſt Fiſcher zum
Landeskom=
mandanten von Sachſen ernannt.
Der Aelteſtenrat des Reichstags hat beſchloſſen,
mög=
lichſt in den Tagen vom 27. Januar bis 2. Februar
einſchließ=
lich wegen der Thürmger Landtagswahlen die Penarſitzungen
ausfallen zu laſſen.
Die Verhandlungen über den Abſchluß eines
belgiſch=
chineſiſchen Vertrags haben begonnen. Belgien erklärte, alle
ſeine Rechte auf die belgiſche Konzeſſionszone von
Tientſin aufgeben zu wollen.
In Parfſer diplomatiſchen Kreiſen verlautet, daß der
itali=
eniſche Botſchafter Baron Avezana, demnächſt Paris
verlaſfen werde. Als ſein Nachfolger wird der italieniſche
Botſchafter in Moskau, Graf Manzoni, genannt.
Das vom Völkerbund einberufene Komitee der internationalen
Jour=
naliſten tritt am Montag, den 24. Januar, in Genf zuſammen, um die
Vorarbeiten für die internationale
Preſſekonfe=
renz, die demnächſt einberufen werden ſoll, in Angriff zu nehmen.
Der Prozeßgegenden Angreifer des Grafen
Beth=
len, Jwan de Juſth, ſoll am 24. Januar in Genf vor dem
eid=
genöſſiſchen Geſchworenengericht beginnen.
Der amerikaniſche Senat hat mit 50 gegen 34 Stimmen
den Lauſanner Vertrag abgelehnt. Dieſer
Friedens=
vertrag mit der Türkei war bekanntlich in den Vereinigten Staaten
heftigen Anfeindungen ausgeſetzt.
Staatsſekretär Kellogg erklärte, daß er mit der
Ueberwei=
ſung des mexikaniſchen Oelſtreiks an ein Gericht
einverſtanden ſei.
Nach einer Meldung der Agentur Indo Pacific aus Tokio habe
Japan den Wunſch, Beſprechungen mit den
mittel=
amerikaniſchen Republiken zwecks Abſchluſſes eines
Bündnisvertrags einzuleiten.
Neuer ſpaniſcher Boiſchafter für Berlin.
Berlin, 19. Januar.
Der ſpaniſche König hat eine Verordnung unterzeichnet,
wo=
durch zum neuenſpaniſchen Botſchafter in Berlin
der Generalſekretär im Außenminiſterium, Fernando Eſpinoſa
de los Monteros, ernannt worden iſt anſtelle von
Guardiola, der zum Mitglied der ſtändigen Kommiſſion des
Staatsrates ernannt worden iſt. Der neue Botſchafter ſteht ſeit
Der heutige Abend brachte manche Erfüllung, aber auch viele
Enttäuſchungen, beſonders im erſten und zweiten Akt. Die neue
Inſzenierung, ſo unglaublich wenig Koſten ſie verurſacht haben
mag, kann nicht als glücklich bezeichnet werden, weder in den
Bühnenbildern, denen das Großzügige und Muſikaliſche fehlt,
und die beſonders im zweiten Akt nicht einmal zweckmäßig
ſchie=
nen, noch in der Regie, die überall Anderes, Neues bringen
wollte. Das Andere erwies ſich meiſt nicht als das Beſſere.
Vieles wirkte gekünſtelt (Todesverkündung), manches kleinlich.
Häufige „Platzveränderungen, Unſicherheiten, ſteile Treppen,
Jurückſingenmüſſen ſtörten. Nir der dritte Akt hatte ſzeniſch.
dramatiſch und muſikaliſch Größe und das erforderliche Pathos.
Die muſikaliſche Leitung war umſichtig und temperamentvoll,
wie immer. Indes, die „Ring”=Muſik liegt Noſenſtock wenig.
Das darf ohne Tadel von einem Dirigenten geſagt werden, der
Fernando Eſpinoſa de los Montervs.
dem Jahre 1906 im diplomatiſchen Dienſt, und zwar mit einer
Unterbrechung, während deren er als Sekretär in Liſſabon tätig
ſwar und durchgängig im Madrider Außenminiſterium im Jahre
1921 zum Miniſterpräſidenten ernannt wurde. Er iſt im Jahre
1923 Unterſtaatsſekretär des Auswärtigen geworden und iſt in
dieſer Eigenſchaft im politiſchen und diplomatiſchen Leben
viel=
ſach hervorgetreten. Monteros hat in Deutſchland ſtudiert und
an der Univerſität Jena den juriſtiſchen Doktorgrad erworben.
Es verbinden ihn alſo alte und und beſondere Beziehungen mit
dem Lande ſeiner künftigen Wirkſamkeit.
in ſo vielen anderen Sätteln meiſterlich zu ſitzen verſteht. Sein
vortreffliches Orcheſter, ſeit langem nach der Partitur auch in
allen Bläſern richtig beſetzt, ließ die Schönheiten des Werkes mit
glänzendem Können erſtrahlen.
Als Siegmund ſtellte Gotthelf Piſtor eine glänzende
Ge=
ſtalt hin. In äußerer Erſcheinung heldiſch überragend. In ſeinen
Bewegungen oft noch unfertig, zum Teil unſicher, was ſich bei
Wiederholungen ausgleichen wird, geſanglich häufig flackernd,
nur bei Temperamentsausbrüchen ſieghaft. Ihm zur Seite
Ger=
trud Gercke eine bildhafte, wenn auch nicht genügend jugendlich
erſcheinende Sieglinde, im Spiel nicht herb genug, geſanglich,
ſobald ſie das Rezitativiſche verlaſſen darf, von großer Schönheit.
Die Brünnhilde, als welche ſie vor zwei Jahren gaſtiert und
ver=
pflichtet wurde, iſt eine gute Rolle Charlotte Maſſenburgs,
nicht ihre beſte. Ihre Weſensart und ſtark ſich meldendes Blut
iſt ihr hier hinderlich. Die Todesverkündung litt unter ſzeniſchen
Mängeln (Platzwechſel und Perſonen zu dicht aufeinander). Der
dritte Akt jedoch ſtellte ihre vortreffliche Leiſtung in helles Licht.
Mit ihrer — und aller Walküren — Haartracht kann niemand
einverſtanden ſein. Sie iſt ausgeſprochen orientaliſch. Im
Wal=
küren=Enſemble der Damen Roerig, Müller, Jacobs,
Penſe, Kapper Albrecht, Opitz, Liebel war viel
Friſche und ſtimmliche Kraft, auch trotz zu großer Unruhe, manche
gute Gruppe.
Am naheſten dem pathetiſchen Stil Wagners ſtehen immer
wieder die Fricka von Anna Jacobs, der Wotan von
Johan=
nes Biſchoff und Hölzlins wenn auch ſchon moderner
ge=
faßter Hunding, deſſen Bartloſigkeit übrigens nicht richtig ſein
kann. Dieſe drei wirken daher auch am geſchloſſenſten, zuweilen
geradezu monumental.
Die Aufführrng bedarf im ganzen noch der Ueberarbeitung
und Abrundung. Der mich noch nicht befriedigende Eindruck
wurde von einem ſehr zahlreichen, begeiſterten Publikum nicht
geteilt, das mit wiederholt geſpendetem Beifall alle Darſteller
überſchüttete.
v. H.
Das Mädchen mit dem „Millionen=
Dollar=Lächeln”
ink. Dieſer Tage ſtand vor dem New Yorker Zuprem Court
Richter „Vera” mit dem Millionen=Dollar=Lächeln” als Zeugin in
einem Schadenerſatztrozeß, den ihr früherer Gatte John Erneſt
2Sadleight gegen ſeinen Studienfreund Loring Tonkin von der
Wiederzuſammentritt des Beichstages
Die erſte Sitzung nach den Weihnachtsferien.
* Berlin, 19. Januar. (Eig. Bericht.)
Der Reichstag hielt heute ſeine erſte Plenarſitzung nach den
Weihnachtsferien ab. Das Haus war zu Beginn der Sitzung
noch ziemlich ſchlecht beſetzt, da noch eine Anzahl
Fraktions=
ſitzungen andauerten. Vor Eintritt in die Tagesordnung
wid=
mete Präſident Loebe dem während der Weihnachtspauſe
ver=
ſtorbenen ſozialdemokratiſchen Abgeordneten Zubeil einen
Nach=
ruf, den die Mitglieder des Hauſes ſtehend anhörten. Der
Prä=
ſident teilte weiter mit, daß an Stelle Zubeils der Schriftſteller
Kurt Heinig in den Reichstag eingetreten ſei.
Abg. Stoecker (Kom.) verlangte dann gleichfalls noch vor
Eintritt in die Tagesordnung unter lauter Zuſtimmung ſeiner
Fraktionsgenoſſen, daß dem Schauſpiel der
Regierungskriſenver=
handlungen ein Ende gemacht und der Reichstag aufgelöſt
wer=
den müſſe und begründete einen Antrag, wonach der Reichstag
ſelbſt ſeine Auflöſung fordern ſoll.
Das Haus erledigte dann ohne Debatte die aus den
Aus=
ſchußberatungen her bekannte Vereinbarung über den
Arbeiter=
verkehr an der deutſch=ſaarländiſchen Grenze.
Bereits kurz vor 4 Uhr vertagte ſich das Haus auf
Donners=
rag nachmittag 3 Uhr.
Ein neues Polizeibeamtengeſetz in Sicht.
Der preußiſche Entwurf eines neuen preußiſchen
Schutz=
polizeibeamtengeſetzes ſoll nach Mitteilung des Amtlichen
Preu=
ßiſchen Preſſedienſtes in ſeinen Grundzügen auch auf die anderen
Länder Anwendung finden. Es ſtehen demnach auch für die
heſſi=
ſche Polizeibeamtenſchaft grundlegende Aenderungen hinſichtlich
ihrer Rechts= und Beſoldungsverhältniſſe bevor.
Nach dem preußiſchen Entwurf, der zunächſt noch im
Land=
tag einem Sonderausſchuß überwieſen werden dürfte und
wo=
möglich noch am 1. April Geſetzeskraft erlangen ſoll, ſind die
An=
ſtillungsverhältniſſe der Polizeioffiziere im weſentlichen
unver=
ändert geblieben. Die Beſtimmungen über die Kündigungen
ſehen nunmehr vor, daß bis zu 10 Dienſtjahren ſämtliche
Polizei=
offiziere kündbar ſind, und vom 10. Jahre an lebenslänglich
an=
geſtellt werden. Die Kündigungsmöglichkeit bleibt und iſt nicht
mehr an die Friſt des 32. Lebensjahres gebunden. Die
Wacht=
meiſter haben vom 32. Lebensjahre ab — bis dahin ſind ſie
künd=
bare Beamte — nach Maßgabe freier Stellen Anſpruch auf
lebens=
längliche Anſtellung.
Der Abſchnitt über die Verſorgungsbeſtimmungen enthält
keine Beſtimmungen über Verſorgungsſchein,
Uebergangsgebühr=
niſſe uſw. für ſolche Beamte, die nicht in lebenslängliche Stellen
übergeführt werden können. Das Geſetz ſieht vor, daß ſolche
Be=
amte die Rechte des alten Geſetzes für ſich in Anſpruch nehmen
können. Die Heiratseinſchränkungen ſind im allgemeinen aufrecht.
erhalten.
Die heſſiſche Polizeibeamtenſchaft beobachtet
begreiflicher=
weiſe mit großem Intereſſe dieſe Vorgänge, und das um ſo mehr,
weil bei uns die Ueberzeugung beſteht, daß Verbeſſerungen der
Belange der heſſiſchen Polizeibeamten, wie ſie in Preußen bereits
ſeit Jahren durchgeführt ſind, unbedingt notwendig ſind. Die
Anwendung des neuen Geſetzes auf heſſiſche Verhältniſſe würde
für die heſſiſche Polizeibeamtenſchaft ganz erhebliche
Verſchlech=
terungen mit ſich bringen. Es iſt die Rede davon, daß in aller
Kürze wichtige Grundrechte der Polizeibeamtenſchaft ohne
Mit=
wirkung der Parlamente geändert werden ſollen, Für Heſſen
ſcheint dies nicht zuzutreffen. Der heſſiſche Miniſter des Innern
hat den Berufsvertretungen der Polizeibeamten die Zuſage
ge=
geben, ſie in den allernächſten Tagen über die ſchwebenden
Fra=
gen zu unterrichten.
Das neue Prager Kabinett.
* Prag, 19. Januar. (Priv.=Tel.)
Der Präſident der Tſchechoſlowakei empfing heute den neu
ernannten Unifizierungsminiſter Dr. Gazik und den neu
ernaun=
ten Miniſter für Geſundheitsweſen, Dr. Fiſo, die den
verjaſ=
ſungsmäß gen Eid ablegten. Von den 15 Mitgliedern der
jetzi=
gen Prager Regierung ſind 11 Parlamentarier und vier
Nicht=
parkamentarier. Von den Parlamentariern ſind fünf Agrarier
und fünf Mitglieder katholiſcher Parteien. Von den Mitgliedern
der katholiſchen Parteien ſind zwei ſlowakiſche und zwei
tſche=
chiſche Volksparteiler und ein deutſcher Chriſtlichſozialer.
Außer=
dem iſt Eiſenbahnminiſter ein Mitglied der tſchechiſchen
Gewerbe=
partei. Nichtparlamentariſche Mitglieder ſind der Außenminiſter
und Innenminiſter, der Finanz= und Handelsminiſter. Die
parlamentariſche Mehrheit dieſer Regierung beträgt jetzt 163 von
300 Stimmen. In der Oppoſition ſtehen alle ſozialiſtiſchen
Par=
teien, die Deutſchnationalen und die Kommuniſten.
Cornell=Univerſität angeſtrengt hatte. Die Klage lautete auß
100 000 Dollar Entſchädigung wegen Entfremdung der Lielt
ſeiner Gattin. Die originelle Vorgeſchichte dieſes in der Nem
Yorker Geſellſchaft vielbeſprochenen Prozeſſes iſt die folgende:
Der junge Wadleight lernte als Student die entzückend ſchöne
Vera Black kennen, deren holdſeliges, ſinnverwirrendes Lächeln
ihn ſo zu betören wußte, daß er ſie ſchleunigſt als Gemahlin
heimführte. Der junge Student konnte ſich den Luxus erlauben,
ſeine ſchöne Frau mit aller Pracht und allem Reichtum zu
um=
geben, denn er verfügte über ein nach Millionen zählendes Ver=. Trotzdem bekam es die ſchöne Vera im Laufe der erſten
Ehejahre fertig, durch ihren Hang zum Luxus und zur
Ver=
ſchwendung das große Vermögen ihres Gatten recht beträchhtlich
zu reduzieren. Sie brauchte nur, wie ſie ſelbſt vor den Richtern
bezeugte, ihrem Gatten jenes Lächeln zu zeigen, das ihn einſt
zu ihren Füßen gezwungen hatte, ſo war er gleich bereit,
Hun=
derttauſende, ja ſelbſt, wenn es ſein mußte, eine Million für ihre
Wünſche herzugeben, daher er ſie auch immer ſeine „Vera
mik=
dem Millionen=Dollar=Lächeln” nannte. Die Ehe verlief in den
erſten Jahren in jeder Weiſe ungetrübt und harmoniſch, bis
Loring Tonkin, ein Freund ihres Mannes, dazwiſchen trat.
Dieſer, noch Student von Cornell, wußte bald, das Herz der
ſchönen Vera zu erobern, und auch als Loring längſt wieder
ſei=
nen Studien auf der Univerſität oblag, ſetzten die beiden ihre
Beziehungen in einer glühenden Liebeskorreſpondenz fort. Um
zu beweiſen, daß nicht der junge Student derjenige geweſen
ſei=
der die Liebe der jungen Frau dem Gatten geraubt habe,
ſon=
dern daß Vera aus ſich ſelbſt heraus einen Drang nach LoringS
Liebe verſpürt habe, legte deſſen Anwalt ein ganzes Oundel.
roſa verſchnürter Briefe dem Gericht vor, aus denen eine
leiden=
ſchaftliche Liebe für den Studenten zu erkennen war. Nacdenn
ſich ihr Gatte auf Grund ſeiner trüben Erfahrungen von ihr hatte
ſcheiden laſſen, trat auch ſehr bald der Bruch zwiſchen dem Stu= und Vera ein, der ſogar zu bitterer Feindſchaft führte.
Freiwillig trat ſie in dem Prozeß als Zeugin für ihren früherem
Gatten auf, um ihm zu ſeiner Geldentſchädigung zu berhelfen=
Wie die amerikaniſchen Blätter berichten, fing ſie dabei, um der
Jury das „Millionen=Dollar=Lächeln” zu zeigen, mit ihren
herk=
lichen großen blauen Augen derart zu rollen und mit ihrem
kirſchroten Mündchen zu lächeln an, daß den Geſchworenen
zu=
erſt ganz ſeltſam zumute wurde, ſie ſodann aber, von dem Zauben
der ſchönen Frau ganz hingeriſſen, ihrem Gatten die beanſpruchte
Entſchädigung zuſprachen. Wahrſcheinlich wird die ſchöne. Vele
mit ihrem früheren Gatten eine neue Ehe eingehen.
Rummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927.
Der Mampf uin den keichswehrintfter.
Das Problem des Heereserſatzes.
Die Auseinanderſetzung zwiſchen General
Reinhardt und Koch. — Die Haltung der
Oemokraten.
* Berlin, 19. Januar. (Priv.=Tel.)
Mitten in der Regierungskriſe hat der Kampf um den
Reichswehrminiſter Geßler einen Höhepunkt erreicht, der die
Schaffung klarer Verhältniſſe in der Stellung der Mehrheit des
ſseutſchen Volkes zur Reichswehr nunmehr gebieteriſch fordert.
Die Schaffung eines klaren Verhältniſſes aber auch zwiſchen der
Werſon des Reichswehrminiſters Dr. Geßler und ſeiner eigenen
Wartei. Die Anwort Geßlers auf den Brief des demokratiſchen
Warteiführers Koch wegen der Stellungnahme des gleichfalls
wegen ſeiner republikaniſchen und demokratiſchen Geſinnung
be=
annten Generals Reinhardt hat die gegenſätzlichen Anſchau=
General der Infanterie Neichsminiſter a. D.
Reinhardt.
Koch.
mingen, um die es ſich handelt, mit voller Klarheit
herausgearbei=
ſet. Geßler beſtätigt, daß der Artikel des Generals — wie dies
ſcden Beſtimmungen über die öffentliche politiſche Stellungnahme
won Reichswehroffizieren entſpricht — mit ſeinem, des Miniſters,
WWiſſen geſchrieben war. Der Artikel war ein Bericht, wie ihn der
Eeichswehrminiſter unter vielen anderen über die Stimmung in
ſder Reichswehr anläßlich der letzten Debatten über ſie angefordert
ſhatte. Geßler deckt Reinhardt gegen den Vorwurf, daß der Artikel
ſie Demokratiſche Partei als ſolche, angegriffen habe, und Koch
gentnimmt mit Genugtuung dem Briefe Geßlers, daß dieſer die
ngrundſätzliche Stellung der Demokratiſchen Partei zur Reichswehr
hals „einwandfrei” bezeichne. Der Streit um die perſönliche
Ziel=
rrichtung der Reinhardtſchen Kritik darf damit ausgeſchaltet wer=
Aden, wenn er auch noch in den Erörterungen der hauptſtädtiſchen
PPreſſe eine Rolle ſpielt.
Offenbar in der Erwartung, daß die demokratiſchen Berliner
BBlätter ſich der Sache der Linken ausgiebig annehmen würden,
Wbemerkt der „Vorwärts” ſelbſt nur, es ergebe ſich nunmehr, daß
TDr. Geßler ſelbſt den Angriff auf ſeine eigene Partei angeordnet
ſhabe, und die „Voſſiſche Zeitung” enttäuſcht dieſe Erwartung.
micht, indem ſie feſtſtellt, daß das Reichswehrminiſterium die
MStimmungsberichte nicht nur beſtellt, ſondern auch in dem „
ge=
wwünſchten Sinne” beſtellt habe in der Abſicht, nicht eine ſachliche
Klärung, ſonern eine „unſachliche Beeinfluſſung in der
Oeffent=
ſlichkeit” zu erzielen. Weſentlich ruhiger macht das „Berliner
TTageblatt” Herrn Geßler darauf aufmerkſam, daß er über die
Tatſache hinweggegangen ſei, daß General Reinhardt ausdrücklich
von den „Wortführern” und „allen leitenden Zeitungen” der
deutſchen Demokratie geſprochen habe, und rückt damit ſelbſt von
jenen Kritikern der Reichswehr und des Wehrgedankens ab, die
General Reinhardt und mit ihm nun auch Geßler haben treffen
rwollen. Um den Wehrgedanken allein aber handelt es ſich in
die=
ſer ganzen Diskuſſion, und der Satz Geßlers, daß „der Soldat
aus ſeinem Berufsethos heraus an die Vertretung des
Wehr=
gedankens Anſprüche ſtellt, die der Politiker nicht immer erfüllen
kann, die er aber in dem Kampf um die Seele der Reichswehr
nicht außer acht laſſen darf, trifft den Kern. Sehen Geßler und
General Reinhardt alſo in der Außerachtlaſſung dieſer
ſolda=
tiſchen Einſtellung in den pazifiſtiſch eingeſtellten Kreiſen der
Linksparteien den Hauptgrund dafür, weshalb die Rekrutierung
ſo ſelten aus dieſen Kreiſen erfolgt, ſo iſt Koch der Anſicht, daß
gerade die von Reinhardt vertretene Anſchauung die Reichswehr
der Demokratiſchen Partei zu entfremden geeignet ſei. Koch deckt
damit zwar keineswegs den Pazifismus als ſolchen, er deckt aber
die Polemik, die von Organen und Perſönlichkeiten der
Demo=
kratiſchen Partei gegen die Reichswehr geführt worden iſt,
wenig=
ſtens zu einem gewiſſen Grade. Und praktiſch bleibt nun nur noch
die Frage, wie ſich die Demokratiſche Partei als ſolche zu den
Fragen der Reichswehr, aber auch — und dies in erſter Linie —
zu dem demokratiſchen Reichswehrminiſter ſelbſt ſtellt.
Die Reichswehr ſteht im Brennpunkt der ſchwebenden
Regie=
rungskriſe. Die Sozialdemokraten haben bisher ſtets erklärt, daß
ſie ein Kabinett, das Herrn Geßler beherberge, keinesfalls ſtützen
könnten. Dazu hat jetzt das „Berliner Tageblatt” erklärt, daß die
Demokratiſche Partei ſelbſt unter Umſtänden bereit ſei, ihr
Partei=
mitglied Geßler als neuen Miniſterkandidaten fallen zu laſſen.
In ſeinem Brief an Geßler unterſtreicht der Parteiführer Koch,
mit welcher Treue die Partei in ſchwerſten Stunden an Geßler
feſtgehalten und ihn geſtützt habe, wie entſchieden ſie ſich in allen
amtlichen Verhandlungen trotz mancher Bedenken gegen Geßlers
Politik auf deſſen Seite geſtellt habe. Um ſo größer ſei das
Be=
dauern, daß Geßler eine ſo „einſeitige und falſche Darſtellung”,
über die Demokraten in dem Artikel Reinhardts habe paſſieren
laſſen. Dieſe Worte klingen faſt wie Abſchied. Und wenn es
wahr ſein ſollte, was behauptet wird, daß nämlich Koch und
Erkelenz in der Unterhaltung mit Marx für ein
linksorientiertes Mittelkabinett von ſich aus
Guérard oder General Gröner als Nachfolger
Geßlers angeboten hätten, dann hätte damit die
Demo=
kratiſche Partei allerdings das Tiſchtuch zwiſchen ſich und Dr.
Geßler zerſchnitten.
General Haſſe und General von Loßberg
ſcheiden aus dem Heeresdienſt aus.
Am 1. Februar ſcheiden Generalleutnant Haſſe,
Kom=
mandeur der 5. Diviſion und Befehlshaber im Wehrkreis V
bisherige Oberbefehlshaber der Reichswehrgruppe I (Berlin) aus
des Heeresdienſte aus. Das Berliner Gruppenkommando
über=
folger Generalleutnant v. Arnsberg, bisher Kommandeur
der von München nach Dresden verlegten Infanterieſchule,
er=
nannt wurde.
General Haſſe General v. Loßberg.
Mit Friedrich v. Loßberg ſcheidet einer unſerer hervorragendſten
Führer aus der Reichswehr aus. Er entſtammt einer alten
Soldaten=
familie und wurde als Sohn des Generalmajors Viktor v. Loßberg am
30. April 1868 in Homburg v. d. H. geboren. 1886 trat er in das
2. Garderegiment zu Fuß ein, wurde 1887 zum Leutnant befördert und
1894 zum Oberleutnant. Im Jahre 1900 wurde er in den Generalſtab
Geite 3
verſetzt. 1908 wurde er zum Kompagniecef beim Infanterieregiment 114
ernannt und 1905 zum Generalſtab der 19. Diviſion verſetzt. 1907 wurde
er zum Major ernannt und gleichzeitig Militärlehrer der
Kriegs=
akademie. 1910 wurde er in den Generalſtab des 17. Armeekorps
ver=
ſetzt und 1912 Bataillonskommandeur des Infanterieregiments 94. 1913
wurde er Oberſtleutnant, 1914 Chef des Generalſtabes des 13. Korps,
1915 Abteilungschef beim Chef des Armeeſtabes des Landheeres, 1915
Oberſt, 1915—1917 wurde er zum Chef des Generalſtabes der Armee=
Oberkommandos III, II, I, VI, IV ernannt. 1917 erhielt er ſeine
Be=
förderung zum Generalmajor. 1918 wurde er Chef des Generalſtabes
der Heeresgruppe v. Boehm und Prinz Albrecht. Im Kriege hat er ſich
beſonders bei der Herbſtoffenſive in der Champagne hervorgetan. Seine
größte Arbeit aber leiſtete er als Chef des Stabes der VI. Armee, wo ev
die Angriffe der Engländer in der Arrasſchlacht zum Stehen brachte.
Für ſeine hervorragenden Verdienſte erhielt er 1916 den Pour le merite
und 1917 das Eichenlaub dazu. Nach Beendigung des Krieges ging er
zum Grenzſchutz=Süd über und wurde Chef des Generalſtabes des
Armeeoberkommandos Grenzſchutz=Süd und Kommandeur der
Reichs=
wehrbrigade 26. Er wurde dann Chef des Generalſtabes des
Gruppen=
kommandos II, 1920 Kommandeur der VI. Diviſion und im
darauf=
folgenden Herbſt Generalleutnant.
General v. Arnsberg. General v. Tſchiſchwitz.
Generalleutnant Erich v. Tſchiſchwitz, der Nachfolger des Generals
(Stuttgart) ſowie General der Infanterie v. Loßberg, der der Infanterie v. Loßberg als Oberbefehlshaber der Gruppe I. ſteht
im 58. Lebensjahr. Er wurde am 17. Mai 1870 in Kulm als Sohn des
Majors Ludwig v. Tſchiſchwitz geboren, beſuchte die Kadettenanſtalt und
wurde im Auguſt 1889 im Grenadier=Regiment Nr. 6 zum Leutnant
er=
nimmt Generalleutnant v. Tſchiſchwitz, bisher Kom= nannt. Er hat hauptſächlich Dienſt im Generalſtab getan, da er ſich
mandeur der II. Diviſion in Stettin, während zu ſeinem Nach= ſchon in ſeiner Jugend durch beſondere Befähigung zum Führer
aus=
zeichnete. Im Jahre 1902 wurde er zum Hauptmann ernannt. Gleich
ſeinem Vorgänger, dem General v. Loßberg, hat er ſich im Kriege große
Verdienſte erworben. Im Auguſt 1914 kam er zum Generalſtab des
III. Reſervekorps, wurde bereits am 1. November 1914 zum Chef des
Generalſtabes des 23. Reſervekorps ernannt, das ſich beſonders in den
Kämpfen in Flandern auszeichnete. Seine eiſerne Ruhe, ſein großer
Ueberblick und ſeine Wachſamkeit hat an den Erfolgen des 23.
Reſerve=
korps den größten Anteil. Nachdem er noch in den Kämpfen an der
Somme und beſonders in der Champagne ſich bewährt hatte, wurde er
nach dem Kriegsſchauplatz in Galizien kommandiert, wo er als
General=
ſtabschef im Jahre 1917 tätig war. Aber auch hier war ſeines Bleibens
nicht lange. Er ging bald nach dem nördlichen Kriegsſchauplatz, um an
den Operationen in Kurland teilzunehmen und wenige Wochen ſpäter
wurde er wiederum nach Frankreich kommandiert, wo er als
General=
ſtabschef des Oerkommandos der II. Armee im Anfang des Jahres
1918 in die Kämpfe auf dem weſtlichen Kriegsſchauplatz wieder eingriff.
Schon im Jahre 1917 hatte General v. Tſchiſchwitz den Orden Pour
le merite erhalten und im Jahre 1918 wurde er mit dem Eichenlaub
dieſes Ordens ausgezeichnet. Nach dem Waffenſtillſtand blieb er bei dem
Heere und zwar beim Grenzſchutz Oſt als Stabschef. Ein Jahr ſpäter
wurde er zum Inſpektour der Verkehrstruppen ernannt, eine Stellung,
die er vier Jahre inne hatte. Am 1. Februar 1923 erhielt er zugleich
mit ſeiner Beförderung zum Generalleutnant das Kommando der II.
Diviſion in Stettin. Dieſe Stellung behielt er bis zum heutigen Tage,
um ſie jetzt mit der Stellung eines Oberbefehlshabers der Gruppe I
zu vertauſchen.
Oer oſioberſchleſiſche Schulkonflikt.
Beuthen, 19. Januar.
Der Deutſche Volksbund für Oſtoberſchleſien hat geſtern ſeine
Eingabe zur nochmaligen Entſcheidung der oberſchleſiſchen
Minderheiten=Schulangelegenheit abgeſandt. Man iſt in
deut=
ſchen Kreiſen der Anſicht, daß eine direkte Verſtändigung der
polniſchen Regierung mit der deutſchen Minderheit auf der
Grundlage, wie ſie erſtrebt wird, niemals in Frage kommen kann.
4Ben Hur.
Der Film des großen Geſchehens.
In den nächſten Tagen wird in den beiden großen
Darm=
ifſtädter Lichtſpiel=Theatern der Film „Ben Hur” laufen. Das
BDarmſtädter Publikum wird damit den bisher faſt einzigen
ſdeutſchen Film kennen lernen, der von der geſamten Kritik ein=
Fhellige Anerkennung gefunden hat. Das macht, in „Ben Hur” iſt
ſder Regiſſeur Fred Niblo den eigentlichen Aufgaben des Films
iffaſt ohne Einſchränkung treu geblieben. Er hat den Film des
ggroßen Geſchehens gebracht. Auf dieſem Gebiet liegt die
ureigent=
ſlliche Aufgabe des Films, der nicht berufen iſt, Theater zu erſetzen
— kein Bild wird das geſprochene Wort je erſetzen können —,
daber es in populärem Sinne zu ergänzen. Ohne uns ſelbſt
vor=
pgreifen zu wollen, wollen wir in Nachſtehendem einige
Mitteilun=
egen über den „Ben Hur”=Film geben.
„Ben Hur” iſt die Verfilmung des gleichnamigen Romans,
(der vor faſt einem halben Jahrhundert Weltbedeutung errang.
DDieſer Roman ſtammt von dem amerikaniſchen Schriftſteller
Weneral Lewis Wallace. Niemand war von dem
ungeheue=
aren Erfolg, den das Werk erzielte, mehr überraſcht, als dieſer
bei allem ſonſtigen Ruhm beſcheiden gebliebene Mann. In den
geiſten Jahren nach ſeinem Erſcheinen war die Verbreitung des
FRomans in der engliſch ſprechenden Welt ſo groß wie die Bibel
ſelbſt, zu der er eine künſtleriſche Parallele gibt. Millionen von
MExemplaren in engliſcher Sprache wurden verkauft, die
Ueber=
ſſetzungen in fremde Sprachen fanden reißenden Abſatz, Auflage
rum Auflage war vergriffen, der Papſt Leo XIII. ſegnete das
Werk, das er tränenden Auges geleſen hatte. Kein Roman aus
der Zeit Urchriſtentums hatte vorher auch nur einen Bruchteil
ſeiner Popularität erreicht.
Am 29. November 1899 erlebte das „Ben Hur”=Drama ſeine
Uraufführung im Broadway=Theater in New York. Der Erfolg
war ein ſenſationeller. Theater wurden umgebaut, um die
gigan=
tiſchen Effekte des Werkes voll zur Geltung zu bringen,
ins=
beſondere, um das Wagenrennen im Zirkus von Antiochia zu
zeigen.
Erſt vor einigen Jahren unternahm Mareus Loew das
Wag=
nis, aus „Ben Hur” einen Film zu machen. Das, was nun als
Bildſtreifen zu ſehen iſt, iſt das Produkt ſeiner innigen
Zuſam=
menarbeit mit den Herren Erlanger, Dillingham und Ziegfeld,
die das Bühnenſtück herausgebracht hatten. Der Film erſcheint
im Rahmen der Metro=Goldwyn=Mayer=Produktion. Die
Regie=
leitung war Fred Niblo anvertraut, dem dabei die hervorragend=
ſten Darſteller ſowie die unvergleichlichen Hilfsmittel künſtleriſcher
und techniſcher Art der Metro=Goldwyn=Mayer=Ateliers und
=Werkſtätten zur Verfügung geſtellt waren. Fred Niblo hat die
Geſchichte von „Ben Hur” mit aller Zartheit und Vornehmheit,
die das Sujet erfordert, auf den Bidſtreifen gebannt.
Aus dem Inhalt brauchen wir an dieſer Stelle nichts
mitzu=
teilen, der Roman iſt ſo bekannt, daß ſich das erübrigt. Wer den
Roman nicht kennt, ſoll ſich von dem Film überraſchen laſſen.
Intereſſieren dürften einige Zahlen aus der Herſtellung dieſes
Rieſenfilms: 150 000 Perſonen arbeiteten am „Ben Hur”=
Schau=
ſpiel mit. 100 000 allein am Wagenrennen in Antiochia. 4
Mil=
lionen Dollar koſtete die Herſtellung des Films, eine halbe
Mil=
lion Dollar allein das Wagenrennen und eine halbe Million
Dol=
lar die Seeſchlacht. 650 000 Meter Negativfilm wurden belichtet,
300 000 Meter Poſitivfilm hergeſtellt. 4000 Meter mißt der
end=
gültige Film. 160 Meter unverwertet gebliebener Filmſtreifen
kommen auf je einen Meter des vorführungsfertigen Werkes.
14 Millionen Einzelbilder rollten durch die Kurbelkäſten in den
drei Jahren, die die Aufnahme beanſpruchten. 160 000 Meter
Stoffbahnen wurden in Berlin für 8000 Spezialkoſtüme, Mäntel,
Requiſiten uſw. zugeſchnitten, 22 000 Kilo Meſſing und
Eiſen=
blech wurden zu 6000 vollſtändigen Römerrüſtungen verwendet,
9000 Pfund Leder wurden zu Schuhen und Lederzeug für 8000
Koſtüme von größter hiſtoriſcher Treue verarbeitet. 100 ſeetüchtige
antike Kriegsſchiffe wurden kämpfend von 48 Kameras
gleich=
zeitig aufgenommen. 500 Meter in der Längsausdehnung und
50 Meter in der Höhe maß der große Zirkus, in dem 100 000
Zu=
ſchauer dem Wagenrennen beiwohnten. 42 Kameras verbrauchten
hierbei 20000 Meter Negativfilm. 12 Wagenlenker von 12
ver=
ſchiedenen Nationen lenkten 48 feurige Roſſe, und beim Rennen
wurde ein Traberrekord von 3738 Sekunden für ½= engliſche
keile erzielt.
So iſt dieſer Film das Werk der Filmgeſchichte, das an
usmaßen, an Verwendung von totem und lebendem Material,
Geld, Energie und Geiſt den größten Aufwand beanſpruchte,
lerdings ſind unvorhergeſehene Zwiſchenfälle beſonders bei
m gigantiſchen Wagenrennen, der letzten Formung des Films,
ſonders dieſes Rennens zu Hilfe gekommen.
Der Film wurde im Zeitraum von drei Jahren in vier
eltteilen gedreht. Eine große Schiffswerft in Livorno wurde
m der Metro=Goldwyn=Mayer beauftragt, die römiſche Flotte
d Golthars Piraten=Galeeren zu erbauen. Die Kähne waren
irkliche Triremen mit Segeln und dreifachen Ruderbänken und
tten einen auf weite Fahrt berechneten Umfang. Der Stapel=
lauf der Flotte geſtaltete ſich zu einem großen Ereignis mit einer
Reihe von Zeremonien, an dem die italieniſchen Behörden und
Vertreter des diplomatiſchen Korps teilnahmen. Der Bau der
Flotte hatte anderthalb Jahre gedauert. Im Tyrrheniſchen
Meer gerieten dann Römer und Piraten mit Enterhaken
anein=
ander. Der Handlung entſprechend, ſollte das Flaggenſchiff der
Römer gerammt, geentert und angezündet werden. Jeder
Matroſen=Komparſe erhielt für die auf dem zum Untergang
ver=
urteilten Feuerſchiff verbrachten Minuten eine bedeutende
Zu=
lage; im letzten Bild dieſer Szene ſieht man, wie ſie in Scharen
aus dem flammenden Schiffsrumpf auftauchen, während. Ben
Hur den Admiral Arrius auf einer Planke rettet. Von einer
ungeheuer großen, ſchwimmenden Plattform herab filmte Fred
Niblo dieſe Szenen, ſowohl Nah= wie Fernaufnahmen, wobei die
Apparate in einer Höhe von 12 Metern über dem ſtürmiſchen
Meere ſtanden.
Nun wird auch das Darmſtädter Publikum dieſen
Rieſen=
film in den beiden größten Theatern ſehen können und ſich ſelbſt
ein Urteil darüber bilden.
Der Bismarckfilm,
deſſen zweiter Teil heute noch im Union=Theater läuft, iſt zwar
ſchwer mit dem oben beſprochenen in einem Atemzug zu nennen,
aber auch dieſer Film iſt gut und groß und ſollte von allen
ge=
ſehen werden, die die große Vergangenheit Deutſchlands nicht
vergeſſen können. Es iſt notwendig und gut, das Große aus
unſerer Geſchichte immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen,
gerade für unſere Gegenwart. Auch der zweite Teil des Bismarck=
Films iſt eine Folge des Geſchehens, aber dieſes Geſchehen iſt
ein anderes, iſt die lebendige Wiedergabe hiſtoriſcher Dokumente,
die wohl in zahlloſen Schriften und Büchern feſtliegen, die aber
hier durch die Verlebendigung packend, und wirkſam zum
Be=
ſchauer ſprechen. Von einigen Schwächen auch in der Darſtellung
abgeſehen, iſt auch dieſer zweite Teil des Bismarck=Films ein
Kulturdokument, durch das ſich die deutſche Filminduſtrie große
Verdienſte erworben hat.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
— Geh Hofrat Dr. phil. et med. Rudolf Wiener
geſtorben. Der Profeſſor für Phyſik und Direktor des
Phyſi=
kaliſchen Inſtituts der Univerſität Leipzig, Dr. h. a. der Medizin
der Univerſität Gießen, Geh. Hofrat Dr. phil. Rudolſ Wiener,
iſt heute nach kurzer Krankheit im Alter von 65 Jahren geſtoroen.
Seite 4
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
Das Dukatenmännchen.
Von unſerem +=Korreſpondenten.
Rom, 16. Januar.
Wenn dieſe Zeilen in Deutſchland ankommen, dann wird
wahrſcheinlich der Draht bereits das erſte Ergebnis der ſogen.
„Littorio”=Anleihe bekannt gegeben haben. Heute iſt der offizielle
Schlußtermin für die Zeichnungen, der letzte Tag, an dem trotz
des Sonntags die Banken ihre Schalter für die letzten „
natio=
nalen Opfer” offenhalten. Ein imponierender Feldzug in
Pro=
paganda, Anfeuerung und Zwang hat in den letzten Wochen das
ganze Land Italien bearbeitet, um die letzten Gelder
herauszu=
ziehen. Schon dieſe „Aufklärung” muß einen nicht unbeträchtlichen
Prozentſatz der Anle he aufgefreſſen haben. Es gibt kein Gebiet
menſchlicher Tätigkeit, das in dieſer Reklame nicht als ganz
be=
ſonders geeignet und verpflichtet für die Zeichnung gekennzeichnet
wurde. Kein unglückſeliger Italiener konnte dem Hinweis
dar=
auf entgehen, daß gerade er und gerade ſein Gewerbe oder Stand
beſonders verpflichtet ſei, ſeine „Pflicht” gegenüber dem
Vater=
lande im vollſten Maße zu erfüllen.
Aber nicht nur der Patrotismus wurde in den Dienſt der
Anleihe geſtellt, ſondern auch noch weſentlich wirkſamere
Maß=
nahmen. Auf die wichtigſten wurde bereits früher hingewieſen,
wie auf die Verpflichtung der Banken, gewiſſe Beträge ihrer
Reſerven oder ſonſtiger Geldbeträge in Anleiheſtücken anzulegen,
die Maßnahmen der Korporationen, der
Verſicherungsgeſell=
ſchaften, Vereine uſw. uſw., die ihre Vermögen der Anleihe
an=
vertrauen mußten, der Zwang auf den Handel und das Gewerbe,
ſich in kontrollierbarer Weiſe an der Anleihe zu beteiligen, und
ſchließlich der direkte Druck durch die fasciſtiſchen Ortsverbände
auf ihre Mitglieder und alle unter ihrer Fuchtel ſtehenden Leute
in ihrem Bereich. Man durfte erwarten, daß bedeutende Summen
einkommen würden. Aber trotzdem ſcheint es zunächſt nicht ſo
forſch gegangen zu ſein, wie man erwartet hatte. Denn der Druck
wurde immer mehr verſchärft, die Propaganda immer mehr
er=
höht und — zuſammenfaſſende Ergebniſſe nach der erſten
Mil=
liarde ließen auf ſich warten.
Es herrſchte eben ſchon bei Beginn der Anleihe
Geldknapp=
heit in ganz Italien, und dieſe hat ſich im Laufe der letzten
Wochen noch erheblich vertieft. Wer die Zeiten der deutſchen
Geldknappheit erlebt hat, wird ſich vorſtellen können, zu welchen
Ergebniſſen dieſes Uebel in einem Lande wie Italien führt.
Dazu kommt, daß die Schatzſcheine, die einen Teil des
umlaufen=
den Bargeldes bisher erſetzten und wie Geldnoten behandelt
wurden, infolge der Umwandlung der Schatzſcheine in Anleihe
als Bargeld im Verkehr fehlten. Denn die neue Littorio=Anleihe
ſollte ja gerade dazu dienen, die notwendigen Barmittel für den
Staat zu ſchaffen, die ihm die Beleihungsmöglichkeit für die
um=
zuwandelnden Schatzſcheine, die verſprochen worden war,
ge=
währen.
Graf Volpi, der Finanzminiſter Muſſolinis und die
eigent=
liche Finanzkraft des Landes, da Muſſolini ſich wenigſtens in
dieſem Zweig der Verwaltung auf das fachmänniſche Urteil und
die fabelhaſte Routine dieſes Geldmannes verlaſſen muß, hat
alle Regiſter gezogen, um dem Staate die dringend benötigten
Gelder zu beſchaffen, ohne wieder zur Inflation greifen zu
müſſen. Er hat während der Beſſerung der Lire vorſichtig in
London und Paris neue Deviſen gekauft, denn der Staatsſchatz
war durch die letzten großen Stützungen der Lire vollkoninen
deviſenarm getvorden. Man darf annehmen, daß jetzt wieder ſo
viel Edelvaluten in der Kaſſe ſind, um gegebenenfalls
Lire=
ſchwankungen auszugleichen, zumal bisher der engliſche offizielle
Markt auf Grund von amtlichen Ermutigungen der Lire noch
immer freundlich gegenüberſteht. Graf Volpi hat aber nicht nur
Deviſen beſchafft, trotzdem die Staatskaſſe ſo gut wie leer ſein
dürfte; er hat immer wieder neue Mittel gefunden, um der
An=
leihe bedeutende Quellen zu erſchließen. Eine der genialſten
Maß=
nahmen nach dieſer Richtung iſt die Verordnung über die
Handels=
lizenzen. Jedes Geſchäft, jeder Handeltreibende, jede Geſellſchaft
oder Perſon, die ſich mit dem Haudel befaßt, muß bis zum 31. Ja=
nuar eine Kaution beim Staate hinterlegen, die zwiſchen 500 und
5000 Lire ſchwankt. Dieſe Kaution kann in Anleiheſtücken geſtellt
werden, ſo daß der Hinterlegende nicht nur am Kurs der
An=
leihe, ſondern auch noch durch die Verzinſung ſpart. Wer nicht
mit der neuen Anleihe hinterlegt, muß in Bar die Kaution
be=
zahlen, die natürlich zinslos bleibt, aber vom Staate in Anleihe
umgewandelt wird. Durch dieſes neue Dekret, das die kleinen / EEin Streit mit der Repko vor dem inter=
Kaufleute mit ihren Kramläden ſtark belaſtet, ohne die großen
Geſchäfte oder die Banken, die ja ſowieſo Anleiheſtücke beſitzen
müſſen, irgendwie nennenswert zu treffen, wird natürlich in
kleinen Leuten herausgezogen. Mancher, der aus Geldmangel
beim beſten Willen nicht zeichnen konnte, muß nun die letzten
Soldis zufammenkratzen, um ſeine Handelslizenz nicht
einzu=
männchens.
tiſch, ſondern auch wirtſchaftlich iſt heute in Italien eben der angerufen worden iſt. Am Freitag werden die Verhandlungen
Staat allein berechtigt, zu leben, zu verlangen, zu nehmen und
einzukaſſieren. Der Private und auch die Privatgeſellſchaft müſſen
den Hungergurt noch enger ſchnallen. Man wird ja ſehen, wie für die Entſchädigungszahlungen den Dawesannuitäten zu
ent=
eine derartige Wirtſchaftspolitik auf die Dauer wirkt. Jeden= nehmen ſind oder nicht. Zur Vorgeſchichte des Falles iſt
feſtzu=
falls iſt bekannt, daß große Geſellſchaften, wie zum Beiſpiel die
Verſicherungsgeſellſchaften, bereits kaum noch Mittel, geſchweige genannte Liquidationsrecht vorbehalten haben und mit Hilfe die=
Reſerven beſitzen, die nicht der Anleihe oder anderen
Staats=
anforderungen zum Opfer gefallen ſind.
gleitet ſein ſoll, ſo wird ſie etwa neun Milliarden Lire
einbrin=
gen müſſen.*) Denn erſt bei einer derartigen Summe kann man die ehemaligen Beſitzer entſchädigen, wird jedoch durch die
En=
derartigen Summe kann der Staat die Beleihung der Schatz= ten Verluſten, die auf einen Friedenswert von über 9 Milliarden
ſcheine in ſolchem Maße durchführen, daß der Geldnot etwas geſchätzt werden, ſind bisher nur 4 Prozent entſchädigt worden,
geben.
2) Auf die Anleihe ſind, wie wir geſtern meldeten, 2½ Milliarden
gezeichnet worden.
Der Alterspräſident des ungariſchen
Oberbauſes und ſein Schriftführer
Oberrabbiner Koppel Reich. Erzherzog Albrecht
In der zweiten Januarhälfte tritt in Budapeſt das neue
Oberhaus zuſammen, deſſen älteſtes Mitglied der 89 Jahre alte
Oberrabbiner Koppel Reich iſt, der bis zur Wahl eines
Präſi=
denten die Sitzungen als Alterspräſident leitet, während nach
ungariſchem Brauch das jüngſte Mitglied — in dieſem Falle
Erzherzog Albrecht — als Schriftführer fungiert,
* Dawesplan
und Liquidationsſchäden.
nationalen Schiedsgerichtshof.
Zwiſchen der Reichsregierung und der
Repa=
letzter Minute noch ein ſtarker Betrag für die Anleihe aus den rationskommiſſion ſchwebt ſeit geraumer Zeit ein
Konflikt, der ſich um die Entſchädigung der Beſitzer von im
Ausland beſchlagnahmten deutſchen Vermögen dreht. Dieſer
Streitfall hat nun dazu geführt, daß das im Londoner
Repara=
büßen. Sehr klug von Volpi erdacht, die Tat eines Dukaten= tionsablommen vorgeſehene internationale Schiedsgericht im
Haag, das ſich aus einem Ameritaner, einem Schweden, einem
Aber das Volk wird noch mehr ausgepowert. Nicht nur poli= Holländer, einem Franzoſen und einem Deutſchen zufammenſetzt,
beginnen, die ſich wohl über einige Tage erſtrecken werden. Das
Schiedsgericht wird die Frage zu klären haben, ob die Summen
ſtellen, daß ſich die Siegerſtaaten im Verſailler Vertrag das
ſo=
ſes Rechtes das während des Krieges beſchlagnahmte deutſche
Privateigentum, darüber hinaus ſpäter noch den deutſchen Beſitz
Wenn die Anleihe des Dukatenmännchens von Erfolg be= in den Kolonien, den verloren gegangenen Provinzen und den
neugebildeten Staaten widerrechtlich enteigneten. Das Reich muß
im Ernſt davon ſprechen, daß dem Staate aus der inneren An= tente daran gehindert mit der Begründung, daß darunter die
leihe ſo viel Geld zugefloſſen iſt, wie er nötig hat. Nur bei einer Neparationen nicht leiden dürften. Von den geſamten
liquidier=
geſteuert wird, vorausgeſetzt, daß trotz der Konzertzeichnungen darunter aber nicht die Verluſte in Amerika und diejenigen der
die Milliarden wirklich eingefordert werden können. Sonſt hat deutſchen See= und Biunenſchiffahrt. Im Dawesablommen wird
das Dukatenmännchen nicht Geld, ſondern anderes von ſich ge= nun über die Leiſtungen Deutſchlands aus dem Verſaller
Ver=
trag geſagt, daß die jährlichen Zahlungen alle möglichen
Leiſtun=
gen Deutſchlands einſchließen, die inneren wie die äußeren. Dieſe
Laſten für die Liquidationsgeſchädigten ſind nun Laſten aus dem
Verſailler Vertrag, müſſen alſo nach dem Wortlaut des Londoner
Reparationsabkommens aus den Daweszahlungen gedeckt
wer=
den. Darüber gehen nun die Meinungen auseinander, ſo daß
man ſich jetzt veranlaßt ſah, den Streitfall dem Schiedsgericht zu
unterbreiten, das jetzt eine Entſcheidung von weittragender
Be=
deutung zu fällen haben wird.
Die Zuſammenſetzung des Schiedsgerichts.
Aus dem Haag, 19. Januar.
Das internationale Schiedsgericht für die Auslegung des
Dawesplanes, welches über die Frage der Einbeziehung der
Schadenerſatzzahlungen des Reiches an ſeine Untertanen in den
Dawesplan entſcheiden ſoll, ſetzt ſich aus folgenden
Perſönlich=
keiten zuſammen: Thomas Nelſon=Perkins aus Boſton (
Maſ=
ſachuſetts), Präſident; Wallenberg aus Stochholm; Dr. A. D.
Kröller aus dem Haag; Karl Riſt aus Paris und
Mendels=
ſohn=Bartholdy aus Hamburg. — Das vom
Aus=
legungsſchiedsgericht bei den bevorſtehenden Verhandlungen zu
befolgende Verfahren wird ſich, ähnlich wie die Verhandlungen
vor dem internationalen Gerichtshof, nach dem Grundſatz der
Oeffentlichkeit und Mündlichkeit abſpielen.
Schacht und die Frankenſtabiliſierung.
* Berlin, 19. Januar (Priv.=Tel.)
Die Pariſer Preſſe behauptet, daß der Reichsbankpräſident
Dr. Schacht in einem Brief an die franzöſiſche Regierung die
be=
dingungsloſe Unterſtützung der Reichsbank bei der Stabiliſierung
des Franken angeboten habe. Da Dr. Schacht zurzeit nicht in
Berlin weilt, war ein Dementi aus ſeinem Munde im
Augen=
blick nicht zu erhalten. Auch andere Mitglieder des Direktoriums
halten die Meldung für frei erfunden, ihnen iſt von einem
der=
artigen Brief nichts bekannt.
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Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 20. Januar.
— Ernannt wurden am 12. Januar der Schulamtsanwärter Fritz
Nüll aus Seligenſtadt (Kreis Offenbach) zum Lehrer an der
Volks=
ſchule zu Klein=Welzheim (Kreis Offenbach), der Schulamtsanwärter
Otto Volz aus Ober=Mörlen (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der
Volksſchule zu Kloppenheim (Kreis Friedberg), die
Schulamtsanwäx=
terin Maria Thereſia Frener aus München zur Lehrerin an der
Volfsſchule zu Unter=Hombach (Kreis Heppenheim).
— Verſetzt wurden: der Regierungsrat Dr. Georg Helmreich
von dem Kreisamt Groß=Gerau an das Kreisamt Schotten mit Wirkung
vom 1. Februar 1927; der Regierungsrat Theodor Weber, von dem
Kreisamt Schotten an das Kreisamt Büdingen mit Wirkung am 1. Febr.
d. Js. ab.
— Heſſiſches Landestheater. Die am Samstag, den 22. Januar, im
Kleinen Haus ſtattfindende und der Zuſatzmiete Vl zugeteilte Aufführung
von „Figaros Hochzeit” iſt zugleich die dritte Vorſtellung in dem
von der Generaldirekton des Landestheaters veranſtalteten
Weihnachts=
zhklus klaſſiſcher Werke, der bisher Beethovens „Fidelio” und den Goethe=
Abend brachte und in deſſen Rahmen auch demnächſt Webers „Oberon”
erſcheinen wird.
Vielfachen Wünſchen entgegenkommend wird das Programm des
heute, abends 8 Uhr, im Kleinen Haus ſtattfindenden 3. Beethoven=
Abends des Drumm=Quartetts dahin umgeſtaltet, als die
Reihenfolge der zur Aufführung gelangenden Streichquartette ſich wie
folgt ändern wird: Op. 18 Nr. 4, Op. 135, Op. 95, Op. 18 Nr. 2.
Peter Pan, die Hauptfigur des reizenden Märch nfilms, den
idas Landestheater zur Vorführung am Sonntag, 23. Januar,
Evormittags 11 Uhr und nachmittags 2½ und 4½ Uhr, erworben hat, iſt
Pan, dem Sohn des Hermes, der griechiſchen Mtthologie nachgebildet.
*Wenn er ſich auch äußerlich ſehr weſentlich von ihm unterſcheidet, ſo iſt
ger doch im Charakter ſeinem mythologiſchen Vorbild recht ähnlich. Peter
WPatt iſt ein Kind der Wälder und des freien, ungebundenen Lebens; er
Hiebt die Muſik und fröhliche Luſtigkeit. In derſelben Weiſe wie ſein
griechiſches Vorbild tanzt, jagt, fiſcht er mit den Nymphen zuſammen.
SVeter Pan kann fliegen. Abends beſucht er kleine Kinder in den
Städ=
tten, die er mit in ſein Wunderland nimmt. Und dort beſtehen ſie
Abenteuer der phantaſtiſchſten und romantiſchſten Art. Der Vorverkauf
ffür die drei Vorführungen, für die Preiſe von 70 Pfg. und 1 Mark
RKinder 35 und 50 Pfg.) gelten, beginnt heute an der Tageskaſſe des
SKleinen Hauſes.
— Volkshochſchule. Wir weiſen nochmals auf die
Vortrags=
weihe von Maler H. Vielmetter hin, in welcher ein Ueber=
Wlick über die Reproduktionstechniken gegeben wird. Die
Worträge ſind nicht für den Fachmann, vielmehr will der Vortragende
üdem Laien, der täglich Druckſachen ſieht, Druckſachen in die Hand nimmt,
win Bild darüber geben: Wie entſteht ein mehrfarbiges Plakat, wie eine
„Zeitſchrift mit Farbdruck? Wie entſtehen unſere Bücher, unſere
Zeitun=
en?. Dabei erfahren wir in großen Zügen, wie die Drucktechniken ſich
ſeit ihrer Erfindung bis zum heutigen Stand entwickelt haben. Die
mwvenigſten Menſchen haben Gelegenheit, eine Druckerei in Betrieb zu
ſſehen und den Werdegang einer Druckarbeit vom Entwurf bis zur
Auf=
llage kennen zu lernen. Maler, Vielmetter will uns die Wunder der
Sſteproduktionstechniken vor Augen führen. Seine Vorträge ſind von
Wichtbildern begleitet, die den Werdegang im Druckweſen klar
ſſchildern. Es dürfte für jedermann von Intereſſe ſein, den gewaltigen
Kufſchwung der Drucktechniken ſeit, den Flugblättern zu Gutenbergs
9Zeit, ſeit den erſten Verſuchen, vom Stein zu drucken, im weſentlichen
ſtennen zu lernen. Wir haben den Beginn noch um eine Woche
ver=
ſſchoben. Der erſte Vortrag findet ſtatt am Donnerstag, den 27.
Januar, abends 8 Uhr, in der Techniſchen Hochſchule (Saal 182).
An=
mneldungen ſind umgehend in der Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule,
EMathildenplatz 17, aufzugeben.
— „Das Grabmal des Theoderich” iſt das Thema eines intereſſanten
Wortrags, der heute abend 8 Uhr im Hörſal 137 der Techniſchen
Bochſchule durch Reg.=Baurat Bode=Kaſſel gehalten wird. Die
Mit=
ſiglioder der Vortragsgemeinſchaft techniſch=wiſſenſchaftlicher
Wereine, des Heſſ. Bundes für Heimatſchutz, des
Hiſtori=
ſchen Vereins und Ortsgewerbevereins werden nochmals
ſchierauf hingewieſen. Gäſte ſind willkommen.
— Oeffentlicher Vortraa Martha Heimeran. (Zweiter Abend des
hklus über das Lukas=Evangelium.) Freitag, den 21. Januar, abends
(S Uhr 15 Min., in der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt,
Eliſabethen=
traße, ſpricht Martha Heimeran, Pfarrer in der Chriſtengemeinſchaft,
iber „Das Lukas=Evangelium als Schickſalsbuch‟. Der erſte Abend führte
die Eigenart des „Evangeliums des Arztes” ein, deſſen Bildern eine
Geilende und bildende Kraft entſtrömt, wenn ſie in der richtigen Weiſe
nind in ihrem Zuſammenhang erlebt werden. Der zweite Abend wird
Fortſetzend zeigen, wie ſich eine Schickſalsentwicklung durch die Folge der
BBilder des Evangeliums hinzicht, die auch dem einzelnen Menſchen
einen eigenen Schickſalsweg offenbaren kann. (Auf die heutige Anzeige
rwird verwieſen.)
— Die dritte ſtaatliche Stenographielehrerprüfung hat am 17. und
18. Januar hier ſtattgefunden. Von den zugelaſſenen 15 Bewerbern ſind
ſorei wegen Erkrankung nicht erſchienen. 10 Teilnehmer haben beſtanden,
und zwar 8 aus Heſſen, 1 aus Preußen und 1 aus Baden. Aus Heſſen
eſtanden: Annelieſe Müller=Mainz, Lehrer Roß=Fürth, Schilvarwalter
Schädel=Lollar, Lehrer Sperling=Trebur, Betriebsaſſiſtent Stieler hier,
tädtiſcher Beamter Wahl=Gießen, Schulverwalter Wettlaufer hier.
— Der Darmſtädter Fechtklub 1890 hielt am 15. Januar ſeine
Jah=
eshauptverſammlung ab. Der Vorſtand erſtattete eingehen=
Sen Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, der in allen Teilen
zu=
rriedenſtellend ausfiel. Die Uebungsſtunde der Fechter ſowie die
Jiu=
itſu=Abteilung hatten einen erfreulich eifrigen Beſuch zu verzeichnen,
uund waren auch die Erfolge bei den verſchiedenen auswärtigen und
Gieſigen Turnieren auerkennenswert. Es ſei den Herren Fochtmeiſter
Sl. Kaiſer, den ihn unterſtützenden Fechtwarten L. Anton und Fritz
l=Müller, ſowie Jiu=Jitſu=Lehrer Heim an dieſer Stelle beſonderer Dank
weſagt. Die geſellſchaftlichen Veranſtaltungen verliefen ebenfalls alle in
ehr harmoniſcher Weiſe. Unter beſonderem Dank an den langjährigen
Worſitzenden Herrn M. Steffan wurde dem Vorſtand Entlaſtung erteilt
uind der Geſamtvorſtand einſtimmig wiedergewählt. Ueber die Anträge
zrur Satzungsänderung und Wahl eines Vertreters der außerordentlichen
Mitglieder wird die auf den 22. Januar angeſetzte a. v.
Hauptver=
ammlung beſchließen, vorauf wir unſere Mitglieder nochmals
hin=
weiſen. — Am Sonntag, den 23. Januar, findet die Fortſetzung des
Städte=Mannſchaftskampfes mittelrheiniſcher Fechtklubs
an Wiesbaden ſtatt. Abfahrt der Teilnehmer 12.37 Uhr nachmittags
SSauptbahnhof.
— Schneeſchuhwettläufe des Rheingaues im Skitlub Schwarzwald
ruf dem Ruhſtein. Am kommenden Sonntag werden beim Ruhſtein die
Bauwettläufe des oben bezeichneten Gaues durchgeführt. Dieſe
winter=
portliche Veranſtaltung umfaßt einen Langlauf über etwa 16 Klm.,
Uinen Geländelauf und einen Jungmannenlauf für das Alter von 18 bis
120 Jahre. — Die wiederholte Verlegung von ſkiſportlichea
Veranſtal=
nungen in das hochgelgene Ruhſteingabiet, wo Laufſtrecken in der 1000
lNeter=Höhengrenze in ſicherer Schneelage durchgeführt werden können,
peigt, daß ſich dieſes Gebiet immer mehr zu einem Sammelpunkt aller
tkiſportlichen und touriſtiſchen Intereſſen des nördlichen Schwarzwaldes
antwickelt. Unterſtützt wird dieſe Entwicklung durch die Gründung einer Tiroler, der Sachſe, die Amerikanerin. Da wird er Realiſt; und weiter:
Skizunft Ruhſtein, welche nach dem Muſter der Skizunft Feldberg vor
wrzer Zeit gebildet wurde. Ebenſo auch durch den Bau der Mann= Aber ſie ſind vorher ſchon in ihm lebendig und zappeln in der Nocktaſche
reimer und Darmſtädter Stihütten, wozu im kommenden Jahre die
SSchliffkopfhütte kommen wird, welche vom „Sihäbiſchen Schneeſchuh= nette Scelenſpaltung in ſich vor — ohne an Schizophrenie nur im ent=
Eiuferbund”, ausreichend für die Unterbringung von etwe 100 Perſonen,
ebaut wird. Mitglieder und Gäſte des Skiklubs Darmſtadt, welche die und bleibt an einer unſichtbaten Nabelſchuur mit dem „Spirituls rector”
ſSdauwettläufe und Darmſtädter Hüitte beſuchen wollen, treffen ſich am
wmmenden Samstag, 22. Jan., vormittags, vor Abgang des beſchleunig=
En Perſonenzugs, 7.01 Uhr, am Hauptbahnhof.
Abends 8 Uhr, findet im Gemeindehaus Kahlertſtraße 26,
uratabend ſtatt. Studienrat Pickert wird dabei über den alemanni= 1
ſthen Dichter Joh. Peter Hebel ſprechen; außerdem werden
Ge=
ichte, Lieder und Proſaſtücke in dieſer Mundart dargeboten. Die Mit= zeitiges Erſcheinen angeraten; ebenſo empfiehlt es
lieder der Johannesgemeinde und alle Freunde ſüddeutſcher Heimatart ſtellen, de Waal, Rheinſtraße 14, oder Verkehrsbureau zu benutzen, da
ſnd hierzu herzlich eingeladen.
Donnerstag, den 20. Januar 1927
— Stiklub Darmſtadt—Odenwalb. In der Zeit vom 30. Jan. bis
5. Febr. findet auf der neuen Darmſtädter Ski= und Wanderhütte ein
Skikurſus für Anfänger ſtatt. Die Koſten betragen für
Mit=
glieder 39 Mk. Der Kurſus ſteht uter Leitung des Herrn Gießmann, rige Schupo=Unterwachtmeiſter P. erſchoß in der Wohnung
Im Anſchluß hieran wird ein Kurſus für Fortgeſchrittene
in der Zeit vom 6. Febr. bis 13. Febr. d. J8. am gleichen Ort durch= ſeiner Eltern im Gräfenhäuſer Weg erſt ſeine 18jährige Braut
geführt. Die Koſten betragen 42,80 Mk. Die Ausgaben für beide Kurſe und dann ſich. Das Mädchen erlitt einen Lungen= und einen
und zurück (G=ſellſchaftsfahrſchein), Autofahrt von Ottenhöfen bis zur
nachtung. Vei Nichtmitgliedern erhöhen ſich die Koſten um etwa 6—8, der beiden Unglücklichen feſtgeſtellt werden.
Mark. Mitglieder haben bei zu großer Anmeldezahl den Vorzug. Den
Kurſe iſt auf Dienstag, den 25. Januar, feſtgeſetzt. Am gleichen Tage
findet abends 830 Uhr eine Verſammlung ſämtlicher Teilnehmer beider Gleich im voraus ſei bemerkt, daß der Zweck der Veranſtaltung, die
auf=
möglichſt zu entrichten ſind. Weitere Anmeldungen zu den Kurſen ſind an unſerer kleinſten Jugend durch finanzielle Unterſtützung zu
erleich=
bis zum 25. Januar im Sporthaus Adelmann abzugeben.
UNNN22122
Mitte März rg2y erscheint
Das Adressbuch
der
Hessischen Kratttahrzeugbesitzer
Im Auftrag des Ministeriums herausgegeben
von dem Hessischen Verkehrs-Verband.
Im Verlag der L. C. Wittich’schen Hofbuchdruckerei
zu Darmstadt.
Zu der Herausgabe dieses Werkes wurde der Hessische
Verkehrs Verband veranlaßt durch das erfolgreiche Beispiel
anderer Staaten (Baden, Bayern, Württemberg) Es wird damit
einem wirklichen Bedürfnis entsprochen. Die Besitzer von
Kratt-
wagen und Krafträdern in Hessen sind in einer nach Provinz
und Kreisen geordneten Nummern-Uebersicht und einem
Nanenverzeichnis aut Grund des amtlichen Materials nach
dem Stand vom Januar 1927 sorgtältig zusammengestellt. Bei
jedem Wagen und Rad ist Type und PS angegeben. Außer
Ver-
kehrsvorschriſten enthält das Adreßbuch ein Verzeichnis der
Reparaturwerkstätten und Garagen im Freistaat Hessen.
Wichtig und unentbehrlich
für Staats-, Städtische und Gemeindebehörden, Kraftfahrer,
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Verkehrs-Verbände.
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Orpheum: Marcell Salzeus „Heiterer Abend”
heute Donnerstag bringt eine Reihe erleſener und beſonders heiterer
Dichtungen in Vers und Proſa. Marcell Salzers Programme
zeigen ſtets in ihrer Zuſammenſtellung, Wahl und Inhalt ſeine
ureigene perſönliche Note und geſtalten in ihrer Vieſeitigkeit und
Er=
leſenheit ſeine Abende zu einem Erlebnis. — Nachfolgend ein
Kritik=
auszug des bekannten Kritikers Bernhard Diebold, anläßlich des
Auf=
tretens Marc. Salzers im kleinen Saalbau zu Frankfurt a. Main:
man kann den Profeſſor Salzer nicht definieren! Er iſt der dramatiſchſte
unter den Epikern des Vortragstiſches. Er vervielfältigt ſich und bleibt
doch immer Einer. Er iſt der Marionettenſpieler ſeiner ſelbſt. Er
durchbricht den reinen Stil des Rezitators oder Deklamators und leiſtet
ſich ein Dutzend Nollen. Behend, koboldiſch, und elaſtiſch wie ein
Gummiball hüpft er vom Türchen übers Podium zum hohen Stuhl
der Redekunſt. Erzählt gewichtig; ſkandiert gegelegentlich im Tone
Kainzens; pointiert übertrieben für den Dümmſten, — ſo lange es das
Drumm und Dran der Sitnation, der Landſchaft und Kuliſſe ſchildert.
Das läuft noch epiſch ab. Bis ſein Perſonal eintritt: der Berliner, der
da ſtrebt er in die Karikatur. Die Puppen warten auf das Zeichen.
— als wär’s ein Stüick von ihm. Salzer nimmt ſchleunigſt eine kleine
fernteſten zu denken. Es ſpaltet ſich ein Teilchen der Geſautſeele ab
verbünden. Des Jokulators Geſicht und Körper dient in dieſem
Augen=
blick nur dieſer einzigen Type. Es iſt nur ein Augenblick. Denn die
übrige Truppe will auch! Salzer iſt ein Perſonal von Chargenſpielern.
— Süddeutſcher Heimatabend. Heute Donnerstag, den 20. Januar, Salzer reiſt mit Enſemble. Salzer ſpricht Kuliſſen. Salzer füttert ein
Dutzend, wenn er ißt und trinkt. Salzer iſt ein kleines Welttheater. —
Auf Veranlaſſung des Evangel. Männervereins, ein Süddeutſcher Hei= Der heutige Marcell Salzer=Abend beginnt pünktlich 8.15
ndo zu vermeiden, werden
der Andrang an der Abendkaſſe ein ſtarker ſein wird. (S. Anzeige.)
Seite 5
— Liebesdrama. Geſtern abend ereignete ſich hier ein
Liebes=
drama, dem zwei junge Menſchen zum Opfer fielen. Der 24
jäh=
ſetzen ſich zuſammen aus: Reiſegeld 4. Klaſſe nach Ottenhöfen i. Bad. Bruſtſchuß. P. ſelbſt brachte ſich einen Kopfſchuß bei. Im Städti=
Schneegrenze, Gedäcktransport, Kurſusbeitrag, Verpflegung und Ueber= ſchen Krankenhaus konnte nur der inzwiſchen eingetretene Tod
— Beffunger Milchkränzchen. Das vor dem Kriege ſo ſehr believ;
Teilnehmern am Anfängerkurſus iſt die Möglichkeit gegeben, auch den und geſchätzte „Beſſunger Milchkränzchen” iſt nach einer langen Reih=
Kurſus für Fortgeſchrittene mitzumachen. Der Meldeſchluß für beide von Jahren aus ſeinem Dornröschenſchlaf erwacht und wurde züſt
erſten Male wieder am letzten Samstag im Chauſſeehaus abgehalten.
Kurſe ſtatt, bei welcher Gelegenheit die Koſten für den erſten Kurſus opferungsvolle Arbeit der evangeliſchen und der katholiſchen Schweſtern
tern, nicht nur erreicht wurde, ſondern darüber hinaus auch noch ein
Betrag an das Städtiſche Jugend=Wohlfahrtsamt überwieſen werden
konnte. Dieſes ſchöne Ergebnis iſt vor allem der ſ.lbſtloſen
Bereitwilli=
keit zu verdanken, mit der ſich ſämtliche Mitwirkende in den Dienſt der
guten Sache ſtellten. Das Orcheſter des Reichsbundes ehemaliger
Mili=
tärmuſiker unter der bewührten Leitung von Herrn Georg Greilich
ei=
öffnete den Reigen der Darbietungen und erntete ſtets reichen,
wohl=
verdienten Beifall. Sehr gefeiert wurde die in weiten Kreiſen bekannt=
Konzertſängerin Fräulein Paula Löſch, die an dieſem Abend gauz
beſonders gut bei Stimme war und deren prächtiger Geſang durch die
verſtändnisvolle Begleitung ihres Partners, Herrn Walter Engelteu,
nur noch gewann. Ueber Nudolf Fey viele Worte zu machen, erſcheint
nicht nötig. Wer kennt ihn nicht, den „Beſſunger Caruſo”! Ihm fällt
es niemals ſchwer, ſich die Herzen der Zuhörer ſchmellſtens zu gewinnen.
Zu Glanznummern des Programms geſtalteten ſich auch die ernſten ſowie
die heiteren Vorträge des Herrn Peter Hanauer. Seine Leiſtungen
auf dem Gebiete der Rezitationskunſt ſtehen einzigartig da, und der
leb=
hafte Beifall bewies ihm auch diesmal wieder eine dankbare
Zuhörei=
ſchaft. Wenn auch zuletzt, ſo doch in nicht weniger dankenswerter Weiſe,
ſei der Turngemeinde Beſſungens gedacht. Ihre Vorführungen paßten
ſo recht in den Rahmen der ganzen Veranſtaltung und trugen ſehr
weſentlich dazu bei, den guten Eindruck, den die zahlreich erſchienenen
Anweſenden von der Veranſtaltung gewannen, noch zu vertiefen. Der
an die Vortragsfolge ſich anſchließende Ball verlief in fröhlichſter
Stim=
mung, und nur zu früh mahnte die Feierabendſtunde zum Aufbruch.
Möge der ſchöne Verlauf dieſes erſten Milchkränzchens nach dem Kriege
ein gutes Zeichen für weitere derartige Veranſtaltungen ſein! Nd.
— Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla”. Auch in dieſem Jahre tritt die
Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla”, mit drei großen
Veranſtal=
tungen wieder an die Oeffentlichk it. Am 13. Februar findet in dem
feſtlich=närriſch dekorierten Saal des Saalbaues die einzige Damen= und
Horrenſitzung ſtatt, zu deren glanzvollem Gelingen die Vorbereitungen
im beſten Gange ſind. Der vorjährige Verlauf der mehr als „
ausver=
kauften‟ Damen= und Herrenſitzung iſt ſicher noch in aller Erinnerung.
Die Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla” wird in dieſem Jahre alles
auf=
bieten, um die vorjährige Veranſtaltung mit beſonderen karnevaliſtiſchen
Darbietungen noch zu übertreffen. Am Faſtnachtsſamstag findet, wie
ſeit Jahrzehnten, der „Große Maskenball”, ebenfalls im Saalbau, ſtatt.
Auch hier laſſen die Vorbereitungen auf beſondere Ueberraſchungen und
einen glanzvollen Verlauf ſchließen. Der Faſtnachtsdienstag gibt dann
Gelegenheit, durch eine Faſchingsſchlußfeier alle faſchingsfrohen
Men=
ſchen nochmals zu fröhlichem Tun zu vereinen. (Alles Nähere ſiehe
Anzeigen und Plakate.)
— Orthſcher Männerchor. Die Generalverſammlung des
Orthſchen Männerchors bzw. Männerquartetts zeitigte in all ſeinen
Punkten ein befriedigendes Ergebnis. Mit der Tätigkeit im verfloſſenen
Vereinsjahr kann der Verein in jeder Beziehung zufrieden ſein, was
auch die Verſammlung durch die Wiederwahl des ſeitherigen Vorſtandes
bekundete. Durch die ſtete erfreuliche Steigerung des aktiven Chores
Gbis jetzt nahezu 80 Sänger), ſowie der inaktiven Mitglieder veranlaßt,
fand der Vorſchlag des Vorſtandes, den ſeitherigen Namen des Vereins
„Orthſches Männerquartett” in „Orthſcher Männgrchor” umzubenennen,
Zuiſtimmung.
— Tagesordnung zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der
Pro=
vinz Starkenburg am Samstag, den 22. Januar, vormittags 9 Uhr=
1. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes Darmſtadt=Stadt gegen den
Be=
zirksfürſorgeverband Dieburg wegen Erſatz von Krankenhauspflegekoſten
des Heinrich Barth, geboren 19. Januar 1874 zu Roßdorf; — 2. Geſuch
des Alfred Hamuer zu Darmſtadt um Erteilung der Erlaubnis zum
Kleinhandel mit Branntwein im Hauſe Eliſabethenſtraße 48; — 3. Geſuch
der Auguſt Trabert Ehefrau geb. Leininger zu Offenbach a. M. um die
Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft mit
Brannt=
weinausſchank im Hauſe Taunusſtraße 78; — 4. Berufung des Karl
Göhringer und Genoſſen zu Eberſtadt gegen das Urteil des
Kreisaus=
ſchuſſes Darmſtadt vom 18. Oktober 1926, betr. Anſtellung eines
Berufs=
bürgermeiſters.
— Kapitalabfindung. Die nach dem Reichsverſorgungsgeſetz vom
12. Mai 1920 wegen der Folge einer Dienſtbeſchädigung verſorgten
frü=
heren Angehörigen der Deutſchen Wehrmacht und ihrer Witwen,
dienſt=
beſchädigte frühere Kapitulanten, frühere Offiziere und Offizierswitwen,
die Anſpruch auf Kriegsverſorgung haben, ferner ſolche früheren
Wehr=
machtsangehörigen, die aus der Zeit vor 1914 Anſpruch auf
Kriegs=
verſorgung haben, können nach näherer Vorſchrift der einſchlägigen
Geſetze an Stelle eines Teils ihrer Verſorgungsgebührniſſe
Kapitalab=
findung zur Siedlung oder Seßhaftmachung auf eigener Scholle
erhal=
ten. Auskunft erteilen die örtlichen Verſorgungsämter und
Bezirksfür=
ſorgeverbände (Wohlfahrtsämter). Ueber die Bewilligung der
Kapital=
abfindung entſcheiden die Hauptverſorgungsämter. Im Bereich des
Hauptverſorgungsamts Kaſſel, das als Reichs=Provinzialbehörde das
Verſdrgungsweſen für die Provinz Heſſen=Naſſau, die Länder
Thürin=
gen, Heſſen und Waldeck leiſtet, nimmt der ſtark überwiegende ländlick
Kleinbeſitz, in Thüringen auch der vielfach ein kleines Eigenheim
er=
ſtrebende Heimarbeiter die Kapitalabfindung beſonders weitgehend in
Anſpruch. So konnten ſeit Beginn dieſes Jahres an rund 3300
Per=
ſonen insgeſamt 7 700 000 RM. als Kapitalabfindung bewilligt werden.
Die Kapitalabfindung fördert ſomit nicht unerheblich den dringend
nöti=
gen Wohnungsbau und die Erhaltung des Eigenbeſitzes der
Kriegsbe=
ſchädigten, denen ſie faſt ausſchließlich zugute kommt; ſie findet ihre
Grenze au den wohlderſtandenen Belangen der Verſorgungsberechtigtere
die von ihr einen den Wegfall des Rententeils überſteigenden Nutzer
II.
haben ſoll.
— Streut Futter den hungernden Vögeln im Freien. Der
Vogel=
ſchutzberein bittet, ſchon vor dem Schneefall mit dem Ausſtreuen von
Futter zu beginnen, damit ſich die Vögel an die Futterplätze gewöhnen.
Kartoffeln und Brotkrumen ſind den meiſten Vögeln ſchädlich. Mau
ſtreue geeignetes Körnerfutter, das in Samengeſchäften, zoologiſchen
Handlungen und größeren Kolonialwarengeſchäften erhältlich iſt.
Polizeibericht. Diebſtähle bei der Firma Merck und
Drogerie Schäfer. Es wurde bekannt, daß ſeit einiger Zeit
mit Arzneimitteln und Chemikalien unerlaubter Handel getrieben wird.
Am letzten Montag wurde mit den Ermittelungen begonnen, und es
konnte ein weit verzweigtes Diebes= und Hehlerneſt ausgehoben werden.
Durch Arbeiter der Firma Merck wurde ein größeres Quantum
Lumi=
naltabletten und Kokain und durch einen Angeſtellten der Fa. Schäfer
größere Meugen Betäubungsmittel und ſonſtige Chemikalien entwendet.
Die bei Schäfer entwvendeten Chemikalien wurden durch Vermittelung
zwveier hieſiger ſelbſtändiger Drogiſten an den Mann gebracht, während
die Chemikalien von Merck durch die Täter ſelbſt unter Mitwirkung eines
vor Jahren von der Firma entlaſſenen Arbeiters hier und in Frankfurt
zum Teil abgeſetzt wurden. Eine größere Menge des entwendeten Gutes
— wovon ein Teil bereits in einem Garten vergraben war —
konnt=
wieder zur Stelle geſchafft werden. Die Täter wurden nach Aufklärung
des Tatbeſtandes auf freien Fuß geſetzt. — Feſtnahme. Kaufmann
Paul Dör=, geboren am 4. Februar 1906 in Maſſenbach, der ſeit
einigen Wochen hier unangemeldet wohnte, verübte hier einige kleinere
Diebſtähle. Nach ſeiner Feſtnahme ſtellte ſich heraus, daß Dörr ſeit
läu=
gerer Zeit von der Kriminalpolizei Mannheim wegen Urkundenfälſchung
und Betrug geſucht wird. Dörr wurde dem Amtsgericht zugeführt.
Geſucht wird wvegen Anſtiftung zur Aktenbeſeitigung und
Beamteu=
beſtechung der flüchtige Bankdirektor Max Kunert, geb. am 8. Aug.
1879 zu Forſt, von der Kriminalpolihzei in Berlin. Gegen Kunert liegt
Haftbefehl vor.
Vor dem Besuch von
Gesell-
eschaften, Theater, Bällen usw.
vversäumen Sie nicht Ihre Zähne
mit der herrlich erfrischenden
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IDr 907 putzen.
Kleine Tube Mark —.60, große Tube Mark 1.—
Die Chlorodont-Zahnpaste
macht die Zähne blendend
weiß,
entfernt häßlich gefärbten
Zahnbelag,
beseitigt unangenehmen.
Hundgeruch.
Seite 6
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
* „Volk und Scholle‟,
Viele Hunderte von Zeitſchriften, darunter ſehr wertvolle und
ſviſſenſchaftlich wichtige, mußten in den Stürmen des Weltkrieges und
der großen Not der Nachkriegszeit ihr Erſcheinen einſtellen, ſo auch die
von dem Hiſtoriſchen Verein für Heſſen, ſeit 1861 herausgegebenen
Quartalblätter des Hiſtoriſchen Vereins. Sie ſollten
das mehr der reinen Geſchichtswiſſenſchaft dienende „Archiv für heſſiſche
Geſchichte und Altertumskunde”, das ſchon ſeit 1835 erſcheint, und in
den letzten Jahren nur mit Unterſtützung der Notgemeinſchaft deutſcher
Wiſſenſchaft fortgeführt werden konnte, in manchen Gebieten ergänzen.
Nachdem die unſicheren, ſchwankenden Verhältniſſe ſich einigermaßen
vieder gefeſtigt hatten, ging der Verein, eingedenk der ihm neu
zu=
fallenden Aufgaben, insbeſondere der Pflege des Heimatſinns, daran,
aufbauend dieſe Lücke wieder auszufüllen. Mitte 1923 ging das erſte
Heft der auf breiter Grundlage für die weiteſten Kreiſe berechneten
MMonatsſchrift unter dem vielverſprechenden Titel „Volk und
Scholle” hinaus. Sie will nicht nur Land und Leute beider Heſſen,
ſondern auch Frankfurt a. M. und Naſſau umfaſſen, und führt
noch einen dies bezeichnenden Untertitel: Heimatblätter für
dieſe Landſchaften. Die Ziele ſchildert in gehobener Sprache ein genauer
Sachkenner, der Oberbibliothekar der Landesbibliother Profeſſor Dr.
K. Bader: „ein weites Feld tut ſich hier auf für alle, die geſonnen
ſind, mit der Pflugſchar des Wortes und der Feder ſelbſt die Scholle
in langen Furchen zu wenden oder doch ſich bei ihrem Anblick zu erfreuen,
ein Reiz zu liebevoller Verſenkung in die mannigfaltigen
Lebensſchick=
ſale der darauf Wohnenden, in die Geſchicke der Gegenſtände ihrer
Be=
tätigung in Kunſt und Handwerk; zu den lehrreichen Gebäuden für
kirchliche und weltliche Zwecke, Kirche, Rathaus und Bauernhaus,
Brunnen im Lindenſchatten und verfallene Wehrbauten auf den Höhen
unſerer Berge und Hügel, zu allen Denkmälern der Sitte des Gebrauchs
und der Sprache” (V. u. S. II, 134). Jedes Heft iſt mit einer Füülle von
Bildſchmuck unſerer hervorragendſten Künſtler verſehen. Die im beſten
Aufblühen unter der Schriftleitung des durch ſeine heſſiſchen Volksbücher
(Rheinheſſen und Oberheſſen) u. a. bekannt gewordenen Wilh. Müller
begriffene Zeitſchrift hat übrigens nicht, wie aus Verſehen kürzlich in
d. B. 300, ſondern 3000 Abnehmer. Da ſie die ihr gebührende Beachtung
in weiteren Kreiſen noch nicht gefunden hat, ſei hier der Inhalt des
demnächſt erſcheinenden Januarheftes, des erſten von dem 5. Jahrgang,
hier wiedergegeben: Beils, Goethes B.ziehungen zu Heſſen; Faber,
Heſſiſche Sagen; Dietz, Stammbäume und Ahnentafeln in eigenartiger
und ichtümlicher Ausſtattung; Schwekowſky, Zum 100jährigen
Todestag von Simon von Bethmann; von Ihering. Dr. Georg
v. d. Au, ein heſſiſch=amerikaniſches Lebensbild; Becker, Die treuloſe
Königstochter, Märchen. Kleine Beiträge zur Volks= und Heimatkunde,
enthält u. a. den Nachweis eines Neujahrswunders in
Drei=
eichenhain als Gegenſtück zu dem im zweiten Jahrgang behandelten
Treburer Weihnachtswunder. Noch ſei beſonders auf den jades Heft
be=
ſchließenden Abſchnitt: der Familienforſcher, hingewieſen.
K. Noack.
Aenderung von Kraftpoſtfahrplänen. In den Kraftpoſtfahrplänen
des Oberpoſtdirektionsbezirks Darmſtadt ſind folgende Aenderungen
ein=
getreten: 1. Auf dem Kraftpoſtkurſe Bad=Nauheim—Rod a. d. Weil iſt
zwviſchen Bad=Nauheim und Ober=Mörlen eine werktägliche Frühfahrt
eingelegt worden, die wie folgt verkehrt: Bad=Nauheim( Poſt) ab 6.20,
Nieder=Mörlen (Poſt) ab 6.30, Ober=Mörlen (Poſt) an 6.40 Uhr. Ober=
Mörlen (Poſt) ab 6.45, Nieder=Mörlen (Poſt) ab 6.55, Bad=Nauheim
(Bahnhof) an 7.05 Uhr. Durch dieſe Fahrt wird ein Anſchluß an die
Züge 777 nach Gießen — ab Bad=Nauheim 7.13 — und 792 nach
Frank=
furt a. M. — ab Bad=Nauheim 7.33 Uhr — hergeſtellt. 2. Auf dem
Kraftpoſtkurſe Bensheim-Lindenfels iſt die erſte Fahrt von Bensheim
nach Lindenfels 10 Minuten ſpäter gelegt wovden, ab Bensheim Bhf.
8.25, an Lindenfels 9.38, damit den mit dem beſchleunigten Perſonenzug
993 um 8.23 in Bensheim eintreffenden Reiſenden noch Gelegenheit
zur Weiterfahrt gegeben iſt. Ferner iſt an Sonn= und
Feier=
tagen noch eine Abendfahrt von Bensheim nach Lindenfels — ab
Bensheim 8.20, an Lindenfels 9.33 — eingelegt worden, um einen
An=
ſchluß von den Zügen 339 von Worms — an Bensheim 8.08 — und
994 von Frankfurt a. M. — an Bensheim 8.11 — herzuſtellen.
* Bezirksſchöffengericht.
1. Der ſchon öfter wegen Betrugs beſtrafte Karl Gebhardt
von Stockſtadt am Rhein hat im Mai 1926 in Kelſterbach,
Biſchofsheim und Mainz unter falſchen Vorſpiegelungen kleinere
Provi=
ſionsbeträge erſchwindelt. In einem der zur Anklage verſtellten Fälle
kommt nur Betrugsverſuch in Betracht. Gegen den geſtändigen
Angeklagten, der in Notlage gehandelt haben will, wird eine
Gefängnis=
ſtrafe von 4 Monaten beantragt, der Staatsanwalt hält dabei für
zweifelhaft, ob ein Notbetrug vorliege. Das Urteil erkennt
auf drei Monate Gefängnis unter Anrechnung von ſieben
Wochen Unterſuchungshaft. Norbetrug wird verneint
2. Wegen Abgabe einer falſchen eid=sſtattlichen Verſicherung hat ſich
ein hieſiger Kaufmann zu verantworten. Er ſoll dieſe falſche
Verſiche=
rung gegenüber dem Gerichte abgegeben haben. Es handelt ſich um
Alimentationsanſprüche, die im Wege der einſtweiligen Verfügung gegen
den Kindesvater geltend gemacht wurden. Die Offentlichkeit wird
aus=
geſchloſſen, jedoch der Preſſe die Anweſenheit geſtattet. Der Angeklagte
wird als leicht beeinflußbar und haltlos bezeichnet. Der ärztliche
Sach=
verſtändige erklärt, die Urteilskraft laſſe zu wünſchen übrig, der
An=
geklagte ſei ein beſchränkter Menſch, der Gerichtsſachen ziemlich fremd
gegenüberſtehe. Der in Anſpruch genommene Kindesvater habe in dem
Angeklagten ein geeignetes Werkzeug ſür ſeine Zwecke gefunden. Das
Urteil erkennt auf 3 Monate Gefängnis. Zu Gunſten
des Angeklagten wurde ſeine Unbeſtraftheit berückſichtigt. Andererſeits
wurde in Betracht gezogen, welche ſchweren Nachteile durch falſche
Ab=
gabe eidesſtattlicher Verſicherungen entſtehen können.
3. Als einen ganz rabiaten Menſchen bezeichnet der ärztliche
Sach=
verſtändigen den in Darmſtadt geborenen ledigen Arbeiter Georg
Gunkel in Darmſtadt, der der gefährlichen Körperverletzung, weiter
des Widerſtandes und der Beleidigung von Schupobeamten angeklagt
iſt. Der Kreisarzt hat den Gunkel ſchon einmal 1924 unterſucht und ihn
für leicht ſchwachſinnig gehalten. Eine neuerliche Unterſuchung ergab für
den Sachverſtändigen, daß Gunkel von Vater= umd Mutter=Seite her
ſchwer belaſtet iſt; er war ſchon im Landgraf=Philipps=Hoſpital, vom
Militär wurde er als D. u. entlaſſen. Der Sachverſtändige erklärt den
Angeklagten für geiſteskrank und bezeichnet ihn als gemeingefährlich.
(Den Sachverſtändigen erlaubt er ſich gelegentlich der Unterſuchung mit
Du anzureden und verſuchte ihn anzuvacken. Unter dieſen Umſtänden
begegnen ſich Staatsanwalt und Verteidiger in dem Antrage auf
Frei=
ſprechung. Die Verhandlung wird ausgeſetzt und der
Staatsanwaltſchaft anheimgegeben, ein
Obergut=
achten über den Geiſteszuſtand des Angeklagten einzufordern.
Kunſinotizen.
Ueber Werte, Künſtier oder künſhleriſche Vrranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwähnung
geſchieht behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor
* Reſidenz=Theater: „Sibirien”. Intereſſant und
feſſelnd iſt der Film durch die ganz ausgezeichnete Milieuſchilderung;
dem Regiſſeur Viktor Scherzinger ſind u. a. verſchiedene feine
Genre=
bildchen geglückt, ſo z. B. die Großaufnahmen der ſingenden Schulkinder,
Da ſteht ſo mancherlei hoch über dem Durchſchnitt, zumal die Ausſtattung
ſehr gediegen iſt. Nach amerikaniſchem Geſchmack fehlt auch eine
Sen=
ſation nicht — die Verfolgung eines Schlittens durch Wölfe —, aber ſie
fügt ſich harmoniſch der Handlung ein. Die Darſteller ſind ihren Typen
nach gut gewählt, und die weibliche Hauptdarſtellerin, Alma Rubens,
verſagt auch in ſchwierigen tragiſchen Momenten nicht.
Aus den Parteien.
— Deutſchnatkonale Volkspartei, Ortsgruppe
Darmſtadt. Der Heſſiſche Vaterländiſche Block hat unſere
Mitglie=
der zu der am Samstag, den 22. Jan., abends 8 Uhr, in der Turnhalle
am Woogsplatz ſtattfindenden Reichsgründungsfeier eingeladen Herr
Generalmajor Frhr. von Preuſchen hält die Feſtrede. Die zum Eintritt
berechligenden Programme ſind zum Preiſe von 40 Pfg. an der
Abend=
aſſe erhältlich.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt.
Wir erinnern an die von der Deutſchen Volkspartei veranſtaltete, heute
abend 8 Uhr, im Städtiſchen Saalbau ſtattfindende öffentliche
Reichsgründungsfeier.
Kleine Strafkammer. 1. Der Hilfsarbeiter Joh, Lohr von
Dornheim iſt wegen Körperverletzung des Karl Metzger von da
freigeſprochen worden. Gegen das am 5. Dezember 1926 verkündete
Urteil des Amtsgerichts Groß=Gerau hat der Amtsanwalt Berufung
eingelegt. Auf dem Dreſchwagen ſtehend war Lohr mit Metzger in
Streit geraten. Nach der Auffaſſung des Gerichts hat die Verhandlung
erſter Inſtanz kein klares Bild des Vorfalls, der ſich am 31. Auguſt 1926
ereignete, ergeben. Namentlich blieb zweifelhaft, ob Lohr abſichſtlich oder
unabſichtlich geſtochen habe (das Meſſer gebrauchte Lohr beim
Garben=
aufnehmen) oder ob Metzger ins Meſſer hineingerannt ſei. Metzger
hatte eine Verletzung am linken Beckenknochen. Nach acht Tagen war
die Arbeitsfähigkeit des Verletzten wieder hergeſtellt. Der Staatsanwalt
betont, unzweifelhaft habe Angeklagter fahrläſſig gehandelt, Strafantrag
ſei geſtellt. Von Notwehr könne keine Rede ſein. Der Strafantrag
geht auf 1 Monat Gefängnis. Das Gericht hebt das erſte Urteil auf
und ſpricht wegen vorſätzlicher Körperverletzung eine
Gefängnis=
ſtrafe von einem Monat aus. 2. Auch in der weiter
verhandel=
ten Strafſache hat das Amtsgericht Groß=Gerau einen Freiſpruch
ver=
kündet. Der Franz Joſef Bopp in Rüſſelsheim hatte am
23. Juni 1926 im „Frankfurter Hof” Geburtstag gefeiert und ſoll nach
Abſchluß des Feſtes den Schutzleuten Widerſtand geleiſtt und einen
der=
ſelben u u. dadurch beleidigt haben, daß er ihn mit Du angeredet habe.
Gegen dieſes Urteil hat der Amtsanwalt Berufung v=rfolgt. In der
Beweisaufnahme ergeben ſich ſtarke Widerſprüche in den Ausſagen des
Zeugen Schutzmann Treber und des Zeugen Wolf. Eine Zeugin
be=
kundet, daß der Schutzmann Treber den Angeklagten Boop mit dem
Gummiknüppel geſchlagen habe. Zeugin hatte nicht den Eindruck, daß
Bopp betrunken war. Sie war, weil es auf der Straße ſo unruhig war,
ans Fenſter getreten und hat von hier aus ihre Wahrnehmungen
gemacht. Der Sta anwalt hält den Beweis der Anklage für erbracht
und beantragt Gel ſtrafen von 40 und 25 Mk. Der Verteidiger vermißt
jeden Nachweis für einen tätlichen Angriff, Trebers Angaben ſeien in
dieſer Inſtanz keineswegs beſtätigt worden. Das Amtsgericht Groß=
Gerau habe einen guten Einblick in die Rüſſelsheimer Verhältniſſe. Der
Schutzmann Treber habe ſich einer Ueberſchreitung der Amtsbefugniſſe
durch den Gebrauch des Gummikrkippels ſchuldig gemacht. Das Urteil
weiſt die Berufung der Staatsanwaltſchaft zurück.
— Schwere Brandwunden, am ganzen Körper erlitt geſtern abend
gegen 6 Uhr in der Heil= und Pflegeanſtalt Philippshoſpital
bei Goddelau ein Waſchmädchen, das in einen Zuber mit
ſieden=
dem Waſſer ſtürzte. Das bodauernswerte Mädchen mußte in
ſchwer=
verletztem Zuſtande durch die Städtiſche Rettungswache nach dem
hieſi=
gen Stadtkrankenhaus verbracht werden.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ansſchlleßlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Königin Luiſe=Bund. Die Kameradinnen werden
hier=
mit gebeten, recht zahlreich an der am 22. Januar, 8 Uhr abends, in der
Turnhalle am Woogsplatz vom Heſſiſchen Vaterländiſchen Block
veran=
ſtalteten Reichsgründungsfeier teilzunehmen.
Tageskalender für Donnerstag, den 20. Januar 1927.
Landestheater Großes Haus, C 11, Anfang 7½ Uhr
Ende 10 Uhr: „Mann iſt Mann”. — Kleines Haus, abends
8 Uhr: 3. Beethovenabend des Drumm=Quartetts. — Orpheum,
abends 8¼ Uhr: Luſtiger Abend Prof M. Salzer. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele. —
Deutſche Volkspartei: Reichsgründungsfeier abends 8 Uhr
Städt. Saalbau. — Jungdeutſcher Orden: Konzertabend
8 Uhr Vgte. Geſ. — Volksbühne: Abends 8 Uhr
Beethoven=
feier Mozartſaal. — Geſ. f. freie Philoſophie; Vormittags
10 Uhr Paradeplatz 2 Hauptverſammlung. — Heſſ. Fechtv.
Waiſenſchutz: Abends 8½ Uhr Generalverſammlung i. Heſſ. Hof.
— Fürſtenſaal, abends 8,15 Uhr: Frauenvortrag M. Sachs. —
Konzerte: Schloß=Café; Perkeo; Café Rheingold; Weinhaus
Weißer Turm. — Tanz: Café Rheingold; Tgunusburg; Weinhaus
Weißer Turm.
Verſteigerungskalender für Freitag, den 21. Januar 1927.
Heſſ. Forſtamt Kranichſtein vorm. 9 Uhr in Arheilgen,
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Donnerstag Freitag Samstag
20.
21.
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geb. Kritzler
iſt heute nachmittag ſanft entſchlafen.
Victoria Haas
Hermine Haas.
Darmſtadt, Olbrſchweg 14, den 19. Januar 1927.
Beerdigung Samstag vormittag 11 Uhr von der Kapelle des Frſedhofs
an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus.
Nummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Seite 7
Lucie Guckenheimer
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Heute entſchlief ſanft nach kurzem, ſchweren
Teiden im 78. Jahre mein lieber Mann, unſer
guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager
und Onkel
Herr
Mgd vnnSarnate.
In tiefer Trauer:
Im Namen der Hinterbliebenen:
Antonia von Bernard
geb. Weber.
Todes=Anzeige.
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Heute nacht entſchlief ſanft dem Herrn unſere liebe,
gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Katharina VogelWwe.
geb. Schneider
im 79. Lebensjahre.
Karl Vogel.
Familie Adolf Pogel.
Darmſtadt, Semd, den 19. Januar 1927.
Gutenbergſtraße 63.
Die Beerdigung findet Freitag, den 21. Januar, nachmittags 2 Uhr,
auf dem Beſſunger Friedhof ſiatt.
(1451
Buenos Aires, z Zt Wiesbaden, Kaiſerhof,
18. Januar 1927.
(II. 1400
Auf Wunſch des Verſtorbenen findet die Ueberführung
nach Buenos Aires ſiatt.
Trauerfeier am Samstag, den 22. Januar, 3½, Uhr
nachmittags, in der Kapelle des Südfriedhofs Wiesbaden.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Heimgange unſerer unvergeßlichen Entſchlafenen
Frau Käte Pfeffer
geb. Böhm
ſagen wir auf dieſem Wege Allen herzlichſten Dank.
Ins=
beſondere danken wir für die vielen Blumenſpenden, ſowie
für die troſtreichen Worte des Herrn Pfarraſſiſtenten Georgi
und dem Heſſ. Odenwaldverein für die Kranzniederlegung.
Familie Fritz Pfeffer und Leonhard Böhm.
Darmſtadt, den 19. Januar 1927.
Emilſiraße 42.
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trau=
rige Nachricht, daß unſer lieber
Vater, Großvater, Urgroßvater,
Schwiegervater und Onkel
Herr
Wilhelm Geher II.
Werkſtättenarbeiter i. R.
heute morgen im Alter von 82Jahren!
plötzlich und unerwartet ſanft
ent=
ſchlafen iſt
Die trauernd. Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. Januar 1927.
Neue Niederſtr 12.
(1449
Die Beerdigung findet am Freitag,
den 21. Januar, nachmit tags 3 Uhr,
vom Portal des Beſſunger
Fried=
hofes aus ſtatt.
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Heute entſchlief nach kurzem
ſchweren Leiden unſer lieber Vater,
Schwiegervater, Großvater,
Schwa=
ger und Onkel
Adam Sommer
Veteran von 1866 und 1870/71
im Alter von 81 Jahren, (1446
Die trauernden
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. Januar 1927.
Roßdörferſtr. 28,
Die Beerdigung findet Freitag,
2 Uhr nachmittags, vom Portal des
Waldfriedhofes aus ſtatt.
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Heute mittag entſchlief nach
kurzem Krankenlager mein
un=
vergeßliches Kind, unſere liebe
Schweſter
Hildegard
im 13. Lebensjahr. (1402
Die trauernden Hinterbliebenen:
Fran Hedwig Dege Wwe.
Familie Beate.
Darmſtadt, den 18. Januar 1927.
Die Beerdigung findet am Freitag,
den 21. Januar, 2½ Uhr, vom
Por=
tale des Friedhofs an der Nieder=
Ramſtädterſtraße aus ſtatt
Für die vielen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme beim
Heim=
gange meiner lieben Frau ſpreche
ich auf. dieſem Wege meinen
herzlichſten Dank aus. (ueis
Paul Schwarzer.
Dankfagung.
Für die vielen Beweiſe
aufrich=
tiger Teilnahme anläßlich des
Heim=
ganges unſeres lieben Entſchlafenen
ſagen wir auſ dieſem Wege unſeren
herzlichſten Dank. Beſonders danken
wvir den Schweſtern des Städt.
Krankenhauſes für die aufopfernde
Pflege, ſowie Herrn Pfarrer
Zimmer=
mann für ſeine troſtreichen Worte.
Ferner herzlichen Dank für alle die
vielen Kranzſpenden, ebenſo Allen,
die ihn zur letzten Ruhe begleiteten.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Käte Reichert
und Tochter. (1450
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PeFtIO Llephon 441
Seite 8
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
Aus Heſſen.
* Volksbildung und unſer Heſſiſches
Landestheater.
(Die Notwendigkeit der Einlegung eines ſpäteren Abendzuges auf der
Strecke Reinheim-Reichelsheim.)
Wir erhalten weiter folgende Zuſchrift:
Es iſt eine äußerſt betrübliche Tatſache, daß das Volksleben
des flachen Landes trotz aller Ermahnungen und Hinweiſe in
der Preſſe von berufener Seite (Leitung der Zentralſtelle für
Volks=
bildung und Jugendfürſorge in Darmſtadt) immer mehr in verderbliche
Bahnen gerät. Den Sommer über löſt in den größeren Orten eine in
großem Stile veranſtaltete Feſtlichkeit (Stiftungs=, Turn=,
Rad=
fahrerfeſt u. a.) die andere ab. und im Winter ſorgen ſchon die
Be=
ſitzer der größeren Säle, die Kinounternehmer und Wandertheater,
da=
für, daß faſt jeden Samstag= und Sonntagabend bald in
dem einen, bald m dem anderen Saale etwas „lo8” iſt. Die zahlloſen
Plakate weiſen die Bevölkerung ſchon zu Beginn der Woche auf
die am Wochenende und Sonntag ſtattfindende Veranſtaltung
hin, und zum Ueberfluß wird dieſe noch auf anderem Wege in erlaubter
und unerlaubter Weiſe bekannt gemacht. Trotz der von allen beklagten
Knappheit der Geldmittel werden dieſe Veranſtaltungen ſo gut beſucht,
daß die Räume dicht beſetzt ſind. Aber wenn man danach
fragt, ob dieſelben auch für unſer Volk einen bildenden Wert haben,
ſo wird gewiß im 90 Fällen von 100 die Anwort verneinand
aus=
fallen.
Im Gegenteil! Die deutſche Not wird durch derartige mehr oder
minder ſeichten und gehaltloſen Darbietungen noch vermehrt, ſtatt daß
ihr geſteuert wird; der ohnedies oberflächliche Sinn ſo vieler
Beſucher wird nicht vertieft und zum Nachdenken erzogen, aller
etwa vorhandene Ernſt vollends zum Verſchwinden gebracht! Der
Scha=
den wird dadurch noh vervielfacht, daß wirklich belehrende,
erziehriſche und volksbildneriſche Darbietungen
gar nicht mehr zur Geltung gelangen können, denn man würde ſolche,
wenn man ſie auch in die Wege leiten wollte, kaum beſuchen, oder beſſer
geſagt, gerade ſolche Kreiſe, für die ſie Wert hätten, meiden
Veranſtal=
tungen der letzteren Art.
Auf die Frage, wie dieſen unſer ganzes Volksleben äußerſt
bedroh=
lichen Erſcheimungen begegnet werden könnte, mag die Antwort
verſchie=
den lauten. Es müßten u. E. negative ud poſitive Wege
be=
ſchritten werden. Denn nicht ſelten kommt es vor, daß in einem
Jahre zwei große Feſte gehalten werden, wie es z. B. im letzten
Som=
mer in einem größeren Orte der Fall war. Die ſich häufenden
Vor=
führungen, Abendunterhaltungen, Thegterabende uſw. ſollten im
In=
tereſſe der Volkskultur ſeitens der zuſtändigen Organe
ein=
gedämmt werden. Aber auch pofitive Vorkehrungen müßten in die
Wege geleitet werden, um dem Uebel der drohenden
Geſchmacks=
verwirrung und unkultur zu ſteuern.
Von ſolchen Wegen, die beſchritten werden können, um die
Volks=
bildung und Volksſittlichkeit auf eine höhere Stufe zu heben, ſei hier
nur einer näher erörtert. Es uterliegt keinem Zweifel, daß einem
großen Teil der Landbewohner der Beſuch der Vorſtellungon
des Hefſiſchen Landestheaters infolge mangelnder
Ver=
kehrsverbindungen unmöglich iſt. Ein beträchtlicher Teil der Beſucher
von örtlichen Veranſtaltungen zweifelhafter Art würde gewiß lieber
ſich den Kunſtgenuß, der ihm im Landestheater geboten wird, nicht
ent=
gehen laſſen, wenn ihm die Möglichkeit geboten wäre, nach Schluß
der Vorſtellung noch nach Haufe zu fahren. Für einen
großen Teil der Bevölkerung des vorderen Odenwaldes, namentlich
des Gerſprenztales, muß dieſer Wunſch ſolange unerfüllt
blei=
ben, bis man ſich entſchließt, die Theaterbeſucher noch abends durch
Ein=
legung eines ſpäteren Abendzuges nach Hauſe zu
beför=
dern. Man möge vorerſt nur einmal am Sonntag abend dieſe
Mög=
lichkeit bieten, und man wird ſehen, daß dieſe Einrichtung ſich lohnt.
Es gibt zwar in einzelnen größeren Orten des Gerſprenztales eine
Anzahl Familien, welche von den von der Generalintendanz des
Landes=
theaters eingerichteten Nachmittags=Fremdenmiete.
Ge=
brauch) machen. Aber zumeiſt ſind es doch nur weibliche
Fami=
lienglieder, die hierfüir den ganzen Werktag=Nachmittag opfern
können, denn ſolche Beſucher müſſen ſchon den Zua, der um 12.20 Uhr
mittags in Reichelsheim abfährt, bewutzen. Für Männer, die im Beruf
(Gewerbe oder Amt) ſtehen, iſt eine ſolche Fahrt ins Theater am
Werk=
tag=Nachmittag unmöglich; das können ſie ſchon cher, wenn ſie erſt
gegen Abend (4,30 ab Reichelsheim) die Hinreiſe antreten und abends
wieder zurückfahren können, abgeſehen vom Sonntag, an dem die Reiſe
aber auch nur dam unternommen wird, wenn Rückfahrt
mög=
lich iſt, den die wenigſten dieſer Theatepbeſucher von auswärts
kön=
nen neben den Fahrtkoſten etwa noch die Ausgaben für Nachtquartier
(4,40 Mk. mit Frühſtück) beſtreiten.
Aber noch mit anderen Tatſachen läßt ſich die Notwendigkeit
der Einlegung eines ſpäteren Abendzuges, der den
Bedüirfniſſen der Bewohner des Gerſprenztales Rechnung trüge,
be=
weiſen. Wer z. B. tagsüber Geſchäfte im Mümlingtal zu erledigen hat,
muß ſich ſehr ſputen, wenn er noch den letzten Zug 8,18 Uhr ab
Rein=
heim nach Reichelsheim erreichen will und muß dann noch etwa 2
Stun=
den Wartezeit im Romheim ſelbſt mit in Kauf nehmen. Ebenſo müſſen
Reiſende, die etwa von Frankfurt her noch in das Gerſprenztal wollen,
etwa ſchon um 946 Uhr dort abfahren, um den Anſchluß an das „
Lies=
chen” zu erreichen. — Die Rentabilität der Nebenbahn Reinheim—
Reichelsheim iſt bei den äußerſt geringen Betriebs= und
Unterhaltungs=
koſten — die Schienen liegen ja auf der Chauſſee, und die Bahn hat
keinerlei bedeutende Steigung zu überwinden — eime ſehr gute. Darum
wäre vielen Wünſchen Rechnung getragen, den Theaterbeſuchern und
ſonſtigen Reiſenden, wenn noch ein paſſender Abendzug ab Reinheim
eingelegt würde, insbeſondere wäre dies aus Gründen der Volksbildung
nötig, und damit gleichzeitig zum ſimanziellen Vorteil der Kaſſe des
Heſſiſchen Landestheaters beigetragen.
* Arheilgen, 17. Jan. Konzert. Auch das dritte Konzert des
Darmſtädter Städtiſchen Orcheſters unter Leitung des Herrn
Obermuſik=
meiſters Hugo Hauske reihte ſich ſeinen Vorgängern würdig an.
Dies=
mal war es ein Opern= und Operetten=Abend mit erſtklaſſigem
Pro=
gramn, der den Beſuchern der Veranſtaltung einige genußreiche
Stun=
den brachte. Eingeleitet wurde die Vortragsfolge durch den „Einzug
der Gäſte auf der Wartburg” aus „Tannhäuſer” von R. Wagner. Es
folgten dann noch Karl Maria v. Weber, Verdi und Mascagni, und
waren es beſonders die Motive aus „Cavalleria ruſticana”, die ſtürmiſche
Beifallsbezeugungen hervorriefen. Die Operettenabteilung enthielt
Werke von Offenbach, Strauß, Lehär und Kälman, und war es hier
be=
ſonders „Gräfin Maritza” und der „Zigeunerbaron”, die beſonders
ge=
fielen. Es muß geſagt werden, daß ſich das Orcheſter hier gut eingeführt
hat und man immer ein Konzert desſelben mit Spannung erwartet, da
man im Voraus weiß, daß nur gute und gediegene Muſik geboten wird.
* Eberſtadt, 18. Jan. Der Stenographenverein „
Gabels=
berger” hält ſeine diesjährige Hauptverſammlung am Samstag abend
in ſeinem Vereinslokal „Zur Straßenbahn” ab. — Dekanat=
Jah=
resbericht. Der neueſte Jahresbericht über das religiöſe und
kirch=
liche Leben im Dekanat Eberſtadt, der das Geſchäftsjahr 1925 umfaßt,
behandelt in ausführlicher Weiſe die Veränderungen im Beſtand und in
der Beſetzung der Pfarrſtellen, die Kirchenviſitationen und Pfarrbeſuche,
das Kirchengeſangvereinsweſen uſw. Der Prozentſatz der erwachſenen
Kirchenbeſucher im ganzen Dekanat betrug 13,2 gegen 1408 im
Vor=
jahr. Auch im Abendmahlsbeſuch wird ein Rückgang feſtgeſtellt. Im
Dekanat Eberſtadt ſind im Berichtsjahr 326 rein evangeliſche Ehen und
32 Miſchehen geſchloſſen worden. Geboren wurden im Dekanatsgebiet
739 Kinder aus rein evangeliſchen Ehen, 67 Kinder aus Miſchehen und
81 uneheliche Kinder. Die Geſamtzahl der Miſchehen im Dekanat konnte
nicht genau feſtgeſtellt werden. Uebergetreten zur evangeliſchen Kirche
ſind im ganzen 13 Perſonen, ausgetreten 40 und zwar 16 zu Sekten und
2t ohue Uebertritt zu einer anderen Religionsgemeinſchaft. Konfirmiert
wurden im genannten Jahre 894 Kinder, kirchlich beerdigt 455
Gemeinde=
glieder. Die kirchliche Liebestätigkeit iſt in den einzelnen Orten durch
viele neue Aufgaben neu belebt worden. Das Vorhandenſein von
ſoge=
nannten Gemeinſchaften wird aus faſt allen Gemeinden gemeldet.
Eberſtadt, 19. Jan. 80. Geburtstag. Dieſer Tage beging
Frau Gliſabeth Meidinger ihren 80 Geburtstag. — Verſteigerung.
Das Ortsgericht Eberſtadt nimmt Freitag abend zum dritten Male die
Verſteigerung der Liegenſchaften (Hofreite und Ackergrundſtücke) des
ver=
ſtorbenen Wilhelm Büttel I. vor. — Spülung des
Waſſer=
leitungsnetzes. Am Donnerstag und Freitag dieſer Wohe findet
die Spülung des Waſſerleitungsuetzes ſtatt. Am Donnerstag erfolgt die
Spülung im nördlichen Ortsteil einſchließlich der Pfungſtädter Straße,
Ober= und Mühlſtraße. Am Freitag wird die Spülung im ſüdlichen
Ortsteil vorgenommen.
* Pfungſtadt, 19. Jan. Odenwaldklub. Die hieſige Ortsgruppe
des Odenwaldklubs unternahm am vergangenen Sonntag eine ſehr ſchön
verlaufene Tour über die Ludwigshöhe nach Nieder=Namſtadt.
Hauptverſammlung. Die diesjährige Hauptverſamntlung
Fr. Turngemeinde Pfungſtadt ergab, daß der Verein einen
Mitglieder=
beſtand von 262 Perſonen aufzuweiſen hat. Der ſeitherige Vorſtand
wurde einſtimmia wiedergewählt.
Geſangverein Harmonie auch in dieſem Jahre am Samstag, den 22.
tung findet im Saale des Gaſthauſes „Zur Poſt” ſtatt.
nachmittags 2 Uhr ſtattfindenden Gemarkungsrundgang, veranſtaltet
Zuſammenkunft zum Rundgang iſt am Gaſthaus Simmermacher.
— Frankenhauſen, 18. Jan. Die Generalverſammlung
ſtand wurde einſtimmig wiedergewählt, außer einem neuen Schülerturn= Familienangehörigen unterſtützt. Zu dieſer Zeit waren 490
Erwerbs=
geprüft und dem Rechner wird Entlaſtung erteilt. Ferner wurden neue fangreiche Notſtandsarbeſiten in der Stadt Heppenheim und der Gemeinde
troffen. Auch mit den turneriſchen Ergebniſſen kann der Verein volle Bis dahin hofft man, daß das Baugewerbe, welches in Heppenhein
kommen zufrieden ſein.
(Ernſthofen, 19. Jan. Amtstag im Modautal. Das
Kreisamt Dieburg hält an folgenden Tagen je einen Amtstag in Ernſt=
Der Amtstag findet je in der Zeit von 3 bis 5½ Uhr nachmittags ſtatt: 27. Januar, im Hotel „Halber Mond” wird die Mitwirknug des Bläſer=
1937: am Freitag, den 8. Aprik 19R7; am Freitag, den 6. Mai 1927 und durch die Perſönlichkeit des Vortragenden eine ganz beſondere Note zu
am Donnerstag, den 9. Juni 1927.
* Groß=Zimmern, 18. Jan. Am Sonntag, den B. Januar,
nach=
mittags 4 Uhr, veranſtaltet die Sängervereinigung Männergeſangverein
zielbewußten Dirigenten, Herrn Georg Jäger aus Frankfurt a. M., hat
der früher in Sängerkreiſen gut bekannte und geſchätzte Chor wieder Wertvolle Lichtbilder, die nach dem eigentlichen Vortrag vorgeführt und
beide, zwei Menſchenalter getrennt, ihre Lorbeeren zu erringen ſuchten,
über 400 Mitgliedern und einem 130 Mann ſtarken Chor vereinigt.
Das Programm zu dem Liederkonzert gibt Zeugwis von dem
zielbe=
wußten arbeiten des jetzigen Dirigenten.
ſtellung im Gaſthaus von Philipp Letzer ab. Zur Aufführung kam zuerſt
ein Einakter, alsdann. Müllerlieſel von Wald=Michelbach‟. Der Saal
war bis auf den letzten Platz beſetzt. Auf vielſeitigen Wunſch kommt die Der Anſchluß des Zugangsſtranges der Waſſerleitung zum Hochbehälter
Vorſtellung Sonntag, den 23. d. M., zur Wiederholung.
hauſes „Deutſcher Hof” Herr Lehver Friedmann=Seligenſtadt einen
Vor=
trag über das Thema „Das Italiener Huhn”. Zahlreich hatten ſich
Mit=
glieder und Gäſte eingefunden und folgten mit geſpannter
Aufmerkſam=
keit den trefflichen Ausführungen des Redners. An der Hand lebenden
Anſchaungsmaterials, das Mitglieder des Vereins in großer Zahl
be=
reitwilligſt zur Verfügung geſtellt hatten, behandelte der Redner in
äußerſt volkstümlicher Art, die von größter Sach= und Fachkenntnis
ge=
tragen war, alle charakteriſtiſchen Tugenden und Fehler der Italiener
Maſſe. Von letztenen beſchrieb er deutlich die gennzeichen von Roſt,
Schilf, Kammgrind, Steilſchwanz und Kallbeinen. Die ausgeſtellten
Tiere dieſer Raſſe, ſowie die der Minorka, Lehhorn, Rheinländer und
Rhodeländer gaben die beſten Objekte zu ſeiner kritiſchen Betrachtung ab.
Allgemein fördernde Winke und Himweiſe auf rationelle Fütterung,
Auf=
zucht und Schaufertigſtellung der Tiere bildeten den Schluß ſeiner mit
großem Beifall aufgenommenen Rede, die mit dem Wuſche endete, jeder
Züchter möge nicht nur Tierhalter, ſondern auch Tierpfleger ſein. Der
Verſammlungsleiter Herr General=Oberveterinär Franke beleuchtete
nochmals die wichtigſten Punkte des Vortrages und dankte dem Reduer
mit herzlichen Worten. Da alle Fragen in erſchöpfender Fülle von dem
Vortragenden behandelt worden waren, wurde auf eine Diskuſſion
ver=
zichtet.
* Michelſtabt, 18. Jan. Evangeliſcher Bund. Unter ſtarker
Beteiligung fand am Sonntag abend die Jahresverſammlung der
hie=
ſigen Ortsgruppe des Evangeliſchen Bundes im Gaſthaus „Zum
Alt=
deutſchen Hof” ſtatt. Der 1. Vorſitzende, Herr Oberpfarrer Herber,
berichtete über die Zeit, in der die Bundestätigkeit geruht hatte und
legte die Gwüunde dar die zu der Wiederbelebung im vorigen Jahr
geführt haben. Der Schriftführer, Herr Noſtadt, berichtete über die
Veranſtaltungen im abgelaufenen Geſchäftsjahr. Den Rechnungsbericht
gab der Rechner, Herr Rektor Schäfer. Nach Beſtimmungen der
Satzungen hatte eine Neuwahl des Vorſtandes ſtattzufinden, die in der einigen Tauſend Mark. Da aber der Freund ſeinen Verbindlichkeiten
Wiederwahl des ſeitherigen Vorſtand=s endete. Im Anſchluß an den
geſchäftlichen Teil, fand ein gemütliches Beiſammenſein bei Kaffee und
Kuchen ſtatt, bei dem auch einige Volkslieder gemeinſam geſungen
wurden.
* Erbach i. O., 18. Jan. Wie wir erfahren, ſollen nun endlich auch
bei dem Poſtamt Erbach Schließfächer zum Abholen der Poſt eingerichtet
werden. Dieſe Eimrichtung iſt gerade für unſeren Poſtbezirk ſehr zu
begrüßen, da dieſer ziemlich ausgedehnt iſt und an einzelnen Teilen der
Stadt die Poſt ziemlich ſpät ausgetragen wird. Die Vorteile der
Ueber=
nahme eines ſolchen Poſtſchließfaches ſind mannigfaltige. Die Poſt wird
ſofort nach Ankuft auf die einzelnen Fächer verteilt. Briefe, Karten, drei Tagen der Stanzer Trgiſer drei Finger infolge Unglücksfall ein=
Druckſachen Zeitungen uſw. können ſofort nach der Verteilung abgeholt
werden, auch wem die Schalter nicht — aber der Poſtvorraum — ge= verlor einen Finger der linken Hand.
öffnet iſt. Dies erſpart den Abholenden viel Zeit vergeblichen Wartens.
vormittags bis 8 Uhr machmittags — abgeholt werden. Die
Poſtverwal=
tung hat die Schließfachgebühren wieder herabgeſetzt. So iſt die monat= ausgezeichnet die Kameraden Georg Ackermann, Wilhelm Bertz, Ernſt
liche Miete für ein gewöhnliches Schließfach — 14 Zentimeter hoch, 11
Zentimeter breit, 36 Zentimeter tief — nur 75 Pfennige im Monat. Ein
größeres Schließfach von 22 Zentimeter Breite Höhe und Tiefe wie das
gewöhnliche, koſtet nur 1 Mark im Mongt. Dieſe kleine Ausgabe wird
aber durch die Annehmlichkeiten der Einrichtung der Schließfächer bei Hochzeit durch einen Ehrenbrief des Herrn Reichspräſidenten gratuliert.
weitem aufgehoben. Es iſt daher jedem Geſchäftsmann und Gewerbe= — Die karnevaliſtiſchen Vergnügungen wurden mit einem Maskenbal
treibenden, der auswärtige Kundſchaft hat und bei dem es oſt darauf des Radfahrervereins 1898 eröffnet. — In den ſtaatlichen und
gemeind=
dieſer Neueinrichtung bei unſerem Poſtamt Gebrauch macht.
* Kailbach, 18. Jan. Am Sonntag hielt der hieſige Militärverein
ſeine Generalverſammlung im Gaſthof „Zur Waldesluſt” ab. Um 2 Uhr
eröffnete der erſte Vorſitzende, Herr Wasner, die Verſammlung. Er hieß 5 Schreiner, 1 Zimmermann, 3 Schloſſer, 2 Bäcker, 1 Schneider, 1
Mexz=
die Mitglieder herzlichſt willkommen und warf einen kurzen Blick zurück
in das verfloſſene Jahr; gedachte der im Weltkrieg Gefallenen und ging den Prüflingen befanden ſich auch ſolche aus Egelsbach und Arheilgen.
dann zur Tagesordnung über. Der Schriftführer, Herr Stahl. verlas Bei der Ueberreichung der Geſellenprüfung ſprachen Bürgermeiſtes
den Jahres= und Kaſſenbericht, der genehmigt wurde.
* Waldmichelbach, 19. Jan. Ein Bahnhof ohne elektr. Vertreter des Gewerbevereins.
Licht. Der Bahnhof, bzw. die Halteſtelle unſerer Nachbarſtation
Kreidach iſt immer noch ohne elektriſches Licht und behilft ſich noch Vilbel. Ueber den gemeldeten kommunalpolitiſchen Konflikt in Bilbel
immer mit dem trüben Petroleumlicht, wohl die einzige Station dieſer iſt weiter zu berichten, daß die aus eimer ſozialiſtiſchen Mehrheit be
Art, doch jetzt ſoll die Petroleumlampe dem neuzeitlichen Lichte weichen, ſtehende Gemeindevertretung Freitag abend ohne die bürgerlichen Grup=
Im Jahre 1922 ließ ſich die Gemeinde Kreidach elektr. Licht anlegen,
und auch die Bahnſtation hätte dieſes damals auf billigem Wege haben, meindeordnung für bindend erklärte. U. a. wurde die Enteignung von
können, aber die Reichsbahn wollte es damals noch nicht haben; nun
iſt ſie aber gezwungen, dieſem unhaltbaven Zuſtande ein Ende zu lichen Parteien ſich ſcharf gewehrt hatten. Ferner ſollen der hieſigen
machen Steigen doch täglich auf der Halteſtelle mehr als 100 Arbeiter Lokalzeitung die amtlichen Bekanntmachungen entzogen und der ſoziale
ein und aus, und auch den übrige Verkehr hat weſentlich zugenommen, demokratiſchen „Vollsſtimme” in Frankfurt übertragen werden. In den
in hieſiger Gegend nieder. Die Schneedecke beträgt etwa 5 Zentimeter, ſcheinlich die Regierung das entſcheidende Wort ſprechen müſſen.
und iſt mit weiterem Schneefall zu rechnen.
wirtſchaft Lang in Haiſterbach die diesjährige Jahresverſammlung des ſind zur Grmittelung der Täter 50 RM. als Belohnung ausgeſetzt.
Waldbauvereins ſtatt. Dieſer Verein iſt vor einigen Jahren von den
ſamen Intereſſemvertretung der genannten Kreiſe gegründet worden. Mackenſen hat das Protektorat übernommen und ſein Kommen im Aus=
Außer einigen Vereinsangelegenheiten enthielt die Tagesordnung auch ſicht geſtellt. Die Volkshalle und der anſchließende Trieb ſind als Feſt=
Dieſes Thema, über das Herr Forſtreferendar Schwebel vom Forſtamt einen Feſtzug mit hiſtoriſchen Uniformen und Gruppen vor. Aus allen
vatwaldungen des Odenwaldes die erſte Stelle einnimmt. Eine Aus= zu dem großen Reiter=Appell gemeldet — Die Kurmärker Dragoner
Dann folgte noch die Beſprechung einiger imnerer Vereinsangelegen= ſehensfeier zu veranſtalten.
heiten, wie Beitragsregelung, gemeinſamer Pflanzenbezug u. a.
Januar: 1.,43 Meter; am 19. Januar: 1.46 Meter.
Wildbäumen. Am Freitag, den 21. d8. Mts., vorm. 9½3 Uhr,
werden auf der Kreidacher Höhe anfangend, 14 Ahorn=, 1 Apfel=, 1
Kirſch= und 3 Birnbäume, ſowie eine Eſche teils gefällt, teils auf dem
Stand, meiſtbietend gegen ſofortige Barzahlung verſteigert.
* Heppenheim a. d. B., 17. Jan. Odenwaldklub. Geſtern
be=
gann die Ortsgruppe Heppenheim vom Odenwaldllub ihr diesjähriges
Wanderjahr mit einer Nachmittagswanderung nach Birkenau. Die Gemeinde beſchloß, ihre Schulden in Höhe von 310 000 Mark mit Rück=
Wanderung führte von Landenbach aus über den Kreuzberg au dem
Waldnerturm dorbei nach Birkenau. — Nach einer Wanderuug,
ſpetdi=
au vorletzten Sonntag früh am Morgen in Mörlenbach ihren Anfaug
nahm und über den Salzkopf, Kirſchhauſen nach Heppenheim führte,
verſammelten ſich dort in den Sälen des Hotels „Halber Mond” eine
* Nieder=Ramſtadt, 18. Jan. Wie alljährlich im Januar wird der große Wanderſchar zu einer Wandererehrug. Die Familienangehörigen
der Mannheimer Wanderer waren direkt von Mannheim nach Heppen=
Januar ſeinen Vereinsball abhalten. Die früheren Hrmoniebälle ſind bei heim gekommen, und neben den Vertretern der Heppenheimer
Orts=
allen, die ſie erlebt haben, noch in beſter Erinnerung. Die Veranſtal= gruppe hatten ſich drei Abgeordnete des Hauptausſchuſſes aus Darmſtadt
eingefunden, ſodaß die beiden aneinander ſtoßenden Säle des Hotels
* Ober=Ramſtadt, 19. Jan. Auf den am Donnerstag, den 20. Jan., beſetzt waren. Nach verſchiedenen Begrüßungsanſprachen, bei welchen
man auch verſchiedenen Mütgliedern, welche ſich bereits dem 80.
Lebens=
vom Obſt= und Gartenbauverband für dem Kreis Darmſtadt in Gemein= jahre nähern und ſich noch immer bei den Wanderungen beteiligen,
ge=
ſchaft mit dem Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß für die Provinz Star= dachte, erfolgte dann die Wandererehrung der Ortsgruppe Mannheim.
kenburg und den ſich daran anſchließenden Vortrag des Herrn Obſt= Die Jahreswandererehrung begann mit dem Liede „Das iſt der Tag des
bamInſpektors Behne im Gaſthaus Simmermacher ſeien alle Obſt= Herrn”, geſungen von der Geſangsabteilung, welchem ſich der vertonte
Wanderſangesgruß anſchloß. Je ein Herr konnte bei der darauf
fol=
baumbeſitzer und ſonſtige Intereſſenten nochmals hingewieſen. Die genden Auszeichnung zum 19, 30, 21. und B. Male ausgezeichnet
wer=
den. — Erwerbsloſigkeit im Kreis Heppenheim. In
der letzten Woche des Dezembers wurden, im Kreiſe Heppenheim 78
des hieſigen Turnvereins nahm einen guten Verlauf. Der geſamte Vor= weibliche und 726 männliche, zuſammen 804 Erwerbsloſe mit 1450
wart. Ein Vergnügungsausſchuß wurde gebildet. Die Rechnung wurde loſe als Notſtandsarbeiter beſchäftigt. Augenblicklich werden nun um=
Beſtimmungen über die Aufnahme und Austritt von Mitgliedern ge= Viernheim ausgeführt, welche bis zum erſten April beendet ſein werde.
reichlich mit Aufträgen verſehen iſt, eine größere Anzahl Arbeiter
be=
nötigen wird. Eine Zunahme von etwa 100 Erwepbloſen iſt
vorüber=
gehend aus der Zigarrenbranche und dem Metallgewerbe zu verzeichnen.
hofen im Gaſthaus „Zur Poſt” für die Gemeinden des Modautals ab. — Evang. Gemeinde. Der Familienabend am Donnerstag, den
am Donnerstag, den 3. Februar 1927; am Donnerstag, den 3. März chors und des Kirchengeſangvereins bringen und verſpricht beſonders
erhalten. Das Thema welches Herr Superintendent D. Schiller
behan=
deln wird, lautet: „Die deutſche Kultur im Rahmen des heutigen
japaniſchen Lebens.‟ Da der Redner, ein geborener Holſteiner, ein gan=
„Liederkranz” ihr erſtes Liederkonzert. Unter Leitung ihres zes Menſchenalter in Japan zugebracht hat, iſt er wie kaum ein anderer
in der Lage, über ſein Thema intereſſant und aufſchlußreich zu ſprechen.
eine Sangerſchar von nahezu 100 Mann erreicht. Zwei Vereine, die erläutert werden ſollen, werden ebenfalls mit Intereſſe aufgenommen
werden. Auch bei dem nächſten Theaterabend des Frauenvereins ſoll eine
hat man mit dem Gedonken „Ginigkeit macht ſtark” zu einem Verein mit Neihe intereſſanter Lichtbilder gezeigt werden, die den Beſuch der
Ver=
anſtaltung im Gemeindeſaal empſehlenswert machen. —
Veranſtal=
tungen. Der Karneval=Verein Heppenheim iſt augenblicklich mit
ſeinen Vorbereitungen zu Faſtnachtsveranſtaltungen beſchäftigt. Am
Kleſtadt, 19. Ja. Am Sonntaa hielt der Kirchenchor unter 5. Februar wird ein großer Maskenball in den Sälen des Hotels. Halber
Leitung des Dirigenten Herrn Lehrer Lautenſchläger eine Theater=Vor= „Mond” ſtattfinden. Dort wird auch der gleiche Verein am 20. Februar
ein Karnovaliſtiſches Konzert am Nachmittag und ein Koſtümfeſt am
Abend veranſtalten. — Anſchluß an das ſtädtiſche Rohrnetz.
iſt nun vollzogen. Augenblicklich iſt wan eifrig damit beſchäftigt,
den=
ſelben mittelſt Druckleitung mit der ſtädtiſchen Waſſerleitung zu
ver=
r Babenhauſen, 17. Jan. Im Auftrage des Geflügelzucht; binden. Der Hochbehälter hat den Zweck, den Waſſerdruck des ſtädtiſchen
vereins hielt am Sonntag nachmittag im kleinen Saale des Gaſt= Netzes ohne Pumpwerk zu erhöhen. Der Hochbehälter, der aus
be=
hauenen Sandſteinen hergeſtellt iſt, iſt imſtande, 240 Kubikmeter Waſſer
zu faſſen, wodurch eine Waſſernot im Sommer vermieden wird.
S. Bensheim, 18. Jan. Der Kriegerverein Bensheim veranſtaltete
im Deutſchen Haus unter Mitwirkung der vereinigten Militärmuſier
Darmſtadt, unter perſönlicher Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske,
einen großartig verlaufenen Familienabend, dem der Präſident des
Haſſiaverbandes Exzellenz General von Preuſchen beiwohnte, und bei
dem Oberſtudiendirektor Kraemer die Anſprache hielt, die in ein Lob auf
Deutſchlands Frauen, die während der Kriegszeit treu durch alle Not
und Entbehrung durchhalten halfen, ausklang, und der Worte der
Er=
mahnung an Deutſchlands Jugend zur Nacheiferung und zur
Hochhal=
tung deutſcher Tugend, Sitte und zum Streben nach gründlicher
Wiſſen=
ſchaft, angefügt waren. Exzellenz von Preuſchen dankte für die
Ein=
ladung zur Feier und nahm dann nach Einbringung der Fahne die
Ehrung des bisherigen Fahnenträgers des Bensheimer Vereins,
Schmied=
meiſters Klein vor, dem er das Goldene Haſſic=Ehrenzeichen, die höchſte
Auszeichnung des Vereins, überreichte. Klein iſt ſeit 57 Jahren
Fahnen=
träger des Vereins und wurde er nunmehr in dankbarer Anerkennung
für ſeine treue Mitgliedſchaft, mit Rückſicht auf ſein hohes Alter, von
dieſem Ehrenamt enthoben und Gärtnereibeſitzer Pelzner damit betraut.
Durch den Vorſitzenden wurden alsdann noch an 2 Mitglieder die
Ab=
zeichen für 40jährige Mitgliedſchaft und an 6 Mitglieder jene für
B=
jährige Mitgliedſchaft verteilt. Der Familienabend, der außerordentlich
ſtark beſucht war, muß zu den eindruckvollſten dieswinterlichen Veranſtal
tungen Bensheims gezählt werden.
* Auerbach, 18. Jan. Bürgſchaft. Wir vorſichtig man bei
Ein=
gehung einer Bürgſchaftsleiſtung ſein muß, zeigt folgender Fall: Ein
hieſiger Einwohner, Beſitzer eines hübſchen Wohnhauſes, leiſtete einem
angeblichen Freund durch ſeine Unterſchrift Bürgſchaft in der Höhe von
nicht nachkam, ſo wurde der Bürge zur Zahlung herangezogen und da
Barmittel nicht zur Verfügung ſtehen, ſo kommt nun deſſen Wohnhaus
zur Zwangsverſteigerung. Möge dieſer Fall ein warnendes Beiſpiel für
weitere Kreiſe ſein.
* Biblis, 19. Jan. Grippe. In den letzten Tagen hat dieſe
heimtückiſche Krankheit, die oft zu wenig Beachtung findet, auch unſer
Dorf heimgeſucht, und zuwar in einem Maßſtab, wie er ſeit Jahren nicht
verzeichnet werden kann. Faſt in jeder Familie ſind ein oder gar mehrer
Kranke, ſodaß die Aerzte übermäßig in Anſpruch genommen ſind.
nk. Rüfſelsheim, 19. Jan. Unfälle. In den Opelwerken, wo vor
büßen mußte, verunglückte heute eine Stanzerin aus Guſtavsburg, und
a. Groß=Gerau, 19. Jan. Ehrungen. Anläßlich der Feier des
Auch kann die Poſt nach Ankunft eines jeden Poſtzuges — von 7½ Uhr Wintervergnügens des Krieger= und Militärvereins Groß=Gerau, die
im Adlerſaal dahier ſtattfand, wurden für 25jährige treue Mitgliedſchaſt
Franz, Wilhelm Heldmann, Peter Kneib und Philipp Wenz; für 40 treue Mitgliedſchaft Kamerad Adam Schad. Eine beſondere
Ehrung, die allgemein ſehr beifällig aufgenommen wurde, wurde dem
Kameraden Valentin Klink 5. zuteil. Ihm wurde zu ſeiner goldenen
ankommt, ſchnell und prompt zu liefern, dringend anzuraten, daß er von lichen Wäldern des Riedes haben die Nutz= und Brennholzverſteigerungen
bei recht anſehnlichen Preiſen ihren Anfang genommen. Teilweiſe wird
bereits mit der Abfuhr des Holzes begonnen.
* Langen, 18. Jan. Der Geſellenprüfung hatten ſich hier
ger, 1 Schriftſetzer und ein Sattler und Tapezier unterzogen. Unter
Zimmer im Namen der Gemeinde und L. Werner und K. Roſtan ab
WSN. Bilbel, 19. Jan. Der kommunale Konflikt in
pen eine Sitzung abhielt und die Beſchlüſſe auf Grund der Landge=
Gelände für Erbauung eines Poſtamts beſchloſſen, wogegen die bürger=
Lindenfels i. O., 19. Jan. Starker Schneefall ging vergangene Nacht Konflikt ſelbſt der mit uwverminderter Schärfe weitergeht, wird wahr=
WSN Friedberg, 18. Jan. Baumfreoler an der Arbeit=
* Aus dem Odenwald, 17. Jan. Jahresverſammlung des In den letzten Nächten haben rohe Bubenhände an verſchiedenen Stro=
Waldbauvereins. Am vergangenen Sonntag fand in der Gaſt= ßen jungen Bäumen die Krone abgeriſſen. Seitens der Stadtverwaltung
* Gießen, 19. Jan. Der erſte Weſtdeutſche Kavalleriſten
Privatwaldbeſitzern des hinteren Odenwaldes zum Zweck der gemein= Tag findet am 8. Mai in Gießen ſtatt. General=Feldmarſchall von
einen Vortrag über die Begründung und Erziehung der Kiefernbeſtände, platz auserſehen. Die Feſtordnung ſieht außer einem Feſtſpiel auch
Michelſtadt ſprach, war gewählt worden, weil dieſe Holzart in den Pri= Teilen Weſt=Deutſchlands haben ſich bereits zahlreiche Kavallerievereine
ſprache, die noch manche Anregung brachte, ſchloß ſich dem Vortrag an. Nr. 14 beabſichtigen, am 9. und 10. Juli in unſerer Stadt eine Wieder=
* Aus Oberheffſen, 19. Jan. Vilbel. Der Bau eines Volkshauſes
Hirſchhorn, 19. Jan. Waſſerſtand des Neckars. Am 18. nähert ſich ſeiner Verwirklichung. Es fand ein Ideenwettbewerb ſtatt,
drei Entwürfe wurden preisgekrönt. Der Bauplatz iſt bereits angekauft
* Aus dem Kreiſe Heppenheim, 19. Jan. Verſteigerung von und zu den Baukoſten ſtehen einſtweilen etwa 20 000 Mark zur
Vei=
fügung. — Ober=Erlenbach. Der bisherige Jagdpächter
Sten=
pel=Frankfurt hat den alten Preis von 1300 Mark pro Jahr geboten=
Die Gemeinde verlangt jedoch eine ſich ſteigernde Summe von 1400 Mk.
bis 2100 Mk. im Laufe der neuen Pachtjahre. — Ein in der Gemeinde
zurückgebliebener ſerbiſcher Kriegsgefangener, der hier verheiratet iſt,
wurde auf ſeinen Antrag naturaliſiert. — Heldenbergen. Unſere
ſt darauf, daß die Gemeinde ſich bleibende Werte geſchaffen hat, höher
zcit au zumcrten. Di Gemeinde hat mit dem Gelde eiue
logt und mehrere Wohnhäuſer gebaut. —
Ober=
rleitung
re. Gemeinde will in der Kirche elektriſches Licht und
en laſſen.
Nummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Geite 9
Der Kampf gegen die Grippe=Epidemie.
Einlieferung eines Grippekranken durch ein ſtädtiſches Sanitätsauto in Berlin.
Der Stand der Grippe=Erkrankungen in der Reichshauptſtadt iſt in den letzten Tagen
zurückge=
gangen. In den Krankenhäuſern von Berlin befinden ſich noch 1167 Grippekranke, wobei der
Ver=
lauf der Krankheit als durchaus gutartig angeſehen werden kann.
Im Ganzmetallflugzeug über den Atlantiſchen Ozean.
Amerikaniſcher Verſuch mit einem neuen Flugzeugmotor.
Modell des mit dem neuen Flugzeugmotor ausgerüſteten Ozeanflugzeugs.
Der bekannte amerikaniſche Ingenieur und Erfinder L. Volney Steven hat nach jahrelangen
Ver=
ſuchen einen neuartigen Flugzeugmotor konſtruiert, der ſeine hohe Leiſtungsfähigkeit und Sicherheit
erſtmalig bei einem Fluge über den Atlantiſchen Ozean, von Hudſon=River nach Paris und
zu=
rück, beweiſen ſoll. Der neue Motor, der nur 66 Teile hat, während der allgemein gebrauchte
Liberty=Motor aus zirka 3000 Teilen beſteht, wird in ein Ganzmetallflugzeug eingebaut, welches
das Ausſehen eines Walfiſchs oder einer Möve hat. Das Fleugzeug ſoll 150 engliſche Meilen in
der Stunde zurücklegen können.
Der Schauplatz der nächſiten Olympiſchen Spiele.
Die neue Sport=Arena in Amſterdam.
Plan des Amſterdamer Sportparkes für die Olympiſchen Spiele 1928.
ür die Abhaltung der IK. Olympiade, die bekanntlich Amſterdam zugeſprochen wurde, werden
Holland und vor allem in Amſterdam ſelbſt umfangreiche Vorbereitungen gettoffen. In der
tähe des alten Stadions in Amſterdam hat man mit großen Mitteln den Bau eines rieſigen
portfeldes in Angriff genommen, das die Kampfbahnen aller Sportarten, die in den Rahmen
er Olympiſchen Spiele aufgenommen wurden, vereinigen wird. Ausgenommen ſind nur die
klätze für die Olympiſchen Winterſpiele, die nicht in Amſterdam, ſondern im Winter 1927/28 in
Moritz ſtattfinden werden. — Oben: Plan des Amſterdamer Olympiſchen Sportparkes: 1. Das
Autos. 10. uebungsbahnen.
Reich und Ausland.
Die Grippe in der Schweiz und in Baden.
Freiburg. Aus den an Baden angrenzenden
Gebieten der Schweiz wird mehr und mehr ein Ab=
Flauen der Grippeepidemie gemeldet. Die Zahl der
Todesfälle beträgt aber durchſchnittlich immer noch
25—27 pro Berichtswoche. Dagegen zeigt ſich in
Dberbaden bisher noch wenig Neigung zum Zurück=
„gehen. Verſchiedene Schulen ſind geſchloſſen worden.
Die Epidemie nimmt weiterhin einen gutartigen
iVerlauf.
Das Eiſenbahnunglück bei Langenbach.
München. Dem Rottenführer Johann Fertſch
En Langenbach, auf deſſen Verſchulden die
Langen=
wacher Eiſenbahnkataſtrophe vom 13. Auguſt v. J., bei
Der 12 Perſonen den Tod fanden, zurückgeführt wird,
äſt nunmehr die Anklageſchrift zugeſtellt wovden. Die
Anklage lautet auf fahrläſſige Tötung in 12 Fällen,
Ferner auf fahrläſſige Körperverletzung und fahr=
Täfſige Transportgefährdung. Die Verhandlung wird
ſwahrſcheinlich Mitte März vor dem Schöffengericht
Freiſing ſtattfinden.
Die Elbeſchiffahrt bei Magdeburg wegen
Hochwaſſer eingeſtellt.
e. Berlin. Die Schiffahrt auf der Mittelelbe iſt
riach der „B. Z.” wegen des Hochwaſſers eingeſtellt
worden. Die Schleppzüge können nicht die Brücken
Daſſieren, da das Waſſer zu hoch ſteht. Bei
Magde=
urg liegen viele Dampfer und Kähne und warten
Das Ende der Hochwaſſerwelle ab.
Exploſion in einem Müllkaſten.
TU. Leipzig. Am Montag nachmittag explo=
Ddierte im Hofe eines Leipziger Wohnhauſes ein
Müllkaſten, in dem ſich Karbidüberreſte befanden.
Won dem Deckel des Müllkaſtens wurde eine Frau
chwer verletzt. Drei im Hofe ſpielende Kinder er=
Titten ebenfalls ſchwerere und leichtere Verletzungen.
DDie Fenſterſcheiben der benachbarten Gebäude wurden
bis in die oberen Stockwerke zertrümmert.
Großer Poſtdiebſtahl.
Berlin. Aus einem Poſt=Handwagen, der am
DDienstag abend wie allabendlich nach dem
Hauptpoſt=
amt in der Eberswalderſtraße befördert wurde, und
Der außer Wertzeichen einen Geldſack mit 7500 Mark
enthielt, wurde kurz vor der Einfahrt in den Hof
Ses Hauptpoſtamtes der Geldſack entwendet. Die den
Transport begleitenden zwei Poſtbeamten, ein
Ober=
woſtſchaffner und ein Oberpoſtſekretär, haben nach
Sem Bericht einer hieſigen Korreſpondenz anſcheinend
es an der nötigen Aufmerkſamkeit fehlen laſſen. Nach
Den Beobachtungen von zwei Zeugen iſt der Diebſtahl
vhne Zweifel von einem Manne begangen worden,
ſder einen großen ſchwarzen Mantel und eine
Poſt=
rnütze trug und den Karren zu ſchieben ſchien. Die
„Zeugen hielten ihn für einen Begleiter des
Trans=
wortes. Offenbar hat der Täter den Kaſten des
Karrens mit einem Nachſchlüſſel geöffnet und den
Weldſack herausgeholt.
Ein Magdeburger Defraudant in Berlin
verhaftet.
Berlin. Zwei Magdeburger Bankbeamten,
SMeinhardt und Höme, hatten am N. Dezember auf
SSchecks bei der Reichsbankſtelle in Magdeburg 27000
MMark abgehoben und waren geflüchtet. Die Ermitt=
Tungen und Nachprüfungen deckten noch größere
Ver=
nintreuungen auf, die ſich auf etwa 60—70 000 Mark
Belaufen. Beamte der hieſigen Fahndungs=Inſpek=
Eion entdeckten Höme in einem Luxushotel und
brach=
en ihn nach dem Polizeipräſidium. Er hatte nur
moch 900 Mk. bei ſich. Den Beamten gelang es, noch
einen Wertbrief ſicherzuſtellen. Er enthielt 7000 Mk.
wöme iſt geſtändig und ſchiebt alle Schuld auf Mein=
Bardt.
Verhaftung eines Kokain=Großſchmugglers.
Berlin. Der „Neuen Berliner Zeitung” zu=
Folge gelang es, durch den zufälligen Fund eines
EPaketes mit 1000 Ampullen und Tuben Kokain und
EMorphium im D=Zug Rotterdam—Frankfurt a. M.
einen im großen Stil betriebenen Kokainſchmuggel
raufzudecken. Die Kriminalpolizei verhaftete in Düſſel=
Sorf einen Kaufmann Fritz Hanke, in deſſen Wohnung
unan außer zahlreichen Kokain= und
Morphiumvor=
äten eine Piſtole mit Munition, ein Dolchmeſſer,
Brenzüberſchreitungsſcheine, einen Reiſepaß nach
Bolland und eine Rechnung des Speiſewagens des
D=Zuges fand, in dem das Paket gefunden worden
rvar. Die Polizei ſtellte weiter feſt, daß Hanke auch
Feiratsſchwindeleien begangen hatte.
Ein ſchlechter Helfer deutſcher Flüchtlinge.
DD. Schneidemühl. Die Not der deutſchen
Flüchtlinge aus Polen wird ſchmachvoll ausgenutzt.
Wor der hieſigen Strafkammer hatte ſich der
Kauf=
rnann Dierkes zu verantworten. Er betrieb ein
Siedlungsunternehmen, gab ſich als Gutsbeſitzer aus
rind „verkaufte” Parzellen, obwohl er nicht Guts=
Seſitzer war, ſo daß deutſche Flüchtlinge und
An=
fiedler durch dieſen Schwindel ihr letztes Vermögen
verloren, ohne Land zu neuer Exiſtenzgründung zu
Haben. In Anbetracht der gemeinen
Handlungs=
weiſe des Angeklagten erkannte die hieſige
Straf=
ammer auf dreieinhalb Jahr Gefängnis und vier
Jahre Ehrverluſt.
Werhaftung eines Komplizen des Einbrechers
Wilk.
Liegnitz. Der am D. November hier
gelegent=
ich eines Straßenraubes verhaftete Arbeiter Joſef
Wilk aus Klodnitz (Kreis Koſel) hat nach den
vor=
ſäufig abgeſchloſſenen Ermittlungen der
Kriminal=
ſolizei mit mehreren Helfershelfern rund 40 Ein=
Grüche und Diebſtähle, hauptſächlich in den Orten
Vübben, Lauban, Bautzen, Kamenz in Sachſen und
Shemſiitz ausgeführt. Von den Komplizen des Wilk
fſt hier jetzt auch der Arbeiter Otto Gaebe aus Görlitz
eſtgenommeit worden.
Sühne für einen unerhörten Roheitsakt.
Vor einem Berliner Schwurgericht hatte ſich der
Bäckermeiſter Platow aus Berlin=Hohenſchönhauſen
mnd ſein Geſelle Kamm wegen eines unglaublichen
Moheitsaktes zu verantworten. Zum Zwecke des
Ver=
ſächerungsbetruges hatte der Bäckermeiſter ſeinen
Ge=
ellen dazu angeſtiftet, ſein Pfevd mit Benzin
einzu=
eiben und dann ſowohl das Tier als auch den Stall
anzuzünden. Der Bäckermeiſter erhielt ein Jahr Schmalz von ſeinen eigenen Kindern, dem bereits
—nit neun Monaten Gefängnis davonkam. Dem letz= und ſeiner Tochter Marie, aus gewinnſüchtigen
Ab=
reren wurden mildernde Umſtände bewilligt, weil er ſichten ermordet worden iſt. Theodor Schmalz wurde
ſich in einem gewiſſen Hörigkeitsverhältnis zu ſeinem
Meiſter befand.
Verhaftete Vatermörder.
Böhne in Waldeck. Die Leiche des ſeit März
v. J. vermißten in den 70er Jahren ſtehenden
Ren=
tenempfängers Johann Schmalz iſt jetzt von Arbeitern
am Rande eines Steinbruches aufgefunden worden.
Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß
echs Monate Zuchthaus, während der Bäckergeſelle wegen Raubmordes vorbeſtraften Theodor Schmalz
in Bremen, ſeine Tochter Marie in Vohwinkel
feſt=
genommen.
Verhaftung einer polniſchen Einbrecherbande.
EP. Paris. Die Polizei hat eine Bande von
11 Polen verhaftet, die ſich als die „Miniſterrats=
Bande” bezeichnete und deren Führer ſich „
Miniſter=
präſident” nannte. Es werden ihr zahlreiche
Ein=
bruchsdiebſtähle in Paris und in den Vorſtädten zur
Laſt gelegt.
Vier engliſche Flieger tödlich verunglückt.
Malta. Drei engliſche Fliegeroffiziere und ein
Funker fanden infolge des Anprallens ihres
Flug=
zeuges gegen eine Klippe bei Kalafranka den Tod.
Prof. Max Sering — 70 Jahre alt.
Geh. Rat Prof. Dr. Max Sering,
der bekannte Berliner Nationalökonom, beging am
18. Januar ſeinen 70. Geburtstag. Er hat als
Spe=
zialiſt für Agrarfragen, insbeſondere für das
Sied=
lungsweſen, ſeit Jahrzehnten einen hervorragenden
Ruf. Seine Tätigkeit als Forſcher und Dozent iſt
als vorbildlich zu betrachten. Unter ſeiner Leitung
iſt an der Univerſität Berlin das Forſchungsinſtitut
für Agrar= und Siedlungsweſen entſtanden, das
als=
bald zu einem Deutſchen Forſchungsinſtitut durch
Begründung von Abteilungen in Bonn=Poppelsdorf
und Roſtock ausgebaut wurde.
Nächtliches Großfeuer in der AEG.
e. Berlin. In der Nacht zum Mittwoch gegen
2 Uhr iſt, der „B. Z.” zufolge, in den Werken der
AEG. in der Brunnenſtraße ein großes Feuer
aus=
gebrochen. Fabrikfeuerwehr und ſtädtiſche Feuerwehr
hatten mehrere Stunden lang zu tun, um den Brand
zu löſchen. Die große Montagehalle, in der der
Brand auskam, iſt zum Teil ausgebrannt und ſchwer
beſchädigt. Die Beſchädigungen ſind derart, daß etwa
die Hälfte der in der Halle beſchäftigten Arbeiter am
Mittwoch vormittag beim Arbeitsantritt wieder nach
Hauſe geſchickt werden mußten, weil für ſie keine
Arbeitsſtätte verfügbar war. Der entſtandene
Scha=
den iſt bedeutend.
Kaiſerin Charlotte geſtorben.
Brüſſel. Kaiſerin Charlotte, die Witwe des
Kaiſers Maximilian von Mexiko, iſt geſtorben.
Verhaftung eines Poſträubers.
Deutſch=Liſſa. Hier wurde der
Stellmacher=
geſelle Dreßler verhaftet, als er verſuchte, auf dem
Poſtamt Briefmarken zum Kauf anzubieten. Dreßler
hatte in der Nacht vom 16. zum 17. November 1926
beim Poſtamt in Görlitz für 42000 Mark
Poſtwert=
zeichen geraubt. Bei ſeiner Durchſuchung wurden
noch für mehrere tauſend Mark Wertzeichen gefunden.
Der Verhaftete, der verſuchte, ſich bei der Feſtnahme
zu erſchießen, aber daran gehindert werden konnte,
hat auch in Liegnitz und anderen ſchleſiſchen Orten
Poſtwertzeichen verkaufen wollen.
Die erſte Wirkung der Alkoholverbotsabſtimmung
in Norwegen.
Kündigung der Verbotspolizei.
Wie die „Berlingske Tidende” aus Oslo meldet,
iſt den Beamten der Alkoholverbotspolizei in
Nor=
wegen zum 1. Juli 1927 gekündigt worden.
Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß die Kontrolle über
den Schmuggel alkoholiſcher Getränke ſowie zur
Ver=
hinderung der weiter ſtark um ſich greifenden
Heim=
brennereien nach dieſem Termin von der ovdentlichen
Polizei übernommen werden wird. In der
Kündi=
gung der Alkoholverbotspolizei liegt die erſte große
Wirkung der Abſtimmung des norwegiſchen Volkes
gegen das Alkoholverbot. Es hat den Anſchein, als
ob die norwegiſche Regierung endgültig
beab=
ſichtigt, mit dem Syſtem des Zwangsverbots zur
Be=
kämpfung des Alkoholmißbrauchs zu brechen.
Ein neuer Hetzfilm gegen Deutſchland
in Bukareſt.
DD. Bukareſt. In der deutſchen Preſſe iſt des
öfteren gezeigt worden, wie in den ehemaligen
feind=
lichen Ländern Hetzfilme gegen Deutſchland
produ=
ziert und verbreitet werden. Während aber in der
letzten Zeit dieſe Produktion überall ſtark
einge=
ſchränkt, wenn nicht gänzlich aufgegeben wovden iſt,
ſcheint es, daß ſie in Rumänien erſt aufgenommen
werden ſoll. In dem Kino „Marioara Voiculescu”
das von der „Rumäniſchen Offiziersvereinigung” als
Eigentümer verpachtet worden iſt, wird ſeit einiger
Zeit der deutſche Film „Kreuzzug des Weibes” gezeigt.
Als Vorſpiel zu dieſem deutſchen Film hat aber der
Konzeſſionär ausgerechnet einige Szenen aus dem
Hetzfilm „Helden des Vaterlandes” ausgeſucht, der
demnächſt uraufgeführt werden ſoll. Wenn man ſich
ſchon wundern muß, daß neun Jahre nach dem Krieg
ſolche Filme produziert werden, ſo muß es aber
ſchärfſten Proteſt hervorrufen, daß die „
Internatio=
nale Filmgeſellſchaft”, die als Produzent zeichnet, ſich
ſo ſchlecht ihre Vertreter ausſucht, daß deren
Buka=
reſter Vertreter, die „Merkur=Film” im Stande iſt,
dieſen Skandal zu dulden. Aus den wenigen
Film=
ſzenen, die gezeigt wurden, war erſichtlich, daß einer
der Leit=Motive des Filmes die Hetze gegen
Deutſch=
land iſt. Die deutſchen Soldaten werden als
lächer=
liche Puppen gezeigt, der greiſe Feldmarſchall von
Mackenſen wird verhöhnt. Und zu gleicher Zeit ſpielt
die Kapelle Schimpflieder gegen Deutſchland wie „Hau
die ridi Neamtule, Cum iti eurge zdrentele‟ (Alle
Welt belacht dich, Deutſcher, wie dir die Lumpen
herunterfallen, nach der Melodie „O. du lieber
Auguſtin” Von dieſer „Muſik” begleitet, ſoll der
ganze Film demnächſt herauskommen. Der Anfang
iſt ſo verſprechend, ſo daß es ſich lohnt, ſchon heute die
rumäniſche Regierung öffentlich zu fragen, wozu der
Film dienen ſoll. Zur deutſch=rumäniſchen
Annähe=
ruung, von der ſo viel geſprochen wird, die aber in
der Bukareſter Praxis ganz anders ausſieht? Die
Frage nach dem: Cui prodeſt? iſt hier am Platz.
Es iſt zu hoffen, daß die deutſchen amtlichen Stellen
noch vor dem Erſcheinen dieſes Filmes die nötigen
Schritte an berufener Bukareſter Stelle unternehmen
werden.
Seite 10
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
Sturm im Frankfurter Stadiparlament.
/Kon=
flikt mit dem Magiſirat. / Diſziplinierung
des Stadtrats Dr. Schlotter.
WSN. Frankfurt a. M., 19. Jan. In der geſtrigen
Stadtver=
ordnetenverſammlung ſtand als Hauptpunkt der Ausſchußbericht über
das 2,5 Millionen=Defizit der Erwerbsbeſchränktenzentrale auf der
Tagesordnung, der in dem Antrag auf Diſziplinierung des zuſtändigen
Dezernenten, Stadtrats Dr. Schlotter, gipfelte. Die Tribünen waren
ſtark überfüllt und zahlreiche Perſonen konnten keinen Zutritt mehr
finden. Gegen einen demokratiſchen Antrag, auf Zurückverweiſung des
Berichts an den Ausſchuß wurde, um dem Magiſtrat, der an der
entſchei=
denden Sitzung des Ausſchuſſes, in der die bekannten Beſchlüſſe gefaßt
wurden, nicht anweſend war, Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
von den Vertretern der Linksparteien Sturm gelaufen, in deſſen
Verfolg es zu ſtürmiſchen Auseinanderſetzungen zwiſchen dem
Ober=
bürgermeiſter Dr. Landmann und dem Berichterſtatter Kirchner (Soz.)
kam. Der Oberbürgermeiſte, veneinte, eine Einladung zu der fraglichen
Sitzung erhalten zu haben, was vom Berichterſtatter beſtritten wurde.
Der demokratiſche Antrag wurde ſchließlich mit knapper Mehrheit
abge=
lehnt. Der Oberbürgermeiſter erklärte nun namens des Magiſtrats,
daß dieſer an den weiteren Verhandlungen nicht teilnehmen könne, da
ihm keine Gelegenheit zu ſachlicher Stellungnahme gegeben ſei. Unter
großem Tumult verließen hierauf die Magiſtratsmitglieder den
Sitzungs=
ſaal. Durch eine faſt einſtimmige Entſchließung des Stadtparlaments
wurde jedoch der Magiſtrat gezwungen, ſich an den weiteren
Verhandlun=
gen durch den Stadtkämmerer Aſch vertreten zu laſſen. In der ſich
an=
ſchließenden etwa zweieinhalbſtündigen Debatte wurde von allen Rednern
die unkaufmänniſche Geſchäftsführung der leitenden Perſönlichkeit und
die Fahrläſſigkeit des verantwortlichen Dezernenten in ſchärfſter Weiſe
mißbilligt; von Zentrumsſeite wurde jedoch darauf hingewieſen, daß eine
ſoziale Einrichtung wie die Erwerbsloſenbeſchränktenzentrale, immer ein
Zuſchußbetrieb ſein werde und daß es ſchwer ſein werde, einen Ausgleich
zwiſchen Wirtſchaftlichkeit und ſozialem Charakter herbeizuführen. Ein
nochmaliger Antrag auf Zurückverweiſung wurde mit allen Stimmen
gegen das Zentrum abgelehnt. Hierauf gab Stadtkämmerer Aſch
namens des Magiſtrats eine Erklärung ab, in der er zum Ausdruck
brachte, daß der Magiſtrat ſelbſtverſtändlich die ukaufmänniſche
Ge=
ſchäftsführung der Arbeitszentrale mißbillige, daß es aber bei dieſer
ſozialen Einrichtung unmöglich ſei, daß ſie einen wirtſchaftlichen Gewinn
abwerfe. Durch die Art der Behandlung der Angelegenheit ſei nicht nur
das Vertrauen zu den ſtädtiſchen Körperſchaften ſeitens der Bürgerſchaft
erſchüttert worden, ſondern auch die Intereſſen der
Arbeitsbeſchrämkten=
zentrale als einer ſozialen Einrichtung erheblich geſchädigt worden.
Schließlich wurde der Antrag des Unterſuchungsausſchuſſes, in dem
ein grundſätzlicher Reorganiſationsplan der Erwerbsbeſchränktenzentrale
verlangt, ferner die friſtloſe Entlaſſung der beiden Direktoren Trapp
und Noß aufrecht erhalten und der Magiſtrat erſucht wird, gegen den
Dezernenten der Arbeitsbeſchränktenzentrale, Stadtrat Dr. Schlotter, ein
Diſziplinarverfahren zu eröffnen, mit allen Stimmen gegen die Stimmen
des Zentrums angenommen.
Neues Millionendefizit in Frankfurt a. M.
WSN. Frankfurt a. M. Der Stadtverordnete Dr. Rhode
(Wirtſchaftspartei) hat im Stadtparlament eine Anfrage eingebracht, in
der betont wird, daß in Kreiſen der Frankfurter Bürgerſchaft das
Ge=
rücht umgehe, daß bei der Städtiſchen Molkerei Oſthafen G. m. b. H.
ebenfalls ein Defizit von etwa einer Million Mark entſtanden ſei. Der
Stadtverordnete erſucht in der Anfrage den Magiſtrat um Auskunft, was
an dieſem Gerücht richtig ſei. — Die Angelegenheit wurde übrigens in
der heutigen Stadtverordnetenſitzung von dem Vertreter der
Arbeit=
nehmergruppe, Stadtverordneten Geßner, im Verlaufe der Ausſprache
über die Mißwirtſchaft an der Erwerbsbeſchränkten=Zentale zur Sprache
gebracht, wobei dieſer ebenfalls betonte, daß man bereits allgemein in
der Bürgerſchaft von einem Millionendefizit bei der Städtiſchen
Milch=
zentrale ſpreche.
* Frankfurter Chronik.
Haſelmeher erneut wegen Vergehens gegen
das Republikſchutzgeſetz verurteilt. Der jetzt in
Er=
langen lebende frühere Führer der nationalſozialiſtiſchen Arbeiterpartei
Heſſens und Heſſen=Naſſaus und zugleich Herausgeber einer
national=
ſozialiſtiſchen Wochenſchrift, Franz Anton Haſelmeher, gegen den vor
einigen Monaten in Frankfurt ein politiſcher Anſchlag verübt worden
ſein ſoll, war bekanntlich vom Gießener Schöffengericht Anfang Oktober
vorigen Jahres wegen Vergehens gegen das Republikſchutzgeſetz und
Aufreizung zum Klaſſenhaß zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt
wor=
den. Der Angeklagte, der jetzt in Erlangen Jura ſtudiert, hatte in einer
Verſammlung in Hungen im Jahre 1925 in ſchärfſter Weiſe gegen die
Juden gehetzt und dabei im Zuſammenhang von der Regierung als von
einem „Sauſtall” geſprochen. In dieſer Bezeichnung erblickte die
An=
klage eine Beleidigung der republikaniſchen Staatsform und in der
Judenhetze eine Aufreizung zum Klaſſenhaß. In der heutigen
Be=
rufungsinſtanz vor der großen Strafkammer in Gießen beſtritt der
An=
geklagte, ſich ſtrafbar gemacht zu haben. Seine Auslaſſungen wollte er
harmlos aufgefaßt wiſſen. Das Gericht folgte dieſem Standpunkte nicht,
ſondern beſtätigte, dem Antrage des Staatsanwalts folgend, das Urteil
der Vorinſtanz auf zwei Monate Gefängnis. — 20 Perſonen vom
naſſen Tod gerettet. Im füngſten Frankfurter Vorort konnte
die dortige Ortsaruppe der Deutſchen Lebensrettungsgeſellſchaft vor
eini=
gen Tagen drei Schwimmer auszeichnen, die im abgelaufenen Jahre
ins=
geſamt 20 Perſonen vom Tode des Ertrinkens retten konnten. Es
han=
delt ſich um die Herren Heinrich Oeſtreich, der elfmal ſein Leben aufs
Spiel ſetzte, um Ertrikende zu retten, den 22jährigen Fritz Stroh, der
achtmal erfolgreich gegen den naſſen Tod kämpfte und den
Kriegs=
beſchädigten Auauſt Claß, der, trotzdem er nur einen Arm hat,
eben=
falls ein Menſchenleben rettete. Den drei verdienten Lebensrettern
wurde als vorläufige Auszeichnung das bekannte Bild „Gerettet” von
Brütt brliehen. Außerdem ſollen ihre Namen zur weiteren
Auszeich=
nung beim Miniſterium eingereicht werden. — Feſtgenommener
Schwindler. Der Betrüger, der vor einiger Zeit einige hieſige
Bühnenkünſtler und Kunſtmaler dadurch beſchwindelte, daß er ſich für
die Wochenſchrift „Die Woche” Vorſchüſſe geben ließ und damit
ver=
ſchwand, iſt in Hannover feſtgenommen worden. Es handelt ſich um den
aus Wien ſtammenden Artiſten Leopold John. — 30000 Mark
ge=
funden. Ein Viebhändler aus Württemberg, der in der vorigen
Woche den hieſigen Viehmarkt beſuchte, verlor in der Nähe des
Frank=
furter Hauptbahnhofes ein Paket mit 30 000 Mark Bargeld. Ein
Eiſen=
bahnarbeiter fand dieſes Paket und brachte es dem Eigentmer zurück.
— Wiedergefunden. Die als vermißt gemeldete Frankfurter
Lehrerin hat ſich heute wieder bei ihren Angehörigen eingefunden,
Ein eigenartiger Handelsgebrauch
im Kunſthandel.
(Nachbruck verboten.)
Nach den Beſtimmungen des Bürgerlichen Geſetzbuches kann feder
Käufer, der eine minderwertige Ware erhalten hat, Wandelung
des Kaufs (Rückgabe des Kaufgegenſtandes gegen Rückgabe des Geldes)
oder Minderung des Kaufpreiſes verlangen. Von welchem
Rechts=
verlangen er Gebrauch machen will, iſt in ſein Belieben geſtellt. In
bezug auf den Kunſthandel hat jetzt das Reichsgericht eine
be=
ſondere Entſcheidung des Oberlandesgerichts Hamburg beſtätigt, in
der das Oberlandesgericht auf Grund eines Gutachtens des
Kunſtſachver=
ſtandigen Caſſirer feſtſtellt, daß im Kunſthandel der Handelsbrauch
beſteht, daß im Falle der Unechtheit eines Bildes der Käufer nicht
das Recht hat, Minderung des Kaufpreiſes zu verlangen; er kann
viel=
mehr nur Wandelung verlangen und muß das unechte Bild
zuruck=
geben, wenn er den vereinbarten Kaufpreis nicht bezahlen will.
Beſonders wichtig iſt, daß der Handelsbrauch auch dann gilt, wwenn der
Käufer eine Privatperſon iſt. Dieſer eigenartige
Handels=
brauch wird damit gerechtfertigt, daß es zu unlösbauen Schwierigkeiten
führen würde, wenn im Falle des Verlangens der Minderung des
Kaufdreiſes der Minderwert des unechten Kunſtgegenſrandes
feſtge=
ſtellt werden ſollte. — Im gegenwärtigen Falle handelt es ſich um das
Oelgemälde „Brücke”, das mit der Zuſicherung, es rühre von Camille
Viſſaro her, für 50 000 Mark verkauft worden iſt. Später ſtellte ſich
die Unechtheit des Bildes heraus. Der Käufer ſchrieb der Keſtner=
Ge=
ſellſchaft in Hannover, von der er das Bild gekauft hat, daß er nicht
Wandelung, ſondern Minderung des Kaufpreiſes verlange; die
Geſell=
ſchaft beſtand auf Wandelung. Nachdem der Rechtsſtreit zweimal das
Reichsgericht beſchäftigt hat, iſt er endgültig zugunſten der auf Rückgabe
des Bildes klagenden Keſtner=Geſellſchaft entſchieden worden, und zwar
unter Billigung des mitgeteilten, vom Oberlandesgericht Hamburg
feſtgeſtellten Handelbrauchs im Kunſthandel. (Aus den „
Reichsgerichts=
briefen”, K. Mißlack, Leipzig.
Beethoven=Gedenkpoſikarten.
Anläßlich der im Monat März ſtattfindenden Beethoven=
Gedenk=
feier gibt die öſterreichiſche Poſtverwaltung eine künſtleriſch
aus=
geführte Poſtkarte aus, die dem Andenken des großen Muſikers
geweiht iſt. Die Karte iſt nach einem Entwurf des Malers Rudolf
Junk in photomechaniſchem Tiefdruck hergeſtellt und wird
voraus=
ſichtlich am 1. März in Verkehr geſetzt. — Unſer Bild zeigt die
Beethoven=Gedenkkarte Oeſterreichs.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die ſetzte Bezugsquittung beizufügen. Anonymen Afragen werden
nicht beantwortet.
B. R. S. I. Für die Aufwertung von Vermächtniſſen gelten die
all=
gemeinen Vorſchriften des BGB., nicht die des
Aufwertungs=
geſetzes vom 16. Juli 1925. Als maßgebend in erſter Linie muß der
zu ermittelnde vermutliche Willen des Erblaſſers erachtet werden, weiter
iſt die Leiſtung ſo zu bewirken, wie Tren und Glouben mit Rückſicht
auf die Verkehrsſitte es erfordern . Hinſichtlich der Höhe der Aufwertung
kommt es vor Allem auch auf den Beſtand der Erbſchaft an.
Hier=
nach beantworten ſich die beiden erſten Fragen. Zinſen werden aus
Verzug wohl von dem gedachten Zeitpunkt an verlangt werden können.
Sie müſſen durch einen Anwalt gegen die Erben Klage erheben laſſen
beim zuſtändigen Landgericht. Dieſer Anwalt wird die weiter noch
nötigen Schritte für Sie tun müſſen.
V. Ueber die Frage, ob der Arbeitgeber für das Einkleben
der Alters= und Invaliditätsverſicherungsmarken privatrechtlich und
ſchadenserſatzpflichtig iſt, ſind eine Reihe von Entſcheidungen höherer
Gerichte ergangen. Allgemein iſt hervorzuheben, daß die Verpflichtung
des Arbeitgebers, für rechtzeitige Entrichtung der Verſicherungsbeiträge
zu ſorgen, an ſich nicht zu den durch den Dienſtvertrag
begründe=
ten Pflichten gehört; es iſt jedoch eine beſondere
Vereinba=
rung denkbar, daß der Arbeitgeber für die Entrichtung der Beiträge
zu ſorgen, an ſich nicht zu den durch den Dienſtvertrag begründe=
Vereinbarung vor, ſo würde der Arbeitgeber aus der Tatſache der nicht
ordnungsmäßig betätigten Klebung von Marken ſchadenserſatzpflichtig
gemacht werden können. Ein anderer Weg erſcheint u. E. nicht
gangbar. Eine ſolche Vereinbarung kann auch ſtillſchweigend
erfolgen, z. B. bei größeren Betrieben oder durch eine
Verkehrs=
ſitte (z. B., wenn der Dienſtherr die Markeneinklebung ohne weiteres
übernimmt und den vollen Betrag von ſich aus entrichtet); vgl. übrigens
auch 8 1428 R. V.O.
G. O. 10. 1. An das Reichspatentamt in Berlin SW. 61, Gitſchiner
Straße 97—103. (Anmeldeabteilung.) Obwohl ein
Patentanwalts=
zwang nicht beſteht, empfehlt ſich doch die Zuziehung eines ſolchen;
die Liſte der Patentanwälte führt das Reichspatentamt, es wird einen
Patentanwalt an Hand der Liſte namhaft machen können. Einfacher iſt
es aber wohl, wenn Sie ſich an die hieſige Handelskammer wenden
wür=
den wegen eines ſolchen Anwalts, der auch über die Koſtenfrage im
Einzelfalle Auskunft erteilen kann.
J. A. D. 500. Die geleiſteten Unterſtützungen erſcheinen beim
Ab=
leben als Nachlaßſchulden. Eine Aenderung dieſes Zuſtandes muß
erſtrebt werden, da ein Rentenverſorgungsgefetz, zu dem Entwürfe
vor=
liegen, hierüber Klarheit ſchaffen muß.
W. K. Im Landestheaterorcheſter werden ſich geeignete
Sach=
verſtändige finden.
„Güterrecht”, 1. § 1410 BGB. lautet: „Die Gläubiger des Mannes
können nicht Befriedigung aus dem eingebrachten Gute verlangen.”
Nach § 1525 Abſ. 2 BGB. (vertragsmäßiges Güterrecht) findet § 1410
entſprechende Anwendung. Auch Frage 2 iſt hiernach zu verneinen.
6. O. 45. Deutſche Schriftſtellerzeitung, Hamburg.
F. R. E3 genügt vollſtändig, wenn in lateiniſcher Schrift
der Brief an das Deutſche Generalkonſulat in New York
gerichtet wird.
Abonnent im Odenwald. Das darf er nahirlich nicht. Welche
Ent=
ſchädigung Sie verlangen können, wird weſentlich von der Frage
ab=
hängen, wie groß die Beiladung und die Zeit des Mittransports
der=
ſelben war. Dieſe Frage kann allein ein Fuhrunternehmer
beant=
worten, gegebenenfalls ein Spediteur.
A. Z. in E. Wir bitten über den Norddeutſchen Lloyd das 1921
erſchienene Buch von Langenbeck zu vergleichen, im übrigen verweiſen
wir auf direkte Anfrage bei der Hapag.
G. W. in O. Der Fall muß in allen Einzelheiten genan
dargelegt werden, ſonſt iſt eine genaue Beantwortung nicht möglich.
„Kaufabſchluß”. Ja, der Kauf iſt mit mündlicher Abrede
rechtsver=
bindlich geworden.
„Motten‟. Dichtes Abſchließen der mottenfreien Gegenſtände in
ſogen. Mottenkiſten, in Leinen= oder Papierhüllen, durch Streuen oder
Beſprengen mit Perchloräthan oder Dichlorbenzol.
Sch., hier. Hier hilft u. E. das Geſetz zur Vereinfachung der
Lohn=
ſteuer vom 26. Februar 1926 ab. Durch dasſelbe iſt § 93 des Eink.=St.=
Geſetzes vom 10. Auguſt 1925 wie folgt geändert: „Wenn eine
Veran=
lagung nicht erfolgt, ſind Steuerbeträge, die vom Arbeitslohn
einbehal=
ten worden ſind, auf Antrag zu erſtatten, wenn die im §.70 Abſ.
1. 2 bezeichneten Beträge infolge Verdienſtausfalls beim
Steuerabzug nicht in voller Höhe berückſichtigt worden ſind. Der
An=
trag kann nur jeweils für ein Kalenderjahr geſtellt werden. Er muß
ſpäteſtens bis zum 31. März eines Jahres für das
voran=
gegangene Kalenderjahr eingereicht ſein. Als Nachweis des
Verdienſt=
usfalls kann eine B=ſcheinigung des Arbeitgebers anerkannt werden.
Der zu erſtattende Betrag darf die Höhe der einbehaltenen
Steuer=
abzugsbeträge nicht überſteigen; Jahresbeträge unter vier Reichsmark
derden nicht erſtattet. Der Antrag iſt beim zuſtändigen Finanzamt
an=
zubringen.
F. in E. 1. Es wird doch weſentlich darauf ankommen, was bei
Beſtellung der Muſikhefte geſprochen wurde. Hat vor dem
Ver=
tragsabſchluſſe der Vertreter des Verlags zugeſichert, daß klaſſiſche
Muſik geliefert würde, ſo würden Sie wohl zur Löſung des
Lieferungs=
vertrages zweifellos berechtigt ſein. Im anderen Falle würden wir
raten, im Hinblick auf die Zuſicherungen des Vertreters den Verlag
aufzufordern, beſſere Muſik zu liefern, andernfalls Sie vom Vertrage
zurüicktreten würden. Solche Aufforderung wird vielleicht zum ge
vüinich=
ten Ziele führen. — 2. An ſich wird man der Auffordernng des Schaff
uiers zunächſt ſich fügen mniſſen. Das ſchließt aber nicht aus, daß man
angenchts der von Ihnen angegebenen Unſtimmigkeit die Entſcheidung
des Zugführers oder des Stationsvorſtandes anruft.
Geſchäftliches.
Vom Tennisball.
In den letzten Tagen ging eine Notiz durch die Zeitungen, daß
England den amerikaniſchen Tennisball einführt. Dieſe Notiz war in
ihrer Form irreführend, da England natürlich weiter mit engliſcher
Tennisbällen ſpielen wird. Neu und einſchneidend iſt allerdings der
Beſchluß des engliſchen Tennisverbandes nach dem Vorbild der
Amerikaner wegen der bekannten Vorzüge einer glatten
Ballonober=
fläche, nur noch nahtloſe Tennisbälle zu verwenden. Hierdurch erklär,
ſich wohl auch die irreführende Ueberſchrift der erſchienenen
Zeitungs=
notiz, da Amerika dieſe einſchneidenden Vorteile des nahtloſen Balles
zuerſt erkannt hat. Dieſe ſind aber auch für Deutſchland ſeit der letzten
Spielzeit nichts Neues mehr, nachdem einige der bedeutendſten
tennis=
ſportlichen Ereigniſſe 1926 bereits mit dem nahtloſen (Dunlop)
Ten=
nisball geſpielt wurden. Als Beiſpiel ſeien nur folgende Wettſpiele
angeführt:
Amerikawettſpiel des L. T. T. C. Rot=Weiß Berlin (Landmann—Richards),
die Herbſtturniere des Blau=Weiß und Rot=Weiß=Clubs in Berlin,
ſowie die deutſche Berufsſpieler=Meiſterſchaft in Hamburg.
Bajazzo”, der neue Koffer=Jazz=Apparat iſt famos! So
ſchreibt heute wieder ein Kunde der bekannten Firma Georg Bernhardt,
Leipzig C 1. (Siehe Anzeige.)
Koſtenloſe Maskenkoſtüm=Vorlagen für Damen
und Herren liefert die Esterikultur. Muſterblatt mit Abbildungen
wird auf Wunſch übermittelt. Nach erfolgter Wahl wird das zur
An=
fertigung erforderliche Beklebematerial nebſt Herſtellungsanweiſung
un=
berechnet überfandt. Die Koſtüme ſind leicht und billig herzuſtellen,
weil als Grundlage jedes einfache Kleid oder gewöhnlicher Tarlatan
verwendet werden kann. Wiederholt ſind Träger derartiger Koſtüm
auf Maskenbällen preisgekrönt worden. Die Javol=, Aok= und
Kos=
modont=Koſtüm=Vorlagen liefert die Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg,
Da es den Anſchein hat, als ob die Grippe=Epidemie auch in
Deutſch=
land immer mehr um ſich greift, glauben wir unſeren verehrten Leſern
einen Dienſt zu erweiſen, wenn wir auf einen kliniſchen Bericht in der
„Wiener Mediziniſchen Wochenſchrift” 1926, Nr. 40, aus der Staatl.
Frankenanſtalt „Rudolfſtiftung” Wien” hinwieſen. An zahlreichem
Krankenmaterial wurde die Wirkung der ſchon altbewährten Togal=
Tabletten bei Grippe und Influenza erprobt, und haben
die Verſuche hervorragende Reſultate ergeben. Es ſcheint daher ratſam,
im Bedarfsfalle einen Verſuch an ſich ſelbſt damit zu machen.
Chemiſches über Menſchenhaar.
Löſt man Haar nach dem patentierten Verfahren von Dr. Weidner
auf, ſo erhält man eine neutrale Löſung der ſchwefelreichen
Haarbau=
ſteine, aus denen man durch chemiſche Kunſt bisher nicht wieder Haar
zurückbilden konnte.
Bedient man ſich aber dazu der lebendigen Kraft der Haarwurzeln
unſerer Kopfhaut, ſo wird der Haarausfall ſchnell gehemmt, und dichter
Haarwuchs ſelbſt dann erzielt, wenn Erkahlung und Glatze ſchon
einge=
treten ſind. Haarernährung und Stärkung geſchwächter Haarwurzeln
erzielt man mit der Silvikrin=Haarkur, die nach genanntem Verfahren
hergeſtellt iſt, während der fördernden Haarpflege Silvikrin=Shampoon
dient.
Eine Erklärung, dieſes eigenartigen Phänomens haben hervorragende
Mediziner und Naturwiſſenſchaftler gefunden und wiſſenſchaftliche
Arbei=
ten darüber geſchrieben. Sie erhalten dieſe Abhandlungen und die für
jedermann wichtige Schrift „Der Haarwuchs, ſeine Erhaltung und
Wie=
dergewinnung” nebſt einer Silvikrin=Probe koſtenlos und poſtfrei vom
Silvikrin=Vertrieb, Berlin 256, Alexandrinenſtraße 26.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 20. Januar. 1.30: von Kaſſel: Mittagskonzert.)
Jacques Offenbach. Ouv. „Schöne Helena” — Fant. „Hoffmanns
Erzählungen” — La Muſette (Cello ſolo). — Ouv. „Die beiden
Savoyarden” — Fant. „Pariſer Leben”. — Ouv. „Orpheus in
der Unterwelt”, O 3.30: Stunde der Jugend. Fr. Grebenſtein:
„Eine Kohlengeſchichte aus dem ſächſiſchen Braunkohlengebiet”, (Für
Kinder vom 12. Jahre ab). O 4.30: Albert Lortzing. Ouv.
„Wildſchütz” — Aus „Undine‟. — Aus „Zar und Zimmermann”.
— Aus „Waffenſchmied” Mitw.: Anni Pfiſter=Spengler. O 5.45:
Leſeſtunde: Aus „Die Kultur der Renaiſſance in Italien” von
Jacob Burckhardt. O 6.15: von Kaſſel: Intendant Bekker vom
Staatstheater Kaſſel. O 6.45: „Bad Münſter am Stein und ſeine
Heilquellen” von Dr. Müller. O 7.30: Stadttheater Kaſſel:
„Orpheus in der Unterwelt”. Von Jacques Offenbach. Perſ.:
Ju=
piter. Juno. Venus. Diana. Minerva. Mars. Merkur. Kupido.”
Hebe. Orpheus. Eurydike. Ariſteus. Hans Styx. Oeffentliche,
Meinung. Bacchus. Morpheus. Anſchl.: aus Kaffee Sacher:
Tanzmuſik.
Stuttgart.
Donnerstag, 20. Januar. 1.10:Ronzert. O 3.50:
Hauswirt=
ſchaftliche Frauenſtunde. O 4.15: Konzert. O 6.15: Dramat.
Funk=
ſtunde (Schauſpiel). O 6.45: Aerztevortrag: Ueber die Aufgaben
der Sportärzte=Tätigkeit. O 7.15: Rudolf Damaſchke: Bedeutung
der Bodenreform für den Neuaufbau unſeres Volkes. O 8: Philh.;
Orcheſter. Leit.: Kapellm. Kahn. Sol.: Eli abeth Jentſch (Sopran),
Karl Jentſch (Bariton). Pitzner: Ouv. „Kätchen von Heilbronn”.”
— R. Strauß: Pilgers Morgenlied. — Braunfels: Vorſpiel und
Prolog der Nachtigall aus „Die Vögel” — Korngold: Tanzlied
des Pierrot aus „Die tote Stadt”. — Schrecker: Wiegenlied der
Els aus „Der Schatzgräber”. — Humperdinck: Vorſpiel zu „Hänſel
und Gretel”, Anſchl.: Elſäſſiſcher und Schwäb. Dichter= und
Kom=
poniſten=Abend Mitw.: Lieſel Gehrung (Sopran), H. Lingor (
Te=
nor), Oskar Wöhrle (a. eigenem Schaffen), Karl Walter (Einl.
Worte), G. Ott (Rezitation), O. Senfert (am Flügel).
Berlin.
Donnerstag, 20. Jan. 12.30: Viertelſtunde für den Landwirt.
O 4: Chefredakteur Figdor: Kreuz und quer durch Aſien. O 4.30:
Schubert=Quartett. Mozart: Streichquartett C=dur. — Haydn:
Serenade aus d. Streichqu. F=dur. — Schubert: Quartettſatz C=moll.
Dvorak: Streichquartett Es=dur. O. 6.10: Dr. Pſchyrembel:
Atomphyſik. O 6.35: Bürgerm. Schwan: Die Ziele der
Wohnungs=
reform. O 7.05: Spaniſch. O 7.30: Dr. Mayer: Freude an der
Kunſt (2. Teil). O 7.55: Otto Zarek: Das hiſtoriſche Drama.
O 8.30: Luſtiges. Hennig: Froſch=Kantate. — Sonnet: So muß
ein Mädel ſein. — Die rote Naſe, Volkslied (Solo=Quartett;
Patria). — Anekdoten, erz. von Erich Schontek. — Der Schüchterne.
Im Wirtshäuſel. O 9: Virtuoſen=Abend. Mitw.: Konzertm.
Maurits van den Berg (Violine), Michael von Zadora (Flügel),
Gregor Piatigorsky (Cello), Bruno Seidler=Winkler (Flügel).
2 10.30: Kapelle Kermbach.
Königswuſterhauſen. Donnerstag, 20. Januar. 2.30: Natürliche
und künſtliche Wohnungsbeleuchtung. O 3.30: Min.=Rat. Schindler:
Der Jugendliche in der Wirtſchaft und im Recht. O 4: Reg.=Rati
Dr. Becker: Die neuerrichteten Jugendämter und ihre Aufgaben.”
O 4.30: Lilly Droeſcher: Peſtalozzi und die erzieheriſche Bedeutung
der Mutter. O 5: Dr. F. Lange: Streudeutſchtum in
Oſt=
europa. O 5.30: Min.=Dir. Prof. Dr. Richter: Hochſchulreform.
O 6: Oek.=Rat Keiſer: Die Marktverhältniſſe auf dem
Schlachtvieh=
markt und ihre Einwirkungen auf die landwirtſchaftliche
Tierproduk=
tion. O 6.30: G. v. Eyſeren, C. M. Alfieri: Spaniſch für
Fort=
geſchrittene. O. 7: Dichterſtunde: Knud Hanſum. Einführung: Dr.
Fechter. Vorleſung: Elſe Beyer. O 7.30: Prof. Schubert:
Beet=
hovens Kammermuſik. Quartette.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Freitag, den 21. Januar 1927
(nach der Wetterlage vom 19. Januar 1927).
Die Feſtigung der Wetterlage hat weitere Fortſchritte gemacht.
Star=
ker Luftdruckanſtieg hat über Mittel= und Nordeuropa eingeſetzt bei
gleichzeitigem Temperaturfall. Da ſich jedoch noch ein ſchmales Gebiet
tieferen Druckes zwiſchen einem britiſchen und einem ruſſiſchen Hoch in
nordſüdlicher Richtung erſtreckt, ſo führt die hierdurch bedingte
unein=
heitliche Luftſtrömung zu einzelnen Niederſchlägen, die nur teilweiſe als
Schnee nic ergehen.
Die Heſſ. Wetterdienſtſtelle.
Saupiſchriftleitung. Hudolf Maupe
Veranwwortlich für Politik und Wiriſchaft: Rudelf Maupe; für Feuilleton, Reich and
zusland und Seſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Eport: Dr. Eugen Buhlmanzi
ür den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratentell: Wlllp Kuhle:
Druc und Verlag C. C. Wittich — jämilich in Darmſtadt.
ngte Maunſkripie wird Garantie der Rückfendung nich: übernominen.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Geite 11
Sport, Spiel und Turnen.
Pfungſtadt—Münſter auf deſſen Erledigung man nunmehr ſchon nahezu
„Rußpan im Odenwaidfreis. 10 Vochen wartet. Es berührt eigenartig, daß man nach der vor ewa
vier Wochen erfolgten Verhandlung des Falles immer noch nichts von
Okympia Lampertheim—Sportvgg. 04 Arheilgen 2:1
Sportverein Münſter—Germania 03 Pfungſtadt 3:3
Union Darmſtadt—VfR. Bürſtadt 7:9
Olympia Lorſch-Fußballverein Biblis 1.:0
Die Meiſterſchaft iſt alſo noch nicht entſchieden. Der Favorik aus
Crheilgen ſtrauchelte auch an der Lamperth imer Klippe wie ſchon
enige ſeiner Rivalen vorher, und da die Arheilgen hart auf den Ferſen
ſitzenden Pfungſtädter in Münſter ſich einen Punkt holten, ſo iſt der
ne, bereits am Samstag angedeutete Fall eingetreten: Pfungſtadt hat
frch vorerſt einmal den 2. Platz geſichert und kann im letzten Spiel gegen
2rheilgen dunch einen Sieg mit dieſem punktgleich werden, was dam
an Entſcheidungsſpiel auf neutralem Platze zur Folge hätte. Man
muß natürlich erſt den Sonntag abwarten, aber möglich iſt der Fall
ſchon. Wenn eime Mannſchaft auswärts nicht gewinnt, ſo „enttäuſcht”
ſe bekanntlich, wie es meiſt ſo ſchön heißt. Das ſoll auch mit
Arheil=
gen der Fall geweſen ſein. Seien wir aber ehrlich und uns der Tatſache
bewußt, daß allen unſeren Vertretern in der Kreisliga letzten Endes
doch noch der letzte Schliff ebgeht und daß Niederlagen gegen
gleich=
ſſarke Gegner eben die unvermeidliche Folge ſind. Die Tatſache, daß
ſo=
wöhl Pfungſtadt, Bürſtadt und auch Lorſch in Lampertheim verloren,
keß die Niederlage Arheilgens ſchon von vornherein nicht unmöglich
esſcheinen. Das umſomehr, als z. B. das Fehlen eines einzelnen Mannes
ſch bei Arheilgen geradezu erſtaunlich ſchwächend auswirkte. Der Weg
zur Meiſſterſchaft iſt eben ſchwer. — Das haben z. B. auch die zu
Be=
genn favoriſierten Pfungſtädter erfahren müſſen, deren Spielverluſte
SSer wioder in anderen, nicht nötigen Urſachen zu ſuchen ſind. Denn
ir Pfungſtadt hat man das Fehlen von ein oder zwei guten Leuten
immer noch leidlich zu ertragen gewußt. So fehlte in Münſter der
eatte Halblinke linker Läufer und der ſchon ſoit längerem verletzte
Mittelläufer. Denkt man daran, daß es bisher nur der Sportvag.
Ar=
eilgen gelang, ungeſchlagen (2:1) aus Mäinſter davon zu kommen, ſo
ird man die Bedeutung des Pfungſtädter Unentſchiedens zu würdigen
iſſen. Pfungſtadt führte bis Halbzeit bereits mit 2:0, doch ſpielten
e nige Leute derart verhalten, da der Unparteiiſche gegen das oft
rück=
fchtsloſe Spiel der Einheimiſchen nicht einſchritt, ſodaß es Münſter
wöglich war, drei Tore zu erzielen, denen aber Pfungſtadt noch den
4 usgleich entgegenſetzte. Es ging „drinnen und draußen” ziemlich hoch
her, aber man kam doch ohne ernſthafte Kolliſionen auseinand r. — Die
Drarmſtädter Union beherzigte die des öfteren ſchon an ihre Adreſſe
gerichteten Mahnungen und holte ſich gegen Bürſtadt 2 Punkte. Der
1 nterlegene trat nur mit 10 Mann und reichlich erſatzgeſchwächt an,
weshalb das Reſultat nicht ganz requlär genannt werden kann. Man
kätte lieber einen knappen, aber erkämpften Sieg gegen eine komplette
4rürſtädter Elf geſehen. Nun, man wird ſich auch ſo in Beſſungen
(Ser die beiden Punkte freuen, die nun die Gefahr gebannt haben
dürf=
trn. — Der Lorſcher Sieg über Biblis erſcheint arg mager. Hier wird
tms Fehlen des guten Mittelläufers als Grund für den knappen Sieg
arngegeben; ein Grund, der nicht überzeugen kann. Ein Mann muß
iumer erſetzt werden können. —
Gportvgg. 04 Arheilgen
G ermauia 93 Pfungſtadt
Gportverein Münſter
Alympia Lampertheim
ZifR. Bürſtadt
umion Darmſtadt
UIlympia Lorſch
Amßballverein Biblis
15:43
Aiiktoria Griesheim
13
2:35
Tiie abgebrochenen Spiele Pfungſtadt—Münſter und Biblis-
Lampert=
heim ſind hierbei nicht gewertet, doch darf man einen Punktzuwachs für
4 fungſtadt und Lampertheim annehmen.
In dieſem Zuſammenhang ſoll auch auf die bereits am Samstag
errgedeutete Angelegenheit eingegangen werden. Es iſt dies der Fall
einer Urteilsbildung erfährt. Wenn es auch im Intereſſe des lieben
Friedens gut war, daß das Urteil gerade in der letzten Woche nicht bekannt
wurde. So ändert das aber nichts an der Tatſache, daß das Urteil
ſchon vor zwei oder drei Wochen hätte bekannt gegeben ſein müſſen.
Wenn einerſeits bei Vergehen einzelner Spieler oder bei Platzſperren
die Disqualifikation automatiſch in Kraft tritt, ſo kann man hier
eben=
ſogut eine raſchere Erledigung des Falles fordern.
Radfahren.
Lorenz=Tonani Sieger im Berliuer Sechstage Rennen.
1. Lorenz=Tonani 170 Punkte. Zwei Runden zurück: 2.
Thollem=
beck=Buſchenhagen 356 Punkte; 3. Koch=Rielens 291 Punkte; 4. Wambſt=
Laquehay 207 Punkte. Drei Runden zurück: 5. Mac Namara=Petri 454
Punkte. Vier Runden zurück: 6. Rauſch=Hürtgen 91 Punkte.
Zum Abſchluß des 18. Berliner Sechstagerennens.
Burauu Makanudt.
Tonani
Lorenz
(Originalzeichnungen von Friedmann.)
Schwimmen.
Vereinsmeiſterſchaften des V.f.L. Rot=Weiß 1922.
Es ſei an dieſer Stelle nochmals auf die heute abend im ſtädtiſchen
Hallenbad ſtatrfindenden Vereinsmeiſterſchaften im Schwimmen
hinge=
wieſen. Dieſelben beginnen pünktlich um halb 8 Uhr und enden um
10 Uhr. Nach den Trainingsergebniſſen zu urteilen, werden ſpannende
Kämpfe zu erwarten ſein. Im Ganzen wunden 140 Meldungen
abge=
geben. Das Einlageprogramm iſt äußerſt reichhaltig gehalten und ſoll
dem großen Schwimmermaterial des Vereins Gelegenheit geben, ihre
Kräfte miteinander zu meſſen. Sämtliche Altersklaſſen werden dabei zu
Worte kommen; beſonders die füngſten haben in der letzten Zeit eifrig
geübt, um den Sieg zu erringen Für die Vereinsmeiſter gibt es
Plaketten, für die übrigen Sieger und Siegerinnen Diplome. Wir
bit=
ten nochmals alle Mitglieder, beſonders aber die Eltern unſerer Jugend,
um zahlreichen Beſuch.
Handball.
Entſcheidungsſpiel um die
Handballmeiſier=
ſchaft im Frankfurter Landesverband.
Sportverrin Darmſtadt 1898—Polizei=Spv. Babenhauſen.
Nach einer Reihe eindrucksvoller Siege im Verbandsſpieljahr 1926=
27, gegen alle erſte Mannſchaften im eigenen Landesverband, hat ſich die
Handball=Liga des Sportvereins Darmſtadt 1898, zum dritten Male —
bis auf ein Spiel, — ſiegreich behauptet. In allen Spielen hat die weit
über die Grenzen ihrer engeren Heimat hinaus, als ſpieltüchtig bekannte
Darmſtädter Handballmeiſtermannſchaft, ihren Ruf
glänzend gewahrt Um ſo überraſchender kam ſeiner Zeit die Kunde,
von einer unbegreiflich hohen Niederlage aus Babenhauſen in einem
Spiel gegen den dortigen Polizeiſportverein. Ihre Anhänger ſagen
noch heute, daß anſcheinend an dieſem Tage, gerade in einer Zeit in der
ſie auswärts außer Verbands=, gegen Städte=, Bezirks= und
Länder=
mannſchaften blendende Siege erzielte, von allen guten Geiſtern
ver=
laſſen geweſen ſei. Faſt vernichtend bezeichnete man damals den
Ver=
luſt dieſes Rückſpiels mit 10 zu 2 Toven, während im Vorſpiel die
Babenhäuſer Poliziſten ſich mit 4 zu 0 Toren einwandfrei geſchlagen
bekennen mußten. Die Folge dieſer Niederlage ergab beim Abſchluß
der Wertungstabelle für 1926/27, da auch Babenhauſen keinen weitenen
Verluſtpunkt erlitten hatte, Punktgleichheit. Beide Mannſchaften
müſ=
ſen daher, um den Meiſtertitel im eigenen Landesverband, nochmals in
einem Entſcheidungsſpiel antreten, ein Ereigmis, dem gewiß die
Darm=
ſtädter Sportgemeinde mit begreiflicher Spannung entgegenſieht.
Die=
ſes Spiel, das auf einem neutralen Platz ausgetragen werden muß,
fin=
det nach den uns zugegangenen Nachrichten am kommenden Sonntag
Vormittag um 11 Uhr auf dem Hochſchulſportplatz am Böllenfalltor ſtatt.
Wir werden auf dasſelbe noch beſonders zurückkommen.
Kraftſport.
Atbletik=Sportverein 1895 Darmſtadt.
Obiger Verein beabſichtigt am Samstag, den 22. Januar, im
Mathildenhöhſaal ein Winterſportfeſt größeren Stils zur Dunchführung
zu bringen. Er ließ ſich hierbei von dem Gedanken leiten, die geſamte
Schwerathletik im Bühnenbilde zu zeigen: wie Boxen, Ringen,
Stem=
men, Jonglievn, ſowie Akrobatik. Zum Boxen iſt der rührige
Sport=
verein „Siegfried” Pfungſtadt mit 5 Mann gewonmen, und ſind hiervon
hauptſächlich die beiden Revanchekämpfe im Fliegen= und Mittelgewicht
zu ewwähnen. Im Ringen ſind drei Kämpfer der Meiſtermannſchaft
„Vorwärts” Groß=Zimmern verpflichtet, unter ihnen kein Geringerer wie
der mehrfache Meiſter und Kampfſpielſieger Joh. Ohl. Weiter iſt es
uns im Stemmen gelungen, Darmſtadt eine Senſation zu bieten, indem
wir hier den Weltvekordmann Eugen Mühlberger=Mannheim feſt
ver=
pflichtet haben. Mühlberger hat in der letzten Zeit dunch ſeine
aufſehew=
erregenden Rekorde im In= und Auslande von ſich reden gemacht und
ſeinen Namen in der Schwerathletik in goldenen Lettern verewigt.
Ein=
ſolche Größe perſönlich zu ſehen, iſt dem Darmſtädter Sportpublikum
Gelegenheit geboten bei dem Winterſportfeſt des Ahtl. Sp.=V. 95. Weiter
wird an dieſem Abend der Verein mit ſeiner rühmlichſt bekannten
Muſter=
riege, ſowie ſeiner beſtbekannten Akrobatenriege und einem
Schwer=
balance=Akt ſich dem Publikum vorſtellen. Alles zuſammengefaßt,
ver=
ſpricht der Abend, der pünktlich um 8 Uhr beginnt, ein ſehr genußreicher
und intereſſanter zu werden, und kann dem Darmſtädter Sportpublikum
nur empfohlen werden, denſelben zu beſuchen. Alles Nähere durch
Plakate und noch erſcheinende Anzeige.
Europameiſter Paolino ſchlug in Habanna den eubaniſchen
Schwer=
gewichtsmeiſter Fiero nach 10 Sekunden k. o.
Die Europa=Billardmeiſterſchaft der Amateure wurde in Arnhem
(Holland) von dem Belgier van Belle errungen. Der einzige deutſche
Teilnehmer, Dr. Poensgen=Aachen wurde nur Fünfter.
Einen 65 Meter=Skiſprung erzielte der Norweger Dagfin Carlſen
bei den Skiſpringen auf der Berninaſchanze in Pontreſina.
Das Fußball=Länderſpiel Deutſchland England kann in dieſem Jahr
noch nicht zum Austrag kommen: es ſteht aber für 1928 in Ausſicht.
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Donnerstag, den 20. Januar
Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Januar iſt eine
weitere Entlaſtung der Bank eingetreten. Die geſamte Kapitalanlage
in Wechſeln und Schecks, Lombards und Effekten hat ſich um 200,3 Mill.
auf 1608,9 Mill. RM verringert. Im einzelnen haben abgenommen
die Beſtände an Wechſeln und Schecks um 189,2 Mill. auf 1505,2 Mill.
RM., die an Lombards um 9,8 Mill. auf 14,0 Mill. RM., und die an
Effekten um 11 Mill. auf 89,8 Mill. RM.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen, zuſammen ſind 347,4
Millionen RM. aus dem Verkehr zurückgefloſſen. Der Umlauf an
Reichsbanknoten hat ſich um 2B,7 Mill. auf 3133,1 Mill. RM.
verrin=
gert, der an Rentenbankſcheinen um 43,7 Mill. auf 1047,3 Mill. RM.
Die Beſtände der Reichsbank an ſolchen Scheinen haben ſich
dementſpre=
chend auf 109,5 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen eine
Zu=
nahme um 169,9 Mill. auf 1012,7 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen insgeſamt ſind
um 8,9 Mill. auf 2335,6 Mill. RM. zurückgegangen, und zwar haben die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 12,2 Millionen auf 501,0 Mill.
RM. abgenommen, während die Beſtände an Gold um 3,4 Mill, auf
1834,5 Mill. RM. angewachſen ſind.
Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 53,3 Proz.
in der Vorwoche auf 58,6 Proz., die durch Gold und deckungsfähige
Deviſen von 68,2 Proz. auf 74,5 Proz.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 19. Januar.
Die Umſatztätigkeit der Börſe iſt heute weiter zurückgegangen,
nach=
dem ſchon geſtern Anzeichen einer weniger großen Beteiligung ſich
be=
merkbar gemacht hatten. Angeſichts der weiter flüſſigen Lage auf dem
Geldmarkt war aber die Tendenz trotz der überwiegenden Abgabeneigung
ziemlich widerſtandsfähig, ſodaß, von einzelnen Gebieten abgeſehen, die
Kursverluſte ſich in engen Grenzen halten konnten. Unverkennbar tritt
aber an der Börſe die Abſicht weiter Spekulantenkreiſe in Erſcheinung,
ihre Poſitionen etwas abzubauen, da das Kursniveau für viele Werte
als unvereinbar mit dem inneren Wert der betreffenden
Unternehmun=
gen angeſehen wird. Banken verloren 1—2 Prozent, Danadbank ſogar
5½ Prozent. Auf dem Montanmarkt haben die tonangebenden Werte
bis 2 Prozent nachgegeben; Phönix waren dagegen zu Beginn recht feſt
und faſt 2 Prozent höher. Kaliwerte gedrückt, namentlich Weſteregeln
minus 6 Prozent. Auch Autowerte ſtärker abgeſchwächt und minus 1½
bis 4 Prozent. Von Chemiewerten konnten ſich J.G. Farben zum
erſten Kurs knapp behaupten, während Scheideanſtalt weiter um 3½
Prozent zurückgingen. Auch Holzverkohlung waren ſtärker angeboten.
Metallgeſellſchaft minus 2 Prozent und Metallbank minus 4 Prozent.
Ferner waren Zellſtoff 2—3 Prozent ſchwächer. Die gute Meinung für
Elektrowerte hielt aber weiter an und kam durch Kursbeſſerungen von
durchweg 1½ Prozent zum Ausdruck. Nur Schuckert konnten ſich nicht
ganz behaupten, Anleihen und ausländiſche Renten ganz ſtill, aber
eben=
falls etwas ſchwächer. Auch heute konnte ſich in der zweiten
Börſen=
ſtunde die Tendenz zwar etwas befeſtigen, ohne daß dadurch aber die
Anfangs erlittenen Kursverluſte hätten ausgeglichen werden können.
Nach Rheinſtahl ſetzte wieder ganz unvermittelt eine ſtarke Nachfrage
ein, ſodaß ſich der Kurs um faſt 10 Prozent heben konnte. Das färbte
auf die anderen Montanwerte etwas ab, ohne aber die allgemeine
Ten=
denz weſentlich beeinfluſſen zu können. Immerhin ſchloß die Börſe
etwas freundlicher, als ſie eröffnet hatte. Tägliches Geld 3 Prozent.
Die Abendbörſe hatte kleines Geſchäft, doch konnten ſich
gegen=
über der Nachbörſe verſchi dentlich Kursbeſſerungen durchſetzen, wodurch
die hohen Berliner Nachbörſenkurſe erreicht wurden. Etwas lebhafter
war die Umſatztätigkeit nur für Rheinſtahl aus den bekannten Gründen
und für Mannesmann. Rheinſtahl plus 3½ Prozent, Mannesmann,
ie nachbörslich nicht gehandelt wurden, plus 7 Prozent. Auch Harpener
und Gelſenkirchen wieder feſter. J.G. Farben nur gut behauptet,
da=
gegen Scheideanſtalt, Metallbank und Holzverkohlung einige Prozent
höher. Ferner Schiffahrtsaktien 2 Prozent erholt. Der Schluß war ſüir
Scheideanſtalt feſt mit 265. Renten weiter luſtlos. 5proz. Anleihe 0,917½,
Ungariſche Goldrente 287/s. Kommerzbank 2193, Danathank 233,
Deut=
ſche Bank 194. Diskontogeſellſchaft 187. Dresdener Bank 184½.
Metall=
bank 197½, Oeſterr. Kreditanſtalt 10½, Buderus 126½, G iſenkichen
192, Harpener 203, Mannesmann 230. Oberbedarf 131½, Phönix 142,
Rheiniſche Braunkohlen 265, Rheinſtahl 228, Stahlverein 15934,
Adler=
werke 124½, A.E.G. 176½, JG. Farben 338, Daimler 104½,
Scheide=
anſtalt 265, Frankfurter Maſchinen Pokorny 101, Goldſchmidt 156½,
Holzverkohlung 103, Lahmeyer 172, Metallgeſellſchaft 210, N.S.U, 124½
Rütgerswerke 147½, Siemens u. Halske 218, Wayß u. Freytag 179,
Hapag 178½, Nordd. Lloyd 164.
faſt 20 Prozent an. Kaufintereſſe trat weiter für Montanaktien,
namentlich Eiſenwerte und Harpener hervor. Das Geſchäft am
Nhein=
ſtahlmarkt iſt ruhiger geworden, nachdem die Transaktion mit der J.G.=
Farbeninduſtrie nunmehr bekannt gegeben iſt. Elektroaktien hielten ſich
bis 4 Prozent über den Vortagsſchlußkurſen, wobei ſogenannte
Liefe=
rungswerte im Vordergrund ſtanden. Im Durchſchnitt betrugen die
Kursbewegungen nach oben und unten kaum mehr als 2 Prozent. Am
offenen Geldmarkt war Tagesgeld und Monatsgeld ſtark angeboten.
Nach Warenwechſel und Privatdiskonten beſtand ſelbſt zu dem ſoeben
wieder heruntergeſetzten Diskontnotierungen bedeutende Nachfrage. Die
Flüſſigkeit des kurzfriſtigen inländiſchen Geldmarktes brachte im
Deviſen=
verkehr wiederum namhafte Dollarkäufe, ſo daß der Berliner
Dollar=
kurs mit 4,2165 bis 42170 unvermindert feſt lag. Die kontinentalen
Valuten neigten gegenüber dem Pfund im allgemeinen leicht zur
Schwäche, ausgenommen die Lira, die ſich nach dem geſtrigen Rückgang
auf 112 erholte.
Im weiteren Verlauf der Börſe hielt nach einem vorübergehenden
Auflackern der Hauſſetendenz die Realiſationsneigung an. Sowohl die
Spekulation als auch die großen Provinzkäufer der letzten Zeit traten
mit Abgaben hervor, die in der zweiten Stunde allgemein auf die Kurſe
drückten. Vorher war noch eine Bewegung in Rheinſtahlaktien
entſtan=
den, die nach dem kleinen Geſchäft der erſten Stunde plötzlich lebhaft
gekauft und um 10 Prozent heraufgeſetzt wurden. Auch Vereinigte
Glanzſtoff zogen abermals kräftig an und erzielten mit 497 einen neuen
Nekordkurs ſpäter 493. In der zveiten Stunde konnten ſich dieſe
Ge=
winne aber nicht behaupten. Rheinſtahl 224 nach 226, Harpener 200
nach 201, Vereinigte Stahlwerke 158,75 nach 159,25; Elektroaktien gingen
um 1—3 Prozent zurück. Deutſch Atlanten konnten einen Gewinn von
5 Prozent nicht aufrecht erhalten. Metallbank minus 3 Prozent.
Perl=
öl minus 3 Prozent. Riedel erholten ſich ſpäter um 3 und Adlerwerke
um 2,5 Prozent. J. P. Bemberg, die um 14 Prozent im Anſchluß an
die Glanzſtoffhauſſe heraufgegangen waren, büßten wieder 8 Prozent ein.
— Privatdiskont kurze Sicht 4 Prozent, lange Sicht 4 Prozent. An der
Nachbörſe bröckelten die Kurſe zunächſt weiter ab, doch ſtellte ſich gegen
2,30 Uhr am Montanmarkt und danach auch in den übrigen
Termin=
aktien wieder eine Beſſerung ein, durch die die amtlichen Schlußkurſe
ein=
geholt und teilweiſe leicht überſchritten werden konnten. Mannesmann
wurden mit 226 nach 223 gefragt. Rheinſtahl lebhaft 2225, Harpener
201,25, Gelſenkirchen 191, Vereinigte Stahlwerke 158,25, Phönix 141. Am
Bankaktienmarkt ruhten die Umſätze vollſtändig.
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251
127 75
183.5
30 75
131.
207.—
90.5
83.5
329.—
145.—
195.—
45.—
120.—
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148.75
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18 .
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Paris.
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1.739 1.74*
58.55 58.6
107.67/107.9
112 24/112.5
1g93 1951
20.435 20.48
4. 2114. 221
z1.,0
58.26
19. I.
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59.36559.505
12.468/12 308
73.69/ 73.87
0. 493/ 9.495
3.041 3.05
21 545 21.595
81.521 81.72
5.39 3.41
4.201/ 4.211
4.245/ (.25:
2.055 2.059
7.412/ 7.432
2.12/ 2.13
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 19. Januar.
Die Hauſſebeivegung ſcheint jetzt zu einem vorläufigen Stillſtand zu
kommen. Nachdem der heutige Vormittagsverkehr noch einen ſehr feſten
Verlauf nahm, überwogen bei Börſenbeginn Realiſationen der
Speku=
lation, die ihre Gewinne ſchon ſeit einigen Tagen ſicherſtellte, während
auch das Publikum ſich in ſeiner Kauftätigkeit etwas vorſichtiger
ver=
hielt. Die Geſamttendenz war daher zunächſt uneinheitlich. Unter
Be=
rückſichtigung der voraufgegangenen Kursſteigerungen war eine
beträcht=
liche Widerſtandsfähigkeit jedoch nicht zu verkennen. In Anbetracht der
außerordentlich günſtigen Entwicklung des Geldmauktes und der
optimi=
ſtiſchen Situationsberichte verſchiedener Großbanken wagte ſich die
Tages=
ſpekulation ebenfalls mit Baiſſeabgaben nicht hervor, wenngleich in einer
großen Anzahl von Pabieren das Kursniveau die tatſächlichen
Verhält=
niſſe überſteigt. 14 Prozent niedriger eröffneten Ludwig Löwe=Aktien.
Augsburg=Nürnberger verloren 6 und Adlerwerke 6,5 Pozent. Dagegen
zogen Vereinigte Glanzſtoffaktien während der erſten Börſenſtunde um
Zinsermäßigung der Deutſchen Rentenbank und der Deutſchen
Ren=
tenbank=Kreditanſtalt. Die Deutſche Rentenbank und die Deutſche
Ren=
tenbank=Kreditanſtalt (Landwirtſchaftliche Zentralbank) haben im
An=
ſchluß an die Herabſetzung des Reichsbantſatzes beſchloſſen, die Zinſen
für die von ihr ausgegebenen Perſonalkredite gleichfalls auf 5 Prozent,
für diejenigen Inſtitute, die mehrere Zwiſchenſtellen haben, auf 4½
bzw. 4 Prozent herabzuſetzen. Die Zinsermäßigung tritt gegenüber den
Kreditinſtituten mit Wirkung vom 11. Januar d. Js. ab in Kraft. Dem
Landwirt gegeniber hat die Ermäßigung, ſoweit es ſich um einen
lau=
fenden oder Lombardkredit handelt, gleichfalls vom 11. dieſes Monats
d. Js ab zu erfolgen. Soweit es ſich um Wechſeldiskontkredite handelt,
tritt die Ermäßigung gegenüber dem Landwirte von der nächſten
Pro=
longation ab ein, mit der Maßgabe, daß ſoweit der Weihſel über drei
Monate, vom 11. Januar d. Js. ab gerechnet, läuft, von dieſem Tage
ab eine Rückvergütung in vollem Umfange zu erfolgen hat. Der
Höchſt=
ginsſat
der Landluirt bei den Kreditinſtituten (Banken, Sparkaſſen,
Genoſſenſchaften) zu zahlen hat, beträgt demnäch 7½ Prozent
einſchließ=
lich aller Proviſionen, mit alleiniger Ausnahme des Wechſelſtempels, der
beſonders belaſtet wird.
Deutſchlands Auslandsanleihen im Jahre 1926.
Als Anleihenehmer kamen 1926 (drittes Dawesjahr) in Frage das
Reich, mehrere Länder, eine Reihe von Kommunen und Kommunenver
bänden, zum Teil auch deren Vermittlungsſtellen (Landbank der
Rhein=
provinz, Deutſcher Sparkaſſen= und Giroverband uſw.), Elektrizitäts=,
Induſtrie, Warenhaus=, Verkehrsgeſellſchaften, die Rentenbank
Kredit=
anſtalt für die Landwirtſchaft, Hypothekenbanken, kirchliche Verbände und
Wohlfahrtseinrichtungen, die in der Hauptſache kleinere
Hypothekar=
anleihen in Holland aufgenommen haben. Nur der Bayeriſche
Diözeſan=
verband iſt mit zwei größeren Anleihen, nämlich einer 3 Millionen=
Gulden= und einer 5 Millionen Dollar=Anleihe an die Oeffentlichkeit
ge=
treten. Weiter ſind zu verzeichnen, eine 2,5 Millionen Dollar=Anleihe für
ebangeliſche und eine 3 Millionen Dollar=Anleihe für katholiſche
Wohl=
fahrtseinrichtungen. In dier Fällen haben Hypothekenbanken, nämlich
die Sächſiſche Landespfandbriefbank zweimal, die Bayeriſche Vereinsbank
und die Preußiſche Hypothekenaktienbank fe einmal Pfandbriefſerien im
Ausland auflegen laſſen, ſonſt aber haben ſie ihre Pfandbriefe
bedarfs=
weiſe im Auslande verkauft. Von den bis Mitte Dezember 1926
aufge=
legten Anleihen ſind in dieſer Aufſtellung rund 138 erfaßt, die ſich auf
die einzelnen Wirtſchaftsziveige wie folgt verteilen:
In den weitaus meiſten Fällen lauten die Anleihen über Dollar,
Indeſſen ſind von den Dollaranleihen namhafte Beträge beſonders in
Holland und England untergebracht worden. Bis Dezember 1926
wur=
den in New York 2 409 Millionen, in London 491 Millionen, in Holland
349 Millionen, in der Schweiz 191 Millionen, in Schweden und in
an=
deren Ländern 204 Millionen RM. (immer Emiſſionswert) untergebracht.
Dabei lauten auf Dollar 2 669 Millionen, auf engliſche Pfund 804
Millionen, auf holländiſche Gulden 53 Millionen, auf Schweizer Franken
63 Millionen und auf Goldmark 55 Millionen Mark. Insgeſamt
be=
läuft ſich der Emiſſionskurswert der bis Dezember 1926
untergebrad=
ten Anleihen auf 3645 Mill. Mark. Davon ſind bei der Dawesanleihe
noch 85 Mill. Mark für Proviſionen uſw. und Kursverluſte in Abzug zu
bringen. Bei den reſtlichen Anleihen entfallen auf Proviſionen uſw.
durchweg 5 Prozent, ſo daß alſo nur ca. 3400 Mill. Mark nach
Deutſch=
land gefloſſen ſind, die zum Nominalbetrag, nämlich 3762 Mill. Mark
verzinſt und amortiſiert werden müſſen. An der Geſamt=Anleiheſumme
iſt die Privatinduſtrie mit kaum einem Drittel beteiligt. Darüber
hin=
aus ſind noch von dieſem knappen Drittel zwvei je 6 Mill. Dollar
betra=
gende Anleihen für die ſtaatliche Vereinigte Jnduſtrie=Unternehmungen
A.=G. (Viag) abzuziehen, ſo daß die Geſamtſumme der Anleihen der
Privatinduſtrie ſich nur auf 1216 5 Mill. Mark beläuft.
Dabei entfallen auf das Kali=Syndikat 12 Mill. oder 245 2 Mill. Mk.,
zuſammen 162 Mill. Mark, auf den Siemenskonzern 34 Mill. Dollar
oder 142,8 Mill. Mark, auf die Rhein Elbe=Union und die Hugo Stinnes=
Geſellſchaften je 25 Mill. Dollar oder je 105 Mill. Mark, der Reſt von
456,5 Mill. auf die geſamte übrige Induſtrie. Auf die einzelnen Monate
verteilen ſich die Anleihen wie folgt (Emiſſionskurswert in Mill. Mk.)
1924:
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Naſſauiſche Landesbank in Wiesbaden. Als Ablöſungswert der alten
Obligationen des Inſtituts wurde ein Satz von 12,3 Prozent feſtgeſetzt,
Das Inſtitut nimmt zu dieſem ſelben Satz ſo lange alte Obligationen
direkt in Zahlung, als es noch keine Liquidationspfandbriefe gibt.
„Emag”, Elcktrizitäts A.G., Frankfurt am Main. Die
Verhand=
lungen der Geſellſchaft mit dem Rheiniſch=Weſtfäliſchen Elektrizitätswverk
ſind, wie wir erfahren, in ein entſcheidendes Stadium gerückt. Das
tWE. wird die 304 000 RM. Vorratsaktien der „Emag” zu 10 Prozent
über dem Börſenkurs übernehmen und dagegen noch der Emag für
längere Zeit feſte Aufträge geben, ſodaß für 1927 eine volle Beſchäftigung
des Unternehmens geſichert iſt. Daneben beabſichtigt die Emag, einen
Teil ihres günſtig gelegenen Geländes zu veräußern, ſodaß ihr durch
dieſe Transaktion eine faſt vollkommene Liquidität ihres Finanzſtatus
gelingt. Für das abgelaufene Jahr iſt wieder mit einer Dividende zu
rechnen (i. V. 5 Prozent); letzter Börſenkurs 0,548 Bill. Prozent — 91,3
Gold Prozent).
Staatspapiere
a) Deutſche
½%Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30...!
7% Bayer. Staats
Sch. p. 1. 4. 2‟
(,% H. V.=Sch.
p. 1. 4. 29
-%0 Pr St.=Sch.
p. 1. 3. 29
„%0 Pr. St.=Se
p. 1. 10. 30
7½ Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7 29...""
7½ Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7. 30
6‟.%Württ. F. Sch.
p. 1 3 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich 357
Ausloſungsſcheinen
Borkriegsanleihen
5% D Reichsan!.
4½ D. Reichsan!
4% D. Schutzgb.
08—11 u. 13. .. 17.25
4½ D. Schutzg. v. 14
4½ Preuß. Konſ.
4% Baden.
4½Bayern ......
4½ Heſſen
4½ Württemberger
b) Ausländiſche
5%Bos. E.B 1914
5% 9.Inv. 1914
4½% 1898 ...
4½½ „ 1909 ..
....
4½
5% Bulg. Tabal02
4½% Oſt. Staarsr.
v. 1913, Kdb. 1918
CLOſt. Schatz. 14
100
100
99.75
99.75
0.915
0.83
40
3.
7.80
8.5
34.5
ROſt. Silberr. /
Goldr
„einh. R. (kon)
6.30
Port, (Spz) I7/ 11.30
3.
5% Numam. R. 03. 12
4½% Gold. 13. 23
am.konv. 10.10
4% „ am 05. . . 1..75
49Türk. (Adm.)03
40 Türk. Bagd. T 25.5
(Bagd.) III 21.75
„ 1911 Zoll./ 16.9
1 0 Ung. St. 1913/ 26.25
12% St 1914/ 25.6
Goldr. 23 6
St. 10 . 24.6
Kronr.
„ Eiſ. Tor.G.
Außereuro.
päiſche
2% Mex am. inn.
äuß 99
Gold 04,ſtf.
kon). inn.
4½
Irrigat.
Tamaulivas I
Sachwert=
Schuld-
verſchreibungen
Mit
Binsberech=
nung
10% Berl. 6.-Bk. G. 110
306 „
103.:
6‟ Berl. St.=Gold./ 96.5
8% Darmſt St.:G.1101
8% D. Hyp.=Bank
Meining., Goldpf. /1C4
3% Frif.=Hyp.-B.-
Goldpfdbr. 105
6 Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr.
102.5
5% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr. . . . . . 1 93
8% Komm. Ldb. D.,
Goldſchuldver
8½ Heſſ. Ldb. Gold.
10% Komm=Elektr.
Mark (Hag.) Gold.
8½ Mannh. St.=G
826 Mainz St.-G.
8½ Naſſ. Ldv. Golt
3% Pfälzer H. B
Goldpfandbr.
0 Pforzh. St.=G.
8% Pr. C.=B.=Cr..B
Gofdpfandbr..
80 Rh.Hyp.=B. G
7.,VRh. St.=WB. 25
100 Rh.=Weſtf. B.=
Cr.=Bk. Goldpf.
32 Südß. B. Cr.=B.
Goldpfandbr. . . .
Ohne Bins:
berechnung
50 Bow. Kohl 23
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
Heſſ. Brk.=Rog.
..Roggen .
2 Pr. Kaliw.
50 Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. G
Vorkriegs=dyp.=5.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bahr. Handelsb. ..
Bahr. Hyp. u. Weck
Berliner Hyp. Bk.
Frrf. Hyp.=Bf.
Frkf. Pfandbr..B
Hamb. Hyp.=B..
Mecklb Hhp.=u. Wb
Meining. Hyp.B1.
Nordd Gr.-Cr.=B
Pfälz. Hyp.=Bk....
Preuß. Bod.=Cr.=B
Pr. Cent.=B. Vr.B.
105
103.5
105
100
101
100.5
160
„ 931 9.15
15.25
16.5
9.5
9.25
2.39
23.2
16 75
12.2.
13.8
13.80
17.7-
Aa.
Preuß. Vidbr.=Bi. 14 4
Rhein. Hyp.=B. . . / 15
Rh.. Wſtf. B. Cr..B.
Sudd. Bodenkr.
Württ Hhp.=Bk. 16.35
Staatl. od. prov.
garanti rt
Heſſ. L.=Hyp=B. . 13.35
Landeskr. Caſſel
Naſſau Ldsb. . . . / 8.8
Obligattonen v.
Transportanſt.
4½Dux. Bdb Em.91/ 22
42 Eliſ.=Bahun ſtfr.) 7.-
4½ Galiz. Carl=
Lud.=B.
42
abg.
4½ Kaſchau=Sderb.
42
abg.
75%0 Oſt. Nwſtb. 74
5% Oſt. Südb. (2).
2,6% Alte
2,6% Neue
5% Oſt.-Unig. 13/74/ 25
4%Oſt. Staatsb.83 15.9
3%Oſt. . 1.b.8.E.
3%Oſt. „ 9. E.
3%Oſt. 1885
3%Oſt. „ Erg. Nei
3%6 Raab Oedbg. 83/ 32.5
21/ 27.75
3
97/ 26.75
42 Rud. Silber ../ 10.9-
* Rud. Salzig.)/ 7.1
4½% Anat.. S.1 30.25
4½% Anat., S. II
(½% Anat. S. IIII 26.25
32 Salon. Monaſt.
6% Tehuantepec.
4 ½%
Jank=Aktien
Allg. D.=Krebi.: . . 178.5
Bad. Bk. .. . . . . . . 179
Bk. f. Brauind. . . . 1212
Barmer Bandd.
Bay Hyp.=Wchſ. 1224.5
Verl. Handelsgeſ
Comm.u. Privatb. 218.5
Darmſt.n. Nat.=Bl. 1281
Daniſche Ban: 193.5
D. Eff.u. Wchſ.=B/
D. Hyp.=Bk. Mein./173
D. Bereins=Bk. . 1132
Dist.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
182
150
186.1
183.5
Frankf. Bk.
148
Frkf. Hhp.=B?
1215
Fref. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundkr. Bk
Lux. Intern. Bank/ 13
Metallbank
Mitteld. Crebitb.
Pfälz. Hyp.=Bk. 1218
Reichsbank=Ant. 118D
Rhein. Creditbk. . . . 156
Rhein=Hyp.=Bk. . /215
züdd. Disc.-Geſ.
186.5
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankderein
1196
186
172
10.45
7.4-
Zergwerls=Akt.
Bochum. Vergb. .
Buderus. . . . . . . . . 125.7.
Dt. Luxemburg . . . 188.5
Eſchw. Bergw...
Gelſenkirch. Bgw. 1191.5
Harp. Bergb. . . . . . 198
Jlſe Bergb. St..
Genußſchein. 1162
Kali=Aſchersleb. (174
Kali. Salzdetfurt.
Kali. Weſterregln. 286
Klöcknerwerke . . . . 175
Mannesm.=Röhr. 1223
Mansfelder
1 4.5
Oberbedarf".
129.9
Stavi=Min.=Ant.. 46.5
Phönix=Bergb. . . . 141
Rhein. Braunk. .
Rhein. Stahllv.. . . 2-2
A. Riebeck Montan/189.5
Rombach, Hütte .113.2
Salzwerk Heilbr.
Tellus Bgb..
126
Ver. Laurahütte . . 93.5
Ver Stahlwerke. 1592),
Induſtrie=Kkt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.//460
Henninger.
Hercules. Heſſiſche 137
Löwenbr.=Münch. 1290
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof(Bind. /309
Schwarz=Storchen 1456
Tucher, Nürnberg
Verger .......
Arkum. Berlin. .1170
Adler & Oppenh..
Adlerw. (v. Kleher//124
6%E. A. G. Vz9.A. 1102
5% A. E. G. Vzg. B.. / 26
A. E. G. Stamm .. . 1 76.9
Anglo=Cont. Guano / 129
Aſchaff. Zellſtoff ../168
Sabenia (=Zeinh.)
Bad. Maſch. Durl. /130
Bad. Uhren, Furtw. 34
Vamag= Reguin .. 65
Baſt Nürnberg ..
Bayr. Spiegel ...! 75.5
Beck & Hentel
200
Bergmann El..
54.5
Ving. Metall.
Brem.=Beſigh=4
90
Bürſtenfbr. Erl.
95
Eement=Heibelb. . 159.75
Tement, Karlſtadt 175
Cement, Lothr.. .
Them. Albert. . . . . 209
Chem. Brockh.
197
Chem. Milch)
100
Daimler=Benz A. G. /103.23
Dt. Eiſenhandel. .1107
Deutſche Erdöl .. . 184.25
2. G. u. Silb. Scheib. 24 7.2:
Dingler, Bweibrüick.! —
Oresd. Schnelidr.
Dürrkopp.. .
Dürr. Ratingen
Dnckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſerzl. . . / 67.5
E Licht= u. Kraft /189.5
El. Lieferung .. . . 1831
Eli. Bad. Wolle ./ 63
Emait. U1 rich
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn..
Faber Bleiſtift...
Faber & Schleicher
Fahr. Birmaſens.
Farbenind. J. G. 338.5
Felten & Guilleau.
Feinmech. (Jetter) 123
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas 12..5
Frankfurter Hof .. 113.7.
Frkf.=M. Pok. u. W.
Fuh Waggon St.
Geiling E Cie. ....
Germania Linol. . 25)
Geiſenk. Gußſt. . . .
Goldſchmidt, Th. .
Gotha Waggon.
Grizner, Maſch.. .
Grün & Vilſinger .
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen . . . . ."
Hanfw. Füſſen .. . 143.5
Hanſa Lloyp, Br.
Hartm. & Braun .. /140
Heyligenſtaedt....
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Lupfer
.
Hoch=Tie Eſſen ..
Holzmann
Holzverk. Ind. . . . . 190.5
Hydrom. Bresiaz
Fnag
Junghan:
Kammg. Naiſersl. 168
Karlsruher Mach. 152
F8.
d. 698
94
147
111
0
175
25
59.5
104
19
154 75
132.5
16.
22
42.25
79
129
133.
1.3.23
199
1119
Karſtadt, R.
Klein Sch. &= Becker
Tnorr, Heilbronn
Konſerv. Braun ..
Krauß. Lokom.
Lahmeher
Lech Augsdurg..
Lederw. Nothe ...
„ Spicharz
Linge: Schuhw.
Löhnberg. Mühle
Ludwigsh. Walzm.
Lüdenſcheib Metal
Lux. Induſtrie
Rainkraft Höchſt
Mars=:5. Nürnberg 1. 1.5
Metallgef. Frkſ
Niag. Mühlens.
Moenus, Stamm".
Motorenſ. Deus
Motorenf. Oberurſ.
Mün h. Lichtſpielk.
eckarf. Fahrz.
Neckarw. Eßlingen
Beters Unton
Pfälz. Näh gayſer
Philipps.
Porzellan Weſſel
Prometh. Frkf.
Rein. Gebb.& Schal/1 42.5
Rhein. Elektr.
Ryenania, Aachen
Rütgeraverte
* hleußner...
Schneid. & Hanau.
Schnellpr Frank.
Schramm Lackf. „
Schrift, Stemp.. . .
Schuckert, Elektr. 1177
Schuhf. WBeſſel
Schuhf. Herz
Schiuitz Grünlack .
Seilino. Wolff
Siemens Glas
Siemens & Halste
Südd. Immob. . .
Thüring. Lief.=Beſ.),
112
174
83
170.5
144.25
42.5
35
63
139
141
144.9
19
157.5
82
75
123.5
150
123.5
70
1184.5
77
145.7.
75
19
103.5
156
34.25
84
62.25
9.;
193
260",
104
18
Uhren Furtwängl.
Beithwerke
Ver. f. Chem. Int
Ver. d. Olfbr. Mant
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bln.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg..
Ultramarin .. . .
Zellſtoff Berl. ....
Vogtl. Maſch. ...
Voig: E Haefſner.
Volthom Seil..
Wanß, & Frey 1a/
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhoſ ...
Zuckeri. Waghäuſeil
Zuckerf. Frankenth.
Zuckerf. Heilbronn
Zucker Offſtein
Zuckerf. Rheingau
Zuckerf. Stuttgar:
Srauspori= und
Zerſicherungs=Akt.
A. Dt. Eiſenbahn..
Dt Eiſenb.=Geſ...
El. Hochbahn=Berl.
Schuntung E. B...
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Hapag ....."
Nordd Lloyd. .
Frrſt. Allg. Verſ.
Frankong Rückv.
Tarmſt. Werte
Bahnbedarf.
Dampft. Rodberg
pelvet ia Konſ...
Gebr. Lutz ....
Notor .Darniſt
Scör. Roeder ..."
Jenuleth & Ellenb
g5
126.75
91.25
97.75
10
125.75
173
43
95
144
179.75
142
254
47.5
117 25
47.95
168
148.75
148.5
130
18
177
17..75
160.76
132
95
Nummer 20
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Seite 13
Eine weitere Fuſion im Wiener Bankgewerbe. Die Fuſion der
Union=
ank mit der Bodenkreditanſtalt hat nun auch hinſichtlich der
Verkehrs=
lank die Fuſionsfrage akut werden laſſen. Im Frühjahr 1926 wurde
zwiſchen der Verkehrsbank und der Bodenkreditanſtalt eine
Intereſſen=
ameinſchaft hergeſtellt und ſchon damals geplant, dieſe
Intereſſen=
g—meinſchaft ſpäter weiter auszudehnen. Der Fuſionsbeſchluß iſt
nun=
wehr gefaßt und das Umtauſchverhältnis ſo feſtgelegt worden, daß die
Aeſitzer der Verkehrsbant=Aktien für 11 Aktien der Verkehrsbank zwei
F odenkreditanſtalt=Aktien erhalten.
Leichte Belebung in der öſterreichiſchen Textilinduſtrie. Nach
mehr=
onatigem Stillſtand zeigt ſich in der öſterreichiſchen Testilinduſtrie doch
euie fortſchreitened Beſſerung. Bei den Baumwollſpinnereien haben die
Feſtellungen weſentlich zugenommen, nachdem der Handel lange mit
An=
fHaffungen zurückgehalten hatte. Allerdings iſt der Umfang der
Beſtel=
kngen nicht allzugroß. Die Webereien arbeiten meiſt fünf Tage in der
4soche. In Baumwollwaren herrſcht noch immer die tſch=choflowakiſche
F—nkurrenz vor, obowhl die Preiſe der inländiſchen Fabrikate ſtark er=
. edrigt ſind. In den übrigen Zweigen der Textilinduſtrie haben die
4aufträge, die zum Weihnachtsgeſchäft reger waren, wieder nachgelaſſen
doch erwarten die Fabriken, ſobald im Handel die Lager wieder aufgefüllt
nerden, größere Nachbeſtellungen. In der Stoffinduſtrie wird bereits
ſ r die Frühjahrsſaiſon gearbeitct.
Weiterer Rückgang ber engliſchen Steinkohlenförberung. Nachdem
Ar engliſche Steinkohlenförderung infolge der Weihnachtsfeiertage in der
g 25. Dezember beendeten Förderwoche um 227 40 To. zurückging,
v rringerte ſie ſich in der am 1. Januar abgelaufenen Woche weiterhin
gaf 3884200 (4 651 500) To. — Die Belegſchaftsziffer erhöhte ſich auf
1:2 400 (945 400) Perſonen.
Der Kampf um die Eigentumsrückgabe=Bill im amerikaniſchen Senat.
Ymich einer New Yorker Kabelmeldung mehren ſich neuerdings die Mit=
„Elungen aus Waſhington über eine Verſchärfung der Opponition gegen
de Eigentumsvorlage in der vorliegenden Form in den Reihen der
Enatsmitglieder. Von mehreren Seiten wird heftig an der Tatſache
Kritit geübt, daß die deutſchen Schiffahrtslinien rund 100 Millionen
Twllars als Entſchädigung für ihre beſchlagnahmten Schiffe erhalten
ſiElen. Dieſe Schäden haben die amerikaniſche Kommiſſion ſeinerzeit
ät der Hälfte des jetzigen Geſamtanſatzes eingeſchätzt. Die Oppoſition
gufft, die Vorlage im Senat zu Fall bringen zu können.
Neue indiſche Finanzgeſetze. Die indiſche Regierung hat drei Geſetze
tworfen, welche ihre erſte Leſung am 25. Januar haben ſollen. Das
ite beſchäftigt ſich mit der Stabiliſierung der Rupie auf der Baſis von
sh, das zweite behandelt die Einführung der Goldwährung und die
Shaffung einer „Reſerve Bank”, das dritte enthält Beſtimmungen über
de Bezichungen der „Reſerve Bank” zur Imperial Bank of India.
Produktenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 19. Januar. Im Einklang mit
den höheren Notierungen des Auslandes war die Tendenz feſt; auch die
Nachfrage war etwas reger. Weizen konnte um 25 Pfg. und Roggen
um 50 Pfg. anziehen, ebenſo Hafer und Sommergerſte. Roggenmehl
wurde 25 Pfg. teurer. Die lebhafte Nachfrage nach allen Futtermitteln
hält an. Weizen 29,50—23,65, Roggen 25,75—26, Sommergerſte 26 bis
27,50, Hafer inländ. 20,50—21,50, Mais 18,25—18,50, Weizenmehl 40,50
bis 41,00, Roggenmehl 37—37,50, Weizenkleie 13,00, Roggenkleie 13,25
bis 13,50 Mk.
Berliner Probuktenbericht vom 19. Januar. Die Tendenz für
Brot=
getreide hat ſich am Berliner Markt wieder allgemein befeſtigt. Im
Verfolg der höheren ausländiſchen Cif=Forderungen offerierte die
Pro=
vinz ſehr knapp und in den Preiſen erhöht, ſodaß die Deckungsnachfrage
in für Weizen zwiſchen 1,50 und 2 Mark höher liegenden Preiſen
an=
legen mußte. Auch Roggen für März über 2 Mark, Mai 2 Mark und
Juli 1 Mark befeſtigt. Am Lokomarkt blieb allerdings die Luſtloſigkeit
vorherrſchend, die wohl ihre Erklärung in der Hauptſache in dem wenig
befriedigenden laufinden Mehlabſatz findet. Die Lage für Gerſte und
Hafer behält im großen und ganzen das ruhige Ausſehen der Vortage.
Kleie dagegen zu ſteigenden Notierungen gefragt. In Hülſenfrüchten,
Hilfsfutterſtoffen und ſonſtigen Artikeln iſt die Situation anhaltend
ruhig, die Preiſe nicht groß verändert.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 19. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Niedrigere ausländiſche Notierungen, ſchleppende
Export=
nachfrage und günſtige Wetterberichte veranlaßten einen ſchwachen
Marktverlauf mit empfindlichen Kursverluſten. Der Schluß war erholt.
Die Termine zeigen noch Rückgänge bis 0,75 C.
Mais: Nach abgeſchwächtem Beginn trat eine Befeſtigung ein auf
kleine Farmbewegung und ungünſtige Wettermeldungen.
Hafer: Der Markt verlief in ziemlich ſtetiger Haltung bei wenig
veränderten Kurſen.
Baumwolle: Beſſere Situationsberichte von den Bemwollmärkten
und günſtige Liverpooler Kabel hatten eine weitere Befeſtigung zur
Folge. Das höhere Niveau veranlaßte im Schlußverkehr vermehrtes
Angebot der Pflanzer.
Kaffce: Heute trat eine Erholung ein auf höhere Rio=Notierungen,
zurückhaltendes Angebot und Nachfrage des Handels.
Kakao: Die Abſchwächung machte zunächſt weitere Fortſchritte, da
aus dem Ausland ermäßigte Notierungen vorlagen und Verkäufe für
ausländiſche Rechnung erfolgten. Später trat eine Befeſtigung ein.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
mäßigen. Ueber eine Herabſetzung der Debet= und der Einlagenziusſätze
ſeitens der Berliner Sparkaſſen ſind Beſchlüſſe noch nicht gefaßt.
Die Ziffer der Arbeitsloſen iſt in Wien in der erſten Januarhälfte
um 6000 auf 95 000 geſtiegen, bleibt damit aber hinter der gleichen Zeit
des Vorjahres um 5600 zurück.
In eingeweihten Pariſer Börſenkreiſen wird mit der
Wahrſchein=
lichkeit der Diskontherabſetzung durch die Bank von Frankreich feſt
ge=
rechnet. Die Schätzungen betragen ½ bis 1 Prozent.
Wie das Londoner Arbeitsminiſterium bekannt gibt, liegen die
Lebenshaltungskoſten Anfang Januar 75 Prozent über denjenigen von
1914 gegen 79 Prozent im Vormonat und 75 Prozent vor einem Jahre.
Dio erſte diesjährige Verſteigerungsſerie der Londoner
Kolonialwoll=
auktionen ſetzte, laut „Konfektionär”, wie erwartet, mit ſtarker
kontinen=
taler, und einheimiſcher Käuferkonkurrenz ein. Das Geſamtangebot des
erſten Verſteigerungstages (18. Jan.) belief ſich auf 9500 Ballen.
Im Jahre 1926 wurden insgeſamt zwanzig nene Aktiengeſellſchaften,
die ein Kapital von mindeſtens einer Million und mehr ausweiſen, in
das engliſche Handelsregiſter eingetragen. Die größte war die Imperinl
Chemical Induſtries mit 65 Mill. Pfund Sterling.
Vom 1. Januar ab ſetzt bei Leningrad die Wmterſchiffahrt ein.
Gegenüber dem Jahre 1925, in welchem das Aktivum des
tſchecho=
ſlowakiſchen Außenhandels 1½ Milliarden Kronen betrug, belief ſich
das Geſamtaktivum 1926 auf 2/s Milliarden tſchech. Kronen.
Der portugieſiſche Finanzminiſter General de Cordes iſt geſtern aus
London wieder in Liſſabon eingetroffen. Er erklärte in einem
Inter=
view, daß er in London mit der Bank von England über eine Anleihe
für Portugal verhandelt habe. Wie verlautet, handelt es ſich um einen
Betrag von wahrſchenilich 12 Millionen Pfund Sterling.
Die Rohal Dutch=Gruppe legt in New York durch Vermittlung des
Bankhauſes Dillon Read u. Co. 25 Mill. Dollars Obligationen für eine
ihrer Tochtergeſellſchaften, die Bataafſche Petroleum Maatſchappif, zur
öffentlichen Zeichnung auf. Der Zinsſatz beträgt 4½ Prozent.
Die Notierng für Zement wurde heute um 20 bis 30 Cents per
Faß ermäßigt.
Gerüchtweiſe verlautet, daß Argentinien die Zurückhaltung von einer
Million Tonnen Weizen für eine goviſſe Zeit plane, die jedoch
notwen=
digen Mittel zur Verfügung ſtellen werde.
Bekanntmachung.
Die Brennholzverſteigerung vom 17.
Imnuar 1927 iſt genehmigt.
Ueber=
ſtseiſungs= und erſter Abfuhrtag
Mitt=
mwch, den 26. Januar 1927 mit
Zuſam=
ſurgenkunft vormittags 9 Uhr am
Forſt=
hu=us Schlichter. Ablauf der
dreiwöchi=
gm Barzahlfriſt 8. Februar 1927. (1398
Mörfelden, den 18. Jan. 1927.
Heſſiſches Forſtamt Mörfelden.
Am Freitag, den 21. Januar 1927,
vurm. 10 Uhr, verſteigere ich in meinem
Zrſteigerungslokale Bleichſtraße 40
eiofändete Gegenſtände aller Art
zwangs=
vniſe gegen Barzahlung insbeſondere:
11 Pferd, 1 Kontrollkaſſe, 1 Kaſſenſchrk.,
Schreibtiſch, 1 Schreibmaſchine, 1
Eisſchrank, 1 Schnellwage, 2 Laib
Schweizerkäſe, 2 Ständerlampen,
Tiſchlampe, 1 Autodroſchke,
Fleiderſchrank, 1
Fahrtrichtungsan=
zeiger, 5000 Zigarren, 4000
Ziga=
retten und 600 Dakete Tabaß, 1
Serrenrad, 1 Vüfett, 1 Nähmaſchine,
Spiegelſchrank, 1 Bauerntiſchchen, 1
Sekretär, 1 antike Standuhr, 1
Teig=
mnetmaſchine, 1 Uhr, Möbel aller
Ulrt u. a. mehr.
Darmſtadt, den 19. Januar.
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Bleichſtr. 53.
Ziermarkt
Montag, den 24. Januar 1927,
vormittags 9 Uhr, werden in der
Treideriſchen Gaſtwirtſchaft „Zur
Nuoſt” in Nieder=Ramſtadt aus den
Liſtrikten Pfingſtweide 1a und 17 der
Förſterei Nieder=Ramſtadt ſowie aus
Tirkenwald 1a und 2 der Forſtwartei
Maſchenbach verſteigert:
Nutzholz: Stämme: Eiche 7 St.
nr. Kl. — 5,63 tm. 9 St. IV. Kl. —
546 tm; Buche 1 St. III. Kl. — 0,90 fm.
Brennholz: Scheiter, rm: 313
2—iche, 105 Eich.
Knüppel, rm: 139 Buche, 154 Eiche
Stammreiſig, 100 W.: 15,5Buche, 17,C
Weymoutaskiefer, 1,0 Verſchiedene:
Aſt=
reiſig, 100 W.: 28,9 Buche, 7,1 Eiche;
Stöcke, rm: 66 Buche, 31 Eiche.
Die Stammwellen lagern in
Pfingſt=
eide 1d. Blau unterſtrichene Nummern
ſtmnmen nicht zum Ausgebot.
Irgend=
melche ſpätere Einwendungen wegen der
Grite des Holzes werden nicht
entgegen=
zmommen.
Nähere Auskunft durch das
unter=
ve=chnete Forſtamt und die Herren
För=
ur Harniſch zu Forſthaus
Emme=
ſugenhütte und Forſtwart Roß zu Nieder=
Mamſtadt.
(1396
Ober=Ramſtadt, den 18. Jan. 1927.
Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt.
Faſelviehverkauf.
Die Gemeinde Groß=Zimmern bringt
am Dienstag, den 25. ds. Mts.,
nuchmittags 3 Uhr, im hieſigen
Rat=
hmisfaal einen zur Zucht untauglichen,
wgutem Ernährungszuſtand befindlichen
Faſelochſen
u. Wege der öffentlichen Submiſſion
urn Verkauf. Die Gebote müſſen auf
dars Pfund Lebendgewicht lauten
und ſind bis zum genannten Termin bei
der unterzeichneten Stelle einzureichen,
veſelbſt auch die Verkaufsbedingungen
in geſehen werden können.
(1392
Groß=Zimmern, den 18. Jan. 1927.
Freſſiſche Bürgermeiſterei Groß=Bimmern.
Brücher.
BiszudieſemTagege=
währe ich auf faſt alle
nicht zurückgeſetzten
Waren einen Rabatt
von
Too
Samstag,
den
22. Januar
Letzter Tag meines
. Inventur=Ausverkaufs
DCarToaliliät
Kirchſiraße, Ecke Trikotagen / Strumpf= und Wollwaren
Schuſiergaſſe / Handſchuhe / Wollweſien / Schlupfhoſen
Mittwoch, den 26. Januar ds.
Js., vormittags 7/.10 Uhr begin
nend, wird in Griesheim, Gaſthaus
„Zum Kaiſerſaal” aus dem
Domanial=
walddiſtrikt Hacras, Abt. 1, 2, 8, 9,
verſteigert:
Nutzſcheiter, rm: 71 Kiefer; Scheiter,
rm: 25 Eiche, 29 Kiefer; Knüppel,
um: 24 Eiche, 39 Kiefer;
Knüppel=
reiſig, rm: 31 Eiche: Reiſig, Wellen:
1900 Buche, 6300 Kiefer, 280
Wey=
mouthskiefer; Stöcke, rm: 37 Eiche
122 Kiefer.
Die Nutzſcheiter ſind ſchwarz
unter=
ſtrichen und kommen nach den Knüppeln
zum Ausgebot.
Blau unterſtrichene Nummern
kom=
men nicht zum Verkauf. Auskunft
er=
teilt Herr Förſter Ahlheim, Forſthaus
Harras.
(1397
Groß=Gerau, den 18. Jan. 1927.
Heſſ. Forſtamt Groß=Gerau.
We
Heülk mehr ſparen
als ſonſt. Kaufen Sie
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u. Zwicher, wodieſe am
billigſten ſind. (21617
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großer Ton, ſchw.
pol. Teilzahlung
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verſtraße 83
Montag, den 24. Januar 1927,
vormittags 9 Uhr anfangend,
wer=
den im Gundernhäuſer Gemeindewald
10 Stück Fichten=Stämme, Klaſſe 5a —
4,46 tm 428 St. Fichten=Stämme, Kl.
5b — 82,58 fm; 894 St. Fichten=
Derb=
ſtangen 74,24 fm und 5 rm Fichten=
Nutz=
knüppel öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Die Zuſammenkunft iſt auf dem
Meſſe=
ler Weg am Eingang des Waldes.
Gundernhauſen, den 18. Jan. 1927.
Heſſiſche Bürgermeiſterel Gundernhaufen.
1394
Schütz.
Am Freitag, den 21. Januar 1927,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich in
meinem Verſteigerungslokale
Hügel=
ſtraße 27 nachſtelende Gegenſtände
öffentlich,zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 großes Regal mit Schrank, 1
Tauch=
lötofen ſür Oelfeuerung, 1 Warenſchrank,
1Bücherſchrank, 1 Diplomatſchreibtiſch,
1 Eismaſchine, 2000 Zigarren Ausleſe,
24 Kiſtchen Zigarren „Graziana” 1
Schreibmaſchine Orga, 2 große
Puppen=
wagen, 1 neue Nähmaſchine, 1 Sofa,
1Büfett, 1 Vertiko, 27 Kiſtchen Zigarren,
(1456
1 Steyr=Wagen.
Die Verſteigerung findet vorausſichtlich
beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 20. Januar 1927.
Portner
Gerichtsvollzieher.
15 jg. Hühner
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Lichtenberg=
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front, in 15 m Abſtand von der Chauſſee,
ſchwere Mauer und Gitter, über 70 m
tief, Terrain hochgelegen und anſtei end,
hohe Buchen und Eichen, vornehmo
Autoanfahrt, reichlich Naum für Tennig
platz, ſtaubfrei, keine Beläſtigung durch
Autos und Straßenbahn, Villa je nach)
„Junſh in 40—60 m Entfernung von
der Chauſſee. (1443
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Bau=
ſtatut abſolut geſichert, ſehr preistverk
zu verkaufen durch die Firmia
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Vonnerstag, Freitag u. Samstag
sind die drei letzten Tage unseres
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lassen Sie diese Tage nicht
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nützt vorüber gehen, an welchen
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Komme auch uach
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Kommandit-Geseilschaft
Barmstadt, Merkt, Ecke Marktstr.
Aufforderung.
Anſprüche an den
Nachlaß der am 11.
Januar 1927
verſtor=
benen, zuletzt in
Darmſtadt.
Inſel=
ſtraße 25 wohnhaft
geweſenen. Witwe
des Bäckermeiſters
Georg Koch,
Mar=
garethe, gebor.
Emich, ſind bis
ſpä=
teſtens 5. Februar
ds. Js. bei dem
Unterzeichneten
gel=
tend zu machen. Bis
zum gleichen Tage
ſind Forderungen
der Nachlaßmaſſe zu
begleichen. (1390
Darmſtadt,
den 19. Jan. 1927.
Ludwig Raab
Amtsgerichtstaxator
Wilhelminenſtr. 21
Seite 14
Donnerstag, den 20. Januar 1927
Nummer 20
Malmerasesenscafrmnlarlhene
13. Februar 1927: Einzige Damen- und Herrensitzung
26. Februar 1927: Der große Maskenball
Saalbau
(1437
Fastnachtsdienstag: Fasching-Schlußfeier
Palask-Lichtspiele
Nur noch heute
der Film der ganz großen Besetzung!
Bielachekde urine
(Dle klelne Fadette)
Ein Ausstattungsfilm nach dem bekannten Roman
von George SAND in 7 Akten
Personen-Verzeichnis:
Lya Mara, Trette Guilbert, Engen Klöpfer,
Harry Liedtke, Ernst Verebes, Eugen Burg,
Dagny Servaes, Alfred Abel, Rud.
Kleln-Rogge, Max Grünberg, Hanns Waschatko,
Ferd. v. Alten, Wilh. Diegelmann, Hermann Picha.
Lustsplel, 2 Akte — Wochenschau
Jugendliche haben Zutrikt! (1404
Ab morgen Freitag
Der Welt größter Film:
EiMTAA
Konzert 2k
Abrno
des Jungdeutſchen Ordens e. P.
Bruderſchaft Darmſtadt
am Donnerstag, den 20. Zauuar, 8 Uhr abends, im Saale
der Vereinigten Geſellſchaft, Ecke Rhein= und Neckarſtraße
Mitwirkende: Geſang: Hanna Faehr (1391
Violine: Arla Renz
Am Flügel: Kapellmeiſter E. Riede
Wolf= Strauß Mozart * Gluck=Kreisler • Schubert= A
Wilhelmy= Puguani=Kreisler=Dooräk= Brahms=Joachim
Der Konzert=Flügel wird liebenswürdiger Weiſe
von Konzert=Arnold, Wilhelminenſtraße, geſtellt
Heſſ. Hängerbund
Bezirk /, Darmſtadt (1836
Sonntag, den 23. Januar
Turnhalle am Woogsplatz
Liedertag
Anfang des 1. Konzertes, nachm. 3 Uhr
Anfang des 11. Konzertes, nachm. 7 Uhr
Eintritts=Karten für Fremde an der Kaſſe.
Meien e
Unwlderrufllch letzter Tag!
Wegen anderweitiger Disposition ist nur noch heute der Film:
STolIOL TA
Preiſe der Plätze: 2.—, 1.30, 1.— Mk.
Vorverkauf bei Konzert=Arnold, Wilbelminenſtraße 9
veranſtaltet vom
Heſſiſchen Vaterländiſchen Block
am Samstag, 22. Januar 1927,
8 Uhr abends, in der
Turnhalle am Woogsplatz
unter gütiger Mitwirkung
der Kapelle der Beamten=
Vereinig. ehem. Mil.=Muſiker
Zahlreiche Muſikſfücke und Rezitationen!
Die Feſtrede hält Herr
General Frhr. v. Preuſchen
Eintritt frei! Frauen haben Zutritt!
Programme 50 H an der Abendkaſſe.
Im Vorverkauf zu 40 J in der
Papier=
handlung Leuthner, Zigarrenhaus
Mhlius, Herdweg 2, Ecke Karlsſtr.,
Buchhandlung Carius, Schulſtraße.
Anfang 3½ Uhr.
(*1642
auf dem Spielplan.
Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.
Ab morgen der Welt größter Film:
TAA
OA
Residenz-Theater
(am Weißen Turm)
Kerker Sibiriens, das Leben der Verbannten, die
Oualen der Zwangsarbeiter, all das zeigt
Ihnen der neueste Fox-Film:
Mnſcher Mäiderdiar Duarmfiäht
Chorleiter: Muſikdirektor Rob. Herber
Den werten Mitgliedern, Gönnern
und Freunden des „Orth’ſchen
Männerquartetts” zur
Kennt=
nis, daß laut Beſchluß der
General=
verſammlung vom 15. d8. Mts. der
Verein ab 16. Jan. 1927 den Namen
„Arth ſcher Männerchor
führt. Alle Anfragen und
Zuſchrif=
ten ſind an den 1. Vorſitzenden
Friedrich Wagner,
Heidel=
bergerſtraße 114, zu richten.
NB. Der diesjährige Maskenball findet
am Samstag, den 19. Februar 1927,
in der Beſſunger Turnhalle ſtatt.
Näheres erfolgt noch in beſonderen
Anzeigen.
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D. Schlldberg, Frankfurt a. M.
Vilbelerſtraße 3. — Verkreter gesucht.
B0Jahrfeier
der Hess. Landeshauschule, Darmstadt
vom 2 1. bis 2 3. Januar 1927
Freitag, den 21. Januar, abends 8 Uhr,
Konkordiasaal (Waldstr. 33)
Begrüßungsabend
Samstag, 22. Januar, vorm 11 Uhr
Festakt im Ehrensaal des
Ausstellungsge-
bäudes auf der Mathildenhöhe
Anschließend, Eröffnung der Ausstellung
Nachm. 2 Uhr
Festessen im Städt. Saalbau
Abends 8 Uhr
Festabend im Städt. Saalbau
Sonntag, 23. Januar, vorm. 11 Uhr
Enthüllung des Ehrenmals für die im Welikrieg
Gefallenen, in der Bauschule, Neckarstraße 3
Nachm. 3 Uhr
Gesellig. Beisammensein auf d. Oberwaldhaus
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Bitte,
Ausweis=
papiere, mitbringen
Mehrere
Es ergeht an alle ehemaligen Absolventen und Freunde der
Schule die herzliche Einladung, sich zahlreich zu beteiligen,
144
Der Festausschuß.
Pangs
wenig gespielt,
äußerst preiswert zu
verkaufen. (10462
Heinrich Arnold
Mihe minenstraßa9
Corrtelt
Regie: Victor Schertzinger
In den Hauptrollen:
Alma Rubens, Edmund Lowes
Bubl als Boxer, Komödie in 2 Akten
Löwen im Haus, Fox-Groteske ( 1643
Anfang 3½ Uhr. Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.
Heute
abends pünktlich
8/4 Uhr
Einziger
8½
Uhr
„Lustiger Abend‟
Professor
Marvort Bärkel
Allerneuestes!
Neuestes!
und Auslese heiterster Stücke
aus sämtlichen Programmen.
„Das Heiterste des Heiteren"
Zur getl. Beachtung!
Um zu starken Andrang an der Abendkasse zu vermeiden,
ist es ratsam, die Karten in den Verkaufsstellen de Waal,
Rheinstr. 14 oder Verkehrsbdro zu entnehmen.
— Preise: Mk. 1.00 bls 3.00 — (1425
Schloß=Hotel, Heidelberg
Telephon 22 und 28
empfiehlt ſich nach erfolgtem Umbau zum gewohnten
Wochenende=Aufenthalt
Preis Mk. 20.— pro Perfon
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Jeden Samstag Abend
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von 3 00 an
verleiht (eleit
Landwehrſtr
Stb, II.
Masken, auch neue,
v. 1,50.,4 an zu verl.
Frankeinerſtr 42, I.,r
(S.1433)
Heſſiſches Landestheater.
C 11 Großes Haus U 11
Donnerstag, den 20. Januar 1927
abends 7½ Uhr
Mann iſt Mann
(Die Verwandlung des Packers Galy Gay
in den Militärbaracken von Kilkog)
Ein Luſtſpiel in 8 Bildern von Bertolt Brecht
In Szene geſetzt von Jakob Geis
Bühnenbilder: Caspar Neher a. G.
Perſonen:
Uria Shelly /4 Soldaten einer Robert Klupp
JeſſeMahoney/Maſch.=Gewehr= Joach Büttner
abteilung der
Polly Baker
ſoritiſchen Armee Walter Bluhm
Ferajah Jip ) in Indien. HansEpslamp
Charles Fairchild, genannt
Blody Five, Sergeant. Max Nemetz
Galy Gay, einiriſch. Packer Ernſt Legal
Galy Gays Frau .. . . Käthe Gothe
err Wang, Bonze einer
tihetaniſchen Pagode. HansBaumeiſter
Mah Sing, ſein Mesmer Nichard Fürgas
Leokadja, Begbick, Kan=
Beſſie Hoffart
tinenbeſitzerin ..
Alice Treff
Hiobia,
Beſſy, ihre Töhter . . Marinka Ploetzer
Lilly Brennecke
Maggy,
93. Mayenknecht
Ernſt Rottluff
Hans Ausfelder
Otto 2 enke
Walter Scharff
Frdr. Jachtmann
Kurt Schüppel
Jacob Schambach
Spielwart: Willi Krichbaum
Preiſe der Plätze: 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Pauſe nach dem 6. Bild
Anfang 7½ Uhr Ende 10 Uhr
Freitag, 21. Januar. G 9. (Darmſtädter
Volksbühne) Schülerm ete gelb 5 Fidelio.
Anfang 7½ Uhr Preiſe 1—10 Mk.
Samstag, 22. Januar. H1 6 (
Bühnenvolks=
bund). Jphigenie auf Tauris. Anfang
7½ Uhr. Preife 0.80—8 Mk.
Sonntag, 23 Januar D 11. Die
Zauber=
flöte. Anfang 7 Uhr. Preiſe 1.20—12 Mk.
Kleines Haus
Donnerstag, den 20. Januar 1927
abends 8 Uhr
3. Beethoven=Abend
des Drumm=Quartetts
(Otto Drumm — Oskar Scheidhauer —
Rud, Sprenger — Hugo Andreae)
Vortragsfolge:
1. Streichquartett op. 18 Nr. 4:
Allegro
Adagio cantabile — Allegro — Tempo !
Scherz0 Allegro
Allegro molto guasi presto
2. Streichquartett op. 18 Nr. 2:
Allegro ma non tanto
Scherzo — Andante scherzoso guasi
allegretto
Menuetto — Allegretto
Allegro
3. Streichquartett op. 25:
Allegro con brio
Allegretto ma non troppo
Allegro assai vivace, ma serioso
Larghetto espressivo— Allegretto sgitate
4. Streichquartett op. 135:
Allegretto
Vivace
Lento assai, cantante e tranguillo
Der schwer gefaßte Entschluß
Grave (Muß es sein -Allegro (Es muß sein)
Preiſe der Plätze: 1, 2, 3 Mk.
Anfang 8 Uhr Ende gegen 10 Uhr
Freitag, 21 Januar. Zuſatzmiete V, 9. Ta‟
Grabmal des unbekannten So daten,
Anfang 7½ Uhr. Preiſe 1—6 Mk.
Samstag, 22. Januar. Zuſatzmiete Vl, ?.
Weihnachtszyklus klaſſ. Werke 3. Vorſt.!)
Figaros Hochzeit. Anfang 7 Uhr. Preiſe
1—6 Mk.
Sonntag, 23. Januar. Zuſatzmiete III, 7
Der Biberpelz. Anfang 7½ Ulr. Preiſe
1—6 M
ROTWEIN Ia, Flasche 1.10 Uk=
Drog. Secker Ncht, Ludwishöhstz.1 (El41
Die tolle Herzogin.
12)
Roman von E. Klein.
(Nachdruck verboten.)
Auf den Decks der erſten Klaſſe drängten ſich die Paſſagiere
z iſammen.
Kein Menſch kümmerte ſich um das Paar vorne am Bug.
Sir Walter holte zwei kleine ſchwarze Gegenſtände hervor
md reichte ſie Gloria auf der flachen Hand — zwei
Revolver=
teſchoſſe.
„Sehen Sie, Frau Herzogin,” ſagte er, „das kleinere dieſer
eiden Bleiſtücke ſtammt aus dem Revolver, aus dem Sie
ge=
ſchoſſen haben. Es iſt deformiert, denn anſtatt weiches
Men=
ſchenfleiſch zu durchbohren, iſt es in eine Marmoruhr gegangen
imid hat dieſe zerſtört —
Marmoruhr! Die Uhr auf dem Schreibtiſch! Sie war
gTeichzeitig mit Las Valdas zu Boden geſtürzt — —! Sie
er=
innerte ſich. Aber ſie glaubte weder dieſer Erinnerung noch den
BZorten Sir Walters! Sie war kein Schütze, der auf drei Schritte
.nen Menſchen fehlte —
„Es iſt nicht möglich!” ſtammelte ſie.
„Was iſt nicht möglich? Daß Sie einmal daneben ſchießen,
rau Herzogin? O, das iſt ſehr gut möglich, denn auf
Men=
chien, ſelbſt wenn ſie ſolche Halunken ſind wie Las Valdas,
cießt es ſich ganz anders wie auf eine Scheibe oder ein Stück
1Zild. Nein, Frau Herzogin, Sie können ruhig die Qual, unter
ter Sie bis jetzt gelitten haben, hier über Bord werfen! Schnell
umd für immer, Herzogin Gloria! Ich, der Mann der Polizei,
jnge Ihnen das! Dieſes Geſchoß hier — das hat das Leben
Las Valdas getötet, denn das haben wir ihm aus dem Loch in
—iner Bruſt gezogen!"
„Großer Gott!” ſchrie ſie auf — — „Aber es iſt wahr?
Sir Walter — Sie treiben keinen Scherz mit mir! Sie können
in nicht ahnen, was ich gelitten habe — —! Eben jetzt noch auf
der Fahrt — —oh, es war furchtbar! Es war beinahe zu viel —
„Ich weiß, Frau Herzogin!”
„UInd Harald?‟
„Jch mußte ihn feſthalten, obwohl wir von der erſten Minute
im wußten, daß er nicht der Mör — — der Täter iſt. Ich mußte
ſon feſthalten, um Sie, Frau Herzogin, zum Sprechen zu
vingen —
Sie nickte —
„Jetzt aber haben Sie geſprochen, Sir Walter,” lächelte ſie.
um erſten Mal ſeit vielen, vielen Tagen ein wirklich heiteres
Aächeln.
„Der Effekt iſt derſelbe. Ich werde noch vom Schiff aus
zelegraphiſche Anweiſung geben, ihn aus der Haft zu entlaſſen —‟
Sie faßte ſeine beiden Hände. Klein waren dieſe Hände
wie die eines verzärtelten Knaben.
„Sir Walter, ich danke Ihnen — — ich danke Ihnen!“
„Wüßte nicht wofür, Frau Herzogin! Ich werde von der
„kegierung — allerdings meiner Meinung nach vollkommen
unge=
mügend — dafür bezahlt, daß ich dem Rechte zum Rechte
ver=
helfe. Und deshalb muß ich Sie zu dem Beginn unſerer
Unter=
haaltung zurückführen, Frau Herzogin. Ich muß den Mörder
des Portugieſen in die Hand bekommen. Die Sache iſt
unange=
wehm genug, denn der Mann war Diplomat, und ſo könnte ſich
Die 8 teizten Tage
Donnerstag, Freitag und Samstag
Donnerstag, den 20. Januar 1927
noch eine Affäre mit unangenehmen Folgen daraus entwickeln.
Und dann, Frau Herzogin, noch eins! Das Wichtigſte von
allem! „Ich bin überzengt, der Mann, der Sie hierher zitiert.
um Ihnen das Papier zu geben — ich ſchätze übrigens, er wird
es ſich teuer bezahlen laſſen wollen.”
„ſch bin darauf vorbereitet,” ſagte Gloria.
„Wir werden ſehen, daß wir keinen Penny dafür zu zahlen
haben. Der Mann wird ſich irren, obwohl er ein ebenſo
ver=
wegener wie verſchlagener Burſche ſein muß — —. Sie werden
mir helfen, ihn zu fangen?”
„Wie ſoll ich das?”
„Ich kann natürlich jetzt nichts ſagen, Frau Herzogin. Das
wird alles von den Bewegungen der Gegenſeite abhängen. Wir
haben es aber mit Gegnern zu tun, die das Prädikat erſtklaſſig
verdienen. Bedenken Sie, Frau Herzogin, der Mann ſteht
hinter Ihnen, als Sie ſchießen. Schießt gleichzeitig mit Ihnen.
Schlägt dann den Schutzmann nieder, der Lord Harald
feſtneh=
men will. Hierauf lehrt er in aller Ruhe die Schränke und
Läden, nimmt, was er braucht, und empfiehlt ſich unſerem
fer=
neren Wohlwollen. Ich freue mich direkt darauf, die
Bekannt=
ſchaft dieſes Burſchen zu machen. Ich empfinde fachmänniſchen
Reſpekt vor ihm."
„Glauben Sie, daß er mit den Leuten in Verbindung ſteht,
die uns geſtern verfolgten?” fragte Gloria.
„Nein, beſtimmit nicht. Der Mann handelt auf eigene
Rech=
nung. Wir haben vier Parteien in dieſem intereſſanten
Ver=
ſteckſpiel: Las Valdas, Monſieur St. Aubain und ſeine Garde,
Sie, Frau Herzogin, und ich — — und jener Burſche. Ich ſage
Ihnen, er iſt der gefährlichſte von uns allen! Bedenken Sie
ferner — was ich vorhin ſagen wollte — — er hat das für Lord
Burnham ſo wichtige Dokument in ſeinem Beſitze —
„Das müſſen wir zurückbekommen — das vor allem andern,
Sir Walter!” Wie eine Beſchwörung ſprach ſie das. Sie dachte
auch an ihrer Schweſter Briefe — —! Doch was kümmerten die
Sir Walter?
„Dann müſſen Sie mir helfen, Frau Herzogin!”
Im ſelben Moment legte das Schiff vor dem Zollſchuppen
feſt.
„Ich verſpreche es Ihnen, Sir Walter,” ſagte Gloria.
XXYI.
Die Saiſon war auf ihrem Höhepunkte. Oſtende voll beſetzt,
und nur durch Zufall fanden ſich im Grand Hotel zwei kleine
Zimmer — Sir Walter mußte ſich in den fünften Stock
hinauf=
bequemen; Gloria fand Unterſchlupf in einem Hofzimmer der
dritten Etage. Sie waren indeſſen froh, ein Dach über den Kopf
zu bekommen — hatten ſie doch ſchon Zeit genug mit dem
Umher=
irren von Hotel zu Hotel verloren. Ein Viertel vor neun war
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Seite 15
es, als Gloria ihren Koffer auspacken konnte, um ſich
umzuklei=
den. Nach zehn Minuten war ſie fertig, mußte aber weitere zehn
Minuten warten, ehe ihr Begleiter erſchien.
Er erſtrahlte natürlich in höchſter Gala — Frack, weiſe
Weſte, drei milchweiße Perlen, das etwas dünne, etwas
ſand=
gelbe Haar peinlich geſcheitelt. Keine Spur mehr von den Nöten
der verzweifelten Kombination von Luft= und Seeſchiffahrt.
Den Frackmantel maleriſch über die Schulter geworfen, den
matten Claque vorſchriftsmäßig im Genick, das
Elfenbeinſtöck=
chen in der Hand — ſo präfentierte ſich Sir Walter Ryce, ein
Dandy, vor deſſen Tadelloſigkeit ſich der Geiſt Brummels
aner=
kennend verneigt hätte — und ein Detektiv, vor deſſen
Schlau=
heit der Ruhm eines Lerog verblaßte.
Sie lächelte, da ſie ihn vor ſich erblickte. Ach — ſie lächelte
ja jetzt ſo gern. All ihre Laſt war von ihr gehoben. Sie fühlte
ſich frei, leicht. Wie ein böſer Traum war das alles zerronnen.
Sie hatte eine alte, ſchottiſche Melodie vor ſich hingeſummt,
während ſie ſich ankleidete.
Sie hatte ſogar gelacht, als ſie entdeckte, was Grace ihr in
den Koffer geſteckt hatte. Dieſe leichtſinnige, frivole Grace, die
ſelbſt in der Stunde bitterſter Herzensnot nicht die für eine
mondäne Frau unerläßlichen Gebote der Eleganz vergaß! Ein
Abendkleid fand die überraſchte Gloria vor, einen Traum an
Silber und Straußenfedern — einen Mantel aus Heimelin —
einen Reiher — — einen Reiher — — —! Alles Herrlichkeiten
aus der Schweſter heiligſtem Kronſchatze.
„Grace iſt verrückt!” lachte ſie, „das ſoll ich anziehen?”
Aber es war nichts anderes für den Abend da. Ein
ent=
zückendes weißes tailor made für die Morgenpromenade —.
Und ihr eigenes beſcheiden=ſolides Homeſpun, dasſelbe, in dem
ſie von Sainsbury Caſtle nach Burnham Tower gefahren war,
„Das kann ich doch nicht —
Dann aber fuhr die Freude in ſie. Warum konnte ſie nicht?
Grace hatte die richtige Ahnung gehabt — —! Es war doch
An=
laß zum Feſtkleid —
Allerdings lauerte noch eine Gefahr vor ihr. Der Mann.
der den Schuß abgefeurt hatte! Doch warum ſollte ſie ihm nicht
als Weib gegenübertreten? Irgendwo in ihrer Seele wagte ſich
der Gedanke herauf — — du biſt doch ſchön! Warum nicht —
Sie zog die Herrlichkeiten an. Mußte ſich ein bißchen
ſtär=
ker ſchnüren, da ſie voller war als Grace, aber es ging ohne
zu große Opfer. Man konnte atmen, lachen — —! Nur der
Aus=
ſchnitt war zu tief — —. Von rückwärts wagte ſie ſich gar nicht
anzuſehen —
Ach was! Uebermütig lachte ſie ihrem Spiegelbild zu!
Wenn der Mann mit den Papieren ſo verſchlagen, ſo
gefähr=
lich war — dann wollte ſie ihm eine Waffe entgegenſetzen, die
ſie bis jetzt nie gebraucht hatte — —! Eine ſchöne Frau war dem
gefährlichſten Manne gewachſen —!
Ah voilä la guerre!
Sir Walter war ſo verblüfft über ihre Erſcheinung, daß
ihm buchſtäblich der Atem wegblieb und er ganz und gar
ver=
gaß, die ſcherzhafte Entſchuldigung zu ſtammeln, die er ſich für
das Zuſpätkommen zurechtgelegt hatte.
Undillkürlich errötete ſie unter ſeinem Blick und zog den
Mantel über der Bruſt zuſammen.
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