Darmstädter Tagblatt 1927


18. Januar 1927

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Knzelnummer 10 Pfennige

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Nummer 18
Dienstag, den 18. Januar 1927. 190. Jahrgang

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Kädter und Nationabant.

Die Berhunblangen uber
Der Tag der Mißverſtändniſſe.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichskanzler Dr. Marx hat die Verhandlungen über
m. Kabinett der Mitte unter keinem günſtigen Stern begonnen.
i. arger Zufall hat es gewollt, daß am Montag morgen ſich
ire Reihe von Mißverſtändniſſen aneinanderreih=
m
. die ſeine Arbeit weſentlich erſchweren. Graf Weſtarp
n. auf einer deutſchnationalen Angeſtelltenverſammlung eine
e de gehalten, worin er nach der zuerſt ausgegebenen Faſſung
me Abſage an die Verfaſſung und die Forderung der Rück=
oſberung
der geraubten Gebiete proklamiert habe. Das iſt zwar
ngsträglich korrigiert worden, es iſt aber unvermeidlich und
u6 begreiflich, daß von links her gerade dieſe beiden Punkte
nausgegriffen werden, um dem Zentrum erneut klarzulegen,
mit den Deutſchnationalen eben nicht zu arbeiten iſt. Auch
die Bedeutung ſolcher redneriſchen Extratouren nicht über=
hättzt
, wird zugeben müſſen, daß Graf Weſtarp, klüger daran
tmn hätte, gerade in dieſem Augenblick etwas anderes zu ſagen,
n): gerade vor Angeſtellten hätte er reichlich Gelegenheit gehabt,
n ſozialpolitiſches Glaubensbekenntnis der Deutſchnationalen
zuulegen, was ſicher auch auf das Zentrum beſſer gewirkt hätte
8l dieſe Rede.
Aber auch das Zentrum hatte ſeine Sorgen. Herr Ste=
wald
hat in Köln eine Rede gehalten, über die gleich=
U8 verſchiedene Berichte vorliegen. Die demokratiſche Preſſe
ch= ſich daraus ſein Glaubensbekenntnis zur Großen Koalition
rlaus und die Formel, daß das Zentrum bei der Wahl zwiſchen
ernn Dr. Curtius und Neuwahlen die Neuwahlen vorziehen
ün de. Der Herrn Stegerwald naheſtehende Deutſche gibt frei=
heeine
ganz andere Lesart, wonach Herr Stegerwald dieſe Alter=
iuve
nur für ein Kabinett der Kleinen Rechten geſtellt habe,
r)., daß auch ſeine Formulierung über die Große Koalition
eſientlich anders gelautet haben ſoll. Der Vorwärts dringt
doch bei der Ausnutzung der Stegerwald=Rede ſoweit vor, daß
gar die Germania die Stirn runzelt und bemerkt, wenn das
an ptorgan einer Partei, die den Anſchluß an die Regierungs=
qlätion
erſtrebe, über maßgebende Führer einer dieſem Anſchluß
mieigten Koalitionspartei Behauptungen aufſtelle, die verſtim=
ent
d wirken müßten, ſei das in der gegenwärtigen Lage nicht
. de förderlich.
Schließlich noch ein drittes Mißverſtändnis: das
entrum ſah ſich veranlaßt, die Behauptung dementieren zu
ſſan, das Herr von Gugrard dem Reichspräſidenten geſagt haben
A) wenn nichts anderes übrig bleibe, würde das Zentrum bereit
u. nach rechts abzumarſchieren. Die Germania bezeichnet
eſe Bemerkung als ein müßiges Spiel der Phantaſie, womit
ei: nicht geſagt iſt, daß die Bemerkung nicht in vielleicht ähn=
har
, weniger greifbaren Form doch gefallen iſt.
Vorläufig indes gibt ſich Herr Marx alle Mühe, die Quadra=
rſcdes
Zirkels zu löſen und das vom Zentrum gewünſchte Kabi=
. der Mitte auf die Beine zu ſtellen. Er hat deswegen am
ſonitag nachmittag mit Herrn Dr. Scholz von der Deutſchen
bükspartei, Herrn Koch von den Demokraten und Herrn Müller=
kamken
von den Sozialdemokraten Beſprechungen gehabt. Sehr
ell weiter iſt er dabei nicht gekommen. Die Deutſche Volkspartei
ſtlihm erklärt, daß ſie für die Große Koalition nach der letzten
ahrung der Sozialdemokratie nicht zu haben ſei. Sie hat einem
alinett der Mitte zugeſtimmt, aber mit der Frage geantwortet,
oldenn eine Mehrheit für dieſes Kabinett herkommen ſoll.
ens Müller=Franken hat nachher dem Kanzler die Frage vor=
(agt, nur etwas ſchärfer formuliert, wie es denn bei einem wird mit Sicherheit damit gerechnet, daß Graf Weſtarp die Tole=
ahänett
der Mitte mit Unterſtützung von links her ſtände? Auch
ſeſger glaubte Herr Marx Zuſagen für das Zentrum geben zu
nuren, eine abſchließende Antwort der Deutſchen Volkspartei
nurte er nicht geben. Die große Frage bleibt aber auch, welchen
tel. s die Sozialdemokratie für eine ſolche Unterſtützung verlangt.
er ſozialdemokratiſche Fraktionsvorſtand iſt für Dienstag ein=
riffen
. Vorher wird auch Herr Marx keine weiteren Schritte
nikönnen, weil er abwarten muß, was die Sozialdemokraten
m; zu ſagen haben. Er will am Dienstag vormittag ſich mit den tages am Mittwoch, den 19. Januar, nachmittags 3 Uhr, liegt
rlegen, wie ſie über die Unterſtützung eines Kabinetts der
ſihre durch rechts denken. Da aber hier bereits bindende nega=
Erklärungen vorliegen, handelt es ſich nur um eine reine
dmnſache. Die Deutſchnationalen halten daran feſt, daß ſie ohne
iim iligung an der Regierung für eine einfache Hilfsſtellung nicht
waben ſind. Das Zentrum wird die Schwenkung nach dieſer
nie erſt vollziehen, wenn es ſich überzeugt hat, daß eine Mehr=
tusbildung
nach links in jeder Form ausgeſchloſſen iſt. Dazu
ei bedarf es noch der vorherigen Ausſprache zwiſchen Sozial=
mokraten
und Deutſcher Volkspartei, die Herr Marr am Diens=
zwermitteln
wird.
diee Nachmittags=Beſprechungen bei Dr. Marx.
Berlin, 17. Januar.
dri den Vorſitzenden der Fraktion der Deutſchen Volkspartei, Dr.
nlgutet, erſtreckten ſich die Beſprechungen zunächſt nur auf ſach=
he
Fragen. Perſonenfragen ſind noch nicht erörtert worden.
udo den demokratiſchen Parteiführern empfing Dr. Marx den
bzygordneten Müller=Franken als Vertreter der ſozialdemokra=
chen
Fraktion. Dr. Marx teilte dieſem mit, daß die Deutſche
bſärspartei nicht bereit ſei, die große Koalition mitzumachen.
105 Mitteilung von ſozialdemokratiſcher Seite ſtellte dann weiter
bzsordneter Müller=Franken an den Reichskanzler die Frage,
ſiuſden, auf eine Unterſtützung von links, und zwar ohne eine
eitralität des Kabinetts nach beiden Seiten einzugehen bereit

Ein Kabiert der Mitle.
ſeien. Dr. Marx habe erwidert, daß das Zentrum dazu bereit ſei,
daß er aber noch nicht wiſſe, wie die Deutſche Volkspartei zu
dieſer Frage ſtehe.
Die ſozialdemokratiſche Fraktion hat für Dienstag nachmittag
eine Sitzung des Fraktionsvorſtandes vorgeſehen und die Frak=
tion
ſelbſt auf Mittwoch 12 Uhr einberufen.

Führer der Zentrumsfraktion des Reichstages, der in den Ver=
handlungen
über die Neubildung der Regierung innerhalb des
Zentrums eine führende Rolle ſpielt.
Fraktionsvorſiandsſitzung der D. V. P.
Der Fraktionsvorſtand der Deutſchen Volkspartei
hielt am Montag mittag im Reichstag eine Sitzung ab, über die
folgender offizieller Bericht ausgegeben wurde: In der Sitzung
des Vorſtandes der Reichstagsfraktion der Deutſchen Volkspartei
vom 17. Januar berichtete Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Curtius
über ſeine Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regierungs=
koalition
. Der Vorſtand ſprach Dr. Curtius einmütig Dank und
Anerkennung für ſeine Mühe aus und billigte die von ihm unter=
nommenen
Schritte. Er bedauerte, daß dieſe Verhandlungen
vorzeitig zum Scheitern gebracht worden ſind. Der Vorſtand ſah
in Erwartung der Vorſchläge des Herrn Reichskanzlers Dr. Marx
von weiteren Beſchlüſſen zur Lage ab.
Der erſte Tag der Verhandlungen, die Dr. Marx über die
Bildung der Regierung geführt hat hat nur inſofern eine
Klärung gebracht, als die Deutſche Volkspartei die Beteiligung
an der Großen Koalition ablehnt. In den erſten Beſprechungen
des morgigen Dienstags wird. Dr. Marx ſchon feſtſtelleen, wie
ſich die beiden Flügelparteien zu einem Kabinett der reinen
Mitte ſtellen. Nach der bisherigen Haltung der Deutſchnationalen
rierung eines Kabinetts der Mitte ablehnen wird. Auf der an=
deren
Seite wird Dr. Marx den Führer der Sozialdemokraten,
Hermann Müller, um Bekanntgabe ſeiner Bedingungen für die
Unterſtützung eines Kabinetts der Mitte bitten.
Vorerſt keine Regierungserklärung im Reichstag.
Die Tagesordnung für die nächſte Plenarſitzung des Reichs=
euntſchnationalen
in Verbindung ſetzen und ihnen die Frage nunmehr vor. Der Präſident hat angeſichts der ungeklärten poli=
tiſchen
Lage davon abgeſehen, die Entgegennahme einer Regie=
rungserklärung
, wie urſprünglich beabſichtigt war, auf die Tages=
ordnung
zu ſetzen.
Reichs=Oenkſchriften.
Der Reichsfinanzminiſter hat dem Reichstag eine Ueber=
ſicht
, über den Perſonalſtand vom 1. Oktober 1926
überſandt. Danach ſind vom 1. April bis 30. September 1926
eingetreten: 1. bei den Hoheitsverwaltungen eine Perſonalver=
minderung
von 1173 Beamten, dagegen eine Perſonalvermeh=
rung
von 827 Angeſtellten und 6159 Arbeitern; 2. bei der deut=
ſchen
Reichspoſt, einſchließlich der Reichsdruckerei eine Perſonal=
vermehrung
von 2484 Beamten und eine Perſonalverminderung
von 2924 Angeſtellten und 1083 Arbeitern.
Der Reichsfinanzminiſter hat dem Reichstag ferner eine
Reichskanzler Dr. Marx empfing heute nachmittag um vier Denkſchrift der Beratungsſtelle für Auslands=
kredite
für die Zeit ihrer Tätigkeit vom 1. Januar 1225 bis
hüolz, und um fünf Uhr die Vorſitzenden der Demokratiſchen zum 30. 9. 1926 zugehen laſſen. Die Denkſchrift gibt einen Ueber=
urstion
, Koch und Erkelenz. Wie in parlamentariſchen Kreiſen blick über die zur Einſchränkung der öffentlichen Auslands=
anleihen
getroffenen Vorkehrungen und über die Tätigkeit der
Beratungsſtelle.
Der Reichsarbeitsminiſter hat, m Reichstag eine Ueber=
ſicht
über die Ergebniſſe der Kriegsbeſchädig=
ten
und ſonſtigen Verſorgungsberechtigten vom
Oktober 1926 überſandt. Dieſe ergab 736 867 Beſchädigte und
55 276 Kapitulanten, zuſammen alſo 792 143 Verſorgungsberech=
tigte
. Eine Zählung im Oktober 1924 ergab 720 931 Beſchädigte
ſoie Parteien, die eventuell eine Minderheitsregierung bilden und 50 422 Kapitulanten, zuſammen 771 353 Verſorgungsberech=
tigte
. Nach der Ueberſicht hat die Zahl der Rentenanträge zuge=
nommen
.

Zum 18. Januar.
Von
D. Dr. M. Schian.
Der 18. Januar bringt jedes Jahr das gleiche: den Rückblick
auf vergangene Größe, auf verlorene Herrlichkeit. Muß er viel=
leicht
auch jedesmal neues bringen? In der Tat: die Art, wie
wir jenen Rückblick tun, muß jedesmal der beſonderen Lage ent=
ſprechen
, in der wir ſtehen, vielleicht auch dem Ergebnis neuen
Nachdenkens über das geſchichtliche Werden jener großen Zeit, die
uns das Deutſche Reich brachte. Wir gewinnen mit jedem Jahr
mehr Abſtand von den Ereigniſſen, die am 18. Januar 1871 ihre
Krönung fanden, von den Männern, die damals Deutſchlands
Geſchicke lenkten. Wird vielleicht auch unſer Urteil über das da=
mals
Gewonnene ein anderes werden?
Als wir, die wir jetzt im reifen Mannesalter ſtehen, in das
politiſche Leben des Volkes hineinzuſchauen begannen, lebten die
Großen jener Tage noch. Wir ſtanden unter dem Bann ihrer
Perſönlichkeit, unter dem Zauber der Reichsherrlichkeit, die ſie
heraufgeführt hatten. Uns ſchien, was geworden war, die ganz
ſelbſtverſtändliche Löſung der deutſchen Frage, das notwendig
gegebene Ziel der deutſchen Sehnſucht. Wir kannten den Werde=
gang
nur in großen Zügen; wir ahnten nichts von den unſag=
baren
Schwierigkeiten, die auch innerhalb Deutſchlands zu über=
winden
geweſen waren, bevor das Reich kam. Vielleicht hätte der
Geſchichtsunterricht auch damals ſchon uns mehr in die Erkennt=
nis
dieſer Wege hineinführen ſollen. Aber daß er es nicht tat,
hatte auch ſein Gutes. Wir wären damals nicht reif geweſen, um
die rechte Stellung zu dieſen Dingen zu finden. Und unſere
junge Liebe zu Wilhelm I., zu Bismarck, zum Reich vertrug ſich
nicht mit dem Aufſpüren des Menſchlich=Allzumenſchlichen in die=
ſen
Geſchehniſſen.
Allmählich ward das anders. Die Großen jener Tage gingen
dahin; die Memoirenliteratur kam; Bismarcks Gedanken und
Erinnerungen gaben uns zu ſchaffen; wir wurden älter, und die
Dinge rückten uns ferner. Wurden ſie uns dadurch auch kleiner?
Es mag Menſchen geben, die nicht imſtande ſind, die großen Züge
in den tauſendfach verzweigten und zuweilen ſehr engen Win=
dungen
der geſchichtlichen Entwicklung aufzuſpüren. Sie ver=
ſtehen
nicht, daß etwas ich rede hoch von dieſen Dingen
zugleich menſchlich und göttlich ſein kann. Wohl dem, der die
Geſchichte anders ſieht! Wahrlich; es ging ganz menſchlich zu:
menſchliche Klugheit, Diplomatie, auch menſchlicher Eigenſinn
und Enge ſpielten ihre Rolle. Und dennoch war groß, was ge=
ſchah
! Ganz groß. Mir iſt durch den Aufweis, all der menſch=
liſchen
Wege, die Bismarck ging, all der menſchlichen Widerſtände,
die er zu überwinden hatte, ſein Werk nur größer geworden. Er
fah das Ziel; zeitweiſe er allein. Er ſah die Wege; oft wollte
niemand ſie mit ihm gehen. Er ſtellte auch Widerſtand und Kurz=
ſichtigkeit
in ſeine Rechnung ein; und das Ergebnis war ſchließ=
lich
das, was er wollte. Er war der Führer, und er war doch
nach eigenem Bekenntnis Werkzeug höheren Willens. Das
hat Frenſſen in ſeinem Bismarckepos nicht richtig gedeutet. Ge=
rade
wer die Geſchichte um 1871 kennt, ſieht, wie groß Bis=
marck
war.
Nun aber wird ſein Werk heute aus anderen Gründen ver=
kleinert
, ja geſchmäht. Sie kommen in Scharen, die Ganzklugen,
und verkünden, daß er die falſche Löſung gewollt hat, die kleine,
die engbeſchränkte Löſung, die Löſung Kleindeutſchland
ſtatt Großdeutſchland. Friedrich Wilhelm Förſter, der
bekannte Pazifiſt und Feind des Deutſchen Reichs, hat dieſe An=
ſicht
vertreten; andere ihm nach. Wie ſelbſtverſtändlich ſpricht ſich
der Engländer Wells in ſeinem auch in Deutſchland weitverbrei=
teten
, übrigens ſehr oberflächlichen Geſchichtswerk in dieſem
Sinne aus; und da, was der Ausländer ſagt, bei Deutſchen willig
Glauben zu finden pflegt, und zwar um ſo mehr, je ſtärker es
im Ton anmaßlicher Sicherheit ausgeſprochen wird, ſo müſſen
wir erwarten, daß ſich dieſe Meinung noch weiter verbreiten wird.
Kleindeutſchland! Unſer Deutſches Reichiſt nicht
klein. Es war vor dem Krieg noch weniger klein. Aber es iſt
allerdings kleiner als das ganze Deutſchland im Sinne des Lie=
des
Was iſt des Deutſchen Paterland? Und ſo mag die An=
klage
, daß Bismarck die kleine Löſung der deutſchen Frage auf
Koſten der großen gewählt habe, manchem einleuchten.
Es mag auch ſein, daß in der gegenwärtigen Situation die
kleindeutſche Löſung beſonders unzureichend erſcheint. Seit dem
Ende des Krieges iſt der Anſchluß Oeſterreichs eine
aktuelle Frage geworden. Man darf ſagen, daß die Volksſtim=
mung
bei uns im allgemeinen den Anſchluß wünſcht, zum Teil
erſehnt. Und ſo wandert der Blick von ſelbſt rüchwärts: war
nicht damals der Ausſchluß Oeſterreichs wirklich ein Fehler?
Rächt ſich dieſer Fehler nicht jetzt, da der Anſchluß Oeſterreichs
ſo vielen Hemmniſſen begegnet? Wie anders ſtünde es, wenn
Bismarck nicht die kleindeutſche, ſondern die großdeutſche Löſung
gewählt hätte?
Aber indem ich dieſe Sätze niederſchreibe, ergreift mich der
Widerwille. Nun, ich würde ja ſolche Fragen gar nicht aufwer=
fen
, wenn ſie nicht tatſächlich der Denkweiſe vieler deutſcher Volks=
genoſſen
entſprächen. Aber eben dieſe Denkweiſe iſt eine Un=
geheuerlichkeit
. Faſt möchte ich ſagen: nur in einem Volk von ſo
theoretiſcher Art, von ſo abſtrakt=prinzipieller Einſtellung iſt ſo
etwas denkbar. Man müßte doch zuvor die Frage ſtellen: war
eine andere Löſungüberhaupt möglich? Man muß
ſich doch die geſchichtliche Situation um die Mitte des 19. Jahr=
hunderts
gegenwärtig halten! Die großdeutſche Löſung, die
damals möglich war, war der Deutſche Bund! Der Deutſche
Bund mit allen ſeinen inneren Schwierigkeiten und Hinder=
niſſen
, mit aller ſeiner Unfähigkeit und Unmöglichkeit! Wer
kann einen Weg zeigen, der aus dieſem Deutſchen Bund ein
aktionsfähiges, ja nur lebensfähiges Deutſches Reich gemacht
hätte? Man überlege doch, wie das Oeſterreich von damals be=
ſchaffen
war! Und wenn ein Zuſammenſchweißen damals ge=
lungen
wäre irrealer Fall! ganz irreal! , wie hätte das un=
natürliche
Konglomerat Beſtand haben ſollen, als das National=
bewußtſein
der Tſchechen, der Polen und der anderen öſterreichi=
ſchen
Völker zur Siedehitze ſtieg? Nein die großdeutſche
Löſung war äußerlich und innerlich unmöglich. Und wer Bis=

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Seite 2

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

marck einen Vorwurf daraus macht, daß er ſie nicht verwirklicht
hat, der zeigt nur, daß er von Politik und Geſchichte nichts, gar
nichts verſteht.
Und nun ſtehen wir heute, am Reichsgründungstag, vor dem
heißen Wunſch vieler Deutſcher und vieler Oeſterreicher, den
großdeutſchen Gedanken, ſoweit und wie die neuen Verhältniſſe
das überhaupt möglich machen, zu verwirklichen. Wie ſoll unſere
Stimmung ſein? Unzufriedenheit mit dem Reich, das wir haben?
Ueberzeugung, daß wir nichts Dringenderes zu tun haben, als
dem Anſchluß Oeſterreichs zuzuſtreben?
Ich müßte kein Deutſcher ſein, wenn ich nicht von Herzen
mit den Brüdern in Oeſterreich fühlte, wenn ich nicht den heißen
Wunſch in der Seele trüge, es möge die Stunde kommen, da alle
Deutſchen in einem Reich vereinigt ſind. Ich müßte kein Deut=
ſcher
ſein, wenn mich nicht Empörung darüber erfaßte, daß
Frankreich und ſeine Verbündeten dem Anſchluß ein Veto ent=
gegenſetzen
, obwohl ſie das Selbſtbeſtimmungsrecht der Völker im
Munde führen. Aber ich bin auch Realiſt genug, um zugleich zu
erwägen, wie unſagbaren Schwierigkeiten der Anſchluß begegnet.
Nicht etwa nur Schwierigkeiten bei Frankreich, Italien uſw.
Nein! Es bleiben, wenn dieſes Veto einmal fallen ſollte, immer
noch ernſteſte Sorgen. Im gegenwärtigen Reich iſt die zentri=
fugale
Kraft bereits reichlich groß; wie groß würde ſie werden,
wenn Wien neben Berlin ſtünde? Und dann: die Grenzen des
großdeutſchen Reichs! Schon unſere jetzigen Grenzen ſind
zum mindeſten im Oſten unerträglich. Und wie würden ſie
dann ausſehen? Eine verhältnismäßig ſehr ſchmale Brücke
würden Norden und Süden mühſam zuſammenhalten; die
Tſchechoſlowakei ſchöbe ſich wie ein ungeheuerer Keil mitten ins
Reichsgebiet hinein. An welchen europäiſchen Staat würde das
Reich dann nicht grenzen? Soviel kann geſagt werden, daß die
Aufgabe der Verteidigung der Landesgrenzen unlösbar ſein
würde. Mich wundert eins: daß Frankreich, das doch Deutſch=
land
militäriſch ſchwach erhalten will, nicht gerade deswegen mit
allen Mitteln den Anſchluß Oeſterreichs fördert. Jedenfalls iſt
die Tatſache, daß der Anſchlußgedanke in Deutſchland ſtarken
Sympathien begegnet, ein ſchlagender Beweis dafür, daß Deutſch=
land
abſolut friedlich, durch und durch friedlich geſinnt iſt.

So alſo ſteht es nicht, daß uns der Gedanke an ein Groß=
deutſchland
, das vielleicht (in Wirklichkeit nicht) einmal möglich
geweſen wäre oder vielleicht einmal möglich werden wird, uns
irgendwie die Freude an dem Reich, das wir haben, nehmen
könnte. Unſer Reich iſt wahrhaftig jetzt kein Gegenſtand beſon=
deren
Stolzes; es iſt arm und elend, gedrückt und zerriſſen. Aber
es iſt doch ein Reich; wir haben erprobt, daß es auch in ſchwe=
ren
Stunden zuſammenhält. Wir empfinden es als den Erben
einer großen Geſchichte. Es iſt uns Heimat, die wir lieb haben.
Es birgt in ſich Kräfte, die Zukunft haben. Es wird noch lange
inter Verſailles leiden. Aber es lebt! Gott ſei Dank: es lebt!
Und ſo ſoll unſer Wunſch, unſer Gelöbnis ſein: Wir wollen
uns dieſes Reichs freuen! Wir wollen zu die=
ſem
Reich ſtehen!

Vom Tage.

In Berlin, Paris und New York ſollen grie=
chiſche
Handelsattaches zur Vertiefung der gegenſeitigen Han=
delsbeziehungen
ernannt werden.
In Wien ſtarb im Alter von 70 Jahren der ehemalige
Landeshauptmann Steiner, einer der Mitbegründer der
Chriſtlich=Sozialen Partei.
Der ſchweizeriſche Bundesrat hat Ihn Saud als
König von Hedſchas und Sultan von Nedſchd de jure anerkannt.

Der Chef der eidgenöſſiſchen kriegstechniſchen
Abteilung, Oberſt Eduard Müller, der ſeit 54 Jahren im Dienſte
des Bundes ſtand, hat auf den 1. April demiſſioniert.
Belgien hat ſeinen Einſpruch gegen die Kündigung des belgiſch=
chineſiſchen
Vertrages zurückgezogen und mit Peking neue Ver=
handlungen
angeknüpft.
Die belgiſchen Behörden erſuchten die britiſchen Behörden, den in
Schanghai lebenden Belgiern zu erlauben, ſich auf die eng=
liſchen
Schiffe einzuſchiffen, falls die Lage der Ausländer in Schanghai
gefährlich werden ſollte.

Die Abgeordneten Le Trocqueur und Barédy haben in der fran=
zöſiſchen
Kammer eine Gruppe der demokratiſch=
republikaniſchen
Linken gebildet, die ſich mit dem
Studium der verſchiedenen, die nationale Produktion betreffenden Fra=
gen
beſchäftigen ſoll.
Die Opium=Kommiſſion des Völkerbundes iſt zu
ihrer neunten Tagung zuſammengetreten.
Die heute zum Abſchluß gelangende Zeichnung auf die italie=
niſche
Liktorenanleihe überſteigt nach den erſten Zählungen
des Finanzminiſters 2½ Milliarden. Außerdem ſind für 18 Milliarden
fällige Zinsſcheine in Anleihe konvertiert worden, ſodaß mit dieſer
Finanzoperation über 20 Milliarden Staatsſchulden konſolidiert werden.
Nach einer Meldung aus Kabul hat der Emir von Afghani=
ſtan
dem deutſchen Gelehrten Dr. Stratil Sauer, der
bekanntlich vor einiger Zeit wegen Tötung eines Eingeborenen zu vier
Jahren Gefängnis verurteilt worden war, die noch unverbüßte
Reſtſtrafe von etwa 3 Jahren erlaſſen.
Nach einer Erklärung des Generalgouverneurs von Indochina muß
damit gerechnet werden, daß die national=chineſiſche Bewe.
gung auf Indochina übergreifen werde.
Der chineſiſche Zollkommiſſar erließ eine Verordnung, nach welcher
vom 20. Januar ab alle nach Schanghai eingeführten
ausländiſchen Waren außer der vertragsmäßigen Abgabe von
5 Prozent des Wertes einer Zuſatzabgabe von 2½ Prozent
unterworfen werden ſollen.

Ogs Interalliierte Militärkomitee lehnt die
deutſchen Vorſchläge ab
Das Interalliierte Militärkomitee von Verſailles hat am
Montag nachmittag die Vorſchläge des Generals Pawelſz abge=
lehnt
und dieſen erſucht, die Vorſchläge in verſchiedenen, genau
peſtimmten, Punkten zu vervollſtändigen. Die Verhandlungen
werden nicht als abgebrochen bezeichnet, ſondern ſollen fortgeſetzt
werden, ſobald General Pawelſz die ergänzenden Inſtrukrionen
erhalten haben wird.

Die Entwicklung der Pariſer
Reſipunkte=Verhandlungen.
Der deutſche Unterhändler, General von Pawelſz, hat dem
Militärkomitee die neuen deutſchen Vorſchl äge über
die Frage der deutſchen Oſtfeſtungen überreicht.
Damit iſt zunächſt alſo das Geraune in der franzöſiſchen natio=
naliſtiſchen
Preſſe abgetan, das andeuten wollte, Deutſchland ſei
es mit dieſen Verhandlungen nicht ernſt. Im Gegenteil, die
neuen Vorſchläge beweiſen, daß die deutſche Regierung mit allen
Mitteln eine Verſtändigung anſtrebt, aus der einfachen Ueber=
legung
heraus, daß ſie es nicht gerne ſehen würde, wenn unſere
erſte Handlung im Völkerbund die Anrufung eines Schieds=
gerichtes
wäre. Auf deutſcher Seite fehlt alſo der Wille zum
Kompromiß nicht, was die neuen Vorſchläge dartun. Die
Aufnahme, die ſie gefunden haben, ſpricht vorderhand nicht dafür,
daß auf der Gegenſeite das gleiche Beſtreben vorhanden iſt.
Schließlich handelt es ſich dei den Oſtfeſtungen nicht ſo ſehr um
techniſche Fragen, als um ein politiſches Problem. Techniſch iſt
es natürlich ausgeſchloſſen, daß uns der Verſailler Vertrag im
Oſten Feſtungen zugeſtehen wollte lediglich zum Anſchauen.
Fraglich kann höchſtens ſein, in welchem Umfang eine dauernde
Modernieſierung dieſer Feſtungen zuläſſig iſt. Hierin iſt die
deutſche Regierung zu einem Entgegenkommen bereit, wobei der
reine Deſenſivcharakter unſerer Oſtfeſtungen bekundet wird.
Darüber hinaus aber kann Deutſchland nicht gut gehen, zumal
bei den dauernden Unruhen in Polen tagtäglich neu bewieſen
wird, wie notwendig es iſt, daß wir uns auf unliebſame Ueber=
raſchungen
einſtellen und vorbereiten.

Doumer, franzöſiſcher Senatspräſident.

Paul Doumer,
der in dieſem Jahre 70 Jahre alt wird und zu wiederholten
Malen den Poſten eines Finanzminiſters im franzöſiſchen Kabi=
nett
bekleidete, wurde zum Präſidenten des franzöſiſchen Senats
gewählt.

Erörterung ſozialer Fragen auf dem
internationalen Oemokraten=Kongreß
Reichsinnenminiſter Külz über die ſoziale
Spannung unſerer Zeit.
Karlsruhe, 17. Januar.
Reichsinnenminiſter Dr. Külz iſt heute vormittag doch noch
zum letzten Verhandlungstage eingetroffen, der die Erörterung
der ſozialen Frage brachte. Den Vorſitz führte heute Präſident
Berendſon=Dänemark. Die Berichterſtattung haite der franzö=
ſiſche
Deputierte Chaprun übernommen. Er ging davon aus, daß
die Wirtſchaftsdemokratie eine Vorausſetzung für die Erhaltung
des politiſchen Friedens ſei. Der Nedner ſetzte ſich für die Be=
teiligung
der Arbeitnehmer an der Leitung und Organiſation
der Produktion ein. Das dürfte wohl der Wunſch der geſamten
arbeitenden Maſſe Europas ſein. Der Menſch ſolle die Arbeits=
bedingungen
dirtieren, nicht die Maſchine. In der Ausſprache
vertrat der holländiſche Abgeovdnete Joekes den Standpunkt,
daß im Arbeitsverhältnis nicht die Macht, ſondern das Recht den
Ausſchlag geben müſſe. Er empfahl darum die Arbeitsſchiedsge=
richte
. Darauf nahm Reichsinnenminiſter Dr. Külz das Wort.
Er führte u. a. aus, die ſoziale Spannung unſerer Zeit beſtehe
in allen Ländern und habe überall die gleichen pſychologiſchen
Urſachen. Man müſſe den perſönlichen Zuſammenhang des
Arbeiters mit dem Betrieb herſtellen. Der Arbeiter dürfe ſich
nicht fühlen als ein Glied des maſchinellen Mechanismus. Er
müſſe ſich vielmehr bewußt werden, daß er Perſönlichkeitswert
beſitze. Die Form der unmittelbaren Gewinnbeteiligung werde
auf ſeiten der Arbeitnehmer außerordentlich überſchätzt. Die
feſte Gewinnbeteiligung ſei ein anſtändiger auskömmlicher Lohn
und eine weitgehende ſoziale Fürſorge. (Zuſtimmung.) Der
Acht=Stunden=Tag als Normal=Arbeitstag ſei in allen Ländern
feſtzulegen. Der Miniſter warnte aber davor, ihn als ein
Dogma zu behandeln. Ein wichtiges Problem ſei auch das der
Arbeitswilligkeit und Arbeitsfreude. Die Einrichtung des Be=
triebsrates
in Deutſchland habe beide Teile enttäuſcht, weil da=
ran
zu große Befürchtungen bzw. zu große Hoffnungen geknüpft
wurden. Der Betriebsrat könne ſich aber zu einem Inſtrument
des ſozialen Ausgleichs entwickeln. Der Miniſter erinnerte dann
daran, daß die deutſche Geſetzgebung der Arbeiterſchaft auch eine
Vertretung im Aufſichtsrat einräume und vertrat zum Schluß
den Gedanken des obligatoriſchen Schiedsgerichtes. Präſident
Berendſon dankte dem Miniſter unter lebhaftem Beifall für ſeine
Darlegungen und ſpeziell dafür, daß er die große Wichtigkeit der
pſychologiſchen Seite des ſozialen Friedens hervorgehoben habe.
Darauf trat eine Mittagspauſe ein.
Der Ausgang des internationalen Karlsruher
Demokraten=Kongreſſes.
In der Nachmittagsſitzung des Internationalen Kongreſſes
der demokratiſchen Parteien wurde einem Vorſchlage der pol=
niſchen
Delegation auf Ausarbeitung eines Sitzungsreglements
für die künftigen Kongreſſe zugeſtimmt. Um die Wirtſchaftsdemo=
kratie
vorzubereiten, einigte ſich der Kongreß auf eine Reihe
grundſätzlicher Forderungen, wie weitgehender Arbeiterſchutz,
Altersverſorgung, geſetzliche Feſtlegung der Arbeitszeit, Schieds=
gerichtsbarkeit
bei Arbeiterkonflikten, Anteilnahme der Arbeiter
an der Wirtſchaftsführung, Aktienbeteiligung uſw. In einer vom
Exekutivkomitee vorgelegten Entſchließung zur Schulfrage wird
die Einheitsſchule gefordert.
Frau Dr. Gertrud Bäumer bemerkte u. a., daß es
ſchwer ſei, im Wortlaut einer Entſchließung den Verhältniſſen in
den verſchiedenſten Ländern Rechnung zu tragen. Auch könnten
ſich Mißverſtändniſſe ergeben. Im Exekutivkomitee war man ſich
über die Wichtigkeit der Frage einig, die aber nur eine Unter=
frage
des Verhältniſſes zwiſchen Staat und Kirche ſei. Auf einem
der nächſten Kongreſſe ſoll die Frage behandelt werden. Schließ=
lich
wurde die Entſchließung des Komitees einſtimmig angenom=
men
. Damit war die Tagesordnung erſchöpft. Nachdem aus der
Mitte des Kongreſſes für die fieundliche Aufnahme, durch die
deutſche Delegation und die Stadt Karlsruhe gedankt worden
war, ſprach Reichsinnenminiſter Dr. Külz unter leb=
hafter
Zuſtimmung der Anweſenden der Kongreßleitung aufrich=
tigen
Dank für die Geſchäftsführung aus. Er rühmte den von
der Leitung ausgehenden Geiſt, der in der Verſammlung ſeine
Reſonanz gefunden, und ſagte, als Miniſter des Reiches ſtelle er
mit Genugtuung feſt, daß die Verhandlungen getragen geweſen
ſeien von dem Beſtreben, auf den weſentlichen Gebieten des
Staats= und Völkerlebens einander näher zu kommen. Möge die
internationale Vereinigung auch in Zukunft eine Pflegeſtätte
ſolchen Geiſtes ſein, im Intereſſe der Verſtändigung der Völker
der Welt. Darauf wurde der Kongreß geſchloſſen.

*Qusti.
Von einer ſchönen Frau und ſchönen Hunden.
Von Kaſimir Edſchmid.
Meine Freundin Ines erwartete ihren Sohn, der eine We
reiſe in Japan beendet hatte. Der Dampfer kam mit faſt vierzeh
Tagen Verſpätung nach Bremen, und da er keine Funkſtation be
ſaß, war die Situation aufregend, Frau Ines hatte Plätze an
George Waſhington genommen, um nach Amerika zu fahren,
wohin ihr Sohr und ſeine argentiniſche junge Frau ſie begleiten
ſollten. Es blieben jetzt ſtatt vierzehn nur zwei Tage, in dener
die jungen Leute ſich das Haus anſehen konnten, das der Ga=
von
Frau Ines ihr mit jenem Stil und jener Größe eingerichte
hatte, mit denen man Frauen umgibt, die Kaiſerinnen gleichen
Dann fuhr man auf ſechs Monate nach Amerika. Im Frühling
begab man ſich wieder in jenen deutſchen Park, deſſen Erinnerung
unvergeßlich iſt. Einige Stunden vor Plymouth zeigte Frau
Ines die trotz furchtbarem Wetter auf dem Schiff promenierte
Spuren höchſter Eriegung Dieſe Frau, welche durch ihre Wider
prüche genial wirkte, befand ſich im ſelben Zuſtand wie kurz vo
ihrer Abreiſe im Herbſt: ſie zitterte wie ein Kind, obwohl e=
wenig
Frauen gab, welche dieſe faſt zäſariſche Frau an Sicher=
heit
und Weitblick erreichten. Dieſe Frau wartete auf ein Tiel
das man ihr bringen ſollte.
Ls gibt Frauen, welche die Sklaven angeborener Launen
ſind und dieſe als Geheimnis durch ihr Leben tragen. Als Frau
Ines ſechzehn Jahre alt war, träumte ſie ſchon davon, ein Sana
torium für Tiere zu gründen im Stil eines rieſigen Parks. Sie
war die Frau, einen Hagenbeck dafür zu engagieren und die
raſſigſten Tiere des Kontiuents dort verpflegen zu laſſen. Die
Liebe zu Tieren war der mädchenhaft ſentimentale Punkt in
Leben dieſer Frau, die wie die zweite Katharina ausſah und ihre
Haushalte führte wie Friedrich der Große ſeine Armeen. Als ſie
jetzt an Plymouth vorbeifuhr, mußte ſich einer ihrer intereſſan
teſten Wünſche erfüllen. Zwei Stunden ſtand ſie am Reeling, wie
Kleopatra in der Schlacht, die über das römiſche Imperium ent
ſchied. Dann meldete ein Steward, daß ein Boot geſichtet ſei. E
dauerte eine Stunde, bis es angelegt hatte. Drei Männer nabten
ſich ihr und brachten den Hund Yu=ti, den ſie ſtürmiſch umarmte
Einer der Männer war mit dem Hund zwei Tage vorher vo
Brigthon abgefahren mit einem Sekretär als Kontrolle. In Ply.
mouth hatten ſie das Schiff gechartert mit einigen Matrofen un
einem engliſchen Policeman. Das Boot hatte den Rieſendampfe
genan berechnet und auf offenem Meer gefunden. Die Männe

legten die Hüllen ab von dem Korb, als ob es ſich um einen Dia=
manten
handele, und baten um Unterzeichnung einiger Doku=
mente
, dann fuhren ſie nach dem Feſtland zurück.
Es handelte ſich bei dieſem Vorgang, der ein faſt myſteriöſes
Anſehen hat, keineswegs um eine Kaprize. Man überbrachte in
der Tat ein Vermögen, das alle dieſe Formalitäten nötig machte,
Die Männer waren die Vertrauensleute des Zwingers Aſhton
More, der auf Brighton die berühmteſte Pekingeſenzucht beſaß.
Seit durch den Boxeraufſtand dieſe Tiere in den inneren Mauern
des chineſiſchen Kaiſerpalaſtes gefunden und exportiert worden
waren, hatte dieſer Zwinger ſich auf die Zucht dieſer Tiere mit
einem bemerkenswerten Talent geworfen und hatte ſeine Welt=
ſtellung
bald erreicht. Man kennt dieſe Hunde und die Legende,
infolge deren Löwe und Affe ſich liebten, von dem Schöpfer aber
infolge der Unnatur dieſer Leidenſchaft abgewieſen wurden, bis
ihre ungbläſſige Glut ihn veranlaßte, ein einzelnes Tier aus
ihnen beiden zu mechen. Die Engländer auf der Inſel Brigh=
ton
, die offenbar den Schöpfer an Geduld übertrafen, hatten
durch hundertelei Kreuzung dieſe Tiere noch vervollkommnet. Sie
hatten ſie ſo klein werden laſſen, daß ſie faſt auf einen Handrücken
gehen und den wundervollen Cloiſſonier=Tieren an chineſiſchen
Tempeln glichen, kleinen Ungeheuern an Kraft und Grazie. Die
Hunde mußten die denkmalhafte Wildheit des Löwenſtolzes haben
und jene groteske Maske, die bei den Affen das Zeichen der
Klugheit iſt. Ihre ſchönſte Farbe iſt jenes gelbe leuchtende Beige,
das wie herbſtliches Birkenlaub iſt, mit einem Seidenſchimmer
darauf. Das Fell iſt locker, als ſei es immer etwas angeblaſen.
Dem ſtolz gereckten Kopf entſpricht die Rute, die dieſes Tier wie
eine Standarte trägt. Die Haare fallen in einem Buſch herab,
ja das Tier beginnt hier ſchönen Pflanzen zu gleichen, welche
die Natur in den Tropen verſchwenderiſch ausgeftattet hat. Frau
Ines empfing an Bord des Dampfers, der in Plymouth nicht
anlegte, Yusti, der in Bälde den Namen Bubbels erhielt. Yu=ti,
das Bläschen, ein Tier, das ſo ſtark wie klein war, ein Tier aus
vollkommener Seide, in der Tat ein Juwel aus Aſhton More,
wahrſcheinlich der ſchönſte und edelſte Pekingeſe, der in Deutſch=
land
atmete.

Man irrt, wenn man annimmt, dieſe Beweiſe einer O
regung ſeien die Folge einer neuen Senſation. Frau Ines be
tatſächlich einen Zwinger, in dem ſie ſeit Jahren Hunde züch
Dieſer Yu=ti beſaß lediglich eine Erleſenheit, die nur derjen
verſteht, der auch die letzten Nerven für dieſe Dinge hat. In
Tat durfte Yu=ti Ueberraſchungen erleben. Er traf ſechs Pel
geſen, unter denen Butter=Ball ihm nur um ſo weniges ne
ſtand, wie eben die beſte zweite Klaſſe ſich von der erſten und

ſcheidet. Einige der Pekingeſen waren ſchwarz und weiß. Nanty
war ebenfalls ein Srroß von Aſhton More. Ihre Kinder durften
ihrem Namen und dem des deutſchen Zwingers den von Aſhton
More hinzufügen. Yu=ti ſah ſprachlos und mit einer gewiſſen
Verachtung Chu=Gold, Wri=Ju=Tzu, was ſchwarze Perle heißt,
und, ſchwarz wie die Nacht, Hei=Ju=Yoh. Frau Ines beſaß noch
die Bullis Fido und Lolo, die Wölfe Lux und Alma und einen
langhaarigen ſchottiſchen Terrier, der einen ſpitzen vornehmen
Kopf mit blauen Augen befaß . Zum Tee erſchien Frau Ines auf
der Terraſſe und ſah den langen Park hinunter, auf dem ihre
Kinder ein Croquet=Spiel aufgeſtellt hatten, eines jener harm=
loſen
Spiele, das, wenn es in Parteien geübt wird, die ſeltſam=
ſten
Leidenſchaftsausbrüche plötzlich hervorbringt. Während die
Kinder heraufſchritten, jagte die ganze Koppel von der Seite
durch die hundertjährigen Mammutbäume auf den Raſen. Dieſe
Tiere, deren Blut und Gefühl durch dauernde Züchtung über=
feinert
iſt, beſitzen eine Ausgelaſſenheit, die keinen Augenblick
die Haltung verliert. Sie tollen hinter einem Entenſchwarm her
mit jener übertriebenen Luſtigkeit, welche junge Lords auszeich=
net
, wenn ſie auf einem Serviertablett die Hoteltreppe herunter=
fahren
. Hinter ihnen läuft mit weißer Schürze und weißen
Strümpfen ihre Nurſe. Die Pekingeſen voran, ſcheint eine Schar
japaniſcher Löwen anzuſtürzen. Nach drei Minuten iſt die Sen=
ſation
für ſie aus, ſie kommen gelangweilt auf die Terraſſe, wo
ſie eine Weile bleiben dürfen. Wenn dieſe Tiere lieben, lieben
ſie mit unendlicher Umſtändlichkeit. Sie werden mit Hammel=
fleiſch
gefüttert, da ſie Rindfeiſch nicht vertragen. Die Züchtung
iſt ſcheußlich ſchwer, weil Tiere, die aufeinander reagieren, kaum
gefunden werden können. Um in ihren ſtolzen Minuten erſchei=
nen
zu können, wo ſie wahrhaftig in ihrer Art Beiſpiele hervor=
ragender
Raſſe und Schönheit ſind, bedürfen ſie eines ähnlichen
Syſtems an Ernährung, Ruhe und Bequemlichkeit, wie die
Königin der Nacht, die Frau Ines aus dem Treibhaus nur
einmal im Jahr gebracht wird, um einige Stunden vor ihr zu
blühen.
Es gibt nichts idhlliſcheres als den Dreiklang von Natur,
Frau und Tier, weil der Schöpfer in dieſen Kreaturen am frei=
eſten
atmet. In dieſen Sätzen iſt nichts verſucht, als einige Linien
um ein Bild zu ziehen, das ſich aus dieſen dreien in unherkömm=
licher
Weiſe zuſammenſetzt. Yu=ti beſitzt mit ſeinen paar Jahr=
hunderten
Ahnen in Peking dieſelbe abgeklärte Ruhe wie der
Himmel des Frühſommers über dem Park, den vor hunderi=
fünfzig
Jahren franzöſiſche Architekten mit exotiſchen Bäumen in
die deutſcheſte aller Landſchaften pflanzten. Frau Ines genießk
dieſen Anblick und dieſe Umgebung mit der Ruhe der Frau, die

[ ][  ][ ]

Nummer 18

Polens deutſchfeindliche Politik.
Die Antwort an Calonder. Knebelung des
deutſchen Schulweſens in Oberſthleſien.
Ausgerechnet in dem Augenblick, in dem der Direktor Colban
vom Völkerbundsſekretariat die oſtoberſchleſiſchen Grenzgebiete
Hereiſt, um ſich über die dortige Lage der Minderheiten perſön=
Tich zu orientieren, hat ſich das polniſche Minderheitenamt ver=
antaßt
geſehen, eine Andwort auf die Entſcheidung des Präſi=
Denten der gemiſchten Kommiſſion des Völkerbundes, Calonder,
in der Frage des Schulweſens in Oſtoberſchleſien der gemiſchten
Sommiſſion zuzuſtellen, die prattiſch nicht nur auf eine glatte
Ablehnung der Calonderſchen Entſcheidung hinausläuft, ſondern
in der Form ſich eines Tones befleißigt, der wie eine Verhöh=
riung
der Entſcheidung der gemiſchten Kommiſſion wirken muß.
Man muß aus dem polniſchen Memorandum leider herausleſen,
Haß die poiniſchen Behörden ihr Mißvergnügen über die ge=
rniſchte
Kommiſſion des Völkerbundes in Oſtoberſchleſien jetzt
auch nach außen hin offenkundig dadurch zum Ausdruck zu wün=
ſchen
bringen, daß ſie die Entſcheidung des Präſidenten Calonder
als eine unberechtigte Einmiſchung in die innerpolitiſchen An=
gelegenheiten
hinzuſtellen verſuchen. Die polniſche Antwort jong=
Tiert nämlich mit der Behouptung, daß die Eniſcheidung Calon=
Hers nicht im Einklang mit den Beſtimmungen des Genfer Ab=
Eommens ſtehen, auf Grund der Mitteilung Calonders, daß er,
Fofern die zuſtändigen Behörden Polens ſeiner Auffaſſung ent=
gegentreten
ſollten, den ganzen Rechtsſtreit in der nächſten Seſ=
ſion
des Völkerbundsrates zur Entſcheidung ſtellen werde. Die
wolniſche Anwwort ſagt, daß Calonder zu dieſem Vorgehen über=
chaupt
nicht berechtigt ſei.
In Wirilichkeit handelt es ſich hier um ein Spiel mit Wor=
nen
. Gewiß kann Calonder nach der Genfer Konvention nicht
Direkt den Völkerbund als zweite Inſtanz anrufen. Andererſeits
ber kann Polen ebenſo ſicher nicht verhindern, daß Calonder
Feinen ganzen Einfluß in Genf zur Durchſetzung der von ihm
wertretenen Auffaſſung vor dem Völkerbundsrat geltend macht.
DDas polniſche Vorgehen iſt um ſo mehr als höchſt ungeſchickt an=
Zuſehen, als man auch in Polen wiſſen dürfte, daß Calonder vor
Ueberreichung ſeiner Entſcheidung längere Zeit in Genf weilte,
m ſich über die Auffaſſung der anderen zuſtändigen Völter=
undsſtellen
zu orientieren.
Die Phraſe des polniſchen Memorandums, daß Polen es für
ſeine Pflicht halte, die berechtigten Wünſche der deutſchen Min=
Tderheit im Rahmen der beſtehenden Schulverhältniſſe mit der
egleichen Fürſorge zu erfüllen, die alle Bewohner des Staates zu
fordern hätten, wird den Deutſchen Volksbund als Beſchwerde=
führer
nicht abhalten, ſich entſprechend den Beſtimmungen des
ſGenfer Vertrages nunmehr an den Völkerbund zu wenden. In
fſchneidendem Gegenſatz zu der polniſchen Reſtiſtenz ſteht jeden=
falls
das Verhalten der deutſchen Regierung, daß ſie die ſeiner=
szeit
von Warſchau geforderte Minderheitsſchule nicht nur errich=
rtet
, ſondern ſelbſt ſolche Minderheitsſchulen bis heute noch nicht
als geſchloſſen erklärt, die bereits Ende des Schuljahres 1925
ohne Kinder waren. Man darf wohl hoffen, daß diesmal der
Völkerbund Polen beweiſen wird, wozu er ſtatutenmäßig errich=
tet
wurde.
Die Ablehnung des Calonderſchiedsſpruches in der Minder=
heitenſchulfrage
in Oberſchleſien hat in deutſchen maßgeblichen
tpolitiſchen Kreiſen ſtarkes Befremden hervorgerufen. Man hält
die polniſche Ablehnung nicht nur für eine Brüskierung der
Perſönlichkeir Calonders, ſondern auch des hinter ihm ſtehenden
Völkerbundes ſelbſt. Wenn die polniſche Regierung in ihrer Er=
tklärung
eine Verſtändigung über die Minderheitenfrage will, ſo
muß daran erinert werden, daß vor dem Schiedsfpruch Calonders
eine derartige Verſtändigung von Polen angeſtrebt, aber auch
won Polen ſelbſt damals ſabotiert worden iſt.
Kurswechſel in der polniſchen Minderheitenpolitik?
In politiſchen Kreiſen Warſchaus beurteilt man die Ernen=
nung
Dobruckis zum Kultusminiſter als einen Verſuch, mit den
Minderheiten zu beſſeren Verhältniſſen zu kommen. Dobrucki
gilt als Anhänger einer Politik der kulturellen Selbſtändigkeit
der Minderheiten. Sofort nach ſeinem Amtsantritt hat die ſoge=
nannte
Sachverſtändigenkommiſſion in Minderheitenfragen, die
ſchon faſt in Vergeſſenheit geraten war, ihre Tätigkeit wieder
paufgenommen. Der ehemalige Außenminiſter Waſilewſki, der
Mitglied dieſer Kommiſſion iſt, hat in Wilna Beſprechungen mit
uden polniſchen Oſtminderheiten gehabt. Es muß jedoch feſtge=
ſtellt
werden, daß ſich alle Verſuche der Annäherung an die
Minderheiten bis jetzt auf die ſogenannten ſlawiſchen Minder=
heiten
, Ukrainer, Litauer und Ruſſen, und auf die Juden be=
ſchränken
. Zu den Deutſchen iſt man bisher nicht in Beziehung
getreten, und auch die Intereſſen des neuen Kultusminiſters
dürften in erſter Linie im Oſtgebiet Polens liegen.

Dienstag, den 18. Januar 1927

Der Barmat=Prozeß.
Barmats Rentenbank=Kredite.
Berlin, 17. Januar.
In der heutigen Verhandlung im Barmatprozeß erklärt Bar=
mat
, daß alle Deviſen, die er nach Deutſchland brachte, ſein
Privateigentum geweſen ſeien und nicht aus Krediten herge
rührt haben. Die Verhandlung wandte ſich dann der Entwick=
lung
der Barmatkredite bei der Staatsbank zu. Der Angetlagte
Dr. Hellwig ſagte aus, daß bei den Aneximakrediten die General=
direktion
ſtets auf dem Laufenden gehalten worden ſei. Klare
Beſtimmungen über die Kreditbewilligung habe es nicht gegeben.
Der Vorſitzende ſtellte darauf feſt, daß die Rentenbankkredite
Barmats am 30. November 1923 mit 10 000 Mark begannen und
daß am 15. Dezember die Kredite auf zweihunderdreiundſiebzig=
auſend
Mark angeſchwollen waren. Am 15. Januar 1920 war
der Kredit Barmats bereits auf eine halbe Million angewachſen.

Oberfinanzrat a. D. Hellwig,
der als Beamter der Preußiſchen Staatsbank die Barmat=Geſchäfte
bearbeitet hat und als erſter von den Angeklagten nach der
Vernehmung Barmats zum Verhör kam.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung erklärte der Ange=
klagte
Dr. Hellwig, daß in der Kreditſumme, die ſchließlich auf
ſechs Millionen angewachſen war, auch tägliche Gelder enthalten
waren. Aber erſt im Laufe dieſes Verfahrens habe er erfahren,
daß dieſe täglichen Gelder Blanko gegeben worden ſeien. Der
Angeklagte Klenske erklärt auf Befragen, daß er über die Erledi=
gung
täglicher Gelder mit Rühe und Hellwig verhandelt habe
und gibt zu, daß theoretiſch der Fall möglich war, daß er
(Klenske) auf telephoniſchen Anruf von der Korreſpondenzabtei=
lung
der Staatsbank bis drei Millionen tägliche Gelder bekom=
men
konnte. Er erinnert ſich, einmal einen Betvag von einer
Million täglicher Gelder entnommen zu haben. Die Verhand=
lung
wendet ſich dann dem Abkommen zu, das Julius Barmat
am 4. April mit der Staatsbank getroffen hatte. Die Schuld=
ſumme
betrug an dieſem Tage 5,1 Millionen Mark.
Im weiteren Verlauf des Barmat=Prozeſſes erklärte der
Angetlagte Julius Barmat, daß er die ihm zur Laſt gelegte
beſondere Bevorzugung in dem Kredit nicht erblicken könne; denn
es ſeien 20 Prozent verlangt worden. Bei täglich kündbarem
Geld ſei die Entwertungsklauſel auch ſonſt nicht üblich geweſen.
Er habe ſofort Dr. Hellwig bei Eingang des Briefes der Staats=
bank
darauf aufmerkſam gemacht, daß er die Verpflichtung, den
Kredit nur für Lebensmittelgeſchäfte zu verwenden, nicht über=
nehmen
könne. Sein (Barmats) Bevollmächtigter habe im übri=
gen
nur eine Aktennotiz, in der die Lebensmittelklquſel nicht
enthalten war, beſtätigt. Dr. Hellwig gab zu, daß die Beſtäti=
gung
ſo gehalten geweſen ſei, daß ſie nicht auf die Lebensmittel=
geſchäfte
ſich beziehen konnte. Auf die Frage des Vorſitzenden,
ob der Anexima feſtes Geld ohne Enwertungsklauſel ge=
geben
worden ſei, erwiderte der Angeklagte, Dr. Hellwig, daß
dies deshalb geſchehen ſei, da man im Lebensmittelgeſchäft mit
der Entertungsklauſel nicht durchgekommen ſei. Da ſich der
Angeklagte bei ſeinen Ausſagen in Widerſprüche verwickelt, bit=
tet
der Vorſitzende ihn um nähere Auskunft. Nach Verleſung
des Schrif wechſels zwiſchen der Staatsbank und Barmat wird
die weitere Verhandlung auf Dienstag vormittag vertagt.

Geite 3
Die Parteienkonſtellation
in der Tſchechei.
Eintritt der Slowaken in das tſchechiſch=deutſche
Kabinett. Beneſch’s Vorſioß gegen das
Nationalitäten=Kabinett.
EP. Prag, 17. Januar.
Der Eintritt der Slowakiſchen Volkspartei Hlinkas in das
dritte Kabinett Svehla hat die Ausſichten für eine Ver=
ſtändigung
der drei Nationalitäten: Tſchechen,
Deutſche und Slowaken, verbeſſert. Die unmittel=
bare
Folge der Ergänzung des bisherigen tſchechiſch=deutſchen
Minderheitskabinetts durch die dritte wichtigſte Nationalität des
Landes beſteht in der Sicherung einer feſten Mehrheit. Die Pra=
ger
Regierung erhält dadurch größere Freiheit, während ſie bis=
her
von dem Nationaldemokraten Kramarſch und dem National=
ſozialiſten
Beneſch abhängig ſchien, die heute eine nationaliſtiſche
Oppoſition bilden. Beneſch, der nach einem Exil von drei
Monaten am letzten Mittwoch nach Prag zurückgekehrt
iſt, nimmt im neuen Kabinett eine unklare Stel=
lung
ein. Sie gilt zwar als gebeſſert, iſt aber bei weitem nicht
ſo gefeſtigt, wie es der Propaganda=Apparat behauptet. Die
grün=ſchwarze Koalition, der die Linksparteien vollſtändig zer=
ſplittert
gegenüberſtehen, iſt zu einem ſchrittweiſen Vorgehen in
allen Fragen entſchloſſen. Als nächſte Punkte ſtehen auf der
Tagesordnung: die neue Ländereinteilung, die Steuerreform und
die Geſetzentwürfe für die Sozialverſicherung. Die Erledigung
dieſer Punkte wird die Zeit bis zur Präſidentenwahl im Mai in
Anſpruch nehmen. Nach der Präſidentenwahl muß das Natio=
nalitätenkabinett
zurücktreten. Erreichen die deutſchen
Aktiviſten bis dahin in nationaler Beziehung keine Zugeſtänd=
niſſe
, ſo gilt ein Mißerfolg der Miniſter Spina und Mayr=
Harting nicht als ausgeſchloſſen. Miniſterpräſident Svehla ſoll
jedoch entſchloſſen ſein, die neue Regierungsbaſis unter allen
Umſtänden für drei Jahre aufrecht zu erhalten. Die Bemü=
hungen
Beneſchs, die deutſchen bürgerlichen
Parteien durch die tſchechiſchen Nationalſozia=
liſten
und Sozialdemokraten zu erſetzen, kön=
nen
daher auf keinen Erfolg rechnen. Eine Rückkehr
zur alten national=tſchechiſchen Koalition iſt jetzt für lange Zeit
ausgeſchloſſen.
In der nationaldemokratiſchen Narodni Liſty ſchreibt
Kramarſch, daß der Eintritt der Hlinka=Partei in die Regierung
die ſlowakiſche Frage, die bisher ſtark außenpolitiſch beeinflußt
war, in eine Frage der inneren Politik verwandelt habe. Die
Bedeutung dieſer Aenderung würden am beſten die Ungarn er=
meſſen
. Der katholiſche Lidove Liſty meint, daß das tſchechiſch=
deutſche
Kabinett bisher an eine planmäßige Löſung der poli=
tiſchen
und wirtſchaftlichen Fragen nicht herantreten konnte, weil
keine unbedingt ſichere Mehrheit vorhanden war. Der Ein=
tritt
der Slowaken beſiegele die ſozialiſtiſche
Niederlage. Der Venkow, das Blatt Spehlas, findet, daß
die neue Konſolidierung vor allem zu einer Vereinheit=
lichung
der politiſchen Führung der beiden Reichshälften führen
müſſe. Hingegen iſt das Beneſch=Blatt Cſeſke Slovo ſehr unzu=
frieden
, und der ſozialiſtiſche Pravo Lidu ſpricht von einer voll=
kommenen
Kapitulation der Tſchechen vor den Slowaken. In
ähnlicher Weiſe nimmt die Preſſe der deutſchen Regierungs=
parteien
die Rekonſtruktion des Kabinetts ſehr wohlwollend, die
Oppoſition dagegen kritiſch auf. Nach der Preſſe beginnen ſich
die politiſchen Unterſchiede der Nationalitäten zu verwiſchen.
Eine deutſche Lufifahrtausſtellung 1928.
* Berlin, 17. Januar. (Priv.=Tel.)
Wie wir hören, tragen ſich die an der Luftfahrt intereſſierten
Kreiſe mit der Abſicht, im Frühjahr 1928 in Berlin eine Luft=
fahrtausſtellung
zu veranſtalten, deren Rahmen möglichſt weit ge=
zogen
ſein ſoll, um ihr internationalen Charakter zu verleihen.
Entſprechende Vorberatungen haben mit allen in Frage kommen=
den
Stellen bereits ſtattgefunden. Es hat ſich ergeben, daß die
Ausſichten für dieſen Plan ſehr gut ſind, wenn auch im Augen=
blick
die Finanzierung dieſer Angelegenheit noch Schwierigkeiten
bereitet. Die Stadt Berlin will das entſprechende Gelände zur
Verfügung ſtellen.

in dieſen abgeſchloſſenen Klarheiten der Schöpfung einen Spie=
egel
ſieht. Sie hat eine leichte Falte an der Stelle, wo die Augen=
Thöhle mit der Naſenwurzel zuſammentrifft. Sie erwartet zum
nächſten Tag einen Photographen aus München, der mit einer
kbeſonderen Kamera den Zwinger aufnimmt. Dieſer Mann wird
eine Menge Muſikinſtrumente mitbringen, der Chauffeur wird
eine junge Ente hinter ſeinem Rücken drücken müſſen, daß ſie
ſchreit, man wird mit einem halben Dutzend Perſonal pfeifen
und quietſchen müſſen, um Yu=ti und Nanty ſoweit zu reizen, daß
ſie, die königliche Rute hochgeſtreckt, mit geſpanntem Löwenſchädel
genau in die Kamera ſchauen. Das iſt eine Arbeit von drei Stun=
iden
mit viel ſcheußlichem Geräuſch, auf das die Tiere mit befrem=
deter
, nur leicht neugieriger Verachtung antworten, während der
Bayer mit der vor den Bauch geſchnallten Kamera die Hunde wie
ein Indianer beſchleicht. Frau Ines lächelt mit einer gewiſſen
Erregung und dieſer Andeutung von Lachen, das ſie beſitzt, wenn
ſie an die Tiere denkt. Sie wird dieſes ſommerlich reife Lächeln
auch haben, wenn ſie im nächſten Frühjahr auf dem Schiff von
New York nach Bremen ſteht und ungeduldig vor Plymouth auf
ein Boot wartet, das ihr, einen Policeman am Heck, durch die
Sekretäre des Zwingers Aſhton More von der Inſel Brighton
wiederum ein neues Juwel mit einem ſchönen phantaſtiſchen
Namen bringt, mitten auf dem Meer und überreicht von diſtin=
guierten
Männern, die ſich bei der Quittierung betragen, als
hätten ſie einen Staatsvertrag geſchloſſen.

46 Akademie=Konzert.
Es müſſen nicht immer große Namen ſein, nicht immer Gäſte
von auswärts. Geſtern bezeugte das muſikaliſche Darmſtadt, daß
es ſeiner einheimiſchen Sängerin Poldy Heyl den Ehrentitel
einer Künſtlerin zuerkennt, und wir haben keinen Grund, an die=
ſem
Urteil etwas zu ändern.
Rein äußerlich genommen war es ſchon eine Leiſtung, zwan=
zig
Lieder und die meiſten frei zu ſingen, und noch größer
war die Leiſtung, wie dieſe Lieder gebracht wurden. Ein glän=
zend
beherrſchtes, voll und ſatt ſtrömendes Alt iſt vom tiefen C
bis hinauf zum E ein williges Werkzeug eines ſtarken Ein=
fühlungsvermögens
, eines reſtloſen Sichverſenkens in den Geiſt
der Dichtung und Muſik; wo dieſer Geiſt ſich trifft mit der inner=
ſten
Natur der Sängerin Ernſt, Schmerz, Trauer, Sehnſucht,
alles, was ſich in Moll gibt , da kommen abſolut erſtklaſſige
Leiſtungen zuſtande. Von Schubert der 2. Geſang des Harf=
ners
und Du biſt die Ruh, von Brahms Auf dem Kirchhof,
bon Beines das tiefernſte Eine Bitte, von Gretſcher Marig am

Rocken das waren Lieder, die ſie ſich vom Herzen herunter
ſang und direkt in die Herzen der Zuhörer hinein.
Zwei Lieder aber waren Krone, als Schöpfung wie als Wie=
dergabe
: von Mahler Ich bin der Welt abhanden gekommen
ein Lied, das einem die Tränen in die Augen treibt, ein ſeliges
Lied, und von A. Mendelsſohn ein kleines, ganz kleines Lied,
aber gewoben aus Meiſterſchaft und Güte: Nahender Frühling
Fräulein Heyl hat beide Lieder in vollendeter Weiſe geſungen,
und Profeſſor Beines dieſer Prachtbegleiter hat ſie voll=
endet
begleitet. Das war in Kompoſition und Wiedergabe durch
Geſang und Klavier ganz große Kunſt.
Was der Sängerin weniger liegt, das Heitere obwohl da
und dort ganz feiner Humor ſich ſchüchtern hervorwagte , Son=
nige
, Jauchzende, das trat naturgemäß in der Wirkung zurück.
Alles aber war getragen von künſtleriſchem Ernſt und einer rei=
fen
Geſangskunſt. Zwanzig Lieder, auch unbekannte, teilweiſe
recht eindrucksvolle, von Schlageter, Koennecker und Schrattenholz
ſo zu ſingen, wie es geſtern geſchah, das verdient, daß die Kritik
dasſelbe tut, was das ganz gefüllte Haus tat: herzlich und auf=
richtig
Bravo! zu rufen.
Wir hoffen, daß Fräulein Heyl die Anerkennung, die ihr ge=
bührt
, nunmehr auch außerhalb Darmſtadts finden möge. Das
einzige, was ihr dabei hindernd im Weg ſtehen könnte: übergroße
Beſcheidenheit, ſoll ſie ſchleunigſt in die Rumpelkammer werfen;
da gehört ſie überhaupt hin namentlich aber bei einem
O.
Künſtler.

* Kammermuſik.

Die Schulgruppe des Vereins für das Deutſchtum im Aus=
nd
am Realgymnaſium Darmſtadt veranſtaltete am Sonntag,
n 16. d. Mts., vormittags 11½ Uhr, in dem Feſtſaal der Anſtalt
ne Kammermuſikdarbietung zum beſten ihrer Betreuungsarbeit
er Leiter dieſer Schulgruppe des V. D.A., Prof. Hüthwohl, be=
füßte
zunächſt die zahlreich Erſchienenen herzlich und führte zur
rläuterung des Ausdrucks Betreuungsarbeit der Schulgruppe

etwa folgendes aus:
Der Verein für das Deutſchtum im Ausland hat ſich die Auf=
gabe
geſtellt, auslandsdeutſche Gebiete, in denen deutſches Volks=
tum
fremdem Volkstum zu erliegen droht, zu unterſtützen. Die
hiernach leider allzu reichlich vorhandenen Betreuungsgebiete
ſind unter die Landesverbände, in die ſich der Geſamtverein glie=
dert
, aufgeteilt. In dem Betreuungsgebiet des Landesverbandes
Heſſen nimmt ein Landſtreifen am Schwarzen Meer eine beſon=
dere
Stellung ein. Die dort vorhandenen 1012 000 deutſchen

Bauern waren im Begriff, in den ſie umgebenden fremden
Nationalitäten unterzugehen, als die heſſiſche Hilfe einſetzte. So
kurz die Zeit der Betreuungsarbeit auch iſt, ſo ſchön und hoff=
nungsvoll
ſind die Erfolge. Möglich ſind dieſe einwal durch die
Umſicht und Tatkraft der an leitender Stelle ſtehenden Männer
und Frauen, zum anderen durch die erweckte Selbſtbeſinnung
und den erſtarkten Eigenwillen unſerer Volksgenoſſen in der
Fremde, und zum dritten durch die rege Opfer= und Sammel=
tätigkeit
der Orts= und Schulgruppen des Landesverbandes Heſ=
ſen
. So hat ſich unſere Schulgruppe als Ziel geſteckt, auf eine
Reihe von Jahren hinaus einem jener deutſchen Dörfer einen
deutſchen Lehrer zu ſchaffen, d. h. ihn zu beſolden. Das iſt im
abgelaufenen Jahr gelungen, und als Zeichen der Anerkennung
wurde vom Geſamtminiſterium zu Weihnachten v. J. der Schul=
gruppe
eine Ehrenplakette verliehen und gelegentlich einer kleinen
Feier von einem Vertreter des Landesamtes für das Bildungs=
weſen
überreicht. Um dieſe als Wanderpreis geſtiftete Plakette
zu behaupten, bedarf die Schulgruppe, der etwa zwei Drittel aller
Schüler angehören, der tätigen Mithilfe.
Dem Ausbau dieſer Tätigkeit war die Morgenfeier gewidmet.
Die Ausführung hatten übernommen: Frau Henk (Klavier),
Herr Kleinberg (Violine), Herr Dr. Dexheimer (Cello),
Herr Aſſeſſor Henk (Viola). Die Aufgabe, die ſie ſich geſtellt
hatten, war gar nicht leicht. G=Dur=Trio von Haydn, G=Moll=
Quartett von Mozart und C=Moll=Quartett von F. Mendelsſohn
erfordern namentlich vom Klavier große techniſche Fertigkeit. Die
Klavierſpielerin war den Schwierigkeiten durchaus gewachſen
und hielt das Ganze in rhythmiſcher Beſtimmtheit zuſammen. Am
beſten gelang das Trio von Haydn, deſſen ſprudelndes Preſto
klar und mit Schwung geſpielt wurde. In den beiden größere
Anforderung ſtellenden Quartetten ſtand ihr der routinierte Gei=
ger
Kleinberg mit beſtem Gelingen zur Seite, und wenn auch be=
greiflicherweiſe
ſeitens der anderen Mitſpieler nicht alle Wünſche
an Reinheit der Tongebung und Plaſtik des Vortrags erfüllt
werden konnten, ſo hielt ſich das Ganze, dank der Hingabe der
Beteiligten, doch auf achtunggebietender Höhe, ſo daß den Mit=
wirkenden
reicher Beifall nicht vorenthalten blieb.
O.

Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
Den 60. Geburtstag feiern in dieſem Monat Ernſt Hahn und
Auguſte Supper. Die Deutſche Verlags=Anſtalt bringt zur Feier
des Geburtstages von Ernſt Zahn am 24. Januar in ſchönem Geſchenk=
band
zu niedrigem Preiſe den Auswahlband Die ſchönſten Erzählungen
von Ernſt Zahn, ſowie eine liebevolle Studie über den Dichter von
Dr. Heinrich Spier heraus. Von Auguſte Supper erſchien kurz vor
Weihnachten ihr neueſter Erzählungsband Muſchelz eFrv

[ ][  ][ ]

Seite 4

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

Wie Japan über den Brand
beim Nachbarn denkt.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 16. Januar.
Es iſt ſehr intereſſant, wie Japan infolge ſeiner intimen
Kenntnis der Mentalität der chineſiſchen Nation und infolge
ſeiner tatſächlichen Erfahrungen mit dem anderen Nachbarn
ganz anders denkt als die Mächte des europäiſchen Weſtens.
Ueber die Auffaſſung in Tokio läßt ſich zuſammenfaſſend Fol=
gendes
ſagen:
Japan iſt nach wie vor ein entſchiedener Gegner aller die
Ruhe und folglich auch das Proſperieren der Landesangehöri=
gen
im eigenen Gebiet, in Nord=China und in der Oſt=Mongolei
wie in den chineſiſchen Handelsplätzen ſtörenden Elemente der
Anarchie und des Bolſchewismus, die man gemeinſam mit dem
Namen Rote bezeichnet. Man glaubt im übrigen nicht, daß
bei der ganz unverkennbaren Kraft der nationalen Strömung,
die ſich durch die nicht zum Mob gehörigen Volksmaſſen zieht,
dieſe roten‟ Elemente in China gefährlicher ſind, als in ſo man=
chen
anderen Ländern, in denen die Internationale ihre Tätig=
keit
entfaltet, um ſo weniger, als ſie ja gezwungen war, bei den
gegenwärtigen Verhältniſſen unverhüllt an der Oberfläche, an=
ſtatt
unterirdiſch zu operieren.
Die japaniſche Flotte und Armee ſind in jeder Beziehung
vollſtändig bereit, ihre Landesgenoſſen an allen Punkten zu
ſchützen, und man wird nicht zögern, Gewalt gegen
Gewalt anzuwenden, falls irgendwelche Par=
teien
dieſen Entſchluß herausfordern ſollten.
Die japaniſche Regierung iſt jedoch der Anſicht, daß eine be=
friedigende
Beilegung durch nach Frieden ſtrebende Verhand=
lungen
und unter Berückſichtigung der neuen Verhältniſſe in
China erreicht werden kann. Die japaniſche Regierung iſt
nicht geneigt, in Betreff des Verlangens Chinas nach einer Kon=
trolle
der Settlements und einer Neugeſtaltung der Konzeſſio=
nen
eine Sonder=Aktion zu unternehmen, aber ſie iſt bereit, alle
vernünftigen Vorſchläge zu chineſich=japaniſchen Vertrags= Revi=
ſionen
ſorgfältig zu erwägen, wenn ſich Nord und Süd
über die Organiſation einer Zentralregierung
einigen.
Das Zuſtandekommen einer ſolchen wird durch keinerlei
Aktion der japaniſchen Regierung gehindert werden, und wäh=

rend der bezüglichen Organiſationsbeſtrebungen wird Letztere
weder ſelber Sun, Tſchang Tfu=lien, Hankau oder Peking eine
materielle Unterſtützung oder Ermutigung zuteil werden laſſen,
noch geſtatten, daß die eigenen Landesangehörigen eine ſolche
Unterſtützung leiſten.
Die japaniſche Regierung opponiert offiziell der Erhebung
der vorgeſchlagenen Zuſatzölle in China, weil die geſonderte
Durchführung der zwangsweiſen Einziehung derſelben in
Schanghai, Hongkong und Kanton eine Verletzung der beſtehen=
den
Verträge bedeutet und dazu führen muß, die Teilung
Chinas unter den verſchiedenen Kriegsherren in die Länge zu
ziehen ſowie die Einigung unter einer anerkannten Zentral=
Regierung zu verzögern, die jetzt näher bevorzuſtehen
ſcheint, wie zu irgend einer Zeit während der
letzten zehn Fahre.
Nach einer javaniſchen Berechnung wird die Auferlegung
der Steuer Tſchang Tſuelien in Peking zehn Millionen, Sun in
Schanghai zwölf und der Südregierung in Kanton zehn Millio=
nen
Yuan (Oollars) bringen. Mithin wirrden die Feinde der
Kuomintang im Norden ein Uebergewicht um zwölf Millionen
erhalten. Selbſtverſtändlich würden die geſamten Erträge
durch militäriſche Ausgaben und private Anteile aufgebraucht
werden. Weder China, noch ſeine Gläubiger, noch der geſunkene
und ſtetig weiter ſinkende internationale Handel würden irgend=
einen
Vorteil aus der neuen Belaſtung ziehen. Die japaniſche
Regierung iſt gegen jede Konferenz, bei der nicht jede Partei in
fairer Weiſe vertreten iſt. Sie iſt daher entſchieden gegen die
Beteiligung der Vertragsmächte an irgendeiner Konferenz, an
der nicht alle Parteien durch erwählte und durch die bisher nichr
anerkannten Regierungen des Nordens und Südens akkredi=
dierte
Delegierte vertreten werden.
Erklärungen Sacaſas.
Bluefields (Nicaragua), 17. Januar.
Der Führer der Liberalen Sacaſa erllärte die Gerüchte als
unwahr, wonach er andere Staaten Lateinameritas um militä=
riſche
Unterſtützung erſucht hoben ſoll. Lateinamerika, ſo führte
er aus, gewährt uns nur ſeine moraliſche Unterſtützung, wie ſie
uns auch von dem Teil der öffentlichen Meinung in den Ver=
einigten
Staaten gewährt wird, der für Recht und Freiheit ein=
tritt
. Ich werde mich, ſagte Sacaſa weiter, niemals einer wür=
digen
Löfung, die den Frieden herbeiführt, widerſetzen, wenn ſie
Bürgern Nicaroguas annehmbar erſcheint, die von mir die Ver=
teidigung
der Verfaſſung erwarten.

Die Spannung zwiſchen Vereinigten
Stagten und Mittelamerika.
Will Waſhingion verhandeln?
* New York, 17. Januar. (Priv=Tel.)
Wie hier verlautet, ſcheint die Waſhingtoner Regierung neuer=
dings
nicht abgeneigt zu ſein, Verhandlungen einzuleiten, um den
Nicaragua=Zw’ſchenfall beizulegen. Als Grundlage ſoll der Ver=
mittlungsvorſchlag
des Präſidenten von Coſtarica dienen. Man
denkt ſich die Sache ſo, daß ſowohl Diaz wie Sacaſa gleichzeitig
zurücktreten und dadurch den Weg für Neuwahlen freimachen.
Der neue Präſident würde dann von Waſhington anerkannt
werden. Es beſteht jedoch dabei die Gefahr, daß Amerika die
Neuwahlen mit Hilfe ſeiner in Niearazua ſtehenden Truppen zu=
gunſten
eines Amerika genehmen Präſidenten beeinflußt. Sa=
oaſa
iſt außerdem keineswegs bereit, freiwillig zurückzutreten,
was er jetzt auch öffentlich erklärt hat.
Wachſende Oppoſition gegen Coolidge und Kellogg.
Die New York Times meldet aus Waſhington, daß zwecks
einer Löſung der Spannung zwiſchen den Vereinigten Staaten
und Mittelamerika ein weiterer Druck auf Coolidge ausgeübt
werde. Senator Borah erklärt, der Niew York World zufolge,
das Friedensangebot von Liaz beweiſe nur deſſen Ungeeignetheit
als Präſident von Niegragua, da er verſuche, die Vereinigten
Staaien in einen Krieg gegen Mexiko zu treiben. Der Vertreter
Sacaſas in Waſhington, Dr. Vaca, erklärte, der Verſöhnungs=
vorſchlag
von Diaz ſei wertlos. Er wies darauf hin, daß am
Samstag Waffenſendungen von New Orleans für Liaz abge=
gangen
ſeien. Der Sekretär der Panamerican Federation of
Labor, Igleſias, veröffentlicht einen Briefwechſel, um den Nach=
weis
zu führen, daß die Mexican Confederation of Labor keine
kommuniſt ſchen Tendenzen verfolge. Die Kolumbusritter haben
für den 27. Januar eine Maſſenverſammlung anberaumt, um die
Lage in Mexiko zu erörtern. Eine Verſammlung des Peoples
Party in Baltimore verlangte die Entlaſſung Kelloggs und eine
Unterſuchung der amerikaniſchen Finanzintereſſen in Nicaragug.
Eine Verſammlung in Wrentham (Maſſachuſſets) forderte Coo=
lidge
auf, Lehrer ſtatt Truppen nach Mexiko zu ſchicken. Die Fe=
deration
of Labor in Chicago erſuchte Coolidge und den Senat
um Neutralität in den Fragen Nicaraguas, Mexikos und Chinas.

Seudlelldie diie dieNoclallbelttlA

die jedem Würfel von MAGGlS Suppen aufgedruckt iſt. Sie iſt zwar ſehr eintach,
aber natürlich nicht für jede der vielen Sorten die gleiche. Verfahren Sie nicht
nach Gutdünken. Nach Vorſchrift gekocht, ſchmecken MNGGl5 Suppen delikat.

ARRR
Dankſagung.
Anläßlich meines 25jährigen Zubi=
läums
als 1. Vorſizender des Geſang=
bereins
Liederzweig iſt meiner ſo vlel=
ſeiſtig
gedacht worden. So viele haben
mir durch ihre Teilnahme eine rechte
Herzensfreude bereſtet. Aber es iſt
mir leider nicht möglich ſebem einzel=
nen
Vergelts Gott zuzuruten. Ich
bitte herzlichſt, meinen Dank auf dieſem
Wege ſagen zu dürfen. leugeo
Adolf Schneider.
R6

Unſere herzliebe, ſonnige
Tochter, Schweſier, Nichte
und Kuſine
Jrmgard
iſt heute nach kurzer Krank=
heit
im Alter von 16 Jahren
in die Ewigkeit gegangen.
In tiefſter Trauer:
Für alle Verwandten:
Pfarrer Rudolf Eckel u. Frau
Annelleſe Eckel.
Lampertheim, Büdingen,
Frankfurt a. M, Gießen,
den 17. Januar 1927.
1280

Todes=Anzeige.
Am 16 Januar, abends 934 Uhr,
iſt nach Gottes unerforſchlichem
Ratſchluß unſer lieber, hoffnungs=
voller
Sohn und Bruder

Am 10. Januar 1927 verſtarb in
Konſtanz plötzlich und uuerwartet
nankurzem Krankenlager in Folge
Grippe.
Herr Maſor a. D.
Hanß hon Boſſe
Ritter mehrerer Orden.
Er hat dem Regiment 17 Jahre
ange ört und ſich in allen Stel=
lungen
, die er beklei ete, im Krieg
und Frieden als hervorragender
Vorgeſetzter und treuer Kamerad
elwieſen.
Wir werden dieſem ritterlichen
Kameraden ein treues Angenken
wahren.
(193
von Willich
Generalleutnant a. D und 1 Borſitzender
des oifſz.=Verbandes des ehem. Großh.
Heſſ Garde=Dragoner=Regiments N. 25.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem Heim=
gang
unſeres lieben Entſchlafe=
nen
, die tröſienden Worte von
Herrn Pfarrer Reichert, ſowie
die zahlreichen Kranzſpenden
ſagen wir innigſien Dank.
Die Hinterbliebenen:
1439)
In deren Namen:
Emil Blitz.
Lengfeld i. O., den 17. Januar 1927.

Nch litt ſeit 3 Jahren an gelblichem Ausſchlag
mit ſurchtbarem

Karl

nach kurzem, ſchwerem Leiden im
Alter von 10½ Jahren von uns in
die Ewigkeit gegangen.
Die lieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Paul Schwarz
Thegtermeiſter.
Darmſtadt, den 18. Januar 1927.
Maodalenenſtr. 19.
(la43
Die Beerdigung findet Mittwoch,
den 19. d. Mts nachmittags 8 Uhr,
auf dem aldfriedhof ſtatt.

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Nummer 18
Aus der Landeshauptſtadt.

Darmſtadt, 18. Januar.
Ernanut wurden: am 11. Januar der hauptamtliche Fortbildungs=
ſchullehrer
Anton Reuß aus Bürſtadt, Kreis Bensheim, zum Rektor
an der Fortbildungsſchule daſelbſt; am 14. Januar 1927 der Kanzlei=
gehilfe
Georg Rau aus Neu=Iſenburg vom 1. Februar 1927 an zum
Kanzliſten bei dem Miniſterium der Finanzen.
Ruh. ſtandsverſetzungen. Am 1. Februat 1927 tritt der Kommu=
nalforſtwart
Konrad Buſch auf Grund der Artikel 30 und 33 des
Geſetzes vom 18. Dezember 1923, die Ruhegchalte der Staatsbeamten
betreffend, in den Nuheſtand. In den Ruheſtand tritt am 1. Februar
1927 der Förſter Leonhard Ihrig, zu Rothenberg auf Grund des 8 1
des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw.
19. Dezember 1923 in Verbindung mit Artikel 2 des Geſetzes über die
Einſtellung des Perſonglabbaues in Heſſen und zur Aenderung des
Heſſiſchen Perſoualabbaugeſetzes vom 8. Oktober 1925.
E=ledigt ſind: eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
an der Volksſchule in Merlau (Kreis Alsfeld). Dienſtwohnung iſt
vorhanden; eine Lehrerſtelle, für ein n evangeliſchen Lehrer an der
Vorksſchule in Burkhards (Kreis Schotten). Wohnung iſt vorhan=
den
und frei; eine Lehrerſtelle ſür einen evangeliſchen Lehrer an der
Volksſchule in Burg=Gemünden (Kreis Alsfeld). Dienſtwohnung
iſt vorhanden.

Heſſiſch’s Landestheater. In der morgen Abend im Großen
Haus in vollſtändig neuer Inſzenierung zur Aufführung gelangenden
Walküre ſind die weſentlichen Partien wie folgt beſetzt: Brünn=
hilde
: Charlotte Maſſenburg, Wotan: Johannes Biſchoff, Siegmund:
Gotthelf Piſtor, Sieglinde: Gertrud Gercke, Fricke: Anua Jacobs. Hun=
ding
: Heinaich Hölzlin. Das Enſemble der acht Walküren ſetzt ſich zu=
ſammen
aus den Damen Jacobs, Kapper, Albrecht, Liebel, Penſe, Noe=
zig
, Müller=Wiſchin und Opitz. Muſikaliſcher Leiter: Geueralmuſikdirek=
tor
Joſ.ph Roſenſtock; Inſzenierung: Hans Esdras Mutzenbecher; Ent=
wurf
der Bühnenarchitektur: Arthur Pohl. Beginn der Aufführung:
6 Uhr 30 Min.
Der große Erfolg der drei am letzten Sonntag im Kleinen Haus
zur Vorführung gelangten Märchenfilme veranlaßt die Generaldircktion
des Landestheaters, am nächſten Sonntag, den 23. Januar, vormittags
11 Uhr ſowie nachmittags 2.30 und 4.30 Uhr, im Kleinen Haus einen
neu n Film dieſes Genres, den Parampunt=Film der Ufa: Peter
Pan laufen zu laſſen, der ebenfalls lebhafte Anerkennung bei Preſſe
und Publikum fand. Peter Pan iſt die poetiſche Verfilmung der
reizenden engliſchen Märchenfigur, deren luſtiges, ungebundenes Trei=
ben
im Nirgendwo=Land die Phantaſie aller Kinder erfüllt. Dorr im
tiefen Walde, unter hohlen Väumen und in Erdhöhlen wohnend, ver=
ſammelt
Peter Pan um ſich die kleiuen Knaben, die aus ihrem Kinder=
wagen
gefallen ſind. Mir dieſen erlebt er die romantiſchſten und man=
nigfaltigſten
Abenteuer. Jeder, der den Film ſieht, wird ſeine Freude
an den ppetiſchen Bildern haben, die eine reiche Phantaſie auf die Lein=
wand
zaubert. Die Prciſe für dieſen Film betragen wieder 70 Pfg.
und 1 Mk., Kinder haben eine Ermäßigung auf dieſe Preiſe um die
Hälfte (35 und 50 Pfg.).
Der dritte Beethoven=Abend des Drumm= Qnar=
tetts
findet am Donnerstag, den 20. Januar, abends 8 Uhr, im
Fleinen Haus ſtatt. Zum Vortrag gelang n die Streichquartette Opus
18 Nr. 4. Opus 18 Nr. 2, Opus 95 und Opus 135.
Am Freitag, den 21. Januar, gelangt im Großen Haus nach läu=
gerer
Pauſe als neunte Vorſtellung der Miete ( (Darmſtädter Volks=
Fühne) und 5. Vorſtellung der Schülermiete gelb Beethovens Fidelio
zur Aufführung. Im Kleinen Haus wird am gleichen Abend Paul
Naynals Tragödie Das Grabmal des unbekannten Sol=
daten
in der Juſzenierung von Jacob Geis gegeben, die ebenfalls
längere Zeit nicht mehr im Spielplan erſchienen iſt.
Darmſtädter Wingolf. Die Mahnung: Vergiß der teuren Toten
nicht! hätte die Aktivitas, die A. H. und die Angehörigen der im Welt=
krieg
gefallenen Wingolfiten letzten Sonntag, zum erſten Male im neuen
Verbindungshaus, zu einer ſtimnrungsvollen Gedenkfeier zuſammen=
geführt
. Unter den Klängen des Chopinſchen Trauermarſches zogen die
Chargierten mit umflorter Fahne in den Kneipſaal ein und nahmen
vor der mit Tannengrün geſchwückten Ehrentafel Aufſtellung. Ein ge=
meinſamer
Chor: Auf welſcher Erd und im Slavenland eröffnete die
Feier. Die Gedächtnisrede hielt Dipl.=Ing. Böttcher aus Bingen. Selbſt
Kriegsteilnehmer, wußte er die Geſtalten der Gefallenen zu verleben=
digen
und daxaus die Aufgabe ſür die Ueberlebenden herauszuarbeiten.
Deklamation und Violinſolo umrahmten dieſen Teil. Dann legte der
erſte Chargierte unter Nennung der 18 Namen der Kriegsopfer einen
Lorbeerkranz niedr, und das Lied Ich hatt; einen Kameraden be=
ſchloß
die ernſte Feier.
Darmſtädter Spielſchar. Die erſie öffentliche Aufführung unſerer
Spicle findet Dienstag, 25. Januar 1927, abends 8 Uhr, in der Aula
der Landesbaugewerkſchule, Neckarſtraße 3, ſtatt. Wir bringen einlei=
tend
Der Narz ein Symoblſpicl von Liebe und Narretei, wie es
die Dichterin Margarethe Cordes benennt, eine typiſche Dichtung der
neueren Laienſpiel=Literatur. Aus dem tiefernſten Geſchehen dieſer
Handlung leiten einige Tänze über in die heiter=anmutige Welt des
Hanns Frei von Otto Ludwig. Der Eintritt zu dieſer Veranſtaltung
iſt frei. Alle Freunde der Jugend ſind zu deren Spielen herzlichſt ein=
geladen
. Vorbeſtellungen von Karten werden, in der Geſchäftsſtelle
Muſikhaus Chriſtian Arnold, Ernſt=Ludwig=Straße entgegengenom=
men
; dort wird auch die gewünſchte Auskunft über die Spielſchar er=
teilt
. Als nächſte Veranſtaltung iſt vorausſichtlich am 15. Februar
1927 auf der Marionettenbühne Das Puppenſpiel von Dr. Fauſtus
vorgeſehen, und wird zu dieſem Zweck die Frankfurter Marionetten=
bühne
des Bühnenvolksbundes zu Gaſt geladen. Eine erſte Spialfahrt
führt unſere Laienſpieler mit Hanns Frei am 5. Febwuar 1977 nach
Schwetzingen zu einem Spiel bei der dortigen Ortsgruppe des Oden=
waldklubs
.

Die Nähſtube Alice=Frauen=Verein Abt. V, Paradeplatz Nr. 3,
ſcheint noch nicht ſo betannt zu ſein, wie ſie es verdient. In ihr werden
Damen des Mittelſtandes beſchäftigt, die nicht durch eigene Schuld ihr
Vermögen verloren haben. Es gibt ſehr geſchickte Hände unter ihnen.
Angefertigt werden Kleider, Wäſche auch Herrenhemden , von den
einfachſten bis zu den elegant=ſten. Umänderungen und Flickereien wer=
den
tadellos ausgeführt ebenſo alle ſonſtigen Handarbeiten, wie Stricken
und Sticken uſw. Strümpfe werden geſtopft und angeſetzt. Auch die
beliebten warmen Hausſchuhe werden immer noch zahlreich angefertigt.
Die Nähſtube iſt täglich geöffnet von 912 und von 36 Uhr. Außer
Samstags. An alle die ein Herz ſür den notleidenden Mittelſtand
haben, richten wir die Bitte: Gebt Arbeit den Arbeitſuchenden, damit
wir zu ihrem Wohle die Nähſtube aufrecht erhalten können.
Jahreshauptverſammlung des Gewerkſchaftsbundes der An=
geſtellten
G. D. A., Ortsgruppe Darmſtadt. Die Hauptverſammlung
war außerordentlich gut beſucht. Das G.D.H.=Heim war bis auf den
letzten Platz beſetzt. Der Vorſitzende, Herr Jayme, konnte erfreulicher=
weiſe
darauf hinweiſen, daß das Leben in der Ortsgruppe außerordent=
lich
rege wau. Weiter konnte er mitteilen, daß die Ortsgruppe am Ende
des Jahres einen bedeutenden Mitglioderzugang zu verzeichnen hatte,
was beſonders deshalb ins Gewicht fällt, weil ein Teil jüngerer An=
geſtellter
nach auswärts verzogen war. Wenn trotzdem der Mitglieder=
beſtand
am 31. Dezember 1926 bedeutend größer war, als am 31. De=
zember
1925, dann iſt dies ein Zeichen dafür, daß die Werb.kraft des
G. D.A. außerordentlich groß iſt. Einen beſonderen Rahmen nahm die
Bildungsarbeit ein. Neben verſchi denen Beſichtigungen fanden mehrere
Kurſe in Buchhaltung, Stenographie, Rundſchrift uſw. ſtatt. Die Leite=
rin
der Frauengruppe und die Leiter der Jugendlichen hoben in ihrem
Bericht beſonders hervor, daß das Intereſſe der Jugendlichen für die
Bildungskurſe außerordentlich groß ſei. Der Geſchäftsführer Weinberg
gab einen Ueberblick übre die ſozialpolitiſche und gewerkſchaftliche Tätig=
keit
. Aus ſeinn Ausführungen ging hervor, daß der G. D.A. bei allen
wichtigen Fragen an erſter Stelle tätig war. Auch die Rechtsſchutz=
tätigkeit
konnte ſehr erfolgreich für die Mitglieder durchgeführt werden.
Der erſtrittene Betrag war ſehr groß. Der Kaſſenbericht ergab ein ſehr
zufriedenſtellend’s Bild und zeigte auch hier, daß die Ortsgruppe ſehr
gut arbeitete. Nach der Berichterſtattung erteilte die Verſammlung dem
Vorſtand einſtimmig Entlaſtung. In der darauf erfolgten Neuwahl
wurden die alten Vorſtandsmitglieder einſtimmig wiedergewählt, bis
auf den alten verdienten Mitarbeiter Herrn Belz, der leider wegen
Geſundheitsrückſichten ſein Amt vorläufig nicht ausüben kann. Mit
warmen Dankesworten wurde dem Kollegen für ſeine bish rige Tätigkeit
gedankt. Er erwiderte dieſen Dank damit, daß er verſprach auch ferner=
hin
der Bewegung treu zu dienen, auch hoffe er, bald wied.r mitarbeiten
zu können. Im Anſchluß daran konnte der Vorſitzende, Herr Jayme,
noch darauf hinweiſen, daß im neuen Jahre eine große Zahl Veran=
ſtaltungen
auf dem Gebiete des Bildungsweſens uſw. geplant ſeien.
Die darauf folgende Krankenkaſſen=Jahreshauptverſammlung zeigte das
gleiche Bild. Der alte Verwaltungsvorſtand wurde einſtimmig wieder=
gewählt
. Aus deu Reihen der Mitglieder wurde dann dem Vorſtand
der Ortsgruppe, ſowie der Krankenkaſſe der Dank der Mitglieder für
die unermüdliche und erfolgreiche Tätigteit übermittelt. Reicher und an=
haltender
Beifall zeigte, daß dieſer Kollege aus den Herzen der Mit=
glieder
geſprochen hat

Dienstag, den 18. Januar 1922

Seite 5

Der Zweigverein Darmſtadt des Evangeliſchen Bundes veranſtaltete
am Sonntag in der Stadtkirche einen Deutſchen Abend. Bei der Feier, / Der Vorſitzende, Profeſſor Dr. Th. Liſt, erſtattete zunächſt den
die ſtark b=ſucht war, wirken mit die Madrigalvereinigung Darmſtadt Jahusbericht. Es fanden im Jahre 1926 ſechs Sitzungen ſtatt die
uter Leitung von Privadozent Dr. Fr. Noack, ſowie Stadtorganiſt dunchſchnittlich von 119 Perſonen beſucht waen. Die Zahl der Mit=
Die Madrigalvereinigung ſang Chöre, zumeiſt Kompoſitionen volkslied= der Verein zu beklagen durch den Tod von Muſeumsdirektor Dr. Albr.
Intonation, Wohllaut der Stimmen und Sicherheit des Vortrags ver= und Können dem Verein zur Verfügung geſtellt. Seine klaren und
einigt.n ſich hier harmoniſch zu künſtleriſch hochſtehenden Geſaut= wohldurcdachten Vorträge funden immer großen, verdienten Beifall,
leiſtungen.
auf die Tatſache hin, daß ſchon ſeit Jahrzehnten F.iern der Neichsgrün= RM., in den Ausgaben mit 565,76 RM. Das Vermögen beläuft ſich
dung üblich ſeien, und zwar gemeinſam von allen evangeliſchen Gemein= auf 367,88 RM. Die Rechnung wurde geprüft und richtig befundm
den unſerer Stadt in der Stadtkirche. Die Fefer müſſe jetzt eine tirfere von Herrn Lehrer Grorg Heldmann. Auf Vorſchlag von Herrn
Bedeutung haben als früher, als der ganze Glanz und die Macht des Priva dozenten Dr. Heil wurde der ſeitherig= Vorſtand einſtim=
ſondern
auch ſeeliſche Nachwirkungen gehabt. Man ſprsche ſo viel von über
dem Untergange des Abendlandes, Verfallserſcheinungen zeigten ſich
aber bis in die Familien hinein. Die Gegenwirkung könne nur die
Neligion bieten. Goethe habe einmal geſagt, die tieſſten Themen der wendung des Ballons, und machte in dem gleichen Maße Fortſchritte
Velttonflite wären die zwiſchen Glauben und Unglauben; alle Cpoch=n wie die Luſtfahrt. Auf Freiballonfahrten wurde zunächſt feſtgeſtellt,
des Unglaubens wären immer unfruchtbar geweſen. Der Proteſtantis=
mus
ſei eine Religion und nicht etwa eine Aufklärungsbewegung. Die daß die Tempeiaur erwartungsgemäß mit der Höhe, allerdings nicht
Feier möge zeigen, welche Glaubensmacht für den Einzelnen und das regelmäßig, abnimmt, daß ferner die Zuſamunſetzung bis in den
Volk dem Prot=ſtantismus innewohne.
die unter uns, die den erſten miterlebt haben, denken noch an die Er= kleinen unbemannten Ballons, an denen Regiſtrierinſtrumente befeſtigt
Nativn‟. Das fühlte man, den Jahrhunderte langen Kampfen war ein veratur in den verſchiedenen Höhen abgeleſen werden kann. Es ergab
Ziel geſetzt, und Gott nahm es in die Hand, des deutſcho Volk zu eini= ſich nun überraſchenderwveiſe, daß auf der ganzen Erde in 1015 Klm.
ſcheiden. Und heute? Deutſchland iſt unter aller Feinde Fuß; an der
Mags ſind Franzoſen und B=lgier an der Memel Litaueu, an drr Etzſch die höchſten Aufſtiege ewpaben keine Temperaturabnahme mehr. Eine
die Welſchen und am Belt die Dänen. Feinde ringsum, aber auch weitere Bereicherung unſerer Kennmiſſe über die höh ren Schichen
Feinde im Laude! Wir müſſen es uns gefallen laſſen, daß auf deutſchem
Boden fremdes Kriegsrecht geſprochen wird. Drei Millienen fleißige lichen und neuerdings auch bi künſtlichen Exploſionen, die in allen
Hände müſſen wegen unſerer Gegner ruhen. Und die anderen, für wen Fällen erkennen ließen, daß außer dem Gebiet normaler Hörbatkeit
tum der Reichen. Die vaterländiſche Not müſſen wir mitnehmen in die anoimaler Hörbaukeit vorhanden ſind, nach denen der Schall auf
Gottesgemeinſchaft hinein, und wir müſſen wiſſen, daß unſere irdiſche
Heimat verbunden iſt mit der ewigen. Deutſchland ſt nicht nur ein zwviſchen etwa 40 und 60 Rim. Höhe umbiegen, daß ſie dort weſentlich
geogravhiſcher Begriff, eiue geſchichtliche Größe, ein Welthandelsplatz,
gegeben und gottgewvollt ſind alle dieſe Gaben. Das, was wir an unſe=
rem
Vaterlande haben, die deutſche Seele mit ihuer tiefen Sehnſucht deratur, welche in 10 Klm. Höhe mit etwa 60 Grad unter Null ihren
nach Wahrheit; gottgegeben ſind der Mannesmut, der Heldenſinn, der
Drang nach Freiheit des Lebens und des Denkens. Sollen wir uns
das alles nehmen laſſen?! Gottgewollt iſt unſere Pflicht, und was tuſt
du dazu, um deine Sendung zu vollenden?! Wir ſind auf Gedeih und
Verderb mit der Welt verbunden, wie andere Völker auch. Große Völ= allerdings nicht überſehen, daß dort die Luftdichte unter Jlwoo dar
ker ſind untergegangen; nicht allein Waffengewalt von außen hat dies Düicſte am Bodem ſukt. Für noch größere Höhn fehen uns ſichere
wir ein wachſendes Volk, jetzt ſind wir ein ſchwindendes. Es gibt ſchon oberhalb 80 Klm. Höhe noch Sauerſtoff, Stickſtoff und Helium vorhan=
bei
uns Städte, in denen das Sterben über das Leben triumphiert.
land, wie Tyrus und Sidon, Epheſus und Milet. Das Abſterben fängt
oben an und ſetzt ſich nach unten fort. Der Fehler liegt an der Heimat, ſind.
an der Familie. Die Quelle, an der ſich Volk und Haus erneuern wüf=
ſen
, iſt allein die Familie. Was die deutſche Heimat iſt, haben die im
es gefühlt, was es heißt, heimatlos ſein. Es gilt jetzt, wieder heimatlich
Heim habenz iſt das nicht eine Sache, die zum Himmal ſchreit?! Tau= Ginzelſtärke von 140 Maun abwärts bis zum Quartelt. Sie alle hier
ſende gibt es jedoch auch, die mit ihrem Heim nichts anzufangen wiſſen,
denn das Haus iſt ihnen nicht mehr der Mittelpunkt des gemeinſchaft=
Kampfes. Heute muß auch die Frau hinaus ins feindliche Leben; alle
müſſen dazu helfen, daß ihr das Neich des Hauſes, das ſie verloren hat, legenheit zu geben, der Feier beiwohnen zu können. Damit abr auch
Mütter! Luther, Bach und Bismarck fanden in Haus und Familie
Ruhe in den Kämpfen der Welt. Kinder ſind ein Geſchenk Gottes. Das
Schickſal eines Volkes iſt nicht der Mann, ſondern die Frau, die Mutter.
So wollen wir lernen vom Hauſe aus Deutſchtum und Chriſtentum zu
verbinden. Was iſt die Seele des Chriſtentums? Der Glaube. Was
iſt die Seele des Deutſchtume? Die Treue. In unſerem Sprachgebrauch
ſind ſie untrennbar verbunden. Wir woll n lernen aus dem Buch der ten Verein ab Mittwoch,
Geſchichte, daß die großen Männer den Glauben hatten nicht nur an
die irdiſche, ſondern auch an die ewige Heimat. Unſere Jugend foll unter dieſer Ueberſchrift hatte die Diuektion des Realgymnaſiums
aufwachſen in der Ehrfuncht zum Großen; wir ſind, wie ſchon der römi= Freunde des Turnuterrichts und die Eltein der vorgeführen Klaſſen
Ehrfurcht müſſen wir haben, uns als Gottes Kinder fühlen. In Ehr=
furcht
und Frömmigkeit meiſſen wir auch Brüder ſein; das Gefühl vmuß
bleiben!
Dem Vortrag folgten wieder Chöre der Madrigalvereinigung. Mit Wetters im Herbſt ausgefallene Jubiläumsſportfeſt, und gab
einem Gemeindegeſang ſchloß daun die erhebende Feier.

* Der Pfadfinderhorſt Darmſtadt hatte zu einer Klaus von
Bismarck=Aufführung eingeladen, die am Sonntag nachmit=
tag
in der Loge einem zahlreich erfchienenen Publitym viel Freude
bereitete. Der Stoff iſt der gleichnamigen Kanzlertragödie von Walter
Flex entnommen und war von Diether von Hahn in fünf kurze Auf=
zige
, die ſich vor allem durch ſtraffn Aufbau und ſtark heruortetende
Bildhaftigkeit auszeichneten, zuſammengefaßt worden. Im Mittelpunkt
der Handlung ſteht Klaus von Bismarck, eine Ahne des großen Neichs=
gründers
, er in einer der traurigſten Zeiten der Mark Brandenburg,
dem Stammland des ſpäteren Preußen. Ludwig von Wittelsbach im
Kampfe gegen kaiſerliche Intrigen und Nänke den Eid der Treue
ſchwur und dieſen wie ſein Herr mit ſeinem Herzblut bezahlte. Die
dichteriſch ſchöne Sprache, wir weiſen u. a. auf die wirkungsvolle Gilden=
ſitzung
im Hauſe Klaus von Bismarcks hin, ſowie die an vielen Stellen
auch auf Vergangenes und Gegenwärtiges erinnernden Mahn= und Weck=
rufe
gaben der wohlabgerundeten, mit Ernſt und Fleiß einſtudierten
Aufführung eine eigene Note. Es kann nicht unſere Sache ſein, jedem
der Darſtellerinnen und Darſteller, die ihr Spiel ganz auf Hingabe und
Eindringlichkeit des Wortes abgeſtellt hatten, gerecht zu werden; ſie ver=
dienen
eben, wie Herr v. Hahn in einem herzlichen Schluß= und
Dankeswort ausführte, ein G=ſamtlob, das die dankbaren Zuhörer ihrer=
ſeits
in der Form von Herzen kommenden Beifalls kleideten. Die mit=
wirkenden
weiblichen Kräfte, denen ſich als ſtillen Mitdulderinnen rau=
her
Schickſale wefenseigenſtes Tätigkeitsfeld bot, dankten freudig erregt
für Blumengaben. Ohne den Nichtgenannten irgendwie Abbruch tun
zu wollen, ſeien die Hauptperſonen als ſtärkſte Träger der Handlung,
als befruchtendes Element des Ganzen, hier genannt, und zwar
Diether von Hahn, der den Schwerpunkt ſeiner gut abgewogenen
Geſtaltungskraft in wirkungsvoller Steigerung auf die Schlußſzenen ver=
legte
, Ernſt Lenné (Ludwig von Wittelsbach, Markgraf von Bran=
denburg
), perſönlichkeitsſtark, Mann aus einem Guß. Dem ſchwachen
und klingendem Schacher wohlgeneigten Otto von Wittelsbach, der die
Mark um rund 500 000 Goldgulden ſchmählich preisgab, verlieh K. von
Vellersheim eine Verkörperung von ſtärkſter Kontraſtwirkung.
Klaus' Eltern, der alte, ganz von der Treue gegen die Geſchlechter und
Gilde erfüllte Rule v. Bismarck, und ſeiner Mutter Margarete, die
ihrem Sohne erſt und dann ſich ſelbſt den Stahl ins Herz ſtößt, um
feigen Kaiſerlichen Mordbuben aufrechtes Sterben zu zeigen, hatten in
Walter von Hahn und Käthe von Strmiezeny würdige
Vertreter gefunden. Hier Mutterliebe und =Treue, und auf der andeven
Seite herzinnige Li=be der Braut und Gattin, die Erna Lange=
Koſak in gläubigem Vertrauen zu der Größe ihres Klaus recht
bewegend mitzuteilen wußte. Womit wir den Reigen ſchließen möchten.

*Oeutſcher Abend des Evangeliſchen Bundes. Naiurwiſſenſchaftlicher Verein zu Darmſiadt.
336. Sitzung vom 11. Januar 1927.
Studienrat V. Borngäſſer. Dieſer leitete den Abend ein mit glieder betrug am 1. Januar 1977: 385. Durch Austritt und Tod ver=
dem
tiefempfundenen Vortrag eines Orgelvorſpiels von Gorg Muffat, lor der Verein 18 Mitglieder. Einen beſonders ſchwer.n Verluſt hat
arfgen Charakters, die von älteren Meiſter ſtammten. Nonheit der Schwan,. Dieſs verdienſtvolle Mitglied hat ſtats ſein wich s Wiſſen
Zum ehrenden Gedenken der Verſtorbenen erhoben ſich die Anweſenden.
Der Vorſitzende des Darmſtädter Zweigvereins des Evangeliſchen Ob.rbergrat Köbrich, der Rechner des Vereins, erſtattete den Bericht
Bundes Prof. Lie Matthes, wies in einer Begrüßungsmſprache über die Jahresrahnung. Dieſe ſchließt im den Einnahmen mit 56990
Neiches noch waren. Der Zuſammenbruch hätte nicht allein politiſche, mig wiedergewählt. Sodann ſprach Prof. Dr. B. Gutenberg
den Aufbau der Atmoſphäre
Die Erforſchung der Lufthülle unſerer Erde begaun mit der Ver=
höchſten
erreichten Höhen von etwa über 10 Kilometer faſt die gleiche
Den Feſtortrag hielt Geueralfuperintendent D. Schöttler von iſt wie am Erdboden. In größenen Höhen iſt mit immer ſtärkerem
Magdeburg über Prvteſtantismus und Vaterland‟. Der Redner führte Vorherrſchen der leichten Gaſe, iusbeſondere Waſſerſtoff und Heliumn,
zu ſeinem Thema etwa folgendes aus: Uebermorgen iſt der Reichs= zu rechnen, doch iſt eine ſichere Angabe der Anteile bisher nicht möglich
geindungstag; fünfundfünfzigmal iſt er an uns vorübergegangen, und geweſen. Einen w.ſentlichen Fortſchritt bedeutete die Verwendung von
wartung und Spannung, mit der man damals dieſem Ereignis ent= ſind, welche nach Erreichen größerer Höhen (bis über 30 Kilomter)
gegenſah. Es war eine Zeit gekommen, in der es durch alle Herzen wieder zur Erde zurückgelaugen, dort aufg=funden und an die Auf=
drang
, wie jetzt das Lied Friſchauf in Gottes Namen, du werte teutſche ſtiegſtelle zuuſückgeſandt wirden, wo aus Len Aufzeihnungen die Tem=
gen
; was aber Gott zuſammengefügt hat, das foll der Menſch nicht Höhe (ine Schicht vorhanden iſt, an der die Temperaturgbnahme auf=
hört
und über der wieder etwas höhere Werte anzutreffen ſind. Auch
li=ferten dann die Beobachtungen über die Schallausbreitung bei natür=
uüiſſen
ſie denn arbeiten?! Der Schweiß der Armen wird ſo der Reich= iu der Nähe der Schallquelle in größerer Entfernung nach Zonen mit
großen Umwegen durch die Atmoſphäre gelangen muß. Bei einer
genaueren Durchrechnung fand der Vortragende, daß die Schallwellen
wir müſſen es als eine Gottesgabe, als ein Gottesgeſchenk anſehen. Es ſchneller laufen als an der Erkoberfläche, und daß die Urſach= hierfür=
iſt
Wirklickkeit, Wahrheit, ein Stück von unſerem inneren Laben; gott= uach dem bis jetzt vorhandenen Brobachtuugsmaterial nur höhere Tem=
peraturen
ſein können. Wir hätten alſo anzunehmen, daß die Tem=
niedrigſten
Wert erreicht, zunächſt wenig, von etwa 35 Klm. Höhe an
ſtärker anſteigt und in etwa 50 Klm. Höhe Werte, ähnlich wie an des
Erdoberfläche, erreicht. Auch Meteorbeobochtungen haben zu ähnlichen,
Ergebniſſen geführt. Bei der Beurteilung dieſer Tatſache darf man
bewirkt, ſondern oft kam auch die Zerſetzung von innen. Früher waren Anhaltspunkte, doch deuten die Polarlichtbeobachtungen darauf hin, daß
den ſind, wozu noch Waſſerſtoff kommt. Dagegen geben ſie keinen
Weun das ſo weitergeht, wird es uns ſo gehen wie Nom und Griechen= ſicheren Anhalt für die Temperatur. Schließlich zeigt die Dämmerung,
daß auch noch in einigen 100 Klm. Höhe geringe Luftreſte vorhanden
Heſſ. Sängerbund, Bez. I, Darmſtadt. Der alten Trodition ge=
Felde und im Sclützengraben kennen gelernt, die Vertrfebenen haben mäß findet der diesjährige Liedertag des Bezirks I ſehem. Sängerbund)
am Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 3 Uhr, in der Turnhalle
zu werden im deutſchen Haus. Hunderttauſmde gibt es aber, die kein am Woggsplatz ſtatt, an dem ſich insgeſamt 26 Vereine beteiligen in
anzuführen würde zu weit führen. In anbetracht der Größe der Ver=
anſtaltung
und mit Rückſicht auf die Raumverhältniſſe der Säle ſah
lichen L.beus, nicht mehr der Ruhepunkt in den Futen des täglichen ſich der Vorſtand genötigt, das Konzert in zwei Abteilungen ſtattfinden.
zu laſſen, um ſo w.nigſtens dem größten Teil unſerer Anhänger Ge=
wieder
erobert wird. Es muß wieder heißen: Ehret die Frauen, die an dem künſtleriſchen Wert der Veranſtaltung nichls varioven geht, hat=
der
Vorſtand Sorge getroffen, daß in beiden Konzerten gleichſtarke
Vereine auftretn, die nur ihr beſtes bieten werden, um den Zuhörern
angenehme Stunden zu bereiten. So wird der diesjährige Liedrtag,
der zugleich ein Werbetag für unſere Sängerſache ſein ſoll, den nun
ſchon ſeit 24 Jahren ſtattfindenden Veranſtaltungen nicht nachſtehen.
Eintritlskarten erhalten die Mitglieder bei den Vorſitzenden der beteilig=
Neuzeitliches Schulturnen. Zu einer turneriſchen Darbietung
auf Samstag abend eingeladen. Die Turnhalle der Anſtalt war gefüllt,
ſche Hiſtoriker Taetus erkannte, ein Volk dr Ehrfurch vor Gott. Dieſe wieder ein Beweis fürz das große Intereſſe, das Leibesübungen in allen
Kreiſen unſeres Volkes heute finden. Und dies ſei gleich vorweg=
aber
auch zur Tat werden, denn nur die Tat hat Wert. Es gibt üher genommen: alle Beſucher kamen voll auf ihre Rechnung. In einer kur=
der
Welt ein Reich, das nie vergehtz dieſes Reich muß uns doch zeu Begtüßung wies Oberſchulrat Ritzert, darauf hin, daß dieſe tur=
neriſche
Veranſtaltung einen Erſatz darſtelle für das infoige ſchlechten
ſeiner Freude üüber den guten Beſuch Ausdruck. Oberreallehrer Luley,
der verdienſtvolle Leiter des Abends, machte die Anw=ſenden ſodann
mit dem Zweck des Ab.nds bekannt, den er darin erblickte, mit dem
Weſen der Neuen Turnſchule bekannt zu machen. Ausgangs=
punkt
iſt hierbei lediglich der Körper; man will durch neuzeitliche Schul=
hygiene
alle Schädlichkeiten vom jugendlichen Körper fernhalten und
durch eine neuzeitliche Körperbildung die Wid. rſtandskraft und Leiſtungs=
fähigkeit
des Zöglings erhöhen. Die W.ge zu dieſen Zielen werden von
Phyſiologen, Pſychologen, Hygienikern und Pädagogen in gemeinſamer
Arbeit feſtgeſtellt. Stählung von Herz und Lungen ſpielen heutzutage
neben derj nigen der reinen Muskelkräfte eine erhöhte Nolle. Daher
möglichſte Betätigung im Freicn, Laufen, Springen, Werfen, Sch. vim=
men
, Wandern au hervorragender Stelle. Unſere klimatiſchen Verhält=
niſſe
zwingen leider dazu, Turnhallen als Uebungsſtätten zu benutzen.
In dieſen Räumen, die natürlich den neueſten hygieniſchen Anforderun=
gen
entſprechen müſſen, treibt man Dudnungs=, Frei= und Geräteübun=
gen
. Dieſe Arten heutigen Turnens wurden im einzelnen beſprochen
und ihre neuen Ziele herausg=ſtellt. Ordnungsübungen dienen
nur zur Aufſtellung für Fr.i= und Gerätcüibungen, haben alſo jeden
Selbſtzweck verloren; Freiübungen, ſollen nicht mehr in langen,
ausgeklügelten Uebungsreihen, ſondern nach anatomiſchen und phyſio=
logiſchen
Geſichtspunkten und auf Grund ihrer Wirkung auf den Körper
ausgewählt werden. Rumpfübungen, ſogen, Stoffwechſelläufe, zur Er=
zielung
raſcher Blutzirkulation, b=einfluſſen die Organkraft beſonders
vorteilhaft. Ziel des modernen Turnlehrers iſt, in 1012 Minuten den
ganzen Körper durchzuarbeiten. Für die Geräteübungen ſind
Gewandtheit, Geiſtesgegenwart und Mut die Ziele der Ausbildung. Da=
her
die Bevorzugung der Sprünge über feſte G. räte. Soweit die
Theorie. Es wurden ſodann in drei Altersſtufen praktiſche Ausſchnitte
aus der Neuen Turnſchule gegeben, die das Geſagte erhärteten und
deutlich erkennen ließen, zu welcher Steigerung in der Schwierigkeit der
Uebung und zu welcher Vollkommenheit in der Ausführung die Schüler
durch wohldurckdachte Erziehungsarbeit des Lehrers gelangen können.
Zuerſt betraten Obertertianer, den Plan und zeigten durch Vor=
ſührung
neuzeitlicher Freüübungen, verbunden mit Stoffwechſelläufen,
wie gerade in ihrem Entwicklungsalter durch ſyſtematiſche Schulung eine
Kräftigung des Geſamtkörpers zu erreichen iſt. Geſellſchaftsübungen
zu Zreien und zu Dreien gaben Gelegenheit, die Körperkräfte zu meſſen
und gewandt dunchgeführte Uebungen an der Sproſſenwand zeigten ein
erhebliches Maß von Flinkheit. Eine Oberſekunda führte ſodann
die äußerſt vielgeſtaltige Arbeit mit dem Medizinball in anſchaulichep
Weiſ= vor, zeigte beim Lauf über drei Pferde, wie neuzeitliches Turnen
zur Gewandtheit erzichen kann, und brachte zum Schluß Streckübungen
an der Sproſſenwand. Zum Schluß betraten die Triarier der Anſtalt,
eine kombinierte Oberprima, die Arena. Schon das Auftreten
der bis auf kurze Turnhoſe und =Schuhe unbekleideten Jüinglingsgeſtal=
ten
, wie auch bei den Tertianern und Sekundanern der Fall, mußte den
Freund der Jugend begeiſtern. Schon rein äußerlich war an dieſen
wohlgebeuten Eeſtalten der körperbildende Einfluß ſportlichen Betribs
zu erk unen. Die Frejühungen, die ſie vorführten, zeigten die neuzeit=
liche
, ſtraffe und gute Diſziplin, und die Sprünge über Quer= und
Längspferd zeigten erbebliches Maß von Mut und Gewandtheit. Jede
Uebung fand reiclſten Beifall der Anweſenden, der ſich zum Schluß ſtei=
gerte
. Dies war das beſte Zeichen für den Veranſtalter, Oberreallehrer
Luley, wie ſehr ſeine Vorführungen gefallen hatten. Er kann mit
ſeinm Erfolg durchaus zufrieden ſein. Die Jugend war mit ſichtlicher
Begeiſterung und Freude an der Arbeit, und bewics auch ſo, daß Herr
Luletz mit ſeiner unermüdlichen Arbeit auf dem richtigen Wege iſt, um
aus dieſen Schülern geſumde, kräftige Jünglinge heranzuhilden. As=

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Seite 6

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

* Deutſche Bau= und Siedlungsgemeinſchaft. Am Sonntag nachmit=
kag
hielt die Deutſche Bau= und Siedlungsgemeinſchaft in der Turnhalle
am Woogsplatz eine von der Ortsgruppe Darmſtadt einberufene Werbe=
berſammlung
ab. Saal und Galerien waren dicht beſetzt. Der Sitz des
Unternehmens iſt Darmſtadt. Die Tagung leitete der Vorſitzende der
Darmſtädter Ortsgruppe, Herr Weiland; dieſer wies auf die zahl=
reichen
Angriffe hin und erklärte, daß die Bewegung nichts anderes er=
reichen
wolle, als den bedrängten Volksgenoſſen Wohnung, Arbeit und
Brot zu verſchaffen. Er teilte mit, daß die Regierungsvertreter für die
Einladung gedankt hätten, aber verhindert ſeien, zu erſcheinen. Architekt
Heilmann, der Gaünder der Bau= und Siedlungsgemeinſchaft, hielt
hierauf einen Vortrag über das innere Weſen, die Idee und die Er=
folge
der Ba= und Siedlungsgemeinſchaft. Er erklärte, daß er auf den
von ihm angegebenen Weg zur Bekämpfung der Wohnungsnot erſt ver=
fallen
ſei, nachdem alle ſeine Verſuche, durch die Behörden der Woh=
nungsnot
zu ſteuern, fehlgeſchlagen wären. Das Unternehmen ſei poli=
tiſch
neutral und werde auch niemals eine politiſche Organiſation wer=
den
. Die gegenſeitigen Verhetzungen müßten aufhören, die ſchaffenden
Stände wüßten zuſammenhalten, denn die internationale Hochfinanz
werde ihnen ſonſt den Strick um den Hals legen und ihn zuziehen. Die
Abkommen mit verſchiedenen Gemeinden bewieſen, daß die Bau= und
Siedlungsgemeinſchaft bereit ſei, mit Behörden zuſammenzuarbeiten.
Man wolle nicht durch Worte überzeugen, ſondern durch die Häuſer, die
errichtet werden, und dieſe würden überzeugen. Beſonders wandte ſich
der Redner gegen die ablehnende Haltung der Kreisämter, namentlich
gegen das Kreisamt in Dieburg. Dieſes habe die Bewegung als Schwin=
del
bezeichnet, obwohl gerade im Kreis Dieburg vicle von der Bau= und
Siedlungsgemeinſchaft errichtete Häuſer ſtänden. Der Vorſitzende dankte
dem Redner. Der zweite Redner, Herr Dr. Klotz, ſprach ebenfalls
über die Erfolge der Deutſchen Bau= und Siedlungsgemeinſchaft. Er
erinnerte daran, daß vor 10 Jahren alles in den großen Bankerott hin=
eingezogen
wurde. Die daraus entſtandene heutige Notzeit ſei wie frü=
her
eine Zeit neuer Gedanken. Architekt Heilmann habe gefunden, daß
Rettumg aus der Not nur durch Selbſthilfe erfolgen könne; ſo ſei er auf
den Weg der Schaffung der Bau= und Siedlungsgemeinſchaft verfallen.
Das Neue des Gedankens ſei die Selbſthilfe, die gegenſeitige Hilfe; das
Geſpenſt der Arbeitsloſigkeit könne nur dadurch gebannt werden. Der
Sinn der Bau= und Siedlungsgemeinſchaft ſei, den ungeſunden Zwiſchen=
handel
der Geldwirtſchaft auszuſchalten. Nach der Ausſprache wurde
nachſtehende Entſchließung einſtimmig angenommen: Fünfzehn=
hundert
Bürger und Büürgerinnen Darmſtadts erwarten dringend, daß
Staats= und Stadtverwaltung den Mitgliedern der Deutſchen Bau= und
Siedlungsgemeinſchaft, ſoweit dieſe mit einem Darlehen bedacht ſind,
helfen werden, zu ihrem Ziele zu kommen. Insbeſondere fordern wir,
daß Bauplätze zur Verfügung geſtellt und im Bereich des Möglichen alle
Erleichterungen gewährt werden.
Führungen im Landesmufeum. Die nächſte Führung findet Mitt=
woch
, den 19. Januar, nachmittags püinktlich 3 Uhr, im altdeutſchen Saal
der Galerie ſtatt. Dr. Freund wird über Valdung ud Cranach
ſprechen.
Leſeabende der Stadtbücherei. Mittwoch, den 19. Januar,
8 Uhr: Amerika=Europa. Aus den Reiſeberichten von Arthur
Feiler. Freitag, den 21. Januar, 8 Uhr: Mittelalter=Kreis.
Volkshochſchule. Der Kurſus von Herrn Pfarrer Taesler
(Der unbekannte Schiller) fällt heute Dienstag, den 18.
Januar, aus und wird Dienstag, den 25. Januar, fortgeſetzt. Für
den Marcell Salzer=Abend am Donnerstag, 20. Januar, im
Orpheum erhalten unſere Mitglieder Gutſcheine für ermäßigte Karten
in unſerer Geſchäftsſtelle.
Auf den Marcell Salzer=Abend am Donnerstag, abends 8½
Uhr, im Orpheum ſei empfehlend hingewicſen. Marcell Salzer hat ſich
in dieſen bedrängten Zeiten als ein rechter Tröſter erwieſen: er hat mit
gutem deutſchem Humor lebensbejahend und aufrichtend gewirkt und
überall gute Arbeit getan. Die Preſſe ſchreibt: Stunden mit Salzer
ſind Lebenselixier. Man jubelte und lachte und weinte vor Lachen.
Das Publikum raſte. Marcell Salzer iſt ein Genie, ein Seelenarzt.
Marcell Salzer iſt ohne Zweifel der größte lebende Meiſter auf dem
Gebiete des Vortrages. Er bringt es fertig, das vergrämteſte Publi=
kum
in einen tobenden Beifall zu verſetzen. Die große Popularität
zeigt ſich auch hier in der regen Kartennachfrage bei de Waal, Rhein=
ſtraße
14, und im Verkehrsbüro. (Preiſe 1 bis 3 Mk.)
Gymnaſtik=Unterricht Söllinger beginnt in der Otto Berndt=Halle
mit neuen 10ſtündigen Kurſen für Damen, Herren, Knaben.
Der Unterricht umfaßt neben freier Gymnaſtik auch Uebungen mit den
modernen Gymnaſtikgeräten, wie Medizinball, Hammer, ſchwediſcher
Leiter und Gitterleiter. Die Knaben üben erſtmalig Mittwoch, den
19. Januar, von 45 Uhr. Am Donnerstag, den 20. Januar, wird der
Damenkurſus durch einen Vortrag des Frauenarztes Herrn Dr. Wolff
eröffnet. Der Herrenkurſus beginnt am Freitag, den 21, Januar, um
7 Uhr abends. Die Leitung der Kurſe liegt in Händen des Dipl. Hoch=
ſchulturn
= und Sportlehrers Söllinger und des Dipl. Turn= und Sport=
lehrers
UIrich. Die Anmeldung zu den Kurſen erfolgt im Sporthaus
Adelmann, Rheinſtraße.
* Dekorierungsfeſt des Odenwaldklubs. Nachzutragen ſſt, daß die
muſikaliſche Leitung der Veranſtaltung in Händen des Konzertmeiſters
Finke lag.

*Vom deutſchen Realgymnaſium im Haag.
Den Haag. Reich an heiteren und ernſten Tagen ſind auch die
letzten vier Monate ſeit den großen Sommerferien an dem Deutſchen
Realgymnaſium im Haag vorübergezogen. Ernſt und unerbittlich wie
immer war die Arbeit. Frohe Feſte, Fahrten und Beſichtigungen ſorg=
ten
für die notwendige Abwechſlung und Entſpannung.
Ein beſonderer Ehrentag für unſere Schule war der 2. Oktober,
Da fuhren unſere Jungen und Mädchen nach Rotterdam, um ſich dort
mit ihren Kameraden von der Deutſchen Oberrealſchule in friedlichem
Wettkampfe zu meſſen. Das war das erſte Deutſche Jugendſportfeſt in
Holland. Dem Eifer und der Kampfesfreude unſerer Kinder, die unter
der ſorgfältigen Anleitung von Herrn Dr. Förſter und Fräulein Roſt
vorher fleißig geübt hatten, blieb der Erfolg nicht verſagt. Auf jedem
Gebiet, in jeder Altersſtufe, waren ihre Leiſtungen ſehr gut, und als
um 6 Uhr die Kämpfe zu Ende gingen, da hatte unſere Schule den
Wanderpreis gewonnen, einen ſchönen ſilbernen Becher, geſtifet von
Herrn Dr Behrens, dem Vorſitzenden unſeres Schlvereins.
Andere Fahrten dienten in erſter Linie der Belehrung, Ober= und
Unterprima beſichtigten die Brauerei Caſpare und die Fahrradfabrik
Koſtein in Rotterdam, und am 10. Dezember fuhren die mittleren und
oberen Klaſſen mit dem größten Teil des Lehrerkollegiums nach Amſter=
dam
, um dort das deutſche Linienſchiff Hannover zu beſichtigen, das
auf ſeiner letzten Fahrt vor der Stadt Anker geworfen hatte. Rege und
lebhaft wie immer war auch in den letzten Monaten die Anteilnahme
der Eltern an der Schule. Eine ſtattliche Anzahl von Vätern und
Mittern verſammelte ſich am 10. November mit den Lehrern der An=
ſtalt
im Hotel Wittebrug, um nach einem Vortrag von Herrn Divektor
Prof. Schuchmann ſich über das Thema Eltern und Keind auszu=
ſprechen
.
Faſt zu klein aber war der große Saal des Hotels Wittebrug, um
die große Zahl der Eltern und Freunde unſerer Anſtalt zu faſſen, die
am 17. Dezember unſere Gäſte waren, Freilich galt e3 auch, das ſchönſte
Feſt zu feiern, das der Deutſche kennt, das Weihnachtsf ſt. Schon
Wochen zuvor machte ſich ſein Nahen bemerkbar. Gedichte wurden
gelernt, Theaterproben (von Dr. Schuhmacher) abgehalten, Kuliſſen ge=
malt
, Koſtüme entworfen. Am 6. Dezember erſchien gar St. Nikolaus
in unſerem Schulhaus mit einem großen Sack voll guter Sachen und
frommer Ermahnungen. Dann kam das Feſt ſelbſt. Lieb und unbe=
fangen
trugen die Kleinen ihre Weihnachtsgedichte vor, in ſchlichten
und treuherzigen Worten zog das Chriſtgeburtſpiel an uns vorüber,
begleitet von den Klängen der Chorlieder und des Schulorcheſters. Die
Lichter des Tannenbaums glänzten, und die alten Weihnachtslieder er=
klangen
. Es war echt deutſche Weihnacht, und man konnte vergeſſen,
daß man in fremdem Lande weilte.
Der Lehrkörper hat in den letzten Monaten wiederum einige Ver=
änderungen
erfahren: Am 1. September trat Herr Studienaſſeſſor Dr.
Dietert und am 1. Oktober Herr Reallehrer Diel neu in das Kollegium
ein. Am 1. November hat uns Herr Vikar Klinzing nach einfähriger
Tätigkeit verlaſſen, um ſich in der Heimat auf das theologiſche Staats=
examen
vorzubereiten. Somit beſitzt unſere Schule zur Zeit 18 Lehr=
kräfte
. Davon ſind 6 Akademiker und 1 Reallehrer Heſſen.
A.
Lokale Veranſialtungen.
Die dierunter erſcheinenden Notlzen find ansſchlleklich ais Hinweiſe auf Znzeigen zu betrachten.
in leinem Faſie irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Deutſcher Offizierbund. Samstag, den 22. Januar,
8 Uhr, findet in der großen Turnhalle am Woogsplatz die Reichsgrün=
dungsfeier
des Heſſiſchen vaterländiſchen Blocks ſtatt. Die Damen und
Herren des D.O.B. werden gebeten, vollzählig daran teilzunehmen.
Der Verein der Offiziere des Leibgarde=Regiments hat die Mitglieder
des D.O.B. aufgefordert, an einem kameradſchaftlichen Zuſammenſein
mit Eſſen am 37. Januar, 7 Uhr, im Kaſino, Zeughausſtraße 2, teil=
zunehmen
. Näheres iſt auf der Geſchäftsſtelle zu erfahren.
W. Steinhauſen=Abend. In den Jahron 1924 und 1925
ſind drei große Meiſter der religiöſen Bildkunſt ins Grab geſunken, die
Frankfurter Malerfreunde W. Sreinhauſen und Hans Thoma, zuletzt
n Karlsruhe, und der Düſſeldorfer Profeſſor Ed. v. Gebhard. Ueber
den im Januar 1924 heimgegangenen W. Steinhauſen wird heute abend
8 Uhr im Heim des Chriſtl. Vereins junger Männer, Alexanderſtraße
Nr. 22, an Hand von Lichtbildern Studienrat Dr. Avemarie einen Vor=
trag
halten, zu dem jedermann eingeladen iſt.

Fragen Sie Ihren Arzt,
und wenn Sie hören, daß Ihre Darmträgheit die
Urſache Ihres Leidens iſt, dann nehmen Sie
Taxin und Sie ſind erlöſt. Laxin iſt das
ideale Abführmittel und ſchmeckt wie das teinſie
Konfelt. Eine Ooſe koſiet Mk. 150. In allen
Apotheken und Drogerien zu haben. (V. 315

* Bezirksſchöffengericht. Die Exploſion, die ſich vor nicht allzu lan=
ger
Zeit in den Räumen der Stadtkaſſe ereignete, hatte geſtern ein
gerichtliches Nachſpiel. Dem beim Städtiſchen Gaswerk angeſtellten, in
Nieder=Bcerbach geborenen Inſtallateur Ph. Plößer hier legt die
Anklage zur Laſt, am 8. Oktober 1926, gelegentlich der Arbeiten in der
hieſigen Stadtkaſſe (Abnehmen der Rohrleitungen infolge Umſtellung
auf elektriſches Licht), fahrläſſigerweiſe durch die Unterlaſſung des
Schließens eines offenen Gasrohrs die Verletzung des Karl Kreiter und
des Adam Scherer verurſacht zu haben. Angeklagter legt dar, daß er
mit Arbeiten in der fraglichen Zeit ſtark in Anſpruch genommen ge=
weſen
ſei; wegen der Hand in Hand gehenden Legung der Lichtleitung
habe er auch hier immer zur Verfügung ſtehen würſſen. Einen verdäch=
tigen
Gasgeruch will er nicht wahrgenommen haben. Zeuge Oberinſpektor
Franz Weicker hier war zur Zeit des Unfalls nicht mehr im Bau an=
weſend
. Er beſtätigt, daß immer ſtarker Publikumsverkehr herrſchte,
ſodaß, um den Betrieb nicht zu ſtören, immev das Abnehmen der Gas=
röhrleitung
zimmerweiſe vorzunehmen war, da ſchrittweiſe hiermit das
elektriſche Licht inſtalliert wurde. Der weitere Zeuge, Betriebsinſpektor
Frey beim Städtiſchen Gaswerk, bekundet, daß Plößer ſeit 21. Juli 1924
beim Gaswerk beſchäftigt iſt; in fraglicher Zeit war ſtarke Belaſtung,
ſodaß mit Ueberſtunden gearbeitet werden mußte. Der Zeuge beſtätigt,
daß Angeklagter ſeine Arbeiten immer ordnungsgemäß ausgeführt hat.
Am 11. Oktober 1926 hat er in Gegenwart des Angeklagten ein richter=
licher
Augenſchein ſtattgefunden. Ein ärztliches Zugnis der Kranken=
hausverwaltung
vom 30. Oktober 1926 bekunder, daß zunächſſt Brand=
entzeindung
im Geſicht bei beiden Verletzten feſtzuſtellen war; am ande=
ren
Tage wurden Blaſenbildungen an allen unbedeckten Körperteilen
ſichtbar. Nach einem verleſenen Zeugnis des Arztes Dr. Bodenheimer
befindet ſich Kreiter noch in ärztlicher Behandlung, Sch. iſt nach Mit=
teilung
der Krankenhausverwaltung noch im Krankenhauſe in Behand=
lung
. Beide Verletzte waren deshalb nicht in der Lage, in dem Haupt=
verhandlungstermin
zu erſcheinen. Der Staatsanwalt betont, daß
vieles zugunſten des Angeklagten ſpreche, auch die beiden Verletzten hät=
ten
leichtfertig gehandelt. Immerhin könne wohl nur eine Geldſtrafe
in Frage kommen, deren Höhe in das richterliche Ermeſſen geſtellt wird.
Auch der Verteidiger macht mildernde Umſtände in weiteſtem Maße
geltend. Das Urteil erkennt auf 50 Mk. Geldſtrafe.
Kunſtnotizen.
Ueber Werte, Künfiler oder Hünſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden Grwdhnung
geſchieht. behält ſich die Redaktion ihr Urfeil vor.
Palaß=Lichtſpiele: Die lachende Grille.. Das
Publikum war begeiſtert! Alles was reiht iſt: Friedrich Zelnik weiß
dem Unterhaltungsbedürfnis der breiten Maſſen pirtuos gerecht zu wer=
den
, ohne daß das künſtleriſche Niveau ſeiner Werke Schaden mimmt.
Davor ſchützt ihn perſönlicher Geſchmack und Routine. Um die Sonne
Lya Mara ſtellt ſich ein Chor von Sternen allererſter Ordnung. Inten=
ſivſten
Glanz ſtrahlt die Prachtgeſtalt Yvette Guilberts als verſchmitzt
gütige Großmutter aus, beſonders wenn ſie Gelegenheit hat, mit ihrer
einzigartigen Vortragskunſt eines Chanſons zu brillieren.
Aus den Parteien.
Deutſchnationale Volkspartei, Ortsgruppo
Darmſtadt. Die Mitglieder ſeien an die morgen Mittwoch
abend 8.30 Uhr im Gelben Saal bei Sitte, Karlſtr. 15, ſtattfindende Mit=
gliederverſammlung
erinnert. Herr Stadtverordneter Schneider wird
ſprochen über Darmſtädter Kommunalpolitik Auf vollzähliges En=
ſcheinen
der Mitglieder wird gerechnet. Eingeführte Gäſte ſind will=
kommen
.
Deutſche Volkspartei Ortsgruppe Darmſtadt.
Wir empfehlen dringend, ſich umgehend mit Eintrittskarten für die
Reichsgründungsfeier der Deutſchen Volkspartei (am Donnerstag, den
20. Januar, abends 8 Uhr, im Städtiſchen Saalbau) verſehen zu wollen,
da mit einem ſehr ſtarken Beſuch gerechnet werden muß. B=kanntlich
wird Herr Oberſtudiendirektor Landtagsabgeovdneter Dr. Keller die
Gedenkrede halten; nachher gelangt der bekannte Bismarckfilm,
2. Teil, zur Vorführung. Der muſikaliſche Teil wird von der Beamten=
kapelle
ehemal. Militärmuſiker beſtritten.

Verſteigerungskalender für Mittwoch, den 19. Januar 1927.
Heſſ. Forſtamt Kranichſtein: Vorm. 9 Uhr Wirtſchaft Geil.
Kreuz, Holzverſteigerung Nr. 5. Heſſ. Bürgermeiſterei
Hering: Holzverſteigerung vormittags 9½ Uhr; Zuſammenkunft
in Hering. Heſſ. Bürgermeiſterei Gr. Umſtadt: Vor=
mittags
10 Uhr im Faſelſtall Faſeleberverſteigerung. Hefſ. Bür=
germeiſterei
Seeheim: Vormittags 9 Uhr Darmſtädter
Hof Brennholzverſteigerung.
Tageskalender für Dienstag, den 18. Januar 1927.
Landestheater Großes Haus A 10. Anfang 7½ Uhr.
Ende gegen 10 Uhr: Wilhelm Tell. Kleines Haus: Keine
Vorſtellung. Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele. Konzerte: Schloß=Café; Café Rheingold;
Weinhaus Weißer Turm; Perkeo. Tanz: Taunusburg, Café
Rheingold; Weinhaus Weißer Turm.

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Ein guter Nachtschlaf ist die beste Medizin der Welt.
Weun Sie noch so müde sind, so angestrengt von langer Tagesarbeit und
dann sieben oder acht Stunden gesunden und festen Schlaf haben können, dann
vachen Sie frisch und gekräftigt auf. Der gesunds Mensch schläft mmer gut;
mit anderen Worten: Wenn Sie nicht schlafen können, dann ist etwas mit Ihrer
Gesundheit nicht ih Ordnung.
In neun Fällen von zehn ist etwas verkehrt mit Ihrem inneren System und
Sie müssen möglichst bald etwas tun, um übleren Folgen vorzubeugen. Sie zind
deshalb nicht krank, aber Sie sind doch nicht ganz gesund.
Bei angestrengter Tätigkeit in überfüllten Geschäftsräumen wenig körperlicher
Bewegung an der frischen Luft, häufg hastig eingenommenen und ungeeigneten
Mahlzeiten, sind schlechte Verdauung und ungenügender Stoffwechsel die Folge
dann können Sie nicht gut schlafen und fühlen sich nicht wohl.
Nehmen Sie deshalb jeden Morgen Kruschen in Kaffee, Tee oder warmem
Wasser, denn Kruschen hält Ihren inneren Organismus in Ordnung.
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Oienstag, den 18. Januar 1927

Seite 7

Denet Trie

an Frau Erna Meger=Müller,

Hier.

Cſebe Frau Meger=Mäller !
Sie können lachen! Mit Ihnen und mit Ihren Töchtern hat mein
Mann getanzt. Mit mir hat er zu Hauſe geſchimpft. Mein Gott, wie hat
aber auch ſein Frack ausgeſehen Und dann der Frack meines Sohnes.
Oje, o je! Es iſt ja verſtändlich, daß ſich eine Frau ſo ſchön wie möglich
macht. Gewiß! Zwei blendend weiße, duftige Arme und zwei niedliche
Patſchhändchen haben es ſo manchem Herrn angetan. Wie oft iſt wohl
ſchon beim Tanzen für eine Dame die Entſcheidung gefallen. Meine beiden
verheirateten Töchter haben ihr Glück auf einem Balle gemacht. Aber fragen
Sie meine Schwiegerſöhne, ob die jemals ſo nach Hauſe gekommen ſind,
wie mein Mann und mein Gerd von dem Hausball bei Ihnen.
Tanze mit Deiner Frau, dann ſchonſt Du Deinen Frack, habe ich
meinem Manne geſagt. Nicht, daß ich Ihnen meinen Mann mißgönne,
liebe Frau Meger=Müller. Keineswegs! Und Sie haben zudem vollſiändig
recht, Arme, Hände und Hals ſind noch einmal ſo ſchön, wenn etwas Puder
aufgelegt wird. Aber wie ſieht der Frack des Tänzers nachher aus?
War an dem Frack Ihres Mannes oder an denen Ihrer Söhne etwas
auszuſetzen? Nein, Frau Meger=Müller! Und wiſſen Sie, warum? Die
Herren haben faſt ausſchließlich mit mir und mit meinen beiden jüngſten
Mädels getanzt. Wir verwenden ſowohl für den Tag als auch für Ball,
Theater und Geſellſchaft die nicht fettende Zuckooh=Creme, eine glückliche
Kompoſition von Creme mit Puder. Zuckooh=Creme erhält die Haut friſch
und geſund und verleiht ihr durch den Pudergehalt ſenes matte, vornehme
Ausſehen, um das ſo viele Damen die wahrſcheinlich alle Zuckooh=Creme
verwenden beneidet werden. Zuckooh=Creme färbt trotz ihres Puder=
gehaltes
nicht auf die ſchwarzen Anzüge der Herren ab.
Sie tanzen ſo gut, ſagt mein Mann es iſt ein Genuß, Ihr Partner
zu ſein. Mein Mann kann es beurteilen, denn er iſti ſelber ein flotter
Tänzer. Laſſen Sie ſich zur Zuckooh=Hautpflege bekehren! Die gleiche
Mahnung richte ich an Ihre Muſchi. Mein Gerd tanzt mindeſiens ebenſo
gern mit Ihr, wie mein Mann mit Ihnen und Gerd ſchwelgt, wenn er
den Duft der Zuckooh=Creme vernimmt und Frau Meger=Müller
kann man wiſſen?
Zuckooh=Creme iſt übrigens billig. Eine kleine Tube koſtet nur 30 Pfg.
und die größeren 45, 65 und 90 Pfg. Zuckooh=Creme iſt ſiark konzentriert,
daher rieſig ausgiebig.
Ihre aufrichtig ergebene
Frau Aenne Giſa=Schröder.
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Dekorationsmaler= und Weißbindermeiſter
Neckarſtraße 8 Darmſtadt Fernruf 2470
ab 45. Januar 1927 als ſolche nicht mehr beſteht.

unter der Firma:
J. Thomas
Dekorationsmaler=
und Weißbindermeiſier
Neckarffr. 8
Darmſtadt
Fernruf 2470
für eigene Rechnung in der
Neckarſtraße 8 weiter

Fernruf 4080
für eigene Rechnung im Hauſe
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[ ][  ][ ]

Seite 8

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

Aus Heſſen.

*Der Odenwald und das Heſſiſche
Landestheater.

Heſſen hat ein Vandes=Theater und doch keines, denn eigenrlich
iſt es das Darmſtädter Stadttheater, da ſeine Segnungen größtenteils
oder faſt ganz nur Darmſtadt zu Gute kommen. Ich jage abſichtlich
Segnungen, denn am Defizit darf die ganze, auch die Landebvöllerung
partizipieren. Nun gibt man natürlich nicht gerne Geld aus ür eine
Sache, von der man nichts hat. Das iſt klar. Wie wäre es aber mög=
lich
, daß das Land, z. B. der Odenwald, auch Nutzen von dem Landes=
theater
hätte? Zurzeit iſt es faſt ausgeſchloſſen für die Bewohner des
Odenwaldes, daß ſie die Vorſtellungen des Landestheaters beſuchen kön=
uen
, es ſeien denn die Nachmittagsfremdenmieten. Aber es iſt auch nicht
jedermanns Geſchmack gerade auf dem Lande ſich feſt zu binden.
Man möchte auch ebenſo wie der Städter die freie Auswahl des Stückes
haben und das beſuchen, was einem beſonders intereſſiert. Wie wäre,
aber dem abzuhelfen? Vorausſetzung wäre, daß alle Vorſtellungen ſo
gelegt werden, daß der Abendodenwaldzug, ab 11,01 Oſtbahnhof, be=
quem
erreicht werden kann. Von Reinheim aus müßte ein Triebwagen
vonſeiten der Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft geſtellt werden, der bis
Reichelsheim durchläuft. Er müßte um 11.,32 in Reinheim abgehen. Ein
weiter Triebwagen müßte den Odenwaldabendzug von Wiebelsbach=
Heubach nach Hetzbach fortſetzen. Er könnte über Nacht in Erbach ein=
geſtellt
werden, da dort eine Lokomotiohalle iſt. Auch hat Erbach
Gleichſtrom, ſo daß der Triebwagen dort friſch geladen werden könnte.
Fachkundiges Perſonal ſteht im Städtiſchen Elektriſchen Werk zur Ver=
fügung
. Für Theatervorſtellungen an den Wochentagen müßten die
Odenwaldbewohner auch für Theaterzwecke die Vergünſtigung der Sonn=
tagsfahrkarte
eingeräumt bekommen und außerdem noch Ermäßigung
beim Beſuche des Landes=Thegters. Dies wäre der eine Weg. Der
andere wäre über die Okva (Odenwaldkraftwagen=Verkehrs=A. G.). Die
Olva hat ſchon ſeit zwei Jahren mit Erfolg Wagen von Erbach über
Michelſtadt-KönigHöchſtWiebelsbach nach Darmſtadt zum Landes=
theater
laufen laſſen. Das Landestheater war ſehr entgegenkommend
und hat auf Anmeldung der Okoa hin den durch dieſe gebrachten Be=
ſuichern
des Landestheaters verbilligte gute Plätze angewieſen. Dies
könnte auch fortgeſetzt werden, vielleicht wäre es auch möglich, daß die
Orva einen zweiten Wagen durch das Gerſprenztal laufen laſſen würde.
Zweckmäßig wäre es, wenn ſich für dieſen Fall eine Gerſprenztal= Theater=
gemeinſchaft
gründen würde, die die Beſtellung der Olva Wagen und der
Theaterbillette übernehmen könnte und den Gedanken des Theater=
beſuchs
im Gerſprenztal propagieren würde. Auch könnte aus dieſer
Theatergemeinſchaft heraus an Hand des Spielplans des Landestheaters
beſonders gewünſchte Stücke zum Beſuch ausgewählt werden. So wie
die Gerſpreuztheatergemeinſchaft den Theatergedanken propagiert, könnte
es auch im Mümlingtal die Kuwi (Odenwälder Geſellſchaft für Kunſt
und Wiſſenſchaft) tun.
Wenn auch die Odenwaldbewohner verbilligte Eintrittspreiſe und
Fahrtvergünſtigungen erhalten, ſo iſt ihr Theaterbeſuch doch immer teue=
ver
wie für die Städter, da die Verbilligung der Theaterkarte nicht die
Fahrt ganz aufwiegt. Dazu kommt noch die Veköſtigung in der Stadt,
die wieder den dortigen Geſchäftsleuten zugute kommt.
Es iſt kei Zweifel, daß für einen Laudbewohner ein Theaterbeſuch
meiſt teuer ertauft iſt. Wohnen doch die meiſten auch nicht an der
Verkehrsſtrecke und müſſen daher oft noch ſtundenlang lauſen, bis ſie an
die Bahn kommen. Das darf auch nicht vergeſſen werden.

Ck. Wixhauſen, 17. Jan. Oeffentliche Gemeinderats=
ſitzung
. Zwecks Verbreiterung der Meſſelerſtraße waren verſchiedene
Einwendungen erſolgt, und zwar von Intereſſenten, und vom Bauer=
bund
. Die Einſprüche wurden jedoch gegen die Stimmen der Bürger=
lichen
Parteien abgelehnt. Der Witwve Kath. Diefenbach wurde eine
Bürgſchaftsübernahme für Zwiſchenkredit in Höhe von 3000 Mark ge=
nehmigt
. Das Geſuch der Eheleute Georg Volz und Ph. Wannemache=
um
Rangrücktritt ſeitens der Gemeinde an dritter Stelle für ihre neu=
erbauten
Wohnungen in Höhe von 600 Mark wurde ebenfalls geneh=
migt
. Abgelehnt wurde die Erhöhung der Deckgebühren; für die Au=
mühle
, die den Sätzen der Gemeinde Arheilgen gleich ſein ſollten. Die
Inſtandſetzung der Chauſſee Erzhäuſerweg wurde genehmigt. Zur Be=
aufſichtigung
aller Gemeindearbeiten wurde Kreisbquaufſeher Gödt be=
ſtimmt
. Der Schlauchturm im Hoſe der alten Schule iſt jetzt fertig=
geſtellt
mit einem Koſtenaufwvand von 1013 Mark. Wegen dem immer
ſtärker werdenden Kraftwagenverkehr ſoll die Mittelgaſſe erweitert wer=
den
, weil dort des öfteren kleinere Unglücksfälle vorkommen. Eine Be=
ſichtigung
wid demnächſt ſtattfinden.
* Eberſtadt, 17. Jan. Gutſcheine. Die Bürgermeiſterei gibt
in dieſen Tagen wieder Gutſcheine an Sozial= und Kleinrentner ſowie
an Wohlfahrts= und Unterſtützungsempfänger für den Bezug von Waren
(Lebensmittel, Brennmaterial uſw.) aus. Die Inhaber der Scheine ſind
berechtigt, für den Wert der Scheine Artikel innerhalb der Gemeinde
Eberſtadt einzutaufen. Die Einlöfung erfolgt vom 20. Januar bis zum
10. Februar auf der Gemeindekaſſe.
HI. Eberſtadt, 17. Jan. Konzert. Der Muſikverein Eberſtadt
1904 der vor einem Jahre zum erſten Male nach dem Kriege wieder an
die Oeffentlichkeit trat, veranſtaltete am letzten Samstag im Saale
Zum Darmſtädter Hof einen weiteren Konzertabend, der Zeugnis
davon ablegte, daß der Verein in künſtleriſcher Hinſicht im abgelaufenen

Jahre Fortſchritte gemacht hat. Das abwechſlungsreiche, aber doch ein=
heitliche
Programm ſowie die vorzügliche Löſung der geſtellten ſchwie=
rigen
Aufgaben zcigten Verantwortungsgefühl, Ehrgeiz und geſteigertes

Können bei den Ausführenden. Zunächſt einen kurzen Ueberblick über
die Darbietungen des etwa 20 Mann ſtarken, Orcheſters. Im erſten Teil

des Inſtruments, und hockſtlend ihre künſtleriſche Leiſtung. Beide Vor=
träge
waren gleichgut. Dann Herr Seeh, der den Eberſtädtern als
Meiſter der Violine ſchon recht vertraut geſvorden und kein Fremder
mehr iſt. Im erſten Programmteil ſpielte er das Violiu=Konzert Nr.
9 von Beriot mit Orcheſterbegleitung, im zueiten Teile das Hubay’ſche
Hehre Kati mit Herrn Pfeiffer am Klavier. Zwei prächtige
Leiſtungen. Reicher Beifall lohnte die beiden Soliſten, die durch ihre
vorzügliche Aufwartungen dem Konzert zweifellos eine beſondere Note
verliehen. Sie mußten ſich auch zu Zuigaben verſtehen, die ebenfalls
dankbar hingenommen wurden. Am Schluſſe des Konzerts fand Tanz
ſtatt, der die Muſikfreunde in beſter Stimmung noch einige Stunden
zuſammenhielt..
* Pfungſtadt, 15. Jan. Generalverſammlung. Die dies=
jährige
Generalverſammlung des Geſangdereins Männerquartett
Pfungſtadt, findet im Hotel Strauß am 20. Januar ſtatt. Die
bauptverſammlung der Ortsgrupße Pfungſtadt des Verbandes der
Fabrikarbeiter wird am Sonntag nachmittag im Lokal Weigel abge=
halten
. Verſteigerungstermin. Die Bürgermeiſterei macht
bekannt, daß alle für die Stadtkaſſe Pfungſtadt aufgenommenen Pſänder
für Steuern, Waſſer= und Stromgelder im Nechnungsjahr 1926 am
Montag, den 24. Jauuar, im hieſigen Rathaus durch den Kreispfand=
meiſter
zur Verſteigerung gelangen, wem bei der Stadtkaſſe bis zum
genannten Termin nicht reſtlos bezahlt worden iſt.
* Ober=Namſtadt, 17. Jan. Winterbeihilfe. Mittwoch, den
19. d3. Mts., nachmittag3, werden bei der Gemeindekaſſe die Gutſcheine
der zweiten Nate Winterbeihilfe an die Klein= und Sozialrentner aus=
gegeben
. Die Gutſcheine ſind von den ſie entgegennehmenden hieſigen
Geſchäftsläuten bis längſtens 10. Februar d8. Js. bei der Gemeindekaſſe
zur Einlöfung vorzuzeigen, andernfalls ſie ihre Gültigkeit verlieren.
Groß=Nmſtadt, 17. Jan. Bienenzüchterverſammlung.
Der Imkerverein Groß Umſtadt hielt am Sonntag im Gaſthaus zur
Krone ſeine erſte diesjährige Verſammlung ab. Herr Lehrer Bräuning
von Semd berichtete über die neueſten Beobachtungen, die Profefſor von
Friſch in München auf dem Gebiete der Erforſchung der Bienenſprache
gemaht hat. Der Forſcher kommt zu der intereſſanten Feſtſtellung, daß
die Biene, ſobald ſie eine reiche Nektarquelle ausfindig gemacht hat, und
in ihre Wohnung zurückgekehrt iſt, ganz regelmäßige Bewegungen uuter
gleichzeitigem Ausſtrahlen eines beſtimmten Geruches ausführt. Dieſe,
hier nicht näher zu beſchreibenden Bewegungen neint er Werbetänze‟
Will die Biene ihren Genoſſiunen den Fund größerer Pollenmaſſen
(Blütenſraub) künd tun, fo ſind es wiederum ganz charakteriſtiſche Be
wegungen, ſogenanute Schvänzeltänze, die ſie ausführt. Jedenfalls
ſind es hoehinitereſſaute Feſtſtellungen, die Profeſſox von Friſch ge

acht
hatz, und die jedem Imker Veranlaſſung geben, in dieſer Richtung hil
ſret Weufsacht

r. Babenhauſen, 17. Jan. Der Geſangvevein Eintracht hielt am
vergangenen Samstag abend im Saalbau Deutſcher Hof ſeinen Jahres=
unter
der bewährten künſtleriſchen Leitung ſeines Chormeiſters, Herrn
Sahm=Jügesheim, eine Reihe von Liedern vor, die von ausgezeichneter
tungen, ſowvie auch die eines Gäſte Doppelquartetts aus Heuſenſtamm,
rnteten ſtärtſten Beifall. Eine Polonäſe mit einer ſtattlichen Zahl von
Paaren leitete den Baul ein, an dem ſich fung und alt bis zum frühen
Morgen beteiligten. Die Kapelle Lautz ſtellte die treffliche Feſtmuſik.
Mittwoch, den 19. d. M., veranſtaltet die Landwirtſchaftskammer im
Schwanen hier von 10½ Uhr ab bis nachmittags 1 Uhr einen Saat=
gutmarkt
, um den Landwirten die Möglichkeit zu bieten, auf Grund von kanut unter dem Namen Ried, hat durch die erfolgreichen Riedent=
Verkaufsmuſterproben ſich Saatgut ertragreicher Sorten verſchiedener
auch Proben von anertanntem Saatgetreide und Saatkartoffeln ausge=
ſtellt
und Beſtellungen angenvmmen.
* Vfelbrunn, 17. Jau. Odenwaldklub. Auf ihrer geſtrigen
Wanderung erfreute die Ortsgruppe Michelſtadt unſere Ortsgruppe mit
ihrem Beſuch. Bei anregender Unterhaltung, in die Geſangs= und
humoriſtiſche Vorträge eingeflochten wurden, wovon beſonders die des
Vorſitzenden der Ortgruppe Michelſtadt, Gerrn Poſtinſpektor Seip, ſowie rungsgräben, wie Winkelbach, Mühl= und Landgraben, bedeutend zu
die mit echtem Odenwälder Witz gewürzten Darbietungen des Herrn
Haſſenzahl die Lachmuskeln in Bewegung ſetzten, wurden einige ge=
mütliche
Stunden verlebt, und man trennte ſich mit einem fröhlichen auf lange Zeit als beſeitigt angeſehen werden.
Friſch auf.
Höchſt i. L., 15. Jan. Orcheſtervereinigung Höchſt.
Hieſige Muſikfreunde, haben ſich jetzt unter Leitung des bekannten
Muſiklehrers Herrn Adolf Jöſt, hier, zur Pflege der klaſſiſchen und
modernen Muſik, zuſammengeſchloſſen. Ihr Hauptziel iſt, die Bevöl=
kerung
von Höchſt mit Umgebung mit guter Muſik zu erfreuen Es
wäre fehr zu begrüßen, wenn auch die übrigen Muſikfreunde durch
ihren Beitritt die Vereinigung tatkräftig fördern würden. Samstag,
den 29. Januar, wird das Orcheſter zum erſten Male an die Oeffent=
lichkeit
treten.
* Michelſtadt, 15. Jan. Rechnung des ſtädtiſchen Spital=
fonds
. Die Rechnung des ſtädtiſchen Spitalfonds liegt ab Freitag,
den 14. Januar, für die Dauer einer Woche am Schalter der Bürger=
meiſterei
zu jedermanns Einſicht offen. Einwvendungen können während
dieſer Friſt ſchriftlich oder mündlich erhoben werden. Von der
Gewerbeich le. Im Anſchluß an das Winterhalbjahr wird die
Gewerbeſchule Michelſtadt in den Monaten April und Mai einen Vor=
bereitungskurſus
für die Meiſterprüfung abhalten. Anmeldungen dazu
können jetzt ſchon erfolgen. Odenwaldklub. Die erſte Wan=
derung
im Wanderjahr 1927 wird die hieſige Ortsgruppe des Oden=
ſvaldklubs
am Sonntag, den 18. Januar, unternehmen. Die Wanderung
wird von hier über Lichte PlatteVielbrunnKimbach nach König füh=
ren
. Führer ſind die Herren Fild und Keitzer. Schafhalter=
verband
Hefſen. Am Mittwoch, den 19. Januar, hält der Schaf=
halterverband
Heſſen im Gaſthaus Zum grünen Baum ſeine dies=
jährige
Mitgliederverſammlung gb. Die Verſammlung begimnt um
9 Uhr 30 vormittags. Verein ehem. Landwirtſchafts=
ſchüler
. Die Jahresverſammlung des Vereins ehemaliger Landwirt=
ſchaftsſchüiler
Michelſtadt findet am Mittwoch, den 19. Januar, nachmit=
tags
1 Uhr 30 im Gaſthaufe Zum Deutſchen Haus ſtatt
Erbach, 17. Jan. Selbſtauſchluß Erbach (Odeuwald). In
nächſter Zeit und zwar an einem Tage, der noch durch Poſtkarte und
durch die Zeitungen bekaunt gegeben wird, foll abends nach 9 Uhr das
neue Selbſtanſchlußamt in Erbach in Betrieb genommen werden. Zur
Ueberleitung des Betriebes werden die Teilnehmer um Ausführung nach=
ſtehender
Maßnahmen höflichſt gebeven: 1. Die Verbindungsdrähte zwi=
ſchen
den alten und neuen Apparaten ſind an den durch Papptafeln be=
zeichneten
Stellen mit einer Schere einzeln zu durchſchneiden, die freien
Enden ſind auseinander zu biegen. 2. Bei Nebenſtellenanlagen find
die Umſchalter nach der mit S 4 bezeichneten Stelle umzulegen, ferner iſt
dafür zu ſorgen, daß bei allen Nebenſtellen die Drähte wie unter 1 an=
gegeben
, durchſchnitten werden. Wenn dieſe Maßnahmen nicht ausge=
führt
werden, kann am nächſten Tag nicht mit einem betriebsfähigen Schneeſchuhläufer nach Oberhof bei Ohrdruf im Thüringer Wald,
Apparat gerechnet werden. Ferner wird um Beachtung folgender Punkte
gebeten: 2) Das Amt in der Ueberleitungszeit nach 9 Uhr abends nicht
ohne Grund anrufen; das Prüfen ſämtlicher Teilnehmer, ob ihre An=
ſchlüſſe
betriebsfähig ſind, würde techniſche Schwierigkeiten und Hem=
mungen
in der Herſtellung von Ortsverbindungen hervorrufen. b) Die
Benutzung der alten Appgrate nach der Ueberleitung iſt zwecklos.
C) Bis zur Inbetriebnahme des neuen Amtes wolle man ſich bei Undlar=
heiten
bei der Auskunftsſtelle für Fernſprechangelegenheiten Rat holen.
d) Nach der Betriebsüberleitung rufe man bei Schwierigkeiten oder
Störungen die Störungsanmeldeſtelle unter Nr. 589 an. e) Die Be=
hängen
.
* Waldmichelbach, 17. Jan. Endlich elektriſches Licht!
Unſere Nachbarſtation Kreidach hat bis jetzt noch kein elektriſches Licht
und behalf ſich ſeither immer noch mit dem trüben Petroleumlicht; Krei=
dach
wird wohl die einzige Station dieſer Art ſein. Wie verlautet, ſoll
auf der dortigen Halteſtelle auch elektriſches Licht angelegt werden.
I. Vom Odenwald, 17. Ja. Holzverſteigerungen. Das
gräfl. Forſtamt Erbach ſchreibt mehrere Brennholzverſteigerungen aus:
ten 270 Raummeter Scheit= und Knüppel, 240 Raummeter Reiſerknüp=
pel
; am 20. d. M., nachmittags 3 Uhr, in der Krone in Zell 440 Raum=
meter
Scheit= und Knüppel, 180 Raummeter Reiſerknüppel: am 21. d.
M., nachmittags 3 Uhr, im Adler in Erbach 100 Naummeter Scheit und
Kmüppel, 120 Raummeter Reiſerknüppel, 700 Stück Wellen. Am 18.
d. M. verſteigert die Gemeinde Haſſenroth Stammholz und Bauholz,
Zuſammenkunſt an der Streithecke, Straße Haſſenroth=Höllerbach.
richten. Im Jahre 1926 wurden bei dem hieſigen Standesamt 167.
Geburtsfälle und 99 Sterbefälle angemeldet. Im Jahre 1925 waren
es 139 Geburtsfälle und 126 Sterbefälle. An Eheſchließungen ſind ſo=
wohl
im Jahre 1925 wie in 1926 62 beurkundet. Freiwillige
penheim findet in dieſem Jahre am 23. Januar im Saalbau Kärchner
ſtatt. Die Winterfeſtlichkeit der Feuerwehr, welche ſich großer Beliebt=
heit
erfreut, wird auch in dieſem Jahre ſich den vorhergegangenen
würdig anreihen. Unter anderem werden Muſikvorträge und Theater=
aufführungen
dazu beitragen, den Abend zu verſchönern. Zum Schluß
wird ſich ein Tanzkränzchen auſchließen. Zwei neue Klein=
dern
auch geradezu als geſundheitsſchädlich bezeichnet werden wiſſen.
Dieſem Uebelſtand ſoll nun endlich abgeholfen werden. Der beauf=
tragte
Ausſchuß des Stadtrats hat 30 000 Mark für den Bau einer
Kleinkinderſchule bewilligt. Da man ſich nicht zur Beibehaltung der
ſeitherigen Leitung, welche ſich aus den katholiſchen Ordensſchweſtern
zuſammenſetzte, entſchließen konnte, wurde nun folgender einſtimmige
Beſchluß gefaßt: Die vorgeſehenen 30 000 Mark werden nach der Zahl mung entgegen geſehen wurde, da in letzter Zeit allerlei entſtellende Be=
der
Konfeſſionsangehörigen verteilt und den beiden Pfarrämtern zur
Verfügung geſtellt. Dieſe ſollen dann ihre Gebäude ſelbſt errichten
und die Schulen nach Belieben konfeſſionell einrichten. Da dieſe Sum=
men
zu den Bauten nicht ausreichen, muß wieder an den Opferſinn der
Gläubigen appelliert werden, die fehlenden Mittel aufzubringen.
Hirſchhorn, 17. Jan. Waſſerſtand des Neckars. Am 16.
Januar: 1.50 Meter; am 17. Januar: 1.40 Meter.
* Langwaden, 14. Jan. Diebſtahl. In einer der letzten Nächte
wurden einem hieſigen Landwirt einige Zentner Kartoffeln geſtohlen.
Nutzholzverſteigerungen begonnen. Die Verſteigerungen haben allgemein mann die ſachliche, ſtark beſuchte Verſammlung.
einen ſehr guten Beſuch der näheren und auch weiteren Umgebung auf=
zuweiſen
und werden dadurch immerhin ganz anſehnliche Preiſe erzielt.
Mit dem Abfahren des zuerſt verſteigerten Holzes hat man bereits be=
gonnen
, doch wäre es wünſchenswert, wenn die Abfuhrtage in eine
trockene. Zeit verlegt würden, da die Schneiſen bei der anhaltenden
naſſen Witterung von den Fuhrwerken ſtark geſchädigt werden.

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Gebrauchsanweisung liegt bei.

TGernsheim, 15. Jan. Die Monatsverſammlung des Reichsbundes
der Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen, die im Bürgerſaal des Stadt=
ball
ab, der bei ſehr gutem Beſuche emnen glänzenden Verlauf nahm. hauſes abgehalten wurde, erfreute ſich eines guten Beſuches. Die Ver=
In dem Konzerte, das dem Ball vorausging, trug der ſtattliche Verein ſammlungsleitung lag in Händen des Vorſitzenden, Herrn Hausmeiſter
Wolf. Als Kreisdelegierte wurden gewählt die Herren Maurer Jakob
Draut, Bahnbedienſteter Albert Metz, Maurer Johann Nikolaus Andres
Schulung und trefflicher Einübung Keuntmis gaben. Alle Chordarbie= und Küfer Franz Dörſam. Im Mittelpunkt der Tagung ſtand jedoch
das Referat des Vorſitzenden über das Bauvorhaben 1927. Herr Wolf
verſtand in klarer und ſachlicher Weiſe ſein Programm den Auweſenden
zu Gehör zu bringen. U. a. ſtreifte der Redner auch die Bodenfrage,
die nach ſeiner Auffaſſung vorerſt die wichtigſte iſt. Nach Euledigung
Reichalsheim i. L.u 17. Jan. Saatgutmarkt. Am nächſten kleinerer Vereinsangelegenheiten wurde die ſchön verlaufene Verſamm=
lung
gegen 11 Uhr geſchloſſen.
* Aus dem Rieb, 17. Jan. Riedentwäfſerung. Die in den
Kreiſen Bensheim und Groß=Gerau liegende gewaltige Bodenfläche, be=
detueidegrten
, ſowie von Kartoffeln zu beſchaffen. Es werden hierbei wäſſerungsarbeiten eine erhebliche Verbeſſerung erreicht. Die errich=
teten
Pumpwerke bewähren ſich ſehr gut und laſſen das Ried, auch nach
ſtärkſten Regenfällen, ſchnell abtrocknen. Die früher in dieſer Jahres=
zeit
unter Waſſer ſtehenden Wieſen und Felder ſind faſt alle vollſtändig
trocken, ein Beweis, daß ſich die Mühe, die das Kulturhauamt und die be=
teiligten
Dörfer obwalten ließ, lohnte. Nachdem man Ende vorigen
Jahres die Weſchnitz nebſt Entwäſſerungsgräben in dieſem Gebiete ge=
reinigt
hat, iſt man neuerdings daran, verſchiedene Bäche und Entwäſſe=
erweitern
bziv. auszuputzen. Allein am Winkelbach ſind etwa 9000 Kubik=
meter
Erdaushub vorgeſehen. Die Hochwaſſergefahr dürfte nunmehr
Groß=Gerau, 17. Jan. Saatgutmarkt. Am kommenden
Samstag, findet hier auf Veranlaſſung der Landwirtſchaftskammer ein
Saatgutmarkt ſtatt, bei dem Muſterproben ertragsreicher Sorten Gerſte,
Hafer, Sommerweizen und Kartoffeln ausgeſtellt ſind. Der neue
Bürgermeiſter von Groß=Gerau, Dr. Lüdecke, wird am 1. Februar
ſein Amt antreten. Die Amtseinführung findet am 2. Februar dunch den
Kreisdirektor Dr. Merck ſtatt,
Worms, 15. Jan. In der letzten Nacht wurde in einer Wirtſchaft
der Schäferſtraße eingebrochen und dabei mehrere Kiſten Zigarren,
ſowie etwa 50 Mark Bargeld geſtohlen. Die Täter hatten eine Fenſter=
ſcheibe
eingedrückt, dann das Fenſter von innen geöffnet und waren
eingeſtiegen. In der gleichen Nacht wurde in eine Wohnung in der
Landwehrſtraße eingebrochen wo der oder die Täter Hervenkleidung
und Wein mitnahmen. Einen größeren Geldbetrag, der ſich im
Schreibtiſch befand, fanden die Einbrecher nicht oder wußten nichts von
deſſen Vorhandenſein, ſo daß der Beſitzer, als er morgens den Ein=
bruch
bemerkte, zueiſt nach dem Gelde ſah und dann noch hochzu=
frieden
war, daß die ungebetenen Gäſte es nicht mitgenommen hatten.
Der Schachabend Bogoljubow bedeutete für den Wormſer
Schachklub einen großen Erfolg. Zwei Mitgliedern gelang es zu ſiegen:
den Herren Studienaſſeſſor Schmidt und Lehrer Mendel, eine Partie
wurde remis und 30 Spiele gewann der Gaſt. Der Wormſer Schach=
klub
gewann aber gleichzeitig an dieſem Abend über 40 neue Mitglieder.
UI. Heidesheim, 16. Jan. Für das verſtorbene Mitglied des Ge=
meinderats
P. W. Heiſer (Bürgerliche Vereinigung) wurde Landwirt
Thomas gewählt.
M. Bingen, 16. Jan. Die Gemeinden Drowersheim Sponsheim,
Grolsheim und Dietersheim hegen den Wunfch, eine Waſſerlei=
tung
zu beſitzen. Aus finanziellen Gründen heraus wäre es zweck=
mäßig
, die Waſſerleitungsfrage einheitlich zu regeln. Eine Regelung
dieſer Frage iſt beſonders für Dietersheim aus geſundheitlichen Rück=
ſichten
ſchr notwendig.
M. Alzey, 16. Jan. Unliebſames Ereignis. Beim Her=
ablaſſen
eines Sarges in das Grab rutſchte dieſes zuſammen und die
beiden Totengräber ſürzten mit in die Tiefe, Glücklicherweiſe ſind keine
Verletzungen entſtand.n.
* Aus Oberheſſen, 17. Jan. Ein Sonderzug wird am 19. Januar
das Reichswehrbataillon Nr. 15 von Gießen nach Wabern
zur Regimentsübung befördern. Im Februar begibt ſich das Batail=
lon
nach dem ehemaligen Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen
zur Winterübung. Am Samstag begab ſich bereits eine Abteilung
um Skübungen abzuhalten. Die Mannſchaft kehrt vorausſichtlich am
2. Februar wieder nach Gießen zurück. In Gedern planen Ge=
meindevertretung
und Turnverein die Erbauung einer Turnhalle, es
wurde ein Ausſchuß mit den Vovarbeiten und der Aufſtellung des
Koſtenanſchlags beauftragt. Im Vogelsberg hat in den letzten
Tagen die Evangeliſche Volksgemeinſchaft eine rege Werbetätigkeit ent=
wickelt
und in verſchiedenen Orten im Anſchluß an gut beſuchte Vor=
träge
Ortsgruppen ins Leben gerufen. In Klein=Linden ſtürzte
der Zahntechniker Rudolf aus Großen=Linden mit dem Motorrad, da ihm
ein Hund ins Rad gelaufen war. Das Rad wurde ſchwer beſchädigt,
der Hund getötet, während Rudolf mit geringem Körperſchaden davon=
nutzungsanweiſung
iſt zweckmäßig in der Nähe des Abparates aufzus kam. Die Molkerei Echzelli. d. W. blickt auf ein gutes Geſchäfts=
jahr
zurück: die Zahl der Mitglieder ſtieg auf 430, die ſich auf die wohl=
habenden
Dörfer der mittleren Wetterau verteilen. Die Milchverwer=
tung
betrug im Sommer tüglich 8000, im Winter etwa 7000 Liter. Der
geſamte Jahresumſatz belief ſich auf rund 600 000 Mk. Die Leitung
führt ſeit 32 Jahren in muſtergültiger Weiſe Divektor Schmidt.
* Gießen, 17. Jan. Unſere Lahnſtadt ſtand heute unter dem Zeichet
des Goldenen Jubiläums der Rudergeſellſchaft 1877.
Am 19 d. M. in Michelſtadt, nachmittags 3 Uhr in Schmerkers Gar= Der Feſtakt vereinigte die Spitzen der ſtagtlichen, ſtädtiſchen und ſonſtigen
Behörden mit den Vertretern des Deutſchen Nuderverbandes des Lahn=
Regattaverbandes, ſowie der Brudervereine von Rhein, Main, Neckau,
Lahn und Fulda, auch die ſtudentiſchen Korporationen hatten ſich ein=
gefunden
. Der zweite Vorſitzende der Rudergeſellſchaft 1877, Profeſſor
Geher, hielt die Begrüßungsanſprache und teilte mit, daß die Geſellſchaft
die ſechs noch lebenden Gründer durch die goldene Ehrennadel ausgezeich=
net
habe; es ſind dies: die Herren Chr. Reiber, C. v. Münchow, Nau=
heimer
, Dr. A. Bock, Berg und Hochſtädter. Das Feſtgedicht ſprach Fräu=
Hetpenheim a. b. B, 15. Jan. Standesamtliche Nach lein Alis Crahmer vom Gießener Stadttheater, Fräulein Niedermeyer=
Ofenbach ſang die Allmacht von Schubert und Dr. Laun=Gießen das
Stenermannslied aus Der fliegende Holländer‟. Die Kapelle des
hieſigen Reichswehr=Bataillons ſtellte eine vortreffliche Muſik. Die Feſt=
anſprache
des 1. Vorſitzenden Niemann gab einen Rückblüick über Grün=
Feuerwehr. Der Familienabend der Freiwilligen Feuerwehr Hep= dung, Entwicklung und Erfolge der Gießener Rudergeſellſchaft. Der Vor=
ſitzende
Niemann nahm noch zwei außerordentliche Ehrungen vor: Der
langjährige Vorſitzende Albert Schecl wurde zum Ehrenmitglied ernannt
und dem Gründer Reiber, der 50 Jahre Vorſtandsmitglied iſt, wurde
die Würde eines Ehrenvorſitzenden verliehen. Die Reihe der Glück=
wünſche
eröffnete Oberbürgermeiſter Keller für die Sadt Gießen, Uni=
berſitäts
=Rektor Profeſſor Dr. Zwick ſprach über die Bedeutung der
kinderſchulen. Die ſeitherige Kleinkinderſchule iſt im Amtshof Leibeskultur, Oberregierungsrat Heß übermittelte die Glückwünſche der
untergebracht, wo die Räume nicht nur viel zur eng und dunkel, ſon= Provinzialbehörde, Oberſtleutnant Fritz die des Reickswehrbataillois,
namens des Deutſchen Ruder=Verbandes ſprach Landgerichtsrat Kortcs=
Mainz. Die Wünſche des Bundes Weſtdeutſcher Regattaverbände und
des Lahnverbandes überbrachte Sanitätsrat Dr. Stemmler.
Kirtorf (Oberheſſen), 17. Jan. Am 14. Januar fand in der Wirt=
ſchaft
Zur Krone dahier, die Generalverſammlung der Spar= und Dar=
lehnskaſſe
e. G.mb. H. zu Kirtorf ſtatt, deren Verlauf mit großer Span=
richte
ihren Umlauf durch die Preſſe machten. Der Rechenſchaftsbericht
ergab, daß die beanſtandeten Kreditüberſchreitungen ordnungsmäßig ge=
ſichert
ſind und ſonſt keine Unregelmäßigkeiten beſtanden haben. Die
Vilanz für 1926, die mit erheblichem Reiugewinn abſchloß, wurde eiue
ſtimmig genehmigt, nachdem der auweſende Ober=Reviſor, Herr Eidmann,
Lauterbach die nötigen Erläuterungen gegeben hatte. Für den verſtor=
henen
Direktor, Herrn Lutz, wurde Herr Lehrer Erdmann=Kirtorf ge=
wählt
, im übrigen der bisherige Vorſtand durch Zuruf einſtimmig, der
ſeitherige Rendant Hartmann gleichfalls wiedergewählt. Mit einem
Jägersburg, 16. Jan. Holzverſteigerung. Nachdem die Appell an das weitere eifrige Zuſammenhalten im genoſſenſchaftlichen
Holzhauerei nun beendet iſt, hat man mit den ſtaatlichen Brenn= und Sinne und Dank für das bewieſene Vertrauen ſchloß Herr Direktor Erd=
* Grünberg, 14. Jan. Der Geſangverein Sängerkranz iſt z. Zt.
eifrigſt mit den Vorbereitungen für ſein diesjähriges, am 23. ds. Mts.,
ſtattfindendes Konzert beſchäftigt. Neben zahlreichen, erſtmalig zum
Vortrag kommenden Chören und Quartetten verſpricht die Vortragsfolge
durch Mitwirkung guter Soliſten eine recht abweclfſlungsreiche zu wer=
den
. Ein Thaterſtück wird den oſfiziellen Teil beſchließen. Das Pro=
gramm
des am 13. Februar Ifd. Js. ſtattfindenden Konzerts des Männer=
geſangvereins
weiſt neben zwölf Chören und Quartetten Vorträge zweier
Soliſten, Herrn Daubert und Frl. Line Böhm=Laubach, auf. Die Vor=
tragsfolge
wird ein kleineres Singſpiel beſchließen. Die ſtandesamt=
liche
Statiſtik des Jahres 1926 zeigt folgendes Bild: 27 Geburten,
13 Trauungen, 23 Sterbefälle.
WSN Alsfeld, 17. Jan. Im Leben wie im Tode ver=
eint
. Ein ſeltenes Lebensende fand ein hochbetagtes Ehepaar im
Dorfe Ofleiden (Kreis Alsfeld). Dort war der Gaſtwirt Nikolaus Metz,
der älteſte Mann des Dorfes und zugleich der letzte Veteran von 1870=
71., geſtorben. In dem Augenblick, wuo ſich der Leicheuzug vom Trauer=
hauſe
zum Friedhof in Bewegung ſetzte, verſchied auch die ſchwerleidende
Gattin des Mannes, ſo daß das Ehepaar, wie im Leben, nun auch im
Tode vereint iſt.

II. Bad Mkünſter g. St., 15. Jan. Die Staatsanwaltſchaft Kaiſers=
lautern
hat eine Belohnung von 300 RM. zur Feſtſtellung des
Täters, deu in der Nacht zum 10. September 1926 in Altenbamberg die
ledige Philippine Dern erſchoſſen hat, ausgeſetzt.

[ ][  ][ ]

Nummer 18

Reich und Ausland.
Reſultat der Stadtverordnetenwahlen.
* Wiesbaden. Bei der ſtattgefundenen Wahl
E die Stadtverordnetenverſammlung Groß= Wies=
ſaDens
erhielten: Deutſchnationale Volkspartei 3333
2: Deutſche Volkspartei 7634 9: Wirtſchafts=
ſatei
5661 6: Nationalſoziale Arbeiterpartei 777
Zentrumspartei 5814 7: Deutſche demokra=
ache
Partei 3339 4: Liſte Waldſtraße 330 ;
frmpfbund für Volksrecht und Aufwertung 2234
2: Parteiloſe Liſte 596 ; Chriſtlich=Soziale
Richspartei 178 : Sozialdemokratiſche Partei
1214 16: Kommuniſtiſche Partei 5545 6. Ab=
geben
: 48001; ungültig: 286.

Hochwaſſerſchutzmaßnahmen an der
Lahnmündung.
WSN. Niederlahnſtein. Nach langen Ver=
ſandlungen
mit der Regierung in Wiesbaden wird
nmehr an der Lahnmündung ein umfangreicher
öpchwaſſerſchutz eingerichtet. Fünfmal hintereinander
irerfluteten in den letzten Jahren die Wellen des
ſiweins und der Lahn unſere Stadt. Niederlahnſtein
damit die am öfteſten und ſchlimmſten heimge=
hte Ortſchaft am Mittelrhein. Jedesmal ſtanden
wei Drittel der Stadt meterhoch unter Waſſer. Am
Januar 1927 war der höchſte Ueberſchwemmungs=
t
nd; in der Mitte der Stadt ſtand das Waſſer zwei
A=eter hoch. Durch das bei Koblenz in den Rhein ein=
eßende
Moſelwaſſer wird der Rhein bei Nieder=
ſchnſtein
geſtaut, ſo daß der Rheinwaſſerſpiegel hier
aDeutend über dem Pegel bei Koblenz ſteht. Die
her in den Rhein einmündende Lahn wird dadurch
eigenfalls zurückgeſtaut und ſucht ihren Weg durch
dm Ortsteil. Die Abwehrmaßnahmen erfordern
dBhalb rieſige Anſtrengungen. Es ſind daher fol=
gunde
Schutzmaßnahmen gefordert worden: 1. Aus=
hru
des Geſamtkanalnetzes im Stadtgebiet, 2. Errich=
gung
eines Rheindamms, 3. Erbauung einer Lohn=
ſcrutzmauer
. Die Koſten in Höhe von mehreren Mil=
luonen
Mark ſollen aus der produktiven Erwerbs=
Liſſenfürſorge beſtritten werden. Außerdem iſt die
Etrhaffung einer zweiten Lahnmündung geplant, ähn=
läh
der bei Metternich geplanten zweiten Moſel=
müindung
. Ein Fünftel der Koſten wird durch die
Stadt Niederlahnſtein aufgebracht, und zwar im
Zeege langfriſtiger Anleihen.
* Heizbare elektriſche Straßenbahnwagen.
Der für 1926 bereits vorliegende Verwaltungs=
brricht
der Stadt Stuttgart teilt mit, daß dort
i 65 Wagen ſeit einiger Zeit die elektriſche Heizung
fun Betrieb iſt. Die ſämtlichen Wagen werden bis zum
Tginn des Winters 1927 mit elektriſcher Heizung
arsgeſtattet ſein.
Die Leiferder Reviſion verworfen.
TU. Leipzig. Im Leiferder Attentatsprozeß
htt der 3. Strafſenat des Reichsgerichtes die von den
bniden Angeklagten Schleſinger und Weber einge=
legten
Reviſionen verworfen. Die gegen beide An=
gtklagten
ausgeſprochene Todesurteile ſind damit be=
ſtrtigt
.
Wieder ein Förderkorbunglück.
Berlin. Auf dem neuen Walzwerk der Gute=
Koffnungshütte hatten zwei Arbeiter entgegen der
Vorſchrift ſich ohne einen ſachverſtändigen Schloſſer
ſel. bſt an die Inſtandſetzung eines reparaturbedürf=
higen
Förderkorbes gemacht und den Korb mit einem
Rohr geſtützt, das anſcheinend zu ſchwach war. Der
Korb ſtürzte ab, wobei die beiden Arbeiter getötet
wurden.
Merkwürdigkeiten im Berliner
Anſchaffungsamt.
DD. Berlin. Der Direktor des Anſchaffungs=
auites
des Magiſtrats Berlin, Direktor Kieburg, iſt
püötzlich am 10. Dezember vom Amt ſuspendiert wor=
dan
. Der Vertrag Kieburgs mit der Stadt, der bis
zu m 31. Dezember 1937 lief, iſt mit ſofortiger Wir=
kung
auf Beſchluß des Aufſichtsrates des Anſchaf=
fungsamtes
gekündigt worden. Die Völkiſche Zei=
tung
meint, man gehe in der Annahme nicht fehl,
d5 ß der Rücktritt im Zuſammenhang mit größeren
Gerluſten ſteht, die das Anſchaffungsamt durch un=
zuseckmäßige
Einkäufe, für die Kieburg die Verant=
wwrtung
trug, erlitten hat. Zurzeit wird durch eine
Zwmmiſſion nachgeprüft, wie hoch dieſe Verluſte ſind;
ſi=dürfen mindeſtens 250 000 Mark betragen.

Zwiſchenfall der Emden in Kapſtadt.
London. Wie Reuter aus Kapſtadt meldet,
hatte ſich am Sonntag nachmittag auf die Mitteilung,
däß der deutſche Kreuzer Emden dem Publikum zur
Bleſichtigung zur Verfügung ſtehen werde, eine nach
Tuſenden zählende Menſchenmenge am Kai ange=
ſommmelt
. Dabei ſei offenbar ein Gedränge ent=
ſtunden
, durch das die vorn Stehenden in Gefahr
gexieten, ins Waſſer gedrängt zu werden. Um dies
zu verhindern und die Menge zu zerſtreuen, hätten
ennige deutſche Matxoſen einige Male mit einer
Swritze einen Waſſerſtrahl auf die Menge
ge richtet. Wie Reuter bemerkt, habe der
Zwiſchenfall auf den bisher wohlgelungenen Beſuch
der Emden einen Schatten geworfen. Reuter
meldet, daß die Anwendung des Spritzenſchlauches
gingen die Menſchenmaſſen mit Wiſſen und auf An=
r
gung der Polizei erfolgt iſt, weil die Poli=
z
dem unerwarteten Anſturm des Publikums nicht
gewwachſen war, ſo daß die vom Waſſer auf drei
Sleiten eingeſchloſſenen Perſonen auf dem vorderen
Tieil des Kais von den nachdrängenden Menſchen=
maſſen
ins Meer geſchoben worden wären. Das
Prublikum bringe der Geiſtesgegenwart des Kapitäns
der Emden, die eine große Kataſtrophe verhindert
höbe, volles Verſtändnis und größte Bewunderung
emt tgegen.

AAutoſtraße BerlinDresden-PragWien.

d. Aus Prag wird uns berichtet: Die tſchecho=
nwakiſchen
Behörden haben ihre Bereitwilligkeit er=
klrärt
, mit den deutſchen zuſtändigen Stellen über das
Projekt einer direkten Automobilſtraße von Berlin
üb er Dresden und Prag nach Wien zu verhandeln.
Blskanntlich haben ſich Dresdener Handels= und In=
hi
. ſtriekreiſe an das Berliner Reichsverkehrsamt wegen
Auusbaues einer Automobilſtraße von Berlin über
Leipzig nach Rom gewendet und darauf hingewieſen,
33:ß Dresden ſeit dem Umſturze darunter leidet, daß
die Reichsdeutſchen über Leipzig nach Wien fahren.
Liie tſchechoſlowakiſchen Behörden ſtellen den reichs-
dautſchen
Intereſſenten anheim, die Anregung wegen
dss Ausbaues einer Strecke BerlinDresden-Prag
Wien nſw. zu geben.

Oienstag, den 18. Januar 1927

Internationale ärztliche Konferenz in Berlin.
Tagung der Pockenkommiſſion des Völkerbundes.

Zum erſten Male hat ſich jetzt eine Kommiſſion des Völkerbundes zu einer Tagung in Deutſchland
verſammelt. Es iſt dies die Pockenkommiſſion, eine Unterkommiſſion der Hygieneſektion des Völ=
kerbundes
, die gegenwärtig im Robert=Koch=Inſtitut für Infektionskrankheiten in Berlin tagt.
Auf dem Bilde ſtehend von links nach rechts: Prof. Grins=Berlin, Prof. Paſchen=Hamburg, Prof.
Gildemeiſter=Berlin, Prof. Groth=München, Prof. Sobernheim=Bern, Prof. Alderhoff=Utrecht,
Dr. Gordon=London, die Sekretärin der Kommiſſion. Sitzend von links nach rechts: Prof. Guerin=
Lille, Prof. Madſen=Kopenhagen, Prof. Jorge=Liſſabon, Prof. Jitta=Haag, Prof. Blaxall=London.

Internationales Forſcherhaus in Berlin=Dahlem.

Die Kaiſer=Wilhelm=Geſellſchaft zur Förderung der Wiſſenſchaften beabſichtigt, in Berlin=Dahlem
ein Heim für ausländiſche Gelehrte zu errichten, das den Namen Harnack=Haus führen ſoll und
in dem fremden Forſchern Gelegenheit geboten werden ſoll, wiſſenſchaftlich zu arbeiten und den
verſönlichen Gedankenaustauſch mit ihren deutfchen Kollegen zu pflegen. Unſer Bild zeigt den
Entwurf des projektierten Harnack=Hauſes in Berlin=Dahlem.

Neue Reitungswagen der Berliner Feuerwehr.

Die Berliner Feuerwehr hat neue Rettungswagen in Dienſt geſtellt, die mit allen Geräten
und Apparaten, die man zur Rettung Verunglückter benötigt, ausgerüſtet ſind. Es befinden ſich
in dem Wagen u. a. Atmungsapparate, Sauerſtoffapparate gegen giftige Gaſe, Rettungshaken zum
Herausziehen Ertrinkender, Schwimmweſten und Rettungsringe, Wiederbelebungsapparate, ein zu=
ſammenlegbares
Schlauchboot, Krankentragen, ferner alle möglichen Arten von Tauen und Seilen.
Das Begleitperſonal des Wagens beſteht aus tadellos ausgebildeten, beſonders kräftigen Beam=
ten
der Feuerwehr. Unſer Bild zeigt das moderne Rettungsauto der Berliner Feuerwehr.

In welchem Alter heiraien die meiſten Menſchen?
WANN HEIRATET MAN?
Voll 200o0 NEIDEEHEIRAETEN ZAEIENIN DELISAEBI

Wn 3.35.003050

DAS HAUpTSAcHLICHSTE HEIRASALTERBr
m DEUTSCHLAND, ENGLAND 25-50 TAHRE
20-25 TAUK
WFAANKREICH
INWELCHEM MONKTWIRD AM MEISTEN GcHEIMATEr?
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Intereſſante Zuſammenſtellung über die Zahl der Eheſchließenden innerhalb
der einzelnen Altersgruppen.

Seite 9

Deutſchland Anteil an der Automobilproduktion
der Welt.
WSN. Der Anteil Deutſchlands an der Automobil=
produktion
der Welt wird von der National Auto=
mobile
Chamber of Commerce, New York, für das
Jahr 1925 auf 1,2 Prozent geſchätzt. Die amerika=
niſche
Statiſtik nimmt die deutſche Produktion mit
55 000 Wagen an, während von deutſcher Seite höhere
Schätzungen vorliegen. Die in Bearbeitung befind=
liche
Erhebung des Statiſtiſchen Reichsamtes, die be=
kanntlich
erſtmalig wieder die Produktion erfaſſen
ſoll, wird für das abgelaufene Jahr 1925 vorausſicht=
lich
in einigen Wochen zum Abſchluß kommen. Die
Weltproduktion an Automobilen hat im Jahre 1925
die Zahl von 4,8 Millionen Perſonen= und Laſtkraft=
wagen
erreicht. Deutſchland ſteht mit ſeinem Pro=
duktionsanteil
an fünfter Stelle hinter Amerika mit
4 175 365 (87 Prozent), Frankreich mit 177000 (3,6
Prozent), England mit 176 197 (3,6 Prozent) und
Kanada mit 161 389 (3,5 Prozent). Nach Deutſchland
folgt noch Italien mit 0,8 Prozent, während ſich
17000 Wagen auf die Produktion aller übrigen Län=
der
verteilen. Die deutſche Automobilproduktion iſt
gegenüber dem Jahre 1924 um 18000 Wagen geſtie=
gen
, entſpricht jedoch noch nicht im entfernteſten der
Kapazität der Induſtrie. Die Produktionsfähigkeit
der 30 größten deutſchen Automobilfabriken wird nach
den Angaben des Statiſtiſchen Reichsamtes auf 200 000
Wagen jährlich geſchätzt. Bemerkenswert iſt, daß der
Ausfuhranteil an der Produktion von 12,8 Prozentz
im Jahre 1924 auf 4,6 Prozent im Jahre 1925 zu=
rückgegangen
iſt, während er ſich in allen übrigen
Ländern der Automobilerzeugung erhöht hat.
Kindertragödie in Böhmen.
d. Aus Karlsbad in Böhmen wird uns ge=
ſchrieben
: Im Walde bei dem kleinen weſtböhmiſchen
Städtchen Luditz waren vor Weihnachten 1926 die
Skelette zweier Kinder aufgefunden worden, ohne
daß es vorerſt gelungen wäre, ihre Identität feſt=
zuſtellen
. Die Unterſuchung ergab, daß die Skelette
ſeit mehreren Jahren an der Stelle gelegen haben
müſſen, und ſchließlich konnte ermittelt werden, daß
es ſich um die Ueberreſte der zwei ſeit dem Jahre
1919 verſchwundenen Kinder des Arbeiters Joſef
Heinzl aus Zech bei Elbogen handeln könne. Die
Nachforſchungen ergaben, daß Heinzl zu jener Zeit
mit ſeinen Kindern eine ſogenannte Hamſterfahrt
über Land unternommen hatte, von welcher er allein
zurückgekommen war. Er gab an, die Kinder auf
dem Weg verloren zu haben und erſuchte die Be=
hörden
um Nachforſchung. Trotzdem blieben die Ver=
mißten
unauffindbar, und erſt vor den Weihnachts=
tagen
wurden ihre Skelette durch einen Zufall ent=
deckt
. Heinzl wurde unter dem Verdacht, die Kinder
ermordet zu haben, verhaftet und dem Elbogener Be=
zirksgericht
eingeliefert, woſelbſt er eingeſtand, die
Kinder umgebracht zu haben.
Ein Stück Mittelalter.
EP. Wie ein Stück Mittelalter mutet es einem an,
wenn man hört, daß im Jahre 1927 ein Pariſer Haus=
eigentümer
ſich weigert, eine Wohnung an den Sohm
eines bisherigen Mieters abzugeben, weil dieſer un=
glückliche
junge Mann ein dramatiſcher Autor iſt.
Der Wirt gab für ſeine Ablehnung folgende Gründe
an: Ihr Sohn iſt ein dramatiſcher Autor. Er
genügt infolgedeſſen nicht den Beſtimmungen des Ar=
tikels
2 der Mietvorſchriften, nach denen man eine
Wohnung anſtändig, ruhig und bürgerlich innehaben
ſoll und in derſelben keine Leute empfangen darf, die
den ausſchließlich bürgerlichen Charakter der Woh=
nung
ändern könnten. Der Vater des jungen
Dichters ging vors Gericht und ſein Verteidiger führte
aus, daß die Künſtler und Schriftſteller heutzutage
genau ſo lebten, wie die übrige Welt, und daß es
z. B. ſchwierig ſei, eine Künſtlerin von einer Dame
von Welt zu unterſcheiden, ja daß in manchen Fällen.
die Haare und Kleider der letzteren kürzer ſeien, als
diejenigen der Künſtlerin. Das Vorurteil gegen
Künſtler ſei heuzutage ein lächerlicher Anachronis=
mus
. Das Gericht teilte nicht die Vorurteile des
Vermieters und verurteilte dieſen dazu, dem jungen
Dramatiker die Wohnung zu überlaſſen.
Der explodierte Hund.
EP. Aus dem Wilden Weſten wird folgende merk=
würdige
Geſchichte gemeldet: Ein Schäferhund, der
in einem Zeltlager auf einem Petroleumfelde herum=
flanierte
, konnte einem halben Liter Nitroglycerin,
den die Arbeiter angewärmt hatten, nicht widerſtehen
und trank ihn aus, worauf er vergnügt zu ſeinem
Herrn zurückkehren wollte. Dieſer wurde davon be=
nachrichtigt
, daß der Hund explodieren könnte, und
daß Vorſicht geboten ſei. Daraufhin beſchloß er, den
Hund zu töten, hatte jedoch Angſt, dies im Hauſe zu
tun. Das Tier war jedoch ſo freundlich, auf den Ein=
fall
zu kommen, ein Kaninchen zu jagen, und man ſah
darauf folgendes ſeltenes Schaufpiel: Als der Hund
auf ſeiner Jagd hinter dem Kaninchen von einer
hohen Böſchung in einen Graben ſprang, explodierte
er mit einem gewaltigen Knall. (1)
Ein Studentenſcherz. Eine Geſchichte von denen.
die nicht alle werden.
EP. Gutgläubige Leute müſſen die Einwohner der
ſchottiſchen Univerſitätsſtadt Glasgow ſein, wenigſtens
wenn die folgende Geſchichte Anſpruch auf Richtigkeit
erheben kann: Seit einigen Tagen wurden in Glas=
gow
Extrablätter verbreitet, die über die jeweiligen
Fortſchritte berichteten, die eine kühne Schwimmerin,
Miß Anne Dapenny, mache, die von New York aus
den Atlantiſchen Ozean durchquere. Ihre Ankunft
vurde für den 13. Januar in Glasgow voraugeſagt.
Zur angegebenen Zeit hatte ſich eine Menge von
beinahe 40 000 Perſonen am Ufer eingefunden, um
Miß Dapenny zu begrüßen. Es erſchien auch pünkt=
ich
ein Schiff, an deſſen Spitze ein Dudelſackpfeifer
ſeine melodiſchen Weiſen ertönen ließ und hinter dem
ſich in ſtaunenswerter Friſche die Ozeandurchquererin
zeigte. Unter dem Beifall des verſammelten Publi=
kums
ſtieg ſie an Land, um nach einigen Minuten,
auf dem Dach einer Limouſine ſitzend, ihren Einzug in
die Stadt zu halten. Ihre wunderſchönen blonden
Haare riefen lebhaftes Entzücken wach. Wie groß war
das Erſtaunen, als man erfuhr, daß die Schwimmerin
in Schwimmer, und zwar ein Glasgower Student
ſei, und daß die Atlantik=Durchquerung ſich auf eine
Strecke von einigen fünfhundert Metern beſchränkte.
Während des ganzen Nachmittags veranſtaltete die
Studentenſchaft eine Sammlung unter den Zu=
ſchauern
, die zum Schluß eine ſtattliche Summe ergab.
Die aufs Glatteis geführte Menge ergab ſich gutmütig
lachend in ihr Schickſal und ſteuerte um ſo bereit=
williger
zu der Sammlung bei, als das Ergebnig
einem Hoſpital zugntekam.

[ ][  ][ ]

Seite 10

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

Zehn Jahre Deutſches Ausland=Inſtitut.
Gedenkfeier im Hauſe d:s Deutſchtums.
Nicht zu einem großen Feſt, ſondern zu einer ſchlichten Gedenk=
feier
v. rſammelten ſich am Montag, den 10. Januar, abends 7 Uhr,
im kleinen Saal d’s Hauſes des Deutſchtums zu Stuttgart die Ver=
waltungskörperſchaften
des Deutſchen Auslands=Inſtituts, um den zehn=
ten
Geburtstag d.s Inſtituts zu begehen. Generarkonſul Kom.=Rat Dr.
Wanner begrüßte als Vorſitzender des Vorſtandes die Erſchienenen,
er gab einen kurzen Rückblick auf die Entſtehungsgeſchichte und die Ent=
wicklung
des Inſtituls während des nun abgelaufenen Jahrzehnts und
zeichnete die großen Richllinien auf, von denen die Arbeit und das
Streben d’s Inſtituts geleitet ſeien, indem er an das Wort des ver=
ſtorbencn
Kön’gs Wilhelm II. von Aäirttemberg erinnerte, das dieſer
bei der Gründungsſitzung des Inſtituts ſprach: Ich bin ſtolz, ein Deut=
ſcher
zu ſein, und wir alle ſind es. Der Redner dankte allen, die bei
der Verwirklichung und dem Ausbau des Inſtituts mithalfen, ins=
beſondere
den Profeſſoren v. Blume ud Uhlig, die neben ihm ſeit
dem Gründungstage dem Vorſtand angehören, dem Reich, dem Land
Württ mberg und der Stadt Stuttgart, ſowie den zahlreichen Freunden
im In= und Ausland, nicht zuletzt auch der Preſſe und den geſamten
Mitarbeitern des Inſtituts, insbeſondere dem Generalſekretär Dr. F.
Wertheimer. Dann ergriff Präſident Dr. v. Bälz das Wort,
um im Auftrage des leider durch eine Kur verhind rten Staatspräſiden=
ten
und Kultminiſters dem Inſtitut die Grüße, den Dank und die An=
erkennung
der Regierung auszuſprechen. Er gedachte der mannig=
faltigen
Veränd rungen, die ſeit dem Gründungstage eingetreten ſeien,
und fand Worte wärmſt.r Anerkennung für den Verwaltungsrat, den

ſchen in allen fünf Weltteilen breiten und ihnen als ein glückhaftes
Schiff das geiſtige Brot des Mutterlandes hinaustragen. Oberbürger=
meiſter
Dr. Lautenſchlager übermittelte die Glückwünſche der
Land shauptſtadt und pries das Deutſche Auslands=Inſtitut als nicht
mehr wegdenkbar aus dem Leben Stuttgarts; wie das Haus des Deutſch=
tums
als Baudenkmal der Stadt zur Zierde gereiche, ſo bilde das In=
ſtitut
einen geiſtigen Mittelpunkt. Im Namen des evangeliſchen
Kirchenoräſidenten und Oberkirchenrat=s ſprach Prälat D. Schöll,
für die katholiſche Dberkirchenbehörde und das Biſchöfliche Ordinarigt in
Nottenburg Domdekan Dr. Kottmann; beide dankten dem Inſtitut
für ſeine bedentungsvolle Mitarbeit auf dem Gebiet der kirchlichen Ver=
ſorgung
des Auslandsdeutſchtums. Schließlich ergriff auch Reickstags=
abgeordneter
Prälat D. Schreiber=Münſter im Nam n des Wiſſen=
ſchaftlichen
Beirats das Wort, um zu betonen, daß das Inſtitut für des
ganze Reich und für die Verbreitung deutſcher Kultur unentbehrlich,
daß es gleichſam eine der großen Sendeſtationen deutſchen Lebens und
Geiſtes ſei; er ſchloß mit den Worten Schleiermachers: Noch iſt
Deutſchland da, und ſeine geiſtige Kraft iſt unzerſtörbar. Mit Worten
des Dankes en alle Redner und Anweſenden ſchloß Generalkonſul Dr.
Wanner die Feier, die von Muſikvorträgen des Stuttgarter Phil=
harmoniſchen
Orcheſters umrahmt war.
Bei dem ſich anſchließenden gemeinſamen Eſſen im Großen Saale
des Hauſ s des Deutſchtums ſprachen der Miniſter des Innern Bolz
auf die Führung und Leitung des Inſtituts, ferner ſür die drei Landes=
hocſchulen
Stuttgart Tübingen und Hohenheim der Rektor der Tech=
niſchen
Hochfchule Profeſſor Mayer, der die Wirkungen des In=
ſtituts
auf die akademiſche Jugend und die akademiſche Forſchung feierte,
für den Landesverband Württemberg des Vereins für das Deutſchtum
im Ausland Generalleutnant v. Teichmann für das Leipziger
Meßamt und ſtir die Kreiſe von Handel und Induſtrie Dir ktor Voß=
Leipzig und für den Württemb rgiſchen Verein für Hendelsgeographie
Geh. Kom.=Rat Zilling. Aus der großen Anzahl eingetroffener
Glückwunſchtelegramme, die zur Verleſung gelangten, ſeien die des
Reichskanzlers, der Reichsminiſter, der großen Deutſchtumsverbände im
In= und Ausland, ſowie vieler p rſönlicher Freunde des Inſtituts in
aller Welt Eervorgehoben. Dieſe Gmiße zeigten ſo recht, daß man nicht
nur in Stuttgart an der Geburtstagsfeier des Deutſchen Ausland= Inſti=
tuts
innigen Anteil nabm, daß di= aufrichtigen Wünſche gerade des
Auslandsdeutſch ums ſelbſt das Inſtitut bei ſeiner weiteren Entwicklung
und den Arbeiten der kommenden Jahrzehnte begleiten.
Ein Prozeß um zuviel berechnete Fernſprechgebühren.
* Berlin. Ein intereſſanter Prozeß, deſſen Entſcheidung von
grundſätzlicher und weiltragender Bedeutung ſein kann, beſchäftigte am
Freitag eine Zivilabteilung des Amtsgerichts Charlottenburg. Bei
dieſem Rechtsſtreit handelt es ſich nämlich um eine Klage, die der
Berliner Rechtsanwalt Dr. Walter Jaffé gegen die Reichspoſt ange=
ſtrengt
hat, weil ihm gleich unzähligen anderen Fernſprechteilnehmern
eine viel zu hohe Gebührenrechnung von ſeinem Fernſprechamt aufge=
ſtellt
worden war, die in keinem Verhältnis zu den wirklich geführten
Geſprächen ſtand. Um der Poſtverwaltung die Mangelhaftigkeit ihres
Zählſyſtems zu beweiſen, hatte der Anwalt in ſeiner Privatwohnung
ſämtliche Perſonen, d. h. ſeine Frau und eine langjährige Hausangeſtellte
verpflichtet, jedes geführte Telephongeſpräch aufzuſchreiben, mit dem
Hinweis darauf, daß dieſe Aufzeichnungen eventuell vor Gericht beeidigt
werden müßten. Dieſe Aufſtellung wurde auch von den Angehörigen
vorgenommen, und als die Fernſprechrechnung kam, ſtellte ſich heraus,
daß die Poſt etwa 30 Geſpräche mehr gerechnet hatte, als in dem Haus=
halt
geführt worden waren. Als der Einſpruch gegen dieſe zu hohe
Fernſprechrechnung wie üblich erfolglos blieb, und die Antwort kam, daß
ein Irrtum der Poſt unmöglich ſei, hatte Dr. Jaffé auf Grund der
eidesſtattlichen Verſicherungen über die geführten Telephongeſpräche den
Prozeß gegen die Reichspoſt angeſtrengt, der nun zur Verhandlung
kam. In der Verhandlung führte der Kläger, Rechtsanwalt Dr. Jaffé,
zum Beweiſe ſeiner Klage an, daß ihm eine ganze Reihe von Zu=
ſchriften
zugegangen ſeien, in denen ſich Fernſprechteilnehmer über zuviel
geführte Geſpräche beſchwerten. Von einem Arzt, in deſſen Behandlung
drei bis vier Telephoniſtinnen ſeien, habe er ferner erfahren, daß die
Beamten ſelbſt zugegeben hätten, daß bei der Fernſprechzählung Irr=
tümer
vorkämen, daß aber aus Amts= und Dienſtgründen darüber nicht
geſprochen werden ſollte. Zur Schlüſſigkeit des Beweiſes reiche er die
oben erwähnten Tabellen ein, in der jedes geführte Geſpräch von den
Hausangehörigen verzeichnet worden ſei. Die betreffenden Perſonen
hätten ſich bereit erklärt, ihre Aufzeichnungen eidlich zu erhärten. Das
ganze bisherige Geſprächszählſyſtem berge Fehler in ſich und öffne
Differenzen Tür und Tor. Der Vertreter der beklagten Reichspoſt,
Poſtrat Dr. Breithaupt, betonte, daß es ſich lediglich um eine Differenz
von 17 Mark handele, um die geklagt werde. Die Klagen der Fern=
ſprechteilnehmer
, auf die ſich der Kläger berufe, ſeien alle nachgeprüft
worden, und ein Teil der betreffenden Perſonen hätte ſchon eingeſehen,
daß die Beſchwerden unberechtigt geweſen ſeien. Die Poſt habe mehr
als 1½ Millionen Geſpräche nachgeprüft, und zwar durch einen Zähl=
apparat
, der an die betreffende Nummer des Fernſprechteilnehmers an=
geſchloſſen
ſei und von einer Spezialbeamtin kontrolliert werde. Dieſe
Spezialbewachung, die 150200 Mark monatlich koſte, werde eingeführt,
wenn von einem Fernſprechteilnehmer Klagen über zuviel berechnete
Geſpräche kämen. Auch der Anſchluß des Klägers ſei auf dieſe Weiſe
überwacht worden und werde auch jetzt noch überwacht, und es habe ſich
herausgeſtellt, daß die Zählergebniſſe der Beamtin richtig geweſen ſeien.
So habe der Kläger angegeben, im Monat Auguſt vorigen Jahres nach
eigener Zählung 252 Geſpräche geführt zu haben, während im Betriebe
3 und durch die Spezialüberwachung 322 Geſpräche ermittelt worden
ſeien. Es habe ſich herausgeſtellt, daß die Betriebszählung günſtiger ſei
uls die Spezialbewachung. Das eigenartige ſei, daß der Kläger ſich
gerade auf die Monate April bis Juni in ſeiner Klage berufe, in der
keine Spezialbewachung ausgeführt worden ſei. Bei dieſer Gelegenheit
kam es zu einem ſcharfen Zuſammenſtoß zwiſchen dem Vertreter der
Neichspoſt und dem klagenden Anwalt, da Poſtrat Dr. Breithaupt be=
hauptete
, Dr. Jaffé müſſe gewußt haben, in welcher Zeit er kontrollierk
worden ſei. Dies wies der Kläger mit aller Entſchiedenheit zurück und
behauptete, daß er doch nicht den Poſtbetrieb durch einen Detektiv aus=
ſpionieren
laſſe. Poſtrat Dr. Breithaupt: Wie der Prozeß auch aus=
gehen
wird, das Zählſyſtem wird von der Poſtverwaltung doch nicht ge=
ändert
werden. Auch im weiteren Verlaufe des Prozeſſes betonte der
Vertreter der Reichspoſt, daß an eine Abänderung des Syſtems nicht im
Traum zu denken ſei. Rechtsanwalt Dr. Jaffé führte noch zum Beweis
dafür, daß auch bei der Poſt eingeſtandenermaßen Irrtümer bei der
Geſprächszählung möglich ſeien, einen Fall an, der einem anderen Ber=
liner
Rechtsanwalt, der ſeinen Wohnſitz während der Ferien aus Berlin
verlegt hatte, paſſiert war. Bei dieſem Teilnehmer waren, trotzdem
das Telephon während der Reiſezeit geſperrt worden war, eine große
Anzahl von Geſprächen berechnet worden. Auf die erſte Beſchwerde war
von dem Fernſprechamt 8 mitgeteilt worden, daß ein Irrtum ausge=
ſchloſſen
ſei. Auf Grund wiederholter Beſchwerde hat dann ſchließlich
das Fernſprechamt nach längeren Forſchungen feſtgeſtellt, daß der Teil=
nehmer
doch im Necht geweſen ſei. Es hatte ſich nämlich ergeben, daß
ſich die Leitung des Geſprächszählers des Beſchwerdezählers mit der eines
anderen Fernſpreckteilnehmers berührt hatte, und daß durch dieſen
Fehler in der Leitung gar nicht geführte Geſpräche zur Anrechnung
gekommen ſeien. Da die Poſtverwaltung einen neuen Schriftſatz ein=
gereicht
hatte, kam es noch zu keiner Entſcheidung über dieſen bedeutungs=
hollen
Prozeß.

Sport, Spiel und Turnen.

Turnen.
33. Mittelrheiniſches Kreisturnfeſt 1927.
Der Hauptausſchuß für das 33. Mittelrheiniſche Kreisturnfeſt hielt
vor einigen Tagen eine bedeutungsvolle Sitzung ab, aus der wir die
wichtigſten Punkte entnehmen. Zuerſt wurden die Arbeitsgebiete der
einzelnen Unterausſchüſſe genau abgegrenzt. Die große Bedeutung
der Tätigeit des Finanzausſchuſſes und der Geldwarte erforderte eine
eingehende Ausſppache.
Der Vorſitzende des Finanzausſchuſſes, Turnbruder Bollinger, be=
richtet
über die bisherige Tätigeit ſeines Ausſchuſſes. Die erlaſſenen
Aufrufe ſowohl an die Turnerſchaft wie auch an die öffentlichen Körper=
ſchaften
, Handel, Gewerbe und Induſtrie fnaden überall die Zuſicherung
größter Unterſtützung, auch außerhalb Darmſtadts. Erfreulich iſt die
Tatſache, und es war fa auch nicht anders zu erwarten, daß ſich die Mit=
glieder
der Darmſtädter Turnerſchaft an den zurzeit zirkulierenden Ein=
zeichnungsliſten
zwecks Schaffung des erſten Arbeitsfonds rege beteiligen.
Pflicht der Vereinsvorſtände iſt es nun, dafür zu ſorgen, daß die Liſten
auch allen Mitgliedern zwecks Einzeichnung vorgelegt werden. Und
Ehrenpflicht iſt es für jeden Turner, jede Turnerin und die Eltern der
turnenden Kinder, ſich in die Liſte einzutragen. Das gilt auch für den
ganzen Mittelrheinkreis, denn das Turnfeſt iſt ſeine höchſt eigene An=
gelegenheit
! Viel Wenig, geben auch ein Viel! Angenehm berührt hat
die Mitteilung, daß bereits aus den Kreiſen der Darmſtädter Bevölke=
rung
Beträge eingegangen ſind. Ein Beweis, welch großes Intereſſe
das Darmſtädter Kreisturnfeſt findct. Gilt es doch, während der Feſt=
tage
eine Heerſchau deutſchen Turnens abzuhalten und ein mächtiges
Bekenntnis zu unſerem Deutſchtum abzulegen. Tauſende und Aber=
tauſende
deutſcher Frauen und Männer wollen ſich in dieſen Tagen zu=
ſammenfinden
, um das Gelöbnis der Treue zum deutſchen Vaterland zu
erneuern. Kein rauſchendes Feſt ſoll es ſein, nein, eine Zuſammenkunft
Deutſchgeſinnter aus Rheinland, Saargebiet, Preußen, Bayern und
Heſſen ſoll es werden.
Um aber eine ſolche Kundgebung würdig begehen zu können, die
für die ganze Turnſache und auch für Darmſtadt von außerordentlicher
Bedeutung ſein wird, iſt die Darmſtädter Turnerſchaft als die eigent=
liche
Veranſtalterin unter allen Umſtänden auf die finanzielle Unter=
ſtützung
der Darmſtädter Geſchäftswelt angewieſen. Es wird daher der
in den letzten Tagen an eine große Anzahl Darmſtädter Firmen gerich=
tete
Aufruf in Erinnerung gebracht. Die nachſtehenden Inſtitute:
Darmſtädter und Nationalbank. Filiale Darmſtadt: Darmſtädter Volks=
bank
, Darmſtadt: Deutſche Bank, Filiale Darmſtadt: Deutſche Vereins=
bank
. Filiale Darmſtadt: Direktion der Disconto=Geſellſchaft, Darmſtadt;
Heſſiſche Girozentrale, Darmſtadt: Landesgenoſſenſchaftsbank. Darm=
ſtadt
: Nauheim u. Co., Bankgeſchäft. Darmſtadt; Städtiſche Sparkaſſe,
Darmſtadt, haben ſich in dankenswerter Weiſe bereit erklärt, Spenden in
belicbiger Höhe für dieſen Zweck anzunehmen.
Für den Wohnungsausſchuß berichiete deſſen Vorſitzender. Eine be=
fondere
Schwierigkeit bietet die Beſchaffung von Strohſäcken. Die Woh=
nungsliſten
würden in den nächſten Tagen in Umlauf geſetzt werden. Es
iſt mit Sicherheit anzunehmen, daß Darmſtadts Bevölkerung in dieſer
Beziehung wicht verſagt. Wegen der Maſſenquartiere in Schulen uſw.
find Verhandlungen im Gange.
Der Vorſitzende des Empfangsg 1. iſſes. Turnbruder Lukas, teilt
mit, daß den Gaſtſtätten Darmſtadtnd mnächſt Liſten zugehen, wegen
ihrer Verwendung als Standquartiere für die zu erwartenden unzäh=
ligen
Vereine.
Geſchäftsführer, Turnbruder Wandel, teilt mit, daß Herr Stadt=
amtmann
Goebel das offizielle Feſtlied bereits verfaßt hat, das von
Herrn Obermuſikmeiſter Hauske auch ſchon vertont iſt. Ein weiteres
Lied, das Herr Prof. Köſer in Ausſicht geſtellt hat, wird Herr Ober=
muſikmeiſter
Weber vertonen.
Allgemeiner Deutſcher Turnerbund (ADD).
Auf einer am vergangenen Sonntag im Rathaus zu Duisburg ſtatt=
gefundenen
Bundesturn= und Sportausſchußſitzung wurde beſchloſſen,
die diesjährigen Bundesmeiſterſchaften im Stadion zu Duisburg auszu=
tragen
. Die nächſte Sitzung des Sportausſchuſſes findet am 19. Februar
in Rüſſelsheim ſtatt.
Die neu ins Leben gerufene Verbandsſchule des Südweſtdeutſchen
Turnverbandes, in der als Leiter die Turner Hanſt=Darmſtadt, Jung=
Wixhaufen und Fink Friedberg fungieren, hat am Sonntag ihren An=
fang
genommen.

Handball.

Deutſche Turnerſchaft, Main=Rhein=Gau.
GriesheimPfungſtadt 8:1; Sprendlingen-Langen 1:8; Eberſtadt
Nauheim 7:2.
Die Würfel ſind gefallen und Griesheim wird Meiſter werden; auch
wenn das Hängeſpiel gegen Langen verloren gehen ſollte. Um den zwei=
ten
Platz werden ſich Langen und Pfungſtadt ſtreiten. Auch wurde der
Abſteigende in Nauheim ermittelt.
GriesheimPfungſtadt, beide in ſtärkſter Aufſtellung unter der Lei=
tung
von Batz=Neu=Iſenburg; zahlreiche Zuſchauer. Das Spiel ent=
täuſchte
und verhalf Griesheim zu einem billigen Erfolg. Die erſte
Hälfte war ausgeglichen. Alsdann in der zweiten Halbzeit das Spiel
3:1 für die Griesheimer ſtand, verſtärkten dieſe ihre Verteidigung und
es ſah ſo aus, als ob Pfungſtadt drückte. Dabei kam Griesheim Sturm
infolge der aufgerückten Pfungſtädter Verteidigung zu ſelten gebotenen
Torgelegenheiten, die alle unausgenützt blieben. Pfungſtadt kam durch
ſeinen Mittelſtürmer Gräff zum erſten Tor. Kurz darauf wurde er von
Griesheims Verteidiger Friedmann ſo gelegt, daß er ſpielunfähig wurde
und in dieſem Augemblick waren die Waffen ungleich, und das Spiel für
Griesheim gewonnen. Man wollte den Vorfall mit Unbeholfenheit ent=
ſchuldigen
, doch ſind verſchiedene Pfungſtädter Spieler, deren Naſenbeine
mit der Fauſt Fricdmanns Bekanntſchaft machten, anderer Anſicht. Platz=
verweis
und 13 Meter wird von anderen Unparteiiſchen in dieſen Fällen
verhängt. Dann kam Griesheim zum Ausgleich. Pfungſtadt ließ trotz=
dem
nicht locker und kam durch Rechtsaußen zum zweiten Erfolg. Beim
Schuß war dieſer bis zur Bruſt in den Kreis gefallen. Unverſtändlicher=
weiſe
wurde wegen ,Betreten des Kreiſes Torabwurf gegeben. Bis
Schluß ſpielte dann Pfungſtadt luſtlos, und das erſte aller ſonſt auf
hoher Stufe ſtehenden Treffen zwiſchen Griesheim und Pfungſtadt war
unglücklich ausgegangen. Anders dagegen in Eberſtadt, wo Nauheim
durch drei Erſatzleute geſchwächt antrat, und trotz der Ueberlegenheit
Eberſtadts das Spiel offen hielt, bisweilen ſogar recht gefährlich vorm
Tore wurde. Doch war Eberſtadts Ueberlegenheit durch das gute
Spiel eines Mittelläufers und die vorzügliche Verfaſſung ſeines Stur=
mes
ſo eindeutig, daß der Sieg feſtſtand. Beſondere Anerkennung ver=
dient
das Schußvermögen der Eberſtädter; aus allen Entfernungen wur=
den
ſchärfſte Bälle geſchoſſen. Flott und anſtändig wurde das Spiel
durchgeführt. Ebenſo ſagt auch der Bericht aus Sprendlingen, wo
Langen nach berteiltem Spiele Sieger blieb und mit 3:1 das günſtigſte
aller in Sprendlingen erzielten Reſultate erfochten hat.
WalldorfWorfelden 7:2: ArheilgenGberſtadt 2 9:0.
Langen 3Tgde. Darmſtadt 2 4:0: Walldorf 2Arheilgen 2 4:1.
1. Akadem. SportklubLiga F.= und Sp. V. 05 Mainz. 0:0.
Am geſtrigen Sontag weilte unſere erſte Handballmannſchaft in
Mainz, um gegen die bebannte Ligamannſchaft des Sp. V. 05 ein Freund=
ſchaftsſpiel
auszutragen. Nach herzlichen Begrüßungsworten entwickelte
ſich vor zahlreichen Zuſchauern ein ſehr ſchnelles Spiel, das die ASCer
immer etwas im Vorteil ſah. Leider konnten ſie jedoch durch die hervor=
ragende
Leiſtung des Mainzer Torwächters Meckes ihre Ueberlegenheit
nicht in Toren ausdrücken. Neben ihrem klaſſiſchen Schlußmann bot
auch die M.=Verteidigung eine aute Partie. Hart, wenn auch oft recht
zahlreich, wußte ſie die ſtürmiſchen Angriffe der Darmſtädter meiſtens
abzuwehren und der unentſchiedene Verlauf des Spieles war nicht zu=
letzt
ihr Verdienſt. Die M. Stürmerreihe konnte ſich gegen die ſtabile
ASC Deckung nicht durchſetzen.
Beim ASC. zeigte ſich wie geſagt, die geſamte Hintermannſchaft
von der beſten Seite. Das Zuſammenarbeiten der Verteidigung mit
der Läuferreihe war vorbildlich. Der ASC.=Sturm ſchoß, wenn er ſich
durch die zahlreiche M. Deckung durchſetzen konnte, oft recht plaziert,
jedoch der Mainzer Torwart war micht zu ſchlagen.
Tade. BeffungenTgeſ. Griesheim 12:0 (6:0).
Mit dieſem hohen Reſultat gelang es Beſſungen, ſeinen Gegner
aus dem Felde zu ſchlagen. Die ſiegende Mannſchaft zeigte ein Spiel,
wie ſte es ſchon lange nicht mehr vorgeführt hatte. Es gebührt ihr ein
Gefamtlob. Das Spiel nahm unter ſofortiger Ueberlegenheit des
Platzbeſitzers ſeinen Anfang, und bereits nach 10 Minuten gelang es, den
Führungstreffer zu erzielen. In gleichen Abſtänden folgten dann wei=
tere
fünf Tore, denen ſich in der zweiten Halbzeit noch ein weiteres
halßes Dutzend anſchloß. Der Sturm des Siegers zeigte heute ein

Spiel, das man mit ſehr gut bezeichnen konnte, verſtanden ſie doch fede
Gelegenheit auszunützen, und aus jeder Lage zu ſchießen. Der Unter=
legene
war an dem hohen Reſultate vollſtändig machtlos. Selbſt ein
Wechſel des Torhüters hatte keinen Erfolg, zudem verließen zwei Gries=
heimer
in unſportlicher Weiſe eine Viertelſtunde vor Spielſchluß das
Feld. Schiedsrichter zufriedenſtellend. Den Beſſungern legen wir
beſonders ans Herz an ihrer Leiſtung weiter ſo durchzuhalten, damit ſie
auch in der Lage ſind, gegen die in Ausſicht genommenen Spiele gegen
beſte Meiſterklaſſe ehrenvoll abzuſchneiden.

Fußball.

Sportvgg. 04 Arheilgen-Olympia Lampertheim 1:2 (0:1)
Eckenverhältnis 12:2.
Das Spiel beginnt mit etwas Verſpätung unter der ausgezeichneten
Leitung eines Herrn Otto Ernſt von Phönix Ludwigshafen. Während
bei Arheilgen Ellerwann immer noch fehlt, und auch der Linksaußen
Bohl nicht mehr mittut, ſieht man Lampertheim wieder ziemlich komplett.
Arheilgen ſchafft gleich gefährliche Situationen vor dem Gegnertor, die
alle durch die beängſtigende Aufgeregtheit des Sturmes nicht verwerter
werden konnten. Lampertheim kommt in der 7. Minute ſchon zu einem
billigen Erfolg. GEtner bekommt den Ball, ſchiebt zu dem Halblinken
und dieſer ſchießt leicht in die linke Ecke. Wolger ſtand verkehrt, ſonſt
hätte er dieſes Tor unbedingt verhüten müſſen. Bauer verſchießt eine
totſichere Sache, Barnewald daneben und Kanz zögert zu lange, und
was nicht drüber oder daneben geht, wird von dem ſich in ganz vor=
züglicher
Verfaſſung befindlichen Lampertheimer Torwächter zunichte ge=
macht
. Alles war geſpannt der Ausgleich lag in der Luft, und man
glaubte wiederholt, er iſt da, doch vergeblich. Die Nervoſität im Sturm
verdarb alles. Die Halbzeit nahte, und Lampertheim führte 1:0.
Nach der Halbzeit hatte Lampertheim etwas mehr vom Spiel; erſt in
der Mitte ging Arheilgen wieder aus ſich heraus und erzielte in der 69.
Minute durch Krug ſein einziges Tor. Beinahe hätte es zum Sieg
gelangt. Mayer gibt zur Mitte, Krug und Barnewald verpaſſen den
Ball. Selbſt von den 12 Ecken konnte keine verwertet werden. Das
Lampertheimer Publikum feuerte ſeine Spieler immer mehr an. Das
Geſchrei wurde ſo ſchlimm, daß ſich der Unparteiiſche zweimal gezwun=
gen
ſah, das Spiel zu unterbinden, damit die Spieler die Pfeife hören
konnten. Das ſchon von Beginn eingeſetzte hölliſche Tempo ſteigerte ſich
immer mehr, mit ihm wuchs die Spannung bei den Zuſchauern. Laß
den Dingen ſeinen Lauf, ſo auch hier. Der Lampertheimer Mittel=
läufer
legt weit vor. Der Rechtsaußen erwiſcht den Ball, ſchießt wuch=
tig
, niemand denkt an Tor doch im linken Eck zappelt der Ball. Noch
7 Minuten bis Schluß. Arheilgen macht noch einige Verſuche, vergeblich,
der Sieger ſtand feſt. Reich an ſpannenden, aufregenden Momenten
endete dies äußerſt ſchnelle und ſcharfe, aber doch faire Spiel. Arheilgen
war die techniſch beſſere Mannſchaft und hätte dem Spielverlauf ent=
ſprechend
mit zwei Toren Unterſchied gewinnen müſſen. Lampertheim
iſt ein gefährlicher Geaner, der durch ſeinen unermüdlichen Eifer das
Stiel gewynnen hat. Der nicht endenwollende Jubel der Zuſchauer nach
Schluß des Spieles war ſchwer zu verſtehen. Entweder man beinbelte,
daß man Arbeilgen den Meiſtertitel endgültig genommen, oder man be=
inbelte
die Ehre der Spieler, den zukünftigen Odenwaldkreismeiſter ge=
ſchlagen
zu haben?
Techniſche Hochſchule DarmſtadtUniverſität Frankfurt.
Am Mittwoch den 19. Januar 1927, jachmittags 2½ Uhr, ſpieſen
auf dem Hochſchulſportplatz die Mannſchaften der Univerſität Frankfurt
und der Techniſchen Hochſchule. Es iſt dies ein Spiel um die Meiſter=
ſchaft
des 6. ſtudentiſchen Hochſchulkreiſes. Da die verlierende Mann=
ſchaft
aus dem weiteren Wettbewerb ausſcheidet, werden beide ſich ſehr
anſtrengen, um den Sieg an ſich zu reißen. So viel wir hören, ſpielen
bei Frankfurt unter anderen auch die bekannten Spieler Wallishäuſer
und Schnorr mit.
Das Endſpiel um den DFB.=Pokal führt, am 6. März in
Berlin Brandenburg und Norddeutſchland zuſammen.
Nach England zu einem internationalen Oſterturnier ein=
geladen
wurden die Hockeymannſchaften von Frankfurt 1880 und
H. C. Uhlenhorſt.

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 18. Januar. 3.30: Stunde der Jugend. Studiendir,
Dr. Majer=L=onhard: Irrfahsten des Odyſſeus (Für Kinder
vom 10. Jahre ab.) O 4.30: Tanmmuſik. O 5.45: Leſeſtunde: Aus
dem Roman: Die Buddenbrooks von Thomas Mann. O 6.15:
von Kaſſel: Dr. Keding: Praktiſche Fragen aus der Raſſenhygiene‟.
O 6.45: Im 10=PS L=ichtlugzeug über den Großglockner, von
Dr. Ing. v. Langsdorff. O 7.15: Engliſch. O 7.45: Engliſche
Likeratur. O. 8: Senckenbergviertelſtunde: Die Haukſinne‟, Vortr.
von Dr. Edinger. O 8.15: Sinoni==Konzert. Wagner: Meiſter=
ſinger
=Vorſpiel. Lſzt: Les Preludes ſinf. Dichtung. Mahler:
Lieder eines fahrenden Geſellen. Rich. Strauß: Don Juan.
ſinf. Dichtung. Soliſt: Permann (Bariton) vom Frankf. Opernh.
Stuttgari.
knstag, 18. Januar. 1.10: Konzert. O 3.50: Bücherfunk.
O 4.15: Konzert. Deriſen: Freiheilsgeiſt, Marſch. Gungl: Amo=
reitentänze
Walzer. Brahms: a. der Sonate F=moll. Benoit:
Ouv. Maria Stuart. Schuberk: Am Meer, Lied für Po aune.
Einlagen: Mia Gierſch. Urbach: Fant. Brahms: Liebes=
lieder
=Wa zer. Czibulia: Herzen und Blumen. Derfſen:
Heldenſöhne, Marſch. O 6.15: Dr. Ernſt Müller: Neuthomismus.
O 6.45: Morſ==Kurs. O 7.15: Dr. Folberth: Ste an Ludwig Roth,
der große Siebenbürger. O 7.45: Nachrichten des Funkverbandes,
O 8: Einl. Worte zur Sende=Oper. O 8.15: Das Leben für den
Czar. Oper in fünf Bildern von Glinka. Muſik. Leitung: Kapell=
meiſter
Kahn. Perſ.: Iwan Suſannin, Bauer aus dem Dorfe
Donnmi: H. Conzelmann. Antonida, ſ. Tochter: Eliſabeth Jentſch.
Bogdan Sobin in, ihr Bräutigam: H. Moſtert. Wania, ein Wai=
ſenknab
: Maria Fiechtl. Ein Heerführer der Polen: H. Hofele.
Ein polniſcher Bote: W. Maurer. Schauplatz in Rußland.
Zeit 1613.
Berlin.
Dienstag, 18. Jan. 12.30: Virrtelſtunde für den Landwirt.
O 4: Stunde mit Büchern. O 4.30: Kapelle Hoffmann. Blanien=
burg
: Germanen reue. Strauß: Die gut

aus Die Geiha. Sentis: Noſtalgia, Tango. Roſenkranz: Ein
Immortellenkranz auf das Grab Lortzings. O 6.10: Dr. Volz:
Auf Schneeſchuhen durch den Schwarzwald. O 6.35: Dirertor Correll:
Was koſtet ein Film? O:7: Dr. Heyde: Einführung in die
phyſiſche Geographie. O 7.25: Dr. Jahn: Die Rationaliſierung
und der innere Markt. O 7.50: Prof. Kahl: Die geſchichtliche
Bedeutung des 18. Januar. O 8.15: Dr. Schmidt ſpricht über
Beethoven. O 8.30: 200 Jahre Orcheſtermuſik. Dem Gedenken
Beethovens (17701827). Dir.: Leo Blech. Ouv. Prometheus.

Tripelkonzert für Klavier, Violine, Cello und Orch. op. 56. (Georg
Szell. Maurits van den Berg und Julius Berger). Sinfonie
Nr. 5 op. 67 CC=moll). (Funkorch.).
Stettin. 7.25: Friedr. Lohſe: Die Steitiner Bahnprojekte.
Königswuſterhau en. Dienstag, 18. Januar. 3.39: Frl. Wal=
ther
: Die Kontrollangeſtellte, die Verkäuferin. O 4.30: Aus der
pädagogiſchen Welt. O 5: Prof. Dr. Rawitz: Die Abſtammungs=
lehre
des Menſchen. O 5.30: Prof. Dr. Großmann: Grundlagen der
deutſchen chemiſchen Induſtrie. O 6: Geh. Reg.=Rat Volkmar:
Das neue Arbeitsgerichtsgeſetz. O 6.30: G. v. Eyſeren u. C. M.
Alfieri: Spaniſch f. An änger. O 7: Prof. Dr. Kohlſchütter: Nord=
polexpeditionen
in ater und neuer Zeit. O 7.30: Dichterſtunde:
Wilhelm Schmidt=Bonn. Einführung: Dr. Birk=nFeld. Vorleſung:
Frl. Faher du Faur.

Haupiſchriftteltung Rudo f Maupe
Veramtwortlich ſür Polltil und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich and
Jusland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmanni
für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratenteil: Wiily Kuhlei
Druck und Verlag., C. C. Wiitich ämtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Mannſkripte wird Garantie der Rückſendung n ich t übernommten.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

[ ][  ][ ]

Nummer 18

Dienstag, den 18. Januar

Die Holzberbraucher ſträuben ſich gegen die von den Platzholzhänd=
ern angeſtrebten Preiserhöhungen für Schnittholz, die durch die am
Nohholzmarkt eingetretene Teuerung bedingt ſind. Die Sägewerks=
induſtrie
iſt in einer unangenehmen Lage, da der Andrang zu den Ver=
kaufsterminen
der Staatsforſten ſehr groß iſt und häufig nur dann Holz
erſtanden werden kann, wenn die Kalkulationen den tatſächlichen Ver=
ältniſſen
voraneilen. Mit beſonderem Intereſſe erwartet man das Er=
gebnis
der demnächſt in Oſtpreußen ſtattfindenden großen Holzverkäufe,
die zweifellos lebhafte Teilnahme bringen werden. Indeſſen iſt be=
ſonders
darauf hinzu weiſen, daß die Kaufluſt des Zwiſchenhandels der
Jonſt um die gleiche Jahreszeit bereits größere Einkäufe in Oſtpreußen
etätigt hatte, zu erlahmen beginnt, nachdem die oſtpreußiſchen Säge=
Sverke ihre Preisforderung erheblich zu erhöhen begonnen haben. Man
egegnet Offerten in Oſtpreußen, die bis zu 125 Mark je Kubikmeter ab
tationen hinaufgehen. Am Rhein regt ſich in letzter Zeit die Kaufluſt
des Konſums, nachdem auch die Preiſe für amerikaniſche Kiefer und
undere ausländiſche Holzarten, z. B. Gabun, erheblich geſtiegen ſind. In=
deſſen
verbietet der Kapitalmangel ſehr vieler Vertreter holzgewerblicher
=Betriebe größere Engagements. Am Schwellenmarkt ſieht es unbefrie=
digend aus. Auslandsſchwellen gehen nicht, da das Eiſenbahnzentral=
amt
nur Inlandsproduktionen kauft. In Polen geht die Waldarbeit
rgut vorwärts, auch die Wegeverhältniſſe haben ſich gebeſſert. Das Ge=
ſchaft
mit England leidet unter dem Mangel an Angeboten. In Danzig
war die Lage des Exportgeſchäftes wenig günſtig. Nachfvage nach Slee=
Spers beſteht kaum, und die Zwiſchenverdienſte an engliſchen battens ſind
ſo gering, daß der Zwiſchenhandel vielfach ganz ausgeſchaltet wird.
Am Grubenholzmarkt haben ſich die Abſatzverhältniſſe etwas gebeſſert.
Lebhafter Kaliabſatz im Januar.
Die Abſatzmeldungen aus der Kaliinduſtrie lauten zurzeit befriedi=
gend
. Nachbem bei den Werken im Januar jetzt ſchon rund 1 Million
Doppelzentner Reinkali abgerufen ſind, dürfte damit zu rechnen ſein,
(daß der Voranſchlag der Sundikatsleitung für den laufenden Monat (1½
Mill. Doppelzentner) nicht unerheblich überſchritten wird. Der Abſatz
fim Jamar 1926 ſtellte ſih auf 950 000 Doppelzentner und der im Januar
925 auf 1660 000 Doppelzentner. Der Hauptanteil des Abſatzes in
Ehieſem Monat fällt auf den Inlandsbedarf, der, was beſonders hervor=
gehoben
zu werden verdient, trotz der am 23. Dezember erhöhten Preiſe
rrecht lebhaft geblieben iſt.
In Kreiſen der Kaliinduſtrie iſt man im übrigen der Anſicht, daß
kbeſonders die in den Vordergrund gerückte Miſchdüngerfrage den Kali=
verbrauch
für die Zukunft günſtig beeinfluſſen wird. Es ſchwveben be=
kanntlich
großzügige Pläno hinſichtlich der Gasfernverſorgung, bei denen
rur. a. auch die Stickſtoffgewinnung eine bedeutſame Rolle ſpielt. Die
Stickſtoffmengen ſind für Düngungszwecke nur in Verbindung mrit Kali
umd Phosphor verwertbar. So iſt es natürlich, daß auch die an der Gas=
fernverſorgung
beteiligte Kohleninduſtrie ſich lebhaft für die Hebung des
Kaliverbrauchs mit einſetzen wird. Wie in dem Bericht der Gebr. Dam=
mannbank
=Hannoder ausgeführt wird, dürfte bei dem Kampf um die
Vorherrſchaft der Ruhrkehleninduſtrie mit der J. G. Fa=ben=Induſtrie
auf dem Gebiet der Gewinnung von Stickſtoff bzw. der Herſtellung des
Miſch= und Volldüngers die Kaliinduſtrie jedenfalls die Rolle des lachen=
den
Dritten ſpielen. Die jetzt hervorgetrotene Vorliebe für Kaliwverte
fei daher erklärlich, zumal die Kurſe auf dieſem Gebiet gegenüber der
Entwicklung auf allen anderen Märkten außerordentlich zurückgeblieben
waren und die Diskontermäßigumg, ſowie die ungefähr vorjährigen
Dividendenſchätzungen die Bewegung noch förderten. Der Beſtand des
Dr. Wilhelm SauerKonzerns dürfte durch das Ableben ſeines Begrün=
ders
keine Veränderung erfahren.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Coumerz= und Privatbauk A. G. Berlin. In der Aufſichtsrats=
ſitzung
der Commerz= und Privatbank A. G. wurde beſchloſſen, einer auf
den 8. Februar einzvberufenden außerordentlichen Generalverſammlung
die Erhöhung des Aktienkapitals um 18 Millionen ab 1. Januar 1927
dividendeberechtigter Aktien auf 60 Millionen Mark vorzuſchlagen. Von
den neuen Alktien ſollen 10½ Millionen den alten Aktionaren im Ver=
hältnis
von 1:4 zu einem von der Generalverſammlung feſtzuſetzenden
Kurs zum Bezuge angeboten werden. Die reſtlichen 7½ Millionen Mark
werden von einem Konſortium übernommen, welches dieſelben zugunſten
der Bank, und zwar zu einem den vorausſichtlichen Bezugspreis über
ſteigenden Kurſe bereits verwendet hat. Die Kapitalserhöhung verfolgt
den Zweck, die eigenen Mittel der Bank zu ſtärken und das Verhältnis
zwiſchen Aktienkapital und fremden Geldern günſtiger zu geſtalten.
Gründung einer Kommunalgeſellſchaft für Gasfernverſorgung in
Mitteldeutſchland. Ende voriger Woche fand unter Leitung des Landes=
hauptmanns
der Provinz Sachſen, Dr. Hübener in Mühlhauſen, eine
Beſprechung der Intereſſenten ſtatt, die zur Gründung einer Kommunal=

harz. der Kreis Heiligenſtadt, Grafſchaft Hohenſtein=Worbis, außerdem
die Städte Beneckenſtein, Bleicherode, Heiligenſtadt. Worbis und Leine=
felde
. Die weiteren Vorbereitungen trifft ein Arbeits usſchuß unter
Vorſitz des Oberbürgermsiſters Dr. Ncumann in Mühlhauſen.
Die Union Handelsgeſellſchaft Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt,
beantragte Fuſion mit der Union=Bank Aktiengeſellſchaft, Berlin.
Letztere iſt die Fortſetzung der ſeit dem Jahre 1909 in Berlin mit
Genehmigung der Preußiſchen Regierung betriebenen Filiale der
Union=Vank, St. Petersburg. Die Fuſion erfolgt, da ſchon ſeit
längerer Zeit die Mehrheiten beider Geſellſchaften der gleichen
Gruppe angehören. Auch war es für die Darmſtädter Geſellſchaft
von Wichtigkeit, eine engere Verbindung mit Berlin zu haben.
Die betreffende Generalverſammlung findet in den nächſten
Tagen ſtatt. Ueber die Beſchlüſſe werden wir berichten.
Peters Union AG. in Frankfurt a. M. Das Bezugsrocht auf die
jungen Aktien der Geſellſchaft wi:d au ber Berliner Börſe am 91., 22.
und 24. zur Notiz gelangen.
* Auſwertung der Freiburger Stadtanleihen. Der Treuhänder für
Ablöſung dieſer Anleihen hat beim Landeskommiſſär für die Kreiſe
Freiburg ,Lörrach und Offenburg folgende Anträge geſtellt: 1. den Ein=
löſungsbetrag
der ausgeloſten Teilbeträge der Ablöſungsanleihe auf
das Siebenfache des Nennwertes (7 X25) zu erhöhen, dergeſtalt,
daß 17,5 Prozent des Goldwertes der Anleihe zuzüglich 5 Prozent
Zinſen zur Auszahlung gelange; 2. die Dauer der Tilgungszeit
der Markanleihe alten Beſitzes von 30 auf 20 Jahre herabzuſetzen.
Ueber den Antrag entſcheidet in erſter Inſtanz der Landeskommiſſar, in
2. Inſtanz ine bei dem Miniſterium des Innern gebildete Kommiſſion.
Feſte Tendenz auf dem Wiener Effektenmarft. Da nach der An=
gliederung
der Unionbank an die Bodenkreditanſtalt weitere unangenehme
Ueberraſchungen im Wiener Bankweſen wohl nicht mehr zu befürchten
ſind und die Herabſetzung des Zinsfußes in Oeſterreich in naher Zeit
als abſolut ſicher gilt, läßt das Kapital ſowohl des Inlandes, als ins=
beſondere
des Auslandes, namentlich Deutſchlands, immer größere Aktien=
poſten
aus dem Markte nehmen, ſo daß ſich die Tendenz der Wiener
Börſe auch weiterhin durchaus feſt geſtaltet. Beſonders begehrt ſind
namentlich für reichsdeutſche Rechnung Siemens, Dampfſchiff, Eiſenbahn=
verkehr
(öſt.), Semperit, für ungariſche Rechnung Rima, Salgo, für
tſchechiſche Rechnung Friedrich und Prager Eiſen, für öſt. Rechnung
Brau= und Banwerte, ſowie polniſche Petroleum=Aktien. Letztere mit
Rückſicht auf die bevorſtehende Verlängerung des Kartells.
Elektrifizierung Luxemburgs durch das Rheiniſch=Weſtfäliſche Elek=
trizitätswerk
? Wie aus Luxemburg gedrahtet wird, hat ein Konſortium
unter Führung des RWC. eine Submiſſion für die Elektrifizierung
Luxemburgs eingereicht. Dieſe Tatſache iſt deswegen von beſonderer Be=
deutung
, da ſich das RWE. urſprünglich an dieſem Wettbewerb nicht
beteiligt, ſondern erſt nach dem Verſagen belgiſcher und engliſcher Ge=
ſellſchaften
, wohl auf beſondere Aufforderung von einer der luxem=
burgiſchen
Regierung naheſtehenden Seite Offerten eingereicht hat, die
vorausſichtlich angenommen werden.
Die Gasverſorgung von Paxis. Der Societe du Gas de Paris iſt
bis zum Jahre 1932 die Gasbelieferung der Stadt übertragen. Die ge=
=öhnliche Verzinfung des 100 Mill. Frs. ausmachenden A.=K. en ſpricht
einer Dividende von 6 Prozent. Die Geſellſchaft erhält von der Stadt
Paris einen feſten Zuſchuß, der der jeweiligen Ueberweiſung an die
geſetzliche Reſerve entſprickt. Dazu kommt eine variable Summe, die
nicht höher als 4 Millionen Frs. ſein darf. Die Verkaufspreiſe werden
fetzt halbjährlich den Wir ſchaftsverhältniſſen angepaßt. Das Jahr 1925
hat einen Verluſt von 8 313 434 Fr. gebracht gegen 18 537 663 Fr. Rein=
gewinn
im Jahre 1924.

Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 17. Januar.
Die Börſe beantwortete die vollkommene reibungsloſe Abwicklung
des Medio mit einer ſcharfen Hauſſe auf der ganzen Linie. Anßerge=
wöhnliche
Gewinne erzieltem wieder Chemieverte, an der Spitze Scheide=
anſtalt
zum Erſtkurs 270 (pl. 20). Auch Holzverkohlung waran darauf=
hin
ähnlich feſt 104 (pl. 10). J. G. Farben 333½ (pl. 5). Am Banken=
markt
hielten ſich die Gewinne im allgemeinen Rahmen. Kurz nach der
erſten Notiz ſrellte ſich eine ſcharfe Bewegung für Danatbank ein bei
zuerſt 272, dann Eei großen Poſtenkäufen von Berlin 276 bzw. 277 G
(pl. 8). Montanwerie waren allgemein feſt. Bevorzugt waren Kali=
Aktien auf den günſtigen Geſchäftsbericht hin, Weſtereegln 191 (pl. 10½),
Aſchersleben 177½ (pl. 6). Von Kohlenwerten ſind anzuführen: Rhein=
ſtahl
214 (pl. 4½), Niebeck 189 (pl. 5), Rheiniſche Braunkohle 258½ (pl.
6½). Sch ffahrtsaktien waren nur um 1 Prozent höher, da Gerüchte
über neue Schwierigkeiten in der Freigabenfrage auftauchten. Sehr feſt
lagen Zellſtoffwerte in Fortſetzung der Nachbörſe vom Samstag. Wald=
hof
258 (pl. 6), Aſchaffenburg 187½ (pl. 7½) Von Elektroaktien
Schuckert 172 (pl. 8), A. E. G. 1737/ (pl. 27/.). Auch Anleihen hatten feſte
Tendenz, aber kleine Umſätze. Kriegsanleihe 0,922½ Zuckeraktien lagen
durchſchnittlich 1 Prozent höher. Sehr geſucht ſind glektriſche Lieferungs=
geſellſchaften
, ſo Mainkraft 145 (pl. 5). Auch Autowerte waren feſt und
erzielten Kursgewinne von 2 bis 4 Prozent.
Am Deviſenmarkt iſt die Lage kaum verändert. London=Paris
bleibt feſt bei 122 Fr., Mailand iſt etwas abgeſchwächt bei 112¾ Lire.
Sonſt ſind noch zu nennen Holland 12,13¾ Gulden, die Schweiz 25,19½
Fr. (weiter ſchwächer). Das Pfund gegenüber Kabelauszahlung New
York mit 4,8525 Dollar. Die Mark ſtellt ſich auf 4.2145.
Geld iſt ſehr leicht und nur angeboten. Tagesgeld etwa 2½3½
Prozent, Monatsgeld 4345¾ Prozent, Diskont für Warenwechſel 47/s,
Privatdiskont 41/8.
Die Abendbörſe war weiter feſt und ſehr lebhaft. Namentlich
die ſchon heute mittag ſehr ſtark hauſſierenden Werte zogen weiter im
Kurſe an, und dazu noch beſonders die Elektrowerte. Scheideanſtalt, die
naihbörslich einen Kurs von 280 erreicht hatten, fielen allerdings auf
273 zurück, aber Metallgeſellſchaft ſtiegen auf 221, und Metallbank auf
220. J.G. Farben b.i kleinem Geſchäft jedoch behauptet. Rheinſtahl
erzielten eine Steigerung von 8,5 Prozent auf 221,5. Mannesmann
219 wie nachbörslich. Die übrigen Montanwerte bis 3 Prozent beſſer,
Von Elektrowerten ſtiegen Bergmann 8 Proz., A. E G. 2 Proz., Schuk=
kert
und Siemens u. Halsk= je 5 Proz. Schiffahrtswerte unverändert,
Holzverkohlung waren heute abend abermals 5 Proz. höher bei großer
Nachfrage. Die vor Beginn der heutigen Nachbörſe aufgetauchſten Be=
fürch
ungen der Börſenkreiſe vor Ueberſchlagungen wanen wieder voll=
kommen
verſchwunden. Renten ſtill und unverändert. Neichsanleihe
0 920, Schutzgebiet 17,40, Barmer Bank 18,5, Kommerzbank 222, Danat=
bank
277, Deutſche Bank 195, Dresdener Bank 187, Metallbank 200, Gel=
fenkirchen
190,5, Harpener 196, Kali Aſchersleben 180, Weſtereyeln 190,5,
Klöcknerwerke 182, Mannesmann 219, Mansfeld 155, Oberſchleſ. Eiſen
127. Rheinſtahl 221,5, Ver. Stahlwerke 158, Adlerwerke 120, 9. E. G. 175
Aſchaffenburger Zellſtoff 189,5, Farben J.G 335,5, Bergmann 173,5,
Zement Heidelberg 153, Scheideanſtalt 273, Elektr. Licht u. Kraft 183,
Felten 175, Goldſchmidt 152,5. Hoch= und Tiefbau 128, Holzmann 182,25,
Holzverkohlung 109.5, Lahmehrr 165, Metallgeſellſchaft 221. Rütgers=
werke
143.25, Schuckerk 176, Siemens u. Halske 211, Wayß u. Frehtag
176,5Zucker Waghäuſer 1485, Frankenthal 116,5, Heilöronn 147, Hapag
178, Norddeutſcher Blond 162,5.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 17 Januar.
Der erſte Börſentag in der neuen Woche brachte bei Eröffnung des
Geſchäfts eine Hauſſebewegung auf verſchiedenen Gebieten des Aktien=
markkes
, die etwas unerwartet kam. Die enorme Geldüberfülle hielt
zwar an, doch glaubte man, daß Gewinne auf die vielfach übertriebene
Kursgeſtaltung zunächſt eine ruhigere Weiterentwicklung herbeiführen
werden. Die Spekulation ſchöpfte aber aus den ſehr günſtigen Mel=
dungen
über die Beſchäftigung der Weſtdeutſchen Eiſenwerke und aus der
flüſſigen Bilanz der Krupp A.=G. eine Anvegung zu lebhaften Käufen
in Montanaktien. Gleichzeitig blieben Kaliwerte bei ſprunghaft er=
höhten
Kurſen gefragt. Elektrowerte ſtanden ebenfalls den Aktiengruppen
an Feſtigkeit nicht nach. Das Intereſſe der Spekulation wandte ſich
außerdem einer größeren Anzahl von Spezialpapieren zu, bis ſchließlich
die Geſamtſtimmung unter dem Eindruck dieſer Sonderbewegungen be=
merkenswert
feſt wurde. Kursſteigerungen von 5 bis 7 Prozent waren
mehrfach zu verzeichnen. Im Durchſchnitt konnte ſich das Niveau der
Terminwerte und der dariablen Papiere um 12 Prozent heben. Die
Prämienerklärungen nahmen einen glatten Verlauf. Angebot von
Prämienware, das die Kursgeſtaltung beeinträchtigen konnte, nieht feſt=
zuſtellen
. Am offenen Geldmaukt hielten ſich die Sätze auf ihrer bis=
herigen
Höhe, d. h. auf 34½ Prozent und darunter für Tagesgeld,
56½ Prozent für Monatsgeld und etwa 42/ Prozent für Waren=
wechſel
mit Großbankgiro. Größere Beträge an kurzfriſtigen Mitteln
konnten nicht untergebracht werden, ſo daß nach Deviſen eine erhebliche
Nachfrage herrſchte. Der Dollarkurs zog daher auf 4,2155 bis 4,2165 an.
Von den übrigen fremden Valuten lag die franzöſiſche Währung mit
121,95 befeſtigt. Die ſpaniſche Währung mit 29,87 ſogar bemerkens=
wert
feſt. Das engliſche Pfund notierte mit 1,8530 etwas niedriger.
Im weiteren Verlauf der Börſe führte die feſte Grundſtimmung der
Spekulation zu neuen, teilweiſe bedeutenden KurZſteigerungen. Das
Publikum war gleichfalls in namhaften Beträgen Käufer von Aktien=
werten
, auffällige Bewegungen verzeichneten verſchiedene beſondere Pa=
piere
. So konnten die Aktien der Stollberger Zink=Geſellſchaft zunächſt
nicht notiert werden, weil ein zu geringes Angebot einem umfangreichen
Beſtand an Kauforders gegenüberſtand. In der zweiten Stunde kam
ein Kurs von 218 zuſtande, der ein Plus von 18 Prozent ergab. Gbe,
rüchtweiſe verlautet von Beſtrebungen zur Bildung eines Zink=Truſtes

wurde überwiegend per Ultimo Januar gehandelt. Die Spekulation
zeigte auf der Baſis der amtlichen Medio=Schlußkurſe Kaufneigung. Nach
den vorangegangenen Aufwärtsbewegungen war ein nennenswertes
Realiſationsbedürfnis kaum feſtzuſtellen. Die Börſe ſchloß faſt zu den
höchſten Tageskurſen, insbeſondere für die bevorzugten Werte. Man
nannte gegen 2,30 Uhr u. a. Metallbank 199 ultimo Geld, Danatbank
N6 u., Vereinigte Stahlwerke 157,75 u., Gelſenkirchen 190 u.

Aſchaffb. Zel’ſto
Augsb.=Nürnb. Maſ.
Bamag=Mequin
Verl. E.W. Stamm.
Berlin. Karlsruhe Ind
Braunkohl.=Briketts
Bremer Aulkan
Bremer Wolle.
Teutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen.
Deutſch.=Nieb. Tel..
Teutſche Erdöl".
Deutſche Petroleum.
Ilt Ka itrerke
Tonnersmarchüte
Tynamit Nobel.
Rektr. L eferung. .
G. G. Farben ...."
D. Friſter..
Taggenau Vorz=
Celſenk. Eußſtahl. .
G. f. elektr. Untern.
Kalle Maſchunen.
Han. Maſch. F=eſt.. .
Kanſa Tampfſchf.

Ainſterdam-M
Auenos=Aireg.
Prüſſel=Antio
Cslo
openhagen
Etcdhelin
Kelſingſors
Stalicn
London
Nen=York
Taris.
Eckneiz
Fanicn

15. 1 15. 1. 184. 18 Gemoor Zement 245. 142. 143. Hirſch Kupfer. 1 66.
66. 1böſch Eiſen. 177.75 181. 175. Hohenlohe Werke 8.75 115.- 115.75 Kahla Porzellm ... / 125.5 193. 205. Lindes Eismaſch. . .. ! 189 128. 125. Lingel Schuh. 9.6 182.75 189.5 Linke u. Hofmann 94 125 131.
123. L. Loewe u. Co... . . 1 29 3. 125. C. Lorenz. 39 75 1139.75 15.875 Ndl. Kohle. .... . . . . / 196.75 177. 182. Norbd. Gummi. . ..
Trenſtein. 39.375 133.75 142.2 Rathgeber Waggon
Rombacher Hütten. 100. 140.- 43. 13.25 161.5 163.5 Roſitzer Zucker. 108. 173. 78. Rütgerswerke 139. 328 333. Sachſenwerk.. 1285 112.75 113 25 Säckf. Gußſtahl 17 65. 65. Siemens Glas. 177. 17.5 185 Ver. Lauſißzer Glas. 160.25 216. 223 Volkſtedter Porzell. 70. 195. 200. Weſtf. E. Laugendreer 66. 140. 1425 Wittener Gußſtahl. 64.75 209. Wanderer=Werke.. .. 229. 4

Deviſenmarkt.

geid Brief geid Prie 168.24 168.661168.4 168.68 737 1.701 1.74/ 1.745 B36.52 58.66 58.555 58 695 107.8 100.14 107.62 109.00 Hi2 14 12.421 12.26 112.5- 12.38 112 66 112.41 12.74 10.58 0.62 10.59 0.63 118 30 18.30 e. 65 18. 105 30.421 9.47. 20.437 20-489 4.209 4. 219 1.212 4.222 H6 735 16.775 16. 78 16.8 81.05 81.25) 1.12 1.3. V1.72 67.80 67.981 8.16

Wien T.=Sſt.abg.
Prag
Ludapeſt/ Pengö
Japan.
Rio de Jareiro
Sofia
Zugoflavien
Fenſtantinopel
Liſſabon ......"
Tanzlg ......."
Athen .........
Kanaba. . . . . . . .
Uruguay. . . . . . .

15. I.
Gelb /Briet
59.32 59.4
12.462 12.50
73.59 73. 776
2.05 / 2.055
0.430/ 0.49
3.04 3.05
7.41 7.43
2.12 2.13
21.585 21.s1
81.48 81.6
5.37 5.3
4.20 4.21
425 1 4.26

17 1.
128
30 25
128.25
92.
99.-
306.

40.
110.
13.
118.
740.
27 75

66.
G3.

geid !9
19.33 (59.52
12.472//2 512
13.61/ 73.79
2.0561 2.060
0.493/ 9.495
3.0: 3.03
7.415/ 7.435
2.12 2.13
71 586 21.-815
81.55/ 81.75
5. 12 5.44
4.202/ 4.212
425 426

Produktenberichte.

Mannheimer Produktenbericht vom 17. Januar. Das Hauptintereſſe
des heurigen Produktenmarkles wandte ſich dem Angebot in La Plata=
weizen
zu, weil dieſer das billigſte iſt, was in Weizen angebo en wird.
Es notierten: Weizen inländiſcher 29,75, ausländiſcher 30,7532,75,
Roggen inl. 25,2525,75, ausl. 26,5026,75, Braugerſte 2730, Futter=
gerſte
9,5022, Hafer 19,5020, Mais 18,7519, Weizenmehl 40,50,
Brotmehl 23,5030,75, Roggenmehl 36,2527, Biertreber 16,5017.
Frankfurter Produktenbericht vom 17. Januar. Die Haltung am
Produktenmarkt war feſt. Infolge der höheren Auslandsforberungen
und größerer Nachfrage feitens der Händler, konnten die Preiſe eine
Kleinigkeit anziehen. Die Preiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt: Weizen
29½29½, Roggen 25½, Sommergerſte 25½37, Hafer inl. 20½ bis

Treber 16½
Verliuer Produktenbericht vom 17. Januar. Bei allerkleinſter Unter=
nehmungsluſt
war das Geſchäft am Produktenmarkt wenig verändert.
Das Ausland brachte wohl etwas erhöhte Preismeldungen und hatte
auch ſeine Cifforberungen heraufgeſetzt, doch wirkte ſich dies bei der er=
neut
einſetzenden Abſatzſtockung am Mehlmarkt nur in kleinem Um=
fange
aus. Bei anhaltend kleinem Inlandsangebot und faſt voll=
ſtändiger
Unintereſſiertheit auf Seiten der Käufer fanden im Lieferungs=
handel
nur für Mal zu etwa 1 Mark erhöhtem Preiſe Umſätze ſtatt.
Noggen konnte für März eine Steigerung von 50 Pfg. erzielen, während
die übrigen Termine unverändert eröffneten. Futtergetriede ſehr ver=
nachläſſigt
. Von ſonſtigen Futterſtofſen nur Kleie in gutem Geſchäft
und feſter. Die übrigen Markte liegen recht ruhig und in den Preiſen
kaum verändert.
Viehmärkte.
Mannheimer Viehmakt vom 17. Januar. Der Antrieb des heutigen
Schlachtviehmarktes beſtand aus 263 Ochſen, 18 Bullen, 331 Kühen, 317
Rinder, 567 Kälber, 40 Schafen und 2149 Schweinen. Bezahlt wurde
je 50 Kilo Lebendgewicht: Ochſen Klaſſe a) 5760, b) 5052, c) 4650,
d) 4011, e) 3236 und () 3032. Bullen Klaſſe a) 4651, b) 4246,
c) 3438 und d) 3234, Kühe Klaſſe a) 4651, 5) 3842, c) 3035
und d) 1520, Rinder Klaſſe a) 5861, b) 4753 und c) 4044, Kälber
Klaſſe a) 8281, c) 6477, d) 6470 und e) 5460. Schafe Klaſſe
a) geſtrichen, Klaſſe 0) 3240, Schweine Klaſſe a) 7576, b) 7576,
() 7677, d) 7475, 6) 7274, f) 72 und g) 6068. Marktverlauf:
Mit Großvieh mittelmäßig, geringer Ueberſtand, mit Kälbern lebhaft
geräumt und mit Schweinen mittelmäßig ausverkauft.
Frankfurter Viehmarkt vom 17. Januar. Am heutigen Schlachtvieh=
marft
waren angetrieben: 361 Ochſen, 79 Bullen, C46 Kühe, 312 Färſen,
ferner 464 Kälber, 267 Schafe und 3244 Scyveine. Bezahlt wurde per
Zentner Lebendgewicht: Ochſen a1) 5659, 42) 5155, b1) 4550,
46, Kühe

Schweine o) 7375, b) 7376, c) 7477, d) 7375, e) 7073, g) 6363.
Marktverlauf: Rinder und Kälber wurden bei ruhigem. Schafe bei
lebhaft
verblieb bei mäßig regem

3. 4050, Kalbfleiſch 2. 100110, Hammelfleiſch 7085, Schweinefleiſch
1. 8595, Gefrierfleiſch, Vorderviertel 52, Hinterviertel 58.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 17. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt begann in feſter Haltung auf die ungünſtige
Wochenſtatiſtik und unc inſtige Witterungsberichte. Der Schluß war ab=
geſchwächt
auf ſchleppende Exportnachfrage. Die Termine ſchließen ziem=
lich
unverändert.
Mais: Die Feſtigkeit der Kaſſamärkte und kleinere Ankünfte ver=
anlaßten
einen feſten Beginn. Dann wurde die Haltung abgeſchwächt
auf günſtige Witterungsberichte aus den Maisgebieten und die Wochen=
ſtatiſtik
. Die Termine zeigen Aufbeſſerungen bis zu 0,5 C.
Hafer: Der Markt verkehrte in ſtetiger Haltung.
Baumwoſle: Der Markt verkehrte in ſtetiger Verfaſſung auf größere
Lokoverkäufe in Liverpool, private Entkürnungsberichte und günſtige
Berich’e über die Anbaufläcke. Der Schluß war abgeſchwächt auf Ver=
käufe
der Pflanzer.
Kaffee: Nach ſchwachem Beginn auf ermäßigte Kabel trat eine Be=
feſtigung
ein auf zurückhaltendes braſil. Angebot und Feſtigkeit des
Lokomarktes.
Zucker: Der Markt verlief in feſter Haltung auf zurſickhaltendes
kubaniſeh 3 Angebot. Deckungskäufe der Spekulation und der Raffinerien.
Kakao: Der Markt nahm einen ſtetigen Verlauf in Erwartung
beſſerer Kaufluſt der Fabriken und Deckungskäufe des Handels.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Roheiſenerzeugung des weſtoberſchleſiſchen Reviers betrug im
Dezember 1926 insgeſamt 29 323 To. Damit hatte der Dezember die
weitaus höchſte Eiſenproduktion unter allen Monaten des vergangenen
Jahres aufzuweiſen.
Der nach dem Sch=itern der Frachtkondeutionsverhandlungen in der
Elbeſchiffahrt erwartete Konkurrenzkampf zeigt bereits ſeine erſten Aus
wirkungen. Die neue Deutſch=Böhmiſche Elbeſchiffahrts A.G. hat be=
ſchloſſen
, einen Schnellverkehr von Hamburg direkt nach Rieſa und
Dresden zu Schlepperſätzen einzurichten.
In der zweiten Hälfte des Monats Januar wird bekanntlich die
Internationale Rohſtahlgemeinſchaft ihre nächſte Sitzung in Paris abhal=
ten
. Dort ſoll die bereits im Dezember beſchloſſene Aufnahme der mit
teleuropäiſchen Eiſeninduftrie, darunter auch der Aſpine, auch formell
durchgeführt werden.
Die Verringerung der franzöſiſchen Ausfuhr und die teilweiſe Lahm=
legung
des innerfranzöſiſchen Konſums macht ſich in Verbindung mi
der Wirtſchaftskriſe auch in den Steuereinnahmen b=merkbar. Dieſ
beliefen ſich im Dezember 1926 auf 3957 Millionen Franken, was gege
über den beiden Vormonaten eine wefentliche Abnahme bedeutet.
Der belgiſche Großhand lsindex zeigt der Ultimo Dezember gegen=
über
dem Vormonat einen Rückgang ron 865 auf 860.
Die verſchiedenen Geſellſchaften, die an der Ausbeutung der Dia=
mantenlager
im Gebiet d.s belgiſchen Kongo beteiligt ſind, haben im
Laufe des letzten Jahres eine Ausbeute von ungefähr einer Million
Karat gehabt, eine Ziffer, die um ein wenig höher iſt als diejenige des
Jahres 1925.
Nach belgiſchen Blättermeldungen hat die dortige Regierung be=
ſchloſſen
, eine Studienkommiſſion nach dem Bezirk von Kilo=Moto zu
ſchicken, um die dort neu entdeckten Petroleumfelden zu unterſuchen.
Nach ruſſiſchen ſtatiſtiſchen Angaben belief ſich die Naphthaproduktion
im Bezirk von Baku im Jahre 1926 auf 337 Millionen Pud, wovon
61 Millionen Pud zur Ausfuhr gelangten. Im Jahre 1927 iſt vor=
geſehen
, 72 Millionen Pud zu exportieren. Im Vergleiche zur Vor=
kriegszeit
iſt die Ausfuhrmenge der Ware außerordentlich gewachſen.
Nachdem die ruſſiſch: Regierung die Einſihrung des metriſchen
Syſtems beſchloſſen hat, hat ſie die Herſtellung der neuen Maße und
Gewichte einer frenzöſiſchen Geſellſchaft übertragen. Dieſe wird das
Recht haben, die Sachen zollfrei in Rußland einzuführen.
Das eſtniſche Finanzminiſterium hat ſich mit den neuen, vor allem
für Rohſtoff= und Meſſcarlikel herabgeſetzten Zolltarifſätzen einverſtan=
den
erklärt. Die Herabſetzung iſt für Deutſchland inſofern von Inter=
eſſe
, als demnächſt größere Textilbeſtellungen zu erwarten ſind.
Der ſchweizeriſche Außenhandel ſtir 1926 zeigt auf der Einfuhrſeite
einen Nückgang von 2495 Mill. Schweizer Franken auf 2363 Mill. und
nuf der Ausführſeite eine noch ſtärkere Verminderung von 2030 Mill.
nuf 1826 Mill. Fr., d. h. um 10 Prozent.
Die beiden großen Eiſenbahngeſellſchaften, die Northern Pgcific
Railrogd und die Great Northern Railroad, haben der Interſtate Com=
merce
Commiſſion einen Plan behufs Vereinigung der beiden Geſell=
ſchaften
eingereicht. Kommt di ſer Plan zuſtande, ſo repräſentiert dieſer
Truſt zilka 650 Mill. Dollars.
Die neue White Star Line=Gef Uſchaft iſt nunmehr mit einem Kapi=
tal
von 9 Millionen Lſtrl. (1 Lſtrl=Aktien), von denen 5 Millionen
Lſtrl. 6½proz. kumulative Vorzugsaktien und 4 Mill. Stammaktien ſind,
in das Handelsregiſter eingetragen.

[ ][  ][ ]

Geite 12

Dienstag, den 18. Januar 1927

Nummer 18

4. Drantfärter Karsoerice vom 17. Banaar Lest.

Staatspapiere
a) Deutſche
8 ½½Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 .. 199.5
7% Bayer. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29 100.5
6.% H. V.: Sch.
p. 1. 4. 29
6,%0 Pr St.=Sch.
p. 1. 3. 29
6,% Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
7%0 Sächſ Fr.=Sch.
p. 1. 7 29 ...1100
7½ Säch). Fr.=Sch
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6,%Württ. F. Sch.
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einſchließlich
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4% D. Reichsan!.
4% D. Schutzgb. v.
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4 D. Schutzg. v. 14
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4½Bayern ......
4½ Heſſen...."
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5%Bos. E. B 1914
5%. L.Inv. 1914
4 ½% 1898
4½½ 1902
4%
6% Bulg. Taba10
4½% Oſt. Staarsr.
v. 1913, Kdb. 1918
4½%Oſt. Schatz. 14

0.92

17.75
17.75

6.10
8.5

3:.75

25.1

gOſt. Sülberr. / 6.25
Yoldr
4½ einh. R. (kon)/ 2.25

3% Port. (Spz) III

12

5% Rum.am. R.03.
4½%Gold. 13. 22
4½% am.konv. 9.3
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425 Türk. Adm./03
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15

9.25

21.5

16.55
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14.95
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13.4
8.45

22
7.25

20.5
32.5
27.5
26.5
11
710.
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178
64.75
68
92

141
109
331
122
78
162.5
113.5
92
0.54
105
251.5
151.9
133.5
164

145.5
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123
127
1.0.5
194.75
64
83
119
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114.5
9)
98
103.25
174
145.5
10c.5
142
85
178
140.5
236.5
147.5
116
146.75
187.5
148
1147

111.75
130
15.6
170
176
162,

130

39.75
52.5
144

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Jugendliche haben Zutrikt! (1318

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Nummer 18.

Dienstag, den 18. Januar 1927

Gloria kam an Bord und ließ ſich eine Deckabine anweiſen.
Sie war müde unt A hetzt. Schon am frühen Morgen hatte die
Jagd für ſie bego. W2as Billett, den Paß, die Bank
Das alles mußte ſie ſchen neun und zehn erledigen. Sie kam
gar nicht erſt nach Suſe zurück, ſondern fuhr direkt zur Bahn,
wohin ihr Mutter ABe ihren Koffer brachte. Mit Mühe und Not
belam ſie im Pullmd car noch einen Platz
Dann war ſie enblich auf dem Schiff. Flüchtete ſich ſofort in
ihre Kabine, denn der Trubel der Reiſenden machte ſie nervös.
Kopf und Ausen ſchanerzten ſie. In den Schläfen hämmerte eine
raſende Migt e
Sie hatte och keine Zeit gehabt, ſich die Sachlage ruhig zu
überdenken. Und nun, da ſie ſich mit tiefem Seufzer auf das
kleine Kanapee ihrer Kafüte ſinken ließ, war ihr erſter Gedanke
der Vater. Ihm hatte ſie nicht einmal Adieu geſagt, geſchweige
denn eine Erklärung ihrer plötzlichen Abreiſe gegeben. Auf Grace
war kein Verlaß 1 Im Gegenteil ſie konnte alles ver=
raten
! Harald ! Grace würde ihm ja die Wahrheit ſagen!
Er würde warten! In ein, zwei Tagen war ſie ja wieder zurück.
Dann war er frei. Es war beinahe ein Glück, daß er ſie deckte
ſo lange wenigſtens, bis ſie die Papiere beſchafft hatte
Dann ! Nein nicht daran denken! Ihr Junge
Nein nein!
Wie eng war die Kabie! Wie drückend die Luft! Sie trat
auf das Deck.
Das Boot ſchob ſich gerade aus dem lleinen Hafen hinaus
in die freie See. Die packte es ſofort mit ihren weiß und wild
daherſtürmenden Wellen. Riß es hinauf und hinunter das
kleine Schiff begann zu ſtampfen und zu rollen auf eine Art, die
nichts Gutes verhieß für den weiteren Verlauf der Fahrt. Das
Deck, das im Hafen noch mit lachenden, lärmenden Paſſagieren
überfüllt war, begann ſich ſchnell zu leeren nur die See= urd
Wetterfeſten blieben. Sie ſuchten ſich windſichere Plätzchen,
hüllten ſich Beine und Magen in ihre Plaids und taten ſehr ſtolz
und ſelbſtverſtändlich. Wenn einmal eine übermütige See bis
aufs Promenadendeck klatſche, funkelnden Sprühregen um ſich
verbreitend, lachte man und ſagte: Herrlich! Doch auch der
See= und Wetterfeſten wurden mit der Zeit weniger und weniger.
Es war a hell of a passage, wie der Oberſteward ſagte. Bei
einigermaßen ſcharfem Winde iſt der Kanal ein gottverfluchtes
Waſſer.
(Fortſetzung folgt.)

Roman von E. Klein
45)
(Nachdruck verboten.)
Iſt Herr St. Aubain aus Paris noch hier?
Als er den Beſcheid erhielt, zeigte ſein Geſicht eine mehr als
zweifelhafte Miene.
Er iſt geſtern abgereift, ſagte er. Wenn ich auch nicht
glaube, daß ein Mann wie St. Aubain dieſes ganze Treiben
inſzeniert, ſo iſt doch zu befürchten, daß ſeine Agenten nicht ſo
ſtrupelhaft ſind Aber was hm. nach Oſtende,
fagen Mylady, iſt die Frau Herzogin abgereiſt? So ? Nach
Oſtende
Er führte ſie zum Wagen und brachte ſie zum Unterſuchungs=
gefängnis
. Dort übergab er ſie der Hut des Direktors und
empfahl ſich mit einer kurzen, beinahe formloſen Entſchuldigung.
Wie eine Bombe platzte er wenige Minuten ſpäter in das Büro
ſeines Onkels.
Sir Arthur, the fight is on! ſchrie er. Sie haben die
Herzogin aus London fortgelockt. Um halb elf geht von Liver=
pool
Station der Zug nach Dover den bekomme ich nicht mehr.
Aber das Schiff muß ich noch erreichen. Bitte, veranlaſſen Sie
ſofort, daß in Croydon ein Flugzeug für mich bereitgeſtellt wird.
Ich haſſe zwar das Fliegen noch mehr als Beten, aber in der
Not lernt der Teuſel ſogar fliegen!
Sir Arthur ſtellte keine langen Fragen, ließ ſich mit dem
Flugplatz verbinden und gab die nötigen Befehle.
In einer halben Stunde wird ein Flugzeug fahrtbereit ſein,
ſagte er dann.
Sir Walter hatte inzwiſchen von einem andern Apparate
aus ſeinen Diener verſtändigt, den Koffer, den er für ſolche
Cventualitäten wie jetzt immer fix und fertig gepackt hatte, bereit
zu halten.
Sir Arthur, geben Sie mir zwei, drei Blanco= Verhaſtungs=
befehle
!. Ich will gleich an Ort und Stelle reinen Tiſch machen.
Fünf Minuten ſpäter raſte er unbekümmert um die entſetzten
Geſichter der Policimen auf den Straßen nach dem Flugplatz.
Hier ſtand ſchon ein Apparat vor dem Hangar und gerade warf
ein Mechaniker den Motor an
Mit ſehr gemiſchten Gefühlen trat Sir Walter auf den Aero=
plan
zu. Beäugte das kleine, zierliche Ding, dem er ſich anver=

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Seite 14

Dienstag, den 18. Januar 1922

Nummer 18

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Einträge in das Handelsregiſter: Ab=
teilung
4: Am 10. Januar 1927 hin=
ſichtlich
der Firma: Georg Müller.
Darmſtadt: Die Firma iſt erloſchen. Am
13. Januar 1927 hinſichtlich der Firma;
Obel & Lotz, Paket=, Eilboten= und
Reinigungs=Inſtitut, Darmſtadt: Die
Firma iſt geändert in: Ibel & Lotz,
Plakat=, Gerüſtbau= und Reini=
gungs
=Inſtitut. Am 13. Januar 1927:
Neueintrag: Firma: Hofrichter &
Roeß, Möbelfabrik. Offene Handels=
geſellſchaft
. Sitz: Darmſtadt. Geſell=
ſchafter
: Ernſt Hofrichter, Kaufmann,
und Franz Roeß, Werkführer, beide in
Darmſtadt. Die Geſellſchaft hat am
1. Mai 1926 begonnen. Abteilung B:
Am 3. und 10. Januar 1927 hinſichtlich
der Firma: Heſſiſche Landeszeitung,
Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=
tung
, Darmſtadt: Die Geſellſchafterver=
ſammlung
vom 12. September 1925 hat
die Umſtellung des Stammkapitals auf
123 930 Reichsmark beſchloſſen. Die Um=
ſtellung
iſt erfolgt. Durch Beſchluß der
Beſellſchafterverſammlung vom 26. No=
vember
1924 und 12. September 1925
liſt der Geſellſchaftsvertrag geändert.
Kaufmann Ludwig Kichler in Darmſtadt
iſt zum ſtellvertretenden Geſchäftsführer
beſtellt. Am 7. Januar 1927 hinſichtlich
der Firma: Nevuh, Geſellſchaft mit
beſchränkter Haftung für Verwer=
tung
und Handel, Darmſtadt: Auguſt
Hartmann, Kaufmann in Darmſtadt, iſt
als Geſchäftsführer ausgeſchieden. Am
12. Januar 1927 hinſichtlich der Firma:
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft,
Darmſtadt: Direktor Otto Karl Hubrich
in Eſſen iſt aus dem Vorſtand ausge=
ſchieden
. Am 13. Januar 1927 hinſicht=
lich
der Firmen: 1. Heiſiſche Flugbe=
triebs
=Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt:
Der Flugleiter Emil Schwarz zu Ar=
heilgen
bei Darmſtadt iſt zum Geſamt=
prokuriſten
beſtellt in der Weiſe, daß er
zur Vertretung der Geſell chaft in Ge=
meinſchaft
mit einem Vorſtandsmitglied
berechtigt iſt. 2. Schäweco, Schoko=
laden
= und Zuckerwarengroßhand=
lung
, Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Die Vertretungs=
befugnis
des Liquidators iſt beendet.
Die Firma iſt erloſchen.
(1288
Darmſtadt, den 14. Jan. 1927.
Amtsgericht I.
Submiſſion auf
Fichtenſtammholz.
Aus den Staatswaldungen des Forſt=
amts
Babenhauſen ſollen auf dem Sub=
miſſionswege

70 Feſtm. Sichtenſtammholz
welche im laufenden Winter gefällt wur=
den
, verkauft werden, und zwar: 15 Fm.
III. K:., 18 Fm. IV. Kl., 23 Fm. Va
Kl., 16 Fm. Vb Kl.
Die Gebote ſind nach Klaſſen ge=
trennt
mit der Aufſchrift Submiſſion
auf Fichtenſtammholz bis zum 22. Ja=
nuar
bei dem uuterzeichneten Forſtamt
einzureichen, wo ſie vormittags 10 Uhr
eröffnet werden.
Die Bieter erkennen die Verkaufs=
und Zahlungsbedingungen als rechtsver=
bindlich
an. Sie ſind 3 Wochen an ihr
Gebot gebunden.
Das Holz wird von den Förſtern
Wagner und Hartmann zu Harres=
hauſen
, Poſt Babenhauſen (Heſſen) vor=
gezeigt
.
(1291
Babenhauſen (Heſſen), d. 14. Jan. 1927,
Heſſ. Forſtamt Babenhauſen.
Felanntmachung.
Nächſten Mittwoch, am 19. Jan,
1927, vormittags um 9 Uhr an=
fangend
, werden aus dem Gemeinde=
wald
zu Seeheim (Ebne) im Gaſthaus
zum Darmſtädter Hof folgende Sorti=
mente
Brennholz meiſtbietend verſteigert:
30 rm Kiefern=Scheit,
233 rm Kiefern=Knüppel,
4940 Stück Kiefern=Stammwellen,
3480 Stück Kiefern=Aſtwellen,
88 rm Kiefern=Stockholz.
Das Holz ſitzt im Diſtrikt Röder und
Eiſengrube (Kaiſerſtein).
Nähere Auskunft erteilt Förſter Ei=
ſinger
zu Seeheim.
Die Bedingungen werden vor der
Verſteigerung bekanntgegeben. (1255gi
Seeheim, den 14. Jan. 1927.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Seeheim.
Roßmann.

Mittwoch, den 19. Januar 1927,
vormittag 10 Uhr, verſteigere ich in
meinem Dienſtzimmer, Mathilden=
(1321
platz 15.
ein Fahrrad
öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung.
Lein
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.

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Abendtiſch
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Eliſabethenſtraße 23, II.-
(*1456)