Darmstädter Tagblatt 1927


16. Januar 1927

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Nummer 16
Sonntag, den 16. Januar 1927.
190. Jahrgang

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fädter
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Der Reichspräſident beauftragt Marx.

Zurück zu Marx.
Die Ausſichten für ein Kabinett der Mitte.
Ein moraliſcher Zwang für das Zentrum.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Das Zentrum hat alſo ſeinen Willen durchgeſetzt. Der
Teichspräſident hat nach Beſprechungen mit den Füh=
nern
des Zentrums und der Deutſchnationalen Herrn Marx,
werade an ſeinem Geburtstag, als den offiziellen Kandidaten des
Sentrums zu ſich gebeten und ihm den Auftrag erteilt, die Mög=
hechkeiten
der Regierungsbildung auf Grund des Beſchluſſes der
y3entrumsfraktion nachzuprüfen. Das iſt mit Abſicht wohl recht
vorſichtig formuliert, der Auftrag zur Kabinettsbil=
ung
iſt nicht unmittelbar erteilt, ſondern nur eine Sondie=
uuing
über die Form, in der eine Kabinettsbildung geſchehen
hann. Herr Marx hat ſich ſeine Entſcheidung bis zum Sonntag
n achmittag vorbehalten. Seine Marſchrichtung iſt ihm ja ziem=
häch
klar durch den Beſchluß ſeiner Fraktion vorgezeichnet. Er
wird erneut ein Kabinett der Mitte, anſteuern müſſen,
und es fragt ſich nun, wie die Ausſichten dieſer Kom=
ination
ſind.
Rein theoretiſch ſind die Ausſichten gar nicht einmal ſo
ſchhleche: denn die Sozialdemokraten haben ſich inzwiſchen davon
überzeugt, daß ſie nicht gerade glanzvolle Politik gemacht haben
als ſie das Kabinett ſtürzten, und auch die Deutſchnationalen
würden vermurlich heute die Abſtimmung vom 17. Dezember
micht wiederholen. Beide Parteien können aber nicht gut das,
was ſie vor wenigen Wochen öffentlich verdammt haben, heute
gaitheißen. Die Deu ſchnationalen haben bereits mit aller Ent=
ſntziedenheit
ertlären laſſen, daß ſie zu einem Kabinett der Mitte
un ſchroffer Oppoſition ſtehen und aus rein politiſchen Gründen
eis bei der nächſten Gelegenheit ſtürzen würden. Ganz ſo feſt=
zelegt
haben die Sozialdemokraten ſich nicht. Aber gerade wegen
der Daltung, die ſie im Dezentber einnahmen, werden ſie ſchwer
zdingungslos vor dem Kabineit Marx kapitulieren können. Sie
meerden verſuchen müſſen, beſtimmte Zugeſtändniſſe einzuhandeln,
dire ihnen Herr Marx vermutlich nicht geben kann und wohl guch
uächr geben will.
Der Kampf der Parteien hat ſich ja während die
qrtßenpolitiſchen Bedenken mehr als Kuliſſe vorgeſchoben wer=
deen
im weſentlichen um die Sozialpolitik und um die Reichs=
w
ehr konzentriert. Bei der Sozialpolitik ſtehen die Sozialdemo=
Ɨhaten unter der kommuniſtiſchen Hetzpeitſche. Wenn ſie ſich nicht
lurcherlich machen wollen, miuſſen ſie ſich wegen der Arbeitszeit
ganz erhebliche Zugeſtändniſſe ausbedingen, zu denen das Zentrum
unid die Deutſche Volkspartei nicht bereit ſind. Bezüglich der
*eichswehr aber bedeutet die am Tage vor dem Sturz abge=
gebene
Regierungserklärung, das äußerſte an Zugeſtändniſſen,
mozu auch der Reichspräſident ſich verſtehen wollte, während die
G ozialdemokraten erheblich weitergehende Forderungen hatten.
uin beiden Puniten kommt alſo Herr Marx mit leeren Händen
zur ihnen. Wenn es daher noch ESinn und Logik in der Politik
uberhaupt gibt, dann müſſen die Sozialdemokraten einem ſolchen
Mabinett der Mitte gegenüber zu dem gleichen negativen Ergeb=
uns
kommen wie die Deutſchnationalen. Es wäre alſo an den
Mingern auszurechnen, daß dieſes Kabinett bei ſeiner Antritts=
hwrſtellung
im Reichstag geſtürzt würde und auch nicht gut in
den Wahlkampf gehen tann, weil es dann gegen beide Flügel
ſch=chten, ſich darüber hinaus auch noch ſagen laſſen müßte, daß der
Wahlkampf bei umſichtigerer Führung der Verhandlungen hätte
wermieden werden können.
Es iſt alſo mit 90 Prozent Wahrſcheinlichkeit anzunehmen,
daß auch Herr Marx mit der vom Zentrum vorgeſchlagenen Po=
littik
der Mitte Schiffbruch erleiden wird.
Sein Auftrag iſt aber nicht darauf beſchränkt, denn aus dem
mraktionsbeſchluß des Zentrums iſt ja keineswegs die Unmög=
lthkeit
einer loſeren oder engeren Verbindung mit den Deutſch=
mtionalen
herauszuleſen. Die Parteien der Linken machen ſich
diie Aufgabe ſehr einfach. Sie glauben, daß alle Kombinationen
hereits erledigt ſind durch die Haltung des Zentrums und daher
ſeir eine Stille Koglition der Mitte mit den Sozialdemokraten
übhrig bleibt. Es läge immerhin ein gewiſſer Reiz darin, wenn
ſatzt derſelbe Herr Marx, der anfangs Dezember um die Kriſe
herumkommen konnte, ſobald er den Deutſchnationalen ein gutes
ASort ſagte, jetzt gezwungen wäre, gerade das Ziel anzuſteuern,
das er damals vermeiden wollte. Dabei bleibt es ja von unter=
Asordneter Bedeutung, ob er dieſe Verhandlungen für ſich ſelbſt
ucer einen ſeiner Zentrumsfreunde führen würde. Denn nach=
drem
das Zentrum die Leitung der Verhandlungen von anderer
Geite abgelehnt und für ſich beanſprucht hat, unterliegt es einem
miindeſten moraliſchen Zwange, auch ein poſitives Ergebnis
ungendwie herbeizuführen. Gerade die außenpolitiſchen Beden=
km
, die das Zentrum oft genug angeführt hat, können ihm jetzt
ſehhr unangenehm werden. Die Germania betont zwar auch
jaßkzt noch, daß Briands Stellung in Frankreich keineswegs be=
uſeidenswert
ſei, und daß eine Rechtsregierung ſeinen Gegnern
ifillkommene Vorwände gegen die Verſtändigungspolitik liefern
mäürde. Der Außenminiſter iſt, ſoweit wir wiſſen, anderer Mei=
Mtng. Er würde eine ſolche Gefahr nur dann ſehen, wenn der
dirutſchnationale Einfluß im Kabinett, überſtark wäre, und vor
allem Perſönlichkeiten von den Deutſchnationalen präfentiert
hiürden, die dem äußerſten rechten Flügel angehören. Das wird
jechoch kaum der Fall ſein, da bei den bisherigen Verhandlungen
ga rade auf dem Gebiet der Außenpolitik mit den Deutſchnatio=
zlälen
in dem, was geweſen iſt, und in dem, toas werden muß,
bcellſtändige Einmütigkeit erzielt werden konnte.
Scheitert dagegen auch Herr Marx, dann rückt die Gefahr
eſiner Reichstagsauflöſung in bedrohliche Nähe.
2narüber beſteht nun nicht der geringſte Zweifel, daß Neuwahlen
iun Augenblick außenpolitiſch viel verhängnisvoller ſein würden
ass jede andere Löſung. Sie würden auf Monate hinaus die
20mitorität des Kabinetts lahmlegen, weil niemand einer deutſchen

Regierung Zugeſtändniſſe machen wird, ſolange nicht zu ſehen iſt,
wie lange ſie ſich noch am Ruder hält. Das kann bei Neuwahlen
niemand vorausſehen. Wenn alſo Herr Marx die Dinge nüch=

enſtalde i, iaic er auif Raicketeräſdeifin nich Eeldnngen bich.
daß er dagegen außenpolitiſch finanzpolitiſch, ſozialpolitiſch und
verfaſſungspolitiſch mit den Deutſchnationalen handelseins wer=
den
kann, ſobald er will. Da könnte ihm eigentlich die Wahl
nicht ſchwer werden.

Reichskanzler Marx.
Marx ſoll die weiteren Verhandlungen führen.
Ueber den Empfang Marx bei Hindenburg wird folgendes
amtliche Communiqué verbreitet: Der Neichspräſident empfing
heute nachmittag den geſchäftsführenden Reichskanzler, Dr. Marx
und erteilte ihm den Auftrag auf Grund des geſtrigen Be=
ſchluſſes
der Reichstagsfraktionen, durch Verhandlungen mit den
in Frage kommenden Fraktionen des Reichstags die parlamen=
tariſche
Lage und die Möglichkeiten einer Regierungsbildung
weiter zu klären. Dr. Marx behielt ſich ſeine Entſcheidung bis
morgen Nachmittag vor.
Empfänge bei Hindenburg. Beſprechungen
mit den Parteiführern.
Nachdem der Verſuch des Reichswirtſchaftsminiſters Dr.
Curtius, eine bürgerliche Mehrheitsregierung zuſtandezubringen,
geſcheitert iſt, hat der Reichspräſident zunächſt eine perſönliche
Fühlungnahme mit den Parteiführern eingeleitet. Er empfing
um ½11 Uhr als Erſten den Führer der Deutſchnationalen, Graf
Weſtarp, und ſofort nach dieſem den ſtellvertretenden Vorſitzen=
den
der Zentrumsfraktion des Reichstags v. Guérard. Beide
Beſprechungen waren nur von kurzer Dauer. Am Nachmittag
empfing der Herr Reichspräſident den geſchäftsführenden Reichs=
kanzler
Marx und beauftragte ihn, die Verhandlungen zur
Regierungsbildung weiterzuführen.
Die Fraktionsſitzungen.
Berlin, 15. Januar.
Der Vorſtand der Zentrumsfraktion iſt zum Sonntag mittag
einbekufen worden. Reichskanzler Dr. Marx wird über ſeine
Beſprechungen mit dem Reichspräſidenten Bericht erſtatten.
Die Reichstagsfraktionen der Deutſchnationalen und der Deut=
ſchen
Volkspartei haben ihre erſte Fraktionsſitzung im neuen
Jahr vor der Plenarſitzung anberaumt.
Dr. Reinhold über Sieuerpolitik und
gewerblicher Mitteiſiand.
Berlin, 15. Januar.
Der demokratiſche Reichsmittelſtandstag wurde heute im Feſt=
ſaal
des Berliner Landtagsgebäudes vom Reichsminiſter a. D.
Koch mir Begrüßungsworten eröffnet. Darauf hielt Reichs=
finanzminiſter
Dr. Reinhold einen Vortrag über Die
Steuerpolitik des Reiches und der gewerbliche Mittelſtand‟. Der
Miniſter betonte, daß die genoſſenſchaftlichen Banken durch den
Sparſinn des Volkes weiter geſtärkt werden müßten, da ſie mit
ihren billigen Krediten die beſte Stütze des Mittelſtandes ſeien.
Sein größtes Intereſſe habe er als Miniſter der Verbilligung
des Geldmarktes zugewandt. Leider zwinge hier die Rieſenzahl
der Arbeitsloſen ſowie die ſchlechte Lage der Landwirtſchaft zu
Beſorgniſſen für die Zukunft. Andererſeits böten hier die Fern=
gasverſorgung
, die Elektrifizierung der Bahnen und ein ver=
nünftiges
Wohnungsbauprogramm genügend Arbeitsgelegen=
heiten
. Die Hauszinsſteuer müſſe allein zur Verbilligung der
Hypothekenzinſen verwendet werden, damit der Baumarkt die
notwendigen großen Kapitalien erhalte. Ein organiſiertes
Steuerſyſtem hänge noch von dem ausſtehenden endgültigen
Finanzausgleich ab. Die ſteuerliche Selbſtverantwortung der
Kommunen müſſe wiederhegeſtellt werden. Dr. Reinhold betonte
zum Schluß, daß das Gedeihen eines Volkes darauf beruhe, daß
ſich Wirtſchaft und Politik auf den freien Willen des frei ſchaffen=
den
und in ſeiner Arbeit ſelbſtverantwortlichen Vürgers ſtützen
könne.

Die Woche.

Wenn man boshaft wäre, könnte man ſagen, daß die Dinge
in Berlin durchaus programmäßig verlaufen. Acht Tage lang
hat Herr Dr. Curtius ſich redlich bemüht, die ihm geſtellte ſchwie=
rige
Aufgabe zu löſen, die darin beſtand, Deutſchnationale und
Zentrum an einen gemeinſamen Verhandlungstiſch zu bringen.
Genau eine Woche haben die Verhandlungen und Beſprechungen
gedauert, bis der Reichswirtſchaftsminiſter das Hoffnungsloſe
ſeines Unternehmens einſehen mußte. Wenn man unſere Aus=
führungen
an dieſer Stelle genau vor einer Woche mit dieſem
negativen Ergebnis zuſammenhält, wird man nicht ſagen können,
daß wir die Dinge zu peſſimiſtiſch angeſehen hätten. Dabei war
es nicht etwa ſo, daß man ſich über beſtimmte Fragen und ihre
Behandlung in der Zukunft nicht hätte einigen können, ſondern
das Entſcheidende iſt, daß es zu gemeinſamen Verhandlungen
überhaupt nicht gekommen iſt. Das Zentrum wollte eben in
dieſem Falle unter gar keinen Umſtänden zu einem poſitiven
Ergebnis kommen, und ſo fürchtete man denn wohl mit Recht,
daß bei etwaigen Verhandlungen, einem immerhin im Bereich
der Möglichkeit liegenden Entgegenkommen der Deutſchnatio=
nalen
, dieſe negative Tendenz allzu offenſichtlich zutage getreten
wäre und daß dann das Zentrum die ganze Verantwortung für
ein Scheitern der Verhandlungen allein zu tragen gehabt hätte.
So hat man ſich wenigſtens noch hinter die mehrfach geäußerten
ſchweren Bedenken außenpolitiſcher Natur zurückziehen können,
und ein Eingehen wie es in dem endgültigen Abſageſchreiben
des Zentrums heißt, auf die in dieſem Schreiben mitgeteilten
Richtlinien dürfte ſich danach erübrigen‟. Was wir vor einer
Woche als wahrſcheinlich vorausſagten, hat ſich als richtig er=
wieſen
. Das Zentrum, dem im Hinblick auf ſeinen ſtarken
Arbeiterflügel ohnehin ſchon ein Zuſammenarbeiten mit den
Deutſchnationalen höchſt unſympathiſch iſt, fühlt ſich durch die
Taktik der Deutſchnationalen, die das Kabinett Marx zu Fall
brachte, ſo ſtark verſchnupft, daß es ein Zuſammengehen mit den
Deutſchnationalen von vornherein ablehnte. Das iſt vielleicht
menſchlich bis zu einem gewiſſen Grade verſtändlich, vielleicht
auch parteitaktiſch richtig, ob es auch politiſch klug iſt, muß aller=
dings
erſt die Zukunft lehren. Denn wie man auch immer die
Dinge anſehen mag, daß die unerfreulichen innerpolitiſchen
Gegenfätze bei uns dadurch noch mehr verſchärft werden, ſteht
außer allem Zweifel, und dem werden ſich auch alle diejenigen
nicht verſchließen können, die gegen den Eintritt der Deutſch=
niationalen
in die Reichsregierung im gegenwärtigen Augenblick
ebenſo wie wir Bedenken hegten. Die Einſtellung des Zentrums
aber zu den Bemühungen des Herrn Dr. Curtius hat nicht nur
eine Regierungsbildung auf der Baſis des erſten Kabinetts
Luther zum Scheitern gebracht, ſondern auch eine Regierung der
Mitte iſt dadurch ganz außerordentlich erſchwert worden, da eine
ſolche Regierung ja nicht lebensfähig iſt, ſobald die beiden großent
Flügelparteien in ſcharſer Oppoſition ſtehen. Nach den Ereig=
niſſen
der letzten Woche aber wird man wohl mit einer ſcharfen
Oppoſition der Deutſchnationalen rechnen müſſen jedem Kabi=
net
gegenüber, in dem das Zentrum ſitzt. Umgekehrt aber hat
ſich die Sozialdemokratiſch. Partei durch ihre alten antimili=
tariſtiſchen
Kämpen (jene Leute, in denen ſchon ſeit den Jahr=
zehnten
vor dem Kriege ein fanatiſcher Haß lebt gegen alles,
was irgendwie nach Uniform ausſieht) ſo ſtark gegen die Reichs=
wehr
feſtlegen laſſen, daß eine Zuſammenarbeit mit ihr weder
für das Zentrum noch für die Deutſche Volkspartei in Frage
kommen dürfte; und zwar wird man mit dieſer Tatſache auch
dann mit einiger Sicherheit rechnen können, wenn das Zentrum
dem alten Kampfgenoſſen von Weimar den Vorſtoß gegen das
Kabinett Marx eher verzeihen ſollte, wie den Deutſchnationalen.
Da die Weimarer Koalition im Reich eine Mehrheit nicht hat,
da ein Kabineit der Rechten mit Einſchluß des Zentrums ge=
ſcheitert
iſt, da aber auch die Möglichkeiten eines Kabinetts der
Mitte nach dem oben Ausgeführten außerordentlich fraglich ge=

tarismus! Während draußen die außenpolitiſche Entwicklung
heranreift und drängt, fteht vor uns das große innerpolitiſche
Fragezeichen.
Es iſt ſchwer zu prophezeien, und die Wege der Parteitaktik
ſind dunkel und wunderbar. Gibt es überhaupt eine Löſung?
Eine wirkliche Löſung unter der Herrſchaft unſeres Wahlſyſtems
wohl ſicher nicht. Einen Ausweg aus dem parteipolitiſchen
Dickicht, in das man ſich glücklich hineinmanövriert hat, gibt es
aber vielleicht doch noch, und zwar vielleicht dann, wenn der
Reichspräſident einen energiſchen Mann mittlerer Linie, der am
beſten auf keine Partei eingeſchworen iſt, mit der Aufgabe be=
traute
*), ein Kabinett ohne direkte parteipolitiſche Bindung zu
bilden, ein Kabinett etwa ähnlich dem zweiten Kabinett Luther
damals nach Ausſcheiden der Deutſchnationalen aus der Regie=
rung
. Wenn der Reichspräſident einem derartigen Kabinett von
vornherein die Vollmacht, gegebenenfalls den Reichstag aufzu=
löfen
, mit auf den Weg gäbe, ſo würden es ſich zweifellos die
Parteien ſehr überlegen, ein ſolches Kabinett von vornherein
ohne irgendeinen ſachlichen Grund zu ſtürzen. Mit Ausnahme
vielleicht der Deutſchen Voltsvartei und der Wirtſchaftspartei hat
wohl niemand im Neich von Neuwahlen irgend etwas zu er=
hoffen
, und wenn auch unſere Parteien ſich daran gewöhnt haben,
ihren getreuen Wählern allerhand zuzumuten, ſo würde man in
einem ſolchen=Falle denn doch um eine zugkräftige Wahlparole
einigermaßen verlegen ſein.
Gewiß ſind die innerpolitiſchen Aufgaben, welche die kom=
ſiende
Regierung zu löſen hat, außerordentlich bedeutſam, gewiß
iſt die geſetzliche Regelung der Arbeitsloſenverſicherung mit=
beſtimmend
für unſere ganze ſozialpolitiſche Zukunft, und ſicher=
lich
hat das dentſ he Volk Verſtändnis dafür, wenn dieſe Fragen
ſnchlich nach jeder Richtung hin ſorgſam geprüft und durch=
gearbeitet
werden. Wofür aber das deutſche Volk kein Verſtänd=
nis
hat, iſt das ſchier endloſe Parteigezänk und die Tatſache,
daß man über dieſem Parteigezänk ganz vergißt oder wenigſtens
ganz zu vergeſſen ſcheint, daß wir noch immer nicht auf einer
g von He
2 Die Beauft
meldet wird, ändert daran nichts.

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Sonntag, den 16. Januar 1927

Nummer 16

Seite 2

einſamen Inſel für uns leben, ſondern daß es noch immer die
Fragen der Außenpolitik ſind, die über unſer Leben und unſere
geſamte Zukunft als Volk und Staat entſcheiden. Die düſteren
Wolken, die ſeit dem Zuſammenbruch von 1918 den Horizont
verdunkelten, haben ſich wohl etwas gelichtet. Es wäre jedoch
verhängnisvoll, wenn wir uns ſchon dadurch in Sicherheit wiegen
laſſen wollten. Man braucht wirklich nicht horoſkopgläubig zu
ſein, um die ernſten Wetterzeichen in der Welt, und auch in
Europa richtig zu deuten. Wir haben keine Zeit zu innerpoli=
tiſchen
Streitereien, und darum wäre im Intereſſe des deutſchen
Volkes zu wünſchen, daß die Berliner Tragikomödie baldmög=
lichſt
ihren Abſchluß fände.
M.

Der oſt=oberſchleſiſche Schulſireit.
Das Entſcheidungsrecht der Eltern.
Genf, 15. Januar.
Dem Journal de Geneve wird in der Angelegenheit des
oberſchleſiſchen Schulſtreits von angeblich offiziöſer Völkerbunds=
ſeite
eine Erklärung abgegeben, wonach Präſident Calonder in
der oberſchleſiſchen Schulfrage keinen Entſcheid getroffen, ſon=
dern
ein Gutachten abgegeben habe. Die ſchießliche Entſcheidung
liege bei der polniſchen Regierung, die frei entſcheiden könne.
Es ſei aber nicht die polniſche Regierung, die gegen den ſchließ=
lichen
Entſcheid, der übrigens noch nicht gefallen ſei, appellieren
könne, ſondern dieſe Appellation an den Völkerbund müſſe vom
Völkerbund ausgehen. Die ſtrittige Frage ſei zurzeit übrigens
Gegenſtand von Unterhandlungen, und der Direktor der Min=
derheitsſektion
des Völkerbundes, Colban, habe ſich nach Ober=
ſchleſien
begeben, um eine Verſtändigung zu finden. Die ſtrittige
Frage ſei eine heikle und von der Kommiſſion nicht vorgeſehen
geweſen. Dieſe habe angenommen, daß die deutſche Bevölkerung
Oberſchleſiens darüber entſcheiden könne, daß ihre Kinder in
deutſche Schulen geſchickt werden. Nun hätte ſich aber auch eine
Anzahl Eltern, deren Mutterſprache die polniſche iſt, aus ver=
ſchiedenen
Gründen entſchieden, ihre Kinder in deutſche Schulen
zu ſchicken. Die einen glaubten, daß deutſche Schulen beſſer
ſeien als polniſche. Andere wollten ihren Kindern eine zweite
Sprache vermitteln. Wie dem auch ſei, die Frage ſei, ob die Kin=
der
polniſcher Mutterſprache auch bei deutſchen Minderheits=
ſchulen
eingeſchrieben werden können. Präſident Calonder hat
der Meinung Ausdruck gegeben, daß es vom pädagogiſchen
Standpunkt aus kaum wünſchenswert ſei, daß die Kinder, die
nicht deutſch ſprechen, die deutſche Schule beſuchen.
Zu dieſen ſeltſam parteiiſch anmutenden Ausführungen von
angeblich offiziöſer Völkerbundsſeite muß bemerkt werden, daß
gemäß Artikel 131 der Konvention allein das Entſcheidungsrecht
der Eltern in Betracht kommt, und daß dieſes Entſcheidungs=
recht
durch keinerlei andere Gründe hinfällig gemacht werden
darf.
Polen lehnt die Stellungnahme Calonders
zur Minderheitsſchulfrage ab.
In einer Antwort auf die Stellungnahme Calonders zur
Minderheitsſchulfrage erllärt der Wowode Grazynſki, daß er
keine Möglichkeit habe, die Anſicht des Präſidenten Calonders
zu berückſichtigen, weil ſie nicht im Einklang mit den Beſtimmun=
gen
des Genfer Abkommens ſtehe. Trotzdem er die Anſichten
Calonders nicht teile, ſehe er es als ſeine Pflicht an, die berech=
tigten
Wünſche der deutſchen Minderheit im Rahmen der be=
ſtehenden
Schulverhältniſſe zu erfüllen. In dieſem Sinne und
in den Grenzen der Intereſſen des polniſchen Staates ſowie im
Einklang mit dem Genfer Abkommen ſei er bereit, eine Verſtän=
digung
herbeizuführen und die Intereſſen der deutſchen Minder=
heiten
zu fördern, ſoweit ſie die Staatsrückſichten und das allge=
meine
Wohl nicht verletzen. Die polniſche Regierung habe den
zuſtändigen Behörden nahegelegt, eine direkte Verſtändigung her=
beizuführen
, damit die ſtrittige Angelegenheit auf rechtlicher
Grundlage erledigt werde, vor allem ſo, daß alle Kinder ohne
Rückſicht auf ihre Nationalität dem Schulunterricht möglichſt bald
wieder zugeführt werden.
Deutſches Mißtrauensvotum für den
Woſwoden Grazynſki.
In der geſtrigen Sitzung des ſchleſiſchen Seim wurde zu der
Budgetrede des Wojwoden Grazynſki Stellung genommen. Na=
mens
des Deutſchen Klubs kritiſierte Dr. Pant die Politik des
Wojwoden, namentlich in der Minderheitenfrage und der ſyſte=
matiſchen
Unterdrückung der deutſchen Preſſe. Er betonte, daß
auf Grund dieſes Verhaltens die deutſche Bevölkerung zu ihm
kein Vertrauen haben könne.

* Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus Samstag, den 15. Januar.
Uraufführung:
Geld.
Komödie von Bernard v. Brentano.
Literariſches und geſellſchaftliches Intereſſe vereinigten ſich,
um dem dramatiſchen Erſtlingswerk des jungen Schriftſtellers
Bernard v. Brentano eines Sohnes des heſſiſchen Innen=
miniſters
, zahlreiche Zuſchauer unter ihnen Staatspräſident
Ulrich und dem Landestheater ein volles Haus zu ſichern.
Stil und Stoffe der Dramatik der letzten Jahre ſind ſo ver=
ſchiedenartig
wie ſelten in einer Zeit; Brentano gibt eine Komö=
die
der Gegenwart, deren Reiz in ihrer pſychologiſchen Unter=
malung
liegt. Er greift den Stoff aus dem haſtenden Leben der
Jetztzeit und ſetzt ihr das beherrſchende Stichwort Geld voran.
Die Jagd nach dem Geld bringt den Helden in die Gefahr,
die geliebte Frau zu verlieren. Die Handlung ſpielt in einer
großen Stadt jenſeits der deutſchen Grenze. Ulrich, der Leiter
der Auslands=Abteilung eines deutſchen Handelshauſes, iſt von
der Leidenſchaft nach geſchäftlichen Erfolgen ergriffen. Während
er die auswärtige Filiale liquidieren ſoll, tut er das Gegenteil,
kauft Gruben und Bergwerke an und verpflichtet ſein Haus in
ungeheurem Maße. Die geſchäftliche Hetze läßt ihm keine Zeit
mehr, ſich um Gertrud, ſeine Frau, zu kümmern, und ſo
nähert ſich ihr, wie dies in ſolchen Fällen üblich iſt, ein junger
Muſiker als Freund und Tröſter.
Die Kataſtrophe bricht von zwei Seiten zugleich herein. Das
Haupthaus hat von den Geſchäften Ulrichs Kenntnis erhalten;
der Chef erſcheint zur Unterſuchung, die Gelder werden geſperrt,
Ulrich wird abgeſetzt. Gleichzeitig verläßt Frau Gertrud das
Haus und logiert ſich mit dem jungen Muſiker im Savoy=Hotel
ein, um aus der Stadt abzureiſen.
Doch wiederum iſt es und dies die amüſanteſte Wendung in
der Komödie! die Macht des Geldes, die die Kataſtrophe ab=
wendet
. Der Leiter des Hauſes erkennt, daß zwar vom mora=
liſchen
Standpunkt aus Ulrichs Entlaſſung geboten iſt, daß aber
dem finanziellen Vorteil des Hauſes nur Rechnung getragen
wird, wenn Ulrich an ſeinem Poſten bleibt und die für die Zu=
kunft
ausſichtsvollen Geſchäfte weiterführt. Alſo ruft er ihn
zurück. Die im Savoy=Hotel ſitzende Frau ſieht ein, daß es recht
ungemütlich iſt, mit einem bargeldloſen Muſiker die Hotelrech=
nung
nicht bezahlen zu können. Alſo kehrt ſie, zumal da ſie
Ulrichs Rückberufung erfährt, mehr oder minder reumütig zu dem
verlaſſenen Gatten zurück.

Vom Tage.
Der neue Botſchaftsrat an der deutſchen Bot=
ſchaft
in London, Dieckhoff, iſt, aus Waſhington kommend, in Lon=
don
eingetroffen.
Der deutſche Botſchafter in Tokio, Dr. Solf, der im
Herbſt vorigen Jahres wegen der Handelsvertragsverhandlungen mit
Japan nach Deutſchland zurückgekehrt war, fährt in den nächſten
Tagen über Sibirien nach Tokio zurück.
Der Vizegouverneur der Belgiſchen National=
bank
, Lepreux, iſt geſtern geſtorben.
Der Beſuch des Präſidenten der Republik Alba=
nien
, Achmed Zoghu, in Nom iſt auf Ende Januar feſtgeſetz=
worden
.
Der franzöſiſche Innenminiſter hat das Erſcheinungs=
verbot
für 15 deutſche Zeitungen und Zeitſchriften
aufgehoben.
Der ſpaniſche Botſchafter in Paris, Quinones de Leon,
iſt in Madrid eingetroffen. Er hatte eine Beſprechung mit dem Außen=
miniſter
Yanguas und wird heute mit dem König und Primo de Rivera
zuſammentreffen.
Die mexikaniſche Regierung hat ausländiſchen
Erdölgeſellſchaften welche die neuen Erdölgeſetze nicht aner=
kennen
, alle weiteren Bohrungen unterſagt.
Zurzeit findet ein Meinungsaustauſch zwiſchen Eng=
land
und den übrigen Mächten der Waſhingtoner
Konferenz über die Lage in China ſtatt. Er bezieht ſich
in erſter Linie auf eine Zuſammenarbeit in Schanghai für den Fall,
daß dies notwendig würde.

Perſonalveränderungen im Reichsheer.
Berlin, 15. Januar.
Mit dem 1. Februar 1927 ſcheiden aus dem Heeresdienſt aus:
General d. Inf. v. Loßberg, Oberbefehlshaber der Truppe I, die
Generalleutnants Haße, Ernſt, Kommandeur der 5. Diviſion und
Befehlshaber im Wehrkreis V, Edelbüttel, Inſpekteur der In=
fanterie
. Mit dem 1. Februar 1927 werden ernannt: Die Gene=
ralleutnants
v. Tſchiſchwitz, Kommandeur der 2. Diviſion und
Befehlshaber im Wehrkreis II, zum Oberbefehlshaber der
Gruppe: Reinicke, Chef des Heeresperſonalamtes, zum Komman=
deur
der 5. Diviſion und Befehlshaber im Wehrkreis V: der
Generalmajor v. Arnsberg, Kommandeur der Infanterieſchule,
zum Kommandeur der 2. Diviſion und Befehlshaber im Wehr=
kreis
II; die Oberſten v. Falkenhauſen, Kommandeur des 10.
(Sächſ. Infanterieregiments), zum Kommandeur der Infanterie=
ſchule
, v. Stülpnagel, Kommandeur des 17. Infanterieregiments,
zum Chef des Heeresperſonalamtes, Ritter v. Prager, Komman=
deur
des 19. (Bayer.) Infanterieregiments, zum Inſpeiteur der
Infanterie.
Abd=el=Krim in der Verbannung.

Abd=el=Krim
vor ſeiner Villa auf der Inſel Pointe des Galets. Links von ihm
ſein Bruder Mohammed, rechts ein alter Getreuer des Rifführers.

Die Komödie bekundet die dramatiſche Begabung des jungen
Verfaſſers. Sie ſtammt aus der Luft des Skeptizismus, die in
vielen Kreiſen der literariſchen Jugend herrſcht. Sie nimmt
Menſchen und Dinge nicht ſchwer; ſie glaubt nicht an große
Leidenſchaften, ſoadern ſpielt mit ihnen wie mit Tennisbällen:
Liebe, gedämpft und begrenzt durch die Sorge um die ſchöne
Villa am See; Leidenſchaften, reguliert durch die Auszüge des
Bankkontos! In dieſer Luft baut Brentano manche hübſche
Szene auf und prägt manches amüſante Wort. Namentlich die
Geſtalt von Frau Gertrud iſt von den flimmernden Lichtern des
Skeptizismus der Zeit umſpielt. Um alle dieſe Dinge ſich aus=
ſtrahlen
zu laſſen, ſchlägt Brentano in den erſten Aufzügen aller=
dings
manche Seitenwege ein, die den dramatiſchen Ablauf allzu
ſehr aufhalten. So fügt er die Geſtalt eines kleinen, hochſtaple=
riſchen
Spekulanten ein, die mit der Handlung wenig zu tun hat,
aber mehrere Szenen zum großen Teil in Anſpruch nimmt.
Dem Weſen des Stückes würde man am beſten gerecht, wenn
man die ganze Sache auf die leichte, ſpieleriſche Schulter nähme.
In der von Edgar Klitſch mit Sorgfalt vorbereiteten Auf=
führung
kam Maria Fein als Frau Gertrud dieſer Auffaſſung
am nächſten. Sie gab keine großen Leidenſchaften. Sie liebte
ihren Mann, wen er ſie in ein glanzvolles Leben einhüllte. Sie
liebte aber auch den jungen Muſiker, das Kind, wenn er in
Tränen der Sehnſucht vor ihr vorging. Doch ihre Liebe gab ſich
nie aus, war ein beherrſchtes Gefühl, eine Spielerei. Sie konnte
nie Heldin einer Tragödie, ſondern nur flimmernder Kriſtall=
ſpiegel
einer Komödie ſein und werden.
Der Geſtalt des Ulrich hat der Verfaſſer bei der Umarbei=
tung
des letzten Aufzuges der ſchon vor drei Jahren geſchriebenen
Komödie einige ſtärkere, ſkeptiſche Lichter aufgeſetzt. Rudolf
Wittgen ſpielte mehr den Ulrich der früheren Faſſung. Er
nahm ihn ernſt und bieder als kaufmänniſche Größe einer kleinen
Stadt.
Darſtelleriſch ſtärkſten Erfolg hatte Ernſt Legal in der Ge=
ſtalt
des kleinen, ſchwindelhaften Gruben=Spekulanten. Er gab
in Maske wie Spiel eine köſtliche Miſchung von lügenhafter
Phantaſie, Angſt vor dem Zuſammenbruch, kaufmänniſcher Ge=
riſſenheit
, ſich ſelbſt täuſchendem Schauſpielertum. Seine Auf=
tritte
, an ſich Nebenepiſoden, rückten dank der famoſen Darſtellung
in den Vordergrund des Intereſſes und weckten ſpontanen Bei=
fall
bei offener Szene.
Wie ein friſcher Luftzug wirbelte Beſſie Hoffarth als
Gertruds jüngere, vom Geiſt des Geldes noch nicht angeſteckte
Schweſter durch die Liebeleien und Konflikte der Aelteren. Den
jungen Muſiker gab Joachim Büttner mit allzu tragiſchen
Akzenten. Ein prächtiger Grubenbeſitzer war Max Nemetz.
In kleineren Rollen erſchienen Kurt Weſtermann, R.

Internationaler Kongreß
der demokratiſchen Parteien.
Oemokratie und Völkerverſtändigung. Schulpolitik.
Karlsruhe, 15. Januar.
Unter dem Vorſitz des geſchäftsführenden Präſidialmitgliedes des
Verbandes für europäiſche Verſtändigung, Wilhelm Heile Berlin,
wurde heute nachmittag im Landtagsgebäude der zweite Kongreß der
Internationalen Vereinigung der Demokratiſchen Parteien eröffnet, zu
dem ſich etwa 60 Teilnehmer aus dem In= und Auslande eingefunden
haben. Aus Deutſchland ſind u. a. erſchienen Reichsinnenminiſter Dr.
Külz, Die Reichstagsabgeordneten Koch, Erkelenz, Frhr. v. Richthofen.
Gertrud Bäumer, Frau Dr. Lüders, Dr. Ludwig Haaſe und Dr. Berg=
ſträßer
, ferner der Leipziger Univerſitätsprofeſſor und Reichstags=
abgeordneter
Dr. Götz, General a. D. v. Deimling, mehrere Mitglieder
der badiſchen Landtagsfraktion und der Berliner Induſtrielle Leo
Simon. Außerdem nehmen an den Verhandlungen teil; der badiſche
Unterrichtsminiſter Leers, der heſſiſche Finanzminiſter Hen=
rich
und der früihere württembergiſche Finanzminiſter Dr. Schall,
Der deutſche Vizepräſident Heile gab in ſeiner Begrüßungs=
anſprache
dem lebhaften Bedauern Ausdruck, daß der Präſident Fernand
Buiſſon wegen ſeines hohen Alters am Erſcheinen verhindert ſei,
Die Verſammlung ſtimmte beifällig dem Vorſchlage zu, Buiſſon ein
Begrüßungstelegramm zu ſenden und ihm den Beſchluß des geſchäfts=
führenden
Komitees mitzuteilen, der ſeine Ernennung zum Ehren=
präſidenten
der Internationalen Vereinigung ausſpricht. Der
Präſident begrüßte ſodann die Vertreter der Behörden und ſagte, es
gereicht uns zur beſonderen Ehre, daß die zweite Tagung der inter=
nationalen
Vereinigung auf deutſchem Boden ſtattfindet. Wir freuen
uns, daß aus faſt allen Ländem Europas Delegierte hierher gekommen
ſind. Mögen dieſe Verhandlungen einen weiteren Schritt vorwärts
bedeuten, und die Tagung ein Bahnbrecher des demokratiſchen Ge=
dankens
und des Gedankens der Zuſammenarbeit der Völker ſein!
(Lebhafter Beifall.) Die Rede wurde ſofort ins Franzöſiſche überſetzt,
das gleiche wird auch mit den ſpäteren Reden geſchehen. Darauf dankte
der franzöſiſche Abgeordnete und frühere Miniſter Borel allen, die
am Zuſtandekommen des Kongreſſes mitgearbeitet haben. Wir ſind
glücklich, fuhr er fort, in Deutſchland zuſammengekommen und ſehen
darin einen ſehr wichtigen Schritt der Verwirklichung des Zieles der
demokratiſchen Entente. Wir befinden uns in einer Republik und hoffen,
daß das Zuſammenſein der fremden Politiker mit dem deutſchen Volke
nützlich, und daß es der demokratiſchen und republikaniſchen Geſinnung
der Deutſchen förderlich ſein konnte. Die demokratiſchen Parteien ſind
im Grunde tief national. Unſere Anſicht iſt aber, daß wir unſere
nationalen Ziele beſſer fördern, indem wir überhaupt den Frieden und
die Menſchlichkeit in der Welt fördern. In dieſem Sinne wollen wir
mit den demokratiſchen Parteien der anderen Länder zuſammenarbeiten.
Nach Verleſung einer Anzahl von Begrüßungstelegrammen aus
dem Auslande wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächſt ſprach
der frühere franzöſiſhe Miniſter und jetzige Abgeordnete Berthod als
Hauptberichterſtatter über das Thema Demokratiſche Organifation des
Volksſchulunterrichts und der gegewwärtige Stand dieſes Unterrichts,
Der Abg. Berthod beſchäftigte ſich dann weiter mit dem Fortbildungs=
ſchailweſen
, das in Frankreich etwas relativ Neues darſtelle. Die Mittel
für die Fachſchulbildung werden durch eine Lehrlingsſteuer von 20 Pro=
zent
auf die an die Lehrlinge gezahlten Löhne aufgebracht. Der Refe=
rent
äußerte ſich dann über den Begriff der Einheitsſchule und ſchlug
zum Schluß die Annahme einer Entſchließung vor, die die Forderungen
der demokratiſchen Schmlpolitik umſchreibt: 1. Für die Volksſchule den
Schulzwang, 2. die obligatoriſche Fortbildungsſchule für das Alter von
14 bis 18 Jahren, 3. die Einheitsſchule. Der badiſche Landtagsabgeord=
nete
Hofheinz verbreitete ſich dann als zweiter Referent über die Ent=
wickelung
und die Grundlage des deutſchen Schulweſens und präziſierte
den deutſchen demokratiſchen Standpunkt in Schulfragen. Ein Vertreter
Schwedens und Polens äußerten ſich noch über ihre heimatlichen Schul=
verhältniſſe
. Darauf wurde die Formulierung einer Entſchließung einer
kleinen Kommiſſion übertragen und die Sitzung um ½8 Uhr geſchloſſen.
Griechenland und der italieniſch=albaniſche Pakt.
EP. Athen, 15. Januar.
Im Elefteres Typos ergreift eine der griechiſchen Regie=
rung
naheſtehende Perſönlichkeit das Wort zum italieniſch= alba=
niſchen
Pakt. Die Tatſache der engen Beziehungen zwiſchen dem
griechiſchen Außenminiſter Michalakopulos und dem genannten
Blatt meſſen den Ausführungen beſonderen Wert bei. Elefteros
Typos ſchreibt u. a.: Griechenland darf den Abmachungen nicht
tatenlos zuſehen, die ein das Weltmeer beherrſchender Staat mit
einer zweiten Macht abſchließt, der dazu ein unmittelbarer Nach=
bar
ſeines Territoriums und gleichfalls ein Intereſſent des
Mittelmeeres iſt. Der Zeitpunkt dürfte nicht mehr fern ſein,
daß die griechiſche Außenpolitik ihre Maske lüftet und der Welt
deutlich zu verſtehen gibt, daß ihre Intereſſen ſich in ganz be=
ſonders
intenſiver Weiſe auf die Mittelmeerfrage konzentrieren.
Es iſt allerhöchſte Zeit, zu einem Entſchluß zu kommen, und wenn
dieſer Entſchluß auch eine bedingungsloſe Unterſtützung des
Belgrader Standpunktes wäre. Die Ereigniſſe rollen unauf=
hörlich
. Der Standpunkt von London und Paris liegt klar zu=
tage
, an Griechenland aber tritt die Aufgabe, nicht nur Worte,
ſondern auch Taten zu zeigen.

Klupp. Hans Baumeiſter und Otto Wenke. Dem
Bühnenbild gab Arthur Pohl charakteriſtiſche, moderne
Prägung.
Mit den Darſtellern wurde am Schluſſe auch der Verfaſſer
wiederholt gerufen.
Z.

4 Jubiläumsfeier.
Einer der erſten Darmſtidter Männergeſangvereine, der
Liederzweig, feierte geſtern in der Turnhalle das 25jährige
Präſidenten=Jubiläum ſeines 1. Vorſ., Herrn Ad. Schneider.
Der Saal war übervoll und feſtlich geſchmückt durch Blumen, Fahnen
und eine Maſſe hübſcher Mädels; dem harmoniſchen äußeren
Rahmen entſprach die Würde und Herzlichkeit der Feier, die den
Jubilar und den Verein ehrt. Der deutſche Sängergruß begrüßte
Herrn Schneider, als er unter Vorantragen der Bundesfahne
den Saal betrat, und Chöre der aktiven Mitglieder (Dirigent:
Etzold), Lieder, geſungen von einer ſtimmbegabten Schülerin der
Städt. Akademie, Frl. L. Boehm, heitere Weiſen eines kleinen
Orcheſters umrahmten die Feſtrede, die die Verdienſte Herrn
Schneiders in herzlichſten. Worten feierte. 25 Jahre Präſident
eines Vereins zu ſein, das iſt wohl nicht ganz einfach; ſo lange
Präſident eines Männergeſangvereins zu ſein, iſt wohl noch
weniger einfach; und 25 Jahre Präſident eines Darmſtädter
Männergeſangvereins zu ſein, das iſt gewiß auch keine Klei=
nigkeit
; dazu gehört der Blick eines Feldherrn, die Schläue eines
Diplomaten, die Liebe einer Mutter und das Temperament einer
Schwiegermutter; Herr Schneider ſcheint all das zu beſitzen, und
darum wurde er geſtern herzlich gefeiert, durch Worte und Ehren=
geſchenke
vom Verein, von Freunden, den Brudervereinen, von
den Damen, vom Heſſiſchen Sängerbund; Telegramme gratu=
lierten
von auswärts, und ſchließlich dankte der vielfach Geehrte
gerührt für die herzlichen Beweiſe von aufrichtiger Wertſchätzung,
die ihm die geſtrige Feier brachte. Wir ſchließen den Glück=
wünſchen
uns an.
O.

Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
Am 16. Januar wird in der Kunſthalle zu Baſel eine
große Wilhelm=Trübner=Gedächtnisausſtellung
eröffnet, die im Auftrag des Baſler Kunſtvereins von dem Direk=
tor
der Badiſchen Kunſthalle zu Karlsruhe, Dr. W. F. Storck,
durchgeführt worden iſt. Ueber hundert Bilder aus Muſeen und
Privatſammlungen Deutſchlands, der Schweiz, der Tſchecho=
ſlowakei
, Oeſterreichs ſind zuſammengebracht worden, um einen
Ueberblick über das geſamte Schaffen des 1917 verſtorbenen Künu=
lers
zu geben.

[ ][  ][ ]

Nummer 16

Seite 3

Sonntag, den 16. Januar 1927

Werfchärfung der Lage
in China.
Japan gegen die Zollerhöhungen.
* London, 15. Jan. (Priv.=Tel.)
Die letzten Ereigniſſe in China haben die
engliſche öffentliche Meinung außerordentlich
ſtmrk beunruhigt. Die Blätter laſſen ſich ſehr
arsführlich aus China berichten. Beſonders
hervorgehoben wird, daß ſich die Chinapolitik
hapans, die oft in einem direkten Gegenſatz zu
Cmgland ſtand, jetzt in verſchiedenen Fragen
diem engliſchen Standpunkt genähert hat, was
in England freudig begrüßt wird. Der Daily
Trelegraph gibt aus Tokio die offizielle japa=
nſche
Auffaſſung dahingehend wieder, daß
diie japaniſche Regierung der Er=
hiöhung
der Zollſätze durch die
C üd= und Nordregierung ener=
giiſch
widerſpricht. Man iſt der An=
ſcht
, daß die getrennte Erhebung dieſer Zoll=
ſrtze
durch drei verſchiedene Regierungsgewal=
tin
, im Norden durch Tſchang tſo lin, in
Gichanghai durch die dortige Verwaltung und
im Süden durch die Kantonregierung, die
Trennung Chinas weiter aufrecht erhalte und
kefeſtige und die Schaffung einer Zentralge=
wralt
verhindere. Nach einer japaniſchen Be=
Schnung würden Tſchang tſo lin an Zuſchlags=
zllen
10 Millionen Dollar, Marſchall Sun
1 Millionen und die Kantonregierung 10 Mil=
laonen
erheben. Danach würden die kanton=
ſieindlichen
Gewalten 10 Millionen Dollar mehr
ewhalten, als die Kantonregierung. Japan will
uur dann mit China über die Reviſion der
13ölle und der Fremdenverträge verhandeln,
woenn eine Zentralregierung vorhanden iſt, die
hrch auch tatſächlich im Lande durchſetzen kann.

1. Gerichtsverhandlung auf offener Straße. Frauen, die den gegen engliſche, ame=
rikaniſche
und japaniſche Waren erklärten Boykott gebrochen haben, werden auf
offener Straße verurteilt. 2. Verwundete Chineſen, die bei den letzten großen
Unruhen durch die Straßen getragen werden. 3. Ein vornehmer chineſiſcher
Bürger, der in ſeiner Begeiſterung für die fremdenfeindliche Bewegung bei einem
Demonſtrationszug einen Rock mit antijapaniſchem Propagandatext trägt.

Die japaniſche Regierung betont nochmals, daß ſie ſich jeder Ein=
niſchung
in die innerchineſiſchen Verhältniſſe nach wie vor ent=
halten
werde, ſo daß keine Partei von ihr irgendwelche Unter=
ſrützung
zu erwarten habe.
Fremdenfeindliche Kundgebungen.
Große Bedeutung mißt man in England dem Beſchluß
) er Peking=Regierung bei, in derſelben Weiſe wie die
Xanton=Regierung die Forderung an die ausländiſchen Kon=
ſſionen
zu ſtellen, die Kontrolle hierüber der chineſiſchen Regie=
naung
zu übertragen. Es handelt ſich bei der Nordregierung
wauptſächlich um die Ansländerkonzeſſionen in Tientſin, die etwa
hoppelt ſo groß ſind wie diejenigen in Hankau, die von der
Lanton=Regierung beſchlagnahmt worden ſind. Die Peking=
(Regierung ſieht ſich zu dieſer Maßnahme aus Preſtigegründen
gezwungen, denn ſie will ſich von der chineſiſchen Bevölkerung
nicht den Vorwurf machen laſſen, die Kanion=Regierung wiſſe
beſſer die chineſiſchen Intereſſen den Ausländern gegenüber zu
wahren. Während in Hankau und jetzt auch in Schanghai die
Beſetzung der Konzeſſionen einen durchaus fremdenfeindlichen
Charakter trägt, verſichert die Nordregierung, die Verträge mit
den fremden Staaten zu beachten, bis ſie einer gültig anerkannten
(Keviſion unterzogen worden ſeien. Auch verſpricht die Nord=
wegierung
, jeden Bolſchewismus und ebenſo die fremdenfeind=
hache
Agitation zu unterdrücken.
Die Lage in Schanghai hat ſich in den letzten 24 Stunden
weiter beträchtlich verſchärft, da Agitatoren der Kanton= Regie=
mung
verſuchen, einen Generalſtreik herbeizuführen und die Be=
völkerung
zum Aufſtand zu veranlaſſen. Es iſt ihnen bereits
gelungen, die Belegſchaften verſchiedener britiſcher Textilfabriken
un den Streik zu treiben. Man befürchtet daher in Schanghai
ſüir die nächſten Tage weitere fremdenfeindliche Unruhen größe=
wen
Maßſtabes, die ſich in der Hauptſache gegen die engliſchen
Unternehmungen, beſonders gegen die engliſchen Textilfabriken,
nichten.

Engliſche Sondierungen in Hankau.
Der engliſche diplomatiſche Vertreter in Hankau, Miſter
O’Malley, hatte eine längere Beſprechung mit dem kantoneſiſchen
Außenminiſter. Als Ergebnis dieſer Beſprechung ſandte Miſter
Tſchen ein Telegramm nach Tſchangtſcha, wo die Chineſen die
Abfahrt eines engliſchen Kanonenbootes; verhindern wollten.
Das Kanonenboot wurde freigelaſſen. In Hankau fand ein
großer Fackelzug zu Ehren der Ankunft des militäriſchen Führers
Dchiang Kai=ſcheck von der Kantonarmee ſtatt. Es wurden Maſ=
ſenverſammlungen
abgehalten, an denen ſich 20000 Perſonen
beteiligten und wobei eine große Anzahl von nationaliſtiſchen
Führern Reden hielten. Die engliſchen Kaufleute in Hankau be=
harren
auf ihrer Haltung, die Banken und Geſchäfte vorläufig
geſchloſſen zu halten. Sie hoffen, hierdurch die Chineſen auf
die Knie zwingen zu können, da die Chineſen zum Neujahrsfeſt
unbedingt Geld brauchen, um ihre Verpflichtungen begleichen zu
können. Des ferneren verlangen ſie von der engliſchen Regie=
rung
, daß der Schiffahrtsdienſt der Indochineſiſchen Dampfſchif=
fahrts
=Geſellſchaft auf dem Jangtſekiang nicht eingeſtellt werden
ſolle. Nach den Berichten der Daily Mail bleibt der engliſchen
Regierung nichts weiter übrig, als zu verſuchen, mit der Kan=
tonregierung
zu einem modus vivendi zu kommen. Die Ver=
ſuche
, alle ausländiſchen Intereſſen in Hankau in einer inter=
nationalen
Niederlaſſung zu vereinigen, hatten wenig Ausſicht
auf Erfolg. Im übrigen ſcheint die engliſche Politik dahin zu
gehen, von den Chineſen zunächſt einmal die offizielle Rückgabe
der Konzeſſion zu verlangen, um dann den Chineſen weitere
Zugeſtändniſſe zu machen.
Japan und die Kantoneſen.
Der Korreſpondent der Evening News berichtet aus Tokio,
daß nach einer Meldung der großen Nochrichten=Agentur Nippo
Demps Japan in Zukunft die chineſiſchen Nationaliſten als die
ſouveränen Vertreter Chinas betrachten werde, daß ſich aber
trotzdem die japaniſche Regierung die Entſcheidung über die for=
melle
Anerkennung der chineſiſchen Nationaliſten vorbehalten
werde. Dieſe Schwenkung der japaniſchen Politik, ſei durch
Handelsintereſſen bedingt.

*Wilhelm Kienzl 70 Jahre alt.
Zum 17. Januar.
Wenn Wilhelm Kienzl, der ſeit etwa zehn Jahren in Wien
lebt und ſich dort ſtarker Popularität erfreut, von den jüngeren
kkünſtlern, mit denen er enge Verbindung unterhält, heute viel=
leicht
im engen Kreiſe der alte Kienzl genannt wird, ſo teilt er
bamit das Los aller Männer, die Beruf oder künſtleriſches
Schaffen mit der jungen und jüngeren Generation zuſammen=
heringt
. Die Jugend iſt mit dem Wort ſchnell bei der Hand, und
fie tut ſchnell ab, was als veraltet, was ihr nicht mehr in die
Beit gehörend dünkt. Wenn man Wilhelm Kienzl nach ſeinem
manermüdlich friſchen Schaffen beurteilt, wird man den heute
N0jährigen noch nicht zu den Alten rechnen dürfen.
Allerdings, auch das Los teilt er mit vielen: So reich und
ſoroduktiv ſein Schaffen iſt, ſo vielſeitig er ſich betätigt hat und
roch betätigt, ſeine Berühmtheit, ſeine Popularität verdankt er
mm weſentlichen einem Werke. Wilhelm Kienzl wird immer der
helutor des Evangelimann bleiben, gleichwie Mascagni der
omponiſt der Cavalleria Ruſticana, Eugen d’Albert der Kom=
ſeoniſt
von Tiefland uſw. uſw. bleiben werden. Das iſt im
Grunde genommen unrecht, aber es iſt ein Unrecht, an dem nie=
mand
die Schuld trägt. Wilhelm Kienzl hat ſicher ſelbſt niemals
ſeie Abſicht gehabt oder auch nur die Hoffnung genährt, gerade
heurch ſeinen Evangelimann Weltberühmtheit zu erlangen. Er
heat ſicher viele ſeiner anderen Werke für muſikaliſch wertvoller
vlehalten, hat ſie ſelbſt viel höher eingeſchätzt als gerade den
Evangelimann Aber Gunſt und Mißgunſt der Menge, auf
ſeie letzten Endes Weltruhm und =ruf gründen, laſſen ſich nicht
xiten. Gewiß, auch Der Kuhreigen iſt volkstümlich geworden,
gruch dieſe Oper erlebte einen Welterfolg. Mehr aber noch war
bieſer dem Evangelimann vorbehalten, der heute zu den un=
ſterblichen
Opem gezählt werden darf.
Wenn man die Frage aufwirft, worin dieſe Tatſache begrün=
het
iſt, ſo wird man trotz aller kritiſchen Urteile für und wider
veon Muſikſachverſtändigen, von Kollegen und Kritikern immer
wieder zu dem Reſultat kommen müſſen, daß dieſer außerordent=
ſiich
ſchnelle und breite Erfolg des Evangelimann einzig darin
hoeruht, daß in dieſer Oper ausſchließlich das rein Menſchliche
nanklingt, das, was immer irgendwie und irgendwo aus Ver=
wandtes
in Herz und Seele, in Gemüt und Ohr des Zuhörers
WWiderhall löſt. Aus der nicht gerade anſpruchsvollen Erzählung
oon Leopold Florian Meißner hat Kienzl die Idee aufgegriffen,
ſioie, wenn ihr auch ſtarke Sentimentalität anhaftet, vielleicht ge=
nade
deswegen, ihren Eindruck auf die breite Maſſe der Durch=
bchnittsmenſchen
nie verfehlen wird: Die ethiſch wundervolle

Idee des verzeihenden Menſchen, der ſein unverſchuldetes Un=
glück
ein Leben hindurch trägt, der ſchließlich dem Vernichter
ſeines Lebens verzeiht und dadurch ſelbſt ſein Leid tragbar ge=
ſtaltet
. Kienzl hat dieſe Idee in ebenſo anſpruchsloſer Weiſe
dramatiſch verwertet und hat in der dazu komponierten Muſik
das Glück gehabt, rein menſchliches Fühlen mit theatraliſchem
Effekt wirkſamſt zu verbinden, im beſten Sinne des Wortes eine
Volksoper zu ſchaffen.

Dr. Wilhelm Kienzl,

Falſch aber iſt es, Kienzls Wirken und Schaffen mit dem
Evangelimann oder noch mit dem Kuhreigen und mit dem
Don Quichote, dem ein äußerer Erfolg nicht beſchieden war,
umgrenzen zu wollen. Er hat ſein ganzes Leben hindurch
intenſiv gearbeitet, und wenn man ſeine Selbſtbiographie*) nach=
lieſt
, ſo ſteht man unter dem zwingenden Eindruck, das Leben
eines Menſchen zu leſen, der ſein ganzes geiſtiges und künſt=

*) Meine Lebenzwanderung. Verlag E. Engelhorns Nachf.

Italieniſch=ungariſche Probleme
Eine Romreiſe Bethlens. Fiume, Freihafen für
Angarn. Neuorientierung auf dem Balkan.
EP. Budapeſt, 15. Januar.
Zu den Gerüchten über eine bevorſtehende Romreiſe Bethlens
wird einem Mitarbeiter des A Reggel von informierter Seite
folgendes mitgeteilt: Es ſei richtig, daß mit Rückſicht auf die
zwiſchen der ungariſchen und jugoſlawiſchen Regierung im Gang
befindlichen Verhandlungen wegen Ueberlaſſung eines jugoſla=
wiſchen
Freihafens, in der Adria an Ungarn eine Reiſe des
ungariſchen Miniſterpräſidenten nach Rom in amtlichen unga=
riſchen
Kreiſen aufgetaucht ſei, zumal Italien, an den
ungariſch=jugoſlawiſchen Freihafen= Verhand=
lungen
ſtark intereſſiert iſt. Graf Bethlen würde in
Rom die direkten Verhandlungen mit dem italieniſchen Miniſter=
präſidenten
zur Löſung der ſchwebenden Fragen herbeizuführen
trachten. Entſcheidende Beſchlüſſe ſeien jedoch in der Angelegen=
heit
noch nicht gefaßt worden.
* Peſter Lloyd bringt einen offiziös inſpirierten Artikel
über die Gerüchte, die ſich an die Romreiſe Bethlens geknüpft
haben. Der Artikel ſoll zweifellos zur Beruhigung der Belgrader
Regierung dienen und ſtellt feſt, daß es ſich lediglich darum
handele, ein ungariſch=italieniſches Handels=
abkommen
zu ſchließen, in dem die Frage des Fiumer
Freihafens endgültig geregelt werden ſoll. Der Artikel
ſtellt ferner feſt, daß die ungariſche Königsfrage noch
nicht ſpruchreif ſei. Die Verſion, daß Graf Bethlen in Rom für
Erzherzog Albrecht um die Hand einer italieniſchen Prinzeſſin
anhalten wolle, damit Erzherzog Albrecht nach der Thronbeſtei=
gung
eines italieniſchen Schutzbündniſſes ſicher ſei, wird in dem
Artikel aufs entſchiedenſte dementiert und als eine böswillige
Erfindung hingeſtellt.
Der Artikel wird von der ungariſchen Oeffentlichkeit ſtark
beachtet und gibt auch den übrigen Blättern Veranlaſſung, die
ſich anbahnende neue politiſche Orientierung auf
dem Balkan zu beſprechen. Die Blätter betonen, daß Ungarn
den größten Wert auf eine Freundſchaft mit Italien lege, daß
aber auch zu Jugoſlawien gute Beziehungen aufrechterhalten
werden müßten, ſchon allein weil Ungarn, wenn es an die Adria
wolle, immer durch jugoſlawiſches Gebiet müßte. Es wird ferner
betont, daß Ungarn wieder von anderen Mächten umworben ſei,
woraus hervorgehe, daß es ein maßgebender Faktor in der
internationalen Politik geworden ſei, auch gegen den Willen
der Kleinen Entente, die in Wirklichkeit nicht mehr beſtehe. In
der Frage der Kleinen Entente weichen die Blätter von
den offiziöſen Erklärungen des Peſter Lloyd ab. Während
im Peſter Lloyd ausgeführt wird, daß Briand ganz genau
wiſſe, welchen Bündniswert die Kleine Entente heute darſtelle
und wie feſt ſie zuſammenhalte, ſprechen die ungariſchen Blätter
von einem Zerfall dieſes in der Hauptſache gegen Ungarn
gerichteten Gebildes. Hervorgehoben wird auch die Annähe=
rung
zwiſchen Rumänien und Ungarn, was zweifel=
los
nicht in der bisherigen Linie der Politik der Kleinen Entente
liege. Allgemeine Beachtung findet auch die polniſch=
ungariſche
Annäherung, die gerade in letzter Zeit von
Ungarn betrieben worden iſt. Wenn auch der offiziöſe Artikel
im Peſter Lloyd in Anbetracht der allgemeinen Erregung, die
die Romreiſe Bethlens hervorgerufen hat, die Bedeutung dieſes
Schrittes möglichſt abſchwächen will, ſo mißt die ungariſche Preſſe
trotzdem den in Rom beginnenden Verhandlungen größte Be=
deutung
bei und betont, daß Handelsvertragsverhandlungen nie
ohne nebenher laufende politiſche Erörterungen geführt würden
und daß günſtige Handelsverträge meiſt der erſte Schritt zu
einer ſpäter folgenden politiſchen Annäherung ſeien. Die Be=
ſeitigung
gegenſeitiger Wirtſchaftsſchwierigkeiten ſei immer not=
wendig
, um die Atmoſphäre für ein gutes politiſches Einver=
nehmen
zu ſchaffen.
Die Erregung in Jugoſlawien über den Ver=
trag
von Tirana hat ſich in den letzten Tagen wieder durch
Gerüchte verſtärkt, nach denen Italien große Waffen=
und Munitionsmengen nach Albanien geſchafft
habe und auch ſonſt ſich dort weiter feſtzuſetzen beabſichtige. Die
Belgrader Preſſe fährt fort, übertriebene Nachrichten über die
italieniſchen Unternehmungen in Albanien zu
verbreiten. Auch die Kombinationen, die an die Reiſe Bethlens

leriſches Schaffen auf eine ideale ethiſche Grundlage, auf eine
wohl geſunde, aber dem Materiellen ferne Lebensanſchauung ge=
gründet
hat. Dann erhält man einen Ueberblick über eine ebenſo
vielſeitige wie fruchtbare Tätigkeit, die keine Stunde des Lebens
ungenutzt vorübergehen ließ.
Auch Kienzl war einſtmals in jungen Jahren, als er Füh=
lung
mit den Lehrſtätten der Muſik ſuchte, das Urteil dahin ge=
ſprochen
, daß er nicht das geringſte Talent zur Muſik beſäße.
Der Direktor eines Grazer Konſervatoriums glaubte das feſt=
ſtellen
zu müſſen. Aber der junge Kienzl wußte es beſſer, und
Adolf Jenſen verdankt er es, daß er ſich ganz dem Beruf des
ſchaffenden Muſikers widmen konnte. Es ging ihm allerdings
beſſer wie vielen anderen. Er war nicht gezwungen, ſich von
vornherein materiell einſtellen zu müſſen, auf Broterwerb zu
arbeiten‟. Er konnte einſtweilen unbeirrt von der Not des
Lebens arbeiten und genießen. Er ſuchte Fühlung mit Wagner
und Liſzt, lernte Brahms und Dvorak kennen. Kritiker= und
Berichterſtattertätigkeit führten ihn in viele Konzerte berühmter
anderer Komponiſten und auch zu den Feſtſpielen nach Bayreuth.
So geſammelte tiefe Eindrücke wurden in weiterem Studium aus=
gewertet
. Es klingt wie eine Satire, daß er, der glühendſte
Wagner=Verehrer, bei dem zum mindeſten ebenſo glühenden
Wagner=Verächter Eduard Hanslick mit einer Diſſertation über
die muſikaliſche Deklamation promovierte. War damit ſein Stu=
dium
abgeſchloſſen, ſo gab es für Kienzl doch niemals ein Stille=
ſtehen
im Lernen. Wieder ſuchte er, ſo oft ihm Gelegenheit ge=
geben
, Fühlung mit dem Hauſe Wahnfried zu nehmen, und ſeine
Erinnerungen an Wagner ſind zum großen Teil ſehr intereſſant.
Auch die weiteren Kapitel in ſeinen Lebenserinnerungen, die
Robert Hammerling, Hans von Bülow, Humperdinck, Brahms
uſw. behandeln, ſind hochintereſſant, ſind mit dem Herzen ge=
ſchrieben
und aufgcfaßt von friſchem, ſcharf beobachtenden Leben.
In München, in Hamburg, in vielen anderen Städten Deutſch=
lands
und des Auslandes war Kienzl vorübergehend künſtleriſch
tätig, auch in Berlin und Dresden, bis ihm endlich der Erfolg
des Evangelimann beſchieden war. Kurze Zeit darauf, vierzig=
jährig
, nahm der Komponiſt in Graz ſtändigen Aufenthalt, der
allerdings immer wieder von Auslandsreiſen unterbrochen wurde.
Dann brachte, wie bemerkt, der Kuhreigen den Komponiſten
noch einmal in den Mittelpunkt des künſtleriſchen Intereſſes.
Erfolg und Mißerfolg wechſeln ſo im Leben dieſes emſig
ſchaffenden Muſikers und Komponiſten, der heute noch auf der
Höhe ſeines Lebens, auch auf der Höhe ſeines Schaffens ſteht
und von dem es nicht wunder nehmen würde, wenn noch einmal
ſein Name aus der Volkstümlichkeit der engeren Heimat hinaus
träte auf die Weltbühne, bedeutſam und Achtung gebietend,
Dr. E. Kth. A

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 16 Taitzr 1927

Seite 4

geknüpft werden, gehen weit über das hinaus, was im Augen=
blick
hinter der Romreiſe Bethlens ſteckt. Meldungen über den
bevorſtehenden Abſchluß eines gegen Jugoſlawien gerichteten
italieniſch=ungariſchen Bündniſſes gehören, dem Bereich der
Phantaſie an.
Ungarns Annäherung an Italien.
Die Ankündigung einer Romreiſe des Grafen Bethlen kommt
in diplomatiſchen Kreiſen Roms nicht unerwartet, wo man dieſen
Beſuch ſeit einiger Zeit erwartet. Programm und Zeitpunkt
des Beſuches ſind indeſſen noch nicht vereinbart. Der Cor=
riere
della Sera ſchreibt eine Begegnungg zwiſchen Muſſolini
und Bethlen werde auf jeden Fall zu einer Befeſtigung der be=
reits
beſtehenden herzlichen Freundſchaftsbeziehungen zwiſchen
Italien und Ungarn beitragen, da alle die beiden Länder inter=
eſſierenden
Fragen, vor allem die eines ungariſchen Hafens in
der Adria, gelöſt werden könnten. Der Secolo bemerkt, zwi=
ſchen
Italien und Ungarn ſei auch noch ein Handelsvertrag zu
regeln, da der jetzige nur proviſoriſch ſei. Vorher komme am
27. Januar der ungariſche Unterrichtsminiſter Graf Klebelsberg
nach Rom, um auf Einladung des italieniſchen Unterrichtsmini=
ſters
zwei wiſſenſchaftliche Vorträge zu halten.
Rumäniſche Erwartungen.
Die bevorſtehende Reiſe des ungariſchen Miniſterpräſidenten
nach Rom beſchäftigt die rumäniſche Oeffentlichkeit in ſtarkem
Maße. Ein angeſehenes Mitglied der rumäniſchen Regierung
erklärte unſerem Korreſpondenten, in Rumänien herrſche keine
Beunruhigung über dieſe Reiſe, da es durch einen Freundſchafts=
vertrag
mit Italien geſichert ſei und nichts zu befürchten habe.
Im Gegenteil ſei anzunehmen, daß Rom verſuchen werde, die
Vermittlung zwiſchen Budapeſt und Bukareſt zu
übernehmen. In dieſem Sinne könne die Bethlen=Reiſe
nach Rom nur zur Stärkung der internationalen Lage Rumä=
niens
beitragen. Der Adeverul ſagt, Bethlen würde durch
ſeine Romreiſe von ſeinen Verſuchen, die Kleine Entente zu zer=
ſtören
, abgehalten werden. Die bekannte Horthy=Rede habe den
Zweck verfolgt, Jugoſlawien mit der Kleinen Entente zu ver=
feinden
. Jetzt ſei das Spiel durchſchaut, und die Bethlen=
Reiſe bedeute eine Warnung für die Nachfolge=
ſtaaten
vor einer Schwächung der Kleinen Entente, die eine
Verſchlechterung der Poſition ihrer Mitgliedſtaaten zur Folge
hätten. Die Romreiſe Bethlens werde endgültige Klarheit über
die ungariſche Politik bringen.
Geplanter Staatsſtreich Achmed Zogus?
EP. Athen, 15. Januar.
Die Athener Blätter bringen in gewiſſen Abſtänden in der
letzten Zeit Senſationsmeldungen aus Tirana, die angeblich aus
einwandfreier Quelle ſtammen ſollen. Danach ſoll der alba=
niſche
Miniſterpräſident. Achmed Zogu einen
Staatsſtreich beabſichtigen, um ſich zum König aus=
rufen
zu laſſen. Entſprechende Sondierungen in Paris und Lon=
don
ſeien zwar auf Widerſtand geſtoßen, Rom habe Achmed Zogu
jedoch weiteſtgehende Hilfe für die Durchführung ſeiner Pläne
zugeſagt. Zu dieſen Telegrammen ergreift nun der Athener
albaniſche Geſandte Stavro Stavri das Wort in der Preſſe und
erklärt, daß an den Meldungen kein wahres Wort ſei. Tatſache
ſei ausſchließlich, daß Achmed Zogu um die Hand einer italie=
niſchen
Prinzeſſin angehalten habe und daß eine entſprechende
Heirat zu erwarten ſei.

Neuer iſchechiſcher Geſandter für Berlin.

Dr. Frantiſek Chwalkovſky,
früher tſchechiſcher Geſandter in Waſhington, der zum Vertreter
der Tſchechoſlowakei in Berlin ernannt wurde.
Das Eiſerne Tor.
Eine Konferenz in Rom.
Berlin, 15. Januar.
Heute trat in Rom die Internationale Donau=Kommiſſion
zu einer außerordentlichen Tagung zuſammen. Es handelt ſich
dabei, wie wir von zuſtändiger Stelle erfahren, um folgendes:
Die Frage des Eiſernen Tores, die im Laufe des letzten Jahr=
hunderts
in der diplomatiſchen Geſchichte eine große Rolle ge=
ſpielt
hat, iſt durch den Vertrag von Verſailles und den damit in
Zuſammenhang ſtehenden territorialen Veränderungen erneut
aufgeworfen worden. Auf Grund des Verſailler Vertrags hatten
die Donau=Akte ſich mit der Frage des Eiſernen Tores zu be=
faſſen
. Sie haben die Erledigung der Frage einem beſonderen,
zwiſchen der Donaukommiſſion und den beiden Uferſtaaten,
Rumänien und Serbien, abzuſchließenden Vertrage vorbehalten.
Dieſer Vertrag, deſſen Vorarbeiten die Donaukommiſſion be=
reits
ſeit einiger Zeit beſchäftigt haben, ſoll nunmehr in Rom
abgeſchloſſen werden. Auch Deutſchland, insbeſondere die Donau=
Uferſtaaten Bayern und Württemberg, haben an dieſer Frage,
insbeſondere an der Geſtaltung der Verwaltung des Eiſernen
Tores, ein erhebliches Intereſſe. Deutſchland wird daher auf die=
ſer
Tagung vertreten durch Geſandten Dr. Seeliger vom Aus=
wärtigen
Amt, den Geſandten von Kienlin von der württem=
bergiſchen
Regierung, durch den Miniſterialdirektor Lindner von
der bayeriſchen Regierung, den Miniſterialrat Baur vom Reichs=
verkehrsminiſterium
und Legationsſekretär Pos vom Auswär=
tigen
. Amt. Man rechnet mit einer dreiwöchigen Dauer dieſer
*.
wichtigen Verhandlungen.

Nummer 16

Die neue Balkan=Spannung.
Jialieniſche Truppen in Albanien.
* Belgrad, 15. Jan. (Priv.=Tel.)
Nach Meldungen aus Durazzo haben die Italiener unter
dem Vorwand, der durch das Erdbeben in Albanien betroffenen
Bevölkerung Hilfe zu bringen, in Durazzo eine italieniſche Sani=
tätskolonne
mit mehreren Offizieren und 40 bis 50 Mann ge=
landet
. Gleichzeitig ſind auch in Durazzo Marineoffiziere ange=
kommen
, um die Veränderungen in den ſpäteren Verhältniſſen
infolge des Erdbebens zu prüfen, die für die italieniſche Kriegs=
marine
zweifellos von großem Intereſſe ſind. Man nimmt an,
daß bei dem geplanten Ausbau des Hafens von Durazzo, der in
nächſter Zeit mit italieniſcher Finanzierung in Angriff genom=
men
werden ſoll, das militäriſche Intereſſe nicht in die letzte Linie
geſtellt werden ſoll. In Albanien glaubt man, zu dieſer kleinen
militäriſchen Aktion des großen Nachbars die Augen zudrücken
zu müſſen. Immerhin fehlt es nicht an ernſten Bedenken gegen
dieſe Bekundungen der neuen Freundſchaft.
Die Seiben werden nervös.
* Belgrad, 15. Jan. (Prib.=Tel.)
Die aus Skutari kommenden Meldungen von einer erhöhten
Aktivität der Italiener in Albanien werden in den hieſigen poli=
tiſchen
Kreiſen noch immer ſtark kommentiert und haben auch den
Anlaß zu mehreren Konferenzen im Außenminiſterium gegeben.
Es wird heute beſtätigt, daß die Mitglieder des italieniſchen
Generalſtabes, darunter auch der bekannte General Camiſio,
augenblicklich förmliche Inſpektionsreiſen in Albanien unter=
nehmen
. Sie ſollen das Ziel haben, eine militäriſche Expedition
in das Land vorzubereiten. Die Blätter ſchließen das aus der
Tatſache, daß umfangreiche Landungen von Munition und an=
derem
Kriegsmaterial in der jüngſten Zeit in verſchiedenen al=
baniſchen
Häfen, hauptſächlich in Durazzo, vorgenommen worden
ſeien. Es heißt übrigens, daß die italienfeindlichen Strömungen
zugenommen haben ſollen, und daß ſich in Skutari die Kund=
gebungen
gegen die Perſon Achmed Zogus und gegen Rom wie=
derholt
haben, ohne daß dagegen eingeſchritten worden ſei.
Politika berichtet in großer Aufmachung über angebliche
militäriſche Vorbereitungen Italiens in Albanien. Dem Blatte
zufolge ſeien in den letzten Tagen bedeutende Mengen von Muni=
tion
und chemiſchem Kriegsmaterial aus Italien nach Albanien
transportiert worden, auch weile ein Mitglied des italieniſchen
Generalſtabs, General Camiſio, gegenwärtig in Albanien auf
einer Inſpektionsreiſe. Im Zuſammenhang mit dieſen Gerüch=
ten
fand im Belgrader Außenminiſterium eine Konferenz ſtatt,
in der, wie das Blatt erfahren will, die Lage in Albanien be=
ſprochen
wurde.
Verbeſſerungen im deutſch=ſpaniſchen Handelsvertrag.
Berlin, 15. Januar.
Nachdem es England gelungen iſt, im Anſchluß an den
ſpaniſch=franzöſiſchen Handelsvertrag von Spanien in einer gan=
zen
Reihe von Poſitionen weſentliche Erleichterungen zu erhal=
ten
, werden nun auch Deutſchland, da ja der deutſch=ſpaniſche
Handelsvertrag auf der Grundlage der Meiſtbegünſtigung bafiert,
dieſe Erleichterungen zugute kommen, die England gewährt wer=
den
. Es handelat ſich dabei um 72 Poſitionen.

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Nummer 16

Sonntag, den 16. Januar 1927

Seite 5

Aus der Landesnauprftavt.

Darmſtadt, 16. Januar.
* Schrift und Handwerk.
Eröffnung einer bedeutſamen Ausſtellung im Gewerbemuſeum.
Im Gewerbemuſeum wurde geſtern vormittag in Gegenwart des
Serrn Staatspräſidenten, der Vertreter aller Miniüerien, der Kirchen=
rehörden
aller Konfeſſionen, der Kunſt, der Wiſſenſchaft und der Schlen
nine Ausſtellung eröffnet, die ſehr ſtarkes Intereſſe weit über Darmſtadt
inaus für ſich in Anſpruch nehmen darf. Die Ausſtellung heißt
Schrift und Handwerk, ein Beitrag zu den kümſtleriſchen Fragen der
Begenwart und ſie iſt zugleich eine Ausſtellung der Offenbacher Schreiber=
werkſtatt
, in erſter Linie von Arbeiten aus der Werkſtatt des Offenbacher
Schriftkünſtlers Profeſſor Rudolf Koch und ſeiner Mitarbeiter
Im Lichthof des Gewerbemuſeums hatten ſich die Ehrengäſte ver=
mmelt, an die Profeſſor Haupt, deſſen Initiative und zielbewußter
Durchführung wir die hochintereſſante Ausſtellung zu verdanken haben
nine Anſprache hielt, in der er ausführte:
Die Ausſtellung, die Profeſſor Rudolf Koch mit ſeiner Werkſtatt
eranſtaltet hat, nennt ſich einen Beitrag zu den künſtleriſchen Fragen
er Gegewvart. Einige ſolche Fragen möchte ich kurz erwähnen.
Die Ausſtellung zeigt in der Hauptſache Handarbeiten, aber was
ahinter ſteht, iſt eine Induſtrie. Die Tätigkeit in der Schriftgießerei
er Gebrüder Klingſpor iſt für für Rudolf Koch beſtimmend geweſen.
Die Wechſelwirkung zwiſchen Maſchine und Hand kommt in ſeinem
Schatten entſcheidend zur Geltung. Für die Beziehungen zwi=
chen
Kunſt, Handwerk und Induſtrie bietet die Aus=
ellung
ein ſo lehrreiches und erfreuliches Material, wie es nicht leicht
Fuſammenkommt.
Eine andere Frage. Viele der ausgeſtellten Arbeiten ſuchen Pionier=
grbeit
zu leiſten. Es ſind Anregungen und Verſuche, die manchen
Bweigen des Gewerbes zu gute kommen. Zugleich ſteht die Werkſtatt
ber in enger Beziehung zu der Kunſtgewerbeſchule in Offenbach. Für
ie Art, wie auf ſolchen Schulen gearbeitet und gelehrt werden kann,
wie ſie die Möglichkeit bietet, in der Pflege handwerklicher Arbeit
weitere Ziele zu verfolgen, als die Vorbereitung auf die Meiſter=
nrüffung
, dafür gibt die Ausſtellung wieder ein lehrreiches Beiſpiel. Viel=
Eicht kann ſie helfen, manche Vorurteile und Spannungen auf dieſem
Bebiet zu überwinden.
Ein großer Teil der ausgeſtellten Arbeiten gehört in das Gebiet
er religiöſen Kunſt. Vor allem die Paramentik in Stickereien, Geweben
uand Kultgeräten bildet einen wichtigen Beſtandteil. Wer ſich mit den
Fragen der kirchlichen Kunſt befaßt hat, der weiß, welche Schwierigkeiten
ſeier zu überwinden ſind. Er weiß aber auch, wie wichtig dieſe Arbeit
ſiſt, nicht nur für die Kirche, ſondern auch für die Kunſt. Manches von
heem Beſten und Größten, was künſtleriſcher Ausdruck zu geben vermag,
ſiiegt auf dem Gebiet religiöſer Kunſt. Was die Ausſtellung an ſolchen
ſelrbeiten zeigt, iſt das Ergebnis eines jahrelangen Bemühens. Heute
ſürfen wir hoffen, daß die Opfer nicht umſonſt geweſen ſind und daß ſich
z.wiſehen der Werkſtatt Rudolf Kochs und der deutſchen Paramentik
ebendige Beziehungen entwickeln.
Eine andere Gruppe von Arbeiten beſchäftigt ſich mit dem Schreib=
uind
Zeichenunterricht, deſſen Ausgeſtaltung jetzt die Heſſiſche Unter=
eichtsverwaltung
in dankenswerter Weiſe ihrer Fürſorge widmet. Und
nendlich verſucht die Ausſtellung ganz allgemein eine engere Verbindung
grwiſchen Schriftweſen und handwerklicher Arbeit verſchiedener Art. Buch=
wpeſen
und Bilddruck ſind heute ein Mittelpunkt aller künſtleriſcher Kul=
ur
. Man kann dieſe Tatſache beklagen, aber ſie läßt ſich nicht ändern.
WVir können nur verſuchen, neben ihren Nachteilen auch ihre guten Wir=
Tungen zu entwickeln. So verſucht die Ausſtellung, mit dem reichen
Nönnen und der künſtleriſchen Diſziplin, die heute in unſerem Schrift=
um
ſteckt, auch andere Gebiete handwerklicher Arbeit zu befruchten.
ſ.Jeder Rundgang durch die Ausſtellung zeigt den Wunſch, vom Papier
vos zu kommen und für den Reichtum der Schrift neue Ausdrucksmöglich=
geiten
zu gewinnen.
Man hat uns geſagt, für dieſe Ausſtellung ſei Darmſtadt nicht der
ichtige Platz. In Berlin oder München würde ihr ein anderer Erfolg
Seſchieden ſein. Das mag ſtimmen. Aber dem Weſen der ausgeſtellten
rbeiten entſpricht es nicht. Alles, was hier gezeigt wird, iſt in lang=
amen
Reifen entſtanden. Immer nur das Nächſte hat ſich aus dem
Vorhergehenden entwickelt. So ſchien es auch richtig, mit der Ausſtel=
ung
zunächſt in dem Bezirk zu bleiben, wo die Arbeiten entſtanden ſind.
elber eine Verpflichtung legt uns dieſe Beſchränkung auf, und ſo eröff=
ufen
wir die Ausſtellung mit einer Bitte. Sie gilt der Regierung, den
Schulen, den Vertretern der Kirche und der religiöſen Gemeinſchaften
uund ſie gilt dem Gewerbe. Nicht auf äußeren Erfolg für dieſe Aus=
rellung
kommt es an. Aber ſie möchte den Blick ſchärfen für die großen
Werte, die wir in unſerer Schrift beſitzen, und für die Möglichkeiten,
die nutzbar zu machen. Laſſen Sie uns dazu helfen, daß dieſes Ziel er=
reicht
wird.
An die Eröffnung der Ausſtellung ſchloß ſich ein Rundgang, der in
Serſchiedenen Gruppen vorgenommen wurde, die von dem Leiter des
AMuſeums Herrn Profeſſor Koch, und ſeinen Mitarbeitern geführt
nourden. Wir kommen auf die Ausſtellung, die von größter Bedeutung
u erſter Linie auch für die Schulen und das Handwerk, grundſätzlich
uber für jeden Menſchen iſt den die Dinge ſeiner täglichen Umgebung
ſskulturwerte bedeuten, noch zurück. Die Ausſtellung dauert ein Viertel=
vrahr
, und es iſt zu hoffen und ihr von Herzen zu winſchen, daß ſie in=
St.
renſibſte Beachtung findet.
Ernannt wurde: Der bisherige Vorſtand der Oberfinanzkaſſe,
SSteueramtmann Hanſtein, zum Steuerdirektor bei der Präſidialſtelle
Des Landesfinanzamtes.
Heſſiſches Landestheater. Der erſte Heldentenor des Landes=
theaters
, Gotthelf Piſtor, der auch im Rahmen der diesjährigen
BBayreuther F ſtſpiele in erſter Beſetzung die Partien des Parſifal und
Siegmund ſingen wird, wurde ſoeben ab Herbſt 1927 zu außerordentlich,
günſtigen Bedingungen den Städtiſchen Theatern in Magdeburg
uerpflichtet.
Heute laufen im Kleinen Haus in nur zwei Vorführungen, nach=
nmittags
3 Uhr und 5 Uhr die beiden Märchenfilme Tiſchlein deck
Dich und Felix im Märchenland, die b ide als eine der reiz=
Bollſten Schöpfungen auf dieſem Gebi=t überhaupt bezeichnet werden.
DDas Märchen, das leider bis jetzt im Film eine ſeltſene Erſcheinung ge=
oveſen
iſt, eignet ſich beſonders für die bildhafte Wiedergabe die ſtets
ine viel größere Wirkung ausübt als es das ausgeſprochene Wort ver=
nmag
, weil es die leicht erregbare Phantaſie des indes ſofort intenſiv
Eeſchäftigt. Gerade der Film iſt durch ſeine techniſche Ueberlegenheit
Dazu angetan, die überſinnlichen Erſcheinungen des Märchens zu ver=
Deutlichen. Die beiden Märchenfilme, die heute nachmittag gezeigt
nwerden, ſcheinen durchaus mit der Seele des Kindes geſehen und ſo
wvollſtändig auf ſeine Pſyche eingeſtellt, daß man meint, ſelbſt die großen
Zuſchauer nüßten ihre Jahre vergeſſen und mit Vergnügen den reiz=
vollen
Vorgängen folgen, die ſich vor den erſtaunten Augen auf der
Leinwand abſpielen. Als Abſchluß kommt noch ein amerikaniſcher
Luſtſpielfilm Die kleinen Globetrotter zur Vorführung,
deſſen harmloſe Heiterkeit und humoriſtiſche Handlung in den Urteilen
der Preſſe anerkennend hervorgehoben wird. Die Eintrittspreiſe be=
tragen
70 Pf. und 1 Mk., Kinder haben eine Ermäßigung auf dieſe
Preiſe um die Hälfte.
4. Morgenfeier. Die heute, vormittags 11½ Uhr, im Kleinen
L=Haus ſtattfindende Liedermatinee von Guſtad Deharde (am Flügel

lliche Karten an der Tageskaſſe des Kleinen Hauſes zu Preiſen von 50
rund 80 Pfg. zum Verkauf.
Schachklub Darmſtadt. Schachmeiſter Dr. A. Seitz ſpielt
rmorgen im Fürſtenſaal an 25 Brettern ſimultan. (Näheres ſiehe Anz.)

Tageskalender für Sonntag, den 16. Januar 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 5. Vorſt d. Sonntags=
fremdenmiete
, Anf. 7 Uhr, Ende 10 Uhr: Robert und Bertram.
Kleines Haus, vorm. 11½ Uhr: 4. Morgenfeier; nachm. 3 und 5 Uhr:

Ausflug Sterbekaſſeverein Erſte Concordia nachm.
3 Uhr, Obergaſſe 44: Generalverſammlung Evgl. Bund abds.
8 Uhr, Stadtkirche: Deutſcher Abend Konzerte: Schloßkaffee,
Perkeo, Weinhaus Weißer Turm, Café Rheingold, Hotel Schmitz
Hotel Prinz Heinrich, Frankfurter Hof, Ludwigshöhe, Heſſ. Haus,
Rathausglöckle, Zentralhotel. Tanz; Taunusburg, Weinhaus
Weißer Turm, Café Rheingold. Kinovorſtellungen:
Union=. Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Verſteigerungskalender für Montag, den 17. Januar 1927.
Städt. Güterverwaltung vorm. 9 Uhr, i. d. Woogsplatz=
Turnballe: Holzverſteigerung 3 (Brennholz). Heſſ. Forſtamt
Mörfelden, vorm. 9 Uhr, Saalbau in Mörfelden: Brennholz=
verſteigerung
. Heſſ. Bürgermeiſterei Hering, vorm.
10 Uhr, bei Ober=Nauſes: Holzverſteigerung.

Volkshochſchule. Ueber die Infektionskrankheiten des
Kindesalters, ihr Weſen, ihre Entſtehung, Verhütung
und Bekämpfung ſpricht in einem Kurſus von 6 Abenden der Leiter
des Säuglingsheimes, Herr Dr. med. F. Sachs. In einem erſten all=
gemeinen
Teil werden behandelt: Bakterien, Infektion und Imunität
und in einem zweiten ſpeziellen Teile die wichtigſten Infektionskrank=
heiten
des Kindesalters. Die Vorleſung findet ſtatt jeweils Montags
von 8½10 Uhr im Saal 140 der Techniſchen Hochſchule. Anmeldungen
werden noch entgegengenommen in der Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule,
Mathildenplatz 17.
Das Dekorierungsfeſt des Odenwaldklubs nahm infolge ſeiner
ausgezeichneten und vielſeitigen Darbietungen einen durchaus ſchonen
und harmoniſchen Verlauf. Wir werden morgen auf die Veranſtaltung
näher zurückkommen.
* Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt. 30 jähriges Stiftungs=
Eine ausgezeichnete Vortragsfoige, ſtarker Beſuch und feſtlich=
frohes
Gepräge kennzeichnen den glänzenden Verlauf des Jubelfeſtes, das
geſtern abend in der Vereinigten Gefellſchaft gefeiert wurde. Aus=
führlicher
Bericht (der aus techniſchen Gründen zurückgeſtellt werden
mußte) folgt morge
H. W. W.

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Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ansſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu befrachten,
in keinem Faſſe irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Reichs=Offizier=Bund. Wir ſind zu nachſtehenden
feſtlichen Veranſtaltungen eingeladen: 1. Vom Hochſchulring Deutſcher
Art zu dem am Dienstag, den 18 ds. Mts., 8 Uhr abends, im Städt.
Saalbau ſtattfindenden Reichsgründungskommers. Die Feſtrede hält Herr
Profeſſor Dr. Küntzel=Frankfurt a. M. 2. Vom Heſſ. Vaterländiſchen
Block, Provinz Starkenburg, zu der am 22. ds. Mts., 8 Uhr abends, in
der Turnhalle am Woogsplatz ſtattfindenden Reichsgründungsfeier. Die
Feſtrede hat Herr Generalmajor a D. Freiherr von Preuſchen über=
nommen
.
Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte
und Heimatkunde. Hotel Prinz Karl. Donnerstag, abds.
8½ Uhr, Vortragsabend. Herr Schauſpieler Eduard Göbel, bringt:
Ernſtes und Heiteres von Heſſiſchen Heimatdichtern.
Im Hotel Prinz Heinrich, Bleichſtraße, am alten Bahn=
hof
, findet heute Sonntag abend Familien=Konzert ſtatt. Der
Beſuch wird ganz beſonders empfohlen. (Siehe Anzeige.)
Liedertafel. Karneval im Park von Valencia, unter dieſem
Titel wird ſich am 5. Februar ds. Js. in ſämtlichen Räumen des Saal=
baues
das Treiben unſeres ſtets als glänzend anerkannten Masken=
balles
abſpielen. Näheres wird demnächſt durch Inſerate bekannt
gegeben.
Kriegerkameradſchaft Germania‟ Darmſtadt.
Zu der heute, nachmittags 3 Uhr, im Vereinslokal ſtattfindenden Ge=
neralverſammlung
werden die Kameraden um pünktlichos und voll=
zähliges
Erſcheinen gebeten.

ELiteshapf it Rüupf

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler oder künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden Erwdhnung
geſchieht behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Der Schuß im
Pavillon‟. Detektivfilm in 6 Akten. Eine romantiſche Angelegenheit iſt
dieſer, von Max Ferner geſchriebene Detektivfilm. Denn Muſeums=
leiter
, die glauben, daß glanzloſe Perlen neuen Glanz bekommen, wenn
ſie von einer jungen, blühenden Frau getragen werden, gibt es heute
nur noch im Märchen und im Münchener Film. Hier funktioniert ein
ſolcher ſogar als Hebel der Handlung. Glaubhafter iſt dagegen, daß
ſolche Perlen, nachdem ſie (wahrſcheinlich durch die Reibung am Hals
der ſchönen Dame) ihren Glanz wiederbekommen haben, von einer Ber=
brecherbande
lebhaft begehrt und erworben werden uſw. Der
Muſumsleiter ſteckt ſelbſt mit der Bande halb und halb unter einer
Decke, denn er braucht Geld für eine teuere Freundin. Sein Töchter=
lein
Daiſy belauſcht den Papa nächtlicherweile bei verdächtiger Unter=
redung
im Pavillon, will ſich das Leben nehmen, wird gerettet, wird
Zeugin der langſamen Demaskierung der Bande durch den Webbs und
ſeinen Freund, den Arzt, in deſſen Armen ſie ſchließlich nach dem Selbſt=
mord
des Papas eine weite Heimat findet. Stuart Webbs hat ſich als
Detektiv auf die Hinterbeine zu ſtellen, denn der Fall iſt verworren und
abenteuerlich. Er und Margarethe Schlegel als Daiſy genießen unſere
Sympathie von Anfang an. Friedel Härlin als Tänzerin, die der
Kette zu Glanz verhelfen muß, iſt von der Regie etwas flrichtig und
unperſönlich behandelt. Georg Henrich, der Muſeumsleiter, gibt gute
Figur, desgleichen Manfred Kömpel. Obal als Regiſſeur hat ſaubere,
klare Arbeit geleiſtet. Er hat dem Detekivfilm Spielfilmwerte und
Reize gegeben, die ihn über die Bedeutung als Unterhaltsware hinaus=
heben
.
Union=Theater. Bismarck, der Film der Deutſchen,
Protektor: Reichspräſident Generalfeldmarſchall von Hindenburg, iſt
ein Werk nicht einer einzelnen Partei, ſondern des ganzen deutſchen
Volkes. Der Film wird noch einige Tage nur im Union=Theater vor=
geführt
. Das nächſte Programm bringt der Welt größten Film
Ben=Hur.
Palaſt=Lichtſpiele. Die lachende Grille! Dem neuen
Werk Friedrich Zelniks mußte man ſchon inſofern mit beſonderem In=
tereſſe
entgegenſehen, als darin all die bekannten Darſteller, die ſich durch
den erſten DLS.=Film An der ſchönen blauen Donau ſo hervorragend
eingeführt haben, präſentiert werden. Um es vorweg zu ſagen: auch
der dritte DLS.=Film iſt ein Meiſterwerk, dem gewiß auch der ver=
wöhnteſte
Fachmann ſeine Anerkennung nicht verſagen kann, der ſchon
deshalb Intereſſe erwecken muß, weil Lya Mara die Hauptrolle dieſes
Films ſpielt. Man hat ſie in früheren Filmen noch nie ſo gut in
Form geſehen, wie in dieſem lebensvollen und mit einer leichten Senti=
mentalität
durchzogenen, dabei aber dochß luſtig=liebenswürdigen Werk.
Was dieſen Film über das Niveau des Herkömmlichen ſtellt, iſt vor
allem die ſauber pointierte Arbeit Zelniks, der mit feinem Gefühl für
kultivierten Bildſtil ganz reizende Szenen und Szenchen nebeneinander
ſtellte.

Wirtſchaftlicher Verband
bildender Künſiler.
Gau Freiſiaat Heſſen.
Im Sitzungsſaale des Landtags fand geſtern die erſte Generalver=
ſammlung
des Reichswirtſchaftsbundes bildender Künſtler ſtatt, der ſich
zur Aufgabe geſetzt hat, die bildenden Künſtler auf dem alle gleich inter=
eiſierenden
wirtſchaftlichen Gebiete zu einen und dadurch der materiellen
Not der Künſtleu und der Kunſt zu ſteuern, die in den letzten Jahren
kataſtrophal geworden iſt.
Die Generalverſammlung, die eigentliche Gründungsverſammlung
des Gaues Heſſen, wurde von Herrn Dr. Daniel Greiner ge=
leitet
. Der Vorſitzende begrüßte herzlichſt die etwa 70 erſchienenen,
Damen und Herren, insbeſondere den Vertreter der Regierung, Herrn
Regierungsrat Henrich, ferner die Herren Landtagspräſident Ade=
lung
, Miniſterialrat Emmerling, Maler Vogel (Vertreter da3
Gaues Fraukfurt) uſw. Er ſprach dann Dank aus dem Herrn Landtags=
präſidenten
Adelung für Ueberlaſſung des Sitzungsſaales, dem
Herrn Staatspräſidenten für materielle Unterſtüitzung, und verlas Eut=
ſchildigungsſchreiben
der Herren Miiſterialrat Wagner, Freiherrn
v. Heyl, Miniſterialrat Bornemann, Bürgermeiſter Mueller.,
Schulrat Haſſinger uſw.
Dann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Erſter Referent
war Dr. Daniel Greiner, der über
Die Aufgabe des Gauverbandes und die Reichstagung
des R. W. V. B. K. D.
ſproch. Der Reduer ſkizzierte zunächſt überzeugend die Künſtlernot und
Kurnſtnot, die eine markante Erſcheinung unſerer Zeit iſt. Die Kunſt,
das von allen Völkern und zu allen Zeiten hochgeſchätzte Kulturgut, iſt
heute in den Hintergrund gedrückt worden durch die alles beherrſchenden
Wirtſchaftsfragen. Sie iſt Luxusgegenſtand geworden, deſſen man ſich
nur erinnert etwa aus Repräſentationsgründen. Was heute nicht die
Wirtſchaft intereſſiert, wird erdrückt oder als notwendiges Uebel ange=
ſehen
. Es iſt ein gefährlicher Standpunkt, zu ſagen, die Kunſt iſt nur
ein Ding für Wenige, die ihr volles Verſtändnis entgegenbringen, ſie
wird niemals Volksſache werden. Man muß dem einmal die Frage
entgegenſtellen, was wäre denn die Welt, unſere Umwelt heute, wenn
die Kunſt, die Künſtler nicht wären; nicht nur die wenigen Prominen=
ten
, auch die vielen weniger oder gar nicht bekannten Künſtler? Man
ſoll doch nicht verkennen, daß die Kunſt, die Künſtler direkt oder indireft
unſer ganzes Leben, unſer ganzes Daſein durchdringen und irgendwie
beeinfluſſen. Jedes Ding, das wir in die Hand nehmen, jedes Haus,
jeder Bau iſt in ſeinen Uranfängen irgendwie der Kunſt, dem Künſtler
unterſtellt geweſen. Es iſt ein ſehr geführlicher Standpunkt, auch wenn
ſeine ſchlimme Wirkung erſt nach und nach, ganz allmählich zu dem Ein=
zelnen
durchdringt, wenn man die Kunſt als Kulturgut, als Volksgut
ablehnt. Gewiß, man findet heute in den Kunſtausſtellungen nur wenige
Menſchen. Sie ſcheinen kunſtmüde geworden. Das macht aber, ſie ſind
des Kampfes müde geworden, den die Künſtler wegen der unzähligen
Ismen der Stilrichtungen gegeneinander führen. Hier liegt ein Teii
der Künſtlernot bei den Künſtlern ſelbſt, die dieſe Kämpfe unter ſich,
nicht vor der breiten Oeffentlichkeit führen ſollten.
Die Künſtler müſſen ſich dagegen wehren, vom Kunſthandel, von
einem Kunſtmäzenatentum abhängig zu werden. Die Kunſt darf nicht
beſchränkt bleiben auf dieſes, ſie muß wieder Volksſache werden. Wo
das Herzblut des Volkes zulſiert, in den Zentren des Lebens, in den
Werkſtätten, Fabriken, Heimen, Gemeindehäuſern, Schulen uſw., da iſt
die Kunſt nicht mehr zu Hauſe. Hier aber gehört ſie her!
Die Kunſt kann nicht kebendig werden, befruchtend wirken, wenn ſie nur
in dem dunklen Zimmer irgend eines reichen Menſchen hängt. In die
Lebenszentren gehört ſie, in die genannten, aber auch in die Kranken=
häuſer
, Gefängniſſe und Zuchthäuſer (1), in die Gewerkſchaftshäuſer,
Rathäuſer, Erholungsheime, in die Theater und Lichtſpielhäu=
ſer
uſw. uſw. Da hineinzukommen mit den Werken ihrer Kunſt, muß
die Aufgabe aller Künſtler ſein.
Gewiß iſt die Künſtlernot und die Kunſtnot mit zurückzuführen
auf die ſchlechte Wirtſchaftslage, aber ſie trägt die Schuld nicht allein,
Darum iſt es falſch, ruhig zu warten, bis die Wirtſchaftslage ſich ge=
beſſert
hat. Tätige Selbſthilfe allein kann Beſſerung
bringen. Dieſe wirkſam zu geſtalten und zu organiſieren, ſoll die
Aufgabe des Reichswirtſchaftsverbandes ſein, aus dem eine Reichs=
künſtlergenoſſenſchaft
, eine Reichsgewerkſchaft herauswachſen ſoll, an der
jeder Künſtler tätig mitarbeiten muß. Eine der Aufgaben muß ſein
die Schaffung von Kunſtverkaufsräumen. Dadurch muß er=
reicht
werden, daß die Kunſt nicht mehr zu einem Warenprodukt herab=
gedrückt
wird, zu einer Ware, mit der nur der Kunſthandel Geſchäfte
macht, daß ſie nicht Spekulationsobfekt wird.
Der Künſtler muß heraus aus ſeiner Verborgenheit, er muß teil=
nehmen
am öffentlichen Leben, muß hinein in die öffentlichen Körper=
ſchaften
. Im Reichstag ſitzt ebenſowenig ein Künſtler wie in den Land=
tagen
(Heſſen macht eine rühmliche Ausnahme), in den Landesparla=
menten
, Stadtparlamenten, Kreisämtern, Schulvorſtänden, Univerſitä=
ten
, Hochſchulen uſw. Nirgends hat hier ein Künſtler mitzuſprechen.
Er iſt nicht nur das 5., er iſt das 10. Rad am Wagen. Das Wort:
Bilde Künſtler, rede nicht! hat heute keine Geltung mehr. (Lebhafter
Beifall.) Der Redner ſchloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der
neugegründete Verband wegbereitend wirken möge.
Im Anſchluß an das Referat gab der Redner einen kurzen Bericht
über die Gründung des Gauverbandes Heſſen. Danach und nach Mik=
teilung
des Herrn Poſch beträgt die Mitgliederzahl des Gaues Frei=
ſtaat
Heſſen 189, eine Zahl, die täglich ſteigt.
Herr Vogel=Frankfurt beglückwünſchte namens des Gaues Heſſeu=
Naſſau und auch namens der Reichsleitung Berlin den Gauverband
Heſſen zu der Neugründung und ſagte weitere fördernde Unter=
ſtützung
zu.
Der Vorſitzende gibt bekannt, daß der Reichsverband zunächſt für
Mitglieder vermittelt: freien Eintritt in die Muſeen und Sammlun=
gen
, Prozeßführung in prinzipiellen Fragen, Rechtsſchutz, Schutz gegen
Ausbeutung und unlauteren Wettbewerb, Urheberrechtsſchutz, Einrich=
tung
von Materialſtellen; zu ſeinen Aufgaben gehört weiter die Ein=
richtung
einer Darlehenskaſſe, von Unterſtützungskaſſen, Erwerbsloſen=
fürſorge
uſw.
Herr Miniſterialrat Emmerling gab Aufklärung über einen
Spezialfall unlauteren Wettbewerbs. Ueber
Steuerfragen
referierte Herr Dr. Rill. Redner verwies beſonders auf die Tatſache,
daß die neuen Steuergeſetze den Künſtlern mancherlei Vorteile bringen.
Notwendig iſt es auch für den Künſtler, ſich mit den wenig angenehmen
Dingen der Steuergeſetzgebung zu befaſſen. In Frage kommt für den
Künſtler die Einkommensſteuer, Umſatzſteuer, Vermögensſtener, nicht
aber Gewerbeſteuer. Umſatzſteuer muß gezahlt werden, wenn der
Jahresumſatz 6000 Mark überſteigt. Der Künſtler muß über ſeinen
Umſatz Aufzeichnungen machen. Die Einkommenſteuer trifft den Künſt=
ler
nach dem Geſetz wie jeden anderen. Nicht einzurechnen ſind Kriegs=
renten
jeglicher Art, Krankenkaſſenzahlungen, Stipendienzuſchüſſe zur
Förderung künſtleriſcher Beſtrebungen. Werbungskoſten dürfen in Ab=
zug
gebracht werden. Die Einhaltung der Rechtsmittelfriſten iſt für
den Künſtler beſonders wichtig. Jede Unkenntnis wird der Verband
abhelfend unterſtützen, jede Frage beantworten. Zur Vermögensſteuer
kommen die eigenen Kunſtwerke nicht in Frage.
Die Vorſtandswahl ergibt die Beſtätigung des vorläufigen
Vorſtandes, der aus folgenden Herren beſteht: 1. Vorſitzender Dr. Da=
niel
Greiner, 2. Vorſitzender Poſch Kaſſierer Söder, Schrift=
führer
Dr. Rill, Beiſitzer Troll. Die Geſchäftsführung bleibt in
den Händen des Herrn Poſch.
Zu der dem Verband anzugliedernden Kunſtkommiſſion wer=
den
vorgeſchlagen und gewählt die Herren Margold Theſing,
Eberhardt=Offenbach, Hoelſcher, Panitz=Mainz, Gunſch=
mann
Krug, Breitwieſer, Frau Weſtermann und ein
Mitglied des Vorſtandes.
Der Jahresbeitrag wird auf 10 Mk. feſtgeſetzt. Die Statutenberatung
wird auf eine nächſte Verſammlung verſchoben.
Unter Verſchiedenes wurde eine Reihe interner Angelegenheiten
beſprochen und die Verſammlung gegen 7 Uhr geſchloſſen.
Aus den Parteien.
Deutſchnationale Volkspartei Ortsgruppe
Darmſtadt. Am Mittwoch, den 19. Januar, abends 8,30 Uhr, findet
im Gelben Saal bei Sitte, Karlsſtraße, eine Mitgliederverſammlung
ſtatt, in der Herr Stadtverordneter Rechnungsrat Schneider über
Darmſtädter Kommunalpolitik ſprechen wird. Wir laden unſere Mit=
glieder
hierdurch zu regem Beſuch der Verfammlung ein. Gäſte können
durch Mitglieder eingeführt werden.

4

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Seite 6

Sonntag, den 16. Januar 1922

Nummer 16

Aus Heſſen.
Starkenburg.

* Griesheim, 14. Jan. Der Segen des Sparens hat ſich auch zum
diesjährigen Weihnachtsfeſt wieder gezeigt. Von den zahlreichen früher
beſtehenden Sparvereinen hat im Laufe der letzten Jahre, eine große
Anzahl ihre Tätigkeit wieder aufgenommen und vor dem Weihnachtsfeſt
ganz erhebliche Summen verteilt. Zahlreichen Familien wurde dadurch
die Beſchaffung von Weihnachtsgeſchenten ſicher ſehr erleichtert, und die
Geſchäftswelt hat davon ohne Zweifel einen recht bemerkenswerten Vor=
teil
gehabt. Sicher aber, iſt der Erfolg ein Anſporn für viele, auf dieſem
Wege weiterzuwandeln, denn die kleinen Wochenſparbeträge ſind meiſt
leicht aufzubringen, wenn der feſte Wille vorhanden iſt. Wiederum hat
einer der Aelteſten unſerer Gemeinde das Zeitliche geſegnet. Im Alter
von nahezu 84 Jahren ſtarb geſtern früh Herr Heinrich Höhl 4. Wegen
ſeines urwüchſigen Humors, der ihn zu keiner Zeit und in keiner Le=
benslage
verließ, war er eine über unſere Gemeinde hinaus bekannte
Perſönlichkeit geworden.
nk. Büttelborn, 14. Jan. Einem lange gehegten Wunſch, auch in
hieſiger Gemeinde einen Volksbildungsverein ins Leben zu rufen, wurde
jetzt von beherzten Bürgern nähergetreten. Die Gründung wird in den
nächſten Tagen erfolgen. In der Gemeinderatsſitzung wurde die Win=
terbeihilfe
der Gemeindebeamten nach vorausgegangener reger Debatte
mit 7 gegen 5 Stimmen genehmigt.
* Eberſtadt, 14. Jan. Hauptverſammlung. Die diesjäh=
rige
Hauptverſammlung der Freien Turnerſchaft findet am Samstag,
den 29. Januar, im Saale Zur Harmonie ſtatt. Der Geſang=
verein
Frohſinn wiederholt am kommenden Sonntag abend
die bereits mit großem Erfolg aufgeführte Operette Lindenwirtin, du
junge‟. Mahnung. Die Bürgermeiſterei weiſt darauf hin, daß
das 1. bis 4. Ziel der Gemeindeſteuer 1926 zur Zahlung an die Ge=
meindekaſſe
innerhalb acht Tagen gemahnt wird. Lichtbilder=
vortrag
. Im Saale Zur Harmonie findet am kommenden Sonn=
tag
abend ein Lichtbildervortrag des Deutſchen Metallavbeiterverbandes
ſtatt, bei dem Herr Hinz=Landau das Thema Vom Eiſenſtein zum Fer=
tigfabrikat
behandelt. Wanderungen. Der Odenwaldklub wie
der Turnverein 1876 unternehmen am kommenden Sonntag ihre 1. Wan=
derung
für dieſes Jahr. Die Ortsgruppe des Odenwaldklubs hat Zwin=
genberg
zum Ziel, während der Turnverein durch die Malcher Tanne
nach Pfungſtadt wandert. Volksbibliothek. Die Benutzung der
hieſigen Volksbibliothek erfreut ſich während der Wintermonate immer
größeren Intereſſes. Die Bücherausgabe erfolgt jeden Freitag von
5 bis 6½ Uhr in der Georgenſchule.
* Pfungſtadt, 14. Jan. Generalverſammlung. In der
diesjährigen Generalverſammlung der Spielvereinigung Teutonia 1906
wurde zum 1. Vorſitzenden Peter Seibel gewählt, 2. Vorſitzender iſt
Adam Oberhaus. Die Schriftführerpoſten verſehen Georg Thomas und
D. Becker. Das Rechneramt verwaltet Georg Engelhardt, Vereins=
kaſſierer
iſt Adam Schüßler. Als Beiſitzer fungieren, im neuen Jahre
Ludwig Delp, A. Haßenzahl und Wilhelm Herbold. Aus dem vorgeleg=
ten
Jahresbericht ging hervor, daß der Mitgliederſtand des Vereins im
abgelaufenen Jahre beträchtlich zugenommen hat. Auch mit den ſport=
lichen
Ergebniſſen kann der Verein vollkommen zufrieden ſein. Kar=
toffel
= und Holzverkauf. Die Bürgermeiſterei läßt bekannt=
geben
, daß die Gemeinde Pfungſtadt noch begrenzte Mengen Brennholz
und Futterkartoffeln abzugeben hat. Anmeldungen können auf der Bür=
germeiſterei
entgegengenommen werden. Bildungsvortrag.
Der Bildungsausſchuß der Arbeiter Pfungſtadts veranſtaltet am Sonn= der Arbeitsloſigkeit in der hieſigen Gegend ſind die Arbeitereinſtellungen,
tag nachmittag im Uniontheater einen Lichtbildervortrag des Herrn Hinz
aus Landau, deſſen Thema Vom Eiſenſtein zum Fertigfabrikat lautet.
* Pfungſtadt, 14. Jan. Krieger= und Militärverein. Die
37. ordentliche Generalverſammlung des hieſigen Krieger= und Militär=
vereins
nahm einen guten Verlauf. Der Mitgliederſtand betrug am
1. Januar 260. Die Kaſſenverhältniſſe ſind befriedigend. Bei der Vor=
ſtandswahl
wurde anſtelle des verſtorbenen Ludwig Wacker Peter See=
ger
3. zum ſtellvertretenden Vorſitzenden gewählt. Außerdem kam Wil=
helm
Guthauſen in den Vorſtand, der ſonſt einſtimmia wiedergewählt
wurde. Vereinsdiener iſt Kamerad Fiſcher. Unter anderem wurde be=
ſchloſſen
, daß in Zukunft alle Beerdigungen von Kameraden mit Muſik
zu erfolgen haben. Ferner wurden neue Beſtimmungen über die Auf=
nahme
von Mitgliedern getroffen. Dabei wurde feſtgeſtellt, daß, falls
ein Mitglied beim Eintvitt das 45. Lebensjahr überſchritten hat, bis zur
Gewährug der Sterberente eine Karrenzzeit von drei Jahren einzuhal=
ten
iſt. Iſt jedoch beim Eintritt im den Verein das Mitglied bereits
60 Jahre alt, ſo fällt die Gewährung einer Sterberente überhaupt fort.
Schließlich einigte man ſich dahin, mit den Veteranen von 1870 eine ge= Landfriedensbruch iſt, wie man hört, erhoben.
meinſame Gravelottefeier abzuhalten. Auch ſoll demnächſt ein Familien=
abend
ſtattfinden. Radfahrerklub Union‟. Die Hauptver=
einer
Ehrenurkunde an den Mitbegründer ud 2. Vopſitzenden des
Vereins, Jakob Gunkel, feierlich eröffnet. Das abgelauſene Jahr
konnte in ſeinen Auswirkungen auf den Verein durchaus befriedigen.
Der geſamte Vorſtand wurde einſtimmig wiedergewählt.
Roßdorf, 15. Jan. Gemeinderatsbericht. 1. Prüfung
der Gemeinderechnung für das Rechnungsjahr 1925. Nach Art. 174
L.G.D. mußte der Bürgermeiſter bei Beratung dieſes Punktes als Vor=
ſitzender
ausſcheiden. An ſeine Stelle wurde vom Gemeinderat Herr
Poth als Vorſitzender gewählt; Herr Gemeinderechner Grünewald war
als Auskunftsperſon anweſend. Die Rechnung war bereits durch die
Finanzkommiſſion geprüft worden, wobei ſich keine Anſtände ergaben
und dem Gemeinderechner Anerkennung zuteil geworden iſt. Gemeinde=
rat
Poth erſtattet dementſprechend Bericht, der die Zuſtimmung der
Verſammlung findet. 2. Antrag des Wilhelm Poth, Dieburgerſtraße, um
Zuteilung eines Bauplatzes im Gewann Mummler‟. Dem Antrage
Georg Steiger 2. um Herabſetzung ſeiner Miete. Geſuchſteller hat
ſchuh. Beide haben ſeinerzeit ihre Keller unter ſich getauſcht. Der Ge=
meinderat
hat daher keine Veranlaſſung, dem Geſuche ſtattzugeben, 4.
Kreditbewilligung für Inſtandſetzung von zwei Lehrerwohnungen.
hierher verſetzt worden. Die zu beziehenden Wohnungen ſind reparatur= i. O. Auskunft erteilen die Forſtwarte H. Wenzel iu Hetſchbach, Poſt
bedürftig. Architekt Herdt hat die Arbeiten im Submiſſionswege aus= Höchſt i. D., und L. Wenzel in Naibach, Poſt Groß=Umſtadt.
geſchrieben und iſt von den Bewerbern der Weißbindermeiſter Heinrich
Gemeinderat bewilligt dieſen Kredit. 5. Antrag des W. B. um Auf=
chen
, da die Sicherungshypothek genügend erſcheint. 6. Antrag des
Schneidermeiſters Georg Wolf um pachtweiſe Ueberlaſſung eines Ge=
meindegrundſtücks
hinter dem Friedhof. Dem Antrag wird ſtattgegeben
und der Jahrespacht auf 9 Mark feſtgeſetzt. 7. Feſtſetzung von Ver=
meinderat
beſchließt, daß ab 16. Januar keine Pauſchalſummen mehr,
ſondern die reichsgeſetzlichen Sätze zu entrichten ſind. 8. Genehmigung
von Rechnungen. Anſtände ergaben ſich hierbei nicht. Von der ſozial=
Ablehnung erfährt, da dieſer Punkt nicht auf der Tagesordnung ſtand.
* Ober=Ramſtadt, 14. Jan. Am 12. Januar, abends, fand die erſte
Gemeinderatsſitzung im neuen Jahre ſtatt und gab Bürgermeiſter
In der Klageſache des R.A. Dr. Reis=Darmſtadt gegen die Gemeinde
Ober=Ramſtadt, wegen Herauszahlung der Kaution aus dem Steinbruch=
Pachtvertrag nimmt der Gemeinderat von der Klageſchrift Kenntnis
und wird an dem demnächſt ſtattfindenden Termin neben Bürgermeiſter
Rückert noch Gemeinderat Braband als Vertreter der Gemeinde teil=
nehmen
. Für 1927 werden die Holzverſteigerungsbedingungen wie
folgt feſtgeſetzt: Bis einſchl. 100 RM. muß jeder Steigerer einen, bei
Beträgen von über 100 RM. zwei Bürgen ſtellen. Die Bürgen müſſen
zahlungsfähig ſein, Grundeigentum beſitzen und auf die Einrede der
Vorausklage verzichten. Die Bürgſchaft erſtreckt ſich ohne Rückſicht auf
Zahlungstermine, bis zur Begleichung der ganzen Schuld nebſt Zinſen
und etwa entſtandener Koſten. Ferner müſſen ſich die Bürgen damit
einverſtanden erklären, daß die Beſtimmungen des 8 777 BGB. auf
ſie keine Anwendung finden ſollen. Bei Beträgen von über 100 RM.
ſind bei Abgabe des Abfuhrſcheines 20 Prozent der Schuld bar zu zahlen,
der Reſt wird bis 31. Oktober 1927 zinslos geſtundet. Von dieſem Zeit=

punkt ab ſind 8 Prozent Zinſen von der geſamten Reſtſchuld bis zum
Zeitpunkt der endgültigen Begleichung zu zahlen. Als Rechwungs=
prüfer
für die Gemeinderechnung 1925 werden die Gemeinderatsmit=
glieder
Höreth und Radomicki gewählt. Glöckner Gg. Heinz 1. ſucht
um eine Vergütung für ſeine im Intereſſe der Gemeinde liegende
Tätigkeit nach. Es wird ihm ab 1. Januar 1927 eine ſolche von monat=
lich
15. Mark aus der Gemeindekaſſe bewilligt mit der Maßgabe, daß
hierüber eine ſchriftliche Vereinbarung ausgefertigt wird. Für die
kommenden Jahre hat Heinz das Geſuch jeweils zu wiederholen.
Lehrer Adelberger beantragt Erhöhung ſeiner Vergütung als Ver=
trauensmann
des Ortsausſchuſſes für Kriegsbeſchädigtenfürſorge. Die
Jahresvergütung betrug ſeither 50 Mark und entſprach in dieſer Höhe
bei weitem nicht mehr den Zeitaufwand. Die Vergütung wird deshalb
ab 1. Januar 1927 auf 100. Mark erhöht. Die vor einiger Zeit hier
gegründete Freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ſucht um Erlaub=
nis
zur Mitbenutzung der Krankenräderbahre nach. Der Gemeinderat
findet dagegen nichts zu erinnern, doch muß ſich die Kolonne dieſerhalb
auch noch mit dem Vorſtand der Beſonderen Ortskrankenkaſſe Ober=
Ramſtadt in Verbindung ſetzen. Außerdem wird die Vewwaltung be=
auftragt
, mit den Vorſitzenden der hieſigen Kolonnen nähere Verhand=
lungen
über die Inanſpruchnahme des Transportwagens einzuleiten.
Von einer Verfügung des Kreisſchulamtes vom 11. November 1926
betr, die Feſtſetzung der Mieten für die Lehrerdienſtwohnungen nimmt
der Gemeinderat Kenntnis und beſchließt, daß alle Inhaber von Ge=
meinde
=Lehrerwohnungen ab 1. April 1927 eine Jahresmiete von je
408 Mark zu zahlen und die Inſtandhaltung der Räumlichkeiten von
dieſem Zeitpunkt ab ſelbſt zu übernehmen haben. Das Geſuch des
Joh. Hrch. Dittmann 3. wegen Vergütung für einen Gartenzaun im
Wehr, ſoll entſppechend den ſeinerzeit feſtgeſetzten Bedingungen behandelt
werden. Gliſabeth Katzenberger bietet der Gemeinde, ein Grundſtück
zum Kauf an. Die Sache wird der An= und Verkaufskommiſſion für
Grundſtücke überwieſen. Der Gemeinderat nimmt von dem zwiſchen
Frl. M. Ackermann und der Gemeinde abgeſchloſſenen Zwangsmietver=
trag
Kenntnis und bewilligt die Geſtellung der zur Herrichtung der
Wohnung erforderlichen Materialien vorlagsweiſe durch die Gemeinde.
Die Einlöſungsfriſt für die noch reſtlichen Gutſcheine aus der 1. Rate
Winterbeihilfe wird engiltig auf den 20. Januar 1927 feſtgeſetzt.
Ober=Ramſtadt, 14. Jan. Die nächſte Säuglingsberatungsſtunde
findet kommenden Montag, den 17. Januar, nachmittags 23 Uhr, im
Schulhaus, Darmſtädter Straße 66, ſtatt.
* Groß=Umſtadt, 15. Jan. Unglücksfälle. Nachdem die Kana=
liſationsarbeiten
in unſerer Stadt ſoweit glücklich beendet und trotz
einiger Rohrbrüche und trotz des aufgeweichten Bodens glatt verlaufen
ſind, ereignete ſich geſtern noch ein bedauernswerter Unfall. Ein Arbeiter
verletzte ſich bei den Arbeiten in dem engen Schacht mit einem Pickel ſo
ſchwer am Fuße, daß er wohl einige Zehen verlieren wird. Gleich=
zeitig
exeignete ſich auf der Bahnſtrecke Groß=UmſtadtWiebelsbach ein
weitaus ſchlimmerer Unglücksfall. Hier war unter anderen auch der
Bahnarbeiter Ittmann, ein Bruder des Miſſionars Ittmann, der in
einigen Tagen wieder nach Afrika abzureiſen gedenkt, auf dem Geleiſe
tätig. Ittmann, einen Handkarren hinter ſich herziehend, bemerkte
den gerade hinter einer Biegung hervorkommenden Zug erſt, als er nur
noch einige Meter von ihm entfernt war. Alles Pfeifen und Rufen war
vergebens. Der Unglückliche war vor Schreck anſcheinend ſo erſtarrt,
daß er ſich nicht von der Stelle rühren konnte. Die Lokomotive erfaßte
ihn und ſchleifte den Bedauernswverten noch eine Strecke weiter. Leider
waren die Verletzungen derart, daß der Tod alsbald eintrat. Der Ver=
unglückte
war ein durchaus vuhiger, fleißiger und zuverläſſiger Arbeiter.
Er hinterläßt eine Witwne mit einem Kind. Zwei Kinder ſind den
Eltern vor nicht allzulanger Zeit an einem Tage geſtorben.
Höchſt i. O., 14. Jan. Ein erfreuliches Zeichen für den Rückgang
welche die Veithwerke, A.=G., in den letzten Wochen und Tagen in
größerem Umfange vorgenommen hat. Es wäre gewiß ein großer Vorteil
für die umliegenden Gemeinden, wenn der gute Geſchäftsgang bei dieſem
Unternehmen auch weiterhin anhalten würde, damit ein großer Teil
der Arbeitsloſen ihren Lebensunterhalt bis zum Beginn der Feldarbeit
verdienen kann. Eine weitere Verdienſtmöglichkeit bietet das Holzfällen
in den Gemeinden.
* Michelſtadt, 15. Jan. Kurhaus Waldhorn. Das auf dem
Galgenberg bei Michelſtaot fehr günſtig gelegene Kurhaus Waldhorn
hat durch den Aufbau eines Stochwerkes weſentlich gewonnen. Er=
werbslofigkeit
. Die Zahl der Erwerbsloſen hat neuerdings
wieder ſtark zugenommen. Insgeſamt ſind rund 400 erwerbsloſe
Unterſtützungsempfänger zu zählen.
Gadernheim, 14. Jan. Die Zuſammenſtöße und Ausſchreitungen,
die ſich im Spätſommer v. J3. hier aus Anlaß der Fahrt Frankfurter
Stahlhelmleute nach Lindenfels ereigneten, werden nun nach Abſchluß.
der Ermittelungen ein gerichtliches Nachſpiel haben. Die Anklage wegen
* Birkenau, 14. Jan. Standesamt. Im Jahre 1926 wurden
auf dem hieſigen Standesamt nachfolgende Einträge vollzogen: 64 Ge=
ſammlung
des Radfahrerklubs Union wurde durch die Ueberreichung burten (i. Vi. 62), 17 Sterbefälle (i. Vi. 25) und 20 Eheſchließungen
(i. Vf. 16). Steuerbeſprechtag. Am nächſten Mittwoch, den
19. d3. Mts., wird das Finanzamt Fürth auf dem hieſigen Rathaus eimen
Steuerbeſprechtag abhalten. Reflektanten haben dies vorher auf der
Bürgermeiſterei anzumelden.
* Aus dem Weſchnitztal, 14. Jan. Der Lichtſpielverein
Weſchnitztal=Ueberwald wird von morgen ab in den 15
größeren Gemeinden den Film Friderieus Rex Das tapfere Schnei=
derlein
zur Aufführung bringen. Hoffentlich iſt der Beſuch, der ſeither
in manchen Gemeinden zu wünſchen übrig ließ, durchgehends recht gut.
i. Vom Odenwald, 14. Jan. Holzverſteigerungen. Die gräfl.
Oberförſterei Rehbach gibt für Montag, den 17. ds. Mts., nachmittags
½2 Uhr, bei Gaſtwirt Uhrich in Rehbach eine Bauholzverſteigerung be=
kannt
, bei der hauptſächlich Buchenholz zum Verkauf ſteht: Holz von
Eiche, Erle, Kiefer und Fichte iſt nur in geringerem Quantum vertreten.
Das Freiherrlich Wamboltſche Rentamt vergibt Buchen= und Kiefern=
wird
ſtattgegeben; als Bedingungen gelten die üblichen. 3. Antrag des Nutzholz im Wege des ſchriftlichen Angebots, und zwar aus der Forſt=
wartei
Hetſchbach zirka 560 Raummeter und Feſtmeter Kiefernholz, aus
einige Quadratmeter Kellerraum weniger als der Mitbewohner Han= der Forſtwartei Raibach 21 Feſtmeter Buchenabſchnitte und 90 Raum=
meder
Kiefern=Röllen. Die Angebote ſind bis 21. ds. Mts. verſchloſſen
mit der Aufſchrift Nutzholzvergebung an das genannte Rentamt einzu=
ſenden
. Der Termin für Oeffnung der Angebote iſt auf 24. ds. Mts.,
Lehrer Zimmermann aus Steinbach und Lehrer Buß aus Utphe ſind nachmittags ½22 Uhr feſtgeſetzt, und zwar im Hotel zur Poſt in Höchſt
p. Hirſchhorn, 13. Jan. Verſchiedenes. Kommenden Sonn=
Schumann Mindeſtfordernder mit dem Betrage von 729,55 Mk. Der tag hält in der hieſigen etangeliſchen Kirche Lehrer von der Au=Mainz
ein Orgelkonzert ab, deſſen Programm alte und neue Meiſter berück=
hebung
der Rückbürgſchaft der Gemeinde. Dem Antrage wird entſpro= ſichtigt. Nächſten Sonntag tagt die 46. Generalverſammlung des
Neckarſchiffer=Vereins in Neckar=Steinach. Der Neckar= Verkehrsver=
band
, Sitz Wimpfen, hält ſeine diesjährige Hauptverſammlung in Jagſt=
feld
ab, dabei werden die Aufgaben für das angefangene Jahr einer
gründlichen Beratung unterzogen, weiter iſt nach Schluß der Tagung
gnügungsſtener für die Kinobeſitzer Rühl und Schollenberger. Der Ge= eine Einfahrt in das Salzbergwerk Kochendorf vorgeſehen, wobei gute
Führung zugeſichert iſt.
Auerbach, 14. Jan. Vergnügungsperanſtaltungen.
Der Geſangverein Männerquartett veranſtaltet am Sonntag, den 16.
demokratiſchen Fraktion wurde nochmalige Abſtimmung über den Be= ds. Mts., im Hotel Weigold eine Abendunterhaltung mit Theater. Zur
ſchluß vom 13. 12. 26 betr, kirchlichen Fehlbetrag beantragt, der jedoch Aufführung gelangt der Schwank in 3 Akten Das Mädchen vom Lande,
Der Freie Turnverein hält Samstag, den 22. Januar, in dem großen
Schweizerſaal der Krone, einen Maskenball ab.
* Bensheim, 15. Jan. Schwerer Unfall. Der Geſchäftsführer
Rückert vor Eitritt in die Tagesordnung dem Gemeinderat von der von der Kohlenhandlung Frank Nachfolger wurde letzte Nacht in das
Mandatsniederlegung des Gemeinderats Würtenberger Kemntnis. Hoſpital verbracht. Der Verunglückte iſt mit ſeinem Motorrad in den
Chauſſeegvaben geſtürzt, wo er ſchwerverletzt aufgefunden wurde.

pe Grippe, Infiuenza
u. a. Erkältungskrankheiten haben ſich Cogal=Cabletten hervorragend
bewährt. Im Anfangsſtadium genommen, verſchwinden die Krankheitser=
ſcheinungen
ſofort. Lt. not. Beſtätigung ſind innerhalb 6 Monaten mehr als
1500 Gutachten allein aus Krztekreiſen eingegang,, darunter v. namhaften
profeſſoren u. aus erſten Kliniken u. Krankenanſt. Überraſch. Erfolge! Fra=
gen
Sie Ihren Krzt! Cogal iſt in allen Kpotheken erhältlich. Preis M. 1.40
12.5 Lith., 0.46 Chinin, 74.,5 Acid. acet. sal. ad 100 ampt.
LNch 255

Lampertheim, 15. Jan. Bau einer elektriſchen Bahn.
von Mannheim=Sandhofen nach Lampertheim. In
ſeiner letzten Sitzung übernahm der Bürgerausſchuß der Stadt Manm=
heim
die ſelbſtſchuldneriſche Bürgſchaft für ein von der Oberrheiniſchen
Eiſenbahn=Geſellſchaft aufzunehmendes Kapital von 15 Millionen RM.
zum Ausbau der Vorortbahnen Mannheims. Da in dem vorgelegten
Plan auch die Erbauung einer elektriſchen Bahn von Mannheim= Sand=
hofen
hierher vorgeſehen iſt, ſo dürfte das ſchon mehrere Jahre zurück=
liegende
Projekt nun zur endlichen Ausführung gelangen. Aber auch
in der Stadt Worms hat man wieder den Gedanken einer elektriſchen
Bahn hierher aufgegriffen, ſodaß uns möglicherweiſe ſehr bald Ge=
legenheit
gegeben iſt, beide Städte weit beſſer zu erreichen, als dies bei
dem zurzeit unzulänglichen Verkehr der Reichsbahn möglich. Vor der
Abſperrung des linken Rheinufers durch die Beſetzung konzentrierte
ſich der geſchäftliche Verkehr von hier hauptſächlich nach Worms. Durch
dieſelbe wurde er von dort weg und gleich dem der anderen Riedorte
nach Mannheim gelenkt. Für beide Städte düürfte es von ſehr großem
Vorteil ſein, wenn ſie auf Durchführung der Linie von Mannheim bis
Worms bedacht wären, ähnlich dem von der O.E.G. geplanten Projekt
der Verbindung MannheimHeidelberg. Vielleicht befaſſen ſich einmal
die Stadtverordneten von Worms mit letzterem Gedanken. Daß die
Tätigkeit einer Bewachungsgeſellſchaft, nicht nur im einer
Großſtadt, ſondern auch auf dem Lande ſehr erfolgreich ſein kann, beweiſt
der von der Süddeutſchen Bewachungsgeſellſchaft, Geſchäftsſtelle Schön=
berg
(Heſſen) für hier herausgegebene Bericht für den Monat Dezem=
ber
1926. Nach demſelben wurden verzeichnet: 39 brennende Lichter in
Näumen, 5 brennende Hoflampen, 7 offene Fenſter, 21 offene Läden,
12 unverſchloſſene Tfüren, 49 unverſchloſſene Hoftore, 2 offene Garten=
türen
und 7mal Schlüſſel geſteckt.
z. Biblis, 14. Jan. Am 11. Januar feierten die Eheleute Michael
Bollmann, Polizeidiener, das Feſt der goldenen Hochzeit.
r. Groß=Gerqu, 13. Jan. Die Zahl der Erwerbsloſen im Kreiſe
Groß=Gerau iſt auf 3470 geſtiegen. In den letzten Wochen hatte ſich die
Erwerbsloſenziffer um 350 erhöht. Die Zunahme iſt beſonders auf
die Entlaſſungen der Bauarbeiter ſowie der Eiſenbahn zurückzuführen.
* Offenbach, 13. Jan. Kurz nach Gründung der hieſigen allgemei=
nen
Ortskrankenkaſſe wurde hier eine Betriebskrankenkaſſe ins Leben
gerufen, der bis heute die Arbeiter der ſachs Fabriken, die ſie gründeren,
angehörten. Ein Betrieb gibt nun bekannt, daß er mit Wirkung vom
9. Januar aus der Betriebskrankenkaſſe ausgeſchieden iſt. Die Lei=
ſtungen
der Betriebstrankenkaſſe gingen über diejenigen der Ortskran=
kenkaſſe
hinaus, ſo daß am Jahresſchluſſe auch manchmal ein Zuſchuß
erfolgen mußte, der von den Berrieben zu leiſten war. Der wirt=
ſchaftliche
Niedergang veranlaßte nun den einen Betrieb, ſich dem Wag=
nis
eines weiteren Zuſchuſſes nicht mehr auszuſetzen und ſeine Mit=
gliedſchaft
zu kündigen.
WSN. Offenbach a. M., 15. Jan. Ein Mädchen an Brand=
wunden
geſtorben. Am Mittwoch vormittag wollte in einer
Lederwarenfabrik in der Ludwigſtraße ein junges Mädchen einen bren=
nenden
Füllofen nachſehen. Beim Anſchüren des Feuers ſchlug plötz=
lich
eine Stichflamme aus dem Ofen und ſetzte die Kleider des Mäd=
chens
in Brand. Ehe jemand zu Hilfe eilen konnte, hatte es ſchwere
Brandwunden erlitten. Die Verletzte wurde nach dem Stadtkranſen=
haus
gebracht, wo das Mädchen an den ſchweren Brandwunden ge=
ſtorben
iſt.
Rheinheſſen.
a. Oppenheim, 14. Jan. Seitens des Obſt= und Gartenbauvereins
werden ſeinen Mitgliedern Edelreiſer koſtenlos zur Verfügung geſtellt.
Auch wird von dieſer Stelle empfohlen, mit der Bekämpfung der Obſt=
baumſchädlinge
jetzt zu beginnen und imsbeſondere die Naupenneſter
zu beſeitigen.
M. Bingen a. Rh., 14. Jan. Vor dem hieſigen Amtsgericht kam heute
die Privatklage des Technikers Günther de Greif aus Köln gegen die
Kontoriſtin Gertrude Diel aus Bigen zur Verhandlung. Am
11. Juli v. Js. hatte de Greif mit Frl. Moſt, Frl. Jäckel und ſeiner au=
gehenden
Braut, Frl. Diel einen Ausflug zur Trollmühle unternommen,
Nachdem man dort einige Flaſchen Wein getrunken, tehrte man gegen
Abend nach Bingen zurück und ſuchte zunächſt noch einmal das Hotel
Rheinſtein auf. Frl. Diel, die etwas angetrunken war, wollte nicht von
de Greif nach Hauſe begleitet werden und bat ihre Freundiunen, mit ihr
zu gehen, was auch geſchah. de Greif folgte ebenfalls. Unterwegs traf
man den Ingenieur Otterbach; Frl. Jäckel bat dieſen, mitzukommen, die
Diel nach Hauſe zu begleiten. Dieſer ging auch mit. Im Burggraben
gerieten die beiden jungen Leute (de Greif und Diel) wioderholt aneſnan=
der
. Im Verlaufe dieſer Tätlichkeiten biß die Diel ihrem Lieibhle,
etwa ein Fünftel des linken Naſenflügels ab, außerdem hatte dieſer auch
Verletzungen am Auge und Ohr davongetragen. Die Angeklagte Zic
erhielt wegen einfacher Körperverletzung eine Geldſtrafe von 250 RM.,
und wurde ferner zur Tragung der Koſten verurteilt. Nach Anſicht des
Gerichtes hat die Diel nicht in Notwehr gehandelt.

Oberheſſen.

* Vilbel, 15. Jan Der Konflikt im Stadtparlament iſt Tatſache ge=
worden
. Am Montag blieben die bürgerlichen Stadtverordneten aus,
und Bürgermeiſter Rechthien mußte die Sitzung aufheben. Eine neue
Sitzung hat er für die nächſten Tage einberufen, doch die Bürgerlichen
verlangen Genugtuung für die angetane Unbill und wollen wiederum
fernbleiben. So wird nun die Verwaltungsbehörde eingreiſen müſſen.
* Friedberg. 15. Jan. Geſtern abend fand im großen Hörſaal
des Polytechnikums die Generalverſammlung der Wetterauer Muſeums=
geſellſchaft
unter Vorſitz des Herrn Kommerzienrats Langsdorf ſtatt,
Aus dem Kaſſenbericht des Herrn Adler ergab ſich, daß die Geſellſchaft
zuzeit über ein Vermögen von zirka 1600 Mark verfügt. Anſchließend
an den geſchäftlichen Teil ſprach der Leiter des Friedberger Muſeums,
Herr Profeſſor Dr. Blecher, über Kultuzuſammenhänge zwiſchen Alte=
tum
und Neuzeit. Mit guten Lichtbildern, hauptſächlich Aufnahmen aus
dem Friedberger Muſeum, zeigte er, daß ſo manches Hausgerät, was
us oft neu dünkt, ſchon in gewiſſer Vollkommenheit einige tauſend
Jahre vor Chriſtus überall zu finden war; z. M. Nadeln, Mühle, Topf
und Spindel.
WSN. Gießen, 15. Jan. Autobrand. Vorgeſtern vormittag iſt
auf der Landſtraße zwiſchen Gießen und Hauſen das Perſonenauto des
Maſchinengroßhändlers und Generalvertreters Wilhelm Gotthardt aus
Dettenhauſen (Kr. Limburg) in kurzer Zeit bis auf die Eiſenteile ver=
brannt
. Das Unglück erfolgte durch Heißlaufen des Motors, ſo daß
dadurch der direkt über dem Motor liegende Benzintank explodierte. Die
Flammen ergriffen im Handumdrehen den ganzen Wagen. Der Chauf=
feur
und der Mitfahrer konnten ſich nur mit großer Mühe aus den
brennenden Wagen in Sicherheit bringen.
* Oberheffen 15. Jan. Nieder=Mörlen. Bei dem Grund=
ſtücksverkauf
kam der Morgen Ackerland auf rund 1500 Mark, der
Morgen Baumſtücke auf rund 4000 Mark. Bad=Nauheim.
Zwiſchen Bad Nauheim und Friedberg wurde ſeit Donnerstag ein
weiterer Perſonenzug eingelegt, der morgens 8 Uhr von Bad Nauheim
abgeht. Laubach. Unſer Städtchen ſoll laut Beſchluß der Land=
wirtſchaftkammer
nun auch einen Prämienmarkt und eine Zuchtweh=
verſteigerung
erhalten. Dieſe ſollen im Anſchluß an das Ausſchußfeſt
am 14. Juni ſtattfinden. Auch eine Schafbockverſteigerung iſt in Aus=
ſicht
genommen. Die Landwirtſchaftskammer gewährt der Stadt einen
Zuſchuß. Das Dorf Zeilbach plant die Herſtellung einer Waſſer=
leitung
. Hochwaſſer iſt im Ohmtal eingetreten, da die Ohm nur
teillveiſe reguliert worden iſt. Da im Vogelsberg die Schneeſchmelt
eingetreten iſt, ſo laſſen ſich ein weiteres Steigen der Ohm und Ueber=
ſchwemmungen
erwarten. Gedern. Für die Schulen zu Gedern,
Ober= Mittel= und Unter=Seemen wurde eine hauptamtliche Induſtrie=
lehrerin
angeſtellt, welche ſämtlichen Unterricht im den Fortbildungs=
und Volksſchulen übernehmen ſoll. Auch plant man die Einführung des
Kochunterrichts für die ſchulentlaſſenen Mädchen. Eine nach=
ahmenswerte
Tat beging der neugewählte Beigeordnete Land=
wirt
Ph. Hartmann. Er ſtiſtete den Betvag von 300 Mark zur E=
ricſtung
eines Kriegerdenkmals, lehnte aber die Abgabe von Freibier
und Freieſſen ab. In anderen Orten werden oft hunderte ja tauſend
und mehr Mark bei Wahlen vertrunken.. Büdingen wird vom
20. bis B3. Februar den Petrimarkt abhalten und damit Pferde=
markt
, Rindvieh= und Schweinemarkt, ſowie eine Prämierung von
Pferden und Ridvieh verbinden. Auch iſt die Ausſtellung von
Maſchinen und Düngemitteln beabſichtigt.

Vor dem Besuch von Gesell-
schaften
, Theater, Bällen usw.
versäumen Sie nicht Ihre Zähne
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Nummer 16

Sonntag, der 16. Januar 1927

Seite 7

AUEN

Die beste II. Nch. 253
ndheitspfeife
Suskem=Pfeiße
DE Perl.

Don ärztlichen Autoritäten empfohlen
Wie diese Pfeite beurteilt u ird:
Ap inir selbst und auch durch
analytische Feststellungen habe ich
die ganz vorzüglichen Eigenschaf-
ten
Ihrer Systempkeite Dr. Perl,
D. R. P a erprobt, früher konnte
ich die englischen und amerikan.
Kurzpkeifentabake nicht vertragen,
jetzt rauche ich oft eine ganze
Kette dieser Shags aller Sorten
hintereinander ohne Beschwerde.
Professor Dr. P. H. in K.
IIn allen einschläalgen Goschäften zu hoben.

Bekanntmachung.
Wegen Organiſationsänderungen fal=
enn
die beiden Amtstage am 18. und
2 ds. Mts. im Gebäude Linden=
hwfſtraße
Nr. 15 aus.
(1249
Darmſtadt, den 15. Jan. 1927.
Finanzamt Darmſtadt=Stadt.

Holzverſteigerung.
Donnerstag, 20. Januar Ifd. Js.,
werden verſteigert aus I Eichen, Sell=
hnern
26 und Röder Mark 56 und 57:
Stcheiter, rm (dabei etwas Nutzholz=
tarugliches
): 193 Buche, 47 Eiche, 3 Birke,
17 Lärche, 21 Kiefer; Knüppel, rm: 84
Ruiche, 7 Hainbuche, 21 Eiche, 1 Birke,
1)Erle, 121 Kiefer, 4 Fichte; Knüppel=
risiſig
, rm: 16 Buche, 15 Eiche, 72 Kie=
ftr
, 1 Fichte; Reiſig, Wellen: 2045
Riche; Stöcke, rm: 47,5 Buche, 10 Eiche,
20 Kiefer. Zuſammenkunft 91, Uhr vor=
wüittags
beim Pflanzgarten in Abtei=
lung
26. Auskunft erteilen die Herren
Nörſter Schmidt für Abteil. 26 und
görſter Engel für Abteil. 56 und 57.
süämtliches Holz iſt vorher einzu=
ſhen
.
(1247
Meſſeler Forſthaus, 14. Jan. 1927.
Heſſiſches Forſtamt Meſſel.

Belanntmachung.
Nächſten Mittwoch, am 19. Jan.
1n27, vormittags um 9 Uhr an=
furngend
, werden aus dem Gemeinde=
wald
zu Seeheim (Ebne) im Gaſthaus
zurm Darmſtädter Hof folgende Sorti=
mente
Brennholz meiſtbietend verſteigert:
30 rm Kiefern=Scheit,
233 rm Kiefern=Knüppel,
4940 Stück Kiefern=Stammwellen,
3480 Stück Kiefern=Aſtwellen,
88 rm Kiefern=Stockholz.
Das Holz ſitzt im Diſtrikt Röder und
Giſengrube (Kaiſerſtein).
Nähere Auskunft erteilt Förſter Ei=
ſunger
zu Seeheim.
Die Bedingungen werden vor der
Zerſteigerung bekanntgegeben. (1255g1
Seeheim, den 14. Jan. 1927.
Kreſſiſche Bürgermeiſterei Seeheim.
Roßmann.

*

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erſten Häuſern ſtammend, ſtehen (1229
3: Nieder=Ramftädterſtr. 5
zmm Verkauf:
2 Büfetts; 1 Ausziehtiſch, 1 runder
Aiſch, 2 rechteckige Tiſche, 2 Schreibtiſche,
Nähtiſch;
2 Schlafzimmer, weiß lack., kompl.,
A Betten, komplett, mit Roßhaarmatratz.,
3= Nachtſchränke, 2 Nachtſchränke mit
Marmorplatten, 1 Waſchſchrank mit Mar=
maorplatte
, 1 Spiegelſchrank, 2 Schränke,
amtik, 1 Zierſchrank, 3 Kommoden, antik,
Rilder, Spiegel, Glas, Porzellan;
1 Küche, modern, fünfteil., 2 Küchen=
ſchränke
, modern;
1 Herd, links, weiß emailliert;

1 Kaſſenſchrank.

Darmſtadt, den 16. Jan. 1927.
Raab
Amtsgerichtstaxator.
Bekanntmachung.
Wetr. Steuerermäßigung der Iſra=
elitiſchen
Religionsgemeinde
Darmſtadt für das Rech=
nungsjahr
1926.
In der Sitzung unſeres Geſamtvor=
ſandes
vom 5. Dezember 1926 wurde
heſchloſſen, das vierte, am 15. Februar
127 fällige Ziel der Kultusſteuer für
duas Rechnungsjahr 1926 nicht mehr zur
ſierhebung zu bringen. Der Steuernach=
laß
betrifft ſämtliche ſteuerpflichtige Mit=
glieder
unſerer Religionsgemeinde. Einzel=
heenachrichtigung
ergeht nicht. (19078a
Darmſtadt, den 22. Dez. 1926.
Der Vorſtand
wer Iſraelitiſch. Religionsgemeinde
Darmſtadt.

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Zeil 72-78

Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen des
Friedrich Bruchmüller, Handelsmann zu Darmſtadt, im
Grundbuch eingetragen waren, ſollen
Dienstag, den 25. Januar 1927, nachm. 31/, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer 219, verſteigert
werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvoll=
ſtreckung
.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 25. Februar 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſtei=
gerungsvermerks
aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der Auf=
forderung
zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der Ver=
teilung
des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläu=
bigers
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen=
des
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
16359 tritt.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I., Band XXII, Blatt 1105
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am
Schätzung
1. T 510 Hofreite Große Kaplanei=
83 3500 RM.
gaſſe 7.
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XIII, Blatt 649
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am Schätzung
1. 1 480 Gofreite Große Bachgaſſe 7 59 1800 RM.

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Nummer 16

Sonntag, den 16. Januar 1927

* Das heutige Indien.
Von M. T. H. J.
Nordindiens beſtehende ſcharfe Spannung zwiſchen den Hindu
und Moſlems offiziell heißt, beherrſcht ſeit einiger Zeit das
innerpolitiſche Bild des Landes. Der immer wiederkehrende
Anlaß der Unruhen, die ihren Anfang um Oſtern in Kalkutta
nahmen, beſteht in dem Spielen von lauter Muſik von ſeiten von
Hinduprozeſſionen an einem ihrer zahlloſen Feſttage vor Mo=
ſcheen
, in denen gerade gläubige Anhäuger des Propheten zum
Gebet verſammelt ſind. Für europäiſche Ohren iſt die Muſik,
die bei religiöſen Gelegenheiten der Hindu zu Gehör gebracht
wird, alles andere denn ſchön, ven harmoniſch ganz zu ſchweigen.
In früheren Jahren wurde mit der Muſik auch regelmäßig ein=
gehalten
, wenn die Prozeſſion in die Nähe einer Moſchee kam.
Heute hat ſich das geändert, ohne daß ein eigentlicher Grund
dafür gegeben werden könnte. Vielleicht läßt ſich die heraus=
fordernde
Haltung der Hindu mit dem Gefühl erklären, mit ca.
200 Millionen Anhängern gegen etwa 60 Millionen Moſlems zu
ſtehen, wenn man nach der Statiſtik gehen will; ein Weg, der
allerdings zu falſchen Schlußfolgerungen führen dürfte inſofern,
als die 200 Millionen Hindu alles andere ſind denn eine Ein=
heit
, während von den 60 Millionen Mohammedanern wenig=
ſtens
50 Millionen einigermaßen unter einem Hut ſind, ſoweit
man die Religion, das Wichtigſte für einen Inder, berückſichtigt.
Denn die Hindu zerteilen ſich innerhalb ihrer Religion, deren
Einzelheiten für den Gläubigen übrigens kein Dogma im euro=
päiſchen
Sinne bilden, in unzählige Kaſten, die ihrem Urſprung
nach (um etwa 200 n. Chr.) auf folgende Hauptkaſten zurück=
geführt
werden können: die Brahmanen, die Prieſterkaſte; die
Rajputen oder Kſhatriyas, die Kriegerkaſte; die Vaiſyas, die
Bauern und Händler.
Dieſe drei Hauptkaſten nahmen für ſich die ehrenhafte Be=
zeichnung
: die zweimal Geborenen in Anſpruch, die mit dem
Glauben und der Tatſache zuſammenhängt, daß die Angehörigen
dieſer Kaſten damals ariſchen, wenn auch nur ſpurweiſe nach=
weisbaren
, Urſprungs waren. Dann gab es noch die Sudra
oder dienende Kaſte, beſtehend aus Konvertiten der Urbevölke=
rung
Indiens, den Dravida. Der ſoziale Stand dieſer letzteren
Kaſte läßt ſich am beſten mit dem der in Europa beſſer bekannten
Paria in Ceylon vergleichen. Aus dieſen Hauptkaſten ſind in=
zwiſchen
durch Abſplitterung und Selbſtändigmachung unzählige
Kaſten entſtanden, die untereinander eiferſüchtig ihre Rang=
ſtellung
zu wahren verſuchen. Die Unterſchiede zwiſchen den
Vaiſayas und Sudras verwiſchten ſich freilich bald, und auch
die Kſhatriyas ſind längſt ihrem Kriegerhandwerk entwöhnt
abgeſehen davon, daß nicht viele von ihnen übrig blieben in den
Kämpfen um Südindien, die Jahrhunderte währten und be=
tätigen
ſich ſeit vielen Generationen meiſt als Geldverleiher (zu
Wucherzinſen) und gehen unter dem Namen Bania=Kaſte (die
Ueberſetzung von Bania heißt feige‟!). Die vorerwähnte
Kaſteneinteilung wurde damals von einem ſagenhaften Brah=
minen
namens Manu erfunden, und wan darf wohl heute
dieſer Ritus dazu dienen ſollte, die Herrſchaft des Brahmanen=
tums
auf erdenkliche Zeiten zu befeſtigen. Mit Hilfe von reli=
giöſen
Märchen erklärte man dem damals wie heute höchſt
ſeits durch Seelenwanderung zu kommen, der ſei, die Brah=
zu
erweiſen und Geſchenke zu opfern. Wenn man bedenkt, daß
die Brahminen eine bereits verweichlichte Geſellſchaft waren
man vergleiche den Abſorptionsprozeß, den die Gerwanen in
frühchriſtlicher Zeit in Italien durchmachten gegen die Wirkungen
rechte wehrhafte Bevölkerung ihre Herrſchaft auf die Dauer nicht
hätten behaupten können, ſo wird man verſtehen, daß es in der
Abſicht dieſer Leute gelegen haben muß, ihre Untertanen mög=
lichſt
zu verweichlichen. Nur ein Ausfluß dieſer Beſtrebungen
iſt die Kinderehe, die durch die Religion gefordert wird. Die
der Ausſtoßung der Zuwiderhandelnden aus der Kaſte, unter
ihrer Kaſte zu heiraten. Andererſeits ſteht dem Betroffenen auch
ſeine Ehe verbunden hat, der andere Teil iſt vielmehr ebenſo
aus ſeiner Kaſte geſtoßen, was einer vollkommenen Aechtung im
ter es eine große Unehre für ein Hindumädchen, eine alte Jungfer
Familie. Infolgedeſſen ſieht ſich der Familenvater genötigt, ſich
rechtzeitig für die Unterbringung ſeines weiblichen Nachwuchſes
umzuſehen. Der Erfolg iſt der, daß Mädchen von 8 bis 10 Jah=
ren
mit Knaben von 10 bis 12 Jahren verheiratet werden, ein
den Tropen der Natur einfach Hohn ſpricht. Die Erfolge es
gibt zwar kaum eine alte Jungfer in Indien ſind an den
Opfern dieſes Unſinns allerdings klar erkennbar. Weiter kommt
dazu, daß der rechtgläubige Hindu ein Vegetarianer ſein muß;
das Abwegige dieſer Ordnung wird am beſten durch das geſunde
Ausſehen der Moſlems, die Fleiſch eſſen, illuſtriert. Man wird
zugeben müſſen, daß die vorbeſchriebenen Lehren aufs beſte dafür
geeignet waren, die Unterdrückung der Mehrheit durch wenige
die Brahmanen zählen heute knapp 10 Millionen zu gewähr=
leiſten
, und die Wirkung iſt heute noch allenthalben ſichtbar.
einer gründlichen Unkenntnis der Verhältniſſe, läßt ſich doch die=
ſer
Ausdruck in keiner einzigen indiſchen Eingeborenenſprache
direkt überſetzen! Wenn man dieſes Wort in ſeiner letzten prak=
tiſchen
Anwendung nimmt, d. h. die Leute ſucht, die im gegebe=
nen
Fall das Land verteidigen wollen oder können, ſo findet man
neben wenigen anderen kleineren Stämmen etwa 3 Millionen
Sikhs, die ſeit Jahrhunderten und zuletzt im großen Kriege die
größten Kontingente von Soldaten jeweils ſtellen. Außerdem

Pathans und Baluchis, wilde Bergſtämme, die an der North Weſt
Frontier (gen Afghaniſtan) leben. Was dieſe letzteren von den
Hindu halten, gehi am beſten daraus hervor, daß in deren Lan=
den
die dort befindlichen Hindu gezwungen werden, rote Hoſen
Die Kommungl tension, wie die beſonders in den Städten zu tragen, die ſonſt nur ein Belleidungsſtück der Pathan= und
Baluchi=Frauen bilden. (Die Emanzipation des ſchwachen
Geſchlechts hat dort noch gute Wege!) Es darf nicht vergeſſen
werden, daß Indien ein Land von der Größe ganz Europas iſt
ohne Rußland, und daß ſeine Bevölkerung von 320 Millionen
derjenigen von Europa ausſchließlich Rußland entſpricht. Ferner,
daß ſich die letztere in etwa 2400 Stämme mit etwa 170 verſchiede=
nen
Sprachen zerteilt, ſo daß von einer indiſchen Nation nicht
die Rede ſein kann. Beſtenfalls 8 bis 9 Prozent der Bevölkerung
ſind überhaupt mehr oder weniger des Leſens und Schreibens
einer Eingeborenenſprache kundig, während knapp 1 bis 2 Pro=
zent
des Engliſchen mehr oder weniger mangelhaft mächtig ſind.
Unter dieſen befinden ſich wirklich hochgebildete Leute, während
die Mehrzahl nur ſehr lückenhafte Kenntniſſe aufweiſt. Viele von
dieſen Leuten ſtellt natürlich die Brahminenkaſte, aus der beinahe
80 Prozent der eingeborenen Rechtsanwälte, Lehrer und Regie=
rungsbeamte
hervorgehen. Daher refultiert von vornherein eine
für die Brahminen ziemlich ſtarke politiſche Stellung, die ſie eifer=
ſüchtig
wahren und durch ihre Preſſe noch zu vergrößern trachten.
Die Mehrzahl der des Leſens und Schreibens Kundigen hängt
jedoch irgendwie mit dem Ackerbau zuſammen, der auch heute
noch über 90 Prozent der indiſchen Bevölkerung beſchäftigt,
während die obenerwähnte Intelligenz der Städte, Rechts=
anwälte
, Beamte uſw. nur den kleineren, aber aktiven Teil ſtellt.
Die letzteren, die die Nachkommen der Leute ſind, die in vergange=
nen
Jahrhunderten den fremden Eroberern halfen, Geld aus
dem Lande zu ziehen, d. h. von den Bauern zu erpreſſen (und
nicht zuletzt ſich dabei ſelbſt zu bereichern), werden von der länd=
lichen
Bevölkerung auch heute noch mit demſelben Haß und der=
ſelben
Verachtung betrachtet wie vor Jahrhunderten, und kurz
als Babu bezeichnet, ein Ausdruck, der dem oben erwähnten
Bania gleichkommt und obendrein noch einen ſtarken Bei=
geſchmack
von Beſtechlichkeit in ſich trägt. Die ländliche Intelli=
genz
iſt ſich vollkommen klar darüber, daß die Zeit eigener poli=
tiſcher
Reife noch lange nicht gekommen iſt und daß es dazu noch
Jahrzehnte engliſcher Herrſchaft bedarf. Sie ſteht daher den Bri=
ten
loyal gegenüber und hat es auch durch die Tat bewieſen, iſt
ſie doch hauptſächlich unter den vorerwähnten wehrhaften Volks=
teilen
zu finden. Aber ſie verſteht nicht, wie der ziffernmäßig ſo
geringfügigen Halbintelliganz in den Städten von amtlicher
Seite ſoviel Gehör geſchenkt wird. Die ſtädtiſche Intelligenz kon=
zentriert
ſich politiſch hauptſächlich in dem ſog. Indian National
Congreß (Swarajiſten) und in geringerem Maße in der All
India Moſlem League. (Man darf beide Bezeichnungen reich=
lich
großartig nennen!) Das Ziel beider iſt die baldigſte Beſeiti=
gung
der engliſchen Herrſchaft und vollkommene Selbſtregierung,
d. h. weniger der indiſchen Bevölkerung denn darauf kommt
es beiden Inſtitutionen abſolut nicht an , ſondern ihre Mit=
glieder
wollen an die Regierung, eine Tätigkeit, die für indiſche
Gehirne eng mit Geldmachen verbunden iſt ſeit altersher. Beide
Verbindungen ſind eine Sammlung politiſcher Agitatoren von
mehr oder weniger großer Unfähigkeit, die ſich anmaßen, Ver=
ſagen
, an Hand einer faſt 2000jährigen Geltung dieſer Lehre, daß treter einer geeintn indiſchen Nation zu ſein die nicht exi=
ſtiert
und die knapp 250 000 Leute hinter ſich haben dürften.
Sie ſtellen nichts anderes dar als Demagogie im übelſten Sinne
auf ein halbwildes Land übe=tragen, denn das iſt Indien beſten=
abergläubiſchen
Volke, daß der einzige Weg, in ein beſſeres Jen= falls. Kein Wunder daher, daß ihre Preſſe alles in den Schatten
ſtellt, was an Revolverjournalismus in ziviliſierten Ländern
minen zu verehren, ihnen in allem zu gehorchen, ihnen Gutes auch nur denkbar wäre. Größeres Unheil wird abgeſehen da=
von
, daß ja keine nennenswerte Gefolgſchaft dahinter ſteht da=
durch
verhütet, daß ſie ſich untereinander nicht einig ſind. Daher
ſind die Extremiſten im Indian National Congreß auch die ein=
zigen
, die ſeit dem Kriega der Regierung durch lokale Aufhetze=
der
Tropen in etwa 600 Jahren, die ſeit dem Einfall der ariſchen reien Schwierigkeiten zu bereiten verſuchen, mit dem Ziele, per=
Stämme in Indien verſtrichen waren! , die über eine auſ= ſönliche Vorteile daraus zu erlangen, während die übrige Mehr=
heit
der Bevölkerung ſich lohal verhält. Angenommen, die Eng=
länder
verließen heute Indien, ſo iſt völlige Anarchie, das wahre
Chaos, innerhalb von vier Wochen eine ausgemachte Tatſache,
weil den Swarajiſten oder Home Rulers jede Möglichkeit feh=
len
würde, ihre Befehle gegen die ländliche Bevölkerung oder
Kaſteneinteilung verbietet ihren Mitgliedern unter Androhung gar gegen die wehrhaften Stämme durchzuſetzen. Die Folgen für
das Land, wie auch für den Welthandel, wären nicht auszumalen.
Dieſe Erkenntnis ſetzt ſich glücklicherweiſe nicht nur ein Glück
nicht der Eintritt in die niedere Kaſte offen, mit der er ſich durch für die Engländer, ſondern für die ganze weiße Raſſe immer
mehr im ganzen Lande durch.
Die ganze durch das Land in den letzten, und beſonders in
mittelalterlichen Sinne durchaus entſpricht. Andererſeits bedeu= dieſem, Jahren gegangene interne Unruhe iſt nicht zuletzt durch
den, gelinde geſagt, unglücklichen ſog. Montagu=Chelmsford Re=
zu
werden, nicht nur für ſie ſelbſt, ſondern auch für ihre ganze port vom Jahre 1918 mindeſtens gefördert worren. Der Right
Hon. E. S. Montagu war Staatsſekretär für Indien in London
und bereiſte im Jahre 1917 Indien. Lord Chelmsford war Vize=
könig
von Indien 1916 bis 1921, alſo zur Zeit der Abfaſſung des
Berichts knapp ein Jahr in Indien als Generalgouverneur, wie
Alter, welches auch unter Berückſichtigung der früheren Reife in der Vizekönig offizicll heißt. Beſagter Bericht befaßte ſich mit
den im Laufe des nächſten Jahrzehnts einzuführenden Reformen,
unter denen auch eine eigene gewählte Vertretung Indiens zu
finden iſt. Die Wahlfähigkeit dazu war praktiſch, mit wenigen
Ausnahmen, auf die Brahminen und ſonſt etwa von ihnen ab=
hängende
Stadtintelligenz beſchränkt, und ließ die geſamte länd=
liche
Intelligenz und die wehrhaften Stämme, die gerade ihr
Blut für die Regierung in Frankreich und im Nahen Oſten ber=
goſſen
hatten, leer ausgehen. Man wird wohl behaupten dürfen,
daß der Indian National Congreß ſeine angemaßte Rolle als
Vertretung der indiſchen Nation mit Erfolg geſpielt hat vor
Von einem indiſchen Patriotismus zu reden, zeugt von den beiden Herren, denen Kenner des Landes eine für ihre Stel=
lung
geradezu unfaßliche Leichtgläubigkeit den Eingeborenen
gegenüber vorwerfen. Der Bericht wurde 1919 vom engliſchen
Parlament gutgeheißen und die Reformen angefangen, in die
Tat umgeſetzt zu werden. Im Jahre 1927 ſollte ein Ausſchuß
tagen, um die Möglichkeiten weiterer Selbſtvertretung Indiens
zu prüfen. Mittlerweile haben die Ereigniſſe der vergangenen
Jahre ſo ſtark hervorgetretene Spannung zwiſchen Hindu und
Moſlems bewirkt, daß eine mehr nüchterne Stimmung Platz ge= Die heutige Nummer hat 16 Seiten und Unterhaltungsblatf

griffen hat, als ſie 1919 bei Annahme des Montagu=Chelmsford
Reports im engliſchen Parlament herrſchte. Von Home Rule‟
dürfte Indien heute weiter entfernt ſein, denn je. Infolgedeſſen
können die Engländer dem jetzt bevorſtehenden Wahlkampfe auch
mit größter Ruhe entgegenſehen. Gehen die Wahlen für die
Regierung aus, deſto beſſer; im anderen Falle hat die Regierung
verfaſſungsmäßig das Recht, im Verordnungswege zu regieren.
Viel Porzellan kann alſo bei der Wahl nicht zerſchlagen werden,
Eher in dieſer Gefahr ſchweben die Köpfe von Parteiangehörigen,
die ihre Meinungsverſchiedenheiten manchmal mit einem lathi
austragen (einem dicken Knüppel mit einem Eiſenring
unten). Dabei wird wohl auch wieder der Hindu-Moſlem=
Gegenſatz zu heftigem Ausdruck kommen, wenn er auch mit dem
Wahlkampf nichts zu tun hat, denn Verquickung von Religion
und Politik hat man in Indien noch nicht beobachtet, vielleicht
deshalb, weil gerade die Mitglieder des Indian National Con=
greß
und der All Inida Moſlem League alles andere als
Strenggläubige ihrer Religionen ſind, welche Tatſache religiöſe
Gefolgſchaft in Indien ohne weiteres ausſchließt. Während der
Wahl wird ſich für die Regierung natürlich die Norwendigkeit
ergeben, die Polizei bereitzuſtellen und eventuell auich einzu=
ſetzen
. Panzerautos haben bisher ſchon immer als bloße Dro=
hung
eine äußerſt abkühlende Wirkung auf erhitzte Gemüter ge=
zeitigt
. Schließlich ſtehen ja auch die engliſchen Truppen noch
zur Verfügung, deren moderne Kriegsmittel in ihrer Wirkung
in Indien noch unbekannt ſind und eine ganz elementare mora=
liſche
Wirkung im gegebenen Falle ausüben dürften. Die Regie=
rung
hat alſo abſolut keinen Grund zur Unruhe, und darum iſt
es ein Trugſchluß, die neuliche Reiſe des neuen Vizekönigs, Lord
Irwin, durch die Provinzen als eine Beruhigungsreiſe auf=
zufaſſen
, nur weil ein Vizekönig ſonſt im Monſun in Simla in
den Bergen blieb. Die Erklärung für die Reiſe des Vizekönigs
gerade zu der Zeit, als ſie unternommen wurde, iſt ſehr einfach.
Der Monſun, die Regenzeit JuliSeptember, iſt für Indien die
Zeit, in der ſich Saat, Wachstum und zum Teil Ernte der meiſten
wichtigſten Nahrungsmittel und landwirtſchaftlichen Produkte
zuſammendrängt. Lord Irwin iſt von Hauſe aus Landwirt und
war in England ſelbſt Landwirtſchaftsminiſter, woraus allein
ſchon ſein Intereſſe an der indiſchen Landwirtſchaft erklärlich iſt.
Dieſe in voller Tätigkeit beſichtigen, kann man aber nur im Mon=
ſun
, wobei für den Vizekönig noch als weiterer Anlaß für ſeine
Reiſe hinzukommt, daß 90 Prozent ſeiner Untertanen ja Bauern
ſind! Wenn man dieſe Intereſſenahme des neuen Vizekönigs an
dem wichtigſten Teile der indiſchen Bevölkerung als Zeichen
eines Umſchwunges in der regierungsſeitigen Beurteilung der
Verhältniſſe (gegen das Jahr 1919) nehmen darf, ſo wird es nur
zum beſten dieſes großen Landes ſein.

Briefkaſien.

Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonymen Afragen werden
nicht beantwortet.
E. 100. 1. Nach § 808 Z.P.O. iſt die Wirkſamkeit der Pfändung, wenn
die Sachen im Gewahrſam des Schuldners belaſſen werden, dadurch be=
dingt
daß durch Anlegung von Siegeln oder auf ſonſtige Weiſe die
Pfändung erſichtlich gemacht iſt. Die Erſichtlichmachung iſt weſentlich
für die Gültigkeit der Pfändung. Iſt die Schuld, bezüglich deren die
Pfändung bewirkt wurde, getilgt, ſo erſcheint damit auch das Pfandnecht
erloſchen. (8 1252 B. G.B.) Die Siegel muß der Gerichtsvollzieher ent=
fernen
, der ſig angelegt hat. Der Umſtand, daß ſie nicht entfernt ſind,
wird, wenn die Forderung erloſchen iſt, eine Verfügung über den Ge=
genſtand
nicht hindern. 2. Darüber geben die Dienſtan veiſungen für
den Gerichtsvollzieher die erforderlichen Vorſchriften. 3. Das wird nicht
ſo ohne weiteres möglich ſein. 4. Im Schuldenmachen des Ehemannes
kann ein Scheidungsgrund gelegen ſein. 5. Nein, der Tiſch wird zu
den Sachen zu zählen ſein, die nach § 811 3. 1 Z.P.O. der Pfändung
nicht unterworfen ſind. Gegebenenfalls wäre Erinnerung bei dem Vol=
ſtreckungsgericht
zu erheben. 6. Nein, ſie haben keinen Verkehrswert,
Alter Abonnent 100. Wir glauben nicht, daß gegen die Anbringung
von Ihrer Seite mit Erfolg etwas zu unternehmen wäre.
W. 100. Wenn das das Geld zu den von Ihnen angebenen Zwecken
begehrt und gegeben wurde, ſo wäre in dem Darlehen keine Vermögens=
anlage
zu erblicken, ſondern eine Hingaabe, die ſich als Gefälligkeits=
anlage
darſtellt. Die Aufwertung hat nach Treu und Glauben zu
erfolgen und unterliegt nicht den Vorſchriften des Aufwertungsgeſetzes.
Im April 1921 wanen 10 000 Mark 724 Gmk. zur Zeit der Rück=
zahlung
waven ſie nur mehr 7Mk. 60 Pfg. Sie müſſen den Klage=
weg
beſchreſten und einen Anwalt zuziehen.
L. 100. Die Rente ſeitens der Reichsverſicherung für Angeſtellte
kann auf die Erwerbsloſenunterſtützung angerechmet werden, und zwar
is zur Hälfte. Dies geht aus 8 7 der Bekanntmachung hervor über
Erwerbsloſen=Fürſorge=Unterſtützung (ſiehe auch Jäger und Neuburger
Erwerbslofenfürſorgegeſetz. Anmerkung 25.)

Amtlaotg-

OM
UInentbehrlich zur Desinfektion der Mund-un
Rachenhöhle, Fachärztlich empfohlen zum
Schutz gegen Halsentzündung, Erkältung sowie
gegen Grippe
Patee 10 Ma 1 Mated Lestihte
Und 2
mi R
r als Pashſſenmo

Wetterbericht.
Wettervorherſage für Montag, den 17. Januar 1927.
(Nach der Wetterlage vom 15. Januar 1927.)
Bei wechſelnder Bewölkung Fallen der Temperaturen und vor
wiegend trocken.
Heſſ. Wetterdienſtſtelle.

Haupiſchriftleltung Rudolf Maupe
Verantwortlich für Politit und Wirtſchaſt: Rudelf Mauve; für Feulleton, Reich und
Kusland und Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſei für Sport: Dr. Eugen Buhlmannz
für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für den Inſeraientell: Willp Kublei
Druck und Verlag: C. C. Wlttich ſämtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Mannſkripie wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Stendgraphie u.
Maſchinenſchr.
in Kurſen u. Einzelſt.
Neues Semeſter be
ginnt Montag, 17. Jan.
M. Naumann
ſetzt Waldſtr. 4, II.
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[ ][  ][ ]

Nummer 16

Seſte 9

Reich und Ausland.
Dr. Eckener über den neuen Zeppelin.
Einer unſerer Mitarbeiter hatte Gelegenheit,
den in Davos weilenden Zeppelinerbauer Dr. Eckener
über den neuen Zeppelin, der aus den Mitteln der
Dr. Eckener=Spende erbaut werden ſoll, zu befragen.
Der neue Zeppelin wird insgeſamt vier Millionen
Mark koſten. Von dieſer Summe ſind 2,6 Millionen
nurch die Dr. Eckener=Spende aufgebracht worden;
ber Reſt wird von anderer Seite zur Verfügung ge=
ellt. Der neue Zeppelin wird in ſeinen Ausmaßen
rm 50 Prozent größer ſein, als 3. R. III und
wird neben dem Führer und der Beſatzung 30 Paſ=
ragiere
befördern können. Als Betriebsſtoff wird nicht
Benzin, ſondern ein neues Gasgemiſch verwandt, an
geſſen Herſtellung zurzeit noch gearbeitet wird. Das
neue Luftſchiff wird in etwa Jahresfriſt fertiggeſtellt
sein. Es ſollen dann zunächſt größere Diſtanzfahrten
anternommen werden. Geplant iſt u. a. ein Flug
Tach Braſilien und zurück ohne Zwiſchenlandung.
Damit ſind aber die Projekte zur vorläufigen Ver=
Sendung des Luftſchiffes noch nicht erſchöpft. Der
Beppelin ſoll auch zur weiteren Erforſchung der
B3olargegenden benützt werden. Allerdings will man
ſrierfür nicht den aus den Mitteln der Dr. Eckener=
ende
gebauten Zeppelin gebrauchen, ſondern eigens
ain neues Luftſchiff bauen. Als Ausgangspunkt für
ie Polarforſchung mit dem zweiten Zeppelin=Nenbau
fit Hammerfeſt in Ausſicht genommen.
Frankfurter Chronik.
WSN. 2,4 Millionen Verluſte.
Diſziplinarverfahren gegen einen
Stadtrat. Der im Sommer v. J. vom Stadt=
warlament
eingeſetzte Unterſuchungsausſchuß über die
WVorkommniſſe bei der Frankfurter Erwerbs=
eſchränkten
=Zentrale hat jetzt ſeine Arbeiten beendet
urnd den Bericht der Oeffentlichkeit übergeben. Der
lelusſchuß kam einſtimmig zu der Feſtſtellung, daß die
Mißwirtſchaft bei der Arbeitszentrale in einem Zeit=
b
=aum von 2½ Jahren einen Verluſt von rund
* 400 000 Mark verurſacht hat, was im weſentlichen
uruf die mangelhafte, unkaufmänniſche und unwirt=
bchaftliche
Leitung der Arbeitszentrale und die völlig
mngenügende Mitwirkung und Beaufſichtigung ſeitens
baes zuſtändigen Amtsdezernenten zurückzuführen ſei.
Wer Ausſchuß beantragt ſchließlich, den Magiſtrat zu
gerſuchen, dafür zu ſorgen, daß in allen ſtädtiſchen
Wienſtſtellen die Beſtimmungen der Finanzordnung
häber das Lohnweſen genau beachtet und Ausnahmen
mrur mit Zuſtimmung des Reviſionsamtes zugelaſſen
werden, ſowie ferner das Reviſionsbüro anzuweiſen,
waß für die Folge ein beſtimmter Prozentſatz der
Wohnliſten auch materiell geprüft werde. Die Ent=
maſſung
der beiden Direktoren Trapp und Roß wird
grufrecht erhalten. Schließlich wird gegen den Dezer=
menten
der Arbeitszentrale, Stadtrat Dr. Schlotter,
ſioie Eröffnung des Diſziplinarverfahrens gefordert.
Werurteilter Grabſchänder. Das Kleine
Schöffengericht verurteilte einen jungen Mann, der
aruf dem Hauptfriedhof Blumen von einigen Gräbern
untwendet und auf die Gräber von verſtorbenen An=
grehörigen
verpflanzt hatte, wobei er ertappt wurde,
wegen Friedhofsſchändung zu fünf Monaten Ge=
ſtängnis
. Die Grippe in Frankfurt. In
zpen letzten Tagen hat hier die Grippe zwar etwas zu=
vrenommen
, iſt jedoch, im Gegenſatz zu früheren
ahren, meiſtens harmlos verlaufen. Immerhin ſind
inige Todesfälle zu verzeichnen. Die Krankenhäuſer
uänd jetzt ſämtlich gefüllt und ſeitens des Stadt=
reſundheitsamts
iſt in Ausſicht genommen, bei wei=
erem
Umſichgreifen der Krankheit eine Schule zu
wäumen. Auch das Walderholungsheim bei der
SSchweinſtiege im Frankfurter Stadtwald iſt geräumt
nrnd mit Grippekranken belegt worden.
Ein Verkehrsautv verbrannt.
WSN. Höchſt a. M. Bei Okriftel iſt nachmittags
as Auto der Linie OkriftelHofheim i. T. einem
Brande zum Opfer gefallen. Das Auto kam bereits
ynit einem Motordefekt an. Der Chauffeur führte
eparaturarbeiten aus. Dabei geriet aus bisher un=
wekannter
Urſache das Benzin in Brand. Der Wagen
wurde vollſtändig vernichtet. Der Chauffeur wurde
mntit ſchweren Brandwunden im Höchſter Krankenhaus
ingeliefert. Die Feuerwehr hatte gerade noch Zeit,
Was Uebergreifen des Brandes auf das Depot zu ver=
mindern
. Unter Umſtänden hätte er große Dimen=
monen
annehmen können, weil in der Nähe größere
enzintanks lagerten. Die Heſſiſche Kraft=Verkehrs=
Seſellſchaft hat ſofort ein neues Auto in den Dienſt
Beſtellt, damit der Verkehr nicht unterbrochen wird.
Im Brande umgekommen.
km. Herrenalb. Nachts gegen halb drei Uhr
ſtt in der Kloſtermühle ein Brand ausgebrochen.
Bier Familien wohnten in dem Hauſe, darunter die=
renige
des Arbeiters Gräßle. Letzterer rettete
nuerſt ſeine vier Kinder, begab ſich ſpäter
hoieder in das brennende und verqualmte Gebäude,
u.m noch die Kleider zu holen. Er ſcheint dabei das
Opfer einer Rauchvergiftung geworden zu
kein. Man fand den Mann, als der Brand gelöſcht
war, in den frühen Morgenſtunden als Leiche auf.
Won dem Gebäude blieben nur noch die Umfaſſungs=
mauern
ſtehen.
Schärfere franzöſiſche Kontrolle.
fm. Rehl. Im Brückenkopfgebiet Kehl bemerkt
nan neuerdings eine ſchärfere franzöſiſche Kontrolle
ier Gaſtſtätten zur Nachtzeit, was wohl auf die letzten
BBwiſchenfälle zurückzuführen ſein dürfte. Früher
wurde die Kontrolle von franzöſiſchen Militärper=
nen
vorgenommen, jetzt wird ſie aber von franzö=
ſüſchen
Feldgendarmen ausgeübt.
Eine Frau verhaftet einen Einbrecher.
* Berlin. Wie gemeldet wird, entdeckte die
(Bildhauerin Dorothea Schazer, Tochter des be=
fühmten
Berliner Bildhauers, in der Donnerstag=
niacht
als ſie mit ihrem Wagen in ihre Villa heim=
ehrte
, auf der Grenzmauer einen zerlumpten, etwa
3jährigen Strolch. Die entſchloſſene Dame hielt
ichm einen Revolver vor und fragte nach ſeinen
Ulbſichten. Der Mann erklärte ironiſch: Ein ander=
mal
ſchreien Sie beſſer, ich wollte bei Ihnen ein=
berechen
. Unter ſtändiger Bedrohung mit dem Re=
voolver
, zwang die Dame den Einbrecher, ihr bis zur
rächſten Polizeiwache zu folgen. Hier erklärte der
EEinbrecher, daß er wohl Pech habe, denn in der
Arleichen Straße ſei ihm ſchon einmal ein geplanter
(Einbruch mißlungen. Es handelte ſich um einen in
1Deutſchland unangemeldet wohnenden Ruſſen, dem
zwohl nunmehr die Ausweiſung bevorſteht.

Sonntag, den 16. Januar 1927
Beiſetzung des Kriegsminiſters v. Goßler.

Reichspräſident v. Hindenburg mit den Familienangehörigen auf dem Wege zur Gruft.
Die Beiſetzung des im Alter von 86 Jahren verſtorbenen früheren königlich preußiſchen
Staats= und Kriegsminiſters General der Infanterie a. D. Heinrich v. Goßlar erfolgte in
Anweſenheit des Reichspräſidenten v. Hindenburg auf dem Matthäi=Friedhof in Berlin.

Umbau der Hamburger Elbbrücke.

Die Elbbrücke in Hamburg,
die dem gewaltigen Verkehr zwiſchen Stadt und Hafenanlagen dient, ſoll nach einem Vorſchlag
des Hamburger Senats auf doppelte Breite umgebaut werden. Die Baukoſten werden ungefähr
drei Millionen Mark betragen.

Die nvtleidende Beamtenwitwe.
* Berlin. Aus der Strafhaft wurde die Witwe
eines Eiſenbahnbeamten, Klara Gottſchalk, von neuem
dem Schöffengericht Berlin=Mitte vorgeführt, um ſich
wegen weiterer zwanzig Fälle des Betrugs und da=
neben
wegen zwei Fällen des Diebſtahls zu verant=
worten
. Sie pflegte Witwen und Frauen kleiner Be=
amten
aus den Berufskreiſen ihres verſtorbenen
Mannes aufzuſuchen und ihnen zu klagen, daß ſie
zwar ein Gut bei Prenzlau beſitze, daß ihr aber ſo=
eben
das Pachtgeld geſtohlen worden ſei. In allen
Fällen wußte ſie die Leute zu überreden, ihr das
Reiſegeld bis nach Prenzlau, Beträge von vier bis
zehn Mark, vorzuſtrecken. Bei zwei Beſuchen hatte
ſie auch Diebſtähle verübt. So gering die Beträge
waren, bedeuteten ſie doch für die Geprellten einen
ſchweren Verluſt. Zur Entſchuldigung brachte die An=
gekklagte
vor, daß ſie in Not geweſen ſei, da ſie mit
der Witwenpenſion von monatlich 70 Mark nicht
hätte auskommen können, zudem ſei ihre älteſte
Tochter, die ſie bis dahin unterſtützt hätte, vor vier
Jahren von ihrem Verlobten erſchoſſen worden.
Amtsgerichtsrat Burckert hielt das nicht für eine
ausreichende Entſchuldigung und ſprach die Hoff=
nung
aus, daß vor der gemeingefährlichen Schwind=
lerin
öffentlich gewarnt werden würde. Das Urteil
lautete auf 1½ Jahre Gefängnis und drei Jahre
Ehrverluſt.
Sechzig Kinder ermordet.
e, Berlin. In Bialyſtok wurde eine Frau
verhaftet, die ſechzig Kinder ermordet und
verbrannt hat. Sie hatte die Kinder in Pflege
genommen und ſich für jedes Kind eine beſtimmte
Summe zahlen laſſen. Wenn die Mütter nach ihren
Kindern fragten, erzählte ſie ihnen, daß ſie auf dem
Lande ſeien.
Inhaftnahme einer internationalen Schwindler=
bande
.
Die Pariſer Sicherheitspolizei iſt einer inter=
nationalen
Schwindlerbande auf die Spur gekommen,
die die mondänen Vergnügungsetabliſſements, ſowie
die franzöſiſchen und ausländiſchen Rennplätze un=
ſicher
machte und viele Opfer gefunden hat. Es han=
delt
ſich um einen gewiſſen Edward Charles Stanley,
geborenen Amerikaner, und ſeine ebenfalls von dort
ſtammende Frau. Einem ihrer Komplizen, einem
Engländer namens Maudſler Dudley, iſt man noch
auf der Spur. Stanley und ſeine Frau haben im
Frühjahr 1924 einen bedeutenden Einbruch in einem
Nizzaer Hotel verübt. Ihre beiden Mithelfer dabei
konnte man dingfeſt machen, Stanley und ſeine Frau
wurden mangels Beweiſen damals nur Landes ver=
wieſen
und hielten ſich ſeit dieſer Zeit im Auslande
auf, wo ſie in den berſchiedenſten europäiſchen Län=
dern
ungezählte Gelder ausgaben. Seinen keckſten
Streich verübte Stanley in Zürich, wo es ihm im
Verein mit einem gewiſſen David gelang, einem
wohlhabenden Holländer, der in demſelben Hotel ab=
geſtiegen
war, die ſchöne Summe von 180 000 hollän=
diſchen
Gulden abzunehmen, mit denen angeblich ein
glänzendes Geſchäft in Amerika gemacht werden ſollte.

Chaplin vor dem Richter.
Bewaffnet mit einer Klageſchrift von 42 eng be=
ſchriebenen
Schreibmaſchinenſeiten erſchien in Los
Angeles Mrs. Lita Grey Chaplin vor dem Richter,
um ihre Eheſcheidungsklage einzureichen. Unter an=
derem
gibt ſie an, daß ſie zu der Ehe mit Charlie
gewiſſermaßen gezwungen worden ſei, nachdem
Chaplin ſich vorher habe lange Zeit von der Zere=
monie
drücken wollen, ja, ihr ſogar einmal 500 000
Dollar geboten habe, wenn ſie ihn gehen laſſa.
Mehrere Male habe er während ihrer Ehe ihr Lebe
bedroht, ſeine Kinder vernachläſſigt und ſich offen uc
ſeinen Liaiſons, mit fünf verſchiedenen Filmſtars,
gebrüſtet. Mrs. Chaplin verlangt Beſtellung eines
Vormundes für ihre beiden Kinder und Unterhal=
tungsgelder
, ſowie Teilung des gemeinſamen Eigen=
tums
. Chaplin wird ſeine Sache nächſten Montag
vor dem Richter vertreten. Vorläufig iſt ihm von
Gerichts wegen unterſagt, irgend etwas aus ſeinem
Hauſe zu entfernen.
Die Verſteigerung der Beſitztümer von Rudolf
Valentinv
brachte in den erſten beiden Tagen annähernd 100 000
Dollar. Am zweiten Tage war man des großen An=
dranges
wegen genötigt, Eintrittskarten auszugeben,
und es war merkwürdig, zu beobachten, auf welche
Gegenſtände ſich das Intereſſe des bietenden Publi=
kums
richtete und welche Preiſe gezahlt wurden.
Ein brokatener Kaſchmir=Shawl, der einzige in ſeiner
Art im ganzen Lande und in Wirklichkeit ungefähr
17 000 Dollar wert, brachte nur 3500 Dollar, während
eine vollſtändig wertloſe Vaſe mit 7 Dollar, ein eben=
ſolches
Tablett mit 50 Dollar und eine billige Küchen=
uhr
mit 10 Dollar bezahlt wurden. Der Sattel, den
er in dem Film Der Sohn des Scheiks benutzt hatte,
erzielte 400 Dollar. Das lebensgroße Porträt des
Verſtorbenen wurde an eine Dame verkauft, die ſich
weigerte ihren Namen zu nennen. Man vermutet,
daß es für Pola Negri erſtanden wurde. Die in Mar=
mor
ausgeführte Hand Valentinos wurde durch eine
Mittelsperſon für ſeine letzte Frau Nataſcha Ram=
bowa
erworben. Am erſten Tage wurden 20000
Dollar bezahlt für Sachen, die nicht mehr als
5000 Dollar wert waren, nur weil es Sachen waren,
die Valentino benutzt hatte. Wenn die Sachen weiter
ſo reißend Abſatz finden, ſo nimmt man an, daß
annähernd 500 000 Dollar erzielt werden.
Geburtenrückgang in der Tſchechoſlowakei.
b. Der Ueberſchuß an Lebendgeburten in der
Tſchechoſlowakei nimmt, wie aus den Aufzeichnungen
des Statiſtiſchen Staatsamtes in Prag hervorgeht,
in bedenklicher Weiſe ab. Im Februar 1924 betrug
der Ueberſchuß 13 346, 1925: 9536, Mai 1924: 13 116,
1925: 12531, 1926: 10 244. Die Eheſcheidungen ſind
dabei ganz unbedeutend zurückgegangen Unter den
Eheſcheidungen ſteht die deutſche Bevölkerung an
erſter Stelle. Die meiſten Ehen werden in Böhmen
getrennt, die wenigſten in der Slowakei,

Neues Leben am Rhein.
RDV. Die Binger Feſthalle wieder
eröffnet. Die Binger Feſthalle, die lange Jahre
hindurch, zuerſt von franzöſiſcher, dann von engliſcher
Beſatzung belegt war, iſt um die Jahreswende wieder
für den allgemeinen Verkehr eröffnet worden. Unter
der Leitung des Geſchäftsführers Karl Auguſt Reen
iſt die Feſthalle in prächtiger Weiſe wieder herge=
richtet
worden. Die Binger Halle bietet durch ihre
Lage unmittelbar am Rheinufer eine beſonders ſchöne
Ausſicht auf den Rhein und ſeine Landſchaft.
Excelſior=Hotel in Köln wieder er=
öffnet
. Nach achtjähriger Unterbrechung iſt das
gegenüber dem Weſtportal des Domes an bevorzugter
Stelle gelegene, bereits in der Vorkriegszeit ſehr ge=
ſchätzte
Excelſiorhotel, das 250 Fremden Aufnahme
bietet, am 30. Dezember 1926 wieder eröffnet wor=
den
. Von Dezember 1918 bis Januar 1926 befand ſich
in ihm das Oberkommando der engliſchen Vefatzungs=
truppen
. Seither iſt das Haus durch den jetzigen
Beſitzer, Herrn H. Kracht, der auch Leiter des Hotels
Baur au Lac in Zürich iſt, mit einem Koſtenaufwand
von 1½ Millionen völlig neu hergerichtet worden.
Das Hotel verfügt über die modernſten techniſchen
Einrichtungen, ſo u. a. über eine für das Hotel ge=
ſchaffene
Neuheit, den elektriſchen Türriegel, der in
jedem Zimmer vom Bett oder Schreibtiſch aus be=
tätigt
werden kann. Die Mehrzahl der 200 Zimmer
des Hotels iſt mit Privatbädern, die anderen ſind
mit fließendem Waſſer verſehen. In dem Unterge=
ſchoß
befinden ſich elegant eingerichtete Friſierräume.
Der bayeriſche Forſtrat und die heiratsluſtigen
Frauen.
* Berlin. Seit Jahren wanderte der ſetzt
38jährige, in Fürth in Bayern geborene Schweizer
Johann Gebſattel zur Aburteilung durch die
Gerichte Deutſchlands. Immer iſt es bei ihm dieſelbe
Methode des Heirats= und Stellenvermittlungsſchwin=
dels
. Er tritt in einer Förſterkleidung auf und gibt
ſich als bayeriſcher Forſtrat aus. Seine Opfer ſind
heiratsluſtige Mädchen und Witwen, denen er erzählt,
daß er Forſtrat auf einem großen adeligen Gut in
Bayern ſei, ein geräumiges Forſthaus zur Verfügung
habe, aber auch nach dem Verlangen ſeines Brot=
herrn
ſich ſo ſchnell wie möglich verheiraten müſſe.
Den betörten Frauen ſpiegelte er vor, daß er ſie
heimführen wolle, und gibt ihnen auch ſchriftliche
Heiratsverſprechungen. Der Zweck iſt natürlich nur,
Geld herauszulocken und damit zu verſchwinden. In
einigen Fällen hat er ſeine bedauernswerten Opfer
auch bis nach München mitgenommen und ſie dann
dort gezwungen, für ihn einem ſchimpflichen Gewerbe
nachzugehen. Auch beim Amtsgericht München ſchwebt
gegen ihn ein umfangreiches Strafverfahren wegen
Zuhälterei, Betrugs und Diebſtahls. Dieſe Strafſache
war zur gemeinſamen Aburteilung mit den Berliner
Fällen an das Schöffengericht Berlin=Mitte über=
wieſen
worden. Auf dem Gebiete des Stellenvermitt=
lungsſchwindels
hat Gebſattel viele Arbeitsloſe vom
Lande hineingelegt. In dieſen Fällen gab er ſich
als Oberſchbbeizer aus und ſuchte vor den Stellen=
vermittlungsbüros
Leute auf, denen er eine Beſchäf=
tigung
als Schweizer auf einem bayeriſchen Ritter=
gut
in Ausſicht ſtellte. Als Sicherheitsleiſtung nahm
er den Leuten ihre Gepäckſcheine ab, verſchwand und
holte das Gepäck von der Bahn ab. Kriminalkom=
miſſar
Lipik ſchilderte dem Gericht, welche Mühe und
Arbeit dieſer unverbeſſerliche Gauner den Polizei=
behörden
ſeit einer Reihe von Jahren bereite. An=
dererſeits
wurde Gebſattel von Med.=Rat Dr. Thiele
als ein pſychopathiſcher Schwindler bezeichnet. Das
rettete ihn vor dem Zuchthaus. Wegen Zuhälterei,
fortgeſetzten Betrugs, Diebſtahls und Hehlerei wurde
Gebſattel, der ſich noch wegen alter Vergehen in
Strafhaft befindet, zu einer weiteren Strafe von
zwei Jahren drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Beſuch der Hamburg in Aegypten.
EP. Kairo. Die Anweſenheit des deutſchen
Schulſchiffes Hamburg in den ägyptiſchen Gewäſ=
ſern
hat der ägyptiſchen Preſſe A=Aaß zu einer aus=
führlichen
Beſchreibung des Schiffes und zu wohl=
wollenden
Kommentaren über die Haltung von Offi=
zieren
und Mannſchaften gegeben. Bei einem Beſuch
in Kairo waren die Offizere Gäſte des deutſchen
Geſchäftsträgers und der deutſchen Kolonie. Auch faſt
ſämtliche auswärtigen diplomatiſchen Vertretungen,
ſowie zahlreiche angeſehene europäiſche und ägyptiſche
Perſönlichkeiten waren zugegen.

Ein Negerprofeſſor in Berlin.

Profeſſor William Pickens
während ſeines Vortrages.
Der Negerprofeſſor William Pickens, einer der klügſten
Köpfe unter den amerikaniſchen Negern und bedeu=
tender
Vorkämpfer der ſchwarzen Raſſe, hielt im ehe=
maligen
Herrenhauſe in Berlin einen ſehr intereſſan=
ten
Vortrag, und zwar in deutſcher Sprache, über das
Neger
blem in Nordamerika. Der Vortrag iſt von
brückung veranſtaltetz

[ ][  ][ ]

Seite 10

Nummer 16

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Markt 11

Familiennachrichten

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
liebe Frau, unſere treubeſorgte Mutter, Schwieger=
mutter
, Großmutter, Schweſter, Schwägerin und
Tante
Frau
Eliſabetha Fet
geb. Klemmer
im 68. Lebensjahr, nach kurzem ſchweren Leiden,
heute nacht um 1 Uhr in die Ewigkeit abzuberufen.
Um ſtille Teilnahme bitten:
Gg. Ph. Fey, Darmſtadt
Familie Gg. Heyer, Darmſtadt
Familie Valentin Höger, Biblis i. Heſſen.
Darmſtadt, den 15. Januar 1927.
(1238
Die Beerdigung findet Montag, den 17. Januar 1927
nachmittogs 3 Uhr, auf dem Beſſunger Friedhof ſtatt.

Allen Freunden und Bekannten die trau=
rige
Mitteilung, daß mein lieber, guter Mann,
unſer treuſorgender Vater, Bruder u. Schwager
Heinrich Funk
im Alter von 49 Jahren Freitag, den 14. Ja=
nuar
plötzlich und unerwartet von uns ge=
gangen
iſt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Marie Funk, geb. Schmid und Kinder
Arheilgerſiraße 60.
(1234
Die Beerdigung ſipdet Montag nachmittag 2½ Uhr
auf dem Waldfriedhof ſiatt.

Todes=Anzeige.
Am Freitag abend entſchlief ſanft mein lieber
Mann, unſer treuſorgender Vater, Schwiegervater,
Großvater, Schwager und Onkel
Sehamneg Sacfer
im 77. Lebensjahr.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 15. Januar 1927.
(1240
Ludwigshöhſtr 99
Die Beerdigung findet Dienstag, den 18. d Mts., nach=
mittags
2 Uhr, auf dem Waldfriedhofe ſtatt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme beim Heim=
gange
un erer lieben Eniſchlafenen, für die zahlreiche Be=
gleitung
und Kranzſpenden ſagen wir auf dieſem Wege
unſeren herzlichen Dank. Be’onderen Dank Herrn Dekan
Weißgerber für die troſtreichen Worte am Grabe ſowie
Schweſter Berta für ihre liebreiche, aufopfernde Pflege.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Ludwig Spielmann I.
Schmiedemeiſter.
Meſſel, den 15. Januar 1927.
(1267

Grippekranke
trinkt
Schaafgarbentee
das altbewährte Hausmitte!
1246

Am 9. Januar 1927 ver=
ſchied
unerwartet in Leipzig
unſer lieber Bruder
Dr. Emil SuliusFederlin
Amerik. Oent.
Aline Verner, geb. Federlin
Tina Fletſcher, geb. Federlin
Albert Federlin
Ludw. Federlin, Witwe.
New=ſork, Nelſon (Canada)
Darmſtadt.
Die Einäſcherung fand daſelbſt am
12. Januar 1927 ſtatt. /*1257

Für alle beim Heimgange
unſeres lieben Entſchlafenen er=
wieſene
Teilnahme herzlichen
Dank.
Familie Carl Fiſcher.
Darmſiadt, 15. Januar 1927
Karlſtraße 631,.
(*1243

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Heimgange unſrer
lieben Entſchlafenen, für die zahlreiche
Begleitung und Blumenſpenden ſagen
wir auf dieſem Wege unſern herz=
lichen
Dank Beſo deren Dank den
Schweſtern der Petrusgemeinde für
ihre liebevolle Pflege, ſowie Herrn
Pfarrer zur=Nieden für die troſtreichen
Worte am Grabe.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
J. Neumann.
Darmſtadt, den 15. Januar 1927. (*1262

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme, für die zahlreichen Kranz=
und Blumenſpenden, ſowie für die
troſtreichen Worte des Herrn Pfaurer
Heß und für die Teilnahme des Lehrer=
kollegiums
der Rundeturmſchule beim
Heimgang meiner lieben, unvergeß=
lichen
Frau ſage ich auf dieſem Wege
meinen tiefgefühlſten Dank. (1231
Heinrich Eidenmüller.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger
Teilnahme bei dem Heimgang unſe=
rer
lieben Entſchlafenen, der
Frau
Margarete Koch Bwe.
geb. Emig
ſagen herzlichen Dank 1237
Die trauernden Hinterbliebenen.

Dankſagung.
Für die Beweiſe aufrichtiger Teil=
nahie
beim Heimgange un ererlieben,
unvergeßl chen Mutter und die ſchönen
Blumenſpenden ſagen wir auf dieſem
Wege unſeren herzl. Dank. Beſonderen
Dank Herrn Pfarraſſiſtent zur=Nieden
für ſeine tro treichen Worte ain Grabe
unſerer unvergeßlichen Mutter.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Willi Teuber. (1319

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei demn
Heimgang unſeres Verſtorbenen ſagen wir auf dieſem Wege
unſeren aufrichtigen Dank.
Familie Buchert

1245)

Pankratiusſiraße 46.

Die Beerdigung des Herrn
Karl Zotz
Rabenauſiraße 13
findet am Montag, den 17. Ja=
nuar
1927, nachmittags 3 Uhr
(*1210
ſiatt.

Für die uns erwieſenen Aufmerk=
ſamkeiten
u. den überreichlichenBlumen=
ſpenden
, anläßlich unſerer ſilbernen
Hochzeit, ſagen wir allen auf dieſem
Wege unſeren herzlichſien Dank.

M. Pahl, Sattlermeiſier
und Frau, geb. Heß.

W

Geſnndheitlich=
künſtleriſche

Gymnaſtik
Kurſe u. Privat=
ſtund
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Leonore Ahenius
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und
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mäßigg
Sprechſt.
Mont. u Donn. v.
12 1 Uhr Witt=
mannſtr
. 12.
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den Naturheilverein
beg am Dienstag.
18. Jan., ab. 8 Uhr
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geign. f. Anfänger,
um 110 Mk. z. vrf.
Hügelſtr. 7 pt. (*1282

Heute entſchlief ſanft mein innigſigeliebter
Mann, unſer treuſorgender Vater und Onkel
Herr

iin 85. Lebensjahre.
Darmſiadt, München, 15. Jan. 1927.
Bertha Maher, geb. Liebmann
Prof. Dr. Aug. L. Maher.
Die Beerdigung findet ſiatt: Montag nachmittag 123 Uhr
vom Trauerhauſe, Bismarckſiraße 46, aus.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des Eniſchlafenen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 16

Sonntag, den 16. Januar 1927

Geite 11

Shrrn, Spiet und Tarnen.

Frankfurter Landesverbandfür
Leichtaihieint und B.C.B.
Der Frankfurter Landesverband für Leichtathletik, der ſchon an und
ſich eine ſchwierige Stellung dadunch hat, daß Vereine ſeines Gebietes
w. drei verſchiedenen Staaten im Reiche gehören auch Darmſtadt ge=
ſirrt
ihm an ſchuldet der Deutſchen Sportbehörde für Leichtathletik
ett längerer Zeit eine Beitragsſumme. Die D. S.B. hat ſich nun auf den
kinzipienſtandpunkt geſtellt und drängt auf baldige reſtloſe Eintreibung
S Geldes. Der Standpunkt iſt an ſich verſtändlich und die Rechtsfrage
. in dieſem Falle klar. Nur verfügt der hieſige Verband nicht über
ſie notwendigen Mittel, um die Schuld begleichen zu können. Auf der
Hrruptverſammlung des Frankfurter Verbandes für Leichtathletik kamen
ſe Dinge zur Sprache. Die Frankfurter Leichtathletik, die in frühe=
g
7 Jahren eine große Rolle in Deutſchland ſpielte, hat in den letzten
zhren den ſtolzen Tagen der Vergangenheit wenige bemerkenswerte
G=ranſtaltungen an die Seite geſtellt. Beſchämend war in dieſer Hin=
imt
beſonders das Jahr 1926, das doch kein einziges leichtathletiſches
Ffſt über das Lokale hinausgehenden Gepräges brachte. Das Stadion
mt ſeiner in Deutſchland wohl unerreicht guten Laufbahn war in erſter
Lunie der Austragsort für Gladiatorenrennen im Radſport geworden.
Ecark gehemmt wurde der Frankfurter Verband in ſeinen Plänen und
m. ſeiner propagandiſtiſchen Arbeit durch die Schuldenlaſt, die abzutra=
zan
tatſächlich keine Mittel vorhanden ſind. Denn einmal bekommt der
Cerband ſeine eigenen Mitgliedsbeiträge ſehr mangelhaft herein, und
rm anderen fehlt ihm jegliche Unterſtützung von ſeiten der Stadt oder
S Staates. Leichtathletik iſt noch immer ein Sport, der in den ſelten=
tm
Fällen mit großen Einkünften zu rechnen hat. Wenn nun noch
iberhaupt keine Sportfeſte ſtattfanden, alle Pläne, die auch Hallenver=
aifſtaltungen
anzeigen, zunichte wurden, ſo ergibt ſich die ſchwierige
ſüranzielle Lage des Verbandes von ſelbſt. Eine andere Frage iſt es,
er nicht ſchon eher Schritte hätte unternehmen ſollen, durch ſeine
Erklärung zum eingetragenen Verein ein Mittel in die Hand zu be=
rmmen
, gegen ſaumſelige Zahler in eigenen Reihen vorzugehen. Denn
dss iſt Vorausſetzung für produktive und weitſichtige Mitarbeit, daß alle
Uiitglieder nach beſten Kräften die Förderung des Verbandes erſtreben
al.d ihn nicht durch mangelndes Intereſſe, wie Vernachläfſigung der Bei=
mäge
, hemmen. Man hat nun den Plan erwogen, durch eine Kopfſteuer
die ſchuldige Summe aufzubringen, und das Unternehmen dürfte ge=
lingen
, wenn jeder Verein ſein Scherflein beiträgt. Demn es iſt nicht
ar zunehmen, daß die D S.B. auf ihrem rigoroſen Beſchluß, die für
A7 geplanten großen Verenſtaltungen zu unterſagen, falls nicht die ge=
ſcte
Summe eingeht, beſtehen bleibt. Sie wird ſich zufrieden geben,
wenn ſie den ehrlichen Zahlungswillen ſieht, und nicht die Möglichkeit,
du rch zugkräftige Sportfeſte internationalen Niveaus zu Mitteln zu
ſamen, unterbinden.
Fußball.
FC. Union 1913 VfR. Bürſtadt.
Sonntag den 16. Januar, hat Union die diesjährigen Verbands=
bkele
dem Ende näher zu bringen. Die Einheimiſchen haben in letzter
Bieit ſehr nachgelaſſen, was letzten Endes auch z. T. auf die dauernde
Unmſtellung, bedingt durch Erkrankung verſchiedener Spieler zumickzu=
füchren
iſt. Die Vereinsleitung hat ſich daher von dem Gedanken leiten
laſſſen, die alte Aufſtellung, in welcher die Vorrunde ganz gut abſolviert
wirde wieder auf den Plon treten zu laſſen. Der Spielbeginn iſt um
4 Uhr nachmittags. Vorher ſpielt die erſte Jugend gegen VfR. Darm=
ſtlrdt
1. Jgd., und vormittags 10 Uhr weſſen ſich die beiderſeitigen
zweite Jugendmannſchaften von Union und VfR., ebenfalls auf der
Mennbahn.

Radfahren.

Nach 43 Stunden, um 5 Uhr Freitag nachmittag, waren 1154,830
Elrlometer zurückgelegt. Stand des Nennens: 1. DegraeveThollembeck
177 Punkte, 2. van Kempen-Bauer 20 Punkte, 3. Mac NamaraTietz
P., 4. BuſchenhagenFrankenſtein 50 P., 5. KochRielens /44 P.,
Tonani-Lorenz 42 P. Eine Runde zurück: 7. GooſensStockelunck
P., 8. WambſtLaquehay 12. P. Zwei Runden zurück: 9. Petri
Jurnge 50 P. Drei Runden zurück: 10. MühlbachSeifferth 26 P.,
1.. RauſchHürtgen 11 P. Vier Runden zurück: 12. Behrendt Sku=
unſky
32 P. Erſatzmann: Mauthey.

Darmſiädier Sporikalender.
Handball.
11 Uhr vorm. (Exerzierplatz): Polizeiſportverein Sp.=V. 98
Darmſtadt.
11 Uhr vorm. (Heidelberger Straße); T.=G. BeſſungenT.=G.
Griesheim.
UnionSp.=V. 98 Darmſtadt.
2 Uhr nachm. (Exerzierplatz): T.=G. 1875T.=V. Bickenbach.
Fußball.
2.30 Uhr nachm. (Stadion): Sp.=V. 98Phönix Ludwigshafen.

Schlitten=Auto das neueſie Sport=Fahrzeug.

Der mit Motor verſehene Rodelſchlitten.
Ein Kleinkraftfahrzeug=Werk in Braunau in Böhmen hat einen
Motorrad=Rodel konſtruiert, der mit zwei Perſonen auch auf
anſteigenden Bergſtraßen raſch vorwärts kommt.
Kraftſport.
Mannſchaftskampf im Ringen: Polizei Athl.=Sp.=V. 1895 6:8.
In Anweſenheit von gut 300 Zuſchauern eröffnete der 1. Vorſitzende,
Herr Oblnt. Herrmann, mit kurzen und kernigen Worten, bei denen er
beſonders das gute Einvernehmen beider Vereine hervorhob, den Kampf=
abend
. Es wurde auf beiden Seiten mit der größten Erbitterung ge=
kämpft
. Als Kampfrichter fungierte Herr Löffler von Roßdorf, der der
Sache völlig gewachſen war. Fliegengewicht: 1895, Bitſch,
Sieger kampflos. Bantam: Maloff, 1895Held Pol., Sieger
Maloff, 1½ Min. Federgew.: Schwarz, 1895Flügel, Pol. Sie=
ger
Schwarz, 4 Min. Leichtgew.: Maloff, 1895Schrauber, Pol.
Sieger Maloff, 6. Min. Leichtes Mitteigew.: Feldmann,
1895Vetter Pol. Sieger Vetter, 3 Min. Schweres Mittel=
gew
.: Schwarz, 1895Stumpf, Pol. Sieger Stumpf, 8 Min.
Schwergew.: Asmuß, 1895Knapp, Pol. Sieger Knapp, 15 Sek.

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 16. Januar. 8.30: Morgenfeier. O 11.30: Eltern=
ſtunde
. Vom Taſchengeld der Kinder, von Dr. Vogel. O 12:
Harmonieorch, des Frankf. Orcheſtervereins. O 4: Stunde der
Jugend. Märchentante. Spukmuſik. Max und Moritz.
(Für Kinder vom 4. Jahre ab.) O 5: Hanauer Mandolinenorch.
Großes Opernpotp. Fiori Trentino. Spinnrädchen.
Sentimental Foxtrott. Vogelhändler. Freiheitsgeiſt. O 6:
Kultur und Dichtung in Luxemburg von Prof. Welzer. O. 7:
Bücherſtunde. O 8.30: Klaviertrios. Brahms: Trio in C=Moll.
Korngold: Trio in D=Dur. Ausf. Annie Steiger=Betzack (Violine),
Ilſe Bernatz (Violoncell) und P. Meyer (Klavier). O 9.30: Deſſoff=
ſcher
Frauenchor. Verdi: Laudi alla vergine Maria. Mendels=
ſohn
: Fünf Geſänge für Frauenchor. Ingenhoven: Zwei Gedichte
von Brentano für Frauenſtimmen. Weigl: Drei heitere Lieder.
Anſchl. bis 12.30: von Berlin: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Sonntag, 16. Janzar. 11.30: Morgenfeier. Leitung: Studienrak
Martin. Mitw.: Prof. Keller (Harm.), Konzertmeiſter Köhler,
Herzensbildung. Vorſpiel und Choral. Dr. Förſter: Was iſt
wahre Bildung? Händet: Larghetto D=dur. Andante. Die
echte Lebensweisheit nach Gottes Wort, Gebet um Weisheit,
Gedicht von P. Gerhardt. Bach: Zwei Orgelchöre (mit Viola).
Aus einer Predigt Bildung von P. Wurſter. Rubinſtein:
Recitativ und Adagio As=dur. O 1.10: Konzert. O 3: Heinz Neu=
berger
: Bibliotheken vom Mittelalter bis zur Neuzeit. O 3.30:
Funkheinzelmann von Berlin. Anſchl.: Konzert. Mitw.; Gerda
Hanſi, Erich Baudiſtel, Funkorch. O 6.15: Dr. Hirſchberg: Das
deutſche Volkslied. O 6.45: Friedrich Raff lieſt aus eig. Werken.
O 8: Uebertr. aus Freiburg. Violinkonzert. Bach: Aria I.
Händel: Sonate D=dur. J. Weismann: Klavierkompoſitionen.
Spaziergang durch alle Tonarten Am Flügel: der Komponiſt.
Drei Lieder von Rainer Maria Rilke, geſ. von Gertrud Eckerlin.
Anſchl.: Bunter Abend. Boieldieu: Ouv. Die weiße Dame‟.
Mendelsſohn: Drei Lieder (Lieſel Olmesdahl). Haydn: Andante
Lortzing: Arie des Kühleborn aus Undine (Fritz Löffler).
Dvorak: Humoreske (Violin=Solo) Erinnerungen an Chopi,
Fant. Eulenburg: Roſenlieder (Olmesdhl). Gounod: Valentins
Gebet aes Margarethe (Fr. Löffler). Strauß: Thermen,
Walzer, und weitere 10 Darbietungen.
Berlin.
Sonntag, 16. Jan. 9: Morgenfeier. O 11.20: Feſtakt des
Berl. Lehrer=Geſangv. a. Anlaß des 40jähr. Beſtehens (aus der
Staatl Hochſchule). Orgelvorſpiel. Einmarſch der Fahnen.
Prolog. Othegraven: Lob Gottes. Anſprache Georg Brauner,
Vorſitzender des Berl. Lehrer=Geſangv. Uebergabe und Weihe des
Banners (Fr. Liſt, Präſident des Deutſchen Sängerbundes).
Anſprachen: Reichsminiſter Dr. Külz. Oberbürgermeiſter Dr. Böß
u. a. O 1.10: Stunde der Lebenden. Prof. Weißmann: Einl.
Worte. Raphael: Sonate für Bratſche allein (Hans Mahlke).
Goddai: Drei Lieder (Ria von Heſſert (Alt). Enesco: Kon=
zertſtück
für Bratſche mit Klav. O 2.30: P. Lindenberg: Weshalb
ſammeln wir Briefmarken? O 3: Prof. Kaßner: Wetterbeob=
achtungen
für Landwirte (Inſtrumentenwahl und Gebrauchsanweiſung
für ihre richtige Aufſtellung), O 3.30: Der Däſenmann im
Räderhaus von H. Bodenſtedt, erz. vom Funkheinzelmann. O 4:
Hans Hyan: Dompteurſchickſale. O 4.30: Konzert. Mitw.; Hanſi
Freudberg (Flügel); Carmen v. Scheele=Vidor (Sopran); Otto
Urack (Cello); Gerhard Jekelius (Bariton). O 7.05: Einf. zum
Sende=Spiel am 17. Jan. O 7.30: Kriminalkommiſſar Werneburg:
Gefahren der Landſtraße. O 7.55: Dr. Eugenie Schwarzwald:
Bernard Shaw und die Frauen. O 8.30: Funkorcheſter. Strauß=
Ouv. Waldmeiſter. Lanner: Die Schönbrunner. Strauß:
Klipp=Klapp=Galopp. Ouv. Zigeunerbaron. Lanner: Die Peſther.
Steiriſche Tänze. Strauß: Dorfſchwalben aus Oeſterreich. Marien=
Klänge. Muſikaliſcher Scherz. Lanner: Die Werber, Walzer.
Strauß (Vater): Radetzky=Marſch. O 10.30: Tanzorch. Ette.
Stettin. 9: Morgenfeier. Kuntze: Meine Seele iſt ſtille
zu Gott (Chor der Baptiſten=Gemeinde Grabow). Johannes
Bauer (Rezit.). Schmeling: Du. Gott, biſt meiner Seele ſel’ge
Ruh. Paul Gerhardt: Ich bin ein Gaſt auf Erden. Anſprache
des Paſtors Flos. Jörgens: Wo findet die Seele die Heimat
die Ruh‟. Georg Winter: Bric herein, ſüßer Schein. Auf
Offenbarung Johannis 7. Nach dams: Näher, mein Gott zu dir.

Trumpf
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ſitpraße
39, Manſurde

BBeſſ. älterer Herr
winſcht die Freund
ſcvaft einer beſſeren
äteren Dame. An=
gübote
unter L. 80
ar die Geſchſt. (*1171
Anonym zwecklos!

H. B. 7.34
Em kurzer Traum
Aparen meine Zeilen
ſo nittsagend, daſ
ken ne Antwort würd
K. L. 12406 (1301

Web. Dame
au 8 guter Familie
Eilrde 20, evgl, ohne
Breruf, mit aut. Aus=
ſtatttung
, ſehr häus=
li
, ſympath. Er
ſos einung, wünſcht
aff. dieſ Wege, da
fmemd am Platze, mit
elkeldenlendem Herrn
nſ ſich Lebensſtellg,
Aiätwer m. K. nicht
aSgeſchl., in Brief=
verchſel
zu treten zw.
pürt Heirat. Stiengſt.
Liskret zugeſichert.
An p.ihm zweckl. An=
jeio
u. L. 54 au die
Be ſchäftsſt. (*1261g

Junge Dame
choa ke, ympathiſche
Ent cheinung/1,6s tem-
ſey
=amentvoll. Ende
ſei 20er Jahre, mit
m: ſchön. Wäſche= u.
Nihebelausſt ittung,
zu. dief Wege einen
leieen Kameraden in
ſeſuuch Poſit. m. gleich
In. kereſſenzwecks ſpä=
en
2 Heirat kenn zu
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Rummer 16

Sonntag, den 16. Januar

Die Reichsbahn im Jahre 1926.
Die Reichsbahngeſellſchaft veröffentlicht ihren Bericht für das
Jahr 1926. Der Güterverkehr ſenkte ſich dem Bericht zufolge zunächſt
1926 die rückläufige Tendenz des Jahres 1925 fortſetzend noch
weiter. Vom Februar an begann ſich der Güterverkehr langſam zu er=
holen
und erreichte anfangs März die vorjährige Höhe, bis ſchließlich
infolge des engliſchen Bergarbeiterſtreiks und durch zunehmenden Ver=
ſand
deutſcher und zunehmenden Durchtransport polniſcher und tſchecho=
ſlowakiſcher
Kohle eine ſtarke Aufwärtsbewegung einſetzte. Nach dem
Streikende ſetzte ein Rückgang ein. Der Güterzugverbehr nach Belgien
und Frankreich mußte im Zuſammenhang mit der tarifariſchen Unrer=
bindung
des Ruhr= und Moſelwegs durch die belgiſchen Strecken zwei=
mal
völlig umgeſtellt werden. Der elektriſche Zugbetrieb wurde 1926
auf weiteren 110 Kilometer Streckenlänge aufgenommen. Im inter=
nationalen
Durchgangsverkehr und im direkten Auslandsverkehr wurde
die bisherige Wettbewerbstarifpolitik fortgeſetzt. Der Jahresabſchluß,
der im vorigen Jahre einen Betriebsüberſchuß von 819 Millionen
Reichsmark evbrachte, liegt für dieſes Jahr noch nicht vor. Es kann
aber dem Bericht zufolge mit einer hinreichend befriedigenden Bilanz
gerechnet tverden. Durch weitere Umſtellungen im Werkſtättendienſt war
es möglich, in dem Berichtsjahre das ſtändige Perſonal von 692 104 auf
655 968 Köpfe zu ſenken.
Jahresabſchluß der Friedrich Krupp A. G.
Die Generalverſammlung der Friedr. Krupp. A. G.
genehmigte den Geſchäftsabſchluß 1925/26. Die Friedr. Krupp A. G.
ſchließt ihr Geſchäftsjahr 1925/26 mit einem Betriebsüberſchuß von
B015 245,92 RM. gegen 32 132255,45 RM. im Vorjahre. Dagegen be=
laufen
ſich die Steuern auf 12387 797,11 (i. V. 15 593 124,17) RM., die
Ausgaben für die Angeſtellten= und Arbeiterverſicherung auf 3 134 092,53
(6 539 189,53) RM., die Wohlfahrtsausgaben auf 5 245 472,81 (5 235 515,17)
RM., die Zinſen auf 3 063 995,15 (4 243 941,21) RM. und Abſchreibun=
gen
auf Beteiligungen uſw. und verſchiedene Ausgaben auf 6 290 115,76
(15 754 257,93) RM. Insgeſamt erreichen die Ausgaben 35 191 473,35
(47 426 028,01) RM. Es ergibt ſich alſo ein Verluſt von 2 106 227,44 RM.,
der aus dem Konto Sonſtige Rückſtellungen gedeckt wird.
Die Bilanzſumme beträgt 344 761 234,85 (i. V. 421865 163,24) RM.
Aktiven: Grundeigentum und Werksanlagen, Werksgeräte und Beför=
derungsmittel
168 123 372,40 (185 596 875,84) RM., Vorräte, halb= und
ganzfertige Waren 44 534 755,59 (85 724 063,42) RM., gewerbliche Schuitz=
rechte
wieder 1 RM., Kaſſe, Reichsbank= und Poſtſcheckguthaben, Wechſel
und Schecks 4 273 377,44 (12 140 697,79) RM., Bankguthaben 14 011 398,45
(5 007 991,95) RM., feſtverzinsliche Wertpaxiere 110 058,39 (131 863,65)
Reichsmark, andere Wertpapiere und Beteiligungen bei Fremden
29 662 870,31 (25 852 669,58) RM. und Beteiligungen bei Tochterunter=
nehmungen
unverändert 25 600 000 RM. Guthaben bei öfentlichen Spar=
kaſſen
800 254,52 (412 556,5)) RM., Waren= und ſonſtige Schuldner
38 195 705,90 (39 703 146,98) RM., Schuldner aus Werksgemeinſchaftsver=
rechnung
17 343 213,41 (26 249 637,11) RM., Sicherheitswochſel und Bürg=
ſchaften
haben ſich von 13 116 002,38 RM. auf 9 502800,40 RM. ver=
ringert
. Paſſiven: Grundkapital unverändert 160 Mill. RM., geſetz=
liche
Rücklage unverändert 16 Mill. RM., Sonderrücklage nach Deckung
des Verluſtvortrages in Höhe von 15 293 772,56 RM. 8 706 227,/44
(24 Mill.) RM.
Die Friedr. Krupp Gruſonwerke A.G. m Magdeburg hat
das Geſchäftsjahr 1925/26 mit einem Gewinn von 307 583,46 (i. V.
694 906,89) RM. abgeſchloſſen.
Die Friedr. Krupp Germaniawerft in Kiel weiſt einen
Verluſt von 161 595,10 RM. aus (i. V. 7 Mill. RM. infolge Sonder=
abſchreibungen
auf Anlagen).
Die Akitengeſellſchaft für Unternehmungen der
Eiſen= und Stahlinduſtrie in Berlin hat ohne eigenen Ge=
ſchäftsbetrieb
ſich auf die Verwaltung ihrer Wertpapiere und Beteiligun=
gen
beſchränkt. Sie erzielte einen Gewinn von 82383,10 RM.
Auf der geſtrigen Generalverſammlung der Friedr. Krupp A. G.
hielt Herr Krupp von Bohlen und Halbach eine beachtenswerte Rede.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 15. Januar.
Zum Wochenſchluß wurden zwar verſchiedentlich Glattſtellungen
vorgenommen; auch waren zum Medio noch einige Verpflichtungen ab=
zuwickeln
, der ganze Geſchäftsumfang war aber ſo gering, daß ſich
erhebliche Kursveränderungen kaum einſtellen konnten. Der Chemie=
markt
konnte ſogar in feſterer Haltung verkehren. J.=G. Farbeninduſtrie
behaupteten voll ihren geſtrigen Kursgewinn, Scheideanſtalt gewannen
zum erſten Kurs faſt 3 Prozent, auch Holzverkohlung zogen um 1½
Prozent an. Rheinſtahl konnten den geſtrigen Abendbörſenkurs eben=
falls
um eine Kleinigkeit überſchreiten. Sonſt überwogen auf dem
Montanmarkt die kleinen Kursabbröckelungen. Schiffahrtswerte blieben
aber angeboten, namentlich Hapag wurden offeriert und verloren 3½
Prozent. Auch die übrigen Marktgebiete hatten überwiegend kleine
Kursrückgänge zu verzeichnen. Die Grundſtimmung blieb aber zunächſt
noch ziemlich feſt, wenn auch auf dem Kaſſamarkt ein merkliches Ab=
flauen
der Tätigkeit des privaten Publikums zu konſtatieren war.
Deutſche Anleihe konnten ſich im Gegenſatz zur allgemeinen Tendenz
weſentlich im Kurſe beſſern, während Ausländer faſt unverändert
blieben. Gleich nach der Feſtſetzung der erſten Kurſe wurde die
Stimmung lebhafter und feſter. Die Medioabwicklung hat ſelten ſo
wenig Schwierigkeiten verurſacht wie diesmal, was einen guten Ein=
druck
hinterließ. Alle anfangs vernachläſſigten Papiere konnten ſich
nunmehr weſentlich befeſtigen. Hapag gewannen den größten Teil ihres
Verluſtes zurück. Banken erholten ſich kräftig, insbeſondere Dresdener
Bank, Oeſterreichiſche Kreditanſtalt weiter Geld, Montan= und Kali=
werte
gewannen durchweg wieder 23 Proz. Tägliches Geld 3½ Proz.

Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 15. Januar.
Die Samstagsbörſe eröffnete bei ſehr ruhigem Geſchäft zu wenig
veränderten Kurſen. Die Tendenz neigte zunächſt eher nach unten. Das
Intereſſe der Spekulation war einſeitig auf verſchiedene beſondere
Märkte gerichtet. So wurden während der ereſtn Börſenſtunde nach
Ueberwindung der Geſchäftsmüdigkeit Montanaktien und Schiffahrts=
werte
, heimiſche Staatsanleihen unter Führung der Kriegsanleihe,
Zinkwerte unter Hinweis auf den günſtigen Geſchäftsgang dieſer Indu=
ſtrie
, Schultheiß= und Oſtwerke, Berger Tiefbau und einzelne Maſchinen=
fabriken
in größeren Beträgen umgeſetzt. Auch Textilwerte erfreuten ſich
einiger Beachtung. Demgegeniber traten die ſonſtigen Gebiete bei luſt=
loſem
Verkehr in den Hintergrund. Ausländiſche Renten waren faſt
ohne Geſchäft. Bemerkenswvert iſt dagegen die Aufmerkſamkeit, die ſich
neuerdings für öſterreichiſche Werte einſtellt. Infolge der ſtarken Nach=
frage
nach den neu zur Berliner Börſe eingeführten Aktien der Oeſter=
reichiſchen
Eiſenbahnverkehrsanſtalt entwickelten ſich heute rege Ab=
ſchlüſſe
in öſterreichiſchen Kreditaktien und öſterreichiſche
Staatsbankaktien. Der Geldmarkt war wieder außerordentlich flüſſig.
Die Medioliquidation verurſacht keinerlei Beſorgniſſe, da Reportgeld
bereitwilligſt in der angeforderten Höhe angeboten wurde. Am Deviſen=
markt
gab der Dollarkurs mit 4,2120 erneut leicht nach. Auch gegenüber
dem Pfund ermäßigte ſich der Stand des Dollars, und zwar auf 4,8540.
Von den übrigen Hauptvaluten zeichnete ſich die ſpaniſche Währung
durch einen feſten Kurs aus. London=Madrid 30,10, während weitere
Veränderungen bei ruhigem Geſchäft nicht eintraten.
Im weiteren Verlauf der Berliner Börſe wurde das Geſchäft ein=
heitlich
bedeutend lebhafter, da einige kräftige Spezialhauſſen ſtimulierten
und die günſtige Beurteilung der Wirtſchaftslage durch den Präſiden=
ten
der Kölner Handelskammer beſondere Beachtung fand. Stolberger
Zink=Aktien ſtellten ſich insgeſamt 30 Prozent höher; angeblich ſollen bei
dieſem Papier Intereſſenkäufe vorliegen. Glanzſtoff wurde erneut
ſcharf heraufgeſetzt und notierten in der zweiten Stunde 460 nach 440.
Kaliaktien wurden in beträchtlichem Umfange gekauft, da der Kaliabſatz
im Januar bis jetzt ſehr flott war und durch die verſchiedenen Miſch=
düngerpläne
eine weitere günſtige Beeinfluſſung des Kaliverbrauches
erhofft wird. Linke Hoffmann plus 2½. Privatdiskont kurze Sicht 41/8,
lange Sicht 42/s. An der Nachbörſe konnten ſich die höchſten Tageskurſe
teilweiſe gut behaupten, doch war der Grundton der Tendenz bemerkens=
wert
widerſtandsfähig Vereinigte Glanzſtoff=Fabriken erzielten mit 470
einen neuen Rekordkurs und damit einen Tagesgewinn von 30 Prozent.
Auch Klöcknerwerke, Rheinſtahl, Kaliwerte und Linke Hoffmann gingen
in feſter Haltung um. Bank für Brauinduſtrie 224 nach 219. Im ein=
zelnen
hörte man an der Nachbörſe u. a. Reichsbank 180,25, Commerz=
bank
220,5, Darmſtädter 271 87, Diskonto 184,5 Deutſche 192, Dresdener
184,5, Hapag 176, Harpener 190,5, Hanſa Dampf 212,75, Rheinſtahl
210,5, Nordd, Lloyd 162, Gelſenkirchen 189,5, Vereinigte Stahlwerke
156,25, Phönix 137. Glöckner 177.25, AEG. 171, Siemens 206,75,, Linke
Hoffmann 96, Weſteregeln 185,75, Salz Detfurth 219,5, Aſchersleben
174, Farbeninduſtrie 329,25, Kriegsanleihe 0,922,5.
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Echneiz
Spanien

14. I. 15 14. 1. 15. I. Eeld Prief Geld Brief Geld Brie Geld 168. 13 168.55 168.24/168.66 Wien D.=Oſt. abg. 59.305/59.445 59.32 1.73 1.742 1.737 1.741 Prag. .. 12.458 2. 498 12.462 58.! 58.64 58.52 8.66 Budapeſt( Pengö 73.58 73.76 73..5 o7.85 108.1 107.86/108.1 Fapan. 2.045 2.04 2.051 Hura-16 112.44 112 14/112.42 Rio de Janeiro. 0.492 9.494 0.490 W12.35 112.63 112.38/112 66 Sofia .. 3.04 3.05 3.04 10.58 10.62 10.58 10.62 Jugoſlavien .. 7.41 7.43 7.41 18.40 18.44 18.30 18.30 Konſtantinopel. 2.117 2.127 2.12 20.411 20.463 20.421 20.47: Liſſabon .. . . . . . 21 545 1.59 1.56: 4-207 4.21 4.209 4. 219 Danzig ...... .. / 81.47 81.6 81.48 16.72 16.76 16 735 6.771 Athen.
... 5.31 5.33 5.37 81.085 81.285 81.05 81. 2 Kanada. 4-20 4.21 4.20 67.3 67.4 67.72 67.88 ruguat 4.25/ 4.26 4.25

Brief
59.42
12.50
73.776
2.055
0.492
3.05
7.43
2.13
21.615
81.68
5.39
4.21
26

Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 12. Januar. Die auf den
Stichtag des 12. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des Stati=
ſtiſchen
Reichsamts beträgt 135,7 und iſt gegenüber der Vorwoche um
0,6 v. H. geſunken. Die Indexziffer der Agrarſtoffe iſt bei rückläufigen
Preiſen für Vieh= und Vieherzeugniſſe um 1,7 v. H. auf 139,4 zurick=
gegangen
. Die Indexziffer der induſtriellen Rohſtoffe und Halbwaren
hat leicht auf 122,0 angezogen, während die Preiſe der induſtriellen
Fertigwaren auf 141,6 nachgegeben haben.

Donn jaedenſchen Prouutiemärtt.
Der ſüddeutſche Produktenmarkt ſteht umverändert
unter den von den großen Ernten Argentiniens und Auſtraliens
ausgehenden Druck, zumal jetzt der Weltausfuhrüberſchuß mit 116 Milli=
onen
ars gegenüber einem Einfuhrbedarf der Zuſchußländer von 86 Mil=
lionen
ars geſchätzt wird. Die letzten Tage brachten zwar auf erhöhte
amerikaniſche Forderungen eine leichte Befeſtigung, zu größeren Umſätzen
iſt es aber nicht gekommen, da ein Teil der ſüddeutſchen Großmühlen
Abſatzmangel und ſich deshalb entſchloſſen hat, weſentliche Einſchrän=
kungen
vorzunehmen. Im Cif=Geſchäft lag reichliches Angebot vor,
wobei der erwähnte Druck deutlich in niedrigeven Forderungen für
ſpätere Sichten zum Ausdruck kommt. Im Waggongeſchäft war inlän=
diſcher
Weizen leicht abgeſchwächt mit RM. 29,75 die 100 Kg. gegen vor=
wöchentliche
RM. 29,7530,00, dagegen ſtand ausländiſcher Weizen auf
RM. 30,75 bis 32,35 gegen vorwöchentliche RM. 30,75 Eis 32,50. Roggen
hatte feſte Tendenz, ſodaß kleine Poſten zu ſteigenden Preiſen verkauft
werden konnten: RM. 25,25 bis 25,75 (Vorwoche RM. 25 bis 25,25)
für Inlandsware und RM. 26,50 bis 26,75 (RM. 26 bis 26,25) für Aus=
landsware
, waggonfrei Mannheim. Braugerſte lag befeſtigt mit RM. 27
bis 30,00 (26,75 bis 29,75), Futtergerſte unverändert; vom Ausland
Auſtralgerſte mit 48 sh, Chilegerſte mit 46 sh 3 d per 448 Ibs eif Rotter=
dam
, Plata=Gerſte, 65 Kg., Januar=Abladung, mit Fl. 10,70, Februar
mit Fl. 10,50 angeboten. Hafer leicht befeſtigt und mit RM. 19,50 bis
20,25 (19 bis 2) gehandelt; auch Mais etwas höher mit RM. 18,75 bis
19,00 (18,75), ſchwimmende Ware mit Fl. 8,10 eif Rotterdam angeboten.
Das Mehlgeſchäft lag aus oben genanntem Grunde ſehr ruchig bei er=
mäßigten
Forderungen für die 100 Kg. Weizenmehl, Spozial 0, mit Sack
zu RM. 40,50 (RM. 41,00), April/Mai RM. 39,75, Roggenmehl, 70ppoz.,
RM. 36,25, 60prozentig RM. 37,75; niederrheiniſche und norddeutſche
Mehle wieder ſtärker angeboten. Von Futtermitteln Mühlenartikel
infolge geringeren Anfalls feſt. Futtermehle für Januar ziemlich aus=
verkauft
, für ſpätere Termine mit RM. 14,75 notiert, Kleie RMM. 11,50
bis, je nach Termin, RM. 12,25, Maisſchrot RM. 20,55, Gerſtenſchrotz
RM. 23,75, Futterkuchen etwas ſchwächer; Rapskuchen RMM. 17,00.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt wird berichtet: Die letzte Ernte bei
den Pflanzern iſt, bis auf eſinige tauſend Zentner im badiſchen Ober=
lande
, ausverkauft. Im Geſchäft iſt es ſtill geworden, weil altes Material
geſucht und wenig vorhanden iſt, die neue Ernte dagegen wegen der
hohen Forderungen der Händler von den Fabrikanten vorerſt noch zu=
rückgewieſen
wird. Rippen unverändert. Bei der in dieſer Woche abge=
haltenen
Tagung des mit geringen Ausnahmen das geſamte pfälziſche
Tabakgebiet umfaſſenden Pfälziſchen Tabakbau=Verbandes wurde be=
ſchloſſen
, der Regierung die einheitliche Erhöhung der Geſtehungskoſten
in Höhe von RM. 60,00 pro Zentner dringend ans Herz zu legen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Herabſetzung des Zinsſatzes ſeitens der Finanzierungsgeſellſchaft
für Landkraftmaſchinen. Die Finanzierungsgeſellſchaft für Landkraft=
maſchinen
(Traktorbank) hat im Zuſammenhang mit der Ermäßigung
des Reichsbankdiskonts für jetzt ab zu finanzierende Geſchäfte ihren
Zinsſatz hevabgeſetzt. Derſelbe beträgt bei einer Finanzierungsdauer
von 3 Monaten 5½ Prozent, von 6 Monaten 6 Proz nt, von 9 Monaten
7 Prozent, darüber bis zu 2 Jahren 71 Prozent. Dieſe Zinsſätze, die
ſich auf die Finanzierung von Kraftpflügen umd Schleppern wie auch
nach der kürzlichen Arbeitserweiterung der Traktorbank auf größere
Landmaſchinen und Anhängegeräte beziehen, kommen dem kaufenden
Landwirt ohne jeden Zuſchlag voll zugute.
Heſſiſche Landes=Hypothekenbank A.=G. in Darmſtadt. Zur Frank=
furter
Börſe wurden 5 Millionen GM. 8prozentiger Goldhypotheken=
pfandbriefe
Serie I, 5 Millionen GM. dto. Serie II und 5 Millionen
GM. 7prozentiger Goldpfandbriefe Serie III zugelaſſen. Nach dem
Proſpekt wurde im März 1926 das Hypothekendarlehensgeſchäft auf=
genommen
. Von den bewilligten Darlehen waren bis Ende September
1926 11,9 Millionen GM. angenommen und 8,67 Millionen GM. aus=
gezahlt
. Der Pfandbriefumlauf und Hypothekendarlehen betrug damals.
10,5 Mill. GM. Der Unterſchied zwiſchen Pfandbrief und Hypotheken=
darlehen
wurde vorübergehend durch auf GM. lautende heſſ. Smats=
anweiſungen
gedeckt. Die deckungsfähige Beleihung iſt auf inländiſche
Grundſtücke beſchränkt und der Regel nachnur zur 1. Stelle zuläſſig. Nach
Ablauf von 40 Jahren hat der Staat das Recht, die Bank nach vorher=
gehender einjähriger Kündigung zu erwerben.
Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft A.G. in Darmſtadt. Die von an=
derer
Seite gebrachte Meldung, wonach die Geſellſchaft für 1926 10 Pro=
zent
Dividende gegenüber 8 Prozent im Vorjahre verteilen wird, iſt,
wie wir von zuſtändiger Seite hören, nicht richtig, da die G=ſellſchaft
im vorigen Jahre 10½ Prozent Dividende ausgeſchüttet hat. Es iſt auch
für das abgelaufene Jahr aller Vorausſicht nach mit keiner nennens=
werten
Dividendenveränderung zu rechnen. Der Bilanzabſchluß kann
naturgemäß durch die Konſtellation der Eiſenbahngeſellſchaft erſt in eini=
gen
Monaten vorgelegt werden.
Lämmerſpieler Metallwaren= und Schraubenfabrik Melber u. Co.,
A.=G., Frankfurt a. M. Die G.=V. beſchloß, den Verluſt von 43 135 RM.
aus der Reſerve von 64000 RM. zu decken. Begründet wird das un=
günſtige
Ergebnis mit der ſchlechten Wirtſchaftslage und mit Schwierig=
keiten
mit einer ausländiſchen Großfirma. Im laufenden Geſchäftsjahr
ſei die Lage weſentlich geinſtiger.
Brauerei Werger A.=G., Worms. Die Generalverſammlung be=
ſchloß
, aus dem nach 198 494 RM Abſchreibungen verbleibenden Reinge=
winn
von 634 705 RM. auf die 6 Mill. Stammaktien eine Dividende vor
10 Prozent zu verteilen, auf die 7500 RM. Vorzugsaktien eine ſolcht
von 7 Prozent und den Reſt von 34 180 RM. auf neue Rechnung vor
zutragen. Ueber die Auswirkungen der erhöhten Unkoſten auf das
Betriebsergebnis im laufen Jahr läßt ſich noch nich’s Beſtimmtes ſagen.
Neu in den Aufſichtsrat wurden gewählt Bankdirektor Nichard v. Boſck.
(Worms) und Bankdirektor Schmidt=Branden (Berlin).

Frantfarter Karooeticr osü Pe. Binndt Lest!

Staatspapiere
a) Deutſche
6 ½½Neichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30
7% Bayer. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29
6,% H. V.: Sch.
p. 1. 4. 29
G.% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
60.% Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
7½ Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7 29
7%6 Säch). Fr.=Sch.
p. 1. 7 30
6,%6Württ. F. Sch.
p. 1 8 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen
Vorkriegsanleihen
5% D Reichsant
4% D. Reichsanl
4% D. Schutzgb. v.
0811 u. 13...
40 D. Schutzg. v. 14
4% Preuß. Konſ.
4% Baden. ....."
4%Bayern ....."
4½ Heſſen....."
4% Württemberger
b) Ausländiſche
5% Bos. E.B 19141
5%. L.Inv. 1914/
4 ½% 1898 ..
4½% 1902 ..
4½
6% Bulg. Taba109
4 ½% Oſt. Staarst.
v. 1913. Kdb. 1918
4½ FOſt. Schat. 14

0.92
0.3

16.80
16.80

%Oſt. Silberr..
Goldr
4% einh. R. (kon)
3% Port.(Spz) III

5% Rum am. R.03
4½% Gold. 13.
am. konv.
4% am. 05

* Türk. (Adm.)03
9 Türk. Bagd.
(Bagb.)II
* 1911 8oll.

4½% Ung. St. 1913
4½% St 1914
Goldr.
St. 10
Kronr.
Eiſ. Tor. G.

8.5
34.5

22.05
9.2
10.6
14.71
21.4
16.5

28.5
3.25

Außereuro-
päiſche

5% Mex.am.inn.
5% äuß 99
O Gold 04,ſtf.
3% konſ. inn..
4½% Irrigat.
5% Tamaulivas 1
Sachwert= Schuld=
verſchreibungen

Mit Binsberech=
nung

10% Berl. H.-Bk. G.
3
6 Berl. St.=Golbd.
8% Darmſt. St. G.
80 D. Hyp.=Bank
Meining., Goldpf.
3% Frtf.=Hyp.-B.-
Goldpfdbr.
%o Frkſ. Pfbr.=B
Goldpfdbr.
5% Frrf. Bfbr.=Bk.
Goldpfdbr... .. .

23.5

A.

101
103

1C2.6
104

03

% Komm. Ldb. D.
Goldſchuldver
8% Heſſ Ldb. Golb.
0% Komm Elektr.
Mark (Hag.) Gold.
8½ Wannh St.=G.
8% Mainz St.=G.,
3% Naſſ. Ldb. Gold.
3% Pfälzer H. B.
Goldpfandbr. . . .
8% Pforzh. St.=G.
8% Pr. C.,B.-Cr.=B
Gofdpfandbr..
2 Ra.Hyv =B. G.
71/=%Rh. St.=W. 25
10% Rh.=Weſtf. B.=
Cr.=Bk., Goldpf.
8%
3%Südd. B.=Cr.=B.
Goldpfandbr. .
Ohne Zins:
berechnung
5% Bdw. Kohl. 23
6%Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſ. Brk.=Rog.
23
5%.Roggen 23
5% Pr. Kaliw.
5% Pr. Roggenw.
% Südd. Feſt=B. G
Sorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bayr Handelsh...
Bahr. Hyp.u. Wechſ
Berliner Hyp Bk.
Frrf. Hyp.=Bk.
Frrf Pfandbr.=B
Hamb. Hyp.=B..
Mecklb Hyp.=u. Wb
Meining. Hyp.B1
Nordd Gr.-Cr.=Bk
Pfälz. Hhp.=Bt....
Preuß. Bod.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B. KCr.=B.

A
101.5

02

103.5
100.75
148

18.6

7.1

17.5

16.2
16.6
17.3
14

Preuß. Pſdbr.=Bk.
Rhein Hyp.=B...
Rh.. Wſtf. B. Cr.=B. / 13.35
Südd. Bobenkr.
Württ Hyp.=Bk. 16.8
Staatl. od. prov.
garanti rt
Heſſ. L.=Hyp=B. /14.3
Landeskr. Caſſel.
Naſſau Ldsb . / 8.25
Obligationen v
Transportanſt.
4%6Dux. Bdb Em.91/ 21.75
48
93
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz. Carl=
Lud.=B.
420o
abg.
4½ Kaſchau=Oderb.
14eio
abg.
5% Oſt. Nwitb. 74
5% Oſt. Südb. (L).)
2,6% Alte".
2,6% Neue,
14
5% Oſt.=Ung. 13/74/ 25
4¾ Oſt. Staatsb. 83 14.75
3% Oſt. . 1.b.8.E.
3%Oſt. 9. E.
3%Oſt. 1885
3%Oſt. Erg.Netz/ 20.75
3% Raab Oedbg. 831 32.75
91/ 28.25
13½
3%
971 26
4% Rud. Silber
4 Rud. Salztg.)/ 7.3
4½% Anat., S.1 30
4½% Anat., S. III 23.2-
4½% Anat., S. 1II/ 26
3% Salon. Monaſt. 25.
5% Tehuantepec. .
1½%
Zank=Aktien
Allg. D.=Kredin: . .
Bad. Bk. . . . . . . . . 178
Bk. f. Brauind. . . . 1222

Barmer Bantbo.
Bay Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsgeſ
Comm. u. Privatb
Darmſt. u. Nat=Bk.
Deutſche Ban
D. Eff.u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bf. Mein.
D. Vereins=Bk.
Dist.=Geſellſch. ..
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk.... .
Frrf. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. intern. Ban
Metallbank
Mitteld. Credſtb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbk.
Rhein=Hyp.=Bk.
Südd. Disc.-Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banlverein
Zergwerfs=Akt.
Bochum, Bergb. ..
Buderus.
Dt. Luxemburg . . . / 188
Eſchw. Bergw...
Gelſenkirch. Bgw. 1183
Harp. Bergb..
Jlſe Bergb. St.. 1257.5
Genußſchein 169
Kali=Aſchersleb. 171.-
Kali. Salzdetfurt. 1216
Kali. Weſterregln
Klöcknerwerke .. 17 .25
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder . . . . . 148
Oberbedarf ... . .."
Otavi=Min.=Ant.
Phönix=Bergb. .. .
Rhein. Braunk. . . .
Rhein. Stahlw.. . .
A. Riebeck Montan
Rombach. Hütte .1420

187.5
218
218
269
190
15.5
17.)
131
83.5
184.5
149.7
200
178
13.5
182.5
18
218
176
57.05
210.5
170
10.75
7.05

187
119.9
188
180.5
214
121.5
44.25
13 .2-
208.
184
13.25

5
Salzwerk. Heilbr
Tellus Bgb..
154.5
Ver. Laurahütte.
Ver Stahlwerke.
Indnſtrie=Art.
Brauereien
Eichbaum(Mannh. //130
Henninger ... . . . /289
Hercules. Heſſiſche
Löwenbr.=Münch..
Mainz. Aktienbr. . .
Schöfferhof(Bind.)
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg
Zerger .
Rikum. Berlin.
Adler & Oppenh.. 1170
Adlerw. (v. Kleyer)/127
6%E. A. G. Vzg.A. 1101
5% A. E. G. Vzg. B.. :
A. E. G. Stamm . . . 171.25
Anglo=Cont. Guano
Aſchaff. Zellſtoff ../180
Badenia (Weinh.)
Bad. Maſch. Durl. /130
Bad. Uhren, Furtw./ 33.1
Bamag- Neguin
65
Baſt Nürnberg
Buhr. Spiegel
Beck & Henkel".
107
Bergmann El.
54.5
Bing. Metall..
Brem.=Beſigh=Ol../40
Bürtenfbr. Erlang./ 92
Sement=Heidelb. (14 .75
Cement, Karlſtad
170
Cement, Lothr.
180
TShem. Albert.
11.2.5
Chem. Brocky.
1401
Chem. Milch
Daimler=Benz A. G./ 91.5
Dt. Eiſenhandel. .
Deutſche Erdöl ..."
D. G. u. Silb. Scheid. /250
Dingler, Zweibrück.)

Mai He
Dürrkopp..
Dürr. Ratingen
Lyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
El Licht= u. Kraft
El. Lieferung ..
Eli Bad. Wolle
Email. U rich .. .."
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn..
Faber Bleiſtift..."
Faber &. Schleicher
Fahr. Pirmaſens
Farbenind. J. G
Felten & Guilleau
Feinmech. (Jetter)
Feiſt, Sekt. Frkf.
Franrfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.-M. Pok. u. W
Fuch Waggon St.
Zeiling & Cie.
Germania Linol.
Gelſenk. Gußſt. . . .
Goldſchmidt, Th. ..
Gotha Waggon ..."
Gritzner, Maſch.. . .
Grün & Bilſinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen
Hanf. Füſſen .. .
Hanſa Lloyo, Br.
Hartm. & Braun ..
Heyligenſtaedt. ...
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ...
Hoch=Tief Eſſen".
Holzmann
Holzvert. Ind.. . .
Hydrom. Breslau
Fnag .. . . . ..
Funghan: St...
Kammg. Naiſersl.
Karlsruher Mach. ..

T5
53.5
Kis

S6
92

138.75
S4.75
328.5
171.5
122
165
13.7.
92
0.52
105.75
5)
17
48
2a
38.7.
170

142.5
72
130
24.75
117
121.5
723.5
179.5
9a.9
67.5
88
1151g

Karſtadt, R.
Rlein Sch. & Becker 114.75
Knorr, Heilbronn 173.5
Konſerv. Braun .. 83
Krauß, Lokom. .
Lahmeyer
161
Lech Augsburg . . . 135
Lederw. Rothe 45
Spi harz.
Lingel Schuhw.
Löhnberg. Mühle 63.25
Ludwigsh. Walzm. 135
Lüdenſcheid Metal!/
Lux, Induſtrie
Rainkraft Höchſt 1149
Nars=u. Nürnberg
Metallgeſ. Frrf. 1184
Niag. Mühlenb. 157
Moenus. Stamm 78
Motoren). Deutz
Motorenf. Oberurſ. 7
Nünh. Lichtſpielk. /118
Neckar). Fahrz. .. 1123
Neckarw. Eßlingen
Beters Union
Pfälz. Näh Kayſer/129.5
Philipps..
Porzellan Weſſel 52
Prometh. Frkf.
25
Rein. Gebb. & Schal/1 40
Rhein. Elektr.
179
Rhenania, Aache
Rütgerswerke /133.7.
Schleußner ...
Schneid. & Hanau.
Schnellpr Frank. 111.25
Schramm Lackf. 107.5
chrift, Stemp..
Schuckert, Elektr. /169
Schuhf. Weſſel ... 86
Schuhf Herz .... 82.5
Schulz Grünlack /64
Seilind. Wolff .. 95
Siemens Glas
Siemens & Halste /207.75
Südd. Immob. . . 103
Thüring- Lief.-Geſ. 1114.9

Uhren Furtwängl.
Beithwerke
Ver. f. Chem.Ind.
Ver. d. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bin.=Frtf
Pinſel=Nürnberg
Ultramarin . . . .
Zellſtoff Berl. ...
Vogtl. Maſch. ..
Voig:& Haeffner
Volthom Seil
Bayß. & Frey ia
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhof .."
Zucker). Waghäuſei
Zuckerf. Franfenth
Zuckerf. Heilbronn
Zucker Offſtein
Zuckerf. Rheingau
Zuckerf. Stuttgar

Transpori= und
Beriicherungs=Akt
A. Dt. Eiſenbahn
Dt Eiſenb. Geſ
El. Hochbahn=Ber
Schantung E.B.
Südd. Eiſenb.=Ge
Hapag .."
Nordd Lloyd..."

Frrft. Allg. Ver)
Frankona Rückv.

Darmſt. Berte
Bahnbedarf
Dampft. Rodberg
Helvet ia Kon)..
Gebr. Lutz ...."
Motor :. Darmſt
Gebr. Roeder ....!
Venuleth & Ellenb.

A
7
145
100
141.75
84
171
142.76
2 7.25
144.5
1 6
144.75
185.5
194.5
145

110
130
15.25
175
62

130

18.s

[ ][  ][ ]

Nummer 16

Sonntag, den 16. Januar 1927

Seite 13

Wichtige techniſche Beratungen des Reichskohlenrats. Am 25. Ja=
ruar
, nachmittags 3 Uhr, und am 26. Janar, vormittags 10 Uhr, fin=
dan
im Ingenieurhaus in Berlin die Vollverſamlungen der techniſchen
2usſchüſſe des Reuhskohlenrats ſtatt. Tagesordnung der am 25. Ja=
mrar
ſtattfindenden Verſammlungen: 1. Internationale Kohlentagung
in Pittsburg, Berichterſtater Prof. Dr. Fiſcher (Ausſprache). 2. Gas=
ſcnverſorgung
, Berichterſtatter Generaldirektor Dr.=Ing. Pott (A. G.
Kohleverwertung), (Ausſprache. Die Tagesordnung der Verſamm=
ig
am 26. Januar iſt: Ausſprache über Bergeverſatzverfahren, ſowie
äner elektriſchen und Druckluftbetrieb unter Tage. Beide Sitzungen
ſird öffentlich; der Eintritt iſt frei.
Frankenthaler Brauhaus. Die G.=V. genehmigte die Bilanz und
ekledigte einſtimmig die Regularien. Aus dem Reingewinn von 145 683
NSM.= der nach 56 246 RM. Abſchreibungen verbleibt, wird auf das
22000 RM. betragende Aktienkapital eine Dividende von 10 Prozent
vrrteilt. 20 000 RM. werden dem Rücklagekonto, 25 000 RM. für Neu=
bruten
zugewieſen und der Reſt von 20 863 RM. wird auf neue Rech=
ng
vorgetragen.
Die Spareinlagen in Bayern. Nach den Zuſammenſtellungen des
atiſtiſchen Landesamts haben die Spareinlagen in Bayern Ende No=
amber
einen Stand von 225,1 Millionen RM. erreicht gegemüber 214,1
Millionen RM. Ende Oktober. Ende 1913 betrugen die Spareinlagen
Millionen RM. Im Scheck=, Giro= und Kontokorrentverkehr wur=
dan
im November 132,5 Millionen RM. eingezahlt und 131,6 Mill. RM.
hegehoben.
Aktienmiſſion der Belgiſchen Nationalbank. Der Finanzminiſter hat
de Bedingungen ſür die Emiſſion von 50 Millionen Attien der Belgi=
en
Nationalbank gebilligt. Die Emiſſion iſt in dem Dekret über die
Cneuerung des Privilegs der Nationalbank vorgeſehen. Die Aktien
trerden zu einem Kurs von 2000 Fr. pro Stück ausgegeben.
Abſchluß eines engliſch=portugieſiſchen Schuldenabkommens. Zwiſchen
örr engliſchen und portugieſiſchen Regierung iſt es zu einem Abkommen
ſiier die Schuldenliquidation gekommen. Hiernach verpflichtet ſich die
uortugieſiſche Regierung, eine Summe von 125 000 Pfund Sterling im
rahre 1926, 250 000 Pfund Sterling in 1927, von 300 000 Pfund Sterling
1928, von 350 000 Pfund Sterling in den Jahren von 1929 bis 1938,
110 000 Pfund Sterling in den Jahren von 1939 bis 1987 und 200 000
AFfund Sterling im Jahre 1988 zu zahlen.
Ein neues Riefenverkehrsunternehmen in Amerika. Die Northern
Atcifique and Great Railway kündigt die Abſicht an, zu fuſionieren. Die
u entſtehende Geſellſchaft wird auch die Chicago Burlington and Que=
voh
Raiſlvay und die Colorado and Southern Railroad aufnehmen,
daß damit ein Nieſenverkehrsunternehmen im Nordwveſten der Ver=
eiatigten
Staaten gebildet wird. Die Geſellſchaft wird 650 Millionen
Soollar Kapital aufweiſen und 28000 Meilen Schienenweg beſitzen.

Die Ein= und Ausfuhr Japans. Wie die Agentur Indo Parifie aus
Tokio berichtet, wird in einem amtlichen Bericht feſtgeſtellt, daß ſich der
Wert der Einfuhr nach Japan im Jahre 1926 auf 2043 Millionen Yen
und der Wert der Ausfuhr auf 275 Millionen Yen beläuft.

Produktenberichte.

Berliner Produktenbericht vom 15. Januar. Das Produktengeſchäft
hat ſich noch mehr beruhigt. Nachdem die Nachrichten von den Welt=
märkten
ſchwächer lauteten, wurden auch die Cif=Forderungen teilweiſe
recht merklich ermäßigt. Für Inlandsweizen iſt die Tendenz durchweg
ſchwächer, da einmal größeres Angebot hereinkam, andererſeits aber
nur vorſichtiger Kauforders gegben wurden. Termine wurden für
vordere Monate im Durchſchnitt 1 Mk., für Juli um ½ Mk. niedriger
notiert. Roggen entwickelte ſich trotz Inlandsfonderungen weiter nach
unten. Die Käufer ſtehen einer neuerlichen Hauſſe in Roggen miß=
trauiſch
gegenüber und verhalten ſich dementſprechend recht abwartend.
Der Mehlhandel war heute allgemein ſehr ſtill geworden. Auch in
Futtergetreide hält die Geſchäftsruhe der letzten Tage an. Lediglich
Kleieartikel bei vereinzelt lebhaften Umſätzen gut behauptet.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 15. Jan. (Priv.=Tel.)
Weizen: Eine ſchleppende Exportnachfrage führte anfangs eine ab=
geſchwächte
Tendenz herbei. Dann trat eine Befeſtigung ein, da Glatt=
ſtellungen
beobachtet wurden und die heimiſchen Mühlen ſich kaufluſtig
zeigten. Die Termine ſchließen ½ C. über geſtern.
Mais: Der Markt zeigte während des größten Teiles einen feſten
Verlauf, da die Farmbewegung nur klein war. Der Schluß war ab=
geſchwächt
auf Liquidationen. Die Termine zeigen leichte Aufbeſſerungen.
Hafer: Der Markt nahm einen ziemlich ſtetigen Verlauf bei regem
Geſchäft.
Baumwolle: Beſſere Kaufluſt der amerikaniſchen Spinner und
geinſtige europäiſche Spinnerberichte verurſachten einen feſten Veröffent=
lichungsverkehr
. Der Schluß war abgeſchwächt auf Verkäufe der Loko=
firmen
. Die Termine zeigen noch Gewinne von 46 Pkt.
Kaffee: Der Markt nahm einen feſten Verlauf auf beſſere Nach=
frage
des hieſigen Handels, das Anziehen der braſil. Deviſe und zurück=
haltendes
braſil. Angebot. Die Termine zeigen Gewinne von 712 Pkt.
Zucker: Der heutige Markt verkehrte in abgeſchwächter Haltung
auf niedrigere ausländiſche Notierungen und Abgaben der Wallſtreet.
Später trat eine Befeſtigung ein, als Europa größere Käufe tätigte.
Kakao: Der Markt zeigte eine abgeſchwächte Haltung auf erheb=
lich
niedrigere Kabelmeldungen und Kaufreſerve der Fabriken.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Zu den bereits gemeldeten Kapitalserhöhungsplänen des Rheiniſch=
Weſtfäliſchen Elektrizitätswerkes in Eſſen verlautet, daß eine En=
höhung
des 140 Mill. RM. betragenden Aktienkapitals um 40 Millionen
RM. auf 180 Mill. RM. beabſichtigt iſt.
Durch Beſchluß des Ausſchuſſes iſt als Nachfolger des verſtorbenen
Kommerzienrates Dr. Georg Heimann, Breslau, Herr Dr. Eduard v.
Eichhorn i. Fa. Eichhorn u. Co., Breslau, zum Vorſtandsmitgliede des
Zentralverbandes erwählt worden.
Die Organiſation der Nähſeiden=Fabriken hat mit Wirkung vom
1. Januar eine Ermäßigung der Preiſe für reale und Schappe=Seiden
ſowie fiir Seidenerſatz vorgenommen.
Aus London wird berichte, daß über die vom 14. Januar ab gelten=
den
Frachtſätze hinaus eine neue Erhöhung der engliſchen Frachten um
10 Prozent am 1. Februar in Kraft tritt. Unter dieſe Erhöhung fallen
insbeſondere Kohlen und Koks, ſowie alle weſentlichen Induſtrieartikel.
Die engliſchen Eiſenbahnen geben eine Erhöhung der Frachttarife
bekannt. Die Zuſchläge werden von 50 auf 60 Prozent erhöht.
Wie aus London verlautet, ſoll eine Geſellſchaft mit einem Kapital
von 250 000 Pfund gegründet werden mit dem Zweck, von der Senſible
Heat Diſtillation, Ltö., für Großbritannien die Rechte des L. and N.=
Prozeſſes für Kohleverflüffigung zu erwerben. Der Name der Geſell=
ſchaft
wird lauten: L. and N. Coal Diſtillation, Ltd.
Wie die Blätter erfahren, planen die polniſchen Kohleninduſtriellen
eine Preiserhöhung der Kohle.
Der Chef der tſchechoflowakiſchen Delegation fährt Ende dieſes
Monats nach Bern, um dort den tſchechiſch=ſlowakiſch=ſchweizeriſchen
Handelsvertrag zum Abſchluß zu bringen und zu unterfertigen. Am
Montag werden die handelspolitiſchen Verhandlungen mit der ungari=
ſchen
Abordnung fortgeſetzt.
Nach einer Meldung der Prager Preſſe beabſichtigt eine Anzahl
engliſcher Induſtrieller eine Reiſe in die Tſchechoſlowakei zu unter=
nehmen
, um tſchechiſche Betriebe kennen zu lernen und Fragen des
britiſchen Zollſchutzes zu beſprechen.
Zwiſchen der Verwaltung der rumäniſchen Staatsbahn und dem
Stahlwerksverband, Tüſſeldorf, iſt nunmehr endgültig der Vertrag auf
Lieferung von Eiſenbahnoberbaumaterial im Geſamtwerte von 40 Mill.
KM. zuſtandegekommen. Der Vertrag wird auf Reparationskonto aus=
geführt
werden.
Die Notierung für Pennſylvania=Rohöl wurde in Neſv York um 25
Cents auf 3,40 Dollar per Faß erhöht.

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Sonntag, den 16. Januar 1927

Nummer 16

Die tolle Herzogin.

Roman von E. Klein

(Nachdruck verboten.)

KXIII.
Als die Schweſtern nach Hauſe kanten, meldete Mutter Anne,
es habe bereits zweimal eine fremde Lame angerufen und nach
der Frau Herzogin gefragt.
Hat ſie keinen Namen genannt?
Nein. Die Stimme war auch ganz und gar unbekannt.
Sie ſagte, ſie werde wieder anrufen, denn ihre Angelegenheit
ſei äußerſt dringend.
Wer kann das ſein? fragte Grace, die immer geneigt war,
in Unruhe zu geraten.
Gloria zuckte die Achſeln.
Wozu ſich unnütz den Kopf zerbrechen! Ich halte es für
beſſer, jetzt erſt einmal etwas zu eſſen. Wer weiß, fügte ſie mit
bitterem Lächeln hinzu, ob das nicht die letzte Mahlzeit iſt, die
ich in meines Vaters Haus einnehme!
Gloria
Nun ja einmal muß es doch geſchehen, nicht wahr?
Wie lange ſoll Harald noch für mich leiden?
Grace wußte nichts darauf zu erwidern. Mit geſenktem
Kopf ſaß ſie da. Kämpfte mit ſich. Mit ihrer Feigheit, ihrer
Angſt. Gloria läutete und bat Mutter Anne, für ein ausgie=
biges
Eſſen zu ſorgen.
Ich werde morgen mit ihm ſprechen
Du willſt ihm alles ſagen
Gloria maß die Schweſter mit ſonderbarem Blick.
Ich ich habe es mir überlegt. Ich muß mich doch nun
einmal als Mörderin dem Gericht ſtellen, warun ſoll ich nicht
auch die Sache mit den Briefen auf mich nehmen? Was macht
das noch aus? Wozu dem Vater doppelten Schmerz bereiten?
Furchtſam, niedergedrückt von ihrer Scham glitt Grace auf
ſie zu. Kniete vor ihr nieder und legte weinend den Kopf in
ihren Schoß.
Nicht weich werden, ſagte Gloria. Trachte vor allem mit
deinem Manne ins Reine zu kommen. Werde ihm die Frau, die
er verdient!
Oh es iſt ſo feige von mir, ſo ſchmählich! Gloria
höre, nimm mich mit zu Harald! Ihm will ich die Wahrheit
fagen! Ich muß es! Ich will nicht mein neues Leben mit einer
Lüge beginnen! Er wird verzeihen und begreifen. und dann
Gloria wenn man dich vor Gericht ſtellt, wird man dich
ganz anders beurteilen, wenn man weiß, daß du den Mann
getötet haſt, um die Ehre deiner Schweſter zu verteidigen! Du
wirſt ſehen, man wird dich ſogar freiſprechen!
Ich weiß nicht, Grace.
Doch dieſe umklammerte ſie feſter und feſter!
Du darfſt dich nicht für mich opfern! Ich fühle es, ich
weiß, ich könnte die Schmach nie und nimmer tragen! Wenn
du bereit biſt, für das zu büßen, was du meinetwegen getan
haſt, warum ſoll ich nicht büßen für meine eigene Schuld?. Der

Vater liebt dich Gloria!. Der Kummer über dich würde ihn
töten! Und Gloria du haſt nie davon geſprochen, aber ich
weiß, du haſt immer und immer daran gedacht. Gloria, was
ſoll mit deinem Kinde geſchehen?
Da fuhr Gloria auf. Wild ſtieß ſie die Schweſter von ſick.
Schrie in der Not der verzweifelten Mutter:
Warum ſprichſt du davon? Wenn ich nicht einmal wage,
daran zu denken!
Mutter Anne kam berein.
Ich habe im blauen Zimmer anrichten laſſen! Kommt,
Kinder, ehe es kalt wird!
Der Hunger Glorias war verflogen. Stumm ſaß ſie der
Schweſter gegenüber und ſtocherte auf dem Teller herum, den
ihr die. Alte hinſtellte. Ihre Gedanken waren weit draußen
dort droben in Sainsbury Caſtle bei ihrem Jungen
Sie beſchloß, Mutter Anne hinaufzuſchicken und ihn nach
London bringen zu laſſen. Man würde ihr ja geſtatten, ihn zu
fehen Auch ſpäter ſicher von Zeit zu Zeit! Jetzt, da
die Schweſter an dieſe Stelle gegriffen hatte, ſchmerzte und
quälte ſie mehr als alle andern Sorgen.
Ihr Kind
Ein Lakai erſchien und flüſterte Mutter Aune einige Worte
zu. Dieſe kam zu Gloria.
John meldet, die Dame von vorhin iſt wieder am Tele=
phon
.
Müde erhob ſich Gloria und ging in das Empfangszimmer,
wohin die Leitung umgeſtellt worden war. Die Glieder waren
ihr ſchwer. Ihr Geiſt, ihr Mut hoffnungslos auf ein=
mal
. Ob ſie nicht mit dem Beſuch bei Harald wartete, bis
ſie ihr Kind geſehen hatte
Hier ſpricht die Herzogin von Sainsbury, ſagte ſie gleich=
gültig
, als ſie den Apparat aufnahm.
Die Stimme einer jungen Frau antwortete. Engliſch ſprach
ſie, aber mit einem fremden Akzent.
Iſt dort ganz beſtimmt die Herzogin Sainsbury? Her=
zogin
Gloria?. Die Angelegenheit iſt nur für ſie beſtimmt.
Ja ja ich bin es. Wer ſind Sie?
Das kann ich nicht ſagen. Ich habe nur eine Botſchaft zu
übermitteln.
Eine Botſchaft? Von wem?
Auch das kann ich nicht am Telephon mitteilen. Meine
Botſchaft lautet: Wenn die Herzogin von Sainsbury die ge=
wiſſen
Papiere, die ſie ſucht, zurückhaben will, möge ſie morgen
abend um 9 Uhr im Saal Ambaſſadeurs im Kurſaal zu Oſtende
ſoupieren.

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Gloria ſchwankte. Mußte ſich an der Tiſchkante feſthalten.
Iſch ich morgen 3 ſtammelte ſie
Morgen abend um neun Uhr im Saal des Ambaſſadeurs.
Ein kleiner, ſcharfer Klicks die Fremde hatte angehängt,
XXIV.
Punkt elf fuhr am nächſten Vormittag Sir Walter vor Buru=
ham
Houſe vor, machte aber ein ſehr betroffenes Geſicht, als ihm
ſtatt Glorias Lady Grace entgegentrat.
Ich dachte, die Frau Herzogin wollte ſelbſt kommen?
Sie läßt um Entſchuldigung bitten, Sir Walter, ſie kann
den verſprochenen Beſuch heute nicht machen. Sie wurde geſtern
abend dringend von London abberufen.
Mylady geſtatten, daß ich etwas verblüfft dreinſchaue!
und was ſoll nun aus dem Beſuche bei Lord Neville werden?
Ich werde Sie bitten, Sir Walter, mich anſtatt, meiner
Schweſter hinzuführen.
Sir Walter verbeugte ſich, und Lady Grace eilte davon, um
ſich zum Ausgang bereit zu machen.
Ihm ging dieſe plötzliche überhaſtete Abreiſe Glorias durch
den Kopf. Je länger er darüber nachdachte, deſto myſteriöſer
ſchien ſie ihm. Mußte für ſie nicht das erſte und wichtigſte Er=
fordernis
ſein, Harald zu ſprechen? Der Grund, der ſie davon
abhielt, war alſo gewiß ein noch gewichtigerer, einer, dem ſie ſich
unbedingt unterordnete. Hm
Lady Grace trat ein. Bleich, ſichtlich bemüht, ihre Aufregung
niederzukämpfen. War ſie doch im Begriff, den ſchwerſten Gang
ihres Lebens anzutreten.
Einen Moment, Myladh, ſagte Sir Walter, dürfte ich, dn
die Damen mich nun doch wohl endlich in ihr Vertrauen ziehen,
fragen, wohin die Herzogin berufen wurde?
Grace zauderte, und dieſes Zaudern ſagte ihm genug.
Man hat irgendwohin, gerufen, um ihr den Vertrag zu
geben. Iſt es ſo oder nicht, Lady Grace!
Sir Walter war kein großer, kein ſtattlicher, kein imponie=
render
Mann. Frauen gegenüber ſchon gar nicht zu ſeinem
größten Leidweſen. Aber in ſeiner Frage klirrte jetzt eine ſo
verbiſſene Energie, daß ſich Grace ganz erſchrocken unter ihr
duckte. Sie war ja keine Kämpferin. Und dann hatte Gloria
nicht beſchloſſen, Sir Walter die volle Wahrheit zu ſagen?
Geſtern abend telephonierte eine fremde. Dame, Gloria
möchte ſich heute abend in Oſtende ich glaude, im Kurſaal
die Payiere abholen
Die Papiere? Wie Lanzetten ſtachen ſeine Augen in die
der ängſtlichen Frau.
Ich meine natürlich deu den Vertrag
Wollen wir aber jetzt nicht gehen, Sir Walter?
Einen Moment noch Mylady! Eine fremde Dame, ſagten
Sie, war es, die anrief? Ihnen ſowohl wie der Frau Herzogin
unbekannt? Iſt es da nicht etwas vermeſſen, ſo ins Blaue hin=
einzufahren
? Sie haben doch geſehen, mit welch verzweifelter
Bande wir es zu tun haben!
Sie meinen, Sir Walter, man will Gloria in eine Falle
locken?
Ich fürchte
Lady Grace, darf ich einen
Moment das Telephon benutzen?
Ohne ihre Erlaubnis abzuwarten, bemächtigte er ſich des
Apparates und rief das Hotel Ritz an.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 16

Sonntag, den 16. Januar 1927

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so schimpft irgenduo Jemand. Warum diese Aufregung?
Sehen Sie sich klerm Schweinebraten aus Pinne an.
DieserMann geuann letsthin bare angeblich steuerlose 5o0o00l
NIärker. Das ist ein Geldchen, was?
Mensch, Schweinebraten, wie hast Du das bloß gemacht?
Gans einfach‟, s0 lachte er seine Freunde an. Ich träumtel
erst von einerg und dann von einer 8. Da rechnete ich mir aus9 mal8
macht 63, die Nummer nimmste. Na, wer hat recht gehabt?
Also auch falsche Rechnungen können Segen bringen. Wie ont!
bleiben Scheinrechnungen unwidersprochen.
Auch unser Münchner Kindl, das Wahrzeichen der alten welt-
bekanntenZuban
-Zigarettenfabrikzunterhältsich mit Dr.Ali Nabi, un-
serem
Tabakdoktor, darüber,als beide neue Lagerhallen durchaueren.
In diesen besonders sicher verschlossenen Speichern sind jene
Partien, die nur begrenzt verfügbar sind. Sie werden von altersher nur
für Zuban bewahrt, so unterrichtet der alte Tabakdoktor das Kinal.
Du sagtest mir, daß in Deiner Heimat andere für ein und die-
selben
Zigaretten immer wieder andere Namen prägen und diese
fortwährend in neuen Packungen herausbringen. Bei den Qualm-
rauchern
ersielen sie damit vielleicht Augenblickserfolge.
Freuen wir uns darüber, daß Zuban nicht so oberflächlich
ist, um mit solchen Scheinrechnungen zufrieden zu sein. Die
Zuban-Raucher sind anspruchsvolle Qualitätsraucher:
Sie bilden eine große Zuban-Rauchergemeinde, die täglich neue Zu-
banfreunde
wirbt. Diesen Gedanken durch immer größere Leistun-
gen
weiterzutragen, das soll unsere vornehmste Aufgabe sein.
Übermorgen hören Sie mehr!
Die Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie
die Zeiten, Wir gehen mit! Die leichten süffig süßen Mischungen
unserer Zigaretten sind Glansstücke der heutigen Zigaretten- Her-
stellungsart
.
Drum seien Sie nicht nur Lebenskeünstler, sondern
werden Sic Künstler des Geschmacks!
Rauchen Sie die 4 Pfg.-Zigarctte
Zuban Nr. 6!

Altttt Alle Maſſen=Artikel für Aattt
Sutt und Karneont

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11226)

[ ][  ][ ]

Seite 29

Sonntag, den 16. Januar 1922

Nummer 16

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voranſchlag
Neu= bezw. Erſatzwahlen Ver=
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Kreisturnfeſt Veranſtaltungen.
Anträge zur Generalverſammlung müſſen bis 19. d. Mis. an
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Leitung: Obermuſikmeiſter Hauske
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im Moxartsaal, Schulstraße 8
Beethouen-Feier
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Vortrag: Beethoven und wir
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Inschlielend musikal. Vorkräge für Violine u. Gesang
von Meisterschdlern d. Städt, 4kademie
Eintritt frei! (1236/ Gäste willkommen!

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am Donnerstag, den 20. Januar 1927,
abends 8 Uhr,
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaues
1. Gedächtnisrede: Abgeordneter Dr. Keller,
Büdingen.
2. Vorführung des Bismarckfilms.
Die begleitende Muſik ſiellt der Verein
ehemaliger Militärmuſiker.
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unnummerierte 0 30 Mark. Vorverkauf ab Montag, den
47. Januar, bei der Geſchäftsſielle der Deutſchen Volks=
partei
und am Verkehrsbüiro.
(1244

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Heute Sonntag Abend
Familien-Konzert
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1258

HIr. Hfäfer Grei D
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Sonntag, den 16. Januar 1927 (1254
im Zentral=botel (früher, Ludwigshalle)
großes Kappenkränzchen
Anfang 61 J422B4ND Anfang au
Es ladet freundlich ein Der Vorstand

Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus
Sonntag, den 16. Jazuar 1927
abends 7 Uhr.
Sonntags=Fremdenmiete (5. Vorſt.)
In derNeueinſtudierung u. Neuinſzenierung
Robert und Bertram
oder: Die luſtigen Vagabunden
Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Abteilungen von G Räder
Muſik von verſchiedenen Komponiſten
In Szene geſetzt von Ernſt Legal
Muſikaliſcher Leiter: Fritz Bohne
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
1. Abteilung: Die Flucht
Robert, Arreſtant . . . . Nobert Klupp
Bertram, Arreſtant . . . Paul Maletzki
Strambach, Gefängnis=
wärter
, Invalide . . . Heinrich Kuhn
Michel, ſein Neffe.

Der Fllm der Deutschen

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Bweite Schildwache . . . Otto Wenke
Hans Debus
Ein Korporgl".
2. Abteilung: Die Hochzeit
Robert Klupp
Robert
Baul Maletzkt
Bertram
Hans Epskamp
Mehlmehzer, Pächt
Richard Fürgas
Lips, Wirt
. . Alice Treff.
Röſel, Schenkmäde
Eugen Vogt
Michel .
Frdr. Jachtmann
Brautvater
Erſter Landgendarm. . . Rudolf Wittgen
Bweiter Landgendarm. HansBaumeiſter
Walter Bluhm
Ein Kellner.
Ein Hausknecht . . . . . Hans Ausfelder
Aufwärter, Bauern, Bäuerinnen,
Muſikanten, Brautzug
3. Abteilung: Soiree und Maskenball
. . . Robert Klupp
Robert ..."
. . . Paul Maletzki
Bertram . .. ."
Spelmehzer,ein reicherBanker. Hugogeßler
Sſidora, ſeine Tochter. . Beſſie Hoffart
Samuel Bandheim, ſein
Joachin: Büttner
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Kommerzienrätin Forchheimer,
Iiſe Lahn
ſeine Kuſine.
Dr. Corduan, Hausfreund K. Weſtermann
. . Hans Netz
Jack, Diener.
Masken, Gäſte, Diener, Ballett
Als Einlage: Spitzentanz, ausgeführt
von den Damen. Manda von Kreibig,
Frene Scheinpflug, Dorothea Böhm

4. Abteilung: Das Volksfeſt
Robert Klupp
Robert .
Paul Maletzkt
Bertram
Frau Miller Witwe . . . Marg. Carlfen
Röſel, ihre Pflegetochter . Alice Treff.

Eugen Vogt
Michel . . ."
Heinrich Kuhn
Strambach
Polizeidiener . . . . . . Ernſt Nottluff
Leierkaſtenmänner, Ausrufer, Bauern
und Bäuerinnen
Borkommende Tänze, einſtudiert von der
Ballettmeiſterin Mandu v. Kreibig, werden
ausgeführt von den Damen des Balletts.
Spielwart: Willi Krichbaum
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Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Längere Pauſe nach der 2 Abteilung
Anfang 7 Uhr
Ende 10 Uhr
Montag, 17. Januar. Keine Vorſtellung
Dienstag, 18. Januar. A 10. Wilhelm Tell.
Anfang 71= Uhr. Preiſe 110 Mk.
Mittwoch, 19. Januar E 17. Neu ein=
ſtudiert
und inſzeniert: Die Walküre.
Anfang 6½ Uhr. Preiſe 110 Mk.

Blotkiädent
1862 1898
11 Teil 7 Akte
Schlrmherr Relchspräsident
Generalkeldmarschall von Hindenburg
Der Bismarckfilm ist unparteilich.
Der Bismarckfilm ist kein Tendenzfilm.
Der Bismarekfilm ist vicht das Werk einer einzel. Partei.
Der Bismarckfilm ist das Werk des ganzen Dentsehen
Volkes.
(1334
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Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.
Der Blsmarckfflm nird nur im U. T. vorgefähr,

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vormnittags 11½ Uhr
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Am Flügel: Erich Riede
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Nachmittags 3 und 5 Uhr
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Abends 7½ Uhr
AußerMiete
E geplagder Familjevadder
Darmſtädter Lokalpoſſe in 4 Bildern
von Dr. Georg Büchner
In Szene geſetzt von Eduard Göbel
Bühnenbild: Georg Pfeiffer
Spielwart: Ernſt Langsborf
Aufgeführt durch die Heſiſche Spielgemeinſchaſt
Perfonen:
genotterich, Rentner . . . Julius Harkes
Karoline, ſeine Frau ..Elſe Arnold
Marie, deren Tochter . . Elſe Schopp
Eduard,ihr Sohn (Sekundaner Hans Wolff
Faß, Bierbrauer . . . . . Gg. Rodenhäuſer
Heinrich, ſein Sohn . . . Ernſt Ld. Stay
Edmund Roſenroth, Primaner. H. Harres
Dr Spiehrer; Gymnaſial=
. Ernſt Ld. Göbel
lehrer
Katrine. Magd beiKnotterich . Auguiſte Alt
Heim, Schutzmann . . . Georg Delp
Kohlmann, Schreiner . Willy Hermes
Jakob, Schloſſer . . . . . Adolf Sulzmann
Kaufnann, Schneider . . Heinrich Gutläſe
Emerantia Wunderhold Elſe Lauckhardt
Lenchen Bimbelbach . . . Aenne Dörſam
Kätchen Kleinſchmidt. . . Marie A. Alt
Minna, Kellnerin. . . . . Nenue Dörſau
Zeit der Handlung; 1890
Preiſe der Plätze: 1, 2, 3 Mk.
Pauſe nach dem 2. Bild
Ende 10 Uhr
Anfang 7½ Uhr
Montag, 17. Januar. 6 Konzert der Städt.
Akademie für Tonkunſt. Liederabend
Poldi Hehl. Am Flügel: Prkofeiſor Karl
Beines, Anfang 8 Uhr. Preiſe 159, 3.50
und 5 Mk.
Dienstag, 18. Janltar. Keine Vorſtellung,
Mittwoch, 19. Januar. Zuſatzmiete 11, 9.
Zum erſten Male wiederholt: Geld.
Anfang 11 Uhr. Preiſe 18 Mk.

Preise:
0.70 und 1.00

Kinder-
Vorstellung

Kinder
35 nnd 0.50

243)

[ ][  ][ ]

agesſpiegel in Bild ind
TA

16. Januar 1927

Illuſtrierte Wochenbeilage

Nummer z

Das Wort klingt ans Ohr und zaubert Bilder der Erinnerung
wder Phantaſie vors Auge. Eine bunte Folge von Erlebtem und
WVorgeſtelltem zieht vorbei. über nordiſche Seen, über Kanäle
uund Flüſſe ſiegt der Schnelläufer mit Schlittſchuhen ruhig aus=
greifend
auf blanker Eisfläche dahin, Rauhreifnadeln ſchmücken
Die Weide am Ufer, ein ſtahlblauer Himmel ſieht auf ſchneearme
weite vom Froſi zerriſſene Felder, ein ſcharfer Nordoſi treibt den
Häufer vorwärts. Die Landſchaft wechſelt, irgendwo zwiſchen
großen Hotels liegt eine gepflegte Bahn, zwei Eishokey=
mnannſchaften
von internationalem Ruf treten ſich gegenüber,
ſdort auf einer anderen Bahn vergnügen ſich Kurgäſie mit
NCurling. Auf Teichen und künſilichen Eisbahnen unter der Ob=
ſhut
von Eislaufvereinen und Schlittſchuhklubs gedeiht der
Eiskunſklauf vom rhytmiſch wiegenden ſchlichten Bogenlauf
tüber Eistanz und Figurenlaufen bis zur Eisakrobatik und
sexzentrik, deren Leiſiungen ſchon faſi jenſeits der Grenze
ſdes Sports liegen. St. Moritz und eine bunte Welt modiſch
gekleideter Zuſchauer ſieht vor uns. Wem der Reiz der Ge=
ſchwindigkeit
letztes Ziel iſi, der ſucht Befriedigung bei allerhand

Silhouette zwiſchen Himmel und Erde
Schlittengerät. Mit eiſenbewehrten Fußſpitzen, den Kopf durch
Sturzhelm geſchützt, ſauſi dort einer bäuchlings auf vereiſter
Bahn mit ſchwerem, bleigefüllten eiſernen Skeleton zu Tal.
Aus Bobſleigh, Toboggan und Rodel werden auf Natur= und
Kunſiſchlittenbahnen durch berechnetes Steuern und Gewichts=
verteilung
Höchſileiſiungen herausgeholt. Für die große Menge
der Durchſchnittsfahrer gilt freilich auf guter in den Kurven
richtig überhöhter Bahn: Du glaubſt zu ſchieben und du wirſt
geſchoben‟. Der Schlitten macht ohne dein Zutun ſeine Sache
am beſien. All das nennt man Winterſport und vieles da=
von
mag in ſeiner Art auch ſchön ſein. Und doch, verzeiht mir,
ihr Bobfahrer und Eishokeymannſchaften, wenn ich das Wort
Winterſport höre, dann ſehe ich nicht die zugerichteten Bahnen
und den Trubel großer Modeplätze, dann taucht eine beſondere
Welt vor mir auf, die Welt des Skilaufs.
Es iſi das keine Eintagsphraſe, wenn heute Tauſende den
Schneeſchuhlauf den edelſien und ſchönſten Sport nennen. Der
Skilauf iſi eine Weltanſchauung hat einmal einer geſagt und
es iſt vielleicht kein Zufall, daß es kaum ein Buch über Skilauf
gibt, das nicht auch ein Stück ſchlichter echter Lebensweisheit ent=
hielte
, in dem nicht eine Brücke zum Geiſtigen geſchlagen wäre.
Kein Sport faßt ſo ſehr den ganzen Menſchen an und iſi, richtig
geübt, ſo ganz auf Harmonie von Seele und Körper geſiellt. Es

Darmſtädter Ski= u. Wanderhütte am Altſieigerskopf i. Schwarzw.

iſt auch richtig, daß kaum eine Sportart außer dem nahe ver=
wandten
Alpinismus dem Künſiler ſoviel gegeben und in ihm
ausgelöſt hat. Schneeſchuhlauf iſi Wandern auf ſelbſigewählter
Spur, iſi Mittel winterlicher Alpiniſik, iſt Leichtathetik im Lang=
lauf
, aufs höchſie geſieigerte Selbſidiſziplin und Kunſt im Sprung=
lauf
, überall aber regen Gelände und Schnee durch die Viel=
ſeitigkeit
ihres Einflußes auf die Fahrt, den Geiſi zur Mitarbeit
an. Nirgends ſinkt der Schneeſchuhlauf zur mechaniſchen Muskel=
bewegung
herab. Wir ſieigen gleichſam mit den Augen, indem

wir die günſigſien Aufſiiegkehren im Gelände ſuchen und dabei
prüfen, welchen äußerſien Steigwinkel gerade dieſe Schnee=
beſchaffenheit
zuläßt; wir wollen aus der Abfahrt das Beſie
herausholen, indem wir jede Geländewelle, die Verſchieden=
artigkeit
des Schnees und die geheimnisvolle Schwungkraft der
Bretter nützen. Ja, dieſe Bretter, ſie ſind ein Kapitel für ſich. Die
liebevolle Pfiege mit Teer, Leinöl, Spanner und Wachs belohnen
ſie mit treuen Dienſien, fühlen ſich mit ihrem Herrn, je beſſer die
Bindung, um ſo inniger verbunden, die ſchlanke, elegante Linie
iſt auch an ihnen äſihetiſcher Genuß, und keine Trauer um ver=
gängliche
Dinge iſt echter, als wenn einer mit gebrochener Spitze
ſingen muß: Drei Brettl’ a gfführiger Schnee o weh. Mag’s
einer, der zugeſchaut hat, tragikomiſch finden und herzhaft lachen
es iſi ja kein edler Teil verletzt ſo wird er doch gleich bei der
Hand ſein und helfen, denn auch Skikameradſchaft iſi ein un=
geſchriebenes
Geſetz. Wandern im Schnee. Einer, der die ſport=
liche
Bedeutung nicht gering ſchätzte, hat über den Skilauf ge=
ſchrieben
: Du mußt die Winterlandſchaft mit in Kauf nehmen,
wenn du Skiläufer ſein willſi. Aber dieſe Landſchaft wird in
deine Seele leuchten, dir ein Bild von der Welt aufzwingen, in
dem die Kleinigkeiten verdeckt und nur die großen Konturen
ſichtbar ſind. Iſt’s dann nicht naheliegend, daß ſolch ein Sport
die Jugend, die ihm zugetan iſi, nicht klein und kleinlich formen
kann und daß es nicht nur die Muskeln ſind, die ſiraffer und

größer dabei werden. Uber den unendlichen Reichtum der großen
ſiillen Winternatur, ob wie ihr im verzauberten Wald des Mittel=
gebirges
, auf freien Halden oder in der Einſamkeit gewaltigen
Hochgebirges begegnen, iſt ſchon viel Schönes geſagt und ge=
ſchrieben
worden. Was von dieſer Welt ſich jeder erſchließen kann,
hängt von ſeinen Kräften und ſeinem Können ab. Darum ſollte
die Jugend ſich früh üben, die Technik nicht unterſchätzen und
ſich dienſibar machen lernen. Es mag einer im Mittelgebirge ein
recht guter Läufer ſein und iſi doch den Anforderungen des Hoch=
gebirges
nicht gewachſen, wenn er die Geſetze des Skilaufs nicht
kennt und den Schneeſchuh nur mit roher Gewalt zu zwingen
verſucht. Auf der andern Seite darf man ſagen, es iſt nie zu ſpät;
auch den Alten können die langen Bretter noch zum Freund und
Mittler ſchönſien Naturgenießens werden, wenn ſie ſich beſcheiden
mit dem, was ihrer Kraft und dem Grade der Übung entſpricht.
Aber nicht nur die Natur gehört zum Skilauf, es gibt noch einen
anderen erdgebundenen Zauber, ohne den der Skilauf nicht mehr
zu denken iſi, das iſt die Hütte. Die Zupfgeige und Harmonika,
ein behaglicher Herd, ein dampfender Tee, das Skiliederbuch und
allerhand Schnurren gehören dazu. Was ein Tag in Sonne oder
luſigem Schneetreiben an Eindrücken, an Lebensfreude, an
Höhenrauſch in einem Menſchen aufſpeichert, das löſt ſich in
fröhlich=harmloſem Übermut am geſelligen Feuer. Darmſiadt
darf für ſich in Anſpruch nehmen, der erſien bewirtſchafteten
Vereinshütte im Schwarzwald den Namen gegeben zu haben.
In zwei Kurſen, darunter einem Jugendſkikurs von 50 Teil=
nehmern
, hat ſie um die Jahreswende ihre Probe beſtanden.
Möge ſie vielen eine Stätte der Freude und Erholung werden
und ſie zu dauernden Freunden des Winterſports machen. Dr. Kr.

ur Schule
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Ain

aa

[ ][  ][ ]

Parfüm als Kulturgeſchichte.
Von Auguſt Kuhn=Foelix.
Parfümduft weht durch die ganze Weltgeſchichte. Sein ſüßer
Hauch umweht nicht nur zartes Liebesgetändel und die geſelligen
Freuden, er lagert auch um alle Schrecken der Geſchichte, um Mord
und Krieg und Untergang. Alle Zeiten beſchworen dieſen lieblichen
Spuk, bannten ihn in Gefäße oft aus Gold und Silber, ſpäter aus
Porzellan und geſchliffenem Glaſe, um ihn nach Belieben zu ver=
wenden
. Parfüm iſi ein Wein, den man atmend trinkt und der nicht
weniger wundervoll berauſcht. Die Geſchichte des Parfüms kennen
heißt die Kulturgeſchichte der Menſchheit kennen.

Gleich ſein Urſprung greift an der Menſchheit tiefſie Wurzel: denn
die Liebe iſt die Erfinderin des Parfüms. Das lockende Weib erſann
es, um den Geliebten zu feſſeln.
Deshalb iſi wohl auch im grauen Altertum, da keine Frau ſo
frei umherging wie die Agypterin, gerade das Nilland die Heimat
des Parfüms. Durch ein Jahrtauſend waren ſeine Duftwaren
berühmt. Plinius berichtet, daß ſelbſt ſeine Königin Kleopatra die
Erfinderin einer Schönheitscreme war. Die Fabriken von Alexan=
dria
blühten und ihre Arbeiterſcharen wurden, ehe ſie ihren Arbeits=
platz
verließen, genau wie in den großen Induſirien unſerer Tage,
unterſucht, ob ſie nichts von den lockenden Düften mitgenommen.
Die Agypterin hatte in der Anwendung des Parfüms ein
Rafſinement, von dem unſere heutigen Frauen lernen könnten. Sie
gebrauchte für jeden Teil ihres Körpers eine andere Art. Was müſſen
das für feine Abſiufungen geweſen ſein, damit ein köſilicher, Liebe
weckender Duftklang von ihnen ausging?
Von Agypten fand ein reger Transport nach dem Orient ſiatt.
Wie ſiark der Verbrauch von wohlriechenden Eſſenzen und Salben
dort geweſen ſein muß, erſehen wir aus der Bibel, in der nicht eine
Liebes= oder Verführungsgeſchichte ſieht, die nicht von dieſem Rauſch=
miktel
ſpricht.
Im reichen Perſien ſiand lange vor unſerer Zeitrechnung die
Parfümerie, auf hoher Stufe. Als Alexander der Große das Zelt
des Darius betrat, das ſogar ein Bad enthielt, fand er zu ſeiner
großen Freude eine Menge der feinſien Salben und Eſſenzen.
Die Griechen wurden nicht durch Agypten ſondern durch ihre
kleinaſiatiſchen Koloniſatoren mit dieſer Köſilichkeit bekannt. Zur
Zeit des Perikles war die Jugend ſchon ganz in eine Parfümwolke
gehüllt. Sie achtete nicht mehr des ſirengen Geſetzes des Oykurg und
verlachte Sokrates, der für die neue Mode wenig freundliche Worte
fand. Ihr Vorbild war Alkibiades, dieſer Prototyp aller Stutzer der
Weltgeſchichte. Die Griechen machten es den Agypterinnen gleich
und wandten die verſchiedenſienDüfte gleichzeitig an. Der Parfüm=
laden
ward zum Treffpunkt der Lebewelt; jeden Tag ging man dort
hin. Der gute Ton verlangte es, vor Tiſche ein parfümiertes Bad zu
nehmen, und die Luft im Speiſezimmer war erfüllt von würzigen
Gerüchen.
Die graeco=aſiatiſche Kulturwelle, die mit der Eroberung Sizi=
liens
und des Orients nach Rom drang, war eine wahre Duftwelle.
Alle Lebensgenüſſe wie alle Laſier, die von dort eindrangen, kamen
im duftenden Gewande. Und die Römer, derber als ihre öſilichen
und ſüdlichen Nachbarn, gebrauchten das Parfüm oft in unmäßiger
Weiſe. Bald bildete ſich ſogar ein eigener Stand der Schuhpar=
fümenre
. Die Leute vom Geiſie des Cato ſkandaliſierten ſich; der
Senat erließ in feierlicher Sitzung Geſetze. Doch es half nichts.
Puritanertum und Lebensfreude haben ſich in der ganzen Welt=
geſchichte
gegenüber geſianden und die Lebensfreude behielt immer
recht, denn ſie iſt das Poſitive und das Puritanertum die Negation.
Doch gelegentlich konnten auch die Catogeiſier lachen, wie z. B.
damals, als der Tribun Lucius Plotius vor Sullas Häſchern ſioh,
aber ſich nirgends verſiecken konnte, da ſein Duft ihn überall verriet
und er ſchließlich ſeine Liebhaberei mit dem Tode büßte. Julius
Cäſar, der ſonſt kein allzu großer Freund des Luxus war, muß nichts
Staatsgefährliches in der Anwendung des Parfüms geſehen haben,
Der Tod des Artiſten.
(Wie ich ihn ſelbſi ſah.)
Von Maximilian Maria Ströter.
Die Wander=Arena ſiand auf einem unbebauten Platz in der
Vorſiadt. Mit ihren Bankreihen aus dünnen Planken, den Turn=
gerüſien
und einem hohen Maſi ſah ſie aus wie ein dahinverſchlag=
nes
, ausgeſiorbenes Wrack. Am Abend aber füllte es ſich mit Men=
ſchen
an. Grelle elektriſche Lampen übergoſſen die Antlitze mit gelbem
Schein. Und die Muſik der Blechbläſer war auch grell und gelb.
Aber wenn ſie pauſien und alles erwartend war, fuhr das beleuch=
tete
Wrack auf einem ſehr ſiillen Meere.
Die Blickradien der Erwartenden gingen auf die inmitten ge=
legene
, ein wenig erhöhte Bretterbühne. Uber ihr waren die Turn=
gerüſte
angebracht. Der hohe Maſi ſiand ein wenig ſeitab.
Die Nummern begannen: Ein Clown machte dort, woes ihm nötig
ſchien, den Anſager: mit ſiarker Stimme! Ein Artiſi und eine
Artiſiin traten auf. Die Artiſiin trug einen ſchmutzig=braunen, un=
ſchönen
Trikot, ihr Partner hatte Turnerkleidung an: eine dunkle
Hoſe, ein weißes Hemd und einen Gürtel. Die Frauensperſon
kletterte an einem Trapez hinauf, hing ſich mit den Kniekehlen daran.
hakte die Füße feſi und ließ den Kopf nach unten hängen. Dann gab
man ihr Seile mit Ringen in ihre Hände, und daran turnte unten
der Artiſi. Wie er ſich bemühte, in ſich zu federn, um die Haltende nicht
mit Schnucken zu ſchmerzen! Zwiſchen den Nummern machten
die Spaßmacher Einlagen. Dann kam ein junger Artiſt in Weiber=
aufmachung
: mit künſilichen Brüſten, einer Perücke und Glasperlen.
Er hieß Alfred, wie ich ſpäter erfuhr. Zu Anfang ſeiner Nummer
machte er Kraftproduktionen mit ſeinen Armen und ſeinen Zähnen.

denn als ihm eines Tages geſagt wurde, daß ſchon die Reihen der
Legionen der ſüße Duft umſchwebe, meinte er, vielleicht nicht ohne
den eitlen Hintergedanken, daß ſein ſirategiſcher Geiſt auch mit
weniger draufgängeriſchen Truppen im Vorteil bliebe: Meine
Truppen ſiegen auch parfümiert.
Die römiſche Kaiſerzeit erſtickte faſi im Parfümdunſt. Der Blut=
geruch
, der aus der Areng drang, ward übertäubt von den Wohl=
gerüchen
der Elegants.
In der Völkerwanderungszeit aber verſchwelte der duftende
Zauber und blieb faſi einhalb Jahrtauſend in Europa erloſchen.
Aber nicht liebende Frauen haben für ſeine Erneuerung geſorgt,
ſondern ſeltſamerweiſe rauhe Krieger. In den Kreuzzügen lernten die
Ritter das Parfüm im Orient wieder kennen und die oft mehr
luſiigen als frommen Herren werden bei ihrer Rückkehr zu ihrer
eigenen Freude manch duftendes Geſchenk mitgebracht haben. Durch
die Kreuzzüge wurden die Handelsbeziehungen mit dem Oſien wieder
lebendig und mit weichen Stoffen und anderen Artikeln wurde auch
die lieblichſie aller Waren eingeführt. Bald beginnt wie ein neuer
Frühling die abendländiſche Welt wieder zu duften, erſt zart und
verſieckt wie Erſtlingsblumen, die da und dort an beſonders glücklich
gelegenen Plätzen ſprießen, dann aber ſtärker und ſtärker bis in der
Renaiſſance ein neuer Höhepunkt erreicht iſi.
In Italien, das die geſellſchaftliche und geiſtliche Führung im
r5. Jahrhundert inne hatte und das mit ſeinen Handelsbeziehungen
auch dem Orient am nächſien ſiand waren doch auf den jährlich
großen Handelsmeſſen zu Venedig auf der ganzen Strecke vom Rialto
bis zum Markusplatz in der Mehrzahl die Buden der Parfümhändler
zu ſehen , kommt das Parfüm zuerſi wieder in Mode und breitet
ſich ſchnell aus. Die Schriftſieller jener Zeit haben den Duft in
Schilderungen feſizuhalten verſianden. In einem Werke des Alexan=
der
Piccolomini aus dem Anfang des r6. Jahrhunderts iſi von einer
Bianchetta die Rede, die ſo ſiarke Eſſenzen verwendet, daß es ſchwer
falle, ſich in ihrer Geſellſchaft aufzuhalten und Bandello ſpricht von
einem Jüngling, der ſich derart mit Moſchus, Ambra und
anderen Extrakten übergoß, daß er über die ganze Gaſſe roch. Ja, was
uns heute unbegreiflich ſcheint: Parfüm wurde ſogar an den Speiſen
verwendet, z. B. mit beſonderer Vorliebe Roſenwaſſer an Hühner=
gerichten
und Biſam ſirömte ſo ſiark vom Gebäck aus, daß der ganze
Speiſeſaal davon geſchwängert war. Schließlich ward die Freude zur
Manie,und zu Feſilichkeiten wurden ſelbſt Maultiere mit Salben und
Wohlgerüchen eingerieben.
Allerdings muß man wiſſen, daß dieſe ſiarke Neigung zu Wohl=
gerüchen
nicht allein einer Sinnenfreude entſprang, ſondern geradezu Doch in der Reſiauration mit ihrem frömmelnden Getue ward der
eine Notwendigkeit geweſen ſein muß. Denn die damalige Geſellſchaft
ſtand in des Wortes wahrſiem Sinn im üblen Geruch. Von der Un=
ſauberkeit
, die in der Renaiſſance herrſchte und die ſich bis ins Rokoko / Bis heute wieder eine von Kriegselend und Wirtſchaftskata=
erhielt
, können wir uns in unſerem hygieniſchen Zeitalter kaum noch
eine Vorſiellung machen. Der Biograph Bernardino Corio findet es
derart merkwürdig, daß Galeazzo Maria Sforza zuweilen ein Bad
nahm, daß er es ausdrücklich in ſeiner Biographie vermerkt. Wolfram
von Waldeck ſchreibt im I6. Jahrhundert, daß die Frauen ſich höchſiens
ein= oder zweimal im Jahre waſchen würden, aber mehr als 2oo Jahre
ſpäter, r782, findet ſich noch ein Anſtandsbuch, das beſagt: Es gehört
zur Reinlichkeit, ſich jeden Morgen das Geſicht mit einem weißen

Linnen abzureiben. Von Waſſer iſi alſo nicht einmal die Rede. Am
Hofe der Katharina von Medici in Frankreich genügte ein Waſſer=
träger
für mehrere roo Perſonen, daß Leib= und Bettwäſche faſt kaum
gewechſelt wurden, erhellt der Umſiand, daß vier Wäſcherinnen hin=
reichten
, die geſamte Wäſche des Hofes zu beſorgen. Da iſi es denn
kein Wunder, wenn der Biograph erzählt, daß Maria von Medici in
der Brautnacht beinahe in Ohnmacht fiel von dem Dufte, der von
ihrem erlauchten Gemahl, Heinrich IV. ausging, und dem Sonnen=
könig
warf, wie Saint Simon berichter, ſeine Geliebte Monteſpan
ganz ungeniert vor anderen Leute vor, daß er ſiinke und noch im
Rokoko roch der Tiſchnachbar der Präſidentin de Cuſſy derart, daß der
Man glaubte nicht anders, als daß es ein weibliches Weſen ſei, aber
dann blinzelte er immer ſo verſtändnisinnig, machte ſich auffällig an
ſeinem künſilichen Buſen zu tun und nahm ſchließlich ſeine Perücke
ab. Ein kleiner Junge hing ſich an Alfreds natürliches Haar und ließ
ſich rundſchwenken. Eine langſchmale, braunhäutige Artiſiin, die
unverkennbar Alfreds Schweſier war, braunhäutiger noch als er
kanzte auf der Kugel, jonglierte dazu und ging ſpäter (immer auf der
Kugel) zwei ſchräggeſiellte Bretter hinauf und wieder herunter. Das
iſt ſchwer! Die Nummer zog ſich den Zuſchauern etwas zu lang, die
Anteilnahme erlahmte dadurch, man war wie immer zu wenig
nachdenkſam, um die Leiſtung zu ſchätzen. Die Senſation des
Abends war Der Matroſe im Seeſiurm. So war die Nummer
auf den Plakaten bezeichnet. Der Artiſi, der zu Eingang in Turner=
kleidung
aufgetreten war, kam jetzt in einem Matroſenanzug. Er
kletterte den hohen Maſt hinauf. In ein paar Zügen war er oben.
Die Lichter waren gelöſcht worden. Nur Alfred hatte eine Glühbirne
in einem Kaſien brennen und verſuchte damit, Licht auf den Matroſen
da oben zu werfen. Der legte ſich mit dem Bauch auf die Maſiſpitze,
bewegte Arme und Beine, als ob er ſchwämme; er winkte mit einem
Tuch, als gäbe er Signale; er hielt ſich mit einer Hand in einer
Lederſchlinge feſt, ſiemmte ſich mit der anderen vom Maſi ab und
ſiand wagrecht wie eine Fahne; er hielt ſich mit einem Fuß in der
Schlinge feſt, ſiemmte ſich mit dem anderen ab und ſiand wiederum
wagerecht wie eine Fahne; er breitete freiſiehend die Arme
aus, er drehte einmal das Geſicht zum Himmel empor und einmal
zu den Menſchen da unten. Dann klammerte er ſich mit Armen und
Beinen an den Maſi und ſchwenkte ſich mächtig hin und her. Das
ſollte innerhalb ſeiner Nummer heißen: jetzt iſi der Sturm da. Ein
Mitglied der Truppe ſiampfte die Erde unten um den Maſi herum
feſt. Man hörte allerwegen Frauen kreiſchen; die Männer murmelten.

unſaubers Tiſchgenoſſe, der ſich nicht entfernen wollte, durch den Gaſt=
geber
, den Herzog von Chaulnes, verhaftet werden mußte. Das gibt
ein ungefähres Bild glücklicherweiſe nicht einen ungefähren Duft.
Karharina von Medici führte die große Parfümmode in Frank
reich ein, wo dann die Herſiellung zu allergrößtem Raffinement ge=
führt
wurde. Als gefeiertſier Parfümeur ragt aus einer großen Schar
berühmter Kollegen Martial hervor, der zu Ludwig des XIV. Zeiten
lebte. Er kannte über hundert verſchiedene Arten von Riechwaſſern.
Eſſenzen, Quinteſſenzen und ätheriſche Ole, ſowie 82 Arten von
Toilette= und Geſundheitseſſigen. Zu welch ungeheuerlichen Formen
die Sucht, ſich zu parfümieren ſchließlich ausartete, zeigen die Rech=
nungsbücher
der Pompadour. Sie benötigte sooooo Frcs., um ihren
jährlichen Bedarf zu decken.
Mit dem ancien regime verſchwand auch ſein Duff. In der fran=
zöſiſchen
Revolution wäre die Anwendung von Parfüm gefährlich
geweſen, aber mit der Hofetiquette des erſien Kaiſerreichs kam es

wieder zurück. Joſephine ließ die Wände von Malmatſon ſo ſitark mit
Moſchus beſpritzen, daß noch nach vielen Jahrzehnten Arbeiter, die
eine Ausbeſſerung an der Täfelung vornahmen, von dem Geruch ganz
benommen wurden.
verführeriſche Duft wie eine hölliſche Beſchwörungsformel gemieden.
Ja, unſere Väter und Mütter waren noch ſehr ſparſam damit.
ſtrophen erſchöpffe Welt zu aufreizendem Parfüm wie zu einem Bez
lebungsmittel greift.
Der Handſchuh.
Frauen tragen erſi ſeit dem r3. Jahrhundert Handſchuhe. Und
zwar galten dieſe Handſchuhe damals bloß als Schmuck und wurden
aus Leinen angefertigt. Bald aber wurden ſie beſiickt, verziert und
beſonders in England unter Königin Eliſabeth, betrieben die adeligen
Damen einen großen Handſchuhlurus. Als wärmende Hülle mußte
bis dahin der Faltenwurf ihrer Kleidungsſiücke dienen, denn der
Muff iſt erſt eine Erfindung des r6. Jahrhunderts. Männerhand=
ſchuhe
jedoch kannte man ſchon im Altertum. Starke Lederhandſchuhe
dienten den Griechen als Schutz der Hände bei ſchwerer Arbeit,
dünne Fingerlinge trugen die Kulturvölker des Altertums zu den
Mahlzeiten, um ſich an den heißen Speiſen, die man damals mit
den Händen zerteilte und , die Finger nicht zu verbrennen. Hand=
ſchuhe
galten damals bei Römern und Griechen aber als eine Mode
gſiatiſcher Verweichlichung. Die Sitte, Handſchuhe zu kragen, kam
auch aus Aſien, die Perſer trugen Pelzhandſchuhe zum Schußz gegen
die Kälte.
Im Norden, auch in Deutſchland, trugen die Männer ſchon im
8. und 9. Jahrhundert Fäuſilinge. Zur Ritterzeit war der harte
Lederhandſchuh, der gegliederte oder ſiarre Eiſenhandſchuh unent=
behrlicher
Beſiand der Rüſiung, und auch zur Jagd wurde der Hand=
ſchuh
von den Herren getragen. Den Edlen und der Geiſtlichkeit galt
er als Abzeichen ihrer Würde, und war aus Seide, koſibarſi geſickt,
in den leuchtenden Farben derFürſienkleidung. Auch zum Ornat eines
deutſchen Kaiſers gehörten Handſchuhe. Der Handſchuh galt auch
als Symbol, zur Belehnung, Standeserhöhung, für Markt= und
Münzrecht und zur Gründung der Städte. Daher tragen viele Städte
Handſchuhe in ihren Wappen, die irrtümlich für Hände gehalten
werden. Auch war der hingeworfene Handſchuh Fehdehandſchuh
das Zeichen der Herausforderung zum Zweikampf. Im Jahre I629
ſchenkte der Kardinal Richelieu der Königin Maria von Medick
ein halbes Dutzend Handſchuhe aus Rom, um ihre politiſche Gunſt
zu erlangen, Rubens verlangt als Erhöhung der Bezahlung des
Gemäldes der Kreuzabnahme ein Paar koſibare Handſchuhe für
ſeine Gattin.
Später wurde der Handſchuh, der bis nun bloß Schmuck und
Luxus der adeligen Damen geweſen, allgemein. Er wechſelte immer
zwiſchen Nützlichkeit und Koketterie, und paßte ſich in Länge und Art,
wie auch heute noch, der jeweiligen Mode der Kleidung an.
Grete David.
Jedermann dachte: Die Spitze muß abbrechen! Aber an dieſem erſſen:
Abend, dem ich der Areng beiwohnte, ging alles gut. Er rutſchte=
kopfunter
hinab und ſiellte ſich auf die Bühne. Der Clown ſagte an
daß der Matroſe nun ſein Douceur oder Trinkgeld ſammeln=
käme
, das wäre ſeine ganze Einkunft, und man ſolle reichlich geben
Er ging durch die Reihen der Zuſchauer ſammeln. Man beſah ihm
mit einer Art ehrfürchtiger Scheu. Ich dachte immerzu: kam’s heute
nicht, ſo kommt es doch morgen, daß er zu Tode fällt. Schließlich.
habe ich und alle Zuſchauer ihn auf dem Gewiſſen. Oder vielleicha
richtiger geſagt: er opfert ſich einer Einbildung, nämlich der, alss
wollten die Leute nicht auf ſolch heftige Senſationen verzichten. Man
weiß es indeß nie, was man von dieſem vielköpfigen Weſen einen
Zuſchauermaſſe zu halten hat. Man ſollte ſeine häßlichen Inſinkta
nicht reizen! Manchmal ſind die Leute zufrieden mit einem Nichts
Ich habe wohl viele Zuſchauer gehört, die ſagten: wenn er das dodl
nicht tun wollte! Aber es hätte auch ſein können, daß der Molk
Forderungen gebrüllt hätte, wenn die Nummer abgeſagt worder-
wäre
. Es kamen noch Darbietungen mit Spaßmachern, ein kleines=
primitio
zurechtgemachtes Luſiſpielchen, bei dem viel Waſſer geplantſch
wurde, kleine artiſtiſche Nummern und zum Schluß eine große mi.
fliegenden Menſchen von Trapez zu Trapez. In dieſer Numme
wirkte auch wieder der Matros mit. Es war alſo das drittemall
daß er auftrat. Unter dem Trapez gab es ein großes Fangnetz .
den Notfall; unter dem Maſt aber gab es nichts. Ich beſah ihn mi.
genqu an jenem Abend oder ſpäter; er war rieſig von Sprödigkel
und glänzend poliert vom vielen Hinaufklettern und Hingbrutſchein
Es konnte nicht gut gehen! Das heißt: man ſagt ſo: Es geht nich=
gut
und hofft, daß es vielleicht doch gut geht.
Mein Gewiſſen ſchlug ein bißchen, als ich am Abend wieder zu-
Areng ging. Aber; es war ein kleiner Spaziergang, man hatte ein

[ ][  ][ ]

Mr. Rockefeller aus Neuwied.
Die rheiniſche Abſiammung der Rockefellers. Vergeb=
liches
Mühen um ein Hugenotten=Stammhaus.
Ein gut Teil der amerikaniſchen Dollarariſiokratie hat mit glück=
licher
Regie viele Millionen auch in Titeln inbeſiiert, und viele der
upper ten ſind heute mit diſiinguierten Familien, mit franzöſiſchem
Wradel, engliſchem Hochadel und ruſſiſchen Fürſienhäuſern oder auch
BBalkanprinzen verſchwägert. Da wird das Verlangen (auch unter den
än dieſer Beziehung bisher leer ausgegangenen) begreiflich, den An=
wvärtern
auf eine Vergoldung ihrer Krone oder ihres Thrones auf
Meu nicht nur mit Dollargold zu bedienen, ſondern auch mit einem

Skammbaum. In dieſer Hinſicht ſind viele krampfhafte und auch
lächerliche Verſuche unternommen worden, eine adlige Verbindungs=
Ulinie zwiſchen den nach Amerika eingewanderten Vorfahren und dem
europäiſchen Hochadel zu ziehen. Mancher iſt, meiſt lautlos, von dem
tangeflickten Zweiglein der Stammbaumkonſtruktion herabgepurzelt
wund fand ſich bei einiger innerlicher Ehrlichkeit unter den einfachen
Krbeitsleuten und Landarbeitern wieder, oder auch unter den Aben=
Feurern, die ſeine Vorfahren waren, aus denen dann heute die hun=
wertprozentigen
Amerikaner geworden ſind. Es gibt übrigens, mit
wecht demokratiſchem Einſchlag, auch andere, die ebenſo ſiolz auf ihre
miedere Herkunft ſind, wie andere ſich in den Nachweis blauen
SBlutes vergeblich bemühen.
Die Befriedigung von Yankeewünſchen nach einem Stammſitz
der Ahnen und einem Stammbaum hat natürlich ein Gewerbe auf=
kommen
laſſen, das, oft gegen bedenklich hohe Honorierung, For=
ſſchungen
anſtellt und ſelbſi vor Phantaſiekonſtruktionen von
Stammbäumen nicht zurückſchreckt. Das Folgende iſt ein auf hiſto=
iſche
Tatſachen ſich ſiützendes Beiſpiel, wie man verſucht hat, den
Mockefellern zu illuſiren Vorfahren zu verhelfen.
In r9o9 kam wer weiß, ob nicht infolge eines Auftrages
dazu? ein gewiſſer Aaron R. Lewis in New York mit der mageren
TTatſache zum Vorſchein, daß der erſie Rockefeller, der ſich r723
ſän Amerika niederließ, aus Neuwied im Rheinland
ſſiammte. Dieſe wohl kaum antaſtbare Tatſache hatte Mr. Lewis
ſaber mit einem Beiwerk umrankt, das zwar für die Nockefellers ſehr
ſſchmeichelhaft war, dafür aber als hiſioriſch unrichtig ſich erwies. Mit
mehr Fixigkeit als Richtigkeit behauptete dieſer Miſier nämlich, daß
der Name Rockefeller nur eine Verbaſiardiſierung des Namens
Mocquefeuille ſei (deren lateiniſche Form nach ihm. . . Rocafoull oder
Rocafollen ſein ſollte!), und daß die Rockefellers daher von dem
BMarquis de Rocquefeuille abſiammten. Lewis hatte ſeine Unter=
Auchung ganz logiſch in Neuwied aufgenommen; hatte dort aber
keine Spur von einer Niederlaſſung von Hugenotten feſt=
geſiellt
, wohl aber Beweiſe für das Vorhandenſein einer Familie
Rockefeller in Deutſchland bis zum Jahre r673 zurück. Das
aber hatte dieſen Nockefeller=Forſcher weniger intereſſiert. Ihm
waßte die Hugenottenlinie eigener Konſiruktion beſſer, und ſo zog er
mach Leyden, Paris und Frankfurt, um die dortigen Hugenotten=
ibliotheken
zu ſindieren, wo er aber, und das lag auf der Hand,
keine Spur von einer Familie dieſes Namens entdecken konnte, die
ſtſich zur Zeit des Widerrufes des Ediktes von Nantes nach Neuwied
begeben hätte. Man hat von dem Lewis=Stammbaum der Nockefeller
nnichts wieder gehört, aber zu verwundern wäre es nicht, wenn der
MMann ſeinen ſo geſixten Stammbaum auch angebracht hat. Das
fiſt umſo wahrſcheinlicher, als wenige Jahre ſpäter ein Murray Poele,
den ein Genealogiekundiger in einer Zuſchrift an den NRC als
Schwindler bezeichnet, eine Nockefeller=Genealogie unter dem
itel A Royal Descent (Eine königliche Abſiammung)
erausbrachte, die das Kunſiſtück zuwege brachte, den Rockefeller=
Stammbaum in direkter Linie auf die Plantagenets
zurückzuführen. . . . . (Die Plantagenets ſind das von rrs4 bis r485
regierende normanniſch=engliſche Herrſchergeſchlecht der Anjon).

Dieſen Konſiruktionen gegenüber erinnert der Genealogiekundige
daran, daß ob zufällig oder in Verbindung mit jenen Unter=
uchungen
des Aaron R. Lewis im gleichen Jahre r9oy einige
Forſchungen von wirklichem Werte ans Licht kamen, und zwar
durch die Unterſuchung der Kirchenregiſter von Neuwied und
Umgegend. Daraus ging hervor, daß
r. Johann Peter und Johann Wilhelm Rockefeller aus
Segendorf ſich r723 in Ringoos (Rheingau!) im Staate New
Yerſey niederließen, und daß
2. Theil Rockefeller aus Bonefeld ſich r73s nach German=
town
(!) im Staate New York begab, und daß
3. noch verſchiedene Rockefellers; darunter Gotthard Rocke=
feller
aus Datzeroth und Martin Rockefeller aus Ehlſcheidt
ausgewandert ſind.
Die unter r. genanufen Johann Peter und Johann Wilhelm
waren Söhne eines Johann Rockefeller, der vermutlich bis r682
aufder Mühle von Arienheller wohnte, und der am I6. Oktober
T68r die Zwillinge Peter und Lorenz in der Kirche zu Rheinbrohl
taufen ließ und ſich dann in Segendorf niederließ, Johann Peter
Rockefeller verheiratete ſich in ryor mit Maria Remagen aus
Segendorf und r72o mit Eliſabeth Chriſiiana Rienkel aus
Bonefeld; er nahm vier Kinder mit nach Amerika. Der gleichfalls
unter r. genannte Johann Wilhelm heiratete in r7r4 eine Anna
Maria Baur aus Segendorf und nahm zwei Söhne mit übern
Teich. Tönges Rockefeller, ein Sohn des Johann Wilhelm aus Ehl=
ſcheidt
, heiratete r68s eine Gertrud Pauli aus Rockenfeld,
wohnte dort bis r688 und darauf in Ehlſcheidt. Oeſſen I69s als
viertes Kind gebörener Johann Thiel (auch Theil genannt) heiratete
eine Gertrud Anna Alsdorf, verzog in r734 mit drei Kindern zu=
nächſt
nach Bonefeld und dann nach Germantown im Staate New
York. Dieſer Theil wurde der Stammbater der Petroleum=
könige
.
In der zweiten Hälfte des r7. Jahrhunderts wohnten ver=
ſchiedene
Perſonen des Namens Rockefeller in Ehlſcheidt, Bonefeld,
Rengsdorf, Hardert, Melebach, Daßeroth, Neuwied, Altwied,
Segendorf, Bieber, Heddesdorf, Fahr und Arienheller.
Nach dieſen Tatſachen iſi die ſogenannte Abſiammung der ameri=
kaniſchen
Rockefeller von einer adligen franzöſiſchen, proteſiantiſchen
Familie genug Lügen geſtraft. Der Widerruf des Ediktes von
Nantes datiert nämlich vom 22. Oktober I685. Da Johannes
Rockefeller, der Vater der mit ſeiner Familie ausgewanderten
Johann Peter und Johann Wilhelm, am r7. Oktober r68r, alſo vier
Jahre vorher(!), in der Kirche zu Rheinbrohl die Zwillinge Peter und
Lorenz taufen ließ, konnte dieſer nicht von jemandem abſiammen,
der infolge der vier Jahre ſpäter ſiattfindenden Widerrufung des
Ediktes von Nantes aus Frankreich nach Neuwied füüchtete!
Darüber hinaus hat ſich durch Sprachforſchungen die Ab=
ſiammung
des Namens Rockefeller als nichtfranzöſiſcher
Herkunft erwieſen. Der Name ſagt an ſich genug, denn ohne Zweifel
iſt Rockefeller oder Rockenfeller identiſch mit Rockenfelder. Und
nun liegt in der Gegend von Neuwied ein ſehr altes Dörflein
Rockenfeld, ſodaß es auf der Hand liegt, daß der Eigenname aus
dem Plaß der Herkunft abgeleitet iſi. Auch iſi es nicht unmöglich, daß
der Name mit Noggenfeld in Verbindung ſieht, und daß ein
Roggenfelder (Rockenfelder, Rockenfeller, Rockefeller) den Namen
eines Mannes bedeutete, der an ſolchem Felde wohnte oder es be=
arbeitete
. So kann, und dieſem Schluß des Genealogiekundigen kann
man ſich voll anſchließen, die franzöſiſche Abſiammungslegende um
die Rockefeller wohl als glatter Betrug gebrandmarkt werden.

ſagen Sie zur Perückenmode?
Eine Umfrage bei Bühne und Film.
Valeska Gert:
Ich liebe für mich weder Perücken auf der Bühne noch im Ballſaal.
Mein Haaranſatz und meine Haarfarbe ſind für mein Geſicht nötig.
Für andere Frauen ſinde ich die weißen Perücken zum ſchwarzen
Kleid hübſch, wenn ſie glatt und kurz geſchnitten wie der Bubenkopf
ſind. Die weißen Perücken, die man jetzt häufig ſieht, ſind ſchrecklich
und paſſen zum Nokokokoſtüm, aber nicht zum Ballkleid.
Lya Mara:
Perücken dürfen nur die Frquen tragen, die keine brauchen.
Senta Söneland:
Ein hübſches Geſicht
Braucht die Perücke nicht
Und was nützt die ſchönſie Perücke
ner mießen Zicke!
Lil Dagober:
Die Perückenfrage gehört zu den Modeproblemen, deren Philo=
ſophie
einfach heißt: Den kleidet es, den anderen nicht!
Aſta Nielſen:
Ich finde die weiße Perücke reizend. Aber nur in der Form des
Bubikopfes, den ich ja, wie ſie wiſſen, kreiert habe. Schon aus dem
Grunde muß mir ja der weiße Bubikopf ſympathiſch ſein.

Fern Andra:
Eine Perücke ſchmeichelt faſt immer dem Geſicht, erfordert aber,
wenn Sie richtig wirken ſoll, ſiarkes und dem Charakter der Perücke
entſprechendes Schminken. Deshalb haben ſich wohl die Damen des
Rokoko ſtundenlang vor ihrem Schminktiſch mit den Hunderten Näpf=
chen
und Schälchen beſchäftigt, ſodaß ſie darüber ſogar das Waſchen
ihres Geſichtes vergaßen. Jedenfalls hielten ſie die Schminke ihrem
Teint zurräglicher als das Waſſer.
So gern ich ein hübſches Geſicht, gut geſchminkt, mit einer kleid=
ſamen
Perücke ſehe, ſo wenig reizt es mich ſelbſt, bet einer privaten
Unterhaltung eine Perücke zu kragen, denn ich habe in meinem Beruf
oft genng Gelegenheit, und da bekanntlich nur das Ungewohute und
Neue reizt, ſo dürfte auch hierin der Grund zu ſuchen ſein, warum man
ſelten Künſilerinnen von Bühne und Film bei öffentlichen Bällen mit
Perücken ſieht.
Eliſabeth Bergner:
Ich bin viel zu überarbeitet, um zu dieſer Modenfrage Stellung
zu nehmen. Es handelt ſich doch letzten Endes um eine der üb=
lichen
Modeneuheiten.

Maria Orska:
Was ich zur Perückenmode ſage? Ja! Eigentlich garnichts.
Ich habe und trage meine eigenen Haare. Das andere intereſſiert mich
nicht.
Anita Berber:
Ich trage keine Perücke, da meine Haare mir gefallen. Im übrigen
finde ich dieſe Mode unbequem.
Reſi Langer:
Zur weißen Perücke ſiehe ich außerordentlich freundlich, weil ich das
Rokoko ſo liebe. Sie muß doch ein richtiges Kulturding ſein, wenn ſie
vermochte, ſo viel zu regieren. Und wie ernſihaft nahm ſie ſich auf
dem Kopf der barocken Jurisprudenz als Allonge aus?
Natürlich gibt es Geſichter, zu denen ſie garnicht paßt die ſollen
beim Madonnenſcheitel bleiben. Aber alle Frauen, die über Caprice
verfügen und ſich kennen ein Stündchen dann am Spiegel=
glas
vorüber dürfen ihrem Haupte ruhig Fremdes anver=
trauen
. Die Männer ſehen es gern, denn die neue Variante macht es
begehrenswert.
Oſſi Oswalda:
Es iſt nicht zu leugnen, daß der Bubenkopf, ſo praktiſch er auch iſt,
ſich überlebt hat. Schon iſt Frau Mode dabei, ihren eigenſinnigen
Launen die Zügel ſchießen zu laſſen und hat bei ihrem Herumkramen
in ihren alten Beſtänden die Perücke gefunden. Wir alle kennen ihre
verführeriſche Wirkung aus der Rokokozeit und es garnicht abzu=
ſtreiten
, daß ſie einem Mädchengeſicht einen eigenartigen, pikanten
Reiz verleiht ſolange ſie ſich nicht in den wildeſien Farben aus=
kobt
, wie man das leider jetzt ſo häufig ſieht.
Einer allgemeinen Einbürgerung der Perücke ſiehe ich ſehr
keptiſch gegenüber warum ſollen die armen änner denn
auch eine Enttäuſchung erleben, wenn ſie ihr Idol gelegentlich ohne
Perücke ſehen? Unſer Zeitalter iſi ſo praktiſch, zu natürlich geworden
und verträgt ſo wenig die Illuſion.
Erna Morena:
Ich ſiehe der Perücke poſitio gegenüber, da ſie der Frau geſiattet,
vielfältiger ihren Kopf zu geſtalten. Die Perücke kann den Kopf in
vielen verſchiedenen Formen erſcheinen laſſen. Sie iſt alſo eine will=
kommene
Bereicherung der Frauenmode. Allerdings muß die Perücke
irgendwie künſileriſch originell ſein. Dieſe weißen, gewöhnlichen
Perücken, die man jetzt auf Bällen zu tragen pfiegt, finde ich nicht mehr
geſchmackvoll und originell.
Lilly Flohr:
Daß die Perückenmode etwas Widernatürliches iſi, ſpricht nicht
gegen ſie. Jede Mode iſt widernatürlich, weil ſie der Auffaſſung des
Körpers entſpricht, wie das Stilgefühl der Zeit ſich ihn wünſcht,
nicht des Körpers, wie die Natur ihn geſchaffen hat.
Die Perücke entſpricht dem Wunſch nach Varierung der weib=
lichen
Erſcheinung, die trotz noch veränderter Kleidung immer
gleich bleibt, durch das ſiabile Element von Haarwuchs und Haar=
farbe
, und da es techniſch unmöglich iſi, jeden Tag zu jedem Kleid die
Haare umzufärben, darum iſi die Perücke in die Mode gekommen.
Und übrigens: Warum auch nicht? ...."
Trude Heſierberg:
Die Perücke gehört in das Zeitalter der Ruhe, genau wie das
Menuett. Ruhe aber bedeutet Luxus, Stagnation. Uns jedoch
muß das Haar und die Zeit um die Ohren ſauſen können.

venig Ablenkung, wenn man da zuſah; und was das Fallen des
EArtiſien anbetraf, ſo fiel er mit und ohne meine Anweſenheit, wenn
er fallen ſollte. So ſagte man zu ſeiner Beruhigung in jenen allzu
tdurchſichtigen Begründungen.
Der Abend ging wie die vorhergehenden. Nun kam wieder die
Mummer Matroſe im Seeſturm. Es war heller Mond. Die Luft
ävar von Lichtwellen erfüllt, als habe er von ſeinem Maſie aus in
Das Licht hinaus ſchwimmen können. Er winkte wieder mit ſeinem
Tuche. Wohin? Wieder ſtand er mit den Armen wie eine Fahne,
ind wieder mit den Beinen wie eine Fahne. Wieder hockte er am
BMaſi und ſchwang im weiten Bogen hin und her wie eine Ahre, die
er Wind packk. Wieder kreiſchten die Frauen und murmelten die
Männer. Da brach die Spitze ab. Es war ein langſam krachendes
Seräuſch. Einen Herzſchlag lang wußte man nicht, ob das Unglück
eſchehen war oder nicht. Der Artiſi klammerte noch eine Zeitlang
ſan dem Maſtſtück wie ein ſtürzender Reiter am Pferdehals. Dann
Fel das Holz für ſich und der Menſch für ſich. Jetzt ſchlug er auf den
BBoden auf hinter der Mauer von Menſchen, die vor mir ſianden
Ich halte es für möglich, daß er den Sturz zu beeinfiuſſen ſich be=
nnühte
, um auf die Füße zu kommen und weniger Schaden zu neh=
uen
. Es hieß, daß er früher ſchon geſtürzt ſei, aber glücklicher. Ich
ſglaube auch, daß es der Anſager verkündet hat. Er wurde in den
Wohnwagen getragen. Man ſah ſeine geängſtigte Mutter hinter=
Gertrippeln. Sie hatte an der Kaſſe geſeſſen. Auch ſein Vater kam
Hinterher. Er hatte irgendwo geſianden. Die Volksmaſſe verhielt
ich zunächſt, aber es war, als balle ſich eine Waſſermaſſe zuſammen
nind ſchöſſe als Sprungwelle vor. Ohne Rückſicht ging es vorwärts,
die Neugierde zu befriedigen. Der Clown kam und bat um Schonung,
ſoie Sachen nicht zu demolieren, die Arena ſei ihr Brot. Ein Herr ging
nn den Wagen. Es war der Arzf. Dann kam jemand und rief aus,

daß noch ein Fünklein Hoffnung auf Rettung beſiehe. Die Maſſe war
vom Wagen zurückgetreten und begann ſich zu verlaufen. Alfred
ſaß auf einer der Bänke. Er hatte ſeinen Arm um den Hals eines
Jungen gelegt. Es war eine unendlich rührende Gebärde. Eine Frau
jammerte nach ihrer Handtaſche. Man hatte ſie ihr im Tumult
en=riſſen. Die Kaſſe war geplündert worden. Der Vater ſei vom Maſt=
ende
getroffen worden, ſagten die Leute. Sie ſagten noch viel: fremde
Artiſien ſeien dageweſen. Er habe zeigen wollen, daß er ohne Furcht
ſei, und deshalb habe er die Schwünge weiter als je genommen.
Leßzthin habe er Verlobung gehabt, es hätte heute das letztemal ſein
ſollen, daß er auf den Maſi ſiieg. Welche Angſt in ihm geweſen ſei!
Und das war wahr! Mein Kopf iſt kühl genug, um hinterher ſagen
zu können, was vorher war. Die Angſt eines Opfertieres war in
ihm. Aber die Situation hatte ſich zugeſpißt. Es gab kein Einhalten
Alle Stationen waren erfüllt. Auch die des Todes kam. Aber wenn
von irgendwo eine kleine Hemmung gekommen wäre, hätte ſich das
Unglück verhüten laſſen. Sie kam nicht. Wahr iſt auch, daß die
Schwünge furchtbar waren, als habe eine Art Raſerei den Artiſien
ergriffen, als ſei die Kataſirophe die einzige Möglichkeit, ſich zu er=
löſen
.
Wie habe ich es nachher bedquert, daß es mir eine Anzahl
Stunden zu ſpät einfiel: man hätte zur nahegelegenen Polizeiwache
gehen können. Vielleicht hätte ſich ein Schutzmann den Maſi be=
ſehen
, vielleicht auch das Schwingen in jedem Falle als gefährlich
erkannt, und die Nummer wäre verboten worden. Der Clown hätte
das angeſagt, der Matroſe und die ganze Truppe wären mit Ehren
aus der Affäre gekommen, die Zuſchauer hätten das Richtige ge=
troffen
und die Maßnahme begrüßt. Aber wie geſagt: es war zu
ſpäf.

Ich entſinne mich nicht mehr genau: ich glaube, es kam zuletzt
jemand und rief, daß er tot ſei.
Ich habe ſeinem Andenken mit Aufrichtigkeit nachgehangen. Es
gab eine Kerze bei mir zu Hauſe. Ich ließ ſie zu ſeiner Totenfeier
abbrennen und begleitete ſeine Heimfahrt mit freundlichem Winken
und langem Nachblick voll Wohlwollen und Verbundenheit.
Am anderen Tage lag die Arena wieder leer da und beinahe wie
ohne Sinn. Vielleicht war ſie gar zu einer gemiedenen Stätte ge=
worden
, um die man ſcheu herumging. Da ſtand der Maſiſtumpf.
Man hätte das abgebrochene Stück überquer binden können zu einem
Totenkreuz. Er hätte traurig genug dageſianden auf dieſem Platz,
der mit Löchern verwundet und von Bauſchutt und Müll grindig war.
Ich hatte an jenem Tage Geld bekommen oder einen Tag vorher,
jedenfalls hatte ich welches. Ich ging hinter die Wagen. Der Mann,
der die Erde um den Maſi herum feſigeſiampft hatte, verſorgte den
Pferdeſiall. Es war ein Zelt. Ich fragte, ob jemand von der Familie
zu ſprechen ſei. Die Schweſier kam an das Wagenfenſier. Es war die
Artiſiin der erſien Nummer. Ich ſagte ihr, daß ich mir geſiatten
möchte, etwas zu den Beerdigungskoſien beizutragen. Ein wenig
Zaghaftigkeit war in mir, ich dachte: wenn du deine Worte nicht
richtig ſetzeſi, kannſt du bei der beſien Abſicht noch eine Abfuhr
bekommen und beſchämt von dannen gehen. Ich habe mich nicht
lumpen laſſen. Ich ſagte auch noch, wenn’s mit der Geldlage im
großen und ganzen nicht gut wäre, könnte man ja auch die Stadt
die Beerdigung tragen laſſen, ich wollte wohl ein diesbezügliches
Schriftſtück machen oder einen Gang tun. Sie dankte: der Bruder
habe in Ehren ſein Brot verdient, und er ſolle auch eine Beerdigung
in Ehren haben. Ich ſagte: da haben Sie recht und ging.
So war das alles beim Tode des Artiſien. Er ſtarb zu Düſſel=
dorf
am 24. Juli rg2z abends gegen Ir Uhr.

[ ][  ][ ]

Eine Geiſtergeſchichte.

Egham iſi eine freundliche Landgemeinde zo Kilometer ſüdweſi=
lich
von London. Es hat raooo Einwohner, eine Kirche, ein Gymna=
ſium
, eine Irrenanſialt und einen Bahnhof. Keine außergewöhn=
lichen
Sehenswürdigkeiten alſo, und wenn Egham weiter nichts hätte,
ſo würde kein Menſch von ihm reden. Aber Egham hat auch ein Haus,
in dem es ſpukt, und dieſem Umſtand berdankt der Ort ſeine Be=
rühmtheit
. Die Echtheit des Spuks war ſogar behördlich beglaubigt.
Der Friedensrichter, der Bürgermeiſtereiſekretär und andere offizielle
Honoratioren hatten das Haus als ſkeptiſche Amtsperſonen würdevoll
berreten und als überzeugte Geiſterſeher ſuchtartig verlaſſen. Mehr
als das: ein anerkannter engliſcher Dichter, Stephen Phillips, hatte
beredtes Zeugnis für die Exiſtenz des Geſpenſies abgelegt. Er war
dazu berufen, nicht nur kraft ſeiner poetiſchen Miſſion als Wahrheits=
künder
, ſondern auch aus dem Grunde, weil er in dem heimgeſuchten
Hauſe eine zeitlang gewohnt hatte. Er gab die Wohnung auf mit der
ausdrücklichen Begründung, daß das Geſpenſt ihm den Aufenthalt

in dem Hauſe unmöglich mache, und es ſcheint, daß ſeine Erlebniſſe
in dem Spukheim ihn körperlich und geiſtig gebrochen haben. Seine
ſpäteren Werke waren des Dichters von Paolo und Francescg,
eines monatelang in London aufgeführten hiſioriſchen Jamben=
dramas
, kaum würdig. Sie blieben Buchdramen von übertriebener
Wildheit der Sprache, und als Phillips ſtarb, war ſein Ruhm längſi
erloſchen.
Das unheimliche Haus in Egham ſiand dann jahrelang leer.
Aber die Spukerei dauerte fort, und das Gerede nahm kein Ende.
Die Nachbarn hörten unerklärliche, krächzende Geräuſche. Der eine
ſchwor, die Geſtalt eines alten, gebückten Mannes mit geiſterhaftem
Geſichtsausdruck an den Fenſiern geſehen zu haben. Der andere
hatte ſonderbare Klagetöne bernommen. Frauen und Kinder gingen
iu großem Bogen ſcheu um das Haus herum. Verwegene Männer,
die in den Vorgarten eindrangen und durch die Fenſier ſchauten,
liefen mit weit aufgeriſſenen Augen und bebenden Gliedern davon.
Der Friedensrichter und der Bürgermeiſiereiſekretär, die das Haus
beſichtigten, um der Sache auf den Grund zu gehen und die Beböl=
kerung
zu beruhigen, erzählten in aufgeregter, wenig amtsmäßiger
Sprache, daß ſich die Türen auf unerklärliche Weiſe öffneten und daß
plötzlich ein Geſpenſi vor ihnen auftauchte und ebenſo plößzlich und
ſpurlos wieder verſchwand. Warum ein Geſpenſt? Weil es ſich genau
wie ein Geſpenſi benahm und nicht das geringſie Geräuſch machte,
und weil ſie durch ſeinen Körper hindurch Gegenſtände auf der
andern Seite des Zimmers ſehen konnten.

Das Grauen wuchs mit den Jahren. Bald war mit jedem Winkel
des Hauſes und mit jedem Strauch des Gartens eine gruſelige
Geſchichte verknüpft. Da war zum Beiſpiel ein Apfelbaum, der blut=
rote
Früchte trug. Warum blutrot? Jeder wußte es. Weil der ge=
bückte
alte Mann einſt unter dieſem Baume ein Kind erwürgt und
ſich dann prompt an dem Apfelbaum aufgehängt hatte. Und ſo
weiter.
War es ein Wunder, daß niemand in dem verwunſchenen Hauſe
leben wollte? Trotz beſonders billiger Miete und Wohnungsnot?
Aber eines Tages trat ein neuer Poliziſt in den Dienſt der Gemeinde
Egham. Der wußte nichts von dem lokalen Gerede, und als ihm
das Haus zu recht mäßiger Miete angeboten wurde, griff er mit
beiden Händen zu. Er zog mit ſeiner jungen Frau ein und pries
ſein Glück. Den Warnungen der beſtürzten Nachbarn ſchenkte er
kein Gehör. Poliziſien ſind praktiſche und unerſchrockene Menſchen
und nicht ſo empſindſam wie Dichter, die Trauerſpiele in fünf=
füßigen
Jamben ſchreiben und ſich von jedem Geſpenſi aus dem
Gleichgewicht bringen laſſen. Als der neue Hausbewohner ſich ein=
gerichtet
hatte und am Einzugstage in der Dämmerſiunde mit ſeiner
Frau in der Küche ſaß und ſich ſo recht zu Hauſe fühlre, hörten beide
ein eigenartiges Gekrächze. Die junge Frau erblich, aber der Poliziſt
ergriff ſeinen Gummiknüppel und ging dem ſonderbaren Geräuſch
nach, entſchloſſen, den Urheber der Störung amtlich aufzufordern,
ſofort auseinanderzugehen, widrigenfalls . . . Das Krächzen kam
aus dem Keller. Der Poliziſt ſieß die Kellerküre auf und leuchtete
mit ſeiner Taſchenlampe in die Ecken. Etwas hüpfte, und noch etwas,
und noch etwas. Vieles hüpfte und krächte, Fröſche! Noch mehr
Fröſche! Generationen von Fröſchen! Der Poliziſt beförderte ſie
eimerweiſe aus dem Keller heraus. Als er wieder in der Küche bei
ſeiner Frau war und beide über den Fall herzlich lachten, ging plötz=
lich
die Türe auf. Ganz von ſelbſi! Der Frau erſiarb das Lachen auf
den Lippen. Der Poliziſi aber ging hinaus. Das war Hausfriedens=
bruch
. Paragraph 324. Die Tür des Nebenzimmers öffnete ſich eben=
falls
automatiſch. Was war das? Das war grober Unfug. Paragraph
a67. Oder ſollte etwas mit den Türen nicht in Ordnung ſein? Der
praktiſche Poliziſt unterſuchte ſie und ſiellte feſt, daß die Holzrahmen
zuſammengeſchrumpft waren und die Türen ſich beim geringſien
Windzug oder der leiſeſien Bewegung ſelbſitätig öffneten. Er
ſorgte für Abhülfe. Als Urſache eines weiteren eigentümlichen Ge=
räuſches
ergab ſich eine Kombination von Maus und Garnrolle
hinter einer morſchen Fußbodenleiſte, Und ſo fort. Der kapfere
Schutzmann ermittelte bei jeder Spukerſcheinung den natürlichen
Grund.
Alles iſt aufgeklärt, nur der gebückte alte Mann noch nicht, durch
deſſen Körper man hindurchſehen kann. Der Poliziſt wird ihn, wenn
er ſich noch zeigen ſollte, energiſch erſuchen, ſofort und ohne Wider=
ſtand
auseinanderzugehen. Wahrſcheinlich exiſiert der Alte aber nur
in der durch Fröſche, Mäuſe und fehlerhafte Türen angeregten Ein=
bildungskraft
derer, die ihn geſehen haben. Was die blutroten Apfel
anbetrifft, ſo erklärt der neue Hausbewohner, daß er ſie ſich im
nächſten Jahr ſchmecken laſſen wird, was man ihm ohne weiteres
glauben kann. Man darf nur hoſfen, daß ihm der Hausbeſiter nicht
jetzt, nachdem der neue Bewohner Ordnung in die Bude gebracht
hat, die Miete wieder heraufſetzt.

Ende des Poeten.

Von Jwan Goll.

Der Poet iſt heute ein Anachronismus.
Er klage dafür die Zeit nicht an, wie es ſeine Gewohnheit iſt,
ſondern ſich ſelbſi. Denn er hat unrecht, er hat keine Daſeinsberechti=
gung
mehr, er drängt ſich auf, er ſieht der Welt im Wege.
Der Poet iſt ein abgeſiandener Begriff, böllig unbrauchbar ge=
worden
im heutigen Betrieb, etwas wie eine alte ausgebrauchte
Arzneiflaſche für Seelenweh, die nach Gift und Kampfer riecht. Weg
damit. Verdient er etwas? Will er mit ſeinen veralteten Waren zu
Geld kommen: Daran merkt man ſchon, daß er verückt iſi! Sozial
eine Null.

Der Poet hauſiert mit Sternen, mit Bäumen, mit Sehnſucht.
Er iſi tief und kontemplativ. Er will hier und da zum Denken an=
leiten
. Welcher Unſinn! Und dabei hält er ſich noch für einen Seher
und Pſychologen!
Wird alſo dieſer Satz wahr, den waghalſige und kämpferiſche
junge Leute vor etwa fünf Jahren lancierten: Die Kunſ eriſtiert
nicht mehr! Es kann ſimmen für die Kunſi, die der Poer noch meint.
Sie exiſiert nicht mehr, nicht in bezug auf den Künſiler, ſondern
weiles kein Publikum gibt, ihn zu hören. Ein Wort ohne Schallraum,
iſt es noch ein Wort? Der Dichter ſpricht noch, aber das Gedicht er=
ſirbt
ihm auf der Lippe ſchon, es ſirbt in der ſickigen Luft, in die es
geſchleudert iſi. Und niemand hört es.
Alſo exiſtiert es nicht.
Aber des modernen Menſchen Trieb iſt nur noch nach außen ge=
richtet
. Er fordert zwar Kunſi, da er doch vorgibt, im Zeitalter einer
Kultur zu leben, aber es muß eine Kunſi ſein, die nicht ermüdet, die
nicht zum Denken zwingt. Vor dem Denken hat der moderne Menſch
einen ungeheuren Horror. Faſit ſämtliche Anſtalten, die nicht zur
Arbeit dienen, richtet er als Abwehrmittel gegen das Denken ein,
unter dem Vorwand, die Arbeit mache müde. Theater, Kino und
ſelbſät die Kirche lenken ab und nicht mehr an.
Die Elemente ſeiner neuen Kunſi, die dieſer Forderung dient,
ſind Licht, Bewegung, Schrei. Die neue Kunſi vibriert, rennt, raſ,
aber ſie denkt nicht und leidet nicht. Sie hat Komfort, Sports= und
ſozialen Sinn. Um zu eriſieren, braucht ſie den Reichtum.
Der Poet, wie er bis geſtern galt, war ſill, einſam, weltverloren
und arm. Er hatte, was heute überhaupt ſo ſelten geworden iſit wie
Nadium: Zeit! Aber man darf heute nicht mehr Zeit haben. Denn
was ſinge der an, der Zeit hätte? Er dächte über ſich nach. Und was
für ein Unglück käme dabei heraus! Wir dürfen, wir wollen uns nicht
mehr in Spiegeln ſehen. Und Dichter ſind Spiegel. Wir wollen die

Zeit kotlärmen und totſchlagen. Und wer zuviel Zeit hat, der langweilt
ſich. Langeweile iſt ein ſeltſam modernes Wort geworden.
Nur die Armen haben noch Zeit, denn ſie können ſich Licht, Be=
wegung
und Schreie nicht ſo leiſten wie die Reichen im Auto und im
Palace. Es iſt ein ganz raffinierter Luxus geworden heute, arm zu
ſein.
Und es gibt in Europa vielleicht nur noch fünf, bielleicht noch
zehn Poeten, die leiſten ſich dieſen göttlichen Luxus!

un vergnied
wehr z ſam

Aa
un wmn
leicht haw
Heit??
huwe m 9
ſche Subi
Leib haw
der hechf
ner dode
aach gää
weil me

Nummer 190.

Endſpielſtudie 19.
W. u. M. Platow.
(Prager Preſſe 1925.)

Weiß zieht und gewinnt.
Prüfſtellung: Weiß: Kf2 Te4 Lg1 (3);
Schwarz: Ka2 Bb3 43 44 (4);
Weiß zieht und gewinnt.
Löſung der Endſpielſtudie 18.
J. Prokop. 3. Preis im int. Studienturnier der Schachſektion
der 1. S. S. R. 1936.
(K44 La2 Sd7 Bf7; Kh7 Dh6 Lb5 d2 Bg7;
Weiß zicht und macht unentſchieden.)
1. Sd7f8+ Kh8 2. Sg6 + DXS 3. Bf7f8 D.+ Kh7 4. Lb1
D=Lbl 5. Df5+ DXD und Weiß iſt pattgeſetzt. A 4.
Le3+ 5. Ke31 DXb1 6. DXg7+ KXD und Weiß iſt patt.

B. 5... .. Ld4+ 6. Kd2 DXbl uſw. C. 6.. . . . Lc3,+ 7. Ke3
DXbl uſw. (7. . . . . L.d2+ Kd41 uſw.)
Die vier verſchiedenen Pattſtellungen ſind originell.

Löſerliſte: Georg Peter in Nieder=Moos; Reutzel, A.
Leo Schott in Pfaffen=Beerfurth.

v. S.;

Schachmeiſter Dr. A. Seitz ſpielt am Montag, den 17. Ja=
muar
, im Darmſtädter Schachklub im Fürſtenſaal (Grafenſtraße) an
ungefähr 25 Brettern ſimultan.
Beginn des Reihenſpiels abends um

8 Uhr.

II

Stern=Rätſel.

e, e. e e, g. g. i. i. i, I. n. n. n. v. v, o, o, r. r, 8.
Obige 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die 20 Punkte ſo, daß Wörter
von folgender Bedeutung erſcheinen: 12 Bezeichnung für eine Gemüts=
ſtimmung
: 23 franzöſiſcher Bildhauer (18941892), 34 Organ im
menſchlichen Körper, 45 Fremdwort für Lobſpruch, 51 grithmetiſche
Bezeichnung.
Gewöhnlich wünſcht man ſich das, was die Mittelbuchſtaben, nicht
aber das, was die Anfangsbuchſtaben nennen.
Magiſche Figur.

1. 2.

3. H

*4 3. 4. 5. A A BC C B E E E I. L N N O R R R S T 7 7 U U U WW 2

Streichholzrätſel.

Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen,
daß die fünf wagerechten und ſenk=
rechten
Reihen Wörter von folgen=
der
Bedeutung enthalten:
1. Schachfigur,
2. Stadt in Schleſien,
3. Stadt in Galizien,
4. noch eine Stadt in Schleſien,
5. Spielkarte.
Carl Deubel.,

Vorſtehender Stadtname iſt durch Umlegung der ſechs fetten Hölz=
Carl Deubel.
chen in eine Stadt in Weſtfalen zu verwandeln.

Anflöſungen der Rätſel ans Nr. 2:
Zwei nicht ſo leichte Rebuſſe.
1. Rauchfang (Rauchfang). 2. Rübe (r) Zahl (Rübezahl).

Magiſches Qugdrat.
1. Roſe, 2. Oder, 3. Seil, 4. Erle.

Kennſt Du eigentlich den dicken Meier?=
Nur vom Weg=Sehen!

Das Wunder. Wenn nun Ihre Gattin taubſtumm wäre udr
plötzlich die Sprache wiederfände, würden Sie dann an ein Wunder=
glauben
! Nein aber ich wüirde an ein Wunder glauben, wenn ſies
ſie nicht wiederfinden würde.
Pele Mele.)
Schlau. Kontoriſt: Könnte ich nicht eine kleine Zulage erhalten.
ich habe mich nämlich verheiratet. Chef: Sie benötigen wohl die=
Zulage für Ihre Familie? Kontoriſt: Nein, aber für mich=
denn
meine Frau weiß, wie viel Gehalt ich ſeither erhielt.
(Paſſing Show.)
Erkllärung. Ich ſah, daß Sie für das neue Krankenhaus nur=
15 Kronen gezeichnet haben, während Ihr Sohn 100 Kronen zeichnete!
Ja, warum ſollte er das auch nicht. Er hat einen reichen Vater
(Göteborgs Morgenpoſt.)
aber ich habe ihn nicht
Im Trauerhaus. Freund: Ich war ein guter Freund Ihres
Mannes. Hinterließ er nichts, das mir eine Erinnerung an ihn ſeirz
könnte? Witwe: Er hinterließ nur mich! (London Opinion!
Richtig. Sie: Ich verſtehe nicht, woher unſere Tochter ihre
ſcharfe Zunge hat. Von mir hat ſie ſie auf jeden Fall nicht! Ers
Da haſt du vollkommen recht, meine Liebe. Du haſt die deine ic
(Buen Humor.)
gewiß behalten!"

Nicht verwunderlich. Sie ſagen, ich ſei das erſte Ihrer Modelle,
das Sie küßten! Jal Und wie viele Modelle hatten Sie vor=
mir
Vier. Einen Apfel, zwei Apfelſinen und eine Blumen=

Kee
Rie

Druck u. Verlag: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23.Verantwortlich f. d. Redaktion: Dr. H. Nette. Fernſpr. 1, 23892399 Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. Kliſches: F. Haußmann, alle in Darmſtadt.

[ ][  ][ ]

Ob’s aach gääche die Gribbe gut is, waaß ich allerdings
get, obgleich’s dodegääche ſo viel Middel gibt, daß es aam bloß
wunnern muß, warum ſe die Leit doch immer widder krieje; un
ſogar gleich ganze Ebbedemie weiß. Alſo ob’s aach gääche die
Eribbe hilft, däß kemt ſchließlich noch uffe Brob a'. Jedenfalls
ſpviel is ſicher: in däre Hundskommeedie, die wo ſich gääche=
wärdich
Läwe nennt, do is es doch uff alle Fäll aa vun de
geſindſte Vorſchrifte. Un wer ſich ſtrickte dro hellt, der kimmt
manchmal ganz erheblich leichter dorch de Dag, als wie er im
allgemeine ſo denkt. Un äwwe die Verhaltungsmaßreechel, die
wo mitunner gradezu Wunner wärkt, die haaßt korz und bindich:
Lache un du wirſt gedeihen!
AIſo: Lache Päppäkol wie der in däre bekannte Oper ſingt. Un
däißhalb, wer uns heit zu=eme härzhafte, geſunde un uffrichdiche
4ache verhilft, zu=eme Lache, wo aam ſo gut dhut, daß mer’s bis
in die klaa Fußzeh ſpiert, zu=eme Lache, wo mer ſo aſch not=
wennich
brauche kann in dene ernſte Zeite, alſo wer uns dodezu
erhilft, dem ſoll mer Hend und Fieß kiſſe, wann ſe friſch
teweſche ſin.

Un ſo hab ich beiſpielsmeeßich erſt neilich noch, wie ſe im
Thärjader des Stickelche gäwwe hawwe Rowert un Bärdramm,
Der die beiden luſtichen Vagabunden, do hab ich ſo härzlich

um vergniecht gelacht, daß ich de ganze Owend des Maul net
mehr z’ſamme gebrecht hab. Un ich hab dodebei ſo im ſtille for
mich hiegedenkt: Achja, däß warn doch noch ſcheene Zeite, damals,
do hatte die Herrn Spitzbuwe un ſo, doch noch Sinn for Humor;
urt wann ſe aam mit ihre Straach aach geläächentlich eneige=
lecht
hawwe, ſo konnt mer’n doch aafach net bees ſei.
Heit?? Ach du liewer Strohſack, heit ſin die Herrn Spitz=
hrwe
un Verbrächer un Bedriecher un Hochſtaweler ganz gefehr=
lihe
Subjäckter, ſchlechte Kerl, die wo kaan Funke Humor im
Leib hawwe, un wann ſe wärklich emal en Witz mache, dann is
der heechſt gemeingefehrlicher Nadur un mer kann froh ſei, wann
wer dodebei mit im Läwe devo kimmt. Un däſſentwäche is mer
arch gääche die heidiche Spitzbuweſchenneratzion ſo mißdrauich,
weil mer nie net waaß, was ſe im Schild fiehrn, dann ſälte is es
ndas Gudes, un zum Lache is es erſtrecht net. Wann mer alſo
wäärklich iwwer ſo e paar luſtiche Vagabunde mol vun Härze
loche will, do muß mer halt ſchun in’s Thärjader geh, in de
kowert un Bärdramm, weil im brofahne Läwe der ächte härz=
enquickende
Vagabundehumor net mehr kulldifiert wärd. Der
ſißte ſeines Zeichens, der wo uff dem Gebiet noch was gegolte
het, war meines Wiſſens de Hauptmann vun Köbbenick, mit dem
ſin die Vollblutgauner=Humoriſte ausgeſtorwe.
Hott mer gedenkt. Awwer wer beſchreibt unſer Erſtaune,
ie bletzlich en neier Stärn am humoriſtiſche Verbrächerhimmel
eiſſchiene is, der wo all ſei Vorgenger an Härzichkeit, Goldich=
keät
un an Humor iwwerſtrahlt hott; alſo en wärklich en liewer
ſterk, dem wo der Schalk im Genick ſitzt, un der wo die Welt un
die Menſche zu nemme waaß, wie ſei beriehmte Vorbilder
während de Sorree beim Bankjee Jppelmaier im vierte Bild
bia m Rowert un Bärdramm.
Alſo; Heilich=Kreiz=Reitz=Schleitz=Lowenſtein= Schwarzborch=
Nurdolfsſtadt=Sondershauſen=Sachſe=Koborch=Gotha=Erfort un
aes, was ſich mit Stolz dezu zehle därf wie mer dieſer Dag
die Geſchicht vun dem falſche Hohenzollernprinz geläſe hot, do
hat mer alſo doch widdermol lache därfe, lache, daß aam ſogar die
H.ehneraage iwwergange ſin. Mit Ausnahm vielleicht vun dene
Ortſchafte, die wo im voriche Satz ausſähe, wie geflucht, un wo
mer beſunners Gotha mit drei Stärncher verſähe muß, wie im
Bndäcker, weil’s do Seine Hoheit am dollſte gedriwwe hott un
hat ſich als Hohenzollernprinz uffgeſpielt un hott die ſämtliche
hochwohllöbliche Beheerde un de ganze hochwohlgeborene

Der zeitgemäße Haushalt.

Winke fürdie Selbſtanfertigung von Masken=
zurderobe
. Da dieſes Jahr die Phantaſiemaske hochmodern
ih= ſo iſt bei vorhandenem Ideenreichtum garnicht ſchwer, ſich
nu. 8 alten Ballkleidern und Stoffreſten ein ſehr gefälliges reiz=
vlllles
Maskengewand herzuſtellen. Zunächſt zertrenne man alle
barhandenen leichten Bluſen und Kleider, reinige und waſche
ü und ziehe ſie noch feucht duich verſchiedene farbige, kräftige
häße Löſungen von Citocol, je bunter, je beſſer. Füge dem Spül=
vnſſer
Eſſig und etwas Gelatine zu, um ſie leicht zu appretieren
md bügle ſie halb feucht trocken. Nun nähe man die verſchie=
dimien
Farben und Stoffe ſtreifenweiſe aneinander, wobei ſchmale
md breite abwechſeln können und fertige zunächſt ein kurzes
ſeihröckchen davon. Das enge Leibchen kann ſowohl einfarbig
we ſenkrecht oder quer geſtreift gehalten werden. Falbeln,
hätſchen, jungenartige Garniturteile, Ecken, Bogen, Zacken, ge=
cnittene
Franſen von Tuchſtreifen, alte ebenfalls eingefärbte
Switzen aus Tüll und die ſo billig erhältlichen kleinen Schellen
dienen als wirklich reizvolle weitere Garnitur dieſer bunten
Narrenkleider, die ſelbſt aus ſehr abgetragenen leichten Woll=,
Emumwoll= und Seidenſtoffen gefertigt, doch als Eintagsfliegen=
Fand noch ausgezeichnete Dienſte leiſten. Als Kopfſchmuck
inen ſowohl mit Schellen beſetzte, buntfarbige, überkleidete
2ademe von leichter Pappe, wie Blumenkränze mit buntfar=
unen
Bändern, ein mit Schellen am Rande beſetztes Sport=
eidennetz
oder eine leichte bunte Narrenkappe in Form eines
9ubchens über aufgelöſtem Haar oder einer Perücke getragen
vrden.
Die Reſerve=Ballſtrümpfe in der Hand=
gſche
. Welcher Frau oder jungem Mädchen wäre es noch
icht paſſiert, daß bei irgendeiner Feſtlichkeit oder Ballveran=
ticktung
der zumeiſt zarte Seidenſtrumpf beſchädigt wurde, ſei
daß er auf dem Spann auffällige Schmutzflecke erhielt, oder
B durch herzhafte Berührung mit dem Abſatz ſich eine Maſche
ſlöſte und entweder zu einer langen Tour auftrennte oder ſich
Wurch mehr oder minder große Löcher bildeten, die augenfällig
n Erſcheinung traten und die Blicke Anweſender unnötig auf
iche zogen? Immer iſt die Verlegenheit der Betroffenen groß.
Für ſolche Eventualfälle iſt es ratſam, ein Erſatz= oder Re=
eepgar
ballmäßiger Strümpfe mit ſich zu führen, die bequem
V. A.
der Handtaſche untergebracht werden können.

Gotha’ſche Hofkallenner un alle Nobbillichdidäte eneigeleecht, daß
mer im eichentlich im allgemeine recht dankbar ſei muß. Ich
perſeenlich kann jedenfalls gornet umhie, als em mei Hochachdung
auszuſpräche, zu ſeim außerordentlich gelungene un ganz her=
vorragend
großordiche Erfolch, mit dem er dene bizandifimi=
diſche
Awandlunge e Schnibbche geſchlage hott.
Heilich Krenk; was wärrn ſich jetzt die Köbbnicker ärchern,
wann ſe däß heern, daß ſe iwwerfliechelt ſi. Awwer do beißt
kaa Maus kaan Faden ab, un Ehre wem Ehre gebiehret, de Herr
Brinz Domala hott de Räkord gebroche, hott den Schuſter Vogt,
ſeelichen Agedenkens um e gut Naſeleng geſchlage, un de Köbbe=
nicker
ihrn Ruhm is am verblaſſe.
Un wann mer’s richdich bedenkt, der Schuſter hatt’s ſeiner
Zeit noch leicht, dann warum, weil der nor in de Uniform er=
ſchiene
is un hott bloß mit m Säwel zu raſſele brauche do
hott die ganze Welt geziddert, ſeiner Zeit. Dohärngääche heit,
wo der ſogenannte Milledarißmußgeiſt en iwwerwundener Stand=
punkt
is, do hellt’s bedeidend ſchwerer de Menſche zu immboniern.
Nemlich bloß imme gewehnliche Straßeazug, un im=me ge=
bumbte
Schmohking uffzudräte un ganz Gotha un Umgäächend
uff die Knie zu zwinge, indem mer ſeecht, mer wer der un der,
do geheert doch, meiner Magnung nooch, e ziemlich Doſiß
Gribbs dezu. Odder net . . . . .? No, ich waaß net,
ich kenn mich do net ſo aus. Awwer ich nemm a', die Thieringer
ſin doch aach net grad vun gäſtern, un mer ſoll maane, die kennte
doch im allgemeine e bische mehr, als wie Kärwemuſik mache
un die groß Pauk ſchlage
Sei dem nu, wie m will, jedenfalls: e ganz a fach, ſimbel
Menſchekind, mit=eme bische geſellſchaftliche Schliff hott’s hiege=
bracht
un hott die ganz Erforder, Weimarer un Gothger Ge=
ſellſchaft
an de Nas erum gefiehrt, indem er bloß ſo gedha hott,
I8 weer=er em Kronprinz ſei Fieliuß, un hott ſich keenich=
liche
Hoheit atiddeliern loſſe, hott Zärgel gehalte un großor=

dich de Owwerborjemaaſter empfange un hott ſich ei gehend
iwwer Kommunalfrage mit’m unnerhalte (wodra mer ſieht, daß
däß gar ſo kaa ſchwierich Kabbidel is, wie ſe als dhun). Im
Theater hawwe ſe ſogar e Feſt= un Begrießungsvorſtellung
gäwwe un hawwe ſeintwääche De alte Deſſauer uffgefiehrt un
der dordiche Indenndant, unſer liewer Willy Lehr, hott’n im
Frack un Klack in die Hoflooſch eneibracklieziert, (er hott alſo
hier doch gelernt, der Willy Lehr, wie mer mit Brinze umzugeh
hot). Un daß ſich die holde Weiblichkeit gradezu um en
geriſſe hott däß is doch emol klar, dann die reißt ſich bekanntlich
um jeden hergeloffene Schwenkemacher, ob er nu: Tannhaiſter
haaßt un uff=eme Wimmerhols erumklimmbert, odder Lohe
grien un uffme Schwan geridde kimmt, odder Domala, der
wo ſich bloß beſcheide als Brinz ausgibt.
Freilich, mir wolle ehrlich ſei: aach in Darmſtadt hott=er
ſei Glick verſucht, wann aach net gleich als Kronbrinzeſoh!
Awwer mir Darmſtädter, mir ſin doch net ganz fo dumm, wie
die annern ausſähe. Un ſo is mer hier zimmlich ſchnell hinner
ſei Inkochnido kumme un hott=en zur weideren Ausbildung acht
Woche in’s Kittche geſteckt. Awwer no, der ächte Vagabunde=
humor
, der leßt ſich dorch ſo Klaanigkeite net ſo ſchnell aus de
Faſſung bringe. Un wie gefagt, in Gotha un ſo, do hott=er ſei
Talent zu=ere Virduwoſidät endwiggelt, däß wom ſo leicht kaa=
ner
nochmacht.
P
Un alles lacht lacht widdeimol, wie ſeit langem net mehr.
Ja ich muß ganz offe ſage, wie ich des Ding geläſe hab, däß wo
der Brinz do owwe in Gotha fo famos gedreht hott, do war
ich dermaße begeiſtert und a gerecht, daß ich ſchleunigſt in de
Keller gange bin un hab mer des Fläſchje Rotwei eruffgeholt.
wo mir neilich aaner geſtift hott, un hab mer en Boge Babier ge=
numme
, hab mei Bleiſtift geſpitzt un geheerich befeicht, un hab
mer vorgenumme: Alſo jetzt wärd e Luſtſpiel gedicht, odder e
Opperädd, odder en Schwank, odder e Poſſe. Un ſo hab ich mich
an Diſch geſetzt un hab a gefange zu dichte: Inwerſchrift odder
Tiddel: Seine Hoheit, der Herr Bedriecher. Awwer weiter
bin ich net kumme, indem mir der Spiriduß ausgange is, ob=

Kocht den Sellerie in geſchältem Zuſtand.
Mit dem alten Verfahren, den Sellerie nach flüchtigem Reinigen
ungeſchält zum Kochen aufzuſetzen, ſollte man brechen, da bekannt=
lich
beim Kochen die im Sellerie enthaltenen Extraktivſtoffe und
Nährſalze ſich dem Kochwaſſer mitteilen, das beim ungeſchälten
Sellerie unausgenutzt weggegoſſen wird. Setzt man den Sellerie
jedoch geſchält zum Kochen auf, ſo bleiben obige wertvollen
Stoffe im Kochwaſſer erhalten. Man kann dieſes vom Sellerie
abgießen und davon eine köſtlich ſchmeckende, mit Ei und Mehl
und mit gewiegter Peterſilie und Butter, ſowie geröfteten
Semmelbröckchen angerichteten Suppe bereiten. Ferner iſt noch
viel zu wenig bekannt, daß das Selleriewaſſer taſſen=
weiſe
genoſſen, Gicht= und Stoffwechſelkranken
ſehr zuträglich iſt.
M.
Feine Wirſingfuppe. ½ Pfund in Streifchen ge=
ſchnittenen
Wirſing dünftet man in einer Einbrenne von 40
Gramm Margarine oder Fett, 1 nußgroßen, würfeliggeſchnittenen
Zwiebel und 40 Gramm Mehl an. Füllt das Ganze mit 1½
Liter Fleiſchbrühe oder heißem Waſſer auf und läßt die Suppe
langſam 1 Stunde kochen, worauf man ſie mit 1 Teelöffel Appels
Hühnervollei in ½ Taſſe Milch verrührt, legiert und mit Salz,
wenig Pfeffer und 1 Stückchen friſcher Butter abſchmeckt.
Schwäbiſche Kalbsvögerl. 11½ Pfund ſehnen=
freies
Kalbfleiſch, in handgroße Scheiben geſchnitten, ſalzt und
pfeffert man nach flüchtigem Abwaſchen und beſtreicht ſie mit
Anchovis= oder Sardellenpaſte, nachdem man ſie auf der einen
Seite mit Speckſtreifen durchzogen hat. Darauf wickelt man ſie
zu Rollen zuſamnen, die man mit gebrühtem Faden umbindet,
um ſie in Mehl gewälzt, in heißer Pfanne mit Butter oder Oel
goldbraun anzubraten. Mit heißem Waſſer bedeckt, läßt man
ſie langſam weichſchmoren, nachdem man zuvor Salz beigefügt
hat. ½ Stunde vor dem Garwerden fügt man noch 23 =
löffel
ſaure Sahne bei, verdickt die Soße mit wenig kalt ange=
rührtem
Kartoffelmehl und ſchmeckt ſie mit einigen Tropfen
Zitronenſaft, wenig Pfeffer und 1 Teelöffel friſcher Butter pikant
ab. Man reicht ſie zu Salzkartoffeln oder dickem mit Curry ge=
würztem
Reis.
Vanillecreme: ½ Liter Milch verquirlt man mit zwei
Eiern, 30 Gramm Kartoffel= und 30 Gramm Weizenmehl, 75
Gramm Butter, 4 Eßlöffeln Zucker und fügt einige Tropfen
Vanille=Eſſenz oder ein Päckchen Vanillezucker bei, nachdem man
alles mit einem Schneebeſen bis zum Kochen auf dem Feuer ge=
ſchlagen
hat.

gleich ich dauernd bun dem Rotwei uff die Lamb gegoſſe hab.
Un ich muß ſchun ſage, däß Luſtſpiel= un Opperädde=Dichte, däß
is doch gar net ſo eiffach, wie’s als ausſieht, un wie die Herrn
Zeidungsſchreiwer in ihre Afalt mutmaße. Un außerdem, ſchun
die Iwwerſchrift is mer ſo bekannt vor kumme, daß ich gedenkt
hab, ich mecht valleicht im Eifer etwas dichte, was bereits ſchun
e annerer vor mir gedicht hot. Un wann mir däß ſchun bei
de Iwwerſchrift baſſiert, dann kann ich beſtimmt druff rächne,
daß mir die Herrn Kridicker noochher haarſchaff noochweiſe, daß
der ganze Stoff garnix Neies is, ſundern daß der ſchun Dau=
ſende
un awwermals dauſendemol, nooch alle neu Neede, rum=
didumm
gedicht is worrn. Ich hab’s alſo ſei loſſe, un hab
mei Fläſchje Wei ausgedrunke, ohne mich weiders in dichteriche
Unkoſte zu ſtärze.
Un dann haaßt’s aach annerſeitz bekanntlich: Wenn dich die
beeſen Buuen locken, ſo folche ihnen nicht, ſondern gehe ihnen
voran. Es ſollt mich däßhalb gar net wunnern, wann jetzt in
alle Ecke un Ende falſche Brinze uffdauche, un wolle ſich uff
Koſte vun annern Leid gude Dääch mache. Ja ich mecht die
ganz Darmſtädter Geſellſchaft heit ſchun warne dann warum,
es geht gääche Faſtnacht! Alſo wann ihne e Frauenzimmer
begäächent, die wo ausſieht, wie e ausgewiſcht Warnungsdafel,
odder wie e Ausrufezeiche mit zwaa Genſefieß unnedra, wann
ihne alſo e Frauenzimmer ſo begäächent, die wo behaubt, ſie
weer die Lieblingsfraa des Marabadatſcha aus Indien, un ſie
weer uff de Dorchraas un es Geld weer=er ausgange, dann
glaawe ſeis net. Nemlich däß is bloß mei Ziangsmiedern.
Un wann ſe mich ärchendwo ſähe, uff de Gaß odder ſo, un es
ſeecht jemand zu Ihne, ich weer die alt Keenigin vun England,
dann falle ſe net druff enei, indem die nemlich ſchun lengſt dod
is. Wann Ihne dohärngääche awwer aaner begäächent, der
wo ausſieht, wie bezahlt un net abgehohlt, un ſeecht, er weer
de Pandmaaſter, dann därfe Se’s ruhich glaawe dann däß
ſtimmt gewiß. Ob awwer in Geſellſchaft e Begäächnung mitm
Pandmaaſter grad was zum Lache is, däß muß jeder ſälwer
wiſſe, der wo ſo e hocbſtehend Perſeenlichkeit zu ſeine indiemſte
Hausfreunde zehle kann".
Wann awwer an mich jetzt die Frog eran drete ſoll, un ich
ſoll entſcheide, was nu’ mit dem falſche Hohenzollernbrinz ge=
ſchähe
ſoll, do mecht ich doch ſage, mer ſollt net gar ſo aſch mit’m
ins Gericht geh. Geſtroft geheert er nadierlich, alles was rächt
is. Awwer ich denk, mit e paar Monat Bewährungsfriſt weer’s
gedho. Un wann er ſich in däre Zeit gut fiehrt, dann ſollt merm
de mediziniſche Docktertiddel gäwwe, honnoraris kauſa, dann
er hott, dorch ſein Schenieſtraach net bloß e ganz Maſſion Menſche
in dene ernſte Zeide zu=eme urgeſunde Lache verholfe, was gor=
net
hoch genug ei zuſchätze is, ſundern er hott dorch ſei glenzende
Begawung e groß Azahl Menſchekenner vun=eme heechſt un=
geſunde
Ehrgeiz un vun=ere aißerſt verrickte Mannie gehaalt:
raſch un grindlich. Freilich, ſei Behandlung war es bische
geſalze, awwer no. die, die wo devo bedroffe ſin, die kenne’s be=
zahle
, ſie hawwe jo aach die Ehr un des Vergnieche gehatt . . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Dieſer Dag hawwe aach zwaa alte
Kempe in unſerm Stadtrat ihr fimfundywanzigjährich Dienſt=
juwiläum
geſeiert, nemlich de Herr Dockter Nöllner un de Herr
Dockter Kolb. Des briederliche Eivernehme zwiſche de Herrn
Stadträt is dodebei recht ſchee zum Ausdruck kumme un die ver=
ſchiedene
Frackzionsreöner hawwe ausnahmsweis ſcheene Worte
gefunne for die Juwilande. Was zu ſage war is geſagt worrn
un ich ſchließ mich meine Herrn Vorredner voll un ganz a!
Proßt!
Im iwwriche hatte ſe am letzte Dunnersdag im Stadt=
verordnetegremmadorium
widder die beſte vun ihre Spendierhoſe
a', un ſin eglich ins Zeig gange. Ich mecht wiſſe, ob ſo der aane
odder de annere vun unſere Stadtvädder ſich’s e bißche nodiert,
was er ſo es Johr dorch bewilliche därf dhut wollt ich ſage.
Unner annerm ſoll alſo aach die Nachtwaad drauß vorm
Owwerwaldhaus, packardich ausgeſtalt wärrn." Ich waaß zwar
net ganz genaa, was mer ſich dodrunner vorſtelle dhut, wann mer
e Stick Wald packardich ausgeſtalte will, awwer no, denke kann.
ich mer’s ſchun; jedenfalls mache ſe die Beem ewäck un dhun die
Wähk bläſtern. In dem Fall mecht ich ſage, daß noch e iwwerren=
zich
Azahl vun unſere Drottewahs in de Stadt in=eme gradezu
bejammernswerte Zuſtand is. Wann ſe alſo grad widder mol
nis Wichdicheriches zu bewilliche hawwe, die Herrn Stadtvädder,
dann mecht ich bitte, daß ſe aach do widder mol e päar Mack
defor enausſchmeiße. Im Notfall bin ich gern bereit, e Fiehrung
miten dorch die Stadt zu mache, wenichſtens damit ſe die Ver=
hältniſſe
aach innerhalb vun de Stadt e bißche kenne lärne,
dann do ſcheint mer’s aſch zu habern
For die Sparbix: Vum Luiche: 5 Mack, vum Odewaldklub
Frankonia (Diſchſammlung): 9 Mack,

Zitronenereme wird auf die gleiche Weiſe bereitet, nur
fügt man an Stelle der Vanille einen Eßlöffel Zitronenzucker oder
das Abgeriebene einer ſauber abgewiſchten Zitrone bei.
Gekochte Nußcreme: ½ Liter Sahne oder Milch ber=
quirlt
man mit zwei knappgeſtrichenen Eßlöffeln Weizenmehl
ſowie 40 Gramm Butter, 2 Eßlöffeln geriebener Haſelnüſſe ſowie
2 Eßlöffeln Zucker und 2 Eßlöffeln Süßſtofflöſung recht gut und
rührt die Miſchung auf dem Feuer zu Creme. Etwas ausgekühlt,
kann man zur Verfeinerung des Geſchmackes noch 2 Eßlöffel ſteife
Schlagfahne darunter ziehen.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Weinſuppe mit Schaumtlößchen. Hammel=
Wickelbraten mit Schweizerkäſcſoße. Geſchmorte Birnen.
Montag: Grünkohl mit Bratkartoffeln und Siedewürſtchen.
Dienstag: Bohnen mit Möhren und Abſtechklößchen.
Mittwoch: Pichelſieiner. Donnerstag: Gefüllter
Wirſing. Freitag: Gek. Schellfiſch mit Peterſilienſoße.
Samstag: Reis mit Blumenkohl und gekochter Rinderbruſt.

E
Humor
I

adezu fürchterliche Naturerſcheinungen!
abe auch eine ſolche daheim . . . !"
timmt,

[ ][  ]

Maskenkoſkume
für Rinder.
Es gibt wohl nichts Reizenderes und keine
Arbeit, die man lieber machen wird, als das
Maskenkoſtüm für das Kind. Kann man doch
hier der Phantaſie die Zügel ſchießen laſſen,
man wird ſchon bei der Arbeit an den Kleinen
gelegentlich der Anproben und durch ihre in=
tenſive
Beteiligung viel Freude erleben, und
am Abende des Kinderballes oder Eisfeſtes
wird das Glück und die Aufregung keine
Grenzen kennen. Man wird natürlich immer
darauf ſehen, das Maskenkoſtüm für das
Kind ſehr billig herzuſtellen, da es doch ſicher=
lich
ſehr unangebracht wäre, für ein derartiges
Stück viel aufzunenden. Letzten Endes kommt
es ja auch keinesrugs auf wertvolles Mate=
rial
oder hervorragend ſorgfältige Ausfüh=
rung
an, ſondern einzig und allein auf die
originelle Koſtün=Idee und ihre flotte Wie=
dergabe
. Möglichſt ſoll man darauf ſehen, von
den altbekannten und ſchon zur Konvention
erſtarrten Koſtümtypen abzukommen, denn
Prinzen und Dornröschen, Elfen und Pier=
retten
ſind ſchon derart abgebrauchte Ideen,
daß ſie wohl bei jedem Feſte allzuſehr vertre=
ten
ſein werden und darum auch den Kindern
keine Genugtuung zu bieten vermögen.
Wirklich außerordentlich und eigenartig
kann das Koſtüim nur dann wirken, wenn
ſeine Idee nen und ſeine Wiedergabe gut,
gleichzeitig auch flott und vor allen Dingen
ſarbenfroh iſt, denn es gibt nichts Unver=
nünftigeres
, als das Kind mit matten Far=
ben
zu koſtümieren, womit man ihm jede
Wirkung und Freude raubt, denn Reichtum
an Farben iſt nun eir mal das Urſprüngliche
des kindlichen Geſchmackes.
Jedes vorhandene Reſtchen läßt ſich ja ſehr
gut verwenden: ein Stückchen Samt für das
Miederleibchen der Bäuerin oder des Wie=
ner
Wäſchermädls, ein Endchen geblümter
Seide für die Hirtin oder den Negerkna=
ben
, ein Lederriemchen als Leibgurt, ſchwar=
zer
Schürzenkloth für den Schornſteinfeger
etwas Taft aber für ein Stilkleid, dem man
immer die Note einer Blüte zu geben vermag, denn roſafarbeuen
Taft kaun man für ein ſchönes Roſenkoſtüm gebrauchen (mit
den entſprechenden Blüten garniert), lila Taft ſieht für ein Veil=
chenkoſtüm
immer ſchön aus, uſw. Aber nicht nur jedes Mate=
rialreſtchen
, auch jedes Band, jede Schnur, jede Münze, jeder
bunte Knopf werden vortrefflich zu verwenden ſein. Oft kann
man auch darauf ſehen, daß das Maskenkoſtüm auch ſpäterhin
noch in irgend einer Form verwendbar ſei: Der Pierrot, der
Schornfteinfeger oder der Cowboy ergeben ihrem Schnitte
nach im Prinzip ein nettes Pyjama, die Bäuerin und das
Wäſchermädchen eignen ſich im Sonuner als Dirndlkoſtüm
fehr gut, und all die reizenden kleinen Hirtinnen werden nach
Das Abendkleid
ſoll vor allen Dingen auf Wirkung berechnet ſein,
denn immer wieder bewahrheitet ſich die Tatſache,
daß oft gerade die ſubtilſten Effekte im grellen
Lampenlicht verfagen und nur abſolut wirrungs=
volle
Modelle gut zur Geltung koinmen. Darum
eben muß für dieſen Zweck von beſonders deli=
katen
Aufputzeffekten ganz abgeſehen und nur die
Anlage des Kleides und das zur Verwendung ge=
langende
Material berückſichtigt werden. Daraus
iſt leicht zu entnehmen, daß ganz zarte Farben
(mit Ausnahme von Weiß) für das abendliche
Kleid eigentlich zu verwerfen ſind. Unausge=
ſprochene
Töne, wie Hellgrau, Beige, ganz mattes
Grün und allzu blaſſes Roſa erſcheinen im Lichte
des Ballſalons ſehr leicht wie ſchmutziges Gelblich=
weiß
, können alſo für die Trägerin unter Umſtän=
den
eine arge Enttänſchung darſtellen.
Damit ſei natürlich keineswegs geſagt, daß man
für die abendliche Kleidung nur ſchreiende Farben
wählen dürfe: ganz im Gegenteil, denn auch ſie
würden der gegenwärtigen Mode, die alles eher
als marktſchreieriſch iſt, vollkommen widerſprechen.
Man muß vielmehr einen gangbaren Mittelweg
ſuchen und Schattierungen zu Hilfe nehmen, die
weder zu grell, noch auch zu wirkungslos ſind.
Als ſolche ſind etwa ein ſattes Crevetto, ein aus=
geſprochenes
(niemals verwaſchenes) Nilgrün,
ein ſattes Heliotrop (überhaupt alle Schattierungen
zwiſchen kräftigem Flieder und tiefem Bordeaux=
rot
), ein intenſides Gelb oder Aprikos zu empfeh=
len
. Der Schnitt des Abendkleides muß nicht
kompliziert ſein, denn die Wirkung hängt ja nie=
mals
von der Schwierigkeit der Machart, ſondern
eben nur don der guten Farb= und Materialkoni=
bination
ab.
Die etwas gebluſten Kleider mit den jetzt weiter
werdenden Nockpartien ſtehen, auch jetzt noch im Sel4 26
Vordergrunde. Gürtel ſind ſehr beliebt und wer=
den
ſowohl in Band als auch in Stickerei (Straß,
Flitter uſw.) wiedergegeben. Blumen=Garnierungen waren ſchon
lange nicht ſo beliebt wie eben jetzt, und es gibt kaum ein abend=
liches
Kleid, das ſich dieſes Effektes nicht bedienen würde. Man
ſetzt die Kunſtblume entweder an die Schulter oder in die Mitte
des Gürtels, an welcher Stelle ſie als Neuheit zu betrachten iſt
und vielfach gebracht wird. Neben den Kunſtblumen iſt die
Franſenmode noch immer führend. Sie gibt auch jedem Kleide
eine unbedingt aparte Note und verleiht ihm vornehmlich beim
Tanz Grazie und Eleganz. Als letzte Neuheit aber ſind
Straußfedern anzuſehen, die gleichzeitig auch die kommende
Abendmode für das Frühjahr und für den Somme: darſtellen

dem Balle noch als Beſuchskleidchen vortreffliche Dienſte tun.
Unſere Gruppe bringt einige Anregungen für den Kinderball, die
gewiß auch für ähnliche Gelegenheiten gut zu verwerten ſind:
Der Mohrenknabe (links) iſt leicht herzuſtellen, denn aus
Leinen oder aus einem Stückchen alter, weißer Seide verfertigt
man den hohen Turban (der entſprechend mit Watte unterlegt
werden muß), aus irgend einem grellfarbigen, am beſten gelben
oder brandrot gemuſterten Materiale wird die vorn offene, weit=
ärmelige
Bkuſe gearbeitet, die ein weißes Hemdchen ſehen läßt.
Ein ſcharlachroter, doppelt um den Leib gebundener und mit
Franſen beſchwerter Gürtel ſieht ungemein verrucht aus, die
pludrigen, weiten, weißen Hoſen wirken grotesk=kindlich, und

ſollen, alſo lange Zeit modern bleiben dürften. Die Straußfeder
hat die beſondere Eigenart, in dunklen Schattierungen ausſchließ
lich für das Kleid einer ſtarken Figur oder einer älteren Dame
in Frage zu kommen, während ſich die Straußfeder in hellen
Farben für die Jungmädchenkleidung wie geſchaffen zeigt. Man
linterſcheidet ſowohl einfache, wie auch die langen, geknüpften
Straußfedern (Pleureuſen), denen durch feine Farb= Abſchattie=
rung
oft ein ganz beſonderer Reiz verliehen wird.
Als Grundmaterial der neueſten Abendkleider verwendet man
alle Arten von Seiden, vornehmlich aber den durchſichtigen Geor=
gette
(unter dem natürlich ein entſprerhendes komplettes Unter=

die brandrot beſtrumpften Füßchen ſtecken in
orientaliſchen Pantoffeln, die man aus Filz
arbeiten und ſelbſt beſticken kann.
Selbſtverſtändlich muß das Geſicht tief
braun geſchminkt ſein, um die richtige Koſtüm=
wirkung
zu erreichen. Gerade eine ſolche
Metamorphoſe wird dem Kinde ſicherlich un=
vergleichlichen
Spaß bereiten.
Viel weniger romantiſch mutet dagegen die
kleine Bäuerin (Figur 2) an, iſt aber noch
leichter herzuſtellen und wie ſchon früher
erwähnt für den Landaufenthalt im Som=
mer
als Dirndl=Koſtüm verwendbar. Das
Röckchen arbeitet man aus buntkariertem Ze=
phir
oder aus einem Reſt ſchottiſcher Seide,
die kleine, mit einer Taſche gezierte Schürze
aus Leinen oder Batiſt, aus dem gleichen
Materiale das beim Halſe zuſammengezogene
und mit Puffärmeln verſehene Hemdchen. Die
kleine, in der Mitte mit Metallſchnüren ver=
ſchloſſene
Weſte beſteht aus Samt in greller
Farbe oder in Schwarz. Ein buntgetupftes
Kopftuch ſieht dazu immer am originellſten
aus. Abſtehende, mit bunten, eingeflochtenen
Maſchen gezierte Zöpfe wirken ſehr drollig.
Es folgt der kleine Schornſteinfeger in
einem ſchwarzen, eng anliegenden Overall=
Anzug mit vordeerer Knopfbahn und ſchma=
lem
Halsleiſtchen, ſowie ſchwarzem Wildleder=
gürtel
im Schluſſe. Ein ſchwarzes Käppchen
muß natürlich unbedingt vorhanden ſein,
Ebenſo die ſchwarz geſtrichene Holzleiter und
die unentbehrlichen ſchwarzen Pantoffeln mit
dicker Holzſohle, aber etwas Ruß für Ge=
ſicht
und Hände iſt doch ſicherlich am leich=
teſten
zu beſchaffen.
Das nächſte Bild, die Hirtin (mit dem
Schornſteinfeger gemeinſam eine reizende
Gruppe aus Anderſens Märchen), ſieht
allerliebſt aus und iſt mit geringen Mitteln
aus geblümtem Etamine oder ebenſolcher
Seide herzuſtellen. Blumenkränze im Schluſſe
und an den Aermchen wirken kindlich und
anmutig. Ein kleines Hirtenhütchen aus Stroh,
mit Blumen reich garniert, ergänzt dieſes
Koſtüm in entzückendſter Art.
Gibt es wohl einen Jungen, der nicht gern
das Koſtüm des Cowboy mit khakifarbener
Bluſe, brandrotem Schlips, großem Filzhute
und roter Hoſe mit ſeitlichen Franſen wäh=
len
wird? Um ſo mehr, als ein eingedrehtes Laſſo um die Hüfte
und eine Revolvertaſche die Zuſammenſtellung ſicherlich ungemein
gefahrvoll und impoſant erſcheinen laſſen werden.
Auch den Gaſſenjungen wird keiner gerne verwerfen, und
auch aus materiellen Gründen iſt ein ſolches Koſtüm ſicherlich
ſehr erſtrebenswert, weil ſeine Herſtellung faſt überhaupt keine
Opfer koſtet. Die große karierte Schildkappe muß natürlich zur
Stelle ſein, ebenſo der grellfarbige Wollſchal und ein brandroter
Ledergürtel. Die geſtreifte Hoſe und der einfarbige Rock ſind mit
Flicken durchſetzt. Eine Schokolade=Zigarette iſt natürlich ſehr
weſentlich, macht den kleinen Koſtümierten unerhört ſtolz und
gibt ihm das erhebende Gefühl des Schon=ganz=erwachſen=ſeins.
kleid getragen werden muß). Dieſes matte Seiden=
material
eignet ſich am beſten als Baſis für feine
Stickereien, und auch Federn, Blumen, Bänder
oder Franſen heben ſich davon vorteilhafter ab, als
von jedem glänzenden Seidenſtoffe. Neben dem
Georgette ſieht man auch ſehr viel Spitze, bisweilen
auch Kreppſatin, endlich auch Taft für das Tanz=
kleid
der jungen Mädchen. Mit Vorliebe pflegt
man auch verſchiedene Arten von Material zu kom=
binieren
, etwa Spitze mit Seide oder Spitze mit
Band. Einige der neueſten Schaffungen, die
auch unſchwer nachzuarbeiten ſind, bringt unſere
Bildgruppe:
Als erſte ein Abendkleid aus Georgette in einer
hellen Farbe, deſſen reich mit Perlen und Flitter
in gleicher Schattierung beſtickter Oberteil etwas
gebluſt iſt. Die Rockpartie wird vollkommen von
drei aus Franſen gebildeten Volants gedeckt. Auch
ſie haben natürlich die Grundtönung des Kleides.
Das zweite Abendkleid iſt in Taft wiedergege=
ben
und hat ſtilartigen Charakter. Der Oberteil
iſt eng anliegend, die untere Partie ſtark eingereiht,
wodurch ſich vornehmlich in der ſteifen Taft=
ſeide
die ſtilartige Wirkung ergibt. Der untere
Nockrand iſt ausgezackt und mit gleichem Materiale
eingefaßt. Eine in der Farbe apart kontraſtierende
Blume (alſo blaue Blüten zu aprikosfarbenen
Abendkleidern, meſſinggelbe Blucmen zu allen Rot=
Schattierungen) ſieht an der Schulter ſehr pikant
aus. Unter dieſer Blume kommen ſchmale Taft=
bänder
hervor, die dem Kleide eine beſchwingte,
graziöſe Note beim Tanze geben.
Sehr einfach herzuſtellen und dennoch wirkungs=
voll
in ſeinem Effekt iſt das vorletzte Modell, ein
Spitzenkleid, das ſowohl aus Seiden= wie auch aus
Metallſpitzen wiederzugeben wäre. Auch hier iſt
der Oberteil bluſig, die untere Partie leicht ein=
gehalten
. Den einzigen Aufputz bildet ein breiter,
in der Mitte mit einer großen Kunſtblume ( an=
ſtatt
einer Schnalle) zuſammengehaltener Seiden=
gürtel
. Da man unter einem ſolchen Spitzenkleide
natürlich ein ſeidenes Unterkleid tragen muß, wird
man dieſes Unterkleid, den Gürtel und die Blume in der Farbe
unbedingt übereinſtimmen, etwa ein königsblaues Spitzenkleid
mit einem blaßroſa Unterkleid, ebenſolchem Gürtel und blau=roſg
abſchattierter Blume.
Wie man Straußfedern in richtiger Weiſe anbringt, zeigt das
letzte Modell, ein gerades. mit einem ſeitlich geknoteten Gürtel ab=
gebundenes
Kreppſatin=Kleid. Unterhalb des Gürtels kommen zu
beiden Seiten Spitzenſchürzen in der gleichen Farbe hervor, deren
unterer Rand oben mit Federn garniert iſt. Modelle dieſer Art,
die in der Linie der Tagesmode nicht allzuſehr unterworfen ſind,
werden ſobald nicht unmodern und lange verwendbar bleiben