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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 1
Samstag, 1. Januar 1927.
190. Jahrgang
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Gewaſt, wie Krieg. Aufruhr Streil uſw. erliſcht
ſede Verpſiſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auffräge und Teſſtung von Schadenerſatz. Bei
Konhurs oder gerſchlicher Beitreibung fällt ſeder
Rabait weg. Bankkonio: Deuiſche Banl und Darm=
Kädtzi und Nationalbant.
Neujahrsſtiſle.
Die Politik iſt ſchlafen gegangen im alten Jahr. In den
Aemtern herrſcht beſchauliche Ruhe. Die ganze Arbeit beſchränkt
ſich darauf, die konmenden Entſcheidungen vorzubereiten.
Be=
reits unmittelbar nach Neujahr wird es wieder lebendig. Am
8. Januar beginnen die Verhandlungen über die beiden noch
ausſtehenden Fragen der Militärkontrolle gleichzeitig in Berlin
und Paris, wobei die Frage der öſtlichen Feſtungen vermutlich
keine ſo entſcheidende Rolle ſpielen wird wie die Ausfuhr von
Kriegsgeräten. Hier finden ſich England und Frankreich
zu=
ſammen: England, weil es auf dieſem Umwege die deutſche
Konkurrenz auf dem Weltmarkt glaubt ſchädigen zu können,
Frankreich, weil es die mehr als überflüſſige Angſt vor deutſchen
Rüſtungen nicht los wird. Am 9. Januar tritt der
Hauptaus=
ſchuß des Reichstages zuſammen, um den neuen Etat
vorzube=
reiten. Damit iſt der Auftakt für die Verhandlungen über die
Regierungsbildung gegeben. Bis aber dieſes ſchwierigſte aller
Probleme gelöſt iſt, werden wir vermutlich ſchon einige Wochen
ins neue Jahr hineingekommen ſein. Vorläufig weiß noch
nie=
mand, wie aus den unbegrenzten Unmöglichkeiten ein
regie=
rungsfähiges Gebilde herauskriſtalliſiert werden ſoll.
Reichsminiſter Dr. Bell zum Jahreswechſel.
Berlin, 31. Dezember.
Der Reichsminiſter für die beſetzten Gebiete, Dr. Bell,
über=
gab anläßlich des Jahreswechſels einem Preſſevertreter eine
Er=
klärung, in der er darauf hinweiſt, daß das Jahr 1927 das Jahr
werden ſolle, in welchem die Frage der Beſetzung der
Rhein=
lande einer endgültigen Löſung entgegengeführt werden müſſe.=
In der Zwiſchenzeit, bis dieſes Ziel erreicht werde, werde alles
geſchehen, um die Rechte der Zivilbevölkerung im beſetzten
Ge=
biet zu ſchützen. Darin wären ſicher alle Deutſchen einig, daß
Leib und Leben, Ehre und Beſitz der Zivilbevölkerung im
be=
ſetzten Gebiet dem gleichen Schutz unterliegen müßten, den ſie im
Heimatland der Beſatzungstruppen genöſſen.
Neujahrswünſche an die Wehrmacht.
Berlin, 31. Dezember.
An die Wehrmacht ſind zum Neujahrstage folgende Erlaſſe
ergangen:
„An die Wehrmacht!
Der deutſchen Wehrmacht ſpreche ich wiederum meine
herz=
lichſten Wünſche zum Jahreswechſel aus. Ich weiß, daß ſie, wie
bisher, auch künftig im ſelbſtloſer, treuer Arbeit ihre
Schuldig=
keit tun wird.
Berlin, den 30. Dezember 1926.
Der Reichspräſident
von Hindenburg.”
„An die Wehrmacht!
Im neuen Jahr mit neuer Kraft das alte Ziel!
Glück=
auf!
Berlin, den 30. Dezember 1926.
Der Reichswehrminiſter
Dr. Geßler.”
„An das Reichsheer!
Kameraden!
Ein ernſtes Jahr liegt hinter uns!
zucht und treuer Kameradſchaft feſt geeinte Reichsheer auch in beit hervorragender Juriſten in muſtergültiger Weiſe gelöſt. In
dieſem Jahr aufrecht, ſtill und ſelbſtlos ſeine Pflicht getan.
lich treu, dem ganzen deutſchen Volke gehörig, keiner Partei erwieſen hat. Die politiſchen und wirtſchaftlichen
Erſchütterun=
dienend, ſo treten wir mit blankem Ehrenſchild als ſcharfes, zu= gen der Nachkriegszeit haben die Reichsjuſtizgeſetzgebung vor
verläſſiges Inſtrument des Staates in das neue Jahr.
Ich habe die ſichere Zuverſicht, daß das deutſche Volk in haben. Es iſt das bleibende Verdienſt des
Reichsjuſtizminiſte=
allen ſeinen Teilen mehr und mehr erkennen wird, daß die
kunft, treue, unbeirrbare Pflichterfüllung und ſelbſtloſe Hingabe Geſetzgebung lebendig bleibt.
an den Dienſt für Volk und Vaterland ſind. Was wir dazu tun
können, wollen wir tun.
Gott, im feſten Glauben an Deutſchlands Zukunft.
Berlin, den 30. Dezember 1926.
Heye,
General der Infanterie und Chef der Heeresleitung.”
„An die Reichsmarine!
daheim und über See verbinde ich meine herzlichſten Neujahrs= überwinden, wird auch künftig eine beſondere Aufgabe des
wünſche für die Reichsmarine. Unbeirrt durch die Kämpfe der Rechtsreſſorts des Reiches ſein.
Parteien werden wir auch im kommenden Jahre nur dem
Vater=
lande dienen, uns allezeit uneingeſchränkt zu dem Fahneneide Völker wie der verſchiedenen Volksſchichten und der einzelnen
bekennend, den wir auf die Verfaſſung des Deutſchen Reiches ge= Volksgenoſſen zueinander, muß unſer aller Ziel ſein. Daß Sie
ſchworen und bisher unverbrüchlich gehalten haben.
Uns deutſchen Soldaten gilt jetzt und immerdar nur eine wiß. Mein aufrichtiger Wunſch, mit dem ich heute das Reichs=
Loſung: „Für Volk und Reich!”
Berlin, den 31. Dezember 1926.
Zenker,
Admiral und Chef der Marineleitung.”
Ein Neujahrswunſch Dr. Streſemanns.
Berlin, 31. Dezember.
Die Nationalliberale Korreſpondenz veröffentlicht einen
Neujahrswunſch Dr. Streſemanns, der folgenden Wortlqut hat:
Unſere Partei hat im vergangenen Jahre mit großer
Ein=
mütigkeit und Geſchloſſenheit an dem Wiederaufbau
Deutſch=
lands mitgearbeitet. Wenn wir am Jahresende die Bilanz über
das Erreichte ziehen, ſo können wir ſagen, daß dieſe Arbeit nicht
ohne Erfolg geweſen iſt. Trotz großer Hemmungen und immer
wieder einſetzender Rückſchläge hat die Feſtigung der
Verhält=
niſſe auf innen= wie auf außenpolitiſchem Gebiete Fortſchritte
gemacht. Gewiß iſt zu einem Optimismus über die Entwicklung
namentlich auf wirtſchaftlichem Gebiete keinerlei Veranlaſſung
gegeben. Das große Problem der Erwerbsloſigkeit iſt einer
Löſung noch nicht nähergeführt, während die finanziellen
Lei=
ſtungen an das Ausland wachſen. Aber wir können doch
feſt=
ſtellen, daß das deutſche Volk die Kraft
aufge=
bracht hat, das, was es zu leiſten vermag, für
die Rettung ſeines Staates hinzugeben. Die
pſychologiſche Staatskriſe, unter der wir lange Jahre
gelitten haben, iſt mindeſtens in bezug auf Staatsform
und Verfaſſung überwunden. Und wenn das
parla=
mentariſche Leben ſich kriſenloſer geſtaltete, ſo würde auch nach
außen hin die große Geſchloſſenheit des deutſchen Volkes in
allen Fragen klarer zutage treten, die ſeine Zukunft entſcheiden.
Eine ſpätere Geſchichtſchreibung wird in erſter Linie diejenigen
als Träger des Wiederaufbaues nennen, die in ſchweren Zeiten
die Verantwortung für die Führung der Staatsgeſchäfte
über=
nommen haben. Aufgabe der Deutſchen Volkspartei iſt es, die
ſtaatsbejahenden Kräfte im weiteſten Sinne zuſammenzufaſſen.
Bei jedem Verſuch dieſer Zuſammenfaſſung werden die Parteien
der Mitte, zu denen wir als liberale Partei zählen, den Kern
jeder Regierungsbildung abgeben müſſen, weil ſie in den Jahren
des Wiederaufbaues im weſentlichen die Träger der
Verantwor=
tung waren und auch in Zukunft ſein müſſen. In einer Zeit,
in der ſtärker als früher der rein wirtſchaftliche
Intereſſenſtand=
punkt Zuſtimmung in weiteſten Kreiſen findet, mußte die
Ueber=
nahme der Verantwortung durch eine Partei naturgemäß mit
einer vorübergehenden Einbuße an Volkstümlichkeit bezahlt
wer=
den. Um ſo ſtärker wird bei fortſchreitender Konſolidierung das
Volk ſich künftig den Ideen verantwortungsvoller Realpolitik
zuwenden. Wir können der Zukunft auch unſerer Partei mit
Ruhe und Vertrauen entgegenſehen, wenn wir uns von dem
Wege, den wir in den letzten Jahren gegangen ſind, nicht
ab=
bringen laſſen und ihn ſelbſtändig weiter verfolgen. Möge die
Partei auch in Zukunft ſtets den Weg einſchlagen, der in gleicher
Weiſe eingegeben iſt von Liebe und Verantwortungsfreudigkeit
für die Zukunft von Volk und Reich.”
50jähriges Beſtehen
des Reichsjuſtizminiſteriums.
Glückwunſch des Reichspräſidenten an Dr. Bell
Berlin, 31. Dezember.
Reichspräſident von Hindenburg hat am heutigen
Gedenk=
toge des 50jährigen Beſtehens des Reichsjuſtizminiſteriums an
den Reichsminiſter der Juſtiz Dr. Bell folgenden Erlaß
ge=
richtet:
„Sehr verehrter Herr Reichsminiſter! Das
Reichsjuſtiz=
miniſterium blickt am heutigen Tage auf eine 50jährige Tätigkeit
im Dienſte des Vaterlandes zurück. Ihm iſt in den verfloſſenen
Jahrzehnten die geſchichtliche Aufgabe geworden, dem deutſchen
Volk ein einheitliches Recht zu ſchaffen und zu erhalten. Und
Unbeirrt durch alle Schwere hat das in Gehorſam, Mannes= es hat dieſe Aufgabe dank der unermüdlichen, hingebenden
Ar=
dieſem alle deutſchen Stämme umfaſſenden einheitlichen Recht
beſitzt unſer Volk ein Gut von unſchätzbarem Wert, das ſich in
Dafür ſage ich jedem Angehörigen Dank und Anerkennung, den Zeiten nationaler Größe wie in den Jahren ſchwerſter Prü=
Unſerem der Reichsverfaſſung geleiſteten Eide unerſchütter= fung als echter und unverrückter Grundppfeiler der Reichseinheit
Aufgaben geſtellt, wie ſie frühere Zeiten nicht annähernd gekannt
riums, unbeirrt durch die Kämpfe der Zeit, treu ſeiner Ueber=
Weſenszüge unſeres Reichsheeres, wie bisher ſo auch in Zu= lieferung dahin gewirkt zu haben, daß der Rechtsgedanke in der
Unter den großen Aufgaben, die das Reichsjuſtizminiſterium
gegenwärtig zu löſen hat, gilt mein beſonderer Wunſch der bal=
Wohlan denn, Kameraden, furchtlos und treu voran mit digen Vollendung der ſich in enger Zuſammenarbeit mit dem
Juſtizreſſort des ſtammverwandten öſterreichiſchen Volkes
voll=
ziehenden Reform des Strafrechtes. Ich hoffe, daß dieſes Werk
dazu beitragen wird, die ſittlichen Grundlagen unſeres Volkes
und unſeres Staates zu bewahren und zu feſtigen.
Aus der Wiederanknüpfung der durch den Krieg zerriſſenen
Rechtsbeziehungen der Völker erwachſen der
Reichsjuſtizverwal=
tung neue große Aufgaben. Die Hinderniſſe, die ſich einer vom
Rechtsgedanken getragenen Völkergemeinſchaft immer von neuem
Mit meiner dankbaren Anerkennung für die treue Arbeit entgegenſtellen, durch zähes Feſthalten am Rechtsgedanken zu
Die Autorität des Rechtes zu ſtärken im Verhältnis der
und Ihre Mitarbeiter in dieſem Geiſte wirken, deſſen bin ich
ge=
juſtizminiſterium und alle ſeine Mitarbeiter grüße, iſt, daß ſeine
Arbeit dem deutſchen Volke auch fernerhin zum Segen gereichen
möge. Mit der Verſicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung
von Hindenburg.”
Ihr ergebener
Wünſche für das neue Jahr.
Von
D. Dr. M. Schian.
In vielen und großen Dingen wird der Verlauf des neuen
Jahres von uns und unſerem Willen unabhängig ſein. Wird
es wieder ein hartes Jahr ſein, in dem Landwirt und Winzer
ſchwer um den Ertrag ihrer heißen Arbeit ringen und ſich
viel=
leicht mit kargem Ertrag begnügen müſſen? Unſer Geſchick ſteht
nicht in unſerer Hand.
Wir werden auch 1927 ſpüren wie abhängig wir von den
anderen Völkern Europas, der Welt ſind. England, Frankreich,
Polen, die anderen Grenzvölker werden ſchwer in unſer Erleben
eingreifen. Zumal von Frankreich wird für uns ſehr viel
ab=
hängen. Die gut geglückte Gegenwirkung gegen die
Frank=
entwertung hat Poincarés Anſehen wieder gehoben; es iſt nicht
unwahrſcheinlich, daß ſich das auch allgemeinpolitiſch, auch
außen=
politiſch auswirkt. In dieſer Hinſicht ſind trotz Völkerbund die
Ausſichten für uns nicht günſtig. Es wird mit Frankreich ein
hartes Ringen um wahrſcheinlich beſcheidene „Rückwirkungen”
der Locarnopolitik geben. Wir werden dabei ſehr deutlich
mer=
ken, daß wir unſer Geſchick nicht allein in unſerer Hand haben,
Die Auswirkungen des Dawesplans werden ſich 1927
ver=
ſchärfen. Unſere Wirtſchaftslage iſt nach wie vor ſehr ſchwierig.
Die Arbeitsloſigkeit mehrt ſich wieder. Was es bedeutet. Monat
um Monat, ja länger als Jahresfrift erwerbslos zu ſein: wer,
der ſeinen feſten Platz im Leben hat, vermag das überhaupt
richtig zu ermeſſen? Wohl niemand wagt anzunehmen, daß 1927
die böſen Wunden unſeres Wirtſchaftslebens heilen wird. Der
Dawesplan drückt ſchwer. Wir können ihn nicht ausführen, ohne
ganz ſchwere Folgen heraufzubeſchwören. Wir können ihn nicht
abändern ohne die Einſicht anderer Völker. Wir ſind in harter
Abhängigkeit von dem Maß dieſer Einſicht. Unſer Geſchick ſteht
alſo nicht in unſerer Hand.
Warum dieſe Selbſtverſtändlichkeiten ausſprechen? Weil ſie
vielen Volksgenoſſen nicht ſelbſtverſtändlich ſind. Weil viele den
alten Fehler nicht ablegen können, imer und immer nur die
eigene Regierung verantwortlich zu machen für alles, was ihnen
nicht gefällt. Gerade jetzt, wowir wieder vor einer neuen
Regie=
rungsbildung im Reich ſtehen, wo eine der bisherigen
Oppo=
ſitionsparteien in die Koalition eintreten wird, tut es not, ſich
das zu vergegenwärtigen. Es iſt Oppoſitionsmethode, die
Regie=
rung für alles, was nicht gut und ſchön iſt, zu ſtrafen. Erſt wer
mitregiert, ſieht, wie hundertfach, ja tauſendfach jeder Regierung
die Arme gebunden ſind; wie gering die Freiheit iſt, die ihr
bleibt; wie gering in einer Koalitionsregierung die freie
Be=
wegung für die einzelne Partei iſt. Wenn wir alle uns das recht
klar machten, ſo würden die politiſchen Kämpfe an Schärfe
ver=
lieren und die Gemeinſamkeit wachſen.
Und dennoch, trotz aller Gebundenheit, iſt es doch wahr, daß
unſer Geſchick bis zu einem gewiſſen Grade bei uns
ſelber liegt. Und es iſt über alle Maßen wichtig, daß wir
uns auch dies beim Beginn des neuen Jahres uns ins
Gedächt=
nis rufen. Wir werden auch 1927 vieles tun können, um uns
den Weg durchs politiſche Leben zu bahnen. Daß wir wr ja
keine der gebotenen Möglichkeiten verſäumen!
Deutſchland iſt Mitglied des Völkerbundes geworden. Wir
dürfen nicht vergeſſen, daß dieſes Ereignis der Abſchluß einer
politiſchen Entwicklung war, zu der die deutſche
Initia=
tive den Anſtoß gegeben hat. Auch in unſerer abhängigen, ja
geknechteten Lage iſt es möglich, Initiative zu entwickeln.
Mög=
lich und — norwendig. In dem diplomatiſchen Spiel, das ſeit
dem Krieg zu gelegentlichen Schauftellungen in Genf führt,
kommt nicht wenig darauf an, wer ausſpielt. Unſer Ziel ſteht
uns deutlich vor Angen: Befreiung des beſetzten Gebietes, des
Saarlandes, Reviſion des Dawes=Abkommens ſo, daß es für
unſere Wirtſchaft erträglich geſtaltet wird, Beſeitigung der
un=
möglichen Abtrennung Oſtpreußens vom übrigen Reich; das ſind
einige der ganz großen Zielpunkte unſerer Politik, die
Rück=
gewinnung unſerer Kolonien rechne ich gleichfalls dazu. Wir
können nicht daran denken, durch Mittel der Macht irgend eines
dieſer Ziele zu erreichen. Können wir alſo gar nichts tun, ihnen
näher zu kommen? Deutſche Initiative hat zu Erfolgen geführt;
ſie muß rege bleiben, um Schritt für Schritt voran zu kommen.
Die Stimmung des „Alles oder Nichts!” iſt völlig verkehrt. Bei
dieſer Alternative wäre das Nichts unſer Teil. Nein, zähes,
kluges, wenn auch ſehr langſames
Vorwärts=
ſchreiten muß unſere Loſung ſein. Dabei müſſen wir die
Mittel brauchen, wie die Lage ſie fordert, müſſen mit dem
Völker=
bund arbeiten, müſſen auf dem Friedensinſtrument von
Ver=
ſailles fußen, um die geringen Möglichkeiten auszunutzen, die
es uns bietet, — ſo unſympathiſch uns dieſes Fundament iſt.
Ich weiß, daß manchem Deutſchen die Verleihung des Friedens=
Nobelpreiſes an Streſemann ſchwer geweſen iſt; mancher hat ſie
lediglich als Beſtätigung des Urteils angeſehen, daß unſere
Außenpolitik auf falſchem Wege iſt. Verſtändlich mag dieſe
Stimmung ſein; aber ſie iſt grundfalſch; ſie iſt völlig
unpolitiſch=
naiv. Wir müſſen mit den Methoden arbeiten, die unſere
Lage fordert.
Das deutſche Volk kam die Außenpolitik ſeiner
Regie=
rung wirkſam unterſtützen, wenn es ihrenationalen
For=
derungen einhellig zu den ſeinigen macht. Auf
dieſem Gebiet kann jeder Einzelne mithelfen, die Oppoſition wie
die Regierungsparteien. Die nationale Oppoſition hat die
Auf=
gabe, dem Ausland zu zeigen, daß die Forderungen der
Regie=
rung Minimalforderungen ſind, auf denen wir unter allen
Unn=
ſtänden beſtehen müſſen. Sie darf nur nicht, weil die Regierung
nicht mehr als das Mögliche erreichen kann, der Regierung
Fuß=
angeln legen; ſie muß bei aller Energie ihres nationalen
Willens ſtets im Gedächtnis haben, was erreichbar iſt und was
nicht. Die Oppoſition zur Linken aber muß ſich der ungeheuren
Verantwortung bewußt werden, die ſie zu tragen hat, wenn ſie
den Feinden des eigenen Volkes Waffen in die Hände ſpielt.
Wahrlich, in dieſem Stück hat uns das vergangene Jahr
Tief=
trauriges erleben laſſen. Der Kampf um die Reichswehr mit
Scheidemanns unbegreiflich=unglaublicher Rede hat gezeigt, wie
ſtark immer noch inmitten des Volkes die Neigung iſt, alle außen=
Seite 2
Samstag, den 1. Januar 1922
Nummer 1
bolitiſche Beſinnung beiſeite zu laſſen, wenn es nur die
Befrie=
digung innerpolitiſcher Parteiſucht gilt. Auf die Frage, was wir
im neuen Jahr tun können, um unſer eigenes Geſchick zum
Beſſeren zu wenden, muß die erſte Antwort ſein: Fort mit dem
Parteigeiſt, der die Einheitsfront in der Außenpolitik zerſtört!
Wir wenden unſeren Blick zu der ungeklärten Frage der
Regierungsbildung. Der Anfang des neuen Jahres
wird den ganzen Jammer der Zerklüftung unſerer Parteien
wieder deutlich machen. Es ſcheint, als wollten die beiden
Flügel=
parteien ihre Machr brauchen und eine Regierung zu verhindern
ſuchen, die nicht — je nachdem — einer von ihnen ganz genehm
iſt. Das iſt ihr parlamentariſches Recht. Aber zum Weſen des
Parlamentarisns gehört auch, daß ſich auf alle Fälle
eine Mehrheit zuſammenfindet, die die
Regie=
rung trägt. Dazu wieder iſt norwendig, daß die in Frage
kommenden Parteien einander ſo weit entgegenkommen, daß
eine Koalition lebensfähig wird. Das aber iſt es, was man
in Deutſchland noch nicht begriffen hat. Und es wird ſich jetzt
darum handeln, ob alle Parteien das nunmehr begreifen.
Wenn nicht, ſo beginnt nicht nur ein Feilſchen und Handeln ohne
Ende, jenes unerquickliche Spiel, das wir nun ſchon ſo oft erlebt
haben, ſondern es wird ſchlimmer denn je. Im letzten Grunde
iſt es ja nichts als eine praktiſchenüchterne Einſicht, die
platz=
greifen muß: wenn drei oder vier oder fünf Parteien eine
Regie=
rung bilden, dann müſſen ſie ſich wohl oder übel auf eine
mittlere Linie einigen; anders gehts eben nicht. Es kann keine
Einzelpartei der anderen ihren Willen allein aufzwingen wollen.
Es muß das Gemeinſame geſucht werden. Das koſtet für eine
bisherige Oppoſitionspartei viel. Vieles muß aufgegeben
wer=
den, was bisher zum üblichen Oppoſitionskampf gehörte. Vieles
muß getragen werden, was als untragbar erſchien. An die Stelle
der klaren, durch keinerlei Kompromiſſe verdeckten Zielaufſtellung
muß eine mühſame, praktiſche Kleinpolitik treten, die jedesmal
fragt: Was iſt beſſer? Wo liegt der größere Gewinn? Es darf
nicht mehr einfach umgeriſſen werden, was nicht gefällt; es muß
ſorgſam gefragt werden, welcher Weg ein wenig näher an das
Ziel heranführt. Wir müſſen im neuen Jahre ſolche praktiſche
Politik lernen!
Und nun noch ein Letztes. Mir ſcheint, nach acht Jahren
freier Volksherrſchaft in Deutſchland ſind weite Kreiſe der
Pflichten müde, die dieſe Volksherrſchaft
auf=
legt. Es ſind keine ſehr ſchweren Pflichten: ſich politiſch auf
dem Laufenden halten, ſein Wahlrecht ausüben, ſich eine Partei
ſuchen, ſeiner Partei geben, was ſie braucht. Aber auch dieſe
Pflichten ſcheinen vielen zu laſtenreich. Jeder überläßt die Sache
dem Anderen. Das ſouveräne Volk will zwar regieren, aber
ohne Mühe. Wenn dieſe Stimmung weiter um ſich greift, dann
wird die freie Volksherrſchaft genau ſo zum Fluch, wie es die
Monarchie eines trägen Fürſten wurde. Rechte verpflichten.
Keine Verfaſſung, die auf allgemeinem
Wahl=
recht beruht, kann ſich halten, wenn das Volk
ſein Recht nicht üben mag. Denn in dieſem Fall wird
die „freieſte Verfaſſung der Welt” eine leere Form, ein
Selbſt=
widerſpruch. Ich wünſche dem deutſchen Volk zum neuen Jahre,
daß es ſich ſeiner hohen Rechte und Pflichten neu bewußt werde.
Wir ſind nicht allein Herr unſeres Schickſals. Aber wir
können unſer Glück doch zu einem guten Teil ſelbſt ſchmieden.
Je geringer die Freiheit, die man uns ließ, um ſo mehr müſſen
wir ſie nutzen. Was wir tun können, um vorwärts zu kommen,
das muß geſchehen. Nur ſo kann 1927 uns ein Stück vorwärts
bringen!
Die Koblenzer Beſprechungen.
Ein amtliches Kommunigué.
Berlin, 31. Dezember.
Anläßlich der durch das Urteil des Landauer Kriegsgerichts
im beſetzten Gebiet entſtandenen Beunruhigung hat im Auftrag
des Reichsminiſters für die beſetzten Gebiete Dr. Bell der
Reichs=
kommiſſar Langwerth von Simmern heute mittag mit der
Inter=
alliierten Rheinlandkommiſſion in Koblenz Beſprechungen
dar=
über gehabt, in welcher Weiſe wirkſame Maßnahmen zur
Ver=
hütung weiterer Zwiſchenfälle getroffen werden können. — Das
Auswärtige Amt erklärt gegenüber anderen alarmierenden
Mel=
dungen, daß es ſich hier nicht um eine Demarche handelt, ſondern
um Beſprechungen im Rahmen der bereits mitgeteilten
laufen=
den Verhandlungen über Erleichterungen im beſetzten Gebiet.
Vom Tage.
Die Botſchafterkonferenz befaßte ſich mit der
deut=
ſchen Entwaffnung, mit der Ausfuhr von
Kriegs=
material und den Befeſtigungen von Königsberg.
Zu den verſchiedenen Nachrichten von einer Demiſſion
des deutſchen Mitgliedes der gemiſchten
Kommiſ=
ſion für Oberſchleſien, des Landrats Dr., Lukaſchek,
er=
klärt dieſer, daß dieſe Meldungen unrichtig ſind.
Die Ausweiſungen der Redakteure der Deutſchen Zeitmgen
des Memelgebietes ſind bis auf weiteres ausgeſetzt worden.
Nach einer Meldung der Chicago Tribune” aus Riga ſoll Stalin
beabſichtigen, Trotzki als Botſchafter nach Berlin zu
ent=
ſenden.
Die ruſſiſch=franzöſiſchen
Schuldenverhand=
lungen werden am 13. Januar wieder aufgenommen.
Der japaniſche Botſchafter Graf Iſhü hat in der geſtrigen
Be=
ſprechung mit dem Außenminiſter Briand mitgeteilt, daß das
Kabi=
nett in Tokio ſich gegenüber dem engliſchen China=
Memorandum gleichfalls für die vom Qugi dOrſay eingenommene
abwartende Haltung entſchieden habe.
Eine Kommiſſion der Republikaniſchen Union hat geſtern die
Kan=
didaten für die Senatswahlen des Seine=Departements
aufgeſtellt. Bei der Wbſtimmung kam der ehemalige Miniſterpräſident
Millerand erſt an zehnter Stelle. Darauf wurde beſchloſſen,
nur neun Kandidaten auf die Liſte zu ſetzen, alfo Millerand
auszu=
ſchließen und dem Wahlkollegium die Vervollſtändigung der Liſte
zu überlaſfen.
Präſident Calles hat es endgültig abgelehnt, das
Inkrafttreten des neuen Geſetzes über den
Petro=
leumbeſitz in Mexiko über den 1. Januar hinaus zu
verſchie=
ben. Eine große Zahl ausländiſcher Petroleumgeſellſchaften hat
daraufhin neue Proteſte an ihn gerichtet.
Der wegen Ermordung, des Sirdars Lee Stack
zum Tode verurteilte Mohammed Fahmi Alt iſt
vor=
geſtern morgen in Kairo hingerichtet worden.
Griechenland vor neuen Unruhen.
Eine ronaliſtiſche Geheimorganiſation
aufgedeckt.
Miniſterpräſident Kondylis.
In Griechenland bereitet ſich eine neue Militärrevolte vor, an
deren Spitze General Kondylis ſteht. Das Ziel iſt die
Wieder=
aufrichtung der Militärdictatur und der Sturz
des parlamentariſchen Syſtems.
Das Kriegsminiſterium veröffentlicht demgegenüber eine
Erklärung, in der dieſe Meldungen dementiert und die
Befürch=
tungen neuer Unruhen als grundlos bezeichnet werden. Die
Gerüchte ſcheinen jedoch noch eine andere, bisher nicht in
Rech=
nung geſtellte Folge gehabt zu haben, und zwar haben ſie in den
griechiſchen Arbeiterkreiſen eine lebhafte Beunruhigung
ausge=
löſt. Im ganzen Lande werden Kundgebungen gegen die
Ein=
miſchung der Armee in die Politik geplant und die Underſtützung
der Regierungspolitik gefordert.
Dem neuen Jahr!
„Blumen, die im alten Jahr verweht,
Laſſe das neue reicher dir blühen!
Doch hoffſt du, Freund, auf ein üppiges Beet,
So mußt du auch ſelbſt dich im Garten bemühen.”
Eigenbrodt.
Es iſt die lyriſche Weichheit und Zarte des Dichters, die
blumengleich umſchreibt, was im tiefſten Sinne heißt: „Kämpfe
und arbeite!” —
Der Glocken feierlich ernſter Klang iſt verweht. Leiſe ver=
Jahr zujubelten. Wenige Stunden nur ſind uns vergönnt zu
Freuen und zu Jubeln. Wenige noch, und des Lebens Ernſt,
des Alltags Grau umfängt uns wieder.
Wir haben Rückſchau gehalten, da wir uns rüſteten zu
feſt=
lichem Mahl, das neue Jahr zu empfangen, dem alten
verzeihen=
den und verſtehenden Abſchluß zu geben.
Wir haben nicht Zeit zu raſten. Haben nicht Zeit, lange
Rückſchau zu halten. Unſere Stunden ſind angefüllt mit Pflicht.
zu nützen. In wechſelvollem Spiel gibt uns das Leben Freude
und Leid, Kampf und Sieg. Das Eine dem Einen mehr, das
Andere dem Anderen weniger. Wir aber, die wir unſerer
Pflichten uns bewußt ſind, haben das gleich gerüttelte und
ge=
ſchüttelte Maß zu tragen. Wir haben die heilige Pflicht, uns
dem Neuen, dem Kommenden gerüſtet zu zeigen.
Dunkel liegt vor uns, was das neue Jahr uns beſchieden.
Dunkel. aber dieſes Dunkel braucht nicht trübe zu ſein. Nur ſo
iſt dieſes Dunkel zu verſtehen, daß es uns nicht ſagt und zeigt: müſſen zum Schutz von Heim und Herd, zum Schutz des
Heilig=
ſo iſt es heute und ſo iſt es morgen. Daß es uns immer wieder
in Herz und Sinne einhämmert: „Was auch kommen mag, du
muß gerüſtet ſein!
Die Zeit iſt hart, und hart liegt die Fauſt des Schickſals noch
auf uns. Die Härte aber ſoll uns nicht quälen, ſoll uns nicht
verzweifeln machen. Sie ſoll uns immer und immer wieder nur
ſagen: Meiſtere das Leben, zwinge dein Schickſal, ſäe,
und du wirſt ernten!
Es iſt nicht paradox, wenn ich ſage, wir wollen beſcheiden ſein,
und in gleichem Atemzuge, wir wollen nach dem Höchſten
ſtreben. Beſcheiden müſſen wir uns mit dem, was wir erringen.
Unſere Ziele aber, ſollen hoch geſteckt ſein. Daß wir es hart
haben, uns den Platz an der Sonne wieder zu erkämpfen, das
Erkämpfte feſtzuhalten, iſt eine gute, eine Segen ſpendende
Schick=
ſalsfügung. Wir, das deutſche Volk, brauchen Menſchen, die nach
den Sternen greifen. Aber es braucht dieſe Menſchen ganz.
Innerſte und ureigenſte Beſcheidenheit des Einzelnen im Ernten
ſoll niewals hindern, das Beſte und das Größte vom Schickſal
zu erzwingen.
So iſt es ein Segen, wem das Schickſal uns hart anfaßt.
Wenn wir ſeine Fauſt ſpüren, wenn wir ſelbſt eiſern hart
werden.
Die Zeit iſt ſchwer und trübe. Es iſt nicht Platz in ihr für
weiche, verweichlichte und verweichlichende Menſchen. Kämpfer
brauchen wir! Kämpfer müſſen wir alle werden. Kämpfer aber,
die nicht um des Kampfes willen und nicht um des Sieges
wil=
len kämpfen. Kämpfer, die ſchaffen ſollen am großen Werk der
Menſchheitskultur, denen die Neidinge nicht nur den Platz an der
Sonne ſtreitig machen ſollen, die ihm gar Recht und Möglichkeit
klungen das Klingen der Gläſer, mit dem wir freudig dem jungen zu fruchwbarer Arbeit rauuben wollen. Daß die dunkeln
Gewal=
ten das nicht erreichen, darum müſſen wir Kämpfer ſein. Kämpfer
im beſten Sinne des Wortes. Denn was wir erringen wollen,
ſoll ein Gutes ſein. Es ſoll nicht klingender Lohn nicht die
Grundlage zu verweichlichendem Genießen ſein. Es ſoll uns frei
machen vom Egoismus, ſoll uns die Kraft geben,
ſelbſt=
los zu arbeiten, zu ringen, nicht um unſer eigenes kleines
„Ich, ſondern zu ringen, zu ſchaffen für das große Ganze, für die
Gemeinſchaft des Volkes.
Wir haben ſchweren, aber fruchwbaren Boden zu bearbeiten.
Wir dürfen nicht ſäumen, keine Minute vergehen laſſen, ohne ſie Tief muß die Pflugſchar ihm Wunden reißen, daß ſein Blut das
gute Samenkorn netze und zum Fruchten bringe. Dieſe
Pflug=
ſchar führen wir alle, die wir nicht Drohnen ſein wollen. Die
wir den köſtlichen Ge vinn der Arbeit erbannt haben. Pflugſchar
iſt das Werkzeug in der harten Hand des Bauern, iſt auch das
Werkzeug in der Hand des Werkers, Pflugſchar iſt die Rüſtung
des Geiſtes, Pflugſchar iſt die Feder, Pflugſchar iſt das Schwert,
das wir nicht ziehen ſollen, nicht ziehen könmen Eroberungslüſten
zum frönen, das wir aber trotz unſerer Ohnmacht bereit halten
ſten was wir haben, des Vaterlandes. Pflugſchar iſt auch das
leichte Rüſtzeug der Frau, das ſie auf allen Gebieten tätig
ein=
ſetzt, Pflugſchar, die harten Boden bearbeiten muß, iſt das
Köſt=
lichſte, was das Weib zu geben vom Schickſal auserkoren: Die
Liebe.
Sorgen wir dafür, daß gerade dieſes Samenkorn auf
frucht=
baren, gut vorbereiteten Boden fällt. Den über allem
Köſt=
lichen leuchtet als Köſtlichſtes die Liebe.
Die Zeit iſt ſchwer und trübe! Ueber den trüben Nebeln
aber leuchtet die goldene Sonne. An uns iſt es, das Trübe zu
ſcheuchen. Das lichte Morgenrot einer neuen Zukunft leuchtet
auch uns. Liebe und Gottvertrazen, Arbeiten und Kämpfen ſind
das Rüſtzeug, das uns den Weg weiſt, der zu den Sternen führt.
Wir können getroſt und voll Zuverſicht dem neuen Jahr ins
funge Antlitz ſchauen, können erwarten, was das Schickſal uns
bringt, wenn wir gerüſtet ſind.
Der Weg iſt klar gezeichnet. Es iſt ein harter Dornen=
* Die Neuregelung des Strafvolzuges
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichsjuſtizminiſter hat dem Reichskabinett den Entwurf
eines Strafvollzugsgeſetzes zugeleitet. Die neue Vorlage wird
vorläufig liegen bleiben, da erſt das künftige Kabinett darüber
Beſchluß faſſen ſoll. Sie wird dann ſofort dem Reichstag
zu=
gehen, ſo daß endlich einmal auch dieſe Frage reichsgeſetzlich
geregelt wird. Wir haben bisher in Deutſchland eine ſolche
Regelung noch nicht, der Strafvollzug iſt vielmehr Sache der
Länder. Der Gedanke, den Strafvollzug gleichzeitig mit der
Reform des Strafgeſetzbuches neu zu ordnen, iſt aurfgegeben
worden, da ſonſt zu viel Zeit verſtreichen würde. Bereits im
November 1922 hat das Reichsjuſtizminiſteriu einen Entwurf
von Grundſätzen zum Strafvollzug aufgearbeitet und den
Län=
dern vorgelegt. Auf Grund deren Rückäußerungen wuade ein
zweiter Entwurf aufgeſtellt, an den ſich der jetzige dritte
Ent=
wurf hält. Die neue Vorlage will den Strafvollzug künftighin
in einzelnen Stufen vollziehen, um durch allmählich
ſtei=
gende Vergünſtigungen die Rückkehr in die bürgerliche Freiheit
vorzubereiten. Grundlage der Strafe ſoll nicht mehr Rache
ſein, ſondern der Verſuch, den Rechtsbrecher zu einem nützlichen
Mitglied der Geſellſchaft zu erziehen. Deshalb ſind alle
Maßregeln, die den Gefangenen unnötig demütigen könnten,
be=
ſeitigt. Das Kurzſcheren des Haares darf nur noch aus Gründen
der Reinlichkeit vollzogen werden. Die Haftſtrafen, ſoweit ſie
geſundheitlich ſchädlich ſein können, ſowie die Dunkelarreſt= und
Prügelſtrafen fallen weg. Beſondere Rückſicht iſt auf
die geiſtig Minderwertigen genommen, die von den geſunden
Gefangenen getrennt gehalten und nach Möglichkeit in
beſon=
deren Anſtalten untergebracht werden ſollen.
*Der Verwaltungsrat der Reichbahn.
Ende November hat im Verwaltungsrat der Deutſchen
Reichseiſenbahn die Ausloſung der Mitglieder ſtattgefunden, die
nach 8 13 des Stauts am Ende des zweiten Geſchäftsjahres
auszuſcheiden haben. Der Verwaltungsrat hat zwei Kategorien
von Mitgliedern: die eine Hälfte wird von der Regierung, die
andere vom Treuhänder ernannt. Die drei von deutſcher Seite
ausgeloſten Mitglieder, Dr. Luther, Dr. von Siemens und
Ober=
präſident Dr. Batocki ſind von der Regierung ſofort wieder
er=
nannt worden. Der Treuhänder hat bisher ſeine Entſcheidung
noch nicht bekannt gegeben. Das iſt um ſo auffälliger, als das
Mandat des Verwaltungsrates in ſeiner bisherigen
Zuſammen=
ſetzung am 31. Dezember 1926 abläuft, der Verwaltungsrat alſo
vom 1. Januar ab um die drei vom Treuhänder nicht ernannten
Mitglieder verkleinert wird. Es iſt kein Wunder, wenn unter
dieſen Umſtänden in Berlin davon gemunkelt wird, daß der
Treuhänder ſich mit der Abſicht trägt, den
ausländi=
ſchen Einfluß innerhalb des Verwaltungsrates zu
ver=
ſtärken. Die Möglichkeit hat er dazu, da er nur verpflichtet
iſt, einen Teil der zur Verfügung ſtehenden Stellen mit Deutſchen
zu beſetzen. Zurzeit gehören dem Verwaltungsrat ein Belgier,
ein Italiener und ein Franzoſe an. Man behauptet nun daß
die Abſicht beſtehe, an Stelle des einen Deutſchen einen
Ame=
rikaner in den Verwaltungsrat zu entſenden. Ob
das richtig iſt, läßt ſich nicht beurteilen, da der Treuhänder
bis=
her ſeine Abſichten noch nicht zu erkennen gegeben hat. Es iſt
verſtändlich, daß bei der eigenartigen Stellung der Deutſchen
Reichsbahn Deutſchland in dieſem Punkte ſehr empfindlich iſt
und es nicht gerade als einen freundlichen Akt anſehen würde,
wenn jetzt an Stelle eines deutſchen Mitgliedes ein Ausländer
in den Verwaltungsrat kommt.
Polniſche Beſpitzelung in Oberſchleſien.
Havas bringt aus polniſcher Quelle eine Mitteilung, nach
der ein Mitglied der Gemiſchten Kommiſſion in Polniſch=
Ober=
ſchleſien einen Spionagedienſt organiſiert hätte, um der deutſchen
Regierung Material zu einer antipolniſchen Kampagne zu
lie=
fern. Wie ſchon in der deutſchen Preſſe hervorgehoben wurde,
handelt es ſich bei dieſer angeblichen deutſchen Spionage um ein
neues Manöver polniſcher Spitzel. Schon in dem bürzlich von
den polniſchen Behörden gegen den Deutſchen Volksbund in
Oſtoberſchleſien angeſtrebten Prozeß beruhte die haltloſe polniſche
Anklage lediglich auf dem Material, das ſich polniſche Spitzel
auf unlautere Weiſe aus dem deutſchen Generalkonſulat in
Kat=
towitz verſchafft hatten. Jetzt haben polniſche Spitzel dem
deut=
ſchen Mitglied der Gemiſchten Kommiſſion, dem Landarzt a. D.
Lukaſchek, Akten aus der oberſchleſiſchen Abſtimmungszeit
an=
geboten. Lukaſchek iſt ſcheinbar darauf eingegangen, um dieſes
neue Spitzelmanöver zu entlarven, was durchaus gelungen iſt.
weg der Pflicht. Der Pflicht und Arbeit, des Ringens
und Kämpfens, aber ſchon brechen die erſten Strahlen
Erlöfung bringender Sonne neuen Morgens, Glück und
Sieg verheißend, durch das Dunkel. Laſſen wir die Helle,
die ſie uns bringen, nicht ungenutzt verſtreichen.
Hal=
ten wir, was wir haben und ſtreben wir ernſt und ehrlich,
be=
ſcheiden aber kampfesfroh zum Höchſten, dann findet das junge
Jahr uns gerüſtet, dann zwingen wir ihm ab, was unſerer
Ar=
beit, unſeves Kampfes, unſeres Ringens wert. Fügen wir zu
dem Rüſtzeug der Liebe und des Gotwertrauens, der Arbeit und
des Kampfes den unerſchüntterlichen Glauben hinzu, den Glaben
an das Gurte im Menſchen, den Glauben an uns ſelbſt, dann ſoll
uns micht bange ſein, auch nicht vor den dundeln Loſen, die das
Schickſal für uns bereit hält. Wir ſchaffen es!
b. Aus Prag wird uns geſchrieben: Da in der
Tſchecho=
ſlowakei die Bezeichnung einer Häuſerzeile als Roſeggerſtraßs
als — ſtaatsgefährlich verboten iſt, darf man ſich nicht wundern,
wenn auch hinſichtlich der deutſchen Klaſſiker beſondere Vorſicht
in der tſchechiſchen Kunſtinduſtrie gebraucht wird, denn die
be=
kannte tſchechiſche „Volksſeele” gerät nur allzu leicht in Wallung,
wenn ſie ſich unvermittelt Dingen gegenüberſieht, die ſonſt nach
Möglichkeit von ihr ferngehalten werden. Alſo hat ſich in Prag
dieſes ereignet: In den Kinos läuft ein ſchöner Lehrfilm unter
dem Titel „Die Karlsſchüler”, in dem die Hauptrolle Friedrich
Schiller zugeteilt iſt. Auch die Exzellenz aus Weimar, Herr
Goethe, iſt zu ſehen, aber er ſchautt ſehr düſter darein, denn er hat
eine Umtaufe über ſich ergehen laſſen müſſen: aus ſeinem ollen,
ehrlichen Vornamen Johann hat die um die Prager Volksſeele
beſorgte Filminduſtrie einen „Jan” gemacht, und aus dem
Friedrich Schiller iſt auf einmal ein „Bedrich” Schiller
ge=
worden . . . Es wird ſich die Notwendigkeit erweiſen, die deutſche
Abſtammung der beiden Dichter feſtzuſtellen, da ſonſt die Gefahr
nicht von der Haad zu weiſen iſt, daß eines ſpäteren Tages an
Hand des Lehrfilms „Die Karlsſchüler” mit Bedrich Schiller und
Jan Goethe von ben Tſchechen behauptet werden könnte, die
beiden gehörten dem tſchechiſchen Volke zu, da ſie nicht Friedrich
und Johann, ſondern, wie erſichtlich, Bedrich und Jan heißen..!
Unſere Jubiläums=Konzertreiſe durch die Schweiz und nach
Donau=
eſchingen: Berliner Sängerverein e. V.
Hugo Vogel: Als ich Hindenburg malte. Ulſſtein=Verlag, Berlin.
Almanach 1926. G. Grote Verlag, Berlin.
Dr. Max Naſſauer: Des Weibes Leib und Leben in Geſundheit und
Kronkheit. Ernſt Hch. Moritz, Stuttgart. 5—650 Mk.
Nummer 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Seite 3
Franzöſiſche Außenpolitik.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 31. Dezember.
„Abwarten”, das iſt die Parole der franzöſiſchen Chinapolitik
geworden. Damit iſt dem latenten Gegenſatz, welcher in der
Auf=
faſſung der chineſiſchen Ereigniſſe zwiſchen England und
Frank=
reich beſteht, ein klarer Ausdruck gegeben. Erſt nach langem Hin
und Her konnte man ſich in Paris zu dieſer eindeutigen
Rich=
tung entſchließen, und wahrſcheinlich iſt der diplomatiſche
Hinter=
grund der Verhandlungen noch intereſſanter, als der eigentliche
Kern der Frage.
Es iſt bekannt, daß auch in England die Stellungnahme zu
dem jetzigen Verſuch, mit der Kanton=Regierung einen Vertrag
zu erzielen, nicht einheitlich iſt. Dennoch ſoll der Eindruck des
franzöſiſchen Entſchluſſes, ſtarr an der bisherigen Situation
feſt=
zuhalten und nur mit einer ſtarken Zentralregierung in etwaige
Verhandlungen zu treten, in London ein ſehr peinlicher
ge=
weſen ſein.
Die franzöſiſche Politik findet eine ſtarke Unterſtützung in
erſter Linie in Japan und wird — angeblich — auch von
Amerika nicht als unangenehm empfunden. In England ſelbſt
ſind es die Wirtſchaftskreiſe von Mancheſter, die am ſtärkſten an
der Anerkennung der Kanton=Regierung intereſſiert ſind, da ſie
unter einem ſehr empfindlichen Rückgang des engliſchen Exportes
nach China zu leiden haben. Noch größer iſt aber die
Verſtim=
mung über die franzöſiſche Stellungnahme in Belgien.
Dem engliſch=franzöſiſchen Gegenſatz kommt keine prinzipielle
Bedeutung zu. Trotzdem iſt er wichtiger, als es auf den erſten
Blick ſcheint. Die ſelbſtändige Aktion Frankreichs hat in London,
wo man der franzöſiſchen Unterſtützung ziemlich ſicher war, eine
lebhafte Verſtimmung verurſacht, und die Zeitungen führen eine
genügend ſcharfe Sprache. Es iſt intereſſant, in dieſer Debatte
zu beobachten, wie ſehr die Mächte ihrer Politik einen idealen
Anſtrich geben wollen und nur die Intereſſen Chinas betonen.
Die engliſche Preſſe betont, daß England nur die gerechten
For=
derungen des chineſiſchen Volkes befriedigen will, und die
fran=
zöſiſche Preſſe gibt ſalbungsvoll der Meinung Ausdruck, daß man
kein Recht habe, in die inneren Angelegenheiten Chinas
einzu=
greifen, indem man eine Lokalregierung anerkennt und ſie damit
gegen die übrigen ſtützt. In Paris würde man eine einzige
ſtarke Regierung in China gerne ſehen, wenigſtens herrſcht hier
augenblicklich dieſe Meinung vor. Aber an eine ſchnelle Löſung
der chineſiſchen Fragen iſt nicht zu denken, und in jedem Falle
iſt es leicht möglich, daß die Mächte noch nicht unbedingt an ihrer
Herabſetzung der franzöſiſchen Heeresbeſtände.
EP. Paris, 31. Dezember.
Durch Erlaß wird der Kriegsminiſter in Uebereinſtimmung
mit den jüngſt gemeldeten Kabinettsbeſchlüſſen ermächtigt, im
Mai 1927 nur die vor dem 1. Mai 1907 geborenen
Heerespflich=
tigen einzuziehen. Dadurch werden die Effektivbeſtände um
20 000 Mann vermindert. Gleichzeitig bildet die Maßnahme einen
Uebergang zur allmählichen Rückkehr zur Einziehung der
Re=
kruten nach dem 21. Lebensjahr.
Vor der Wiederaufnahme der
ruſſiſch=
franzöſiſchen Schuldenverhandlungen.
TU. Paris, 31. Dezember.
Der ruſſiſche Außenkommiſſar Tſchitſcherin wird bekanntlich
am 15. Januar zur Erörterung der franzöſiſch=ruſſiſchen
Schul=
denfrage hier erwartet. Wie verlautet, ſoll Tſchitſcherin das
An=
gebot machen, den Inhabern ruſſiſcher Vorkriegsrenten jährlich
2 Mill. 400 000 Pfund zur Amortiſierung der ruſſiſchen Schulden
zu zahlen. Als Gegenleiſtung ſoll er beabſichtigen, von
Frank=
reich die Gewährung von Krediten zum Ankauf franzöſiſcher
Er=
zeugniſſe zu erlangen. Die franzöſiſche Forderung beläuft ſich
da=
gegen auf 3 200 000 Pfund Jahreszahlungen.
Polniſch=ukrainiſche Verſiändigung?
EP. Warſchau, 31. Dezember.
Infolge der Ereigniſſe in Litauen haben Verhandlungen
zwiſchen dem Miniſterium Pilſudſki und einigen ukrainiſchen
Politikern über eine polniſch=ukrainiſche Verſtändigung begonnen.
Die Ukrainer haben nach dem „Selanſkij Prapor” ein
Memoran=
dum überreicht. Die Beſprechungen haben nur taktiſchen
Cha=
rakter, da eine Verſtändigung in allen Kreiſen als ausgeſchloſſen
gilt.
*Chriſtian Rauch.
Zu ſeinem 150. Geburtstage am 2. Januar.
Von O. Stellaweda.
Chriſtian Rauch wurde am 2. Januar 1777 als Sohn eines
fürſtlichen Kanmmerdieners in Arolſen geboren und beſchäftigte
ſich ſchon in ſeiner Jugend eifrig mit Zeichnen und Modellieren.
Als er 14 Jahre alt war, ſchickten ihn ſeine Eltern zu dem
Hof=
bildhauer Valentin in die Lehre; im September 1795 trat er in
die Werkſtatt des Bildhauers Ruhl in Kaſſel ein, wo er ſchon
mit einem eigenen Werke hervortrat und die ſilberne Medaille
erhielt. Der Tod ſeines Vaters riß ihn aus ſeiner Laufbahn
her=
aus. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, bei deſſen
Vader Chriſtians Bruder Gärtner und Kaſtellan geweſen war,
bot ihm eine Lakaienſtelle an, die er, aus Not gezwungen,
an=
nahm. Nach dem Tode des Königs wurde er der Königin Luiſe
als Diener beigegeben. Sein brennender Wunſch, zur Kunſt
zurückzukehren, blieb einſtweilen unerfüllt, aber in ſeinen
Muße=
ſtunden ſtudierte, zeichnete und modellierte er emſig weiter. Ein
mehrmaliges Entlaſſungsgeſuch wurde abgelehnt, da die Königin
ihn nicht fortlaſſen wollte. Sein Talent aber bahnte ihm den
Weg zur Freiheit. Der berühmte Bildhauer Schadow hatte ſeine
Arbeiten geſehen und war durch ſie auf ſein Talent aufmerkſam
geworden, er machte ihn frei und erteilte ihm zugleich einen
loh=
nenden Auftrag. Am 31. Januar 1804 wurde ihm der Abſchied
und eine Penſion von 125 Talern bewilligt. In demſelben Jahre
begleitete er den Grafen Sandretzky auf einer Reiſe über Genua
nach Rom, wo ſich ihm die Herrlichkeit römiſcher Kunſtdenkmäler
erſchloß. In Nom wohnte er im Hauſe des damaligen
preußi=
ſchen Geſandten Wilhelm von Humboldt und trat hier in
freund=
ſchaftliche Beziehungen zu berühmten Kunſtgenoſſen wie Canova,
Thorwaldſen und Lund.
Am preußiſchen Hofe hatte er in der Perſon des
Kammer=
herrn von Schlieben einen einflu ßreichen Fürſprecher. Nach dem
Tode der Königin Luiſe erhielt er den ehrenvollen Auftrag, eine
Zeichnung der ſchlafenden Königin anzufertigen. Rauch ſandte
ſeine Skizze nach Berlin. Im Februar 1811 traf er auf
Ein=
ladung des Königs in Berlin ein. Im Charlottenburger Schloß
begann er mit der Ausführung des Modells und beendete ſie in
Rom. Ende des Jahres 1814 war das herrliche, in karrariſchem
Marmor ausgeführte Bildwerk, deſſen Modell den König zu
Tränen gerührt hatte, fertig. Ein Mißgeſchick aber verzögerte
ſeine Ankunft und man hielt es ſchon für verloren. Rauch hatte
es einem öſterreichiſchen Schiffe mit engliſcher Flagge zur
Be=
förderung übergeben, Amerikaner hatten das Schiff gekapert, die
Engländer hatten es wiedererobert, und ſo traf das Bildwerk erſt
im Mai des nächſten Jahres in Berlin ein. Das berühmte und
Zum deutt
talteniſchen Sertrag.
Miniſterpräſident Muſſolini,
der als Vertreter Italiens den Vertrag unterzeichnet hat.
Botſchafter v. Neurath
unterfertigte im Namen der Deutſchen Republik.
Die erſie Auswirkung.
Die erſte Wirkung des deutſch=italieniſchen
Schiedsgerichts=
vertrages iſt — ſo dürfen wir wenigſtens hoffen —, daß ſeit dem
Weihnachtsabend in Bozen die „Deutſche Zeitung” nach
monate=
langem Verbot wieder erſcheinen darf. Die Südtiroler Deutſchen
haben alſo wieder die Möglichkeit, ſich in ihrer eigenen Sprache
über die Weltgeſchehniſſe zu unterhalten. Soviel dürfen wir
wohl hoffen, daß die Errichtung der ſelbſtändigen Provinz Bozen
für ſie eine weſentliche Beſſerung ihrer Lage bringen wird.
Denn darüber hat die deutſche Diplomatie in Rom keinen
Zwei=
fel gelaſſen, daß jede Zuſammenarbeit zwiſchen Italien und
Deutſchland eine Unmöglichkeit iſt, ſolange die Italiener nicht
aufhören, die Südtiroler als Staatsbürger zweiter Klaſſe zu
be=
handeln. Wir müſſen verlangen, daß die zwangsweiſe zu
Ita=
lienern gewordenen Südtiroler in der „Pflege der deutſchen
Sprache und deutſchen Kultur nicht behindert werden.
Chriſtian Rauch
viel bewunderte Werk, das die Königin auf dem Ruhebett
ſchlum=
mernd darſtellt, iſt bekanntlich im Mauſoleum zu Charlottenburg
aufgeſtellt und begründete den Ruhm des Künſtlers. Der König
zuhlte dem Meiſter ein Honorar von 10 000 Talern und bewilligte
ihm dazu ein jährliches Gehalt von 1000 Talern.
Fortan war Berlin die Stätte der künſtleriſchen Tätigkeit
Rauchs. Er gründete dort eine Bildhauerwerkſtatt, im April
1819 wurde die Rauchſche Bildhauerſchule eröffnet. Bis zum
Jahre 1824 hatte er über 70 Bildwerke geſchaffen, im ganzen
be=
läuft ſich ihre Zahl wohl nahezu auf 100. Rauch wurde der
patriotiſche Künſtler Deutſchlands. Die Helden der
Befreiungs=
kriege, Blücher, Scharnhorſt. Gneiſenau, York, Bülow hat er in
Marmor und Bronze verewigt, Blücher in zwei Koloſſalſtatuen
in Bronze, die in Breslau und Berlin aufgeſtellt ſind. Zu ſeinen
beſten Werken gehören ferner das eherne Standbild
Maximi=
lians I. in München, ſech)s koloſſale Viktorien für die Walhalla
bei Regensburg, das Lutherdenkmal in Wittenberg, das Albrecht=
Dürer=Denkmal in Nürnberg, Bildniſſe der Könige Friedrich
Wilhelm II. und III. und der Königin Luiſe, des Kaiſers
Alexan=
der, Thorwaldſens und Goethes, Kants, Thaers, Aug. Hermann
Franckes, ein Grabmonument für die Königin von Hannover
Franzoſen in Deutſchland
Deutſche in Frankreich.
Feindliche Beſetzung einſt und jetzt.
* Köln, 31. Dez. (Priv.=Tel.).
Die „Kölniſche Zeitung” bringt eine Zuſammenſtellung von
zahlreichen übereinſtimmenden deutſchen und franzöſiſchen
Doku=
menten über Vorgänge, die ſich während der deutſchen Beſetzung
Oſtfrankreichs nach dem Kriege 1870/71 abgeſpielt haben. Aus
dieſer Zuſammenſtellung ergeben ſich geſchichiliche Tatſachen und
Wahrheiten, die angeſichts des franzöſiſchen Verhaltens im
Rheinland und angeſichts des Landauer Urteils von beſonderer
Bedeutung ſind.
„Ich werde ſchließlich meine Memoiren ſchreiben, wenn ich
hier nicht an meinen Mühen ſterbe, und die Wißbegierigen des
nöchſten Jahrhunderts werden erfahren, daß ein feindlicher
General, ebenſo erhaben an Gemüt wie an Geiſt, Frankreichs
edelſter Gegner war.‟ Das ſchrieb am 4. März 1872 Thiers, erſter
Präſident der franzöſiſchen Republik, 1871 bis 1873. Der
er=
wähnte General war der Freiherr von Manteuffel,
Oberbefehls=
haber der deutſchen Truppen, die 1871 in Frankreich
zurückge=
laſſen wurden, um die Ausführung des Frankfurter
Friedens=
vertrags zu gewährleiſten. Die franzöſiſche Regierung, hohe
franzöſiſche Offiziere und Beamte haben in zahlreichen, zum Teil
überſtrömenden Dankesbriefen bekundet, daß dieſer hochherzige
preußiſche General ſich um die franzöſiſche Bevölkerung
unver=
gängliche Verdienſte erworben hat.
In Bar=le=Duc wurde am 4. September 1871 der preußiſche
Hoboiſt Großkopf von Franzoſen erſchlagen. Die Täter
wur=
den nicht ermittelt. Weil angeblich Großkopf die Täter gereizt
hatte, verzichtete die deutſche Behörde auf jede Maßnahme gegen
die Bevölkerung. Am 29. Juni 1871 wurde in Villepariſis ein
mit ſeinem Herrn durchs Dorf fahrender Offiziersburſche
meuch=
lings erſchoſſen. Weil ſich im Uebrigen die Einwohner friedlich
gezeigt und bei der Feſtnahme des Mörders Hilfe geleiſtet
hat=
ten, wurde nicht einmal der Belagerungszuſtand verſchärft. Es
wurden nur 35 Militär= und neun Jagdgewehre beſchlagnahmt,
aber wegen des Wohlverhaltens der Bevölkerung alsbald wieder
zurückgegeben Ueberblickt man das Jahr 1871, ſo ſind vom
März bis November in faſt ununterbrochener Folge
Mordan=
ſchläge auf deutſche Soldaten verübt worden, dabei
wurden 12 Mann getötet, 14 ſchwer und neun leicht verletzt. In
den meiſten Fällen blieben die Täter unermittelt. Von den
Mör=
dern, ſoweit die Deutſchen ihrer habhaft wurden, ſind 3 erſchoſſen
worden. Sonſt wurde meiſt auf kurze Zeit der
Belagerungszu=
ſtand verſchärft oder der Ort mit Einquartierung belegt. Wo
die Bevölkerung nicht mitſchuldig war und ſich gehorſam zeigte,
wurde von allen Zwangsmaßnahmen abgeſehen. Eine
Ausliefe=
rung der ins unbeſetzte franzöſiſche Gebiet entflohenen Mörder
hätte Deutſchland ohne weiteres erzwingen können. Aber nur
ein einziges Mal hat Manteuffel dazu einen ſchwachen Verſuch
gemacht, der jedoch an der Gutmütigkeit der 22. Didiſion
ſchei=
terte. Die Diviſion konnte ſich nicht entſchließen, Unſchuldige als
Geiſeln in Haft zu nehmen, und Manteuffel war damit
einver=
ſtanden. Man verzichtete auf jegliches Auslieferungsbegehren
im Vertrauen auf die franzöſiſche Juſtiz. Wie trügeriſch dieſe
Erwartung war, lehrten zwei beſonders kraſſe Fälle. Am
10. Auguſt 1871 hatte der Franzoſe Bertin den deutſchen
Vize=
feldwebel Kraft zu ermorden verſucht und ihn ſchwer verwundet.
Am 14. Novembe, ſtand deswegen Bertin vor dem franzöſiſchen
Schwurgericht zu Melun. Der Vertreter der Anklage,
Staats=
anwalt Voiſin, forderte die Beſtrafung und ſagte: „Es darf nicht
dazu kommen, daß geſagt wird, ein franzöſiſches Schwurgericht
habe den Schuldigen freigeſprochen, weil das Opfer des Mordes
ein Preuße war” Trotzdem wurde Bertin freigeſprochen. Am
5. September 1871 war in Montereau der deutſche Musketier
Denmüller von dem Franzoſen Tonnelet mit Vorbedacht
ermor=
det worden. Am 24. November verhandelte das Pariſer
Schwur=
gericht dieſen Mord. Zwar wahrte der Vorſitzende noch
einiger=
maßen die Würde des Gerichts, indem er ausführte: „Wir alle
empfinden Haß gegen die Preußen, aber zwiſchen Haß und Mord
iſt ein Abgrund. Sie haben geſagt, daß ſie einen Preußen töten
wollten; ſeinen Feind auf dem Schlachtfeld töten, das iſt gut,
aber ihn ermorden? Nein! Unſere nationale Würde fordert, daß
das nicht geduldet wird.” Aber auch dieſer Mörder wurde
frei=
geſprochen. Von dem darauffolgenden Tage, dem 25. November
1871, berichtet Schultheß’ europäiſcher Geſchichtskalender 1872,
S 433, Abteilung Frankreich: „Das zweite Pariſer Kriegsgericht
ſpricht in ſkandalöſer Weiſe zehn ehemalige Franktireurs, welche
eine deutſche Familie geplündert und ermordet hatten, frei, und
und ein Marmordenkmal der Prinzeſſin Eliſabeth von Heſſen,
das im Jahre 1831 entſtanden und im Mauſoleum zu Darmſtadt
aufgeſtellt iſt, uſw. Von ſeinen vielen Büſten ſeien u. a. erwähnt
die bekannte Büſte von Goethe, ferner von F. A. Wolf, dem
König Friedrich Wilhelm III. und der Königin, dem Kaiſer
Alexander, York, Fürſt Hardenberg uſw. Mit dem großartigen,
wohl jedem Deutſchen bekannten, im Jahre 1851 enthüllten
Standbild Friedrichs des Großen, einem nationalen Denkmal,
deſſen Vorarbeiten 15 Jahre in Anſpruch genommen hatten, und
vor dem zur Zeit des erſten Kaiſerreichs oft patriotiſche
Kund=
gebungen ſtattfanden, krönte er das Werk ſeines Lebens. Rauch
ſtarb am 3. Dezember 1857 im 81. Jahre ſeines an Arbeit und
Erfolgen reichen Lebens. Im Jahre 1865 wurde in Berlin aus
dem künſtleriſchen Nachlaß des Meiſters ein Rauch=Muſeum
er=
öffnet, das eine möglichſt vollſtändige Sammlung ſeiner Werke in
Abgüſſen enthält. Rauch, der ſich aus eigener Kraft
emporgearbei=
tet hat und alles ſich ſelbſt verdankte, war ein unermüdlicher
Arbeiter und bis in ſein ſpäteſtes Greiſenalter rüſtig und tätig.
Abbildungen von ihm zeigen ihn als eine männliche Schönheit
mit einem an Goethe erinnernden ausdrucksvollen Kopfe.
Auf einem geſunden Realismus fußend, hat Rauch den
An=
ſchluß an die klaſſiſche Antike und ihr Ideal erſtrebt und
äußer=
liche Natürlichkeit mit dem Klaſſizismus zu einer Einheit
ver=
ſchmolzen. Seine Richtung war vornehmlich hiſtoriſch, und er
war ein Hauptvertreter dieſer Richtung. Trotz ſeiner Hinneigung
zur Antike ſtellte er die Helden des Siebenjährigen und des
Be=
freiungskrieges nicht in antiker, ſondern in geſchichtlicher Tracht
dar, nur zur militäriſchen Kopfbedeckung konnte er ſich nicht
ent=
ſchließen. Das Haupt und die Stirn als Träger der Gedanken
mußten ſeiner Anſicht nach unbedeckt bleiben, und ſo reiten auch
die Reiterfiguren an den Ecken des Friedrich=Denkmals
bar=
häuptig in die Welt hinaus. Nur Friedrich der Große trägt den
hiſtoriſchen Dreiſpitz, „ein höherer Befehl”, heißt es, habe den
Meiſter zu dieſer Konzeſſion gezwungen. Aber neben ſeinen
zahlreichen hiſtoriſchen Monumenten hat er auch in der plaſtiſchen
Verwirklichung eines vollkommen freien Ideals wahrhaft Großes
geſchaffen, und ein Vergleich mit neuen Ausgrabungen antiker
Meiſter läßt ein ſtaunenswertes intuitives Ahnen des klaſſiſchen
Ideals erkennen.
Eine ſo unerſchöpfliche Schaffenskraft, wie die Rauchs war,
mußte auch eine große Zahl reich begabter Talente heranziehen
und ausbilden. Zu den bedeutendſten ſeiner Schüler gehören
Ernſt Rietſchel, der Schöpfer des Goethe=Schiller=Denkmals in
Weimar und der Lutherſtatue in Worms, Albert Wolff und
Auguſt Kiß, deren Bronzegrupren die Treppenrampe des
Ber=
liner Muſeums zieren, Friedrich Drake, Wilhelm Wolff, Auguſt
Wredow, Guſtav Bläſer und Reinhold Begas, der Bildhauer
des modernen Berlin und u. a. Schöpfer des Nationaldenkmalg
Kaiſer Wilhelms I.
Seite 4
Samstag, den 1. Januar 1927
Nummer 4
die franzöſiſchen Zeitungen entblöden ſich nicht, mit wahrem
Stolz von dieſen zehn Patrioten und ihrer Freiſprechung zu
reden.
Als auch nach dieſen Vorfällen die Haltung der deutſchen
Beſetzungsbehörden ſich gar nicht änderte, ſondern im Gegenteil
ſo nachſichtig war, daß bei dem zunehmenden und durch wüſte
Ausfälle der franzöſiſchen Preſſe genährten Deutſchenhaß die
Sicherheit der Truppen ernſtlich gefährdet war, da erſt griff
Bis=
marck ein. Manteuffel hatte zwar vom Kaiſer und von Bismarck
die Weiſung erhalten, den Franzoſen ſchonend und ritterlich
ent=
gegenzutreten. Er iſt darin aber zum Teil ſo weit gegangen,
daß Bismarck einmal geſagt hat, Manteuffel habe gelegentlich die
Grenzen des Hochverrats geſtreift. Am 9. Dezember 1871 ſchickte
Bismarck dem deutſchen Botſchafter von Arnim in Paris eine
ſcharfe Note zur vertraulichen Kenntnis und Warnung der
fran=
zöſiſchen Regierung. Als dieſe aber in keiner Weiſe darauf
ein=
ging, ließ Bismarck am 22. Dezember dieſes Schreiben
veröffent=
lichen, das rückſichtslos die Zügelloſigkeit geißelte, mit der die
Maſſen in Frankreich ihren chauviniſtiſchen Trieben folgten. Das
wirkte. Die Franzoſen waren fortan auf ihrer Hut. Die
deut=
ſchen Kriegsgerichte hatten von Manteuffel die Weiſung, „daß
nicht wehr, wie im Kriege, rückſichtsloſes Durchgreifen am Platze,
ſondern weiteſte Rückſicht geboten ſei‟ Es ſind daher im ganzen
nur 73 Straffälle gegen franzöſiſche Einwohner von deutſchen
Gerichten geahndet worden, denn Manteuffel hatte von
vorn=
herein darauf verzichtet, allgemeine Verordnungen — wie etwa
die gegenwärtige Rheinlandkommiſſion — zu erlaſſen. Die
Stra=
fen waren ſo gering, daß unſere Zeit mit damals gar keinen
Vergleich aushält. Ungleich ſtrenger wurden die deutſchen
Trup=
pen ſelbſt behandelt: Offiziere wurden ſchon bei den
gering=
fügigſten Verfehlungen, auch wenn kein franzöſiſcher Strafantrag
vorlag, hart beſtraft. Reitpeitſchen durften außer beim Reiten
nicht getragen werden. Viele Soldaten wurden ſchon deshalb
beſtraft, weil ſie Streitigkeiten mit Einwohnern nicht aus dem
Wege gegangen waren.
Insgeſamt ſind 1871 bis 1873 von Deutſchen begangen
wor=
den: Ein Totſchlag aus Notwehr und vier ſchuldhafte Tötungen.
1918 bis Oktober 1922 im beſetzten Rheinland (laut Denkſchrift
des Reichsminiſteriums des Innern Nr. 5448) 65 vorſätzliche
Tötungen und Mißhandlungen mit Todeserfolg. Damals ein
Notzuchtverſuch. 1918 bis 1922 170 Sittlichkeitsvergehen,
großen=
teils ſchwerſter und übelſter Art. Und dann kommen erſt die
Zahlen aus dem Ruhreinbruch! Es wäre verlockend, tabellariſch
alle Seiten der Beſetzung von einſt und jetzt einander gegenüber
zu ſtellen. Das Ergebnis wäre jedenfalls eine ſchwere Anklage
für das „ſtets ritterliche und edelmütige Frankreich”. Als die
deutſchen Truppen 1873 Frankreich verließen, ſchrieb die „Times”:
„Nie iſt eine bewaffnete Macht beſſer in der Hand gehalten und
feſter von aller Tyrannei über ein beſiegtes Volk zurückgehalten
worden, als die deutſchen Beſetzungstruppen.” Wir wollen
ab=
warten, welches abſchließende Urteil die Geſchichte über die
Be=
ſetzung des Rheinlandes nach dem Welikriege fällen wird.
Beneſch auf Urlaub.
EP. Prag, 31. Dezember.
Nachdem der Urlaub Beneſchs bis zum 6. Januar
verlän=
gert wurde, werden in politiſchen Kreiſen Kombinationen
erör=
tert, ob der Miniſter des Auswärtigen, der ſich ſeit Bildung der
erſten tſchechiſch=deutſchen Regierung auf Urlaub befindet,
An=
fang Januar nach Prag zurückkehren könne oder nicht. Es ſteht
feſt, daß ſich Beneſch in Frankreich um die Schaffung eines
eigenen Poſtens beim Völkerbund bemüht hat, der für ihn neben
Sir Eric Drummond geſchaffen werden ſollte. Dieſer Plan
ſcheiterte an dem italieniſchen und engliſchen Widerſtand.
Dar=
auf meldeten einige Prager Blätter, Sir Erie Drummond trage
ſich mit Demiſſionsgedanken, und Beneſch werde ſein Nachfolger.
Die Regierung dementierte, und das Blatt der Legionäre
„Narodni Oſpobozeni” behauptete, daß zwiſchen Präſident
Maſa=
ryk und Miniſterpräſident Svehla ein Einvernehmen in der
Beneſch=Frage erzielt worden ſei. Nun hat jedoch die
inner=
politiſche Lage durch neue Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen
Tſchechen und Slowaken eine bedeutende Hemmung erfahren,
und die für die letzten Tage vor Weihnachten angekündigte
Rekon=
ſtruktion der tſchechiſch=deutſchen Regierung durch Eintritt der
Slowaken iſt unterblieben, während jetzt als Vorbedingung der
tſchechiſch=ſlowakiſchen Verſtändigung eine neue Landesordnung
ausgearbeitet wird, die den Slowaken eine gewiſſe Autonomie
im Rahmen einer allgemeinen Neuordnung der Verwaltung
ge=
währt. Der Plan, die Tſchechoſlowakei nach franzöſiſchem Mufter
in Departements oder Gaue aufzuteilen, wurde fallen gelaſſen.
Da anzunehmen iſt, daß die Regelung der ſlowakiſchen Frage
vor der endgültigen Entſcheidung in der Beneſch=Frage fallen
müßte, wird mit einer weiteren „Urlaubsverlängerung” des
Miniſters des Auswärtigen gerechnet. Die tſchechiſche Preſſe
meldet bereits aus Marſeille eine leichte Erkrankung Beneſchs
an der Rivera.
Das „ewige Dreieck.”
Garvins Rückblick auf das Jahr 1926.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 31. Dezember.
Der durch ſein objektives Urteil bekannte Herausgeber des
unioniſtiſchen „Obſerver”, Garvin, ſogt in einem Rückblick auf
das Jahr 1926: „In der September=Konferenz in Genf wurde
glücklicherweiſe das große Ziel vollkommen erreicht. Deutſchland
trat als ein Mitglied des Rates in den Völkerbund ein, auf dem
Fuße der Gleichberechtigung mit den größeren Nationen, die
be=
reits vermanente Sitze innehatten. Man erkannte an, daß dies
zu den größten Ereigniſſen in Europa ſeit dem Waffenſtillſtande
zu zählen iſt. Es war für ſich ſelbſt hinreichend, um das Jahr
1926 in den Augen jedes guten Hiſtorikers zu einem
denkwür=
digen zu machen. Deutſchlands Vertreter ſollen in alle
Departe=
ments der Betätigungen des Völkerbundes hineingebracht
werden.
Im Verlauf dieſer ganzen Transaktionen hat ſich der
Außen=
miniſter Deutſchlands, Dr. Streſemann, als ein
Staats=
mann erwieſen, der in Fähigkeit,
Geſchicklich=
keit und weitem Blick unübertroffen iſt. Er
glaubt an den Völkerbund und an eine Bewegung in der
Rich=
tung auf die Bildung Vereinigter Staaten von Europa oder
wenigſtens des größeren Teiles von Europa als ein Ziel, das
um ſeiner eigenen Vorzüge willen angeſtrebt werden muß, ohne
Feindſeligkeit gegen Amerika oder die übrigen engliſch
ſprechen=
den Raſſen, deren tatſächliche Stellung eine interkontinentale iſt
und deren Politik eine weltweite ſein muß. Alles dieſes muß
eine unermeßliche Wirkung auf die künftige Onganiſation von
Europa ausüben. Die Vorbereitungen des Materials für eine
internationale Wirtſchaftskonferenz ſind bereits weit
vorge=
ſchritten. Das kann keinen Freihandel bedeuten. Je weniger
man darüber als über eine inſulare fixe Idee ſagt, um ſo beſſer
für einen ſtufenweiſen Fortſchritt, der eine wirkliche Möglichkeit
iſt. Wir können vielleicht mit einem wirtſchaftlichen Locarno
zur Erreichung einer allgemeit en Erniedrigung der Tariſwälle
anfangen unter Einführung vieler Vereinfachungen in der
Zoll=
erhebung.
Aber die praktiſchen Ausſichten für dieſe Beſtrebungen hängen
von aufrichtiger Freundſchaft und insbeſondere von einer
Zu=
ſamenarbeit zwiſchen Britannien, Frankreich und Deutſchland
ab. Aber die Beziehungen der Drei bilden das ſogenannte
„ewige Dreieck” der europäiſchen Politik. Sie
ſind ſeit über 200 Jahren in allen größeren Kriegen verwickelt
geweſen. Sie ſind die Führer des intellektuellen Fortſchritts
neuzeitlicher Ziviliſation geweſen. Die Hauptprobleme der
Zu=
kunft, z. B. die Beſetzung der Rheinlande, berühren ſie beſonders.
Wenn ſie gründlich verſöhnt ſind und demgemäß
zuſammen=
arbeiten, ift der Frieden ſicher. Wenn nicht, iſt ein ſchließlicher
Krieg faſt ſicher. Die Liga im allgemeinen kann dieſe
Alter=
native nicht beherrſchen. Ohne Britannien, Frankreich und
Deutſchland würde der Völkerbund überhaupt nichts ſein. Es
handelt ſich nicht um einen Dreibund in dem alten
Vorkriegs=
ſinne, ſondern um die alles entſcheidende Frage einer vollen
poli=
tiſchen Regelung und wirtſchaftlichen Zuſamenarbeitens
zwi=
ſchen Berlin, Paris und London. Daß wir mit dieſer Auffaſſung
recht haben, beweiſt die augenblickliche Kontroverſe zwiſchen
Deutſchland und Frankreich wegen der Affäre von Germersheim,
bei der durch einen hitzköpfigen jungen Offizier der franzöſiſchen
Beſatzungsarmee ein Deutſcher erſchoſſen und zwei verwundet
wurden. Kein Deutſcher kann das Tribunal als vorurteilslos
anſehen. Das ganze Vaterland ohne Unterſchied der Partei
be=
zeichnet das Verdikr mit faſt beiſpielloſer Einmütigkeit als eine
grobe und unerträgliche Traveſtie der Gerechtigkeit. Solche
Vor=
fälle erzeugen mehr Haß, als die Diplomatie beruhigen kann.
Die fortgeſetzte Beſetzung deutſchen Bodens
durch fremde Truppen, die bewaffnete Beſetzung des
Gebietes eines Mitgliedes des Völlerbundes durch andere, iſt
mit dem Geiſte von Locarno unverträglich.
Das iſt nur ein Beiſpiel der vitalen Schwierigkeiten, die
nur durch eine Politik gründlicherer Verſtändigung und
Bei=
legung zwiſchen Britannien, Deutſchland und Frankreich
fort=
geräumt werden können. Herr Albert Dufour wird in der
nächſten Woche London verlaſſen, um in Genf ſeine Arbeit als
der erſte deutſche Unter=Generalſekretär des Völkerbundes zu
beginnen. Das ihm in voriger Woche gegebene Abſchiedsdiner
wird ihn überzeugt haben, wenn er davon noch überzeugt
wer=
den mußte, welche bemerkenswerten Freundſchaften er in
Eng=
land geerntet hat. Er iſt in England geboren, in einer engliſchen
Schule erzogen und ſpricht ein reines Engliſch. Der große Krieg
fachte in ihm einen Kreuzzugseifer für die Erreichung einer
anglodeutſchen Verſtändigung an. Herr Dufour kam in einer
Atmoſphäre an, die jeden anderen als einen Enthuſiaſten
er=
kältet haben würde. Er ſah ſich ſtupenden Schwierigteiten
gegen=
über. Vermöge hatter Arbeit, ſeiner gewinnenden
Perſönlich=
keit, einer freundlichen Offenheit und einer weitblickenden
Be=
harrlichkeit gewann er zuerſt Hochachtung und Vertrauen, dann
Freundſchaft. Er hat eine große Rolle in der Geſchichte ſeiner
Zeit geſpielt. In Genf wird er wieder Pionierarbeit verrichten.
Schwierigkeiten warten auf ihn, aber weniger abſchreckende wie
die ſeit 1920. Seine Gabe, die Menſchen einander verſtehen zu
machen, wird von unſchätzbarem Wert für den Völkerbund ſein,
Die amerikaniſche Intervention
in Nicaragua.
Teilweiſe Zurückziehung der amerikaniſchen
Marinetruppen.
EP. Paris, 31. Dezember.
Die „Chicago Tribune” meldet aus Waſhington, Präfident
Coolidge habe geſtern dem Staatsdepartement die Beobachtung
ſtrengſter Neutralität in Nicaragua anempfohlen. Daraufhin
habe das Staatsdepartement geſtern abend die Zurückziehung der
amerikaniſchen Marinetruppen aus dem beſetzten Gebiet
Nicara=
guas angeordnet mit Ausnahme einiger weniger Punkte, wo
ſchwache Abteilungen zum Schutze des bedeutenden
amerika=
niſchen Beſitzes zurückgelaſſen werden.
Die Lage in Nicaragua.
Waſhington, 31. Dezember.
Die liberalen Truppen Sacazas dringen weiter in das
Innere Nicaraguas ein und bedrohen die ſtrategiſch wichtigen
Stellungen der Konſervativen Partei. Gegenüber der Flut
weit=
hergeholter Proteſte und weit auseinandergehender Meinungen
hält das hieſige Staatsdepartement an ſeiner erklärten Politik
des Schutzes von Leben und Eigentum amerikaniſcher
Staats=
angehöriger feſt. Inzwiſchen hat der Vertreter der Liberalen
Partei von Niearagua in Mexiko eine Erklärung veröffentlicht,
die beſagt, Sacaza ſei tatſächlich ein Gefangener in der Hand des
amerikaniſchen Admirals Latimer in Puerto Cabezas, wo die
amerikaniſchen Marinebehörden, wie ohne jede Begründung
be=
hauptet wird, eine ſtrenge Zenſur eingerichtet haben ſollen. Auch
andere Aufrufe zur Unterſtützung der liberalen Armeen in
Nica=
ragua ſind im ganzen lateiniſchen Amerika in Umlauf geſetzt
worden.
Politiſche Neuorientierung der bulgariſchen Bauern.
* Sofia, 31. Dezember. (Priv.=Tel.)
In den Weihnachtstagen hat ſich innerhalb der bulgariſchen
„Bauern=Union”, deren beide Flügel ſich ſtets bekämpft haben,
eine neue Spaltung vollzogen. Bulgarien zählt nunmehr drei
Bauernparteien, unter denen zunächſt die gemäßigte Partei des
ehewaligen Landwirtſchaftsminiſters Dragieff in Stara=Zagora
zu nennen iſt, die noch unter der Regierung Stambolifky den
extremen Elementen des Agrariertums Oppoſition machten und
ihren gemäßigten Prinzipien treu geblieben, dafür aber etwas in
den Hintergrund getreten iſt. Daneben beſtand bis jetzt die
Bauern=Union, die ſtets im Geiſte Stamboliſkys geführt worden
iſt. Da aber dieſe Union allein nicht ſtark genug war, um der
Regierungskoalition erfolgreich begegnen zu können, ſo war auch
ſie genötigt, ſich nach Bundesgenoſſen umzuſchauen und trat
deshalb in den Reigen der Koalitionsverhandlung ein. Dieſe
Zuſtände veranlaßten, wie auch bei anderen Parteien,
Zwiſtig=
keiten, ſo daß der eine Flügel der Partei ein Zuſammengehen
mit den im Lande vorhandenen kommuniſtiſchen Kräften
er=
ſtrebte, während der andere Flügel ein reines Agrarprogramm
vertrat. Der linke Flügel rechnet damit, daß das Verbot der
Kommuniſtiſchen Partei, ihm bei entſprechendem Programm, die
jetzt zwangsläufig zur Ruhe verurteilten, ehemaligen
kommuni=
ſtiſchen Wähler zuführen wird. Der Führer dieſes linken Flügels
iſt Boteff, der dieſe neue Partei begründet hat und eine eigene
Parteizeitung herausgibt. Hartnäckig verharren dagegen auf
dem Agrarſtandpunkt die Führer des rechten Flügels, die
ehe=
maligen Miniſter Stamboliſky, Tomoff und Omartſchewſki.
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Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſiadi, 1. Januar.
* Mit dem heutigen Tage erſcheint unſere illuſtrierte
Wochen=
beilage „Die Gegenwart” in einem anderen Gewade. Wenn
es urſprünglich die Aufgabe der „Gegenwart” war, unſeren
Leſern das Geſchehen des Tages im Bild zu zeigen, ſo hatte
ſchon in letzter Zeit die tägliche Illuſtration unſerer Zeitung
mehr und mehr dieſe Aufgabe übernommen. Die Aufgabe einer
modernen Tageszeitung iſt es, ihren Leſern ſtets das Neueſte
auf ſchnellſtem Wege zu übermitteln, ein Grundſatz, der auch
auf das Zeitungsbilb unbedingt angewandt werden mmiß. Wir
werden daher noch in weit höherem Maße als bisher dem
aktuel=
len Bild in der täglichen Ausgabe des „Darmſtädter Tagblatts”,
Raum geben und bemüht ſein, unſeren Leſern in der
umgeſtal=
teten Beilage „Die Gegenwart” eine ebenfalls reich illuſtrierte
gute Unterhaltungsbeilage allwöchentlich zu liefern.
* 25jähriges Geſchäftsjubiläum. Am 2. Januar feiert die Firma
Heinrich Braun, Baugeſchäft, Nieder=Ramſtädter Straße 18,
ihr 25jähriges Geſchäftsjubiläum. Der Gwinder und derzeitige Inhaber
hat es verſtanden, durch zuvorkommende, gewiſſenhafte und
fachmänni=
ſche Bedienung ſich das Vertrauen ſeiner Kundſchaft zu erwerben und
zu erhalten.
* Ein Arbeftsjubiläum. Heute begeht Herr Direktor Paech die
Feier ſeiner Bjährigen Tätigkeit als Leiter der Heſſiſchen Hanbwerker=
Zentralgenoſſenſchaft.
— Führungen im Landesmuſeum. Die nächſte Führung findet am
Mittwoch, den 5. Januar, pünktlich 3 Uhr nachmittags, in der
Galerie ſtatt. Kuſtos Dr. Freund wird einen Bericht über die
„Altargemälde des 14. und 15. Jahrhunderts” geben.
— Die Ewald=Ausftellung im Landesmuſeum hatte vorgeſtern den
Beſuch des Oberbürgermeiſters Dr. Blaum und der Stadtverordneten
der Stadt Hanau, welche ſich eigens zu dieſem Zwocke in Autos nach
Darmſtadt begeben haben. Die Herren haben das große Lido=Bild
(Badeſzene) im Weſtflügel der Ausſtellung für die Stadt Hanqu
an=
gekauft.
— Hauptgewinn ber Frankfurter Lotterie „Haus ber Jugend‟. Der
Hauptgewinn der Wohlfahrtslotterie „Haus der Jugend” im Betrage
von 30 000 Mark fiel auf die Nummer 2 206. Die Prämie von 10000
Mark fiel auf einen Gewinn im Werte von 10 Mark mit der Nummer
8i6 168.
— Orpheum. Heut, Neufahrstag, ſowie morgen, Sonntag,
nur zwei Aufführungen des erfolgreichſten neuzeitlichen
Schwankes „Das goldene Kalb” von D. Schwarz und E. Mathern.
Genanntes Stück hat in allen größeren deutſchen Städten bereits eine
ſehr große Anzahl von Aufführungen erlebt, insbeſondere erzielte es im
Neuen Theater Frankfurt a. M. einen durchſchlagenden Erfolg. An
beiden Abenden Jazz=Muſik. Der Kartenverkauf heute und morgen
findet ſtatt: Verkehrsbureau von 9 bis 12 Uhr,
Zeitungs=
kiosk, Ernſt=Ludwigsplatz, von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr
nachmittags ſowie Kaſſe Orpheum ab 3 Uhr
ununterbro=
chen. Einlaß kurz vor 7 Uhr, Anfang 8 Uhr, Ende 10½ Uhr.
Tele=
phoniſche Kartenbeſtellungen unter Nr. 389. (Siehe heutige Anzeige.)
— Reichsbund der Kinderreichen. Die hieſige Ortsgruppe feiert ihr
Weihnachtsfeſt mit Beſcherung am Sonntag, den 9. Januar, im
Städtiſchen Saalbau, nachmittags 4.30 Uhr. Ihre Mitwirkung haben
gütigſt zugeſagt: Geſaaverein Volkschor unter Leitung des Herrn Dr.
Noack, Jugendorcheſter der Paulusgerreinde unter Leitung des Herrn
Oberinſpektors Will, Fräulein Paula Löſch, Herr Rudolf Fey.
Schü=
lerinnen der Mornewegſchule unter Leitung von Fräulein Lotheißen
und Herrn Lehrer Eidmann; als Feſtredner Herr Dr. Baſſelli. Pigno
und Harmonium ſind von der Firma Karl Arnold u. Sohn (Klavier=
Arnold), Eliſabethenſtraße 28, gütigſt zur Verfügung geſtellt. MNäheres
ſiehe Anzeige.)
— Feſtkonzert Turnhalle Woogsplatz. Hiermit ſei nochmals an das
heute (Neujahrstag) ſtattfindende Feſt=Konzert des Städtiſchen Orcheſters
erinnert. Anfang punkt 8 Uhr. Bei der um 12 Uhr ſtattfindenden
Polonaiſe bei welcher ein großer Bohnenkuchen zur Verteilung kommt,
und die Gewinnerinnen derjenigen Kuchenſtücke, welche eine Bohne
ent=
halten, zu Bohnenköniginnen ernannt werden, kommen intereſſante ud
nützliche Preiſe zur Verteilung. Die Konzertleitung liggt in Händen
des Herven M. Weber. Siehe auch Anzeige.)
— Der Volks= und Gebirgstrachtenverein „Almenrauſch‟ Darmſtadt
begeht am Sonntag, den 2. Januar, nachmittags ½4 Uhr, im
Kon=
kordigſaal ſeine Neujahrsfeier mit urfidelem bayeriſchen Programm;
u. a. Zithervorträge, Originalſchuhplattlertänze und zwei Theaterſtücke,
ſo daß jeder Beſucher angenehme Stunden verbringt. Der Eintrittspreis
iſt mäßig gehalten, um es jedem zu ermöglichen, an der Feier
teil=
zunehmen. (Vergl. Anzeige.)
— Sportverein Darmſtadt 1898. Es ſei nochmals an die am
Sonn=
tag, den 2. Januar 1927, abends von 7 Uhr ab, im Perkeo
ſtatt=
findende Weihnachtsfeier mit Tanz erinnert (Damen= und
Fußball=
abteilung).
— Ludwigshöhe. Sonntag, 2. Januar, 4 Uhr nachmittags Konzert
des Städtiſchen Orcheſters mit folgendem Programm: Nicolai: Quvertüre
nach Shakeſpeare „Die luſtigen Weiber von Windſor”. Nitter v. Gluck:
Duvertüre „Iphigenie in Aulis”, Wagner: 3. Akt aus den
Meiſter=
fingern. Strauß: Muſik aus „Roſenkavalier”. Offenbach: Melodien
a. d. ſchönen Helena. Ailbout: 1. Preismarſch der Woche. Leitung
Herr M. Weber.
— Der Manteltariſvertrag für die kaufmänniſchen und techniſchen An=
Arbeitgeberverbänden gekündigt worden. Auf Veranlaſſung des G.D.A.
finden in den nächſten Tagen unter den Angeſtellten Beſprechungen ſtatt, und alle übrigen Länder, außer Mecklenburg und Heſſen, haben
um zu der Lage Stellung zu nehmen.
— Ueber Geſuche um Befreiung vom Aufgebot ud ebenſo über
Geſuche um Befreiung von dem Ehehindernis der zehnmonatigen
Warte=
zeit entſcheiden in Heſſen jetzt die Amtsgerichte, ſo daß derartige Geſuche
nicht mehr bei dem Miniſterium der Juſtiz, ſondern bei dem Amts= kunft weiſende grundſätzliche Bedeutung hat, wieder gutgemacht
gericht eingereicht werden müſſen. Auch die Zuſtändigkeit zur
Ent=
ſcheidung üiber Anträge auf Ehelichkeitserklärung und über Geſuche um Lehrer verſammeln ſich am Sonntag, den 2. Januar,
Befreiung von dem Ehehindernis des Eh=bruches iſt geändert. Es iſt vormittags 11 Uhr, zu einer gemeinſamen großen
Pro=
beſtimmt worden, daß in dieſen Sachen der Präſident des Landgerichtes
die Entſcheidung zu treffen hat, ſo daß an dieſen auch die entſprechenden
Geſuche zu richten ſind.
zember. Erdkohlraben 8, Gelbe Rüiben 8, Rote Rüben 8—10, Weiße ſchen Miniſterien und die ſämtlichen Herren Landtagsabgeord=
Rühen 8—10, Schwarzwurzeln 40—45, Spinat 25—30, Rotkraut 12—15, neten ſind durch beſondere Schreiben zu der Verſammlung ein=
Weißkraut 6—8, Wirſing 6—8, Grünkohl 15, Roſenkohl 20, Zwiebeln 10 geladen worden.
bis 12, Knoblauch 80, Tomaten 120. Kaſtanien 25—35, Feldſalat, Lattig
160—120 Pf., alles per Pfund. Endivienſalat 10—2, Blumenkohl, ausl.
50—150, Rettich 5—10, Sellerie 10—40 Lach 6—10, Meervettich 70 Pf.
alles per Stück. Spätkartoffeln 4—7, Tafeläpfel 20—35, Wirtſchaftsäpfel
15, Tafelbirnen 12—20. Wirtſchaftsbirnen 8—12. Nüſſe 70—80 Pf., alles
per Pfund, Apfelſinen 8—15, Zitronm 4—10 Pf., alles per Stick.
Süiß=
rambutter 220, Landbutter 200, Weichkäſe 35—40 Pf. alles per Pfund,
Handkäſe St. 6—15, Eier, friſch, 17—2) Pf. per Stück. Isländer
Kabel=
jau 47 Pf., Gänſe 140—160, Hühner 150—160, Tauben 70—80, Haſen,
ganz. 120. Rindfleiſch 80—100, Kalbfleiſch 120, Hammelfleiſch 80,
Schweinefieiſch 132—150, Dörrfleiſch 180, Schinken 220. Wurſt 80—140,
ausgelaſſenes Schmalz 130 Pf., alles per Pfund.
— Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg=Amerika=Linie. Nach
New York: D. Thuringia ab Hamburg am 5, 1. 27: D. Deutſchland ab
Hamburg am 13. 1. N; ab Cuxhaven am 14. 1. 27: D. Hindenburg ab
Hamburg am 19. 1. N7: D. Hamburg ab Hamburg am R. 1. R7: ab entgegengenommen.
Cuxhaven am B. 1. 27: D. Weſtphalia ab Hamburg am 2. 2. N: D.
D. Thuringia ab Hamburg am 16. 2. N. — Nach Philadelphia, Balti=
2. 27. — Nach der Weſtküſte von Nordamerika: MS. Oſiris am 5. 1.
27: D. Seekonk am 22. 1. 27. — Nach der Oſtküſte von Südamerika:
D. Steigerwald am 5. 1. 27: D. Eupatoria am 7. 1. 27: D.
Württem=
berg am 8. 1. R; D. Granada am 22. 1. V: D. Niederwald am 9. 2.
27: D. Baden am 12. 2. 27; D. Frankenwald am 19. 2. 27. — Nach der
Weſtküſte von Südamerika: D. Murla am 12. 1. 27:; D. Planet am 14.
1. 27: D. Itauri am 22. 1. N: D. Nitokris am 28. 1. 27. — Nach Die gut verlaufene Weihnachtsfeier iſt vorüber, und neue Arbeit beginnt
D. Nord=Schleswig am 3. 2. 27: MS. Rio Bravo am 15. 2. 27; D. An= Veranſtaltungs=Ausſchuß entſchloſſen, am Neujahrstag ein Tanzkränzchen
tiochia am 26. 2. 27. — Nach Cuba: D. Danzig am 15. 1. 27: D. Kyphiſ= abzuhalten. Die verehrlichen Mitglieder, deren Angehörige und Be=
26. 2. 27. — Nach Jamaica, Haiti, San Domingo und Pto. Nico: D.
Mexiko am 3. 1. N7: D. Grunewald am 22. 1. 77; D. Cuba am 12. 2.
N: D. Troja am 5. 3. 27. — Nach Oſtaſien: D. Anhalt am 5. 1. 27;
D. Trier am 8. 1. 27; D. Polyphemus am 15. 1. 27: MS. Havelland
am 19. 1. 27; D. Saarland am 22. 1. 27: D. City of Wellington am 29.
1 27: D. Idarwald am 2 2. 27: D. Saapbrücken am 5. 2. 27. — Nach
Afrika: D. Tanganiika am 18. 1. N7. — Hamburg Rhein=Linie:
Wöcheut=
lich ein Dampfer. — Mitgeteilt durch den Vertreter Adolph Nady,
Zimmerſtwaße 1.
130jähriges Jubiläum
der Darmſtädter Zeitung.
* Die Darmſtädter Zeitung bringt zur Feier ihres 150jährigen
Beſtehens eine Jubiläumsnummer heraus, die u. a. außer kurzen
Begleitworten der heſſiſchen Miniſter eine Ueberſicht über die
Geſchichte der Zeitung, einem intereſſanten Aufſatz von Profeſſor
Dr. Eſſelborn über Matthigs Claudius und ſein Verhältnis zu
Darmſtadt, auch ein Fakſimile der erſten Nummer der „Heſſen=
Darmſtädtiſchen pribilegierten Land=Zeitung”, vom 1. Jamuar
1777 bringt. Von beſonderem Intereſſe dürfte die Stiftungs= von Nichard Wagner. Preiſe 1 bis 10 Mk.
urkunde des Landgrafen Ludwig vom 23. Oktober 1776 ſein, in
der die Erwägungen angeführt ſind, welche die damalige
Regie=
rung zur Herausgabe einer Zeitung veranlaßten: „wobey Unſere
Abſicht dahin gehet, Unſer ſo ſehr zerſtreutes Land mit ſich ſelbſt
bekannter zu machen, Fleiß, Verdienſte, edle und gute
Hand=
lungen aufzumuntern und den jetzt Lebenden ſowol zur
Kenut=
niß als der Nachwelt zum Andenken zu bringen, den Weg der
Communication des Landes unter ſich zu erleichtern, und auch Shakeſpegre. Preiſe 0,70 bis 7 Mk.
Auswärtigen in all dieſen Stücken auf eine anſtändige Weiſe Freitag, 7. Januar. E 10. Anf. 7½ Uhr, Ende 10 Uhr:
Iphi=
bekannter zu werden.” 150 Jahre Zeitungsgeſchichte ſind auch
ein gut Teil allgemeiner Geſchichte!
Die „Darmſtädter Zeitung” erſcheint im Verlag des heſſiſchen
Staates. Im Jahre 1777 beauftragte die fürſtliche Invaliden=
Kommiſſion den nach Darmſtadt berufenen Buchdrucker
Hart=
mann Kraemer, der mit Regierungsmitteln ſeine Druckerei
eirgerichtet hat, mit dem Druck der Landzeitung, und 1779 wurde
ein neuer Vertrag mit dieſem auf vier Jahre abgeſchloſſen. Vom
Jahre 1783 an wurde dann der Druck der „Darmſtädter Zeitung”
endgültig der L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei übertragen.
Dieſe hat dieſe Arbeit bis auf den heutigen Tag ununterbrochen
ausgeführt.
Wittich-Kalender
1 9 2 7
Erscheint am 1. 1. 1927
MHit einer Silhsuette der Großen
fsandgräfin Karoline v. Geſſen und
Proben aus Werken Soethes und
J. 5. Mercks, die in den 1770
Jah-
ren in der I. C. Wittich’ſchen Bof= gedruckt wurden.
32 Seiten in 8‟.
Im Pappband mit Goldaufdruck.
Preis Rm. 3.—
Zu haben in jeder Buchhandlung
und in der Geſchäftsstelle.
II. C. Wittichiche Hofbuchdruckerei
Hbteilung Buchverlag / Darmſtadt
Proteſikundgebung der hefſiſchen Beamtenſchaft.
In der heſſiſchen Beamtenſchaft herrſcht große Erbitterung
und Erregung über den Beſchluß des Landtages vom 21.
De=
geſtellten und Werkmeiſter in Darmſtadt iſt zum Ende Februar von den zember. Sämtliche Reichsbeamte haben die Ausgleichszulage,
fälſchlich Weihnachtsbeihilfe genannt, ſchon ausbezahlt erhalten,
die Reichsregelung übernommen. Die heſſiſchen Beamten
füh=
len ſich mit Recht zurückgeſetzt und gekränkt, und ſie werden nicht
ruhen und raſten, bis die Zurückſetzung, die noch eine in die
Zu=
iſt. Reichs=, Staats= und Gemeindebeamten aller Gruppen und
teſtkundgebung im „Perkeo” zu Darmſtadt,
Alexanderſtraße. Ein Vertreter der Bundesleitung des Deut=
— Wochenmarkt Darmſtadt. Kleinhandels=Tagespreiſe vom 31. De= ſchen Beamtenbundes hat ſein Erſcheinen zugeſagt. Die Heſſi=
Gründet jetzt ſchon Weihnachtsſparkaſſen
für Weihnachten 1927
(St.19174
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadi
— Gymnaſtik=Unterricht. Die Gymnaſtikkurſe des Herrn Philipp
Müller=Gebhardt beginnen wieder anfangs Januar. Anmeldungen für
Erwachſene und Kinder werden bei Konzert=Arnold, Wilhelminenſtr. 9,
— Eine wüſte Schlägerei fand Donnerstag gegen 12 Uhr nachts in
Albert Ballin ab Hamburg am 10. 2. R7; ab Cuxhaven am 11. 2. 27; einer Wirtſchaft auf der Inſel ſtatt. Dabei wurden 3 Perſonen ſo
ver=
letzt, daß ſie auf der Städtiſchen Rettungswache verbunden, zwei von
more, Norfolk: D. Altmark am 8. 1. N: D. Adolf von Baeyer am 4. ihnen ſogar nach dem Stadtkrankenhaus verbracht werden mußten,
Lokale Veranſkaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind anzſchiſeßtlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachten,
in keinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Kriti.
— Turngemeinde Beſſungen 1865e. V., Darmſtadt.
Mexiko: MS. Rio Bravo am 11. 1. 27: D. Weſterwald am 22. 1. 27; bei allen Abteilungen. Als Einleitung für das Jahr 1927 hat ſich der
ſia am 15. 2. 27; D. Nauplia am 15. 3. R. — Nach Weſtindien: D. kannte, ſowie Freunde der Turnſache ſind herzlichſt eingeladen. Wenn
Amaſſia am 5. 1. 27: D. Kiel am 15. 1. 27: D. Rugia am 26. 1. 7; auch dem Tanz zumeiſt von der Jugend gehuldigt wird, ſollten die Alten
D. Adalia am 5. 2. 27: D. Sachenwald am 16. 2. 27; D. Teutonia am doch bei dem frohen Treiben nicht fehlen. Echte Turner gehören eben
einmal bei froher wie ernſter Arbeit zuſammen.
Seite 3
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
Großes Haus.
Sonntag, 2. Januar. Nachm. 2 Uhr, Ende 4 Uhr: „Brumm,
der Bär” Preiſe 0.50, 1, 1.50, 2, 2.50 Mk.
— Abends 7 Uhr, Ende 10 Uhr: D 9: Zum erſten Male
wieder=
holt: „Hänſel und Gretel” Märchenoper von
Humper=
dinck; hierauf: „Die Puppenfee”, Pantomime von Joſef
Bayer. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Montag, 3. Januar. Keine Vorſtellung.
Dienstag, 4. Januar. A 8. Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: „Der
Ring des Nibelungen” Vorabend: „Das Rheingold”
Mittwoch, 5 Januar. B 10. Anfang 7 Uhr, Ende 10 Uhr: „
Hän=
ſel und Gretel” Märchenoper von Humperdinck;
hier=
auf: „Die Puppenfee”, Pantomime von Joſef Bayer.
Preiſe 1 bis 10 Mk.
Donnerstag, 6. Januar. G 8 (Darmſtädter Volksbühne). Anfang
7½ Uhr, Ende 10½ Uhr: „Macbeth”, Trauerſpiel von
genie”, Schauſpiel von Goethe. Preiſe 0.80 bis 8 Mk.
Samstag, 8. Januar. T 9. Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: Zum
erſten Male wiederholt: „Robert und Bertram”, Poſſe
von Guſtav Racder. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Sonntag, 9. Januar. Außer Micte. Anfang 6½ Uhr, Ende
10 Uhr: Zweites und letztes Gaſtſpiel Lotte Schöne von
der Staatsoper in Wien: „Die Fledermaus”, Operette
von J. Strauß. Adele: Lotte Schöne a. G. Vorverkauf für
Mieter zu Preiſen von 1 bis 10 Mk. am Dienstag, den 4.,
und Mittwoch, den 5. Januar; allgemeiner Vorverkauf ab
Donnerstag, den 6. Januar.
Kleines Haus.
Sonntag, 2. Januar. Zuſatzmiete VI (8); 2. Vorſtellung des
Weihnachtszyklus klaſſiſcher Werke. Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Die Geſchwiſter” hierauf: „Die
Mitſchul=
digen” Schauſpiele von Goethe. Preiſe 1 bis 6 Mk.
Montag, 3 Januar, und Dienstag, 4. Januar: Keine
Vor=
ſtellungen.
Mittwoch, 5. Januar. Abends 8 Uhr: Vortragsabend
Maria Fein: „Aus drei Jahrhunderten deutſcher
Dich=
tung”. Preiſe 1, 2, 3 Mk.
Donnerstag, 6. Januar. Zuſatzmiete TV (8). Anfang 7½ Uhr,
Ende nach 10 Uhr: „Der Vetter aus Dingsda”,
Ope=
rette von Künnccke. Preiſe 1,20 bis 720 Mk.
Freitag, 7. Januar. D 10. (für diejenigen D=Mieter, die keine
Zuſatzmiete haben). Anfang 7 Uhr, Ende nach 10 Uhr: Erſtes
Gaſtſpiel Lotte Schöne von der Staatsoper in Wiem:
„Figaros Hochzeit” Oper v. Mozart. Suſanne: Lotte
Schöne a. G. Vorverkauf für Mieter zu Vorzugspreiſen von
1.20 bis 7.20 Mk. am Montag, den 3., und Dienstag, den
4. Januar; allgemeiner Vorverkauf zu Preiſen von 1.50 bis
9 Mk. ab Mittwoch, den 5. Januar.
Samstag, 8. Januar. Abends 8 Uhr: 1. Beethoven=Abend
des Drumm=Quartetts. Preiſe 1, 2, 3 Mk.
Sonntag, 9. Januar. Vorm. 11½ Uhr: Dritte
Morgen=
feier: Hermann Zilcher (Anna Baumeiſter=Jacobs, Joh.
Biſchoff Erich Riede). Preiſe 0.50 und 0.80 Mk.
— Abends 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: Volksvorſtellung zu
Ein=
heitspreiſen: „Der Raub der Sabinerinnen”,
Luſt=
ſpiel von Schönthan. Preiſe 1, 2, 3 Mk.
Kunſinotizen.
Uleber Werte, Künſtier oder künffleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwähnung
geſchiebt, behält ſch die Redaftlion ihr Urtell vor.
— Union=Theater. „Madame wünſcht keine
Kin=
der” ein Luſtſpiel im wahrſten Sinne des Wortes. Leicht, graziös,
voll Humor, mit Tempo und guten Texten. Die Fabel wird in der
Hand eines Regiſſeurs, wie Alexander Korda zu einem duftigen,
gra=
ziöſen Gebilde voll Laune und Witz. Die Froniſierung der modernen
Ehe. Maria Corda und Hary Liedtke ſpielen mit Charme, Schwung
und in wundervoller Laune. Ein Erfolg für das internationale
Publi=
kum. Man hat einen Film geſchaffen, der ſich den ausgefeilteſten
Luſt=
ſpielen Amerikas an die Seite ſtellen kann. Er iſt die beſte
Geſellſchafts=
komödie der Saiſon, die luſtigſte Komödie, die wir bisher ſahen. Dina
Grallg verzaubert jedes Requiſit mit ihrer Drolerie. Sie gehört heute
zu unſeren größten Filmhoffnungen. Als Beiprogramm beginnt die
erſte Charleſton=Tanzſtunde im U. T. und kann jeder mit Leichtigkeit den
neueſten Tanz kennen lernen. Die zweite Tanzſtunde begimnt am 7.
Ja=
nuar 1927.
— Reſidenz=Theater. Der 75jährige Jubiläumsfilm des
bekannten ſenſationellen Darſtellers Harry Piel hat in dem neueſten
Film „Was iſt los im Zirkus Beely?” die größte Ehre daran geſetzt,
den beſten Film zu inſzenieren. Der Film bildet an Dreſſuren ſowie
Varietés ſo mausſprechlich Vieles, daß dem Publikum in einer
Zirkus=
vorſtellung in einem Abend nicht ſo viel geboten werden könnte. Harry
Piel ſpielt die Hauptrolle, und unzweifelhaft iſt wieder einmal zu
er=
kennen, was der beliebte Künſtler alles leiſtet. Die übrige Beſetzung
wie Hanni Weiße, Ilona Korolewna, Fritz Grainer, Erich KaiſerT.c
Charlie Berger, Eugen Burg und Ralf Oſtermann tragen zur
Vervoll=
ſtändigung des Filmes in allen Teilen bei. Das Beiprogramm bietet
die beſte Groteske von Harold Lloyzd. Dem Publikum des Reſidenz=
Theaters wird ſomit ein abwechſlungsreiches Feiertagsprogramm
ge=
boten werden, ſo daß jeder Beſucher ein paar genußreiche Stunden
da=
ſelbſt verbringen kann.
— Palaſt=Lichtſpiele. Harold Lloyd, den weltberühmten
Komiker des Films, der in ſeiner Art unerreicht daſteht, hat man ſchon
in vielen Rollen geſehen und Millionen von Menſchen haben in
Deutſch=
land ihm zugefubelt und verdanken ihm viele Stunden befreiender
Heiterkeit und wohltuender Erlöſung von Alltagsſorgen, noch nie aber
hat er ſich hinreißender gegeben als in ſeiner Rolle als Sportſtudent.
„Dieſer Film iſt”, ſchreibt die „B. Z. am Mittag”, „einer der luſtigſten
Harold=Lloyd=Filme, die man bisher in Berlin geſehen hat, obgleich
oder vielleicht gerade weil die leiſe Tragik, die mit dem Kampf der
heiligen Einfalt gegen die Tücken des Lebens verbunden iſt, die
ſym=
pathiſch=groteske Geſtalt Harold Aloyds diesmal deutlicher, wenn auch
ganz unaufdringlich umſchwebt.”
Tageskalender für Samstag, den 1. Januar 1927.
Nenjahr.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, C 9, Anfang 5 Uhr, Ende
10 Uhr: „Die Meiſterſinger von Nürnberg.” — Kleines Haus, Außer
Miete, abends 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: „E geplagder Familiebadder.
Orpheum, abends 8 Uhr: „Das goldene Kalb.” —
Weih=
nachtsfeiern: Bayern=Verein, nachm. 4 Uhr: Konkordiaſaal;
Heſſ. Fechtverein Waiſenſchutz, Städt. Saalbau, nachm. 4 Uhr; Club
Fröhlichkeit, nachm. 3 Uhr: Mathildenhöhſaal; Quartettverein 1920,
nachm. 5 Uhr, in der Loge, Sandſtraße 10. — Konzerte: Schloß=
Café, Reichshof, Spaniſche Bodega, Ludwigshöhe, Hotel Schmitz,
Turnhalle (Woogsplatz), Frankfurter Hof, Reſt. Gintracht, Hotel
Prinz Heinrich, Zur Reichskrone. Café Egenrieder, Alte Poſt, Café
Rheingold. Weinhaus Weißer Turm, Rummelbräu. — Tanz:
Taunusburg, Café Rheingold, Weinhaus Weißer Turm, Café Haſſia.
— Neujahrsfeiern: Orangeriehaus, Bockshaut, Zentralhotel. —
Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſp.
Tageskalender für Sonntag, den 2. Januar 1927.
Heſf. Landestheater, Großes Haus, außer Miete, nachm. 2 Uhr,
Ende 4 Uhr: „Brumm, der Bär.” Abends 7 Uhr, D 9: „Hänſel und
Gretel.”—„Die Puppenfee.” — Kleines Haus, Zuſatzmiete VI (8),
Weihnachtszyklus, 2. Vorſt., Anf. 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: „Die
Ge=
ſchwiſter.” — „Die Mitſchuldigen.” — Orpheum, abends 8 Uhr:
„Das goldene Kalb.” — Weihnachtsfeier: Geſangverein
„Frohſinn” nachm. 4 Uhr, im Mathildenhöhſaal. — Konzerte:
Schloß=Café, Reichshof, Span. Bodega, Ludrwigshöhe Hotel Schmitz,
Frankfurter Hof, Hotel Prinz Heinrich, Zur Reichskrone. Café
Egenrieder, Orangeriehaus. Alte Poſt. Nummelbräu, Café
Rhein=
gold, Weinhaus Weißer Turm. — Tanz: Taunusburg, Caſé
Rheingold. Weinhaus Weißer Turm. — Neujahrsfeiern:
Zentralhotel; „Almrauſch”, nachm. ½4 Uhr. Konkordiaſaal. —
kinovorſtellungen: Union, Reſidenz=Thegter, Pglaſt=Lichtſp.
Seite 6
Samstag, den 1. Januar 1927
Nummer 4
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Eberſtadt, 31. Dez. Geburtenſtatiſtik. Im abgelaufenen
Jahre ſind hier ausſchließlich der Totgeborenen 70 Knaben und 71
Mäd=
chen auf die Welt gekommen. — Weihnachtsfeier. Die
Beih=
nachtsfeier der katholiſchen Pfarrgemeinde findet erſt am 2. Januar im
Schwanenſaal ſtatt. Am 1. Januar findet dagegen der große
Operetten=
bend des Geſangvereins „Frohſinn” ſtatt, bei dem „Lindenwirtin, du
funge” zur Aufführung gelangt.
* Pfungſtadt, 31. Dez. Selbſtmordverſuch. Eine 29 Jahre
alte Frau von hier wollte ſich gegen abend von dem 7 Uhr=Zug
über=
fahren laſſen und zwar an der Straßenkreuzung Pfungſtadt—Eberſtadt.
Obwohl der Zugführer ſofort halten ließ, als er die Frau auf dem
Bahndamm bemerkte, erhielt ſie von der Lokomotive einen Stoß und
erlitt dabei eine ſchwere Verletzung am Kopf. Die Lebensmüde mußte
in das Darmſtädter Krankenhaus gebracht werden. — Die letzte
Veran=
ſtaltung der Fr. Turngemeinde Pfungſtadt war gut beſucht und nahm
einen guten Verlauf. Alle Mitwirkenden, die Spieler und Muſiker,
taten ihr Beſtes. — Die Abfuhrſcheine für das am 9. Dezember
verſteigerte Nutz= und Brennholz können von jetzt ab gegen bar oder
Bürgſchaft auf der Bürgermeiſterei abgeholt werden. — Die Maul=
und Klauenſeuche iſt in Pfungſtadt wieder erloſchen. Das
Kreis=
amt hat die über Pfungſtadt verhängten Sperrmaßnahmen aufgehoben.
* Nieder=Ramſtadt, 31. Dez. Wie alljährlich, feiert der Geſangverein
„Eintracht” ſeine diesjährige Weihnachtsfeier am 1. Januar 1927,
abends 8 Uhr, im Saale des Gaſthauſes zur Poſt (Beſ. Breidert).
Die=
ſſelbe foll in Geſtalt eines Bunten Abends gehalten werden, wobei
einige Chöre zum Vortrag kommen und ein Theaterſtück aufgeführt
wird. Außerdem ſteht eine reichhaltige Tombolg zur Verfügung und
am Schluſſe findet noch ein Tänzchen ſtatt. Den Beſuchern verſpricht
der Abend einige genußreiche Stunden.
* Groß=Zimmern, 31. Dez. Die Kunſtfahrertruppe des
Radfahrer=
vereins 1922 Groß=Zimmern, Mitglied des Bundes Deutſcher Radfahrer,
weilte am zweiten Weihnachtsfeiertage bei dem Nadfahrerverein
Ger=
mania 1904 in Cronberg i. T. als Gaſt. Auch hier konnte dieſelbe durch
vorzügliche Leiſtungen den Beifall aller Anweſenden ernten. Es war
ihnen hier Gelegenheit geboten, erneut den Beweis ihrer großartigen
Leiſtungen zu erbringen. Man kann mit Freude feſtſtellen, daß die
Uebungsſtunden zur Erzielung guter Leiſtungen voll und ganz
ausge=
nutzt werden.
* Aus dem Gerſprenztal, 30. Dez. Der findige Wirt. An
Weihnachten hat ſich in einem Orte des mittleren Gerſprenztales
fol=
gende intereſſante Begebenheit zugetragen. Die Jugend hatte ſich zum
Tanz verſammelt und alles war in froher Stimmung. Aber trotzdem
Weihnachten em Feſt der Liebe iſt, war es nicht zu verhindern, daß der
uralte Haß zwiſchen der Jugend des Ortes und der des Nachbarortes
ausbrach. Zuerſt waren es nur Worte. Man hat es auch nicht
ver=
ſucht, ſich ſehr vornehm auszudrücken. Unſere Jugend glaubt, daß
Worte ohne Taten nur etwas Halbes iſt. Kaum waren ſich zwei in
„nähere körperliche Berührung” gekommen, ſo war auch ſchon der ſchönſte
Streit entbrannt. Man ſah nur noch vor Wut bleiche Geſichter,
flie=
gende Flaſchen. Soweit mag alles in angenehmer Stimmung geweſen
ſein — nur nicht der Wirt. In ſeiner höchſten Not fiel ihm ein, daß
ein langer Feuerwehrſchlauch in ſeinem Hof hängt. Schnell war der
Schlauch an einem Hydrant vor dem Hauſe angeſchloſſen, und ein
gro=
ßer Waſſerſtrahl ergoß ſich auf die heißblütige Jugend. Das Waſſer
wirkte Wunder. Die Kämpfer ließen von ihrer intereſſanten
Beſchäf=
tigung ab, gingen heim, wechſelten ihre durchnäßten Kleider, verbanden
ſich die blutigen Köpfe, und bald konnte der Tanz ſeinen gewohnten
Fortgang nehmen.
* Michelſtadt, 31. Dez. Das in weiten Kreiſen unſeres Heſſenlandes
bekannte Gaſthaus „Zum Schmerkers Garten” (Beſitzer Auguſt Enſinger)
begeht am Neujahrstag, verbunden mit dem Turnvereinsball D. T., ſein
50jähriges Geſchäftsjubiläum. — Am 15. Januar 1927 feiert der
Krie=
ger=Verein Michelſtadt ſein 5öjähriges Stiftungsfeſt verbunden mit der
Neichsgründungsfeier in obigem Lokal.
— Hirſchhorn, 31. Dez. Waſſerſtand des Neckars am
30. Dezember 0,93 Meter, am 31. Dezember 0,97 Meter.
* Langen, 31. Dez. Die hieſige Bezirksſparkaſſe veröffentlicht ſoeben
ihren Vermögensnachweis für das Jahr 1925. Die Verpſlichtungen
(Einlagen) betragen 967 000 Mark, die Rücklage iſt von 30 530 Mark im
Jahre 1994 auf 41 329 Mark geſtiegen. Der Aufwertungsſtock enthält
nur 154 Mark. An Kapitalvermögen ſind 928000 Mark vorhanden.
Der Rechnungsreſt beziffert ſich auf 52 554 Mark. Grundbeſitz und
be=
wegliches Gut ſind mit 28 000 Mark angegeben. Die neu errichtete
Zweig=
ſtelle in Neu=Iſenburg hat ſich beſonders gut entwickelt.
WSN. Offenbach, 30. Dez. Ein Selbſtanſchlußamt in
Offenbach. In den letzten Monaten iſt auf das hieſige
Hauptpoſt=
amt ein neuer Stock aufgeſetzt worden, in dem man gegenwärtig mit
der Einrichtung eines Fernſprech=Selbſtanſchlußamtes beſchäftigt iſt. Das
neue S.=A=Amt ſoll bereits am 15. Februar in Betrieb genommen
werden.
Rheinheſſen.
M. Nierſtein a. Rh., 31. Dez. Der franzöſiſche Kahn Madelaine‟,
der an das Braunkohlenſyndikat dermietet iſt, erlitt am Nackenheimer
Wörth Lechage. Der Kahn „Gott mit uns” welcher an die gleiche Firma
vermietet iſt, legte ſich dem havarierten Kahn zur Seite; mit Hilfe eines
Schwimmkraues wurden die Leichterungsarbeiten aufgenommen.
Gegen=
wärtig läßt das heſſiſche Waſſerbauamt Mainz an jener, als gefährlich
bekannten Stelle Baggerungen vornehmen und eine neue Längskribbe
legen, ſo daß dann das ganze Fahrwaſſer an dieſer Stelle geſtreckt
liegt und ſo der Uebelſtand behoben ſein wird.
* Eau Algesheim, 31. Dez. Gemeinderatsſitzung. 20
Mitglieder der hieſigen Freiw. Feuerwehr ſollen für 40 bzw. 25jährige
ununterbrochene aktide Mitgliedſchaft geehrt werden, und zwar durch
Ueberreichung von Diplomen. Die Ausührung der letzteren wird Herrn
Laskari, Frei=Weinheim, übertragen. Der Gemeinderat genehmigt die
hierzu erforderlichen Mittel. — Die hieſigen Geſangvereine haben den
Antrag geſtellt, ihnen je ein Konzert im Jahre von der
Vergnügungs=
ſteuer zu befreien. Dem Geſuch wird mit ſofortiger Wirkung
ſtattge=
geben. — Die Gewährung einer einmaligen Beihilfe an die
Gemeinde=
beamten, wie ſie den Reichs= und Staatsbeamten ſowie auch den
Be=
amten verſchiedener Gemeinden gewährt wurde, wird abgelehnt. — Der
Ausbau der Verbindungsſtraßen zwiſchen den Straßen Nieder=
Ingel=
heim—Genſingen und Gau=Algesheim-Ober=Hilbersheim ſoll als
Not=
ſtandsarbeit ausgeführt werden. — In der Nacht vom 28. auf 29. d3.
Mts. wurde in die von dem Arbeiter M. Scmitz bewohnte Hofreite
eingebrochen und aus dem unverſchloſſenen Stalle vier ſchwere
Stall=
haſen ſowie zwei fette Gänſe im Geſamtwert von zirka 50 RM.
ge=
ſtohlen. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. — Beim Anzünden des
Chriſtbaumes gerieten die Kleider einer hieſigen jungen Frau in Brand.
Nur durch raſches Eingreifen der Angehörigen wurde ein größeres
Un=
glück verhütet. Außer an deu Kleidern iſt kein Schaden entſtanden.
* Nackenheim, 31. Dez. Wie nachträglich bekannt wird, wanen im
jenſeitigen Fahrwaſſer am Dienstag drei beladene Kähne auf den Sand
gelaufen. Sie wurden vorgeſtern teils durch Hand=, teils durch
Kran=
betrieb geleichtert, ſo daß ſchon gegen abend die talwärts fahrenden
Schiffe die Unfallſtelle paſſieren konnten.
UI. Bingen, 31. Dez. Ein Opfer jugendlicher Rowdys.
Ein trauriges Bild von der jugendlichen Verwahrloſung gibt die
ſchau=
rige Mordtat, die ſich bei Gumbsheim (Rheinheſſen) zugetvagen hat.
Man hat am Morgen des Dienstag auf der Landſtraße Gumbsheim—
Wöllſtein im Straßengraben den 2ljährigen Neiſenden Otto Beck aus
Fürfeld mit ſtarken Kopfverletzungen tot aufgefunden. Beck befand ſich
in der beſagten Nacht in Gumbsheim auf dem Tanzboden. Hier hatten
jugendliche Burſchen aus Eckelsheim ſich mit einem anderen jungen
Bur=
ſchen angefeindet und ihm auch mit einem Gummiſchlauch Schläge
ver=
ſetzt. Die Eckelsheimer Burſchen paßten nun dem jungen Manne,
wel=
cher vor ihnen flüchtig gegangen war, auf, um ihm noch weitere
Schläge zu verabreichen. Unglücklicherweiſe fiel Beck, der um etwa
4 Uhr den Nachhauſewveg antrat, in die Hände der Burſchen, die ihn
in der Dunkelheit für den Erwarteten hielten, und er bekam mit dem
Gummiſchlauch mehrere Schläge auf den Kopf. Er lief darauf davon.
Unterwegs nun nach Wöllſtein machten ſich bei dem jungen Manne die
Folgen der Schläge bemerkbar; er verlor das Bewußtſein und wurde
von einem um etwa halb 5 Uhr des Weges kommenden jungen Manne
auf der Landſtraße bewußtlos aufgefunden. Dieſer legte ihn in den
Straßengraben und verſuchte, in Wöllſtein Hilfe zu bekommen. Wie es
heißt, hat er deswegen bei einem Landwirt angeklopſt, wurde jedoch
ab=
gewieſen und ſo gab er ſeine weiteren Bemühungen auf und ließ den
Schwerverletzten liegen. Beck wurde dann gegen 7½ Uhr tot
aufge=
funden. Die Sektion der Leiche ergab, daß der Tod infolge Verblutung
des Gehirns eingetreten iſt, als Folge des Schlages mit dem
Gummi=
ſchlauch. Die Schläge, welche bei anderen Menſchen nur vorübergehende
Schmerzen verurſacht hätten, führten bei Becks dünner Schädeldecke den
Tod herbei. Von den zwei am gleichen Tage noch verhafteten
Eckels=
heimer Burſchen iſt der Wjährige Philipp Zöller der Täter, der in Haft
behalten wurde; der zweite Verhaftete, ein Bruder des Täters, wurde
auf freien Fuß geſetzt.
Oberheſſen.
* Friedberg, 31. Dez. Geſtern explodierten infolge Unvorſichtigkeit
in einem Geſchäft auf der Kaiſerſtraße die dort lagernden
Feuerwerks=
körper. Der ausbrechende Brand, der in dem engen Häuſerolock leicht
ſchlimme Folgen hätte haben können, konnte durch Handlöſchapparate
im Keime erſtickt werden. Da infolge des ſtarken Rauches das
Trep=
penhaus nicht mehr paſſierbar war, wurde eine Frau, die ſich im erſten
Stock befand, durch das Fenſter auf die Straße gevettet.
* Bad=Nauheim, 31. Dez. Eine öffentliche Proteſtverſammlung fand
ſeitens zahlreicher Grund= und Gartenbeſitzer und =Pachter im Gaſthaus
„Gute Quelle” ſtatt. Es wurde Einſpruch erhoben gegen die
Herab=
ſetzung der Werte der landwirtſchaftlich und gärtneriſch benutzuen
Grund=
ſtücke, die als Baugelände bewertet ſind. Landwirt W. Mörler war der
Nedner.
* Gießen, 31. Dez. Der heſſiſche Fürſorgeverein hat die Erbauung
eines Krüppelheims im Anſchluß an die Univerſitätskliniken
be=
ſchloſſen. Der Bauplatz in der Nähe der Schönen Ausſicht und der
Lupusheilſtätte iſt von der Stadtverwaltung zur Verfügung geſtellt
wor=
den. Das Heim ſoll zugleich Forſchungsinſtitut werden.
WSN. Gießen, 31. Dez. Günſtige Entwicklung des
Spartriebs. Eine ſehr bemerkenswerte Aufwärtsentwickelung der
Spartätigkeit iſt aus einer Ueberſicht der Bezirksſparkaſſe Gießen über
die Entwickelung der Spareinlagen bei ihrem Kaſſenbetrieb von Ende
1924 bis Oktober 1925 feſtzuſtellen. Ende 1924 beliefen ſich die
Spar=
einlagen bei der Kaſſe auf rund 1020 000 Mk., Ende 1925 bereits auf
2 215 000 Mk. und Oktober 1926 auf rund 3 470 000 Mk. Die
Sparkon=
ten wuchſen von 3508 auf 5885 bzw. 9500 an. Im Stande der
Giroein=
lagen war eine Aufwärtsentwickelung von 770 000 Mk. auf 890 00 bzw.
950 000 Mk. zu verzeichnen. Der Beſtand der Girokonten vermehrte
ſich von 985 auf 1436 bzw. 2000. Dunch die günſtige
Geſchäftsentwick=
lung konnte die Bezirksſparkaſſe an Darlehen und Krediten folgende
Summen hergeben: Ende 1924 rund 1800 000 Mk., Ende 1925 rund
3 130 000 Mk. und Oktober 1926 rund 4 490 000 Mk. Bemerkenswert iſt.
daß der diesjährige Sparverkehr ſich bereits der Höhe des Sparbetriebs
in den Jahren 1913/14 nähert.
* Büdingen, 31. Dez. Die N. große Provinzial=
Ge=
flügelſchau für Oberheſſen findet hier vom 7. bis 9. Januar
ſtatt. Der hieſige Geflügelzuchtverein trifft gegenwärtig die letzten
Einrichtungen zur Ausſtellung. Es ſind gegen tauſend Nummern
Ge=
flügel aller Raſſen, hauptſächlich Gänſe, Hühner und Tauben gemeldet.
Unter den Ausſtellern ſind die Züchter ſämtlicher 38 Zweigvereine aus
der Provinz vertreten, darunter auch die entlegenen Vereine Alsfeld,
Lauterbach und Schlitz. Es iſt dies ein Zeichen, daß man in ganz
Ober=
heſſen der Entwickelung der Raſſegeflügelzucht ſehr großes. Intereſſe
entgegenbringt. Wertvolle Ehrenpreiſe und hohe Geldpreiſe des
Bun=
des deutſcher Geflügelzüchter, der Landwirtſchaftskammer, der Stadt
Büdingen, von Geflügelzuchtvereinen und Förderern der Geflügelzucht
ſtehen zur Verfügung.
* Laubach, 31. Dez. Eine beſondere Weihnachtsgabe wurde unſerem
Pfarrer Nebel durch die Stadtverwaltung zuteil. Bürgermeiſter Böhm
und zwei Stadträte überreichten ihm ein Gemälde mit den Anſichten des
gräflichen Schloſſes und der Stadtkirche als danbbare Anerkennung für
die mehr als dreißigjährige Dienſtzeit des ſeit Oktober penſionierten
Pfarrers. Das Gemälde iſt ein Werk des hieſigen Malers Klippſtein. —
In Ulfa wunde ein Gewerbeverein „Ulfa und Umgegend” gegründet.
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Sicht,
Rheuma,
Ischias,
Grippe,
Kerven= und
Ropfſchmerzen,
Erkältungskrankheiten.
Togal ſtillt die Schmerzen und ſcheidet die Harnſäure ans. Keine ſchädlichen
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Wontag, den 3. Uanuar 8l= Uhr vormittags
Vereinigung des Einzelhandels von Darmstadt und Umgebung
[ ← ][ ][ → ]Nummer 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Oeſcel Tigdaft
Seite 7
zum neuen Jahr ſendet
Meidersgorr Gräfe
Oarl Mion & Go.
Darmstadt
Zementbau- und Terrazzogeschäft
(nh.; Carl Hion u. A. Bach)
Büronnd Lager Lauteschlägerstr. 12 g
Telephon 2614
älteste Firma am Platze
wünschen unserer werten Kundschaft
ein glückliches
Neujahr!
Zugleich empfehlen wir uns zur
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II. Mosaik- und Terrazzoböden in
einfscher und reicher Ausführung.
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Veranden und Fahrstraßen.
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Carl Mion & Co.
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Weinstube „Stolzenfels”
Soderstraße 6½ (Kapellplatz)
Unseren lieben Stammgästen,
Gästen, Freunden und Bekannten
ein kräftiges
„Prosit Neujahr”
Familie Boerr
488
Wünſche allen meinen Gäſten,
Freunden und Bekannten ein
glückliches
neues Jahr=
Hanauer Hof
iun
(442
Proſit
Neujahr!
Schuhhaus
J. 8. Jacob junior
vormals Joh. Ph. Mahr
Darmſtadt
Telephon
Holzſtraße 11
—OT4
eertenleesntt
Meinen werten Bekannten, Gäſten
und verehrlicher Kundſchaft wünſche
ih zum Jahreswechſel einen guten
Verlauf des
neuen Jahres 188
Philipp Rarth
Inhaber der Barth’s Weinſtube
und der Weinhandlung
Stttssktes
Unſerer werten Kundſchaft u. Gönnern
die beſten
Glückwünſche zum
Jahreswechſel
Ad. Appel und Frau
Metzgerei (Marrtgeſchäft)
Kranichſteinerſtr. 34 • Telephen 2321
Zum Jahreswechſel
473
die
herzlichſten Glückwünſche
F. Bender
Nied.=Ramſtadt. Gaſthaus z. Löwen
Wir wünſchen unſern werten
Mitgliedern im neuen Jahre
Slück und Segen
Vorſtand und Aufſichtsrat
des
464
Bezirks-Konsumpereins
Darmſtadt
Herzlichen
Gläckwunsch
zum neuen Jahr
Metzgermeiſter Auguſt Zeh
und Familie
M
Viele herzliche
Glückwünsche
zum neuen Jahr!
Herm, Haerle
Ecke Frankfurter- und Emilstraße 9 und 11
DAPOLIN-Tankstelle
201
Proſit Neujahr!
Adalbert Kaiſer
Darmſtadt
Dieburgerſtr. 79, Telefon 1979
Afß3.
Meinen werten Gäſien,
Bekannten und Nachbarn,
ein herzliches
Proſit Neujahr!
Alois Fuchs und Frau
Martinsbierhalle.
Grite
Vom Guten das Beſte
wünſcht
ſeiner hochverehrten Kundſchaft
zumJahreswechſel
und dankt gleichzeitig für das
bisher erwieſene Vertrauen.
Schlitzer Seifen=Oepoi
L. Cöppieus
Darmſtadt, Heidelberftraße 20
Telephon 2833
16869a
Unſerer werten Kundſchaft,
ſowie Bekannten und
Ver=
wandten ein
glückliches
neues Jahr!
Jean Diefenbach & Sohn
G. m. b. H.
Spedition, Möbeltransport u.
Laſikraftwagen=Verkehr
Darmſtadt, Pankratiusſtr. 13.
(*34065
Die herzlichſien Glück= und
Segenswünſche
zum Jahreswechſel
Familie Breidert
Gaſthaus zur Poſt / Nied.=Ramſiadi
462
UI
Annne
Meiner werten Kundſchaft, Freunden
und Gönnern wün chen
viel Glück im neuen Jahr
Familie Anton Horſt
Weißbindermeiſier.
Inaagug nnnnnnanänEgnn!
Unſerer werten Kundſchaft, Gäſten,
Bekannten und Verwandten
die herzlichſien Glückwünſche
zum neuen Jahre!
Familie Leonhard Haußner
Gaſtwirtſchaft „zum gutenschoppen”
und Kohlenhandlung.
Si
*
Meiner verehrten Kundſchaff. Nach,
barn und Bekannten, ein kräftiges
Proſit Neujahr!
Philipp Sauer, Bäckermeiſter
Georgenſtraße 13.
Herzliche Glückwünsche
zum neuen Jahr
meiner vorehrten Kundschaft
Haarpflege-Kabinett
Bein
Grafenstrassc 24
Unſeren werten Kunden u.
Bekannten
zum Jahreswechſel
die herzlichſten
Glückwünſche
Anton Braß und Fran
Sandbergſtraße 14
B
Meiner werten Kundſchaft
und Nachbarſchaft
ein gutes, ein frohes, ein
glückliches
neues Jahr
wünſcht mit beſten Empfehl.
Otto Geis
Gandſtraße 26
Die herzlichſt. Glückwünſche
zum Jahreswechſel
Val. Niebes
Eleftr. Inſtallations=Geſchäft
Telephon 1171 (*23 Kiesbergſir 3
FR
**
*F4
4
die herzlichen
Glück wünſche
zum
Jahreswechſel
Joh. Peter Bernhard
Weinſtuben
zum Kaplan
F+R++
**
Empfehie über die Feiertage
im Rusſchank
1923er Mettenheimer
Gold=
berg . . Glas 5o Pf.
1925er Roxheimer Berg
Glas . . . . . 60 Pf.
1925er Nierſteiner
Weißen=
berg 6las . 15 Pf.
Ausgewähltes
mittag= und Abendeſſen
*4
14r
*44
444
Prosit Neujahr!
allen Freunden und Bekannten
Helene döbert
Geschäftsführerin
Weinstube Kaplan
Buswgnwenwevlznwanr
R
Die
504
Herzlichſien
Glückwünſche
zum Jahreswechſel!
Familie A. Hühnergarth
Sporiplatz=Reſtauration
am Böllenfalltor.
Kaa
Zur Stadt Coburg
Waldſtraße 2
1*54
Preiswerter Mittagstiſch
Pfungſtädter Weihnachtsbock
im Ausſchank.
Seinen werten Stammgäſten,
Freunden und Bekannten.
ein herzliches Prosit Neujahr!
Joſef Stocker und Frau
Reſtauration zum Neckattar
Heidelbergerſtraße 2
wünſcht ſeinen werten Gäſten
ſowie Freunden u. Bekannten
ein
Proſi Neujahr!
Gustav Mahlow
*
Kante
Die herzlichſien Glückwünſche
zum
Jahreswechſel!
Gg. Valt. Heß Nachf.
Inh. B. Schmidter
Kolonialwaren / Saalbauſiraße 41
Meinen werten Gäſien, verehrl.
Kundſchaft, Freunden u. Bekannten
herzl. Glückwünſche
zum neuen Jahre. (*2
Frau Joh. Heiſt, Wwe.
Gaſthaus zum Kaiſer Friedrich,
Nieder=Ramſtädter Straße 71.
Meinen werten Kunden,
Freunden und Bekannten
die berzlichſten
Glückwünſche
zum neuen Jahr!
Hans Kappel
Kahlertſiraße 31 (161
Herzlichſten Glückwunſch
zum neuen Jahr! (154
Familie Grobe
Brauerei zum Erbacher Hof
Unſeren werten Gäſten,
Freunden und Bekannten ein
herzliches
(197
Proſit Neujahr!
Familie Brugal
Spaniſche Bodega „Zum Palais”
Unſerer werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten ein herzliches
„Proſit Neujahr”
474
wünſchen
Wilh. Schimpf. Schneidermeiſter
und Frau
Traiſa b. Darmſtadt.
Unſeren geehrten Kunden, Freunden
und Bekannten ſowie der werten
Nachbarſchaft ein
Fahrradhaus Schneider
Darmſtadt, Mauerſtraße 6
Seite 8
Samstag, den 1. Januar 1927
Nummer 1
Vrk
Reſtauration zum Odeon
Darmſiadt
Telephon 92
Marienplatz
Unſeren lieben Gäſien, Freunden, Nachbarn
und Gönnern
(166
ein herzliches Proſit Neujahr!
Albert Rouſſel und Frau.
Meiner werten Kundſchaft und Verwandten
ein glückliches neues Jahr!
Flaſchenbier-
Georg Herth u. Frau handlung
Mineralwaſſerfabrik, Stiftſtr. 89, Darmſtadt.
P3
Rt
129
X
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Gönnern ein
Glückliches Neues Jahr!
* Heinrich Lohr und Familie
*
Fuhrunternehmung — Spedition
Bier= und Mineralwaſſer=Oepot
Telephon 1782 — Nieder=Ramſtädterſtraße 20.
*
Pt
Saalbau=Reſiaurant
Albert Schmitz
Bekannt
für gute und preiswerte Küche
Zuden Feiertagen ausgewählte Menüs
He lbutt, Reh, Wildſchwein
(152
Im Ausſchank das weltberühmte
St. Benno=Bier
aus der Aktienbrauerei „zum Löwenbräu” in München
Kh
Meiner werien Kundschaft
Freunden und Bekannten
Viel Glück
zum neuen Jahrel
Bäckerei Steinmetz
Gutenbergstraße 54
(169)
G
Unſeren werten Gäſten, verehrlichen
Kundſchaft, Nachbarſchaft, ſowie
Verwandten und Freunden
die herzlichſten
Glückwünſche
zum neuen Jahre!
Wilhelm Nagel
und Familie (167
Obſtweinkellerei u. Kelterei=Ausſchank
22
K
Meiner werten Kundſchaft,
Verwandten, Freunden und
Bekannten
die beſten Wünſche
zum Jahreswechſel
Karl Vogt
Spedition, Auto=Transporte
Fuhrgeſchäft
(192
Magdalenenſtr. 15 Telephon 2040
Karagaaaaagagg
Meinen werten Gäſten, Freunden
Bekannten und Bewohner der
Villenkolonie ein herzliches
ProſitNeujahr!
Café Henn
Villenkolonie Eberſiadt, Tel. 497.
(206)
RAN—
NG
Kühler Grund
im herrlichen Mühltal
von Eberstadt 25 MInuten
Unseren werten Gästen
ein gesundes
Meiner werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten ein glückliches
Neues Jahr
W. Wagner
Ochſenmetzger (18
Maihildenplatz 3 Teleph. 863
Knaagaagg
Unserer
werten Kundschaft
Freunden u.
Bekann-
ten die herzlichsten
Glückwünsche zum Jahreswechsel
Helnrich Schwarz
und Frau
Butter-und Käse-
Spezialgeschäft,
Gra-
fenstraße 27. (183
212
Unſerer verehrlichen Kundſchaft
Freunden und Gönnern
die herzlichſten Wünſche
zum Jahreswechſel
Kronenbrauerei
Gebrüder Wiener, Darmſiadt. Zum Jahreswechſel
allen Kegelſchweſtern und Kegelbrüdern die herzlichſſen.
Glück=u. Segenswünſche
Mtftfiltlfuftultultf
UAüfduttt
mit dreifach kräftigem „/Gut Holz”,
Darmſtädter Keglerverband
Der Vorſtand
(241
K oooogooeooooeooooeooeooee Unserer verehrten Kundschaft
Freunden und Gönnern
wünschen ein
glüokliohes neues Jahr!
Wilh. Kübler
Hax Krechel
Hein ſchstr. 113
Ble Rledeselstraße
Soooeooooeoesooeoooooeoo Allen meinen Stammgäſten, Freunden
und Gönnern, ſowie werter Nachbarſchaft
ein glückliches
MEUES TAHR!
Darmſiadt, Silveſier
(153
Philipp Trautmann
Gaſtwirt, Blumentalſtraße 51
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
ein glückliches
neues Jahr!
Friedrich Gutfreund u. Frau
elektr. Anlagen, Wilhelminenſtr. 52.
(187)
EicMfff3
X. Meiner werten Kundſchaft, allen
Bekannten
ein kräftiges
Proſit Neujahr
Wilhelm Dreßler
neues Jahr
Metzgermeiſter und Frau
Fuhrmannſtr. 4
August Illig u. Frau RRR
OOP
Allen werten Gäſien, Freunden
und Bekannten
ein herzliches
„Proſi Neujahr!”
Familie Georg Chrift
„Kaiſerſaal”
(186)
Kraggggg.5
Meiner werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten wünſcht
ein geſundes, frohes
Neujahr!
Firma
Wilhelm Schwinn
Spedition, Möbeltransport
Darmſiadt
Kirſchenallee 86 * Telephon 3180
Büro:
Weiterſtädterſtraße 35
(170)
DOTA
K
zum neuen Jahre!
Familie Otto Rau
Beſſunger Turnhalle
(450
vennaninnnnnnnnnnnnnnzä
O
Meiner werten Kundſchaft, ſowie
Nachbarſchaft, Freunden und
Bekannten
ein kräffiges
ProſitNeujahr!
Peter Sauer,
Bäckermeiſter
Schuſiergaſſe 12 (191 D
KKKR
Herzliche Glückwünſche
zum neuen Jahr
allen Gäſien, Bekannten und
Gönnern.
Sport=Ca’é=Reſtaurant
Beſ. Jak. Herrmann
Mühlſiraße 36 Am Meßplaßz
(174)
4
KRRPR
Allen unſeren werten Kunden
und Gönnern wünſchen wir
auf dieſem Wege ein
glückliches neues Jahr!
Hans Will
Metzgermeiſier
Karlſiraße 119 Telephon 3225
Karnrn
zum neuen Jahr!
ooé
Gebrüder Lang
Möbel= Parkett= und Bauſchreinerei
Darmſtadt (185
Mühlſtraße 26 * Telepbon1433
ooooeeeoooe
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Martin Fiſcher und Frau
Kolonialwaren und Feinkoſt
Moosbergſiraße 49 Telephon 2816
1175
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten die
herzl. Glückwünſche
zum Jahreswechſel
Aug. Koeltgen (150
Elektrotechn. Inſtallationsbüro
Georgenſtraße 3. Fernruf 2267.
A
Allen meinen werten Kunden,
S Freunden und Bekannten ein
Friedr. Gutfreund
Wilhelminenſtr. 52
Ecke Karlſtraße
Tel. 962 =
Meiner verehrten Kundſchaft
Freunden und Bekannten die
herzlichſten
Gluawunſche
zum
Jahreswechſel!
Georg Reeg
Metzgermeiſter 4 Grafenſtraße
(171)
Wünſche allen meinen
Gäſien, Freunden und
Bekannten ein kräftiges
Proſit Neujahr
Familie H. Reichert
Maxim=Weinreſiaurant
Dssrr
Unſerer werten Kundſchaft
zum Jahreswechſel
die beſten
Glückwünſche!
Albin Schurig und Frau
Spezial=Reparatur=Anſtalt für
Autobereifung
Hügelſtr. 89 (Ecke Landgr.=Phil.=Anl.)
und Waldſt aße 50. (184
Unſerer werten Kundſchaft und
Bekannten
herzlichen Glückwunſch
zum neuen Jahr
Karl Zahrt und Frau
Bauſpenglerei — Inſtallation
Marſtallſtraße s. (198
Unseren lieben Gästen und
Bekannten ein kräftiges
Prosit Neujahr!
Mkänufuft
In
MünchenerHofbräu
Frau M. Baumann
(151
2932-23-222lsccege——-
Allen Verwandten, Freunden und
Bekannten, ſowie meinen verehrten
Gäſten und Nachbarn
die herzlichsten
Glückwünsche
zum Jahreswechsel!
Reſtauration zum Deutſchen Sof
Adam Wolk
Obſt= und Beeren=Kelterei
Waldſtraße 23 (165
99
Allen meinen verehrten Gäſien,
Freunden und Bekannten
ein glückliches
Neues Jahr!
RheingauerWeinſtube
Beſ.: H. Moos (164
Knnnmnnn mrn
Unſerer werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
die herzlichſiten Glückwünſche
zum Neuen Jahr!
Familie Georg Willenbückzer
Schreinermeiſter
Telephon 2198
Herdweg 6
189
Oe
Autobus ab Weißen Tarm
230
1200
506 700 1030
dach
209
Hotel Aufnagel, Seeheim
Jahres-Ende vom 31. 12. bis 2. 1. 27. 15 Mk
Silvester-Mausball mit Cabarett
Venjahr großes Diner,
Tages-
restauration — Nach Schluß Autobus
Telephon 4 (Dauerverbindung).
Hotel Hufnagel, Seeheim
entbieten
den werten Gäſten
„Geſegnetes Neujahr”
Nummer 4
Samstag, den 1. Januar 1927
Seite 9
G 2
Meiner werten Kundſchaft
Gläckliches neues Jahr!
2. Hochbaum, Darmſtadt
53 Canggaſſe 33 Textil=, Wäſche=
Telephon 835 und Wollwaren
(182)
da
O5
Unſerer werten Kundſchaft,
ſowie Freunden und Bekannten
Friedr. Matthes und Familie
Saalbauſtr. 61
Metzgerel
(181)
AKKH
Unſerer werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten (10
die beſtenGlückwünſche
zum neuen Jahr!
Fam. Phillpp Scheerer. Metzgermeiſter
Meiner werten Kundſchaft, allen
Freunden, Verwandten u. Bekannten
herzlichſte
Glückwünſche
zum Jahreswechſel
wünſcht Metzgermeiſter (urs
Philipp Jung und Frau
Ver
Meiner werten Kundſchaft, ſowie
allen Bekannten und Gönnern
die beſten Glückwünſche
zum neuen Jahr!
Kolontalwaren= u. Kartoffelhandlung
Ph. Germann
Karlſtraße 63½ (177
022
t te
„Zum Hefſiſchen Haus”
Tel. 1826 Darmſiadt Tel. 1826
Ecke Grafen= und Waldſtraße
Meiner werten Nachbarſchaft
Gäſſen und Bekannten ein herzliches
Proſit Neujahr!
Familie Friedrich Rummel
(176)
desestsssss 244ssssessst
AR
Meinen werten Gäſten,
Freunden und Bekannten
die beſten Glückwünſche
zum neuen Jahre!
(188
Familie Georg Imhof
Geſthaus „Goldener Hirſch”
Aa44
Reſtaurant Ehrhardt
— Woogsplatz 6—
Unſeren werten Gäſien, Freunden und
Gönnern ein kräftiges (155
ProſitNeujahr!
Ludwig Ehrhardt und Frau
Unſeren werten Kunden und Gäſten
(172
ein kräftiges
ProſitNeujahr!
Reſtauration
zum„Palaisgarten”
Familie Heinrich Bangert
Saalbauſiraße 37
Wünſche allen meinen Abonnenten ein
Glückſeliges Neujahr!
Agent Mathies Schöpf
Hirſchhorn (eio
194
Unſerer
verehrlichen Kundſchaft
die beſten
Glückwünſche
zum neuen Jahr
Familie Karl Kämmerer
Spenglermeiſſer=Pareusſtraße 10
Meiner werten Kundſchaft.
Ver=
wandten, Freunden und Bekannten
ein glückliches
neues Jahr
Familie L. Eberhardt
Möbelſpedition, Laſiautoverkehr
Holz= und Kohlenhandlung
Forſtmeiſterſtr. 14 Telephon 685
(33992
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten ein
geſegnetes
neues Jaht.
Bäckerei Frutig.
(*33981
O
Anſeren werten Stammgäſten,
Zereinen und Bekannten
die herzlichſten.
Glüt= u. Segenswünſche
ſum neuen Jahre!
K. Heidenreich und Frau
Reſt. Rummelbräu (207
Meinen urten Kunden, ſowie Freunden
die herzlichſten
Glickwünſche
zm neuen Jahre (204
Siedrich Stelz
Zigarren/Zigaretten und Tabak
Darmſpt, Eliſabeihenſtraße 56
Grieshe) b. D., Ludwigſtraße 45
*
Unſeren
ſowie
Kf
en Kunden und Gäſten,
unden und Bekannten
zumFahreswechſel!
Fami!1
Grafenl
Lebensmit
Karl Wagner
* Telephon 1632
Frühſtücksſtube
W
Unſerer werten Kundſchaft
und Bekannten
Herzlichen Glück= und
Segenswunſch
zum neuen Jahr!
Frau Peter Hoffarth, Wtw.
Eduard Illert und Fran
Schweinemetzgerei Kaſſnoſtraße
(*33877
Freunden und Bekannten ein
Proſit Neujahr!
Franz Liepert
Hotel Einſiedel b. D. / Telephon 44
Gleichzeitig geben wir bekannt,
daß unſ. Geſchäft während des ganzen
Jahres geöffnet iſt, und emp ehlen
unſere Säte für größere und kleinere
Geſellſchaften
(*34066
HIR
O
Meine werten Gäſten,
Freun=
den und Bekannten
herzlichen Glückwunſch
zum neuen Jahre!
philipp Ganßmann und Frau
Café an der Hochſchule
Hammmmmmmm mmmn mnnnnrnmng
Unſeren werten Gäſten, Freunden und
Bekannten ein
Profit Neujahr!
Familie Heinrich Speier
Frankfurterſtraße 37. (*31033
Unſeren werien Kunden, Freunden
und Bekannten
die herzlichſten
Glückwünſche
zum neuen Jahr!
Conſiantin Meß und Frau
Metzgermeiſter Telephon 1686
162
Meinen verehrten Gästen,
Freunden und Bekannten
ein glückliches
neues Jahrl
Familie d. Schnauber
(Perkeo)
453
Unſerer werten Kundſchaft
die herzlichſten
Glückwünſche
zum neuen Jahr!
C. Boſſler 8 Co.
Radiovertrieb
Kirchſtraße 17
253
Allen Freunden, Gäſten und Bekannten
herzlichen Glückwunſch
zum neuen Jahr! (451
Familie Hofferbert
Schloßbierhalle Marktplatz
5
K
Meiner werten Kundſchaft
ſowie allen Freunden
und Bekannten
die herzlichſten
Glück= und Segenswünſche
zum neuen Jahr
Ludwig Roßmann und Frau
Metzgermeiſter. (33917
OR
Meiner werten Kundſchaft
Freunden und Bekanntenſchaft
wünſchen wir ein herzliches
Familie Seeger
Viktoriaſtraße 32(z4004
O24
O
Meiner werten Kundſchaft,
Gäſten, Freunden und Bekannten
ein
glückliches neues Jahr!
Konditorei und Café Krämer
Mauerſtr. 1. (479
o0
Meiner geſchätzten Kundſchaft, ſowie
Freunden und Bekannten
ein frohes neues Jahr
wünſcht
L. Spengler und Familie Eckle
Inſtallation (*76
Darmſiadt, Tannenſtr. 5.
soooeloeooooeO
Oooeoooo
Die
erzlichſten Glückwünſche
zum neuen Jahr!
Kelterei Heberer
Meſſel.
(475
7
Z.
3
Anſerer werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten ein herzliches
Proſit Neujahr!
Frau u. Sohn H. Volz
Holz= und Kohlenhandlung
Herzliche
Neujahrswunſchen Gläckwünſch
ſende meiner werten Kundſchaft ſowie
zum neuen Jahr
Freunden und Bekannten
Phil. Maul
(203
Spenglerei u. Inſtallationsgeſchäft
Weinbergſtraße 36‟
Telephon 974,
Wünſche meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten viel
Glück im Neuen Jahr!
J. Oßwald, Schuhmachermeiſter
Nieder=Ramſtädterſtr. 71, 1. St.
(e34063)
Ka
Unſeren werten Gäſfen, Freunden u.
Bekannten wünſchen wir ein
herzliches
Proſit Neujahr!
Familie Jakob Rummel
Metzger und Wirt
Zur Harmonie Eliſabethenſfr. 26.
(*34062
A 0
Herzlichen Glückwunſch
zum neuen Jahr! (34038
Familie Moritz Kaſt.
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
ein herzliches
Proſt ueujahr!
Ludwig Landzeitel
Inſtallationsgeſchäft
Arheilgerſtraße 58. (*34017
m Da
R6
Meiner werten Kundſchaft
wünſche
ein glückliches
Neues Jahr!
Maſchinenſtrickerei Bürner
Blumenthalſtraße 43, 1. St.
234008)
K 5nf
5
K
Meinen werten Gäſten, Freunden
und Bekannten
ein glückliches
neues Jahr!
W. Brauer
Brauerei=Ausſchank „Zur Krone‟
Schuſtergaſſe 18 444
So
aa
oo4
OP
Allen werten Gästen, Freunden
und Bekannten 443
ein herzliches
Prosit Neujahrl
Familie Ed. Barth
zum Chausseehaus
Mieder-Ramstadt
5
O
Herzl. Glückwunſch
zium
neuen Jahr!"
Meiner verehrten Kundſchaft
ein kräftiges 150
ProſitNeujahr!
Heinrich Boßler u. Familie.
Karlsſtraße 40/42
—7
Of
Meiner werten Kundſchaft, Freunden
und Bekannten (160
herzliche
Fam. Friedr. Schiller
Spenglerei u. Inſtallationsgeſchäft
Tannenſtr. 7 Tel. 2207 Weinbergſtr. 14
gooooe oooeoeoeoooeooooe
Meiner werten Kundſchaft die
beſten Wünſche
zum Jahreswechſel!
(439 Bäckerei Drönl
Nieder=Ramſtädterſtr. 34
Ooeoooeo
Doooo oo
oo
2
O
Unſeren werten Kunden und
Bekannten ein herzliches
Proſit Neujahr!
Willke 8 Co.
Butter=, Käſe=, Eier und
Feit=
warengroßhandlung. (440
m 7
O
Unſeren werten Gäſien,
Nachbarn und Bekannten
herzliche
Glückwünſche
zum neuen Jahr
Adam Treuſch (488
Heinrichſtraße 104
O
Aaa2
Unſerer werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
herzlichen Glückwunſch
zum neuen Jahre
Johannes Egaer und Frau.
Metzgermeiſter
Karlſtraße 46 (490
VHLHngn
Meinen verehrten Gäſten,
Freunden und Bekannten
ein kräftiges (16s
Ph. Bachmann u. Frau
Kurhaus Trautheim
O
Wünſche meiner werten Kundſchaftein
Proſit Neujahr
Metzgermeiſter
Adolf Spiegel und Frau
Ludwigshöhſtr. 37. (34072
O 0
Meiner verehrien Kundſchaft
Freunden und Bekannten
viel Glück
zum Jahreswechſel
Wilhelm Barth und Familie
Kondſtorei und Café
(200)
H
O
Unſerer werten Kundſchaft
wünſcht ein
Valentin Wagner
Brauerei zum golduen Anker /8 Felsbergſraße 77 Fermruf 2170
An4
P. Weber und Familie
Metzgerei
Seite 10
Gamstag, den 1. Januar 1927
Nummer 1
Herzliche
Glückwünſche
zum neuen Jahre!
Anton Fiſcher
Adler=Drogerie
Verfreter des Norddeuiſchen Lloyd=
509
Ein neues Jahr! Was wird es bringen?
Wir wiſſen’s nicht! In allen Dingen
Nimmt’s Schickſal ſeinen Cauf!
Doch eins ſieht feſt: Der gute Ruf,
Den „Michel” ſich ſchon lange ſchuf,
Erhalten bleibt, Glückaut!
Allen
525
lieben Menſchen
ein glückſeliges neues Jahr!
Kohlen=Walter
Spezialität: „Michelbriketts”
Prosit
Neujahr!
Jakob Gnüll und Frau
Schlachthof-Restauration
Gg. Dintelmann Ww.
Ecke Kleine und Große Ochſengaſſe
wünſcht allen Verwandten, Freunden
und Belannten ein recht geſegnetes,
glückliches neues Jahr
und empfiehkt ſich gleichzeitig mit der
Belleferung von (*86
la Fleiſch= und Wurſtwaren.
O46
Wir wünſchen allen unſeren
werten Gäſten und Bekannten
eingutes neues Jahr
Fr. Hoth Witwe (520
Reſt. zur Kraftsruhe
Unſeren verehrten Gäſten und
Bekannten
ein kräftiges
Proft Teujaht!
Wilh. Ort u. Fr. Riebel
und Familie
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mit anſchließendem
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im großen Feſtſaal.
941
Glückliches neues Jahr
wünſcht ſeiner werten Kundſchaft ſowie
allen Freunden und Bekannten /90
Familie Wilhelm Fendt
Kartoffel= und Fouragehandlung
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Unſeren werten Gäſſen, Freunden,
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ProſitNeujahr!
Traiſa, den 1. Januar 1927.
Familie Walter
„Heſſiſcher Hof” (zuo
Meiner werten Kundſchaft, Freunden
Meiner werten Kundſchaft,
Bekannten, Freunden und
Gönnern
Zum Jahreswechſel!
Meiner hochverehrten Kundſchaft
ſowie Bekannten (557
die herzlichſten Glück=
und Segenswünſche
zum neuen Jahr!
Familie E. Petzinger
Zimmergeſchäft und Schreinerel
Heidelbergerſtr. 108½ , Tel. 3965
und Gönnern
eingeſundes neues Jahr!
Gg. Gils, Arheilgen
Schokoladengroßllandlung.
Meiner verehrt. Kundschaft
Freunden und Bekannten
ein glückliches
neues Jahr
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Konditormeister 52a
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und in Handarbeiten ſowie Weiterbildung in
Schulfächern. Jahreskurſe in 2 Klaſſen;
Klaſſe 4: für 14—17jährige, Klaſſe B: für
ſunge Mädchen über 17 Jahre. Beginn des
neuen Schuljahres: 2. Mai 1927. Satzungen
und Auskunft gegen (Einſendung von 30 Pfg.
durch die Anſtaltsleitung
Badiſcher
Frauenverein vom Roten Kreuz / Karlsruhe
(Candesvorſtand)
(4692
Meinen werten Kunden, Freunden
und Bekannten
zum Jahreswechſel
die herzlichſten Glück=
und Segenswünſche!
herzliche
Glückwünſche
zum neuen Jahr!
Meiner werten Kundſchaff, Freunden
und Bekannten ein herzliches
profit Neujahr!
Friedr. Keßler, Metzgermſtr.
(*87
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Helur. Mattheß und Familie
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108
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(e102
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Anſerer werten Kundſchaft und
Freunden
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Konditorei Hecker
Inb. Hugo Löblein 547
Soderſtraße 2.
Unſerer werten Kundſchaft die herzlichſten
Glückwünsche
zum
neuen Jahrel
Meiner werten Kundſchaft,
Freunden und Bekannten
ein glückliches
neues Jahr
wünſcht
Franz Pfeffer u. Frau
Spenglerei und Inſtallationsgeſchäft
Tel.4041 Gr. Kaplaneigaſſe 53
(284
zum Jahreswechſel
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und Bekannten die herzlichſien
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Karl Scheerer u. Frau
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Telephon 2062 : Gegründet 1892. (*26
Geſunder Schlaf
iſt nach des Tages Arbeit und Mühſal
ohne Zweiſel das beſte Labſal. Viele
müſſen ihn in unſerer Zeit entbehren,
weil ihre Nerven auch des Nachts
nach des Alltags Anſtrengung und
Un=
raſt keine Ruhe zu finden vermögen.
Wollen Sie ruhigen, ſtärkenden Schlaf
und dadurch im wahrſten Sinne des
Wortes Verlängerung Ihres Lebens, ſo
trinken Sie allabendlich vor der Nachtruhe
das altberühmte Köſtritzer Schwarzbier.
Das echte Köſtritzer Schwarzbier iſt erhältlich bei
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precher 1244, Bierhandlung Oſtertag, Darmſtadt,
Hügel=
ſtraße 27, Fernſprecher 2468, und in allen durch Platate
kenntlichen Geſchäften.
(I Bln 217
Nummer 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Geite 11
Verkehrsregelung auch in der Luft.
„Lüwa”, die Luftüberwachungspolizei Deutſchlands.
Deutſchlands modernſte Poſtanſtalt. — Die ſchalterloſe
Poſt in Potsdam.
zlick in den Schalterraum des Potsdamer Poſtamtes nach dem ſoeben beendigten Umbau.
DiePotsdamer Oberpoſtdirektion hat mit der Einrichtung des neuen Schalterraumes einen
gewitigen Fortſchritt im Intereſſe des Publikums getan. Ganz offene, banbmäßige Schalter,
mur urch Glaswände voneinander getrennt, erlauben für Beamte und Publikum freien Blick
übewen ganzen Raum und nehmen beiden Teilen jede Ermüdung, die ein Warten und
Ver=
hantln vor und durch enge Schalterfenſter mit ſich brachte. Eine praktiſche Neuerung ſtellen
auch die Schreibpulte mit Sitzgelegenheit dar.
Oben: Kontrolle des Führerſcheines. — Unten: Die Anforderung der Starterlaubnis.
Auf 16 deutſchen Großflughäfen ſind nach und nach Luftpolizeireviere eingerichtet worden,
amt=
lich Flugwachen genannt, von denen aus der Luftverkehr polizeilich geregelt wird. In dieſen
Flughäfen übt die Polizei die geſamte Flugüberwachung aus. Unſere Aufnahmen zeigen das
Tätigkeitsfeld der „Lüwa” auf dem Flughafen Tempelhofer Feld in Berlin. Die Beamten, die die
Uniform der Schupo tragen, regeln auch vom Luftverkehrstrm aus den Flugverkehr.
Reich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
Mttwoch nachmittag iſt in Marburg im 81. Lebensjahre Prof. i. R.
Richay Lambert geſtorben. Er lebte dort im Ruheſtand und war
früher Profeſſor an der ehemaligen Akademie für Sozial= und
Han=
delswienſchaften, jetzt Univerſität Frankfurt a. M. — Mittwoch
nach=
mittagſtieß auf der Offenbacher Landſtraße ein Auto mit einem
Koh=
lenwaen zuſammen. Der Chauffeur wurde durch Glasſplitter ſo ſchwer
verletz daß er ins Hoſpital verbvacht werden mußte. — Der vor kurzer
Zeit nch Frankfurt a. M. verſetzte Regierungsrat Wollenburg wurde
vom Liniſter des Innern zum Oberregierungsrat befördert. — Der
ſeiherie Leiter der Abteilung I des Polizeipräfidiums, Regierungsaſſeſſor
Dr. Pkel, wird ab 15. Januar nach Köln verſetzt. — Wegen
fahr=
läſſier Körperverletzung verurteilte der Einzelrichter den
Kaufman Arthur Bomm zu 30 Mark Geldſtrafe. Der Angeklagte fuhr
im Setember mit einem Motorrad, auf deſſen Soziusſitz ein junger
Mann Tlatz genommen hatte, auf der Landſtraße von Eſchborn nach
Rödelhe in voller Wucht in einen ſich in gleicher Niehrung bewegenden
Pritſchewagen, wodurch Bomm ſelbſt, ſein Beifahrer und zwei Leute,
die aufdem Wagen ſaßen und durch den Anprali heruntergeſchleudert
wurden, mehr oder weniger ſtark verletzt wurden. Die Fahrläſſigkeit
beſtand arin, daß der Angeklagte zu ſchnell gefahren iſt. — Mit ſeinem
Fuhrwer kam der Fuhrmann Sprottler an einem Septembernachmittag
aus der kudolfſtraße und bog in die Mainzer Landſtraße ein, ohne ſich
vorher z verſichern, ob die Strecke frei war. Ein Straßenbahnwagen
der Linie 12 ſtieß mit dem ſchwer beladenen Wagen zuſammen. Ein
Knabe wrde verletzt. Das Kleine Schöffengericht verurteilte den
bis=
her unbeſholtenen Angeklagten wegen fahrläffiger Körperverletzung zu
100 Mk. ſeldſtrafe. — Mittwoch nachmittag gegen 5 Uhr wurde
ober=
halb der obermainbrücke eine unbekannte weibliche Leiche mit rötlichem
Haar (Buikopf) aus dem Main geländet. Die Leiche wurde nach dem
Sachſenhäuer Friedhof verbracht. Die inzwiſchen eingeleiteten
Nach=
forſchunger haben ergeben, daß es ſich um die Wjährige Lageriſtin
Martha Wihrauch, die vor einigen Tagen als vermißt gemeldet wurde,
handelt. Jas Mädchen dürfte aus Liebeskummer freiwillig in den Tod
gegangen ſin. — Ein ſchwerer Junge feſtgenommen. Am
Weihnachtsag wurde in einer Schuhfabrik im Stadtteil Oberrad ein
ſchwerer Eibruch verübt, bei dem 26 Pgar halbfertige Kinderhalbſchuhe
und Herreihalbſchuhe geſtohlen wurden. Der Offenbacher Polizei, die
ſofort benacrichtigt wurde, iſt es jetzt gelungen, den Täter in der
Per=
ſon des D2ichrigen Arbeiters Friedrich Mettler, der gegenwärtig ohne
feſte Wohnuig iſt, feſtzunehmen. Inzwiſchen hat ſich herausgeſtellt, daß
der Polizei nit der Feſtnahme des Mettler ein guter Fiſchzug gelungen
iſt. Mettler hat zuſammen mit einem Komplizen, der der Polizei
eben=
falls bekann) aber noch nicht gefaßt iſt, in der Provinz Starkenburg
eine ganze Serie von ſchweren Einbruchsdiebſtählen verübt. Zugegeben
hat er bis itzt zwei Einbrüche in Dieburg (im Kreisamt und in der
Realſchule) und vier weitere Einbrüche in Altheim bei Dieburg, und
zwar im Pfawamt nud bei drei weiteren Einwohnern. U. a. wurden dabei
geſtohlen vier Schinken, Wäſche, Kleidungsſtücke, Fruchtwein und
an=
deres. — Die Handwerkskammer=Nebenſtelle teilt mit, daß ſie ab 1.
Ja=
nuar ihre Gſſchäftsräume nach dem Handwerkerhaus, Braubachſtraße,
verlegt. — Exploſionsunglück bei der Herſtellung von
Feuerwerlskörpern. Bei dem Verſuch, Feuerwerkskörper
her=
zuſtellen, expbdierte in der Wohnung des Werkmeiſters Weppler in
Rödelheim eite Flaſche, in der ſich ein Gemiſch von Sprengſtoffen
befand. Dem Sohn des Werkmeiſters wurde die rechte Hand
fortge=
riſſen. Er tug außerdem ſchwere Brandwunden davon. Polizei
be=
ſchlagnahmte hrauf mehrere in der Wohnung befindliche Behälter mit
Pulvermiſchunten und brachte ſie aufs Revier. Dort explodierte der
Inhalt eines ſtäſtchens. Dem Polizeiwachtmeiſter Daube wurden drei
Finger der recſten Hand fortgeriſſen.
Schweres Unglück im Walde.
WSN. Fulda. Geſtern nachmittag ereignete ſich im
Gemeinde=
walde bei Mackenzell beim Holzfällen ein ſehr ſchwerer Unglücksfall.
Der 24jährige Arbeiter Makarius Kauf wurde von einem ſtürzenden
Baumaſt erſchlegen. Ein weiterer Holzfäller, der 31jährige verheiratete
Johann Scheich, wurde ebenfalls von dem ſtürzenden Stamm getroffen
und erlitt einen doppelten Oberſchenkelbruch und ſchwere Verletzungen
am Kopf. Der Verunglückte wurde im Fuldger Londkrankenhaus
ein=
geliefert.
Myſteriöſes Brandunglück.
fm. Karlsruhe. Vorletzte Nacht wurde in einem
Zigarren=
geſchäft in der Kronenſtraße ein Brand bemerkt. Eintretende
Polizei=
beamte fanden die 54 Jahre alte Frau des Ladeninhabers, durch
Brand=
wunden ſchwer verletzt, in bewußtloſem Zuſtande vor und ließen ſie
nach dem Krankenhaus verbringen, wo ſie ſich noch in Lebensgefahr
be=
findet. Die Feuerwache löſchte den Brand. Die Feſtſtellungen über die
Arſache des rätſelhaften Vorkommniſſes ſind noch im Gange.
Grr
50 Jahre Reichsjuſiizamt.
Das Gebäude des Reichsjuſtizminiſteriums.
Das Reichsjuſtizamt kann nunmehr auf ein 50jähriges Beſtehen
zurückblicken. Es wurde nach der Gründung des Deutſchen Reichs
konſtituiert und bedeutete den erſten Verſuch, die Verwaltungen
der einzelnen Bundesſtaaten im Reiche zuſammenzufaſſen.
Dem Miniſterium ſtanden ſeit ſeiner Gründung bisher 21 Beamte
vor, und zwar 8 Kaiſerliche Staatsſekretäre und 13 Miniſter
der Republik.
Acht Jahre Zuchthaus für ein Wildweſt=Abenteuer.
fm. Karlsruhe. Vor dem Großen Schöffengericht kam ein ſtauk
an Wild=Weſt erinnernder Raubüberfall zur Verhandlung, der am 23.
Juli ds. Js. am hellen Mittag auf der Landſtraße von Raumünzach nach
Nußbach im Schwarzwald von dem 29 Jahre alten, bisher unbeſtraften
Bergarbeiter Joſef Jablonſki aus Neubabelsdorf (Oſtpreußen) und dem
26 Jahre alten Zuchthäusler Stefan Damm aus der Bühler Gegend
ausgeführt wurde. Den Räubern war bekannt, daß der Bäckermeiſter
Warth aus Forbach mit ſeinem Auto mit 6000 RM. Lohngeldern für
eine Nußbacher Firma an dieſem Tage die Straße paſſieren mußte. Bei
einer einſamen Stelle im Hochwald legten ſie einen Baumſtamm quer
über die Straße, durch den ſie das Auto des Bäckers zum Halten
zwan=
gen. Die mit über den Kopf gezogenen ſchwarzen Strümpfen
vermumm=
ten Burſchen ſtürzten ſich auf den Ahnungsloſen und zwangen ihn mit
vorgehaltenem Revolver zur Herausgabe des Geldes, worauf ſie das
Weite ſuchten. Die Beute wurde teils in Hamburg und teils in
Karls=
ruhe bei Alkohol und Weiblichkeit verjubelt, bis nach einigen Tagen die
Verhaftung der Räuber der zweifelhaften Herrlichkeit ein Ende bereitete.
Damm hält noch einen Betrag von rund 2000 RM. verſteckt, die er aber
erſt in acht Jahren, wenn er die gegen ihn erkannte Zuchthausſtrafe
verbüßt haben wird, abholen kann, vorausgeſetzt, daß die Geldzeichen
bis dahin noch im Umlauf ſind. Sein Komplize, der ſeine
Freiſpre=
chung (!) beantragte, wurde inſofern ſchwer enttäuſcht, als ihm das
Ge=
richt fünf Jahre Zuchthaus zudiktierte; beiden wurden außerdem die
Ehrenrechte auf zehn bzw. fünf Jahre aberkannt.
Ehrengabe für das Berliner Meſſeamt.
Die Preußiſche Staatsregierung hat dem Berliner
Meſſe=
amt als Dank für ſeine großen Verdienſte bei Vorbereitung und
Durch=
führung der „Großen Polizeiausſtellung Berlin 1926” eine
Ehren=
gabe in Form des großen Staatspreiſes der Polizeiausſtellung
über=
mittelt.
Einheitstarif für die Berliner Verkehrsunternehmen.
Berlin. Im Berliner Magiſtrat iſt eine Denkſchrift ausgearbeitet
worden, die Vorſchläge für eine Verkehrsvereinheitlichung in der
Reichs=
hauptſtadt enthält. Sie ſieht uter anderem die Einführung eines
Ein=
heitstarifes ſür die Berliner Verkehrsunternehmungen vor. Die
Vor=
arbeiten ſollen nach Möglichkeit ſo gefördert werden, daß der Magiſtrat
der Stadtverordnetenverſammlung bereits Mitte Januar eine
ent=
ſprechende Vorlage unterbreiten kann.
Am 11. Januar Barmat=Prozeß. — 14 Angeklagte.
Berlin. Wie wir erfahren, beginnt der Barmat=Prozeß nun doch
am 11. Januar im Großen Schwurgerichtsſaal in Moabit. Unter der
Anklage der aktiven und paſſiven Beſtechung, des Betruges und des
Vergehens gegen das Aktiengeſetz haben ſich Julius und Henry
Barmat. Direktor Rabinowicz, Direktor Staub von der
Berlin=Burger A.=G., Rechtsanwalt Staub, der im Aufſichtsrat dieſer
Geſellſchaft ſaß, Oberfinanzrat Hellwig, der frühere Abgeordnete
Lange=Hegermann, Generaldirektor Walter, Verſicherungsdirektor
Hahlo, Geſchäftsführer Bruno Klenzke, und noch einige kleinere
Angeklagte zu verantworten. Die Verteidigung der Angeklagten liegt,
wie jetzt feſtſteht, bei den Rechtsanwälten Bahn, Dr. Alsberg,
Schwer=
ſenz, van Deuren, Juliusburger, Klee und Löwenſtein.
Der Unfall des Kölner D=Zuges.
Berlin. Die Unterſuchung in der Angelegenheit des gemeldeten
Unfalls des Kölner D=Zuges bei Zehlendorf„Mitte hat ergeben, daß an
der Unfallſtelle zwiſchen den Gleiſen ein kleiner Schienentransportwagen
lag. Die Nachforſchningen ſind noch nicht abgeſchloſſen. Sie gehen dahin,
feſtzuſtellen, wie der Schienentransportwagen an die Unfallſtelle
gekom=
men iſt. Der Schaffner des D=Zuges gab bei der Vernehmung an, er
habe beobachtet, daß der Schienenwagen quer über dem Gleiſe lag, das
der Vorortzug paſſieren mußte. Sollte ſich dieſe Augabe beſtätigen, ſo
erſcheint ein Anſchlag nicht ausgeſchloſſen. Es iſt aber ebenſogut möglich,
daß der Wagen durch Nachläſſigkeit dort ſtehen geblieben iſt.
Große Unterſchlagung.
Magdeburg. Nach Unterſchlagung von 25 000 Mark bei einer
hieſigen Privatbank ſind einer Meldung der Kriminalpolizei zufolge
zwei Angeſtellte flüchtig gegangen: der 25jährige Kaſſierer Hans
Mein=
hardt aus Magdeburg und der 22jährige Angeſtellte Rudolf Höme aus
Dresden. Sachdienliche Mitteilungen an die Kriminalpolizei.
Tödlicher Unglücksfall auf dem Hauptbahnhof in Hannover.
Hannover. Als vorgeſtern gegen Mitternacht der Perſonenzug nach
Einbeck in die Bahnhofshalle geſchoben wurde, wollte ein Mann auf
den Zug aufſpringen. Dabei kam er zu Fall und geriet unter die
Räder. Um den Verunglückten befreien zu können, mußte ein Stück
aus dem Trittbrett herausgeſägt werden. Der Mann, der keine
Aus=
weispapiere bei ſich trug, wurde als Leiche geborgen.
Ein Förſter von einem Wildſchwein getötet.
Trier. Bei einer Saujagd in der Gemarkung Eiſenſchmitt (Kreis
Wittlich) wurde ein Förſter von einem Keiler angegriffen und ſo ſchwer
verletzt, daß er ſtarb.
Gasvergiftung auf einem Hüttenwerk.
Düdelingen (Luxemburg). Auf dem Hüttenwerk Düdelingen
entſtrömten beim Nachfüllen eines Hochofens giftige Gaſe. Vier in der
Nähe befindliche Arbeiter, die die Gaſe einatmeten, brachen bewußtlos
zuſammen. Zwei von ihnen wurden gerettet, der dritte war auf der
Stelle tot, der vierte ſchwebt in großer Lebensgefahr.
Verproviantierung der im Schnee ſteckengebliebenen Züge.
Madrid. Die ſtarke Kälte in Spanien hält immer noch an. Die
infolge der Schneewehen in den Schluchten von Albacete
ſteckengebliebe=
nen Expreßzüge ſind noch immer unbefreit. Die Schneekolonnen konnten
nicht durchdringen. Unter den Paſſagieren herrſcht Hunger und Kälte.
Es ſind eine Anzahl Aeroplane geſtartet, die die Reiſenden mit
Nah=
rungsmitteln und Betten verſorgen ſollen.
80 Kurden hingerichtet.
TU. London. Nach Meldungen aus Konſtantinopel hat das
öſt=
liche Unabhängigkeitstribunal 80 Kurden wegen Raub und Mord zum
Tode verurteilt. Die Urteile ſind bereits vollſtreckt worden. Zahlreiche
andere Angeklagte wurden zu längeren Gefängnisſtrafen verurteilt. Im
Plädoyer des Anklägers wurde darauf hingewieſen, daß ſich die
An=
geklagten nach dem Fehlſchlagen des Aufſtandes im Jahre 1925 als die
„unbewegte Familie” des Nationalhelden bezeichnet und das Land
ter=
roriſiert hätten
Geite 12
*Eine Neujahrsnacht im Teleskop.
inf. Der Volksglaube und die Volksbräuche haben der
Silveſternacht den Stempel der Fröhlichkeit und eines
überſchäu=
menden Frohſinns aufgedrückt. Der Eintritt des neuen Jahres
muß unter ganz beſonderen Umſtänden gefeiert werden, und wir
haben uns im Laufe der Jahre daran gewöhnt, daß man Silveſter
irgendwo und irgendwie feiern müſſe, und es überraſcht uns
weder der Ort, noch die Umgebung, wenn wir von einer
beſon=
deren Silveſterfeier hören. Daß aber jemand die Silveſternacht
im Teleſkop zugebracht hat, und zwar mit ſeiner ganzen Familie,
und ſich dabei beſonders gut unterhalten hat, dürfte wohl einzig
daſtehen. Der berühmte Aſtronom Sir William Herſchel
be=
diente ſich zu ſeinen epochemachenden Erfindungen eines
Tele=
ſkops, das ſchon durch ſeine Größe und die Schärfe ſeiner Gläſer
in der damaligen Zeit bekannt geworden war und das alle
opti=
ſchen Inſtrumente weit überragte. Im Laufe der Jahrzehnte war
dieſes Rieſenfernrohr in ſeinen weſentlichen Teilen der Zeit zum
Opfer gefallen, es wurde außer Dienſt geſtellt und nicht mehr zu
aſtronomiſchen Unterſuchungen benutzt. Der gewaltige Tubus,
der durch das ungeheure Gerüſt mit Leichtigkeit hin= und
her=
bewegt werden konnte, erhob ſich jedoch noch immer in der Nähe
von Slough, dem Ort, von dem aus William Herſchel ſeine
aſtro=
nomiſchen Beobachtungen machte. Der nicht minder berühmte
Sohn des großen Aſtronomen, Sir John Herſchel, beſchloß, die
Ueberreſte des Fernrohres zu einem Denkmal für ſeinen Vater
zu verwenden. Als das Ende des Jahres 1839 gekommen war,
ließ er das Teleſkop auseinandernehmen, es blieb ein Rohr von
40 Fuß Länge und einer großen Breite zurück, und dieſer
Ueber=
reſt wurde auf drei ſteinerne Pfeiler in horizontaler Lage
nieder=
gelegt. Dieſes Rohr ſollte nun das Denkmal für den
berühm=
ten Vater werden. Sir John Herſchel beſchloß, das Denkmal
auf eine ganze originelle Art einzuweihen. In der
Neujahrs=
nacht 1839/40 verſammelte er ſeine Frau, die Kinder und die
Er=
zieherin ſeiner Kinder, und ſie beſtiegen das Innere des Rohres,
um hierſelbſt durch ein Familienfeſt die Einweihung des
Denk=
mals zu begehen. Sie hielten ſich von abends 11 bis morgens
3 Uhr in dem Tubus auf, es wurde geſpeiſt, getrunken, und Sir
John Herſchel hatte ſogar ein Lied gedichtet, das von den
Teil=
nehmern geſungen wurde und das in der Ueberſetzung etwa
folgendermaßen lautete:
„Wir ſitzen im alten Tubus gereiht,
Und Schatten umziehn uns vergangener Zeit.
Sein Requiem ſingen wir ſchallend und klar,
Indem uns verläßt und begrüßet ein Jahr.
Fröhlich und luſtbewegt, ſinget, o ſinget,
Daß raſſelnd der alte Tubus eiklinget.
Wohl 50 Jahr trotzt er der Stürme Gewalt,
Nicht beugte der Nord ſeine hehre Geſtalt.
Nun liegt er geſunken, wo hoch er einſt ſtand,
Das ſuchende Auge zum Himmel gewandt.
Fröhlich und luſtbewegt, ſinget, o ſinget,
Daß raſſelnd der alte Tubus erklinget.”
Als die Feſtteilnehmer das Lied um 3 Uhr in dem Innern
des Rieſenteleſkops geſungen hatten, verließen ſie in der
denk=
bar luſtigſten und feierlichſten Stimmung den eigentümlichen
Aufenthaltsort, in dem die Mitglieder einer berühmten Familie
Silveſter gefeiert hatten.
Aufbau der bäuerlichen Wirtſchaft in Sowjetrußland.
EP. Moskau. Die Ausquartierung der ehemaligen
Großgrund=
beſitzer wird gänzlich eingeſtellt. Viele Großgrundbeſitzer, die während
der Revolution nicht ins Ausland geflohen ſind, haben trotz der
Ent=
eignung ihre Güter als Pächter oder als ſtaatliche Verwalter weiter
bewirtſchaftet. Die Zahl der zurückgebliebenen Gutsbeſitzer betrug Ende
1925 insgeſamt 10 521. Anfang 1926 erſchien ein Dekret, auf Grund
deſſen 3948 Gutsbeſitzer enteignet wurden, während ihre parzellierten
Güter entweder freihändig verkauft oder den Kleinbauern übertragen
wurden. Dieſe Aktion hat gerade zwei Jahre gedauert. Stalin will
den gegenwärtigen Status erhalten und den Aufbau der neuen
bäuer=
lichen Wirtſchaften in Angriff nehmen, ohne die Reſte des
Großgrund=
beſitzes zu vernichten
Das Schneewetter in Spanien.
Madrid. Nach 18ſtündigen Bemühungen iſt es gelungen, den auf
der Strecke Madrid—Albgeete eingeſchneiten Zug ſowie, zwei ebenfalls
eingeſchneite Hilfszüge zu befreien. Der Schneefall hält an.
Infolge=
beſſen ſind mehvere Züge auf den Bahnhöfen zurückgehalten worden.
Einige Dörfer ſind durch den Schneefall vollſtändig abgeſchloſſen. Eine
Hilfsorganiſation iſt gebildet.
Großer Juwelendiebſtahl.
London. In einer der letzten Nächte wurden aus der
Juwelenabtei=
lung des bekanuten Wavenhauſes Harrods Schmuckſachen im Werte von
ungefähr 10 000 Pfund Sterling geſtohlen. Die Einbrecher ſind dabei
höchſt geſchickt vorgegangen. Es konnte bisher nicht ermittelt werden,
auf welchem Wege ſie in das Warenhaus eindringen konnten. Sie
ver=
ließen das Gebäude, wo ſie die ganze Nacht ungeſtört „arbeiteten”,
mor=
gens um fünf Uhr und fuhren in einer Autodroſchke davon.
Gegen die Proſtitution in Konſtantinopel.
EP. Die türkiſchen Behörden ſind zur Schließung aller
Tanzlokale der Stadt geſchritten, die als Herd für Ausſchweifungen
betrachtet werden. Die Urſache der Schließung bildet der beunruhigende
Umfang, den die Proſtitution in Konſtantinopel angenommen hat. Die
Nachforſchungen der Polizei haben ergeben, daß eine große Zahl der
Tanzſalons von gewerbsmäßigen Kupplerinnen geleitet werden, die
Minderjährige, auch Schülerinnen, zu heimlicher Proſtitution verleiten.
Die „ausgeliehene” Ehefrau und die Skandalpreſſe=Verordnung.
EP. Auf welche merkwürdigen und zugleich fragwürdigen
Erwerbs=
mittel der Menſch durch die heutigen ſchweren Zeiten gebracht werden
kann, beweiſt die eigentümliche Scheidungsgeſchichte des Londoner
Ehe=
paares Gifford. Ein Ingenieur, Mr. Gifford, heiratete vor etwa ſieben
Jahren ein 19jähriges junges Mädchen, Miß Mary Dehn. Die Ehe
war zunächſt ſehr glücklich, bis die fungen Leute eines Abends in einem
Reſtaurant die Bekanntſchaft Mr. Freemanns, eines reichen Kaufmanns,
machten. Mr. Freeman, wurde bald ein intimer Freund des Hauſes,
leider ein zu intimer, wie Mr. Gifford nach Verlauf eines Jahres
kon=
ſtatieren mußte. Mr. Gifford ſeinerſeits zwar nicht Kaufmann, verſtand
jedoch gut zu kalkulieven. Er begab ſich zu dem Liebhaber ſeiner Frau
und überveichte dieſem ein Heft, in dem Tag für Tag jeder ſeiner
Be=
ſuche vermerkt war, und teilte Freeman mit, daß er ſofort die
Scheidungsklage einreichen werde. Daraufhin beſchwor ihn Freemann,
dies zu unterlaſſen, da es ſein Ruin ſein würde. Die Zeitungen würden
ſich des Skandalprozeſſes bemächtigen und ſeine eigene Frau, Mrs.
Freeman, werde alles erfahren, deren Vermögen den größten Teil ſeines
Betriebskapitals ausmache. Der betrogene Ehemann ließ ſich erweichen,
und zwar für 8000 Pfund auf zwei Jahre. Für dieſen Preis überließ
er ſeine Frau Mr. Freeman für dieſe Zeit. Und als ein Mann von
Wort, hat er den Vertrag auch pünktlich innegehalten: das Paar wurde
in keiner Weiſe durch ihn geſtört. Aber als ebenſo pünktlicher
Geſchäfts=
mann ließ er ſich nach Ablauf der zwei Jahre in Mr. Freemans Büro
melden, um den Vertrag zu „erneuern”. Wie groß war jedoch ſein
Erſtaunen, als Mr. Freeman auf die „Erneuerung” verzichtete. Der
Ehemann drohte wiederum mit der Scheidungsklage, Kaltblütiges
Lächeln von ſeiten des konzeſſionierten Liebhabers. Und warum? Er
fürchtete nicht mehr die Zeitungen, er fürchtete nicht mehr ſeine Frau,
denn das engliſche Parlament hatte ſich unterdeſſen als rettender Engel
vor ihn geſtellt, indem es ein Geſetz erlaſſen hat, das ſeit kurzem in
Kraft iſt, wonach keine engliſche Zeitung mehr Berichte über
Ehe=
ſcheidungsprozeſſe bringen und breittreten darf. Der Ehemann ging
barauſhin vor den Richter. Dort harrte ſeiner eine neue Enttäuſchung,
denn dieſer erklärte ihm, daß gegenſeitige Uebereinkunft zwiſchen den
Gatten kein hinreichender Scheidungsgrund ſei.
Wem
G
Nummer 1
Die Bedeutung des Studiums
der ſpaniſchen Sprache
für die deutſch=füdamerikaniſchen Beziehungen,
Aus Buenos Aires wird uns geſchrieben:
Die Vorzugsſtellung, die noch heute das Franzöſiſche
und die franzöſiſche Literatur im deutſchen Unterrichtsweſen
ge=
nießen, rührt aus einer Zeit her, in welcher Frankreich auf din
Gebieten der Politik, der Volkswirtſchaft und der Kultur an erſter
Stelle der Weltvölker ſtand und namentlich in ſeinen Beziehungen
zu Deutſchland die Vorherrſchaft beſaß. Während des Xſſl.,
XII. und XVIII. Jahrhunderts war deshalb eine ſolche
Ze=
handlung des Unterrichts in den modernen Sprachen
wahrſcheſ=
lich berechtigt. Da jedoch ſeitdem auf dieſen drei Gebieten ſie
Weltlage eine vollſtändige Verſchiebung erfahren hat, dürfte ſes
notwendig ſein, auch im deutſchen Unterrichtsweſen den durchais
veränderten Umſtänden Rechnung zu tragen.
Die erſte Veränderung der Weltlage wurde durch den
Auf=
ſtieg der ſogenannten angelſächſiſchen Staaten verurſcht.
Dabei iſt vielleicht die Erklärung der nordamerikaniſchen
Unabhängigkeit an erſter Stelle zu nennen, welche inder
Entwicklung des Europäiſchen Feſtlandes viel tiefer gehende
ſol=
gen hervorgerufen hat als die franzöſiſche Revolution, die
übrigens in Wirklichkeit nur eine Folgeerſcheinung der
urd=
amerikaniſchen Unabhängigkeitskämpfe geweſen ſein dürfte. In
der deutſchen Literatur am Ende des XVIII. Jahrhunderts iſt
dieſer Bedeutung der nordamerikaniſchen Entwicklung durchſs
Richnung getragen, was ſofort erſichtlich wird, wenn man
is=
beſondere die Werke der ſogenannten Sturm= und Drangperide
genau daraufhin durchſieht.. Zu den politiſchen Einflüſſender
nordamerikaniſchen Vorgänge auf das deutſche Denken trat
ſodann der der engliſchen Literatur, an den ſich im Veſaufe
als wenn der Sprecher am anderen Ende im Nebenzimmer wäre, des XIX. Jahrhunderts der der engliſchen und ſodannauch
nordamerikaniſchen Volkswirtſchaft anſchloß.
Dieſe Entwicklung und die daraus ſich ergebenden Eiflüſſe
haben ihren Niederſchlag darin gefunden, daß in dem deſſchen
Unterrichtsweſen allmählich das Engliſche neben das
Finzö=
ſiſche getreten iſt, ohne es jedoch aus ſeiner Vorzugsſtellun
voll=
ſtändig verdrängen zu können.
Betrachtet man nun die gegenwärtige Weltentwicklut auf
politiſchem, wirtſchaftlichem und auch wohl auch kulturellel
Ge=
biete, ſo muß man erkennen, daß alle Zeichen der Zeit auſeinen
herannahenden Aufſtieg der Länder und Völker ſpanſcher
Zunge hindeuten.
Weltwirtſchaftlich ſind die amerikaniſche
Ge=
biete ſpaniſcher Zunge ſchon heute die einzigen, die in
erſter Linie darauf angewieſen ſind, als Lieferanten vor
Roh=
ſtoffen und Nahrungsmitteln in enger Verbindung mit de
euro=
päiſchen Gebieten und insbeſondere mit Deutſchland im
Hndels=
verkehr und Warenaustauſche zu ſtehen. Während die
norameri=
kaniſchen Vereinigten Staaten in ſteigendem Maße zur Lfferung
der Rohſtoffe und Lebensmittel für den eigenen innerer Markt
übergehen und Fortſchritte in der Richtung der ind ſtriellen
machen, werden die ſpaniſch=amerikaniſchen Gebiete iſch auf
Jahrzehnte hinaus die Ueberſchüſſe ihrer Erzeugung an ſolchen
Produkten ausführen und gegen Fertigwaren eintauſchermüſſen.
Es verſteht ſich aber von ſelbſt, daß die Kenntnis des (
pani=
ſchen für die Pflege eines ſolchen Verkehrs mit dieſer
ameri=
kaniſchen Gebieten erforderlich iſt.
Politiſch haben die ſpaniſch=amerikaniſchen Geſiete
be=
reits begonnen, ſich der Macht bewußt zu werden, die ſich aus
einer ſolchen weltwirtſchaftlichen Stellung ergibt. Es ſei nur
daran erinnert, daß neben der Haltung Nordameriké in der
Frage des Völkerbundes auch die Argentiniens, der
ſpaniſch=
amerikaniſchen Vormacht, ſowie neuerdings diejenige zraſiliens
für die Entwicklung des internationalen Gebildes wichtg geweſen
iſt. Dabei iſt es gleichfalls ſelbſtverſtändlich, daß die Aege guter
politiſcher Beziehungen mit den ſpaniſch=amerikaniſche Ländern
durch eine Kenntnis des Spaniſchen und die dadurch erleichterte
Kenntnis der betreffenden Länder gefördert werden mß.
Die kulturelle Bedeutung eines deutſchen Studiums
der ſpaniſchen Sprache und Literatur verdient in dowelter
Hin=
ſicht geprüft zu werden. Einerſeits handelt es ſich un die Frage,
welchen Einfluß eine nähere Kenntnis dieſes Kultukreiſes auf
die deutſche Geiſtesentwicklung haben dürfte und indererſeits
darum, wie dieſe deutſche Betätigung von Seiten ſer ſpaniſch
ſprechenden Völker aufgefaßt werden würde.
Ganz allgemein kann geſagt werden, daß in dr deutſchen
Geiſtesgeſchichte die Zeiten, welche eine enge und olsſchließliche
Berührung mit franzöſiſcher Kultur brachten, unfruchſbar geweſen
ſind und kaum große geiſtige Werte geſchaffen haben. /Bezeichnend
in dieſer Hinſicht iſt das XIII. Jahrhundert, gegen deſſen Ende
die Abwendung vom franzöſiſchen Einfluſſe mit det Entſtehung
einer großen deutſchen Kunſt zuſammenfällt. Dabei wies Leſſing,
der Führer dieſer Bewegung, ſowohl auf dil Bedeutung
Shakeſpeares wie auch auf die der großen Spalier als
vor=
bildlich hin. Herder räumte den ſpaniſchen Weren in ſeiner
Tätigkeit als Ueberſetzer einen breiten Raum ein, ie ſein „Cid”
ſowie zahlreiche Gedichte in ſeinen „Stimmen der Völker in
Liedern” beweiſen. In den Werken Goethes und m denen aller
Romantiker finden ſich äußerſt zahlreiche Hinweiſe auf den Wert
der ſpaniſchen Literatur für das deutſche Geiſtesleſen. Kurzum,
die Zeiten der weltgeſchichtlich wichtigſten deutſchm Produktion
haben ſich in engſter Berührung mit dem ſpanſchen
Geiſtes=
leben abgeſpielt.
Dazu kommt ferner, daß die ſpaniſch ſprechende Welt ganz
offenbar gegenwärtig der Schauplatz einer Art neuer
Renaiſſance iſt, welche nicht in letzter Lini/ aus der
Be=
rührung ſpaniſcher Intellektueller mit deutſchem Gſiſtesleben
her=
vorgegangen iſt. Wenn aber der Brücke, die ſo von der ſpaniſchen
Seite aus geſchlagen wird, eine zweite, von deutfher Seite aus
geſchlagene Brücke entſpricht, ſo wird das nicht mur die
Wirk=
ſamkeit dieſes geiſtigen Austauſches erhöhen, ſondern vor allem
auch eine ſympatiſche Anerkennung unter den Völkern ſpaniſcher
Zunge hervorrufen.
Eine ſolche geiſtige Freundſchaft würde aber für Deutſchland
um ſo wichtiger und förderlicher ſein müſſen, alslin den ſpaniſch
ſprechenden Ländern die ſogenannten Intelleituellen, die
Träger des geiſtigen Lebens, einen ganz außerordentlich ſtarken
Einfluß auf die wirtſchaftlichen und politiſchen Angelegenheiten
beſitzen. Eine deutſch=ſpaniſche Freundſchaft auf geiſtigem
Ge=
biete müßte alſo ihre günſtigen Einwirkungen auch auf die
Politik und die Volkswirtſchaft erſtrecken. Das Mittel
für die Schaffung einer ſolchen Freundſchaft aber würde vor
allem eine Verallgemeinerung der Kenntnis des
Spaniſchen in Deutſchland ſein.
Samstag, den 1. Januar 1927
Halſoh, New=Gork? — Hier London.
Auf einem Gelände bei Hamburg iſt eine Verſuchsbahn zur
Beförderung von Laſtkähnen auf dem Waſſer erbaut worden.
Die Kähne werden durch einen auf einer Schwebeſchiene
laufen=
den Motor gezogen. Auf Grund der erſten Verſuchsergebniſſe
verſpricht man ſich weſentliche Vorteile von der praktiſchen
Anwendung dieſer neuen Transportart.
527
Bilanzberatung
Bilanzaufstellung
Bilanzprüfung
C. Reitz
Dr.u.Coln.
Bücherrevisoren und Steuerbevollmächtigte
Telephon 3381 Darmstadt Grafenstr. 26
Geſchäftliches.
In der heutigen Zeit der vielen Fußleiden dürfte die Anzeige
der Firma Benn, Hügelſtraße, beſonderes Intereſſe erwecken,
auf die wir beſonders hinweiſen.
Der Apparat, mit dem man von London nach New York ſprechen
kann, ein gewöhnlicher Telephonapparat, wurde vor wenigen
Tagen zum erſten Male ausprobiert. Der Leiter des Dienſtes,
Ingenieur Shaugheſſy, erklärt, die Verſtändigung ſei ebenſogut,
und nicht 4000 Kilometer entfernt. Der techniſche Dienſt iſt
be=
reits ſo weit fortgeſchritten, daß man innerhalb einer Minute
Anſchluß haben kann. Da das Geſpräch jedoch vorläufig noch
15 Pfund für drei Minuten koſtet, dürfte die neue Telephonlinie
einſtweilen nur für Handel und Politik in Frage kommen.
Unſer Bild zeigt den Ingenieur Shaugheſſy am Apparat.
Neue Transportart für Laſien auf dem Waſſer.
Nummer 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Geite 13
Ueeer Ve VeNer-BLRer1PVer0
am 1. und 2. Januar
eleganter und einfacher
A WWEN
U
WATLDE WEVER
Ludwigsplatz 3 (früher Lambert Gelée) Ludwigsplatz 3
Familiennachrichten
Eliſabeth Maul
Georg Huhn
Verlobte (*27
Im Wingert 17 Ludwigshöhſtr. 21
Neujahr 1927.
Minna Lange
Karl Vogel
Verlobte
Königsberg i. P. Darmſiadt
Pareusſir. 2
(*28)
Lisbet Volz
Dr. Walter Brecht
Verlobte
Augsburg
Darmstadt
Statt Karten.
Ihre Verlobung beehren sich
anzuzeigen!
(*34059
Maria Karch
Georg Brand
Darmstadt
Saalbaustr. 25 /78
Statt Karten.
Rossdorf
Marie Jäger
Ing. Philipp Woter
Verlobte
Neujahr 1927 z. Zt. Kamenz
(34019
. Sa.
(506)
Käthe Wöll
Philipp Bauer
Verlobie (50
Alsfeld Saalbauſir. 33, I.
Neujahr 1927.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme beim Heimgange unſeres lieben
Entſchlafenen ſprechen wir unſeren
herz=
lichſien Dank aus.
Frau Helene Seip
und Kinder.
Statt beſonderer Anzeige.
Am Freitag Morgen iſt unſere heißgeliebte, herzensgute Mutter
Joſefine Becker
Fra
geb. Lockinger
nach langem, mit Gottergebung getragenen Teiden für immer von uns
gegangen, verſehen mit den Tröſtungen unjerer heiligen Religion.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
In tieter Trauer:
Sabine Koepke, geb. Becker
Dr. med. K. Koepfe.
Darmſiadt, München, Bad Kiſſingen, Würzburg, Milwaukee=
Wisconſin.
(528
Die Beerdigung findet ſiatt auf dem alten Friedhof am Sonntag, den
2. Januar, vormittags 1111 Uhr. — Seelenamt in der St. Ludwigs=
Pfarrkirche am Dienstag, den 4 Januar, 82/. Uhr ftüh.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.
Marie Reich
Georg Finſer
Verlobte 3s
Darmſtadt Neujahr 1927
Elſe Gunder
Ludwig Eßinger
Verlobte
Schloßslrienplatz 8 Rhönring 57
Neujahr 1927. (34052
Kähe Hebermehl
Claus Gehbauer
Verlobte
Zeujahr 1927
Darmſiadt, Dezember 1926.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute früh entſchlief ſanft nach
langem ſchweren Leiden unſere
iebe treubeſorgte Mutter,
Schwie=
germutter und Großmutter
Frau Kophie Gahdoul
geb. Pra
(494
im 73. Lebensjahr
Im Namen d. trauernd. Hinterbllebenen:
Georg Karl Gaydoul und Frau,
geb Breidert
Georg Bermond III. und Frau,
geb Gahzdoul
Zörſter Schneider und Frau,
geb. Gahooul
Fean Friedrich Gayzdonl u. Frau,
geb. C ayoou!
Karl Keller I. und Frau,
geb Gahdoul
Phil. Friedrich und Frau,
geb. Gatzdouk
Hahn. Wembach, Rohrbach, Ueberau,
den 3. Dezember 1926.
Die Beerdigung findet ſtatt am
2 Januar, nachmittag3 1½ Uhr
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n einer Stunde 3 5a
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Thiele Nachf.
nur Bleichſtr. . Tel.1912.
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Blei hſtr. 17. ſ41sg
Bei dem Hinſcheiden unſerer
lieben und unvergeßlichen Tante
Frau
geb. Lorz
in Darmſtadt
ſagen wir allen denjenigen, die ſie
zur letzten Ruhe begleiteten, unſeren
tiefgefühlteſten Dank.
(516
Familie Bergner, Goddelau
und Wolfskehlen
Familie Emmerich, Roßdorf.
m (15001a
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Darmſtadt
Weinbergſtr. 45
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beb. Rubin
Cill Löbelſohn
Vrmählte
Trauung: Sontag, den 2 Januar 1927,
nachmiſtags 3 h.
log4
Dank
Linoleum=Schnit
hr, in der Freimaurer=
Sandſtraße. (e104
Für die un anläßlich unſerer
Ver=
mählung datzbrachten Gratulationen
ſagen wir hiehit un eren herzlichſten
L. Heppeheimer und Frau.
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Todes=
C'ott dem Allmächtigen hat es
in ſeinem unerforſchlichen
Nat=
chluſſe gefallen; meinen teuren
Gatten, unſeren lieben,
unvergeß=
lichen Vater, Bruder, Schwager
und Onkel
Herrn Martin Echreiberk
Lokomotivführer i. R.
heute naht 12½ Uhr,
wohlvorbe=
reitet durch den öfteren Empfan
der hl. Sterbeſakramente, im Alter
von 64 Jahren zu ſich in die
Ewg=
eit zu nehmen.
In tiefer Trauer:
Frau Maria Schreiber, geb Schon
nebſt Angehörigen.
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31. Dezember 19.
Die Beerdigung findet in
Stille ſtatt.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Seite 15
Orhg, Ehiel und" Tarnen.
Zum neuen Jahre.
Von Staatsſekretär Dr. Th. Lewald,
1. Vorſitzender des Deutſchen Reichsausſchuſſes für Leibesübungen.
Das neue Jehr ſtellt uns vor Aufgaben, deren Löſung das
alte begonnen, aber nicht erfüllt hat. Ueber unſerer Arbeit ſteht
das Ziel, das uns der Reichspräfident von Hindenburg ſetzte:
Leibesübung muß Bürgerpflicht, muß Gemeingut des Volkes
werden.
Vorausſetzung hierfür iſt und bleibt die Vermehrung des
Turnunterrichts in allen Orten mit Schulen. Ohne tägliche
Turnſtunde wird Leibesübung nicht Volksſitte, ohne tägliche
Turnſtunde leidet Volksgeſundheit und Volrskraft. Allerdings
bedarf es mancher Vorausſetzungen zu ihrer Durchführung. Wir
brauchen eine ſtarke Mehrung der Spielflächen, eine
Verdrei=
fachung der Turnhallen, Sommer= und Winterſchwimmbäder.
Uebungsſtätten ſollen Kulturſtätten werden. Der beſte Schmuck,
den Baumeiſter und Gartenkünſtler zu ſchafſen vermögen, wird
den äſthetiſchen Sinn unſerer Jugend beleben. Das kommende
Jahr ſoll uns bei der Tagung für Spielplatzbqu die Wege zeigen,
die hier zu beſchreiten ſind.
Leibesübung iſt ja eine Herzensſache unſerer Jugend. Es
iſt ihr gutes Recht, durch Kampf und Leiſtung ihr Körperkönnen
und ihre innere Spannkraft zu mehren und zu beweiſen. Hohe
Leiſtungen eifern an und reißen mit. In jedem gefunden jungen
Menſchen lebt die Freude am Wettkampf und Vergleich; aus ihr
iſt das Wettkampfweſen unſerer Sportverbände geboren, und ſie
hat die Kampforganiſation bis hinauf zu den Olympiſchen
Spielen geſtaltet.
Hier erſcheint eine weitere Aufgabe. Es gilt im neuen Jahre
das Rüſtzeug zu ſchaffen, mit dem wir den Kampf des Jahres
1928 bei der 9. Olympiade Amſterdam ſiegreich beſtehen wollen.
Welthöchſtleiſtungen ſind uns nicht Selbſtzweck, ſondern Mittel
der Erziehung, ſind Taten, geboren aus planmäßiger,
pflicht=
getreuer Ausbildung und heißer Vaterlandsliebe. In den
er=
hofften Siegen zu Amſterdam ſoll auch deutſches Nationalgefühl
Siege feiern. Der deutſche Sport und, ie ich hoffe, auch das
deutſche Turnen, wird keine Arbeit ſcheuen, um den Weg zu
olympiſchen Erfolgen zu ebnen; es gilt uns, der Welt einen
Begriff von deutſcher Leiſtungskraft zu geben, denn ſportfreudige
Völker pflegen Sporterfolge als Symbole allgemeiner Leiſtung
zu betrachten. Für uns ſelbſt aber erwarten wir die mitreißende
und in die Breite dringende Wirkung höchſter Anſpannung;
olyzmpiſche Vorarbeit iſt für uns allgemeine Werbearbeit im
beſten Sinne.
Aus der vielgeſtaltigen und umfaſſenden Arbeit des
Deut=
ſchen Reichsausſchuſſes für Leibesübungen möchte ich in dieſem
Neujahrswunſche eine Aufgabe beſonders hervorheben. Wir
wollen mit aller Anſpannung den Bau des Deutſchen
Sport=
forums weiterführen. Hier ſoll ſo ſchnell als möglich die höchſte
Bildungsanſtalt und das geiſtige Zentrum unſerer Sache
ent=
ſtehen. Nichts iſt gut genug für das, was das deutſche Turnen
und der deutſche Sport ſich aus ihrem eigenen Geiſte und ihrem
eigenen Streben nach Durchdringung und Vollendung ſchafft.
Mag manch einer heute noch die Bedeutung einer ſolchen Anlage
für den Aufſchwung des Ganzen in Frage ſtellen, wir im
Vor=
ſtand des Reichsausſchuſſes haben nur zu gut erfahren, welchen
ſprunghaften Fortſchritt ſeinerzeit der Bau des Deutſchen
Sta=
dions für unſere Sache bedeutet hat; das Deutſche Sportforum
wird dieſen Schritt nach oben wiederholen, und zwar zu einer
höheren Stufe, auf der ſich die deutſche Form der Leibeserziehung
als einer vom deutſchen Geiſte erfüllten Volksſitte vollenden wird.
Handball.
Deutſche Turnerſchaft, Main=Rhein=Gau.
Die wichtigſte Begegnung der M=Klaſſe iſt zweifellos das Treffen
Pfungſtadt-Langen. Im Voxſpiel war Langen mit 3:2 Sieger
geblie=
ben, wobei Irion im Langener Tor der Held, des Tages war. Für
Pfungſtadt bedeutete Langen in den letzten Jahren die ſchärfſte Klippe.
denn kein Spiel konnten die Pfungſtädter ſiegreich geſtalten. In dieſem
Jahre liegen die Dinge ſo, daß Pfungſtadt im Feldſpiel ein kleines
Plus hat und dazu den eigenen Platz, dem Langen ſeinen Torwächter
Irion und den Eifer entgegenſetzen wird, der darin begründet iſt, daß
Siegverluſt für Langen weit ſchmerzlicher ſein wird als für Pfungſtadt.
Beide Mannſchaften verfügen über einen ſchußfreudigen Sturm, und
körperlich ſind ſie ausgeglichen. Hart waren die Begegnungen noch
nie geweſen. Wie das Spiel ausgehen wird, muß der Spielverlauf
zei=
gen. Unſere Vorausfage läßt den Ausgang offen. — Griesheim
er=
wartet Sprendlingen. Hier gilt es für den Altmeiſter, durch
hervor=
ragendes Spiel die unrühmliche Wiederlage des Vorſpiels in
Sprend=
lingen wieder wettzumachen. Sprendlingen wird mit aller Zähigkeit
verſuchen, wenigſtens ein Unentſchieden zu erzielen, was aber
miß=
lingen dürfte, wenn Griesheim alle Regiſter ſemes Könnens aufzieht.
— Die dritte Begegnung, Nauheim—Aſchaffenburg, hat auf die
Meiſter=
ſchaft keinen Einfluß mehr, und ſo wird das Treffen auch mehr im
Rah=
men eines Freundſchaftsſpiels ausgetragen werden. Daß Nauheim als
glatter Sieger, wie im Vorſpiel mit 3:0, hervorgehen wird, halten wir
für fraglich, denn Aſchaffenburg hätte mit ſeiner jetzigen Spielſtärke
einen anderen Tabellenſtand.
Die A=Klaſſe, Gruppe 1, bringt die Hängepartie Seeheim-Nen=
Iſenburg. Für letzteren bleibt die Meiſterſchaftsausſicht nur im
Sieges=
falle beſtehen, und ihn zu erringen, wird fraglich ſein, wenn Seeheim
mit demſelben Eifer wie gegen Bickenbach ſpielt. In Gruppe 2 ſpielen
Wolfskehlen—Tgde. Darmſtadt und Worfelden—Walldorf. Der
Aus=
gang dieſer Treffen hat nur noch Bedeutung für die Gruppierung.
B=Klaſſe, Gruppe 1: Sprendlingen—Eberſtadt und Arheilgen—
Nie=
der=Roden.
C=Klaſſe, Gruppe 2: Egelsbach—Neu=Iſenburg, Arheilgen-Langen.
Walldorf—Tgſ. Ober=Ramſtadt. Gruppe 4: Tade. Griesheim—
Er=
felden, Gernsheim—Goddelau, Groß=Gexau-Büttelborn,
Zußball.
Verein für Raſenſpiele Darmſtadt.
Füin ſein Sportprogramm an den beiden Neujahrsfeiertagen
emp=
fängt der V.f.N. Gäſte von auswärts, und zwar: Am 1. Neujahrstag
die beſtbekannte Pokalmannſchaft des V.f.R. Mannheim.
Am 2. Feiertag hat der V.f.R. Darmſtadt Beſuch aus Bayern, und
zwar den 1. F. C. Bavauia Gemünden. Die beiden Vereine, die in ihren
Bezirken als ſehr ſpielſtark bekannt ſind, werden der V.f.Nk.=Mannſchaft
von Darmſtadt gehörig einheizen, doch glaube ich, daß die V.f.R.=
Mannſchaft jetzt zu einer gewiſſen Stabilität kommt, denn das Spiel am
1. Weihnachtsfeiertag gegen Union BVeſſungen, das am
Schluſſe 1:1 hieß, zeugt von einer gewiſſen Feſtigkeit der Mannſchaft.
Es wäre dem V.f.R. Darmſtadt zu gönnen, daß er durch guten Beſuch
feines Sportplatzes finanziell unterſtützt wird, damit er für die heute
nicht unerheblichen Koſten der Auswärtsſpiele Erſatz findet.
Schach.
Internationales Schachturnier in München. — Die 4. Runde.
Bogoljuhoff gewann die noch ausſtehende Hängepartie aus der
dritten Runde gegen Sämiſch und Przepiorka, die gegen Schmitt. Am
Mittwochabend wurde die vierte Runde in Angriff genommen.
Bogol=
fuboff gewann leicht gegen Gebhardt, und in der intereſſanten Partie
Przepiorka—Spielmann gab Spielwann wegen ungüinſtiger Poſition
auf. Die Partie Schmitt—Sämiſch wurde abgebrochen. Die Führung
hat noch immer der Pole Przepiorka vor Bogoljuhoff.
Harrt Perſſon ſoll am 28. Januar mit Pgul Berlenbach, dem
Ex=
weltmeiſter im Halbſchwergewicht, boxen.
Im Eishockeyturnir um den Spengler=Pokal in Davos ſiegte am
Donnerstag der Berliner Schlittſchuhklub 4:1 über Paris Kanadians
und E.H.C. Davos mit 2:1 über Univerſität Oxford. Davos und B. S. C.
koßtreiten, nun das Endſtzirl un
Darmſtädter Sportkalender.
Fußball.
2.30 Uhr: V. f. R., Darmſtadt — Privatliga V. f. R.,
Mann=
heim (Samstag).
2.30 Uhr: Sportverein — Spog. Sandhoſen (Stadion/Sonntag).
2.45 Uhr: V. f. R., Darmſtadt — 1. F.=C. Bavaria, Gmünden.
Kußban im Soenwalorreis.
Nachtrag vom Weihnachtsſport. — Der kommende Sonntag.
Die weihnachtlichen Fußball=Begegarungen im Odenwaldkreis waren
doch reichhaltiger, als man urſprünglich angenommen hatte. Zwar hält
es ſchwer, alle die Treffen, ſo ſtattfanden, zuſammenzubringen, aber mit
der Zeit ſummiert ſich deren Zahl doch. Wenn hier nur erwähnt wird,
daß man von Weihnachtstreffen in Erbach und Michelſtadt i. O.
ausgerechnet durch Stuttgarter Sportblätter Kenntnis erhalten, ſo
kennzeichnet das wohl am beſten die Schwierigkeit der
Refultatbeibrin=
gung, aber auch die völlige Verkennung der Sachlage durch die
betreffen=
den einheimiſchen Vereine, die da glauben, umbedingt im Verborgenen
blühen zu wüſſen. Vielleicht hilft dieſer Hinweis.
Der Beſuch des Pforzheimer Ballſpielklubs brachte
den badiſchen Gäſten ſicher die Erbenntnis, daß auch im Odenwaldkreis
Fußball geſpielt wird. Mit 4:4 zogen ſich die Gäſte in Pfungſtadt
noch ganz annehmbar aus der Affäve, um dann in Arheilgen am
Sonntag mit 1:5 ein Fiasko zu erleben. Wenn auch das Ergebnis nicht
unter ganz normalen Umſtänden erzielt wurde, ſo bleibt aber doch die
Tatſache beſtehen, daß ſich unſere führende Kreisliga kaum hinter die
andever Bezirke zu ſtellen braucht. — Olympia=Lorſch hatte mit dem
Spitzenreiter der A=Klaſſe im Riedgau, Starkenburgia=Heppenheim,
ein Privattreffen vereinbart, wobei die Heppenheimer mit 6:0 bös
hin=
eingelegt wurden. Man muß abwarten, ob das als Zeichen
Heppen=
heimer Schwäche oder der Wiedererſtarkung Lorſchs gewertet werden
darf. — Nicht ſo zufriedenſtellend vertrat der Sportverein Münſter
den Kreis. Die Münſterer ſchlugen am erſten Tage die A=klaſſige
Ger=
mania=Oberroden mit 1:0, konnten aber am zweiten Tage gegen
denſelben Gegner daheim nur ein 4:4 herausholen. Möglich, daß eine
gewiſſe Nachbarrivalität bei den Ergebniſſen mitſpielt, aber man hätte
doch mehr erwartet. — In Erbach und Michelſtadt i. O. gaſtierte
die Reſervemannſchaft des V.f.R. Heilbronn, die in Erbach mit
4:3 und am nächſten Tage in Michelſtadt mit 4:1 gewann. — Beim F. C.
07=Bensheim erledigte der S.V. Neckarſulm eine alte
Rrick=
ſpielverpflichtung; man trennte ſich beim Stande 2:2. — In Hofheim
gewann der F.V. 1911 gegen den F.V. 08 Hockenheim (Baden) mit
3:1. — Soweit der Weihnachtsſportbetrieb.
Der kommende Sonntag
ſieht vor allem die Kreisliga wieder im Meiſterſchaftskampf. Es
ſind folgende Treffen angeſetzt:
Sportvgg. 04 Arheilgen-Viktoria=Griesheim,
Germania 03=Pfungſtadt—Union=Darmſtadt,
Sportverein Münſter—Fußballverein Biblis,
Olympia=Lampertheim—Olympia=Lorſch.
Der Spitzenreiter Arheilgen dürfte ſein Spiel gegen
Gries=
heim gewinnen; ein 3:1 — wie im Vorſpiel — liegt nahe. In
Pfungſtadt ſollte es zu einem hartnäckigen Kampf kommen, wobei
es ſehr fraglich iſt, ob die Einheimiſchen ihren 3:1=Vorſpielſieg
wieder=
holen können; wir halten den Ausgang für offen. — Der Sportverein
Münſter, der den F.V. Biblis zu Gaſt hat, ſollte dieſen ſchlagen
und ſich ſo für die 1:2=Vorſpielniederlage revanchieren. — Das Treffen
in Lampertheim dürfte wohl die Einheimiſchen in Front ſehen,
die ebenfalls eine Vorſpielniederlage wettzumachen haben (4:2 für Lorſch).
Auch in der 4=Klaſſe regt es ſich wieder. Im Gau
Berg=
ſtraße ſind folgende Begegnungen vorgeſehen: Germania=Eberſtadt—
Haſſia=Dieburg und Spielvag. Pfungſtadt—Boruſſia=Dornheim. Ob das
Eberſtädter Treffen ſtattfindet, iſt eine andere Frage, da von einer
Auf=
hebung der Eberſtädter Disqualifikation nichts bekannt iſt. Man hat
überhaupt den Eindruck, als ſei man in E. nicht richtig hinter der
An=
gelegenheit her, ſonſt hätte ein Gnadengeſuch beſtimmt ſchon Erfolg
ge=
habt. — Im Riedgau iſt nun die erneuerte Terminliſte heraus, nach
welcher am Sonntag folgende Treffen ſtattfinden: Starkenburgia=
Hep=
penheim—V.f. L. Lampertheim und F.V. Hofheim—Alemannia=Groß=
Nohrheim.
In der B=Klaſſe hört man vorerſt nur vom Gau Ried
Poſi=
tives. Am Sonntag ſpielen dort F. V. Schönberg—Olympia=
Lampert=
heim 2., Germania=Auerbach—F.V. Hüttenfeld und Olympia=Lorſch-V.
f. R. Bürſtadt (Reſerven). Das Spiel in Auerbach findet bereits
vor=
mittags um 10 Uhr ſteit.
Leichtathletik.
Internationale Frauenſporttagung i Paris.
Techniſche Kommiſſion und internationaler Ausſchuß für
Frauen=
ſport traten in Paris zu einer Sitzung zuſammen. Auf der Tagung
der Techniſchen Kommiſſion, die von Frau Milliat=Frankreich geleitet
wurde und in der deutſcherſeits Dr. Bergmann, Berlin, als
Vizepräſi=
dent, Frau Bergmann und Fräulein Paſſavant teilnahmen, wurde eine
Reihe wichtiger Beſchlüſſe gefaßt. Entſprechend den Beſchlüſſen der
Göteborger Tagung werden in Zukunft Rekords nur noch auf
Meter=
ſtrecken anerkannt, die 200 und 800 Meter=Läufe werden vom
internatio=
nalen Programm geſtrichen. Das Gewichr des Diskus wurde auf 1,
das der Kugel auf 4 und das des Speeres auf 0,6 Kilo feſtgeſetzt. Die
Sürdenhöhe beträgt gleichmäßig 75 Zentimeter und der Abſtand von
Hürde zu Hürde 8 Meter. Je 12 Meter ſind für den Anlauf und
Aus=
lauf vorgeſehen. Bei der Sitzung des internationalen Komitees, der
gleichfalls Dr. Bergmann und Fräulein Paſſavant beiwohnten, wurden
folgende Beſchlüſſe gefaßt: Bei den olympiſchen Spielen 1928 in
Amſter=
dam ſollen zwei Tage für den Frauenſport reſerviert werden. Das
Programm ſoll von drei von der Kommiſſion zu ernennenden
Mitglie=
dern zuſammengeſtellt werden. Sollte infolge techniſcher Schwierigkeiten
die Austragung der Frauenſportkonkurrenzen nicht möglich ſein, ſo
kommt erſt eine Beteiligung bei der Olympiade 1932 in Frage. Die
nächſte Tagung des internationalon Komitees findet im Auguſt 1927
in Breslau ſtatt, während der Kongreß des Internationalen
Frauen=
ſportverbandes 1928 in Amſterdam abgehalden wird.
Sportliteratur.
Der Skilauf auf ganz neuer Baſis!
So unglaublich das klingen mag, ſo wahr iſt es: Der Skilauf hat
gen gewaltigen Umſturz erfahren. Was bisher als eiſernes Geſetz
lt, wird künftig veraltet und unmodern zu nehmen ſein. Ganz neue
töglichkeiten mit großer Perſpektive eröffnen ſich da allen Skiläufern
d Skiläuferinnen in dem Buche: „Neue Möglichkeiten im Skilauf,
n Buch zur Förderung der Fahrtechnik” von Dr. Fritz Reuel. Mit
ſer neuen Fahrkunſt wird ſich endlich joder wohl und geborgen auf
en Brettern fühlen; ſie wird das Tagesgeſpräch aller Sportbreiſe ſein.
Der Verfaſſer hat in 25jähriger Praxis im Deutſchen Mittelgebirge,
den Vorarlberger und Schweizer Hochalpen ſeine neue, beſſere
Tech=
ganz aus ſich ſelbſt herausgebildet, wozu ihm ſeine vielſeitige
ſport=
he Erfahrung vorzügliche Dienſte leiſtete. So iſt ein vom erſten bis
m letzten Wort originelles Buch entſtanden, das durchweg neue Ideen,
ue Schwünge und neue Laufarten bringt. Die hinreißende, mit
fach=
änniſcher Gründlichkeit gepaarte Darſtellung iſt durch eine große Zahl.
76) anſchaulicher Bilder und Demonſtrationszeichnungen unterſtüitzt.
o kaun hier jeder mehr Stil, mehr Schlvung, mehr Sicherheit und
chr Schönheit des Fahrens gewinnen. Niemand wird mehr um die
rgebniſſe dieſes Werkes herumkommen, das alles Bisherige von Grund
verändert! Das Buch iſt von dem bekannten Verlag der „
Stutt=
rter Sportbücher‟. Dieck u. Co., Stuttgart wieder vorzüglich
aus=
ſtattet woaden. Es iſt ganz auf Kunſtdruck gedruckt und mit einem
önen mehrfarbigen Umſchlagbild von Leo Leux geſchmückt. Trotz
dem und bei ſeinem Umfang von 16 Bogen koſtet es geheftet nur
M. 6.—, in Halbleinen RM. 7.50. Das Werk bedeutet die große
Fſation des Winters!
Der Sternhimmel im Januar 1927.
WSN. Bei Eintritt der Nacht finden wir über dem Oſthorizont den
Orion, darüber den Stier mit den Plejaden und den Zwillingen, von
denen die Milchſtraße durch Fuhrmann, Perſeus, Caſſiopeia (im Zenith),
Cepheus, Schwan, Leier und Adler zum Weſthorizont führt. Die
Milch=
ſtraße zeigt nun ihre herrlichſte Pracht; ſchon ein Opernglas enthüllt
herrliche Sternanſammlungen und =haufen. Im Süden finden wir die
Andromeda den Widder, in welchem der rote Mars bis gegen 3 Uhr
morgens glänzt, die Fiſche und ganz im Südhorizont den Walfiſch. Am
Südweſthimmel ſtehen Pegaſus und Waſſermann; im letztgenannten
Sternbild ſteht Jupiter, der gegen Monatsende ſchon etwa gegen 7 Uhr
abends untergeht. In ſpäterer Abendſtunde gehen im Oſten Procyon
im Kleinen Hund und der Große Hund mit Sirius, dem hellſten
Fix=
ſtern des Himmels, auf. Später folgen der Krebs mit dem Sternhaufen.
Praeſepe und der Löwe mit dem Hauptſtern Regulus. Von den anderen
noch nicht erwähnten Planeten iſt Merkur den ganzen Monat üüber
wegen Sonnennähe nicht zu ſehen. Venus kann Mitte des Monats
in der Abenddämmerung wieder gefunden werden; Saturn dagegen ſteht
am Morgenhimmel im Skorpion und geht etwa gegen 4 Uhr auf. Der
Mond iſt am 3. Januar als Neumond nicht ſichtbar. Hierbei tritt er
vor die Sonne, wobei eine ringförmige Sonnenfinſternis entſteht, die
aber nur auf der ſüdlichen Erdhalbtugel geſehen werden kann. Der
10. Januar bringt das erſte Viertel, der 17. den Vollmond, während
das letzte Viertel am 25. eintritt. — Die Sonne ſteigt langſam in größere
Mittagshöhen empor, die Tagesdauer nimmt deshalb mit Einſchluß der
Morgen= und Abenddämmerung von zehn auf elf Stunden zu. Am
31. Januar um 3 Uhr morgens befindet ſich die Erde auf ihrer
ellipti=
ſchen Bahn um die Sonne in der größten Sonnennähe.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Samstag, 1. Jaßuar. 12: Morgenfeier. O 3.30: Stunde der
Jugend. Anne Lönholdt wird Lieder vortragen. Flügel: Kohlhöfer.
O 4.30: Hausorch. Wunſchnachmittag. O 5.45: Leſeſtunde für die
reifere Jugend): „Das Wirtshaus im Speſſart” von Hauff. O 6.15:
Der Briefkaſten. O 6.45: Altgermaniſcher Tierglaube von Prof.
Naumann. O 7.15: Erwerbsloſenfürſorge und Sozialverſicherung
von Abrahamſohn. O 7.45: Der Kalender, von Prof. Epſtein.
O 8.15: Der romantiſche deutſche Männerchor (a capella). Ausf.:
Männerchor an der Städt. Muſikhochſchule, Mainz. O 9.15: Das
Neujahrsfeſt in Wort und Muſik. — Anſchl. bis 12.30: Tanzmuſik
aus Kaffee Sacher.
Sonntag, 2. Januar. 8.30: Uebertr. von Caſſel: Morgenfeier.?
O 11.30: Bericht über die Elternſtunde im erſten Vierteljahr. Vortr.
Rektor Wehrhahn. O 12: Konzert. R. Strauß: „Der Roſen=)
kavalier”. — Humperdinck: „Hänſel und Gretel”, Knuſperwalzer,
— Maſſanet: „Manon”, Fant. — Wagner: „Der fliegende
Hol=
länder”. Ouv. O 4: Liſel Simon erzählt wieder vom Kaſperl.
O 5: Walter Haſenclever lieſt aus eig, Werken. O 6: Stunde des
Rhein=Mainiſchen Verb. für Volksbildung. O 8.30: Maerzſcher
Ma=
drigalchor: Engl. und niederl. Madrigale. O 9.30: Uebertr. von
Caſſel. Anſchl.: Uebertr, von Berlin: Tanzmuſik der Kapelle
Kermbach,
Siutigart.
Saustag, 1. Januar. 11.30: Morgenfeier. Leit.: Lic.
Walden=
maier. Mitw.: Chor der Stiftskirche. O 2: Konzert. O 3: sGretle,
von Strümpfelbach erzählt. O 4: Aus italieniſchen Opern. Mitw.;
Gerda Hanſi, E. Baudiſtel, A. Harlacher. Puccini: Fant., Arie,
Walzer und Duett aus La Boheme. — Mascagni: Intermezzo,
Serenade Arie und Auftritt des Alfio aus Cavalleria ruſticana,
— Verdi: Fant., Pagenarie und Arie des Rene aus Ein
Masken=
ball. Duett aus Die Macht des Schickſals. Triumphmarſch aus
Aida. O 6.15: Dr. Elwenſpoek: Von großen Epen der
Welt=
literatur. O 6.35: Oskar Wöhrle: Weißruſſiſche Volksdichtung,
O 7.15: Curt Roſchmann lieſt aus eig. Werken. O 8: Rheiniſcher,
Madrigalchor. — Anſchl.: Funkbrettl. Mitw.: Hilde Binder, Käte
Mann, Kitty Rolfen, H. Hanus, G. Ott, C. Struve, Funkorch,
22 Darbietungen.
Sonntag, 2. Januar. 11.30: Muſikaliſche Morgenfeier. O 2:
Konzert. O 3: Dr. Helene Fernau: Durch den Märchengarten der
Weit: Malaiiſche Märchen. O 3.30: „Funkheinzelmann”, von der
Funkſtunde Berlin. Anſchl.: Konzert. Mitw.: Lieſel Olmesdahl, F.
Löffler, Männergeſangs=Quartett Arion”. Funkorch. 14
Darbietun=
gen. O. 6.15: Uebertr. von Karlsruhe: Miniſterialrat Dr. Hirſch:
Das Bruchſaler Schloß. O 6.45: Uebertr, von Freiburg:
Dichter=
ſtunde: „Heinrich Federer”, Einf, Worte: Prof. Witkop. Aus den
den Werken des Dichters: Anton Müller. O 8: Bunter Abend?
Mitw.: Maria Fiechtl, Gerda Hanſi, Käte Mann, E. Baudiſtel,
Th. Brandt, H. Hanus, E. Stockinger. Funkorch. Beethoven: Ouv.
„Die Geſchöpfe des Prometheus” — Schubert: A. d. Klavierſonate
op. 164. — Mozart: Champagnerlied aus „Don Juan”. — Lortzing:
Auf des Lebens raſchen Wogen, Arie aus „Wildſchütz”. — Aus
Werken lebender Dichter und weitere 20 Darbietungen,
Berlin.
Sonnabend, 1. Januar. 9: Morgeufeier. O 11.30: Muſikkorps
der 3. Nachr.=Abtlg. Potsdam. Leit.: Obermuſikm. Harmens.
Beethoven: Feſtmarſch. — Reinecke: Friedensfeier, Feſt=Ouv. —
Wagner: Zug der Frauen zum Münſter. — Weber: Fant. Oberon.
— Boulanger: Radiomarſch. — Becker: Der Brautwerber, Marſch.
— Schubert: Am Brunnen vor dem Tore. — Silcher: Aennchen
von Tharau. — Jeſſel: Potp. Schwarzwaldmädel. — Schrader:
Das blaue Regiment, Marſch. O 3: L. Lehmann: Quer durch
Algier. O 4.30: Kapelle Gebrüder Steiner. O 7.05: Einf. zu.
dem Sendeſpiel am 2. Jan. O 7.30: Dr. Borchardt: Kalender und
Kalenderreform. O 7.55: Direktor Forſtreuter: Künſtleriſche
Ein=
fühlung as Mittel der Erkenntnis. O 8.30: Populäres Orch.=
Konzert. Mitw.: Fr. Baumann (Tenor), Dir.: Bruno Seidler=
Winkler. Wallace: Ouv. Maritana. — Weingartner: Liebesfeier.
— Trunk: In meiner Heimat. — Wolf: Geſellenlied. —
Tſchai=
kowsky: Capriccio. — Suppe: Ouv. Banditenſtreiche. — Strauß:
Freut Euch des Lebens, Walzer. — Schubert: Aus Dreimäderlhaus.
— Strauß: Aus Wiener Blut. — Künnecke: Ich bin nur ein armer
Wandergeſell, aus Der Vetter aus Dingsda. — Berlioz: Tanz der
Irrlichter und Ung. Marſch aus Fauſts Verdammung, O 10.30:
Tanz=Orcheſter Ette.
(Orgel). (Uebertr. aus der Tonhalle.) O 10.45: Programmdurchſage.
O 11.10: Tanzmuſik. Jazz=Sinfonieorch. Mac Whiſtler.
Königswuſterhauſen. Sonnabend, 1. Januar. Aus Berlin:
O 9: Morgenfeier. O 11.30: Platzmuſik. O 4.30:
Unterhaltungs=
konzert. O. Ab 8.30: Berliner Programm.
Sonntag, 2. Jan. 9: Morgenfeier. Mitw.: Michaelkirchenchor,
Pfarrer Pioſſek, Arthur Neudahm (Geſang). O 11.30: Platziuſik
(Potsdamer „Tonkünſtler=Orch.) Ailbout: Erſter Preismarſch der
„Woche‟. — Zimmer: Ouv. Fridericiana. — Beethoven: Marcia
alla turca. — Yoſhitomo: Rund um den Erdball, Potp. — Strauß:
Schatzwalzer. — Armeemarſch Nr. 9. O 12.20: Max und Paul, ein
Opti= und ein Peſſimiſt. O 1.10: Stunde der Lebenden. Einl. Worte
(Prof. Weißmann). — Niemann: Aus „Alt=China” (der Komponiſt).
— Schnabel: 6 Kompoſitionen. Der jüngſte Tag. General Bumbum
(Maria Seret van Eyten, Alt). — Niemann: „Aus Hamburg‟
ein Zyklus von dreizehn Charakterſtücken für Klavier (der Komponiſt).
O 2.30: Roſen: Die Männer auf den neuen deutſchen Briefmarken.
O 3: Dr. Liehr: Die Lupine als Futterpflanze. O 3.30:
Funk=
heinzelmann. „Hans Dampf” (Hans Bodenſtedt). O 4.30: Ette=
Kammer=Orch. 13 Darbietungen. O 7.05: Prof. Dr. Kaßuer:
Die Schneedecke im Flachlande. O 7.30: Dr. Falkenfeld: Die
Vhiloſophie Kants (1. T.). O 8: Sendeſpiel „Die Fledermaus”.
Operette von Joh, Strauß. Perſ.: Eiſenſtein: Beruh. Bötel; ſeine
Frau: Vera Schwarz; Gefängnisdir. Frank: Fr. Groß; Prinz
Orlofsky: Lola Artot de Padilla; Alfred, deſſen Geſangslehrer:
Fr. Baumann; Falke, Notar: R. Koppel; Dr. Blind, Advolat:
Gottfr. Hagedorn; Adele, Stubenmädchen: Birgit Engell; Froſch,
Gerichtsdiener: Schützendorf. O 10.30: Tanzorch. Ette.
Stettin. 9: Morgenfeier. Feſtl. Präludium. — Schurig:
Bis hieher hat mich Gott gebracht (Berta Taubert, Sopran). —
Bibelleſung: Pſalm 121 (Paſtor Langkutſch). — Friedemann Bach:
Kein Hälmlein wächſt auf Erden (Berta Taubert). — Anſpr. Sup.
Hübner. — Bibelleſung (Paſtor Langkutſch). — Schurig: Nun
laßt uns gehn und treten (Berta Taubert). — Riſt: Neujahr (Paſtor
Langkutſch). — Schluße
Hauptſchrifileliung Nudolf Maupe
Berantwortiich für Politi und Wirtſchaft: Rudoif Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausiand und Heſſiſche Nachrichten: Max Strecſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
ſür den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratenteil: Willy Kuble;
Druck und Verlag C. C. WBittch — ämtlich in Dariaſiadt.
Die heutige Nummer hat 20 Geiten.
[ ← ][ ][ → ] 1926im Lichte der deutſchen Wirtſchaft
Unzweifelhaft hat das Wirtſchaftsjahr 1926 für Deutſchland in der
Bereinigung und Konfolidierung der goſamten Nachkriegsverhältniſſe
Fortſchritte gemacht, nachdem die ſchwere Wirtſchaftskriſe der
Nachkriegs=
jahre in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres, ihren Höhepunkt
erreiht hatte. Der unbedingt notwendige Liquidations= und
Bereini=
gungsprozeß iſt mit Beſchleunigung und Nachdruck durchgeführt worden.
Es war dabei allerdings nicht zu vergeſſen, daß hierdurch eine große
An=
zahl von ſelbſtändigen Wirtſchaftsexiſtenzen zugrunde gingen.
Still=
legungen, Zuſammenſchlüſſe und Sanierungen ſind die hervorſtechendſten
Merkmale des letzten Jahres und ſeiner inerwirtſchaftlichen
Entwick=
lung. Sieht man ſich die typiſche Konjunkturſkala etwas näher an, ſo
wird auch der größte Peſſimiſt eine gewiſſe Beſſerung nicht leugnen
können. So iſt u. a. die Zahl der Konkurſe und Geſchäftsaufſichten von
3645 im Januar auf 632 im Oktober 1926 zurückgeangen, während die
Zahl der Konkurſe im Jahre 1913 im Monatsdurchſchmitt 811 betrug.
Weniger günſtig iſt die Kurve der Arbeitsloſigkeit. Das
Arbeitsbeſchaf=
fungsprogramm der Regierung bringt zwar in ſeiner Auswirkung eine
gewiſſe Erleichterung des ungeheuren Druckes, vermag aber die innere
Urſache desſelben nicht zu beſeitigen. Eine grundlegende Beſſerung
kann auch hier nur von der Wirtſchaft ausgehen, ſobald dicſe die innere
Feſtigkeit und das notwendige Vertrauen zu ſich ſelbſt wieder gefunden
hat. Was die Entwicklung des Kapitalmarktes anbelangt, ſo iſt die
be=
ängſtigende Kapitalkmappheit des Jahres 1925 nicht nur verſchwunden,
ſondern die Bankinſtitute wieſen faſt, über das ganze Jahr eine
auf=
fallende Flüſſigkeit auf, die eine wirkliche Senkung der Zinsſätze
heubei=
führte. In den Bankbilanzen macht ſich eine nicht unerhebliche
Steige=
rung der Kreditoren gegenüber der Zahl und Höhe der Debitoren=
Konten geltend. Der Einlagenbeſtand der Sparkaſſen iſt von 1,4
Mil=
liarden im Oktober 1925 auf 2,7 Milliarden im September 1926 geſtiegen.
Die Flüſſigkeit des Geldmarktes kam hauptſächlich der Börſe zugute, die
infolgedeſſen einen unerwarteten Aufſchwung nahm. Das
durchſchnitt=
liche Kursniveau der Aktien hat ſich von 75,8 im Oktober 1925 auf 132,7
Prozent im Oktober 1926 gehoben, das der Goldpfandbriefe von 77,28
auf 94,5 Prozent. Wenn auch dieſe Gelder direkt wieder der Wirtſchaft
zugute kommen, zeigt doch die Entwicklung des letzten Jahres, daß der
innere Ausgleich zwiſchen Geld= und Kapitalmarkt noch keineswegs
ge=
funden iſt.
Was die Entwicklung unſeres Außenhandels anbetrifft, ſo iſt dieſe
zunächſt — oberflächlich betrachtet — keine günſtige geweſen. Während
m den Monaten Dezember 1925 bis Mai 1926 unſere Handelsbilanz
aktiv war, hat ſie ſich im Laufe der folgenden Monate erheblich
verſihlech=
tert und wies im November des Jahres eine Paſſivität von 123
Millio=
nen Mark auf. Nun iſt jedoch nicht immer jede paſſive Handelshilanz
ohne weiteres als ein Zeichen ungeſunder Wirtſchaftspolitik zu
betrach=
ten. Weiterhin iſt zu beachten, daß die Aktivität der Handelsbilanz zu
Anfang des Jahres zum Teil auf Notverkäufen, zum Teil auf einer
be=
denklichen Zuſammenſchrumpfung der Einfuhr von Rohſtoffen für die
induſtrielle Verarbeitung beruhte. Die letztere hat ſich in der zweiten
Hälfte des Jahres erfreulicherweiſe wieder gehoben. In günſtigem
Sinne beeinflußt wurden die Außenhandelsergebniſſe durch die
geſtei=
gerte Kohlenausfuhr und die merkliche Bewegung, die dadurch mehr oder
minder unſere Geſamtwirtſchaft erfuhr. Dieſe Erſcheinung beruht aber
auf den Auswirkungen des nunmehr beendeten engliſchen Kohlenſtreikes,
und deshalb muß hier für die nächſten Monate bei uns mit Rückſchlägen
gerechnet werden. Im Jahre 1926 entſtanden an violen Stellen des
In=
lands und des Auslands Truſt=Geſellſchaften. Letztere ſtellten ſich teils
mit, teils ohne Hilfe deutſchen Kapitals die Aufgabe, Beteiligungen an
deutſchen induſtriellen Unternehmungen zu übernehmen und zu
vermit=
teln. Den Bemühungen des Reichsbankpräſidenten gelang es, durch die
Schaffung enger Beziehungen zur Bank von England und zu dem
frühe=
ven New Yorker Bankinſtitut Deutſchland eine Mitwirkung bei der
Lö=
ſung weltwirtſchaftlicher Finanzprobleme zu verſchaffen. Ein
erfreu=
liches Zeichen wirtſchaftlicher Geſundung Deutſchlands nach dieſer
Hin=
ſicht hin iſt die Mitwirkung der deutſchen Reichsbank an den
Stabili=
ſierungsmaßnahmen Belgiens. Es ſei noch erinnert an das
deutſch=
franzöſiſche Kali=Abkommen, an die Internationale Rohſtahlgemeinſchaft,
an das Europäiſche Aluminimſyndikat, das Internationale
Schienen=
kartell.
Zuſammenfaſſend kann man das Jahr 1926 als das Jahr der
wirt=
ſchaftlichen Konſolidierung bezeichnen. Die Wirtſchaft hat durch einen
radikalen Sanierungs= und Umſtellungsprozeß ſich eine Grundlage für
ihre Geſundung gegeben. Möglich war ihr die Durchführung dieſes
Prozeſſes nur durch ſtarke Heranziehung ausländiſchen Kapitals, deſſen
Verzinſung und Tilgung in der weiteren Entwicklung ein retardierendes
Moment bilden muß und wird. Hat das Jahr 1926 die Grundlags für
den Wiederaufbau der deutſchen Wirtſchaft geſchaffen, ſo bleibt dem
neuen und den weiteren Jahren doch noch die Aufgabe, eine Fülle von
Problemen zu löſen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Ablöſungswert bei der Frankfurter Pfandbriefbank, A.=G.,
Frank=
furt. Die Aufſichtsbehörde hat geſtern nachmittag gemäß dem Antrag
der Frankfurter Pfandbriefbank den Ablöſungswert der Hypotheken
durch alte Pfandbriefe auf 19,5 Prozent feſtgeſetzt. Dieſer
Anrechnungs=
wert, der mit dem 1. Januar 1927 für die Inſtitute, die ſpäter eine
Ge=
neralabfindung gewähren, hat mit den Liquidationspfandbriefen nichts
zu tun. Wie mitgeteilt, beträgt die Teilungsmaſſe bei der
Pfandbrief=
bank etwa über 22 Prozent. Die endgültige Quote bei der
General=
abfindung wird, wie wir hören, auf rund 20 Prozent feſtgeſetzt werden.
Südfilm A. G. in Frankfurt a. M. Die o. H.V. der zum Emelka=
Konzern gehörenden Geſellſchaft genehmigte die Regularien. Aus
einem Reingewinn von 185 221 RMM. werden wiederum 15 Prozent
verteilt.
Zum Konkurs der Hanauer Seifenfabrik J. Gioth A.=G., Hanan
am Main. Nach Mitteilung des Konkursverwalters ſtehen den
Forde=
rungen von 1,368 Millionen RM. nur eine Konkursmaſſe von 177,869
Reichsmark zur Verfügung, ſo daß Forderungen von 1,19 Millionen
RM. bei der Quote unberückſichtigt bleiben.
* Die letzte Viehzählung in Oberheſſen hat die auffallende Tatſache
beſtätigt, daß die Schafzucht und Ziegenzucht in
dauern=
der Abnahme begriffen ſind, während die Rindviehbeſtände ſich
auf gleicher Höhe halten, die Schweinezucht dagegen eine ſteigende
Ten=
denz zeigt. Auffallend iſt auch der anhaltende Rückgang der
Pferde=
beſtände und das Hervortreten einer dritten Rindviehraſſe, des ſchwarz=
und rotbunten Niederungsviehes, das in den Kriegs= und
Nachkriegs=
jahren aus Norddeutſchland eingeführt wurde. Die Züchter dieſer Raſſe
ſtreben die Anerkennung durch die Landwirtſchaftskammer an.
Mitteldeutſche Häuteauktionen. Die 192. und 193. Mitteldeutſchen
Häuteauktionen finden am 4. und 5. Januar 1927 i Leipzig, Wirtſchaft
Hauptbahnhof Weſtſeite, ſtatt. Zunächſt Dienstag, den 4. Januar, 9.30
Uhr, das ſächſiſche Gefälle, Kalbfelle, Schaffelle: Mittwoch, den 5.
Ja=
nuar, 1,30 Uhr, Verkauf der Großviehhäute. Die Kalb= und
Schaf=
felle des heſſiſchen Gefälles kommen am 4. Januar, 12 Uhr, zum
Aus=
gebot, und die heſſiſchen Großviehhäute Mittwoch, den 5. Januar 1927,
9,30 Uhr.
Gebr. Stollwerck A.G., Köln. In der H.V. waren 10 148 500 RM.
Stammaktien mit 202 979 Stimwen vertreten. Vor Eintritt in die
Tagesordnung erhoben die Aktionäre Karl Welcker und Juſtizrat
Lehenecker aus den bekannten Gründen gegen alle Beſchlüſſe Proteſt
zur Niederſchrift des Notars. Die Bilanz wurde gegen die Stimmen
der beiden Aktionäre genehmigt. Gleichzeitig wurde der Aufſichtsrat
gegen die Stimmen der beiden Aktionäre entlaſtet. Bei den Wahlen
zum Aufſichtsrat wurde von der Minderheit beantragt, den Aktionär
Schröder in den Aufſichtsrat als Vertreter der Minderheit zu wählen.
Der Antrag wurde abgelehnt. Gegen die Wiederwahl Dr. Solmßen3
ſtmmten die beiden genannten Akvionäre. Die Wiederwahl von Joſef
Bollig erfolgte einſtimmig.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 19. bis 25. Dezember im Ruhrgebiet in 5
Ar=
beitstagen 2 017 900 To. Kohle gefördert gegen 2 531 094 To. in der
vorhergehenden Woche bei 6 Arbeitstagen. Die Kokserzeugung ſtellte
ſich in den 7 Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch
Sonntags gearbeitet) auf 55 441 To. gegen 531 566 To. in der
vorher=
gehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung auf 71 495 To. gegen 85 015
Tonnen bei 5 bzw. 6 Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung
betrutg in der Zeit vom 19. bis 25. Dezember 403 580 To. gegen 421 834
To. in der vorhergehenden Woche, die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich
auf 75 063 To. (75 938 To.), die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung
4 129 To. (i4 169 To.),
Der deutſche Außenhandel
in Erzen und Eiſen.
Während des Ruhreinbruchs lag die deutſche Eiſeninduſtrie
nadür=
lich völlig darnieder, und infolgedeſſen war nicht nur die Ein= und
Aus=
fuhr an Eiſen und daraus hergeſtellter Waren, ſondern auch der Bezug
von Eiſenerzen faſt vollſtändig lahmgelegt. Erſt im Laufe des Jahres
1924 iſt die Eiſeninduſtrie wieder in regelrechten Betrieb gekommen,
und gegen Ende des Jahres ſtieg die Einfuhr von Eiſenerzen gewaltig
an. Dieſe Zunahme der Erzeinfuhr nimmt ihren weiteren Fortgang bis
zur Mitte des Jahres 1925, dann ſchmeidet ſie unter dem Eindruck der
einſetzenden Induſtrickriſe jäh ab und verringert ſich weiter bis zum
Beginn des laufenden Jahres. Mit dem Wiedererwachen der
induſtriel=
len Regſamkeit nimmt dann auch die Erzeinfuhr wieder ſtark zu und
hat die durchſchnittliche Monatsmenge vor dem Kriege (1,17 Mill. To.)
bereits wieder erreicht. Die Erzausfuhr iſt naturgemäß gering;
ſie zeigt in der zweiten Hälfte des Jahres 1925, als die deutſchen
Hütten=
werke ſchlecht beſchäftigt waren, eine gewiſſe Steigerung.
Der Außenhandel in Eiſen und Eiſenwaren zeigt zunächſt in beiden
Linienzügen während des Jahres 1924 einen lebhaften Anſtieg. Im Jahre
1925 nimmt die Einfuhr ab, während die Ausfuhr an Eiſen und
Eiſen=
waren vom Beginn des Jahres 1925 bis zur Gegenwart eine im ganzen
regelmäßige und ſtetige Steigerung aufweiſt. Die erneute Zunahme der
Einfuhr von Eiſen und Eiſenwaren während des Jahres 1926 iſt durch
den geſteigerten Bedarf der mit neuem Aufſchwung arbeitenden Induſtrie
zu erklären.
Die deutſche Kohlenproduktion im Monat Nobember.
Die die letzten Monate kennzeichnende ſtarke Steigerung der
deut=
ſchen Kohlenförderung hat auch im Monat November 1928 angehalten.
Nach den Berechnungen des Statiſtiſchen Reichsamts wurden im
No=
vember insgeſamt 13 495 642 To. Steinkohle (im Oktober 1926: 13 516 96?
Tonnen) und 12754 141 (13 222 690) To. Braunkohle gefördert. Die
Kokserzeugung im Nobember, ſtellte ſich auf 2570 648 To. gegenüber
2387 253 To. im Oktober 1926. Preßkohlen aus Steinkohle wurden
insgeſamt 464 958 (455 332) To. und Preßkohlen aus Braunkohle
ins=
geſamt 3 088 205 (3 040 503) To. hergeſtellt,
Für die erſten elf Monate des Jahres 1926 ergeben ſich demnach
folgende Förderziffern: Steinkohlen: 131 587 640 To. (Januar bis
No=
vember 1925: 121 361827 To.), Braunkohlen: 126 680 300 (127 077 337)
Tonnen, Koks: 23 450 141 (24 576 591) To., Steinkohlenbviketts: 4 862 206
(4 546 672) To. und Braunkohlenbriketts (auch Naßpreßſteine): 31 257 938
(30 710 857) To.
Trotz der Steigerung bleibt aber die Steinkohlenförderung hiter
den Vorkriegsergebniſſen, wenn man den alten Gebietsumfang des
Deutſchen Reiches in Betracht zieht, noch ſtark zurück. Die
Stoinkohlen=
förderung ſtellte ſich nämlich im Jahre 1913 von Januar bis
Novem=
ber auf 175 945 462 To. Unter Zugrundelegung des jetzigen
Gebiets=
urmfanges ohne Saargebiet ergibt ſich aber für die gleiche Zeit eine
Geſamtförderung von nur 130 047 960 To., ſo daß, wenn man die gleiche
Gebietseinheit zugrunde legt, die Feſtſtellung zu machen iſt, daß die
Steinkohlenförderung im Jahre 1926 bisher den
Vorkriegs=
umfang bereits überſchritten hat.
Wirtſchaft des Auslandes.
Die ſchweizeriſche Uhreninduſtrie im Jahre 1926. Vor einigen
Jahren mußte die ſchweizeriſche Uhreninduſtrie durch Ginräumung eines
Währungskredites ſtaatlich unterſtützt werden. Seither wurden auch
an=
dere Sanierungsmaßnahmen in Ausſicht genommen, wr wenige aber
tatſächlich durchgeführt. Das laufende Jahr 1926 brachte dem Werte
nach allerdings gegenüber 1925 einen Exportrückſchlag, und zwar von
rund 25 Prozent in den erſten drei Quartalen 1926. Wenn man aber
bedenkt, daß die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten und nach
Eng=
land im erſten Halbjahr 1925 wegen der bevorſtehenden ſtarken
Zoll=
erhöhungen ganz bedeutenö forciert worden war, ſo handelt es ſich alſo
weniger um einen Exportrückſchlag im erſten Halbjahr 1926, als vielmehr
um einen forcierten Export in der entſprechenden Periode des
Jah=
res 1925. Im dritten Vierteljahr 1926 wurden 293 447 Stück Uhren
mehr ausgeführt als im dritten Quartal 1925; der Ausfuhrwert blieb
trotzdem um 2 520 937 Fr. zurück (61 744 322 im dritten Quartal 1926
gegen 64 265 269 Fr. in der entſprechenden Zeit 1925). Im Gegenſatz zu
an=
deren ſchweizeriſchen Induſtriezweigen führte die Uhreninduſtrie im
Jahre 1926 quantitativ etwas mehr aus als im Normaljahre 1913. Das
gilt in noch höherem Maße von den Rohwerkfabrikaten (ſogenannte
Ebauchesfabrikate). Wie in dem Dezemberbericht des Schweizeriſchen
Bantvereins ausgeführt wird, läßt die zunehmende Ausfuhr von
Roh=
werken und fertigen Beſtandteilen auf die für die Schweiz ungünſtige
Sachlage ſchließen, daß im Auslande die Konkurrenz der
Taſchenuhren=
fabrikation im Wachſen begriffen iſt. Es iſt auch bereits Tatſache, daß
die ausländiſche Erzeugung kuranter Uhren ſchon heute auf dem
Welt=
markte mit den ſchweizeriſchen Fabrikaten in ſcharfe Konkurrenz tritt.
Vom Benzol= und Ammoniakmarkt. Auch im Dezember 1926 iſt die
beutſche Benzolerzeugung, trotzdem ſie größer war, vom Konſum
voll=
ſtändig aufgenommen, zeitweiſe war ſogar eine Knappheit an Benzol
deutlich erkennbar. Der Abſatz an Betriebsſtoffen iſt überhaupt ein füür
dieſe Jahreszeit ſehr guter. Da außerdem die Weltmarktlage eine feſte
iſt und der deutſche Verbrauch noch immer in gar keinem Verhältnis zu
dem anderer Länder, wie England oder Frankreich ſteht, iſt mit einer
weiteren weſentlichen Steigerung des Abſatzes, ſowie mit einer feſten
Marktlage zu rechnen. Die Preisſtellung für Benzol hat eine
grund=
legende Aenderung erfahren. In Anpaſſung an die im deutſchen
Benzin=
handel vorgenommene Umſtellung der Benzinpreiſe auf Literbaſis frei
Haus wird auch der Benzol=Verband mit Wirkung ab 1. Januar 1927
feine Preiſe für Benzol und Aral auf Literbaſis frei Haus foſtſetzen.
Da die Benzolpreiſe trotz verſchiedener in den letzten Monaten
ſtart=
gefundener Benzinpreiserhöhungen unverändert gelaſſen worden waren,
hat ſich der Benzol=Verband entſchloſſen, gelegentlich der an ſich ſchon
durch die Frei=Haus=Lieferung bedingten Preiserhöhung in faſt allen
Gebieten eine Erhöhung der Bnzolpreiſe um durchweg 1 bis 2 Mark
die 100 Liter eintreten zu laſſen. Trotz dieſer Preiserhöhung iſt die
Relation zwiſchen Benzol= und Benzinpreis noch ſo gering, daß darin
der Mehrwert des Benzols nur unzureichend Berückſichtigung findet.
Im Inland entſprach die Nachfrage nach ſchwefelf. Ammoniak auch
im Monat Dezember der Jahreszeit. Die Erzeugung und der Verſand
erfuhren keine Störua. Im Ausland war der Abſatz normal.
Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 30. Dezember.
Eine richtige Beurteilung der Wirtſchaftslage ſcheint immer
ſchwieriger zu werden, und zwar aus dem Grunde, weil die
Ausmaße und die reelle Bedeutung der Wirtſchaftskriſe noch
nicht voll beurteilt werden können. Man hat es wohl im voraus
gewußt, daß vor der geſetz= oder dekretmäßigen Stabiliſierung
eine tatſächliche, d. h. eine gewiſſermaßen durch die Finanz= und
Wirtſchaftslage des Landes bedingte Stabilität der Währung
vorangehen ſoll. Dieſe „Vorſtabiliſierungsperiode” iſt nun
offen=
ſichtlich eingetreten. Zugleich iſt aber der Beweis erbracht, daß
dieſe Vorſtabiliſierung mehr durch Einmiſchung der Regierung
und auf deren Betreiben erreicht, als durch die eigentlich günſtige
Lage des Landes bedingt wird. Die Spekulation kann jetzt den
Stand der franzöſiſchen Dewiſe noch immer beeinfluſſen, wenn auch
nur für kurze Zeit. Jedenfalls haben die manchmal nur
ſtunden=
lang dauernden Schwankungen des Franken zur Folge, daß Handel
und Induſtrie ihre Preiſe nicht endgültig feſtſetzen können. Der
Geſchäftsgang iſt infolgedeſſen lau. „Stabilität um jeden Preis”,
hat eine Deputation der nordfranzöſiſchen Induſtriellen von
Poincaré verlangt. Da die Käufer „abwarten” wollen, ſtockt der
Detailhandel. Das ſchwierigſte Problem der Induſtrie iſt die
zur Geſundung der Wirtſchaft nötige Herabſetzung der Löhne,
eine Aufgabe, die ſich auch in anderen Ländern als ſchier
un=
lösbare Aufgabe erweiſt. Man beklagt auch die immer ſtärbere
ausländiſche, vor allem belgiſche und deutſche Konkurrenz.
Die Kriſe in Handel und Induſtrie iſt unleugbar. Die
Mög=
lichkeit ihrer Weiterentwicklung iſt allerdings nicht ſo hoch, als
man es im allgemeinen annimmt. Es verdient erwähnt zu
wer=
den, daß die franzöſiſche Wirtſchaftskriſe kürzlich auch mit der
amerikaniſchen — die ſich übrigens nur langſam und nur in
ge=
wiſſen Induſtriezweigen manifeſtiert — in Zuſammenhang
ge=
bracht wird. Wie dem aber auch ſei, die franzöſiſche Induſtrie
wird jetzt eine Probe beſtehen müſſen. Bei einer objektiven
Be=
urteilung der Lage muß man ſich aber vor Augen halten, daß die
Grundlagen der franzöſiſchen Wirtſchaft unverändert die gleichen
geblieben ſind. Und das iſt das weſentliche. Die Effektenbörſe
reagiert auf die zahlreichen Nachrichten über das Schickſal der
Währung mit größter Zurückhaltung. Sie zeigt die
größtmög=
liche Vorſicht in allen Geſchäftszweigen, und mit vollem Recht,
denn das Kursniveau der meiſten franzöſiſchen Effektenwerte
er=
weiſt ſich nach einer ſorgfältigen Prüfung als übertrieben hoch,
nicht ſelten das zehn= und zwölffache des vor gar nicht langer
Zeit feſtgeſetzten Nominalwertes.
Auf dem Kohlenmarkte ſind wenig Aenderungen zu
ver=
zeichnen. Die Preiſe ſind ſehr hoch, was teilweiſe darauf
zurück=
zuführen iſt, daß die lokale Produktion nicht in genügendem
Maße geſteigert werden konnte. Auch hat ſich der Import nicht
in dem Maße erhöht, wie man es erwartet hat, und vorläufig
beſteht wenig Hoffnung, daß dieſe Lage ſich ſchnell ändern wird.
Die Kohlenwerte waren ſtets feſt, ſie haben die allgemeine
Un=
gunſt des Marktes nur in geringem Maße gefühlt.
Der Geſchäftsgang in der Schwerinduſtrie iſt lau. Die
in=
ländiſchen Käufer warten auf Preisreduzierungen. Der hohe
Stand des Franken hat den Export ſtark herabgemindert. Auch
iſt ein bedeutender Teil des Eiſenexports durch die Aufnahme
der Arbeit in England ausgeblieben. Man konſtatiert in
Fach=
kreiſen einen Rüchgang der Aktivität in der Schwerinduſtrie der
ganzen Welt, der augenblicklich beſonders in den Vereinigten
Staaten, am ſtärkſten fühlbar iſt. Man iſt daher ſehr beſorgt, daß
eine Kriſe kommen muß. Nur die vor kurzem bekannt gegebenen
Pläne der Regierung von großen Waggon= und Schiffsbauten
wirkten etwas beruhigend. Der allgemeinen Weltmarktlage
ent=
ſprechend, beſchloß das internationale Stahlbartell, die Tonnage
des in Programm genommenen Quantums für das erſte Drittel
des Jahres 1927 um 1½ Millionen Tonnen zu reduzieren. Man
muß aber auch berückſichtigen, daß während des engliſchen Streiks
das Produktionsquantum bedeutend erhöht wurde. Aller
Wahr=
ſcheinlichkeit nach wird das Kartell bald noch einen größeren Teil
des Weltmarkts beeinfluſſen, da die tſchechiſchen und
öſter=
reichiſchen Produzenten im Prinzip ihre Zuſtimmung zu dem
Kartell gegeben haben. In manchen Kreiſen hält man auch den
Zutritt Englands für möglich.
Obwohl die Weltwirtſchaft im Jahre 1926 mit großen
Schwierigkeiten und Kriſen zu kämpfen hatte, war der
Metall=
verbrauch noch nie ſo groß, wie im Lauſe dieſes Jahres.
Ins=
beſondere hat ſich der Kupfer= und Zinnverbrauch äußerſt ſtark
erhöht. Die Herſtellungskoſten des Kupfers ſind in der letzten
Zeit geringer geworden, und da große Vorräte vorhanden ſind,
kann man noch weiterhin auf einen Rückgang der Preiſe rechnen.
Der Preis des Zinn iſt ſtark zurückgegangen. Alle. Anzeichen
deuten aber darauf, daß zu Beginn des nächſten Jahres der
Zinnverbrauch, und damit auch die Preiſe ſteigen werden. Der
Preis des Blei iſt in New York unerwartet gefallen. Dagegen
waren die Preiſe hier und in London ſehr feſt. In faſt allen
Ländern Europas zeigte der Verbrauch eine ſteigende Tendenz.
Die Bleiinduſtrie hat den Stillſtand der Bautätigkeit ſtark
ge=
fühlt, und da dieſe vielerorts vor einem Aufſchwung ſteht, ſo iſt
auch mit einer Höherbewegung der Bleipreiſe zu rechnen. Der
Sturz des Zinkpreiſes wurde durch die Auflöſung des
deutſch=
polniſchen Zinkſyndikats verurſacht, dagegen haben die Käufe der
engliſchen Induſtrie günſtig gewirkt.
Der Petroleummarkt iſt 1926 größer und lebhafter geworden.
Die Produktion hat ſich überall erhöht. In den Vereinigten
Staaten belief ſich die Produktion für 1926 auf 773 Millionen
Baril, alſo zehn Millionen Baril mehr, als im Vorjahre. Die
Petroleumwerte lagen aber ſchwach, beſonders die rumän ſchen,
da gerade die rumäniſche Petroleuminduſtrie ihren Betrieb noch
nicht reſtlos zu regeln vermochte. — Die Kautſchukpreiſe haben
in der letzten Woche eine Hauſſe erfahren. Dies wirkte
über=
raſchend. Tatſächlich können aber auch die gegenwärtigen Preiſe
noch als niedrig angeſehen werden, und deshalb beabſichtigt
England, die Produktion weiter einzuſchränken.
Erneute Preisſenkung für künſtlichen Dünger in Frankreich. Auf
Grund eines ſoeben getroffenen Uebereinkommens zwiſchen dem
Land=
wirtſchaftsminiſter und den Stickſtoffdroduzenten haben letztere
be=
ſchloſſen, den Preis für Ammoniakſulfat von 150 auf 145 Fres.
herab=
zuſetzen. — Auch zwiſchen den Produzenten von Thomasſchlacke und
dem Landwirtſchaftsminiſter ſind Verhandlungen im Gange, welche für
Phosphate eine erhebliche Preisſenkung ab 1. Januar 1927 orhoffen
laſſen.
Die Novemberproduktion der belgiſchen Kohlen= und Eiſeninduſtrie.
Aus Brüſſel wird gemeldet: Die Produktion des belgiſchen
Kohlenberg=
baues im Monat November belief ſich auf 2319 270 To. (im Oktober
2 274 000 To.), der Kohlenvorrat Ende November auf 115 680 To. (Ende
Oktober 117 340 To.). Beſchäftigt wurden unter Tage 562 660 Arbeiter
gegen 564 840 im Oktober. Die Tagesproduktion belief ſich je Arbeiter
auf 4.15 To. Die Kokserzeugung erreichte eine Höhe von 393 820 To.
gegen 417 010 To. im Monat Oktober. — Die Erzeugung von
Gießerei=
roheiſen betrug insgeſamt 209 520 To. gegen 219 590 To., die
Rohſtahl=
erzeugung 302 140 To. gegen 308 700 To. im Oktober. An Slahl
wur=
den 257 660 To. gegen 256 130 To., an Eiſen 16620 gegen 18 900 To.
hergeſtellt. Die Erzeugung der Zinkhütten wird auf 16 530 To. geger.
16 760 Ta. beziffert.
Nummer 1
Somstag, den 1. Januar 1927
Börſe und Geldmarkt.
Der Jahresausgang hat ſich an der Börſe recht inteveſſant geſtaltet.
Die Geldknappheit,: die zweifellos die Ultimoabwickelung in einem
ge=
wiſſen Umfang erſchwerte, hat nämlich nicht verhindern können, daß
eine Hauſſeb.wegung platzgriff, die immer breiter wurde, je näher der
Monatsſchluß heranrückte. Die Urſache der Kursſteigerungen dürfte
zu=
nächſt darin zu ſuchen ſein, daß tatſächliche, effektive Käufe für das
Rhein=
land und Süddeutſchland zur Ausführung gelangten, die beſonders
Kohlen= und Eiſenwerte umfaßten. Die Konjunktur in dieſen beiden
Rohſtoffen hält bekanntlich an, wie zuletzt durch das Rheiniſch=Weſtfäliſche
Kohlenſyndikat beſtätigt werden konnte. Das anſcheinend günſtige
Weih=
nachtsgeſchäft hat der übrigen Bankenkundſchaft gleichfalls zu
Effekten=
käufen die Möglichkeit gegeben, die zweifellos — und damit ergibt ſich
der zweite Beweggrund der Aktienhauſſe — von der Erwartung einer
feſten Januartendenz beeinflußt waren. Gerade in den letzten Tagen
find namhafte Vorkäufe zur Ausführung gelangt, die es der Börſe
ge=
ſtatteten, über verſchi dene momentane Schwierigkeiten einfach
hinweg=
zugehen. Die ſcharfe Kursbefeſtigung, die zunäch’t den
Montanaktien=
markt, dann aber auch Elektrowerte, Kaliaktien, Schiffahrtswerte,
zeit=
weiſe auch J.=G Farben=Aktien und eine beträchtliche Anzahl von
Einzel=
papieren begünſtigte erſcheint dadurch in einem beſonderen Licht, daß
die Prolongation ſich diesmal durchaus nicht ſo glatt vollzog, wie an
den letzten Liquidationsterminen. Die kleineren und mittleren
Bank=
firmen erhielten anſcheinend nicht ſo bereitwilligft die erforderlichen
Gelder. Dadurch ergab ſich für ſie die Notwendigkeit, einen Teil der
Engagements zu löſen. Die Präwienerklärung am Donverstag brachte
tatſächlich reichliche Ultimoware an den Markt. Gleichzeitig ſchalteten
ſich die in Frage kommenden Firmen in das Geſchäft, aber durch neue
Anſchaffungen per Medio Januar, wieder ein, ſo daß zwiſchen den
Ultimo=Dezember=Kurſen und denen für Medio Januar genannten
Preiſen Differenzen von 1½ bis 2 Prozent entſtanden. Es zeugt nun
für die zuverſichtliche Einſtellung der Kuliſſe, daß die an den Markt
gelangten Effekten von anderer Seite übernomwen und ver Medio
Janugr nur zu weſentlich höheren Kurſen abgegeben wurden. Während
damit die eine Partei die Prolongationsſchwierigkeiten durch
Inkauf=
nahme eines vovübergehenden Kursverluſtes umaine, konnte die andere,
kapitalkräftigere Gruppe noch zum Jabresende (us dieſer Konſtellation
Gewinn ſchlagen und ein ertragsreiches Geſchäft terbuchen, deſſen
Riſiko=
loſigkeit ihm faſt den Charakter eines reinen Zinsgeſchäftes gab. Ob
die für den Januar vorausgeſagte Hauſſe tatſächlich eintreten wird,
bleibt natürlich abzuwarten. Man hat es ſchon oft erlebt, daß gerade
ſolche angekündigten Hauſſen ausgeblieben ſind. Allerdings ſind die
Vorausſetzungen dafür nicht direkt ungünſtig. Die Geldverhältniſſe ſind
im Moment zwar undurchſichtig, doch wird für den Anfang Januar mit
einem raſchen Zuwickſtrömen der ausgeliehenen Gelder gerechnet, die
im Verein mit dem erwarteten Eingang der Erträge aus
Auslands=
anleihen den Geldmarkt wieder erleichtern werden. Erfreulich war es,
daß ſich die großen Banken und Bankfirmen über die Höhe der für
Reportgelder zu verlangenden Sätze verſtändigten. Während bei der
Medio=Prolongation die Forderungen um 1 Prozent auseinandergingen
(7½ bis 8½ Prozent), hat man diesmal einen Durchſchnittsſatz von
8 Prozent als Norm feſtgelegt, der nach beiden Seiten Abweichungen
bis ½ Prozent geſtattete. Die Begleitumſtände, die ſich jetzt bei der
Prolongation wieder herausſtellten, haben von neuem zu einer lebhaften
Erörterung über die Notwendigkeit oder Ueberflütſſigkeit der zweimaligen
Liquidation im Monat geführt.
Starke Steigerung des Exports deutſcher Landmaſchinen.
Die deutſche landwirtſchaftliche Maſchineninduſtrie verfügt heute
wohl über die günſtigſte, d. h. aktivſte Handelsbilanz innerhalb, der
ge=
famten deutſchen Induſtrie. Sie exportierte im Jahre 1913
mengen=
mäßig Maſchinen im Geſamtgewicht von 407 080 Dz. gegen 211 090 Dz.
im Jahre 1924, 394 122 Dz. in 1925 und 427 758 Dz. in den erſten zehn
Monaten 1926. Wie für alle anderen Induſtriezweige, ſo brachte auch
für die landwirtſchaftliche Maſchineninduſtrie das Jahr 1924 mit rund
50 Prozent des Exports von 1913 den Tiefſtand. 1925 ſtieg jedoch der
Export ſprunghaft faſt wieder auf Vorkriegshöhe, die in den erſten
zehn Monaten des Jahres 1326 bereits überſchritten wurde. Das ganze
Jahr 1926 dürfte den Export des Jahres 1913 bei einem monatlichen
Durchſchnittsexport von rund 100 000 Dz. überflügeln.
Im Jahr 1913 entfiel das Hauptkontingent der exportierten
Ma=
ſchinen auf Säemaſchinen, Heuwender, Heu=, Stroh= uſw. Preſſen,
Fut=
terſchneide=, Häckſel=, Butter=Maſchinen ſowie Schrotmühlen und
Raſen=
mäher uſw., während erſt an zweiter, dritter, vierter und fünfter Stelle
Dreſchmaſchinen und ſonſtige Reinigungsmaſchinen, Motorpflüge und
Mähmaſchinen folgten. Im Jahre 1926 ſtehen an erſter Stelle
Mah=
maſchinen, die mit 205 918 Dz. und 53 775 Stück faſt die Hälfte des
Ge=
ſamtexports der erſten zehn Monate 1926 ausmachten. An zweiter,
dritter und vierter Stelle folgen Dreſchmaſchinen, Säemaſchinen uſw.,
ſenſtige Reinigungsmaſchinen und Motorpflüge. Aus dieſer
Entwick=
lung iſt deutlich die fortſchreitende Moderniſierung und Mechaniſierung
beſonders der ruſſiſchen, italieniſchen und nordiſchen Landwirtſchaft
er=
ſichtlich, die ihrerſeits wieder mit der fortſchreitenden Elektrifizierung
der genannten Länder in innigem Zuſammenhang ſteht.
Die Einfuhr an landwirtſchaftlichen Maſchinen hat ſich, verglichen
mit 1924 und 1925, in den erſien 10 Monaten 1926 entwickelt wie die
Ausfuhr. Befonders bemerbenswert dabei iſt aber die Tatſache, daß die
Einfuhr in den genannten Jahren jeweils nur rund etwa ein Zehntel
der Ausfuhr ausmacht, während im Jahre 1913 der Ausfuhrüberſchuß
nur rund 2000 Dz. erreichte, ſodaß alſo die landwirtſchaftliche
Ma=
ſchineninduſtrie nunmehr mit neun Zehntel Exportüberſchuß gegen einem
Zwanziſtel in 1913 in der Außenhandelsbilanz erſcheint.
Bemerkenswerte Veränderungen innerhalb der Reihenfolge der
im=
portierten Maſchinen gegenüber 1913 haben ſich nicht ergeben.
Im Jahre 1924 war Italien über Rußland, das jetzt wieder an
erſter Stelle ſteht, Deutſchlands beſter Abnehmer an Landmaſchinen.
Trotz erheblicher Zunahme ſeiner Einfuhr wurde es aber im Jahre
1925 an zweite Stelle gedrängt, die es in 1926 bisher behauptet und auch
wohl weiter behaupten wird. Ihre alte Stelle beibehalten haben die
Niederlande, während Dänemark von Spanien mit rund 21 000 Dz. an
fünfte Stelle verdrängt wurde. Als neue Abnehmer neben Spanien
erſcheinen die Vereinigten Staaten, Braſilien, Kanada, Argentinien, die,
ſoweit es ſich momentan überblicken läßt, als zukunftsreiche Abnehmer
angeſprochen werden können.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 31. Dezember.
Auch die letzte Börſe im alten Jahre brachte bei anhaltend
beleb=
tem Geſchäft eine Fortſetzung der trotz aller Ultimoſorgen in den letzten
Zeit wieder zum Durchbruch gekommenen bemerkenswert feſten Haltung.
Das Börſenjahr 1926 hat ſich ſomit, abgeſehen von geringen
Unter=
brechungen, zu einem Hauſſejahr erſter Ordnung geſtaltet, das außer
einer bedeutſamen Verbilligung der Zinsſätze vor allem eine
Verdop=
pelung bis zuweilen auch Verdreifachung des Kursſtandes, namentlich
der Terminpapiere, brachte und ſich beſonders für das Bankgewerbe als
recht gewinnbringend erſvies. An der ſich heute fortſetzenden
Aufwärts=
bewegung, die ſich ziemlich auf alle Märkte erſtreckte, nahmen auch die
geſtern vernachläſſigten Papiere teil. Schiffahrts= und Bankaktien
er=
fuhren bemerkenswerte Beſſerungen von 2, vereinzelt auch 4 Prozent,
für Paketfahrt 7 Prozent, Barmer 8 Prozent. Auf den übrigen
Markt=
gebieten betrugen die Erhöhungen anfangs durchſchnittlich 2—3 Prozent,
wozu im Verlaufe verſchiedentlich noch 1—2 Prozent, namentlich bei
Papieren wit Anlagecharakter, kamen. Als bevorzugt und 4—6 Prozent
höher ſind zu erwähnen Eſſener Steinkohlen, Mannesmann, Rheinſtahl,
Theodor Goldſchmidt, Hamburger Elektrizitätsverke, Berliner
Maſchi=
nen, Ludwig Löwe, Philipp Holzmann, ſowie ſpäter Ilſe Bergbau,
Köln=Neueſſen und Schleſiſche Zink. Bis 7 Prozent höher ſtellten ſich
Zellſtoff Waldhof und Joſeph Berger. Im Verlaufe wurde das
an=
fangs lebhaftere Geſchäft etwas ruhiger und verſchiedentlich traten
leichte Schwankungen ei, ohne daß die Börſe von ihrer feſten
Grund=
ſtimmung erwas einbüßte. Am Rentenmarkt machte ſich für
Sachwerte=
anleihen, beſonders Landſchaftliche Goldpfandbriefe und auch
Vorkriegs=
pfandbriefe, etwas verſtärkter Amlagebegehr geltend. Ausländiſche
Ren=
ten veränderten ihren Kursſtand nicht weſentlich. Von türkiſchen waren
Anatolier nach anfänglich ſtärkerer Abſchwächung im Verlaufe etwas
erholt. Am Geldmarkt machte ſich vormittags noch ſtarke Nachfrage nach
Geld für einige Tage übe: U’tmo
zeut
gel=
tend. Später aber war Geld erheblich leichter. Der Privatdiskont
wurde heute für beide Sichten um je ½/s Prozent heruntergeſetzt, ſo daß
kurze Sicht 47/s und lange Sicht 4¾4 notierten.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 31. Dezember.
Die Börſe ſchloß das Jahr 1926 in ausgeſprochen feſter Haltung.
Der Kursbewegung kamen insbeſondere umfangveiche Verkäufe für dis
zu erwvartende Höherbewertung im Januar zugute. Die lebhafte
Ge=
ſchäftstätigkeit erſtreckte ſich auf faſt alle Aktienmärkte. Am
Montan=
markt waren Gewinne von ½—3 Prozent zu verzeichnen, mit Ausnahme
von Deutſche Erdöl, die bei 188½ 1 Prozent nachgaben. J. G. Farben
eröffneten zunächſt 326¾ (pl. 2½), gingen dann bis auf 327½,
Metall=
goſellſchaft 190 (pl. 3). Von Bankenwerten Deutſche Bank 192½ (pl 11/s),
Diskonto 182½ (pl. 2½). Von Elektrowerten A. E.G. 170 (pl.
Schuckert 170½, Lahmetzer 150 (je pl. 134). Sehr feſt lagen auch
Shiff=
fahrtsaktien, vor allem Hapag 177½ (pl. 5¾) Nordd. Lloyd 1733
(pl. 3¾). Wie am Vortage, war man von rheiniſcher Seite woiter ſtank
intereſſiert für Zellſtoffwerte. Aſchaffenburger Zellſtoff 169 (pl. 3½),
Zellſtoff Waldhof 214 (pl. 4½). Auch Zuckerwerte lagen wieder feſter.
Heimiſche Renten ſchloſſen ruhig 5proz. Kriegsanleihe 0,79 nach 0,785.
In Auslandsrenten war das Geſchäft belanglos.
Am Deviſenmarkt lag das engliſche Pfund gegenüber Kabel New
York mit 4,85½ D. unverändert. London=Pawis hörte man mit 122¾
Francs, Mailand mit 1077/ Lire, Holland 12,13 Gulden, die Schweiz
25,11½ Fres., Oslo 19,19 Kronen. Von Deviſen gegen Mark wurden
Dollar mit 4,2045 und Pfunde wit 20,/41½/s Reichsmark gehandelt. Am
Geldmarkt war Tagesgeld ſehr geſucht bei 6½ Prozent — bei der
Be=
ſchaffung kurzfriſtiger Mittel hat man heute wehr denn je
Lombardie=
rungen vorgenommen — Monatsgeld 6¾—8 Prozent. Diskont für
Warenwechſel 5%/, Privatdiskont 47/s bzw. 5 Prozent.
Deviſenmarkt.
Amſterdam=N
Auenos=Aires.
Früſſel=Antw.
Cslo
Kopenhagen
Stockholm
Kelſingſors.
Italien ..
London ..
Nen=York. .
Paris ..
Echneiz.
Spanien .
30. 12.
Eeld Brief
163.01/168.43
1.735/ 1.739
58.73/ 58.5,
06-17/106-43
112.09/112.37
31 12
Geld Brief
167.94/168.3
tre-2iſtt2.49
10.56
18.9
20.384
4.20 4.21
16.64
81-16
64.14
10.60
19.00
20.436
16.68
81.3
64.3
Wien D..Oft. abg.
1.7341 1.738/Prag..
58. 405 58.545/ Budapeſt( Pengö
106.07 108.33/Fapan..
112 02/112.30/Rio de Janeiro
112.18/112 46/Sofia.
10.557/10.597Fugoflavien.
18 89 18.93/Konſtantinopel
20.365 20.415/Liſſabon.
4.198/ 4. 208/2anzig ..."
16 595/16.635/Athen ..
81.08 81.28 Kanaba..
64. 18 64.34/Uruguay.
30. 12
59.26 59.40
12.432/12.47
73.48/ 73.66
2.056/ 2.064
0.498/ 9.500
3.04 3.05
7.407/ 7.427
2.11 2.12
21.57521.625
81.50
5.29
4193
4.25
81.70
5.3/
Aadt
st. 12
Geld /Brie / Gelb Briel
5.23 59.3
2.43 (12.47
3.44 H3.62
2.052/ 2.056
0.496/ 0.498
3.0351 3.045
7.397
2.112
21.525‟
81.45
5.2c
4.193
(. 26 4.25
7.417
2.122
21.575
81.85
5.31
4.203
4.26
Berliner Bankverein A.=G., Berlin. Das bekanntlich mit einem
A.=K. von 3 980 00) Rm. Stammaktien und 20 000 RM. Vorzugsaktien
arbeitende Inſtitut beabſichtigt, die Vorzugsaktien in Stammaktien
um=
zuwandeln. Gleichzeitig wird von der Verwaltung vorgeſchlage, das
A.=K. um einen von der HV. feſtzuſetzenden Betrag „ohne
Zuſammen=
legung von Aktien” herabzuſetzen. (O. H.=V. am 27. Januar 1927.)
Neue franzöſiſche Schatzſcheine. Durch einen im Journal Officiel”,
erſchienenen Erlaß des Finanzminiſteriums wird das Schatzamt
ermäch=
tigt, vom 1. Januar 1927 ab Schatzſcheine mit einer Laufzeit von einem
Monat bis zu einem Jahr im Betrage von höchſtens 5 Milliarden
Fran=
ken auszugeben. Die Schatzſcheine erhalten je nach der Laufzeit 3 bis
5 Prozent Verzinſung. Vom 1. März 1927 ab werden nur noch
Schatz=
ſcheine von über zwei Monate und vom 1. April 1927 ab nur noch ſolche
von über 3 Monate Laufzeit ausgegeben werden.
Zur Erneuerung des däniſchen Währungskredits. Die Meldung,
daß die däniſche Nationalbank ihren Vertrag mit den fünf führenden
Londoner Banken und der Hambros=Bank über einen Währungskredit
von 3 Millionen Pfund Sterling erneuert hat, wurde in Kreiſen der
Finanz und des Handels mit allgemeiner Genugtung aufgenommen,
obgleich vorausgeſetzt wird, daß für die tatſächliche Ausnutzung des
neuen Kredits auch keine Notwendigkeit entſtehen werde. Der Kredir
wird als Vorſichtsmaßregel im Zuſammenhang mit der Rückkehr zur
Goldwvährung angeſehen. Die Proviſion, die für die ganze
Kredit=
ſumme zu entrichten iſt, iſt weſentlich geringer als bisher, während die
Zinſen für die gehobenen Summen unverändert bleiben, d. h. 1 Prozent
mehr als der Diskontſatz.
Seite 17
Vom ſüddeutſchen Getreide=, Mehl= und
Futtermittelmarkt.
Die Feiertage ließen weder einen ſtarken Beſuch der
Produkten=
börſe, noch eine größere Geſchäftstätigkeit aufkommen. Die Lage des
Getreidemarktes iſt zwar ſoweit geklärt, da angeſichts der vorliegenden
ziffernmäßigen Angaben über die großen Getreideernten in Argentiwien
und Auſtralien jetzt wohl auf keiner Seite mehr au eine neue
Hoch=
bewegung geglaubt wird. Selbſt die Bemühungen der Manager des
kanadiſchen Weizenpools und eie Hochhaltung der Preiſe durch Käufe
in Chicago und Ausſtreuung der Meldung, daß das Ergebnis der
hana=
diſchen Ernte bisher um 6 Millionen ars. zu hoch angenommen worden
ſei, dürften den Preisrückgang ſo wenig aufhalten, wie die verringerte
Anbaufläche Indiens und das erneute leichte Anziehen der Seefrachten.
Im Durchſchnitt ſind die Forderungen für Ueberſee=Getreide im Cif=
Geſchäft im Wochenverlauf um 15 bis 20 holl. Cents für die 100 Kg.
ge=
wichen. Im Waggongeſchäft verlangte man zuletzt für die 100 Kg. netto
waggonfrei Mannheim ohne Sack, zahlbar netto Kaſſe, in Reichsmark:
Weizen inl. 29,75 (Vorwoche 30), ausl. 31—32, 50 (31,25—32,75), Roggen
inl. 25—25,25 (unv.), ausl. 26—26,25 (26,25—26,50), Hafer inl. 19—2
(unv.), Braugerſte 26,50—29,50 (26,75—29,50), Futtergerſte 21—22 (unv.),
Mais mit Sack 19—19,25 (unv.).
Da ſich überſeeiſcher Weizen für ſpätere Sichten billiger ſtellt, ſind
auch die Forderungen der ſüddeutſchen Mühlen für Weizenmehl
Spe=
zial 0 entſprechend abgeſtuft. Sie fordern für die 100 Kg. mit Sack für
Januar/Februar=Lieferung 41,25 RM.; März 40,75, April/Mai 40 RM.
(41,25—41,50), Roggenehl 34,50—37 (35—37). Futtermittel haben
ruhi=
gen Markt. Verlangt wurden je 100 Kg. ab ſüddeutſche Stationen:
Kleie 11,50—12,25, Futtermehl 14—14,25, Nachmehl 22—22,50,
Malz=
keime 16—16,75 RM., Futterkuchen ebwas abgeſchwächt.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 31. Dezember. Am heutigen letzten
Börſentage des alten Jahres hielt ſich die Geſchäftstätigkeit am
Pro=
duktenmarkt in allerengſten Grenzen und auch der Beſuch ließ viel zu
wünſchen übrig. Die amerikaniſchen Meldungen von den Weizenmärkten
lauteten etwas feſter, und auch die Cifforderungen für nord= ſowie
ſüd=
amerikaniſche Provenienzen waren leicht erhöht. Daraufhin erfuhren
die Frühjahrsſichten eine leichte Befeſtigung. Die heute noch auf
Dezem=
berkontrakte zur Andienung gekommenen Mengen Roggen ſind
größten=
teils kontraktlich erklärt worden, und ſowohl für Roggen als auch für
Weizen ſcheint die Dezemberabwickelung glatt vonſtatten gegangen zu
ſein. Der Mehlmarkt lag ſehr ſtill. Genau ſo haben Gerſte und Hafes
ruhiges Geſchäft bei unveränderter Marktlage.
fm. Pforzheimer Edelmetallnotierungen vom 31. Dezember.
Edel=
metalle notierten folgende Großhandelspreiſe: Barrengold das Gramm
2,795 RM. (Geld), 2,812 RM. (Brief); Platin, handelsübliche Ware,
das Gramm 13,75 RM. (Geld), 14,20 RM. (Brief); Feinſilber das
Kilo=
gramm 73,50 RMM. (Geld), 74,80—76,30 RM. (Brief). Tendenz: Ruhig.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Verhandlungen über die neue Regelung des Tarifes für die
deutſche Schuhinduſtrie, die im Reichsarbeitsminiſterium ſtattfanden, und
ſich bis in die ſpäten Abendſtunden erſtreckten, wurden, da ſich noch keine
Einigung ergab, am geſtrigen Tage fortgeſetzt. Ein Ergebnis liegt noch
nicht vor.
Durch einen Erlaß des Präſidenten iſt die Deutſche Bank für
Süd=
amerika zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit ermächtigt worden.
Nach vierwöchiger Stabilitätsperiode hat das Kupferkartell ſoeben
ſeie Notierung für Wireburs von 13,95 Cents per engliſches Pfund
(entſprechend einer Parität von 122,50 RM.) auf 13,85 Cents (entſprechend
128,55 RM.) herabgeſetzt.
Nach dem vorläufigen amtlichen Bericht über den däniſchen
Außen=
handel im November betrug die Einfuhr 160 Millionen Kronen
ein=
ſchließlich 9 Mill. Kronen Weiterausfuhr. Das ergibt alſo einen
Ein=
fuhrüberſchuß von annähernd 43 Mill. Kronen.
Das neue ungariſche Zahlungsmittel, der Pengö, iſt von der
Be=
völkerung mit großem Erfolg aufgenommen worden. Vor allem herrſcht
Nachfrage nach den ſilbernen 1 Pengö=Stücken und nach den 5= und 10=
Pengö=Noten. Der Handel iſt bereits ausſchließlich zur neuen
Wäh=
rung übergegangen.
Die rumäniſche Generaleiſenbahndirektion hat mit den Deutſchew
Vereinigten Stahlwerken einen Vertrag über die Lieferung von
ver=
ſchiedenen Materialien abgeſchloſſen. Die Lieferung, die ſich bis auf
2 Millionen Lei beläuft, ſoll auf Reparationskonto Deutſchlands
erfolgen.
Die Meldung über den Abſchluß des rumäniſchen Schienengeſchäftes
mit der Firma Otto Wolff auf Repavationskonto iſt nach ergangenen.
Informationen dahin zu berichtigen, daß der Schienenauftrag ſich nicht
auf 40 Mill. RM., ſondern auf 32 Mill. RM. beläuft. Die Tatſache des
Abſchluſſes ſelbſt ſei nicht mehr zu bezweifeln.
Der ſpaniſche Miniſterrat hat ein Handelsprobäiſorium für Vie
Monate Januar und Februar 1927 mit Griechenland gebilligt, um der
griechiſchen Regierung Zeit zu geben, ſich über gewiſſe Punkte des
end=
gültigen Handelsvertrages ſchlüſſig zu werden.
Mit 31,5 Mill. Dollar Kapital wurde eine nach dem Muſter des
Federal Reſerve Syſtems aufgebaute amerikaniſche Rediskont=Bank
ge=
gründet, die die weitgehende Finanzierung von Abzahlungsgeſchäften
der Autofabriken, Warenhäuſer uſw. bezweckt.
Nach einer New Yorker Meldung ſind im November 17 neue
Pe=
troleumgeſellſchaften mit einem Kapital von 64 950000 Dollar in den
Vereinigten Staaten errichtet worden.
Die November=Produktion der drei größten Petroleumtruſts Baku,
Grozny und Emba ſtellte ſich auf 815 600 Tonnen gegen 782 230 Tonnen
im Oktober.
Die Nettoeinnahmen der zur erſten Klaſſe gehörenden amerikaniſchen
Eiſenbahnen werden für 1926 auf 1250 Dollar geſchätzt, was einer
Rendite von 5,23 Prozent auf den Buchwert der Aktiven gleichkäme.
Staatspapiere
z) Deutiche
6 ½½Reichsp.= Sch.
p. 1. 10. 39 ...
7½ Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29
6‟,% H. B.=Sch.
p. 1 4. 29
% Pr St.=Sch.
p. 1. 3. 29
6‟-% Pr. St.=Sch
p. 1. 10. 30
2% Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1 7 29
72 Sächſ. Fr.=Sch
p. 1. 7. 30
6‟1.%Württ. F. Sch.
p. 1 2 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen
Vorkriegsanleihen
5% D Reichsanl.
4% D. Reichsanl
4% D. Schutzgb. v.
08—11 u. 13
4½ D. Schutzg. v.14
4%½ Preuß. Konſ.
4% Baden.
4¾Bayern".
4½ Heſſen
4½ Württemberger
b) Ausländiſche
5½ Bos. E.B 1914
5%„ L.Inv. 1914
4½½ 1298
4½½ 1902 ...
4½
5% Bulg. Tabal02
4½% Oſt. Staarsr.
v. 1913, Kdb. 1918
4½LOſt. Schatz. 141
Ree
98
AJz
99.5
97.5
116
0.797
16.40
38.5
37
5.8
34.5
1½%Oſt. Silberr.
Goldr
42
2 „einh. R. (kon
6.05
23.5
2.15
3% Port. (Spz) III
5% Rum am. R.03.
4½% Gold. 13. 24
4½ „ am. konv.
4½ „ am 05
9
4¾ Türk. (Adm.)03/ 14
4% Türk. Bagd. I
4% (Bagb.) II 21.5
4% „ 1911 Zoll./ 25.9
4½% Ung. St. 1913
4½% St. 1914
4½ „ Goldr. 26.7
„ St. 10 23
„ Kronr.
Eiſ. Tor. G. 28
Außereuro=
päiſche
5% Mex.am.inn 232,
50
5% äuß 99
4½ Gold 04,ſtf. 31
3% „ kon). inn. 12.75
4½% „ Irrigat. 3
5% Tamaulipas 1 / 23
Sachwert=
Echuld=
verſchreibungen
Mit Zinsberech
nung
10% Berl. H.-Bk. G. /109.25
3% „ „ „ „1102.5
6% Berl. St.=Gold
8½ Darmſt St. G./ 97
8% D. Hyp.=Bant
Meining., Goldpf. /101.75
3% Frif.=Hyp.=B.=
Goldpfdbr
200
3% Frlf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr..
101
5% Frlf. Pfbr.=Bk.
Golbpfbbr..
Iso
8% Komm. Ldb. D.,
Golbſchuldver
80 Heſſ. Ldb. Gold.
10% Komm: Elektr.
Mark (Hag.) Gold
8½ Wannh. St.=E
80 Mainz St.=G.
82 Naſſ. Ldb. Gold.
3% Pfälzer H. B
Goldpfandbr.
80/ Pforzh. St.=G.
82 Br. C.. B. Cr.=B.
Goldpfandbr.
88. R).Hyp =B. G.
71/,½Rh. St.-W. 25
10% Rh.=Weſtf. B.
Cr.=Bk. Goldpf.
8%
32 Süd6. B.-Cr.=B.
Goldpfandbr. . . .
Ohne Bins:
berechnung
52 Bbw. Kohl. 23
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſ. Brk.=Rog.
23
5%=Roggen 23
5% Pr. Kaliwv. ..
5% Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. G
Vorkriegs-Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bahr. Handelsb.
Bayr. Hyp. u. Wech)
Berliner Hyp. Bk.
Frlf. Hyp.=Br. ..
Frkf. Pfandbr.=B 15.8
Hamb. Hyp.=B..
Mecklb Hyp.=u. 331
Meining. Hhp. B1. 12.2
Nordd Gr.=Cr.=Bf
Pfälz. Hyp.=Bl...
Preuß. Bod. Cr.=B.
Pr. Cent.=B. Cr.=B.
93
192
99
103
99..5
138
1C5
101.5
13.8
4.3
8.25
5.9
2.35
21
22
19.4
15.02
12.6
8.8
1 5.5
13.1
Preuß. Vfdbr.=Bl.
Rhein. Hyp.=B.
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B
Südd. Bodenkr.
103.25 Württ. Hhp.-Bk.
Staatl. od. prov.
garanti rt
Heſf. L.=Hyp=B..
Landeskr. Caſſel.
Naſſau. Lbsb. .
Obligationen v.
Transportanſt.
4%Dux. Bdb Em.91
„ 93
42 Eliſ.=Bahn ſtir.
42 Galiz. Carl=
Lud.=B.
4%
abg.
4½ Kaſchau=Oderb.
4½
„ abg.
5% Oſt. Nwſtb. 74
5% Oſt. Südb. (L).
2.6% Alte
2,6% Neue,
5% Oſt.=Ung. 13/74
4%Oſt. Staatsb. 83
3% Oſt. . 1.b.8. E.
3%Oſt. „. 9. E.
3%Oſt. . 1885
3½Oſt. . Erg. Netz
3½ Raab Oedbg. 83
3%
vi
425 Rud. Silber
4 Rud. Salzig.)
4½% Anat.. S.1
4½% Anat., S. II
4½% Anat., S. III
3% Salon. Monaſt.
5½ Tehuantepec. .
½%
Bank=Aktien
Allg. D.-Kredit: . . 181.25
9.5
13.32
11.9
15.9
15
12.1
9.1
s
13.25
14:)
20
19‟
33
27
23.5
11.5
Bad. Bk. . . . . . . . . 165
Bk. f. Brauind.
Barmer Bankb. 184.75
Bay. Hyp.=Wchſ.. 1195.5
Berl. Handelsgeſ. *75
Comm. u. Privatb. 1228
Darmſt. u. Nat.=Bk. /268
Deutſche Ban: .. . 1191
D. Eff.u. Wchſ.=Bk. 138
D. Hyp.=Bf. Mein./152
D. Vereins=Bk. 1115
Dist.=Geſellſch.
182
Dresdener Bk.
175
Frankf. Bk.
13R/,
Frkf. Hyp.=Bk.. . . . 182
Frtf. Pfdbr.=Bk. . . /170
Gotha. Grundfr. Bk.
Lux. jutern. Bank/ 13
Metallbank.
Mitteld. Crebitb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbk.
Rhein=Hyp.=Bk. ..
Südd. Disc.=Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankoerein
Bergwerls=Akt.
Bochum.Bergb. ..
.
Buderus..
Dt. Luxemburg . . .
Eſchw. Bergw... .
Gelſenkirch. Bgw. 1125
Harp. Bergb..
Ilſe Bergb. St.. . . /269.25
Genußſchein. 162
Kali=Aſchersleb. 1 9.75
Rali. Salzdetfurt.
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerte .. . /180.
Mannesm.=Röhr. 1212
Mansfelder ......!
berbedarf .. . .."
Otavi=Min.=Ant.. . 40.7:
Phönir=Bergb. . . . 1140
Rhein. Braunk. . .
Rhein. Stahlw.. . . .
A. Riebeck Montan).
Rombach. Hütte,
84
176
18 .5
71.5
141
183
263
8.9
184
119.5
184
174
193
167.25
148
09
186
13.8
Salzwerk Heilbr.
Tellus Bgb.. . . . . . 110
Ver. Laurahütte . . 83.5
Ver. Stahlwerke. 1157.5
Indnſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.
Henninger .......
Hereules. Hefſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof(Bind.)
Schwarz=Storchen
Tucher. Nürnberg
Verger ........
135
167
275
Me
152.25
Rrkum. Berlin. /161
Adler & Oppenh.. 1140
Adlerw. (v. Klehzer)/118
6%E. A. G. Vzg. A. 1 93.3
5%A. E. G. Vzg. B. 85.5
A. E. G. Stamm . . . /170
Anglo ont. Guano/ 110
Aſchaff. Zeſlſtoff ../170
Sadenia (Weinh.)
Bad. Maſch. Durl. /110
Bad. Uhren, Furtw./ 33
Bamag=Meguin ../ 53.5
Baſt Nürnberg .. . /168
Bahr. Spiegel
72.75
Beck & Henkel.
188
169
Bergmann El. .
Bing. Metall..
45
Brem.=Beſigh=Ol. . 84
Bürſtenfbr. Erlang.
Sement=Heidelb. . . 1147
Sement, Karlſtadt
Cement, Lothr.. . . 33
Shem. Albert . . . . . 160
Them. Brockh. . . / 84.5
hem. Milch.
150
Daimler=Benz A. G./ 68
Dt. Eiſenhandel . . / 94.5
Deutſche Erdöl .. . 1a8
D. G. u. Silb. Scheid. /203.75
Dingler, Zweibrück,
Ket Knu
Dürrkopp..
Dürr. Ratingen
Lhckerhoff & W.
Eifenw. Kaiſersl.
7 Licht= u. Kraft
E. Sieferung . .../169.75
Elſ. Bad. Wolle 61.25
Email. Ulrich
Enzinger Werke .. 93.5
Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn..
Fauer Bleiſtift .. . 109.75
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens.
Farbeninv. J. G. 327.75
Felten & Guilleau.
Feinmech. (Jetter)
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.=M. Pok. u. W.
Fuch Waggon St
Geiling & Cie..
Germania Linol.. 1220
Gelſenk. Gußſt. . .
Goldſchmidt, Th.
Gotha Waggon ..."
Griyzner, Maſch.. . . 134.75
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft
Haminerſen
Hanfw. Füſſen ..."
Hanſa Lloyo, Br.
Hartm. & Braun.
Heyligenſtaedt . . . . 38.5
Hilpert, Armatur.
Hinorichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer.
Hoch=Tie Eſſen .
Holzmann .."
Holzverk. Ind. . . . . 73
Hydrom. Breslau ./ 61.5
Fnag ... ..... .. .! 75
Fun han: St... . 110.1
Kammg. Naiſersl.
Rarlsruher Mach. 48
Ve
/83.5
52
86.5
166
210
101
4.
91.75
76.5
140
93
93
0.*49
95
14.25
150
22
168
11..5
119
E7
127
73
100
114
118.5
174.25
145
Karſtadt, R.
165%
Rlein Sch. & Beiker 105
Knorr, Heilbronn 163
gonſerv. Braun /70
Krauß. Lokom. . . . 80
Lahmeher ..
149
Lech. Augsburg. .. 129
Lederw. Rothe ... 41
Spi harz.. 3.)
Lingel Schuhw..
Löhnberg. Mühle ./54 5
Ludwigsh. Walzm. 120
Züdenſcheid Metall/120
Lux, Induſtrie . . 35
Mainkraft Höchſt 127
Nars=B. Nürnberg/445.5
Metallgeſ. Frkf.
Miag. Mühlenb. 138
Moenus, Stamm . E7.25
Motorenſ. Deutz ..
Motorenf. Oberurſ./ 5
Münch. Lichtſpielk.
110
Reckar). Fahrz.
Neckarw. Eßlingen 1132
Beters linion
131
Pſälz. Näh Kayſerl 59‟,
Philipps..
49.25
Porzellan Weſſel
Brometh. Frkf. .
30
Rein. Gebb. & Schalf1 2)
Rhein. Elektr. .. . . 185
Rhenania, Aachen n4
Rütgerswerke
144
S hleußner .. . ..."
Shneid. E Hanau./ 73
Shnellpr Frank. 95.5
Shramm Lackf. 8.
Schrift, Stemp.
Schuckert, Eleftr. 1171
Schuhf. Weſſel . 73.25
Schuhf Herz .... 73.-
Schuls Grünlack / 54
Seilind. Wolff ... 98
Siemens Glas ... 172.5
Siemens & Halste 1202.5
Südd. Immob. 89
ahren Furtwängl.
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Ver. v. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
* Gummi. Bin.=Frkf.
Binſel=Nürnberg
uitramarin .. .. .
Zellſtoff Berl. ..
Vogtl. Maſch. . .
Voig: & Haeffner
Bolthom. Seil
Bahß. & Frey ia .
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhof
Zucker). Waghät
Zuckerf. Frankenth.
Zuckerf. Heilbronn
Zucker Offſtein
Zuckerf. Rheingau
Zuckerf. Stuttgar1
krausport und
Serlicherungs-Akt.
A. Dt. Eiſenbahn .."
Dt Eiſenb.=Geſ...
El. Hochbahn=Beri.
Schantung E.B...
Südd. (iſenb.=Geſ.
Hapag ....."
Norbb Lloyd. . . ..
Thüring. Lief.Geſ.1105
Frkft. Allg. Verſ.
Frankona Rückv.
Darmſt. Berte
Bahnbedarf
Dampft. Rodberg
Belpet ic Kon)..
bebu. Lutz ....."
„Notor . Darmſt
Gebr. Roeder ...."
Venulety & Ellenh.
731,
5
83.5
82
Ta
A=
85
165
124
245
144
117.75
1ag.5
187
143
144
98
117
15.75
1a0
175.75
174.5
114.75
62
35
41
58
130
Seite 18
Gamstag, den 1. Januar 1927
Nummer 4
Union-Theater
Residenz- Theater
(am Weißen Turm)
Das große Felertagsprogramm
Harry Piels 75. Jublläumskllm
der mit den größten Sensationen und Zirkus:
Atraktionen hergestellt wurde
Was istlos im Zirkus Beely?
Die gensationelle Pariser Bomanverfilmung von
Eiément Vautel
Hadame
wünscht keine Kinder
Sittenbild in 6 Akten
Hanptdarsteller Hauia Corda, Harry Liedke
Harold Lloyd in dem Lustspiel
„Er als Soldat
Die I.GZarleston-Tanzstunde
im U.-T.
1000 Schritte
Charleston
Der neue Tanz- Kurs
4 Tanz-Stunden
mit Viekte uud Robert
Hauptdarsteller: Harry Plel, Hanni Weise,
Jona Karolewna,Erieh Kaiser-Tietz. Eugen Bury
„Er”” als Prärle-läger 115
Lustspiel mit Harold Lloyd
Anfang 2½ Uhr. Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.
Anfang 2 Uhr
Letzte Abendvorstellung 8 Uhr. (*114
7 köstliche Akte von Sport und schönen Frauen
(496
Ueberall das Tempo, das die Zeit verlangt! (19-42
Lustsplel, 2 Akfe.
Neueste Wochenschau.
Jugendliche haben Zukritt!
Nur
heute und morgen
Jazz-
Orchester
DRBHE4
Gastspiel des Frankfurter Theaters
Stdeie Mätz
Da8
Urkomischer Schwank in 3 Akten
Lachen ohne Ende!
Heiterkeitsstürme!
von O, Schwarz und E. Mathern
Nur
heute und morgen
Jazz-
Orchester
Karten: Verkehrsbüro u id Zeitungs-Kiosk, Ernst-Ladwigspla
ORPHEUM
R
Eintriit preise: 0.80 bis 2.50
Palast Lichtspiele
neueste Harold Lloyc-Ffim in der das Leben
sprüht und der Humor alles Mögliche überschreitet
Ii
der
Ria.
TURRHALLE HOOGSPLATZ
Heute Samstag, 1. Januar, abends 8 Uhr.
Restkonzart mit Ball
Städtisches Orchester, Leitung M. Weber
Urbach: Hier Schlager! Wer dort?
Adam: Postillon
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Samstag, den 1. Januar 1927
abends 7½ Uhr
Außer Miete
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von Dr. Georz Büchner
In Siene geſetzt von Eduard Göbel
Bühnenbild: Georg Pfeiffer
Spielwart: Ernſt Langsdorf
Aufgeführt durch die Heſſiſche Spielgemeinſchaft
Perſonen:
Knotterich, Rentner . . . Julius Harres
Karoline, ſeine Frau Elſe Arnold
Marie, deren Tohter Elſe Schopp
Eduard, ihr Sohn (Sekundaner Hans 2Solff
Faß, Bierbrauer . . . . . Gg Rodenhäuſer
Heinrich, ſein Sohn . . . Ernſt Ld. Stay
Edmund Moſenro h, Priwaner. H. Karres
Dr Spiehrer, Gymnaſtal=
.. . Ernſt Ld. Göbel
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Preiſe der Plätze: 1, 2, 3 Mk.
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Ende 10 Uhr
Anfang 7½ Uhr
Großes Haus
Sonntag, den 2. Januar 1927
nachmittags 2 Uhr
Außer Miete Zum letzten Male
Brumm, der Bär
Märchen von Sepp Deutſch
Muik von Alf Neſtmann
Preiſe der Plätze: 0.50, 1.-, 1.50 2.-, 2.50 Mk.
Abends 7 Uhr D 9
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Hänſel und Gretel
Märchenoper von Engelbert Humperdinck
Die Puppenfee
Ballett=Pantomime von Joſeph Baher
Preife der Plätze: 1 bis 10 Mk.
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nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
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Anfang 7½ Uhr Preiſe 1—10 Mk.
Kleines Haus
Sonntag, den 2. Januar 1927
abends 7½ Uhr
Zuſatzmiete VI. 8
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Die Geſchwiſter
Schauſpiel in einem Akt von Goethe
In Szene geſetzt von Ernſt Legal
Perſonen:
Wilhelm, ein Kaufmann . Joachim Büttner
Marianne ſeine Schweſter Küte Foerder
Fabrice . . . . . . . . . Robert Klupp
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Die Mitſchuldigen
Luſtſpiel in Verſen und drei Akten von Gvethe
In Szene geſetzt von Ernſt Jegal
Perſonen:
. . . Hugo Keßler
Der Wirt ..
Soohie, ſeine Tochter Beiſie Hoffarth
Söller, ihr Mann . . . . Robert Kluxp
Alceſt . . . . . . . . . . W. Mahenknecht
Ein Kellner . . . . . . . Ernſt Rottluff
Der Schauplatz iſt im Wirtsl aus
Spielwart: Adolf Schmidt
Die Bühnenbilder derbeiden Stücke ſind nach
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Preiſe der Plätze: 1 bis 6 Mr.
Eintritt der Mieter in den Luſchauerraum
nur gegen Voxzeigung der Mietkarte zuläſſig
Pauſe nach dem erſten Stück
Anfang 7½ Uhr Ende 10 Uhr
Montay, 3. Januar. Keine Vorſtellung
Dienstag, 4. Januar. Keine Vorſtellung,
Numsner 1
Samstag, den 1. Januar 1927
Seite 19
Die ioie Bersogin.
31)
Roman von E. Klein.
(Nachdruck verboten.)
„Ich habe meinen Revolver dort fallen laſſen — —,”
ſtan=
melte ſie.
„Und ich meinen Hut! Das iſt nun einmal nicht zu ändern.
Trägt der Revolver irgendwelche Zeichen?”
„Mein Vater hat ihn mir geſchenkt, als ich Mädchen war.
Er trägt die Initialen G. B.”
„Es gibt viele Menſchen, die G. B. heißen! Ich denke auch
nicht, daß ſie aus meinem Hute viel Weisheit ſchöpfen werden.
Es iſt ein Borſalinohut wie tauſend andere, und nicht einmal
gezeichnet; in Cannes habe ich ihn gekauft. Wir brauchen uns
alſo dieſer beiden Gegenſtände wegen nicht zu ängſtigen. Und
ſollte doch — was ich für ganz und gar ausgeſchloſſen halte —
die Polizei auf uns aufmerkſam werden, nun —
Er zuckte die Achſeln. Doch ſie verſtand ihn vollkommen.
„Nie, Harald,” rief ſie, und mit einem Male war alle ihre
alte Kraft und Entſchloſſenheit in ihr, „werde ich zugeben, daß
Sie meine Tat auf ſich nehmen! Niel Ich ſehe ein, daß Sie
recht haben, wenn Sie mir raten, mit Rückſicht auf meinen
Vater und meinen Namen zu ſchweigen, aber ebenſo gebietet
es mir meine Ehre, nicht zu ſchweigen, wenn es die Tat zu
ver=
antworten gilt.”
Gelaſſen trat er wieder an die Türe und in ſeine
abwei=
ſende Haltung zurück.
„Darüber wollen wir nachdenken, wenn die Notwendigkeit
dazu da iſt, Frau Herzogin,” ſagte er.
Es klopfte, Mutter Anne trat ein.
„Kindchen, Grace iſt an Telephon,” meldete ſie.
„Gracc?”
Glorig /vollte das Zimer raſch verlaſſen, doch Harald hielt
ſie an der Türe zurück.
„Frau Herzogin, bitte weiner — — Lady Grace nichts
da=
von zu ſagen, daß ich in London bin.” Und als ſie ihn
über=
raſcht anblickte, fügte er hinzu: „Ich bin mir noch nicht
ſchlüſſig —
Dunkles Rot der Scham ſtieg ihr ins Geſicht. Sie glaubte
ben Grund ſeiner Unſchlüſſigkeit zu verſtehen —
Sie ſtand am Telephon. Von der andern Seite kam die
Stimme der Schweſter, kaum vernehmbar in ihrem Zittern —
„Ich — ich halte es nicht mehr aus, Gloria. Warſt du dort?”
„.
Gloria ſelbſt konnte kaum ſprechen.
„Haſt du die Briefe?”
Die Brieſe — — die Briefe! Sie klammerte ſich un den Tiſch,
auf dem der Apparat ſtand — — das Zimmer drehte ſich um ſie
— Die Briefe! Die Briefe — —! In ihrer Seelenangſt
hatte ſie die Briefe ganz und gar vergeſſen — —! Die Polizei
würde ſie finden, wenn ſie die Wohnung durchſuchte —1
Die Briefe — die Briefe!
„Ich habe ſie nicht,” röchelte ſie endlich.
Ein Aufſchrei Graces —
„Komm morgen ſofort herein,” ſagte Gloria. „Ich kann am
Telephon nicht ſo ſprechen —
„Um Gottes willen, — was iſt da paſſiert? Er wollte dir
doch die Briefe geben! Ich werde ja verrückt!”
Da lachte Gloria auf, wild, verzweifelt, namemlos erbittert.
„Ich bin es ſchon!” gab ſie zurück. „Deinetwegen! Ich
er=
warte dich morgen ſo früh wie möglich.”
Und ohne Grace Zeit zur Andwort zu geben, hing ſie den
Hörer an. Der Zorn über die Schweſter wütete in ihr.
Sie kaun in den kleinen Salon zurück. Mutter Anne wartete
hier allein, damit beſchäftigt, Holz in den Kamin nachzulegen.
Hamstag, den 1., u. Sonntag,
den 2. Januar 1927:
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„Wo iſt Lord Neville?”
„Er iſt fortgegangen.”
„Hat er ewas geſagt?”
„Nichts, Kindchen. Willſt du wm nicht wirklich zu Bett
gehen? Ich habe in deinem Zimmer Feuer machen laſſen —
Gloria hörte ſie nicht.
Die Briefe — die Briefe! Und — und — — ſie preßte die
Hände auf die Bruſt, um den Schrei der Verzweiflung zu
unter=
drücken, der füh in ihr empor wollte—
Der Vertrog! Wer hatte ihn? Was waren ſchließlich die
Briefe? Mochte Grace ernten, was ſie geſät! Aber der
Ver=
trag — —! Wer hatte ihn geſtohlen? Wer beſaß ihn jetzt — —
Ihre Tat umſonſt
„Kindchen, Gloria — —!” Eiligſt lief die alte Fraut herbei
zu ſpät —
Zum erſten Male in ihrem Leben, war Lord Burnhams
Tochter, die tolle Herzogin, in Ohnmacht gefallen.
XyII.
„Zum Teufel,” ſagte Sir Walter Ryce, aus der Tiefe ſeiner
Seele heraus. „Ob der Menſch ſich auch einmal einen
ungeſtör=
ten, vergnügten Abend gönnen kann? Verfluchter Kerl,
aus=
gerechnet jetzt muß ſich dieſer Las Valdas umbringen laſſen!
Wenn er nicht ſchon tot wäre, bei meinem Onkel und beim
Teu=
fel, was auf eins herauskonnmt — ich hätte gute Luſt, ihn für
ſeine unerhörte Rückſichtsloſigkeit ſelber kalt zu machen.
Ver=
dammt, ud Sie dazu, Blake, Sie alte Trauerunke!”
Blake, der Kriminal=Sergeant, der Sir Walter aus Princes
Reſtqurant herausgeholt hatte, grinſte mit innigem Verſtändnis
zu dieſem Erguß einer blumenreichen Sprache, in der Sir
Wal=
ter ſeinem Herzen Luft machte. Aus einem feinen Reſtaurant
und — Blake kannte den Neffen ſeines hohen Chefs — an der
Seite einer ſicher überaus entzückenden jungen Dame weggeholt
zu werden, um ſich in die myſteriöſen Freuden eines Mordes zu
ſtütrzen, war mehr, als ein mit normaler Geduld begabter Menſch
zu ertragen verpflichtet war. Selbſt wen er im geheimen Dienſte
Seiner Majeſtät ſtand.
Sir Walter Ryce, Nefſe und vertrauter Mitarbeiter des
Generals Sir Arthur Ryce, des Chefs der Londoner Polizei,
hatte ſich gerade mit Minnie Knox, dem ebenſo bezaubernden wie
vielverſprechenden Star des Palladium zum Souper
niederge=
laſſen, als Blake den Kopf zur Türe hereinſtreckte und ihn durch
den Kellner in die Lobby bitten ließ. Hier brachte er
pflichtſchal=
digſt ſeine Meldung an den Mann. Mit der ſoeben bereits
ge=
ſchilderten Wirkung.
„Als Seine Exzellenz Bericht von dem Morde erhielt,”
er=
gänzte er dieſe Meldung, „ſprach er ſofort die Anſicht aus, daß
dies mit Rückſicht auf die geſellſchaftliche Stellung des
Ermor=
deten ein Fall für Sie wäre, Sir Walter, und beauftragte
In=
ſpektor Gernot, Sie ſuchen zu laſſem.”
„Die Peſt über die Rückſicht, die Peſt über die
geſellſchaft=
liche Stellung, die Peſt über den Erwordeten, die Peſt über
In=
ſpektor Gernot, über ſeine Ex — — —” ſang Sir Walter, voller
Inbrunſt, ging ins Reſtaurant zurück, ſetzte der ſchönen Minnie
die Lage der Dinge auseinander, bezahlte das Souper, das er
nur beſtellt und nicht gegeſſen hatte, lud Minnie in ein Tari,
ſich ſelbſt und Blake in ein anderes und fuhr mit ihm nach
Ber=
keley Square 26.
Hier wartete bereits Inſpektor Gernot mit dem Polizeiarzt
ſowie mehreren Kriminalbeamten auf ihn. In einem Fauteuil
lehnte der Konſtabler, der nach Newille ins Haus gedrungen war
und mit ihm den Boxmatch ausgefochten hatte. Der Schlag, der
dieſen Kampf beendete, mußte wahrlich überaus ſtark geweſen
ſein denn der Mann, der wirklich ſelbſt für Londoner
Polizei=
verhältniſſe nicht klein und ſchwächlich geraten war, konnte noch
immer nicht gerade aus den Augen ſehen. Wäre ſein Schädel
nicht iriſch geweſen — wer weiß, ob er nicht als zweites Opfer
der Tvagödie auf dem Schauplatz geblieben wäre. Run hockte er
da. Stärkte ſich an dem Whisty, den ihm der Arzt von Zeit zu
Zeit einflößte — viel zu wenig nach der Meinung des waderen
O’Neill in Anbetracht des Hiebes, den er in Ausübung ſeines
Berufes hatte einſtecken müſſen.
„Guten Abend, Gentlemen,” ſogte Sir Walter, als er in das
Mordzimmer trat, klemmte das Monokel ein und beſah ſich
zu=
nächſt wit allgemeinem Rundblick das Ganze. Gernot hatte
nichts angerührt. Der Arzt hatte die Unterſu hung des Toten
ſo vorgenommen, daß deſſen Lage dabei nicht veränderr wurde.
Obwohl Sir Walter Ryce keinen offiziellen Grad in der
Hierar=
chie von Scotland Yard einnahm, ordnete ſich ihm dennoch bei
der Arbeit jeder gern unter. Nicht nur, weil er Reffe des Chefs
war, ſondern weil er auch weitaus der tüchtigſte, intelligenteſte
und ſchlaueſte von allen Tüchtigen, Intelligenten und Schlauen
war. Sein Spezialgebiet waren die Verbrechen, die in den
beſſeren Ständen begangen wurden. Mit einem ſchäbigen
Raub=
mörder in Eaſtend gab ſich Sir Walter Ryce nicht ab. Solch
arme Teufel waren auch leicht zu faſſen. Anders aber, wem
man einem Verbrechen gegenüberſtand, das Intelligenz und
Bildung geplant und ausgeführt hatten. Da trat der elegante,
monokelbewaffnete Sir Walter Ryce in Aktion.
Jetzt ſtand er da, in ſeinem tadelloſen, Frack, den Klapphut
hinten im Genick und ſtudierte die Szene. Mit flüchtigem Blick
nur ſtreifte er den Toten ſelbſt. Die Kugel, die der ruhmreichen
Laufbahn des Portugieſen ein Ende bereiter hatte, war ihm ins
Herz gedrungen — ohne Zweifel war der Tod ſofort eingetretem.
Las Valdas lag noch ſo, wie er nebem dem Schreibtiſch
nieder=
geſtürzt war, auf dem Rücken, lang ausgeſtreckt, die Hände
zu=
ſammengekrampft — weit aufgeriſſen noch die Augen —
„Er muß furchtbar erſchrocken ſein,” meinte Inſpektor
Ger=
not. „Kommt mir vor, als ob ihm der Revolver ganz plötzlich
und unvermutet entgegengehalten worden wäre.”
„Die meiſten Leute pflegen zu erſchrecken, wenn ſich ihnen
ein ſchußbereiter Revolver vor der Naſe präſentiert,” ſagte Sir
Walter. „Uebrigens ein hübſcher Kerl! Man kann ihm ſchon
die Weibergeſchichten zutrauen, die von ihm erzählt werden.”
Neben dem Toten lag die kleine Uhr aus weißem Marmor,
die gleichzeitig mit ihm zu Boden" gefallen war. Ihr
Glas=
gehäuſe war zerſplittert, die Zeiger zerbrochen, und auch die
Marmorwände waren zerriſſen. Das Innere des Werkes total
zerfetzt
„Hm.” knurrte Sir Walter, „Gernot, haben Sie ſich die Uhr
angeſehen?”
„Nein, Sir Walter, ich wollte ſie nicht aufheben, bevor Sie
kamen. Las Valdas wird ſie wohl in ſeinem Sturz mitgeriſſen
haben.”
„Meinen Sie?”
Sir Walter ließ ſeinen Blick von dem Schreibtiſch zu dem
Toten hin und her gehen. Maß mit ihm Entfernungen und
Möglichkeiten. Dann legte er die Uhr genau auf denſelben Fleck
zurück, von dem er ſie aufgehoben hatte.
„Wir werden ja ſehen,” ſagte er, und wandte ſich zu dem
Konſtabler, der ſich langſam, langſam erholte.
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der Finanzkreiſe der Pfalz.
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Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
der Friedrich Karl Schlamp Ehefrau, Luiſe, geb. Köhl
in Lorſch, im Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 11. Januar 1927, nachm. 31), Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer 219, verſteigert
werden.
(16360a
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
treckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 8. September 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlägs die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtüchs:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XII, Blatt 616
Betrag der
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bis Samstag, den 8. Januar,
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ten Architekten einzureichen, woſelbſt die
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(515
Darmſtadt, den 1. Jan. 1927.
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Ram=
ſtädterſtraße 21.
Bekanntmachung.
„Betr.: Steuerabzug vom
Arbeits=
lohn.
Die Arbeitgeber, welche die
Lohn=
ſteuer im Ueberweiſungsverfahren
ab=
führen, werden nochmals darauf
hinge=
wieſen, daß ſie für ihre Arbeitnehmer
die Ueberweiſungsblätter, Nachweiſungen
und Zuſammenſtellungen für das
Kalen=
derjahr 1926 auszuſchreiben und bis
ſpäteſtens den 31. 1. 1927 an das
Finanz=
amt der Betriebsſtätte einzuliefern haben.
Die Nichtbeachtung dieſer Verpflichtung
Dſerd iſt nach 8377 R.AO. mit Strafe bedroht.
Vordrucke ſind beim Finanzamt erhältlich.
Die Arbeitnehmer, welche ihrer
Steuerpflicht im Markenverfahren
ge=
nügen, ſind verpflichtet, die Steuerkarte
und Einlagebogen für 1926 innerhalb
des Monats Januar 1927 dem
zuſtändi=
gen Finanzamt einzuliefern. Zuſtändig
iſt das Finanzamt, in deſſen Bezirk der
Arbeitnehmer am 31. 12. 1926 einen
Wohn=
ſitz oder in Ermangelung eines
inländi=
ſchen Wohnſitzes ſeinen gewöhnlichen
Auf=
enthalt hatte. Dabei hat er die Nummer
der Steuerkarte für 1927 und die
Be=
hörde, die dieſe Steuerkarte ausgeſtellt
hat, ſowie ſeine Wohnung am 31. 12.
1926 anzugeben. Die Steuerkarte für
1927 iſt zur Einſicht beim Finanzamt
mitvorzulegen. Die Verſäumnis der
Ein=
lieferungspflicht iſt nach § 377. R. A.O.
mit Strafe bedroht.
Die Arbeitgeber ſind verpflichtet,
dieſe Bekanntmachung in den Arbeits=
und Geſchäftsräumen durch Anſchlag
öffentlich bekanntzumachen.
(524
Darmſtadt, den 31. Dez. 1926.
Die Finanzämter:
Darmſtadt=Stadt, Darmſtadt=Land
und Langen.
Einträge in das Handelsregiſter:
Ab=
tei ung A: Am 17. Dezember 1926
hin=
ſichtlich der Firma: Heinrich Walter
& To., Darmſtadt: Die Geſellſchaft iſt
aufgelöſt und die Firma erloſchen. Am
28. Dezember 1926 hinſichtlich der Firma:
Emil Wünſche, Darmſtadt: Die Firma
iſt geändert in: Emil Wünſche,
Ver=
einigte Kammfabriken Darmſtadt.
Am 27. Dezember 1926: Neueintrag:
Firma: Louis Oppenheimer,
Darm=
ſtadt. Inhaber: Louis Oppenheimer,
Kaufmann in Darmſtadt. Die
Nieder=
laſſung iſt von Arheilgen nach
Darm=
ſtadt verlegt.
(545
Darmſtadt, den 30. Dez. 1926.
Amtsgericht I.
Frankfurt am Main
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da=
bei Nutzholztaugliches); Knüppel,
rm: 31 Buche, 30 Hainbuche, 107 Eiche;
Knüppelreiſig, rm: 97 Eiche; Reiſig,
Wellen: 950 Buche, 565 Hainbuche, 1155
Eiche; Stöcke, rm: 10 Buche, 93 Eiche.
Zuſammenkunft: 9” Uhr Kreuzung
Sellvornſchneiſe—Fuchsbauſchneiſe. Das
Holz iſt vorher einzuſehen.
Aus=
kunſt durch Herrn Förſter Schmidt zu
Forſthaus Thomashütte.
(526
Meſſeler Forſthaus, 30. Dez. 1926.
Heſſiſches Forſtamt Meſſel.
1. Zanuar 1927
IADHannnäznnnnnnnnnngannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn!
Ar. 1
InannagnnnaEnnnannnn
Dienſt
an der Gegenwart.
(Ein Geleitwort.)
er Anregung des Herausgebers, der
neu=
geſialteten Gegenwart zum Neujahrstage
einige einleitende Worte zu widmen, ſeies
heiterer, ſei es ernſier Art, brachte mich auf den
Gedanken, dem Thema „Dienſi an der
Gegen=
wart” zunächſi ein wenig ſpieleriſch und dann
ernſier und tiefer nachzugehen. Dabei fand ich,
daß es ſich ſehr wohl zu einer kleinen
Neujahrs=
betrachtung eigne, ſind wir doch alle Diener
einer Gegenwart und hängt doch unſer
Schick=
ſal und damit unſere Bewertung durch die
Zukunft davon ab, wie wir uns zum
Augen=
blicke ſiellen, wie wir ihn nutzen, was wir in ihm
ſind und was wir der Mitwelt dadurch
be=
deuten. So glaube ich denn dem Wunſche des
Herausgebers am beſien dadurch nachkommen
zu können, daß ich das Kapitel „Dienſt an der
Gegenwart” ein wenig ausſpinne.
Ein wirklicher Diener an der Gegenwart kann
nur der ſein, der ein ganzer Menſch iſt, denn
darüber heißt es ſich in unſeren wirklich nicht
gerade einfachen und ſorgloſen Zeiten vor
allem klar zu ſein, daß mit Lauheit und
Halb=
heit der Gegenwart ſchlecht gedient iſt. Auch
mit dem unermüdlichen Aufſiellen von
Theo=
rien, wie es die Leute tun, deren Gott das
Wörtchen „man” iſi und die von ihm die
Be=
ſeitigung aller Nöte, die Linderung alles Elends
erwarten, iſi nichts getan. Beſſer als all das
viele „man muß” und „man ſollte”, dieſer
„Manmuſſiſien”— ſo pflegte ſie ein Freund zu
nennen — iſi ein friſches Erwägen: Was
ver=
langt die Stunde, was iſit möglich, was habe
ich als Nächſies zu tun, und dann handeln!
Handeln und nicht reden, das iſi die erſie
Vor=
ſchrift für den, der Dienſi an der Gegenwart
tun will. Wir ſind alle des vielen Geredes müde.
Handeln iſi der unmittelbare Ausfiuß aller
echten Nächſienliebe, alles echten
Gemein=
ſchaftsgefühls, alles Pflichtbewußtſeins für den
großen Organismus Menſchheit. Worte können
tröſien, vertröſien, die kleinſie Tat iſi mehr, und
wäre ihr Sinn ein klares Nein. Handeln iſt
aber auch noch Nächſienliebe in einem anderen
Sinne, handeln iſt Liebe zum Nächſien im
ſachlichen Sinne. Es vergeſſen ſo viele, daß
jeder Handgriff an einem Werke, jede Stufe
einer Arbeit ein Nächſies iſt, das mit ganzer
Hingabe der Perſönlichkeit getan ſein will, ſoll
das Ganze gelingen! Pfuſcherei,
Oberflächlich=
keit, mißgelauntes Zugreifen iſi ſchlechter Dienſi
an der Gegenwart, der alle ſchöne Zukunft
gefährdet, das gilt für den Künſiler ſo gut wie
für den Arbeiter! Unſere jüngſie Kunſi eine
neue Sachlichkeit! Möchte ſie vor allem ſachlich
in dieſem Geiſie ſein! Wer tiefer in das Leben
der Großen und Genialen hineinblickt, der wird
immer finden, daß ſie gerade die ſachliche
„Nächſienliebe” in hohem Grade beſaßen, ja,
daß durch dieſe Art der Liebe m nächſien
Schritte die Monumentalität ihres
Lebens=
gebäudes bedingt wird.
Ein weiterer wichtiger Dienſi an der
Gegen=
wart iſi die richtige Regulierung der
Grund=
ſiimmung der Perſönlichkeit. Der franzöſiſche
Eſprit hat in der Komödie unſeres Daſeins
zwei ſiereotype Figuren entdeckt, die jedermann
täglich und überall begegnen, den Jean qui
pleurt und den Jean qui rit, den ewig
lachen=
den — den ewig weinenden Hans, den
Opti=
miſien und den Peſſimiſten! Sie ſiehen
natür=
lich auch am Portal des neuen Jahres, das
mit grünen Hoffnungsgirlanden und bunten
Illuſionswimpeln reich geſchmückt iſi, und
verſuchen den Zeitenwanderer Menſch für ihre
Einſiellung zu gewinnen! Man muß nur Geiſter
ſehen können! Da iſi es für jeden, der Dienſt
an der Gegenwart leiſien will, gut, mit ihnen
und ihrem Wert abzurechnen, ehe er die
ge=
heimnisvolle Schwelle überſchreitet! Man hat
uns in der Kriegszeit bis zum Uberdruß das
Evangelium des Optimismus gepredigt. Wer
ihm nicht glauben wollte, galt ſchon als ein
halber Vaterlandsverräter. War das ſo
durch=
aus berechtigt?
Der Optimiſi iſt der Mann mit der
Roſen=
brille, er ſieht überall nur Anſiieg,
Auf=
ſchwung und Wendung zum Beſſeren. Er iſi
der Geiſi, von dem der Dichter ſagt: „Sieht
er Aurorens Fingerſpitzen nur, iſt’s ihm
ge=
wiß, daß ein Jahrhundert lang — fortan nur
Sonnenſchein den Erdball küßt!” Es iſt viel
Beſiechendes um ſeine Art und ſeine Rede,
weshalb ſich am Neujahrstage ſicherlich viele
Anhänger den ſchon vorhandenen anſchließen
werden. Freilich werden ſich zur Predigt des
anderen Türhüters auf der Schwelle, des Herrn
mit der ſchwarzen Brille, mindeſiens ebenſo
viele bekennen, denn ſchauerndes Gruſeln iſt
ein Reiz, den manche der ſonnigſien Heiterkeit
vorziehen! Er lamentiert finſier das ganze
Alphabet hindurch, aus jedem Buchſiaben eine
Unheilsquelle heraufbeſchwörend. Alle ſeine
Ausſprüche ſind ſchmerzliche Ausbrüche über
Armut, Arbeitsloſigkeit, Auflöſung alles
Her=
kömmlichen,
Ban=
kerott, Konfiskation,
Demoraliſation bis
zum Untergang des
Abendlandes in den
drei apokalyptiſchen
2: Zwiſt,
Zermür=
bung, Zerfall. Eine
häßliche Melodie!
Iſt es Dienſi an der
Gegenwart, ſich
ei=
nem der beiden —
ſagen wir:
Brillen=
händlerbedingungs
händlerbedingungs=
los anzuſchließen?
Ich glaube nicht,
denn beide ſind
fal=
ſche Propheten,
we=
der die
übertriebe=
nen Erwartungen
des Optimiſten noch
die
finſierenBefürch=
tungen des
Peſſi=
miſien verwirklichen
ſich je ganz, wenn
man ſich ein wenig
auf Biologie verſieht
undmitſeinem Geiſte
nicht nur auf der
Erde wurzelt,
ſon=
dern auch im
Jen=
ſeits verankert iſt!
Dazu kommt, daß
ein Leben in dauerndem Sektrauſch ebenſo
gro=
teskerſcheint, wie eines, das nur im verdroſſenen
Wiederkäuen von Wermut beſtände! „So ſollen
wir uns alſo zu einem vegetativen
Indifferentis=
mus allem Geſchehen gegenüber einſiellen?”
wird man einwerfen. Gewiß nicht, auch
pflanzen=
hafte Gleichgültigkeit iſſ keine richtige
Ein=
ſiellung, aber es gibt auch noch ein Drittes:
Optimismus=Peſſimismus,
Himmelhochjauch=
zend — zum Tode betrübt als natürliche
Stimmungsfermente richtig bewerten und ſie
bewußt als Spannungen im Dienſie des
Schöpferiſchen, ich möchte ſagen, magiſch
wirken laſſen! Wer dieſe Erkenntnisſiufe
er=
reicht, der hat einen neuen wichtigen Faktor
für den wahren Dienſi an der Gegenwart
erlangt: Würde, jene wundervolle Miſchung
aus heiterfreier Unbefangenheit und tiefem,
gebundenen Ernſie, die, ſolange die Erde ſieht,
den Führermenſchen auszeichnet und ihm
die Aura vertrauenerweckender Fertigkeit und
Beſiändigkeit im Wellenſpiel der Erſcheinungen
ziemt, ſchließen. Die Leſefrucht danke ich einem
humaniſtiſchen Weiſen der Nachlutherzeit. Die
epikureiſche Weisheit in ihr iſt ſeinerzeit, die
gewißlich keine roſige war, gerade wie die
unſere, manchem als Dienſt an der traurigen
Gegenwart erſchienen, mögen
Mäßigkeits=
apoſiel auch anderer Meinung ſein und über
Silbeſierpunſch ſireng aburteilen. Doch hören
wir, was der alte Gelehrte in ſchlichter
Frömmig=
keit meint:
„Mich dünket, von den Jahren gilt etwan
das nämliche, wie vom griechiſchen Alphabete.
Man beginnt ſie
mit einem fröhlichen
„4” und beſchließt
ſie mit einem
gro=
ßen „0‟.
Waserlei=
maßen man Urſach
hat, ſich am
Jahres=
end nach einem
ſtär=
keren Getränk
um=
zuſchauen, all die
peinlichen und
ſeuf=
zeriſchen Omega zu
erſäufen, auf das
man zum
Neujahrs=
tage deſio
erleichtre=
ter und feſier ſein
gläubig A in
Hoff=
nung aller zu erwar=
4 tenden Gnade
Got=
tes ſprechen kann.”
Ich meine, dieſer
lapidare Satz bedarf
weiter keiner
Aus=
deutung.
MeinWunſch aber
geht dahin, daß dieſe
papierne Gegenwart
auch in ihrer neuen,
verbeſſerten Geſialt
aus dem Geiſie eines
echten und lauteren
Journalismus
her=
aus ein dauernder, ſchöner und bildender
Dienſt an der wirklichen Gegenwart bedeuten
möge.
Graf Hardenberg.
Neujahr auf hoher See.
Silveſierball an Bord.
Von Fritz Löw.
Feber den Atlantik jagt auf
ſonnenüber=
funkelten Wogen der Ozeandampfer. Wie
ſiarke Rieſen mit übermenſchlichen Kräften
arbeiten die Schiffsmaſchinen. Ein Heer von
unſichtbaren Heinzelmännchen ſcheint tauſend
Räder zu ſchwingen. In eiferſüchtigem
Wett=
ſireit regen ſich tauſend emſige Kräfte. Es
ſtöhnt und ächzt die Schar der mit unſichtbaren
Ketten gefeſſelten Maſchinengeiſier. Mit
raſen=
der Geſchwindigkeit treiben die von
Menſchen=
geiſi gefeſſelten Rieſenkräfte gehorſam die
Schrauben, die das Schiff durch die ſchäumen=
gibt, nach denen ſich der Suchende, der
Un=
entſchiedene, der Schwache ſehnt, weil er nur
durch ſie und in ihr zum ſchönen großen
Ge=
meinſchaftsgefühl gelangen kann, das die
Vorbereitung jeder beſſeren Zukunft bedeutet.
Damit wären wir eigentlich am Ende.
Um aber auch dem Erſuchen des
Heraus=
gebers nach etwas Heiterem nachzukommen —
ein guter Scherz iſi ſicherlich kein ſchlechter
Dienſi an der Gegenwart —, ſo will ich noch
eine luſtige Leſefrucht zugeben und dann mit
einem Wunſch, wie es ſich am Neujahrstage
den Wogen peitſchen. Wie eine Inſel ragt
dieſer ſchwimmende Hotelpalaſi, das Werk
modernſier Schiffsbaukunſi, aus den Fluten.
Ein Meereskönig, umkreiſi von Wolken
ſchnee=
weißer Möven. Zu Tauſenden umfiattern ſie
unter wildem Gekreiſch das Schiff.
Eine klare Neujahrsnacht iſt angebrochen.
Weithin leuchtet die blaugrüne Meeresfläche.
Am fernen Horizonte ſieht eine ſchwarze Wand.
Mit Rieſenfauſt reißt der Wind die dräuenden
Wolkengebilde auseinander. Gleich Schemen
zerflattern ſie und geben dem Monde die
Bahn frei. Der aber wirft ſein goldenes Netz
über die See. Am klaren Himmel ſieht das
ſil=
berne Sternenheer.
Wenn in der Neujahrsnacht in der ganzen
Welt die Wogen der Freude hoch aufrauſchen,
hüllt ſich auch das einſam dahinziehende Schiff
in ſchimmerndes Feſigewand. Große
Kron=
leuchter werfen ſirahlendes Licht auf die
feſt=
liche Runde. Wenn die Kerzen auffſammen und
die Töne des Orcheſiers erklingen, entfaltet
ſich das geſellige Leben an Bord in reichſter
Fülle. Am Silveſierabend gleicht das ſiolze
Schiff einem ſchwimmenden Märchenſchloß.
Silveſierball an Bord iſi ein Zauberwort,
dem alle erliegen. Die Feſiräume ſchwimmen
in einer Flut von Licht. Gehobenſie Stimmung
und Silveſierfreude erfüllt die ſchönen Räume.
Die ganze Schiffsgeſellſchaft gleicht einer
ein=
zigen großen Familie. Das Orcheſier ſpielt
fröhliche Weiſen. Jugend und Schönheit haben
ſich zum Feſi des Frohſinns vereint.
Man kann ſich gar nicht ſattſehen an allen
dieſen biegſamen, ſchlanken Geſialten. Immer
neue lockende Erſcheinungen tauchen in der
Menge auf. Die Kapelle muß die neueſien
Tänze immer aufs neue wiederholen. Mit
unermüdlichem Eifer wird getanzt. In
leuch=
tende Farben gehüllt, in prunkvollen Toiletten,
überdeckt mit Gold= und Silberſiickereien
ſchweben die Schönen vorbei. Der Anblick des
Kranzes ſchöner Frauen und Mädchen wirkt
berauſchend. Inmitten dieſer Farbenſymphonie
nehmen ſich die Herren wie ſchwarze
Tinten=
kleckſe aus. Wieviel ſchlafloſe Nächte mag wohl
das Komponieren dieſer raffiniert ſchönen
Toiletten gekoſiet haben? Erſi jetzt geht mir
völlig das Verſtändnis auf für die
Rieſen=
dimenſionen, der mitgeführten Schrankkoffer.
Ein Frühlingstraum von Jugend und
Schön=
heit flutet vorüber. Das trippelt, das tänzelt
die breite blumengeſchmückte Schiffstreppe
hinauf und hinab wie ein ſich nie erſchöpfender
Karnebalszug. Das lacht, das jubelt, das
ſchwirrt durcheinander. Ein entzückender
Far=
benrauſch dieſer Schiffsball!
Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt
in der großen Feſipolonaiſe. Flinke
Heinzel=
männchen haben das geſchloſſene
Promenade=
deck geſchickt in einen Ballſaal verwandelt.
Funkelnde Girlanden bunter Lampen ziehen
ſich die Reeling entlang. Die Wände ſind mit
Flaggen aller Länder geſchmückt. Eine
farben=
prächtige Polonaiſe durchzieht alle
Geſell=
ſchaftsräume des Schiffes. Wie eine ſchillernde
Schlange windet ſich der übermütige Zug über
Treppen und Korridore. In allen Sälen wogt
eine froh erregte Menge. Stolz tragen raſſige
Brünetten die Schönheit ihrer ſchlanken
Glie=
der. Reizende Blondinen ſchweben in
Traum=
gebilden von Spitzen vorbei. Internationale
Anmut und Eleganz haben ſich Rendezoous
gegeben. Wie verſiehen alle dieſe Damen zu
tanzen. Welcher Rhythmus der Glieder, welche
Schönheit in der Bewegung. Im Rauſch des
Tanzes ein abwechſelndes Suchen und Fliehen.
Man ſcherzt, man firtet, man tanzt bei
lockenden Klängen. Die Wogen rauſchen die
Begleitung. Rot erglühen die Lampen auf den
kleinen Tiſchen. Die Geigen ſchluchzen.
Frauen=
augen leuchten und locken. Man tanzt — man
tanzt! Durch die hohen Fenſier aber lugt
neu=
gierig der Mond.
Still und lauſchig iſt es im Rauchſalon.
Die vergoldeten Beleuchtungskörper verbreiten
ſanftes Licht. Man ſitzt behaglich im weichen
Lederſeſſel, ſchaut den Ringen ſeiner Zigarre
nach und lauſcht den aus dem Muſikſalon
her=
überklingenden Schubertliedern. In der Ecke
glüht der Kamin.
Draußen ſchäumt der Atlantik, rollt ſeine
ſchimmernden Wogen heran. Ich ſieige auf
Deck. Mit magiſchem Glanze erhellt der Mond
die weite Flut. Ruhig zieht das Schiff auf
goldfunkelnder Straße dahin. Einſam lehne
ich an der Reeling. Hinter dem Schornſiein
leiſes Geflüſier. Ein paar junge Menſchenkinder
halten ſich eng umſchlungen. Auf dem
Maſt=
baum ſitzt Amor, der kleine Schelm, als blinder
Paſſagier. Im Glanze des Mondes blitzt ſein
Pfeil. Die Wogen rauſchen das uralte, immer
wieder junge Lied von der Liebe Leid und Freud.
Die meiſien Paſſagiere haben ſich bereits zur
Ruhe begeben. Auch ich ſuche meine Kabine
auf. Plätſchernd pochen die Wogen an die
Schiffswand, ſingen mir das Schlummerlied.
Die Paſſagiere können ruhig ſchlafen. Hoch oben
auf der Brücke halten treue Männer die Wacht.
Emſig und gleichmäßig arbeitet die
Schiffs=
maſchine. Ich lauſche dem ruhigen Pulsſchlage
ihres ſtiählernen Herzens.
A.
[ ← ][ ][ → ] Der Luiſenplatz in Darmſtadt
einſt und jetzt.
Jedem Darmſtädter iſi der Luiſenplatz aus Herz gewachſen. Das merkt er
am beſten in der Fremde, wie mir ſchon ſo oft beſtätigt worden iſ. Das
„Monument” prägt ſich begreiſicherweiſe jedem ein und der
Eindruckdesgan=
zen Plaßzes haftet auch feſier als die
Eindrücke, die uns andere
Platzgeſial=
tungen vermitteln. Man denke nur
an den Mareusplaßz in Venedig mit
ſeinem markanten Campanle oder an
den Markt in Nürnberg mit dem „
ſchö=
ven Brunnen”.
Die Entſiehung des kuiſenplatzes
geht zuräck bis in die Zeit um r6go.
Landgraf Ernſt Ludwig, ein ſehr bauz
luſiger und unternehmender Fürſ,
ent=
ſchloß ſich damals, ſeine Haupt= und
Reſidenzſiadt nach Weſten hin zu
erwei=
tern und ließ hierzu die erſten Vorſchläge
ausarbeiten. Darin waren bereits
ent=
halten der Vorſchlagfür die obere
Rhein=
ſtraße, für den Paradeplatz und für die
ganze Luiſenſiraße.
Alserſies Haus amLuiſenplatz wurde
der ſogen. Scheuerhof, heute das Hotel
Zur Traube”, ſchon vor r67o errichtet.
Dieſes Haus wurde bereits r6g8, und
dann noch wiederholt umgebaut und
erweitert. Kurz darauf, nämlich r699,
entſtand das Brandſche Poſthaus an
Stelle des heutigen Alten Palais. Dieſen
beiden Bauten folgten die häuſer in der
Luiſenſraße, die alle nach einem
gleich=
mäßigen Plan errichtetworden ſind. Die
ganze obere Rheinſiraße war ebenfalls
in den Jahren r6gx bis r738 bebaut
worden. So entſtand das Haus Merck
r695—g7, Faix r3oo, das Hofjagdhaus
rvor, Nheinſtraßer im Jahre r7o4,
Rheinſtraße 3, 5 und g im Jahre r697,
Rheinſtraße 2, 4 und 8 im Jahrer725,
Rheinſtraße 6 im Jahre 7738.
Um r740 war die ganze
obereRhein=
ſiraße und auch die öſilichen Ecken des
Luiſenplatzes bebaut und damit die
Grundlage für die ſpätere
Platzgeſial=
tung geſchaffen. Der Platz ſelbſi ſollte
zwiſchen war nämlich die neue Vorſtadt,
ſo hieß die Stadterweiterung, r7r4 mit
Landgraf Ludwig K. (der ſpätere Großherzog Ludwig 1.,) ſich entſchloß, die plaß verſetzt, wo er heute noch ſieht.
wurde das Palals des Prinzen Chriſtian durch Johann Hefurich Hill erbaut
(ſpäter Landtagsgebäude). r8os erbaute Michgel Mittermayer das alte Palais
an Stelle der Reiterkaſerne. 18o4 entſtand das Fruſerſche Haus, das ſpäter
die Poſt werden ſollte, und bald darauf auch die beiden Häuſer an den Ecken
der Wilhelminenſtraße, r8o4 entſtand der „Darmſtädter Hof” und r8o4 bis
r82o die meiſten Häuſer in der Rhein= und der Wilhelminenſiraße. Das Tor,
das inmitten des Platzes geſianden hatte, wurde r8o9 abgebrochen. Um dieſe
Zeit war der Luiſenplatz rundum vollkommen bebaut. Lange blieb er dann in
dieſem Zuſiand. Zwar waren vorübergehend darauf zwei kleine Brunnen anz
Abb. 2, kageplan des Luiſenplatzes
allerdings erſt ſpäter entſiehen. In= Der Luiſenplatz im Jahre 7840 mit dem urſpränglichen Plan für das Ludwigs=Monument, das damals noch nicht errichtet war. Nach einem alten Stich und des Yaradeplatzes geſchaffen iſt.
Abblidung 4
Palliſaden abgeſchloſſen und ein Tor darin angelegt worden, das in der Achſe gelegt, aber dieſe konnten nicht als Schmuck gelten. Erſt r834 entſchloß man l und können ſiolz auf dieſen mächtigen und imponierenden Platz ſein. Sicher
der Rheinſtraße und in der Flucht der heutigen Wlhelminenſtraße ſtand, ſich, einen monumentalen Brunnen zu erſtellen. Der Architekt Franz Heger, wäre es beſſer, wenn der Baumbeſtand auf dem Plaßz ganz anders geſtaltet
In den Jahren r744 und r745 wurde dieſe Palliſade durch eine Mauer erſetzt, ein Schüler Weinbrenners und Mollers führte ihn aus. Dieſer Brunnen, worden wäre, ſo daß die Sicht auf die beiden großen Monumentalbauten
Die nächſie vorgenommene größere Veränderung an dem Platze war die ſiand an der Stelle der jetzigen ſüdlichen Brunnenſchule, alſo nicht etwa in der frei geblieben wäre. Das mag aber einer ſpäteren Zeit vorbehalten ſein,
umänderung des Brandſchen Poſhauſes in eine Kaſerne. Davor lag ein Mitte des Plaßzes. Er iſt heute noch vorhanden, ſieht aber auf dem Mathilden= wenn einmal der Zeitpunkt gekommen ſt, die Ecken des Platzes auszugeſalten
freier Platz, der zunächſt als Exerzierplatz diente. So blieb der Zuſiand, bis platz. Es iſi der Löwenbrunnen, der zum Andenken an die Bewilligung der wie dies vor der Merckſchen Apotheke geſchehen iſt.
das ſogen. Kollegienhaus (Miniſſerium) in den Jahren r777 8o durch Johann Konſitution erbaut worden iſt. Im Jahre r84o entſchloß man ſich, dem Groß=
Martin Schuhknecht errichtet wurde. Damit hatte der ſpätere Luiſenplasz ſchon herzog Ludwig l. ein mächtiges Monument inmitten des Platzes zu errichten.
eine greifbare Form erhalten. Sie wurde dann noch mehr gefeſtigt, als r790 Da mußte der Löwenbrunnen weichen, und ſo wurde er auf den Mathilden=
Stadt noch mehr nach Weſten zu erweitern und die Rheinſiraße anzulegen. Das Ludwigs=Monument aber ſchuf Georg Moller in Verbindung mit
Arnold und dem Bildhauer Schwanthaler inden Jahrenr84r /4. Wieder Platz
nach dem erſten Alan für das Denkmal ausſehen ſollte, zeigt die Abb. r. In
O
Wirklichkeitiſt der Unterban der Säuleweſentlich mächtiger ausgeführtworden.
Der Unterbau, wie er heute vorhanden iſt, berwächſi mehr und beſſer mit dem
Boden. 1848 iſt dann der ganze Luiſenplatz eingeebnet und gepſlaſiert worden.
Er hatte einen Vorzug gegen die heutige Geſtaltung mit ihrem Baumbeſtand.
Der Plaßz war damals ganz frei. Man konnte die Gebäude überblicken und
ſich an den wohlgelungenen Proportionen des ganzen Platzes erfreuen. Aber
der Platz hatte auch einen großen Fehler. Er war zu ſonnig. Deshalb ſetzten
alsbald die Beſirebungen ein, den Luiſenplatz und die Rheinſtraße mit Bäumen
zu bepſlanzen. Es entſtand innerhalb der Stadt eine Partei für die
Baum=
pſanzung und eine gegen dieſe. Mit großer Erbitterung wurde von beiden
Seiten gefochten, der Streit Jahre hindurch fortgeführt. Schließlich nahm
ſich der Verſchönerungsverein der Sache an und pſanzte auf eigene Koſten
die Linden in der Rheinſtraße, Neckarſtraße und auf dem Luiſenplatz in den
Jahren r875, 7876 und r88r. Ja, im Jahre r88r beranſtaltete der
Ver=
ſchönerungsberein ſogar einen Wetbewerb für die Verſchönerung des
Luiſen=
platzes, jedoch ohne poſitives Ergebnis, 7883 entſianden dann die Anlagen
auf dem Luiſenplatz, ebenfalls auf Anregung des Verſchönerungsbereins,
jedoch nicht ohne ſcharfen Widerſpruch. Zwei Fontänen, die bereits damals
geplant waren, kamen, Gott ſei Dank, nicht zur Ausführung. 1886 und r885
wurde dann der erhöhte Fußſteig um das Denkmal angelegt und die vier
fünfarmigen Kandelaber auf den Ecken aufgeſiellt (L. A. Riedinger in
Augs=
burg). Dann hat man noch „ſchöne” Sträucher und Vogelſchutzhecken auf den
Naſenſlächen gepſlanzt und ſo entſtand dann das Bild, das auf unſere Tage
gekommen iſt. Das romantiſche Moment, das durch die Anlagen und ihre
Bepſlanzung hinzugekommen war, befriedigte bald darauf nicht mehr, und
es ſetzten auch ſehr bald Beſirebungen ein, dieſen unbefriedigten Zuſtand
wiederum zu beſeitigen. 1886 war nämlich die Dampfſiraßenbahn nach
Grieß=
r7ar wurde von ihm der Plan genehmigt, der dann dem Luiſenplatz ſeine heim und r889 die nach Arheilgen erbaut worden. Die Gleiſe durchſchnitten
heutige Geſtalt gab und der auch die Weiterführung der Rheinſtraße gnordnete, die neue Anlage ſo, daß die Anlageflächen geteilt werden mußten. Schließlich
Nun begann bald in der Rheinſtraße eine ſiarke Bautätigkeit. Aber auch unſer kam r8gy noch die elektriſche Straßenbahn dazu, und das hatte die Folge,
Luiſenplatz bekam dadurch die Platzwände, die ihm noch fehlten. Im Jahrerngs, daß die Anlage noch mehr verkrüppelt werden mußte. Das Vorhandenſein
der Dampfbahngleiſe hatte nämlich zur Folge, daß die beiden Gleiſe der
elektriſchen Straßenbahn auf die Südſeite des Monuments gedrängt werden
mußtert. So entſtand ein unerguicklicher Zuſtand, der auf die Dauer unhalts
bar wurde. Die nächſte Anderung des Platzes geſchah, als rgo8 die beiden
Fontänen, eine Stiftung der Gartenbau=Ausſiellung, aufgeſiellt werden
ſollten. Profeſſor Joſef M. Olbrich wollte damals den ganzen Platz ſchon
umgeſtalten und hatte dafür auch einen Entwurf ausgearbeitet. Leider hat
man ſich aber dazu nicht entſchließen können, eine ſo vollſtändige
Umge=
ſtaltung auf einmal durchzuführen. Den nächſten Anſtoß gab dann die
Regelung des Verkehrs im Jahre rg2ß.
Die Dampfbahn war inzwiſchen
ber=
ſchwunden, und die Strecke nach
Arheil=
gen ſollte elektriſch eingerichtet werden.
Dadurch war die ganze Gleisanlage
um das Monument unhaltbar
gewor=
den. Man entſchloß ſich daher zu dem
Schritt, den man ſchon lange gehen
vollte, nämlich die glten Straßenbahn=
und Dampfbahngleiſe in der oberen
Rheinſiraße herauszureißen, die Gleiſe
der Straßenbahn in die Mitte der
Straße zu legen und das Monument
mit zwei Gleiſen zu umfahren. So
konnte genügend Raum geſchaffen werz
den, um den Verkehr mit möglichſi
wenig Kreuzungspunkten zu regeln.
Gleichzeitig waren aber auch Wünſche
laut geworden, den Baumbeſiand zu
reduzieren, der inzwiſchen ſo ſiark
ge=
worden war, daß er die Häuſer nicht nur
verdeckte, ſondern auch zu biel Schatten
brachte. Man entſchloß ſich deshalb zu
dem Schritt, einen Teil des
Baum=
beſiandes ganz zu beſeitigen, alle
ro=
mantiſchen Sträucher und Hecken auf
den Anlagen zu beſeitigen und nur die
ganzſymmetriſcheBaumlinie zu belaſſen,
die der ſireng ſymmerriſchen Geſtalt des
Platzes ſich anpaßte. Wie dieſe neue
Regelung ſich auswirkt, iſt in einem
Man Abb. 2) dargeſtell. Es wird
in=
deſſen noch einige Zeit dauern, bis der
endgültige Zuſtand erreicht iſt, da ja die
Gleiſe noch nicht in die Mitte der oberen
Rheinſtraße verlegt werden konnten.
Mit dieſer Verlegung hängt auch die
Gleisanlage auf dem Ernſi=Ludwigs=
Platz zuſammen. Man wird mit der
Verlegung der Gleiſe in der oberen
Rheinſraße ſolange warten müſſen, bis
vollkommene Klarheit über den
zukünf=
tigen Zuſtand des Ernſt=Ludwigsplaßzes
Wir haben hier in dem Luiſenplatz
einen der ſchönſten Plätze Deutſchlands
Burbaum.
Abb. 3. Der Luiſenplatz heute
Marthe und ihre Uhr.
Von Theodor Storm
Während der letzten Jahre meines Schulbeſuchs wohnte ich in einem
leinen Bürgerhauſe der Stadt, worin aber von Vater, Mutter und vielen
Geſchwiſtern nur eine alternde, unverheiratete Tochter zurückgeblieben war.
Die Eltern und zwei Brüder waren geſiorben, die Schweſiern bis auf die
jüngſie, welche einen Arzt am ſelbigen Orte geheiratet hatte, ihren Männern
im entfernte Gegenden gefolgt. So blieb denn Marhe allein in ihrem
elter=
lichenHauſe, worin ſie ſich durch dasVermieten des früheren Familienzimmers
und mit Hilfe einer kleinen Rente ſpärlich durchs Leben brachte. Doch kämmerte
es ſie wenig, daß ſie nur Sonntags ihren Mittagstiſch decken konnte; denn
ihre Anſprüche an das äußere Leben waren faſt keine; eine Folge der ſirengen
und ſparſamen Erziehung, welche der Vater ſowohl aus Grundſatz, als auch
in Rückſicht ſeiner beſchränkten bürgerlichen Verhältniſſe allen ſeinen Kindern
gegeben hatte. Wenn aber Marthen in ihrer Jugend nur die gewöhnliche
Schulbildung zuteil geworden war, ſo hatte das Nachdenken ihrer ſpäteren
einſamen Stunden, bereinigt mit einem behenden Verſiande und dem
ſitt=
lichen Ernſt ihres Charakters, ſie doch zu der Zeit, in welcher ich ſie kennen
lernte, auf eine für Frauen, namentlich des Bürgerſtandes, ungewöhnlich
hohe Bildungsſtufe gehoben. Freilich ſprach ſie nicht immer grammatiſch
richtig, obgleich ſie viel und mit Aufmerkſamkeit las, am liebſten Werke
ge=
ſchichtlichen oder poetiſchen Inhalts: aber ſie wußte ſich dafür meiſiens über das
Geleſenen ein richtiges Urteil zu bilden, und, was ſo Wenigen gelingt,
ſelb=
ſändig das Gute vom Schlechten zu unterſcheiden. Mörikes „Maler Nolten”,
welcher damals erſchien, machte großen Eindruck auf ſie, ſo daß ſie ihn immer
wieder las; erſt das Ganze, dann dieſe oder jene Partie, wie ſie ihr eben
zu=
ſagte. Die Geſialten des Dichters wurden für ſie ſelbſibeſimmende lebende
Weſen, deren Handlungen nicht mehr an die Notwendigkeit des dichterſchen
Organismus gebunden waren; und ſie konnte ſtundenlang darüber
nach=
ſinnen, auf welche Weiſe das hereinbrechende Verhängnis von ſo vielen
ge=
liebten Menſchen dennoch hätte abgewandt werden können.
Die Langeweile drückte Marthen in ihrer Einſamkeit nicht, wohl aber
zu=
weilen ein Gefühl der Zweckloſigkeit ihres Lebens nach außen hin; ſie bedurfte
jemandes, für den ſie hätte arbeiten und ſorgen können. Bei dem Mangel
näher Befreundeter kam dieſer löbliche Trieb ihren ſeweiligen Wietern zugute,
und auch ich habe manche Freundlichkeit und Aufmerkſamkeit von hrer Hand
erfahren. — An Blumen hatte ſie eine große Frende, und es ſchien mir ein
Zeichen ihres anſpruchloſen und reſignierten Sinnes, daß ſie unter ihnen die
weißen und von dieſen wieder die einfachen am liebſien hatte. Es war immer
ihr erſter Feſitag im Jahre, wenn ihr die Kinder der Schweſier aus deren
Garten die erſten Schneeglöckchen und Märzblumen brachten; dann wurde
ein keines Porzellankörkchen aus dem Schranke herabgenommen, und die
Blumen zierten unter ihrer ſorgſamen PRlege wochenlang die kleine Kammer.
Da Marthe ſeit dem Tode ihrer Eltern wenig Menſchen um ſich ſah, und
namentlich die langen Winterabende faſt immer allein zubrachte, ſo lieh die
regſame und geſialtende Phantaſie, welche ihr ganz beſonders eigen war, den
Dingen um ſie her eine Art von Leben und Bewußtſein. Sie borgte Teiſchen
ihrer Seele aus an die alten Möbel ihrer Kammer, und die alten Möbel
erhielten ſo die Fähigkeit, ſich mit ihr zu unterhalten; meiſtens freilich war
dieſe unterhaltung eine ſiumme, aber ſie war dafür deſio inniger und ohne
Mißverſtändnis. Ihr Spinnrad, ihr braugeſchnißter Lehnſtuhl waren gar
ſonderbare Dinge, die oft die eigentümlichſtien Grillen hatten; vorzüglich war
dies aber der Fall mit einer altmodiſchen Stutzuhr, welche ihr verſiorbener
Vater vor über fünfzig Jahren, auch damals ſchon als ein uraltes Stück, auf
dem Trödelmarkt zu Amſierdam gekauft hatte. Das Ding ſah freilich ſeltſam
genug aus: zwei Meerweiber, aus Blech geſchnitten, und dann übermalt,
lehnten zu jeder Seite ihr langhaariges Antlitz an das vergilbte Zifferblatt;
die ſchuppigen Fiſchleiber, welche von einſiger Vergoldung zeugten,
um=
ſchloſſen dasſelbe nach unten zu: die Zeiger ſchienen dem Schwanze eines
Skorpions nachgebildet zu ſein. Vermutlich war das Räderwerk durch langen
Gebrauch verſchliſſen, denn der Verpendikelſchlag war hart und ungleich und
die Gewichte ſchoſſen zuweilen mehrere Zoll mit einemmal hinunter. — Dieſe
Uhr war die beredteſie Geſellſchaft ihrer Beſitzerin; ſie miſchte ſich aber auch
in alle ihre Gedanken. Wenn Marthe in ein Hinbrüten über ihre Einſamkeit
verfallen wolle, dann ging der Verpendikeltick, tack! tick, tack immer härter,
immer eindringlicher; er ließ ihr keine Nuh, er ſchlug immer mitten in ihre
Gedanken hinein. Endlich mußte ſie aufſehen — da ſchien die Sonne ſo warm
in die Fenſierſcheiben, die Nelfen auf dem Fenſterbrett dufteten ſo ſüß;
draußen ſchoſſen die Schwalben ſingend durch den Himmel. Sie mußte wieder
fröhlich ſein, die Welt um ſie her war gar zu freundlich.
Die Uhr hatte aber auch wirklich ihren eigenen Kopf; ſie war alt geworden
und kehrte ſich nicht mehr ſo gar viel an die neue Zeit; daher ſchlug ſie oft ſechs,
wenn ſie zwölf ſchlagen ſollke, und ein ander Mal, um es wieder gut zu machen,
wollte ſie nicht aufhören zu ſchlagen, bis Marthe das Schlaglot von der
Kette nahm. Das Wunderlichſie war, daß ſie zuweilen gar nicht dazu kommen
konnte; dann ſchnurrte und ſchnurrte es zwiſchen den Rädern, aber der
Hammer wollte nicht ausholenz und das geſchah meiſtens mitten in der Nacht.
Marthe wurde jedesmal wach; und mochte es im klingendſten Winter und
in der dunkelſten Nacht ſein, ſie ſtiand auf und ruhte nicht, bis ſie die alte Uhr
aus ihren Nöten erlöſt hatte. Dann ging ſie wieder zu Bett und dachte ſich
allerlei, warum die Uhr ſie wohl geweckt habe, und fragte ſich, ob ſie in ihrem
Tagewerk auch etwas vergeſſen, ob ſie es auch mit guten Gedanken beſchloſſen
habe.
Nun war es Weihnachten. Den Chriſiabend, da ein übermäßiger
Schnee=
fall mir den Weg zur Heimat verſperrte, hatte ich in einer befreundeten
kinder=
reichen Familie zugebracht; der Lannenbaum hatte gebrannt, die Kinder
waren jubelnd in die lang verſchloſſene Weihnachtsſtube geſfürzt: nachher
hatten wir die unerläßlichen Karpfen gegeſſen und Biſchof dazu getrunken;
nichts von der herkömmlichen Feierlichkeit war verſäumt worden. — Am
anderen Morgen trat ich zu Warthe in die Kammer, um ihr den
gebräuch=
lichen Glückwunſch zum Feſie abzuſiatten. Sie ſaß mit untergeſtütztem Arm
am Liſche; ihre Arbeit ſchien längſi geruht zu haben.
„und wie haben Sie denn geſiern Ihren Weihnachtsabend zugebracht?”
ſragte ich.
Sie ſah zu Boden und antwortete: „Zu Hauſe.”
„Zu Hauſe? und nicht bei Ihren Schweſierkindern?”
„Ach,” ſagte ſie, „ſeit meine Mutter geſtern vor zehn Jahren hier in dieſem
Bette ſtarb, bin ich am Weihnachtsabend nicht ausgegangen. Meine Schweſier
ſchickte geſſern wohl zu mir, und als es dunkel wurde, dachte ich wohl daran,
einmal hinzugehen; aber — die alte Uhr war auch wieder ſo drollig; es war
akkurat, als wenn ſie immer ſagte: Lu es nicht! Tu es nicht! Was wilſft
du da! Deine Weihnachtsfeier gehört ja nicht dahin!“
und ſo blieb ſie denn zu Haus in dem kleinen Zimmer, wo ſie als Kind
geſpielt, wo ſie ſpäter ihren Eltern die Augen zugedrückt hatte, und wo die alte
Uhr pickte ganz wie dazumglen. Aber jetzt nachdem ſieihren Willen bekommen
und Marthe das ſchon hervorgezogene Feſikleid wieder in den Schrank
ber=
ſchloſſen hatte, picke ſieſoleiſe, ganzleiſe und immerleiſer,zuletztunhörbar.—
Marthe durfte ſich ungeſtört der Erinnerung aller Weihnachtsabende ihres
Lebens überlaſſen: Ihr Vater ſaß wieder in dembraungeſchnißten Lehnſtuhlzer
trug das feine Samtkäppchen und den ſchwarzen Sonntagsrock; auch blickten
ſeine ernſien Augen heute ſo freundlich denn es war Weihnachtsabend,
Weih=
nachtsabendvor—ach vorſehr, ſehrvielen Jahren ! Ein Weihnachtsbaum zwae
brannte nicht auf dem Liſch — das war ja nur für reiche Leute —; aber ſiatt
deſſen zwei hohe dicke Lichter; und davon wurde das keine Bimmer ſo hel,
Heteroptera Acanthia.
Ca. s mm lang, ſehr platt
braunrot und flügellos.
Ein Beſuch
auf der Akropolis.
Betrachtungen über Vergangenheit und Gegenwart.
Von Alfred Krauße d’Avis.
Wenn jemand am Darmſtädter Bahnhof dem Kraftkutſcher am
Taxa=
meter ſeine Wünſche äußern würde in einer Sprache, wie ſie uniſere
Alt=
vorderen vor 2s00 Jahren geſprochen haben, ſo würde man mit 9eht ſagen:
„Bei dem guten Mann ſiimmt etwas nicht!” Wenn aber jemand i: Piräus
dem Droſchkenkutſcher ſeine Wünſche in der Sprache Homers mitteilt, ſo iſt
das ein Zeichen von humaniſiiſcher Bildung. Das einzige, was der Kutſcher
mit Beſtiimmtheit der klaſſiſchen Anſprache entnehmen kann, iſt die
Feſt=
ſiellung, daß der Fremde ein Deutſcher iſt.
Wer viel Zeit hat, nimmt ſich in Piräus eine Pferdedroſchke und zottelt
damit gen Athen. Er hat ſo Gelegenheit, ſich das Land in Ruhe
zu betrachten und kann dabei viel Staub ſchlucken. Wer nicht viel
Zeit hat, nimmt ein Auto,mit dem er weniger ſehen,aber mehr
Staub ſchlucken kann. Wer ſauber fahren will, nimmt die
elek=
triſche Bahn. Der Akropolis ſelbſt aber darf man ſich nur zu
Fuß nahen!
Steil liegt der Felsblock über dem Stadtbild. Mit dem Auge
des Soldaten betrachtet, ſcheint er in früheren Jahren eine
un=
einnehmbare Feſtung geweſen zu ſein. Die erſien Menſchen in
dieſem Lande mußten hier oben gelebt haben. Heute grüßen uns
aus weiter Ferne die Bauten aus höchſier Kulturzeit, die von den
unten wohnenden Menſchen hier oben errichtet wurden. Der
Weg zur Höhe geht durch die moderne Zeit. Das Athen von
heute gleicht einem Bienenhaufen. Hunderttauſende von
Flücht=
lingen muß es beherbergen, die ihrer Sprache willen aus der
Türkei flüchteten. Als der Völkerbund vor wenigenJahren zur
Befreiung der Türkei eine griechiſche Armee von 2o0 ooo Mann
unter dem Schutze Englands und Italiens dort einrücken ließ,
waren die Türken unfreundlich genug, ſich dieſer ſchwerbewaffneten Armee
ſo gründlich zu entledigen, daß nur noch dreißigtauſend die Keimat wieders
ſahen. In Griechenland ſpricht man nicht gern darüber. Die Griechen können
aber die Anweſenheit von faſi zwei Millionen Flüchtlingen nicht leugnen
und müſſen zugeben, daß die Türken die Nationalitätenfrage in Kleinaſien
in großzügigſier Weiſe gelöſt haben; um ſpäteren Befreiungsverſuchen vors
zubeugen, flog alles, was griechiſch ſprach, raus.
Eng und winklig ſind die Gaſſen, alle paar Schritte ein anderes Bild.
An einer Ecke verſperrte ein Mann mit einem roten Fez den Verkehr, weil
er mitten auf dem Wege einen ganzen Hammel am Spieße briet. Ein Stück
chen reinſten Orients noch mitten in Athen. Neben allem aber winkt der
Fel=
ſenberg, dem man ſich nähert. Still und befangen ſieht man ſchließlich vor
dem gewaltigen Aufbau, der auf die Höhe führt. Die Propyläen gehören eben
zu den Stellen unſerer Erde,deren großerWirkung ſich niemand entziehen kann.
Langſam ſieigt man die Stufen empor. Man atmet förmlich alte Geſchichte.
Da tritt wieder die moderne Zeit in einer ausgeſtreckten Pförtnershand an
den Beſucher heran und verlangt Eintrittsgeld. Dann ſchreitet man durch hohe
Säulen hindurch ganz auf die Höhe, wo der Blick vom Parthenon gefeſſelt
wird. An dieſer Stelle kommt bei den meiſien Beſuchern der kritiſche
Augen=
blick — min wehrt ſich gegen eine leichte Enttäuſchung. Das kann nur daher
kommen, weil man von der Akropolis zu viel weiß, nach den Propyläen zu
viel erwartet hat. Daß man zunächſi einer Fels= und Steinwüſie gegenübers
ſieht, enttäuſcht, auch wenn das Auge vom Parthenon und im Hintergrunde
vom Erechtheion angezogen wird.
Vielleicht hatte ich meine Erwartungen unbewußt falſch eingeſiellt, oder
war es zu viel auf einmal — ich flüchtete mich auf die Stufen des Parthenon
und ruhte aus mit dem Blick ins Land. Ein ſchöner Frühlingstag war es, als
ich das erſiemal hier war. Aber die Pflanzenwelt iſt es nicht, die dieſen Ort
irgendwie beeinfluſſen könnte. Zu ſehr feſſeln Namen und Stätten der
Ge=
ſchichte. Auch wenn nach genauerer Prüfung manches von dem Heldenhaften
abblättert, wie man es ſich in den Schuljahren in ſeiner Phantaſie
zuſammen=
gereimt hat, ſo ziehen Namen wie Marathon und Salamis eben doch. HKinter
den niedrigen Höhen im Nodoſien wurde die erſigenannte Schlacht geſchlagen.
Eine perſiſche Armee, die durch ihre ſchlecht organiſierte Etappe zu weiterer
Verwendung unbrauchbar geworden war, und ein griechiſches Heer, das vor
den ſchrecklichen Perſern eine fürchterliche Angſt hatte, ſianden ſich hier wie
die ſchüchternen Kaninchen gegenüber; und laut klapperte das Gebein der
erz=
umſchienten Achaier. Erſt als der größte Teil des perſiſchen Heeres auf den
Seitenſäulen des Parthenon, die die Exploſion des türkiſchen
Pulver=
magazins überſianden.
Blick auf den Burgfelſen, der ſich ſieil aus dem Häuſermeer Athens
erhebt, gekrönt von den Ruinen des Parthenon= und Erechtheiontempels.
Schiffen zur Heimreiſe verladen war, da ſchwoll den Griechen im Buſen
mutvoll das Herz, und ſie ſielen über die perſiſche Nachhut her. Es ſcheint ſich
in der Hauptſache um wehrloſe Bagagen gehandelt zu haben, da die Griechen
in dieſer fürchterlichen Schlacht ſozuſagen gar keine Verluſie gehabt haben.
Zu bewundern ſind eigentlich nur der Feldherr Miltiades, der es zu verhindern
wußte, daß ihm ſeine Helden nicht ſchon vor dem Gefecht ausbüxten, und die
Stabsordonnanz, die die Meldung, daß die Geſchichte grade noch einmal gut
abgelaufen ſei, einem hohen und weiſen Sengt in Athen nach
verhältnis=
mäßig kurzer Zeit entgegenhuſiete.
Im Weſien ſieht man die Inſel Salamis. Wenn ein Schiff ſich der Inſel
nähert, fangen die Paſſagiere an, die Zeißgläſer und Binokels zu putzen und
blicken ſcharf geſpitzten Auges hinüber. Was man ſehen kann, iſt eine große
Mauſefalle, in die die ſchlecht geführte perſiſche Flotte hineinging, um dann
ruhmlos totgeſchlagen zu werden. Man braucht kein Admiral zu ſein, um zu
wiſſen, daß die zahlenmäßig überlegene Flotte ſich die Bewegungsfreiheit
ſichern muß. Weiterhin liegt im Weſien, ſchwach erkennbar, Eleuſis. Die
„heilige Straße”, die dorthin führte, ſoll nicht ſehr ſchön geweſen ſein. Heute
iſt ſie kaputt.
Nach dem Ausfiug in die Ferne konnte ich mich wieder mit mehr
Faſſungs=
vermögen der nächſien Umgebung widmen. Den Eindruck, den der Parthenon
macht, möchte ich mit dem einen Wort bezeichnen: Harmonie. Das können
nicht geſchriebene Geſetze geweſen ſein, nach denen der Baumeiſter die Maße
beſiimmte. Sein angeborenes Kulturempfinden ließ ihn eben das richtige
treffen. Dieſe Wunderbauten ſind entſianden, als die innere Volks= und
Staatskultur im Begriff war, durch die Demokratie vernichtet zu werden.
Wie alle Kulturen der Mittelmeerländer durch den gewaltſamen Einbruch
nordiſcher Menſchen zur Auslöſung gebracht wurden, ſo folgte auch in
Griechenland nach der Heroenzeit die kulturſchöpferiſche Zeit der Ariſiokratie.
Im Ausklang der Ariſiokratie iſt es den Kulturvölkern ſiets beſchieden, das
Höchſie auf dem Gebiete der Kunſi zu leiſien. Während im Staate ſelbſi das
Mark erſtirbt, entſiehen nach außen leuchtende Blüten, an denen ſich die
Demokratie noch jahrhundertelang zu ſonnen pfiegt.
Der Parthenon iſt eine ſolche Blüte, die ihresgleichen in der Welt nicht
mehr fand. Die heutigen Trümmer wirken noch ſiark.
An Geſamtwirkung ſieht das Erechtheion weit nach, hat dafür aber ſchöne
Einzelheiten. Die Perlen des Parthenon, die Giebel=Skulpturen, ſind im
britiſchen Muſeum. Die Engländer waren ſchon vor hundert Jahren voll
des Mitleids über die unter türkiſcher Herrſchaft lebenden Griechen. Aber da
man das arme Land nicht von den Türken befreien konnte, hat man es ſoweit
als möglich von ſeinen Kunſiwerken befreit.
In den ſchönſien Betrachtungen wird man durch eine ſchrille Glocke
ge=
ſtört: zwölf Uhr, alles raus zum Mittageſſen, die Akropolis wird abgeſchloſſen.
Das wirkt recht ernüchternd. Aber man weiß, daß man wiederkommt.
Es gibt viele Stellen im Bädeker, bei denen der Sonnenuntergang mit
einem dicken Sternchen bezeichnet iſi. Die Akropolis gehört auch dazu. Warum,
läßt ſich ſchwer beſchreiben. Nicht die Landſchaft allein iſt es, ſondern die
untergehende Sonne läßt den Mamor der Burgbauten in Farben erſcheinen,
die man anderswo eben nicht finden kann. Man braucht kein Schwärmer und
Phantaſi zu ſein, man wird aber immer in den Abendſiunden von dem Felſen
angezogen. Und je öfter man kommt, um ſo mehr ſagen die Bauten dem
Be=
ſchauer, der ſchließlich den erſten unbeſiimmten Eindruck vergeſſen lernt, weil
ſich ihm alle großen Einzelheiten wieder zu einem vollendeten Ganzen zus
ſammenfügen.
Auf den Höhen der Akropolis merkt man eigentlich nicht viel, was „da
unten” los iſi. Selbſt die Staatsform intereſſiert wenig, da ſie allzu oft
wechſelt. Monarchie, Republik, Monarchie, Republik, uſw., bis auch dieſe
Ab=
wechſlung anfängt, langweilig zu werden. Alles geſchieht natürlich nur mit
dem Willen des Volkes. Aber man iſt in Griechenland ehrlich genug, zuzus
geben, daß Volkesſtimme nicht ohne weiteres Gottesſtiimme zuſein braucht.
Heute heißt es: „Befreit euch aus den Sklavenketten der Monarchie, in denen
hr ſchmachtet!” morgen heißt es: „Jagt das demokratiſche Schieberpack zum
Teufel, das euch mit Schlagworten blendet, um ſich ſelbſi zu bereichern”. So
kommt es, daß faſt jeder, der eine Bügelfalte in der Koſe trägt, ſchon einmal
im Gefängnis war. Hat dem Führer des Volkes gerade der Schneider die
neue gebügelte Repräſentationshoſe gebracht, dann wechſelt die Staatsform,
und der Herr Miniſier „ſitzt”.
Bei dieſem forigeſetzten Verfaſſungswechſel kann man immer wieder
feſiſiellen, welch warm empfindendes Herz die Führer der Demokratie für die
Nöte des arbeitenden Volkes haben. Kaum ſind ſie am Ruder, dann bringen
ſie ſchnell einige Dutzend ihrer Verwandten und Bekannten (allen kann man
ja doch nicht auf einmal helfen!) im Staatsdienſt unter und verſchaffen dieſen
Tüchtigen ſo lange freie Bahn, bis ſie in den höchſten Gehaltsſtellen unters
gebracht ſind. Beim Wechſel der Staatsform zeigen ſich als Gegenſatz die
Monarchiſien in ihrer ganzen Herzloſigkeit: ſofort knöpfen ſie dieſen armen
Menſchen die ſchönen Pfründen wieder ab und geben ihnen als einzige Entg
ſchädigung freie Koſi und Logis im Kirtchen.
Intereſſant wäre es feſitzuſiellen, was in Griechenland eine republikaniſche
Briefmarke mit dem Bilde eines Monarchen, z. B. „König
Odyſſeus” für Folgen hätte. Während bei uns im nordiſchen
Deutſchland eine ſolche Marke nur eine klare, den Tarſachen
keineswegs widetſprechende Erklärung der republikaniſchen
Führer veranlaßt, daß nämlich die Republik ernſtlich in
Ge=
fahr ſei, wenn man dem Volke wahrheitsgemäß verkünde (ſei
es auch nur auf dem Umwege über die Briefmarke), daß ſeine
Monarchen nicht alle Volksausſauger und Troddels geweſen
ſind — ſo könnte ein ſolches gefährliches Experiment bei ſüds
ländiſchen Völkern ernſilichere Folgen haben.
Was aber auch die Zukunft dem Lande bringen mag, zwei
Dinge, die waren und heute ſind, werden auch in Zukunft
unverändert bleiben: die Popen und die Wanzen. Beide ſind
im Volksempfinden ſo tief eingewurzelt und als unentbehrlich
befunden, daß kein politiſcher Wechſel an ihrem Daſein etwas
ändern kann. — — Lange Zeit war vergangen, ich weilte
in einem anderen Erdteil, da wirkte noch einmal die
Akro=
polis auf mich. Ich hatte eines nachts einen wunderſchönen
Griechiſcher Pope mit ſeinem Söhnchen
Traum: Ich ſkand oben auf den Stufen des Parthenons und ſah den
herr=
lichen Sonnenuntergang — da wurde ich plötzlich wach. So ſchön wie der
Traum geweſen, ich war mit irgend ekwas unzufrieden, wußte aber noch
nicht mit was. Böſes ahnend, ergriff ich die Taſchenlampe — ha, das wars:
eine Wanze! Das kleine Tierchen hatte durch ſeinen Stich in meinem
Unter=
bewußtſein die Erinnerung an das Land der edlen Hellenen ausgelöſt und mir
zu dem ſchönen Traum verholfen.
daß die Kinder ordentlich die Hand vor die Augen halten mußten, als ſie aus
der dunkeln Vordiele hineintreten durften. Dann gingen ſie an den Tiſch, aber
nach der Weiſe des Hauſes ohne Kaſi und laute Freudenäußerung, und
be=
trachteten, was ihnen das Chriſikind einbeſchert hatte. Das waren nun freilich
keine teuern Spielſachen, auch nicht einmal wohlfeile; ſondern lauter nützliche
und notwendige Dinge, ein Kleid, ein Paar Schuhe, eine Rechentafel, ein
Geſangbuch und dergleichen mehr; aber die Kinder waren gleichwohl glücklich
mit ihrer Rechentafel und ihrem neuen Geſangbuch, und ſie gingen eins ums
andere dem Vater die Hand zu küſſen, der während deſſen zufrieden lächelnd
in ſeinem Lehnſiuhl geblieben war. Die Mutter mit ihrem milden,
freund=
lichen Geſicht unter dem enganliegenden Scheiteltuch band ihnen die neue
Schürze vor und malte ihnen Zahlen und Buchſiaben zum Nachſchreiben auf
die neue Tafel. Doch ſie hatte nicht gar lange Zeit, ſie mußte in die Küche und
Apfelkuchen backen; denn das war für die Kinder eine Kauptbeſcherung am
Weihnachtsabend: die mußten notwendig gebacken werden. Da ſchlug der
Vater das neue Geſangbuch auf und ſiimmte mit ſeiner klaren Stimme an:
Frohlockt, lobſinget Gott; die Kinder aber, die alle Melodien kannten, ſtimmten
ein: der Heiland iſi gekommen; und ſo ſangen ſie den Geſang zu Ende, indem
ſie alle um des Vaters Lehnſiuhl herumſianden. Nur in den Pauſen hörte
man in der Küche das Kantieren der Mutter und das Praſſeln der
Apfel=
kuchen.
Tick, tack! ging es wieder; tick, tack! immer härter und eindringlicher.
Marthe fuhr empor; da war es faſi dunkel um ſie her, draußen auf dem Schnee
nur lag trüber Mondſchein. Außer dem Pendelſchlag der Uhr war es totenſtill
im Hauſe. Keine Kinder ſangen in der kleinen Stube, kein Feuer praſſelte in
der Küche. Sie war ja ganz allein zurückgeblieben; die andern waren alle, alle
fort. — Aber was wollte die alte Uhr denn wieder? — Ja, da warnte es auf
Elf — und ein anderer Weihnachtsabend tauchte in Marthens Erinnerung
auf, ach, ein ganz anderer; viele, viele Jahre ſpäter. Der Vater und die
Brüder waren tot, die Schweſiern verheirgtet: die Mutter, welche nun mit
Marthen allein geblieben war, hatte ſchon längſi des Vaters Platz im braunen
Lehnſtuhl eingenommen und ihrer Tochter die kleinen Wirtſchaftsſorgen
übertragen; denn ſie kränkelte ſeit des Vaters Tode, ihr mildes Antlitz wurde
immer bläſſer, und ihre freundlichen Augen blickten immer matter; endlich
mußte ſie auch den Tag über im Bett bleiben. Das war ſchon über drei
Wochen, und nun war es Weihnachtsabend. Marthe ſaß an ihrem Bett und
horchte auf den Atem der Schlummernden; es war totenſiill in der Kammer,
nur die Uhr pickte. Da wanbte es auf Elf, die Mutter ſchlug die Augen auf
und verlangte zu trinken. „Marthe,” ſagte ſie, „wenn es erſt Frühling wird
und ich wieder zu Kräften gekommen bin, dann wollen wir deine Schweſter
Hanne beſuchen; ich habe ihre Kinder eben im Traum geſehen; — du haſt hier
gar zu wenig Vergnügen.” — Die Mutter hatte ganz vergeſſen, daß Schweſter
Hannes Kinder im Spätherbſi geſtorben waren; Marthe erinnerte ſie auch
nicht daran, ſie nickte ſchweigend mit dem Kopf und faßte ihre abgefallenen
Hände. Die Uhr ſchlug Elf. Auch jetzt ſchlug ſie Elf, aber leiſe, wie aus weiter,
weiter Ferne.
Da hörte Marthe einen tiefen Atemzug; ſie dachte, die Mutter wolle
wieder ſchlafen. So blieb ſie ſitzen, lautlos, regungslos, die Hand der Mutter
noch immer in der ihren; am Ende verfiel ſie in einen ſchlummerähnlichen
Zuſiand. Es mochte ſo eine Stunde vergangen ſein; da ſchlug die Uhr Zwölf!
— Das Licht war ausgebrannt, der Mond ſchien hell ins Fenſier; aus den
Kiſſen ſah das bleiche Geſicht der Mutter. Marthe hielt eine kalte Hand in der
ihrigen. Sie ließ dieſe kalte Hand nicht los, ſie ſaß die ganze Nacht bei der
toten Mutter. —
So ſaß ſie jetzt bei ihren Erinnerungen in derſelben Kammer, und die alte
Uhr pickte bald laut, bald leiſe; ſie wußte von allem, ſie hatte alles mit erlebt,
ſie erinnerte Marthe an alles, an ihre Leiden, an ihre kleinen Freuden. —
Ob es noch ſo geſellig in Marthens einſamer Kammer iſt? Ich weiß es
nicht; es ſind viele Jahre her, ſeit ich in ihrem Hauſe wohnte, und jene kleine
Stadt liegt weit von meiner Heimat. — Was Menſchen, die das Leben lieben,
nicht auszuſprechen wagen, pflegte ſie laut und ohne Scheu zu äußern: „Ich
bin niemals krank geweſen; ich werde gewiß ſehr alt werden.” — Iſtihr Glaube
ein richtiger geweſen und ſollten dieſe Blätter den Weg in ihre Kammer ſinden,
ſo möge ſie ſich beim Leſen auch meiner erinnern. Die alte Uhr wird helfen;
ſie weiß ja von allem Beſcheid.
Ein ſonderbarer Weltrekord. Auf dem Flugplaß von Henlow ſiellte
der engliſche Fliegerleutnant H. C. Calvey einen neuen Weltrekord auf, indem
er in einer Höhe von 2ooo Metern ſein Flugzeug umkehrte und faſt ſieben
Minuten mit dem Kopf nach unten fiog. Die Sucht, neue Rekorde aufzuſiellen,
hat hier eine etwas ſonderbare Blüte getrieben, die mit ernſiem Sport wenig
zu tun hat. Immerhin muß zugegeben werden, daß ſich für rekordluſtige
Flieger auf dieſe Weiſe neue Gebiete eröffnen. Wie wäre es beiſpielsweiſe mit
einem Flug mit verbundenen Augen, oder einem Verſuch, des Flugzeunz mit
den Füßen zu ſieuern?
Der ſchwindſüchtige
Wolkenkratzer.
Man hat drüben wieder einmal einen
kleinen Rekord aufgeſiellt — was ſollte
man ſonſt in dieſem Daſein auch machen?
Es handelt ſich um einen Wolkenkraßzer,
und da in der Höhendimenſion ſcheinbar
keine Erfolge mehr überboten werden
onnten, iſt ein New=Yorker Baumeiſter
auf die Idee gekommen und hat das
ſchmalſie Haus der Welt gebaut, d. h.
am ſchmalſien im Verhältnis zur Höhe.
Dieſe ſeltene Blüte amerikaniſcher
Architektur iſt zwar nur zwölf
Stock=
verke hoch, dafür aber auch nur etwa
zwei Meter breit. Als weiterer
Vor=
teil wird gerühmt, daß jedes Zimmer
Sonne hat. Im übrigen aber ſcheint
dieſer engbrüſiige Wohnkaſien einige
organiſche Leiden zu haben, und die
eiſernen Hühnerleitern, die an der
Außenwand von Balkon zu Balkon
auſen, laſſen auf ein wenig entwickeltes
Treppenhaus ſchließen. Wohnen alſo
wird man nicht beſonders praktiſch
darin, jedoch vom Standpunkte
künſi=
leriſchen und architektoniſchen
Emp=
findens darf man ſich gewiß
unum=
wunden darüber freuen, daß dies
Monſirum — in Amerika ſieht.
Falſchſpieler bei der Arbeit.
Der Zocker und ſeine Opfer. — Vertrauen iſi alles! — Schlepper,
Schieber und Lagemann. — Naturmarken und Zinken. — Vom
Salatmachen und Löffeln. — Der olle ehrliche Seemann.
In ſeinen Denkwürdigkeiten ſchildert Caſanova neben vielen anderen
aben=
teuerlich=bunten Erlebniſſen auch ſeine Erfolge als Falſchſpieler und erzählt
mit einer gewiſſen Genugtuung, daß er es in der Kunſi, durch betrügeriſches
Spiel reichen Leuten von ihrem Gelde zu helfen, recht weit gebracht habe.
Giovanni Caſanova kann gber trotzdem nicht als der Vater des Falſchſpiels
angeſehen werden, er hat nur auf ſchon vorhandenen Überlieferungen
weiter=
gebaut. Denn die Wiege des berufsmäßigen Falſchſpiels ſiand am Hofe
Ludwig des Vierzehnten in Frankreich. Hier „arbeitete” ein Kavalier Apoulos,
dem man infolge ſeiner griechiſchen Abkunft den Spitznamen „der Grieche‟
beigelegt hatte, und der mit ſeinen Kniffen viel Anklang und Nachahmung fand.
In Deutſchland läßt ſich das berufsmäßige Falſchſpiel erſi ſeit etwa
50 Jahren nachweiſen. Das liegt daran, daß dieſes „Handwerk” nur in der
Großſiadt ſeinen goldenen Boden ſindet. Nur dort hat der „Zocker”, wie der
Falſchſpieler in der Gqunerſprache gengnnt wird, wenn „die Lampe” — die
Zocker bei der Arbeit
„Herz Aß wechſelt unter dem Tiſch ſeinen Beſitzer”
polizeiliche Entdeckung — droht, ſicheren Unterſchlupf, der ihn davor ſchützt
„hochgenommen” zu werden. Selbſi wenn es „lichterloh brennt”, das heißt,
wenn ein Spielklub ausgehoben iſt, kann er hier immer noch auf Entkommen
hoffen. Die Vergnügungsſtätten der Großſtadt, die Kaffeehäuſer, Bars und
Spielklubs ſiellen auch den geeigneten Schauplatz für eine erſprießliche
Tätig=
keit des Zockers dar. Dazu kommen Sport= und Rennplätze und die großen
Badeorte. Hier findet der Falſchſpieler Kreiſe, die ihm als geeignet erſcheinen,
„aufgeladen”, das heißt betrogen zu werden.
Der Kriminaliſi rechnet den berufsmäßigen Falſchſpieler zur
Gruppe der Hochſiapler. Denn — ſo eigenartig es klingen mag — eins
müſſen ſich beide, Hochſiapler und Spielbetrüger, in den Kreiſen erringen, die
ausgenützt werden ſollen: das Vertrauen in ihre Ehrlichkeit. Nur dann ſind
ſie ſicher davor, bei ihrem dunklen Treiben entlarvt zu werden. Ebenſo wie der
Hochſiapler befieißigt ſich deshalb auch der Zocker eines ſorgfältigen Studiums
der Lebensgewohnheiten und Anſchauungen des von ihm zu „bearbeitenden”
Geſellſchaftskreiſes. So nahm zum Beiſpiel ein internationaler Falſchſpieler
in Paris bei einem erſiklaſſigen Lehrer „Tanz= und Anſiandsunterricht”, um
mit der nötigen Sicherheit auftreten zu können.
Nun gehört zur Tätigkeit des Falſchſpielers Geld und nochmals Geld.
Will er in die Kreiſe hinein, in denen ſich das Arbeiten lohnt, ſo muß er danach
auftreten und entſprechende Aufwendungen machen können. Der
Spiel=
gewinn, und wenn er noch ſo hoch iſt, wird vom Zocker ebenſo ſchnell verjubelt,
wie er gewonnen wurde. Denn der Hochſiapler kann nun einmal nicht
haus=
halten. Das beſorgt für ihn ſein „Lagemann‟. Dieſer ſchießt das erforderliche
Geld, die „kage”, vor, wenn der Zocker „auf Fahrt” geht. Iſi das Unternehmen
erfolgreich durchgeführt, dann erhält der Lagemann ſein Geld mit
Gewin=
anteil zurück. Er braucht kaum darum beſorgt zu ſein, daß der Zocker ihn etwa
ſitzen läßt. Denn wie ehrlich ſich die Verbrecher im Verkehr miteinander halten,
dafür iſi die Tatſache bezeichnend, daß Falſchſpieler, wenn ſie unter ſich ſind,
„auf glatt Maſſel”, das heißt ohne zu betrügen, ſpielen.
Der Lagemann iſi nun nicht der einzige Gehilfe des Zockers. Hinzu kommen
die Schlepper und Schieber, Leute, die zu ſolchen Kreiſen Verbindung haben,
in denen man einem Spiel nicht abgeneigt iſi, und die dem Zocker das Opfer
Das harmloſe Opfer aus der Provinz
zuführen. Der Schieber ſpielt, wenn er irgend kaun, nicht mit, um ſich nicht
verdächtig zu machen. Muß er ſich doch beteiligen, ſo verliert er abſichtlich.
Wird dann nach beendetem Beutezug der erzielte Gewinn feſigeſtellt, ſo iſt
allerdings der Schieber „reell mit mang” und erhält den ihm zuſiehenden
Anteil.
Die Formen des Spielbetruges ſind im Grunde genommen
zu allen Zeiten und in allen Gegenden dieſelben. Es iſt dabei
gleich=
gültig, ob der Falſchſpieler als „Bauernfänger” den in Geſchäften oder zum
Vergnügen in der Großſiadt weilenden Provinzler ausbeutet, ob er als
„Skraßenzocker” mit Hilfe ſeiner Schlepper, den „Schrittmachern” auf
Märkten oder Rennplätzen Dumme ſucht, ob er in der Maske des harmloſen
Geſchäftsreiſenden ſein Unweſen treibt oder ob er ſich als „Lokalzocker” in den
großſtädtiſchen Vergnügungsſtätten betätigt. Iſt mit Hilfe der Schlepper
eine Spielergeſellſchaft zuſammengebracht, unter der ſich immer zwei Zocker
befinden, ſo wird das Opfer, der „Freier”, dadurch in Sicherheit gewiegt, daß
man ihn zunächſi bei kleinen Einſätzen gewinnen läßt. Den entſiehenden
Ver=
luſt holen die Zocker auf ſehr einfache Weiſe wieder herein: Haben ſie eine
Zeit=
lang verloren, ſo drängen ſie auf Erhöhung des Einſatzes, um damit unter
Anwendung ihrer Falſchſpielerkniffe dem inzwiſchen zutraulich gewordenen
Freier das Fell über die Ohren zu ziehen.
Von der Technik des Spielbetrugs macht ſich der Laie durchweg falſche
Vorſiellungen. Der Zocker iſinicht etwa Kartenkünſiler oder
Taſchen=
ſpieler. Er will im Gegenteil in keiner Weiſe auffallen. Das gelingt um ſo
leichter, weil beim Spiel erfahrungsgemäß der Tätigkeit des Miſchens,
Ab=
hebens und Gebens wenig Beachtung geſchenkt wird, denn das ganze Intereſſe
des Spielers iſt darauf eingeſiellt, wie ſeine neue Karte ausfallen wird. Dieſe
Tatſache benutzt der Zocker. Zunächſi mußer wiſſen, wie die Karten ſitzen. Hier
iſt ſelbſi bei ganz neuen Karten mit guter Beobachtungsgabe viel zu machen.
Denn jede fabrikmäßig hergeſiellte Karte zeigt auf der Rückſeite, trotzdem das
Muſier überall das gleiche iſi, ein verſchiedenes Bild, weil die Muſier an den
Rändern nicht überall gleichmäßig abſchneiden. Dieſe ſogenannte „
Natur=
marke” ſiudiert der Zocker eingehend, und ihm gelingt es immer, wenn nicht
alle, ſo doch eine ganze Reihe von Karten an der Rückſeite zu erkennen.
Er=
möglicht die Naturmarke keine ausreichende Unterſcheidung, ſo werden
beſon=
dere Kennzeichen, die „Zinken”, angebracht — häufig ſo unauffällig, daß die
Zocker allein ſie wahrnehmen können. Überhaupt iſt es außerordentlich ſchwer,
Falſchſpielerkniffe als ſolche zu erkennen. Der einzige Schutz vor Ausbeutung
beſieht in der Befolgung des Grundſatzes, ſich niemals mit nicht zuverläſſig
bekannten Perſonen in ein Kartenſpiel einzulaſſen.
Nun begnügt ſich der Zocker natürlich nicht damit, den Sitz der Karten
oder „Beſen” erkennen zu können, er nimmt auch Einfiuß auf ihre Verteilung.
Das geſchieht durch betrügeriſche Maßnahmen beim „Salatmachen” (Miſchen)
und beim Abheben. Eine Schilderung des hier angewandten Verfahrens
würde zu weit führen. Erwähnt ſei nur das „Löffeln”, eine Art des Miſchens,
Heimkehr des Falſchſpielers
„Da, ein kleiner Gewinn von 5 Mille‟
bei der die unteren Karten feſigehalten und infolgedeſſen nicht mitgemiſcht
werden, und die Zuſammenſiellung von „Ladungen”, das heißt das Ordnen
der Karten in einer beſiimmten, vom Zocker gewünſchten Reihenfolge.
Nun ſetzt aber das geſchickteſie Miſchen voraus, daß durch das Abheben
nichts verdorben wird. Auch aus dieſer Verlegenheit weiß der Zocker ſich, wenn
noch ein zweiter Spießgeſelle beteiligt iſi, durch entſprechende Verſtändigung
zu helfen. Es wird zum Beiſpiel „auf Treppe” gemiſcht. Dabei wird der
abzu=
hebende Teil des Kartenſpiels ſo hingelegt, daß er über den anderen etwas
herausragt. Oder man wendet die „Wellenſchaukel” an, das heißt, daß ein
Teil der Karten nach unten oder nach oben durchgebogen wird, ſo daß dem
Mitſpieler dadurch bedeutet wird, daß die über dem durchgebogenen Teil
liegenden Karten abgenommen werden ſollen. Dazu kommt dann noch das
„ſcharfe Ziehen‟. Dabei gibt der Zocker ſich nicht die erſie Karte, ſondern die
zweite oder dritte, die er als günſtiger für ſich erkannt hat, oder er zieht Karten
von unten ab.
Die kriminalpolizeiliche Bekämpfung des Zockerunweſens iſi ſchwierig.
Meiſiens ſind dem Geſchädigten die Zockerkniffe nicht bekannt, ſo daß ſich aus
ſeinen Angaben irgendwelche für die Unterſuchung wertvollen Anhaltspunkte
nicht gewinnen laſſen. Die Zocker mit ihrem Anhang ſind hingegen
außer=
ordenklich vorſichtig und verfügen zudem über einen ausgedehnten Spitzel=
und Nachrichtendienſi. Als zum Beiſpiel vor dem Kriege ein bekannter
Falſch=
ſpieler, der „ölle ehrliche Seemann”, auf Anordnung einer auswärtigen
Polizeibehörde in Berlin verhaftet werden ſollte, war der Geſuchte ſchon vor
dem Eintreffen des Haftbefehls gewarnt, von ſeinen Genoſſen mit Reiſegeld
verſehen und nach England in Marſch geſetzt.
Nee
Schach
Nummer 188.
Partie 33.
Die nachſtehende intereſſante Partie wurde im internationalen
Schachturnier zu Meran am 9. Dezember 1926 geſpielt.
Franzöſiſche Verteidigung.
Beiß: Spielmann, Schwarz: Przepiorka.
eN—eK
1. 62—o4
d7—d5
2. d2—44
Li8—h4
z. 8b1 —e3
Maroczy’? Lieblingszug
4584
4. Lf1—d3
(7—e5!
5. 1a344
Nachdem Weiß es verſäumte, mit 4. e4 *
d5 (1) fortzufahren, was üblicher und beſſer
iſt, kam Schwarz zu dieſer bekannten guten
Verteidigung.
Lb4xc8+
6. a2— 73
8g8—16
7. b2463
8. Le4 —d3. Auf 8. Lg5 folgt Da5!
R-4
8.....
Sb8—d7
9. Sg1 —13
b7—b8
10. 0—0
Les—b:
11. 813—5
Ta8—e8
12. Dd1—e2
13. Lc1 —g5
Auf dieſe Stellung hat Przepiorka von
vornherein geſpielt. Scheinbar ſteht Beiß
ſehr günſtig, aber es tritt ſogleich ein
über=
raſchender Umſchlag ein.
Sd7xe5!
13....."
14. d4xe5
Dieſer ſo gut ausſehende Zug iſt ein ent= auf g2 decken muß. Aus dieſem Grunde iſt
Tf8—e8
19. 168g7
20. Ta1—e1
Kg887
Te8xc3
21. Velxos
Toß-e6!
22. De2—d2
Ein verhängnisvoller Fehler wäre 22.. ..
Dd4+ 23. Le3 Dxd3 24. Ld4+1 uſw.
Auf 22. . . . . Kg6 würde Weiß in
hüb=
ſcher Weiſe durch 23. L.f6! gewinnen.
23. h2—h4
h7—hg.
Te6 —g6
24. Lg5—14
25. Tf1—12
Dd5—d41
26. Kg1—b2
Kg7—h7
27. Dd2—e3
Dd4—d5
Die dauernde Beherrſchung der Diagonale
b7—g2 iſt das entſcheidende ſtrategiſche
Moment in dieſer Partie.
28. Lf4 —g3
Falls 28. Df3 ſ0 28. . . . . Tg4 20.D7d5
Txh4+ (30. Kg3 Ug4 +) uſw.
Die weiße Dane kann die zweite Linie
nicht verlaſſen, weil ſie dauernd das Matt
ſcheidender Fehler. Weiß mußte mit der Weiß dem Vorrücken der feindlichen Bauern
Dame ſchlagen, worauf ſich ein ungeſähr gegenüber hilflos.
gleiches Spiel ergab.
33. Nk4—f3
b5—b4
Dd8—d5!
14.
34. a34b4
5xb4
Die Pointe: Schwarz droht Matt auf g21 35. Dd2—e2
e5—e41
15. 12—14
Falls 35. Dxb4: ſo 35. . . . . 14
(4xd3
18. e5418
36. Lf2 Txg2+ und Schwarz gewinnt.
17. 62x43
Te8kc3
35. . ..
Dd5—e41.
18. 14 —15
36. Dc2xe4
In der Erkenntnis, ſtrategiſch überſpielt Auf 36. De7 geſchieht 88. . . . . 141
worden zu ſein, ſucht WBeiß in taktiſchen nebſt T4g2½4.
Manövern ſein Heil. Der polniſche Meiſter 36. ..
Lb7ke4
führt aber auch den jetzt folgenden tak= 37. Tk3—b3
15—14
tiſchen Teil der Partie mit vollendeter 38. Lg3—el
Ug4xg2*
Meiſterſchaft.
Weiß gibt auf. — Eine gediegene,
eGX15
T.
gehaltvolle Partie.
(Nach der „B. Z. am Mittag.”)
Vet
Rätſel
Maie che
1. 2. 3. g.
5. 6. 7. 8.
13 R S S s U U w. W
und ſenktechten Neihen gleichlautende Wörter von folgender Bede. .
1. du, lieber Leſer, lebſt darin und lieſt auch darin, 2. Einhufer,
3. Farbe, 4. Fluß in Böhmen, 5. Vogel, 6. vi lgenannter Gott,
7. Frauenname (Koſeform), 8. Stadt in Dalmatien, 9. arabiſcher
Titel. 10. Merkzeichen, Anmerkung, 11. Fluß in Kärnten, 12. Pflauze,
13. Stadt an der Adda, 14. Befeſtigungsmittel.
Carl Deubel.
Kreuzworträtſel.
Wagerecht: 1 ein Wunſch, 6 Operette von Johann Strauß, 13
Nebenfluß des Rheins, 14 Artikel, 15 geiſtlicher Titel, 16 Prophet,
der Schneder ud Der. Der ot he Nachdicktung 1 konmt. im
Refrain eines bekannten Studentenliedes mehrmals vor, 5. Verzeichnis,
7 Nebenfluß der Donau, 8 Frauenname, 9 Tonart, 10 Held der
mittel=
alterlichen Arturdichtung, 11 belgiſche Feſtung, 12 germaniſches Volk.
Kombiniertes Kreuzworträtſel.
Bedeutung der Wörter von links nach rechts
2 Nebenfluß des Don, 4 Tüukiſcher Männername, 5 Perſönliches Fü
wort, 6 Italieniſche Tonſtufe, 9 Juriſt, 13 Kirche, 15 Begleit rin des
Apollo, 17 Steinkohlenprodukt, 20 Verpackungsgewicht, 21 Stadt
Oſtfriesland, 23 Drehpunkt, 24 Chemiſches Zeichen für Chlor, 26
Che=
miſches Zeichen für Selen, 27 Sohn Noahs, 29 Flächenmaß, 30 Muſik
inſtrument, 33 Italieniſche Tonſtufe, 34 Chemiſches Zeichen für Maugau
Druck u. Verlag: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. B.—Verantwortlich f. d. Redaktion: Dr. H. Nette, Fernſpr. 1, 2389—292. Alle Reckl
35 Ausſchank, 36 Chemiſches Zeichen für Barium, 38 Niederſchlag,
39 Landſpitze, 40 Gattung, 42 Windſtoß, 44 Senkblei, 45 Franzöſiſches
Departement, 46 Bund, 47 Getränk.
Von oben nach unten: 1 Bodenfenkung, 2 Weibliches
Säuge=
tier, 3 Teil des Auges, 5 Ruſſiſcher Fluß, 7 Sinnesorgan, 8
Japa=
niſcher Staatsmann, 10 Gedichtart, 11 B hörde, 12 Heilverfahren,
14 Gewäſſer, 15 Zeichen. 16 Behälter aus Stoff, 18 Hirſchart, 19 Wild,
20 Eingang, 22 Selten, 23 Name einer Beethovenſchen Symphonie,
25 Ferment zur Käſeb=reitung, 26 Engliſcher Titel, 28 Muſe, 30
Fran=
zöſiſches Pronomen, 31 Aegyptiſcher Sonnengotte, 32 Adverb, 34
Miſch=
ling, 37 Künſtler, 41 Ungekocht, 43 Kleine Inſel.
Die Wörter des magiſchen Quadrates haben
fol=
gende Bedeutung: 1. Landwirt, 2. Schlagader, 3. Vorfahr,
4. Sittenlehre, 5. Deutſcher Hiſtoriker. (Die entſprechenden wagerechten
und ſenkrechten Reihen ergeben dieſelben Wörter.)
Zuſammenſetzrätſel.
Die Stücke ſind ſo zuſammenzuſetzen, daß ſie ein magiſches Quadrat
ergeben.
Magiſches Quadrat.
An Stelle der Punkte ſind Buchſtaben zu ſetzen, ſo daß die
wage=
rechten und ſenkrechten Reihen gleichlautend eine Blume ein
Muſik=
werk, einen Aſtrologen und eine Geſtalt aus der Oper. Der fliegend=
Carl Deubel.
Holländer” nennen.
„. E.
B..
E..
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 52.
R
A
E VA
I. E U
B I N S B
A N L
A R 4 L I
L 1D R A D
HE R A A A S
A R U M P F
A L L ES P L A I D
HA I E HF D ER
I. L E R E S FÜEL
E TN A L. M
L EI
Z E RI I N B
M B T
E
T A N N E
Auflöfung.
1—2 Otter, 2—3 Rinde, 3—4 Elend, 4—5 Draht, 5—1 Tango.
„Tanne‟.
vorbehalten. Nachdruck verb. — Kliſches, F. Haußmann, alle in Darmſtadt.
Bekanntlich gibts im große
allgemeine zwaa beſunnere
Sorde vun Feſte, nemlich die
bewegliche un die
unbeweg=
liche. Die Weihnachte zehle
alſo zu de bewegliche Feſte,
indem daß die, ganz wie ſe
wolle, uff jeden ixbeliewiche
Wochendag falle kenne, im
Gäächeſatz zu de unbewegliche
Feſte, wie beiſp elsmeßich die
heilich Faßnacht, die wo ſeit
alders immer uffn Diensdag
fellt, und ferner Oſtern und
Pingſte, wo devo e erſte
Feier=
dag immer en Sunndag is.
Die Weihnachte awwer, die
ſin an irchendwelche
Ab=
machunge net gebunne, dene
ſteht jeder Werkdag zur Verfiechung un ſie kenne falle, uff
welchen vun dene ſex als ſe wolle. Es ärchert mich
däs=
halb, aach immer e bische, wann ſe ſich dodro net halte,
ſundern nemme ſich ausgerächent en Sunndag dezu, däß wo
dann vun ſich aus ſchun en ſowieſoene is, un wo’s däßhalb net
needch hett, daß mern dorch en beſunnere Feſtdag nochemol
aus=
dricklich zu Glanz un Aſähe verhilft; während doch in dene
driebſeeliche Zeide jeder Werkdag froh defor weer, wann er ſich
aach emol e bische fiehle kennt un kennt ſich als Feierdag uffſpiele.
Dß Johr is alſo de zwadde Feierdag widder mol ſo recht
brofittlich uff en blanke Sunndag geſalle un mir ſin dodorch,
ſtreng genumme, um en Feſtdag zu korz kumme, ſodaß die Woch
zwiſche de Johrn wie jed landlaifich Woch, im alte Drott ganz
brogrammeßich mit=eme gewehnliche Mondag a gefange hott.
Iwwrichens, de „Heag” ſcheint däß aach net gebaßt zu
hawwe, die hott jedenfalls am Mondag morjend noch net richdich
gewißt, ſoll ſe odder ſoll ſe net. Dann wie mer ſich gääche acht
de Morjend widder uff die Arweit ſtärze wollt, do hott mer
bletzlich im Dunkle geſäſſe, indem der elektriſche Klabberadißmuß
ſamft un ſeelich verloſche is. Mer hott ſich alſo in Gedult un
Ergäwung in ſei Schickſal gefiecht un hott gewort, bis es vun
ſällwer hell is worrn. Un do hott dann aach uff aamol des
Elektriſch widder gebrennt. — s is halt e ullgiſch Oos, die Heag.
Drotzdem, ich glaab die Kunſtpaus, die wo dorch die
eſchibb=
diſch Finſterniß am Mondag morjend entſtanne is, die war
Ver=
ſchiedene gor net ſo uagenehm. Wie ich die kenn, ſo hett dene
zu lieb die Sach ruhich noch e bische dauern kenne, dann warum?
— im Dunkle is gut munkele . . .
Wohärngääche die Kunſtpaus bei dem theaterfreundliche
Ge=
ſellſchaftsawend am Diensdag, die hott ſich, ſälbſt nooch meim
unverdorwene Geſchmack, e bische gor ſo aſch in die Leng
ge=
zoge. — Gott, ja — e Paus im Theater is aach was recht
Scheenes, wann mer ſo im Fojee erum ſteh kann un kann ſich
bräſſendiern in ſeim Vull=dräß, nooch dem alte Rezäbbt vun
dem bekannte Theaterbrackdiguß: Die Frauen gäben ſich
und ihrem Putz zum Beſten und ſpielen ohne Gage mit . . .".
— odder mer mengſelt ſich unner’s junge Volk un laaft mit im
Karreſäll erum. — Awwer: 8 is alles nor e Weil ſchee” hott
ſäller Kärchediener zum Kriſtkindche geſagt, wie er’s widder in
die Kiſt geleecht hott un hott’s uff de Boddem gedrage. Un ſo
geht’s aach mit de ſcheenſte Theaterpaus, wann ſe zu lang dauert,
un es dhut aam aach noch aa Genshaut um die anner
iwer=
laafe, un de Hauch dhut aam beim Schnaufe zwiſche de Libbe
ge=
friern, daß er vorne erausguckt, wie e gefrorn Zuckerſtang aus
Waſſer — alſo in dem Fall macht aam aach die areechenſt
Unner=
haldung iwwer däß, was mer all zum Kriſtkindche krickt hott,
kaan Spaß mehr. — Wann die geſellſchaftliche Theaterfreunde
mir folche, dann ſtelle ſe, wann’s widder ſo unmenſchlich
kiehl=
ordich is, bei ſo=ere lange Paus wenichſtens e paar Gooxöbbcher
ins Fojee; mit Kunnjack un ſo, is es allaa net gedha.
s war nor e Glick, daß aam de erſte Daal vun dem
theaterliche Geſellſchaftsawend innerlich ſo aſch warm
ge=
macht hott, indem de Hans Baumeiſter in ſeine eichene Sproch e
wunnerwunnerſchee Geſchicht vum bayriſche Kriſtkindche vorgeläſe
hott, un ſei Kolleechinne und Kolleeche hawwe zwiſchedorch
aller=
hand feierliche Sache zum Beſte gäwwe. Ich muß ſage, ich hab
ſchun manch Weihnachtsfeier mitgemacht, e
ſtimmungsvol=
lerer awwer noch net. Iwwerhaubt, ich hett mer im Läwe net
vorgeſtellt, daß däß Hinnerm=Vorhang=ſinge un =muſickmache, ſo
en diefe Eidmick uff aam mache dhet; s war wie aus ere annere
Welt.
Nadierlich kann däß jetzt alles nix mehr helfe, un es is Zeit,
daß mer aus däre waaſchhärziche Stmmung widder eraus
kumme. Dann mittlerweil ſin mer in’s neie Johr eniwwer
ge=
rutſcht und zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag, wie ärchend e
bekannter Dichter ſo ſchee ſeecht. Nemlich ſeit e paar Stund
ſchreiwe mer 1927 un wie immer ham=wer den Umſchwung
feſt=
lich begange, un während ſich des alte Johr ſtill un haamlich,
wie e Dieb bei de Nacht, de Dier enausgeſchliche hott, hawwe
mer des neie junge Johr, feſt= un feierlich emfange. Wer ſich’s
leiſte konnt, hott ſich e Annanaßböhlche in die Reih gemacht,
odder en Bunſch un ſo. — Was mich bedrifft, ſo hab ich’s gehalte
wie alle Johr, hab mer e paar Brätzel uff de Diſch geſtellt, daß
ich net verhunger bis es zwelf ſchleecht un hab mer e Kröbbche
mit Zuckerwaſſer warm gemacht, mit eme Schißche Kunnjack
drinn, vun wääche daß es e bische Fabb krickt und en golderne
Schimmer. Un däß hab ich mer ſo ſchluchſeſiefe zu Gemied
ge=
fiehrt un hab mit mer ageſtoße, daals uff mei Wohl und daals
iwwerhaupt un ſo" .
Un wann mer e bische beſinnlich verallagt war, dann hott
mer ſich recht härzlich graddeliert und zwar net zum neie Johr,
ſundern mer hott ſich dezu graddeliert, daß mer des alte
ver=
hältnismeßich geſund und munter hinner ſich gebracht un
iwwer=
ſtanne hott. Dann däß wärd mer net ableichne kenne, es
hott als emol aſch drieb un mullberich ausgeſähe un die Kuraaſch
is aam manchmal mit Grundeis gange. Heit, wo mer dehinner
ſteht, lacht mer valleicht driwwer un ſeecht ſich, daß mer doch
als emol e groß Drambeldier gewäſe is un hott ſich Sorje un
Kobbweh gemacht iwwer Sache, die ſich ganz vun ſälbſt
ge=
reechelt hawwe. Un wann mer ehrlich ſin, do wer’n mer aach
zu=
gäwwe, daß mer uns manchmol recht dabbich a geſtellt hawwe un
abſeludemang mit’m Kobb dorch die Wand renne wollte, obgleich
des Schickſal, däß wo’s ſchließlich immer widder gut mit uns
ge=
maant hott, newedro e Dierche geloſſen hott, wo mer zwar ſehr
gedrickt, awwer immerhie bequemer dorch kumme is, als mitte
dorch die Mauer.
Un mir wolle uns däß zur Lehr diene loſſe, un wolle uns
ſage, daß uns unſer Herrgott de Kobb doch net däßhalb uff de
Hals geſetzt hott, daß merin uns bei jeder baſſende un unbaſſende
Geläächenheit ärchendwo wädderrenne. Süundern mer wolle däß
Geſchäft liewer dene iwwerloſſe, die wo vun Haus aus dezu
brä=
deſteniert ſind, un die wo vun=ere giediche Vorſehung däßhalb
ausdricklich mit de neediche Knorrnkebb ausger ſt ſind worrn;
alſo dene Herrn Bolledicker un ſo. Dene ſchadd däß weider nix,
denn wann die ſich de Kebb wädderrenne, ſo drifft däß weiders
kaan edle Kerberdaal. Un ſchließlich hab ich alle Hoffnung, daß
die aach eines Dags noch zur Vernumft kumme, nemlich wann ſe
märke, daß mir uns vun all dem Gedhu un Gemach net mehr
immboniern loſſe, daß mer uff däß leere Strohgedräſch nix mehr
gäwwe un mit ſcheene Redde uns net mehr abſpeiſe loſſe.
Un do fellt mer ſo ganz beilaifich ei, daß mer eichentlich ins
neie Johr eneidrete, ohne e Reichsreſchierung, indem die alt bum
Reichsdag die Konnzäſſion entzoge hott krickt, un nor noch aus
Gnad un Barmhärzichkeit ſo dhu därf, als dhete ſe. — Awwer
no, die reſchierungsloſe die ſchreckliche Zeit wärrn mer aach
iwwerſteh, wie ſchun ſo oft, un däßwääche brauche mer uns die
Stimmung net verdärwe zu loſſe, ganz im Gäächedaal, däß
wärd ſich aach widder eirenke. Un ſolang in Deitſchland noch
net jeder Miniſter war, ſolang brauche mer kaa Angſt zu hawwe,
daß es emol dodro habern kennt; es wärrn ſich immer widder
welche finne, die’s gärn mache un zum alte Preis. — No un
wann alle Streng reiße, ſo ſin mir Weibsleit jo aach noch do
Un ſo wolle mer alſo in Goddes Name dem alte Johr ſei
Abgangszeichnis ſchreiwe, un wolle’s, ſoweit mer’s mit unſerm
Gewiſſe vereinbarn kenne, enauslowe damit merim ſei
Karriär net verdärwe dhun — ungefehr ſo, wie mer’s frieher als
bei ſo=eme ſchnuddeliche Dienſtmädche gemacht hott un hott’s
enausgelobt, nor damit mer’s los is worrn. Un was des alte
Johr bedrifft, ſo muß ſem jo ſchließlich ſei Feind loſſe, daß ſichs
redlich Mieh gcwwe, und orndlich ageſtrengt hott, um
wenich=
ſtens gääche ſei diräckte Vorgänger e klaa bische abzuſtäche.
Un ſo wolle mer vun ganzem Härze hoffe, daß ſich des neie
Johr des alte net nor zum Vorbild nimmt, ſundern daß es de
Ehrgeiz hott, in Bezugnahm uff die Beſſerung, ſein Vorgänger
widderum zu iwwerdräffe.
In dieſem Sinne: alles Gute allerſeiz, un de Kobb hoch un
die Ohrn ſteif gehalte, dann wärrn mer aach mit dem buckeliche
Neunzehhunnertſiwwenunzwanzicher aanich wärrn. Glick auf!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Vun=eme ſpitzfinniche
Poſtſchkribb=
dumm will ich heit abſähe, indem daß ich ſo verſehnlich
uff=
geleecht bin, obgleich mich mei Freund, der Ooſepfeil, der
Wind=
hund mit ſeim därre Halz, ausgerächent am End vum Johr
regelrecht „verſetzt” hott un is mit ſeine Schie in die Welt gezoge,
odder ärchend wohie, wo Schnee liggt. Awwer kimmt=er mer
nor haam, den wär’ ich beſchiehe, daß=em Heern un Sähe
ver=
geht, den Lätſchgiggel, den iwwerrickſe,
For die Sparbix ſin mer am End vum Johr noch zugange:
W. R.: 1 Mack, vum Sabienche L.: 5 Mack; dem Große ſpend’s
e Kleiner — 10 Mack. Gruß Hohmanns Heiner. Härzlichen
Dank allerſeiz, aach for den Glicksfennich. For weidere Gawe aach
im neie Johr ſtets empfenglich: Die Obiche.
A
u mor
E
A.
Die jüngſte Skimeiſterin der Weltl
Humor
D
IIE
Adamſon der glückliche Jäger.
Auf der Kleinbahn. Ein Reiſender erwartet mit Ungeduld auf
einem Kleinbahnhof die Ankunft des Zuges und fragt den
Stations=
vorſteher: „Wann kommt denn endlich der Zug?” — Dieſer zieht ſeine
Uhr heraus, ſieht dann lange mit Umſtändlichkeit den Schienen entlang
in der Richtung, aus der der Zug kommen muß. Endlich ſagt er: „Ja,
nun glaube ich, daß der Zug bald kommen wird. Wenn ich mich nicht
irre kommt dort der Hund des Lokomotivführers angelaufen, der immer
(Göteborgs Morgenpoſt.)
— dem Zug vorausſpringt . .
Angenehme Ueberraſchung. Sie: „Hier, nehmen Sie Ihren
Brillantring zurück!“ — Er: „Warum denn? Hat er nicht die
Be=
wunderung Ihrer Freundinnen erregt?” — Sie: Ja, ſicher, die
(London Mail.)
meiſten erkannten ihn wieder!“
Auch eine Enladung. „Haben Sie Luſt, mit mir zu Abend zu
eſſen?” — „Ja, gern!” — „Sagen wir alſo um 8 Uhr bei Ihnen zu
(Politiken.)
Hauſe!”
Auf dem Lande. Poſtbote: „Schlechte Nachrichten bringe ich
Ihnen heute, Johanſſon!” — Johanſſon: „Laſſen Sie mich den
Brief ſehen. Sicher iſt mein Schwager geſtorben. Ich kenne ſeine Hand=
(The Humoriſt.)
ſchrift wieder!“
Kinderlogik. Die kleine Mary: „Iſt nicht meine Mama
ſehr alt?” — Kinderfrau: „Das iſt ſie ſicher nicht! Warum glaubſt
du das?” — Mary: „Ja, weil ich ſie ſchon ſo lange habe.”
(The Humoriſt.)
Am Krankenbett. Ehefrau für ſich: „Gibt es denn keine
Hoffnung mehr?!“ — Arzt: „Das kommt darauf an, gnädige Frau,
(Sketch.)
wäs Sie unter Hoffnung verſtehen!“
Tora Larſen,
die ſiebenjährige Schülerin einer Osloer Schule, kann ſich
rühmen, die jüngſte Skimeiſterin der Welt zu ſein. Die Leitung
der Schule, deren Zögling ſie iſt, veranſtaltete vor einiger Zeit
einen Schneeſchuh=Wettbewerb unter ihren ſämtlichen
Schüle=
rinnen, wobei ſich die kleine Tora auch von ihren älteren
Kame=
radinnen den Sieg nicht nehmen ließ.
Adamſon unterliegt ſeinem Schickſal.
In der Vorortvilla. „Haben Sie keinen Hund?” — „Nein wenn
wir etwas Verdächtiges hören, bellen wir ſelbſt!“
(Le Rire.)
Schnell abgeholfen. Dame: „Dieſer Hut kleidet mich
vortreff=
lich, aber er paßt nicht zu meinem Koſtüm.” — Verkäuferin:
„Dann werden wir Ihnen gleich einige Koſtüme zeigen, die ausgezeichnet
zu dem Hut paſſen.”
(Göteborgs Morgenpoſt.)
Unvernünftig. Bauherr: Hören Sie, Thomſon, der andere
Arbeiter arbeitet in der gleichen Zeit doppelt ſo viel als Sie!”
Thomſon: „Ja, ich bin deshalb ſchon bei ihm geweſen, aber er
(Göteborgs Morgenpoſt.)
vollte keine Vernunft annehmen.”
Vor Gericht. Dame: „Ich bin es wirklich nicht geweſen Herr
Richter!” — Richter: „Ja, aber die Beſchreibung paßt vollſtändig
auf Sie. Elegant, diſtinquiert und hübſch . . ." — Dame: „Nun
ja .. . ich will geſtehen, daß ich es doch geweſen bin!“ (Le Rire.)
„Ihre Frau verbringt ihre Ferien in der Schweiz . . . das muß ein
(Nuy Blas.)
großes Glück für ſie ſein!“ — „Ja, für mich auch!”
Schlagender Beweis. „Nein, ich kann Ihnen meine Tochter nicht
zur Frau geben. Sie ſind zu verſchwenderiſch veranlagt. Sie haben
ja keinen Begriff von dem Wert des Geldes!” — „Verzeihung, wenn ich
ihn nicht hätte, würde ich ſicher nicht um die Hand Ihrer Tochter an=
(Péle Méle.)
gehalten haben!“
Wiedergegeben. Evelyne: „Du ſollteſt etwas Puder nehmen,
meine Liebe. Du biſt ſo ſonnenverbrannt, und das ſteht dir nicht.”
Mary; „Gott, biſt du boshaft. Ich dachte gerade, wie pikant du mit
deinen Sommerſproſſen ausſiehſt, meine Beſte!” (London Opinion.)
muß wirklich mit Verſtändnis gearbeitet ſein, um
allen Anforderungen gerecht zu werden. Soll es doch
nicht nur für beſtimmte Jahreszeiten, ſondern das
ganze Jahr hindurch verwendbar ſein, darf darum
weder zu leicht noch zu ſchwer erſcheinen, hat die
Auf=
gabe, immer graziös auszuſehen und dabei nicht
un=
praktiſch zu ſein. Vor allen Dingen aber darf es auch
nicht allzuviel koſten, da man doch für die häusliche
Garderobe nicht zuviel aufwenden will. Meiſt trachtet
man natürlich, das Hauskleid aus vorhandenen Reſten
zuſammenzuſtellen, was auch keinen großen
Schwie=
rigkeiten begegnet, denn da Buntheit hier kein Fehler
iſt, ſondern im Gegenteil eine flotte, farbenfrohe
Wir=
kung ſehr geſucht wird, iſt der Materialkombination
der weiteſte Spielraum belaſſen.
Man ſieht die verſchiedenartigſten
Zuſammenſtel=
lungen. Helle mit dunklen Stofſen, glatte mit
un=
gemuſterten Flanellen, verſchiedene Woll= und
Baum=
wollkrepps, dann natürlich auch Seiden verſchiedener
Art, ſeien es nun Kunſtſeiden, wie die
großgemuſter=
ten Atlasgewebe oder Reinſeiden, die man meiſt als
Reſt eines neuen oder als Umarbeitung eines
vor=
handenen Kleides erübrigen kann.
Die Farben des Hauskleides ſind an keine
be=
ſtimmte Modevorſchrift gebunden und auch von der
Tagesmode mehr oder weniger unabhängig.
Selbſt=
verſtändlich üben die beſonders markanten
Modefar=
ben dennoch einen gewiſſen Einfluß aus (man ſieht
beiſpielsweiſe für dieſen Zweck ſehr viel Weinrot und
Kornblumenblau — die führenden Schattierungen —
verarbeitet), doch iſt dieſe Uebereinſtimmung mit der
Tagesmode — wie erwähnt — für das neue
Haus=
kleid keineswegs weſentlich.
Von den vielen Materialien ſind natürlich die
ver=
ſchiedenen Seiden am beliebteſten, doch ziehen
trotz=
dem viele Damen Wollgewebe vor, weil ſie immerhin
praktiſcher und wärmer und auch bedeutend
dauer=
hafter ſind. Vornehmlich die weich=flauſchigen
Mate=
rialien ſind für dieſen Zweck ſehr geſchätzt und ſehen
auch ſehr nett aus, insbeſondere, wenn ſie in einer der
ſchönen, modernen Paſtellfarben gehalten ſind.
Das Hauskleid ſoll niemals eine komplizierte Faſſon haben,
ſondern ſchlicht wirken. Oft kann ſelbſt ein in der Linie
voll=
kommen gerader Schlafrock nett und kleidartig wirken, ohne daß
ſeiner auf Bequemlichkeit berechneten Form dadurch Abbruch ge=
tan würde. Man pflegt das Hauskleid auch mit leicht waſchbarem
Materiale zu garnieren, ſei es mit einer hellen Seiden= oder mit
einer Piqué=Garnitur, die
jederzeit abnehmbar und
unſchwer zu reinigen iſt,
oder mit einer Spitze,
Eine neckiſche Mode
ift der kurze Geſichts=Schleier, der in der kommenden Saiſon wieder
viel=
fach zu ſehen ſein wird. Natürlich verlangt eine derartige Schleier=
Garnie=
rung nach Hut=Typen, die von den ganz einfachen geraden Faſſons etwas
abweichen, weshalb man eben den Geſichts=Schleier meiſt mit den
barett=
artigen Hüten in Verbindung zu bringen ſucht, worauf wir in unſerer
Skizze himweiſen. Es handelt ſich hier um ein Barett aus ſchwarzer
Glanz=
ſeide (natürlich kann es auch aus ſchmiegſamem, feinem Haarfilz, dem
ſoge=
nannten „Sonnenfilz” hergeſtellt werden) in origineller Faltenlegung, mit
einer feinen Agraffe garniert. Der kurze Schleier iſt entweder ganz ſchwarz
oder aber etwas mit Metall durchzogen, ein Effekt, der immer ſehr gut zur
Geltung kommt. Der neuartige „Augenſchleier” wird zum nachmittäglichen
und kleinen Abendkleide ſeine Wirkung ſicherlich nicht verfehlen.
Der Hausanzug
die man ja oft im Hauſe hat. Solche Hauskleider kön=
Beſuch im eigenen Hauſe anlegen kann.
nen manchmal ſo flott wirken, daß man ſie ſogar bei
Damit ſei etwa ein Modell wie das in unſerer
letzten Skizze veranſchaulichte gemeint. Es iſt dies
ein ganz ſchlichtes, durch einen ſchmalen Seidengürtel
leicht gebluſtes Samtkleid, deſſen einziger
Auf=
putz in einem bertenartigen Spitzenkragen beſteht, den
man aus Reſten ſehr gut verarbeiten kann, auch
wenn es ſich nur um einen Spitzenvolant und nicht
um einen abgepaßten Kragen handelt. (Dieſer Volant
wird dann nur an den Enden „umwindelt”, um das
Reißen der Spitze zu verhindern, und mit einer
Buſennadel zuſammengehalten.) Da der Samt
wohl=
feil und in den aparteſten Farben zu haben iſt, kann
ein ſolches Hauskleid ſeine gute Wirkung niemals
verfehlen.
Einfach und gediegen iſt auch der vorletzte
Schlaf=
rock, der aus weichem, kaſhaähnlichem Stoff hergeſtellt
werden kann. Schalkragen, Gürtel und Manſchetten
beſtehen aus bunter Seide, die dem ganzen Stück
ſeine flotte Note aufprägt. Die Revers ſind bis unten
ſo weit nach innen bunt unterfüttert, daß beim
Auf=
ſpringen des Hauskleides der Eindruck erweckt wird,
als ob es vollkommen bunt eingefüttert ſei.
Das einfachſte aller Modelle, das durchaus auf die
praktiſche Verwendung hinzielt, iſt das erſte. Man
kann es entweder aus dunkler Seide verfertigen (ein
alter Mantel oder ein ſchon abgetragenes Kleid
wer=
den auf der Rückſeite für dieſen Zweck noch gut
um=
zuarbeiten ſein) oder aber aus Stoff herſtellen. Der
Schalkragen und die Manſchetten ſind allenfalls dick
mit Wattelin unterlegt, mit heller Seide überzogem
und im Karo abgeſteppt, was einen ſoliden und
ab=
ſolut ſchlafrockartigen Eindruck ſichert. Die Form
die=
ſes Hauskleides iſt ſehr ſchlicht und — der
Tages=
mode angepaßt — etwas überbluſt. Zu dunklem
Materiale wird man grelle Aufſchläge und
Man=
ſchetten wählen (ewa Giftgrün, Kirſchrot, Kardinal),
zu hellem Materiale aber nur paſtellfarbene
Auf=
ſchläge und Manſchetten vorziehen.
Wie ſchön ein kombinierter Schlafrock
wir=
ken kann, zeigen wir im zweiten Bilde. Dieſes Modell
iſt aus buntgemuſtertem Material (Flanell oder Seide)
und dunkel=einfarbigem Gewebe (Seide oder Tuch)
zuſammen=
geſtellt, wodurch ſich ein ſehr guter Effekt ergibt. Auch im Rücken
kann eine dunkle Partie als breite Längsbahn eingeſetzt werden,
die es ermöglicht, auch kleinere Materialreſte gut zu verwenden.
hat einen doppelten Zweck zu erfüllen. Er ſoll ſehr
flott wirken (um morgens das Hauskleid erſetzen zu
können), muß aber dennoch gut zu reinigen ſein, darf
alſo in keinem Falle unnötig garniert werden, da ja
die praktiſche Note ihm niemals abgehen ſoll.
Man unterſcheidet zwei Arten von Hausanzügen:
die einen, die wirklich ihrem Namen gerecht werden
und für das Haus an Stelle eines Schlafrockes von
ſehr ſchlanken Geſtalten getragen werden, die ſich den
Luxus der Hoſenkleidung auch wirklich mit ruhigem
Gewiſſen leiſten können, und die Bett=
Pyja=
mas, die mit Vorliebe gewählt werden und nach
und nach das Nachthemd ganz verdrängen, da ſich
das Pyjama als bei weitem praktiſcher erweiſt (man
denke nur an die unnötigen Spitzen und
Handarbei=
ten des Nachthemdes, die ſeine Reinigung
behin=
dern, während ein Pyjama aus gutem Materiale
leicht zu waſchen und zu plätten iſt).
Für die Hausanzüge ſowohl als auch für die
Bett=Pyjamas verwendet man nur gute Materialien,
die natürlich voneinander durchaus verſchieden ſein
müſſen, denn während die erſteren eher als
Luxus=
denn als Gebrauchsſtücke anzuſehen ſind, müſſen die
letzteren vollkommen auf die praktiſche Note
einge=
ſtellt ſein. Man arbeitet die Schlafanzüge (Bett=
Pyjamas) darum in der Regel aus allen jenen
Ge=
weben, die auch für die Anfertigung von
Herren=
hemden in Betracht, kommen würden, wie Zephir,
Popeline, Leinen, Rohleinen, auch Shantung in
Naturtönung oder in einer hellen Farbe, die dem
Waſchen ſtandzuhalten vermag und nicht leicht
verblaßt.
Ganz anderes aber wird für die Hausanzüge
herangezogen, denn hier kommen alle Arten von
Seiden in Betracht (auch buntgemuſtertes
Mate=
rial, wie man es an den Kleidern dieſes Sommers
vielfach zu ſehen bekommen hat, findet hier
bekannt=
lich ſogar mit Vorliebe Verwendung). Man
ge=
braucht dafür ferner leichte, ſchmiegſame Stoffe,
wobei vornehmlich die weichen, flauſchigen, aber
doch nicht allzu ſchweren Gewebe zu nennen wären. Aparte
Effekte ſind endlich aus buntem Atlas zu erreichen, deſſen große
Muſter immer flott ausſehen und der auch nicht allzu
koſt=
ſpielig iſt.
Die Formen der Hausanzüge ſind ebenſo wie ihr Material
umbedingt von ihrem Verwendungszweck abhängig.
Das Bett=Pyjama muß man tunlichſt einfach ſchneiden,
um es leicht reinigen zu können. Dem Hausanzug aber wird
man vor allen Dingen eine aparte Note geben, da es ja hier
weniger auf die Waſchbarkeit als auf den flotten Eindruck
an=
kommt. Natürlich bringen die neuen Hausanzüge vielfach auch
charakteriſtiſche Linien der Tagesmode, ſo zum Beiſpiel die neue
bluſige Form, die ſich hier ſehr ſchön ausnimmt.
Um über die neuen Schaffungen auf dieſem Gebiete einen
kurzen Ueberblick zu geben, zeigen wir einige der beſten Modelle
in unſerer Bildgruppe:,
Als ausgeſprochene: Schlafanzug iſt das letzte Modell
anzuſehen, deſſen einfache Form ſchon auf den praktiſchen Ver=
* Die modernſte Rockform,
die bisher faſt nur im Ballſaal Eingang gefunden, der Rock mit
aus=
gebogtem Rande, ſoll jetzt, hat es auch vielfach ſchon, Verwendung auch beim
Nachmittagskleid finden. Da wird nun vielfach variiert. Bald ſind es nur
die beiden Seitenbahnen, bald auch die Vorder= und Rückenbahnen, die in
großem Bogen den Rock überragen. Immer aber ſind dieſe Bahnen entweder
durchweg, oder auch alleſamt am Rande ſtark abgerundet, ſo daß der
Ein=
druck einer umgekehrten großen Blüte immer ſtärker hervorgezaubert wird.
Wie in der Form, wird auch in der Farbe variiert, und es iſt nicht ſelten,
daß zu den einzelnen Bahnen verſchiedene Farben verwendet werden, die
dann etwa in einer Seidenfranſengarnitur wieder zur farbigen Harmonie
T
geführt werden.
wendungszweck hindeutet. Er hat die ſchief gekreuzte
Form und wird mit einem Gürtel
zuſammengehal=
ten. Der Aufſchlag der Hoſe, der Schalkragen und
der Gürtel pflegen in einer von dem Grundmaterial
verſchiedenen Farbe gehalten zu ſein. Die
Grund=
farbe iſt meiſt licht (um welches Material es ſich auch
immer handeln möge), etwa Beige, Sandfarben oder
Elfenbeinweiß, während die dunkleren Partien in
einer Paſtellfarbe wie Lachs, Lavendel, Lila,
Blaß=
grün oder Mauve gedacht ſind.
Als Bett=Pyjama iſt auch die Form des
in unſerem erſten Bilde wiedergegebenen Modells
zu verwenden. Es iſt dies die gangbare „
ver=
ſchnürte” Type, die ſich vollkommen an die Pyjamas
der Herrenmode anlehnt, mit dem Unterſchiede nur,
daß das Damenpyjama heuer nicht mehr jene gerade,
ſakkoartige Faſſon hat, ſondern mit einer
Gürtel=
paſſe abgeſchloſſen wird und darum einen
bluſen=
artigen Charakter gewinnt, der der Tagesmode
ent=
lehnt iſt. Auch dieſes Pyjama wird in lichter Farbe
gearbeitet (falls es ſich um einen Schlafanzug
han=
deln ſoll) und nur die Verſchnürungen bringen die
bei dem früheren Modelle beſprochenen
Paſtellfar=
ben. Will man aber ein ſolches Modell als
Haus=
anzug verwenden, ſo wird man gut daran tun, es in
flauſchigem, eventuell buntfarbigem Wollſtoff oder
in einem flanellartigen Gewebe anzufertigen. Ueber
ein ſolches Pyjama gilt die kurze „Hausjacke‟
als ſehr modern, die aus großgeblumten
Satin=
ſeiden, aus Flanell, aber auch aus bunten Kretons
herzuſtellen wäre. Sehr gut laſſen ſich für ſolche
Zwecke auch verſchiedene Materialreſte aufarbeiten,
die man vorteilhaft zu kombinieren vermag. (So
iſt zum Beiſpiel bei der Hausjacke unſeres erſten
Modells der Sattel und der untere Rand aus
dunk=
lem Stoff, alles andere aber aus geblumtem
Mate=
rial verfertigt, was ſchöne Kontraſte ergibt.
Das zweite Bild zeigt, daß man für den
Haus=
anzug auch Handarbeiten aller Art
heran=
ziehen kann. Vornehmlich die Kreuzſticharbeiten,
wie man ſie auf Bauernhemden zu verwenden
pflegt, ſehen ſehr flott aus, wie dies aus der Skizze
zu entnehmen iſt, deren Gürtelpaſſe, Halsleiſtchen,
ſchmale Manſchetten und ein Streifen am Oberarme bunt beſtickt
erſcheinen — Sehr flott und eigenartig wirkt auch der im
vor=
letzten Bilde veranſchaulichte Hausanzug mit gerader Hoſe und
originellem Oberteile, deſſen Wirkung auf die breiten Revers
aufgebaut iſt, deren eines das Monogramm der Trägerin zeigt.
Die Knopflöcher, Knöpfe und Ränder der Revers, der Aermel
und der Hoſe können ganz ſchmal, aber in greller Schattierung
vorgeſtoßen ſein. Den gleichen Ton muß natürlich auch das
Mono=
gramm haben, um eine einheitliche Farbwirkung zu ſichern.