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Tüdtr T
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Nummer 327
Donnerstag, den 25. November 1926. 189. Jahrgang
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Darm=
ſtädter und Natſonalbant.
Oer Aufmarſch der Parteien.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Reichstagsdebatte am Mittwoch war der reſtlichen
Aus=
ſprache über die Außenpolitik gewidmet, der Reichstag iſt aber
nicht fertig geworden, ſondern hat ſich auf Donnerstag vertagt,
da möglicherweiſe der Reichsaußenminiſter auf die Ergebniſſe
der Debatte kurz eingehen wird. Infolgedeſſen iſt auch die
Ab=
ſtimmung über die von den Kommaniſten und Völkiſchen
einge=
brachten Mißtrauensvoten gegen Dr. Streſemann auf
Donners=
tag verſchoben. Sie wird indes eine reine Formſache ſein, da
die Sozialdemokraten vermutlich dagegen ſtimmen und die
Deutſchnationalen ſich mindeſtens der Stimme enthalten
wer=
den. Ob es nörig war, der Angelegenheit einen dritten Tag
zu widmen, darüber kann man zweifelhaft ſein.
Was von den Parteien am Mittwoch vorgebracht wurde,
war ſo dünn daß es in einer Stunde geſagt werden konnte.
Der Redner der Wirtſchaftlichen Vereinigung legte
ſich grundſätzlich darauf feſt, daß ſeine Partei, obwohl ſie nicht
zur Regierungskoalition gehöre, ſich loyal hinter die
Re=
gierung geſtellt habe. Es war aber mehr als überflüſſig,
wenn er dem hinzufügte, daß ſeine Partei bei den ſächſiſchen
Wahlen von der Deutſchen Volkspartei ſcharf bekämpft worden
ſei. Das hat eigentlich mit der Außenpolitik ſehr wenig zu tun.
Die Sozialdemokraten ſchickten noch Herrn Müller=
Franken vor, der ſich in eine Polemik gegen die
Deutſch=
nationalen verlor, die er verſpottete, weil ſie mit aller Gewalt
in die Regierung kommen wollten. Die Politik von Thoiry und
Locarno verteidigte er, verlangte die völlige Befreiung des
Rheinlandes und der Saar, fand aber wohl nicht ganz den
Bei=
fall des Außenminiſters, als er das Italien Muſſolinis den
ſchlimmſten Seuchenherd Europas nannte. Auch hier wieder
das unvermeidliche Hineinſpielen von innenpolitiſchen
Geſichts=
punkten. Daß Graf Reventlow für die Völkiſchen
an der Außenpolitik kein gutes Haar ließ, war eigentlich
ſelbſt=
verſtändlich. Ueberraſchend war es, daß der
Deutſchnatio=
nale von Freytag=Loringhoven, obwohl für ſeine
ſonſtigen Verhältniſſe ſehr gemäßigt ſprach, doch gegenüber
ſei=
nem Vorredner die Politik ſeiner Fraktion mehr in das
Oppo=
ſitionelle zu bringen ſuchte, indem er feſtſtellte, daß die
Ausfüh=
rungen des Außenminiſters nicht geeignet geweſen ſeien, die
Anſicht ſeiner geſamten, Fraktion über die Erfolgloſigkeit von
Thoiry und Locarno zu erſchüttern. Um ſo vorſichtiger war er
in ſeiner Begründung des von den Deutſchnationalen und den
Negierungsparteien gemeinſam eingebrachten Antrages auf
An=
rufung des Internationalen
Schiedsgerichts=
hofes zur Prüfung der Kriegsſchuldfrage.
Nach ihm erſchien noch einmal Reichswehrminiſter Dr.
Geß=
ler, um auf Anregung des Außenminiſters ſeine Beziehungen zu
den Wehrverbänden klar zu ſtellen. Eine Senſation hätte
ſchließ=
lich noch die Rede des ehemaligen Reichskanzlers
Dr. Joſef Wirth ſein ſollen und auch ſein können, da er
nicht als Mitglied ſeiner Fraktion, ſondern als Perſon ſprach.
Er fing auch vielverſprechend an, indem er den auch von ſeiner
Partei mitunterzeichneten Antrag auf Anrufung des
Internatio=
nalen Schiedsgerichtes bekämpfte, verlor ſich dann aber in das
Gebiet einer unklaren Phraſeologie, wobei er für Menſchenrechte
und Völkerfreiheit ſchwärmte, ohne daß man nachher ſagen
konnte, worauf er eigentlich hinauswollte. Immerhin politiſch
wertvoll war, daß er auch den Franzoſen deutlich zu machen
ſuchte, daß es jetzt an ihnen ſei, vorzuleiſten und in Sachen
der Militärkontrolle einen Beweis des guten Willens zu geben.
Das ſind Forderungen, die gerade bei der Perſon des Redners
in Frankreich nicht ohne Eindruck bleiben ſollten, weil ſie
be=
weiſen, wie ſtark die Einheitsfront iſt, auf die ſich hier die
Reichsregierung ſtützen kann.
Die Wiriſchaftliche Vereinigung ſieht lonal
zur Regierung.
Der Reichstag erledigte am Mittwoch zunächſt ohne Debatte in
zwei=
ter und dritter Leſung und endgültig das neue deutſch=franzöſiſche
Saar=
zollabkommen, den deutſch=polniſchen Vertrag über die Regelung der
Grenzverhältniſſe und das deutſch=polniſch=Danziger Eiſenbahnabkommen.
Ein Zuſatzabkommen zum deutſch=litauiſchen Handelsvertrag wurde dem
Ausſchuß überwieſen. Dann ſetzte das Haus die außenpolitiſche
Aus=
ſprache fort.
Abgeordneter Dr. Bredt (Wirtſch. Vergg.) kritiſierte zunächſt die
geſtrige Rede des deutſchnationalen Abgeordneten Hoetzſch, die ſo
ge=
weſen ſei, daß die Deutſchnationalen von morgen in die Regierung
auf=
genommen werden könnten. Sie ſtehe allerdings in ſeltſamem
Gegen=
ſatz zu der Haltung dieſer Partei beim Eintritt in den Völkerbund.
Abgeordneter Bredt ſtellte feſt, daß die überſchwänglichen Hoffnungen,
die in der Regierungspreſſe an Thoiry geknüpft worden ſeien, jetzt der
Enttäuſchung gewichen ſeien. Er bezeichnete als die wichtigſte Aufgabe
der Außenpolitik im gegenwärtigen Augenblick die Befreiung des
Rhein=
landes und verſicherte die Regierung, daß ſie bei dieſen Bemühungen
euch die Wirtſchaftspartei immer hinter ſich haben werde.
Sozialdemokratiſche Polemik gegen dieDeutſchnationalen
Es folgte der Sozialdemokrat Hermann Müller, der ſich zunächſt
gegen die Deutſchnationalen wandte. Dieſe Partei bezeichnete ſich
im=
mer als das Gewiſſen der Nation. Beim Dawesplan hätten aber nur
50 Prezent dieſes Gewiſſens funktioniert die anderen 50 Prozent wären
für Gewiſſenloſigkeit. Wenn die Deutſchnationalen in die Regierung
aufgenummen würden, dann würden zwei Pferde vorn, zwei Pferde
hinten an den Wagen geſpannt ſein. Die Deutſchnationalen hätten
Völkerbund und Verſtändigungspolitik immer bekämpft. Wenn ſie jetzt
anders reden, ſo nur deshalb, weil der Landbund ihren ſchleunigen
Eintritt in die Regierung verlange. Die Deutſchnationalen hätten den
heftigſten Kampf gegen die Erfüllungspolitik geführt, aber die Regie=
rungspolitik, die ſie jetzt mitmachen wollten, ſei Erfüllungspolitik von
reinſtem Waſſer. Was die Sozialdemokratie betreffe, ſo glaube ſie micht,
daß der Ruin Deutſchlands in Frankreichs Intereſſe liege ebenſowenig
wie der Ruin Rußlands, der allerdings tatſächlich ſchon da ſei. Wenn
in Rußland alles koſcher wäre, dann würde man dort auch die
Sozial=
demokraten einmal hineinlaſſen.
Im weiteren Verlauf ſeiner Ausführungen wies Abgeordneter
Müller darauf hin, daß die Politik von Locarno zwar einerſeits den
endgültigen Verzicht Deutſchlands auf Elſaß=Lothringen, andererſeits.
aber auch den endgültigen Verzicht der Franzoſen auf ihren hiſtoriſchen
Drang nach dem Rhein bedeute. In der Abwehr des
Separatiſtenge=
ſindels hätten die Rheinländer gezeigt, wie deutſch ſie fühlen. Auch die
Sozialdemokratie verlange die völlige Befreiung des jetzt beſetzten
Rhein=
landes und die volle Wiederherſtellung der deutſchen Souveränität in
dieſem Gebiet. Sie wünſche ebenſo die beſchleunigte Rückgabe des
Saar=
gebietes, halte aber eine Abſtimmung dort für nicht unbedingt nötig,
da das Ergebnis der Abſtimmung ganz unzweifelhaft für Deutſchland
ausfallen würde. Der Redner warnte dann weiter vor einer
deutſch=
italieniſchen Politik mit der Spitze gegen Frankreich und verlangte, daß
die allgemeine Abrüſtung durchgeführt werden müſſe, da es ſonſt zu
einer Kriſe im Völkerbund kommen werde. Dem Reichswehrminiſter
Dr. Geßler machte er den Vorwurf, gegen die Mißbräuche in der
Reichs=
wehr nicht früher eingeſchritten zu ſein. Er verwahrte ſich ferner gegen
die Vergleichung des Reichsbanners Schwarz=rot=gold mit den
Rechts=
verbänden, denn das Reichsbanner habe es immer abgelehnt, einen neuen
Krieg vorzubereiten. Schließlich warnte der Redner vor der Annahme
des bürgerlichen Antrages auf Wiederaufrollung der Kriegsſchuldfrage,
die möglicherweiſe nur neue Hemmungen für die ſchleunige Befreiung
des Rheinlandes bringen könnte.
Der völkiſche Graf Reventlow polemiſierte gegen die Thoiry=Politik,
die zu einer ungeheuren Blamage für Deutſchland geworden ſei, und
warnte vor Briand, über den ſich das deutſche Volk heute ebenſo täuſche
wie 1918 über Wilſon. Im Gegenſatz zu den Deutſchnationalen wurden
die Völkiſchen die Locarnopolitik und Deutſchlands Mitgliedſchaft im
Völkerbund nicht als gegebene völkerrechtliche Tatſachen anerkennen.
Bürgerlicher Antrag auf Anrufung des
Inter=
nationalen Schiedsgerichtshofes zur Prüfung
der Kriegsſchuldfrage.
Hierauf begründete Abgeordneter Freiherr von Freytag=Loringhoven
kurz den von den Mitgliedern aller bürgerlichen Parteien
unterzeich=
neten Antrag. Die Regierung möge in eine Prüfung der Frage
ein=
treten, wieweit die Beſetzung des Völkerbundes und des ſtändigen
inter=
nationalen Gerichtshofes Möglichkeiten biete, eine Prüfung der
Kriegs=
ſchulöfrage durch dieſen Gerichtshof zu erreichen. Der Redner nahm
dann namens ſeiner Fraktion zur geſtrigen Rede Dr. Streſemanns
Stellung, die nicht geeignet ſei, die Anſicht der Deutſchnationalen über
die Erfolgloſigkeit der Thoiry=Politik irgendwie zu erſchüttern. Wenn
der Miniſter von vornherein vorausſage, daß die Verhandlungen von
Thoiry ſich vielleicht über Jahre hinausziehen würden, weshalb habe er
es dann unterlaſſen, wenigſtens inzwiſchen für das beſetzte Gebiet
die=
jenigen Erleichterungen auszuwirken, die nach offiziöſen Stümmen
da=
mals in Genf zu erreichen geweſen ſein follen. Der Redner fragte, ob
der Miniſter jetzt in dieſer Richtung etwas zu tun gedenke oder ob das
beſetzte Rheinland warten ſolle bis das Phantaſiegebilde von Thoiry
Wirklichkeit werde. Zum Schluß erklärte der Redner, daß er perſönlich
zum internationalen Gerichtshof das volle Vertrauen habe, daß dieſer
die Kriegsſchuldfrage objektiv prüfen und entſcheiden würde.
Reichswehrminiſterium und Wehrverbände.
Es folgte dann Reichswehrminiſter Dr. Geßler, der eine kurze
Erklärung zu den neueſten Veröffentlichungen des Führers des
Jung=
deutſchen Ordens Mahraun abgab. Der General, der nach den
Ver=
öffentlichungen Mahrauns einen Kampf mit Freiwilligen
gegen Frankreich unternehmen wollte, ſei General Watter geweſen. Ihn
habe er (Geßler) gemeint, als er 1922 von den Verrückten ſprach, die
junge Leute in die franzöſiſchen Bajonette hineintreiben wollten. Der
General Watter ſei aber damals ſofort aus der Reichswehr entfernt
worden. Wehren muß ich mich aber dagegen, daß Mahraun es ſo
dar=
ſtellt, als ob er über die Vorgänge von 1921 mich noch im Jahre 1926
informieren muß. Ueber dieſe Dinge war ſchon damals die
Reichs=
regiorung wie die preußiſche vollſtändig informiert. Was hier behauptet
wird, ſind Dinge, die ja allgemein längſt bekannt waren. Im
Jahre 1925 ſollen wieder ähnliche Pläne beſtanden haben. Da wird der
Name des Oberſten Nicolai genannt. Auch hier haben die Leute ſich
völlig zu unrecht auf Beziehungen zu uns berufen. Damit dies völlig
klargeſtellt wird, habe ich den Miniſter Severing gebeten, dieſen Dingen
nachzugehen. Der Oberſt Nicolai iſt ſorgfältig beobachtet worden. Man
hat aber keinen Anlaß gefunden, gegen ihn etwas zu unternehmen. Er
iſt ins Ausland gegangen und hält ſich — glaube ich — heute dort noch
auf. Es hat ſich bei dieſen Plänen um unverantwortliche Kreiſe
gehan=
delt, die verſucht haben, uns in außenpolitiſche Verwicklungen
hinein=
zubringen. Wir haben mit dieſen Dingen nichts zu tun. Wir haben
nur unſere Pflicht getan. Daß durch ſolche Behauptungen in einem
Augenblick, wo der Außenminiſter ſich um Verſtändigung bemüht, im
Ausland die phantaſiereichſten Vorſtellungen entſtehen mußten, iſt doch
ſelbſtverſtändlich.
Hierauf nahm Abg. Dr. Wirth (Zentrum) das Wort und erklärte,
man könne eine Oppoſition von der Art des Dr. Hoetzſch vielleicht
be=
grüßen, man düirfe aber nicht von einer „nationalen” Oppoſition
ſpre=
chen. Das Wort „national” wird nirgends ſo viel gebraucht und
miß=
braucht wie in Deutſchland. (Zuſtimmung.) Notwendig iſt eine lohale
Oppoſition mit dem Ziel, die in der Oppoſition veruretene Politik
auf=
richtig durchzuführen, wenn man ſelbſt nachher in der Regierung ſitzt.
Für den Vorſtoß in der Kriegsſchuldfrage ſei keine Augenblick günſtiger
als der jetzige. Denn gerade jetzt beſtehe in England die Abſicht, durch
anerkannte Wiſſenſchaftler die Archive zu öffnen und die Kriegsurſachen
zu unterſuchen. Den paneuropäiſchen Gedanken ſolle man nicht mit
einem Lächeln abtun. Wir ſehen doch, daß die Herren von vechts gar
keine Bedenken haben, die Grenzen der Nation zu überſchreiten, wenn es
ſich um die Wirtſchaft handelt. Deutſchland habe jetzt nur die
Ver=
pflichtung, kritiſch die Auswirkung von Thoiry anzuſehen. Es iſt nicht
unſere Aufgabe, neue Vorſchläge zu machen. Deutſchland hat in
Lo=
carno ein politiſches Opfer erſten Ranges gebracht. Die
Deutſchnationa=
len haben nicht das Recht zur Kritik daran, denn ſie ſind
mitverantwort=
lich für den Weg nach Locarno. Auch der Eintritt Deutſchlands in den
Völkerbund war in gewiſſem Maße in nationaler Beziehung ein Opfer.
Dieſes Opfer erfordere jetzt auf franzöſiſcher Seite ein Entgegenkommen.
Wir haben jetzt abzuwarten, was Frankreich auf dieſe großen Opfer zu
geben hat. Dieſer Winter iſt der Prifſtein für die Politik, die wir alle
machen wollen: Mit Frankreich zu einer aufrichtigen, dauernden
Ver=
ſtändigung zu kommen. (Beifall in der Mitte und bei den
Sozialdemo=
kraten.)
Darauf werden die Beratungen abgebrochen. Das Haus vertagt
ſich. Donnerstag, 2 Uhr: Fortfetzung der auswärtigen Debatte
und Abſtimmung über die Mißtrauensvoten. Zweite Beratung des
Ge=
ſetzes gegen Schmutz und Schund. — Schluß 7.15 Uhr.
Balkanpolitik.
Von unſerem D=Korreſpondenten.
Bukareſt, 24. November.
In Bulgarien hat man erſt vor kurzem zwei kommuniſtiſche
Revolutionsverſuche unterdrückt, in Griechenland halten ſich
Royaliſten und Republikaner labiler als je die Wage, und über
die dynaſtiſchen Sorgen in Rumänien gehen die eigentümlichſten
Gerüchte um. Auf einmal ſcheint die Frage der Staatsform
überall am Balkan akut geworden zu ſein. Die verhältnismäßige
Ruhe und der Gleichgewichtszuſtand ſind, ſeitdem Italien ſeinen
ſchnellgewonnenen Einfluß einzubüßen ſcheint, verſchwunden.
Seit Odeſſa ſchaut man wieder mit Unruhe und Angſt nach
Rußland, und das könnte als Merkzeichen einer neuen Aera
ge=
deutet werden. In Odeſſa ſoll ein militäriſches Bündnis
zwi=
ſchen Rußland und der Türkei zuſtandegekommen fein, das ſich
in erſter Linie gegen etwaige italieniſche Annexionsgelüſte
rich=
tet. Von Rom aus wurde bisher die Antwort darauf, die
An=
erkennung der Okkupation Beßarabiens durch Rumänien, noch
nicht erteilt. Ein hoher italieniſcher Gaſt in Rumänien hat dies
jedoch ſchon in einer öffentlichen Rede in Ausſicht geſtellt. Trotz
ſeiner pathetiſchen Worte iſt man in Bukareſt noch nicht beruhigt.
Der Gegenſatz zu Rußland iſt wieder fühlbarer geworden. Die
kommuniſtiſche Propaganda, die im gaſtlichen Wien ein ruhiges
Afyl findet, hat am Balkan wieder eingeſetzt. Die Putſchverſuche
in Bulgarien beweiſen es zur Genüge. Wenn man davon in
Bukareſt bis jetzt auch noch wenig fühlt, ſo weiß man doch, daß
Umſturzverſuche in der nächſten Zeit doppelt gefährlich wirken
müſſen, da Rumänien ſich kritiſchen Zeiten nähert.
Der Geſundheitszuſtand König Ferdinands iſt ſehr ernſt und
man befürchtet das Schlimmſte. Die Königin hat ihre
amerika=
niſche Reiſe ſchnellſtens unterbrechen müſſen, und es waren daran
nicht die zahlloſen Unannehmlichkeiten ſchuld, die ihr in Amerika
paſſierten, ſondern die Krankheit König Ferdinands, wie das
überall angezweifelte, aber trotzdem wahre offizielle
Commut=
nigus beſagt.
Man weiß, daß die Frage der Thronfolge nicht geregelt iſt.
Der eigentliche Thronfolger, Prinz Carol, hat, wie bekannt,
ab=
gedankt. Es iſt zweifelhaft, ob die Gründe, die ihn ſeinerzeit zur
Abdankung bewogen, auch heute noch beſtehen. Wenn er aber auch
auf den Thron wirklich endgültig verzichtet hätte, die Lage wäre
dadurch nur noch komplizierter. Nach dem Geſetz müßte das
Thronerbe auf ſeinen Sohn aus der Ehe mit der griechiſchen
Prinzeſſin Heleng übergehen. Als Regent käme für dieſen Fall
Prinz Nicolaus, der zweite Sohn König Ferdinands, in
Be=
tracht, da der Thronfolger noch im Kindesalter ſteht.
Nun hat aber Prinz Carol auch aus ſeiner erſten, willkürlich
für ungültig erklärten Ehe mit der Tochter des rumäniſchen
Oberſten Lambrino einen Sohn, der nach Auffaſſung der
ortho=
doxen Kirche der einzig geſetzmäßige Thronfolger iſt. In
Frank=
reich läuft über dieſe Frage ein äußerſt intereſſanter Prozeß.
Franzöſiſche Richter werden darüber entſcheiden, ob der Sohn des
Prinzen Carol aus ſeiner erſten Ehe das Recht hat, ſich Prinz
zu nennen, und trotz aller Geſchicklichkeit Paul Boncours, der in
dieſem Prozeß den Prinzen Carol gegen Frau Lambrino
ver=
tritt, erwartet man in Bukareſt mit einiger Beſorgnis das
richter=
liche Urteil.
Die Lage in Rumänien ſcheint jedenfalls etwas kompliziert
zu ſein, und den beruhigenden Ausſprüchen des
Miniſterpräſi=
denten Averescu, gemäß denen die Frage der Thronfolge bereits
geregelt iſt, legt man nicht allzuviel Gewicht bei. Sprengſtoff iſt
genug vorhanden, und die Lage am ganzen Balkan ſcheint wieder
ſo heikel, daß nicht alle Befürchtungen unbegründet erſcheinen.
Die wachſende Spannung zwiſchen Italien und Jugoflawien
könnte gegebenenfalls die rumäniſche Außenpolitik in eine
unan=
genehme Situation bringen. Muſſolini widerfuhren zahlreiche
Mißerfolge in ſeiner Balkanpolitik, und in einem ziemlich
un=
angenehmen Moment wurde die italieniſche Gleichgewichtspolitik
zwiſchen England und Rußland unmöglich. Nach Odeſſa, wo den
italieniſchen Plänen auf Anatolien ein Riegel vorgeſchoben
wurde, muß Italien klar gegen Rußland Front machen. Aber
Moskau erweiſt ſich auf dem Balkan als ſtark, nicht nur in
Bul=
garien, wo die äußerſt ſchwere wirtſchaftliche Lage und die
Maſ=
ſen der Flüchtlinge von einem Tag auf den anderen Unruhen
hervorrufen können, ſondern überall, da es in den zahlreichen
unentſchiedenen Fragen nur immer Partei zu nehmen braucht.
Die Unterdrückung der Slowenen in Italien wird immer genug
Stoff für Konflikte zwiſchen Jugoſlawien und Italien geben,
wenn auch nicht in der Form wie Raditſch es wünſcht, der
neu=
lich die Verhaftung des italieniſchen Geſandten in Belgrad als
Repreſſalie auf die fasciſtiſchen Terrorakte gegen die Slowenen
vorſchlug.
Noch iſt die außenpolitiſche Einſtellung der kommenden
grie=
chiſchen Regierung Kafandaris nicht bekannt, man ſpricht aber
ſchon darüber, daß Muſſolini wieder verſuchen werde,
Griechen=
land in italieniſches Fahrwaſſer zu lenken. Er hätte dann alſo
ſeine Einkreiſungspolitik gegen Jugoſlawien noch nicht
auf=
gegeben. Pangalos hat ſeinerzeit die griechiſch=jugoſlawiſchen
Gegenſätze, wenn auch nicht mit viel Erfolg, zu regeln verſucht.
Auch das Wenige, was auf dieſem Gebiete zuſtandekam, wird
von der neuen griechiſchen Regierung kaum akzeptiert werden.
Das deutet ſchon auf italieniſchen Einfluß. In Griechenland
be=
findet ſich noch alles in Bewegung, und wenn Pangalos fiel,
be=
vor er zu der Verwirklichung ſeiner ehrgeizigen Pläne ſchreiten
koninte, ſo iſt es nicht weniger wahrſcheinlich, daß auch ſeine
Nach=
ſolger ſich nicht lange halten können. Denn die republikaniſche
Regierung Kafandaris’, die auf die Unterſtützung der gemäßigten
Royaliſten angewieſen iſt, verſpricht nicht ſehr viel an Stgbilität.
Die nächſten Kriſen werden aber in Griechenland ſchlimmer
ver=
laufen; der Wert des italieniſchen Einfluſſes in Athen iſt
min=
deſtens zweifelhgft.
Seite 2
Donnerstag, den 25. November 1926
Nummer 327
Die Verhandlungen
um den Finanzausgleich.
Bahern gegen die Pläne des Reichsfinanzminifters.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Im Reichsfinanzminiſterium haben in den letzten Tagen ſehr
eingehende Verhandlungen zwiſchen Miniſter Dr.
Rein=
hold und dem nach Berlin gekommenen bayeriſchen
Miniſter=
präſidenten Held und dem bayeriſchen Finanzminiſter
Kraus=
neck ſtattgefunden, die ſich vornehmlich um den
Finanz=
ausgleich drehten. Dabei hat ſich eine Stellungnahme des
Reichsfinanzminiſters ergeben, die für alle Länder von
hervor=
ragender Bedeutung iſt, zumal ſie für verſchiedene Streitfragen
bereits eine endgültige und unabänderliche iſt. Dr. Reinhold
hat den bayeriſchen Herren erklärt, daß die
Sonder=
garantie ſür die Umſatzſteuer nicht weiter
ge=
währt werden kann. Auch iſt es ihm unmöglich, den
Anteil der Länder an der Einkommen= und
Körperſchafts=
ſteuer über 75 Prozent hinaus zu erhöhen. Damit
wollen ſich aber die Bayern nicht zufrieden geben, wie ja auch
in Verhandlungen mit den Fraktionen die Miniſter Krausneck
und Held noch einmal ihre Wünſche und Forderungen eingehend
ſdargelegt haben. Wahrſcheinlich werden die Dinge jetzt ſo
lau=
fen, daß Bayern im Reichsrat die alten Anträge auf
Aufrecht=
erhaltung der Sondergarantie für die Umſatzſteuer und auf
Er=
höhung des Länderanteiles an der Einkommen= und
Körper=
ſchaftsſteuer auf 90 Prozent wieder aufgreifen und zur Debatte
ftellen wird. Gleichzeitig wird Bayern noch das Verlangen
ſtel=
len, daß die Garantie des § 35 zunächſt nicht nur aufrecht
er=
halten bleibt, ſondern daß der Ausgleich zu Gunſten der
wirt=
ſchaftlich ſchwächeren Länder durch Herabſetzung des
Entbeh=
rungsfaltors von 20 auf 10 Prozent verbeſſert wird. Dabei iſt
aber zu beachten, daß alle dieſe Anträge ſich nur auf den
vor=
läufigen Finanzausgleich beziehen, der demnächſt vom
Reichs=
tag verabſchiedet werden ſoll. Ebenſo große Schwierigkeiten wird
natürlich auch der endgültige Finanzausgleich bieten, über den
zwiſchen dem Reichsfinanzminiſterium und den beiden
bayeri=
ſchen Herren ebenfalls in dieſen Tagen verhandelt worden iſt.
Eine weſentliche Rolle in dieſen Beratungen ſpielt die
Bier=
ſteuer. Bayern würde es begrüßen, wenn die Bierſteuer=
Er=
trägniſſe entſprechend ihrem Aufkommen an die Länder verteilt
würden. Damit will ſich das Reich nicht einverſtanden erklären.
Auch andere angeſchnittene Fragen haben ergeben, daß es noch
heftige Kämpfe geben wird, ehe es zu annehmbarem Löſugen
kommen wwivd.
Der Wert des beſchlagnahmten deutſchen
Vermögens in Amerika.
New York, 24. Nobember.
Mit der Erklärung, daß die in ſeinen Händen befindlichen
beſchlagnahmten deutſchen Vermögen nur 271,5 Dollarmällionen
wert ſeien, nicht aber, wie Winſton angegeben hatte, 300 bis
400 Millionen, rief der Verwalter Sutherland eine Senſation
in der geſtrigen Sitzung des Haushaltsausſchuſſes im
Repräſen=
tantenhaus hervor. Seine Angaben werfen alle Kalkulationen
dieſes Ausſchuſſes über den Hqufen. Falls ſie richtig ſind,
müß=
ten die geſamten Vermögen zwecks Befriedigung der
amerikani=
ſchen Staatsfordevungen liquidiert werden. Die demokratiſchen
Mitglieder des Ausſchuſſes verſuchten von Sutherland nähere
Auskunft zu erlangen, jedoch ſchnitt der Vorſitzende Green eine
längere Diskuſſion ab.
Hoeſch bei Briand.
Paris, 24. November.
Der deutſche Botſchafter in Paris, von Hoeſch, hat heute
vor=
mittag eine neue eingehende Unterredung mit dem franzöſiſchen
Außenminiſter Briand gehabt. Die Ausſprache hat außer dem
Fragenkomplex, der ſeit Thoiry Gegenſtand der deutſch=
fvan=
zöſiſchen Ausſprache bildet, vor allem der Abberufung der
interalliierten Militärkontrolle und im
Zuſam=
wenhang damit der Frage der Organiſation der künftgen
Kon=
trolle durch den Völkerbund gegolten. Briand hat im Laufe des
Vormittags weiterhin den Präſidenten der Regierungskommiſſion
des Saargebietes, Stephan, in Begleitung des franzöſiſchen
Mit=
gliedes der Kommiſſion, Maurice, empfangen. Wenn auch die
franzöſiſche Regierung, wie aus den von Briand geſtern in der
außenpolitiſchen Kommiſſion der Kammer gegebenen Erklärungen
hervorgeht, in der Saarfrage noch keinerlei Beſchlüſſe gefaßt hat,
ſo ſcheint doch bei dem heutigen Gedankenaustauſch auch die
Frage einer möglichſt früheren Rückgabe des
Saarge=
bietes angeſchnitten worden zu ſem.
Vom Tage.
Der deutſche Botſchafter in Paris von Hoeſch hatte
geſtern eine neue Unterredung mit dem franzöfiſchen Außenminiſter
Briand.
Der Chef der Oberſten Heeresleitung, General
der Infanterie Heye, iſt geſtern, von Berlin kommend, in München
eingetroffen.
Das Reichskabinett hielt geſtern nachmittag eie Sitzung ab
und beſchäftigte ſich vorwiegend mit wirtſchaftlichen
Fragen. Auch das Arbeitsſchutzgeſetz ſtand zur Beratung.
Zu dem Abbruch der deutſch=eſtniſchen
Verhand=
lungen wird von zuſtändiger Stelle darauf hingewieſen, daß es ſich
hier nur um Vorverhandlungen über Wirtſchaftsfragen
ge=
handelt habe.
Der amerikaniſche Botſchafter Schurmann iſt nach
mehrmonatigem Urlaub in Amerika wieder nach Berlin
zu=
rückgekehrt und hat ſeine Amtsgeſchäfte übernommen.
Der Vorſitzende der Richterakademie, Wilhelm v. Scholz,
proteſtiert in einer längeren, der Preſſe übergebenen Erklärung
gegen das in Vorbereitung befindliche Schund= und
Schmutzgeſetz. Er befürchtet, daß, falls der jotzige Entwurf Geſetz
würde, die Kunſtfeindſchaft eine ſchlimme Waffe in die Hand bekomme.
Der Danziger Volkstag hat das
Ermächtigungs=
geſetz für den bürgerlichen Senat angenommen.
In kommender Woche beginnen die Verhandlungen zwiſchen der
Botſchafterkonferenz und Ungarn über die Regelung
der ungariſchen Handelsluftfahrt und deren Beteiligung
an dem internationalen Flugverkehr.
Von dem Organ Muſſolinis, dem „Popolo d’Italia”, werden die
Nachrichten von einer bevorſtehenden Begegnung Muſſolinis
mit ausländiſchen Staatsmännern als
unzutref=
fend bezeichnet.
In Rom wurde geſtern der Handelsvertrag zwiſchen
Italien und Griechenland unterzeichnet, über den ſeit
Monaten verhandelt worden war.
Man erwartet allgemein, daß Chamberlain auf der
Durch=
reiſe nach Genf am 4. Dezember in Paris eintrifft und am Abend des
5. Dezember mit Briand zuſammen nach Genf weiterreiſt.
Das belgiſche Finanzminiſterium dementiert,
daß die Regierung beabſichtige, die Staatsanleihen
aufzu=
werten. Das wäre nur möglich, wem für acht Milliarden Franken
neue Steuern geſchaffen würden.
Die Britiſche Reichskonferenz iſt abgeſchloſſen
worden. Sie hat noch eine Adreſſe an den König gerichtet, in
der ſie dem König und der Königin Treue gelobt.
In Syrien iſt zwiſchen den Franzoſen und Druſen ein
Waffenſtillſtand zwecks Erörterung der Friedensbedingungen
ge=
ſchloſſen worden.
In Beirut iſt zwiſchen Franzoſen und Druſen ein
Waffenſtillſtand abgeſchloſſen worden.
Aus Konſtantinopel wird gemeldet, daß die türkiſche Regierung
gegewwärtig das Projekt für eine Luftlinie zwiſchen
Kon=
ſtantinopel und Yokohama prüfe.
Die japaniſche Regierung und japc niſche Finanzleute haben ſich
über die Gründung einer Luftverkehrsgeſellſchaft mit
einem Kapital von 10 Millionen Yen geeinigt.
Aus Montreal wird gemeldet, daß die
Eiſenbahnangeſtell=
ten der Canadian National Railway Cy. mit dem
Streik drohen, wenn ihre Gehälter nicht um 6 Prozent erhöht
würden.
Für die Neubeſetzung des franzöſiſchen
Botſchaf=
terpoſtens in Waſhington iſt auch vom franzöſiſchen Geſandten
in Bukareſt, Billy, die Rede.
Das amerikaniſche Staatsdepartement veröffentlicht fetzt den
Notenaustauſch mit der mexikaniſchen Regierung,
aus dem hervorgeht, daß Kelloggs letzte Note einem Ultimatum
gleichkommt.
Eine intereſſante Rechisfrage.
* Berlin, 24. November. (Priv.=Tel.)
Das Plauener Schöffengericht, das die Beleidigungsklage
des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann gegen einen
all=
deutſchen Rechtsanwalt verhandelte, hat beſchloſſen, die
Ver=
handlungen auf unbeſtimmte Zeit zu vertagen und ſpäter in
Berlin fortzuſetzen nach Rückſprache mit dem Außenminiſter, der
befragt werden ſoll, wann ſeine politiſche Tätigkeit ihm das
Er=
ſcheinen als Zeuge ermöglicht. Der Beſchluß, daß ein Gericht
ſeinen Standort wechſelt und gewiſſermaßen im Umherziehen
Recht ſpricht, iſt ungewöhnlich. Strafprozeſſual ſind in beſtimmten
Grenzen Möglichkeiten dafür vorgeſehen. Immerhin iſt der Fall
ſo auffällig, daß — wie wir hören — das ſächſiſche
Juſtizminiſte=
rium die Akten eingefordert hat, um nachzuprüfen, ob die
geſetz=
lichen Vorausſetzungen für einen derartigen Beſchluß überhaupt
vorliegen. Auch das Reichsjuſtizminiſterium hat ſich bereits mit
dieſer Frage befaßt, will mit ſeiner Auffaſſung jedoch erſt
her=
vortreten, wenn ihm der Wortlaut des Beſchluſſes bekannt iſt.
Die Folgen der Frankenhauſſe.
Paris eine der teuerſien Städte der Welt.
Oas Geſpenſi der Arbeitsloſigkeit. / Verteuerte
Frachten. / Um Poincaré.
* Paris, 24. Nov. (Priv.=Tel.)
Infolge des ſtarken Steigens des Franken iſt in Paris eine
Panitſtimmung entſtanden, die zu den größten Bedenken Anlaß
gibt. Die Regierung hat die Gefahren erkannt, iſt aber der
Ent=
wicklung gegenüber machtlos. Das Publikum und auch die
Ge=
ſchäftswelt haben durch die großen Dewiſen= und Sachwer
ver=
käufe eine Unruhe und Unſicherheit in das Wirtſchaftsleben
ge=
bracht, die kaum wieder gut zu machen ſind. Erfolgt jetzt ein
Rückſchlag, d. h. tritt jetzt plötzlich ein Sinken des Frankenkurſes
ein, ſo kann die Lage dadurch außerondenilich ſchwierig werden,
daß im Lande nicht mehr die genügenden Deviſenvorräte
vorhan=
den ſind, die zu einer Befeſtigung des Kurſes und zur
Aufrecht=
erhalung des Wirtſchaftslebens notwendig ſind. In
Finanz=
kreiſen rechnet man jedoch keineswegs mit einem neuerlichen
Frankenſturz, befürchtet vielmehr, daß der gegenwärtige Kurs
noch ſteige.
Die Folgen der Frankenhauſſe wirken ſich bereits überall
aus. Paris iſt plötzlich zu einer der teuerſten
Städte der Welt geworden, ſo daß die Fremden
fluchtartig die Stadt verlaſſen. Die Ausländer
haben ihre Käufe eingeſtellt, und die einheimiſche Bevölkerung iſt
infolge des ſehr hohen Preisniveaus und des geringen
Einkom=
mens nicht in der Lage, auch nur die einfachſten Anſchaffungen
vorzunehmen. Verſchiedene große Betriebe haben bereits ihre
Produktion ſehr verringern oder einſtellen müſſen, ſo daß
plötz=
lich das Frankreich bisher ganz unbekannte Geſpenſt, der
Arbeitsloſigkeit in Erſcheinung tritt. Da Frankreich in
vielen Induſtrien zahlreiche Ausländer beſchäftigt hat, ſo iſt jetzt
bereits die Frage grut geworden, was man mit dieſen
arbeits=
loſen Ausländern wachen ſoll. Die Ausfuhrinduſtrien ſind
be=
reits verſchiedentlich bei den Miniſtern vorſtellig geworden, da
zahlreiche Auslandsaufträge abbeſtellt ſind. Die
Eiſenbahn=
frachten ſind durch die Frankenſteigerung derart teuer
ge=
worden, daß auf nahen Entferwungen die
Transport=
koſten in keinem Verhältnis mehr zum Wert
der Ware ſtehen.
Trotz dieſer plötzlich eingetretenen Wirtſchaftsſchwierigkeiten
weiß die Regierung nicht, ob ſie ſich zu einer Stabiliſierung oder
zu ſonſtigen finanzpolitiſchen Maßnahmen entſchließen ſoll.
Selbſt Poincaré ſcheint völlig ratlos zu ſein. Hält der hohe
Frankenkurs weiter an, ſo werden ſich die Schwierigkeiten im
kurzer Zeit ſo zugeſpitzt haben, daß die Regierung ſich doch zum
Handeln wird entſchließen müſſen, denn die gegenwärtige Kriſe
iſt viel gefährlicher wie die bei der Stabiliſierung zu evwartende,
nicht zu vermeidende Stabiliſierungskriſe, bei der aber immer die
Ausſicht auf baldige Geſundung vorhonden iſt. Die Stimmen
mehren ſich, die bezweifeln, daß das gegenwärtige Kabinett
Poin=
caré die heraufziehende Wirtſchaftskriſe überwinden wird.
Zwiſchenfälle in der franzöſiſchen Kammer.
EP. Paris, 24. November.
Die Kamer hat heute vormittag das Budget des
Unter=
richtsminiſteriums zu Ende beraten und gutgeheißen. Zu dem
Vorſchlage eines kommuniſtiſchen Abgcordneten, die Kredite für
die Schulhausbauten um 10 Millionen Franken zu erhöhen,
ſtellte Poincaré die Vertrauensfrage, worauf der kommuniſtiſche
Antrag mit 395 gegen 135 Stimmen abgelehnt wurde. Die
Kam=
mer ging darauf zur Beratung des Budgets, für Elſaß=
Loth=
ringen über.
In der Kammer ereigneten ſich heute zwei Zwiſchenfälle.
Zunächſt wollte der kommuniſtiſche Elſäſſer Hueber in ſeinem
Dialekt ſprechen. Der Kammerpräſident erklärte aber, das
Kam=
merpräſidium habe ſeinerzeit beſchloſſen, daß in der Kammer nur
franzöſiſch geſprochen werden dürfe. Wenn die Kammer dieſen
Beſchluß umſtürzen wolle, dann möge ſie es ſagen. Mit
Hand=
aufheben gab die Kammer dem Präſidium recht, worauf Hueber
ein vorher abgefaßtes franzöſiſches Proteſtſchreiben verlas und
dann die Tribüne verließ. — Etwas ſpäter ereignete ſich ein
anderer Zwiſchenfall, als ein kommuniſtiſcher Abgeordneter
Poin=
caré zurief, er hebe den Krieg in Bordeaux gemacht. Poincaré
erklärte darauf, die Regierung habe in jenem Augenblick ihr
Möglichſtes getan, um in Paris zu bleiben. Der Generaliſſimus
habe aber ihre Abreiſe nach Bordeaux gefordert, worauf ein
Abgeordneter dazwiſchenrief: „Und Sie haben gehorcht!”
Poin=
caré erwiderte: „Die erſte Pflicht eines Staatsmannes iſt es, zu
gehorchen!‟ Damit war der Zwiſchenfall geſchloſſen.
4Proteſtantismus und Frömmigkeit.
„Alle möglichen Geiſtesrichtungen ſind unſeren Gebildeten
bekannt, nur der Proteſtantismus iſt vielen eine unbebannte
Größe”, meinte Prof. D. Matthes, der Scheels Vortrag
ein=
leitete, den dieſer am Montag in dem Feſtſaal des Gymnaſiums
hielt: „Was das Weſen des Katholizismus iſt, weiß die
Gegen=
wartsphiloſophie, aber das des Proteſtantismus iſt ihr nicht
klar”, zitierte der Vortragende ſelbſt. Mit dieſen Worten iſt
tat=
ſächlich die Situation von heute beleuchtet. Viele tappen
voll=
kommen im Dunkeln in bezug auf das Weſen proteſtantiſcher
Frömmigkeit. Der Grund liegt darin, daß kein anderer Typus
abendländiſcher Religioſität ſo ſehr wie der Proteſtantiswus die
Neigung beſitzt, ſich mit allen möglichen Geiſtesrichtungen zu
verbinden. Seine Elaſtizität und Vielgeſtaltigkeit, ſeine ſtets
wechſelnde Gewandung macht es ſo unendlich ſchwer, ſein Weſen
zu faſſen. Es ſei nur an die Aufklärung des 18. Jahrhunderts
und den philoſophiſchen Idealismus des 19. Jahrhunderts
erinnert, die beide ſtark von dem Proteſtantismus mitbeſtimmt
ſind. Weil das der Fall, weil in ihnen wertvollſte Impulſe
ſtecken, weil, um nur einiges zu nennen, dort der Wille, von
höchſten Geſichtspunkten aus das öffentliche Leben zu geſtalten
und hier die ungeheure Gewiſſensverantwortung und wertvolle
Humanitätsreligion poſitiv gewertet werden müſſen, kann man
nicht in die voreilige Verurteilung dieſer beiden Größen
ein=
ſtimmen. Aber es wäre auch grundverkehrt, wie es heute
immer=
hin noch ſehr oft bei vielen Intellektuellen der Fall iſt, den
Pro=
teſtantismus in ſeinem Weſen mit Rationalismus und
Idealis=
mus zu identifizieren. Dieſen Fehler werden wir immer wieder
begehen, wenn wir an den Proteſtantismus die Frage richten:
Welche Weltanſchauung iſt dir eigen, ſtatt der anderen: Welche
eigentümliche Form der Frömmigkeit haſt du geſchaffen?
Sein Frömmigkeitstypus iſt im Abendland weder
Fortfüh=
rung, noch Umformung älterer Typen, ſondern ein völliger Bruch
mit der mittelalterlichen Frömmigkeit, ein ſchlechthin Neues. Das
Neue beſteht darin, daß Luther dem Glückſeligkeitsgedanken, dem
Endämonismus in der Religion den Fehdehandſchuh
hingewor=
fen hat, daß er die Frömmigkeit auch aus der Verbindung mit
den in tieferem Rechtsempfinden wurzelnden Gedanken der
Ver=
geltung und des Lohnes löſte.
An drei geſchichtlichen Größen wurde das Weſen religiöſer
Eudämonie geklärt, an der Aufklärung, an dem großen
Schola=
ſtiker Anſelm von Canterbury und Auguſtin. Der letztere, der
gewaltige Denker in Hippo in Nordafrika ſtand am Grabe des
ſterbenden römiſchen Imperiums, vor den Trümmern des
antiken Rechts und Geſellſchaftsordnung, die die heranſtürmen=
den germaniſchen Barbaren zerſchlugen. Auguſtin war Römer
genug, um die Bedeutung dieſes Vorganges zu empfinden. Wo
liegt der Sinn dieſer Kataſtrophe? Wo wird dem Menſchen
ſein Anſpruch auf Glück und Seligkeit in dieſem Chaos
garan=
tiert? In ſeiner bedeutendſten Schrift: de einitate dei, vom
Gottesſtaat, hat er ſich ſelbſt und anderen die Antwort gegeben.
Der Garant iſt ihm der Felſen, den keine Wogen zeitgeſchichtlichen
Geſchehens umwerfen: die Kirche. Sie garantiert ihm Glück
und Seligkeit, ſie mit ihrer ausgeklügelten religiöſen Rechts=
und Glückſeligkeitsordnung. — Auch das Fundament der
Schola=
ſtik Anſelms von Canterbury iſt das Gleiche. Seine Schrift:
Cuo deus homo?, warum Gott Menſch wurde, iſt hier das
klaſ=
ſiſche Dokument. Gott hätte des Menſchen Anſpruch auf Glück
und Seligkeit aus reiner Barmherzigkeit erfüllen können. Aber
unverdientes Glück ſchafft keine Glückſeligkeit, weil es der Würde
des Menſchen, ſeinem Rechtsempfinden, widerſpricht. Durch
Ge=
nugtuung, die er dem durch die Sünde beleidigten Gott gab, hat
er ſich ſein Glück verdient. Deshalb wurde Gott Menſch. — Die
Theodizee, die Rechtfertigung Gottes trotz Leid und Uebel in der
Welt, mit der ſich die Aufklärung und auch nach dem Weltkrieg
wir uns ſo ſtark beſchäftigten, wurzelt ebenfalls im
Eudämonis=
mus, will weiter nichts, als den Nachweis liefern, daß trotz der
Kataſtrophen in unſerem Daſein der Anſpruch des Menſchen
und der Völker an Glück ſicher ſeine Erfüllung finden wird.
Das Neue des Proteſtantismus war und iſt nun das, daß
er ſich in ſchroffſten Gegenſatz zu dem Eudämonismus ſetzte. Die
Schrift Luthers: De servo arbitrio, vom geknechteten Willen, iſt
die magna charta proteſtantiſcher Frömmigkeit. Nach dieſer hat
der Menſch keinen Anſpruch auf Leben und Glück. Die Frage
nach dem Sinn von Uebel und Leid in der Welt, geboren aus
Glücksverlangen, iſt ſchon die erſte große Verſuchung, den
Men=
ſchen von der wahrhaft frommen Haltung Gott gegenüber
abzu=
bringen. Dieſe beſteht aber gerade darin, jeden Rechts= und
Würdigkeitsanſpruch beiſeite zu ſtellen. Alles, was dieſem Trieb
nach Recht und Würde entſ)rungen iſt, alle darauf aufgebaute
Ordnung in Staat und Kirche gehört dem Weltlichen, Sündigen,
Unvollkommenen und damit der Vergänglichkeit an. Vor Gott
kann niemand und nichts beſtehen. Der Menſch kann nur den
Mut haben, alle Rechtsanſprüche fahren zu laſſen und ſich ganz
dem Gnadengericht Gottes hinzugeben. Der im Staube liegende
Menſch wird zum Spott aller Rechtsordnung. An ihre Stelle
tritt die Gnadenordnung des Ewigen. Das Mittelalter hat dieſe
ungeheuere Umwälzung, die dieſe Frömmigkeitsauffaſſung für
ſeinen ganzen Stufenbau der Werte mit ſich brachte, inſtinktmäßig
ſtark empfunden.
Rechtlos iſt in der lutheriſchen Gedankenwelt der Menſch vor
Gott, und gerade dadurch richtig vor ihm. Aus reiner
Barm=
herzigkeit wird der im Staube Liegende aufgenommen und
ge=
recht geſprochen. Sündig auf der einen Seite — gerecht auf der
anderen, das iſt für den menſchlichen Verſtand eine gewaltige
Antinomie, Gegenſätzlichkeft, vor der er nur eins tun kann, ſie
in ihrer Tatſächlichkeit zu bejahen. Die alte Theodizee in jeglicher
Form war eine Rechtfertigung Gottes vor dem Verſtand des
glückshungerigen Menſchen. Proteſtantiſche Frömmigkeit iſt in
ihrem Weſensſtück Rechtfertigung des Menſchen vor Gott. Hier
gibt es dem Ewigen gegenüber nur das: Gehorſam und Treue,
reſtloſe Willensauflöſung im Willen des Göttlichen. Deshalb hat
Luthers bedeutſame Schrift den Titel: Vom geknechteten Willen.
— Wer dieſe Frömmigkeit ſich zu eigen gemacht oder wem ſie
ge=
ſchenkt worden iſt, der iſt von aller Eudämonie geheilt. Der ſteht
ohne Frage und Anſpruch im Dienſt des Heiligen. Der iſt aber
auch über alle zeitlichen Kataſtrophen hinausgehoben, nehmen ſie
ihm Leib, Gut, Ehr’, Kind und Weib, iſt ein freier Herr aller
Dinge. Dem ſind die perſönlichen und völkiſchen
Zuſammen=
brüche im letzten Grund Offenbarungen göttlicher Majeſtät, die
zerbricht, um wieder durch uns zu bauen, Neues, Beſſeres zu
bauen.
von Scheel. Wer mit innerſter Hingebung ihm gelauſcht, wa
gefeſſelt, nicht nur durch die geradezu ſouveräne wiſſenſchaftliche
Beherrſchung des Stoffes, ſondern auch durch die innere Ergrif
fenheit, die uns aus jedem Satz entgegenkam. Alles Weichliche
das ſich ſo oft mit Frömmigkeit Faart, verſank, und eine herb
Luft, in der religiöſes Prophetentum und nicht nur das —
immer lebt, umwehte uns. Die dem deutſchen Weſen entſprechende
Syntheſe von ernſter Wiſſenſchaftlichkeit und tiefer Religioſität
nach der die Beſten unter unſeren Gebildeten hungern, das hat
uns die Perſon des Vortragenden ſo ſympathiſch gemacht.
Wir ſind auf den nächſten Vortrag geſpannt, den am 6.
De=
zember Lic. Wünſch aus Marburg über „Proteſtantismus und
wirtſchaftliches Leben” halten wird.
Dr. Zi.
Bühnenchronik.
hat in der Zeit vom 18. bis einſchließlich 21. Nodember
Luxemburg das von der gleichen Bühne uraufgeführte We
„Der Berg” von Herbert Kranz zur Darftellung gebracht. T
Aufführung fand beim Publikum und Preſſe ausgezeichne
Aufnahme.
Donnerstag, den 25. November 1926
Seite 3
Nummer 327
Terror in Italien.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 24. November.
Der „Daily Chronicle” hat ſeinen beſtens
bekann=
ten Sonderberichterſtatter George Renwick nach Italien
entſendet. Wir geben in Nachſtehendem einen Auszug
aus ſeinem Bericht von dem, was er ſah:
„Bei der vierten Jahresfeier wurde es in das Ausland
hinauspoſaunt, daß der Fascismus niemals ſo mächtig, niemals
ſo populär geweſen ſei. Dann zog plötzlich eine ſchwarze, dunkle
Wolke an dem ſonnigen Himmel herauf: Todesſtrafe,
Kriegs=
gericht, Spionage, Geißeln, Verbannung. Warum? Weil ein
unglücklicher Junge von 18 Jahren, dem der Fascismus das
Gehirn verdreht hatte, einen ungeſchickten Schuß auf Muſſolini
abgab? Keineswegs, ſondern weil das Regime der
Schwarzhemden entdeckt hat, daß von den Alpen
bis Sizilien die Gegenbewegung gegen den
Fascismus=Schwindel endlich doch eingeſetzt
hat. Es iſt eine unheimliche Empfindung, wenn man die
Be=
völkerung in Schrecken raunen hört: „Die neuen Geſetze! Die
neuen Geſetze!‟ Die Todesſtrafe ſoll jeden treffen, der gegen den
Staat komplottiert, politiſche oder militäriſche Geheimniſſe
ent=
hüllt oder zum Bürgerkriege aufhetzt. Ihre Mitſchuldigen oder
Verteidiger haben lange Gefängnisſtrafen zu erwarten, ebenſo
die Mitglieder aufgelöſter Parteien oder Organiſationen und die,
welche für ihre Lehren Propaganda machen, ſchließlich alle, die
über die Verhältniſſe in Italien falſche oder
übertriebene Nachrichten im Auslande
verbrei=
ten. Das Ernſteſte iſt die Errichtung eines Sondergerichtshofes
aus fünf oder ſechs Mitgliedern der Fasciſtenmiliz unter einem
Offizier, deſſen Verfahren das eines Kriegsgerichts in
Kriegs=
zeiten ſein ſoll. Wer wird vor einem ſolchen Gerichtshof als
Zeuge für die Verteidigung zu erſcheinen wagen? Welche
Gerech=
tigkeit wird ein politiſcher Gefangener von ihm empfangen?
Niemals iſt ſo wider die Gerechtigkeit gewürfelt worden.” —
Mr. Renwick glaubt, daß zum Präſidenten des Gerichtshofes
General Graziani, der „Scharfſchitze” ernannt werden wird, „der
Mann, der mit Revolvern und Maſchinengewehren den Rückzug
von Caporetto zum Stillſtand brachte‟
Nachdem Renwick dann noch kurz das andere Geſetz
be=
ſprochen, das nur der Fasciſtenpartei und der Fasciſtenpreſſe
geſtatte zu beſtehen, und das Verbot der Grenzüberſchreitungen,
kommt er auf das ungeheuere Spionageſyſtem bzw. den Dienſt
der politiſchen Kundſchaftung, der bei dem Hauptquartier jeder
Fasciſtenlegion organiſiert werden ſoll. Dahin gehört vor allem
die Hausſpioni:ge. Jeder Concierge und jeder Dienſtbote muß
ſich bei der Polizei melden, und ſie können nur dann in ihrer
Stellung bleiben, wenn die Polizei ſich verſichert hat, daß ſie für
dieſelbe paſſen, d. h. daß ſie im Spionierdienſt genügen. Sollte
das nicht der Fall ſein, ſo wird die Polizei andere für ſie
ſchicken. Auf dieſe Weiſe wird dafür geſorgt, daß ſie jede
Kleinig=
keit erfährt, was die Poſt bringt, wer in das Haus kommt, wie
ſich das Leben der Hausbewohner geſtaltet, wann und wohin ſie
ausgehen, was ſie unter ſich und mit Bekannten ſprechen. Schärfſte
Telephonkontrolle verſteht ſich von ſelber. „Wir müſſen wieder
lernen, zu komplottieren und Verſchwörer zu ſpielen”, ſagte ein
angeſehener Italiener zu Renwick. „Das wird ſchlimmer werden,
als wie es zur Zeit der Oeſterreicher war.”
Die Spionagebureaus bei den Kommandobehörden beweiſen,
daß Muſſolini nicht einmal ſeinen Fasciſten traut, noch ſeine
Fasciſten einander. Der Generalſekretär der Partei, Turati, hat
in einer Rede geſagt: „Seht euren Freunden in die Augen. Nicht
immer ſchlägt ein lohales Herz unter einem ſchwarzen Hemd.”
Und dahin iſt es ſchon gekommen. Jeder beargwöhnt jeden.
Man iſt ſeiner beſten Freunde nicht mehr ſicher. Horchen wird
zu einem Staatsdienſt. Der ſtolze Fascismus iſt gezwungen, ſich
mehr auf Informanten wie auf alle anderen zu verlaſſen.
Un=
offizieller Terrorismus herrſcht überall und nimmt hundert
ver=
ſchiedene Formen von Beläſtigungen bis zu Inſultierungen und
brutalen Angriffen an. Renwick berührt die „Geiſel=Liſten” das
ſind die im ganzen Lande aufgeſtellten Liſten der Unglücklichen,
die ohne weiteres „hingerichtet” werden, wenn Muſſolini etwas
zuſtößt. Jeder kleine Fasciſtenhäuptling kann den Befehl geben.
Ferrara gebührt der Ruhm, mit der Aufſtellung dieſer Liſten den
Anfang gemacht zu haben. Mitunter werden die Liſten
veröffent=
licht, mitunter auch nicht. Muſſolinis Regierung hat ſeiner
Miß=
billigung dieſer barbariſchſten Kriegsmaßnahme jedenfalls keinen
Ausdruck gegeben.
Eine zweite Gattung der Liſten enthält die Namen
derjeni=
gen, die aufgefordert werden, den Diſtrikt oder Italien zu
ver=
laſſen. Oft iſt nur eine Friſt von Stunden für das Verlaſſen des
Landes gegeben. Renwick hat die Abſchrift eines in Padua
an=
geſchlagenen Plakats erhalten. Es enthält die Namen von
58 Perſonen, Aerzten, Lehrern, Anwälten, Ingenieuren, auch
einer Lehrerin, die bei ſchweren Strafen „eingeladen” werden,
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Mittwoch, den 24. November.
Gaſtſpiel des Frankfurter Schauſpielhauſes:
Kilian oder die gelbe Roſe.
Eine Komödie von Paul Kornfeld.
Es war der bedeutungsvollſte Augenblick in Kornfelds
öffentlichem Leben, als Fritta Brod, ſeine Gattin, bei der erſten
Darſtellung der „Verführung” im Frankfurter Schauſpielhaus
als „Nuth Vogelfrei” ſtarb. Die ſchöne, ſchlanke Geſtalt fiel in
ſich zuſammen. Sie erloſch in ſich ſelbſt, wie wenn Anna
Paw=
lowna als ſterbender Schwan vergeht. In dieſem Augenblick war
das expreſſioniſtiſche Schauſpiel geboren, und es hatte zugleich
den ihm gemäßen Stil der Darſtellung gefunden.
Das war vor zehn Jahren. Nachdem Kornfeld durch „
Him=
mel und Hölle” gewandert war, ſchwieg er einige Jahre. Als er
wieder auftauchte, verſuchte er ſich als Komödiendichter. „Palme
oder der Gekränkte” kündigte die Abkehr von früheren Zielen an:
„Nichts mehr von Krieg und Revolution und Welterlöſung!
Laſſet uns beſcheiden ſein und uns anderen, kleineren Dingen
zuwenden: einen Menſchen betrachten, eine Seele, einen Narren!
Laßt uns ein wenig ſpielen, ein wenig ſchauen und, wenn wir
können, ein wenig lachen oder lächeln."
Dieſe Worte könnte Kornfeld auch ſeiner jüngſten Komödie
„Kilian” voranſetzen, wenn ſie guch von der Betrachtung des
einen Narren zu der Betrachtung der vielen Narren übergeht.
Sie lächelt über den Kult der Perſönlichkeit. Sie lächelt über
Heldenverehrung, über Philoſophie, über Spiritismus. In dem
Salon der Spiritiſten und Weisheitsſchüler wird der große
Philoſoph Natterer erwartet. Statt ſeiner erſcheint der biedere
Buchbinder Kilian und wird irrtümlich als der erwartete Gaſt
begrüßt. Kilian findet ſich raſch in ſeine Rolle, nimmt die
Hul=
digungen der Verehrer entgegen und ſpendet ebenſo hohe wie
billige Weisheiten.
Das Spiel zwiſchen Schein und Wirklichkeit gipfelt, als nach
Mitternacht Natterer ſelbſt erſcheint, von Kilian empfangen. Ihr
Geſpräch gibt die luſtigſten Gedankenſprünge: wer von beiden
iſt der Bedeutendere? Iſt es nicht Kilian, der in einem
Augen=
blick dieſelben Weisheiten gefunden und geprägt hat, an deren
Erforſchung Natterer dreißig Jahre gearbeitet hat? Iſt es nicht
Kilian, deſſen Perſönlichkeit in einer Nacht alle Verehrer bezwun
gen hat, um die Natterer drei Jahrzehnte geworben hat? Der
Für den Volksentſcheid.
Vom Heſſiſchen Wirtſchafts= und Ordnungsblock wird uns
geſchrieben:
Die Geſamtſteuerbelaſtung
(Reichs= und Landesſteuern)
betrug in Heſſen 1913
25, 1 Millionen Mark.
Die Sonderſteuer für den bebauten Grundbeſitz
belaſtete dagegen,die Steuerzahler 1926 allein
ſchon mit
31,2 Millionen Mark.
Steuerzahler
ſchafft Wandel! Stimmt am 5. Dezember mit
„Ja” und
„ſchickt den Landtag heime!
die Provinz von Padua und, wo möglich, Italien innerhalb von
48 Stunden zu verlaſſen. Weitere Liſten würden folgen.
Natür=
lich hat eine Auswanderung eingeſetzt. Die Fasciſten in Treviſo
konnten es noch beſſer. Sie verliehen der „Einladung” dadurch
größeren Nachdruck, daß ſie die Häuſer und Bureaus uſw. der
Geächteten plünderten. Einer von ihnen war der weitbekannte
Arzt Guido Bergamo, in deſſen Privatklinik ſich 40 zum Teil
ſchwerkranke Patienten befanden. Sie wurden in ungeſchickter,
roher Form nach dem ſtädtiſchen Spital gebracht und die Klinik
ſodann bis auf die Fundamente niedergebrannt.
Mr. Renwick berichtet ſchließlich, daß die Antifasciſten
an=
gefangen haben, zu Repreſſalien zu greifen. Bei den Unruhen
in und um Bologna ſind über 35 Schwarzhemden verſchwunden.
In Padua, Mailand und Turin iſt es den Fasciſten ſchlecht
gegangen, ebenſo in den Dockbezirken von Genua und Neapel in
Straßenkämpfen. In den entlegeneren Berggemeinden iſt es in
mehreren Fällen, auch in Sardinien und Sizilien zu richtigen
Guerillakämpfen gekommen. Der Führer der Antifasciſten in
Sardinien, Signore Luſſo, ſchoß die Fasciſten nieder, die kamen,
ihn zu ermorden, und entkam in die Berge.
Einberufung einer Nationalverſammlung?
EP. London, 24. November.
Aus Peking wird gemeldet, daß die Konferenz der
Militär=
führer in Tientſin beſchloſſen hat, Li Huan=hong zum
Präſiden=
ten der chineſiſchen Republik und Tſchang Tſo=lin zum
Vize=
präſidenten zu ernennen. Außerdem wurde beſchloſſen, die
Nationalverſammlung einzuberufen, um dieſe Ernennungen zu
ratifizieren. Daraufhin ſoll ein Koglitionskabinett aus
Ver=
tretern aller politiſchen Parteien gebildet werden. Die
Zollkon=
ferenz von Peking ſoll von neuem einberufen werden.
Die amerikaniſch=mexikaniſche Spannung.
New York, 24. November.
Das Staatsdepartement gibt den Notenwechſel zwiſchen den
Vereinigten Staaten und Mexiko bekannt, der anläßlich des
In=
krafttretens des mexikaniſchen Landölgeſetzes ſtattfand und in den
letzten Tagen eine Schärfe angenommen hat, die einen baldigen
Abbruch der diplomatiſchen Beziehungen befürchten läßt. Die
letzte Kellogg=Note hebt nämlich hervor, daß Amerika auf die
außerordentlich kritiſche Situation in den Beziehungen zwiſchen
beiden Ländern hinweiſen müßte, die entſtehe, wenn man die
Geſetze entgegen den fundamentalſten Grundſätzen
internatio=
nalen Rechtes und internationaler Gerechtigkeit und entgegen den
Bedingungen des Warren=Payne=Abkommens von 1923 (wodurch
Amerika die Obregon=Regierung anerkannte) in Kraft geſetzt
werde.
Die mexikaniſche Regierung erwiderte, daß das Warren=
Payne=Abkommen für die mexikaniſche Landölgeſetzgebung nicht
verbindlich ſei, daß weiter Mexiko unmöglich zweierlei Geſetze für
Mexiko und Amerika einführen könne und daß ſchließlich die
Ver=
faſſungsbeſtimmungen nicht auf dem Papier ſtehen bleiben
könn=
ten. — Die Tatſache, daß Amerika den Schriftwechſel gerade jetzt
veröffentlicht, zeigt den Willen Amerikas, endgültig die
Entſchei=
dung herbeizuführen. Scheinbar will man in Waſhington bis
1. Januar nächſten Jahres, wenn die
Durchführungsbeſtimmun=
gen in Kraft treten, die Situation geklärt haben.
Buchbinder fühlt ſich als Philoſoth! Der Philoſoph zieht klein
und beſchämt ab!
Hiermit könnte das Luſtſpiel ſchließen. Doch Kornfeld wälzt
in einem dritten Aufzug dieſelben Gedanken noch einmal aus,
und die ſchon hinreichend redſeligen beiden erſten Anfzüge ſinden
im dritten eine neue, verdünnte Auflage.
Kornfeld iſt immer noch allzuſehr Spintiſierer, Redner,
Wort=
held, als daß ihm eine kräftige Komödie gelingen könnte.
Zwi=
fchen ſeinen Erörterungen nimmt er zu Mitteln des Schwankes
ſeine Zuflucht. So iſt auch ſein neueſtes Luſtſpiel zwieſpältig in
ſeinem Weſen; heitere Szenen werden durch allzu gedehnte
Er=
örterung in der Wirkung beeinträchtigt. Manche Striche wären
zweckmäßig..
Toni Impekoven faßte die mannigfachen Seiten des
„Kilian” in ſeiner geſtaltungsreichen Komik zu einer ſchönen
Einheit zuſammen. Der Duft des Weines, der aus ſeiner Maske
ſtrach, gab ihm die Beſchwingtheit, ſich raſch in ſeine neue Rolle
zu finden, ſich von dem Buchbinder in den Philoſophen zu
wan=
deln und ſelbſt an die Wandlung zu glauben. Seine behagliche
Komik führte über die Klippen des Stückes hinweg.
Neben Impekoven iſt Ellen Daub wohl, die ſtärkſte
Be=
gabung des Frankfurter Schauſtielhauſes. Aus ihr ſpricht die
ſeltene Kraft einer ſtarken Menſchlichkeit eines ſtrömenden
Ge=
fühls, einer mitreißenden Natürlichkeit. Ihre „Roſalinde”
ſtei=
gerte die Aufführung von Shakeſpeares „Wie es euch gefällt” zu
einem unvergeßlichen Erlebnis in Frankfurt. Man ſah ſie geſtern
als „Gräfin Ziegeltrum” in der Peripherie ihrer Begabung: ſehr
ſcharmant und luſtig geſtaltet.
Die ſtets zielſichere Spielleitung Richard Weicherts
be=
kämpfte die Wortfülle Kornfelds mit Geſchick durch ſchwankhafte
Unterſtreichungen. Unter den Anhängern des falſchen Propheten
vertrat Lola Mebius den Ueberſchwang des überſpannten
Weibchens, Fritz Odemar das verkannte Ueber=Genie, Norbert
Schiller den ſchwärmeriſchen Jüngling. Die ruhige Weisheit
des Alters ſprach aus dem von Robert Taube ſehr fein
gezeich=
neten „Vierfuß” Franz Schneider gab der unglänbigen,
exakten Wiſſenſchaft eine geläufige, faſt allzu gelänfige Zunge.
Nett und ſachlich ſpielten Theodor Danegger den wahren
Propheten und Martha Schanzer den mit der gelben Roſe
ausgezeichneten, die Realität des Lebens liebenden Backfiſch.
Darmſtadt verfolgt die Aufführungen des von Richard
Wei=
ihert ausgezeichnet geleiteten Frankfurter Schauſpielhauſes ſtets
mit lebhaftem Jutereſſe. Das geſtrige Gaſtſpiel begegnete daher
von vornherein ſtarker Teilnahme. Das Haus war gut beſetzt.
Die famoſe, angeregte Darſtellung der Frankfurter wurde mit
Kraſſin +
Aus dem Leben Kraſſins.
London, 24. Novenber.
Heute vormittag iſt der ſowjetruſſiſche Botſchafter in London,
Kraſſin, geſtorben. Kraſſin war bekanntlich ſchon ſeit
mehre=
ren Jahren krank und weilte wiederholt für längere Zeit in
Ita=
lien. In letzter Zeit iſt er durch ſeine erneut aufgenommenen
Bemühungen, eine Beſſerung in den engliſch=ruſſiſchen
Beziehun=
gen herbeizuführen, hervorgetreten. Man erinnert ſich ſeines
Septemberbeſuches bei Chamberlain. Kraſſin war auch der
Ver=
treter der Sowjetunion bei den Verhandlungen über das
engliſch=
ruſſiſche Handelsabkommen von 1924.
Kraſſin wurde im Jahre 1870 in Tobolſk (Sibirien) geboren.
Er ſtudierte zunächſt in Petersburg, ſpäter in Charkow, nachdem
er wegen ſozialiſtiſcher Propoganda für drei Jahre nach Sibirien
verſchickt wurde, und beſtand 1900 dort ſein Examen als
Elektro=
ingenieur. Während er im Dienſt der deutſchen Firma Siemens
u. Schuckert ſtand, arbeitete er für die ruſſiſche Sozialiſtenpartei
und beteiligte ſich nach den revolutionären Unruhen von 1905
wieder lebhafter an der Politik. 1903 war er der deutſchen
Bol=
ſchewiki=Partei beigetreten und war ſchon in den Jahren 1905 bis
1907 Mitglied des Zentralkomitees. Zu Beginn der ruſſiſchen
Oktoberrevolution 1917 berief Lenin, mit dem Kraſſin ſeit langem
befreundet war, dieſen nach Rußland zurück. Kraſſin wurde an
die Spitze der Verwaltung der Kriegsinduſtrie als ſtändiges
Mit=
glied des „Rates für Arbeit und Heer” geſtellt. 1920 übernahm
Fraſſin das Volkskommiſſariat für Außenhandel und wurde
gleichzeitig mit den Geſchäften der Sowjetunion in London
be=
auftragt. 1924 ging er vorübergehend als Geſchäftsträger nach
Paris, widmete ſich jedoch auch von hier aus noch der
Fortfüh=
rung der ruſſiſch=engliſchen Verhandlungen und wäre nach
Lon=
don zurückgekehrt, wenn nicht ſein Leiden ihn gezwungen hätte,
ſich ſeit dem Frühjahr dieſes Jahres im Süden aufzuhalten.
Un=
geachtet der wiederholten Vermutungen über Unſtimmigkeiten
Fraſſins mit Moskau blieb Kraſſin nach wie vor Mitglied des
Zentralkomitees der Kommuniſtiſchen Partei, in das er auch beim
letzten, 14. Parteitag wiedergewählt wurde.
Chamberlain zum Tode Kraſſins.
Im engliſchen Unterhaus hat Chamberlain am Mittwoch
nachmittag das Beileid der Regierung anläßlich des Todes
Kraſ=
ſins zum Ausdruck gebracht. Die engliſche Regierung habe
im=
mer die loyale Art geſchätzt, mit der Kraſſin ſeine Miſſion erfüllt
habe, die umſo ſchwieriger geweſen ſei, als das Verhalten der
Sowjetregierung England gegenüber die engliſche Regierung zu
einer veſervierten Haltung gezwungen habe.
Die Aerzte, die Kraſſin behandelt haben, geben bekannt, daß
der Sowjetbotſchafter an einer Blutung infolge hochgradiger
Blujarmt geſtorben iſt.
Um die Nachfolge Kraſſins.
Die Mitglieder des diplomatiſchen Korps in Moskau haben
der Sowjetregierung zum Tode Kraſſins ihr Beileid
ausgeſpro=
chen. Wer die Nachfolge Kraſſins antreten wird, iſt noch
unbe=
ſtimmt. Es werden u. a. als Kandidaten Rakowſki,
Ka=
menew und Kreſtinſki genannt. Kraſſin ſtand in der
letzien Zeit der Gruppe Stalin kritiſch gegenüber. Er hat
wie=
derholt die Partei um ſeine Entlaſſung gebeten. Die Partei
hat jedoch ſtets ſein Erſuchen abgelehnt. Vorausſichtlich wird
die Leiche Kraſſins in London verbrannt und die Aſche nach
Moskau gebracht werden, wo ſie unter Feierlichkeiten beigeſetzt
werden ſoll. Beſonders ſtark empfindet die Gruppe um Trotzki
den Verluſt Kraſſins.
Tſchitſcherin über die Odeſſa=Beſprechung.
Tſchitſcherin machte geſtern einem Vertreter der
Sowjet=
preſſe Mitteilungen über die Zuſammenkunft mit dem türkiſchen
Außenminiſter in Odeſſa. Es ſei dringend notwendig, nach
ſieben Jahren engerer Freundſchaft ſiich eingehend auszuſprechen.
Die Uiebereinſtimmung der Politik der beiden Staaten ſei jetzt
größer denn je. Auch jetzt ſeien die Türkei und die
Sowjet=
union noch imer bedroht und den Verſuchen des Welt=
Imperia=
lismus ausgeſetzt, ſich im Wege eines friedlichen Eindringens
und einer allmählichen Stärkung die Sowjetunion und die
tür=
kiſche Regierung zu unterwerfen, aber ebenſo wie die
Sowjet=
union habe die Türkei nur ein politiſches Ziel: Sich eine
mög=
lichſt friedliche Entwicklung zu ſichern. Daher hätten er und der
türkiſche Außenminiſter natürlich keinerlei Völkerbünde,
pan=
aſiatiſche oder andere, in Odeſſa gegründet und überhaupt
keiner=
lei Vereinbarungen getroffen, die gegen eine dritte Macht
ge=
richtet ſeien.
warmem Beifall gelohnt und Weichert inmitten ſeiner
Künſt=
er wiederholt an die Rampe gerufen.
Es iſt zu hoffen, daß die Austauſch=Gaſtſpiele — zu der
gleichen Stunde ſpielten die Darmſtädter in Frankfurt „Mann
iſt Mann” — im Laufe des Winters fortgeſetzt werden. Z.
Deutſche Heimat!
Bilder aus Stadt und Land. Mit Geleitworten von Hermann
Stehr nud Joſef Winckler. Herausgegeben von M. Paul Block
und Werner Lindner.
Der Deutſche kennt ſein deutſches Land nicht. Es iſt ſo! Dem einen
fehlt die Zeit, dem anderen das Geld, dem dritten beides, und dem
vierten der Wille oder das Verſtändnis. Als eine wahre Kulturtat iſt
daher das vorliegende Werk zu betrachten. Auf rund 300 Bildern
ver=
mittelt es die Weſenseigentümlichkeiten und Schönheiten der deutſchen
Heimat. Man blättert, das Blut kreiſt ſchneller, denn alle Bilder, alle
Flüſſe, Seen, Berge und Bäume, Häuſer und Dome tragen unſer
eigenes Weſen, ſprechen unſere eigene Sprache. Die grauen Möven auf
der Nordſee der weißziſchende Giſcht, aus Kaminen und Schlöten großer
Ozeanrieſen im Hamburger Hafen, geſpenſtiſche Windmühlen in der
Krempermarſch, efeuumrankte Stadttürme, Wacholderbüſche in der
Lüne=
burger Heide, Müiſterland, Weſtfalen, Rhein, Main, Odenwald und
Schwarzwald — jedes einzelne Blatt iſt ein charakteriſtiſcher Ausſchnitt
des jeweiligen Landſchafts= und Kulturbildes. Vom Norden, die Weſer,
den Nhein entlang führt uns die Reiſe des erſten Bandes, über den
Hunsrück und Freiburg, über Bodenſee und Allgäu nah Garmiſch.
Von deutſchem Arbeitsgeiſt im Saar= und Ruhrgebiet, von
romanti=
ſihen Tocen und Treppen, von poetiſchen Fluren und Auen, von Sagen
und Liedern erzählen uns die Bilder. Dunkle Seen träumen im
Schwarzivald, ſchräge Gaſſen und ſpitzgieblige Häuſer ſind Wohnungen
des Friedens; Marktplätze und Marienbrunnen zeugen von Glauben,
gigantiſche Bergrieſen der Alpen verſinnbildlichen Drama und
Men=
ſitentragik. Flüſſe und Ströme ſind Symbole gleitender Erdenkraft.
Und leife, ohne daß du es merkſt, ſteigt etwas auf in dir, eine Ahnung,
daß du mit dem deutſchen Boden in deinem Sein verwachſen biſt, und
dieſe Ahnung verdichtet ſich und wird zur Gewißheit, wird zur —
Hei=
matliebe.
Dieſes prächtige Werk iſt ſoeben bei der Deutſchen Buch=
Gemein=
ſchaft in Berlin SW. 61, Teltower Straße 29, erſchienen und wird nur
an die Mitglieder dieſer Gemeinſchaft zum Vorzugspreiſe von 7.40 Mr.
geliefert. Die Mitgliedſchaft der Deutſchen Buch=Eemeinſchaft kann
jederzeit erfolgen, und erhält das Mitglied für den vierteljährlichen
Mitgliedsbeitrag von 3,90 Mk. bzw. 7.40 Mk. einen prächtigen
Halb=
lederband nach eigener Wahl. Außerdem erhält das Mitglied zweimal
im Monat die illuſtrierte Zeitſchrift „Die Leſeſtunde” koſtenfrei
zuge=
ſaudt. Wenn man bedeakt, daß ſich dieſer Gemeinſchaft in zweieinhalo
Jahren weit üiber vierhunderttaufend Mitglieder angeſchloſſen haben,
ſo iſt dies wohl der beſte Wew größter Leiſtungsfähigkeit! Eine
weitere Enpfehlung bietet die ausführliche Werbeſchrift, welche durch)
die D.B.G. koſtenlos verfandt wird.
Roc.
Seite 4
Donnerstag, den 25. November 1926
Nummer 327.
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Heute vormittag entſchlief ſanft nach längerem Leiden
unſere liebe Mutter
Hau Mattd Schutz Bwe.
geb. Schraffenberger
im 74. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Kaiſerslautern, Neunkirchen,
den 24. November 1926.
(e30975
Die Einäſcherung findet am Samstag, den 27. November, vormittags
11 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen zu wollen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme bei dem
Heim=
gange unſerer lieben
Entſchlafe=
nen ſagen innigſien Dank
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Fr. Hoffmann und Frau
Eliſe, geb. Fett.
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in ſchweren Zeiten das Wohlunſeres Geſchäfts
in vorbildlicher Pflichterfüllung ſiets in den
Vordergrund zu ſtellen. Wir werden ſeiner
all=
zeit in Dankbarkeit und Treue gedenken.
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Heinrich Weiler, Dipl. Ing.
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Darmſtadt, 24. November 1926.
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Am 24. ds. Mts. entſchlief im
Eliſabethenſtift zu Darmſtadt im
Alter von 71 Jahren mein lieber
Mann, unſer guter Vater und
Großvater
Weißbindermeiſter.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabethe Göbel, geb. Daab
und Kinder, (17230
Reinheim, den 24. Nov. 1926.
Die Beerdigung findet Samstag,
den 27. November, nachmittags
1 Uhr, vom Trauerhauſe aus ſtatt.
Stop
Strümpfe
auszu=
geben! Rheinſtr. 9,
2. St rechts. (*30954
Bekanntmachung.
Die Ansſtellung der Steuerkarten für
1927 iſt beendigt. Letztere werden den
Arbeitnehmern amtlich zugeſtellt.
Für den Fall, daß die Abführnng der
Lohnſteuer im Markenverfahren erfolgt,
wird darauf hingewieſen, daß die
Mar=
kenblätter beim Finanzamt Daimſtadt—
Stadt, Lindenhofſtraße Nr. 15, Zim. 13,
(st17227
abzuholen ſind.
Darmſtadt, den 22. Nov. 1926.
Der Oberbürgermeiſter.
Für alle Bekundung der
Teil=
nahme während der Krankheit
und beim Heimgange meiner
un=
vergeßlichen Frau, insbeſondere
den Barmherzigen Schweſiern,
danke ich herzlichſt
(17197
Georg Heldmann.
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Häuſern in der Barkhaus= und
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ſtraße ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingun
gen liegen bei dem unterzeichneten Amte
Zimmer Nr. 6, während der
Dienſtſtun=
den zur Einſicht offen. Auch werden
dort die Angebotsſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis Samstag, den
27. November Ifd, Js., vorm. 11 Uhr
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 20. Nov. 1926.
Tiefbauamt. (st17105
Am Freitag, den 26. November
1926, vormittags 10 Uhr, verſteigere
ich in meinem Verſteigerungslokale
Bleichſtraße 40 gepfändete Gegenſtände
aller Art zwangsweiſe gegen Barzahlung,
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1 Bordwagen, 1000 Zigarren, 1 Büfett,
1 Kredenz. 1 Diwan, 1 Ausziehtiſch
1 Spiegelſchrank, 1 Waſchtiſch mit
Spiegel, 1 Toilettentiſch, 1 Schreibtiſch,
1 Diwan, 1 Trumeauſpiegel, 1
Vor=
platzgeſtell, 1 Gasherd, 1 Korbgarnitur,
1 Kommode, 1 Nähmaſchine, 1
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ſofa, 1 Kinderwagen, 50 Fl.
Kopf=
waſſer u. a. m.
Ferner daran anſchließend an Ort
und Stelle im Lokal Heidelbergerſtr. 47:
1 Werkzeugſchrank mit Material, 1 Wa
renſchrank, 2 Regale.
Ferner daran anſchließend um
12 Uhr, mittags, im Lokal
Wilhelminen=
ſtraße 35:
1 Aktenkchrank, 2 Stühle, 1
Schreib=
maſchinentiſch, 1 Schreibſeſſel, 1
Akten=
geſtell, 3 Ablegekaſten, 1
Rolladen=
ſchrank, 1 Tiſchlampe.
(17239
Darmſtadt, den 24. November 1926
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
1. des Karl Heinrich Otto Günther zu Darmſtadt, 2. der
Hedwig Emilie Duleius, geb. Günther, Ehefrau des
Bauunternehmers Hans Duleius in Bingen, als
Ge=
ſamtgut der Errungenſchaftsgemeinſchaft im Grundbuch
ein=
getragen waren, ſollen
Dienstag, den 22. Februar 1927, nachm. 3½, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer 219, verſteigert
werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 4. November 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſtei=
erungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind, ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
eilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diefenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehendes
Necht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(17217a
Darmſtadt, den 12. November 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I., Band V, Blatt 260
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann Am Schätzung
I 1335 Grabgarten Hochſtraße 112 1000 R M.
2 T 1336. Hofreite Nr. 27 daſelbſt 197 9000 R.M.
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Ehefrau des Fahrradhändlers Ludwig Vogel, Martha,
geb. Eich in Darmſtadt, Blumenthalſtraße 109, im
Grund=
buch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 1. Februar 1927, nachm. 31/, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 12. Oktober 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(17218a
Darmſtadt, den 13. November 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk II, Band XII, Blatt 815.
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann
im. Schätzung
1 II 1356. Hofreite Nr. 41/,
Fuhr=
mannſtraße
109 6500 R.M.
Große Sendung
Nürnberger
Lebkuchen
Paket, 5 Stück, 20 J
Datteln u. Feigen
in reizender
Packun=
eingetroffen. (*3100
Lebensmittelhaus
Schellhaas
Karlitraße 50.
Tücht, anſt. Witwer
mit 5 Kind., 48 J.,
ſucht paſſ.
Lebens=
gefährtin in den 40er
Jahren zw. Heirat.
Etwas Vermög, erw.
Angeb. u. E 140 an
die Geſchſt (e3091e
Heirat
ſucht Geſchäftsmann,
Witwer m. Kd., 49J,
evgl, in. unabhäng
Frau od. Frl ingeſetz
Alter. Annon. zweckl.
Angeb. unter E 160
Geſchäftsſt. (* 30958
Am Freitag, den 26. Nov. 194
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meiner
Verſteigerungslokale Hügelſtr. 27 nad
ſtehende Gegenſtände öffentlich zwangs
weiſe gegen Barzahlung:
(172,
1 Grammophon, 1 Klavier, 1
Ware=
ſchrank, 1 Nationalkaſſe, 1 Nähmaſe
1 Büfett, 1 Sofa, 1 Tauchlötofen fü
Oelfeuerung, 1 Küchenanrichte, 1
Stan=
uhr, 1 Büfett, 1 Kredenz, 1 dreitüri
Kleiderſchrank, 1 Waſchtiſch mit Ma
morplatte, 1 Chaiſelongue, 1 Büfet
1 Kredenz, 1 Kappel=Schreibmaſchit
1 dreitüriger Kleiderſchrank, 1 Chaif
longue, 1 Sofa, 1 Kommode, 1 La
kraftwagen, 1½/, Tonne.
Die Verſteigernng findet vor
ausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 24. Nov. 1926.
Portner
Gerichtsvollzieher.
Nummer 327
Donnerstag, den 25. November 1926
Seite 3
Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 25. November.
— Grnannt wurden: am 9. November 1926 der Kanzleigehilfe bei
dem Amtsanwalt in Offenbach Michael Arnold, zum Kanzliſten; am
20. November 1926 der Ergänzungsrichter bei der Kammer für
Handels=
ſachen in Worms Fritz Rücker daſelbſt zum Handelsrichter bei der
genannten Kammer für die Zeit bis zum 31. Dezember 1927.
— Erledigt iſt: eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an
der Volksſchule in Glattbach, Kreis Bensheim. Dienſtwohnung iſt
vorhanden und ſofort beziehbar.
Techniſche Hochſchule Darmſtadt. Rektor und Senat der
Techni=
ſchen Hochſchule Darmſtadt haben auf einſtimmigen Antrag der
Abtei=
lung für Mathematik und Naturwiſſenſchaften die Würde eines „Dr.=
Ing. Ehrenhalber” verliehen: 1. Herrn Andreas Klefenz, Direktor
der Odenwälder Hartſtein=Induſtrie A.G. in Darmſtadt, in
Anerken=
nung ſeiner hervorragenden Verdienſte um die Entwicklung der
Stein=
induſtrie und der techniſch=wiſſenſchaftlichen G ſteinsforſchung; 2. Herrn
Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Georg Scheffers in Berlin=Dahlem
in dankbarer Erinnerung an ſeine Tätigkeit als Profeſſor an der
Tech=
niſchen Hochſchule zu Darmſtadt und in Anerkennung ſeiner Verdienſte
um Mathematik und Technik als Verfaſſer wertvoller Abhandlungen
und ausgezeichneter Lehrbücher. Ferner wurde den Herren
General=
direktor Guido Hackebeil in Berlin in Anerkennung ſeiner
Ver=
dienſte um die Entwicklung des Inſtituts für wiſſenſchaftliche und
an=
gewandte Photographie der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt und
Kon=
ful Generaldirektor Udo Rouſſelle in Frankfurt a. M. in
An=
erkennung ſeiner großen Verdienſte um die Steininduſtrie und die
Ent=
wicklung des Inſtituts für Geologie und techniſche Geſteinskunde an
der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt die Würde eines „Ehrendoktors”.
— Heſſiſches Landestheater. Der Autor des morgen Freitag in der
Inſzenierung von Robert Klupp im Kleinen Haus zur erſten
Auffüh=
rung gelangenden Schauſpiels „Ein undankbarer Menſch”
Pfarrer Dr. Bittlinger, iſt bisher durch eine Reihe von Büchern und
Eſſahys religionsphiloſophiſchen Inhalts, beſonders aber durch ſein
Burgfeſtſpiel „Der Zöger von Altena” und das preisgekrönte
Schau=
ſpiel „Der Vagabund” in der Literatur hervorgetreten.
Franz Schrekers Oper „Die Gezeichneten”, die uns in das
Genua des 16. Jahrhunderts führt und ein lebendiges Bild aus der
Renaiſſance gibt, bringt das vielleicht intereſſanteſte Problem von
Schrekers Bühnenwerken überhaupt. Es iſt die derbe Tragik der
zwi=
ſchen zwei Männern ſtehenden geliebten Frau, der ihre Schönheit zum
Schickſal wird, die Schreker zum Mittelpunkt der Handlung macht, die,
ganz auf das Pſychologiſche geſtellt, trotz aller zeitlichen Bedingtheit die
Wendung ins allgemein Menſchliche nimmt. Di=ſe Handlung iſt
um=
ſpannt von einer in allen Farbigkeiten blühenden, niemals ins Atonale
geratenden, von einer ungeheueren Melodienfreudigkeit beſeſſenen
Par=
titur. — Die Einſtudierung des außerordentlich ſchwierigen Werkes, das
in muſikaliſcher und techniſcher Hinſicht die äußerſte Anſpannung aller
Beteiligten erfordert, geſchieht durch Oberregiſſeur Hans Esdras
Mutzenbecher, die muſikaliſche Leitung hat Generalmuſikdirektor Joſeph
Roſenſtock. Die im Mittelpunkt der Oper ſtehenden Partien der
Car=
lotta, des Alviano und des Tamare ſingen Frau Maſſenburg und
die Herren Poerner und Dr. Barezinski.
— Heſſe=Abend. In dem Hermann Heſſe gewidmeten Abend,
den die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft
am Montag, dem 29. November, 7.30 Uhr, im Mathildenhöhſaal
ver=
anſtaltet, wird der Dichter perſönlich einige ſeiner ſchönſten Dichtungen
zum Vortrag bringen. Der Vortrag der Dichtungen wird in wertvoller
Weiſe muſikaliſch umrankt: Die Konzertſängerin Bettina Frank=
Nürn=
berg wird einen Zyklus von Heſſe=Liedern, die der junge Komponiſt
Julius Klags vertont hat, zum erſten Male ſingen. Gaben der Muſik
und Dichtkunſt werden ſich zu einem genußvollen Abend vereinigen.
(Siehe Anzeige.)
— Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums. Der
heutige Leſeabend muß wegen Erkrankung des Vortragenden
aus=
fallen.
— Kaufmänniſcher Verein. Dienstag abend hielt Herr
Handelsſach=
verſtändiger Felix Graetz in der Monatsverſammlung des
Kaufmänni=
ſchen Vereins einen Lichtbildervortrag über das
Taylorixbuchhaltungs=
verfahren. Nach einem kurzen Ueberblick, über die jetzt gebräuchlichen
Buchhaltungsmethoden alter und neuer Art und ihre Eigenarten ging
er auf die Erforderniſſe über, die von einer neuzeitlichen Buchhaltung
verlangt werden müſſen: Schlagfertigkeit ſtetes 4 jour ſein,
Zwangs=
läufigkeit, Auskunft bis in die kleinſten Details, Anpaſſungsfähigkeit an
jede Betriebsart ſtimmende Probebilanzen, periodiſche
Ziſchenbilan=
zen, Abgrenzung der Fehlerquellen und Arbeitserſparnis. Alle dieſe
Eigenſchaften vereinigt das Taylorixbuchhaltungsſyſtem in ſich und hat
ſich damit allen anderen Handdurchſchreibeverfahren als überlegen
ge=
zeigt. An Hand von Lichtbildern erklärte der Vortragende die
Arbeits=
weiſe der Apparate und gab eine Ueberſicht über die Möglichkeiten, die
mit dieſem Syſtem gegeben ſind. Eine Zuſammenſtellung der Appavate
und gebräuchlichſten Formulare diente den zahlreich Erſchienenen zum
weiteren Verſtändnis des Gehörten und Geſehenen. Nachdem ſich der
Beifall gelegt hatte, ſprach der Vorſitzende des Kaufmänniſchen Vereins,
ſeine lehrreichen und beherzigenswerten Ausführungen aus.
— Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund, Ortsgruppe Darmſtadt. Den
Mittelpunkt der Mitgliederverſammlung am Montag nachmittag bildete
der Vortrag von Frau Mathilde Maiſch=Stuttgart über die geiſtige
Haltung der heranwachſenden Jugend. Die Rednerin wies nach, wie
dieſe Haltung bedingt wird durch die Umwandlung des ſorglos
dahin=
lebenden Kindes zum denkenden Menſchen. Dieſe ſetzt ein, bald früher,
komme ich her, wo gehe ich hin? Der junge Menſch entdeckt ſich ſelbſt.
Spannungen machen ſich geltend. Wird er ſie überwinden? Wird er bei
dem oft überſchäumenden Kraftgefühl ſich die Reinheit der Seele und
die Reinheit des Leibes bewahren? Er wird es, wenn er, vielleicht
un=
bewußt; geleitet von Erwachſenen, die ſein Vertrauen haben, die
Richtung gebend ſeine geiſtige Haltung beeinfluſſen, aus der
Gottes=
ferne zur Gottesnähe gelangt und die Verantwortung fühlt, die er vor
Gott auch in leiblichen Dingen hat nach dem Wort des Apoſtels Paulus:
Wiſſet ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel ſeid und der Geiſt Gottes in
euch wohnet? — Der von großem ſittlichen Ernſt und evangeliſchem Geiſt
getragene Vortrag machte tieſen Eindruck. Möchten die angeregten
Ge=
dankengänge ſich für die Hörerinnen zu den Forderungen der Rednerin
verdichten: Wir müſſen die Jugend verſtehen, um ſie zu erziehen, wir
ſollen uns um ſie kümmern, um ſie zu ſtärken, wir ſollen ihre
Bundes=
genoſſen werden in ihren Kämpfen um Geſinnungsbildung, um Rein=
S.w.
heit, um Feſtigkeit!
— Evangeliſcher Männerverein der Johannesgemeinde. Der erſte
Vortragsabend dieſes Winters am Donnerstag im Gemeindehaus bringt
ein Thema zur Beſprechung, das weithin Intereſſe finden dürfte.
Pfau=
rer Gombel aus Gräfenhauſen wird über „Kirche und Arbeiterſchaft”
reden. Nach dem Vortrage ſoll eine Ausſprache ſtattfinden. Zu dem
Vortrag ſind Gäſte, auch Frauen, herzlich willkommen. Der Eintritt iſt Motten. Wieviel Menſchen aber haben ihre Freude an dem Kranichzug.
frei. Anfang 8 Uhr.
— Lichtbildervortrag. Samstag, den 27. November, abends 7½ übung des Weidwerts ſein.
Uhr, im Saale der Städtiſchen Akademie ſür Tonkunſt,
Eliſabethen=
ſtraße. Dr. Alfred Heidenreich, Pfarrer in der Chriſtengemeinſchaft,
ſpricht über, Blütezeit und Verfall kosmiſcher Chriſtenahnung in der
alten europäiſchen Prieſterkultur”. Anſchließend ſpricht Martha
Heime=
ran, Pfarrer in der Chriſtengemeinſchaft, über „Das Fortleben der
Druiden=Weisheit in dem Advents=Chriſtentum der frühmittelalterlich.n
Myſterienſtätte zu Chartres”. Zahlreiche Lichtbilder von druidiſchen
Myſterienſtätten und der Kathedrale von Chartres werden den Vortrag
unterſtützen. Zu Beginn muſikaliſche Einleitung aus der 9. Sinfonie
von A. Bruckner. (Vergl. auch die heutige Anzeige.)
— Werbe= und Baub=zirk Pfungſtadt—Eberſtadt-Zwingenbera der
Deutſchen Jugendherbergen. Nach der in Eberſtadt ſtattgefundenen
mächtigen Werbe= und Baubezirkskundgebung, die nicht nur die geſamte
Bevölkerung in Eberſtadt zur Mitarbeit an unſerem ideglen Werke
ge=
wann, ſondern in unſerem ganzen Bezirk und darüber hinaus einen
ſehr tiefen Eindruck zurückließ, ſoll nun an die Gründung ſämtlicher
Ortsgruppen innerhalb unſeres Baubezirkes herangegangen werden.
Nur dadurch iſt die Mitarbeit des geſamten Volkes unſeres Bezirkes
möglich. Will doch niemand ſich von dieſem erhabenen Werk ausſchließen.
Am 27. d3 Mts. ſoll nun auch die Ortsgruppe in Malchen gegründet
werden. Auch hier wird ſich alles hinter dieſes Werk ſtellen.
K. Wahlen zur Heſiſchen Induſtrie= und Hanbelskammer. Wie
aus der heutigen Bekanntmachung hervorgeht, finden im Sitzungsſaal
der Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt am Dienstag,
den 30. November, vormittags von 10—12 Uhr Ergänzungswahlen für
die Erwerbsgruppe Induſtrie und nachmittags von 4—6 Uhr
Ergän=
zungswahlen für die Erwerbsgruppe Großhandel ſtatt.
C. Sommertage in Darmſtadt. Nachdem die Jahreszeit ſo weit der Ethik 3. Leipzig 1926; Eberſolt: La Miniature Byzantine.
das Thermometer im Schatten mindeſtens 25 Grad Celſius erreicht,
ausgeſchloſſen ſind, wird ein Rückblick auf ihre Zahl und Verteilung im
laufenden Jahre von Intereſſe ſein. Bereits der . April brachte einen
hohen Sonnenſtand nur mit einem einzigen Sommertag figuriert,
wäh=
der ganze Mai ohne einen ſolchen verlief und ſelbſt der Juni mit ſeinem
hohen Sommerſtand nur mit einem einzigen Sommertag figuriert, wäh=
Auguſt (7) wurde die normale Zahl annähernd erreicht, und der
Sep=
tember übertraf mit 11 alle Erwartungen. Auf dieſe Weiſe wurde eine
Jahresſumme von 29 Sommertagen erreicht, die um 4 hinter dem
lang=
jährigen Durchſchnitt zurückbleibt. In der 64jährigen Beobachtungsreihe
von Darmſtadt bilden die Gegenſätze das Jahr 1868 mit 83 und das
Jahr 1916 mit 17 Sommertagen. Sehr hohe Zahlen weiſen ferner die
Jahre 1865 mit 66, 1911 mit 61 und 1921 mit 56 auf.
5
Se
— Stenographielehrerprüfung. Nach einer Bekanntmachung des
Landesamtes für das Bildungsweſen wird die dritte
Stenographie=
lehrerprüfung am 17. Januar 1927 und den folgenden Tagen in
Darm=
ſtadt abgehalten. Geſuche um Zulaſſung ſind unter Anſchluß von
1,50 Mk. Stempelgebühr bis zum 15. Dezember 1926 an Reg.=Rat
Schaible, Darmſtadt, Landtag, zu richten. Der Prüfung liegt nur die
Einheitskurzſchrift zu Grunde.
— Leſeabende der Stadtbücherei. Am Freitag dieſer Woche findet
nicht, wie im Wochenzettel der Volkshochſchule irrtümlich angegeben,
der Mittelalter=Leſekreis, ſondern der Spitteler=Leſekreis
Herr Vierheller, dem Vortragenden den Dank der Verſammlung für ſtatt. Der Leſeabend beginnt diesmal ausnahmsweiſe ſchon um ½8 Uhr.
— Vortrag über Einheitsbewertung und Vermögensveranlagung.
Auf den am Donnerstag, den 25. ds. Mts., abends 8 Uhr, im ſtädtiſchen
Saalbau von der Induſtrie= und Handelskammer dem
Hausbeſitzer=
verein und dem Ortsgewerbeverein veranſtalteten Vortnag über „
Ein=
heitsbewertung und Vermögensveranlagung” wird nochmals
hinge=
wieſen.
— Abgeordnetentag des Heſſiſchen Anglerbundes, Sitz Mainz. Der
bald ſpäter, oſt allmählich, oft jählings mit der bangen Frage: Wo Heſſiſche Anglerbund (gegr 1909), die älteſte und größte heſſiſche
Sport=
fiſcher=Organiſation, der faſt alle größeren rheiniſchen und nachbarlichen
Anglervereine angeſchloſſen ſind, hält am Sonntag, 28 November, ihren
diesjährigen Abgeordnetentag in Worms ab, auf dem ſich
die Delegierten der einzelnen Ortsgruppen vereinigen. Die Tagung
findet im Gaſthaus „Zum Elephanten” Schloſſergaſſe 20, ſtatt und
beginnt vormittags halb 10 Uhr. Tagesordnung: 1 Geſchäftliches:
Prüfungsausſchuß, Bekanntgabe der eingegangenen Schriftſtücke,
Tätig=
keitsbericht des Vorſtandes, Bericht über die Kaſſenverhältniſſe; 2.
Be=
handlung der eingegangenen Anträge, 3. Vortrag, 4. Ueberreichung
der Diplome an die ernannten Ehrenmitglieder, 5. Verſchiedenes.
— Kraniche. Vor einiger Zeit brachten die Tagesblätter
Nachrich=
ten über den Abſchuß von Kranichen. Der „ſtolze Schütze” wurde dabei
genannt und ihm Glück gewünſcht. In weidgerechten Jägerkreiſen denkt
man im allgemeinen ſehr hihl über derartige Erfolge, wie uns der
Heſſiſche Jagdklub ſchreibt. Ueberall iſt man bemüht, die Schäden, die
der Krieg und die Nachkriegszeit gebracht haben, zu beſeitigen, und
des=
halb ſollte man auch Naturdenkmäler, wie ſie die Kraniche zweifellos
darſtellen, im Intereſſe der Allgemeinheit ſchonen. Wem zu Nutzen
wird ein derartiges Tier getötet?. Schaden richtet es nicht an, zur
menſchlichen Ernährung iſt es nicht geeignet, als Trophäe iſt es doch
kaum anzuſprechen, denn ſelbſt ausgebalgt verfällt es ſehr bald den
— „Kein Heger, kein Jäger”, ſollte oberſter Grundſatz bei der Aus=
Nach Krnkheiten
A
das
altbewährte
ärztlich empfohlen-überallerhältlich
Rein aue Malz und Oopfen, ohhe Zuckerzuſatz
Allein ge Herſtellerin: A. G. Haeberbräu Münehen
Generalvertreiung für Darmſtadt und Umgebung: Wilhelm Deſch,
Biergroßhondlung, Darmſtadt, Ernſt=Ludwigſtraße 1. 4 Fernruf 1410.
Landesbibliothek.
Neue Erwerbungen, vom 29. November 1926 an auf 14 Tage im
Leſeſaale zur Anſicht aufgeſtellt:
Bode: Goethes Leben 1794—98. Berlin N7; Dittrich: Geſchichte
vorgeſchritten iſt, daß ſogenannte Sommertage, d. h. ſolche, an denen Pais et Bruxelles 1926; Fabrieius: Der Odenwaldlimes vom
Wörth a. M. bis Wimpfen a. N. Leipzig 1926: Frankenſtein:
Internationales Privatrecht 1. Bln.=Brunewald 1926; Greh: 25 Jahre
Politik 1, 2. Müinchen 1926; Kerſchenſteiner: Theorie der
Bil=
dung. Leipzig=Berlin 1926; Mallon: Brentano=Biographie. Berlim
1926; Nijhoff: LArt Typographique dans les Pahs=Bas 1500—
1540. La Lahe 1926; Guttentagſche Sammlung D. Reichsgeſetze 41
rend der langjährige Durchſchnitt 8 beträgt. Erſt im Juli (9) und Moſſe=Heymann: Handelsgeſetzbuch; 13: Sydow=Buſch und Krieg:
Kon=
kursordnung; 32: Pariſius und Crüger: Geſellſchaften m b. H., 17.
Auf=
lage; 50: Stölzle: Viehkauf. Berlin=Leipzig 1926; Schriften des
Vereins für Reformationsgeſchichte 44, Heft 140: Stracke: Luthers
großes Selbſtzeugnis 1545 über ſeine Entwicklung zum Reformator,
141: Stolze: Bauernkrieg und Reformation. Leipzig 1926;
Taſchen=
bibliographien für Bücherſammler 3: Sander: Die illuſtrierten
franzöſiſchen Bücher des 18. Jahrhunderts; 4: Sander: Die illuſtrierten
deutſchen Bücher des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1926; Königin
Viktorias Briefe 1862—1878 1 2. Berlin 1926; Deutſche
Volks=
kunde, herausgegeben von J. Meier. Berlin=Leipzig 1926; Weege:
Dionyſiſcher Reigen. Halle 1926; Weyman: Beiträge zur Geſchichte
der chriſtlichen lateiniſchen Poeſie. München 1926; Wilcke:
Wärme=
technik und Wärmewirtſchaft 1, 2. Leipzig 1926.
Zeitſchriften: Annalen des Deutſchen Reichs 56—58.
Mümn=
chen 1926; Archiv für ſlawiſche Philologie 38, 39 Berlin 1923—25;
Jahrbuch des Arbeitsrechts 6, 1925. Mannheim=Berlin=Leipzig 1926;
Jahrbuch des Freien Deutſchen Hochkſtifts 1916—1925. Frankfurt a. M.;
Jahresbericht über die geſ. Chirurgie 30, 1924. München und Berlim
1926: Marx=Engels Archiv 1. Frankfurt a. M. 1926; Sammlung von
Entſcheidungen und Gutachten des Reichsfinanzhofs 17, 18.. München
1925—26; Deutſche Vierteljahrsſchrift für Literaturwiſſenſchaft und
Geiſtesgeſchichte, Buchreihe 3, 4. Halle 1925—26; Zeitſchrift für die
ge=
ſamte Strafrechtswiſſenſchaft, 46. Berlin=Leipzig 1925; Z.itſchrift für
wiſſenſchaftliche Biologie B: Zellforſchung 3. Berlin 1926; Zeitſchrift
für Phyſik, 36. Berlin 1926; Zeitſchrift, Deutſche, für Nervenheilkunde,
91, 92. Leipzig 1926.
Vom 13. Dezember an verleihbar. Vormenkungen werden im
Leſe=
ſaale entgegengenommen.
— Rentnerbund, Ortsgruppe Darmſtadt. Die
Monatsver=
ſammlung findet am Samstag, den N. November, nachmittags, im
der Aula des Realgymnaſiums ſtatt (Siehe Anzeige.)
— Sprachverein. Der Vortrag über Herders Verdienſt um unſere
Bildung, den Dr. Faber heute Donnerstag im Realgymnaſium hält,
muß ſchon punkt 8 Uhr beginnen.
— Unterſtützung der Krüppelfürſorge durch die heſſiſchen Schulen.
Der heſſiſche Fürſorgeverein für Krüppel, der eine außerordentlich
er=
ſprießliche Tätigkeit in der Kyüppelheilung entfaltet, veranſtaltet mit
Genehmigung des Heſſiſchen Miniſteriums des Innern eine Lotterie,
deren Erträgniſſe der Krüppelfürſorge zufließen werden. Die Ausgabe
der Loſe erfolgt durch die Beauftragten in der nächſten Zeit. Es wird
nicht ſchwer fallen, die Teilnahme der Schuljugend für ein Unternehmen
zu gewinnen, das ſich in ſo wertvoller Weiſe eines unglücklichen Teiles
der Jugend annimmt.
* Eine Deutſche in Neapel verunglückt. In der Nummer vom
21. November veröffentlichten wir eine Meldung unter Reich und
Aus=
land, nach der eine Deutſche tödlich verunglückt iſt. Wie uns von der
Dame befreundeter Seite mitgetilt wird, iſt der Name falſch angegeben.
Es handelt ſich um Frau Helene Cherbuiez geb. von Pariſh,
die längere Zeit in Darmſtadt gelebt hat.
* Bezirksſchöffengericht. Der Chriſtian Bender von
Sind=
lingen bei Höchſt a. Main, ſchon wegen Betrugs im Rückfall
beſtraft, iſt angeklagt, in den Monaten Mai bis September 1926
Be=
trügereien verübt zu haben, indem er Geldbedürftigen vorſchwindelte,
er könne Darlehen vermitteln, die zu einem nahen Termin ausgezahlt
würden, ſich durch dieſe Vorſpiegelungen Proviſionen der
Darlehen=
ſuchenden verſchaffte, ſich aber nicht weiter um die
Darlehensvermitt=
lung bemüht habe. Der Angeklagte beſtreitet jede betrügeriſche
Ab=
ſicht, er habe ſich von den betreffenden Darlehen von anbietenden Firmen
Proſpkte verſchafft und ſolche dann weitergegeben. Es handelt ſich um
eine anſehnliche Zahl von Geſchädigten, die Bender auf die in der
Anklage geſchilderten Weiſe gerupft hat. Die Leidtragenden wohnen
in Nied a. Main, Gedern, Frankfurt a. Main, Eſchborn, Höchſt a. Main,
Biebrich, Kelſterbach, Unter=Liedersbach, Schwanheim, Hattersheim.
Der Staatsanwalt hält den Angeklagten, der ſich als Agent
auf=
ſpielte, für überführt. Bender kam es nur darauf an, die Proviſionen
einzuſtecken. Eine fortgeſetzte Handlung liege vor. Die
Gemeingefähr=
lichkeit des Vergehens des Angeklagten ſpreche gegen Bewilligung
mil=
dernder Umſtände, habe ſich Bender doch auf die geſchilderte Weiſe an
600 Mark zuſammengeſchwindelt, andererſeits liege aber wohl eine
gewiſſe Notlage vor, in der Bender gehandelt habe. Das Urteil
er=
kennt auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung
von 8 Wochen Unterſuchungshaft. Das Urteil iſt rechtskräftig.
Lokale Veranſtaltungen.
* Deutſchnati naler Handlungsgehilfenverband
(D. H. V.). Wir weiſen unſere Mitglieder auf die ſich bietende Gelegenheit
hin, ſich bei der Monatsverſammlung mit Herrn Arch. Heilmann
über Fragen der Deutſchen Bau= und Siedlungsgemeinſchaft ausſprechen
zu können. Wir ernarten zahlreichen Beſuch unſerer Mitglieder. (Siehe
heutige Anzeige.)
— Im Neugeiſtkreis, der hieſigen Ortsgruppe des Deutſchen
Neugeiſtbundes, ſpricht morgen Freitag abend im Logengebäude,
Sandſtraße 10, Herr A. M. Schwindt über die Entwicklung der
Gottes=
idee von der altteſtamentlichen Faſſung über Chriſtus bis zu den
Pro=
blemen uſerer Zeit mit beſonderer Berückſichtigung einer daraus ſich
ergebenden praktiſchen Lebensführung. Neugeiſt lehrt ein tapferes
„Ja” ſagen und zeigt jedem den Weg, ſein eigenes Leben bewußt zu
geſtalten. (Vergleiche Anzeige.)
Kunſinotizen.
— Union=Theater: „Das Lebenslied” von Rudolf
Herzog im Film. Die Bemühungen der deutſchen Filminduſtrie, dem
Film echt deutſche Stoffe zuzuführen, die die Gewähr dafür bieten, daß
ſie dem Publikum ſympathiſch und begreiflich ſind, verdienen beſonders
anerkannt zu werden. Das Lebenslied”, dieſer bekannte Herzog=Roman,
hat im ganzen Deutſchen Reich und weit über ſeine Grenzen hinaus
eine glänzende Aufnahme gefunden. Er entſpricht ſo richtig dem
deut=
ſchen Weſen, ſeiner ganzen Art, Welt und Menſchen anzuſeh.n und zu
beurteilen, daß er ruhig als einer der deutſcheſten Romane der
Welt=
literatur angeſprochen werden kann. Arthur Berger, der durch die
„Wiskothens” und. Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren” ſo raſch
berühmt gewordene Regiſſeur, hat ſich mit dieſem Film neue Lorbeeren
geholt. Eine ausgezeichnete Beſetzung: Erna Morena, Helga Thomas,
Theodor Loos, Carl de Vogt, Angelo Ferrari, Adolf Klein ſcharen ſich
um den Regiſſeur.
—
Tageskalender für Donnerstag, den 25. November 1926.
Landestheater Großes Haus, Anfang 7½ Uhr Ende 10
Uhr, G 5 (Darmſtädter Volksbühne): „La Traviata‟ — Kleines
Haus. Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr, Zuſatzmiete III (3): „Der
tolle Hund”, — Orpheum, abends 8 Uhr: „Das Journal der
Liebe‟ — Schloß=Café: Konzert. — Café Rheingold:
Konzert und Tanz. — Weinhaus Weißer Turm; Konzert
und Tanz. — Span. Bodega: Konzert. — Hotel Schmitz:
Unterhaltungsmuſik. — Konzertſaal „Perkeo”:
Humoriſti=
ſches Konzert. — Café und Weinſtube Taunusburg:
Tanz. — Turnhalle Woogsplatz, abends 8 Uhr:
Klavier=
abend Elly Neh. — Sprachverein, abends 8 Uhr, im
Realgym=
naſium: Oberſtudienrat Dr. Faber über Herder. — Städtiſcher
Saalbau abends 8 Uhr. Vortrag über Einheitsbewertung und
Vermögensveranlagung. — Deutſch=Oeſterr. Alpenverein,
Sektion Starkenburg, abends 8 Uhr im Hörſaal 326 der Techniſchen
Hochſchule (Eing. Weſtportal), Lichtbildervortrag des Herrn
Staats=
anwalts Dr. Albrecht=Frankfurt a. M. über: „Vom Großglockner
zum Großvenediger”. — Kinovorſtellungen: Union=,
Re=
ſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele. — Frankfurt a. M., Feſthalle,
abends 7,30 Uhr: Zirkus Sarraſani Premiere.
ODcüTSCHEt
Sou bemntkſt
Tou!
Geite 6
Rummer 327
Verkehrskonferenz in Darmſiadt.
Auf Einladung der Induſtrie= und
Handelskam=
mer Darmſtadt hatten ſich am vergangenen Samstag im
Sitzungsſaale der Kammer Vertreter von 22 auswärtigen
Han=
delskammern, und zwar aus Bingen, Bochum, Bonn,
Dortmund, Duisburg, Barmen=Elberfeld,
Eſ=
ſen, Frankfurt a. M., Heidelberg, Heilbronn,
Karlsruhe Koblenz, Köln, Krefeld, Mainz,
Mannheim, Neuß, Offenbach, Stuttgart, Ulm,
Wiesbaden und Würzburg zu gemeinſamen wichtigen
Beratungen über eine beſſere Geſtaltung des Verkehrs
zwi=
ſchen Rheinland=Weſtfalen einerſeits und
Süd=
deutſchland andererſeits eingefunden. Die ſehr
ein=
gehenden Verhandlungen ergaben eine erfreuliche
Uebereinſtim=
mung hinſichtlich der für alle beteiligten Städte und Gegenden
gleich wichtigen Frage des unbedingt erforderlichen weiteren
Ausbaues der Verbindungen im weſtdeutſchen Nord=Süd=Verkehr.
Zunächſt gelangte an Hand einer von der Induſtrie= und
Handelskammer Darmſtadt ausgearbeiteten Denkſchrift die Frage
der Führung der BP=Züge zwiſchen Rheinland=
Weſtfalen und Süddeutſchland zur Behandlung. Die
Verſammlung ſtimmte darin überein, daß die erſtmals 1926 nur
in der Zeit vom 1. Juli bis 15. September gefahrenen BP=Züge
Krefeld—Stuttgart und Freiburg ab Sommer 1927 ganzjährig
gefahren werden müſſen. Eine klarere Führung der genannten
Züge ſowie der BP=Züge 850/849 Dortmund—Frankfurt—
Würz=
burg—München erſcheint dringend geboten. Die Denkſchrift
ſchlägt vor, die Dortmund—Münchener Züge zwiſchen Köln und
Frankfurt ganz linksrheiniſch zu führen, die Krefeld—
Süddeutſch=
land=Züge dafür zwiſchen Köln und Wiesbaden rechtsrheiniſch.
Die bisher rein örtlichen Züge BP 884/883 Wiesbaden—Mainz—
Worms-Ludwigshafen—Mannheim, die im Sommer 1926 in
Wiesbaden keine Auſchlüſſe von und an BP 848/847 hatten, ſollen
in die neue Verbindung einbezogen werden derart, daß der für
Stutdgart beſtimmte Teil des Zuges ab Wiesbaden über Mainz—
Worms-Ludwigshafen—Mannheim nach Heidelberg befördert
wird. Auf dieſe Weiſe erhält die Strecke Mainz—Worms-
Lud=
wigshafen eine mue durchgehende Verbindung vom Niederrhein
nach Süddeutſchland. Da in Heidelberg hervorragende Anſchlüſſe
nach Baden beſtehen, wird dieſe neue Durchgangsverbindung für
die Strecke Mainz—Worms-Ludwigshafen von beſonderer
Be=
deutung werden. Um das bisher vom durchgehenden
Reiſever=
kehr abgeſchloſſene nördliche Württemberg mit Heilbronn, ferner
den badiſchen Elſenzgau und das heſſiſche Wimpfen an den
Durchgangsverkehr anzuſchließen, ſieht die Denkſchrift die
Füh=
rung des Stuttgarter Zugteils ab Heidelberg über Sinsheim—
Wimpfen-Jagſtfeld—Heilbronn nach Stuttgart ſowie zurück vor,
Durch dieſe Führung der Züge werden weiteſte Gegenden, die
bisher durch beſonders wangelhafte Verbindungen benachteiligt
waren, an den rheiniſchen Schnellverkehr unmittelbar
angeſchloſ=
ſen. Vorgeſchlagen wird in der Denkſchrift ferner, daß die zurzeit
überaus lange Fahrtdauer des Zuges BP 849 München—
Würz=
burg—Frankfurt a. M.—Dortmund erheblich abgekürzt wird.
Durch eine nur unweſentlich frühere Abfahrt des Zuges in
Mün=
chen läßt es ſich ermöglichen, den Zug etwa 1½ Stunden früher
in Dortmund anzubringen als bisher. Der von der Induſtrie=
und Handelskammer Darmſtadt vorgelegte Plan fand
ein=
ſtimmige Annahme durch ſämtliche Beteiligten. Lediglich
die Vertreter von Frankfurt a. M. und Offenbach machten
gegen=
über dem Vorſchlag der Denkſchrift, die Züge 848/847 auf dem
naturgegebenen kürzeſten Wege von Mainz über Groß=Gerau
nach Darmſtadt ſowie zurück und nicht auf dem koſtſpieligen und
zeitraubenden Umweg von über 30 Kilometer über Frankfurt
a. M. zu befördern, wie im Sommer 1926, Vorbehalte. Die
In=
duſtrie= und Handelskammer Frankfurt a. M. wünſcht die
Füh=
rung der Züge über den Umweg, während die Induſtrie= und
Handelskammer Offenboch ſich mit Rückſicht auf die
widerſtreiten=
den Intereſſen ihres Bezirks der Stimme enthielt. Es darf ſomit
feſtgeſtellt werden, daß bis auf den Vorbehalt der Kammern von
Frankfurt und Offenbach grundſätzlich alle Beteiligten über eine
Donnerstag, den 25. November 1926
zweckmäßige Ausgeſtaltung der überaus wichtigen BP=
Zug=
verbindungen zwiſchen Rheinland=Weſtfalen und Süddeutſchland
im Sinne der Anträge der Induſtrie= und Handelskammer
Darmſtadt einig waren. Jedenfalls wird nunmehr beſtimmt
er=
wartet, daß die Züge BP 847/848 vom Sommerfahrplan 1927 an
eine ſtändige beſonders günſtige Verbindung zwiſchen dem
Süden und Norden Weſtdeutſchlands werden.
Der an zweiter Stelle erörterte, ebenfalls von der Induftrie=
und Handelskammer Darmſtadt in Form einer Denkſchrift
vor=
gelegte Plan geht dahin, die von der Reichsbahnverwaltung in
dankenswerter Weiſe zugeſagte neue Verbindung mit D=Zügen
1. bis 3. Klaſſe Nordbayern — Frankfurt und —
Darm=
ſtadt — Mainz—Wiesbaden in der Richtung einer
Fort=
ſetzung nach dem linken und rechten Niederrhein
aus=
zubauen. Die verſammelten Induſtrie= und Handelskammern
waren übereinſtimmend der Auffaſſung, daß eine
Fort=
führung der neuen Nordbayern=Verbindung nach dem
Nieder=
rhein unbedingt geboten erſcheint. Hierbei ſollen durch
Zuſam=
menſchluß der neuen Züge mit den beſtehenden Zügen D 85 und
D 185 aus der Schweiz und Baden bzw. vom Bodenſee und aus
Württemberg in Darmſtadt ſowie in umgekehrter Richtung durch
einen Zuſammenſchluß mit D 86 und D 186 neue durchgehende
Verbindungen mit dem weſtlichen und mittleren Süddeutſchiand
geſchaffen werden, ſo daß im Ergebnis neue dreiklaſſige
Schnellzugsverbindungen zwiſchen Rheinland=
Weſtfalen einerſeits und 1. Nordbayern, 2. Baden
und der Schweiz und 3. Württemberg und dem
Bodenſee entſtehen. Beſonders bedeutungsvoll bei dieſer
Neuregelung iſt, daß nach den Vorſchlägen der Induſtrie= und
Handelskammer Darmſtadt für die neuen Verbindungen in
ſüd=
nördlicher Richtung bis Köln und entſprechend umgekehrt
Neu=
leiſtungen der Reichsbahn gegenüber den
Zug=
leiſtungen des Sommerfahrplans 1926 und den
bereits zugeſagten Mehrleiſtungen nicht
ent=
ſtehen. Der Reichsbahn iſt durch den von ſämtlichen
anweſen=
den Induſtrie= und Handelskammern einſtimmig
angenom=
menen Plan. Gelegenheit gegeben, in rationellſter Weiſe dem
reiſenden Publikum eine Vielheit von neuen guten
Verbindun=
gen zur Verfügung zu ſtellen.
An dritter und letzter Sielle ſtand zur Erörterung der
An=
trag der Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt, für die Zeit
der Doppelführung der Züge D 269/270 und D 369/370
Dortmund-Baſel beziehungsweiſe Barmen=
Elber=
feld — München eines dieſer Zugpaare über Darmſtadt
und die Bergſtraße zu leiten, um den genannten
Verbin=
dungen ein neues weſentliches Verkehrsgebiet in Geſtalt des
Odenwaldes und der Bergſtraße zuzuführen. Damit eine
Benach=
teiligung der Verbindung über Worms—Ludwigshafen nicht
ein=
tritt, ſoll gleichzeitig angeſtrebt werden, daß in dem über Worms
—Ludwigshafen laufenden Zug durchgehende Kurswagen
ſo=
wohl nach Baſel wie auch nach München geführt werden. Für die
Zeit, in der die Züge gemeinſam als ein Zugpaar gefahren
wer=
den, ſoll nach wie vor der Weg über Worms-Ludwigshafen den
Vorrang behalten. Auch dieſer Plan fand einſtimmige
An=
nahme ſämtlicher erſchienenen Induſtrie= und Handelskamern.
Die überaus anregenden Verhandlungen und ihre günſtigen
Ergebniſſe ſind ein erfreulicher Beweis dafür, wie weiteſte
Gegenden unſeres Vaterlandes ſich auf dem gemeinſamen Boden
geſunder Verkehrspolitik finden können und wie in gegenſeitiger
verſtändnisvoller Ausſprache zum Wohle des großen Ganzen
vor=
handene Gegenſätze nutzbringend ausgeglichen werden können.
Es ſteht zu hoffen, daß die maßgebenden Stellen der Reichsbahn,
denen die Denkſchriften und die gefaßten Beſchlüſſe ſchleunigſt
zur Kenntnis gebracht worden ſind, den dringenden und
wohlbegründeten Wünſchen ſo zahlreicher
be=
rufener Wirtſchaftsvertretungen aus Nord und
Süd die Erfüllung nicht verſagen werden.
Im Anſchluß an die Verhandlungen fand im Hotel „Zur
Traube” ein gemeinſames einfaches Mittagsmahl ſtatt. Eine
Kraftwagenfahrt, zu der die Induſtrie= und Handelskammer
Darmſtadt die auswärtigen Herren eingeladen hatte, erwies
er=
neut die wenn auch in dieſer Jahreszeit herben Schönheiten des
Odenwaldes und der Bergſtraße. Am Abend hatten die Vertreter
der auswärtigen Handelskammern Gelegenheit, im Großen
Hauſe des Heſſiſchen Landestheaters einer ausgezeichneten
Vor=
ſtellung von Mozarts „Don Giovanni” anzuwohnen, die den
un=
geteilten Beifall der durch die hohen Leiſtungen unſerer
ein=
heimiſchen Bühne außerordentlich befriedigten auswärtigen
Gäfte fand.
*Vom Verein der Heſſen in Berlin E. V.
Im Auguſt d. J. wurde in Berlin ein Verein der Heſſen
gegrün=
det, der ſich die Zuſammenfaſſung aller Heſſen ohme Unterſchied von
Rang und Stand, Religion und Partei zur Pflege des Heimatsgedankens
zum Ziel ſetzt. Der junge Verein hat — wie der Vorſitzende, Miniſteria.
ratz Prof. Meurer, in der letzten Monatsverſammlung im „Ruſſiſchen
Hof” in ſeiner humorvollen Eröffnungsſprache feſtſtellen konnte — ſchon
eine ſtattliche Mitgliederzahl erreicht. Im Mittelpunkt der
Veranſtal=
tung, der auch der heſſiſche Geſandte, Exz. Freiherr v. Biegeleben,
bei=
wohnte, ſtand ein intereſſanter Vortrag des Prof. Dr.=Ing. Adolf
Zeller über „Die Römer am Mittelrhein.‟ Der Redner
gab den Zuhörern ein anſchauliches Bild über die hohe Kultur die
durch etwa vierhundert Jahre den Mittelrhein als Schauplatz römiſcher
Tätigkeit auszeichnete.
Dieſes Gebiet ſtand ſchon lange vorher in relativ hoher Blüte, mit
dem Römertum zog militäriſche Opganiſation und ſtädtiſches Leben ein,
es erſchienen der Kaufmann und der Großhändler. Die militäriſche
Entwicklung wurde ſehr anſchaulich an Hand der Pläne des Limes
ge=
zeigt und das rekonſtruierte Kaſtell Saalburg in den Mittelpunkt der
Darſtellung gerückt. An zahlreichen Lichtbildern die der Redner ſelbſt
an Ort und Stelle aufgenommen hat, ſtieg das Bild dieſer intereſſanten
Anlage lebendig vor die Sinne. Daß das Muſeum in den Gebäuden des
Kaſtells die größte römiſche Schuhſammlung birgt, dürfte wenig bekannt
ſein. Italien hat allen Grund, auf die reichen Schätze neidiſch zu ſein,
die wir, vor allem im Mainzer Zentralmuſeum, aus der römiſchen
Zeit haben.
Vom Kaſtell führte uns der Redner nach dem römiſchen Nida, jetzt
Heddernheim, das in ſeinem allmählichen Aufbau verſchiedener Lager
bis zur eigentlichen Stadtanlage uns das gibt, was die tiefgelegene und
unzugängliche Römerſtadt Mainz uns vorenthält. Gelegentlich aber
förderte eine Ausgrabung auch hier große Reſte zutage, wie die herrliche
Jupiterſäule oder Grabſteine, die uns Näheves über das militäriſche und
bürgerliche Leben des römiſchen Mainz erzählen. So bekommen wir ein
eindringliches Bild von der mittelrheiniſch=römiſchen Provinzialkultur,
die auch durch eigenartige, mit germaniſchen Motiven ſtark durchſetzte
Provinzialplaſtik kunſtgeſchichtlich von beſonderem Intereſſe iſt. Die
Wiedergabe des Druſusdenkmals, als Beiſpiel eines Erinnerungsmals
für einen vergötterten Feldherrn, die Pläne des Amphitheaters (leider
durch den Südbahnhof wieder zugedeckt) und die Reſte einer
Waſſer=
leitung bei Zahlbach ließen die Zuhörer ahnen, welche Summe von
Kul=
turarbeit hier römiſches Wirken der militäriſchen und zivilen
Verwal=
tung geleiſtet hat. Man muß immer wieder ſtaunen über die Höhe der
römiſchen Technik; ihre Badeanlagen erregen heute noch Bewunderung.
Als Beiſpiel einer ſolchen führte der Redner zum Schluß Pläne und
Einzelheiten des Vilbeler Römerbades vor, deſſen Moſaikfußboden der
Stolz des Heſſiſchen Landesmuſeums in Darmſtadt iſt.
Reicher Beifall dankte dem Redner für ſeine intereſſanten
Aus=
führungen. Es wäre zu begrüßen, wenn er auch in Darmſtadt einmal
über dieſe Zeugen römiſcher Weltmacht in Germanien ſprechen wollte.
Nach dem Vortrag trat die Fidelitas in ihre Rechte, unterm Zeichen
heſſiſcher Fröhlichkeit; es wurden Diglektdichtungen vorgetragen, wobei
natürlich Bienchen Bimmbernell nicht fehlen durfte.
— Warnung vor der Ausreiſe nach der Türkei. Trotz wiederholter
Warnungen vor einer Ausreiſe nach der Türkei, ohne vertraglich die
Sicherheit einer Beſchäftigung dort zu haben, iſt der Zuzug deutſcher
Arbeitskräfte, insbeſondere nach der kürkiſchen Hauptſtadt Angora, noch
immer beträchtlich. Nur ein ſehr geringer Teil der Ausgewanderten
findet aber in Angora Verdienſt. Die in türkiſchen Betrieben
beſchäf=
tigten Leute müſſen zudem damit rechnen, daß ſie ſehr unregelmäßig
bezahlt werden und dann in größte Nor geraten. Auch können ſie
man=
cherlei Widerwärtigkeiten erfahren. Z. B. verlangen die türkiſchen
Be=
hörden, auch wenn die Leute beinem Lohn erhalten haben, die
Entrich=
tung einer Einkommenſteuer. Wenn ſie nicht zahlen, wenden ſie in
Haft genomen. Wer ſih vor ſchweren Enttäuſchungen bewahren will,
ſollte, bevor er auswandert, ſich ſchriftlich oder mündlich an die
Aus=
wandererberatungsſtelle der bayeriſchen Landesſiedelung, München,
Kanalſtraße 29, wenden. Dieſe Stelle erteilt auf Grund reicher
Erfah=
rung (bisher 58 000 Beratungen) unparteiiſch Auskunft über die
Mög=
lichkeiten der Auswanderung und über die Ausſichten im Auslande für
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 327
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Seite 8
Donnerstag, den 25. November 1926
Nummer 322
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Erzhauſen, 23. Nov. Vielſeitigen Wünſchen entſprechend wird der
hieſige Geſangverein Germania Samstag, den 27. November, die
Auf=
führung des luſtigen Schwankes „Die ſpaniſche Fliege” zu ermäßigten
Preiſen wiederholen. Die erſte Aufführung fand infolge der zur
Heiter=
keit zwingenden Komik des Stückes und der ausgezeichneten Darſtellung
aller Perſonen allgemeinen Beifall.
* Eberſtadt, 24. Nov. Todesfall. Der langjährige Beſitzer der
Noſenmühle, Heinrich Krug I., iſt im 64. Lebensjahre geſtorben.
Familienabend. Der Geſangverein „Sängerluſt” hielt in ſeinem
Vereinslokal einen Familienabend ab, der einen ſehr guten Verlauf
nahm. — Brotpreisaufſchlag. Die hieſiege Bäckerinnung hat
den Preis für ein Vierpfünderbrot von 86 Pf. auf 90 Pf. heraufgeſetzt.
* Eberſtadt, 22. Nov. Straßenſäuberung. Die
Bürger=
meiſterei weiſt darauf hin, daß es nach § 4 der Baupolizeiordnung der
Gemeinde Eberſtadt verboten iſt, Putz= und Waſchwaſſer in die
Floß=
rinnen und Straßenſinkkäſten zu ſchütten.
* Pfungſtadt, 24. Nov. Die Totengedächtnisfeier auf dem
Friedhof fand großen Zuſpruch. Die Gedächtnisrede wurde von Pfarrer
Zinn gehalten. — Viehſeuche. Hier iſt wieder die Maul= und
Klauenſeuche ausgebroch=n, und zwar unter dem Viehbeſtand eines
Ge=
höftes in der Hahnerſtraße. Dieſe iſt zum Sperrgebiet erklärt worden.
Der Faſelſtall iſt für die Hahnerſtraße geſchloſſen.
* Ober=Ramſtadt, 24. Nov. Nachdem der Brotpreis vor gar nicht
langer Zeit von 80 auf 84 Pfg. für den 4 Pfund=Laib erhöht wurde, trat
dieſer Tage wiederum eine Erhöhung auf 90 Pfennig ein. Die
Maß=
nahme wird mit Mehlpreiserhöhungen begründet.
Ober=Ramſtadt, 23. Nov. Mandolinenkranz Ober=
Ramſtadt. Sonntag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr, findet im
Saale „Zum Löwen” (Schneider) ein Konzert des Mandolinenkranzes
Ober=Ramſtadt ſtatt. Durch raſtloſe Arbeit iſt es dem Verein gelungen,
ein ſchönes Konzert=Programm zuſammenzuſtellen. Es ſoll gezeigt
werden, daß die Zupf=Inſtrumente nicht nur für die Straße zu
ge=
brauchen, ſondern durch ihren zarten Ton auch für Konzerte geeignet
ſind. Alle Spieler werden ihr Beſtes geben, ſo daß ein gutes Gelingen
des Abends in Ausſicht ſteht.
* Groß=Umſtadt, 23. Nov. Der Schwimmverein Groß=Umſtadt und
Umgegend hielt am Sonntag im Gaſthaus „Zum weißei Roß” ſeine
erſte Generalverſammlung ab, wobei der Vorſitzende, Herr Dr. Böttger,
den Rechenſchaftsbericht verlas. Bezüglich der Verzinſung der
Anteil=
ſcheine wurde beſchloſſen, dieſelben vom 1. Juli 1926 ab mit jährlich
5 Prozent zu verzinſen. Teilweis eingezahlte Anteilſcheine können dabei
nicht berückſichtigt werden. Es empfiehlt ſich daher, den Reſtbetrag
baldmöglichſt einzuzahlen. Die vorliegende Bilanz weiſt eine Ausgabe
von rund 25 000 Mk. auf. 10 000 Mark ſind noch ungedeckt. Es
ſoll daher eine Anleihe in dieſer Höhe gemacht werden, wobei die Stadt
die Bürgſchaft übernimmt. Um der nunmehr inteveſſierten Stadt den
ihr zukommenden Einfluß zu ſichern, mußten die Satzungen des Vereins
entſprechend geändert werden. Bei der ſtattgehabten Vorſtandswahl
wurde Herr Dr. Böttger als Vorſitzender, Herr Wilhelm Ittmann als
Schriftführer, Fräulein Lina Mandler als Rechner, Herr Neumann als
techniſcher Berater, ſowie Juſtizinſpektor Joſt und Peter Hartmann
als Vertreter der Stadt gewählt. Im Verwaltungsrat ſitzen die Herren:
Oberſtudiendirektor Pfersdorff, Rektor Maſer, Frl. Gathmann, Frau
Prof. Taſche, Karl Hummel, Gg. Walter, Füßler, Hr. Frieß 13., Gg.
Frieß jr., Heinrich Müller=Habitzheim, Auguſt Opper=Semd, Lehrer
Pabſt=Klein=Umſtadt, Bürgermeiſter, Wolf=Raibach. Lehrer Schütz=
Wie=
belsbach und Lehrer Funk=Heubach. Zum Schluſſe drückte Herr
Stu=
dienrat von Muralt dem rührigen und zielbewußten Vorſitzenden den
Dank der Verſammlung aus.
* Reinheim, 24. Nov. In der letzten Woche feierte Herr Seibold,
der langjährige Rechner des Landwirtſchaftlichen Konſumvereins, ſeinen
60. Geburtstag. Beſonders in landwirtſchaftlichen Kreiſen iſt Herr
Sei=
bold ein außerordentlich angeſehener und beliebter Mann, und wurden
ihm von allen Seiten die beſten Glückwünſche überbracht.
— Fränkiſch=Crumbach, 24. Nov. Hier wurde im Schulhauſe eine
neue Jugendherberge eingeweiht. Ein Student und zwei
junge Handwerker opferten ihre Freizeiten, um hier ein Neſt zu
ſchaf=
fen für jugendliche Wanderer. Es iſt ihnen gut gelungen, und mancher
Odenwald=Wanderer wird es ihnen danken. Zur Betreuung der
Jugend=
herbeuge wurde unter reger Beteiligung der Einwohner und
Jugend=
verbände eine Ortsgruppe gegründet, deren Leitung Herr Bürgermeiſter
Hotz übernahm. Herr Gutsbeſitzer Schädler (Odenwaldklub) wurde
zweiter Vorſitzender und Herr Rektor Thomas wird die Geſchäfte
füh=
ren und die Jugendherberge verwalten. Unter den vielen Gäſten ſah
man u. a. Heirn Reutmeiſter i. R. Hönig, Herrn Pfarrer Meiſinger,
Herrn Ingenieur Heil, Herrn Altbürgermeiſter Wiemers und den
uner=
müdlichen Kämpfer für die Belange der Wanderjugend, Herrn
Rech=
nungsrat Johannes Aff. Herr Aff ſprach der Einwohnerſchaft und
be=
ſonders den Schaffern der Herberge den Dank des Verbandes für
deutſche Jugendherbergen aus. Dann gab er einen intereſſanten
Ueber=
blick über die Geſchichte der neuen Jugendherberge und ſchloß mit dem
Wunſche, daß das Verhältnis zwiſchen den Jugendwanderern und der
Vevölkerung ſich immer herzlicher geſtalten möge. Lieder und
Auf=
führungen der Jugendgruppen verſchönten die Feier.
* Michelſtadt, 24. Nov. Geflügel=Ausſtellung. Der am
Donnerstag, den 25. November, abends 8 Uhr, im Saale des Schmerkers
Gartens ſtattfindende Lichtbildervortrag des Herrn Dörr, Wanderlehrer
des Naſſauiſchen Geflügelzuchtverbandes bildet den Auftakt zur zweiten
Großen Allgemeinen Geflügel=Ausſtellung im Schmerkers Garten, die am
27. und 28. November erfolgt. In dieſem Vortrag werden Lichtbilder
von den verſchiedenſten Arten von Geflügel, ſowie deren Krankheiten,
als auch ſolche über Stalleirichtungen gezeigt werden. Ferner werden
ſehr lehrreiche Ausführungen über zweckentſprechende Fütterung auf
Grund wiſſenſchaftlicher Erfahrungen folgen und ſonſtige, das Gebiet
der Geflügelzucht betreffende Fragen behandelt werden. —
Auszeich=
nung. Dem Vorſitzenden des Geflügelzuchtvereins Michelſtadt, Herrn
Auguſt Schneider, ſowie Herrn Gaſtwirt Neff, wurden auf der am 20.
und 21. November ſtattgefundenen Provinzialgeflügelſchau der Provinz
Starkenburg in Fränkiſch=Crumbach für das von ihnen zur Schau
ge=
ſtellte Geflügel Ehrenpreiſe zuerkannt und zwar dem erſteren zwei für
Blaſſen Tauben und dem letzteren für eine ſchwarze Wyandotte=Genne.
Erbach, B. Nov. Gemeinderatsſitzung. Mit dem für
die Anlage eines Hochbehälters am Schöllenberg erforderlich gewordenen
Eintauſch des anſtoßenden Grundſtücks erkläut ſich der Gemeinderat
ein=
verſtanden. — Der von der landwirtſchaftlichen Komiſſion getätigte
Ankauf eines Odenwälder Rotvichzuchtbullen wurde genehmigt. — Zur
Schaffung von Arbeitsgelegenheit durch Einrichtung einer
Diamant=
ſchleiferei hat die Stadt Erbach verſchiedene Näume gemietet, die an
einen Unternehmer weitervermietet werden ſollen. Der Gemeinderat
ſtimmte dem vorgelegten Mietvertrag zu. — Das Baugeſuch des
Wil=
helm Walther von Erbach fand am Miniſterium des Innern unter der
Bedingung Genehmigung, daß der Bauplan eine kleine Abänderung
er=
fährt und für die Brickenſtraße ein Nachtrag zur Ortsbauſatzung der
Stadt Erbach erlaſſen wird. Der Gemeinderat genehmigte den
Nach=
trag, der bei der Bürgermeiſterei offen liegt.
* Lauerbach i. Odw., 23. Nov. Beginn der Holzhauerei,
In unſeren Gemeindewaldungen wurde am vergangenen Montag damit
begonnen, die diesjährige Holzernte einzubringen. Nach dem von dem
Forſtamt Michelſtadt aufgeſtellten Wirtſchaftsplan ſollen ungefähr 250
Feſtmeter Holz zur Fällung kommen. Dunch den Beginn der
Holz=
hauerei hat ein Teil unſerer Arbeitsloſen, wenigſtens für einige Zeit,
wieder Arbeit gefunden.
* Aus dem Odenwald, B. Nov. Jagdliches. In unſerer
Ge=
gend ſind eben überall die Treibjagden im Gang, zumal die Schußzeit
des weiblichen Rehwilds nur vom 1. bis 30. November dauert. Es ſind
faſt durchweg bedeutend mehr Nehe geſchoſſen worden, als Haſen.
Ueber=
haupt kann feſtgeſtellt werden, daß der Rehſtand im Odenwald recht gut
iſt. Dagegen hat es den Anſchei, als ob der Haſe bei uns auf dem
Ausſterbeetat ſtünde. Es mag wohl auch die naſſe Witterung des
ver=
gangenen Jahres mit dazu beigetragen haben, daß ein großer Teil von
ihnen eingegangen iſt.
Hirſchhorn, 24. Nov. Waſſerſtand des Neckars. Am 23.
November: 0,85 Meter; am 24. November: 0,92 Meter.
Gernsheim, 24. Nov. Waſſerſtand des Rheins. Am 24.
November, vormittags 6 Uhr: 0,43 Meter.
Mitgliederverſammlung der Bezirksſparkaſſe
Zwingenberg—Bensheim.
H. Die Bezirksſparkaſſe Zwingenberg—Bensheim hielt am 23. Nov.
im Sparkaſſenlokal zu Zwingenberg unter der Leitung des Vorſitzenden
des Vorſtandes der Kaſſe, Oberamtsrichter Dr. Jäger, ihre diesjährige
Generalverſammlung ab. Neben den zahlreich erſchienenen
Vertretern der Mitgliedsgemeinden aus den Kreiſen Bensheim,
Darm=
ſtadt und Groß=Gerau, war als Vertreter des Kreisamts Bensheim
Kreisdirektor, Regierungsrat Reinhardt, ſowie erſtmals der Vorſitzende
des Heſſiſchen Sparkaſſen= und Giroverbandes, Juſtizrat Reeh und der
Direktor der Heſſiſchen Girozentrale Henkel, anweſend. Das Ergebnis
der Oberreviſon der Rechmung für 1923 wird debattelos zur Kenntnis
genommen und die ſatzungsgemäße Entlaſtung erteilt. Die vorgelegte
Rechnung und der Geſchäftsbericht für 1925 werden unbeanſtandet
gut=
geheißen. Es wurde beſchloſſen, den in 1925 erzielten Reingewinn
von 12 349,87 Mark, dem Vorſchlage des Aufſichtsrats entſprechend dem
Neſervefonds zuzuführen. Die ſüir das Jahr 1927 aufgeſtellten
Voran=
ſchläge der beiden Rechnungsſtellen Zwingenberg und Bensheim fanden
einſtimmig Annahme. Zum Schluß der Tagesordnung nahm der
Vor=
ſitzende Gelegenheit, Herrn Rechnungsrat Zeunges=Bensheim, dem
lang=
jährigen Inhaber der Zahlſtelle Beusheim, die durch die Errichtung
einer ſelbſtändigen Rechnungsſtelle daſelbſt aufgehoben wurde, für ſeine
treue Arbeit im Dienſte der Kaſſe herzlichen Dank auszuſprechen.
Juſtiz=
rat Neeh ſtellte das günſtige Abſchlußergebnis der Kaſſe feſt, das er als
ſehr erfreulich bezeichnete. Intereſſant waren ſeine Ausführungen, die
er über die Entwicklung des Sparkaſſenweſens in Heſſen machte. Wir
eutnehmen daraus, daß die in Heſſen vorhandenen 35 öffentlichen
Spar=
kaſſen (5 ſtädtiſche Sparkaſſen, 2 Kreis= und B8 Bezirksſparkaſſen) im
Heſſiſchen Sparkaſſen= und Giroverband zuſammengefaßt ſind. Die
Heſſiſche Girozentrale iſt ſeit 1. Januar 1926 eine eigene Einrichtung
des Verbands geworden und dient im weſentlichen der Deckung der
Kredithedürfniſſe der Kaſſen. Ueber die Entwicklung des Sparverkehrs
hei den 35 öffentlichen Sparkaſſen in Heſſen machte er folgende
An=
gaben: Stand der Sparkaſſenguthaben am 1. Januar 1924: 250 000 Mk.,
am 31. Dezemher 1924: 13 700 844 Mark, am 31. Dezember 1925:
39 294 239 Mark, am 31. Oktober 1926: rund 66 000 000 Mark. Dieſe
üiberaus günſtige und unerwartete Entwicklung des Sparverkehrs laſſe
— ſo führte der Redner aus — deutlich erkennen, daß ſich die
wirtſchaft=
liche Lage gebeſſert habe, ſei des weiteren aber auch eine Folge der
ausgezeichneten und großzügigen Werbearbeit der Sparkaſſen, des
zu=
nehmenden Vertrauens des Puhlikums zu dieſen und nicht zuletzt auch
der vorzüglichen Organiſation des Sparkaſſenweſens in Heſſen, das in
dem heſſiſchen Sparkaſſengeſetz vom 8. Auguſt 1902 ſeinen Niederſchlag
gefunden habe.
Juſtizrat Reeh, der ſeinen Wohnſitz von Alsfeld nach Darmſtadt
verlegt hat und die Geſchäfte des Verbandes als Vorſitzender weiter
wahrnimmt, wünſchte, daß ſich die Beziuksſparkaſſe Zwingenberg=
Bens=
heim weiter entwickeln und dem Jahr 1925 gleiche und beſſere
Ergeb=
niſſe künftig verzeichnen möge.
* Birkenau, 23. Nov. Geflügelausſtellung. Der Kaninchen=
und Geflügelzuchtverein Birkenqu veranſtaltete in dem geräumigen
Saal des Gaſthauſes „Zum Birkenauer Tal” eine allgemeine
Jubi=
läums=Geflügelausſtellung. Dieſelbe umfaßte micht weniger als 311
Nummern. Sämtliche ausgeſtellten Tiere — Hühner, Tauben und
Waſſervögel — waren faſt alle Prachtexemplare. Es war deswegen
für die Herren Preisrichter keine leichte Aufgabe, aus dem vorzüglichen
Material das Beſte auszuwählen. Es konnten deshalb 29 erſte, 62 zweite,
60 dritte und 29 Ehrenpreiſe zugeſprochen werden. An der Ausſtellung
beteiligten ſich außer Birkenau noch etwa 20 Nachbarorte, Weinheim
allein mit 92 Nummern. Der Beſuch der Ausſtellung war ſehr
leb=
haft.
* Von der Bergſtraße, 24. Nov. Todesfahrt. Der 35 Jahre
alte verheiratete Kriegsinvalide Metz von Weinheim wollte mit ſeinem
Motorrad zwiſchen Leutershauſen und Großſachſen ein Fuhrwerk
über=
holen. Bei dem raſenden Tempo verlor er aber vermutlich die
Ge=
walt über die Steuerung und fuhr gegen einen daherkommenden Zug
der Nebenbahn Weinheim—Heidelberg. Er kollidierte mit dem Trittbrett
eines Wagens und wurde auf die Straße geſchleudert. Der
Bedauerns=
werte erlitt dadurch einen ſchweren Schädelbruch, der den ſofortigen
Tod herbeiführte. Er hinterläßt Frau mit 3 kleinen Kindern. —
Kellerſturz. Der Getreidehändler H. Marx in Schriesheim ſtürzte
ſo unglücklich die Kellertreppe hinunter, daß er bewußtlos in das
Heidel=
berger Krankenhaus verbracht werden mußte. Sein Zuſtand iſt durch
einen Bluterguß in das Gehirn ſehr bedenklich. — Der
Chriſtbaum=
handel begann. Die Händler ſind bereits auf der Suche nach
Chriſt=
bäumchen. Sie beziehen dieſe aus dem Taunus, dem Weſterwald und
dem Odenwald. Sie ſtellen ſich nach Größe und Höhe auf 50 Pfg. bis
2 Märk. — Blutvergiftung durch eine Stecknadel. Der
63 Jahre alte Schiffsbaumeiſter a. D. Markus Paulſen in Feudenheim
verletzte ſich mit einer Stecknadel ganz unbedeutend und achtete nicht
darauf; aber es ſtellte ſich Blutvergiftung ein und Paulſen ſtarb
alsbald.
* Bensheim, 24. Nov. Krieger=Ehrung. In der Synagoge
fand am Samstag vormittag die Enthüllung einer Gedenktafel für die
im Weltkriege gefallenen Mitglieder der hieſigen iſraelitiſchen
Reli=
gionsgemeinde ſtatt. Ihren Ehrenplatz erhielt die Tafel gegenüber der
Bundeslade. Viele geladenen Gäſte waren erſchienen, ebenſo alle Mit= ſammlung aus.
glieder der Religionsgemeinde. Erſchienen waren auch die Mannheimer
Synagogenchöre, die durch Geſang die Feierlichkeit eröffneten. Rabiner maliger Leibdragoner des Kreiſes Gießen, Karl Eidmann, ver=
Dr. Merzbach=Darmſtadt hielt die Feſtpredigt. Enthüllt wurde die Tafel ſammelten ſich hier zahlreiche Angehörige der ehemaligen heſſiſchen
Dra=
ten auch Kreisdirektor Reinhart, Bürgermeiſter Dr. Angermeier und
Dekan Zeubitz bei. Obenſekretär Findling legte namens des
Krieger=
vereins an der Tafel einen Lorb=erkrauz nieder. Die Namen der
Ge=
fallenen ſind Ernſt Grünſtein, Sally Mayer, Sam. Goldblum, Albert
Enthüllungsfeſtlichkeit nahm einen ſehr feierlichen Verlauf.
ſtehende Maurer Chriſt. Rödel, den man ſeit mehreren Tagen vermißte,
wurde in der Gemarkung „Moſſerich”, an einem Baume erhängt auf= führer: Hch. GrünBüdingen, Rechner: E. Krömmelbein=Büdingen.
gefunden.
* Aus dem Kreiſe Heppenheim, 23. Nov.
Schmiedezwangs=
innung. Nachdem ſich die Mehrheit der Gewerbetreibenden im
Schmiedehandwerk für eine Zwangsinnung ausgeſprochen, wird für den
Kreis Heppenheim, mit dem Sitz in Heppenheim, eine Zwangsſchmiede=
Innung errichtet werden, und zwar vom 1. Dezember d. J. ab. Zu= ſichtigt. Gs wurde ein Modell angefertigt, das gegenwärtig hier
aus=
gleich wird von demſelben Zeitpunkt ab die Freie Schmiedeinnung
auf=
gehoben. — Bürogehilfin. Da Herr Kreisſchulrat Du. Weil in lichen Gebäude des Marktplatzes eine Zierde unſerer Stadt. Zwecks
Heppenheim mit Büroarbeiten überhäuft iſt, wurde Frl., Lehrerin
Beromann in Fürth, wo ſie über ein Jahr an der Volksſchule tätig
war, ihm als Bürogehilfin beigegeben.
* Gernsheim, 23. Nov. Die Generalverſammlung des hieſigen Fuß= Architekturſchmuckſtück erſten Ranges ſein wird.
ballklubs „Konkordia” nahm einen guten Verlauf. Der erſte Vorſitzende,
Herr Dipl.=Ing. Kauth, wurde wieder gewählt, ebenſo der alte
Vor=
ſtand. An Stelle des ausſcheidenden Geſchäftsführrers Willi Müller
übernehmen die Geſchäfte die Herren Franz Klag und Friedrich Haas.
Den Kaſſenbericht erſtattete Herr Franz Müller. Der ſeitherige
Vereinsrechner wurde wieder gewählt. Als neue Mitglieder ziehen in
den Vorſtand die Herren Philipp Andres und Georg Staab. Somit
wurde eine Brücke geſchlagen, welche die Vereinsleitung in engſte
Füh=
lungnahme mit den Spielern bringt, da nämlich die erſte
Spielmann=
ſchaft mit 2 Mann im Vorſtand Sitz und Stimme hat. Der
Jahres=
wäſſerung des Sportplatzes zu gehen. — Zu einem gemütlichen
Zu=
ſammenſein fand ſich der Geſangverein „Liederkranz” am
ver=
gangenen Sonntag abend im benachbarten Klein=Rohrheim im
Gaſt=
haus von Michael Schnatz ein. Bei Geſang und Humor wurden einige
frohe Stunden verlebt.
An der Spilze stehen
„Katarrh-
Ant den enfsenitsch witenden tirzt
Groß=Gerau, 23. Nob. Skelettfund. Hier wurden bei
Um=
bauarbeiten in der Frankfurter Straße ſieben Skelette gefunden, aber
ohne jegliche Beigaben. Näheres muß die Unterſuchung ergeben.
* Groß=Gerau, 24. Nov. Selbſtmord. Im Walde zwiſchen
Kelſterbach und Schwanheim wurde ein Mann aufgefunden, der ſich die
Halsſchlagader durchſchnitten hatte. Näheres über den Toten konnte
noch nicht feſtgeſtellt werden.
r. Rüffelsheim, 23. Nov. Das Brückenbauprojekt Rüſſelsheim—
Flörsheim wurde zur Begutachtung der Waſſerbaubehörde vorgelegt.
Dieſe beſchäftigte ſich eingehend mit dem Projekt beſonders wegen
ein=
tretender Hochwaſſergefahr und machte den Vorſchlag, die Pfeiler, wie
vorgeſehen, noch mehr zu erhöhen; die Strompfeiler ſollen eine größere
Entfernung bekommen, um einen größeren Durchlaß für die Schiffahrt
zu gewährleiſten. Die Brücke ſelbſt ſoll eine Fahrbahn von 6 Meter
Breite bekommen. Durch dieſe Aenderungen werden ſich die Baukoſten
erhöhen und die an dem Projekt beteiligten Firmen werden auf Grund
dioſer Aenderungen aufgefordert werden erneut Offerte einzureichen.
— Die hieſige Ortsgruppe der Bau= und Siedlungsgeſellſchaft Darmſtadt,
die über 250 Mitglieder zählt, hat in dieſem Jahre vier Wohnhäuſer
errihtet, die bereits bezogen ſind. Weiter ſind dier Häuſer im Rohbau
fertig und weitere zwei Bauten für das Frühjahu vorgeſehen.
* Offenbach, 22. Nov. Sämtliche hieſige Lehrer, der ſogenannte
Ortslehrerrat, traten am Freitag zu einer Sitzung zuſammen. Der erſte
Teil der Tagesordnung brachte zwei Lehrproben über neuzeitliches
Tur=
nen und einen erläuternden Vortrag dazu. Der Fachmam im
Stadt=
ſchulamte machte dann Mitteilungen über den Stand des
Volksſchul=
weſens ſeit 1922. Es verdient daraus zunächſt hervorgehoben zu werden,
daß die Stadt zur Durchführung des Werkunterrichts 18 Werktiſche
und 11 Werkbänke beſchaffte. Dem Rückgange der Schülerzahl
ent=
ſprechend, ſind von damals 308 Lehrerſtellen 60 abgebaut worden. Der
Abbau wäre noch ſchärfer in Erſcheinung getreten, wenn nicht
gleich=
zeitig die Fortbildungsſchule ausgeſtaltet und die vierjährige
Grund=
ſchule durchgeführt worden wäre. Die Schüleraufnahme erreichte im
Jahre 1924 mit 675 Kindern ihren tieſſten Stand, während ſie dieſes
Jahr ſchon wieder 1450 betrug. Die Uebertritte aus der Grundſchule
in die höhere Schule ſind von 245 auf 151 geſunken, den umgekehrten
Weg gehende Schüler ſind von 39 auf 59 geſtiegen. Unter B5 Klaſſen
ſind 162 Durchſchnitts=, 37 Förder=, B Ueberdurchſchnitts= 11
Hilfs=
ſchul= und 2 Fürſorgeklaſſen. Dem evangeliſchen Bekenntnis gehören
57, dem katholiſchen 33 v. H. der Schüler an. Der Anteil beider
Bekennt=
niſſe an der Geſamtſchülerzahl iſt um 24 und N v. H. geſunken. Von
248 Lehrerſtellen ſind 201 endgültig beſetzt, und dabei ſind drei
evan=
geliſche Lehrkräfte zu wenig, 6 katholiſche zu viel endgültig verwendet,
ſo daß die 9 erledigten Stellen nur mit evangeliſchen Lehrern beſetzt
werden können. Unter den 201 endgültig angeſtellten Lehrkräften ſind
47 weibliche. Der Anteil der weiblichen Lehrkräfte und der katholiſchen
Lehrer und Lehrerinnen an der Geſamtlehrerzahl geht deshalb immer
noch über die geſetzlich zuläſſige Zahl hinaus.
* Klein=Auheim a. Main, 22. Nov. Der rührige Wanderklub
„Fidelio” Klein=Auheim (Mitglied des Bundes „Heſſiſche
Jugendwan=
derer” (M. J.W. R.) rüſtet eifrig zu ſeimem am Sonntag, den 28. ds.
Mts., im Saale „Zum goldnen Faß” ſtattfindenden Winterfeſt. Ein
ſchönes, buntes Programm bietet Gewähr, daß jeder Beſucher auf ſeine
Koſten kommen wird. Durch ſeine ſehr guten muſikaliſchen Erfolge bei
dem Bundestreffen des M. J.W.R. in Aſchaffenburg am Main ſieht jeder
Muſik= und Wanderfreund dem Abend mit Intereſſe entgegen. Hoffer
wir daher, daß auch hier der Erfolg nicht ausbleiben wird.
Rheinheſſen.
* Worms, 24. Nob. Laſtkraftwagenbrand. Der
Laſt=
kraftwvagen einer Wormſer Firma, der ſich auf einer Ueberlandfahrt
be=
fand, iſt bei Kindenheim in Brand geraten und bis auf das Fahrgeſtell
abgebronnt. Die Entſtehungsurſache iſt unbekannt, der Schaden ſoll
durch Verſicherung gedeckt ſein. — Arbeitsmarkt. Nachdem in den
letzten Wochen eine langſame, aber ſichtbare Beſſerung auf dem
Worm=
ſer Arbeitsmarkt eingetreten war, mußte in der abgelaufenen Woche eine
Verſchlechterung feſtgeſtellt werden. Die Zahl der Erwerbsloſen hat
eine Zunahme um rund 250 Köpfe erfahren, auch die Zahl der
Zu=
ſchlagsempfänger iſt etwa in der gleichen Höhe geſtiegen. Dieſelbe
Be=
obachtung wurde auch im Landkreiſe Worms gemacht, wo die Zahl der
Erwerbsloſen um 130 und die Zahl der Zuſchlagsempfänger um 186.
Perſonen geſtiegen iſt. — Brand. In dem Hauſe Kaiſer
Heinrich=
platz 4 bemerkten die Hausbewohner Brandgeruch, der aus einer
ver=
ſchloſſenen Wohnung kam. Da der Wohnungsinhaber ausgegangen war,
wurde die Vorplatztür gewaltſam geöffnet und ein Kleinfeuer in der
Küche feſtgeſtellt, das durch Ueberhitzung des Herdes entſtanden war.
Die herbeigerufene Feuerwehr brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu
tre=
ten, da die Hausbewohner inzwiſchen das Feuer gelöſcht hatten.
Oberheſſen.
* Gießen, 24. Nov. Die oberheſſiſchen kirchlich=
evan=
geliſchen Frauenvereine, hielten hier ihre Herbſttagung ab.
Die Tagung wunde von der Verbandsvorſitzenden Fürſtin Eliſabeth
Er=
bach=Schönberg eröffnet. Frau Studiendirektor, Hummel=Altenburg
(Thüringen) hielt einen Vortrag über „Mütter ſind eines Volkes
Schick=
ſal‟. Dekan Gußmann=Lollar ſprach der Rednerin den Dank der Ver=
* Stockheim, 20. Nov. Unter dem Vorſitzenden des Vereins
ehe=
von dem Vorſitzenden der Gemeinde Salomon Marx. Der Feier wohn= gonerregimenter aus dem Kreiſe Büdingen. Der Schriftführer des
Bundes, ehemaliger Leibdragoner, Trumpſheller=Darmſtadt, berichtete
eingehend über die Denkmalsfrage und die bisher geleiſtete Arbeit. Das
Denkmal für die Gefallenen der beiden Dragoner=
Regimenter Nr. 23 und Nr. 24 und ihrer Kriegsformationen
Blumenfeld; der Geſtorbenen Albert Reiling und Walter Vogel. Die ſoll in Darmſtadt errichtet werden. Alsdann ſchritt man zur Gründung
einer Kreisgruppe für den Kreis Büdingen. In den
* Bensheim, 24. Nov. Selbſtmord. Der in den 50er Jahren Vorſtand wurden gewählt: Vorſitzender: Prinz Stolberg, Rittmeiſter
a. D., aus Ortenberg, Stellvertreter: Hons Leisler=Büdingen, Schrift=
* Butzbach, 20. Nov. Die Stadtverordnetenſitzung
ge=
nehmigte nach lebhafter Ausſprache den Betrag von 100 000 Mark für
Kanaliſation im ſüdöſtlichen Stadtteil. — Die Wiederherſtellung des
Marktbrunnens in ſeiner mittelalterlichen Form iſt hier
beab=
geſtellt iſt. Der Brunnen bildete im Mittelalter inmitten der
altertüm=
weiterer Ausgeſtaltung uſeres Marktplatzes in ſeiner ſchmuchen
mittel=
alterlichen Form iſt geplant, die Fachwerkbauten nach und nach
freizu=
legen. Hierdurch wird Butzbach einen Marktplatz erhalten, der ein
* Aus Oberheſſen. In Gießen erſchoß ſich der Fabrikant
Bender im Alter von 49 Jahren. Anſcheinend ſind Geſchäftsſorgen die
Urſachen zu der Tat. — In die Klinik in Gießen wurde ein Arbeiter
eingeliefert, der ſich bei der Arbeit an der Kreisſäge ſchwere Verletzungen
zugezogen hatte. — In Wißmar verunglückte beim Holzfällen der
Arbeiter Karl Leib, ſo daß er mit ſchweren inneren Verletzungen in die
Chirurgiſche Klinik zu Gießen verbracht werden mußte. — In Klein=
Linden iſt gegenwärtig das Modell eines
Gefallenendenk=
mals ausgeſtellt. Die Grundſteinlegung des Ehrenmals ſoll im
Früh=
jahr erfolgen. — Zwiſchen Laubach und Mücke ſtieß man bei
Boh=
bericht zeigte, daß das Ergebnis der im Jahre 1925/26 geleiſteten Spiele rungen auf mächtige Eiſenerzlager von beſter Qualität, die noch den
ein ſehr befriedigendes iſt. Ein Schmerzenskind iſt immer noch die Vorteil haben, daß ſie im Tagbau gefördert werden können. — Die
Platzfrage. Es wurde beſchloſſen allen Ernſtes an die notwendige Ent= Eiſengrube Weickartshain nimmt in Kürze den Betrieb wieder
auf und wird etwa 80 Arbeiter beſchäftigen.
* Vom Vogelsberg, 24 Nov. Entſchiedene Stellung gegen die
be=
reits durchgeführten bzw. geplanten Abbaumaßnahmen der
Re=
gierung nahm die Verſammlung der Bürgermeiſter des Vogelsbergs,
die unter Leitung des Kreisdirektors Geheimrat Böckmann tagte. Da
durch all dieſe Pläne, wie Verlegung des Bauamts. Abbau des
Kreis=
amts Schotten, Aufhebung des Landwirtſchaftsamts Schotten, die
Be=
völkerung des Vogelsbergs in dauernder Erregung gehalten wird, ſo
wendet ſich die Bürgermeiſterverſammlung mit einer Entſchließung an
die Regierung. Eine wirtſchaftliche Hebung des Vogelsbergs iſt nur
durch eine tatkräftige Förderung der Viehzucht und Weidewirtſchaft
möglich; deshalb wurde für den Vogelsberg die Errichtung der Stelle
eines Spezialiſten in Tierzuchtfragen angeregt.
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Nummer 327
Der Hotelbrand in der Schweiz.
Donnerstag, den 25. November 1926
Seite 9
Schweres Eiſenbahn=Unglück in England.
Das abgebrannte Hotel des Alpes in Mürren. Im Hintergrund die Berner Ober=Alpen.
DDer Rieſenbrand, der am 18. November den berühmten Luftkurort Mürren im Berner
Ober=
land heimgeſucht hat, vernichtete fünf große Hotels.
Blick auf die Unglücksſtelle mit den ineinandergefahrenen Wagen.
Ein folgenſchwerer Eiſenbahnunfall ereignete ſich in England. Der Expreß York — Sheffield
entgleiſte und begrub acht Tote und zahlreiche Verwundete unter den Trümmern.
Reich und Ausland.
100 Jahre Münchener Univerſität.
(inf.) Am 25. und 26. November feiert die Münchener Umiverſität
den Gedenktag ihres 100jährigen Beſtehens. Die Hochſchule iſt viel
älter, als es nach dieſem Jubiläumsfeſte den Anſchein hat. In
Wirk=
lichkeit ſtammt ſie nämlich bereits aus dem Jahr 1472, wo ſie allerdings
in Ingolſtadt errichtet wurde. Im Jahr 1800 wurde ſie nach Landshut
verlegt, ein Vorgang, der für die Entwicklung der Univerſität recht
hiderlich war. Als nun am 11. Dezmber 1825 König Ludwig I. zur
Regierung kam, war einer ſeiner erſten Gedanken, die Reſidenzſtadt
München wieder zu einer Univerſitätsſtadt zu machen, zumal er ſchon
als Kronprinz ein eifriger Förderer dieſer Idee war. Es wurde von
ihm eine Kommiſſion unter dem Vorſitz Eduard v. Schenks eingeſetzt,
die über die Frage eine Denkſchrift ausarbeitete. Am 13. April 1826
unterbreitete die Kommiſſion dem Könige als Ergebnis die Forderung,
die Unierſität bald nach München zu verlegen. Da der König dieſe
Entſcheidung erwartet und ſogar angeregt hatte, ſo wurde
ſelbſtverſtänd=
lich der Plan bald zur Ausführung gebracht. Die Umiverſität Landshut
wurde bereits am 19. Auguſt des Jahres 1826 geſchloſſen, denn an
die=
ſem Tage fand das letzte Kolleg auf der Univerſität Landshut ſtatt. Nun
begann die Ueberführung der Univerſität nach München, die auf
um=
ſtändliche Weiſe erfolgte und faſt zwei Monate dauerte. Erſt gegen
Ende November war der Transport beendet und die Univerſität
Mün=
chen konnte nunmehr eröffnet werden. Sie hat in den 100 Jahren
mancherlei Schickſale erfahren und ſtand beſonders zur Zeit der Lola
Montez im Vordergrunde eines wenig erfreulichen öffentlichen Geredes.
Dies war aber nur eine vorübergehende Zeiterſcheinung, denn
beſon=
ders in den letzten Jahren und Jahrzehnten iſt die Univerſität München
durch eine Anzahl hervorragender Gelehrter, die auch, wie z. B.
Will=
ſtätter, mit dem Nobelpreis gekrönt wurden, in der Wiſſenſchaft führend
geworden.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Beim Aufſpringen auf die Straßenbahn
tödlich verunglückt. Auf dem Wochenmarkt am Börneplatz
hat ſich geſtern vormittag ein ſchwerer Unfall ereignet, dem ein
Men=
ſchenleben zum Opfer fiel. Eine Frau Stiebener aus Offenbach, die
dort Einkäufe gemacht batte, wollte ſchwer bepackt auf einen
Straßen=
bahnwagen aufſteigen. Dabei glitt ſie aus, ſtürzte zwiſchen den
An=
hänger und ein vorbeifahrendes Laſtfuhrwerk und wurde dort einge
klemmt, wobei ſie ſo ſchwer gequetſcht wurde, daß ſie bereits auf dem
Transport zum Krankenhaus verſtarb. — Neuartiger
Schwindel. In der letzten Zeit tritt hier ein Schwindler auf, der
in Geſchäften Briefe abgibt, in denen ſich angeblich Theaterbillette für
in der Nähe wohnende angeſehene Familien befinden, und ſich den
Be=
trag dafür gleich auszahlen läßt. Mehrere Geſchäftsleute hat der Herl
auf dieſe raffinierte Weiſe bereits hineingelegt.
Aufdeckung eines dreifachen Giftmordes nach acht Jahren.
DD. Lüneburg. In Carmitz iſt der Maurer Kehbein unter dem
Verdacht verhaftet worden, ſeine beiden Kinder im Alter von
zwei und vier Jahren und ſeinen etwa 70 Jahre alten Vater im
Jahre 1918 durch Gift ermordet zu haben. Im Jahre 1918
verſtapben kurz nacheinander die beiden Kinder. Schon damals tauchte
der Verdacht auf, daß Kehbein, der ſeine Familie ſtets ſehr roh
behan=
delte, den Tod der Kinder gewaltſam herbeigeführt habe. Nach den
Kindern verſtavb ganz plötzlich auch der etwa 70 Jahre alte Vater. Im
Auguſt d. J. wurde nun durch einen Anwohner Anzeige gegen Kehbein
wegen Mordes erſtattet, und zwar auf Grund von Aeußerungen einiger
Verwandter des Kehbein. Die Staatsanwaltſchaft ordnete darauf die
Ausgrabung der Leichen an, die vor etwa zehn Tagen vorgenommen
wurde. Die Unterſuchung ergab bei allen drei Leichen Spuren von
Arſenik. Trotz der ſchwerwiegenden Verdachtmomente leugnete
Keh=
bein jede Schuld. Die Nachforſchungen eines Kriminalkommiſſars aus
Hannover hoben Ergebniſſe gezeitigt, nach denen eine Schuld des
Keh=
bein am Tode des Vaters und der Kinder faſt zweifelsfrei angenommen
werden kann.
Ein raffinierter Schwindel.
Dortmund. Auf einen böfen Schwindel iſt der Hauptkaſſier
des Bahnhofs Dortmund hereingefallen. Samstag vormittag erſchien in
der Bahnhofshauptkaſſe ein junger Mann, der Papiere vorlegte, nach
denen er für den tödlich verlaufenen Unglücksfall eines Verwandten die
von der Reichsbahnverwaltung angewieſene Entſchädigung von
48 000 Mark abheben wollte. Der Kaſſenbeamte überzeugte ſich
durch eine oberflächliche Prüfung der Papiere von deven Richtigkeit und
wollte das Geld auszahlen. Er hatte aber nicht genügend Barbeträge
in ſeiner Kaſſe und gab deshalb dem jungen Mann einen Scheck über
dieſe Summe, den dieſer bei der Dortmunder Filiale einer Berliner
Großbank vorzeigte und honoriert erhielt. Als man in der
Bahnhofshauptkaſſe die Belege des jungen Mannes nochmals, und zwar
eingehender einer Prüfung unterzog, ſtellte es ſich heraus, daß man
einem Betrüger in die Hände gefallen war. Die Papiere waren
ge=
fälſcht. Die Polizei konnte den Schwindler aber verhaften und
ſucht jetzt nach ſeinen Helfern, mit denen der ganze Betrug bis ins
Kleinſte vorbereitet worden war.
Der Unglücksfall auf dem Torpedoboot „Möve‟.
Königsberg. Bei dem geſtrigen Unglücksfall auf dem
Tor=
pedoboot „Möve” iſt außer dem ſchon als tot gemeldeten
Obermaſchi=
niſtenmaat und einem Oberheizer noch ein Maſchimenbauer ſeinen
Ver=
letzungen erlegen. Der Zuſtand der übrigen ſechs Verletzten gibt zu
Be=
ſorgniſſen keinen Anlaß. Die „Möve” iſt heute von Pillau zu einer
kurzen Probefahrt in See gegangen. Die Rückkehr erfolgt im Laufe des
heutigen Nachmittags.
Beileidstelegramm des Reichspräſidenten zum Marineunglück.
Berlin. Reichspräſident von Hindenburg hat aus Anlaß des
Unglücks auf dem Torpedoboot „Möve” an den Reichswehrminiſter
folgendes Telegramm gerichtet: „Sehr geehrter Herr
Reichswehr=
miniſter! An dem ſchweren Unglück, das die Marine durch die
Dampf=
exploſion auf dem Torpedoboot „Möve” betroffen hat, nehme ich
herz=
lichen Anteil. Ich bitte Sie, den Hinterbliebenen der in treuer
Pflicht=
erfüllung Getöteten den Ausdruck weines herzlichen Beileids, den
Ver=
letzten meine beſten Wünſche für ihre baldige Wiederherſtellung zu
über=
mitteln. Mit der Verſicherung meiner vorzüglichen Hochachtung bin
ich Ihr ergebener gez. v. Hindenburg.”
Ein bedenklicher Freundſchaftsdienſt.
* Berlin. Ein Freundſchaftsdienſt, den der Stadtzſekretär
Boh=
mann ſeinem Duzfreunde, dem Stadtvormund Dr. Kötz, geleiſtet hatte,
trug dem freundlichen Helfer eine Anklage wegen Begünſtigung ein,
während der Freund ſelbſt ſich mit ihm zuſammen vor dem
Schöffen=
gericht Wedding under der Anklage der Amtsunterſchlagung und
Un=
treue zu verantworten hatte. Eines Tages kam zu B., der auf dem
Bezirksamt Wedding den auf Urlaub befindlichen Dr. K. vertrat, eine
Pflegemutter und beſchwerte ſich, daß ſie das ihr zuſtehende Pflegegeld
nicht voll ausgezahlt erhalten habe. Beim Nachſehen der Akten fand B.
eine Quittung über den vollbezahlten Betrag. Da aber die Frau bei
ihrer Behauptung blieb, fragte B. brieflich den Dr. K. an; die
Ant=
wort war aber unklar. Um ſeinem abweſenden Freunde
Unannehmlich=
leiten zu erſparen, legte B. den fehlenden Betrag, den er ſich ſelbſt erſt
leihen mußte, zu den Akten. Auf eine erneute Beſchwerde der Frau
er=
hielt ſie dann auch den Reſtbetrag. Inzwiſchen hatte ſich aber im der
Dienſtführung des Dr. K. eine Reihe ſchwerer Verfehlungen
heraus=
geſtellt. Es ergab ſich nämlich, daß Dr. K., der früher Berufsvormund
geweſen und ſpäter vom Jugendamt mit der Wahrnehmung der
Vor=
mundſchaft betraut worden war, fortgeſetzt in ähnlicher Weiſe die
Pflegegelder nicht voll ausgezahlt und die Reſtſummen für ſich
ver=
braucht hatte. Mehrfach hatte er ſich auch die Gelder direkt anweiſen
laſſen, um ſie den Pflegemüttern perſönlich zu überbringen und ganz
in die Taſche geſteckt. Die auf dieſe Weiſe begangenen Veruntreuungen
betrugen 2000 Mark. In der Verhandlung entſchuldigte ſich der
An=
geklagte B. damit, daß er geglaubt habe, es ſei nur ein Verſehen des
Dr. K. geweſen. Das Gericht hielt ihn aber doch der Begünſtigung für
ſchuldig, berückſichtigte aber, daß er aus idealer Geſinnung gehandelt
habe und belegte den ſtraffälligen Freundſchaftsdienſt mit 100 Mark
Geldſtrafe. Dr. Kötz, der ſich mit Not in der Familie und mangelhafter
Kontrolle entſchuldigte, erhielt ein Jahr Gefängnis, jedoch für die letzten
ſechs Mongte Bewährungsfriſt.
Verhaftung falſcher Sipobeamten.
TU. Dresden. In Reugiersdorf wurden falſche
Sipo=
beamte feſtgenommen, die in vielen Orten der Lauſitz
Köpe=
nickiaden verübten, indem ſie angaben, in behördlichem Auftrag
Falſchgeld beſchlagnahmen zu müſſen. Auf dieſe Weiſe
wurden mehrere Papierfabrikanten und Bürgermeiſter geſchädigt. Es
handelt ſich um den Maurer Alexander Gärtner und den Arbeitsloſen
Rudolf Rämiſch, beide aus der Tſchechoſlowakei. Die Verhafteten ſind
von in= und ausländiſchen Behörden vielgeſuchte Verbrecher, die auch
das Erzgebirge unſicher gemacht haben. In ihrem Beſitz befanden ſich
Revolver, ſcharfe Munition und das Material, das ſie zu ihrer
Ver=
kleidung benötigten.
Zwei Räuber in Oberſchlefien verhaftet.
Breslau. Wie die Breslauer Neueſte Nachrichten aus Guttentag
in Oberſchleſien berichten, wurde die dortige Bevölkerung ſeit längerer
Zeit durch Raubüberfälle. Einbrüche, Wilddieberei, nächtliche
Schieße=
reien uſw. beunruhigt. Es gelang der Polizei, die beiden Brüder
Felix aus dem Dorfe Heine als Täter zu ermitteln. Um ſie zu
ver=
haften wurden 30 Landjäger aufgeboten. Bei einem Feuergefecht der
Landjäger mit den Banditen wurde ein Beamter durch eine
Schrot=
ladung in beide Oberſchenkel verletzt. Beide Verbrecher konnten
feſt=
genommen werden. In einer Höhle wurde ein großes Diebesgutlager
ſowie Waffen und Fahrräder gefunden.
Großfeuer.
Uslar. Heute nacht iſt das Lagergebäude der Sollinger
Holz=
warenfabrik G. m. b. H. mit ſehr großen Vorräten, ein Raub der
Flammen geworden. Ob es gelingen wird, das Nachbargebäude und die
übrigen Fabrikgebäude, die nur mit Dackpappe gedeckt ſind, zu retten,
ſteht noch dahin. Der Schaden iſt ſehr groß.
Beſchlagnahme eines belgiſchen Dampfers in New York.
Paris. Wie Havas aus New York meldet, hat die Prohibition=
Polizei geſtern einen aus Antwerpen eingetroffenen Dampfer des Lloyd
Royal Belge beſchlagnahmt, der angeblich Champagner und andere
alko=
holiſche Getränke mit ſich führen ſoll.
Der portugieſiſche Banknotenſchwindel.
* Amſterdam. Under großem Intereſſe fand geſtern im Haag
die erſte Verhandlung über die bekannte portugieſiſche
Banknotenfäl=
ſchung ſtatt. Aus der Verhandlung ergab ſich, daß im Herbſt 1924 der
gegenwärtige Angeklagte K. Marang bei der engliſchen Druckerei
Waterloo und Son Ltd. in London erſchien und auf Grund von
Bevoll=
mächtigungsſchreiben der Bank von Portugal einen Auftrag zum Druck
von 200 000 Banknoten überbrachte. Als Beweis legte er im Verlauf
der Verhandlungen mehvere von dem Gouverneur der Bank von
Por=
tugal unterſchriebene Briefe vor. Der Schwindel iſt mit großer
Ueber=
legung bewerkſtelligt worden; es iſt noch nicht klar, wer alles daran
beteiligt war. Die engliſche Firma betrachtete den Angeklagten auf
Grund der überbrachten Vollmachten und Beweisſtücke als Vertreter der
Bank von Portugal, mit welcher ſie bereits lange arbeitete und nahm
keinen Anſtoß, den Auftrag zu übernehmen. Als er zur Ausführung
kam, fiel ihr jedoch auf, daß die beſtellten Banknoten dieſelben
Num=
mern einer bereits ausgegebenen Serie tragen ſollten. Ihre
diesbegüg=
lichen Reklawationen wurden jedoch mit der Erklärung widerlegt, daß
die Banknoten nicht für Portugal ſelbſt, ſondern für die portugieſiſche
Kolonie Angola beſtimmt ſeien. Die Schwindler ſicherten ſich noch eine
Geheimhaltung der Sache, indem ſie darauf hinwieſen, daß die Bank
ſich in Schwierigkeiten befände und ein vorzeitiges Bekanntwerden des
Druckes der Banknoten möglicherweiſe nachteiligen Einfluß auf die
Valuta zeigen könnte. Ein großer Teil der Banknoten iſt aufgefunden
worden. Sie waren, in Koffern verpackt, bei verſchiedenen
Transport=
firmen in Holland deponiert worden und wurden bei der geſtrigen
Ver=
handlung des Gerichtshofes als Beweismaterial vorgelegt. Vor den
Unterhandlungen in England hat Marang, der holländiſcher
Nationali=
tät iſt, verſucht, den Auftrag einer holländiſchen Firma zu unterbreiten,
welche jedoch die Ausführung ablehnte.
Strandung eines Dampfers.
Paris. Wie Havas aus Bordeaux meldet, hat die Funkſtation
Bonseat einen Funkſpruch des Dampfers „Daſhwood” aufgefangen, der
eine Meile nordweſtlich von Kap Grisnez geſtrandet ſei und um Hilfe
bitte. Das Rettungsboot von Boulogne iſt ausgelaufen, um dem
Damp=
fer Hilfe zu bringen.
Bergwerksunglück in Kanada.
Coleman (Alberta). Infolge einer Exploſion in der Mc.
Gil=
livray=Kohlengrube wurden zehn Bergleute verſchüttet. Zwei Leichname
wurden bereits geborgen. Es beſteht nur geringe Hoffnung, die übrigen
acht zu retten, da die Grube mit Gaſen gefüllt iſt.
Ein Dampfer in China von Seeräubern überfallen.
Hongkong. An Bord des nach Hongkong beſtimmten Dampfers
„Waihoi” erſchoſſen am 19. November 12 gutgekleidete Paſſagiere die
militäriſche Wache und drei Mann der Beſatzung. Ein Prieſter und
ſieben Schweſtern der kanadiſchen Miſſion wurden in der Kabine ſehzig
Stunden lang gefangen gehalten. Die Seeräuber zwangen den Kapitän
in der Schekbai zu landen, wo ſie die Paſſagiere völlig ausplünderten.
Am nächſten Tage raubten ſie die Ladung und flüchteten, wobei ſie als
Geiſeln die männlichen Paſſagiere mitnahmen.
Die „Emden” in La Coruna.
Va Coruna. Offiziere und Beſatzung des hier liegenden deutſchen
Kreuzers „Emden” haben am Grabe der Mitglieder der Beſatzung eines
während des Krieges internierten deutſchen Dampfers Kränze
nieder=
gelegt. Die ſtädtiſchen Behörden gaben zu Ehren der Offiziene der
„Emden” ein Frühſtück.
Ke
Unſerer heutigen Auflage liegt ein Flugblatt des Wirtſchafts= und
Ordnungsblocks bei.
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Nachahmungen weiſe man zurück.
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Wetterbericht.
Wettervorausſage für Freitag, den 26. November 1926,
nach der Wetterlage vom 24. November 1926.
Verhältnismäßig milde bei ſüdlichen bis weſtlichen Winden, noch
Regenfälle.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung . Rudolf Mauve
Veranwortlich für Politil und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feutlleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratentell: Williy Kublei
Druck und Verlag. C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10
Donnerstag, den 25. November 1926
Nummer 327
Spotn, Sriet und Turnen.
Schon wieder ein Anfänger.
Der Trocken=Skikurs.
„Schon wieder ein Anfänger”. — Es war vor Jahren, als mir ge=
Tegentlich einer Sprunglauf=Konkurrenz im Gebirge ein zünftiger
Ski=
mann im breiten bayeriſchen Dialiket dieſe Worte entgegenſchleuderre.
Ich hatte die Unvorſichtigkeit begangen, ohne Skier die Sprungbahn zu
überſchreiten und dieſe durch das Hinterlaſſen von tiefen Löchern zu
verunſtalten. Die hohnvolle Bemerkung — obwohl ſie verdient war —
tat mir weh, denn auch auf Brettern iſt noch kein Meiſter vom Himmel
gefallen und immer, wenn ich heute den unbeholfenen erſten
Gehver=
ſuchen erſtmals mit Schneeſchuhen bewaffneter Menſchen zuſchaue, er,
innere ich mich der ſpöttiſchen Zurechtweiſung, die mir damals
wider=
führ. Toleranz paart ſich ſeitdem mit Urteilsſtrenge bei mir.
Der Skifport iſt mit der Entſtehung der großen Winterſportplätze,
den luxiöſen Hotels und der „soupés Danse” große Mode geworden.
Die Zahl des Skivolks wird bedenklich größer, bedenklich inſofern, als
man dadurch in ſtreng ſportlich denkenden Kreiſen eine Verflachung der
idealen Auffaſſung des Skilaufs befürchtet. Grotesk wirkt es, wenn nun
dieſe Anfänger oft in einer unmöglichen „winterſportlichen Ausrüſtung”
ins Gebirge fahren, ohne ſich vorher auch nur mit den Grundſätzen des
Skilaufs befaßt zu haben. Luxus und Mode ſind nun einmal Dinge,
die mit der niederzwingenden Größe des Stilaufs in einem kraſſen
Widerſpruch ſtehen. Manches buntſcheckige „Skihaſerl” mag daher auch
ſchon die Zielſcheibe der Spottluſt der Skiläufer geworden ſein.
Alljährlich halten nun die ſkiſportlichen Verbände und Vereine für
ihre neu eintretenden Mitglieder ſogenannte Trockenkurſe ab, in denen
die neu gewonnenen Jünger des Schneeſchuhſports in die
Anfangs=
gründe der „hohen Kunſt aus Thule” eingeführt werden. In der
ver=
gangenen Woche nun ſah ich ſie wieder in ſtattlicher Anzahl in einer
Turnhalle, angetan oder beſchwert mit den langen hölzernen Ungetümen,
mit denen ſie den erſten Schritt in eine Welt tun ſollen, die ihnen
bis=
her unbekannt und verfchloſſen war. Eine Welt, die demjenigen auch
verſchloſſen bleiben wird, der die hohen Satzungen des Skiſports
bös=
willig verletzt. Es iſt ein beſonderes Charakteriſtium des
Schneeſchuh=
ſports, daß er bis ins hohe Alter hinein getrieben werden kann, und es
iſt daher keineswegs eine auffallende Erſcheinung, wenn ſich alljährlich
unter den Debutanten auch immer Damen und Herren älterer Jahrgänge
befinden, und das iſt, ſofern ſie es ehrlich meinen, erfreulich. Die
zu=
ſchauenden „langjährigen” Läufer lächeln nachſichtig über die
unge=
ſchickten Bewegungen der Anfänger, denn ſie ſelbſt haben es wohl in
ihren Lernjahren nicht beſſer gemacht. Und da ſind viele, denen Turnen
und Sport bisher „terra incognita” waren, die aber durch
Aufmerk=
ſamkeit und Schweiß das zu erſetzen ſuchen, was ihnen am körperlichen
Training fehlt.
Eigentlich, ſo im Verhältnis und mit Rückſicht auf dies und jenes,
geht es ganz gut, meint ihr, allein ihr noch den ebnen, rauhen Boden
der Turnhalle unter euch habt. Jetzt ſeid ihr noch Herr über euve
Skier. Aber ich mahne zur Vorſicht! Sobald dieſe langen Hölzer in
ihr eigentliches Element, den Schnee kommen, werden ſie nur zu leicht
Herr über euch werden, und ihr müßt ihn n folgen bis in den nächſten
eingeſchneiten Graben, wo ihr dem jungfräulichen Schnee den erſten
zarten Kuß geben dürft. Aber, ich weiß, das werdet ihr gerne tun,
und ich hoffe, daß ihr den Bergwinter, der voll heimlicher und ſtiller,
ſich nur dem Skiläufer offenbarender Schönheiten iſt, lieben lernt.
Und wenn ihr jetzt nun hinausfahrt, in den Schwarzwald, in die
baheriſchen Berge, zum Arlberg oder gar in das Paradies des
Ski=
läufers, in die Schweiz, und wenn euch ein gütiges Geſchick einige klate
froſtklirrende Wintertage voll Licht und Sonne beſcheren ſollte, dann
vergeßt einmal, ich bitt euch, den Kleinkram des Alltags und genießt
ohne Zwang und ohne Etikette die Freiheit, die der Winterſport euch
gewährt. Dann erlebt ihr den Winter in den Bergen und aus den
Anfängern werden begeiſtertere Anhänger dieſes herrlichen Sports.
Tg.
Ski — Heil!
„Sportliche Gegenwartsfragen in Darmſtadt”
In einer Verſammlung der „Alten=Herren=Vereinigung” des
Sportvereins Darmſtadt hält am kommenden Freitag abend im
Reſtaurant Sitte (gelber Saal), Karlſtraße, Herr Medizinalrat
Dr. Friedrich einen Vortrag über „Sportliche
Gegen=
wartsfragen in Darmſtadt” (Landesbeirat,
Landes=
ausſchuß, Städtiſcher Turn= und Sportausſchuß, Bau eines
Sportforums u. a.).
Kraftſpoxt.
Aus dem II. Kreis des D.A. S.V. 1891. — Die Kreisliga im Ringen.
Man ſchreibt uns: Der vergangene Sonntag ſah außer Groß=
Zimmern, das frei war, ſämtliche Mannſchaften im Kampf.
Frank=
furt konnte auf eigenem Grund und Boden gegen Hanau einen
knappen 8:6=Sieg landen. Die Begleitumſtände ſtanden im kraſſen
Gegenſatz zu dem ſportlich ſehr hohen Niveau der Kämpfe. Es iſt kaum
zu glauben, daß alte in unſerer Bewegung groß gewordene
Sports=
kollegen immer und immer wieder ſich den klaren Blick durch die
Vereins=
brille trüben laſſen und dann für unſere Bewegung einen Krebsſchaden
bedeuten. Oder glaubt man etwa in Frankfurt, durch ſolche
Machenſchaf=
ten unſerem Kraftſport zu nützen? Die Herren ſollten ſich ſchämen vor
dem alten Sportpionier Albert Wamſer, der es in Frankfurt ſchon
immer anſtrebte, ein gutes Verhältnis zwiſchen Schwer= und
Leicht=
athletik herbeizuführen und auch bei dieſem Kampfe als Zeitnehmer
ſeines Amtes waltete. Der Kampfrichter gilt ſolchen Leuten als
Frei=
ſild, und dann wunderr man ſich noch, wenn die Ringer unruhig
wer=
den. Sachſenhauſen weilte in Klein=Oſtheim und holte ſich dort
zwei weitere Punkte. 8:6 lautete das Ergebnis. Hier ſoll es noch
luſtiger zugegangen ſein. Sogar an dem Kampfleiter hat man ſich
ver=
griffen. Es iſt eine Schande für unſeren Kraftſport, die zu verſchweigen
jedoch von Nachteil wäre. Die Behörde wird gut tun, hier feſt
zuzu=
packen. Dieburg hatte Damm als Gaſt. Eine kräftige, körperlich
gut gebaute Mannſchaft, von der man immer noch nicht begreifen kann,
daß ſie punktlos am Ende der Tabelle ſteht. Die Mannſchaftsdiſziplin
jedoch läßt noch manchen Wunſch offen, und wenn der Schwergewichtler
glaubt, daß ſein Verhalten ſeiner Mannſchaft nützlich war, dann wollen
wir ihn bei dieſem Glauben laſſen. Jedenfalls mit Sport haben ſolche
Geſchichten nichts gemein. Gute Klaſſe iſt Maidhoff im Federgewicht,
während der Leichtgewichtler die Note „Gut” noch niht verdient.
Nächſten Sonntag trefſen Dieburg—Groß=Zimmern, Sachſenhauſen—
Damm und Frankfurt-Klein=Oſtheim zuſammen.
Vereine
Kämpfe gew. verl. Siege Punkte Frankfurt . 72:40 14 Groß=Zimmern. 70:28 12 Sachſenhauſen 52:48 10 Dieburg 52:46 Hanau 46:54 Klein=Oſtheim 34:78 Damm . . ." 38:74 z
Schwimmen.
Um den Wanderpreis des Amtes für Leibesübungen.
Die am 24. November ſtattgefundenen Schwimmwettkämpfe um die
Wanderpreiſe des Amtes für Leibesübungen zwiſchen den Darmſtädter
Schulen wurde in Anweſenheit des Vertreters des Landesamtes für das
Bildungsweſen, Herrn Schulrat Haſſinger, und der Herren Direktoren
und Rektoren der verſchiedenen Schulen ausgetragen. Der Kampf
be=
ſtand in der Anstragung je einer 10mal 50 Meter=Staffel beliebig. Acht
Schulen traten an. Die Verteidiger der Wanderpreiſe waren
Real=
gymnaſium für die Klaſſen über 14. Jahren und Ballonſchule für die
Klaſſen unter 14 Jahren.
Sieger wurde in den Klaſſen über 14 Jahren: Realgymmaſium in
5:38,5 M. zum dritten Male und damit Beſitzer der Deutſchen Lebens=
Rettungsplakette. Es folgten ſodann: Ludwig=Georgs=Gymnaſium
6:15 M., Ludwigs=Oberrcalſchule 6:B,3 M., Liebigs=Oberrealſchule
7:32 M.
In den Klaſſen unter 14 Jahren wurden Sieger: Garten=
Arbeits=
ſchule mit 7:41 M., der die Ballonſchule die Plakette des Amtes für
Leibesübungen überreichen mußte.
In nachſtehender Reihenfolge kamen ſodann die anderen
Schul=
ſtaffeln: Liebigs=Oberrealſchule 7:53,2 M., Realgymnaſium 7:57 M.,
Ballonſchule 8:20 M., Dieſterwegſchule 9:12 M., Ludwig=Georgs=
Gym=
naſium 9:23 M., Beſſunger Knabenſchule 9:41 M.
Ein folgendes Waſſerballſpiel zwiſchen zwei kombinierten
Mann=
ſchaften endete mit 2:1 und ſchloß den glatt durchgeführten und gut
beſuchten Schulwettkampf ab.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 25. Nov. 3.30: Stunde der Jugend. Wanderbilder
aus der deutſchen Heimat. (Für Kinder vom 12. Jahre ab).
O 4.30: Hausorch. Neue Tanzmuſik. Weiß: Lilly. — Kollo:
Bravo Torero. — Pordes: Monte Carlo. — Dazar u. Ralph:
Jou=Jou. — Erwin: Du glaubſt, ich kann nicht mit dir ſo
tanzen. — Knauer: Das war bei Tante Trulala. — Dazar und
Ralph: Mariette. — Robrecht: Samum. O 5.45: Leſeſtunde:
Die Kultur der Renaiſſance in Italien, von Burckhardt. O 6.15:
Uebertr. Caſſel. O 6.45: Die Reformmethode im neuſprachlichen
Unterricht, an deutſchen Beiſpielen dargelegt (2.), von Geheimrat
Walter. O 7.15: Beamtenfortbildungskurſus. Aituziie Fragen der
Steuertheorie, von Dr. Neumark. O 8.15: Heiterer Abend. Mitw.:
u. a.: Franz Baumann (Tenor), Alois Großmann (Rez.). Schütt:
Die Funken. — Schlottmann: Schön Rotraut. — Radecke: Aus
der Jugendzeit. — Schubert: Nicht klagen! — Wetter: Wilde
Roſen und Becherklang. — Santa Lucia. — Brandſen: Heut”
ſing ich nur für dich. Annamaria. — Abt: Die Lindenwirtin.
— Lob: Ich war zu Heidelberg Student. — Anſchl. bis 12.30:
Tanzmuſik aus Cafe Sacher.
Stuttgart.
Donnerstag. 25. Nov. 3.50: Frauenſtunde von Hilde
Zimmer=
mann. O 4.15: Konzert. Heuſſer: Locarnomarſch. — Koſchat: Am
Wörther See. — Berlioz: Ouv. Die Fehmrichter. — Löwe: Die
Uhr (Ballade für Poſaune ſolo). — Fehervaru: Aus
Sieben=
bürgen. — Einl.: Fritz Schätzler. — Cornelius: Fant. Der Barbier
von Bagdad. — Dowell: Mondſchein. An das Meer. — Michele:
Dritte Suite. O 6.15: Alfons Paquet: Glaube und Technik.
O 6.45: Aerztevortrag: Neuere Forſchungen über Kramp adern und
Beingeſchwüre. O 7.15: Schach. O 8: Die Fledermaus”, Operette
von Joh. Strauß. Hauptperſ.: Gabriel von Eiſenſtein, Rentier:
H. Hanus; Ro alinde, ſeine Frau: Käte Mann; Frank,
Gefängnis=
direktor: C. Struve; Prinz Orloſsky: Elſe Domberger; Dr. Falke,
Notar: E. Baudiſtel; Dr. Blind, Advokat: E. Thyſſen; Adele,
Kammermädchen Roſalindens: Gerda Hanſi; Froſch, Gerichtsdiener:
K. Karner, u. a. — Anſchl.: Schwäb. Dichter= und
Komponiſten=
abend. Mitw.: Paula Wagner (Mezzoſopran), Soſie Eiſenbraun
(Sopran), H. Schulz (Bariton), G. Ott, Konzertm. Künſtner (Viol.),
Funkorch. Flügel: Hanna Nübel=Heim, Margot Hecht, 26
Dar=
bietungen.
Berlin.
Donnerstag, 25. Nov. O 4.30: 3 Klaviervorträge von
Opper=
mann. O 4.50: Eite=Kammer=Orch. 6 Darbietungen. O. 6.30:
Prof. Wolff: Der Arzt in der Dichtung. O 7.05: Spaniſch.
G 7.30: Dr. Kohlrauſch: Modernes Strafrecht. O 7.55:
Chef=
redakteur Schwarzſchild: Das wirtſchaftliche Schickſal des
Mittel=
ſtandes. O 8.30: „Doktor Klaus”, Luſtſpiel in 5 Akten von
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Nummer 322
Donnerstag, 2.5. November
Erntenachrichten des Auslandes.
Wie wir vom Statiſtiſchen Reichsamt erfahren, haben ſich die
Nach=
richten üüber die diesjährige Weltgetreideernte inzwiſchen ſo weit
ver=
vollſtändigt, daß ſich bereits ein ungefähr zutreffender Geſamtüberblick
für die nördliche Erdhälfte ermöglichen läßt. Abgeſehen von Rußland,
ſind bis jetzt beim Internationalen Landwirtſchaftsinſtitut in Rom
Schätzungsangaben für Weizen und Roggen bereits aus ſämtlichen
wichtigen Erzeugungsländern eingegangen, während für Gerſte und
Hafer nur noch einige Länder ausſtehen, die zuſammen aber nur 15
bzw. 5 Prozent der geſamten Erzeugung der nördlichen Erdhälte
er=
bringen.
An Weizen iſt mit ungefähr der gleichen Menge wie im Vorjahr
zu rechnen. Europa weiſt allerdings gegenüber 1925 eine Minderung
um 10 Prozent auf, während Nordamerika eine beträchtliche Steigerung
(15 Prozent) zu verzeichnen hat. Trotzdem ſtellt ſich aber die neue
Weizenernte Eurspas im ganzen noch höher als im Durchſchnitt der
Jahre 1920—24, während in Aſien die neue Ernte hinter dieſem
Durch=
ſchnitt etwas zurückbleibt. Anders als beim Weizen liegen die
Ver=
hältniſſe beim Roggen, bei dem die geringere diesjährige Ernte
Europas ſich infolge des Uebergewichts der europäiſchen Produktion voll
auswirkt und demzufolge eine geringere Welternte verurſacht. Nach den
bisherigen Schätzungen bleibt die diesjährige Roggenernte um nahezu
36 Millionen Doppelzentner oder 14,3 Prozent gegewüiber den
vorjähri=
gen Angaben zurück, und zwar zum größten Teil infolge der geringen
Ergebniſſe in Deutſchland, Polen und der Tſchechoſlowakei, die nach
Rußland die wichtigſten Roggenerzeugungsgebiete darſtellen. Ob die
ruſſiſche Roggenernte noch eine bemerkenswerte Veränderung dieſer
Ver=
hältniſſe herbeiführen wird, läßt ſich bis jetzt noch nicht beurteilen. Nach
privaten Mitteilungen ſoll die neue Getreideernte Nußlands allerdings
beſſer als im ganzen übrigen Europa ausgefallen ſein und mindeſtens
die Höhe der vorjährigen Ergebniſſe erreichen. Da die ruſſiſchen
Bauernwirtſchaften aus der Ernte 1925 die nötigen Vorräte anſammeln
konnten, ſoll in dieſem Jahre auch mit einer größeren Ausfuhr als
bis=
her in der Nachkriegszeit zu rechnen ſein.
Im Gegenfatz zum Brotgetreide ergaben die Schätzungen für
Fut=
tergetreide (Gerſte und Hafer) in dieſem Jahre in Europa faſt
üiberall höhere Erträge als im Vorjahre, während ſie ſowohl in
Nord=
amerika wie auch in Aſien und Nordafrika im allgemeinen zurückbleiben.
Auf der ſüdlichen Erdhälfte lauten die Nachrichten über die
Aus=
ſichten für die neue Getreideernte bis jetzt andauernd günſtig. Ueber
die Ernte an Mais haben ſich die neueſten Schätzungen in den
Ver=
einigten Staaten von Amerika, dem Haupterzeugnugsgebiete dieſer
Fruchtart, noch weiterhin, und zwar auf 680,74 Millionen Doppelztr.,
ermäßiat, wonach ſich nun ein Ausfall gegen die vorjährige Ernte, die
ungefähr eine Mittelernte bedeutete, um 57 Millionen Doppelzentner,
d. i. 77 Prozent, ergibt. Auch in Europa wird die neue Mais=nnto
teilwveiſe weniger ergiebig als 1925 geſchätzt. Nur Rumänien ſcheint
eine ſehr reiche Maisernte zu haben.
Der Ertrag der Kartoffelernte wird in dieſem Jahre in
allen wichtigeren Erzeugungsländern Europas geringer als im Vorjahr
beurteilt.
Für Zuckerrüben ſind die Schätzungen in Europa ebenfalls
zumeiſt niedriger als 1925, doch nicht in dem gleichen Ausmaße wie bei
den Kartoffeln.
Ueber den Ausfall der neuen Baumwollernte werden die
neueſten Schätzungen der Vereinigten Staaten von Amerika nunmehr
erheblich höher lauten, und zwar wird jetzt eine Rekordernte von 36
Millionen Doppelzentnern angenommen, die noch die vorjährige ſehr
gute Ernte um üiber 1 Million Doppelzentner übertrifft.
Die deutſch=engliſchen Induſtriellen=Verhandlungrn.
Die Vorbereitungen für die Zuſammenkunft zwiſchen deutſchen und
britiſchen Induſtriellen am Freitag und Samstag nächſter Woche ſind
nunmehr abgeſchloſſen worden. Der Reichsverband der britiſchen
In=
duſtrien wird durch ſeine prominenten Mitglieder unter Führung ſeines
Präſidenten Sir Mac Muspratt vertreten ſein. Die Namen der
deut=
ſchen Vertreter ſind in London noch nicht bekannt. Der Hauptzweck der
Konferenz beſteht in dem Verſuch, eine Beſeitigung der beſtehenden
Zollſchranken zwiſchen den beiden Ländern zu erzielen. Man ſetzt hier
keine übertriebenen Hoffnungen auf die Beſprechungen, gibt aber der
beſtimmten Erwartung Ausdruck, daß ſie einen Anfang für viel
weit=
reichendere Schritte im Verlaufe der nächſten Jahre bedeuten werden.
Der Reichsverband der britiſchen Induſtrie hofft, daß die Ergebniſſe den
Weg freimachen werden für eine engere Zuſammenarbeit zwiſchen den
beiden Ländern. Alle hierüber getroffenen Entſchließungen werden
je=
doch der Beſtätigung durch die beiderſeitigen Induſtriellenkörperſchaften
bedürfen. Auf beiden Seiten iſt man übereingekommen, daß die
Zu=
ſammenkünfte ſtreng privaten Charakter haben und von öffentlichen
Veranſtaltungen jeder Art abgeſehen werden ſoll.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Erſte Ziehung der Ausloſungsrechte der Anleiheablöſungsſchuld des
Deutſchen Reiches. Von der Reichsſchuldenverwaltung wird folgendes
bekannt gegeben: Die erſte Ziehung der Ausloſungsrechte der
Anleihe=
ablöſungsſchuld des Deutſchen Reiches findet für die bisher ausgegebenen
Ausloſungsrechte mit den Nummern 1—30 000 am Mittwoch, den 1.
De=
zember 1926 von 9 Uhr vorm. an öffentlich in unſerem Dienſtgebäude,
Oranienſtraße 106/109, ſtatt.
Die Inſolvenzen der dritten Novemberwoche. Die infolge des
Feiertages nur 5 Tage umfaſſende dritte Novemberwoche zeigt ſowohl
hinſichtlich der Konkurſe (95 gegen 116 in der zweiten Novemberwoche)
als auch hinſichtlich der Geſchäftsaufſichten 120 gegen 29 in der Vorwoche)
keine weſentlichen Veränderungen. Nach Unternehmungsformen verteilt
wurden Konkurſe eröffnet bei einer A.=G. (3 in der Vorwoche), 7
Ge=
fellſchaften m. b. H. (12), einer Kommanditgeſellſchaft (1), 5 eingetr.
Gen. (4) und 4 o. H. G. (3). Geſchäftsaufſichten wurden über 3 G. m.
b. H. (4) und 2 Kommanditgeſellſchaften (—) neu verhängt. 25
Kon=
kursverfahren wurden mangels Maſſe eingeſtellt.
Umorganiſation im Süddeutſchen Eifenhandel. Die ſüddeutſchen z
Verkaufshändler des Stahlwerkverbandes A.=G. Düſſeldorf, haben ſich
zu einer ſüddeutſchen Form= und
Stabhändlerver=
einigung mit dem Sitz in Mannheim zuſammengeſchloſſen. Der
Süddeutſche Eiſenhändlerverband wird aufgelöſt. Organe des neuen
Verbandes ſind ein dreizehnköpfiger Ausſchuß und ein Vorſtand aus Aſchaffb. Zellſtoff
vier Mitgliedern. Dem Ausſchuß gehören an: Thyſſen=Rheinſtahl A. G.,
Frankfurt a. M. Franz Haniel u. Co., Mannheim Gebr. Röchling,
Ludwigshafen, Süddeutſche Eiſengeſellſchaft A.=G., Nürnberg, Artewerk, Berlin. KarlsruheFnd /105.625110 ,5 Kahla Porzellan
Stuttgart und Köln, Joſef Nöther u. Co., Mannheim, Saarlux=
Stutt=
gart, Krupp Eiſenhandel, Rheinhauſen, F. S. Kuſtermann, München,
Fleißig u. Gundelfinger, Nürnberg, Vereinigte Eiſenhandlungen Zohn= Deutſch.=Atlant. Tel. ) 88.5 88.5 1 9. Loewe u. Co.,
Kopper, Stuttgart, L. G. Ettlinger, Karlsruhe und Gebr. Trier, Deutſche Maſchinen. 1117.5 1117.125) C. Lorenz
Darmſtadt.
Zwangsvergleich der Rhön=Möbelwerke A.=G. Fulda. In dem Ge= Deutſche Erdöl.
ſchäftsaufſichtsverfahren über das Vermögen der Rhön=Möbelwerke A.=G. Deutſche Petroleum,
in Fulda hat, nachdem ein Vouſchlag zu einem Zwangsvergleiche
ein=
gereicht worden war, vor dem Amtsgericht ein Vergleichstermin
ſtatt=
gefunden, in dem der Zuangsvergleichsvorſchlag Zuſtimmung gefunden Elektr. Lieferung.
hat. Die Geſamtforderungen betragen rund 225 671 RM. Die
Gläu=
biger mit 185 570 NM. Forderungen haben für den Vergleich geſtimmt,
der dahin geht, daß die ungeſicherten Gläubiger mit 30 Prozent be= Gaggenau Vorz.
friedigt werden ſollen. Das Amtsgericht Fulda hat den Vergleich
be=
ſtätigt.
Holzhandels A.=G. Aſchaffenburg. In dem Konkursverfahren über
das Vermögen der Holzhandels=A.=G. Aſchaffenburg iſt eine Gläu= Hanſa Tampfſchf.
bigerverſammlung einberufen worden, die über die Einſtellung des
Ver=
fahrens wegen Mangels an Maſſe zu befinden haben wird.
H. Fuchs Waggonfabrik A.=G. in Heidelberg. Bei der Geſellſchaft
hat ſich für das abgelaufene Geſchäftsjahr ein erheblicher Verluſt
er=
geben, der durch eine nochmalige Herabſetzung des Aktienkapitals getilgt
werden ſoll. Ueber das Verhältnis der Kapitalzuſammenlegung ſelbſt Buenosz=Aires,
ſteht ein endgültiger Beſchluß noch nicht feſt.
Gleichbleibende Einſchränkungsquote der Deutſchen
Rohſtahlgemein=
ſchaft. Obwohl die tatſächliche Einſchränkung der Rohſtahlgemeinſchaft Stockholm",
auf 10 bis 12 Prozent, teilweiſe noch darunter geſchätzt wird, wird man / Helſingforz ..
die offizielle Einſchränkungsquote für den Monat Dezember mit 20 Italien ..."
Prozent vorausſichtlich unberändert laſſen. Dieſe Maßnahme erklärt
ſich aus der vorſichtigen Politik der Verwaltung der Deutſchen Nohſtahl= Paris ....;
gemeinſchaft, die Einſchränkungsquote möglichſt ſtabil unter Vermeidung Schweiz
jeder, auch vur vorübergehenden Erhöhung zu halten.
7prozentige Badiſche Kommunal=Goldanleihe von 1926. Der Badiſche
Sparkaſſen= und Giroverband hat in Gemeinſchaft mit der Badiſchen
Girozentrale die Genehmigung zur Ausgabe von 10 Millionen RM.
7prozentiger Schuldverſchreibungen erhalten Ein Konſortium unrer
Führung der Badiſchen Girozentrale in Mannheim, dem außerdem im Berliner Getreidehandel war heute für Weizen und Noggen feſter.
die Badiſche Bank, Rheiniſche Creditbank, Süddeutſche Diskonto=Gefell= Die argentiniſchen Forderungen wurden infolge angeblicher Frachten=
Girozentrale, Direktion der Diskonto=Geſellſchaft in Berlin, die Heſſiſche ten, teils nachgiebigeren Forderungen anbot. LokoWeizen eröffnete gut
Girozentrale in Darmſtadt und von Frankſurter Firmen die Deutſche behauptet, während im Zeitgeſchäft Dezember und März 0,5 Mark höher
Effekten= und Wechſelbank und die Deutſche Girozentrale angehören, wurden, Mai 0,5 Mark ſchwächer. Im Noggengeſchäft brachte ſich er=
Die fünf Jahre unkündbare Anleihe foll an den Börſen von Mannheim, des Dezember=Termins zum Ausdruck, zumal das Inlandsangebot ziem=
Frankfurt a. Main und Berlin eingeführt werden. Außerdem iſt die lich klein blieb. Die Steigerungen betrugen annähernd 1 Mark, Früh=
Reichsmündelſicherheit beantragt. Für die Sicherheit der Schuldver= jahrsmonate etwa 1 Mark über geſtern. In Gerſte und Hafer hat ſich
ſchreibungen haften geſamtverbindlich, der Badiſche Sparkaſſen= und die Lage bei genügendem Angebot und ſehr vorſichtiger Kaufluſt kaum
Giroverband ſowie ſeine Bankanſtalt, die Badiſche Girozentrale und verändert. Weizenmehl iſt im Verkauf unrentabel, Roggenmehl etwas
ſämtliche Geuährträger (Städte, Gemeinden und Kreiſe) der dem mehr gefragt. Futtenſtoffe und Oelſaaten, ſowie ſonſtige Artikel ruhig.
Badiſchen Giro=Verband angeſchloſſenen Sparkaſſen.
Die Finanzdeputation der Stadt Frankfurt a. M. hat einen Teilbetrag ländiſcher Hafer 19,50—20, Mais gelb 19,50, Weizenmehl 41,50—41,75,
der neuen ſprozentigen Frankfurter Stadtanleihe ven 15 Millionen
RM. an das von der Preußiſchen Staatsbank und dem Bankhauſe
Men=
gehören: „Commerz= und Privatbank A.G., Berlin; Gobr. Arnhold,
Dresden; Barmer Bankverein, Düſſeldorf; Simon Hirſchland, Eſſen;
L. Behrens u. Söhne, Hamburg; Strauß u. Co., Karlsruhe;
Süh=
deutſche Diskontogeſ., Mannheim; Berliner Handelsgeſellſchaft, Berlin;
Reichskreditgeſellſchaft A.G., Berlin; Lazard Speyer=Eliſſen, Frankfurt
a. M.; Jakob S. H. Stern, Frantfurt a. M. begebon. Das Konſortium / 88—93½ bzw. 77—84, von 80—99 Pfund 94—86¾ bzw. 83, Ochſenhäute
zahlt für die Anleihe einen Uebernahmekurs von 92,30 Prozent.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 22. November.
Die Umſatztätigkeit der Börſe bewegte ſich auch heute wieder
fangs als etwas gebeſſert bezeichnet werden, doch kam dies in
ten ſich zwar wieder Käufei ein, auf der anderen Seite iſt aber
die Verkaufsneigung der Kuliſſe noch nicht wieder zum
Still=
ſtand gekommen. Im großen Durchſchnitt betrugen die anfänglichen
Kursbeſſerungen nur Bruchteile eines Prozentes, doch gab es
verſchie=
dentlich Abweichungen. So gewannen Danatbank auf ſtarke
Rück=
deckungen 5½ Prozent, Hapag 13 Prozent, Mannesmann 3 Prozent,
Rheinſtahl 2 Prozent, Zellſtoff Waldhof 3½ Prozent, Th. Goldſchmidt felle vollwollig mit Kopf erzielten 60½—65½, halbwollig 61½—63,
2 Prozent. Lebhafter war das Geſchäft nur auf dem Zuckermarkt, aber kurzwollig 62, für Blößen zahlte man 51 und für Lammfelle 46.
auch auf dieſem Gebiete waren die Kursbeſſerungen nur ganz
unerheb=
lich. J. G. Farben waren anfangs recht lebhaft und feſter, büßten im
Verlaufe aber ihren Kursgewinn wieder ein. Deutſche und ausländiſche
Renten waren ebenfalls nur mäßig feſter. Einzig Türken und von dieſen
beſonders die Anatolier gingen bei ſteigender Tendenz etwas lebhafter
um. Als in der zweiten Börſenſtunde die wenigen Kaufaufträge
er=
ledigt waren, konnte das immer noch im Hinblick auf den bevorſtehenden
Ultimo herauskommende Material nur mit Kursverluſten untergebracht
ging und darüber hinaus noch Verluſte eintraten. Beſonders J. G.
Farben zeigten wenig Widerſtandsfähigkeit. Tägliches Geld 4 Prozent,
London=Paris 141.
Die Tendenz der Abendbörſe war weiter ſehr ſtill, und ohne jede
Erholung. Vereinzelt ſtellten ſich noch neue Kursverluſte ein. Ereigniſſe
von irgendwelchen Bedeutung waren nicht feſtzuſtellen. Auch deutſche
und fremde Nenten waren umſatzlos und ohne Veränderung.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 24. Nobember.
Die Tenden; zeigte teilweiſe ein freundlicheres Geſicht. Im ganzen
haltung beherrſcht. Außer den Papieren, in denen Deckungskäufe
ſtatt=
fanden und deren Kurſe demzufolge Beſſerungen erzielten, unter
ande=
rem Danatbank plus 3,5 Proz.; Schleſ. Zink plus 3 Proz.,
Mannes=
mann plus 2,75 Proz,, eröffneten die Werte nur wenig in befeſtigter Nachfrage. Die Termine zeigen Gewinne bis zu ½ C.
Haltung. So ſtellten eine Ausnahme Kriegsanleihe, Feldmühle Papier
uſw. feſt. Infolgedeſſen war die Geſamtentwicklung des Kursniveaus
nicht einheitlich. Die Mehrzahl der Veränderungen war auf 1—1,5
Prozent auf beiden Seiten beſchränkt. Behauptet eröffneten die Neben= notizen gegen Terminkontrakt. Dann trat eine Befeſtigung ein auf
märkte, von denen auf die Steigerung der Feldmühlenaktien ſowie für
verſchiedene Metall= und Maſchinenfabriken Intereſſe beſtand. Von
letzteren wurden Orenſtein und Ludwig Löwe zeitweiſe lebhafter
umge=
ſetzt. Die Nachrichten über die gemeinſame Stickſtoffherſtellung durch
den Klöcknerkonzern blieben infolge der mangelnden Unternehmungsluſt
ohne Eindruck. Am Geldmarkt hielt die flüſſige Situation an. Tages= zeigte ſich die Auslandsnachfrage in ſtärkerem Maße.
geld bis 5 Prozent. Monatsgeld 6—7 Prozent. Im Deviſenverkehr
mit 116 leicht zur Schwäche, doch unternahm die Baiſſeſpekulation
keinen ſtärkeren Vorſtoß, weil in dieſer Valuta Interventionen
befürch=
tet werden. Oslo ging auf 18,98 gegen London zurück. Am
Montan=
aktienmarkt war die Tendenz im einzelnen unentſchieden. Neben den
er=
wähnten Papieren gewannen auch Oberbedarf 2,5 Prozent, dagegen
bröckelten vereinigte Stahlwerke, Mansfelder, Höſch und Laura um 1,5
bis 2 Prozent ab. Kaliaktien widerſtandsfähig. Chemiſche Werte kaum Freitag und Samstag nächſter Woche in London ſind nunmehr
abge=
verändert. Nur Rütgerswerke minus 2 Prozent, Deutſche Erdölaktien ſchloſſen worden.
verloren 1,5 Prozent, Elektvowerte ſetzten bis 2 Prozent niedriger ein.
beſſert. Sonſt hielten ſich die Kursſchwankungen in engſten Grenzen. Franken aufgelegt wurde, mehr als 20fach überzeichnet worden iſt.
Privatdiskont kurze Sicht 4), Prozent, lange Sicht 4,5 Prozent.
den Geſchäft fort, ſo daß faſt nur Briefkurſe genannt wurden, die ſich im Oktober auf 475 000 To., die Einfuhr auf 495 000 To.
noch unter den amtlichen ſchwachen Schlußkurſen bewegten. Im
einzel=
ſtahl 202,5; Gelſenkirchen 173,25; Phönix 131,25: Deutſch=Luxemburger Preiſe lagen durchſchnittlich 2½9—5 Prozent niedriger als beim Schluß
170,25: Mannesmann 188,25; AEG. 160,5; Siemens 197; Farben 325,75 der letzten Auktion.
Brief; Hapag 173: Norddeutſcher Llotzd 166; Hanſa 250.
R3. 11 /24.11.
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(e04. - 204.5
(148.75
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H15 25 115.—
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162.5 160.5
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152.— 155.—
160.— Lindes Eismaſch.
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112.— 1107.75 Lingel Schuh.. .
Bremer Bolle,
153.— 156.— Linke u. Hofmann
83.— 82.5
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185.75 164.—
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J. G. Farben ...
W. Friſter. . . . . .
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G. f. elektr. Untern..
Halle Maſchinen.
Han. Maſch.Egeſt. . 1114.—
Oeviſenmarkt.
Amſterdam=R.
Brüſſel=Antw.
Aslo ...."
Kopenhagen
London ..."
New=York. .
Spanien
B. 11.
Geld Brief
165.23 168.6shso.21 162.63
1.703 1.773,
53.53 68.61
27. 11.
Geld Brief
708 1.7771
58.54 56.691
103. G 103.221 07.57 107.53
12,05112-35ſi2 65 712 37
112.22 112.50/ 12.21 112.70
10.58i 1d.62ü1ä. 578 10.6i8
17.70 17.79 17.79 17.7
2ö. 703 20. 455/70. 701 20.453
4.203 5.28/6.2075 I.275
14.30 14.99 14.53 14.57
81.10 81.30 8t.10 81i.31
G.älBA 63.71 6.a
Wien D.=Oſt.abg.
Prag. ......
Budapeſt . ....
Japan. . .....
Rio de Janeiro.
Sofia .........
Jugoſlavien ....
Konſtantinopel
Liſſabon......!
Danzig.......
Athen ........
Kanada.
Uruguat. ...
23. 11.
Geld. Brief
59.38559.505
12.459 12.15
5.339
2355 2.0
0.5
6.5i4
2550 3.
7.722 7.719
2.:75 2.1
21.525 21.5
Bt.Gil B1.Ml 61.64
5.23 5.25
272
4.775 7.185
134.75
73.5
14.—
82.75
134.5
118.—
168.—
121.—
53.—
67.—
65.—
190.75
2k. 11.
Geld Brief
55.37 59.51
12-751 12.757
6.858
2.067 2
0.529
3.01
1.33 7.33
2.71
Arf
5.3
21.575
81.85
5.25
Produkienberichte.
4 177 L.125
Berliner Produktenmarkt vom 24. November. Die Grundſtimmung
ſchaft, Marx u. Goldſchmidt in Mannheim, die Deutſche Bank, Deutſche erhöhung befeſtigt, während andererſeits das Inland zu teils
behaupte=
wird die Anleihe zu 92½ Prozent zum freihändigen Verkauf bringen, neut das anhaltende Deckungsbedürfnis in einer kräftigen Steigerung
Frankfurter Produktenbericht vom 24. November. Bei
außerordent=
lich ſtillem Geſchäft ergaben ſich abſolut keine Preisveränderungen: Wei=
Oas Bankenkonſortium für die Franfurter 15 MillionenAgleihe, zen B,75, Roggen 24.,75 Sommergerſte für Brauzwecke 94—36,50, in=
Roggenmehl 35—35,75, Weizenkleie 11,50 und Noggenkleie 12.
Frankfurter Häute=Auktion vvm 24. November. Bei recht gutem
delsſohn u. Co. geführte Konſortium, dem weiter folgende Firmen ans Beſuch und guter Kaufluſt nahm die Häute=Auktion bei ſteigenden
No=
tierungen einen recht flotten Verlauf. Für Großviehhäute wurden
z. T. bis 5 Prozent erzielt, auch Schaf= und Kalbfelle konnten
größten=
teils 5 Prozent im Preiſe ſteigen. Die offiziellen Verbandsnotierungen
ohne bzw. mit Kopf lauten: Kuhhäute 30—49 Pfund 62½—71½ bzu.
58½—62, von 50—59 Pfund 81—83¾1 bzw. 71—75¾, von 60—79 Pfund
von 30—49 Pfund erzielten 70½ bzw. 65, von 50—59 Pfund 75½—88½
bzwv. 77, von 60—79 Pfund 88—93½, von 80—99 Pfund 85—91½ bzw.
783—803 und über 100 Pfund 88—91 bzw. 79 Rinderhäute von 30—49
Pfund 83—91½ bzw. 72—73¾. von 50—59 Pfund 89½—94 bzu. 72½,
von 60—79 Pfund 94—99½ bzw. 80—86 und von 80—99 Pfund mit
Kopf 80; Bullenhäute von 30—49 Pfund 67 bzw. 65½4, von 50—59
Pfund 68½4—70 bzw. 53½, von 60—79 Pfund 6034—69 bzw. 53½, von
in ſehr engen Grenzen. Wohl konnte die Grundſtimmung an= 80—99 Pfund 57—60 bzw. 53, von 100 und mehr Pfund 57 bzw. 53.
Für Kuh=, Rinder= und Ochſenhäute Klaſſe II erzielte man in der
Ge=
beſonderen Kursbeſſerungen kaum zum Ausdruck. Vereinzelt ſtell= wichtsklaſſe 30—49 Pfurd ohne Kopf 57—62¾ und 50 und mehr Pfund
ebenfalls ohne Kopf 61—66. Für Schußhäute alle Gewichte mit Kopf
wurden 50½ Pfg. erzielt, von Roßhäuten ſtanden nur die ganz großen
mit 220 und mehr em zum Verkauf, die mit Kopf 19,90 erzielten. Rote
Kalbfelle bis 9 Pfund ohne Kopf erzielten 145—160, über 9 Pfund 126
bis 128, ſchwarze bis 9 Pfund wurden mit 111—117¾ und über 9 Pfund
mit 102—105½ Pfg. bezahlt. Freſſerfelle ohne Kopf brachten 90½, Schaf=
Viehmärkte.
Berliner Schlachtviehmarkt vom 24. November. Der Auftrieb
be=
ſtand aus 1620 Mindern, darunter 379 Ochſen, 445 Bullen, 795 Kühe und
Färſen, ferner aus 2150 Kälbern, 3950 Schafen, 9963 Schweinen und
2235 Schweinen aus dem Ausland. Bezahlt wurde pro Zentner
Le=
werden, ſo daß ein großer Teil der Anfangsgewinne wieder verloren bendgewicht: Ochſen a) 57—60, b) 53—55, C) 47—49, d) 42—45, Bullen
a) 55—57, b) 52—54, c) 48—50, d) 45—47 Kühe a) 47—51, b) 37—45,
() 2—34, d) 22—24, Färſen a) 54—57, b) 47—52, c) 42—45, Freſſer
36—42, Kälber b) 77—90, c) 55—75 d) 40—48, Schafe b) 55—60, c) 45
bis 52, d) 40—44, e) 30—37, Schweine im Gewicht von 240—300 Pfund
76—77, von 200—240 Pfund 74—75, von 160—200 Pfund 71—73, vonr
120—160 Pfund 67—70, Sauen 65—67 Mark. Marktverlauf: Bei
Rindern ziemlich glatt, bei Kälbern und Schweinen ruhig, bei Schafen
glatt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 24. Nov. (Priv.=Tel.)
Weizen: Nach abgeſchwächtem Beginn auf unbefriedigende
Export=
nachfrage trat eine Erholung ein beſonders für nahe Termine im
Ein=
blieb der Effektenmarkt jedoch von allgemeiner Unſicherheit und Zurück= klang mit dem Winnepeger Terminmarkt. Die Termine gewanuen bis
zu 1½ C.
Mais: Nach abgeſchwvächter Anfangstendenz ſetzte ſich uamhafte
Beſſerung durch auf kleine Ankünfte, kleine Farmbewegung und beſſere
Hafer: Der Markt nahm einen ziemlich ſtetigen Verlauf bei
leich=
ten Kursaufbeſſerungen.
Baumwolle: Zu Beginn lag der Markt ſchwächer auf große
Liefer=
ungünſtiges Erntewetter aus dem Südweſten und gute Exportnachfrage.
Kaffee: Höhere Notierungen aus dem Ausland und höhere braſil.
Forderungen hatten einen ſtetigen Markt zur Folge.
Zucker: Die Haltung blieb auch heute feſt, beſonders waren nahe
Termine gut gefragt. Das kubaniſche Angebot war nur gering, dagegen
Kakao: Der Markt nahm einen ziemlich ſtetigen Verlauf auf
lag der franzöſiſche Frauken mit 140,5 bis 141 ſchbächer. Mailand neigte Deckungskäufe, höhere ausländiſche Notierungen und Käufe des lokalen
Handels.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die bereits ſeit einiger Zeit ſchwebenden Vorbereitungen für eine
neue Zuſammenkunft zwiſchen deutſchen und britiſchen Induſtriellen am
Das franzöſiſche Finanzminiſterium teilt mit, daß die elſaß=lothrin=
Schiffahrtsaktien knapp behauptet. Kosmos allerdings 4,25 Prozent ge= giſche Eiſenhahnanleihe, die in der Schweiz mit 75 Millionen Schweizer
Wie aus Briſſel gemeldet wird, betrug die belgiſche Kohlenförde=
Die Börſe ſchloß luſtlos und zu den niedrigſten Tageskurſen. Auch an rung im Monat Oktober 2 274 000 To., was gegenüber Oktober 1925
der Nachbörſe ſetzte ſich die Abgabeneigung bei im allgemein ſtagnieren= eine Steigerung um 300 000 To. bedeutet. Die Kohlenausfuhr ſtellte ſich
Am 23. November wurde in London die 6. diesjährige
Wollverſtei=
nen nannte man nachbörslich u. a. Kriegsanleihe 0,762,5; Erdöl 178; gerungsſerie, die letzte des Jahres, bei lebhafter Konkurrenz eröffnet.
Berliner Handelsanteile 261,25: Metallbank 178: Harpener 186; Rhein= Wieder waren die Deutſchen die ſtärkſten Intexeſſenten am Markte. Die
Das letzte ausgegebene Zirkular des chileniſchen Salpeterkomitees
ſ23. 11. / 23. 11. (London) beſagt, daß ſeit dem 16. November Verkäufe nicht erfolgten.
Das ſchwediſche Finanzminiſterium hat ein Sachverſtändigenkomitee
unter Vorſitz von Profeſſor Weſtman beſtellt, das einen Plan für die
24.625, völlige Staatskontrolle der beiden Halbmonopole, der Wein= und Spiri=
97.75 95.—— tuszentrale und der Tabakmonopolgeſellſchaft, ausarbeiten ſoll.
Der Wochenausweis der Schwediſchen Reichsbank per 20. November
83.— 80— führt den Metallvorrat, mit 225 521 433 Kr., Inlandswechſel mit
e19.— 1218.25 159 704 137 Kr., Auslandswechſel mit 81 261 742 Kr., Banknoten mit
115.5 117.25 470 514 345 Kr. und Depoſiten mit 67 014 780 Kr. auf.
Die lettländiſche Regierung hat den Chef des baltiſchen Referats
im Außenminiſterium, Munters, mit neuen Inſtruktionen nach Reval
entſandt. Man rechnet mit einem baldigen Abſchluß der
lettländiſch=
eſtniſchen Zollunion.
Mit einem Kapital von 700 Millionen Leva, das aus engliſchen
Finanzkreiſen zur Verfügung geſtellt wurde, iſt eine neue Geſellſchaft
gegründet worden, die mit ſich dem Export von Fleiſch aus Bulgarien
nach England befaſſen wird. Die Leitung des neuen Unternehmens
wird ſich in London befinden.
Die Nationalbank von Rumänien teilt mit, daß die alten 500 Lei=
Noten, Emiſſion 1916, nur noch bis zum 1. Januar 1927 als
Zahlungs=
mittel gelten und an dieſem Tage endgültig eingezogen werden.
„Giornale d’Italia” ſtellt auf Grund einer ſtatiſtiſchen Ueberſicht der
Drieſter Handelskammer feſt, daß der Verkehr im Hafen von Trieſt auch
im Monat Oktober ſtark abgenommen hat. In den letzten 10 Monaten
ſei der Verkehr im Vergleich zu dem entſppechenden Zeitraum des
Vor=
jahres um 15 Prozent zurückgegangen.
Wie der „Nieuwe Rotterdamſche Cour.” berichtet, hat die Standard
Dil Company alle Aktien der Phönix Oil und Transport=Company Ltd.
übernommen. Der Kaufpreis wird mit 5,5 Mill. Pfund Sterling
an=
gegeben. Dieſe Transaktion bedeutet eine erhebliche Ausbreitung der
Standard Oil Company in Rumänien.
Das amerikaniſche Schatzamt wird in Kürze dem Kongreß einen
Geſetzentwurf vorlegen, der die Bildung einer privaten Korporation
vorſieht, die alle vorrätigen Alkoholbeſtände aufkaufen ſoll, ſowie das
alleinige Necht zur Herſtellung und Verteilung des Alkohols für
medi=
ziniſche Zwecke beſitzen ſoll.
Seite 12
Donnerstag, den 25. November 1926
Nummer 327
Duranft
. Brantfürter Kürsbericht bom 2. Modor. Losd.
Staatspapiere
Deutſche
S‟,%Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30..
726 Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29/ 98.25
6‟.% H- V.= Sch.
v. 1. 4. 29 96.5
6‟.% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
6‟,%0 Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
72 Sächſ. Fr.=Sch.
1. 7 29 .../ 97.25
7% Sächſ. Fr.=Sch.
96.25
1. 7 30
G‟I. 36Württ. F. Sch.
p. 1. 3. 29
97
Borkriegsanleihen
6% D Reichsanl.
% D. Reichsanl
4% D. Schutzgb. v.
08—11 u. 13...
4% D. Schutzg. v. 14
4½ Preuß. Konſ.
4% Baden. ... ..."
4%Bayern ......
186 Heſſen .....
4% Württemberger
b) Auslänviſche
6% Bos. E. B. 1914/
5%, L.Inv. 1914/
1898
„ 1902.
49
5% Bulg. Tabal0”
4½% Oſt. Staatst.
v. 1913, Kdb. 1918/ 5.7
4½%Lſt. Schaß. 141 24
4½%Oſt. Silberr.
4% Goldr
27.2
0.n0
0.70
36.5
einh. R.(konn 2.5
3% Port. (Spz. III 12.25
5% Rum.am. R.03. 141,
4½% Gold. 13. 26”1.
am.konv.. 1)
4% am. 05 11.75
42 Türk. (Adm.)03
4% Türk. Bagd. I
(Bagd.)II 24.20
4% 1911 Boll. 17,
4½% Ung. St. 1913
4½% St. 1914/ 24.5
4% „ Goldr. 26.8
4% „ St. 10
4½ Kronr.
3.32
3% „ Eiſ. Tor.G./ 30
Außereuro=
päiſche
5% Mex.am. inn.
5% äuß 99
40 Gold 04,ſtf.
3% konſ. inn.
4½% Irrigat. 35.75
5½Tamaulipas I
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10% Berl. H.=Bk. G.1106
„1106
8% „
3% Berl. St.=Gold./ 88
8% Darmſt. St.=G./ 96
8% D. Hyp.=Bankl
Meining., Goldpf. /100.5
8% Frif.=Hyp.=B.=
Goldpfobr. . 103
3% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr.. . . . 100.75
5 % Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr. . . . . . 85.75
8% Komm. Ldb. D.
Goldſchuldver.
88 Heſſ. Lob Gold.
10% Komm= Elektr.
Mark (Hag.) Gold.
80 Mannh. St.=G.
82 Mainz St.=G.
8½ Naſſ. Ldb. Gold.
82 Pfälzer H. B.
Goldpfandbr. . ..
8% Pforzh. St.=G.
8% Pr. C.=B. Cr.=B.
Goſdpfandbr.. ..
3% Rh. Hyp.=B. G./I
71/,L%Rh. St.=W. 25
10% Rh.=Weſtf. B.,
Cr.=Bk.. Goldpf.
80,
82 Südb. B.=Cr.=B.
Goldpfandbr. . ..
Ohne
Zins=
berechnung
5% Bdw. Kohl. 2:
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſ. Brk.=Rog.
23
5% „Roggen 23
5% Pr. Kaliw. ..
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt=B. G
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay . Vereinsb. .
Bayr. Handelsb..
Bayr. Hyp. u. Wech
Berliner Hyp. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=B..
Hamb. Hyp.=B..
Mecklb. Hyp.=u. Wb.
Meining. Hyp.Bt.
Nordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz.Hyp.=Bk. ..
Preuß. Bod. Cr.=B
Pr. Cent.=B. Cr.=B
Preuß. Pfdbr.=Bk.
193.5
108
101
101
96.25
101
100.5
140
101
9.40
2.15
17.4
14.525
15.45
11.30
8.40
11.
15.20
11.5
12.30
12.25
Rhein. Hyp.=B. / 12.7.
Rh.Wſtf. B. Cr.=B. 1205
Südd. Bodenkr.
Bürtt. Hyp.=Bk. 14.15
Staatt. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hyp=B. /11.5
Landeskr. Caſſel ../10.7
7.50
Naſſau Ldsb.
Obltgationen v.
Transportanſt.
4½Dux. Bdb Em.91/ 21
„ 93
42 Gliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz. Carl=
Lub.=B./ 12.45
abg. 11
4½ Kaſchau=Oderb.
abg.!
4%0
5% Oſt. Nwſtb. 741 —
5% Oſt. Südb. (L). —
—
2,6% Alte
—
2,6% Neue,
5% Oſt.=Ung. 73/74
4% Oſt. Staatsb. 83 16.6
3%Oſt. „ 1.b.8. E.
3%Oſt. „ 9. E.
3% Oſt. 1885
3%Oſt. „ Erg. Netz/ 21.25
3% Raab Oedbg. 831 36
91/ 31.5
3%
971 28.5
4% Rud. Silber ../121).
4 Rud. Salztg.)/ 8.9
4½% Anat., S.1
4½%Anat., S. III 35
74½% Anat., S. III
3% Salon. Monaſt. 27.4
5% Tehuantepec.
4½%
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit:. . 144.75
Bad. Bk. .. . . . . . . 159
Bk. f. Brauind. . . 173
Barmer Banwb.
Bay. Hyp.=Wch
Berl. Handelsgeſ.
Comm.u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Ban:
D. Eff.u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk.
Disk.=Geſellſch. . ..
Dresdener Bk. ...
Frankf. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk..
Frrf. Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern Bank
Metallbank.
Mitteld. Credit
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Creditbk.
Rhein=Hyp.=Bk.
Südd. Disc.=Geſ
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banwverein
Zergwerks=Ari.
Bochum. Bergb.
Buderus..
Dt. Luxemburg.
Eſchw. Bergw..
Gelſenkirch. Bgw.
Harp. Bergb.
Ilſe Bergb. St..
Genußſchein.
Kali=Aſchersleb.
Kali. Salzdetfurt..
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerke
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder .
Oberbedarf .. . ..."
Obſchleſ. Eiſ. (Caro)
Otavi=Min.=Ant.. .
Phönix=Bergb. . ..
Rhein. Braunk. .. .
Rhein. Stahlw.. . .!
A. Riebeck Montar
43
54
264
189.75
2-9
180
135
139.5
111
173
160.5
124.5
149
149
14
179.5
149.5
155
160
136
155
158
8.10
5.6.
169.5
112
150
169
175
187
280
150
148
180
159
148.5
1877
133
111
131:
244
204
178
Rombach. Hütte
Salzwerk Heilbr
Tellus Bgb..
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke.
induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.)
Henninger.
Hereules. Heſſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz. Aktienbr. . .
Schöfferhof(Bind.
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg
Verger
Arrum. Berlin.
Aoler & Oppenh..
Aolerw. (v. Kleher)
6%E. A. G. Vzg. A.
52% A. E. G. Vzg. B.
A. E. G. Stamm .. .!.
Anglo=Cont. Guano
Aſchaff. Zellſtoff ../1
Badenia (Weinh.)
Bad. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Neguin ..
Baſt Nürnberg ..."
Bayr. Spiegel
Beck & Henkel ..."
Bergmann El. . . . .
Bing. Metall. . .
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfbr. Erlang.
Sement=Heidelb. ..
Cement, Karlſtadt
Cement, Lothr.. . .
Chem. Albert.. . . .
Chem. Brockh.
Them. Milch.....!
Daimler Motoren ./107.25
Dt. Eiſenhandel. .
Deutſche Erdöl ...
D. G. u. Silb. Scheid./178.5
Dingler, Zweibrück.
146.75
158
113
281
40
139
122
108.5
88
83
160.5
145.5
20
80.75
100
180
Mit K
Dürrkopp .. . ..
Dürr. Ratingen
Syckerhoff & B.
Eiſenw. Kaiſersl.
El Licht= u. Kraft
El. Lieferung
Eli. Bad. Wolle
Email. Ulrich .
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn..
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr, Pirmaſens
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau.
Feinme h. (Jetter)
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.=M. Pok. u. W.
Fuch Waggon St.
Beiling & Cie. ....
Germania Linol..
Gelſenk. Gußſt. .
Goloſchmidt, Th. ..
Gotha Waggon
Gritzner, Maſch.. .
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen .. ...
Hanfw. Füſſen ...
Hanſa= Lloyv, Br.
Hartm. & Braun..
Heyligenſtaedt. . .
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ....
Hoch=Tief Eſſen".
Holzmann.
Holzverk. Ind. . . .
Hydrom. Breslau
Fnag .. ......."
Funghan; St...
Kammg. Naiſersl.
Karlsruher Ma. h.
126.5
85
44.5
60.5
154
150
58.10
55
90.2:
73
205
105
100
46.5
328.75
83
123
99.5
139
Karſtadt, R...
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn".
Konſerv. Braun ..
Krauß, Lokom. ...
Lahmeyer ......."
Lech Augsburg ...
Lederw. Rothe ...
Spi harz..
Lingel Schuhw.. .
Löhnberg. Mühle.
Ludwigsh. Walzm
Lüdenſcheid Metall
Lux. Induſtrie
Rainkraft Höchſt
Nars=W. Nürnberg
Metallgeſ. Frkf.
Miag. Mühlenb.
Moenus, Stamm".
Motorenf. Deutz".
Motorenf. Oberurſ.
Münch. Lichtſpielk.
Neckarſ. Fahrz. . . .
Neckarw. Eßlingen
Olenwerke Frankf.
Beters Union .. ..
Pfälz. Näh Kayſer
Philipps.. . . . . . .
Porzellan Weſſel
Brometh. Frkf. ...
Rein. Gebb.& Schal
Rhein. Elektr. .. ..
Nyenania, Aachen
Rürgerswverke ..."
S ileußner .. . . . . .
S hneid. & Hanau.
S hnellpr. Frank.
S hramm Lackf. ..
Shrift, Stemp... .
Schuckert, Elektr.
Schuhf. WBeſſel ...
S huhf. Herz ...
Schulz Grünlack.
Seilind. Wolff.."
Siemens Glas..
Siemens & Halske
Südd. Immob. ..
Thürinz. Lief.=Geſ
47.75
28
51
110
724
37.5
103
129 5
180
52.5
66
106
46
77.5
135.1
63.25
52.5
67.75
8
uhrenFurtwängl.
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Ver. v. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bin.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg ..
Ultramarin . . . . .
Zellſtoff Berl. .. ..
Vogtl. Maſch. . .
Voig:& Haeffner
Volthom. Seil
Wayß. & Freytac.
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhof ..
Zuckerſ. Waghäuſel
Zuckerf. Frankenth.
Zuckerf. Heilbronn
Zucker Offſtein
Zuckerf. Rheingau
Zuckerf. Stuttgart.
Transpori= und
Berſicherungs=Alt.
A. Dt. Eiſenbahn.
Dt Eiſenb.=Geſ:
El. Hochbahn=Berl.
Schantung E. B. ..
Südo. Eiſenb.=Ge
Hapag ......"
Nordd. Bloyd..
Frrft. Allg. Ver)
Frankona Rückv
Darmſt. Werte
Bahnbedarf..."
Dampft. Rodberg
delvet ia Konſ... .
Gebr. Lutz ....."
Motor f. Darmſt.
Gevr. Roeder ..."
Venuler. & Ellenb
63.5
71.35
78
119.25
91.75
117
64
137.5
102.5
225
119
97
219
152.5
118.5
105
167=
134
174
165
34
15.25
Heute
Erstaufführung
der Verfilmung
des
Rudolf Herzog
Romans:
Uab Leodllolier
Ort der Handlung: Frankfurt / Main
(*31000
Jugendliche haben Zutritt! Letzte Abendvorstellung 8 Uhr.
Die große deutsche
Besetzung:
TheodorLoos,
Erna Morena,
Carl de Vogt,
Angelo Ferrari,
Adolf Klein,
Helga Thomas.
Palast-Lichtspiele
Uraufführung für Süddeutschland!
Die keusche
Susanne
Nach der gleichnamigen Operette von TeanGilbert.
Ein feines Filmlustspiel in 8 Akten!
Der heitere Schlager der Saison!
In den Hauptrollen: Rutl Wesber, Lilian Harver.
Albert Panlig, Willy Fritsch, Werner Fuetterer,
Hans Waßmann, Lydia Potechina, Junkermann,
Erust Hofmann.
Ist mein Mann treu? 2 Akte
Neueste Wochenschau
Residenz-Theater
Ab heute das ausgewählte, hervorragende
Sensations- und Lustsplel-Programm:
Carlo Aldini
in seinem neuesten
Sensationsfilm:
Der Kampf
degen Berlin
9
6 Akte atemberaubender
Spannung und Sensationen.
Die erfolgreiche Komödie
Die vertauschte
Braut
SAkte köstl. Humors toller Einfälle
In den Hauptrollen:
Jda Wüst, Bruno Kastuer,
Pani Heidemann, Uschi Elleot,
Vivian Gibson, Haryy Halm,
HermannPicha, Robert Garrison
(* 30999
u. 2.
Antaug 3½ Uhr. Letzte Abendvorstellan
Die unterzeichneten Vertretungen
veranſtalten für ihre Mitglieder am
Donnerstag, 25. November, abends
8 Uhr, im Städt. Saalbau einen
Pomgg
überEinheitsbewertung und
Vermögens=Veranlagung.
Vortragender:
Herr Regierungsrat Kadel
Bewertungs=u. Vermögensſteuer=Referent
im Landesfinanzamt Darmſtadt.
Induſtrie=u. Handelskammer Darmſtadt
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Ortsgewerbe= Verein
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— abends 8 Uhr —
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und Verkehrsbüro. (17220
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Ludwig Schneider
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Schulstr. 3 (15964a
Große Auswahl in Amateur-Alben
Rentnerbund
Ortsgruppe Darmſtadt
Monatsverſammlung
Samstag, den 27. November
nachm 3½ Uhr in der Aula des Real=
Gymnaſiums. Da Beſlüſſe von
höchſter Tragtveite zu faſſen ſind,
müſſen alle Mitglieder erſcheinen.
Der Vorſtand.
(17169)
O
—A
Chriſt
1000 bäume
zu verk Joh Adam
Eckert, Lützel-WSiebels-
30976
bach i. Od.
Beiladung n. Mainz,
Biebrich oder
Wies=
badenn zurück nimmt
an Johann Kugler,
Lieb=
frauenſtraße 33, Teleph.
(*30961
ror1.
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der Dressola-Musikapparate ist
weiten Kreisen bekannt, weil sie
die Musik in seelenvoller,
kunst-
lerischer Weise wiedergibt. Die
sinnreiche Konstruktion läßt
je-
dem Instrument seinen absoluten
Toncharakter, s0 daß die Musik
niemals einseitig nach Jazz (
Faß-
ton) oder alles nach Holz (
Röh-
renton)ausklingt. Die klare, reine,
instrumentale, gleichmäßige
Re-
gistrierung aller Instrumente in
ihrem Verhälinis zueinander
bleibt gewahrt. Die Wiedergabe
istin Bezug auf ihre künstlerische
Feinheit so herrlich, daß Sic oit
glauben, die Spieltechnil der
Künstler mit beobachten zu
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nen. Lassen Sie sich Dressola
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DARMSTADT
Ecke Riedlinger- und
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Rich. Hinz
D. H. V.
Donnerstag, den 25.,
abends 8½ Uhr,
beiChriſt, Grafenſtr. 18
Monats=
verſammlung
Hierbei Gelegenheit
zur Ausſprache mit
Herrn Archit,
Heilmann
über die deutſche Bau=
und
Siedelungs=
gemeinſchaft. (17221
Fr. Lit. Künſtl.
Geſellſchaft
Vi1. Dereinsabend
Montag, 29. Novbr.,
7½ Uhr,
im Mathildenhöhſaal
Herinann Heſſe —
lieſt eigene
Dichtungen, S
Bettiua Frank
(Nürnberg)
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Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus
Donnerstag, den 25. November 1926
abends 7½ Uhr
G 5 (Darmſtädter Volksbühne)
La Traviata
Oper in 3 Akten (4 Bilder) von F. M. Piave
Muſik von Giuſeppe Verdi
Muſikaliſcher Leiter: Paul Gerhard Scholz
In der Inſzenierung von Kurt Barré
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Perſonen:
Violetta Valery . . . . . Toh. Buchheim
Flora Bervoix . . . . . . Paula Kapper
Alfred Germont
. Karl Jörn a. G.
Georg Germont, ſein Vater Imre Aldori
Gaſton Vicomte vonLétorieres . EugenVogt
Baron Douphal . . . . . Heinrich Kuhn
Marquis von Obigny . . Oscar Grauert
Doktor Grenvil . . . . . Heinrich Hölzlin
Annina inVwleitas . Sitta Müller=Wiſchin
Joſeph / Dienſten . . . Rudolf Strzeletz
Freunde, Diener uſw. von Violetta u. Flora
Ort der Handlung: Paris und Umgebung
Spielleiter: Fritz Oscar Schuh
Chöre: Berthold Sander
Spielwart Fritz Wilde
Preiſe der Plätze: 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkartezuläſſig
Pauſen nach dem 1. und 3. Bild
Aufang 7½ Uhr Ende 10 Uhr
Kleines Haus
Donnerstag, den 25. November 1926
abends 7½ Uhr
Zuſatzmiete III, 3
Des Burſchen Heimkehr
oder: Der tolle Hund
Luſtſpiel in 4 Aufzügen von E. E. Niebergall
In Szene geſetzt von Eduard Göbel
Dargeſtellt durch die Heſſ. Spielgemeinſchaft
Bühnenbilder: Hartmuth Pfeil
Perſonen:
Knippelius, Metzger . . . Gg Rodenhäuſer
Katharine, ſeine Frau. MarieLamp=Welker
Fritz, Student) ihre Richard Hinz
Bärbel
Karſchen Kinder Elſe Schopp
Alfred Fritſch
Puttel, Bierbrauer
Julius Harres
Margarethe, ſeine Frau . Elſe Lauckhardt
Sabine, ihre Tochter . . Lilli Neudecker
Nachtſchatten, Kammacher Emil Thomas
Valentin, Schneidergeſelle Ernſt Lud. Göbel
Erſter Polizeidiener . . . Auguſt Groß
Zweiter Polizeidiener . . Georg Delp
Eine Maod. . . . . . . Anna Dörſam
Spieltvart: Rudolf Scheel
Preiſe der Plätze: 1 bis 6 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Pauſe nach dem 2. Aufzug
Anfang 71 Uhr
Ende 10 Uhr
Bumkünden eu
Morgen Freit ag
Es ladet freundlihſt ein
( 30985
1. Skütz, Lindenhofſtraße 2.
Aispuder PId. 30 2 Ludwigshöhſtr. 1.
Secker Nachf.
B16750)
Nummer 327
Donnerstag, den 25. November 1926
Seite 13
Das ewige Wunder
Roman von Guido Kreutzer.
27)
(Nachdruck verboten)
Mit weitgeöffneten Augen hatte Hedda Yellin ihn
ange=
ſtarrt, während er ſtockend berichtete. Nun ſank ſie in einen
Seſſel. Sie fühlte ſich plötzlich ſo kraftlos, daß ſie meinte, nicht
die Hand heben zu können. Ein Singen und Klingen rauſchte
ihr in den Ohren. Das Zimmer taumelte um ſie herum. Der
Fieberanfall, den ſie nur mit Aufbietung aller Energie ſolange
niedergehalten, wollte wieder Gewalt über ſie gewinnen. Sie
ließ es nicht zu. Sie wehrte ſich mit letzter zuſammengeraffter
Kraft. E3 durfte nicht ſein; ſie muß klar bleiben: ruhig denken,
ſchnelle Entſchlüſſe faſſen. Denn dieſer armſelige Domeſtik, der
da verdattert an der Tür ſtand, der wußte ja doch keinen Rat
und Hilfe; der war ja nur ausübendes Organ erteilter
An=
ordnungen.
Mit grauſamer Gewißheit erkannte ſie jetzt die Wahrheit:
Malte von Reeg wollte draußen im Walde ſeinem Leben
ein Ende machen. Und nur um Zeit zu gewinnen, hatte er von
der Abſicht geſprochen, in Erkenrode über Nacht zu bleiben und
dem Diener befohlen, in dieſem Falle den Brief da auf dem
Schreibtiſch — den Abſchiedsbrief an ſeine Braut! — morgen
früh zu befördern. Alſo lebte ſie und war nicht von ſeiner Hand
geſtorben. Dennoch mußte in ihrer Perſon irgendwie das Motiv
zu dem geplanten Selbſtmorde liegen.
Wie ihn verhindern? Um Gotteswillen — was jetzt tun,
ehe es zu ſpät war?
Luxus und Glanz, Genuß und Erfolg und unbekümmert
bedenkloſer Frohſinn war Hedda Yellins Daſein bisher
ge=
weſen. Tändelndes Spiel mit dem Leben und der Liebe; Rauſch
und lachender Leichtſinn, der alle dunklen Schatten von ihr
ſcheuchte. Nun aber ſah ſie ſich jäh verſtrickt in unheimliche
Abenteuer der Seele; nun ſchob ihr die Vorſehung unerbittlich
die Pflicht zu, Schickſal zu ſpielen und aus eigener Kraft
Ent=
ſchlüſſe zu faſſen. Und keiner, der ihr dabei half und riet.
Wie ein kleines verängſtigtes Schulmädel hätte ſie ſich in
ihren Seſſel zuſammenkauern und all ihre Mutloſigkeit laut
herausweinen mögen.
Aber ſie riß ſich tapfer hoch und herrſchte den Diener an:
„Was ſtehen Sie denn da und vertun die Zeit? Laufen
Sie und ſagen Sie meinem Chauffeur: er ſoll ſofort vorfahren.
Und Sie begleiten uns. Ungefähr werden Sie doch eine Ahnung
haben, wo Ihr Herr ſich im Revier aufhalten kann.”
„Herr Legationsrat ſagte: er wolle einen Rehbock ſchießen.
Alles andere Wild hat ja jetzt auch noch Schonzeit. Da wird er
ſich wahrſcheinlich an der großen Lichtung angeſetzt haben, auf
die abends die Rudel zur Aeſung austreten. Denn birſchen
kann er ja auch nur bei Tageslicht, nicht aber bei Nacht.”
Sie ließ ihn kaum ausſprechen und begriff auch von dem,
was er da erklärte, nur ſoviel:
„Alſo jedenfalls wiſſen Sie, wo wir ihn zu ſuchen haben.”
„Zu — ſuchen?”
„Deshalb muſſen Sie mitkommen. Mein Chauffeur und ich
— wir kennen uns doch hier im Walde nicht aus. Aber Sie
werden uns führen. Und nehmen Sie auch Laternen mit.”
„Aber was ſollen wir denn draußen im Walde, gnädige
Frau?” ſtotterte er mit verlegenem Lächeln.
So verhert vor Angſt und Unruhe war ſie, daß ſie ihn
hätte mit Fußtritten aus dem Zimmer treiben mögen. Was
für Menſchen gab es! Was für Menſchen gab es!!
Ganz dicht trat ſie zu ihm heran und ballte die kleinen
Fäuſte und murmelte in mühſam gebändigtem raſendem Zorn:
„Mein Gott — dämmert Ihnen denn noch immer nicht
auf, daß Ihr Herr wahrſcheinlich ganz etwas anderes plante
und überhaupt garnicht die Abſicht hatte, ein Stück Wild zu
ſchießen und nachher in Erkentode über Nacht zu bleiben?!“
Der Lakai hatte ſeine reſpektvolle Haltung vergeſſen und
fingerte hilflos an den neuſilbernen Knöpfen ſeiner Livree
herum.
„Aber wir dürfen doch nicht gegen den Willen des Herrn
Legationsrats .. Vielleicht macht er mich nachher
verantwort=
lich dafür, wenn ich ohne ſeine Anordnung . .
Da wäre es beinahe geſchehen, daß ſich die Dame vergaß
und ihn mitten in ſein verſtörtes Schafsgeſicht ſchlug.
„Gehen Sie!” ſchrie ſie ihn an, ſo daß er vor ihren
flammenden Augen verängſtigt zurüchwich .. . „Gott wird
Sie dereinſt dafür zur Rechenſchaft ziehen, wenn Sie mit Ihrer
Gegen
Verstopfung
FüR
ERWACHSENE
und KINDER
V.14875
jämmerlichen Feigheit namenloſes Unglück aurichten. Laufen
Sie! und veranlaſſen Sie, daß mein Wagen ſofort vorfährt!
Herrgott im Himmel — begreifen Sie denn noch immer nicht,
daß hier Gefahr im Verzuge und keine Minute Zeit zu verlieren
iſt?! Wollen Sie ſolche Verantwortung auf Ihr Gewiſſen
laden? Schnell — um Gotteswillen ſchnell! So ſchnell Sie
können!“
Da endlich gehorchte er und ſtürzte aus dem Zimmer und
jagte die Freitreppe hinab und keuchte zur Leuteküche hinüber,
wo der Chauffeur gerade ſein Eſſen beendet hatte und mit den
Marjells ſchön tat.
Minuten ſpäter brauſte das Auto über die Chauſſe. Die
Ebereſchenbäume ſtürmten blind in das weißſaugende
Blend=
licht der Scheinwerfer hinein. Das graue Staubband der
Kreisſtraße floh unter den Ballonreifen wie raſend ins
rückwär=
tige Dunkel.
Als der Kraftwagen von der Chauſſee in den
Holzabfuhr=
weg einbog, den erſt vor einer Stunde Malte von Reeg entlang
gewandert — fiel irgendwo da vorn ein Schuß.
Hedda Yellin ſpürte ihn, als habe er ihr eigenes Herz
ge=
troffen.
„Schneller!“ ſchrie ſie flehend . . . „Weshalb fahren
Sie denn mit einmal ſo langſam?”
Aber es ging nicht anders. Man mußte vorſichtig ſein, ſonſt
riskierte man das Genick. Die Langwagen, die zur Winterszeit
das geſchlagene Stammholz aus der Forſt brachten, hatten den
Weg in Grund und Boden gefahren. Wie regelloſe Krähenfüße
liefen die Radſpuren durcheinander und hatten ſcharf
ausge=
zahnte Ränder. Ueberall klafften tiefe Löcher und ſo breite
Ein=
buchtungen, daß das Auto wie eine überladene Erntefuhre
hin= und herſchwankte. Beſſer wurde es erſt, als man in ein
Geſtell einbog. Doch das wiederum war ſo ſchmal, daß der
Chauffeur verdammt aufpaſſen mußte, um nicht dauernd
anzu=
haken. Das dünne federnde Geſträuch des Unterholzes zwiſchen
den Bäumen knickte ſowieſo rechts und links wie Zunder unter
dem Gleitſchutz.
Plötzlich endete das Geſtell blind in einem großen
Kahl=
ſchlage: einem ſchier undurchdringlichen Gewirr übereinander=
und durcheinanderliegenden geſchlagenen Holzes, das zum Teil
noch nicht mal von ſeinen Aeſten befreit war.
Das Auto bielt.
Der Diener, der neben dem Chauffeur geſeſſen und halblaut
die Fahrt dirigiert hatte, ſprang ab.
„Wir ſind angelangt, gnädige Frau. Die Wieſenſchlenke,
auf der ſich Herr Legationsrat wahrſcheinlich angeſetzt hat,
liegt da vorn hinter den verſprengten jungen Birken.
Jeden=
falls treffen wir ihn hier am wahrſcheinlichſten.”
(Fortſetzung folgt.)
Samstag, den 27. Nov., 7½ Uhr, im
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Nr. 1
WOVEMBER
1926
Bekanntmachung.
Der Heſſiſche Landtag hat am 21. Oktober 1926 beſchloſſen,
daß ein geſetzmäßiges Volksbegehren gemäß Artikel 11
des Geſetzes vom 17. März 1921 vorliegt. Auf Grund des
Artikels 24 Abſatz 1 der Verfaſſung des Volksſtaates Heſſen
ſowie der Artikel 15 Abſatz 1 Ziffer 6 und Artikel 16 des
Ge=
ſetzes über Volksbegehren und Volksabſtimmung vom 17. März
1921 wird hiermit die in dem Volksbegehren beantragte
Frage der Auflöſung des Landtags dem heſſiſchen Volke
vorgelegt.
Als Abſtimmungstag wird Sonntag, der 5. Dezember 1926,
feſtgeſetzt. Gegenſtand der Volksabſtimmung iſt die Frage,
ob der 3. Heſſiſche Landtag aufgelöſt werden ſoll.
Abgeſtimmt wird mit den von der Landesregierung
ge=
lieferten Stimmzetteln in amtlich abgeſtempelten Umſchlägen.
Darmſtadt, den 23. Oktober 1926.
Heſſiſches Geſamtminiſterium:
Uleich.
J. V.: J. V.:
J. V.:
J. V.:
Spamer. Dr. Kratz. Dr. Schwarz. Hechler.
Der Stimmzettel trägt den Aufdruck:
Die Stimmabgabe für alle Wähler und Wählerinnen,
die für die Auflöſung des Landtags eintreten, erfolgt ſo,
daß der Abſtimmende durch ein Kreuz in dem mit „„Ja‟
bezeichneten Kreis — wie oben angegeben —
kennt=
lich macht, daß er mit „ „Ja” ſtimmt.
Um was es geht!
Das Volksbegehren für die Auflöfung des Heſſ. Landtags
hat die Gemüter in Heſſen mächtig erregt. In ungezählten Tauſenden,
niedergebeugt durch furchtbare wirtſchaftliche Laſten, iſt neue
Hoff=
nung erwachſen, während in den Kreiſen der Verantwortlichen
offen=
ſichtliche Beſtürzung immer mehr ſich ausbreitet.
Das Ziel dieſes Volksbegehrens iſt ſo deutlich, daß die geſchäftig
verbreiteten Legenden der Gegenſeite eindruckslos bleiben müſſen.
Trotzdem wollen wir noch einmal das wiederholen, worauf es einzig
und allein ankommt:
Immer verheerender machen ſich in Heſſen für den Staat und für
jeden Einzelnen die bitteren Folgen einer grundfalſchen Finanzpolitik
bemerkbar. An anderer Stelle dieſes Blattes wird dieſe Tatſache
aus=
führlich belegt. Heſſen erhebt die höchſten Steuern im ganzen Deutſchen
Reich und kommt trotzdem nicht damit aus; im Gegenteil, das
unge=
deckte Staatsdefizit wächſt von Jahr zu Jahr und macht heute bereits
einen gewaltigen Millionenbetrag aus.
Alle wohlgemeinten Warnungen, auf parlamentariſchem Wege
vorgebracht, wurden in den Wind geſchlagen, und man wirtſchaftete
munter weiter darauf los. Während das Volk noch nicht das Schlimmſte
ahnte, ſtand bereits die Gefahr des Staatsbankerotts vor der Türe!
Warum hat man der Offentlichkeit verſchwiegen, daß man ſich bereits
ernſthaft mit der Frage beſchäftigte, wie man den heſſiſchen
Staats=
beamten das laufende Gehalt weiter auszahlen könne, da die Kaſſen
leer waren?
Durfte unter ſolchen Vorausſetzungen, nachdem alle
parlamentari=
ſchen Mittel verſagt hatten, eine verantwortungsbewußte Oppoſition
auch nur einen einzigen Tag verſäumen, um mit Hilfe des
Volks=
entſcheids die Bahn für eine Geſundung freizumachen?
Dieſer Weg des Volksentſcheids iſtnunmehr kraftbewußt und
erfolg=
reich betreten worden. Trotz aller krampfhaften Bemühungen iſt es
nicht gelungen, im ſogenannten Landesabſtimmungsausſchuß unſer
Volksbegehren (Unterzeichnungsliſten) mit allerlei formellen
Ein=
wendungen umzubringen! Das Geſchrei der Kreiſe, die hinter dem
erfolgloſen Finanzminiſter und den um ihre Landtagsſitze beſorgten
ſozialdemokratiſchen Abgeordneten ſtehen, wird vom heſſiſchen Volke
ohne weiteres als Angſtprodukt „bewertet” werden.
Der Kampf um den Volksentſcheid wird auf wirtſchaftlichem Felde,
nicht auf dem der Parteipolitik, ausgefochten. Das paßt den
Ver=
tretern der Steuerſchraubenpolitik durchaus nicht! Denn was wollten
ſie auch dem ſehend gewordenen heſſiſchen Volke erwidern? Sie
können nicht erklären: „Unſere Finanzen ſind geſund, wir haben
kein Defizit und der Einzelne braucht nicht zuviel Steuern zu zahlen!"
— Deshalb will man uns auf das Kampffeld der Parteipolitik
weg=
locken und verſucht die Wählerſchaft mit Märchen bange zu machen.
Aber auch das iſt verlorene Liebesmühe. Das heſſiſche Volk kämpft
heute für ganz beſtimmte und erreichbare wirtſchaftliche Ziele,
unbe=
ſchadet der Parteizugehörigkeit. Die Auflöſung dieſes Landtags
iſt zur Volksſachegeworden, und jeder, der am 5. Dezember mit „Ja‟
für die Auflöſung ſtimmt, kann nachher bei der Neuwahl des Land.
tags ſich immer noch die Partei herausſuchen, die ihm am beſten paßt.
Wer anders ſpricht, erweckt im Volke den Verdacht, daß er in
irgend=
einer Weiſe an der Aufrechterhaltung der jetzigen, für die
Allgemein=
heit doch ſo traurigen Verhältniſſe intereſſiert iſt!! Die Wählerſchaft
wird ſich ſolche Leute recht genau anſehen.
Jedem Leſer und jeder Leſerin dieſes Blattes machen wir den
Vor=
ſchlag, einmal ohne jedes Vorurteil die nachſtehenden
finanz=
wirtſchaftlichen Artikel durchzuſehen und ſich dann ein eigenes Urteil
zu bilden.
Wir zweifeln nicht an der Art dieſes Urteils und wiſſen auch, daß
es allen parteipolitiſchen Zureden und Einflüſterungen zum Trotz ſich
am 5. Dezember dieſes Jahres Geltung verſchaffen wird.
Unerhörte Ausgabenwirtſchaft des
Heſſiſchen Staates.
Wenn man die Erklärungen des heſſiſchen Finanzminiſters
über ſeine bisherige Politik lieſt, ſo will es faſt ſcheinen, als ob
der Finanzminiſter im Ernſt die Offentlichkeit davon überzeugen
wollte, daß eine ungerechtfertigte Vermehrung von
Staatsaus=
gaben nicht eingetreten ſei, daß die Leitung der heſſiſchen
Staats=
finanzen vollkommen unſchuldig und wehrlos der kataſtrophalen
Entwicklung der Staatsfinanzen habe zuſehen müſſen. Bis zu
welchem kataſtrophalen Ausmaße ſich die Staatsfinanzen in
Heſſen abwärts entwickelt haben, wird im folgenden weiter noch
unterſucht werden. Zunächſt wollen wir zeigen, in welchem Maße
tatſächlich eine
Vermehrung der Ausgaben
und der Belaſtungen des heſſiſchen Staates und des
heſſiſchen Volkes eingetreten ſind. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß
als Vergleichsmaßſtab die Verhältniſſe des letzten
Friedens=
jahres heranzuziehen ſind. Damals rechneten wir mit einer
ſtabilen Währung und allerdings auf der anderen Seite mit
einer blühenden, kräftigen und ſtrebenden Wirtſchaft. Daß wir
heute immer noch in Zeiten einer, wenn auch vielleicht da und
dort langſam abklingenden, Wirtſchaftskriſe unſere Kraft
ein=
ſetzen müſſen, um zu den Ziffern der Friedensjahre
zurückzu=
kehren, ſollte eigentlich jedem Verſtändigen ein unbeſtrittenes
Ziel ſein. Gelingt es im Reich und in den Ländern
nicht, in abſehbarer Zeit ihren Apparat den
tat=
ſächlichen wirtſchaftlichen Kräften des Volkes, die
heute kleiner ſind wie vor dem Kriege, anzupaſſen,
ſo werden wir aus der latenten Wirtſchaftskriſe
in Deutſchland, ganz abgeſehen von den
Repara=
tionsleiſtungen, ſchon aus Gründen der inneren
Verſchuldung und Mißwirtſchaft niemals
heraus=
kommen. Es iſt das unbeſtreitbare Verdienſt des
Reichsfinanz=
miniſters Dr. Reinhold, daß er in ſeinen amtlichen
Auslaſſun=
gen dieſe Geſichtspunkte ſchärfer und energiſcher betont, als das
früher der Fall war. Er hat die durchaus richtige Erkenntnis ſich
zu eigen gemacht, daß der Finanzminiſter nicht bloß der Hüter
des Staatsſäckels, ſondern auch der Schützer der Wirtſchaft ſein
muß, wenn er nicht jenem Toren gleichen will, der die Henne
ſchlachtete, die ihm die goldenen Eier legen ſoll. In Heſſen
iſt von einer ſolchen Erkenntnis bei der Leitung der
Staats=
finanzen nichts zu ſpüren.
Unvergeſſen bleibt der Satz
den der heſſiſche Finanzminiſter noch im Frühjahr dieſes Jahres
ausſprechen konnte, daß er von der Ausgabenſeite des
Staatsvoranſchlages weniger bedrückt werde, als von
der Sorge um die Einnahmen. Welches auch immer das Motiv
eines ſolchen Satzes geweſen ſein mag, er kennzeichnet die
Ge=
ſamteinſtellung des Finanzminiſters zu den ihm anvertrauten
Problemen. Es kann danach nicht weiter Wunder nehmen, daß
aus ſolcher Einſtellung heraus die Energie und die politiſche
Tatkraft zur Durchſetzung einer wirkſamen Vereinfachung des
Staatsverwaltungsaxparates unmöglich erwachſen kann. Der
Finanzminiſter möchte jetzt den Vergleich des Jahres 1926
mit dem letzten Friedensjahr 1914 nicht mehr gezogen wiſſen.
Er wehrt ſich gegen einen ſolchen Vergleich als angeblich der
inneren Wahrheit der Ziffern widerſprechend. Er möchte ſtatt
deſſen den Vergleich mit dem Jahre 1918 oder noch lieber 1919
ziehen, aus ſehr durchſichtigen Gründen! Nicht nur, daß die
Ziffern des Jahres 1919 ſelbſtverſtändlich durch das immerhin
nicht unerhebliche Ereignis des fünfjährigen Weltkrieges
ſtark verändert waren, geben jene Ziffern auch ſchon den Beginn
der Inflationsentwicklung wieder. Wir wollen uns doch daran
erinnern, daß im Jahre 1919 die innere Kaufkraft der Mark
auf ein Siebtel ihres Friedenswertes geſunken war. Daraus
ergibt ſich ohne weiteres, wie irreführend ein Vergleich der lichen Ausdehnung ſich die Staatsfinanzen Heſſens und die
ſtabiliſierten Mark des Jahres 1926 mit jener des Jahres 1919
ſein muß. Früher übrigens hat der Finanzminiſter ſehr wohl
ſelbſt den Vergleich mit 1914 immer wieder als richtig befunden.
Das geſchah, ſolange er glaubte, einen ſolchen Vergleich zur
Rechtfertigung ſeiner Politik verwenden zu können. Es iſt nicht
einzuſehen, weshalb nunmehr das, was im Jahre 1924 und
1925 richtig erſchien, im Jahre 1926 auf einmal ſeinen Sinn
verloren haben ſollte. Wir ſtellen alſo auch jetzt, um ein Bild
von der
Entwicklung der Ausgaben des heſſiſchen Staates
zu bekommen, die Zahlen von 1914 denen von 12
gegenüber. Wir erhalten folgendes Bild:
Geſamtausgaben 1914: ...... . ...
.. 76 Millionen Mk.
1924:. . . . . . . ..
.. 91,5
1925:.. . . . . . . . . . . . . . 112,1
1926:... .. . .
... . 126,8
Die Gegenüberſtellung dieſer Ziffern zeigt erſchreckend deutlich,
i welch gewaltigem Ausmaße die Ausgaben des heſſiſchen
Staates für Verwaltungszwecke ſich entwickelt haben und wie
demzufolge auch die ſteuerliche Belaſtung der heſſiſchen
Wirt=
ſchaft gegenüber der Friedenszeit ſich rechnungsmäßig faſt
ver=
dreifacht hat. Es iſt richtig, daß in dieſen Ziffern teilweiſe
Durch=
gangspoſten ſtehen, ſo daß das Bild in Einzelheiten ſich um eine
Kleinigkeit zugunſten des Jahres 1926 verſchiebt. Es iſt auch
richtig, daß die Belaſtung des heſſiſchen Staates mit Aufgaben
zum großen Teil eine zwangsläufige Folge der
Reichsgeſetz=
gebung iſt. Die Ziffern beſagen aber trotz dieſer
Ein=
ſchränkung in eindrucksvoller Sprache, in welchem
Mißverhältnis zur wirtſchaftlichen
Leiſtungsfähig=
keit des Landes ſeine Ausgaben für die
Verwal=
tungszwecke ſich entwickelt haben. Dieſe Tatſache kann
weiter illuſtriert werden durch eine Betrachtung der Ziffern für
die Miniſterien Heſſens.
Die Zentralverwaltungen zeigen ſehr viel deutlicher als die
Ziffern von Lokalverwaltungen draußen im Land, in welch
ungeheuerlichem Ausmaße dieſe Inflation von Behörden in
Heſſen vor ſich gegangen iſt. Dabei kommt es nicht ſo ſehr darauf
an, zu betonen, welchen wirtſchaftlichen Wert die Mehrausgaben
für die Miniſterien heute darſtellen. Vialmehr iſt wichtig die
Erkenntnis, daß bei einer unverhältnismäßig hohen Steigerung
der Ausgaben für die Miniſterien mit naturnotwendiger Folge
ſich in dem gleichen unverhältnismäßigen Satze auch die
Ge=
ſamtausgaben des Staates vermehren müſſen. Im Jahre
1914 hatten wir das Staatsminiſterium, das
Miniſteri=
um des Innern, das Miniſterium der Finanzen und das
Miniſterium der Juſtiz. Heute iſt die Schulabteilung
ans dem Miniſterium des Innern herausgenommen und in das
ſelbſtändige Landesamt für das Bildungsweſen
ver=
wandelt. Ferner hat man die Abteilung für
Landwirt=
ſchaft, Handel und Gewerbe aus dem Miniſterium des
Innern herausgenommen und bekanntlich in das
Miniſterium=
für Arbeit und Wirtſchaft umgewandelt. Bei einem
Vergleich der Miniſterien von 1914 und 1926
müſſen demzufolge dem Miniſterium des Innern von damals
heute das eigentliche Miniſterium des Innern, das Landesamt
für das Bildungsweſen und das Miniſterium für Arbeit und
Wirtſchaft gegenübergeſtellt werden. Ferner iſt zu beachten, daß
aus dem Finanzminiſterium die geſamte Finanzverwaltung, die
heute durch Reichsbeamte (Finanzämter, Landesfinanzamt
uſw.) ausgeführt wird, und ferner die Eiſenbahnverwaltung, die
an die Reichseiſenbahngeſellſchaft gefallen iſt, ausgeſchieden
ſind. Dann ergibt ſich folgendes Bild:
Miniſteriums Perſönl.
Koſten Perſönl.
Koſten Berſönl.
Koſten * * Staatsminiſterum 48 884 18 108476 11 59 592 Min. des Innern 69 297 624 68 387691 Landesamt für
das Bildungsweſen 61 307283 Min. für Arbeit
und Wirtſchaft B 374322 198 1069 203 129 771 579 Min. der Juſtiz 11 54 224 35 204719 24 150 495 4 Min. der Finanzen 138 579 277 124: Aſfi —141 230 000, Geſamtzahl und Koſten 22 Mfe 375 2191765 150 1211756
* Abernahme der Eiſenbahn= und Steuerverwaltung durch das Reich.
Damit genug der Darſtellung, in welcher un
geheuer=
ſteuerliche Belaſtung ſeit 1914 bis heute entwickelt haben,
Steuerzahler!
Was ſagt Ihr
zu dieſer
Ausgabenwirtſchaft ?
[ ← ][ ][ → ]Geite 2
Der Heffenfreund
Nr. 1/1926
Unerträgliche Steuern.
Der Finanzminiſter Henrich geht von der Behauptung aus,
daß bis zum Jahre 1925 einſchließlich die heſſiſchen Finanzen
durchaus geſund geweſen ſeien. Erſt im Jahre 1926 mache ſich
„faſt unvermittelt” die Auswirkung der Erwerbsloſigkeit
und der Steuerausfälle in einem Umfang geltend, wie ſie in
gleicher Art und im gleichen Ausmaße in den übrigen Ländern
nicht zu beachten ſeien.
Die „geſunde Entwicklung” der heſſiſchen Staatsfinanzen
bis 1925 beruht auf einem
Naubbau
den man mit der Wirtſchafts= und Steuerkraft
des heſſiſchen Volkes getrieben hat. Es iſt ja auch nicht
etwa allein der Fehlbetrag des Jahres 1926 geweſen, der im
Frühjahr dieſes Jahres zu der gewaltigen
Steuerproteſt=
bewegung breiteſter Volkskreiſe in Heſſen Veranlaſſung gab
ſondern es iſt die
Unerträglichkeit der Steuerlaſt
geweſen, die man dem heſſiſchen Volke aufgebürdet hat, gegen
die ſich das Volk mit größter Erbitterung nunmehr wendet.
Jetzt muß der Finanzminiſter ſelbſt i ſeiner Denkſchrift
feſtſtellen, daß die Jahre 1923 und 1924 Überſchüſſe aus Steuern
im Betrage von zuſammen 10,5 Millionen erbracht haben.
Dieſe 10,5 Millionen ſind zuviel erhoben worden
in einer Zeit, in der die heſſiſche Wirtſchaft bereits
durch den Krieg und den Zuſammenbruch, durch die
Beſetzung und den Ruhrkampf auf das ſchwerſte
geſchwächt und gefährdet war. Auf dieſen zuviel
erhobe=
nen Steuerbeträgen beruht die angebliche Geſundheit der
Staatsfinanzen bis zum Jahre 1925. Daß eine derartige
Finanz=
politik kurzſichtig und ganz unwirtſchaftlich gedacht iſt, hätte
der Finanzminiſter damals ſchon erkennen müſſen. Wenn man
aus einer geſchwächten Wirtſchaft mit verminderter Steuerkraft
vermehrte, über den Bedarf hinausgehende Steuern
heraus=
zieht, ſo muß die naturnotwendige Folge eine
Gefährdung der Wirtſchaft
damit eine Verminderung der Steuerkraft und eine Abwärts
bewegung der finanziellen Leiſtungsfähigkeit des heſſiſchen Volkes
ſein. Man kann heute feſtſtellen, daß dieſe kurzſichtige, rein
fiskaliſche Steuerpolitik die durch Erwerbsloſigkeit und
Reichs=
ſteuergeſetzgebung eingetretene gefährliche Entwicklung
ver=
ſtärkt hat. Statt deſſen wäre es vom finanziellen, wie auch vom
wirtſchaftspolitiſchen Standpunkt aus notwendig geweſen, einer
ſolchen Entwicklung rechtzeitig durch Maßnahmen des
Landes vorzubeugen.
Die Steuerbelaſtung in
Heſſen
betrug, die Matrikularbeiträge an das Reich eingerechnet:
1913 insgeſamt .. . . . . . . . . . . . . . . . . . 25,1 Millionen Mk.
1926 jedoch .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79,0Millionen Mk.
Trotzdem von den vom Reich in Heſſen erhobenen Steuern rund
28 Millionen Mark in Form der Reichsüberweiſung nach Heſſen
zurückfließen, erhebt der heſſiſche Staat außerdem noch 1926
an Landesſteuern 50,9 Millionen Mark.
In dem verarmten Heſſen von 1926 iſt alſo die ſteuerliche
Belaſtung
mehr als dreimal ſo hoch
wie im Jahre 1913!!
Und trotzdem kommt der hefſiſche Finanzminiſter mit dieſen
aus dem Volke gequetſchten Nieſenbeträgen noch nicht einmal
aus, ſondern präſentiert ein ſtetig wachſendes Millionendefizit.
Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen an Landesſteuern
(Grund=, Gebäude=, Gewerbe= und Sonderſteuer):
in Heſſen ............"
... . . . . . . . . . . . . . . 27,98 Mk.
durch Ermäßigung der Gebäude=Sonderſteuer gehen
ab .. . . .."
.... 2.— „
Reſt: 25,98 Mk.
Im Abſtimmungsausſchuß.
Vorſitzender Hornkamm:
(ſtemmt beidarmig mühſam ein Nieſenpaket mit
Unter=
ſchriftenliſten zum heſſiſchen Volksbegehren)
Ein Zentner Liſten! Das iſt dreiſt und ſchlecht!
Was ſich der Wirtſchafts=Ordnungsblock erfrecht!
Einſchreiten muß man, ehe es zu ſpät,
Doch ſtreng nach Recht und Objektivität.
(alle Ausſchuß=Mitglieder brüten mit gezücktem
Rotſtift über je einem Haufen Liſten)
Abg. Wittfrau:
Hier hilft nur ſtreichen an den Unterſchriften,
Bevor die Rechtſer neues Unheil ſtiften,
Beſchmiert iſt dieſe Liſte übervull
Mit hunderteins ſtatt hundert Namen: Null!
Abg. Reibeiſen:
Beſtätigt ſind da einundneunzig Namen;
Ich zähle neunzig, ſtreiche alle. Amen!
Die Krähenfüße dort kann ich nicht leſen,
Die Brille fehlt mir, Strich durch! Sind geweſen!
Die Belaſtung mit den Landesſteuern iſt um ſo
unerträg=
licher, als die gleichen Steuern von den Gemeinden und zum
großen Teil auch von den Kreiſen und Provinzen erhoben
werden.
Wie ſieht zum Beiſpiel in Heſſen die
Sonderſteuer für den bebauten Grundbeſitz
(Hauszinsſteuer) aus?
Bruttoertrag 1926 .... .."
... 31,2 Millionen Mk.
Ausgaben hieraus:
a) für den Wohnungsbau .. . . . . . . . . 10
b) für den allgemeinen Finanzbedarf
(Verwaltung) ..
13,8 „
(4 Millionen mehr als im Jahre 1925!)
Bei Mindereingang der Steuer infolge der nachträglichen
Steuerermäßigungen wird der Poſten für den Wohnungsbau
entſprechend gekürzt, nicht etwa der Poſten der Verwaltung.
Dieſe Sonderſteuer, die ihrer Beſtimmung nach in erſter Linie
dem Wohnungsbau dienen ſollte, muß alſo in Heſſen dazu
herhalten, um den Staatsſäckel ſtopfen zu helfen.
kapitalvernichtenden Steuergeſetzgebung
des heſſiſchen Staates während der abgelaufenen Jahre.
Es forderte die ſelbſtverſtändliche Rückſicht auf jene geringe
Leiſtungsfähigkeit der heſſiſchen Wirtſchaft, daß nunmehr auch
der heſſiſche Staat mit ſeinen ihm überlaſſenen Steuerſätzen
dieſer Entwicklung folgte. Das genaue Gegenteil ergibt
ſich aus dem amtlichen Material des Finanzminiſters. Dort
findet ſich nämlich auch eine Zuſammenſtellung deſſen, was
auf den Kopf der Bevölkerung in den einzelnen
Ländern im Jahre 1926 an Landesſteuern gezahlt
worden iſt.
(einſchl.
Gebäudeſteuer) Gewerbeſſeuer Sonder=
gebäudeſteuer
(Mietſteuer) Zu=
ſammen Preußen .. .. 5,26 12,80 18,06 Bayern... 9,75 3,25 6,10 19,10 Sachſen. . . . . 2,00 3,00 10,00 15,00 Württemberg 5,09 3,00 13,30 21,92 Baden ....." 12,97 9,81 22,78 Heſſen ...... 5,31 5,30 17,37 27,98
Lehrreiche Vergleiche.
Der heſſiſche Finanzminiſter liefert in ſeiner Schrift ſehr
wertvolles Material über die Steuerkraft der heſſiſchen
Be=
völkerung auf der einen Seite und ihre
ſteuerliche Belaſtung
andererſeits. Der Finanzminiſter führt nämlich ſein Mißgeſchick
im weſentlichen neben der Entwicklung der Erwerbsloſigkeit
darauf zurück, daß die Überweiſungen der Erträge aus der
Reichs=
einkommenſteuer und der Körperſchaftsſteuer an den heſſiſchen
Staat ſtark zurückgegangen ſeien. Worauf beruht nun dieſer
Rückgang? Die Uberweiſungen an den heſſiſchen Staat gründen
ſich neuerdings auf das tatſächliche Ergebnis der
Einkommen=
ſteuerveranlagung des Jahres 1926. Je weniger Einkommen alſo
in Heſſen bei der Veranlagung feſtgeſtellt wurde, deſto geringer
wird auch der Anteil Heſſens an der Reichseinkommenſteuer
bewertet. Der Finanzminiſter veröffentlicht nun folgende
Statiſtik, aus der zu erſehen iſt, wieviel an Reichsſteuern
auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1926
entfällt:
temberg Baden Emkommenſteuer .
Umſatzſteuer . . . ." 25,605
14,784 20,769
11,868 32,08
18,831 23,772
19,883 22,812
13,884 Zuſammen 40,389 32,637 Mfft 43,455 36,696 Thürin=
gen Meckl.=
Schwerin Olden=
burg Heſſen Reichs=
durch durch=
ſchnitt Einkommenſteuer 23,1 17,856 21,948 22,687 25,857 Umſatzſteuer . . . . 13,737 12,252 10/476 13,707 14,778 Zuſammen 36,837 30,108 Rift 36,394 40,635
Dieſe amtliche Überſicht iſt außerordentlich wertvoll, denn ſie
ſtellt ganz klar heraus, daß Heſſen auf den Kopf der
Be=
völkerung gerechnet an Einkommen und
Waren=
umſatz weniger aufzuweiſen hat, als der Durchſchnitt
der übrigen Länder. Während nach dem Reichsdurchſchnitt
auf den Kopf der Bevölkerung etwa 40 Mark entfällt, erreicht
in Heſſen das Einkommen und der Umſatz auf den Kopf der
Bevölkerung nur rund 36 Mark. Daraus geht alſo nicht nur,
was der Finanzminiſter nachweiſen möchte, hervor, daß Heſſen
geringere Steuerüberweiſungen erhält, ſondern dieſe Statiſtik
ergibt etwas viel wichtigeres; die wirtſchaftliche
Leiſtungs=
fähigkeit, Einkommen und Umſatz ſind in Heſſen
unter den Reichsdurchſchnitt geſunken. Dieſe
Feſt=
ſtellung beweiſt aufs neue die Folgen der allgemeinen
Wirt=
ſchaftskriſe in Heſſen, der beſonderen Verhältniſſe des beſetzten
Gebietes, vor allem aber auch die Rückwirkungen der
rück=
ſichtsloſen und unwirtſchaftlichen
Aus dieſem amtlichen Material, das der heſſiſche
Finanz=
miniſter ſelbſt unterbreiten muß, ergibt ſich nun
unumſtöß=
lich, daß wir tatſächlich in Heſſen unſere
Steuer=
zahler mit Landesſteuern mehr belaſten, als alle
maßgeblichen Länder Deutſchlands. Wir zahlen in
Heſſen an Landesſteuern jährlich 28 Mark auf den
Kopf der Bevölkerung, gegenüber Preußen mit
18 Mark, Bayern mit 19 Mark, Sachſen mit 15 Mark,
Württemberg mit 22 Mark und Baden mit 23 Mark.
So vollendet ſich das Bild der heſſiſchen Finanzpolitik:
Während durch die Reichsſteuerſtatiſtik erwieſen iſt, daß die
heſſiſche Wirtſchaftskraft und Steuerkraft des heſſiſchen Volkes
unter dem Reichsdurchſchnitt ſteht, beweiſt die gleiche Statiſtik,
daß der heſſiſche Staat mit ſeinen Landesſteuern und ihrem
Druck auf
die heſſiſchen Steuerzahler an der Spitze
aller anderen Länder Deutſchlands marſchiert. Nehme man dazu
noch unſere nachſtehende Feſtſtellung von dem Defizit in Höhe
von 31 Millionen Mark für 1927, ſo iſt das Urteil über die
bisherige Finanzpolitik Heſſens geſprochen.
Abg. Meuchler:
Potz Blitz, das Käsweib Orth aus Michelſtadt,
Die hinter ihrem Mann „geſtrichelt” hat!
Dein Volksbegehr will ich Dir raſch vertreiben;
Kommt mal ein rotes, kannſt Du ja ſo ſchreiben.
Alle Linkſer uniſono:
Das fleckt, das Streichen aller Strichelungen!
Der Wirtſchaftsblock wird damit umgebrungen!
Abg. Reibeiſen:
Die Tochter Blum will auch die Linke ſtürzen!
Das Wahlrecht taugt nun einmal nicht für Schürzen!
Ihr Vater ſchrieb’s! Das Schreiben war — wie häufig
Selbſt mir in ihrem Alter nicht geläufig.
Alle Linkſer uniſono:
Schriftähnlichkeit bei Vater, Sohn und Mutter?
Streicht alle Drei! Die Hand weg von die Butter!
So werden dreißig Mille abgezogen:
Kraft unſres Amtes ſind wir Graphologen!
Abg. Buſchdorf:
Fünftauſend Zentrumsſtimmen? Sind erſchlichen!
Du Fälſcherblock! Die werden glatt geſtrichen!
Blockvertreter:
Herr Vorſtand, hören Sie, ich muß doch bitten —
Hornkamm:
Kein Wort! Das Wort wird Ihnen abgeſchnitten.
Zum Redenhalten iſt es ſchon zu ſpät,
Es dunkelt. Streicht mit Objektivität!
Abg. Wittfrau:
Vom Streichen müde zittern mir die Hände,
In rotem Flimmer ſeh’ ich Tiſch und Wände,
Mein Rotſtift ſtreikt. Iſt denn das Volksbegehr
Noch nicht erledigt? Streichen wir noch mehr?
Hornkamm:
Korrekterweiſe ſtell’ ich feſt mit Trauern:
Gezeichnet haben allzu viele Bauern
Und blödes Volk der Städte in den Liſten.
Da drüben ſtehen noch zwei große Kiſten!
Bei allem Fleiß iſt es uns nicht geglückt,
Noch nicht genug die Zahl herabgedrückt,
Um zu beſtreiten Recht und Gültigkeit
Des Volksbegehrens. Darum ſeid bereit:
Wir fahren morgen fort mit friſcher Kraft
Und rotem Stift. Vielleicht wird’s noch geſchafft!
(Kann beliebig fortgeſetzt werden.)
Toläbed *e T
für Hessische Landtagswähler
(Drausen Abbau, in den Minlsterlon nicht.)
Der Abbau köpft manch armen Wicht,
Am Waſſerkopfe köpft man nicht.
(Alter Sprucht „Schulden halten den Verein zusammenr.)
Was kümmert mich das Defizit?
—Der Dolles iſt der ſöriſe Kitt!
(er kennt nicht die Geschlchte von der Pollzelstrafe?)
Herr Bornemann, trink aus Dein Vier,
Die Bar hot Feſerabend bier.
Vi.
—fge
Beetu)
(Henrleh miit Hessens Selbständlakelt aufgeben.)
Seſt Ebbe herrſcht im höchſten Grad,
Schwärmt Henrich für den Einbeisſtagt.
Feinhold aia rettender Engel)
Geduld, Geduld, wenns Herz auch bricht!
Reinhold bringt Geld und Geſchäßlsaufüch.
GEEISHEI
(le kt die Sozlaldemokratlo so norvös gewesen.)
G8 träumt Herr Kaul in ſtiller Kammer
„Vom Voltseniſcheid und Koßzenſammer.
* Sche 45
Mein Heſſenland, ſchlaf unbeſorgt,
Dieweil Herr Henrich Moneten borat!
EEr ueſc nicht mehr. u0 2us, noch aln)
Du weißt noch nicht, was „Chaos” iſti?
Frag mal Herrn Henrſch, guter Cbriſt.!
Nief3
Finanzminiſter, — Reſpekt vor dem Mann,
Der ſo ſauber Fiasko machen kann!
Cürſch 2ia Selbstharnscher)
Orei Imperative, kennſt Du ſie ſchon?
O
WescN
Wervielfachung der Räte im Landesumt.)
Diel Eeerlauf hab ich ſchon gelefen
Dom Landesamt für Bildungsweſen.
GSchste Steuern in Bautschlenck.)
Viel Naupen fand in neuſter Zeit
Mein Nachbar am Sonderſteuerbeſcheid.
(ie Steugrerträge gehen zurdek)
Dſe Schraube quetſcht, doch all die Qual,
Macht dünner nur der Quelle Strahl.
(Nach 6 Monaten ist ein hess. Minister ruhegehaltsberechtigt.)
Miniſtergehalt und Miniſterpenſion:
Ein Meiſterſtück der Koglition.
Neternuſtschaft.)
O weh, wie ſiehts in Heſſen aus! —
Helft mit, der Ordnungsblock räumt aus!
Odox.
Rf77
Das demokratiſche Syfiem
Bringt Sorgenſeffel dem und wem.
Fefe 75
Der Vampir ſaugt des Bürgers Blut,
Der Volksentſcheid macht vieſes gut.
GENERBER
STEUEK
(Slahe 7%
Gäb’s einen Reim mit Opfilon
Beſteuert hätt” ihn Herr Henrich ſchon!
Womerneuchteten MchelstädtarRachausrodet Hiorr Ritzal
zu seinem Volke.)
Ein Ratbaus ſteht im Mümſingtal. —
„Was hört ſch doch von Herrn Ritzel einmal?
Geschäfslau und Baumton worden schikentert)
Der Zerror geht Im Lande um,
Wir kümmern und den Teufel drum.
(Die Listenschndffelel.)
Ein übles Poſſenſpiel fürwahr
Des Volksbegehrens Prüfung war.
(Elnlge weltere demokrat. Schulräte und Raktoron täten not.)
Viel Schulen ſteh’n im Heſſenland,
Auch ſeine Schulden ſind bekannt.
(Siche 75
Das Waſſer ſteht dir bls zur Kehle,
Die Wahl iſt noh, nun, Bürger wähle!
Mieiff 477
Wiſlſi Du nicht weſter die Zeche zablen,
Zum „Ja‟=Zettel greif bei den nächſten Wahlen!
(Goldsteln s Ernennung erkolgte gegen einstimmigen
Senatsbeschluss.)
Frel iſt die Univerſität ? ?
Herr Alrich lacht, Herr Urſtadt kräht!
(stche 7n
Zfache Steuern, die ſetzen zu!
Der Xaver verkauft die letzte Kuh!
Noch A bs Lde
letzte Reim: Schickt ſchleunigſt
dieſen Landiag Reim!
Seite 4
Der Heſſenfreund
Nr. 1/1926
Vor der Kataſtrophe?
Das Staatsdefizit.
Was der heſſiſche Finanzminiſter über den
gegenwärtigen Stand der Staatsfinanzen
mitteilt, übertrifft alle Gerüchte und Vorſtellungen von
dem bevorſtehenden Defizit des heſſiſchen Staatshaushaltes.
Aus den amtlichen Erklärungen des heſſiſchen Finanzminiſters
ergibt ſich folgendes:
Das Rechnungsergebnis des Jahres 1925 ſchloß mit
einem Defizit von 1,5 Millionen Mark ab. Rein
voran=
ſchlagsmäßig wurde durch die Beſchlüſſe der Koalitionsparteien
das Defizit für das Jahr 1926 von 9,1 Millionen Mark
auf 8,5 Millionen Mark herabgedrückt. Aus den Vorjahren
1923 und 1924 ſtehen noch 10,5 Millionen Mark Rücklagen
aus den zuviel erhobenen Steuern zur Verfügung. Verwendet
man dieſe 10,5 Millionen Mark zur Deckung des ſachlichen
und rechnungsmäßigen Fehlbetrages von 1925 und 1926, und
den Reſt von 1,2 Millionen Mark auf die Deckung der
Erhö=
hung des Wohnungsgeldzuſchuſſes der heſſiſchen
Beamten=
ſchaft auf die Höhe des Zuſchuſſes für die Reichsbeamten (eine
Maßnahme, die die heſſiſche Regierung inzwiſchen durchgeführt
hat), ſo iſt die aus den Steuern erzielte Rücklage
inzwiſchen reſtlos verbraucht.
Wir gehen alſo dem
Rechnungsjahr 1927 ohne jede Rücklage
entgegen.
Nach den bisherigen Feſtſtellungen alſo haben
wir für 1927 mit einem ungedeckten Defizit, dem keinerlei
Rücklagen mehr gegenüberſtehen, von mindeſtens rund
31 Millionen Mark zu rechnen. Bei der bisherigen Tendenz
der Vermehrung der inneren Ausgaben des Staatshaushaltes
in den letzten Jahren iſt aber leider anzunehmen, daß nicht
ein=
mal dieſe ungeheuerliche Summe das volle Ausmaß des
Fehl=
betrages im künftigen Staatshaushalt ausdrückt. Es iſt wohl nicht
übertrieben, wenn man dieſe Entwicklung der heſſiſchen
Staats=
finanzen als kataſtrophal bezeichnet.
Berufsbeamte!
Laß Euch nicht irre machen!
Die Linksparteien wollen den Wirtſchafts= und
Ordnungsblock als beamtenfeindlich verſchreien.
Berufsbeamte, Ihr wißt ſelbſt am beſten, wo Eure
Freunde, wo Eure Feinde ſitzen!
Wer will Eure Beamtenrechte antaſten?
Antwort: Die Sozialdemokratie!
Wer will die unkündbaren Beamtenrechte
umwan=
deln in ein kündbares Angeſtelltenverhältnis?
Antwort: Die Sozialdemokratie!
Wer will die ſo geknebelten Beamten politiſch
terroriſieren?
Antwort: Die Sozialdemokratie!
Berufsbeamte, denkt Ihr daran, daß der Führer der
heſſiſchen Sozialdemokratie, der Abgeordnete
Kaul, Euch im Landtag dieſe Zukunft
ange=
kündigt hat? Erinnert Ihr Euch daran, daß er
Euch zu Privatangeſtellten ohne
Penſions=
rechte machen will?
Denkt daran, daß es ein ſozialdemokratiſcher
Ab=
geordneter war, der die Herabſetzung der
Be=
amtengehälter in Heſſen vorgeſchlagen hat!
Glaubt alſo nicht den Sirenengeſängen der Linkenz
die Rechtsparteien und der Wirtſchafts= und
Ordnungsblock haben im Landtag immer
wieder erklärt, daß ſie die verfaſſungsmäßigen
Rechte derBeamtenunangetaſtet laſſenwerden.
Links ſtehen die Feinde der Berufsbeamten!
Rechts die Hüter ihrer verfaſſungsmäßigen Rechte!
Darum, Berufsbeamte, ſtimmt am 5. Dezember für
die Auflöſung des Landtags!
Schickt dieſen Landtag heim!
Zentrunswanter:
Warum ſtimmt Ihr
am 5. Dezember für die Auflöſung des Landtages,
alſo mit „Ja‟?
1. Weil die Zentrumswähler auch Steuerzahler ſind
und das Recht haben, ſich gegen den Ruin ihrer
Wirtſchaft durch eine falſche Finanzpolitik des
Staates zu ſchützen!
2. Weil die Zentrumswähler keine Luſt haben,
länger als notwendig die Opfer einer von der
Sozialdemokratie abhängigen unwirtſchaftlichen
Finanzpolitik des Staates zu werden!
3. Weil die Zentrumswähler als Landwirte, als
Gewerbetreibende, als Hausbeſitzer, als
Er=
werbstätige wiſſen und jeden Tag von neuem
fühlen müſſen, daß die Finanzpolitik des Staates
ſie ſteuerlich mehr belaſtet, als in irgendeinem
anderen deutſchen Land!
4. Weil die Zentrumswähler ſich erinnern, daß die
Zentrumspartei im Landtag verſucht hat, wenn
auch ohne genügenden Erfolg, die Linksparteien
zu einer vernünftigeren und ſparſamen
Finanz=
politik zu bewegen!
5. Weil die Zentrumswähler, wenn der Landtag
einmal aufgelöſt iſt, bei der, Landtagswahl
ruhig wieder ihre Zentrumsabgeordneten wählen
können!
6. Weil die Zentrumswähler durch die Auflöſung
des Landtags dafür ſorgen können, daß in der
Zentrumspartei nicht mehr Abgeordnete, die einen
Berliner Geſandtenpoſten haben wollen, oder
Ab=
geordnete, die auf Grund der Landtagsdiäten
und der Beſtellung eines vom Staat bezahlten
Vertreters für ihre Beamtenſtellung ein bequemes
Daſein führen können, eine führende Rolle ſpielen!
7. Weil die Zentrumswähler wiſſen, daß nach einer
Auflöſung des Landtags der neu gewählte
Land=
tag nicht ſchon wieder in einem halben Jahr,
ſondern erſt nach drei Jahren wiedergewählt
werden muß!
8. Weildie Zentrumswählerwiſſen, daß die Parteien
des Wirtſchafts= und Ordnungsblockes für die
chriſtliche Grundlage in Schule und
Jugend=
erziehung und gegen die religions= und
kirchen=
feindliche Sozialdemokratie kämpfen.
Wann muß wieder
gewählt werden?
Es iſt eine
üble Wahlmache
wenn behauptet wird, daß der im Januar 1927 auf Grund des
Volksentſcheides vom 5. Dezember 1926 neu zu wählende
Landtag bereits im Herbſt 1927 wieder ſein Ende finde.
Wahrheit
iſt vielmehr, daß die geſetzliche. Dauer des im Januar
1927 neu zu wählenden Landtags gemäß Artikel 24 der
heſſiſchen Verfaſſung vom erſten Sonntag im November
des Jahres, in dem die Auflöſung erfolgt, rechnet.
Der neue Landtag datiert daher vom 7.
No=
vember 1926 bis 7. November 1929,
Wie ſie es machten!
Aus Michelſtadt wird uns geſchrieben:
Zum Heſſ. Volksbegehren.
In der Sitzung des Heſſiſchen Landtags vom 21. Oktober
hat gelegentlich der Verhandlungen über die Gültigkeit des
Volksbegehrens der Abgeordnete Bürgermeiſter Ritzel von
Michelſtadt die Behauptung aufgeſtellt, mindeſtens 50 Prozent
der Stimmen für das Volksbegehren in ſeiner Gemeinde ſeien
erſchlichen worden, zum Teil, indem man einen
Sonderſteuer=
erlaß vorgeſpiegelt habe. In den hinter dem Volksbegehren
ſtehenden Kreiſen der Michelſtädter Bevölkerung hat man mit
Entrüſtung von dieſer unglaublichen Unterſtellung Kenntnis
genommen. Bei der heutigen troſtloſen Lage in Heſſen hatte
man es wirklich nicht nötig, mit ſolchen Mitteln zu arbeiten, wie
ſie die um ihr Mandat beſorgten ſozialdemokratiſchen
Partei=
größen dem Wirtſchafts= und Ordnungsblock jetzt gerne
an=
hängen möchten. Oder ſollte dem Herrn Landtagsabgeordneten
Ritzel bei ſeiner Behauptung eine kleine Verwechſelung
unter=
laufen ſein, daß er gerade an das unlautere Manöver dachte,
welches gelegentlich der Volksabſtimmung über die
Fürſtenenteig=
nung ſeine Parteifreunde in Michelſtadt — ob wohl ohne ſein
Wiſſen? — geleiſtet haben? In der Michelſtädter Zeitung Nr. 71
vom 19. Juni 1926 befindet ſich nämlich neben, der von dem
Bürgermeiſter Ritzel unterzeichneten offiziellen Bekanntmachung
über den Volksentſcheid, welche ſich mit den für die
Durchfüh=
rung des Volksentſcheides getroffenen Anordnungen befaßte,
fett gedruckt folgende:
Bekanntmachung.
Betreffend: Volksentſcheid.
Wer am Sonntag, den 20. Juni nicht an der Abſtimmung
teilnimmt, und ſein Kreuz in den Kreis macht, worin mit „Ja”
für die Enteignung der Fürſten geſtimmt wird, läuft Gefahr,
daß er beſonders zur Steuer herangezogen wird. Darum
ver=
ſäume niemand, ſeine Pflicht zu tun und ſich vor Schaden
zu bewahren.
Dieſes damals von den Anhängern der Fürſtenenteignung
beliebte Verfahren ſpricht für ſich und zeigt, was von den
Be=
hauptungen des Herrn Abgeordneten Ritzel zu halten iſt. So
ſcheint es denn auch nicht beſonders verwunderlich, daß damals
bei der Fürſtenenteignung in Michelſtadt über hundert
un=
gültige weiße Stimmzettel abgegeben worden ſind, die
zweifel=
los nur auf die von gewiſſen Parteien geübten Täuſchungs=
und Vergewaltigungsmethoden zurückzuführen ſind.
Die „Frankfurter Zeitung”
gegen Henrich.
Die demokratiſche „Frankfurter Zeitung” Nr. 822 vom
4. November 1926 ſchreibt in einem Artikel: „Der Kampf um
den Steueranteil”, „Verfehlter Laſtenausgleich”, der ſich mit
einer Zuſammenkunft kleinſtaatlicher Finanzminiſter in
Schwe=
rin befaßt, u. a. folgende Sätze:
„Man verweiſt auf die durchgreifende „
Verwaltungs=
reform” und die finanzielle Entlaſtung, die daraus
hervor=
gehen ſoll. Es wird aber nicht einmal geſagt, wo dieſe
Ver=
waltungsreform durchgeführt werden ſoll: zu Hauſe bei ſich
oder bei den anderen, damit dieſe mit weniger auskommen
und mehr hergeben können, oder gar beim Reiche? Warum,
wenn die Not ſo groß iſt und fremder Zuſchuß nicht entbehrt
werden kann, beeilt man ſich nicht mit der Herſtellung
der Ordnung im eigenen Hauſe? Alſo zunächſt einmal
Verwaltungsvereinfachung im eigenen Bereich!”
Damit ſtellt ſich die „Frankfurter Zeitung” auf den
Stand=
punkt der heſſiſchen Oppoſition, die ſich im Wirtſchafts= und
Ordnungsblock verkörpert. Der Demokrat Henrich ſei unſeres
herzlichen Beileids verſichert!
Verlag: Heſſ. Wirtſchafts= und Ordnungsblock, Hauptgeſchäftsſtelle
Darmſtadt.
Druck: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Darmſtadt.