Darmstädter Tagblatt 1926


02. November 1926

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit x verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſfattet.
Nummer 304
Dienstag, den 2. November 1926.
189. Jahrgang

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Gnzelnummer 10 Pfennige

Das nege Anentat

Der Piſiolenſchuß
in Bologua.
Muſſolini gerettet.

Die fasciſtiſche Jahresfeier in Rom.

EP. Bologna, 1. Nov.
Das neue Attentat auf Muſſo=
lini
hat ſich am Sonntag nach=
mittag
5.40 Uhr ereignet. Muſſo=
lini
hatte während ſeines zwei=
tägigen
Aufenthaltes in Bo=
logna
das größte italieniſche
Stadion Littoriale eröffnet, in
dem er eine Anſprache an die
verſammelten Truppenkräfte der
Miliz hielt, und dann noch
einen wiſſenſchaftlichen Kongreß
im Gymnaſium. Um 5.30 Uhr
ſetzte ſich der Umzug mit Muſſo=
lini
an der Spitze nach dem
Bahnhof in Bewegung. Muſſo=
lini
hatte an der Seite des Bür=
germeifters
in einem Auto Platz
genommen, das von dem Fas=
ciſtenführer
von Bologna, dem
Abg. Arpinati, geſteuert wurde.
Längs der Straße bildeten Mi=
liz
und Truppen Spalier, hin=
ter
denen eine jubelnde Men=
ſchenmenge
dicht gedrängt ſtand.
Tem Auto Muſſolinis folgte
Unterſtaatsſekretär des Krieges,
unmittelbar das Auto mit dem
riati mit den Unterſtaatsſekre=
tären
Grandi, Balbo und Te= Zur Feier des vierten Jahrestages des fasciſtiſchen Marſches auf Rom trafen etwa 30 000
pendenza eingebogen,
als ein Revolverſchuß
bald Muſſolini den Schuß gehört hatte, wandte er ſich nach der Vater Antemo Zambonis hatte ſeinem Sohn das Ausgehen nur
Richtung des Attentäters, als wollte er vom Wagen ſteigen. Das bis 5 Uhr abends erlaubt; das lange Ausbleiben des Knaben be=
Gedränge der Menge zwang das Auto jedoch zum Weiterfahren, unruhigte die Familienangehörigen, die ihn am Sonntag abend
Die Kunde von dem Attentat verbreitete ſich im Nu in der Stadt bei ſeinen Freunden und an Orten, wo er ſich gewöhnlich aufzu=
ſtürzen
wollte. Der Attentäter war zuerſt von einem Leiche ſeines Sohnes erkannte.
Karabinieri=Wachtmeiſter ergriffen worden;
die Schwarzhemden entriſſen ihn jedoch ſeinen
Händen und töteten ihn mit Dolchſtichen. Eine
Gruppe Fasciſten wollten die Leiche an einer Straßenlaterne
aufhängen, aber General Balbo verhinderte dies mit dem Ruf:
Fasciſten hängen keinen Toten.
der Attentäter allem Anſcheine nach ein Student der Medizin. Er neuem hervor, daß es Italien gelungen iſt, die frühere Stel=
gewartet
. Der Schuß hat Muſſolini wie durch ein Wunder nicht
getroffen, jedoch den Bürgermeiſter Puppini geſtreift, indem die
Kugel dieſem den Aermel des Schwarzhemdes durchlöcherte, ohne
die Haut zu berühren.
Die Unterſuchung des Attentats.
verbracht. Sie weiſt fünf Dolchſtiche und einen Schuß ins Herz
Stelle die Unterſuchung ein und verhörten in der Polizeidirektion dert von der Regierung von Angora, daß ſie aufs aufmerkſamſte
Burſche von etwa 20 Jahren. Er trug ein ſchwarzes Hemd, das ſprochenen Land zu reden. Die türkiſchen Zeitungen fürchten
bronzene Tapferkeitsmedaille. Man nimmt an, daß er das niſchen Abſichten auf Tunis und Syrien zu beſchwichtigen und
Schwarzhemd mißbräuchlich angezogen hat, um ſich, ohne Ver= abzulenken, Muſſolini anrege, ſich an türkiſchem
dacht zu erwecken hinter dem Publikum aufſtellen zu können. Die Gebiet ſchadlos zu halten.
für das Attentat gewählte Stelle an einer der wichtigſten Straßen=
kreuzungen
der Stadt beweiſt den Vorbedacht, mit dem das Atten=
tat
ausgeführt wurde. Das Automobil mußte hier die Fahrt ver=
langſamen
und die von den Truppen kaum zurückgehaltene Men=
ſchenmeng
; gelangte hier am nächſten an das Auto heran. Augen= zu 10 Pfennig in den Verkehr gekommen, die den radikalen Repu=
zeugen
berichten, der Attentäter habe das Ziel verfehlt, weil ein blitanern ſchon ſeit langem größtes Kopfzerbrechen gemacht hat.
Carabinieriwachtmeiſter aus Trieſt rechtzeitig die Abſicht erkannte, Alle Verſuche, noch im letzten Augenblick die Abſichten der Reichs=
als
der Burſche zielen wollte, und durch einen Schlag auf den er= poſtverwaltung zu durchkreuzen, ſind geſcheitert. Die Welt am
hobenen Arm den Schuß abgelenkt habe. Als der Schuß krachte, Montag veröffentlicht jetzt einen flammenden Aufruf, welcher
hielt das Auto an. Muſſolini ſchnellte auf und rief, gegen die
aufgeregte Menge gewandt: Ruhe, Ruhe, ſie haben mich nicht
erwiſcht!
Der Attentäter.
Name und Herkunft des Attentäters von Bologna konnten Aik immer gewiſſe Republikaner haben. Alle Monarchiſten
eines bekannten Typographen von Bologna. Nach den amtlichen fährdet, der Boykott wird deshalb auch wohl keine allzu großen
Erhebungen weiſt die Leiche des Attentäters zwölf tiefe Dolch= Erfolge zu verzeichnen haben.

Cavallero, dem Miniſter Giu= Muſſolini begibt ſich in Begleitung der Fasciſtenführer und der Spitzen der Militär= und Zivil=
behörden
zur Feier in das Koloſſeum.
ruzzi. Der Wagen Muſſo= Mitglieder der fasciſtiſchen Jugendverbände in der Stadt ein und nahmen im Koloſſeum Auf=
linis
war kaun um die ſtellung. Unter ſtürmiſcher Beifallskundgebung begrüßte Muſſolini die neue Generation der
Ecke in die Via Indi= Fasciſten, denen, wie er ausführte, die große Aufgabe der Erhaltung des fasciſtiſchen Werkes
zufällt.
fiel. Die hier dicht gedrängte Menge fuhr erſchreckt ſtiche und Spuren der Erdroſſelung auf. Die raſche Identifi=
zuſammen
und es entſtand eine ungeheure Verwirrung. So= zierung des Attentäters iſt einem Zufall zu verdanken. Der
und rief eine ungeheure Erregung hervor. Die Miliz hatte die halten pflegte, zu ſuchen begannen. Da alle Nachforſchungen um=
größte
Mühe, die Menge aufzuhalten, die ſich nach dem Tatort, ſonſt waren, begab ſich der Vater auf die Polizei, wo er die
Italiens Ausdehnungsabſichten im Orient.
EP. Konſtantinopel, 1. November.
Die türkiſche Preſſe fährt fort, ſich mit der politiſchen
Haltung Italiens in den Balkanländern zu be=
Wie der Secolo über das Attentat in Bologna meldet, iſt faſſen, die ihr ſehr verdächtig erſcheint. Die Zeitungen heben von
hatte an jener Ecke geraume Zeit auf die Durchfahrt Muſſolinis lung Frankreichs in den Balkanländern einzunehmen. Man
fürchtet, daß die Abmachungen, die zwiſchen Italien
und den Balkanſtaaten getroffen, worden ſind, eine
Spitze gegen die Türkei enthalten. Es wird beſonders
hervorgehoben, daß der griechiſche Miniſterpräſident General Kon=
dylis
ſich die italienfreundliche Neigung ſeines Vorgängers Pan=
EP. Mailand, 1. November. galos zu eigen gemacht habe, und daß trotz aller Dementis das
Die Leiche des Attentäters wurde ins Stadthaus von Bologna / Vorhandenſein eines geheimen italieniſch=
griechiſchen
Abkommens gegen die Türkei ſich
auf Polizei und Unterſuchungsrichter leiteten ſofort an Ort und als wahr erweiſe. Die türkiſche Zeitung Jeni Sis for=
alle
Perſonen, die über die Einzelheiten des Attentats Aufſchluß die kriegeriſche Stimmung in Italien beobachte, wo
geben konnten. Der Attentäter iſt ein ſchmächtiger, rothaariger Muſſolini nicht aufhöre, in unbeſtimmter Weiſe von dem ver=
Abzeichen eines aufgelöſten Fußballklubs und im Knopfloch eine ferner, daß die franzöſiſche Regierung, um die italie=
Eine fürchterliche Drohung.
* Berlin, 1. Nov. (Priv.=Tel.)
Am 1. November iſt die neue Fridericus=Marke
zum Boykott dieſer Marke auffordert, die von keinem Republi=
kaner
benutzt werden dürfe. Statt der deutſchnationalen Königs=
marke
immer zwei Schillermarken zu je 5 Pfennig aufgeklebt!
Das ſeien die Republikaner ſich und der Achtung vor der Repu=
blik
ſchuldig. Merkwürdig, daß die größten Aengſte um die Repu=
am
heutigen Vormittag von der Polizei feſtgeſtellt werden. Es werden felſenfeſt überzeugt ſein, daß die Briefmarke mit dem
handelt ſich um den 15jährigen Antemo Zamboni, Sohn / Bilde Friedrichs des Großen die Republik in keiner Weiſe ge=

* Die Finanzlage Heſſens.

Von
Rechtsanwalt Eduard Dingeldey, M. d. L.

In Anbetracht des kommenden Volksentſcheids in
Heſſen dürften die nachſtehenden Ausführungen des
Führers der Deutſchen Volkspartei von ganz beſon=
derem
Intereſſe ſein.
Die Schriftleitung.
Der heſſiſche Finanzminiſter hat der Oeffentlichkeit eine Art
Wahlbroſchüre übergeben, in der er den Verſuch macht, ſeine
Finanzpolitik zu rechtfertigen und die Angriffe der Oppoſition
zurückzuweiſen. Daß er bei dieſem Verſuch die tatſächliche Lage
der heſſiſchen Staatsfinanzen in einem ſtark gefärbten und über=
dies
verſchleierten Bild erſcheinen läßt und daß er bei ſeiner
Polemik gegen die Oppoſition vor objektiv unrichtigen Darſtellun=
gen
nicht zurückſchreckt, iſt nur ein neuer Beweis für die lediglich
parteipolitiſche und unſachliche Behandlung der=
artiger
Fragen durch die derzeitige heſſiſche Regierung. Es mag
im Folgenden verſucht werden, über die finanzpolitiſche Situation
und die daran zu knüpfenden Folgerungen ein klares Bild zu
geben. Denn es iſt richtig, daß der Kampf des heſſiſchen Volkes
um die Auflöſung des Landtags in Wahrheit in erſter Linie ein
Kampf um die künftige Finanzpolitik in Heſſen iſt.
I.
Der Finanzminiſter geht von der Behauptung aus, daß bis
zum Jahre 1925 einſchließlich die heſſiſchen Finanzen durchaus
geſund geweſen ſeien. Erſt im Jahre 1926 mache ſich faſt un=
vermittelt
die Auswirkung der Erwerbsloſigkeit und der
Steuerausfälle in einem Umfang geltend, wie ſie in gleicher Art
und im gleichen Ausmaße in den übrigen Ländern nicht zu be=
achten
ſeien.
Die geſunde Entwicklung der heſſiſchen Staatsfinanzen bis
1925 beruht auf einem Raubbau, den man mit der
Wirtſchafts= und Steuerkraft des heſſiſchen
Volkes getrieben hat. Es iſt ja auch nicht etwa allein
der Fehlbetrag des Jahres 1926 geweſen, der im Frühjahr dieſes
Jahres zu der gewaltigen Steuerproteſtbewegung brei=
teſter
Volkskreiſe in Heſſen Veranlaſſung gab, ſondern es iſt die
Unerträglichkeit der Steuerlaſt geweſen, die man dem heſſiſchen
Volke aufgebürdet hat, gegen die ſich das Volk mit größter Er=
bitterung
nunmehr wendet. Daß die angebliche Geſundheit der
hefſiſchen Staatsfinanzen in den Jahren vor 1926 nur auf einen
Raubbau mit der Steuerkraft zurückzuführen iſt, iſt eine Ueber=
zeugung
, die die Deutſche Volkspartei nicht erſt heute und nicht
erſt ſeit Entfeſſelung des letzten Kampfes in Heſſen ausſpricht.
Ich erinnere daran, daß die Deutſche Volkspartei ſchon in den
Vorjahren 1922, 1923 und 1924 immer wieder die hohen und
drückenden heſſiſchen Landesſteuern abgelehnt hat mit der
Begründung, daß weder die Notwendigkeit derartiger Steuer=
ſätze
gegeben ſei, noch auch die Wirtſchaftskraft des heſſiſchen
Volkes ſolche Steuern tragen könne. Die Fraktion der Deutſchen
Volkspartei hat durch den Mund meines verſtorbenen Freundes
Dr. Oſann und ſpäter durch Herrn Abg. Dr. Niepoth immer
wieder ihre Auffaſſung von der Lage in zwei Sätze zuſammen=
gefaßt
:

a) Die damaligen Voranſchlagsziffern unterſchätzen die tat=
ſächlichen
Einnahmen aus den Reichsſteuern, ſo daß Landes=
ſteuern
in der vorgeſchlagenen Höhe garnicht notwendig ſind.
b) Die durch Krieg, Revolution und Inflation erſchöpften
wirtſchaftlichen Kräfte vertragen nicht eine Zuſammen=
ballung
der Reichsſteuern und Landesſteuern in der von
dem heſſiſchen Finanzminiſter verlangten Höhe.
Der heſſiſche Finanzminiſter hat damals dieſe Behauptungen
beſtritten. Er beſtand auf der Erhebung jener Steuern in der
vollen von ihm geforderten Höhe. Die Regierungskoalition er=
teilte
ihm dann auch die gewünſchte Genehmigung, gegen den
Widerſpruch der Rechten. Die tatſächliche Entwicklung aber gab
in vollem Umfange den Vorausſagen und Auffaſſungen der
Deutſchen Volkspartei Recht. Jetzt muß der Finanzminiſter ſelbſt
in ſeiner Denkſchrift feftſtellen, daß die Jahre 1923 und 1924
Ueberſchüſſe aus Steuern im Betrage von zuſammen 10,5 Mil=
lionen
erbracht haben. Dieſe 10,5 Millionen ſind
gegen den Widerſpruch der Deutſchen Volks=
partei
zuviel erhoben worden in einer Zeit, in
der die heſſiſche Wirtſchaft bereits durch den
Krieg und den Zuſammenbruch, durch die Be=
ſetzung
und den Ruhrkampf, auf das ſchwerſte
geſchwächt und gefährdet war. Auf dieſen zuviel er=
hobenen
Steuerbeträgen beruht die angebliche Geſundheit der
Staatsfinanzen bis zum Jahre 1925. Daß eine derartige Finanz=
politik
kurzſichtig und ganz umwirtſchaftlich gedacht iſt, hätte der
Finanzminiſter damals ſchon erkennen müſſen. Wenn man aus
einer geſchwächten Wirtſchaft mit verminderter Steuerkraft ver=
mehrte
, über den Bedarf hinausgehende Steuern herauszieht, ſo
muß die naturnotwendige Folge eine Gefährdung der Wirtſchaft,
damit eine Verminderung der Steuerkraft und eine Abwärts=
bewegung
der finanziellen Leiſtungsfähigkeit des heſſiſchen Volkes
ſein. Man kann heute feſtſtellen, daß dieſe kurzſichtige, rein
fiskaliſche Steuerpolitik die durch Erwerbsloſigkeit und Reichs=
ſteuergeſetzgebung
eingetretene gefährliche Entwicklung verſtärkt
hat. Statt deſſen wäre es vom finanziellen, wie auch vom wirt=
ſchaftspolitiſchen
Standpunkt aus notwendig geweſen, einer ſol=
chen
Entwicklung rechtzeitig durch Maßnahmen des Landes vor=
zubeugen
.
Denn es iſt tatſächlich doch nicht ſo, daß ganz unvermittelt
von Ende 1925 ab die Erſcheinungen der Erwerbsloſigkeit und
der Steuerausfälle ſich auswirkten. Wer mit der wirtſchafts=
politiſchen
Literatur einigermaßen vertraut iſt, weiß, daß alle
maßgebenden Kenner des Wirtſchaftslebens in Deutſchland dieſe
Entwicklung im Jahre 1923 und erſt recht im Jahre 1924 auf
das beſtimmteſte vorausgeſehen haben. Daß ſich
die ungeheuerlichen Vermögensverluſte der deutſchen Wirtſchaft
durch Inflation und Stabiliſierung in Verbindung mit dem
Rhein= und Ruhrkampf in einer Wirtſchaftskriſe ſchärfſter Natur
mit Arbeitsloſigkeit, Steuerrückgängen und allen Begleiterſchei=
nungen
derartiger Wirtſchaftsprozeſſe auswirken müßten, war
jedem Einſichtigen klar und mußte ſelbſtverſtändlich erſt recht
den heſſiſchen Finanzminiſter zur äußerſten Vorſicht und

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Seite 2

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

ſchärfſten Sparſamkeit und energiſchſten Abdroſſelung
der heſſiſchen Staatsausgaben veranlaſſen. Die
Verantwortung für derartige Maßnahmen und für den mutigen
Entſchluß, aus einer richtigen Erkenntnis rechtzeitig einſchnei=
dende
Folgerungen zu ziehen, kann dem Finanzminiſter nie=
mand
abnehmen, er trägt ſie kraft ſeines Amtes
und vermag ſich ſelbſtverſtändlich am allerwenigſten hinter
Angriffen auf die Oppoſition vor dieſer Verantwortung zu ver=
ſchanzen
. Heute kann man feftſtellen, daß bis zum Voranſchlag
des Jahres 1926 von dem heſſiſchen Finanzminiſter zu einer
weſentlichen Abdroſſelung der verhängnisvollen Entwicklung der
heſſiſchen Staatsfinanzen auf der Ausgabenſeite ſo gut wie nichts
geſchehen iſt. Man hat auf dieſer Seite die Dinge einfach treiben
laſſen, die Staatsfinanzen wurden ſo zum Objekt der partei=
politiſchen
und populären Wünſche der verſchiedenen Parteien.
Dagegen hat man ſich lediglich darauf beſchränkt, auf der Ein=
nahmer
ſeite die Steuern in einem Maße anzuſpannen, das nach
der eigenen Erkenntnis weit die Steuerkraft und die Erträglich=
keit
für die heſſiſche Wirtſchaft überſteigt. Die Folgen einer der=
artigen
Politik mußten kommen.
II.
Wenn man die Erklärungen des heſſiſchen Finanzminiſters
über ſeine bisherige Politik lieſt, ſo will es faſt ſcheinen, als ob
der Finanzminiſter im Ernſt die Oeffentlichkeit davon überzeugen
wollte, daß eine ungerechtfertigte Vermehrung von Staatsaus=
gaben
nicht eingetreten ſei, daß die Leitung der heſſiſchen Staats=
finanzen
vollkommen unſchuldig und wehrlos der kataſtrophalen
Entwicklung der Staatsfinanzen habe zuſehen müſſen. Bis zu
welchem kataſtrophalen Ausmaße ſich die Staatsfinanzen in
Heſſen abwärts entwickelt haben, wird im Folgenden weiter noch
unterſucht werden. Zunächſt wollen wir zeigen, in welchem Maße
tatſächlich eine Vermehrung der Ausgaben und der
Belaſtungen des heſſiſchen Staates und des heſſi=
ſchen
Volkes eingetreten ſind. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß als
Vergleichsmaßſtab die Verhältniſſe des letzten Friedens=
jahres
heranzuziehen ſind. Damals rechneten wir mit einer
ſtabilen Währung und allerdings auf der anderen Seite mit
einer blühenden, kräftigen und ſtrebenden Wirtſchaft. Daß wir
heute immer noch in Zeiten einer, wenn auch vielleicht da und
dort langſam abklingenden, Wirtſchaftskriſe unſere Kraft ein=
ſetzen
müſſen, um zu den Ziffern der Friedensjahre zurückzu=
kehren
, ſollte eigentlich jedem Verſtändigen ein unbeſtrittenes
Ziel ſein. Gelingt es im Reich und in den Ländern
nicht, in abſehbarer Zeit ihren Apparat den tat=
ſächlichen
wirtſchaftlichen Kräften des Volkes,
die heute kleiner ſind wie vor dem Kriege, an=
zupaſſen
ſowerden wir aus der latenten Wirt=
ſchaftskriſe
in Deutſchland, ganz abgeſehen von
den Reparationsleiſtungen, ſchon aus Gründen
der inneren Verſchuldung und Mißwirtſchaft
niemalsherauskommen Es iſt das unbeſtreitbare Ver=
dienſt
des Reichsfinanzminiſters Dr. Reinhold, daß er in
ſeinen amtlichen Auslaſſungen dieſe Geſichtspunkte ſchärfer und
energiſcher betont, als das früher der Fall war. Er hat die durch=
aus
richtige Erkenntnis ſich zu eigen gemacht, daß der Finanz=
miniſter
nicht bloß der Hüter des Staatsſäckels, ſondern auch
der Schützer der Wirtſchaft ſein muß, wenn er nicht jenem Toren
gleichen will, der die Henne ſchlachtete, die ihm die goldenen
Eier legen ſoll. In Heſſen iſt von einer ſolchen Erkenntnis
bei der Leitung der Staatsfinanzen nichts zu ſpüren. Unver=
geſſen
bleibt der Satz, den der heſſiſche Finanzminiſter noch im
Frühjahr dieſes Jahres ausſprechen konnte, daß er von der
Ausgabenſeite des Staatsvoranſchlages weni=
ger
bedrückt werde, als von der Sorge um die Einnahmen.
Welches auch immer das Motiv eines ſolchen Satzes geweſen ſein
mag, er kennzeichnet die Geſamteinſtellung des Finanzminiſters
zu den ihm anvertrauten Problemen. Es kann danach nicht
weiter Wunder nehmen, daß aus ſolcher Einſtellung heraus die
Energie und die politiſche Tatkraft zur Durchſetzung einer wirk=
ſamen
Vereinfachung des Staatsverwaltungsapparates unmög=
lich
erwachſen kann. Der Finanzminiſter möchte jetzt den Ver=
gleich
des Jahres 1926 mit dem letzten Friedensjahre 1914 nicht
mehr gezogen wiſſen. Er wehrt ſich gegen einen ſolchen Vergleich
als angeblich der inneren Wahrheit der Ziffern widerſprecheno.
Er möchte ſtatt deſſen den Vergleich mit dem Jahre 1918 oder
noch lieber 1919 ziehen, aus ſehr durchſichtigen Gründen! Nicht
nur, daß die Ziffern des Jahres 1919 ſelbſtverſtändlich durch das
immerhin nicht unerhebliche Ereignis des fünfjährigen Welt=
krieges
ſtark verändert waren, geben jene Ziffern auch ſchon
den Beginn der Inflationsentwicklung wieder. Wir wollen uns
doch daran erinnern, daß im Jahre 1919 die innere Kaufkraft
der Mark auf ein Siebtel ihres Friedenswertes geſunken
war. Daraus ergibt ſich ohne weiteres, wie irreführend
ein Vergleich der ſtabiliſierten Mark des Jahres 1926 mit jener
des Jahres 1919 ſein muß, Früher übrigens hat der Finanz=
miniſter
ſehr wohl ſelbſt den Vergleich mit 1914 immer wieder

Aus Paris.
Der Autoſalon.
Die Salons im alten Sinne haben aufgehört, dafür gibt es
aber umſomehr Ausſtellungen mit dem ſchönen Namen Salons.
Der erſte in dieſer Saiſon war der Autoſalon. Vor der Eröff=
nung
des Autoſalons war Paris noch ſommerlich, die elegante
Welt war noch in Biarritz oder auf dem Lande.
Die Saiſon, kalendariſch ſtimmt ſie ja lange nicht mehr mit
den alten Traditonen überein, ſetzt ſich in Paris von dem einen
Tage auf den anderen ein. Für den Autoſalon hat jeder die
Somerfriſche verlaſſen. Jeder mußte ſie ſehen, ob er ein Fach=
mann
war, ein Auto beſaß, oder zu der letzten Klaſſe der Menſch=
heit
, zu den Autoloſen gehörte. Es gab dort glückliche Liebhaber
und platoniſche Anbeter, ſie drängten ſich alle um die Ständer
der zwölfhundert Ausſteller, für das das Grand Palais nicht
groß genug war, und auch noch die umliegnden Straßen mit
ihren tauſenden von Modellen verrammelten. Von den Autos
kann ich eigentlich wenig ſagen. Sie waren wie es eben Autos
bei ſolcher Gelegenheit zu ſein pflegen in aller Größe, Farbe
und Preislage vertreten. Von den billigen, ſchon für 20 000 Fr..
bis zu dem fabelhaften Rolls Royce für deſſen Preis man ſich
gewiß ein Geſpann aus Elefanten leiſten kann. Was mir als
Laien auffiel, war, daß die Maſchinen diesmal vorne alle flach
ausgebildet waren, und auch diesmal von den Fachleuten mit
untrüglicher Miene erklärt wurde, daß alle Modelle vom Vorjahr
längſt überholt ſind von dem raſenden Fortſchritt der Technik.
Man ſoll alſo nur das neueſte und teuerſte kaufen. Man ſoll!
Aber wie?
Scherz beiſeite, es war ſehr ſchön und für die Induſtrie ein
Nieſenerfolg. Und auch für die Autos ſelbſt. Es hat ſich heraus=
geſtellt
, daß das Publikum und nicht nur die Snobs, ſondern
die breiteſte Schichten nur noch für das Auto Begeiſterung auf=
bringen
kann. An allen anderen Ausſtellungen merkt man die
heimliche Langweile, hier ſah ich Begeiſterung. Man war für
das Schöne an und für ſich begeiſtert, ohne jedes nationale
Vorurteil bewunderte man fremde Schöpfungen und entdeckte
Schönheiten. Man ſprach von Linien, Soupleſſ= und Tempe=
rament
wvo es ſo etwas ger nicht gab. Man fand ſchwarze
Gummireifen raſſig und einen in kaltem Nickel glänzenden
Motor feurig. Mit einem Wort, man war entzückt und es iſt
fraglich ob Paris in der ganzen Saiſon für Literatur, Kunſt und
Theater zuſammen ſoviel Intereſſe und Begeiſterung axſbringen
wird, als für die Automobile.
Der Ausländer, wie ihn der Pariſer ſieht.
Der Ausländer iſt für Paris der Angloſachſe. Seitdem
es keine ruſſiſche Großherzoge gibt ſie fehlen Paris eben

als richtig befunden. Das geſchah, ſolange er glaubte, einen
ſolchen Vergleich zur Rechtfertigung ſeiner Politik verwenden zu
können. Es iſt nicht einzuſehen, weshalb nunmehr das, was im
Jahre 1924 und 1925 richtig erſchien, im Jahre 1926 auf einmal
ſeinen Sinn verloren haben ſollte. Wir ſtellen alſo auch jetzt,
um ein Bild von der Entwicklung der Ausgaben des heſſiſchen
Staates zu bekommen, die Zahlen von 1914 denen von 1926
gegenüber. Wir erhalten folgendes Bild:
im Jahre 1914 Geſamtausgaben des heſſiſchen Staates
76 Millionen,
im Jahre 1926 Geſamtausgaben des heſſiſchen Staates
129 Millionen,
im Jahre 1914 Geſamtſteuerbelaſtung des heſſiſchen
Volkes 26 Millionen,
im Jahre 1926 Geſamtſteuerbelaſtung: 78 Millionen.
Die Gegenüberſtellung dieſer Ziffern zeigt erſchreckend deutlich,
in welch gewaltigem Ausmaße die Ausgaben des heſſiſchen Staa=
tes
für Verwaltungszwecke ſich entwickelt haben und wie dem=
zufolge
auch die ſteuerliche Belaſtung der heſſiſchen Wirtſchaft
gegenüber der Friedenszeit ſich rechnungsmäßig faſt verdreifacht
hat. Es iſt richtig, daß in dieſen Ziffern teilweiſe Durchgangs=
poſten
ſtehen, ſo daß das Bild in Einzelheiten ſich um eine Klei=
nigkeit
zugunſten des Jahres 1926 verſchiebt. Es iſt auch richtig,
daß die Belaſtung des heſſiſchen Staates mit Aufgaben zum
großen Teil eine zwangslänfige Folge der Reichsgeſetzgebung iſt.
Die Ziffern beſagen aber trotz dieſer Ein=
ſchränkung
in eindrucksvoller Sprache, in wel=
chem
Mißverhältnis zur wirtſchaftlichen Lei=
ſtungsfähigkeit
des Landes ſeine Ausgaben für
die Verwaltungszwecke ſich entwickelt haben.
Dieſe Tatſache kann weiter illuſtriert werden durch eine Betrach=
tung
der Ziffern für die Miniſterien Heſſens. Die
Zentralverwaltungen zeigen ſehr viel deutlicher als die Ziffern
von Lokalverwaltungen draußen im Land, in welch ungeheuer=
lichem
Ausmaße dieſe Inflation von Behörden in Heſſen vor
ſich gegangen iſt. Dabei kommt es nicht ſo ſehr darauf an, zu
betonen, welchen wirtſchaftlichen Wert die Mehrausgaben für die
Miniſterien heute darſtellen. Vielmehr iſt wichtig die Erkenntnis,
daß bei einer unverhältnismäßig hohen Steigerung der Aus=
gaben
für die Miniſterien mit naturnotwendiger Folge ſich in
dem gleichen unverhältnismäßigen Satze auch die Geſamtaus=
gaben
des Staates vermehren müſſen. Im Jahre 1914 hatten
wir das Staatsminiſterium, das Miniſterium des Innern, das
Miniſterium der Finanzen und das Miniſterium der Juſtiz.
Heute iſt die Schulabteilung aus dem Miniſterium des Innern
herausgenommen und in das ſelbſtändige Landesamt für das
Bildungsweſen verwandelt. Ferner hat man die Abteilung für
Landwirtſchaft, Handel und Gewerbe aus dem Miniſterium des
Innern herausgenommen und bekanntlich in das Miniſterium
für Arbeit und Wirtſchaft umgewandelt. Bei einem Vergleich
der Miniſterien von 1914 und 1926 müſſen demzufolge dem Mini=
ſterium
des Innern von damals heute das eigentliche Miniſterium
des Innern, das Landesamt für das Bildungsweſen und das
Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft gegenübergeſtellt werden.
Ferner iſt zu beachten, daß ausdem Finanzminiſterium
die geſamte Finanzverwaltung, die heute durch
Reichsbeamte (Finanzämter, Landesfinanzamt uſw.) ausgeführt
wird, und ferner die Eiſenbahnverwaltung, die an
die Reichseiſenbahn=Geſellſchaft gefallen iſt, ausgeſchieden
ſind. Dann ergibt ſich folgendes Bild:

1914 1926 Zunahme Bezeichnung des
Miniſteriums * Perſönl
Koſten
*5 Perſönl
Koſten
Perſönk.
Koſten
Staatsminiſterium 48 884 18 108476 11 59 592 Min. des Innern 69 297 624 68 387 591 Landesamt für
dasBildungsweſen 61 307 283 Min. für Arbeit
und Wirtſchaft 69 374329 198 1069 203 129 771579 Min, der Juſtiz. 11 54 224 35 204719 24 150 495 4 Min. d. Finanzen 138 579 277 124* 9036 (.141 230 090 Geſamtzahl und Koſten 225 980 009 375 2191765 150 1211756

*) Uebernahme der Eiſenbahn= und Steuerverwaltung durch
das Reich.

genug iſt alles auf den Angloſachſen eingeſtellt. Er iſt rich=
tunggebend
in Sprache, Brauch und leider auch Geſchmack. Aber
auch in ihm gibt es Abſtufungen. Ob er aus England, aus
Amerika, oder ob er anderswoher kommt. Die ſchlimmſte wäre
die letzte Sorte, aber ſie iſt nicht genug bekannt, darum ſchiebt
man auch ihre Fehler den Amerikanern zu. Politik und Eifer=
ſucht
haben wohl dazu beigetragen, daß der Amerikaner der Ziel=
punkt
aller Karrikaturen wurde. Aber, daß er auch dazu geeignet
iſt, wird niemand leugnen, der ihn einmal ſah. Man kann einen
Spanier mit einem Schweden, einen Ruſſen mit einem Schotten
verwechſeln, niemals aber einen richtiggehenden Yankee mit
etwas anderem. Wie er die Eindrücke auf ſich niederſauſen läßt
Europa in fünf Tagen wäre ſein Reiſeideal und wie er alles
prompt erledigt, iſt einzigartig. Wenn er gebildet iſt, dann ſpa=
ziert
er in Europa herum, wie wir etwa in Aegypten oder
Griechenland, auf der Suche nach Spuren der alten Zivili=
ſation
. Was es da ſonſt noch gibt, das iſt eine Art vom inter=
eſſanten
Balkan. Es wäre ſchlecht, wenn er auf alles ſchimpfen
würde. Er anerkennt aber alles, und das iſt noch ſchlimmer.
Der ſchlimmſte iſt der Durchſchnittsamerikaner. Er iſt ungefähr
der Meinung, daß er mit ſeinem Reiſebillett alles gekauft hat
Die Schiffskarte iſt ihm eine Eintrittskarte im Panoptikum
Europa. Und mit einer aller Beſchreibung ſpottenden Naivität
fordert er Senſationen. Er muß einen König oder wenigſtens
einen leibhaftigen Lord ſehen. Mit dem letzteren kann Paris
noch ſehr preiswert dienen. Aber er fordert nicht nur, er fragt
Er fragt, wieviel der Louvre gekoſtet hat, wieviel Napoleon jähr=
lich
verdiente und zu welchem Preis man eine Auszeichnung be=
kommen
könnte. Er trinkt am Grabe des unbekannten Soldaten
Sekt und übergibt den renitenten Taxichauffeur einem vorbei=
gehenden
Offizier, den er für einen Poliziſten hält. Die Uni=
formen
ſind ſo damned leicht zu verwechſeln. Alle Unmöglich=
keiten
, die er macht, ſind auf ſeine Naivität zurückzuführen, trotz=
dem
ſind ſie unverzeihlich. Denn man kann ihn nicht auslachen,
letzten Endes hat er immer Recht; er hat das Gefühl einer unbe=
zwingbaren
politiſchen Macht, er hat das Geld hinter ſich, und
Paris, das er für eine Art von Tingeltangel hält, iſt gezwungen,
zähneknirſchend ihn zu unterhalten.
Der Raub der Roſadiamanten.
Schließlich muß Paris, damit alles ordnungsgemäß verläuft,
in jeder Saiſon eine romantiſche Raubgeſchichte haben. Diesmal
iſt ſie aber traurig. Der weltberühmte und einzigartige Roſa=
diamant
des Condé iſt aus dem Muſeum von Chantilly ver=
ſchwunden
. Von den myſteriöſen Räubern ſie ſollen mit Flug=
zeug
gearbeitet haben iſt keine Spur. Der Diamant war
ſchlecht bewacht, das Muſeum hat nur verdienſtvolle greiſe Wäch=
ter
. Frankreich hat kein Geld, um ſeine Schätze bewachen zu laſſen,
und die Muſeen, da auch die Art der Bewachung hiſtoriſch iſt.

Damit genug der Darſtellung, in welcher ungeheuerlichen
Ausdehnung ſich die Staatsfinanzen Heſſens und die ſteuerliche
Belaſtung ſeit 1914 bis heute entwickelt haben. Es iſt ſelbſtver=
ſtändlich
, daß es nicht in der Macht des Finanzminiſters liegen
kann, eine ſolche Entwicklung, die wir in geringerem Ausmaße
in allen Ländern beobachten können, überhaupt und vollſtändig
zu verhindern. Das verbietet, wie oben ſchon erwähnt, die
Reichsgeſetzgebung, die auf dem Gebiete der ſozialen Fürſorge
und zahlreicher anderer wirtſchaftlicher Aufgaben die Länder be=
laſtet
hat. Wohl aber hat der Finanzminiſter es
in der Hand, das Maß einer ſolchen Entwicklung
bis zu einem gewiſſen Grade zu beſtimmen,
rechtzeitig ihre Tendenz zu fühlen und im Rah=
men
der den Ländern überlaſſenen Selbſtändig=
keit
für eine Geſundung zu wirken. Der Finanz=
miniſter
Heſſens hat von einer ſolchen Auffaſſung ſeines Amtes
nichts merken laſſen.
Er begründet heute die Entwicklung dieſer Ziffern beſonders
mit der Uebernahme neuer Staatsaufgaben durch den heſſiſchen
Staat, die früher den Gemeinden oblagen. Dabei iſt insbeſon=
dere gedacht an die Schulverwaltung, an die Forſtverwaltung
und an die ſtaatliche Ortspolizei. Ganz gewiß iſt richtig, daß
die Uebernahme dieſer Verwaltungen den heſſiſchen Staat außer=
ordentlich
belaſten muß. Gerade um deswillen aber war
es die beſondere Aufgabe des Finanzminiſters, vom erſten.
Tage der Uebernahme jener Aufgabe ab, auf das ſchärfſte dar=
über
zu wachen, daß dieſe neuen Staatsbehörden und Verwal=
tungen
ſich nicht in einem ſtärkeren Ausmaße entwickelten, alse
es ſachlich unbedingt geboten war. Die heſſiſche Oeffent=
lichkeit
erinnert ſich ja noch aus den Kämpfen des Frühjahrs
1926 ſehr genau daran, daß wir gerade bei der Schule genau das
Umgekehrte erlebt haben: Obtvohl die Zahl der Schüler ſtändig
ſank, blieb die Zahl der Lehrer in Heſſen gleich, während ſich ihre
Beſoldung in Verbindung mit der allgemeinen Beamtenbeſol=
dung
automatiſch erhöhte. Mit dem Ergebnis, daß im Jahre
1926, obwohl die Zahl der Schüler um rund 75 000.
ſich vermindert hatte, die Koſten der Volks=,
ſchule ſich gegenüber, dem Friedensjahre ein=
ſchließlich
derjenigen Koſten, die damals die
Gemeinden zu tragen hatten, mehr als ver=
doppelten
! Das Bedenkliche war dabei, daß dieſe Entwick=
lung
entweder dem heſſiſchen Finanzminiſter verborgen blieb,
bis ſie im Herbſt 1925 durch Ausſchußberatungen von der Oppo=
ſition
an das Licht der Oeffentlichkeit gebracht wurden, oder
aber, was noch ſchlimmer iſt, daß der heſſiſche Finanzminiſter
zwar dieſe Entwicklung mit anfah, aber nichts unternahm, um
ihr wirkſam und energiſch in den Arm zu fallen!
Die angeführten Zahlen geben nur Illuſtrationen und kleine
Ausſchnitte zu dem Geſamtbild der Entwicklung der heſſiſchen
Staatsausgaben. Sie zeigen aber den Leſern, wie man die
Dinge in Heſſen hat laufen laſſen und wie man wahrhaftig nicht
davon reden kann, daß die Staatsfinanzen bis zum Jahre 1926
geſund geweſen ſeien. Sie waren krank, ſchwer krank, und zwar
deshalb, weil man ſich unterfangen hatte, den ſchwach und kraft=
los
gewordenen heſſiſchen Wirtſchaftskörper mit Staatsausgaben
und Aufgaben zu belaſten, unter denen er auf die Dauer zu=
ſammenbrechen
mußte.
Schon in der Sitzung des Landtages vom 7. April 1925 hat
der Abgeordnete Dr. Niepoth im Auftrage der Fraktion der
Deutſchen Volkspartei auf Grund einer Denkſchrift des Finanz=
miniſters
ſelbſt folgende Feſtſtellungen gemacht:
Die perfönlichen Koſten der Staatsberwal=
tung
ſind von 1914 bis 1925 geſtiegen von 25,6 auf 72,7 Mil=
lionen
. Setzt man von der letzteren Ziffer die Koſten für die
vom Staat gegenüber 1914 neu übernommenen Aufgaben ab,
ſo ergibt ſich eine Steigerung auf 49,4 Millionen, d. h. eine
Steigerung von 94 Prozent. Die ſachlichen Koſten
ſind damals geſtiegen von 22,2 auf 31,5 Millionen, alſo um
rund 42 Prozent. Die perſönlichen und ſachlichen Koſten zu=
ſammen
wohlgemerkt, ohne die neuen Aufgaben von 47,8
auf 80,7 Millionen, d. h. um rund 70 Prozent. Nach der da=
mals
vom Reichsfinanzminiſterium herausgegebenen Statiſtik
betrug der Durchſchnittsbedarf der Länder gegen=
über
1914 im Jahre 1925 45 Prozent, in Heſſen alſo 70
Prozent, im Durchſchnitt der übrigen Länder
45 Prozent.
Daß eine derartige Aufblähung des Staatsverwaltungs=
apparates
in einem wirtſchaftlich ſchwer darniederliegenden Land
wie Heſſen weder wirtſchaftlich noch ſachlich gerechtfertigt werden
kann, iſt ſo einleuchtend, daß heute ſelbſt der Finanzminiſter nicht
mehr den Verſuch macht, dieſen Apparat als abſolut notwendig
zu verteidigen.

können den modernen Einbrechern keinen Trotz bieten. Schon
vor drei Jahren wurde das Muſeum in St. Germain=en=Laye
unter ähnlichen Umſtänden ausgeraubt die Diebe laufen noch
immer , aber das war leichter zu verſchmerzen. Der Diebſtahl
des einzigartigen Roſadiamanten hat Paris außerordentlich er=
regt
. Die Zeitungen bringen Feuilletons darüber, und die Volks=
phantaſie
hat den Fall aufgegriffen. Man erzählt bereits Legen=
den
über den geheimnisvollen Diamanten und über die noch
geheimnisvolleren Räuber. Die Polizei quält ſich ergebnislos
und man reißt über ſie noch ſchlechte Witze dazu. Der einzige
Troſt für die Pariſer, die ſich ſo gerne auf Koſten ihrer ſonſt
muſterhaften Polizei amüſieren.

Reiſegeſpräch des Königs Friedrich II. von Preußen im
Jahre 1779. Mit einem Vorwort von F. v. Goetz und
Schwanenfließ. Verlag Georg Stilke, Berlin NW. 7.
Der Titel dieſes Buches ſagt alles. Wir ſehen den großen König
vor uns als Greis, gebückt unter der Laſt der Jahre, die ſeinem
Lande ſchwere Gefahren und dauernde Kämpfe gebracht hatten.
Siegreich hat er eine Welt von Feinden überwunden. Jetzt im
Alter bleibt ihm die Zeit, ſein Land zu beſuchen, dem die Seg=
nungen
des Friedens zuteil geworden ſind. Er verläßt ſich nicht
auf ſchriftliche Eingaben und auf die Berichte ſeiner Beamten
er überzeugt ſich ſelbſt. Sein durchdringendes Auge ſieht den Er=
folg
der Verbeſſerungen ſieht auch, was noch fehlt und was.
noch geſchaffen werden kann. Kurz und beſtimmt ſind ſeine An=
ordnungen
, ſeine Fragen treffen den Kernpunkt. Dazwiſchen
köſtlicher Humor. Wohlwollen und Fürſorge, beſonders für
ſeine alten Krieger. Die ſchlanke nervige Herrſcherhand hält ſtatt
des Degens den Krückſtock, auf den ſich der gebeugte Körper ſtützen
muß. Aber in leuchtender Klarheit beherrſcht ſein Geiſt die Auf=
gabe
, die er ſich geſtellt hat. Friedrichs des Großen Bild leuchtet
heute mehr denn je einem Jedem, der von echter Vaterlandsliebe
beſeelt iſt.
Im Verlage von R. Oldenbourg in München erſchien die dritte neu=
bearbeitete
Auflage des Buches Unſerer Ruth Lehrjahre von
Oberſtudiendirektor Dr. Gruber. (Preis in Leinen gebd. 6 Mark.) Der
Verfaſſer dieſes trefflichen Buches begleitet ſeinen Schützling auf ſeinem
Wege vom erſten Lebensjahre bis zum Eintritt in die Geſellſchaft. Das
Elternhaus, die Schule, der erſte Unterricht, Schularbeiten, Ferien, Um=
gang
, Lektüre, höhere Lehranſtalten, gemeinſame Erziehung, religiöſe,
ſoziale und vaterländiſche Erziehung, Abgang von der Schule, Penſionat,
Berufswahl und Eintritt in die Geſellſchaft werden in 19 Kapiteln in
lebendiger und feſſelnder, liebevolles Verſtändnis und ein warmfühlen=
des
Herz für die weibliche Jugend bekundende Darſtellung behandelt.
Eine dankenswerte, zugleich praktiſch verwendbare B=reicherung erhält
das Buch durch die neun Seiten umfaſſende Aufzählung empfehlens=
werter
Lektüre für Mädchen von 916 Jahren und durch die beiden
Kapitel über die Berufswahl. Eltern und Lehrern ſei das Buch warm
empfohlen.
W.

[ ][  ][ ]

Nummer 304

Seite 3

Der Auftakt zu den
franzöſiſchen Senatswahlen.
Der Generalrat der Sozialiſtiſchen Pariei.
Die Beziehungen der Sozialiſien zu den
Radikalen. Kritik an Poincaré.
EP. Paris, 1. November.
in Paris und beſtätigte zunächſt den Abgeordneten Paul Faure als
Generalſckretär für ein weiteres Jahr. Darauf beſchloß er, vom 1. Ja= Anleihe von 10 Millionen Dollar, die für die ungar=
nuar
1927 an wieder eine große politiſche Tageszeitung herauszugeben,
deren Chefredakteur der Abgeordnete Loon Blum ſein wird. Nachher in 10 Jahren rückzahlbar und mit 9 Prozent Zinſen zu verzinſen ſein.
kam die Frage der Stellungnahme der Sozialiſten bei den Senats=
erneuerungswahlen
im Januar 19N7 zur Sprache.
Léon Blum hielt eine Rede, worin er die Beſchlüſſe des
Radikalen Kongreſſes von Bordeaux mißbilligte,
der Herriot und den übrigen Mitgliedern des Kabinetts Poincaré Recht
gegeben hatte. Er erklärte, man habe oft den Sozialiſten ihre
Nichtbeteiligung an der Regierung vorgeworfen. Er ſei
aber überzeugt, daß man dieſe, aufrichtig geſprochen, nicht gewünſcht
habe. Auf alle Fälle habe man ihnen einen dahingehenden Antrag nie
die Radikalen ins Kabinett Poincaré eingetreten ſeien und nachdem die=
ſes
neue Steuern im Betrage von 11 Milliarden Franken und im großen
und ganzen eine weitere Belaſtung der arbeitenden Klaſſe durchgeſetzt
habe, ſei es verſtändlich, wenn in den Beziehungen zwiſchen den Sozia=
ziehungen
mit den Radikalen ſeien heute nicht mehr
möglich, was aber nicht bedeute, daß die Sozialiſten deshalb den Na=
dikalen
den Krieg erklären. Wenn die Radikalenwieder zur
Regierung kämen und ein radikales Programm
durchführen würden, ſo würden die Sozialiſten ſie
weiterhin unterſtützen, aber nur unter dieſer Bedingung.
Léon Blum nahm auch zur Finanzfrage Stellung. Er ſieht voraus,
daß die Politik Poinearés entweder zu einer neuen In=
flation
oder zu einer Beſchränkung des Verbrauchs führen werde. Die
Beſchränkung des Verbrauchs werde aber eine wirtſchaftliche
Kriſe und Arbeitsloſigkeit zur Folge haben. Er ſage zwar
nicht, daß das Land ein ſolche Kriſe nicht überſtehen könnte, man müſſe
aber den Mut haben, zu ſagen, daß dieſe Kriſis hätte vermieden werden
können, wenn das ſozialiſtiſche Programm, nämlich die Vermögens=
abgabe
, durchgeführt worden wäre.
Darauf ergriffen noch mehrere Delegierte das Wort, und es wurden
zwei Entſchließungen eingebracht, von denen die erſte, von Léon Blum,
fordert, daß im erſten Wahlgang der Senatswahlen die Sozialiſten rein
ſozialiſtiſche Liſten aufſtellen ſollen, während im zweiten Wahlgang der=
fenige
Kandidat zu unterſtützen wäre, der am meiſten demokratiſche Ga=
rantien
böte. Die zweite Entſchließung, von Renaudel, will dagegen
den einzelnen Departementsverbänden der Partei es überlaſſen, welche
Wahltaktik ſie im einzelnen Falle bevorzugen wollen.
Der Generalrat will heute, Montag, vormittag, über dieſe beiden
Entſchließungen abſtimmen.
Frankreichs zum engliſchen Bergarbeiterſtreik.
Der Generalrat der Sozialiſtiſchen Partei hat ſeine geſtern
eröffnete Sitzung heute fortgeſetzt. Die geſtern ernannte Kom=
miſſion
, die eine einheitliche Entſchließung über die Wahltaktik
ausarbeiten ſollte, konnte ſich nicht einigen, ſo daß die beiden
eingereichten Anträge dem Generalrat zur Abſtimmung unter=
breitet
wurden. Der Antrag Léon Blum, der im erſten Wahl=
gang
rein ſozialiſtiſche Liſten, vorſchlägt, dagegen im zweiten
Wahlgang das Zuſammengehen mit den anderen Linksparteien,
erhielt 2045 Stimmen, der Antrag Renaudel, der den Departe=
mentsverbänden
der Partei anheimſtellen will, welche Taktik ſie
wählen ſollen, 960 Stimmen.
Zu Beginn der Nachmittagsſitzung des Nationalrats der
Sozialiſtiſchen Partei hat dieſer einſtimmig eine Tagesordnung
zugunſten der engliſchen Bergarbeiter angenommen, in der von
den Feſtſtellungen, ausgegangen wird, daß der Mißerfolg des
engliſchen Proletariats ein Mißerfolg für das Weltproledariat führern in eindeutigſter Weiſe klar gemacht, daß keine Aisſicht auf Bei=
ſei
würde, und daß folglich zu fordern ſein werde: 1. daß in
Frankreich eine energiſche Aktion unternommen werde, um die
kämpfenden engliſchen Arbeiter mit Geld zu unterſtützen, und
2. daß die franzöſiſche Sektion vor der geſamten Internationale
dern und intenſiver zu geſtalten und jede weitere Maßnahme zu
ergreifen, und ſie zu unterſtützen. Alsdann hat der Nationalrat
die Beſprechung des Falles Paul Boncour begonnen, d. h. die
Frage zu prüfen, ob ein Sozialiſt eine bürgerlich=franzöſiſche
Regierung im Völkerbund vertreten könne oder nicht.

Dienstag, den 2. November 1926

Vom Tage.
Heute treten in Berlin die Finanzminiſter zu Beratun=
gen
über einen Referentenentwurf zum Finanzausgleich zuſammen.
Ebenſo tritt der Auswärtige Ausſchuß zuſammen. Ferner wird
ſich eine Kabinettsſitzung erneut mit der Erwerbsloſenfrage beſchiftigen.
Der deutſche Botſchafter in Rom, Freiherr von Neurath,
hat Muſſolini die Glückwünſche der deutſchen Regie=
rung
zu dem Fehlſchlag des Attentates zur Kenntnis gebracht.
Der franzöſiſche Außenminiſter Briand hat an Muſ=
ſolini
anläßlich des Mißlingens des gegen ihn gerichteten Attentates
ein Glückwunſchtelegramm gerichtet.
Wie verlautet, verhandelt der ungariſche Finanzminiſter mit einem
Der Generalrat der Sozialiſtiſchen Partei verſammelte ſich geſtern amerikaniſchen Bankenkonſortium über die Gewährung einer
iſche Landwirtſchaft beſtimmt ſein ſollen. Die Anleihe würde
Baldwin hat ſich nach ſeiner Rückkehr nach London mit mehreren
Kollegen im Außenminiſterium über den Grubenkonflikt be=
ſprochen
.
Nach dem amtlichen amerikaniſchen Funkdienſt hat der nach Paris
zumickgekehrte amerikaniſche Botſchafter Herrick von Coolidge den Auf=
trag
erhalten, Poinearé mitzuteilen, daß Frankreich das amerikaniſche
Schuldenabkommen unterzeichmen müſſe.
Die türkiſche Nationalverſammlung nimmt ihre
Arbeiten am 1. November wieder auf und wird u. a. die Pläne be=
unter
Bedingungen gemacht, die annehmbar geweſen wären. Nachdem handeln, gewiſſe Aenderungen in der republikaniſchen türkiſchen Ver=
faſſung
zu beſchließen,
Der perſiſche Botſchafter in Konſtantinopel dementiert offiziell
den Abſchluß eines Sicherheits= und Hilfs= Bündniſ=
liſten
und Radikalen ſich etwas geändert habe. Die früheren Be= ſes zwiſchen Perſien, Rußland, der Türkei und
Afghaniſtan.
Die amerikaniſche Regierung hat beſchloſſen, in Abeſ=
ſinien
einen Geſandſchaftspoſten zu errichten.
In den Vereinigten Staaten nimmt die Wahlkampagne
für die am Dienstag ſtattfindenden Kongreßwahlen die ge=
ſamte
Aufmerkſamkeit der Preſſe in Anſpruch. Zur Diskuſſion ſtehen
nur innerpolitiſche Fragen. Die Außenpolitik wird kaum geſtreift.
Die neue Lage
im engliſchen Bergarbeiterſtreif
Unhaltbare Stellung der Arbeiterſchaft. Vor
dem Ende des größten Induſtriekampfes?
EP. London, 1. November.
Die 26. Woche des Kohlemſtreiks beginnt unter Anzeichen, die dar=
auf
hinweiſen, daß der größte Induſtriekampf, den Groß=
britannien
je erlebt het, in Kürze mit einer völli en Nieder=
lage
der Arbeiter zu Ende gehen wird. Heute werden voraus=
Der Generalrat der Sozialiſten=Partei ſichtlich die Informatoriſchen Beſprechungen zwiſchen dem Kongreß der
Trade Unions und der Regierung weitergehen. Morgen wird der Voll=
zugsausſchuß
der Bergarbeiterförderation zu einer Disuſſion der in den
verſchiedenen Kohlendisdrikten beſtehenden Tendenzen zuſammentreten.
EF: Paris, 1. Nobember. Gleichzeitig haben die zwölf Transport= und Eiſenbahnerverbände ſich
für oder gegen ein Kohlenbeförderugsverbot zu entſcheiden, worauf
dann Mittwoch die Vollzugsausſchüſſe von 22 dem Kongreß der Trade
Unions angeſchloſſenen Verbänden in dieſer Frage ſowie über eine all=
gemeine
Abgabe zu Gunſten der Bergarbeiter Beſchluß faſſen werden.
Es iſt ziemlich ſicher mit einer glatten Ablehnung in beiden Punkten
zu rechnen. In der morgigen Sitzung des Vollzugsausſchuſſes wird auch
das Datum für die nationale Konferenz der Bergarbeitevdelegierten
feſtgelegt werden, die über die Annahme von Bezirksabkommen beraten
ſoll. Man erwartet die Einberufung für Donnerstag oder F:4ag.
Die Preſſe nimmt allgemein an, daß dieſe Beſprechungen den
Bergarbeiterführer nach dem Fehlſchlag der Bemühungen des Kriegs=
rates
, die wieder arbeitenden Bergleute, zur Rückkehr in den Streik zu
veranlaſſen, den Rückzug aus ihrer unhaltbaren Stel=
lung
ermöglichen ſollen. Die Morning Poſt erklärt, vor Ablauf der
Woche würden die Bergarbeiter wiſſen, daß ſie ſich ergeben müßten,
entweder den Grubenbeſitzern oder dem Generalrat der Trade Unions.
Die Daily Mail behauptet, der Generalrat habe den Bergarbeiter=
legung
des Streik=s beſtehe, falls ſie nicht jeden Gedankeki an ein natio=
nales
Abkommen under Beibehaltung der früheren Arbeitszeit aufgeben.
Das Blatt erklärt rund heraus, daß die Beſtrebungen, die Regierung
für einen Vorſchlag zu gewinnen, wonach die Bezirksabkommen eine
den Antrag ſtelle, die in Frankreich begonnene Bewegung zu för= Reihe von nationalen Beſtimmungen enthalten ſollen und die Regie=
rung
einen nationalen Kontrollausſchuß einſetzen ſoll, nur dazu be=
ſtimmt
ſeien, die Bergarbeiterförderation zu retten, und daß daher die
Grubenbeſitzer es ablehnen würden, darüber zu verhandeln.
Am Samstag wurde bekanntgegeben, daß die engliſchen Bahnen
bis zur Sicherſtellung einer genügenden Brennſtoffverſorgung hundert
Züge ausfallen laſſen werden.

Zum Reichstagsbeginn.
Eine Fülle von Aufgaben. / Die Kräfte zwiſchen
Rechts und Links. / Die Möglichkeiten einer
Erweiterung der Regierungsbaſis.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Nach den ſehr ausgedehnten Sommerferien nimmt der Reichs=
tag
am Mittwoch ſeine Beratungen wieder auf. Es wird, wenn
er nur halbwegs ſeine Aufgaben erfüllen will, ein arbeitsreicher
Winter werden. Wir ſind ja bisher ſchon ein ſehr raſches Tempo
der Geſetzgebungsmaſchine gewöhnt, der aber noch das Organiſche
fehlte. Immer noch ſteht auf den meiſten Gebieten die Ein=
fühlung
des Rechtes an die neuen Verhältniſſe aus. Um nur einen
kurzen Auszug zu geben, ſo wäre das Reichsſchulgeſetz, das Dil=
taturgeſetz
, das Arbeitsſchutzgeſetz, das Geſetz über die Arbeitszeit
und die Erwerbsloſenfürſorge, das neue Strafgeſetzbuch, der Zoll=
tarif
, das Geſetz über den Finanzausgleich und den endgültigen
Reichswirtſchaftsrat, ein Programm, das die Zeit eines arbeits=
fähigen
Reichstags für länger als ein Jahr feſtlegen müßte. Aber
die Vorausſetzung iſt dabei immer der arbeitsfähige
Reichstag, ein Parlament, das nicht nur Partei=
politik
, ſondern auch Staatspolitik machen will und
dazu auch die Verantwortung für unpopuläre Maßnahmen
aufſichnimmt. Daran fehlt es aber bei uns in hohem Maße,
und das wird ſich auch im kommenden Winter, wie zu befürchten
iſt, zeigen. Die einzige Hoffnung auf eine verhältnismäßig ruhige
Entwicklung liegt ſchließlich darin, daß die Kräfte zwiſchen
Rechts und Links gerade hinreichend balanciert ſind um
einem Minderheitskabinett der Mitte Gelegenheit zu einer Politik
der kleinen Fortſchritte zu geben. Solange bleibt Zeit, hinter den
Kuliſſen einen Verſuch zur Erweiterung der Regie=
rungsbaſis
zu machen.
Was der Reichskanzler darüber in Erfurt geſagt hat, mag
vom Zentrumsſtandpunkt aus ſehr richtig ſein, beurteilt aber doch
Sonne und Wind nicht gleichmäßig. Das Zentrum hat den Ehr=
geiz
, aus einer inneren Kriſe herauszukommen. Es war ohne=
hin
ſchon gezwungen, die Scheidewand nach links durch die Vor=
bereitung
ſeines Austritts aus dem Reichsbanner ſchärfer her=
auszuarbeiten
. Wahrſcheinlich hat ſich aber gerade deshalb der
Kanzler gehütet, die Möglichkeit einer Verbreiterung der Regie=
rung
nach rechts hin anzudeuten. Und darin ſteckt das Falſche
ſeiner Rechnung. Wie die Dinge liegen, ſind das Zentrum
und die Demokraten für eine Zuſammenarbeit
mit den Deutſchnationalen nicht zu haben. Sie haben
nur Sehnſucht nach den Sozialdemokraten, und die Deutſche
Volkspartei hat keine Veranlaſſung, da ein prinzipielles Nein zu
ſagen. Sie verlangt nur, daß, wenn ſolche Verhandlungen ge=
führt
werden ſollen, ſie von der Aufſtellung eines Arbeitspro=
gramms
ausgehen, das der neuen Regierung wenigſtens für ein
halbes Jahr Sicherheit bietet. Bei den Sozialdemokraten kämpfen
die Geiſter miteinander. Der rechte Flügel möchte in die Regie=
rung
hinein, der linke möchte nicht, weil er aus parteitaktiſchen
Gründen die Veranwwortung für ſozialpolitiſche Maßnahmen, die
im kommenden Winter vielleicht unvermeidlich werden, nicht auf
ſich nehmen will. Auch der Vorwärts benutzt jede Gelegenheit,
um von der Regierung abzurücken und der Sozialdemokratie die
Stellung einer Partei zu ſichern, die nicht in der Regierung ſitzt,
aber alle Vorteile einer Regierungspartei durch den Einfluß ihrer
Mandate erzwingt. Wenn alſo nicht ein ſtarker Umſchwung in=
nerhalb
der Sozialdemokratie hier plötzlich einſetzt, iſt damit zu
rechnen, daß die Sozialdemokraten die Verhandlungen über einen
Eintritt in die Regierung ablehnen. Die Folge davon wird
ſein, daß dann eine Verſtändigung über ein Arbeitsprogramm un=
möglich
iſt, weil die Gegenſätze ſozialpolitiſcher und finanzpoli=
tiſcher
Art zu groß ſind. Trifft das aber zu, dann verlangt die
Deutſche Volkspartei das Recht, daß nun aber auch mit den
Deutſchnationalen, verhandelt wird, die keinen Zweifel
darüber gelaſſen haben, daß ſie zur Uebernahme der
Verantwortlichkeit bereit ſind. Mag ſein, daß auch
hier ein Regierungsprogramm nicht aufzuſtellen iſt. Jedenfalls
müßte es aber verſucht werden, wenn das Zentrum und die De=
mokraten
ſich nicht nachſagen laſſen wollen, daß der Parlamenta=
rismus
für ſie nur in dem Zuſammengehen mit Parteien beſteht,
die ihnen aus beſonderen Gründen ſympathiſch ſind. Denn die
Arbeit mit wechſelnden Minderheiten läßt ſich doch für eine Min=
derheitsregierung
nur eine beſtimmte Zeit fortſetzen, bis eine der
Flügelparteien die Gelegenheit zur Kriſis und zum nachfolgen=
den
Wahlkampf für günſtig hält. Das tun die Sozialdemokraten
gerade nach dem Wahlergebnis von Sachſen heute noch nicht. Die
Deutſchnationalen haben vermutlich auch kein Intereſſe daran,
Winterwahlen zu machen. Bis in das Frühjahr hinein könnten
alſo Seiltänzerkunſtſtückchen die Regierung halten, länger aber
nicht.

* Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. Montag, den 1. November 1926.
2. Sinfonie=Konzert.
F. N. Ein klaſſiſch=romantiſcher Abend für Antimoderniſten.
Roſenſtock, früher uns ſaſt nur als Dirigent und Interpret
neueſter Kunſt entgegentretend, nun als abgeklärter Führer auf
dem Siegeszug durch die älteren Konzertwerke. Und er führt gut
und mit einer ſolch überlegenen Beherrſchung des klaſſiſchen
Stils an den Mozartſchen Opern und dem Fidelio erfuhren
wir es ja längſt , daß man faſt glaubte, einen Dirigenten der
alten Schule vor ſich zu haben. Echte Muſizierfreudigkeit, liebe=
volle
Hingebung auch an ſcheinbar geringfügige Kleinigkeiten
geben ihm ſo das rechte Verhältnis zu Mozart und Haydn. Oder
iſt es vielleicht auch die Wendung zu einem neuen Objektivismus,
der durch die neueſte Kunſt geht, die Abkehr von dem allzu ſehr
von Gedanken und Empfindungen Belaſteten von geſtern, die
Wiederentdeckung des Muſikantiſchen, was uns ebenſo vorwärts
wie rückwärts zu Händel und Mozart treibt?
Noch vor wenigen Jahren traf man Serenaden und Diverti=
menti
von Mozart faſt nie auf den Programmen von Sinfonie=
konzerten
, ſie ſchienen zu unbedeutend, zu anſpruchslos, zu wenig
pathetiſch. Heute freuen wir uns von Herzen an der Voraus=
ſetzungsloſigkeit
einer ſolchen Suite von Mozart, in der noch
einmal der Geiſt des 18. Jahrhunderts, die Luſt am Tanz= und
Charakterſatz, die Freude am konzertierenden Gegenſpiel ver=
ſchiedener
Gruppen im Gegenſatz zum Ganzen ſich auslebt. Wir
geſtehen freilich, daß gerade für ein derartiges Werk das Kleine
Haus einen noch beſſeren Rahmen abgibt und wären dankbar,
wenn dort zuweilen Kammerorcheſter=Konzerte ſtattfinden würden.
Die Ausführung des Divertimento entſprach ganz ſeinem
Geiſt. Grazie und feiner Konverſationsgeiſt, Herz und doch leich=
tes
Blut beherrſchen ihn. Weit fortſchrittlicher im Sinn der Ent=
wicklung
nach dem klaſſiſchen Stil hin iſt das D=Dur= Violoncell=
konzert
von Haydn. Im Gegenſatz zu der ſehr flüſſigen Tempo=
nahme
bei Mozart wurde es ſehr gemeſſen und faſt würdevoll
geſpielt und wirkte durch die Schönheit der Gedanken wie durch
den überaus klaten Aufbau. Vom Orcheſter ſehr rückſichtsvoll
begleitet, wirkte als Soliſt Hans Münch=Holland aus Leip=
zig
, der als Könner und als Künſtler ſich wärmſte Sympathien
erwarb. Geſtattet ihm ſein Inſtrument auch keinen beſonders
großen Ton, ſo iſt die Klarheit und techniſche Sauberkeit ſeines
Spiels, verbunden mit der feinen dynamiſchen Abftufung beſon=
ders
nach den verſchiedenen Nüancen des piano hin, ganz hei=
vorragend
, ebenſo die Natürlichkeit und ungekünſtelte Wahrheit
des Vortrags. Ganz beſonders ſchön war der Mittelſatz, in dem
die Wärme der Empfindung am ſtärkſten hervortrat,

Faſt noch bedeutſamer erſchien uns der Vortrag der Cello=
ſuite
in D=Moll von Max Reger, eines der ſpäten und ganz be=
ſonders
abgeklärten Werke des Meiſters, das von wahrhaſt klaſſi=
ſcher
Vollendung iſt. Reger, der trotz ſeines ganz modernen
Empfindens am weiteſten Zurückblickende unter den Spätroman=
tikern
, formt in den vier Sätzen derart meiſterhaft, fühlt ſich in
den Sinn der alten Suite derart genial ein, daß er der erſte
Komponiſt iſt, deſſen Namen man in dieſen Formen neben den
Bachs ſtellen kann. Und von der gleichen Vollendung und Ab=
klärung
wie die Kompoſition war auch ihre Wiedergabe, durch
die ſich der noch junge Künſtler in die Reihe der beſten und an=
erkannteſten
Meiſter ſeines Inſtrumentes ſtellte. Möge er die
Echtheit und Wahrheit ſeiner Empfindungskraft nie vertauſchen
mit der Effekthaſcherei des muſikaliſchen Amerikanismus, gegen
den deutſche Muſikalität energiſch den Kampf aufnehmen muß.
Zuletzt erklang die vierte Sinfonie von Johannes Brahms,
der für Reger in ſeinem Zurückſchauen auf alte Formen eines
der ſtärkſten Vorbilder war. Hat doch kein Romantiker ſich ſo
eng wie Brahms an die thematiſche und motiviſche Durchfüh=
rungs
= und Steigerungstechnik Beethovens angelehnt wie er
(erſter Satz), fühlen wenige ſo ſtark den Geiſt des Scherzos nach
(dritter Satz), ja, die Anklänge an die alten Kirchentonarten
(zweiter Satz) und die ſtrenge Nachahmung der alten Variations=
form
der Paſſacaglia im letzten Satz, der aus lauter Verände=
rungen
über einem nur acht Takte langen Baßthema beſteht,
führen ihn noch weiter zurück. Und doch nirgends hiſtoriſche
Nachahmung, ſondern überall innere Notwendigkeit, die den
ſchwerblütigen Frieſen zu dieſen Ausdrucksmitteln führt. Die
Aufführung gab wieder Veranlaſſung, den ſicheren Willen und
die fabelhafte Einfühlungskunſt unſeres Roſenſtock zu bewundern.
Einzig und allein das Hauptthema des erſten Satzes ſchien uns
für Brahms etwas zu flüſſig aufgefaßt, wenigſtens ſind wir
durch die Tradition eines Steinbach gewöhnt, ſchon bei Beginn
im ptrotz aller Unruhe etwas von der Schwere zu ahnen, die ſich
ſpäter in der kanoniſchen Führung von Bäſſen und Violinen
entlädt. Ganz herrlich kam der zweite Satz zur Geltung, in
äußerſter Klarheit erſtanden die zahlreichen Gegenſtimmen. Auch
der eigenwillige Humor des Allegro gioeoso und die elementare
Wucht des Schlußſatzes kamen zu ſtärkſter Wirkung. Der ſtarke
Beifall, der ebenſo wie dem Soliſten auch Roſenſtock zuteil wurde,
möge dieſem zeigen, wie dankbar man es empfindet, daß er die
Kunſt bei uns auf einer Höhe hält, die einen Dilettantismus, wie
er in mittleren Städten ſo leicht zur Herrſchaft gelangen kann,
unmöglich macht. Der überaus ſtarke Widerhall. den die von
ihm geleiteten Aufführungen während der Reichsſchulmuſikwoche
überall in Deutſchland in der Preſſe fanden, bewies dies aufs
deutlichſte.

4Herbſikonzert im Feſiſaal der Turngemeinde.
Wir haben in Darmſtadt verſchiedene leiſtungsfähige Männer=
geſangvereine
, welche ihren Rang dem vorzüglichen Stimm=
material
und dem Führertalent ihrer Dirigenten verdanken. Zu
dieſen Vereinen gehört der Liederzweig, und zu dieſen
Dirigenten gehört der Chormeiſter Wilhelm Etzold. Man
kommt zu den Konzerten des Liederzweig ſtets mit nicht ge=
ringen
Erwartungen und freut ſich immer wieder, daß dieſe Er=
wartungen
voll und ganz erfüllt werden. So war es auch dies=
mal
. Die ausgezeichnet klingenden Stimmen der Sänger ſind
von Herrn Etzold zu einem eindrucksvollen Ganzen zuſammen=
geſchweißt
. Und neben der Fülle des Tons beſticht immer wieder
die muſtergiltige Ausſprache und die Plaſtik des Vortrags. Die
Darbietungen der Sänger beſtanden in zwei Männerchören von
Fr. Abt, Sonntags= und Waldandacht, Morgenlied von Ritz,
Die Hütte von Kaun und dem in prächtiger Klangfülle das
Konzert beſchließenden Es maß doch Frühling werden von
Brambach, einem harmoniſch nicht einfachen, durch die ewigen
Textwiederholungen (dem Schmerzenskind der Männerchorlite=
ratur
) in ſeiner Geſamtwirkung beeinträchtigten, aber zum Schluß
glänzend geſteigerten Werke, welcher wie alle Darbietungen
lauten und wohlverdienten Beifall des den Saal ganz füllenden
Publikums fanden. Herr Etzold verſteht gute Programme zu
machen, ſie ſind alle auf einen einheitlichen Ton geſtimmt und
wecken bei der Zuhörern nach Auswahl und Durchführung Ver=
ſtändnis
und Behagen. Umrahmt waren dieſe Chordarbietungen
von dem immer ſympathiſchen Schnurrbuſch=Quartett.
den Herren: Schnurrbuſch, Jäger, Horn und Klam=
mer
, welche in ihrer liebenswürdigen und unaufdringlichen Art
ein Streichquartett von Haydn und zwei für Streichquartett
arrangierte Stücke von Grieg und Raff brachten, dem Publikum
ſo zu Dank, daß eine kleine Schubert=Zulage, folgen mußte.
Der junge Darmſtädter Sänger J. Hermann, früher Schüler
der Geſangspädagogin Fräulein Weber und jetzt in der neu=
gegründeten
Opernſchule der Städtiſchen Akademie (Geſangsklaſſe
Profeſſor Beines) war als Soliſt tätig. Er zeigte in zwei Bal=
laden
des in Darmſtädter muſikaliſchen Kreiſen wohlbekannten,
jüngſt verſtorbenen Geheimrat Steinfeld, ebenſo wie in Liedern
ſeines Meiſters Beines, deſſen zum Teil ganz reizende Lieder in
der letzten Zeit zu unſerer Freude öſter gehört werden, daß er
auf dem beſten Wege iſt, die Hoffnungen, die ſeine Lehrer an
ſeine Ausbildung knürfen, zu erfüllen. Stimme und Vortrag
entwickeln ſich prächtig. Dieſer Meinung waren geſtern auch alle
Leute, denn ſie dankten dem jungen Baritoniſten und ſeinem
vorzüglichen Begleiter, Herrn Profeſſor Beines, durch rau=

ſchenden Beifall.

O.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Berliner Thoirh=Verhandlungen.
Eine deutſche Befreiungsanleihe.
* Berlin, 1. Nov. (Priv.=Tel.)
Heute nachmittag trat in Berlin der interminiſterielle Aus=
ſchuß
, beſtehend aus dem Außen=, Finanz= und Wirtſchaftsmini=
ſter
zuſammen, um die Unterſuchungen von den verſchiedenen
Reſſorts über die Durchführung des Thoiry=Planes
gegeneinander abzuwägen und zu verwerten. Führend in dieſem
Ausſchuß iſt der Reichsaußenminiſter, der von ſeiner Krankheit
wieder geneſen iſt und der auch morgen im Auswärtigen Aus=
ſchuß
des Reichstags über den Stand der Dinge berichten wird.
Vermutlich ſind alle dieſe Verhandlungen, vor allem die Bera=
tungen
des Thoiry=Ausſchuſſes geheim. An dem
offiziellen Standpunkt der Regierung, wie er immer wieder von
den zuſtändigen Stellen unterſtrichen wird, hat ſich nichts ge=
ändert
.
Es handelt ſich, um es noch einmal kurz zu ſagen, um die
Grundfrage, wie man für Frankreich eine für ſeine Währungs=
ſtabiliſierung
erforderliche Summe flüſſig macht, um von Frank=
reich
, von dem ein gleiches Entgegenkommen im Intereſſe der Be=
friedung
Europas erwartet wird, die Zurückziehung der Be=
ſatzungstruppen
aus dem Rheinland zu erhalten. Das einzig
Poſitive, das über die Technik des Planes bisher bekannt iſt, iſt
die Mobiliſierung eines Teiles der Dawesobligationen. Wie das
geſchehen ſoll und welche Konſequenzen finanzpolitiſcher Natur
eine ſolche Mobilmachung nach ſich zieht, iſt das Problem, das die
Reſſorts beſchäftigt. Leider iſt, wie ſchon ſo oft, auch jetzt wieder
Paris der Teil, der die Oeffentlichkeit informiert, und zwar
beſſer als die deutſchen Amtsſtellen. Es iſt wiederholt darauf
hingewieſen worden, wie leicht derartige Pariſer Informationen
geeignet ſind, auch die Oeffentlichkeit irrezuführen, ohne daß eine
erfolgreiche Gegenwirkung von deutſcher Seite aus gleich zur
Hand wäre.
So weiß heute wieder der Berliner Korreſpondent des
Perit Pariſien über drei Projekte zu berichten, die die
deutſchen Finanzſachverſtändigen ausgearbeitet hätten, von denen
das erſte den Verkauf von Eiſenbahnobliga=
tionen
, das zweite eine deutſch=franzöſiſche
Anleihe unter Verpfändung der Eiſenbahn=
obligationen
und das dritte eine ſogenannte
deutſche Befreiungsanleihe zur Grundlage hat. Der
Korreſpondent bringt dabei Zahlen von recht phantaſtiſcher Höhe.
Er errechnet einen Finanzbedarf Frankreichs von zwei Mil=
liarden
und dafür eine Veräußerung von ſechs Milliarden Obli=
gationen
, bei einem Ausgabekurs von 72 Prozent, was bei einem
Zinsſatz von 5 Prozent und unter Annahme von hohen Bank=
proviſionen
vielleicht richtig gerechnet wäre wenn die Voraus=
ſetzungen
ſtimmten. Aber bei den Einzelheiten braucht man ſich
nicht aufzuhalten. Intereſſanter ſcheint, daß der Verbauf der
Obligationen, um den Finanzbedarf Frankreichs, von übrigens
nur einer Milliarde Franken, zu decken, als ſolcher nicht mehr
ſehr ausſichtsreich iſt, zumal Frankreichs Anteil darum nur
52 Prozent beträgt.
Auch der zweite Vorſchlag einer gemeinſamen deutſch= fran=
zöſiſchen
Anleihe iſt bereits früher als unannehmbar bezeichnet
worden. Auch hier iſt vor allem zu berückſichtigen, daß eine
ſofortige Finanzhilfe für Frankreich nur im
Nahmen des Dawes=Programms, bzw. der darin

niedergelegten Belaſtungen des Reiches gewährleiſtet wer=
den
kann, zumal da eine Endſumme für die Reparationen über=
haupt
noch nicht feſtſteht, und es eine ſehr komplizierte Frage
wäre, wie die Anſprüche der übrigen Reparationsgläubiger unter
dieſen Umſtänden befriedigt werden ſollen. Ganz abgeſehen von
der Frage der Garantierung einer ſolchen Anleihe, die doch von
beiden Parteien übernommen werden müßte.
Demgegenüber ſcheint eine Löſung noch verhältnismäßig ein=
fach
, die der Berliner Korreſpondent als deutſche Be=
freiungsanleihe
bezeichnet, die aber keineswegs ſo auf=
gefaßt
werden kann, als ob eta Deutſchland nun allein und auf
einen Schlag den Finanzbedarf Frankreichs aus ſeinem Etat her=
auswirtſchaften
könnte. Das genannte Blatt ſpricht bereits da=
von
, daß ſich bei dieſem Plan eine ſtarke Auslandsbetei=
ligung
als notwendig erweiſen würde. Aber auch auf
dieſes Projert kommen die Grundſätze zur Anwendung, die zum
Teil für eine deutſch=franzöſiſche Anleihe gelten, daß nämlich die
flüſſig zu machende, durch eine deutſche Anleihe zu garantierende
Zahlung ſich im Rahmen, der deutſchen Geſamtverpflichtungen
hält und die Höhe dieſer Geſamtverpflichtung erſt einmal feſtge=
ſetzt
werden müßte. Die Zahlung würde ſich alſo als eine Art
Vorſchuß auf die an Frankreich im Laufe der Jahre zu zahlende
Reparationsleiſtung darſtellen, und wenn ſich Deutſchland alle
Mühe gibt, Frankreich früher als im Dawesplan vorgeſehen in
den Genuß eines Teiles der Reparationszahlungen zu ſetzen,
dann kann das natürlich nicht geſchehen, ohne daß Frankreich vor
Ablauf der Räumungsfriſten die Rheinlande räumt, was es
ebenſo nach dem Verſailer Vertrag erſt nach Erfüllung der deut=
ſchen
Verpflichtungen tun kann und was es eigentlich tun müßte,
wenn das Garantieabkommen von Locarno überhaupt einen
Sinn haben ſoll.
Es iſt zweifellos, daß derartige Projekte in den Vorarbeiten
der Reſſorts eine Rolle ſpielen, obgleich betont werden muß, daß
es ſich hier nur um Erwägungen handelt, die vielleicht aber wur
den Charakter eines Referentenentwurfes tragen. Vor allem
ſind ja auch noch viele Vorfragen zu klären, und alles in allem
iſt die Zuſtimmung des Reparationsagenten, der Reparations=
gläubiger
und des internationalen Großkapitals erforderlich,
während Frankreich in jedem Falle das Waſhingtoner Schuulden=
abkommen
wird ratifizieren müſſen. Daneben ſind aber politiſche
Konzeſſionen Deutſchlands ganz ausgeſchloſſen. Und ſo erfreulich
es iſt, wenn Herr Sauerwein im Matin von der Notwendigkeit
der Rheinlandsräumung ſpricht und feſtſtellt, daß eine deutſch=
franzöſiſche
Zuſammenarbeit die Mitarbeit Italiens bei dieſer
Friedenspolitik abſolut nicht ausſchließt, ſo ſehr wird man ſich
dagegen wehren müſſen, daß dieſer Briand=Offizioſus mit der
Idee der Locarniſierung ganz Europas, doch wieder politiſche
Zugeſtändniſſe Deutſchlands hineinſchmuggeln möchte, Konzeſſio=
nen
, die Deutſchland auf gar keinen Fall wird machen können.
Eine Boiſchaft der Generals Kondylis.
Aus Athen wird gemeldet, daß der General Kondylis eine
Botſchaft an das griechiſche Volk im Hinblick auf die Parlaments=
wahlen
am nächſten Sonntag erlaſſen hat. Er erklärt darin, daß
ſeine Regierung nur ausnahmsweiſe verfaſſungswidrige Maß=
nahmen
ergriffen habe. Sie wollte dadurch in erſter Linie die
Freiheit des Volkes in der Zukunft ſicherſtellen und diejenigen,
die dieſe Freiheit verletzten, beſtrafen. Das Ziel der Regierung
beſtehe darin, das normale parlamentariſche Leben wiederherzu=
ſtellen
, und dieſes Ziel würde durch die Wahlen erreicht werden.

Nachklänge zum Landsberger
Fememordprozeß.
Severing und Geßler.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die große Polemik, die ſich an die Landsberger Fememord=
prozeſſe
anſchließt, geht ihren Weg weiter. Herr Severing, der
ehemalige ſozialdemokratiſche Innenminiſter Preußens, veröffent=
licht
im Montag Morgen eine ewas gewundene Erklärung,
worin er um die Dinge herumredet, aber doch jede Kenntnis der
Arbeitskommandos leugnet, während der Reichswehrminiſter im
Berl. Tageblatt das Gegenteil behauptet. Er weiſt darauf hin,
daß die Arbeitskommandos ja durchaus legal waren, und daß die
preußiſche Regierung von der Errichtung und der Tätigkeit der
Arbeitskommandos Kenntnis hatte. Im übrigen wird wahr=
ſcheinlich
das Gericht noch Gelegenheit haben, ſich mit der Sache
zu beſchäftigen. Der Montag Morgen bringt ein ſehr großes
Bild, worin er unter den Angeklagten von Landsberg auch den
Schatten des Reichswehrminiſters aufführt und außerdem hinzu=
fügt
: Unter den Angeklagten fällt beſonders die Abweſenheit
des Reichswehrminiſters auf. Auch uns ſcheint, als wenn mit
dieſem Witz die Vorausſetzungen des Republikſchutzgeſetzes ge=
geben
ſind, und man um ein amtliches Eingreifen wohl nicht
herumkommt.
Der neue Preſſechef.
* Berlin, 1. Nov. (Priv.=Tel.)
Die offizielle Ernennung des neuen Untergeneralſekretärs
beim Völkerbund, Dufour wird vermutlich noch bis Anfang
Dezember dauern. In amtlichen Kreiſen überlegt man zurzeit,
ob es nicht zwechmäßig iſt, Herrn Dufour, da die Ernennung doch
nur eine Formſache iſt, zu beurlauben, weil ſein Platz, der mit
ſeinem Weggang nach Genf frei wird, für den jetzigen Reichs=
preſſechef
gebraucht werden ſoll und es nicht wünſchenswert iſt,
die Neubeſetzung des Poſtens des Reichspreſſechefs mitten in
der parlamentariſchen Höchſtſaiſon vorzunehmen. Herr Dr. Kiep
wird alſo vermutlich in kurzer Zeit aus ſeiner Stellung ausſchei=
den
und nach London gehen.
Ueber ſeine Nachfolgeſchaft war ein ſtarker Wettkampf zwi=
ſchen
Zentrum und Sozialdemokvaten ausgebrochen. Man be=
hauptet
neuerdings, daß das Zentrum ſeine vermeintlichen An=
ſprüche
auf dieſen Poften aufgeben und ſich damit abfinden will,
wenn der bisherige Miniſterialdirigent Dr. Zechlin, der ſich
den Sozialdemokraten zuzählt, die Leitung der Preſſeabteilung
der Reichsregierung übernimmt, unter der Vorausſetzung, daß
dann die Stelle des Dirigenten der Abteilung, die einen ausge=
ſprochenen
Beamtencharakter darſtellt, für das Zentrum reſerviert
bleibt. Hier ſoll Herr v. Brentano, der bei der Botſchaft in
Rom ſitzt und auch ſchon für Genf genannt war, die meiſten
Ausſichten haben.

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Nummer 304

Seite 5

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadi, 2. November.
In den Ruheſtand verſetzt wurde: am 25. Oktober 1926: die
Lehrerin an der Volksſchule zu Finthen, Kreis Mainz, Anna Hillen=
brand
auf ihr Nachſuchen wegen geſchwächter Geſundheit vom 1. Nov.
1926 ab.
Heſſiſches Landestheater. Die nächſte Wiederholung von Bertolt
Brechts lebhaft umſtrittenem und beſprochenem Luſtſpiel Mann iſt
Mann mit Generalintendant Ernſt Legal als Galy Gay iſt für
morgen, Mittwoch, abends 7½ Uhr, im Großen Haus angeſetzt. Wie
bereits mitgeteilt iſt, an das Landestheater die Einladung ergangen, mit
dem Werk im Frankfurter Schauſpielhaus zu gaſtieren. Die Aufführung
wird als erſtes der angehindigten Austauſchgaſtſpiele mit den Frank=
furter
Städtiſchen Bühnen am Mittwoch, den 24. November, ſtattfinden,
während an dieſem Abend das Frankfurter Schauſpielhaus Paul Korn=
felds
neueſtes Werk Kilian im Landestheater zur Aufführung
bringen wird.
Am Samstag, den 6. November bringt das Landestheater im
Kleinen Haus drei intereſſante Erſtaufführungen: zu Beginn, das
Perſiſche Ballett von Egon Welleſz, einem der eigenartigſten
unter den modernen Tondichtern, der ein Schüler Arnold Schönbergs
und in deſſen Bahnen ſich bewegend weſentlich durch ſeine an vielen
Bühnen aufgeführte Oper Alkeſtis ſich einen Namen geſchaffen hat,
und mit dem oben erwähnten Ballett überhaupt zum erſten Male in
Darmſtadt zur Aufführung kommt; hierauf folgt die einaktige Oper
Apollo und Hyazinth, eine lateiniſche Komödie, die der
zwölfjährige Mozart komponiert hat und die bisher nur wenig gegeben
wurde. Den Schluß des Abends bildet ein Ballett nach Pergoleſe Pul=
einella
von Igor Strawinsky. Die muſikaliſche Leitung des
Abends liegt bei Kapellmeiſter Paul Gerhard Scholz, der auch die
Bühneneinrichtung der Mozartoper geſchaffen hat, die Bühnenleitung
hat Oscar Fritz Schuh, die choreographiſche Ausgeſtaltung beſorgt
Manda von Kreibig.
Es wird noch einmal beſonders darauf hingewieſen, daß die Auf=
führung
Der Raub der Sabinerinnen am Donnerstag, den
4. November, im Kleinen Haus ausnahmsweiſe denjenigen Mietern der
Miete C zugeteilt iſt, die keine Zuſatzmiete haben. Ihnen wird
die Eintrittskarte zu dieſer Vorſtellung durch die Poſt überſandt. Die
übrigen C=Mieter, denen das Werk bereits am 17. Oktober zugeteilt war,
erhalten für die ihnen entgehende Vorſtellung am Donnerstag dem=
nächſt
eine Erſatzvorſtellung.
Goethes nationale Sendung. Die Volkshochſchule veranſtaltet in
dieſem Winter eine Vorleſung zur Einführung in Goethes Weſt=
öſtlichen
Divan. Mit wundervoller Unterordnung unter dieſen
Stoff verſtand es die Dozentin, Fräulein Eva Meyer, in der erſten
Doppelſtunde aus Tagebüchern, Geſprächen und Briefen Goethes leiden=
vollen
Anteil an dem Deutſchtum der napoleoniſchen Zeit und der Frei=
heitskriege
den Zuhörern gegenwärtig zu machen; der durch die Erleb=
niſſe
unſerer eigenen Zeit erſt voll verſtändlich wird. Die erſte Vor=
leſung
ſchloß mit dem Feſtſpiel Des Epimenides Erwachen, der dichte=
riſchen
Tat, durch die ſich Goethe den Weg fvei machte zu dem neuen
Hoffen, das in den Gedichten des Weſtöſtlichen Divans ſeinen Ausdruck
fand. Der Kurſus, deſſen Beſuch auf angelegentlichſte empfohlen werden
kann, findet an jedem Mittwoch, abends 8½410 Uhr im Hörſaal 258
der Techniſchen Hochſchule ſtatt.
PA. Lutherfeſtſpiele. Die erſte Wiederholung des Grafſchen Luther=
ſpiels
Der Prophet fand am Sonntag abend vor nahezu vollbeſetztem
Hauſe ſtatt. Für Montag abend iſt eine Sondervorſtellung eingeſchoben
worden, die nur für die hieſigen Volksſchulen beſtimmt iſt. Die nächſte
Aufführung findet alsdann Dienstag, den 2. November abends
7½ Uhr, ſtatt. Bemerkt ſei bereits an dieſer Stelle, daß der Beginn der
Feſtvorſtellung am nächſten Sonntag nunmehr mit Rückſicht auf die
Auswärtigen bereits auf ½7 Uhr feſtgeſetzt worden iſt. Da dieſe Vor=
ſtellung
jedoch in der Hauptſache für die zahlreich angemeldeten Teil=
nehmer
an der Landesverſammlung des Evang. Bundes beſtimmt iſt,
werden die hieſigen Beſucher des Feſtſpiels wiederholt gebeten, ſich vor=
zugsweiſe
mit Eintrittskarten für die Vorſtellungen am Dienstag und
Donnerstag dieſer Woche zu verſehen.
Ortsgewerbeverein und Handwerker=Vereinigung Darmſtabt.
In der 2. Winterverſammlung unſerer Gewerbevereinigung, welche am
nächſten Freitag, den 5. November, im Gelben Saale des Reſtaurants
Sitte, Karlſtraße, ſtattfindet, wird Herr Profeſſor Dr. Haupt, Darm=
ſtadt
, über: Die Bedeutung des Gewerbemuſeums und der Gewerbe=
bücheref
für Gewerbe und Handwerk ſprechen. Die Gewerbebücherei,
die vor etwa 90 Jahren durch den Landesgewerbeverein begründet
wurde, bietet dem Gewerbe, dem Handwerk und der Induſtrie eine
Fülle von Hilfsmitteln, die in erſter Linie den Mitgliedern des Orts=
gewerbevereins
zu Gute kommen. Ueber die Einrichtung und die Be=
deutung
der Bücherei beſtehen vielfach Unklarheiten, zu deren Beſeiti=
gung
der Vortrag beſtimmt iſt. Die gewerblichen und kunſtgewerblichen
Schätze, welche das Gewerbemuſeum enthält, ſind ebenfalls noch zu
wenig bekannt und verdienen allſeitige Beachtung aus den Kreiſen
unſerer Mitglieder. Der Vortragende wird beſonders bemüht ſein,
die Beziehungen zwiſchen den praktiſchtechniſchen und den künſtleriſchen
Aufgaben von Muſeum und Bibliothek darzulegen. In der anſchließen=
den
Beſprechung ſoll Gelegenheit gegeben werden, beſondere Wünſche
und Anregungen der Beſucher zum Ausdruck zu bringen. Auf zahl=
reichen
Beſuch der Verſammlung wird mit Sicherheit gerechnet. Auf die
Anzeige in der heutigen Nummer wird verwieſen.
Freie Vereinigung der Spenglermeiſter und Inſtallateure Darm=
ſtadt
. Am Samstag nachmittag fand im Lokal der Geſellſchaft Eintracht,
Eliſabethenſtraße, die feierliche Ueberreichung der Geſellenbriefe für die
beſtandenen Junggeſellen im Spengler= und Inſtallationshandwerk
ſtatt. Eingeleitet wurde die beſcheidene Feier durch einige Muſikſtücke,
ſodann begrüßte der Vorſitzende des Geſellenprüfungsausſchuſſes. Herr
Spenglermeiſter Adolf Kling mit kernigen Worten die Prüflinge
und die erſchienenen Eltern und Anverwandte. Er gab einen kurzen
Rückblick über die vergangene Lehrzeit und die ſchwere Prüfungszeit,
wo jeder Prüfling ein Probeſtück ſeines Könnens ablegen durfte, und
ermahnte ſie zum treuen Feſthalten am Handwerk und die handwerk=
lichen
Gepflogenheiten. Herr Malermeiſter Kraus als Vorſitzender
des Geſellenprüfungsausſchuſſes für die Provinz Starkenburg beglück=
wünſchte
die Junggeſellen zur beſtandenen Prüfung, ermahnte ſie zur
weiteren Ausbildung in ihrem Fache und erwähnte beſonders lobend
einige aufgelegten Zeichnungen. Er gedachte der Gewerbeſchule die
nunmehr in enger Fühlungnahme mit dem Handwerk arbeitet. Es ſei
beſonders erfreulich, daß einige Prüflinge mit der Note Sehr gut die
Prüfung beſtehen konnten. Herr Obermeiſter Pohl begüickwünſchte
die Junggeſellen im Auftrage der Vereinigung der Spenglermeiſter
und Inſtallateure, und erwähnte, daß die Junggeſellen nunmehr aus
der Lehre und aus der Schule treten, und fordert ſie auf, weiter praktiſch
und theoretiſch an ihrer Ausbildung zu arbeiten, und erinnert ſie, daß
vielleicht mancher unter ihnen vor die Meiſterprüfungskommiſſion treten
würde, um ſich den Meiſtertitel zu erwerben, und dann in eine Po=
ſition
als Werkmeiſter oder ſelbſtändiger Handwerker zu treten. Hierzu
iſt erforderlich, daß außer der praktiſchen Ausbildung die theoretiſche
weiter ſchreitet und die Vorbereitungskurſe für die Meiſterprüfung
beſucht werden. Er erwähnt beſonders die gute Ausbildung in der
Fachklaſſe in der Gewerbeſchule, die von Herrn Architekt Karl Heim ge=
leitet
wird, und ſpricht ihm für ſeine Tätigkeit den wärmſten Dank aus.
Eine Beſichtigung der ausgeſtellten Geſellenſtücke beſchloß die Feier.

Dienstag,den 2. November 1926
* Die Vortragsgemeinſchaft techniſch=wiſſenſchaftlicher Vereine, der
der Mittelrheiniſche Architekten= und Ingenieur=Verein, der Verein
Deutſcher Ingenieure, die Heſſ. Elektr. Geſellſchaft und der Verband
Deutſcher Diplom=Ingenieure angehören, nahm am Freitag mit einem
Vortragsabend in der Techniſchen Hochſchule ihre Wintertätigkeit wieder
auf. Der Vorſitzende der Ortsgruppe Darmſtadt des Vereins deutſcher
Ingenieure, Herr Prof. Dr. Heidebroek, begrüßte die in großer
Zahl erſchienenen Mitglieder des Vereins und die Vertreter der befreun=
deten
Vereine. Er ſtellte den Redner, Herrn Dr.=Ing. Lorenz, von
der Firma Krupp in Eſſen, vor, den er als den Vater der Hochdruck=
Turbo=Lokomotive bezeichnete, die nicht allein ein wärmetechniſches Pro=
blem
darſtelle, ſondern auch bedeutſam für das Eiſenbahnweſen ſei. Herr
Dr.=Ing. Lorenz ſprach dann über Die Entwicklung der Hochdruck=
Turbo=Lokomotive‟. Der Redner führte aus, daß es ſchwvierig ſei, vor
Ingenieuren aller Gattungen über ein Spezialgebiet zu ſprechen, das
eigene Gedankengänge vorausſetze. Es habe leicht den Anſchein, als gehe
der Lokomotipbau eigene Wege, ganz ohne Verührung mit anderen
Zweigen der Technik. Die techniſche Entwicklung im Lokomotiobau voll=
ziehe
ſich wohl langſam, aber die Stetigkeit des Entwicklungsganges
werde von Zeit zu Zeit unterbrochen durch die Herübernahme von Er=
rungenſchaften
aus anderen techniſchen Gebieten. Das bringe etwas
Sprrnghaftes, und in einem ſolchen Zuſtand einer ſprunghaften Ent=
wicklung
befinde ſich der Lokomotivbau gegenwärtig. Der Impuls dazu
ſei von dem Kohlenmangel und der =Teurerung nach dem Kriege aus=
gegangen
, beeinflußt ſei ſie durch die Erfolge der Hochdruck=Dampfkeſſel,
der Hochdruck=Maſchinen und der Hochdruck= Turbinen. Fortſchritte im
Lokomotivbau wären in Zukunft in erſter Linie nur zu erzielen durch die
Erhöhung der Temperatur des Dampfes, des Dampfdrucks und der Kon=
denſation
. Der erſte Weg biete allerding snur noch geringe Ausſicht, am
bedeutſamſten ſei jedoch die Erhöhung des Dampfdrucks. An Diagram=
mei
zeigte der Redner, wie ſich Wärmeaufwand und thermiſcher Wir=
kungsgrad
zueinander verhalten. Eingehend verbreitete ſich der Vor=
tragende
dann über Maßnahmen zur Verhinderung der Keſſelſteinbil=
dung
; ganz vermeiden laſſe ſich ein Auftreten nicht, aber im Hochdruck=
Lokomotivhau ſuche man das Abſetzen des Keſſelſteins, ſo weit es gehe,
unmöglich zu machen. Darauf gründeten ſich im weſentlichen die ver=
ſchiedenen
Syſteme der Rohrdruckkeſſel und ihrer Anordnung, von denen
die Thpen Henſchel=Schmidt, Löffler und Krupp ausführlich an Hand
von ſchematiſchen Darſtellungen im Lichtbilde vorgeführt wurden. Be=
ſonders
eingehend wurde hierauf in den weiteren Ausführungen des
Reone: 3 die Hochdruck=Turbo=Lokomotive des Syſtems Krupp behandelt.
In ſeinen Schlußberatungen wies Herr Dr.=Ing. Lorenz u. a. auf
die Kohlenerſparniſſe dieſer Art Lokomotive hin und deutete an, wo
weitere Erſparnismöglichkeiten bei dieſem Syſtem etwa noch zu finden
wären. Wegen der hohen Oelpreiſe komme heute noch nicht eine Kon=
kurrenz
der Oelturbinen=Lokomotiven in Frage. Die Hörerſchaft dankte
lebhaft für die außerordentlich lehrreichen Darlegungen; auch Prof.
Heidebroek ſprach den Dank der Verſammlung hierfür aus. An den
Vortrag ſchloß ſich noch eine längere, anregende Ausſprache.
Steuerdruck durch falſche Bewertung. Es kann kein Zweifel dar=
über
beſtehen, daß die Finanzlage des Reiches noch auf längere Zeit
hinaus eine ſcharfe Anſpannung der Steuerkraft zur gebieteriſchen
Notwendigkeit machen wird. Wenn auch daran nach Lage der Dinge
nichts zu ändern iſt, ſo dürfen die Steuerpflichtigen doch andererſeits
erwarten, daß der Steuerdruck nicht noch über den Rahmen der geſetz=
lichen
Vorſchriften hinaus eine Verſchärfung erfährt. Das kann aber
leicht geſchehen, durch wirtſchaftlich nicht gerechtfertigte Bewertungen
der Bilanzaktiven und durch unzuläſſige Einſchränkung der Verluſt=
buchungen
(Abſchreibungen), die der Kaufmann vornehmen muß. Da,
wie Dr. Max Lion in ſeinem grundlegenden Werk Das Bilanzſteuer=
recht
zu Anfang des Kapitels Abſchreibungen beſonders darauf hin=
weiſt
, daß in keinem Punkte des Bilanzweſens eine größere Begriffs=
verwirrung
herrſcht, als gerade in dieſem, hat es Herr Dipl.=Ing. Adolf
von Lippmann unternommen, in einem bei Carl Heymann in Berlin
erſchienenen Buche über Steurliche Abſchreibungen die Bedeutung der
kaufmänniſchen Abſchreibungen in der Betriebswirtſchaft, im Handels=
recht
und im Steuerrecht eingehend zu beleuchten und auf Grund der
vorliegenden prektiſchen Erfahrungen eine Tabelle über die gemein=
gewöhnliche
Nutzungsdauer der Gegenſtände des Anlagekapitals der
verſchiedenen Gewerbebetriebe aufzuſtellen. Herr Dipl=Ing. von Lipp=
mann
wird am 3. November über das gleiche Thema im hieſigen Kauf=
männiſchen
Verein im Kaiſerſaal, Grafenſtraße, ſprechen. Näheres
ſiehe Anzeige.
Lukasgemeinde. Der Frauenverein und die Jugendvereinigung
der Lukasgemeinde laden am 3., 4. und 5. November zur Beſichtigung
einer Ausſtellung von handbedruckden Indanthrenſtoffen, Decken, Beider=
wandſtoffen
verſchiedener Handwebereien, Eigenkleidern, Künſtlerſchürzen
und kunſtgewerblichen Handarbeiten aus der Werkſtätte von Frl. Kläre
Niedecken Ober=Ingelheim a. Rh., ein. Da die Beſtrebungen für
deutſche Frauenkleidung eine wichtige Kulturaufgabe ſind, iſt der Beſuch
der Ausſtellung ſehr zu empfehlen. Sie findet im Gemeindehaus Kies=
ſtraße
17 ſtatt und iſt geöffnet am 3. November von 97 Uhr am
4 und 5. November von 99 Uhr. (Vertreterin für Darmſtadt Frau
A. Neſſel. Nieder=Ramſtädterſtraße 55.)

Scnn kain.
v Mrhta,
wenn ußter Mundgeuch
damif srlbundin s3k.
der oekes feisuskke-
und Lnfsackende
der, Aubselen Gisdeelaing,
2ae Muhle machz.
Lme Kralfige Mandemslang
4
Mit
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verbunge wich-duftenden MTem.k

* Die Oktoberſitzung des Hiſtoriſchen Vereins.
Vortrag von Prälat D. Dr. Diehl über Evangeliſche Bewegung und
Reformation.
In der Einführung wies der Vorſitzende darauf hin, daß der
Hiſtoriſche Verein ein paritätiſcher Verein ſei, d. h., daß er wie die
ernſte Geſchichtswiſſenſchaft ſtreng ſachlich die Gleichberechtigung der
beiden Konfeſſionen anerkenne. Im vorigen Jahre beging er die Elf=
hundertjahrfeier
von Seligenſtadt mit, in dieſem Jahre
begeht er und ganz Heſſen die Erinnerungsfeier an Philipp den Groß=
mütigen
und die Einführung der Reformation in Heſſen
vor 400 Jahren. Er erteile deshalb das Wort an Prälat D. Dr
Diehl, den bedeutendſten Erforſcher heſſiſcher Geſchichte und genaueſten
Kenner der heſſiſchen Reformation. Er führte etwa folgendes aus:
Es müſſen zwei Tatſachen ſtreng geſchieden werden, die evange=
liſche
Bewegung und die von der Obrigkeit ausgehende Refor=
mation
. Die Reformation von 1517 war eine religiöſe B.wegung,
die von dem mittleren Bürgerſtand ausging und ſich nach unten im
Volk verbreitete, während die Reformation, die Umgeſtaltung des vor=
handenen
Kirchenweſens auf rechtlicher Grundlage iſt. Reformation
in dieſem Sinne konnte erſt von dem Reichstage zu Speyer
1526 an beginnen, da Kaiſer Karl V. den Reichsſtänden hatte verkünden
laſſen, es ſolle jeder in Sachen des Glaubens ſo leben und vegieren,
wie er ſolches gegen Gott und kaiſerlicher Majeſtät zu verantworten
hoffe und vertraue‟. Erſt mit dieſer Eröffnung war den Fürſten und
Städten, die ſich Luthers Lehre zuneigten, die Möglichkeit zum Beginn
des Reformationswerkes gegeben. Die Bedeutung dieſes ſteherer
Neichstags wurde früher nicht erkannt, während im 16. Jahrhundert
dieſer Reichstag als ein Ereignis allererſten Ranges angeſehen
wurde, dem an Wertſchätzung ſelbſt der Wormſer Reichstag von 1520,
ja ſelbſt Luthers Theſenanſchlag von 1517 nicht gleich kam. Philipp
ließ nun von einem Anhänger Luthers, den geiſtvollen, feurigen Lam=
bert
von Avignon Sätze in lateiniſcher Sprache aufſtellen und
vorher öffentlich anſchlagen und von ſeinem Hofprediger Adam
Krafft in deutſcher Sprache erläutern. Er berief nun auf den 21.
Oktober 1526 eine Verſammlung von Prälaten, Grafen, Rittern und
Abgeordneten von Städten zu einer Synode nach Homberg a. d. Efze und
legte ihnen die neue Kirchenordnung vor, die von der Verſammlung
angenommen wurde. Von da an beginnt die Reformation der einzelnen
Orte und Teile Heſſens in auf= und abſteigender Linie bis 1581. Wir
können hier nicht näher darauf eingehen.
Ungleich reizvoller und für das geſchichtliche Verſtändnis wichtiger
iſt die Geſchichte der evangeliſchen Bewegungen in
einzelnen Teilen und Orten Heſſens. Die aber nicht alle bis zu einer
Reformation führten. So vor allem nicht in Mainz; worüber ein
treffliches Werk von Archiprat D. Dr Herrmann vorhanden iſt. Zu
nennen ſind der Lehrer der Theologie an der Mainzer Univerſität
Johannes Eberbach, Adam Weiß, ſowie Melchior Ambach der
Pfarrer von St. Jgnatz Dietrich Sartorius, der 1520 zum Dom=
prediger
beſſtellte Fabricius Capito und ſein Nachfolger Kaſpau
Hedio. Sie alle predigten evangeliſch. Beſonders Capito hatte vom
152025 beherſchenden Einfluß auf den Erzbiſchof Albrecht. Er ließ
ſogar 1518 eine Sammlung von Lutherſchriften herausgeben. Der päpſt=
liche
Nuntius Aleander wurde bei der endlich befohlenen Verbvennung
der Schriften Luthers verhöhnt, an ſeiner Wohnung wurden Spott=
bilder
angeſchlagen, und wenig hätte gefehlt, ſo wäre er in den Kot
gezert und geſteinigt worden. Die evangeliſche Bewegung in Mainz,
die 1525 erſtarb, übte auch auf andere Oute des Mainzer Kurfürſten=
tums
ihre Wirkungen aus. In Worms dieſelbe Erſcheinung.
Aleander berichtet 1520 allerlei über Luther in Worms, 1521 täglich
regnet es lutheriſche Schriften‟. Gehen wir nach Norden. In Alsfeld
war der geiſtige Führer Tilemam Schnabel, i Butzbach der
damalige Pfarrer von Rockeberg Kaſpar Göbel oder, wie er ſich
auch nennt, K. Wenix predigte ſeit 1525 auch in Butzbach evangeliſch.
In Bad=Nauheim war unter den Salzſödern 1545 eine ſtarke
evangeliſche Bewegung, ſie verklagen den Pfarrer Mepehard wehl.
er ſolicher Pfarre mit Auslegung des Worts Gottes ungeſchickt und
nit verſeen köme‟. Wie in Ilbenſtadt kam es auch in dem benach=
barten
Aſſenheim um des Evangelii willen ſchon in den 3e=
Jahren zu einer wüſten Auseinanderſetzung zwiſchen Oberkeit und
Kloſter. Selbſt in der Grafſchaft Solms=Lich, die in der Refor=
mationszeit
einem der erbitterſten Feinde der neuen Lehre, dem hochbe=
gabten
Grafen Reinhard II., uterſtand, der erſt kurz vor ſeinem
Tode die Gegnerſchaft gegen das Luthertum aufgab, ſind für die 30er
und 40er Jahre evangeliſche Bewegungen nachweisbar. In den Ge=
bieten
des heutigen Starkenburg ſind in der erſten Hälfte des 16. Jahr=
hundert
evangeliſche Bewegungen in den Neckarſtädten Neckar=
ſteinach
(Junker Hans Bandſched von Steinach 1522, 1594 Jakob
Ottherr, Prediger) Hirſchhorn und Wimpfen 15B, 15B
Pfarrer Erhard Scherpf nachweisbar.
Die durch das Einziehen der katholiſchen Gütter freiwerdenden
Gelder verwandte Philipp der Großmütige zu großen ſozialen An=
ſtalten
, ſo dem Hofheimer Hoſpital, das urſprünglich nicht blos
Irre ſondern auch Blinde, alte erwerbsunfähige Leute aufnahm, und
ſür die geiſtige Kultur die große Marburger Stipendiaten=
anſtalt
, die jedem geiſtig hervorragenden Heſſen zu ſeiner weiteren
Ausbildung pffen ſtand; ſie war das Vorbild für das berühmte
Tübinger Stift. Was dieſe Männer, voran Philwpp der Groß=
mütige
und ſein Hofprediger Adam Krafft, im kurzer Zeit geleiſtet
haben iſt bewundernswert. Es waren eben ganze Männer!, Reiche=
Beifall lohnte den Redner. Wer durch den Vortrag angeregt ſich weiter
darüber unterrichten will, der ſei auf zwei Werke Diehls verwieſen:
Das große Reformationsbuch des Großherzogtum
Heſſen (Heſſ. Volksbücher Nr. 3136) 2. Aufl. 1917 und das kleing
Evangeliſche Bewegung ud Reformation im Gebiet
Pfarrer Erhard Scherpf nachweisbar
Schließlich dankte ihm der 1. Vorſitzende, Archivdirektor Dr. Dietrich,
der neben ſeinem umfangreichen Amt als Führer des evangeliſchen
Heſſens es doch ermöglicht habe, an dieſer Stelle öffentlich zu ſprechen.
K. Noack.

Ausgleichszulage für Verſorgungsberechtigte. Wie der Verband
der Kriegsbeſchädigten und Kriegerhinterbliebenen der Krieger= Kamerad=
ſchaft
Haſſia (angeſchloſſen dem D. R. K.=Bund Kyffhäuſer) mitteilt, hat
der Reichsarbeitsminiſter neuerdings verfügt, daß bei nachträglicher Be=
willigung
der Ausgleichszulage die Gewährung rückwirkend, früheſtens
vom 1. Dezember 192 an, erfolgen kann. Wenn jedoch der Verſor=
gungsberechtigte
die Verſorgungsbehörde über die Art ſeiner Beſchäfti=
gung
nicht genügend aufgeklärt hatte und ihm deshalb die Ausgleichs=
zulage
nicht gewährt worden war, ſo ſoll die Nachzahlung im allgemeinen
mit dem Monat der nachträglichen Antragsſtellung beginnen. Die Aus=
gleichszulage
gemäß Reichsverſorg.=Geſ. 8 28 beträgt bekanntlich 35 Proz,
der normalen Gebührniſſe bei Berufen, die erhebliche Kenntniſſe und
Fertigkeiten erfordern, 70 Prozent, wenn der Beruf außerdem ein be=
ſonderes
Maß von Leiſtung und Verantwortung erfordert. Weitere
Auskunft und Bearbeitung erfolgt unentgeltlich durch die Krieger=
Kameradſchaft Haſſia, Darmſtadt, Ahaſtraße 5.
Klein= und Sozialrentner und Reichsbund der Kriegsbeſchädigten.
Für die am Donnerstag, den 4. November, nachmittags 5½ Uhr und
8 Uhr abends, im Großen Haus des Heſſiſchen Landestheaters ſtatt=
findenden
Akademie=Konzerte erhalten obengenannte Organiſationen
Kartem zu 50 Pf. im Sekretariat der Städt. Akademie, Eliſabethenſtr. 36.
Leſeabende in der Stadtbücherei. Mittwoch, den 3. November,
8 Uhr: Aus dem Leben des modernen Japan: Ellen Foreſt,
Yuki San. Erinnerungen aus dem japaniſchen Mädchenleben. Frei=
tag
, den 5. November, 8 Uhr: Mittelalter=Kreis.

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Seite 6

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Beamtenhochſchulkurſe Darmſtadt.
Auf Einladung des Landeskartells Heſſen des Deutſchen Beamten=
bundes
ſprach am Dienstag, N. Okt., Reichsminiſter a. D. Dr. Schif=
fer
im vollbeſetzten Saale des Perkeo zu Darmſtadt über
Weſen, Aufgaben und Ziele der Beamtenhochſchul=
bewegung
.
In glänzend aufgebautem Vortrag legte der Redner dar, wie die
Beamtenhochſchulbewegung in der Zeit nach dem Kriege aus der Not
der aus dem Kriege heimkehrenden Beamtenſchaft, aus der Not des
Vaterlandes als Notwendigkeit herausgewachſen ſei, um die Beamten=
ſchaft
in den Stand zu ſetzen, wieder einen Ueberblick über die ungeheuer
angewachſene und ſtändig ſich erweiternde Geſetzesmaterie zu gewinnen,
ſie zeitgemäß herauszuführen, aus dem budgetmäßigen zum wirtſchaft=
lichen
Denken. Da der Staat, der an ſich als Nutznießer der Bewegung
verpflichtet geweſen wäre, ihr Geſtaltung zu verleihen, dazu nicht in
der Lage geweſen ſei, habe die B=amtenſchaft ſelbſt die Anſtalten ins
Leben gerufen, die dieſen Zweck zu erfüllen geeignet waren. So ſei
heute ein Netz von Beamtenhochſchulen über das Deutſche Reich geſpannt,
Anſtalten, die nicht der Spielerei, nicht der Politik, ſondern ernſteſter
Arbeit nach angeſtrengter Pflichterfüllung dienen. In voller Anerken=
nung
der Bedeutung der Beamtenhochſchulen für den Staat haben Reich,
Länder und Gemeinden finanziell und in anderer Weiſe ihmen wirk=
ſamſte
Unterſtützung zuteil werden laſſen.
Die Gründe, die zum Aufbau der Beamtenhochſchule geführt hät=
ten
, ſeien auch jetzt noch in gleichem Maße vorhanden. Denn einmal
ſetze die Forderung Freie Bahn dem Tüchtigen die Forderung Freie
Bahn der Ertüchtigung voraus, und dann werde bei der notwendigen
Verwaltungsreform nur der Leiſtungsfähige ſich durchſetzen. Ertüchti=
gung
der Beamtenſchaft, Entfaltung der Leiſtungsfähigkeit aber ſeien
die immer vorhandenen Ziele der Beamtenhochſchule. Nur durch die
Steigerung der Verantwortlichkeit geſchulten Perſonals könne die Ver=
waltungspeform
zu vollem Erfolg geführt werden.
Das Zeugnis der Beamtenhochſchule gäbe keine Anwartſchaft auf
beſtimmte Poſten. Für die Beſetzung von Stellen wird nach wie vor
die Leiſtung maßgebend ſein. Deshalb dürfe für die Teilnahme an den
Kurſen nicht das Materielle als Beweggrund in den Vordergrund ge=
ſtellt
werden, ſondern das Ideelle. Der Beſuch und das Aufblühen
der Beamtenhochſchulen zeigten, daß der Wunſch, einen tieferen Ein=
blick
in das Geiſtesleben der Nation zu gewinnen, tief im deutſchen Be=
amtentum
ſtecke. Das Sich=finden im Geiſtigen, das hinausführe aus dem
Alltag und dem politiſchen Parteigezänk, ſei es, was die Beamtenſchaft
ſtark machen werde, zum Segen des Berufsbeamtentums und zum Segen
des Vaterlandes.
Starker Beifall lohnte dem hervorragenden Kämpfer der Beamten=
hochſchulbewegung
für ſeine packenden Ausführungen und zeigte, wie
ſtark das Verſtändnis für die tiefen Gedanken dieſer Bewegung auch bei
der Darmſtädter Beamtenſchaft iſt.
Die Leitung der vom Landeskartell Heſſen des Deutſchen Beamten=
bundes
eingerichteten Beamtenhochſchulkurſe, die aus den Herren Dipl.=
Ing. Studienrat Liebmann=Frankfurt, a. o. Profeſſor an der Tech=
niſchen
Hochſchule zu Darmſtadt Profeſſor Dr. Hollatz und Mini=
ſterialreviſor
Werner=Darmſtadt beſteht, bittet uns, an dieſer Stelle
darauf hinzuweiſen, daß die Vorleſungen außer Beamten und Angeſtell=
ten
jedem ſtaats= und volkswirtſchaftlich Intereſſierten zugänglich ſeien.
Die von Hochſchullehrern gehaltenen Vorleſungen bieten zweifellos eine
ſoltene Möglichkeit, in knapper, aber durchaus gründlicher und wiſſen=
ſchaftlicher
Weiſe in die einzelnen Materien eingeführt zu werden. Das
erſte Semeſter der Kurſe, das am Dienstag, den 16. Novem=
ber
d. Js, beginnt und am Dienstag, den 22. Februar 1927, endigt,
ſieht folgende Vorleſungen vor:
A. Rechtswiſſenſchaftliche Vorleſungen: 1 Ein=
führung
in die Rechtswiſſenſchaft. 10 Stunden. Profeſſor Dr. Hollatz.
(6 RM.) 2. Grundzüge des allgemeinen Staatsrechts. 8 Stunden.
Profeſſor Dr. Gieſe=Frankfurt a. M. (4 RM.) 3. Das Staatsrecht des
Deutſchen Reiches 1. Teil, 6 Stunden. Profeſſor Dr. Hollatz (4 RM.)
4. Der Heſſiſche Staat und ſeine Beamten. 10 Stunden. Profeſſor Dr.
Gmelin=Gießen. (6 RM.) B. Sozial= und wirtſchafts=
wifſenſchaftliche
Vorleſungen: 1. Menſch und Technik.
1. Teil, 6 Stunden. Profeſſor Dr. Goldſtein, (4 RM.). 2. Einführung
in die Volkswirtſchaftslehre. 4 Stunden. Profeſſor Dr. Muß. (3 RM.)
C. Allgemeine Vorleſungen: 1. Probleme der Ge=
ſchichtsphiloſophie
. 1. Teil, 6 Stunden. Prof. Dr. Goldſtein. (4 RM.)
Die Vorleſungen finden jeweils Dienstags und Freitags, abends
von 8 Uhr bis 9.35 Uhr, in der Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt,
Seiteneingang in der Hochſchulſtraße, gegewüber dem Theatergarten,
nach folgendem Stundenplan ſtatt:
Dienstag, 16. November, Hollatz: Einführung in die Rechtswiſſen=
ſſchaft
Freitag, 19. November, Gmelin: Der heſſiſche Staat‟. Diens=
tag
, 23. November Goldſtein: Menſch und Technik. I. Freitag,
2. November, Gmelin: Der Heſſiſche Staat‟. Dienstag, 30. November,
Goldſtein: Menſch und Technik, I. Freitag, 3. Dezember, Hollatz:
Einführung in die Rechtswiſſenſchaft‟ Dienstag, 7. Dezember, Gieſe:
Allgemeines Staatsrecht, Freitag, 10. Dezember, Hollatz: Einfüh=
rung
in die Rechtswiſſenſchaft‟. Dienstag, 14. Dezember, Gieſe: Allge=
meines
Staatsrecht‟. Dienstag, 4. Januar, Goldſtein: Menſch und
Technik. I. Freitag, 7. Januar, Hollatz: Einführung in die Rechts=
wiſſenſchaft‟
. Dienstag, 11. Januar, Gieſe: Allgemeines Staatsrecht.
Freitag, 14. Januar Gmelin: Der Heſſiſche Staat‟ Dienstag, 18. Ja=
nuar
Muß: Volkswirtſchaftslehre Freitag, 21. Januar, Hollatz:
Ginführung in die Rechtswiſſenſchaft‟. Dienstag, 25. Januar, Gmelin:
Der Heſſiſche Staat. Freitag, B. Januar, Hollatz: Reichsſtaats=
recht
. I. Dienstag, 1. Februar, Muß: Volkswirtſchaftslehre‟ Frei=
tag
, den 4. Februar Gmelin: Der Heſſiſche Staat‟. Dienstaag 8. Fe=
bruar
, Goldſtein: Geſchichtsphiloſophie, I. Freitag, 11. Februar,
Hollatz: Neichsſtaatsrecht. I. Dienstag, 15. Februar, Goldſtein: Ge=
ſchichtsphiloſophie
. I. Freitag, 18. Februar, Hollatz: Reichsſtaats=
recht
I. Dienstag, 22. Februar Goldſtein: Geſchichtsphiloſophie, I.
Die Gebühr, die für die Teilnahme am geſamten Semeſterkurſus
auf 25 Mark, für die Teilnahme an einzelnen Vorleſungen auf den
hinter jeder Vorleſung angegebenen Betrag feſtgeſetzt iſt, iſt bei der
Beamtenbank Darmſtadt, Ecke Rhein= und Georgenſtraße, mit der aus=
drücklichen
Bezeichnung: Für Beamtenhochſchulkurſe am
Schalter oder durch Poſtſcheck einzuzahlen. (Poſtſcheckkonto: Frank=
furt
a. M. Nr. 65 850). Die Anmeldungen ſind ſodann under Vorlage der
Quittung mit der Angabe der belegten Vorleſungen an den Geſchäfts=
führer
der Kurſe, Miniſterialreviſor Werner, Darmſtadt, Kaup=
ſtraße
43, parterre, zu richten.
Der geſamte Lehrgang wird ſich über 8 Semeſter erſtrecken. Es wäre
im ſtaatsbürgerlichen Intereſſe zu wünſchen, daß von dieſer Einrichtung,
die in ihrem beſonderen Aufbau weder der Univerſität, noch der Volks=
hochſchule
Abtrag tun kann und ſoll, in weiteſtgehendem Maße Gebrauch
gemacht wird.
Schneeſchuhlaufen. Infolge des lebhaften Intereſſes, welches dem
Winterſport und insbeſondere dem Schneeſchuhlaufen von allen Seiten
entgegengebracht wird, beabſichtigt die Turngemeinde Darm=
ſtadt
1846 Woogsplatz) auch in dieſem Jahre wieder Trockenſkikurſe
abzuhalten. Der Zweck dieſer Kurſe iſt, den Neuling in die Geheimniſſe
der langen Bretter einzuweihen, damit er ſich dann bei dem an=
ſchließenden
Ueben im Gelände ſchon einigermaßen auf dem Schnee zu
benehmen weiß. Auf gemeinſamen Fahrden, in unſerem gerade im
Winterkleid einzig ſchönen Odenwald finden dieſe Trockenſkikurſe ſpäter
ihre praktiſche Fortſetzung. Es ergeht deshalb an alle diejenigen, die
beabſichtigen, an einem Trockenſkikurſus teilzunehmen, der Ruf, ſich imn
die bei dem Hausmeiſter in der Turnhalle am Woogsplatz aufliegende
Liſte einzuzeichnen bzw. bei der Winterſportabteilung der Turngemeinde
1846 ſchuiftlich anzumelden, damit die Einteilung der Kurſe vorgenom=
men
werden kann. Die Uebungsſtunden ſind mit Rückſicht auf die be=
rufstätigen
Intereſſenten auf Montag und Freitag, abends von 8½jo
uhr feſtgeſetzt worden; die Jugend übt an den gleichen Abenden von
78½ Uhr. Damen und Herren, welche der Turngemeinde bisher nicht
als Mitglieder angehört haben, können zu den gleichen Bedingungen
wie dieſe, d. h. ohne Entrichtung eines beſonderen Kurſusbeitrages,
an den Kurſen teilnehmen. Die Teilgehmer erhalten nach Einteilung
ſchriftliche Mitteilung über den Beginn der Kurſe.

Heute Eröffnung im Rieſenzirkus Gleich in Darmſtabt. In der
Nacht und am fnihen Morgen trafen die drei Sonderzüge des Rieſen=
Unternehmens Gleich im hieſigen Güterbahnhof ein. Es waren wohl
an die 120 ſchwer beladene Waggons, außer den vielen Raubtierwagen,
die die Züge mit ſich brachten. Buntes Leben entwickelte ſich ſofort bei
Ankunft. Kolonnen Raupenſchlepper, Laſtautos, Lokomobilen, Arbeits=
elefanten
und ſchwere Zirkuspferde traten in Tätigkeit, zahlreiches
Arbeitsperſonal entfaltete ſich und kaum waren die einzelnen Waggons
an die Rampe rangiert, begann auch ſchon die Ausladung. Rieſige
Mengen Zuſchauer hatten ſich eingefunden und begleiteten den Ab=
transport
nach dem Meßplatz. Die Zuſchauer konnten ſich bereits einen
Begriff von der äußeren und inneren Bedeutung des Zirkus machen,
der zu den größten Schauſtellungen Europas gehört. Heute nachmittag
gegen 3 Uhr erfolgt die Ausladung des reichhaltigen Tiermaterials Herr Pfarraſſiſtent Wißmüller aus Anlaß des Reformationsſeſtes über
über 600 an der Zahl. Ein Schauſpiel, das ſicher viele Neugierige in die die vor 400 Jahren eingeführte Reformation und wurde die Feier durch
Straßen, die der Zug paſſiert, locken wird. In dem umfangreichen Tier=
park
des Rieſenzirkus Gleich findet man Elefantenherden, Tiger= und
Löwengruppen, Eis= und Braunbären, Nilpferd, Seelöwen, Kamele,
Dromedare, indiſche Rinder, Hhänen, Affen aller Stämme und vieles,
vieles mehr. Der Marſtall verfügt über 150 edelſte Raſſepferde, dar=
unter
der berühmte 24er Zug aus dem Freiherrlich von Lang’ſchen
Geſtuüt Burg Zieverich. Man muß ehrlich ſtaunen, wie in verhältnis=
mäßig
kurzer Zeit die gewaltigen Zeltanlagen hergerichtet worden ſind.
Bereits im Laufe des Mittags wird das Rieſenzuſchauerzelt, welches
Sitzplätze für ca. 10 000 Perſonen hat und die vielen anderen umfang=
reichen
Zeltanlagen, aufgebaut ſein. Das Vorſtellungszelt kann man durch
ſeine neuartige Konſtruklion (das Zeltdach iſt auf einem engwaſchigen
Gerippe ſtarker Stricke vernäht) als vollkommen ſturmſicher anſprechen.
Heute abend 7.30 Uhr iſt Premiere. Täglich abends 7.30 Uhr, ſowie
morgen Mittwoch, und Sonntag, auch nachmittags 3 Uhr finden Rieſen=
vorſtellungen
ſtatt. Auch nachmittags volles ungekürztes Abendprogramm.
Die Abwicklung des Rieſenprogramms von über 100 Attrattionen erfolgt
in 3 Manegen, 1 Rennbahn und in der Luft zugleich. Dem Rieſen=
zirkus
Gleich iſt es nicht möglich, alle Darbietungen in einer Manege
zu zeigen, ſondern Gleich nuß drei Manegen benutzen, um alle Maſſen=
aufführungen
dem Publikum zeigen zu können. Sogar dieſe 3 Manegen
genügen nicht, und werden dieſelben, während die grandioſen Luft=
ſchauſpiele
ſtattfinden, in eine Rieſenvennbahn verwandelt. Der Rieſen=
zoo
mit den ſeltenſten Exemplaren aller Tiergattungen iſt täglich ab
9 Uhr vormittags und zu allen Vorſtellungspauſen geöffmet. Außer=
dem
finden täglich vormittags hochintereſſante Dveſſurproben mit an=
ſchließender
Raubtierfütterung ſtatt. Die Eintrittspreiſe ſind der Wirt=
ſchaftslage
entſprechend niedrig von 13 Mk. (Nur Sitzplätze) gehalten,
ſo daß ſich ein jeder einen Beſuch der Vorſtellungen leiſten kann. Dieſe
niedrigen Preiſe ſind nur durch de Rekordfaſſungsraum von aa.
10000 Perſonen möglich. Erwerbsloſe zahlen zu der heutigen Eröff=
nungsvorſtellung
gegen Ausweis an den Zirkuskaſſen und beim iEnlaß,
ſowie Kinder und Militär trotz der ſchon ohnehin niedrigen Sätze, nur
halbe Preiſe. Zu der morgigen Nachmittagsvorſtellung haben Waiſen=
kinder
, Kyüppel und Altersheimler unter Führung einer Aufſichtsperſon
freien Eintritt. Nach Schluß jeder Abendvorſtellung verkehren Zirkus=
extrazüge
, Straßenbahn, Poſtkraftwagen und Autoomnibuſſe nach allen
Nichtungen. Die Direktion bittet uns, darauf hinzuweiſen, möglichſt die
erſten Tage zum Beſuch zu benutzen. Erfahrugsgemäß bekommen
Tauſende in den letzten Tagen wegen Ueberfüllung keinen Einlaß mehr,
zumal das Gaſtſpiel nur für ganz kurze Zeit feſtgeſetzt iſt.
Turngeſellſchaft 1875. Auf die am Mittwoch, den 3. November
1926, abends 8½ Uhr, im großen Saale der Turngemeinde 1846 ( Woogs=
platz
) ſtattfindende Zuſammenkunft aller bei Durchführung des Kreis=
turnfeſtes
1926 in Darmſtadt beteiligten Kreiſe machen wir unſere Mit=
glieder
beſonders aufmerkſam. Es iſt unbedingte Notwendigkeit, daß
alle Mitglieder erſcheinen. Beſonders dewjenigen, welche einzelnen
Fachausſchüſſen angehören, wird Erſcheinen zur Pflicht gemacht.
* Der übermäßigen Verzugszinſen. Im württember=
giſchen
Landtag wurde folgende Anfrage eingebracht: Die
Verzugszinſen werden bei den Landesfinanzämtern immer
noch mit 18 Prozent berechnet, es bedeutet dies eine
Härte, nachdem der Reichsbankdiskont erheblich herabgeſetzt iſt.
Iſt das Staatsminiſterium bereit, bei dem Reichsfinanz=
miniſterium
dahin zu wirken, daß der Zinsſatz entſprechend
herabgeſetzt wird?"
Kunſinotizen.
Union=Theater. Eine Minute vor Zwölf.
Luciano Albertini, der anerkannt beſte Senſationsdarſteller praſentiert
ſich in dieſem neuen Senſationsfilm, der ganz und gar ihm auf den
Leib geſchrieben, von ſeiner beſten Seite. Luciano Albertini iſt dies=
mal
nur Journaliſt in einer etwas arg verrutſchten Redaktion. Aber
es kommt nicht darauf an, auch nicht darauf, wie er der zufällige
Gewinner eines Haupttreffers der Dombaulotterie das angeblich
verlovene Los eine Minute vor Zwölf vor der Ungültigkeitserklärung Morgen. Die Poſſe Penſion Schöller wurde am Sonntag
des Gewinnes nicht findet, weil es inzwiſchen wohl verborgen in
ſeinem Portefeuille lag, ganz allein auf ihn ſpitzt ſich alles zu. Schon ſpielt. Alle Mitwirbenden entledigten ſich mit gutem Gelingen ihrer dank=
im
erſten Entree, wo er auf verbogenem Dächerſims zum Schrecken der
Untenſtehenden mit Harold Lloyd, dem Wolkenkratzer, mit nachtwand=
leriſcher
Sicherheit konkurriert, gibt es gemug Hallo und Herzalbdrücken,
bis die zur ſtürmiſchſten Parforceiagd geſteigerte Pace über Stock, Stein,
Tiſche Dächer, häuſertiefe Abgründe höchſtens vom ſtürmiſchen Applaus
der Zuſchauer übertroffen wird.
Palaſt=Lichtſpiele. Der Poſtmeiſter, So urteilt
die Preſſe: Lichtbildbühne (16. Februar 1926): Ein wirklich geniales
Kunſtwerk. Dieſer Film, deſſen wundervoll echtes Milieu des Rußland
bedingt feſſeln werden, deſſen tiefe Tragik und deſſen gemütvoller Humor
zu jedermanns Herzen ſprechen, intereſſiert vor allem auch den Film=
fachmann
. Er beweiſt uns, daß das heutige Rußland in ſeinem Menſchen=
material
Darſteller beſitzt, wie qualitativ kaum ein anderes Land
welch grandioſes Kunſtwerk! Es ſteckt in dieſen Ruſſen eine Gemüts=
tiefe
und eine edle Menſchlichkeit, die ihnen kein Volk nachgeſtalten
Partnerin und Tochter im Film W. Malinowskaja. Die tiefe Rührung
des Publiums löſte ſich erſt mehrere Minuten nach dem Schlußtitel in
ehrlichem ſtarken Beifall. Es iſt ein Film, den man geſehen haben muß
und den man im deutſchen Programm nicht mehr miſſen möchte.
Berliner Lokalanzeiger (17. Februar 1926): Ungeheueres, was dieſer
primitive Menſch erleidet, ſetzt Moskwin in einen grandioſen Ausdruck
um . .. dann packt dieſer Schauſpieler doppelt, dann reißt er mit fort,

Daß der Film gefiel, bewies der ſtarke Beifall des Publikums.
Aus den Parieien.

Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt. Im
Mittelpunkt des deutſchen Intereſſes ſteht heute die Außenpolitik.
Hierüber, namentlich über außerpolitiſche Darlegungen Streſemanns auf
dem Kölner Parteitag der D.V.P., wird in einer Mitglieder=
im
Gelben Saal bei Sitte (Karlſtraße) unſer Landtagsabgeordneter,
Oberſtudiendirektor Dr. Keller ſprechen. In dieſer Mitglieder=
verſammlung
werden auch die ſtimmberechtigten Vertreter der Orts=
gruppe
zum heſſiſchen Landesparteitag der D.V.P. in Worms (am V.
und 28. November) gewählt werden. Wir bitten die Parteifreunde um
recht regen Beſuch; Teilnahme nur für Mitglieder. Siehe auch Anzeige
in dieſer Nummer dieſes Blattes.

Tageskalender für Dienstag, den 2. November 1926.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr,
A 5: Gaſparone‟. Kleines Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr,
Zuſatzmiete V (4). Städtiſcher Saalbau, abends 7½
Uhr: Aufführung des Lutherfeſtſpieles Der Prophet, von
Afred Graf. Orpheum, abends 8 Uhr: Das Champagner=
Girl. Schloß=Café: Konzert. Café Rheingold:
Konzert und Tanz, Winzerfeſt. Weinhaus Weißer Turm:
Konzert und Tanz. Hotel Schmitz: Unterhaltungsmuſik.
Spaniſche Bodega: Künſtler=Konzert. Café und Wein=
ſtube
Taunusburg: Tanz. Kinovorſtellungen:
Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.

Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Arheilgen, 1. Nov. Die Herren O. Heib und E. Schweitzer, Mit=
glieder
der hieſigen Schützengeſellſchaft Weidmannsheil, wurden mit
der höchſten Ehrenauszeichnung von ſeiten der oberſten Sportbehörde des
deurſchen Kartells für Jagd= und Sportſchießen ausgezeichnet. Die
Zeit der Hausſchlachtungen hat begonnen und wird bei dieſer Gelegen=
heit
Schweinefleiſch zum Preiſe von 1.15 Mk. für das Pfund ausge=
hauen
. In dem geſtern hier ſtattgefundenen Feſtgottesdienſt ſprach
Geſänge des Kirchengeſangvereins verherrlicht. Derſelbe ſang den 100.
Pſalm von Felix Mendelsſohn Bartholdy und Erhalt uns Herr bei
deinem Wort, Wittenberg 1543, Satz von Zahn. Die am Abend im
Gemeindehauſe aus dem gleichen Anlaſſe veranſtaltete Feſtfeier war
derart ſtark beſucht, daß eine Wiederholung derſelben für Mittwoch
abend vorgeſehen iſt. Feſtanſprache, Vorträge des Poſaunenchors und
Kirchengeſangvereins ſowie das Feſtſpiel trugen ſehr zur Hebung der
religiöſen Feier bei, und waren alle Beſucher voll tiefſter Andacht.
nk. Büttelborn, 29. Okt. Aus der geſtrigen Gemeinderats=
ſitzung
läßt ſich folgendes berichten: 1. Der für die Chauſſierung des
Griesheimer Wegs aufzunehmende Kredit bis zur Höhe von 35000 RM.
wird genehmigt. Der Kreditvertrag wird mit der Bezirksſparkaſſe
Groß=Gerau abgeſchloſſen. Die Darlehensaufnahme der für die Chauſ=
ſierung
erforderlichen Notſtandsarbeiten von 26 813 RM. beim heſſiſchen
Staat wird gleichfalls genehmigt. 2. Die Karlſtraße wird aufgemacht
und die erforderlichen Arbeiten einſchließlich derjenigen zur Herſtellung
eines gangbaren Fußpfades zu beiden Seiten der Karlſtraße werden
der Baukommiſſion zur weiteren Erledigung übertragen. 3. In der
Wohnung Seel wird ein Ausgang nach dem Hofe dadurch geſchaffen,
daß eine Tür von der hinteren Kammer nach dem Stall durchgebrochen
wird. Der Hof längs der Karlſtraße wird mit einer Betonmauer ver=
ſehen
und auch das Hoftor dorthin verſetzt. 4. Der Pmkt über Be=
ſchaffung
eines Feſtplatzes wird vertagt. 5. Auf das Geſuch des
Gg. Sch. 4. wird entſchieden, demſelben zu bedeuten, ſich das erforder=
liche
Geld für Uebernahme ſeines Elternhauſes durch die Bezirksſpar=
kaſſe
durch Errichtung einer Hypothek zu beſcheffen. 6. Ad. G. wird
auf ſein Geſuch um Belaſſung des Kleingartens hinterm Friedhof an=
heimgegeben
, ſein Geſuch zu gegebener Zeit im Frühjahr zu wieder=
holen
. 7. Es wird beſchloſſen, die Wohnung Pet. Aink 6. in der Schule
zu beſichtigen und renovieren zu laſſen. 8. Auf das Geſuch des Spengler=
meiſters
Ph. Raiß 11. wird beſchloſſen, den Graben durch die Feld=
geſchworenen
beſichtigen und erforderlichenfalls den Waſſerlauf herrich=
ten
zu laſſen. 9. Das G=ſuch des Kriegervereins, das Kriegerdenkmal
von 1870/71 zum 14. November 1926, dem 50jährigen Jahrestage der
Eiweihung, reinigen zu laſſen, wird genehmigt.
* Griesheim, 1. Nov. Das altbekannte Gaſthaus Zum Riedhof
iſt durch Kauf in den Beſitz der Eheleute Arthur Buck, ſeither in Bad=
Ems, übergegangen. Die Maul= und Klauenſeuche iſt in hieſiger Ge=
meinde
erloſchen. Die Sperrmaßnahmen ſind deshalb wieder aufgehoben
worden. Dieſe Woche finden auf dem hieſigen Truppenübungsplatz nur
am Donnerstag, den 4. November, vorm. von 711 Uhr und nachm.
von 15 Uhr Scharfſchießübungen ſtatt. Die vom Gemeinderat be=
ſchloſſene
Ortsſatzung über die Erhebung einer Wertzuwachsſteuer liegt
in der Zeit vom 2. bis einſchließlich 8. November ds. J3. auf der Bür=
germeiſterei
zur Einſicht offen.
* Eberſtadt, 1. Nov. Jugendherbergs=Werbetag. Das
Programm für den am 13. und 14. November hier ſtattfindenden Werbe=
tag
im Sachen einer Jugendherberge nimmt immer greifbarere Ge=
ſtalt
an. Samstag abend findet ein Fackelzug mit einer anſchließenden
Feier im Schwanenſaale ſtatt. Sonntags iſt ein Feſtgottesdienſt und
eine Löns=Feier vorgeſehen. Wohnungsbau. In der Alten
Darmſtädter Straße (Nähe Waldfrieden) iſt von privater Seite mit dem
Bau zweier neuer Wohnhäuſer begonnen worden.
Pfungſtadt, 1. Nov. Herr JuſtusHildebrand, der lang=
jährige
Leiter der gleichnamigen Exportbvauerei in Pfungſtadt, vollendete
ſein 60. Lebensjahr. Neben anderen Ehvenämtern bekleidet er ſeit nahe=
zu
20 Jahren das Amt eines Handelsrichters. Faſt ebenſo lange gehört
er dem Aufſichtsrat der Bezirksſparkaſſe ZwingenbergBensheim an,
zurzeit als deſſen Vorſitzender.
r. Babenhaufen, 1. Nov. Der Unterhaltungsabend den
der Geſangverein Harmonie am Samstag im Gaſthauſe zum Löwem
veranſtaltete, nahm bei gutem Beſuche einen ſchönen Verlauf. Die ge=
ſanglichen
Darbietungen des Chors unter Leitung des Herrn Wolfarth=
Dieburg zeugten von trefflicher Schulung. Das Luſtſpiel Die Muſter=
ehe
und ein Duett trugen weſentlich zur Hebung der frohen Stimmung
bei. Dem Tanze huldigte eine ſtattliche Anzahl Paare bis zum frühen
abend vom Sportverein Germania im Soalbau Deutſcher Hof ge=
baren
Aufgabe, das zahlreich erſchienene Publikum einige Stunden vor=
trefflich
zu unterhalten.
* Michelſtadt, 30. Okt. Hausverkauf. Das Anweſen im Fried=
hofsweg
, welches früher Herrn Graveur Müller gehörte, ging für 8000
Mank in den Beſitz des Herrn Kaufmann Marquard über. Eigen=
artiger
Automobilunfall. Dieſer Tage kam ein Laſtauto
auf dem Wege von Steinbach durch die Bahnhofsſtraße. Vor dieſem
fuhr ein mit Steinen beladener Wagen. Jedenfalls fielen von letzterem
Steine auf die Straße, welche von dem Auto erfaßt wurden und einer
um 1820 und deſſen noch weit echtere Menſchen jeden Kinobeſucher un= davon in die Erkerſcheibe, ein anderer in die Fenſterſcheibe des Kauf=
manns
Wilhelm Ihrig geſchleudert wurden. Schaufenſter und Fenſter
wurden zertrümmert.
* Erbach i. D., 1. Nov. Geſtern hielt in der hieſigen Stadtkirche
Herr Stadtpfarrer Karl Sell ſeine Abſchiedspredigt. Die große Er=
bacher
Stadtkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Trotz des Re=
gens
und der durchweichten Wege waren die Pfarrkinder aus den Filial=
kann
. Dieſer Moskwin iſt ein Genie ſchlechthin. Ein Genie ebenſo ſeine dörfern herbeigeeilt, um den beliebten Seelſorger zum letzten Male zu
hören. 25 Jahre lang, ein ganzes Vierteljahrhundert, war Herr Sell
in Erbach als Geiſtlicher tätig. Am 4. Advent (22. 12.) 1901 hatte er
hier in der Stadtkirche zu Erbach als Pfarrverwalter der zweiten Pfarrei
ſeine Antrittspredigt gehalten. Nicht ganz ein Jah darauf, am 18. Ok=
tober
1902, wurde er als zweiter Pfarrer hier defivitiv angeſtellt. Nach
des Dekans und Stadtpfarrers Seribas Weggang wurde er von dem
Kirchenpatron, dem Grafen Erbach=Erbach, als erſter Pfarrer präſentiert
und bekam auch dieſeStelle übertragen. Unermüdlich verſah in den langen
Jahren Herr Stadtpfarrer Sell ſeinen Dienſt, kannte nur ſeine Kirche,
ſein Amt und ſeine Pfarrkinder und ging in ſeinem Berufe voll und
ganz auf. In vorbildlicher Treue und Gewiſſenhaſtigkeit teilte er Freud
und Leid mit der Gemeinde und jedem Einzelnen. Längere Zeit hat er
auch die Geſchäfte des Dekan.=Erziehungsvereins geführt. Im Kriege
hat er ſich dann aufgeopfert. Während dieſer Zeit der vermehrten Ar=
beit
verſah er allein die beiden Pfarrſtellen. Unendlich viele Geſuche hat
er erledigt, getröſtet und geholfen, wo es nur ging und menſchenmöglich
verſammlung am Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr, war. In dieſer Zeit der ſchlechten Ernährung hat er ſich aufgerieben.
Seit fünf Jahren wurde er mehr und mehr leidend. Obgleich erſt 52
Jahre alt, er iſt 1874 geboren, kam er um ſeine Penſionierung ein. Am
1. Oktober d3. Js. wurde er in Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte in den Ruheſtand verſetzt. In ſeiner geſtrigen Abſchiedspredigt
(Apoſtelgeſch. 4, 12) wies er noch einmal, wie ſein ganzes Wirken hier,
darauf hin, daß unſer Aller einzigſtes Heil Jeſus Chriſtus iſt. Noch ein=
mal
hörte die Gemeinde den treuen Prediger. Der Geſamtkirchenvor=
ſtand
ging mit ihm zum Abendmahl. So beſchloß Herr 1. Stadtpfarrer
Sell ſeine ſegensreiche Tätigkeit in unſerer Gemeinde. Wir werden aber
den treuen Seelſorger und feinen Menſchen nie vergeſſen, deſſen Stärke
ſeine vorbildliche Seelſorge war. Er war ein treuer Hüter des luthe=
riſchen
Bekenntniſſes und der alten Erbacher Ordnungen. Er beabſich=
tigt
, in Darmſtadt eine neue Heimat zu finden. Unſere treueſten Wünſche
für ſeine fernere Zukunft begleiten ihn.
* Waldmichelbach, 1. Nov. Feuerviſitator. Herr Valentin
Hering von hier wurde zum Feuerwiſitator für den Bezirk Wald=
michelbach
ernannt und verpflichtet.
Hirſchhorn, 1. Nov. Waſſerſtand des Neckars am
31. Oktober 2.80 Meter, am 1. November 2,11 Meter. Die Kettenſchlepp=
ſchiffahrt
iſt ſeit heute wieder in Betrieb.

Für uladme, für alfe die geistig anl
Und kar jeden,
det einet Nafigung bedahf:
Suin /namstilck

ISt 12871

120 140 Liter

on Lanldber Jaut=
geben
.
(16002im
Angebote u. B 75
an die Geſchäftsſt.

Pfd. 68 H, zu verk
Martiusmühle,
Frankfurterſtraße 105.

[ ][  ][ ]

Nummer 304

Dienstag, den 2. November 1926

Seite 7

Eine Vorſiellung des Landesverbandes Heſſen des
Hypothekengläubiger= und Sparerſchutzverbandes für
das Deutſche Reich.
Der Landesverband Heſſen des Hypothekengläubiger= und Sparer=
ſchutzverbandes
für das Deutſche Reich hat eine Vorſtellung, betr. die
Ablöſung der Gemeindeanleihen an die ſtädtiſchen Verwaltungen Heſſens
und die Provinzialverwaltungen von Starkenburg und Oberheſſen ge=
richtet
. In dieſer Vorſtellung heißt es u. a.:
Durch die Geſetze vom 16. Juli 1925 hat der Reichstag die Ab=
löfung
der öffentlichen Anleihen in einer Weiſe geregelt, welche die be=
rechtigten
Erwartungen der Gläubiger auf eine gerechte Löſung des Pro=
blems
aufs bitterſte enttäuſcht hat. Unbeſchadet unſerer grundſätzlichen
Stellungnahme zu den Reichsgeſetzen wenden wir uns an die Verwal=
tungen
der ſchuldneriſchen Städte und Gemeindeverbände mit der drin=
genden
Bitte, von der reichsgeſetzlich gegebenen Möglich=
keit
einer Verbeſſerung der Lage der Gläubiger einen möglichſt
ausgedehnten Gebrauch zu machen.
Nach eingehender Begründung wird beantragt, bei Regelung
der Schuldverbindlichkeiten der Gemeinden und Gemeindeverbände aus
der Anleiheablöſung zu beſtimmen:
1. Die ausgeloſten Teilbeträge von Ablöſungsanleihen ſind durch Bar=
zahlung
des Zehnfachen ihres Nennbetragswertes einzulöſen.
2. Die Tilgungsdauer wird auf 2025 Jahre hevabgeſetzt.
3. Die nach Ziffer 1 ſich engebenden Einlöſungsbeträge ſind ab 1. Ja=
nuar
1926 mit 3 v. H. zu verzinſen. Die Zinſen werden in Halb=
fahresraten
am 1. Januar und 1. Juli fällig. Bei Fälligkeit des
Einlöſungsbetrags ſind die weiteren 2 v. H. Zinſen gemäß § 43
Abſ. 1 des Ablöſungsgeſetzes zu entrichten.
4. Anleihe=Altbeſitzern, die nachweislich nach dem 14. Juni 1922 in=
folge
Kündigung des Schuldners heimbezahlte Anleihebeträge ohne
ausdrücklichen Vorbehalt angenommen haben, ſteht der gleiche An=
ſpruch
nach § 40 Abſ. 3 des Anleihe=Ablöſungsgeſetzes zu, wie jenen,
die ſich ihre Rechte vorbehalten haben.
5. Die Barablöſung für die Spitzenbeträge ſind in angemeſſener Weiſe
zu erhöhen.

m. Beerfelden, 1. Nov. Ganz beſondere Bedeutung hat das dies=
jährige
Reformationsfeſt auch für die hieſige Gemeinde, da ſie eine der
erſten war, die zum lutheriſchen Glauben übertrat. Nach dem günſtigen
Verlauf des Speyerer Reichstags im Jahre 1526 vollzog die Gemeinde
anter Führung ihres damaligen Pfarrers Michael Balneator den Glau=
benswechſel
. Die von der Kirchenbehörde beantragte und vom Landes=
amt
für das Bildungsweſen für das ganze Land genehmigte Schulfeier
vollzog ſich darum auch in einer Form, die für die hieſige Gemeinde ent=
ſprechend
war. Die Schulkinder, unter Führung der Lehrer, ſammelten
ſich in der Kirche, wo, von Lutherliedern eingerahmt, die eindrucksvolle
Feſtrede des Herrn Oberpfarrers Colin ihren Eindruck auf die jugend=
lichen
Gemüter nicht verfehlte.
* Aus dem Weſchnitztal, 1. Nov. Preisabbau? Die Bäcker=
vereinigung
Weſchnitztal=Ueberwald ſetzte den Preis des Vierpfünder=
Brotes von 75 Pfg. auf 80 Pfg. hinauf. Der Preisaufſchlag für Mehl
wird nicht lange auf ſich warten laſſen. Iſt das der Erfolg des von
der Regierung ſo energiſch betriebenen Preisabbaues? Lichtſpiel=
berein
Weſchnitztal=Ueberwald hat nun ſeine Tätigkeit
für dieſen Winter wieder aufgenommen. In etwa 15 der größeren
Gemeinden des Spielbezirks kommt in den nächſten 14 Tagen der
Kultur=Großfilm Urwelt und Uvwald zur Aufführung. Wer ſich
alſo einmal mit den Geheimniſſen des Urwaldes und ſeiner Urwelt ver=
tpaut
machen möchte, verſäume nicht, den höchſt intereſſanten Vor=
führungen
beizuwohnen.
* Unter=Schönmattenwag, 1. Nov. Bürgermeiſterwahl. Herr
Candwirt Joh. Georg Guſtav Sauer wurde als Bürgermeiſter der
hieſigen Gemeinde wiedergewählt.
* Auerbach, 1. Nov. Todesfall. Wohl der älteſte Mann des
Ortes, Landwirt Chriſtian Weigold, der alte Weil, wie er viel ge=
nannt
wurde, iſt geſtern im Alter von 89 Jahren geſtorben. Der Ver=
ſtorbene
war ein ſehr freundlicher Mann und allſeits hochgeſchätzt und
geehrt. Die Arbeit war ihm ein Bedürfnis, und ſchon des Morgens
früh, ob es Sommer oder Winter war, begann er freudig ſein Tage=
werk
, vielen ein Vorbild des Fleißes abgebend. Möge er ſanft ruhen!
Kirchweih. Nächſt Sonntag und Montag findet des hieſige Kirch=
weihfeſt
ſtatt, das alljährlich von der weiteren Umgegend viel beſucht
wird, beſonders bei gutem Wetter.
* Auerbach, 1. Nov. Feuersbrunſt. In der Nacht von Freitag
auf Samstag um 1 Uhr brach in der Scheune mit Stallungen des Bei=
geordneten
Friedrich Elgert, gegenüber der Krone‟, Feuer aus und
legte dieſelbe bis auf die Grundmauern in Aſche. Das Vieh, Pferde und
Rindvieh, konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Die Feuerwehr war
alsbald zur Stelle und verhinderte mit vielem Geſchick das weitere Um=
ſichgreifen
des Feuers. Viel Futten= und Strohvorräte und landwirt=
ſchaftliches
Geräte ſind verbramnt. Ueber die Entſtehungsurſache iſt nichts
bekannt, jedoch vermutet man vielfach Brandſtiftung.
* Heppenheim a. d. B., 1. Nov. Herr Kreisarzt Medizinalrak Dr.
Heid iſt vom 1. November bis einſchließlich 4. Dezember beurlaubt. Die
Dienſtgeſchäfte des Kreisgeſundheitsamtes werden während dieſer Zeit
von Herrn Amtsarzt Medizinalrat Dr. Werner in Heppenheim, Lud=
wigsſtraße
49, Fernſprecher Nr. 13 erledigt. Amtstage ſind am Mittwoch
vormittag. Verſteigerung. Am Dienstag, den 2. November,
nachmittags 2 Uhr, werden im Saalbau Karchner verſchiedene ab=
gängige
Obſtbäume und das Weidenerträgnis der ſtädtiſchen Grund=
ſtücke
meiſtbietend verſteigert. Auch hat die Stadt etwa 100 drei=
jährige
Schwarz= und Silberpappeln zum Preiſe von 0,80 Mark das
Stück abzugeben. Liebhaber mögen ſich bei Herrn, Güterverwalter Eber=
hard
, hier, melden. Vergebung von Kanalarbeiten
durch die Stadt. Die Herſtellung von Straßenkanälen in der
Hambacher=, Jakob Maier= und Georgenſtraße ſollen vergeben werden.
Die Angebote ſind auf Zimmer 6 des Rathauſes bis am Donnerstag, den
4. November einzureichen. Daſelbſt ſind auch die näheren Bedingungen
zu erfahren.
A. Von der Bergſtraße, 1. Nov. Auf dem von einem Roſenhain
umgebenen Heldenfriedhofe in Weinheim fand eine Kriegergedächtnis=
feier
ſtatt, bei der Stadtpfarrer Joeſt die Gedenknede auf die Gefallenen
hielt. Die Weinheier Stadtverwaltung legte auf jedem mit Stahl=
helm
überdeckten Kriegergrabe einen Lorbeerkranz nieder, Felddiviſions=
pfarrer
a. D. Alfred Kaufmann widmete den Gefallenen namens der
Kriegsgräberfürſorge mit Gedenkworten einen Waldkranz mit Schleife,
Bei einem Theaterabend der Gemeindebürgerjugend Weinheim im
Weinheimer Eintrachtſaale fand geſtern abend die Uraufführung eines
neuen Theaterſtückes des Schriftſetzers Karl Zöller ſtatt, des Autors der
Dialektſtücke Alt=Weinheim und s ſin halt Hinnergäſſer‟. Das neue
Stück betitelt ſich Am Schalter eines Kommunalverbandes und bringt
draſtiſche Szenen aus der deutſchen Zwangswirtſchaft unter Gloſſierung
der unterſchiedlichen Behandlung zwiſchen Hoch und Nieder. Die Auf=
führung
erzielte einen großen Heiterkeitserfolg.

I BIn 13893

* Viernheim, 30. Okt. Gemeinderatsbericht. Bei der Ver=
gebung
der Juxplätze für die diesjährige Kirchweihe wurden folgende
Höchſtgebote erzielt: Karuſſell 750 Mk., Schiffſchaukel 650 Mk. und
Schießbude 130 Mk. Der Zuſchlag wurde erteilt. Ferngasverſorgung.
Ein heftiger Zwiſt war um die Ferngasverſorgung Viermheims in den
letzten Tagen noch entbrannt, da die vorgeſetzten Behörden dem Liefe=
rungsvertrag
mit Mannheim ihre Genehmigung verſagten und mit allen
Mitteln verſuchten, die Gemeinde dazu zu bewegen, das Gas von Darm=
ſtadt
zu beziehen. Unter Berückſichtigung der Tatſache, daß die Fern=
gasverſorgung
Viernheims bereits heute in Tätigkeit getreten iſt, be=
ſchloß
der Gemeinderat einſtimmig, alle weiteren Verhandlungen hier=
wegen
abzulehnen. Zur Behebung der Wohnungsnot wurden 1000
Mark für den Ankauf von 4 ausvangierten Eiſenbahnwagen genehmigt.
Die Erbauung eines neuen Spritzenhauſes iſt zur dringenden Not=
wendigkeit
geworden. Mit der Prüfung der Frage und Projektierung
wurde die Baukommiſſion beauftragt. Ein Geſuch der Landwirte um
Einbau eines Hydranten in das Waſſerleitungshauptrohr im Felde wurde
abgelehnt.
* Groß=Gerau, 1. Nov. Ankaufdes Krankenhauſes. Das
Kreiskrankenhaus iſt nunmehr endgültig in den Beſitz der Stadt Groß=
Gerau übergegangen. Der Gemeinderat hat in ſeiner letzten Sitzung den
Kaufvertrag zu den von der Kreisſparkaſſe geſtellten Bedingungen ge=
nehmigt
. Der Kaufpreis beträgt 100 000 Mark.
r. Rüffelsheim, 1. Nov. Vom heſſiſchen Miniſterium für Arbeit und
Wirtſchaft wurde die Kanaliſierung, die Rohrlegungsarbeiten für die
Gas= und Waſſerleitung ſowie die Waldentwäſſerung als Notſtands=
arbeiten
anerkannt. Die Gemeinde erhält hierfür ein Darlehen in
Höhe von 126 500 Mk. aus der produktiven Erwerbsloſenfürſorge zu
4 Prozent auf 12 Jahre überwieſen unter der Vorausſetzung, daß die
Gemeinde ab 1. November d. Js. bis 1. Februar 1927 mindeſtens 50
Erwerbsloſe mit Notſtandsarbeiten beſchäftigt.
Oberheſſen.
b. Friedberg, 1. Nov. Zur Feier des 400jährigen Gedenktages der
Einführung der Reformation in Heſſen durch Philipp den Groß=
mütigen
fand am 30. Oktober in der Liebfrauenkirche für die evange=
liſchen
Schüler ſämtlicher hieſigen Schulanſtalten eine Gedenkfeier ſtatt.
Pfarrer lie. Gerſtenmayer hielt eine der Bedeutung des Tages ange=
paßte
geſchichtliche Anſprache, Schülerchöre der verſchiedenen Schulen
eröffneten und ſchloſſen die Feier. Das geräumige Gotteshaus war bis
zum letzten Platz gefüllt.
WSN. Bad=Nauheim, 1. Nov. Keine Zuſammenlegung der
Amtsgerichte Bad=Nauheim und Friedberg. Der Pro=
teſtſturm
gegen den beabſichtigten Abbau eines der beiden Amtsgerichte
in Friedberg und Bad=Nauheim ſcheint bei der heſſiſchen Regierung er=
heblichen
Eindruck gemacht zu haben. Wie die Bad Nauheimer Ztg.
von zuſtändiger Stelle erfährt, ſind die zuſtändigen Stellen in Darm=
ſtadt
zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Zuſammenlegung der beiden
Amtsgerichte untunlich ſei. Sie werden demnach in ihrer jetzigen Form
erhalten bleiben.
WSN. Gießen, 1. Nov. Schwerer Unfall eines Poſt=
autos
. Ein mit 15 Perſonen beſetzter Kraftwagen der Privatautolinie
GießenGrüningenHolzheim kam am Samstag gegen abend am Schif=
fenberger
Wald bei Gießen auf der Landſtraße nach Steinberg beim Aus=
weichen
vor einem anderen Fuhrwerk infolge der naſſen Straße und zu
raſchen Fahrens ins Rutſchen und ſchlug um. Dabei erlitten zwei In=
ſaſſen
, der 21 Jahre alte Karl Schmidt aus Steinbera und der 18 Jahre
alte Robert Römig aus Steinberg Gehirnerſchütterungen und ſchwere
Verletzungen, während einige andere Paſſagiere mehr oder weniger er=
hebliche
Schnittwunden durch die zertrümmerten Fenſterſcheiben davon=
trugen
. Die beiden Schwerverletzten wurden von der Gießener Frei=
willigen
Sanitätskolonne in bewußtloſem Zuſtande, in die chirurgiſche
Klinik nach Gießen verbracht, wo ſie heute früh das Bewußtſein wieder=
erlangten
. Ihr Befinden iſt den Umſtänden nach zufriedenſtellend. Der
Autobetrieb mußte bis geſtern nachmittag unterbrochen werden.

Gönnen Sie ſich
öfters die Wohltat einer Helipon=Kopfwäſche, dann erſcheinen Sie
immer mit einem reinen, duftigen Seidenhaar. Kein anderes
Mittel iſt wie das milde Helipon! Jedes einſchlägige Geſchäft,
welches das ſeit 1908 ſo beliebte Helipon zu ſchätzen verſteht, führt und
empfiehlt es. Preis 305 zwei Waſchungen.
(I St.15878

* Erſte Verordnung zur Durchführung der
Aufwertung von Sparguthaben.
Ausſchneiden!
Aufbeben!
Wichtig!
Am 29. Oktober d. J. iſt die ſchon lange erwartete Verordnung in
Kraft getreten. Wir geben das Weſentliche daraus für die Leſer
wieder. Die Aufwertung der Sparguthaben erfolgt bei den öffent=
lichen
Sparkaſſen Heſſens ohne Bildung einer Teilungs=
maſſe
und ohne Beſtellung eines Treuhänders zu
einem Aufwertungsſatze von 12,5 Prozent des Goldmarkbetrags der
Sparguthaben. § 2 beſtimmt: Tilgt nach 29. Oktober 1926 eine Ge=
meinde
(Gemeindeverband), die die Haftung für die Verbindlichkeiten
einer Sparkaſſe übernommen haben, eine dem Ablöſungsgeſetz unter=
liegende
eigene Anleihe oder eine zur Ablöſung einer ſolchen Mark=
anleihe
ausgegebene Anleihe in der Weiſe, daß hierbei ein Einlöſungs=
betrag
von mehr als 12,5 Prozent des Goldwertes erreicht wird, ſo iſt
dieſer höhere Satz auch für die Aufwertung der Sparguthaben der Spar=
kaſſe
, für die dieſe Gemeinde (Gemeindeverband) haften, als Aufwer=
tungsſatz
maßgebend. (Abſ. 1)
Die Vorſchrift des Abſ. 1 findet keine Anwendung, ſoweit ſich ein
Einlöſungsbetrag von mehr als 12,5 Prozent des Goldwertes nach § 11
des Ablöſungsgeſetzes ergibt. Wir ſetzen § 11 zum Verſtändnis hierher:
Markanleihen, die nicht gemäß §§ 9 und 10 Altbeſitzanleihen ſind,
gelten, wenn ſie der Gläubiger vor 1. Juli 1923 auf Grund geſetzlichen
Zwanges zur mündelſicheren Anlage erworben hat und ſie ihm von die=
ſem
Erwerbe bis zur Anmeldung ununterbrochen gehört haben, als Alt=
beſitzanleihen
in Höhe des doppelten Goldmarkbetrages ihres Erwerbs=
preiſes
, ſoweit dieſer Betrag durch 500 teilbar iſt. Der Goldmark=
betrag
wird nach der Tabelle des Aufwertungsgefetzes umgerechnet.
Bei einer ausfchließlich gemeinnützigen, mildtätigen, ethiſchen oder
religiöſen Zwecken dienenden inländiſchen Anſtalt, Stiftung, Körperſchaft
oder ſonſtigen Perſonenvereinigung oder Vermögensmaſſe ſteht dem
geſetzlichen Zwange der Zwang durch die Vorſchriften der Satzung oder
der ſonſtigen Verfaſſung gleich.
Im Streitfall entſcheidet der Innenminiſter endgültig. Derſelbe
kann für Aufwertung von Sparguthaben bei Bezirksſparkaſſen Aus=
nahmen
von Abſ. 1 zulaſſen.
8 3. Ergibt ſich bei einer Sparkaſſe aus dem Verhältnis des auf=
gewerteten
Sparkaſſenvermögens zu den aufgewerteten Sparguthaben
ein höherer Satz als 12,5 Prozent, ſo kann der Innenminiſter für dieſe
Sparkaſſe anordnen, daß die nach 14. Juni 1922 ausgezahlten Guthaben
auch ohne Vorbehalt der Rechte durch den Gläubiger aufgewertet
werden. Auszahlungen ſind dann in der Höhe des Goldmarkbetrages
anzurechnen. (Abſ. 1.)
Unter den in Abſ. 1 bezeichneten Vorausſetzungen kann Innen=
miniſter
ferner anordnen, daß die Sparbaſſe ihre Guthaben zu einem
von ihm zu beſtimmenden höheren Satz als 12,5 Prozent aufwertet.
(Abſ. 2.) Derſelbe beſtimmt auch den Zeitpunkt, zu dem die Sparkaſſen
ihm eine Aufſtellung über das aufzuwertende Sparkaſſenvermögen und
die aufzuwertenden Sparguthaben vorzulegen haben.
§ 4. Werden nach § 3 Abſ. 2 bei einer Sparkaſſe Sparguthaben
zu einem höheren Satze als 12,5 Prozent des Goldmarkbetrages aufge=
wertet
, ſo iſt aus dem Betrag, der zur Durchführung dieſer höheren
Aufwertung erforderlich iſt, ein Beitrag bis zu 40 Prozent dieſes Betrags
an einen Ausgleichsſtock abzuführen, aus dem leiſtungsſchwache Spar=
kaſſen
bei der Aufbringung des 12,5prozentigen Satzes zu unterſtützen
ſind. Die Verpflichtung zur Leiſtung ſolchen Beitrages ſowie deſſen
Höhe ſtellt Innenminiſter endgültig feſt. Verwaltung und Verwendung
des Sparkaſſenausgleichsſtocks regelt der Innenminiſter.
§ z. Aufwertung der Sparguthaben erfolgt ohne Antrag
des Gläubigers. Wird aber von einem Sparkaſſengläubiger die Auf=
wertung
bereits ausgezahlter Guthaben auf Grund Vorbehalts verlangt
oder wird im Falle der Ueberweiſung des Guthabens von einer anderen
Sparkaſſe Berückſichtigung mit dem Goldmarkbetrag zurzeit des Erwerbs
der Forderung gegen die erſte Sparkaſſe beantragt, ſo iſt der Anſpruch
binnen einer am 31. Januar 1927 ablaufenden Ausſchlußfriſt bei der
Sparkaſſe anzumelden, bei der das Guthaben geführt wird oder zuletzt
geführt wurde. Ueber die erfolgte Anmeldung hat die Sparkaſſe auf
Verlangen eine Beſcheinigung auszuſtellen. Guthaben, deren Aufwer=
tungsbetrag
weniger als 1 Goldmark ausmachen würde, werden nicht
berlickſichtigt. Zur Ablöſung ſolcher Guthaben ſind die Kaſſen nicht ver=
pflichtet
. Bei der Aufwertung ſich ergebende Pfennigbeträge von 15
Pfg. bleiben außer Anſatz, ſolche von 69 Pfg. werden auf volle
10 Pfg. nach oben abgerundet.
§ 7. Die aufgewerteten Guthaben ſind für die Gläubiger bis 1.
Januar 1932 unkündbar. Vom 1. Januar 1932 an hann die Hälfte, vom
1. Januar 1940 an der Reſt des Guthabens nach Maßgabe der Spar=
kaſſenſatzung
gekündigt werden. (Abſ. 1.) Erfolgt die Auszahlung vor
1. Januar 1932 dann kann die Sparbaſſe einen Abzug für Zwiſchenzins
machen, der jedoch nicht über die für vorzeitige Rückzahlung von Auf=
wertungshypotheken
jeweils geltenden Sätze hinausgehen darf.
Die Sparkaſſen werden, ohne hierzu verpflichtet zu ſein, bedürftigen
Perſonen auf Antrag den Aufwertungsbetrag ohne Abzug von Zwiſchen=
zinſen
ganz oder teilweiſe baldmöglichſt auszahlen; gleiches gilt für über
5 Jahre alte Sparkaſſengläubiger und ſolche, die infolge des körper=
lichen
Zuſtandes aller Vorausſicht nach bei Einhaltung des Termins vom
1. Januar 1932 nicht in den Genuß der Auszahlung ihres Guthabens
kommen, unter der Vorausſetzung, daß dieſe Sparkaſſengläubiger nicht
zur Vermögensſteuer herangezogen ſind.
Der Innenminiſter kann anordnen, daß bei einer Sparbaſſe be=
ſtimmte
Arten von Spargläubigern oder alle Spargläubiger den Auf=
wertungsbetrag
der Sparguthaben früher als in Abſatz 1 oben beſtimmt,
kündigen können.
8 8. Die aufgewerteten Sparguthaben ſind vom 1. Januar 1927
ab mit jährlich 3 Prozent, vom 1. Januar 1932 ab zu den für die übrigen
Spareinlagen geltenden Sätzen zu verzinſen. Die Gläubiger können die
Auszahlung der Zinſen der unkündbaren Teile ihrer Guthaben auf
Ende eines jeden Kalenderjahres verlangen.

* Aus Oberheſſen. Großen=Linden. Auf ihr 40jähriges Be=
ſtehen
blickt unſere Bahnſtation, eine der bedeutendſten an der
Main=Weſer=Bahn, zurück. Damals war es der weitſichtige Bürger=
meiſter
und Landtagsabg. Leun, welcher die Station ins Leben rief.
Gießen. Das Winterhalbjahr an der Univerſität hat ſeinen Anfang
genommen, und in der Stadt herrſcht wieder das drei Monate vermißte
ſtudentiſche Treiben. Die Verbindungshäuſer ſind belebt, und die Se=
neſter
=Eröffnungsfeiern ſind im Gang. Es fand die erſte feierliche
Immatrikulation der Studierenden im Univerſitätsgebäude ſtatt.
Nieder=Ofleiden. Ein ſchwerer Unfall ſtieß dem Stein=
brucharbeiter
Fiſcher aus Elpenrod zu, der in dem hieſigen Baſalt=
ſteinbruch
beſchäftigt war. Es löſte ſich ein Felsblock, der den Arbeiter ſo
ſchwer verletzte, daß er nach Hauſe getragen werden mußte.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Todes=Anzeige.
Samstag, den 30. Oktober iſi unſer
lieber Bruder und Onkel
Suelft Hutl oon Juul
nach kurzem Leiden im Alter von 82 Jahren
in Marienbad ſanft entſchlafen.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Franziska Balſer
geb. Baur. 28879

Am 21. Oktober entſchlief nach langem
ſchweren Leiden mein lieber Mann, unſer
guter Vater, Großvater und Schwieger=
vater

Georg Merck
(*28921
im Alter von 59 Jahren.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Rikel Merck, geb. Schenck.
Llwellyn=Park, Orange, New=Jerſey, L. S. A.

Für die uns erwieſene herzliche Teil=
nahme
ſagen wir aufrichtigſten Dank.
Dorothee Genton, geb. Schneider
Theodor Schneider
Karl Schneider, Apotheker
Eliſabeth Schneider
Elſe Schneider, geb. Hugenſchütz
Aenne Schneider, geb. Bierwerth
und 3 Enkelkinder.

Darmſiadt, Hanau a. M., 1. November 1926
(15953)

Dankſagung.
Statt Karten.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teil=
nahme
beim Hinſcheiden unſeres lieben Ent=
ſchlafenen
, ſage ich hiermit, auch im Namen
aller übrigen Angehörigen, herzlichen Dank.
Frau Helene Reuter
geb. Engels.
Darmſiadt, den 2. November 1926. (15934

Unſer braver kleiner
Heimbert
iſt Samstag abend ½11 Uhr im Alter
von 5 Monaten ſanft entſchlaten.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Kurt Böhm und Frau
228926) Heidelbergerſtr. 111.
Die Beerdigung findet in aller Stille ſiatt.

Für die vielen Beweiſe auf=
richtiger
Teilnahme beim Tode
unſres lieben Vaters ſagen wir
herzlichen Dank. 15970

Im Namen aller Geſchwiſter:
Wally Valdecker.

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Nummer 304
Dienstag, den 2. November 1926
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Seite 10

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Sorl Spiet und Tarnen.

Handball.
Deutſche Turnerſchaft: MainRhein=Gau.
PfungſtadtGriesheim 0:1. LangenSprendlingen 7:0.
NauheimEberſtadt 1:1.
Wer geglaubt hatte, daß das Treffen PfungſtadtGriesheim ebenſo
torreich, wie kürzlich in Groß=Gerqu enden würde, hat eine Enttäu=
ſchung
erlebt. Es wurde nur ein einwandfreies und ſchönes Tor ge=
ſchoſſen
, das Griesheim die zwei Punkte brachte und zu einem man
kann ruhig fagen glücklichen Siege verhalf, und außerdem zu einer
kaum mehr zu nehmenden Meiſterſchaftsausſicht. Pfungſtadts rechter
Läufer deckte ſchlecht ab, infolgedeſſen griff der Verteidiger an und gab
Nothnagel frei, der prompt den Ball erhielt und ſicher einſchoß. Es
gibt Torwächter, die dieſen Ball gehalten hätten. Aufgefallen iſt die
ſichere Verteidigung auf beiden Seiten, wo bei Pf. Nickel, der für Schaff=
ner
ſpielte, dieſem nicht nachſtand. Griesheims Läuferreihe beſſer als die
der Pfungſtädter, doch ſie leiſtete alles, was in ihren Kräften ſtand, und
es iſt ihr tatſächlich gelungen, mit Hilfe der Verteidigung den gefürch=
teten
Griesheimer Sturm ſo zu halten, daß dieſer, ohne obigen Fall,
nur ein paar ungenaue Torſchüſſe anbringen konnte. Dem Pfungſtädter
Sturm erging es ebenſo. Hätte er die körperliche Stärke ſeiner gegne=
riſchen
Verteidigung gehabt, war Griesheim geſchlagen. Fey führte den
Sturm aus der vorjährigen Jugend, und man kann nicht ſagen, es hätte
nicht geklappt, wenn man bedenkt, daß z. B. der kleine Rühl dem Gries=
heimer
Friedmann gegenüberſtand. Wir ſind ſogar gegenteiliger Mei=
nung
und ſagen, daß der Pfungſtädter Sturm ſehr gut war und Gries=
heim
ſich ſeiner nur durch das regelwidrige Halten uſw. erwehren
konnte. Pfungſtadt hatte deshalb ſechs 16,50 Meter und verwandelte
nicht einen davon, deshalb ging das Spiel verloren! Hierzu muß ein
Mangel gerügt werden, nämlich beim 16,50 Meter haben ſich alle Spie=
ler
ſechs Meter vom Ball zu halten, bis er die Hand des Werfers ver=
laſſen
hat, und hierin liegt der Grund, warum kein 16,50 Meter ver=
wandelt
werden konnte. Ebenſo unangenehm fiel die gegen Schluß ein=
tretende
Dunkelheit auf. 4 Uhr Spielbeginn iſt zu ſpät. Langen
erzielte einen unerwartet hohen Sieg mit 7:0 gegen Sprendlingen und
hat ſich damit eine ſehr günſtige Poſition geſchaffen, bei 5 Spielen ein
Verluſtpunkt. Während Sprendlingen kaum mehr vom Tabellenende
wegkommen wird. Bis Halbzeit wurde das Spiel 0:0 gehalten, und es
iſt nicht gut denkbar, wie ſich Sprendlingen dann mit 7 Toren überfahren
ließ. Eberſtadt holte ſich in Nauheim einen Punkt mit 1:1. Das will
etwas bedeuten. Eberſtadt ſtrengte ſich ſehr an und führte ein ruhiges
Spiel vor, das tatſächlich ſein beſtes bis jetzt war, und enttäuſchte ſehr
das ſiegesgewiſſe Nauheim, welches dann noch den Fehler beging, recht
maſſiv zu ſpielen und ſich hierdurch viel vergab. A=Klaſſe:
Egelsbach in Front! Beſſungen wurde 5:2 geſchlagen, obwohl es mehr=
vom
Spiel hatte. Eine gute Leiſtung bot Tgſ. Griesheim, indem ſie ſich
mit 0:4 gegen Wolfskehlen hielt. Tgd. Darmſtadt verlor knapp 2:1
gegen Worfelden und zeigte wenig Sportsgeiſt. Langen 2. iſt überhaupt
richt nach Neu=Iſenburg gefahren und wird ſich eine empfindliche Strafe
gefallen laſſen müſſen. Ob es an der Leitung liegt, daß es in letzter
Zeit bei Langen öfters nicht klappte? B=Klaſſe: Wolfskehlen
Sgd. Griesheim 3:10! ErfeldenTgſ. Darmſtadt 2:2. Walldorf Gerns=
heim
2:21 C=Klaſſe: Erfelden-Büttelborn 2:6. Tgſ. Darm=
ſtadt
Tgſ. Ober=Ramſtadt 0:3! RoßdorfPfungſtadt 0:9! Jugend:
Tgſ. Darmſtadt Tv. Ober=Ramſtadt 1:0. Tgſ. Griesheim Worfel=
den
1:9.
Fechten.
Mannſchaftskampf Offenbach-Darmſtadt. Turngemeinde 1846
in beiden Waffen ſiegreich.
Die Fechterſchaft der Turngemeinde Darmſtadt 1846 feierte ihr 66 jäh=
riges
Beſtehen durch einen Mannſchaftskampf mit dem als fechtſtark be=
kannten
Turnverein Offenbach a. M. Die Florettgefechte eröffneten den
Reigen, und ſchon die erſten Gänge bewieſen, daß ſich die Gegner ziem=
lich
ebenbürtig waren. Doch Darmſtadt hatte mehr vom Kampf. Es
holte ſich zu Beginn einen Vorſprung und hielt ihn bis zum Schluſſe bei.
Offewbach konnte zwar einen Ueberſchuß an Treffern buchen, mußte aber
dem eifrig aufholenden Darmſtadt den Sieg abtreten. Bei den Offen=
bachern
gefielen am beſten die Fechter Hermann und Schmidt, die ſichere
Klingenführung und gute Haltung beſitzen. Darmſtadts Stärke lag in
Rolf Haun, deſſen vorzügliches Können ſich immer mehr befeſtigt. Auch
Fechter Seip, der ſonſt vom Pech verfolgte, bewies diesmal, daß er ſein
eifriges Ueben nicht umſonſt betreibt.
Das Ergebnis:
Offenbach: Schmidt 2 Siege, 10 Treffer; Hermann 3 Siege,
11 Treffer; Weſtphal 1 Sieg, 8 Treffer; Pfeiffer 1 Sieg, 9 Treffer, zu=
ſammen
7 Siege, 38 Treffer.
Darmſtadt: Seip 3 Siege, 10 Treffer; Haun 3 Siege, 11 Tref=
fer
: Getroſt 1 Sieg, 8 Treffer; Brauns 2 Siege, 8 Treffer, zuſammen
9 Siege, 37 Treffer.
Darmſtadt mit 2 Siegen Vorſprung Sieger.
Nach kurzer Pauſe begannen die Säbelkämpfe. Durch das Fehlen
eines Offenbachers verloren die Gefechte etwas von ihrer Eigenart als
Mannſchaftskampf, deſſen Zweck es iſt, eine möglichſt große Anzahl gleich
guter Fechter heranzuziehen. Die einzelnen Gänge waren ſpannend; das
beſte Gefecht lieferten ſich Schäfer=Offenbach und Haun=Darmſtadt, das
5 zu 3 für Letzteren endigte.
Das Ergebnis:
Offenbach: Schmidt 1 Sieg, 12 Treffer; Schaupmeier 0 Siege,
9 Treffer; Schäfer 2 Siege, 13 Treffer, zuſammen 3 Siege, 34 Treffer.
Darmſtadt: Kaiſer 2 Siege, 12 Treffer; Haun 2 Siege, 13 Tref=
fer
; Brauns 2 Siege, 12 Treffer, zuſammen 6 Siege, 37 Treffer.
Darmſtadt mit 3 Siegen Vorſprung Sieger.
Dieſes Freundſchaftsfechten hat die alte Verbindung zwiſchen den
Fechterſchaften aufs neue gefeſtigt und gibt frohen Ansblick auf einen
guten Verlauf des Rückkampfes in Offenbach.
Zahlreiche Zuſchauer bekundeten ihr Intereſſe für dieſen edlen Zweig
des deutſchen Turnens.

Fußball.
F.=V. 1911, Hofheim F.=V. Hemsbach 4:3 (2:3).
Mit vorſtehendem Ergebnis konnten die Riedleute gegen den Neu=
ling
Hemsbach, trotz überlegenem Spiel mit vielen Torgelegenheiten,
nur knapp die Oberhand behalten. Zwar entpuppten ſich die Gäſte als
äußerſt ſpielſtark, doch hatten ſie ihre Erfolge gewiſſen Umſtänden zuzu=
ſchreiben
. Schon nach neun Minuten Spieldauer lagen die Riedleute mit
zwei Toren in Führung. Man glaubte an eine hohe Niederlage der
Gäſte, aber es kam anders. Eine Flanke des linken Flügels der Gäſte
verſucht Hofheims linker Verteidiger wegzuföpfen, jedoch das tückiſche
Leder ſpringt zurück ins Netz. Eigentor! Durch dieſes Mißgeſchick
waren die Hofheimer etwas deprimiert. Dieſe Schwächeperiode nutzten
die Gäſte geſchickt aus, und ehe ſich die verdutzt dreinſchauenden Ried=
leute
verſahen, hatten die flinken Gäſte den Ausgleich hergeſtellt. Hof=
heims
rechter Verteidiger muß verletzt ausſcheiden und kann ſpäter nur
noch als Statiſt mitwirken. In dieſer Zeit gelingt den Gäſten aus
klarer Abſeitsſtellung der Führungstreffer. Mit 3:2 für Hemsbach wer=
den
die Seiten gewechſelt. Sofort nach Wiederbeginn gingen die Hof=
heimer
zu gefährlichen Angriffen über, die aber, außer einigen erfolg=
loſen
Ecken nichts einbrachten. Durch einen hart an der Strafraum=
grenze
verhängten Strafſtoß erzielten die Riedleute den längſt verdienten
Ausgleich und etwas ſpäter das Siegestor. Bis zum Schluß änderte
ſich an dem Ergebnis nichts mehr. Ein 4:1 für Hofheim hätte dem
Spielverlauf eher entſprochen. Die Gäſte ſtellten eine ausgeglichene
flinke Mannſchaft, die noch manchem Spitzenkandidaten die Punkte
nehmen wird. Einigen Herren der Gäſte wäre zu empfehlen, ihr Mund=
werk
etwas mehr im Zaum zu halten. Beim Sieger klappte es, trotz der
Mißgeſchicke und des Erſatztorhüters, recht gut, doch müſſen einige Leute
mehr Eifer zeigen. Herr Feigk, Spv. Darmſtadt, leitete das Spiel
von der Entſcheidung des Abſeitstores abgeſehen recht gut. Hem=
bachs
2. war nicht angetreten.
Kraftſport.
Drei neue Schwerathletik=Rekorde in Wien.
Der franzöſiſche Weltrekordmann Rigolout weilte am Sonn=
tag
in Wien, wo er im rechtsarmigen Reißen ſeinen eigenen
Weltrekord auf 110 Kilo verbeſſern konnte. Der alte Rekord
ſtand auf 105,5 Kilo. Der öſterreichiſche Amateur Haas ſtellte
im rechtsarmigen Reißen mit 80 Kilo und im linksarmigen
Stoßen mit 107,8 Kilo zwei neue Weltrekorde auf.
Radfahren.
Großer Opel=Preis von Bielefeld.
Der Weſtfäliſche Radfahrer=Bund hatte die Durchführung
des Großen Opel=Preiſes von Bielefeld dem neugegründeten
R.=V. Opel=Bielefeld übertragen. Das Rennen kam auf der
164,4 Kilometer langen Strecke BielefeldMünſter i. W. Biele=
feld
zur Durchführung. Die Fahrer hatten unter Schneegeſtöber,
Regen und ſtarkem Wind außerordentlich zu leiden. Sieger blieb
Hagedorn=Bielefeld in 7:30 Stunden, vor Schaſtlei=Bielefeld und
Eſp=Bocholt.
Schach.
Zweites Internationales Schachmeiſterturnier in Meran.
In der Zeit vom 3. bis 21. Dezember 1926 veranſtaltet der Kur= und
Verkehrsverein Meran, unterſtützt von der Kurvorſtehung und der
Meraner Hotelerie, das 2. Große internationale Schachmeiſter=Turnier.
Der Weltmeiſterſchaftskandidat Bogoljubow und verſchiedene andere
Großmeiſter haben ihre Teilnahme bereits zugeſichert, ſo daß das Tur=
nier
zu einem Schachereignis erſten Ranges zu werden verſpricht. Ein=
ladungen
ergingen an 14 Großmeiſter. Die Verloſung findet am 3. Dez.,
abends 6 Uhr, im Alten Kurhaus ſtatt, in deſſen Räumen auch das
Turnier ausgetragen wird.
Das Goldene Band
an Dr. Peltzer, Vierkötter und O. Schmidt.
Als der Vorſtand des Vereins Deutſcher Sportpreſſe die Schaffung
des Goldenen Bandes beſchloß, zwecks Verleihung an deutſche Sport=
leute
, die für beſonders große Taten auf den verſchiedenen Gebieten des
Sports erfolgen ſoll, war er ſich klar darüber, daß er gerade in dieſem
Jahre vor einer recht ſchweren Wahl ſtehen würde. Denn noch in keiner
Saiſon ſind ſo hervorragende Leiſtungen durch deutſche Sportleute er=
zielt
worden. Groß war die Zahl der verdienten Pioniere des deutſchen
Sports, klein nur die Zahl der Auszeichnungen, die verliehen werden
ſollten. In ſeiner letzten Vorſtandsſitzung hat der Verein Deutſcher
Sportpreſſe einſtimmig beſchloſſen, das Goldene Band‟ Dr. O. Peltzer,
Vierkötter und O. Schmidt zu verleihen.

Sportliteratur.
Das Meiſterſchafts=Album 1926 iſt ſoeben im Verlage der DSB.
erſchienen. Es enthält in vorbildlicher techniſcher Ausführung ( Kupfer=
druck
) etwa 60 Aufnahmen von den Deutſchen Leichtathletik= Meiſterſchaf=
ten
der Männer und Frauen und wird in wirkungsvollſter Weiſe er=
gänzt
durch 20 Bilder von der Teilnahme unſerer beſten Aktiven an den
ausländiſchen Veranſtaltungen Deutſchland=Schweiz=Frankreich, Engl.
Meiſterſchaften und den Rekordlauf Peltzer=Wide=Nurmi. Da grund=
ſätzlich
nur packende, intereſſante Momente im Bild verwertet wurden,
ſo iſt dieſes Album ein ebenſo lebendiges wie wechſelndes Spiegelbild
des augenblicklichen Standes unſerer Leichtathletik und für alle Aktiven,
für alle Vereine und Verbände ein unentbehrlicher Beſtandteil ihrer
Bibliothek. Da das Album in einer Auflage von nur 2000 gedruckt
worden iſt, ſo dürfte es bald vergriffen ſein und empfiehlt ſich die ſo=
fortige
Beſtellung. Zu beziehen durch die Deutſche Sportbehörde für
Leichtathletik, München, Romanſtraße Nr. 67 zum Preiſe von Mk. 3.

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Neuerſcheinungen der Platienliteratur.
Unter den neueſten Electrola=Aufnahmen verdient die erſte und
bisher einzige Aufnahme beſonders erwähnt zu werden, die während
einer öffentlichen Opernvorſtellung aufgenommen worden iſt. Ein
Markſtein in der Geſchichte der Schallplattenproduktion! Verheißungs=
volle
Ausſichten für die Zukunft! Die Aufnahme ſelbſt beweiſt auf’s
Neue, daß der Schall in dem großen Raum ſich frei ausbreitet, wodurch
ein ganz beſtimmter, durch nichts zu erſetzender Klangcharakter erzeugt
wird. Wenn auch die Oper Borto’s Mefiſtofele leider bei uns
wenig bekannt iſt, ſo gewinnt die Electrola=Platte durch Meiſter
Schaljapin’s imponierende Mitwirkung, der den Mefiſtofele zu ſeinen
Glanzrollen zählt. Orcheſter und Chor wirken ſo gewaltig, daß man
vergißt, daß nur ein Apparat dieſes Erlebnis vermittelt. Das Vor=
ſpiel
aus Wagner’s Triſtan und Jſolde wird mit allen Feinheiten
der Kompoſition wiedergegeben. Der Zuhörer muß rückhaltlos aner=
kennen
, daß er einen muſikaliſch hohen Kunſtgenuß dieſer Electrola=
Muſikplatte verdankt. Die Meiſterin dieſes Liedes, Elena Gerhardt,
erfreut ihre große Gemeinde mit Liedern von Brahms und Schubert.
Eine neue Gigli=Platte iſt eine willkommene Bexeicherung für jede
Platten=Bibliothek, während zwei Schlager von Meiſter Lehar von
keinem Geringeren als Fritz Kreisler dargeboten werden. Schade, daß
der große Geigerkönig uns keine klaſſiſchen Beweiſe ſeiner großen Kunſt
bietet.
Die Senſation bleibt aber auch diesmal eine neue Choraufnahme
aus Der Meſſias , ebenfalls während eines Konzertes in der Albert
Hall aufgenommen. Der gewaltigen Wirkung dieſer Platte kann ſich
niemand entziehen, der ſie hört. Die erſten in Deutſchland gemachten
Electrola=Aufnahmen beweiſen, daß die Leiſtung des Berliner Studio
der Electrola=Geſellſchaft hinter den engliſchen und amerikaniſchen
Leiſtungen nicht zurückbleibt. Schlichte deutſche Volkslieder, meiſterhaft
geſungen, von einem unter Meiſter Rüdel’s Leitung ſtehenden Doppel=
quartett
, wirken durch die klare Wiedergabe jeder einzelnen Stimme,
während Joſef Wolfsthal der Berliner Geiger durch den beſon=
ders
warmen Ton ſeines Inſtrumentes und den tief empfundenen Vor=
trag
fasciniert. Eine große Serie Tanzplatten vollenden die diesmalige
Electrola=Serie, die mit einem glänzend geſpielten Militärmarſch
Unſer Hindenburg eingeleitet und dem Schlager der Schlager Va=
lencia
, geſungen vom Negerquintett The Revellers beſchloſſen wird.
Der Mangel an Raum verbietet es, dieſe letzte Aufnahme einer ſo ein=
gehenden
Beſprechung zu würdigen, wie ſie es verdient.

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 2. Nov. 3.30: Stunde der Jugend: Aus Sage
und Leben der Griechen und Römer, von Studiendir. Dr. Majer=
Leonhard: Vom jungen Helden Theſeus (für Kinder vom 10.
Jahre ab). O 4.30: Hausorch. Felix Mendelsſohn (geſt. 4. Nov.
1847). Ouv. Athalia, Rondo capriccioſo in E=Dur.
Adagio a. d. Sinfonie in A=Moll. Lieder. Ouv. Die Heim=;
kehr aus der Fremde‟. Lieder. Intermezo a. d. Streich=
quartett
op. 13. A. d. Muſik zum Sommernachtstraum, Mitw.:
Elly Schäfer, Mezzoſopran. O 5.45: Leſeſtunde: Aus dem Roman
Die Buddenbrooks von Thomas Mann. O 6.15: von Caſſel. Dir.
Herberg: Rationelle Geflügelfütterung. O. 6.45: Beethovens
einzige Oper Vortrag Werner Göttig. O. 7: aus dem Frankf.
Opernhaus: Fidelio. Oper von Beethoven. Perſ: Don Fernando,
Miniſter: Don Pizarro, Gouverneur eines Staatsgefängniſſes;
Floreſtan, ein Gefangener: Leonore, ſeine Gemahlin, unter dem
Ramen Fidelio; Rocco, Kerkermeiſter; Marzelline, ſeine Tochter;
Jaguino, Pförtner u. a. Ort: Ein ſpaniſches Staatsgefängnis in
der Nähe von Sevilla. Anſchl.: Neue Schallplatten,

Stuttgart.
Dienstag, 2. Nov. 3.50: Bücherfunk. O 4.15: Rundfunkorch.
Schenk: Ratibona=Marſch. Zeller: Walzer a. Vogelhändler.
Suppe: Ouv. z. Paragraph 3. Schäffer: Poſt im Walde.
Köpping: Heinzelmännchens Hochzeit. Einlagen: Franziska Hai=
mayer
. Smetana: Fant. Der Kuß. Menichetti: Gebet.
Gabriel=Marie: Suite Gaie. O. 6.15: Heleue Kirſchke: Deutſche
Kulturpioniere in den Urwäldern Nordargentiniens und Paraguays.
O. 6.45: Morſe=Kurs. O 7.15: Pfarrer Griſebach: Hexamer.;
Lebensbild eines Deutſch=Amerikaners. O 8: Der Kuß Volksoper)
von Smetana. Perſ.: Der Vater Fedor Zarkow: H. Conzelmann;
Marinka, ſeine Tochter: Maria Fiechtl; Hanno, ein junger Witwer:
H. Moſtert; Januſch, Hannos Schwager: Hans Hofele; Brigitte,
Marinkas alte Verwandte: Maria Ther. Deimann; Clara, Dienſt=
mädchen
bei Zarkow: Gerda Hanſi; Steffan, Führer der Schmugaler=
C. Hermann. Anſchl.: Wunſchabend.
Berlin.

prachen der Abgeordneten: Prof. Schücking. Geheimrat
Prof. Kahl, Prälat Kags, Reichsminiſter Wiſſell, Wilhelm Heile.
O 9: Populäres Konzert. Sol.: Agnes von Bonkowska, Sopran,
Roſſini: Ouv. Wilhelm Tell Maſſenet: Scenes napolitaines.
Bizet: Draußen am Wald, a. Carmen. Puccini: Eines
Tages ſehen wir, a. Butterfly. Tſchaikowsky: Francesca da
Rimini. Puccini: Nur der Schönheit weiht’ ich, a. Tosca‟.
Pirani: Im Heidelberger Schloſſe. Funkorch.
Stettin. 7: Direktor Löffler: Die Vervollkommnung des
Alltags durch Elektrizität
Königswuſterhauſen. Dienstag, 2. Nov. 3: C. M. Alfieri G.
von Eyſeren: Spaniſch. O 3.30: Prof. Dr. Niebergall: Wert=
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Erziehungslehre. Unbewußte Einflüſſe

): Aus der pädagogiſchen Welt. O 5: Emanuel Lasker:
Die moderne Schachpartie. O 6: Eröffnung des Juriſtenfunks.
Geh.=Rat Volkmar: Anſprache. Geh. Prof. Dr. Kahl: Weſen und
Bedeutung des Rechts. O 6.30: Dr. Neuburger: Lyriker der Ro=
mantik
. O 7: Reg.=Rat Dr. Krammer: Deutſche Kulturgeſchichte
des 19. Jahrhunderts. O 7.30: Dr. Paul Fechter: Fraenger.
Deutſcher Humor. O 8.30: Uebertragung aus Hamburg.

Hauptſchriftleitung. Rudolf Maupe
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve. für Feuilleton
Reich und Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sport: Dr. Eugen
Buhlmann, für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratenteil=
Willy Kuhle. Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.

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Nummer 304

Dienstag, den 2. November 1926

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[ ][  ][ ]

Amerika=Tagung des Bundes der Deutſchen
Metallwaren=Induſirie e. V.
Der Reichsverband der Deutſchen Metallwaren=Induſtrie veranſtal=
tete
am Samstag in Berlin eine Amerika=Tagung. Wie gewaltig das
Intereſſe auch in der verarbeitenden Induſtrie Deutſchlands an dem
Problem europäiſcher Umſtellung nach amerikaniſchem Muſter iſt, be=
wies
die überaus große Anzahl der anweſenden Induſtriellen; auch Be=
hörden
, Handelskammern, Induſtrieverbände und Gewerkſchaften hatten
ihre Vertveter entſandt.
Der Vorſitzende, Generaldirektor von der Nahmer, Remſcheid
hob in ſeiner Begrüßungsrede hervor, daß die Verhandlungen der Wirt=
ſchaftsverbände
häufig in den Fehler verfallen, das negativ Kritiſche
zu ſtark in den Vordergrund zu ſtellen, und das poſitiv Aufbauende zu
wenig zu betonen. Die Amerika=Tagung der Deutſchen Metallwaren=
Induſtrie ſoll ſich deswegen dem praktiſchen Aufbau widmen, ſoll noch
einmal unterſuchen, ob und wieweit amerikaniſche Wirtſchaftsmethoden
für Deutſchland anwendbar ſind. Dr. Rudolf Görnandt, Berlin,
ſprach über die kulturellen und wirtſchaftlichen Grundlagen der Ver=
einigten
Staaten, um eine Einführung in das Geſamtproblem und
eine Ueberſicht darüber zu geben. Zwei Grundfaktoren amerikaniſcher
Wirtſchaft ſind ins Auge zu faſſen: Das Land mit ſeinem Reichtum
und die Menſchen mit ihrem Charakter. Staatsſekretär z. D. Profeſſor
Dr. Julius Hirſch ſprach über Die europäiſche Wirtſchaftsumſtellung
und das amerikaniſche Beiſpiel. Redner ging von dem glänzenden
Aufſtieg Amerikas aus und ſtellte den europäiſchen Stillſtand und teil=
weiſen
Rückſchritt dem gegenüber, Alsdann ſprach Prof. Dr. Ing. W.
Müller über Arbeitgeber und Arbeitnehmer als gemeinſame Träger
des ſozialökonomiſchen Prinzips, Schließlich gab Herr F. Baum=
gärtner
einen Ueberblick über Die Entwicklung der amerikaniſchen In=
duſtrie
nach dem Weltkriege‟.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 1. November.
Zu Beginn des heutigen Börſenverkehrs entwickelte ſich ein außer=
ordentlich
lebhaftes Geſchäft. Von ſeiten der Spekulation und der Kund=
ſchaft
lagen wieder ausgedehnte, nicht limitierte Kaufaufträge für faſt
alle Marktgebiete vor, beſonders aber für Elektrowerte machte ſich ein
geſteigertes Intereſſe kund. Große franzöſiſche Kauforders in dieſen
Werten ſollen den Anſtoß gegeben haben, andererſeits ließ man ſich
bei dem Intereſſe für die Elektrowerte heute ganz beſonders davon lei=
ten
, daß die Elektrowerte ſtark vernachläſſigt worden waren. A.E.G.,
Bergmann, Licht u. Kraft, Schuckert und Siemens u. Halske gewannen
zum erſten Kurs 8 bis 10 Prozent. Bei der außerordentlichen Nachfrage
verzögerte ſich die Kursfeſtſetzung etwas. Schiffahrtswerte zogen eben=
falls
3 bis 4 Prozent an, J. G. Werte gewannen 4½ Prozent und die
Montanwerte 3 bis 5 Prozent. Sehr groß war auch die Kursſteigerung
für die Bauunternehmungen, von denen Wahß u. Freytag 6 Prozent
und Dyckerhoff u. Widmann 7 Prozent gewannen, letztere auf einen
großen Auftrag für die J. G. Farbeninduſtrie in Merſeburg. Holz=
mann
ſpäter 6 Prozent höher. Autowerte gewannen 4 Prozent. Auf
dem Bankenmarkt allein blieb die Umſatztätigkeit gering, nur für Bar=
mer
Bankverein trat etwas Nachfrage, verbunden mit einem mehr=
prozentigen
Kursgewinn, in Erſcheinung. Von Spezialwerten waren
ferner Hirſch Kupfer und die Vereimigung ihrer Intereſſen mit der
MMansfelder A.G. ſtark hauſſiert.
Das lebhafte G=ſchäft erhielt ſich auch im weiteren Verlaufe und
die hohen Kurſe konnten größtenteils gut behauptet werden. Nur J. G.
Farben gaben eine Kleinigkeit nach, dagegen waren die Montanwerte.
insbeſondere Harpener, ſpäter noch etwas höher. Täglich=s Geld
6½ Prozent, London=Paris 152½
Die Abendbörſe eröffnete weiter feſt. Sehr lebhaft war dus Ge=
ſchäft
für Elektrowerte mit Kursbeſſerungen von 1½2 Prozent. Auch
aber ſtill und unverändert. Schiffahrtswerte gewannen 1 Prozent und
Banken bis zu 2 Prozent. J. G. Farben gehalten.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 1. November.
Die Börſe trat in die neue Woche in einer Hauſſeſtimmung ein,
die lebhafte Kursſteigerungen herbeiführte. Es war dabei bemerkens=
wert
, daß nicht nur kein= größere Anzahl bisher im Hintergrund ge=
bliebener
Werte ſtarke Befeſtigungen erzielte, ſondern auch die bisheri= 1,25 RM., im Kalkſalpeter BASF. 1,15 RM., während Leunaphos
gen Favoriten nach wie vor in anſchaulichen Beträgen zu Kurſen ge= BASF. bis auf weiteres zu einem feſton Preiſe von 25,70 RM. für die
kauft wurden, die die höchſten Notierungen der letzten Zeit noch über=
ſchritten
. J. G. Farben zogen auf über 340 und Danatbank auf mehr
als 262 Prozent an. Der heutige Montag war ſomit ein Tag der Re= dendennachzahlung für das Jahr 1925 hatten an der Börſe eine ſtarke
kordkurſe. Das Ausbleiben der rheiniſchen Käufe infolge des Feier=
tages
(die rheiniſchen Banken haben heute zum größten Teil geſchloſſen) eine zwiſchenzeitliche Divende nicht in Betracht, jedoch hat die Verwal=
gen
kaum ſpürbar. Neue wirtſchaftliche Motive, die auf die Börſene der Feſtſetzung der Dividende für 1996 zu entſchädigen.
tendenz von Einfluß ſein konnten, lagen dabei nicht ver. Die ausge=
dehnte
Beteiligung des Privatpublikums an den Börſenumſätzen dürfte
zurückzuführen zu ſein, daß auch nach der bereits erfolgten Erhöhung
des Geſamtkursniveaus noch Gewinnausſichten vorhanden ſeien, zumal
man neue Anregungen aus den angeblich noch im Gange befindlichen
großen Transaktionen in wichtigen Induſtriezweigen erwartet. Einige
Terminpapiere, wie Hapag und Hanſa, bröckelten zwar leicht ab, jedoch
nur aus dem Umſtande, daß die Erneuerung der Limiten, die mit dem: Am 3. November 1926 feiert der Verband Deutſcher Dachpappenfabri=
heute
Elektrowerte, die vereinzelt bis um 15 Prozent ſtiegen. Montan=
zwiſchen
der vorliegenden Nachfra

notiert werden konnten, ferner Bankaktien, chem. Werte, Maſchinen=
fabriken
und verſchiedene Spezialpapiere. Am Geldmarkt wurden für
Tagesgeld zwar 6 bis 7 Prozent verlangt, doch war zu dieſem Satz ein
ausreichendes Geldangebot vorhanden. Monatsgeld, das nur in klei=
neren
Beträgen abgeſchloſſen wurde, ſtellte ſich ebenfalls auf 6 bis 7
Prozent. Befürchtungen über eine baldige Verknappung des Geld=
marktes
ſcheinen an der Börſe nicht zu beſtehen. Am Deviſenmarkt
wurden die fremden Valuten etwa auf der Baſis der Samstagskurſe
umgeſetzt.
Im weiteren Verlaufe der Börſe holten die zunächſt ſchwächeren
Werte ihre Verluſte wieder ein. Die in aufſteigender Richtung befind=
lichen
Aktien der Terminnärkte ſetzten ihre Aufwärtserhöhungen fort.
Mannesmann und Harpener erreichten ſchließlich in der zweiten Stunde
Notierungen von über 20 Prozent. Schultheiß erzielten eine Geſamt=
befeſtigung
von 12 Prozent, Oſtwerke von 7 Prozent. Auch Metallwerte,
die zum größten Teil nur variabel gehandelt werden, wurden um meh=
rere
Prozent heraufgeſetzt. Gegen Schluß der Börſe konnten ſich die
höchſten Tageskurſe zum Teil nicht ganz behaupten, da die Spekulation
zu Gewinnmitnahmen ſchritt. Doch ſchloß der Verkehr dennoch feſt
gegenüber dem Wochenende. Privatdiskont kurze Sicht 49 Prozent,
lange Sicht 42ſs Prozent. Die Nachbörſe nahm einen ruhigeren Ver=
lauf
als der amtliche Großverkehr. Nach einigen Schwankungen kam
aber immer wieder eine feſte Grundſtimmung zum Durchbruch. An der
Spitze lagen nachbörslich Harpener, die auf 204½ anzogen. Berlin=
Karlsruher hatten mit 123 nach 115 und Mitteldeutſche Kreditbank 164
nach 157 einen größeren Markt.
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Bamag=Meguin .. / 67.25 61. 6öſch Eiſen ......./181.373/166.
Berl &. W. Vorzug.
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105. 1116.
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88.3751 83.25
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83.
154.75 1155.5 Linke u. Hofmann . ./ 80.
Teutſch.=Atlant. Tel. 191.62,5
2 Loewe u. Co..... . / 210.75 216.
Teutſche Maſchinen 124. 1128.5 . Lorenz ........./118. 1123.5


Teutſch.=Nied. Tel. / 15.
Rbl. Kohle .... . .. . . / 174.

Teutſche Erdöl .... /189.75 193. Nordd. Gummi. ... / 12.
Teutſche Petroleum / 101. 1102.-
73.125 /131.
Orenſtein . . . .. ....
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129. 1129.875 Rathgeber Waggon / 17. 68.
Tonnersmarckhütte. 130. 122.
80.125 17.5
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Tynamit Nobel..
159. 1. 60.875 /Roſitzer Bucker ...../139.7½ 79.25
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152.75 154. Rütgerswerke ...... / 119.8751142.
J. G. Farben.
127.5
333.75 1336.: Sachſenwerk .......
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74. 74.75 Sächſ. Gußſtahl. . . . /135.50 1201.

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90.25 95. Bittener Gußſtahl . / 199.875/ 77.5
Hanſa Lampſchf. .
249. Banderer=Werke. ..
1198.625

Deviſenmarkt.

1. 11.
Geld Brief
A1sf. 94 133.33
1.708 1.774
53.74 58.58
hof. 6i 154.51
1i.s3t1.
Mis.i6 112.4
15.-553 11.551
18.70 15.19 1
.35 3.505
7.15 7.73
13.375 13.7151
89.85 Bl.16
6.54 67.53

WienD.,Oſt. abg
Prag ..
Buoapeſt. ..
Japar ........
Rio de Janeiro
Sofia ......
Jugoſlavien. . .
Konſtantinopel:
Liſſabon ......!
Danzig .......
Athen ........)
Kauada ssa
Uruguav ....

31 13.
Geld Grief
53.23 53.43
12-1331 2.4721
5.8k5 5.335
7 259 2.937
6.515 0.57
3.3B 3.333 3.137 3.51
1.70 7.45
2.131 7.173
21. 7kzzi. 5232
81.75 31.83
5. 181
k2210
4fän Ltz

1. 11.
Geld / Briei
53.31 53.45
12.73212.172
5.3
2.5
7.571 ä
7.71

Der Stickſtoffmarkt im Monat Oktober 1926. Im Inlande entſprach
Montanwerte zogen noch en, Harpener plus 3 Prozent, Stahlverein die Nachfrage nach Stickſtoffdünger auch im Monat Oktober der Jahres=
zeit
. Die Erzeugung und der Verſand vorliefen ohne Störung. Der
Preis für ein Kilogramm Stichſtoff im ſchwefelſauren Ammoniak, ſalz=
ſauren
Ammoniak, Leumaſalpeter BASF., Kaliammonſalpeter BASF.
und Harnſtoff BASF. betrug im Oktober 0,94 RM., im Kalkſtickſtoff
0,86 RM.: Für November ſind die Preiſe für ein Kilogramm Stickſtoff
im ſchwefelſauren Ammoniak 0.96 RM., ſalzſauren Ammnigk 0,96 RM.,
Leunaſalpeter BASF. 096 RM. Kaliammonſalpeter BASF. und
Harnſtoff BASF. 0.96 MM. Im Natronſalpeter BASF. koſtet das Kilo=
gramm
Stickſtoff ſeit Beginn des neuen Düngejahres bis auf weiteres
100 Kilogramm verkauft wird. Im Ausland war der Abſatz befriedigend.
Philipp Holzmann A. G., Frankfurt a. M. Gerüchte von einer Divi=
Steigerung der Aktien zur Folge. Aus geſetzlichen Gründen kommt aber
war wegen der von anderen zur Ausführung gelangten Neuanſchaffun= tung die Abſicht, die Aktionäre für den Dividendenausfall für 1925 bei
Hafenmühle in Frankfurt a. M. A.G. Der A.R. beſchloß, der am
vielmehr nach wie vor auf die in der Provinz verbreitete Meinung 25. November ſtattfindenden H.V. die Verteilung eimer Dividende von
8 (5) Prozent vorzuſchlagen. Gleichzeitig iſt beabſichtigt, das A.K. um
600 000 auf 2040 000 RM. zu erhöhen, und zwar ſoll den alten Aktio=
nären
ein Bezugsrecht im Verhältnis von 12:5 zum Kurſe von 107 Pro=
zent
angeboten wverden.

Jubiläum des Verbandes Deutſcher Dachpappenfabrikanten E. V.
Monatsſchluß am Samstag erfolgte, noch nicht allgemein in der erſten kanten E. V. in Berlin, Hotel Der Kaiſerhof, das Jubiläum ſeines
Stunde durchgeführt war. Im Vordergrund der Bewegung ſtanden Bjährigen Beſtehens. Der Verband vertritt die allgemeinen wirtſchaft=
lichen
und techniſchen Intereſſen der deutſchen Dachpappeninduſtrie. Die
aktien, von denen Oberbedarf wegen eines zu großen Mißverhältniſſes Feſtſitzung findet vormittags 11½ Uhr ſtatt; abends 8 Uhr treffen ſich
d dem kleinen Angebot gar nicht die Mitglieder in den gleichen Räumen zu einem Abendfeſt.

Vom Holzmarkt.
In den letzten Tagen iſt es am Holzmarkt ruhiger geworden. Die
Herbſttage haben eine Verringerung der Aufträge, vom Baumarkt ge=
bracht
, die Beſtellungen von Balken und Kanthölzern gehen auf den
Werken ſpärlicher ein. Trotzdem iſt eine Preisbefeſtigung am Bauholz=
markt
erkennbar, die aber nur auf die eigenartigen Verhältniſſe am
Rohholzmarkt zurückzuführen iſt. Eins ſteht feſt: Die Nachfrage nach
Rohholz iſt groß und die Sägewerke ſcheinen ſich auf einen etwas ſtür=
miſchen
Verlauf der großen ſtaatlichen Verkaufstermine gefaßt zu machen.
Es braucht nicht beſonders betont zu werden, daß die überaus optimi=
ſtiſche
Beurteilung der Zukunft, die in manchen Kreiſen Platz gegrifſen
hat, nicht gerechtfertigt iſt. Vorausſichtlich wird weder das Frühjahr
1927 eine nennenswerte weitere Belebung der Bautätigkeit bringen, noch
auch die Möbeltiſchlerei ſo beſchäftigt ſein, daß Holzuot oder auch nur
Holzknappheit entſtehen kann. Man darf auch nicht vergeſſen, daß die
internationalen Holzläger gut angefüllt ſind und auch die nordiſchen
Produktionen groß zu werden verſprechen. Sehr ſchwierig iſt die Lage
für die in Deutſchland anſäſſigen Schwellenherſtellungsbetriebe, da das
Eiſenbahnzentralamt wohl Schwellen kaufen will, aber nur zu ſehr ge=
ringen
Preiſen, zumal im Vergleich zu den jetzigen und zu erwartenden
Holzpreiſen. Der Bedarf für das Etatsjahr beträgt 3½ Millionen Stück,
und es liegen zu dieſem Bedarf, wie es heißt, etwa doppelt ſoviel An=
gebote
vor. Fraglich iſt nur, ob die Firmen, die jetzt übergroße Mengen
in der Erwartung anbieten, daß man ihnen ſchließlich die Hälfte zu=
teilen
würde, auch in der Lage ſind, zur gegebenen Zeit wirklich zu lie=
fern
. Am Grubenholzmarkt iſt es etwas lebhafter geworden. Schnitterle
war geſucht. Schälware wurde an Memeler Sperrplattenfabriken ver=
kauft
.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Kalkinduſtrie im Oktober. Pflegt ſonſt im Herbſt die Bautätig=
keit
und damit der Abruf an Baukalken ſich gegenüber den Vormonaten
ſtärker zu geſtalten, da die Bauunternehmer beſtrebt ſind, die begonne=
nen
Bauten noch vor Eintreten des Froſtes unter Dach zu bringen,
ſo enttäuſcht das diesjährige Baukalkgeſchäft in den meiſten Gebieten.
Nur von ſeiten der Großſtädte hält die ſeit September herrſchende leb=
hafte
Nachfrage an. Entſprechend iſt auch der Bedarf der Schwemm=
ſtein
= und Kalkſandſteinfabriken in ländlichen Gegenden zurückgegangen
und hat bei der Kalkſandſteininduſtrie teilweiſe ſogar infolge der Ernte
ganz aufgehört. War der Abſatz an die Landwirtſchaft im Monats=
anfang
recht lebhaft, ſo geriet er ſeit Mitte Oktober faſt völlig ins
Stocken, da die Landwirtſchaft mit der Kartoffel= und Rühenernte be=
ſchäftigt
war, zudem die ungünſtige Witterung die Kalkung erſchwerte.
Der Abruf der Hochöfen und Stahlwerke wies gegenüber dem Vor=
monat
keine merkliche Veränderung auf; die Belieferung wurde jedoch
durch ungenügende Wagengeſtellung mehrach empfindlich gehemmt.
Weiterhin belebt zeigte ſich der Abſatz an Rohkalkſteinen und Kalkſtein=
mehl
für den Straßenbau wie auch an die Zuckerinduſtrie. Leider ent=
ſprach
die Belieferung mit Brennſtoffen ſowohl hinſichtlich der Menge
wie der Güte vielfach nicht den Wünſchen der Kalkuerke; auch dürften
Kohlenpreiserhöhungen, wie ſie in Oberſchleſien vorgenommen wurden,
kaum ohne Wirkung auf die bisher noch unveränderten Preiſe der Kall=
erzeugniſſe
bleiben.
Deutſche Vereinsbank. In der außerordentlichen Generalverſamm=
lung
der Deutſchen Vereinsbank wurde zunächſt mitgeteilt, daß die
Herron Kommerzienrat Robert de Neufbille, Max von Grunelius, Al=
bert
von Metzler ihre Aufſichtsratsmandate niedergelegt haben, daß
dieſe Niederlegung jedoch nur eine Foymalität ſei, die mit der Umſtel=
lung
der Deutſchen Vereinsbank auf die neue Rechtsform einer Kom=
manditgeſellſchaft
auf Aktien zuſammenhängt, und daß die genannten
Herren dem Aufſichtsrat der Deutſchen Vereinsbank, Kommanditgeſells
ſchaft auf Aktien, wieder angehören werden. Alsdann wurde die Kapital=
erhöhung
um 2900 000 RM. auf 8900 000 RM. einſtimmig genehmigt.
Ferner wurde zwecks Umſtellung der jetzigen Deutſchen Vereinsbank auf
die Form einer Kommanditgeſellſchaft auf Aktien der Fuſionsvertrag mit
der Frankfurter Vereinsbank, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, ge=
nehmigt
. Der Vorſitzende teilte alsdann mit, daß wmmehr die laufen=
den
Geſchäfte des Bankhauſes L. u. E. Wertheimber, das bekanntlich
ſeinerzeit die Majorität der Aktien der Deutſchen Vereinsbank erwor=
ben
hatte, auf die Deutſche Vereinsbank, Kommanditgeſellſchaft auf
Aktien, übertragen werden ſollen; die Inhaber des genannten Hauſes
treten in die Verwaltung der Deutſchen Vereinsbank, Kommanditgeſell=
ſchaft
auf Aktien, ein. Obgleich dieſe Uebernahme nicht Gegenſtand der
außerordentlichen Generalverſammlung der Deutſchen Vereinsbank ſein
könne, wolle er jedoch den Aktionären die wichtigſten Angaben über
dieſe Uebernahme machen und teilte die Hauptpoſten der Uebernahme=
bilanz
mit. Das ſich ergebende Kapitalſaldo von 3 000 000 RM. würde
durch Uebernahme von nom. 3 000 000 RM. Anteile der Deutſchen Ver=
einsbank
, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, zu pari beglichen werden.
Im Anſchluß daran fand die Univerſalverſammlung der Frankfurter
Vereinsbank, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, ſtatt, in der der Fuſions=
vertrag
mit der Deutſchen Vereinsbank, die Umnennung in Deutſche
Vereinsbank. Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, deren Kapital nunmehr
9000 000 RM. beträgt, und der Uebernahmevertrag mit dem Bank=
haus
L. u. E. Wertheimber genehmigt wurden. Durch die alsdann vor=
genommenen
Neuwahlen zum Aufſichtsrat beſteht nunmehr der Auf=
ſichtsrat
der Deutſchen Vereinsbank, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien,
aus den Herren: Exzellenz Dr. J. Becker, Reichsminiſter a. D., Darm=
ſtadt
: Max von Grunelius, Bankier, Frankfurt a. M.; Alexander
von Marx, Bankier, Amſterdam; Albert von Metzler, Bankier, Frank=
furt
a. M.; Exzellenz Dr. Ernſt Müller, Staatsminiſter a. D., Mün=
chen
; Kommerzienrat Robert de Neufville, Bankier, Frankfurt a. M.;
Eduard Oppenheim, Bankdirektor, Frankfurt a. M.; Dr. Paul Stern,
Bankier, Frankfurt a. M.; Julus Wertheimber, Bankier, Frank=
furt
a. M.

v. Grantfarter Karsoericht voif L.Aboratder 1940

Staatspapiere
Deutſche
6.%Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 ...
72 Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 20
8I,% H. V.= Sch.
p. 1. 4. 29
6(.20 Pr. St.=Sch.
1.1. 5. g9
81,% Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 80
720 Sächſ. Fr.=Sch.
1. 7. 29
72 Sächſ. Fr.=Sch.
1. 7. 30 .
Gr. 3Würt. F. Sch.
p. 1. 3. 29
Vorkriegsanleihen
6% D Reichsanl. .
47 D. Reichsan!
4% D. Schutzgb. v.
0811 u. 13....
420 D. Schutzg. v. 14
4% Preuß. Konſ.
4% Baden.
42Bayern ..
48 beſſen
42 Württemberger
b) Ausländiſche
5% Bo8. E. B. 1914
5%, L.Inv. 1914
4½ 1898 ...!
4½X 1902 ...
4F .....
5% Bulg. Tabal02
4½% Oſ. Staarst.
v. 1918. Kdb. 1918
½FON. Schet. 14
½ BON. Silberr.
2 Goldr. ..!

98
98
96.5

0.7937

17.6
17.6

0.n
u.7

38.75
"

8.5

24.5

74% einh. R.ikon) 3% Port,/Spz.) UI 52 Rum. am. R.03. 4½%Gold, 18. 4% am.konv.. 42 am. 05... 425 Türk. (Adm.103 157, 4%5 Türk. Bagd. I 4% (Bagb.)II 24.25 4% 1911 Zoll. 18.70 4½% Ung. St. 1918 4½% St. 1914 23.1 4% Goldr. 23.5 47 St. 10 122 429 Kronr. 3.05 3%0
Eiſ. Tor.G. 27.25 Außereuro= päiſche

5% Mex.am.inn.
5% äuß 99
425 Gold 04,ſtf.
3% konſt. inn. . .
4½% Irigat.
5% Tamaulipas I.
Bachwert= Schuld=
verſchreibungen

Mit Binsberech=
nung

102 Berl. 0.-Btk. G. 1
3%0
1
6% Berl. St.-Gold.
8% Darmſt. St.:G.
18% D. Hyp.=Bankl
Meining., Goldpf. /100
8% Frif.=Hyp.=B.=
Goldpfdbr. 1
8% Frlf. Pfbr.=Bk.
Goldpidbr. !
5% Frlf. Pfbr.=Bk.
Golbpbbr......
17 Komm. 2db. 3.
Goldſchuldver. . .

23.2
28.5
38
23

106
160

100.5
109

% Heſſ. LOdb. Gold.
102 Komm=Elektr.
Mark (Hag.) Gold
88 Mannh. St.=G.
82 Mainz St.=G.
825 Naſſ. Ldb. Gold.
820 Pfälzer H.: B.
Goldpfandbr.
8%0 Pforzh. St.=G.
88 Pr.C.=B. Gr.=B.
Godpfandbr..
80 Rh. Hyp.=B. 6.
71/,%oRh. St.=W. 25
10% Rh.=Weſtf. B.=
Cr.=Bk., Goldpf.!
825
62Südd. B. Cr.=B.
Golbpfandbr. . . /
Oyne Bins=
berechnung

5% Bdw. Kohl. 23
6%Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% beſſ. Brl.=Rog.
5% Roggen . . 23
5% Pr. Kaliv.
5% Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. G
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay. Vereinsd.
Bahr. Handeisb..
Bayr. Gyp. u. Wecht
Berliner Hyp. Bk.
Frif. Hyp.=Bi.
Frkf. Pfandbr.=B..
Hamb. Hyp.=B.,
Meckb. Hyp.=u. Bb.
Meining. öyp.Bi.
Nordd. Or.Cr.=Bk.
Pfälf. Gyp.=Bt.
Preuß.Bob.=Cr.=B
Pr.Cent.=B. PCr.=B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.

1102.5
102.5
102
100.5
93.75
101
100.5
129

100

12.7

8.25
5.55
8.5

17

Mien Hiee
Rh.=Wſtf. B. Cr. B.
Südd. Bodenkr.
Bürtt. Hyp.=Bk.
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hyp=B.
Landeskr. Caſſel
Naſſau. Ldsb. ...
Obligationen v.
Transportanſt.)
4½Dux. Bdb Em.31
93
42 Eliſ.=Bahn ſtfr=.
4% Galiz. Carl=
Lud.=B.
4½6
abg.
425 Kaſchau=Oderb.
42
abg.
75% Oſt. Nwſtb. 74
15% Oſt. Süob. (2).
2.6% Alte .
2,6% Neue 1
5% Oſt.=Ung. 13/74
4%0 Oſt. Staatsb. 83
8% Oſt. 1.b.8.E.
3%Oſt. 9. E.
8%Oſt. 1885
3%Oſt. Erg. Netz
3%6 Raab Oedbg. 83
213
97
42 Rud. Sülber
4 Rud. Salzig.)
4½%Angt., S.4

4½% Anat., S. III
13.92 141,% Angt. S. 1II
15.175,,2, Salon. Monaſt.
2:
5%7 Tehuantepec.
7.9 4½%
11

15
11.4
11.2

Sank=Aktien
Allg. D.=Kredit:
Bad. Bk. ......
Bk. f. Brauind. .

12.3
17.35
13.8
13.85

10.325
9.2
7.6

as
s

1425
14.35

19.5
32
26.5
25
9.3
7.25
321,
3s
32

147
151

Barmer Banw. .
Bah. Hyp.=Bchſ..
Berl. Handelsgeſ.
Comm.u. Brivatb.
Darmſt.u. Nat.=Bk.
Deutſche Ban:
D. Eff.u. Bchſ.=Bk. /141
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk. ..ſt
Dist.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
Franff. Bl.
Frkf. Hyp.=Bk.
Friſ. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundrr. Bk.
Lux. Intern. Ban
Metallbank. ..
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant. . . 164.5
Rhein. Creditbk. . . .
Rhein=Hyp.=Bk. /131
Südd. Disc.Geſ. 1150
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banwerein
Vergwerks=Akt.
Bochum .Bergb. . . 181.5
Buderus.........
Dt. Luxemburg...
Echw. Bergw....
Gelienkirch. Bgw. 1
Harp. Bergb..
Flie Bergb. St....
Genußſchein. 165
Kali=Aſchersleb. .1160
Kali. Salzdetfurt...
Kalt. Weſterregln. 1
Alöcknerwerle
Mannelm.=Röhr.
Mansfelder
Oberbedarf ......
Obſchleſ. Eiſ. Caro)
Stavi=Min.=Ant.. 38.25
Phönir=Bergb. .. 11:2
Rhein. Braunk. . . . 254
Rhein. Stahlw... . 11
A. Riebeck Montanl265.5

149.9
125g.5
173
260.5
191:
105
180
169.75
127.5
139.2.
144

14.5
169
16)
1a6.5
140
*
5.75

117.5
18 2.5
183
1.5.75
205.7.
234
174.*
152.75
1.05
148.5
102
181

Rombach. Hütte
Salzwerk Heilbr..
Tellus Bgb. ...
Ber. Laurahültte.
Ver. Stahlwerke.
Induſtrie=Akt.
Brauereien".
Eichbaum(Mannh.)
Henninger ......
Hereules, Heſſiſche
Lowenbr.=Münch..
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof(Bind.
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg
Berger
Rikum. Berlin.
Ndler & Oppenh..
Adlerw. iv. Kleher)/109
6S E. A. G. Bzg.A. / 83.5
5% A. E. G. Vzg. B..
A. E. G. Stamm . ../177.5
Anglo=Cont.Guano
Aſchaff. Zelſtoff 1151.5
Badenia (Beinh.)
Bad. Maſch. Durl./119
Bad. Uhren, Furtw. 31
Bamag=Reguin 163
Baſt Nürnberg .../131.5
Bahr. Spiegel ...167
Beck & Henkel ...
Bergmann Gl.....!
Bing. Metall.. . . . . / 670
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfbr Erlang.
Eement=Heivelb. 137.25
Cement. Parlſtadt 1344.5
Cement Lothr.. .
Ehem. Albert. . . . . 180
Chem. Brockh.
Chem. Milch ...
Daimler Motoren 199.8
Dt. Eiſenhandel. 88.5
Deutſche Erdöl ...!;
D. G.u. Silb. Scheit. /184.70
Dingler, Bweibric.!

17
129.5
105
86.5
59

160

265
154
164

28.5
8.9
85
175
77.5
76
84.5
191

Dresd. Schnellpr.
Dürrkopp......
Dürr. Ratingen ..
Onckerhoff EB..
Eiſenw. Kaiſersl. 55
El Licht= u. Kraft
El. Lieferung ..../164.5
. Bad. Wolle 58.5
Email. Ulrich ....153
Enzüuger Werke...
Eßlinger. Maſch. .
Ettlinger Spinn...
Faber Bleiſtiſt ...!"
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens.
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau.
Feinmech. (Zetter)
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas .1117
Frankfurter Hof
Frkf.=M. Bok.u. W. 85
Fuch Waggon St.
Geiling E Cie.
Germania Linol.. /209
Gelſenk. Gußſt. . ..
Golbſchmidt, Th.. /1.3.5
Botha Waggon ../26
Brizner. Maſch...
Grün & Bilfinger.
Halenmühle Frift.
Hammerſen .. ... 129
Hanfw. Füſſen.
Hanfa Llohd, Br./ 70
Hartm. & Braun..
Hehligenſtgedt...."
Hilpert, Armatur. 68
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ..!1
Hoch=Tiel Eſſen
Holzmann
..11
Holzverk. Ind.. . . . 52
Hydrom. Breslau
Fnag ...........
Funghan) St.... .
Kammg. Raiſergl. 113.3
Karlsruher Rach..)

227
8
185
102
207
10
88
40
337
90.75
63
8
Zn
123
14.
33
100
133
135
71.5
109.75
41.5

1175.5

Karſtadt, R.
Elein Sch. &. Becker 99
gnorr, Heilbronn 138
gonſerv. Braun /53
Krauß, Lokon. ...
Lahmeher
Lech. Augsburg. .. 113
Lederw Rothe .../ 35.5
Spichtrz.
Lingel Schuhw.
Löhnberg. Mühle /54
Ludwigsh. Walzm. 110
Lüdenſcheid Metal!
Lur Induſtrie 36
Rainkraft Höchſt 110
Mars=W. Nürnberg 129.5
Metallgel. Frif. 1174.25
Miag. Mühlenb.
130
Moenus, Stamm , 55.5
Motorent. Deuitz
Motoreni. Oberurf. 65
Münch. Lichtſpielk. 80.5
Reckar). Fahrz. ../118
Neckarwv. Eßlingen
Oleqwerke, Frankf.!
Beters Union
118.75
Pfälz. Näh Kayſer/ 4.75
Philipps..
44
Porzellan Weſſel
Prometh. Frlf.
nein. Gebb. &Schall
Rhein=Elektr.
158
Rhenanig, Aachen
Rütgerswverke
(441.5
Sheuöner
..
Scneid. E Hanau=
Schnellpr Frank. 82.5
Schramm Lackf. 84
Schrift, Stemp. 1122
Schucker:, Gektr. 1162
Schuhf. Weſſel
7.5
Schuhl Herz .../70
Schulz Grünlack /53
Seilind. Wolff 67
Siemens Glas
Siemens & Halste 237.75
Südd. Immob.
Thürimg. Lief.-Geſ./82

jühren Furtwängl. /24,25
Beithwerke.
Ver. f. Chem. Ind. 4
Ver.d. Olfbr. Mann 78.25
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi.Bin.=Frkf.
Vinſel=Nürnberg.. / 90.5
Ultramarin .. . . . . 142
Zeliſtoff Berl. .... 124
Vogtl. Maſch. . . . . 90.25
Voig: & Haefiner /124
Volthom Seil .../65.5
Bahß, & Frenta (. 1143.5
Begelin Rußfbr. 1142.5
Zellſt. Waldhof .../20-
Zuckerf. Waghäuſel/113.5
Zuckerſ. Frankenth. 92:),
Zuckerf. Heilbronn 111=
Zucker . Offſtein 143.75
Zuckerf. Rheingau:11:1
Zuckerf. Stuttgart.
Transport und
Zerſicherungs=R:t.
A. Dt. Eiſenbahn 86:5
Dt Eiſenb.=Geſ 107.5
El. Hochbahn=Berl.
Schantung E.B. .. 12
Südd. Eiſenb.=Geſ. /140
Hapag ....."
Nordd Lloyd. . . . . /177.75

Friſt. Allg. Beri.
Franlona Rückv
Darmſt. Berte
Bahnbedarf.
Dampft Rooberc
Helvetia Kon)...
Gebr. Lutz
Motor .Darmſt
Gebr. Roeder .
Benulety & Ellenb.

119.75
42.5

35

56.6

[ ][  ][ ]

Nummer 304

Dienstag, den 2. November 1926

Seite 13

Steigende Textilien=Ausfuhr nach Holland.
Während im Jahre 1913 die deutſche Textilienausfuhr nach Holland
316 057 Doppelzentner betrug, erreichte ſie bereits im Jahre 1925
336 854 Doppelzentner und in den erſten neun Monaten 1926 230 347
Doppelzentner. Bei einem Monatsdurchſchnitt von 32 260 Doppelzentner
in den erſten neun Monaten 1926 dürfte alſo vorausſichtlich die deutſche
Textilausfuhr im ganzen Jahre 1926 ziemlich nahe an die 400 000 Dop=
pelzentner
herankommen, diejenige von 1913 demnach erheblich über=
ſchreiten
.
Das bemerkenswerteſte iſt der mehr als verzehnfachte Export an
Leinen, Flachs und Jute, auf deſſen Konto letzten Endes die Export=
ſteigerung
in Textilien nach Holland zu verbuchen iſt. Das bedeutet eine
Steigerung des Geſamtexportes, aber nur eine ſolche an qualitativ
minderwertigen Waren. Wenn auch die deutſche Textilienausfuhr an
höherwertigen Waren diefenige vom 1913 erreicht, zum Teil ſogar
üüberſchtitten hat, wie es bei Seide bereits der Fall iſt, und bei Woll=
und Baumwollartikeln im Jahre 1926 wohl der Fall ſein wird, ſo
ändert das nichts an der Tatſache, daß die Exportſteigerung ſich in erſter
Linie auf billigere Ware erſtreckt (rohe Juteſtücke uſw.), abgeſehen von
der deutſchen Hutinduſtrie, die es vermochte, ihren Export nach Holland
beinahe zu verdoppeln.
Während der deutſche Export nach Holland an billigen Waren
ſtark zunahm, zeigt es ſich, daß die holländiſche Einfuhr nach Deutſch=
land
ſich qualitativ ſtark verbeſſerte. Im Jahre 1913 nämlich b.trug
die holländiſche Einfuhr nach Deutſchland 181 900 Doppelzentner, davon
174 72 Doppelzentner Abfallware gegen 140 689 Doppelzenmer im
Jahre 1925, davon 118 629 Doppelzentner Abfallware gegen 69 317 bzw.
57 693 Doppelzentner in den erſten 9 Monaten 1926. Das bedeutet mit
anderen Worten, daß der holländiſche Export an geringwertigen Waren
um rund 25 Prozent zurückgegangen iſt, während der Export an hoch=
wertigen
Fertigfabrikaten, alſo der für die Rohſtoff verarbeitende In=
duſtrie
wertvollſten Artikel, gegenüber 1913 im Jahre 1925 um rund
das Dreifache geſtiegen iſt, und im ganzen Jahre 1926 nicht viel weniger
erreichen wird. Um ſo weniger verſtändlich iſt die in den letzten Mona=
tem
in Holland ſtark propagierte Idee der Textil=Schutzzölle, die ſich in
erſter Linie gegen Deutſchland richten würden. Wenngleich die hollän=
diſche
Textilinduſtrie ſich im Aufſchwung befindet, ſo ſollte ſie nicht ver=
geſſen
, daß ſie keineswegs in der Lage iſt, auch nur den Inlandsbedarf
zu decken, geſchweige denn für den Export zu arbeiten. Bei Einführung
von Textil=Schutzzöllen müßte ſich die aufſtrebende holländiſche Induſtrie
auf Repreſſalien von uns gefaßt machen, was eine nicht gering zu
achtende Schlappe für die holländiſche Induſtrie bedeuten würde.

Konkurſe im Oktober 1926. Die ſtändige Abnahme, die die Zahl
der Konkurseröffnungen ſeit März d. J. allmonatlich erfahren hat, iſt
im Oktober zum erſten Male von einer kleinen Zunahme abgelöſt wor=
den
. Es wurden nach einer Zuſammenſtellung der Fiuanzzeitſchrift Die
Bank im Oktober 498 Konkurſe eröffnet gegen 473 im September und
503 im Auguſt. Die Zunahme wird indes beinahe ausgeglichen durch
den Rückgang, den ſowohl die neu verhängten Geſchäftsaufſichten, als
auch die mangels Maſſe zurückgewieſenen Konkurſe erfahren haben. Die
erſteren haben ſich von 150 auf 144, die letzteren von 154 auf 150 er=
mäßigt
.
Die neue deutſch=franzöſiſch=amerikaniſche Elektrizitäts=Kombination.
Zu den Gewinn=Poolungsplänen der deutſchen, franzöſiſchen und ame=
rikaniſchen
Elektrizitätsinduſtrie verlautet in Amſterdamer Börſenkrei=
ſen
, daß die Verhandlungen zwiſchen den verſchiedenen Intereſſenten=
gruppen
bereits im Gange ſind. Es handele ſich aber nicht nur um eine
Transaktion für die Durchführung der franzöſiſchen Eiſenbahn= Elektri=
fizierungsprojekte
und der Reorganiſationspläne für das franzöſiſche
Telophon= und Telegraphenweſen, ſondern vor allem um die Ausfüh=
rung
ſehr großzügiger Starkſtrom= und Schwachſtromprojekte in Ruß=
land
und in außereuropäiſchen Gebieten, deren Finanzierung mir ame=
rikaniſchem
Kapital erfolgen ſoll. Schon fetzt könne man ſagen, daß es
ſich bei dieſen Plänen um eine der größten Transaktionen der Nach=
kriegszeit
handele.

Produktenberichte.
Frankfurter Notierungen für Speiſekartoffeln vom 1. Nobember.
Bei weiter feſter Tendenz notierte man für: Induſtrie hieſiger Gegend
5,305,50, weißfleiſchige hieſiger Gegend 4,50 RM. für je 50 Kg.
Frankfurter Produktenbericht vom 1. November. Am hieſigen Pro=
duktenmarkt
war die Tendenz heute gedrückt und ſchwächer auf niedrigere
Notierungen der ausländiſchen Getreidebörſen. Während ſich Roggen
gut behaupten konnte, mußte Weizen bis 50 Pfennig im Preiſe nach=
geben
. Ebenſo wurde Sommergerſte bis 1,50 Mark billiger. Auf dem
Mehlmarkt gingen die Notierungen für Weizenmehl um 50 und für Rog=
genmehl
um 25 Pfennig zurück. Feſt und lebhaft war dagegen die Stim=
mung
für Futtermittel. Auf Eindeckungen der Landwirte konnte Kleie
abermals um 25 Pfennig anziehen. Man notierte: Weizen 29,7530,
Roggen 24.2524,50, Sommergerſte 24,5027,50, Hafer inl. 220,75,
Mais 2020,25, Weizenmehl 42,2543,25, Roggenmehl 35,2536, Wei=
zenkleie
1111,25, Roggenkleie 1111.25, Erbſen 4570, Linſen 5080,
Heu 7,509, Weizen= und Roggenſtroh, drahtgepreßt 4,255, gebündelt
3,504, Treber 17.
Mannheimer Produktenbericht vom 1. November. Trotz ſchwächerer
Auslandsmeldungen nahm der hieſige Markt heute einen ſtetigen Ver=
lauf
. Man nannte gegen 12½ Uhr: Weizen inl. 30,5030,75, ausl.
3234, Roggen inl. 24.7525, Hafer inl. 19,7520,75, ausl. 2024,
Braugerſte 2429,75, Futtergerſte 2121,25, Mais 20,50, Weizenmehl
43,5043,75, Roggenmehl 3536,75. Weizenkleie 10,7511, Biertreber
16.5016,75.
Berliner Produktenbericht vom 1. November. Der Mittagsverkehr
im Berliner Getreidehandel ſtand allgemein im Zeichen ſchwächerer
Preisnotierungen. Die Börſe vermochte ſich dem Einfluß der in Ueber=
einſtimmung
mit den niedrigeren Winnipeger und nordamerikaniſchen
Getreidekurſen ermäßigten ausländiſchen Forderungen niht ganz zu
entziehen. Das Inlandsangebot war für Weizen und Roggen denk=
bar
klein, da die Angebote weit hinter den Forderungen ſtehen. Im
Lieferungshandel machte die Ausſicht auf baldig vermehrte Ablieferung
die Kaufluſt vorſichtiger und veranlaßte Rückgänge für Weizen bis 2 Mk.
Viehmärkte.
Frankfurter Viehmarkt vom 1. November. Der Auftrieb des heutigen
Hauptmarktes beſtand aus 494 Ochſen, 72 Bullen, 716 Kühen, 471 Fär=
ſen
, 494 Kälbern, 351 Schafen und 4554 Schweinen. Verglichen mit dem
Auftrieb des Hauptmarktes der vergangenen Woche ſtanden 168 Ochſen,
15 Bullen, 50 Kühe und 125 Färſen mehr zum Verkauf. Ferner waren
105 Schafe und 853 Schweine mehr angetrieben, während der Auftrieb
von Kälbern nahezu unverändert var. Bezahlt wurde pro Zentner Le=
bendgewicht
: Ochſen a1) 5660 a2) 5357, b1) und b2) 4752, c) 42
bis 46; Bullen a) 4853, b) 4347, c) 3942: Kühe a) 4752, b) 40
bis 46, c) 3039. d) 2028; Färſen a) 5559, b) 4854, c) 3847:
Kälber b) 7581 c) 6874, d) 5667: Schafe a) 4045, b) 3439, c)28
bis 33; Schweine von über 3 Zentner Lebendgewicht 7779, von 240 bis
300 Pfund 7779, von 200 bis 240 Pfund 7579, von 160 bis 200 Pfund
7579. von 120 bis 160 Pfund 7277; Sauen 6070. Marktverlauf:
Geſchäft in Rindern langſam und etwas Ueberſtand, in Schweinen
ſchleppend und großer Ueberſtand. Kälber werden bei ſchleppendem und
Schafe bei regem Handel ausverkauft. Die Fleiſchgroßhandelspreiſe
wurden wie fet feſtgeſetzt: Ochſen= und Rindfleiſch 1 9095, II 8590,
Bullenfleiſch S88, Kuhfleiſch I 6070, II 5060, III 3545, Kalb=
fleiſch
1 100120, Hammelfleiſch 7080, Schweinefleiſch 8696. Gefrier=
fleiſch
, Rindfleiſch, Vorderviertel 52 und Hinterviertel 58.
Frankfurter Pferdemarkt vom 1. November. Der heutige Frank=
furter
Pferdemarkt, der zeitlich mit etwa 4 bis 5 Märkten in der Pro=
viz
und Nachbarſtädten zuſammenfiel, wies mit einem Auftrieb von
350 Stück nur etwa die Hälfte der üblichen Zufuhren auf. Infolge des
anhaltenden Regenwetters war auch der Beſuch mäßig, und der Han=
del
entwickelte ſich in den Vormittagsſtunden nur langſam. Trotzdem
dürfte ungefähr die Hälfte des Auftriebes den Beſitzer gewechſelt haben.
Preiſe wurden diesmal nicht notiert.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 1. Nov. (Priv.=Tel.)
Weizen: Auch der heutige Markt zeigte wieder eine ſchwächere Ten=
denz
auf günſtige Ernteberichte aus Argentinien und Auſtralien und
eine größere Farmbewegung. Die Termine verloren bis ¼ C.
Mais: Der Markt verkehrte heute ebenfalls in ſehr ſchwacher Hal=
tung
auf geringe heimiſche Lokonachfrage und günſtige Wetterberichte.
Die Termine gaben bis 1½ C. nach.
Hafer: Auch dieſes Marktgebiet verkehrte in ſehr ſchwacher Haltung
bei Kursrückgängen bis ½ C.
Baumwolle: Baiſſedeckungen und die Feſtigkeit des Lokomarktes
hatten anfangs einen ſtetigen Verlauf zur Folge. Später zeigten ſich
indes die Pflanzer verkaufslüſtig, ſo daß eine Abſchwächung eintrat,
doch zeigen die Termine keine weſentlichen Veränderungen.
Kaffee: Nach der letzttägigen Aufwärtsbewegung zeigte der Markt
eine ſtetige Haltung auf Deckungskäufe der Spekulation. Der Schluß
war abgeſchwächt, doch zeigen die Termine noch Gewinne bis zu 8 Pkt.
Zucker: Der Markt verlief in feſter Haltung auf ungünſtige euro=
päiſche
Erntetaxen und zurückhaltendes kubaniſches Angebot. Die Ter=
mine
konnten 23 Pkt. anziehen.
Kakao: Der Markt verlief in ſtetiger Haltung auf Deckungskäufe
des Auslandes und des lokalen Handels.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Verein Deutſcher Zellſtoff=Fabriken hat beſchloſſen, die Preiſe
unverändert zu laſſen und ſeinen Mitgliedern Abſchlüſſe bis zum 30. 6.
n. J. zu den jetzt gültigen Preiſen freizugeben.
Nach der Umſatzſtatiſtik des Zentralverbandes deutſcher Konſum=
vereine
zeigte der wöchentliche Durchſchnittsumſatz im Monat September=
im
Verhältnis zum Vormonat einen kleinen Aufſtieg, und zwar von
5,05 auf 5.19 Rm.
Zu der Frage der Frachtſtundungsgebühr für eine halbmonatliche
Frachtſtundung erfahren wir, daß in allernächſter Zeit eine Herabſetzung
des Wochenzinsſatzes von 2 auf 1½’o wohl zu erwarten iſt. Es würde
dies einem Jahreszinsſatz von etwa 6 Prozent entſprechen.
Der Ausweis der belgiſchen Nationalbank vom 28. Oktober zeigt
eine Verminderung des Notenumlaufes um 639 Mill. Franken. Der
Deviſenvorrat hat eine Zunahme um 496 Mill. Franken erfahren.
Wie das engliſche Bergbauamt bekanntgibt, iſt gleichzeitig mit der
Erhöhung der Rationen für Hausbrandkohle eine Rationierung für
Koks, der bisher nicht unter die Kontrollbeſtimmungen fiel, eingeführt
worden.
Im Monar September 1926 betrug die Einfuhr nach Dänemark
142 Mill. Kronen, gegenüher ſteht eine Ausfuhr von 126 Mill. Kronen;
die däniſche Außeuhandelsbilanz war ſomit in dem genannten Monatz
mit rund 16 Mill. Kronen paſſiv.
Aus Stockholm wird gekabelt, daß die Internationale Zündholz=
geſellſchaft
die Ausgabe von 22½ Mill. Dollar Vorzugsaktien in New
York beabſichtigt.
Wie die rumäniſchen Blätter melden, wird das neue Zollgeſetz be=
ſondere
Beſtimmungen enthalten, die die rumäniſche Erzeugung gegen
eine Unterbietung durch das Ausland ſchüitzen.
Die Paſſiven der ſchweizeriſchen Volksbank in Bürich die vor mehre=
ren
Wochen Konkurs angemeldet hatte, betragen dem DHD. zufolge, nach
den bisherigen Feſtſtellungen etwa 6½ Mill. Franken, denen Aktiven
von nur ca. 25000 Franken gegenüberſtehen.
Um die Verpflichtungen der argentiniſchen Staatseiſenbahnen gegenüber
der Baldwin Locomotive Works abzudecken, hat die argentiniſche Regie=
rung
ein Angebot der National City Bank New York und des Bank=
hauſes
J. P. Morgan u. Co. angenommen, 20 Mill. Dollar Schatz=
wechſel
zu diskontieren.

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her
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Diese Beliebtheit von Buicx ist kein Augenblicks=
erfolg
, keine Uberraschung für diejenigen, welche
die Tatsachen kennen.
Neben der altbekannten Zuverlässigkeit hat Buick
dem Autofahren eine ganz neue Note verliehen, so
eindrucksvoll, daß niemand, der mit den Dingen
vertraut ist, mit Geringerem zufrieden sein wird.
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[ ][  ][ ]

Seite 14

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Dienstag, 9. ds. Mts., nachm.
von 3/, Uhr an, wird in der Turn=
halle
am Woogsplatz hier das Laub
von den Wegen und Schneiſen der ſtädt.
Förſtereien Beſſunger Laubwa d
und Heiligkreuz verſteigert. (st15976
Darmſtadt, den 1. Nov. 1926.
Städt. Güterverwaltung.

Doir Wälfeeieitängsärbeiten.
Die Arbeiten und Lieferungen für den
Umbau der Waſſerleitung Lichtenberg i.
Odw. (Kreis Dieburg) ſollen vergeben
werden.
(15997
Los I: Herſtellung der Quellfaſſungs=
arbeiten
und Errichtung einer
Sammelkammer.
Los II: Herſtellung eines Hochbehäl
ters von 100 cbm Nutzinhalt
Los III: Herſtellung der Rohrgräben
mit Rohrverlegung ſowie Nohr=
und Armaturenlieferungen.
Die Angebote ſind bis Montag,
den 15. November ds. Js., vorm.
10, Uhr, auf der Bürgermeiſterei Lich=
tenberg
i. Odw. (Kreis Dieburg) Poſt=
und Bahnſtation Groß=Bieberau mit
entſprechender Aufſchrift verſehen, ver=
ſchloſſen
einzureichen, wo auch die Er
öffnung ſtattfindet.
Pläne und Bedingungen ſind bei un=
und bei der Bürgermeiſterei Lichtenberg
i. Odw. einzuſehen. Angebote für Los
bis III ſind nur bei der unterzeich=
neten
Behörde, und zwar gegen Bar=
einſendung
von je 2 RM. für jedes Los
zu erhalten. Freie Auswahl bleibt vor=
behalten
, ebenſo auch die Vergebung der
Arbeiten mit oder ohne Rohr= und Ar=
maturenlieferungen
.
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Darmſtadt, den 27. Okt. 1926.
Heſſiſches Kulturbauamt.

Bauarveiten=Vergebung.
Die Arbeiten für den Neubau eines
Doppelwohnhauſes in der neuen Seekatz=
ſtraße
ſollen vergeben werden
Angebotsunterlagen ſind gegen Erſtat=
tung
der Selbſtkoſten auf meinem Büro
vormittags 810 Uhr erhältlich. Daſelbſt
liegen auch die Zeichnungen offen. Ein=
reichungstermin
Donnerstag, den 4. No=
vember
1926, vorm. 9 Uhr, auf meinem
Büro. An der Zuteilung können nur Mit=
glied
r der Deutſchen Bau= und Siedlungs=
gemeinſchaft
berückſichtigt werden. /15917gi
Georg Kugel, Architeft, Wittmannſtr. 4.

Am Mittwoch, den 3. November
1926, vormittags 9, Uhr, verſteigere
ich im Hofe des Finanzamts Darm=
ſtadt
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Inhalt.
Ferner vormittags 101 Uhr im
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Einbauen in Auto geeignet), 3 Auto=
reifen
, 3 Fahrräder, 1 Motorrad, ein
Teppich, 1 Wolfshund, 1½, Jahr alt
1 Grammophon, 1 Radioapparat
zwangsweiſe meiſtbietend gegen Bar=
zahlung
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Einträge in das Handelsregiſter: Ab=
teilung
A: Am 26. Oktober 1926 hin=
ſichtlich
der Firmen: 1. Paul Utſch,
Darmſtadt: Richard Böhme, Kaufmann
in Darmſtadt, iſt zum Prokuriſten be=
ſtellt
. 2. H. Brunner, Darmſtadt: Die
Firma iſt geändert in: Iſelin & Munk
H. Brunner Nachf. Offene Handels=
geſellſchaft
. Geſchäf ſamt Firma ſind auf
Spengler= und Inſtallationsmeiſter Fried=
rich
Iſelin und Gürtler= und Elektro=
meiſter
Johann Munk, beide in Darm=
ſtadt
, als perſönlich haftende Geſell=
ſchafter
übergegangen. Die Geſellſchaft
hat am 1. Juni 1925 begonnen. Neu=
eintrag
: Am 23. Oktober 1926: Firma:
Friedrich Warnecke, Darmſtadt. In=
haber
: Friedrich Warnecke, Kaufmann in
Darmſtadt. Friedrich Warnecke Ehefrau,
Margarethe, geborene Wendel in Darm=
ſtadt
, iſt zur Prokuriſtin beſtellt. Ange=
gebener
Geſchäftszweig: Handel mit Tex=
tilwaren
. Die Geſchäftsräume befinden
ſich Luiſenplatz 1, II. Abteilung B:
Am 25 Oktober 1926 hinſichtlich der
Firma: Radio=Werk Tonfrequenz,
Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=
tung
, Darmſtadt: Durch Beſckluß der
Geſellſchafter vom 19. Oktober 1926 iſt
die Geſellſchaft aufgelöſt. Der ſeitherige
Geſchäftsführer Carl Wilhelm Neumann,
Rentner in Darmſtadt, iſt zum Liqui=
dator
beſtellt. Am 26. Oktober 1926 hin=
ſichtlich
der Firmen: 1. Max Roesler,
Feinſteingutfabrik . . Aktiengeſell=
ſchaft
, Abteilung Darmſtadt, Haupt=
niederlaſſung
Rodach (Coburg), Zweig=
niederlaſſung
Darmſtadt: Kaufmann
Emil Müller in Darmſtadt iſt zum Ge=
ſamtprokuriſten
beftellt derart, daß er
mit einem anderen Prokuriſten oder Be=
pollmächtigten
zur Zeichnung der Firma
berechtigt iſt, jedoch mit der Beſchrän=
kung
auf den Betrieb der Zweignieder=
laſſung
. 2. Direction der Disconto=
Gefellſchaft, FilialeDarmſtadt, Haupt=
niederlaſſung
Berlin, Zweigniederlaſſung
Darmſtadt: Durch den bereits durchge=
führten
Beſchluß der Generalverſamm=
lung
vom 8. September 1926 iſt der Ge=
ſellſchaftsvertrag
geändert und das Grund=
kapital
um 35 000 000 Reichsmark erhöht
worden. Es beträgt jetzt: 135000000
Reichsmark. Es werden ausgegeben zum
Kurſe von 125
18 000 Stück über je 1000 Reichsmark
30000
400
und 50000
100
auf den Inhaber lautende, ab 1. Januar
1926 voll gewinnberechtigte Kommandit=
anteile
unter Ausſchluß des geſetzlichen
Bezugsrechtes der Kommanditiſten.
Darmſtadt, den 29. Okt. 1926.
Amtsgericht I. (15939

Bekanntmachung.
Laut dem Geſetz über die allgemeine
Wehrpflicht, Art. 22 und 23, haben die
polniſchen Staatsbürger, welche in
dieſem Jahre das 20. Lebensjahr voll=
enden
(Jahrgang 1906) und die ſtändig
oder vorübergehend im hieſigen Konſu=
latsdiſtrikt
ihren Wohnſitz haben, ſich
vom 1. November bis 31. Dezember 1926
im Generalkonſulgt der Republik Polen
in München, von der Tannſtraße 26, III.,
zwecks Regiſtrierung perſönlich zu melden.
Die in den Jahren 1876 bis 1905 ge=
borenen
polniſchen Staatsbürger (21 bis
50 Jahre), welche bis jetzt noch in keinem
geregelten Verhältnis zum Dienſte im
polniſchen Heere ſtehen, müſſen ſich im
Generalkonſulat der Republik Polen in
den Tagen vom 1. November bis 31. De=
zember
1926 zwecks Regelung ihrer Mili=
tärdienſtpflicht
perſönlich melden.
Hierzu ſind Dokumente mitzubringen,
durch die die Identität, der betreffenden
Perſonen feſtgeſtellt wird, ſowie andere
Perſonalausweiſe. Die Nichterfüllung
dieſer Pflicht zieht die im Geſetz über
die allgemeine Wehrpflicht, Art. 87, P. I,
vorgeſehenen Folgen, d. h. eine Geld=
ſtrafe
bis 500 Zloty oder Haft bis ſechs
Wochen, bezw. beide Strafen gemeinſam
nach ſich.
In begründeten Fällen kann die Mel=
dung
ſ=riftlich in einem Einſchreibebrief
erfolgen, wobei die Unmöglichkeit der
perſönlichen Erſcheinung durch entſpre=
chende
Unterlagen bewieſen ſein muß.
Das Generalkonſulat der Republik
Polen in München iſt zuſtändig für
Bayern, Württemberg, Baden und Heſſen=
Darmſtadt.
(15936
München, den 13. Oktober 1926.
Das Generalkonſulat der Republik
Polen in München.

[ ][  ][ ]

Nummer 304

Dienstag, den 2. November 1926

Geite 15

Beutfce Tulombonausſienang.

Das neue Rumpler=Chaſſis, bei welchem jedes Rad extra geſondert gefedert iſt.

Benz=Tropfen=Rennwagen, ein Typ, mit dem viele Siege errungen worden ſind.

Die Wagen über 10000 Mark.
Welch ein Unterſchied zwiſchen einſt und jetzt! Da ſtehen an der
Weſtſeite der Autohalle jene altehrwürdigen Automobile, die die erſten
ihrer Art waren. Dieſe Automobile eines neuen, ungeahnt groß ge=
wordenen
Verkehrs zeigen ſo recht wie anſpruchslos man damals war,
und was für Sport= und Unternehmungsgeiſt dazu gehörte, ſolch Kraft=
fahrzeug
zu ſteuern. Die Ehrenpreiſe und Ehrenſchilder im benachbar=
ten
Teil der Ausſtellungshalle beweiſen wiederum, welche bedeutfamen
Erfolge deutſche Automobil= und Motorrad=Fabriken im Laufe der Jahre
errungen haben, und ſie laſſen ein Lied davon klingen, daß der Sport
techniſcher Entwicklung doch dienlich war, allen Unkenrufen zum Trotz.
Der alte Benz von 1891: der neue Mercedes=Benz von 1927 es iſt
ein Stück Weltgeſchichte, was zwiſchen dieſer Entwicklung liegt. Die
Hartgummiauflagen vor der Jahrhundertwende der moderne Ballon=
reifen
son heute, die Scheinwerferanlagen elektriſcher Feinkuitur
die Funzeln der 90er Jahre . , das ſind Unterſchiede, die ehrfürchtiges
Staunen erregen, welche Höhen die Technik der letzten Jahrhunderte
erreicht hat. Jener ſiegreiche Audi, mit dem die letzte Alpenfahrr der
Verkriegszeit gewonnen wurde mit ſeinen Karbid=Lämpchen, ohne
Selbſtanlaſſer, ohne Boſchhorn, weckt er Erinnerungen an die Zeit
automobiliſtiſchen Werdens. Der Mercedes=Kompreſſor, auf dem Chri=
ſtian
Werner die Targa Florio 1924 gewann, fehlt nicht, der Mercedes
Grand Prix=Sieger von 1914 iſt zu ſehen und manch anderes ſport=
hiſtoriſches
Fahrzeug.
Und dann, ein paar Schritte weiter, das Neueſte von Neuem
und das Beſte vom Beſten. Unmittelbar gegenüber der hiſtoriſchen
Autoſchau präſentiert ſich der Hanſa=Lloyd Achtzylinder, der nach langen,
gründlichen Verſuchen jetzt verkaufsfertig iſt, und der ein vorbildlich
kultiviertes Fahrzeug für den automobiliſtiſchen Kenner darſtellt, der
genügend Mittel zum Kauf hat. Der Hanſa=Lloyd mit ſeinem 100
PS Motor iſt auch einer der geräuſchlofeſten deutſchen Kraftwagen.
Mit ſeinem nur 1400 Kg.=Gewicht iſt der Hanſa=Lloyd=Achtzylinder der
leichteſte ſtarke Wagen, den es gibt.
Eine Attraktion der Deutſchen Automobilausſtellung iſt der neue
Horch 8 mit Achtzylinder=Drei=Liter=Motor. Die acht Zylinder ſind,
in einem Block vereinigt, reihenweiſe angeordnet. Der Wagen hat
Linksſteuerung; neben der Handbremſe iſt zum erſten Male in Deutſch=
land
eine Saugluftvierradbremſe verwandt. Daß dieſer Horch 8 nur
Mk. 12 500 koſtet, iſt ein beſonderer Vorzug, der ihn zu einem der be=
gehrteſten
Qualitätswagen machen wird.
Eine Klaſſe für ſich, unübertroffen in techniſcher Durcharbeitung
und in der Auswahl des Materials, in der Ausführung der Karoſſerie,
in der Anordnung aller Einzelheiten, iſt der Maybach. Der neue ſieben
Liter (27/100 PS) Maybach=Motor iſt das Modernſte, was bisher auf
dem Automobilmotorengebiet geſchaffen wurde. Die Ventilanordnung

und Steuerung vereinigt die Vorteile des oben und ſeitlich geſteuerten
Motors ohne die Nachteile mit in Kauf zu nehmen. Große Betriebs=
ſicherheit
, lange Lebensdauer und unerreichte Elaſtizität ſind Kennzeichen
von Maybach. Der getriebeloſe Maybach iſt weit vervollkommnet, daß
er faſt alle auf europäiſchen Straßen in Betracht kommende Steigungen
ohne Benutzung der Unterſetzung nimmt. Daß die Auswahl der Karoſ=
ſerien
in entſprechendem Verhältnis zur Qualität des Fabrikats ſteht,
iſt nur ſelbſtverſtändlich. Jeder der ausgeſtellten Maybach=Wagen iſt
eine Tat techniſcher Kultur.
Einen ganz ausgezeichneten Eindruck machen auch die Elite Wagen.
Die Elite=Sechszylinder 12/50 PS und 18/70 PS verraten beide beſte
Werkmannsarbeit. Außer einigen neuzeitlichen Verbeſſerungen gab es
bei den Elite=Typen nichts zu ändern weil ſie ſich bewährt haben.
Der Simſon=Supra=Sechszylinder präſentierte ſich bereits 1925 den
Ausſtellungsbeſuchern; diesmal iſt er erſtmalig zum Verkauf geſtellt.
Die tiefe Lage des Wagens und die günſtige Gewichtsverteilung ermög=
lichen
auch auf ſchlechten Straßen einen erſchütterungsfreien Lauf und
ſichere Kurvenlage. In der Wahl und im Bau der Karoſſerien waren
die Waffenfabriken Simſon u. Co. in Suhl ſtets vorbildlich geſchickt,
ſo daß auch diesmal ſowohl der 80/40 PS Simſon=Supra=Vierzylinder
als auch die neuen 12/60 PS Simſon=Supra=Sechszylinder ebenſo reprä=
ſentativ
wirken, wie Simſon=Supra qualitativ große Klaſſe iſt.
Dixi überraſchte die Ausſtellungsbeſucher mit einem 14/60 PS Sechs=
zylinder
, der als Chaſſis und als offener Wagen ausgeſtellt iſt. Der
neue Dixi=Sechszulinder wird auch vom Frühjahr ab lieferbar ſein und
ſich im Preis den deutſchen Sechszylindern großer Qualität anpaſſen.
Der bekannte 6/25 PS Dixi mit Vierradbremſe gilt nach wie vor als
einer der beſten Kleinwagen; ſeine Karoſſeriegeſtaltung trägt den guten
Rufe des Dixi Rechnung.
Auf dem Rumpler Stand finden wir eine neue Rumpler= Konſtruk=
tion
: den Wagen mit Vorderradantrieb. Man muß es Herrn Numpler
laſſen: er hat Mut. Sein Wagen hat Schwingachſen und iſt in ſeiner
ganzen Geſtaltung ein Unikum. Die Ausbildung der Vorderachſe als
Schwingachſe entlaſtet die Federung und gibt dem Wagen feſte Lage
auf der Straße. Ob ſich der Wagen, der konſtruktiv fraglos ſehr intereſ=
ſant
iſt, in der Praxis bewähren wird, wird ſich im Laufe des kommen=
den
Jahres erweiſen.
Die N. A.G. zeigt ihren 12 Steuer PS Sechszylinder=Perſonenwagen
nur als Fahrgeſtell, jedoch präſentieren ſich auf dem N.A G.=Stand meh=
rere
formſchön karoſſierte Vierzylinder fener Type. D. 4, die im täglichen
Gebrauch ſchon in mehreren tauſend Exemplaren ihre Hochwertigkeit
bewieſen hat.
Als, einer der ſtabilſten und leiſtungsfähigſten Vierzylinder mitt=
lerer
Stärke gilt mit Recht der Protos=Wagen. Durch ſeinen Preis von
10 000 Mark für den ſechsſitzigen Vierzylinder iſt der Protos keiner der
billigen; an der Protos=Type iſt nichts geändert worden, weil ſie ſich be=

währt hat. Die Protos=Wagen in ihrer gediegenen Durcharbeitung und
geſchmackvollen Karoſſeriegeſtaltung werden trotz des Zuges der Zeit
zum Sechszylinder geſuchte Qualitätswagen bleiben.
In dieſer Beſchreibung mögen nur noch einzelne Wagen derer über
10 000 Mark erwähnt ſein. Zunächſt Audi. Der Audi iſt kein Auto
für jedermann, ſondern das Kraftfahrzeug des Anſpruchsvollen. Die
Audi Werke haben nichts unverſucht gelaſſen, auch während der ſchwie=
rigen
Zeit ihrer Geſchäftsaufſicht an weitgehender Vervollkommnung zu
arbeiten und haben ihr Ziel gut erreicht. Der Audi=Sechszylinder
18/70 PS iſt als Qualitätswagen genügend bekannt, ſo daß ein Aufzählen
von Einzelheiten ſich erübrigt.
Ein ſchmucker Sechszylinder iſt der Dürkopp 12/60 PS, der ſeine bis=
herige
Ausarbeitung und Geſtalt behalten hat. Auch die Adler=Typen
1/50 PS und 18/60 PS Sechszylinder ſind ſchon von der Vorjahrsaus=
ſtellung
bekannt, ſo daß nur ihr Wiedererſcheinen in den Hallen am
Kaiſerdamm regiſtriert ſein mag. Mercedes=Benz liefert mit ſeinen bei=
den
Typen, dem 15/70/100 PS Mercedes=Benz=Kompreſſor und dem
24/100/140 PS Mercedes=Benz=Kompreſſor zweiGebrauchswagen von Raſſe
und Klaſſe, die ſich allen Anfeindungen zum Trotz erfolgreich behauptet
haben. Die Vorurteile gegen den Kompreſſor haben dieſe Mercedes=
Wagen überwinden helfen. Der Sechs=Liter Mercedes iſt zurzeit der
ſchnellſte deutſche Tourenwagen, deſſen Leiſtungsfähigkeit und Schnellig=
keit
auch von keinem Auslandsfabrikat übertroffen werden dürfte. Es
verdient beſonders bemerkt zu werden, daß die Daimler=Benz A.=G. es
verſtanden hat, dieſe beiden hochleiſtungsfähigen Typen ſo preiswert her=
zuſtellen
, daß die Mercedes=Benz=Preiſe unter dem annähernd gleich=
wertiger
Auslandsfabrikate liegen.
Die Phänomen=Werke (Gebrüder Hiller, Zittau) haben zwar eine
kleine aber feine Produktion. Dem allgemeinen Preisabbau iſt auch
Phänomen gefolgt, und Phänomen=Wagen ſind auf der Autoausſtellung
zu ſo reduzierten Preiſen zu haben, daß der Laie ſtaunt und der Fach=
mann
erfreut iſt über ſo erfolgbringende Betriebsumſtellung.
Aus Oeſterreich iſt außer Stehr auf die Ausſtellung, vertreten durch
die Sechszylinder 6 PS und durch die Sechszylinder 12 PS. auch Auſtro=
Daimler gekommen. Gezeigt werden die bereits bekannten und beſt=
bewährten
Auſtro Daimler Serientypen 10/45 PS, 17/60 PS und der
11/100 PS Drei=Liter=Sportwagen.
Ueber einzelne Neuerſcheinungen und einige bereits bekannten Typen
wird noch kurz berichtet werden. Trotz Verringerung der Ausſteller=
zahl
iſt auch diesmal auf der Berliner Automobilausſtellung ſoviel zu
fehen, daß es mehrerer Tage bedarf, wenn man alle Stände einmal
beſuchen, und das Ausgeſtellte muſtern will. Zu den Automobilfabriken,
die auf ihren Ständen hochwertige und vorbildlich ſchön karoſſierte
Qualitätswagen ſtehen haben, kommen noch hinzu die Stände deutſcher
Karoſſeriefabrikanten, die nicht minder reichhaltig und mit faſt noch
ſchöneren Wagen aller deutſchen Fabrikate beſchickt ſind.
Siegfried Doerſchlag.

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Geite 16

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Untergang eines britiſchen Schlachtſchiffes.

Das Kriegsſchiff Valerian.
Der britiſche Schlachtkreuzer Valerian iſt 18 Meilen ſüdlich von den Bermuda=Inſeln ein
Opfer des furchtbaren Wirbelſturmes geworden, der in den jüngſten Tagen über dem Atlantik
wütete. An Bord des Schiffes hatten ſich über 100 Mann befunden, von denen bloß 20
Matroſen gerettet werden konnten.

Der größte Traktor der Welt.

Unſer Bild zeigt den von der Pacific Car & Co., Waſhington, für eine amerikaniſche Holz=
ſirma
erbauten Rieſentraktor, der zur Beförderung von gewaltigen Holzblöcken dient. Der
Traktor iſt ſo hoch, daß ein Ford=Wagen bequem unter ihm durchfahren kann. Er wiegt 10 to,
hat eine Radgrundlage von 18 Fuß und verrichtet die Arbeit von mehreren Pferdegeſpannen.
Die Räder haben einen Durchmeſſer von 10 Fuß.

Reich und Ausland.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Stengraphiſche Prüfung bei der Handels=
kammer
. Die Stenographiſche Prüfung der Induſtrie= und Handels=
kammer
findet am Sonntag, den 7. November, in den Räumen der
Städt. Handelslehranſtalt II, Junghofſtraße 18, vormittags 9 Uhr ſtatt.
Letzter Meldetermin: Freitag, den 5. November, Induſtrie= und Han=
delskammer
, Neue Börſe, Zimmer 35. Von der Univerſität
Frankfurt. Der Privatdozent für Betriebswirtſchaftslehre an unſerer
Univerſität, Dr. Alfred Iſaac, iſt als hauptamtlicher Dozent für
Betriebswirtſchaftslehre an die Handelshochſchule Nürnberg berufen
worden und hat den Ruf angenommen. Dr. Iſagc tritt ſein Amt mit
Beginn des Winterſemeſters an; die von ihm an unſerer Univerſität
angekündigten Vorleſungen werden durch andere Lehrkräfte abgehalten.
Einweihung eines Denkmals für Schlageter.
Schönau (Wieſenthal). Am Sonntag wurde hier das für den
während der Ruhrbeſetzung von den Franzoſen ſtandrechtlich erſchoſſenen
Albert Leo Schlageter errichtete Denkmal auf dem Lötzberg, in Form
eines 12 Meter hohen Obelisken, eingeweiht. Zur Feier hatten ſich
u. a. auch Großadmiral v. Tirpitz, General der Artillerie a. D. von
Gallwitz eingefunden, ferner Vertreter des deutſchen Offiziersbundes,
Abordnungen zahlreicher vaterländiſcher Verbände und verſchiedene Stu=
dentenverbindungen
der Freiburger Hochſchule uſw. Die Stadtverwal=
tung
Schönau übernahm das Denkmal in ihre Obhut.
Zwei Kinder bei einem Brande umgekommen.
FU. Köln. Hier entſtand in einer der letzten Nächte aus unbe=
kannter
Urſache ein Zimmerbrand, bei dem zwei Kinder im Alter von
drei und vier Jahren erſtickten.
Hochwaſſer des Rheines.
Köln. Durch den anhaltenden Regen und plötzlich eingetretenen
Schneefall ſteigen der Rhein bei Koblenz um 3 Zentimeter, die
Moſel bei Trier um 8 Zentimeter ſtündlich. Vom Oberrhein und dem
Neckar wird Fallen des Waſſers gemeldet.
Zum Eiſenbahnattentat bei Leiferde.
Hannover. Von zuſtändiger Stelle wird dem W. T.B. mitge=
teilt
: Die Reichsbahndirektion Hannover und der Regierungspräſident
in Lüneburg haben die für die Ergreifung der Täter des Eiſenbahn=
verbrechens
bei Leiferde ausgeſetzte Belohnung von 25 000 und 2000
Reichsmark je zur Hälfte den beiden Anzeigern Schröder und Win=
mann
aus Schöttmar zugewieſen. Den an der Ergreifung der Täter
Beteiligten ſind insbeſondere Belohnungen erteilt worden.
Automobilunglück.
Naumburg a. Queiß. Am Samstag nachmittag verunglückte in=
folge
Platzens eines Reifens auf der Fahrt von Naumburg nach Sagan
das Auto eines Naumburger Arztes, der mit zwei anderen Inſaſſen
unverletzt blieb, während ein mitfahrender Zivilingenieur aus Naumburg
ſo ſchwer verletzt wurde, daß er eine halbe Stunde nach Einlieferung
in das Krankenhaus verſtarb.
Schweres Autvunglück.
Magdeburg. Der Magdeburgiſchen Zeitung zufolge geriet
ein mit drei Magdeburger Inſaſſen beſetztes Auto in der Letzlinger
Heide in einer ſehr gefürchteten Kurve ins Schleudern und über=
ſchlug
ſich. Erſt am Sonntag früh, mehrere Stunden nach dem Unfall,
wurde dieſer entdeckt. Alle drei Perſonen wurden mit Genickbrüchen
tot aufgefunden.
Dampferzuſammenſtoß auf der Elbe.
Hamburg. Der Hamburger Dampfer Wiedau mit Stück=
gütern
nach Briſtol unterwegs, iſt in der Nähe von Altenbruch mit
dem im Ballaſt von England aufkommenden engliſchen Dampfer
Fleetwing zuſammengeſtoßen. Die Wiedau iſt ſtark beſchä=
digt
zurückgekehrt. Der engliſche Dampfer iſt ebenfalls ſchwer be=
ſchädigt
zur Werft von Blohm u. Voß geſchleppt worden.
Eine geheime Brennerei in einer Villa bei Berlin aufgehoben.
TU. Berlin. Das Zollgrenzkommiſſariat iſt geſtern auf die Spur
eines neuen Spiritusſchwindels gekommen. Es handelt ſich um eine
Geheimbrennerei, die von den Beamten in dem Berliner Vorort Nollen=
dorf
ausgehoben wurde. Der Eigentümer der Brennerei, ein Villen=
beſitzer
Karl Schabol, wurde mit ſeiner Frau feſtgenommen. Er hat
in ſeiner Brennerei ungefähr 15 000 Liter Sprit erzeugt und dem Reiche
einen Schaden von etwa 70 000 Mark verurſacht.
Ueberfälle auf offener Straße in Charlottenburg.
Berlin. Der B. Z. am Mittag zufolge wurde nachts in Char=
lottenburg
auf offener Straße ein junger Mann überfallen und durch
Meſſerſtiche ſo ſchwer verletzt, daß er nach ſeiner Einlieferung
ins Krankenhaus alsbald ſtarb. Er hatte fünf Meſſerſtiche in den
Unterleib erhalten. In derſelben Nacht wurde am Friedrich=Karl=
Platz in Charlottenburg der Kaufmann Weiß überfallen, durch Meſſer=
ſtiche
verletzt und ſeiner Brieftaſche beraubt. Die Polizei nahm
kurz darauf den Schneider Dummer feſt, deſſen Kleidung Blutſpuren
aufwies, ohne daß Dummer Verletzungen hatte. Er wurde unter dem
dringenden Verdacht, beide Ueberfälle verübt zu haben, verhaftet,
Enthüllung zweier Kriegsgefangenen=Denkmäler in Trelleborg.

Hochwaſſer im Vorharzgebiet.
Braunſchweig. Wie der Braunſchweiger Allgemeine An=
zeiger
meldet, haben eingetretenes Tauwetter und ununterbrochene
Regenfälle abermals Hochwaſſergefahr für den Harz und Umgegend
herbeigeführt. Bei Börſſum ſteht das Gelände weſtlich der Oker unter
Waſſer. Die Iſe iſt über die Ufer getreten. Die niedrig gelegenen
Gegenden gleichen einem See. Die Bahnhöfe Heiningen, Burgdorf und
Gittelde ſind nur durch Fuhrwerk zu erreichen. Ueber dem Auerhahn
iſt am Sonntag ein ſchweres Unwetter niedergegangen. Im Laufe der
Nacht ſind Schneefälle über dem Harz eingetreten.
Deutſchlands Dank an Schweden.
Trelleborg. In Trelleborg fand am Sonntag die feierliche
Enthüllung zweier Denkmäler ſtatt, von denen das eine auf dem Fried=
hof
errichtet worden iſt, wo eine große Zahl invalider Kriegsgefangener,
darunter 93 Oeſterreicher und ſechs Deutſche, ihre letzte Ruhe gefunden
haben. Das andere Denkmal hat ſeinen Platz im Hafen von Trelleborg
gefunden und iſt ein Dank= und Gedenkſtein, den das Deutſche Rote
Kreuz im Namen des deutſchen Volkes dem Schwediſchen Roten Kreuz
überreichte. Beide Denkmäler ſind ſchlichte Granitſteine. Der im Hafen
von Trelleborg errichtete Stein trägt das von einem Strahlenkranz
umgebene Zeichen des Roten Kreuzes und die Inſchrift: Dem ſchwe=
diſchen
Volk für Taten der Menſchenliebe. Das deutſche Volk. Der
Eröffnungsfeierlichkeit wohnten u. a. bei: der deutſche Geſandte von
Roſenberg, der öſterreichiſche Geſchäftsträger Buchberger und der Prä=
ſident
des Deutſchen Roten Kreuzes von Winterfeld. Gouverneur
Schonen nahm die feierliche Enthüllung vor. In ſeiner Anſprache pries
er die Vaterlandsliebe in ergreifenden Worten und mahnte zur Völker=
verſöhnung
. Anläßlich der Enthüllung des zweiten Denkmals im Hafen
brachte Generaloberarzt Bauer in beredten Worten den Dank Schwedens
für die durch die Denkmalserrichtung dem ſchwediſchen Volk erwieſene
Ehre zum Ausdruck.
Goldfieber in Nord=Schweden.
Hoffnungen auf ein europäiſches Klondyke.

Karte von Nord=Schweden.
In der Nähe des kleinen Städtchens Skelleftea in der nor=
diſchen
Provinz Väſterbotten ſind Gold= und Kupfererzfunde ge=
macht
worden, von denen man auf reiche Erzadern ſchließt. Die
Erklärung der Grubenleitung, daß ſie jährlich eine Tonne Gold
und 6000 Tonnen Kupfer zu fördern hofft, ließ in der Bevölke=
rung
ein wahres Goldfieber entſtehen. Der Zuſtrom der Aben=
eurer
nach Skelleftea wächſt von Tag zu Tag, es werden für ſie
neue Hotels errichtet, denn die bisherigen Unterkunftsſtätten
reichen gar nicht mehr aus. Das größte Aufſehen erregte die
Feſtſtellung, daß die Stadt ſelbſt auf Gold führenden Erzlagern
zu ſtehen ſcheint. Die Funde innerhalb der Stadtgrenzen haben
zur Folge gehabt, daß faſt auf jedem Grundſtück gebohrt und ge=
ſprengt
wird und jeder Eigentümer von den Reichtümern träumt,
die unter ſeinem Haus verborgen ſind.

Der Faſſadenkletterer Frank zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Stralſund. Vor dem hieſigen Schöffengericht hatte ſich am
Samstag der Einbrecher und Faſſadenkletterer Frank wegen mehrerer
im Sommer dieſes Jahres in Badeorten auf Rügen begangener Ein=
brüche
zu verantworten. Frank ſtand ſeinerzeit im Verdacht, auch den
Binzer Juwelendiebſtahl ausgeführt zu haben. Mitangeklagt waren
wegen Begünſtigung und Hehlerei der Artiſt Schur und Frau Kuhlmann
aus Stettin. Das Gericht verurteilte Frank, der geſtändig war, nach
kurzer Verhandlung zu drei Jahren Zuchthaus. Der Mitangeklagte
kam mit einer geringen Gefängnisſtrafe davon, während Frau Kuhl=
mann
freigeſprochen wurde.

Ein Anſchlag auf den D=Zug Paris-Berlin.
Paris. Wie Havas aus Brüſſel berichtet, iſt am Samstag früh
gegen 3,40 Uhr ein Anſchlag gegen den D=Zug Paris-Berlin entdeckt
worden, der um dieſe Zeit, ohne anzuhalten, den Bahnhof Flemalle=
Haute paſſiert. Der ſtellvertretende Bahnhofsvorſtand entdeckte, als
er die Weiche prüfte, etwa 150 Meter vom Bahnhof entfernt einen Mann
in gebückter Stellung, der damit beſchäfrigt war, die Schienen locker zu
ſchrauben. Der Draht, der von der Weiche zum Weichenſtellerhauſe
führte, war ſchon durchſchnitten, und unweit davon bemerkte der ſtell=
vertretende
Bahnhofsvorſtand noch einen zweiten Mann, ebenfalls in
gebückter Stellung. Es kam zu einem Handgemenge, in deſſen Ver=
lauf
die beiden die Flucht ergriffen, ohne daß es gelang, einen von
ihnen zu erwiſchen. Man nimmt an, daß ſie beabſichtigten, den Zug
zum Entgleiſen zu bringen, um irgend einen der Mitreiſenden, von
deſſen Anweſenheit ſie unterrichtet waren, zu berauben.
Großfeuer.
EP. London. In Southampton brannte ein ſechsſtöckiges
Lagerhaus der Britiſch=Amerikaniſchen Tabak=Geſellſchafte nieder.
Dem Brand fielen 100 000 Pfund Tabak ſowie wertvolle Maſchinen zum
Opfer. Der Geſamtſchaden beträgt rund 150 000 Pfund Sterling.

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Unter den Kopfwaſchpulvern, welche dem Haare Rein=
heit
, Fülle und Glanz verleihen und dazu den Haarboden wirklich ſtär=
ken
, findet man kaum ein Mittel, das in einem Päckchen für 30 Pfennige
ſtets zwei abgeteilte Vollwaſchungen hat, ſo wie das milde, altbewährte
Helipon. Reine Wahrheit iſt es deshalb, daß kein anderes Mittel
in gleicher Art ſolche großen Vorteile vereint, welche den Helipon= Ver=
brauchern
zugute kommen.
ISt./15878

Die Sunlicht=Geſellſchaft, die durch ihre Lux= Sei=
fenflocken
, ſowie durch die altbekannte Sunlicht=Seife in
Konſumentenkreiſen großes Anſehen genießt, hat unter dem Namen
Suma ein neues Fabrikat herausgebracht. Es handelt ſich um eine
ſehr intereſſante und wertvolle Errungenſchaft auf dem Gebiete der
modernen Waſchmittel=Erzeugung, und langjährige Forſchungen und
Verſuche gingen derſelben voraus. Das neue Produkt Suma iſt eine
ſodafreie Haushaltſeife in der ſparſamen Pulverform, die ſich bei einem
ganz außerordentlich hohen, 6öprozentigen Reinſeifengehalt und völligem
Fehlen kunſtlicher Bleichmittel als ein ungewöhnlich wirkſames, die Faſer
und die Farbe nicht angreifendes Mittel erwieſen hat. Dasſelbe wird
ſicherlich als Ergänzung der Lux=Seifenflocken für die große
Haushaltwäſche der Hausfrau große Dienſte erweiſen und ihr erhebliche
Erſparniſſe ermöglichen.
1/12579

Die Perle der deutſchen Reifen=Induſtrie. Unter
dieſer Stichmarke ſtellt die bekannte Gummiwarenfabrik Peters
Union, A.=G., Frankfurt a. M., auf Stand Nr. 120 in der Alten
Halle ihre in der ganzen Welt bekannten Erzeugniſſe aus. Sie hat es
ſich auch dieſes Mal zur Aufgabe gemacht, ihre Erzeugniſſe in möglichſt
einfacher, aber doch augenfälliger Weiſe zur Schau zu bringen. Die
obengenannte Stichmarke, die Perle der deutſchen Reifeninduſtrie, iſt
in recht glücklicher Weiſe durch die im Mittelpunkt des Standes liegende
rieſengroße Muſchel, die im Innern, gleich einer Perle, den Peters=
Union=Rotſiegel=Cordreifen zeigt, verkörpert. Die übrige Dekoration
des Standes iſt in moderner, aber einfacher, und trotzdem geſchmackvoller
Ausführung ausgeführt. Mit dunklem Samt beſpannte Stufen führen
an den Wänden hoch zu einigen dort aufgeſtellten Reifen. Die Wände
ſelbſt ſind mit rotem Stoff, der große dunkelrote Keile trägt, beſpannt.
Die eigenartige Wirkung des Standes wird noch erhöht durch die
im Hintergrund befindliche Firmenbezeichnung aus leuchtenden Konturen
und die Transparent=Schutzmarke, das Rotſiegel, welches in ganz ge=
dämpftem
Lichte erſcheint.

Bei Korpulenz oder Veranlagung
raten wir allen Leſern, die korpulent oder zum Starkwerden veranlagt
ſind, 30 Gramm Toluba=Kerne zu kaufen, die bei völliger Un=
ſchädlichkeit
fettzerſetzend und anſatzverhindernd wirken. Die echten
Toluba=Kerne erhalten Sie mit Gutachten, genauen Angaben
über Gebrauch und Zuſammenſetzung in den Apotheken. TV/14049

Wetterbericht.
Wettervorherſage für Mittwoch, den 3. November 1926.
Nach der Wetterlage vom 1. November 1926.
Die nach den ſtarken Regenfällen der letzten Tage eingetretene Auf=
beſſerung
des Wetters hat noch keine Ausſicht auf längeren Beſtand. Die
Temperaturen fallen zwar zunächſt bis zu leichtem Nachtfroſt, beſonders
in höheren Lagen; bei Irland liegt jedoch ſchon ein neues Störungs=
gebiet
, das auf ſeinem Weg nach Oſten auch für unſer Gebiet erneute
Verſchlechterung in Ausſicht ſtellt.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.

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günstige, Einkaufsgelegenheiten!

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(15 74

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Nummer 304

Das ewige Wunder
Roman von Guido Kreutzer.
(Nachdruck verboten)
7)
Ich verſteh ja das alles nicht. Ich grübele und kombiniere
und zermartere mir den Kopf und finde keinen Zuſammenhang
und tein Motiv, das wir den Schlüſſel in die Hände gibt. Da=
bei
hab’ ich nicht eiwa geträumt. Unſinn! Alles war Wirklich=
keit
und doch eine Kette von lauter Unmöglichkeiten. Das werdet
ihr mir zugeben, wenn ich euch jetzt erzähle.
Nämlich ich hatte heut ſpielfrei. Den Fürſten konnte ich
nicht erreichen. Er iſt für vierzehn Tage auf ſeine Güter nach
Oſtpreußen gefahren. Sonſt irgendeine Einladung beſaß ich
ebenſowenig wie es mich reizte, etwa ſchon um neun Uhr mich
hinzulegen oder hierher zu kommen, wo ja doch noch keine Men=
ſchenſeele
war.
Da hatte ich plötzlich die Idee, in den Lunapark zu fahren.
Einmal im Jahre muß ich immer hin. Dann hab’ ich meinen
Spaß an dieſem Toben und Treiben und der ganzen naiv an=
ſpruchsloſen
Ausgelaſſenheit. So gewiſſermaßen als primitive
erfriſchende Reaktion gegen unſere ſonſtige Sphäre von Literatur
und Kunſt und Ueberkultiviertheit.
Alſo ich zog mich an, ſetzte mich ins Auto und fuhr los. Es
war bereits ziemlich dunkel. Die Laternen brannten ſchon.
Als ſich der Wagen in der Kette anderer Autos langſam über
die Halenſeer Brücke ſchob, warf ich zufällig einen Blick zur Seite
und ſah am Geländer einen Mann ſtehen. Das Licht des Kande=
labers
traf voll ſein Geſicht. Ich erbannte ihn ſofort: es war der
Legationsrat von Reeg, einer meiner vielen guten Bekannten.
Irgendwo hatte ich ihn mal kennen gelernt; ich glaube, auf der
Grunewald=Rennbahn oder beim Derby auf dem Horner Moor.
Seitdem begegneten wir uns hin und wieder. Ein diſtinguierter,
ungewöhnlich kluger Menſch. Ariſtokrat jener Gattung, die all=
mählich
leider auszuſterben beginnt. Dazu ſehr angeſehener poli=
tiſcher
Schriftſteller. Der Fürſt, der ihn gut kennt und häufiger
mit ihm zuſammentrifft und mit dem ich gelegentlich über den
Legationsrat ſprach, prophezeit ihm eine ganz große Zukunft;
ſo zurückhaltend er ſonſt in ſeinem Urteil iſt. Mag ſein. Davon
verſtehe ich nichts
Jedenfalls ließ ich meinen Wagen in einer Seitenſtraße hal=
ten
, ſtieg aus, ſchickte ihn fort und kehrte zur Halenſeer Brücke
zurück. Da ſtand Herr von Reeg noch immer, hatte ſich jetzt weit
über die Brüſtung des Geländers gebeugt und ſtarrte auf die
Stadtbahnzüge hinab, die das Schienengewirr paſſierten.
Erſt jetzt, als ich zu ihm trat, bemerkte ich, wie fahl er war.
Und Tannennadeln hatte er am Anzug. Und Erdbrocken an den
Schuhen. Und ſeine Krawatte ſaß nicht ganz korrekt. Und am
Kinn war ein friſcher blutiger Riß, wie von einem Dornenzweig.
Guten Abend, Herr von Reeg, ſagte ich und berührte flüch=
tig
ſeinen Arm.
Er zuckte zuſammen, ſtarrte mich verſtändnislos an, ſchien
ſich nicht zurechtzufinden, blinzelte ſonderbar und erkannte mich
ſchließlich.

Dienstag, den 2. November 1926

Guten Abend, Gnädigſtel .. antwortete er heiſer, nahm
zögernd meine Hand, die ich ihm hingeſtreckt hatte, und küßte ſie
mechaniſch.
Natürlich gab ich mir den Anſchein, als bemerke ich ſeinen
haltloſen Zuſtand gar nicht. Ich ſtrahlte ihn an und verſetzte
lachend:
Iſt das nicht nety, daß wir uns ſo unvermutet treffen?
Außerdem kommen Sie mir heute wie gerufen. Tatſächlich: wie
gerufen! Wir kennen uns doch ſchon jahrelang; und ich habe noch
nie eine Bitte an Sie gehabt. Heute zum erſten Male. Und wie
ich Sie einſchätze, laſſen Sie eher die ganze Welt untergehem ehe
Sie mir meinen Wunſch abſchlagen.
Er gab keine Antwort.
Nämlich Sie müſſen mir jetzt mindeſtens zwei Stunden Zeit
widmen und im Lunapark mit mir zu Abend eſſen.
Dieſe düſter drohenden Augen und dies faſſungsloſe Schwei=
gen
nahmen mir beinahe alle Sicherheit. Wer weiß, welch unge=
heuerliche
Zumutung ich ihm da ſtellte. Aber jetzt konnte ich nicht
mehr zurück und wollte auch gar nicht. Mein Theaterinſtinkt
witterte irgendwie dramatiſche Konflikte und wüſte ſeeliſche Kon=
traſte
zwiſchen meiner Forderung und dem Zuſtand dieſes Men=
ſchen
da vor mir. Das reizte mich unſäglich.
Ich motivierte mit einem Auflachen, das ſicherlich einiger=
maßen
hyſteriſch klang:
Eine unmögliche Faſtnachtsidee, werden Sie denken. Und
beſtimmt ein ſchwerer Verſtoß gegen Ihre charakteriſtiſche kühle
Reſerviertheit. Aber machen Sie heute mal ſchon eine Ausnahme.
Steigen Sie zum Volke herab. Miſchen Sie ſich unter Ihre
Menſchenbrüder. Verwiſchen Sie die ſozialen Gegenſätze. Mir
zuliebe. Weil ich dieſen Abend ſpielfrei und dazu geſtimmt bin,
ihn im Lunapark zu verbringen. Oben auf der Weinterraſſe kennt
uns niemand. Da können wir behaglich plaudern. Und dies
Tohuwabohu unten . ich ſagte das abſichtlich . . . entſpannt
die Nerven und lenkt ab von allem, was einen ſonſt vielleicht
quält.
An ſich hatte ich ihn in Verdacht, daß er überhaupt nicht be=
griff
, was ich eigentlich von ihm wollte. Doch bei meinen letzten
Worten hob er plötzlich den Kopf und murmelte:
Lenkt ab von allem, was . . ."
Endlich hatte ich ihn!
Schließlich ſehen Sie nämlich ſehr blaß aus, Herr von Reeg.
Vielleicht haben Sie irgendwelche Mißhelligkeiten gehabt. Alſo
verbinden wir das Nützliche mit dem Angenehmen . . . Und nun
komen Sie endlich. Ein Menſch Ihrer Qualitäten läßt eine
Dame überhaupt nicht ſo lange bitten.
Keine Ahnung hab ich mehr, was ich ſonſt noch alles ſprach.
Jedenfalls bekam ich ihn tatſächlich von der Halenſeer Brücke
fort und in den Lunapark hinein. Auf der Weinterraſſe fanden
wir an der Brüſtung einen netten Tiſch.
Die Speiſen ließ er völlig unberührt. Trank nur ein Glas
nach dem andern. Rauchte unſinig. Sah über mich hinweg.
Beachtete gar nicht mein verzweifeltes Plaudern. Blieb aſchfahl,
wie im Starrkrampf eines vernichtenden Geſchehniſſes und ver=
ſunken
in einer Welt, die mit derjenigen aller übrigen Menſchen
nichts gemein hatte.

Seite 12

Alſo eine in jeder Hinſicht unhaltbare Sitation: grotesk,
lächerlich, und wäre ich ein zimperlicher kleiner Backfiſch ge=
weſen
tödlich beleidigend für mich. Ich gebe auch offen zu,
daß mir dieſer verſteinerte Menſch, der die geſellſchaftlichen For=
men
ſonſt mit ſo ſelbſtverſtändlicher Ueberlegenheit beherrſchte,
von Minute zu Minute unheimlicher wurde. Irgendwo lauerte
eine Gefahr. Das fühlte ich. Nur beſaß ich nicht mal den Schatten
einer Vermutung, welcher Art ſie war.
Doch gerade dies hypnotiſierte mich. Vielleicht eine ſeeliſche
Perverſität, gegen die ich dann eben nicht ankommen konnte.
Je weiter der Abend fortſchritt, deſto tiefer verfing ich mich
in der ſuggeſtiven Lockung: zu ergründen, was den Legations=
rat
von Reeg eigentlich ſo bis ins innerſte Mark getroffen hatte.
Daß es ein geradezu elementares Ereignis ſein mußte, ſtand für
mich außer Zweifel. Schließlich verliert ja jeder Menſch mal in
irgend einem Moment die Kraft, ſeine Maske noch länger glaub=
würdig
zu tragen. Der Mann mir gegenüber hatte dieſe Kraft
all die Jahre unſerer Bekanntſchaft beſeſſen. Heute verließ ſie
auch ihn. Zum erſten Male ſah ich hinter dem korrekten Kavalier
den zerquälten, gramverhetzten Menſchen, der angſtvoll ſuchend
die Hände ins Dunkel ſtreckte, woher ihm ja doch keine Hilfe
kommen konnte.
Ich mußte in Erfahrung bringen, was eigentlich geſchehen
war. Fragen durfte ich ſelbſtverſtändlich nicht. Doch für eine
Frau gibt es in ſolchen Fällen mancherlei heimliche Schleichwege.
Ich verſuchte ſie alle und nicht einer führte mich zum Ziel.
Undurchdringlich ſchien dies Nätſel.
Bis mir ganz unerwartet doch noch die Löſung wurde. Eine
Löſung aber, die nimmermehr Wahrheit ſein kann.
Was ſie iſt, weiß ich nicht.
Entweder ſinnlos trunkenes Geſtammel er hatte allein faſt
drei Flaſchen Sekt getrunken oder . . . ja . . oder das erſte
Anzeichen ausbrechenden Irrſinns!
Hedda Yellin verſtummte unvermittelt. Sekundenlang ſchwieg
ſie. Mutloſe Traurigkeit überſchattete ihr zartes Geſicht. Ein=
mal
hob ſie die Schultern, als rieſele ihr kalter Schauer über
den Nacken.
Dann raffte ſie ſich gewaltſam auf und begann abermals:
Ja das war der Abend, von dem ich mir ſoviel aus=
gelaſſene
, urwüchſige Luſtigkeit verſprochen hatte.
Längſt verzichtete ich darauf, noch weiterhin allein die Koſten
der Unterhaltung zu tragen. Innerlich loderte ich vor Zorn und
Empörung über ſoviel rückſichtsloſe Nichtachtung, wie man ſie
mir hier zu bieten wagte. Schwieg verſtockt und gereizt und war=
tete
nur noch auf den geeigneten Moment, um aufzuſtehen und
der ganzen Sache ein Ende zu machen.
Und faſt war ich ſchon entſchloſſen, dieſen Moment mit Ge=
walt
herbeizuführen da kam die Löſung des Rätſels.
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ]

15962a

Seite 18

Dienstag, den 2. November 1926

Nummer 304

Palast-Lichtspiele
Heute zum ersten Male:
Iwan Moskwin, der geniele Menschendarsteller
in dem überragenden Filmwerk:
Der Postmeister

(Tragödie des Vaters)
6 Akte nach der Norelle von Alexander Puschkin.

Kaufmänniſcher Verein.
Am Mittwoch, den 3. November 1926,
abends 8 Uhr, im Vereinslokal, weißer Saal,
Grafenſtraße 18
Vortrag
des Herrn Dipl.=Ing. von Luppmann:
Steuerliche Abſchreibungen.
(Die Bedeutung der kaufmänniſchen Ab=
ſchrelbungen
in der Betrlebswirtſchaft.
im Handelsrecht und im Steuerrecht)
Der Vorſtand.
15998im

Moskwin, der große Polikuschka spielt die Hanptrollen . . . Er gehört zu den
Mimen allerböchsten Ranges, ist nur an Jannings und etwa noch an Lon Chaney
zu messen. Neben ihm die Mallnowskele in Gesicht von ganz verschlossenen,
kargen Reizen: Eine Meisterin des stummen Nicht-aus-sich berausgehens, eine Madonna.

Was sagt dle Presse zu
B. Z. am Mittag‟ (16. Februar 1926):
Der Postmeister Iwan Moskwin, ein ganz
großer Virtuose. Durchaus überragendes
Format. Von ungewöhnlicher, dabei
reichst ausziselierter Plastik . in jedem
Augenblick überzeugend und mitreißend:
8-Uhr-Abendblatt‟ (17. Februar 1926):
Da ist Jwan Moskwin, der den
Alten spielt .. Er spielt ihn nicht, er ist
es .. Und dieses Aufleuchten. Ganz-
nah
-uns-berührende macht diesen Film zu
einem stillen, seltsam ergreifenden
Erlebnis.
Buster Keaton auf der

dlesem Kunstwerk?
Das 12-Uhr-Blatt (16. Februar 1926):
Nun sicht man den großen Menschendar-
steller
in der Rolle des Postmeisters Wyrin
wieder, stets auf neu erschüttert und
bewundert vor seiner reißend bezwingenden
Kunst.
Lichtbildbühne‟ (16. Februar 1926)
. . Ein grandioses Kunstwerk!
Dieser Moskwin ist ein Genie schlechthin.
Ein Genie ebenso seine Partnerin W.
Malinowskaja. Es ist ein Film, den man
gesehen haben muß
Börse, 2 lustige Akte. (15957

Konzert=Saal Perkeo‟
Telephon 1409
Alexanderſtr. 12 und 14
Die ſeit
herigen humoriſt. Konzerte
mit Muſik, Geſangs= und Tanz=Einlagen
finden auch im November noch ſtatt. Vor=
zugskarten
haben Gültigkeit ( 28902ide
Es ladet ergebenſt ein I Schnauber

Lunzſchate Suahe siehr
Fernruf 3200 Viktoriaſtr. 67
An 2 geſchloſſenen Herrenzirkeln (Kurſus für
moderne Tänze ſowie für Anfänger) können
ſich noch einige Damen beteiligen. (28892

Union-Theater
Unwiderrutlich letzter Tag:
LUcIANO ALBERTINI
der weltberühmte Sensationsdarsteller
in seinem neuesten Film:
Lifemkäterorzken
2 Akte von abemberaubendem Tempo und
nnerhörten Sensationen
Liebeszauber
Lustspiel in 2 Akten
Jugendliche haben Zukritt!
Als Einlage von 68 Uhr
Die Unehelichen
( 28981
Tragödie in 7 Akten
Anfang 31. Uhr. Letzte Abendvorstell. 8 Uhr.

we
Vo
Deutſche

OLOTN
Heute
und folgende Tage, abends 8 Uhr
W Der große Gastspiel-Erfolg
des HamburgerOperett.-Theaters!
Das
Champaaner-Grr
Große Ausstattungs-Revue-Operette
in 3 Aufzügen und 14 Bildern von
L. Bernier.
Hauptmitwirkende:

Residenz-Theater
Ab heute das abwechslungsreiche Doppelprogramm:

Maria Jacobini
in dem überwältigenden
Sittentilm:
Derkastard

6 Akte nach dem Roman
Transatlantic von Urville
Hauptdarsteller:
Maria Jacobini. Erich Kaiser-
Titz, Mary Kid, Rolla Normann,
Hedwig v. Winterstein, Albert
Paul, Heinrich Peer

Der deutsche Lustspielfilm:
Weun die Liebe
nicht wär
6 Akte nach dem Roman Das
Abenteuer von Emil Scholl.
Mitwirkende:

Imogen Robertson, Harry Halm,
ſenny Jugo, Else Wagner, Carl
Platen, Hans Adalbert Schlettow
Fritz Alberti

Neueste Ufa-Wochenschau.
(*28982
Anfang 3, Uhr
Letzte Abendvorstellung 8 Uhr

Grete Gallus

Lilli Schreiber

Friedl Ray

Gret’l Pirko

Ludw. Bendiner

Heins R0 genkamp

Oarlo Klee

9 Geifen

ſind die Beſten.
Herſteller
Vernhard May
Söhne,
Groß=Zimmern. (13911a

1. Gaszuglampe,
erſch. Gaspendel m.
Zubeh. billig abzu=
geben
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Soderſtraße 2 I. St.

Hans Wilhelm

Ferner die reizenden
Liliputaner und
Die Valeneia-Girls
Verstärktes 1azz-Orchester.
Kleine Preise!
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und Verkehrsbüro. (160

heselt Gn das aielek

Messplatz

Darmstadt

Messplatz

Luther=Festspiele 1926
III. Hufführung
Dienstag, den 2. November, abends 71, Uhr s
Der Festausschuß. 15942

Ortsgewverbeberein

Darmſtadt
I. Dilteroermitattang
am Freitag, den 5. November 1926
abends 8 Uhr im Gelben Saale des
Meſtaurauts Sitte, Karlſtraße.
Vortrag
des Herrn Prof. Dr. Haupt, Darmſtadt, über
Die Bedeutung des Gewerbe=
muſeums
und der Gewerbebücherei
für Gewerbe und Handwerk.
Unſere Mitglieder nebſt Familienange
hörigen ſind zu dieſer Verſammlun; freund=
lichſt
eingeladen. Eingeführte Gäſte ſind
(16001if
willkommen.
Der Vortragsausſchuß

Königin=Luiſe=
Aund
Mittwoch,abds. 8 Uhr,
b. Sitte, Karlſtraße,
Verſammlung.
Gäſte willkommen
D. O. B.
Donnerstag, 4 Nov.,
8 Uhr abds., im Kaſino
des Leibgarde= Regi=
ments
, Herrenabend
u. Vortrag des Herrn
General Fehr: Wer
var Schuld am Welt=
u
6005
krieg.
Wegen Trauerfall
Theater=Pl., Sperr=
ſitz
-Loge II, Pl. 1 D
links u. Zuſatzm 4,
Sperrſitz=L. II, Pl. 1
rechts, abzug. Näh
Mathtldenſtr. Nr. 46
Teleph 2420. 28924
Guter Flügel(Schied:
miateri zu vermieten.
Ehr. Arnold Ernſt=
Ludwigſtr. 9,/ 28838id

Dienstag, 2. Movember
HEUIB
abends 7.30 Uhr

Gleich bringt in jeder Vorstellung ein Sensationsprogramm von über
100 ATTRAKTIONEN. Unübertroffen ist Gleichs Riesen-Ballett
Ein Massenaufgebot Schöner Frauen‟ Fabelhafte Ausstattung
Wundervoll magische Lichtreflexte Historisch feenhafte Kostüme
zn den Militär- und Cireus-Revuen Leuchtende Fontänen im
Strand-Idyll-
GLEICH kann die Fülle seiner Darbietungen unmöglich in EINER
Manege zeigen,
GLEICH muß DREI Manegen benutzen, um alle Massen-
Au führungen dem Publikun zeigen zu können.
SELBST DREI Manegen genügen nicht und werden dieselben,
während die grandiosen Luftschauspiele statttinden, in
eine RIESENRENNBAHN verwandelt

Mitglieder=Verſammlung
am Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr
bei Sitte, gelber Saal (Karlſtraße)
Tagesordnung: 1. Vortrag von Abg.
Pr. Kelken
über
Streſemanns Außenpolitik
(Rückblick auf den Kölner Partellag)
2. Wahl der Ortsgruppen=Vertreter zum heſſ. Landes=
Parteitag der D. V. P. in Worms (27. 28. Novbr.).
Teilnahme nur für Mitglieder! Ortsgruppe Darmſtadt.
16007
Der Vorſtand.

Elektriſche
Piands
(15567a)
zu erleichterten
Zahlungs=
bedingungen
bei
Heinrich
Arnold
Wilhelminenſtr. 9

Klavierſtimmer
Emil Schultze
Kammermuſiker i. R
Schießhausſtr. 29
Auskunft auch be
Thies Nachfolger
Eliſabethenſtr. 12
T28765gid)

TAGLICH abends 7.30 Uhr
MITTWOCH u. SONNTAG
AUCH nachmittags 3 Uhr
vollwertiges Abendprogramm. VORVERKAUF:
Zigarrenhaus Hugo De Wall,
Rheinstr. 14 Telephon 656
und en den Cireuskassen ab
9 Uhr morgens ununterbrochen ERWERBSLOSE
zahlen zu der heutigen Er-
öffnungsvorstellung
gegen Aus-
weis
an den Kassen und beim
Einlaß HALBE PREISE. RIESENZ00
geöffnet zu allen Vorstellungs-
pausen
und den genzen Tag
ab 9 Uhr vormittags.

Grammophon=
Platten
elektriſche Aufnah=
men
in großer Aus.
wahl. Apparate geg.
bequemeTeilzahlung.
Reparaturen prompt
und billig. (156 67a
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nür Schuchardſtr. 9
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Kranz formen, Tüllen
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möglich Kinder und Militär zahlen trotzdem zu allen Vorstellungen
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Aschaffenburg 11.45 Mainz . . . . . . 10.50
Wiesbaden. . . 10.50 Wiebelsbach 10.46
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A5 Großes Haus A 5
Dienstag, den 2. November 1926
abends 7½ Uhr
In derNeueinſtudierung u. Neuinſzenierung
Gasparone
Operette in 3 Akten von F. Zell und
R. Genée. Muſik von C. Miltöcker
Muſikaliſche Leitung: Berthold Sander
In Szene geſetzt von Heinrich Kuhn
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Perſonen:
Carlotta, verwitwete Gräfin
von Santa Croce . . Paula Kapper
Baboleno Naſoni, Podeſta
von Shrakus . . . . . Heinrich Kuhn
Sindulfo, ſein Sohn . . . Hans Epskomp
Conte Erminio . . . . . Guſtav Deharde
Luigi, deſſen Freund . . Karl Ebert
Benozzo, Wirt .
Eugen Vogt
Sora, ſein Weib . . Sitta Müller=Wiſchin
Benobia, Duenna der Gräfin . KätheGothe
Marietta, Kammerzofe AnneliesNoerig
Maſſaccio, Schmuggler,
Benozzos Onkel . . . Hans Ney
Ruperto Corticelli, Oberſt Adolf Klotz
Herren und Damen von Syrakus,
Karabinieri, Zollwächter, Schmuggler,
Schiffer, Bauern und Bäuerinnen
Die Handlung ſpielt in und nächſt
Shrakus auf Sizilien im Jahre 1820
Tänze, einſtudiert von Manda von Kreibig
Preiſe der Plätze 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
tur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Nach dem 1. und 2. Akte findet
je eine längere Pauſe ſtatt
Anfang 7½ Uhr Ende nach 10 Uhr
Kleines Haus
Dienstag, den 2. November 1926
abends 7½ Uhr
Zuſatzmiete V, 4
In der Neueinſtudierung u. Neuinſzenierung
Der Biberpelz
Eine Diebeskomödie in 4 Akten
von Gerhart Hauptmann
In Szene geſetzt von Edgar Klitſch
Perſonen:
von Wehrhahn, Amtsvorſteher , Rob. Klupp
Krüger, Rentier.
.. HansBaumeiſter
Doktor Fleiſcher.
JoachimBüttner
Deſſen Junge ..
Emil Geis
Motes . ..
Ernſt Rottluff
Frau Motes."
Ilſe Lahn
Frau Wolff, Waſchfrau . Käthe Meißner
Juluus Wolff, ihr Mann. Max Nemetz
Leontine,
Martha John
Adelheid, / ihre Töchter
Alice Treff
Wulkow, Schiffer . . . . Richard Jürgas
Glaſenapp, Amteſchreiber. Walter Bluhm
Mitteldorf, Amtsdiener . Paul Maletzki
Ort des Geſchehens: irgendwo um Berlin
Spielwart: Willi Krichbaum
Preiſe der Plätze: 1 bis 6 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſig
Nach dem 2. Akte findet eine längere
Pauſe ſtatt
Anfang 7½ Uhr Ende gegen 10 Uhr

Herrenkleider werd.
geändert, ausgebeſſ
ereinigt u. gebügelt
Adam eißert, Schnei=
dermeiſter
. Arheilger=
ſtr
27a, I. (*28913id

Parkettböden
werd. gehobelt, abge=
zogen
, gereinigt u.
gebohnert. N. Eliſa=
bethenſtr
. 49 Ht. II.
(*28947)