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Franfurt a. M. 1304.
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Nummer 271 Donnerstag, den 30. September 1926. 189. Jahrgang
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aufträge und Teſtung von Schadenerlatz. Bel
Konlurs oder gerichtiſcher Beitreibung fällt jieder
Nabatt weg. Bankonto. Deutſche Banl und Darm
ſtädter und Natoralbant.
Gegen Thoirt?
Belgien und dieFrankenſtabiliſierung.— Anzufriedenheit
in Fraufeſch üher de Berwalungskreſarm.
* Paris, 29. September. (Priv.=Tel.)
Die heutigen offiziöſen Mitteilungen des „Petit Pariſien”
über die Finanzpolitik der Regierung haben einige Klarheit über
die weiteren Abſichten Poincares geſchaffen. Man glaubt, daß
die Erklärungen bereits den Plan andeuten, nach dem Poincaré
weiter zu arbeiten gedenkt. Den Eckſtein des Finanzbaues ſoll
die Ratiſikation der Schuldenabkommen bilden, aber unter dem
ausdrücklichen Vorbehalt hinſichtlich der franzöſiſchen
Zahlungs=
fähigkeit und der Transfergarantie. Eine Art Vorbehalt in
dieſem Sinne iſt England gegenüber bekanntlich ſchon von
Cail=
laux in einem offiziellen Schriftwechſel zwiſchen ihm und dem
engliſchen Schatzkanzler ausgeſprochen und von England
gut=
geheißen worden. Man hofft nun, auch mit Amerika ein
ähn=
liches Abkommen treffen zu können. Nach der Ratifikation der
Schuldenabkommen will dann Poincaré an die eigentliche
Währungsſtabiliſierung herangehen, zu deren Durchführung vor
allem die von der Bank von Frankreich aufgeſtapelten
Deviſen=
vorräte und ferner ausländiſche Kredite in Anſpruch genommen
werden ſollen. Man muß ſich aber fragen, ob Poincaré nicht
verſuchen will, den Plan einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung,
ſoweit er auf einer finanziellen Hilfe Deutſchlands für
Frank=
reich beruht, nicht zu ſeinem Teil zu unterminieren gedenkt. Als
Finanzminiſter hätte er dazu Gelegenheit genug. Eine unbedingt
böſe Abſicht braucht man ihm dabei noch nicht einmal
zuzu=
ſchreiben. Aber Poincaré bleibt Poincaré und da Frankreich, um
das einmal auf eine kurze Formel zu bringen, in ſeiner
finan=
ziellen Not zwiſchen der Szilla amerikaniſcher Kredithilfe und
der Charibdis einer baldigen Flottmachung deutſcher
Eiſenbahn=
obligationen zur Gewinnung einer Stabiliſierungsſumme zu
wählen hat, wird Poincars zunächſt einmal verſuchen, beide
Klip=
pen zu vermeiden und, wann es ſein muß, die amerikaniſche
Kredithilfe bevorzugen, um — von Frankreich aus geſehen — in
den Verſtändigungsverhandlungen mit Deutſchland möglichſt freie
Hand zu behalten. Dieſes Bild von den Plänen Poincarss
drängt ſich auf, wenn man die offiziöſen Erklärungen des „Petit
Pariſien”, mit den Erklärungen Poincares zuſammenhält, die
dieſer dem „Matin” zufolge, mit dem belgiſchen Finanzminiſter
Franequi in ſeiner geſtrigen Unterhaltung abgegeben hat.
Bel=
gien ſcheint gewillt, den Währungsruin des Landes als ſolchen
anzuerkennen und ſozuſagen die belgiſche Währung auf den
Trümmern des Frane neu aufzubauen. Dem „Matin” zufolge Caré eine Verwaltungsreform durchführt, die ſich in der
hat Francqui in ſeiner Unterredung mit Poincaré erklärt, daß der
belgiſche Stabiliſierungsplan zwar fertig vorliege, aber ſolange
auf Schwierigkeiten ſtoße, als der franzöſiſche Franc weiterhin
ſtarken Schwankungen unterworfen bleibe. In dem darin aus= lung vortragen, wurde aber unter dem Vorwand, daß die
Ver=
geſprochenen Verlangen nach einem Zuſammengehen der bel= ſammlung keine legale konſtitutionelle Vereinigung darſtelle, nicht
giſchen und franzöſiſchen Währungsſtabiliſierung hat ſich aber der
Belgier in Paris eine Abſage geholt. Der franzöſiſche
Miniſterpräſident erklärte, Frankreich habe ſeine ſchwebende
Schuld nicht konſolidiert und ſcheine auch nicht gewillt zu ſein,
zwangsweiſe zu einer Konſolidierung überzugehen. Auch ſeien
die franzöſiſchen Eiſenbahnen nicht induſtrialiſiert wie die
bel=
giſchen. Die auswärtige Schuldenfrage ſei ebenfalls noch nicht
geregelt, was vorläufig die Aufnahme ausländiſcher Kredite
ver=
biete. Die franzöſiſche öffentliche Meinung ſei für die
Währungs=
ſtabiliſierung noch nicht genügend vorbereitet. Der Wert einer
Stabiliſierung ſei nicht zu verkennen. Andererſeits ſehe man aber
in einer endgültigen Feſtſetzung des neuen Goldkurſes ſozuſagen
die Aufgabe der Hoffnung, daß der Frane eines Tages auf führung der Reform auszuſetzen bis nach gründlicher Prüfung
ſeinen früheren Wert zurückgeführt werden könne. — Poincaré
ſcheint demnach die Stabiliſierung zu verzögern, ja vor der
Tat=
nur geringe Ausſicht hat, die Stabiliſierung der Währung aus
eigener Kraft des Landes durchzuſetzen, ſo kann er dies nur unter
den allergrößten Opfern. Die Frage aber iſt, ob das franzöſiſche
Volk dieſe ſchweren Opfer zu tragen gewillt iſt?
Heute nachmittag traten in Paris erneut die Bürgermeiſter
zuſammen, um gegen die Verwaltungs= und Juſtizreform der
Regierung zu proteſtieren. Am vergangenen Freitag hatte Poin=, zeitig fordert er die Verbände und parlamentariſchen Vertreter
cars es abgelehnt, eine Abordnung der Bürgermeiſter zu
emp=
fangen. Nunmehr haben ſich diejenigen Bürgermeiſter
zuſam=
mengetan, die zugleich Abgeordnete oder Senatoren ſind, um dem
Proteſt einen praitiſchen Nachdruck zu verſchaffen.
Am Nachmittag trat ebenfalls die ſozialiſtiſch=radikale Gruppe
der Kammer zuſammen, um kritiſch zu der Verwaltungsreform
der Regierung Stellung zu nehmen. Auch die Ratifikation der
Schuldenabkommen wird auf Schwierigkeiten ſtoßen. Gerade die
Tagung der Generalräte hat bewieſen, daß die Oppoſition gegen
die Ratifikation keineswegs im Schwinden begriffen iſt und die
Oppoſition in der Kammer wird um ſo ſchärfer ſein, als die
Par=
lamentarier auch die Unzufriedenheit mit der Verwaltungs= und
Juſtizreform zum Ausdruck bringen werden. Unter dieſen
Um=
ſtänden hat Poincaré noch einen ſchwierigen Weg vor ſich, um
zu ſeinen Zielen zu kommen, die, wie geſagt, mit den Plänen
von Thoiry nicht ohne Zuſammenhang ſind.
Frankreich und das Waſhingtoner Abkommen.
Miniſterpräſident Poincaré hatte heute mit dem
Abgeord=
neten Darige, dem Vorſitzenden der von der Finanzkommiſſion
der Kammer mit dem Studium der Akten über das Waſhingtoner
Abkommen beauftragten Unterkommiſſion, eine Beſprechung über
die Frage der Kriegsſchulden und über die Notwendigkeit,
das Parlament ſo bald wie möglich mit dem Geſamtproblem zu
befaſſen. Dariac teilte dem Miniſterpräſidenten mit, daß er nach
Beendigung ſeiner Aktenprüfung die Unterkommiſſion bis
ſpä=
teſtens 15. Oktober einberufen zu können glaube.
Um die Ratifizierung der Schuldenabkommen. — Ihre
Bedeutung für Poincarés Sanierungsprogramm.
TU. Paris, 29. September.
Der „Petit Pariſien” weiſt in einem Artikel, der offenbar vom
Finanzminiſterium inſpiriert iſt und die Oeffentlichkeit auf die
Ratifizierung der Schuldenabkommen vorbereiten ſoll, darauf hin,
daß die Beſſerung des Franken während der letzten beiden Tage
auf die Rede Poincares in Bar le Due zurückzuführen ſei. Mit
ruhigen und gleichmäßigen Schritten gehe die Regierung bei ihren
Finanzmaßnahmen vor. Ende des nächſten Monats werde die
Kammer dieſe Finanzmaßnahmen zu ratifizieren und vielleicht
zu ergänzen haben. Weiter handele es ſich um die Ratifizierung
der Schuldenabkommen. Wenn das Parlament die Abkommen
mit einer Formel, die ſich auf die Sicherheits= und
Transſer=
klaufeln beziehe, ratifizieren werde, werde die Regierung einen
weiten Weg vor ſich haben, da in dieſem Augenblick die
Macht=
mittel der Bank von Frankreich in Erſcheinung treten könnten.
Dann aber verlören die verſchiedenen Hypotheſen, die nach der
Unterredung in Thoiry bezüglich einer deutſchen Finanzhilfe ins
Auge gefaßt worden ſeien, faſt ihren ganzen Wert, zumal es ſich
auch nur um einen Bruchteil der Eiſenbahnobligationen handele.
In ähnlichem Sinne äußert ſich der Berliner Korreſpondent
des „Petit Pariſien”, der hervorhebt, immer wieder bleibe es
Amerika, von dem die Abmachungen mit Deutſchland abhingen.
Man könne ſagen, daß gegenwärtig alle finanziellen Wege, auch
die über Berlin, nach Waſhington führten. Unter dieſen
Um=
ſtänden müſſe man ſich fragen, ob es nötig ſei, überhaupt über
Berlin zu gehen und ob man nicht dadurch die deutſche
Mit=
wirkung ſehr teuer bezahle. Es ſei beſſer vielleicht, den Franken
zu ſtabiliſieren unter der direkten Hilfe von New York, was
allerdings die deutſche Teilnahme nicht ausſchließe. Dieſe
Me=
thode würde es der franzöſiſchen Regierung ermöglichen, mit
Deutſchland in größter Freiheit zu verhandeln. Eine
deutſch=
franzöſiſche Annäherung würde außerdem bei dem Fehlen jedes
uumittelbaren finanziellen Druckes nur dauerhafter ſein.
Der Kampf um die Verwaliungsreform.
w. Paris, 29. September.
lamentarier zuſammen, um gegen die Regierungs=
Hauptſache auf die Beſeitigung von etwa 100 Unterpräfekturen
und vielen Gerichten in kleinen Provinzſtädten bezieht. Eine
Delegation ſollte damals Poincaré die Wünſche der
Verſamm=
emt fangen. Heute hat die Verſammlung der Bürgermeiſter und
Parlamentarier wieder getagt, jedoch ſind die Abgeordneten und
Senatoren ſtärker vertreten als in der vergangenen Woche.
Poin=
ears hat auch inzwiſchen ſeinen Standpunkt geändert und ſich berufung ſich als „materiell unmöglich” erweiſen würde. Im
bereit erklärt, die Parlamentarier zu empfangen, die dem Bureau
der heutigen Verſammlung angehören. Unter dieſen befinden
ſich auch die Senatoren Marſal und de Jouvenel. Die Teilnehmer
der Verſammlung diskutieren außerordentlich eingehend die
Fol=
gen der Verwaltungsreform, verlangen aber zum großen Teil,
der Reform. Die Dekrete werden in der Reſolution als
ungeſetz=
lich bezeichnet, da ſie die höchſten Geſetze, ohne Anhörung des
ſache der wirklichen Wertverminderung des franzöſiſchen Geldes Parlamentes abzuändern verſuchten. Dieſe Reſolution wurde dieſe Auffaſſung ſpricht ſelbſt eine Erklärung Paul=Boncours, der
den Kopf in den Sand ſtecken zu wollen. Wenn Poincaré auch darauf mit einigen Abänderungen angenommen. Eine
Kom=
miſion wird morgen früh die Reſolution Poincaré unterbreiten.
Nachmittags findet eine neue Sitzung ſtatt, in der über das
Er=
gebnis der Unterredung mit Poincaré geſprochen werden ſoll.
Der politiſche Vorſtand der Sozialiſtiſchen Partei hat
übri=
gens heute eine Tagesordnung angenommen, in der er ſich das
Recht der Prüfung der Regierungsmaßnahmen vorbehält.
Gleich=
auf, ſich von der gegen die Regierungsdekrete organiſierten
Kam=
pagne fernzuhalten, da die Sozialiſten immer Anhänger der
Ver=
waltungsreform geweſen ſeien.
Die Finanzreform abgelehnt.
FU. Danzig, 29. September.
Die Ablehnung der Danziger Reformvorſchläge durch den
Völkerbundsrat hat nunmehr zu dem Sturze der
parla=
mentariſchen Senatoren der Danziger
Regie=
rung geführt. Der Rücktritt erfolgte nach der heutigen Sitzung
des Danziger Volkstages, der in dritter Leſung die Finanzreform
verabſchieden ſollte. Das Haus wies alle Zeichen eines großen
Tages auf. Die Tribünen waren vollbeſetzt, der Hohe Kommiſſar
des Völkerbundes van Hamel und der polniſche Vertreter waren
anweſend. Die Debatte über den Mißerfolg der Danziger
Dele=
gation in Genf und über die Ablehnung der von Danzig
erhoff=
ten Anleihe von 30 Millionen zog ſich bis in die ſpäten
Abend=
ſtunden hin. Erſt um ½10 Uhr kam es zu der mit allgemeiner
Spannung erwarteten Abſtimmung. Mit 56 : 50 Stimmen wurde
das Finanzreformwerk in ſeinem wichtigſten Teil von den
Deutſchnationalen und den Kommuniſten abgelehnt. Die bis= 9
herigen Koalitionsparteien — Liberale, Zentrum und Sozial=
Volkstages wurde unter allgemeiner Unruhe geſchloſſen.
Ergebniſſe der ſiebenten
Völkerbunds=Tagung.
Von
George Popoff.
Genf, Ende September.
Die ſiebente Tagung der Völkerbundsverſammlung wird in
aller Zukunft ſtets die „Deutſchland=Tagung” des Völkerbundes
genannt werden, und das iſt geſchichtlich richtig, denn von allen
Ergebniſſen dieſer Tagung ſtellt die Aufnahme
Deutſch=
lands ſelbſtredend das bemerkenswerteſte Faktum dar, welches
noch mehr durch die negative Tatſache hervorgehoben wird, daß
dieſe mit der Aufnahme Deutſchlands verknüpfte Tagung, was
ſachliche Völkerbundsarbeit anbelangt, zu keinem irgendwie
ſen=
ſationellen Entſchlüſſen gelangt iſt. Falſch wäre es aber,
anzu=
nehmen, daß die ganze übrige Tätigkeit der ſiebenten Tagung
daher völlig bedeutungslos geweſen wäre. Wohl hat die
verſloſ=
ſene Tagung keine ſchwerwiegenden Entſchließungen gefaßt, aber
in aller Stille und Unfeierlichkeit hat ſie eine ganze Reihe von
Weltproblemen aufgeworfen und dadurch Ergebniſſe gezeitigt,
die ſo bemerkenswert ſind und ſich in nächſter Zukunft ſo
bedeut=
ſam entwickeln könnten, daß es nicht müßig erſcheinen dürfte,
hierauf nochmals zuſammenfaſſend hinzuweiſen.
Die Erweiterung des Völkerbundrates, die
wir bereits früher als wenig glücklich charakteriſiert hatten, iſt
im Grunde hauptſächlich deshalb vorgenommen worden, um einer
weiteren Abbröckelung füdamerikaniſcher Staaten vorzubeugen.
Eine Befürchtung, welche zahlreiche Völkerbundskenner von
An=
fang an nicht teilten. Sie erhalten heute recht: Argentinien ſchickt
ſich an, am Bunde wieder mitzuarbeiten, und als negative
Reſul=
tate der Reform verbleiben: erſtens — eine die zukünftige
Tätig=
keit dieſes wichtigſten Völkerbundsorgans ſtark erſchwerende
„Ratsinflation”, und zweitens — eine Spaltung des bisher in
Genf einig auftretenden ſüdamerikaniſchen Blocks, nicht als eine
die Sache des Weltfriedens ſonderlich ſördernde Tatſache
ange=
ſprochen werden kann.
Die Einberufung einer
Weltwirtſchaftskon=
ferenz hat die ſiebente Völkerbundsverſammlung zum
Früh=
ling 1927 beſchloſſen und beſtimmt, daß dieſe Konferenz nicht nur
aus wirtſchaftlichen Sachverſtändigen beſtehen, ſondern in ſtarkem
Maße auch einen politiſchen Charakter erhalten ſoll. Die
Tat=
ſache, daß dieſe Weltkonferenz unter der Aegide des Völkerbundes
zuſammentreten wird, bedeutet ein Plus für das Preſtige des
Am vorigen Freitag traten auf Anregung des ſozialrepubli= Bundes, desgleichen dürfte man es begrüßen, daß die
Einberu=
kaniſchen Abgeordneten Falkoz etwa 150 Bürgermeiſter und Par= ſung dieſer Konferenz vor der Abrüſtungskonferenz feſtgeſetzt
worden iſt, ſind doch die Wirtſchaftsprobleme der Gegenwart ſo
dekrete zu proteſtieren, durch die das Kabinett Poin= eng mit Krieg und Kriegsurſachen verknüpft, daß ein vorheriges
Inangriffnehmen dieſer Seite des Problems als ein Gebot der
Vernunft angeſehen werden darf. Entſcheidend iſt hier allerdings,
ob dieſe Weltwirtſchaftskonferenz wieder zu einer ſruchtloſen
Redeſchlacht wird, oder ob es ihr gelingen wird, die großen
Wirt=
ſchaftsſtörungen unſerer Zeit tatſächlich ſpürbar zu lindern.
Den Zuſammentritt der Abrüſtungskonferenz
hat der Völkerbund, dem Drängen Frankreichs nachgebend, auf
einen Zeitpunkt vor der nächſten Völkerbundstagung, d. h. vor
den September 1927, beſchloſſen — es ſei denn, daß dieſe Ein=
Laufe der Debatten, die zu dieſem Entſchluß führten, operierten
die Franzoſen (die, mit einem deutlichen Seitenblick auf
Waſhiag=
ton, plötzlich als die eifrigſten Abrüſtungsfreunde auftraten) mit
dem beſtrickerden Argument, daß man abrüſten müſſe, ſolange die
Völker finanziell in der Klemme wären. Dem wurde
entgegen=
daß ſie erſt nach Anhörung des Parlaments durchgeführt werde, gehalten, daß bis 1928 oder 1929 oder 1930 keinem ſanierten Lande
Die Grundlage der Diskuſſion bildete eine Reſolution Europas die „finanziellen Schwingen” wieder ſo gewachſen ſein
Falcoz, in der die Regierung aufgefordert wird, die Durch= dürſten, daß die Gefahr einer Wiederholung der alten
Rüſtungs=
freudigkeit beſtünde, und daß — da die Frage der Abrüſtüng
zur=
zeit noch politiſch nicht ſpruchreif wäre — man den Komplex
die=
ſer Probleme lieber noch einige Jahre abklären laſſen ſolle. Für
zugab, daß bei einer Konferenz von 1927 im beſten Falle nichts
anderes herauskommen könnte, als die Feſtlegung einer
maxi=
malen Grenze für die Rüſtung auf Grund des Status quo. Das
wäre doch recht wenig, ja es wäre — wie die Schweizer Preſſe
richtig bemerkt — ſeitens der Siegerſtaaten „eine Illoyalität
ſondergleichen”, wenn ſie dieſe Grenze dort firierten, wo ſie bei
völliger Rüſtungsfreiheit zufällig im Jahre 1927 angelangt war.
Daher iſt es — ſo paradoxal es klingen mag — heute im
Inter=
eſſe Europas, den Abrüſtungs=Schalmeien Frankreichs durchaus
zu mißtrauen und ſich eher der abwartenden und reiflich
prüfen=
den Taktik Englands anzuſchließen, welches die vernünftige
Maxime befolgt, daß es unrecht wäre, ein Kind laufen zu lehren,
bevor es überhaupt noch gehen kann.
In der Frage der Begrenzung der Völkerbunds=
Sturz der Danziger Regierung aufgaben trat während dieſer Verſammlung das oben
er=
wähnte engliſche Prinzip allerdings als, ein die
Völkerbunds=
tätigkeit ſtark hemmendes und verſtimmendes Moment zutage.
Lord Robert Ceeil wies darauf hin, daß der Völkerbund ſich
mit=
unter mit Dingen beſchäftige, die (wie zum Beiſpiel die
Notwen=
digkeit oder Nichtnotwendigkeit von Schwimmbädern in
verſchie=
denen Ländern uſw.) nicht zu ſeinen eigentlichen Aufgaben
ge=
hören und ihn mit unnötiger Arbeit überbürden. Dieſer
Vor=
ſchlag dürfte auf den erſten Blick vernünftig und harmlos
erſchei=
nen. Aber die Engländer verfolgten dann im Verlauf der
Debat=
ten in ſämtlichen Völkerbundsdingen den Grundſatz des „malt
and see”, eine Taktik, die nicht allen Völkerbundskreiſen behagte
und — mit Recht oder mit Unrecht — ſo ausgelegt wurde, als
fürchte England ein zukünftiges allzu energiſches Sicheinmiſchen
des Völkerbundes in intimere Angelegenheiten des britiſchen
Imperiums und verſuche dem rechtzeitig vorzubeugen unter dem
ſcheinheiligen Vorwand, den Völkerbund vor „unliebiamen
Rück=
ſchlägen” ſchützen zu wollen . . . Der engliſche Vorſchlag wurde
daher nicht ohne weiteres angenommen, ſondern, einem Antrag
Beneſchs folgend, auf die nächſte Tagung verwieſen.
Die indiſche Vorſchlag — das Budget des
Völker=
demokraten — blieben in der Minderheit. Die Senatoren der bundes ein für allemal in einer beſtimmten Höhe feſtzulegen,
Koalitionsparteien traten daraufhin zurück. Die Sitzung des trug gleichfalls den Stempel einer offeuſichtlichen Londoner
In=
ſpiration, und als Antwort ſprach die Völkerbundsmehrheit all=
Seite 2
Donnerstag, den 30. September 1926
Nummer 2
gemein die Befürchtung aus, daß im Falle einer Firierung des
Budgets der Bund in Zukunft in unvorhergeſehenen, aber
wich=
tigen Fällen unfähig zu einer wirkſamen materiellen Hilfeleiſtung
wäre. Man wies darauf hin, daß die vorgeſchlagene Maßnahme
der weiteren Entwicklung des Völkerbundes hinderlich ſein
könnte, und vertagte ſchließlich auch die Entſcheidung dieſer von
England vorgebrachten Angelegenheit bis zur nächſten
Vollver=
ſommlung.
Endlich in der Frage der Völkerbundsmandate
machte ſich England — immer auf die Unantaſtbarkeit der
Sonve=
ränität des Britiſh Empire bedacht — bei der Mehrzahl der
Delegierten dadurch unliebſam bemerkbar, daß Sir Auſten
Cham=
berlain es für nötig hielt, mit einer ſtrengen Mißbilligung der
Tätigkeit der ſtändigen Mandatskommiſſion hervorzutreten. Sir
Auſten zeigte ſich hier ausnahmsweiſe nicht als beſonders
geſchick=
ter Diplomat, denn ſein Großmacht=Privilegien grob betonendes
Hervortreten hinterließ bei der Mehrzahl der den Großmächten
gegenüber ſtets etwas empfindlichen kleinſtaatlichen und
neu=
tralen Delegierten einen peinlichen Eindruck, der durch die
pol=
ternden Proteſte Nanſens und die von der Verſammlung
ſchließ=
lich angenommene, aber die Frage der Klageführung der
Man=
datsvölker durchaus nicht klärende Reſolution keineswegs
gemil=
dert wurde.
Welche Motive ſich hinter dieſer neuen
Völkerbunds=
politik Englands verbergen mögen, ſoll nicht weiter
er=
örtert werden, doch verdient dieſe Wendung — ebenſo wie das
plötzliche Eintreten Frankreichs für das Abrüſtungsproblem —
an und für ſich als eine der bemerkenswerteſten Erſcheinungen
dieſer Tagung hervorgehoben zu werden. Wie weit England ſich
von ſeiner urſprünglichen Völkerbundspolitik entfernt hat, wird
erſt recht deutlich, wemn man ſich heute jener Worte entſinnt, die
Lord Robert Cecil in der zweiten Völkerbundstagung mit
Em=
phaſe und Nachdruck in den Saal ſchleuderte: „Der Völkerbund
wird ein Nichts ſein, wenn er nicht Alles wird!“
Wäre mit dieſer Aufzählung die Reihe der hanptſächlichſten
poſitiven und negativen Ergebniſſe der ſiebenten Völkerbunds=
Erſcheinungen hingewieſen werden, die zu auffallend ſind, als
daß ſie mit Schweigen übergangen werden könnten: Geſicht
und Geiſt des Völkerbundes beginnen ſich von
Jahr zu Jahr in immer ſteigendem Maße zu
ver=
ändern! Wie überall im Leben, ſo iſt auch bei der
Völkerbunds=
inſtitution alles Entwicklung. Was das Geſicht, d. h. die äußeren tiert, dagegen die Memelfrage offen läßt. Wenn dagegen jetzt
Veränderungen, anbelangt, ſo denken wir hierbei weniger an
jene allzu offenſichtlichen Aenderungen, welche durch den Beitritt
Deutſchlands, den Austritt Braſiliens und Spaniens und die
Ratsreform erfolgt ſind, als an die von allen langjährigen Gen= trag die Antwort Rußlands auf Deutſchlands Eintritt in den
fer Beobachtern feſtgeſtellte Tatſache, daß der Völkerbund ſich zu Völkerbund iſt und die politiſchen Folgen des Berliner Vertrages
verjüngen beginnt. Die Zuſammenſetzung der Völkerbunds= aufhebt, ſelbſt wenn er äußerlich ſo aufgezogen ſein ſollte, daß
delegationen, welche früher faſt ausſchließlich aus
Berufsdiplo=
maten und oft ſehr bejahrten Staatsmännern der alten Schule der Völkerbundsſatzung den Ruſſen dieſelbe Garantie noch
ein=
beſtanden, hat ſich in den letzten Jahren in auffallender Weiſe
dahin verändert, daß die meiſten Regierungen heute mehr und
mehr Neigung zeigen, Parlamentarier, Männer der neuen Zeit
und überhaupt jüngere Elemente nach Genf zu entſenden.
In merkwürdigem Gegenſatz hierzu ſteht allerdings der Geiſt,
den dieſe neuen Völkerbundsmänner mit ſich zu bringen pflegen; vor. Er wird erſt in den nächſten Tagen in Berlin erwartet. Es
der Elan und der Enthuſiasmus der erſten Jahre, den einſt ſelbſt wird dann notwendig ſein, ihn genau darauf zu prüfen, ob er
mit einem Bein im Grabe ſtehende Greiſe, wie Léon Bourgeois,
aufwieſen, iſt heute faſt völlig geſchwunden. Etwas wie eine
Er=
mehr oder weniger freien und improviſierten Völkerbundspolitik,
man heute nichts anderes, als daß man ſtrenge und engumriſſene, einmal beſtätigt. Glauben ſie trotzdem, nun auch von Oſten her
Juſtruktionen der heimatlichen Regierungen exekutiert und im eine Einſchließung Deutſchlands in die Wege leiten zu müſſen,
übrigen die Sachverſtändigen in den Kommiſſionen walten läßt.
Der Völkerbund beginnt eine reguläre, nicht immer amüſante zur Neuorientierung.
Alltagsarbeit zu entfalten und verbreitet demgemäß einen etwas
nüchternen „Geiſt des Alltags” um ſich, der von der ehemaligen
ewigen Feſttagsſtimmung recht weit entfernt iſt. Wie weit aber
die neuen Kräfte, welche Deutſchland dem Bunde nun zuführt,
auf ſeine Arbeitsfreudigkeit und Arbeitsfähigkeit anſpornend und
erfriſchend einwirken werden, wird erſt die Zukunft zeigen können.
Rußland und die Randſiaaten.
TU. Moskau, 29. September.
Infolge des Abſchluſſes des ruſſiſch=litauiſchen Vertrages hält
das Außenkommiſſariat eine Beſchleunigung der
Ver=
handlungen mit den Randſtaaten, vor allem mit
Finnland und Eſtland, für möglich und hat daher entſprechende
Anweiſungen an ſeine Vertreter in Eſtland und Finnland
ge=
geben. Der ruſſiſche Geſchäftsträger, in Reval hat ſich an den
eſtniſchen Außenminiſter mit der Bitte gewandt, ſeine Antwort
auf das ſchon längſt überreichte ſowjetruſſiſche Memorandum
möglichſt ſchnell zu geben. Man nimmt in Moskau an, daß die
ruſſiſch=eſtländiſchen Verhandlungen bereits anfangs Oktober in
Reval aufgenommen werden.
Vom Tage.
Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, hat das
Reichsmini=
ſterium des Innern keinerlei Anweiſung gegeben, Korrekturen auf
der Polizeiausſtellung vorzunehmen. Richtig ſei, daß in
Uebereinſtimmung der Reichsreſſorts mit den in Frage kommenden
preußiſchen Stellen einige unweſentliche, den Zweck der Ausſtellung nicht
berührende Abänderungen vorgenommen wurden.
Die Vertrauensmännerverſammlung des Allgemeinen Verbandes
der deutſchen Bankangeſtellten hat den am Montag gefällten
Schiedsſpruch abgelehnt.
Nach einer Mitteilung des Finanzminiſters Dr. Dehne beläuft ſich
der Fehlbetrag des ſächſiſchen Haushalts in den erſten,
noch nicht ganz abgelaufenen ſechs Monaten des Rechnungsjahres 1926=
1927 auf rund 72 Millionen Mk. Die neuen Realſteuern und
beſonders die Mietsſteuern haben verhältnismäßig weniger gebracht, als
erwartet wurde.
Der ſchweizeriſche Nationalrat, ratifizierte mit allen
gegen zwei kommuniſtiſche Stimmen den Handelsvertrag mit
Deutſchland.
Wie aus Konſtantinopel gemeldet wird, iſt in den letzten Tagen ein
Offizierskomplott gegen den Schah von Perſien
auf=
gedeckt worden. Mehrere höhere Offiziere wurden in Haft genommen:
Der engliſche Weltflieger Cobham iſt geſtern in Neapel
gelandet.
Rußlands Antwort?
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der ruſſiſch=litauiſche Freundſchaftsvertrag,
über den ſchon ſeit Wochen gemunkelt wird, iſt am Dienstag in
Moskau unterzeichnet worden. Nach der amtlichen
Inhalts=
angabe klingt er ziemlich harmlos. In Memel befürchtet man
je=
doch, daß darin, wenn auch nicht mit Worten, ſo doch dem Sinne
nach, der Beſitz Litauens, auch ſoweit das Memelgebiet in Frage
tagung geſchloſſen, ſo muß zum Schluß noch auf einige allgemeine kommt, garantiert iſt. Das würde eine völlige Umkehrung nicht
nur des ruſſiſchen Standpunktes, ſondern auch der ganzen
Ten=
denz des Vertrages ſein. Bisher glaubte man in Berlin, daß
der Vertrag eine antipolniſche Spitze habe, inſofern, als er
Litauen, den Anſpruch auf Wilna wenigſtens moraliſch
garan=
die Dinge ſo liegen, daß Litauen für den Beſtand ſeiner Grenzen
eine ruſſiſche Garantie aufweiſen kann, dann iſt die antideutſche
Spitze unverkennbar. Wir müſſen dann annehmen, daß der Ver=
Litauen durch eine entſprechende Interpretation des Artikels 16
mal gibt, die ſie von den Deutſchen bereits bekommen haben. Es
wird uns allerdings ſchwer, an eine ſolche völlige Schwenkung
der ruſſiſchen Politik zu glauben. Soweit wir wiſſen, haben die
Ruſſen durchaus loyal über die einzelnen Stadien der
Verhand=
lungen mit Kowno die deutſche Diplomatie auf dem Laufenden
gehalten. Der Vertragsenwwurf ſelbſt liegt allerdings noch nicht
mittelbar oder unmittelbar nach Form und Inhalt eine Deutung
zuläßt, die Rußland als Garant des Memelgebietes erſcheinen
nüchterung hat allenthalben Platz gegriffen, und anſtelle einer ließe. Die Ruſſen wiſſen, daß Deutſchland die ganze
Locarno=
politik nur gemacht hat, um ſich für den Oſten freie Hand zu
die die Vertreter ſo mancher Staaten hier früher entfalteten, tut ſichern. Wir haben ihnen das durch den Berliner Vertrag noch
dann bedeutet das für die deutſche Politik notwendig den Zwang
Der ruſſiſch=litauiſche Vertrag.
w. Moskau, 29. September.
Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet: Der
zwi=
ſchen der Sowjetunion und Litauen abgeſchloſſene
Ver=
trag gilt für fünf Jahre und legt feſt: Aufrechterhaltung des
Moskauer Vertrages von 1920 zwiſchen den beiden Staaten,
gegenſeitige Achtung der Souveränität unter allen Umſtänden,
beiderſeitige Verpflichtung, von aggreſſiven Handlungen
gegen=
einander Abſtand zu nehmen, ſowie im Falle eines Angriffes
gegen eine der dertragſchließenden Parteien dem angreifenden
Staat keinerlei militäriſche, politiſch, wirtſchaftliche oder
finan=
zielle Unterſtützung zu gewähren, Entſcheidung von Konflikten,
die nicht auf diplomatiſchem Wege beigelegt werden können, durch
Einigungsverfahren. Bei Unterzeichnung des Vertrages wurden
Noten ausgetauſcht, in denen die Sowjetregierung ihren früheren
Standpunkt in der Wilnafrage beſtätigt, während die litauiſche
Regierung erklärt, daß die von ihr dem Völkerbund gegenüber
übernommenen Verpflichtungen durch den Vertrag nicht
auf=
gehoben werden.
*Gotik in Oeſterreich.
Am 15. September wurde in den Räumen des Oeſterreichiſchen
Muſeums für Kunſt und Induſtrie in Wien die vom Verein der
Muſeumsfreunde geſchaffene Ausſtellung „Gotik in
Oeſter=
reich” eröffnet. Damit iſt zum erſten Male der Verſuch gemacht
worden, einen Ueberblick über die in Oeſterreich erhaltenen
Kunſt=
ſchätze der gotiſchen Epoche (Tafel= und Glasmalerei, Skulpturen)
zu geben. In einem Lande, wo die bedeutendſten Werke — der
Verduner Altar in Kloſterneuburg, die Werke Pachers in St.
Wolfgang und Salzburg, der Kefermarkter Altar u. a. — ſich noch
heut am alten Orte, im urſprünglichen Zuſammenhang dem
Gottesdienſte dienend, befinden, kann eine ſolche Ausſtellung
nur ergänzend, nicht erſchöpfend ſein. Sie enthält einen großen
Teil deſſen, was in Galerien der Klöſter oder in
Privat=
ſammlur gen, in öſterreichiſchen und reichsdeutſchen Muſeen, ſeines
urſprünglichen Zuſammenhanges beraubt, zerſtreut iſt. Da die
ausgeſtellten Werke von beſter Qualität und Erhaltung ſind,
er=
hält der Beſucher ein getreues Bild der lebendigen Entwicklung,
die die bildende Kunſt in Inneröſterreich, Steiermark, Salzburg
und Tirol während des 14. und 15. Jahrhunderts genommen hat.
Die Erforſchung der öſterreichiſchen und ſteiriſchen
Maler=
ſchulen des frühen 15. Jahrhunderts, erſt ſeit kurzem begonnen,
wird durch die Ausſtellung, die es erlaubt, wichtige Werke
ver=
gleichend nebeneinander zu betrachten, ſehr gefördert werden; die
bisherigen Ergebniſſe laſſen ſich nun an Hand der Bilder auch
einem größeren Publikum klarlegen.
So zeigen die verſchiedenen kleinen Tafelbilder des
beginnen=
den 15. Jahrhunderts die Wiener Schule ſchon als
geſchloſ=
ſene Gruppe, die weich und lyriſch in der gegenſtändlichen
Dar=
ſtellung, leuchtend in tiefem Rot und Blau vor Goldgrund, heiter
und höfiſch anmutend in den Typen erſcheint. Das ſind
Merk=
male, die der Wiener Malerei bis ans Ende des 15.
Jahrhun=
derts verbleiben.
Im Gegenſatz dazu erſcheint in den ſteiriſchen Werken
größere Straffheit der Kompoſition, bewegtere Handlung,
bun=
tere Farbhaltung bei eckigen, herberen Typen. An Qualität und
inhaltlichem Intereſſe überragt hier alle anderen Bilder die
Votiptafel Herzog Ernſts des Eiſernen von Steiermark, um 1420,
ebenſo wie die reizende kleine Muttergottes in der Engelsglorie
ein Hauptwerk aus der ſchönen Gemäldeſammlung des Stifts
St. Cambrecht in Steiermark.
Die Stadt=Wiener Malerei der Jahrhundertmitte
iſt durch verſchiedene Werke vertreten (Meiſter von Liechtenſtein,
Meiſter des Abrechtsaltars von 1439.) Die großen feierlichen
Altarflügel aus dem Redemptoriſtenkloſter in Wien von 1462 und
die Tafeln aus dem Wiener Schottenſtift folgen, Werke, in denen
ſich der Einfluß der großen Niederländer, Rogiers van der
Wei=
den und des Dirk Bouts, bereits deutlich zeigen. Damit ſcheint
die Tätigkeit einer eigenen Wiener Schule abgeſchloſſen; was
danach in Wien und in Inneröſterreich geſchaffen wird, leiſten
auswärtige Künſtler, ſo Jörg Breu aus Augsburg (
Altar=
werke für Melk und Herzogenburg; die Tafeln aus Melk in der
Ausſtellung), Schäuffelein, der Schüler Dürers (großer
Altar aus Ober=St. Veit in der Ausſtellung) für Wien,
Rue=
lant Frueauf der Aeltere aus Salzburg für das ganze
öſterreichiſche Gebiet.
So wirkt am Ende des 15. Jahrhunderts die Salzburger
Schule, von deren Anfängen der Halleiner Altar und die
prächtigen Orgelflügel aus Salzburg Kenntnis geben, in den
beiden Frueaufs, Vater und Sohn, befruchtend auf ganz
Oeſter=
reich. Von den Werken beider Maler enthält die Ausſtellung eine
bemerkenswerte Auswahl, ſo vor allem Bilder aus den
Kloſter=
neuburger Altarwerken des jüngeren Frueauf. Daher
iſt der Salzburger Raum, ergänzt durch gute Stücke der
Klein=
plaſtik, wohl der bedeutendſte in der Ausſtellung geworden, und
jedem Beſucher werden wohl die Bilder Frueaufs, die in hellen
Farben und anmutiger, romantiſcher Erzählerkunſt die
Jagd=
legende des hl. Leopold im Donautal und die Erbauung von
Kloſterneuburg ſchildern, in dem Zauber ihrer deutſchen
Märchen=
ſtimmung, der Schilderung der Landſchaft unvergeßlich bleiben.
Deutſche Kunſt hat zu keiner Zeit Reizvoll=Graziöſeres — bei
ſolcher Monumentalität der Geſinnung und des Ausdrucks —
geſchaffen und iſt dabei ſelten ſo typiſch deutſch erſchienen wie in
dieſen Bildern, die zu dem Beſten an deutſcher Malerei
über=
haupt zählen.
Die Diroler Malerei, ſeit Anbeginn voll charakteriſtiſch
alpenländiſcher Züge, lebhaft bewegt, zackig, herb, iſt mit einigen
Schulwerken Michael Pachers, ihres größten Meiſters, in
Tafeln ſeines Bruders Friedrich und ſolchen eines
be=
gabten Schülers vertreten; die folgende Generation iſt in zwei
prachtvollen Bildern von Marx Reichlich zu erkennen, die vor
allem durch die lebhafte Wiedergabe der ſüdtiroler Landſchaft
und Stadtanſichten überraſchen.
Während in den Tiroler Sälen die Skulpturen mit den
Gemälden zuſammenſtehen, entſprechend auch der Tätigkeit von
Künſtlern wie Pacher, der Maler und Bildſchnitzer zugleich war,
leinen wir die inneröſterreichiſche Plaſtik in ihrer
Entwicklung ſeit dem Ende des 13. Jahrhunderts in zwei
be=
ſonderen Sälen kennen. Da ſtehen, vom Stefansdom herbeige=
Polen und Rumänien g
Deutſchland und Rußlan
Von unſerem Korreſpondenten.
C.N.P. London, 29. Septe
Die Hearſt=Preſſe bringt nachträglich einen .
über einen militäriſchen Geheimpakt, der im Frühjahr=
Polen und Rumänien ſür den Fall eines Angriffs
Deutſchlands oder Rußlands abgeſchloſſen iſt und als Ann
polniſch=ruſſiſchen Garantievertrag angefügt war. — Hie 5.
darauf hingewieſen, daß die Unterzeichnung am 30. Mäy
nach der verunglückten März=Konferenz, in Bukareſt ſtat nn
den hat. „Der Bericht der Hearſt=Preſſe legt den Gedanken
ſchreibt ein diplomatiſcher Korreſpondent der „Weſtminſt
zette”, „daß dieſer militäriſche Palt auf die Anregung mk.
reichs entworfen worden iſt und eine techniſche Unterſtützut Hn
ſeiten des franzöſiſchen Generalſtabes einſchließt.” — EswS=, daß er von folgenden Offizieren der beiderſeitigen
ne=
ralſtäbe unterzeichnet worden iſt: auf rumäniſcher Sei „on
General Petala, Oberſt Nikolgeſio und Major Pomponit nf
polniſcher Seite von den Oberſten Kleeberg, Wlodimierz und
Koslaſki. — (Der bezügliche Artikel des Garantievertrag at
folgenden Wortlaut: „Wenn ein Streitfall entſtehen ſollt if
den der Artikel 7 des Covenant des Völkerbundes Anwe ra
findet, und Rumänien oder Polen ſich als Ziel eines un r
zierten Angriffs finden, ſo verpflichten ſich Rumänien und an
gegenſeitig zu ſofortiger Unterſtützung. — Die Methor
wie die obigen Abmachungen zur Ausfüh
gebracht werden ſollen, werden Gegenſtand !
niſcher Vereinbarungen bilden.”)
Die bezeichnendſten Wendungen des angeblichen Textes .m
ſich wie folgt zuſammenfaſſen: Im Falle eines deutſch=polr .m
Konflikts, bei dem ruſſiſche Truppen die deutſchen unterſ nu.
wird die rumäniſche Armee der polniſchen zu Hilfe komm
Im Falle eines ruſſiſch=polniſchen Krieges, wird die rume ge
Armee durch das polniſche Gebiet rücken, um an der Offne
gegen die Sowjet teilzunehmen. — Im Falle ſich Rumäni nu
Kriege mit Ungarn oder Bulgarien befindet, wird die pol ge
Armee durch das rumäniſche Gebiet rücken, um den rumän z.
Rücken (d. h. die beßarabiſche Grenze) zu ſchützen. — Artik UI
legt feſt, daß Gas= und Luftfahrzeug=Material und Perſone cm
rumäniſchen Armee teils von Polen und teils von Frankrei .
liefert werden ſollen.
Der vorerwähnte Text wird durch ein Schreiben des —
rals Petala an den rumäniſchen Kriegsminiſter ergänzt. J1e
ſem wird erläuternd geſagt, daß „der Text genau den Ge —
punkt des franzöſiſchen Oberſten Kriegsrats für den Fall S
bewaffneten Konflikts zwiſchen Polen und Rumänien eine S
und den feindlichen Ländern in der Nachbarſchaft dieſer ba
Mächte andererſeits wiedergibt”. — Das Schreiben führt —
weiter aus, daß, im Falle Polen von Deutſchland allein —
griffen werden ſollte, die große Maſſe der polniſchen Armee r.
Deutſchland konzentriert werden ſoll. — Im Falle einer —
drohung Polens durch ruſſiſche Truppen ſoll die rumär
Armee mit ihren Feldtruppen intervenieren.
Der franzöſiſche Oberſte Kriegsrat gibt den Rat, daß im
eines ruſſiſchen Angriffs gegen die polniſch=rumäniſche G
die Verteidigung von Beßarabien, in Galizien unternon
werden ſolle, und daß die Franzoſen, während die polniſchen
rumäwiſchen Armeen ihre eigenen Kommandeure behalten ſo
einen Generalſtabsoffizier als techniſchen Berater entſe
würden.
*Oeſierreichiſche Skandalgeſchichten.
Auch dem öſterreichiſchen Staat ſind die peinlichen
Be=
erſcheinungen des demokratiſchen Syſtems nicht erſpart geblie
Schon ſeit längerer Zeit munkelt man davon, daß in der Chrif
nationalen Partei Korrumptionsmerkmale vorha.
ſeien, die alles bisher Erlebte in den Schatten ſtellen. Dieſe
rüchte ſcheinen ſich jetzt zu beſtätigen. Der ſteiermärkiſche L
tagspräſident hat ſein Amt und ſein Mandat niedergelegt.
ihm iſt gleichzeitig der Landeshauptmann von Steiermark
ſeinem Mandat zurückgetreten. Die Sozialdemokraten behau)
daß in Steiermark durch Begünſtigung verkrachter Banken
geheuere Unterſchleife vorgekommen ſind, die das 4
mit den Verluſten belaſten. Es ſcheint, als wenn Herr Ra
der öſterreichiſche Miniſterpräſident, in dieſen Skandal hin
gezogen wird. Schon vor ſeiner Genfer Reiſe wurde von
Möglichkeit ſeines Rücktrittes geſprochen. Die Sozialdemokre
haben jetzt eine neue große Kampagne begonnen, der vermu
auch Herr Ramek zum Opfer fallen wird, ſo daß den Chriſt
nationalen, wenn ſie ihre Partei retten wollen, nur übrig ble
auf Herrn Dr. Seipel zurückzugreifen.
tragen, Monumentalwerke der Steinplaſtik: Die große Mu
Anna, die zwei leichtgeſchwungenen heiligen Frauen aus
Eligiuskapelle, vom Beginn des 14. Jahrhunderts, gefolgt
dem anmutigen „Kleinen Salvator”, der „ſchönen Madonna”
der lieblichen Kloſterneuburger Heiligen um das Jahr 1400.
Holzplaſtik beginnt mit einem Werke noch des 13. Jahrh
derts, dem großen, ritterlichen St. Florian aus dem gle
namigen Stift. Durch das 14. Jahrhundert hindurch läßt
die Entwicklung weiter an Madonnengeſtalten verfolgen, für
Ende des Jahrhunderts mit ſeiner bürgerlichen, erdenfeſten
ſinnung ſpricht die herrliche Georgsſtatue der Sammlung Fh4
ganz geſammelte Kraft in der ſchlanken Vertikalen, in *
ſchimmernden Silberpanzer. Um 1400 dann die rührend fe
Geſtalt der hl. Martha, von demſelben lyriſch=milden Ausdr.
den die öſterreichiſchen Tafelbilder offenbaren.
Auch im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts erſche
die öſterreichiſche Plaſtik von dieſer Geſinnung getragen, 10
allem in den ausdrucksvollen Heiligengeſtalten aus der Burg,
für die Dauer der Ausſtellung von ihren hohen Sockeln im
C=
der Burgkapelle, wo ſie täglich im Verein mit den hellen Stimi
der Sängerſchulknaben die Feierlichkeit des Gottesdienſtes
höhen, herabgeſtiegen ſind und nun in der Ausſtellung ei
geſchloſſene froh=feierliche Gemeinſchaft bilden. Mit der Inn
lichkeit ihres Ausdruckes, ihrer Geſten, haben ſie etwas h.
wahren Geiſt der Gotik aus der Burgkapelle heraus in die A1
ſtellung getragen. Wie dort, hoch oben auf den Chorpfeite
ſonſt, empfängt Maria vornehm und ſtill=ergeben die Botſch
des fröhlichen Engels, ſchauen die Heiligen freundlich ſegne.
herab.
Und das ſcheint mir das Weſentliche an dieſer wertvol.
Ausſtellung, wichtiger als der äſthetiſche Eindruck der Näun
als die neuen Forſchungsergebniſſe, die ſie fördern wird: 2.
alle dieſe Kunſtwerke, die Bilder, Skulpturen und herrtic)
Glasfenſter, kraft ihrer künſtleriſchen Qualität und inneren Wal.
haftigkeit imſtande ſind, den Betrachter ganz in den Bann.!"
Geiſtes zu ſchlagen. Die tiefe Religioſität und einheitliche 2
ſchauung, verbunden mit der geſammelten künſtleriſchen Kke
einer lebendigen und ſtark verinnerlichten Zeit haben hier Wer
geſchaffen, die nicht die bedeutſame öſterreichiſche Kunſtentwi
lung aufzeigen, ſondern darüber hinaus eine lebendige Splt
reden vom Weſen der deutſchen Eotik überhaupt.
Werke aus dem hayeriſch=ſchwäbiſchen Grenzgebiet verno.
ſtändigen die Ausſtellung, eine Sammlung von Photograbhle
und Gipsabgüſſen nicht ausgeſtellter bedentender Stücke ergen.
das Vorhandene.
Rummer 271
Donnerstag, den 30. September 1926
Seite 3
Die Bluttat von Germersheim.
*Vorſiellungen in Paris.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Unterſuchungen in Germersheim ſind noch
nicht völlig abgeſchloſſen, auch nicht die Unterſuchung des zweiten
Zwiſchenfalles, der ſich am folgenden Tag ereignete. Vorerſt hat
ſich die Reichsregierung darauf beſchränkt, ihren Botſchafter in
Paris zu beauftragen, bei der franzöſiſchen Regierung um
Aus=
händigung des amtlichen franzöſiſchen Unterſuchungsergebniſſes
zu bitten. Eine diplomatiſche Aktion wegen der Bluttat iſt durch
die Unterredung des Grafen Adelmann mit den Vertretern der
Interalliierten Rheinlandkommiſſion bereits eingeleitet worden
die ihre Fortſetzung findet, ſobald des geſamte Zeugenmaterial
geſammelt vorliegt. Daß darüber mehrere Tage vergehen, läßt
ſich nicht vermeiden, da eine erhebliche Zahl von Zeugen in Frage
kommt und außerdem von franzkſiſcher Seite die ſofortige
Unter=
ſuchung der Leiche des Ermordeten durch die deutſchen
Gerichts=
behörden verhindert wurde, ſodaß dieſe erſt mit ſtarker
Verzöge=
rung erfolgen konnte.
Germersheim, 29. September.
Wie das W. T.=B. von zuſtändiger Seite hört, iſt der
fran=
zöſiſche Unterleutnant Rouzier als der verantwortliche Täter bei
den blutigen Vorfällen in der Nacht von Sonntag auf Montag
durch die Unterſuchung einwandfrei feſtgeſtellt worden und wird
auch von den Franzoſen als Täter betrachtet. Er iſt im Laufe
des geſtrigen Tages in Haft genommen und am Abend als
Ar=
reſtant nach Landau übergeführt worden. In der Annahme, daß
ſich Rouzier, der am Nachmittag verſchiedentlich zu Verhören
über die Straße geführt wurde, noch immer auf freiem Fuß
be=
finde, hatte ſich in den Abendſtunden eine größere Menſchenmenge
vor dem Kaſino, in dem eine Abſchiedsfeier des 311. Artillerie=
Regiments ſtattfand, eingefunden. Den Aufklärungen des
Ober=
amtmanns Kailer vom Bezirksamt Germersheim gelang es, die
Menge zu beruhigen, und zu zerſtreuen. Immerhin iſt die
Er=
egung der Bevölkerung ü r die Vorgänge nach wie
vor ſtark. Geſtern abend fand zwiſchen dem ſtellvertretenden
Re=
gierungspräſidenten der Pfalz, Regierungsdirektor Stähler, und
Oberſtaatsanwalt König=Zweibrücken als Vertreter der
Juſtiz=
behörden auf der einen Seite und dem franzöſiſchen
Platzkom=
mandanten von Germersheim auf der anderen Seite eine
Aus=
ſprache über die Vorfälle ſtatt. Auf die Vorſtellungen der
deut=
ſchen Vertreter, die der Empörung der Bevölkerung über den
Vorfall Ausdruck verliehen, verſicherte der Platzkommandant, daf
auch die franzöſiſche Behörde Trauer über die Vorfälle empfinde,
und gab die Erklärung ab, daß das gerichtliche Verfahren gegen
den Täter auf das eingehendſte und gewiſſenhafteſte durchgeführt
würde. Ein für geſtern abend angeſetzter Unteroffiziers=Ball iſt
vom Platzkommandanten abgeſagt worden. Ferner hat er
an=
geordnet, daß ſämtliche Militärperſonen mit Ausnahme der
Pa=
trouillen von 9 Uhr abends ab die Straße nicht mehr betreten
dürfen. Die weitere Unterſuchung der Angelegenheit hat ergeben,
daß Rouzier auch als Hauptverantwortlicher bei der bereits
ge=
meldeten und durch die Unterſuchung beſtätigten Mißhandlung
des 17jährigen Klein eine Hauptrolle geſpielt, und ſich daran
perſönlich mit der Peitſche beteiligt hat. Der Vorfall mit Klein
ſpielte ſich bekanntlich etwa 3 Stunden vor den
Nachtzwiſchen=
fällen ab. Außerdem iſt feſtgeſtellt worden, daß Rouzier nach
dem Vorfall mit Klein und ehe er mit Holzmann zuſammentraf,
noch einen gewiſſen Ewald Meyer auf der Straße ohne jeden
Grund angerempelt hat. Das Artillerie=Regiment 311, dem
Rou=
zier angehört hat, wird morgen nach Verdun abtransportiert und
durch das in Speyer befindliche Bataillon des Infanterie=
Regi=
ments 171 erſetzt. Rouzier bleibt jedoch bis zur Erledigung des
Gerichtsverfahrens in Landau. Die Beerdigung des ermordeten
Müller, die heute nachmittag 4 Uhr ſtattfinden ſollte, iſt von
den Franzoſen nicht genehmigt, ſondern auf morgen feſtgeſetzt
worden. Man iſt verſucht anzunehmen, daß dies mit Rückſicht
auf den inzwiſchen erfolgten Abtransport des Artillerie=
Regi=
ments 311 geſchehen iſt. Der Geſundheitszuſtand des
ſchwerver=
letzten Matthes hat ſich noch nicht gebeſſert; er kehrt nur für
kurze Zeit zum Bewußtſein zurück.
Ein Notruf Germersheims.
Das Bürgermeiſteramt der Stadt Germersheim hat an den
Völkerbund, an die Reichsregierung und an die bayeriſche
Re=
gierung einen Notruf gedrahtet, in dem auf die ſchwere
Be=
drängnis der Stadt durch die Befatzung hingewieſen und die
ſo=
fortige Einſetzung eines unparteiiſchen Schiedsgerichts zur
Unter=
ſuchung der kürzlichen Vorfälle ſowie die ſchnellſte Entfernung
aller fremden Truppen aus den Mauern der Stadt gefordert wird.
Koglitionsgeſpräche.
Von unſerer Berliner Redaktion.
In der agrariſch=deutſchnational orientierten „Deutſchen
Tageszeitung” finden wir an verſteckter Stelle eine politiſche
Senſation, die doch einen kurzen Kommentar verdient. Die
Zeitung, die in den letzten Wochen eine ſehr ruhige Haltung
ein=
genommen und dazu beigetragen hat, in deutſchnationalen
Krei=
ſen die Neigung zur Rückkehr in die Regierung zu verſtärken,
teilt mit, daß in Gewerkſchaftskreiſen — offenbar chriſtlich=
natio=
nalen — der Gedanke propagiert werde, im Reiche die Große
Koalition unter der Kanzlerſchaft eines Gewerkſchaftsführers
aus dem Zentrum herzuſtellen, zugleich aber dadurch nach rechts
hin zu erweitern, daß auch ein deutſchnationaler
Gewerkſchafts=
führer in das Miniſterium eintritt. Um das zu ermöglichen, ſoll
der ſogenannte chriſtlich=ſoziale Flügel der Deutſchnationalen ſich
von der Partei trennen.
Wenn die „Deutſche Tageszeitung” von ſolchen Abſichten
überhaupt Notiz nimmt, dann müſſen ſie ſchon ſehr ernſthafter
Natur ſein und auch in Getverkſchaftskreiſen, die ſich zur
deutſch=
nationalen Partei zählen, beſprochen werden. Es ſind das
zweifel=
los Auswirkungen der Silverberg=Rede gerade in den Kreiſen
der chriſtlich=nationalen Gewerkſchaften. Man hat das
Bündnis=
angebot an die Sozialdemokratie, verbunden mit der Anerkennung,
daß die Sozialdemokratie die größte Arbeiterpartei ſei, vielfach
als einen Dolchſtoß empfunden, der eigentlich der ganzen
chriſtlich=
nationalen Bewegung in den Rücken ging. Gerade die
Gewert=
ſchaftler im bürgerlichen Lager fühlen, daß ihnen der Boden
unter den Füßen weggezogen wird. Wenn jetzt von ſeiten der
Arbeitgeber die Sozialdemokratie in dieſer Form umworben wiro,
ſo iſt es unverkennbar, daß dadurch eine gewiſſe Unſicherheit bei
jenen entſtanden iſt, die mit der Möglichkeit einer reinen
Arbeiter=
regierung aus allen Parteilagern ſpielten. Wir glauben, daß
jeder ſolche Verſuch ſich ſchon in ſeinen Anfängen totlaufen muß.
Es kann aber doch nicht ſchaden, wenn von Unternehmerſeite her
die Diskuſſion über die Silverberg=Rede, wie das in den
näch=
ſten Tagen beabſichtigt iſt, fortgeſetzt wird, um die Unklarheiten
zu beſeitigen, die durch eine einſeitige Interpretation der Rede
entſtanden ſind.
Hilfsmaßnahmen für die oſipreußiſche Landwirtſchaft
Königsberg, 29. September.
Reichsminiſter Dr. Haslinde, der eine mehrtägige
Be=
ſichtigungsfahrt durch die Provinz Oſtpreußen
unternommen hat, ſtattete heute u. a. auch der
Landwirtſchafts=
kammer Königsberg einen Beſuch ab. Der Präſident der
Land=
wirtſchaftskammer, Dr. Brandes begrüßte den Miniſter im
Namen der oſtpreußiſchen Landwirtſchaft. Dr. Haslinde ging in
ſeiner Erwiderungsrede zunächſt auf die beſondere Lage der
Pro=
vinz Oſtpreußen ein, die die Unbillen des Krieges in ihrer
Schwere ausgekoſtet habe wie keine andere, und die nach dem
Kriege durch das unſelige Friedensdiktat von Verſailles, vom
Mutterlande abgeſchnürt, die Not unſerer Zeit in beſonderem
Maße fühlen müſſe. Die zentralen Stellen im Reich und in
Preu=
ßen ſeien bemüht, ſoweit es in ihrer Macht ſtehe, einen
Aus=
gleich zu ſchaffen. Als Reſultat der ſeit Wochen geführten
Ver=
handlungen zur Unterſtützung Oſtpreußens und der übrigen
öſt=
lichen Grenzgebiete liege nunmehr ein „Sofort=
Pro=
gramm” vor, das in den letzten Tagen die Zuſtimmung
des Reichskabinetts gefunden habe. Hiernach ſoll auf
dem Wege eines Nachtragetats ein Betrag von 24 Millionen für
kulturelle und wirtſchaftliche Zwecke in den öſtlichen Gebieten,
be=
ſonders auch zur Unterſtützung der landwirtſchaftlichen
Produk=
tionsförderung, bereitgeſtellt werden. Gleichzeitig habe die
Regie=
rung mit den Kreditinſtituten nuch der Richtung Fühlung
genom=
men, die Ungunſt in der Zuführung von Kreditmitteln
für die oſtpreußiſche Wirtſchaft nach Möglichkeit auszugleichen
für die in der Hauptſache die Exportmöglichkeit von beſonderem
Einfluß ſei. Die Pferdezucht, der Stolz der Provinz Oſtpreußen
werde demnächſt aus Mitteln der Reichsgetreideſtelle beſondere
Unterſtützung erfahren. Eine beſondere Belebung des
Wirt=
ſchaftslebens erwarte er von der Durchführung des
Sied=
lungswerks, für das das Reich für fünf Jahre je 50
Mil=
lionen Mark zur Verfügung ſtelle.
Der Reichskommiſſar
für die beſetzten Gebiete in Berlin.
Der Reichskommiſſar für die beſetzten Gebiete, Freiherr
Lang=
werth von Simmern, iſt heute vormittag in Berlin eingetroffen.
Seine Berliner Reiſe ſteht nicht in urſächlichem Zuſammenhang
mit den letzten Vorfällen in Germersheim. Sie war vielmehr
ſchon ſeit geraumer Zeit vorgeſehen. Es iſt aber ſelbſtverſtändlich,
daß bei dieſer Gelegenheit auch die Germersheimer Vorfälle zur
Sprache kommen.
*Die Neugeſtaltung des
Schulmuſik=
unterrichts in Preußen
(Zur Reichsſchulmuſikwoche in Darmſtadt.)
Von Studienrätin Dr. Eliſabeth Noack, Schneidemühl.
„Das Schickſal der deutſchen Muſik wird in der Schule
ent=
ſchieden.‟ Dieſer Gedanke iſt zur treibenden Kraft geworden für
die Neugeſtaltung des Schulmuſikunterrichts in Preußen, er weiſt
aber auch gleichzeitig darauf hin, daß nicht nur der Lehrende,
ſondern jeder an deutſcher Kultur Intereſſierte ſich auch mit
dieſen Fragen einmal auseinanderſetzen ſollte.
Es handelt ſich um die oft geforderte, in der Praxis aber
heute neue Wertung des Schulmuſikunterrichts als Kunſtfach, als
notwendige Ergänzung der bisher üblichen intellektellen
Bil=
dung. Eine durchaus wichtige Weſensſeite des Menſchen ſoll zu
ihrem Rechte kommen, Phantaſie und Geſtaltungskraft ſollen
entwickelt, wertvollſtes Kulturgut übermittelt werden. Von der
Schule her ſoll der Muſikunterricht am Aufbau einer neuen
Haus= und Geſellſchaftsmuſik mitarbeiten. Selbſtverſtändlich iſt
dann Muſik als Genußmittel, als Schwelgerei und Ausſpann
nicht mehr am Platze, weniger wertvolle Schullieder und
Feſt=
chöre müſſen ausgeſchieden werden. Und das Techniſche, wie
Vomblattſingen, Gehörbildung, Stimmbildung und rhythmiſche
Erziehung muß vollkommen in den Dienſt des Künſtleriſchen
treten. Das Schöpferiſche im Kinde ſoll geweckt werden und
damit die Aufnahmeſähigkeit für das lebendige Wachstum der
Kunſtwerke. Die Verbindungen mit den kulturkundlichen Fächern.
mit Deutſch, Geſchichte, Erdkunde und Religion, können
beſon=
ders fruchtbar werden. Chor, Inſtrumentalgruppe, muſikaliſche
Arbeitsgemeinſchaften binden Lehrer und Schüler durch
gemein=
ſamen Dienſt an der Muſik. Gerade dieſe Arbeit in kleinen,
freiwilligen Gruppen erſcheint für das geſamte Schulleben
un=
entbehrlich, ſo viele Opfer auch vom Muſiklehrer hierfür gebracht
werden müſſen. Wer die gemeinſchaftbildende Kraft der Muſik
einmal erfahren hat, der wird verſtehen, weshalb ſolche
Kern=
trupps ſo erwünſcht ſind als „Sauerteig”, als treibende und
zuſammenſchließende Kräfte innerhalb einer Anſtalt. Die
Aus=
geſtaltung der Schulandachten, Feiern, Elternabende, die
Zu=
ſommenarbeit mit den Privatmuſiklehrern, etwa im Rahmen
muſikaliſcher Nachmittage, gibt Gelegenheit zur Anwendung der
erworbenen Fähigkeiten und fördert die Kenntnis guter Muſik.
Hervorragende muſikaliſche Leiſtungen der Schüler ſollen bei der
Jahresverſetzung und Reifeprüfung berückſichtigt werden,
wes=
halb der Muſiklehrer nun auch der Abiturienten=Prüfungs=
kommiſſion angehört. — An den Muſiklehrer werden die höchſten
Anforderungen geſtellt, ſeine Ausbildung dementſprechend
er=
weitert und vertieft. Bereits im Amt ſtehenden Lehrern hofft
man durch Kurſe und Schulmuſikwochen Anregung geben zu
können.
Trotz der kurzen Zeit, die ſeit der Neuregelung verfloſſen iſt,
iſt bereits an vielen Orten recht wertvolle Arbeit geleiſtet
wor=
den, wie aus mündlichen Berichten und Jahresprogrammen
hervorgeht. Daß für die neuen Ziele eine ganz ungenügende
Stundenzahl bereitgeſtellt iſt, ändert nichts an der
Zukunfts=
bedeutung der Reformen, erſchwert aber natürlich ſtark ihre
Durchführung. Die genannten Sondergruppen ſollen hier die
Lücken ausfüllen und haben das bereits vielerorts erreicht,
weiter ſoll das ganze Schulleben mit Muſik durchtränkt werden.
Auch hierin iſt mit Hilfe muſikliebender Schulleiter und
Lehr=
kräfte mancher ſchöne Aufſchwung erzielt worden. Andererſeits
blüht da und dort noch die Sucht, mit öffentlichen Schulkonzerten
zu glänzen: Bei der erwähnten knappen Stundenzahl muß
dar=
unter aber notwendig der planmäßig aufbauende Unterricht
lei=
den. — Allgemein iſt der Unterricht auch bei geringer Vorarbeit
der Grundſchule am erfolgreichſten in Sexta und Quinta. Alles
wird hier gleich friſch aufgenommen: Lied und Spiel, eigene
Erfindung, Erarbeiten des Techniſchen. Im Entwicklungsalter,
in den Mittelklaſſen, läßt die Friſche entſchieden nach, auch die
Erfindungskraft wird — genau wie im Zeichenunterricht —
er=
heblich ſchwächer. Die Oberklaſſen ſind meiſt noch techniſch zurück,
ſo daß ein Eindringen in Stilkunde, Beobachtung von
Kunſt=
werken uſw. oft erſchwert wird, hierfür entſchädigt aber wieder
das ſtärkere muſikaliſche Intereſſe. Muſikgeſchichte wird überall,
wo ſie wirklich lebendig die Kunſtbeiſpiele in den Mittelpunkt
ſtellt und nur zum Verſtändnis hilft, wo ſie ferner das
kultur=
geſchichtliche Zeitbild ergänzt, mit großer Freude aufgenommen.
Wo die Volkslieder ſo wieder erwacht ſind, daß die Kinder
bei jeder Gelegenheit ſingen — vor dem Eintreten des Lehrers,
zu Beginn und Schluß der Schule, zu Hauſe, bei Wanderungen —
wo die Inſtrumente mitgebracht werden zu Begleitung und
Aus=
ſchmückung, wo Volkstänze auch außerhalb der Schule zum
Inſtrumentenſpiel getanzt werden, wo ſich Geſchwiſter und Eltern
an den Muſikgruppen beteiligen, die Privatlehrer mit Intereſſe
die Schulmuſik unterſtützen, da iſt ſchon heute der Beweis
ge=
liefert für die Güte und Lebendigkeit des neuen Weges, da iſt
der erſte Grund gelegt zu einer neuen Volksmuſik.
Es iſt zu begrüßen, daß durch gemeinſame Arbeit des
Zentralinſtituts für Erziehung und Unterricht und des Heſſiſchen
Landesamts für das Bildungsweſen die diesjährige
Reichs=
ſchulmuſikwoche nach Darmſtadt gelegt werden konnte.
Der Landesparteitag der beſſiſchen Oemokraten
Bad=Nauheim, 28. September.
Gelegentlich der geſtern morgen auf dem Landesparteitag der
Demokratiſchen Partei Heſſens ſtattgefundenen internen
Beratun=
gen nahm Finanzminiſter Henrich zu längeren
Erklä=
rungen das Wort. Bezüglich des kürzlich mit dem Reich
abge=
ſchloſſenen Finanzabkommens erklärte der Miniſter, das Reich
habe dem Land Heſſen in Anbetracht ſeiner wirtſchaftlichen
Not=
lage Vorſchüſſe zugeſtanden. Von einer Geſchäftsaufſicht des
Reiches über Heſſen könne ſelbſtverſtändlich nicht die Rede ſein.
Er — der Finanzminiſter — habe in der Ueberzeugung, richtig
gewirtſchaftet zu haben, mit ruhigem Gewiſſen die Bücher dem
Reiche offen legen zu können geglaubt. Das Reich werde auch auf
den eigenen Wunſch der heſſiſchen Regierung hin die geſamte
heſſiſche Finanzlage prüfen und dem heſſiſchen Finanzminiſter
gegenüber ſeinen innerpolitiſchen Gegnern in Heſſen Deckung
verſchaffen.
Miniſter Henrich ſprach dann kurz über die politiſche
Lage in Heſſen im Hinblick auf die möglicherweiſe
bevor=
ſtehenden Neuwahlen zum Landtag. Den Schwerpunkt bilde die
Haltung des Zentrums beim bevorſtehenden Volksentſcheid. Die
Demokratiſche Partei verlange, daß die heſſiſche Koalition (
So=
zialdemokraten, Zentrum und Demokraten) für die gemeinſame
Arbeit auch die gemeinſame Verantwortung trage. Sollte dies
nicht geſchehen, würden die Demokraten die Koalition als
zer=
brochen betrachten.
Eine Reihe von Entſchließungen wurde angenommen.
In derjenigen zur heſſiſchen Politik ſpricht ſich die Demokratiſche
Partei einmütig gegen das Volksbegehren zur Auflöſung des
Landtages aus. Der Parteitag verſichert ferner den
demokra=
tiſchen Finanzminiſter Henrich erneut ſeines Vertrauens und
ſpricht die Ueberzeugung aus, daß den kulturellen, wirtſchaftlichen
und ſozialen Intereſſen des Heſſenvolkes wie des geſamten
deut=
ſchen Volkes nur dann dauernd gedient iſt, wenn der deutſchen
Kleinſtaaterei endlich ein Ende gemacht wird und dem deutſchen
Einheitsſtaat, dem alten Ideal der deutſchen Demokratie,
ziel=
bewußte Wege geebnet werden.
Tagung der Reichstagsfraktion der Deutſchen Volkspartei
Rüdesheim, 29. September.
Parteiamtlich wird mitgeteilt: Die Reichstagsfraktion der
Deutſchen Volkspartei verſammelte ſich am 29.
Septem=
ber in Rüdesheim zu einer außerordentlich ſtark beſuchten
Ta=
gung. Einleitende Referate über die ſchwebenden innen= und
außenpolitiſchen Fragen und die Vorbereitung des Parteitages
in Köln erſtatteten der Vorſitzende der Fraktion, der
Reichs=
miniſter a. D. Scholz, und Außenminiſter Dr. Streſemann.
Die Ausſprache war ſehr rege. Die Fraktion bekannte ſich
ein=
mütig zu den Grundlagen ihrer bewährten Politik.
Entſchließun=
gen wurden nicht gefaßt. Im Gegenteil fah die Fraktion
aus=
drücklich davon ab, dieſe ihre bewährte Politik noch einmal durch
beſondere Entſchließungen zur innen= und außenpolitiſchen Lage
hervorzuheben.
Der Oberreichsanwalt zu den Verhaftungen
Dietz—Goldmann.
Leipzig, 22. September.
Zu der Verhaftung des Dr. Dietz und Dr. Goldmann in
El=
berfeld erhält die Telegraphen=Union von ſeiten des
Oberreichs=
anwalts folgende Darſtellung:
Es iſt richtig, daß Dr. Dietz feſtgenommen worden iſt, weil
gegen ihn der Verdacht beſteht, Landesverrat begangen zu haben.
Das Material, auf das dieſer Verdacht ſich gründet, iſt anläßlich
einer Hausſuchung bei ihm vorgefunden worden, die im
Zuſam=
menhang mit der Unterſuchung gegen Juſtizrat Dr. Claß
vorge=
nommen wurde. Es iſt richtig, daß Dr. Dietz belaſtende Angaben
in der Unterſuchung gegen Dr. Claß gemacht hat. Die
Verhaf=
tung des Dr. Dietz ſteht aber mit der Unterſuchung gegen Dr.
Claß in keinem Zuſammenhang. Als Dr. Dietz feſtgenommen
wurde, iſt er im Beſitz einer Fahrkarte nach dem Ausland
ge=
weſen. Ob der gegen ihn aufgetretene Verdacht des
Landesver=
rats zur Einleitung eines Verfahrens führen wird, hängt vom
Ergebnis der noch ſchwebenden Unterſuchung gegen ihn und Dr.
Goldmann ab —Es iſt nicht richtig, wenn Dietz als „Enthüller
der Claßpläne” bezeichnet wird. Dietz hat verſchiedenen
Per=
ſonen gegenüber von ſeinen angeblichen Kenntniſſen über ſolche
Pläne geſprochen, und auf dieſem Wege iſt die Polizei dazu
ge=
kommen, den Dr. Dietz über die Angelegenheit zu befragen. Er
hat aber ſelbſt weder, eine Anzeige gemacht, noch hat er aus
eigener Initiative der Polizei Material geliefert, noch hat er
ge=
wußt oder gewollt, daß diejewigen, mit denen er ſprach, die
Po=
lizei in Kenntnis ſetzen würden.
So iſt es den ſüddeutſchen Schulmuſiklehrern, Volksſchullehrern=
und Chordirigenten weſentlich erleichtert worden, ſich auch mit
den preußiſchen Neuordnungen vertraut zu machen und, geſtützt
auf die eigenen Erfahrungen, an der allgemeinen Neugeſtaltung
des deutſchen Muſikunterrichts mitzuarbeiten.
B. Was heißt Tornado? Bei dem Unglück, das jetzt Florida
betroffen hat, wird der Tornado wieder viel genannt, der
ameri=
kaniſche Wirbelſturm. Woher kommt nun dieſes merkwürdige
Wort? Es wird vielfach von dem lateiniſchen „tornare”
abge=
leitet, das ſoviel wie drehen bedeutet. Aber das dürfte nicht
richtig ſein, denn das Wort iſt gegen Ende des 17. Jahrhunderts
zuerſt aus Spanien zu uns gekommen, wo es von den Seeleuten
für beſonders ſchwere Stürme verwendet wurde. Das ſpaniſche
Wort aber heißt urſprünglich „tronada” und bezeichnet einen
Gewitterſturm; es leitet ſich alſo von dem lateiniſchen „tonare‟ —
blitzen her. Erſt ſpäter hat man die unrichtige Ableitung
ange=
nommen, die zu der Bezeichnung der Wirbelſtürme als Tornados
führte. Auch Orkan iſt urſprünglich ein ſpaniſches Wort, wo
es „hurrieano” heißt. Die Spanier wieder übernahmen dieſe
Bezeichnung aus der Sprache der karibiſchen Indianer, die die
furchtbaren weſtindiſchen Stürme „huracan” nannten. Eine
andere Bezeichnung für einen beſtimmten Sturm iſt Taifun.
Dies Wort wird hauptſächlich von den Stürmen im fernen Oſten
gebraucht und galt daher für chineſiſch. Es ſtammt aber
tatſäch=
lich von dem griechiſchen „Typhon” ab, das einen Wirbelwind
bezeichnet. Das Wort wurde im Arabiſchen in „Tufan”
umge=
wandelt und zuerſt von den arabiſchen Seefahrern im fernen
Oſten benutzt. Daher kommt die Annahme des chineſiſchen
Ur=
ſprungs, die dadurch unterſtützt wird, daß chineſiſch „ta” groß
bedeutet und „fang” Sturm. All dieſe Bezeichnungen gelten
zunächſt nur für einfache Stürme und ſind erſt ſpäter auf
beſon=
dere Gattungen in einzelnen Ländern übertragen worden.
„Mit Sarraſani in Südamerika”, das iſt der Titel eines höchſt
intereſſanten und geſchmackvollen Heftes, das aus Anlaß des Sarrafgni=
Jubiläums an die Oeffentlichkeit tritt. Die Mitarbeiter des kleinen,
feſſelnden Werkes führen die Leſer ein in die abentenerlichen und
groß=
zügigen Ueberſeepläne des berühmten deutſchen Schauunternehmers.
ſie plaudern von den Schickſalen der Deutſchen in dem gelobten Land
jenſeits des Ozeans, ſie enthüllen mit ſachkundigen Erklärungen
neu=
artige Blicke hinter die Kulliſſen eines ſolchen Weltunternehmens, vor
allem aber werden die bunten Erzählungen und Plaudereien unterſtützt
von prächtigen Aufnahmen aus der gewaltigen Arche Noah, die die
Fahrt nach Amerika machte, von den herrlichen Städten und Landſchaften
Südamerikas, von den Chako=Indianern.
Donnerstag, den 30. September 1926
Nummer 2
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 271
Donnerstag, den 30. September 1926
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 30. September.
* Darmſiadt als Kunſiſiadt.
II.
Die Initiative der Bürger.
Man wird auswärts oft darum beneidet, daß man das Glück
habe, in Darmſtadt zu wohnen; einer Stadt, der ein
außer=
gewöhnlich lebhaftes geiſtiges und künſtleriſches Leben
nach=
gerühmt wird.
Der gute Ruf Darmſtadts iſt nicht unberechtigt. Bewegte
geiſtige Luft hat von jeher in Darmſtadt geweht.
In der Shakeſpeare=Geſellſchaft und anderen privaten
Ver=
einigungen fanden ſich früher die geiſtig intereſſierten Kreiſe
zu=
ſammen, die das Leben der Stadt befruchteten und ihm die
Rich=
tung gaben. Im Laufe der Jahrzehnte wuchſen aus engen
Zir=
keln bedeutende Vereine.
Auf dem Gebiet der Muſik ſtand der Richard=Wagner=Verein
lange Zeit führend an der Spitze. Dank ſeiner geſchickten
Orga=
niſation und dank ſeiner ausgezeichneten Leitung, die zuletzt in
den Händen des Rates Hermann Sonne, früher in den Händen
des Oberſten von Hahn lag, bot er ſeinen Mitgliedern Konzerte
von erſtklaſſigen Soliſten, Quartetten und Orcheſtern zu
Spott=
preiſen. Die Zahl der Mitglieder ſtieg in günſtigen Jahren über
1000. Die veränderten Verhältniſſe und wohl auch perſönliche
Behinderungen haben ſeit einigen Jahren ſeine Tätigkeit
ſtill=
gelegt. Dankenswerte Verſuche auf dem Gebiete der
zeitgenöſſi=
ſchen Muſik machte in den letzten Jahren die „Freie Geſellſchaft
für Muſik”, die in dieſem Winter noch nicht in die Erſcheinung
getreten iſt.
Als Oratorien=Verein ſteht ſeit Jahrzehnten der Muſikverein
in vorderſter Linie. Von Otto Wolfskehl viele Jahre hindurch
verdienſtvoll geleitet, war er ſtets eine Pflegeſtätte der klaſſiſchen
Chormuſik. Für den kommenden Winter hat er vier große
Kon=
zerte mit Werken von Mozart, Bach, Beethoven und Delius
ange=
kündigt. Nur äußerſte Hingabe aller Beteiligten ermöglicht die
Durchführung dieſes Planes.
Weiter ſpannt die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft
ihren Rahmen. Sie pflegt wertvolle Kunſt aus Gegenwart und
Vergangenheit. Literatur, Dramatik und Tanz gehören in ihr
Bereich; auch zeitgemäße Fragen der Weltanſchauung und der
Wiſſenſchaft werden behandelt. Sie ſucht nicht kritiſch zerſetzend,
ſondern aufbauend zu wirken. Ohne andere Nationen
auszu=
ſchließen, betont ſie in erſter Linie die Kunſt deutſchen Urſprungs.
Aehnlich organiſiert wie ſeinerzeit der Richard=Wagner=Verein,
gibt auch ſie erſtklaſſige Veranſtaltungen zu unglaublich billigen
Mitgliedsbeiträgen. Das kürzlich veröffentlichte Programm weiſt
für den nächſten Winter acht Veranſtaltungen mit den beſten
künſtleriſchen und wiſſenſchaftlichen Namen auf. Wenn ſich bei
einem Mitgliedsbeitrag von 6 Mark die Teilnahme an einem
Tanzabend, an einem hervorragenden Dichterabend auf 75 Pfg.
ſtellt, ſo iſt dies eine Möglichkeit, wie ſie kaum eine andere
deut=
ſche Stadt bietet.
In engerem Rahmen wirken der Bühnenvolksbund, die
Volksbühne, der Sprachverein und verſchiedene andere
Organi=
ſationen.
Alter Tradition getreu, ſind in der Darmſtädter Bürgerſchaft
rege Kräfte tätig, um in Kunſt und Wiſſenſchaft die Teilnahme
an qualitätvollen Gegenwart=Werten mit der Pflege der Schätze
der Vergangenheit zu verbinden. Die neueſten Probleme werden
zur Erörterung geſtellt; die wertvollſten Gaben werden geboten.
Ehrenamtlich und opferwillig verſehen die Führer der
Korpora=
tionen ihr Amt im Dienſte der Kunſt. Nur rege Unterſtützung
eimöglicht die Fortſetzung des Werkes.
Sind die wirtſchaftlichen Verhältniſſe für viele
Bevölkerungs=
kreiſe auch ſchwierig, ſo ſollte es jeder einzelne doch als eine
Ehrenpflicht anſehen, ſich — je nach ſeiner Neigung — hieran zu
beteiligen.
Die Teilnahme an den Gütern von Kunſt und Kultur bringt
dem Leben jedes einzelnen die wertvollſte Bereicherung.
— Ernannt wurden am 16. Sept. 1926: zum richterlichen Mitglied
des tierärztlichen Ehrvengerichtshofes der Oberlandesgerichtsrat
Alten=
dorf in Darmſtadt, zu ſeinem Stellvertreter der Oberlandesgerichtsrat
Schnitzſpahn daſelbſt; zum richterlichen Mitglied des tierärztlichen
Ehrengerichts in Darmſtadt der Landgerichtsrat D.r Bittel daſelbſt,
zu ſeinem Stellvertreter der Landgerichtsrat Bechſtein daſelbſt; zum
richterlichen Mitglied des tierärztlichen Ehrengerichts in Mainz der
Landgerichtsrat Dr. Münzenberger daſelbſt, zu feinem
Stellver=
treter der Landgerichtsrat Pauli daſelbſt; zum richteulichen Mitglied
des tierärztlichen Ehrengerichts in Gießen der Landgerichtsrat Meyer
daſelbſt, zu ſeinem Stellvertreter der Landgerichtsrat Küchler
da=
ſelbſt; am 27. September der außerordentliche Profeſſor an der
Uni=
verſität Halle Dr. Emil Lehmann aus Berlin=Tempelhof mit
Wir=
kung vom 1. Oktober 1926 an zum ordentlichen Profeſſor für
Minera=
logie und Petrographie an der Landesuniverſität Gießen.
— In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 22. September die
Ge=
fangenaufſeherin bei dem Landgerichtsgefängnis in Darmſtadt Eliſabeth
Gandenberger auf Nachſuchen mit Wirkung vom 1. Dez. 1926;
am 24. September der Lehrer an der Volksſchule zu Alten=Buſeck im
Kreiſe Gießen Ludnig Schmidt auf ſein Nachſuchen wegen
geſchwäch=
ter Geſundheit mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 an. — In den
Ruhe=
ſtand tritt am 1. Oktober 1926 der Forſtrat Wilhelm Zeh zu
Darm=
ſtadt auf ſein Nachſuchen.
— Evangeliſch Kirchliche Nachricht. Uebertragen wurde dem
Pfarr=
verwalter Otto Götz zu Nieder=Wieſen die edangeliſche Pfarrſtelle zu
Nieder=Wieſen, Dekgnat Alzey.
— Heſſiſches Landestheater. Heute Donnerstag, 30. September,
beginnt der Vorverkauf für die am Sonntag, 3. Oktober, ſtattfindende
erſte diesjährige Aufführung von Rich. Wagners „Meiſterſinger”
Die Aufführung ſteht unter Leitung von /Generalmuſikdirektor Joſeph
Roſenſtock und weiſt die bekannte Beſetzung auf.
An demſelben Abend beginnt die Hi ſſiſche Spielgemeinſchaft ihre
diesjährige Tätigkeit im Kleinen Haus wit der Aufführung von
Nieber=
galls Lokalpoſſe „Der tolle Hund‟. Das Werk erſcheint hiermit
zum erſten Male im Rahmen der Spidlgemeinſchaft und wird ſich ſehu
raſch auch da größte Beliebtheit erwevzen. — Das Schauſpiel beginnt
am Sonntag abend die Reihe der dieszjährigen auswärtigen Gaſtſpiele
im Wormſer Feſtſpielhaus mit einer Aufführung von Schillers „Tell”.
Heute Donnerstag beginnt der Vorverkauf für Mieter zu dem
Tanzabend von Eliſabeth Grube und Harald Kreutzberg, der am
Monrag, den 4. Oktober, abends 7.30 Uhr, im Kleinen Haus ſtattfindet,
und zwar zu Vorzugspreiſen von 0,75—3,20 Mk. Der allgemeine
Vor=
verkauf ſetzt ab morgen Freitag ein, und zwar zu Preiſen von 1—4 Mk.
— Volkshochſchule. Zu der am Sonntag, den 3. Oktober, im Kleinen
Haus des Landestheaters ſtattfündenden Vorſtellung „Der tolle
Hund” erhalten unſere Mitglieber Karten zu ermäßigtem Preis
in der Geſchäftsſtelle, Mathildenplatz 17.
— Vom Muſikverein wird uns geſchrieben: Laut heutiger Anzeige
liegen die Mitgliedskarten für AAktive und Paſſive in der Zeit vom 1.
bis 4. Oktober im Vereinshaus, Steinſtraße 24, zur Einlöſung und
Ab=
holung bereit. — Am Freitag, den 1. Oktober, findet nach der Probe ein
geſelliger Abend ſtatt, an dem auch Angehörige herzlich willkommen ſind.
— Standmuſik des Städliſchen Orcheſters bei günſtiger Witterung
heute Donnerstag, den 30. Sept., nachmittags 5 Uhr, am Landestheater.
Muſikfolge: Beethoven: Marſch aus „Die Ruinen von Athen”, Brüll;
Ouvertüre zur Oper „Das goldene Kreuz”, Wagner: Motive aus der
Oper „Lohengrin”, zwei eiltniederländiſche Märſche aus der Zeit des
öſterreichiſchen Erbfolgekräegs (1741) aus der Marſchſammlung der
Hof=
bibliother Darmſtadt, Grenadiermarſch „Oranien=Friesland” Marſch
„Oranien=Gelderland”, fowie Marſch von „Sardinien” Ziehrer=Walzer
„Wiener Bürger”, Neswadha: Paraphraſe über das Lied „Wie ſchön
biſt du‟, Weber: „Gyaf Bernſtorff”, Marſch. Leitung; Herr Math.
Weber.
— Der Darmſtäkter Kegelklub 1923 hielt ſein 3. Stiftungsfeſt in der
Reſtauration „Sitte” ab, nachdem das Rückſpiel mit dem Kegelklub
„Rheintreue”=Bingen auf der Krichbaumſchen Bahn ſtattgefunden hatte.
Der Darmſtädter Gegelklub 1923 ging bei dieſem Freundſchaftsſpiel als
Sieger hervor. Die Feier am 25. September, abends, hatte einen ſehr
harmoniſchen Verlauf. Künſtler, die ſich in liebenswürdiger Weiſe zur
Verfügung geſtellt, hatten, verſchönten den Abend durch Muſik, Gefang
und Tanz.
E Für Amerika=Auswanderer. Das amerikaniſche
Generalkoſulat teilt uns mit, daß die Quota zur
Aus=
wanderung nach den Vereinigten Staaten für das laufende
Quotajahr 1926/27, d. h. bis 30. Juni 1927, bereits gefüllt
iſt, und daß das Konſulat nach dem 15. Oktober 1926, keine
Anmeldungen mehr für dieſes Jahr annehmen
wird. Weiterhin kann nicht garantiert werden, daß
Anmel=
dungen, welche vor dieſem Datum einlaufen, in dem laufenden
Jahr noch berückſichtigt werden. Ueber den Zeitpunkt, an welchem
Ameldungen für das Quota=Jahr 1927/28 entgegengenommen
werden können, kann erſt ſpäter etwas feſtgelegt werden, und dies
wird rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben. In der Zwiſchenzeit
wird das Konſulat keinerlei Korreſpondenz mit
Perſonen, welche auszuwandern wünſchen,
führen.
Die
WINTERrAUSCABE
des
DARMSTADTER
FAHRPLAN
BUEM
ist ertchienen
n
Zu haben in
der deschäftsstelle Rheinstrasse 23,
Bahn-
nofsbuchhandlung, Verkehrsbüro, Klosken
und allen bekannten Buchhandlungen.
— Fünfzigjähriges Berufsjubiläum. Am 1. Oktober begeht Herr
Otto Carius. Inhaber der Köhlerſchen Buchhandlung, ein ſeltenes
Feſt. Fünfzig Jahre buchhändleriſcher Tätigkeit liegen hinter ihm. Ein
Leben, geadelt durch Arbeit und Charakterfeſtigkeit, ausgefüllt mit
ſchick=
ſalsvollen, abwechſlungsreichen Ereigniſſen. Am 1. Oktober 1876 trat
der Jubilar bei ſeinem Onkel Chr. Vieweg in Quedlinburg in die
dor=
tige Buchhandlung als Lehrling ein. Mit einem glänzenden Zeugnis
verſehen, öffneten ſich dem jungen Buchhändler 1882 die Pforten zu dem
großen, weiten Lebensraum. Ein angeborener Wandertrieb ließ ihn
jedoch nie längere Zeit an einem Orte heimiſch werden. Sein Weg führte
ihn in die verſchiedenſten Gegenden Deutſchlands und ins Ausland. Im
Jahre 1889 machte er ſich durch den Kauf der Dauſteinſchen
Buchhand=
lung in Sagan (Schleſien) ſelbſtändig. 1907 war Herr Carius auf
ärztliches Anraten gezwungen, ſeinen ihm ſo liebgewordenen
Sortimen=
terberuf aufzugeben, und in den folgenden Jahren widmete er ſich nur
dem Verlage, den er nach Stettin verlegte. Nach Wiederherſtellung ſeiner
Geſundheit erwachte in ihm aufs neue der Wunſch, einem lebhaften
Sor=
timent wieder vorzuſtehen, und ſo kaufte er 1911 die Karl Köhlerſche
Buchhandlung.
— Jubiläum. Am 1. Oktober d. J. feiert Herr Maler= und
Weiß=
bindermeiſter Karl Herrmann, Erbacher Straße 13, ſein 25jähriges
Geſchäftsjubiläum und gleichzeitig ſeinen 50jährigen Geburtstag. Herr
Herrmann erfreut ſich durch ſein ſolides Benehmen gegen jedermann
allgemeiner Beliebtheit.
— Herr Schneidermeiſter Wilhelm Straub hier, Heidelbergerſtr. 36,
begeht am 1. Oktober ſein 25jähriges Geſchäftsjubiläum. Herr Straub
kann mit Genugtuung auf dieſen ehrenvollen Tag zurickblicken, hat er
es doch verſtanden, nicht nur die ſchweren Zeiten des Kriegs und der
Inflation zu überwinden, ſondern auch durch perſönliche Tüchtigkeit,
unermüdlichen Fleiß und ſtrengſte Reellität ſein Geſchäft von kleinen
Anfängen heraus zu einem der angeſehenſten unſerer Stadt zu geſtalten.
— 40 Jahre im Dienſte des Heſſiſchen Landestheaters. Am 1. Okt.
kann Herr Fritz Lang auf eine 40jährige ununterbrochene
Tätig=
keit als Mitglied des Landestheater=Herrenchors zuwückblicken. Während
dieſer langen Zeit hat er ſich als bewährte und tüchtige Kraft erwieſen
und wurde darum auch vielfach in kleineren Solopartien verwendet.
Vielen Darmſtädtern iſt Herr Lang auch als Konzertſänger kein
Un=
bekannter, und ſehr gern wird das von ihm geleitete Darmſtädter
Männerquartett gehört, ſodaß er ſich auch auf dieſem Gebiete einen
guten Namen und viele Freunde erworben hat."
— Ein Förſterfubiläum. Der in weiten Kreiſen bekannte Förſter
Herr Hermann Klipſtein darf am 1. Oktober auf eine 25jährige
Amtstätigkeit auf der Förſterei „Forſthaus Böllenfalltor” zurückſchauen.
Herr Klipſtein, der im Laufe dieſes Monats ſein 65. Lebensjahr
voll=
endet, verſieht ſeinen Dienſt noch in voller Friſche, ſein Revier gilt
weit und breit als Muſterrevier, als Heger und Pfleger unſeres Waldes
iſt er geſchätzt bei ſeiner vorgeſetzten Behörde und durch ſein biederes,
freundliches Weſen in weiten Kreiſen beliebt und geachtet. Der Jubilar
entſtammt einem guten alten Geſchlecht, welches ſchon ſeit neun
Gene=
rationen dem Lande tüchtige Forſtbeamte geſtellt hat; er kann auf eine
46jährige Dienſtzeit zurückblicken und am 1. Mai ſein 40jähriges
Förſter=
jubiläum feiern.
— Jubiläum. Am Freitag, den 1. Oktober, blickt. Herr Peter
Bauer auf ſeine 25jährige Tätigkeit im Hauſe Jakob Scheid,
Darm=
ſtadt, zurück.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld der hieſigen höheren Schulen
für den Monat September 1926 iſt bei Meidung der Beitreibung bis
zum 11. Oktober 1926 an die Stadtkaſſe, Grafenſtraße W, zu zahlen.
(Siehe auch Bekanntmachung im Anzeigenteil dieſes Blattes.)
Lokale Veranſialtungen.
Di Merunter erſcheinenden Neiizen ſind ausſhließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu bokadken
in keinem Fallie irgendwie als Beſprechung oder Kritä.
— „Liederzweig‟ Darmſtadt. Unermüdliche Tätigkeit und
eifrige, ernſte Arbeit zur Förderung des deutſchen Liedes und
Männer=
geſangs beſeelt den „Liederzweig‟ Darmſtadt. Davon wird wiederum
das am 30. Oktober ds. Js. ſtattfindende Herbſtkonzert genannten Vereins
Zeugnis ablegen. Aber auch Gemütlichkeit, geſunden Humor und
Da=
ſeinsfreude haben die „Liederzweigler” in ſich. Dieſen Beweis wird das
„Original=Münchener=Oktoberfeſt” am Samstag, den 2. Oktober, abends
8 Uhr, auf dem „Heiligen Kreuz” erbringen. Es iſt nicht einem jeden
vergönnt, ſei es wegen Mangel an Zeit oder dem ſonſt Nötigen, nach
München zu reiſen, um dort das bekannte Volksfeſt mitzufeiern. Wer
aber in Darmſtadt ohne Eiſenbahnfahrt einige Stunden auf der
The=
reſienwieſe verweilen will, komme Samstag aufs „Heilige Kreuz”, zum
„Liederzweig‟. Hier ſindet er alles, was es in München gibt: Bayriſch
Bier, Radi, Weißwürſchtl, d geſcherten Dachauer, Dirmdl, Buam,
Schram=
melmuſik, Schuhplattler, prächtige Dekoration uſw. Wer durch einige
gemütliche Stunden die Sorgen des Alltags vergeſſen, aus dem Brunnen
geſunden Humors neue Daſeins= und Arbeitsfreude ſchöpfen will, der
komme. Zur Hebung der Stimmung werden die verehrl. Gäſte gebeten,
in Touriſten= oder Gebirgskleidung zu erſcheinen, wenn möglich die
Damen im Dirndlkleid.
Aus den Parteien.
— Deutſchnationaler Arbeiterbund. Der
Lichtbilder=
vortrag des Herrn Oberſtleutnant a. D. von Hagen über die „Schlacht
bei Verdun 1916” findet nicht Samstag, den 2.. ſondern Freitag, den
8. Oktober, abends, im „Fürſtenſaal”, Grafenſtraße ſtatt. Um
jeder=
mann die Teilnahme an dieſer
anten Vortrage zu ermög
lichen, iſt der Eintritt fre
Oktober, veranſtaltet die
hieſige Ortsgruppe
berwaldhaus. Treffpunkt
der Mitglicder
Die Geſchichte der Realſchule in Darmſtadt.
(Zur Hundertjahrfeier der Darmſtädter Realanſtalten.)
Nachſtehende Darlegungen ſind uns zur Verfügung
ge=
ſtellt von der „Vereinigung ehemaliger Real= und
Ober=
realſchüler”, die ihre einſtigen Kameraden, deren Angehörigen
und Freunde zwecks Zuſtellung von Einladungen und
Pro=
grammen zur Jubiläumsfeier am 6. 7. und 8. November
um Angabe ihrer Adreſſen an Herren Fr. Brommer,
Darm=
ſtadt, Rhönring 54, oder an die Direktionen der
Ludwigs=
bzw. Liebigs=Oberrealſchule bittet.
Die Darmſtädter Realanſtalten und ihre ehemaligen Schüler feiern
bekanntlich in dieſem Jahre das hundertjährige Beſtehen der Anſtalt, aus
der ſie hervorgegangen ſind.
Es iſt nicht einfach, den Weg rückwärts zu verfolgen, den die
Jubel=
anſtalt genommen hat. Die mehrfache Zuſammenlegung mit anderen
Schulgaktungen, Organiſations= und Namensänderungen,
Gebäude=
wechſel uſw. wirken verirrend. Die Einordnung, namentlich der älteren
unter den ehemaligen Schülern hat daher bei Gelegenheit der
Jubiläums=
veranſtaltungen des öfteren Anlaß zu Irrtümern gegeben. Mit dieſen
Gründen ſei im folgenden der Entwicklungsgang in großen Zügen
dar=
geſtellt:
Die fortſchreitende kulturelle, techniſche und wirtſchaftliche
Entwick=
lung hatte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts immer mehr das
Be=
dürfnis nach einer Unterrichtsanſtalt hervorgerufen, die im Gegenſatz
zur vorherrſchenden Lateinſchule eine höhere geiſtige Bildung in den
Naturwiſſenſchaften, der Mathematik und den neueren Sprachen
ver=
mittelt. Verhältnismäßig ſpät trug man in Darmſtadt dieſem
Bedürf=
nis Rechnung mit der Errichtung der Realſchule im Jahre 1826. Sie
hatte urſprünglich nur vier Klaſſen (ſpäter ſechs), und war untergebracht
in der Pädagogſtraße in dem Hauſe, das jetzt der Stadtbücherei dient.
Bereits im Jahre 1836 wurde an die Realſchule eine höhere
Gewerbe=
ſchule angeſchloſſen, die nur aus zwei Klaſſen beſtand. Aus letzterer ging
die Techniſche Hochſchule hervor. Beide Anſtalten ſiedelten im Jahre
1845 in das Gebäude am Kapellplatz über, in dem ſich die jetzige
Ludwigs=
oberrealſchule befindet. Die Vereinigung der beiden Anſtalten dauerte
bis zum Jahre 1864, von welchem Jahre ab die Realſchule wiederum
ſelbſtändig für ſich beſtand. Die höhere Gewerbeſchule wurde in dieſem
Jahre zu einer techniſchen Schule erweitert, die 1869 zur polytechniſchen
Schule und 1877 zur Techniſchen Hochſchule erhoben wurde
Die Realſchule mußte im Jahre 1872 das Schulgebäude am
Kapell=
platz wieder verlaſſen und wurde vorübergehend in dem Pädagog und
dem Kyritz’ſchen Stift untergebracht, bis im Jahre 1879 der Neubau am
Kapellplatz bezogen werden konnte, der ſpäter dem Realgymnaſium allein.
diente.
Inzwiſchen hatte ſich im Jahre 1873 eine Trennung innerhalb der
Realſchule vollzogen. Die Schulreformbeſtrebungen hatten dazu geführt,
die Realſchulen ſo auszugeſtalten, daß ſie ebenſo wie die Gymnaſien
eine ausreichende Vorbildung für das akademiſche Studium vermittelten.
Hierzu konnte man nach der damaligen Anſchauung das Latein nicht
entbehren. Neben der ſeitherigen Realſchule wurde daher im genannten
Jahre eine beſondere Abteilung gebildet in der Art, daß den ſechs
Klaſſen zwei Oberklaſſen aufgeſetzt wurden, und der Lateinunterricht
als Pflichtfach eingeſührt ward. Dieſe Abteilung nannte man von nun
an „Realſchule erſter Ordnung” während die ſeitherige ſechsklaſſige
Realſchule, in der das Latein nur fakultativer Unterrichtsgegenſtand war,
„Realſchule zweiter Ordnung” hieß. Beide Abteilungen hatten aber noch
die gemeinſchaftliche Bezeichnung „Realſchule”, ſtanden unter einem
Direktor, und die Lehrer unterrichteten an beiden Abteilungen.
Letzteres blieb auch ſo, als im Jahre 1885 die Realſchnile erſter Ordnung
die Bezeichnung „Realgymnaſium” erhielt, während die „Realſchule
zweiter Ordnung” wieder generell als Realſchule bezeichnet wurde, wie
es vor 1873 geweſen war. Erſt im Jahre 1889 fand eine Trennung
beider Abteilungen ſtatt, und zwar auch räumlich. Das Realgymnaſium
verblieb in dem neuen Gebäude, während die nunmehr wiederum
ſelb=
ſtändig gewordene Realſchule das ehemals bereits innegehabte Pädagog
und Kyritz’ſche Stift beziehen mußte. Die Ausdehnung der Schülerzahl
machte im Jahre 1890 die Hinzunahme des ehemaligen Pfarrhauſes
neben dem Stift notwendig, das in der Zeit zwiſchen 1876 und 1879 ſchon
einmal für die Schulzwecke benutzt worden war. Stift und Pfarrhaus
ſind im Jahre 1908 niedergelegt worden, um dem Neubau für das
Natur=
wiſſenſchaftliche Inſtitut des Realgymnaſiums Platz zu machen. Durch
den Neubau der Techniſchen Hochſchule wurde im Jahre 1895 das
Schul=
gebäude am Kapellplatz frei. In dem großen Gebäude konnte ſie ſich frei
entwickeln. Die Schülerzahl nahm berrächtlich zu, insbeſondere, als die
Realſchule im Jahre 1898 zu einer den übrigen höheren Lehranſtalten
gleichberechtigten Ober=Realſchule erweitert wurde. Die fortgeſetzte
Schülerzunahme führte im Jahre 1911 zur Eröffnung einer zweiten
Oberrealſchule, die den ſtattlichen Neubau in der Landwehrſtraße bezog
und den Namen „Liebigs=Oberrealſchule” erhielt, während die alte
Schule „Ludwigs=Oberrealſchule” genannt wurde.
Die gerade Linie der Entwicklung führt alſo von der im Jahre 1826
gegründeten Jubelanſtalt über die Realſchule zweiter Ordnung zu den
heutigen Oberrealſchulen, die nach Schulzweck und Schulplänen noch am
meiſten den bei der Gründung verfolgten Abſichten entſprechen. Die
beiden Oberrealſchulen und die Vereinigung ehemaliger Real= und
Ober=
realſchüler werden daher bei der Jubelfeier im Vordergrund ſtehen und
alles aufbieten, um die Veranſtaltungen und das Wiederſehen unter
den ehemaligen Schulkameraden mit beſtem Erfolg durchzuführen. Die
Veranſtaltungen werden vorbereitet in der Hoffnung, daß alle
ehe=
maligen Schüler, denen die Erinnerung an eine frohe und unbehümmerte
Jugendzeit lieb und heilig iſt, zur Jubelfeier an die Stätte ihrer einſtigen
Jugendfreuden und Jugendſchmerzen eilen werden.
— Gewerbemuſeum. Am 1. Oktober beginnt für die Bibliothek
des Muſeums die Winterordnung. Bücherausgabe und Leſeſaal ſind
von 9—12½ Uhr und von 3—7 Uhr geöffnet. Samstag nachmitrag iſt
die Bibliothek geſchloſſen.
Im Städtiſchen Leihamt, Kirchſtraße 9, findet am Mittwoch und
Donnerstag, den 6. und 7. Oktober d. Js., von 9—½1 Uhr,
Ver=
ſteigerung der verfallenen Pfänder ſtatt. (Siehe heutige
Bekannt=
machung.)
Kunſtnotizen.
— Union=Theater: Hanſeaten. Was an dieſem Film,
dem der bekannte und vielverſchlungene Rudolf Herzog=Roman zugrunde
liegt, beſticht, das iſt die Herausarbeitung des Milieus, des
Atmoſphä=
riſchen. Dieſe ſtrenge Kühle, dieſe ſcheinbare Temperamentloſigkeit, dieſe
Diſtanziertheit der „königlichen Kaufleute”, — das wird Gerhard
Lamprecht, der ſeit dem Zille=Erfolg in aller Munde iſt, nur ſchwer
jemand mit der gleichen Sauberkeit, mit der gleichen Ruhe und
künſt=
leriſchen Gemeſſenheit nachmachen. Eine ſtarke Leiſtung: Fritz Alberti,
der Mann der Arbeit. Ein prägnanter Geſtalter. Werner Pittſchau als
ſein Sohn iſt hier gelöſter als ſonſt, während Renate Brauſewetter über
ein monotones Lächeln kaum hinauskommt. Hermine Sterler hat
Augen=
blicke von herber Verhaltenheit, die reſtlos für ſie einnehmen. Tamara
Karſavina, die Tänzerin, ſucht ihre Rolle vom Tänzeriſchen her zu
be=
leben. Mimiſch war ſie wenig aufſchlußreich. Alles in allem ein Film,
der Lamprechts große Begabung als Milieumaler wieder erweiſt.
— Reſidenz=Theater: „Wenn Du eine Tante haſt”.
Wie hier dieſer alte Knicker vor der reſoluten Tante aus Amerika, von
der er glaubt, daß ſie die reichſte Erbtante ſei, in Grund und Boden
hineingelegt und in Liebesfeſſeln geſchlagen wird, iſt ſo urkomiſch, daß
man oft genug laut losſchreit. Es weht Berliner Luft aus dieſem Film,
jene Luft der kleinbürgerlichen Kreiſe, die allzu ſelten nur den Stoff
zu Filmen hergeben. . . Wo ſo alles auf minutiöſe Ausmalung der
Charaktere ankam, war natürlich erſtklaſſige Beſetzung der Rollen
wich=
tigſte Vorausſetzung. Was der Regiſſeur Karl Boeſe uns darin
vor=
ſetzt, iſt nun auch wirkliche Creme. Den dankbarſten Part hatte
unbe=
dingt Hermann Picha. Zum erſten Male faſt war er nicht gezwungen,
ins Groteske, zu überſteigern, ſondern einen wirklich vorhandenen Typ
hinzuſtellen. Bruno Kaſtner zeigte eine köſtliche Selbſtperſiflage ſeiner
ſelbſt, indem er dem verhimmelten Filmſtar echtes Leben gab. Helga
Molander in der Rolle einer anfangs faſt altjüngferlichen jungen
Zahn=
ärztin, die mit Hilfe der Tante aber auch bald ſich aus der häßlichen
Raupe in einen ſchillernden Falter verwandelt, war diesmal beſſer denn
je. Diegelmann und Garriſon waren in ihrer Art Typen, die ſatte
Le=
bendigkeit ausſtrahlten.
* Palaſt=Lichtſpiele. Wien iſt wie ein Walzev von Strauß
in wiegendem Rhythmus ſeines Volkslebens; der Prater, Grinzing, der
Glanz der Hofburg, der Stefansdom — Zug um Zug ein Stadtbild
von beſtrickendem Reiz. „Das ſüße Mädel” „Der feſche Deutſchmeiſter”
„Der lebensluſtige Spießer” „Der menſchenfreundliche Erzherzog” ſind
Typen, die es eben nur einmal gibt: „An der ſchönen blauen Donau”,
Friedrich Zelnik hat es mit gewohnter Meiſterſchaft verſtanden, dieſe in
der ganzen Welt beliebten Geſtalten in dem erſten D. L. S.=Film in
volks=
himlichen Farben zu ſchildern. Wie in „Förſterchriſtel” und „Mühle
von Sansſouci” hat er den Schwerpunkt aufs Gemüt gelegt. Ganz
Stimmung iſt Lya Mara in ihrer reizenden Natürlichkeit, mit dem
ſtrahlend unbefangenen Blick und dem geiſtreichen Spiel der Hände.
Soll man Harry Liedtke, Frieda Richard,
ſind Namen:
Film hat ein ganzes Stau=Er
in höchſter Form beſetzt. Ab morgen in
Seit 6
— Rieſen=Zirkus Gleich. Dieſes Rieſenunternehmen mit ſeinen
4 Maſten, 3 Manegen und einer Renbahm, das zurzeit mit den größten
Erfolgen in der Rheinpfalz gaſtiert, kommt demnächſt auch nach
Darm=
ſtadt, um auch hier ein einige Tage währendes Gaſtſpiel zu veranſtalten.
Vor Monaten erſt von ſeinem Triumpfzuge durch ganz Italien — wo
Direktor Julius Gleich infolge ſeiner hervorragenden Leiſtungen den
Titel und Orden eines Commendatore (Kommerzienrat) vom italieniſchen
Köwig erhielt — nach Deutſchland zurückgekehrt, erntete der Rieſenzirkus
Gleich in allem Städten, wo er gaſtierte, Erfolg über Erfolg und war
die Senſation und Tagesgeſpräch vor, während und nach ſeinen
Gaſt=
ſpielen. In letzter Zeit konnte man wiederholt ſpaltenlange Artikel über
dieſes einzigartige Unternehmen in den verſchiedenſten Tageszeitungen
leſen, und man darf wohl mit Recht den Riefenzirkus Gleich als den
größten europäiſchen Wanderzirkus bezeichnen. Man kann die Größe
dieſes Rieſenuntemehmens daraus erkennen, wenn man ſich vorſtellt,
daß für die Beförderung dieſer rieſigen Zeltſtadt von Ort zu Ork drei
Sonderzüge benötigt werden, um die Unmenge Wagen, Material und
Tiere verſtauen zu können. Sowie die drei Sonderzüge im
Güterbahn=
hof eingelaufen ſind, beginnt die eigene Zirkusſpedition, beſtehend aus
diverſen Raubenſchleppern, Lokomobilen, Laſtautos, rieſigen indiſchen
Arbeitselefanten aus Gleichs Tierpark und den ſchweren Zirkuspferden
mit der hochintereſſanten Ausladung. Außerdem führt der Rieſenzirkus
zirka 1000 Angeſtellte mit ſich, um den koloſſalen Betrieb aufrecht
er=
haltem zu können. In feder Vorſtellung wird dem Publikum in 3
Ma=
negen, 1 Nennbahn und in der Luft ein Programm von über 100
Attrak=
tionen gezeigt. Nieſenzirkus Gleich kann die Fülle ſeiner Darbietungen
unmöglich in einer Manege zeigen, ſondern muß 3 Manegen benutzen,
um alle Maſſenaufführungen dem Publikum zeigen zu können. Selbſt
die 3 Manegen genügen nicht und werden, während die grandioſen
Luft=
ſchauſpiele ihre Künſte zeigen, in eine Rieſenrennbahn verwandelt. Der
Rieſenzoo enthält über 600 Tiere aller Länder und Zonen, darunter
Elefantenherden, Löwengruppen, Eis= und Braunbären, Nilpferd,
See=
löwen, Kamele, Dromedare, Zebras, Wölfe, Hhänen, Affen aus allen
Urwäldern und vieles, vieles mehr. Der eigentliche Marſtall mit ſeinen
150 Raſſepferden, darunter der berühmte 24er=Zug aus dem
Freiherr=
lich von Langſchen Geſtüt Burg Zieverich, iſt allein eine
Sehenswürdig=
keit für ſich. Auch für hier und Umgebung wird dieſes
Rieſenunterneh=
men ein Ereigwis und Sehenswürdigkeit durch ſeine noch nie dageweſene
Aufmachung und Reichhaltigkeit der Vorſtellungen ſei. Sämtliche
artiſtiſchen Darbietungen und Dreſſurakte ſind Spitzenleiſtungen, welche
auch in hieſiger Gegend noch nie geſehen worden ſind. Ueber die
An=
kunft werden wir rechtzeitig berichten.
—Das Schweizer Garde Orcheſter erfucht uns mitzuteilen, daß die
Verſpätung des Konzerts am Sonntag abend um faſt anderthalb
Stun=
den im Orangeriegarten nicht durch eigene Schuld entſtanden iſt, ſondern
dadurch, daß die beſtellten Perſonenautos einer Darmſtädter Firma die
Kabelle entgegen der Beſtellung eine Stunde zu ſpät in Mannheim
ab=
holte und ſchließlich den Heimweg, weil ein Auto kein Licht mitführte,
ſo langſam fahren mußte, daß die Verſpätung dadurch entſtand.
* Bezirksſchöffengericht. Unter der ſchweren Anklage der
Zuhäl=
terei ſteht der in Eberſtadt geborene Chriſtian Buxler von
Darmſtadt. Er hat die Peſtalozziſchule hier beſucht, iſt Taglöhner in
der Röderſchen Herdfabrik geweſen, dann war er beim Hoch= und
Tief=
bau beſchäftigt, arbeitete auf der Kohlenzeche General” in Dortmund,
dann war er als Erwerbsloſer bei der Stadt beſchäftigt. Von den
ge=
ladenen Zeuginnen iſt eine nicht erſchienen. Die Vernehmung des
An=
geklagten, die unter Ausſchuß der Oeffentlichkeit ſtattfindet, zeitigt den
Gerichtsbeſchluß, den Angeklagten durch den zuſtändigen Kreisarzt auf
ſeinen Geiſteszuſtand unterfuchen zu laſſen. Deshalb wird die
Verhand=
lung ausgeſetzt.
Tageskalender für Donnerstag, 30. September:
Landestheater, Großes Haus Anfang 7 Uhr Ende 10 Uhr (E.2):
„Oberon”; Kleines Haus keine Vorſtellung. — Orphenm: Abends
8.15 Uhr: „Die Königin der Nacht”. — Schloß=Café: Konzert. —
Kaffee Rheingold: Konzert und Tanz. — Kunſthalle am
Rheintor: Theſing=Ausſtellung geöffnet von 11—4 Uhr. —
Ver=
ein der Freunde in der Not: Abends 6 Uhr, Gemeindehaus
Kiesſtraße 17 Hauptverſammlung. — Ludwigshalle Obergaſſe
Nr. 12: Stimmungsmuſik. — Union=, Refidenz= Theater,
Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.
Donnerstag, den 30 September 1926
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Arheilgen, 29. Sept. Geſtern wurde einer unſerer älteſten
Orts=
bürger zur letzten Ruhe getragen. Es war Herr Metzgermeiſter Philipp
Hartung, der das hohe Alter von 86 Jahren erreichte. — Kommenden
Sonntag hält der hieſige Turnverein von 1876 auf ſeinem Turnplatze
ein Schauturnen ab, dem ein Sternlauf aller Abteilungen vormittags
11 Uhr vorausgeht. Das Programm des Nachmittags verzeichnet: Frei=
und Handgeräteübungen, Geräteturnen, Reigen und Volkstänze. Bei
ungünſtiger Witterung werden beide Veranſtaltungen verſchoben. — Ab
morgen Donnerstag beginnen wieder die vierzehntägigen Bibelſtunden.
In Ausſicht genommen iſt die Einführung in die Welt der Propheten
umd ihre Bedeutung für die Gegenwart. — Das Treiben der Ziegen auf
die Herbſtweide ſoll in dieſem Jahre wieder aufgenommen werden. Als
Hirte iſt der Sohn unſeres früheren Hirten in Ansſicht genommen. —
Am Samstag wird durch den Landeskammerausſchuß eine Stall= und
Tierſchau des Ziegenzuchtvereins ſtattfinden.
H. Eberſtadt, 27. Sept. Herbſtkonzert. Die muſikaliſchen
Leiſtuungen des Muſikvereins „Edelweiß” die ſchon ſo oft lobend
hervor=
gehoben und gerühmt wurden, und ſein guter Ruf, der weit über
Ebeyſtadts Mauern hinausreicht, boten die Gewähr für den
außerordent=
lich genußreichen Abend, zu dem das am Samstag abend im Saale „Zum
Bergſträßer Hof” veranſtaltete Herbſtkonzert geworden war. Die
Muſik=
freunde Eberſtadts kamen voll und ganz auf ihre Rechnung und nahmen
die beſten Eindrücke von dem rührigen Schaffen und Können des
Orcheſters mit nach Hauſe. Wenn das Orcheſter auf dem Wege des
Auf=
ſtiegs — und das Wirken des Muſikvereins „Edelweiß” war bisher nur
ein fortgeſetzter Aufſtieg — fortſchreitet ſteht ihm noch eine
glückver=
heißende Zukunft bevor. Eberſtadt kann ſich freuen, daß es auch auf dem
Gebiete der Muſik ſo wertvolle Kräfte birgt, wie ſie ſich hier
zuſammen=
gefunden haben zu einem Ganzen, das — „Edelweiß” genannt — als
Mitkler der tönenden Kunſt wirkt und ſchnell zu einem unlöslichen Glied
lokalen Gemeinweſens geworden iſt. Aus dieſem Gruinde haben
Eberſtadts Muſikfreunde, hat die Gemeinde alle Urſache, die Ziele des
Vereins zu unterſtützen und ihm dadurch die Möglichkeit einer
unge=
hemmten Weiterentwicklung zu geben. Das ganze Programm war eine
glänzende Geſamtleiſtung und fand den ungeteilten Beifall, des
Pub=
likums, dem das Orcheſter durch einige ſchöne Zugaben Rechnung trug.
Herr Karl Geißler zeigte ſich durch techniſch und formale Beherrſchung
des Stoffes ſeiner Aufgabe als Kapellmeiſter gewachſen.
— Pfungſtadt, 28. Sept. Ortsgewerbeverein und
Handwerkervereini=
gung Pfungſtadt veranſtalten am 2., 3. und 4. Oktober im Gaſthaus
zum „Goldenen Lamm” eine Ausſtellung Pfungſtädter handwerklicher
Erzeugniſſe. Im vorigen Jahre erfreute ſich die Ausſtellung eines guten
Beſuches, auch waren die Ausſteller mit ihrem Erfolge zufrieden. Die
Vorarbeiten ſind beendet und verſpricht die Ausſtellung, die letzte weit
zu übertreffen. Die Anmeldungen ſind ſehr zahlreich, unter anderem
wird die Herd= und Ofenfabrik A. Ruckelshauſen in Pfungſtadt im
Ein=
vernehmen mit der Bäckerinnung ihre Konditoreibacköfen im Betrieb
vorführen und Koſtproben ihrer Erzeugniſſe berabfolgen. Unter den
Ausſtellern befinden ſich: Schreiner, Schloſſer, Küffer, Spengler, Sattler,
Pohſterer, Schneider, Schneiderinnen, Gold= und Silberſchmiedearbeiten,
und andere Handwerkszweige. In einem Nebenraume werden die
Ge=
ſellenſtücke der diesjährigen Geſellenprüfung ausgeſtellt werden, die die
Beſucher der Ausſtellung beſonders intereſſieren dürften. Nach all dem,
was man im vorigen Jahre in Pfungſtadt gezeigt hat, wird die
bevor=
ſtehende Ausſtellung allen Beſuchern vollendete handwerkliche
Erzeug=
niſſe vor Augen führen. Man hofft, daß auch diesmal der Ausſtellung ein
recht reger Beſuch zuteil wird und ſich die Beſucher von dem Können
des hieſigen Handwerks überzeugen.
* Ober=Ramſtadt, 29. Sept. Auch in dieſem Jahre tritt der
Rad=
fahrerverein „1893” zum Schluß der Jahresſaiſon noch mit eimigen
ſchö=
nen ſportlichen Veranſtaltungen auf den Plon. Am Vormittag des 10.
Oktober findet zunächſt ein Rennen rund um den Roßberg ſtatt, das,
obwohl keine allzu lange Strecke, den Teilnehmern doch reichlich
Gelegen=
heit geben wird, ihr Können zu zeigen. Am Nachmittag des gleichen
Tages findet die in Radſportkreiſen beliebte Schnitzeliagd ſtatt. Hierbei
Nummer 23
iſt bereits rege Beteiligung geſichert. Bei beidem Veranſtaltungen z
den Siegern wertvolle Preiſe. Der 16. Oktober vereint alsdon
Mitglieder und Freunde des Vereins zu einem Tanzkränzchen im
wen”, bei dem die Preisverteilung ſtattſindet und Kinderreigen i
ſchiedenen Gruppen zur Aufführung kommen werden. Der
Verein ſetzt alles daran, ſeinen Beſuchern neben guten
ſportlich=
ſtungen auch einige frohe Stunden zu bieten.
* Roßdorf, 28. Sept. Die Schulzahnpflege in
uſer=
meinde wird anſtelle von Herrn Dr. Will nunmehr von der 9
ärztin Frau Dr. Grab in Darmſtadt, Eliſabethenſtraße 34.
geübt.
* Reichelsheim 29. Sept. Belehrende Lichtbildvorführ
Die Heſſiſche Lichtbildbühne veranſtaltet nächſten Samstag.
8½ Uhr, im Saale „Zum Löwen”, hier, die Vorführung des medizir
Aufklärungsfilms „Hygiene der Ehe‟. Den Begleitvortrag z
Lichtbildern wird der praktiſche Arzt, Herr Dr. Fiſcher, von hier 5
Da dieſer Vortrag in erhebliche Weiſe geeignet iſt, zu
Geſundhe=
erwachſenen Geſchlechts und deſſen Nachwuchſes beizutragen, ſo da
Beſuch der Veranſtaltung für die Erwachſenen angelegentlichſt emm
werden. Jugendliche unter 18 Jahren haben dagegen keinen Zutzy
8 Michelſtadt, 29. Sept. Eine Privatklage des Rektors
Sch. gegen den Pfarraſſiſtenten K. G. in St., nun in G., weger
leidigung hat nun auch die Strafkammer in Darmſtadt beſchäftigt.
erſte Urteil hat auf Freiſprechung gelautet. Hiergegen hat Privat)
Berufung eingelegt. G. war früher Pfarraſſiſtent an der hieſigen e
kirche, an der Sch. als Organiſt wirkte. Mitte Mai 1925 wurde
Offenbacher Kirchenchor in der Stadtkirche M. ein Konzert veranſt
Der Leiter dieſes Chores hatte um die Erlaubnis gebeten, daß
Offenbacher Lehrer die Orgel ſpielen dürfe, was ihm auch nach
ſprache mit Sch. von G. geſtattet wurde. An Pfingſten 1925 traf G
Sch. am Ausgang der Kirche im Geſpräch mit dem Kirchendiener, 3
das Empfinden hatte, daß das Geſpräch ſich um ihn drehe, ſtellte e
Kirchendiener zur Rede und erfuhr von dieſem, Sch. habe das Orge.
in jenem Konzert abfällig kritiſiert und die Vermutung ausgeſor=
G. ſelbſt habe wohl die Orgel geſpielt. In dieſer Aeußerung gerade
Kirchendiener gegenüber erblickte G. den Vorwurf der Unwahrhafti
da er doch vor dem Konzert dem Sch. ausdrücklich erklärt habe.
er, ſondern ein Offenbacher Organiſt ſpiele die Orgel, und da e (
außerdem nach dem Konzert den O.er Opganiſten als Orgelſpieler
geſtellt habe. Nach dieſer Aeußerung erſchien es G. unmöglich.
weiter mit Sch. beruflich zuſammen zu arbeiten. Er fühlte ſich, w.
angibt, in der Ausübung ſeines Berufes befangen und eingeſchränkt
lange er mit einem Manne als Organiſten zuſammen arbeiten m.
der ihn als Lügner hingeſtellt. Er wollte deshalb eine reinliche Scheil
zwiſchen ſich bzw. der ev. Kirche und Sch. herbeiführen und ſchrieb
1. Juni 1925 an Sch. einen Brief, deſſen Schlußſatz den Gegenſtand
Privatklage bildet, mit folgendem Wortlaut: „Ihre Geſinnung geger
evangeliſche Kirche kennen wir ja durch Ihre Machenſchaften bei
Beſetzung der Rektorſtelle in Michelſtadt im vorigen Jahr, und es
dert uns, daß Sie, nachdem Sie Ihre Geſinnung ſo offen an den
gelegt, nicht damals ſchon aus den Dienſten der Kirche ausgeſchi
ſind.‟ Dem Angeklagten hat das Amtsgericht den Schutz des 8
StGB. zugebilligt; er habe in Wahrung eigener berechtigter Inter
gehandelt; er habe zum mindeſten in ſolcher zu handeln geglaubt.
Gericht hat auch verneint, daß das Vorhandenſein einer Beleidic
ſich aus der Form der Aeußerung oder den Umſtänden ergebe. Der s
druck „Machenſchaften” ſei gewiß ſcharf geweſen. Der Angeklagte
ihn aber offenbar für berechtigt gehalten und auch geglaubt, daß
ſächlich Mochenſchaften vorgekommen ſeien. Mit der Angelegenheit
ſich auch das Landeskirchemamt beſchäftigt. Als G. von dieſem eine
ſchrift wegen Ordnung der Angelegenheit erhielt, ſei, ſo erklärt die
eine Ladung zum Sühnetermin vor die Bürgermeiſterei in St. ber
in ſeinen Händen geweſen. Den Bemühungen des Vorſitzenden gel
es, einen Vergleich zuſtande zu bringen. Der Angeklagte erklärte
habe den Brief in Erregung geſchrieben, wobei es ihm lediglich da
zu tun geweſen ſei, ſeine und ſeiner Kirche Intereſſen zu wahren,
Vorwurf von Machenſchaften wolle er heute nicht mehr aufrecht erhal
guich mache er dem Privatkläger nicht den Vorwurf unlauterer
ſinnung, eine Beleidigung desſelben habe er nicht beabſichtigt, wenn
ſoſche unterlaufen ſein ſolle, bedauere er dies.
Familiennachrichten
Unſere Gertrud
iſt heute angekommen.
Studienrat Dr. Scheuermann
und Frau Marie, geb. Muth
z. Zi. Klinik Dr. Wolff und Dr. Hoffmann.
Darmſtadi, den 28. Sepf. 1926.
(*25448)
Statt Karten.
Ihre am Samstag, den 2.
Ok=
tober, nachmittags 31/, Uhr, in
der Martinskirche ſiattfindende
Trauung beehren ſich anzuzeigen
Ottilie Renn
Otto Zöckler essson
Grünberg
Darmſiadt
Lichtenbergſtr. 34
1. Oberheſſen
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat
es gefallen, unſere gute Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter, Schwägerin u. Tante
Frau
geb. Wendel
im 66. Lebensjahr, nach langem,
ſchwerem Leiden in die Ewigkeit
abzurufen.
(14063
Im Namen der trauernden
Hinterbliebenen:
Familie Epting
Familie Fiſchfeld
Darmſtadt u. Buenes=Aires.
Darmſtadt, den 29. Sept. 1926.
Die Beerdigung findet Freitag,
den 1. Oktober, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſtatt.
Habe meine ärztliche Tätigkeit
wieder aufgenommen
Dr. mod. Hof
Gerhinusſtraſie 46‟ (*251303d
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
liebe Frau, unſere trenſorgende Mutter, Großmutter,
Schwiegermutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Margaretha Sock
geb. Magin
nach 13jährigem ſchweren Leiden im Alter von
53 Jahren am 29. September, ½2 Uhr nachts, zu
ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Hock, Juſtiz=Oberwachtmeiſter
Familie Volke, Kammermuſiker
Hedwig Hock
Willy Hock und Braut
und 1 Enkelkind.
Darmftadt, Pforzheim, Ludwigshafen, Frankfurt
a. M., Mutterſtadt, Mannheim, den 29. Sept. 1926.
Die Beerdigung findet Samstag, den 2. Oktober, um
3 Uhr nachmittags, von der Kapelle des Waldfriedhofes
aus ſtatt.
(*25462
Geſtern abend iſt mein lieber, herzensguter
Mann
Herr
nach ſchwerem Leiden heimgegangen zur ewigen
Rnhe.
In tiefer Trauer:
Eliſabeth Rückert.
Darmſtadt, den 29. September 1926.
Lucasweg 3.
(14040
Die Feuerbeſtattung findet am Freitag nachmittag
3 Uhr auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitte ich abſehen zu wollen.
Mehrere geſpielte
Pianos
ſchwarz und
nuß=
haum poliert:
preiswert
zu verkaufen.
Bequeme
Teilzahlung!
Karl
Arnold
und Sohn
Eliſabethen=
ſtr. 28. (12542a
Oe
bringt den Tod!
Eine Kur mit
Cir-
kulin reinigt das
Blut, fördert die
Verdauung kräftigt
die Nerven. Bei
allen inneren
Lei-
den von
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Seite 7
Nummer 274
Michelſtadt, 29. Sept. Zuſammenſtoß. Ein folgenſchwerer
Zuſammenſtoß zwiſchen einem Motorrad und einem Fuhrwerk der
Brauerei Dörr ereignete ſich hier am Ortsausgang nach Erbach. Der
Motorradfahrer, ein Herr aus König, wollte dem entgegenkommenden
Fuhrwerk vorſchriftsmäßig nach rechts ausweichen, als dieſes plötzlich
nach links fuhr, um in den dort in die Straße mündenden Weg, den
ſogenannten Holzgraben, einzubiegen. Dem Motorradfahrer gelang es
nicht mehr, ſein Rad zum Stehen zu bringen, ſo daß er in die Pferde
hineinfuhr. Während er mit dem Schrecken davonkam, wurde das eine
Pferd ſchwer verletzt, ſo daß das eine Bein in Gips gelegt werden
mußte. — Die Bewohner unſeres Städtchens wurden dieſer Tage durch
die Töne einer Sirene aus ihrer RiX gebracht. Nach und nach erfuhr
man, daß es ſich um ein neues Aladmmittel handele, das bei
Feuers=
gefahr in Tätigkeit treten ſoll. Die Sirene, deren durchdringende Töne
weithin hörbar ſind, wird bei der Ende dieſer Woche ſtattfindenden
Nachtübung der Freiwilligen Feuerwehr zum erſten Male in Tätigkeit
treten. Den Bewohnern iſt dies bekannt gemacht worden, damit ſie beim
Ertönen der Sirene nicht zu ſehr erſchrechen.
Hebſtahl, 28. Sept. Am Samstag, nachmittags ½4 Uhr, fand die
Beſichtigung der hieſigen Pflichtfeuerwehr durch Herrn
Kreisfeuerwehr=
inſpektor Mayer=Erbach ſtatt. Nach der Prüfung der Geräte und dem
Einzelexerzieren an denſelben, die beide zur Zufriedenheit ausfielen,
wurde von der Wehr ein exakt und ſtramm ausgeführter Brandangriff
auf das Anweſen von Michnel Schmelzer, Veteran von 1870/71, gemacht.
Die Uebungen hatten zahlreiche Zuſchauer herbeigelockt. —
Gruben=
holz nach Ruhr und Saar. Das im vergangenen Sommer in
den Ludwig Lenz’ſchen und Jakob Volk’ſchen Waldungen geſchlagene
Kiefernholz (ca. 1000 Feſtmeter) wird jetzt laufend von dem Fuhrgeſchäft
Böhm=Eberbach mittels Laſtauto nach Eberbach verbracht. Von dort
werden die kurz geſchnittenen Stämme per Schiff nach Ruhr= und
Saar=
gruben verfrachtet. — Wiederaufnahme der Bautätigkeit.
Nachdem die Bautätigkeit in unſerem Dorfe ſchon ſeit 1909 völlig ruhte,
wird jetzt mit der Errichtung eines ſchönen Einfamilienwohnhauſes
be=
gonnen. Eigentümer iſt Peter Gärtner dahier. Zweifellos wird dieſer
Bau, nachdem auch das Schulhaus renoviert wurde, zur Hebung des
Geſamtortsbildes weſentlich beitragen.
* Bickenbach a. d. B., 29. Sept. Der weit und breit gut bekannte
hieſige Konzert= und Tanzſaal „Zur Traube” wird zurzeit von dem
Be=
ſitzer Hermann ganz erheblich vergrößert. Er wird, ſobald er
fertig=
geſtellt iſt, ungefähr 500 Perſonen faſſen und eine Tanzfläche von 250
Quadratmetern beſitzen. Der Saal erwies ſich ſchon bei verſchiedenen
Feſtlichkeiten als zu klein, und iſt dieſem Uebelſtand jetzt abgeholfen. —
Am 31. Oktober und 1. November findet die hieſige Kirchweihe als eine
der letzten in hieſiger Umgebung ſtatt.
* Gernsheim, 29. Sept. Durch den Gendarmeriewachtmeiſter Heller
von hier wurde ein funger Mann wegen Bettel feſtgenommen. Plötzlich
nahm der Feſtgenommene, der über keinerlei Legitimationspapiere
ver=
fügte, Reißaus und ſuchte durch die Felder das Weite. Herr
Wacht=
miſter Heller nahm die Verfolgung auf und es gelang ihm, den
Aus=
reißer einzuholen, der im hieſigen Amtsgerichtgefängnis inhaftiert wurde.
Es handelt ſich um den 20jährigen F. Walther aus Velbert im
Rhein=
land. — Eine ziemlich ſchwere Augenverletzung zog ſich der Schloſſer
Ludwig Maus von hier zu. Mittelſt eines Sanitäters der hieſigen
frei=
willigen Sanitätskolonne erfolgte noch am Dienstag abend die
Ueber=
führung des Verletzten in eine Augenklinik nach Darmſtadt. — Wegen
Bettelei und groben Unfugs wurde der 57fährige Gelegenheitsarbeiter
Anton Herrmann aus Hambach bei Bensheim, bekannt unter dem
Pfeudont : „Peter von Hambach”, zu 5 Wochen Haft unter
Anrech=
nung de: erlittenen Unterſuchungshaft von dem Strafrichter des hieſigen
Amtsgerichts verurteilt. Gleichzeitig wurde die Ueberweiſung an die
Landespolizeibehörde ausgeſprochen. Der Unverbeſſerliche hat mit dieſer
Strafe zum 50. Male vor den Schranken des Strafgerichts geſtanden
und waren ſeine 50 Strafen teils leichter und ſchwerer Natur. — Der
vom Forſtamt Gernsheim im hieſigen Geweindewald zur Lagerung von
Eicheln errichtete Eichelkeller iſt ſoweit fertiggeſtellt. — Am Samstag,
den 2. Oktober, veranſtaltet der Stenographenverein Gabelsberger einen
gemütlichen Abend, verbunden mit einer Abſchiedsfeier zu Ehren des
Mitgliedes Fräulein Marie Reuff, die in den nächſten Tagen nach New=
York überſiedelt.
Rheinheſſen.
m. Alzeh, 29. Sept. Preisgekrönte Turner, Am Sonntag
fand in Flonheim das volkstümliche Turnen des 3. Bezirks des 5. Gau
Rheinheſſens ſtatt, bei dem ſämtliche Wett=Turner preisgekrönt nach
Hauſe kamen. Im Einzelkampf=Kugelſtoßen errang Wachtmeiſter Müller
den 3. Preis und in der 1. Altersklaſſe unter ſtarker Konkurrenz den
4. Preis mit 69 Punkten im Dreikampf. Willi Stöckel den 16. Preis.
In der zweiten Altersklaſſe=Dreikampf Karl Sauer den 4. Preis; Georg
Buß den 11. Preis. In der 3. Altersklaſſe=Dreikampf Anton Berghof
den 3. Preis. Auch alle an dem Gerätewettkampf beteiligten aktiven
Turner erhielten Preiſe. Mögen dieſe ſchönen Erfolge am Schluſſe der
diesjährigen Wettkämpfe der jüngeren Generation im Turnverein Alzey
ein neuer Anſporn ſein, um bei den kommenden Wettkämpfen im neuen
Jahre auch ehrenvoll abzuſchneiden.
M. Bingen, 29. Sept. Reichsausſchuß für
Weinfor=
ſchung. Am 29. und 30. ds. Mts. werden in Worms die Beratungen
des Reichsausſchuſſes für Weinforſchungen abgehalten. Der Präſident
des Reichsgeſundheitsamtes, Vertreter des Reichsminiſterium des Innern
und die zuſtändigen Miniſterien verſchiedener Einzelſtaaten nehmen an
den Verhandlungen teil. Die Tagung iſt ſehr vertraulich, da die
Be=
ſprechungen für die Abfaſſung des neuen Weingeſetzes von größter
Be=
deutung ſind. Die Stadt Worms hat den hiſtoriſchen Ratsſaal im
Rathauſe für die Beratungen zur Verfügung geſtellt. Nach Schluß der
Tagung findet eine Beſichtigung der Lehr= und Verſuchsanſtalt für
Wein= und Obſtbau in Oppenheim und der heſſ. Domäne in Mainz ſtatt.
* Gau=Algesheim, 29. Sept. Nach einer Entſcheidung des Herrn
Reichskanzlers kann die Verbringung von Portugieſer= und
Burgunder=
trauben aus den von der Reblaus verſeihten Gemarkungen Bingen,
Büdesheim, Dietersheim, Dromersheim, Elsheim, Horrweiler=Süd,
Kempten, Jugenheim, Nieder=Hilbersheim und Ockenheim nur in ſolche
Gemarkungen erlaubt werden, die unmittelbar an die verſeuchte
Ge=
markung angrenzen und ſelbſt verſeucht ſind, und unter der weiteren
Vorausſetzung, daß die Ausfuhr in äußerlich gut gereinigten Fäſſern
und Büitten erfolgt. Im übrigen bleibt die Ausfuhr ganzer Trauben
zur Weinbereitung aus den genannten Gemarkungen verboten.
Zu=
widerhandlungen unterliegen den hohen geſetzlichen Strafen. — Die
Beſitzer von Bäumen ſolcher Kreisſtraßen, Kommunal= und Ortsſtraßen,
an welchen Telegraphenleitungen entlang laufen, werden darauf
auf=
merkſam gemacht, daß gelegentlich der im Herbſt dieſes und im
Früh=
jahr kommenden Jahres ſtattfindenden Ausäſtung der betreffenden
Bäume dieſelben ſoweit zurückzuſchneiden ſind, daß eine Berührung
der längs dieſer Straßen aufgeführten Telegraphenleitungen mit den
Baumäſten (auch beim raſchen Wachſen der Bäume) für den nächſten
Sommer ausgeſchloſſen iſt.
Oberheſſen.
* Nidda, 28. Sept. Der Um= und Erweiterungsbau der
Gewerbe=
ſchule iſt im Gang; die neuerrichtete Ackerbauſchule wird einen
Unterrichtsſaal überwieſen bekommen. Letztere Schule wird infolge der
zentralen Lage und der guten Zugverbindungen unſerer Stadt eine
gute Zukunft haben. Die Stadtverwaltung will nächſtes Jahr geeignete
Unterrichtsräume beſchaffen.
* Bad=Rauheim, 29. Sept. Vom Stadthauſe. Die
Stadtver=
ordneten beſchloſſen in ihrer letzten Sitzung die Errichtung eines
Iſolier=
hauſes als Beſtandteil des geplanten Krankenhausneubaues. Die
An=
lage ſoll 64 000 Mark koſten. Außerdem wurde die Beſchaffung eines
Kraftwagens zur Beförderung von Kranken als notwendig erachtet. Dem
Turnverein 1860 wurde eine einmalige Unterſtützung von 300 Mark
zu=
gebilligt, dem Pfadfinderbund auf Geſuch ſei ſtädtiſches Gelände in
Größe von etwa 200 Quadratmetern auf Widerruf überlaſſen. Der
Bund will darauf ein eigenes Heim errichten.
* Gießen, 28. Sept. Die Roſen= und Dahlienſchau, die
in der Turnhalle abgehalten wurde, erfreute ſich eines guten Beſuches.
Es war auch wunderbar, dieſe geſchmackvoll aufgebauten vielfarbigen
Kinder der Flora zu ſehen. Die weltbekannte Roſenfirma Schultheiß=
Steinfurth bei Bad=Nauheim hatte etwa 8000 Roſen in größeren
Sträu=
ßen ausgelegt, und dazwiſchen prangten die herrlichen Dahlien (wohl
120 Sorten) der Firma Döll=Gießen.
Oberbeſſen im Winterfahrplan 1926/27.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat, wie
uns der Heſſiſche Verkehrsverband mitteilt, auf die
zahl=
reichen Beſchwerden über unzureichende Verbindungen in der heſſiſchen
Provinz Oberheſſen nachträglich einige wichtige Verbeſſerungen im
Win=
terfahrplan vorgeſehen. Das Weiterverkehren der wichtigen
Schnell=
züge D 175—275/776 Freiburg—Fr ankfurt a. M.—Gießen
nach Dortmund, ab Frankfurt in Richtung Gießen 5.12, ab Gießen
in Richtung Frankfurt 1.06, iſt bereits gemeldet worden. Nunmehr wird
noch mitgeteilt, daß gegenüber den urſprünglichen Abſichten Pz. 505
Nidda ab 2.07, Gießen an 3.10, auch an Sonntagen verkehrt, ſo
daß die im Fahrplanentwurf vorgeſehene Zugpauſe von über 10 Stunden
zwiſchen Nidda und Hungen ausgefüllt wird. Auf der Strecke Nidda—
Schotten werden auch an Sonn= und Feiertagen die Züge 4186 ab
Schotten 1.10, an Nidda 1.54, und 4185 ab Nidda 4.25, an Schotten 5.05
befördert. Auf dieſer für den Winterſportverkehr wichtigen Stricke
werden alſo an Sonn= und Feiertagen ſtatt zwei drei Zugpaare
ver=
kehren.
Die ganz beſonders lange Zugpauſe von je rund 7½ Stunden, die
durch den zunächſt geplanten Wegfall der Züge 562 Fulda—Gießen
und 557 Gießen — Fulda an Sonntagen entſtanden wäre, wird auf die
eindringlichen Vorſtellungen bei der Gießener Fahrplanbeſprechung durch
tägliche Führung der genannten Züge (ab Fulda 1.20,
Lauter=
bach 2.06. Alsfeld 2.42, Gießen an 2.47. Gießen ab 3.36, Alsfeld
5.12, Lauterbach 5.41, Fulda an 6.21 abends) ausgefüllt. Hierdurch
wird es möglich ſein, auch auf der wichtigen Strecke Gießen-Fulda an
Sonn= und Feiertagen Tagesreiſen vorzunehmen, was bei Wegfall der
genannten Züge faſt ausgeſchloſſen geweſen wäre. Zur Verbeſſerung der
Abendverbindungen zwiſchen Frankfurt a. M. und Büdingen wird
an Sonntagen im Anſchluß an Pz. 4113, Frankfurt a. M. Hbf. ab 7.10
abends, über Vilbel, Stockheim an 9.46 Uhr, ein Zug Stockheim ab 9.50,
Büdingen an 10.07 Uhr abends, neu eingelegt. Schließlich wird,
zahl=
reich geäußerten Wünſchen entſprechend, Pz. 771 Frankfurt Hbf. ab 11.40
Uhr abends, der bisher in Friedberg endigte, an Sonntagen über
Fried=
berg hinaus mit Aufenthalten nur in Bad=Nauheim und Butzbach bis
Gießen, an 1.30 Uhr, durchgeführt.
Die vorſtehend mitgeteilten Fahrplanänderungen ſtellen einen
weſent=
lichen Fortſchritt gegenüber dem urſprünglich von der
Reichsbahnverwal=
tung für den Winter 1926/27 geplanten Zuſtand dar. Zweifellos
wer=
den die Verbeſſerungen der Verbindungen gerade im Sonntagsverkehr
willkommenen Anlaß zu zahlreichen, bisher durch unzureichende
Ver=
kehrsverhältniſſe unmöglich geweſene Reiſen zwiſchen Stadt und Land
bieten. Der Reichsbahndirektion Frankfurt gebührt
Dank dafür, daß ſie einen Teil der berechtigten Wünſche
Ober=
heſſens nach ausreichenden Verbindungen erfüllt hat.
* Lauterbach, 28. Sept. Der Abtrieb von der hieſigen
Jungvieh=
weide iſt dieſes Jahr wegen der herrſchenden Maul= und Klauenſeuche
früher erfolgt als in früheren Jahren. Sie war mit 90 Rindern der
heſſiſchen Fleckviehraſſe (Simmentaler) beſchickt. Auf der Jungviehweide
Zell=Romrod wurde am Donnerstag der Weidebetrieb eingeſtellt;
abge=
trieben wurden 67 Rinder der Fleckviehraſſe und 26 Fohlen Belgier= und
Oldenburger=Raſſe. Der Geſundheitszuſtand der Tiere war gut, die
Ge=
wichtszunahme recht günſtig.
* Vom Lande, 29. Sept. Kartoffelernte. Unſere Landwirte
haben heuer allgemein 8—10 Tage früher als ſonſten mit dem
Ein=
bringen der Kartoffelernte begonnen. Denn dieſe Hackfrucht war infolge
der anhaltenden Trockenheit in ihrem Wachstum gehemmt und ſehr zeitig
abgeſtorben Die Spätkartoffeln ſind deshalb in ihrer Entwicklung
zurückgeblieben, und der Ertrag läßt vielerorts zu wünſchen übrig. Ein
Vorzug iſt es jedoch, daß faſt keine einzige faule Kartoffel zum Vorſchein
kommt. Auch kommen die Knollen ſo befreit von Erde in Säcke und in
den Keller, daß ſie faſt wie gewaſchen ausſehen. — Mit der Beſtellung
der Saaten ſind die Landwirte wegen der großen Trochenheit des Bodens
bedeutend im Rüchſtand.
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Donnerstag, den 30. September 1926
Im Dunkel der (uropäiſchen
Geheindiplomatie.
Jswolſkis Kriegspolitik in Paris 1911 bis 1917.
Volksausgabe der im Auftrage des Auswärtigen Amtes
veröffentlichten Jswolſki=Dokumente.
Herausgegeben von Friedrich Stieve.
Deutſche Verlagsgeſellſchaft für Politik und Geſchichte m. b. H., Berlin.
Preis 35— Mark.
Mit dieſer zweibändigen Volksausgabe hat ſich der Herausgeber
des ſechsbändigen „Diplomatiſchen Schriftwechſes Jswolſkis” ein
neues Verdienſt um die Aufklärung im Kampfe gegen die
Kriegs=
ſchuldlüge erworben. Entlaſtet von allen unwichtigen
zweit=
klaſſigen Urkunden, die das Leſen der großen Ausgabe
erſchwer=
ten, klaſſiert nach beſtimmten, für die Entwicklung zum Kriege
bedeutſamen Zeitereigniſſen, geben die vorliegenden Bände auch
dem Laien ein treffliches Bild von dem Verlauf jener
verhäng=
nisvollen Ententepolitik von 1911 bis 1914, die ſchließlich zum
Ausbruch des Weltkrieges führen mußte. Für die klare und
ein=
deutige Darſtellungsweiſe des ehemaligen ruſſiſchen Botſchafters
in Paris ſpricht es, daß ſeize Berichte, wie ſie hier nacheinander
gereiht und in die Zeitereigniſſe eingeordnet ſind, ſich gleichſam
wie eine geſchichtliche Erzählung, ſtellenweiſe wie ein
ſpannen=
der Roman leſen, ohne Kommentar, ohne Erläuterungen, ohne
Anwerkungen: eine Seltenheit in einer diplomatiſchen
Urkunden=
ſammlung. Durch die Anordnung in vier Bücher mit zahlreichen
Kapiteln iſt ein Geſchichtswerk entſtanden von äußerſt populärer
Darſtellung und daher von großem Wert für die
Aufklärungs=
arbeit.
Im erſten Buch: „Das Vorſpiel” die Tätigkeit
Jswolſkis im erſten Jahre ſeines Wirkens in Paris, 1911. Auf
der ganzen Linie noch Schwierigkeiten, die ſich ſeinem Ziele,
Frankreich für die ruſſiſche Meerengenpolitik zu gewinnen,
ent=
gegenſtellen. Auf der einen Seite gilt es, das Mißtrauen zu
be=
ſeitigen, das ſich bei den Franzoſen aus Anlaß der Potsdamer
Zuſammenkunft zwiſchen Kaiſer Wilhelm und dem Zaren
feſt=
geſetzt hat. Sie ſehen durch die vermutete deutſch=ruſſiſche
An=
näherung den franko=ruſſiſchen Zweibund gefährdet. Auf der
anderen Seite gilt es, die friedliche Löſung der Marokkokriſe
herbeizuführen, die Frankreich wegen afrikaniſcher Intereſſen in
einen Krieg hineinzuſtürzen droht, aus dem für die
Verwirk=
lichung der ruſſiſchen Beſtrebungen nichts zu erhoffen iſt. In
angeſtrengter diplomatiſcher Geheimarbeit gelingt ihm beides.
Die Früchte von Potsdam kommen nicht mehr zur Reife, die
Marokkokriſe dagegen zur friedlichen Löſung. Nicht aber etwa,
um die Hinderniſſe für den Frieden zu beſeitigen, ſondern nur,
um überzuleiten auf die beiden europäiſchen Brandherde, auf
Elſaß=Lothringen und den Balkan. Schon am Tage des
Ab=
ſchluſſes des deutſch=franzöſiſchen Marokkoabkommens, am 4.
No=
vember 1911, geht Iswolſki zum erſten Angriff über und fordert
von der franzöſiſchen Regierung als Entgelt für die in der
Marokkokriſe gewährte Unterſtützung den Beiſtand zur Aufrollung
der Meerengenfrage. Er wird durch die Intervention von
Georges Louis abgeſchlagen. Dieſer hat als franzöſiſcher
Bot=
ſchafter in Petersburg tiefen Einblick in die ruſſiſche
Kataſtrophen=
politik gewonnen und in das ruſſiſche Beſtreben, Frankreich in
dieſe hineinzuziehen. Jswolſkis Bemühungen ſcheinen zum
Scheitern verurteilt, und peſſimiſtiſch lauten ſeine Berichte um
die Jahreswende. Doch der unerwartete Sturz des ſeinen Plänen
abgeneigten Kabinetts Caillaux bringt im Februar 1912 einen
ihm Gleichgeſinnten zur Macht: Poincaré.
„Die Einigung mit Poincaré”, ſo lautet das zweite
Vuch. Und mit Recht. Schneller, als vielleicht Iswolſki ſelbſt
erhofft, reifen ſeine Pläne in der Zuſammenarbeit mit dem
revanchedurſtigen, ehrgeizigen Lothringer. Georges Louis wird,
da eine Intrige der beiden zu ſeiner Entfernung aus Petersburg
ſcheitert, einſtweilen kaltgeſtellt und Jswolſti der direkte
Ver=
mittler zwiſchen Saſſanow und Poincaré. Am 16. Juli wird
eine franko=ruſſiſche Militärkonvention abgeſchloſſen, um, wie
durch die Militärkonvention zu Lande, auch zur See ein
gemein=
fames Vorgehen ſicherzuſtellen. Im Auguſt beſucht Poincaré in
Petersburg Saſſanow, um alle noch beſtehenden Unſtimmigkeiten
in perſönlicher Ausſprache aus dem Wege zu räumen und
ge=
wiſſermaßen ein europäiſches Aktionsprogramm aufzuſtellen.
England wird in den Kreis dieſes Programms einbezogen. Der
im Herbſt ausbrechende Balkankrieg bringt ſchon die Krönung
der Pplitik Jswolfkis: Poincaré erklärt ſeine Bereitſchaft,
Ruß=
land auch im Falle eines aus Balkanſtreitigkeiten entſtehenden
Krieges zu unterſtützen, d. h. er erteilt Rußland Blankovollmacht
zur Entfeſſelung eines europäiſchen Krieges. Denn das ruſſiſche
Balkanprogramm bedeutet Zertrümmerung der Türkei, Krieg mit
Oeſterreich. Noch iſt aber Rußland nicht ſo weit, und auch das
franzöſiſche Volk auf einen ſolchen europäiſchen Krieg nicht
vor=
bereitet. Noch ſtehen auf ſeiten der Mittelmächte, wenn auch nur
ſcheinbar, Italien und Rumänien. Der ruſſiſche Rubel beginnt
in der franzöſiſchen Preſſe zu rollen, diplomatiſche
Verhandlun=
gen gaukeln den beiden Bundesgenoſſen Deutſchlands und
Oeſterreichs finanzielle und territoriale Gewinne vor Augen. Wo
gütliches Zuredeu nicht hilft, ſchreckt man auch vor Drohungen
nicht zurück.
Dem Anfang 1913 zum Präſidenten der Republik gewählten
Poincaré gelingt es endlich, Georges Louis aus Petersburg zu
entfernen. Delcaſſé tritt an ſeine Stelle. Die beiderſeitigen
Kriegsvorbereitungen nehmen unter Kontrolle des franzöſiſchen
Generalſtabes und mit franzöſiſchen Anleihen an Rußland immer
größeren Umfang an. Das Dreijahresgeſetz wird durchgepeitſcht,
die engliſch=ruſſiſche Entente ihrem Abſchluß nähergebracht. Der
Druck auf den noch imme zögernden Saſonow verſtärkt ſich, und
im November 1913 kommt die große Erkenntnis in Saſſanows
Bericht an den Zaren zum Ausbruch: „Die Meerengenfrage kann
nur über europäiſche Verwicklungen gelöſt werden.”
„Der gemeinſame Weg”, im 3. Buch trefflich
gezeich=
net, hat endlich zum Ziele geführt. Der ſteile Turm des
Straß=
burger Münſters, die herrlichen Ufer des Rheinſtromes, die
Kuppeln der Hagia Sofia in Konſtantinopel, das ſlawiſche Reich
unter ruſſiſcher Führung, die Zertrümmerung des verhaßten
Deutſchen Reiches, der verachteten Donaumonarchie locken als
ſichere Beute.
„Die Kriegsziele” (4. Buch) kriſtalliſieren ſich immer
mehr, zu neuem Kriegswillen anſpornend. In der Affäre Liman
von Sanders, der deutſchen Militärmiſſion in der Türkei um die
Jahreswende 1913/14 hält nur die Ungewißheit über Englands
Haltung die beiden Verbündeten vor kriegeriſchen Maßnahmen
zurück. Der Beſuch des engliſchen Königs in Paris im April
1914 und die darauf folgenden Verhandlungen über den Abſchluß
einer engliſch=ruſſiſchen Marinekonvention räumen aber auch dieſe
Ungewißheit beiſeite. Machtvolle ruſſiſche Kriegsfanfaren kün=
den im Mai und Juni 1914 das drohende Gewitter an, deſſen
Entladung der Mord von Serajewo herbeiführt.
„Das iſt mein Krieg; 4 Jahre auf meinem
Poſten in Parishaben mir genügt, um mein Ziel
zu erreichen”, klingt es im Auguſt und September 1914
triumphierend aus dem Munde Jswolſkis.
Kampf für die Wahrheit.
Vom 7. bis 15. Oktober ds. Js. hält das Apol. Seminar
Wernige=
rode ſeine diesjährige Hochſchulwoche für chriſtliche Weltanſchauung in
Köln a. Rh. ab. Die Gründung des Seminars fiel in das erſte
Jahr=
zehnt unſeres Jahrhunderts, aber in eine Zeit bereits ernſteſten
Geiſtes=
ringens. Dem tieſerſchauenden war es ſchon damals klar, wie neben
einem glänzenden äußeren Aufſtieg unſeres Volkes die Verarmung
ſeines Innenlebens durch volle Auswirkung der materialiſtiſchen
Welt=
anſchauung, welche ſich von der Mitte des vorigen Jahrhunderts an
mehr und mehr durchſetzte, erſchreckend zunahm. Aeußerlich ungeahnte
Erfolge der Ziviliſation, innerlich ein Abſterben der Wurzeln lebendiger
Kultur. So wurde unſer Volksleben immer mehr Scheinleben. Jeder
Einſichtige fürchtete den Augenblick, da einmal die ſcharfe Probe unſeres
Volkstums vor dem Kriege beginnen würde. Der apol.
Zuſammen=
ſchluß zweier Tage war aus dem tiefen Pflichtgefühl erwachſen, für die
Sache des Volkes einzutreten, alle Wahrheiten zuſammen zu faſſen und
zu vertiefen und eine Neuerſtarkung der chriſtlichen Weltanſchauung
zu erarbeiten.
Inzwiſchen iſt der äußere und innere Zuſammenbruch des deutſchen
Volkes erfolgt. Seine innere Krankheit war zu tief gefreſſen, um es
vor ſchlimmen Erfahrungen zu bewahren. Die Tatſache iſt zunächſt eine
Rechtfertigung alle der Stimmen, welche uns noch vernehmlich ſchon vor
dem Kriege auf den Lebensbrunnen des Epangeliums hinwieſen als
der geſunde Quellſtrom aller wahren Kultur eines Volkes. An dieſer
Erkenntnis ſoll uns aber nicht genügen. Wir wollen freudigen Herzens
trotz aller immer noch furchtbaren Verfallserſcheinungen für die
Wahr=
heit eintreten, daß die Krankheit unſeres Volkes keine ſolche zum Tode
iſt, wenn der Sinn für die Wurzeln der Lebenskraſt wieder erwacht
und volles Verſtändnis findet. Deshalb iſt die Arbeit unſeres Seminars
nötiger und verheißungsvoller als je, als ein Aufruf zum
Zuſammen=
ſchluß aller derienigen Kreiſe, die ſich im tiefſten Sinne für die Sache
ihres Volkes verantwortlich fühlen.
Wir wollen in dem Namen „Hochſchulwoche für chriſtliche
Welt=
anſchauung” ein Programm empfinden. Entſprechend der Eigenart des
deutſchen Denkens will unſere Arbeit ein ſtreng wiſſenſchaftliches
Sich=
mühen um die immer tiefer und klarere Erkenntnis der Wahrheit ſein;
nicht eine gelegentliche Abwehr dieſer und jener Angriffe auf das
Chriſtentum; nicht ein planloſer Verſuch, hier und da ein Stückchen
religiöſer und kirchlicher Anſchauungen zu retten. Nein, das
Bewußt=
ſein der einzigartigen und ſieghaften Macht der chriſtlichen
Weltan=
ſchauung ruft uns auf den Plan, um von ihrer Grundlage aus und mit
ihrer Kraft der kranken Kulturentwicklung unſerer Zeit und ihres
Ge=
ſchlechts zur Geſundung zu helfen. Und dann „Chriſtliche
Weltan=
ſchauung”! In dieſem Begriffe eingeſchloſſen liegt ſogleich die geſamte
Auffaſſung von Leben und vom Handeln in allen ſeinen Beziehungen.
Deshalb wollen wir zeigen und erweiſen, wie nach unſerer
Ueber=
zeugung die Vielgeſtalt des Lebens ihre Reinheit und Schönheit vom
chriſtlichen Lebensſinn allein erhalten kann, und wie die ſchweren Zeit=
und Kulturfragen — es ſei z. B. nur auf das ſoziale Problem erinnert
— aus chriſtlichen und religiös=ſittlichen Grundüberzeugungen heraus
eine Löſung finden können. Unſer apologetiſcheis Beginnen hat alſo
eine durchaus angriffsfreudige und heilwollende Art gegenüber all dem
Kranken und Verbrauchten unſeres Volkstums ſeine Denkweiſe und
Lebensgeſtaltung. — Zum erſten Male gehen wir mit unſerer
Hoch=
ſchulwoche nach dem Weſten des Vaterlandes an die Stätte einer mehr
als tauſendjährigen deutſchen Geiſtesentwicklung. Möge auch darin die
Mahnung liegen, daß die deutſche Art, die ſo reiche Frucht ſchon aus
chriſtlichem Geiſte gebracht hat, wiederum aus neuer Sehnſucht und
ganzer Kraft heraus ſich mit der Botſchaft und dem Geiſte des
Evan=
geliums verbinde zu guter und reicher Frucht in der Zukunft.
Ludwig Heine.
Deutſchtum in Südſlawien.
Die Deutſchen in der Batſchka, Baranja und im Banat wurden im
Juli/Auguſt von einer Ueberſchwemmungskataſtrophe betroffen, die in
der Geſchichte dieſer deutſch=ſchwäbiſchen Beſiedlungsgebiete ohne
Bei=
ſpiel daſteht. Im ganzen Ueberſchwemmungsgebiet ſind rund 250 000 Joch,
gleich 500 000 Morgen unter Waſſer; 300 000 Morgen davon ſind
deutſch=ſchwäbiſcher Beſitz! Faſt die ganze Ernte, viele Hunderte, ja
Tauſende Wohnſtätten fielen der raſenden Donau zum Opfer. Den
an der Hilfsarbeit für das von der Ueberſchwemmung ſchwer
betrof=
fene Deutſchtum in Südflawien beteiligten reichsdeutſchen Verbänden in
Berlin und Stuttgart wird ein Aufruf des deutſchen Hilfsausſchuſſes in
Neuſatz (Südſlawien) übermittelt, in welchem es heißt:
Deutſche Volksgenoſſen! Der Deutſche Hilfsausſchuß in
Neuſatz, der im Jahre 1923 eure edelmütige Hilfeleiſtung für die
hungern=
den Kinder und Greiſe in Deutſchland organiſierte und durchführte,
appelliert nun an eure Mildtätigkeit und brüderliche Hilfsbereitſchaft,
auch zur Linderung der bitteren Not eurer Volks= und Heimatgenoſſen
im Donaugebiete, die durch eine Hochwaſſerkataſtrophe, wie wir ſie ſeit
Menſchengedenken nicht mehr erlebten, um Haus und Hof, um die
Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden und ohne eure ausgiebige
Bruder=
hilfe größtem Elend entgegengehen. Von Apatin bis Neuſatz herunter
ſind Dutzende von Häuſern überſchwemmt, Tauſende von Häuſern
ein=
geſtürzt, Hunderttauſende von Jochen Feldes überflutet, viele Tauſende
von Familien ohne Obdach und Brot. Eurer Teilnahme und
Hilfsbe=
reitſchaft gewiß, ladet euch der Deutſche Hilfsausſchuß alle, die eines
guten Willens ſind, Vertreter von deutſchen Gemeinden, Vereinen und
Körperſchaften, wirtſchaftlichen Organiſationen und humanitären
Ver=
einigungen, die Vertreter unſerer deutſchen Geiſtlichkeit, des deutſchen
Bürgertums, Bauern= und Gewerbeſtandes, insbeſondere auch unſere
deutſchen Hochſchüler ein, in Neuſatz zu einer Beratung
zuſammenzu=
treten, um Mittel und Wege zu finden, wie auch wir Deutſche an dem
großen Hilfswerke, das im ganzen Lande für die Ueberſchwemmten in
Angriff genommen wird, würdig teilnehmen und unſere Bruderhilfe
den vom Hochwaſſer betroffenen deutſchen Siedlungen angedeihen laſſen
können. Der Hilfsausſchuß bittet um zahlreiche Teilnahme, damit die
entſprechende Organiſation in den Gemeinden, von den Teilnehmern
eheſtens in Angriff genommen werden könne und das Hilfswerk alsbald
Früchte trage. Beſondere Einladungen werden nicht verſendet. Jeder
hilfsbereite deutſche Mann iſt willkommen!
Wir bringen dieſen Aufruf der deutſchen Oeffentlichkeit zur
Kennt=
nis und richten an alle reichsdeutſchen Volksgenoſſen die dringliche Bitte,
an die bewährte Volkstreue und die opferwillige Hilfsbereitſchaft der
Stammesbrüder an der Donau zu denken und, ſei es auch mit kleineren
Spenden, die allerärgſte Not, die beſonders im kommenden Winter ſehr
drückend ſein wird, zu lindern. (Spenden auf das Poſtſcheckkonto des
Deutſchen Auslands=Inſtituts Stuttgart Nr. 7690 oder des Vereins für
das Deutſchtum im Ausland, Berlin Nr. 88 467.)
Nummer 271
Kohlenlager in Oſiafrika.
AD. Aus der belgiſchen Kolonie Kenya treffen Berichte von neuen
umfangreichen Kohlenfunden ein. Schon vor 20 Jahren waren
In=
genieure beim Waſſerbohren in der Nähe von Samburn auf Kohlenlager
geſtoßen. Nunmehr ſind im Tal des Pemba=Rier in der Tiefe von
100 Fuß ausgedehnte Kohlenflöze entdeckt worden. — Die engliſche
Zeitſchrift „African World” hält dieſe Funde für überaus bedeutſam,
weil ſie die Entwicklung der Kolonie in ganz neue Bahnen lenken
wür=
den. Mit dem Abbau der Kohle ſei die Errichtung neuer Induſtrien
und der Ausbau von Mombaſa und Kilindini zu großen Bunkerhäfen
zu erwarten. Die Vorausſagen der Sachverſtändigen auf die
Ent=
deckung ausgedehnter Kohlenlager im Küſtengebiet von Kenya haben
ſich ſomit beſtätigt. Die „Tape Times” berichten aus Nairobi, daß
Johannesburger Finanzleute in Verbindung mit der Tanganyika
Dia=
monds die Summe von 50 000 Pfund Sterling der Kenya Coaſtal Mining
and Exploration Company für den Beginn der Abbauarbeiten zur
Ver=
fügung geſtellt haben.
Geſchäftliches.
Es iſt von großem Intereſſe, die Urſache und die Entſtehung
Gewohnheiten und Dingen zu erfahren, die unſer tägliches Leben
füllen. In dieſer Zeit der großen Umwälzungen gibt es ſo viele
findungen, Neueinrichtungen und Verbeſſerung auf allen Gebieten.
man kaum die Zeit dazu findet, einmal über ihre Entſtehung nae
denken. Wenige Hausfrauen, die ſeit Jahr und Tag ihre Speiſen
„Blauband” ſtatt Butter bereiten, wiſſen, daß die Entſtehung der M
garine einer Anregung Napoleons III. zu verdanken iſt, und daß
nach langjährigen Verſuchen und Verbeſſerungen eine Margarine
den Markt gekommen iſt, wie die „Blauband”. Ihre Eigenſchaften,
gute Geſchmack und Geruch, ihre Haltbarkeit und ein der Butter al
wärtiger Nährwert ſind jeder Hausfrau bekannt.
SWD nennt ſich eine neue illuſtrierte Zeitſchrift. Soll damt
der mal einem „dringenden Bedürfnis” abgeholfen werden, daz b.
ſtens in den Köpfen ſpekulativer Zeitungsleute exiſtiert? Beileibe
die SWD den Rattenkönig der charakterloſen illuſtrierten Blätter y.
vermehren, ſondern im guten Sinne modern, heimatverbunden und
wieder weltoffen das buntbewegte Leben und das vielgeſtaltige au
und Kulturſchaffen in Aufſätzen und Bildern verfolgen, daneben g
und hauptſächlich die entſprechenden Vorgänge im Südweſten Deut
lands feſthalten. Ein mit beſonderer Sorgfalt ausgewählter ſpann
der Roman ſoll dem Leſehunger im beſten Sinne Rechnung tragen
damit jedem einzelnen Heft den Stempel exquiſiter Lektüre aufpräe
aIf3
Kluge Hausfrauen wiſſen, daß Bohnerwachs ein Artilel iſt.
deſſen Einkauf nicht ausſchlaggebend ſein darf, ob er einige Pfenn
mehr oder weniger koſtet. Und warum?. Weil Verſuche ergeben hab
daß von billigen Vohnermaſſen des Handels beim Bohnern zwei= u
dreimal mehr draufgeht als von gutem Bohnerwachs, wie Wichsmät
das infolge ſeines hohen Gehaltes an feſten Edelwachſen nur hau
dünn aufgetragen werden darf. Es beſitzt einen milden, angenehn
Geruch und ergibt überraſchend ſchnell prachtvollen Hochglanz, der H.
und Linoleum für lange Dauer ſchützt. Sie dürfen daher im Geſch
nicht ſagen: Ich möchte eine Doſe Bohnermaſſe, ſondern Sie müſ
ausdrücklich eine Doſe Wichsmädel verlangen und billige, geringwert
Wachſe, die ſich ſo ſchnell aufbrauchen, zurückweiſen.
(TV/132
Briefkaſien.
K. Schb. Darüber wird Ihnen wohl die Landwirtſchaftskamm
Auskunft geben können.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
— Donnerstag, 39. Sept. 4.30: Hausorch, Skandinaviſche Muſik.
Gade: Im Hochland, Quv. — Spendſen: Romanze für Violine
und Orch. Norwegiſche Rhapſodie op. 21. — Grieg: Lieder. Aus
den „Lyriſchen Stücken”. — Sibelius; Valſe triſte. — Klenau=
Walzer a. „Klein Ideas Blumen”. Sol.: Elly Schaefer (
Mezo=
ſopran) und A. Meinel (Violine). O 5.45: Leſeſtunde: „Cola di
Rienzo” von Ferdinand Gregorovius. O 6.15: Südweſtdeutſcher
Radio=Club. S 6.45: Uebertr. Caſſel: Vortrag Dir. Staub=
„Das Volkslied, ſeine Entwickelung und Charakteriſierung als
Volks=
ultur und Volkskunſt.” O 7.15: Italieniſch. O 8.15: Uebertr.
Caſſel: Rezitations=Abend. Willy Buſchhoff, Berlin, ſpricht „Die
Sanfte” von Doſtojewski. O 9.15: Robert Koppel=Abend. Berlin:
Manuela‟ — Kalman: „Wo iſt der Himmel ſo blau wie in
Wien”. „Lieſe, Lieſe, komm mit mir auf die Wieſe‟. — May”
„In Rothenburg ob der Tauber”. — Evans: „Barcelona”. —
Freire: „Eilala”. — Holländer: „Ich tanz' Charleſton”. — Roſen:
„Sag einer ſchönen Frau nur was ſie gerne hört.” — Raymond:
„In Rüdesheim am Rhein”. — Kollo: „Sonntag gehin wir
tanzen, Schatz”. — Holländer: Berlin, Berlin, wie biſt du ſchön
geworden”. — Wildenbruch: „Mein Onkel aus Pommern”. —
Gerlach: „In letzter Stunde‟. — Haas=Frankfurt: „Kreuzworträtſel”,
— Anſchl. bis 12.30: Tanzmuſik von Berlin.
Stuttgart.
Donnerstag, 50. Sept. 4.15: Konzert. O 6.15: Dramaturg.
Funkſtunde (Schauſpiell. O 6.45: Aerztevortrag: Die ſpinale
Kinder=
lähmung. O 7.15: Schach. O 8: Moderne Schweizer Dichter.
Mitw.: Marga Muff=Stenz u. Funkorch. — Anſchl.: Schwäbiſcher
Luſtſpiel=Abend. Leitung: G. Ott. „Wer ebbes will, der kas.”
Luſtſpiel von Chr. Hinderer. Perſ.: Otto Walz, Hirſchwirt: G.
Ott; Pauine, Frau: Elſe Remmers; Maria, Lina, Töchter: Soiie
Tſchorn, Frida Heller; Karl Groß, Knecht: A. Hofele; Friederie
Kolb, Magd: Frida Garleb; Dr. ing. Walter Pfaff: E. Stockinger;
Dr. med. Helene Pfaff ſeine Schweſter: Hildegard Gerber: Schmid,
Chauffeur: L. Puſchacher. Handlung: Wirtsſtube im „Hirſch” —
Hierauf: „Dr nui Fußballplatz‟. Luſtſpiel von Fr. Müller. Perſ.:
Martin Wacker, ſtudierter Schultheiß: E. Stockinger; Chriſtian
Baldauf, ſtellv. Schultheiß: A. Hofele: Büchele, Landwirt: F. Höger;
Seibold, Landwirt: K. Engel; Strakele, Landwirt: Theo Thalau;
Fuchsmüller, Schneidermeiſter: L. Puſchacher; Habermaas
Schreiner=
meiſter: P. Stock; Gutöhrle, Büttel: G. Ott; Mariele, Tochter
des Baldauf: Frida Heller; Barbara Lochſtampfer: Elſe Remmers,
Handlung: Sitzungszimmer des Gemeinderats in Hupflingen.
Berlin.
Donnerstag, 30. Sepr. 12: Viertelſtunde für den Landwirt.
O 4: Studienrat Dr. John: „Wanderfahrten durch das Heilige
Land” (2. T.) O 4.30: Funkkapelle. Nelſon: Die Luft bei Berlin,
Marſchlied aus „Die tanzenden Fräuleins” — Lincke: Duv.
Grigri”. — Blech: Walzer aus „Strohwitwe‟. — Gounod:
Serenade. — Niclas=Kempner: Zigeunerſehnſucht. — Donizetti:
Fant. „Favoritin” — Bohm: Adagietto religioſo. — Vecſey: Valſe
triſte. — Liſzt: Ung. Rhapſodie Nr. 12. O 6.15: Prof. Dr. Hörth:
Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 0 6.45:
Perſonenverzeichnis zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 9 7:
Uebertr. aus der Staatsoper: „Triſtan und Iſolde” von Richard
Wagner. — Anſchl.: Tanzorch. Ette.
Königswuſterhauſen. Donnerstag, 30. Sept. 2.30: Neue
Küchen=
einrichtungen und deren Syſteme. O 3: Prof. Amſel und
Oberſchul=
lehrer Weſtermann: Einheitskurzſchrift. O 3.30: Lektor Vilma
Mönckeberg: Auffaſſung oder Erfaſſen. O 4: Dieſelbe: Mittel des
Erfaſſens und des Ausdruckes. O 4.30: Aus dem Zentralinſtitut
Berichte). O 6: Landwirt Blum=Krefeld: Intereſſenfragen der
Klein=
landwirtſchaft. O 6.30: Dipl.=Handelslehrer Wieg:
Volkswirtſchaft=
liche Fragen für junge Kaufleute. O 7: Mihail Wittels: Die
frühen Sonaten Beethovens. O 7.30: Arthur Holitſcher: Reiſe
durch China. 2. Das revolutionäre Kanton. O. 8: Uebertr. aus
Leipzig. Sinfonie=Konzert.
Wetterbericht.
Wettervorausſage für Freitag, den 1. Oktober 1926,
nach der Wetterlage vom 29. September 1326.
Der Nordſeewirbel, deſſen Rückſeitenſtrömung die niedrigen Leme
peraturen der letzten Tage verurſacht hat, hat ſich weiter aufgefüllt und
verliert an Energie. In Weſteuropa iſt unter der Einwirkung der
Vorderſeitenſtrömung eines isländiſchen Wirbels Temperaturanſtieg en
folgt, der ſich oſtwärts ausdehnt. Die noch beſtehenden Unſtetigkeiten
der Temperatur= und Luftſtrömung, die ſtellenweiſe zu kurzen
Regen=
fällen führen, gleichen ſich allmählich aus, ſo daß mit trockenem. Zei.
weiſe aufklarendem und tagsüber milderem Wetter zu rechnen iſt.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Heſſche Na
Schlußdienſt:
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
wortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feut
ſchrichten: Mar Streee; für Sport: Dr. Eugen Buhlman
: 1. V. Dr. Eugen Buhlmann; für den Inſeratenteil: Will9
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 16 Geiten.
PTeller Saype für nur 13 Pfennig
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kurzes Kochen mit Waſſer — in reicher Sortenauswahl
V.12581)
aus
MAgG! Suppen=Würfeln.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 271
Donnerstag, den 30. September 1926
Seite 9
Reich und Ausland.
Verbandstag des Main=Rheiniſchen
Stenographenverbandes „Gabelsberger”
Frankfurt, im September.
Der zur weiteren Pflege des altbewährten, beſonders auch in
Frank=
furt a. M. in Handel, Induſtrie und bei den Beherden weiteſt
ver=
breiteten Gabelsbergerſchen Kurzſchriftſyſtems begründete Verband hielt
ſeinen Verbandstag in den Mauern unſerer auch in ſtenographiſcher
Be=
ziehung traditionsreichen Stadt ab.
In der Feſtverſammlung in der Aula der Schillerſchule, die von
Violinvorträgen des Herrn Ph. Lotz umrahmt war, ſprach der
Geſchäfts=
führer des Deutſchen Stenographenbundes Gabelsberger, Herr Gg.
Kalis, Frankfurt a. M., üüber das Thema „Gabelsberger im Wandel der
Zeiten”. Mit großer Sachkenntnis ſchilderte er den Werdegang der
ſogenannten „Einheitskurzſchrift” und legte in überzeugender Weiſe dar,
wie durch Ausnützung parteipolitiſcher Konſtellationen ein bereits von
zahlreichen ſtenographiſchen Forſchern zur Volkskurzſchrift als durchaus
ungeeignet verworfener Syſtementwurf durch den Staatsſekretär Schulz
im September 1924 zur „Reichskurzſchrift” erhoben wurde. Das
Er=
gebnis dieſer — nach Worten eines Parteigenoſſen des Vaters der
Reichs=
kurzſchrift — „einzigen Tat” des Staatsſekretärs Schulz werde nun mit
Zwangsmitteln ſchärfſter Art einzuführen verſucht trotzdem es von
einem geldlich nicht an der Sache intereſſierten Teil der
Gabelsberger=
ſchen ſowie der geſamten Schule Stolze=Schrey abgelehnt werde.
Red=
ner geißelte die Tatſache, daß die Reichsregierung 200 000 Mk.
aus=
geworfen hat zur Einführung dieſer ſogenannten Reichskurzſchrift. Ueber
die Verwendung dieſer Gelder müſſe man als Steuerzahler Rechenſchaft
von der Regierung fordern. Bezeichnend ſei, daß der Stenographie=
Schule Stolze=Schrey für den Fall eines Ueberganges zur
Reichskurz=
ſchrift ſeitens der Regierug Gelder in Ausſicht geſtellt wurden.
Der damalige Vorſitzende des Deutſchen Stenographenbundes
Gabelsberger, der neuerdings ſogar den Namen Gabelsberger abgelegt hat,
habe, ohne vom Bund ermächtigt zu ſein, dem erwähnten Staatsſekretär
die Gefolgſchaft des Burdes zugeſagt in einem Augenblick, in dem die
Einführung des Gabelsbergerſchen Shſtems als Einheitskurzſchrift als
wahrſcheinlich anzunehmen rar. Satzungswidrig habe ein Teil des
Bundes ſich auf die Reichskurzſchrift umgeſtellt, weswegen von den
gabelsbergertreuen Mitgliedern gerichtliche Schritte gegen ihn
unter=
nommen wurden, um den Bund mit ſeinem ſatzungsgemäßen Zweck der
Pflege ud Verbreitung der Gabelsbergerſchen Stenographie
weiter=
zuführen.
Der Vortrag klang aus in einem Gelöbnis zu Gabelsberger, das
von der Feſtverſammlung begeiſtert aufgenommen wurde.
Mit ſtarkem Beifall wurden die dem Vortrag ſich anſchließenden
Ausführungen des 2. Vorſitzenden des Verbandes, Herrn Gg. Rommeis,
Frankfurt a. M., von der Verſammlung aufgenommen, der dem
leb=
haften Befremden Ausdruck gab, daß Magiſtrat und Handelskammer
Frankfurt der Einladung zur Feſtverſammlung keine Folge gegeben
haben. Das ſei der Dank für die ſelbſtloſe, jahrzehntelange Kulturarbeit
der Stenographenvereine, der allein es zu danken ſei, wenn heute
In=
duſtrie und Handel, Behörden und Parlamente mit leiſtungsfähigen
Stenographen verſorgt ſeien. Wenn die Stenographenvereine dem
be=
hördlichen Druck nachgeben und ihre Unterrichtstätigkeit einſtellen
wür=
den, dann würde gerade hier in Frankfurt der G=ſchäftswelt großer
Schaden zugefint, dann ſei auf Jahre hinaus mit brauchbarem
ſteno=
graphiſchen Nachwuchs nicht zu rechnen. Deshalb ſei auch die Haltung
verſchiedener Handelskammern des Verbandsgebietes nicht zu verſtehen
und mit den Intereſſen ihrer Mitglieder nicht zu vereinbaren, wenn
ſie einſeitig die Reichskurzſchrift propagieren. Den vielen Tauſenden in
den Büros tätigen Geſchäftsſtenographen müſſe Gelegenheit zur
Weiter=
bildung und Ablegung eines amtlichen Befähigungsnachweiſes gegeben
werden. Die Geſchäftswelt brauche lediglich tüchtige Stenographen und
habe keine Veranlaſſung, behördlicher Maßnahmen zuliebe ein noch
unerprobtes neues Kurzſchriftſyſtem dem alten und bewährten Syſtem
ihrer Angeſtellten vorzuziehen.
Die am 5. September im Löwenbräu abgehaltene
Vertreterverſamm=
lung, die von den Vereinen aus dem Main= und Rheingau gut beſchickt
war, faßte einſtimmig folgende Reſolution:
„Die im Rhein=Mainiſchen Verband Gabelsberger
zuſammengeſchloſ=
ſenen Fachvereine lehnen auf Grund der mit der — fälſchlicherweiſe
vielfach als „Einheitskurzſchrift” bezeichneten — vorläufigen „
Reichs=
kurzſchrift” im Unterricht gemachten Erfahrungen auch weiterhin —
ebenſo wie die Schule Stolze=Schrey — die Umſtellung auf dieſe nicht
gewigend erprobte unfertige, mit allen Mängeln eines
Kompromiß=
ſyſtems behaftete Kurzſchrift ab; ſie erblicken in der zwangsweiſen
Ein=
führung dieſes von zahlreichen Kurzſchriftautoritäten als minderwertig
bezeichneten neuen Kurzſchriftſyſtems eine ſchwere Schädigung deutſcher
Kultur; ſie werden deshalb auch fernerhin in alter idealer Begeiſterung
wie es das deutſche Volk in dem genialen, unübertroffenen Werk des
Erfinders der deutſchen Redezeichenkunſt Gabelsberger beſitzt; ſie bitten
die nicht dem behördlichen Zwang zugängigen Vertreter von Handel
und Induſtrie, insbeſondere auch die Handelskammern, die
Steno=
graphenvereine in dem Beſtreben zur Heranbildung tüchtiger
Geſchäfts=
ſtenographen zu unterſtützen, da bei einer Einſtellung ihrer Tätigkeit,
der allein die Verſorgung der Geſchäftswelt mit brauchbaren Steno= Metall=Flugboote, Type Ro VII „Robbe”, gemeldet waren, die jedoch
graphen ſeither zu verdanken war, mit dem Fehlen des erforderlichen
Nachwuchſes auf Jahre hinaus zu rechnen iſt.”
ſtrengſter Wertung das erfreuliche Ergebnis, daß von R3 Teilnehmern hatten dieſe Flugboote Gelegenheit, den Beweis einer außerordentlich
in den Abteilungen 80 bis 280 Silben 92 Nrozent mit Preiſen, darunter
B Ehrenpreiſe, ausgezeichnet werden konnten,
Ein gemeinſamer Ausflug mit Flettnerſchiff nach Schwanheim
be=
ſchloß die in allen Teilen harmoniſch verlaufene Tagung.
Die Wohnungsfrage vor dem Evangeliſch=Sozialen Kongreß.
Frankfurt a. O. Hier fand unter Vorſitz des
Reichsgerichts=
präſidenten Dr. Simons die Reichstagung des Evangeliſch=Sozialen
Kongreſſes ſtatt, deren Vorträge, Predigten uſw. ganz der Behandlung
von Wohnungs= und Bodenfragen gewidmet waren. In ſeiner
Feſt=
predigt führte Generalſuperintendent D. Vits aus, die heutigen
Woh=
nungsverhältniſſe machten eine Entfaltung inneren Lebens unmöglich
und wirkten damit ſeelenverderbend. Tauſende unſerer Volksgenoſſen
hätten keine Möglichkeit zu einem Feierabend und gingen in ihren
Woh=
mungen zugrunde. Präſident Simons nannte die Wohnungsfrage ein
europäiſches Problem, zu deſſen Löſung mit allen Kräften ſchon die
Ge=
fahr des Bolſchewismus zwinge. Nach den beiden ſehr intereſſanten und
beifallsfreudig aufgenommenen Referaten über „Wohnung und Kunſt”
von Pfarrer Schubring, Berlin und „Die Frau und die Wohnung” von
Frau Geheimrat Titius ſprach Adolf Damaſchke über „Die ſeeliſche
Wohnungsnot” mit der Mahnung ſchließend: „Entſcheidend für die
Zukunft unſeres Volkes wird es ſein, ob wir wieder ein junges, reines
und ſtarkes Geſchlecht bekommen. Das wird auch abhängen von der
Ausbreitung der Heimſtättenbewegung, zu der ſich ſchon während des
Krieges der jetzige Reichspräſident von Hindenburg bekannt hat.” —
In der Hauptverſammlung hielt Privatdozent Dr. Bechtel, Breslau
einen Feſtvortrag über „Theorie und Politik in der Wohnungsfrage‟.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Teure Schlüſſel. Der von der
Stadtverordnetenver=
ſammlung eingeſetzte Unterſuchungsausſchuß in der Frage der
Erwerbs=
beſchränktenzentrale hat bei ſeinen Beratungen überraſchende
Feſt=
ſtellungen gemacht. U. a. wurde nachgewieſen, daß in der Schloſſer
werkſtatt ein Arbeiter einen ganzen Tag lang an einem Schlüſſel feilte
und dafür 6,50 Mark Lohn bekam, während man im Laden einen ſolchen
Schlüſſel für ein paar Pfennige kaufen kann. — Ein
geiſteskran=
ker Mörder entſprungen. Vie aus Herborn gemeldet wird,
ſind aus der dortigen Landes=Heil= und Pflegeanſtalt die beiden
Geiſtes=
kranken Wahl aus Limburg a. d. L. und Appel aus Frankfurt a. M.
entſprungen. Beide waren, als ſie die Irrenanſtalt verließen, nur mit
Hemd bekleidet. Bis jetzt wurden ſie noch nicht wieder aufgegriffen.
Appel hatte ſeinerzeit in Frankfurt eine ſchwere Mordtat begangen,
konnet aber, da er die Tat in geiſtiger Umnachtung begangen hatte,
nicht vor den Richter geſtellt, ſondern mußte in eine Heilanſtalt
ver=
brächt werden.
Rieſenfälſchung von Pfandbriefen.
München. Ein in München wohnender Optiker aus Würzburg
und ein Bankbeamter aus München kauften im Werte von 350 000
Papiermark Nachkriegspfandbriefe der Bayeriſchen Hypotheken= und
Wechſelbank, das Stück zu 200 Mark, die der Bankbeamte in ſeiner
Wohnung in Vorkriegspfandbriefe abänderte. Im ganzen wurden
70 Stück im Werte von 16000 bis 17000 Mark bei auswärtigen Banken
verkauft. Nunmehr wurde in Leipzig der Optiker beim Verkauf von
ſolchen gefälſchten Pfandbriefen feſtgenommen und nach München
ge=
ſchafft wo er ein volles Geſtändnis ablegte. So gelang es auch, ſeinen
Genoſſen feſtzunehmen. Bei der Verhaftung fand die Polizei noch
10000 Mark vor. Ob weitere gefälſchte Pfandbriefe umgeſetzt wurden,
iſt noch nicht feſtgeſtellt:
Die Oeutſche Reichsbahngeſellſchaft und die
Lokomotivführer.
Am 16. und 17. d. Mts. fand in Dortmund die
Generalverſamm=
lung der Gewerkſchaft Deutſcher Lokomotivführer ſtatt. Die Tagung
ſtand unter dem Eindruck der in letzter Zeit vorgekommenen Eiſenbahn=
Unglücksfälle, wie auch der Maßnahmen der Reichsbahngeſellſchaft in
bezug auf die privatwirtſchaftliche Umſtellung des Unternehmens. Es
wunden ſehr ſcharfe Angriffe gegen die Verwaltung gerichtet. Die
Lokomotivführer glauben diejenige Gruppe zu ſein, die unter der
Re=
parationsbelaſtung und der ſich hieraus ergebenden Sparſamkeit des
Betriebes am ſtärkſten zu leiden habe. In einer ſehr ſcharfen
Ent=
ſchließung an die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft wurde gefordert, die
dienſtliche Beanſpruchung des Lokomotivperſonals mehr als bisher der
Sicherheit des Betriebes ſowie auch der praktiſchen Notwendigkeit
des=
ſelben anzupaſſen. Die Generalverſammlung nahm weiter Stellung zu
der Abſicht der Reichsbahn=Hauptverwaltung, zunächſt die elektriſchen,
dann aber auch die Dampflokomotiven mit nur einem Bedienſteten zu
beſetzen. Auch hierzu wurde eine Entſchließung einſtimmig angenommen,
nach welcher die Beſetzung aller Lokomotiven mit zwei Mann gefordert
wird. Auch zu den in letzter Zeit vorgekommenen Eiſenbahnunfällen
nahm die Verſammlung Stellung. Sie forderte eine ſtärkere
Strecken=
bewachung mit dem Hinweis darauf, daß nicht nur Leben und
Geſund=
heit der Reiſenden, ſondern bei allen anderen Zügen auch das des
Perſonals gefährdet ſei. Was aber ferner noch zum Ausdruck kam, war
die im Geſchäftsbericht des Vorſtandes enthaltene Auffaſſung, daß die
Sparſamkeit der Verwaltung dazugeführt habe, die Qualität des
Be=
triebsperſonals wie auch die der Betriebseinrichtungen herabzumindern.
Die Generalverſammlung beſchloß ferner, erhöhte ſoziale Ginrichtungen
zu treffen, um die Lücken, welche hinſichtlich der Sozialpolitik durch die
Reichsbahngeſellſchaft und das veränderte Beamtenrecht der
Reichs=
bahnbeamten geſchaffen wurden, durch Selbſthilfe wieder zu ſchließen.
An der Reichsbahngeſellſchaft liege es nun, die notwendigen Lehren aus
ſolchen Verhandlungen zu ziehen und die Anregung eines ſo bewährten
für den Eiſenbahndienſt wichtigen Beamtenſtandes einer näheren
Be=
trachtung zu unterziehen.
Die Urſache der Typhusepidemie in Hannover=
Wie das Preſſeamt der Stadt Hannover mitteilt, hat die
Stadtver=
waltung 50 Brunnen in den verſchiedenen Stadtgegenden durch das
Chemiſche Unterſuchungsamt unterſuchen laſſen. Die Unterſuchung
hat ergeben, daß das Waſſer von 13 Brunnen zur Benutzung als
Trinkwaſſer nicht geeignet ſei und daß 21 weitere Brunnen
als verdächtig angeſprochen werden könnten.
Geheimrat Opitz, der Erbauer der Zugſpitzbahn geſtorben
Geheimrat Ingenieur Richard Opitz,
der Präſident der Zugſpitzbahngeſellſchaft, iſt in der Nacht auf
Montag an den Folgen einer Herzlähmung geſtorben. Anläßlich
der Eröffnung der Zugſpitzbahn ſind Geheimrat Opitz, dem
Erbauer der Bahn, zahlreiche Ehrungen zuteil geworden.
Reichsaußenminiſter Streſemann in Wiesbaden.
* Wiesbaden. Reichsaußenminiſter Streſemann und
Staats=
ſekretär z. D. Freiher von Rheinbaben ſind Dienstag vormittag im
für die Grhaltung und Verbreitung eines deutſchen Nationalgutes wirken, Auto hier angekommen und im Hotel „Naſſauer Hofl abgeſtiegen. Die
Dauer des Aufenthalts ſteht noch nicht feſt.
Fünf neue Weltrekorde eines deutſchen Flugbovtes.
Man erinnert ſich, daß zu dem kürzlich veranſtalteten Deutſchen
Seeflug=Wettbewerb in Warnemünde zwei doppelmotorige
Rohrbach=
infolge von Störungen an den Motoren an den Streckenflügen nicht
teilnehmen konnten. Erſt am letzten Tage, als bei ſtarkem Wind und
Das mit dem Verbandstag verbundene Wettſchreiben hatte bei einem Seegang in Stärke 4—6 die Seetüchtigkeitsprüfungen ſtattfanden,
hohen Seefähigkeit zu erbringen, der ihnen die Bezeichnung „das
Flug=
boot der Zukunft” eintrug. Um nun zu zeigen, daß dieſe Flugboote
nicht nur bei Start und Landung, ſowie beim Manövrieren in hohem
Seegang ausgezeichnetes leiſten, ſondern auch in bezug auf
Tragfähig=
keit und Geſchwindigkeit den bisherigen gleichartigen Seeflugzeugen
über=
legen ſind, hat die Firma Rohrbach=Metall=Flugzeugbau, G. m. b. H.,
bei ihrer Kopenhagener Schweſtergeſellſchaft eine dieſer Maſchinen auf
Höchſtleiſtung gründlich ausfliegen laſſen. Hierbei wurden nicht weniger
als fünf Weltrekorde, die inzwiſchen von der Federation Aeronautique
Internationale offiziell anerkannt worden ſind, aufgeſtellt. Von dieſen
Rekorden gehörte einer bisher den Amerikanern, während die übrigen
vier von den Dornier=Werken gehalten wurden. Die neuen Weltrekorde
lauten im Einzelnen: 1. 500 Kilo Nutzlaſt über 100 Kilometer mit zirka
186 Kilometer; 2. 500 Kilo Nutzlaſt über 500 Kilom. mit zirka 180
Kilom.=Std. 3. 1000 Kilo über 100 Kilom. mit zirka 186 Kilom.=Std.;
4. 1000 Kilo über 500 Kilom. mit 180 Kilom.=Std.; 5. Diſtanz über
eine Strecke von zirka 518 Kilom, mit 1000 Kilo. Für die Fachwelt
dürfte es von Intereſſe ſein, daß die beim Fliegen der Weltrekorde
er=
zielten Leiſtungen inzwiſchen bei neuen Verſuchsflügen durch
Verwen=
dung anderer Propeller mit günſtigerer Wirkung noch überboten ſind,
und zwar wie folgt: Mit einer Zuladung von 1250 Kilogr.: Startzeit
15—20 Sek. Horizontalgeſchwindigkeit in Seehöhe mit Normalgas:
201 Kilom.,Std., Horizontalgeſchwindigkeit in Seehöhe mit Höhengas:
217 Kilom.=St., Steigzeit von 1000 auf 200 Meter: 6 Min. Dieſe
Leiſtungen ſind von der D.V.L. beſtätigt.
Ergreifung eines der Juwelenräuber aus der Tauentzinſtraße.
Berlin. Wie eine Berliner Korreſpondenz aus Breslau erfährt,
wurden dort durch die Kriminalpolizei ein Mann feſtgenommen, bei dem
ſich ein Teil der in der Tauentzinſtraße geraubten Juwelen befand. Der
Mann iſt geſtändig, die Tat gemeinſchaftlich mit ſeiner Geliebten
be=
gangen zu haben, die aber mit einem Teil der erbeuteten Juwelen über
die Grenze geflüchtet iſt.
Ein Juwelendieb verhaftet.
e Berlin. Durch die Aufmerkſamkeit der Empfangschefs konnte
Dienstag abend im Berliner Eden=Gotel ein langgeſuchter internationaler
Juwelendieb, der unter verſchiedenen Namen auftrat und ſich im Eden=
Hotel als Kaufmann Flatow eingetragen hatte, auf friſcher Tat ertappt
und von Kriminalbeamten verhaftet werden. Der Verbrecher hatte vor
einiger Zeit im Hotel Briſtol Schmuckgegenſtände von hohem Werte
erbeutet.
130 Fälle von Bahnfrevel in 1½ Jahren.
Wie die Reichsbahndirektion Köln mitteilt, ereigneten ſich in den
letzten 1½ Jahren im Bezirk Köln 130 Fälle von Bahnfrevel wie:
Be=
ſchädigung der Bahnanlagen, Auflegung von hemmenden Gegenſtänden
auf die Schienen, Schießen und Werfen auf fahrende Züge uſw. Die
letztgenannte Art umfaßt allein 110 Fälle, wobei meiſt Kinder die
Täter waren.
Exploſionskataſtrophe in Budapeſt.
EP. Budapeſt. In den Fabrikanlagen der Ganz’ſchen
Elektrizi=
tätswerke in Ofen ereignete ſich um Mitternacht eine furchtbare
Ex=
ploſion, die eine Feuersbrunſt zur Folge hatte. Punkt 12 Uhr wurde
eine neuer elektriſcher Generator montiert, der bei der erſten Probe
Flammen fing und mit gewaltiger Detonation explodierte. Ein
Ar=
beiter wurde getötet, zwei lebensgefährlich und mehrere andere mehr
oder weniger ſchwer verletzt. Der Schaden beläuft ſich auf mehrere
Milliarden Kronen
Ein Feſtabend der Polizei=Ausſtellung.
TU. Berlin. Aus Anlaß des internationalen Polizeikongreſſes
der allgemeinen Polizeikonferenz und der großen Polizeiausſtellung fand
Dienstag ein Feſtabend in den Geſellſchaftsräumen des Hotels Kaiſerhof
ſtatt, an dem die Spitzen der Reichs= und Staatsbehörden, zahlreiche
Parlamentarier und ſonſtige prominente Perſönlichkeiten des öffentlichem
Lebens teilnahmen. Reichsinnenminiſter Dr. Külz begrüßte namens der
preußiſchen Staatsregierung und der Reichsregierung die Gäſte. Er
ſtellte mit Freuden feſt, daß zahlreiche Vertreter des Auslandes zu der
Tagung erſchienen ſeien, in denen wir Deutſche alle gleich liebe Gäſte
erblicken. Er wies darauf hin daß der Zweck der Polizei Dienſt am
Staate. Dienſt am Volke und Dienſt an der Menſchheit ſei. Die hohe
Aufgabe der ſtaatlichen Sicherheitspflege ſei die Ordnung des Staates,
die Wohlfahrt des Einzelnen und der Geſamtheit zu garantieren. Das
ſei der Sinn der internationalen Polizeikongreſſe und ihr hoher ethiſcher
Wert, über die Grenzen des Staates hinaus der geſamten Menſchheit
zu helfen. Der frühere öſterreichiſche Bundeskanzler und jetzige
Polizei=
präſident Schober dankte Dr. Külz für die herzlichen Begrüßungsworte,
die er für die ausländiſchen Teilnehmer am internationalen
Polizei=
kongreß gefunden habe. Auch er betonte die hohe ethiſche Aufgabe der
Polizei, die Wohlfahrt der Völker durch ſtaatliche Sicherheitsmaßnahmem
zu fördern. Er drückte die Hoffnung aus, daß die Korperation der
inter=
nationalen Polizei ſich zum Segen aller Völker, die an dieſen
Beſtre=
bungen teilnehmen, auswirken möge. Er ſchloß ſeine mit großem Beifall
aufgenommene Rede mit dem Wunſche, daß die weitere Tagung des
internationalen Polizeikongreſſes dieſelbe rege Beteiligung finden möge
wie der heutige Feſtabend. Nach ihm ergriff der Oberkommiſſar Sirks
aus Rotterdam noch zu einigen herzlichen Dankesworten an die
Reichs= und Staatsregierung das Wort. Auch er gab der Hoffnung
Ausdruck, daß die internationale Zuſammenarbeit der Polizei ein
wei=
teres Bindeglied zur Verſöhnung der Völker bilden möge. — Wie wir
hören, iſt nunmehr der Teil der Polizeiausſtellung, deſſen Fertigſtellung
durch den Streik der Zimmerleute verzögert war, dem Beſuch des
Publi=
kums freigegeben worden. Man findet in ihm die Ausſtellung der
vier=
beinigen Helfer der Polizei, nämlich der Polizeihunde und der
Polizei=
pferde. Bei der großen Tierliebe der Berliner Bevölkerung iſt, damit
zu rechnen, daß gerade dieſer Teil der Ausſtellung in Zukunft
außer=
ordentlich beſucht werden wird.
Der neue Stuttgarter Rundfunkſender.
Inbetriebſetzung im Oktober.
Seit ungefähr einem Jahr werden die in den großen deutſchen
Städten befindlichen Rundfunkſender (Hauptſender) durch Sender
grö=
ßerer Leiſtung erſetzt, um die Detektor=Reichweite in allen Bezirken nach
Möglichkeit zu erhöhen und die Teilnahme am Rundfunk immer
brei=
teren Schichten der Bevölkerung zu ermöglichen. Als einer der letzten
dieſer Erſatzbauten befindet ſich z. Zt. der an die Stelle des 1,5 kw=
Senders tretende neue Stuttgarter Rundfunkſender, der eine
Röhren=
leiſtung von 9 km und eine Telephonieleiſtung von etwa 3 km beſitzen
wird, im letzten Stadium der Montage. Die in Degerloch, einem
kleinen Vorort, 6 Kilometer von Stuttgart entfernt, ausgeführten
Ar=
beiten am Sender ſowie an der an zwei je 100 Meter hohen im
Ab=
ſtand von 138 Meter aufgeſtellten freiſtehenden Maſten geſpannte
An=
tenne ſind ſoweit vorgeſchritten, daß mit der Inbetriebnahme des neuen
Senders im Oktober d. J. beſtimmt zu rechnen iſt. Der neue
Stutt=
garter Sender iſt ebenſo wie auch die bereits in Betrieb befindlichen
neuen Sender Berlin=Witzleben, Hamburg, Breslau, Leipzig und
Frank=
furt g. M. von der Telefunken=Geſellſchaft Berlin ausgeführt worden.
Selbſtmordverſuch eines ungariſchen Ariſtokraten.
EP. Budapeſt. Dienstag abend hat das ehemalige Mitglied des
Magnatenhauſes, Graf Joſeph Palffy=Daun, einen Selbſtmordverſuch
verübt, indem er ſich eine Kugel in die Bruſt ſchoß. Der Zuſtand des
Grafen iſt ernſt, aber nicht lebensgefährlich. Die Kugel iſt in die Gegend
des Herzens eingedrungen und in der Lunge ſtecken geblieben. Ueber
die Gründe des ſeltſamen Selbſtmordverſuches iſt noch nichts bekannt.
Materielle Gründe ſpielen nicht mit, da der Graf insgeſamt über 13000
Joch Land verfügt.
Unwetter an der Adria.
EP. Mailand. In Trieſt hat in der Nacht zum Dienstag ein
Wolkenbruch, verbunden mit heftigem Gewitter große
Verwü=
ſtungen angerichtet. Im Strömen floß das Waſſer von den Berghängen
in die Straßen und verwandelte ſie in wilde Ströme. Ganze
Häuſer=
gruppen wurden unter Waſſer geſetzt. An einigen Stellen des Stadt=
Zentrums ſtand das Waſſer über einen Meter hoch. Da gerade Flut
herrſchte, ging der Abfluß ins Meer nur langſam vor ſich. Zahlloſe
Keller wurden überſchwemmt. Alle Abflußkanäle liefen über. Viele
Leute konnten die Theater und Kinos nicht verlaſſen, da ſie von dem
Hochwaſſer überraſcht wurden. Der Hauptbahnhof wurde ebenfalls
überflutet und ganz vom Hochwaſſer eingeſchloſſen, das viele Möbel und
ſonſtige Gerätſchaften mit ſich führte. Da das Hochwaſſer auch im Friaul
und im geſamten juliſchen Venetien wütete, konnten keine Züge
ver=
kehren. Im Karſt ſind die Gleiſe an vielen Stellen verſchüttet. In
Trieſt ſelbſt iſt ebenfalls die ganze Nacht über kein Zug eingefahren. Die
Telephonleitungen ſind beſchädigt. In mehreren Vierteln der Stadt
entſtand eine Panik. 300 Soldaten waren die ganze Nacht über mit dem
Rettungswerk beſchäftigt. Die Straßenbahngleiſe ſind an vielen Stellen
unterſpült, ſo daß jeder Verkehr unmöglich iſt.
Verunglückter Kanalſchwimmer.
Paris. Vor einigen Tagen verſuchte ein Spanier namens de
Lara ohne Begleitung den Kanal zu durchſchwimmen. Seine Leiche
wurde am Dienstag an Land getrieben.
Brand von Petroleumtanks in Mancheſter.
In Mancheſter brach am Dienstag in dem Gebäude einer
Petro=
leumgeſellſchaft, deſſen obere Stockwerhe die Arbeitsräume einer
Lampen=
ſchirmfabrik enthielten, Feuer aus. Die Arbeiterinnen der Fabrik
ver=
ſuchten, ſich durch die Fenſter zu retten, wobei ein Mädchen getötet und
ſieben ſchwer verletzt wurden. 2 Petroleumtanks ſind ausgebrannt.
*Eiſenbahnunfall und Schadenserſatz.
(Nachdruck verboten.)
Gemäß des Reichshaftpflichtgeſetzes hat die Bahn den Schaden zu
erſetzen, den jemand im Betriebe der Bahn an Geſundheit und Leben
(Unterhaltungspflicht des Getöteten) erlitten hat. Weſentlich iſt bei
kleineren Unglücksfällen jedoch, daß der Verunglückte ſofort den
Vor=
gang des Unfalls feſtſtellt und, wenn möglich, einen Zeugen
des Vorfalls ſich ſichert. Dagegen iſt nicht Bedingung für die
Erſatz=
pflicht der Bahn, daß ein allgemein bekannt gewordenes
Eiſenbahn=
unglück geſchehen ſein muß. Auch eine Quetſchung oder ein Fall durch
Schleuderbewegungen der Wagen können die Haftpflicht der Buhn
be=
gründen. Hierzu iſt der gegenwärtige Rechtsfall lehrreich und
mit=
teilenswert.
Am 10. Februar 1922 kam der Kaufmann B. aus Cochem in einem
Schnellzug von Koblenz nach Cochem im Seitengang des Wagens zu
Fall und ſchlug mit dem Kopf gegen die Wagenwand. Er forderte wegen
der erlittenen Verletzungen einen Schadenerſatz von 102 Goldmark für
Heilungskoſten und 150 Goldmark monatliche Rente wegen dauernder
Verminderung ſeiner Erwerbsfähigkeit. — Im Gegenſatz zum Landgericht
Trier hat das Oberlandesgericht Köln den Anſpruch des Klägers dem
Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Das Oberlandesgericht verneint
jedes eigene mitwirkende Verſchulden des Klägers. In dieſer Beziehung
hat der Kläger beweiſen können, daß der Unfall ſich zugetragen hat,
während er ſich auf dem Wege nach dem Kloſett des Wagens befand und
als er gerade eine Hand nach der Kloſettür ausſtreckte. Das
Oberlan=
desgericht ſtellt feſt, der Kläger habe ſich an der betreffenden Stelle
infolge des Wagendurchgangs nicht durch feſthalten ſchützen können. —
Die gegen dieſes Urteil beim Reichsgericht eingelegte Reviſion der
Reichsbahn machte geltend, daß von dem vom Kläger behaupteten ſtarken
Stoß, den der Eiſenbahnwagen erlitten haben ſoll, außer dem Kläger
und ſeinem Zeugen B. niemand etwas bemerkt habe. Das Reichsgericht
hat die Reviſion der Reichsbahn zurückgewieſen und ausgeführt: Es iſt
richtig, daß unvoxſichtiges Verhalten im allgemeinen die Haftung der
Bahn wegen eigenen Verſchuldens ausſchließt. Aber unter den
beſon=
deren Umſtänden, wie ſie das Oberlandesgericht feſtſtellt, greifen dieſe
Erwägungen nicht durch. Das Oberlandesgericht ſieht eben für erwieſen
an, daß der Kläger von einem ungewöhnlich ſtarken Stoß betroffen
wurde, als er ſich gerade in einer Lage befand, die ein Feſthalten
un=
möglich machte. Das iſt in einem Schnellzuge bei einer kurvenreichen
Strecke wohl möglich. Einen Verſtoß gegen rechtliche Grundſätze kann
dem Oberlandesgericht wegen dieſer Beurteilung nicht vorgeworfen
werden. (Aus den Reichsgerichtsbriefen Karl Mißlack, Leipzig,
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Seite 10
Donnerstag, den 30. September 1926
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Donnerstag, den 30. September 1926
Seite 11
Sport, Spiel und Zurnen.
Turnen.
Vereinsſtädtekampf im Kunſiiurnen.
Darmſtadt werden, der am Samstag, den 16 Oktober, abends 7½
Uhr, in der Turnhalle Dieburger Straße B ſtattfindet. Drei bekannte
und erfolgreiche Vereine innerhalb des Mittelrheinkreiſes treten zu einer
großen Prüfung ihrer Beſten zuſammen die erhärten ſoll, welcher
Ver=
ein zur Zeit über die beſten Kunſturnkräfte verſügt. Der Wettkampf,
ein ſogenannter Wanderkampf, hat ſeinen Urſprung in Bahern
genom=
men, und zwar beteiligten ſich nacheinander Turnvereine aus München,
Paſſau, Nürnberg, Fürth, Wirzburg und Aſchaffenburg, und immer
ſchied nach dreimaliger Beteiligung ein Verein aus, wobei zum nächſten
Kampf ein neuer Verein hinzutrat, in die Stellung des ausgeſchiedenen.
Der letzte Kampf fand im April d. J. zwiſchen Würzburg—
Aſchaffen=
burg. Darmſtadt (Tgſ.) in Aſchaffenburg ſtatt. Als Erſter in dieſem
Kampfe gina Aſchaffenburg hervor, Würzburg folgte als zweiter Sieger.
Die Darmſtädter, die zum erſtenmal ſich an ſolchem Kampfe, als
Neu=
linge, beteiligten, mußten an dritter Stelle folgen. Nun dürften die
Darmſtädter, und zwar beſonders aus ihrem letzten Vereinskampf Kiel=
Darmſtadt, viel gelernt und Lehre gezogen haben, und zwar, nicht „wie
man es machen”, ſondern wie man es „nicht machen ſoll”. Die
Aſchaffen=
burger dürften wieder ihre glänzend durchgebildete Monnſchaft vom
Frühjahr ſtellen. Tv. Mainz=Koſtheim, der für die ausgeſchiedenen
Wärz=
burger eintritt, ſtellt eine im Kunſtturnen auf der Höhe ſtehende
Mann=
ſchaft, unter der ſich der Sieger der D.T. vom eidgen. Turnfeſt in Genf
und erſter Kampfſpielſieger Höflich befindet. Darmſtadt ſelbſt bringt
ſeine altbewährten Kräfte auf den Plan, von denen zunächſt Schneider
genannt werden muß, der, im 49. Jahre ſtehend, immerhin noch
Lei=
ſtungen zeigt, die beachtenswert erſcheinen. Schärtl leiſtet im
Geräte=
turnen durch ſeine ausgezeichnete Körperhaltung ganz Hervorragendes,
und ſeine Sicherheit, beſonders an Reck und Barren, werden ihm die
gebührenden Punkte einbringen. Kunz (Wilhelm), mehrmaliger
Kreis=
ſieger und Sieger auf Meiſterſchaften der D.T., iſt als Bezirksmeiſter
auf guter Höhe und wird durch ſeine Leiſtungen viel dazu beitragen
können, den Sieg für Darmſtadt zu entſcheiden. Kunz (Georg), der
wohl im Turnen gern pauſiert, wird, wenn er ſich noch entſchließen
dürſte, am Wettkampf teilzunehmen, ſeine Leiſtungen unter Beweis
ſtellen. Doch der füir letzteren in Ausſicht genommene Erſatzmamn
Weh=
gandt kann den übrigen Teilnehmern wohl die Wage halten. Göckel
und Lindenlaub, zwei noch jugendliche Turner, haben auf dem Gebiete
des Gerätekunſtturnens erhebliche Fortſchritte zu verzeichnen und
er=
gänzen die Darmſtädter Mannſchaft auf das beſte. Einem Wettbewerb
mit den kampferprobten Gegnern dürſten beide durchaus gewachſen ſein.
Man wird dem Ausgang des Kampfes, der weit über den Kreis der
Samstag folgt am Sonntag, den 17. Oktober, nachm. 3 Uhr, ein groß= Dieſe ſollten ſich in Zukunſt früher für ihr Gewicht intereſſieven. Die
ſämtliche Abteilungen des Vereins, ſowie die Beſten des Kunſturn= nur dem Wort nach, denn im Kampf waven ſie ihren Vereinskollegen,
kampfes teilnehmen. Auf beide Veranſtaltungen wird beſonders noch die in den vorgenommenen Klaſſen ringen ſollten, ebenbürtig.
im Arzeigenteil hingewieſen werden. Hierzu ſei bemerkt, daß der
Kar=
tenvorverkauf in den nächſten Tagen im Turnhallen=Reſtaurant,
Die=
burger Straße 26, beginnen wird.
Herbſt=Waldlauf des Main=Rhein=Turngau.
ſtadt ſtattfindenden Herbſt=Waldlauf des Main=Rhein=Turngaues
ent=
ſendet die Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875 einen Teil ihrer
Volksturn=
zeigt es doch, daß die Leitung der Abteilung eifrig bemüht iſt, dieſe nach
4 Mannſchaften zu je 4 Läufern und 3 Einzelläufern, zuſammen 19
Jugendliche. In der erſten Jugendmannſchaft dürften wieder die erſten
einzelnen anderen der Sieg zugeſprochen werden könnte. In der 4= legen. Letzterer wand ſich aber immer wieder aus den gefährlichen
La=
glaſſe — Turner, Oberſtufe — wird der vorjährige Waldlaufmeiſter
Mohr ſeinen Titel zu verteidigen haben gegen namhafte ernſte Geg= buchen konnte. Ohl, Karl ſiegte im Leichtmittelgewicht erwartungs
ner, die ihm erwachſen ſind. Dorn, Hotz und Deckardt werden
Unterſtufe — wird ebenfalls eine Mannſchaft geſtellt werden. Hier
haben Grimm, Fröhlich und Kalbfell die beſten Ausſichten auf Sieg. In hardt einſpringen, und ſtellte unter Beweis, daß er ſeinen 2.
Kreis=
der Turner=Anfängerklaſſe beteiligen ſich 5 Turner, die gleichwertige
Leiſtungen erzielen können. Der Ausgang des Kampfes ſteht noch offen.
erkennen, daß auch aus dem übrigen Gaugebiete eine rege Beteiligung gegen Hauf=Fpankfurt wegen einer Verletzung aufgeben und ſchenkte
zu erwarten iſt, zumal in demfelben noch ſtärkere Vereine mit größeren Hauf den Sieg. Endreſultat 10:4 Punkten für Groß=Zimmern.
Abteilungen vorhanden ſind. Ein Beſuch des Waldlaufes des
Main=
ſehr empfehlen.
Turngemeinde 1846 — Jubiläums=Schauturnen am 10. Oktober 1926.
Turngemeinde und den der Turnſache noch Fernſtehenden Einblick zu daß ſie die von den einzelnen Lurn= und Sportvereinen Darmſtadt
über=
wie dieſer durchgeführt wird, ſo ſoll das am Sonntag. 10. Oktober, im
Eine machtvolle kunſtturneriſche Veranſtaltung dürfte der, große Großen Haus des Landestheaters ſtattfindende Große Jubiläums=
Vereinsſtädtewettkampf zwiſchen dem Tv. Aſchaffenburg 1860, Schauturnen ganz Beſonderes zeigen. Gleich wie der Beſuch an würdigen, die in früheren Jahren durch hervorragende Leiſtungen im
Tv. Mainz=Koſtheim und der Turngeſellſchaft 1878 den Werbeabenden ein äußerſt zufriedenſtellender war, ſo beſteht nach Lurnen und Sport dem Heſſenlande, insbeſondere Darmſtadt, einen
dem jetzigen Kartenverkauf die berechtigte Hoffnung, daß das Intereſſe guten Namen gaben. Die Veranſtaltung einer Großkampfſtaffel,
für unſere Turnſache durch den Beſuch des Jubiläums= Schauturnens
hochgehalten wird. Was hierbei geboten wird, konnte naturgemäß bei reich zur Durchführung gelangen, fand in der Sitzung allſeitige
Zuſtim=
den Werbeabenden nicht gezeigt werden. Doch ſoll auch bei dieſem
Schauturnen die Entwicklung des Turnens alſo vom Anfang bis zur
höchſten Vollendung) vorgeführt werden. Die Zahl der Mitwirkenden
Zahl, die die Turngemeinde während ihrer Uebungsſtunden
allwöchent=
lich aufzuweiſen hat. Daß dieſe Zahl natürlich nicht im Landestheater
auftreten kann, dürfte jedem Einſichtigen klar ſein, doch bringt die
Lurn=
gemeinde über 500 Mitwirkende auf, die die äußerſt reichhaltige
Turn=
folge beſtreiten werden. Ganz beſonderen Genuß bieten die weit über
die Grenzen Darmſtadts und Heſſens hinaus bekannten Kunſturner und
zturnerinnen mit Hch. Fiedler, dem beſten Geräteturner der 2. T., an der
Spitze. Zu ihm geſellen ſich noch kampferprobte und ſieggekrönte
Tur=
ner wie Ga. Grohe Ga. Haber. Jul. Lindner uſw. Nicht zu vergeſſen
ſind die Kampfſpielſiegerinnen Lolo Schieferdecker und Pauka Medicke.
Die Eintrittspreiſe ſind ſehr niedrig gehalten (2.10 Mk. 1,10. Mk.
60 Pfg rinſchl. Turnfolge). Karten im Vorverkauf beim Hausmeiſter
und bei Optiker Kuntze, Wilhelminenſtraße 7. Näheres noch durch
An=
zeigen in dieſem Blatte.
Turnverein 1833 Groß Zimmern-Turnverein 1875 Rüffelsheim.
Einer der ſchönſten und ſpannendſten volkstümlichen
Vereinswett=
kämpfe fand am Sonntag bei ſehr günſtigem Wetter in Groß=Zimmern
ſtatt. Sieger wurde der Turnverein 1875 Nüſſelsheim mit 48:37 Pkt.
Wir geben nachſtehend die erſten Sieger eines jeden Kampfes bekannt:
Freiweit: „Jakob=Rüſſelsheim, 6,01 Meter; Steinſtoßen: Göbel=Groß=
Zimmern, 7 52 Meter: Freihoch: Angermeier= Groß=Zimmern, 1,60
Zogbrum=Müſſelsheim, 3430 Meter: Schlenderball: Göbel=Groß=Zim, die anregend verlaufene Sitzung.
52,50 Meter; 100 Meter: Jacob=Rüſſelsheim 11,1 Sek.: 1000 Meter:
Metzler=Miſſelsheim 3,34 Minuten; 4mall00 Meter=Staffel: Turnverein
1875 Rüſſelsheim, 46/4 Sek.
Kraftſport.
„Vorwärts” Groß=Zimmern gegen „Heros” Frankfurt 10:4.
Wie zu erwarten war, ſiegte die Kreismeiſtermannſchaft trotz Stellen
ſchätzender Gegner geweſen. In der Mannſchaftsaufſtellung mußte „
Vor=
beteiligten Vereine hinaus Aufmerkſamkeit erregt, als Prüſtein der ſeres Blates eine Umſtellumg vornehmen, da die Ninger der Fliegen= zur Zeit ſpielſchwachen Griesheimer will nicht viel heißen. In dieſem
Beſten beſondere Achtſankeit ſchenken müſſen. Dem Wetkampfe am Bantame und Schwermittelgewichtsklaſſe etwas Uebergewicht mitbrachten. Kampfe wird die Mannſchaft zu beweiſen haben, ob der vorzügliche
zügig angelegtes Bühnenſchauturnen der Turngeſelſchaft, an welchem Erſatzleute, die für dieſe Klaſſen eintreten mußten, waren ſolche aber im Verbandsſpiel, die Reſervemannſchaften beider Vereine gegenüber,
Die Ueberraſchung des Tages waren die beiden Jugendlichen Poth
und Kraus in der Fliegen= und Leichtgewichtsklaſſe. Was dieſe beiden
Ninger leiſteten, war einfach fabelhaft.
Als unparteiiſcher Kampfrichter fungierte Herr E. Keil Darmſtadt,
der es ſehr gut verſtand, den Kampf auf einer gerechten Baſis zu ent=
Zu dem am Sonntag, den 3. Oktober, nachmittags 2 Uhr, in Pfung= ſcheiden. Er befriedigte ſehr. Die einzelnen Kämpfe nahmen folgenden Erp, Friſh Bridge, Melethe, Beethoven. Tot, 49, Pl. 14, 12, 24.
Verlauf:
Im Fliegengewicht leiſtete Poth=Groß=Zimmern gegen den bedeutend
mannſchaft (Leichtathleten), die ſich beſonders einer einzigen Sportart, ſchwerer und ſtärkenen Holchäuſer=Frankfurt Großartiges. Er wurde Haynes), 2. Imperialiſt, 3. Marienburg, Ferner: Marelus,
Grenz=
dem Langſtreckenlauf, widmen. Die Beſetzung der einzelnen Klaſſen durch nach 20 Minuten verdienter Punktſieger. Der temperamentvolle Herbert= ſchutz, Geldnot, Meteor, Moſelkern, Miſtral, Tot. N., Pl. 36, 88, 48:10.
die 1875er Turner dürfte als ein ſehr gutes Reſultat angeſehen werden. Groß=Zimmern machte im Bontamgewicht ganz kurzen Prozeß und legte
ſeinen Gegner Schüſſeler=Frankfurt ſchon nach einer Mimute Ningzeit
allen Richtungen hin zu fördern. In der Jugendklaſſe ſind gemeldet: durch Ueberſtürzer auf beide Schultern. Wenn Ohl im Federgewicht nur chers Salzig (E. Haynes), 2. Freilicht, 3. Fehrbellin, Ferner;
Nobel=
einen Punktſieg gegen Langut=Frankfurt erringen konnte, ſo iſt das nur
der ſehr guten Abwehrarbeit des Letzteren zuzuſchreiben. Er verſtand
Einzelſieger des Gaues zu finden ſein. Doch nicht minder eifrig waren es famos, einer Schulterniederlage zu entgehen. Im Leichtgewicht war
die übrigen Mannſchaften in den feſtgeſetzten Uebungszeiten, ſodaß auch Weider Frankfurt durch ſeine Kraft dem Groß=Zimmerer Kraus über= Oppenheimers Athangſie (O Schmidt) 2. Theoderich, 3. Wanderer.
gen heraus, und die Folge war, daß Frankfurt nur einen Punktſieg Pl. 16, 21. 14:10. 1—9 Lg.
gemäß nach 10 Minuten Ringzeit über Jobſt=Frankfurt und ſtellte ſomit
nicht ausſichtslos die Mannſchaft ergänzen. Zu der B=Klaſſe — Turner, den Sieg für Groß=Zimmern ſicher. Im Schwermittelgewicht mußte
Fröhlich=Groß=Zimmern für den etwas zu ſchweren Kreismeiſter
Bern=
einen guten Schwermittler. Nach 20 Mmuten wird er verdienter Punkt=
Die zahlreichen Meldungen der Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt laſſen ſieger über Pfeil=Frankfurt. Danz muß im Schwergewicht den Kampf Pl. 16. 18. 32:10. ſ.—1½3 Lg.
Rheingaues am kommenden Sonntag in Pfungſtadt dürſte ſich daher Sieger hervor. Frankfurt gegen Turngemeinde Dieburg 8:6 Punkte; Liebhaber, Frangois 1, Harriett, Endymion, Vater Rhein, Sam Weller,
Hanau gegen Aſchaffenburg=Damm 8:6 Punkte.
Der Ausſchuß ſir Lebesibungen
hatte die Vertveter der Darmſtädter Turn= und Sportvereine zu einer
erneuten Sitzung geladen. Nach Erledigung einiger geſchäftlicher
Mit=
teilungen berichtete der Vorſitzende des Ausſchuſſes, daß die vor kurzem
vor dem Landesmuſeum veranſtaltete Siegerehrung gut ver=
War die vergangene Werbewoche veranſtaltet, den Mitgliedern der laufen ſei. Staat und Stadt hätten in zuvorkommendſter Weiſe gezeigt,
gewähren in den Betrieb ſämtlicher Abteilungen und die Art und Weiſe, nommene Aufgabe in der Pflege der Leibesübungen anerkenne und zu
unterſtützen bereit ſei. Der Ausſchuß beſchloß, die gedachten Ehrungen
in Zukunft noch weiter auszubauen und auch diejenigen Verdienſte zu
wie ſolche bereits in vielen Städden Deutſchlands ſeit Jahren
erfolg=
mung. Ueber die Art und Weiſe der Durchführung der Staffel ſelbſt
brachten die Vertreter der Vereine zahlreiche Wünſche zur Sprache.
Spätere Sitzungen ſollen jedoch ſich noch eingehender mit den techniſchen
an den Abenden der Werbewoche (einſchließlich Kinder) betrug 900, eine Einzelheiten über die in großen Ausmaßen geplante Veranſtaltung
be=
ſchäftigen. Einſtimmig war man der Anſicht, daß eine ſolche
Veranſtal=
tung, die in jedem Jahre ihre Wiederholung finden ſoll. ein
unverbrüch=
licher und volkstümlicher Beſtandteil aller Turn= und Sportfreunde von
Darmſtadt ſein und bleiben ſoll. Die Vorarbeiten für die Durchführung
der Staffel 1927 wurden dem Vorſtand des Ausſchuſſes übertragen. Für
diejenigen dem Ausſchuß angeſchloſſenen Vereine, die ſich nicht
unmittel=
bar an einem Staffellauf beteiligen können, hat die Sitzung weiter
beſchloſſen, im Monat November im Landestheater einen Turn=
und Werbeabend zu veranſtalten. Der Bericht über die im
Sep=
tember abgehaltene Sitzung des vorläufigen Landesbeirats
in Turn= und Sportangelegenheiten für den Volksſtaat Heſſen führte zu
einer intereſſanten Ausſprache, bei der mit Recht über die ſonderbare
Anwendung den Luſtbarkeitsſteuer bei Turn= und ſportlichen
Veranſtal=
tungen beſonders ſcharfe Kritik über einzelne maßgebende Stellen geübt
wurde. Der Ausſchuß nechnet es ſich als ein beſonderes Verdienſt an,
daß ſeine nach jahrelanger Arbeit gepflogenen Unterhandlungen endlich
in Erfüllung gehen ſollen, damit derartige in Verkennung der Sache
ergangene Beſtimmungen für die Folge unterbleiben, vielmehr in dem
erſtmalig am 20. Oktober vormittags, im Ständehaus zu Darmſtadt
zuſammentretenden endgültigen Landesbeirat für Turn= und
Sportangelegenheiten im Volksſtaat Heſſen zur
Sprache gebracht werden können, ehe ſie Nechtskraft erlangen. Nach
Meter; Kugelſtoßen: Angermeier=Groß=Zimmern, 1049 Meter: Diskus= einem kurzen Schlußwort ſchloß der erſte Vorſitzende Herr Dr. Friedrich
Fußball.
F. Cl. „Union”=Darmſtadt—R. Sp. V. „Germania 03‟=Pfungſtadt.
Im weiteren Verlauf der Kreisligaverbandsſpiele trifft „Germania”=
Pfungſtadt am kommenden Sonntag in Darmſtadt auf den F.Cl. Union.
Beide Mannſchaften ſind in ſtärkſter Auftellung wohl gleichwertig.
Pfungſtadt muß jedoch auf ſeinen bewährten Mittelläufer Reichel
ver=
von 3 Erſatzleuten über den 4=Klaſſenmeiſter des Maingaues mit einem zichten, ſodaß Unions Läuferreihe ein gewiſſes Uebergewicht beſitzt, das,
ſolch hohen Reſultat. Sie hat ſomit bewieſen, daß ſie auch im Ernſt= verbunden mit dem Vorteil des eigenen Platzes, den Ausſchlag geben
falle ihren Titel zu verteidigen verſteht, denn „Heros” iſt kein zu unter= kann. Da beide Vereine bereits drei Punkte eingebüßt haben, wird es
zu einem heißen Kampfe kommen, in dem beide Mannſchaften mit
Höchſt=
wärts” Groß=Zimmern gegenüber dem Bericht vom 94. September un= leiſtungen aufwarten werden. Der hohe Sieg der „Germania” gegen die
Nuf, den ſie genießt, zu Recht beſteht. — Vorher ſtehen ſich, ebenfalls
Pferdeſport.
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1½ Lg.
Kartellrennen der Zweijährigen; 21 000 Mk. 1400 Meter: 1 M. J.
Ferner: Märker, Poſtillon, Tip, Eiſenkanzler, Linz, Atropos. Tot, 30,
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18. Broda), 2. Bundesbruder, 3. Peruanerin. Ferner: Anitra. Die
Zuverſicht, Waereghem. Tot, 15, Pl. 14, 25:10. 19—2 Lg.
Teutonen=Preis; 5000 Mk., 1400 Meter: 1 Chr. Krutwigs Froher
meiſtertitel verteidigen kann. In ihm hat die Mannſchaft immer noch Mut (F. Staudinger), 2. Geiſel, 3. Lauſitzer, Ferner: Hermoder
Loui=
ſiana, Lola, Hilde, Pillar, Orma, Eylimi, Selbſtbeſtimmung. Tot. 35,
Preis der Roten Erde: 3000 Mk., 2000 Meter: 1. L. Printens Lan=
Aus den beiden anderen Kämpfen gingen Frankfurt und Hanau als kaſtria (V. Printen), 2. Lavaletta, 3. Aſparagus. Ferner: Romney,
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WLd
2
K
Donnerstag, 30. Septem
Heueſte!
Arbeitsmarktlage und Erwerbsloſigkeit
in Heſſen, Heſſen=Naſſau und Waldeck.
Das Landesamt für Arbeitsvermittlung in Frankfurt a. M.
teilt uns mit:
Im Monat September iſt ſowohl die Zahl der
Arbeit=
ſuchenden, als auch die der Hauptunterſtützungsempfänger
ſtärker zurückgegangen als im Vormonat. So ſtellte ſich
die Zahl der bei den öffentlichen Arbeitsnachweiſen gemeldeten
männlichen und weiblichen Arbeitſuchenden
am 15. Juli auf 157 171
„ 15. Auguſt
„ 152 449 (— 3,0 %
„ 15. September „ 139 534 (— 8,5 %)
In den Saiſonberufen (Landwirtſchaft und
Gaſtwirts=
gewerbe) iſt die Arbeitsloſenziffer naturgemäß ſchon wieder
etwas geſtiegen. Die ſtärkſte Abnahme haben von den
Haupt=
berufen die Lederinduſtrie ſowie das Nahrungs=
und Genußmittelgewerbe, wohl infolge des
beginnen=
den Weihnachtsgeſchäfts, zu verzeichnen. Im Metall=, Holz= und
Bekleidungsgewerbe iſt gleichfalls eine leichte Beſſerung
einge=
treten, ebenſo, trotz der vorgeſchrittenen Jahreszeit, im
Bau=
gewerbe. Seit längerer Zeit iſt zum erſten Male wieder ein
geringer Rückgang der Zahl der arbeitſuchenden
Angeſtell=
ten feſtzuſtellen, der aber weniger auf die erhöhte
Aufnahme=
fähigkeit von Handel und Induſtrie, als auf die Auswirkung des
Geſetzes über die Friſten für die Kündigung von Angeſtellten
vom 9. Juli 1926 zurückzuführen ſein dürfte. Auf die Gruppe der
Ungelernten entfällt über ein Drittel aller Arbeitſuchenden.
Erwerbsloſenunterſtützung haben bezogen:
männliche: weibliche: zuſammen:
am 16. Auguſt
103 163
19 455
122 618
„ 1. September 99 758 18 605 118 363
95 018
„ 15.
18 021
113 039
Die Zahl der Hauptunterſtützungsempfänger hat demnach in
der Zeit vom 16. Auguſt bis 1. September um 4255 — 3,5 Proz.,
in der Zeit vom 1. bis 15. September um 5 324 — 4,5 Prozent
abgenommen. Die Verminderung geht zum Teil auf die durch
Ausſteuerung Ausgeſchiedenen zuruck. So befinden ſich unter
dem Abgang von 4255 Perſonen (vom 16. Auguſt bis 1.
Sep=
tember) 642, das ſind 15 Prozent Ausgeſteuerte. Die Zahl
der Notſtandsarbeiter verminderte ſich um 675 auf 8764. Das
Arbeitsbeſchaffungsprogramm der Reichsarbeitsverwaltung hat
ſich demnach in unſerem Bezirk noch nicht ausgewirkt.
In den einzelnen Gebietsteilen wurden am 15. September
Hauptunterſtützungsempfänger gezählt:
Unter den 113 039 Hauptunterſtützungsempfängern am
15. September befanden ſich 944 über 50 Wochen Unterſtützte, die
alſo mit Ende des Monats ſämtlich aus der
Erwerbsloſenfür=
ſorge auszuſcheiden haben, da die Unterſtützung im Höchſtfall nur
52 Wochen gewährt wird.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 29. Sept.
Trotz der Ultimoregulierung verkehrte die Börſe in recht feſter
Haltung. Namentlich J. G. Farbeninduſtrie waren verlangt auf
Rück=
käufe der per Ultimo vorgegebenen Stücke, nachdem ſich herausgeſtellt
hat, daß die Ultimoverpflichtungen zeitig genug glatt geſtellt worden
waren. J. G. Farbeninduſtrie eröffneten 4 Prozent höher und wurden
auch viel per Oktober mit 1 bis 1½ Prozent Avence gehandelt. Für die
Montauwerte war die Stimmung geteilt. Deutſch=Luxemburger,
Man=
nesmann und Rheinſtahl zogen weiter an, während Harpener und
namentlich Phönix angeboten und ſchwächer waren. Für Phönix wirkte
die Meldung kursdrückend, daß dieſes Papier abermals dividendenlos
bleiben ſoll.
Schiffahrtswerte waren ebenfalls etwas ſchwächer und kaum im
Handel. Elektrowerte lagen feſter, in erſter Linie A.E.G. und Licht u.
Kraft, letztere auf die Ankündigung einer 10prozentigen Dividende. Von
Spezialwerten zogen Theodor Goldſchmidt weitere 33 Prozent an, da
dieſes Papier jetzt in Berlin auch zum Terminhandel zugelaſſen worden
iſt. Dann konnten noch die Aktien der Motorenfabriken und der
Bau=
unternehmungen etwas im Kurſe profitieren, beſonders Adlerwerke
waren andauernd ſehr geſucht. Auf dem ausländiſchen Rentenmarkte
hat ſich das Hauptintereſſe den türkiſchen Renten zugewandt. Die
An=
regung brachte der Beſchluß der türkiſchen Regierung, die Anatoliſche
Eiſenbahn wieder aufzukaufen, und zwar mit geſamten Materig!
Kadi=
tal, Zinſen und Amortiſation für den Betrag von 75 Millionen
türi=
ſchen Pfund. Die anatoliſchen Papiere ſprangen daraufhin durchwen
um 2—4 Prozent. Anatolier I erreichten 31¾, II 28,00 und III 24,00.
Auch die übrigen ausländiſchen Renten wurden dadurch güünſtig
beein=
flußt. Später konnte ſich dann auch noch auf dem Effektenmarkt die
Tendenz weiter befeſtigen. J.G. Farbeninduſtrie erreichten nachbörslich
285, Adlerwerke ſtiegen bis 92, tägliches Geld 6 Prozent.
Die Abendbörſe verkehrte ebenfalls in ſehr feſter Haltung.
Beſon=
ders begehrt waren Danatbank, J. G. Farbeninduſtrie, Rheinſtahl.
Deut=
ſche Erdöl ferner Holzverkohlung und alle Zuckeraktien. Das Geſchäft
war ziemlich lebhaft und zuverſichtlich.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 29. September.
An der heutigen Börſe nahmen die Meinungskäufe in
Montan=
aktien, insbeſondere Kohlenwerten, bei weiteren Kursbefeſtigungen von
1 bis 2 Prozent ihren Fortgang. Die Anregung hierfür ging wiederum
von den neuen Verkokungsplänen des Ruhrkohlenſyndikats, der
allge=
mein gebeſſerten Lage des deutſchen Kohlenbergbaues und den für die
verſchiedenen Papiere umlaufenden Dididendentaxen aus. Das
In=
terefſe erſtreckte ſich auch auf Deutſch=Erdöl unter Hinweis auf deren
Kohlenbaſis (pl. 3 Prozent) und Rüttgerswerke pl. 1½. Das
Privat=
publikum trat bei Beginn mit Kaufaufträgen hervor, während die Börſe
ihre Aufmerkſamkeit ferner auf J. G. Farben und Vereinigte
Stahl=
werke und Elektrowerte richtete. Die Geſamttendenz war daher
freund=
lich, zumal die Geldverknappung auch heute reichlicher blieb und die
Ultimobefürchtungen hierdurch ſtark in den Hintergrund gelangt ſind.
Von Spezialwerten ſtanden noch Deutſch=Atlantiſche Telegraph pl. 3
und Pöge pl. 3 im Vordergrund. Am Geldmarkt ſtellte ſich der Satz
für Gelder bis morgen auf 5—7 Prozent, auf einige Tage über den
Ultimo auf 6—7½, je nach der Lage des Kredits. Monatsgeld 534 bis
7 Prozent. Am Deviſenmarkt konnten die lateiniſchen Valuten ihre
geſtrigen Höchſtkurſe nicht ganz behaupten, hatten aber trotzdem
unver=
kennbar eine feſte Tendenz. London=Paris ca. 174,50, London=Mailand
ca. 127,50.
Am Montanaktienmarkt ſtanden Rheinſtahl, Harpener, Eſſener
Steinkohlen und Schl. Zink bei Kursgewinnen mit 2 Prozent im
Mittel=
punkt, unter chemiſchen Werten zogen außer Farbenaktien auch
Ober=
koks im Zuſammenhang mit der Kohlenhauſſe um 2 Prozent an.
Elek=
troſverte 1—3 Prozent höher, vornehmlich Licht und Kraft. Im übrigen
hielten ſich die Abſchlüſſe bei freundlicher Grundſtimmung in engeren
Grenzen. Die Kursveränderungen waren an den Nebenmärkten
uner=
heblich. Unter Bankaktien verloren Berl. Handelsanteile 3 Prozent,
Schiffahrtsaktien uneinheitlich. Auslandsrenten durchſchnittlich 2
Pro=
zent gebeſſert. Heimiſche Renten eher abbröckelnd. Kriegsanleihe
0,502½.
Im weiteren Verlauf der Börſe wurde die Haltung vorübergehend
etwas unſicher, da Gewinnmitnahmen einen leichten Druck auf die Kurſe
auslibten. In der zweiten Stunde ſetzte jedoch eine Befeſtigung ein,
die ihren Ausgang von angeblichen Käufen des Rheinlandes am
Mon=
tanaktienmarkt nahm. Das Geſchäft beſchränkte ſich ſpäter im
weſent=
lichen auf Kohlenaktien, Farbeninduſtrie, Goldſchmidt, Pöge und am
Narkt der ausländiſchen Staatsrenten. Schiffahrtsaktien vernachläſſigt
infolge Realiſationen.
Privatdiskont beide Sichten 5½/s Prozent. An der Nachbörſe traten
gegenüber den amtlichen Schlußkurſen kaum noch Veränderungen ein.
28 9 29. 9.
23. 9. 1 29.9.
1120.—
Aſchaffb. Zellſtoff
Hemoor Zement . . 1202. —
Augsb.=Nürnb. Maſch./ 93.—
Bamag=Meguin".
Berl E. W. Vorzug.
Berlin. Karlsruhe Ind
Braunfohlen=Briketts
Bremer Vulkan.
Bremer Wolle
Deutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen
Deutſch.=Nied. Tel.
Deutſche Erdöl ....
Deutſche Petroleum.
Dt. Kaliwerke
Donnersmarckhütte.
Tynamit Nobel.. .."
Elektr. Lieferung. . . . !
J. G. Farben.
46. —
112.—
155.75
72.—
136.875
80.5
103.875
11.125
149.75
114.—
B2.—
133.25
145.75
273.25
R. Friſter ..
56.
Gaggenau Vorz..
Gelſent. Gußſtahl".
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen .
Han. Maſch. Egeſt. .
Hanſa Dampſchf. ..
41.25
23. —
1 ½5.625
148.75
73.—
1192.—
45.—
112.75
157.—
72.—
135.—
103.5
153.25
117.5
83.5
435.625
146.5
285.—
56.—
45.5
23 5
176.25
149.75
75.—
24.25 Hirſch Kupfer ..
Höſch Eiſen
Hohenlohe Werke
Kahla Porzellan
Lindes Eismaſch.
Lingel Schuh
Linke u. Hofmann
L. Loewe u. Co
. Lorenz
Ndl. Kohle.
Nordd. Gur
Orenſtein.
Rathgeber
Rombacher
Roſitzer Zucker
Rütgerswerke
Sachſenwerk
Sächſ. Gußſtahl
Siemens Glas",
Ver. Lauſitzer Glas
Volkſtedter Porzell.
Weſtf. E. Langendreer
Wittener Gußſtahl .."
Banderer=Werke. . . .
114—
42.5
20.25
84. 875
161. —
65. —
99.25
183.—
110.—
159.5
109.5
71.12.
14.37.
75.5
118.5
109.—
150.—
138.—
1127.5
51.5
62.5
60.5
180.—
114.—
141.25
20.4
84.5
163.—
67.—
89.5
190.—
111.5
123.75
71.875
14.375
119.875
109.—
149.—
62.25
60.75
184.—
Deviſenmarkt.
Amſterdam=R
Buenos=Aires.
Brüſſel=Antw.
Oslo...."
Kopenhagen.
Stockholm . .
Helſingfors.
Italien ....
London...
New=York. . .
Paris.. . . .
Schweiz ...."
Spanien ..
23. 9.
1.703 1.7
19
91.87 92 0.
111.35/111.641
112.07112.35
19311.20.5/1.1335/3-203
61.05/ 81.-6 61.0¾ 8t.2
29 9
Geld /Brie// Gel)/ Brift
187 87 188 39/183.91 158.73 WienD.,Oſt. ab
1.712
11.28
91.88
11.35
1.71
11.3.
92.11
111.6
12.03112.361 Sofia
19.548 19.583/19.548/19.53.1Jugoſlavien..
18.03/ 16. 1-/ 15.93/ 16.3:/Konſtantinopel
29.333 29.38 1:9.3.,6 23.393/2iſſabon ..
1170 118-1 11.73/ 11.77Athen ...
63.57/ 13 731 3.60/ 63.7-1üruguan.
Prag ....."
Budapeſt..
Fapan ..
Rio de Janeiro
Danzig ..
Kanada . .
Geld
59 20
5.851
2.031
3.943
7.417
2.17
21 47:
61 33
4.94
4.197
28. 9.
Brie
53.35
2.037
9.631/ 0.634
3.033
1.43
2.183
21.525
81.581
4 95
K.207
4 205/ 4.2151 4.205 4. 215
12.416/12.455/12.416 12.455
29. 9.
Geld / Brie
53.20/ 53 34
5.3331 5.365/ 5.385
2.033 2.6f2
0.626 0.623
3.035/ 3.54)
7.417/ 7.731
113/ 2.14
21. 525/21.575
31.33/ 81.53
5.04 5.06
4.137 4.231
Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer A.=G., Frankfurt a. M. Die
Verwaltung der Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer A.G., Frankfurt am
Main, legt Wert darauf, feſtzuſtellen, daß die in verſchiedenen
Tages=
zeitungen gemachten, teils zutreffenden, teils unzutreffenden
Mitteilun=
gen über das Unternehmen nicht von ihr ausgehen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Vom Kelterobſtmaukt in Frankfurt a. M. Die Anfuhr zum F
furter Kelterobſtmarkt iſt nach wie vor gering. Nach Anſicht der
gen Apfelweinproduzenten wird auch in nächſter Zeit eine ſtärkere
fuhr nicht zu erwarten ſein, da die Ernte in den Frankfurter H.
verſorgungsgebieten ſchlecht iſt. Vor allem kam ſonſt der Kahlar
Unterfranken und anſchließende preußiſche Gebiete als Lieferanten
Kelterobſt in Frage, ebenſo das nördliche Baden. Dieſe Gebiete
ſagen in dieſem Herbſt, da die Aepfelernte kaum zur Eindeckung
dortigen Wirte ausreicht. Gut dagegen iſt das Ernteergebnis im
lichen Baden und Grenzkantonen der Schweiz. Dieſe Gebiete wird
deshalb auch zur Aepfellieferung heranziehen müſſen neben den 5.
reichiſchen Moſtobſtſendungen, die man ſchon vor dem Kriege ſtar
Anſpruch nahm. Es ſtanden daher Mittwoch früh nur 5—6 Fuhren
Verkauf, die zu 20—21 Mk. pro Malter raſch vergriffen waren.
Frankfurter Boden A.=G. in Frankfurt am Main. Aus Ver
tungskreiſen erfahren wir zu der beantragten Kapitalzuſammenlee
noch folgendes: Die unüberſichtlichen Verhältniſſe der Frankfurter
den A. G., die wiederholt in den Verſammlungen dieſer Geſellſchaft
Erörterungen geführt haben, ſcheinen nunmehr einer Klärung entge
geführt zu werden. Die Bemühungen des neugewählten Aufſichtsr
haben im Zuſammenwirken mit dem gleichfalls neubeſtellten Vorſt
der Geſellſchaft inzwiſchen zu den nachſtehenden Ergebniſſen geführt:
frühere Verwaltung hatte im Jahre 1924 ihren geſamten Gru
beſitz an eine Frankfurter Siedlungsgeſellſchaft verkauft und
bei verſchwiegen, daß der größte Teil dieſes Grundbeſitzes auf
Jahre hinaus verpachtet war, und daß der Pachtvertrag erſtmalig
und nur gegen Ablöſung einer hohen Summe für jedes nicht abgelau=
Pachtjahr gekündigt werden konnte. Die Käuferin der Grundſtücke.
den Vertrag ausdrücklich nur zum Zwecke baldiger Bebauung
Grundſtückes geſchloſſen hatte, erhob Einwände und lehnte vorerſt
weitere Zahlung der Hypothekenzinſen ab. Die ſchriftlich geführten 2
handlungen führten zu keinem Ergebnis, ſo daß die Austragung
ſtrittigen Angelegenheit nur durch einen Prozeß möglich war. Um
in Anbetracht des Objektes ſehr hohen Prozeßkoſten zu ſparen, einie
ſich die Parteien dahin, ſich einem von einem Frankfurter Landgerig
direktor einzuholenden Schiedsgutachten zu unterwerfen. Der Gutack
kam zu dem Ergebnis, daß der Kaufbertrag ungültig iſt,
daß die Frankfurter Boden A.=G. verpflichtet ſei, die Grundſtü
Zug um Zug gegen Rückerſtattung des Kaufpreiſes zurückzune
men. Durch dieſe Rückübernahme erleidet die Geſellſchaft erhebl.
Verluſte, zumal die aus dem Kaufvertrag ſeinerzeit geleiſtete O
zahlung in Höhe von 314 272 Rm. in Form von Proviſion, Anlage
einem nichtzahlungsfähigen Bankhaus und Darlehen an ein frühe
Aufſichtsratmitglied nahezu völlig verloren iſt. Vorſtand und Aufſick
rat der Frankfurter Boden A.=G. verſuchten bei ihren Verhandlung
mit der Käuferin trotz der relativ ungünſtigen Lage der Frankfur
Boden A.=G. noch etwas für die Geſellſchaft zu retten, und es kon
eine Einigung mit dem Vertragsgegner dahin erzielt werden, daß wen
ſtens ein Teil der an ſich zurückzuvergütenden Summe einbehalten w
den konnte. Der auf Grund dieſer Verhandlungen abgeſchloſſen= Ve
gleich ſoll der auf den 16. Oktober d. J. anberaumten G.V. zur (
nehmigung vorgelegt werden, und zwar bei Gelegenheit der Beſchl;
faſſung über die Bilanz per 31. Dezember 1925, in der der durch
Rückübernahme des Geländes entſtandene Verluſt zum Ausdruck komr
In der der H.V. vorzulegenden Bilanz per 31. Dezember 1925 hat
Verwaltung alle zweifelhaften Aktippoſten in voller Höhe abgeſchriel
bzw. zurückgeſtellt, ſo daß der Geſamtverluſt ſich auf 335 599 Rm.
ziffert. Die Verwaltung hat daher bekanntlich beſchloſſen, der H.V.
v=
zuſchlagen, zur Deckung des Verluſtes das Aktienkapital im Verhältr
von 2:1 zuſammenzulegen bei gleichzeitiger Inanſpruchnahme der Go
mark=Umſtellungsreſerve. Durch dieſe Maßnahme hofft ſie, für ei
weitere günſtige Entwicklung der Geſellſchaft freie Bahn geſchaffen
haben.
Elektrizitäts A.=G., vorm. W. Lahmeher u. Co., Frankfurt a. 2
In der vorgeſtrigen Sitzung des Aufſichtsrats der G=ſellſchaft wurde 4
Bilanz nebſt Gewinn= und Verluſtrechnung für das am 30. Juni abe
laufene Geſchäftsjahr 1925/26 genehmigt. Der erzielte Ueberſchuß k
trägt einſchließlich Vortrag aus dem Vorjahre 1 878 482,27 Rm. geg
1608 755,34 Rm. im Vorjahre, woraus 6 Prozent Dividende auf d
Vorzugsaktien und 9 Prozent auf die Stammaktien verteilt werde
ſollen (gegen 8 Prozent im Vorjahre). Die ordentliche Generalverſamt
lung findet am Mittwoch, den 10. November, vormittags 12 Uhr,
den Räumen der Geſellſchaft in Frankfurt a. M. ſtatt.
Metall und Schrott A. G., Frankfurt a. M. Die Metall und Shro
A. G. „Muſag” Frankfurt a. M. hat ſich laut Generalverſammlung
beſchluß aufgelöſt. Die Gläubiger der Geſellſchaft werden aufgeforder
ihre Forderungen alsbald anzumelden.
Aenderung einiger Berliner Börſennotizen. Die Aktien der Rhe
niſch=weſtfäliſchen Elektrizitätswerke A.=G. werden vom 1. Oktober ab 1
den variablen Verkehr eingeführt. Die fortlaufende Notiz erfolgt au
Grund der tatſächlichen Umſätze in Abſchlüſſen von 6000 Rm. und einer
Mehrfachen hiervon. — Der Berliner Börſenvorſtand hat beim
Neich=
rat auch um die Genehmigung der Termineinführung der Th. Gold
ſchmidt=Aktien nachgeſucht. — Vom 1. Oktober ab wird die fortlaufenk
Notiz in Gothaer Waggon=Aktien eingeſtellt. Das Papier wird dan
nur noch zum Kaſſakurs notiert. — Vom 16. Oktober ab werden di
Aktien der Oberſchleſiſchen Eiſeninduſtrie A.=G. für Bergbau= und
Hii=
tenbetrieb nicht mehr notiert, da dieſe in Linke=Hofmann=Aktien um
getauſcht ſind. — Die Aktien der Rombacher Hüttenwerke werden vor
1. November ab aus dem Terminverkehr zurückgezogen. Von dieſer
Zeitpunkt ab erfolgt nur noch eine Kaſſanotiz. — Die Zulaſſung fur
Preußiſche Leihhaus Aktien und Rud. Ley Maſchinenfabrik=Aktien 11
zurückgenommen. Die Notiz für dieſe Aktien wird vom 1. Oktober a.
ganz eingeſtellt.
Brantfarter Kardorticht voit se. OcMl. Leve=
Staatspapiere
a) Deutſche
6‟/.BReichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 ...
7% Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 2‟
6/=% H- V.=Sch.
p. 1. 4. 29 ..
6‟/.% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
6½,% Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
7% Sächſ. Fr.=Sch.
p 1. 7. 29 ..
7% Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7. 30
6‟%Württ. F. Sch.
p. 1. 3. 29 .
Vorkriegsanleihen
6% D Reichsanl.
4% D. Reichsanl
4% D. Schutzgb. v.
08 —11 u. 13..
4% D. Schutzg. v. 14
4¾ Preuß. Konſ.
4% Baden. ...."
4½Bayern
4% Heſſen
4% Württemberger
b) Ausländiſche
5% Bos. E.B 191=
5% L. Inv. 1914
4½% 1898
4½% 1902
4%
5% Bulg. Tabal(
½% Oſt. Staatsr.
1v. 1913, Kdb. 1918
4½%Oſt. Schatz. 14
4½%Oſt. Silberr
4% Go
98‟,
97.3
96.5
97.5
96.5
95.75
AS7
0.495
C.5
43
8.5
7.2
31
5.5
22.70
42 „einh. R.(kon)
3% Port. (Spz.) III
5% Rum.am. R. 03.
4½%„Gold. 13.
„ am.konv.
4½ „ am. 05.
4½Türk. (Adm.)03
4% Türk. Bagd.
49
(Bagd.) II
4% „ 1911 Zoll.
4½% Ung. St. 1913
4½2
40
St. 1914
Goldr. ..
St. 10
Kronr.
Eiſ. Tor.
Außereuro=
päiſche
5% Mex am. inn.
5% „ äuß 99
Gold 04,ſtf.
4
„ konſ. inn.
Irrigat.
2Tamaulipas I.
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10% Berl. H.=Bk. G.
„
68 Berl. St. Gold
% Darmſt St.=G.
8% D. Hyp.=Bank
Meining., Goldpf.
8% Frif.=Hyp.=B.-
Goldpfdbr.
„
8% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr.
5% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr.
8% Komm. Ldb. D
Goldſchuldver.
3.55
131,
27
8.7
20.7
14.75
30
18*/
22.3
23.6
4.45
28
30.25
96.5
100
100
100
99.5
81
80 Heſſ Ldb. Gold.
0% Komm=Elektr.
Mark (Hag.) Gold.
Mannh. St. G.
% Mainz Sr.=G.
3½ Naſſ. Ldb. Gold.
8% Pfälzer H.• B.
Goldpfandbr. . .
%₈ Pforzh. St.=G.
%Pr. C.=B. Cr.=B.
Goldpfandbr..
8% Rh. Hyp.=B. G.
71/,%Rh. St.-W. 2.
10% Rh.=Weſtf. B.,
Cr.=Bk., Goldpf.
8%6
89Südd. B.=Cr.=B.
Goldpfandbr. . . .
Ohne
Zins=
berechnung
50 Bdw. Kohl. 23
6% Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſ. Brk.=Rog.
5% Roggen 23
50 Pr. Kaliw.
5% Pr. Noggenw.
5 % Südd. Feſt=B. G
Sorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay.. Vereinsb.
Bahr. Handelsb.
Bayr. Hyp. u. Wech
Berliner Hyp. Bk
Frkf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=B..
Hamb Hyp.=Bf.
Mecklb Hyp.=u. Wb.
Meining. Hyp.Bt
Nordd, Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bt.
Preuß. Bod.=Cr.=B
Pr. Cent.=B. Cr.=B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B.
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B
103.5 Südd. Dodenkr.
94.3 Wartt. Hyp.-Bk.
101
100
94.2*
100
100
109
100
11.93
7.1
5.6=
7.6
2.1—
12.87
14.7
10.7
1.6
10.825
13.2
11.0
10.0
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel
Naſſau. Ldsb .
Obligationen v.
Transportanſt.
4½Dux. Bdb Em.91
9.
4‟
4% Eliſ.=Bahn ſtfr
4% Galiz. Carl=
Lud.=B.
abg
4½ Kaſchau=Oderb.
40
„ abg.
590 Oſt. Nwitb. 74
5% Oſt. Südb. (L).
2,6% Alte
2,6% Neue,
5%0 Oſt.=Ung. 73/74
4%Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. . 1.b.8.E.
3%Oſt. .„ 9. E.
3% Oſt. „ 1885
3%Oſt. .. Erg. Nel
3% Raab Oedbg. 8
97
4% Nud. Silber..
4 Rud. Salzlg.)
4½%Anat. S.I
4½% Anat., S. II
4½%Anat. S. III
3% Salon. Monaſt.
%a Tehuantepec.
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit:.
Bad. Bk. . ..... . . 1.0.
Bk. f. Brauind. . .
11.25
10.50
13.25
12.91
9.8
33
9.3
8.5
16.5
19.1
30.75
26
22.7.
11.75
311,
7.5
24½
Ae
Barmer Banko.
Bay. Hyp.=Wch
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Ban ...
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk.
Disk.=Geſellſch. . ..
Dresdener Bk. .. .
Frankf. Bk.
Frkf. Hyp.=Bk... . .
Frkf. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Bank
Metallbank. .
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hhp.=Bk.
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbk. . . .
Rhein=Hyp.=Bk. . .
Südd. Disc.=Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein
Bergwerks=Akt.
Bochum. Bergb. ..
Buderus..
Dt. Luxemburg . .
Eſchw. Bergw...
Gelſenkirch. Bgw. 1171.7-
Harp. Bergb.
Ilſe Bergb. St...."
Genußſchein. 1124
Kali=Aſchersleb.
Kali. Salzdetfurt. 1170.2
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerke
Mannesm.=Röhr. 1149.2
Mansfelder
Oberbedarf".
Obſchleſ. Eiſ.(Caro)
Otavi=Min.=Ant...
Phönix=Bergb. . .1116
Rhein. Braunk. ..
Rhein. Stahlw.. . .
A. Riebeck Montan
132.5
148.75
214.5
140
225
166.5
121
121
97.5
159
141.25
112
12..25
123.
8.6
1a1.7
138
123
127
28
139
8.55
5.9
154
15.
1270
166
138.
14
122
1116
87
32.5
223
128
152
„Nombach. Hütte
Salzwerk Heilbr..
ellus Bgb.. .. . . ."
Ver. Laurahütte.
Ver. Stahlwerke..
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.
Henninger.
Hereules. Heſſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof(Bind.
Schwarz=Storchen
Tucher, Nürnberg
Werger
Akkum. Berlin.
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleher)
6% C. A. G. Vzg. A.
5% A. E. G. Vzg. B.
A. E. G. Stamm . . .
Anglo=Cont. Guano
Aſchaff. Zellſtoff
Badenia (Weinh.)
Bad. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Meguin
Baſt Nürnberg.
Bahr. Spiegel
Beck & Henkel"
Bergmann El.
Bing. Metall.
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfbr. Erlang.
Cement=Heidelb. ..
Cement, Karlſtadt
Cement, Lothr.
Chem. Albert.... .
Chem. Brockh.
Chem. Milch
Daimler Motoren
Dt. Eiſenhandel
Deutſche Erdöl
D. G. u. Silb. Scheid.
Dingler, Zweibrück.
24
126.5
68.75
E6
158
253
163
242
A
G
91
84
27.2-
1591,
120
30
42.7
128
G
52
63
63
59.5
131
44
142
66.-
78
8
154
164.25
Maee Keue
Dürrkopp . .
Dürr. Ratinger
Dyckerhoff & W. .
Eiſenw. Kaiſersl. . .
El. Licht= u. Kraft
El. Lieferung .. . . /145
Elſ. Bad. Wolle .
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Eßlinger. Maſch. . . 60
Ettlinger Spinn. ..
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Faber & Schleicher
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Holzverk. Ind..
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123.:
64
35
75.25
42
154
45.75
90
66.5
38
2:3.2
78.2
45
80.75
0.51
118
25
110
R
58
27.5
114
129.75
E1
43
59
129
Karſtadt, R.
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn.
Konſerv. Braun ..
Krauß, Lokom. .. .
Lahmeher
Lech Augsburg...
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68
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64
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49.5
68
84
144
8
54
122
182
78
124
48.5
97.75
161
113.5
Nummer 271
Donnerstag, den 30. September 1926
Seite 13
Rückerſtattung der niederländiſchen Zollgebühren bei
Retourſendun=
en. Die Niederländiſche Handelskammer für Deutſchland in Frankfurt
. M. ſchreibt uns: In der Frage der Rückerſtattung von niederlän=
Diſchen Zollgebühren bei Retourſendungen wurden gerade in der letzten
Zeit wieder auffallend häufig bei der Niederländiſchen Handelskammer
Für Deutſchland in Frankfurt a. M. Klagen wegen angeblicher Unkulanz
Bolländiſcher Zollbehörden geführt. Die Niederländiſche Handelskammer
Tnacht darauf aufmerkſam, daß das holländiſche Zollſyſtem und demzu=
Folge auch das holländiſche Zollgeſetz eine Verpflichtung zur Rückerſtat=
Xung voll Zollgebühren nicht kennt. Dagegen iſt es Praxis der hollän
Diſchen Zollbehörden geworden, trotz Fehlens dieſer geſetzlichen Verpflich=
Xung im allgemeinen eine entgegenkommende Haltung einzunehmen. Im
Sahmen des holländiſchen Zollgeſetzes iſt dies aber nur möglich bei Wa=
Ten, bei denen es möglich iſt, die Zollbehörde wegen der Wiederausfuhr
Tind der Identität vollkommen zu überzeugen. Infolge des holländiſchen
Zollſyſtems kommen hierfür im allgemeinen daher wohl nur ſolche
Waren in Frage, die noch nicht im freien Verkehr geweſen ſind. Im
Zweifelsfall wende man ſich an die Niederländiſche Handelskammer für
Deutſchland in Frankfurt a. M., Haus Offenbach, Platz der Republik.
Piehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 29. September. Aufgetrieben waren
112 Kälber, 6 Schafe. Die Preiſe betrugen pro Pfund für Kälber 76
bis 88 Zfg., für Schafe 35—45 Pfg. Der Marktverläuf war ſchleppend
geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 29. September. Der Auftrieb des
heutigen Nebenmarktes beſtand aus 715 Kälbern, 688 Schafen und 191
Schweinen. Verglichen wit dem Auftrieb des Nebenmarktes der
ver=
gangenen Woche waren 35 Kälber weniger angetrieben. Dagegen
ſtan=
den 21 Schweine und 243 Schafe mehr zum Verkauf. Bezahlt wurde
pro Zentner Lebendgewicht: Kälber: b) 84—89, c) 74—83, d) 60—72;
Schafe: a) 43—47, b) 36—42, c) 29—35. Für Schweine unterblieb
wiederum eine Notierung wegen des geringen Auftrieb. Marktverlauf:
In Kälbern und Schafen lebhafter Handel und ausverkauft. Die
Fleiſchgroßhandelspreiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt: Ochſen= und
Rindfleiſch I 95—105, II 85—95, Bullenfleiſch 90—B, Kuhfleiſch I 70
bis 80, II 55—65, III 35—50, Kalbfleiſch I 105—120, Hammelfleiſch 85
bis 30, Schweinefleiſh 100—105, Gefrierfleiſch, Rindfleiſch, Vorderviertel
53 und Hinterviertel 60.
Berliner Viehmarkt vom 29. September. Der Auſtrieb beſtand aus
338 Bullen, 400 Ochſen, 553 Färſen und Kühen, 1725 Kälber, 3750 Schafe,
8609 Schweine und 20 Ziegen. Bezahlt wurde pro Zentner
Lebend=
gewicht: Ochſen: a) 52—54, b) 46—50, c) 40—44 und d) 37—38: Bullen.
a) 53, b) 46—48, c) 42—44; Kühe und Färſen: a) 52—54, b) 40—46,
c) 30—36, d) 23—27, e) 20—22; Freſſer 35—40; Kälber: b) 90—98,
6) 85—95, d) 70—80, e) 60—67; Stallmaſtſchafe: a) 55—58, b) 40—46,
() 30—36: Schweine: b) 84—85, c) 84—85, d) 81—83, e) 79—81; Säue
74—77; Ziegen 20—25. Marktverlauf: Bei Rindern und Schafen
ruhig, Holſteiner Rinder, I. Qualität über Notiz. Fette Stallämmer
geſucht. In Schweinen ruhig.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 29. September. Die Senſation des
heutigen Berliner Produktenmarktes waren große Andienungen in
September=Weizen und damit zuſammenhängend vermehrte Aufträge
zu Beſtens=Verkäufe. Der Kursdruck war hierdurch trotz recht ſtetiger
Auslandspreiſe ein erheblicher und betrug über 8 Mark per 1000
Kilo=
gramm. Naturgemäß übte dieſer Rückgang auch auf die übrigen
Ter=
mine einen Einfluß aus, doch gingen die Abſchläge über 1½ Mark nicht
hinaus. Für Roggen war das Angebot auf Kahnnbladung reichlicher,
doch verhielt ſich die Unternehmungsluſt im großen und ganzen ruhig,
weil das Roggenmehlgeſchäft wieder faſt gänzlich ins Stocken gekommen
iſt. Lieferungspreiſe waren nicht voll behauptet. Gerſte in guten
Sor=
ten gefragt, ſonſt ſtill. In Hafer ſind hohe Forderungen nur ſchwer
durchzuſetzen.
Frankfurter Produktenbericht vom 29. September. Das Geſchäft
am Produktenmarkt war wieder unverändert und ſehr ſtill. Auch die
Auslandsnotierungen boten keine Anregung. Weizen 28,75, Roggen
23—23,25, Sommergerſte für Brauzwecke 23—26, inländiſcher Hafer 17,75
bis 18,50, ausländiſcher Hafer geſtrichen, gelber Mais 18,50—18,75,
Weizenmehl 41,25—41,75, Roggenmehl 33,50—34, Weizenkleie 9,25 und
Roggenkleie 10,25.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 29. Sept. (Priv.=Tel.)
Weizen: Im Anfangsverkehr lagen niedrigere Kabel vor ſowie
günſtige Berichte aus dem Sommerweizengürtel, ſodaß die Tendenz
ſchwach war. Später wurden auf dem ermäßigten Niveau
Baiſſedek=
ungen vorgenommen, und es konnte ſich eine durchweg namhafte
Be=
feſtigung durchſetzen.
Mais: Nach ſchwächerer Eröffnung erfolgten Baiſſedeckungen im
Einklang mit Weizen.
Hafer: Angexegt durch die Feſtigkeiten der vorgenannten Märkte
verlief auch dieſes Marktgebiet in ſtetiger Haltung.
Baumwolle: Käufe der Kommiſſionsfirmen und höhere Liverpooler
Kabel hatten eine Befeſtigung zur Folge. Da die Pflanzer weiterhin
abgabeluſtig waren, trat dann eine Abſchwächung ein. Der Schluß war
wieder feſt mit Kursſteigerungen bis zu 30 Pkt.
Kaffee: Im Einklang mit niedrigeren Kabelmeldungen und auf
Kaufreſerve des hieſigen Handels machte die Abſchwächung weitere
Fort=
ſchritte, wozu der ſchleppende amerikaniſche Konſum noch mitwirkte. Die
Termine gaben bis zu 15 Pkt. nach.
Zucker: Käufe des Handels, bedeutende europäiſche Käufe, feſte
Lokopreiſe und gute Abrufe für Raffinadezucker verurſachten weitere
Fortſchritte in der Aufwärtsbewegung. Später erfolgten jedoch
Liqui=
dationen. Der Markt ſchließt ziemlich unverändert.
Kakao: Höhere Kabel, Käufe des Auslandes und beſſere Kaufluſt
der Fabriken hatten eine ziemlich feſte Tendenz zur Folge.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Generaldirektor der J. G. Farbeninduſtrie und Vorſitzende des
Reichsverbandes der deutſchen Induſtrie, Geheimrat Profeſſor Dr.
Duisberg, feiert heute ſeinen 65. Geburtstag.
Die im Verein Berliner Weinhändler zuſammengeſchloſſenen
Wein=
handlungen beabſichtigen in der Zeit vom 1.—9. Oktober ds. Js. in
Berlin eine „Deutſche Weinwoche” zu veranſtalten, in der den Käufern
deutſcher Weine beſondere Vergünſtigungen eingeräumt werden ſollen.
Wie aus Luxemburg gemeldet wird, wird vermutlich am 1. Oktober
eine neue Zuſammenkunft der Delegierten der Schwerinduſtrie
ſtattfin=
den. Man glaubt, daß die Konzeſſionen, die man dem belgiſchen
Dele=
gierten gemacht habe, derart ſind, daß die Velgier zuſtimmen werden,
ſodaß das internationale Eiſenkartell endgültig gebildet werden kann.
Wie verlautet, beabſichtigt die luxemburgiſche Regierung, das jetzige
Garantie=Dekret, wodurch eine Doppelwährung (Pfund und Franken)
eingeführt wurde, durch eine andere Währungsmaßnahme abzulöſen
und nunmehr unverzüglich an die Frankonſtabiliſierung heranzugehen.
Wie aus Baſel gemeldet wird, liegt dem ſchweizeriſchen Ständerat
ein Antrag auf Erhöhung der Stempel= und Kuponſteuer vor, die dem
Staate 10 Mill. Franken einbringen ſoll.
Der ſchweizeriſche Nationalrat ratifizierte geſtern mit allen gegen
zwei kommuniſtiſche Stimmen den Handelsvertrag mit Deutſchland.
Die Meldungen über die Verhandlungen der tſchechiſchen und
pol=
niſchen Eiſenwerke und den bevorſtehenden Zuſammenſchluß der
geſam=
ten mittel= und ſüdeuropäiſchen Eiſeninduſtrie auf dem Wege eines
internationalen Eiſenkartells verurſachten an der geſtrigen Prager
Effektenbörſe eine ſcharfe Aufwärtsbewegung der
Eiſenwerte.
Nunmehr wird beſtätigt, daß die der Hamburg=Amerika=Linie
ge=
meinſam mit der American Ship Commerce Co. gehörige German
Ruſſian Transport Co. an die Sowjetregierung verkauft wurde.
In der letzten Woche wurden weitere 7 500 000 Dollar Gold von der
Federal Reſervebank nach Deutſchland zugunſten der Deutſchen
Reichs=
bank transferiert.
Der Eröffnungstag der Fellauktion der New York Auction Co,
er=
gab einen Geſamterlös von 750 000 Dollar. Für eine Reihe von Fellen
wurden höhere Preiſe als auf der letzten Auktion erzielt. Biſamratten
notierten 10 Prozent höher, Weißfuchs 5 Prozent und Biber 10 Proz.
Dachſe notierten unverändert.
Die Can American Petrol and Export Co, erbohrte in Mexiko eine
Oelquelle, die bisher eine Tagesausbeute von 70 000 Faß liefert.
Der frühere Vizekönig von Indien, Lord Reading, ferner Sir
Al=
fred Mond, Sir Hugo Hirſt und James Rotſchild ſind in das
Direk=
torium der Paläſtina Electrification Ltd. eingetreten, die
vor drei Jahren zum Zwecke der Elektrifizierung Paläſtinas ins Leben
gerufen worden war.
Palast-Lichtspiele
Nur noch heute das
sehenswerte Doppelprogramm;
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Der entzückende deutsche Großfilm in 7 Akten.
Die Hietskaserne im Armenviertel!
Die bösen Zunzen der Verwandtschaft!
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In den Hauptrollen:
Grete Reinwaldt, Alfons Fryland, Marg.
Kupfer, Rosa Valetti, Kurt Vespermann
Eines Weibes Lüge (14031
Schanspiel in 6 Akten mit
Gunnar Tolnaes, Käthe Rlese
Heueste Wochenschau
Die erfolgreiche Verfilmung des
meistgelesensten Herzog-
Romans:
Tandedten
8 Akte nach dem gleichnamigen Roman von
Rudolf Herzog
(Regie: Gerhard Lamprecht)
In den Hauptrollen: Hermine Sterler, Renate Brausewetter,
Frieda Richard, Werner Pittschau, Panl Bildt,
Tamara Karsawina u. a.
Alles Mumpitz
Ein grotesker Spaß in 2 Akten mit Larry Semon (*25496
in der Doppel-Hauptrolle.
Die neueste Ufa-Wochenschau
Anfang 31, Uhr.
— Letzte Abendvorstellung 8 Ubr.
Voranzeige: Ab morgen
Der erste D. L. 5.-Film
n der schönen
Pladen Bonau
Ein Kranz der schönsten Melodien vom Donaustrand
in 8 Akten.
In den Hauptrollen:
Lya Mara, Harry Liedtke, Frieda
Richard, Ernst Verebes u. a. m.
Reichspund der
Zivildienſtberechtigten
Zweigverein Darmſtadt
Einladung.
Sonntag, den 3. Oktober 1926, nachm.
2.30 Uhr, ab Böllenfalltor, findet eitr
Familienſpaziergang nach Nieder=
Ramſtadt zu unſerem Mitglied Kam.
Breidert, Gaſthaus zur Poſt, ſtatt.
Wir bitten unſere Kameraden, ſich recht
zahlreich daran zu beteiligen.
Der Vorſtand.
14033)
Achtung 118er!
Nächſten Sonntag, nachmittags 2 Uhr
Wiederſehensfeier ehemal. 118er
bei Schellhaas, Groß=Bieberau. (14083
Bühnen=
Polksbund
Thomanerchor
Donnerstag, 7 Okt.,
abends 8 Uhr,
in der Stadtkirche.
Kart. bei (14013ds
Chriſtian Arnold
am weißen Turmn.
Wirtſchaft
„Bun Safetkaften
Ecke Saalbau= und Eliſabethenſtraße.
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Meinen werten Gäſien, Freunden und verehrten
Nach=
barſchaft zur gefi. Kenntnis, da ich die Bewirtſchaftung
dieſer altbekannten Gaſiſtätte nach völliger Neu=Herrichtung
übernommen habe.
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Großes Schlachtfeſt mit Konzert.
14022)
Friedrich Omphalius.
Vesidens-Theater
Nur noch einige Tage das
sehens-
werte Doppelprogramm:
Wenn du eine
Tante hast
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„Kaltenbachs” in 6 Akten. In
den Hauptrollen: Hermann Picha,
Maly Delschaft, Engen Rex,
Mar-
garethe Kupfer, Wiluelm
Diegel-
mann, Helga Molander, Bruno
Kastner, Robert Garrison.
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Baron Trenk
Der Film schildert in 5
hochin-
teressanten Akten ein Drama,
wel-
ches sich am altösterreichischen
Kaiserhof abgespielt hat.
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Nach dem gleichnamigen Gedicht von
Chr. M. Wielands
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InSzene geſetztv Hans=Esdras Mutzenbecher
Choreographie: Manda von Kreibig
Büh enbild und Koſtüme:
Lothar Schenck von Trapp
Perſonen:
Oberon, König der Eifen Rudolf Strzeletz
Harun al Raſchid, Kalif
von Bagdad . . . . . . Heinrich Hölzlin
Rezia, ſeine Tochter . . . Gertrud Gercke
Fatime, deren Vertraute. Pa la Kapper
Ein Kaiſer der Vorzeit. Ernſt Grauert
Der Ritter Hüon von
Bordeaux .. . . . . . Joſef Poerner
Scherasmin, ſein Knappe, Leo Barczinski
Titania, Oberons
Gemahlin . . . . . Sitta Müller=Wiſchin
.. Grete Penſe
Puck / Elfen
Droll)
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Erſtes Meermädchen . . . Hedwig T.erle
ZweitesMeermädchen Sitta üller=Wiſchin
Babekan, perſiſcher Prinz Karl Ebert
Almanſor, Emir von Tunis Heinrich Kuhn
Roſchana ſeine Gemahlin Iiſe Lahn
Abdallah, ein Seeräuber. Hans Ney
ein Gartenhüter . . . . . Adolf Klotz
Elfen, Nynphen und Meermädchen, das
Gefolge des Kalifen und das Gefolge Re ias,
Sklaven, Tänzerinnen, Janitſcharenmuſiker,
Wuchen, Seeräuber, das Gefolge eines
Kaiſers der Vorzeit
Ort der Handlung: Franken, Bagdad
und Tuns
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