Darmstädter Tagblatt 1926


11. August 1926

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Einzelnummer 10 Pfennige

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8 34. Auguſt 2.48 Reſchsmark und 22 Pfennig
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuftrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämilicher mit z verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſiattet.
Nummer 221
Mittwoch, den 11. Auguſt 1926.
189. Jahrgang

27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadi 25 Reichspig.
Finanz=Anzelgen 40 Reſchzpfg, Rellamezeſſe (92
I0.
breſtl 2 Reſchemar Anzeigen von auewäris 40 Reich
FinanzAnzeigen 60 Reichspfg, 92 mm breite Relame=
zeſſe
300 Reſchsmark Alle Preſſe in Reichomark
4t Dolar 420 Macl. D
Im Falle höherer
Gewalt, wie Krſeg, Aufruhr. Sireit uſw. erſiſcht
jede Verpſichtung auf Erfüllung der Anzelgen=
auſträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konfurs oder gerſchtlſcher Beſtrelbung fällt ſeder
Nabat weg. Bankkonto: Deutſche Bank und Darm=
ſtädtei
und Natſonalbank.

Die Verfaſſungsänderung.
Stürmiſcher Auftakt. Hochrufe auf die Rebolution.
Paris, 10. Auguſt.
Bereits in den frühen Morgenſtunden herrſchte in und um
das Königsſchloß von Verſailles, wo die Nationalverſammlung
heute zum dritten Male die Verfaſſung abändern ſoll, eine ſie=
berhafte
Tätigkett. Für die Parlamentarier war eine Anzahl
von Extrazügen von Paris aus eingelegt worden und einige
andere Parlamentarier kamen im Auto. Eine Schar von Photo=
graphen
und Kinooperateuren hatte ſich eingefunden, um die
Auffahrt im Bilde feſtzuhalten. Die Nationalverſammlung ſelbſt
iſt im linken Flügel des Verſailler Schloſſes untergebracht wor=
den
, das ſeit 1871 für parlamentariſche Debatten dient. In dem
Saale tagte die verfaſſunggebende Nationalverſammlung bis
1875 und ſpäter fanden hier die Kongreſſe, d. h. die gemein=
ſamen
Tagungen von Kammer und Senat ſtatt. Außer der Wahl
des Präſidenten der Nepublik, die hier vorgenommen wurde.
dient es auch für ſeltene Anläſſe, ſo bei ſolchen, wenn es ſich um
eine Reviſion der Verfaſſung handelt. Die letzte Verfaſſungs=
änderung
fand im Jahre 1884 ſtatt.
Die Nationalverſammlung wurde heute vormittag in dem
in Not und Gold gehaltenen Kongreßſaal des Verſailler Schloſſes
feierlich eröffnet, ſo weit bei einer Sitzung, die an
die ſtürmiſchſten Tage des Palais Bourbon
erinnert, von Feierlichkeit die Rede ſein kann. An einer Längs=
ſeite
des Saales, hart unter dem Rieſenbild, das die Eröffnung
der Generalſtaaten darſtellt, befand ſich die Eſtrade mit dem Prä=
ſidentenpult
, an dem der greiſe Senatspräſident de Selves mit
ſchriller Glocke ſeines Amtes waltete, um die lärmende Schar
von etwa 900 Abgeordneten und Senatoren, deren Meinungen
in der Debatte über das Reglement hart aufeinanderprallten, im
Zaume zu halten. In den erſten Reihen der im Halbkreis
angeordneten, mit rotem Leder gepolſterten Seſſel der Kongreß=
teilnehmer
hatte das Kabinett Platz genommen: Poincaré, un=
bewegt
und ſchweigſam, Briand nervös mit der Linken auf
das Pult trommelnd, Herriot, die Arme auf ſein Pult geſtützt,
mit breitem Rücken weit vorgebeugt. An den anderen drei
Wänden ziehen ſich, in zwei Reihen übereinander angeordnet, die
dicht beſetzten Tribünen für das Publikum und die Preſſevertreter
hin. Auf den Bänken der Linken begann ſofort, nachdem Prä=
ſident
de Selves die Eröffnungserklärung verleſen und die Dis=
kuſſion
über das Reglement eingeleitet hatte, ein
tobender Lärm,
begleitet vom Klappern der Pultdeckel. Mehrere Redner der
Oppoſition warfen dem Präſidenten vor, daß er die parlamen=
tariſche
Freiheit zu beſchneiden ſuche, daß er einfach das Regle=
ment
der Nationalverſammlung vom Jahre 1849 zur Abſtimmung
ſtelle, ein Reglement, das den Kongreßmitgliedern ſogar jede Un=
terbrechung
, jede Beifallskundgebung und jedes Zeichen der Zu=
ſtimmung
oder Mißbilligung verbiete. Nach zahlreichen
Zwiſchenfällen wurde ein Antrag des Vorſitzenden der interpar=
lamentariſchen
Wohlfahrtsgruppe, Morineaud, auf Beſchränkung
angenommen.
Miniſterpräſident Poincaré
beſtieg darauf die Tribüne, um die Begründung zu dem Geſetz=
entwurf
zu verleſen, der die Anerkennung der Til= nug ſein, um einzuſehen, daß die Schuld an einer ſolchen Ver=
gungskaſſe
und ihrer Einkünfte in der Verfaſ= ſchlechterung des Verhältniſſes nicht auf deutſcher Seite liegt.
ſung vorſieht. Durch Handaufheben wurde die Dringlichkeit
beſchloſſen, und ſchon kam es wieder zu heftigen Lärmſzenen über
die Frage des bei der Kommiſſionsbildung einzuſchlagenden
Verfahrens. Schließlich wurde ein Antrag Bonnefous ange= ſchließlich ſchon erklärlich, wenn einmal die vorſichtige Zurück=
nommen
, wonach die Finanzkommiſſion der Kammer und des haltung, die immer die Parole der Deutſchen im beſetzten Gebiet
Senats eine 30 Namen umfaſſende Liſte aufſtellen werden, die der
mit wurde die Sitzung auf den Nachmittag vertagt.
Selves, daß die inzwiſchen aus 20 Abgeordneten und 10 Sena=
toren
gebildete Kommiſſion in einer Stunde ihren Bericht vor=
legen
könne. Er ſchlage daher vor, die Sitzung bis 4.15 Uhr
auszuſetzen, ein Vorſchlag, der auf der Linken, vor allem bei Reibungen führen muß, die jeden Ausgleich verhindern.
den Kommuniſten, den größten Lärm und Widerſpruch auslöſte,
der aber ſchließlich in ſich ſelbſt zuſammenbrach, als der Präſident
ſeinen Platz verließ.
Die Verhandlungen der Unterkommiſſion dauerten bis etwa
gedroht hatte, ſämtliche Zuſatzanträge ab mit Ausnahme eines von der italieniſchen Preſſe große Bedeutung bei=
und vorſieht, daß die für die Amortiſationskaſſe beſtimmten Ein= auch die Neutralitätsklauſel enthalten und beim Völkerbund
nahmen unter keinen Umſtänden unter den Geſamtbetrag des deponiert werden. Die Tribung ſchreibt zu dieſem Abkommen,
erſten Jahres ermäßigt werden dürfen. Darauf wurde die das Pakt von Madrid genannt werden ſoll: Italien ant=
Sitzung der Nationalverſammlung wieder aufgenommen. Be= wortet mit dem Vertrag allen denen, die in unſerem Staat eine
projektes.
Leon Blum kritiſierte die geſamte Finanzpolitik Poincarés,
Nichts berechtige zu der Hoffnung, daß die günſtige Entwicklung haft geltend machen.
auch nach Fortfall dieſer Momente anhalten werde. Poinearé er=
klärte
, das Hauptelement ſeiner Politik ſei das öffentliche Ver=
der
Vorlage durch die Nationalverſammlung gefordert. Er hielt
dann eine Lobrede auf die Republik und ſchloß mit der Erklä=
füir
, daß Frankreich ſeine Verpflichtungen ihnen gegenüber nach, der Daily Mail ſtelle das Abkommen einen geheimen Pakt dar,
Maßgabe ſeiner Fähigkeiten erfüllen wolle.
Der Kommuniſt Doriot rief dann einen Zwiſchenfall her=
vor
, der die Unterbrechung der Sitzung notwendig machte.

Da er die Rednertvibüne nicht verlaſſen wollte, mußte der die
Wache kommandierende General herbeigeholt werden, der
Tribüne zu verlaſſen, trat Doriot dann ab und die Sitzung konnte
weitergeführt werden. Die Sitzung mußte jedoch noch
dreimal unterbrochen werden, da die Kommuniſten
einen ungeheuren Lärm vollführten und die Carmagnole an=
ſtimmten
. Schließlich wandte Präſident de Selves einen Artikel alle anderen Männer im Auswärtigen Amte um Haupteslänge
des Reglements an, der im Falle andquernder Tumulte ihm
zu ſchreiten.
Unter dem Geheul der Kommuniſten und dem Geklapper
der Pultdeckel wurde, vollkommen unverſtändlich, der Wort=
laut
des Antrages verleſen und die Abſtimmung vor=
genommen
.
Doriot wird aus dem Sitzungsſaal verwieſen,
worauf ſämtliche Kommuniſten, begleitet von
der Saalwache, ſich ihm anſchließen und dann im
Die mittlerweile vorgenommene Auszählung ergibt die Annahme
des Geſetzentwurfes der Regierung und zugleich Schluß der
Sitzung mit 671 gegen 144 Stimmen. Durch die kommuniſtiſche
liegenden Zuſatzanträge verhindert.
* Der Kampf um
die Beſatzungsverminderung.
Priands Bedingungen. Marſchall Fochs Einwände.
Verſchiedene franzöſiſche Blätter deuten an, daß Briand
m deutſchen Botſchafter von Hoeſch gegenüber ſich bereit
rklärt habe, entſprechend den immer dringender werdenden
Forderungen der deutſchen Regierung die Rheinland=
ruppen
auf wenige Garniſonen herabzuſetzen.
Zur Bedingung mache aber die franzöſiſche Regierung, daß die
gefährliche Propaganda der vaterländiſchen Verbände im beſetz=
ten
Gebiete aufhöre und gegen franzoſenfreundliche Rheinländer
keine Repreſſalien geübt werden. Inhaltlich tauchen dieſe Mel=
dungen
in verſchiedenen franzöſiſchen Blättern auf. Auch die eng=
liſche
Preſſe erhält aus Paris ähnliche Informationen. Man
wird danach annehmen dürfen, daß ſie auf den Quai dOrſay
zurückgehen und vermutlich darauf berechnet ſind, einmal nach=
zuprüfen
, wie ſtark die Widerſtände gegen ein ſolches Zugeſtänd=
nis
ſind, denn tatſächlich hat ſich Briand wohl kaum ſchon ſo
weitgehend feſtgelegt. Er hat zwar anerkannt, daß wir ein Recht
auf die Herabſetzung der Beſatzungstruppen haben, und ſich auch
grundſätzlich bereit erklärt, in beſchleunigtem Tempo die Vermin=
derung
vorzunehmen, es iſt aber bekannt, daß der Marſchall Foch
weſentlich andere Anſchauungen über die Beſatzung hat und gegen
die franzöſiſchen Militärs hat ſich Briand bisher noch niemals
als der Stärkſte erwieſen.
Richtig iſt wohl auch, daß von Paris aus über die Ver=
ſchlechterung
der Beziehungen zwiſchen den Beſatzungstruppen
der Rednerzahl und der Redezeit mit 510 gegen 347 Stimmen und der Bevölkerung des beſetzten Gebietes geklagt worden iſt.
Die franzöſiſchen Militärs benutzen das, um zu behaupten, dar=
aus
gehe eben hervor, daß die Deutſchen ein Eutgegenkommen
nicht vertragen können. Aber auch Herr Briand wird klug ge=
Acht Jahre eines ſolchen Regimes, wie es die Deutſchen im be=
ſetzten
Gebiet hinter ſich haben, gehen eben nicht ſpurlos vorbei
und machen auch die beſten Nerven zuſchanden. Es wäre alſo
war, verloren ging. Auf der anderen Seite iſt es klar, daß die
Verſammlung zur Genehmigung unterbreitet werden ſoll. Da= Beſſerung der deutſch=franzöſiſchen Beziehungen, die doch von
Briand angeſtrebt wird, ſo lange nicht kommen kann, als der
Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte Präſident de Pfahl der fremden Beſatzung im deutſchen Fleiſch ſteckt. Wer
einmal ehrlich eine Annäherung der beiden Völker anſtrebt, kann
nur die logiſche Folgerung ziehen, daß das ganze Beſatzungs=
ſtſtem
abgebaut werden muß, weil es je länger deſto mehr zu
Ein ſpaniſch=italieniſcher Freundſchaftsbertrag.
Dem am 7. Auguſt in Madrid zwiſchen Italien und Spanien
6 Uhr. Die Kommiſſion lehnte, nachdem Poincaré mit Demiſſion unterzeichneten Schiedsgerichts= und Freundſchaftsvertrag wird
Antrages Palmades, der Poincarés Zuſtimmung gefunden hatte, gemeſſen. Der Vertragstext, der noch nicht genau bekannt iſt, ſoll
richterſtatter Cheron empfahl, die Annahme des Regierungs= Gefährdung des Völkerfriedens ſehen wollen. Zweck und Be=
deutung
dieſes Uebereinkommens ſind klar. Die politiſchen und
wirtſchaftlichen Beſtrebungen ſollen gegenſeitig unterſtützt wer=
den
. Beſonders für die Stellung im Mittelmeer und die gemein=
der
bisher nur Erfolge auf pſychologiſchem Gebiete erzielt hobe, ſamen Intereſſen in Südamerika wird ſich der Vertrag vorteil=
Große Beachtung findet in London die Unterzeichnung des
italieniſch=ſpaniſchen Vertrages. Die Blätter weiſen in län=
tnauen
, und um dieſes zu erhalten, habe er die feierliche Annahme geren Artikeln auf die Bedeutung dieſes Abkommens hin. Die
Times ſchreiben, das wichtigſte Merkmal dieſes Vertrages ſei,
daß er die Entwicklung der italieniſchen Intereſſen im Mittel=
rung
: Der Schwur des franzöſiſchen Parlamentes, die Schulden meer fördern würde. Bemerkenswert ſei, die Andeutung der mühelos weiter hätten verhindern können, wenn ſie den Ruſſen
zu bezahlen und die Währung zu ſanieren, werde ſicherlich drau= Tribung, daß die wirkliche Bedeutung des Vertrages außer= auf ihr Betteln hin nur einen einzigen Fetzen Papier hätten
ßen gehört werden. Er biete den Gläubigern eine Garantie da= halb der Sphäre des Völkerbundes liegen werde. Nach Anſicht
gen größere Bedeutung zukomme. Die Daily News veröffent=
lichen
die Meldung unter der Ueberſchrift: Eine neue Entente‟.

uni
Prof. W. Schüßler.
II.
Es wird Bismarck immer wieder zum Vorwurf gemacht, daß
dann mit 5 Leuten im Saal erſchien. Auf die Auforderung, die er ſich keinen Nachfolger erzogen habe. Dabei wird vergeſſen, daß
er tatſächlich einen Mann als ſeinen nächſten Gehilfen ſich heran=
gezogen
hatte, der, wie die vorliegenden Dokumente unzweifel=
haft
erkennen laſſen, an Wiſſen, Einſicht und Charakter, vor
allem aber an Verſtändnis der Bismarckſchen Gedankengänge
überragte: ſeinen Sohn Herbert. Es war die brutale Form der
das Recht gibt, die Diskuſſion zu ſchließen und zur Abſtimmung Entlaſſung ſeines Vaters, die Herbert Bismarck zwang, ebenfalls
in die Verbannung zu gehen. Seinen Poſten als Staatsſekretär
des Auswärtigen Amtes erhielt ein früherer badiſcher Staats=
anwalt
, v. Marſchall, der Nachfolger Bismarcks wurde ein preu=
ßiſcher
General, der, bei aller Anerkennung ſeines Charakters,
als Politiker noch weniger verſtand als Herr v. Marſchall. Dieſe
grotesken Zuſtände in den leitenden Stellen ermöglichten es
dem Direktor der politiſchen Abteilung, Herrn v. Holſtein, für
lange, unheilvolle Jahre eine faſt diktatoriſche Rolle zu ſpielen,
Schloßhofe Hochrufe auf die Revolution ausbringen, weil er der einzige war, der fachmänniſch arbeitete und der noch
unter Bismarck erzogen war. Dieſer hatte ihn allerdings für ver=
rückt
erklärt, aber unter Aufſicht brauchbar. Dieſer Mann, der
im aktiven und paſſiven Sinne an Verfolgungswahn litt, hatte
Obſtruktion wurde die Abſtimmung über ſämtliche anderen vor= jetzt ſofort über die Erneuerung des Rückverſicherungsvertrages
zu entſcheiden. Da er von einer Erneuerung des Vertrages die
Nückkehr Bismarcks und deſſen Nache für eine Wendung zu Wil=
helm
II. befürchtete der Zar würde vielleicht dieſen geheimen
Vertrag nur mit dem alten Kanzler erneuern wollen ſtemmte
er ſich dagegen und ſuchte in ſpitzfindigen Denkſchriften zu be=
weiſen
, daß der Rückverſicherungsvertrag mit dem öſterreichiſchen
Bündnis in Widerſpruch ſtehe. Auch andere Größen des Aus=
wärtigen
Amtes, die Bismarcks Politik nie verſtanden hatten,
waren dagegen, ſo Graf Berchem, Raſchdau uſw. Anſtatt ſich
nun bei dem größten Meiſter ſelbſt Rat zu holen er war noch
in Berlin verließ ſich Caprivi auf Holſtein und ſeine Freunde
und bewog den Kaiſer, gegen die Erneuerung des Vertrages ſich
auszuſprechen. Als der deutſche Botſchafter dieſen Entſchluß
der neuen Regierung dem ruſſiſchen Außenminiſter v. Giers mit=
teilte
, war dieſer konſterniert; voll Schrecken erklärte er, dann
müſſe Rußland anderswo Anlehnung ſuchen. Rußland ging
damals an den Ausbau ſeiner oſtaſiatiſchen Poſition und brauchte
dringend eine europäiſche Rückendeckung. Dies anderswo hieß
Frankreich. Man verſteht den Schrecken des Miniſters, wenn
man ſich überlegt, daß das Intereſſe des Zaren aus dringenden
innerpolitiſchen Gründen das Bündnis mit dem demokratiſch=
republikaniſchen
Frankreich verbot, ſolange noch irgend eine Aus=
ſicht
auf die Fortdauer einer vertraglichen Verbindung mit
Deutſchland beſtand. Herr v. Giers hat nun in einer Weiſe, die
man vom ruſſiſchen Standpunkt geradezu als würdelos bezeichnen
muß, um die Fortdauer irgend einer politiſchen Verbindung mit
Deutſchland förmlich gebettelt. Eine ſolche vertragliche Bezie=
hung
ſollte ein Bollwerk gegen die ſlawophilen Kreiſe ſein, die
ſchon längſt mit dem franzöſiſchen Bündnis liebäugelten, und
ſollte zugleich ſeine Nachfolger binden. Was die ruſſiſch= fran=
zöſiſche
Allianz für die ruſſiſche Revolution bedeuten müſſe, das
wußten Alexander III. und Giers ſehr genau. Nichts iſt nun
beſchämender und kläglicher, als die Politik, die im Sommer
1890 in Berlin gemacht wurde. Warnend wies der Botſchafter
auf die Folgen der Ablehnung hin: das ruſſiſch=franzöſiſche
Bündnis. In neuen Denkſchriften bewieſen Holſtein und ſeine
Trabanten, daß man jede Verbindung mit Rußland löſen müſſe.
Caprivi verſtieg ſich ſogar zu dem Satze: eine deutſch=ruſſiſche
Annäherung würde England (1) ſchädigen! Schließlich mußten
der ruſſiſche Kaiſer und ſein Miniſter einſehen, daß Bismarcks
Sturz einen völligen Syſtemwechſel in Berlin herbeigeführt habe:
nämlich ſie glaubten jetzt klar zu ſehen, daß man in Berlin ein
engliſches Bündnis erſtrebe, wenn nicht ſchon herbeigeführt habe.
Die Erneuerung des Dreibundes 1891 und die deutſch=engliſche
Intimität (Helgoland=Sanſibar=Vertrag) zwangen das ruſſiſche
Kabinett, ſich widerwillig endlich nach anderer Deckung umzu=
ſehen
. Wenige Monate nach der Verlängerung des Dreibundes,
die unter Englands Vermittlung zuſtande gekommen war, im
Juli 1891, empfing der Zar ein franzöſiſches Geſchwader und
hörte ſtehend die bisher verpönte Marſeillaiſe an!
Aber wenn man in Petersburg geglaubt hatte, daß Deutſch=
land
ſchon im Beſitz des erſtrebten und von Caprivi erwünſchten
engliſchen Bundes ſei, ſo verkannte man die Dynamik des Staa=
tenſyſtems
. Jetzt, nach dem Abbruch der vertraglichen Bezie=
hungen
zwiſchen Berlin und Petersburg, ſank ſofort auch der
Wert Deutſchlands für England. England konnte jetzt, ohne
ſelber etwas zu zahlen und ohne eine Schwenkung Deutſchlands
nach Rußland noch befürchten zu müſſen, ſeinerſeits in der euro=
päiſchen
Hinterhand ſitzen bleiben, wo Bismarck ſelber ſo lange
geweſen war. Denn mit der Kündigung des Rückverſicherungs=
vertrages
hatte Deutſchland aufgehört, eine am Orient nicht
intereſſierte Macht zu ſein. Es rückte jetzt, da es offenbar den
Ruſſen den Orient nicht mehr preisgeben wollte, mit und neben
Oeſterreich in die vorderſte Reihe der Ruſſengegner, übernahm
alſo diejenige Aufgabe, die nach Bismarcks Bündnisſyſtem die
Engländer hatten übernehmen müſſen, ſolange Rückverſicherungs=
vertrag
und Orientdreibund nebeneinander beſtanden. Das iſt
der Grund, weshalb England die engliſch=öſterreichiſch=italieniſche
Entente 1896 nicht mehr erneuerte.
Denn unterdeſſen war das von Alexander III. und Giers
ſo lange gefürchtete ruſſiſch=franzöſiſche Bündnis ( Militärkonven=
tion
von 1892) Tatſache geworden. Und damit war jenes Er=
eignis
eingetreten, das Bismarck durch ſeine ruſſiſche Vertrags=
politik
ſo erfolgreich verhindert hatte und das ſeine Epigonen ſo
geben wollen!
Nun hatte Bismarck aber für den Fall, daß es trotz ſeiner
dem angeſichts der zur Erörterung ſtehenden afrikaniſchen Fra= Kunſt doch zum ruſſiſch=franzöſiſchen Bunde komme, ſchon ein
*) Siehe Nr. 218.

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Seite 2

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

Nummer 221

Rezept gehabt: nun durch Dick und Dünn mit England auch
gegen Rußland zu gehen. Er hatte zuletzt 1889 ein
Bündnis mit England geſucht, das nur gegen einen franzöſiſchen
Angriff gerichtet war, während die Engländer die deutſche Kraft
gegen den Zaren verwenden wollten. Jetzt aber, nach dem
Zuſtandekommen des ruſſiſch=franzöſiſchen Bundes, wäre es konſe=
quent
geweſen, wenn Caprivi und Holſtein England auch im
Orient gegen Rußland kräftig unterſtützt hätten. Aber daran
ließen ſie es in Verkennung der Sachlage und in trauriger Halb=
heit
fehlen. Der Botſchafter in London, Graf Hatzfeldt, ſagte
1894 voraus, was die Folge ſein würde: Kurswechſel Englands
Abfall Italiens, Vernichtung Oeſterreichs. Aber in Berlin lehnte
man die Anfrage Englands, ob der Dreibund im Fall eines
ruſſiſch=engliſchen Konfliktes wegen der Meerengen einen Druck
auf Frankreich im Sinne der Neutralität ausüben wolle, ab und
forderte ſtatt einer von Bismarck unter dieſen Umſtänden
ſicher freudig begrüßten allgemeinen Entente einen genau aus=
gearbeiteten
Bündnisvertrag, was das Londoner Kabinett von
ſich wies. Damals war es, wo in England eine engliſch= ruſſiſch=
franzöſiſche
Entente von manchen Politikern gefordert wurde und
man die Iſolierung Deutſchlands höhniſch feſtſtellte.
Denn dieſe ganze Politik der Berliner Regierung erfüllte
Oefterreich und Italien mit der allergrößten Beſorgnis. Daß
der ruſſiſch=franzöſiſche Bund gerade auch für den Beſtand Oeſter=
reichs
kataſtrophal werden könne, erkannte man in Wien ſehr
deutlich. Und deshalb ſuchte man die Beziehungen zu Rußland
und Frankreich enger zu geſtalten, während die Beziehungen zu
Deutſchland erkalteten. In Italien war man über die Ver=
ſchlechterung
der deutſch=engliſchen Beziehungen entſetzt, ſo daß
der Dreibund im Jahre 1894 mit Recht als ſchwer erſchüttert galt.
Während noch zu Beginn des Jahres 1890, vor Bismarcks Sturz,
Deutſchland mit Oeſterreich, Italien, Rumänien und Rußland
verbündet war, mit England und Spanien durch ſeine Bundes=
genoſſen
in engſter politiſcher Verbindung ſtand und die unbe=
ſtrittene
Vorherrſchaft in Europa beſaß, war es ſchon vier Jahre
nachher faſt iſoliert! Und ſpäter mußte es, um den letzten Bun=
desgenoſſen
nicht auch zu verlieren, die öſterreichiſche Balkan=
politik
zu ſeiner eigenen machen und 1914 gegen ſeinen Willen,
zu ſeiner Verteidigung einen Kampf mit der Welt aufnehmen.
Was alle Unterſuchungen immer wieder beweiſen, iſt die Tat=
ſoche
, daß die Nichterneuerung des Rückverſicherungsvertrages
die Wurzel alles Uebels iſt, daß die Ruſſen am liebſten mit und
abgeſchloſſen hätten und erſt durch unſere Weigerung in Frank=
reichs
Arme getrieben worden ſind. Nur eines muß man den
deutſchen Staatmännern, zugute halten: ihre entſcheidenden
Fehler entſprangen der Friedensliebe! Um das Riſiko zu ver=
ringern
, ſtieß man Rußland ab, dann England. Aus Angſt vor
dem Tode beging man gewiſſermaßen Selbſtmord.
Die Zwiſchenfälle
an der bulgariſchen Grenze.
Bulgariens Antwort auf die Belgrader Proteſtnote.
TU. Sofia, 10. Auguſt.
Nach Mitteilungen aus zuverläſſiger Quelle wird die bul=
gariſche
Antwort auf die mit Ungeduld erwartete jugoſlawiſche
Note darauf hinweiſen, daß kein Beweis dafür vorhanden ſei,
daß Banden von bulgariſchem Gebiet auf jugoſlawiſches, grie=
chiſches
und rumäniſches Gebiet übergetreten ſeien. Wenn man
von Bulgarien eine hermetiſche Abſperrung der Grenze verlange,
ſo müßte man bedenken, daß infolge des Friedensvertrags nicht
mehr als 20 Gendarme zur Beobachtung einer 50 Kilometer
langen Grenzſtrecke zur Verfügung ſtehen. Bulgarien habe nichts
zu verbergen und ſei jederzeit bereit, ſich dem Spruch einer inter=
nationalen
Unterſuchungskommiſſion zu fügen.
Der Einſpruch Abeſſiniens gegen den engliſch=
italieniſchen
Vertrag.
Genf, 10. Auguft.
Der Einſpruch Abeſſiniens gegen den italieniſch=engliſchen
Vertrag, der in London und Rom auf franzöſiſche Einflüſſe zu=
rückgeführt
wurde, kam jedenfalls beiden alliierten Vertragskon=
trahenten
äußerſt ungelegen. Infolgedeſſen hat man ſich unter
der Hand um eine Verſtändigung zwiſchen London
und Rom einerſeits und Paris andererſeits be=
müht
. In Genfer unterrichteten Kreiſen verlautet, daß der
abeſſiniſche Einſpruch gegen das engliſch=italieniſche Abkommen
nicht vor dem Völkerbundsrat zur Verhandlung kommen wird
vielmehr zwiſchen den beteiligten Staaten, d. h. hinter den Ku=
liſſen
auf Koſten Abeſſiniens, bereinigt wird.

*Ein Ueberſee=Brief vor 60 Jahren.
Der vorliegende Brief aus dem Jahre 1836 iſt von be=
ſonderem
Indereſſe, weil er gerade aus den Tagen ſtammt,
in denen das erſte Ueberſeekabel einen Friedensſchluß meldete,
bevov überhaupt die mit dem Schiff expedierte Nachricht vom
Kriegsausbruch in Amerika eingetroffen war, und weil aus ihm
erhellt, welche fundamentale Umwälzung das Kabel für das
Wechſelgeſchäft bedeutete, das bis dahin von langſamen Schiffen
(Anmerkung der Redaktion.)
abhangig war.
Geſell & Biſſinger
Gold= und Silberwaren
en gros
Neu=York, 5. Straße 72, 18. July 1866.
Hochgeehrter und vielgeliebter Vater!
Nach den feſtlichen Tagen der 90jährigen Jubelfeier der
Ungbhängigkeit der Vereinigten Staaten durchleben wir jetzt
alle recht ſorgenvolle Stunden. Geſtern ſind mit der ſchnellen
Amſterdam aus Rotterdam Zeitungen und ein Brief unſeres
Amſterdamer Geſchäftsfreundes Mosler eingetroffen, aus dem
wir entnehmen, daß ein ernſter Konflikt zwiſchen
Preußen und Oeſterreich droht, und daß auch ſchon
Sachſen darein verwickelt ſein ſoll. Das hat hier auf dem Wech=
ſelmarkt
ſchon erhebliche Nachwirkungen gehabt, der öſterreichiſche
Gulden iſt um 16 Punkte gefallen und wir ſorgen ſchon, daß der
in den erſten Julytagen nach Amſterdam verſchiffte
Sichtwechſel über 14 000 öſterreichiſche Gulden ein Waren=
wechſel
einer Firma Oberdorfer in Venedig dort ſchlecht dis=
kontiert
werden wird, ſo daß Ihr nur einen gewinderten Betrag
in Frankfurt gutgeſchrieben erhaltet.
Man war hier in den letzten Monaten ja ſonſt recht hoff=
nungsfroh
, zumal der Kurs für Londoner Sichtauszahlung von
7 allmählich auf 6 und zuletzt ſchon auf 5¾ Dollar geſunken war
ein deutliches Zeichen dafür, daß man in Europa allmählick
wieder eine gute Meinung von der Geſundung unſerer wirt=
ſchaftlichen
Verhältniſſe hat. Sicherlich hat zu dieſer Beſſerung
auch die ſtarke Hilfe beigetragen, die die gut einſetzenden Käufe
unſerer neuaufgelegten Pazifikbahnbonds an der Frankfurter
Börſe dem Anſehen Neu=Yorks brachten, wan führte ſie hier in
der Wallſtraße auf die allmählich eingehende däniſche Kriegs=
entſchädigung
zurück. Der Optimismus einer allgemeinen Kon=
ſolidierung
kam dieſes Jahr am 4. July nach langer Pauſe wie=
der
zum erſten Mal zum Durchbruch; unter dem ruhigen und
nicht beſonders energiſchen Präſidenten Johnſon haben ſelbſt
unſere Heißſporne vorerſt die alte Fehde mit dem Süden

Vom Tage.
Wie verlautet, wird ſich binnen kurzem die Filmoberprü=
fungsſtelle
zum dritten Male mit dem Potemkin=Film der
Sowjets, diesmal in ſeiner neuen, gekürzten Faſſung, zu beſchäf=
tigen
haben.
Wie von zuverläſſiger Seite verlautet, wird der Oberkommiſ=
ſar
der Rheinlandkommiſſion, Dirard, in nächſter
Zeit von ſeinem Poſten zurücktreten.
Der griechiſche Miniſterrat beſchloß endgültig, das
früher dem deutſchen Kaiſer gehörende Archilleion
auf Korfu zu verkaufen.
Wie in ruſſiſchen Kreiſen verlautet, iſt der Handelskommiſſar
Kamenew ſeines Poſtens enthoben worden. Mukojan, ein Freunk
Stalins, iſt zu ſeinem Nachfolger beſtimmt worden. Mukofan wurde
erſt hürzlich zum Kandidaten für den Poſten eines Mitgliedes des Polit=
Büros ernannt.
Nach einer Agenturmeldung aus Konſtantinopel hat die Regierung
beſchloſſen, Konſtantinopel in einen freien Tranſithafen
umzuwandeln.
Einer Reutermeldung zufolge ſoll die Studienkommiſſion
des Völkerbundes über die Ratsfrage am 94. Auguſt
unter dem Vorſitz Lord Ceeils in Genf zuſammentreten.
Nach einer Meldung aus Teheran beabſichtigt der Schah von
Perſien, einen ſeiner Miniſter nach Moskau zu ſenden, um mit=
der
Sowjetregierung zu verhandeln.
Chicago Tribune: berichtet aus Waſhington, daß die ameri
kaniſche Regierung ernſte Maßnahmen, und zwan
wirtſchaftlicher Art, gegen Mexiko vorbereite für
den Fall, daß die letzte amerikaniſche Note an Mexiko keine befriedigende
Antmort erhalten würde.
2
Gewerkſchaften
und Erwerbsloſenfürſorge.
Die Frage der Unterſtützungsdauer.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Am Dienstag fanden im Reichsarbeitsminiſterium zwiſchen
den Spitzenverbänden aller Gewerkſchaftsrichtungen und den be=
teiligten
Reichsminiſterien und preußiſchen Miniſterien ein=
gehende
Beſprechungen über die Fvage der Erwerbsloſenfürſorge
ſtatt. Von den Gewerkſchaftsvertretern wurde auf den Rüchgang
der Zahl der beſchäftigten Notſtandsarbeiter hingewieſen und
eine Beſchleuwigung des vorgeſehenen Notſtandsarbeiten= Pro=
gramms
verlangt. Die Vertreter der Behörden gaben Auskunft
über die beabſichtigten Arbeiten und gaben mehrmals die Ver=
ſicherung
ab, daß ſchon in kürzeſter Friſt mit der Inangriffnahme
umfangreicher Notſtandsarbeiten, zu rechnen ſei. Verſchiedene
Gewertſchaftsvertreter machen jedoch wiederholt ihre Bedenken
gegen den ſchleppenden Gang der Verhandlungen über das Not=
ſtandsprogramm
geltend und zeigten ſich wicht beſonders op=
timiſtiſch
, da man in gewerkſchaftlichen Kreiſen die bureaukra=
tiſchen
Hemmungen und zahlreichen Schwierigkeiten, die der
Durchführung ſo großer Maßnahmen im Wege ſtehen, leider
mehrmals kennen gelernt hat. Da wan ſich in Arbeitnehmer=
kreiſen
ſowohl wie in Regierungskreiſen nicht allzu viel von der
Notſtandsaktion verſpricht, wurde auch die Frage der Erwerbs=
loſenfürſorge
und beſonders die Verlängerung der Unter=
ſtützungsdauer
beſprochen.
Die Erwerbsloſenunterſtützung wird autch für den kommen=
den
Winter eine der ſchwerſten Fragen der deutſchen Finanz=
und Wirtſchaftspolitik bleiben. Während von Gewerkſchaftsſeite
immer wieder eine Verlängerung der Unterſttzungsdauer ge=
fordert
wird, glaubt man in Regierungskreiſen nicht in der Lage
zu ſein, noch auf eine weitere Verlängerung eingehen zu können,
da dies eine zu große Belaſtung des Etats mit ſich bringe. Die
Reichsregierung will daher die ausgeſteuerten Erwerbsloſen der
Armenfürſorge der Gemeinden überweiſen und nur die Hälfte
der Koſten aus Reichsmitteln an die Gemeinden zurückerſtatten.
Das lehnen die Gewerkſchaften jedoch grundſätzlich ab, da die
Sätze der Erwerbsloſen einmal unzureichend ſind und ſie außer=
dem
nur von ganz Bedürftigen in Anſpruch genommen werden
kann. Bevor dieſe Hilfe einſetzt, muß der Hilfsbedürftige ſein
ganzes verwertbares Vermögen eingeſetzt haben. Iſt ihm das
nicht möglich, ſo bann die Hilfe von der Verpflichtung abhängig
gemacht werden, daß die von der Gemeinde aufgewendeten Koſten
zurückzuzahlen ſid. Um ſich zut ſichern, laſſen ſich die Gemeinde=
verwaltungen
meiſtens das geſamte Mobiliar des Hilfsbedürf=
tigen
verpfänden, ſoweit es noch einen Wert hat. Im Reichs=
arbeitsminiſterium
wird über die Frage der Verlängerung der
Unterſtützungsdauer eingehend beraten, ſo daß ſchon in den näch=
ſten
Tagen eine Entſcheidung der Regierung zu erwarten iſt.
Ob die Regierung ſich in Anbetracht der großen Koſten und der
keineswegs ſehr glänzenden Finanzen, des Reiches zu dieſen
Maßnahmen entſchließt, erſcheint noch äußerſt fraglich.

ſchon faſt vergeſſen, allerdings bringen die mexikaniſchen Wirren
die ſüdlichen Fragen immer wieder auf den Plan. Man hört
hier viel von der Gefährdung der Stellung Maximilians; dem
franzöſiſchen Marſchall Bazaine ſoll gar nicht zu trauen ſein; er
hat dem Kaiſer ein Dekret gegen die Verſchwörer unter Juarez
abgetrotzt, das die Meinung unſerer maßgebenden Politiker in
Waſhington und beſonders unſeres freiheitlichen Landsmannes
Schurz jetzt ſehr auf die Seite von Juarez getrieben hat. Man
ſollte, da weitere Unruhen ſicher zu erwarten ſind, alſo mit
mexikaniſchem Geld vorſichtig ſein und wir verkaufen auch nur
noch gegen gute Neu=Yorker Wechſel dorthin. Der Warenabſatz iſt
nach wie vor ſehr lebhaft, der Aufſchwung des täglichen Lebens
geht manchevorts mit Rieſenſchritten voran. Die Zahl der Dampf=
boote
auf dem Hudſon hat ſich ſeit vergangenem Jahr faſt ver=
doppelt
, bald ſoll ſogar nach Brooklyn eine Gasleitung
gelegt werden. Kühne Projektemacher ſprachen ſogar davon,
dorthin eine große Brücke zu bauen, doch dürften das wohl un=
ausführbare
Luftſchlöſſer ſein. Man hat das in den letzten Jah=
ren
des Bürgerkriegs allerdings auch von der Bahn nack
San Franzisco geſagt, und doch iſt ſie heute, wie in der
Staatszeitung zu leſen ſtand, ſchon am Kamm der Rocky Moun=
tains
angelangt und ein großer Tunel ſchon im Bau. Das
bringt heute ſchon vermehrten Abſatz auch am Miſſiſippi, und
es wird gut ſein, wenn Ihr Euch auf den Farmergeſchmack
namentlich bei den unechten Sachen und den Ohrringen richtig
einſtellt. Die Ernte ſoll ſehr gut werden, auch in den Südſtaaten
geht es vorwärts.
23. July.
Die Farewell, die geſtern in See ſtechen ſollte, iſt zurück=
gehalten
worden, nachdem Nachrichten von dem preußiſchen Ein=
marſch
in Dresden am 20. Juni hier eingetroffen ſind. Man
glaubt zwar noch immer, daß es nicht zum Krieg zwiſchen Ber=
lin
und Wien kommen wird, aber der engliſche Rheder hat Ware
für Berlin über Stettin und fürchtet Verwicklungen mit Frank=
reich
, das ſowieſo wegen der mexikaniſchen Unruhe nervös iſt,
und ihn aufbringen könnte. Er hat ſich nach Kanada um bri=
tiſchen
Convoy gewandt, ſo hat der Brief noch Zeit. Die Ent=
wicklung
der Frankfurter und Wiener Wechſelpreiſe iſt beſorgnis=
erregend
und wir ſind nur froh, daß wir Euch neulich den größ=
ten
Teil der Zahlungen in guter holländiſcher Währung aufgaben
die im Hinblick auf die ſichere Neutralität Hollands auch weiter
hin ſehr gut geſchätzt wird.
28. July.
Das war heute ein Freudentag! Teurer Vater, ich weiß
gar nicht, wie ich es faſſen ſoll. Noch geſtern abend ſaßen Biſ=

Die Nachteile des Pariſer
Luftfahrtabkommens.
Keine Gleichberechtigung mit dem Ausland. Die ver=
botenen
führerloſen Flugzeuge. Keine amtliche Anter=
ſtützung
deutſcher Sportflieger.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Reichsregierung hat jetzt vier Verordnungen über das
Luftfahrtweſen erlaſſen, die die Ausführungsbeſtimmungen zu
dem Pariſer Luftfahrtabkommen darſtellen. Bekanntlich dürfen
danach in Deutſchland keine Luftfahrzeuge gehalten, gebaut, ein=
geführt
oder in Verkehr geſetzt werden, die in irgend einer Weiſe
gepanzert oder geſchützt ſind. Sie dürfen keinerlei Einrichtungen
haben, die ihre Umwandlung in Kriegsfahrzeuge erleichtern
könnten. Vor allem iſt Deutſchland verboten, führerloſe Flug=
zeuge
zu unterhalten, was eine ſchwere Benachteiligung der
deutſchen Luftfahrt und eine große Behinderung der Entwicklung
darſtellt. Im Laufe des letzten Jahres iſt es gelungen, die Be=
triebsſicherheit
der ſogenannten führerloſen Flugzeuge ſtark zu
erhöhen. Bei dieſen Flugzeugen handelt es ſich darum, das
führerloſe Flugzeug durch beſtimmte elektriſche Wellen in beſtimm=
ter
Richtung abfliegen zu laſſen und es durch Einwirkung elek=
triſcher
Wellen von der Erde aus ſo zu ſteuern, daß es an einem
beſtimmten Ziel landet. Durch elektriſche Welleneinwirkung löſt
ein im Flugzeug befindlicher Apparat die an ihm befeſtigten
Gegenſtände aus, ſo daß auf dieſe Weiſe über beſtimmten Orten
einige der mitgeführten Dinge abgeworfen werden. Die eng=
liſche
Armee hatte ſogenannte führerloſe Flug=
zeuge
bereits, zu Bombenabwurfzwecken ſehr
weit ausgebaut und auch gute Erſolge erzielt.
Bei großen engliſchen Flottenmanövern in der Nordſee hatte ſich
gezeigt, daß die Apparate ein wirkſames Kriegsmittel ſind. Das
Bombenabwurfergebnis der engliſchen führerloſen Flugzeuge
wurde in der Fachpreſſe als recht günſtig bezeichnet. Bei den
Pariſer Luftfahrtverhandlungen wurde daher den deutſchen
Unterhändlern erklärt, daß dieſe führerloſen Flugzeuge nur mili=
täriſchen
Zwecken dienen könnten.
Deutſchland mußte notgedrungen auf den Bau derartiger
Flugzeuge verzichten, obwohl ſich beide Parteien darüber klar
waren, daß derartige führerloſe Flugzeuge auch für
nichtmilitäriſche Zwecke, beſonders für den Poſtverkehr,
eine große Rolle ſpielen werden. Einige Wochen nach
Abſchluß des Pariſer Luftfahrtabkommens begann Frankreich
bereits mit der Einführung dieſer Flugzeuge bei ſeiner Poſtver=
waltung
und hat in letzter Zeit den Abwurf von Poſt durch
dieſe Fahrzeuge ſtark gefördert. Auch in England hat man bereits
auf dieſem Gebiet günſtige Erfolge zu verzeichnen. Deutſchland
darf auf dieſem für die Entwicklung des Luftverkehrs außer=
ordentlich
wichtigen Gebiet weder Verſuche anſtellen, noch ſonſt
irgendwie ſich betätigen. Die deutſche Induſtrie und Wiſſenſchaft
könnten gerade auf dieſem Gebiet zuſammen ſehr viel leiſten.
Dem Luftverkehr in Deutſchland wären neue Entwicklungsmög=
lichkeiten
und neue große Ausſichten eröffnet. In unſerer gegen=
wärtigen
Lage müſſen wir zwar darauf verzichten, militäriſche
Flugzeuge zu unterhalten, jedoch dürfen wir uns nicht damit
zufrieden geben, daß die Einführung dieſer führerloſen Flug=
zeuge
auch für reine Verkehrszwecke in Deutſchland verboten iſt,
denn hier liegt eine der Hauptentwicklungsmöglichkeiten des Luft=
verkehrs
. Die deutſche Regierung wird daher ſobald wie möglich
an dieſem Punkt einen energiſchen Vorſtoß unternehmen müſſen.
Eine weitere Benachteiligung der deutſchen
Luftfahrt durch das Pariſer Abkommen liegt darin,
daß keine amtliche Stelle die deutſchen Sport=
flieger
unterſtützen darf. In allen Ländern dagegen
werden der Sportflug und die Ausbildung von Flugzeugführern
mit großen ſtaatlichen Mitteln unterſtützt. Manche Regierungen
zahlen allen jungen Leuten, die ſich als Flugzeugführer ausbilden
laſſen, hohe Prämien und ſonſtige Vergünſtigungen aller Art.
Dafür ſind natürlich in erſter Linie militäriſche Zwecke und Ab=
ſichten
maßgebend. Aber auch Deutſchland wird, wenn es die
Luftfahrt in ſeinem Lande weiter entwickeln will, nicht darauf
verzichten können, durch Staatsmittel alle Beſtrebungen zum wei=
teren
Ausbau der Luftfahrt zu unterſtützen, ſonſt können wir mit
der Entwicklung in anderen Ländern keinen. Schritt halten und
kommen ins Hintertreffen.

ſinger und ich mit einigen anderen Landsleuten zuſammen und
ließen die Köpfe hängen, weil niemand recht wußte, was los
war. Nur die Börſe hatte gar ſo ſchwarz ausgeſehen, ſo daß
man ſchon fürchten mußte, Rothſchild hätte wieder einmal den
Vogel abgeſchoſſen, und wie vor einem Jahre bei Lincolns Er
mordung als einziger Beſcheid gewußt. Dabei hat, ſoweit wir
feftſtellen konnten, das Segeldampfboot Florette, das geſtern
nach ſtürmiſcher Fahrt aus Le Havre hier einlief, keine neuen
Nachrichten an Bord. Und nun heute dieſe Ueberraſchung. Schon
bald nach dem Jahrestag der Ermordung Lincolns iſt ja, wie
Ihr aus meinen früheren Briefen wißt, das britiſche Kabel=
ſchiff
von Valencia in Irland bei Neufundland gelandet, nach=
dem
die erſten Verſuche 1865 geſcheitert waren. Und nun iſt
heute das erſte Kabeltelegramm hier auf der Börſe ein=
getroffen
, gerade während der Hauptzeit, und darin ſtand, daß
zwiſchen Preußen und Oeſterreich in Nikolsburg ein Vorfrieden
geſchloſſen worden ſei und auch zwiſchen Piemont und Wien ein
Waffenſtillſtand vereinbart worden ſei. Kaum zu faſſen waren
dieſe Nachrichten. Niemand hier wußte, was nun eigentlich
geſchehen, die italieniſchen Feldzugspläne hatte hier ſowieſo nie=
mand
ernſt genommen und nun dieſe Löſung!
Etwas klüger wurden wir erſt vor einer Stunde, als die
ſchon vorgeſtern erwartete neueſte Poſt aus London eintraf, aus
der wir nun erſehen, daß Ihr ſehr unruhige Zeiten gehabt haben
müßt. Die Times ſchreiben unter dem 30. Juni von einer
ſchweren Niederlage der Italiener bei Cuſtozza und nennen
Maximilians Vetter, den Erzherzog Albrecht einen großen Sie=
ger
, viele Wiener hätten ihm das gar nicht zugetraut. Gegen
die Preußen ſcheinen ſie dagegen kein Glück gehabt zu haben
wie käme ſonſt ein Vorfrieden in Nikolsburg zuſtande. Ach,
wer nur ſchon wüßte, wie es bei Euch in Baden und Württem=
berg
ausſieht; in Hannover und Heſſen ſind ja die Preußen
offenbar ſchnell vorwärts gekommen. Die Times wiſſen von
einer Flucht des Hannoverſchen Königs nach Oeſterreich und von
der Gefangenſetzung des Kurfürſten Friedrich Wilhelm in Stet=
tin
zu berichten, überlaſſen allerdings die Verantwortung für
die Richtigkeit dieſer Meldung dem Reuterbüro. Ob Ihr gar
im Ländle wieder einmal Preußen zu ſchmecken kriegt, wie anno
1848, wovon Du uns ſoviel erzählt haſt? Sicher hat Mutter
ſich ſehr geſorgt und Erbſen und Weizen auf Vorrat gekauft.
Unſere preußiſche Großherzogin wird ja wohl dafür geſorgt
haben, daß es nicht gar zu arg wird.
Eben kommt Biſſinger und ſagt, die Farewell will heute
racht bei Vollmond ausfahren. So muß ich ſchließen und
wünſche nur daß Euch der Brief alle wohlbehalten und ſchon
wieder im Frieden antrifft. Die beiden Holländerwechſel der

[ ][  ][ ]

Nummer 221

Seite 3

Monſunſchwüle in Indien.
Der Streit zwiſchen Hindus und Moslems.Scheitern
der Perſöhnungsverhandlungen. Politiſierung der
religiöſen Bewegungen. Die bolſchewiftiſche Gefahr.
Von unſerem Berichterſtatter.
Dr. F. H. Bombay, Anfang Auguſt.
Der ſeit langem vergeblich erwartete Monſunregen hat
endlich mit voller Kraft eingeſetzt und das Leben für die Europäer
überall in den Tiefebenen Indiens zur Unmöglichkeit gemacht.
Wer es irgend kann, iſt daher ſchon ſeit langem in die höher ge=
legenen
Teile des Landes geflüchtet. Nur der politiſche Beamte
hat dieſes Jahr in den großen Städten des Tieflandes ausharren
müſſen, weil immer noch der Streit zwiſchen Hindus
und Moslems über dem Lande laſtet. Weitere ſchwere Zu=
ſammenſtöße
zwiſchen Anhängern der beiden Religionen ſind zu
verzeichnen geweſen, und die lokale Preſſe des Landes iſt voll
vom erbitterten Streit der beiden Parteien. Politiſche und natür=
liche
Atmoſphäre ſind ſich alſo in Indien wieder einmal ähnlich,
obgleich nicht zu leugnen iſt, daß die Hauptſorge der engliſchen
Verwaltung nämlich die Furcht vor einer Mißernte in=
folge
des normalen Sommerwetters ſo ziemlich geſchwunden iſt.
Man erwartet eine mittelgute, ſtellenweiſe ſogar eine Rekordernte,
ſo daß Hungerrevolten im nächſten Jahre ausbleiben dürften,
wenn ſich dieſe Erwartungen tatſächlich erfüllen.
Doch die Engländer ſind nicht zufrieden. Sie
ſpüren, daß ſich irgendwo unterirdiſche Dinge vorbereiten, die
irgendwie fatal für ſie werden könnten. Von offiziellem Opti=
mismus
iſt daher nirgends eine Spur zu bemerken. Im Gegen=
teil
, man iſt ſogar übernervös, was ſich anläßlich der Reiſe
Lord Lyttons nach England und der üblichen Verlegung der
Sommerreſidenz des Vizekönigs nach Silma deutlich zeigte. Als
dieſe beiden Tatſachen bekannt wurden, übte man auf das Hef=
tigſte
an ihnen Kritik. Zum erſtenmal ſeit einer Reihe von Jahren
wurde verlangt, daß in dieſen kritiſchen Zeiten die Herren
Gouverneure auch während des Monſums auf ihrem Poſten zu
bleiben hätten, und man bekrittelte, daß ſie die Pflege ihrer
Geſundheit derjenigen der öffentlichen Sicherheit vorzögen. Des=
halb
hat Lord Irwin, der neue Vizekönig, unter dem Druck der
öffentlichen Meinung ſeinen Sommeraufenthlat in Simla unter=
brechen
und eine höchſt unbequeme Regenreiſe durch die in=
diſchen
Provinzen antreten müſſen, obgleich jeder objektive
Beobachter zugab, daß dieſe offiziöſe Rundreiſe ganz ohne jeden
Einfluß auf den Gang der politiſchen Ereigniſſe ſein würde.
Immerhin iſt bei dieſer Gelegenheit die erſte politiſche Rede
Lord Irwins gehalten worden, die deutlich zeigt, daß vorläufig
noch keine großen politiſchen Aktionen vom neuen Verwalter
des indiſchen Kaiſerreichs zu erwarten ſind. Lord Irwin lehnte
es ſchlankweg ab, ſich irgendwie feſtzulegen, und ſelbſt auf eine
Anzapfung bezüglich der Beilegung des Hindu-Moſlem= Gegen=
ſatzes
hin erklärte er nur, daß er einen Kongreß zur Aus=
ſöhnung
der Gegenſätze zwiſchen Hindus und Moſlems nur dann
abhalten laſſen könne, wenn er die Gewähr habe, daß er einen
Erfolg damit haben würde. Solange das gier nicht der Fall ſei
und zu ſeinem Bedauern müſſe er feſtſtellen, daß eine Bereit=
ſchaft
zur Verſtändigung vorläufig noch bei keiner der beiden
Parteien feſtzuſtellen ſei könne er ſolchen Wünſchen nicht nach=
geben
. Mit anderen Worten, die Lage erſcheint auch ihm zu
geſpannt, als daß er an ein ſo ſchwieriges Problem ſeine Staats=
kunſt
zu verſchwenden gedächte.
Das iſt, wenn man ſich einmal die ganze Tiefe des Hindu
Moſlem=Gegenſatzes vorſtellt, wohl auch von ſeinem Standpunkt
aus richtig geſehen. Zwar verlangt die öffentliche Meinung, daß
den Schlächtereien zwiſchen den Anhängern der beiden Reli=
gionen
ein Ende gemacht wird, aber anders als durch Polizei=
maßnahmen
iſt das eben zurzeit nicht zu erreichen. Die Poli=
zei
, und natürlich auch die Armee müſſen alſo verſuchen, durch
Abſperrungen, Geſtellung ſtarker Begleitmannſchaften und die
Konzeſſionierung der religiöſen Umzüge das zu erreichen, was
den Politikern nicht möglich iſt. Das iſt ein höchſt unerfreulicher
und für unbeteiligte Dritte ein ſehr unbequemer Zuſtand, der
ſich aber, was man auch immer ſonſt gegen die Engländer ſagen
mag, leider nicht vermeiden läßt, wenn einigermaßen die
öffentliche Ruhe bewahrt werden ſoll. Anders, durch Anwendung
gütlicher Methoden, iſt nichts zu bewerkſtelligen. Man verſuchte,
ein Abkommen zwiſchen den beiden Parteien zuſtande zu bringen,
ſcheiterte damit aber vollkommen. Die Hindus erklärten einfach,
ſie dürften Muſik machen, wo ſie wollten, und die Mohamme=
daner
verlangten das abſolute Verbot der Muſik in der Nähe der
Moſcheen, trotzdem früher nur in der Nähe der großen Moſcheen
und während des Gebets die Hindumuſik verboten war. Eine
Intewention höherer Beamter hatte nur zur Folge, daß dieſe
von Hindus wie Moslems der Parteilichkeit geziehen wurden.
Soweit iſt es heute.
Den Engländern blieb alſo nichts anderes übrig, als die
Dinge auf ſich beruhen zu laſſen, trotzdem ſie das gerne anders

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926
geſehen hätten. Damit iſt aber eine große Gefahr heraufbe=
ſchworen
, deren Tragweite man ſich in engliſchen Regierungs=
kreiſen
auch durchaus bewußt iſt. Denn die Politiſie=
rung
der religiöſen Bewegungen iſt mit dem
Scheitern der Verſöhnungsverhandlungen un=
mittelbar
verknüpft. Muß ſich nicht jede der beiden
Parteien zurückgeſetzt fühlen, wenn in einer für ſie lebenswich=
tigen
Frage die engliſche Verwaltung ihr die kalte Schulter zeigt?
Muß der unverſtändliche Fanatismus nicht den Haß gegen
die Europäer immer vertiefen? Muß nicht endlich der Ein=
geborene
, dem ſeine religiöſen Geſetze einfach das Recht ſind,
nicht auf die Dauer jedes Vertrauen zu einer Verwaltung ver= einigten Staaten von Amerika auf eine ungewöhnlich ſcharfe
lieren, die ihm nicht ſein Recht werden laſſen kann, ohne zu=
gleich
einen anderen Teil der Bevölkerung auf das Tiefſte zu
verletzen? Die Engländer fragen ſich das offen und ſchütteln
die Köpfe über die Frage, weil die Konſtatierung der Urſachen
und der Folgen des HinduMoſlemgegenſatzes zwar leicht, die
Auffindung eines Heilmittels aber ſehr ſchwierig iſt, ſolange
nicht die Leute von ſelbſt zur Vernunft kommen.
Dazu kommt, daß neue Wirtſchafts= und außen=
politiſche
Sorgen am politiſchen Horizont auf=
getaucht
ſind. Die Amerikaner haben ſich erneut gegen die
Tata=Eiſenwerke (die einzigen Eiſenproduzenten Indiens) und
ihre Preispolitik gewandt und dem Kongreß in Waſhington eine
Reviſion der Zölle für indiſches Eiſen und indiſchen Stahl vor=
geſchlagen
. Die japaniſche Konkurrenz in groben Baumwoll=
ſtoffen
macht ſich erneut ſtark bemerkbar und nicht zuletzt bereitet
die indiſche Währung einige Schwierigkeiten, da die Unſtabili=
tät
der Rupie die Kalkulation der Kaufleute zu einer ſtändig
ungewiſſen macht und das geſamte Handelsleben fortwährend
ungünſtig beeinflußt.
Jedoch ſind dieſe Sorgen nicht mit denen zu vergleichen,
die man ſich neuerdings wegen Afghaniſtan macht. Der
Emir von Afghaniſtan, oder vielmehr neuerdings König, hat
das ruſſiſche Angebot, ihm Flieger und Flugzeuge koſten=
los
zur Verfügung zu ſtellen, angenommen, und ſich ſogar einige
Inſtrukteure aus Moskau für ſeine Armee kommen laſſen. Die
Gefahr von Fliegerangriffen an der indiſchen Nordweſt=
grenze
iſt alſo zu einer akuten geworden, falls ſich, wie zu
erwarten, die engliſch=afghaniſchen Beziehungen weiter verſchlech=
tern
ſollten. Deshalb ſchlägt die anglo=indiſche Preſſe Alarm.
Die bolſchewiſtiſche Gefahr gilt als wieder lebendig
und macht große Maßnahmen der politiſchen Polizei Indiens er=
forderlich
, damit nicht allzuviel bolſchewiſtiſche Emiſſäre ſich über
die ſchwer kontrollierbaren Grenzen ſchleichen.
Das alles iſt natürlich kein Grund, die engliſche Herrſchaft i
Indien für erſchüttert zu halten. Aber unangenehm, um das
zu wiederholen, iſt das für die Engländer doch in ganz außer=
gewöhnlichem
Maße, da alle dieſe Dinge ausgerechnet in einem
Augenblick zuſammenkommen, in dem die Vorbereitungen für
einen Wahlkampf getroffen werden ſollen, der für die Ver=
faſſungs
=Reformen und einen großen Teil der engliſchen Stel=
lung
im Lande ganz ſicher von entſcheidender Bedeutung ſeiu
wird.

Zum mexikaniſchen Kirchenkonflikt.

Mora y Del Rio,
Erzbiſchof von Mexiko, der trotz ſeiner 72 Jahre den Widerſtand
der mexikaniſchen Kirche in unermüdlicher Weiſe leitet.

Verſchärfung des amerikaniſch=
franzöſiſchen
Schuldenkonfliktes
Die Haltung Waſhingtons.
Der bedenkliche Temperamentsausbruch, den ſich der alte
Tiger Clemenceau mit ſeinem offenen Brief an den Präſiden=
ten
Coolidge in der Schuldenfrage geleiſtet hat, iſt in den Ver=
Zurückweiſung geſtoßen, die durchaus dem undiplomatiſchen Ton
entſpricht, in dem der Diktator von Verſailles den einzigen wirk=
lichen
Sieger des Weltkrieges zu rüffeln beliebte. Durch dieſen
gefährlichen Eingriff in den ſchwebenden Schuldenſtreit hat der
heutige Privatmann Clemenceau ſeinem Vaterlande einen
wahren Bärendienſt erwieſen, und wahrſcheinlich haben jene
Stimmen nicht ſo unrecht, die behaupten, daß der 8jährige Cle=
menceau
mit ſeinem Ausfall gegen Waſhington in erſter Linie
die Abſicht verfolge, ſeinem alten Gegner Poincaré ein Bein
zu ſtellen und deſſen wachſende Neigung zur Ratifizierung der
Schuldenverträge mit London und Waſhington zu durchkreuzen.
Nach dieſer Auffaſſung hätte Clemenceau alſo mit ſeinem Brief
die Auslöſung innerpolitiſcher Wirkungen im Auge gehabt. Sämt=
liche
Waſhingtoner Korreſpondenten der Pariſer Blätter melden,
daß durch den Eingriff Clemenceaus die Aus=
ichten
auf die Ratifizierung Amerikas für das
Mellon=Berenger=Abkommen weit ungünſtiger geworden ſeien,
und daß der Brief nur dazu beigetragen habe, den Widerſtand
der unverſöhnlichen Kreiſe in Waſhington zu verſteifen. Auch
die amerikaniſchen Korreſpondenten, die Coolidge auf ſeiner
Ferienreiſe begleiten, melden, daß die amerikaniſche Regierung
in Erwägung ziehe, die Uebergriffe Clemenceaus durch das
Staatsdepartement oder den Sprecher des Präſidenten eingehend
zurückzuweiſen.
Gegenüber dieſer offiziellen Haltung der politiſchen Kreiſe
in der Umgebung des Weißen Hauſes, die durch nach außen hin
ſtark betonte Entrüſtung gekennzeichnet wird, darf man jedoch
feſtſtellen, daß hinter den Kuliſſen der durch Clemenceau veran=
laßte
Zwiſchenfall gar nicht als ganz unerwünſcht gefunden wird.
Clemenceaus Ungeſchick hat den Waſhingtoner Kreiſen außer=
ordentlich
erleichtert, ſich auf ihr geſchriebenes Recht jetzt noch
rückſichtsloſer zu berufen, denn hinter der angeblichen Hartnäckig=
keit
des Uncle Shylock verbergen ſich Abſichten, die auf eine
Bereinigung des franzöſiſchen Schuldenkontos
auf einer ganz anderen Grundlage hinzielen. Schon
früher ſind gelegentlich Meldungen aufgetaucht, wonach der Ge=
danke
propagiert wurde, durch Abtretung franzöſiſcher
Kolonien in Weſtindien das franzöſiſche Schuldenkonto
abzugelten. So muß es beſonders auffallen, daß gerade jetzt
wieder einige größere amerikaniſche Zeitungen mit derartigen
Anregungen hervortreten. Uebereinſtimmend wird dabei ausge=
führt
, daß Frankreich eine Streichung der ameri=
kaniſchen
Schulden allein erwarten könne,
wenn es als Kompenſation ſeinen Kolonial=
beſitz
in Amerika, nämlich ſeine Antillen und
Franzöſiſch=Gujana, den Vereinigten Staaten
überantworte. An dieſer auffälligen Kampagne beteiligt
ſich u. a. die Chicago Tribune, die bemerkt, daß bei dem ameri=
kaniſch
=ſpaniſchen Krieg in dem Kaufgeſchäft mit Dänemark der
amerikaniſche Kolonialbeſitz keine Vergrößerung erfuhr. Beſon=
ders
richtet man augenſcheinlich in Waſhington ſein Augenmerk
auf Gujana, denn wenn einmal die Erwerbung von Engliſch=,
Holländiſch= und Franzöſiſch=Gujana gelänge, ſo würde der Ein=
fluß
der Vereinigten Staaten von Nordamerika auf Südamerika,
über den Brückenkopf von Panama hinweg, eine gewaltige Stei=
gerung
erfahren.
Scharfe amerikaniſche Kritik am Clemenceau=Brief.
Präſident Coolidge hatte geſtern abend eine lange telepho=
niſche
Unterhaltung mit dem Staatsſekretär Kellogg über den
Brief Clemenceaus. Auch mit Hoover wird Coolidge in den
nächſten Tagen eine Beſprechung über die franzöſiſche Schulden=
frage
haben, die durch Clemenceaus Brief das politiſche Haupt=
ereignis
geworden iſt. Offenbar um die außerordentlich pein=
liche
Wirkung des Briefes einigermaßen abzuſchwächen, hat der
franzöſiſche Geſchäftsträger in Waſhington erklärt, der Brief ſei
zwar von einem hervorragenden Bürger Frankreichs geſchrieben,
habe aber keinen amtlichen Charakter. In amtlichen Kreiſen
wird der Brief weiter auf das allerſchärfſte verurteilt, und es
wird darauf hingewieſen, daß Senator Borah und ſeine An=
hänger
, die das Schuldenregulicrungsabkommen immer als zu
entgegenkommend bekämpft haben, ſich nichts Beſſeres wünſchen
konnten als den Brief Clemenceaus. An der Börſe führte der
Brief zu einer Abſchwächung des Franken, der geſtern um 7½
Punkte niedriger notierte als bei Börſenſchluß am Samstag.
Die Preſſe ſteht dem Brief weiter ſchroff ablehnend gegenüber.

Kaffeeimporteure, zahlbar ſechs Wochen nach Sicht, werden den
Verluſt aus Venedig wieder einbringen, hoffentlich iſt keine wert=
volle
Sendung herüber gefährdet. Grüßet Mutter und die Brü=
der
Carl und Heinrich, die ja vielleicht in Raſtatt unter den
Fahnen ſind und nehmet, teuerer Vater, die ehrerbietigſten und
herzlichſten Grüße von Eurem
Euch ſtets ergebenen und
treuen Sohne
Hermann.
An
Johann Hermann Geſell & Co.,
Bijouteriefabrik
Pforzheim.

Nordenſkibld.
Zum 25. Todestag am 12. Auguſt.
Von F. A. Fahlen.
Der Name des Freiherrn Adolf Erik von Nordſkiöld,
deſſen Todestag ſich am 12. Auguſt zum fünfundzwanzigſten
Male jährt, iſt unauslöslich verbunden mit einer Großtat auf
geographiſchem Gebiete, mit der Entdeckung der nordöſtlichen
Durchfahrt, d. h. mit der Umſegelung Nordaſiens von Europa
aus bis ins Beringsmeer zwiſchen Aſien und Amerika. Die
nordweſtliche Durchfahrt, der Seeweg vom Atlantiſchen zum
Stillen Ozean um Amerika herum, hat zwei Jahrhunderte lang
die Entdeckerwelt, beſonders die Engländer, die auch praktiſche
Ziele dabei im Auge hatten, in Atem gehalten, ſeitdem das
ehgliſche Parlament 1743 einen Preis von 20000 Pfund auf die
Auffindung der Nordweſtpaſſage geſetzt hatte. Eine lange Kette
von Verſuchen, die mit Davis im ſechzehnten Jahrhundert be=
ginnen
und mit der tragiſchen Franklinexpedition endeten,
wurde durch Mar Clure, dem die Löſung gelang, geſchloſſen.
De nordöſtliche Durchfahrt konnte ſich dieſes romantiſchen In=
ereſſes
nicht rühmen. Nachdem Cook in ſeinem Todesjahr nur
wenig über die Behringſtraße hinaus vorgedrungen war, und
auch Kotzebue, bei dem ſich bekanntlich Chamiſſo befand, nicht
glücklicher war, hielt man den Seeweg an Nordaſien entlang
ſur ummöglich. Nordenſkiöld löſte jedoch das Problem, aber
nicht in jähem Angriff, ſondern vorſichtig, nach langen Vor=
ſtudien
auf Grund ſorgfältigſter Beobachtungen; darin iſt er
ein horbildlicher Forſcher. Am 18. Novembers4832 in Helſing=
Ars geboren, widmete er ſich der Geologie, unbeals er mit Tor=
Er, dem bekannten Gle ſcherforſcher, und ſpäter allein ſeine vier
Vorſgungsreiſen nach Spitzbergen machte, waren es vor allem

geologiſche und wichtige geographiſch=geologiſche Fragen, die
er löſen wollte. Wie er auch ſpäter, nach ſeiner berühmten
Vegafahrt, im Jahre 1883, vorher ſchon einmal 1870, durch einen
kühnen Vorſtoß ins Innere von Grönland die Frage des In=
landeiſes
zu löſen verſuchte. Damals gelang es ihm, von einem
Fjord bei Chriſtianshab etwa 140 Kilometer ins Innere vor=
zudringen
, wo er nicht das erwartete eisfreie Land, ſondern tiefe
Vergletſcherung fand, was dann ſpäter Nanſen bei ſeiner be=
rühmten
erſten Durchquerung Grönlands beſtätigte.
Zweimal drang er dann i den Jahren 1875 und
76 vom Nordkap her durch das als undurchdringlich vereiſt gel=
tende
kariſche Meer bis zum Minderungsgebiet des Jeniſſei vor,
und erſt, nachdem er hierbei alle erforderlichen Beobachtungen
gemacht hatte, legte er den Plan einer Umſegelung Nordaſiens
vor. Er fand reichliche Unterſtützung, gewann in dem Walfiſch=
fänger
Vega unter Kapitän Pallander ein ausgezeichnetes
Schiff, das er mit ſiebzehn Matroſen, aus der ſchwediſchen
Staatsmarine ausgeſucht, und einem gewählten Kreiſe von
wiſſenſchaftlichen Mitarbeitern bemannte. Die Vega war mit
einer Hilfsmaſchine ausgerüftet und war anfangs von einigen
Kohlenſchiffen begleitet.
Es war am 4. Juſi 1878, als die Vega Gotenbung verließ.
Es zeigte ſich jetzt, wie vorzügliche Vorarbeit der Forſcher ge=
leiſtet
hatte. Nach einer überaus glücklichen und ſchnellen Fahrt
befand ſich das Schiff ſchon am 19. Auguſt hinter Kap Tſchel=
juskin
. Nordenſkiöld hatte ſeinen Plan auf folgende Berech=
nung
gebaut. Er wußte, daß die ſibiriſchen Rieſenflüſſe wäh=
rend
des Sommers der Küſte ungeheure Maſſen warmen Waſ=
ſers
zuführen, das aus ſüdlicheren Gegenden konmt und oben
auf dem ſalzigen Meerwaſſer ſchwimmt, weil es ſüß iſt. Längs
der ſibiriſchen Küſte bildet es nun eine Oberflächenſtrömung,
die das Fahrwaſſer während des Sommers offen und eisfrei
hält. In der eisfreien Küſtenrinne hoffte Nordenſkiöld die
ganze Reiſe zurücklegen und noch, ehe Sommer und Herbſt zu
Ende waren, in den Stillen Ozean einlaufen können. Seine
Berechnungen ſtellten ſich auch als richtig heraus. Aber
im Oſten der Lena ergießen ſich nur kleine Flüſſe ins Meer, und
der Forſcher mußte daher den letzten Teil der Reiſe beſonders
fürchten. Schon bei den Neuſibiriſchen Inſeln wurde die Fahrt
ſchwierig, ſchwimmender Eisſchlamm hinderte den Fortgang
ſehr. Aber unter allerhand Fährniſſen, mehrmaligem Feſtfrie=
ren
, ſuchte ſich die Vega vorſichtig ihren Weg hart an der Küſte
entlang, ſodaß oft nur wenige Fuß Waſſer unter dem Kiel
waren. So kam man bis zur Kolputſchinbucht, wo die Vega am
27. Dezember Anker warf. In der Nacht fror das Schiff ein,
um 294 Tage feſtzuliegen. Dabei wären 24 Stunden früheren

Eintreffens genügend geweſen, um die geringe Strecke von 200
Kilometern bis zur offenen Behringſtraße zurückzulegen. In
dieſem Winter entfaltete der wiſſenſchaftliche Stab der Vega eine
überaus rege Tätigkeit, und es gelang auch in ethnologiſcher Be=
ziehung
, in den Anſiedlungen der Tſchucktſchen eine reiche Aus=
beute
zu machen. Am 20. Juli des Jahres 1879 kam das Schiff
los, und am 24. April 1880 traf die Vega in der Heimat ein.
Nie werde ich, ſchildert Soen Hedin den Eindruck, den
Abend vergeſſen. Ueber dem Stockholmer Hafen lag ein feuchter
Regenvebel, aber die ganze Stadt ſtrahlte in hellem Lichter=
glanz
, alle Häuſer am Hafen und das Schloß waren beleuchtet.
Selbſt ſo ſchwarz wie ein Geſpenſterſchiff in der Nacht, glitt die
Vega langſam in den Hafen, begrüßt von den vieltauſendſtim=
migen
Jubelrufen der Menſchenmaſſen, die ſich auf den Kais
drängten. Eine große Tat war im Dienſte der Forſchung aus=
geführt
worden, und die Blicke der ganzen Welt hatten ſich auf
Schweden gevichtet.
Und der große Forſcher Spen Hedin gefteht, daß der Ge=
danke
, ein Weltreiſender zu werden, in ihm entſtanden ſei, als
er dieſen Triumph des von ihm ſo hochverehrten Meiſters
erlebte.

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Friebrich Steinberg: Das Geſetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen,
J. Meincke Verlag Neuwied/Rhein. 2,75 Mk.
Polgar: Noch allerlei Theater, Ernſt Rowohlt Verlag Berlin.
W. Kurt Schaldach: Das geſamte Mahn= und Prozeßverfahren, Spaeth
u. Linde Verlag Berlin W. 10, 5,20 Mk., 6,80 Mk.
Dr. Panl Cohn: Vom unnötigen Altern, Der Burgverlag Nürnberg.
Dr. F. W. Koch: Finanzausgleichsgeſetz, C. H. Beckſche Verlag München.
Praktiſches Taſchenbuch für die Reiſe, Fr. Paul Lorenz Freiburg/Baden.
D. Helmut Möhring: Die Geſchäftsführung der Genoſſenſchaft, E. Phi=
lipps
Verlag G. m. b. H. Frankenſtein/Schleſ. 8 Mk., 10 Mk.
Ottfrieb Neubecker und Dr. Erik Wolf: Die Reichseinheitsflagge, Carl
Winters Univerſitätsbuchhandlung Heidelberg.
Reichsehrenmal Weſergebirge, Verein Reichsehrenmal Mittelweſer Bücke=
burg
Rinteln.
Das Reichsehrenmal im Rhein, Bürgermeiſteramt Godesberg.
Arpad Török: Die Wirtſchaftskriſe in Mitteleuropa, ihre Urſachen und
ihre Löſung, Verlag Moritz Perles, Wien I.
Paul Kaufmann: Rheinland, deutſches Schickſalsland, Verlag des
Neichsverbands der Rheinländer Berlin.
Paul Clemen: Rheinfahrt, Führer durch Geſchichte, Kunſt und Land=
ſchaft
des Rheintales, Köln=Düſſeldorfer Rheindampferſchiffahrt
G. m. b. H.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Mittwoch, den 11. Auguff 1926

Nummer 221

Familiennachrichten

Betti Gutwerk
Philipp Jeck
Verlobte (*20767
10. Auguſt 1926.

Corſch i. H.

Darmſiadt
prinz Chriſtanzwes zu.

Erwin Wendt
Erna Wendt
geb. J. Zangen kesosto
Vermählte
Olessen, Hardt, 11. August 1926.
Für die uns anläßlich unſerer
Vermählung erwieſene Auf=
merkſamkeit
danken herzlichſt
Wilhelm Oelp u. Frau
Berta, geb. Wacker.
(20818)

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat
es gefallen, meinen lieben Gatten,
unſeren guten Vater, Großvater,
Bruder, Onkel und Schwager
Herrn
Sakob Fiſcher I.
Gaſtwirt
zu ſich abzurufen.
(11556
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Chriſfiane Fiſcher Wtw.
geb. Schönberger.
Eberſtadt, den 9. Auguſt 1926.
Die Beerdigung findet am Mitt=
woch
, den 11. d. Mts, nachmittags
4½ Uhr, vom Trauerhauſe, Heidel=
bergerſtraße
50 aus, ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.

Für die anläßlich meines 25jährigen
Dienſtiubiläums überbrachten Glück=
wänſche
und Geſchenke ſage ich auf dieſem
Wege Alen herzlſchen Dank.
Gg. Bert V.
Gemeinderechner.

Tralfa, den 10. Auguſt 1926.

(11597

Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe der
Teilnahme an dem uns betroffenen
Verluſte und für den in wahrer
Nächſtenliebe getättgten Beiſtand wäh=
rend
des Leidens unſerer Dahin=
geſchiedenen
ſagen wir herzlichſten
Dank.
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Kochenburger.
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1928.
20867

Statt Karten.
Innigſien Dank für die vielen
Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
beim Heimgang unſeres teuren
Entſchlafenen.
(20821
Familie Sälzer
Familie Fibranz
Familie Caſtritius.
Darmſiadt, den 10. Aug. 1926.

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[ ][  ][ ]

Nummer 221

Mittwoch, den 41. Auguff 1926

Geite 5

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſiadt, 11. Auguſt.
Verfafſungsfeier 1926. Es ſei nochmals auf die Verfaſſungsfeier
am Mittwoch, den 11. Auguſt, an dieſer Stelle hingewieſen. Anſchließend
an den behördlichen Feſtakt im Landestheater findet ein Fackelzug
ſtatt, der auf dem Paradeplatz ſeine Aufſtellung nimmt. Kurz nach
½10 Uhr trifft der Fackelzug von der Wilhelminenſtraße kommend auf
dem Luiſenplatz ein. Hier findet ein feierlicher Feſtakt ſtatt, bei dem
Herr Staatspräſident Ulrich und Herr Oberbürgermeiſter Luppe,
Nürnberg, vom Balkon des alten Palais Anſprachen halten. Nach den
Anſprachen wird gemeinſam die dritte Strophe des Deutſchlandliedes
von allen Feſtteilnehmern geſungen. Von der Firma Darmſtädter
Feuerwerkerei M. Wallenſtein iſt der Luiſenplatz feſtlich illuminiert.
Den Abſchluß der Feier auf dem Luiſenplatz bildet ein großes Brillant=
Feuerwerk vom Monument, das von der gleichen Firma ausgeführt
wird. Ganz beſonders ſei auf den großen elektriſchen Silberwaſſerfall,
welcher vom Monument aus von 4 Seiten unter Feuer geſetzt wird, hin=
gewieſen
. Der Fackelzug wird nach der Feier auf dem Marienplatz auf=
gelöſt
. Alle Vereine, Verbände, Organiſationen uſw., welche ſich an dem
Fackelzug beteiligen wollen, werden höflichſt gebeten, um 834 Uhr auf
dem Paradeplatz ſich einzufinden und wenn möglich, eigene Fackeln
mitzubringen. Für diejenigen, die keine Fackeln haben, werden ſolche
auf dem Paradeplatz koſtenlos verabreicht.
Zur Beſchlußfafſung über das Volksbegehren auf Auflöſung des
3. Heffiſchen Landtages gemäß Artikel 10 und 20 des Geſetzes über
Volksbegehren und Volksabſtimmung vom 17. März 1921 findet am
Donnerstag, den 12. Auguſt 1926, vormittags 11 Uhr, im Staatsmini=
ſterialgebäude
, Neckarſtraße 7, die Sitzung des Landesabſtimmungsaus=
ſchuſſes
ſtatt. Die Verhandlungen ſind öffentlich.
Heſſiſches Landestheater. Der berühmte Baritoniſt Heinrich
Rehkemper, in Darmſtadt durch den ſenſationellen Erfolg ſeines
Liederabends im Mozartverein noch in beſter Erinnerung, wurde von
der Generaldirektion des Landestheaters für zwei Abende verpflichtet,
und zwar wird der Künſtler am Sonntag, den 26. September, in der
Aufführung von Mozarts Don Juan die Titelpartie und am
Montag, den 27. September, im Nahmen des erſten nächſtjährigen
Sinfoniekonzertes Arien von Mozart und Lieder von Guſtav Mahler
ſingen.
Operettenſpielzeit Sommer 1926 im Kleinen Haus des Heſſiſchen
Landestheaters, Loitung Direktor Adalbert Steffter. Heute Mitt=
woch
und täglich abends 8 Uhr finden Wiederholungen der Operette
Wenn Liebe erwacht ſtatt. Mittwoch, Donnerstag und Frei=
tag
ſind keine Aufführungen des Luſtſpiels Der fröhliche Weinberg
und wird Samstag, den 14., und Sonntag, den 15. Auguſt, abends
10½ Uhr zum letzten Male Der fröhliche Weinberg gegeben. Als
nächſte Operette wird Die Dollarprinzeſſin von Leo Fall vorbereitet.
Sonntag, den 15. Auguſt, nachmittags 3½ Uhr, gelangt infolge der
großen Nachfrage nochmals das Kindermärchen Schneewittchen und die
ſieben Zwerge zu ganz kleinen Preiſen, von 50 Pfg. und 1 Mk. zur
Wiedergabe.
Volkshochſchule. Die ſür Mittwoch, Donnerstag und Freitag
angeſagten Nachtvorſtellungen des Operettentheaters im Kleinen Haus
des Landestheaters müſſen ausfallen. Die bei uns hierfür gelöſten Karten
ſind in den Geſchäftsſtunden von 91 Uhr und 37 Uhr zurückzugeben.
Der Reichsbund der Beamtenvereine ehemaliger Militärmuſiker,
Ortsgruppe Darmſtadt, gab geſtern im Städtiſchen Saalbau ſein drittes
Vereins=Konzert. Wohl nicht allein der wundervoll milde Sommer=
abend
hatte eine ſo große Beſucherzahl in den Saalbaugarten gelockt,
ſondern vor allem der Kunſtgenuß, der bevorſtand. Das Geſamtorcheſter
der Ortsgruppe unter der vorzüglichen Leitung ſeines Dirigenten,
Obermuſikmeiſter a. D. Rühlemann, iſt durch ſeine beiden vorangegange=
nen
und vielen anderen Konzerte rühmlichſt bekannt und in weiteſten
Kreiſen beliebt. Ein gutgewähltes Programm war auch für den
geſtrigen Abend vorgeſehen. Das harmoniſche und tonreine Zuſammen=
ſpiel
der Kapelle, die der Dirigent mit außerordentlichem Geſchick und
bewundernswerter Technik dirigierte, brachte die einzelnen Muſikſtücke
friſch und lebhaft, und wo es nötig war, in ruhigem, ausgeglichenem
Rhythmus zu Gehör. Beſondere ſtarke Wirkung erzielte die Kapelle
mit dem Vortrag verſchiedener Märſche, z. B. zweier altniederländiſcher
Märſche aus der Sammlung des Landgrafen Ludwig IK., des Prinz
Heinrich=Marſches uſw. Aber auch die Vorträge der klaſſiſchen Muſik=
ſtücke
, wie z. B. die Ouvertüre zum Trauerſpiel Egmont von Beet=
hoven
, und Tonbilder aus der Oper Der Prophet von Meyerbeer
waren hervorragend klangſchön. Beſonders fein verſtanden und ge=
ſpielt
war das Vorſpiel zum Bühnenweihfeſtſpiel, Parſifal von R.
Wagner. Die dankbare Zuhörerſchaft ſpendete nach jedem Muſikſtück
rauſchenden Beifall, ſo daß die Kapelle ſich zu mehreren Zugaben ver=
ſtehen
mußte. Hervorzuheben ſind noch die verſchiedenen Poſaunenſolo=
vorträge
der bekannten Soliſten des Orcheſters. Es iſt zu hoffen, daß
das Wetter auch in Zukunft günſtig bleibt, damit das Darmſtädter
Publikum öfter in den Genuß derart ſchöner Gartenkonzerte kommen
kann.
Verkehrsverein. Zu dem am nächſten Sonntag nach dem herr=
lichen
Rothenburg ob der Tauber fahrenden Sonderzug ſind Karten
auf dem Verkehrsbüro zu haben und dürfte dieſe Fahrt wohl zu den
ſchönſten nud intereſſanteſten zählen, die bisher von der Eiſenbahnver=
waltung
ausgeführt worden ſind. Die Stadt Rothenburg empfängt
ihre Gäſte in ſo herzlicher Weiſe, hat eine Führung dieſer hochintereſ=
ſanten
alten Stadt eingerichtet, zeigt ihre Rathäuſer, Kaiſerſaal, Rat=
hausturm
, Tanzhaus, hiſtoriſches Muſeum, St. Jakobskirche, Wolfgangs=
kinche
und die alte Stadt ſelbſt. Außerdem bekommen die Gäſte eine
Sonderaufführung des hiſtoriſchen Feſtſpieles Der Meiſtertrunk, wozu
Karten nur noch bis zum 12. ds. abgegeben werden. Da für dieſen
Sonderzug ſchon ſehr viele Karten beſtellt ſind, wird ſchleunigſte Be=
ſtellung
der Karten auf dem Verkehrsbüro empfohlen. Hin= und Rück=
fahrt
koſten 9,20 Mk.
Darmſtädter Biehele=Klub 1883. Wie aus den Sportnachrichten
in der heutigen Nummer unſerer Zeitung erſichtlich, haben die vielfach
ſieggekrönten beiden erſten Saalmannſchaften des Darmſtädter Bichele=
Klub 1883 (erſte Damen= und erſte Herren=Mannſchaft) unter Leitung
ihres bekannten und bewährten Saalfahrwartes Louis Hax auf dem
43. Bundesfeſt des Bundes Deutſcher Radfahrer in Dresden wiederum
große Erfolge erzielt. Die Mannſchaften, welche heute Mittwoch,
abends 7.94 Uhr im Hauptbahnhofe eintreffen, werden von ihren Klub=
kameraden
dortſelbſt in Empfang genommen (ſiehe Inſerat), und in
feierlichem Zuge unter Begleitung einer Muſikkapelle über die Rhein=
ſtraße
, Wilhelminenſtraße, Eliſabethenſtraße, Neckarſtraße nach dem
Rummelbräu (Uebungslokal) geleitet, wo ein gemütliches Beiſammenſein
ſtattfindet.
Turngemeinbe Beffungen 1865 e. V. Darmſtadt. Die großen
turneriſchen Prüfungen ſind vorüber und das geſellige Leben kann nun=
mehr
in Vordergrund treten als ſeither. So findet als erſte größere
Veranſtaltung am Sonntag, den 15. d8. Mts., das diesjährige Sommer=
feſt
ſtatt. Bereits am Samstag abend wird in der Kegelbahn, die als
baheriſcher Bierkeller, alias Beſſunger Ratskeller umgewandelt iſt,
bei ſtimmungsvoller Schrammelmuſik gemäitlichev Abend ſtattfinden,
mit dem das Sommerfeſt eingeleitet wird. Am Sonntag iſt allerhand
geplant, wie Gartenkonzert, turneriſche Aufführungen, die Turnerſing=
mannſchaft
, Preisſchießen, Tombolg, Kinderbeluſtigung und dergleichen
Räume, Vorſtandszimmer und Kneipe, werden in eine Wein= und Likör=
diele
verwandelt. Auch hier werden den Beſuchern die lieblichen Töne der Strecke Mainz=Koſtheim, Trebur, Nauheim (Kr. Groß=Gerau) Bhf.
eines kleinen Orcheſters den Aufenthalt verſchönern. Turnerinnen und
Turner der Veranſtaltungsausſchuß haben keine Mühe geſcheut, den
Turnerfamilien den Aufenthalt im Turnhauſe ſo angenehm wie mögl=
lich
zu machen, deshalb ſoll bei dem Sommerfeſt, das ein echtes
Familienfeſt ſein ſoll, niemand fehlen. Selbſtverſtändlich können unſere
Mitglieder Fremde einführen. Die Eintrittspreiſe ſind ſo gering wie bis Trebur), 8.30, 11.05, 3.25 (nur bis Trebur), 7.05, Ankunft in Mainz=
möglich
geſtellt, damit jeder kommen kann. Am Sonntag früh findet
ein Morgenſpaziergang (6. Wanderung) nach dem Waſſerwerk ſtatt.
Turner Hoffmann hat die Führung übernommen, und wird den Teil=
nehmern
die Anlagen erklären. Zuſammenkuft um 7 Uhr vormittags
am Turnhauſe. Rückkehr um 12.30 Uhr. Frühſtück iſt mitzubringen, karten freizugeben. Auf Grund der darüber in der Preſſe erſchienenen
Mann und eine Frauensperſon, bereiſt gegenwärtig Mittel= und Süd= Gebrauch machten, ſich geweigert, den Schnellzugszuſchlag zu bezahlen,
deutſchland ſucht mit Vorliebe mittlere Städte und Kurorte auf und
prellt die Quartiergeber um Koſt und Logisgeld nach vorausgegangener
Erſchwindlung von einem Darlehen. Der Mann gibt ſich mit Vorliebe
als Ingenieur aus und zeigt Intereſſe für Kraftfahrzeuge und Fahr= zuſchlag bezahlt werden muß.
räder. Er iſt etwa 30 Jahre alt, ſchlank, bartlos, trägt Hornbrille und
ſtottert etwas. Die Frauensxerſon iſt ca. 40 Jahre alt, korpulent, klein.
Beim Auftauchen der Beiden wird um Nachricht zwecks Feſtnahme an
die nächſte Polizeiſtation gebeten, die wiederum dem Erkennungsdienſt
bei der Kriminalzentrale Heſſen in Darmſtadt Mitteilung macht.
Die Auszahlung der laufenden Zufatzrenten für nicht im Er=
werbsleben
ſtehende Schwerbeſchädigte, Kriegshinterbliebene, Altrentner
und Altrentnerinnen, erfolgt am Samstag, den 14. Auguſt, vormittags
von 812 Uhr auf der Stadtkaſſe.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Pflaſterarbeiten wird die
Beſſunger Straße zwiſchen Heidelberger und Forſtmeiſterſtraße vom
10. bis 22. Auguſt 1926 für den Fuhrwerks=, Auto= und Radfahrver=
jehr
geſperrt.

* Das Hotel Zur Traube iſt mit dem geſtrigen Tage in
den Beſitz der Stadt Darmſtadt übergegangen. Bei der
geſtrigen Zwangsverſteigerung blieb die Stadt mit 281 000 Mark unſeren Feinden erzwungenen Räumung unſere alten Garniſonſtadt
Höchſtbietende. Der endgültige Zuſchlag wird am Donnerstag von allem Militär, daß eine Reichswehrkapelle in Darmſtadt ein Kon=
erteilt
werden.
kunſt iſt ein oft falſch angewandter Begriff. Was aber an wirklich tenverein ehem. Militärmuſiker zuſammen eine Reihe von beſonders
künſtleriſch geſtaltenden Kräften im Volke lebt und ſchafft, das verdient packenden Stücken ſpielen. Das Nähere wird demnächſt in dieſem Blatt
dieſen Ehrennamen, um ſo mehr, wenn die lebendige Tradition durch durch Anzeige bekannt gegeben. Was die beiden heſſ. Feldart.=Regimen=
Jahrhunderte gewiſſermaßen Vergangenheit und Gegenwart mit einan= ter während des Krieges geleiſtet haben, geht allein ſchon aus der Zahl
ſchöne Städtchen ſehen, ſondern tatſächlich erleben: Das im Kaiſerſaal
und Bürgerinnen aufgeführte Feſtſpiel Der Meiſtertrunk gehört zu
jenen Volksſtücken, wie ſie dem Geiſte des Größten, Hans Sachs, ent=
ſprungen
ſind. Da wur 600 Plätze in dem Saal verfügbar ſind, müſſen
alle die Sonderzugteilnehwer, die ſich dieſen einzigartigen Genuß gön=
nen
wollen, bis ſpäteſtens zum 12. d. Mts. mittags bei einer der bekann= klame unterſagt iſt. Als ſolche ſieht der Reichsverband alle Veröffent=
ten
Fahrkartenverkaufsſtellen ſich eine Feſtſpielkarte ſichern. Nach dem lichungen an, welche tägliche Verrichtungen in der Praxis als etwas
12. d. Mts. verfügt die Leitung des Feſtſpiels zu Rothenburg ander=
weitig
über die von Mainz, Darmſtadt und Wiesbaden nicht beanſpruch=
den
Schäfertanz heißt es, ſich rechtzeitig mit der Eintrittskarte zu ver=
ſorgen
.

An unſere Leſer in Darmſtadt!
In der Stadt haben wir
Anzeigen=Annahmeſtellen
errichtet. Die Aufnahme von Anzeigen
erfolgt ohne Preisaufſchlag und zwar:
Nordoſten
Frau Eliſe Herrmann, Wenckſtraße 62
Zigarrengeſchäft
Waldkolonie
Gaſtwirtſchaft Waldmann, Dornheimerweg
Beſſungen
Agentur Heinrich Blößer, Beſſungerſtraße 42, II.
Zigarrengeſchäft Dingeldein, Heidelbergerftraße 102
Bis 4 Uhr nachmittags aufgegebene
Anzeigen erſcheinen am folgenden Tag

10948s1

Zum Sonntags=Sonderzug am 15. Auguſt 1926 nach Rothenburg
ob der Tauber. Für Sonntag, den 15. Auguſt, ſind zum Preiſe von
9,20 Mk. für Hin= und Rückfahrt die Sonderzugsfahrkarten im Lloyd=
Reiſebüro, Rheinſtraße 17 zu haben.
Gaſthausangeſtellten=Miſſion. Es dürfte vielen Kellnern und
ſonſtigen Gaſthausangeſtellten eine Freude ſein, daß m der Mittwoch=
nacht
um 1 Uhr wieder eine familiäre Veranſtaltung für ſie ſein wird
durch den Bund für Gaſthausangeſtellte, Berlin. Der familiäre Teil
des Abends ſoll durch deklamatoriſche und muſikaliſche Darbietungen
verſchönt werden. Hierbei wird der z. Zt. hier weilende Zeltevangeliſt,
Herr Puhle aus Königsberg i. Pr., der allgbendlich Tauſende im Zelt
durch ſeine herrlichen Solis erfreut, mitwirken. Der Generalſekretär
des Bundes, Herr Schäfer=Berlin, wird dann ſprechen über: Der
Weg zu wahrer Freude und Glück. Vielen wird die überaus liebliche
Feierſtunde von Weihnachten her in dankbarer Erinnerung ſein, zu
welcher ja eine ſo große Zahl von Gaſthausangeſtellten gekommen war.
In Erinnerung deſſen, daß aus ihrer Mitte heraus der Wunſch nach
ſolchen ſtillen, ſchönen Feierſtunden an uns gekommen iſt, rufen wir
ſie alle vom Gaſthausgewerbe zu dieſer ſtillen Nachtfeierſtunde zuſam=
men
, die ſie durch ihren Beruf ja von faſt allen ſonſtigen Veranſtal=
tungen
der chriſtlichen Gemeinde ausgeſchloſſen ſind. Gs wäre ja fein,
wenn an dieſer Veranſtaltung auch ihre Chefs einmal teilnehmen wür=
den
. Die Feier findet heute Mittwoch nachts um 1 Uhr wieder im
kleinen Saale der Stadtmiſſion, Mühlſtraße 24, ſtatt. Eintritt frei.
Evangel. Petrusgemeinde. Es ſei nochmals auf den am Don=
nerstag
, den 12. Auguſt, abends 8 Uhr im Gemeindehaus, Eichwieſen=
ſtraße
8, ſtattfindenden Frauenabend hingewieſen. Herr Pfarr=
aſſiſtent
Schäfer wird berichten über Erlebniſſe und Beobachtungen
eines Arztes im Urwalde Aequgtoriglafrrkas.
Donnerstags=Konzert im Städtiſchen Saalban am 12. Auguſt.
Wie bereits bekannt, iſt dieſes Konzert als Operetten= und Walzerabend
gedacht; es wird hiermit einem allgemeinen Wunſche entſprochen. Das
Programm wird durch die Aufnahme der namhafteſten älteren ſowie
neueren Komponiſten ſehr abwechſlungsreich und ſteht den Beſuchern
wiederum ein genußreicher Abend bevor. Die Leitung hat Herr M.
Weber. Zehnerkarten( 3 Mk.) haben Gültigkeit.
Kur=Konzert Ludwigshöhe. Heute nachmittag 4 Uhr Kurkonzert
des Städtiſchen Orcheſters under Leitung des Herrn M. Weber. Das
Programm enthält u. a. Verdi (Stabat Mater), Wagner: Lohengrin,
Schumann: Wanderlied, Auber: Fra Diavolo, Méhul: Die beiden
Blinden von Toledo, Millöcker: Bettelſtudent. Zehnerkarten (3 Mk.)
haben Gültigkeit.
Die Geflügelzüchter und Beſucher der Geflügelausſtellung in der
Drangehalle am 12. und 13. Dezember 1925 wird
es intereſſienen, zu erfahren, ſo ſchreibt man uns daß die ſo viel
Intereſſe und Bewunderung erregende Hahn=Henne‟, Beſitzer
Franz Fritſch, Darmſtadt, Viktoriaſtraße 26, nach einer Pauſe von
genau einem Jahre, ſeit dem 2. Auguſt wieder Eier legt. Dieſes einzig=
artige
Tier ſieht heute einem Hahne ähnlicher denn je. Der Kamm, die
Kehllappen ſowie der Sichelſchwanz ſind bedeutend größer geworden.
Nur an den zierlichen Beinen und am Geſicht erkennt man das wahre
Geſchlecht dieſes einzig in der Hühnerwelt daſtehenden Tieres. Ornitho=
und abends von 8 Uhr ab großer Sommernachtsball. Die übrigen logen, Geflügelzüchtern ſowie Intereſſenten ſteht die Beſichtigung frei.
Einrichtung einer Kraftpoſtlinie. Vom 15. Auguſt ab wird auf
eine Kraftpoſtlinie eingerichtet, die außer den genannten Ortſchaften
noch Guſtavsburg, Ginsheim, Bauſchheim und Aſtheim berührt. Ab=
fahrtzeiten
in Mainz=Roſtheim: 6.10, 938, 108 und 809 (nur bis
Trebur), Ankunft in Nauheim Bhf.: 6.42 (nur von Trebur), 7.50, 10.40,
2.25, 6.37 (nur von Trebur); Abfahrt von Nauheim Bhf. 7.05 (nur
Koſtheim 5.55 (nur von Trebur), 9.33, 1.07 und 8.08.
RDV. Benutzung der Schnellzüge mit Sonntagskarten. Die Deut=
ſche
Reichsbahn=Geſellſchaft iſt in letzter Zeit in einigen Fällen wieder
dazu übergegangen, D=Züge für den Verkehr mit Sonntagsrückfahr=
Warnung vor einem Schwindlerpaar. Ein Schwindlerpaar, ein Nachrichten haben hier und da Reiſende, die von dieſer Vergünſtigung
weil angeblich von der Pflicht zur Zahlung des Zuſchlages nichts ge=
ſagt
war. Demgegenüber wird ausdrücklich darauf hingewieſen, daß
bei Benutzung von Schnellzügen (D.=Zügen) ſtets der Schnellzug=
Unfälle. Innerhalb 24 Stunden ereigneten ſich Ecke Stifts=
Darmſtraße drei Unfälle, indem am Sonntag nachmittag zwei Autos
zuſammenſtießen, am Montag ein Auto mit einem Radfahrer und zwei
Motorräder einen Zuſammenſtoß hatten. In allen Fällen war nur
zum Glück Materialſchaden.

Nonzert am 21. und 22. Auguſt zugunſten bes Denkmalfonds
der heſſiſchen Artillerie. Es wird zum erſtenmal ſein, ſeit der von
zert gibt. Das Trompeter=Korps aus Fulda wird ein erleſenes Pro=
gramm
vortragen; im dritten Teil des Konzertes am 21. Auguſt abends
Ausflugsſonderzug nach Rothenburg ob ber Tauber. Volks= werden die beiden Muſikkorps die Reichswehrkapelle und der Beam=
der
verbindet. Solch wahre Volkskunſt können die Teilnehmer am Aus= der von den Regimentern aufgeſtellten Kriegsformationen hervor: nicht
flugsort, den die Reichsbahndirektion Mainz am nächſten Sonntag nach weniger als 42 Formationen ganze Regimenter, Abteilungen, Bat=
Rothenburg ob der Tauber fährt, nicht nur beim Gang durch das alters= terien, Kolonnen ſind es, die vom der Darmſtädter Artillerie aus=
gebildet
, eingekleidet, ausgerüſtet, formiert und ins Feld geſchickt wur=
des
Rathauſes vormittags punkt 11 Uhr von Rothenburger Bürgern den! Auch dieſe Feldformationen ſollen mit ihren Namen auf dem
Sockel des Denkmals verzeichnet werden, als Zeugnis der Leiſtungen
der heſſiſchen Feldartillerie.
Der Reichsverband Deutſcher Dentiſten E. V. macht nachdrück=
lichſt
darauf aufmerkſam, daß ſeinen Mitgliedern jede unlautere Re=
Beſonderes hervorheben. Der Reichsverband Deutſcher. Dentiſten
nimmt nur Mitglieder auf, welche den geſetzlichen Vorſchriften der
ten Karten. Auch für den am Nachmittag vor dem Rathaus ſtattfinden= RVO. entſprechen und ſich durch einen Revers verpflichten, ſtets allen
legalen Standesforderungen zu genügen. Der R. D.D. fördert durch
eigene Aus= und Fortbildungsinſtitute die Weiterbildung ſeiner Mit=
glieder
. Wer ſich dem Berufe widmen will, erhält koſtenloſe Auskunft.
Man wende ſich nach Bensheim, Heſſen, Poſtfach 75.
* Bezirksſchöffengericht. 1. Der Taglöhner Herm. Bühl von
Darmſtadt (vorbeſtraft) ſteht unter der Anklage der Unterſchlagung
in 2 Fällen und des Diebſtahls in einem Falle. Im Juni 1926 lag er
im hieſigen Krankenhaus an Darmkatarrh und empfing 131 Mk. vom
der Krankenſchweſter erſpartes Geld, um es anderen Tages auf der Poſt
einzuzahlen, weiter erhielt er Geld zum Ankauf von Apfelſinen. Die
Anklage, einen einem Uhrmacher gehörigen Gummimantel geſtohlen zu
haben, beſtreitet Bühl, er will den Mantel leihweiſe erhalten haben.
Statt das Geld auf der Poſt einzuzahlen, kaufte ſich Bühl bei einem
Althändler in der Holzſtraße einen Anzug, ging in eine Wirtſchaft und
ſah ſich den Zirkus Birkeneder an. Am anderen Tag beſuchte er die
Nachbarorte Eberſtadt und Pfungſtadt und wollte nach ſeiner Braut
ſehen (B. iſt geſchieden), die ihm ins Krankenhaus geſchrieben hatte.
Ueber den Verbleib von 100 Mk., die er noch haben mußte, kann er
keine Auskunft geben. 9 Mark fand man bei der Verhaftung noch vor.
Während der Uhrmacher im Bade war, ließ er deſſen Mantel mitgehen,
den der Eigentümer ſpäter wieder erhalten hat. B. iſt ſeit 11. Juni im
Unterſuchungshaft. Das Urteil erkennt auf 7 Monate Ge=
fängnis
unter Anrechnung von 2 Monaten Unterſuchungshaft. Das
Gericht hat Diebſtahl im Rückfall angenommen. 2. Vom Erſcheinen im
der Verhandlung entbunden iſt der des Diebſtahls angeklagte Matroſe
Lubertus Kronze von Rotterdam. Von Staatsangehörigkeit
Holländer iſt er gerichtlich mit Hilfe einer Dolmetſcherin vernommem
worden. Auf der Fahrt von Rotterdam nach Mannheim, die er ſtändig
macht, hat er im Juni 1926 zu Guſtavsburg aus ausrangierten Wagen
zweiter Klaſſe der Reichsbahn Kopfkeile und herausgeſchnittene Plüſch=
und Lederbezüge entwendet. Ein Bahnarbeiter beobachtete den Einſteige=
diebſtahl
und veranlaßte des Täters Feſtnahme. Die Reichsbahn hat
die Sachen wieder erhalten und außer der Sachbeſchädigung einen
Schaden nicht erlitten. Die Wagen können nicht als Gebäude angeſehen
werden, weshalb ſchwerer Diebſtahl ausſcheidet. Als ſtraferſchwerend
kommt die Begehungsform und die Werthöhe (500 Mark) in Betracht,
weshalb auf 7 Monate Gefängnis angetragen wird, Urteil: vier
Monate Gefängnis. 8. Gleichfalls vom Erſcheinen entbunden iſt
der des Betruges angeklagte Otto Burkard von Steinbach
(Baden). Der geladene Zeuge, den B. angepumpt hat, iſt nicht er=
ſchienen
und wird in eine Strafe von 20 Mark genommen. Die Sache
wird abgeſetzt.
Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg=Amerika=Linfe. Nach
New York: D. Hamburg ab Hamburg am 12. 8., ab Cuxhaven am
13. 8., D. Weſtphalia ab Hamburg am 18. 8., D. Reliance ab Hamburg
am 23. 8., ab Cuxhaven am 24. 8., D. Albert Ballin ab Hamburg am
26. 8., ab Cuxhaven am N. 8.,D. Thuringia ab Hamburg am 1. 9., D.
Reſolute ab Hamburg am 6. 9., ab Cuxhaven am 7. 9. D. Deutſchland
ab Hamburg am 9. 9., ab Cuxhaven am 10. 9. Nach Philadelphia,
Baltimore, Norfolk: D. Sachſenwald ab Hamburg am 6. 8.,
ein Dampfer ab Hamburg am 8. 9. Nach der Weſtküſte Nord=
amerika
: D. Witram ab Hamburg am 14. 8., D. Juſti ab Ham=
burg
am B. 8., M. S. Oſiris ab Hamburg am 11. 9. Nach Süd=
amerika
: D. Baden ab Hamburg am 11. 8., D. Wasgenwald ab
Hamburg am 11. 8., D. Schwarzwald ab Hamburg am 21. 8., D. Bahern
ab Hamburg am 4. 9., D. Steigerwald ab Hamburg am 18. 9., D. Emden
ab Hamburg am 25. 9. Nach Mexiko: D. Nord=Schleswig ab Ham=
burg
am 7. 8., D. Rio Bravo ab Hamburg am 20. 8., D. Grunewald ab
Hamburg am 30. 8., D. Toledo ab Hamburg am 10. 9., D. Schleswig= Hol=
ſtein
ab Hamburg am 21. 9., D. Rio Panuco ab Hamburg am 30. 9.
Nach Cuba: D. Nauplia, ab Hamburg am 30. 8., D. Antiochia ab
Hamburg am 15. 10. Nach Weſtindien: D. Kyphiſſia ab Hamburg
am 14. 8., D. Teutonia ab Hamburg am B. 8., M. S. Erfurt ab Ham=
burg
am 4. 9., D. Eupatoria ab Hamburg am 15. 9., D. Galicia ab Ham=
burg
am B. 9., D. Adalia ab Hamburg am 6. 10. Nach Jamaica,
Haiti, Domingo und Puerto Rieo: D. Troja ab Hamburg
am 7. 8., D. Arta ab Hamburg am 28. 8., ein Dampfer ab Hampurg am
18. 9. Nach Oſtaſien: D. City of Tokio ab Hamburg am 14. 8.,
D. Saarbrücken ab Hamburg am A. 8., D. Ningchow ab Hamburg am
28. 8., D. Heſſen ab Hamburg am 4. 9., D. City of Cairo ab Hamburg
am 11. 8., D. Idarwald ab Hamburg am 1. 9. Nach Afrika: D.
Njaſſa ab Hamburg am 2. 8., D. Uſſukuma ab Hamburg am 18. 9
Hamburg=Rhein=Linie: Wöchentlich ein Dampfer. Mitgeteilt
von dem Vertreter Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Kunſfnotizen.
Union=Theater. Pat und Patachon haben auch
diesmal wieder im U.T. ihren alten Erfolg in ihrem neueſten Luſtſpiel
Pat und Patachon auf der Wolfsjagd erzielt. In der Nähe Kopen=
hagens
liegt das Gaſthaus des braven Wirtes Niels Henrikſen. Pat und
Patachon, die wieder einmal ohne Broterwerb durch die Welt lungern,
kommen in Henrihſens Wirtſchaft, um ſich möglichſt koſtenlos dunchzufut=
tern
. Durch eine Zeitungsnotiz aus Jütland erfährt der Wirt, daß in
dieſem Teil des Landes ſich Wölfe gezeigt haben ſollen und die Beböl=
kerung
ſehr in Unruhe geraten ſei. Dieſe Notiz veranlaßt ihn eine
Anzahl befreundeter Gäſte, die genau wie er, ebenſo unter dem Ehejoch
ſeufzen, zu bewegen, eine Jagdexpedition auszurüſten, die den Wölfen
zu Leibe gehen ſoll. Pat und Patachon bieten ſich als erfahrene Wolfs=
jäger
an, und trotz der Proteſte der dwerſen Ehefrauen zieht die Jagd=
geſellſchaft
davon. Die beiden Wolfsjäger Pat und Patachon rufen die
unmöglichſten Situationen auf der Jagd hewvor, verſchiedene Zwiſchen=
fälle
und die urkomiſchſten Eifälle geſtalten dieſen Film derart humo=
riſtiſch
, daß jeder Beſucher unbedingt auf ſeine Koſten, kommen muß
Dieſes hervorragende Luſtſpielprogramm wird noch ergänzt durnch zwei
Einaktergrotesken mit Harold Lloyd.
Palaſt Lichtſpiele. Sureonf, der König der ſchwarzen
Flagge‟. Acht kampfdurchtobte Akte, der größte Abentemrerfilm aller
Zeiten. Ein Film aus dem Leben eines Freibeuters, voll herrlicher
Näuberromantik, ſpannend und ſenſationell von Anfang bis Ende, mit
myſtiſchem Einſchlag und feingeſponnener Liebeshandlung, mit male=
riſchen
, landſchaftlichen Reizen und phototechniſch gut gelungenen Auf=
nahmen
des brandenden Meeres. Jean Angelo gibt einen prächtigen,
kraſtſtrotzenden Korſaren, der ſich durch Treue, Kameradſchaftlichkeit
und anſtändige Geſinnung auszeichnet. Im bunten Teil: Jimmys
Wege zu Kraft und Schönheit humorvolle Groteske in 2 Akten, mit
Jimmy Aubrey in der Hauptrolle. Die Neueſte Wochenſchau, die uns
immer das Neueſte, Wichtigſte Intereſſanteſte aus aller Welt bringt.
Aus den Parieien.
Jugendgruppe der Deutſchen Volkspartei. Der
Gruppenabend fällt dieſe Woche aus. Sonntag, den 15. Aug.,
Wanderung nach der Wachenburg, Windeck, Fuchsmühle uſw. Ab=
fahrt
758 Uhr ab Hauptbahnhof; Sonntagskarte bis
Weinheim löſen. Treffpunkt 7,45 Uhr am Hauptbahnhof. Wir
bitten um zahlreiche Beteiligung.
Tageskalender für Mittwoch, den 11. Auguſt 1926.
Landestheater, Kleines Haus, abends 7½ Uhr:
Wenn Liebe
erwacht. 10½ Uhr: Der fröhliche Weinberg.
Verfaſ=
ſungsfeier
, abends 9½ Uhr: Fackelzug anſchl.: Großes Brillant=
Feuerwerk. Reichsbund der Kriegsbeſchädigten
und Kriegshinterbliebenen, Ortsgruppe Darmſtadt abends 9 Uhr:
Fackelzug; Treffpunkt: 8½ Uhr, am Mathildenplatz. Schloß=
Café; Konzert. Café Rheingold: Konzert und Tanz.
Schmitz, Rheinſtraße: Unterhaltungsmuſik. Ludwigshöhe:
Konzert. Kinovorſtellungen: Union, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele.
Verſteigerungskalender für Donnerstag, den 12. Auguft 1926.
Im ſtädtiſchen Verſteigerungslokal Ecke Dieburger= und Mühlſtraße,
um 2½ Uhr: Verſteigerung verſchiedener Gegenſtände.

[ ][  ][ ]

Seſte 6

Mittwoch, den 11. Auguff 1926

Nummer 221

* Arheilgen, 10. Aug. Der Arbeiter=Turm und Sportverein plant,
auf ſeinem Sportplatz im Elſee eine Kampfrundbahn zu erbauen und
wird mit der Ausführung baldigſt begonnen werden. Auch wird in
nächſter Zeit daſelbſt elektriſches Licht und Waſſerleitung eingeführt wer
den. Der vom evangeliſchen Jünglingsverein am vergangenen Sonn=
tag
veranſtaltete Lichtbilderabend erfreute ſich eines recht guten Beſuchs
von ſeiten der Mitzglieder, deren Angehörigen und Freunde und fanden
die bei einer Schwarzwaldtour von einigen Mitgliedern gemachten Licht=
bildeufnahmen
beifälligſte Anerkennung.
Griesheim, 9. Augeſt. Unſerer Kirche fehlte bisher noch eine
richtige Beleuchtung. Man mußte ſich im Bedarfsfalle mit Kerzen be=
gnügen
. Wenn auch dieſe Beleuchtung ſtimmungsvoll war, ſo wurde
ſie doch mit Recht als mangelhaft beanſtandet. Deshalb hatte ſich der
Kirchenvorſtand entſchloſſen, eine elektriſche Lichtanlage einzuführen,
Dieſe iſt jetzt vollendet. Die Beleuchtungskörper wurden nach der An=
weiſung
des Denkmalpflegers im Stil unſerer Kirche ausgewählt und
entſprechend in ihrer Form der Kunſt des Jahres 1680, der Zeit, als
unſere Kirche erbaut wurde. Die dieſer Tage ſtattgefundene Mit=
gliederverſammlung
der Deutſchen Bau= und Siedlungsgemeinſchaft
e. G. m. b. H. Darmſtadt, Ortsgruppe Griesheim, erwies erneut, wel=
chen
Anklang die Gewährung zinsloſer Darlehen findet, denn es wur=
den
wiederum Neuaufnahmen gemacht. Sehr erfreulich iſt die Tatſache,
daß auch verſchiedene Herren von der Gemeindevertretung in
der Verſammlung anweſend waren, um ſich über den Gang der Dinge
zu informieren. Bei den heutigen hohen Zinsſätzen kann es nur im
Intexeſſe aller Bauluſtigen liegen, Mitglied dieſer ſegensreichen Be=
wegung
zu werden.
H. Eberſtadt, 10. Aug. Der Kirchweihſonntag brachte dem Ortz=
bei
trockenem Wetter einen beträchtlichen Verkehr, namentlich aus der
Landeshauptſtadt. Die Vorortlinie der elektriſchen Straßenbahn ver=
kehrte
den ganzen Tag über bis über Mitternacht hinaus halbſtündlich
und beförderte die gewaltigen Maſſen der Beſucher der Kirchweihe hin
und zuwick. Die Zugangsſtraße zum Marktplatz und dieſer ſelbſt konn=
ten
in den ſpäten Nachmittagsſtunden nur mit Mühe paſſiert werden,
da ſich hier der Verkehr ſtaute. In den Gaſtwirtſchaften herrſchte Hoch=
betrieb
. Nirgends mehr war noch ein Stuhl zu finden und mancher
Beſucher irrte demzufolge lange umher, bis er ſich vielleicht einma.
niederlaſſen konnte. Die Tanzſäle waren ebenfalls überfüllt. Der
Verfaſſungstag wurde von der hieſigen Bevölkerung am Vor=
mittag
des hieſigen Kirchweihſonntags gefeiert. Nach einem Feſtzuge
fand auf dem Schulhofe ein Feſtakt ſtatt, in deſſen Mittelpunkt die Feſt=
rede
des Reichstagsabgeordneten Dr. Oueſſel ſtand. Umrahmt
war die Feier durch Muſikvorträge der Kapelle Edelweiß und einem
Geſamtchor der hieſigen Geſangvereine. Die Begrüßungsanſprache hielt
Beigeordneter Flick.
* Nieder=Ramſtadt, 10. Aug. Vorgeſtern nachmittags fand hier eine
größere Feuerwehrübung ſtatt. Die hieſige Wehr, verſtärkt durch zwei
Löſchzüge der Darmſtädter Wehr, hatte ſich als Angriffsobjekt die Ge=
bäude
der Epileptiſchen Anſtalt auserſehen. Gleichzeitig mit der Uebung
der eigentlichen Löſcharbeiten war auch eine ſolche über die Rettung
der Kinder und ſonſtigen Pfleglinge im Falle des Ausbruchs eines
Brandes in den Anſtaltsgebäuden verbunden. Die Kinder wurden in
Rettungsſäcken aus einigen Stockwerkhöhen herabgelaſſen, unten ange=
kommen
, ſofort von der bereitſtehenden Sanitätskolonne mittels Trag=
bahren
abtransportiert. Die markierten Wiederbelebungsverſuche mit
dem Sauerſtoffapparat unter der Leitung des Anſtaltsarztes, Herrn
Dr. med. Georgi, zeugten von großer Sachkenntnis. Abgeſehen von
einigen Kleinigkeiten klappte die ganze Uebung vorzüglich. Die Ver=
faſſungsfeier
hieſiger Gemeinde findet am Samstag, den 14. d. Mts.
abends 8½ Uhr beginnend, im Saale des Gaſthauſes Zum Schützen=
hof
ſtatt. Dieſe hält ſich im gleichen Rahmen wie die in den vorher=
gehenden
Jahren.
Ober=Ramſtadt, 9. Aug. Am nächſten Sonntag, den 15. Auguſt
ſteht unſer Ort wieder einmal im Zeichen des Radſports. Der Rad=
fahrerklub
Schwalbe Ober=Ramſtadt hält ein großes Straßenrennen
über 120 Kilometer ab. Die Remſtrecke geht durch das herrliche Mühl=
tal
über Eberſtadt, Bickenbach, Bensheim, Schönberg, hinauf nach Ga=
dernheim
, von da zurück nach Brandau, Ernſthofen, Ober=Ramſtadt
Hier 20 Minuten Zwangspauſe, und die teilnehmenden Fahrer begeben
ſich nochmals auf dieſelbe Strecke. Wertvolle Preiſe ſtehen zur Ver=
fügung
und wird zu zahlreicher Beteiligung an dieſem Rennen eingela=
ben
. Das Rennen iſt offen für alle Fahrer, da der veranſtaltende
Verein neutral iſt. Meldungen nebſt Einſatz von 3 Mk. ſind zu richten
an K. Hirſch, Ober=Ramſtadt, Aliceſtraße 13
* Noßdorf, 10. Aug. Verfaſfungsfeier. Am Mittwoch hatte
die Bürgermeiſterei zu einer Beſprechung über die diesjährige Verfaſ=
ſungsfeier
eingeladen. Nach längerer Ausſprache waven ſämtliche Vereins=
vorſtände
mit dem vorgeſchlagenen Programm einverſtanden. Unter
Vorantritt einer Muſikkapelle wird ſich am 11. Auguſt, abends 9 Uhr,
ein Fackelzug aller Vereine durch die Ortsſtraßen bewegen. Die eigent=
liche
Feier findet dann im Saale des Gaſthauſes zur Sonne ſtatt
Dort wird Herr Lehrer Amann die Feſtanſprache halten. Geſangs= und
Muſikvorträge werden den Abend zu einem eindrucksvollen geſtalten
helfe
Groß=Umſtadt, 10. Aug. Verfafſungsfefer. Am 8.
Auguſt fand in unſerer Stadt wie im Vorjahre eine gemeinſame öffent=
liche
Verfaſſungsfeier ſtatt. Zur beſſeren Ausgeſtaltung derſelben hatte
die Stadt 250 Mk. bewilligt. Um 3 Uhr nachm. ſammelten ſich die Teil=
nehmer
auf dem Marktplatze, woſelbſt mehrere Körbe voll Brezeln an
die anweſende Jugend verteilt wurden. Unter Vorantritt einer Muſik=
kapelle
bewegte ſich der Feſtzug nach dem Raibacher Tale. Hier begrüßte
Herr Bürgermeiſter Lampe die Erſchienenen und erteilte Herrn Danz
das Wort zur Feſtrede. Nach längeren politiſchen Ausführungen betont
der Redner, daß es Pflicht eines jeden Deutſchen ſei, dafür Sorge zu
tragen, daß unſere Jugend mehr wie ſeither in dem Sinn und Geiſte der
demokratiſchen Republik erzogen werde. Sein Hoch galt dem Vaterland
der deutſchen Republik. Geſangliche Darbietungen ſowie turneriſche und
ſportliche Vorführungen fanden diesmal nicht ſtatt. Am 11. Auguſt,
dem Jahrestag der Verfaſſung werden auf Anordnung des evangeliſchen
Landeskirchenamts von 12 bis 12½ Uhr die Glocken läuten.
r. Babenhauſen, 9. Aug. Schachwettkampf. Zwei junge, erſt
½jährige Schachvereine, Babenhauſen und Klein=Krotzenburg, vereinig=
ten
ſich am letzten Sonntag im Schützenhof in Seligenſtadt a. M. zu
einem Städte=Wettkampf. Babenhauſen errang den Sieg mit 6:2. Sie=
ger
von hier waren: Karſtedt (1. Brett), Köppen (2. Brett), Geh=
ringer
(3. Brett), Geißler (4. Brett), Rock (7. Brett) und
Blümler (8. Brett), die von Klein=Krotzenburg: Merget I. (5.
Brett) und Merget II. (6. Brett). An den meiſten Brettern wurde
das Spiel überall erbittert bis zum endgültigen Siege weitergeführt;
das bewies hauptſächlich das 1. Brett, das ziemlich bis zum Schluſſe nur
in der Verteidigung lag, bis es ihm endlich gelang, ſeinen Gegner beim
61. Zug nach 2½ſtündiger Spielzeit matt zu ſetzen. Den ſo unerwartet
hohen Sieg haben die Babenhäuſer Schachſpieler wohl ihrer guten
Schulung zu verdanken. Ein Revanchekampf iſt den Klein=Krotzenbur,
gern zugeſagt und wird von den Mitgliedern beider Vereine in nächſter
Zeit mit großer Spannung erwartet.
* König, 10. Aug. Am vergangenen Samstag fand hier Ecke Bahn=
hof
= und Schwimmbadſtraße ein Zuſammenſtoß zwiſchen einem
Motorrad= und einem Radfahrer ſtatt. Der Motorradfahrer, ein hieſi=
ger
Arzt, ſtürzte kopfüber über ſein Rad hinweg auf die Straße. Auch
der Nadfahrer kam zu Fall, wobei ſein Rad beſchädigt wurde. Beide
waren an dem Unfall ſchuldlos und kamen wunderbarerweife ohne ernſt=
liche
Verletzungen davon. Auf Einladung der hieſigen Ortsgruppe des
Odenwaldklubs weilte am Samstag ein Biebricher Geſangverein
hier und gab im Kurhaus=Kaffee Guſtav= und Marienquell, ein
Konzert. Der Verein, der auf bedeutender geſanglicher Höhe ſteht, zeigte
hierbei ſein großes Können. Für die Einwohner unſeres Ortes und
vor allem für die Kurgäſte war das Konzert eine willkommene Ab=
wechſlung
. Am Sonntag beſuchten die Sänger zuſammen mit den Mit=
gliedern
des hieſigen Odenwaldklubs die bekannte Wolfsſchlucht bei
Zwingenberg am Neckar.

* Vielbrunn, 10. Aug. Ein dendwürdiger Tag war der Sonntag
für unſere Kirchengemeinde; ſollte doch die Kirche noch wochenlanger
Iynenrenovierung, während welcher die Gottesdienſte in dem die Kirche
umgebenden alten Friedhof abgehalten wurden, ihrem gottesdienſtlichen
Gebrauche durch einen feierlichen Weiheakt wieder übergeben werden.
Das ganze Kirchſpiel hatte ſich der Bedeutung dieſer Feier gemäß vor
Beginn des Feſtgottesdienſtes im Pfarrhof verſammelt, von wo ſich der
feierliche Zug in Bewegung ſetzte. Von den geladenen Gäſten waren im
Zuge: der Fürſt zu Erbach=Schönberg, einer der beiden Patronatsherren
der Kirche, und Herr Regierungsrat Dr. Feilbach als Vertreter des
Kreisamts. Unter dem Geläute ſämtlicher Glochen ging es der naben
Kirche zu, wo der Königer Poſqunenchor vom Portal aus den Zug mit
Poſaunenklängen empfing. Herr Pfarrer Stroh verſtand es, in ſeiner
wpunderbaren packenden Art auch diesmal die vielhundertköpfige Schar
der verſammelten Gemeinde, die die Kirche bis auf den letzten Platz ge=
füllt
hatte, auf die beſondere Bedeutung dieſes für die Kirchengemeinde
Vielbrunn=Kimbach ſo wichtigen Tages aufmerkſam zu machen. Die
eigentliche Weihe vollzog in zu Herzen gehender längerer Anſprache Hert
Dekan Keil als Vertreter der Landeskirche. Die Feier war durch Mit=
wirkung
des Poſaunenchors König und durch die vom Kirchenchor vor=
getragenen
Chöre ſehr erhebend. Auch die gleichzeitige Verpflichtung
zweier neuer Kirchenvorſteher, der Herven Konrad Hotz und Konrad
Krauß=Kimbach, verlieh dem Gottesdienſt ein beſonderes Gepräge. Das
nun neue Kircheninnere iſt beſonders wertvoll geworden durch die mit
der Innenrenovierung gbeichzeitig und von demſelben Künſtler, Herrn
Maler Kienzle=Darmſtadt, geſchaffene Kriegerehrung. Die Gemeinde
ſchuldet Herrn Maler Kienzle und ſeinem Gehilfen, Herrn Malermeiſter
Helm=Klein=Heubach, einem geborenen Vielbrunner, großen Dank für
dieſes unſerem ganzen Ort zur Zierde gereichenden Kircheninnere. Dank
aber gebührt nicht zuletzt unſerem Herrn Pfarrer Stroh, der unermüd=
lich
tätig war, die ſo nodwendige Renovierung zu veranlaſſen und ſie
ſchließlich auch durchzuführen. Für uſere Gemeinde aber wird dieſer
Tag unvergeßlich bleiben.
Erbach i. O., 10. Aug. Kindererholungskar in Mis=
droy
(Oſtſee). Am Donnerstag, den 12. d8. Mts., geht der letzte Trans=
port
von 50 Kindern für dieſes Jahr mit dem fahrplanmäßigen Zug, ab
Erbach 11.57 Uhr mittags, nach dem Oſtſeebad Misdroy ab. Die Reichs=
bahndirektion
hat in entgegenkommender Weiſe einen D=Zugwagen be=
reits
ab Erbach zur Verfügung geſtellt, ſo daß die Kinder bis zu ihrem
Beſtimmungsort Misdroy nicht umzuſteigen brauchen. In Mainz und
in Berlin finden Führungen durch die Stadt ſtatt. Es iſt ſehr dankens=
wert
, daß die hieſige Bezirksfürſorge, des Kreisamts dieſe Kinder=
erholungskuren
eingerichtet hat. Die geſundheitlichen Erfolge der letzteren
haben die aufgewandte Mühe bereits reichlich gelohnt. Geſtern nach=
mittag
nach 5 Uhr ging ein wolkenbruchartiger Regen hier nieder, der
mit kurzen Unterbrechungen faſt zwei Stunden anhielt, während zirka
7 Kilometer nordwärts von hier ſchönſter Sonnenſchein und drückende
Schwüle war.
* Beerfelden, 10. Aug. Die Rheintour der hieſigen
Ortsgruppe des Odenwaldklubs am Samstag und Sonntag
verlief in ſchönſter Weiſe unter Beteiligung von zirka 80 Perſonen.
Am Samstag nachmittag beſichtigte man unter Führung von Mainzer
Klubgenoſſen das goldene Mainz, um ſpäter in Gemeinſchaft mit den=
ſelben
dann urgemütliche Stunden im Altminſterhof zu verbringen.
Am Sonntag morgen gings per Dampfer nach Rüdesheim und zum
Nationaldenkmal, dann weiter nach Aßmannshauſen. Nach der Mittags=
raſt
ſchloß ſich eine Rheinfahrt nach St. Goar an, von wo die Rückfahrt
per Bahn angetreten wurde; alle Teilnehmer waren von dem Erlebter
hochbefriedigt und voll Lob über die Vorſtandsmitglieder, die ſich keine
Mühe verdrießen ließen, alles auf ſo wohl gelungene Art zu arran=
gieren
. Vorgeſtern begingen die Sechzigjährigen gemeinſam
die Vollendung ihres ſechſten Jahrzehntes, zirka 30 Perſonen aus dem
hieſigen Kirchſpiel hatten ſich eingefunden und tauſchten Jugender=
innerungen
aus. Der heutige Viehmarkt war gut befahren,
es wurde lebhaft gehandelt und getauſcht, die Landwirte haben hier die
beſte Gelegenheit, vorteilhaft zu kaufen, zu verkaufen und zu tauſchen.
Zur Schloßbeleuchtung in Heidelberg am 11. Auguſt
läßt die Odenwald=Kraftwagen=Verkehrs=A.=G. Erbach wieder Sonder=
wagen
laufen.
* Aus dem Odenwald, 10. Aug. Reiche Brombeerernte
in Sicht. Wenn nicht alles trügt, haben wir dieſes Jahr eine reiche
Brombeerernte zu erwarten. Die Brombeerſträucher zeigen an allen
Hängen einen großen Früchteanſatz. Hoffentlich bringt der Monat
Auguſt die nötige Wärme, damit die Beeren zur Reife kommen. Da
dieſe jedes Jahr gut bezahlt werden und faſt gleichwertig den Him=
beeren
ſind, iſt der ärmeren Bevölkerung wieder ein ſchoner Neben=
verdienſt
geboten.
* Von der Bergſtraße, 10. Aug. Hohe Obſtpreiſe. Bei den
kürzlich abgehaltenen Obſtverſteigerungen wurden ſür Aepfel, Birner
und Zwetſchen ganz gewaltige Preiſe erzielt. So kam z. B. ein ein=
ziger
Apfelbaum auf hundert Mark zu ſtehen.
Hirfchhorn, 10. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
9. Auguſt 102 Meter, am 10.: Auguſt 1,01 Meter.
* Lampertheim, 10. Aug. Schwer verunglückt iſt der hieſige
54jährige Landwirt Martin Seelinger. Um beim Getreideabladen auf
das Scheunengebälk zu gelangen, ſtieg er an der langen Leiter empor.
Als er oben war, brach ſowohl die Sproſſe, auf der er ſtand, als auch
die, an der er ſich hielt, ſo daß er in die Tiefe ſtürzte. Beim Aufſchlagen
auf die zementierte Tenne trug er mehrere Rippenbrüche und eine Ge=
hirnerſchütterung
davon, ſo daß er in bedenklichem Zuſtande darnieder=
liegt
,
Gernsheim, 9. Aug. Der Voranſchlag der Gemeinde
Gernsheim für das Rj. 1926 ſchließt in der Betriebsabteilung in Ein=
nahme
und Ausgabe mit dem Betrag von 434 738 Rmk. ab. Der Um=
lagebedarf
beziffert ſich auf 93000 Mk. gegen 98000 Mk. im Vorjahr.
Ob die Herabſetzung des Umlagebedarfs im Intereſſe der Verwaltung
zweckmäßig war, bleibt abzuwarten. Im weſentlichen haben ſich gegen
den Voranſchlag Rj. 1925 in Einnahmen und Ausgaben folgende Aende,
rungen vollzogen: Unter Rubrik 1, Rechnungsreſt, werden weniger in
Einnahmen vorgeſehen 20000 Mk., dies kommt daher, daß die im Rj.
1925 zum Beſten der Rechnungsreſte verausgabten Beträge für Er=
richtung
von fünf Wohnhäuſern, einer Badeanſtalt und Gewährung von
Baudarlehen einſchl. des vorzuſehenden Betriebskapitals an dem wirk
lichen, unter Rubrik 1 vorgetragenen Rechnungsergebnis des Rj. 1924
nebſt den verbrauchten voranſchlagsmäßigen Rechnungsreſt für Rj. 1925
in Abzug zu bringen waren. An Reichseinkommenſteueranteile, Rubrik
49, werden weniger vereinnahmt 12 500 Mk. Dagegen werden an Mehr=
einnahmen
vorgeſehen unter Rubrik 13 (Elertrizitätsverſorgung
16 000 Mk., unter Rubrik 34 (Straßenunterhaltung) zur Beſtreitung
außerordentlicher Ausgaben durch Kapitalaufnahme 10000 Mk., des=
gleichen
unter Ruhrik 55 (Wohnungsfürſorge) 36 000 Mk. An Mehr=
ausgaben
ſind erforderlich unter Rubrik 27 (Armenpflege) 7000 Mk.,
unter Rubrik 7a (Karl Heinrich Habich=Stiftung) zum Ausbau der
Stiftung 6000 Mk., unter Rubrik 34 (Straßenunterhaltung) für Neu=
pflaſterung
der Georgenſtraße 10 000 Mk., unter Rubrik 45 ( Erwerbs=
loſenfürſorge
) 5000 Mk. Wenigerausgaben erheiſchen die Rubriken 35
(Kanalunterhaltung) 1500 Mk., Rubrik 46 (Steuern und Abgaben 2000
Mark, und Rubrik 61 (Gemeindeumlagen, uneinbringliche und erlaſſene
Umlagen) 1000 Mk. Zum Zwecke der Aufbringung des ungedeckten Auf=
wandes
werden die Steuerwerte wie folgt belaſtet: Es ſind zu entrich=
ten
auf je 100 Mk. Steuerwert der Gebäude und Bauplätze 15 Pfg.,
der land= und forſtwirtſchaftlich genutzten Grundſtücke 38 Pfg., des land=
wirtſchaftlichen
Anlage= und Betriebskapitals 45 Pfg., des gewerblichen
Anlage= und Betriebskapitals 45 Pfg., des Gebäudewertes der der Son=
derſteuer
vom bebauten Grundbeſitz unterliegenden Objekte 55,7 Pfg.
Vom Gewerbeertrag (Zuſchlag zu den Vorauszahlungen auf die Ein=
kommen
= und Körperſchaftsſteuer) werden 60 Prozent erhoben. Im all=
gemeinen
bewegen ſich die Ausſchlagsſätze im Rahmen der vorjährigen.
Eine Herabſetzung des Steuerkoeffizienten fand bei der Sonderſteuer
vom bebauten Grundbeſitz ſtatt.

* Aus dem Rieb, 9. Aug. Die Dreſchmaſchinen ſind überall ſchon
einige Zeit im Gange. Das Dreſchgeſchäft geht, vom Wetter begüinſtigt,
ſehr ſchnell vor ſich. Man kann ſagen, daß der Körnerertrag im allge=
meinen
ein guter iſt. Aus Händlerkreiſen iſt die Nachfrage nach neuem
Getreide noch ſehr ſchwach, was von den Landwirten, welche gern ver=
kaufen
möchten, ſehr übel empfunden wird. Der Preis für neues Korn
und Gerſte bewegt ſich zwiſchen 19 und 20 Mk. bzw. 22 und 24 Mk.
Der Zuckerrübenanbau hat gegen das Vorjahr erheblich zugenom=
men
. Sie ſtehen faſt durchweg gut in den Reihen und verſprechen einen
guten Ertrag. Der Grund für den erhöhten Anbau dürften die gün=
ſtigen
Abſchlüſſe mit den verſchiedenen Zuckerfabriken ſein. Wäh=
rend
früher in unſerer Gegend noch ſehr viel Welſchkorn oder Mais an=
pflanzt
wurde, trifft man eben nur ganz verſchwindend wenig Aecker
mit dieſer Frucht. Man iſt dazu übergegangen, den weniger Arbeit
verurſachenden Weizen zu pflanzen, der auch ein beſſeres Mehl abgibt.
Das Welſchkorn kann bei uns nicht zur richtigen Vollreife kommen. Die
Kolben müſſen erſt durch Aufhängen getrocknet werden, was eine lange
Zeit in Anſpruch nimmt.
r. Rüfſelsheim, 9. Aug. Die Gemeinden Rüſſelsheim, Flörsheim,
Biſchofsheim und Raunheim hatten ſich wegen der Entwäſſerung ihrer
Waldungen an die oberſte Forſtbehörde in Darmſtadt gewandt, damit
auch der ausgedehnte Staatswald Mönchbruch an die Entwäſſerung an=
geſchloſſen
werde. Die Forſtbehörde gab einen ablehnenden Beſcheid
mit der Begründung, daß es nicht angängig ſei, die Entwäſſerung durch=
zuführen
, da dadurch dem Walde zu ſeinem Schaden in trockenen Jahren
zu viel Bodenfeuchtigkeit entzogen werde. Die erwähnten Gemeinden
beſchloſſen, die Entwäſſerung ſelbſtändig durchzuführen.
* Eſſenheim, 9. Aug. Bei einem Mitgliederſtand von 150 Perſonen
erzielte der landwirtſchaftliche Konſumverein im Vorjahre einen Rein=
gewinn
von 1141 Mark. Das Rückſtellungskonto beträgt 1500 Mark, die
Reſerven 975 Mark.
* Spiesheim, 9. Aug. Der hieſige Turngeſangverein, unter Leitung
des Kapellmeiſters Funk in Mainz ſtehend, begeht am 25., 26. und 27.
Juni nächſten Jahres ſein 65jähriges Jubiläum, verbunden mit Geſangs=
wettſtreit
.
Wallertheim, 9. Aug. Nach Fertigſtellung der Pflaſterungs= und
Kanaliſierarbeiten iſt die Straßenſperrung aufgehoben. Im nächſten
Jahre ſollen andere Ortsſtraßen auf ähnliche Weiſe verbeſſert werden.
M. Alzey, 9. Aug. Neue Glocken. Die Glocken der katholiſchem
Kirche mußten auch im Kriege geopfert werden. Durch die Opferwillig=
keit
der Pfarrangehörigen wurde man in die Lage verſetzt, drei neue
Glocken zu erwerben, die nun ihren Einzug hielten. Die Weihe der
Glocken wird am nächſten Sonntag erfolgen. Nach dem Umbau des
Turmes wird noch eine weitere Glocke angeſchafft.
WSN. Gießen, 10. Aug. Goldenes Doktor=Jubiläum.
Der Gymnaſial=Oberlehrer im Ruheſtand, Dr. Chriſtian Roeſe, begeht
dieſer Tage die Feier des goldenen Doktor=Jubiläums. Die philoſophiſche
Fakultät der Ludoviciana hat mit herzlichen Glückwünſchen dem um
die Methodik des altſprachlichen Unterrichts verdienten Pädagogen wie
üblich das Diplom erneuert und durch ihren Dekan perfönlich überreichem
laſſen.
* Butzbach, 10. Aug. Beim Einfangen eines Kinderluftballons im
der hieſigen Feſthalle während des Feuerwehrfeſtes war ein Mann an
dem Balkenwerk hinaufgeklettert. Plötzlich glitt er aus und fiel auf
einen unten ſitzenden Herren, den er ſchwer verletzte, ſo daß derſelbe
bewußtlos liegen blieb. Der Heruntergefallene zog ſich einen doppelten
Schenkelbruch und eine Gelenkauskugelung zu und mßte in das Kran=
kenhaus
Nieder=Weiſel gebracht werden.
* Butzbach, 9. Aug. Das 60jährige Jubiläum der hieſigen
Freiw. Feuerwehr fand am Samstag und Sonntag in Verbin=
dung
mit dem Kreisfeuerwehrtag des Kreiſes Friedberg in den
Mauern unſerer Stadt ſtatt. Am Samstag abend ging ein Feſtkom=
mers
in der Feſthalle voraus, woran ſich die einheimiſchen Vereine
ſehr zahlreich beteiligten. Der erſte Kommandant der Jubelwehr, Heyd.
begrüißte die Gäſte. Namens der Stadt hieß Bürgermeiſter Dr. Janſen.
die Feſtverſammlung herzlich willkommen. Ferner ſprachen noch Ver=
treter
von den Gießener Wehren, der Feuerwehren von Lich, Frankfurt=
Seckbach und Medizinalrat Dr. Vogt=Butzbach. Turneriſche und ge=
ſangliche
Darbietungen, ſowie die Muſikſtücke der vorzüglichen Butz
bacher Feuerwehrkapelle trugen ſehr zur Verſchönerung des Abends bei.
Bei der Kreisverbandstagung im Heſſiſchen Hof heute vormittag
waren faſt ſämtliche Wehren des Kreiſes erſchienen. Der Vertreter des
Kreisamts Friedberg, Regierungsrat Dr. Rindfuß, hielt eine Anſprache.
Anſchließend fand ein Brandangriff der Wehren auf das Haus des
Metzgermeiſters Steinhäuſer ſtatt. Hierauf folgte ein Schulexerzieren
der Butzbacher Wehr auf dem Marktplatz. Für 40jährige Mitgliedſchaft
erhielten die Wehrleute Scharmann und Weickhardt, ſür 25jährige Mit=
gliedſchaft
Kommandant Heyd, Spier und Alban Erinnerungsmedaillen
verliehen. Der ſeit 52 Jahren der Wehr angehörige Robert Schmidt
wurde zum Ehrenvorſtandsmitglied und Medizinalrat Dr. Vogt zum
Ehrenmitglied ernannt. Nachmittags bewegte ſich ein ſtattlicher Feſtzug
durch die feſtlich geſchmückten Straßen der Stadt nach dem Feſtplatz.
Etwa 700 Feuerwehrleute ſowie die hieſigen Vereine nahmen daran teil
u. a. die Wehren aus Friedberg, Bad=Nauheim, Groß=Karben, Büdes=
heim
, Nieder=Wöllſtadt, Langgöns, Hungen, Lich, Gießen, Wetzlar,
Großen=Linden, Kirchggöns, Lollar. In der Feſthalle hielt Bürger=
meiſter
Dr. Janſen die Begrüßungsanſprache. Mit Konzert, Tanz und
Volksbeluſtigung nahm das Feſt einen guten Verlauf.
* Grünberg, 9. Aug. In der letzten Gemeinderatsſitzung wurde auf
ein Schreiben des Miniſteriums hin beſchloſſen, die Sondergebäudeſteuer
auf 26 Prozent feſtzuſetzen, wenn ſich das betreffende Haus nicht mehr=
als
wie mit 4 Prozent rentiert hat, jedoch iſt hierüber ſich mit dem zu=
ſtändigen
Finanzamt in Verbindung zu ſetzen. Die Vergnügungs=
ſteuer
ſoll nach den bisherigen Sätzen weiter erhoben werden, in eiligen
Fällen der Bürgermeiſter ſelbſt entſcheiden. Die Art und Anzahl von
Karuſſells und ſonſtigen Luſtbarkeiten zu dem diesjährigen Gallusmarkt
wird zur Ausarbeitung der Marktkommiſſion überwieſen. Das Gen=
darmenhaus
iſt wegen Näſſe auf der Wetterſeite nicht bewohnbar. Das
zuſtändigen Hohbauamt ſoll über die Art der Inſtandſetzung und über
die Bezahlung der entſtehenden Koſten befragt werden. Ob Zuwachs=
ſteuern
und in welcher Höhe vom Grundbeſitz und Häuſern durch die
Gemeinde erhoben werden ſollen, wird wegen notwendigen Einnahmen
der Finanzkommiſſion überwieſen. Beſchloſſen wurde ferner eine
ganze Reihe gemeinnütziger Arbeiten ausführen zu laſſen und den
Waldwirtſchaftsplan eingehend durchzuſprechen.
Vom Vogelsberg, 7. Aug. Der Vogelsberg hat ſeine Kraft=
wagen
=Schmerzen. Ueberall ſehnt man ſich danach, dem Verkehr
angeſchloſſen zu werden, die Gemeinden wetteifern im Bewilligen der
Mittel miteinander und die Poſtbehörden zeigen das größte Entgegen=
kommen
bei Errichtung von Autopoſtlinien. Ueberall ſah man im letzten
Jahre den gelben Poſtwagen, wie er die Höhen ſpielend erklomm und
von jung und alt freudig begrüßt wurde. Die Bevölkerung fühlt
ſich mit den Städten und großen Verkehrszentven verbunden. Aber
Geldknappheit und Arbeitsloſigkeit legten ſich bald wie
ein kalter Froſt auf die jungen Unternehmen die Kraftwagen
rentieren nicht. Schließlich drang die Poſt auf Zahlung der
Garantieſumme ſeitens der Gemeinden, die ohnehin finanziell ſchlecht
ſtehen. So kam das traurige Ende einzelner Autolinien. Die Fahrten
gingen ein, die Gemeinden wurden ihrem Schickſal überl=ſſen. Die
Gemeinde Feldkrücken bei Ulrichſtein hatte eine Autohalle erbaut,
jetzt wird ſie verkauft.
* Aus Oberheffen, 9. Aug. Die Erntearbeiten ſind nunmehr
in vollem Gange. Das Ergebnis der Kornernte wurde weſentlich
beeinflußt durch die naſſe Witterung während der Blütezeit, trotzdem
dürfte die Roggenernte als eine mittelmäßige anzuſehen ſein. In der
Wetterau machte das Einernten des Roggens durch oft lagernde
Schläge Schwierigkeiten, da die Aecker mit der Hand abgemäht werden
mußten, und man die Maſchinen wenig benutzen konnte. Die Ernte iſt
hier auch beſſer ausgefallen, vom Morgen Wintergerſte wurden durch=
ſchnittlich
14 Zentner Körner erzielt. Weizen und Hafer reifen bei dem
naßkühlen Wetter nur langſam heran. An manchen Orten der Wetterau
iſt bereits ſchon die Dreſchmaſchine mit dem Dreſchen von Gerſte und
Roggen beſchäftigt.

[ ][  ][ ]

Nummer 221

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

Seite 7

Während der Bletzten Ausgerkauff stage gewähren
wir auf alle im Breise nicht reduzierten Waren

Mudel-Pfannen
12 u. 16 cm,emaill. 2St.
Milch-Töpfe
15 cm, emailliert,grau
oder braun . . . . .
Casserolen
2 Stück, 12 u. 14 cm,
emailliert . . . . . .
Kaffee-Kannen
emailliert . . . . ..
Wasser-Eimer
emailliert, 28 cm . .
Koch-Töpfe
16 cm, delft emaill.
Mudel-Pfannen
delft emaill., 18cm.
Kaffee-Kannen
emailliert, deltt . ..
3 Tassen
mit Untertass., Stroh-
muster
, echt Porz. .
Dessert-Teller
Strohm.,echtPorz.3St.
Tassen
mit Untert., Goldrd.,
echt Porzellan . . .
Obertassen
4 Stück, echt Porzell.
Satz Schüsseln
wB., 5St. i. Satz, Satz
Satz Schüsseln
bunt, 6 St. i. Satz, Satz
Kaffee-Service
9teilig, echt Porzell.

Essenträger
Aluminium . . .
Milchtöpfe
gestanzt, 12 cm .
Kehrschaufeln
emaill. . . . . . ..
Salatbestecke
Kunsthorn . . . . .
Kaffee-Mühlen
geschm. Werk . . .
Wand-Mühlen
Steingutbehälter.
Küchenwagen
mit Begulierschraube
Aermelbrekter
mit Moltonbezng.
Isolier-Flasche
24 Std. kalt od. warm
haltend . . . . .
Rasier-Garnikur
Stück ... . . . .

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weit unter Preis . . . jetzt Atr.
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Conpon à 2.30 Mtr. . . Conp. jetzt
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Maschinengarn Rolle 4 200 m, 10 Roll.
Taschentücher
Ia Batist, mit Hohlsaum, jetzt 12 St.
Damen-Hemden
Trägerf., teils br. Stick. 1.95, 1.75,
Dam.-Nachthemden
mit Stickerei od. Klöppelgarn. 3.50,
Dam.-Untertaillen
breite Stickerei .. . . . . . .
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mit Kragen, in allen mod. Farben
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grau Leinen, bedruckt . . . jetzt
Kaffee-Decken
110X140, Ia Onalität . . . . jetzt
Jumper-Schürzen
gemustert und gestreitt . .

Herren-Hosen
gestr., solide Qualität . . . jetzt
Metz-Jacken
jetzt
. .
Schlupfhosen
guter Trikot, alle Farben . . jetzt
Einsatz-Hemden
weiß. Trikot, Ripseinsätze . . jetzt
Sport-Stutzen
mit Bordute . . . . . . . jetzt
K’seid. Prinzeßröcke
in allen Farben . . . . . jetzt
K’seid. Schlupfhosen
verstärkter Schritt, alle Farben . .
K’seid. D.-Strümpfe
m. Naht, schwz. u. mod. Farben, jetzt
Damen-Strümpfe
schwz. u. farb, verst. Ferse u. Spitze
Schweiß-Socken
grau, bes. haltbare Gual. . . jetzt
Herren-Socken
mod. Karos und Streiten 0.95, 0.48,
Büstenhaiter
weiß, Trikot . . . . .
Hüftengürtel
weiß. Drell, 4 Strumpfhalter .
Pullovers
moderne Neuheiten .

Rabaft

Ausgenommen wenige
Markenartikel

Steintöpfe
Liter .. . . . . . . . . .
Einkoch-Apparate
kompl., m. Eins-Klam. u. Thermom.
Gießkannen
lackiert . . .
Fruchtpressen
verzinnt, Alexanderwerk
Haft-Beutel
mit Rinz, rein Leinen.
Eis-Maschinen
Alexanderwerk . . . . . . . 8.95,
Liege-Stühle Ia Jute-Bez.
Armlehne- u. Fußverlängerung 8.50,
Feld-Stükle
zusammenklappbar . . 1.85, 1.75,

Fenster-Leder
Ia Qualität . . . ..
-Bestecke
Solingen . . . Paar
Brofkasten
f. lack, viereckig ..
Wasch-Körbe
ganze Weiden, oral".
Besuchstaschen
echt Leder . . 1.75,

DARMSTADT LUDWIGSSTR

Verſteigerung von
Mobilien.

Freitag, den 13. ds. Mts., vor=
mittags
8 Uhr beginnend, und fol=
gende
Tage werden durch das unterzeich=
nete
Ortsgericht ſämtliche zum Nachlaß
der verſtorbenen Anna Müller in God=
delau
gehörigen Mobilien, beſtehend in
Möbeln, Betten, große Poſten Weißzeug,
Kleider und Haushaltungsgegenſtände.
Ferner verſchiedene Gaſtwirtſchaftsgeräte,
Tiſche, Bänke, Stühle, Flaſchen, Gläſer
uſw., vollſtändige Ladeneinrichtung mit
Theke, Regalen und dergl. öffentlich
meiſtbietend gegen ſofortige Zahlung
verſteigert.
Wirtſchaftsgeräte und Ladeneinrich=
tung
kommen am zweiten Tage zum
Verkauf.
(11596
Goddelau, den 10. Aug. 1926.
Heſſ. Ortsgericht Goddelau.
Hartung.

Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 altes braunes Portemon=
naie
mit 9 Mk. Eine Anzahl Schlüſſel und
Schlüſſelbund. 1 brauner Ledergürtel. Ein
braunes Handtäſchchen mit 2 Taſchentüchern
Buntſtifte uſw. 1 Herrenregenſchirm. Ein
farbiges Mäd henhütchen. 1 braune ge=
preßte
Aktenmappe mit grauer Strickjacke
(Ende Juli/, 1 violettblaues Marltnetz.
Trauring, gez. G. B. 3. 2. 26. 1 Draht=
ſchere
. 1 kleine braune Aktentaſche mit
über 4 Mk. Taſchentuch uſw. 1 Fahrrad
(Marke Solingen). 1 Photographenappa=
rat
1 kleines ſilbernes Halskettchen. Eine
Autokurbel. Zugelaufen: 2 Rehpinſcher.
1 junger dunkelgrauer Schäferhund. Ein
weißer Spitz. 1 Fox=Baſtard.

Verſteigerungs=Anzeige.
Am Donnerstag, den 12. Auguſt, nach=
mittags
3 Uhr, verſteigere ich in der frühe=
ren
Infanterie=Faſerne, Alexanderſtr. 22,
part., Zimmer Nr. 7, zwangsweiſe gegen
Barzahlung: 1 Bild mit Goldrahmen, eine
Underwood=Schreibmaſchine mit Tiſch,
Regulator, 1 Barometer, 2elektriſche Steh=
lampen
, verſchiedene Büro= und Meßge=
räte
, 2 Stück holzgeſchnitzte Ziergegen=
ſtände
, Bücher, verſchiedene Anzüge, ein
kleiner Grudeherd, 1 Vorſtecknadel, 1 Büh=
(*20747
nenvorhang.
Ziegler, Steuerſekretär.

Die auf Donnerstag, den 12. d. Mts.,
nachm. 21 Uhr, anberaumte Verſteige=
rung
im Pfandlokal, Ecke Dieburger=
und Mühlſtraße hier, wird hiermit auf=
gehoben
.
(st11591

Darmſtadt, den 10. Aug. 1926.
Dörr
ſtädtiſcher Pfandmeiſter.

Am Donnerstag, den 12. Auguſt
1926, vormittags 10 Uhr, verſteigere
ich im Verſteigerungslokale Luiſenſtr. 32
wangsweiſe meiſtbietend gegen Bar=
(11599
zahlung:
1 großen Poſten Stahlwaren, insbe=
ſondere
Raſiermeſſer, Taſchenmeſſer,
Beſtecke und dergl. mehr; außerdem
verſchiedene Möbelſtücke und Fahrräder.
Darmſtadt, den 11. Aug. 1926.
Glaſer
Stellvertr, des Gerichtsvollziehers
Weinheimer in Darmſtadt.

R
zu en gros=Preiſen, auch im Verſchnitt
111374a
J. König

Darmſtadt Eliſabethenſtraße 30

Verkäufe

dorm=
Biedeigeier
Kommode m. Glas=
aufſatz
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[ ][  ][ ]

Seite 8

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

Nummer 221

Reich und Ausland.
F*
Frankfurter Chronik.
WSN. Deutſche Photographiſche Ausſtellung
Frankfurt a. M. Seit der großen Internationalen photographi=
ſchen
Ausſtellung, die 1910 in Dresden abgehalten wurde, hat es in
Deutſchland keine umfaſſende Ausſtellung gegeben, die uns über die
Fortſchritte auf dem Gebiete der photographiſchen Technik in größerem
Umfange unterrichtet hätte. In weiteſtem Maße kommt dem die Frank=
furter
Ausſtellung nahe, die am 14. Auguſt auf dem Meſſegelände, und
zwar im Hauſe der Moden, eröffnet wird. Die Ausſtellung wird ſich
mit der Berufsphotographie, mit der Amateurphotographie, der wiſſen=
ſchaftlichen
Photographie, der photograhiſchen Reproduktionstechnik und
der photographiſchen Induſtrie beſchäftigen. Die Ausſtellung wird daher
keine rein bildmäßige ſein, vielmehr wird die Induſtrie in allen ihren
Zweigen, gleichgültig, ob es ſich um die Herſtellung von Apparaten, um
Papier= oder um Plattenfabrikation handelt, vertreten ſein. Die Ne=
produktionstechnik
wird mit dem beſten Material vorgeführt werden.
In derſelben Abteilung wird auch die Fernbildübertragung gezeigt wer=
den
und zwar wird Prof Korn perſönlich anweſend ſein, um ſeine
Erfindung zu erläutern. Im Ausſtellungstheater wird das Blumen=
wunder
gezeigt werden, das durch Tauſende von Aufnahmen das
Wachſen und Vergehen der Pflanzen zeigt. Alle Reproduktionsanſtalten
werden mit ihren beſten Erzeugniſſen vertreten ſein. Um den Beſuch
weiter anzuregen, wird jeder Beſucher im Farbenatelier ſein Bild koſten=
los
erhalten, außerdem wird jeder hundertſte Beſucher mit einem Pho=
tographenapparat
beglückt werden. Nächtliche Schlägerei.
Samstag nacht, gegen 10 Uhr, entſtand vor einer Wirtſchaft in der
Fahrgaſſe eine große Schlägerei, die einen nach vielen Hunderten zäh=
lenden
Menſchenauflauf verurſachte. Die Polizeibeamten waren teil=
weiſe
gezwungen, unter Anwendung von Gummiknüppeln die Ruhe und
Ordnung wiederherzuſtellen.
Rieſenbetrügereien in Leipzig.
TU. Leipzig. Die Kriminalpolizei nahm am Montag früh den
Kaufmann Paul Voigt, Inhaber des ſeit 50 Jahren beſtehenden, hoch
angeſehenen Papier= und Schreibwarengeſchäfts Max Noske, Nachfolger,
und den Prokuriſten dieſer Firma, Rudloff, feſt. Veranlaßt durch den
ſchlechten Geſchäftsgang hatte Voigt Darlehen aufgenommen und dafür
die Geſchäftseinrichtung und die Lagerbeſtände der Firma verpfändet.
Das war in 50 Fällen geſchehen, und es wurden jeweils auch von ſechs
Leipziger Bankhäuſern Darlehen in Höhe von 10 000 Mark gegeben. So
waren ſchließlich Einrichtung und Lager für zuſammen 400 000 Mk.
verpfändet, während ihr wirklicher Wert ſich auf höchſtens 160 000 Mk.
beläuft. Die Darlehnsgeber ſind um mindeſtens 240 000 Mk. geſchädigt.
Der Betrug kam dadurch heraus, daß zwei Darlehnsgeber ſich im Geſchäft
trafen, wo ihnen zu gleicher Zeit die Einrichtung verpfändet werden
ſollte.
Der Ausbrecher als Kriminalbeamter.
Berlin. In Salzwedel wurde der berüchtigte Ein= und Aus=
brecher
Kangſy, der wahrſcheinlich auch als Täter für die Dieb=
ſtähle
auf der Inſel Rügen in Frage kommt, feſtgenommen.
Kangſy iſt ſeit einigen Monaten aus dem Gerichtsgefängnis in Stendal
entkommen und hat ſeitdem eine ganze Reihe von Diebſtählen aus=
geführt
. Er konnte jedoch niemals ergriffen werden. Geſtern erkannte
ihn ein Polizeikommiſſar in eier Straße in Salzwedel und verhaftete
ihn. Hangſy hielt ſich bereits ſeit einiger Zeit in Salzwedel auf, wo
er ſich als Berliner Kriminalbeamter ausgab. Er gab zu, Einbrüche
ausgeführt und zur Zeit der Diebſtähle auf der Inſel Rügen ſich dort
aufgehalten zu haben.
Schwindel mit Kriegsgräberfürſorge.
DD. Berlin. Ein Mann, der ſich Dr. Köhler nennt, verſendet
an Banken, Kaufhäuſer und andere größere Geſchäfte Sammelliſten
einer angeblichen Volksgemeinſchaft zur Pflege unſerer Kriegergräber
e. V., Linkſtraße 16. Den Liſten liegt in einer grünen Mappe ein Schrei=
ben
bei, nach dem dieſe Vereinigung ſich die Aufgabe geſtellt habe, die
Kriegergräber im ehemaligen Feindesland einheitlich zu ſchmücken und
zu pflegen. Weil die Zuſchüſſe der Regierung nicht erreichten, ſo habe der
Mimiſter des Innern eine öffentliche Sammlung erlaubt, die urſprünglich
bis zum 15. Juni dauern ſollte, dann aber bis zum 21. Lktober d. J.
verlängert wurde. Eine Abſchrift der angeblichen miniſteriellen Er=
laubnis
liegt jeder Liſte bei. Während nun ſonſt bei derartigen Samm=
lungen
die Spender in der Regel gebeten werden, ihre Beiträge an eine
beſtimmte Stelle einzuſenden oder auf ein angegebenes Poſtſcheckkonto
einzuzahlen, bittet Dr. Köhler, einen Beauftragten der Volksgemein=
ſchaft
zu erwarten und ihm perſönlich den geſpendeten Betrag auszuhän=
digen
. Es erſchien nun auf einer Berliner Bank, die ebenfalls
das Rundſchreiben erhalten hatte, ein Mann unter dem Namen Dr.
Köhler, um eine Spende abzuholen. Der Bankkaſſierer aber, an den er
geriet, war mißtrauiſch und legte das Rundſchreiben mit der Sam
liſte und der Abſchriſt dem Schatzmeiſter des Volksbundes für deutſche
Kriegsgräberfürſorge vor, der zufällig auf der Bank zu tun gehabt hatte.
Dieſer erkannte ſofort, daß es ſich um einen Schwindel handelte, ſchon
daraus, daß für eine derartige Sammlung nicht der Miniſter des Innern,
ſondern der Wohlfahrtsminiſter die Erlaubnis zu erteilen hatte. Die
Abſchrift der miniſteriellen Erlaubnis erwies ſich dann auch als ge=
fälſcht
. Dr. Köhler, der wohl ſchon gemerkt hatte, daß man ihm nicht
traute, war verſchwunden, bevor man noch den Schwindel hatte feſt=
ſtellen
können. Die Kriminalpolizei hat den Schwindler noch nicht
gefunden.
* Das Hochwaſſer bracht es an den Tag.
Nicht immer tritt das Hochwaſſer am Rhein nur als ungebetener
Gaſt auf. Daß es auch einmal der deutſchen Sache einen guten Dienſt
erweiſen kann, davon legt folgende ſich kürzlich in St. Goarshauſen zu=
getragene
Begebenheit Zeugnis ab. Bei dem letzten größeren, um
die Jahreswende einſetzenden Hochwaſſer war der Rhein in St. Goars=
hauſen
auch in die damals von dem franzöſiſchen Kreisdelegierten
innegehabte Wohnung eingedrungen, wo es ein Aktenbündel flott
machte, das ſpäter im Rhein aufgefiſcht wurde. Das Bündel enthielt
neben anderem eine in deutſcher Sprache abgefaßte, mit dem franzö=
ſiſchen
Eingangsvermerk 21./11./23 No. 1519/1 verſehene Denunziation
(ohne Datum und Abgangsort) gegen den Steuermann Hugo Heller in
Caub a. Rh. Der Brief war von einem Julius Becker unter=
ſchrieben
und an den Kreisdelegierten in St. Goarshauſen adreſſiert.
Sein Inhalt verrät eine ſo niederträchtige, mit Dummheit gepaarte
gemeine Denkungsweiſe, daß man im Intereſſe des Deutſchtums davon
abſehen muß, ihn zu veröffentlichen. Der Denunziat wird darin ſtarker
antifranzöſiſcher Geſinnung bezichtigt und der Kreisdelegierte gebeten,
ihn aus Caub zu entfernen, denn er gehöre nach Algier, damit ihm dort
ſein Preußiſch=nationaler Patriotismus aus ſeinem tollen Schädel aus=
gebrannt
werde (ipsissima verba des Denunzianten). Dieſer Brief
wurde dem Lotſen Hugo Heller in Caub ausgehändigt. Einen Julius
Becker gibt es daſelbſt nicht. Wohl aber richtete ſich der Verdacht ſo=
fort
gegen den dortigen aus Separatiſtentagen ſattſam bekannten Lotſen
Johann Philipp Weber. Da deſſen Handſchrift eine auffallende, ſelbſt
dem Laienauge erkenntliche Aehnlichkeit mit der offenſichtlich verſtellten
Handſchrift des Julius Becker Briefes aufweiſt, wurde letzterer zu=
ſammen
mit Originalſchriftproben der Handſchrift Webers an das be=
kannte
Inſtitut für gerichtliche Chemie und Mikroſkopie, Prof. Dr. C.
Popp und Dr. H. Popp, zu Frankfurt a. M. zwecks Prüfung geſandt.
Das Inſtitut kam in der Zuſammenfaſſung ſeiner 9 Folioſeiten großen
ſchriftanalytiſchen Prüfungsabhandlung zu dem Urteil, daß die Schrift
des Schreibers der mit Julius Becker unterzeichneten Eingabe an den
Kreisdelegierten mit der Schrift des Joh. Phil. Weber in Caub weſens=
gleich
ſei. Der Befund ſpräche in keiner Weiſe gegen, ſondern mit großer
Wahrſcheinlichkeit für die Täterſchaft des Weber. Dieſe Wahrſcheinlich=
keit
ſei im vorliegenden Falle aber außerordentlich hoch zu bemeſſen.
Eine Fortſetzung der Unterſuchung wird aber leider unmöglich ſein, da
die Tat des Denunzianten unter den Schutz des Londoner Abkommens
fällt. Ergänzend ſei noch hinzugefügt, daß die franzöſiſchen Behörden
in dieſem Falle keinerlei Gebrauch von der Denunziation gemacht haben.
Nun hat der Lotſe Weber in Caub zur Entkräftung des gegen ihn
ausgeſprochenen ſchweren Verdachtes das Wort.
Die Helgoländer Feſttage.
Helgoland. Der Hauptfeſttag (Montag) der Hundertjahrfeier
des Nordſeebades Helgoland wurde mit Wecken in den Straßen des
Unterlandes eingeleitet. Um 9 Uhr fand die Enthüllung des Siemens=
denkmals
auf dem in Fahnen und Blumenſchmuck prangenden Platz vor
dem Nordſeemuſeum ſtatt. Der Vorſitzende des Denkmalausſchuſſes,
Erich Friedrichs, hielt die Gedenkrede auf den Gründer des Seebades
Jakob Andreſen Siemens, den die Heimatinſel in Wiedergutmachung
wegen an ihm begangenen Unrechts als ein Vorbild treuen Gemeinſinns
dankbar ehre. Zum Andenken an Siemens ſolle hinfort ein Jakob= wurde in den frühen Morgenſtunden des Sonntag ein Mord=
Andreſen=Siemens=Fonds geſchaffen und dazu verwandt werden, den überfall verübt, dem der Berliner Arzt Dr. Ernſt Gerlach zum
ten
alten bedürftigen Helgoländern einen ruhigen Lebensabend zu berei
Bürgermeiſter Wuoſig übernahm alsdann namens der Gemeinde das
Denkmal, das unter dem Reliefbild eines Helgoländer Fiſchers die In=
ſchrift
trägt: Dem großen Helgoländer Jakob Andreſen Siemens, dem
Gründer des Seebades Helgoland, gewidmet von den dankbaren Be=
wohnern
und Freunden der Inſel.
Nach der Kranzniederlegung dankte
ein Nachkomme des C f=ierten für die dem Gründer des Bades er= konnten Sonntag früh verhaftet werden. Der Mord hat in
wieſenen Ehrungen.

Puccinis letzte Ruheſtätte.
Entwurf der Puccini=Gruft.
Auf ſeinem früheren Landſitz Torre del
Lago, in dem Hauſe, wo er gelebt hat, ſoll
der große Meiſter der Töne ſeine endgültige
Ruheſtätte finden. Die Gruft wird Wand
an Wand mit ſeinem früheren Arbeits=
zimmer
bereitet werden, im übrigen bleibt
das Haus ſo, wie es Puccini verlaſſen hat,
und wird als Puccini=Muſeum eingerichtet
werden.

Zum Magdeburger Senſationsprszeß.
Diſziplinarverfahren gegen Amtsgerichtsrat Kölling.
Berlin. Wie den Blättern mitgeteilt wird, iſt durch Beſchluß
vom 7. Auguſt der Diſziplinarſenat des Oberlandesgerichts Naumburg
an der Saale das Diſzipliarverfahren gegen Kölling in Magdeburg
eröffnet worden.

Unterſuchungsrichter Kölling.
(Von unſerem Sonderzeichner gezeichnet.)

280 000 Mark unterſchlagen und auf der Rennbahn verſpielt.
Berlin. Um 280000 Mark iſt ein mittleres Bankhaus im Zen=
trum
der Stadt durch den Prokuriſten Pagel geſchädigt worden.
Er geriet ſeit Oſtern vergangenen Jahres immer tiefer in die Spiel=
leidenſchaft
und verwettete ungeheure Summen unterſchlagener Gelder
auf den Rennbahnen. Durch die Bücherfälſchungen verdeckte er zunächſt
die Veruntreuungen. Endlich aber ſah er keinen Ausweg, mehr und
legte geſtern bei der Kriminalpolizei ein umfaſſendes Geſtändnis ab
und wurde verhaftet.
Der Unglücksfall des engliſchen Unterſeebovtes H 29.
EP. London. Zu dem Unglück des Unterſeebootes H 29 werden
folgende Einzelheiten bekannt: Nach Vornahme von Reparaturen war
das Boot zu einer Probefahrt in See gegangen und kehrte dann nach
Plymouth in die Werft zurück. Als das Boot an der Quaimauer feſt=
machte
, bemerkte der Kommandant, daß es ſich achtern ſenkte. Ein im
Innern befindlicher Offizier rief den Leuten im Vorderſchiff zu, ſich zu
retten. Sie ſprangen heraus. Der Kommandant befahl dem zweiten
Offizier, Schotten zu ſchließen; es war jedoch ſchon zu ſpät. Der Offi=
zier
wurde durch den Waſſerdruck aus dem Boot herausgeſchleudert.
Noch während die Leute auf die Quaimauer zu kommen, verſuchten,
legte ſich das Unterſeeboot nach Steuerbord über und ſank. Der ganze
Vorgang dauerte nur anderthalb Minuten. Die Werft ließ ſofort das
Dock ſo weit leerpumpen, daß das Boot ſichtbar wurde. Ein weiteres
Auspumpen war mit Rückſicht auf zwei andere im Dock liegende Schiffe
nicht möglich. Es wurden Krahne aufgeſtellt, um das Boot zu heben.
Die Verſuche ſchlugen jedoch kurz vor Mitternacht fehl. Das Unglück
iſt auf Waſſereinbruch in die Achterteile des Bootes zurückzuführen.
Die nähere Urſache iſt noch nicht bekannt. Nach Angabe der Admirali=
tät
ſind fünf Menſchenleben zu beklagen.
Der Mordüberfall in Heringsdorf.

Dr. Ernſt Gerlach
Auf der Strandpromenade zwiſchen Heringsdorf und Ahlbeck
Opfer fiel. Dr. Gerlach begab ſich mit ſeiner Frau und ſeinem
Bruder in einem Wagen von Heringsdorf nach Ahlbeck, wo Dr.
Gerlach eine Villa beſaß. Der Wagen wurde auf der Strand=
promenade
von drei Ahlbecker Burſchen überfallen und Dr. Ger=
lach
mit einer Zaunlatte niedergeſchlagen und getötet. Die Täter
Heringsdorf und Ahlbeck größte Beſtürzung hervorgerufen.

= Vom Wiederaufbau unſerer Flotte.
Von Kapitänleutnant Ioachim Lietzmann.
Nachdem vor einiger Zeit der erſte nach dem Kriege fer=
tiggeſtellte
Torpedobootszerſtörerneubau, die Möve, von Stapel
gelaſſen worden war, wurden in dieſen Tagen auf der Wilhelms=
havener
Marinewerſt die drei nächſten Fahrzeuge dieſer Serie
ihrem künftigen Element übergeben. Wie die neue Möve, ſo
knüpfen auch ihre Namen an unſere große Vergangenheit an,
die ſomit in der Reichsmarine fortleben wird.
Seeadler, Greif, Albatros
Eine Zeit
eiſerner Not, aber auch unvergänglichen Ruhms ſteigt vor uns
auf. Wer kennt ſie nicht, die kühnen Fahrten des Seeadler
der unter ſeinem Führer Graf Luckner dem Fliegenden Holländer
gleich die Meere durchzog zum Schaden und Schrecken der Feinde!
Es war das Wikingerblut der tapferen Ahnen, das in der kleinen
Schar ſeiner Beſatzung, angeſichts unüberwindlich ſcheinender
Hinderniſſe lebendig war, bis ihrem Werk durch höhere Gewalt
ein Ziel geſetzt ward. Von der Flutwelle eines Seebebens in
der fernen Südſee auf ein Korallenriff geworfen, mußte das
wackere Schiff von der eigenen Mannſchaft verlaſſen und ge=
ſprengt
werden. Der Seeadlergeiſt aber lebte fort und ſchuf ſich
neue Möglichkeiten zum Schaden der Feinde.
Auch Greif iſt in der Marine kein unbekannter Name.
An den alten und ſchon vor dem Kriege ausrangierten gleich=
namigen
Kreuzer anknüpfend, trug ihn ſpäter ein Hilfskreuzer,
welcher der Möve gleich auf offenem Ozean den feindlichen
Handel ſchädigen ſollte. Leider war ihm nur eine kurze Lebens=
dauer
beſchieden. Anfang 1916 auf der Ausreiſe in den Atlantik
begriffen, ſtieß er bereits unweit der norwegiſchen Küſte auf
ſtark überlegene engliſche Flottenſtreitkräfte. Der Ausgang konnte
nicht zweifelhaft ſein. Nach mehrſtündiger tapferer Gegenwehr
erlag er der Uebermacht, doch nicht ohne den weſentlich größeren
und ſtärker bewafſneten britiſchen Hilfskreuzer Alcantara mit
ſich in die Tiefe genommen zu haben.
Der Name Albatros endlich läßt den einſam waldigen
Saum einer fernen Küſte vor unſerem Auge erſtehen. Bei
Oeſtergarn, an der Oſtſeite der ſchwediſchen Inſel Gotland, fand
hier im Sommer 1915 das Minenſchiff Albatros nach helden=
mütigem
Gefecht mit fünf ruſſiſchen Panzerkreuzern ſein Ende,
deren ſchwerer Artillerie er nur das Feuer ſeiner leichten Geſchütze
gegenüberzuſtellen hatte. Ein ſchlichtes Denkmal erinnert heute
an jenen Tag, da ruſſiſche Granaten neutralen Boden verletzten
und ein wehrlos gewordenes Wrack zerriſſen.
So ſind die jüngſten Schiffe unſerer Marine zu Trägern
würdiger Namen auserſehen. Der Geiſt, der aus ihnen ſpricht,
wird auch ihre Beſatzungen erfüllen, dem altbewährten Geiſt der
ſchwarzen Kunſt getreu, und der Welt zum Zeichen, daß die
Großtaten unſerer auf hoher See gebliebenen Kameraden unver=
geſſen
bleiben.
Die Ausmaße der drei neuen Zerſtörer gleichen denen der
Möve‟. Die Bewaffnung beſteht aus mehreren 10,5 Zentimeter=
Geſchützen und 50 Zentimeter=Torpedorohren. Die Waſſerver=
drängung
beträgt 800 Tonnen.
Der Umſtand, daß uns der Verſailler Zwangsvertrag in
dieſer Hinſicht ſtark hemmende Beſchränkungen auferlegt,muß
im Hinblick auf andere große Nationen bitter empfunden werden.
Und dennoch! Unſer Wille nach Seegeltung, nach Beteiligung
an dem Treiben auf dem freien Meere, dem Lebensnerv unſeres
Volkes, kann durch keinen noch ſo drückenden Vertrag gebrochen
werden. Und wem heute der Anblick der ſchmucken grauen Fahr=
zeuge
zuteil wird, wer Zeuge ſein darf, wie das Werk rüſtig der
Vollendung entgegenſchreitet und wie ſich im Hintergrunde be=
reits
maſſig der Rumpf eines neuen Kreuzers auf der Helling
ſtreckt, dem wird es zur frohen Gewißheit, daß die ſchwarzen
Tage des Niederganges, da auf deutſchen Werften ſich in qual=
voller
, negativer Abwrackarbeit die Berge roſtiger Schiffstrüm=
mer
häuften, endgültig vorüber ſind. Die munteren Hammer=
ſchläge
, unter denen ſich in altbewährter, vortrefflicher Handfer=
tigkeit
der Stahl zu kunſtvollen Bauten modernſten techniſchen
Erſinnens und Könnens zuſammenfügt, ſind ein untrügliches
Zeichen der Selbſtbeſinnung und des Fortſchreitens der Ge=
ſundung
. Nur ſo war es möglich, das bereits im Kriege be=
gonnene
jedoch erſt ſpäter vollendete Vermeſſungsſchiff Meteor
ſeiner Beſtimmung im Südatlantik zuzuführen und ſomit die
Marine der Wiſſenſchaft dienſtbar zu machen. Und nur ſo auch
konnte, abgeſehen von den jetzigen Zerſtörerbauten, ein Bau wie
die Emden geſchaffen werden, der gegenüber der Vergangenheit
weſentliche Verbeſſerungen in ſich birgt.
Zwei weitere Zerſtörer harren in den kommenden Wochen
ihres Stapellaufs, ſo daß noch vor Anbruch des nächſten Früh=
jahrs
Flagge und Wimpel über ſechs modernen Zerſtörern, ein=
ſchließlich
der Möve, wehen werden, für welche dann eine der
augenblicklich in Dienſt befindlichen, materiell überalterten Halb=
flotillen
ausrangiert werden kann. Wie bekannt, hat vor einiger
Zeit der Reichstag den notwendigen Neubau einer weiteren, aus
fünf Zerſtörern beſtehenden Halbflotille bewilligt.
Mögen die Schiffe immer Beſatzungen haben, die ſich der
hohen Aufgabe und der Verantwortung bewußt ſind. Mögen die
Schiffe immer in der Lage ſein, zur Hebung des deutſchen An=
ſehens
im Auslande beizutragen. Möge, wenn es gilt, gegen
den Feind zu fahren, jede Unternehmung ein Erfolg und jeder
Torpedo ein Treffer ſein! So ſchloß Vizeadmiral Bauer, im
Kriege langjähriger Führer der U=Boote, ſeine Taufrede.

(I L.10407
Du darfſt
die Pflege deines Körpers nicht vernachläſſigen, wenn dir deine
Geſundheit wertvoll iſt. Deshalb mußt du darauf bedacht ſein,
Erkältungen, wie ſie durch Schweißfüße beſonders leicht verurſacht
werden, zu verhüten. Das geſchieht ſicher und ſchnell durch Auwendung
des Vaſenol=Fuß=Puders, der den Schweißfuß ſofort beſeitigt.

[ ][  ][ ]

Nummer 221
*Das Siudentenparlament.
Ein Nachwort zu Bonn.
Von Dr. Friedrich Kruſpi, Berlin.
Alljährlich nur einmal tritt das große deutſche Studenten=
parlament
zu einer Seſſion von nur wenigen Tagen zuſammen.
Es iſt die Vertretung aller deutſchen Studenten an den Hoch=
ſchulen
des deutſchen Sprachgebietes und das oberſte Organ
ihres Geſamtverbandes, der Deutſchen Studentenſchaft‟. Daß
dieſer ſtudentiſche Staat auch für die weitere Oeffentlichkeit nicht
ohne Bedeutung und Intereſſe iſt, geht ſchon aus der Zahl
ſeiner Abgeordneten hervor: der diesjährige 9. Deutſche Stu=
dententag
, der vom 30. Juli bis 5. Auguſt in Bonn ſtattfand,
war von 76 Hochſchulen mit 160 Stimmführern beſchickt, die
114000 deutſche Studenten vertraten. Der Vergleich mit einem
Parlament mag zunächſt nur humorvoll wirken, er entbehrt aber
leider! einer gewiſſen Berechtigung nicht, weil die üblen
Seiten des deutſchen Parlamentsweſens auch auf dem Studen=
tentag
in Erſcheinung traten. Gerade für den, der in der ſtuden=
tiſchen
Selbſtverwaltungsarbeit ein Stück Vorbereitung auf eine
ſpätere Führerſtellung im Volke und ein Element ſtaatsbürger=
licher
Erziehung ſieht, iſt das Erlebnis dieſes Studententages
beſonders unerfreulich geweſen, wenn er ſich zu der nationalen
Mehrheit der Studentenſchaft bekennt. Es wäre falſch und der
Sache nicht dienlich, wollte man die ſtarken Differenzen und
politiſchen Zwiſchenfälle von Bonn, die ohnehin bekannt ſind,
mit dem Mantel der Nächſtenliebe zudecken und zu beſchönigen
verſuchen. Die Bonner Tagung bedarf vielmehr gerade der
nationalen Sache willen einer offenen Kritik.
Handelte es ſich nur um Aeußerlichkeiten wie endloſe
Eeſchäftsordnungsdebatten und die Handhabung der Abſtim=
mungsmaſchine
im Galopp, die den Vergleich mit einem Par=
lament
nahelegen, ſo könnte man es noch wohlwollend mit
Schiller halten: Wie er ſich räuſpert und wie er ſpuckt, das
habt ihr ihm glücklich abgeguckt. Was aber den Geiſt dieſes
Studententages dem deutſchen Parlamentarismus ſo verzweifelt
ähnlich werden ließ, war mehr. Es war der Flaggenſtreit
dieſe Frucht der innerpolitiſch folgenſchwerſten Tat der Weimarer
Nationalverſammlung, die durch die Abſage an Schwarz=Weiß=
Rot die deutſche Geſchichte fälſchte. Auch das Studentenparla=
ment
iſt nun über die Flaggenfrage in eine Mehrheit für Schwarz=
Weiß=Rot und eine Minderheit für Schwarz=Rot=Gold zerfallen.
So tief iſt dieſer Zwieſpalt, daß die Mehrheit nicht einmal der
Mahnung ihres ſelbſt gewählten Führers zur Achtung und
Ehrung auch der Flagge der Minderheit zu folgen vermochte,
daß ſie vielmehr am Begrüßungsabend zwar das Deutſchland=
lied
noch mit der Minderheit zuſammen ſingen zu können glaubte,
dann aber das eben geſungene Einigkeit und Recht und Frei=
heit
durch demonſtratives Verlaſſen des Saales ſofort widerrief.
Dieſes beſchämende Schauſpiel iſt Leitmotiv des Studententages
geworden. Durch alle Verhandlungen zog ſich der Flaggenſtreit.
Selbſt die Rheinlandkundgebung auf dem Drachenfels ſah keine
einige deutſche Studentenſchaft, ſondern die Mehrheit und die Min=
derheit
getrennt um ihreFlaggen geſchart, was neuen willkommenen
Stoff zu Anfragen, Erwiderungen und übler Polemik gab. Wei=
tere
Nahrung gab den Leidenſchaften die Erörterung des Falles
Leſſing. Es war zweifellos ein Mißgriff, dieſen Fall ausge=
rechnet
durch den Führer der Studentenſchaft Hannover im
Kampf gegen Leſſing behandeln zu laſſen, zumal er mehr eine
Satire als eine objektive Schilderung der Vorgänge gab. So bot
der Studententag in faſt allen ſeinen Verhandlungen mit poli=
tiſchen
Debatten, die nicht zu ſeiner Aufgabe gehörten, ein un=
würdiges
Bild deutſcher Zwietracht und parlamentariſcher
Demagogie.
Es muß anerkannt werden, daß die Minderheit ſich zweifel=
los
einwandfreier hielt und oft das Richtigere traf als die Mehr=
heit
. So beantragte ſie, das Leſſing=Referat abzuſetzen und durch
den Vorſitzenden der Deutſchen Studentenſchaft im Rahmen
ſeines Tätigkeitsberichtes erſtatten zu laſſen, ohne daß der Stu=
dententag
dazu Stellung nehmen ſollte, da der Fall ja bekannt=
lich
erledigt iſt. Die Mehrheit aber wollte offenbar auf ihren
Triumph und die Gelegenheit eines Vorſtoßes gegen den preußi=
ſchen
Kultusminiſter nicht verzichten. Auch in der Flaggenfrage
war die Haltung der Minderheit gegenüber Schwarz=Weiß=Rot
durchaus lohal, während die Mehrheit ſolche Loyalität wieder=
holt
vermiſſen ließ.
Es iſt zu bedauern, daß politiſche Momente in ſo ſtarkem
Maße den Studententag zu beherrſchen vermochten. Erſte Vor=
ausſetzungen
eines Deutſchen Studententages ſollten das akade=
miſche
Prinzip für alle Verhandlungen und die Beſchränkung
auf die Arbeitsgebiete der ſtudentiſchen Selbſtverwaltung ſein.
Das akademiſche Prinzip verlangt Burgfrieden in politiſchen
Dingen, Anerkennung gegenſätzlicher Anſchauungen und ſtrenge
Sachlichkeit in der Verhandlungspraxis. Mehrheit und Minder=
heit
darf es auf Studententagen nur in hochſchulpolitiſchen Fra=
gen
geben. Wenn ſeit dem Berliner Studententag 1925 die
Minderheit ſo erſtarken konnte, wie es in Bonn offenbar wurde,
ſo muß ſie von der Mehrheit, die allein durch mangelnde Aktivi=
tät
an den einzelnen Hochſchulen die Minderheit in dieſem Maße
großgezogen hat, gemäß der demokratiſchen Grundlage der Orga=
niſation
Deutſche Studentenſchaft auch geduldet und ſachlich
gewertet werden, anſtatt ſie zu provozieren und rückſichtslos
niederzuſtimmen, wie es in Bonn geſchah. Denn auf die Dauer
wird ſich die nationale Mehrheit nur durch die beſſere Leiſtung
in der ſtudentiſchen Arbeit, nicht aber durch politiſche Winkelzüge
halten können.
In ſolcher politiſchen Kampfſtimmung mußte die ſachliche
Arbeit des Studententages zu kurz kommen. Die drei Referate
von Hochſchullehrern über das deutſche, das engliſche und das
romaniſche Hochſchulweſen ſollten die Grundlage zu ernſten Be=
ratungen
über die Hochſchulreform werden. Die Verhandlungen
ſind in den fachlich gebildeten Ausſchüſſen ſtecken geblieben, ohne

Mittwoch, den 11. Auguff 1926
zu den erwarteten großen Ausſprachen vor dem Plenum zu
führen. Es war ein Konſtruktionsfehler dieſes Studententages,
das Hochſchulproblem den Fachausſchüſſen zu überweiſen, da
diefe das Problem immer nur fachlich differenziert unter dem
Geſichtspunkt ihrer ſpeziellen Diſziplin zu ſehen vermögen, ohne
das notwendige Verhältnis zur Totalität des Bildungsproblems
zu gewinnen. Es wird notwendig ſein, dieſe Lebensfrage der
deutſchen Hochſchule einmal außerhalb eines Studententages in
einem ausgewählten Kreiſe kongenialer Studenten und Pro=
feſſoren
zu behandeln. Auch die Ausſchüſſe für die einzelnen
ſtudentiſchen Arbeitsgebiete, wie Pflege der Leibesübungen,
Wirtſchaftshilfe, Auslandsarbeit, politiſche Bildung, ſoziale Er=
ziehung
, akademiſches Preſſeweſen, ſtudentiſche Ehrenordnung
uſw. vermochten unter dem Eindruck der politiſchen Differenzen.
keine weſentliche Arbeit zu leiſten. Von den 6 Verhandlungstagen
ſtanden nur etwa 10 Stunden unter Zuhilfenahme einer Nacht=
ſitzung
für die Beratung der Ausſchußarbeiten vor dem Plenum
zur Verfügung, auch dieſe mehrfach unterbrochen durch politiſche
Debatten. So muß das ſachliche Ergebnis des Studententages als
äußerſt dürftig bezeichnet werden.
Für die Zukunft werden zwei Fragen die akademiſche
Oeffentlichkeit beſchäftigen. Der Studententag hat den Kopf=
beitrag
, den die Einzelſtudentenſchaften an die Spitzenorgani=
ſationen
abzuführen haben, wiederum auf 75 Pfg. feſtgeſetzt, ob=
wohl
der preußiſche Kultusminiſter bekanntlich den Beitrag zu
Beginn des Sommerſemeſters auf 50 Pfg. herabgeſetzt hat. Es
bleibt abzuwarten, welche Folgen aus dieſer Kampfanſage der
Studentenſchaft an das Miniſterium erwachſen werden. Sodann
wird die badiſche Frage von großer Bedeutung werden. Der
Studententag hat beſchloſſen, daß die Studentenſchaft Heidelberg
aus der Deutſchen Studentenſchaft ausgeſchloſſen werden ſoll,
wenn ſie nicht bis zum 1. Januar 1927 ihre Verfaſſung, die gegen
die Satzung der D. St. verſtößt. abgeändert hat. Damit iſt die
Grundfrage der Verfaſſungskämpfe von 1921/22, der Modus der
Mitgliedſchaft, erneut aufgerollt worden. Nach der Einſtellung
der Heidelberger Studentenſchaft und des badiſchen Miniſteriums
iſt damit zu rechnen, daß der Ausſchluß Heidelbergs unvermeid=
lich
wird und damit der Wiederbeginn der Verfaſſungskämpfe
gegeben iſt.
In Bonn hat der ſtudentiſche Staatsbau einen empfindlichen
Stoß erlitten. Der neu gewählte Vorſtand der D. St. unter der
Führung des Sudetendeutſchen cand. ing. Thon=Brünn wird
die ſchwere Aufgabe haben, in dem Jahre bis zum Studenten=
tag
1927 die Studentenſchaft von dem Gebiet der Politik ſo weit
zur ſachlichen Arbeit zurückzuführen, daß der Beſtand der Orga=
niſation
geſichert iſt. Denn der Geiſt von Bonn muß zwangs=
läufig
zur Auflöſung der Organiſation aus ſich heraus oder auf
Staatsinitiative führen.
Profeſſor Frobenius durchquert die Aubiſche Wüſte.

Prof. Leo Frobenius, der berühmte Münchener Geograph und
Afrikaforſcher, der ſich ſeit mehreren Monaten auf einer Afrika=
Expedition befindet, hat ſoeben die erſte Etappe ſeiner Reiſe, die
Durchquerung der Nubiſchen Wüſte, beendet. Die wiſſenſchaft=
lichen
Ergebniſſe der Frobenius=Expedition ſind ſehr bedeutend.
Prof. Frobenius entdeckte ganz unbekannte Gebiete und fand
zahlreiche Werke primitiver Felsbildkunſt von hohem kunſt=
geſchichtlichem
Intereſſe.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Donnerstag, den 12. Auguſt 1926.
Die erwartete Störung der Schönwetterlage hat ſich noch verzögert
da das die Wetterlage beherrſchende Hochdruckgebiet nur langſam zurück=
weicht
. Starker Druckfall in Weſteuropa deutet jedoch darauf hin, daß
dort ein Regengebiet jetzt ſchneller an Raum gewinnt und öſtliche Zug=
richtung
annimmt, die durch die ſtarke Erwärmung der Luftmaſſen über
Mitteleuropa begünſtigt wird.
Heſſiſche Oeffentl. Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung: . V. Max Sireeſe
Verantwortlich
* Politik und Wirtſchaft: i. V. Andreas Bauer
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe
Verantwortlic
ür Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für den Schlußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle.
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.

Seite 9
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Dir De Zufſentlichungen unter dieſer Ueberſchriſt übernimmt die Redoltion keineriet Der
Dortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfangs
der Cfnder veranwwortlſch.) Einſendungen, die nicht verwendet werden, fönnen nicht
zurückgeſandt, die Ablebnung nicht bearändet werden.
Letzten Samstag wollte ich meine ſtaatlichen Steuern in der In=
fanteriekaſerne
bezahlen, da hieß es, die Kaſſe iſt geſchloſſen. Am Mon=
tag
wollte ich bezahlen, da ſtand angeſchlagen: Jeden Samstag und
2. des Monats iſt die Kaſſe geſchloſſen‟. Dieſe Ausnahmetage ſollte
man deutlich auf dem Steuerzettel zum Ausdruck bringen. Da in=
deſſen
wohl hinreichend Hilfskräfte zur Verfügung ſtehen und quittieren
können, ſo ſollte man in unſerer Stadt an jedem Werktag ſeine
Steuern zahlen können, wie dies ja auch bei der Stadtkaſſe der Fall iſt.
Verbot der Hausweinbereitung.
Die Pfälzer Winzewerbände haben an den Reichstag einen
Antrag gerichtet: beſchleunigt ein Reichs=Obſtweingeſetz zu erlaſ=
ſen
, laut welchem die Hausweinbereitung mit ſofortiger Wirkung
in Anbetracht der übergroßen Obſternte verboten werden ſoll!
Laut gutachtlichen Aeußerungen von Weinbaugrößen hat
nämlich die Hausweinbereitung mit Vierkahefen einen geradezu
unglaublichen Umfang angenommen und bedroht den ſchon ſo
ſchwer um ſeine Exiſtenz ringenden Weinbau auf eine gefähr=
liche
Weiſe, zumal da viele der früheren Traubenweintrinker ſich
ganz vom Traubenwein ab= und dem viel billigeren ſogenannten
Vierkawein zugewendet hätten. Ob der Reichstag dieſem Anſin=
nen
ſtattgibt, ob das Volt, deſſen Vertreter der Reichstag iſt,
auch dieſes auf ſich nimmt, das werden die nächſten Wochen leh=
ren
! Jedenfalls ſoll nachſtehend ein Rezept veröffentlicht wer=
den
, das jedermann beſchleunigt erproben ſoll, und muß, um
dann mit abſtimmen zu können, ob er weiter ſich im Haus ein
billiges, wohlſchmeckendes und wohlbekömmliches, weinähnliches
Getränk herſtellen darf oder nicht:
Zur Herſtellung von 25 Litern eines ſolchen weinartigen Ge=
tränkes
nimmt man 15 Liter Saft aus baumreiſen oder aus Fall=
äpfeln
. Hinzu gibt man 10 Liter kochendes Waſſer. Nach
dem Abkühlen gibt man ein Päcklchen Vierka=Bernkaftler=Hefe (in
den Apotheken und Drogerien für 45 Pfg. erhältlich) hinzu. Nach
24 Stunden wimmt man 2 Liter von dieſem Anſatz, kocht ihn
mit 5 Pfund Zucker auf und ſetzt dieſen Zuckerſaft nach dem
Erkalten zu dem Anſatz hinzu. Dann füllt man nach den An=
gaben
des Das neue Weinbuch (Verlag Sauer, Gotha, Preis
25 Pfg.) in die Gärflaſchen und läßt 4 Wochen unter Gärver=
ſchluß
ſtehen.
An Stelle der Bernkaftler=Hefe kann man auch Vierka= Lieb=
frauenmilchhefe
verwenden (ebenfalls 45 Pfg.), dann muß man
aber 2 Pfund Zucker mehr nehmen!
Friedrich Sauer, Gotha.
II. Mg. 11595

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 11. Auguſt. 12: Uebertr. des Promenadenkonzertes
am Lachhannes. Beck: Carmen=Marſch. Suppe: Ouv. Ein Mor=
gen
, ein Mittag, ein Abend in Wien. Verdi: Fant. Rigoletto.
Jeſſel: Der Roſe Hochzeitszug, Charakterſtück. Ziehrer: Donau=
ſagenwalzer
. Ausf.: Harmonieorch, des Frankf. Orcheſtervereins.
O 3.30: Aus dem Buch der Sage und Geſchichte. Herr Rektor
Wehrhan: Die glänzende Kirchenverſammlung zu Paderborn im
Jahre 785 (für Kinder vom 10. J. ab). O 4.30: Hausorch. Ope=
rettenmuſik
. Nedbal: Hören Sie, wie es ſingt und klingt, Walzer=
lied
a. Polenblut. O. Strauß: Aus Die Perlen der Kleo=
Jeſſel: Potp. Poſtmeiſterin Eysler: Walzer aus
patra‟
Das Zirkuskind. Lehar: Potp. Frasquita Fa l: Walzer
a. Die Roſe von Stambul. Stolz: Marſch a. Das Glücks=
mädel
O 6.15: Sprachen und Literaturen der Malaien und
Polyneſier von Dr. Schütz. O 6.45: Die Erſchließungsge=
ſchichte
der Alpen 1, von W. Lehner, Regensburg. O 7.15: Steno=
graphie
. O 7.45: Italieniſch. O 8.15: Der große und der kleine
Drama von G. af Geijerſtam. Ausf.: Mitgl. Frankf.
Klaus
Bühnen.
Siuttgart.
Mittwoch, 1I. Auguſt. 3: Jugendſtunde: Mitw.: Theodor und
Helene Brandt. O 4.15: Konzert. Fabiani: Venezia, Marſch.
Leoncavallo: Briſe de mer. Fant. Der Bajazzo. La Mattinata.
H. Wolf: Ital. Serenade. Eml.: Erich Baudiſtel. Gomes:
Ouv. Der Sturm. Leoncavallo: Herbſtſtimmung. Serenade.
Poncielli: Stundentanz.
6.15: Engliſch. O 6.45: R. Formis:
Die Röhre als Detektor. O 7.15: Friedrich Ege: Herkunft und Be=
deutung
der deutſchen Perſonennamen. O 8: Unter vier Augen
Luſtſpiel von Ludwig Fulda. Perſ.: Dr. Volkart, Arzt: Max Heye.
Hermine, ſ. Gattin: Elſe Frommer. Baron von Berkow: Fr. Schaf=
heitlin
. Baumann, Diener: L. Puſchacher. Lotte, Kammermädchen:
Hildegart Gerber. O 9.30: Luſtiger Abend. Leiter: Guſtav Jacoby,
Vortragsmeiſter vom Rhein
Berlin.
Mittwoch, 11. Auguſt. 6: Gymnaſtik (39. T.) O 12: Ueber=
tragung
der Verfaſſungsfeier aus dem Reichstag. O 3: Die Funk=
prinzeſſin
erzählt: Märchen für unſere Kleinſten. O 5: Funk=Kapelle.
Mozart: Ouv. Baſtien und Baſtienne Schubert: Ballettmuſik
aus Roſamunde‟. Borldin: Steppenſkizze aus Mittelaſien,
Brahms: Ung. Tänze. Bruch: Kol Nidrei (Cello=Solo).
Zilcher: Serenade. Moſzkowsi: Tanz der Roſenelfen. Fetras:
Erinnerung an Joſef Strauß. 7: Kapellmeiſter Kellermann:
Kulturgeſchichtliche Betrachtungen über hebräiſche Geſänge und Melo=
dien
. O 7.30: Rechtsanwalt Brumby: Der neue Mieterſchutz,
O 8.30: Funkorcheſter. Haydn: Sinfonie C=dur. Mozart: Kon=
zert
A=dur (Albrecht Lüer, Flügel). Beethoven: Ouv. Leonore‟.
Königswuſterhauſen. Mittwoch, 11. Auguſt. Ab 8: Uebertr. der
preuß. Verfaſſungsfeier. O 11: Uebertr. d. Verfaſſungsfeier aus dem
Reichstag. O 1.10: Lektor Grander u. Walinski: Franzöſiſch für
Schüler. O 3: Stud.=Rat Friebel u. Lektor Mam: Engliſch für
Anfänger. O 3.30: Dieſelben: Engliſch für Fortgeſchrittene. O
Stud.=Rat Dorner: Intereſſe und Begabung der Mädchen f. Mathe=
matik
. O 4.30: Mitt, des Zentralinſtitutes. O 5: Dr. Max Winckel:
Entſtehung und Beſtandteile unſerer Nahrung.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

[ ][  ][ ]

Seite 10

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

Nummer 221

Meiſter und Meiſtermannſchaften des Sports.

Der füddeutſche Waſſerballmeiſter

Berges

Fink Berges. Federlin Kemmer Orlemann Gils Ihrig

Dingeldeh

für Leibesübung. Für die Vervollllkommnung in praktiſcher und wiſſen=
ſchaftlicher
Hinſicht war dieſes neue Arbeitsgebiet von entſcheidender
Bedeutung. Die deutſchen Meiſterſchaften in Hamburg 1921 zeigten das
recht eindrucksvoll. Kugelſtoßen neue Beſtleiſtung von 13,47 Metern
und die zweite Meiſterſchaft im Weitſprung von 7.14 Metern. Der
Länderkampf in Baſel ſah den Doppelmeiſter erneut ſiegen. Die Beru=
fung
Söllingers an die Hochſchule Darmſtadt fel in das Jahr 1922, ſeit
dieſem Zeitpunkt datiert an unſerer Hochſchule der Studentenſport.
Söllingers Tätigkeit in der Darmſtädter Studentenſchaft und an den
Anlagen der Techniſchen Hochſchule zu würdigen, würde über den Rahmen
des kurzen Abriſſes der Sportgeſchichte gehen und muß einer beſonderen
Abhandlung vorbehalten bleiben.
Die erſten Kampfſpiele 1922 in Berlin ſahen Söllinger als Sieger
im Kugelſtoßen gegen ſeine Landsleute Haymann und Geher.
Der Länderkampf DeutſchlandSchweiz regiſtriert wiederum den
Darmſtädter als Sieger im Kugelſtoßen. Das Jahr 19B3 war mit dem
Abſchluß=Examen auf der Hochſchule für Leibesübung ausgefüllt, ſo daß
wir 1924 erſt wieder von Söllinger hören. Die Leiſtungshöhe iſt aus
folgenden Reſultaten erſichtlich: Jena: Weitſprung 7,14 Meter; Kugel=
ſtoßen
13,62 Meter. Das Frühjahr 1925 begann erfolgreich und gipfelt
in dem Rekord von 14,33 bei den Meiſterſchaften in Berlin. Bei
den II. Deutſchen, Köln 1926, konnte Darmſtadt Söllinger erneut als
Sieger empfangen. Damit ſind wir bei der Gegenwart angelangt und
geben der feſten Hoffnung Ausdruck, daß Söllinger noch auf Jahre
hinaus dem Namen Darmſtadts im deutſchen wie im internationalen
Sportleben Geltung verſchafft. Daß er ſelbſt mit dieſem Vorſatz
lebt, gibt uns für die Zukunft noch manches zu erwarten.
Eine kurze Ueberſicht der bisher erzielten Leiſtungen möge dieſe
Ausführungen beſchließen:
100 Meter: 11,6 Sekunden; 110 Meter Hürden: 17,8; Weit=
ſprung
: 7,15 Meter; Hochſprung: 1,70 Meter; Stabhoch: 2,80 Meter;
Kugelſtoßen: 14,55 Meter; Diskuswerfen: 39,30 Meter; Speer=
werfen
: 55 Meter.

Dank der unermüdlichen und aufopfernden Tätigkeit der
Sport= und Turnvereine hat Darmſtadt in den letzten Jahren
auf dem Gebiete der Leibesübungen eine Entwicklung durchge=
macht
, die es eine Sonderſtellung in Süddeutſchland, wenn nicht
in ganz Deutſchland einnehmen läßt. Es gibt keine Stadt von
der Größe Darmſtadts, die ſo viele Meiſter und Meiſtermann=
ſchaften
aufzuweiſen hat, in der in ſtiller Arbeit die ſportliche
Ausbildung und Erziehung in dem Maße betrieben würde wie
bei uns. Wir dürfen ſtolz darauf ſein und ſollen es ſein. Ehren,
nicht verehren wir wiſſen uns frei von jedem Kult wollen
wir heute die Männer, die durch die Erringung der ſüddeutſchen
vder der deutſchen Meiſterwürde, durch ihre ſportlichen Leiſtungen
ihrer Vaterſtadt einen Namen, zum Teil ſogar internationalen
Ruf verſchafft haben. Das Studium ihres ſportlichen Werde=
gangs
ſoll uns aneifern, es ihnen nachzutun.
Wir eröffnen damit einen Zyklus von Aufſätzen, in denen
alle von Darmſtädter Vereinen betriebenen Gebiete des Turnens
und Sports zu Wort kommen ſollen, die uns die Entwicklung
der einzelnen Sportzweige und ihren augenblicklichen Stand vor
Augen führen, die uns aber auch das dürfte das Wichtigſte ſein
neue Wege weiſen ſollen. Wir ſind ſicher, daß alle Turner und
alle Sportsleute dieſe unſere Abſicht freudig begrüßen und ſie unter=
ſtützen
werden. Wir hoffen, daß wir durch das aktive Eingreifen
in die Sportbewegung die Führer in ihrer nicht immer leichten
Arbeit unterſtützen. Wir wollen aber auch mit rückſichtsloſer
Offenheit die beſtehenden Mängel aufdecken und ſie beſeitigen
helfen. Dabei rechnen wir auf die Mitarbeit all derer, denen es
ernſt iſt mit ihrem Willen, an der körperlichen Ertüchtigung
unſeres Bolkes mitzuarbeiten.
Friedel Berges ſportlicher Lebenslauf.
Wenn ich die Zeit meines erſten erfolgreichen Auftauchens in der
1. Seniorenklaſſe des Deutſchen Schwimmverbandes und den Zeitpunkt
meiner erſten ſportlichen Betätigung bedenke, ſo liegt zwiſchen dieſen bei=
den
Daten ein Zeitraum von nahezu 7 Jahren. Das iſt eine Tatſache die
wohl den wenigſten bekannt ſein dürſte, und damit dürſte auch dem
Gerede, daß ich mit einer ganz beſonders großen Veranlagung gerade
fürs Schwimmen auf die Welt gekommen ſei, der Boden entzogen ſein.
In jahrelangem Training habe ich mir Sekunde nach Sekunde erobern
müſſen, um mich an die Leiſtungen der Meiſter heranzuſchlängeln. Im
Jahre 1917 ſchwamm ich zum erſtenmal in der Schülerſtaffette der Volks=
und Mittelſchulen und konnte als Schlußmann das Nennen für uns
entſcheiden. Damals ſchwamm ich 50 Meter Crawl in 44 Sekunden. Das
iſt eine Zeit, die heute innerhalb meines Klubs man ſo ziemlich von
jedem Knabenſchwimmer verlangen kann. In den darauffolgenden
Jahren 1918. 1919 und 1920 ſah es nicht danach aus, daß meine ſport=
liche
Laufbahn dem Schwimmen gewidmet ſein ſollte, denn ich ſpielte
mit einer wahren Leidenſchaft, aber mehr oder minder großem Erfolge
Fußball. Auf der Rennbahn an der Heidelberger Straße konnte man
mich an diverſen Abenden der Woche mit keuchender Bruſt um die Bahn
raſen ſehen. Alles andere, nur kein Schwimmer. Es dauerte damals
geraume Zeit, bis ich einer Anregung von dritter Seite folgte und in
die damals ins Leben gerufene Schwimmabteilung des Darmſtädter
Sportklubs 1905 eintrat. Eine ſonderlich ernſte Trainingsarbeit wurde
zwar nicht geleiſtet, woran aber wohl in der Hauptſache der Mangel
an Ausbildenden ſchuld geweſen ſein mag. Für den Sportklub 1905
habe ich nur einmal geſtartet, und zwar auf einer Langen Strecke über
3000 Meter in Aſchaffenburg in der Jugendklaſſe. Ich wurde Zweiter,
aber meine Freude war mindeſtens ebenſogroß, wie bei meiner erſten
Meiſterſchaft.
Ende 1919 kam die Fuſion zwiſchen dem Sportklub 05 und dem
Fußballklub Alympia 98 zum heute beſtehenden Sportverein. Der
Sportverein ſchloß mit dem Schwimmklub Jung=Deutſchland eine
Intereſſengemeinſchaft, in welcher enthalten war, daß die Schwimmer
und Leichtathleten jeweils nur in dem betreffenden Fachverein ihren
Sport betreiben ſollten. Nun bekam die Sache ein anderes Ausſehen.
Das ganze Training wurde mit mehr Syſtem betrieben, und nach und
nach zeigte ſich der Erfolg. Meine Klubkameraden mußten nach und
nach ſich geſchlagen bekennen und ich rückte an die Spitze. Mein Junioren=
rennen
1921 in Augsburg und im darauffolgenden Frühjahr mein drittes
Seniorenrennen gewann ich noch verhältnismäßig überlegen. Aber dann
kam eine Zeit in der 2. Seniorenklaſſe, wo ich nur unter Ferner
liefen. .. feſtzuſtellen war. Ende 1922 gingen wir mit unſerer geſam=
ten
Rennmannſchaft in Berlin an den Start und ſchlugen damals als
völlig neu auftauchender Provinzverein die 2. Seniorenmannſchaft des
Magdeburger Hellas‟. Die darauf fällig werdende Einladung zu den
Einladungswettkämpfen im Frühjahr 1923 nahmen wir an, wiederholten
unſeren Sieg, und ich konnte zum erſten Male eine nur von den beſten
zweiten Senioren beſetzte kurze Strecke über 100 Meter gewinnen. Zeit:
1.08,4 Min. Die ganze Sommerſaiſon 1923 wurde ich als 2. Senior
nicht ein einziges Mal geſchlagen. Jetzt konnte ich daran denken, einen
ganz großen Wurf zu wagen und in die erſte Seniorenklaſſe aufzu=
rücken
. Wiederum waren es die Einladungswettkämpfe des Hellas in
Magdeburg, die mir Gelegenheit gaben, mich einem erſtklaſſigen Gegner
zu ſtellen. Dieſer Gegner war kein geringerer als Ernſt Vierkötter=Köln,
der damals über die langen und auch über die mittleren Strecken der
weitaus Beſte war. Bei den Abendwettkämpfen am Samstag ging durch
meine übergroße Nervoſität das 400=Meter=Rennen flöten, aber mit
verbiſſener Energie gings am anderen Tage über die 1000 Meter. Ich
ließ Vierkötter bis 200 Meter vor dem Ziel keinen Meter von mir weg,
als derſelbe zu meiner Ueberraſchung aufgab. Ich ſchwamm weiter und
ſtellte mit 14.31 Minuten einen neuen deutſchen Rekord, meinen erſten
Nekord, auf. Ich gewann im Frühſommer 1924 jedes Nennen, das ich
belegte, und als Krone des Ganzen im Auguſt die Meiſterſchaft über
400 und 1500 Meter.
Von dieſem Zeitpunkt ab dürfte wohl ſo ziemlich jeder daran Inter=
eſſierte
wiſſen, welche Erfolge und auch Mißerfolge ich aufzuweiſen hatte.
Ich möchte damit meinen ſportlichen Lebenslauf ſchließen und werde
an gleicher Stelle über die in 10 Tagen ſtattfindenden Europäiſchen
Schwimm=Meiſterſchaften in Budapeſt etwas mehr berichten.
Friedel Berges.

Engelhardt

Hennemann Halbot Fiedler Meher Allwohn Jans Werner Reuter


rautwein Kadell

Der ſüddeutſche Handballmeiſter

Ernſt Söllinger.
Hochſchul=Turn= und Sport=Lehrer.
(Akademiſcher Sportklub).
Der eigentliche Aufſtieg Söllingers begann 1918 und führte raſch
aufwärts. Als Mitglied des Sportvereins 1860, unter ſachgemäßer
Leitung Otto Bäuerles, konnte Söllinger ſchon 1919 ſich internationale
Geltung verſchaffen. Bemerkenswert iſt der Sieg im Fünfkampf um

Edward Dingelden.
Schwimmklub Jung=Deutſchland.
Die Süddeutſchen Meiſterſchaften 1921 in Mainz brachten eine große
Ueberraſchung. Der deutſche SeiteMeiſter Meyer=Absberg=
Münſter konnte die 100 Meter nur knapp gewinnen und wurde
auf 200 Meter glatt geſchlagen. Der damals 17jährige Darmſtädter
Dingeldey ſtartete zum erſten Male in der Herrenklaſſe. Er wurde
4 Wochen ſpäter für die deutſchen Meiſterſchaften genannt, gewann die
400 Meter in neuer Rekordzeit 6:04 Min,, mußte ſich aber über 100
Meter hinter dem Magdeburger Bennecke mit dem zweiten Platz be=
gnügen
. In der darauffolgenden Winterſaiſon ſchwamm er über 100 Meter
und 200 Meter auf dem Darmſtädter Internationalen neue Rekorde, bald
darauf auf der leichten Duisburger Bahn eine neue Welthöchſtleiſtung über
100 Meter Seite. Leider verließ der junge Darmſtädter, der zu den größten
Hoffnungen berechtigte, nach abgeſchloſſenemMaturum, ſeineVaterſtadt, um
zur Handelsmarine zu gehen. Kürzlich kehrte er zu einem halbjährigen Ur=
laub
zurück. Daß er ſeine Fähigkeiten auf hoher See nicht verloren
hat, dürften wohl ſeine letzten Erfolge gezeigt haben. Ueber 200 Meter
und 400 Meter, ſeine Spezialſtrecken, verbeſſerte er die noch von ihm
ſelbſt gehaltenen Rekorde in ganz erheblichem Maße (400 Meter allein
um 21 Sekunden, von 6:04 Min. auf 5:43 Min.). Die Meiſterſchaſt über
100 Meter verlor er durch ſchlechten Anſchlag. Leider wird der Beruf
den ſympathiſchen Sportsmann bald wieder von Darmſtadt wegführen.

den Staatswanderpreis gegen Baaſke (Königsberg) und Guſtavſon
(Schweden). Noch im gleichen Sommer erfolgte beim Internationalen
des Wiener Athletik=Klubs die neue Höchſtleiſtung von 7,15 Metern im
Weitſprung. Im Jahre 1920 folgte eine weitere Siegesſerie in Wien,
Prag, Berlin uſw. im Mehrkampf, Weitſprung und Kugelſtoßen. Das
Sommerſemeſter 1921 fah den Münchener als Student der Hochſchule

Engelhardt.
Sportverein Darmſtadt 1898
Der jetzt 23jährige Sportsmann treibt erſt ſeit dem Jahre 1924
Leichtathletik. Im gleichen Jahr ſchon läuft er bei der Frankfurter
Verbandsmeiſterſchaft die 400 Meter in 51,6 Sekunden. Die Ein=
weihungsfeier
des Frankfurter Stadions am 31. Mai 1925 ſieht ihn als
erſten Stadionſieger im 800=Meter=Lauf mit 2:01,9 Min. Im Juli
verbeſſert er dieſe Zeit auf 1:581 Min, und wird ſüddeutſcher Meiſter
dieſer Strecke. Bei den deutſchen Meiſterſchaften belegt er im Auguſt
1925 hinter Peltzer in 1:56,6 Min, den zweiten Platz. Er wird darauf=
hin
in der Ländermannſchaft gegen die Schweiz aufgeſtellt. Mit
Dr. Peltzer vertritt er Deutſchland im 800=Meter=Lauf. Beide ſichern
Deutſchland die beiden erſten Plätze. Einige Starts in deutſchen Städten,
wie Braunſchweig, Saarbrücken, beſchließen erfolgreich die an ſo her=
vorragenden
Verbeſſerungen reiche Saiſon.
Zu Beginn des Jahres 1926 war Engelhardt dazu auserſehen Süd=
deutſchland
beim Fünfverbändekampf in Dresden zu vertreten. Er ſiegte
im 800=Meter=Lauf vor Willmer. Jakobs und Richter=Berlin überlegen
in 1:571 Minuten. Bekannt ſind die großen Erfolge auf den Deutſchen
Kampfſpielen der Darmſtädter Sportler überhaupt. Auch hier gewann
Hermann Engelhardt die 800 Meter überlegen in der vorjährigen deut=
ſchen
Beſtzeit von 1:56,7 Minuten.
Bei der Verbandsmeiſterſchaft in Frankfurt a. M. und den Süd=
deutſchen
Meiſterſchaften in München verteidigte er ſicher ſeinen Titel,
Eine Ueberraſchung war der Ausgang der Deutſchen Meiſterſchaften
letzte Woche in Leipzig, die Niederlage gegen Böcher nach äußerſt har=
tem
Kampfe und /o Sekunde Unterſchied am Ziel; allerdings gegen
einen Gegner, der erſt kürzlich bei den engliſchen Meiſterſchaften knapp
gegen den Weltrekordmann Baraton=Frankreich Zweiter wurde und hier
europäiſche und engliſche Klaſſe ſchlagen konnte. Der Länderkampf
Deutſchland, Frankreich, Schweiz, der in 14 Tagen in der Schweiz ſtatt=
findet
, gibt Engelhardt Gelegenheit, über 800 Meter und über 400 Meter
in der Staffel gegen Gegner von Weltruf ſein Können zu zeigen. Sein
verhältnismäßig noch jugendliches Alter und ſeine außerordentliche kör=
perliche
Veranlagung laſſen für die Zukunft noch viel größeres von
ihm erhoffen.

[ ][  ][ ]

Nummer 221

Mittwoch, den 11. Auguff 1926

Seite 11

Der Süddeutſche Handballmeiſier.
Sportverein Darmſtadt 98.
Die Entſtehung des Handballſports fällt in das Jahr 1920. Es wird
auf den bekannten Berliner Sportlehrer Schelenz zurückgeführt. Zu
Beginn des Jahres 1921 wurde das Spiel bei der Heſſiſchen Sicher=
heitspolizei
als zweckmäßigſtes und zur körperlichen Ausbildung geeig=
netes
Spiel aufgegriffen. Wettkampfmäßig traten noch in demſelben
Sommer eine aus Poliziſten beſtehende Mannſchaft als Abteilung des
Sportverein 98 bei den Verbandsſpielen des Frankfurter Verbands auf.
Die damalige Mannſchaft ſei der Nachwelt überliefert:
Walther,
Spieß,
Stork,
Speckhardt,
Scheerer,
Kadel,
Maher,
Jans. Dencker,
Gollaſch,
Brandſtätter.
Dieſe Mannſchaft brachte es bis auf den zweiten Tabellenplatz. Im
Jahre 1922 wurde mit wechſelndem Erfolg an den Meiſterſchaftskämpfen
teilgenommen, ohne zählbaren Erfolg. Das Jahr 1923 brachte eine
Aenderung in dem bisher loſen Verhältnis der Wettkampfabteilung der
Polizei zum Sportverein 98. Faſt alle Handballer der Polizei traten
dem Sportverein als Vollmitglieder bei, ſo daß dieſer Zeitpunkt als
die eigentliche Gründung der Handball=Abteilung des Sporwereins an=
geſehen
werden kann. Mittlerweile hatten ſich auch eine Reihe Zivilmit=
glieder
des Vereins dem Handballſport zugewandt. Die neugehildete
Abteilung hatte in ihren Anfängen aus ganz natürlichen Gründen einen
ſchweren Stand innerhalb des Vereins, und kein Mann des damaligen
Vorſtandes hätte geglaubt, daß ſich die Handballabteilung zu einer der=
artigen
finanziellen und ſportlichen Höhe neben dem großen Bruder
Fußball entwickeln würde.
Die im Verein noch nicht feſt verankerte Abteilung erhielt eine neue
Prüfung durch die Gründung des Heſſiſchen Polizeiſporwereins; trotzdem
begann mit dem Jahre 1924 der raſch emporführende ſportliche Aufſtieg.
Geſpielt wurde zur damaligen Zeit mit der 1., 2. und 3. Mannſchaft
ſowie einer im Werden begriffenen Jugendmannſchaft.

Ergebnis der Verbandsſpiele:
1. Mannſchaft: Verbandsmeiſter, mit 2 Verluſtwpunkten.
2. Mannſchaft: Meiſter ihrer Klaſſe.
Jugendmannſchaft: ebenfalls Meiſter.
Das Jahr 1925 ſah die Fortführung der Spiele um die Süddeutſche
Meiſterſchaft. Mit dieſen Spielen trat der Handballſport aus ſeinem zu
Ulein gewordenen Rahmen heraus und man zählte die Zuſchauer ſchon
nach Tauſenden. Die große Offentlichkeit wurde durch das Schlußſpiel
am 3. Mai in Darmſtadt gegen Spielvereinigung Fürth aufgerüttelt.
Mit 6:3 Toren errang die vielbewunderte Darmſtädter Mannſchaft die
ſüddeutſche Meiſterſchaft. Damit war der Weg zur deutſchen Meiſter=
ſchaft
geebnet. (Gegen Preußen=Eſſen 6:1 gewonnen, gegen Ham=
burg
3:2.). Durch die damals vielbeſprochenen Urteile und Verfügungen
der deutſchen Sportbehörde wurde die Mannſchaft aus den Schluß=
ſpielen
ausgeſchifft.
Mit verbiſſener Energie nahm die Mannſchaft die Verbandsſpiele
des Jahres 1926 wieder auf, nachdem Verſetzung in der Polizei eine ein=
ſchneidende
Veränderung und Verjüngung der Mannſchaſt bedingt hatte.
Auf geradem Weg wurde der ſüddeutſchen Meiſterſchaft zugeſteuert, die
gegen den gleichen Gegner, Spielvereinigung Fürth, unter rieſiger
Anteilnahme der Bevölkerung errungen wurde. (4:1.) Glückauf zur
deutſchen! wurde allgemein hörbar. Doch Halle bot Halt mit 3:6 den
Darmſtädtern. (Rückſpiel als Privatſpiel in Darmſtadt 7:4 gewonnen.)
Handball haben wir geſchildert, wie er ſo ganz allmählich
Wurzel faßte und als zartes Pflänzchen in der erdrückenden Fülle der
ſonſtigen ſportlichen Ereigniſſe nur wenig beachtet wurde. Heute iſt
aus dem Pflänzchen ein Baum geworden, kraftſtrotzend ſtreckt er ſeine
Aeſte aus, unter ſeinem Schatten tummeln ſich bereits heute zehn Mann=
ſchaften
aller Altersklaſſen. Jedem Leſer muß zum Bewußtſein kommen,
daß ein derart ſportlicher Hochſtand, der nur aus eigenem Material
und eigenen Mitteln emporwuchs, ſich aus eigener Kraft für die Zu=
kunft
weiterführen wird. Durch die Vereinigung der beiden Sport=
arten
Handball und Leichtathletik unter eine gemeinſame Verwaltung
und ſportliche Leitung iſt für die Ausarbeitung der Sportidee ein un=
begrenztes
Feld geſchaffen, deſſen Früchte wir aus dem Sportbetrieb der
Abteilung in dieſem Sommer kennen.

Süddeutſcher Weſſerballmeiſier.
Schwimmklub Jung=Deutſchland
Endlich iſt in dieſem Jahre der Ligamannſchaft von Jung= Deutſch=
land
der große Wurf gelungen, die Südd. Waſſerballmeiſterſchaft zu er=
ringen
. Nachdem Darmſtadt in der Nachkriegszeit mehrere Jahre in der
A= und B=Klaſſe geſpielt hatte, nahm es 1924 zum erſtenmal als Liga=
verein
einen großen Anlauf zur Süddeutſchen.
Aber die Mannſchaft, die damals ſchon faſt in derſelben Aufſtellung
wie heute ſpielte, mußte die Ueberlegenheit des Schwimmvereins Mann=
heim
anerkennen und konnt= ſich noch nicht durchſetzen. Weſentlich gün=
ſtiger
ſchnitt Jung=Deutſchland bei den Verbandsſpielen, im vorigen
Jahre ab; mit Mannheim, das dann überlegen Süddeutſcher Meiſter
wurde, in der Tabelle punktgleich ſtehend, ging die Meiſterſchaft infolge
techniſchen Mängel verloren.
Die Erfolge unſerer einheimiſchen Mannſchaft bei den diesjährigen
Verbandsſpielen und ihr Weg zur Erringung der Südd. Meiſterſchaft
dürfte noch zur Genüge bekannt ſein. Mit einem Torverhältnis von
45:4 Toren wurde die Bezirksmeiſterſchaft errungen, mit 2:1 wurde im
Endſpiel der Meiſter des zweiten ſüddeutſchen Bezirks, der 1. F.C.
Nürnberg, geſchlagen. Seine Erfolge hat unſer einheimiſcher Verein
wohl in erſter Linie ſeinen ſchnellen Schwimmern und dem taktiſchen
Verſtändnis, aber weniger einer guten Ballbehandlung und Technik zu
verdanken. Außerdem trägt wohl der ſcharfe Konkurrenzkampf mit dem
1. Frankfurter Schwimmklub, dem Deutſchen Meiſter der Vorkriegszeit
und von 1919, viel bei. Durch ſyſtematiſches Training verſtand es
Darmſtadt, ſich langſam unter dieſen beſten Gaurivalen emporzuarbei=
ten
. Wir wollen hoffen, daß ſich die Jung=Deutſchlandmannſchaft in
den Endſpielen um die Deutſche Meiſterſchaft, um die ſich außer ihr
nach den ſtattgehabten Vorſpielen noch Berlin, Magdeburg und Leipzig
bewerben, ehrenvoll ſchlägt und auch im nächſten Jahre den Darmſtädtern
noch viel Freude bereitet.

Exiſtenz

kann ſich ein Herr mit
2l Organiſationstalent
Aſchaffen durth Ueßer=
nahme
einer Bezurks=
vertretung
der Textil=
branche
. Nachweis
gute Erfolge. Hohe
Provif Angu M 206
Geſchäftsſt (I J. 1158e

A
Madras-Garnit
Stores nbtamine, m.
Ztellg, in prachtr. Parbstellung, 6.75, 5.50, 450, OaTe
TÜll-Garnituren
Stores gute Tal Oualitten,
Zteilig, gehr sohöne Unster . . . 6.50, 5.50, 495, Oiae
u. Fiet-Storer ... 750, 6.75, 5.50, 450, Gad0
ämtliche Gardinens
Scheibenvorhänge, breite Gardinen, Etamine, Rollostoffe usw. zu weit herabgesetzten Preisen
ohne Rücksicht auf den Wert Serie I Serie II Serie III Serie II
SasthtolIe herabgesetzt, ladualftät 0.35 0.48 0.58 0.68
(11568
Daft
R

Spitzen u. Einsätz., 2.50, 1.,75, 1.45, Hao

Sägl. bis 9Kin
Proſpekt m. Garant e=
ſchein
Viele Dank=
ſchreib
. Joh. H. Schulz,
Adreſſenverlag Köind8o.
(11558)

V
HSiermarktg8

Junge Hühner
und Enten
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Seite 12

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

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Nummer 221

Jaitt

Mittwoch, 11. Auguſt

* Vom ſüddeutſchen Holzmarkt.
Um einen allgemeinen Ueberblick über die Lage zu geben, ſei be=
werkt
daß eine Tendenz zum Beſſeren am Nadelſtammholzmarkt trotz
der Anſtrengungen des Waldbeſitzes nicht zu verzeichnen iſt und auch ſo
bald nicht zu verzeichnen ſein wird, da das Aufnahmebedürfnis zu klein
bleibt. Alles, was ſeitens der Waldeigner geſchehen kann, iſt die Ein=
dämmung
des Hiebs. Damit werden zwar die Preiſe in gewiſſem
Sinn reguliert, aber einen Vorteil hat der Waldbeſitz hiervon nicht;
denn mehr als ein Vermeiden des Preisrückgangs wird er nicht er=
zielen
können. Man darf hierbei erneut an die Holzpreisberichterſtat=
tung
des Vereins von Holzintereſſenten Süddeutſchlands erinnern, die
ſicherlich viel dazu beitragen wird, die falſchen Preismeldungen, mögen
ſie bewußt oder unbewußt ausgeſtreut werden, verſchwinden zu machen.
Die letzten Holzverſteigerungen haben wieder gezeigt, daß zwiſchen den
Forſtverwaltungen und den Holzabnehmern ſehr oft kein Einverſtändnis
zu erzielen war und daß die Verweigerung des Zuſchlags etwas ge=
wöhnliches
darſtellten. So kann man kaum Preiſe nennen, die ein klares
Bild geben. Bemerkenswert iſt allerdings noch die ſteigende Nachfrage
der Schweiz für Nadelſtammholz, während Grubenholz noch keiner
ſtärkeren Nachfrage unterliegt.
Die Sägewerke verſuchen ebenſo wie der Waldbeſitz die Bretter=
preiſe
ſtetig zu erhalten, wenn nicht zu erhöhen, und dies trotz des in
den letzten Wochen ganz erheblich zurückgegangenen Umſatzes. Ab
bayeriſche Verladeplätze forderte man für ſägefallende, unſortierte
Bretter i 16 1 5"
12 43 47 RMM und auch noch darunter kamen
Angebote heraus, die allerdings mit Vorſicht aufgenommen wurden.
Der Schwarzwald bot gleiches Material zuu 47 RM. und mehr an je
Kubikmeter. In Kanalbrettern herrſchte ebenfalls größte Geſchäfts=
ſtille
. Ein Angebot in 20 mm ſtarken Fichten= und Tannenkanalborden
unſortiert ſägefallend, faul= und bruchfrei, parallel und ſcharfkantig
beſäumt, 8 Meter lang auf 15 Waggons 57 breit zu 43 RM., 5
bis 12 zu 44 RM. und 81215 breit zu 47 RM. frei Waggon ab
niederbayeriſche Plätze iſt zu erwähnen. Das ausländiſche Angebotz
konnte keine Abſatzerfolge erzielen.
Auch am Papierholzmarkt iſt es außerordentlich ruhig, da die wei=
terverarbeitenden
Fabriken reichlich mit Papierholzvorräten verſehen
ſind. Bei den Verkäufen der badiſchen Forſtämter haben ſich die Preiſe
im allgemeinen auf der bisherigen Höhe gehalten. Bemerkenswert iſ
die Tatſache, daß die Zellſtofffabriken vielfach dazu übergehen, Nadel=
dammholz
V und VI. Klaſſe zu kaufen und ſelbſt zu Papierholz aufzu=
arbeiten
, wobei die Unternehmungen bei den niedrigeren Stammholz=
preiſen
oft recht günſtige Abſchlüſſe getätigt haben. Die polniſche Kon=
kurrenz
iſt imer noch im Zunehmen begriffen, doch ſcheinen die Ge=
ſchäftspraktiken
mancher polniſcher Abgeber, die deutſchen Käufer vor=
ſichtig
gemacht zu haben. Die Tſchechoſlowakei offerierte letzthin Papier=
holz
ausfuhrfrei Tetſchen=Bodenbach zu 140150 tſchech. Kronen je
Raummeter ohne deutſchen Eingangszoll.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 10. Auguſt.
Die Nachricht, daß mſt dem Abſchluß des Vertrages der Rohſtahl=
gemeinſchaft
in den nächſten Tagen zu rechnen ſei, und daß nach dem
neueſten Stand der Verhandlungen ein anderer, den deutſchen Inter=
eſſen
beſſer Rechnung tragender Verteilungsſchliſſel in Anwendung ge=
bracht
werden ſolle, hatte heute vormittag im Handel von Büro zu
Büro hohe Kurſe für Montanwerte gezeitigt. Auch die Abſicht der
franzöſiſchen Bergarbeiter, weitere Kohlenverſchiffungen nach England
zu unterbinden, förderte dieſe Aufwärtsbewegung. Phönix z. B. erreich=
ten
131, Gelſenkirchen 184. Auch die übrigen Aktiengebiete konnten da=
durch
ſtark anziehen, J. G. ſtellten ſich wieder auf 292. An der Börſe
ſelbſt aber trat bald ein Umſchwung ein. Die Berliner Arbitrage gab
ſtark ab, denn in Berlin war man ſchwächer geſtimmt auf die neuen
Einſchußforderungen der Berliner Liquidationskaſſe. Von den Montan=
werten
waren beſonders Bochumer und Harpener gedrückt und 4 bzw.
3 Prozent ſchwächer. Auch Riebeck Montan gaben um 2½ Prozent nach,
während die übrigen Montanwerte 1 bis 2 Prozent verloren. Der
Bankenmarkt verkehrte in luſtloſer Haltung, ſo daß zur erſten Notiz
faſt keine Kurſe feſtgeſetzt werden konnten, Schiffahrtswerte waren
ſtark angeboten und gegen die Abendbörſe waren Hapag 5 und Nordd.
Lloyd 3¾ Prozent ſchwächer. Für J. G.=Werte war die erſte Notiz
988½, nachdem der Kurs vorübergehend bis auf 286½ nachgegeben hatte,
Elektropapiere gaben bei geringem Geſchäft bis zu 1 Prozent nach.
Sehr ſcharf gedrückt waren im weiteren Verlaufe auch die Kaliaktien,
in denen beſonders ſtarke Glattſtellungen vorgenommen wurden. Dieſe
verloren 7 bis 8 Prozent. Auch alle nicht genannten Aktien gaben etwas
nach. Der Freiverkehr war ſtill und unverändert. Benz 85, Brown
Boveri 117. Growag 60, Entrepriſe 7, Chem. Andrae 60, Frankfurter
Handelsbank 90½, Raſtatter Waggon 16, Ufa 43, und Unterfranken
91. Nach der Feſtſetzung der erſten Kurſe wurde die Stimmung nach
und nach ausgeſprochen flau. Die ſchwache Stimmung wurde auch von
der Baiſſeſpekulation ausgenutzt, die ihrerſeits mit Blancoabgaben vor=
ging
. Alle Aktiengebiete verloren weitere 3 bis 4 Prozent, vereinzelt
auch noch darüber hinaus. Gegen 1 Uhr nannte man J. G. 285, Phönig
126, Mannesmann 133½, AEG. 149, Rheinſtahl 149½ uſw. Auf dem
Rentenmarkte war die Umſatztätigkeit ſehr gering bei unveränderten
Kurſen. Die Börſe ſchloß ſchließlich in luſtloſer und flauer Haltung.
Am Deviſenmarkt war die Stimmung für den franzöſiſchen Franken
etwas ſchwächer, ſcheinbar in Verbindung mit den Streikabſichten der
franzöſiſchen Bergarbeiter. Die Londoner Uſance ſtellte ſich auf 171.
Tägliches Geld 4 Prozent.
Die ſchwachen Nachbörſenkurſe konnten ſich im allgemeinen bei Er=
öffnung
der Abendbörſe behaupten. Nur für die Elektrowerte ſtellten
ſich noch weitere kleine Kursrückgänge ein. J. G.=Aktien konnten wieder
um etwa 1 Prozent anziehen, das Geſchäft darin war aber kaum
nennenswert, was übrigens auch für alle übrigen Gebiete zutrifft. Erſt
der Schluß brachte eine geringe allgemeine Erholung auf Deckungen,
weil die Wirkungen der Erhöhung der Einſchüſſe bei der Berliner
Liquidationskaſſe bald überwunden ſein würden.

Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 10. Auguft.
Im heutigen vorbörslichen Freiverkehr war die Tendenz an den
Aktienmärkten unter Bevorzugung von Elektro= und Stahltruſtwerten
außerordentlich feſt. Bei Eröffnung des amtlichen Verkehrs kam jedoch
ſtärkeres Angebot heraus, das einen Umſchwung in der Kursentwicklung
herbeiführte. Gegenüber den höchſten Kurſen im Frühverkehr waren
Rückgänge bis zu 5 Prozent zu verzeichnen. Auch im Vergleich zu den
Schlußkurſen des Vortages eröffnete die Börſe ſchwächer. Beſonders
gedrückt lagen Kaliaktien im Zuſammenhang mit der ungeklärten Preis=
erhöhungsfrage
und Kohlenwerte. In Börſenkreiſen glaubt man, ſich
auf ein baldiges Ende des engliſchen Kohlenarbeiterſtreiks vorzubereiten.
Auch Bankaktien gingen um mehrere Prozente zurück. Zu der Verſtim=
mung
trugen vor allem die erhöhten Geldſätze bei. Am Geldmarkt führte
die Einzahlung der Reichspoſtanleihe durch das Bankenkonſortium zu
einer Verknappung des Angebotes, ſo daß der Satz auf 4½6½ an=
zog
. Außerdem verſtimmte an den Aktienmärkten die ſeit kurzem wieder
zu verzeichnende wickläufige Tendenz des Frankenkurſes. London
Paris gab auf den franzöſiſch=amerikaniſchen Schuldenkonflikt hin bis
170, London-Brüſſel bis 174 nach. LondonMailand notierte 145.
Im einzelnen hatten von Kaliaktien Aſchersleben einen Verluſt von
834
Salzdetfurth von 4½ aufzuweiſen. Von chemiſchen Werten gingen
Farbeninduſtrie, die vorbörslich mit 292 notierten, auf 287 zurück,
Rheiniſche Sprengſtoff büßten über 5, Rhenania 4½ ein. Am Elektro=
aktienmarkt
verloren Lahmeyer 41 die anderen Werte nicht über 2.
Siemens und AEG. behauptet. Unter Montanaktien verloren rheiniſche
Braunkohlen 3½, Ilſe 3, Harpener 2½. Von Stahltruſtaktien Bochumer
33, Gelſenkirchen 2½, Riebeck=Montan im Zuſammenhang mit dem
Farbenrückgang 3 Prozent niedriger. Am Schiffahrtsaktienmarkt waren
einige empfindliche Einbußen zu verzeichnen. Hapag eröffneten 6½,
Hanſa 7, Nordd. Lloyd 5 Prozent niedriger. Der Rückgang der deut=
ſchen
Bankaktien ſetzte ſich um 3 Prozent auf 170 Prozent fort, da die
Enttäuſchung über das Bezugsrechtsangebot größeres Material heraus=
brachte
. Die Nebenmärkte waren von dieſer matten Tendenz der Termin=
werte
in Mitleidenſchaft gezogen. Ueber 3 Prozent gingen die Verluſte
dort aber nicht hinaus. Vielfach waren dieſe Papiere ſogar unverändert,
da die vorangegangenen Steigerungen nicht denen an den Großmärkten
entſprachen. Der Rentenmarkt lag ruhig.
Im weiteren Verlauf der Börſe ſetzten ſich die Kursrückgänge in=
folge
der unbefriedigenden Lage des Geldmarktes und Mediovorbereitun=
gen
der Spekulation, die einen Abbau der Engagements vornahmen,
owie unter Auswirkung der höheren Einſchußforderungen der Liqui=
dationskaſſe
in ſcharfem Tempo fort. Der Effektenmarkt hatte damit
nach der bisherigen Sommerhauſſe den erſten Baiſſetag. Gegenüber den
ſchwachen erſten Kurſen traten neuerliche Einbußen um etwa 3 Prozent
ein, von denen in erſter Linie die Terminaktienmärkte betroffen wurden.
Die von den Steigerungen der letzten Wochen nicht ergriffenen Papiere
blieben im weſentlichen auch ſpäter von der flauen Tendenz verſchont.
Privatdiskont kurze Sicht 42/s, lange Sicht 4½. Die Börſe ſchlof
ſchwach und teilweiſe zu niedrigſten Tageskurſen, da insbeſondere auch
das Publikum mit größeren Abgaben hervortrat.

Aſchaffb. Zellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch
Zamag=Meguin ..
Berl E. W. Vorzug.
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohlen=Briketts/1 40.
Bremer Vulkan .."
Bremer Wolle
Deutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Deutſch.=Nied. Tel.
Deutſche Erdöl ..
Deutſche Petroleum
Dt. Kaliwerke
..
Donnersmarckhütte.
Dynamit Nobel. . .."
Elektr. Lieferung. . .
J. G. Farben ....."
R. Friſter ........"
Gaggenau Vorz. .. .
Helſenk. Gußſtahl.
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen ...
Han. Maſch. Egeſt.
Hanſa Dampſchf. . . .

9. * 10. 8. 8. 30.5 demoor Zement 187. 99.5 98. 25 Hirſch Kupfer ...... 114.25 48. 46. Höſch Eiſen ........ 39.78 ſohenlohe Werke ...
ahla Porzellan . . . 19. 5 15.5 111.5 136. Lindes Eismaſch. . . 151. 55. 6. Lingel Schuh ... . .." 126. 25 Linke u. Hofmann . . 78.375 L. Loewe u. Co.... .. 37.53
A.
108.5 115. 112,5 T. Vorenz .. ......." 10. 10.2: dl. Kohle........." 1.38. 49.5 143.5 orbd. Gummi.. . . 84. Orenſtein . . . . . . . . .. 109. 124.5 121.5 Rathgeber Waggon 88. 86. 84. tombacher Hütten B. 140. 13. koſitzer Zucker.... 145. 143. Kütgerswerke ......" 13.875 290.5 283.5 ichſenwerk .. . . . . . 98.
.. 54.5 ichſ. Gußſte
.... 3. 50.
25 75 Siemens Glas..... 32. 25. Fer. Lauſitzer Glas. 74.5 Folkſtedter Porzell. 1n 44. 12. Veſtf. E. Langendreer 65. 73. 1. Vittener Gußſtahl". 3.5 1163. 158.75 Banderer=Werke. . . /1.52.

10. 8
184.
5.-
134.5
19.25
80.5
3.75
181.
Ze
136.25
105 7
34.75

8
29.75
1.
5
3.
152.

Deviſenmarkt.

Amſterdam=R
Zuenos=Aires
Brüſſel=Antw.
Oslo ....."
openhagen
Stockholm . .
Helſingfors ..
Ftalien .....
London.. . ..."
New=York..."
Paris.. . . . . ."
Schweiz ...."
Spanien ...."

Geld

WienD.-Oſt. abg
Prag ........"
Budapeſt. . . . .
Fapan .. . ....
Rio de Janeire
Sofia
....."
Jugöſlavien...
Konſtantinopel
Ziſſabon ......
Danzig ......"
Athen ... .....
Kanada .... ..
Uruguay .. . . . ."

Geld Brie
59 34 59 79
12.31 112.453/12.
5.
2.0041 1.
2.I
0.54

21.
1.45
31.3
81.5
4.74 *
4.139 1.30
4.1651 4.1851 4 185

10. 8.

Ge.
59*
3.0:
f1
81.28
770
197

Brief
9.46
2.76
5.
20
C.63
3.0
345
1.8
81.4
g.207
7.195

Internationale Intereſſenvereinigung der Warenhäuſer. Wie die
Kölniſche Zeitung erfährt, iſt nach Klärung einiger Auslegungszwei=
fel
das zwiſchen der American Retailers Aſſociation in New York,
einer Gruppe bedeutender amerikaniſcher Warenhäuſer, und der Firma
Leonhard Tietz A. G. vorbereitete Abkommen über eine gegenſeitige Ein=
kaufsvertretung
durch Gegenzeichnung der Verträge durch letzgenannte
Geſellſchaft in Kraft getreten. Ferner haben auch die Magaſins Néunis
in Paris den gleichen Vertrag mit Wirkung für den franzöſiſchen Markt
unterzeichnet.

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Neue Quotenregelung bei den internationalen Eiſenpaktverhand=
lungen
. Wie wir erfahren, hat die Regelung der Quotenfrage bei den
internationalen Roheiſenverhandlungen eine Neuregelung erfahren. Als
urſprüngliche Grundlage war die Geſamtproduktion der beteiligten Län=
der
des Jahres 1925 vorgeſehen. Danach entfallen auf Deutſchland 43,22
vom Hundert, Frankreich und Luxemburg 39,45, auf Belgien 11,6 und
auf das Saargebiet 5,73 vom Hundert der Geſamterzeugung. Die fran=
zöſiſchluxemburgiſche
Induſtrie hat dieſen Vorſchlag für unannehmbar
erklärt und als Unterlage die Erzeugung im erſten Vierteljahr 1926 vor=
geſchlagen
. Da die franzöſiſche Induſtrie infolge der Inflation in die=
ſer
Zeit hundertprozentig beſchäftigt war, konnte dieſer Vorſchlag von
den übrigen Beteiligten nicht angenommen werden. Einem neuen Kom=
promiß
zufolge, das wahrſcheinlich die Zuſtimmung aller Beteiligten
finden wird, ſollen nun die Quoten vierteljährlich neu feſtgelegt werden,
und zwar in der Weiſe, daß für das erſte Vierteljahr vom Zeitpunkt
der Gründung des Eiſenpaktes das erſte Vierreljahr 1926 für die Quoten=
berechnung
maßgebend wäre. Für das nächſte Vierteljahr eine neue
Quotenberechnung nach der Produktion des zweiten Vierteljahres 1926
uſw., fortlaufend nach dem feweiligen Produktionsſtand aller Vierteljahr.
Die Beziehungen zwiſchen R.W.E. und Rhein=Elektra. Wie wir von
gut unterrichteter Seite erfahren, handelt es ſich bei der erwähnten
Schaffung engerer Beziehungen zwiſchen dem Rheiniſchweſtfäliſchen
Elektrizitätswerk in Eſſen und der Rhein. Elektrizitäts=A.=G. in Mann=
heim
A.=G. um folgendes: Die R.W.E. und die Rhein=Elektra haben im
Rheinland vielfache Berührungspunkte in den beiderſeitigen Stromver=
ſorgungsgebieten
. Aus den beiderſeitigen Intereſſen und einer möglichſt
rationellen Wirtſchaft ergab ſich das Bedürfnis nach Gebietsdemar=
kationen
. Die Verhandlungen haben dazu geführt, die Beteiligungem
der Rhein=Elektra in dem Oberſtein=Idar und Bernkaſteler Unternehmen
an das R.W. E. abzutreten. Es wurde ferner vereinbart, die Beziehungen
zwiſchen beiden Geſellſchaften, die auf dem Gebiete der Erſtellung von
Höchſtſpannungsleitungen und der Umſpannungswerke ſchon ſeit Jahrem
zuſammenarbeiten, dadurch noch enger zu geſtalten, daß ein Austauſch
zweier Aufſichtsratsmandate erfolgen ſoll. Die beiden Unternehmungen
verſprechen ſich von dieſem freundſchaftlichen Zuſammengehen auch für
die Zukunft eine Förderung ihrer weiteren Pläne.
Voltohm, Seil= und Kabel=Werke A.G. in Frankfurt a. M. Die
ordentliche Generalverſammlung, in der 6 Aktionäre mit 20000 Stim=
men
Vorzugsaktien und 8327 Stimmen Stammaktien vertreten waren,
genehmigte einſtimmig Regularien und Verluſtabſchluß. Zur Deckung
der Unterbilanz, die einen Verluſtſaldo von 153 808 RM. aufweiſt,
werden 100 000 RM. Vorratsaktien eingezogen und damit das Aktien=
Kapital von 1 Mill. RMM. auf 900 000 RM. herabgeſetzt. Durch die
Einziehung der Vorratsaktien, die mit 24 135 RM. zu Buch ſtehen,
ergibt ſich ein Buchgewinn von 75 864 RM. Der Reſt des Verluſtes in
Höhe von 77 943 RM. wird dem Reſervefond entnommen, der ſich da=
durch
auf 25 330 RM. ermäßigt. Die mit der Kapitalsherabſetzung
verbundenen Satzungsänderungen wurden genehmigt und ferner be=
chloſſen
, die am 28. Februar 1923 ausgegebenen 10 000 Stück Genuß=
ſcheine
mit 1 RM. pro Stück zur ſofortigen Rückzahlung zu kündigen,
wozu der Betrag von 10000 RM. ſchon in der vorjährigen Bilanz zu=
rückgeſtellt
worden iſt. Die Einlöſung muß bis zum 31. Dezember
1926 erfolgt ſein. Das ausſcheidende Aufſichtsratsmitglied ( ſtellver=
tretender
Vorſitzender) Bankier Julius Wertheimber wurde einſtimmig
wiedergewählt. Hinſichtlich des Geſchäftsganges wurde erklärt, daß
durch die Gründung des Drahtſeilverbandes am 30. Juni d. J. wieder
mit Hoffnung in die Zukunft geblickt werden könne, doch ſei es bei der
zunächſt geplanten Preiserhöhung in der Drahtſeilinduſtrie noch nicht
möglich, gewinnbringend zu arbeiten.
W. Diefenbronner A.=G., Frankfurt a. M. Die außerordentliche
Generalverſammlung dieſer Geſellſchaft beſchloß Liquidation. Als Liqui=
dator
wurde Herr Otto Rümelin beſtellt.
Großkraftwerk Mannheim, A.=G., in Mannheim. Die Geſellſchaft,
die bekanntlich im Geſchäftsjahr 1925/26 einen Bruttogewinn von
918 761 Rm. und einen Reingewinn von 215 494 Rm. (211 902) erzielt
hat und auf Stammaktien wie im Vorjahre 7 Prozent Dividende und
auf Vorzugsaktien A. 10 Prozent und Vorzugsaktien B 15 Prozent Divi=
dende
ausſchüttet bei 14 319 Rm. Vortrag, teilt in ihrem Rechenſchafts=
bericht
mit, daß im abgelaufenen Jahre die Stromabgabe ſich erhöht
und die Betriebsführung weitere Fortſchritte gemacht habe. Mit Hilfe
einer Auslandsanleihe, deren Abſchluß nicht mehr in das Berichtsjahr
fällt, wurde der Bau einer neuen 20 000=Kſ=Turbine und eines neuen
Höchſtdruckkeſſelhauſes begonnen. In der auf den 31. März 1926 ge=
zogenen
Bilanz ſtehen Anlagen mit 7,37 Mill. Rm., Beſtände mit
0,62 Mill. Rm., Gurhaben mit 0,14 Mill. Rm. und ſonſtige Forde=
rung
:n mit 0,15 Mill. Rm. zu Buche. Auf der Paſſivſeite figurieren bei
einem A.=K. von 2,18 Mill. Rm., einem Erneuerungsfonds von 1,27
Mill. Rm. und einer Rücklage von 0,21 Mill. Rm. Verpflichtungen mit
0,61 Mill. Rm. Die 6proz. Kohlenwertanleihe beläuft ſich auf 1,5 Mill.
Rm. und die umgeſtellte Kohlenwertanleihe auf 1,32 Mill. Rm.
Dynamit A.=G. vorm. Alfreb Nobel u. Co. Die außerordentliche
Generalverſammlung der Dynamit A.=G. vorm. Alfred Nobel u. Co.
genehmigte einſtimmig alle Punkte der Tagesordnung und vor allem
den Abſchluß des Intereſſengemeinſchaftsvertrages mit der J. G. Far=
beninduſtrie
. Nach dem Vertrage behält die Geſellſchaft ihre volle
rechtliche Selbſtändigkeit. Die J. G. Farbeninduſtrie garantiert den
Aktionären der Dynamit A.=G. ſtets die Hälfte der Dividende der J. G.
Die J.G. hat das Recht, die Uebernahme des Vermögens im ganzen
durch Fuſion zu verlangen, derart, daß auf je nominell 200 Reichs=
mark
Aktien der Dynamit A.=G. 100 Reichsmark Aktien der J.G. mit
Gewinnanteil vom gleichen Zeitbeginn an geliefert werden, dagegen hat=
jeder
einzelne Aktionär der Dynamit A.=G. ab 1. 1. 1930 das Recht
Umtauſch der Dynamit A.=G. Aktien in J. G.=Aktien im gleichen Um=
tauſchverhältnis
zu verlangen. Die Dauer des Vertrages iſt bis zum
Jahre 2024 vorgeſehen. Bei Emiſſionen von Aktien wird die In=
tereſſengemeinſchaft
den Aktionären der Dynamit A.=G. ein Bezugs=
recht
auf J. G. Farbeninduſtrie in entſprechendem Verhältnis ein=
räumen
.

Grantfarter Karvorricht vom 2o. Augafr Tosb.

Staatspapiere
)Deutſche
5% Reichsanleihe.
4½Reichsanleihe .
½8
Ac.
Dollar=Schatzanw.
K.=Schatzanw. 23
K.=Schatzanw. 24
4¾½lV und V R.
Schatz.
4½%IV.-HX. .
% D. Sch
v...."
Sparprämienanl.
4½ Preuß. Konſ.
3½%

4% Baden, alt ...
3½% .
1896
4%Bahern ......"
3½½
..
8-16% Heſſ.unt. 28


3½% ...
.
48 Württ. alte . .

b) Sonſtige,
europäiſche
5%Bos. E. B. 1914
L. Inv. 1914
4½%½ 1898 ..
½½ 1902 ..
4½ .......
5% Bulg. Tabak.

47 Oſt. Goldr. .
4½%, Silberr.
4½ einh. R. (kon)

4.55
2.525

0.4ges/ 3% Port. (Spz.) IIII 8.25

0.45
0.525

5.84
0.27

0.41

0.45
0.46

3.20
0.44

4½% Oſt. Staatsr.
v. 1913
4½½Oſt. Schatz. 141

½ Rum.am. R. 03
4½½ Gold. 13..
2
am. kon. .
4% am. 05.. .
4¾Türk. (Adm.)03
Türk. Bagd. I
(Bagd.) I.
4½ 1911 Zoll.
4½% Ung. St. 1918
½% St. 1914
Goldr. . .
St. 10 .
Kronr. ..
8% Eiſ. Tor...
Außereuro=
päiſche

5% Mex am.inn.
äuß. 99 ...
Gold 04...
konſ. inn..
4½½ Irrigat.
5½Tamaulipas. .
Sachwert= Schuld=
verſchreibungen

Mit Zinsberech=
nung

Doll. Gold. 1932
% Gold. 1935
8% Frk.=Hyp.=B.=
Goldpfdbr. R.1.
8% Frkf. Hyp.=Bk.,
Reihe 2
5% Fkf. Pfandbr. B
Gold Reihe 2
Em. 8
2B

Aa
15

A
19:
13.75
9.3
19.55
18.2
2.5
22.3

34.5
23

% Neck. A G. Gld 230
8% Pfälz.=Hyp. Bk.
80 Rh.=Hyp. Gd.24
5% Rhein=Main=
Donau. . Gold 23
Ohne Zins=
berechnung

6%Bd.=Bd.=Hz: 2
Bdw. Kohl 23
5% Fr. Pf.Bk. G.
8% Großkr. Mannh.
Kohl.
6% Heid. Holzw.
6% Heſſ. Brk.=Rog
5%. Roggen . 23
6% Mannh. Stadt=
Kohl ...... . . 23
Offenb. Holz
0 Pfälziſche=Hyr
Bk. Gld. . . . 24
Fr. Kaliw. ..
19
6 Pr. Roggenw.
½ Nh. H. B. Gd.
5% Sächſ. Brk. 2:
Roggenw.2
.
5 % Südd. Feſt=B. G
Borkriegs=Hyp.=B
Pfandbriefe
Bayr. Vereinsb. .
Bayr. Handelsb..
Bayr. Hyp. u. Wech
Frkf. Hyp.=Bk. ..
..
Frkf. Pfandbr.=Bk
imb. Hyp.=Bk.
Meining. Hyp. Bk.
fälz. Hyp.=Bk. .
Freuß. Pfdbr.=Bk
thein. Hyp.=B...
zübb. Bodenkr. .
Württ. Hyp.=Bk.. .


Staatl. od. prov
garantiert
Heſſ. L.=Hyp.=B...
98.5 Landeskr. Caſſel ..
Naſſau. Ldsb. . . .

Obligationen v.
Transportanſt
4% Eliſ.=Bahn ...
4% Galiz. Carl
Lud.=B
2.18 15% Oſt. Südb. (2).
Alte .
13.5
9 Neue,,
t. Staatsb. 83

oe.
t. ., 1.b.8.E.
.. 9. E...

Oſt. 1885
Oſt. Erg. Netz
4% Rud. Silber
zu Sal
Anat., S.
14½% Anat. S
23
½% Anat., S. I.
Salon. Monaſt.
7.25
3½ Tehuantepec. .

3.29 74½½%

12

6.9
2.07

Bank=Aktien

Allg. D.=Krebit:.
Bad. Bk. ......"
Bk. f. Brauind. . . .
Barmer Bankv.
Bay. Hyp.=Wchſ..
Berl. Handelsgeſ.
omm. u. Privatb.
13.27 Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Bank
9.75 D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
12
10.10
D. Vereins=Bk. ..
Disk.=Geſellſch. . ..
10.15
Dresdener Bk. ...
11.40

14.63
11.70

7.30
6.75

5.15
4.9

13.40
18.95

A
.10
4.8


3

125
146.5
19.
141
Ae
187
z
6.23
141.5

Frkf. Hyp.=Bk.. .. .
Frkf. Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. Bk.
tetallbank. . . . . . .
itteld. Creditb.
Oſterr. Creditanſt.
Pfälz. Hhp.=Bk. ..
teichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbk. . .
thein=Hyp.=Bk.
Südd. Disc.=Geſ..
Wiener Bankverein
Bergwerks=Akt.
Berzelius .. ..."
Bochum. Bergb. ..
Buderus.. . . . . .."
Dr. Luxemburg . . .
ſchw. Bergw.....
Gelſenkirch. Bgw. .
Harp. Bergb.. . . . ."
.
Ilſe Be
ſchein.
Kali=Aſchersleb. ..
Kali. Salzdetfurt..
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerke ..."
Mannesm.=Röhr. 1134
insfelder ... . ..
berbedarf .. . . ."
Obſchleſ. Eiſ. (Caro)
Otavi=Ant.. . . . . . .
Phönix=Bergb. ..
hein. Braunk. . . .
Rhein. Stahlw.. .
Rombach. Hütte
Riebeck Montan
Tellus Bgb.. ..."
Ver. Laurahütte ..

125.5
199.75
133.5

Nainz. Aktienbr. /160
Schöfferhof(Bind. //234
Schwarz=Storchen 120
Werger ......... 1:

19
57.75
5.20

95.25
56.5
145.,
113.75
13

121.5
116.5
70.10
85.25
31.25
126. 15
174.25
150
6
143.23
72
S6.25

15
0
7.75

Akkum. Berlin. 1132
Adler & Oppenh..
Adlerw. (v. Kleyer)
G. Stamm . .
E. A. G. Vzg. A.
% A. E. G. Vzg. B., / 73.25
Amme Gieſecke ...
Aſchaff. Zellſtoff
jadenia (Wein!
Bad. Maſch. Durl. /105.25
Bad. Uhren, Furtw
amag=Meguin ..
Zahr. Spiegel ... 64.5
Beck & Henkel ..."
Bergmann El. . . . . 142.23
Bing. Metall.. . .
Brem.=Beſigh=Ol. 70
Cement=Heidelb.
ement, Karlſtadt 1125.5
Cement, Lothr.. . .
Chem. Albert. . . . . 145.5
hem. Brockh. . . . / 70.5
Chem. Milch ..."
Daimler Motoren
Dt. Eiſenhandel. 76.
deutſche Erdöl ... 144
D. G. u. Silb. Scheib./459.)
Dingler Maſch. . .

Dresd. Schnellpr.
Dürrkopp . . . . . . ."
ürr. Rattingen .. 37.
Dyckerhoff & W. . ./ 56.9
Eiſenw. Kaiſersl. . . 37.5
Eiſenw. L. Meher
El. Lieferung ...
1. Licht= u. Kra
147
Elſ. Bad. Wolle ..! 37.7.
Fmag. . .
.... ! 02
Email. Ulrich .. .."
40
Enzinger Perke . 85

70.75
3.:

126
14.25
47.7
5
122.;
82

Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn. . .
Faber Bleiſtift..
faber E Schleicher
Fahr, Pirmaſens.
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau
Feinmech. (Jetter)
Feiſt, Sekt. . ... ..
Frankfurter Gas".
rankfurter Hof
Frkf.=M. Pok. u. W.
Fuchs Waggon .."
Beiling & Cie. ...
ermania Linol. . .
Gelſenk. Gußſt. . . .
Goldſchmidt, Th.
Gotha Waggon .."
Greffenius... ...
Gritzner, Maſch.. .
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft
Hammerſen . . . . .
Hanfw. Füſſen ...
Hartm. & Braun.
Heyligenſtaedt. .
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer ...."
Hoch=Tiefbau ...."
Holzmann . . . . . . .
Holzverk. Ind... .
Hydrom. Breslau".
Inag .........."
Junghans ......"
Kammg. Kaiſersl.
Karlsruher Maſch.
Larſtadt, R. . ..
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn".
Konſerv. Braun ..
Prauß, Lokom. .. ."
Lahmeher ....... !
Lech. Augsburg...

8
285
76.
2
2.5
30.75
9.71
13-
194
114.5

95.5

76.
98.25
39

Lederw. Rothe ...
picharz..
Lingel Schuhw.. .
Löhnberg. Mühle
Ludwigsh. Walzm.
Züdenſcheid Metall
Luther, Mühlenb.
Lux, Induſtrie ..
Mainkraft Höchſt
Retallgeſ. Frkf. ..
teher, Dr. Pauk..
jag. Mühlenb. ..
enus, Stamm
otorenf. Deutz".
Notorenf. Oberurſ.
Neckarſ. Fahrz. . . ."
Neckarw. Eßlingen
Zeters Union ..

8
7.5

90.5
56
21
13.75
144.5
115
48
58.75
81.
1.75
36.75

fülz. Näh. Kayſer
30
Philipps. . . . . . .
Porzellan Weſſel
Frometh. Frkf.
kein. Gebb.& Schall 82
Rhein. Elektr. .. . . 1133.
Rhein. Metall=Vz. 23
ickforth .. . . . .."
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114
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[ ][  ][ ]

Geite 14

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926

Nummer 221

Köln=Rottweil A.=G. Die außerordentliche Generalverſammlug
der Köln=Rottweil A.=G., die über die Aufhebung von Intereſſengemein=
ſchaftsverträgen
und beſonders über den Abſchluß eines Fuſionsvertrage;
mit der J. G. Farbeninduſtrie zu beſchließen hatte, war beſchlußunfähig,
da insgeſamt nur 16 Aktionäre mit 19 867 480 Rm. Stamm= und 125 000
Vorzugsaktienkapital vertreten waren, ſo daß die erforderliche Drei=
viertelmehrheit
der ausgegebenen Aktien in Höhe von etwas über 27
Millionen Rm. nicht vorhanden war. Es wird eine neue General=
verſammlung
auf den 31. Auguſt mit der gleichen Tagesordnung ein=
berufen
werden.
Zum Projekt der Ourtalſperre. Von der luxemburgiſchen Grenze
wird geſchrieben, daß Verhandlungen zwiſchen der das Projekt der
Ourtalſperre betreibenden deutſchen Geſellſchaft (AEG. und RWE.) und
der luxemburgiſchen Arbed=Geſellſchaft und der bedeutendſten belgiſchen
Induſtriegeſellſchaft (man vermutet mit der Sopa) Verhandlungen
ſchweben, und daß die Verhandlungen zur allgemeinen Zufriedenheit
voranſchreiten. Es ſoll geplant ſein, daß die Arbed an Luxemburg den
Strom liefert. Da die Ourtalſperre ein Spitzenwerk ſein würde, würde
die Arbed genötigt ſein, die Spitzenkraft des Ourtal=Werkes zu ge=
brauchen
, während letzteres Werk nun die Nacht= und Sonntagskraft
der Arbed gebrauchen würde, um das Waſſer des zweiten Ourtalbeckens
in das erſte Becken zu pumpen. Das iſt geplant, um das Waſſer immer
wieder erneut für Kraftzwecke ausnutzen zu können. Das zum Bau der
Ourtalſperre nötige Kapital ſoll bereits vorhanden ſein.
Amerikaniſche Vorſchläge zur Vereinigung aller Kaufleute. Das
Journal of Commerce meldet aus Waſhington, daß das Amerikaniſche
Komitee der Internationalen Handelskammer in einer Erklärung den
Vorſchlag unterbreitet, die Kaufleute der ganzen Welt ſollten ſich durch
Vermittlung der Internationalen Handelskammer vereinigen. Die Er=
klärung
enthält Hauptrichtlinien für die Behandlung des auswärtigen
Handels und des ausländiſchen Kapitals. Dieſe Erklarung ſoll ein Teil
des Planes ſein,, der die Hinderniſſe, die den internationalen Handel
erſchweren, beſeitigen will. Das Komitee bezeichnet folgende ſechs Punkte
als Haupthindernis für den internationalen Güteraustauſch: 1. Das
Nachlaſſen der Kaufkraft, 2. die Entwertung der Währungen und die
ſchwankenden Wechſelkurſe, 3. die politiſche Unſicherheit und die ſchlech=
ten
Sicherheiten, 4. die unterſchiedliche Behandlung und die Abneigung
gegen fremdes Kapital, 5. das Anwachſen der Schranken für den Ver=
brauch
durch Schaffung neuer politiſcher Gebilde und 6. die Einmiſchung
der Regierung in die Gebiete der Induſtrie und des Handels, die eigent=
lich
der privaten Unternehmungsluſt zu überlaſſen ſind. Das Komitee
iſt der Anſicht, daß die unberufene Einmiſchung der Regierungen durch
Feſtſetzung von Preiſen und durch Einſchränkungen bei der Rohſtoff=
erzeugung
gegenüber den davon abhängenden Verbrauchern nicht zu
billigen iſt. Das Komitee ſchlägt vor, die Internationale Handelskammer
möge der Preisfeſtſetzung der wichtigſten Rohmaterialien und der Er=
zougungseinſchränkungen
durch die Regierung ihre ablehnende Haltung
zum Ausdruck bringen.

Produktenberichte.
Frankfurter Produktenmarkt vom 10. Auguſt. Bei faſt völliger
Geſchäftsloſigkeit blieb die Tendenz am hieſigen Markt gehalten. Es
wurden notiert: Weizen, neue Ernte, 28,5029, Roggen, neue Ernte,
29,75, Hafer ausl. 20,5022, Weizenmehl 4242.75. Roggenmebl. 30,
Weizenkleie 8,75, Roggenkleie 10,50.
Berliner Produktenbericht vom 10. Auguſt. Der Getreidemarkt,
dem vom In= und Auslande jede Anregung fehlte, ſtand auch heute
wieder allgemein im Zeichen größter Geſchäftsſtille. Weizen blieb haupt=
ſächlich
in naher Ware angeboten, ſo daß ſich bei der geringen Kauf
neigung die letzten Kurſe wiederum nicht behaupten konnten. Für
Roggen ſind die Offerten gering und finden zu letzten Preiſen Unter=
kunft
. Im Lieferungshandel wollte Geſchäft überhaupt nicht zuſtande=
kommen
, und erſt im Verlauf erfolgte in Dezemberweizen zu einer Marl
niedrigerem Kurſe einiger Umſatz. Die Veränderungen für Roggen
waren gering und für Oktober niedriger. Dezember etwas feſter. Gerſte
ruhig, da die knapp offerierte Ware zu hoch gefordert wird. Hafer nicht
viel Angebot. Das Mehlgeſchäft iſt ſchleppend. Weizenmehl knapp.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 10. Aug. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt zeigte heute einen feſten Verlauf auf gebeſſerte
heimiſche Lokonachfrage und Exportnachfrage. Die Termine gewannen
bis 1½ C.
Mais: Hohe Temperaturberichte und kleinere Ankünfte verliehen
dem Markt ein feſtes Ausſehen, wozu noch Deckungskäufe der Baiſſiers
beitrugen. Die Termine zeigen Aufbeſſerungen von 241½ C.
Hafer: In Sympathie mit vorgenannten Märkten verlief auch dieſes
Marktgebiet in feſter Haltung.
Baumwolle: Niedrigere europäiſche Kabelmeldungen und günſtige
Temperaturberichte bewirkten einen ſchwachen Anfangsverkehr. Dann
aber konnte ſich auf Deckungskäufe der Baiſſe der Markt befeſtigen, ſo
daß die Termine etwa 10 Pkt. anzogen.
Kaffee: Höhere braſil. Forderungen und die höhere braſil. Deviſen=
rate
führten zu einem feſten Verlauf. Die Termine gewannen weiter
1020 Pkt.
Zucker: Im Anfangsverkehr geſtaltete ſich der Markt feſt auf Käufe
und Abrufe der Raffinerien. Später trat eine Abſchwächung ein auf
Meldungen, daß die Arbeiterforderungen auf Kuba geregelt worden
ſeien. Die Termine gaben 23 Pkt. nach.
Kakao: Da wieder deutſche Käufe und auch engliſche beobachtet wur=
den
, konnte der Markt einen feſten Verlauf nehmen. Auch trug die
Feſtigkeit des Lokomarktes und Kaufluſt der Spekulation zur Aufbeſſe=
rung
bei. Die Termine zeigen Avancen bis zu 12 Pkt.

Viehmärkte.
Mainzer Viehmarkt vom 10. Auguſt. Angetrieben waren 34 Ochſen,
22 Bullen, 430 Kühe und Färſen, 190 Kälber, 12 Schafe und 900
Schweine. Preiſe: Ochſen 4550, Bullen 3550, Kühe und Färſen
a) 5262, b) 3852, c) 2438, d) 1522, Freſſer 5470, Schweine
7886. Marktverlauf: lebhaft, ausverkauft.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Wie wir von der Verwaltungsſeite erfahren, beabſichtigt die Ver=
einigten
Stahlwerke=A.=G. die Eiſenhütte Holſtein A.=G., die ſie von den
Rombacher Hüttenwerken übernahm, wegen Unrentabilität ſtillzulegen
Der Ziegelbau=Ausſtellung auf der Leipziger Herbſt=Baumeſſe 1926
vom 29. Auguſt bis 4. September wird eine Ziegelmaſchinenſchau an=
geſchloſſen
ſein. Die Maſchinen werden im praktiſchen Betriebe vor=
geführt
.
Die Generalverſcmmlung der Geſellſchaft Mayer u. Schmidt, Offen=
bach
a. M., hat beſchloſſen, für das Geſchäftsjahr 1925 auf das Aktien=
kapital
von 3 Millionen Rm. eine Dividende von 5 Prozent zu ver=
teilen
.
Der vom franz. Arbeitsminiſterium mitgeteilte Generalindex der Groß=
handelspreiſe
beträgt ſür Ende Juli 856 gegen 754 Ende Juni und 702
Ende Mai. Der Pariſer Kleinhandelsindex für Ende Juli ſtellt ſich auf
574 gegenüber 544 im Juni und 522 im Mai.
Wie die Saarbrücker Handelskammer mitteilt, tritt am 10. Auguſt
laut Mitteilung der franzöſiſchen Zollbehörde eine allgemeine Zoll=
erhöhung
von 30 Prozent auf Grund der neuen franzöſiſchen Zollgeſetze
auch im Saargebiet in Kraft.
Die Zahl der Arbeitswilligen im engliſchen Bergbau ſoll nach
bisher unbeſtätigten Blättermeldungen etwas geſtiegen ſein.
Der lettländiſche landwirtſchaftliche Zentralverband hat beſchloſſen,
in Riga eine Warenbörſe ins Leben zu rufen. Das Inſtitut ſoll auf
privater Grundlage aufgebaut werden und den landwirtſchaftlichen
Kreiſen einmal wöchentlich die Möglichkeit zur Fixierung der Preiſe
und zur Tätigung von Abſchlüſſen geben.
Die Bilanz der Bank Polſki per 1. Auguſt weiſt eine bedeutende
Beſſerung auf. Der Goldvorrat iſt von 134 695 869 Zloty am 1. Juli
auf 135 199 151, alſo um 503 282 Zloty geſtiegen. Der Valutavorrat
hat die Höhe von 91 324 624 Zl. gegenüber 78 548 690 Zl. am 1. Juli
erreicht.
Die Federal Reſervebank von New York hat im Laufe der letzten
Woche 2500 Millionen Dollar Gold nach Deutſchland zum Export an=
gemeldet
, und zwar ſür Rechnung der Deutſchen Reichsbank. Wie ver=
lautet
, dürften weitere Goldſendungen folgen.

Die große Lustsplel-Woche!

Pat und Patachon auf
der Wolfsjagd
Das neueste Pat u. Patachon-Lustspiel
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Die neueste Wochenschan
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Pola Negri
in dem Sittenroman in 6 Akten
Bella Bonna

Der Film der deutschen Besetzung
Frieda Richard, Lia Elbenschlltz und
Wilhelm Dieterle
in dem Drama in 6 Akten:
Wetterleuchten

Die neueste Wochenschau, (11602
Anfang 31, Uhr. Letzte Abendrorstellung 5 Uhr

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Leitung: Direktor Adalbert Steffter

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Nummer 221

Wildgraf Hubertus.

Roman von Peter Fides.

(Nachdruck verboten)

Nun machen Sie nur kein ſolch’ wütendes Geſicht.
Wütend?! Stephan ſtützte ſich ſchwer auf die Schreibtiſch=
platte
. Herr Graf, wie ſoll ich Ihnen nur danken?
Danken? Wäre noch ſchöner! Aber eine Bitte habe ich:
Störe ich Ihnen die Feſtfreude, wenn ich zur Beſcherung bleibe?
Es fehlte nicht viel und der alte Herr hätte Hubertus um=
armt
.
Der Oberförſter machte ein ganz verdutztes Geſicht.
Eine größere Freude könnten Sie mir und meinen Kindern
nicht machen, und wenn ich den Herrn Grafen bitten dürfte, wir
haben ja nur ein ganz einfaches Abendeſſen: Karpfen polniſch
Iſt mein Leib= und Magengericht, aber dann muß ich nach
dem Schloß telephonieren, daß ich erſt ſpäter komme, und
könnten Sie mir inzwiſchen vielleicht einen Karton mit einem Arm
voll Fichtenreiſern beſorgen?
Gewiß, ich will gleich mal Lia rufen
Nee, um Himmelswillen nicht! Schicken Sie mir nur Ihre
alte Minna, ich muß ohnehin ein paar Worte mit ihr reden!
Kopfſchüttelnd ging Stephan auf den Flur, und ein paar
Minuten ſpäter trat die Köchin ein, ganz verlegen.
Guten Abend, Minna. Egede gab dem alten Faktotum die
Hand. Sie müſſen mir mal bei einer Ueberraſchung helfen, und
hier er nötigte ihr einen Zwanzigmarkſchein auf dafür
kaufen Sie ſich irgend was, nee, die Bedankerei kann ich
nicht leiden, alſo, ich lege jetzt etwas in den Karton, und wenn
wir beim Eſſen ſitzen, kommen Sie herein und ſagen, dies Paket
ſei ſoeben für Fräulein Deliane abgegeben worden, werden
Sie das pünktlich ausrichten?
Die Alte knixte.
Aber gewiß doch, Herr Graf!
Na ſchön! Hubertus ſchnürte den Ruckſack auf, während
ihm der Oberförſter neugierig zuſah, und bettete die beiden Edel=
marder
in das dunkle Fichtengrün.
Donnerwetter!
Egede ſchmunzelte. Die habe ich heute nachmittag erwiſcht,
und jetzt, könnte ich wohl einen Briefbogen und einen Um=
ſchlag
bekommen?
Gewiß! Der alte Herr ſuchte ſein beſtes Kanzleipapier
hewor und ſchob Hubertus den Schreibtiſchſeſſel hin. Leiſe
kniſternd huſchte die Feder über den blütenweißen Bogen.
So! Der Karton wurde verſchnürt. Nun machen Sie
Ihre Sache gut, Minna!
Die Alte griente. Der Herr Graf können ſich ganz auf
mich verlaſſen! Dann ſchlurfte ſie hinaus und trug das Paket
ſo behutſam vor ſich her, als ſei der Inhalt koſtbares Kriſtall.
*
Im Zwinger ſchlugen die Hunde an.
Wollen Sie den Beiden nicht entgegengehen und lieber erſt
mal mit ihnen allein ſprechen? fragte Egede. Uebrigens, wo
ſind denn Fräulein Anni und Fräulein Gretel? Ich möchte den
Damen doch erſt guten Abend ſagen, in zehn Minuten bin ich
wieder hier.
Der Oberförfter zog ſeine Uniform ſtraff.
Die Mädel ſitzen drüben in der Küche und helfen der
Minna
Na ſchön
9"
Aber, Herr Graf, Sie werden doch nicht
J, freilich, und vielleicht fällt noch ein Topp Kaffe dabei
ab

Mittwoch, den 11. Auguſt 1926
Draußen ſchrillte die Flurklingel, Stephan ſtürzte hinaus.
Um Gotteswillen
das andere blieb unverſtändlich.
Am Ende des Ganges öffnete ſich eine Tür.
Papa, was iſt denn?
Guten Abend, Fräulem Anni, Ihr Herr Vater ſpricht,
glaube ich, mit dem Poſtboten.
Oh Gott, Herr Graf! Sie?! Das junge Mädchen wurde
ganz verlegen, doch Hubertus tat, als merke er es nicht.
Jawohl, in ganzer Lebensgröße, ich kam beim Vorbeigehen
auf einen Sprung herein, hatte noch etwas Dienſtliches zu be=
ſprechen
, und denken Sie, Ihr Herr Vater hat die Liebens=
würdigkeit
gehabt, mich aufzufordern, ob ich zur Beſcherung blei=
ben
wollte; ich freue mich ſchon auf den Weihnachtskarpfen!
Damit öffnete er die Küchentür. Ah, guten Abend, meine
Damen, bitte, Fräulein Gretel, laſſen Sie ſich nicht ſtören, oder
iſt hier der Eintritt verboten?
Es mochte wohl an der Glut des Herdfeuers liegen, daß Lias
Geſicht plötzlich von einer heißen Röte überflutet war, lächelnd
gab Egede den beiden jungen Mädchen die Hand.
Iſt es ſehr unbeſcheiden, wenn ich um eine Taſſe Kaffee
bitte? Ich bin nämlich noch ganz durchfroren.
Jetzt waren die drei i ihrem Element, und im Handum=
drehen
ſtand alles auf dem blitzſauber geſcheuerten Küchentiſch
bereit: eine bauchige Meißner Kanne mit Zwiebelmuſter, ein
Täßchen, Milch und ein durchbrochenes Körbchen mit Räder=
gebackenem
.
Erbarmen, meine Damen! Nein, eſſen kann ich wirklich
nichts, ich verderbe mir ſonſt womöglich noch den wunderſchönen
Appetit auf den Weihnachtskarpfen und oh Omeletten gibt
es auch?
Gretel lachte.
Herr Graf, ich glaube gar, Sie haben ſich nur hereinge=
pürſcht
, um ein bißchen Topf zu gucken?
Könnte ſchon ſein! Er ſchmunzelte. Wann ſoll denn be=
ſchert
werden?
Ja, ich weiß nicht recht, der Baum ſteht ſchon im Beſuchs=
zimmer

Um ſechs, meinte Anni, wir wollen nur noch den Karpfen
anſetzen, dann zündet Minna die Lichter an.
Dann will ich nicht länger ſtören, Hubertus hatte gehört,
wie draußen die Tür zu dem Arbeitszimmer des Oberförſters
klappte,, er trank ſeine Taſſe aus: Sie müſſen nur, bitte, ent=
ſchuldigen
, wenn ich mich in einem ſo wenig feſtlichen Gewand
präſentiere.
Darauf kommt es doch nicht an, fagte Lia. Die Haupt=
ſache
bleibt die Stimmung
Eben, ganz meine Anſicht, alſo auf Wiederſehen,
meine Damen!
Gretel ſah ihm ganz verdutzt nach.

Nun ſagt bloß mal, Kinder, das iſt ja ſonderbar
Finde ich gar nicht, Anni wendete kunſtgerecht einen au
der Unterſeite goldbraun gebackenen Eierkuchen. Papa weiß
ja, wie einſam der Abend für den Aermſten geworden wäre, da
hat er ihn gebeten, zu bleiben.
Ach Gott, bei uns wird von der richtigen Weihnachtsſtim=
mung
auch wenig zu merken ſein, ein brunnentiefer Seufzer:
am liebſten bliebe ich in meinem Zimmer.
Deliane lächelte.
Aber Anni, wer wird denn ſo mieſepeterig ſein! Denk' mal,
wie viel habe ich in dieſem Jahre verloren, da muß man ſich halt
zuſammennehmen und den Schmerz verbeißen, ſchon um der an=
deren
willen!
Ja freilich, und du haſt ja recht
Na alſo, immer Kopf hoch, wer weiß, wie es ausſieht, wenn
wir wieder Chriſtabend haben!
Minna ſchlurfte herein und begann in dem Geſchirrſchrank
herumzukramen.

Fehlt denn noch etwas? fragte Gretel.
Die Alte wehrte ab.
Nee, Freilein, laſſen Sie man, det mach’ ick ſchunſt alleene,
un Se können ruhig noch en halbes Dutzend Omeletten mehr
backen.
Ein halbes Dutzend? So viel wird doch der Herr Graf
nicht eſſen?!
Nu, mer weeß nich, wozu 8 fut is, erklärte das Faktotum
orakelhaft und lud einen Stoß Teller auf das Tablett, dann fiel
die Küchentür mit lautdem Knall ims Schloß
Leiſe hatte Egede die Klinke niedergedrückt, nun traſt er im
das Arbeitszimmer des Oberförſters.
Recht ſchön guten Abend, meine Herren!
Voigt und Mertens ſchnellten von ihren Sühlen in die
Höhe, beide purpurrot im Geſicht.
Herr Graf
Stephan lachte, aber es klang wie das ferne Grollen eines
abziehenden Gewvitvers.
Na alſo, nun habe ich den Mädels ihren Willen getan
Bravo! Hubertis drückte den beiden Beamten die Hand.
Und ich möchte der Erſte ſein, der Ihnen Glück wünſcht zur
Doppelverlobung, ſo eine Doublette laſſe ich mir gefallen, meine
Herven Ober förſter!
Egede bedauerte es ſpäder noch oft, daß in dieſem Augenblick
kein Momentphotograph zur Stelle war. Fritz Voigt ſtarrte
ſeinen Schwiegervater an, als könne der ihm das Rätſel löſen,
und Mertens ſchnappte mach Luft, wie ein aufs Trockene ge=
ratener
Fiſch.
Sie glauben es wohl noch nicht?! Ja, Herrſchaften, nicht
wur das Unglück, auch das Glück kommt ſelten allein! Vom
1. Januar an werden Döbritz und Karsdorf ſelbſtändige Ober=
förſtereien
; ich denke, wir können ſchon im Frühjahr mit dem
Vauen anfangen, und was ſonſt noch zu beſprechen iſt, das er=
ledigen
wir in den nächſten Tagen
Da löſte ſich der Bann.
Herr Graf! Jeder der beiden hatte eine
Herr Graf!
von Egedes Händen gefaßt. Und nun wiſſen wir auch, wem
wir alles verdanken
Um Himmelswillen! Nicht ſo laut! Sie follen ja als
Weihnachtsüberraſchung aufgebaut werden, welcher nimmt denn
nun eigentlich die Gretel ?
Ich! erklärte Paul Mertens ſtrahlend.
Schön, dann werden Sie die Güte haben, unter den Weih=
nachstiſch
Ihrer Herzallerliebſten zu ſchliefen, und Herr Voigt
kriecht unter den anderen!
Stephan pruſchtete heraus und ſchüttelte ſich in einem unter=
drückten
Lachanfall.
Das das wird einfach großartig o oh‟, der
alte Herr hielt ſich die Seiten, und dabei liefen ihm vor lauter
Lachen die hellen Tränen über die Backen. Aber nun kommt
an der
mal mit, die Mädels können jeden Augenblick
Tür klopfte es. Halt! Draußen bleiben!
Ach, Papa, es iſt doch ſchon fünf Mimuten nach ſechs, der
Karpfen zerfällt uns ja ſonſt!
Jawohl! Gleich!!
Der Oberförſter faßte ſeine beiden Schwiegerſöhne an den
Armen und zog ſie ins Nebenzimmer.
Hier, nu’ mal fix! Und daß ihr euch mucksmäuschenſtill
verhaltet! Dann ſtakelte er auf die Tür zu. Anm, ſag’ nur
der Minna, ſie könnte die Lichter anzünden!
Von nebenan kam ein leiſes Geräuſch, der ſüßliche Duft
brennender Wachekerzen, herber, friſcher Tannengeruch.
Stephan griff nach einer Klingel; ihr helles, ſiſilbernes
Bimmeln klang über den Flur.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ]

Seite 16
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