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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 211
189. Jahrgang
Sonntag, den 1. Auguſt 1926.
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſſadt 25 Reſchspfg.
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Gewalt, wie Krſeg. Aufruhr Sireit uſw., erliſcht
jede Verpſlichtung auf Erfüſlung der
Anzeſgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung fällt ſeder
Rabatzt weg. Bankkono: Deutſche Bank und
Darm=
ſfädte: und Nationalbank.
*Vor der Völkerbundstagung.
Nicht eingelöſie Rückwirkungen.
Kaum mehr als vier Wochen trennen uns noch von der
Tagung des Völkerbundes, die endgültig über die Aufnahme
Deutſchlands in den Völkerbund zu befinden haben wird. In
dieſen vier Wochen aber iſt noch mancherlei zu tun, weil eine
ganze Reihe von Vorfragen überhaupt noch ungeklärt iſt. Wir
denken dabei im Augenblick nicht einmal an die Streitpunkte,
bei denen Deutſchland eine aktive Rolle ſpielt. Sie wurden in
Locarno unter dem Begriff der Rückwirtungen zuſammengefaßt,
weil Deutſchland ſie nicht unmittelbar als Vorbedingungen ſeines
Eintrittes bezeichnen wollte, aber indirekt wenigſtens ſeinen
Ein=
tritt davon abhängig machte. Im Vordergrund ſtand dabei die
Frage der Beſetzung der zweiten und dritten Zone und der
Re=
viſion der Ordonnanzen im beſetzten Gebiet. In beiden Fragen
iſt bisher ſo gut wie gar nichts erreicht. Die Entente drückt ſich
immer noch daran vorbei, daß die Beſatzungstruppen 30000
Mann mehr ſind als die deutſche Friedensſtärke, obwohl die
Zu=
ſage, die uns auf die „Chiffres normaux” gegeben wurde, doch
eigentlich hieb= und ſtichfeſt war. Auch in der Reviſion der
Or=
donnanzen iſt es bei der Aufhebung einiger der härteſten
Be=
ſtimmungen geblieben. Im übrigen kämpft der deutſche
Reichs=
kommiſſar einen langen ſchweren Kampf gegen die
Rheinland=
kommiſſion, ohne ſichtbare Erfolge zu haben, obwohl die deutſche
Regierung wiederholt in Paris und London zu erkennen
ge=
geben hat, daß bei der Stimmung des deutſchen Volkes der
Eintritt in den Völkerbund für uns einfach nicht
tragbar wäre, wenn wir nicht den Beweis hätten, daß die
Grundeinſtellung der Siegerſtaaten und ihrer Haltung den
be=
ſetzten Gebieten gegenüber nach Abſchluß der Locarnoverträge ſich
ganz weſentlich ändern.
Soweit alſo Deutſchland in Frage kommt, müſſen wir unſer
Eintrittsgeſuch nach wie vor in der Schwebe halten, bis ſich
ge=
zeigt hat, daß die Gegenſeite ernſtlich gewillt iſt, auch von ſich
aus dem Geiſt von Locarno beſtimmte Zugeſtändniſſe zu machen.
Aber auch ſoweit wir Objekt der Aufnahme ſind, hängt alles noch
in der Luft. Unſere Aufnahme im Frühjahr ſcheiterte an dem
Widerſtand Braſiliens. Um ihn aus der Welt zu ſchaffen, wurde
eine Kommiſſion eingeſetzt, die eine Reform des ganzen Statuts
der Ratsſitze vornehmen und dabei auch die Wünſche Spaniens
und Braſiliens berückſichtigen ſollte. Dieſe Kommiſſion hat
bis=
her lediglich einen Teil ihrer Aufgabe erfüllt. Sie iſt in der
Frage der nichtſtändigen Sitze zu feſt formulierten Vorſchlägen
gekommen. Die Frage der ſtändigen Ratsſitze iſt
aber bisher noch nicht gelöſt. Im Gegenteil, Braſilien
und Spanien beſtehen auf ihrer Forderung. Beide drohen, daß
ſie dem Völkerbund den Rücken kehren, wenn ſie nicht ebenſo
wie Deutſchland einen ſtändigen Natsſitz bekommen. Auch Polen
hat vor einiger Zeit ſeine Anſprüche wieder angemeldet.
Cham=
berlain hat deshalb ſchon vor einigen Wochen im Unterhaus
an=
gekündigt, daß die Studienkommiſſion vor der Herbſtſitzung
wahr=
ſcheinlich alſo noch im Auguſt erneut zuſammentreten müſſe. Sie
war urſprünglich ſchon für Ende Juni angeſetzt. Nach den
be=
liebten Gepflogenheiten der Diplomatie iſt aber die ganze
Tagung dann verſchleppt worden, weil man hoffte, daß man ſchon
irgendwie durch ein Wunder zu einer Einigung kommen würde.
Dieſe Hoffnungen ſind auch jetzt noch nicht aufgegeben.
Zwiſchen Paris, Rom, Brüſſel und London findet
gegen=
wärtig ein reger Meinungsaustauſch ſtatt, offenbar in der
Rich=
tung, daß in Madrid wie in Warſchau darauf gedrückt werden
ſoll, daß beide Staaten ſich mit einem gehobenen nichtſtändigen
Sitz begnügen, der ihnen eine dreijährige Amtsdauer
gewähr=
leiſtet. Der Beſuch des Königs von Spanien in Frankreich
und England iſt vorher wahrſcheinlich ſchon zu dieſem Zweck
in=
ſzeniert worden. Der Erfolg ſcheint indes noch nicht ſichergeſtellt
zu ſein. Es iſt aber ſelbſterſtändlich, daß Deutſchland ſich bei
dieſem Teil des Programms vollkommen zurückhält, denn wir
haben kein Intereſſe daran, bei den Spaniern den Eindruck
her=
vorzurufen, als ob ſie etwa Deutſchland geopfert würden. Im
Gegenteil, ſoweit hier die Vorausſetzungen für den Eintritt
Deutſchlands in den Völkerbund geſchaffen werden müſſen, iſt
das Sache lediglich der übrigen Ratsmächte. Wir werden uns
ekſt zu Worte melden, wenn darüber Klarheit geſchaffen iſt und
dann von unſerer Seite zum letzten Mal die Verminderung der
Beſatzungsarmee aufs Tapet bringen.
Ein ſireng vertraulicher Meinungsaustauſch,
Der ſich auf die kommende Völkerbundstagung bezieht, findet,
wie der diplomatiſche Berichterſtatter des „Daily Telegraph”
ſchreibt (der lediglich die engliſche Auffaſſung widergibt; d. Red.),
Siiſſchen den verſchiedenen Völkerbundsſtaaten auf dem üblichen
Liplomatiſchen Wege ſtatt. Die Hauptſorge der britiſchen Regie=
Tung, die von anderen Staaten geteilt würde, ſei, daß Deutſch=
Ends Eintritt in den Völkerbund ohne jede Hinderniſſe erfolge.
— Mit Rückſicht auf die noch nicht geklärten polniſchen Anſprüche
„Echne man damit, daß die Wahl der nichtſtändigen Mitglieder
im acht bis zehn Tage verſchoben würde. — Weitere Schwierig=
Elten ergäben ſich aus dem Plan, den ſüdamerikaniſchen
Staa=
en drei nichtſtändige Sitze zuzuweiſen. Argentinien könnte bis
ahin kaum wieder dem Völkerbund beigetreten ſein, Braſilien
abe gekündigt, ſo daß tatſächlich nur noch Chile verfügbar ſei.
S ſchiene nicht angemeſſen, die anderen beiden nichtſtändigen
Abe ſüdamerikaniſchen Staaten von geringerer Bedeutung zu
eben. Zurzeit würde ein Verſuch gemacht, Braſilien zur
An=
ayme eines dreijährigen Sitzes zu überreden, was aber keine
usſicht auf Erfolg habe. Hinſichtlich Spaniens ſei eine Ueber=
Iſchung möglich. Daß es einen dreijährigen Sitz annehmen
Ekde, ſei nicht zu erwarten, wohl aber beſtünde die Möglichkeit,
18 Berlin nach dem Eintritt Deutſchlands in den Völkerbund
e ſbaniſchen Anſprüche auf einen ſtändigen Sitz unterſtützen
erde, da Deutſchland ein Intereſſe daran habe, mit der
ehe=
als führenden neutralen Macht auf gutem Fuße zu ſtehen.
Die Vorbedingung für den europäiſchen Frieden und
für das Zuſtandekommen der Vereinigten Staaten
von Europa.
EP. Paris, 31. Juli.
Geſtern abend fand im Hotel Continental eine
Zuſammen=
kunft zwiſchen Vertretern der deutſchen Landwirtſchaft und der
parlamentariſchen Gruppe für die deutſch=franzöſiſche
Verſtän=
digung ſtatt. Von franzöſiſcher Seite waren Vertreter des
Kriegsminiſteriums und des Landwirtſchaftsminiſteriums ſowie
der Vorſitzende der deutſch=franzöſiſchen Parlamentsgruppe,
Philippe Poteaux, ſowie der Vorſitzende des Sachlieferungs=
Ausſchuſſes und der ehemalige Penſionen=Miniſter Antériou
er=
ſchienen, die in Anſprachen eine deutſch=franzöſiſche
Annäherung auf wirtſchaftlichem und
poli=
tiſchem Gebiet als die Vorbedingung und
Ga=
rantie für den europäiſchen Frieden und weiterhin
für das Zuſtandekommen der Vereinigten
Staa=
ten von Europa bezeichneten und es als eine erfreuliche
Entwicklung in dieſer Richtung anſahen, daß die
landwirtſchaft=
lichen Kräfte Deutſchlands die Initiative zu einer Verſtändigung
mit den landwirtſchaftlichen Verbänden Nord= und
Weſtfrank=
reichs ergriffen hätten. Einzelheiten über etwa getroffene
Ver=
einbarungen, die ſich bekanntlich auf eine Nutzbarmachung der
deutſchen Dawes=Lieferungen für die Landwirtſchaft beider
Län=
der erſtrecken ſollen, ſind bisher nicht bekannt geworden, doch
wurde uns mitgeteilt, daß es ſich bei den in Frage kommenden
Lieferungen in erſter Linie um die Ausfuhr wertwoller
Zucht=
tiere nach Frankreich handele.
Die belgiſch=franzöſiſchen Finanzbeſprechungen.
Die belgiſchen Miniſter Vandervelde und Francqui haben am
Samstag Paris verlaſſen. Am Bahnhof hatten ſich der belgiſche
Botſchafter und ein Vertreter Briands zur Verabſchiedung
ein=
gefunden.
Die Nachmittagspreſſe beſchäftigt ſich ausführlich mit den im
Quai d’Orſay geführten Beſprechungen. Der „Intranſigeant”
will wiſſen, daß zwiſchen Frankreich und Belgien ein
vollkom=
menes Einvernehmen dahin erzielt worden ſei, daß auf der
Septemberſeſſion des Völkerbundsrats alles getan werden ſoll,
um eine Wiederkehr der Ereigniſſe vom März zu vermeiden.
Was die finanziellen Beſprechungen angeht, warnt die Preſſe
durchweg vor übertriebenen Hoffnungen. Es habe ſich nicht um
eigentliche Verhandlungen, ſondern nur um eine Fühlungnahme
gehandelt.
Freigabe beſchlagnahmten Eigentums
für Südweſtafrikaniſche Einwohner.
London, 31. Juli.
Reuter erfährt, während ſeiner offiziellen Reiſe durch
Süd=
weſtafrika habe Präſident Herzog zugeſagt, in der
Angelegen=
heit des ehemals ſeindlichen Eigentums, das Einwohnern von
Südweſtafrika gehört und innerhalb des Königreichs
Großbri=
tannien beſchlagnahmt worden iſt, bei der engliſchen Regierung
Vorſtellungen zu erheben. Die britiſche Regierung hat nunmehr
für zuläſſig erklärt, daß derartiges Eigentum freigegeben wird,
bzw. daß in Fällen, wo derartiges Eigentum bereits liquidiert
worden iſt, der Erlös freigegeben wird.
Beſchlagnahme des Stiftes Tepl.
EP. Prag, 31. Juli.
Auf Grund einer Exekutionsverfügung erſchien vorgeſtern
ein Vertveter des Bodenamts und ein Vollzugsorgan des
Be=
zirksgerichts Weſperitz im Stift Tepl, um die Liegenſchaften des
Stifts in Marienbad im Wege der Exekution zu enteignen und
dem Vertreter des Bodenamts als Staatseigentum zu
über=
geben. Gegen dieſe überfallartige Durchführung der gerichtlichen
Exekution hat das Stift Proteſt eingelegt und den Rekurs
ein=
gebracht, dem eine aufſchiebende Wirkung zuerkannt wurde.
Das Verhältnis zwiſchen Amerika und Europa
w. Williamstown, 31. Juli.
Im Inſtitute of Polities erklärte, der Generaldirektor der
Panamerikaniſchen Union, Rowe, die Vereinigten Staaten
müß=
ten eine Panamerikabewegung fördern, um ſich gegen
künftig etwa auftretnde Verwickelungen mit Europa verteidigen
zu können, da die Beziehungen ungewiß ſeien. Panamerika
müſſe höhere politiſche Ideale aufſtellen, wie die Beſeitigung
der Angriffsmöglichkeiten und die ſchiedsgerichtliche Behandlung
aller Streitigkeiten. In der ſich hieran anſchließenden
Aus=
ſprache wurde betont, daß gegenüber dem europäiſchen
Völker=
bund die Vereinigten Staaten von Latein=Amerika die Frage des
eigenen Kontinents regeln müßten. Profeſſor Mendelsſohn=
Bartholdy empfahl den Amerikanern eine vorurteilsloſe
Betrach=
tung Europas. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten
Staaten ſei für Europa der Spiegel, worin es ſich zu ſehen
ver=
ſuche. Im weiteren Verlaufe der Ausſprache verurteilte der
Sekretär des amerikanifchen Inſtituts für Bergbau, Baim, die
monopoliſtiſche Kontrolle der Zinnpreiſe durch England.
Die Urſachen der eſſäſſiſchen
Autononiebewegung.
Von
K. Th. Schröder.
Nach dem Waffenſtillſtand begrüßte Elſaß=Lothringen in
ſeiner Mehrheit freudig die einziehenden Truppen des ſiegreichen
Frankreich, und Clemenceau konnte, auf die Begeiſterung der
Volksmaſſen hinweiſend, mit Recht rufen: „Le Plebiscite est
Fait!” Wuchtige Eingriffe müſſen es geweſen ſein, die eine ſolche
Stimmung, ſeit Jahrzehnten ſorgſam von der „mere patrie”
ge=
züchtet, zerſtören, an Stelle der frankophilen Bewegung eine auf
Selbſtändigkeit und Losreißung von Frankreich gerichtete
Auto=
nomiebewegung erzeugen konnten. In der Tat ſind es die
groben Ungeſchicklichkeiten der franzöſiſchen Verwaltung in Elſaß=
Lothringen, die neben der wirtſchaftlichen Zerrüttung des
Mutter=
landes die Entfremdung herbeigeführt haben. Hätte ſich Groß=
Frankreich nach dem Vorbild des großen Napoleon gerichtet, der
einſt warnend riet: „Sie mögen ruhig deutſch ſprechen, die Elſaß=
Lothringer, wenn ſie ſich nur franzöſiſch ſchlagen” — niemals
hätte ein Elſäſſer an eine Trennung von Frankreich gedacht. Die
unkluge und ſchroffe Angliederungspolitik unter Mahringer —
1918 und folgende Jahre — hatte viel verdorben, indeſſen war
in Paris der Fehler noch rechtzeitig erkannt und der
diploma=
tiſchere Millerand entſandt worden, der, den regionaliſtiſchen
Sonderwünſchen der von dem bundesſtaatlichen Deutſchland
ver=
wöhnten Elſaß=Lothringer Rechnung tragend, in dem „
General=
kommiſſariat” eine verantwortliche Statthalterſchaft in Straßburg
und in dem „conseil consultatik” eine Art Landtagserſatz ſchuf.
In der Kammer wurde ein Ausſchuß aus 44 Mitgliedern
ge=
ſchaffen, die „commission parlamentaire d:Alsace et de
Lor-
raine‟. Nachdem ſo Millerand das Volk wieder beruhigt hatte,
wurde er durch Alapetitte einen guten Verwaltungsbeamten,
aber ſchlechten Politiker, erſetzt, der allmählich den Schwerpunkt
der Verwaltung faſt ganz von Straßburg nach Paris verlegte.
Der Höhepunkt ſeiner Tätigkeit war der Geſetzentwurf über die
Aufhebung des Generalkommiſſariats und des conseil
sonsul=
tatif, die angeſichts ſeiner energiſch durchgeführten
Aſſimilie=
rungspolitik nur noch papierene Bedeutung hatten und am 25.
Mai 1925 durch Geſetz aufgehoben wurden. Die einſchneidende
Maßnahme wurde den Elſäſſern durch einige untergeordnete
regionaliſtiſche Zugaben ſchmackhaft zu machen verſucht, jedoch
ohne den erwünſchten Erfolg: Elſaß=Lothringen hatte den
Départements Bas=Rhin, Haut=Rhin und de la Moſelle Platz
machen müſſen. Aus der tiefen Erregung hierüber wurde der
autonomiſtiſche Gedanke von neuem geboren.
In Elſaß=Lothringen gibt es eigentlich nur zwei Parteien
und zwei Gegenſätze: Links und rechts. Rechts ſtehen die
bür=
gerlichen Kreiſe, die guten Katholiken und Proteſtanten, die
völ=
kiſch ſtolzen Einheimiſchen, links das internationaliſierende
Pro=
letariat, Arbeiterſchaft, ſtammfremde Zuwanderer. Letztere
er=
ſtreben ihrem politiſchen Programm gemäß äußerſte
Zentraliſa=
tion, jene regionale Eigenverwaltung. Die Kammerwahlen am
11. Mai 1924 fanden in Elſaß=Lothringen unter der Loſung: Hie
Zentraliſation — Hie Regionalismus ſtatt. Das Ergebnis iſt
deshalb für unſere Frage wichtig. Nur 48,8 Prozent ſtimmten
für den den Regionaliſten günſtigen Poincaré=Block, 51,2 Proz.
dagegen, alſo für die Zentraliſation. (Nur dem „unechten”
franzöſiſchen Proportionalwahlrecht iſt es zu verdanken, daß 21
Blockkandidaten und nur 3 „linke” Abgeordnete gewählt wurden.)
Schon in den Generalratswahlen im Sommer 1925 beginnt ſich
ein Abbröckeln der zentraliſtiſchen Wählerſchaft bemerkbar zu
machen, und heute gar wird der regionaliſtiſche Gedanke von
einer eigenen, durch Zorn von Bulach gegründeten Partei, der
Trägerin der autonomiſtiſchen Volksbewegung, wirkſam vertreten.
Die Ergebniſſe einer heutigen Wahl würden für die
Angliede=
rung an Frankreich keinesfalls mehr eine Mehrheit bedeuten.
In der Sprachen= und Schulfrage iſt man ebenfalls im Sinne
rückſichtsloſer Franzöſierung vorgegangen. In Elſaß=Lothringen
gilt noch das alte franzöſiſche Schulgeſetz, die loi Falloux, die
nach Bekenntniſſen getrennte Schulen vorſchreibt. In Frankreich
iſt die Staatsſchule konfeſſionslos. Nur ausnahmsweiſe geſtattet
das elſäſſiſche Schulgeſetz eine Schule für alle Konfeſſionen.
Ob=
wohl nun dieſe Ausnahmen zweifellos nicht gegeben waren,
wurde die interkonfeſſionelle Schule doch verſchiedentlich von der
Pariſer Regierung genehmigt. Die Regionaliſten befürchteten
Angriffe auf ihre Vorrechte; planmäßig durchgeführte
Schul=
ſtreiks, vom Straßburger Biſchof Ruch befohlen, eröffneten den
Kampf auf dieſem Gebiete, der auch ein Kampf für die deutſche
Sprache iſt. Die Schulaufſicht iſt in Frankreich in Bezirke
ein=
geteilt, die der Zahl der Univerſitäten entſprechen. Der oberſte
Schulaufſichtsbeamte iſt der auf Dauer ernannte
Univerſitäts=
rektor. Seit 1919 unterſteht daher der elſaß=lothringiſche
Schul=
bezirk dem Straßburger Rektor Charléty, einem Freund Herriots,
mit dem er in jeder Beziehung harmoniſiert. Herriot, politiſch
ſonſt verſöhnlich geſtimmt, iſt in der Frage der Aſſimilierung des
Elſaß an Frankreich geradezu Fanatiker; in ſeiner Sprachenrede
ſagte er am 2. 12. 1924: „Unſere Aufgabe iſt es, der deutſchen
Sprache die Ausbreitung der franzöſiſchen entgegenzuſetzen.”
Dem entſprechen denn auch die von Charléty herausgegebenen
Richtlinien (vom 15, 1. 1920): „Die deutſche Sprache ſoll nur
ſo=
weit berückſichtigt werden, daß ſie der Ausbreitung der
franzö=
ſiſchen nicht ſchadet. Keine Fragen wirtſchaftlicher Natur dürfen
der Notwendigkeit vorangeſetzt werden, aus Elſaß=Lothringen
Länder franzöſiſcher Zunge zu machen.” Entſprechend hatte man
gehandelt. Von 26 Schulinſpektoren im Jahre 1918 waren 24
einheimiſche, ſechs Jahre ſpäter nur noch einer. Zur
Lehrer=
vertretung wurden faſt nur innerfranzöſiſche Kräfte zugezogen,
die durch Bezug von „Oſtmarkenzulagen” übrigens auch
wirt=
ſchaftlich den Einheimiſchen übergeordnet waren. Unterricht im
Deutſchen wird nur noch in den höheren Klaſſen in ungenügender
Stundenzahl erteilt, während in allen unteren Klaſſen nur noch
franzöſiſcher Unterricht erteilt wird. Die Kenntniſſe der deutſchen
Sprache ſind naturgemäß bei den Schülern völlig ungenügend.
Dieſe künſtliche Verkümmerung ihrer völkiſchen Eigenart hat die
heimattreuen Elſäſſer aufs tiefſte getroffen und eine Bewegung
verurſacht, die ſelbſt im ſozialiſtiſchen Lager ſehr zahlreiche An=
Seite 2
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 214
hänger hat. Verlangen doch der wirtſchaftliche Verkehr im
eige=
nen Land und mit dem deutſchen Nachbarn, Gericht, kommunales
Bedürfnis, Theater und Schule gebieteriſch die Pflege der
deut=
ſchen Sprache! Bereits im Frühjahr 1925 beſchwört eine elſäſſiſche
Zeitung die Regierung, „die brave, arbeitſame Bevölkerung durch
die geradezu ſinnloſe Sprachenpolitik nicht zur äußerſten
Ver=
zweiflung zu treiben, indem man ſie zu geiſtigen Heloten und
Fremdlingen im eigenen Land erwiedrige‟. — Die Regierung,
die ſich nicht warnen ließ, ſieht die Frucht aufgehen, die ſie
ſelbſt ſäte.
Als ſich Zentralfrankreich dazu hinreißen ließ, die kirchlichen
Einrichtungen von Elſaß=Lothringen anzutaſten, obwohl
Mar=
ſchall Foch 1918 zugeſagt hatte, man werde „die Freiheiten,
Tra=
ditionen, Ueberzengungen und Sitten der Bevölkerung wahren”,
verlor auch die ſehr einflußreiche Geiſtlichkeit und ihre
Anhänger=
ſchaft das Zutrauen. Das kirchliche Leben in Frankreich wird
geregelt durch das Geſetz von 1901 über die Unterdrückung der
Orden und das Geſetz vom 9. Dezember 1905 über die Trennung
von Kirche und Staat. Durch dieſe beiden Geſetze wurde das
mit dem Vatikan beſtehende Konkordat aufgehoben.
Deutſch=
land, zu dem damals Elſaß=Lothringen noch gehörte, hatte an
deſſen kirchlichen Beziehungen nichts geändert, und ſo rechnete
man denn auch, auf Fochs Wort bauend, nach dem Einzug der
Franzoſen mit keiner Aenderung. Als Herriot in ſeiner
Pro=
grammrede dann das Gegenteil verkündete, entfeſſelte er einen
Sturm der Entrüſtung mit Volksverſammlungen, Kirchengebeten
gegen die Regierung, Demonſtrationen und einer Sprache, die
man bereits ſechs Jahre nach dem Waffenſtillſtand nicht für
mög=
lich gehalten hätte. Trotzdem ſich im Frühjahr 1925 der
Staats=
rat gutachtlich zugunſten der widerſpenſtigen Geiſtlichkeit erklärt
hatte, hatte die Kammer die Aufhebung der Geſandtſchaft beim
Vatikan beſchloſſen. Das Geſetz wurde nicht rechtskräftig: Herriotz
hatte gehen müſſen, und ſein Nachfolger Painlevé lenkte
äußer=
lich ein; ſeine Kammermehrheit genehmigte die Kredite für die
Geſandtſchaft beim Vatikan. Der Kampf um die Franzöſierung
von Sprache, Schule und Kirche ſpielte ſich nun nicht mehr in
der breiten Oeffentlichkeit der großen Politik ab, ſondern wühlte widerte, er werde ganz entſchieden die bisherige Politik weiter
um ſo zäher im Stillen weiter. Die quälende Spannung mußte
ſich löſen. Auf flammte die Selbſtändigkeitsbewegung: Elſaß= die Reaktion triumphiere. Die Regierung ſei entſchloſſen, den
Lothringen den Elſaß=Lothringern!
Ein Flaggenzwiſchenfall
auf dem 9. Heutſchen Otudententage.
Die Bonner Studenten verlaſſen den Sitzungsſaal.
Bonn, 31. Juli.
Der 9. Deutſche Studententag, der geſtern mit einem
Be=
grüßungsabend eröffnet wurde, brachte ſofort einen Mißklang.
Um innerpolitiſchen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen,
hatte die Studentenſchaft der Univerſität Bonn und der landwirt= Schulen ſchicken. Auf Anordnung der Regierung wurde gegen
ſchaftlichen Hochſchule Poppelsdorf gemeinſchaftlich mit den
ſtäd=
tiſchen Behörden den Feſtſaal nicht mit Fahnen ausgeſchmückt.
Kurz vor der Feier faßte nun der Hauptausſchuß der Deutſchen
Studentenſchaft den Beſchluß, ſowohl die alte wie die neue
Reichsfahne aufzuziehen, die ſchwarz=rot=goldene Fahne wegen
ihrer Bedeutung für die Studentengeſchichte und als jetzige
Reichsflagge und die ſchwarz=weiß=rote Fahne zum Gedenken
an die im Weltkriege gefallenen Studenten. Beide Fahnen
wur=
den auf Anordnung des Hauptausſchuſſes aufgezogen. Die
Bon=
ner Studentenſchaft erblickte hierin jedoch einen unberechtigten
Eingriff in ihr Gaſtgeber= und Hausrecht und ließ beide Fahnen
wieder entfernen, worauf eine große Anzahl der anweſenden
Studenten den Saal verließen. Als bei der Feier ſelbſt der
Vorſitzende der Deutſchen Studentenſchaft, cand. jur. Bauer
(Berlin) zur Einigkeit mahnte und bat, die Auswüchſe des
gro=
ßen politiſchen Lebens nicht auf die deutſche Studentenſchaft
zu übertragen, verließen die Bonner Studenten, die inzwiſchen
wieder erſcheinen waren, unter Abſingen des Deutſchlandliedes
abermals den Saal.
Die Vollſitzung des deutſchen Studententages wurde heute
vormittag mit Begrüßungsanſprachen eröffnet. Zu dem
Flaggen=
vorfall hatte der Vorſitzende der Deutſchen Studentenſchaft zwei
Anträge eingebracht. In dem erſten wird die Mißbilligung des
Deutſchen Studententages gegen den Vorſitzenden der Bonner
Studentenſchaft, Mager, zum Ausdruck gebracht und in dem
zweiten wird erklärt, daß der Deutſche Studententag ſich nicht
in der Lage ſehe, ſich als Gaſt der Bonner Studentenſchaft
anzu=
ſehen, ſolange an deren Spitze der bisherige Vorſitzende ſtehe.
Beide Anträge ſollten ohne Ausſprache angenommen werden.
Hiergegen jedoch erhob der Vertreter der Bonner
Studenten=
ſchaft Einſpruch. Nach kurzer Ausſprache wurden beide Anträge
von der Verſammlung angenommen, worauf die Vertreter der Unſchlicht, der bisherige aſſiſtierende Präſident des oberſten
4 Internationale Kunſtausſtellung
Dresden 1926.
Mit der Eröffnung der Kunſtausſtellung im Rahmen der
Fahresſchau im Zuſammenhang mit der großartig angelegten
Gartenbauausſtellung nimmt Dresden eine alte Tradition wieder
auf und bietet zum erſten Male in Deutſchland nach dem Kriege
eine Schau, die einen Ueberblick und geſchloſſenen Eindruck von
den Leiſtungen aller europäiſchen Länder mit Einſchluß Rußlands
und Amerikas gibt. Es iſt dies ein Werk des Direktors der
ſtaat=
lichen Gemäldegalerie in Dresden, Dr. Hans Poſſe, eine
Aus=
ſtellung von über 800 Gemälden und nahezu 200 Plaſtiken
zu=
ſammengebracht zu haben, die nach eigenen großen
Geſichtspunk=
ten organiſiert, Muſeumsbeſitz, Privatſammlungen und den
Kunſt=
handel, in dem noch viele unbekannte Werke zu ſchlummern
ſchei=
nen, herangezogen hat. Es lag nicht in ſeiner Abſicht,
Schlag=
worte oder modiſche Strömungen zu verteidigen, ſondern
zurück=
greifend auf die Vorkriegsentwicklung will er einen umfaſſenden
Ueberblick über modernes Schaffen geben und hat durch ſtarke
Qualitäten und Perſönlichkeiten ein hohes Niveau erreicht. Sehr
glücklich kam Dr. Poſſes Abſichten die künſtleriſche
Innenausſtat=
tung Profeſſor Teſſenows entgegen, die einen vorzüglichen
Ein=
druck gewährt.
Wir haben heute Diſtanz gewonnen zu den Erſcheinungen der
letzten Jahre und Jahrzehnte. Wenn wir auch die zweifellos
vor=
handene Kriſis nicht verkennen wollen, die in der überſtürzenden,
ruckartigen Entwicklung, zum großen Teil aber auch in der
Ver=
einſamung des bildenden Künſtlers, in dem Entfremdetſein dem
Beſchauer gegenüber, der nicht mehr als Gemeinde, ſondern als
Publikum” anzuſehen iſt, und nicht zuletzt in der Verlegung des
Schwergewichts von der bildenden Kunſt zur Literatur ihren
Grund hat, ſo iſt doch ein hiſtoriſche Beziehungen erkennen
laſſen=
des Weltbild durchaus möglich. Gerade die Dresdener
Ausſtel=
lung läßt durch, den Ueberblick über das Schaffen der letzten
40 bis 50 Jahre nicht nur Querſchnitte, ſondern auch
Längen=
ſchnitte zu. die den Anteil der Geverationen, Jugend= und
Alters=
ſtil, Zeitlage und Milieu erkennen laſſen. Dadurch erhalten die
verſchiedenen Richtungen, auf große Nenner gebracht, ihr auch
hiſtoriſch erkennbares Geſicht und zeigen bei aller
Verſchieden=
artigkeit der Löſungen die Gleichheit des Wollens und laſſen, da
weder von einem reinen Nebeneinander, noch einem reinen
Nach=
einander die Rede ſein kann, durch die Ueberſchneidungen und
Differenzierungen die Fülle des Lebens nie vergeſſen.
Vom Tage.
Der Reichswehrminiſter hat den im Hochwaſſergebiet
während der letzten Wochen hilfreich tätig geweſenne Truppenteilen
der Reichswehr im Heeresverordmgsblatt ſeine
Anerken=
nung ausgeſprochen.
Wie „Der Geſellige” aus einwandfreier Quelle hört werden alle
deutſchen Briefe nach Polen ſeit drei Tagen in Polen geöffnet und
zen=
ſiert. Der Grund dieſer ſchikanöſen Maßnahme iſt völlig unbekannt.
In der Preſſe wird vielfach von einer wichtigen
Dawespakt=
konferenz geſprochen, die jetzt in London ſtattfindet. Wie wir
er=
fahren, handelt es ſich jedoch nur um die übliche
Monatszuſam=
menkunft des Transferkomitees, die ſonſt gewöhnlich in.
Paris ſtattfindet, diesmal aber wegen der Erkrankung des engliſchen
Mitgliedes ausnahmsweiſe nach London verlegt wurde.
Der ruſſiſche Botſchafter in Angora teilte der türkiſchen Regierung
mit, daß die Sowjetregierung die Auslieferung von zwei aus der Türkei
nach der Sowjetunion geflüchteten Angeklagten verweigere. Es handelt
ſich um zwei Mitglieder der Gruppe, die das Attentat gegen Kemal
Paſcha beabſichtigt hatten.
Der Generalrat der Bank von Frankreich hat geſtern den
Diskont=
ſatz von 6 auf 7½ Prozent und den Zinsſatz für Vorſchüſſe von 8 auf
9½ Prozent erhöht.
Wie die „New York Times” aus Paris melden, wird der
Reichs=
bankpräſident Dr. Schacht am 4. Auguſt in Scheveningen eine
Zuſammen=
kunft mit dem Präſidium der Federal Reſerve=Bank haben.
Mexiko vor ernſten Ereigniſſen.
TU. New York, 31. Juli.
Zur ſelben Zeit, als geſtern abend ſämtliche katholiſche
Geiſt=
liche in Mexiko die Kirche verließen, um damit den Kirchenſtreik
zu beginnen, empfing der Präſident die Führer der
Gewerk=
ſchaften, die ihm eine Entſchließung überbrachten, in der der
Kampf bis zum Aeußerſten verlangt wurde. Der Präſident
er=
verfolgen und es werde bald feſtſtehen, ob die Revolution oder
Kampf bis zum letzten Ende durchzuhalten. Sämtliche Kirchen
ſind überfüllt und werden von rieſigen Menſchenmengen
um=
lagert. Bevor die Prieſter die Kirche verließen, zeigten ſie die
Reliquien der Menſchenmenge, die ſich darauf zu
Rieſendemon=
ſtrationszügen zuſammenſchloß. Die Geiſtlichkeit fordert die
Gläubigen auf, während der Demonſtrationen der
Gewerkſchaf=
ten in ihren Häuſern zu bleiben, um Blutvergießen zu vermeiden.
Heute nacht verſuchten die Soldaten in Mexiko=City den Platz
vor einer Kirche zu räumen, wurden jedoch von der
Menſchen=
menge mit Steinwürfen empfangen. Die Soldaten gaben Feuer
und verwundeten 9 Perſonen. Darauf wurden die Soldaten in
Patrouillen auf die Straßen und Plätze verteilt. Am 1. Auguſt
tritt der von der Geiſtlichkeit angeregte Boykott in Kraft. Danach
ſollen die Gläubigen nur die notwendigen Bedarfsartikel
kau=
fen, keine Steuern zahlen und die Kinder nicht mehr in die
verſchiedene Biſchöfe Anklage erhoben.
Oſerſchinskis Nachfolger.
Studentenſchaft der Univerſität Bonn die Verſammlung verließen. Kriegsrates, der zum Nachfolger Dſerſchinſkis ernannt wurde.
Frankreich iſt durch die Hinzunahme der Impreſſioniſten
ſehr gut vertreten. Renoirs berühmter „Boulevard” oder ſeine
„Badende‟, Manets „Modiſtin” oder ſein bekanntes „
Spargel=
bild‟. Degas Bilder, die die Welt des Rennplatzes und des
Bal=
letts vertreten, zeigen die Kunſt der plein=air=Malerei, die nur
die Franzoſen zu dieſer Höhe bringen konnten. Der bis aufs
Aeußerſte geſteigerten Senſibilität des Auges, der duftigen,
atmo=
ſphäriſchen, farbflimmernden Auflockerung der Form ins
Male=
riſche hinüber folgte als Proteſt das Wollen, der Meiſter der
Formperfeſtigung. Cezanne (Dominikaner, Mann mit roter
Weſte, Landſchaften), Henri Mahiſſe, Ganguin verleihen der Linie
eine farbabgrenzende Tendenz, den Farben ſelbſt raumbildende
Wirkung und finden den Weg zum tektoniſchen Bildaufbau. Auf
dieſem Wege gehen Vlamnk, der mit einem feinen Stilleben
ver=
treten iſt, Frieß, Jules Pascin und der bedeutendſte André
Derain, der, von der Bildvernichtung Picaſſos wegſtrebend, durch
ſtrengſte Forderungen an die Bildſtruktur in Bildern wie die
„Italienerin” oder ſeinem wundervollen Stilleben „Tiſch” zu
einem ruhigen, für einen Franzoſen typiſchen, abgeklärten
Klaſ=
ſizismus kommt. Hiermit und mit der Syſtematik des in Seurat
und Signac („Tour de la Rochelle”) vertretenen printilliſtiſchen
Teilungsprinzips ſtehen wir in der Welt des Kubismus, der zu
der Darſtellung durch Farbe und Linie ein Neues, Drittes:
Darſtellung durch Raumpartikel, Prismen und Kuben
ſymbol=
hafter Natur hinzunimmt. Delaunez verſucht in ſeinem „
Eiffel=
turm” durch Deformierung des Statiſchen zum Kubismus zu
kommen. Durch Zerbrechen der Gegenſtandsform und
Einſpan=
nen in mathematiſche Geſetzmäßigkeit gehen Picaſſo und
Brac=
ques bis zur radikalen Bildzertrümmerung. Durch Einordnen
von Bildformen, die in ſchwacher Erinnerung Gegenſtändliches
ſtreifen und in verſchiedenen Anſichten nebeneinander gegeben
ſind, ſucht Picaſſo in Bildern wie etwa ſein „Kamin” die
Dar=
ſtellung von Dreidimenſionalen im Zweidimenſionalen zu
er=
reichen. 1925 biegt er plötzlich um und malt ſein Harlekinbild
in ſcharfer Umrißzeichnung und kühler Objektnähe, das die Tragik
dieſes Menſchen erkennen läßt, deſſen eigenes Wollen im
Wider=
ſtreit mit der neuen Zeitſtrömung zu keinem Ergebnis kommt,
und zugleich gewiſſe Bedenken nicht verſcheucht. Die äußerſte
Konſequenz ſtellt F. Léger dar, aus deſſen rein geometriſcher
Zerlegung in Kreiſe, Scheiben uſw. das Motorenzeitalter
hin=
durchſummt und für unſer Gefühl völlig ſtumpf bleibt. Einer
Erſcheinung, die ganz einzigartig iſt, ſei noch kurz gedacht: Henri
Rouſſeau, der nicht zu Unrecht als geiſtiger Vater der neuen
Sachlichkeit angeſprochen wird und der, ſchon 1844 geboren, zu
ganz ſeltſamen, traumhaften Viſionen von Vorſtadtſtraßen,
England und die deutſchen
Kolonialbeſieebungen.
Von unſerem Korreſpondenten.
C.M. P. London, 31. Juli.
Wohl nur in wenigen Problemen, die uns die
Nachkriegs=
zeit gebracht hat, iſt die engliſche Oeffentlichkeit ſo empfindlich
wie in der Frage der Beſchaffung eines kolonialen
Betätigungs=
feldes für Deutſchland. Dieſe Empfindlichkeit beruht in erſter
Linie auf der Tatſache, daß eine, wenn auch nur teilweiſe
Rück=
gabe der ehemals deutſchen Kolonien die einfachſte und
unkom=
plizierteſte Löſung des ganzen Problems darſtellt. Angeſichts
der im Völherbundspakt klar umſchriebenen Beſtimmungen, was
ein Mandat iſt und worin die Rechte und Pflichten eines
Man=
datars beſtehen, ſollte man meinen, daß England der Sachwalter
des größten Teiles der früheren deutſchen Kolonien, der
Auſ=
rollung der Frage einer möglichen Rückgabe dieſer Kolonien
gleichgültig gegenüberſtehen würde. Das iſt nicht der Fall,
denn vom Standpunkt der britiſchen Terminologie haben die
Worte Kolonie, Protektorat und Mandatsgebiet Bedeutungen,
die ſich von der im internationalen Recht vertretenen Auffaſſung
nicht unweſentlich unterſcheiden. Mandate, ſo ſchrieb dieſer Tage
der konſervatwe „Outlook”, ſind den verſchiedenen Staaten, die
ſie halten, nicht, wie vielfach irrtümlich behauptet wird, vom
Völkerbund zugeteilt worden, ſondern von den alliierten und
aſſoziierten Mächten, als Siegern des Weltkrieges. Der
Völker=
bund wurde ihr Agent und beauftragt, die Beſtimmungen der
Mandatsakte in Uebereinſtimmung mit dem Artikel 22 des
Völ=
terbundspakts, der einen Teil des Verſailler Vertrages bildete,
zu formulieren.
Nicht ganz ſo deutlich, aber immer noch verſtändlich genug,
äußerten ſich im Unterhauſe in kurzer Aufeinanderfolge der
Kolonialminiſter Amery, der Außenminiſter Chamberlain und
ſchließlich noch, als Zeichen der Einmütigkeit des geſamten
eng=
liſchen Kabinetts, Miniſterpräſident Baldwin. Die Quinteſſenz
dieſer drei Erklärungen, deren Anführung ſich erübrigt, beſtand
darin, daß eine Aufgabe derjenigen Mandatsgebiete, die England
augenblicklich inne hat, nicht mehr in Frage kommt. Hiermit
hatte ſich die engliſche Oeffentlichkeit für einige Zeit beruhigt,
und auch die Stimmen, die Deutſchland auf ein anderes Thema
zu bringen ſuchten mit dem Hinweis, daß es mit der Regelung
ſeiner öſtlichen Grenzprobleme genug zu tun habe, ohne ſich noch
in kolonialpolitiſche Abenteuer einzulaſſen, verſtummten. Bis
der Bericht des Berliner „Times”=Korreſpondenten über die
be=
vorſtehende deutſche Kolonialtagung in Hamburg die Gemüter
in England wieder in einige Erregung verſetzte. Zwar bemühte
ſich der betreffende Berichterſtatter nach allen Regeln der Kunſt,
die deutſchen Kolonialbeſtrebungen als eine Bewegung
darzu=
ſtellen, die ſich auf vereinzelte ehemalige deutſche Siedler
be=
ſchränkte, die aber das übrige deutſche Volk gänzlich
unintereſ=
ſiert laſſe. Aber dennoch hält die „Times” es für notwendig, der
Angelegenheit einen Leitartikel zu widmen, welcher der engliſchen
Oeffentlichkeit — und vielleicht nicht ganz ohne Erfolg —
klarzu=
mechen verſucht, daß es ſich bei der ganzen deutſchen
Kolonial=
bewegung nur um eine organiſierte Gefühlsduſelei handele.
Wenn man, ſchreibt das Blatt, den paar ehrgeizigen
Leu=
ten, die heute in Deutſchland Kolonialpolitik betrieben,
Gelegen=
heit gebe, ihre ſicherlich guten Erfahrungen im Kolonialweſen
bei der Mandatskommiſſion des Völkerbundes zu verwenden,
dann ſei eine glänzende Löſung des Problems gefunden worden.
Was aber die Mandatsgebiete ſelbſt angehe, ſo käme eine
Rück=
gabe nur in zwei Fällen in Frage: erſtens: es kann dem
betref=
fenden Inhaber des Mandats, oder beſſer dem Mandatar,
Miß=
wirtſchaft nachgewieſen werden, und zweitens: wenn der
Man=
datar das Gebiet aus eigener Initiative wieder zurückgebe.
Die Kündigung des Ruhrbergarbeiter=Tarifes.
* Eſſen, 31. Juli. (Priv.=Tel.)
Die vier Bergarbeiterwerbände haben die gegenwärtige
Lohn=
ordnung, die ſeit dem November durch Schiedsſpruch des
Arbeits=
miniſters läuft, mit Wirkung zum 31. Auguſt gekündigt. Sie
haben aber irgendwelche neue Lohnforderungen vorläufig noch
nicht geſtellt. Es wäre bedauerlich, wenn ſich aus dieſer
Kündi=
gung irgendwelche Lohnkämpfe entwickelten, nachdem gerade jetzt
die Beſchäftigungsverhältniſſe der deutſchen Bergleute ſich
in=
folge des engliſchen Kohlenſtreiks etwas gebeſſert haben. Die
Engländer rüſten ſich darauf, den Kampf abzubrechen. Sie
wer=
den alsdann verzweifelte Anſtrengungen machen, die
Abſatzge=
biete, die ſie in den letzten Monaten verloren haben, wieder
zu=
rückzuerobern, und dieſer Kampf würde erleichtert, wenn die
deutſche Kohle durch Lohnkämpfe konkurrenzunfähig an der
Konkurrenz behindert würde. Es wird Aufgabe der
Unterneh=
mer und Gewerkſchaftsvertreter ſein, rechtzeitig in Beratungen
daüber einzutreten, welche Möglichkeiten beſtehen, den
Wun=
ſchen der Bergarbeiter entgegenzukommen.
Häfen, Urwaldbildern kommt, und ſie in eigentümlich magiſchen,
peinlich genauen traumhaften Wirklichkeitsbildern gibt.
Es iſt begreiflich, daß bei einer ſolchen Ausſtellung
in=
ſonderheit der deutſchen Abteilung beſondere
Aufmerl=
ſamkeit geſchenkt wurde. Und hier fehlt kein Name von Geltung.
Von deutſchen Impreſſioniſten vor allem Max Liebermann mit
ſeinen eigentümlich kühlen, tonigen Strandbildern, Max Slevogt,
im Zeichneriſchen weit ſtärker als im Maleriſchen, und der
ſtür=
miſche Louis Corinth, den man mit ſeinem berühmten „Eece
homo”, „Dame mit Maske”, einem ſpäten Selbſtbildnis und
ſeinen wundervollen, tiefglühenden Walchenſeebildern von 1925
ſieht. Er ſah, ähnlich wie der junge Cézanne, die Dinge durch
ſein ungezügeltes Temperament und ſchaffte im Verein mit
einer mächtigen Phantaſie, Großleiſtungen. Von den jüngeren Meie
ſtern ſind es insbeſondere zwei, deren Leiſtungen in die Augen
fallen: der 1916 gefallene Franz Marc und Lyonel Feininger vom
Bauhaus in Deſſau. Mare, der mit Kandinſki, Klee, Jawlenſt
die Gemeinſchaft des blauen Reiter bildete, hat in einer
Sammel=
ſchrift gleichen Namens ſein Programm und darüber hinaus ſein
künſtleriſches Bekenntnis abgelegt. Er gelangt, mit einem
Stück=
chen Peſſimismus behaftet, auf der ſtetigen Sucht nach innerek.
Reinheit, fliehend vor der Gefühlswidrigkeit der Welt, zum Ge
fühl für das reine Tier, und in die Welt des Abſtrakten
vordrin=
gend, hier wieder zu wunderbaren Tierformen, von wahrhafter
Eigengeſetzlichkeit wie ſein „Tiger”, ſein „Stier” oder ſein
un=
glaublich zartes, feines Bild „Rehe im Walde”, die ſich mit ſelt
ſom opaliſierenden, dunkel verhalten glühenden Farben zu ſtarken
Bildkompoſitionen aufbauen. Wie bei Mare die Farbe zur
höck=
ſten Sieigerung gelangt iſt, ſo hat auch Feininger eine unnach
ahmliche Meiſterſchaft der Farbgebung, die jeder ſprachlichen
Ueberſetzung widerſtrebt. Seine Bilder, wie ſeine
Kirchenarchitel=
turen oder ſein „Sieg der Sloop Maria” ſind Meiſterleiſtungel.
von kriſtallklarer Präziſion der Linienführung. Kandinſki, auch
dem Bauhaus angehörend, ſtößt zur vollſtändigen Abſtraktion vo!
und ſucht das Wollen der Muſik auf die Leinwand zu übertragen
um dabei zu vergeſſen, daß die flächengebundene Malerei von
anderen Vorausſetzungen ausgeht, als die im zeitlichen Ablaul
ſich vollziehende Muſik. Auch die Leute der ehemaligen Brücke
ſind gut vertreten. Kirchner zeigt in ſeinem Bild „Frau mit Kile
dern” von allen Literariſchem unabhängig ſchnittige
Linienfu=
rung und kontraſtierend ſchwingende Kurvierung, eine Sprach”,
die von Mitläufern raſch genug profaniert wurde. Hukels romalle
tiſcher Lyrismus erfuhr in ſeiner Herbſtlandſchaft und ſeinen.
Oſtender Hafen Verfeſtigung des Bildes, Schmidt=Rottluff wuch
tet mit barbariſcher Roheit blockhafte Farbflecke, Pechſtein erweiſ.
aufs neue ſein dekorativ geſchicktes Talent. Nolde iſt in ſeinen
Nummer 211
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Die Finanzpolitik der Regierung Poincare.
Die franzöſiſche Finanzdebatte.
Poinsarés zweifaches Vertrauensvotum.
* Paris, 31. Juli. (Prib.=Tel.)
Die Finanzdebatte, die heute vormittag nach Wegräumung
aller parlamentariſchen Schwierigkeiten durch die geſtrige
An=
nahme der Sonderbeſtimmungen beginnen konnte, brachte nur
wenig Senſation. Das Haus war ſehr ſtark beſetzt, die
Regie=
rung vollzählig vertreten, die Stimmng der großen Tage aber
fehlte. Man hatte das Gefühl, daß ſich die Mehrzahl der
Abge=
ordneten teils willig, teils reſigniert mit der programmgemäßen
Abwickelung der Regierungsvorlage in der Parlaenentsmaſchine
abfanden. Ein Vertagungsantrag der Kommuniſten fiel ſang=
und Hauglos unter den Tiſch. Der erſte Redner, der
Bericht=
erſtatter der Finanzkommiſſion, Chappedelaine,
be=
fürvortete, ſcheinbar ohne innere Anteilnahme, die
Regie=
rungsentwürfe, die ſich in der Auflage von neuen
Steuern erſchöpften und über die weiteren ſinanzpolitiſchen
Maßnahmen der Regierung nur allgemeine Verſprechungen
ent=
halten. Er ſchloß mit der Bitte an die Regierung, angeſichts der
Schwere der neuen Laſten und der drohenden Gefahr einer
Preisſteigerung die armen Verbraucher gegen die Spekulation zu
ſchützen.
Die ſozialiſtiſche Oppoſition.
Lebhafter wurde die Debatte, als der Führerder
Oppo=
ſition, der Sozialiſt Vincent Auriol, zu Worte
kam. Mit meiſt ſarkaſtiſcher und gegen den Miniſterpräſidenten
pevſönlich gerichteter Kritik hielt er nicht zurück. Er hatte ſicher
alle diejenigen auf ſeiner Seite, die in dem Finanzprogramm der
Regierung durchgreifende Sanierungsmaßnahmen zum Schutze
der Währung vermiſſen. Er und ſeine Freunde, ſagte er,
ver=
urteilten einſtimmig dieſes rückſtändige, übermäßige und
unge=
ordnete Finanzprojekt, das aus Ideen Doumers, Loucheurs und
Bokanowſkis zuſammengewürfelt ſei. In dieſem Projekt habe
die Regierung den auf die Stabiliſierung bezüglichen Teil des
Sachverſtändigenprojektes vollſtändig aufgegeben. Die
unver=
meidliche Preisſteigerung müßte zu einer ebenſo unvermeidlichen
Inflation führen.
Poincarés erſte Etappe auf dem Wege
zur Frankenſiabiliſierung.
Poincaré, der dann zu Worte kam, verſuchte die Kritik ſeiner
Hegner dadurch zu entkräften, daß er erblärte, die bisher
vorge=
chlagenen Steuermaßnahmen bedeuteten, erſt den Auftakt zu
iner durchgreifenden Stabiliſierung. Seine Ausführungen
ſtell=
en jedoch mehr eine Verteidigung ſeiner
Maßnah=
nen gegen die im Parlament und in der Preſſe erhobenen
Kri=
iken dar: Die Sachberſtändigen hätten die
Währungsſtabili=
ierung als ein weit entferntes Ziel hingeſtellt. Seit Einreichung
es Berichtes habe ſich die Differenz zwiſchen den Ausgaben und
Einnahmen erheblich erweitert, und ſie werde ſich noch mehr
er=
beitern, wenn nicht unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen
ingenommen würden. Jede Stunde und jede Minute der
Verzögerung erſchwere die Löſung, die gefunden
verden müſſe. Wenn die von der Regierung vorgeſchlagenen
Naßnahmen nicht ſofort angenommen würden, verliere der
Staat täglich 16 Millionen, ſtündlich 600 000 und jede Minute
1000 Franken. Die Steuerzahler gewönnen zwar ebenſoviel,
vürden aber in Kürze mit dem Staat zugrunde gehen. Daher
abe die Regierung es für notwendig befunden, das Land
or die Opfer zu ſtellen, die zur Sanierung der
inanzen notwendig und ausreichend ſeien.
Das erſte Ziel des Projektes ſei der Ausgleich des
ſudgets und die Erleichterung des Schatzamtes.
weifellos ſei dies nur eine Etappe auf dem Wege zur
Jährungsſtabiliſierung, aber für die Stabiliſierung
üſſe der Franken ſoweit als möglich aufgewertet werden. Um
es zu erreichen, müſſe eine tatſächliche Stabiliſierung vorbereitet
erden. Wenn die Diskuſſion jetzt ſchon weiter ausgedehnt
wor=
nwäre, ſo hätte wan nur die Notendigkeiten des Augenblicks
ts den Augen verloren. Die Regierung werde aber, dieſen
ampf zweifellos morgen oder ſpäter liefern; heute aber müſſe
an leben, philoſophieren könne man ſpäter.
Ankündigung einer Amortiſationskaſſe
mit verfaſſungsändernder Wirkung.
Nach längerer Darlegung der einzelnen Maßnahmen wies
Poincaré darauf hin, daß er beſtimmte Gründe gehabt
habe, ſich von den bereits wiederholt begangenen
Pfaden nicht zu entfernen, denn da er das dringliche
Verfahren habe beantragen wollen, lege er Wert darauf, nur
Texte einzubringen, die die Kawmer ſchon früher habe prüfen
können. Er werde nach Annahme der Vorlage ſofort ein
Projekt einbringen, durch das eine
Amortiſie=
rungskaſſe mit feſten Garantien geſchaffen werden
ſolle. Gegenüber gewiſſen Zeitungsnachrichten ſtelle er feſt,
daß nach ſeiner Anſicht die jetzt geforderten
fiskali=
ſchen Opfer die letzten ſeien, und daß nach dieſer Etappe
man ſich mit der Fundierung befaſſen könne. In den letzten
Tagen habe man infolge der gemeinſamen Arbeiten der Männer,
die ſich lange Zeit bekämpft hätten, eine Wiederkehr des
Ver=
trauens im Lande feſtſtellen können. Dieſe Beruhigung
könne aber nur dann von Dauer ſein, wenn die
Kammer die Bemühungen der Regierung
unter=
ſtütze.
Aus der ganzen Rede Poincarés ging deutlich hervor, daß er
die Wirkung ſeiner fiskaliſchen Maßnahmen höher einſchätzt, als
ſelbſt die Mehrzahl ſeiner Abgeordneten. Trotzdem hat ihm die
Kammer das Vertrauen ausgeſprochen und mit
380: 150 Stimmen den Eintritt in die
Einzel=
beratung beſchloſſen.
Die gelockerte Mehrheit.
Das Programm der Regierung wurde heute
abend mit 290 : 188 Stimmen angenommen.
Sozialiſten, Kommuniſten und ein Teil der Radikalen ſtimmten
dagegen. Man bemerkt, daß die Mehrheit der
Regie=
rung, die bei dem erſten Vertrauensvotum 358 Stimmen
er=
hielt, bereitsmerklich zurückgegangen iſt. Die
Kam=
mer hat u. a. auch den Artikel angenommen, der die
Abgeord=
netendiäten von 27 000 auf 45 000 Fr. erhöht. Die Kammer
ver=
tagte ſich darauf auf nächſten Mittwoch. Poincaré teilte mit, daß
er das Projekt für die Schaffung einer
Amortiſa=
tionskaſſe am nächſten Dienstag einbringen und das
Dring=
lichkeitsverfahren dafür fordern werde, ſo daß die Beratung
be=
reits am Mittwoch beginnen könne.
Einberufung der Nationalverſammlung für den
10. Auguft zur Genehmigung der Verfaffungsänderung
Mit Bezug auf den Plan der Regierung, das
Amortiſations=
projekt zu einem organiſchen Beſtandteil der Verfaſſung zu
machen, was nur durch die Nationalverſammlung in
Verſailles beſchloſſen werden kann, erfahren wir, daß dieſe
Ver=
ſammlung bereits für den 10. Auguſt einberufen
wer=
den ſoll. Immerhin müßte vorher dieſes Verfahren von der
Kammer und dem Präſidenten der Republik genehmigt werden.
Die Nationalverſammlung wird vom Präſidenten des Senates
einberufen, aber unter dem Vorſitz des Kammerpräſidenten tagen.
Sie hat nur mit Ja oder Nein zu entſcheiden, ob ſie die
vorge=
ſchlagene Verfaſſungsänderung annehmen, oder ablehnen will,
und nach Erledigung des genau beſtimmten Programmpunktes
muß ſie ſich ſofort wieder auflöſen. Dies geht wenigſtens aus
den Erklärungen verſchiedener Parlamentarier hervor, die die
Präzedenzfälle in den Kammerarchiven nachgeprüft haben. Die
Nationalverſammlung iſt zum Zwecke der Verfaſſungsreviſion
bis jetzt erſt zweimal einberufen worden. Das erſte Mal im
Jahre 1879, als es ſich darum handelte, zu beſtimmen, daß die
Kammer in Paris tagen ſolle, und das zweite Mal im Jahre
1884, wo beſtimmt wurde, daß frühere Angehörige der
Königs=
dynaſtie nicht Präſident der Republik werden dürfen.
Frierende Ruſſen”, „Komödie” bei autonomem Kolorismus
aler großer, zwingender Gebärden. Abſeits von dieſen Malern
ht der Wiener Oskar Kokoſchka, der, in ſeiner Drangperiode
rch einen rauſchenden Nerven= und Blutſturm hindurchgegan=
In, zu fein abgetönten, beruhigten, rein maleriſch geſehenen
Bil=
rn wie ſeine Themſelandſchaft gekommen iſt. Auch die Vertreter
r „Neuen Sachlichkeit” werden mit einer Anzahl Bilder gezeigt.
i der Kürze des Raumes ſeien nur Namen wir Schrimpf,
Dav=
ighauſen, Menſe genannt, und vor allem Kanold, der mit
wun=
rvollen Stilleben vertreten iſt, ferner die Veriſten Groſz,
bba und Dix. Auch auf die lokalen Schulen iſt nur
hinzu=
iſen; München und Dresden ſind am ſtärkſten vertreten,
Mün=
n von Samberger bis Unold, Dresden von L. v. Hofmann bis
lismüller, die faſt durchweg erfreuliches Niveau haben.
Ein nordiſcher Saal vereinigt Norwegen, Schweden und
inemark. Neben dem jetzt in Paris lebenden Norweger iſt es
* allem Edvard Munck, deſſen Lebenswerk mit einer ganzen
Zahl Hauptſtücke, darunter das große Wandbild „Das Leben”,
erſchaut werden kann. Auch die junge Generation iſt mit Sköld,
Ele, Linnquiſt in der Richtung der Neuen Sachlichkeit
vertre=
deren Bilder die Nähe Rouſſeaus verraten und wieder ein
weis ſind für den Zuſammenklang europäiſch=abendländiſchen
nſtſchaffens.
Im ruſſiſchen Saal dominiert vor allem Marc Chagall.
rüſſiſches und Altjüdiſches blüht in dieſem genialen Maler
„der auf und verleiht ſeinen Bildern jene ſeltſame
Märchen=
imtgſtik, die uns um das Wiſſen um eine ſpäte Erſcheinung
belt erſchauern. Hier hört die Verbindung mit
Abendländi=
m auf, ein öſtlicher Menſch ſpricht mit ſeltſamen Viſionen,
Toniſchen Farben und eine geheimnisvollen Symbolik (Sab=
2. Nabbiner, Landſchaft). Langweilig wirkt daneben das
3e, dekorative Wandbild „Spanierinnen” der N.
Gordſcha=
a. Weſentlich ſind noch die ganz auf Farbe und Rhythmus
Uten Bilder von Kolesnikow. Ein ganzes Kabinett abſtrakter
ſt hat der Moskauer Liſſitzki mit ſpieleriſcher, aber ganz
ori=
ller Wirkung beſchert.
Italien iſt mit der italieniſchen Gruppe der „Valori pla=
, den Carra und Chirico, ferner mit dem kühlen Caſorati
— dem Schönheitsſucher Oppi vertreten. Im ganzen ſind die
2 bniſſe bei großer Abſicht klein und ſtreifen manchmal
gefähr=
ans Kitſchige. Es iſt geradezu eine Wohltat, wenn man im
Sßenden Raum an den Deutſchen Franz Mare tritt.
Intereſſant iſt auch der amerikaniſche Saal, aus dem
dings Poſitives nicht viel herauszuholen iſt, er bleibt viel=
mehr typiſch für die „künſtleriſche” Einſtellung dieſes Landes.
Eine Reihe weiterer Gruppen, in denen manchmal Erhebliches
neben Vielzuvielem hängt, entfällt auf Finnland,
Jugo=
ſlawien, Polen, Tſchechei, Ungarn und
Oeſter=
reich, womit ſich das künſtleriſche Geſamtbild abrundet.
Guſtav Barthel.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
=Verein Heidelberger Feſtſpiele e. V. Die
Heidelberger Feſtſpiele erwecken nicht nur in Deutſchland,
ſon=
dern in ganz Europa das größte Intereſſe. Zur Premiere des
„Sommernachtstraums” am 31. Juli hatten ſich die wichtigſten
Vertreter der geſamten ausländiſchen Preſſe, in erſter Linie der
engliſchen, angemeldet. — Bei der Uraufführung von Knut
Ham=
ſuns „Munken Vendt” iſt die nordiſche Preſſe zahlreich vertreten.
— Die Leugnung der Geſchichtlichkeit Jeſu in
Vergangenheit und Gegenwart. Von Prof. Dr. Arth.
Drews. (Sammlung Wiſſen und Wirken, Band 33).
Karls=
ruhe 1926. Verlag G. Braun. Preis 4.80 Mk. — Durch die
er=
ſtaunlich mannigfaltige Gedankenwelt einer Reihe
ketzeriſch=
kühner Denker von der franzöſiſchen Aufklärungszeit bis in die
jüngſte Gegenwart führt uns Arthur Drews, um zum
Verſtänd=
nis ihrer Verſuche anzuleiten, den mythiſchen Urſprung des
Chriſtentums darzutun und die Ungeſchichtlichkeit der
neuteſta=
mentlichen Berichte über das Leben Jeſu zu erweiſen. Im
Mittelpunkt ſteht der Nachweis, daß es ſich nicht um einen
Men=
ſchen, ſondern von vornherein um einen Gott Jeſu gehandelt
habe, dem nachträglich immer mehr menſchliche Züge beigelegt
wurden, und damit die Frage, nach der Entſtehung des
Ur=
chriſtentums aus dem Geiſte des Gnoſtizismus unter
Einſchmel=
zung altteſtamentlicher Meſſiashoffnungen, Weisſagungen und
Lebensbilder und zum Teil mit aſtralmythologiſcher Einkleidung
der Lebensgeſchichte. Der Gedankengang der hierher gehörigen
Werke von Drews ſelbſt, von der Chriſtusmythe bis zur „
Ent=
ſtehung des Chriſtentums” wird kurz entwickelt, aber ihre
Be=
deutung tritt in dem weitgeſpannten hiſtoriſchen Rahmen viel
ſtärker hervor, als bei der Lektüre eines einzelnen dieſer Werke.
Wie ſehr die Bedeutung des Chriſtentums als Weltreligion mit
ſeiner Entſtehung verknüpft iſt, wird beſonders hervorgehoben.
So ſtellt dieſe Schrift eine willkommene Einführung in den Streit
über den bedeutſamſten religiensgeſchichtlichen Tatbeſtand dar.
Seite 3
Enthüllungen
über die Aufteilung Abeſſiniens.
Engliſch=italieniſch=abeſſiniſcher Notenwechſel.
Frankreichs Rolle hinter den Kuliſſen.
EP. London, 31. Juli.
Zu der abeſſiniſchen Frage veröffentlichen die engliſchen
Zei=
tungen einen Notenwechſel zwiſchen England und Italien auf
der einen und Abeſſinien auf der anderen Seite, der bisher
ge=
heim gehalten worden war. Danach haben die engliſche und die
italieniſche Regierung getrennt von einander am 9. Juni in
Adis Abbeba Noten überreicht, in denen ſie von den
gegenſei=
tigen Abmachungen unter Sicherung der Neutralität Abeſſiniens
Kenntnis geben und ſich zu weiteren Aufklärungen zur
Ver=
fügung ſtellen. Hierauf hat aber Abeſſinien damit geantwortet,
daß es dieſe Noten als einen politiſchen Druck anſehe und
des=
halb die Angelegenheit vor den Völkerbund bringen müſſe.
Die „Daily News” rechnen damit, daß am Montag das
eng=
liſch=italieniſche Abkommen im Parlament von der Regierung
warm verteidigt werden würde. Sie melden ferner, daß der
Gedanke hinſichtlich der Aufteilung Abeſſiniens ſchon im Jahre
1919 von Italien aufgebracht worden war, und daß er damals
einen Teil eines größeren Kolonialplanes bildete, der ſich auf
dem Londoner Abkommen von 1915 aufbaute. Die Enthüllungen
werfen ein merkwürdiges Licht auf die in amtlichen Kreiſen
ver=
breitete Auffaſſung, als ob das neue Abkommen ſich lediglich
auf humanitäre Gefühle ſtütze, um den Bewohnern des Sudans
eine beſſere Waſſerverſorgung zu ſichern. — Der diplomatiſche
Berichterſtatter des „Daily Telegraph” ſucht dadurch gegen
Abeſſinien Stimmung zu machen, daß er die Note Abeſſiniens
eine höchſt merkwürdige Antwort nennt, mit Rückſicht darauf,
daß doch das italieniſch=engliſche Abkommen kein Geheimnis ſei
und ſich ſtreng an den Vertrag von 1906 halte. Man habe in
London den Verdacht, daß Abeſſinien den Proteſt unter
aus=
ländiſch=franzöſiſchem Einfluß beim Völkerbund eingereicht habe.
Ein italieniſches Tanger=Memorandum.
London, 31. Juli.
Der Sonderberichterſtatter der „Times” will erfahren haben,
daß die italieniſche Regierung von ſeiten Englands eine
Mei=
nungsäußerung über die Frage der Anerkennung des Statuts
von Tanger erwarte, bevor ſie anderen intereſſierten
Regierun=
gen ihre formalen Vorſchläge unterbreitet habe. Zu dieſem
Zwecke habe die italieniſche Regierung an England ein
Memo=
randum gerichtet und entſprechende Vorſchläge unterbreitet. Wie
der Korreſpondent ſchreibt, ſeien dieſe Vorſchläge ſehr gemäßigt
und drückten die Bereitſchaft Italiens aus, dem Statut von
Tanger zuzuſtimmen, falls dem italieniſchen Anſpruch am der
Ver=
waltung Tangers ſtattgegeben werde.
Griechiſch=jugoſlawiſche Verhandlungen.
EP. Wien, 31. Juli.
Die „Neue Freie Preſſe” meldet aus Athen: Die
griechiſch=
jugoſlawiſchen Verhandlungen über Wirtſchafts= und
Verkehrs=
fragen dürften in kurzer Zeit zum Abſchluß gelangen. Es
han=
delt ſich um den jugoſlawiſchen Tranſitverkehr auf den
griechi=
ſchen Bahnen, um die Frage der Freizone bei Saloniki und den
Ausbau des Hafens von Saloniki. Man iſt der Anſicht, daß
dieſe Wirtſchaftsverhandlungen den Boden für die darauf
fol=
genden politiſchen Verhandlungen zwiſchen den beiden Ländern
ebnen ſollen. Das Ziel dieſer künftigen Verhandlungen dürfte
ein Garantiepakt ſein, in dem Griechenland und Jugoſiawien
einander die Unterlaſſung kriegeriſcher Angriffe zuſichern.
Die Siabiliſierung des Zloin.
EP. Wien, 31. Juli.
Wie aus Warſchau gemeldet wird, hat die amerikaniſche
Stu=
dienkommiſſion der polniſchen Regierung den Rat erteilt, den
Zloty bei einem Kurſe von 9 Zloty für einen Dollar zu
ſtabili=
ſieren und zu dieſem Zweck die geſetzlich vorgeſchriebene
Göld=
deckung der Staatsbank von 35 Prozent auf 25 Prozent zu
er=
mäßigen. Auf Grund dieſer Herabſetzung des
Deckungsverhält=
niſſes und einer Kapitalvermehrung der Bank Polſki um 50 Proz.
wird die Ausgabe neuer Banknoten ermöglicht. Die Bank
Polſki wird jedoch bei Unterſchreitung der 35=Prozent=Deckung
eine progreſſive Strafſteuer an den Staat zu zahlen haben. —
Der Stabiliſierungskurs wurde unter Berückſichtigung der
Kon=
kurrenzfähigkeit der polniſchen Kohle und der Textilwaren im
Auslande errechnet. Zur Durchführung der Anregungen der
amerikaniſchen Studienkommiſſion wird Mitte Auguſt eine
Gene=
ralverſammlung der Bank Polſki einberufen.
C. K. Das Taſchentuch am Hut. Nichts iſt heute falſcher als
die Bezeichnung „Taſchentuch” für das feine Tuch, das die Dame
zum Putzen ihrer Naſe mit ſich führt. Dieſes Tüchlein wird
nämlich überall anders eher aufbewahrt, als in der Taſche. Da
die Kleidertaſche trotz aller Vermännlichung der Frauentracht
noch immer ein Vorrecht des Herrn bleibt, ſo iſt die Mode
über=
aus erfinderiſch in den Formen, wie die elegante Frau ihr
Taſchentum mit ſich führen ſoll. Ein Taſchentuch, das kreuzweiſe
gefaltet und mit einem Apachenknoten” befeſtigt würde, um den
Hals der Damen von Deauville gegen die Sonne zu ſchützen, bot
den Anlaß zu der Mode der Taſchentuch=Schlipſe, die eine
zeit=
lang überall in Europa und Amerika getragen wurden. Damals
hatte man die vielfache Verwertbarkeit des Taſchentuchs zum
Schmuck erkannt, und ſo hat man denn das Taſchentuch bald als
originelles Armband um das Handgelenk geknotet getragen;
dann wieder wurde es ſehr kokett am Strumpfband befeſtigt; es
flatterte in bunter Farbenpracht wie eine Blume an der Schulter
oder ſchaute prächtig aus der Bruſttaſche heraus. Die neueſte
Mode aber verwendet das Taſchentuch als Zierde des Hutes. Die
weiblichen Kopfbedeckungen mit hohem Kopf, die jetzt getragen
werden, ſind nur mit einem breiten Band garniert, über das
vorn eine fächerartig gefaltete Roſette herausragt. In dieſer
Roſette aber ſteckt ein reichfarbiges Taſchentuch aus Chiffon oder
Georgette, deſſen zierlich gelegte Zipfel und Falten herausragen
und wie die große Blüte einer Sommerbluſe den Hut ſchmücken.
* Um den Heimathof. Novelle von Paul Berglar=Schröer,
Verlag „Am Kamin”, Varel in Oldenburg.
Das Thema vom Kampf des an ſeiner Scholle mit dem
Herzblut hängenden Bauern gegen die zunehmende
Induſtriali=
ſierung auch ländlicher Gebiete iſt an ſich nicht neu, aber immer
kulturell. Der Verfaſſer ſchildert in dieſer Novelle in flottem,
ſtarknervigem Stil den Kampf des Lienertſchulten um ſein Erbe
und darüber hinaus um überhaupt den bäuerlichen Beſitz gegen
das Vordringen eines großen Induſtriewerkes, das materiell der
ſtarke Gegner iſt, ſchließlich aber doch unterliegen muß, da die
grenzenloſe Liebe zur heimatlichen Scholle, das Verwachſenſein
mit dem Vätererbe und die zähe Natur der Bauern ſich ſtärker
erweiſen als alle Macht des Geldes. Feinſinnig hat der Verfaſſer
in dieſe Kampfſchilderung hineinverwoben eine zart aufklingende
und ſtark den Höhepunkt der Handlung beeinfluſſende
Liebes=
epiſode des Lienhartſchulten zu der Tochter ſeines größten
Geg=
ners, des Generaldirektors der Huttropwerke. Die bodenſtändige
Tendenz und der verſöhnende Ausklang der Novelle geſtalten ſie
44
zu einem echten und rechten Heimatbüchlein.
Seite 4
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 211
Unſer Hein=Dieter
iſi angekommen.
Hein Seipp und Frau
Gretel, geb. Winter.
Darmſiadt, 31. Juli 1926.
(*19927)
Stat Karten.
Marie Kopp
Hans Möll
Dipl.=Ing.
Verlobte ( 19902
Darmſtadt
Teſchhausſtr. 33
Worms
Herzogenſtr. 10
31. Juli 1926.
Ihre Verlobung beehren ſich
anzuzeigen:
(liſabethe Heldmann
Chriſtian Schneider
Asbach ſ. Odw.: Nieder=Ramſtadt b. O.
Helene Schneider
Peter Heldmann
Nieder=Ramſtadt b. D. Asback Odw.
Nieder=Ramſtadt, 1. Auguſt 1926
(*19953)
Mittwoch, den 4. Auguſt feiern die
Ehe=
leute Wilhelm Schönwolf u. Frau
Kätha, geb. Trietſch, das Feſt der
Silbernen Hochzeit. (19966
O
(Bür die uns anläßlich unſerer Silbernen
wünſche und Geſchenke iſt es uns
un=
möglich, allen Einzelnen zu danken,
wes=
halb wir es auf dieſem Wege tun müſſen.
Beſonderen Dank dem Erſten
Darm=
ſtädter Kleintierzuchtverein, dem Arbeiter=
Radf.=Bund Solidarität, Sektion
Wald=
kolonie, dem Kegel=Klub, der Wirte=
Innung, dem Dramatiſchen Club
Darm=
ſtadt, ſowie der Stammtiſchgeſellſchaft
für die überreichten Ehrungen. (*20027
Philipp Waldmann
und Frau.
Todes=Anzeige.
Heute nacht entſchlief ſanft nach
kurzem ſchweren Leiden plötzlich
und unerwartet meine liebe Frau,
unſere liebe, treuſorgende Mutter,
Schwiegermutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau
Wilhelmine Germann
geb. Weitzel.
Im Namen dertrauernd. Hinterbliebenen:
Valentin Germann.
Darmſtadt, Kaupſtr. 41. (11045
Die Beerdigung findet Dienstag,
den 3. Auguſt, nachmittags 2½ Uhr,
auf dem alten Friedhof ſtatt
Verein ehem. 6ler Artilleriſten
Bezirksgruppe Darmſtadt.
Nachruf.
Am 28. Juli verſchied nach
ſchwerem Leiden unſer liebes
Mitglied
Herr
Wilhelm Haefele.
Der Verſchiedene war ein treuer
Kamerad, dem wir über das
Grab hinaus ein ehrendes
An=
denken bewahren werden.
11032) Der Vorſtand.
SAMTOt
in den Bayer. Alpen I.Mch.9747
Deutschlands erößtes Jod-Bad
gegen Arterienverkalkung
h
INiA Ludwigshöhſtr. 1 (B282/
Statt beſonderer Anzeige.
Heute vormittag entſchlief ſanft nach längerer Krankheit und nach
einer arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen 51jährigen Tätigkeit als
Bahn=
hofswirt, mein geliebter Mann, unſer herzensguter Pater, Großvater,
Schwiegervater, Schwager und Onkel
Herr
Oinft Memani
Stadtverordneter
im faſt vollendeten 74. Lebensjahre.
(11008
In tiefem Schmerz und im Namen aller Hinterbliebenen:
Eliſe Niemann, geb. Eſſer.
Darmſtadt, Bahnhofsplatz 22, Wiesbaden, Hamburg, Gießen, Mainz, Cöln,
den 30. Juli 1926.
Dſe Beerdigung ſindet am Montag, den 2. Auguſf 1926, nachmittags 3½ Uhr, vom Portale
des alten Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſiraße aus ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir abſehen zu wollen.
Unterbreche meine
zahnärztliche Tätig=
(19807
keit ab
7. Aug.
EEa Lorpulend r
Fettleibigkeit, wird
durch „Tonnola‟
(Na. S., Pps., Ra.
Ligu., Na. bic. fol.
Sen., Fe. O. Na. C1.)
beſeitigt. Preisgekr. m.
gold. Medaill. u. Ehr.,
Dipl. Kein ſtarker
Leib, keine ſtarken
Hüften, ſond jugendl.
ſchlanke, eleg. Figur,
Kein Heilmittel, kein
Geheimmittel.
Ga=
rant. unſchädl. Aerztl.
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5 nachm.
Nachruf.
Am Freitag mittag verſchied ruhig und
unerwärtet unſer allverehrter Prinzipal
Herr
(Ernſt Niemann
Hauptbahnhof=Reſtaurateur
dahier.
Wir verlieren in dem Heimgegangenen
einen Prinzipal mit größten Fachkenntniſſen,
der uns in Allem mit leuchtendem Beiſpiel
voranging.
Sein korrektes Weſen und
Handlungs=
weiſe ſeinen Angeſtellten gegenüber wird uns
Allen in ewiger, dankbarer (Erinnerung bleiben
Er ruhe in Frieden.
Die Angeſtellten
des Hauptbahnhof=Reſtaurants.
Darmſiadt, den 31. Juli 1926. (1990
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Umstadt: Adler-Drog.
Nummer 211
Seite 5
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Jum Denkmal für die Gefallenen des Leibgarde=Regiments.
Das ehemalige Großh. Heſſ. Leibg.=Inf.=
Regt. — von den alten Darmſtädtern noch
lie=
ber die 115er genannt — iſt ſeit
Jahrhunder=
ten mit der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darui=
ſtadt auf das engſte verwachſen.
Im Jahre 1621 hat der damalige
Land=
graf Ludwig V., genannt der Getreue,
ſei=
nem Stadthauptmann Hans Diel oder Hans
Thilo Dreßler „in Gnaden ufferlegt und
be=
fohlen, vor Unß bei jetzigen gefehrlichenn
Leuften, Eine Compagni Zu ſuß zu werbenn.”
Neben ihr wurden, wie überall, ſo auch in
unſerem Heſſenland, zu Beginn und im
wei=
teren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges
noch zahlreiche audere Truppenformationen
ge=
bildet und neu aufgeſtellt. Alle dieſe
Forma=
tionen aber löſten ſich, als die furchtbare Zeit
vorbei war, wieder auf, und nur die
Com=
pagni Zu fuß blieb als Fürſtliche Leib=
Kom=
pagnie beſtehen. Aus ihr hat ſich dann in
un=
unterbrochener Folge das Großh. Heſſ.
Leib=
garde=Regiment entwickelt,
Mancherlei Wanblungen hat, die Truppe
im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht, auf
allen Kriegsſchauplätzen der Erde hat ſie
ge=
kämpft, oft hat ſie ihren Standort gewechſelt,
aber immer und immer wieder führen, ihre
Spuren nach Danmſtadt zurück.
und als das Regiment, deſſen Garniſon
vor Ausbruch des 70er Krieges Woms war,
am 21. Juni 1871 ſeine ſiegreichen,
lorbeer=
geſchmückten Fahnen durch die Rheinſtraße
trug, von den Darmſtädtern mit brauſendem
Jubel begrüßt und mit Plumen und Kränzen
beworfen, da blieb es in Darmſtadt
garniſo=
mert. Blieb es bis zu dem ſtolzen Tag, da es
an ſeinem Großherzog vorbeidefilierte, um
er=
neut gegen den Erbfeind zu ziehen. Gegen den
Erbfeind, der ſeit ſeiner Niederlage im Jahre
1870 Rache gegen uns brütete, und deſſen
ein=
ziges Ziel und Streben es ſeit dieſer Zeit war,
Bundesgenoſſen gegen uns zu werben und zu
finden, weil er allein nicht wagte, es auf einen
Waffengang mit uns ankommen zu laſſen.
Wie ſich das Leibgarde=Regiment im
gro=
ßen Kriege geſchlagen hat, das iſt mit goldenen
Lettern im Buche der Geſchichte verzeichnet.
So=
viel Schlachten und Gefechte, ſoviel Siege!
Und dann kamen die ſchwarzen Tage, die
Tage, an die jeder deutſche Mann Zeit
ſeines Lebens nur mit bitterer Scham
zurück=
benken kann!
Hinweg mit dieſen trüben Bildern!
Jetzt gilt es, die Dankesſchuld gegen die
Gefallenen und gegen die Ueberlebenden des
Leibgarde=Regiments einzulöſen!
Denn wenn das Deukmal, welches das
heldenmütige Sterben des Leibgarde=
Regi=
ments verſinnbildlichen ſoll, auch in erſter Linie
zur Ehre und zum Dank für unſere
Gefalle=
nen errichtet wird, ſo wollen wir damit doch
auch denjenigen danken, die 4 Jahre lang
täg=
lich und ſtündlich ihr Leben aufs Spiel geſetzt
haben, und namentlich denen, die als
kriegs=
verletzt, oder ſonſt an ihrer Geſundheit
geſchä=
digt, aus dem Völkerringen zurückgekehrt ſind.
Mitbürger, ein Dentmal ſoll an hiſtoriſcher
Stätte, an der Schloßmauer, erſtehen, würdig
der ruhmreichen Geſchichte des älteſten
Regi=
ments der deutſchen Armee, aber auch würdig
des Rufes von Darmſtadt als Kunſtiſtadt. Der
Name des Herrn Profeſſors Jobſt bürgt dafür,
daß unſere Heimatzſtadt um ein Kunſtwerk
be=
reichert wird, um das uns viele andere Städte
beneiden werden. Gin Kunſtwerk, von dem
geſprochen wird, und das zu einem erneuten
Anziehungspunkt für unſere an künſtleriſchen
Anregungen ſchon ſo reiche Stadt werden ſoll.
Die Vorarbeiten ſind ſoweit beendet, und
es fehlt jetzt nur noch eine Kleinigkeit,
näm=
lich das Geld. Eine große Sumne gilt es,
aufzubringen, und obgleich der Dendmals=
Ausſchuß, ich möchte faſt ſagen, Tag und Nacht
unermüdlich tätig iſt, ſo wird es doch nicht
möglich ſein, die erſorderlichen Gelder allein
aus den Reihen ehemaliger
Regimentsange=
höriger zu beſchaffen. Hierzu muß die Stadt,
ja das ganze Heſſenland beitragen. Bekannt iſt
ja wohl, daß die Idee eines gemeinſamen
Denkmals für die ganze heſſiſche Diwiſion
fallen gelaſſen worden iſt.
Darum ergeht meine Bitte an meine
Mit=
bürger und an meine heſſiſchen Landsleute:
Ein jeder, der ſich noch Gefühl und
Ver=
ſtändnis für Deutſchtum, Mannesmut
und Mannestreue bewahrt hat, der ſpende
ſein Scherflein.
Freundliche Gaben, über welche in dieſer
Zeitung quittiert wird, ſind zu richten an die
Geſchäftsſtelle des Darmſtädter Tagblatts
unter Kennwort „Denkmalfonds”.
Frhr. v. Preuſchen,
Generalmajor a. D. und Vorſitzender des
Bundes der Heſſ. Leibgardiſten.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 1. Auguſt.
Zubiläum der erſten Darmſtädter Künfkler=Kolonie.
— In dieſem Jahre ſind es bekanntlich 25 Jahre her, daß
mit der Eröffnung der bedeutſamen Ausſtellung „Ein Dokument
deutſcher Kunſt” der Grundſtein zu Darmſtadts künſtleriſcher und
kunſtgewerblicher Größe gelegt wurde. Um dieſem Jubiliäum ein
beſcheidenes Denkmal zu ſetzen, haben ſich hieſige und auswärtige
Freunde des Gründers der Künſtlerkolonie zuſammengeſchloſſen
und die Mittel bereit geſtellt, um am Eingang der Roſenhöhe,
angeſichts der vor 25 Jahren geſchaffenen Bauten der
Mathilden=
höhe, das zurzeit abgeriſſene Löwentor aufzuſtellen.
Profeſſor Albinmüller, der Schöpfer des Löwentores, hat
ſei=
nen urſprünglichen Entwurf einer reizvollen Bearbeitung
unter=
zogen und ihn in höchſt dankenswerter Weiſe, zur freien
Ver=
fügung geſtellt. Der neue Entwurf ſieht für die Hoetgerſchen
Löwen Poſtamente aus glaſierten, farbigen Backſteinen vor und
vereinigt Monumentalität mit größter Schlichtheit. Im
Geſamt=
charakter wird ſich das Werk in würdiger Weiſe der Bautradition
der Künſtlerkolonie anſchließen. Das hoffnungsreiche Gebiet
unſeres ſchönen Stadtoſtens erhält mit dem neuerſtandenen
Löwentor ſicherlich ein beachtliches Schmuckſtück. Die
Auftel=
lungsarbeiten dürften bis zum Herbſt vollendet ſein.
— Verſetzungen in den Ruheſtand: Auf Grund des Geſetzes über die
Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember 1933
wurden in den dauernden Ruheſtand verſetzt; am 1. April 1925 der in
dem einſtweiligen Ruheſtand befindliche Oberaſſiſtent bei dem Krreisamt
Friedberg Valentin Geiger, und am 1. Mai 1926 der im einſtweiligen
Nuheſtand befindliche Verwaltungsoberinſpektor bei dem Kreisamt
Offen=
bach a. M. Philipp Griesheimer. Auf Grund des Geſetzes über
die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember
1923 tritt in den dauernden Nrheſtand: am 1. September 1926 der im
einſtweiligen Ruheſtand befindliche Regierungsrat bei dem Kreisamt
Heppenheim Karl Hammann. In den Ruheſtand verſetzt wurde am
26. Juli 1926 der Hausmeiſter an dem Gymnaſium und der Realſchule
in Bingen Franz Knell auf ſein Nachſuchen vom 1. Septemder 1926
ab. Auf Grund des Artikel 1 des Geſetzes über Einſtellung des
Per=
ſonglabbaues in Heſſen und zur Aenderung des Heſſiſchen
Perſonal=
abbaugeſetzes vom 8. Oktober 1925 in Verbindung mit Artikel 14 des
Reichsgeſetzes über Einſtellung des Perſonglabbaues und Aenderung der
Perſonal=Abbau=Verordnung vom 4. Auguſt 1925 wird mit Wirkung vom
1 Auguſt 1926 ab die Lehrerin Gertrude Machwirth an der
Volks=
ſchule zu Holzheim, Kreis Gießen, aus dem heſſiſchen Schuldienſt
entlaſſen.
— Kirchliche Nachricht. Uebertragen wurde dem Pfarrverwalter
Oto Chriſt zu Kirtorf die ebangeliſche Pfarrſtelle zu Kirtorf, Dekanat
Alsfeld.
— Verfaſſungsfeier 1926 in Darmſtadt. Auch in dieſem Jahre wird
der Tag der Verfaſſung am Mittwoch, den 11. Auguſt, in Darmſtadt
feſtlich begangen. Die hieſigen Vereine republikaniſche Parteien und
Verbände, hatten bereits am 27. Juli eine Vorbeſprechung. Es wurde
beſchloſſen, am 11. Auguſt abends um 9 Uhr einen Fackelzug durch die
Straßen der Stadt zu veranſtalten. Auf dem Luiſenplatz wird der Zug
halt machen und dort werden Anſprachen an die Bevörkerung gehalten.
Außerdem wird vom Monument ein Feuerwerk abgebrannt. Die
offi=
zielle Feier, veranſtaltet von der Staatsregierung und der
Stadtver=
waltung Darmſtadt, findet im Landestheater abends um 7½ Uhr ſtatt.
Die Feſtanſprache des Oberbürgermeiſters Dr. Luppe=Nürnberg wird
umrahmt von muſikaliſchen Vorträgen. Weitere Mitteilungen folgen
noch im Anzeigenteil der hieſigen Zeitungen.
— Operettenſpielzeit Sommer 1926 im Kleinen Haus des Heſſiſchen
Landestheaters. Leitung Adalbert Steffter. Heute Sonntag finden drei
Worſtellungen ſtatt. Nachmittags 3 Uhr iſt als Kindervorſtellung zu ganz
kleinen Preiſen von 50 Pf. bis 2,50 Mk. eine Wiederholung des
Kinder=
märchens „Schneewittchen und die 7 Zwerge”; abends 7 Uhr wird die
Operette „Die Förſterchriſtel” aufgeſührt und als Nachtvorſtellung um
10½ Uhr die Operettenpoſſe „Er und ſeine Schweſter” von Raimann.
Morgen Montag 6. Abonementsvorſtellung für Montagsmieter) und
täglich abends 8 Uhr finden Wiederholungen der Operette „Die
Förſter=
hriſtel” ſtatt.
— Hausfrauenbund. Auf vielfach geäußerten Wunſch wird in
Auguſt auch keine Monatsverſammlung im geſchloſſenen Raum ſtat
inden, ſondern ſtatt deſſen ein Ausflug gemacht werden. Die Mitgliede
ind dringend eingeladen, ſich recht zahlreich an der
Rheinfahrt=
beteiligen, die vom Verband Darmſtädter Frauenvereine am Dienstag
den 10. Auguſt, veranſtaltet wird. Teilnehmerkarten ſind zu haben
Tapetenhaus Hochſtätter, Eliſabethenſtraße 29, zum Preiſe von 3,50 M
ür Bahn und Schiff.
Die öffentlichenSparkaſſen im Freiſiagte Heſſen
und die öffentlichen Lebensverſicherungen.
Hierzu wird uns geſchrieben: Der Behauptung, daß, „um die
Spar=
tätigkeit der Einwohner des Freiſtaates Heſſen auf dem Wege über die
Lebensverſicherung zu fördern”, der heſſiſche Sparkaſſen= und
Giro=
verband den Beitritt zur Naſſauiſchen Lebensverſicherungs=Anſtalt in
Wiesbaden beſchloſſen habe, darf wohl mit Fug und Recht widerſprochen
werden. Darüber Näheres auszuführen, würde an dieſer Stelle wohl zu
weit führen. Entſchieden muß aber der Behauptung widerſprochen
werden, daß die Aufnahme der Lebensverſicherung durch die öffentlichen
Sparkaſſen in Heſſen ohne weiteres zu deren Aufgabenkreis gehöre. Dies
iſt durchaus nicht der Fall. Die öffentlichen Sparkaſſen ſollten
zurück=
kehren zu den Aufgaben, die ſie in einwandfreier Weiſe vor dem Kriege
erfüllt haben nämlich: die ihnen anvertrauten Spargelder in Geſtalt
von Hypotheken der geſamten Wirtſchaft und vor allem der Förderung
des Wohnungsbaues dienſtbar zu machen. Dies iſt und muß die
Auf=
gabe der Sparkaſſen bleiben. Sie haben ſich fernzuhalten von den
Ge=
ſchäften, die zum Geſchäftskreis der Banken oder, wie im vorliegenden
Falle, der Lebensverſicherungsgeſellſchaften gehören. Es iſt bedauerlich,
wenn die Sparkaſſen, nur um vielleicht einen aufgeblähten
Verwaltungs=
apparat weiter im Gang zu halten, ſich mit Geſchäften befaſſen, die
richt zu ihrem Wirkungskreis gehören! Die Sparkaſſen ſchädigen durch
die Tätigkeit auf einem Geſchäftsgebiete, das ihnen fern liegen muß,
eine ganze Reihe kleiner Leute, die in dem Lebensverſicherungsgeſchäft
augenblicklich noch einen beſcheidenen Verdienſt finden. Mit dem
Augen=
blick aber, wo die Sparkaſſen Geſchäfte der angedeuteten Art betreiben,
muß ihnen das Privileg der Steuerfreiheit entzogen werden, und
ſie müſſen mit ihrem Geſchäftsbetrieb zur Gewerbeſteuer genau in
der gleichen Weiſe herangezogen werden, wie andere Geſellſchaften und
deren Vertreter.
— Landwirtſchaftliches Genoſſenſchaftsweſen in Heſſen und
Lebens=
verſicherung. Der Verband der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſen=
ſchaften in Darmſtadt, der dem Verſicherungsweſen von jeher ſeine
be=
ſondere Aufmerkſamkeit zuwandte, hat zu Anfang dieſes Jahres einen
Empfehlungsvertrag mit der Schweizeriſchen Lebensverſicherungs= und
Rentenanſtalt in Zürich abgeſchloſſen. Die erfreuliche Entwicklung und
das Anſehen, das dieſe Anſtalt überall genießt, wo ſie arbeitet, verdankt
ſie ihrer Sicherheit, ihren günſtigen Tarifen und
Verſicherungsbedingun=
gen ſowie der hohen Ueberſchußzuweiſung an ihre Mitglieder. Die
Ver=
bindung mit dem Genoſſenſchaftsweſen lag deswegen beſonders nahe,
weil die beiderſeitige Struktur eine ganz ähnliche iſt! Die Anſtalt iſt die
größte kontinentale Gegenſeitigkeitsanſtalt, die alle Ueberſchüſſe
un=
geſchmälert den verſicherten Mitgliedern zurückvergütet und damit die
Verſicherung zum Selbſtkoſtenpreis gewährt.
—Mozart=Verein. Rheinfahrt am 8. Auguſt. Wie aus dem
In=
ſeratenteil erſichtlich, werden Karten nur noch bis kommenden Dienstag
ausgegeben. Ueber die Fahrt ſei folgendes berichtet: Abfahrt mit
Sonder=
zug 8 Uhr vormittags Hauptbahnhof. Abfahrt der Undine von Mainz
gegen 9 Uhr. Dampferfahrt bis Boppard, wo beigedreht wird. Auf der
Rückfahrt hält der Dampfer in Aßmannshauſen. Ankunft daſelbſt gegen
3 Uhr nachmittags. Von hier können Spaziergänge nach dem
Nieder=
walddenkmal uſw. unternommen werden. Inzwiſchen fährt der Dampfer
nach Rüdesheim weiter und nimmt dort die Teilnehmer wieder auf.
Natürlich bleibt es unbenommen, mit dem Dampfer direkt bis
Rüdes=
heim zu fahren. Abfahrt von dort um 5.45. Abfahrt des Sonderzuges
von Mainz um 9 Uhr. Für zwangloſes Mittageſſen auf dem Schiffe
iſt beſtens geſorgt. Außer dem Städtiſchen Orcheſter wirkt eine Jazz=
Kapelle mit, ſo daß Tanzgelegenheit gewüigend beſteht.
Die Stadtbücherei (Ausleihe) iſt von heute an wieder geöffnet.
Zu bemerken iſt, daß nun wieder Kataloge über den ganzen Beſtand der
Stadtbücherei vorliegen, und zwar 24 Teilkataloge, von denen jeder ein
einzelnes Gebiet, alſo beiſpielsweiſe Geſchichte, Kunſtgeſchichte,
Literatur=
geſchichte Muſik und Theater, Technik uſw. dem dafür intereſſierten
Leſer bietet. Die Kataloge liegen in der Halle der Bücherei zur
Ein=
ſicht auf. Die drei erſten („Erzählende Literatur”. „Aus unſerer Zeit”,
Aus aller Welt”) ſind im vorigen Jahr im Druck erſchienen und zu
billigem Preis in der Bücherei käuflich, weitere Druckataloge werden
vorbereitet. — Der Leſeſaal muß noch wenige Tage geſchloſſen bleiben,
die Wiedereröffnung wird bekannt gegeben.
— Frühkonzert des Städtiſchen Orcheſters heute Sonntag ab 11 Uhr
vormittags im Orangeriegarten nach folgendem Programm: Offenbach:
Quvertüre zur Operette „Die Großherzogin von Gerolſtein”; Megerbeer:
Auszug mus der Oper „Der Prophet”; Lortzing: Holzſchuhtanz aus der
Oper „Zar und Zimmermann”: Ganne: Mazurka ruſſe „La Tzigane‟
Abt: Lied „O Jugend, wie biſt du ſo ſchön”; Spontine: Waffentanz
aus der Oper „Nunnatral”; Schmeling „Der alte Berner Marſch”,
Leitung Herr Matthias Weber.
Jagd und Fiſcherei im Auguſt.
Der Hirſch, deſſen Schonzeit in den meiſten deutſchen Staaten
mit dieſem Monat zu Ende geht, trägt jetzt ſein fertiges Geweih, tritt
aber zugleich in die Feiſtzeit, ſodaß ſeine Erledigung oft hohe
Anforde=
rungen an die Ausdauer des Jägers ſtellt. Gleichzeitig ſetzt auch die
Schußzeit des Damſchauflers ein, und im Hochgebirge die des
Gams. Gute Böcke füihren um dieſe Zeit in ihren Sommereinſtänden
gerne ein Einſiedlerleben.
Die Brunft des Rehes erreicht ihren Höhepunkt und in der
zwei=
ten Monatshälte ihren Abſchluß, nach dem den Böcken völlige Ruhe zu
gewähren iſt. Der Haſe hat noch Schonzeit, ebenſo ſämtliche
Wald=
hühner in den meiſten deutſchen Staaten. Wo Haſelhähne freigegeben
ſind, empfiehlt es ſich, wie „Der Deutſche Jäger” (München) mitteilt, mit
Rückſicht auf den ſtarken Rückgang dieſer Wildart, den Abſchuß tunlichſt
einzuſchränken.
Die Jagd auf Rebhühner ruht bis gegen Ende des Monats.
Der Beginn der Schußzeit wird von dem Miniſterium in den
Tages=
zeitungen bekanntzugeben. Wildenten liefern nunmehr vollwertige Beute
und können auf der Pirſch oder am Anſitz, oft auch auf abgeernteten
Gerſtenfeldern, die ſie wie auch junge Wildtauben gerne aufſuchen,
ge=
ſchoſſen werden. Junges Moosgeflügel befindet ſich ſchon am Zug und
bietet mit dem heimiſchen, dem rüſtigen, gewandten Flugſchützen
ab=
wechſlungsreiche Beute.
Der Herbſtvogelzug beginnt und äußert ſich namentlich bei
den Naubvögeln. Junge Krähen und Elſtern lohnen einen Verſuch mit
dem Auf= oder Waldkauz. Waldränder und Schonungen ſind nach
Schlin=
gen abzuſuchen, da ſie beſonders von lichtſcheuen Elementen zum
Auf=
hängen ſolcher benützt werden.
Aeſche, Forelle, Regenbogenforelle, Bachſaibling, Aitel, Aal, Barbe,
Barſch, Blei, Karpfen, Schied liefern guten Fang. Der Hecht beißt gut.
Krebſe ſind jetzt am ſchmackhafteſten.
— Deutſche Zeltmiſſion. Wie im Jahre 1920 durch den Prediger
Volkmann, ſo finden vom 1. bis 22. Auguſt im Zelt der Deutſchen
Zelt=
miſſion auf dem Meßplatz (am Schwimmbad) wieder religiöſe
Volksvon=
träge über brennende Zeit= und Ewigkeitsfragen ſtatt. Jeden Nachmittag
4 Uhr und abends 8.15 Uhr. Die Deutſche Zeltmiſſion iſt keine Sekte.
Sie huldigt keiner ſchwärmeriſchen oder irrgeiſtigen Bewegung, ſondern
ſteht voll und ganz auf dem Boden der Heiligen Schrift und
refor=
matoriſchen Bekenntnisſchriften. Sie will keine frömmelnde
Eigenbrö=
delei noch religiöſe Senſation oder Bekehrungsmacherei, ſondern wendet
ſich mit den Waffen des Wortes und der Wahrheit an den geſunden
Menſchenverſtand, den Willen und das Gewiſſen des Menſchen. In
Mannheim und Heidelberg, wo das Zelt in den letzten ſechs Wochen
ſtand, füllten Abend für Abend 2000 Menſchen das Zelt und folgten mit
ſteigendem Intereſſe den Ausführungen der Redner. Es iſt der Beweis
erbracht, daß es gerade jetzt mehr als je Tauſende und Abertauſende
ſuchender, fragender, ernſtlich denkender Menſchen gibt, und zwar in
allen Schichten des Volkes, die ſich nicht von den blöden und billigen,
ſeichten Schlagworten der Maſſe und der Straße ködern laſſen, ſondern
die allen Ernſtes Antwort ſuchen auf die tieſſten und letzten Fragen
des Lebens, der Zeit und der Gwigkeit. Dieſen will die Zeltmiſſion
dienen. Die Eröffnungsverſammlung findet Sonntag um 4 uhr ſtatt.
Das Thema des erſten Abendvortrags lautet. Das Rätſel Menſch”. Man
komme, prüfe und urteile. Eintritt frei. (Siehe Anzeige.)
— Städtiſches Orcheſter Für Dienstag, den 24 Auguſt, abends
8 Uhr, iſt im Städtiſchen Saalbau ein Konzert beſonderer Art
vor=
geſehen, Hofballmuſikdirektor Johann Strauß wird
mit dem Städtiſchen Orcheſter einen Strauß=Abend veranſtalten. Näheres
wird demnächſt bekanntgegeben.
ſtattgefundenen. Klaſſe ſind die Vorklaſſen der N. 853)
Lotterie beendet. Die beiden Hauptgewinne dieſer Klaſſe von je 10000
Reichsmark fielen auf Nr. 260 078 in den beiden Abteilungen I und II.
Es folgt nun die von allen Spielern mit der größten Spannung
er=
wartete Haupt= und Schlußziehung, in der diesmal Gewinne im
Geſamt=
betrage von rund 36 Millionen Reichsmark zur Ausſpielung kommen.
Darunter befinden ſich außer den beiden Prämien von je 500 000 Rm.
die großen Haupttreffer von zweimal 500 000 Rm., zweimal 300 000 Rm.
zweimal 200 000 Reichsmark, zweimal 100 000 Rm., ſowie viele andere
größere Gewinne. Im günſtigſten Falle können auf ein ganzes Los
1 Million Reichsmark. auf ein Doppellos ſogar 2 Millionen Reichsmark
gewonnen werden. Die Erneuerung der Loſe zu dieſer Hauptklaſſe, deren
Ziehung am 10. Auguſt beginnt, muß planmäßig ſpäteſtens bis
zum 3. Auguſt abends 6 Uhr, bei Verluſt des Anrechts in der
zuſtändigen Lotterieeinrahme geſchehen. Ueber die nicht rechtzeitig
er=
neuerten Loſe muß bei der großen Loſeknappheit anderweit verfügt
werden.
Lokale Veranſtaltungen.
— Wir verweiſen auf die Anzeige Rentnerbund.
Geite 6
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 211
Verwaltungs=Sonderzug zur Geſolei
nach Düſſeldorf.
Am Sonntag, den 8. Auguſt, fährt die Reichsbahndirektion Mainz
einen Verwaltungs=Sonderzug zur Geſolei nach Düſſeldorf in den
be=
quemen 4. Klaſſewagen mit 33½ Prozent Ermäßigung trotz
Fernſchnell=
zuggeſchwindigkeit. — Die große Ausſtellung für Geſundheitspflege,
ſoziale Fürſorge und Leibesübungen kündet, daß der deutſche Menſch
nach den zerſtörenden Leiden des letzten Jahrzehnts wieder aufgebaut
werden muß durch Geſundheit und Wiſſen, durch Kraft des Körpers
und Kraft der Seele, durch Stärkung des eigenen Leibes und tätige
Nächſtenliebe. Mit der Schau iſt die diesjährige Große Düſſeldorfer
Kunſtausſtellung verbunden worden.
Auf dem am Rheinufer gelegenen Ausſtellungsgelände Düſſeldorfs,
dem ſchönſten und beſt geeigneten Ausſtellungsgelände, über das eine
deutſche Stadt verfügt, nimmt die Große Ausſtellung Düſſeldorf 1926
einen Naum von 400 000 Quadratmeter ein. Auf dieſem Nieſengelände
ſtehen Ausſtellungsgebäude, die insgeſamt etwa 120 000 Quadratmeter
beanſpruchen. Der wichtigſte Teil dieſer Gebäude beſteht aus
monu=
mentalen, für die Dauer beſtimmten Bauten, die nach den Plänen von
Profeſſor Dr. h. c. Wilh. Kreis errichtet wurden.
Der Name der Ausſtellung hat hier und da eine Meinung
aufkom=
men laſſen, es handle ſich um eine theoretiſch=wiſſenſchaftliche
Ausſtel=
lung. Nichts iſt falſcher als dieſe Meinung. Selbſtverſtändlich muß
die Ausſtellung auch viel Theoretiſches zeigen. Aber Düſſeldorf zeigt
ſeiner Ueberlieferung gemäß keine tote, ſondern eine lebendige, in
allen ihren zahlloſen Teilen bewegte Ausſtellung. Die
Ausſtellungs=
technik wird von dieſer Ausſtellung eine Bereicherung erfahren wie nie
von einer Ausſtellung zuvor. In aller Kürze ſeien einige Ausſteller
genannt. Wir finden auf der Ausſtellung die Neichsverſicherungsanſtalt
für Angeſtellte, die Krankenkaſſenverbände, die Berufsgenoſſenſchaften
und die Landesverſicherungsanſtalten. Wir finden das
Reichswehrmini=
ſterium und das Hamburger tropenhygieniſche Inſtitut, das Dresdener
Hygienemuſeum, das Internationale Rote Kreuz und die
Hygienekom=
miſſion des Völkerbundes, die einzelnen deutſchen Länder und zahlreiche
Großſtädte, die großen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und die
zahlreichen Fürſorgeſtellen. Sie alle haben die Gelegenheit der Großen
Düſſeldorfer Ausſtellung wahrgenommen, um wverbend über ihr Wirken
zu berichten. Unter den Ausſtellungshallen der Induſtrie ſeien
beſon=
ders hervorgehoben, das Haus des Bergbaulichen Vereins des Rheiniſch= ſalonleben iſt ſehr geſchickt arrangiert. Diesbezüglich bildet der Film viel
Weſtfäliſchen Kohlenſyndikats und das Haus des Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Elektrizitätswerkes. Ein großartiges Zeugnis deutſcher Technik ſtellt ſteckt auch in dieſem Film ſehr viel Gemüt, nicht zu verwechſeln mit
der große Feuerwehrturm dar, der mit ſeinen 44 Metern Höhe in 40
Tagen errichtet wurde. Die umfaſſende Schau, die unter dem Namen Film ein Augenſchmaus. Zwei reizende Kinderchen ſpielen geradezu ent=
„Wohnung und Siedlung” zuſammengefaßt iſt, gibt eine Ueberſicht über
Feuerwehreinrichtungen, Waſſerverſorgung, Beſeitigung der Abfallſtoffe,
Hoch= und Tiefbau, Gas und Elektrizität, Heizung und Lüftung.
Nah=
rungs= und Genußmittel und Kleidung. In der großen Ausſtellung
„Sport und Leibesübungen” findet der Beſucher Sport= und Turngeräte Komiker Douglas Mac Lean. Dieſes abwechſlungsreiche, fabelhafte,
ausgeſtattete Turnhalle, Pläne und Modelle moderner Sport= und führung.
Spielplätze und vor allem eine große techniſch und wiſſenſchaftlich
voll=
endete Ueberſicht über die Luftfahrt. In der großen Abteilung „
Kran=
kenverſorgung und Krankenbehandlung” treten als Ausſteller die
Häup=
ter der deutſchen Wiſſenſchaft, Univerſitäten, Akademien für praktiſche
Medizin und zahlreiche Sonderkliniken zur Darſtellung ihrer
Forſchungs=
ergebniſſe zuſammen. Die deutſchen Bäder und Kurorte ſchließen ſich
mit einer eigenen Ausſtellung an. Großen Erfolg hat auch die Schau,
die unter der Bezeichnung. Der Menſch in ſeinen geſundheitlichen
Be=
ziehungen zu Pflanze und Tier” einen Ueberblick über
Landwirtſchafts=
wiſſenſchaft und =technik gibt.
Wenn die weit ausgedehnte Ausſtellung den Beſchauer entläßt, wenn
ihn Kunſt und Wiſſenſchaft, Induſtrie und Technik ermüdet haben und
in ihm den Wunſch erregen, nun nicht mehr zu ſchauen, nicht mehr zu
lernen, ſo empfängt ihn der Teil der Ausſtellung, der ſeinem Vergnügen
und ſeiner Erholung dienen ſoll. Im künſtlichen Wellenbad, auch
Plan=
ſchetarium im Gegenſatz zu Planetarium genannt, kann er ſich der
Freude an Luft und Waſſer hingeben. Locken ihn andere Genüſſe, ſo
findet er ſie im Tanzpalaſt und auf der Gebirgsbahn, beim Kegeln und
Schießen, im Schwarzwaldhäuschen und in Oberbayern oder wie ſonſt
die Vergnügungen heißen mögen, die der Menſch ſich erfand.
Ernſt=
hafte Leute gehen dieſem Teile der Ausſtellung aus dem Wege.
Fröh=
liche Leute aber entſinnen ſich, daß auch die Griechen, deren Kunſt und
Philoſophie heute noch leben, neun Muſen hatten. Warum ſollen wir
einige davon vertreiben? Düſſeldorf nimmt es jedenfalls nicht übel,
wenn die Beſucher nach ihrer Heimkehr Düſſeldorf nicht nur als eine
große, fleißige und ſchöne, ſondern auch als eine vergnügliche und
unter=
haltſame, kurzweilige Stadt rühmen.
Vom Rhön=Segelflug.
Waſſerkuppe, 29. Juli.
Die Kuppe lag bei ſteifen Nord=Weſt= bis Weſt=Winden den ganzen
Tag unter Nebel; eine Stunde Aufklaren am ſpäten Nachmittag wurde
eifrig zu Probeflügen an der Mulde des Peltzner Hanges benutzt. Ein
Pegaſus des Frankfurter Vereins ſtartete am Wellenſegler=Hang, konnte
aber, da überzogen geflogen, ſich nicht halten und ſauſte ziemlich heftig
zu Boden; Rumpf und Leitwerk gingen zu Bruch, während die Fläche
heil blieb. Auch Hofmann, der Martens Favorit, verſuchte auf Pegaſus
einen Start von der Kuppe, ſtartete jedoch ungeſchickt mit Seitenwind
und wurde ſchon im Start abgedreht, ſo daß er mit Rückenwind den
Hang hinunterglitt und am Fuß einen leichten Ueberſchlag machte, ohne
zu Schaden zu kommen.
Am Abend wurden im Kaſino des Urſinushauſes zwei Vorträge
gehalten. Prof. Dr. Georgii, der Leiter der Rhön=Roſſitten=Geſellſchaft,
ſprach über die Zukunft des Segelfluges und ſuchte ſeine Bedeutung
vor allem in der Möglichkeit wiſſenſchaftlicher Ausbeutung durch die
Meteorologie und dann in der fliegeriſchen Schulung des Motorfliegers
auf Segelmaſchinen, die ihn dazu erziehen, Wind und Gelände weit mehr
zu beobachten und ſich die Luftſtrömungen zu nutze zu machen, um über
ihre Urſachen klar zu werden.
Nach ihm ergriff Dr. Hoehndorf, ein wiſſenſchaftlicher Mitarbeiter
der R. N. G., das Wort und ſprach über Meßmethoden und Verſuche im
Windkanal. Wenn auch die Art der Darſtellung nicht ſehr geſchickt war,
und die Verſuche noch ſehr in den Anfängen ſtecken, ſo iſt doch der ernſte
Wille zu wiſſenſchaftlicher Arbeit unbedingt anzuerkennen, und es iſt nur
wünſchenswert, daß in der R. R.G. in dieſem Sinne weitergearbeitet
wird.
p.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtlieriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſfehenden Erwähnung
geſchlebt, behält ſich die Redaktion ibr Urtell vor.
— Palaſt=Lichtſpiele. „Verkaufte Mädchen‟. Das
erſchütternde Sittenbild aus dem modernen Leben in 7 Akten, ein ſehr
ſehenswerter Film. Die Regie arbeitet außerordentlich geſchickt und ſorgt
auch für die ſo ſehr beliebten Senſationen. Auch das Nizzaer Tanz=
Augenweide. Trefflich ſind die Darſteller. Wie in allen Gaumont=Filmen
amerikaniſcher Sentimentalität. Auch für den Kinderfreund iſt dieſer
züickend. Er wird allen Bevölkerungsſchichten gerecht, namentlich den
Müttern, die ihre helle Freude daran haben dürften. Im luſtigen Teil:
„Eine tolle Sache”, Achtung Lawine! Ein Film von Sport
und Liebe in 6 Akten. Der große Lachſchlager mit Amerikas tollem
aller Art, von der großen Segelyacht bis zum Fußball, eine neuartig ſchöne Doppelprogramm gelangt nur noch heute Sonntag zur Auf=
Tageskalender für Sonntag, den 1. Auguſt 1926.
Landestheater, Kleines Haus, nachm. 3 Uhr: „Schneewittchen und die
ſieben Zwerge”; abends 7 Uhr: „Die Förſterchriſtel”; abends 10½
Uhr: „Er und ſeine Schweſter.” — Schloß=Café: Konzert. — Café
Rheingold: Konzert und Tanz. — Hotel Prinz Heinrich: Großes
Garten=Konzert. — Beſſunger Herrngarten, vorm. 11 Uhr:
Prome=
nadenkonzert; abends 8 Uhr: Großes Militärmuſik=Konzert im
Orangeriehaus Ball. — Ludwigshöhe: Konzert. — Verein ehem. 117er:
vorm. 7 Uhr: Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal; vorm. 11½
Uhr: Fahnenweihe im Städt. Saalbau; nachm. 2½ Uhr: Feſtzug;
nachm. 4 Uhr: Auguſt=Gedenkfeier, abends 8 Uhr: Großes
Militär=
konzert mit Feſtball im Städt. Saalbau. — Schupoſportplatz: Heſſiſches
Polizeiſportfeſt. — Allee=Reſtaurant Rummelbräu, 4—7, 8—11 Uhr:
Große Konzerte. — Sport=Café: Künſtler=Konzert. — Reſt. „Zur
Hammelstrift”, ab 4 Uhr: Gartenkonzert. — Reſt. „Zur Reichskrone‟
ab 4 Uhr: Unterhaltungskonzert. — Schmitz, Rheinſtr.:
Unterhaltungs=
muſik. — Hanauer Hof: Konzert. — Geflügelzuchtverein Darmſtadt:
Beſichtigung der neu errichteten Geflügelfarm Dieburg; (Abfahrt
7.42 Uhr, Hauptbahnhof). — Hotel „Halber Mond”, Heppenheim:
Kirchwveih. Großes Konzert und Tanzvergnügen. — Gaſthaus „Zur
Poſt”, Nieder=Ramſtadt: Kirchweihfeſt, Tanz. — Gaſthaus „Zum
Schützenhof”, Nieder=Ramſtadt: Kirchweihfeſt, Tanz, Muſik. — „Zur
Traube”, Nieder=Ramftadt: Kirchweil
Großer Tanz
Jean
Krug, Metzger und Wirt, Nieder=Ramſtadt: Kirchweihfeſt. — Café=
Reſt. Trautheim, ab 4 Uhr: Tanz. — Kinovorſtellungen
Tnion=,
Neſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Arheilgen, 31. Juli. Zu der am Freitag (30. Juli) gebrachten
Notiz betr. Brandſtiftung wird uns mitgeteilt, daß nur 37 Mk.,
nicht 450 Mk. geſtohlen worden ſind.
* Wixhauſen, 31. Juli. Neurenovierung des
Gaſt=
hauſes „Zur Krone‟ Eines unſerer älteſten hieſigen Gaſthäuſer
iſt verſchwunden. Die alte Krone, in der ſchon ſo mancher Durſtige eine
wohltuende Erfriſchung fand, wurde durch eine neuzeitliche, geräumige
ſtattliche Lokalität erſetzt. Wie man hört, ſoll dies neue Gaſthaus, Inh.
Ph. Melk, das mit ſeinen Innenarbeiten der Vollendung entgegengeht,
noch vor der Kirchweihe zur Einweihung kommen. — Hohes Alter,
Ein anſehnliches Alter haben folgende hieſigen Einwohner zu
verzeich=
nen: 1. Herr Chriſtian Fiedler 1. 87 Jahre, 2. Herr Heinrich Kehres
84 Jahre, 3. Frau Katharina Gärtner 82 Jahre. Unſere 3 Ortsälteſten
verfügen zurzeit noch über eine gute körperliche und geiſtige Rüſtigkeit.
* Eberſtadt, 30. Juli. Wieder ſeuchenfrei. Die Maul=
und Klauenſeuche kann hier als erloſchen gelten; die angeordnet
ge=
weſenen Schutzmaßnahmen ſind daher aufgehoben worden. —
Steno=
graphiſches. Der hieſige Stenographenverein „Gabelsberger”, der
jetzt auch die Reichskurzſchrift pflegt, hat beſchloſſen, ſein diesjähriges
Stiftungsfeſt Anfang September im „Gaſthaus zur Eiſenbahn”
abzu=
halten. Die Turngeſellſchaft E. V. hat ihre Mitwirkung zugeſagt. —
Wohnungsbau. Der private Wohnungsbau iſt hier ſehr rege.
Neue Wohnhäuſer in der Verlängerung der Waldſtraße, am
Gries=
heimer. Weg, in der Alten Darmſtädterſtraße, Wilhelmſtraße und
Luiſenſtraße ſind im Rohbau bereits fertig. Auch die neue
Wohn=
baracke aus Steinen, die ſeitens der Gemeinde im Kreuzweg errichtet
wird, geht ihrer Fertigſtellung entgegen.
* Pfungſtadt, 30. Juli. Gauſportfeſt. Das 7. Gauſportfeſt
des Odenwaldgaues im Deutſchen Athletik=Sportverband nahm in
ſport=
licher Hinſicht einen guten Verlauf. Der Kommers wurde mit einer
Be=
grüßungsanſprache des Vorſitzenden des Sportvereins „Siegfried”, Herrn
Gräf, eröffnet. Daran anſchließend referierte der Gauleiter Heckmann
über die Bedeutung des Athletikſportes. Die eigentlichen Wettkämpfe
fanden am Sonntag ſtatt. Das Feſt ſchloß am Montag mit einem
Volks=
feſt üblicher Art. Die Beteiligung war leider nicht ſo groß, wie man
es gerne gewunſcht hätte. — Unfall. In der Eberſtädter Straße
wurde ein 28 Jahre, alter Mann, von dem Hahner Autobus im dem
Augenblick erfaßt, als er mit ſeinem Rade vor dem Autobus
vorbeifah=
ren wollte. Glücklicherweiſe kam der Mann mit geringen Verletzungen
am Beine davon, ſein Rad wurde allerdings vollkommen zertrümmert,
* Roßdorf, 30. Juli. Gemeinderatsbericht. 1 Vergebung
von Bauarbeiten. Die zum inneren Ausbau der beiden Doppelhäuſer
für die Gemeinde erforderlichen Glaſer= Schreiner=, Schloſſer und
Weiß=
binderarbeiten, elektriſche Inſtallation, ſowie die Herd= und Ofenlieferung
wurden am 24. Juli im öffentlichen Wettbewerb vergeben, und hatte der
Gemeinderat in heutiger Sitzung den Zuſchlag zu erteilen. Von den
ſehr zahlreichen Bewerbern erhielten als Wenigſtfordernde folgende hieſige
Geſchäftsleute den Zuſchlag: Glaſerarbeiten: Philipp Keßler 3. und
Hermann Baatz; Schreinerarbeiten: Friedrich Rabanus; Schloſſer= und
Anſchlägerarbeiten: Johs. Karl Ewald, Johs. Philipp Felger und Hch.
Ewald 4.; Inſtallationsarbeiten: Georg Reiſinger; elektriſche Beleucht
tungsanlage: Johannes Philipp Felger; Ofen= und Herdlieferung: Hch.
Ewald 4. Hinſichtlich der Weißbinderarbeiten mußte die Erteilung des
Zuſchlags zwecks Anſtellung von Ermittelungen zurückgeſtellt werden,
2. Von Peter Speckhard (Steigerts) ſind 200 Stück Parzellenſteine zu
beziehen. 3. Der Ankauf von 24 Zementrohren bei Gg. Ludwig Meher
und Gg. Daum hier wird genehmigt. — Den Schluß bildete eine
ge=
heime Sitzung.
* Erbach, 30. Juli. 110 Klm.=Straßenrennen. Wegen
Straßenſperrung, ſchlechter Beteiligung und wohl auch im Hinblick auf
die äußerſt ungünſtige Witterung wurde das für Sonntag, den 1.
Aug=
ausgeſchriebene 110 Klm.=Straßenrennen abgeſagt. Die in Betracht
kom=
menden Vereine wurden hiervon verſtändigt. Vermutlich wird das
Rennen im kommenden Frühjahr abgehalten werden.
* Erbach i. O., 31. Juli. Am Sonntag, den 1. Auguſt, findet hier im
Alexanderbad das erſte Gauſchwimmfeſt des 21. Gau (Odenwald) der
Deutſchen Turnerſchaft ſtatt. Es werden Schwimmwettkämpfe in allen
Schwimmarten, Springen und Waſſerballſpiele vorgeführt werden.
* Aus dem Odenwald, 30. Juli. Der anhaltende Regen verſchlechtert
die diesjährigen Ernteausſichten. Durch die häufigen
Platzregen, die teilweiſe wolkenbruchartig niedergingen, liegt an vielen
Stellen das Getreide am Boden. Hält die naſſe Witterung an, ſo iſt zu
befürchten, daß die Frucht Schaden leidet. Auch die Kartoffeln könnten
jetzt warmes und trockenes Wetter vertragen.
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Adolf Müller, Hofgut Georgenhauſen
Poſt und Telephon Reinheim 4.
Nummer 214
Sonntag, den 1. Auguſf 1926
Seite 7
Die Ferngasverſorgung in Heſſen.
Bedeutſame Beſchlüſſe des Starkenburger Provinzialtages.
Geſtern vormittag trat der Provinzialtag für Starkenburg im
Sitzungsſaale der Stadtverordneten in Darmſtadt zu einer
außerordent=
lichen Tagung zuſammen, um eine Tagesordnung zu erledigen, auf der
als Beratungsgegenſtände „Die Ferngasverſorgung des rhein=mainiſchen
Wirtſchaftsgebiets” und „Die Erbauung einer Straßenbrücke über den
Main bei Rüſſelsheim”, ſtanden. Provinzialdirektor Dr.
Kranz=
bühler eröffnet um 11 Uhr die Beratungen. Die Feſtſtellung der
An=
weſenheitsliſte ergibt die Beſchlußfähigkeit der Verſammlung. Die
Mit=
glieder Schmetzer=Offenbach und Lotz=Darmſtadt werden zu
Urkunds=
perſonen beſtellt. Mitglied Hamann=Wixhauſen teilt mit, daß Mitglied
Rippel=Nen=Iſenburg nicht mehr Mitglied der Kommuniſtiſchen
Par=
tei iſt.
bürgermeiſter Dr. Gläfſing= Darmſtadt und Bireftob.— =
Darmſtädter Gaswerk als Gäſte. Oberbürgermeiſter Dr. Gläfſing ſei der
Vertreter der Stadt, die als erſte ſich auf den Boden der dem
Provinzial=
tag vorliegenden Denkſchrift geſtellt habe. Direktor Nuß habe große
Verdienſte um das Projett; er ſei der Vater des Gedankens, und es ſei
zu hoffen, daß er nicht als Märtyrer, ſondern als Sieger aus den
Ver=
handlungen für das Zuſtandekommen des neuen Werkes hervorgehe.
Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler führte dann ewwa folgendes aus:
Noch niemals hat es ſich ereignet, daß der Provinzialtag ſich innerhalb
eines Jahres verſammelt hat; dieſes lebhafte Intereſſe an den
öffent=
lichen Angelegenheiten iſt ſehr zu begrüßen. Es iſt das auch ein guter
Ausblick in die Zukunft, wenn der Ausbau der ſozialen Aufgaben
erfol=
gen muß. Zu der Vorlage über die Ferngasverſorgung, die den
Mit=
gliedern des Provinzialtags bereits vor 14 Tagen zugegangen iſt, will ich
nur einige Bemerkungen machen:
Es handelt ſich hier um eine wichtige Sache, wie ſie nicht zum
all=
täglichen Werkzeug der kommanalen Vewwaltung gehört. Die
Ferngas=
verſorgung iſt eine Frage von großer Bedeutung und Tragweite, eine
komplizierte Frage, die noch nicht ganz abgeſchloſſen iſt. Wir haben
zahlreiche und mächtige Gegner, die ich nicht zu nennen brauche; es wird
mit allen Mitteln offen und verſteckt gegen das Projekt gearbeitet. In
einem ſozuſagen amtlichen Communiqué wird der ganze Plan als ein
Scheinmanöver hingeſtellt, er wird bekämpft, alles ſchwebe in der Luft,
ſogar wird behauptet, daß keine feſten Angebote vorliegen. Alles das
widerſpricht den Tatſachen vollkommen. Man könnte höchſtens den
Vor=
wurf gegen mich erheben, daß ich zu ehrlich geweſen bin. Was da
ge=
ſagt wird von Koksklauſel, Härteklauſel uſw., ſo muß ich dazu ſagen:
daß ein Angebot vorliegt.
Das in der Denkſchrift als Firma X bezeichnete Unternehmen iſt die
Ge=
verkſchaft Weſtfalen in Ahlen, die mit I bezeichnete iſt die Hibernia, deren
Aktien zu 99% im Beſitze des preußiſchen Stactes ſind; die Firma 2. iſt die
Firma Haniel, die zuſammen mit der Gute=Hoffnungshütte das
Unter=
iehmen machen will. Die Firma Haniel hat kein endgültiges, kein
kon=
urrenzfähiges Angebot eingereicht. Möglich iſt es, daß ſie noch damit
ommt. Infolgedeſſen wäre die Auswahl unter den Angeboten nicht
wiſchen zwei, ſondern zwiſchen drei Firmen zu treffen und dahin die
vorgelegte Entſchließung abzuändern.
Was jetzt vorliegt, iſt nicht der Weisheit letzter Schluß; eine
For=
nulierung, die glatt zu unterſchreiben iſt, kann noch nicht vorgelegt
wer=
ſen, weil nicht allein der Provinzialtag, ſondern auch andere
Körper=
chaften an dem Projekt beteiligt ſind; darum iſt die Vorlage auch
ver=
inderungs= und verbeſſerungsfähig. Die endgültige Arbeit kann zunächſt
iur in einem kleinen Kreiſe von Juriſten, Kaufleuten und Technikern
rledigt werden. Iſt dieſe Arbeit geleiſtet, dann wird die endgültig
edigierte Vorlage dem Provinzialtag vorgelegt. Die
Ferngasgeſell=
chaft iſt ein kommunaler, öffentlich=rechtlicher Verband; er iſt
Eigen=
ümer des Bodens und des Werkes, das darauf errichtet wird. Die
Be=
eiligung einer Grube mit 51 Prozent an der G. m. b. H. ſieht zwar
chlecht aus, aber es beſteht keine Gefahr der Majoriſierung; es iſt nur
in Schönheitsfehler. Wenn wir hier nicht zugreifen, wenn wir uns
ticht einigen auf die Grundſätze der Denkſchrift, ſo werden wir zermürbt;
inſere Poſition wird dann ſchwächer. Die Entwickelung der Dinge in
Heſſen wird ſcharf beobachtet, viele haben ein Intereſſe daran, die ganze
Sache zu zerſtören. Wenn wir ſie nicht machen, dann iſt in wenigen
Tagen Frankfurt in Verbindung mit der Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Elek=
rizitätsgeſellſchaft auf dem Damm. Ein Mitbeſtinmungsrecht haben
vir dann nicht mehr. Wir müſſen uns deshalb einigen. Noch eine große
Hefahr beſteht dann: die Verkoppelung der Tarife. Gas und
Eleketrizi=
ät ſind dann in einer Hand; die Tarife ſind dann gewiß nicht niedrig.
Bei dieſem Stand der Dinge darf man ſich nicht an nebenſächlichen
Fra=
en ſtoßen. (Lebhaftes Bravo!)
Direktor Nuß macht darauf aufmerkſam, daß ſchon längſt Pläne
ir die Ferngasverſorgung beſtehen, aber die Entwickelung habe
ge=
eigt, daß ſie in den Händen der Kommunen bleiben müſſe und nicht
em Pridatkapital überantwortet werden dürfe. Schon bei ſeinem
dienſtantrit habe er zu den Plänen der Frankfurter Gasgeſellſchaft
ſtellung nehmen müſſen, und er habe ſich geſagt, wenn 40 Prozent vom
leingewinn abfließen, ſo muß doch eine Vertouerung damit verbunden
in. Wenn man in Heſſen eindringe, ſo ſei zu erſehen, daß hier etwas
verdienen ſei. Die Tarifhoheit der Gemeinden müſſe gowahrt bleiben.
Can dürfe auch nicht fragen, welche Gaspreiſe üblich ſind, ſondern welche
ad erforderlich für Private und Induſtrie zum Vorteil der
Gasver=
rgung. Die Entwickelung iſt gewährleiſtet, wenn uns die Tarif=
1)heit bleibt; Frankfurt hat ſie mit ſeiner Gasgeſellſchaft nicht, auch
ndere Städte haben ſie nicht mehr. In der Elektrizitätswirtſchaft iſt
Is Privatkapital eingebrochen, hat ſich des Landes bemächtigt und die
tädte iſoliert, ſo daß ſie vielfach nachgeben mußten. Bei der
Gasver=
rgung ſtehen wir erſt am Anfang dieſer Entwickelung, und in letzter
tunde gilt es, ſie aufzuhalten.
Mitglied Ritzel=Michelſtadt (Soz) bezieht ſich in ſeinen
Aus=
hrungen auf einen früheren Beſchluß des Provinzialtages, daß ein
erk auf kommunaler Grundlage, unter Ausſchluß des Privatkapitals,
richtet werden ſoll. Der Redner ſtellt dann Betrachtungen an über
e Elektrizitäts= und Ferngasverſorgung in Heſſen während der
Nach=
iegszeit. Die Sozialdemokratie ſtehe heute noch auf dem Standpunkt,
6 das Privatkapital auszuſchließen ſei. Der Urgrund der
Gasver=
gung, die Kohle, liege beim Pdivatkapital. Das Angebot der
öffent=
hen Hand (Hibernia) werden wir als das gegebene anſehen.
berſönlich lege der Beteiligung der Grube von 51 Pro=
Int große Bedeutung bei. Bei der Durchführung des
Pro=
tes dürften Arbeiter und Angeſtellte keinen Schaden leiden. Die
Engasverſorgung dürfe ſich nicht nur auf die ergiebigſten Gebiete,
ſon=
rn ſie müſſe ſich auf die ganze Provinz erſtrecken. Der Redner geht
nn auf Einzelheiten der Vorlage ein und äußert dazu eine Reihe von
Unſchen; u. a. ſoll bei Abſchluß des Vertrages eine Fünfachtel=Mehrheit
S Ausſchuſſes erforderlich ſein. Weiter verlieſt der Redner eine län=
Ee Entſchließung, in der ausgeſprochen wird, daß die Vorlage eine
Eundlage für weitere Verhandlungen iſt, doch dürfte mit der
Zuſtim=
ung nicht die Möglichkeit von Aenderungen und die Beſeitigung von
ängeln verbaut werden.
Mitglied Rech=Offenbach (Ztr.) meint, die in der Denkſchrift an
n Städten geübte Kritik ſei nicht zutreffend. Die Städte mit ihren
lenen Gaswerken könnten nicht mit beiden Füßen in das Projekt
ſemſbringen. Was ſoll aus den ſtädtiſchen Gaswerken werden? Es
I nicht als Uneinigkeit ausgelegt werden, wenn die Städte die
An=
legenheit eingehend prüfen. Die Sache iſt noch nicht ſpruchreif, und
Ne Sicherungen kann man nicht weitergehen; man denke nur an
Tens. Es ſei aber zu hrffen, daß künftige Verhandlungen über dieſe
Mierigkeiten hinweghelfen. Es kommt nicht auf den Wortlaut, ſon=
En auf den Sinn der Verträge an. Bedenklich iſt, daß ein Ausſchuß
Verträge abſchließen darf; der Provinzialtag muß doch das letzte Wort
haben. Der erſte Antrag der Provinzialdirektion mußte den Zuſatz
haben: Vorbehaltlich der Zuſtimmung der Provinzialdirektion.
Mitglied Dr. W. v. Opel=Rüſſelsheim (Dtſch. Vp.) bemerkt:
Grundſätzlich ſtimmen wir mit dem Projekt überein, aber die Sache iſt
noch nicht ſo reif, wie wir annehmen. Wie ſteht es mit der
Kohlen=
klauſel, der Koksklauſel uſw.? Das Projekt iſt noch nicht ganz
durch=
gearbeitet. Zur Beratung auch nur der wichtigſten Fragen müſſen wir
mindeſtens noch einmal zuſammenkommen. Eine Härteklauſel darf unter
keinen Umſtänden in den Vertrag hineinkommen.
Mitglied Karcher (Soz.) ſchildert die Vorverhandlungen; die
Aufſtellungen von Direktor Nuß wären richtig und vorſichtig. Der
Red=
ner befürwortet die ſozialdemokratiſchen Anträge, die grundſätzlicher
Natur wären.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing wendet ſich gegen die
Beden=
ken des Mitgliedes v. Opelz er habe eine Konferenz mit dem Vertreter
der Hibernia gehabt, und er glaube, bei einer gleichen Unterredung
würden alle Mitglieder des Provinzialtags einig ſein. Kritik ſei
not=
wendig, aber man könne auch zu weit gehen. Es ſei unrichtig, daß von
einer Härteklauſel die Rede ſei. Wenn den Grüben Zweifel wegen der
Preisofferten, daß ſie zu billig ſeien, geradezu ſuggeriert wurden, ſo
könne das gefährlich werden. Die Hibernia habe 11 Kokereien in
Be=
trieb, alſo auf dieſem Gebiete große Erfahrung. Gewiß beſtänden noch
Zweifel, man wiſſe noch nicht, wo gebaut werden ſoll; auch ſtehe man
nach 10 Jahren vor der Frage, ob man das Werk allein betreiben ſoll.
Die ſoziale Fürſorge für das Perſonal der beſtehenden Gaswerke, iſt
be=
rechtigt, aber die dahin zielenden Anträge müßten erſt dem
Provinzial=
ausſchuß überwieſen werden, damit ſie die rechte Form erhalten.
Mitglied Hamann=Wixhauſen (Kom.) macht Ausführungen, die
ſich gegen das Privatkapital richten; dem Mitglied v. Opel wirft er vor,
daß er das Projekt verſchleppen wolle.
Mitglied Ritzel zieht den Antrag zurück, daß der Ausſchuß zu
einem Vertragsabſchluß eine Fünfachtel=Mehrheit haben müſſe.
Mitglied Jacobi=Königſtädten (Heſſ. Bauerbund) wirft die
Frage auf, ob die Ferngasverſorgung der Landbevölkerung einen
Vorteil bringt. Was koſtet das Werk und wie werden ſich die Laſten
verteilen?
Mäitglied Arras=Ober=Oſtern (Heſſ. Bauernbund) iſt gegen eine
Mehrbelaſtung, die das flache Land trifft.
Mitglied Dr. v. Opel (DPp.) weiſt den Vorwurf einer
Verſchlep=
pung zurück, und erklärt: Die Opelwerke brauchen eine Million
Kubik=
meter Gas, und wenn es billiger wird, 2 Millionen; warum ſollen wir
alſo das Projekt verſchleppen? Mit den Entſchließungen wolle man
nur Grundſätze mit auf den Weg geben für die weiteren Verhandlungen.
Es dürften keine Koksabnahmeverpflichtungen und dergleichen
einge=
gangen werden.
Mitglied Rupp=Heppenheim (Ztr.) wünſcht, daß die Anträge der
Sozialdemokratie dem Provinzialausſchuß als Material überwieſen
werden.
Mitglied Ritzel (Soz.) erklärt ſich im Namen ſeiner Partei damit
einverſtanden.
Direktor Nuß meint, eine weitere Kritik könnte nur die Arbeit
der Unterhändler erſchweven. Unterdeſſen wären viele Beſtimmungen
der Vorlage noch ſchärfer gefaßt worden.
Mitglied Knecht=Lampertheim bemängelt es, daß nichts in dem
Entwurf ſteht, was aus den ſtadteigenen Gaswerken werden ſoll.
Mitglied Schneider=Viernheim weiſt auf die Vorteile des
Kochens und Heizens mit Gas hin, gerade für die Landbevölkerung.
Mitglied Porth=Offenbach (Dntl.) iſt mit dem Ausſchluß des
Privatkapitals einverſtanden, wenn es ſich monopolartig betätigt. Bei
der Aufbringung der Geldmittel für das Werk könne man aber das
Privatkapital nicht entbehren, woher ſollten denn die 17 Millionen
kom=
men? Den Angeſtellten des Ferngaswerkes dürften keine fürſtlichen
Ge=
hälter bezahlt werden, ſondern nur die von Staats= und
Gemeinde=
beamten.
Nach weiterer Ausſprache wird dann abgeſtimmt.
Es wird ein Antrag auf namentliche Abſtimmung einſtimmig
an=
genommen.
Ebenſo werden die Anträge der Provinzialdirektion einſtimmig
angenommen, die wir im Wortlaut bereits mitgeteilt haben. Es wird
darnach der vorgelegte Plan zur Gründung einer Gasverſorgungs=
Ge=
ſellſchaft und die Errichtung einer Gaserzeugungsanſtalt gutgeheißen.
Der Provinzialausſchuß wird zu Verhandlungen ermächtigt, aber die
Verträge ſind zur endgültigen Entſcheidung dem Provinzialtag
vor=
zulegen.
Der oben in den Grundzügen mitgeteilten ſozialdemokratiſchen
Re=
ſolution wird zugeſtimmt, ferner ein Antrag, daß die Arbeiter= und
Angeſtelltenintereſſen der beſtehenden Werke gewahrt werden, dem
Aus=
ſchuß als Material überwieſen. Zweitens wurden ſozialdemokratiſche
Vorſchläge angenommen, daß einer Grube in Staatsbeſitz der Vorzug zu
geben ſei, daß alle Teile der Provinz gleichmäßig mit Gas zu verſorgen
ſeien, daß in § 5 des Vertrages die Intereſſen der G. m. b. H. ſtärker
gewahrt werden und daß die Rechte aus einer beſſeren Ausnützung der
Nebenprodukte ebenfalls gewahrt werden. — Alle Beſchlüſſe erfolgten
einſtimmig.
Die Straßenbrücke bei Rüſſelsheim.
Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler erläuterte die Vorlage
für die Errichtung einer Straßenbrücke bei Rüſſelsheim und dankte der
Firma Opel und dem Herrn Fritz von Opel, daß ſie 200 000 Mark für
die Brücke als Spende bereitgeſtellt haben.
Oberbaurat Balz gab die techniſchen Erläuterungen. Die Breite
der Brückenfahrbahn ſoll 5,50 Meter betragen und die der Fußfteige je
1,50 Meter.
Die Mitglieder Fritſch=Dilshofen, Ritzel=Michelſtadt, v. Opel=
Nüſſelsheim und Joſt=Offenbach äußerten den Wunſch, daß die Brücke
eine größere Breite erhalten möge; eine entſprechende Entſchließung
wurde gefaßt.
Der Koſtenanteil der Provinz für die Brücke beträgt rund 45 000
Mark, die bewilligt werden.
Schluß der Sitzung 134 Uhr.
N Von der Bergſtraße, 31. Juli. Kürzlich ſtattete die
Provinzial=
direktion Starkenburg in Darmſtadt dem Kreiskinderheim in Ladenburg,
das den Ruf einer Muſteranſtalt beſitzt, einen Beſuch ab. Die Herren
erklärten ſich über die ſozialen Einrichtungen des Heims, das zurzeit
72 Kinder von 2 bis 6 Jahren beherbergt, ſehr befriedigt. Die Zöglinge
werden dem Heim in der Hauptſache durch die Jugendfürſorge des
Kreiſes Mannheim zugewieſen. Der Anſtaltsgarten enthält u. a. ein
„Plätſcherbaſſin” für Kinder. Die Krankenſtube iſt mit einer „
Höhen=
ſonne” und einer Soluxlampe zur Beſtrahlung von rachitiſchen Kindern
ausgerüſtet.
Cp. Auerbach, 31. Juli. Bannerweihe der Freiw.
Feuerwehr. Dem idhlliſchen Auerbach winken Feſttage. Die
Wehrmänner weihen am 1. Auguſt ihr Banner, das Zeichen, unter dem
ſie ſich ſammeln zum ſelbſtloſen, aufopfernden Dienſt, zum Nutzen der
Allgemeinheit, oft unter Einſatz des Lebens. Unſere Zeit iſt wohl nicht
für Feſttage geſtimmt und doch brauchen wir erbauende und erhebende
Feſtſtimmung und eine ſolche ſoll in den Tagen der Bannerweihe
auf=
kommen. Wie ſinnreich iſt doch der Wahlſpruch der Feuerwehr: „Gott
zur Ehr, dem Nächſten zur Wehr‟. Einer für Alle, Alle für Einen.
Jeder, ob arm oder reich, iſt den braven Feuerwehrleuten, die ſich in
ech=
ter, deutſcher Art in den Dienſt der Allgemeinheit ſtellen, und die
Ge=
meinſchaftspflicht im beſten Sinne erfüllen, zum Gemeinſchaftsdank
ver=
pflichtet.
* Jägersburg, 31. Juli. Momentan wickelt ſich hier ein ſehr
ſtar=
ker Autoverkehr ab, welcher durch die Sperrung der Kreisſtraße
Klein=
rohrheim—Gernsheim hervorgerufen wird. Unſere waldreiche Gegend
wird dadurch immer bekannter und die umliegenden, von der Bahn
ab=
gelegenen Ortſchaften können dadurch viel profitieren. Mancher, den
Werktags ſein Beruf in unſere geſunde Gegend führt, macht ſich auch
Sonntags auf die Beine, um im grünen Wald Erholung von des
Tages Laſt und Mühe zu ſuchen und zu finden.
Gernsheim, 31. Juli. Waſſerſtand des Rheins. Am 31.
Juli, morgens 6 Uhr: 2,34 Meter.
Rheinheſſen.
M. Nieder=Saulheim, 31. Juli. Blinddarm=Erkrankungen.
Neuerdings erkrankten hier wieder zwei Perſonen an Blinddarm, die
zur Operation in ein Mainzer Krankenhaus verbracht wurden. Es
han=
delt ſich um zwei junge Leute von 18 Jahen. Einer der Erkrankten iſt
geſtorben. — Die Darlehenskaſſe Nieder=Saulheim ſchloß das
abgelaufene Geſchäftsjahr mit einem Reingewinn von 1424,59 RM. ab.
Der Geſamtumſatz betrug 3 200 000 RM. 350 Mitglieder gehörten der
Kaſſe an, inzwiſchen iſt im neuen Geſchäftsjahre ein Zuwachs eingetreten.
Die Geſamthaftſumme betrug Ende des Jahres 1925 344000 RM.
M. Nieder=Ingelheim, 31. Juli. Tod der älteſten
Einwoh=
nerin. Die älteſte Einwohnerin der Gemeinde, Frau Mett Witwe,
iſt im 92. Lebensjahre geſtorben.
M. Wöllſtein (Rheinh.), 31. Juli. Zwei Unfälle. Im
benach=
barten Neubamberg fiel der 7jährige Schüler H. Knöpp im Schulhof
ſo unglücklich mit dem Kopf auf die Kante einer Steintreppe, daß
Ge=
hirnerſchütterung eintrat. — Unglücklich zu Fall kam der J. GaßnerZ.
in Neubamberg durch Bruch einiger Speichen des Vorderrades. Er zog
ſich ſchwere Verletzungen im Geſicht zu und mußte den Arzt aufſuchen.
* Nackenheim, 31. Juli. Der 13jährige Sohn des in Oberweſel
woh=
nenden Gaſtwirts Paul Sans von hier, hat mit eigener Lebensgefahr
unter den ſchwierigſten Umſtänden unweit ſeines Elternhauſes einen
fünfjährigen Knaben aus den Fluten des Rheines gerettet. Sein Vater
hat, als er in demſelben Alter ſtand, hier eine ähnliche mutige Rettung
vollbracht.
Oberheſſen.
* Büdingen, 30. Juli. Auf ſein 50jähr. Doktorjubiläum
blickt der ordentliche Profeſſor an der Landesuniverſität Gießen Dr. med.
et phil. Hermann von Ihering zurück. Der Jubilar wurde 1850
in Kiel geboren, beſuchte in Gießen, wo ſein Vater Rechtslehrer war,
das Gymnaſium und die Univerſität. Im Jahre 1876 promovverte er
in Göttingen zum Dr. phil.. Ferner war er als Privatdozent für
Zoo=
logie in Leipzig und Erlangen tätig. Profeſſor von Ihering wanderte
1880 nach Südamerika aus, wo er als Arzt wirkte und ſich als Leiter
des Staatsmuſeums in Sao Paulo große Verdienſte erwarb. Während
des Weltkrieges wurde er von den Braſilianern wegen ſeines
Deutſch=
tums ſeines Poſtens enthoben und kehrte in die alte Heimat nach
Büdin=
gen zurſick. Trotz ſeines hohen Alters von 76 Jahren entfaltet der
Ju=
bilar auch jetzt noch eine ſehr eifrige wiſſenſchaftliche Tätigkeit.
* Laubach, 30. Juli. DasOpfer eines gemeinen
Schwind=
lerſtreiches iſt ein hieſiger Geſchäftsmann geworden, der dadurch
einen Schaden von über 2000 Mk. erlitten hat. Ein junger Mann mietete
ſich mit einer Dame ein, ſie machten Ausflüge mit den Hausbewohnern
und freundeten ſich in jeder Beziehung an. Eines Tages zeigte er 12000
Mark vor, wobei er erklärte, er könne einen ſehr günſtigen Einkauf
machen, es fehlten ihm nur noch 2000 Mark. Der Hausherr gab ihm
die fehlenden 2000 Mark. Die Dame fuhr ab, um den Einkauf in Kaſſel
zu beſorgen. Der junge Mann erhielt von dem Hausherrn ein,
Fahr=
rad, damit er einen Ausflug ins Gebirge machen könne. Beide ſind
ſeit=
dem nicht mehr zurückgekehrt. Der junge Mann ſoll ein Hochſtapler aus
Lorch am Rhein ſein, der bereits ſteckbrieflich wegen anderer
Schwinde=
leien geſucht wird.
* Grünberg, 30. Juli. In der letzten Gemeinderatsſitzung
wurde einem Bierverleger erlaubt, ein Staubecken an der oberen
Eſchers=
bach anzulegen. Durch Ankauf wurden zwei Grundſtücke von Herrn
Bauer=London erworben. Das verbliebene Eichenſtammholz aus dem
Jahre 1926 will eine Gießener Firma kaufen, weil ſie jedoch keine Preiſe
angegeben, wird dieſe Angelegenheit zurückgeſtellt. Die Wohnräume auf
der Südſeite des 1913 erbauten Gendarmeriehauſes ſind ſo feucht, daß ſie
nicht bewohnt werden können. Hievüber ſoll die Baukommiſſion berichten
und dann Beſchluß gefaßt werden. Die Ueberlandanlage verlangt vom
Ende Oktober 1923 für eine Rechnung eine Aufwertung von 72,24 Mark.
Hierzu verhält ſich der Gemeinderat ablehnend. Als
Inſtandſetzungs=
arbeiten ſollen ausgeführt werden: Die entſtandenen Schäden an der
Volksſchule ſollen ausgebeſſert, das Dach am Schweſternhaus repariert
werden, einzelne Straßen ſollen neues Goſſenpflaſter erhalten und mit
Klopfſteinen beſchüttet, die Kanaliſierung der Londorfer Straße ſoll ſofort
ausgeſchrieben und dementſprechend mit der Arbeit begonnen werden.
* Alsfeld, 30. Juli. Eine der älteſten Kirchen
Oberheſ=
ſens iſt die Kirche in dem benachbarten Dorfe Zell bei Romrod, die
auf ihr 1100jähriges Beſtehen zurückblickt. Aus dieſem
An=
laß fand ein Feſtgottesdienſt ſtatt, an dem auch viele Gäſte von
aus=
wärts teilnahmen. Pfarrer Bähringer aus Billertshauſen hielt die
Feſt=
rede über die Bibelworte 3. Moſes 26, V. 11 und 12. Zell war in den
erſten chriſtlichen Jahrhunderten der Mittelpunkt des kirchlichen Lebens
im geſamten nördlichen Vogelsberg und Schwalmtal, und von weit her
ſtrömten die Gläubigen in das alte, ehrwürdige Kirchlein, wo ſie von
den frommen Mönchen in der chriſtlichen Lehre unterrichtet und getauft
wurden. Der Superintendent für Oberheſſen, Oberkirchenrat Wagner=
Gießen, wies ganz beſonders auf dieſe letzte Bedeutung hin. Namens der
oberſten Kirchenbehörde ſprach Prälat D. Dr. Diehl aus Darmſtadt, der
ebenfalls auf die Geſchichte und Bedeutung des Dorfes und der Kirche
Zella hinwies; dieſe wurde am Luzientag 825 vom Erzbiſchof Heiſtolf=
Mainz geweiht. Das beſcheidene Holzkirchlein machte im 12.
Jahrhun=
dert einem größeren Gotteshaus in Bruchſteinmauerwerk Platz, der
Bau=
ſtil war ſtreng romaniſch. Viele Glückwünfche des Dekanats Alsfeld
überbrachte Dekan Dr. Unverzagt aus Alsfeld, und für die Kreisbehörde
ſprach Regierungsrat Strack. Die Kirche zeigt auch noch einige wertvolle
Altertümer, einen Taufſtein, holzgeſchnitzte Figuren und lebhafte
Orna=
mente. Vor wenigen Tagen erhielt das Kirchlein neue Glocken.
2ad
der Gäscke
ist eine Seifenlauge
erforderlich, die Frei
von allen schödlichen
Bestandteilen ist und
durch ihren großen
Fettgehalt den Schmut
fast ohne UIhr Zutun
entfernt.
Verwenden
Sieda-
her hierfür nur
OOn 9kompson’s Seifenwafvor
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Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 211
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Nummer 214
Sonntag, den 1. Auguſf 1926
Seite 9
Wildgraf Hubertus.
Roman von Peter Fides.
(Nachdruck verboken)
Hubertus ſchreckte empor aus ſeinen Träumereien.
Irgend=
wo, durch die Stille des Winterwaldes, klang ein Geräuſch, —
dumpfer, galoppierender Hufſchlug — ein halb erſtickter Schrei —.
und nun jagte es heran auf der Landſtraße; in einer wirbelnden
Volke von ſtiebendem Schnee ein ſchleudernder Schlitten, der
jeden Augenblick gegen einen Baumſtamm prellen und zerſchellen
konnte. — Ohne ſich eine Sekunde lang zu beſinnen, ſprang
Egede über die Böſchung, warf ſich dem Gefährt entgegen, hing
einen Herzſchlag ſpäter an dem ſchleifenden Trenſenzügel —
Alle Sehnen und Muskeln ſpannten ſich bis zum Zerreißen, ein
kurzer Kampf, hoch auf ſtieg der Braune, dann ſtand er, zitternd,
ſchweißbedeckt, mit fliegenden Flanken —
Der Kutſcher torkelte vom Bock, knickte zuſammen:
„Och Gott, Herr Graf, un’ ich kann wirklich nichts dafür,
wer der Gaul war ja rein wie verrückt, ein pagr Wildſchweine
rannten über den Weg ——
Hubertus hörte ſchon nicht mehr, er war an den Schlitten
herangetreten, in dem hochaufgerichtet eine ranke, ſchlanke
Mäd=
chengeſtalt ſtand. Goldig ſchimmerndes Blondhaar quoll unter
dem weißen Wollmützchen hervor, ein paar große, dunkelblaue
Augenſterne blickten feuchtſchimmernd aus dem runden,
feinge=
ſchnittenen Geſichtchen mit den Grübchen in Wangen und Kinn,
und der kleine, kirſchrote Mund, hinter deſſen kurzer Oberlippe
gleich einer Perlſchnur ſpitze, ſchlohweiße Zähnchen blitzten, war
wie bei einem furchtſamen Kind zum Weinen verzogen. —
„Graf Egede!‟ Der Drehnger Schloßherr lüftete ſeinen
ver=
witterten Jagdfilz. „Das hätte dumm ablaufen können,
gnä=
diges Fräulein, und wenn ich mir einen gutgemeinten Ratſchlag
erlauben darf: Das Pferd iſt durch die Witterung des
Schwarz=
wildes noch aufgeregt, vielleicht vertrauen Sie ſich meiner Füh=
rung anz es iſt nur ein Viertelſtündchen bis zur Oberförſterei —
Drüben ein leichtes Neigen des Köpfchens.
„Sie ſind ſehr gütig, Herr Graf, und ich danke Ihnen, —
danke Ihnen allerherzlichſt, — mein Name iſt Deliane Delius —
Der Wildgraf lächelte.
„Deliane — — das habe ich noch nie gehört, aber bitte!”
er bot dem jungen Mädchen die Hand, ſo leicht und elaſtiſch wie
eine Feder ſchwang ſie ſich herab ohne das Trittbrett zu
benutzen.
„O. Gott! und Sie bluten ja!!‟
Gleichmütig betrachtete Hubertus die ſehr breite Schramme,
die ſich quer über den linken Handrücken zog.
„Wenn es weiter nichts iſt, ein lumpiger Riß in der Decke,
das heilt in drei Tagen,” dann wandte er ſich an den noch immer
vor Angſt ſchlotternden Kutſcher: „Ein andermal ſchlafen Sie
nicht, lieber Mann, und jetzt fahren Sie Schritt, aber erſt reiben
Sie den Gaul ab und decken ihm einen Woylach über,
verſtanden?”
Lia hatte ein ſpinnwebfeines Batiſttaſchentuch aus ihrem
Handtäſchchen gezogen.
„Ach bitte, es muß wohl eine Ader verletzt ſein —
„Gnädiges Fräulein, Sie können unbeſorgt ſein, Egede
lachte, doch ſah er den bittenden Blick: „alſo meinetwegen —
Geſchickt wickelte ſie das Tuch um die Wunde.
„Nachher müſſen wir einen ordentlichen Verband anlegen,
beſſer vorgeſehen als, nachbedacht — tut es ſehr weh?”
Nicht die Spur, und nun, wenn ich bitten darf, wir biegen
am beſten gleich links ab, aber — ach du lieber Himmel, die
dünnen Stiefelchen!”
Ein ſilberhelles Lachen.
„Ich vertrage ſchon ein bißchen Kälte; wie oft bin ich mit
meinem Vater im Winter auf Entenbirſch oder zum Fuchspaſſen
gegangen!”
„Ihr Herr Vater war Forſtmann?‟ Egede betrachtete
ver=
ſtohlen ſeine Begleiterin, die in ihrem ſchlichten graugrünen,
wie angegoſſen ſitzenden Lodenkoſtüm wacker neben ihm ausſchritt.
„Nein, Zoologe aber er hatte ein kleines Revier gepachtet,
freilich nur ganz beſcheiden, kaum zweitauſend Morgen groß und
bloß Niederwild —
„Da gehören Sie alſo gewiſſermaßen auch zur grünen Gilde,
und famos tapfer haben Sie ſich vorhin benommen; ein
moder=
nes Großſtadtmädel hätte einen Weinkrampf bekommen oder wäre
in Ohnmacht gefallen.”
Lia blieb ſtehen.
„Herr Graf, — verzeihen Sie nur, ich habe Ihnen ja noch
gar nicht richtig gedankt —
„Schluß! Bitte, gnädiges Fräulein, ich bin kein
Geſellſchafts=
menſch wenn Sie mir Komplimente ſagen, werde ich verlegen
wie ein Primaner, und nicht wahr, von einer
Selbſtverſtändlich=
keit ſpricht man doch nicht erſt?”
Eine feine, durchſichtige Röte ſtieg in die Wangen des
jungen Mädchens.
„Sie beſchämen mich — —
„Ach wo, und nun,” Hubertus wurde ordentlich befangen,
„nehmen Sie mir bitte eine Frage nicht übel: Sie nannten
vorhin Ihren Namen: Deliane —
Wieder dies glockenreine Lachen.
„Da ſind Sie nicht der Erſte, der mich danach fragt, meine
liebe, verſtorbene Mutter war eine Schwedin
„Sie haben beide Eltern verloren?”
„Ja, Mutti ſtarb, als ich noch ein Kind von zehn Jahren
war, und Väterchen,” ihre Stimme ſchwankte, „er war auf ſeiner
Pachtjagd geweſen, im November, wildernde Hunde hatten ein
ſchwaches Rehkitz gehetzt, das arme, kleine Ding nahm in ſeiner
Todesangſt einen Bach an, wäre faſt ertrunken, mein Vater
ſprang nach, rettete es, am anderen Tage legte er ſich,
doppel=
ſeitige Lungenentzündung — — —”, ſie ſchwieg und wandte
ſich ab.
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daß ich am Dienstag, den 3. Auguſt
Taunusstraße 39
ein
Lebensmittelgeschäft
(*19939
eröffne.
Mein Beſtreben iſt, durch reelle u.
billige Bedienung mir einen dauernden
Kundenkreis zu erwerben. Ich bitte
mein Unternehmen gütigſt
unter=
ſtützen zu wollen.
Ph. Michel.
Toderne Tackets
Pullovers, Westen!
Kostüme, Kleider
Strümpfe
Beſte Verarbeitung, Anfertigung nach
Maß (ſpez. für ſtarke Damen und
Herren) in jeder gewünſchten Farbe
Kein Saiſon=Ausverkauf,
aber konkurrenzlos in Preis und Qualitätl
ſchulzengaſte (Heilsarmee.) (*19904
Vieltausendfach
bewährt und
aus=
geführt für
Einfamilienhäus.
Fabrikräume
Säle / Hallen
Vereinigt die Vor
züge der
Zentral=
undEinzelheizung
Billig in Anlage
und Betrieb
Prospekte und
Nummer 31
Leber Geſellſchaft und geſellſchaftliche Dinge
Von Kaſimir Edſchmid.
Im Leben der Nationen bedeutet das Wort „Geſellſhaft”
ein Geheimnis, das ſich wohl im täglichen Leben lebendig zeigt,
aber unergründlich wäre, wenn es nicht durch gewiſſe Geſetze
und Traditionen immer wieder kontrolliert würde. Es bedeutet
etwa die Form und den Geiſt, mit welchem ein Volk ſein
Da=
ſein beweiſt, wenn es weiter nichts tut als zu leben. Darin liegt
bis zu einem gewiſſen Grade Glück und Tragik einer Nation
ganz deutlich zu ſehen. Die kleinen Erlebniſſe ſind
aufſchluß=
reicher als die kleinen Studien. Wer viel reiſt, verſteht das
ſo=
fort. Er wird die Eindrücke aus der Geſchichte und der Kunſt
kontrollieren können, aber er wird nicht davon ausgehen dürfen,
ohne die Menſchen leben zu können.
Gewöhnlich werden zwei Irrtümer begangen. Man
ver=
wechſelt einmal die geſellſchaftlichen Formen mit der Geſellſchaft
ſelbſt, und zweitens meint man, daß die Moden oder die Sitten
die Geſellſchaft eines Volkes ausmachen. Dieſe wechſeln aber
ebenſo oft, wie die Klaſſen wechſeln, welche die Macht ausüben.
Die gute Erziehung allein bedeutet keinesfalls „Geſellſchaft”,
denn man hat hinlänglich Gelegenheit, zu ſehen, daß ſie in den
Kreiſen, in denen ſie vorausgeſetzt wird, oft nicht vorhanden iſt.
Ebenſo iſt es mit den Tugenden. Auch die Gebräuche der
ritter=
lichen Nobleſſe, die man an dem Kern einer Nation für
unum=
gänglich hält, bedeuten gar nichts, weil ſie je nach der
veränder=
ten Geographie verſchieden ſind. Ein Ruſſe, ein Engländer, ein
Ungar haben bereits über den Ehrenkodex vollkommen andere
Anſichten. Wo der Magyar ſich ſchlagen muß, wird es der
Deut=
ſche noch lange nicht tun, der Engländer nie, der Ruſſe kaum.
Selbſt zur Zeit, wo das Rittertum mit der Kirche ein gemein=,
ſames europäiſches Ideal und eine phantaſtiſche kulturelle
Stoß=
kraft beſaßen, die faſt vollkommen international war, waren die
Sitten ebenſo anders als die Flüſſe und die Berge,, welche die
Länder ſchieden.
Auch die Gepflogenheiten der Oberſchicht haben bei den
ver=
ſchiedenen Völkern ein anderes Geſicht. Eine junge Dame wird
in Paris vor der Verheiratung nicht mit einem jungen Mann
ſpäzieren gehen dürfen. Eine Deutſche wird, ohne daß es als
Spleen oder als mauvais gout angeſehen wird, allein keine
Welt=
reiſe unternehmen. In einem italieniſchen Theater, in dem eine
Revue geſpielt wird, wird in der Provinz keine einzige Dame
zu finden ſein. In Stockholm wird die Dame des Hauſes jeden
verachten, der ihr zutrinkt, da es ihr Vorrecht iſt, die Gäſte
aus=
zuzeichnen, indem ſie das Glas gegen ſie erhebt. Sie wird auch
die Tafel nicht aufheben, ohne daß ihr Tiſchherr die Gelegenheit
ergreift, in dem einzigen Augenblick, den es dafür gibt, und den
ſein Takt erfaſſen muß, ihr vorher die Hand zu küſſen. Die
Schweizer Patrizier führten bis vor kurzem einen Sekretär mit
ſich, der ihr Portefeuille trug und alles zahlte, da ſie eine
Ab=
neigung hatten, Geld anzufaſſen. Der Schweizer wird jemand,
der das Wort Fräulein auf einer Adreſſe abkürzt, verachten; aber
er wird annehmen, daß jedes junge Mädchen rein iſt, während
der Spanier ſeine Töchter einſchließt und ſie erſt zur Hochzeit
ſelbſt ausliefert und dadurch einen ſehr kultivierten
Bordell=
betrieb neben dem Leben der eigentlichen Oberſchicht entwickelt,
eine Trennung, die auch in Frankreich, wenn auch in anderer
Form beſteht und ſanktioniert iſt. Manche Nationen ſtellen
über=
haupt bei Feſtlichkeiten nicht vor, während andere dieſes Syſtem
bis zum Wahnſinn treiben. Als Stanley den Livingſton in
Zentralafrika ſuchte, und ſie ſich fanden, fiebergeſchüttelt, zwiſchen
ſchwarzen Trägern, zahnlos von den Entbehrungen des Urwalds,
hatten ſie eine verlegene lange Pauſe, ſich zu begrüßen, bis ſie
zögernd ihre Namen nannten. Denn ſie waren einander nicht
vorgeſtellt, was ſie genierte. Der Marquis von Seingalt und
Pückler=Muskau erzählen die ſeltſamſten Anekdoten über dieſe
Dinge. In Hamburg ſind die Anſichten über große Kaufleute mit
reinem Kontor und ſolche mit Berührung mit dem Publikum
bereits radikale Scheidungen, während das in Frankfurt ſehr
gleichgültig iſt. Die junge Schwedin ſtudierte Maſſage und übt
* Wie Großmutter das Danken lernte
Von Eliſabeth Fauſt.
Was zog der alten Frau all durch den Sinn, als ſie ſo daſaß
und mit zarter, leiſer Hand über den blonden Kopf ſtrich, der
ſich in ihren Schoß gedrückt hätte! Ihr Mund blieb ſtumm, aber
in der liebkoſenden Handbewegung lag eine Welt von Zartſinn
und tiefem Verſtehen. Es war, als ſprächen dieſe alten, feinen
Hände tauſend gute Worte von Mitfühlen und Miterleben,
wahrend ſie ſo ſachte über den blonden Scheitel glitten. Und als
Las junge, von Schluchzen geſchüttelte Geſchöpf jetzt den Kopf
9ob, trafen ihre tränennaſſen Augen auf einen Blick ſo voll
Diſſenden Verſtehens, daß ſie mit Weinen aufhörten und wie
Zebannt in dieſem andren Augenpaar haften blieben. Sie las
lwas darin, was ſie nie vorher geſehen — oder war es, von
i9k unbemerkt, ſchon immer dageweſen?
„Großmutter!“
„Ja, mein Kind?”
Zu ſiehſt aus, als ob — aber nein, nein, das hat noch nie
Emand durchgemacht, was ich . . . Ach Großmutter — —” Und
Dieder ſtürzten die Tränen und wieder lag der junge Leib
Gmerzgeſchüttelt auf den Knien der alten Frau.
Wie ein Lächeln huſchte es einen Augenblick um die welken
IIppen. Aber ſie blieben geſchloſſen. Noch war es nicht Zeit
lim Reden. Erſt mußte der Sturm, der an dieſem jungen Leben
Uinelte, ausgetobt haben — im Wetterbrauſen gehen gute Worte
erloren. —
und dann war das weinende Mädchen ſtille geworden, hatte
guſgerichtet und neben die Großmutter geſetzt. Dicht
anein=
dergeſchmiegt, ſaßen ſie und ließen die Dämmerſtunde ihre
ilen Schleier um ſie ziehen. Und dann kam es, ſtockend zuerſt,
T großen Pauſen. Bis das Leid ihres jungen Herzens vor der
Tbßmutter ausgebreitet lag. Wie ſie es getan mit dem klein=
I Rinderleid, ſeit ſie danken konnte. So jetzt, wo das große
*den zum erſten Male ſüß und ſchwer, berauſchend und grau=
„” nach ihr gefaßt hatte. Viel ſagte ſie nicht, brauchte es auch
Gr. Wo ſie ſtockte, kam ein Wort, ein Händedruck der
Groß=
lttter ihr zu Hilfe, ſo daß ſie zuletzt ſagte:
„Es ſt, als hätteſt du alles ſchon gewußt!” Wieder flog es
* ein Lächeln über das alte Geſicht. O liebe, törichte Jugend,
das Brauſen des eignen Lebens als etwas noch nie Da=
SSeſenes empfindet. Weißt du nicht, daß vor dir auch ſchon
rgend und Liebe, Treue und Untreue da war!?
„Gewußt? Ja, Liebling, ich habe es wohl gewußt
nont du, es könnte mir verborgen bleiben, wenn du ſo ver=
ſie in der Welt aus, was durchaus ſtandesgemäß iſt, während ſich
das in Deutſchland, wo die unerhörteſte Freiheit der Sitten heute
herrſcht, ziemlich undenkbar iſt, ebenſo undenkbar, wie der Fall
der jungen Engländerinnen aus guten Familien, die als
Schü=
lerinnen der berühmten Mis. Harding in den internationalen
größen Hotels Unterricht im Tanzen erteilen, ohne das geringſte
an guter Klaſſe dabei einzubüßen. Der Sport und die techniſchen
Entwicklungen der Welt haben in zwei Jahrzehnten zehn
Um=
wälzungen in den Taktgefühlen hervorgerufen, die vollkommene
Revolutionen ſind. Meine Großmutter durfte nie, wenn ſie mit
meinem Großvater den Frankfurter Zoologiſchen Garten beſuchte,
in die Nähe des Affenhauſes mit ihm kommen, weil er das nicht
für ſalonmäßig hielt. Auch in Pompeji iſt für manche recht
harmloſe Kabinette der Eintritt für Frauen heute noch geſperrt.
Den gleichen Geſellſchaftsſtil haben nur eine Reihe Luxushotels
zwiſchen London und Kairo, zwiſchen Neapel und Tokio, wo
überall bei gleich langweiligen internationalen Eſſen die gleichen
Vorſchriften für den Anzug de rigueur ſind. Dagegen ſah ich
auf einem Sitz des älteſten Adels in Oeſterreich zum Tee Herren
im Cut, Herren im Tennisanzug, Herren im Straßenanzug und
Herren in Knicker=Bockers, was alles, den Menſchen und ihren
Vergangenheiten nach, zu recht war. Die Amerikaner tragen zum
Smoking Stehumlegkragen, was die Engländer verpönen, die
wiederum im Smoking ſich auf dem Boden balgen, wenn ſie
jung ſind, weil ſie dieſen Rock für ein leichtes Kleidungsſtück
halten, während die Deutſchen darin herumlaufen, als ſei es ein
Panzer der Würde. Was würde die Menſchheit von 1913
geſagt haben, wenn man ihr erzählt hätte, daß zehn Jahre ſpäter
die Damen der ganzen Welt ſich die Haare abſchnitten, in Hoſen
flögen, Autoturniere gewönnen, in Knicker=Bockers auf die Berge
kletterten, und abends in Nizza weiße glatte Perücken über ihre
Bubiköpfe zum Abendkleide zögen, oder, wie bei guter Laune eine
ſchöne Frau in Baden=Baden, ſelbſt das Saxophon der Jazz=
Kapelle blieſen. Was würden ſie geſagt haben, daß man am Lido
im Bademantel in die elektriſchen Bahnen ſteigt, um ein anderes
Bade=Stablimento aufzuſuchen oder im Exzelſior ſogar im
Bade=
anzug luncht?
Es iſt immer reizvoller, von den Mißverſtändniſſen zu reden,
als die Wahrheiten und die Uebereinſtimmungen zu betonen.
Mit „Geſellſchaft” haben dieſe Arabesken der Sitten um die Zeit
des achten Jahres nach Kriegsende nichts zu tun, denn „
Geſell=
ſchaft” iſt nicht klar zu machen, ſondern nur zu fühlen. Man kann
auch niemand lehren, ein Gentleman zu ſein. Man iſt es oder
iſt es nicht. Es gibt einen Ort, wo ſogar die Differenzen in den
Sitten aufgehoben werden, das ſie jene Stätten, wo
internatio=
nale Treffpunkte ſind, und wo man ſich über das alles hinaus
verſteht. Es gibt für den, der die Welt kennt, da kaum Faux-Pas
oder Schwierigkeiten, mag der Ungar ſeit Jahrhunderten wiſſen,
wann er ſich zu ſchlagen hat, oder der Argentinier es erſt in
ſeinem „Führer für Kavaliere” nachleſen müſſen. Man kennt ſich
und fühlt ſich. Das iſt eine Blutsfrage, betrifft aber auch noch
die Sitten. Es iſt im beſten Falle geſellſchaftlich.
„Geſellſchaft” iſt etwas ungeheuerlich anderes, es iſt etwa
eine Miſchung von Tradition und Harmonie des Nationalen.
Geſellſchaft iſt das, was aus den Romanen von France und
denen von Swift als Grundgehalt herauskommt. Jene ſichere
Balancierung, die ein Volk in der Weltgeſchichte einnimmt, jene
Abgewogenheit der Klaſſen, der Lebensfunktionen und der
Lei=
denſchaften, jene abſolute Sicherheit in allen Dingen von dem
Parfüm bis zur Politik. Etwas davon haben wir Deutſche im
Wilhelm Meiſter und in dem Tellheim Leſſings. Im übrigen
fehlt es uns mehr als allen Völkern. Weshalb wir weder
Geſell=
ändert biſt, wie in der letzten Zeit? Und ich habe ihn auch mit
dir zuſammen geſehen, das weißt du wohl nicht mehr.”
Angſtvoll klang die Frage:
„Hat man — war es ſo, daß jedermann . ?"
„O Kind, darüber ſei ruhig. Ich habe dich lieb und verſtehe
in deinem Geſichtchen zu leſen. Fremde Menſchen haben dafür
keine Augen. Die merken wohl, wenn ein Mann ſich einem
Mädchen auffallend nähert. Aber wenn ſich weiter nichts
be=
ſonderes zuträgt, vergeſſen ſie es über all ihren eignen
Angelegen=
heiten.”
„Ich ertrüge es nicht, bemitleidet zu werden,” flüſterte die
junge, tränenerſtickte Stimme.
„Das braucht mein Kind nicht zu fürchten, dazu iſt es zu
ſtolz und zu ſtark.”
„Wenn ich bei dir bleiben könnte, Großmutter! Dann würde
ich vielleicht ſtark. Du verſtehſt mich.”
„Du darfſt immer zu mir kommen, Liebling, zu ſolch ſtillen
Stunden. Aber dein Leben muß ſich draußen abſpielen, kämpfend,
ſtrebend. Du willſt doch ein tüchtiger Menſch werden in deinem
ſchönen Beruf. Ja, das weiß ich doch! Und daß ich dich ſo gut
verſtehe, beſſer, wie du ahnſt, das kommt daher — —” Sie beugte
ſich tief herab zur Enkelin und flüſterte: „Ich war auch einmal
jung! Und habe dasſelbe erlebt wie du!"
„Großmutter — Du?‟
Die jungen Augen forſchten in den feinen Zügen des lieben
alten Geſichtes. Machte es die Dämmerung, daß es ſo anders
ausſah wie ſonſt —?
Die alte Frau zog das junge Geſchöpf feſt an ſich und blickte
eine Weile ſtill vor ſich hin. Dann erzählte ſie.
„Ich war auch erſt ſechszehn Jahre, gerade wie du eben.
Da durfte ich eine Reiſe zu Verwandten machen. Es war ein
fröhliches Haus, viele junge Vettern und Bäschen und von früh
bis ſpät waren wir fröhlich und ausgelaſſen. Es war im
Früh=
ling, eine herrliche Gebirgsgegend, wir trieben uns in den
Wäl=
dern herum, ſangen und lachten und abends gabs faſt immer ein
Tänzchen. Ach, es war ſchön, o ſo ſchön! Da kam ein Freund
des älteſten Vetters zu Beſuch und nun — — wurde es noch
ſchöner! Immer war er an meiner Seite, wenn wir Ausflüge
machten. Beim Tanzen überließ er mich kaum einmal einem
andren. Mir ſagte er alles, was ihn bewegte, ſprach mir von
ſeinen Zukunftsplänen und was er all erreichen wollte. — Er
konnte die ganze Geſellſchaft unterhalten, witzig, ſchlagfertig, war
er allen überlegen. Bald neckten ſie mich mit ihm. Und ich — ach
ich war ein ſo unſchuldiges dummes Tierchen, ich hatte ja noch
keinen Blick in die Welt getan. Was wußte ich von den
Men=
ſchen? Ich kannte nur meine Nächſten und für ſo gut und treu
ſchaftsromane im Sinne von Dickens und Sterne, im Sinne der
„Education sentimentale” oder „Rouge et noir” haben. „
Geſell=
ſchaft bei anderen Völkern läßt ſich wenigſtens in ihrem
Geheim=
nis noch umſchreiben, weil ſie ſchließlich der Boden iſt, auf dem
alles Nationale ruht und aus dem es ſeine Vollendung erhält.
Bei deutſcher Geſellſchaft iſt nicht einmal dieſes möglich, weshalb
wir für das Ausland eines jener unbegreiflichen Rätſel ſind,
weiche oft die Kataſtrophen der Geſchichte hervorgerufen haben.
Und weshalb wir für uns ſelbſt untereinander noch größere
Ge=
heimniſſe ſind, welche wir mit den verrückteſten Methoden zu
löſen ſuchen von dem Augenblick an, wo Otto der Dritte
vierzig Tage barfuß von Rom nach S. Appolinaris wallfahrte,
bis zu dem Augenblick, wo wir begannen, uns parlamentariſch
zu regieren, was für die Welt oft noch ſeltſamer iſt, als das
andere es war.
Iſt die Frau zu höheren Stellungeu
geeignet?
Ein lebhafter Kampf hat ſich ſeit einigen Jahren um die
Leitung der für das weibliche Geſchlecht beſtimmten Anſtalten
entſponnen. Die Frauen, insbeſondere die Frauenberufsvervände,
ſordern, daß Berufs= und wirtſchaftliche Vorbereitungsſchulen,
die ausſchließlich von Mädchen beſucht werden, der Leitung von
Frauen zu unterſtellen ſind. Dasſelbe wird für die Lyzeen
ver=
langt, ſowie für die Mädchenvoltsſchulen. Dieſe Forderung
be=
gegnet manchem Widerſtand, der ſich darauf ſtützt, daß die Frau
zu leitender Tätigkeit ungeeignet ſei. Die Befürtporter der
weib=
lichen Leitung weiſen darauf hin, daß in Wirtlichkeit ſich Frauen
in derartigen Stellungen bereits bewährt haben und ſie führen
als Beiſpiel die zahlreichen privaten Mädchenſchulen und
neuer=
dings auch Handels=, Gewerbe= und Berufsſchulen an, deren
Leitung in Händen von Frauen liegt.
Es iſt noch gar nicht ſo lange her, daß auch in gewerblichen
und kaufmänniſchen Berufen der Frau die Fähigkeit abgeſprochen
wurde, einen hoheren Poſten zu berleiden, obwohl bereits nach
zühlung von 1907 4 v. H. des geſamten
Aufſichtsper=
ſonals im Gewerbe (Induſtrie und Handwerk) aus Frauen
beſtanden. Man denke allein an die Direktricen in der Wäſche=
und Koſtümkonfektion die Muſter entwerfen, die Arbeit richtig
verteilen und die gelieferte Arbeit nach einer eingehendn Prüfung
abnehmen, mitunter auch den Einlauf mitbeſorgen müſſen.
Uinter den Mitgliedein des Verbands der weiblichen Handels=
und Büroangeſtellten, die mehr als 70000 Mitglieder in etwa
1000 Orten Deutſchlands zählt, befinden ſich eine ganze Reihe
Geſchäftsführerinnen, Bevollmächtigte u. dgl. Derſelbe Verband
veröfſentlicht von Zeit zu Zeit die Zahl der im Reichsanzeiger
beiannt gegebenen Ernennungen zu Prokuriſtinnen,
Geſchäfts=
fihhrerinnen, Liqu datorinnen, woßei, ſoweit dies aus dem Namen
oder aus anderen Umſtänden erſichtlich iſt, Familienangehörige,
denen dieſer Charakter zuteil wurde, unberückſichtigt geblieben ſind.
In dem Jahre vom 1. April 1925 bis 31. März 1926 ſind
danach zu Prokuriſtinnen ernannt worden 732 weibliche
Per=
ſonen, zu Eeſchäftsführerinnen 357, zu Liquidatorinnen 103. An
ſich mag die Zahl nicht ſo bedeutend ſein im Verhältnis zu den
männlichen Perſonen, aber ſie iſt bedeutſam genug angeſichts
des Vorurteils, das noch vielfach der Frauenarbeit gegenüber
vorhanden iſt, und angeſichts der Tatſache, daß der überwiegende
Teil der Frauen vor dem 30. Lebensjahre aus dem
Erwerbs=
beruf ausſcheidet. Schließlich iſt auch die Zahl von 732
Proku=
riſtinnen abſolut recht beachtlich.
Dazu darf noch weiter geſagt werden, daß der Begriff der
höheren Stellung ſich durchaus nicht im Prokuriſtentum erſchöpft,
ſondern daß Abteilungsleiterinnen mit oft ſehr weitgehenden
Vollmachten, unter Umſtänden auch Privatſekretärinnen dazu zu
rechnen ſind, an deren Kenntniſſe und Arbeitskraft häufig ſehr
hohe Anſprüche geſtellt werden. Daß es auch ſelbſtändige, ſogar
öffentliche beeidigte Bücherreviſorinnen gibt, wiſſen wahrſcheinlich
ſehr wenige Leute. — Es iſt daher ein Irrtum zu glauben, daß
die Frau durchwegs nur in untergeordneter Stellung tätig iſt.
wie dieſe hielt ich alle andern
Dann kam ein Tag, wir
kehrten von einer großen Wanderung nach einer fernen Ruine
zurück, es wurde ſpät, der Abend kam und der Mond ging auf
und leuchtete durch die Bäume. Er hatte einen Strauß
Wald=
beilchen gepflückt, die drückte er mir in die Hand und dann zog
er meinen Arm durch den ſeinen und ſo gingen wir den ſchmalen
Waldpfad dahin — mir ſchien, grade ins Paradies hinein
Ein leiſer Wehlaut brach aus der jungen Bruſt. Die
Er=
zählerin ſchwieg und nahm die zuckenden jungen Hände feſt in
die ihrigen. Dann fuhr ſie fort:
„Ich ging dahin wie im Traum, im Bann ſeiner Nähe, der
berauſchenden Stunde, des ſüßen Geflüſters neben mir — —
in der ganzen Seligkeit der erſten jungen Liebe."
Am nächſten Tag reiſte er ab. In Gegenwart der andern
nahm er Abſchied, formvollendet, heiter —
Die alte Frau ſchwieg.
„Und weiter Großmutter?”
„Weiter? Es kam nichts weiter. Nur ein großes Herzeleid
für das törichte junge Ding, das geglaubt hatte, nach allem, was
er mir zugeflüſtert, käme nun noch das Allerſchönſte.
Aber es kam nichts. Nur eine ſchwere Zeit für ein junges
Herz. Aber ich bin nicht daran geſtorben, wie du ſiehſt.”
„Und haſt nie wieder von ihm gehört?”
„O doch, durch andre. Er hat ſeinen Weg gemacht, iſt ein
großes Tier geworden.”
„Und dann kam der Großvater und holte dich —‟
„Das war erſt viele Jahre ſpäter.”
„Und du wurdeſt doch noch glücklich!“
„Unbeſchreiblich!‟ Ein Leuchten lag auf dem feinen alten
Geſicht. „Aber es dauerte nur kurz und nach wenig Jahren ſchon
war ich Witwe und ſtand allein mit den beiden Kindern.”
„O Großmutter, wie ſchwer iſt das Leben!“
„Schwer?‟ Die alte Frau ſchüttelte den Kopf.
„Das Leben iſt ſtark und will ſtark angefaßt ſein, Liebling!
Wer das tut und die Augen offen behält, der lernt auch das
Beſte.”
„Was iſt das? Das Beſte?”
„Ja, das Höchſte und Beſte, was die Menſchenſeele faſſen
kann: Glauben und Danken. Den Glauben, daß wir geführt
werden, wie es am beſten für uns iſt, danken für alles! Das
wirſt du auch noch erkennen, wenn du länger gelebt haſt.”
„Wie kann man danken für Herzeleid!” kam es trotzig von
den jungen Lippen, — „ich kann es nicht.”
„Wenn du älter wirſt, mein Kind, dann, beim Rückſchauen
auf Vergangnes, falten ſich von ſelbſt die Hände und man ſagt:
O Gott, wie danke ich dir, daß du mich anders geführt, als ich es
Alſo weider im Text, wo mer am letztemol ſteh gebliwwe ſin.
Nemlich wie ich meine Zwangsmiedern gäächeniwwer, ſo
leicht=
hie un ganz beilaifich, die Bemärkung falle hab loſſe, daß ich e
Spritzdierche nooch Baries eniwwer im Sinn hett, do hott die
Zwiwwelſchlott de=erſt e paar Aage gemacht, wie e Gaas wann’s
dunnert, dann uff ſo mondeene Pärrſpäckdiefe war die doch net
gefaßt. Sie hott erſt e paarmol nooch Luft geſchnabbt un dann
hott ſe färchterlich afange zu lache. Dodebei hott ſe mit de zwaa
Hend ihrn Bauch gehalte. Odder wenichſtens die Gäächend, wo
mer bei däre ſo was ehnliches vermude kann. Dann bun=eme
wärkliche Bauch kann doch bei däre kaa Redd ſei, die is jo
be=
kanntlich ſo därr wie e Heringsſeel.
Ich hab mich iwwer die räſpäcktwiedrich Lacherei nadierlich
tiet ſchlecht mockiert un hab ſo zimmlich die Beleidicht
eraus=
gehenkt un hab ſe gefrogt, was däß äbſche Gelach for=e
Bewand=
nis hett.
Bewandnis?, ſeecht ſe ganz glatt, Bewandnis? Däß hott
weiders gor kaa Bewandnis, ſeecht ſe, awwer ſie, wann ſie ich
weer, ſie deht net zum Kinnergeſpött in Baries erumlagfe.
Kinnergeſpött?, hab ich ganz eſchoffiert geſagt, Kinnergeſpött?
Inwieſo Kinnergeſpött?
Eijano, ſeecht ſe fräch, in Baries weern ſo vorſindflutliche Linije,
wie ich ſe hinne un vorne uffzuweiſe hett, lengſt aus de Mode
Do, wann mer ſich in ſo ſchwabbeliche Klaader ſähe dhet loſſe, do
dhete aam die Kinner uff die Gaß noochlaafe. Heechſtens, ſeecht
ſe, kennt ich mich im Barieſer Pannobbdigumm ſähe loſſe als
„Maſtfeenuß” aus ärchend eme brähiſtoriſche Zeidalter.
Meech=
licherweis kennt ich do ſogar noch e ſchee Stickelche Geld mit
verdiene ..
Was ich dodruff geſagt hab, däß waaß ich heit net mehr ſo
genau. Un da aach weiders kaa Zeiſche debei warn, ſchweer ich
im Ernſtfall alles ab. Awwer ſie muß ſich doch elend gemobbſt
hawwe, ſunſt hett ſe net beim Fortrenne ihr Schuh verwexelt.
Dann wie ich geſähe hab, hatt ſe aan ſchwazze un aan blonde a
un owwedrei zwaa linkſe. s geſchieht=er rächt, die ſärrfiert mir
ſo ſchnell kaa „Maſtfeenuß” mehr.
Drotzdem, ich muß doch ſage, die brähiſtoriſch Maſtfeenuß
hott mer doch eglich uff de Seel geläche. Dann ich muß
unum=
wunde zugäwwe, die heidiche Modeverhältniſſe, die wo bei de
Dämlichkeite mehr un mehr uff’s Mennliche enauslaafe, dene
bin ich doch net mehr gewaxe. Mei Stadur, neicht mehr dem
griechiſche Scheenheitsideal zu: rund, waaſch un mobbelich,
als wie dem derzeidiche wos haaßtt vorne därr un hinne
mager. Awwer die Mode verlangt nu emol, daß äwe die „
mo=
därne” Weiblichkeit ſo kaa Gliedmaße mehr hawwe därf, die wo
gradezu zum Dättſchele un Liebkoſe erausfordern. Sundern heit
muß des ſchwache Geſchlächt Musgele hawwe wie in Sackdräger,
Hend wie in Staaklobber un Wade wie e Hobbeſtang. Däß is
heit „ſchee‟ — Bei de Haubtſtaatskaß geht die
Vermenn=
lichung vun de Dämlichkeit ſogar noch e Stick weider, dann
wie ich geläſe hab, is do vor korzem aus=ere
Kanzleigehil=
fin, dekretmeßich, ſogar iwwer Nacht en Kanzliſt worrn. Ich
hab de=erſt meine Aage net gedraut, awwer es hott klibb un klar
im Blatt geſtanne: „Die Kanzleigehilfin Fräulein Sowieſo wird
hiermit zum Kanzliſten ernannt.” Wie ſe däß färdich
ge=
gewünſcht! Ich habe den, von dem ich dir erzählte, nach vielen,
vielen Jahren einmal wiedergeſehen. Und habe einen
unaus=
ſtehlichen Menſchen gefunden, einen Streber, kalt, ohne Gemüt,
ehrſüchtig, eitel. Da hab ich zum erſten Male das richtige
Danken gelernt. Und dann ſo oft noch in meinem langen
Leben. Je näher man der Pforte zur Ewigkeit kommt, deſto
klarer erkennt man, daß alles gut war, ſo wie es gekommen iſt.”
„Vielleicht wäre er nicht ſo geworden, wenn er dich zur Frau
gehabt hätte!”
„O du Kindskopf”, lachte die Großmutter, der wäre
ge=
blieben, wie er war — aber ich wäre unglücklich geworden!
Und du, Liebling”, fuhr ſie fort und ſtrich der Enkelin liebevoll
über’s Haar, „wirſt noch erkennen, wie Recht die alte Großmutter
hatte. Halte feſt an dieſem Glauben.”
„Wenn man ſo furchtbar getäuſcht worden iſt . . .?"
„Seither war Treue dir ſelbſtverſtändlich. Und ſonſt alles
Gute. Erſt wenn einem das Unwetter umtobt hat, lernt man den
ſtillen Hafen ſchätzen. Und ehe man nicht gehungert hat, weiß
man nicht, wie man fürs tägliche Brot danken muß. Nach dieſem
Erlebnis wirſt du Treue doppelt hoch halten, wenn du ſie auf
deinem Lebensweg findeſt.
Und du wirſt ſie finden!
Glaube nur!
Dann lernſt du auch danken! Wie ich es lernte!”
Frauen=Rundſchau
Raſt= und Rüſttage für die weibliche Jugend.
Der Evangeliſche Verband für die weibliche Jugend veranſtaltet
vom 31. Auguſt bis 7. September in Maulbronn in Württemberg
ſogenannte Ferienzeittage, die unter dem Titel: „
Helfen=
wollen und Helfenkönnen” über die wichtigſten Punkte
der ſozialen Arbeit unterrichten wollen.
Die Gründung einer ſozialen Frauenſchule
in Danzig. Der Freiſtaatverein für Innere Miſſion wird
Anfang Oktober d. J. in Danzig eine ſoziale Frauenſchule
er=
öffnen, die von Frl. Dr. Chlothilde von der Groeben geleitet
ſein wird.
brocht hawwe bei de Haubtſtaatskaß, ſo mit aam Fädderſtrich die
Nadur zu korreſchiern, däß is mer allerdings e Reedſel. Un ich
maan, däß gingt aach e bißche zu weit, aam eifach brevieh manu
s Geſchlächt abzudiſchbediern. Liewer ſolle ſe ſich dann an die
gude alte Reechel halte: „Was man nicht deglinieren kann, das
ſieht man als en Neudrumm an”, un ſolle ſchreiwe: das Kanzliſt
Fräulein Sowieſo. Däß verpflicht die Dame dann perſeenlich
zu nix. — Iwwrichens, wie ich mer hab ſage loſſe, hawwe=ſe bei
unſere ſprachgewaldiche Reichspoſt=Diräcktzion aach ſchun emol
derardiche nadurwiedriche Dranzformatzione vorgenumme. Sie
ſin awwer widder devo abkumme. s hott ſich in de Braxiß net
bewährt. — Kunſtſtick".
Wie geſagt, zu meiner Zeit war mehr s „Schwabbeliche‟
Trumb. Un wer do net mitkonnt, der hott ſich äxdra was
hie=
binne miſſe. Un wann däß aach abſichtlich, als noch ſo aſch
iwwerdriwwe worrn is, ſo is mir doch kaan Fall bekannt, daß
aa wääche „Vorſpiechelung falſcher Tatſachen” gerichtlich belangt
worrn weer. Ganz im Gäächedaal, mer hott ſich zu dem Zwäck
äxdra in de Mitt die Tallje zuſammegeſchniert, damit’s jo hinne
un vorne orndlich ewäck geſtanne hott. Un wie geſagt, in
beſun=
ners ſchwierige Fäll hott mer ſich noch mit ſeegraſene Polſter
be=
holfe odder zuſammegewiggelte Strimb un ſo. Jedenfalls, ich,
wann ich in meiner Sinden Maienblied ſo=e Fiſchur gehatt hett
wie mei Zwangsmiedern — en halwe Zendner Seegras hett ich
um mer rumbammbele gehatt, bis es e bißche was ehnlich geſähe
hett. — Awwer gottlob, bei mir war Holz vor de Dier.
Allerdings, im Vordaal ſin ſe heit, die Dame, uns vun
frie=
her wieſawie. Dann ſie ſin im Ernſtfall ſo ſchnell a gezoge, wie
en Feierwehrmann; wann’s bräſſiert, noch ſchneller. Freilich,
was ſe heit um= un a hawwe, däß ſin aach die reinſte
Verwand=
lungskoſtieme. Däßwääche nennt mer ſe aach korz un bindich
„Kommblädds”. Nemlich do knebbt mer affach an=eme
Mor=
jendklaad ärchend äbbes ab odder uff — ſchun is es e
Awendkoſtiem. Un je vornehmer die Awendvera’ſtaldung is,
deſto mehr werd abgeknebbt. Odder mer is zum Kaffee ei gelade.
Do geht mer in=eme Stroßeklaad dehaam fort, un in de Gaddrobb.
wo mer eigelade is, do macht mer: bärrligo, bärrlago — rafft
ärchendwo ärchendwas in die Heeh odder leßt ärchendwo
äichendwas erunner — un es Geſellſchaftsklaad is färdich.
Un ob iwwerhaubt heit aa e Ballklaad ahott odder e
Bade=
koſtiem, däß ſieht mer bloß dadra: uffm Ball dreegt mer noch
Strimb.
Wann ich do noch an mei Jugend denk, an die Bäſemlitz
un an de Stehbund un an die Schinkeärmel. Zu vun unne bis
eruff! Wer net zum Dockter gemißt hott, hott ſich johrelang die Ank
net zu weſche brauche — heit brauch ſich aa noch net emol „bloß”
zu mache, die Unnerſuchung kann ſo geſchähe. s Bade hott mer
iwwerhaubt bloß im Name nach gekennt, gedho hott mer’s nie.
Odder heechſtens im ſchulpflichtiche Zuſtand, Summers im Woog.
Vun=ere richdichgehende „Liewes=Inſel”, wo mer Urahne, Ahne,
Mudder un Kind mit de mennlich Verwandtſchaft „un ſo” in
de Badhos find, do hett mer net im Draum dra zu denke gewagt.
Ja, ja, ſo ennern ſich die Zeite, die Mode un die Aſichte. Mir,
wann mir in unſere Jugend awends uff de Ball wollte, dann
hott mer ſchun middags um drei Uhr agefange mit’m Aziehe.
Die ganz Famillje war in de Raaſch, bis mer alles glicklich
um=
un ahatt, un bis alle Krabbe un Schlinke richdich zu warn.
8 war die reinſt Ritterriſtung. Un bis erſt de Kobb „geſtellt”
war, ach, war däß e Arweit. Dann vum Onduliern hott mer
do=
mols noch nix gemißt, ſundern mer hott ſich awends vorher die
Haarn mit Drebbelbier naß gemacht un hott iwwer Nacht
Zöbb=
cher geflecht. Wann mer ſe dann am annern Dag uffgekemmt hott,
do hatt mer en Grollekobb wie in Suahelineger. — Heit bei däre
neimodiſche Herrnfriſur, wo die Dame drage, do dhut’s ſchun e
bißche Spuck un en enge Kamm — bums, ſin die Zälleriekebb
in de Reih.
Iwwrichens, was die Haarn abedrifft, ſo war zu meiner Zeit
e Redensart gang un gäwe, die wo gehaaße hott: „Lange Hoor,
korze Verſtand.‟ Däß is nadierlich heit aach net mehr zudräffend,
ſundern heit haaßt’s: „Korze Hoor un iwwerhaubt kaan
Kobb.” — Wodemit eiwanzfrei noochgewieſe is, daß die Hoorn
mitm Verſtand iwwerhaubt nix zu dhu hawwe.
Fär und wider den Schwangeren=Schutz. Da zu
befürchten iſt, daß die mit geringer Majorität angenommene
Ent=
ſchließung des „Internationalen, Frauenſtimmrechts=Kongreſſes”
in Paris, der ſich für die „Gleichheit der Arbeitsbedingungen für
Mann und Frau” einſetzte, der Schwangeren=Schutz abgeſchafft
wird, da nach jener Reſolution nur die „Natur der Arbeit das
Maß des Schutzes beſtimmen ſoll”, ſo hat die Minderheit eine
Gegenerklärung verfaßt. In dieſer, die auf Veranlaſſung der
deutſchen Delegation entworfen wurde, ſpricht ſie ihr Bedauern
über die Annahme der Reſolution aus und gibt ihrem großen
Be=
denken beredten Ausdruck, die die Abſchaffung des Schwangeren=
Schutzes für die arbeitende Mutter und ihr Kind unbedingt nach
ſich ziehen müſſe.
B. L.
Praktiſche Winke
An heißen Tagen Wohn= und Schlafräume
kühl zu erhalten. Das ganze Verfahren iſt in die beiden
knappen Sätze zuſammenzufaſſen: Fenſter am Tage feſt
ver=
ſchloſſen, nachts dagegen weit geöffnet. Haben doch die Wände
die Fähigkeit, ſo wie ſie im Winter beim Heizen der Oefen die
dieſen ausſtrahlende Wärme aufzufangen, die während der Nacht,
namentlich nach Mitternacht einſtrömende kühlere Nachtluft, in
ſich aufzuſpeichern und tagsüber, wenn draußen die Temperatur
immer höher ſteigt, wieder auszuſtrömen und damit die
Zimmer=
temperatur dauernd niedrig zu halten. Weſentlich erhöht wird
dieſe abkühlende Wirkung noch, wenn nachts durch ſämtliche
Räume der Wohnung Durchzug hergeſtellt werden kann,
der=
geſtalt, daß unter möglichſter Schonung der Schläfer, auch das
Schlafzimmer von kühler Luft durchſtrömt wird. Selbſtredend
müſſen die Fenſter am Morgen, ſobald die Wärme zunimmt oder
die Sonne auf ſie ſcheint, ſofort geſchloſſen werden, damit die
geringſte Menge wärmerer Luft von den Wohnräumen
fern=
gehalten wird. Werden dann noch die Fußböden am Morgen
ziemlich naß gewaſchen und tagsüber einige Becken mit öfters
gewechſeltem kalten Waſſer aufgeſtellt oder beſſer noch,
Hand=
tücher an einer Stange darüber aufgehängt, die mit ihren Enden
in das Waſſer hinabreichen, dann bringen ſie dieſes zum Ver=
Aans is mer allerdings noch e bißche ſchleierees. Nemlich
wo die Modeſtreemung unner der Einheids=Flagge „Zurick zur
Nadur!” noch hiefiehrn dhut. Dann wann ſich die
Koſtiemverhält=
niſſe bei meine Geſchlächtsgenoſſinne noch e klaa bißche
vermin=
dern — was dann? Dann bleibt in nix mehr annerſter iwwrich
als wie, ſie binne ſich e Krawatt um, ſetze e Monockel uff, loſſe ſich
die Kebb glattraſſiern, nemme en Muff und kläddern uff die
Beem.
Däß hott awwer nadierlich alles nix mit meine verlebte
Summerferje zu dhun, ſundern die Haubtſach kimmt erſt noch.
Ich bin bloß dorch die Maſtfeenuß, wo mir mei Zwangsmiedern
ſärrfiert hott, e bißche vum Thewa abkumme. Un wie ich mich
dodemit abgefunne hab, erzehl ich 8 nechſtemol.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Ich muß do en falſche Fehler
rich=
dich ſtelle. Nemlich, ’s hott aaner behaubt, es hett aaner behaubt,
ich hett behaubt, daß unſer Härrngadde jetzt net „ſchee” in de
Reih weer. Däß ſtimmt net, ſundern ’s Gäächedaal is richdich:
er is for mein Geſchmack ſogar zu „ſchee” in de Reih, diräckt wie
nei dabbeziert. — Un ’s hott aach aaner geſagt, ich hett an allem
was auszuſetze. — Ja, däß is awwer mei Schuld net! Leider is
es halt emol ſo bei uns: Endwedder es geſchieht gor nix, odder
gleich zuviel! De golderne Middelwähk is uns ſo fremd wie
die Milchſtroß. — Jetzt, was die Radfahrwähk im Härrngadde
bedrifft, do hawwe=ſe in de letzte Stadtratsſitzung uff aamol ſo
gedah, als wißte ſe vun nix. Awwer’s Märkwärdiche is die
Be=
märkung, die wo unſer Bux beilaifich hott falle loſſe, nemlich: die
Radfahrwähk im Härrngadde, weern verdraglich
feſtge=
leecht! — Wie kumm ich mer vor? — Was haaßt „verdraglich”
feſtgeleecht? — Un mitwemis der Verdrag abgeſchloſſe worrn?“
Däß dhet mich emol indräſſiern. (Is die jetzt ſo dumm, odder
dhut die bloß ſo? Der Setzerlehrling.) — Wer den Verkehr” im
Härrngadde kennt, der waaß, daß fimfunneunzich Brozent per
Fuß dorch un uff ihr Arweitsſtell dibbele, un heechſtens fimf
Brozent per Felleſibeed. Macht’s dene fimf Brozent wärklich was
aus, wann=ſe mit ihrm Rad en Umwähk mache vun=ere Minud
odder zwaa? Will mer dene Härrngaddedibbler, die’s genauſo
eilich hawwe, zumude, ſie ſolle wääche dene paar Radfahrer im
Genſemaſch hinnernanner uffm Drottwah hergeh? — Un wie is
es mit dene Maſſe Schulkinner, die wo däglich dorch de
Härrn=
gadde in ihr Schul laafe? Solle die aach noch uff dem Wähk dorch
des Stickche Griene, wo ſe ſich emol ausdolle kenne, dauernd
Ge=
fahr laafe, umgerennt zu wärrn, bloß damit der aane odder der
anner fimf, ſex Minude am Dag erauszwacke kann? — Mache Se
doch de Schimmel net ſchei, meine Herrn vun de Linke, de
Ar=
weiderſchaft un de Arweiderkinner is de greeßte Gefalle
ge=
dha, wann=ſe ſich wenichſtens uff ihrm Wähk dorch de
Härrn=
gadde e bißche „geh” loſſe kenne. Dem Fußgenger wärd im
Stroßeverkehr ’s Daſein ſauer genug gemacht. Un grad vun dene
„griene” Radfahrer, menn= un weiblichen Geſchlächts, die wo
be=
kanntlich des vorgeſchriwwene Audomobilltembo bei weitem
iwwerſchreite. — Un wann, wie de Willem Leuſchner geſagt hott,
vun de Linke dadſächlich nor däßhalb die Koſte for die „
Her=
richdung” vum Härrngadde bewilligcht ſin worrn, um damit, daß
e paar Dutzend Radfahrer dorchfahrn kenne, ich glaab, do is der
ganze Uffwand for umſunſt gemacht, däß hett mer billicher
hawwe kenne. — Odder wolle mer ehrlich ſei un wolle ſage, daß
die Radfahrwähk bloß de Afang ſin vun dem geblante
Stroße=
bau dorch de Härrngadde . . . wie?
Aach is in de letzte Stadtratsſitzung die Elektriſch ins
Mad=
dinsvärdel ſpaßhalwer widder mol uff’s Dabeed kumme. Met
ſieht, s fellt unſere Stadträt doch als emol widder was neies ei;
De Herr Ower hott „baldige‟ Erledigung zugeſagt — — —
Wie=
dervorlage: 1936.
Ferner hott mer äbbes vun de „Elektriſch” nooch Arhellje zu
heern krickt. Alſo, däß is aach e ſpäſſiſch Geſchicht, un die neicht
zu=eme Verglich mitm Hans Thoma ſeine „Lokalbahn”. Mer ſoll
gor net glaawe, wer do all mit neizuredde hott. Jetzt, noochdem
ſich die Arhelljer un die Heag glicklich aanich ſin, jetzt macht es
Kreisamt Kallſches. Wie’s haaßt, „liegt” jetzt die Endſcheidung
beim Mineſterium . . . . demgemeeß brauch mich vorerſt niemand
nooch Arhellje uff die Kärb ei zulade, ich kumm net, net ehnder,
bis mer fahrn kann. No, un ich kann worde — ich hab Zeit.
Ferner war die Redd vun de Benemmedidhet im Beſſunger
„Lunapack‟. Die gefellt=en net, unſere Stadträt. — Ja, warum
warn ſe dann die Woch net beim Kunzärt vum Walter
Reh=
berg uffm „Owwerwald‟? Do wärd immer groß gekriſche, un
wann wärklich mal was Erſtklaſſiſches gebodde wärd, do
ſieht mer niemand, weder vun de Verwaldung noch vun de
Stadt=
rät. Die därfte ſich wärklich aach als emol doaus ſähe loſſe, außer
de Zeit, ’s muß net immer bloß beim Grensgang ſei ..
Ja, un was war’s dann noch —? Richdich; die
Gasfärn=
verſorchung! Awwer däß war mehr näweſächlicher
Nadur, do hawwe=ſe ſich zum Glick net weiders dezu geaißert..
däß mag de Ower ausdräbbche . . . un de Gas=Nuß . . . For
was hammer dann unſer Leit —
For’s Niewergall=Denkmal: Kegelklub „Tipp=Topp” 12 Mack,
L. K. 5 Mack, „Endlich” 5 Mack. Danke ſchee!
dunſten, durch welchen Vorgang wieder die Zimmertemperatur
herabgeſetzt wird.
Der zeitgemäße Haushalt
Willman Käſe und Quark vor Maden ſchützen,
ſo bedecke man ſie entweder mit Birkenlaub oder
Johannis=
kraut. Beides hält die Fliegen von den darunter verborgenen
Nahrungsmitteln fern.
Reis=Blumenkohl=Auflauf. Einen großen, in
kleine Roſen zerteilten, geputzten Blumenkohl koche man in
Salz=
waſſer halbweich, desgleichen ½—¾ Pfund ſauber abgequirlten
Reis, den man dann dem Blumenkohlwaſſer beifügt und dick
aus=
quellen läßt. Eine eingefettete Auflaufform füllt man auf dem
Boden mit einer fingerdicken Reisſchicht, gibt darauf 2 Eßlöffel
feingewiegten rohen oder gekochten Schinken, läßt Blumenkoyl
folgen, den man mit geriebenem Schweizerkäſe beſtreut und funl
abwechſelnd, oben mit einer Reisſchicht abſchließend, worauf mau
über das Ganze 2 in 1 Taſſe Milch mit Salz verquirlte Eier gießi.
Der Auflauf wird /—1 Stunde, auf Stein erhöht geſtellt, 9e
backen.
Grüne Bohnen auf Feinſchmecker=Art. Die
an=
gezogene grünen Bohnen werden mit Fäden zu Bündeln 9e
bunden und in Salzwaſſer weichgekocht, worauf man ſie au
heißer, flacher Schüſſel bergartig anrichtet, mit reichlich geriebenel
Schweizerkäſe beſtreut und mit reichlich brauner Butter beträuſei
Als Gemüſebeilage zu Hammel= und Rinderbraten geeignel.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Einlaufſuppe, Reis=Blumenkohlauflauf mit
Kalns=
braten, Vanilleereme.
Montag: Verlorene Eier mit Senfſoße, Grüner und Gurkell”
ſalat.
Dienstag: Makkaroni mit Tomatenſoße und gebratene Lehl.
Mittwoch: Hammelfleiſch mit grünen Bohnen.
Donnerstag: Gefüllte Tomaten im Reisrand.
Freitag: Fiſchauflauf.
Samstag: Eierkuchen mit geſchmorten Kirſchen.
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in gleicher Regelmäßigkeit löſen ſich die Jahreszeiten
ab. Die Farbenpracht der Herbſtblätter wird durch
O das Schneekleid im Winter unſeren Augen entrückt,
und im Frühjahr laſſen die Sonnenſtrahlen das weiße
Totenkleid verſchwinden und neues Leben kommt
wie=
der in die Natur. Dann kommt der Sommer, der uns
die volle Manneskraft verſinnbildlicht. Die Vögel in den
Bäumen, die Sonne, die blutrot am Horizont Abſchied
nimmt und die Welt noch einmal in reinſtes Gold taucht,
die ſchattenreichen Wälder, die kühlen, erquickenden Nächte
und der roſafarbene Hauch, der über der Landſchaft bei
aufgehender Sonne liegt . . . ſie alle rufen Stimmungen
der Andacht und Ruhe in uns hervor, Stimmungen
höchſten Friedens und Glücks.
Wie beim erſten Morgenrot und im Morgentau die
Natur geſtärkt erwacht und ſich in friſcher Schöne zeigt, ſo
blüht auch am Morgen des Sommers das Geſchäftsleben
wieder auf. Dann weht gleichſam ein friſcher, belebender
Hauch, der allen neue Kräfte einflößt. Fenſter und Türen
öffnen ſich, die Menſchen kommen ins Freie, und im
Geſchäftsleben verſpürt man ein Aufleben".
Alles ſtrebt danach, eins zu werden in
Vollkommen=
heit; es iſt, als ob alles reicher an Farbe und Wärme
würde, alles ſtrebt nach Harmonie. Was die Natur für
den Menſchen iſt, das ſind die Menſchen füreinander.
Käufer und Verkäufer ſind aufeinander angewieſen. Die
Zunahme des Verkaufs bewirkt das Aufblühen des
Han=
dels. Ein blühender Handel bedeutet Wohlfahrt der
All=
gemeinheit, und dieſe Wohlfahrt iſt das Beſitztum der
Gemeinſchaft. Wie in der Natur die Einheit die Quelle
des Glückes und der Vollkommenheit iſt, ſo kann ſie es
auch im gemeinſchaftlichen Leben ſein, vorausgeſetzt, daß
die Menſchen begreifen, daß ſie füreinander da ſind, daß
ſie einander nötig haben, daß Arbeit und Kapital
zu=
ſammenarbeiten müſſen, daß Prodnktion und Verkauf
von=
einander abhängig ſind. Das iſt der große Gedanke, der
uns alle in unſerer Zeit leiten muß! Deshalb rufen
wir alle auf, mit zu arbeiten an der Wohlfahrt unſerer
Stadt und am Aufbau unſeres heimatlichen Handels!
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Seite 14
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 214
Reich und Ausland.
Reichsverband der deutſchen Induſtrie.
Auf Einladung der Stadr Düſſeldorf ſowie des Präſidiums der
Geſolei fand in Düſſeldorf eine gemeinſame, aus allen
Wirtſchafts=
bezirken des Reiches zahlreich beſuchte Sitzung des Präſidiums und
des Vorſtandes des Reichsverbands der deutſchen Induſtrie ſtatt. Mit
der Begrüßung verband der Vorſitzende des Präſidiums des
Reichsver=
bands, Geheimrat Duisberg, eine Darſtellung der auf ſeiner ſoeben
beendeten Reiſe durch die Vereinigten Staaten, Japan, Korea, China
und Kanada empfangenen Eindrücke. Zu dem erſten Punkt der
Tages=
ordnung ſprach Geheimrat Kaſtl über die langwierigen, ſchwierigen
Verhandlungen zwiſchen Regierung, Banken und ruſſiſcher
Handelsver=
tvetung. Um die Vorbedingungen für die Finanzierung der unter die
Ausfallbürgſchaft von Reich und Länder fallenden Lieferungen nach
Rußland zu ermöglichen, hat ſich als notwendig herausgeſtellt, daß die
Induſtrie=Finanzierungs=Aktiengeſellſchaft Oſt zur Vermittlung der
Finanzierung der einzelnen Geſchäfte gebildet wurde. Im Anſchluß
daran berichtete der Geſchäftsführer Dr. Herle über die Geſtaltung
der deutſch=ruſſiſchen Wirtſchaftsbeziehungen. — Alsdann machte
Direk=
tor Kraemer intereſſante Ausführungen über die zukünftige
Geſtal=
tung der deutſchen Zolltarifpolitik. Es ſei notwendig, die Vorarbeiten
für die Aufſtellung des neuen Zolltarifs bereits in nächſter Zeit in
An=
griff zu nehmen. — Anſchließend berichtete Dr. Silverberg von
den Vorarbeiten, die bisher vom Reichsverband, zuſammen mit den
übrigen Spitzenverbänden der deutſchen Wirtſchaft, für eine
gemein=
ſame Stellungnahme der geſamten Wirtſchaft zu dem immer mehr um
ſich greifenden Eindringen der „öffentlichen Hand” in die
Privatwirt=
ſchaft geleiſtet worden ſind. Er ſtellte hierbei die Geſichtspunkte auf,
die bei der Beurteilung der Frage zugrunde gelegt werden. Einmütig
billigten Präſidium und Vorſtand die Ausführungen des Referenten.
In der Erörterung wurde von allen Seiten die große Bedeutung dieſer
Frage für unſer Wirtſchaftsleben anerkannt und darauf hingewieſen,
daß die jetzt eingetretenen Mißſtände ſich zu einem weſentlichen Teil aus
der Uebertreibung der ſteuerlichen Belaſtung in der Zeit nach der
Sta=
biliſierung ergäben. Es beſtände die unbedingte Notwendigkeit, daß
endlich Klarheit über die jetzt geſchaffenen Verhältniſſe gegeben würde,
und daß die Oeffentlichkeit mehr als bisher in die Lage geſetzt würde,
die pwivatwirtſchaftlichen Unternehmen der öffentlich=rechtlichen
Körper=
ſchaften zu kontrollieren. — Zum Schluß der Sitzung wurden von dem
Vorſitzenden eingehende Mitteilungen über die im September in
Dres=
den ſtattfindende Mitgliederverſammlung des Reichsverbands der
deut=
ſchen Induſtrie gemacht.
Haupttagung des Deutſchen funktechniſchen Verbandes.
Vom 30. Juli bis zum 1. Auguſt findet in Köln die diesjährige
Tagung des Deutſchen funktechniſchen Verbandes ſtatt, in dem alle
an=
erkannten deutſchen Funkvereine, mit einer Geſamtzahl von über
30 000 Mitgliedern, vereinigt ſind. Die Tagung befaßt ſich in dieſem
Jahre im erſter Linie mit den Aufgaben, die zu löſen ſind, um den
Rundfunk von allen hinderlichen und ungebührlichen Feſſeln zu
be=
freien. Beſonders akut ſind die Fragen der
Rundfunkbeſteue=
rung und der Beſeitigung der oſt weit über das berechtigte Maß
hinausgehenden lokalen polizeilichen Antennenverordnungen.
Cbenſo tritt der Verband für die Behebung der vielerlei
Rund=
funkſtörungen nachdrücklichſt ein und wird mit praktiſchen
Vor=
ſchlägen hervortreten. Dies bezieht ſich hauptſächlich auf die Störungen
elektriſcher Werke und Bahnen ſowie durch Kleingeräte, wie z. B.
elektro=
mediziniſche Apparate. Wirkſame Mittel hiergegen ſind gerade jetzt
durch den Präſidenten des Verbands, Herrn Prof. Dr. Eſau=Jena,
den bekannten Hochfrequenzfachmann, in Vorſchlag gebracht worden. In
der weit ſchwierigeren Frage der Beſeitigung athmoſphäriſcher
Stö=
rungen wird der Verband durch Anſtellung ausgedehnter Beobachtungs=
und Verſuchsreihen in erhöhtem und beſchleunigtem Maße auf eine
Löſung dieſes Problems hinarbeiten. Beſonderes Intereſſe fanden in
dieſem Zuſammenhang die wiſſenſchaftlichen Vorträge der Herren Prof.
Dr. Rinkel, von der Univerſität Köln und Profeſſor Dr. Eſau von
der Univerſität Jena. Bezüglich der Rückoppelungsſtörungen will der
Verband auf Grund der geſammelten praktiſchen Erfahrungen
einheit=
liche Arbeitsrichtlinien für alle Funkvereine, im ganzen Reichsgebiet
herausgeben, ebenſo wie die Normaliſierungsbeſtrebungen beſondere
Berückſichtigung erfahren werden.
Frankfurter Chronik.
WSN. Feſtgenommene Fahrrad= und
Manſarden=
diebe. Die Polizei hat zwei berüchtigte Fahrraddiebe feſtgenommen,
von denen einem 35 Fahrraddiebſtähle bereits nachgewieſen worden
ſind. Außerdem wurde ein Arbeiter Hans Kl. feſtgenommen, der in
letzter Zeit mehrere Manſardeneinbrüche im Oſtend ausgeführt hat und
deſſen Hehler, der Buchdrucker Philipp M. — Franz=Liſzt=
Aus=
ſtellung. Anläßlich der am 31. Juli ſtattfindenden 40. Wiederkehr
des Todestages von Franz Liſzt wird das zurzeit noch in Frankfurt
am Main befindliche und gemeinnützigen Zwecken dienende F. Nikolaus
Manskopfſche muſikhiſtoriſche Muſeum eine Franz=Liſzt=Gedächtnis=
Ausſtellung veranſtalten. Die Ausſtellung, deren Eröffnung am 30. Juli
ſtattfindet, wird u. a. Bilder, Autogramme, perſönliche Andenken und
dergleichen in reicher Fülle enthalten und dürfte die weiteſten Kreiſe
intereſſieren.
Der neue Fleſſa=Prozeß.
Frankfurt a. M. In der kommenden Woche wird der Fall
Fleſſa erneut vor Gericht aufgerollt werden. Das Außergewöhnliche des
Falles dokumentiert ſich nach außen hin darin, daß innerhalb der
Ge=
richtsferien eine Schwurgerichtstagung eigens zur Erledigung dieſer
Sache einberufen wurde. Der Vorſitzende ein Landgerichtsdirektor, iſt
der Leiter eines erweiterten Schöffengerichts und gehört ſomit den in
der Strafpraxis amtierenden Richtern an. Neben den drei Juriſten
werden nach den Vorſchriften der neuen Straßprozeßordnung ſechs
Ge=
ſchworene am Richtertiſch Platz nehmen. Unter den Laienrichtern
be=
findet ſich diesmal auch eine weibliche Geſchworene. Auf die von der der Täter des Binzer Juwelenraubes der kurz nach ſeiner Ver=
Verteidigung geltend gemachten Reviſionsgründe hat das Reichsgericht
das erſte Urteil aufgehoben. Die Aufhebung geſchah nicht aus tatſäch= begleitenden Kriminalbeamten ennwichen iſt. Obwohl die Polizei
lichen, ſondern aus formal=juriſtiſchen Gründen, da, wie bekannt, die
Zuſammenſetzung des juriſtiſchen Richterkollegiums nicht den
geſetz=
lichen Vorſchriften entſprach. Dieſer Formfehler hat zur Folge, daß die
Verhandlungen von A bis 3 wiederholt werden muß, wobei natürlich
auch neue Geſichtspunkte hineingetragen werden können. Es iſt klar, daß
der Fall mit großer Gründlichkeit behandelt werden wird und die Dauer
des jetzigen Prozeſſes wird eine längere als die erſte ſein. Als der Fall Beendigung der Probefahrt des Rotormotorſchiffes „Barbara”.
Ende März das Schwurgericht beſchäftigte, vermochte er in dreitägiger
Verhandlung zu Ende geführt werden, jetzt rechnet man mit einer
fünf=
tägigen Dauer, eventuell einer Woche. Es ſind über 60 Zeugen und Freitag ſeine vorläufigen Probefahrten mit einer Gäſtefahrt an der
finden ſich ſolche, die gegenwärtig in Ferien weilen, und es ſind Perx= Wind= und Wetterverhältniſſe auf der Fahrt begünſtigten die
Vorfüh=
ſonen geladen, bie ſich gegenwärtig in Oberitalien aufhalten. Die Koſten rung der Rotoren. Das Reichstransportſchff „Barbara” wurde vom
des Verfahrens werden alſo recht beträchtliche ſein. Der Schwerpunkt Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, von der Bauwerft
formge=
der neuen Verhandlung wird aller Vorausſicht nach in zum Teil rein recht übernommen und der praktiſch erprobten Reederei Robert
Slo=
wiſſenſchaftlichen Fragen gelegen ſein. Neben Pſychiatern und Nerven= man jun, mit beſten Wünſchen für erfolgreiche Auswertung der
Flett=
ärzten wird auch der bedeutendſte Hyſterielehrer der Gegenwart zu Wort nererfindung übergehen. Die Gäſte ſtiegen hochbefriedigt mit dem
Be=
kommen. Es wird die Frage zu entſcheiden ſein, ob die Angeklagte den wußtſein von Bord, daß der „Barbara=Verſuch” ſich zu einem Ereignis
erſten Schuß mit Willen abgegeben hat und ob es einen Zuſtand geben erſter Ordnung entwickelt hat, und daß der ſchiffahrtlichen Enwicklung
kann, den man als Daueraffekt bezeichnet, mit anderen Worten, lag eine möglicherweiſe durch die Erfindung Flettmers ganz neue Wege gewieſen
Tötungsabſicht vor, oder iſt der erſte Schuß verſehentlich losgegangen, werden,
Windhoſe und Wolkenbruch über Berlin.
weſtlichen Stadtteile Berlins ein Wolkenbruch nieder, der zahl= biſchen Meer tobt. Danach ſind mindeſtens ſechzig Perſonen
reiche Ueberſchwemmungen in tiefer gelegenen Straßen
ver=
urſachte. Die Feuerwehr wurde im Zeitraum von wenigen Minuten den raſenden Elementen zum Opfer gefallen. In Portorico
fünfzehnmal alarmiert. Beſonders ſtark tobte das Unwetter in Schöne= ſind 70 Prozent der Kaffee=Ernte völlig vernichtet worden. Die
Bahama=
berg und Südende. Mit elementarer Gewalt raſte eine Windhoſe über Inſeln waren tagelang von der übrigen Welt abgeſchnitten und konnten
dieſe Stadtteile hinweg. Der Sturm richtete in den Gärten und Park= erſt am Freitag durch Hilferufe die Verbindung mit dem amerikaniſchen
anlagen große Verwüſtungen an. Zahlreiche alte Bäume wur= Kontinent gewinnen. Es ſind etwa 40 Yachten geſunken. Mehr
den umgeworfen. In einer Siedlung wurden mehrere Dächer abgedeckt, als 50 Leichen hat das Meer an der Küſte von Florida wieder freige=
Im Schöneberger Laubengelände riß der Sturm ein mehrere Meter geben. Florida ſelbſt berichtet über 60 Tote. Auf engliſches Erſuchen
breites Stück einer feſten Mauer um. Der Schaden an den leichten
In der Yorkſtraße ereignete ſich infolge des Unwetters ein Straßen= fügbaren Küſtenfahrzeuge nach den Bahamainſeln abdampfen, um bei
ſchwerer Gullydeckel emporgehoben und auf die Straßenbahngleiſe ge= Haus ſteht dort mehr.
worfen. Das nachſtrömende Waſſer überſchwemmte die Straße, ſo daß
der Deckel nicht mehr zu ſehen war. Ein Straßenbahnzug fuhr mit
voller Geſchwindigkeit auf den Deckel auf. Der Triebwagen wurde
ſchwer beſchädigt und mußte aus dem Dienſt genommen werden.
Glück=
licherweiſe ſind trotz der Plötzlichkeit und der gewaltigen Wirkung des der durch den Wirbelſturm in den Antillen angerichtet wurde, bedeutend
Baumäſte ſind einige Perſonen leicht verletzt worden.
Deutſch=amerikaniſche Hochwaſſerſpende.
Berlin. Die deutſchen, öſterreichiſchen und deutſch=ungariſchen s
Vereine in Chikago und Umgegend haben einen größeren Betrag zur
Linderung der Not der Hochwaſſergeſchädigten im Rheinland geſammelt, die Alkoholſchmugglern gehörten, ſind an der Küſte geſcheitert und voll=
Der Reichsgeſchäftsſtelle der Deutſchen Nothilfe in Berlin ſind 2579 Mk., ſtändig vernichtet worden. Auf Florida und auf Portorico wird
aus dem Ertrag dieſer Sammlung überwieſen worden. Dieſer Betrag, der Schaden auf 10 Millionen Dollar geſchätzt. Die Zahl der
wurde an 64 beſonders bedürftige Familien in Koblenz verteilt.
Die Juwelendiebſtähle. — Auch ein Binzer
Kriminalſkandal?
DD. Berlin. Da allem Anſchein nach der geflüchtete
Juwelen=
räuber Frank ſich in Berlin aufhält, hat Regierungsdirektor Weiß
einen beſonderen Fahndungsdienſt innerhalb der Stadt angeordnet, der
ſich außer dem Diebſtahl bei der Familie Erdmann auch mit dem neu
entdeckten Binzer Juwelendiebſtahl befaſſen wird. Wie die „Voſſiſche
Zeitung” berichtet, iſt es der Berliner Kriminalpolizei gelungen, den
Unbekannten, der am Abend des Juwelenraubes der Familie Erdmann
bis vor die Hoteltür gefolgt iſt, hier feſtzunehmen. Der Verhaftete,
ein gewiſſer Heydock, leugnet zwar, zurzeit des Diebſtahls in Binz
geweſen zu ſein, wurde jedoch als der Geſuchte identifiziert, der bei
der Vorlegung des Verbrecheralbums von zahlreichen Perſonen in Binz
als der verdächtige Mann erkannt war. Der flüchtige Frank iſt noch
nicht wieder aufgetaucht, obwohl bei der Polizei eine Flut von
An=
zeigen eingelaufen iſt, wonach Frank in Berlin von verſchiedenen
Per=
ſonen geſichtet worden ſei. Dieſe Anzeigen ſind aber nicht ernſt zu
nehmen und gehen offenbar auf ungenaue Bilder zurück, die Berliner
Zeitungen von dem Geſuchten veröffentlicht haben.
Senſationelle Mitteilungen macht heute die „Voſſiſche Zeitung”
über die näheren Umſtände, unter denen der Faſſadenkletterer Frank im
Granitzer Forſt entwichen iſt. Der Berichterſtatter des Blattes
be=
hauptet, daß die Schonung keineswegs ſo undurchdringlich ſei, daß man
dem Flüchtling nicht hätte auf
grube, in die der begleitende Pr
den Ferſen bleiben können. Eine
Fall=
ſolizeikommiſſar Schepp geſtürzt ſein will,
ſei überhaupt nicht zu entdecken. Es ſei femer ein Forſtbeamter
aus=
findig gemacht worden, der, ohne von dem Kriminalpoliziſten Schepp
geſehen worden zu ſein, einen Teil des Vorfalls aus etwa 100 Meter
Entfernung beobachtet hat. Danach iſt Schepp mit Frank auf die
Schonung zugegangen, während der zweite Beamte ſich etwa vierzig
Schritte abſeits hielt. Daß Schepp geſtürzt iſt, habe der Augenzeuge
nicht wahrgenommen, er ſei aber bereit zu ſchwören, daß er —
ent=
gegen der Behauptung der Kriminalbeamten — nicht einen einzigen
Schuß gehört habe. Statt ſich ſofort nach der Entweichung des
Häft=
lings zu dem in der zehn Minuten entfernten Waldhalle vorhandenen
Telephon zu begeben, habe Schepp erſt faſt drei Stunden ſpäter in
Binz die Alarmmeldung von der Flucht des Faſſadenkletterers
weiter=
gegeben. Das Blatt glaubt, auf Grund dieſer Angaben von einem
Binzer Polizeiſkandal ſprechen zu können, der ſelbſt den Magdeburger
Fall in den Schatten ſtellen würde.
Noch verwickelter wird der Fall durch Erklärungen des
Gemeinde=
vorſtehers von Binz, der bezweifelt, ob es ſich bei dem Verſchwinden
des Kolliers, der Frau des Kaufmanns Klentze überhaupt um einen
Diebſtahl handele. Es ſei möglich, daß Frau Klentze das
Brillant=
kollier verloren habe. Der Gemeindevorſteher handelt offenbar mit
ſeiner Erklärung im Intereſſe des Bades Binz, in dem
begreflicher=
weiſe große Erregung herrſcht. Der Leiter der Stettiner
Kiminal=
polizei hält den Kommiſſarchef für einen der fähigſten und vorſichtigſten
Beamten; gerade ihm, der eine zwanzigjährige Erfahrung beſonders
im Häftlingstransport beſitzt, ſei der Auftrag, Frank zu führen, ohne
die geringſten Bedenken erteilt worden.
Jih
g=Wettbewerb.
Lehrer Ferdinand Schulz,
Segelflieger Eſpenlaub
der Segelflug=Rekordmeiſter,
die bekannteſten Teilnehmer an dem von der Rhön=Roſſitten=
Geſellſchaft veranſtalteten Rhön=Segelflug=Wettbewerb, der trotz
des ungünſtigen Wetters dieſer Tage ſeinen Anfang
ge=
nommen hat.
Der Stettiner Seemann Frank,
haftung, bei einem Lokaltermin im Walde bei Binz, dem ihn
alle Maßnahmen zu ſeiner Wiederergreifung getroffen hat, gelang
es bisher nicht, den flüchtigen Verbrecher zu faſſen. Der
Regie=
rungspräſident von Stralſund hat auf die Ergreifung von Frank
eine Belohnung von 500 Mark ausgeſetzt.
Hamburg. Das Rotormotorſchiff „Barbara” beendigte am
eine Reihe von Sachverſtändigen zu vernehmen. Unter den Zeugen be= Anton Flettner und andere führende Perſönlichkeiten teilnahmen.
Die Sturmkataſtrophe von Florida.
DD. Berlin. Genauere Meldungen bringt das „Berliner Tage=
* Berlin. Geſtern nachmittag gegen 6 Uhr ging über die ſüd= blatt” über den Orkan, der ſeit nunmehr einer Woche über dem Kari=
Sommerlauben und den Pflanzungen iſt noch gar nicht zu überſehen, hat die Marineleitung in Waſhington angeordnet, daß ſämtliche
ver=
bahnunfall. Dort wurde infolge des ſtarken Waſſerdrucks ein den Aufräumungsarbeiten zu helfen. Bimini iſt völlig zerſtört. Kein
Die Schäden des Wirbelſturmes in den Antillen.
EP. New York. Nach den letzten Meldungen iſt der Schaden
Unwetters keine Menſchenleben zu beklagen. Durch herabſtürzende größer, als zunächſt angenommen werden konnte. Auf den Bahama=
Inſeln wird er auf acht Millionen Dollar geſchätzt.
150 Perſonen werden vermißt. 200 kleine Schiffe ſind nicht
in die Häfen zurückgekehrt. Von den 60 Schiffen, die im Hafen von
Naſſau verankert waren, blieben nur drei unverſehrt. Acht Schiffe,
Toten beträgt in Florida 200, in Portorico 100.
*Die letzte Zigarre.
Auch in Italien gibt es Arbeitsloſe. Nicht nur in Deutſchland. Denn
trotz der ſchwachen Valuta wollen die Geſchäfte in Italien gar nicht mehr
ſo recht gehen. Die Franzoſen verſtehen es beſſer, mit billigerem Franken
zu arbeiten.
Auch in Italien gibt es Selbſtmörder. Nicht nur in Deurſchland.
Obgleich nach den Geſetzen — den moraliſchen, verſteht ſich — des echten
Fascismus der Selbſtmord ein Verrat am Vaterland und obendrein ein
grober Irrtum iſt, weil doch angeblich gerade die goldenen, glücklichen
Zeiten unter der Sonne Italiens angefangen haben, finden doch immer
einige Kleinmütige dieſe Welt nicht mehr ſchön genug, um ihr noch die
Ehre des Weiternichtstuns angedeihen zu laſſen. Selbſt das „dolce far
niente”, das ſüße Nichtstun kann zum Ueberdruß werden, und man
möchte hinter das vergnügliche Vegetieren, hinter das Nichtstun,
ſchließ=
lich das Nichtsfühlen, das Nirwana ſetzen.
Was nutzt es, daß man großen Zeiten entgegengeführt wird; was
für Wert hat es, wenn die Zukunft auf dem Waſſer liegt; welchen Spaß
macht es, wenn vor Oſtia fünfzig große Kriegsſchiffe der italieniſchen
Marine zeigen, wie mächtig ſie gualmen können; was hat es für Zweck,
wenn in Abeſſinien oder in Tanger oder im Teſſin hochintereſſante und
hoffnungsreiche Probleme für die italieniſche Zukunft locken; was ſoll
das alles, wenn man trotz Muſſolini und des garantierten
Glückszuſtan=
des Italiens keine Arbeit und kein Brot hat. Hunger tut weh, in einem
„ſiegreichen” ebenſo wie in einem „beſiegten” Lande. Der Teufel hole
allen Nuhm, wenn man keine Makkaroni und keinen Chianti hat.
So dachte und fühlte auch der ſehr ehrenwerte Herr Pietro Zorzutti,
der Sohn des Johann Zorzutti (der Name iſt ſo ſchön, daß man ihn
ſchon zweimal ſchreiben muß), geboren vor 58 Jahren in Dignano am
Tagliamento. Alſo von der Ecke Italiens ſtammte der brave Pietro
Zorzutti (dreimal Zorzutti iſt auch hübſch . . ), von dort her, wo tüchtige,
aber üble Barbarenhorden vor gar nicht allzulanger Zeit nach der Piabe
vorſtießen. Er hatte Niederlage und Flucht und dann die „Vittoria
finale” den Endſieg” miterlebt und ſollte doch nun nach einem ſolch
in=
haltsreichen Daſein an der Schwelle des Greiſenalters eigentlich wirklich
zufrieden ſein. Statt deſſen hat Herr Pietro Zorzutti mit dem Geſchick
und der Arbeitsloſigkeit gehadert, und iſt in den Keller eines Neubaues
in einem Orte unweit Mailands gegangen, um dort die Heizröhren der
Zentralheizung zu einem Zwecke zu benutzen, für den ſie nicht erdacht
waren. Dieſe Röhren, die Wärme ſpenden ſollten, wurden von ihm dazu
benutzt, um ins kalte Grab zu gelangen. Pietro beſtieg einen Stuhl,
ſchlang einen geſchmeidigen Strick um die Röhre an der Decke und um
ſeinen müden Hals und ſtieß den Stuhl von ſich. So fand man ihn
er=
kaltet an der Heizröhre am anderen Morgen hängen. Zufrieden und
ohne Sorgen. Jawohl zufrieden, und zwar offenbar recht zufrieden.
Denn wann raucht ein ordentlicher Mann ſein Pfeifchen oder ſeine
Zigarre? wenn er zufrieden iſt. Und Pietro hatte noch am frühen
Morgen, als man ihn am Stricke fand, ſeine Zigarre im Munde. Aus
dem Glimmſtengel vergnüglich blaue Wolken paffend war er auf den
Stuhl geſtiegen, hatte nicht einmal die Aſche an ſeiner Zigarre
ab=
geſtreift, als er den Strick ſchlang, und war mit einem letzten Zug aus
der Friedenspfeife ins Nirwana hinübergeflohen. Noch ſteckte, als man
ihn fand, zwiſchen ſeinen Lippen die Zigarre, erkaltet, ausgegangen wie
er ſelbſt, der Pietro Zorzutti.
Brand im Pariſer Zoologiſchen Garten.
EP. Paris. Im Zoologiſchen Garten von Paris iſt die
Abtei=
lung mit den ausgeſtopften Tieren und Jagdtrophäen durch Feuer
zer=
ſtört worden. Das Feuer griff auch auf die Abteilung der lebenden
Tiere über insbeſondere wurden 60 Papageien, die die einzigen
in dieſer Art auf der Welt ſein ſollen, vernichtet. Die Affen
konnten in den Bois de Boulogne entweichen.
Selbſtmordverſuch am offenen Grabe.
DD. Belgrad. Dieſer Tage fand in Numa die Beerdigung des
vor kurzem verſtorbenen früheren Poſtminiſters Miladinovie ſtat,
Seine Gattin, eine geborene Wienerin, verſuchte ſich am offenen Grabe
das Leben zu nehmen, konnte aber noch rechtzeitig an ihrem Vorhaben
gehindert werden. Sie erklärte jedoch, ihre Abſicht, dem Gatten in den
Tod zu folgen, nicht aufgeben zu wollen.
Geſchäftliches.
Lotterie=Verlegung. Das thüringiſche Miniſterium
ge=
nehmigte die Verlegung der Ziehung der Eiſenacher Geldlotterie vom
28. und 29. Juli auf 23. und 24. Auguſt. Die Ziehung mußte verlegt
werden, weil die zwei großen Lotterien der Zwinger und Kampfſpiel
ihre Ziehung unmittelbar dovor gelegt hatten. Loſe ſind noch zu haben
in den im Inſerat angegebenen Verkaufsſtellen und bei der Lotteviebanl,
G. m. b. H., in Eiſenach.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Montag, den 2. Auguſt 1926.
(Nach der Wetterlage vom 31. Juli 1926.)
Die Witterung unſeres Gebietes wird noch von Randſtörungen
eines nach Rußland abziehenden Wirbels beunruhigt; jedoch ſind
Aus=
ſichten vorhanden, daß ganz allmählich eine Aufbeſſerung eintritt, da
der hohe Druck über Weſteuropa durch das Zuſtrömen von kühler
nörd=
licher Luft geſtärkt worden iſt. Von welcher Auswirkung und Dauer
dieſe jedoch ſein wird, iſt noch nicht abzuſehen.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Ich bin erſtaunt,
was es doch für Unterſchiede gibt! — Schon viele Jahre waſche ich mit
meine Haare ſelbſt mit dem bewährten Helivon (mildes Kopfwaſche
pulver, das bekanntlich dee Haare ganz wunderbar verſchönert und für
30 Z ſtets 2 abgeteilte Voll=Waſchungen in einem Päckchen bietet. —
Laſſe ich mich nun dummerweiſe letzthin zu einem neuen Mittel auch
um 30 3 verführen, finde jedoch darin bloß 1 Waſchung, und meine
Haare wurden davon durchaus nicht ſchöner wie bisher — Was habe
ich aber von einer luxur, Packung und der zu großen Reklame, wenn.
ich dafür 30 3 mehr bezahlen muß als für das altbewährte Helivon?
Rein gar nichts. Deshalb zur nächſten Haarwäſche beſtimmt wieder
Helipon, welches ja in jedem einſchlägigen Geſchäft erhältlich iſt
Emilie G.
N B. Viele Haarwaſchmittel mögen Sie früher ſchon verwender
Dr. H.
haben — aber keines war wie Helipon, ISt.11024
[ ← ][ ][ → ]Nummer 214
Seite 15
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
„Haben Sie nichts zu berzollen?“
Der Grenzbahnhof Eger im Sommer 1926.
Von Georg Oswald Bayer.
Ein breiter Strom von Ferienreiſenden aus der
Tſchecho=
ſlowakei ergießt ſich über den Grenzbahnhof Eger in gelobtes
Land, das heuer Frankreich heißt, wenngleich die Zahl der
In=
flationsnützer bei weitem nicht an die herankommt, die vor
Jah=
resfriſt die Fremdenverkehrsziffern im Deutſchen Reich ins
Phan=
taſtiſche hat emporſchnellen laſſen. In der Hauptſache ſind die
Frankreichpilger Leute, die in kühnen Träumen den Eiffelturm
einmal greifbar nahe ſahen und im Kino oder in illuſtrierten
Zeitungen Paris und Nizza ſo begehrenswert geſchildert fanden,
daß der Wunſch nach einer Reiſe in jenen wunderbaren Fleck
Erde fortan wie das Flämmchen eines ewigen Lichtes in den
ſchönheits= und ſenſationsdurſtigen Seelen glomm, daher, als die
erſten Nachrichten von dem wankenden Franken aufhorchen
mach=
ten, dem Deviſenteil der Blätter eine Schar neuer Intereſſenten
erſtand, die über Nacht ſich einem Ziele näher ſahen, dem
jahre=
lang kino= und illuſtrationsgenährte Sehnſucht gegolten hatte
und deren Erfüllung wahrſcheinlich in den meiſten Fällen nicht in
den Bereich der Möglichkeit gerückt wäre, wenn nicht eben das
Zuſammentreffen mehrerer glücklicher Umſtände zu dieſer ſtarken
Bevorzugung franzöſiſcher Gebiete für den Sommeraufenthalt
durch tſchechoſlowakiſche Staatsbürger beigetragen hätte. So fährt
denn über Prag—Eger alles, was Reiſepaß, halbwegs paſſablen
Straßenanzug und in der Brieftaſche zwei bis drei Tauſender
hat, jenen ſeligen Gefilden zu, in denen, o. ſo billig!, der
Cham=
pagner fließt und kulinariſche Genüſſe beſonderer Art die
Fremd=
linge erwarten, die von ihren Fahrten nach Berlin, Nürnberg,
Dresden, Stuttgart und ſo weiter genugſam Erfahrung
geſam=
melt haben, um friſch=fromm=fröhlich das Abenteuer zu beginnen,
von dem ſie in den meiſten Fällen das große Ereignis ihres
Lebens erwarten. Sie ſitzen in den überfüllten Wagen der
Durch=
gangszüge mit einem Gefühl erhöhten Selbſtbewußtſeins und
wei=
ſen den kontrollierenden Beamten in Eger Päſſe und Gepäck in
ſo gentiler Form vor, daß es geradezu unpaſſend wäre, ihren
gelegentlichen Aeußerungen in franzöſiſcher Sprache die Achtung
zu verfagen, weil ſie damit lediglich dartun, daß ſie eine ſolche
immerhin nicht alltägliche Reiſe in der Gewißheit völligen
Ge=
wappnetſeins antreten. Und wenn ſchließlich der Zug aus dem
Egerer Bahnhof gleitet, dann lehnen die Frankreichfahrer aus
den Fenſtern, winken den fremden Leuten auf dem Bahnſteig
wohlwollend zu, und während Wälder vorbeirauſchen. Hügel ſich
vor dem Blick bäumen und an einſamen Wächterhäuschen die
Fahrt vorbeigeht, ſehen ſie auf die Uhr und ſchätzen, wie weit es
noch bis zur reichsdeutſchen Grenze und von da bis zu jener ſei,
an der großartig beginnen ſoll, was aus kleinen Beamten,
Stu=
denten und Agenten Weltreiſende beachtlichen Formates macht: Bekannten in den nächſten zwölf Monaten Pariſer Erlebniſſe er=
Frankreich, Bordeaux ... Paris!
*
Der erſte gewaltige Anſturm iſt jetzt freilich, wie die
Grenz=
beamten erleichtert äußern, vorüber. Die Heimkehrzüge bringen
in dieſen Wochen, wenn auch noch ſpärlich, jene wieder zurück, die
als die Erſten ausgezogen ſind ins lobeſam billige Land. Ihr
Aeußeres erſcheint friſcher, gehobener, und ihr Auftreten läßt
er=
kennen, daß ſie neben den verſchiedentlichen Einkäufen materieller
Natur auch ein Quentchen Pariſertum mit in die Heimat bringen,
daß Seine, Loire, Rhone und Garonne vor ihren Augen blitzende
Silberſtreifen in die Landſchaft gelegt haben, und daß Dumas,
Maupaſſant, Loti, Richepin und ſo fort für ſie Leute geworden
ſind, deren Namen ſie künftighin ausſprechen werden wie den.
eines guten Bekannten . . . Es iſt nicht verwunderlich, wenn bei
der Reviſion im Zug Paris-Prag in Eger der Herr Navratil
aus Tſchaslau dem Beamten, der ihn kennt, auf ſein tſchechiſches zugeſtellt erhalten wird, welchem er entnehmen darf, was ihm
„Ma ucta!” mit nonchalantem „Bon Jour, mon amie!” antwortet
und mit einigen der Situation angepaßten Sätzen aus ſeinem
Touſſaint=Langenſcheidt den Reſpekt, des beamteten und nie
Frankreichs Gefilde erblickt habenden Geſchöpfes um ein
Erheb=
liches erhöht. Freilich iſt der Herr Navratil nicht der einzige, der
in vier Wochen ſich zu einem faſt waſchechten Franzoſen gewandelt
hat: es gibt da noch eine Menge von Parisfahrern, die, auf dem
Beſtreben ertappt, vermittelſt verabſcheuungswürdiger Manöver,
die mit dem Ausdruck Schmuggel gekennzeichnet erſcheinen, der
Induſtrie ihres tſchechoſlowakiſchen Vaterlandes Verdienſt zu
ent=
ziehen, ebenfalls die franzöſiſche Staatsbürgerſchaft für ſich in
Anſpruch zu nehmen verſuchen, ein ebenſo kühnes wie
ausſichts=
loſes Unternehmen, da Pardubice und Louny — verflixte Paß=
gründlichkeit! — als Vorſtädte oder Bezirke von Bordeaux,
Nan=
tes, St. Etienne oder Paris leider nicht in Frage kommen
kön=
nen, ſo ſehr dies auch von manchem armen Sünder gewünſcht
werden mag ..."
Der Wahrheit eine Gaſſe: der Zollbeamte, der ſich meinen
Informationsbeſuch im Trubel der Gepäckabfertigung gefallen
läßt und im übrigen über eine ganz reſpektable Doſis von Humor
verſügt, zerſtreut die Befürchtungen, die ich hinſichtlich der
Un=
eigennützigkeit eines Teiles der Frankreichfahrer hege, mit einer
erfreulichen Beſtimmtheit: „Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß
gelegent=
lich zollpflichtige Gegenſtände aus Frankreich mitgebracht werden,
ohne daß die Reiſenden bei der Reviſion freiwillig die Gebühren
erlegen würden. Aber ſo ſchlimm iſt es bei weitem nicht mehr,
als zur Zeit der Inflation in Deutſchland. In der Hauptſache
ſind es jetzt Galanteriewaren, mit denen die Leute ihr Glück
ver=
ſuchen, Gegenſtände, die nicht lohnen, daß man ſich der Gefahr
einer Zollſtrafe ausſetzt. Die Zollſätze machen ein Geringes aus
gegen die Gebühren, die bei verheimlichten Stücken gezahlt
wer=
den müſſen.‟ Der Beamte lädt mich in ſeine Kanzlei, in welcher
au ßer einem uniformierten Zollorgan ein 35jähriger Mann,
glatt=
reſiert, mit der zeitgemäßen Hornbrille vor den unruhen Augen,
und ein hochaufgeſchoſſener Jüngling ſich befinden. „Es iſt Gold,
ja”, ſagt der Mann mit der Hornbrille, Typ eines gutſituierten
Kauſmanns, „aber die Perlen ſind japaniſche Zucht. Sie ſind
billig.‟ Die zwei Ringe auf dem Tiſch des Zöllners koſteten in
Paris zweihundert Franken. „Schön,” ſagt der Beamte, „wir
wollen die Dinger unterſuchen laſſen. Haben Sie ſonſt noch etwas
Zollpflichtiges in Paris eingekauft?‟ Der Mann überlegt eine
Sekunde. Dann greift er in die Bruſt=, Rock= und Hoſentaſche und
bringt zum Vorſchein: einen goldenen Bleiſtift, zwei ſilberne
Haarſpangen, mit Steinen beſetzt, eine Füllfeder, einen Trieder,
eine Kette und ſonſtige Kleinigkeiten, für die er freilich — o, wie
er blaß geworden iſt während der Berechnungen des Beamten! —
an erhöhter Zollgebühr gegen zweihundertdreißig Kronen bluten
muß, ohne daß er die Dinger ſeiner in Teplitz wartenden Frau
heimbringen kann, denn da es ſich um Gold= und
Silbergegen=
ſtände hankelt, haben ſie erſt das Prager Punzierungsamt zu
paſ=
ſieren . . . Drei Züge ſind dem braven Frankreich=Pilger
in=
zwiſchen weggefahren, und bis zum vierten kann er zuſammen
mit dem ihn begleitenden Jüngling ſich im Warteſaal des
Bahn=
hofs in Meditationen über die Tücke des Schickſals ergehen, die
ſeiner Reiſe einiges von ihrem urſprünglichen Reiz genommen
und ihren Ausklang inſoferne betrüblich geſtaltet hat, als die
har=
rende Gattin ſtatt der goldenen Ringe und Haarklammern im
Koffer des Heimkehrenden ein Blatt Papier mit Rubriken
vor=
findet, in denen das Pech des Eheliebſten in unfreundlichen
Zif=
fern feſtgelegt iſt..
Dieſe Fälle ſind — es ſei zur Ehre jener wiederholt, die ihren
zählen werden, ſelten, und im allgemeinen geht man, wie ich
ge=
ſehen habe, mir einem erheblichen Maß von Rückſicht gegen die
Zollſünder vor. Das wird auch der wackere Tſchechoſlowake
be=
ſtätigen müſſen, der ſich ein wunderſchönes Gemälde aus
Frank=
reich mitbrachte, in der Nähe der Zollſtation Eger jedoch das
Be=
dürfnis empfunden hat, ſich in ein abgeſondertes kleines Abteil
des Waggons zurückzuziehen und dort die Abwanderung der
Fahr=
gäſte aus dem Wagen abzuwarten. Vorſorglich hatte er den
Rie=
gel des Raumes auf „Frei” gelaſſen, aber die Zöllner ſind ſo
neugierig, daß ſie ihre Naſen auch dorthin ſtecken, wo es, wie in
dieſem Falle, gar nichts zu riechen gibt. Der Mann hat ſeine
Abſicht, den Marienbader Zug zu beſteigen und ſo ins Innere
des Landes zu gelangen, nicht ausführen können, aber das Bild
aus Frankreich wird ihm dafür um ſo wertvoller erſcheinen, da er
nach Erlag der in geradezu beſchämender Höflichkeit
vorgeſchrie=
benen Gebühr an Zoll und Strafe durch den Poſtboten das Paket
die Einfahrt aus frohgeſchautem und ebenſo genoſſenem Land in
die erſte heimatliche Station mit einigem Bangen hat erleben
laſſen . . . Vielleicht tröſtet ihn die Erinnerung an den Herrn aus
Berlin, der nach Karlsbad zum Kurgebrauch gefahren iſt und ſich
fürſorglich ein Kiſtchen deutſcher Zigarren mitgebracht hatte. Er
hat in Eger dafür fünfzig Reichsmark erlegen müſſen, ohne daß
er deswegen tragiſch geſtimmt worden wäre. „Amalie,” ſagte er
zu ſeiner wenig heiter blickenden Frau, als er mit ihr den
Revi=
ſionsſaal verließ, „die Zigarren müſſen jetzt doppelt gut munden!“
Es iſt ein unendlicher Strom von Menſchen, der ſeinen Weg
über die Grenzſtation Eger nimmt und teilweiſe durch die
nüch=
ternen Reviſionsſäle flutet. Wer ſich die Mühe gibt, ihn auf ſeine
Melodie abzuhören, der vernimmt darin den Pulsſchlag der an=
einander vorbeiwirbelnden Nationen, die ewige Wanderſehnſucht
die Lande durchziehen und Zöllner, Wirte und Staaten leben
läßt, weil auch ſie, die Wanderer, vom Leben etwas haben wollen!
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 1. Auguſt. 8: Morgenfeier, veranſt. v.
Wartburg=
verein. Mitw.: Poſaunenchor. Pfarrer Engel von der Markusgem.
Mädch=nchor der Bockenheimer Gem. Frau Käthe Groſſe. O 12:
Hausorch. Franz Liſzt” (geſt. 31. Juli 1886). Ung. Rhapſodie
Peſther Carneval”). — Polonaiſe. — „Orpheus”, ſinfoniſche
Dichtung. — „Der Tanz in der Dorfſchenke‟ (Erſter
Mephiſto=
walzer). O 3: Märchentante. Nordiſche Volksmärchen: Der
Ge=
ſundheitsbaum. Die drei guten Ratſchläge (für Kinder vom 4.
Jahre ab). O 4: Uebertr. Griesheim: Zither=Konzert. Zitherklub
„Alpengruß”. Schanno: Konzert=Ouv. — Wormsbacher: Triumph=
Marſch. — Hauſtein: „Lebensluſt”, Ouv. „Erinnerung an
Straß=
burg”. — Kloſſe: „Hochzeitsſtändchen”. — Wormsbacher: „Empire=
Marſch” — Suppe: Quv. „Dichter und Bauer”. — Strauß:
Donauwellen. — Pugh: „Andante in F=dur”. — Kollmaneck:
Konzert in B=dur (Duette, geſp. v. Schuſter und Frl. Raab. —
Divertiſſement a. „Freiſchütz” — Vries: Rheinwellen,
Konzert=
walzer. — Zeller: Potp. „Vogelhändler”. — Boſe: Almröschen
(Ktünſtlertrio Hofler, Seeger u. Weſtler). — Violin=Soli: Schubert
Am Meer”. — Wieniawsky: „Kujaviak” (Konzertm. Ernſt. Flügel:
Drömann). — Hauſtein: Quartett in G=dur, Zug der Walküren.
— Fant. a. „Freiſchütz”. — Schmidt: Nixenreigen,
Walzerinter=
mezzo. — Hofler: Erinnerung an Solothurn. — Neſvadba=Schulzs
Paraphraſe über „Lorelen”. O 6: „Poeſie des Sommers” von
Geh. Rat Prof. Dr. Bieſe. O. 7: Uebertr. Zoppot. Richard
Wagner=Feſtſpiele der Zoppoter Waldoper: „Lohengrin‟. Oper
von Rich. Wagner. — Anſchl. bis 12: Tanzmuſik von Berlin.
Stuttgart.
Sonntag, 1. Auguſt. 11.30: Konzert, ausgef. vom Inf.=Regt.
13 d. Gren.=Batl.). Schubert: Hymne. — Kiſtler: Vorſpiel „Kuni=!
hild‟. — Gungl: Träume auf dem Ozean. — Verdi: Fand.
„Troubadour” — Friedemann: Ueber das Lied: „Aus der
Jugend=
zeit”. — Myddleton: Die Phantom=Brigade. O 3: Hugo Salus
(geb. 3. Aug. 1866) Gedichte und Novellen (Fred Höger). O 3.30:
„Funkheinzelmann” von Berlin. — Anſchl.: Konzert. Mitw.: Hilde
.
Bach= Jubel=Dup. — Lieder und Operettenſchlager. — Auber=
Fant. „Die Stumme aus Portici” — Heitere Lieder. — Geißler=
Potp. — Heitere Lieder. — Blon: Mit Eichenlaub und Schwertern.
O 6.15: Krebs der Kleine. Plauderei für Bildungshungrige von
H. Schöttler. S 7: Uebertr. von Königsberg: „Lohengrin” Muſ.
Leit.: Prof. v. Schillings. Mitw.: Heinrich I.: Kammerſängev
Helgers (Staatsoper Berlin); Lohengrin: Kammerſänger Oehmann
Städt. Oper Berlin); Elſa von Brabant: Maria Huſſa (
Staats=
oper Berlin); Telramud: Th. Scheidl (Staatsoper Berlin); Ortrud:
Gertrud Bindernagel (Staatsoper Berlin) u. a. Das Orcheſter
umfaßt 120 Mann, der Chor zählt 350 Mitw. — Anſchl.:
ter Abend. Leit.: Max Heye.
Berlin.
Sonntag, 1. Auguſt. 6.30: Frühkonzert des Berl. Mandolinen=
und Lautenorch. (1896) 10 Darbietungen. „Gymnaſtik”. O. 9:
Morgenfeier. Aniela Szubert (Laute), Bruno Koſſubek (Violine),
Otto Dunkelberg (Flügel), Joſe Lepanto (Rezitation). O 11.30:
Platz=Muſik der Bezirks=Kap, der Poſtbeamten, Berlin. Bommel:
Reichspoſt=Marſch. — Suppe: Ouv. „Flotte Burſche‟ — Wiedecke:
Träumereien. — Eilenberg: Die Wachtparade kommt! — Strauß:
Roſen aus dem Süden. — Meyer: Kavallerie=Marſch. — Heins:
Frühlingszauber. Heimattraum (O. Rolke, Trompete). — Bach:
Frühlings Erwachen. — Klein: Leuchtkugeln, Potp. — Finnl.
Reitermarſch. O 3: Prof. Dr. Mildbraed: „Koloniale Nutzpflanzen
des täglichen Lebens”. O 3.30: „Funkheinzelmann ſucht ſeine
Zipfelmütze‟ (Hans Bodenſtedt). O 4.15: Kappſtein: „Eine
Mittel=
meerfahrt‟, O. 5: Roſenlieder. Berliner Funkkapelle. Leopold
Schwarz (Bariton). Am Flügel: Arthur Andrae. Ferdy Kauffman
Violine), Ernſt Waſſing (Cello). O. 7: Uebertr, der Wagner=
Feſtſpiele der Zoppoter Waldoper. „Lohengrin”. Dir. Prof. v.
Schillings. Heinrich I.: Otto Helgers (Staatsoper Berlin); Lohen:
grin: C. M. Oehmann (Städt. Oper Berlin); Elſa: Maria Huſſa=
Greve (Staatsoper Berlin); Telramund: Th. Scheidl (Staatsoper
Berlin); Ortrud: Gertrud Bindernagel (Staatsoper Berlin); Der
Heerrufer des Königs: A. Schütz (Danzig). — Danach: Tanzmuſik
(Kapelle Kermbach).
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft : Rudolf Mauve
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſ=
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſäntlich in Darmſtadi.
Die heutige Nummer hat 20 Geiten.
ihren Aiſchungen den heiteren Sun der
Auey Doraine und die dehikatz Art der
rabrit-
[ ← ][ ][ → ]Seite 16
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Nummer 211
Warum
Aanl Söolu
MuF „Merzuschuhe‟
Zum Golf? — Zum Auto? — Zum Krocket? — Zum Pferde? — Und auf der Promenade?
Weil Sie in „Herz-Schuhen” niemals Ermüdung fühlen werden, stets vornehm gekleidet aussehen
und weil „Herz-Schuhe” auch großen Strapazen gewachsen sind, ohne im geringsten Form und
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sehen zu verlieren. Prüfen Sie selbst ihre Echtheit an dem Herz-Stempel auf der Sohle. „Herz-
Schuhe” erfüllen bei der Fülle ihrer Auswahl auch anspruchsvolle Wünsche; sie tragen jedem
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schmack Rechnung und sind gerade deshalb wegen längster Lebensdauer das richtige Schuhwerk.
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(TV. 11011
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Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
des Hotelbeſitzers Adolf Reuter und deſſen Ehefrau Helene,
geb. Engels in Darmſtadt, als Geſamtgut der
Errungen=
ſchaftsgemeinſchaft im Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 10. Auguſt 1926, nachmittags 3 Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer
219, verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 16. April 1926 in das
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 10. Juni 1926.
(8090a
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk II, Band V, Blatt 307.
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am Schätzung
1 IV 369 Hofreite Nr. 6 Luiſenplatz 2252 350 000 RM.
Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
des 1. Kreisamtsdieners Wilhelm Klöß und deſſen Ehefrau
Eliſabeth, geb. Schlegelmilch in Darmſtadt, als
Geſamt=
gut der Errungenſchaftsgemeinſchaft zu 1., 2.
Oberſteuer=
ſekretär Heinrich Herbert zu Darmſtadt zu 1/., 3. Hedwig,
Günther und Erna Herbert zu Darmſtadt zu je
Grundbuch eingetragen waren, ſollen
Freitag, den 13. Auguſt 1926, nachmittags 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt zum Zwecke der Aufhebung der
in Anſeh ung der Grundſtücke beſtehenden Gemeinſchaft.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 12. April 1926 in das
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteige
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich ware
ſind, ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auff=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichnen
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſprichi,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls, ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(9091a
Darmſtadt den 14. Juni 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Gemarkung Darmſtadt, Band X, Blatt 694.
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann gm
Schätzung
II 505 Grasgarten (Vorgarten)
Gutenbergſtraße
250 RM.
II 505, Hofreite Nr. 55 daſelbſt 158 14300 RM.
II 505), Grasgarten daſelbſt
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den Aushängen auf den Bahnhöfen zu
erſehen oder durch die Fahrkartenausgaben
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handlung im allgemeinen Teil dieſer
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Mainz, den 30. Juli 1926.
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Grafenſtraße 12. Ecke Rheinſtr.
Schulgeld=Mahnung.
Das Schulgeld der hieſigen höheren
Schulen für den Monat Juli 1926 iſt
bei Meidung der Beitreibung bis
zum 10. Auguſt 1926 hierher zu zahlen.
Vom 11. Auguſt 1926 ab werden
Pfand=
koſten erhoben.
Darmſtadt, den 30. Juli 1926.
Stadtkaſſe Darmſtadt. (st11012
DieBe=zu. Entwäſſerungsleitungen
von 14 Wohnhnasneubauten im Rhön=
und Speſſartring ſowie von einem Haus
vor dem Orpheum ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen u. Bedingungen
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furterſtraße 100, während der
Dienſt=
ſtunden auf. Angebotsſcheine ſid dort
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mit entſprechender Aufſchrift zum
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öffnungstermin, Montag, den 9.
Au=
guſt 1926, vorm. 10 Uhr, im
Ver=
waltungsgebäude, Frankfurterſtraße 69,
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1. Stock, einzureichen.
Darmſtadt, den 30. Juli 1926.
Direktion der ſtädtiſchen Betriebe,
Am Montag, den 2. Auguſt,
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mittags 2½, Uhr, verſteigere ich
Ar=
tillerieſtraße 15, zwangsweiſe,meiſtbietend,
gegen Barzahlung:
Eine Transmiſſion, eine Drehbank,
eine Schnellbohrmaſchine, eine
Bügel=
ſäge, 25 kg Schnelldrehſtahl, 70 kg
Werkzeugſtahl.
Die Verſteigerung findet vorausſichtlich
(11065
beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1926.
Glaſer
Stellvertr, des Gerichtsvollziehers
Weinheimer in Darmſtadt.
ſteil
Dienstag, den 3. Auguſt 1926,
vormittags 10 Uhr, verſteigere ich
zwangsweiſe, meiſtbietend gegen
Bar=
zahlung, verſchiedene im Hauſe
Alicee=
ſtraße 5 untergeſtellte Büromöbel. Die
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 31. Juli 1926.
Trautmann
Vollz.=Beamte. (*20045
Herr.= u. Dam.=Mad
dillig zu verk. (10781a
Barkhausſtraße 15
Kinderbett, Damenrad
bill. abzg. Marquardt,
Arheilgerſtr. 52, H. I.
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Laden.
Nummer 211
Sonntag, den 1. Auguſt 1926
Seite 12
Srog Spier und Tarnen.
Heſſ. Polizei=Sportfeſt 1926.
Das diesjährige heſſiſche Polizeiſportfeſt wurde geſtern vormittag um
9 Uhr durch die Schwimmer eröffnet. Das Wetter war inſofern
gün=
ſtig, als nicht, wie tag3 zuvor, öfters Regenſchauer niedergingen und es
dadurch den zahlreich erſchienenen Zuſchauern möglich war, den
ſpan=
nenden Wettkämpfen beizuwohnen. Die Waſſertemperatur betrug
aller=
dings nur 18 Grad, und manchem Langſtreckenſchwimmer „klapperten die
Zähne”, als er aus dem Waſſer ſtieg. Die Wettkämpfe wurden durch
eine 4mal 100 Meter=Lagenſtaffel eröffnet, die die zweite Bereitſchaft
durch ihren guten Rückenſchwimmer ſicher gewann. Es folgten dann
Pflicht= und Kürſprünge vom 3 Meter=Brett, die von den Teilnehmern
exakt ausgeführt wurden und viel Beifall fanden. Von den
Einzelwett=
kämpfen, wie 100 Meter=Bruſt=, Rücken= oder Hand=über=Hand
Schwim=
men ſei beſonders ein Wettſchwimmen über 50 Meter in Rückenlage
ohne Arme zu erwähnen, welches beſonders im Heſſ. Polizeiſportverein
als Vorübung für das Rettungsſchwimmen geübt wird. Da es ia mit
zu den Aufgaben der Polizei gehört, Ertrinkende zu retten, ſo waren
auch diesbezügliche Uebungen vorgeſehen. Daß von vielen Mitgliedern
des Vereins dieſe wichtige Aufgabe voll erkannt wurde, zeigten die
vielen Bewerbungen für das Streckentauchen und das „Ausziehen der
Kleider im Waſſer”. Mit einer erſtaunlichen Geſchwindigkeit und
Ge=
ſchicklichkeit hatten die Bewerber ſich ihrer Kleider entledigt und unter
dem Beifall der Zuſchauer ſtiegen ſie aus dem Waſſer. Daß auch die
Schupo noch auf geeigneten Nachwuchs rechnen kann, zeigten zwei
„Heinerbuben”, indem ſie eine tüchtige Strecke in einer guten Zeit
ſchwammen und der „Fritz” mehrere, Minuten den „Toten Mann”
machte.
Die Schwimmwettbewerbe zeitigten folgende Ergebniſſe:
1. 4mal 100 Meter=Lagenſtaffel: 2. Bereitſchaft mit
Knierim, Helfrich, Müller V. und Pieh, 1. Sieger in 7:45,1: 2. Sieger
5. Bereitſchaft in 8:15:1.
2. 10mal 100 Meter=Freiſtilſtaffel: 1. Sieger 2.
Be=
reitſchaft; 2. Sieger 4. Bereitſchaft.
3. 50 Meter Rücken ohne Arme: 1. Unterwachtmeiſter
Lebert (3. Ber.) 1:24; 2. Unterwachtmeiſter Guggelmeyer (5. Ber.) 1:25;
3. Zugwachtmeiſter Mees (3. Ber.) 1:30:6.
4. 100 Meter=Rückenſchwimmen: 1. Sieger
Unterwacht=
meiſter Müller (2. Ber.) 1:44: 2. Sieger Bornemann (9. Ber.) 2:3:1.
5. 100 Meter=Bruſtſchwimmen: 1. Sieger Koch (4. Ber.)
1:44; 2. Knierim (2. Ber.) 1:57:1; 3. Müller (2. Ber.) 1:59; 4.
Hey=
mann (5. Ber.) 2:07.
6. 100 Meter Freiſtil: 1. Sieger Unterwachtmeiſter Beller
1:32: 2. Unterwachtmeiſter Wolf 1:38
7. Streckentauchen: 1. Sieger Bönſel (3. Ber.) 29 Meter;
2. Göbel (3. Ber.) 29 Meter; 3. Wolf W. (5. Ber.) 29 Meter; 4.
Knie=
rim (2. Ber.) 28; 5. Wachtmeiſter Michl (4. Ber.) 27: 6. Heymann (5.
Ber.) 24: 7. Hedler (2. Ber.) 22.
8. 400 Meter Freiſtil: 1. Sieger Koch (4. Ber.) 8:40:4: 2.
Beller (4. Ber.) 9:47.
9. Dreikampf: 1. Sieger Knierim 117 Punkte; 2. Göbel 100:
3. Beller 80; 4. Barth 57.
10. Springen: 1. Jüngling 56++53—109; 2. Boxnemann 50++36—
86; 3. Wagner 47+30—77.
Am Nachmittag fanden bei äußerſt günſtigem Wetter auf dem
Sportplatz der Schupo leichtathletiſche Kämpfe ſtatt. In Vorkämpfen
im 400 Meter=Lauf, Kugelſtoßen, Steinſtoßen, Diskuswerfen.
Hand=
granatenwerfen und Weitſprung wurden die Wettkämpfer feſtgeſtellt, die
am Sonntag in der Entſcheidung ihre Kräfte meſſen werden. Das
Er=
gebnis dieſer Vorkämpfe wird weiter unten angegeben. Beſonderes
Intereſſe und rege Teilnahme der recht anſehnlichen Zuſchauermenge
erregten die unter den Bereitſchaften und Ausbildungsgruppen der
hieſigen Schupo ausgetragenen Staffeln. Es fehlte nicht an den
unaus=
bleiblichen Anfeuerungen bei dieſen ſpannenden Kämpfen, die beſſer als
die Einzelkämpfe bewieſen, daß die ſportliche Ausbildung der Schupo
mit Recht auf gute Durchſchnittsleiſtungen eingeſtellt iſt. Der Stil ließ
bei manchem Läufer noch recht viel zu wünſchen übrig.
Das Ergebnis der Vorkämpfe:
Handgranatenwerfen: 1. Rottenmeiſter Ludwig=Baden 59,15 Meter;
2. Baß=Frankfurt 56,85 Meter; 3. Pol.=Wachtm. Möhle=Hannover 55,90
Meter; 4. Pol.=Unterwachtm. Behrens=Hannover 55,40 Meter.
Kugelſtoßen: 1. Polizeiwachtmeiſter Baß=Frankfurt 12,60 Meter; 2.
Polizeiwachtmeiſter Möhl=Hannover 10,88 Meter; 3. Wachtmeiſter Aſal=
Mannheim 10,76 Meter; 4. Polizei=Unterwachtmeiſter Rahn=Heſſen
10,/41 Meter.
Weitſprung: 1. Polizeiwachtmeiſter Behrens=Hannover 5,90 Meter;
2. Polizei=Oberleutnant Heller=Baden 5,89 Meter; 3. Rottenmeiſter Klar=
Baden 5,78 Meter; 4. Polizeiwachtmeiſter Weißert=Stuttgart.
Diskuswerfen: 1. Polizeiwachtmeiſter Baß=Frankfurt 37,60 Meter;
2. Polizei=Oberleutnant Adamheit=Heſſen 30,79; 3. Rottenmeiſter
Lud=
wig=Baden 30,38.
Entſcheidungskämpfe:
Dreikampf für Offiziere (100 Meter, Hochſprung, Steinſtoßen): 1.
Oberleutnant Heller=Baden 118 Punkte; 2. Oberleutnant Wolf=
Hanno=
ver 111 Punkte; 3. Oberleutnant Adamheit=Heſſen 81 Punkte.
25mal ½=Bahnrundenſtaffel: 1. Erſte Bereitſchaft, A=Mannſchaft
9:56,2 Minuten; 2. Dritte Ausbildungsgruppe 10:2,4; 3. Zweite
Be=
reitſchaft 10:35.
Die Erſte Bereitſchaft gewinnt damit zum drittenmal den
Wander=
preis, der in ihren Beſitz übergeht.
Olympiſche Staffel: 1. Erſte Bereitſchaft (Jans, Schnell, Gleim,
Dorn) 4:13,4; 2. Zweite Bereitſchaft 4:20,4.
Leichtathletik.
Wettkämpfe in Arheilgen.
In Darmſtadt und Umgebung ſind Leichtathletikkämpfe recht ſelten
geworden. Die Sportvereinigung Arheilgen hält mit ihrer alljährlichen
Veranſtaltung die Sache hoch. Die Leichtathleten des Sportvereins
Darmſtadt 98 treten bei dieſer Veranſtaltung geſchloſſen auf in
vollzähli=
ger Stärke, von den Knaben bis zu den Aktiven. Wenn ſich auch für die
erſte Rennmannſchaft nicht die Gegner wie bei ſonſtigen Kämpfen finden
werden, ſo iſt doch aus Frankfurt und der näheven Umgebung ſchon
manche Mannſchaft gemeldet; andererſeits iſt den zahlreichen Junioren,
Anfängern und Jugendlichen Gelegenheit gegeben, ſich im Wettkampf zu
verſuchen. Der Darmſtädter Leichtathletik iſt in Arheilgen die ſeltene
Gelegenheit geboten, alle Wettkämpfer, einſchließlich der erſten Staffeln
mit Pabſt, Jans, Schudle, Engelhard I im Rennen zu ſehen. Die geſamte
Abteilung einſchließlich der Anhänger fährt am Sonntag zu den
Nach=
mittagskämpfen am Arheilger Mühlchen. Abfahrt mit der Elertriſchen
ab Luiſenplatz 1 Uhr.
Die Leichtathletik=Abteilung des Sp.=V. 98
ſteht augenblicklich am Abſchluß ihrer ſommerlichen Arbeit, die mit dem
Monat Auguſt ihr Ende erreicht. Das Folgende gibt einen Ueberblick
in großen Büigen über das, was noch für den Reſt des Sommers ausſteht.
Ferienwoche: Mit dieſer Woche geht der Ferienkurſus zu
Ende. Aus mancherlei Gründen blieb die Beteiligung hinter den früheren
zurück. Hochſaiſon im Badeleben, Ferienreiſen, ungünſtiges Wetter hatten
keinen günſtigen Einfluß auf die Zahl der Teilnehmer. Für den Reſt
der Ferien iſt die Beſchäftigung vormittags und nachmittags freigeſtellt.
Ferienwanderung: Der zweite Teil der
Ferienſchulungs=
woche wird in einer achttägigen Wanderung von einer Jugendmannſchaft
in der Stärke von 14 Mann durchgeführt. Die Wanderung mit
gleich=
zeitigen Wettkämpfen iſt in dieſer Form eine neue Einrichtung. Die
Wanderung geht durchs Lahntal und Rheintal und wird durch
Klub=
kämpfe in Limburg, Wetzlar und Koblenz unterbrochen. Die Klubkämpfe
mit den Jugendabteilungen, der dortigen Vereine werden in
Leicht=
athletik und Handball zum Austrag kommen. Im Augenblick kann noch
nichts Endgüiltiges über den Abſchluß der Kämpfe geſagt werden.
Sportabzeichen: Durch die Einrichtung der Prüfungsſtunden
an den Mittwochabenden iſt ſchon eine große Zahl Aktiver und
Jugend=
licher faſt zum Abſchluß der Prüfungen gelangt. Begrüßenswert iſt,
daß ſich auch eine Reihe von Leuten aus anderen Darmſtädter Vereinen
der Prüfung unterziehen.
Bilderdienſt: Die Abteilung hat durch Vermittelung des
Sport=
hauſes Adelmann einen wöchentlichen Bilderdienſt eingerichtet, der über
das Arbeitsgebiet der Abteilung Aufſchluß gibt, und über bedeutende
auswärtige Veranſtaltungen mit Bildern der Oeffentlichkeit dient.
Wettkampftätigkeit: Die Tätigkeit im Wettkampf wird in
den kommenden Wochen nochmals aufleben.
Alte Herrn=Klubkampf: Um auf dieſem Gebiet der
ſport=
lichen Betätigung bahnbrechend vorzugehen, haben ſich Eintracht=Frankfurt
und die Alten Herren der Abteilung auf einen Klubkampf am 22. Aug.
in Darmſtadt geeinigt. Namen aus Frankfurts großer Athletikzeit geben
der Veranſtaltung eine beſondere Note: Angſtmann, Weider, Mäulen,
Reiß werden an dieſem Tage den Rennſchuh anziehen.
Auswärtige Kämpfe: Engelhard I wird am 7. und 8. Aug.
bei ben Deutſchen Meiſterſchaften die 800 Meter und 400
Meter beſtreiten. Der Ausgang der 800 Meter findet inſofern ein
be=
ſonderes Antereſſe, als Engelhard außer mit Dr. Peltzer ziemlich ſicher
mit Böcher=Berlin zuſammentreffen wird. Ueber 400 Meter wird
Engel=
hard das erſte Mal in einem offenen Rennen ſtarten. Sein bisher
ge=
zeigtes Können über dieſe Strecke in Staffelrennen laſſen ein günſtiges
Reſultat erwarten, bei der vollkommenen Ausgeglichenheit der
Teil=
nehmer. — Für den 15. Auguſt liegt eine Einladung von
Stuttgar=
ter Kickers vor. Die Wettkämpfe, die ſich nur aus
Einladungswett=
bewerben zuſammenſetzen, werden Engelhard II über 5000 Meter und
Krichel im Speerwerfen auf der Teilnehmerliſte finden. Engelhard I
mußte abſagen, um an dieſem Sonntag zu pauſieren.
Am 22. Auguſt findet in Baſel der Dreiländerkampf Deutſchland=
Frankreich=Schweiz ſtatt. Engelhard I hat im vergangenen Jahre die
Kämpfe der deutſchen Nationalmannſchaft mitgemacht.
Der Charlottenburger S. C. hält am 29. Auguſt
internatio=
nale Kämpfe ab unter Teilnahme von Nurmi, Wide und Dr. Peltzer.
Auch Engelhard I hat von den Charlottenburgern eine Einladung für
800 Meter erhalten. Mit großer Wahrſcheinlichkeit wird die
Darm=
ſtädter Staffel in dem Charlottenburger Stadion ebenfalls vertreten ſein.
Vereinsfünfkampf: Als vorläufiger Termin wurde der
29. Auguſt feſtgeſetzt. Der Fünfkampf wird für Knaben in drei
Alters=
klaſſen, für Jugend in zwei Altersklaſſen, für Jungmannen, für
Wett=
kämpfer, für Nichtwettkämpfer, für Alte Herren in drei Altersklaſſen
ausgetragen. Die Läufe werden vorgeſchrieben, während Sprung und
Wurf gewählt werden können. Für alle Klaſſen werden eine Reihe
Gaben zur Verteilung kommen.
Ein Doppelſieg von Dr. Peltzer in Kopenhagen.
Dr. Peltzer und ſein Vereinskamerad von den Stettiner Preußen,
der Mittelſtreckenläufer Boltze, ſtarteten am Freitag abend beim
inter=
nationalen Meeting von „Sparta”=Kopenhagen. Dr. Peltzer beſetzte
über 400 Meter in der guten Zeit von 49,5 Sekunden vor den
Kopen=
hagenern Lenſen und Jarſen, die 51,8 bzw. 53,2 Sekunden benötigten,
den erſten Platz und ſiegte auch im 1500=Meter=Laufen ganz überlegen.
Ueber 1500 Meter wurden für Dr. Peltzer 4:01,3 Minuten geſtoppt;
Zweiter wurde hier Larſen=Kopenhagen in 4:05,3 Minuten vor Ebert
und Boltze=Stettin.
Die deutſchen Schwimm=Meiſterſchaften.
Die Ergebniſſe des Samstags.
3mal 100 Meter=Freiſtilftaffel für Vereine ohne Winterbad: 1. SV.
Weißenfels 3:50,2 Min.; 2. Heſſen=Worms 3:51 Min.; 3. SV. 05
Delmenhorſt 4:03,2 Min.
3mal 200 Meter=Freiſtilſtaffel: 1. Magdeburg 96 (Heitmann, Görges,
Neitzel) 7:46,8 Min.; 2. Poſeidon=Köln 8:08,6 Min.
100 Meter=Rücken für Damen: 1. L. Baehrend=Magdeburg 1:31,8 Min.;
2. Frl. A. Rehborn Bochum 1:31,9 Min.; 3. Backof=Offenbach
am Main 1:35,5 Min.
Damen=Springen: 1. Frl. Söhngen=Bremen 86,88 Punkte; 2. Ilſe
Röſen=Zeitz 73,80 Punkte; 3. H. Rehborn=Bochum 72,46 Punkte.
100 Meter=Rücken: 1. Frölich=Magdeburg 1:16 Min.; 2. Trentſchel=
Leipzig 1:16,5 Min.; 3. Küppers=Vierſen 1:17,4 Min.
400 Meter=Freiſtil: 1. Berges=Darmſtadt 5:27,2 Min.;
2. Heinrich=Leipzig 5:27,3 Min.
3mal 100 Meter Bruſtſtaffel: 1. Hellas=Magdeburg 4:13,8 Min.
(Rademacher 2, Kummert, Rademacher 1); 2. Poſeidon=Berlin 4:23
Minuten; 3. SV. Mühlhauſen 4:24,8 Minuten.
100 Meter Seiteſchwimmen: 1. Dahlem=Ruhrort 1:10,9 Min.; 2.
Dingeldey=Darmſtadt 1:11,2 Min.; 3. Behnecke=Magdeburg
1:13,6 Minuten.
Mehrkampfmeiſterſchaft: 1. Mundt=Halberſtadt, Platzziffer 4: 2.
Pielſticker=Düſſeldorf, Ziffer 7: 3. Kappelt Stettin Ziffer 9.
3mal 100 Meter=Bruſtſtaffel für Damen: 1. SV. Dille Hamburg
5:01 Min.; 2. Ver. Waſſerfreunde M.=Gladbach Rheydt 5:02,8 Min.
3mal 100 Meter=Freiſtilſtaffel: 1. Magdeburg 96 (Gubener,
Heit=
mann, Neitzel) 3:19,5 Min.; 2. Poſeidon Leipzig 3:21,2 Min.
(Ausführlicher Bericht folgt.)
Ringen.
Kraftſportverein Darmſtadt 1910 gegen Sportklub „Heros”=Frankfurt.
Obenſtehender Kampf findet heute nachmittag 5 Uhr auf dem
Platz=
der Raſenſpieler ſtatt. Es iſt die Fortſetzung der Aufſtiegskampfe zur
Oberliga des 2. Kreiſes Mittelrhein. Wie bis jetzt bekannt, iſt die
Mannſchaftsaufſtellung vom Fliegengewicht an auſwärts folgende: Fr.
Borovfki=Darmſtadt gegen Schroller=Frankfurt, Schwarz=Darmſtadt gegen
Holzhäuſer=Frankfurt, D. Heß=Darmſtadt gegen Langgut=Frankfurt, W.
Keitel=Darmſtadt gegen Weider=Frankfurt, Eckerl=Darmſtadt gegen
Morgenweck=Frankfurt, Holdenreuter=Darmſtadt gegen Lorenz=Frankfurt,
Veith=Darmſtadt gegen Veyel=Frankfurt. Dieſe Aufſtellung verbürgt
raſſige, techniſch hochſtehende Kämpfe, ſo daß die Beſucher in jeder
Hin=
ſicht auf ihre Koſten kommen werden.
Schießſport.
Schützenklub „Feurio‟ Darmſtadt.
Am Sonntag, den 8. Auguſt, begeht der Schützenklub „Feurio” im
Bürgerhof die Feier ſeines 15jährigen Beſtehens, welche
Gelegen=
heit der Verein mit einem großen Jubiläums=Wettſtreit verbindet.
Geboten werden: das Herausſchießen von Klaſſen= und Gruppenpreiſen
ſowie ein freies Preisſchießen. Zum Austrag kommen:
Klaſſen=
ſchießen: In der 1., 2. und 3. Klaſſe je ſechs Medaillen, davon die
1. und 2. jeder Klaſſe in echt Silber. Außerdem winkt dem Schützen
mit der Höchſtringzahl innerhalb dieſer drei Klaſſen ein ſchöner
Ehren=
preis. Gruppenſchießen: ein Ehrenpreis, ſowie ein 1., 2. und 3.
Gruppenpreis. Freies Preisſchießen. Hier kommt eine Reihe
wertvoller Preiſe zum Austrag
Eigenſchaften,
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OAkLAyp. Bewunderungswürdig
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Straßen=
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vonnöten. — Die äußerst elastische
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Sonntag, 1. Auguſt
Nummer 211
latte
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Europäiſche Wirtſchafts=Vereinigung. Unlängſt haben ſich der im
Aufbau befindliche „Mitteleuropäiſche Wirtſchaftsbund”, Sitz Berlin, mit
der deutſchen Arbeitsgruppe der „Mitteleuropäiſchen Wirtſchafts=
Tagung”, Sitz Wien, zu einer einheitlichen Organiſation
zuſammenge=
ſchloſſen und bilden fortab den Landesverband Deutſchland der
geſamt=
europäiſchen wirtſchaftlichen Vereinigung. Wie wir erfahven, hat der
unter dem Vorſitz von Dr. Cremer, M. d. R., arbeitende
Organiſations=
ausſchuß, dem u. a. Staatsminiſter a. D. Sinkovich und Neichsminiſter
a. D. Dr. Gothein angehören, bereits Satzungen und Programm
ausge=
arbeitet, die der Mitte Auguſt d. J. zuſammentretenden Verſammlung
zur Genehmigung vorgelegt werden wird. — Zu der im Herbſt d. J. in
Wien ſtattfindenden großen „Mitteleuropäiſchen Verkehrskonferenz” wird
die deutſche Gruppe durch eine Delegation vertreten ſein. Vorausſichtlich
wird hier von deutſcher Seite Reichsminiſter a. D. Dr. Gothein über
„Mitteleuropäiſche Eiſenbahnfragen” ſprechen. Neuerdings ſind Sektio=
Inen auch in Frankreich und England im Entſtehen begriffen, wie ſchon
ſeit einem Jahre in den öſterreichiſchen Nachfolgeſtaaten und in
Numä=
nien und Polen Landeskomitees beſtehen. — Die rein für wirtſchaftliche
Ziele wirkende Organiſation erſtrebt eine europäiſche Zollverſtändigung,
Abbau der noch beſtehenden Ein= und Ausfuhrverbote und
Vereinheit=
lichung des Zollſyſtems, insbeſondeer der Tarifſchemas und der
Zollab=
fertigung. Internationale Zollſchiedsgerichte erſcheinen der Vercinigung
als durchaus im Intereſſe der Wirtſchaft, beſonders auch der deutſchen,
der Errichtung dringend notwendig. Zwecks Erleichterung des
Waren=
austauſches tritt der europäiſche Wirtſchaftsbund auch für die
Beſeiti=
gung der Verkehrshemmniſſe insbeſondere im Eiſenbahnverkehr und auch
in der Küſten= und Binnenſchiffahrt ein.
Beurteilung der europäiſchen Wirtſchaftslage. Das amerikaniſche
Ackerbauminiſterium ſowie das Handelsminiſterium haben ihre
euro=
päiſchen Vertreter mit der Veranſtaltung einer Enquete beauftragt, als
deren Reſultat bekannt wird, daß ſich ergeben habe, daß von allen
euro=
päiſchen Ländern die Kaufkraft nur in Deutſchland und in Schweden
einen Fortſchritt erkennen laſſe.
Die Wirkungen des engliſchen Bergarbeiterſtreiks auf Dänemark.
Die engliſche Kohlenausſperrung beginnt allmählich für Dänemark eine
kritiſche Lage hervorzurufen. Zwar ſind die Kohlenvorräte der
Reichs=
bahnen und der Gas= und Elektrizitätswerke in Kopenhagen ſowie in den
meiſten Städten noch ziemlich groß, doch ſind die Lager der privaten
Importeure klein geworden. Eine große Zementfabrik in Jütland wird
am Samstag 5000 Arbeiter wegen Kohlenmangels entlaſſen müſſen.
Andere Arbeitseinſtellungen ſind vorauszuſehen.
Der Kohlenausfuhrhandel in Belgien. Der Exporthandel
bel=
giſcher Kohle wird durch die neueſte Verfügung der Regierung nicht
weſentlich eingeſchränkt, weil man die durch den engliſchen
Bergarbei=
terſtreik neu erworbene Kundſchaft nicht wieder preisgeben möchte. Die
aufzuſtellenden Exportlizenzen werden ſich an dieſe Richtlinien halten.
Für Induſtriekohle iſt ein Höchſtpreis nicht feſtgeſetzt worden. Für
ge=
wiſſe Sorten Hausbrandkohle dagegen, für die die Nachfrage ſtark iſt,
wurden Preiſe diktiert, die 25 Prozent unter dem Weltmarktpreis und
etwa 15 Prozent unter den franzöſiſchen Kohlenpreiſen liegen. Ein
Ausfuhrverbot für Hausbrandkohle will man dadurch überflüſſig
machen, daß man den unlauteren Handel im Inland verhindern möchte.
Anfangserfolge der Rufſen=Kredite. Nach einer Erklärung der
ruſ=
ſiſchen Handelsvertretung ſind, wie der „Börſenkurier” mitteilt, auf
Grund des Kreditabkommens zwiſchen den deutſchen Banken und der
ruſſiſchen Regierung bisher Geſchäftsabſchlüſſe in Höhe von etwa
40 Mill. Mark getätigt worden. Davon entfallen 14 Mill. auf
Werk=
zeugmaſchinen, 3 Mill. auf elektriſche Artikel, das übrige dient großen
techniſchen Projekten.
Die Weizen= und Roggenproduktion auf der nördlichen Erdhälfte.
Das Internationale landwirtſchaftliche Inſtitut in Rom gibt bekannt,
daß auf Grund der erſten proviſoriſchen Schätzungen, die bei dem
Inter=
nationalen Inſtitut über die im Gange befindliche Ernte eingegangen
ſind, die diesjährige Weizenproduktion in 18 Ländern, auf die etwas mehr
als die Hälfte der Geſamtproduktion der nördlichen Erdhälfte entfallen
540 Millionen Doppelzentner gegen 532 Millionen im Vorjahre betrage
und damit eine Zunahme um 1,5 Proz. ergeben würde. Bei
Berück=
ſichtigung der Nachrichten über den Ernteſtand in den Ländern, für die
noch keine Schätzungen aufgeſtellt ſind und wo verſchiedentlich eine
er=
heblich geringere Ernte als im Vorjahre erwartet wird, kann damit
gerechnet werden, daß die Weizenproduktion auf der nördlichen
Erd=
hälfte in dieſem Jahre etwas unter der Weizenproduktion im Vorjahre,
aber über dem Durchſchnitt bleiben wird. Die Roggenernte wird in den
elf Ländern, die etwa ½4 der Weltroggenproduktion geben, auf 89
Milli=
onen Doppelzentner gegen 109 Millionen im Vorjahre mit einem
Rück=
gang von 18,3 Prozent geſchätzt. Die Weltroggenernte wird nach den
jetzigen Erwartungen erheblich geringer ausfallen als im Vorjahre und
auch unter dem Durchſchnitt liegen.
Die Berliner Goldanleihe an der Frankfurter Börſe. Gin
Banken=
konſortium unter Beteiligung der Frankfurter Filialen der D.=Banken,
der Deutſchen Girozentrale. Deutſchen Kommunalbank. und der
Bank=
häuſer Lazard, Speher Elliſſen und J. Dreyfus, hat die Zulaſſung von
20 Mill. Rm. ſechsprozentiger Goldanleihe der Stadt Berlin von 1924
zur Frankfurter Börſe beantragt.
Frankfurter Herbſtmeſſe 1926. Die Frankfurter Herbſtmeſſe findet
bekanntlich in den Tagen vom 26.—29. September ſtatt. In Ergänzung
der Textilmeſſe wird eine Maſchinenausſtellung im Betrieb zu ſehen
ſein, die der Händlerſchaft die Herſtellung und die Verarbeitung von
Geweben jeder Art, von der Faſer bis zum fertigen Erzeugnis, praktiſch
vorführen wird. Eine „Braune Woche” wird zu derſelben Zeit die
Tabakinduſtrie und ihre Intereſſenten in Frankfurt verſammeln. Aus
Anlaß der Meſſe veranſtalten die maßgeblichen Verbände in der Zeit
vom 24.—29. September eine Werbewoche für den Konfum von Tabak
und Zigarren. Die Tabakmeſſe dürfte aus dieſem Grunde beſonders Umſätze in größerem Ausmaß zuſtande kamen. Auf Grund der glatten
umfangreich werden.
Meſſe=Aktiengeſellſchaft beſchloß, die diesjährige allgemeine Breslauer, iſt es dagegen auf dem in= und ausländiſchen Rentenmarkt. Die Grund=
Herbſtmeſſe trotz der zahlreichen, beſonders aus der Textilinduſtrie
vor=
liegenden Anmeldungen ausfallen und nur die Möbelmeſſe auf
beſon=
deren Wunſch der Intereſſenten dieſer Gruppe ſtattfinden zu laſſen. Frank ſchwankende Tendenz.
Entſcheidend für dieſen Beſchluß war die Erwägung, daß in Anbetracht
der ungünſtigen Wirtſchaftslage und der geringen Ausſicht auf
Beendi=
gung des deutſch=polniſchen Zollkrieges bis zur Herbſtmeſſe ein den hohen
Aufwendungen entſprechender wirtſchaftlicher Erfolg für die Mehrzahl
der Geſchäftszweige von der Veranſtaltung nicht erwartet werden kann. Umſätze auf Geſchäfte im Telephonverkehr von Bank zu Bank. Die
Die abgegebenen mehreren Hundert Anmeldungen werden für die Früh= hierbei genannten Kurſe hielten ſich durchweg über den bereits allgemein
jahrsmeſſe 1927 mit Vorrecht vorgemerkt.
Woche war auf dem pfälziſchen Obſt= und Gemüſemarkt ſtarke Zufuhr auf 143. Beachtung fanden ferner Farbenaktien, die mit 257½
um=
zu verzeichnen. Die Abweſenheit eines großen Teiles des Kaufpublikums, gingen und Rüttgerswerke mit 111 Prozent. Die bevorſtehenden
Haupt=
der in Sommerfriſchen und Bädern ſich aufhält, machte ſich ſehr bemerk= verſammlungen der großen Schiffahrtsgeſellſchaften belebten das
Ge=
bar; ein fühlbarer Preisrückgang trat ein. Kirſchen, Johannisbeeren,
Stachelbeeren, Aprikoſen, Himbeeren ſind nur noch vereinzelt auf den fanden. Unter Elektrowerten hörte man AGG. mit 144 und Siemens
Märkten zu ſehen, dagegen wurden Aepfel, Birnen Pflaumen in ſehr mit 172½. Alle dieſe Kurſe waren Geldkurſe und hielten ſich 1 bis
großen Mengen herangeführt. Von neuen Früchten ſind Zwetſchen, 2 Prozent über den letztveröffentlichten Sätzen des vorgeſtrigen Spät=
Reineklauden, Mirabellen zu erwähnen, die flotten Abſatz fanden. Im verkehrs. Auch am Bankaktienmarkt hielt die Bewegung unvermindert
beeren 60—70, Heidelbeeren 25—35, Birnen 6—15, Aepfel 10—20, Pfir= für ſämtliche Aktienmärkte. Am Deviſenmarkt war der Verkehr unbe=
Zwetſchen 15—20, Reineklauden 12—20. Auch auf den Gemüſemärkten nennenswerte Veränderungen nicht ein. London-Paris war heute
vor=
gebotes. Es notierten: Kraut, Spinat, Mangold, Kohlrabi 3—6, Blumen= In den ſonſtigen Valuten blieben weſentlichere Bewegungen
eben=
kohl (Stück) 25—40, Tomaten 40—50, Zwiebeln 6—8, Bohnen 6—8, falls aus.
Pflückerbſen 10—15, Meerrettich 25—40, Schlangengurken (Stück) 20
bis 40, Einmachgurken (Stück) 1—3, Karotten 5—8, Kartoffeln (alte)
3—4, neue 5—6, Kopfſalat (Stück) 4—8, Endivien 6—10, alles in Pfd.,
wo nichts anderes angegeben.
Viehmärkte.
Berliner Viehmarkt vom 31. Juli. Angetrieben waren 515 Ochſen.
445 Bullen, 1293 Kühe und Färſen, 1250 Kälber, 9978 Schafe, 6864
Schweine, 25 Ziegen. Preiſe: Ochſen: 2) 85—62, b) 52—56, 6) 46—50,
d) 36—42; Bullen: a) 56—59, b) 52—54, c) 45—49; Kühe und
Fär=
ſen: 2) 55—61, b) 44—51, () 32—40, d) 26—29 e) 20—24; Freſſer:
37—45; Kälber: b) 73—80, c) 67—78, d) 58—65, e) 52—56;
Stall=
maſtſchafe: 2) 55—60, b) 42—50, c) 30—37; Schweine: b) 81, c) 80
bis 81, 0) 78—80, e) 75—77; Säue: 70—74; Ziegen 20—25.
Marktver=
lauf: Bei Rindern ziemlich glatt, bei Kälbern, Schafen ruhig.
Bilanz des Arbeitsmarktes
im erſten Halbjahr 1926.
Entwicklung des Arbeitsmarktes und der induſtriellen Konjunk= der anhaltenden Abſatzkriſe entweder nur verhürzt arbeiten oder zum
loſigkeit (in Prozent der berichtenden Mitglieder) bei den beſitzer wieder paralyſiert werden, da ſie über kurz oder lang das
Wind=
zwar bei den Fabrikarbeitern recht ſtark, bei den Holzarbeitern / Oeſterreich den öſterreichiſchen Lieferer in die Hinterhand zu drängen.
weniger ausgeprägt. Dagegen iſt das Bild bei den
Metall=
arbeitern und den Textilarbeitern weſentlich ungünſtiger. Die Brettermarkt die Kirchhofruhe zu vermehren. Die von uns in den
auf und ab.
402
ie
BANUAAFEBA PAR BRLL WAI BuN
—METALIARBEITERE—— HOLZAABEIA
—-TEXTILAABEITER—--FABRIKARBN
DER
AiLLE
AEAEIfSIOSISEEI im LHALBIARRIRS
20½
10‟
100-DfF R0TTEN DEK
20 EAERGSLASEN—
R66
1A
ELanillarr
70—
6O-
BANI. FEB. HR1 Apf-
R
bei den Nahrungs= und Genußmittelarbeitern von 19,2 auf 15,7
Prozent, beim Deutſchen Tabakarbeiterverband von 27,8 auf 22,7
Prozent, beim Baugewerksbund von 52,1 auf 21,4 Prozent.
Verſchlechtert dagegen hat ſich der Beſchäftigungsgrad,
iſt dementſprechend die Arbeitsloſigkeit geſtiegen: beim Verband mine bis zu /4 C. verloren.
der Buchbinder und Papierarbeiter von 13,6 auf 16,9 Prozent
Branche zum Ausdruck. — Der untere Teil des Schaubildes
zeigt nun, in welchem Ausmaß ſeit dem Herbſt vorigen Jahres
die Koſten der Erwerbsloſenfürſorge geſtiegen ſind. Die Angaben
beziehen ſich auf die Ausgaben der öffentlichen Arbeitsnachweiſe
für die Erwerbsloſenfürſorge (mit Ausſchluß der
Verwaltungs=
koſten). Das rapide Anſchwellen dieſer Koſten macht es
begreif=
lich, wenn nach Mitteln geſucht wird, um dieſe Koſten durch
großzügige Erweiterung der produktiven Notſtandsarbeiten durch
Anleihen abzudecken.
Effektenbörſen.
Die Börſe war geſtern bekanntlich für jeden Verkehr geſchloſſen.
Das Geſchäft von Büro zu Büro entwickelte ſich ziemlich lebhaft, ſo daß
Ueberwindung des Ultimo war die Tendenz ausgeſprochen feſt. Im
Ausfall der Breslauer Herbſtmeſſe. Der Aufſichtsrat der Breslauer Vordergrunde des Intereſſes ſtehen Montan= und Bankwerte. Ruhig
ſätze ſtellen ſich auf 5 bis 6 Prozent für Tagesgeld und 5½ bis 6½
Prozent für Monatsgeld. Am internationalen Deviſenmarkt zeigte der
Die leichte Ueberwindung des Utimos und der feſte Verlauf des
vorgeſtrigen Frankfurter Abendverkehrs gaben der Tendenz im geſtrigen
Freiverkehr eine Stütze. Da das amtliche Börſengeſchäft in Berlin und
in den meiſten Provinzbörſen ausgeſetzt blieb, ſo beſchränkten ſich die
feſten Nachbörſeſätzen. Das Intereſſe erſtreckte ſich in erſter Limie auf
Montanaktien. Per Medio Auguſt ſtellte ſich unter anderem Phönig
Vom pfälziſchen Obſt= und Gemüſemarkt. In der vergangenen auf 119½, Gelſenkirchen auf 171, Mannesmann auf 134, Rheinſtahl
ſchäft in Hapag= und Lloyd=Aktien, in denen mit 154—150 Umſätze ſtatt=
Großhandel waren die Preiſe durchſchnittlich folgende: Kirſchen 25—30, an Von den führenden Großbankaktien gingen Deutſche Bank mit
Weichſel 25—35, Johannisbeeren 16—20, Stachelbeeren 10—20, Him= 171½ um. Die abgelaufene Woche ſchloß ſomit in feſter Stimmung
ſiche 30—50, Aprikoſen 40—60, Mirabellen 15—20, Pflaumen 5—10, deutend. Gegenüber dem bisherigen Stand der Frankenvaluten traten
war ſchleppendes Geſchäft zu verzeichnen wegen des allzugroßen An= mittag mit 201 zu hören und hielt ſich damit auf der Vortagsbaſis.
Die Exportkreditverſicherung. Geſtern vormittag hat im
Reichswirt=
ſchaftsminiſterium die abſchließende Beſprechung über den von den
Ham=
burger Exporteuren angeregten Plan betreffend die
Exportkreditver=
ſicherung ſtattgefunden. Die von den Kreditverſicherungsgeſellſchaften in
Verbindung mit Vertretern der Banken von Exporteuren unter
Mit=
wirkung des Reichswirtſchaftsminiſteriums ausgearbeiteten
Verſicherungs=
bedingungen wurden eingehend durchgeſprochen und allgemein
gut=
geheißen. Die neue Einrichtung wird daher nach beſchleunigter
Er=
ledigung der noch erforderlichen Formalien in kürzeſter Zeit praktiſch
in Tätigkeit treten können. Verſicherungsanträge der einzelnen
Expor=
teure ſind bei der Hermes Kreditverſicherungsbank A.=G., Berlin,
Jäger=
ſtraße 27, und bei der Frankfurter Allgemeinen Kreditverſicherungs=
A.=G., Frankfurt a. M. bzw. bei den Geſchäftsſtellen dieſer Geſellſchaft
einzureichen.
* Vom ſüddeutſchen Holzmarkt.
(Von unſerem Sonderberichterſtatzter.)
Sommerliche Luſtloſigkeit beherrſcht den Rundholzmarkt, da
nicht nur der Waldbeſitz mit geringen Andienungen herauskommt,
Vor einigen Tagen ſind die Berichte der Fachverbände über ſondern auch die Käuferſeite ſich vorſichtiger Zurückhaltung befleißigt,
den Stand der Arbeitsloſigkeit für Ende Juni 1926 erſchienen. Beſonders minimal iſt der Handel mit Privathölzern. Allerdings ver=
Das folgende Schaubild gibt nun an Hand der Statiſtik der fügen die Sägewerke kaum über nennenswerten Rundholzvorrat, doch
wichtigſten Fachverbände einen Einblick in die Geſtaltung und ſind die Läger verarbeiteter Ware bei den Sägern derart, daß ſie bei
tur im erſten Halbjahr 1926. Die vier Kurven über die Arbeits= Teil ihre Betriebe ganz ſchließen. Die Sturmſchäden in den ſüddeutſchen
Waldungen ſind ungeheuer, ſo daß dadurch die Einſparungen der Wald=
Metallarbeitern, den Textilarbeitern, den Holz= bruchholz auf den Markt bringen müſſen. Wenn auf der einen Seite
arbeitern und den Fabrikarbeitern zeigen recht deut= dem ſüddeutſchen Holzgeſchäft durch das Valutadumping Frankreichs,
lich, wie unſicher und wenig geklärt die Lage noch immer iſt, das nun trotz knapper Rundholzdecke zur Ausfuhr übergeht, Abbruch
Gewiß, bei dem Holzarbeiterverband und dem Fabrikarbeiter= getan wird, ſo läßt ſich nicht verkennen, daß das Exportgeſchäft nach der
verband (der beſonders in der chemiſchen Induſtrie ſtark ver= Schweiz in ſtändiger Zunahme begriffen iſt, trotzdem mit Wirkung
treten iſt) iſt die Arbeitsloſigkeit im Rückgang begriffen, und von dieſem Monat ab der Rundholzeinfuhrzoll um 100 Prozent erhöht
wurde. Es iſt den deutſchen Lieferern gelungen, in dem Wettbewerb mit
Die Ferienzeit tut noch ein übriges, um auf dem ſüddeutſchen
noch immer recht hohe Arbeitsloſigkeit im Textilverband ſtagniert letzten 14 Tage gekennzeichnete Stabilität der Schnittwarenpreiſe
in den letzten Monaten, beim Metallarbeiterverband dagegen konnte ſich aber trotz alledem erhalten. Waggonbezug kommt überhaupt
ſchwankt der Beſchäftigungsgrad in den letzten Monaten unſicher nicht mehr in Frage, und wo Abſatz zu verzeichnen iſt, handelt es ſich
um Gelegenheitskonſum. Große Preisdivergenzen verzeichneten 16
5—12” unſortierte, ſägefallende Bretter, die in faul= und bruchfreier
Bei den übrigen großen Fachverbänden iſt die Lage folgende: Ware ab oberbayeriſchen Verladeſtationen zu 40—48 Mark je Kubik=
In der Zeit von Ende Januar bis Ende Juni hat ſich der Be= meter angeboten wurden. Für die gleiche Ware Schwarzwälder
Pro=
ſchäftigungsgrad gebeſſert, die Arbeitsloſigkeit demnach vermin= venienz verlangte man etwa 45—52 Mk. Franko Verladeſtation ſtanden
oberbayeriſche hobelfähige Bretter im Preiſe auf etwa 52—60 Mk.
je Kubikmeter, wenn auch Angebote über 53 Mark kaum Beachtung
fanden. Auch der Abſatz in ſortierter Wave konnte ſich keineswegs heben.
Bahnfrei Karlsruhe=Mannheim notierte man Ausſchußbretter mit 54
bis 60 Mark. „gute‟ Bretter 88—90 Mark, veine und halbreine Bretter
100—105 Mark. 21/22 Millimeter ſtarke unſortierte Fichten= und
Tannen=
hobelbretter, mit Nut und Feder oder glattkantig, ſtellten ſich auf
etwa 1,95—2,00 Mk., in Ia Ware auf etwa 2,25 Mk. je Kubikmeter. Mit
üblicher Waldkante geſchnittenes Fichten= und Tannenbauholz wurde
bahnfrei Karlsruhe=Mannheim um die 50 Mark herum angeboten,
während ſich vollkantige und baukantige Ware im Preiſe um etwa 2—5
Mk. höher ſtellten. „Gute” Rahmen wurden bahnfrei Karlsruhe=
Mann=
heim zwiſchen 57—60 Mk. Ausſchußrahmen zwiſchen 50—53 Mk. i
Kubikmeter angeboten. Bei geringem Umſatz wurden bahnfrei
Karls=
ruhe=Mannheim 16' ½ „gute” Latten zu 7½—8½ Pf., Stumpenlatten
zu 4—4½ Pf. je Ifd. Meter angeboten.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 31. Juli. Die feſteren amerikaniſchen
Meldungen blieben hier ziemlich ohne Einfluß, da die beſſere
Witte=
rung große Zurückhaltung der Käufer zur Folge hatte. Die Cif=Forde,
rungen und die der zweiten Hand blieben unverändert. Von Geſchäften
war heute nur wenig zu hören. Im Roggen= und Weizen=Effektenmarkt
fanden nur geringe Umſätze bei kaum veränderten Preiſen ſtatt. Im
Weizen= und Roggen=Lieferungsmarkt zeigte ſich für Juli nock
Deckungsbegehr, während die ſpäteren Sichten etwas nachgiebiger waren
Dasſelbe gilt für Roggen= und Weizenmehl. Hafer und Gerſte hatter
ziemlich unveränderte Marktlage, nur gute Gerſtenqualitäten ſind weiter
begehrt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 31. Juli. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt zeigte anfangs eine ſtetige Haltung auf Deckungs
käufe der Baiſſe und ungünſtige Witterungsberichte aus dem Sommer
weizengürtel. Später trat eine Abſchwächung ein auf Liquidationer
dert beim Deutſchen Verkehrsbund von 10,1 auf 8,7 Prozent, und Verkäufe der Kommiſſionsfirmen. Die Termine zeigen Abſchwä
beim Zentralverband der Schuhmacher von 37,7 auf 30,4 Prozent, hungen bis zu 12 C., mit Ausnahme des Julitermines, der anziehen
konnte.
Mais: Der Markt begann in ſchwacher Haltung, da ſich nur ein
kleine heimiſche Lokonachfrage zeigte. Später konnie ſich die Tenden
befeſtigen auf Deckungskäufe der Baiſſiers und Käufe der Kommiſſions
firmen. Julitermine konnten 2 C. anziehen, während die übrigen Ter
Hafer: Der Markt verkehrte in ſtetiger Haltung bei ruhigem Geſchäft
Baumwolle: Käufe der Wallſtreetſpekulation ſowie private ungün
und beim Verband deutſcher Buchdrucker von 6,3 auf 8,3 Prozent, ſtige Schätzungen über den Ernteſtand verliehen im Anfangsverkeh=
In dieſen letzteren Ziffern kommt zweifellos die Konjunk= dem Markt ein ſtetiges Ausſehen. Die Tendenz ſchwächte ſich im wei
turverſchlechterung in der geſamten graphiſchen teren Verlaufe ab, da die Kommiſionsfirmen Verkäufe vornahmen. Di
Termine zeigen nur uweſentliche Veränderungen.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der am 23. Juli für den oberſchleſiſchen Kohlenbergbau gefällt
Schiedsſpruch, der die Lohn= und Arbeitszeitfrage des Reviers bis au
weiteres regelt, iſt am Freitag vom Reichsarbeitsminiſterium für ver
bindlich erklärt worden.
Heute wurde hier das Abkommen zwiſchen der Alpinen Montangeſell
ſchaft und der eiſenverarbeitenden Induſtrie abgeſchloſſen, durch das de
eiſenverarbeitenden Induſtrie Oeſterreichs, namentlich Steiermarks, Es
portvergütungen zugeſichert werden.
Mit dem 1. Auguſt tritt ein neuer Gütertarif zwiſchen den demt
ſchen Reichsbahnen und den öſterreichiſchen Bundesbahnen in Kraft.
Die Gütertarife der Saarbahnen werden infolge der Frankenent
wertung eine 10prozentige Erhöhung erfahren. Gleichzeitig werden di
Perſonen= und Gepäcktarife erhöht.
Nach dem Wochenausweis der Bank von Frankreich haben ſich di
neuen Vorſchüſſe an den Staat um 900 Millionen auf 37,45 Milliarde
Franken vermindert, während der Banknotenumlauf um über eine Mil
liarde, auf 56 021 675 750 Fr. geſtiegen iſt.
Nunmehr haben auch die Baumwollbörſen in Liverpool, Breme
und Gent die amerikaniſche Einladung zu der in London ſtattfindende
Konferenz angenommen, auf der neue Beſtimmungen über die Faſe.
länge lieferbarer Baumwolle getroffen werden ſollen.
In Belgien wurde eine Geſellſchaft für die Finanzierung von Glas
Geſellſchaften gegründet. Der Titel lautet: Société Anonpme Finaneier
des Verreries Mecaniques. Das A.=K. beträgt 5 Mill. Franken.
Die Bquarbeiten der erſten polniſchen Automobilfabrik „Urſus
A.=G. bei Warſchau nähern ſich ihrem Ende. Die Baukoſten betrage
6 Mill. Zloty. Das Gründungskapital ſoll ſich auf 1,61 Mill. Zloty, da
Reſervekapital auf 1,2 Mill. Zloty beziffern. Die Anzahl der Arbeite
dürfte etwa 1000 betragen.
Polniſche Blätter melden, daß die polniſchen Eiſen=Induſtrien ſi.
mit den Intereſſenten aus dem demnächſt abzuſchließenden internationale
Stahl=Kartell in Verbindung geſetzt hätten, um Polens Beitritt zu
Kartell zu ermöglichen.
Das ruſſiſche Textilſyndikat ſteht gegenwärtig in Verhandlunge
mit einer Reihe engliſcher Firmen über Lieferung von Textilwaren fü
die ruſſiſche Landbevölkerung.
Nach der Meldung eines tſchechiſchen Blattes hat das Verteidigung:
miniſterium der Tſchechoflowakei in den letzten Tagen bei den Stod
werken 25 Flugzeuge aus Aluminium beſtellt.
Nach einer Meldung aus Rom wird in offiziellen italieniſche
Kreiſen erklärt, daß die italieniſche Regierung keineswegs die Abſic
habe, gegenwärtig eine Goldwährung einzuführen, da hierdurch nur ei!
Kriſe für Induſtrie und Handel herbeigeführt werden könnte.
Wie aus Mailand gedrahtet wird, hat die a. v. H.=V. der Fiat 9
10 Mill. Dollar=Obligations=Anleihe zu 7 Prozent mit großer Mehrhe
genehmigt.
Die amerikaniſche Ford=Motor Co. gwindete in Antwerpeu ud
dem Titel Ford=Motor Co. für Belgien reſp. Credit Ford eine Zweil
geſellſchaft, die mit dem Verkauf der Marken Fordſon und Lineol
betraut iſt.
Die American Smelting and Refinina Co, erhöhte den Bleipreis”
weitere 15 Punkte auf 8,90 Cents per Pfund.
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