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Nummer 59
Sonntag, den 28. Februar 1926.
189. Jahrgang
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Damm=
ſtädter 8 Natſonalbank.
Gedenket der Toten des Weltkrieges
Kundgebung
des Reichspräfidenten und der
Reichs=
regierung zum Polkstrauertag.
Berlin, 28. Februar.
In ſtiller Trauer gedenkt das deutſche Volk am heutigen
Tage ſeiner Brüder, die in dem größten aller Kriege ihr Leben
gaben für die Verteidigung der Heimat.
Für uns ſind ſie in den Tod gegangen. An den Gräbern
unſerer Gefallenen, die ſich für uns alle ppferten, ſoll die
Zwie=
rracht ſchweigen. Mahnend ſteht vor uns das deutſche Leid, das
heilige Opfer der im Kriege Gebliebenen, die ſtarben, damit
Deutſchland lebe.
Aus dem Leid wuchs immer des deutſchen Volkes höchſte
Kraft. Wenn heute die Flaggen halbmaſt wehen, wenn große
Scharen ſich zu würdigen Gedächtnisfeiern ſtill vereinen, ſoll der
Entſchluß in uns ſich feſtigen, im Glauben an Deutſchland das
Wort zu verwirklichen:
Nimmer wird das Reich zerſtöret,
Wenn Ihr einig ſeid und treu!”
Der Reichspräſident.
Die Reichsregierung.
v. Hindenburg.
Dr. Luther:
Geleitworte zum Polkstrauertage.
Berlin, 28. Februar.
Die Schnellebigkeit unſeres Zeitalters bringt es mit ſich,
ſaß ſelbſt die ſtärkſten Erlebniſſe dem Bewußtſein der
Allgemein=
ſeit raſcher entſchwinden, als man es, unter ihrer unmittelbaren
Einwirkung für möglich hält. Die Schauer des
Welt=
rieges ſtehen heute nur noch als düſtere Schatten am
ernen Horizont, während unſere Blicke nach der
entgegengeſetz=
en Richtung geöffnet ſind. Der Zukunft entgegen. Und dies
Schauen in die Zukunft iſt auch notwendig, denn es
ringt die Hoffnung, die Mutter alles Wirkens, in die Seele.
Loch zum Werk gehört die Kraft, und dieſe Kraſt wird geſchöpft
uus dem Blick in die Vergangenheit für die Menſchen unſeres
Zeitalters aus der Erinnerung an die überwältigenden Beweiſe
nenſchlicher Tatkraft und Selbſtaufopferung ungezählter
Mil=
ionen für ihre Mitwelt. Die ſtändige Einrichtung eines
Colkstrauertages zur Erinnerung an ſie erſcheint mir
IIs eine der wertvollſten Kraftquellen zur
Selbſtbehauptung unſeres Volkes und ſeines
Auf=
tieges in eine lichtere Zukunft.
Dr. Frank,
An dem Gedenktage der Toten, die als Opfer des großen
rrieges gefallen ſind, wollen wir, in weihevoller Erinnerung an
hr gewaltſam unterbrochenes Leben, uns dem Gedanken
zu=
venden, daß in Zukunft die Gegenſätze zwiſchen
Aen Völkern einen anderen Weg zur Schlichtung
inden möchten.
Dr. M. Popoff,
Kgl. bulgariſcher Gxandter.
Möge das Volk ſich ſtets bewußt ſein, was dieſe Hekden
ür ihr Vaterkand geleiſtet haben und möge es ihnen ein
Wreue
ſikbares Andenken bewahren.
Kemal Eddin Sami,
Paſcha,
Botſchafter der Republik Türkei.
Es iſt ein Zug edler Pietät, der Opfer des Weltkrieges in
rnſter Feierſtunde gemeinſam zu gedenken und der Sprache zu
auſchen, die aus den ſtummen Gräbern uns alle mahnt zu
Ipferwilliger Liebe zum Vaterlande und zu treuer
Einigkeit. Deutſchlands Katholiken werden es gewiß nicht bei
iußerlicher Gedenkfeier bewenden laſſen, ſondern in dankbarer
Erinnerung an die Heldengeſinnung der Gefallenen heiße
Ge=
eete für ſie und für unſeres Volkes Zukunft zum Himmel ſenden.
A. Kard. Bertram,
Fürſtbiſchof von Breslau.
Das deutſche Volk ehrt ſich ſelbſt, indem es
las Andenken ſeiner im Weltkriege gefallenen
Söhne ehrt. Durch die einmütige Feier des
Volkstrauer=
ages will es ſich ſeiner untilgbaren Dankesſchuld gegen ſeine
roßen Toten lebendig bewußt werden und ihren
Hinterblie=
ſenen ſeine herzinnige Teilnahme und ſeine opferwillige Hilfs=
Pereitſchaft bezeugen. An einem Tage des Jahres wollen
vir in pietätvollem Gedenken der Opfer des Krieges
ver=
ſeſſen, was uns trennt, und nur das beherzigen,
das uns alle eint: Die heilige Aufgabe, einträchtig zu
birken für den Wiederaufbau des Vaterlandes, auf deſſem Altar
inſere gefallenen Helden ihr blühendes Leben geopfert haben.
Dr. Blumenthal, Berlin,
Rabbiner der jüdiſchen Gemeinde.
Die Ehrſ:ht gegen die Toten ſoll das ganze Volk am
all=
ſemeinen Trauertag zuſammenführen im Gedenken an die, die
ur uns gefallen ſind, damit wir leben. Es ſei auch ein Tag des
Beſinnens, daß die nationalen Güter höher ſtehen
als parteipolitiſche Ziele und daß die erſte Pflicht
heißt, ſich zu der Volksgeſamtheit zu bekennen,
zu der man gehört. Von dem weltkühlen England ſollen wir
lernen; right or Frong, my Country.
Oberbürgermeiſter Mitzlaff,
Deutſcher Städtetag.
All den Tauſenden Auslandsdeutſchen, die unter
Ueberwin=
dung unſäglicher Schwierigkeiten auf jedem Wege und auf jede
Weiſe es verſuchten, ſich bei Kriegsbeginn und ſpäter der Heimat
zur Verfügung zu ſtellen, iſt in der deutſchen Oeffentlichkeit noch
nicht der Dank entgegengebracht worden, der ihnen gebührt. In
die Feier am Volkstrauertag ein Gedenken der
Aus=
landsdeutſchen einzuſchließen, die im Kriege gefallen ſind,
würde wenigſtens den Hauptteil dieſer Dankesſchuld abtragen.
Dr. Schnee,
Wirkl. Geh. Rat, Gouverneur z. D., Präſident des Bundes
der Auslandsdeutſchen, e. V.
Wenn das deutſche Volk einen Tag im Jahre beſtimmt, an
dem es gemeinſam ſeiner Gefallenen gedenkt, die hinausgezogen
ſind, Vaterland, Freiheit und Recht zu verteidigen, dann wird
dieſer gemeinſame Trauertag ein Mittel ſein,
es hinauszuheben über kleinliches Gezänk des Tages, es
zu=
ſammenzuſchließen und durch dieſen Zuſammenſchluß zu
ſtär=
ken im Kampf für die eigene Freiheit und die
Befreiung der noch unter Fremdherrſchaft
lebenden Volksgenoſſen.
Otto Andres,
Oberlandesgerichtsrat, Vorſitzender des Bundes der Saarvereine, maßen dürftig ausgefallen und eine gewiſſe Euttäuſchung griff
Der Volkstrauertag iſt nicht nur ein Tag dankbaren
Gedenkens an die, die ihr Leben für das Vaterland dahingaben,
ſondern auch ein Tagder Mahnung zu immer neuer
Prüfung, ob unſer Volk ſich derer wert erweiſt,die ihr Leben
opferten. Dieſe Opfer ſind ein heiliger Same, eingeſtreut in den
Boden unſeres Volkstums. Unſere Sache iſt, dieſen Boden ſo
zu geſtalten, daß dieſe Saat heilige, ſegensvolle Frucht bringen der europäiſchen Völker gefunden hat, ſondern weil dieſe Wörte
zu ſittlicher Läuterung führt und unſer Volk ſich von neuem
beſinnt auf die ewigen, göttlichen Grundlagen aller
Volkswohl=
fahrt.
Direktor Lic. Steinweg.
Der Zentral=Ausſchuß für die innere Miſſion der deutſchen
evangeliſchen Kirche.
„Wanderer, blicke gegen Weſten, hinauf
zu den Bergen in Ehrfurcht,
Helden dort fielen für dich! Wanderer,
bete für ſie!”
Dieſer Mahnruf, der von einem Feldkreuz, das
am Wege nach dem Hartmannsweilerkopf ſteht,
Geſandter der Republik Oeſterreich, wie aus einer anderen Welt zu uns herüberdringt, ſoll am
Volkstrauertag in Erfüllung gehen.
In Demut gehüllt, erhebe jeder Deutſche, wo immer er ſein
Gezelt aufgeſchlagen haben mag, ſein Antlitz zu den „heiligen
Bergen”, um dankbarſt in der Stille innerer Einkehr derer zu
gedenken, die für ihre Kinder, Heimat und Vaterland geſtorben
ſind.
Ein Volk, das ſeine Helden ehrt, iſt ſelber großer Ehren wert!
Prälat Dr. Kreutz,
Präſident des deutſchen Caritasverbandes.
Den fortgeſetzten Bemühungen des Volksbundes Deutſche
Kriegsgräberfürſorge iſt es zu danken, daß auch in dieſem Jahre
das deutſche Volk den „Volkstrauertag begehen kann, an dem es
ohne Partei= und Klaſſenunterſchiede einmütig ſich
zuſammen=
findet, um dankerfüllten Herzens der Millionen ſeiner
Helden=
ſöhne zu gedenken, welche in Erfüllung der höchſten
Menſchen=
pflicht, der Verteidigung des Vaterlandes, für deutſchen Namens
und deutſchen Weſens Ehr und Wehr das Koſtbarſte geopfert
haben: ihr Leben! In Nord und Süd, in Oſt und Weſt, auf
weiter Ebene unter nickenden Halmen, im raſchelnden Rohr der
unheimlichen Moore, unter dem raunenden, rauſchenden
Blätter=
dach uralter Eichen, im tiefen, einſamen Wald, auf kahler,
ſonnen=
durchglühter Felſenhöhe, in Eis und Schnee der Abgründe
un=
wegſamer Gebirge, im heißen Wüſtenſand und im ewig
beweg=
ten; unendlichen Meer ruht, was ſterblich an Deutſchlands
koſt=
barſtem Gute war: Und aus der Erde dunklem Schoß, der das
Vergängliche birgt, und den weltweiten, lichten Höhe, die das
Ewige aufnahmen, dringt in jedes warme, deutſche
Menſchen=
herz die tiefernſte, erſchütternde Mahnung: „Mein Volk,
gedenke Deiner Toten!” Beuge das Haupt in
denü=
tiger Dankbarkeit und erhebe das Herz in hohem, heiligem
Ge=
denken an Deiner Heldenſöhne ſagenumwobenen, leuchtenden
Opfermut! Entfalte Deiner deutſchen Seele Schwingen und
ſtreife ab von ihr alles, was weſensfremd ihren klaren Spiegel
zu trüben droht! „Deutſch ſein, heißt treu ſein!“
Gedenke immer dieſes Spruches, des ſchimmernden Edelſteines
in Deiner Rüſtung Ehrenſchild! Das walte Gott!
Auguſte Schnell, Hermannſtadt,
Leiterin der ſächſiſchen Kriegsgräberfürſorge in Siebenbürgen.
Volkstrauertag —
das Denkmal deutſcher Dankbarkeit, deutſcher Einigkeit,
deutſcher Hoffnung!
So vereinen ſich ſtolze Vergangenheit und ſchwere
Gegen=
wart mit leuchtender Zukunft. —
So rufen es unſere Gefallenen aus ihren zwei Millionen
Gräbern.
Die Woche.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident Briand hat in der Kammer
die ſeit langem erwartete große Rede über den Vertrag von
Locarno gehalten. Unter ſtürmiſchem Beifall faſt des geſamten
Hauſes ſchöne Worte über eine neue Aera der
Völkerverſtändi=
gung! Das Beſte am Abkommen von Locarno ſei, daß es den
Völkern das Vertrauen wiedergebe und daß es in einer
Atmo=
ſphäre der Ungewißheit und der Drohungen einen ſchwachen
Lichtſchimmer geſchaffen habe. In dem Schweizer Gaſthaus, in
dem er zum erſten Male mit Streſemann zuſammengekommen
ſei, hätte dieſer und er die neue Sprache geſprochen. Ob das
deutſche Volk ſie verſtehen werde? Er glaube es, denn das
deutſche Volk ſei ein großes Volk. Mit klingenden Worten ſprachz
dann der franzöſiſche Miniſterpräſident von dem franzöſiſchen
Heroismus, „aber auch Deutſchland hat gezeigt, daß es auf den
Schlachtfeldern ein wackeres Volk, des Heroismus fähig iſt”,
Von der Morgenröte einer neuen Zeit ſprach er zum Schluß.
Wenn Worte Hoffnungen erwecken könnten, ſo wäre die Rede
Briands dazu in der Tat geeignet. Aber doch nicht nur das.
Es iſt bemerkenswert, es iſt zweifellos das Zeichen einer
ge=
wiſſen geiſtigen Wandlung in Frankreich, wenn ſein
Miniſter=
präſident im Rahmen einer großen parlamentariſchen Rede
mehrmals warme Worte für das deutſche Volk findet und wenn
die Kammer einer ſolchen Rede mit zum Teil ſtürmiſchem
Bei=
fall folgt. Ein Stimmungsſymptom, über das man nicht ohne
weiteres hinweggehen kann, auch wenn es für uns, die wir dieſe
letzten ſechs Jahre miterlebt haben, ſchwer iſt, ſtarke Skepfis
gegenüber dem geſprochenen Wort zu überwinden. Herr Briand
hat in Locarno bei einer bedeutſamen Gelegenheit einmal davon
geſprochen, daß den Worten alsbald die Tat folgen werde. Die
Taten, die wir während dieſer letzten Zeit ſahen, ſind
einiger=
guch in manchen deutſchen Kreiſen Platz, die ſich irgendwelchen
Illuſionen nicht von vornherein hingegeben hatten, eine
Tat=
ſache, welche ſich die deutſche Oppoſition, alsbald zunutze zu
machen verſuchte. Unſere außenpolitiſche Führung hat ſich
da=
durch nicht irre machen laſſen und zielſicher ihren Weg verfolgt.
Dafür, daß ſie recht getan hat daran, iſt die Rede Briauds ein
abermaliger Beweis. Wie ſchon geſagt, nicht weil ein
franzö=
ſiſcher Miniſterpräſident ſchöne Worte über die Verſtändigung
kann. Die Volkstrauer aber kann nur ſegensvoll ſein, wenn ſie den Stimmungsumſchwung in Frankreich kennzeichnen; der in
der Tat eine Vorausſetzung iſt für alle Beſtrebungen, den
euro=
päiſchen Frieden wieder herzuſtellen. Morgenröte einer neuen
Zeit? Noch ſind wir wohl nicht ſo weit. Gern möchten wir
glauben, daß Briand ernſthaft ſein Volk neue Wege führen will,
aber verfehlt wäre es, die Hemmungen zu überſehen, die ſich
ihm auf dieſem Wege türmen. Auch er muß rechnen mit taufend
außen= und innenpolitiſchen Bindungen. Die Liquidation des
Kriegszuſtandes, der über ein Jahrzehnt Europa verwüſtete, iſt
eine mühſelige und langwierige Arbeit. Sie zu fördern durch
zielſichere und ruhige Feſtigkeit, iſt die Aufgabe der deutſchen
Außenpolitik. Noch ſtehen am deutſchen Rhein franzöſiſche und
engliſche Truppen, noch wird mühfelig verhandelt über die
Be=
ſchränkungen der deutſchen Luftfahrt, die man uns aufgezwungen
hat, noch leben deutſche Volksgenoſſen in Oſt und Weſt in
völ=
liger Entrechtung unter fremder Herrſchaft.
In kurzer Friſt wird man in Genf über den deutſchen
Ein=
tritt in den Völkerbund verhandeln und noch immer iſt das
höchſt unerfreuliche diplomatiſche Zwiſchenſpiel nicht beendet,
welches die Lahmlegung des deutſchen Einfluſſes im Völkerbund
von vornherein zum Ziel hatte. Die franzöſiſche Initiative war
unverkennbar und man hat zugeben müſſen, daß man ſchon vor
Monaten den Polen gewiſſe Zuſicherungen gegeben.
Außer=
ordentlich unklar war die Haltung des britiſchen Außenminiſters,
der offenbar letzthin in Paris den Franzoſen Zuſicherungen
ge=
geben hatte, die ſicherlich nicht der Auffaſſung einiger anderer
Mitglieder des engliſchen Kabinetts entſprachen. Die
Entſchei=
dungen des Völkerbundsrats über eine etwaige Erweiterung
müſſen einſtimmig erfolgen. Wenn nun aber Chamberlain
ge=
glaubt hat, ſeinerſeits den Franzoſen ruhig Zuſicherungen geben
zu können, weil er von vornherein vielleicht darauf rechnete, daß
hinſichtlich der Aufnahme Polens in den Völkerbundsrat
Ein=
ſtimmigkeit nicht zu erzielen ſein würde, ſo iſt das wohl kaum
„fair” zu nennen. Mit bemerkenswerter Einmütigkeit und
er=
heblicher Schärfe hat ſich die geſamte engliſche Preſſe gegen die
Haltung Chamberlains gewandt, und nachdem auch die
Domi=
nions einmütig eine Erweiterung des Völkerbundsrates
abge=
lehnt haben, kann man faſt von einer Chamberlain=Kriſe in
England ſprechen.
Daß das Deutſche Reich kein Intereſſe daran hat, zugleich
mit Polen ſeinen Eintritt in den Völkerbundsrat zu vollziehen,
ſt ſelbſtverſtändlich, ebenſo ſelbſtverſtändlich auch, daß unſere
außenpolitiſche Führung alsbald die erforderlichen Schritte tat
und mit erfreulicher Klarheit den deutſchen Standpunkt zum
Ausdruck gebracht hat. Um ſo mehr aber dürfte es zweckmäßig
ſein, klar zum Ausdruck zu bringen, daß die grundſätzlichen
Be=
denken, die gegen den ſtändigen Sitz Polens im Völkerbundsrat
vorhanden ſind, hinſichtlich Spaniens deutſcherſeits nicht beſtehen.
Vir haben uns auf den Standpunkt geſtellt, daß nach der
gan=
zen Struktur des Völkerbundsrates die ſtändigen Sitze auf die
großmächte beſchränkt bleiben müſſen. Nun hat zwar Spanien
ſeine alte Großmachtſtellung längſt verloren, woran die
Tat=
ache, daß es nach alter Ueberlieferung noch als Großmacht gilt,
lichts ändert. Auf der anderen Seite aber iſt Spanien das
Mutterland für die große ſpaniſch ſprechende ſüdamerikaniſche
Velt, und wenn dieſe, ſich als eine Einheit fühlend, einheitliche
Völkerbundspolitik machen will, ſo kann keinem Zweifel
unter=
egen, daß dieſer gewaltige Komplex dann das Recht hat, einen
ändigen Ratsſitz zu beanſpruchen. Man ſoll in der Politik
icht prophezeien, aber man darf wohl trotzdem feſtſtellen, daß im
es Völlerbundsrates den Polen ihren Bunſch näch einem
ſtän=
igen Ratsſitz erfüllt, und ein derartiges negatives Ergebnis
üirde in Deutſchland um ſo berechtigtere Befriedigung auslöſen,
Geite 2
Sonntag, den 28. Februar 1926
als jeder Tag klarer zeigt, wie ſchwierig die Stellung
Deutſch=
lands im Völkerbund ſein wird.
Der Kampf um die Völkerbundsratsſitze hat die europäiſche
Oeffentlichkeit in letzter Zeit ſo ſtark in Anſpruch genommen,
daß die Entwicklung im Nahen Oſten, insbeſondere die
Bemü=
hungen des rührigen tſchechoſlowakiſchen Außennunifters faſt
unbeachtet geblieben ſind, über die noch eingehend zu ſprechen
ſein wird, da ſie die deutſch=öſterreichiſche Frage und damit eine
deutſche Lebensfrage ſehr ſtark berühren. Das ganze
deutſche Volk ſollte einſehen, wie unendlich viel wichtiger dieſe
Fragen für ſeine Zukunft ſind, als die kleinlichen innerpolitiſchen
Streitereien, die, da es ſonſt an parteipolitiſchem Agitationsſtoff
fehlt, zurzeit die Gemüter mancher Leute bewegen.
M.
Rummer 39
Auf dem Wege
zur parlaientariſchen Juſtiz.
Die Unterſuchungsausſchüſſe verlangen
Diſziplinargewalt.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Unterſuchungsausſchüſſe des Parlaments ſind auf dem
Wege, ſich totzulaufen. Sie ſollten eine Ausnahmeerſcheinung
ſein, um der Volksvertretung Gelegenheit zur eigenen
Unter=
richtung zu geben. Sie ſind ſtatt deſſen eine liebe Gewohnheit
geworden, die durch Abnutzung ſich ſelbſt entwerten und nicht
der Wahrheit, ſondern parteipolitiſchen Zwecken dienen.
Des=
halb haben vor dem preußiſchen Ausſchuß, der angeblich die
Fememorde unterſuchen ſoll, in Wahrheit aber geheime
Verbin=
dungen zwiſchen den rechtsſtehenden politiſchen Parteien und
den radikalen Organiſationen nachweiſen möchte, verſchiedene
Zeugen ſich geweigert, Fragen zu beantworten, die nicht zur
fachlichen Aufklärung, ſondern zur parteipolitiſchen Propaganda
dienen ſollen. Der Ausſchuß hat dieſen Zeugen ziemlich
hilf=
los gegenübergeſtanden, weil er nach den geltenden
Beſtimmun=
gen Diſziplinarbefugniſſe nicht hat. Er hätte daraus lernen und
ſeine Tonart ändern ſollen. Statt deſſen verlangt er jetzt
Diſzi=
plinargewalt in demſelben Umfang, wie ſie nach der
Strafprozeß=
ordnung nur Richtern zuſteht. Zum Wortführer dieſer
Beſtre=
bungen machte ſich der Zentrumsabgeordnete Schwering im
Landtag, der dem Ausſchuß das Recht verleihen will,
Freiheits=
ſtrafen zu verhängen, wie auch Geldſtrafen wegen „
ungebühr=
lichen Verhaltens” auszuſprechen. Die juriſtiſchen Gutachten der
zuſtändigen Stellen, die angefordert worden ſind, liegen noch
nicht vor. Man kann aber gar nicht früh genug gegen derartige
Beſtrebungen Stellung nehmen. Unterſuchungsausſchüſſe haben
Sinn, wenn ſie für Aufklärung der objektiven Wahrheit ſorgen.
Sie verlieren ihre Exiſtenzberechtigung, ſobald ſie lediglich
par=
teipolitiſche Ziele einer Mehrheit verfolgen. Das iſt der Weg
zur parlamentariſchen Juſtiz, den wir nicht beſchreiten ſollten,
weil er das Ende jeder geſunden Rechtſprechung,
das Ende des Vertrauens zur Juſtiz bedeutet.
Ste
Der enderftren der Weinvauern.
Die Gefahr weiterer Steuerunrußen.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Unruhen in Bernkaſtel haben mit erſchreckender:
Deut=
lichkeit gezeigt, zu welchen Folgen die wirtſchaftliche Krife
füh=
ren kann, und die Weinbauern ſind von der Rot vielleicht am
meiſten betroffen worden. Bei der ganzen Landwirtſchaft aber
liegen die Dinge nicht viel anders, und wenn von der Regierung
nicht ſchleunigſt durchgegriffen wird, dann ſtehen wir vor der
Gefahr weiterer Steuerunruhen. Der preußiſche
Landwirtſchaftsminiſter Dr. Steiger hat Notſtandsarbeiten mit
ſtaatlicher Finanzhilfe angekündigt, die durch Wegebau die
Auf=
ſchließung von Weinbaugelände zum Ziele hätten. Das iſt für
manche gewiß recht nützlich. Im Augenblick aber notwendiger iſt,
daß den Winzern aus Staatsmitteln Beträge zur Verfügung
ge=
ſtellt werden, um dieſen ihre weitere Exiſtenz zu ermöglichen,
daß vor allem die örtlichen Finanzbehörden Verſtändnis für die
Notlage zeigen und nicht auf Koſten der einzelnen Exiſtenz die
Steuerbeträge rückſichtslos einzutreiben verſuchen. Auch ſollte
die teilweiſe verſuchte Umſtellung von Weinbau auf
abſatzfähi=
gere Gebiete des Gemüſe= und Obſtbaues unterſtützt werden.
Bernkaſtel iſt ein Sturmzeichen. Solche Bewegungen können
ſich, wie ein Funke, der in ein trockenes Kornfeld fliegt, mit
un=
geheurer Schnelligkeit ausbreiten. Es iſt daher zu erwarten, daß
die Regierungen daraus lernen und rechtzeitig eingreifen, um
Abhilfe zu ſchaffen.
Vom Tage.
In der Frage der Fürſtenabfindung ſteht die ſächſiſche Regierung auf
dem Standpunkt, daß die Auseinanderſetzung mit dem
ſäch=
ſiſchen Königshaus durch den im vorigen Jahr abgeſchloſſenen
und vom Landtag genehmigten Vertrag erledigt iſt.
Der öſterreichiſche Bundeskanzler Dr. Ramek äußerte ſich im
Aus=
wärtigen Ausſchuß über die Südtiroler Frage.
In Paris ſind die Ratifikationsur kunden übar das
deutſch=franzöſiſche Handelsgbkommen; ausgetauſcht
worden.
Wie der „Intranſigeant” erfahren haben will, wird der
franzöſi=
ſche Oberkommiſſar im Rheinland und Vorſitzender der
Interalliierten Rheinlandkommiſſion, Paul Tirard, am 1. März
zu=
rücktreten. Dieſe Nachrieht iſt mit Vorbehalt aufzunehmen, da am
Quai d’Orſay noch keinerlei Rücktrittsabſichten Tirards bekannt ſind,
In der franzöſiſchen Kammer wurde von dem Abg. Blum eine
In=
terpellation eingebracht niber die Haltung des
franzö=
ſiſchen Vertreters gegenüber dem ungariſchen Vertreter auf der
Tagung des Völkerbundes, da es doch nicht möglich ſei, daß ein
Ver=
treter Frankreichs an der Seite der Mitglieder der gegenwärtigen
unga=
riſchen Regierung ſitze.
Am Montag ſoll die Locarnodebatte in der
franzöſi=
ſchen Kammer zu Ende geführt werden.
Dem „Petit Pariſien” zufolge wird der ſüdſlawiſche Außenminiſter
Nintſchitſch doch nach Paris kommen und mit Briand am
Dienstag konferieren.
Die franzöſiſche Kammer nahm die Vorlage über das proviſori
ſche Budgetzwölftel für den Monat März in der
Geſamt=
abſtimmung mit 398 gegen 127 Stimmen der Sozialiſten und
Kommu=
niſten an.
In der Debatte der Pariſer Kammer über Syrien
und Marokko hat der Kriegsminiſter Painlevé eine
Nieder=
lage erlitten.
In Brüſſel hat eine ſozialiſtiſche Konferenz begonnen,
auf der Deutſchland, Frankreich und Belgien vertreten ſind und die
ſich mit den Handelsverträgen und mit anderen wirtſchaftlichen Fragen
beſchäftigt.
Wie die „London Gazette” meldet, hat der engliſche König den
Bot=
ſchafter in Berlin, Lord dAbernon, zum Viscount erhoben,
Der Voranſchlag für den engliſchen
Marinehaus=
halt 1926 beläuft ſich auf 58 100 000 Pfund Sterling. Die Herabſetzung
gegemüber 1925 beträgt 2 400 000 Pfund Sterling.
Das engliſche Kabinett wird die Frage ſeiner
Stellung=
nahme zum Problem der permanenten Sitze im
Völkerbunds=
rat am Mittwoch behandeln.
Die italieniſchen Botſchafter in London und Paris ſind
zur Berichterſtattung über die politiſche Lage in
Rom eingetroffen.
Der ruſſiſche Botſchafter in Peking, Karachan
be=
gibt ſich auf Wunſch Tſchitſcherins demnächſt nachMoskau, um dieſem
über die gegenwärtige Lage Bericht zu erſtatten.
Der Dispoſitionsfonds des
Reichspräſidenten.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Dem Reichspräſidenten ſteht bekanntlich zur Erfüllung
außer=
ordentlicher Verpflichtungen ein Dispoſitionsfonds zur
Ver=
fügung, der gegenwärtig 3½ Millionen beträgt. Solange Herr
Ebert Reichspräſident war, iſt — ſoweit wir wiſſen — im
Reichs=
tag darsber niemals debattiert worden. Alle Parteien hatten
Taktgefühl genug, um ſich zu ſagen, daß es des Deutſchen Reiches
unwürdig wäre, wenn man den Reichspräſidenten in die
Ver=
waltung dieſes Fonds hineinbringen wollte, zumal da die
Aus=
gaben ja ordnungsgemäß durch den Rechnungshof geprüft
wer=
den. Jetzt aber, wo Herr von Hindenburg Reichspräſident iſt,
können ſich die Kommuniſten einen Vorſtoß nicht verſagen.
Sie verlangen öffentliche Rechnungsablegung, obwohl ihnen
nachgewieſen wird, daß von dem Geſamtbetrage 2½ Millionen
für Unterſtützungen an ehemalige Kriegsteilnehmer und ihre
Hinterbliebenen, ſowie 700 000 Mark für laufende und einmalige
Zuwendungen verwendet ſind. An kommuniſtiſche Extratouren
iſt man nachgerade ja getöhnt. Es berührt aber mindeſtens
peinlich, daß die Sozialdemokraten, die den erſten
Reichspräſidenten geſtellt haben, jetztplötzlich in das
kom=
muniſtiſche Horn ſtoßen und ſich von den
Deutſchnatio=
nalen ſagen laſſen müſſen, daß alle weſtlichen Demokratien ihren
Präſidenten ſolche Mittel, die ja ausſchließlich für charitative
oder allgemeine Wohlfahrtszwecke beſtimmt ſind, zubilligen.
Schließlich haben ſich ja auch die Sozialdemokraten im Ausſchuß
gefügt, aber es iſt nicht ſicher, daß der Streit im Plenum nicht
von neuem losgeht, ſelbſtverſtändlich zur Freude des geſamten
Auslandes, das mit Vergnügen feſtſtellen wird, wie einzelne
Parteien der deutſchen Demokratie dem Reichspräſidenten ſeine
Ausgaben nachrechnen.
Italiens antideutſche Orientierung.
Muſſolini hetzt weiter gegen Deutſchland, ſug
die Freundſchaft Frankreichs und befürwort
einen Ratsſitz für Polen.
EP. Paris, 27. Februar.
Muſſolini hat dem römiſchen Vertreter des „Petit Pariſie=
Erklärungen abgegeben, die ſich für eine enge
Zuſammenarb=
zwiſchen Frankreich und Italien ausſprechen.
Muſſoli=
ſpricht in dieſen Erklärungen von einer alldeutſche
Gefahr, die ſich gleichmäßig für Italien und Frankreich b
merkbar mache. Wenn der alldeutſche Block 80 Mi
lionen umfaſſe, ſo müſſe man ihm den late
niſchen Block von ebenfalls 80 Millionen Se
len entgegenſtellen wodurch das Gleichgewid
der Maſſe wieder hergeſtellt ſein würde.
übrigen erklärt, ſich Muſſolini, für die Gewährun
eines ſtändigen Ratsſitzes an Polen und fr
den Abſchluß eines langfriſtigen Vertrage
zwiſchen Frankreich und Italien über Tunis.
Die Italaniſierungsmaßnahmen Italien
im oberen Etſchtal würden fortgeſetzt werden. T
den Kundgebungen für den Anſchluß Oeſterreichs an Deutſchlan
insbeſondere an der letzten Kundgebung des Reichsbanners
Hamburg, übt Muſſolini in ſeiner gewohnten Weiſe Kritik. T
Art, wie er dieſe Anſchlußkundgebung als eine Bedrohung de
Friedens anſieht, beweiſt, daß er den eigentlichen Charakter d.
Anſchlußbewegung vollſtändig verkannt hat. Er führte u. a. au=
Er habe kürzlich eine Reiſe durch das Oberetſchgebiet gemad
und feſtgeſtellt, daß dort alles deutſch ſei, Beamte, Lehrer, Kl.
rus, Eiſenbahn und Poſt. Man habe überall nu
deutſch geſprochen und Lieder geſungen, die in
Ro=
zur ſofortigen Verhaftung der Sänger geführt hätte.
Für eine Bevölkerung von 250 000 Einwohnern habe
24000 Feuerwehrleute gegeben, die in Wirklichkeit al
bewaffnet geweſen ſeien. Er habe die Feuerwehrkorps aufgelö
und die Gewehre eingezogen. An der Grenze habe er das Geſe
in Kraft geſetzt, nach dem ohne Erlaubnis niemand auf 30. Ky
Breite ſich anſiedeln dürfe. Jetzt ſei der italieniſche
Sprachunte=
richt überall obligatoriſch. Er betriebe die intenſive
Kolonialiſi=
rung des Gebietes mit italieniſchen Familien. Poſt= und Eiſer
bahnbeamte ſeien italienſch.
Wir betreiben, ſagte Muſſolini, die intenſive Koloniſierun
des oberen Etſchgebietes mit italieniſchen Familien. Wir
we=
den tauſend Familien früherer Kriegsteilnehmer als Landwir
dort anſiedeln. In Meran haben wir in einer Stickſtoffgrube
b=
reits 400 italieniſche Familien untergebracht und mehr als 10
Familien in einer Zinkgrube. Wir werden das Lan
italieniſieren. Es gibt Drohungen, gegen die man ſie
ſchützen muß. Die pangermaniſche Drohung iſt ein
ſolche. Neben Anſpielungen darauf, daß die Nachtflüge deutſche
Verkehrsflugzeuge ſicher eine beſondere militäriſche Bedeutn
hätten, ſtellt er die Behauptung auf, daß Deutſchland den
Alliie=
ten bisher die Wiedereinführung der Eiſenbahnpolizei verhein
licht habe. Es wird geſagt, das ſei eine Vorbeugungsmaßreg
gegen einen möglichen Streik. Das ſei aber nicht der Fall. E
handele ſich vielmehr darum, daß der deutſche „Generalſtab” auf
neue das Eiſenbahnnetz in die Hand bekommen wolle. (!!
Die Beſprechungen Muſſolini=Nintſchitſch
gegen den Anſchluß Oeſterreichs.
EP. Wien, 27. Februar,
Die „Neue Freie Preſſe”, faßt in ihrem Abendblatt das Er
gebnis der römiſchen Zuſammenkunft zwiſchen Muſſolim un
Nintſchitſch dahin zuſammen, daß die Zuſammenkunft den Be
ginn einer antideutſchen Orientierung Italien
bedeute.
In den Unterredungen Muſſolinis mit Nintſchitſch ſind, der
Blättern zufolge, beſprochen worden: 1. die Frage eines ita
lie niſch=ſüdſlawiſchen Garantiepakts; 2. die
Frage des Anſchluſſes Oeſterreichs an Deutſch
land; 3. die Minderheitenfrage. — In einer Unter
haltung mit einem Vertreter der „Tribung” erklärte Nint
ſchitſch, der Anſchluß Oeſterreichs an Deutſchlan
würde im direkten Widerſpruch zu den Frie
densverträgen ſtehen. — Die geſamte italieniſche Preſſ
betont auffallend zu der Beſprechung zwiſchen Muſſolini und
Nintſchitſch, daß letzterer nicht nur als jugoflawiſcher Außenmi
niſter, ſondern auch als Sprecher der Kleinen Entent
aufgetreten ſei. Es ſcheine, daß Muſſolini ſein
Miß=
trauen gegen die Kleine Entente aufgegeben hab=
und ſich deren Unterſtützung in Genf ſichern wolle.
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*Volkstrauertag.
Ihr ſollt Totenerwecker ſein! Habt ihr
Herzens=
kraft und Liebeskraft genug zu ſolchem Werke!
Glaubt, die Beſten unſeres Volkes ſind nicht
ge=
ſtorben, daß die Lebendigen tot ſein, ſondern daß die
Toten lebendig würden!
Walter Flex.
„Volkstrauertag!” — Ein Volk trauert um ſeine Toten.
Sechzig Millionen Menſchen eint in dieſer Stunde der Gedanke
an ,Brüder und Schweſtern, die nicht mehr ſind. Sechzig
Mil=
lionen Herzen ſchlagen heute einen Schlag.
Volkstrauertag? — Iſt es richtig, daß heute ſechzig
Mil=
lionen Herzen in Trauer ſchlagen ſollen, weil ſie derer
geden=
ken, die von uns gegangen ſind? Weil ſie in erſter Linie ſich
einen ſollen im Gedenken an die Millionen, die draußen über alle
Welteile zerſtreut ihre letzte Ruheſtätte fanden nach dem
gewal=
tigen Kampf um der Völker heiligſte Güter? Sollen wir
über=
heibt trauern um unſere Toten?
Tod — Leben! Wer will entſcheiden, was trauern, was
freuen heiſcht! Sollen wir trauern um die Schläfer, die
aus=
ruhen von großen ſchweren Werken? Sollen wir uns freuen ob
der Lebendigen, die im Kampfe ſtehen, der ſchwer iſt und immer
ſchwerer wird? Wer will entſcheiden, auf weſſen Seite die Schale
des Glückes ſich tiefer ſenkte?
Gewiß; der Lebende hat recht. Der Lebende iſt berufen, zu
werken und zu ſchaffen, zu arbeiten und in der Arbeit des Lebens
Freude zu finden. Iſt aber daraus zu folgern, daß wir über die,
die vom Werken ausruhen, trauern ſollen?
„Was wiſſen wir von unſeren Toten! Wiſſen wir, wo
Leben iſt und wo Tod?
Gibt es nicht ein Großes, ein Gewaltiges, ein Welt= und
Menſchheitumſpannendes, das Leben und Tod eins macht? Gibt
es nicht die Welt und Menſchheit umſpannende allgewaltige
Liebe? Iſt die Liebe nicht imſtande, Tote zu erwecken, kann
ſie nicht das Gedenken an von uns Gegangene, die ja all
irgend=
wie in ihren Werken fortleben, wachhaltend zu ewigem Leben
erlvecken?
Wenn es eines gibt, das Tod und Leben gleichmachen kann
das den Unterſchied zwiſchen Tod und Leben, zwiſchen
Dies=
ſeits und Jenſeits nicht kennt, iſt dieſes Eine dann, nicht die
Liebe ?. Wenn ein Menſch, dem wir in Liebe verbunden ſind,
im Jahr das ganze Volk ſich eint in dem Gedanken an die Brüder
wir
und Schweſtern, die nicht mehr unter uns weilen, ſo
doch dieſen Tag, dieſe Stunde nicht zu einer Stun”
erns und Leidens geſtalten, ſollten nicht in kaum verharſchten
Wunden wühlen, nicht das Blut von Millionen Herzen aufs neue
zum Fließen bringen, daß es unſere Lebenskraft ſchwäche,
zernichte.
Sollte dieſer Gedenktag nicht beſſer ein Tag der
Toten=
erweckung ſein, der Auferſtehung?
Sollen wir trotz ſchwerſten Lebenskampfes nicht endlich
lernen zu verſtehen, daß nur eines uns einen kann die Liebe
Ach, wir haben wohl zu wenig Liebe. Der Kampf um die
klei=
nen und großen Nöte des Erdenwallens, die uns Kleingläubige ſo
wichtig dünken und die doch ſo unwichtig ſind in dem großen
Getriebe des Weltalls, dieſer Kampf beſchäftigt uns ſo ganz, daß
wir darob den Sinn des Lebens vergeſſen oder verkennen.
Der Sinn des Lebens iſt doch nicht Eſſen und Trinken, Schlafen
und Wachen, Haſten und Träumen! Der Sinn des Lebens iſt
doch trotz aller Philoſophie, trotz aller wiſſenſchaftlicher
Erkennt=
nis, trotz der im Grunde lächerlichen Wichtigkeit, mit der jeder
Einzelne ſein Leben nimmt, die Liebe. Sie iſt es doch, die all
unſer Handeln, all unſer Schaffen und Werken leitet, all unſer
Denken erfüllt.
Wir ſollten das endlich erkennen, und aus dieſer
Erkennt=
nis heraus wird und muß die Liebe dann wachſen, muß groß
und umſpannend werden, muß zu dem alles beſiegenden Faktor
werden, der auf das Leid und auf das Leiden mild und
gering=
ſchätzig herabſehen kann.
Wenn wir guten Willens ſind, wenn wir uns
los=
reißen könnten von der Selbftſucht, wenn wir uns der
Erkennt=
nis nicht verſchließen, daß unſer Einzeldaſein ſo unendlich
un=
wichtig iſt, daß wir groß erſt dann ſein können in der kurzen
Spanne unſeres Erdendaſeins, wenn wir alle eins ſind; wenn
wir erkennen, daß dieſes eine nur die Liebe ſein kann, dann wird
dieſe Liebe ſo groß und ſo ſtark ſein, daß wir unſere Toten
wachrufen können.
Das aber ſoll das Ziel unſeres
Volkstrauer=
tages ſein!
Totenerwecker ſollen wir ſein! Wie ſchön und wie ſchlicht
hat Walter Flex, der heute auch zu den Schläfern zählt, das
er=
kannt und geſagt: „Die Beſten unſeres Volkes ſind nicht
geſtor=
ben, daß die Lebendigen tot ſein, ſondern daß die Toten
leben=
dig würden!“
Wir Menſchen zermartern unſer Gehirn, um zu erforſchen.
ob es ein Fenſeits gibt, ob wir in dieſem Jenſeits leben oder tot
ſind, und könnten doch ſo klar und ſchlicht erkennen, daß Tod und
Leben gleich ſind, daß wir die Auferſtehung in uns ſelbſt tragen,
daß niemand verdammt iſt, tot zu ſein, und niemand zu leben,
daß wir ſind, zu was die Allgewalt des Schöpfers uns beſtimmte,
ſpenn wir die Allgewalt der ewig=lebenden Liebe erkennen
Wenn aber dieſe Erkenntnis uns ganz erfüllt, dann wir!
es kein Trauern mehr geben um unſere Toten, keinen Volks
trauertag. Dann werden wir uns an dieſem Tage, wenn aus
der kalten, rauhen Herrſchaft des Winters die Natur erwach
und uns ſelbſt das herrlichſte Vorbild ewigen Lebens gibt
ewigen Erſtehens neuen Lebens aus Totgeglaubtem, einer
wohl zu treuem, unwandelbar treuem Gedenken an alle, die
nicht mehr unter uns ſind, die ihr warmes Herzblut zum Opfe
brachten, aber nicht in Trauer, in freudiger
Lebens=
bejahung, in dem unerſchütterlichen Bewußtſein, daß ſie
nich=
tor ſind, daß ſie fortleben ewig in unſerer Liebe!
Blick um Dich, Menſchlein! Sieh, wie es überall ſprießt und
empordrängt zum Licht, zur Sonne! Wie Leben Kraft gibt zu
neuem Leben. Sieh und freue Dich des neuen Lebens, der
neuen Schönheit. Vergiß in dieſem Schönheiterſtehen ringsum
die kleinen, ja doch ſo unbedeutenden Sorgen des grauen Alltags
an dieſem Sonnentag.
Glaube, daß auch aus all den Toten, deren wir heute
geden=
ken wollen, irgendwie neues Leben erſtanden iſt und immer
wieder erſtehen wird, und freue Dich auch dieſes neuen Lebens.
Dann wird der Tag, an dem wir alle, die eines Stammes, eines
Volkes ſind, uns einen wollen, nicht zum Volkstrauertag
tverden, aber zum einigenden
A. St.
Volksgedenktage!
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
Marta Waldberg, eine junge Darmſtädter
Künſt=
lerin, die ihre erſte Ausbildung bei Intendanzrat Hans
Bau=
meiſter erhielt und während der letzten Jahre dem Stadttheater
Städtiſchen Theatern in Barmen=Elberfeld verpflichtet worden.
Deutſche Bücher im Ausland. Die Deutſche
Verlags=Anſtalt in Stuttgart und Berlin teilt mit, daß im Lauſe
der letzten Monate das Ausland die Ueberſetzungsrechte der
ſol=
genden Werke ihres Verlages erworben hat: England: Paut
Bekker „Richard Wagner”, Hermann Stegemann „Der Kampf
um den Rhein”, Richard H. Stein „Grieg”, Adolf Weißmanne
„Die Muſik in der Weltkriſe”; Holländ: Georg Hermanne
„Ein Sommer lang” und „Der kleine Gaſt” Clara Viehig „Sle
Paſſion”, Ernſt Zahn „Blanch=flur” und „Frau Sixta‟; t4;
lien: Adolf Weißmann „Die Muſik in der Weltkriſe‟; Kore4:
Egon von Kapherr. „Im Lande der Finſternis”; Ungar =
O. von Hanſtein „Die Feuer von Tenochtitlan”.
Nummer 39
Sonntag, den 28. Februar 1926
Seite 3
Die Auswirkungen der
Völker=
bundskriſe.
Engliſche Preſſe=Angriffe gegen Chamberlain.
London, 27. Februar.
Die engliſche Preſſe verſtärkt ihre Angriffe gegen
Chamber=
gin und ſpricht bereits offen von einem Sturz des
Außenmini=
ers für den Fall, daß er einer Zulaſſung Polens zum
Völker=
undsrat zuſtimmen ſollte. Verſchiedene Blätter fordern den
kücktritt Chamberlains, da er jeden Kredit verloren habe. Er
ſabe nicht nur die Ratskandidaturen Braſiliens, Polens und
spaniens unterſtützt, ſondern ſich ſogar Briand gegenüber in
jeſem Sinne verpflichtet. Damit habe er einen groben Fehler
egangen. Es wäre beſchämend für England, wenn es Schweden
berlaſſen bleibe, den Völkerbund zu retten. Ein Sieg
Cham=
erlains und Briands würde bedeuten, daß England in Zukunft
ur noch ein Anhängſel Frankreichs ſein wird. Chamberlain
abe ſich diskreditiert und müſſe deshalb gehen. Die Blätter
zeiſen darauf hin, daß man nun dazu übergeht, die Kandidatur
Spaniens in den Vordergrund zu ſtellen, weil man hofft, daß
hamberlain Spanien eher entgegenkommen wird und
Deutſch=
and einer Zulaſſung Spaniens weniger Widerſtand
entgegen=
etzen würde.
Chamberlains Siellung erſchüttert.
TU. London, 27. Februar.
Die in London umlaufenden Meldungen über einen
evorſtehenden Rücktritt Chamberlains werden
on den zuſtändigen Stellen als völlig haltlos bezeichnet.
Lie der Vertreter der Tel=Union von gut unterrichteter privater
ſeite hört, wird die Frage des Rücktritts des engliſchen
Außen=
niniſters ſehr ernſtlich erwogen. Er ſelbſt ſoll zum Rücktritt
be=
eit ſein. Der „Mancheſter Guardian” erklärt, daß Chamberlain
ein Verhleiben im Amt von der Einlöſung ſeiner Verſprechen,
ie polniſche Kandidatur zu unterſtützen, abhängig mache.
Cham=
erlains Verbleiben im Amt wird hauptſächlich unter dem
Ge=
chtspunkt der künftigen Geſtaltung der engliſch=franzöſiſchen
Be=
ehungen beurteilt werden müſſen. Ein Rücktritt des engliſchen
lußenminiſters vor der Völkerbundsverſammlung erſcheint im
ſugenblick undenkbar. Daß Chamberlains Stellung jedoch
er=
hüttert iſt, iſt ein offenes Geheimnis auch ohne die Gerüchte.
Anrufung des Haager Schiedsgerichtes?
TU. London, 27. Februar.
In Londoner politiſchen Kreiſen rechnet man damit, daß die
evorſtehende Sitzung des Völkerbundsrats mit ihrer geteilten
Leinung über die Vermehrung der Ratsſitze zu dem Ergebnis
ummen werde, in der Streitfrage das Haager Schiedsgericht
an=
arufen, das den Artikel 4 der Völkerbundsſatzungen
interpretie=
en und feſtſtellen ſoll, ob in der Frage der
Nats=
rweiterung ein einſtimmiger Beſchluß des
kates nötig ſei. Erſt die Septembertagung des
Völker=
undes ſollte dann in der Ratserweiterung einen endgültigen
ſeſchluß faſſen.
ord Grey gegen die Ratserweiterung. —
An=
fragen und Anträge im Unterhaus.
FU. London, 27. Februar.
Die überall in England empfundene Beſorgnis wegen
er geplanten Einräumung eines permanenten
ditzes im Völkerbundsrat an Polen gleichzeitig mit
deutſchland fand geſtern in einer Rede Lord Greys, des
üheren engliſchen Außeuminiſters, in Newcaſtle ihren
Aus=
ruck. Lord Grey wies zunächſt darauf hin, daß die britiſche,
anzöſiſche und deutſche Regierung nach Genf kommen wollten,
hne durch irgendweſche Erklärungen vorher gebunden zu ſein.
der ſpringende Punkt ſei der, daß die Erörterung wegen der
Zulafſung irgend einer anderen Nation als permanentes
Mit=
lied im Völkerbundsrat erſt beginnen könnte, nachdem
Deutſch=
and einen Sitz im Völkerbundsrat erhalten habe, ſo daß Deutſch=
land ſelbſt Partei bei der Erörterung dieſer Frage ſein könn=
Das Riſiko, daß Deutſchland ſeine Anweſenheit im Völkerbund
nur für eigene Intereſſen ausnutzen könnte, müſſe man auf ſich
nehmen. Der Vorſchlag, Polen als Gegengewicht gegen
Deutſch=
land in den Völkerbundsrat zu bringen, ziele darauf ab, die
Deutſchen zu einer derartigen Haltung zu ermutigen.
Geſtern hat eine Deputation des Völkerbundsausſchuſſes des
Unterhauſes dem Premierminiſter Baldwin Mitteilung von der
von dem Komitee empfundenen Beſorgnis wegen der geplanten
Vermehrung des Völkerbundsrats gemacht. Die Tatſache, daß
die Deputation alle drei politiſchen Parteien vertrat, zeigt das
allgemeine Intereſſe an dieſer Frage. Der Völkerbundsausſchuß
des Unterhauſes hat nicht die Abſicht, die Regierung durch eine
offene Debatte in Schwierigkeiten zu bringen. Indeſſen dürfte
die Oppoſition einen Antrag zur Erörterung der Frage
ein=
bringen. Sir Auſten Chamberlain hat eine Einladung des
Völkerbundsausſchuſſes des Unterhauſes für eine Sonderſitzung
am Montag nachmittag angenomen, wo die ganze Frage
be=
ſprochen werden ſoll. Eine Anzahl von Fragen über dieſe
An=
gelegenheit ſoll am Mondag im Unterhaus vorgebracht tverden.
Man glaubt aber, daß der Pvemieminiſter vorſchlagen wird,
die Beantwortung dieſer Frage bis zu ſeiner Erklärung zu
ver=
ſchieben.
Die engliſche Oppoſition gegen die Anſprüche Polens.
TU. London, 27. Februar.
Die „Tienes” gibt heute ihrer Oppoſition gegen eine ſofortige
Zuteilung eines Ratsſitzes an Polen in unverhohlenen Worten
Ausdruck. Das Blatt ſchreibt an leitender Stelle, es dürfe kein
Zweifel und keine Ungewißheit über die Haltung der britiſchen
Regierung und der öffentlichen Meinung in dieſen Fragen
be=
ſtehen. In weiten Kreiſen ſtehe man der Idee der Zulaſſung
Deutſchlands zum Völkerbundsrat als Gelegenheit für eine
Ver=
größerung des Rats durch plötzliche Hinzufügung dreier anderer
vermanenter Mitglieder äußerſt feindſelig gegenüber. Zum erſten
Male ſeit einigen Jahren ſei die britiſche öffentliche Meinung
völlig einnitig. Wenn Graf, Skrzynski an Großbritannien als
eine Säule des Völberbundes appelliert habe, die Kandidatur
Nolens aus dieſem Grunde zu unterſtützen, weil die polniſche
Politik den Geiſt des Völberbundes im wahren Sinne vertrete,
dann wäre die einzig mögliche Antwort nur die, daß für
Eng=
land der vorliegende Fall nicht nur der Fall Polens, ſondern
auch Spaniens oder Braſiliens oder auch Chinas oder
Jugo=
ſlawiens ſei, die alle geneigt ſchienen, Anſprüche in dieſer
Hin=
ſicht vorzubringen. Der Haupteinwand ſei, daß dieſer Vorſchlag
zu haſtig und unerwartet ohne jede Warnung an Deutſchland
gebracht worden ſei, und deshalb den bedauernswerten Eindruck
erwecke, als ob er ſich gegen Deutſchland richte. Es gebe nur
einen klaren Ausweg, das ſei die Verſchiebung der großen Frage
bis zu der ordentlichen Verſamnlung im September.
Wie der „Daily Mail” berichtet wird, wir Sir Auſten
Cham=
berlain mit feſten Inſtruktionen des Kabinetts nach Genf reiſen.
Es wird in politiſchen Kreiſen für weſentlich gehalten, den
Wün=
ſchen Deutſchlands voll Rechnung zu tragen, falls man die in
Locarno begonnene Politik nicht ungeſchehen laſſen wolle. Dem
gleichen Blatte zufolge wird neben der chineſiſchen Regierung
auch Perſien einen Antrag auf einen permanenten Sitz im
Völker=
bundsrat ſtellen.
Ein Kompromiß?
TU. London, 27. Februar.
Aus Kreiſen des Völkerbundes iſt der „Times” zufolge der
Regierung ein Kompromißvorſchlag in der
Völker=
bundsfrage gemacht worden. Spanien ſoll danach
gleichzeitig mit Deutſchland einenpermanenten Sitz
inn Rat erhalten. Es wird darauf hingewieſen, daß die
Kan=
didatur Spaniens ſchon im Jahre 1922 vorgebracht wurde und
lediglich durch die feindſelige Haltung Braſiliens geſcheitert ſei.
Spanien werde mehr als irgend ein anderes Land durch den
neuen Vorſchlag berührt, daß die Staaten nur drei Jahre
nicht=
permanente Mitglieder des Rates ſein ſollen und dann für
wei=
tere drei Jahre nicht mehr gewählt werden können. Es wird
indeſſen vorgeſchlagen, daß Spanien einen permanenten Sitz
nicht ohne die vorherige Zuſtimmung
Deutſch=
lands erhalten ſoll. Falls dieſeerfolge, würde ein
nichtpermanenter Sitz im Rat frei werden, und
es wird vorgeſchlagen, daß dieſe Stelle Polen
entweder im März oder auf der ordentlichen Verſammlung des
Völkerbundes i September zugeteilt wird. Dieſer Plan
könne indeſſen wicht ohne die Zuſtimmung aller Mitglieder des
Völkerbundsrats ausgeführt werden.
Die Gegnerſchaft
gegen die Ratserweiterung.
Schwedens unwiderrufliches Nein.
Stockholm, 27. Februar.
Wie der Berliner Vertreter des „Swenska Dagbladet”
mel=
det, hat eine maßgebende deutſche Perſönlichkeit vor
auslän=
diſchen Preſſevertretern in Berlin eine ausführliche Darlegung
der jetzigen Lage der Angelegenheit der Erweiterung des
Völ=
kerbundrates gegeben und dabei die entſcheidende Rolle
Schwedens in den diplomatiſchen Verhandlungen beſonders
hervorgehoben. Die ſchwediſche Regierung, äußerte dieſe deutſche
Perſönlichkeit, hat alle in dieſer Angelegenheit intereſſierten
Mächte benachrichtigt, daß der Vertreter Schwedens im
Völkerbundsrat in der Märztagung unter allen
Umſtän=
den gegen jeden Antrag auf Erweiterung des
Völkerbundsrates über den deutſchen Ratsſitz
hinaus ſtimmen werde. Dadurch ſind alle derartigen
Wünſche anderer Mächte zum Scheitern verurteilt, da die
Ein=
ſtimmigkeit im Rate notwendig iſt. Die ſchwediſche Regierung
hat auch mit größter Beſtimmtheit hervorgehoben, daß ihr
Vor=
gehen von ſchwerwiegenden prinzipiellen Gründen und von den
eigenen Intereſſen Schwedens diktiert wird. Schweden hat
ſelbſt die deutſche Regierung von ſeiner Auffaſſung benachrichtigt.
Auf eine Anfrage, wie Deutſchland ſich nach ſeinem Eintritt
in den Völkerbund und in den Völkerbundsrat zu dem
prinzi=
piellen ſchwediſchen Standpunkt ſtellen werde, erklärte der
er=
wähnte deutſche Politiker, daß man, falls die Ratsfrage ſpäter
beiſpielsweiſe in der ordentlichen Völkerbundsverſammlung im
Herbſt wieder zur Debatte geſtellt werde, ſie gründlich und
ſach=
lich prüfen müſſe, ohne vorgefaßte Meinung. Ich habe
aller=
dings den Eindruck, erklärte der deutſche Gewährsmann, daß
der Standpunkt der ſchwediſchen Regierung auf einem ſehr,
rich=
tigen pſychologiſchen Inſtinkt baſiert. Ich will jedoch nicht
unter=
laſſen, hervorzuheben, daß die Forderung Spaniens auf einen
ſtändigen Sitz im Rat einigermaßen eine Sonderſtellung
ein=
nimmt, da Spanien ſeit jeher als Großmacht betrachtet wird und
Botſchafter entſendet und empfängt. In Bezug auf die
Zukunft will ſich Deutſchland überhaupt nicht
binden. Es will nicht jetzt, ſolange es nicht ſelbſt Mitglied des
Völkerbundes iſt, ſich gegen die Wünſche anderer Mächte,
ſtän=
dige Ratsſitze zu bekommen, äußern. Es beachtet aber dieſe
prin=
zipielle Auffaſſung Schwedens und die der übrigen kleinen
Staa=
ten bezüglich der Zuſammenſetzung des Rates.
Nach einer Mitteilung des diplomatiſchen Korreſpondenten
des „Daily Telegraph” hat die holländiſche Regierung
England zu verſtehen gegeben, daß auch ſie gegen die
Ver=
quickung von Deutſchlands Eintritt in den
Völ=
kerbund mit der Vermehrung der Ratsſitze im
gegenwärtigen Augenblick ſei. Dieſe Haltung Hollands ſtimme
überein mit ſeiner früheren Stellungnahme vom Jahre 1922, als
die Frage der Vergrößerung der Zahl der vermanenten
Mitglie=
der in ähnlicher Form vorgebracht worden ſei.
Der Schweizeriſche Bundesrat hat in ſeiner
An=
weiſung für die ſchweizeriſche Delegation, bei Behandlung der
Frage der Erweiterung des Völkerbundsrats betont, eine
Ver=
größerung des Rats laſſe befürchten, daß ſich die
Großmächte einem ſolchen Rat die Entſcheidung über alle
wich=
tigen Fragen entziehen würden.
Die litauiſche Regierung hat heute eine Note nach
Genf geſandt, in der ſie gegen die Erweiterung des
Völkerbundsrats über Deutſchland hinaus
proteſtiert.
Wie in Kopenhagen an amtlicher däniſcher Stelle verlautet,
ſchließt ſich die däniſche Regierung dem
ſchwe=
diſchen Standpunkt, daß auf der Märztagung des
Völ=
kerbundes ,anläßlich der Aufnahme Deutſchlands in den
Völker=
bund und ſeines Eintritts in den Völkerbundsrat, keine
wei=
tere Ausdehnung der ſtändigen Ratsſitze ſtattfinden
darf, an.
Ueber die Haltung, die Japan gegenüber der
geplan=
ten Erweiterung des Völkerbundsrats einnehmen wird, iſt noch
keine Entſcheidung getroffen. Das Organ der
Gemäßig=
ten wendet ſich gegen die Aufnahme Polens und
an=
derer Mächte, die das Vertrauen der Welt in den
Völkerbund erſchüttern würde.
Der braſilianiſche Geſandte in Tokio ftattete geſtern dem
Außenamt einen Beſuch ab, um die Haltung Japans zur
Natserweiterung zu erfahren. Ihm wurde erklärt, daß
die japaniſche Regierung ihre Entſcheidung erſt in den nächſten
Tagen fällen werde.
Arnold Mendelsſohn=Feſtkonzert.
Kam um die Weihnachtszeit, als Arnold Mendelsſohn, unſer
ſochverehrter Darmſtädter Meiſter, ſeinen 70. Geburtstag feierte,
n den damaligen Veranſtaltungen im weſentlichen ſeine
kammer= und Liedmuſik wie auch ſein kirchenmuſikaliſches
Schaf=
en zur Geltung, ſo haben wir am kommenden Mittwoch
erfreu=
icherweiſe Gelegenheit, in dem Feſtkonzert, das Landestheater
ind Muſikverein gemeinſam veranſtalten, eine Reihe ſeiner
wert=
vollſten Konzertwerke zu hören und damit einen Ueberblick auch
iber dieſe Seite ſeines künftleriſchen Schaffens zu erhalten.
Venn ich es auch perſönlich bedauere, daß Mendelsſohns „Paria”
dei dieſer Gelegenheit nicht zu Gehör kommt, ein Werk, das zu
den allerſtärkſten Eindrücken gehört, die ich der edlen Kunſt des
Meiſters verdanke, ſo iſt es doch von beſonderem Intereſſe, die
von dem Komponiſten ſelbſt vorgeſchlagene Gegenüberſtellung
weier frühen Werke und zweier ſpäteren Schöpfungen
aufzuneh=
nen und bei dieſer Gelegenheit Perſönlichkeitswerte und
Zeit=
verte zu unterſcheiden.
Der Frühzeit von Mendelsſohns Schaffen, der Zeit, die er
dor ſeiner Ueberſiedlung nach Darmſtadt an verſchiedenen Orten
verlebte zum Einleben in die muſikaliſche Praxis und zur
Aus=
eifung deſſen, was er während des Studiums in ſich
aufgenom=
nen hatte, gehören der „Hageſtolz” an, jenes Werk, deſſen
pracht=
voll draſtiſcher Humor bei früheren Aufführungen ſtets einen
vol=
en Erfolg errungen hat, und die „Frühlingsfeier” die
Ver=
onung von Teilen der berühmten Ode Klopſtocks, die den jungen
ſkünſtler in ſeiner glühenden Begeiſterung und im Ueberſchwang
der Empfindung zeigt. Demgegenüber wirkt der düſtere 137. Pſalm
die eine Viſion von eigentümlicher Kraft und
Vorſtellungs=
larheit. Das Geſchick unſeres Vaterlandes gleichſam vorahnend,
dat da der Meiſter 1912 ſich in das Unglück des jüdiſchen Volkes
m babyloniſchen Exil vertieft, hat die Klagen um den Verluſt
der Heimat und über das fremde Joch, den Spott der
über=
nütigen Feinde und die wilde Verzweiflung über das
herein=
zebrochene Uinglück in ergreifender Weiſe nachempfunden. Das
Violinkonzert endlich, als letztentſtandene Kompoſition, das vor
benigen Jahren hier durch die Kunſt unſeres Otto Drumm aus
der Taufe gehoben und mit beſonderer Freude und Begeiſterung
aufgenommen wurde, dürfte ebenfalls die Kunſt des Meiſters im
dellften Licht erſcheinen laſſen und wird allen ſeinen Verehrern
Fieder hohen Genuß und innere Erhebung bringen. Mögen ſich
darum alle kunſt= und muſikliebenden Kreiſe unſerer Stadt am
bmmenden Mittwoch im Landestheater zuſammenfinden und
In feiern, dem unſer muſikaliſches und kulturelles Leben ſo viel
verdankt.
Nogck.
Konzert des Realgymnaſiums.
Chor und Orcheſter des Realgymnaſiums veranſtalteten am
Donnerstag im großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz ein
Konzert zum Beſten des V. D. A. und der Wohlfahrtskaſſe der
Schule. Der Abend war bei ausverkauftem Hauſe ein voller
Erfolg und nahm einen glänzenden Verlauf. Als Leitmotiv der
ganzen Veranſtaltung war die „Romantik in der Muſik”
gewählt worden, und zwar gelangten ausſchließlich Werke von
Weber, Schubert und Schumann zum Vortrag. Gerade die Muſik
iſt ja — Jean Paul ſagt es ſelbſt — allein im Stande, das
Charakteriſtiſche am Weſen der Romantik unmittelbar dem
Hörer zu vermitteln und ihr Ureigenſtes in ihm anklingen zu
laſſen.
Das 15 Nummern umfaſſende Programm brachte Chöre,
Orcheſterwverke und Solovorträge in bunter Reihenfolge. Das
umfangreiche Orcheſter — es mögen wohl 50 Schüler ſein, die
die verſchiedenſten Inſtrumente erklingen laſſen — ſpielte ſauber,
taktfeſt und rein. Es hatte ſchon mit dem Eröffnungsſtück, der
Ouvertüre zu „Abu Haſſan” von Weber, einen durchſchlagenden
Erfolg, wenn auch das vorgeſchriebene Preſto=Tempo nicht ganz
erreicht wurde. Die Ballettmuſik aus „Roſamunde” und der
ſchneidig geſpielte Militärmarſch op. 51 von Schubert erwieſen
weiterhin die Leiſtungsfähigkeit der Muſikerſchar.
Durchaus vollwertig ſtanden neben den Leiſtungen des
Or=
cheſters diejenigen des Schülerchores. Webers „Im Walde‟
bewies beſonders in dem wundervoll gelungenen piano=Geſang
der großen Schar von 180 Sängern die treffliche Schulung,
während „Der deutſche Rhein” Gelegenheit bot, auch ein
wuch=
tiges Fortissimo zu zeigen. Nur ſchade, daß die akuſtiſchen
Ver=
hältniſſe der Turnhalle die machtvolle Wirkung des
Klangkör=
pers nicht voll zur Geltung kommen ließen. Den größten
Ein=
druck machten zweifellos Schuberts „Lindenbaum” und ſein
„Lied an die Nacht” Chor und Orcheſter vereinigten ſich am
Schluß im „Zigeunerleben” zu eindrucksvollem Zuſammenſpiel.
Aus der Reihe der Soliſten iſt vor allem Schwarz Ia 3
(Klavier) zu nennen, ein tüchtiger Pianiſt, der im Rondo
bril-
lante von Weber und in den beiden Phantaſieſtücken von
Schu=
mann eine ſehr beachtenswerte Technik und tiefe Auffaſſung
zeigte. Der kommende Sologeiger des Orcheſters dürfte
Opfer=
mann IIa 1 werden, der zuſammen mit Eiſele Ia 4 (Cello) und
Rummel IIa 1 (Klavier) das Trio op. 63, Satz 1, gut vortrug.
Heß Ia 4 erwies ſich in einer Schubert=Sonatine als tüchtiger
Geiger, jährend Andrä IIa 3, begleitet von ſeinem
Klaſſen=
kameraden Handke, in dem Adagio von Schubert erneut zeigte,
zu welch hoher Stufe der Vollendung ſeine Ausbildung bereits
gediehen iſt. Die „Träumerei” von Schumann in einer
Bearbei=
tung für Waldhorn mit Begleitung eines kleinen Orcheſters gab
Bellersheim IIa 3 Gelegenheit, zu zeigen, wieviel er im letzten.
Jahre auf ſeinem Inſtrument gelernt hat. — Alle Soliſten hatten
Stücke gewählt, die ihrer Leiſtungsfähigkeit angepaßt waren und
daher auch trefflich gelangen.
Der Leiter des Abends, Oberreallehrer Weide, kann mit
ſeinem Erſolg durchaus zufrieden ſein. Er war redlich verdient.
Die gezeigten Leiſtungen ſind als Ergebnis unermüdlicher, oft
durch die Notwendigkeiten des Betriebs einer ſo großen Schule
gehemmter Arbeit höchſter Anerkennung würdig. Während die
geſchickte Auswahl des ganzen Programms Herrn Weide als
feinſinnigen Muſiker erwies, zeigte die Begeiſterung, mit der
die jugendlichen Künſtler an der Arbeit waren, klar, daß ihr
Lehrer es verſteht, Liebe zur Muſik in ſeinen Schülern zu wecken.
und ihnen ihre Schönheiten näher zu bringen. Man ſtand
unbe=
dingt unter dem Eindruck, daß hier Muſik nicht ſchlechthin
ge=
trieben, ſondern erlebt wird. Noch einen Wunſch zum Schluß:
Mögen die zweifellos vorhandenen tüchtigen Kräfte in Chor
und Orcheſter in der Zukunft einmal geſtählt werden an der
Ein=
übung eines größeren Werkes (Schöpfung von Haydn u. a.)ᛋ
Es wird zweifellos gelingen.
Gz.
EP. Ein Theater 50 Meter unter der Erde. Das am tiefſten
unter der Erdoberfläche liegende Theater beſitzt zweifellos der
amerikaniſche Staat Minneſota. Es befindet ſich in einem
Eiſen=
bergwerk in 50 Metern Tiefe. Der Saal wurde zunächſt für den
Unterricht der Bergleute benutzt, bis man auf den Gedanken
kam, ihn zu einem Theater auszubauen, in dem den Bergleuten
Kinovorſtellungen und Varietédarbietungen gegeben werden. Der
muſikaliſche Teil wird von einer Radioanlage geliefert. Der
Berichterſtatter eines Chicagoer Blattes, der einer ſolchen
Vor=
ſtellung beiwohnte, verſichert, daß die Sitze bequem, die
Beleuch=
tung ausgezeichnet und die Heizung hervorragend ſei. — Von
den Leiſtungen der Bühne ſagt er anſcheinend nichts!
* Ein ſchwerer Gang. Der ebenſo geiſtvolle wie biſſige
Mathematiker Käſtner hatte einmal bei einer Gelehrtenſtreitigkeit
ſeinen Kollegen Michaelis ſchwer beleidigt. Dieſer rief die
Be=
hörden um Hilfe an, und wurde Kaſtner von der Regierung
an=
befohlen, Abbitte zu tun. Er führte dieſen ſchweren Gang
folgen=
dermaßen aus: Leife ſchlich er ſich in das Haus und klopfte
zwei=
bis dreimal an der Tür der Studierſtube von Michaelis, ohne
auf deſſen „Herein!” einzutreten. Schließlich öffnete der alte
Theologe zornig die Tür und blickte hinaus. Da rief Käſtner:
„O verzeihen Sie!” und ſtrang leichtfüßig die Treppe hinunter.
Seite 4
Sonntag, den 28. Februar 1926
Nummer 39
Nochmals die Mandatskommiſſion.
Von unſerem römiſchen Korreſpondenten.
Dr. R. T. Rom, 26. Februar.
Die beſondere Eigentümlichkeit der heutigen italieniſchen
Außenpolitik beſteht darin, daß ſich ihr Kurs alle Augenblicke
lang einmal ändert. Es war im letzten Artikel darauf
hinge=
wieſen worden, daß die italieniſche Preſſe gehorſam dem Befehl
Muſſolinis während der Tagung der Mandatskommiſſion in
Rom nicht das Geringſte gegen Frankreich und ſeine Sünden in
Syrien geſchrieben hatte, während ſie vorher in ihren
Veröffent=
lichungen alles, was es nur Unangenehmes für Frankreich in
Syrien gab, breitgetreten hatte. Dieſe Schilderung der
Tat=
ſachen war gerade zu Papier gebracht und in den Poſtkaſten
ge=
worfen, als der „Tevere”, das fasciſtiſche Mittagsblatt, das in
engſter Beziehung zu Muſſolini und ſeiner Umgebung ſteht, ganz
plötzlich im Anſchluß an einen Bericht über die Tagesarbeit der
Mandatskommiſſion eine Meldung aus Kairo abdruckte, die ſich
mit den andauernden Schwierigkeiten der Franzoſen in Syrien
befaßte. Aber nicht genug damit, veröffentlichte der „Tevere‟
zugleich eine Photographie aus Damaskus, die die Ruinen des
von den Franzoſen zuſammengeſchoſſenen arabiſchen Muſeums
darſtellte. Die Unterſchrift lautete bezeichnenderweiſe: „Die
Perle des Orients unter den Kanonen Sarrails. Ruinen des
Muſeums der arabiſchen muſelmanniſchen Kunſt (Palaſt Azem)
nach der Beſchießung vom 18. bis 20. Oktober 1925.‟ Man
ſchaute ſich erſtaunt die Zeitung nochmals an — es konnte kein
Irrtum beſtehen: Muſſolini kam ſeinen franzöſiſchen Freunden
von neuem mit ſchwerem Geſchütz. Warum?. Was war
ge=
ſchehen? Wenn man zwei Spalten weiter nach rechts in die
Zeitung ſchaute, fand man die Antwort auf dieſe Frage in einer
kurzen, halboffiziöſen Notiz, die ſich mit der Bedeutung des
Abkommens von Angora zwiſchen de Jouvenel und den Türken
befaßte. Dieſes Näherrücken der Franzoſen an die Türken hat
Herrn Muſſolini ſehr geärgert, und darum ließ er als Antwort
zur Beſchießung der neuen Stellung ſofort das Geſchütz Sarrails
aus Damaskus gerade hinter dem Bericht über die
Mandats=
kommiſſion auffahren. Das iſt die Technik der Muſſoliniſchen
Außenpolitik: Hinein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln,
einmal nach links, einmal nach rechts ſchlagen, gerade wie es
ihm einfällt, immer unter dem Geſichtspunkt, daß die anderen
ja merken ſollen, wie ungemein genau Herr Muſſolini auf alles,
was geſchieht, achtgibt. Unter den fremden Diplomaten in Rom
iſt es deshalb auch ein ganz offenes Geheimnis, daß bei dieſer
Zickzackpolitik ein ernſthaftes und verantwortungsvolles Arbeiten
mit dem italieniſchen Außenminiſterium gar nicht mehr
mög=
lich iſt.
Daß übrigens die in dem oben erwähnten Artikel u. a.
aus=
geſprochenen Vermutungen über italieniſche Aſpirationen in
Angola richtig ſind, beweiſt eine Veröffentlichung des heutigen
fasciſtiſchen „Impero” über italieniſche koloniale Pläne in dieſer
portugieſiſchen Kolonie. Der „Impero” teilt nämlich mit, daß
eine Gruppe italieniſcher Kapitaliſten die Gründung einer
Ge=
ſellſchaft beſchloſſen habe, um die Bebauung von 150 000 Hektar
Land in der portugieſiſchen Kolonie Angola in die Wege zu
leiten. Der „Impero” erklärt, dieſe Nachricht aus Genua er=
halten zu haben, genaue Einzelheiten aber noch nicht zu wiſſen.
Die Zeitung fügt zugleich bei, daß von ſeiten Portugals kaum
Schwierigkeiten zu erwarten ſeien, die einer italieniſchen
Kolo=
niſation im Wege ſtehen könnten. Man ſieht, daß ſich hier ſchon
die italieniſchen Kolonialpläne, auf die im letzten Bericht
auf=
merkſam gemacht wurde, mit größerer Deutlichkeit abzeichnen.
England die zweitgrößte Luftmacht der Erde.
Im Unterhauſe hat eine intereſſante Debatte ſtattgefunden
bei der Beratung des Haushaltes des Luftfahrtminiſteriums.
Der engliſche Miniſter für Luftfahrt, Lir Samuel Hoare,
hielt dabei eine Nede, die außerordentlich beachtenswert
er=
ſcheint und die großen Rüſtungen Englands klar erkennen läßt.
Der Miniſter meinte, England müſſe das „Volk der Luft”
wer=
den. Nicht weniger als 52 Geſchwader gegenüber 25 bisher
ſollen zur Verteidigung des Landes aufgeſtellt werden und ſind
auch bereits vom Parlament bewilligt worden. Er hoffe, daß
durch das Vertragswerk von Locarno für die nächſten Jahre
Kriegsmöglichkeiten ausgeſchloſſen werden, daher könne
Eng=
land ſein Luftprogramm etwas langſamer entwickeln. Die
Re=
gierung behalte ſich aber jederzeit vor, das Geſamtprogramm bei
internationalen Verwicklungen in beſchleunigtem Tempo
fertig=
zuſtellen. England ſei gegenwärtig die zweitſtärkſte Luftmacht
der Erde und werde nur von Rußland beinahe erreicht.
Trotz=
dem müſſe das Mißverhältnis, das zwiſchen Frankreich und
Eng=
land in dieſer Frage beſtehe und ſich wie 1:2 verhalte,
ausge=
lichen werden, denn ein derartiger Unterſchied ſei auf die Dauer
nicht tragbar.
Frankreich und Rußland.
Von unſerem A=Korreſpondenten. 49
Paris, 27. Februar.
„Die franzöſiſch=ruſſiſchen Verhandlungen gleichen ſehr den
unſeren mit den Franzoſen”, ſagte mir kürzlich ein amerikaniſcher
Journaliſt, nin beiden Fällen will man Schulden mit dem
Hin=
weis auf die alte Freundſchaft begleichen‟. Es iſt wirklich
be=
merkenswert, wie ſehr die Sowjetpolitiker bei jedem Hinweis auf
die zariſtiſchen Schulden immer wieder an die alte Freundſchaft
erinnern und wie ſehr ſie betonen, daß die geliehenen Summen
eigentlich nur im Intereſſe Frankreichs verwendet wurden. Von
franzöſiſcher Seite zählt man trockene Daten auf — ſogar der
ſonſt, ſo taktvolle Briand hat bei der Exöffnung der
ruſſiſch=
franzöſiſchen Konferenz recht unzart die franzöſiſchen
Forde=
rungen betont.
Die Frage einer — wenn auch vorläufig mehr
wirtſchaft=
lichen Annäherung an Rußland wird in Frankreich mit ſehr
ge=
miſchten Gefühlen erwogen. In der franzöſiſchen Diplomatie,
wie auch im Kabinett ſelbſt hat dieſer Gedanke ſehr bedeutende
Vertreter; vom rein außenpolitiſchen Standpunkt iſt dies auch zu
verſtehen. Die franzöſiſche Politik kann Rußland einfach nicht
ignorieren; dies würde ſogar der Geſchichte zuwiderlaufen. Seit
vielen Jahrzehnten wurde am Quai d’Orſay eine ſlawiſche
Poli=
tik getrieben, und jetzt nach dem Kriege fehlt Frankreich und
Paris das alte Rußland ſichtbar. Die neu geſchaffenen
ſlawi=
ſchen Staaten vermögen es nur ſehr mangelhaft zu erſetzen.
Frankreich befolgt den Sowjets gegenüber eine ſehr
vorſich=
tige Politik, hauptſächlich aus inneren Gründen. Noch immer
beſteht bei den franzöſiſchen Rentnern, bei den zahlreichen
ein=
ſtigen Beſitzern von Unternehmungen in Rußland und bei allen
anderen, die früher irgendwie mit dem Zarenreich in
Verbin=
dung waren, eine unbezähmbare Wut gegen Moskau: dieſe
Men=
ſchen — und Wähler! — haben ihr Vermögen in Rußland
ver=
loren.
Mit Rückſicht auf die öffentliche Meinung müſſen die
Fran=
zoſen bei den Verhandlungen ſtarr bleiben. Auch die
franzö=
ſiſche Finanzlage iſt jetzt wirklich nicht ſo geartet daß man leicht
mit dem Gelde umgehen könnte. Und letzten Endes ziehen auch
die in Gang befindlichen Verhandlungen mit Amerika — ſie
ſol=
len jetzt angeblich günſtig ſtehen — feſte Grenzen der neuen Politik
Rußland gegenüber.
Die franzöſiſche Induſtrie ſetzt große Hoffnungen auf eine
großzügige Wiederaufnahme der wirtſchaſtlichen Beziehungen.
Auch die Möglichkeit von Petroleumkonzeſſionen ſcheint recht
ver=
lockend. Sie könnten ſogar jene ſchweren Bedenken
überwin=
den die gegen eine Anleihe mit Recht auſtauchen müßten. Denn
gerade jetzt, wo die Sowjets ſo ſchwach ſind, daß ſie auf
weit=
gehende außenpolitiſche Pläne verzichten, müßten in Aſien wie
in Europa Bedenken über ihre Zukunft auftauchen. Und kann
eine relative wirtſchaftliche Erſtarkung — die gegenwärtige
wirt=
ſchaftliche Lage in Rußland wird hier für kataſtrophal gehalten
— nicht auch eine Erſtarkung der revolutionären Politik
bedeu=
ten? Die franzöſiſchen Politiker glauben an all dies nicht. Sie
wähnen, den Sinn der ruſiſchen Geſchichte volkommen zu
kennen.
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Nummer 59
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 28. Februar.
Volkstrauertag.
Der eine Tag im Jahre, den unſer Volk dem Gedenken ſeiner im
Weltkriege gefallenen Söhne widmet, iſt angebrochen. Nicht nur
diejeni=
gen, die ihr Liebſtes auf dem Altar des Vaterlandes opferten, weilen
heute im Geiſte an der Ruheſtätte ihres teuren Toten in fremder Ferne.
Wir alle nehmen in dieſen Stunden ganz beſonders innigen Anteil an
ihrem noch immer gleich heißen Schmerz, wie er vor Jahren in ihren
Herzen brannte, als ſie die Nachricht vom Tode ihres innigſt geliebten
Angehörigen erhielten.
Fahnen auf Halbmaſt!
Schon am frühen Morgen wallen im ganzen deutſchen Vaterlande
ungezählte Andächtige zu den Kirchen, um aus geweihtem Munde
er=
greifende Worte des Troſtes und der Erhebung auf ihre Herzen
einwir=
ken zu laſſen. In vielen Städten und Ortſchaften werden von
Kirch=
türmen Choräle geblaſen. Die Schiffe unſerer Marine entbieten unſeren
Gefallenen aus ihren Geſchützen einen Gruß. Auf hoher See verſenken
ſie Kränze ins Meer, das Tauſenden zur letzten Ruheſtätte wurde. Um
die Mittagszeit lauſchen Millionen Deutſcher in Tauſenden von
Ver=
fammlungen in geſchloſſenem Raum und unter freiem Himmel den
pak=
kenden Gedenkreden. Die Rede unſeres Präſidenten während der Feier
im Reichstage wird im Rundfunk von allen Rundfunkteilnehmern gehört
werden können. Von 1—1.15 Uhr läuten alle deutſchen Kirchenglocken
u Ehren unſerer Gefallenen. Auch der Nachmittag und Abend
vereini=
gen noch viele, viele in gemeinſamen Feiern.
Noch iſt der Volkstrauertag nicht Allgemeingut des deutſchen Volks.
Die würdigen, wuchtigen Feiern allenthalben im Reiche zeigen indes,
daß der Volksbund auf dem rechten Wege war, als er ſich entſchloß, mit
ſeiner ganzen Kraft ſür die Schaffung des Volkstrauertags einzutreten.
Will er doch im Volkstrauertag unſeren Toten aus dem Weltkrieg das
Ehrenmal ſetzen, das jene von unſerer Dankbarkeit für ihre Opfer
ver=
langen können. Unbeirrt wird der Volksbund den einmal beſchrittenen
Weg weitergehen. Ihn hierbei zu unterſtützen, ruft er das geſamte
deut=
ſche Volk auf. Möge ſein Ruf nicht unerhört verhallen! Nicht ruhen
noch raſten wird der Volksbund, bis der Volkstrauertag ſeine geſetzliche
Feſtlegung gefunden hat.
So ſichert der Volksbund den teuren Toten das Andenken ihres
dankbaren deutſchen Volkes!
— Gefallenen=Gedenkfeier. Wer noch nicht mit einer Eintrittskarte
für die am heutigen Volkstrauertag, vormittags 11½ Uhr, im Kleinen
Haus des Landestheaters ſtattfindende Gedächtnisfeier für die Gefallenen
des Weltkrieges verſehen iſt, kann noch eine ſolche unmittelbar vor
der Feier an der Kaſſe erhalten. Der Volksbund für
Kriegsgräber=
fürſorge gibt ſich der Hoffnung hin, daß man auch in Darmſtadt die
ernſte Pflicht der Totenehrung durch zahlreiche Beteiligung an der
Ge=
denkfeier erfüllt.
— Kein Ende der Pharmazie in Darmſtadt. Der in der
„Frankfurter Zeitung” unter der Ueberſchrift „Ende des
pharma=
zeutiſchen Inſtituts Darmſtadt” erſchienene Artikel iſt falſch und
irreführend. Tatſache iſt, daß die geplante Verlegung des
phar=
mazeutiſchen Inſtituts in andere, größere Räume der der
Hoch=
ſchule überlaſſenen Magdalenenkaſerne mit Rückſicht auf die
finanzielle Lage des Landes nicht zur Durchführung gelangt und
daß infolgedeſſen das Inſtitut in ſeinen bisherigen Räumen
verbleibt. Weder von der Hochſchule noch von der Regierung
wurden irgendwelche Beſchlüſſe über eine Verlegung des
In=
ſtituts nach Gießen gefaßt.
— Der Mietzins für März. Nach geſtern gefaßtem
Be=
ſchluß des Geſamtminiſteriums bleibt der Mietzins mit 88 Proz.
der nämliche wie im Februar.
Von der Landwirtſchaftskammer. Die ordentliche Haupt=
Verſammlung der Landwirtſchaftskammer für Heſſen findet
Sam3tag, den 6. März, vormittags 8½ Uhr, im Sitzungsſaal des
Landeskirchentages zu Darmſtadt ſtatt. Hauptgegenſtand der Tagung
iſt die Beratung des Hauptvoranſchlages der Landwirtſchaftskammer
für das Jahr 1926.
— Heſſiſches Landestheater. Das am Mittwoch, den 3. März,
ſtatt=
findende Konzert zu Ehren des 70. Geburtstages von Arnold
Mendels=
ſohn bringt neben der „Frühlingsfcier” und dem „Hageſtolz” des
Kom=
poniſten die Wiedergabe des 137. Pſalms. Dieſes Stück, 1912 geſchrieben,
ſchildert im Sinne des Anfangs des Pſalms: „An den Waſſern zu Babel
ſaßen wir und weinten”, die Heimatſehnſucht eines Volkes. Aus einem
Motiv orientaliſchen Charakters entwickeln ſich aus tiefſter ſeeliſcher
Depreſſion allmählich in großer Steigerung die Ausbrüche der
Ver=
zweiflung, immer untermalt von dem Motiv des nächtlichen Fließens
des fremden Fluſſes. Das den Chorwerken vorhergehende Violinkonzert
hat Herr Konzertmeiſter Drumm hier ſchon vor einigen Jahren geſpielt;
es errang damals lebhaften Beifall bei allen Zuhörern.
In der am Dienstag, den 2. März, ſtattfindenden Ur=Aufführung
von Molieres Komödie „Der Her= von Pourceaugnac” in der
Neubearbeitung von Otto Stockhauſen ſpielt auf Wunſch des Bearbeiters
Generalintendant Ernſt Legal die Titelrolle. In den übrigen
Haupt=
rollen ſind beſchäftigt die Damen: Gothe, Lehmann=Haupt, Lahn, Vihrog,
Carlſen, und die Herren: Baumann, Klupp, Keßler, Maletzki, Ausfelder,
Schultze, Kinzler, Jürgas. Die Geſangspartien der Aufführung werden
von den Damen Stephanowa und Welzel und den Herren Mundt und
Strzeletz geſungen. Zu dem Werk werden Kompoſitionen von Lully, die
von Dr. Friedrich Noack in der Staatsbibliothek in Berlin wieder
ent=
deckt wurden, verwendet. Muſikaliſche Leitung: Fritz Bohne. — Die
Bühnenbilder zu der Aufführung wurden nach Entwürfen von Lothar
Schenck von Trapp in den Werkſtätten des Landestheaters hergeftellt.
Inſzenierung: Dr. Carl Loewenberg.
— Vortrag Gogarten. Pfarrer D. Friedrich Gogarten=
Doun=
dorf, der auf Einladung der Freien Literariſch=
Künſtle=
riſchen Geſellſchaft am nächſten Donnerstag, den 4. März
7½ Uhr, im Mathildenhöhſaal über „Die religiöſe Frage” ſpricht,
ge=
hört zu den hervorragendſten Erſcheinungen des deutſchen
Proteſtan=
tismus. Als Herausgeber der Zeitſchrift „Zwiſchen den Zeiten” nimmr
er eine einflußreiche Stellung in Deutſchland ein. Bei einer der letzten
Tagungen der „Schule der Weisheit” hinterließen ſeine Darlegungen
den ſtärkſten Eindruck, zumal da Gogarten ein ausgezeichneter Redner
iſt. Für den bevorſtehenden Vortrag zeigt ſich bereits jetzt ein
leb=
haftes Intereſſe. (Siehe Anzeige.)
— Hiſtoriſcher Verein. Montag, den 1. März, abends 6 Uhr, ſprichtt
im Feſtſaal des Realgymnaſiums Herr Geh. Rat Profeſſor Dr. Kautzſch
aus Frankfurt über „Den Meiſter der Oſtteile des Wormſer Doms”
Der Redner iſt von ſeiner Tätigkeit in unſerer Stadt her vorteilhaft
be=
kannt. Auch der Gegenſtand des mit Lichtbildern ausgeſtatteten
Vor=
trages wird lebhafter allgemeiner Teilnahme begegnen.
— Schloßgemeinde. Die unter den kirchlichen Nachrichten in geſtriger
Nr. gebrachte Notiz, wonach der Familienabend verſchoben ſei, beruht
auf einem Verſehen. Entgegen derſelben findet die Veranſtaltung als
Konfirmandenabend für unſere Gemeinde, beſtimmt heute abend im
Ge=
meindehaus Kiesſtraße 17 ſtatt.
— Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Zu der 12. Wanderung
am Sonntag, den 7. März, von Auerbach nach Lindenfels ſtehen
Poſt=
autos für die Zu= und Abfahrten zur Verfügung. Ankunft in Auerbach
(Hotel Krone) 7 Uhr. Von dort erfolgt Abmarſch. Von Lindenfels
er=
folgt ebenfalls Poſtautofahrt nach Darmſtadt. Geſamtfahrpreis 2.50 Mk.
pro Teilnehmer. Näheres ſiehe Anzeige.
— Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte
und Heimatkunde. (Datterich=Geſellſchaft.) Vor einer zahlreich
erſchienenen Zuhörerſchaft hielt Herr Dr. A. Büchner einen Vortrag
über unſeren Darmſtädter Landsmann Helfrich Peter Sturz. Wenn
der Vortrag im Sprachverein ſich mehr mit der Perſönlichkeit von
Sturz im Allgemeinen beſchäftigte, ſo galt der diesmalige Vortrag dem
Schriftſteller Sturz. Es war ein feines Bild, was der Redner von Sturz
zeichnete. Er war einer von den Söhnen, auf die unſer Darmſtadt
ſtolz ſein darf, und iſt es ein beſonderes Verdienſt, neben anderen
Lite=
raturhiſtorikern, von Herrn Dr. Büchner, daß er auch dieſen Sohn
un=
ſerer Vaterſtadt der Vergangenheit entriſſen hat. Den Abſchluß des
Vortrags bildeten einige feine Stücke, die aus den nachgelaſſenen
Schrif=
ken von Sturz zur Verleſung kamen, und die dankbar aufgenommen
wurden. So z. B. die Reiſe nach dem Deiſter uſw. Reicher Beifall
lohnte den Redner für ſeine feinen und gründlichen Darlegungen. Im
Anſchluß an den Vortrag wurden noch Fragen heimatgeſchichtlicher Art
beantwortet. Der nächſte Vortrag findet Donnerstag, den 11. März.
im Hotel Prinz Karl, im Alt=Darmſtadt=Zimmer ſtatt. Es wird Herr
Wilh. Kaminsky, ein genauer Kenner unſerer Wälder, ſprechen „Ueber
Steinbrüche, Schluchten, Felsgruppen und Felſen in der Umgebung von
Darmſtadt.
Senniag, den 28. Februar 1926
Wohlfahrtsrente für Anſtalten uſw.
Neben der allgemeinen Vorzugsrente kennt das Geſetz über die
Ab=
löſung öffentlicher Anleihen die ſogenannte Wohlfahrtsrente. Dieſe iſt
Anſtalten und Einrichtungen der freien und kirchlichen (Artikel 137 der
Reichsverfaſſung) Wohlfahrtspflege, die Aufgaben der öffentlichen
Wohl=
fahrtspflege erfüllen, ſowie Anſtalten und Einrichtungen zur Förderung
wiſſenſchaftlicher Ausbildung und Forſchung auf Antrag 15 Jahre
hin=
durch zu gewähren, ſofern ihnen Auslöſungsrechte zuſtehen, die ſie als
Altbeſitzer erlangt haben. Nach § N genannten Geſetzes erläßt die
Reichsregierung mit Zuſtimmung des Reichsrats die näheren Vorſchriften
über die Rente, insbeſondere über die Höhe und den Kreis der
Gläu=
biger. Dieſe Vorſchriften ſind noch nicht ergangen, auch läßt ſich der
Zeitpunkt, zu dem ſie zu erwarten ſind, noch nicht beſtimmen. Die
Durch=
führung der betreffenden Geſetzesbeſtimmung wird erſt möglich werden,
wenn über die Auslöſungsrechte der für die Wohlfahrtsrente in
Be=
tracht kommenden Anſtalten und Einrichtungen entſchieden iſt. Eine
Antragſtellung für dieſe Rente kommt ſomit vorläufig nicht
in Frage. Dagegen müſſen die betreffenden Wertpapiere — ſoweit nicht
ſchon erfolgt — vor Ablauf des Monats März bei einer Bank oder einer
öffentlichen Sparkaſſe zur Erlangung des Auslöſungsrechtes unter
Bei=
fügung des Altbeſitznachweiſes eingereicht werden. Die
Wohlfahrts=
rente iſt nicht zu verwechſeln mit der Vorzugsrente, die jeder
Alt=
beſitzer (natürliche Perſon) von mindeſtens 500.— Mark Reichs= oder
Staatsanleihe erhält, der die beſonderen Vorausſetzungen erfüllt hat
(Einlieferung der Papiere bei einer Bank oder Sparkaſſe wie vor,
Be=
dürftigkeit, Reichsangehörigkeit uſw.). Anträge auf dieſe Rente nimmt
das Wohlfahrts= und Jugendamt, Zimmer 54, entgegen. Zur
Beſchleu=
nigung des Geſchäftsganges empfiehlt es ſich, die Beſcheinigung über
Ablieferung der Wertpapiere dabei vorzulegen, desgleichen für Inhaber
von Schuldbuchforderungen die entſprechenden Nachweiſe. Die
vorge=
ſchriebenen Antrags=Formulare ſind bei dieſer Stelle unentgeltlich
er=
hältlich. Hier wird auch jede gewünſchte nähere Auskunft erteilt.
Sprechſtunden vormittags von 8 Uhr ab.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. In
der 6. Winterverſammlung, welche im Vortragsſaale des
Gewerbe=
muſeums, Neckarſtraße 3, abgehalten wurde, ſprach Herr Direktor Dr.
Würth aus Schlebuſch (Rheinland) über „Eiſenſchutzdurch
An=
ſtriche” Aus dem ſehr reichhaltigen Inhalte dieſes namentlich für
das Baugewerbe und das Malergewerbe hoch intereſſanten Vortrages ſei
folgendes hervorgehoben: Die Eiſenerzeugung iſt in der Zeit von 1890
bis 1923 auf 1766 Millionen Tonnen geſtiegen. Hiervon gingen 718
Mil=
lionen Tonnen, alſo rund 41 Prozent durch Verroſten verloren. Der
not=
wendige Schutz des Eiſens gegen die Roſtwirkungen kann geſchehen durch
den Schutz dev Oberfläche des Eiſens durch metalliſche oder
nichtmetal=
liſche Ueberzüge. Zum Schutz von Eiſenkonſtruktionen dienen faſt
aus=
ſchließlich Anſtriche mit Oelfarben, Teer und Aſphaltprodukten.
Vor=
ausſetzung für die Dauerhaftigkeit eines jeden Anſtriches iſt die
voraus=
gegangene Entfernung des Roſtes, welche auf verſchiedenen Wegen
er=
reicht werden kann. Unter den Oelfarben haben ſich beſonders die
Blei=
farben am beſten bewährt, nämlich Mennige als Grundanſtrich und
Blei=
weiß als Deckanſtrich. Ueber die bleifreien Roſtſchutzfarben ſind die An
ſichten noch geteilt. Jedenfalls iſt bei deren Herſtellung und Verarbeitung
beſondere Sorgfalt nötig, auch iſt der Einfluß des Bindemittels von
großer Bedeutung. Füir Bleifarben kommt als ſolches faſt ausſchließlich
Leinölfirnis in Betracht. Auch Zement wird in manchen Fällen mit
Vor=
teil als Roſtſchutzmittel verwendet. Ein neueres Verfahren gründet ſich
auf die Anwendung von Zelluloſenlöſungen. Bei Beurteilung der
Wirt=
ſchaftlichkeit einer Anſtrichfarbe ſind auch die geſamten Arbeitskoſten zu
berückſichtigen, da ſie weſentlich höher ſind als die der Farbe. Es iſt
da=
her nicht zweckmäßig, an dieſer zu ſparen, wenn es auf Koſten der
Halt=
barkeit geht. Um die Prüfung der Güte der Anſtrichfarben zu
ermög=
lichen, iſt es zweckmäßig, Normen aufzuſtellen, was in Amerika bereits
mit ſehr gutem Erfolge geſchehen iſt und jetzt auch bei uns durch den
Deutſchen Verband für die Materialprüfungen der Technik angebahnt
wird. Auch der Reichsausſchuß für Metallſchutz iſt auf dieſem Gebiete
ſehr tätig. Metallſchutz iſt gleichbedeutend mit Metallerſparnis, die im
Hinblick auf unſere wirtſchaftliche Notlage notwendig und bei geſchicktem
Zuſammenarbeiten von Induſtrie und Technik auch erreichbar iſt. Der
Leiter der Verſamlung, Prof. Dr. W. Sonne, dankte, geſtützt auf
leb=
hafte Beifallsäußerungen der leider nicht ſehr zahlreichen Verſammlung,
Herrn Dr. Würth im Namen der Gewerbevereinigungen beſtens für
ſeine ebenſo anſchaulichen wie wichtigen Ausführungen. An den Vortrag
ſchloß ſich eine lebhafte Beſprechung an, an der ſich außer dem
Vortragen=
den die Herren Prof., Dr. Vaubel, Baurat Oeſterling und Prof. Dr. W
Sonne beteiligten. Letzterer teilte noch mit, daß für den 19. März ein
Vortrag des Herr Dipl.=Ing. Adams von der Heag über „Anwendung
der Elektrizität zur Erzeugung von Kraft und Wärme” vorgeſehen ſei.
Nähere Miteilungen über dieſen Vortrag erfolgen durch die
Tages=
zeitungen.
— Jubiläum. Die Firma C. F. Erb Uebelhäuſſers Nachfolger,
Inhaber Louis Lebach, Obere Eliſabethenſtraße, begeht am 1. März die
Feier ihres 65jährigen Beſtehens, 25 Jahre unter ihrem jetzigen
In=
haber. Durch ſtrenge Reellität und durch ſachgemäße Bedienung hat es
die Firma verſtanden, ſich das volle Vertrauen ihrer Kunden zu
ge=
winnen.
— Verein für das Deutſchtum im Ausland. Am Donnerstag, den
4. März, abends 8 Uhr, wird Herr Studienrat Weckerling Friedberg in
der Aula des Ludwig=Georg=Gymnaſiums einen Vortrag halten „Von
Paſſau bis zum Schwarzen Meer zu den Dobrudſcha=Deutſchen” Ihre
Zahl beträgt über 10 000. Auf gefährdetem Außenpoſten halten ſie zäh
an ihrem Deutſchtum feſt trotz aller harten Bedrückungen durch die
Rumänen. Von ſeiner Reiſe zu ihnen, deren Betreuung dem
Landes=
verband Heſſen=Darmſtadt übertragen iſt, wird der Vortragende, durch
eigene Lichtbildaufnahmen unterſtützt, berichten, was eine Fülle von
Intereſſantem verſpricht. Der Eintritt iſt frei, doch werden freiwillige
Spenden am Saaleingang zur Deckung der Unkoſten erbeten.
— Mozartverein. Der 70. Geburtstag ſeines Ehrenmitgliedes
Arnold Mendelsſohn, gibt dem Verein Veranlaſſung, in einem
Feſtkonzert das größte Werk des Darmſtädter Meiſters, ſeine „Pandora”
zur Aufführung zu bringen. Die ſymboliſche Dichtung Goethes hat den
Urgrund abgegeben für ein großangelegtes muſikaliſches Werk, das
Männerchor, Soli und Orcheſter beſchäftigt. Die Aufführung findet
am 15. März im Großen Haus des Heſſiſchen Landestheaters ſtatt.
Reifer Künſtlerſchaft ſind die Solopartien anvertraut. Die Berliner
Altiſtin Paula Werner=Jenſen, die vorzügliche Interpretin
Mendelsfohnſcher Tonſchöpfungen, der Wiesbadener Heldentenor Chriſt.
Streib, der Frankfurter Konzertſänger Johannes Willy, werden
neben den heimiſchen Künſtlern Heinrich Hölzlin und Franz
Mül=
ler, ein erleſenes Soliſten=Collegium darſtellen.
— Orpheum. Der Vorverkauf für die Operette „Prinzeſſin Olala”
findet ſtatt: Kiosk am Schloß von vormittags 9 bis abends 6 Uhr.
Ver=
kehrsbüro von 9—12 Uhr. Orpheumskaſſe ab 3 Uhr.
— Selbſtmordverſuch. Ein großer Menſchenauflauf entſtand geſtern
abend in der Rheinſtraße. Ein dort wohnender Arbeiter hatte in
ſelbſt=
mörderiſcher Abſicht Gift genommen und ſich dann auf den Dachvoden
begeben, wo er verſuchte, ſich zu erhängen. Der Strick war jedoch zu
ſchwach und riß, ſo daß der Lebensmide zu Boden ſtürzte. Das bereits
wirkende Gift verurſachte ihm außerordentliche Schmerzen, und durch
ſeine lauten Schmerzensſchreie wurden die Hausbewohner auf ſein
Vor=
haben aufmerkfam. Als die ſofort benachrichtigte ſtädtiſche
Rettungs=
wache erſchien, bekam der Lebensüberdyüſſige infolge der ungeheueren
Schmerzen und Brechreize einen Tobſuchtsanfall, ſo daß er angeſchnallt
in das Städtiſche Krankenhaus gebracht werden mußte. Hier wurde ihm
ſofort der Magen ausgepumpt und er durch eine Einſpritzung beruhigt.
Bis zur Stunde konnte noch nicht feſtgeſtellt werden, welches Gift der
Mann eingenommen hatte, da er noch nicht vernehmungsfähig war.
* Ein Neunzigjähriger. Der frühere Schäfer Andreas Grimm,
Schwanenſtraße 25, feiert heute Sonntag, 28. Februar, ſeinen 90.
Ge=
burtstag. Der alte Mann iſt noch ſehr rüſtig und hofft, die 100
aufrun=
den zu können.
Lofale Veranſialtungen.
Die bierunter erſcheinenden Nofizen ſind aueſchſſeßlich als Hinweiſe auf Angeigen zu betrachten
iwn keinem Faile irgendwie ale Peſprechung oder Kritk
— Prof. Dr. Hermann Beckh=Stuttgart, der bekannte
In=
dologe, früher an der Univerſität Berlin, wird Montag, 1. März, abends,
im Saal der ſtädt. Akademie für Tonkunſt einen Vortrag in der
Chriſten=
gemeinſchaft halten. Es wird auf die heutige Anzeige verwieſen.
Seite 5
Tageskalender für Sonntag, den 28. Februar 1926.
andestheater Großes Haus, Anfang 5 Uhr, Ende 10 Uhr
E 15: „Triſtan und Jſolde‟. — Kleines Haus vorm. 11 Uhr:
Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges. — Abends 7½ Uhr
Ende 9¾ Uhr, Zuſatzmiete II (7): „Jugend.” — Orpheum abds.
98 Uhr: Prinzeſſin Olala.” — Turnhalle a. Woogspl., abds.
3 Uhr: „Deutſcher Konzertabend.” — Reſtaurant Bender
abends: Opern=Abend. — Darmſt. Kegler=Verband auf
der Bahn von Konrad Krichbaum, Schwanenſtraße: „Großes Sport=
und Werbekegeln. — Volksbund „Deutſche
Kriegsgrä=
berfürſorge”, Bezirks= und Ortsgruppe Darmſtadt: Einladung
zur Gefallenen=Gedenkfeier, vorm 11 Uhr, im Kleinen Haus des
Landestheaters. — Mauerſtr. 17: Vortrag von Herrn Prediger
Kuhl aus Breslau über „Das größte Hindernis des Glaubens.
Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Licht=
ſpiele.
*Bezirksſchöffengericht.
1. Der in Groß=Gerau geborene Steueruntererheber Hch.
Gabel=
mann in Lindenfels iſt der Amtsunterſchlagung und unrichtiger
Bücherführung angeklagt. Die unterſchlagene Summe wird von der
Anklage auf 4000 Mk. beziffert. Bei der Polizei in Worms ſtellte ſich
G. und gab die Verfehlung in Höhe von 1700 Mk. zu, erklärte aber dabei,
das Manko ſei ihm unerklärlich, eine ſechsköpfige Familie habe er mit
ſeinem Gehalt nicht ernähren können. Bei der Kaſſenreviſion ſtellten ſich
Unregelmäßigkeiten (Buchungs=, Uebertragungs=, Rechenfehler) heraus,
die auf mangelndes Dienſtintereſſe ſchließen ließen. Gabelmann erkrankte
im März 1925, die Krankheit zog ſich bis Juli 1925 hin. Eine neue
Kaſſen=
reviſion im September 1925 ergab Kaſſenüberſchuß, dann ergab ſich bei
einer Kaſſenaufnahme ein Fehlbetrag von 734 Mk., worüber Defekten= eingeleitet wurde. Das Defizit wurde durch Hypothekeintrag
ſichergeſtellt. Das Landesfinanzamt ließ Milde walten und empfahll
ſtrenge Aufſicht durch das Finanzamt. Am 23. Dezember 1925 wurde ein
Defizit von über 1700 Mk. feſtgeſtellt. Danach war Gabelmann nach
Worms zu den Eltern und von dort unbekannt wohin abgereiſt. Das
Defizit wuchs auf über 2000 Mk. Mittlerweile hatte ſich Gabelmann der
Polizei geſtellt. Die Buchführung erſcheint ſehr leichtſinnig, doch
möchte Oberſteuerinſpektor Beyſel in Fürth nicht annehmen, daß dieſe
Art der Buchführung zur Verdeckung von Unterſchlagungen betätigt
worden ſei. Als Sachverſtändiger fungiert Regierungsrat Bender; er
bejaht die Frage, daß Gabelmann Beamter war, er hatte öffentlich=
recht=
liche Funktionen wahrzunehmen, Reichsaufgaben und ſolche des Landes
zu erfüllen. Gabelmann war ordnungsmäßig verpflichtet. § 10 der
Reichsabgabenordnung ſchließt aber jeden Zweifel bezüglich der
Beamten=
eigenſchaft aus. Auch früher waren in Heſſen nach dem Geſetz vom
21. April 1880 die Untererheber als Beamte anzuſehen. Als Beamter im
Sinne des Strafrechts ſei Gabelmann anzuſehen, dagegen nicht als
Reichsbeamter im Sinne des Reichsbeamtengeſetzes in der Faſſung vom
1907. Der Staatsanwalt hält die Amtsunterſchlagungen nach § 350 des
St. G. B. für erwieſen, dagegen das Qualifikationsmoment des § 351 nicht
für vorliegend. Es wird eine Gefängnisſtrafe von 8 Monaten beantragt.
Die Verteidigung verneint, daß ein Beamtendelikt in Frage ſtehe,
Gabel=
mann ſei auf einfachen Dienſtvertrag angenommen worden; ſie will indes
eine einfache Unterſchlagung zugeſtehen. Gabelmann habe ſich ein Haus
gebaut und da wohl zu den Kaſſegeldern gegriffen. Bei Beurteilung der
Perſönlichkeit des Angeklagten ſei wohl in Betracht zu ziehen, daß er
ſich 3 Jahre in ruſſiſcher Gefangenſchaft befunden habe. Das Urteil
erkennt wegen Beamtenunterſchlagung auf 6 Monate Gefängnis
abzüglich 7 Wochen erlittener Unterſuchungshaft. Die unterſchlagene
Summe wird auf 3400 Mk. angenommen. Der Haftbefehl wird
auf=
gehoben, da Fluchtverdacht nicht mehr beſteht.
2. A. F. in Darmſtadt, geboren in Diedesheim (Baden), der ſchon
wegen Konkursvergehens im Jahre 1925 mit 3 Wochen Gefängnis
be=
ſtraft wurde, iſt nun wegen Verbrechens gegen die Konkursordnung
an=
geklagt. Er ſoll nach der am 20. September 1924 erfolgten
Konkurs=
eröffnung über ſein Vermögen einen ihm von den rheiniſchen
Textil=
werken in Aachen zugeſandten Ballen Scheuertücher beiſeite geſchafft und
den Erlös für ſich verwendet haben. Den Verkauf für die Textilwerke
hatte Handelsagent Böſche vermittelt. Böſche hatte gehört, daß F.
in Zahlungsſchwierigkeiten war und warnte ihn deshalb vor Annahme
der Ware. Der Staatsanwalt findet eine Beſtrafung nach § 239 Z. 1
der Konkursordnung oder doch nach § 133 St. G.B. für gegeben. Der
An=
geklagte meint, es ſei Sache des Konkursverwalters geweſen, die Ware
zu beſchlagnahmen. Das Urteil ſpricht eine Gefängnisſtrafe
von4 Monaten aus (8 239 Z. 1 Konkursordnung).
3. Die letzte Sache betrifft eine Körperverletzung, deren Jakob
Bickelhaupt von Gadernheim angeklagt iſt. Am 11. Oktober
1925 war in Gadernheim Kirchweihe, die auch von Beedenkirchenern
beſucht war, was das Mißfallen von Gadernheimern wohl erregt haben
mochte. Der Angeklagte war ſchon angetrunken, nach der Anklage ſoll er
den Zimmermann Peter Peter von Beedenkirchen mit der Hand und
ſpäter demſelben mit einer leeren Bierflaſche, die kaput ging, auf den
Kopf geſchlagen haben. Peter trug eine Schädelverletzung davon; er war
8 Wochen in Behandlung des Arztes Dr. Koch in Brandau. Das
ärzt=
liche Zeugnis desſelben ſtellt Gehirnverletzung mit Schädelbruch feſt.
Heute iſt Peter wieder gänzlich hergeſtellt, nur bei Witterungswechſel.
empfindet er noch Kopfſchmerzen. Der Vertreter der Staatsanwaltſchaft
will in der Unbeſtraftheit und Angetrunkenheit zwar mildernde
Um=
ſtände finden, andererſeits erachtet er aber für die brutale Tat eine
vier=
monatige Gefängnisſtrafe für angemeſſen. Der Vertreter des
Neben=
klägers geißelt ſcharf die rohe Tat, Peter habe keinen Anlaß zu
Bickel=
haupts Vorgehen gegeben. Die Verteidigung führt den ſehr guten
Leu=
mund des Angeklagten ins Feld, eine Geldſtrafe erſcheine als angemeſſene
Sühne. Das Urteil ſpricht eine Geldſtrafe von 600 Mark aus.
* Große Strafkammer. Wegen Betrugs und ſtrafbaren Eigennutzes
ſollte auf erhobene Berufung des Kaufmanns Max Hahn von
Gernsheim verhandelt werden. Der Angeklagte zog aber, obwohl
zu Händen ſeiner Ehefrau geladen, vor, nicht zu erſcheinen, weshalb
ohne Eintritt in die Verhandlung (Vernehmung von Zeugen und eines
Sachverſtändigen) die Berufung verworfen wurde. Da die Verhandlung
dieſer Sache längere Zeit erfordert hätte, war nur dieſe Sache fixiert
worden. So mußte die Sitzung alsbald wieder geſchloſſen werden.
* Zum Falle Mevn. Wir wir hören, hat ſeither eine
Eröff=
nung des Hauptverfahrens vor dem Schwurgericht nicht
ſtatt=
gefunden, es iſt vielmehr eine Ergänzung der
Vorunter=
ſuchung in die Wege geleitet worden, von deren Ergebnis es
abhängen wird, ob das Hauptverfahren wegem Mords oder
Tot=
ſchlags eröffnet werden wird.
— Erwiſcht. Durch Aufmerkſamkeit bei der Bedienung wurden in
einem hieſigen Geſchäft 2 Ladendiebinnen ertappt, als ſie bereits 3 Paar
Damenſtrümpfe hatten verſchwinden laſſen. Sie wurden der Polizei
übergeben.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld für die hieſigen höheren
Schulen für den Monat Februar 1926 iſt bei Meidung der Beitreibung
bis zum 10. März 1926 an die Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zu zahlen.
(Siehe Bekanntmachung im Anzeigenteil dieſes Blattes.)
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſiler und künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſfehenden Erwähnung
geſchieht, behält ſich die Redaktion ibr Urteil vor.
Ueber die Wirkung der Methode Coué, die am Mittwoch, 3. März,
abends 8 Uhr, im Mathildenhöhſaal, Dieburgerſtraße 26, JeanBenit,
der einzig beglaubigte Vertreter Coués, in einem zweiten Vortrag näher
erläutern wird, entnehmen wir einigen Briefen nachſtehende
Anerken=
nung: „Es freut mich, Ihnen ſagen zu können, daß ſeit September 1922,
um welche Zeit ich das Vergnügen hatte, Sie zu ſehen, mein Sohn keine
Aſthmaanfälle mehr hatte wie vorher. Es geht ihm vortrefflich und er
ſchläft ſehr gut."
Reſidenz=Theater. „Die Mühle von Sansſouci”, ein
Film, der eine Anekdote aus der Regierungszeit Friedrich des Großen
behandelt. Es iſt wieder Otto Gebüihr, der bedeutende Darſteller des
„alten Fritz”, der das Publikum zu Begeiſterungsſtürmen hinreißt,
ge=
nau ſo, wie wir es im Film „Friederieus Rex” erlebt haben. Nur iſt
die „Mühle von Sansſouci”, im Gegenſatz zu dem vorgenannten Film,
ein Bild des tiefſten Friedens und der humorvollen, biedermeierlichen
Gemütlichkeit. Die Begebniſſe, die den Stoff zu dieſem Film geliefert
haben, ſind allgemein bekannt. Die flotte Begleitung durch das große
Orcheſter, ihre friedericianiſchen Märſche (auch der Hohenfriedberger)
ſeien noch mit beſonderer Anerkennung erwähnt.
— Palaſt=Lichtſpiele: „Die — da unten.” Ein neuer
Zille=Film, deſſen Regie Viktor Janſon ſührte. Wieder wird die Welt,
die Zille mit ſeiner tiefen Anteilnahme an dem Leben der Enterbten und
Ausgeſtoßenen mit ſeinem gütigen Humor geſtaltet, ins Bildliche
über=
ſetzt; viele von den Figuren und Szenen, die uns aus Zilles Werk
ver=
traut ſind, werden auf der Leinwand lebendig. Ein Stück der Berliner
Hofwelt erſteht, wie es wohl heute nicht mehr exiſtiert, aber, einmal von
Zilles Augen erſchaut iſt und klaſſiſche Bedeutung behalten wird. Dieſe
Typen aus den Pennen und Deſtillen, dieſe Szenen aus den
Kellerwoh=
nungen werden in Verbindung gebracht durch eine rührende Handlung.
Eine Fülle charakteriſtiſcher Geſtalten tritt uns vor die Augen. An der
Spitze ſteht Janſon ſelber, der den Zuchthäusler in breitem Format als
einen Kraftkerl hinſtellt. So ſehr er manchmal an Jannings
erin=
nert, gibt er der Geſtalt doch die eigene Note. Vor allem iſt ſein
Minen=
ſpiel voll lebendigſten Ausdrucks. Ganz auf Zurückhaltung und auf
Be=
ſeelung angelegt, iſt der Zugführer des Ruſſen Malikoff, der zwdar
aus dem Rahmen etwas herausfällt, aber den wir unter keinen
Umſtän=
den miſſen möchten. Auch Egede Niſſen ſtattet das junge Mädchen
mit all der Schelmerei, Koketterie und Ausgelaſſenheit aus, die die Rolle
erfordert, aber ſie iſt auch den ernſten Momenten durchaus gewachſen.
Maly Delſchaft gibt der Geliebten des Zuchthäuslers neben der
ſozialen Echtheit den unverwüſtlichen Fonds von Anmut und
Menſchlich=
keit: eine Blume im Schmutze. Sehr ſympathiſch iſt Alfons Fryland
als ſozial denkender Arzt. Ganz hervorragend ſind auch die Nebenrollen
beſetzt, die die Zilleſchen Typen repräſentieren. Die Photographie von
Karl Drewshat es verſtanden, den Stimmungshintergrund zu ſchaffen
und die Wunder der Lichtwirkung in den Höfen und Kellerwohnungem
zur vollen Wirkung zu bringen.
Seite 6
Sonntag, den 28. Februat 1926
Nummer 39
Radio.
Der Leitung der Deutſchen Theaterausſtellung, Magdeburg 1926,
ſchreibt Staatsſekretär Dr. Bredow u. a.: „In den Plänen, die mir die
D. Theaterausſtellung M. 26 in großen Zügen entwickelt hat, ſehe ich
zußleich mit der Belebung und Vertiefung des Kunſtintereſſes im Volke
einen erwünſchten, Erfolg verſprechenden Weg zur Zuſammenarbeit von
Theater und Rundfunk. Ich darf wohl ſagen, daß ſeit der Entſtehung
des Rundfunks ein Aufhorchen durch alle Volkskreiſe ging, die dem
tieferen Sinn der gebundenen Sprache, den Ausdrucksformen dramatiſcher
Kunſt in Wort und Muſik faſt entfremdet waren.”
Dem Rundfumk iſt eine Kulturaufgabe zugefallen, wie ſie ſeit
Er=
findung der Buchdruckerkunſt noch keinem Verſtändigungsmittel oblag.
Iſt ſich der Rundfunk dieſer Aufgabe bewußt und hat er die Mittel, ſie
durchzuführen? Man kann ſagen, daß die großen Rundfunkſender ſich in
dieſer Hinſicht ehrlich bemühen, und daß vorläufig vorhandene
Hem=
mungen vorwiegend techniſcher und organiſatoriſcher Art ſind, daß aber
von Monat zu Monat Fortſchritte verzeichnet werden können. Der
Zeitpunkt iſt nun gekommen, zu den Aufgaben des Rundfunks und ſeinen
Leiſtungen öffentlich Stellung zu nehmen.
Den vielen Beſitzern kleiner Geräte iſt der Frankfurter Sender
zu=
nächſt der wichtigſte. Ihnen ſei geſagt, daß in etwa 2 Monaten der neue
Telefunkenröhrenſender mit einer Antennenausſtrahlung von 5 KW. in
Dienſt treten wird. Er iſt auf einem der höchſten Pukte zwiſchen
Frank=
furt und Vilbel mit einer 100 Meter langen Antenne zwiſchen 100 Meter
hohen Türmen erbaut nach Anſicht der Fachleute beſonders gunſtig
zwiſchen zwei Flußläufen (Main und Nidda) gelegen. Die ebenfalls neu
hergerichteten Beſprechungsräume liegen im Poſtſcheckamt Frankfurt
a. M. und ſind mit der Sendeſtation durch Kabel verbunden. Für
In=
ſtrumental=, vor allem Orcheſterdarbietungen wird das moderne
Reiß=
mikrophon verwendet, das automatiſch ein bevorſtehendes „Ueberſteuern”
des Senders anzeigt, wodurch im Sender eine einwandfreie
Klangwieder=
gabe erreicht werden kann.
Für die nächſte Zeit will der Frankfurter Sender während längerer
Pauſen ein Zeichen mit dem Morſebuchſtaben F (. . — .) geben, das
an=
zeigt, daß der Sender in Tätigkeit iſt und nur pauſiert. Dieſe Maß=
nahme iſt für alle die läſtig, die mehr hören können und wollen als nur
Frankfurt, beſſer wird man in Abſtänden einen Gongſchlag, der zur
Unterſcheidung von anderen etwa in zwei Terzentönen beſtehen kann,
hören laſſen.
Sehr erfreulich iſt die vom Frankfurter Sender ausdrücklich
mit=
geteilte und auch ſchon in die Tat umgeſetzte Abſicht, neben der Pflege
der guten alten Muſik auch die zeitgenöſſiſche bis zur neueſten zu Worte
kommnen zu laſſen. Milhaud und Stravinſky erlebten vor kurzem je
eine Erſtaufführung in Frankfurt, Paul Hindemith ſchrieb ſogar drei
Anekdoten eigens für Radio, die uraufgeführt wurden. Die moderne
Dichtung, das Wortdrama wird wohl nicht auf ſich warten laſſen, nehmen
wir an. Blicken wir auf die vergangene Woche, ſo finden wir auch da
neben anderem Intereſſantem eine muſikaliſche Erſtaufführung für
Deutſchland. Das Frankfurter Programm vom Montag 7,30 Uhr, das
vorzügliech zuſamengeſtellt, nur etwas zu lang war, führte an zweiter
Stelle des Schweizers Arthur Honegger „Conzertino für Klavier und
Orcheſter” mit Meiſter Alfred Höhn am Flügel. Die Uebertragung aus
dem großen Saal des Saalbaues war vorzüglich gelungen. Sodann
von der heiteren Muſe: Dienstag 8 Uhr 15, „Der Kuß am Nil”,
Ope=
rette von Walther Schütt, übertragen aus Hamburg. Die Lautſtärke an
ſich war gut, im Unterſchied zwiſchen geſprochenem und geſungenem Wort
jedoch zu ſtark. Mit neuen Operetten hat es im Radio überhaupt ſeinen
Haken. Ob viele „den Kuß” ganz zu Ende gehört haben? Gerade bei
der Operette, deren Handlung oft nicht ſehr bedeutend deren
Haupt=
wirkung meiſt auf Situationskomik, reizvolle Toiletten uſw. geſtellt, alſo
füir das Auge berechnet iſt, iſt der Nadio zunächſt noch Surrogat. Mit
Einſchränkung könnte man ähnliches von Guſtav Freytags „Journaliſten”
Mittwoch, 8 Uhr 15, im Frankfurter Sender ſagen, wenngleich da viele,
die das klaſſiſche Luſtſpiel kennen und lieben, und es im Theater lange
nicht hörten, ſich gefreut haben werden, es wieder einmal von
Schau=
ſpielern, alſo mit ganz anderem Effekt als beim bloßen Leſen,
vor=
getragen gehört zu haben. Von einzigartiger, gerade im Radio trefflich
wirkender Wiedergabe war das „Cembalokonzert” Alice Ehlers,
Donners=
tag abend 9 Uhr 15. Das Inſtrument, Vortragsmittel der alten
inter=
pretierten Komponiſten, für den heutigen großen Konzertſaal nicht ohne
weiteres geeignet, wurde in wundervoll trockener Klarheit gehört, für die
Pianiſtin, was Sauberkeit und Intonation anbetrifft, keine kleine
Auf=
gabe. Nur auch hier zu viel Lieder! Vor allem bringe man in den
Nadio=Wochenſchriſten die Texte der Lieder, ſelbſt für den Nonzerd
beſucher werden ſie ja aufs Programm gedruckt.
Das Münchener Sinfoniekonzert am gleichen Abend mit Mahlers
Erſter wurde 7 Uhr 40 durch 5 minutenlanges „Maſchinengewehrfeuer”
im Kopfhörer geſtört. Man ſagt, es ſei die Hochſchule; ſollte dies
zu=
treffen, ſo wird ſie vielleicht Mittel und Wege finden, ihre Lichtbogen
vor dem Abend ſpringen zu laſſen. Das Schoenmaker Streichquartett in
Elberfeld, übertragen durch Münſter, am Dienstag, 8 Uhr 45, litt
erheb=
lich durch die ach ſo verhaßten Funken der elektriſchen Bahn.
Nament=
lich Karlſtraße und Umgebung in Darmſtadt, wird davon ein Lied ſingen
können. Aber wir wollen anerkennen, daß die Heag im Verein mit der
Südweſtdeutſchen Rundfunk=A.=G. ſich Mühe gibt, die Störungen, die
je nach athmoſphäriſcher Lage verſchieden ſtart auftreten, zu beſeitigen.
und hoffen nur, daß der bislang gezeigte Eifer nicht nachlaßt, und bald
alle von dort kommenden Knarpgeräuſche beſeitigt ſein werden.
Aus dem Frankfurter Programm der kommenden Woche ſei vos
allem auf die Gedenkfeier im Reichstag, Sonntag 12 Uhr, hingewieſen.
ferner auf Goethes „Iphigenie auf Tauris”, ,die bei guter Ausführung.
in erſter Linie wegen ihrer Sprachſchönheit, auch im Radio Wirkung
hinterlaſſen wird, und ſchließlich auf das Klarinetter zert Freitag
8 Uhr 15.
Unſer Radiokind iſt noch jungen Alters. Es ſoll
Länder, ja über Kontinente hinweg verbinden, u.
Sprünge, wie eben ein kleines Kind. Um ſo notn
alle Teilnehmer von ſich aus zur Entwicklung beitra
gen austauſchen, ihre Vorſchläge zur Kenntnis brin
leriſcher, techniſcher oder organiſatoriſcher Natur.
— Leſeabende der Stadtbücherei. Mittwoch, den
der Leſeabend aus. Donnerstag, den 4. März, abens=
Leſekreis Frauengruppe.
* Unfälle. In einem hieſigen Betriebe explodierte geſtern
früh ein Gasofen. Dabei verbrannte ſich ein Lehrling erheblich im
Geſicht und an den Händen. — Ein Arbeiter erlitt in einer hieſigen
Maſchinenfabrik durch flüſſiges Eiſen Brandwunden am linken Fuß.
Beide Verletzte wurden von der Sanitätswache vom Roten Kreuz,
Saal=
bauſtraße 4—6, Tel. 400, nach dem Städtiſchen Krankenhaus verbracht.
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Nummer 59
Seite 7
Aus Heſſen.
Starkenburg.
Griesheim, 26. Febr. Gemeinderatsbericht. Die
Be=
ſchaffung von Material zur anderweitigen Befeſtigung der
Ortsdurch=
fahrt (Neue Darmſtädter Straße), wurde einer Kommiſſion, beſtehend
aus den Herren Bürgermeiſter Schüler, Gemeinderat Metzger und
Ge=
meindebauaufſeher Ritter, übertragen, die auch die weiteren Schritte
beim Kreisbauamt und bei der Heag unternehmen ſoll. — Die Mittel
für die Verſehung der ſüdlichen Seite des Bahnhofswegs mit
Rand=
ſteinen wurden bewilligt. Außerdem ſoll die nördliche Seite der
Ein=
fahrt, von der Schützenſtraße aus, erweitert werden. — Für die
Durch=
führung der Vorarbeiten betr. Feſtſetzung der Baufluchtlinie in der
„Poſch” (Waldkolonie), wurde eine Kommiſſion beſtimmt, beſtehend
aus den Herren Bürgermeiſter Schüler, Gemeinderat Metzger und
Bau=
aufſeher Ritter. — Nachdem der ſeitherige Gemeindebauaufſeher Ritter
in den Ruheſtand getreten iſt, ſoll dieſe Stelle nunmehr zur
Neube=
ſetzung ausgeſchrieben werden. Mit dem Entwurf eines Dienſtvertrags
wurde die Bauko
betraut. — Infolge eingetretener
Verände=
rungen in der
einiger Pächter von Gemeindegrundſtücken
genommen und neu verpachtet werden. —
Waſchkeſſeln für die Gemeindehäuſer am
Merker 1. Wwe., hier, zum
Angebots=
tück übertragen. — Füir das Konzeſſions=
1, Alte Darmſtädterſtraße 17, wurde die Be=
Da für die hieſigen Karuſſellplätze bereits
meh=
vot: vorliegen, ſoll deren Ausſchreibung im Fachblatt „Komet”
erfolgen. — Dem Philipp Olf wurde die Erbauung eines Wohnhauſes
in der Hehlgaſſe ohne Einhaltung der Baufluchtlinie geſtattet, da eine
Erweiterung dieſer Straße wohl doch nicht in Frage kommt. — Die
Heag” ſoll erſucht werden, die für die elektriſche Bahn zu errichtende
Wagenhalle außerhalb des Ortes aufzuführen, da das hierfür beſtimmte
Gelände wenig geeignet iſt. — Für die Begleichung des Holzgeldes
wur=
den folgende Zahlungstermine feſtgeſetzt: Die erſte Hälfte des
Steig=
preiſes am 1. Juli und die zweite Hälfte am 1. Oktober. Denjenigen
Steigerern, die innerhalb 4 Wochen nach der Verſteigerung Zahlung
leiſten, werden 2 Prozent Skonto gewährt. — Den Schluß der
Tages=
ordnung bildeten Steuer=Stundungs= und Wohlfahrtsſachen.
* Pfungſtadt, 26. Febr. Neuer Schuldiener. Die
Schuldie=
nerſtelle iſt dem Feldſchützen Ludwig Becker übertragen worden. Die
Baumwartſtelle bleibt vorläufig unbeſetzt. Der ſeitherige Baumwart
Geſell iſt in den Feldſchutz übernommen worden. — Die Sackgaſſe ſoll
mit Bruchſteinen aus den Eberſtädter Steinbrüchen beſtückt werden. Der
Gemeinderat hat hierfür einen Kredit von 1000 Mk. bereitgeſtellt.
* Nieder=Ramſtadt. Gemeinderatsbericht. Es hat ſich
herausgeſtellt, daß ſich die Beſtimmungen des Nachtrags zum
Ortsbau=
ſtatut vom 10. November 1900 für einen Teil des Baugeländes am
Loh=
berg nicht gut anwenden laſſen, insbeſondere würden einige bereits
be=
abſichtigte Bauvorhaben unmöglich gemacht worden. Der Gemeinderat
beſchloß daher, dieſe Beſtimmungen für alles rechts von der Straße
ge=
legene Baugelände nicht für anwendbar zu erklären, jedoch müſſen die
im Ortsbauplan vorgeſehenen Vorgärten beibehalten nerden. — Für die
im letzten Jahre vorgenommene Teerung der Kreisſtraßen mit Vialit
werden der Gemeinde von ſeiten des Kreiſes 700 Mk. als Koſtenanteil
angefordert. Der Gemeinderat beſchließt jedoch, die Zahlung des Betrags
davon abhängig zu machen, daß im laufenden Jahre eine
Vervollſtän=
digung der Arbeit erfolgt. — Zum Neubau des Hauſes des H. Wiehe
wird die Entſcheidung der Oberpoſtdirektion zur Kenntnis genommen.
Dieſe iſt für die Gemeinde vollſtändig unbefriedigend, weil eine
Woh=
nung für die Gemeinde nicht dabei herausſpringt. Der Gemeinderat
beſchließt daher unter dieſen Umſtänden, ein weiteres Darlehen nicht
gewähren zu können. — Der Karuffellplatz für das Jahr 1926 foll
wiederum, wie im Vorjahre, an die Frau Witwe Schneider aus
Biſchofs=
heim aus der Hand vergeben werden. Die Verwaltung wird
ermäch=
tigt, die notwendigen Verhandlungen in die Wege zu leiten. — Die
Gewerkſchaft Heſſ. Gemeindebeamten ſucht darum nach, der vom Dienſt
entlaſſenen früheren Gemeindekrankenſchweſter Pfeifer das Gehalt vom
Tage der Dienſtentlaſſung bis zum Dienſtantritt der neuen Schweſter
nachzuzahlen, weil ſie den Dienſt noch verſehen habe. Der Gemeinderat
lehnte dieſes Anſinnen jedoch einſtimmig ab, weil ein Rechtsanſpruch
darauf nicht mehr beſteht. — Die Kommiſſionen werden beauftragt, der
Verwaltung die im Jahre 1926 auszuführenden laufenden
Unterhaltungs=
arbeiten uamhaft zu machen, damit Berückſichtigung im
Gemeindevoran=
ſchlag erfolgen kann. Bei dieſer Gelegenheit machte der Bürgermeiſter
auf die Zuſtände des Wohnungsmarktes aufmerkſam. Dieſe wirken ſich
jetzt geradezu kataſtrophal aus, ſodaß unbedingt Abhilfe geſchafft werden
muß. Der Gemeinderat wird ſich in der nächſten Sitzung mit der Frage
zu befaſſen haben, welches Bauprogramm für 1926 entwickelt werden ſoll.
—Die Verwaltung wird ermächtigt, zum Zwecke der Einfriedigung des
Wegs nach dem Friedhof die erforderliche Anzahl Hainbuchenpflanzen zu
beſtellen, ebenſo die Beſchaffung von 50 Kg. Buchenſamen, für
Wald=
kultur. — Die defekte Brücke bei dev Gemarkungsgrenze Nieder=
Beer=
bach ſoll dunch eine Brücke aus Lerchenrundholz erſetzt werden. — Das
Kulturbauamt macht den Vorſchlag, das Haag zu entwäſſern. Die
Be=
ſchlußfaſſung wird ausgeſetzt, bis der Voranſchlag und die Pläne
vor=
liegen. Außerdem wird die Verwaltung ermächtigt, mit den
Grund=
ſtücksanliegern ins Benehmen zu treten, iwwieweit dieſe zur
Koſten=
tragung bereit ſind. — Die Anſchaffung von 50—60 Ztrn. Dickwurz für
das Faſelvieh wird genehmigt. — Dem Geſuch des Turnvereins auf
Erlaß der Sonderſteuer vom bebauten Grundbeſitz für die Turnhalle
wird ſtattgegeben. — Karl Reimund ſucht um die Gewährung eines
Bau=
darlehens für ein zu errichtendes neues Wohnhaus nach. Die Sache
wird bis zur nächſten Sitzung zurückgeſtellt. — Das Anbringen von drei
Entlüftungsflügel für die Gemeindebadeanſtalt wird beſchloſſen. Ein
Antrag der Wilhelm Schneider Erben auf Aufwertung einer
Reſtkauf=
geldforderung wird abſchlägig beſchieden, da Rechtsanſpriche nicht
be=
ſtehen. — In einer Aufwertungsklage der Ehefrau Full aus Frankfurt
am Main gegen die Gemeinde wird Bürgermeiſtereiſekretär
Steuer=
nagel zum Bevollmächtigten der Gemeinde beſtimmt. — Die Gewährung
einer Konfirmationsbeihilfe an bedürftige Kinder wird grundſätzlich
beſchloſſen. Die Auswahl der Kinder wird einer Kommiſſion übertragen.
— Schließlich werden noch einige kleinere Anfragen erledigt.
* Ober=Ramſtadt, 26. Febr. Die für dieſen Sommer beabſichtigten
Vereinsfeſte ſollen, wie bekannt geworden, nicht auf dem
Gemeindeſport=
platz am Buchwald, ſondern auf den ſogenannten Helgertswieſen, links
des Nieder=Modauer Wegs, abgehalten werden. Nachdem ſeitens faſt
aller hieſigen Vereine die Errichtung eines Sport= und Feſtplatzes jahre= 9
lang gefordert und nun 1925 der Sportplatz am Buchwald mit
erheb=
lichen Koſten fertiggeſtellt wurde, iſt die Abhaltung auf anderen Plätzen
nicht recht verſtändlich. Daß ſich unſer Gemeindeſportplatz am Buchwald
mit der vorhandenen Licht= und Waſſeranlage als Feſtplatz ſehr gut
eig=
net und, teilweiſe herrlich vom Walde umgrenzt, jede Umfriedigung
überflüfſig macht, iſt eine feſtſtehende Tatſache. Selbſt nach ſtarken
Re=
gengüſſen iſt er ſehr raſch wieder trocken und angeſichts ſeiner Größe als
Feſtplatz wie kaum ein anderer geeignet. Die feſtgebenden Vereine
ſoll=
ten dieſe Vorteile wirklich nicht außer acht laſſen.
r. Babenhaufen, 2. Febr. Nachdem die Holzabfuhrſcheine an die
hieſigen Ortsbürger von der Bürgermeiſterei verausgabt worden ſind,
ſieht man hier ganze Wagenkolonnen von Holzfuhrwerken, durch die
Ortsſtraßen fahren. Jeder Ortsbürger — es ſind deren zurzeit über
500 — erhält nach einem alten Recht 6 Meter Holz und 100 Wellen. —
Auf dem hieſigen Exerzierplatze wird ſoeben eine neue Flugzeughalle
er=
richtet, in der mehrere Flugzeuge Unterkunft finden können. — Am
Sonntag abend hält der evangeliſche Kirchenchor einen Familienabend im
Saalbau „Deutſcher Hof” ab. Gemiſchte Chöre, Muſikvorträge und die
Aufführung zweier Theaterſtückchen werden den Abend verſchönern
hel=
fen. — Ein intereſſantes Handballſpiel, ſteht den Sportfreunden am
Sonntag auf dem Exerzierplatze bevor. Der Polizeiſportverein, der erſt
vor bierzehn Tagen ſein hohes Können zeigte, ſpielt diesmal gegen die
1. Elf der Reichswehr Nr. 15 aus Gießen, der ebenfalls ein guter Ruf
vorausgeht.
Sonntag, den 28. Februar 1926
— Michelſtadt, V. Febr. Abiturientenexamen. Am Don.
nerstag fand an der hieſigen Oberrealſchule die mündliche Prüfung
der diesjährigen Abiturienten ſtatt. Von 13 Schülern konnten 10
zur Prüfung zugelaſſen werden, die alle beſtanden. Fünf Schüler waren
von der mündlichen Prüfung befreit. Unter den Abiturienten befanden
ſich auch zwei Schülerinnen. Als Vertreter des Landesamts für das
Bil=
dungsweſen war Herr Staatsrat Dorfeld zu dem Examen erſchienen.
Im Laufe dieſer Woche wird die Holzhauerei im hieſigen Stadtwald zu
Ende gehen. Dadurch fallen ungefähr 20, ſeither im Walde beſchäftigte
Erwerbsloſe, wieder der öffentlichen Fürſorge anheim.
* Fürth, 25. Febr. Verſetzung. Herr Oberamtsrichter Gilmer
kam als Staatsanwalt nach Darmſtadt; an ſeine Stelle tritt Herr
Amts=
richter Muhl aus Nidda. Die Ueberſiedlung des neuen Amtsrichters
kann erſt erfolgen, wenn die Wohnung frei wird.
* Waldmichelbach, 26. Febr. Bürgermeiſterwahl. Bei der
Bürgermeiſterwahl der Nachbargemeinde Unter=Schönmattenwag wurde
der ſeitherige Bürgermeiſter Sauer wiedergewählt. Die Wahl wurde
wiederholt beanſtandet, da gegen Bürgermeiſter Sauer ein Verfahren
ſchweben ſoll.
— Hirſchhorn, R. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
26. Februar 1,67 Meter, am 27. Februar 1,54 Meter.
E. Auerbach, 26. Febr. Der Verſchönerungs, Kur= und
Verkehrsverein. Auerbach läßt am nächſten Sonntag, den 28. d3.
Mts., im großen Saale des Gaſthauſes zur Bergſtraße (Weigold), abends
8 Uhr beginnend, durch den als vorzüglichen Redner bekannten Kapitän
Herrn von Senden an Hand von mehr als 120 Lichtbildern einen
Vor=
trag halten. Der Redner, über deſſen überall mit größtem Beifall
auf=
genommenen Lichtbildervorträge eine große Anzahl glänzender Kritiken
in den Zeitungen erſchienen ſind, wird über ſeine Erlebniſſe vom
Schiffs=
jungen zum Kapitän während ſeiner mehr als 42jährigen Tätigkeit zur
See berichten. Da der Redner, außerdem die koſtbarſten Perlen
ſee=
männiſchen Humors in ſeinem Vortrage verwebt und der Eintrittspreis
nur 50 Pfennig für Nichtmitglieder und für Mitglieder die Hälfte
be=
trägt, ſo dürfte auf einen recht zahlreichen Beſuch dieſes einzigartigen
Lichtbildervortuages zu rechnen ſein.
* Von der Bergſtraße, 25. Febr. Schwer verunglückt. Im
ſtaatlichen Steinbruch „Porphyrwerk” Doſſenheim verunglückte der 35
Jahre alte verheiratete Arbeiter Friedrich Miltner durch einen
herab=
fallenden Felsblock ſchwer, ſo daß an ſeinem Aufkommen gezweifelt wird.
— Stark umworben. Um den vakanten Poſten des Vorſtehers
der ſtädtiſchen Sparkaſſe in Schwetzingen ſind nicht weniger als 35
Be=
werber aufgetreten.
* Von der Bergſtraße, 26. Febr. Schwer verunglückt. Im
Maſchinenfabrik „Badenia”, vormals Wilhelm Platz Söhne A.=G.,
Wein=
heim, einberufenen Verſammlung von Angeſtellten und Arbeitern
er=
ſtattete Kaufmann F. Stern aus Mannheim namens der
Geſchäfts=
aufſicht den Bericht über die zur Sanierung bis jetzt getanen Schritte.
Leider ſeien die Bemühungen bei den badiſchen und heſſiſchen
Staats=
behörden um Erlangung von Krediten bzw. Staatsbürgſchaften ohne
Er=
folg geweſen. Vorausgeſetzt, es würde ſich eine dieſer beiden
Regierun=
gen entſchließen, helfend einzugreifen, ſo müßte ſie damit rechnen, daß
viele andere notleidende Werke ſofort mit gleichen Anſprüchen
hervor=
treten würden. Neuerdings werde indeſſen in Karlsruhe die Errichtung
einer Wirtſchaftsbank geplant, um Kredite für die Induſtrie zur
Ver=
fügung zu ſtellen. Es handle ſich für die Badenia” um einen Kredit
von 400 000 bis 500 000 Mark. Sobald dieſer bewilligt ſei, werde an
die Stadtgemeinde Weinheim wegen einer Obligationsanleihe von
700 000 bis 800 000 Mark herangetreten werden, ſelbſtredend gegen
Her=
gabe ausreichender Sicherheiten. Allerdings müſſe mit Ablauf der
Ge=
ſchäftsaufſicht die Liquidation des Werkes beſchloſſen werden, doch dieſe
werde ſofort aufgehoben, wenn ausreichende Mittel zur Verfügung
ſtehen. Die Verſammlung beſchloß, ſich mit einer entſprechenden
Ein=
gabe an den badiſchen Landtag zu wenden. Eine Abſchrift dieſer
Ein=
gabe ſoll auch dem heſſiſchen Landtag zugeſandt und außerdem ſollen die
heſiſchen Odenwaldgemeinden als mitintereſſiert aufgefordert werden, auch das Publikum bringt der Schau großes Intereſſe entgegen.
ſich an der Hilfsaktion zu beteiligen, damit bald wieder die Schornſteine
der „Badenia” rauchen.
—Gernshrim, R. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
R. Februar 0,98 Meter.
Von einem vom Kreisamt Groß=Gerau eingelaufenen Schreiben, betref= genehmigt, ebenſo fand die Rechnung vom Wohlfahrtsamt in Höhe von
fend Losholzverteilung, wurde Kenntnis genommen. Ein erneuter
An=
trag der bürgerlichen Fraktion, nur das geſetzliche Maß zu verteilen,
wurde abermals mit Stimmengleichheit abgelehnt. Ein weiteres
Schrei=
ben des Kreisamts, betreffend Koſten der Forſtverwaltung, wurde zur
von 2442,60 Mark wurde angenommen. Die vom Kreisamt feſtgeſetzten
Tagegelder und Reiſekoſten iwerden anerkannt. Dem Antrag des
Ge=
werkſchaftskartells, bezüglich 2. Nate der Winterbeihilfe für Erwerbs= von 6000 Mark und außerdem ein Darlehen von 500 Mark gewähren,
loſe, wurde inſofern entſprochen, als den Verheirateten und den Ledigen,
die einzige Ernährer der Familie ſind, die Beihilfe auch für Februar, einer Unterprima zugeſtimmt, die Mittel wurden zur Verfügung geſtellt.
zu gewähren iſt. Ein Antrag der Erwerbsloſen, ſchon jetzt die
Rodungs=
des Losholzes noch nicht vorgenommen werden kann. Für Ausbeſſerung geſuche wurden zuſtimmend erledigt.
der Ortsſtraßen und des Schulhofes ſoll ein Waggon Schlacken und ein
zentrale in Darmſtadt für Bauluſtige beantragte Geld iſt eingetroffen.
Der Schulhausneubau wurde vorläufig zurückgeſtellt. Dem Landwirt ſoll. Es handelt ſich um eine Linie Gießen—Annerod—Steinbach—
Daniel Stork wird das Grundſtück am Griesheimer Weg zur Anlegung Albach-Burkhardsfelden—Hartenrod, die ſpäter bis Grünberg
durch=
von Spargeln auf die Dauer von 30 Jahren zum derzeitigen Pachtpreis geführt werden könnte. Eine Firma aus Bremen iſt bereit, die Sache
überlaſſen. Das Geſuch des Pfarrers, betreffend Inſtandſetzung ſeiner, ohne Unterſtützung der Gemeinden auszuführen.
Wohnung, iſt der Baukommiſſion überwieſen.
ordnung. Nachdem der Kreistag mit B8 gegen 2 Stimmen die Ein= an den Folgen eines Schlaganfalls geſtorben, nachdem er von 1888 bis
führung der Städteordnung für Groß=Gerau abgelehnt hat, iſt ſeitens zu ſeinem Tode, alſo nahezu 40 Jahre, in unſerer Stadt als Geiſtlicher
des Miniſteriums angeordnet worden, daß durch den neuen Gemeinderat tätig war. Er war ein edler deutſcher, echt chriſtlicher Mann, der auch
ein Beſchluß zu erfolgen habe, ob der vom alten Gemeinderat geſtellte an den Geſchicken unſeres Vaterlandes und der Stadt lebhaften Anteil
Antrag auf Aufhebung der Städteordnung aufrecht erhalten werden ſoll nahm, er genoß allgemeine Hochachtung. Neben ſeinem Pfarramt war
oder nicht.
ſchaftskammer für Heſſen veranſtaltet am Mittwoch, den 3. März 1926, ein warmer Freund des Turnvereins. Mit ihm geht ebenſo wie mit
vormittags 11 Uhr, im Gaſthaus „Zum Löwen” in Reichelsheim eine dem jäh verſtorbenen Rektor Auguſt Storch ein Stück Butzbacher Ge=
Vortragsfolge, in der ſprechen werden die Herren: Landesinſpettor ſchichte dahin. Er iſt als Lehrersſohn in Södel geboren, ſtudierte in
Pfeiffer=Darmſtadt über: „Die Einſtellung des deutſchen Obſtbaues zur Gießen beſuchte das Predigerſeminar Friedberg und wirkte in Ober=
Auslandskonkurrenz”. Obſtbauinſpektor, Behne=Darmſtadt über: „Die Lais, Homberg a. d. Ohm und Butzbach.
wichtigſten Maßnahmen in der Obſtbaumpflege.” Landwirtſchaftsaſſeſſor
Haury=Reichelsheim über: „Düngungsfragen aus dem Obſtbau”, mit amtes, welches die auffallenden Bevölkerungsziffern wäh=
Lichtbildern. Die Landwirte und Freunde des Obſtbaues ſind zu dieſer rend und nach dem Kriege zeigt. Während vor dem Kriege
Veranſtaltung der Landwirtſchaftskammer, zu der kein Eintritt erhoben jährlich rund 110—120 Kinder geboren wurden, betrug dieſe Ziffer
wird, freundlichſt eingeladen. Der Beſuch dürfte in Anbetracht der 1916 70, 1917 61, 1918 nur 37, 1919 79 um 1930 den höchſten Punkt
intereſſanten und zeitgemäßen Themen ſehr zu empfehlen ſein.
Eine Hausfrau ist kein Chemiker
Erst im Gebrauch, also meist, wenn es
schon zu spät ist, vermag sie zu
er-
kennen, ob ein als unschädlich
ange-
priesenes Waschmittel auch tatsächlich
Ke
unschädlich ist. Das Vertrauen, das
die gesamte deutsche Hausfrauenweit
dem Dr. Thompsons Seifenpulver
entgegenbringt, rechtfertigen wir seit
Jahrzehnten immer wieder aufs neue.
Rheinheſſen.
Alzey, 27. Febr. Zu unſerer geſtrigen Notiz Leichenfund im
Vorholz ſchreibt unſer Mitarbeiter: Am Mittwoch nachmittag wurde
durch den ſeitens der Gemeinde Oberwieſen in der Pfalz bedienſteten
Feldhüter in dem Wiesbach eine männliche Leiche aufgefunden, die
ſchwere Stichverletzungen auſwies, nämlich Durchſchneiden der linken
Pulsader, einen Stich in der Nabelgegend, einen Stich in die rechte
Unterleibſeite, ſo daß die Gedärme hervortraten, ferner drei Stühe in
den Hals. Da nicht feſtgeſtellt werden konnte, ob Mord oder
Selbſt=
mord vorliegt, wurde ſofort das Amtsgericht Alzeh benachrichtigt, das
mit der zugezogenen Gendarmerie am Tatort erſchien und mit Hilfe des
zugezogenen Arztes feſtſtellte, daß trotz der ſchweren Verletzungen es
ſich um einen Selbſtmörder handelte. Trotz aller Nachforſchungen konnte
die Identität der Leiche nicht feſtgeſtellt werden, da dieſelbe keinerlei
Papiere und ſonſtige Gegenſtände bei ſich hatte. Außer einem weißen
Taſchentuch, das mit den Buchſtaben P. B. gezeichnet war, wurde nichts
vorgefunden. Alter der Leiche 50—60 Jahre, kräftige, unterſetzte
Ge=
ſtalt, 1,68—1,70 Meter groß, grau melierte Haare und ſtarker, grau
melierter Schnurrbart. Die Leiche war bekleidet mit einem
dunkel=
grauen Anzug, hellgrauem Hut, ſchwarzen Schnürſchuhen mit
Gummi=
abſätzen. Der Spazierſtock iſt braun mit ſchwarzem Holzgriff. Am
Dienstag, den 23. Februar, wurde der Unbekannte noch in Niederwieſen
geſehen, wo er bei dem Gaſtwirt Freſenius noch zwei halbe Wein
ge=
trunken hatte und hier nach dem Weg nach Oberwieſen frug. Am
Mitt=
woch wurde er dann in dem Wiesbach, der die Grenze zwiſchen den
bei=
den Gemarkungen Offenheim—Oberwieſen bildet, ungefähr einen
Kilo=
meter von Oberwieſen entfernt, mit dem Geſicht in der Lache liegend,
aufgefunden. Der Tatort war von Hunderten von Menſchen umlagert,
zumal in der dortigen Gegend derartige Handlungen nicht vorkommen.
Die weiteren Ermittelungen werden hoffentlich bald Aufklärung der
Tat bringen.
Bingen, 26. Febr. Tragiſcher Tod. Auf tragiſche Weiſe ums
Leben gekommen iſt geſtern der 15 Jahre alte Schloſſerlehrling Johann
Brand aus dem benachbarten Kempten. Auf bisher noch unaufgeklärte
Weiſe geriet der Junge im Binger Hafen zwiſchen den Prellblock und
die Puffer eines Wagens. Beim Zurückſtoßen wurde er erfaßt und
empfindlich gequetſcht. Im Laufe des Nachmittags iſt er ſeinen
Ver=
letzungen erlegen.
M. Bingen, 27. Febr. Auch bei dem diesmaligen Hochwaſſer, das
zuerſt die Nahe brachte, und dann der Rhei haben die elektriſchen
Pumpen der Stadt Bingen ſich wieder glänzend bewährt. Sie haben
die tiefergelegenen Stadtteile vom Waſſer freigehalten. Diesmal übte
die Nahe, die ja ungemein geſtiegen war und deren Hochwaſſer ſehr
ſchell kam, wieder den ſtarken Druck auf den Binger Rheinwaſſerſtand
aus, den man von früheren Erfahrungen her kennt und der als recht
gefährlich in Betracht kommt und auch dementſprechend berückſichtigt wird.
Oberheſſen.
* Gießen, N. Febr. Die Gießener Turnerſchaft und überhaupt der
Gau Heſſen beſucht jedes Jahr mit Vorliebe die Bergrurnfeſte auf dem
Feldberg und auf der Rhön. Beſonders das Rhönturnen auf der
850 Meter hohen Waſſerkuppe hat große Anziehungskraft erlangt. Da
dieſes Jahr das 20. Jubiläumsfeſt begangen wird, mit dem das
Wett=
turnen auf den 8. Auguſt feſtgelegt wurde, ſo rüſten ſich die hieſigen
Turner ſchon heute auf die Wettkämpfe. 1927 wird auf dem
Rhönturn=
feſt auch das Altersturnen auf Antrag des Gaues Heſſen eingeführt.
* Gießen, 27. Febr. Im Hotel Prinz Karl findet gegenwärtig eine
Fachausſtellung hochwertiger Büromaſchinen ſeitens der Firma Zeiß aus
Frankfurt ſtatt. Alle hochwertigen Maſchinen und Regiſtratur=
Einrich=
tungen für Private und Behörden werden hier gezeigt. Der Beſuch
der Ausſtellung iſt ſeitens der Induſtrie und der Behörden ein ſehr reger,
* Gießen, 26. Febr. Das Stadtparlament tagte geſtern unter
dem Vorſitze des Oberbürgermeiſters Keller. Es wurde beſchloſſen, ein
Auto für das Stadtbauamt zu beſchaffen, 6000 Mark wurden bewilligt.
gkl. Büttelborn, R. Febr. Ausder Gemeinderatsſitzung. Die Herſtellung einer Entlüftungsanlage für das Krematorium wurde
871 000 Mark Zuſtimmung. Die Gießener Turnerſchaft hatte den
An=
trag geſtellt, die Stadt möge die Forderung von 2445 Mark vom
Kreis=
turnfeſt auf die Stadtkaſſe übernehmen. Die Turnerſchaft zog den
An=
trag zurück. Der Arbeiter=Samariterbund bat um eine Beihilfe zur
Kenntnis gebracht. Der Beitrag für das Rechnungsjahr 1924 in Höhe Beſchaffung einer fahrbaren Tragbahre, der Antrag wurde
zurück=
gezogen. Das gleiche tat der Verband ehemaliger 116er, der beantragt
hatte, die Stadt möge zum 116er Tag und zum Denkmal einen Zuſchuß;
Zwecks Ausbaues der Studienanſtalt wurde der Errichtung
Die Stadt trat zwecks Verſorgung des Theaterperſonals der
Bühnen=
arbeiten zu übertragen, mußte zurückgeſtellt werden, da die Verteilung verſorgungsanſtalt bei. Verſchiedene Baugeſuche und Baudarlehens=
* Gießen, 26. Febr. Eine neue Autoverkehrslinie iſt
Waggon Beſſunger Kies beſtellt werden. Das von der heſſiſchen Giro= geplant, die mehrere größere Orte des Kreiſes Gießen, die ganz abſeits
vom Bahnverkehr liegen, in Verbindung mit unſerer Kreisſtadt bringen
* Butzbach, 26. Febr. Einer der verdienſtvollſten Bürger unſerer
* Groß=Gerau, 26. Febr. Stellungnahme zur Städte= Stadt, Pfarrer Adolf Loos, iſt im Alter von 63 Jahren
er jahrzehntelang als Lehrer an der Realſchule tätig, er rief den
evan=
geliſchen Kirchenchor, den Arbeitevverein, den Bawerein ins Leben,
— Obſtbauliche Vorträge in Reichelsheim i. Odw. Die Landwirt= leitete den Guſtav=Adolf=Verein und den Evangeliſchen Bund und war
* Alsfeld, 26. Febr. Sehr intereſſant iſt eine Statiſtik des
Standes=
von 130 zu erreichen. Getraut wurden früher durchſchnittlich 30—35 Paare,
1916 nur 25, 1917 16, 1918 14, 1919 57, 1930 61. Die Sterbefälle
be=
liefen ſich früher jährlich auf 70—80, ſie ſtiegen im den Kriegs= und
Nachkriegsjahren ſehr ſtark an und betrugen 1915 110, 1916 100,
1917 98, 1918 116, 1919 100, 1920 101. Seit 1921 ſind ſie unter dem
früheren Stand getreten und betragen unter 70 durchſchnittlich.
* Grünberg (Heſſen) 26. Febr. Für die Aufnahme des neuen
Waſſerbehälters ſind 700 Kubikmeter Erde in 15 Meter Breite, 22 Meter
Länge und 3 Meter Tiefe ausgehoben und fortbewegt worden. Dieſer
Naum wird vollſtändig mit Beton ausgefüllt und wird 3
Einzel=
kammern, mit einer Aufnahmefähigkeit von zuſammen 500 Kubikmeter
Waſſer enthalten. Die Betonarbeiten werden nächſte Woche vergeben
und gleich begonnen werden. Nur Erwerbsloſe fanden bis jetzt an
dieſer Arbeit Beſchäftigung. — In der geſtern ſtattgefundenen
Ver=
ſammlung der Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaft Grünberg wurde die
Beſchaffung von Dünge= und Futtermitteln für das kommende Frühjahr
beſprochen und die Lieferanten feſtgeſtellt. Eingehend wurden die
Steuern und die wirtſchaftliche Lage der Landwirte erörtert.
* Schlitz, 26. Febr. Eine Grippe=Epidemie herrſcht in
meh=
reren Orten des Schlitzerlandes, z. B. Hartershauſen, Uellershauſen,
Hemmen. Das Auftreten iſt ſo heftig, daß bereits mehrere Todesfälle
eingetreten ſind.
Seite 8
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Nummer 39
* Der kaiferliche Schatz von Nara.
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(Schluß.)
en die wie für ein Paradies geſchaffenen Geräte des Shoſoin
ſervorgegangen ſind. Denn, was der Shoſoin birgt, iſt Tang=
Is Schüler der eingewanderten koreaniſchen, chineſiſchen und
in=
zon ſolcher reſtloſen Vollendung zu ſchaffen, wie ſie der
Hofmar=
chall des kaiſerlichen Palaſtes in Nara verlangte. Gab es doch
* uch unter Kaiſer Shomu eine beſondere Behörde zur Pflege der
zildenden Künſte, wie aus Rechnungsurkunden des Jahres 745
gervorgeht. Und dieſe Tangkunſt des Shoſoin iſt aufs höchſte
verfeinerte Hofkunſt, ariſtokratiſch durch und durch, aber frei von
ener bramarbaſierenden Uebertechniſierung und ſnobiſtiſchen Auf=
Fmachung, die uns die höfiſche Kunſt des 19. Jahrhunderts ſo
ver=
leidet. Man möchte das im Shoſoin gehütete Kunſtgewerbe der
Pangzeit mit der gleichzeitigen lyriſchen Dichtung vergleichen.
in der vollendeten Beherrſchung und Eleganz der ſprachlichen
Literatur” bezeichnen, wie in den Dichtungen eines Li=Tai=poh,
Tu=Fu, Chao Han und anderer die urſprüngliche Volkspoeſie der
abſoluten Kunſtdichtung Platz machte, ſo ſteht auch das höfiſche
Gerät des Shoſoin auf einer nicht mehr zu ſteigernden Stufe
künſtleriſcher und techniſcher Vollendung. Eine reſtloſe
Aufzäh=
lung aller im Shoſoin aufbewahrten Gegenſtände käme einer
end=
loſen Abſchrift des aus der Stiftungszeit noch erhaltenen
um=
fangreichen Kataloges gleich. Um nicht von der überwältigenden
Fülle der im Shoſoin niedergelegten Denkmäler verwirrt zu
werden, faſſen wir die erleſenſten Geräte gruppenweiſe
zu=
ſammen.
An die Spitze ſtellen wir die Metallſpiegel und
Muſikinſtru=
mente. Mehr als 100 Spiegel der Dangzeit liegen im Shoſoin.
Was das heißt, ſagt wohl am beſten jene Inſchrift, die einſt ein
Spiegel der Tangzeit trug. Sie ſteht in einer alten chineſiſchen
Abhandlung über Stein= und Bronzealtertümer und lautet:
„Beim Schmelzen der Form war göttliche Schmelzkunſt,
Glänzendes Metall und gute Arbeit.
Der Spiegel gleicht der Perle, die aus der Schachtel kommt,
Er gleicht dem lichten Monde, der in der Höhe weilt”.
(Ueberſetzung von R. Wilhelm.)
Was wüßten wir mit ſolchen poetiſchen Vergleichen anzufangen,
wären nicht die Spiegel des Shoſoin als Belegſtücke noch auf
uns gekommen! „Göttliche Schmelzkunſt” offenbart ſich in der
Tat an jedem einzelnen Stück des Shoſoin: die Vorderſeiten der
Spiegel geſchliffen und mit Queckſilber poliert, die Rückſeiten
aber Folien für den herrlichſten Schmuck, der ſich überhaupt
er=
denten läßt. Da iſt ein Spiegel, deſſen Rückſeite aufs reichſte mit
goldenen Einlagen auf Silbergrund verziert iſt: auf dem Rande
ein zwiſchen Vögel und Zweige eingeſtreutes Liebesgedicht, im
Fond eine phantaſtiſche Meereslandſchaft, umrahmt von einem
melodiös bewegten helleniſtiſch=iſlamiſchen Rankenwerk in
chine=
ſiſcher Umformung. Erſt am Ende des 19. Jahrhunderts wurden
die japaniſchen Metallſpiegel von den europäiſchen Glasſpiegeln
verdrängt, aber unerreicht in der ganzen oſtaſiatiſchen Kunſt
blie=
ben jene Spiegel des Shoſoin, deren Rückſeiten in
golddurch=
pulverter ſchwarzer Lackſchicht inkruſtiert ſind mit einem
unbe=
ſchreiblich maleriſchen und doch wieder ſo naturhaft klar
geglie=
derten Ornament aus zart gravierten, teilweiſe untermaltem
Perlmutter, rotem Bernſtein und Splittern farbiger Steine. Einen
anderen Spiegel wieder zieren in freieſter Einlegearbeit fliegende
Vögel und graziöſes Gerank aus Gold und Silber in ſchwarzem
Lackgrund. Keine Technik der Metallverzierung iſt den
hochbegab=
eine der oſtaſiatiſchen Kunſt bis zur Mingzeit ſonſt fremde
Tech=
goldete Rückſeite dieſes Spiegels hat die Form einer geöffneten
Lotosblume in grünem, blauem und braunem Email zwiſchen
aufgelöteten Goldſtegen; das älteſte und bis jetzt einzige „
Taſhi=
hao” CTaſhi Araber yao—Gebranntes, d. h. Schmelz) der
Tang=
kunſt. Als Quelle dieſer durch die Araber vermittelten Technik
kann nur Byzanz in Betracht kommen. — Was ſoll man nun
mente des Shoſoin, die ihresgleichen ſuchen unter allen Schöp= tiſcher Herkunft ſein dürften. Der ſo rege Verkehr Chinas mit
fungen, die jemals menſchliche Hände geſchaffen? Eine
birn=
in Einlagen aus Silber, untermaltem Elfenbein, Horn, Bambus
und farbigen Hölzern, ſtrahlende Lotosblütenſterne, umgaukelt
von ſelig durch die Lüſte ſchwebenden Vögeln mit flatternden
Blütenzweigen im Schnabel. Eine andere Laute iſt nur mit
geo=
metriſchen Ornamenten eingelegt; aber in einer geradezu
kosmi=
ſchen Ordnung iſt das ſchlichte Sternchenmuſter über den dunklen
Grund des Lautenkörpers verteilt. Doch als einzigartigen
Schmuck tragen dieſe Muſikinſtrumente auf der Oberſeite der
Schallkäſten Gemälde auf breiten Lederſtreifen; ſo ſind auf einer
Laute Tigerjagden, auf einer anderen auf einem weißen
Elefan=
ten reitende Muſikanten in romantiſch
großartigerGebirgsland=
ſchaft dargeſtellt. Von der ſo gefeierten Malerei der großen
dieſe Malereien auf den Muſikinſtrumenten des Shoſoin mit
ihrem pathetiſchen Rhythmus, der Menſch, Tier und Landſchaft
ßen Tangmeiſter mußten in der Tat Magier geweſen ſein, die die (
Macht beſaßen, mit dem Pinſel auf der entfalteten Rolle von
Pracht von Ebbe und Flut, die grünen Wälder, die wehenden hochgeſchätzten Töpfereien der Provinz Honan, die von den
SMnstag, den 28. Febfügr 1926
Wang Wei in dionyſiſcher Schaffenswonne jubelt. Wie viel wäre wie ein Spiegel, dünn wie Papier und tönend wie eine
Jade=
noch zu erzählen von den anderen Inſtrumenten des Shoſoin, klangplatte.”
von runden Mandolinen, liegenden Harfen, ſchwarzgelackten und
goldverzierten Rohrflöten, von den ſo prickelnd bemalten Schlag= birgt der Shoſoin noch zahlloſe koſtbare Oinge: auf indiſche
Mo=
ſtäbchen aus Elfenbein! Wie muſikfreudig müſſen doch die
Men=
ſchen der Tangzeit geweſen ſein, die auf ſo formvollendeten und Opferſchalen aus graviertem Silber oder bemaltem Edelholz in
Es wird wohl niemals gelingen, eindeutig die Nationalität, mit inbrünſtiger künſtleriſcher Hingabe veredelten Inſtrumenten Form rieſiger Blüten, Räuchergefäße, vom einfachen Bronzeguß
er Kunſthandwerker zu beſtimmen, aus deren feinnervigen Hän= ſpielten! Die rituelle und profane Muſik Chinas war ſchon
un=
ter Confueius hochentwickelt. Und aus einem Zeremonienbuch
der Han=Dynaſtie (202 v. bis 20 n. Chr.) erfahren wir, daß
unſt, d. h. aber, daß der ganze rieſige aſiatiſche Kontinent an der einem Fürſten ein ganzes Orcheſter mit ins Grab gegeben wurde:
eſtaltung dieſer Schätze irgendwie beteiligt war: China und 16 Klingeln, 4 Glocken, 16 klingende Steine (Jade), 1 Occarina,
Koreg, Indien und Perſien, Vorderaſien und Turkeſtan, ja ſelbſt 4 Flöten, 1 Rohrpfeife, 6 Zithern, 1 Harfe. 1 Laute, 1
Maul=
sibirien. Und auch japaniſche Künſtler dürften in der Narazeit trommel, 1 Klapper, mit der man das Zeichen zum Beginn der
Muſik und 1 Inſtrument, mit dem man das Zeichen zum
Auf=
iſchen Kunſthandwerker wohl ſchon befähigt geweſen ſein, Dinge hören gab. In der chineſiſchen Reichshauptſtadt gab es ein
eige=
nes Muſikminiſterium, in dem allerdings nur klaſſiſche Muſik für
die großen Opferfeiern gepflegt wurde. Wurde nun auch in
Japan ſchon in der vorbuddhiſtiſchen Zeit eifrig muſiziert, ſo
übernahm man doch mit dem Eindringen der chineſiſchen Kultur
auch die weit entwickeltere feſtländiſche Muſik. Schon im Jahre
554 kamen 4 Muſiklehrer aus Koreg nach Japan, im Jahre 612 Shoſoin hat ſelbſt die Schreibpapierrollen in des Kaiſers
Schreib=
ein koreaniſcher Tanzmeiſter. Und unter den Tonſtatuetten, die
man in den Tanggräbern gefunden hat, ſtellen ſich uns auch die
lieblichen Muſikantinnen und graziöſen Tänzerinnen jener Zeit
vor. Vielleicht ließ man ſich noch in der Narazeit ſolche muſika=
Wie die Tang=ſhi, die Gedichte aus der Zeit der Tangdynaſtie, liſch und choreographiſch ausgebildeten eleganten Dämchen
eben=
falls aus China an den japaniſchen Kaiſerhof kommen, wie ſich
Form den „Abſchluß der ſchöngeiſtigen Richtung der chineſiſchen ſchon der Kaiſer Juriaku (457—79) durch eine Geſandtſchaft
chine=
ſiſche Brokatweberinnen, ja ſelbſt Schneiderinnen erbeten hatte.
Und unter den ſo lebendig bewegten Tonſtatuetten der Horyiuji=
Pagode, die der Narazeit angehören, findet ſich auch ein Figürchen
von ſo keckem, munterem, lebensfreudigem Ausdruck, daß man
ihm ohne weiteres eine der koſtbaren Lauten des Shoſoin in die
Hände geben möchte. — Einen breiten Raum nehmen im
Inven=
tar des Shoſoin die zahlreichen, meiſt auf eleganten niedrigen
Geſtellen ruhenden Schreine, Truhen und Käſtchen zur
Aufbe=
wahrung von Schriftrollen, Kleidern und Gerät ein, ſowie die
170 zierlichen Tiſchchen für das aus China ſtammende und unter
der Regierung Shomus beſonders beliebte Go=Spiel. Aufs
reichſte ſind alle dieſe Kleinmöbel verziert und doch auch wieder
ſd maßvoll, weil an keinem einzigen Stück der Grundform
Ge=
walt angetan wird. Einlegearbeit, Goldmalerei auf Lackgrund,
Bemalung auf der Holzfläche in buntem farbenfrohen Wechſel!
Oft vereinigen ſich an einem einzigen Stück mehrere Techniken zu
einem farbigen Akord von beſtrickendem Wohllaut; ſo iſt ein
Kaſten aus Aloe= und rotem Sandelholz in zarteſter
Goldpulver=
technik bemalt mit Landſchaften, darin eingebettet wie
Traum=
gärtlein unter Kriſtallplättchen liegende bunte Blumenmalereien,
während die Flächen von einer farbig eingelegten Leiſte
um=
ſäumt ſind. — Auf den breiten Holzflächen feiert die Lackmalerei
ihre höchſten Triumphe. An der Entſtehung dieſer Kleinmöbel
des Shoſoin ſind ſicher auch japaniſche Hände beteiligt geweſen.
Wird doch ſchon im Jahre 645 vom Kaiſer Kotoku eine Behörde
zur Pflege der Lackunſt eingeſetzt. Mit Vorliebe wird auch auf
Ledergrund die Lackkunſt geübt; ſo iſt z. B. in den ſchwarzen
Lacküberzug einer ledernen Gürtelſchachtel ein prachtvoll
ſtiliſier=
tes Blumenornament aus Perlmutter und untermaltem Kriſtall
eingelegt. Ja, die Lederſcheide des mit feinſten Gold= und
kinro, ſchon auf der Stufe höchſter Vollendung: die Ornamentik, ten Techniken doch niemals jene ſo verhängnisvolle Trennung
Tiere, Vögel und Wolkenmuſter wurde zunächſt in farbloſem
Lack auf die Scheide aufgetragen und vor dem Trocknen mit
Golspulverebeſtreut, dann mit einer dicken Lackſchicht überfangen
und durch Abpolieren dieſes Uebekfangs bis zur Goldmalerei
wieder bloßgelegt. — Zu den unentbehrlichſten Inventarſtücken
japaniſcher Paläſte gehörten die ſechsteiligen Setzſchirme (Byobu),
die in den meiſt offenen Hallen als Windſchutz dienten. So
ent=
hält denn auch der Shoſoin zahlreiche derartige Wandſchirme
aus Stoff. Die hohe Bedeutung dieſer noch aus der Narazeit
erhaltenen Setzſchirme liegt darin, daß auch ſie uns gleich den
Lederbildern auf den Lauten einen annähernden Begriff von der
klaſſiſchen Vollendung der Malerei der Tangzeit vermitteln. Iſt
ten Künſtlern des Shoſoin fremd. Ja ſelbſt der Zellenſchmelz, zwar die in Batiktechnik oder Zeugdruck ausgeführte Dekoration
der einzelnen Flügel dieſer Wandſchirme nur handwerksmäßige
nil, findet ſich an einem ſilbernen Spiegel des Shoſoin; die ver= Arbeit, ſo müſſen doch dieſe feierlich ſtiliſierten Tiere, Bäume und des Shoſoin vorſtelle, ſo muß ich immer an die Mudras, die
blühenden Sträucher irgendwie inſpiriert ſein von den über= Gebetshaltung der Hände der vergoldeten Bodhiſattvas im
ragenden Schöpfungen einer wahrhaft erhabenen Großkunſt.
Un=
ter den Textilien bewundern wir noch zahlreiche gewalkte Woll= der Meiſter, die den kaiſerlichen Schatz des Shoſoin in dieſe
ir=
teppiche mit vorbildlichſter Muſterung, Tempeltiſchdecken aus
Brokat und Seidenwebereien, die eine ſtarke Beeinfkuſſung durch
ſyriſche und ſaſſanidiſche Werlſtätten bezeugen, wie denn auch die
mehr preiſen, dieſe Metallſpiegel oder die hochedlen Muſikinſtru= blau gefärbten und geſchliffenen Gläſer des Shoſoin vorderaſig=
Perſien und Vorderaſien, der auch noch durch Gießkannen von
förmige Laute aus duftendem Sandelholz trägt auf der Rückſeite, durchaus verſiſcher Form im Shoſoin bezeugt wird, hörte ſofort gewieſen, in dem ſich die Schätze des Shoſoin im kaiſerlichenPalaſt
auf und damit auch die ſtarke iſlamiſche Beeinfluſſung der
chine=
ſiſchen Kunſt, als die chineſiſche Vormachtſtellung jenſeits des
Pamir durch die unglückliche Schlacht bei Samarkand i. J. 751
an die Araber verloren ging. Aber China zahlte gerade damals
die kulturellen Anregungen, die es von Weſtaſien in der Tangzeit
ſo reichlich empfangen hatte, mit hohen Zinſen wieder zurück,
in=
bereitung nach Samarkand zu den Arabern brachten, die es
wie=
der Europa vermittelten. — Schwach iſt die Töpferei im Shoſoin
vertreten mit Schalen, bauchigen Gefäßen mit Deckel, Blumen= ßen beſonders genannt: Gefäße und Geräte aus Gold und
Sil=
paſen, meiſt glaſiert in jener grün und braungelb „getigerten Art”,
wie wir ſie auch von der Grabkeramik der Tangzeit kennen. Aus ken, Teppiche, Filz= und Lederſachen, Sättel, handgeſchriebene
Dangmeiſter wiſſen wir ſo gut wie nichts. Doch nun laſſen dieſem auffallend ſpärlichen und in techniſcher Hinſicht ſo
einför=
migen Beſtand der Töpferei im Shoſoin darf man wohl den
Schluß ziehen, daß erſt in der zweiten Hälfte der Tangzeit (618 kein einziges Stück dieſes umfangreichen Schatzes ſteht mehr in
durchbrauſt, wenigſtens eine Ahnung in uns aufſteigen von der bis 906) alſo nach der Stiftung des Shoſoin im Jahre 756, jener unſeren Muſeen. Und ſollte es der Forſchung jemals gelingen,
bezwingenden Macht der Malerei eines Wu=Taotſe oder Wang bewundernswerte und von der gleichzeitigen Dichtung hoch ge=
Wei. Nun verſtehen wir, daß ihre hohe Kunſt, von der die Male= feierte Aufſchwung der oſtaſiatiſchen Keramik einſetzte. Manmöge
reien auf den Lauten des Shoſoin — vielleicht nur Dilettanten= auch bedenken, daß der Topp, durch deſſen rituellen Genuß gerade
arbeiten im beſten Sinne — doch wohl nur ſchwacher Abglanz die japaniſche Töpferei ſpäter ſo ſehr befruchtet wurde, erſt im
ſind, ihren Mitmenſchen geradezu Zauberei deuchte. Ja, die gro= Jahre 805 von dem japaniſchen Prieſter Dengyo Daiſhi von mit den Händen zu greifende Wirklichkeit werden.
China nach Japan gebracht wurde! Nur eine zartblau glaſierte
Medizinſchale fällt beim Durchblättern des „Toyei=Shuko” als
edelſter Seide die Elemente zu beſchwören, „feſtzuhalten, die außergewöhnliches Stück ſofort auf, vielleicht ein Vorläufer jener
Seite 9
Winde und das weiße Waſſer des rauſchenden Gießbachs”, wie Zeitgenoſſen geprieſen werden als „blau wie der Himmel, hell
Außer dieſen etwas eingehender behandelten Herrlichkeiten
delle zurückgehende, Büchſen aus Gold= und Kupferlegierung,
bis zum künſtleriſch nicht mehr zu ſteigernden edelſteinbeſetzten
Prachtgerät, Steingefäße in Geſtalt von Tieren, die uns an
Höchſter Fayencen erinnern, eingelegte Waffen, reich verzierte
Pferdegeſchirre, Fahnen und Standarten, Kleider für Alltag
und Feſtlichkeiten, Pelze, Hüte, Eßbeſtecke (die bekannten
Eßſtäb=
chen kommen erſt ſpäter auf), Glocken, Prieſterſtäbe und
Roſen=
kränze aus bunten Glasperlen, juwelenbeſetzte Gürtel,
Schreib=
pinſel von vollendeter Zweckmäßigkeit der Form, Tuſchreibeſteine
auf geſchmückten Unterſätzen, Masken für den von China
über=
nommenen, von Flöte und Trommel begleiteten Gingaku=Tanz,
die in ihrer dämoniſchen Derbheit ſich ſo ſeltſam abheben von
dem bis aufs letzte verfeinerten Gerät ringsum. In Ooſen und
Schachteln, die ſelbſt wieder vollendete Kunſtwerke ſind, liegen
noch die Saitenbezuge für die Inſtrumente und Stickſeide. Der
kabinett treu behütet und die zierlichen Federpantöffelchen der
Kaiſerin. Der Kaiſerin Komyo!. Ja, dieſe der Lehre Buddhas
ſo treu ergebene, ſo hochbegabte Kaiſerin, der Sage nach die
ſchönſte Frau Japans, deren Antlitz wie Gold glühte, wenn der
Geiſt der Kwannon, der Göttin der Barmherzigkeit, von ihr
Be=
ſitz ergriff, war in der Tat würdig der märchenhaften Schätze, die
ſie umgaben. Wie ſüß doch floß ihr die Rede von den Lippen:
„Pflücke ich die Blumen, ſo wird die Berührung meiner Hand ſie
beflecken; darum opfere ich die Windgeküßten, ſtehend in den
Wieſen den Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der
Zukunft.” Nur für Menſchen von ſolcher zarten ſeeliſchen
Ver=
faſſung konnten auch die berückend anmutigen Geräte des
Sho=
ſoin geſchaffen ſein. Und wenn die Kaiſerin Komyo mit ihren
feingliedrigen Händen ihren koſtbaren Lieblingsſpiegel am
pur=
purfarbenen Seidenband aus der brokatenen Hülle nahm und
„gleich dem lichten Mond” emporhob, ſo muß das kultiſcher
Dienſt am Gerät geweſen ſein, wie er einige Jahrhunderte ſpäter
in der Teezeremonie zum Kanon erhoben die Reinheit der
japa=
niſchen Kunſt bis zum Einbruch europäiſcher Ziviliſation
be=
wahrte.
Was uns aber angeſichts der blütenhaft zarten Schätze des
Shoſoin am meiſten erſtaunen läßt, iſt die Tatſache, daß ihnen
in den alten Tempeln Naras eine noch erhaltene, von einem
„tranſzendentalen Pathos” erfüllte Großplaſtik gegenüberſteht.
Dieſe beſonders von With erkannte univerſale Polarität gibt der
Tangkunſt, wie überhaupt der chineſiſchen Kultur, ihre
unver=
gleichliche Spannung. So gut wie in Hellas huldigten die
Men=
ſchen der Tangzeit dem Dionyſos und Apollon, und die
lebens=
warm durchblutete griſtokratiſche Kunſt jenes Goldenen
Zeit=
alters blieb bewahrt vor dem tödlichen Anhauch „galliger
Scholaſtiker”.
Wer heute das Wagnis unternehmen wollte, eine auf
univer=
faler Anſchauung der Denkmälen gegründete Aeſthetik der
bilden=
den Künſte zu ſchreiben — und ſolcher objektiven, von
kunſtfrem=
den Deduktionen freien Aeſthetik gehört allein die Zukunft, darf
und kann an dem Shoſoin, dem kaiſerlichen Schatz von Nara,
Silberbeſchlägen gleichſam überſponnenen kaiſerlichen Parade= nicht vorbeiſehen. Wie hier an jedem einzelnen Stück trotz des
ſchwertes zeigt eine der ſchwerſten Lacktechniken, das ſogen. Mak= unſagbaren Reichtums der ſchmückenden und birtuos
gehandhab=
von Grundform und ornamentaler Zier eintritt, ſondern wie
aus jedem Formkörper die „ſüße Leichtigkeit des Gerankes”
naturhaft hervorblüht, wie Form und Ornament untrennbar
eins ſind, wie Erdreich und Pflanze, wie die äſthetiſche
Wahlver=
wandtſchaft der Werkſtoffe mit einem geradezu chemiſchen
Feinge=
fühl erlannt und ihre ſo wichtige proportionale Verteilung
unter=
einander mit nachtwandleriſcher Sicherheit geſchieht, ſo daß kein
Splitterchen einer Inkruſtation zu viel oder zu wenig iſt, das
kann wohl in keinem Muſeum der Welt ſo eindringlich erkannt
werden. Die Hände der Meiſter, die den Dingen des Shoſoin
Geſtalt gaben, wurden bis in die letzten Taſtkörperchen ihrer
Fingerſpitzen von einem eingeborenen unerklärlichen Ethos
re=
giert, das die „Hand des Künſtlers zu einem Organ des Stoffes”
werden ließ. Wenn ich mir das Entſtehen dieſer Wunderwerke
Kuras) des Horyujitempels von Nara denten. Auch die Hände
diſche Welt zauberten, mußten von ſolcher tief beſeelten Grazie
erfüllt geweſen ſein.
Um zum Schluß die einzigartige, von der Kunſt= und
Kultur=
geſchichte ſo wenig ausgewertete Bedeutung des Shoſoin noch
einmal eindringlich darzutun, ſei auf das Schickſal unſerer
eige=
nen künſtleriſchen Vergangenheit aus demſelben Jahrhundert
hin=
von Nara unter Shomu (724—756) zuſammenfanden. Auch auf
deutſchem Boden muß ſich zu jener Zeit ein Schatz von
unermeß=
lichem Wert in den Paläſten Karls des Großen angehäuft haben.
In Einhards „Leben Karls des Großen” iſt noch das Teſtament
überliefert, demzufolge das Palaſtgerät nach dem Tode des
Kaiſers in 43 Teile aufgeteilt und den Mutterkirchen des
Fran=
dem chineſiſche Kriegsgefangene das Geheimnis der Papier= kenreiches und den zahlreichen Nachkommen bis auf die
Enkel=
kinder ausgehändigt werden ſollte. Ganz entſprechend dem
In=
ventar des Shoſoin werden in dieſem Teſtament Karls des
Gro=
ber, Erz und Eiſen, Waffen und Gewänder, Vorhänge, Schabra=
Bücher, ein goldener und drei ſilberne Tiſche mit den Bildern
von Conſtanz, Rom und einer Darſtellung des Weltalls. Doch
dieſes oder jenes Stück aus dieſer aufgeteilten Erbſchaft Karls
des Großen nachzuweiſen, was wollten etwaige Einzelfunde
be=
ſagen gegenüber dem geſchloſſenen Schatz des Shoſoin, bei deſſen
Anblick alle ſo märchenhaften Berichte über die Tangzeit noch
*) Bei allem Reichtum des Shoſoin haben ſich auch im Kura
(feuerſicherer Speicher) des Horyujitempels wertvolle Schätze aus
der Suiko= und Nargzeit erhalten.
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Sonntag, den 28. Februat 1926
Familiennachrichten
Die Verlobung ihrer Kinder
Elfriede und Ernst beehren sich
hierdurch ergebenst anzuzeigen
Inliane Schmidt Iwe.
geb. Freitag
Jnar Wieslander
und FrAl ANNd, geb. Larsson
Darmstadt
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Jönköping
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Statt Karten.
Die glückliche Geburt einer
geſunden
„Tochter”
zeigen in dankbarer Freude an
Hermann Fertſch und Frau
Elſe, geb. Schorlemmer.
Darmſtadt, den 27. Februar 1926.
Kurchftraße 27 II.
(*3656
Für die vielen Ehrungen,
Glück=
wünſche und Geſchenke anläßlich meines
75jährigen Geburtstages ſage ich Allen
und beſonders der Turngeſellſchaft meinen
innigſten Dank.
Friedrich Sulzmann
Feldbergſtr. 99. (*3580
Todes=Anzeige.
Plötzlich und unerwartet
ver=
ſchied heute unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter. Schweſter,
Schwägerin, Tante und
Groß=
mutter
Frau
verw. Seybold
im Alter von 62 Jahren.
Die trauernden
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 27. Febr. 1926.
Taunusſtr. 15, III.
(e5701
Die Beerdigung findet Montag,
nachmittags 4 Uhr, auf dem
Waldfriedhof ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Nachruf.
Am 25. Februar verſchied
un=
ſer lieber Kamerad
Herr
Karl Heußner
Wir verlieren in ihm ein treues
Mitglied und lieben Freund.
Kavallerieverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung findet Montag,
den 1. März 1926, nachmittags
2:/, Uhr, auf dem alten Fried=
(25729
hof ſtatt.
Die Kameraden werden gebeten,
ſich zahlreich zu beteiligen.
Statt Karten.
Arthur Dernburg
Elfriede Sohmidt
Martha Oernburg
geb. Feuchtwanger
Vermählte
Brnst Wieslander
Dipl.-Ingenleur
Darmſtadt / 2. März 1926
Schloßgartenſtraße 63
3705
Trauung: Dſenstag 1½. Uhr, Hotel Braunſchweig, Homburg v. d. H.
Verlobte
Moenania=Darmſtadt erfüllt hiermit die
trau=
rige Pflicht, alle A. H. A. H. und Bb. Bb. von
dem Tode ihres Ib. Ehrenphiliſters
(25618
Lodes=Anzeige.
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß mein
lieber, guter, treubeſorgter Mann,
unſer lieber Vater, Schwager und
Onkel
5695
Augun Ihl
Heute nachmittag 12/4 Uhr verſchied,
ver=
ſehen mit den heiligen Sterbeſakramenten,
plötzlich und unerwartet nach einem
arbeits=
reichen, religiöſen Leben meine treuſorgende
Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und
Tante
Frau
Dr. Auguſt Klein
Chemiker
A. H. der Ascania=Berlin
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
im 48. Lebensjahre nach langem
ſchweren Leiden, wohlverſehen mit
den hl. Sterbeſakramenten, in ein
beſſeres Jenſeits gegangen iſt.
Duroutd Enning
Wir werden ſeiner Verdienſte um unſere
Kor=
poration ſtets eingedenk ſein.
((5722
Für das
Für die
Aktivitas:
Philiſterium:
Dipl.=Ing. Leo
Hainz=
ftud. elektr.
Studienrat.
Nütgers (XXX/XX F. O.
Witwe
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Anna Ihl und Kinder.
Darmſtadt, Dornheimerweg71, Hanau,
Mainz, Graslitz. Bad=Orb, Brusque
(Braſilien), den 27. Febr. 1926.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſt Stilling und Frau.
Darmſtadt, den 27. Februar 1926.
Die Beerdigung findet Montag,
1. März, nachm. 3 Uhr, von der
Kapelle des Waldfriedhofs aus ſtatt
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
3 Uhr vom Portale des Waldfriedhofes
aus ſiatt.
(3093
Unſere Mutter und
Groß=
mutter iſt am 24.d. Mts.
ſanft entſchlafen. / Die
Beerdigung fand am 27.
d. M. in aller Stille ſtatt.
Todes=Anzeige.
Von ſeinem langjährigen Leiden erlöſte Gott
durch einen ſanften Tod im 68. Lebensjahre meinen
innigſtgeliebten Mann, unſern treuſorgenden Vater,
Schwiegervater, Bruder Schwager und Onkel
Familien Karl und
Wilhelm Schreiner
(e5531
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme an unſerem ſchweren
Leid durch den Heimgang meines
lieben Mannes, unſeres Vaters
Herrn
Bernhard Appel
Mühlenbeſitzer
ſowie für die vielen
Blumen=
ſpenden herzlichen Dank.
In tiefer Trauer:
Frau Eliſabethe Appel
geb. Schuchmann
Bernhard Appel
Georg Appel
Heinrich Thierolf
Schmiedemeiſter.
Im Namen der trauernden Hinterbllebenen:
Margarete Thierolf, geb. Hirſch
und Kinder.
Darmſtadt, den 26. Februar 1926.
Karlsſtraße 23.
(25596
Schleifmühle bei Kranichſtein,
26. Februar 1926.
(3060
Die Beerdigung findet Montag, den 1. März,
nach=
mittags 4 Uhr, vom Portale des alten Friedhofes
aus ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Todes=Anzeige.
Verwandten und Freunden die traurige
Mit=
teilung, daß meine liebe Frau, unſere gute Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter,
Schwägerin und Tante
Dr. Hammer
verreist!
27. Februar bis 7. März.
Vertreter die Herren Dr. Dr.
Degen, Wagner, Hein, Gallus.
(25398sg
geb. Stein
nach langem, ſchwerem Leiden ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Ludwig Schneider.
Darmſtadt, New=York, Eſſen, den 27. Februar 1926.
Liebfrauenſtr. 43.
(*5616
Die Beerdigung findet am Montag, den 1. März,
nachmittags 2 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Entſchlafenen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheidrn unſeres lieben Entſchlafenen, ſowie
für die zahlreichen Blumenſpenden ſprechen wir Allen
auf dieſem Wege unſeren innigſten Dank aus.
Be=
ſonders danken wir Herrn Pfarrer Waitz für die
troſtreiche Grabrede.
Im Namen der trauernden ginterdllebenen:
Katharine Roßmann
geb. Killer.
(e5663
Darmſtadt, den 27. Februar 1926.
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe der
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nahme, ſowie die Kranz= und
Blu=
menſpenden beim Heimgange unſerer
lieben Entſchlafenen ſagen wir auf
dieſem Wege unſeren herzlichſten
Dank. Insbeſondere danken wir
Herrn Pfarrer Müller für die
troſt=
reichen Worte, ſowie Allen, die ihr
die letzte Ehre erwieſen haben.
Im Namen
der trauernden ginterbliebenen:
Familie W. Hamm.
Darmſtadt, 27. Februar 1926. (5619
Dankſagung.
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im faſt vollendeten 70. Lebensjahr.
Kt.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Ida Müller, geb. Bücking.
Darmſtadt, den 26. Februar 1926.
Die Beerdigung findet in der Siille ſiatt.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen zu wollen.
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Fettleibigkeit, wird
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Sen., Fe. O., Na. Cl.)
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herz=
licher Teilnahme, ſowie für die
überaus vielen Kranzſpenden bei
dem uns ſo ſchwer betroffenen
Verluſte ſagen wir allen auf
die=
ſem Wege unſeren herzlichſten
Dank.
Im Namen der trauernden
Hinterbliebenen:
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er zwei oder drei zugleich anzündet und abwechselnd
raucht. Durch die kurze Aufeinanderfolge des Problerens
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Geschmacks-
unterschiede zur Geltung, so daß man mit einiger Ubung sehrrasch
gute und schlechte Tabake oder gute und schlechte Mischungen
auseinanderhalten kann.
Zuerst muß man sofort Cigaretten ausschalten, die nicht naturreln sind und offenbar chemische
Beimengungen haben, da diese bezüglich der Bekömmlichkeit sehr unzuverlässig und oft
ge-
fährlich sind. Dann schaltet man kratzige, muffige und strohig gehaltlose Cigaretten aus, da
diese ebenfalls mangels der natürlichen, milden aromatlschen (ätherlschen) Ole wenlg
bekömm-
llch sind. Dann entscheidet man sich über Tabakqualität und schließlich Mischung.
nach Mainz und
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Art hin und zurück
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Das iſt der Gedanke, der jedes echte deutſche Herz, jeden
baterländiſchen Sinn erfüllt, wenn er die Geſtalt und das ganze
Lebensbild der Großherzogin Luiſe von Baden an
ſich vorüberziehen läßt, an der Hand eines Buches, das unter
der Fülle des Geſchriebenen einen Dauerwert behalten wird:
„Der Lebenstag einer fürſtlichen
Menſchen=
freundin” erzählt von Friedrich Hindenlang (Verlag G.
Braun in Karlsruhe). Dem badiſchen Volk iſt das Buch
ge=
widmet, das der Verfaſſer ſelbſt nur als eine vorläufige Skizze
zu einem ſpäter auszuführenden Gemälde angeſehen wiſſen
möchte. „Es mag ſein” — heißt es im Vorwort — „daß vielen
in unſerem Volk ſchon jetzt das Wort „Landesmutter” einer
Münze gleicht, die nur für einen Sammler von Altertümern Wert
hat. Wenn aber das Volk der Gegenwart und der Zukunft kein
Verſtändnis haben ſollte für eine Perſönlichkeit aus der
Ver=
gangenheit, deren ganzes Sinnen und Trachten dem Wohle des
Volkes gewidmet war ſo würde ich ſolche Verſtändnisloſigkeit für
ein erſchreckendes Zeichen der Unkultur und der geiſtigen
Ver=
armung halten.”
An dem Lebensgang der verſtorbenen badiſchen Großherzogin,
der einzigen Tochter Kaiſer Wilhelms I., in deren
Charakter=
miſchung ſich manche Züge des Vaters wiederholen, können wir
zugleich die Wendepunkte und Markſteine unſerer neuzeitlichen
Geſchichte verfolgen. Ohne das zu ſein, was man als eine
politiſch wirkende Frau zu bezeichnen pflegt, war die
Großherzogin Luiſe, nicht nur durch ihre Abſtammung, ſondern
von Geiſtes= und Gemüteswegen, in alle dieſe Abſchnitte mit
verflochten.
Während des deutſch=franzöſiſchen Krieges ſtand ſie mit ihrer
Mutter an der Spitze der Frauenverbände, die ſich die Fürforge
der Verwundeten angelegen ſein ließen. Baden war als erſtes
deutſches Land der Genfer Konpention beigetreten, ſchon 1866.
Als vor dem Zuſammenbruch des franzöſiſchen Kaiſerreichs
die=
ſes im Jahre 1867 auf der Pariſer Weltausſtellung noch ſeinen
vollen Glanz entfalten konnte, war zum Beſuch auch das badiſche
Großherzogspaar erſchienen, von Napoleon und Eugenie ſehr
liebenswürdig begrüßt. Letztere erwähnte in ſcherzhaſtem Tone
die Menge der deutſchen Bundesſtaaten, „Und Sie erheben den
Anſpruch, alle geeint zu ſein! Sie werden es niemals fein!“
Da gab der Großherzog die Antwort: „Nun wohl, Madame,
wenn Euer Majeſtät es nicht glauben wollen, greifen Sie uns an,
und dann werden Sie ſehen, daß wir alle geeint daſtehen!“
Nach dem Tode Napoleons III. hat Eugenie bei einem
Be=
ſuch auf der Inſel Mainau ſelbſt an dieſes Geſpräch erinnert und
geſagt: „Wie Recht haben Sie gehabt, mein Fürſt!”
Wohlfahrtsanſtalten und Liebeswerke aller Art konnten in
den langen Friedensjahren unter dem Schutz der fürſtlichen Frau
in organiſchem Wachstum ſich entfalten.
An dunklen Wollen am Lebenshimmel fehlte es freilich nicht.
Das Jahr 1878 brachte für die Seele der Großherzogin ernſte und
ſchweren Stunden. In den Maimonat fielen die Attentate auf
den greiſen Kaiſer. Bei dem erſten hatte die Großherzogin im
Wagen dicht neben ihrem Vater geweilt und mußte dem
Mini=
ſterium des Innern das Erlebte zu Protokoll geben. Zehn
Jahre ſpäter legte ſich die unheilvolle Krankheit des geliebten
Bruders, des Kronprinzen, der plötzliche Tod des zweiten Sohnes
Ludwig Wilhelm und ein ſich zuſehends verſchlimmerndes
Augenleiden wie ein Rauhreif auf alle Lebenshoffnungen. Aber
Standhaftigkeit in der Trübſal zeigte Großherzogin Luiſe in
jeder Lage und in nie erlöſchender Teilnahme an allen Schickſalen
des großen und engeren Vaterlandes. Sie war aufgeſchloſſen für
jede neue Tätigkeit, die dem Charakter der Zeit Rechnung trug.
Ihr immer regſamer Geiſt faßte alles Neue ſchnell auf; und
im=
mer wieder lenkte ſie den Blick auf das Weſentlichſte der
Volks=
erziehung, der charitativen Hilfe. Und ſo flutete das Leben der
Zeit auch in ihre ſtille Zurückgezogenheit nach dem
Zuſammen=
bruch, als die Hohenzollerntochter erleben mußte, daß der
preu=
ßiſche Adler flügellahm darniederſank, als im Verſailler Schloſſe
wo ihr Gatte das erſte Kaiſerhoch ausgebracht hatte, der
furcht=
bare Gewaltfrieden diktiert wurde und als ſie vernahm, wie
deutſche Männer vor dem im Siegestaumel ſchwelgenden Feind
Gedanken, Teidenſchaft, Entzücken,
was immer auch bewegt das Blut,
ſind ſämtlich nur der Liebe Diener
und nähren ihre heil’ge Glut.
Coloridge.
ſich erniedrigten, da erhob ſie ſich von ihrem Sitz und ſagte das
Wort: „Wer fällt, ſollte wenigſtens ſtehend fallen!“
Die echte Tochter ihres Vaters iſt Großherzogin Luiſe bis
zur letzten Stunde geblieben. Es gibt eine ſtumpfe Geduld und
eine glaubensſtarke ſtille Geduld. Und von der letzteren Art war
die Großherzogin, die ſich in gar vielen. Dingen in tiefſten
Lebensfragen zuſammenfand mit der deutſchen Kaiſerin Anguſte
Viktoria. Wer die Aufzeichnungen der letzteren in Vers und
Proſa geleſen hat, der fühlt die innere Verwandtſchaft zwiſchen
den beiden Frauen, auf deren Lebensabend die duntlen Schatten
des zertrümmerten Deutſchen Reiches fielen.
„Je ſchwerer man leidet, um ſo ſtiller wird das Herz. Das
Herz verſtummt in der Unermeßlichkeit des Empfindens, aber es
verſtummt nicht vor Gott."
Das, worüber ſie am meiſten litt, war, daß ſie zuſchauen
mußte, wie manches ihrer Werke zerfiel, oder abbröckelte, weil ſie
ſelbſt nicht mehr mithelfen konnte. Manches mußte umgewandelt
werden, um beſtehen zu bleiben. Da hat ſie oft gefragt: „Muß
es denn wirklich ſein?‟ Dann aber tröſtete ſie ſich mit dem
Ge=
danken: „Mag die Form ſich wandeln, wenn nur der Geiſt
weiterlebt."
Ganz vorzügliche Bilder ſchmücken das Hindenlangſche Buch.
Das Titelbild iſt die Nachbildung einer Zeichnung von Profeſſor
Otto Propheter aus dem Jahre 1926 und läßt die überraſchende
Aehnlichkeit der Großherzogin mit ihrem Vater, die in den letzten
Jahren immer ſtärker hervortrat, deutlich erkennen.
Dr. Ella Menſch.
Unnötiger Kräfieverbrauch
bei der Hausarbeit
Von Hanna Brenken.
Wenn die Mehrzahl der Hausfrauen am ſpäten Abend
tot=
müde auf ihr Lager ſinkt, ſo ſind es zumeiſt die Füße, die ihnen
derartige Schmerzen verurſachen, daß ſie nur ſchwer den erſehnten
Schlaf finden. Findet dieſe Fußüberanſtrengung längere Zeit
hintereinander ſtatt, ſo mehren ſich die=Schmerzen oft derart, daß
ſie auch während der nächtlichen mehrſtündigen Ruhepauſe nicht
mehr verſchwinden und ſie am nächſten Morgen ihr gewohntes
Tagewerk mit ſchmerzenden Füßen wieder beginnen müſſen.
Krampfadern, Senkfüße u. ä. ſehr ſchmerzhafte Leiden ſind die
letzte Folge der Ueberanſtrengung dieſer Gliedmaßen, wenn nicht
beizeiten Abhilfe geſchafft wird. Dieſe beſteht in weitgehender
Verminderung des bisherigen Stehens beim
Haushalten.
Im Geiſte höre ich Aeußerungen lebhaften Unwillens, wenn
nicht ſogar größter Entrüſtung: „Wie ſoll denn das geſchehen?
Kann man vielleicht ſitzend die Fußböden fegen, die Polſter
ab=
bürſten, die Möbel entſtauben, die Fenſter putzen?” So und
ähn=
lich würden mir ſicher viele meiner Mitſchweſtern entgegnen
wenn ich ihnen gegenüber perſönlich meine obige Anſicht vertrete.
Aber — ich ſpreche nicht wie der Blinde von der Farbe, ſondern
aus eigener Erfahrung. Immer beſtrebt, meiner geiſtigen
Tätigkeit am Schreibtiſch ein möglichſt großes Gegengewicht in
jedweder häuslichen Arbeit zu bieten, habe ich nach genaueſter
Regelung der geſamten Wochenarbeit im Haushalt, jeden
Vor=
mittag für hauswirtſchaftliche Tätigkeit und den Nachmittag für
jene am Schreibtiſch beſtimmt. Bei dieſer Teilung meiner
Pflich=
ten kamen nun wohl Geiſt und Körper gleichermaßen zu ihrem
Rechte, aber — der erſtere hatte, wie bei den überbürdeten
Haus=
frauen ohne weitere Pflichten, unter dem letzteren, oder
viel=
mehr unter den großen Anforderungen, die an ihn geſtellt wur=
den, immer mehr oder weniger zu leiden. Es kam gar nicht ſelten
vor, daß ich vor körperlicher Ueberanſtrengung derart ermüdet
und erſchöpft war, daß ich zu keiner geiſtigen Konzentration kam.
Nach eingehendem Erwägen und Ueberlegen fand ich bald
den Grund der großen Erſchöpfung: ich ſtand bei der
Haushalts=
arbeit zu viel. Von dieſer Erkennmis, bis zur Behebung dieſes
Fehlers, war nur ein kleiner Schritt zu tun: alle jene Arbeiten
im Sitzen zu verrichten, die uns irgendwie dazu geeignet ſind
und zwiſchen Steh= und Laufverrichtungen und ſolchen, die im
Sitzen ausgeführt werden können, tunlichſt abzuwechſeln. Heute
führe ich Gemüſeputzen, Kartoffelſchälen, Teigabrühren, Beſtecke
ſpülen und putzen, Geſchirr polieren u. ä. m. ohne größere
Zeit=
verluſte ebenſo im Sitzen aus, wie Nähen, Sticken, Flicken und
Stopfen. Ich lege die kleinen Wäſcheſtücke im Sitzen, wie ich ſie
guch ebenſo bügele und zuſammenlege. Fortgeſetzt finde ich noch
— endlich zur Einſicht gekommen — neue Gelegenheit zur
Scho=
nung meiner Füße und Kräfte und — was das Beſte dabei iſt—
verſpüre keinerlei Ermüdung mehr.
Warum ſollen wir Hausfrauen denn auch nicht umlernen,
woo ſich heute ſelbſt die Wiſſenſchaft ernſtlich darum bemüht, ein
Syſtem zu finden, nach dem jede Arbeit möglichſt mit einem
Mi=
nimum an Zeit und Kraft bewältigt werden kann? Wir
Haus=
rauen haben gerade im letzten Jahrzehnt ſo manche Neuerung
kennen und ſchätzen gelernt, an die ſelbſt unſere Mütter nie
ge=
dacht hätten. Stellen wir uns doch nun auch unſeres
Wohlbefin=
dens, der Schonung unſerer Kräfte willen, in unſerer
Haushalts=
führung und =tätigkeit um — ſie wird bei gleicher Gründlichkeit
und Gewiſſenhaftigkeit keinesfalls ſchleihter — eher noch beſſer
ausfallen wie früher.
Konfirmations=Geſchenke von Dauer
Zeitgemäße Winke.)
Von Alice Günther.
Als uns die Mittel dazu fehlten, unſeren jungen
Paten=
kindern oder Anverwandten an ihrer großen Lebenswende: der
Konfirmation, ein Geſchenk von bleibendema Wert zu überreichen,
da mußten wir uns zumeiſt mit Blumen genügen laſſen. Wenm
nun guch dieſe Spende überaus paſſend und ſinnig iſt, ſo mindert
ſich doch ihr Wert mit jeder verwellenden Blüke. Schließlich
bleibt nur die Pflanze übrig, deren Pflege zumeiſt die Mutter
der Empfänger fortſetzt. Heute können wir nun wieder Geſchenke
von bleibendem Werte überreichen. Konfirmationsgeſchense, die
dem Empfänger fortgeſetzt die Erinnerung an die lieben Spender
wach erhalten, ja vielfach die alleinige dauernde Verbindung mit
ihnen bilden. Wem es ſeine Mittel nur irgend geſtatten, ſollte
ſchon aus dieſem Grunde Konfirmationsgeſchenke von
Dauer wählen. Es ſind unter den vielen, die für die
Schul=
enttwachſenen in Frage kommen, namentlich jene, die ſie dazu
an=
zuſpornen vermögen, ſpäter ſelbſt die eigenen Kräfte zu ihrer
Vermehrung einzuſetzen: eine Auswahl wertvoller Bücher, als
Grundlage einer ſpäter wertvollen Bibliothek für die Knaben,
eine ſchöne Truhe als Hamſterkaſten zum allmählichen Anſchaffen
der Wäſche=Ausſtattung für Mädchen. Wie es heute ſchon
viel=
fach bei Hochzeiten der Brauch iſt: daß mehrere Anverwandte
oder Freunde zuſammen ein großes, wertvolles Hochzeitsgeſchenk,
ſtatt einer Reihe kleiner und minder wertvoller beſchaffen, ſo
könnte leicht auch ein wertvolles Konfirmationsgeſchenk der
an=
gegebenen Art von mehreren Paten oder Anverwandten
gemein=
ſam überreicht werden. Auch eine kleine Grundlage zum ſpäteren
Silberſchatz der künftigen Hausfrau, könnte ſchon als
Konfirma=
tionsgeſchenk dienen und würde ſicher mit außerordentlicher
Freude begrüßt werden und daneben noch als heimlicher
An=
ſporn zur Sparſamkeit dienen. Mit dieſen Angaben iſt natürlich
keineswegs der Umfang der Konfirmationsgeſchenke von
blei=
bendem Wert erſchöpft. Könnte doch auch das zum ſpäteren
Be=
ruf gebrauchte Handwerks= und „Rüſtzeug” praktiſcher oder
ide=
eller Art ebenfalls als Konfirmationsgeſchenk von Dauer dienen,
wvie denn überhaupt Eigenart, Neigung und beſondere
Lieb=
haberei der jugendlichen Empfänger, wie auch die pekunjären
Verhältniſſe ihrer Eltern noch dabei in Betracht gezogen werden
müſſen.
* Die Badeanſtalt
Von Ernſt Eimer.
„Herein!” rief der Bürgermeiſter, als der junge Lehrer
Reinig an die Türe des Amtszimmers klopfte. „Ei, Herr
Leh=
rer” ſuhr er fort, „Sie bringen gewiß große Neuigkeiten, ich habe
Sie ja zu meinem Hof herein laufen ſehen, grad als wenn’s
brennt.”
„Herr Bürgermeiſter”, ſagte der Lehrer, „brennen tut’s nicht
aber Höckershain muß jetzt eine Badeanſtalt haben!
Ueber dieſe Offenbarung riß der Ortsgewaltige Mund und
Augen auf; die Ueberraſchung war für ihn ſo groß, daß er nicht
einmal die Fliege wegjagte, welche ſich auf ſeiner Naſe
nieder=
gelaſſen hatte.
„Sehen Sie”, fuhr der Lehrer fort, „eine Badeanſtalt iſt
nicht nur für die Städter, ſondern auch für das Landvolk ſo
nötig wie das tägliche Brot. Es iſt ſtatiſtiſch nachgewieſen, daß
ein großer Prozentſatz aller Todesfälle auf ungenügende
Körper=
bflege zurückzuführen iſt. Ein friſches Bad ſtählt den Körper
und erhält die Geſundheit. Herr Bürgermeiſter, nun bitte ich
um Ihre Hilfe, damit mein Plan zur Ausführung kommt. Ich
bin feſt davon überzeugt, daß die Badeanſtalt ein Segen für die
ganze Gemeinde iſt.”
„Gucle Sie, Herr Lehrer”, nahm nun der Bürgermeiſter das
Wort, „Sie haben da poſſige Anſchläg, die wollen mir nicht in
den Kopf. — Vor etlichen Jahren haben wir die Eiſenbahn
ge=
kriegt und da darnach kam die Waſſerleitung. Sellemal habe ich
immer zugeſtimmt. Und wie dann das elektriſche Licht noch
ge=
kommen iſt, da habe ich auch nicht nein geſagt. Aber das waren
alles nützliche Sachen, die ſind kommod, und jeder Ortsbürger
hat ſeinen Vorteil davon.
Von ſo Badeanlagen habe ich ja auch ſchon gehört; aber
das iſt für vornehme Leut, die den ganzen Tag in der ſtickigen
Stubenluft hocken, die wollen ſich dann erfriſchen, und deshalb
blarrern ſie im Waſſer herum. Dazu haben wir Bauersleut ja
gar keine Zeit, und die Schulkinder ſind ſchon zufrieden, wenn
ſie im Mühlgraben und im Welzbachtümpel herumpatſchen
kön=
nen. Nein, Herr Lehrer, ich ſein für keine Badeanſtalt. Und
Blauben Sie denn, der Gemeinderat wäre dafür? O, und erſt
dur lange Börnges! Ei Gewitter, der hat alle andern am
Bän=
del! Was der mit ſeinen Rieſenfäuſten abdeutet, das drücklt er
auch durch. Der wäſcht und ſchruppt ſich, wenn s ſein muß,
mit dem Gaſſenkrätzer, aber immer in ſeinen vier Wänden. Wenn
Sie dem mit einer Badeanſtalt kommen, ſpielt er den wilden
Mann. Alſo, Herr Lehrer, nun ſein Sie mir nicht bös, aber es
kann naut draus werden.”
„Herr Bürgermeiſter”, ſagte der Lehrer Reinig, „über Thre
Abneigung bin ich ſehr enttäuſcht, aber ich hoffe, daß dies Ihr
letztes Wort nicht iſt, und daß Sie ſich die Sache erſt einmal
gründlich überlegen, dann können wir weiter darüber reden.
Den langen Börnges aber will ich gleich einmak aufſuchen,
da=
mrit ich auch deſſen Meinung kennen lerne."
Herr Reinig fand den Börnges im Kuhſtall, wie der gerade
ſeinem Scheck und ſeiner Roten die Schwänze wuſch. — „Hert
Lehrer”, rief er aus, „was battet das all, ich ſein für Ordnung
und Reinlichkeit. Sauber geputzt iſt halb gefüttert. Und dafür
ſein ich nicht nur beim Vieh, ſondern hauptſächlich auch bei
mei=
nen Leut, und natürlich ſpür ich das am beſten an mir ſelber.
Wenn mir im Sommer der Heuſamen auf den Rippen hängt,
dann gehts am Sonntag in die volle Bütt. Ja, in die große
Dickwurzbütt, die da neben ſteht. — Ei, iſt das eine Guttat, Herr
Lehrer, wenn ſich der lange Börnges in der Familienbütt
plarrert und ſchurrert, und das ſo gründlich, daß das Waſſer bis
an die Stalldecke ſpritzt. Gucke ſe”, das iſt ganz unſchenierlich,
denn man ſitzt ja in ſeinen vier Wänden. Sehen Sie, ſo waſchen
ſich die Börnges. So hat’s mein Vater gemacht, ſo mache ich es
wieder und ſo machens auch meine Kinder.”
Der Scheck ſchwang jetzt den triefenden Schwanz ſo
wir=
kungsvoll im Kreiſe, daß ſich Herr Reinig nur durch einen raſchen
Sprung in die offene Stalltüre vor weiteren naſſen
Ueber=
raſchungen retten konnte. „Was ſagen Sie dazu, Herr Börnges”
rief er von dort, „wenn Höckershain eine Badeanſtalt bekäme!
Da bräuchten Sie keine Familienbütt mehr und könnten den
Heuſamen viel bequemer entfernen.”
„Herr Lehrer” ſchrie der Bauer, „ich glaube, Sie machen
Spaß. Aber wenn Sie das im Ernſt meinen, dann müſſen Sie
wiſſen, ich ſein beim Gemeinderat und habe da auch mitzureden.
So eine Badeanſtalt, das iſt vornehmes Gezeug. Die Stadtleute
mögen ſich gegenſeitig das Waſſer trübe pullen. Aber dieſe
Bei=
jaſſenanſchläg tauchen nichts für unſer Dorf. Ei, die Schwerenot
noch einmal, nackig in der Welt herumzulaufen? Da müßte man
ſich ja vor Gott und allen Leuten ſchämen. Nein, Herr Lehrer
Las machen die Höckershainer nicht, und die Börnges bleiben bei
der Dickwurzbütt. Nun nichts ſür ungut, Herr Lehrer, aber
wenn wir einig bleiben wollen, dann kommen Sie mir nicht
mehr mit ſolchen Späß." Zur Bekräftigung dieſer Meinung
ſchlug der Bauer mit der geballten Fauſt ſo heftig an die
Stall=
türe, daß der Scheller klirrte.
Als Herr Reinig ſeiner Wohnung zuſchritt, dachte er darüber
nach, wvie man wohl Enttäuſchungen in Erfolge verwandeln
könne. Dieſe Bauern, das waren Dickköpfe. Die klebten am
Alten und haßten das Neue, und wenn es noch ſo ſegensreich
war. Er hatte alſo mit ſeinem Plane einen ſchweren Stand.
Und wenn er vorwärts kommen wollte, dann mußte er weiter
gehen. Die Herren am Kreisamt würden ihm ſicher helfen und
zu einer entſchiedenen Sitzung nach Höckershain kommen. Das
waren Reſpektsperſonen für die Dörfler, und dann mußte ſein
Plan gelingen.
Das Kreisamt hatte die Idee des Lehrers wohllvollend
auf=
genommen. Kurze Zeit darauf lief der Ortsbüttel zu den
Ge=
meinderäten und beſtellte dieſen: „Morgen früh um zehn Uhr iſt
im alten Schulſaal Sitzung wegen einer geplanten Badeanſtalt.
Es hat ſich jeder Gemeinderat pünktlich einzufinden.”
Bedeu=
tungsvoll fügte der Büttel hinzu: „Der Kreisrat kommt und
von der Regierung kommt wahrſcheinlich auch einer heraus.”
„Und der lange Börnges rückt mit ſeiner Meinung auch
heraus” ſchrie dieſer dem Büttel ſo laut und giftig ins Ohr, daß
derſelbe ganz erſchrocken zuſammenzuckte. Der hatte aber gleich
wieder ſeine Spaßvogellaune und dichtete:
„Jawohl, langer Börnges, morgen kommt alles heraus,
Da gibt’s ein neues Badehaus!”
Am andern Morgen um die neunte Stunde gingen die Näte
mit würdigen Schritten und entſchloſſenen Geſichtern dem
Schul=
hauſe zu. Als der lange Börnges am Spritzenhaus um die Ecke
bog, traf er mit dem drei Kopf kleineren Päpſtchen zuſammen.
„Börnges”, rief das alte Männchen mit hohem Stimmchen, „ich
ſeins nicht zufrieden, und wenn’s das Leben koſtet!“
Frohnings Daniel ſah die Beiden auf der Dorfgaſſe laufen
und wurde ganz zappelig: „Julche, mach fort” bettelte er ganz
ängſtlich, „ſonſt komm’ ich zu ſpät.” Seine Frau knöpfte ihm
noch den Kragen und den Schlupp fe s konnte er micht ſelber.
Vor dem Schulhauſe ſtand der Ortsdiener in ſeiner ſchönſten
Uniform. Er hatte den Säbel umgeſchnallt und machte ab und
zu einen langen Hals nach dem Schauerwald hin. 2ther
maß=
ten die Herrſchaſten kommen, und er hatte ſie dem Ziixyermeiſter
zu melden.
(Schluß folgt.)
Kerzlich ſag ich zu meine Zwangsmiedern morfens beim
Kaffeeſchnuddele, oh ſe aach ſchun was devo geheert hett, nemlich
es gingt in de eiſchleechliche Gelehrtekreiſe des Gericht um, mir
ſtinde vor=ere neie Eiszeit, ’s hett’s aaner, der wo firm is
in dem Fach, dorch langwieriche un verkommblizierte
Berech=
nunge ganz genag erausdiffidiert. — Do ſeecht die druff, ſo ganz
drucke ſeecht=ſe, däß weer ihr perſeenlich nix Neies, ſie dhet däß
ſchun ſeit acht Dag ſpiern, un dodewääche hett ſich der
Madde=
mahdicker mit ſeine verkommblizierte Rechnerei net de Kobb
demmbich zu mache brauche, dann wann er ſich nor e klaa bißche
nooch ihre „kalte Fieß” gericht hett, hett=er gor net denääwe rode
kenne, dann niooch dene kennt’s gor net annerſter ſei, als wie
daß mer widdermol diräckdemang for=ere neie Eiszeit ſteh dhete,
ſie weer ſchun ſo blott wie e Kerchemaus un kennt jedenfalls ihr
Miet morje net bezahle, un ich ſollt mich in Goddes Nome an
den geſcheide Brofäſſer halte, der wo däß bereits erausgerächent
hett
Jawohl, hab ich zu=er geſagt, ſo miſſe=ſe ſage, dann wärrn=ſe
freigeſproche, hab ich geſagt, un hab dem Duſſeldier dann
ver=
klickert, daß ihr „kalte Fieß” net im allergeringſte mit de Eiszeit
ebbes zu dhu hette, dann wann däß de Fall weer, daß mer die
als Vorbode agucke kenut, do weer ſchun lengſt es ganze
Heſſe=
lendche mitſamſt de umliegende Ortſchafte un Kreisemter mit=ere
knibbeldicke Eiskruſt iwwerzoge. Naa, hab=ich geſagt, es dhet ſich
bei däre Eiszeit net um ihrn krohniſche Dalles hannele, ſundern
vielmehr um ſozuſage den bekannte vorparradieſiſche Zuſtand,
wo die geſamte Fäſchedatzion un Ziffeliſatzion inkluſiefe vun de
Kullduhr, trotz alle ſcheene reſchierungsſeidiche Sprich, e paar
dauſend Grad unner Null geſunke weer, ſo daß kaa lewendich
Läwewäſe mehr am Läwe weer un exiſtiern kennt.
No, uff die Ereffnung hie hott ſe’s doch e bißche mit de Angſt
zu dhu krickt, ſie is ſo weiß worrn wie friſchgemolkene
Schmier=
kees un ſeecht, zu was mer dann do eichentlich e Obrigkeit hawwe
dhet, die wo Gewalt iwwer aan hott un wo nooch=em Rechte
ſähe ſoll, wann=ſe noch net emol bei Zeit ſo en eiſiſche Zuſtand
dorch e entſprächend Verviechung verbiede kennt — ja, ſeecht ſe,
do dhet mer’s widdermol ſähe, zu Kaiſers Zeite weer ſowas
jedenfalls net vorkumme
Liewesche, hab ich wedder=ſe geſagt, do kann kaa Kaiſer un
kaa Keenich was dro mache, däß leßt ſich net verbiede, weder
dorch en Erlaß noch dorch en Armeebefähl, ſundern däß weer
der Gang der Wält.”
Däß ſin mer ſcheene Geng, ſeecht ſe druff un hott gemaant,
ob ſich’s do am End empfähle dhet, wann mer ſchnell däre neie
Säckte als Mitglied beidräte dhet, die wo behaubte dhet: „
Dau=
ſende von Menſchen werden nicht ſterben. Kommen! Sehen!
Staunen!“
No, ich hab zu=er geſagt, ſchadde kennt’s ihr jedenfalls nix.
wann=ſe ſowas ehnlichem beidräte dhet; ſie kennt’s uff alle Fäll
emol browiern, ſchließlich, hab ich geſagt, badd’s nix, ſo ſchadd’s
nix, un in de letzte Dutt, hab ich geſagt, dhet ſich’s finne
Dodruff hie hott ſe ſich noch emol e Kobbche voll haaße
Kaffee ei geflößt un hott dann ſchichdern gefrogt, wann dann der
bollezeiwiedriche Zuſtand in Funktzion dräte dhet mit däre Eiszeit.
In rund zwölfdauſend Johr, hab ich geſagt, es kennte aach
hunnertzwanzichdauſend ſei, hab ich geſagt, ich wißt’s net mehr
ſo ganz genau, ich hett e zu ſchlecht Zahlegedächtnis.
Sooo!, ſeecht ſe druff un hott en armsdicke Seifzer
los=
ſchnorrn loſſe, ſo aan aus diefſter Bruſt, un is gleich widder
fräſch worrn un hott gemaant, däß weer ja immerhie en
Licht=
blick un es kemt=er in dem Fall uff e Johr odder zwaa net a”,
dann alle Menſche mißte ſtärwe, vielleicht ſie aach, un dann
weer’s ihr Worſcht, wie’s kemt, dann vermutlich dhet ihr bis
dohie kaa Zah’ mer weh. — Iwwrichens, hott ſe gemaant,
wann ſchun die Gelehrte nix annerſter zu dhu hedde, als heid
ſchun erauszurächne, was mer in hunnerdunzwanzichdauſend
Johr for Wätter hette, do wißt ſe dene doch e beſſer
Beſchäf=
dichung, un do weer’s ihr ſchun liewer, wann ſe=rer emol
eraus=
rächne dhete, ob’s nu endlich mit däre ewiche Räächnerei
endgil=
dich e Loch hett, dann mer wißt ja kaum noch, wie mer „geh” ſollt
bei däre komiſche Widderung, un ſie hett widder mol nix a
zu=
ziehe, un däß weer ſie nu endlich emol dick, dann es hett jo faſt
den Aſchei, als wie wann ſe die waxwaaſchern Widderung im
Heſſiſche Landdag nooch=em ballamendariſche Uhſuß erausknowele
dhete —
Allerdings, hab ich geſagt, den A’ſchei' hott’s, hol mich de=
Guggug. Die Widderungsverhältniſſe hawwe ganz en
landdags=
meßiſche Aſtrich un es ſieht faſt ſo aus, als hett de Friehling uff
Koſte vum Summer mit=em Winter en Konunbromiß abgeſchloſſe,
wodenooch de Friehling diß Johr e paar Woche frieher an die
Reſchierungsgribb därft, un dodefor dhet er noochher — ſo Mitte
odder Ende Mai — den Winder noch emol an’s Reſchiern loſſe,
un der dhet dann vorm Abgeh noch emol dem Summer ’s
Kunn=
zäbt verdärwe, däß weer bei kommhromißliche Abmachunge ſo.
Sie hott dodruff geſagt, ſie wißt zwar net, was en
Komm=
bromiſt weer, awwer wann däß däß weer, was zwaa hinnerm
Buggel vun=eme Dritte mit ennanner ausmache dhete, um ſich
uff Koſte vun dem Dritte ſchadlos zu halte, ſo mißt ſie dann ſage,
daß ſe ſich unnerm Ballamendarismuß ganz entſchiede was
annerſter vorgeſtellt hett.
Ja, hab ich geſagt, do hette ſich viel was annerſter
vor=
geſtellt, un ſie kenut ſich dreeſte, hab ich geſagt, ſie weer do in
recht a genehmer Geſellſchaft. Freilich, hab ich geſagt, däß leech
net allag an dem Ooſeballamendarismuß, ſundern die Sach hett
annern Nauwe un däß weer grad ſo ungefehr wie beim
Muſick=
mache: es kennt aaner noch ſo gut die Drehorjel ſpiele, wann
merim awwer e Schtradifarie in die Hand gebt, gebt’s doch bloß
e elend Gekratz un noch lang kaa Muſick — däß leech awwer net
an de Gei”, ſundern
Weil mer grad vum Muſickmache redde, ſeecht ſe, un hott mich
gefrogt, ob ich aach am Sunndag in de Tornhall gewäſe weer
in dem „ſteiermuſickahliſche Sunndags=
Nooch=
middags=Maddinee”; ſie weer drin gewäſe, ſeecht ſe, un
hett ſich glenzend ammeſiert, ſie hett allerdings bei dere Muſick
noch die annern Jazz=Inſtrumende vermißt, de „ſchwingende
Stahl”, es „Schlagzeich” un däß „Gießkanneſaxofon”.
„Ich dhet’s lebhaft bedauern, net drinn gewäſe zu ſei, hab ich
geſagt, awwer ſowohl, die modärne Steiern, wie aach die
mo=
därn Muſick, die kemte mir ſo langſam owweraus. — Sie hott
gemagnt, do hett ich entſchiede was verſäumt, awwer ſie dhet
hoffe, daß kimfdich die bollidiſche Verſammlunge „beläwend” uff
die modärne Muſickpflääche eiwirke dhete, un daß mer, wann
mer an ſo e paar muſickahliſche Steierbrodäſtverſammlunge
daal=
genunune hett, kimfdich in=eme Landestheater=Hoſmuſickkunnzärt
ſo=ere Strawinſkyſche Simmfonie net mehr verſtendnislos
gäächeniwwer ſitze dhet un dhet aus lauter Verzweiflung uff=eme
Hausſchliſſel peife. Iwwrichens hett ſe’s bedauert, daß die
ei=
ſchleechliche Muſickkriddicker ſich net eigehend zu dem
muſickah=
liſche Steierkunnzärt geäißert hette, däß kennt mer doch jedenfalls
verlange.
Ich hab gemaant, daß ſich vielleicht äwe zu de Steiern
mehr aißern dhete, als em Finanzminiſter lieb weer, mer kennt
awwer doch net aach noch verlange, daß der däßwääche noch emol
en Kurſus mitmache dhet an de Städtiſche Ton=Aggademie un
dhet ſich muſicktheorediſch un kondrapunkdiſtiſch ausbilde loſſe.
— Däß weer aach gor net needich, ſeecht=ſe, mer mißt bloß die
geeichente Perſeenlichkeite zu Finanzminiſter mache, dene wo
die Muſick im Blut lieje dhet, dann ſo was mißt mer in ſich
hawwe.
Ich hab ſe gefrogt, was ſe domit ſage wollt, un ob am End
gar ſie uff des Finanzminiſterpöſtche ſpickeliern dhet. — Un
warum net, ſeecht ſe, es weer doch net nodwennich, daß däß
allemol e Mannsbild ſei mißt. Mir Weibsleit hette uns bloß
die ganz Zeit an die Wand dricke loſſe, ſeecht ſe, un was die
Mannsleit kennte, däß kennte mir Weibsleit ſchun lang, un wer
dhet dann in de Haushaltung for Ordnung ſorje un dhet uf
baſſe, daß es hinne, un vorne lange dhet? Mir Weibsleit,
Wer dhet defor ſorje, daß uffm Kichehärd’ net jeder ſei eig
Sibbche koche därft, ſundern daß aus aam Dihbe gäſſe mit
wärrn? Mir Weibsleit. — Wer dhet aus em letzte Fätzche imm
noch was eraushole? Mir Weibsleit. — Wer dhet’s verſteh. au
Nix ettas zu mache? Mir Weibsleit. — Un wer dhet’s m
jedem Nörgeler uffnemme un hett immer des letzte Wort? M
Weibsleit. — Un wer dhet däßhalb am beſte zu=eme Finan
miniſter baſſe? Aa vun uns Weibsleit. — Un weil alſo jetzt
n=
mand mehr en Zweifel hawwe kennt, daß emol e Weibsbild a
Finanzminiſterin folge mißt, ſo wollt ſie in Goddes Nome ſi
dem heſſiſche Volk zur Verviechung ſtelle, un vun ihr aus kent
mer ſe ſoſort beſtädiche, ihr weer’s net angſt, un die Herrn
Lan=
dagsler kennte dann ihr blau Wunner erläwe, un ſie dhet=e
emol de Deckel vum Dibbche un dhet=en emol zeiche, wo un w
geſpart mißt wärrn, un ſie dhet=en als Finanzminiſtern em
e Licht uffſtecke, daß ſe gärn ſtill weern, bloß damit ſie ruhi
weer un nir mehr ſage dhet. Dann ſie wißt, wie mer aach d.
ſchwierichſte Brieder unnerkrieje dhet, daß ſe guſche dhete wie
geſchlagene Hund. Sie, ſeecht ſe, ſie dhet färdich wärrn mit in
ganze Landdag un mit noch e paar annern dezu. — Nadierli
kennt ſe ohne Steiern halt aach net auskumme, däß dhet ſe glei
ſage, dann in dem Faul gingt’s ihr, wie’s bis jetzt ſemtlick
deitſche Finanzminiſter gange weer, un die dhete halt all an d.
ſälwe Krankheit leide, ganerlaa, vun welchere Baddei ſe
weer=
un däß weern halt die „kalte Fieß”. Un dodegääche dhet ha
nir mehr helfe als wie die Selbſtbemeiſterung nooch 1
„Methode Kuee”, un zu däre kennte aach die Finanzminiſter il
mit großem
Zuflucht nemme, ſie mißte bloß jeden awend im Bett zwanzie
mol for ſich hie ſage: „Ich hab kag kalte Fieß mehr, ich hab ke
tt, d
kalte Fieß mehr, ich hab kaa kalte Fieß mehr . . . ." Un wann
ſich uff die Art e paar Woche lang ſelbſt bemeiſtert hett
daun weern ſe uff aamol aus alle Schwullidhäte haus, u
mir aach
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. „Irren is menſchlich”, hott ſelle /ichmarotzer ſ
Giggel geſagt, wie er en Peifekobb ausbriehe wollt. — Alſo m)z blühen.
dene Fiſchurn am Schloß, do bin ich eigange, die macht ke um der B
Frankforter, ſundern e Darmſtädter Kinſtler widder in d
Reih, nemlich de Herr Bildhauer Cauer, No, däß wollt i
awwer aach wiſſe, un ich bitt fußfellich um Verzeihung u lben von
nemm mei Behaubdung hiermit effentlich meiſtbiedend gääche
gleich bare Zahlung widder zurick. s is mer lieb, daß ſich d Amd wetterte
Sach ſo ſchee gekleert hot ..
Annerſter liggt’s awwer doch bei dem Heldendenkma
do is ſcheints de Kram grindlich verſiebt. No, ich mecht n
mehr enei redde, obgleich mer en Speezel dun meim Schorſch, d
wo aach in dem Denkmalsausſchuß ſitzt, noch emol e eigeher
Krockie vun dem ganze Denkmals=„Mannöwer”=Blan uſ
gezeichent hott. Wie geſagt, ich kaun mer net helfe, es is ſchr
ſo: „Der aa hellt’s un der anner leßt’s net geh!‟ Dodefor
mer halt in Abbdehra — Darmſtadt wollt ich ſage, wo b
kanntlich jeder uff ſei heiliches Räſervatrecht poche dhut u
mit=em Kobb dorch die Wand will. Ich ſag bloß ſoviel: wann
net doch zu=eme gemeinſame Denkmal kimmt, aanerlaa vun wei
wo un wie, dann hawwe=ſe’s bei mir verſchidd, ſowohl die Hert
Rajementsvereine vum Scheneral abwärz, wie gach die Stad
verwaltung vun de Hauptmenner uffwärz.
Iwwrichens därft’s aach nu allgemein; bekannt ſei, da
wann mer emol net zufellig deſelwe Maanung is, wie unſ
hochwohllöblicher Stadtverwaltungs=Hauptmann, daß es dan
gleich haaßt, mer weer e „Nörchler” un dhet ſich e „unbe
rechdicht Kridick” erlaawe — wie’s beiſpielsmeßich gäſter
in däre borjemaaſterliche Verlautbarung iwwer die neimodiſd
Aſichte bedräffs vun unſere Stadta’lage gehaaße hott.
Wie ſeecht de Heinrich Heine:
Vertraut Eurem Magiſtrat,
Der fromm un lübend ſchitzt den Staat
Durch huldreich hochwohlweiſes Walten,
Euch aber ziemt’s, das Manl zu halten!
Ob mir verſeenlich däß bun heit uff morje gelingt, do bi
ich emol neiſchierich. Ich glaab, bei mir hilft in dem Fall aa
dem methodiſche Kuee ſei Selbſtbemeiſterung nix, mei bees Mau
wärk däß habb ich als ſteierfreies Erbgut mit in die Wieg ge d a
leecht krickt —
UIn jetzt dank ich härzlich un zum Schluß all dene, die w
mer die Woch ihrn Sporres Raſſel for’s Niebergall=Denk)
ſ=
mal geſchickt hawwe. Als Dank defor krickt jedes, wo mer ſ XNit
Adräß a gibt, mei Bild, vum Ooſepfeil gemolt un ſingniert, m ſand wir
meine eichenhendiche Unnerſchrift verſähe. Loßt mich alſo ne
im Stich, de klennſte Betrag wärd dankbar a genumme un
effen=
lich quiddiert. — Mer wolle doch mol ſähe, ob mer net aach ohn
große Teen äbbes uff die Baa ſtelle kenne! — Jawoll!
hlaf der
Frauen=Rundſch au
Erziehungsbeihilfe für hochbegabte Kinder.
Dieſe Beihilfen ſind dazu beſtiymt, den Aufſtieg von
hochbegab=
ten Kindern aus minderbemittelten Familien durch die höhere
Schule hindurch zu ermöglichen. In den einzelmen Ländern
ſtehen den Miniſterien, für Vollsbildung ſtaatliche, wie auch
Reichsmittel zu dieſem Zwecke zur Verfügung. Die
Erziehungs=
berechtigten haben Geſuche um Gewährung ſolcher
Erziehungs=
beihilfen alsbald nach Beginn des Schuljahres bei derjenigen
höheren Lehranſtalt einzureichen, die das Kind beſucht. B. B.
Die erſte Magdeburger Frauenwoche. Vom
28. Februar bis 7. März wird die Magdeburger Volkshochſchule
gemeinſam mit der Ortsgruppe des Magdeburger Verbandes
für Frauenkleidung und =kultur E. V. gemeinſam eine erſte
Magdeburger Frauenwoche veranſtalten. Auf dieſer werden
Frau Minüſterialrat Dr. Gertrud Bäumer, Frl. Hildegard
v. Gierke, Lenka von Körber, Frau Dr. Hermine Häusler=
Eden=
hiuzen, Frau Dr. Roſa Kempf und andere Führerinnen über die
Frauenbewegung und Gegenwartsaufgaben der Frau ſprechen. H.
Eine Kinderheilſtätte für Bettnäſſer. In
Oberlößnitz bei Dresden wurde eine Kinderheilſtätte mit vollem
Jahresbetrieb für Bettnäſſer vom ſächſiſchen Arbeits= und
Wohl=
fahrtsminiſterium eingerichtet. Der Verpflegungsſatz beträgt
3 Mr. Aufgenommen werden nur Kinder, die einer beſonderen
Fürſorge und ſchulärztlichen Ueberwachung unterſtehen. Als
Mindeſtdauer einer Kur ſind 8 Wochen angeſetzt worden. R.
Praktiſche Winfe
Haltbarer Kitt für Waſſerleitungsrohre,
Man verrührt Waſſerglas und Zement zu weichem, ſtreichbaren
Kitt. Stellt die Waſſerzufuhr ab, dichtet mit ihm die ſchadhafte
Stelle ab und läßt den raſch erhärteten Kitt noch einige Stunden
trocknen, ehe man das Waſſer wieder anſtellt.
Naſchförderndes Strümpfeſtopfen. Will man
bei ſtark zerriſſenen Strümpfen harte, dicke Stopfſtellen oder das
Anſtricken erſparen, ſo ziehe man ſie, mit der linken Seite nach
außen, auf einen Schuhleiſten, ſäume mit offenem Rand und
weichem Garn ein Stück Erbstüll rings um die ſchlechten Stellen
an und ſchneide dann alles Zerriſſene in der Mitte wpeg. Der
Tüll iſt nun raſch mit paſſendem Garn kreuz und quer nach dem
Muſter durchzogen, die Stelle ſehr haltbar und doch am Fuße
nicht fühlbar.
Friſcherhaltung von Backwaren. Viel beſſer als
die meiſt im Gebrauch befindlichen Brot=, Kuchenkapſeln und
Käſten aus Blech ſind ſolche aus irdenem Geſchirr. Namentlich
Brötchen und Semmeln bleiben vollſtändig friſch im Geſchmack,
wenn man ſie in einen irdenen Topf legt und dieſen mit
eben=
ſolchem Deckel ſchliaßt.
Wenn Mäuſenicht indie ausgeſtellten Fallen
gehen wollen, ſo liegt es zumeiſt daran, daß noch andere
Lebensmittel in dem betreffenden Raume vorhanden ſind, an
denen ſie ſich zunächſt gütlich tun, ſodaß ſelbſt die leckerſte
Lock=
ſpeiſe in der Falle unberührt bleibt. Sind dieſe aber nicht
vor=
handen und die Falle bleibt trotzdem leer, ſo muß dieſe mit
kochendem Sodawaſſer überbrüht und in allen Teilen gründlich
gereinigt und überbürſtet werden, da Mäuſe eine feine
Wit=
terung dafür haben, ob in ihr ſchon eine ihres Geſchlechtes
ge=
fangen, verletzt oder getötet worden iſt.
Der zeitgemäße Haushalt
Geſpickter Schellfiſch mit Sahnenſoße. Ein
geſchuppter, etwa 2 Pfund ſchwerer Schellfiſch wird am Rücken
enthäutet und dicht mit Speckſtreifen geſpickt, die man in Salz
und Paprika wendete. Nun bratet man ihn mit reichlich
Mar=
garine bei guter Oberhitze ohne Wenden faſt gar. Fügt eine
halbe Taſſe ſaure Sahne, von der Haushaltsmilch geſammelt, bei,
läßt fertig dämpfen, hebt ihn auf eine Platte, betcäufelt ihn mit
Appels Krebsbutter und reicht ihn, von Kartoffeleroquetten und
Rapunzchen umkränzt, mit der durch Kartoffelmehl verdickten
Soße.
Ruſſiſche Makkaroni. (Sehr würzig.) Recht klein
zerbrochene Makkaroni kocht man in leichtem Salzwaſſer nur
halbgar. Läßt ſie ablaufen, gibt ſie in einen Tiegel mit
hell=
brauner Butter, bedeckt ſie mit gewiegtem Schweine= und
Rind=
fleiſch zu gleichen Teilen, beſtreut dieſes mit Appels Roſenpaprika
und Salz, ftreicht über dieſe Schicht Tomatenkreme und läßt das
auch in einer feuerfeſten Auflaufform bereiten und darin gleich
guftragen.
Bei dem Panieren von Schnitzeln, Kotelett
und Fiſch an Ei zu ſparen. Das ſonſt angewendete, ze
klopfte Ei kann mau für andere Zwecke ſparen, wenn man a.
deſſen Stelle friſche oder aufgelöſte Büchſenmilch zum Darinwen
den des zu Bratenden auf einem flachen Teller mit Salz un
gemahlenem Pfeffer verrührt. Fügt man dieſe beiden Würze
bei, ſo erzielt man ein gleichmäßigeres Annehmen derſelben,
al=
wenn man die Schnitzel uſw. erſt nachträglich ſalzen und pfeffer:
würde.
Das Aufwärmen von Gemüſereſten bei Er
haltungihres Wohlgeſchmacks. Man ſtellt es am beſtel
in irdenem Topf, wenn man kein Herdfeuer hat, auf Asbeſttelle
bei kleiner Flanme zugedeckt auf und läßt es langſam hei
werden. Sollte das Genife zu trocken” ſein, ſo füge man nod
wenig Waſſer bei, damit es (eil es duich das Verdicktſein mi
Mehl leicht „aulegt”) nicht anbrennt.
Ungekochte Bauanenſpeiſe als leckerer Nach
tiſch. Reife, geſchälte Bananen ſchneidet man in Scheiben, di
man mit Rum oder Arral etwas beträufelt, zugedeckt ſtehen läß
Legt dann den Boden einer Glasſchale mit runden oder vier
eckigen Stückchen von Butterkels dicht aus, die Zwiſchenräum
mit geriebenem Keks ausfüllend, legt darauf eine fingerdick
Schicht Bananen, nachdem man über den Kebs zum Anſaugen
und Quellen etwas mit Vanille und 1 Eßlöffel Süßſtofflöſun.
gewürzte, ungekochte Milch goß. Läßt wieder eine Schicht Kel.
folgen, ebenfalls mit Milch begoſſen und zuletzt eine Schich
Bananenſcheibchen. Obenauf bedeckt man die Speiſe mit ent
kernten Apfelſinenſtückchen und reicht ſie mit geſpritzter Schlag
fahne verziert, nach einigen Stunden Durchziehens mit ode
ohne Vanilleſoße.
Speiſe=Zettel.
Sonntag; „Nierenſuppe, gefüllte Kalbsbruſt mit Reisrand
Zitronenereme.
Montag: Hörnleſuppe, gebackener Blumenkohl in der Forn
und Bratkartoffeln.
Dienstag; Kalbsgekröſe mit Roſinenſoße und Semmel=
Abſtechklößchen.
Mittwoch: Grünkernſuppe, gefüllte Krautwickel.
Donnerstag: Hagebuttenſuppe, Makkaroni mit Schime
und Schweizerkäſe.
Freitag: Geſpickter Schellfiſch mit Sahnenſoße und Sal3.
Samstag: Arme Ritter mit Apfelmus.
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die macht
er widder
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Verzeihl
Numher 59
Sonntag, den 28. Februar 1926
Seite 15
Das entlarvte Hetzblatt.
„Der Abend” — Trüber Faſching. — Hundeleben und
Leben der Hunde.
Von unſerim ſtändigen Berichterſtatter.
H. Kk. Wien, Ende Februar 1926.
Durch viele Wochen mußie die Senſationsluſt der Wiener
Oeffentlichkeit den Stoff zu ihrer Befriedigung von auswärts
beziehen. Die Spalten der Zeitungen, die Stammtiſchrunde oder
das Kränzchen in der Hausmeiſterswohnung, ſie alle waren
ge=
zwungen, mit den Fememördern oder den ungariſchen
Bank=
notenfälſchern als Geſprächtsthema das Auslangen zu finden.
Ein echter Wiener Originalſkandal war alſo ſozuſagen die längſte
Zeit ſchon überfällig.
Die Bombe aber, die nunmehr geplatzt iſt, übertrifft alle
Er=
wartungen; ſowohl in Beziehung auf Größe und Bedeuutng wie
auf den penetranten Geruch, den ſie verbreitet. Eine
journa=
liſtiſche Korruptionsaffäre ſondergleichen wurde aufgedeckt, ein
Volksbetrüger entlarvt, der mit einem kaum glaublichen
Zynis=
mus ſein frevelhaftes Handwerk durch Jahre hindurch betrieben
hat. Es hat ſich nämlich herausgeſtellt, daß die linksradikale
Nachmittagszeitung „Der Abend” hinter ihrer
menſchenfreund=
lichen Deviſe: „Wo es Stärkere gibt, immer auf der Seite des
Schwächeren” einen ſcharf geladenen Revolver verborgen hielt.
Der Aufſchwung des „Abend” begann in den Kriegsjahren,
als die Augen des zeitungleſenden Publikums nicht müde
wur=
den, die Spalten der Blätter nach Mitteilungen abzuſuchen aus
deuen ein wenn auch noch ſo ferner und ſchimärenhafter
Troſt=
gedanke geſchöpft werden konnte. Und die pazifiſtiſche
Wehmuts=
melodie des „Abend” fand nach den ſchmetternden Fanfaren der
offiziöſen Morgenblätter um ſo empfänglichere Ohren. Nach dem
Zuſammenbruch erreichte das Blatt den Höhepunkt ſeiner
publi=
ziſtiſchen Bedeutung. Aus den opportuniſtiſchen bürgerlichen
Frondeuren waren über Nacht geaichte Marxiſten geworden, die
mit großem Geſchrei die rote Fahne der ſozialen Revolution
ſchwangen. Der „Abend” gebärdete ſich als das berufene
Bolſche=
wikenblatt, dem nichts radikal und geſinnungstüchtig genug
er=
ſchien und das natürlich auch die beſonnene Haltung der
öſter=
reichiſchen Sozialdemokratie und ihrer offiziellen Parteipreſſe
mit Spott und Hohn übergoß. Nach Abnützung der politiſchen
Phraſe wurde die wirtſchaftliche Demagogie aufs Schild
ge=
hoben. In der Zeit der Inflationsgewinner und
Konjunktur=
ſchmarotzer ſah das ſkandalſüchtige Blatt aufs neue ſeinen
Wei=
zen blühen. „Der Abend” war die Geißel, die über den
Häup=
tern der Bankdirektoren, Induſtriellen und Großkaufleute
ge=
ſchwungen wurde, die ihnen die Ruhe der Nerven und den
Schlaf der Nächte raubte. „Der Abend” ſtellte auch das
Privat=
leben von Leuten, die mehr derdienten als die anderen, unter
ſeine moraliſche Kontrolle, achtete, daß keiner zu viel ausgab
und wetterte gegen alle, die gut leben wollten. Es gab eine
Zeit, wo jeder kapitaliſtiſche Unternehmer, dem man einen
„guten Abend” wünſchte, aus dem harmloſen Gruß einen
gefähr=
lichen Doppelſinn heraushörte und ſchmerzhaft zuſammenzuckte.
Die ſchonungsloſe Aufdeckungskampagne, die der „Abend”
führte, hat nicht zuletzt die allgemeine Vertrauenskriſe
mitver=
ſchuldet, die die öſterreichiſche Wirtſchaft lähmt und blühende
Induſtrien zum Feiern zwingt. Gewiegte Kenner der
Verhält=
niſſe behaupten ſogar, daß etwa die Depoſitenbank, deren
Zu=
ſammenbruch ſo viele Exiſtenzen mit ins Elend geſtürzt hat, noch
zu retten geweſen wäre, wenn die vehementen Angriffe des
Skandalblattes die Situation nicht ſo heillos verwirrt hätten.
Heute, wo der Hauptſchriftleiter des Blattes und der
lau=
teſte Rufer im antikorruptioniſtiſchen Streite als Korruptioniſt
ärgſter Sorte gebrandmarkt iſt, als Proviſionsnehmer,
Börſen=
ſpekulant und Beſtechungsheld, heute kann man ſich nur fragen,
wieſo es möglich war, daß dieſer ſaubere Patron ſein Handwerk
ungeſtört ſo lange fortſetzen konnte, daß nicht nur die breite
Oeffentlichkeit, ſondern auch die engſten Mitarbeiter von dem
plumpen Betrug nichts gemerkt haben. Der Herausgeber eines
revolutionären, antikapitaliſtiſchen Blattes mag perſönlich noch
ſo integer ſein; aber wenn er ſich allabendlich über die üblen
Gerüche, die aus der großkapitaliſtiſchen Küche aufſteigen,
echauf=
fiert, ohne den Geſtank aus der Kloake, die das eigene Haus
ver=
peſtet, zu wittern, ſo iſt das gewiß keine Empfehlung ſeiner
kritiſchen Urteilskraft.
Wie immer nach ſolchen Affären, heißt es jetzt; man dürfe
nicht verallgemeinern und aus der Verfehlung des Einen kein
politiſches Kapital ſchlagen. Das iſt im übrigen auch gar nicht
notwendig; denn der Tatbeſtand, der auch vom „Abend” ſelbſt
in keiner Weiſe geleugnet werden kann, iſt ſo himmelſchreiend,
und an ſich ſchon politiſches Kapital, wie es beſſer und
wirk=
ſamer gar nicht gemünzt werden könnte.
Und wenn es tatſächlich ſo iſt: daß die „Arbeitsgemeinſchaft”
des „Abend” eine Herde weißer Lämmer darſtellt, in deren
Mitte ſich ein räudiges Schaf eingeſchlichen hatte . . . ein
Um=
ſtand wirft immer einen gewiſſen Schatten auch auf das Weiß
der frommen Lämmlein. Der verbrecheriſche Hauptſchriftleiter
hat eingeſtandenermaßen ein legales Einkommen bezogen, das
etwa den zehnfachen Betrag der Durſchnittsgage eines Wiener
Journaliſten ausmachte. Nun bildete es aber einen der
be=
liebteſten Punkte im Vergnügungsprogramm des „Abend”, naive
Vorſtadtgemüter durch den Hinweis auf die fetten Gehälter der
Bankdirektoren und Induſtriekapitäne aufzureizen, wiewohl
ſich dieſe mit einem Bruchteil der „abendlichen” Profitmacherei
zufrieden geben mußten. Damit aber iſt der für die politiſche
Beurteilung der Dinge völlig ausreichende Tatbeſtand einer
ſchanloſen Tartüfferie gegeben.
Im übrigen gehört die Korruption des „Abend”, die ſich
hinter dem antikorruptioniſtiſchen Aushängeſchild verbarg,
durch=
aus zu jenen Erſcheinungen, die im Nährboden der Nachkriegs=
und Inſlationszeit wurzeln. Und wenn es etwas gibt, was uns
in unſerer wenig erfreulichen Situation einigemaßen mit
Genug=
wrung zu erfüllen vermag, ſo iſt es die unfehlbare Logik, mit
wel=
cher ſich alle dieſe Erſcheinungen auf Grund der ihnen
inne=
wohnenden Kräfte und Geſetze von ſelbſt zerſtören. Von den
Inflationsgewinnern haben alle dran glauben müſſen; ſie ſind
heute ärmer als zur Zeit, da ſie ihren Aufſtieg begannen; hatten
ſie früher nichts, ſo haben ſie jetzt Schulden. lind den Skandal
des „Abend” wollen wir als das Signal auffaſſen, daß nun auch
für die Paraſiten jener Paraſiten die Stunde geſchlagen hat.
Abgeſehen von der Gemütserregung, die der
Zeitungs=
ſkandal in den letzten Tagen hervongerufen, hat, verläuft das
Wiener Leben ziemlich grau und eintönig. Selbſt der berühmte
Wiener „Hamur” und die Fähigkeit, ſich mit einer gewiſſen
Selbſt=
ironie über die Not des eigenen Daſeins zu erheben, iſt
fügel=
lahm geworden. Man merkt kaum, daß man im Faſching lebt.
Kein Wunder, daß in dieſem Faſching der Mühſäligen und
Be=
ladenen die Zahl, der Tanzunterhaltungen im Vergleich mit
früheren Jahren um ein gutes Drittel abgenommen hat; ſelbſt
die altehrwürdigen Veranſtaltungen, die traditionsgemäß
abge=
halten werden, weiſen einen ſehr verminderten Beſuch auf. Von
dem beängſtigenden Gedränge, das einſtens etwa auf dem
Con=
cordia=Ball herrſchte, dem Repräſentationsfeſt der Wiener
Jour=
naliſten, war diesmal nichts zu bemerken. Und es ereignete ſich
das in der Concordiachronik noch niemals verzeichnete
Geſcheh=
nis, daß bereits um 11 Uhr das Tanzvergnügen „in ſeine Rechte‟
treten konnte.
Ein deutliches Symptom, daß wir ein Hundeleben führen;
und dieſer Umſtand bringt es logiſcherweiſe mit ſich, daß das
Leben, das unſere Hunde führen, noch um einige Grade unter die
hündiſche Niveaulinie gelegt wird. Die Gemeindeverwaltung,
die durch ihre Luſtbarkeitsſteuer und durch ſinnverwandte
Geld=
bußen die Nation unſerer Luſtbarkeiten auf ein Mindeſtmaß
herabgeſetzt hat, rückt nunmehr auch der Luſtbarkeit, die uns
unſere vierfüßigen Freunde gewähren, an den mageren Leib.
Gegen die Cäſarln, Flockis, Schnauzis und Luxis werden
ſani=
täre Bedenken geltend gemacht. Aus der Ratsſtube bellt ihnen
die Stimme bürokratiſcher Gefühlsloſigkeit entgegen. Und den
ängſtlichen Hundebeſitzern wird täglich vorgerechnet, wieviel
Nähreinheiten der Appetit ihrer vierfüßigen Lieblinge den
hungernden Kindern entzieht. Es ſind Zahlen, die allen Hunde=
Tanten und =Onkels angſt und bange machen könnten, wüßten
ſie nicht, daß ſich mit Statiſtiken für alles Beweiſe und
Gegen=
beweiſe liefern laſſen. Wie ſpricht die Zahl?
Proteſte in der Volkshalle haben bereits ſtattgefunden und
ein ſolenner Demonſtrationszug über die Ringſtraße, bei welchem
alle Raſſen und Nicht=Raſſen vertreten ſein werden, ſteht noch
bevor; denn es möchte kein Hund ſo länger leben!
Indeſſen iſt es ſehr zu bezweifeln, ob dieſer kynologiſche
Auf=
marſch irgendwie von Erfolg begleiſet ſein und die behördlichen
Schikanen mildern wird. Sind doch die öſterreichiſchen „Herrln”
ſelber dazu verurteilt, ſtets an der Leine zu gehen und den
Maul=
korb zu tragen. Ja, ſie dürfen nicht einmal bellen, wenn ihnen
die übermütigen Nachbarn auf die Pfote treten. Wie die
geprü=
gelten Hunde müſſen ſie kuſchen und ſich in den Winkel verkriechen,
wenn etwa von den „ethnologiſchen Reſten”, die ſüdlich des
Brenners wohnen, die Rede iſt.
Gerade in dieſen Tagen, da uns unſere Ohnmacht und
Hilf=
loſigkeit in beſonders empfindlicher Weiſe zum Bewußtſein
ge=
bracht wurde, empfingen wir gleichwohl die moraliſche
Genug=
tuung, daß der große deutſche Bruder das richtige, ſchöne und
würdige Wort gefunden hat, das Wort, durch welches, wenn auch
nur in ideeller Beziehung, der „Anſchluß” in der Tat vollzogen
erſcheint.
Zeichnen und malen Sie?
Dann wird es Ihnen nicht unerwünſcht ſein, einen Hinweis auf
den vom Kunſtmaler Albert Knab und Graphiker und Schriftſteller Karl
Matthies verfaßten brieflichen Unterrichtskurſus im Malen und Zeichnen
zu erhalten, der es jedem Intereſſenten für die Zeichen= und Malkunſt
ermöglicht, ſich ohne Aufgabe des gegenwärtigen Berufes und ohne
Veränderung ſeines Wohnſitzes in ſeiner freien Zeit in vielſeitiger
und fachgemäßer Weiße auszubilden, reſp. zu vervollkommnen.
Die Mal= und Zeichen=Unterricht G. m. b. H., Berlin W 9/63,
Linkſtr. 12, ſendet allen ernſten Intereſſenten auf Wunſch koſtenlos ihren
illuſtrierten Proſpekt „Studium im Malen und Zeichnen” zu. IIV.3053
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Sonntag: 28. Febr. 8.30: Morgenfeier: 1. Präludium. 2. Abt:
Sabbatfeier, 3. Mendelsſohn: So ihr mich von ganzem Herzen
ſuchet, aus „Elias” Tenorſolo 4. Kreuzer: Forſchen nach Gott,
5. Anſprache: Dr. Melle, 6. Mendelsſohn: Ich harrete des Herrn,
Duett. 7. Bach: Largo für zwei Violinen, 8. J. Erdle: Wir ſind
ein Volk. O 11.30: Aus den Dialogen des Plato. 6 12:
Ueber=
tragung aus Berlin, O 445: Hausorch.: Trauermuſik. Traute
Meerwarth=Sebold, Rez. 1. Chopin: Trauermarſch. 2. Grieg: Aaſes
Tod. 3. Beethoven: Trauermarſch. 4. Rez. aus Schiller, Hebbel
und F. Meyer. 5. Beethoven: Trauermarſch aus der „Sinfonia
eroica”, O 5: Jugendſtunde. Anderſſen: König, Dame u. =Knecht.
Anderſſen: Die Prinzeſſin auf der Erbſe. Däumelinchen. Für
Kin=
der vom 4. Jahre ab. O. 6: Rhein=Main=Verband für
Volks=
bildung. O 8.30: Lautenlieder von Haydn, Mozart und Weber,
Dr. Bardorff u. Frau. 6 9.30: Ernſtes Konzeit: Adolf Permann,
Bariton: Ein Kammerorch 1. Brahms: Tragiſche Quverture.
2. Brahnis: Vier ernſte Geſänge, 3. Wagner: Trauermuſik bei
Siegfrieds Tode.
Stuttgart.
Sonntag, 28. Febr. 12: Übertr. aus Berlin: Gefallenen-Gedeukfeier
im Plenarsitzungssaal des Reichstags. Kosleckscher Bläserbund,
Brekscher Männergesangverein. Sprsclchor an der Universität Berlin.
X 2: Schallplattenkonzart. 3: Gedächtniskeier für die im Weltkries
Gefallenen. Gesaugr. Ehrenkeld, Reichswehrkap. Int.-Peg. 13, 4. Haagen
(Flügel), E. Stockiuger, H. Conzelmann. X 6.30: Dr. Elwensnoek:
Wlie unsere Sprache denkt und diehtet X f: Bmil Hilb, Vem Tork=
Das Theaterwesen in New Tork. 7.30: M. Lang: Die Frühgestorbenen
der deutschen Dichtung. 8: Eruster 4bend. Zum Gedächtnis für die
im Weltkrieg Gefallenen. Mitw.: Liesl Olmesdahl, 4. Harlacher,
E. Baudistel, Df. Heve Rundkunkoreh 1. Trauermarsch (Chopin);
2. Trag. Our. (Brahms); 3. Dem Krieger weissagt Kranz und Lohn aus
„Judas Makkabäus” (Händel)- 4. Laß mieh mit Tränen mein Los
be-
klagen (Händel); 5. Wo verweilst du mein treu Leben aus „Rodelinde‟
(Händel); 8. Tarshatto a. d. II. Symphonie (Beethoren); 7 2) Der Sohn
der Wütwe (Chamisso), b) Zwei Veteranen von Mars-Ia-Tour (Köpper),
() Walikahrt (4rminius); 8. Das Grab in Flandern (Petzold): 9.
Para-
phrase über: lch hatte einst ein schönes Vaterland (Tassen-Heisser);
10. Freundesarie a. „Iphigenie‟ (Gluck); 11. Es ist ein Schnitter
(Hendelssohn); 12. Gehet Valentins a. „Margarethe‟ (Gounod);
13. a) Gefallen ein Mann (Prescang), b) Am allgemeinen Grab (Rückert),
e) Mondscheinsonate (Braun); 14. Les Preludes (Lisst); 13. Litanei
(Schuhert); 16. 2) Der Krieg (Herm). b) Kriegslied (Glandius),
() 0 Rhein (Königsminter); 17. Ls geht bei gedämpktem Trommelklang:
18. Trauermarsel 2. d. V. Spmphonie (Beethoren),
Berlin.
Sonztag, 28. Febr. 9: Morgenfeier. O 12: Uebertr. aus dem
Reichstag Gedenkfeier (auch Welle 1300). 1. Händel:
Trauei=
marſch (Kosleckſcher Bläſerbund), 2. Wohlgemuth: Dem Andenken
der Gefallenen Eraſcher Geſangverein), 3. Anſprache des Präſ, des
Volksbundes deutſcher Gräberfürſorge. 4. Mendelsſohn=Bartyoldy:
Beatt mortui Eraſcher Geſangverein). 5. Hölderlin: Hälfte des
Lebens: Die Entſchlafenen (Sprechchor der Univ.), 6. Schumann:
Zum Schluß. 7. O. Kirchhof: Trauermarſch. O 1.30: Die Stunde
der Lebenden: 1. Schönberg: Traumleben; Schenk mir deinen
golde=
nen Kamm; Mädchenlied; Waldſonne: Erhehung (Nora Pisling=
Bogs, Sopran). 2. Poulenc: Ausflüge, (Th. Demetriescu, Klavier).
3. Strauß: Breit über mein Haupt: Die Zeitloſe: Du meines
Her=
zens Krönelein: Ach Lieb, ich muß nun ſcheiden: Heimkehr. 4.
Doh=
nanni: Widmung — Marſch — Sphärenmuſik — Morgengrauen
— Um Mitternacht. O 3: Major Dr. Claeſſens: Unſere
Kriegs=
blinden”, O 3.30: „Goldhärchens Hochzeit”, von Funkheinzelmnann.
O 4: Einf. z. Oper „Hans Heiling” am 1. März. S 4.30: Funk=
Kapelle. 1. Mozart: Prieſterchor aus „Die Zauberflöte”. 2.
Beet=
hoven: Oup. zu „Egmont”, 3. Haydn: Andante. — 4. Bizet:
„Gyges und ſein Ring”. O. 8: „Gyges und ſein Ring” Tragödie
von Hebbel. Muſik von Branſen. Kandaules, König von Lydien:
Werner Krauß: Rhodope ſeine Gemahlin: Fritta Brod: Gyges
ein Grieche: Lothar Müthel: Hero: Roſe Lichtenſtein; Lesbia: Edith
Fritz; Thoas: Ferdinand Bonn; Karna: Meinhard Maur.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortl. für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachr chten: Max Streeſe
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann.
Verantwortlich für Schlußd en!: Andreas Bauer
Verautwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druch und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten.
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Sie den Umschlag als Drucksache, unverschlossen und mit 3 Pfg. frankiert bis 30. April 1926 an uns ein.
Wir verteilen die zwanzigtausend Mark
zu gleichen Teilen an die Einsender desjenigen Bilderpaares, das am Schluß des Wettbewerbes die meisten Stimmen auf sich vereinigt.
Die Feststellung der Preisträger, deren Namen von uns veröffentlicht werden, erfolgt im Beisein eines Notars. Ungenügend frankierte und verspätet
eingehende Sendungen werden nicht angenommen.
Georg A. Jasmatzi Aktiengesellschaft, Dresden-A. 21.
Geite 16
Sonntag, den 28. Februar 1926
Reich und Ausland.
* Die Frankfurter Baupläne.
S. Frankfurt. Wie berichtet, machte der Oberbürgermeiſter in
ſeiner Etatsrede Mitteilung von den großen Bauplänen, die in
näch=
ſter Zeit in Frankfurt verwirklicht werden ſollen. So wird man ein
großes zweites Schwimmbad in der Nähe des Mains errichten, zu
dem die Pläne ſchon von dem Baudirektor Profeſſor Elſäſſer entworfen
wurden. — Die Großmarkthalle im Oſthafengebiet iſt an der
Sonnemannſtraße vorgeſehen, wo ſich dann wahrſcheinlich eine Anzahl
Groſſiſten für den Handel mit Südfrüchten niederlaſſen werden. Die
Halle wird 250 Meter lang ſein und unterirdiſchen Durchfahrtsverkehr
haben. Die ſehr erhebliche Bauſumme wird mit 11 Millionen Mark
veranſchlagt „doch muß hierbei berückſichtigt werden, daß es ſich um eine
Anlage handelt, die ihr Geld ſelbſt verzinſt und amortiſiert. — Der
Bau einer neuen Kunſtgewerbeſchule iſt in der neuen Mainzer
Straße vorgeſehen, die Pläne ſehen einen monumentalen turmartigen
Aufbau für Ateliers vor. Die Bauſumme wird hier auf 2½ Millionen
Mark berechnet.
* Frankfurter Chronik.
Die Zahl der Arbeitsloſen iſt in der vergangenen Woche
weiter geſtiegen, doch iſt inſofern eine leichte Beſſerung zu
ver=
zeichnen, als das Steigen nicht mehr in dem in den letzten Wochen
ge=
wohnten Tempo geht. Die Zahl iſt nur um 200 geſtiegen und ſo iſt
eine gewiſſe Stabiliſierung gekommen, die auf eine allgemeine
Be=
ruhigung am Arbeitsmarkt hinweiſt. — Amtsgerichtsrat
Almen=
röder iſt nach einer Magenoperation geſtorben. Er war
Vor=
ſitzender des Jugendgerichts und hat dieſen verantwortungsvollen Poſten
mit großer Umſicht ausgefüllt — Bei dem Ehepaar Schmidt war die
Frau ſchon längere Zeit leidend, während der Mann arbeitslos war.
Beide ſind jetzt durch Gasvergiftung freiwillig aus dem Leben
geſchieden. — Als ein unverbeſſerlicher Schwindler ſtand der
Händler W. vor Gericht, der ſich wegen Zechprellerei und Betruges zum
wiederholten Male zu verantworten hatte. Der Sachverſtändige
be=
zeichnete ihn als einen haltloſen Pſychopathen. Als der
Staats=
anwalt 15 Monate Gefängnis beantragte, wandte ſich der Angeklagte
an den Richter und ſagte: „Geben Sie Ihrem Herzen mal einen
menſchenfreundlichen Stoß.” Er wurde zu einem Jahr Gefängnis
verurteilt.
Groß=Wiesbaden.
Wiesbaden. Wie der Stadtkämmerer in ſeinen Mitteilungen
über den Etat 1926 ausführte, ſteht die Stadt unmittelbar, die
Ge=
nehmigung hierzu wird täglich von Berlin erwartet, vor der
Einge=
meindung von Biebrich, Sonnenberg und Schierſtein, durch welche die
Einwohnerzahl um ein Drittel vermehrt wird. Dieſe große
Eingemein=
dung, ſo führte der Kämmerer in ſeiner Rede aus, bedingt bei ihrer
Durchführung eine Neuorganiſation der Verwaltung, einen Ausgleich
zwiſchen den in den vier zu einem Groß=Wiesbaden
zuſammenſchließen=
den Gemeinden beſtehenden Auffaſſungen und eine tunlichſte
Gleich=
ſtellung der Bürger des zukünftigen Groß=Wiesbadens hinſichtlich der
Belaſtung durch Steuern, Gebühren und Tarife. Aus dieſem Grunde
dürfte es ſich ſchon empfehlen, den Haushaltsplan für 1926 in
Ein=
nahmen und Ausgaben nach den Vorſchlägen der Kämmerei zu
balan=
zieren, und dann die Frage der Verminderung der Ausgaben bei der
Durchführung der Eingemeindung Punkt für Punkt zu prüfen.
Zwei Anweſen niedergebrannt.
fm. Karlsruhe. Am Freitag brach in den Wohnräumen des
Schmiedemeiſter Dominieus Schorpp in Neuhauſen Feuer aus, das
ſich auf das angebaute Wohnhaus des Gaſtwirts Möſſinger
aus=
dehnte. Beide Gebäude brannten bis auf den Grund nieder. Während
das Vieh geborgen werden konnte, iſt das Inventar nur teilweiſe in
Sicherheit gebracht worden.
Anlage von Flughäfen und Verkehrslandeplätzen.
Wie der Amtliche Preußiſche Preſſedienſt einem gemeinſamen
Rund=
erlaß des preußiſchen Handelsminiſters und des Miniſters des Innern
entnimmt, dürfen nach § 7 des Luftverbehrgeſetzes vom 1. Auguſt 1922
Flughäfen nur mit gemeinſamer Genehmigung der Reichsregierung und
der Landeszentralbehörde beibehalten oder angelegt werden.
Zuwider=
handlungen ſind unter Strafe geſtellt. Obwohl dieſe Beſtimmungen
ſchon am 1. Oktober 19B in Kraft traten, befinden ſich noch immer
Flughäfen im Betriebe, die dieſer im Geſetz vorgeſchriebenen
gemein=
ſamen Genehmigung entbehren. Es ſind dies zumeiſt ſolche Flughäfen,
die von früher her beibehalten wurden und wohl auch vor dem 1.
Ok=
tober 1923 eine Genehmigung, nicht aber die im Luftverkehrsgeſetz
vor=
geſchriebene, erhalten haben. Die nachgeordneten Behörden werden
daher erſucht, bis zum 1. Mai d. J. anzuzeigen, daß alle in den
je=
weiligen Bezirken vorhandenen Flughäfen und Verkehrslandeplätze
ent=
ſprechend genehmigt ſind.
Große Polizeiausſtellung Berlin 1926.
Wie der amtliche Preußiſche Preſſedienſt mitteilt, fand unter dem
Vorſitz des Miniſterialdirektors Dr. Abegg im Preußiſchen Miniſterium
des Innern eine Sitzung der Regierungskommiſſare der deutſchen
Län=
der wie der Rheichs= und Staatsminiſterien zur Vorbereitung der
Po=
lizeiausſtellung ſtatt. Es ſteht zu erwarten, daß die „Große
Polizei=
ausſtellung 1926” ein umfaſſendes Bild von der internationalen Tätigkeit
der Polizei bringen wird und nicht nur den Polizeifachleuten des In=
und Auslandes mannigfache Anregungen geben, ſondern auch dem
Publikum einen intereſſanten Einblick in die vielſeitige Tätigkeit der
Polizei und zugleich wertvolle Belehrung bringen wird.
Die Prämie der Preußiſchen Klaſſenlotterie.
Berlin. Der „B. Z.” zufolge, iſt die große Prämie der
Preußi=
ſchen Klaſſenlotterie auf das Los Nr. 285 623 gefallen.
Neuer polniſcher Bombenanſchlag.
TU. Berlin. Der „Lokalanzeiger”, meldet aus Laurahütte:
Heute nacht um 12 Uhr wurde auf das Hauptgrundſtück des
Werk=
meiſters Arthur Hoppe abermals ein Sprengſtoffattentat verſucht.
Die Detonation war ſo ſtark, daß ſämtliche Fenſterſcheiben
der Vorderfront des Grundſtücks zertrümmert wurden und das
Mauerwerk Riſſe erhielt. Hoppe wohnt allein auf dem Grundſtück.
Er befand ſich in den oberen Räumen des Hauſes und entging dadurch
dem Anſchlag. Die Polizei hat eine Unterſuchung eingeleitet.
Zu dem Ermittelungsverfahren gegen Landgerichtsdirektor
Jürgens.
c. Berlin. Zu dem von der Staatsanwaltſchaft gegen den
Land=
gerichtsdirektor Jürgens vom Landgericht Berlin III eingeleiteten
Er=
mittelungsverfahren weiß der „Lokalanzeiger” noch mitzuteilen, daß das
Verfahren nicht nur wegen Verſicherungsbetruges, ſondern auch wegen
einer Reihe anderer Betrugsfälle eröffnet worden ſei. Laut „Voſſ.
Ztg.” iſt Landgerichtsdirektor Jürgens ſeit mehreren Tagen nichſt mehr
im Dienſt erſchienen, da er einen ſchweren Nervenzuſammenbruch
er=
litten hat.
Ein Hamburger Dampfer geſtrandet.
DD. Hamburg. Nach einer Kopenhagener Meldung des „
Ham=
burger Fremdenblatts” iſt der Hamburger Dampfer „Eliſabeth” der
ſich mit dreihundert Tonnen Salpeter auf der Fahrt nach Skelskör
be=
fand, im Nebel bei Romſö geſtrandet. Ein Bergungsdampfer iſt zur
Hilfeleiſtung eingetroffen. Bei Skagen ſetzte der Fiſchdampfer „Gertha”
aus Altona die Beſatzung des Dreimaſtſchoners „Elina” aus Groningen
an Land, der durch das Eis im Skagerrak unter Waſſer geſchraubt
worden war.
Hotelbrand in Bremen.
Bremen. Geſtern morgen, kurz vor drei Uhr, brach im Hotel
„Europäiſcher Hof” ein Brand aus, der erſt entdeckt wurde,
als der Dachſtuhl in hellen Flammen ſtand. Die Feuerwehr bekämpfte
den Brand, der gegen morgen noch in vollem Wüten war, mit
mehre=
ven Zügen. Um 5 Uhr morgens war das Feuer gelöſcht. Die
Hauptlöſchzüge der Feuerwehr wurden um 8 Uhr morgens
zurückge=
zogen. Die Höhe des entſtandenen Schadens konnte bis jetzt noch nicht
ermittelt werden. — Die Urſache des Hotelbrandes konnte nicht mehr
feſtgeſtellt werden, da das Feuer zu weit vorgeſchritten war.
Neue Unruhen in Bernkaſtel.
FII. Bernkaſtel. Freitag nachmittag ſollte ein Polizeiaufgebot
Graach einige weitere Rädelsführer feſtnehmen. Die Bevölkerung
es Moſelortes Graach, die von dieſem Vorhaben Kenntnis erhielt, ließ
je Sturmglocken läuten, bewaffnete ſich mit Miſtgabeln und Senſen
nd rückte an den Dorfeingang, um den Polizeibeamten zu begegnen.
ieſe mußten, um Blutvergießen zu vermeiden, unverrichteter Dinge
trückkehren. Gegen Abend traf wieder ein Zug von etwa 1000 Mann,
er ſich aus allen Orten der näheren Umgebung von Bernkaſtel zu
ammenſetzte, in Bernkaſtel ein, nahm vor dem Gefängnis eine drohende
haltung an und verlangte die Freigabe der Gefangenen. Der Ober
taatsanwalt, der die Unterſuchung an Ort und Stelle leitete, ſah ſich
zwungen, den Forderungen zu entſprechen, um nicht noch einmal
Un=
eil heraufzubeſchwören. Als die Gefangenen befreit wurden, ſprang
ner von ihnen auf ein Auto und hielt eine Rede, die er mit den
Voxten ſchloß: „Wir ſind frei und wollen friedlich nach Hauſe gehen.”
Am Abend war in Bernkaſtel alles ruhig.
Der Konſirukteur des Z. R. 3 Or. ing. h. c.
Arnſtein.
Dr. Karl Arnſtein, der Konſtrukteur des Z. R. III, deſſen geniale
Leiſtung die ganze Welt bewundert, hat eine neue Ehrung erfahren. Die
Techniſche Hochſchule in Aachen hat den Ingenieur in Anerkennung
ſei=
ner hervorragenden Dienſte um den deutſchen Luftſchiffbau die Würde
eines Dr. ing. h. e. verliehen. In der Urkunde wird ausgeführt, daß
Arnſtein durch ſeine genialen Arbeiten die Entwicklung des deutſchen
Luftſchiffbaus weſentlich gefördert und hervorragende wiſſenſchaftliche
Grundlagen für die Berechnung des ſtarren Luftſchiffes geſchaffen habe.
Dr. Arnſtein hält ſich bekanntlich zurzeit in Acron in den Vereinigten
Staaten auf, ſvo er im Dienſte der amerikaniſchen Luftfahrtinduſtrie tätig
iſt. Dr. Arnſtein wird ſich, ſo wird allgemein angenommen, an der
Konſtruktion eines neuen deutſchen Luftſchiffes, das auf Grund der
Zeppelin=Eckener=Spende profektiert wird, ſicherlich beteiligen, da man
auf den ſachverſtändigen Rat eines Fachmannes von dieſer Qualität wohl
aum verzichten kann.
Ein Denkmal für Karl Hagenbeck.
Dem großen Tierfreund und Schöpfer des weltbekannten Tierparkes
in Stellingen, Karl Hagenbeck, ſoll jetzt ein Denkmal errichtet werden.
Bekanntlich hat Hagenbeck aus der kleinen väterlichen Tierhanblung, die
er im Jahre 1866 übernahm, jenes große Unternehmen gemacht, das
heute in aller Welt in beſtem Rufe ſteht. Das Erinnerungszeichen, das
eine ſehr geſchmackvolle Idee des Berliner Bildhauers R. Marcuſe
dar=
ſtellt, wird aus Anlaß des 60. Todestages in den Felſenanlagen des
Hagenbeckſchen Tiergartens in Stellingen Aufſtellung finden. Es wurde
im Auftrage der Söhne Lorenz und Heinrich Hagenbeck, der jetzigen
In=
haber der Firma Hagenbeck, ausgeführt.
Schweres Autounglück bei Montabaur.
DD. Koblenz. In der Nähe von Montabaur fuhr der
Per=
ſonen=Kraftwagen eines Fabrikanten aus Koblenz gegen einen Baum.
Der Beſitzer des Wagens erlitt einen Schädelbruch;; er war auf der
Stelle tot. Der zweite Inſaſſe, ein Kaufmann aus Niederelbert erlitt
einen Beinbruch und ſchwere innere Verletzungen. Der Chauffeur kam
mit leichter Berletzungen davon.
Ein neuer Ueberfall durch franzöſiſche Soldaten.
Saarbrücken. Ein neuer Ueberfall durch franzöſiſche
Sol=
daten wurde, wie die „Saarbrücker Zeitung” meldet, am Sonntag abend
in der Nähe des Schloßplatzes um ½8 Uhr auf den 21jährigen Sohn
eines hieſigen Polſterermeiſters verübt. Als dieſer nichts Böſes ahnend
an zwei franzöſiſchen Soldaten vorbeiging, erhielt er plötzlich von dem
einen zwei Fauſtſchläge ins Geſicht, ſo daß er zurücktaumelte. Nicht
zu=
frieden damit zog der Soldat ſein Seitengewehr und brachte dem
jun=
gen Mann 6 ſchwere Wunden im Geſicht und auf dem Kopf bei. Vor
einem gegen den Leib geführten Stich konnte ſich der Ueberfallene nur
durch Zurückſpringen retten. Größeres Unheil wurde durch das
Hinzu=
kommen eines Paſſanten verhütet, vor dem die beiden Angreifer flohen.
— Es iſt dies der dritte Ueberfall, der innerhalb weniger Wochen von
Angehörigen der ſeit ſechs Jahren vertragswidrig im Saargebiet
an=
weſenden franzöſiſchen Truppen allein in Saarbrücken verübt worden iſt.
Ein neues Attentat in Laurahütte.
DD. Laurahütte. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr
wurde in der Hugoſtraße am Beamtenwohnhaus der Laurahütte=Grube
vor der Wohnung des Steigers Hubert Gruſchke ein Attentat verübt.
Die Täter beſtiegen eine Leiter, die bis an die Fenſter des
Schlaf=
zimmers führte und brachten am Fenſterkreuz eine Sprengladung zur
Exploſion. Der Fenſterladen und die Fenſterſcheiben wurden
zer=
trümmert. Der in dem Zimmer ſchlafende Gruſchke, ſowie ſeine
Ehe=
frau und zwei kleine Kinder wurden durch Glasſplitter leicht verletzt.
Da. Attentat galt anſcheinend dem neben Gruſchke wohnenden
Berg=
inſpektor, der für das Deutſchtum wirkt.
Die Unſicherheit der ruſſiſchen Bahnen.
EP. Moskau. Die Zahl der Ueberfälle auf die ruſſiſchen Bahuen
hat ſich außerordentlich erhöht. Im Laufe von drei Monaten wurden
200 Ueberfälle gezählt, bei denen 5 Millionen Rubel geraubt wurden.
Von nun an werden alle Eiſenbahnräuber vor das Feldgericht geſtellt
und erſchoſſen.
NIOIINU überraſchenden Erfolgen,
aller Ark behandelt
ſeit über 30 Jahren mit
vielfach bei ganz alten Leiden, auch Wurmleiden, Gallenſtein, Beinleiden,
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Sprechſt.: 10—12 u. 3-
—12 Uhr. Gewiſſenhafte (auch ſchriftl.)
Beratung Morgen Urin erforderlich. Ich mache darauf aufmerkſam,
daß ich ſchon immer auch im Sinne Coué lehre.
(3046
*Der Fehpelz.
Numwek 39
Eine Geſchichte, die dem Boccaccio für ſeinen Rkameron Freude
bereitet hätte, hatte ſich in Turin zugetragen. Eine junge Frau aus
guter Familie, die obendrein auch noch hübſch und elegant war, fullr
aus ihrem Heimatsort Cuneo nach Turin. Cuneo iſt dadurch berühmt
daß es durch Jahrzehnte hindurch der feſte Wahlteis des alten Giolitti
war, und Turin dadurch, daß die eleganten Moden m Italien ihre
Herkunft aus der alten Hauptſtadt Piemonts heleiten. Es weht dort
immer noch etwas franzöſiſche Modenluft und wohl auch noch etzva
von der pariſeriſihen Leichtigkeit in gewiſſen Liebesſachen. Die jung
Frau, die in Turin durch die lebhaften Strazen wanderte, blieb vor
einem der feinſten Polzgeſchäfte ſtehen und ſchaute ſich volk Verlangen
einen wunderſchönen Fehpelz an, der im Schaufenſter lag. Sie ſtand,
lange, und man ſah ihr richtig an, wie leid es ihr tat, daß ſie nicht
Aladins Wunderlampe beſaß oder irgend einen Wunſchring, um dieſen
Pelz aus dem Schaufenſter auf ihren eigens dazu paſſenden Lei
zaubern. Aber ſiehe da, auch ohne Lampe und Ring können ſelb
dieſer nüchternen, mechaniſchen Zeit noch traumhafte Wünſche in E
füllung gehen. Ein Herr trat neben die Dame an das Schaufenſter
um ihr nach einigen einleitenden Worten, die von der Dame mit kalter
Ablehnung unbeachtet blieben, ganz ernſthaft den erſehnten Pelz im
Schaufenſter als Geſchenk anzubieten. Selbſtverſtändlich war die Damie
entrüſtet, aber ebenſo ſelbſtverſtändlich ging ſie mit dem Herrn in d
Geſchäft hinein. Sie wollte ihn zweifellos nur auf die Probe ſteller
ob er wirklich dieſen Pelz, der doch eine ganze Reihe von Tanſendern
koſtete, für ſie kaufen wolle. Aber ſiehe da, der Herr kaufte, der
Her=
bezahlte, und die Dame verließ mit dem Pelz und dem Herrn
freude=
ſtrahlend das Geſchäft. Nichts war verſtändlicher, als daß die Dame
dem Herrn bis zu ihrer Rückkehr nach Cuneo zum mindeſten noch etuas
dankbare Geſellſchaft leiſtete, und es lag nach dem Pelzkauf für die
Dame auch kein Grund mehr vor, nicht einer freundlichen Einladung
des Herrn zu einer Taſſe Tee in einem Hotel Folge zu leiſten. Nachdem
die beiden in dem netten kleinen Albergo einige Täßchen Tee (wie die
Chronik ſchamhafter Weiſe ſagt) getrunken hatten, verließ der Herr
unter irgend einem Vorwand für kurze Zeit das Zimmer. Die Dame
mit ihrem Pelz blieb auch nicht lange allein, denn nach wenigen
Mi=
nuten kam der Zimmerkellner mit der Hotelrechnung auf einem ſchönem
blanken Nickelteller und richtete der Dame aus, daß der Herr
weg=
gegangen ſei und erklärt habe, die Dame würde die Rechnung bezahlen.
Dies wird auch bei dem Hotelperſonal kaum Mißtrauen erregt haben,
denn die Dame mit dem neuen wunderſchönen Pelz war ja viel
ele=
ganter als der Herr. Aber ehe ſich die beſtürzte Beſitzerin des ſchönen
Fehpelzes überhaupt noch etwas ſammeln konnte, um ihren Rückzug in=
Ordnung anzutreten und durch die Bezahlung der Hotelrechnung
immer=
hin einen wenn auch geringen Beitrag zu den Pelzkoſten zu leiſten,
drangen plötzlich zwei Polizeiagenten in das Hotelzimmer ein,
be=
gleitet von dem Pelzhändler, von dem der Pelz vor kurzem erſt gekauff
war. Freudeſtrahlend ſtürzte der Händler auf den Pelz zu, den di
Dame grade wieder anziehen wollte, während die beiden Agenten die
Dame aufforderten, ſie auf die Wache zu begleiten. Die Dame hüllte
ſich ſchaudernd in ihren alten Mantel und erfuhr dann auf der Polizei
zu ihrem Schrecken, daß die Tauſendlireſcheine, mit denen der Pelz
bezahlt worden war, ſich als Fälſchungen herausgeſtellt hatten. Falſch
war das Geld, falſch auch die Liebe und echt war nur das Lachen der
böſen Leute von Cuneo. Der Fehpelz woar ein Wehpelz.
Schwere Einſturzkataſtrophe.
Luxemburg. Auf der Hütte Michelville in dem unweit der
luxemburgiſchen Minette=Metropole Eſch gelegenen franzöſiſchen
Ville=
rupt ſtürzte laut „Eſcher Tageblatt” die 80 Meter hohe Eſſe der
Hoch=
öfen 3 und 4 mit großem Getöſe zuſammen, als gerade einige Arbeiter
an der Spitze mit Reparaturen beſchäftigt waren. Dieſe ſowie mehrere
am Fuße der Eſſe ſtehenden Arbeiter wurden unter den Trümmern
verſchüttet. Eine Belegſchaft von zwanzig Mann hatte gerade das Dach
der zerſtörten Gießhalle verlaſſen, ſonſt wären auch ſie ein Opfer der
Kataſtrophe geworden. Die Zahl der Opfer iſt noch unbekannt, beträgt
aber ſchätzungsweiſe zehn Tote und viele Verwundete. Die
Rettungs=
arbeiten werden fortgeſetzt. Nach der „Luxemburger Zeitung” war das
Fundament der Eſſe unterwaſchen.
Eine Luftverbindung Nord—Südamerika.
Paris. Nach dem „New York Herald” wird aus New York
ge=
meldet, daß der Bau einer von deutſchen Unternehmern kontrollierten
Luftſchiffahrtslinie zwiſchen Nord= und Südamerika demnächſt in
An=
griff genommen würde. Sie werde von New York aus über den
Pang=
makanal gehen. Der nördliche Teil werde von einer in Amerika
ge=
gründeten Geſellſchaft betrieben werden, die jedoch von der deutſchen
Finanzgruppe kontrolliert würde. Deutſche Flugzeuge ſollten verwendet
werden. Dieſer Plan werde als ein Teil der deutſchen Verſuche
be=
trachtet, den ſüdamerikaniſchen Markt wieder zu gewinnen.
Abgeſtürztes Flugzeug.
EP. London. Auf dem Flugplatz Calfot ſtürzte am Freitag ein
Militärflugzeug ab. Der das Flugzeug führende Offizier wurde getötet
der Beobachter lebensgefährlich verletzt.
Auf einen Eisberg geſtoßen.
EP. New York. Hier iſt ein drahtloſer Hilferuf des Dampfers
„Kentucky” eingetroffen, der mit einem Eisberg zuſammengeſtoßen iſt
und ein großes Leck erhalten hat. Das Schiff begann ſofort zu ſinken,
doch gelang es durch raſche Inbetriebſetzung der Pumpen, das Sinken
aufzuhalten. Es ſind mehrere Schiffe unterwegs, um dem Dampfer, der
ſich auf der Höhe der Neufundländiſchen Küſte befindet, Hilfe zu bringen.
Wirbelſturm in den Vereinigten Staaten.
EP. New York. Die Staaten Miſſiſſippi und Tenneſſee ſind von
einem Wirbelſturm heimgeſucht worden. Zahlreiche Perſonen wurden
getötet oder verletzt, doch liegen noch keine genaueren Meldungen über
den Umfang der Kataſtrophe vor. Etwa 100 Häuſer wurden vom
Sturme umgeweht und alle Telegraphen=, Telephon= und
Eiſenbahnver=
bindungen ſind unterbrochen.
Bevor Sie ſich eine Sprechmaſchine zulegen, hören Sie (*5718
Elektrordltraphon
beim Generalvertreter Heinrich Arnold, Wilhelminenſtr. 9 (Tel. 2560)
Geſchäftliches.
In dem Tennis=Match zwiſchen Suſanne Lenglen
und Helen Wills am 16. Februar 1926 in Cannes, ſpielten beide
Meiſterinnen mit Dunlop=Tennisbällen. Der Dunlop=
Tennisball ſtellt eine neue Erfindung dar. Er iſt im Gegenſatz zu den
übrigen im Handel befindlichen Bällen pfropfenlos, ſo daß er weder im
Spiel noch durch längere Lagerung irgend welcher Veränderung in
Bezug auf Elaſtizität, Sprunghöhe, Durchmeſſer und Gewicht
unter=
worfen iſt.
Sparſam ſein und doch genußfreudig bleiben iſt
auch bei kleinem Haushaltungsgeld leicht möglich. Des Sonntags ein
ſelbſtgebackener Kuchen auf dem Familientiſch wird erſtens eine gebotene
Einſchränkung weniger fühlen laſſen und zweitens wirklich nicht viel
koſten. Selbſt die Zeit, die vielfach hoch bewertet wird, fällt nicht ins
Gewicht, denn mit Dr. Oetker’s Backpulver „Backin” iſt das Backen
ein=
fach, ſchnell und ſicher. Dr. Oetker’s beliebtes Rezeptbuch, in
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148 241, 148 899, 158 843 230 273, 247 001, 285 999, 287 73; ferner 86
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Mark, 8 zu je 2000 Mark, 12 zu je 1000 Mark, 58 zu je 500 Mark und
100 zu je 300 Mark.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Montag, den 1. März 1926.
Meiſt bedeckt, nur zeitweiſe etwas aufklärend, füdliche bis weſtliche
Winde, vorwiegend trocken, doch ſtellenweiſe Morgennebel.
Ueber dem Nordmeer bildet ſich ein Teiltief heraus, das unſere, im
übrigen konſtante Wetterlage vorübergehend ſtören kann. Dagegen
ver=
ſtärkt ſich das Hochdruckgebiet im Oſten mehr und mehr und wird nach
Weſten weiter an Raum getinnen, wodurch die Kaltluftfront ebenfalls
weiter nach Mitteleuropa hin vorrücken wird. Mit weiterer Abku9”
Heſſ. Oeff. WVetterdienſtſtelle.
lung iſt daher zu rechnen.
Ro
Nummer 59
Sonntag, den 28. Februar 1926
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Seſte 18
Sonntag, den 28. Februar 1926
Nummer 39
Sport, Spiel und Zurnen.
Fußball.
Sportverein Darmſtadt 1898, e. V.
Während am heutigen Sonntag die Ligamannſchaft des
Sportvereins Darmſtadt ſich nach Frankfurt=Niederrad begibt
um mit der erſten Mannſchaft des dortigen Fußballklubs Union ein
Freundſchaftsſpiel auszutragen, haben ſich die Junioren des
Sportver=
eins auf dem hieſigen Platz am Böllenfalltor die Junioren des
Frank=
furter Fußballklubs „Eintracht” verpflichtet. Es bedarf
keines beſonderen Hinweiſes, daß bei dieſem Spiel es ſich um eine
inter=
eſſante Begegnung zweier Mannſchaften handelt, um ſo mehr, weil es
ſich bei den beteiligten Spielern für beide Vereine um den Erſatz
han=
delt, der nach einer gewiſſen Zeit für die erſten Mannſchaften beider
Vereine in Betracht kommt. Bisher haben die Darmſtädter Junioren
gegen die Junioren auswärtiger Vereine vorzüglich abgeſchnitten, ſo
daß mit einer gewiſſen Berechtigung der Sportverein auf ſeinen
Nach=
wuchs ſtolz ſein kann.
F.=C. „Eintracht‟=Darmſtadt.
Am Sonntag weilt „Eintracht” zum vorletzten
Verbands=
ſpiel in Dornheim. Im Vorſpiel, das als erſtes Verbandsſpiel der
diesjährigen Spielzeit ſtattfand, konnte Dornheim einen Punkt mit nach
Hauſe nehmen. Im Verlaufe der Verbandsſpiele konnte Dornheim
weni=
ger erfolgreich ſein und mußte ſich von Pfungſtadt auf eigenem Platze
eine 3: 1=Niederlage gefallen laſſen. Dornheim ſteht heute mit drei
Punkten am Ende der Tabelle. „Eintracht” und Pfungſtadt konnten am
Sonntag üiberraſchenderweiſe je zwei Punkte holen und ſtehen wieder
punktgleich. Will „Eintracht‟ Dornheim und Pfungſtadt hinter ſich laſſen,
ſo muß ſie das Spiel gegen Dornheim ſchon gewinnen. Einen harten
Kampf wird es jedenfalls geben. Um der „Eintracht”=Elf den
erforder=
lichen moraliſchen Rückhalt zu geben, bitten wir unſere Mitglieber und
Anhänger, den um 1 Uhr am Städtiſchen Schwimmbad abgehenden
Kraftwagen zu benutzen. Meldungen hierzu bis Freitag abend im
Ver=
einslokal erwünſcht.
Das Endſpiel Karlsruher F.V. gegen Saarbrücken verboten.
Das Endſpiel um die Süddeutſche Fußballmeiſterſchaft zwiſchen dem
F.V. Saarbrücken und dem Karlsruher F.V., das am kommenden
Sonn=
tag in Saarbrüchken zum Austrag kommen ſollte, wurde von der
Saar=
brücker Polizei mit Rückſicht auf den Volkstrauertag verboten.
In der A=Klaſſe iſt ebenfalls die Entſcheidung gefallen.
Sportver=
ein Münſter ſicherte ſich durch einen 5:3=Sieg über Germania Eberſtadt
die Meiſterſchaft, die dadurch noch gefeſtigt wurde, daß der Rivale der
Münſterer, Viktoria=Griesheim, ganz überraſchend gegen Eintracht=
Darm=
ſtadt mit 2:3 verlor. Mit den Münſterern hat eine wirklich zuverläſſige
Mannſchaft die Gaumeiſterſchaft gewonnen, und man darf den Leuten
aus der Gerſprenzniederung zu ihrem Erfolg ehrlich gratulieren. Die
Meiſterſchaft liegt in guten Händen. Da Viktoria=Griesheim gleichzeitig
als Pokalmeiſter an den Aufſtiegkämpfen teilnimt, ſo hat der Gau
Bergſtraße gleich zwei Eiſen im Feuer. Bei aller Anerkennung ſeines
Könnens erſcheint uns der Riedgaumeiſter, Faßballverein Biblis, doch
Fußball im Odenwaldkreis.
Sp. gew. unentſch. verl. Tore Pkt.
Die Meiſterſchaftskämpfe der Odenwaldkreisvereine gehen ihrem Ende
entgegen, in allen=Klaſſen ſind nur noch wenige Spiele auszutragen.
Die Kreisliga hat am Vorſonntag zwei ſolcher mickſtändigen Treffen
ausgetragen. Amicitia=Viernheim ſchlug den Fußballverein Weinheim
überraſchend hoch mit 6:0 und Olympia=Lorſch den Namensvetter aus
Lampertheim mit 3:1. In Weinheim ſcheint die Depreſſion infolge des
drohenden Abſtiegs ganz verheerende Folgen im Vereinsleben zu haben,
und auch Lampertheim ſcheint nach der erſten Niederlage in Pfungſtadt
nun nicht mehr ganz fattelfeſt zu ſein. Die Tabelle zeigt jetzt folgendes
Ausſehen:
Vereine
40:17
Sp. Vgg. Sandhofen
39:24
1.
V.f. R. Bürſtadt
31:29
Germania Pfungſtadt . 15
31:30 16
15
Olympia Lorſch
33:28
Olymp. Lampertheim . 14
43:47 13
15
Sp. Vg. Arheilgen
34:45 13
Union Darmſtadt 16
30:34 12
Amicitia Viernheim 14
23:52
11
15
F. V. Weinheim
Die Meiſterſchaft iſt ja endgültig entſchieden, dagegen wird ſich um den
2. bis 4. Platz zwiſchen Bürſtadt, Pfungſtadt, Lampertheim und Lorſch
noch ein harter Kampf entſpinnen, der aber jeweils durch Dritte
ent=
ſchieden werden dürfte. In der Abſtiegzone hängen noch Union=
Darm=
ſtadt, Arheilgen und Viernheim, doch hat Viernheim noch Chancen, ſich
emporzuarbeiten. Es ſtehen noch folgende Spiele aus: Lampertheim—
Arheilgen, Bürſtadt—Pfungſtadt, Lorſch-Viernheim und Weinheim—
Büirſtadt, nach deren Erledigung die Tabelle endgültig iſt. Am heutigen
Sonntag ſind in der Kreisliga keine Spiele angeſetzt.
nicht dieſe Rolle zu ſpielen, wie die beiden Bergſträßer Vereine. Die
5:1=Niederlage der Bibliſer am Sonntag in Langen gibt zum Denken
Anlaß. Die anderen Ergebniſſe der Bergſträßer A=Klaſſe ſind dem Leſer
bereits bekannt, ſo daß jetzt mit der Tabelle aufgewartet werden kann.
Wie man daraus erſieht, geht es am Tabellenende noch ziemlich hart zu:
Turnen.
Im Niedgau ſchlug am Sonntag Konkordia=Gernsheim den F.C.
07 Bensheim mit 3:2 und verwies dieſen dadurch auf den letzten Platz.
Das Rückſpiel am heutigen Sonntag in Gernsheim kann daran
auch nichts mehr ändern, wie der nachfolgende Tabellenſtand zeigt.
Im=
merhin ſind hier die Abſtiegsſorgen weniger ſchwer, da der Gau ohnehin
nur wenig Vereine aufweiſt.
Sp. gew. unentſch. verl. Tore Pkt. F.V. Biblis 29:9 V.f.L. Lampertheim 10 17:12 Heppenheim 17:18 Hofheim". 10 25:19 Gernsheim 11:31 ..."
Bensheim". 9 1
13:24 2 Das erſte Spiel um die Gaumeiſterſchaft der C=Klaſſe des Gaues Bergſtraße ſah am Sonntag den S.V. Geinsheim mit 7 2 über den F. S.=
Verein Groß=Zimmern ſiegreich. Das Nückſpiel findet bereits am
heuti=
gen Sonntag in Groß=Zimmern ſtatt.
Sonſt ſind für den heutigen Sonntag noch drei Meiſterſchaftsſpiele
der A=Klaſſe im Gan Bergſtraße zu regiſtrieren. Boruſſia=Dornheim
mpfängt Eintracht=Darmſtadt, Spielvgg. Pfungſtadt tritt gegen Viktoria=
Griesheim in Pfungſtadt an und Sportverein Groß=Gerau erwartet
da=
heim Germania=Eberſtadt. Das iſt alles bisher Bekannte. Im übrigen
ſei auf die Bekanntmachungen der einzelnen Vereine ſelbſt verwieſen.
Handball.
Sp. V. Wiesbaden — Pol.=Sportv. Darmſtadt.
In der Pokalrunde ſtehen ſich Sonntag nachmittag um 3 Uhr auf
dem Sportplatz der Schutzpolizei obige Mannſchaften gegenüber. Ueber
die Spielweiſe der Kurſtädter etwas zu ſchreiben, erübrigt ſich, denn die
Mannſchaft iſt in Darmſtädter Handballkreiſen hinlänglich bekannt. Pol.=
Sportverein muß mit drei Mann Erſatz antreten, wodurch der Ausgang
des Spieles zugunſten der hieſigen Pol.=Mannſchaften ſehr in Frage
ge=
ſtellt wird. Mit einem intereſſanten Spiele iſt aber dennoch zu rechnen.
Hockey.
Der Darmſtädter Hockeyklub
ſpielt heute vormittag 10.15 Uhr gegen die 1. Mannſchaft des
Turn=
vereins Sachſenhauſen von 1857. Sachſenhauſen konnte am vorigen
Sonntag die 1. Mannſchaft des Sportklubs 1880, Frankfurt a. M.,
überraſchend 5:3 ſchlagen und wird den Darmſtädtern ein ſchönes Spiel
liefern.
Südweſtdeutſcher Turngau. (Deutſcher Turnerbund.)
Die Gauvereine des Südweſtdeutſchen Turngaues waren Gaſk des
weit nach Süden vorgelagerten Stuttgarter Brudervereins. Zahlreich
war die Tagung von den Vereinen des Maingebiets beſchickt, auch vow
„Jahn”, Darmſtadt. Der Einladung zum Begrüßungsabend in der
geräumigen „Liederhalle” hatten die Vertreter der vaterländiſchen
Ver=
bände in großer Zahl Folge geleiſtet. Obmann Gundert gab in ſemer
Begrüßungsanſprache ein Bild der jüngſten Vereinsgeſchichte; harte
innere Kämpfe, letzten Endes dem Selbſtändigkeitsdrang der neudeutſchen
Jugendbewegung, ihrem Suchen nach neuen Lebenswerten entſprungen
blieben dem Verein nicht erſpart. Doch heute iſt die Kriſe
überwun=
den und der Verein ſteht geſunder da als je. Turnbruder Langer
Darmſtadt ſprach über das Weſen Jahnſchen Turnens, das wie der
Leib, ſo auch die Seele, den ganzen Menſchen erfaſſen will. Eine
Mu=
ſterriege, aus vier Vereinen zuſammengeſtellt, erfreute durch ſchöne
Lei=
ſtungen am hohen Reck, mehr aber durch muntere, bei aller Einfachheit
aber äußerſt körperbildende natürliche Uebungen am Boden und an
Stützbarren. Eine Mädchenabteilung aus Darmſtadt zeigte fein durch
geführte, künſtleriſch aufgebaute Keulenübungen. Beim Gautag konnte
der Turnrat von einem zwar langſamen, aber ſtetigen Wachſen
de=
bündiſchen Turngedankens berichten, das ſich ſowohl in einer Zunahme
der einzelnen Vereine auswirkt, als auch in zahlreichen Anſätzen zu
Neugründungen, die allerdings auch manche Enttäuſchung bereiten. Dei
Gauturnwart weiß von fleißiger Arbeit allenthalben zu berichten, der
Gaudietwart von einer ſtetigen Vertiefung des turnbündiſchen Ge
dankens. Ihm liegt es beſonders am Herzen, daß alle Gauvereine
mi=
eigenen Dietwarten verſehen ſind. Der Spielwart klagt, daß es vieler
orts noch am rechten Verſtändnis für das echte Turnſpiel mangelt. Das
Schwimmen iſt erſt in jüngſter Zeit in den Arbeitsplan aufgenommer
worden. Immerhin ſind 80 v. H. aller ausübenden Turner des
Schwim=
mens kundig. Im Gegenſatz zu den meiſten Vereinsſäckeln iſt der
Gau=
ſäckel in beſter Ordnung. Für die nächſten Monate ſind alle Kräfte zu
ſammenzufaſſen für eine würdige Beſchickung des zweiten Bundesturn
feſtes in Wien im Juli d. J. Am Morgen waren die allgemeinen
Frei=
übungen zum Bundesfeſt, ſowohl für Turner, als auch für Turnerinnen
durchgeübt worden. — Während am Nachmittag die Jugend, begünſtig
durch herrlichſtes Frühlingswetter, ſich die ſchwäbifche Hauptſtadt beſah
die ſo wunderſchön in einen Talkeſſel ſeitwärts des Neckars eingebettet
iſt, ihre neueren Straßenzüge über die zahlreichen Bergrücken ausſpan
nend, welche ſtrahlenförmig tief in das Innere der Stadt hineinreichen
verſammelten ſich die Mitglieder des Gauturntages nochmals zu einer
Arbeitsſitzung.
Main=Rhein=Turngau.
Am Sonntag, 28. Februar, vorm. 10½ Uhr, findet wie bereits
an=
gezeigt, die Verſammlung der Gau= und
Vereinsgeſang=
warte des 9. Turnkreiſes in Frankfurt a. M. im
Vereins=
haus des Turnvereins 1860, Sandweg 4, ſtatt. Alle Gauvereine mit
Singmannſchaften wollen zu dieſer Tagung zwei Vertreter entſenden.
Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildet das Kreisſingen 1926. Alles
Weitere entnehme man den Kreiszeitungen Nr. 4 und 7.
Boxen.
Der 1. Darmſtädter Boxklub 1922,
Mitglied des Südweſtdeutſchen Amateur=Boxverbandes im Deutſchen
Reichsverband für Amateurboxen,
betreibt als einziger Verein Darmſtadts das Boxen, die edle Kunſt der
Selbſtverteidigung, als Spezialität, unter Ausſchluß anderer Sportarten
Schon ſeit den Tagen ſeiner Gründung hatte der 1. D.B.C. ſtets eine
ſtarke Kampfmannſchaft zur Verfügung, deren Erfolge auch über die
Grenzen Heſſens hinaus noch jedem Boxſportanhänger in lebhafter Er
innerung ſind. Trotzdem der 1. D.B.C. einige ſeiner beſten Kämpfer und
Hauptſtützen, die drei Brüder Kurtz, Büttel und zuletzt noch Ritzert durck
Auswanderung verlor, hat es die ſportliche Leitung des Klubs verſtan
den, aus dem zahlreich vorhandenen Nachwuchs nach einer unfreiwilligen
Ruhepauſe jetzt wieder eine ſtarke Kampfmannſchaft erſtehen zu laſſen.
Um dieſer Kampfmannſchaft Gelegenheit zur Betätigung zu geben, iſt
der 1. D. B. C. bereit, den verſchiedentlich gegebenen Anregungen
Folge zu leiſten und dem Atbletik=Sportverein 1895,
Darm=
ſtadt, gegenüberzutreten, umſomehr, als dieſem Kampfe durck
den Abſchluß des Kartellvertrages zwiſchen dem Deutſchen Reichsverband
für Amateurbogen und dem Deutſchen Athletik=Sportverband nichts mehr
im Wege ſteht.
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Hols keinen Brand entfachen kann (Besuch von Keller und Boden!),verlieren auch
keine glühenden Köpfe nach dem Abbrennen und schützen so Decken, Kleider,
Tepeiche u. dergl. vor häßlichen Brandflecken, Kaufen Sie daher nicht schlechthin
Zündhölzer, sondern verlangen Sie ausdrücklich nur die guten „Welt‟-Hölzer.
Auflösung des letzten „Welt‟- Holz-Rätscls: (Wie kann man mit
achtzehn „Welt”-Hölzern sechs gleich große Vierecke und ein halb
so großes Dreieck bilden?
Sechstes „Welt‟-Holz-Rätsel.
6 „Welt”-Hölzer sind so zu legen, daß sie ein Ouadrat bilden? (Auflösung in der
nächsten Anzeige).
Zündholzverkaufsgesellschaft m. b. H., Cassel,
Nummer 59
derCagblatt,
Sonntag, 28. Februar
Die Wirtſchaftswoche.
Der deutſche Außenhandel im Januar hat abermals eine
Wendung zum Beſſeren genommen. Er iſt mit 68 Millionen,
insgeſamt 87 Millionen Mark im reinen Warenverkehr, aktiv
ge=
blieben. Allerdings iſt dieſe Aktivierung nur zum Teil auf eine
vermehrte Ausfuhr von Fertigwaren zurückzuführen, zum
ande=
ren und größeren Teil jedoch auf den Rückgang der Einfuhr von
Rohſtoffen und Halbfabrikaten. Das bedeutet nicht mehr und
nicht weniger, als daß die deutſche Wirtſchaft aus finanziellen
Gründen nicht in der Lage war, ſich das notwendige Material
für die Weiterbearbeitung aus dem Auslande zu beſchaffen. Im
Augenblick hat ſich das bei der Fertigwaren=Ausfuhr noch nicht
in voller Schärfe gezeigt, da unſere momentane Ausfuhr zum
Teil eine Ausfuhr um jeden Preis iſt und die deutſchen
Lieferanten in ihrer Preisgeſtaltung ſo billig ſein müſſen, daß
ſie kaum noch etwas verdienen, trotzdem aber exportieren, um
ſich nur irgendwie flüſſige Mittel zu verſchaffen. Die Beſſerung
der deutſchen Handelsbilanz gewinnt damit ein ganz anderes
und keinesfalls günſtigeres Bild, als es auf den erſten Blick hin
erſcheint.
Um wieder auf die Höhe zu kommen und die kataſtrophale
Erwerbsloſenziffer wieder zu reduzieren, werden wir noch in
ganz anderem Umfange exportieren müſſen, als im Januar. Vor
allen Dingen wird es nötig ſein, daß mehr billige Kredite in die
Wirtſchaft hineinfließen. Augenblicklich haben wir doch die
un=
haltbare Lage, daß an der Börſe eine Geldflüſſigkeit herrſcht, wie
nie zuvor, daß ungeheure Geldmengen überhaupt nicht
unterzu=
bringen ſind und der Privatdiskont ſchon zum 10. Male
herab=
geſetzt wurde. Für die Wirtſchaft aber iſt dieſes Geld nicht
ver=
wertbar, einfach deshalb, weil es zu teuer iſt. Man wird es
daher nur begrüßen, wenn der Diskontſatz abermals
herabgeſetzt würde. Der Vizepräſident der Reichsbank, Dr.
Kauffmann, deutete das in ſeinen Ausführungen auf der
Ta=
gung der Landmaſchinen=Induſtrie in Berlin auch an. Die
deut=
ſchen Banken haben längſt eingeſehen, daß die Geldſätze für
Han=
del und Induſtrie nicht erſchwinglich ſind und ſich deshalb
neuer=
dings auch zu einer generellen Herabſetzung ihrer Zinsſätze, die
ſich im allgemeinen für die Debetzinſen nur um 1 Prozent über
den Reichsbankdiskont bewegen, entſchloſſen. Auch die
Regie=
rung drängt auf eine weitere Herabſetzung des Diskontſatzes, ſo
daß dieſe wohl in der allernächſten Zeit zu erwarten ſein dürfte.
Daß während der immer noch anhaltenden kataſtrophalen
Wirtſchaftskriſe eine Zuſammenarbeit aller Wirtſchaftszweige
dringend notwendig iſt, haben Landwirtſchaft und
In=
duſtrie, die ſich ſo oft, namentlich auf zollpolitiſchem Gebiet,
befehdeten, ſcheinbar eingeſehen und eine erſte
bedeu=
tungsvolle Baſis zur gemeinſchaftlichen
Zu=
ſammenarbeit geſchaffen. Das hat die im Rahmen der
„Grünen Woche” ſtattgefundene Tagung der deutſchen
Land=
maſchinen=Induſtrie bewieſen. Wie ein roter Faden zog ſich
durch die geſamte Tagung der Gedanke unbedingter
Zuſammen=
gehörigkeit von Landmaſchinen=Induſtrie und Landwirtſchaft
Es wurde immer wieder betont, daß die Induſtrie nur dann
proſperieren könne, wenn es auch ihrem Hauptabnehmer, der
Landwirtſchaft, gut gehe. Das trifft natürlich in allererſter
Linie für die Landmaſchineninduſtrie, in weiterem Maße jedoch
auch für die geſamte Induſtrie und den Handel Deutſchlands
zu, deſſen Abnehmer ja doch auch mehr oder weniger in
land=
wirtſchaftlichen Kreiſen zu ſuchen ſind. Man darf hoffen, daß
in der Schaffung eines engeren Zuſammenarbeitens zwiſchen
Induſtrie und Landwirtſchaft der Schritt des Verbandes der
deutſchen Landmaſchinen=Induſtrie nur ein erſter auf dem Wege
der allgemeinen Verſtändigung geweſen iſt, und daß namentlich
bei ſpäteren Zoll= und Handelsvertragsverhandlungen dieſe
bei=
den Wirtſchaftsgruppen, die ja letzten Endes doch ſo auf
einan=
der angewieſen ſind, in gegenſeitigem Eiverſtändnis und in
ge=
genſeitiger Duldung vorgehen werden.
Weniger als ein Schritt zur Verſtändigung bisher ſich
feind=
lich gegenüberſtehender Wirtſchaftskreiſe iſt die unter dem Titel:
„Gegenwärtige Aufgaben deutſcher Wirtſchaftspolitik” ſoeben
er=
ſchienene Denkſchrift der freien Gewerkſchaften zu betrachten,
ob=
gleich ſie vorgibt, die gemeinſame Arbeit aller Wirtſchaftskreiſe
am Wiederaufbau Deutſchlands fördern zu wollen. Die Zahlen
der Denkſchrift ſind zum Teil dazu angetan, im Auslande ein
ganz falſches Bild über die Leiſtungsfähigkeit der deutſchen
Wirt=
ſchaft zu erwecken und unſere. Reparationsgläubiger zu noch
ſchärferer Anſpannung der Reparationsſchraube direkt
herauszu=
fordern. Dagegen hat die Denkſchrift in ihrem programmatiſchen
Teil eine ganze Reihe von ſehr vernünftigen Forderungen
auf=
zuweiſen: ſo die Forderung nach dem Abbau der Umſatzſteuer
und nach der Verwendung der Hauszinsſteuer für den
Woh=
nungsbau. Auch die Forderung möglichſt hoher Löhne iſt
in=
ſofern berechtigt, als die Kaufkraft der Bevölkerung vom
Lohn=
niveau abhängt. Unter den gegenwärtigen Verhältniſſen läßt
ſich ein ſolch höheres Lohnniveau aus Gründen der
Exportmög=
lichkeiten in Deutſchland jedoch nicht durchführen, da die Länder
mit niedrigerer Valuta fortgeſetzt imſtande ſind, Deutſchland zu
unterbieten und der deutſche Arbeiter in Wirklichkeit der
Leid=
tragende der franzöſiſchen und italieniſchen Inflationspolitik iſt.
Wenn dieſe unlautere Konkurrenz einmal ausgeſchaltet ſein
wird, dann wird es an der Zeit ſein, auch über Lohnerhöhungen
zu ſprechen. Augenblicklich aber iſt die deutſche Induſtrie froh,
wenn ſie ihre Arbeiter überhaupt zu den gegenwärtigen Löhnen
beſchäftigen kann.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 27. Februar.
Die Börſe ſchloß die Woche in ſehr ſtiller Haltung, jedoch bei gut
behaupteten Kurſen. Vorbörslich war die Stimmung auf die wieder
ſchwache Haltung der New Yorker Börſe und auf Ultimoglattſtellungen
etwas ſchwächer, doch konnte ſich im Verlaufe die Tendenz erholen auf
den ſehr günſtigen Reichsbankausweis, der u. a. eine weitere Zunahme
des Goldbeſtandes der Bank und einer Deckung durch Gold und Deviſen
der umlaufenden Noten von 76,8 bringt, und die anſcheinend ſehr glatte
Ueberwindung des Ultimos. Auf den variablen Märkten ging nur ſehr
wenig um, ſo daß ſich die Feſtſetzung der erſten Kurſe wieder
außer=
ordentlich verzögerte und viele führende Papiere überhaupt nicht notiert
werden konnten. Wenn verſchiedentlich die geſtrigen Abendkurſe nicht
ganz erreicht wurden, ſo ſind dafür zum Ausgleich auf dem Kaſſamarkt
verſchiedentlich auch leichte Kursbeſſerungen feſtzuſtellen, doch ſind die
Schwankungen nach oben und unten ganz gering und von Zufallorders
abhängig geweſen. — Deutſche Anleihen und ausländiſche Renten waren
gut behauptet, ebenſo der Vorkriegspfandbriefmarkt, der ſeine
Auf=
wärtsbewegung heute in nur beſchränktem Umfange fortſetzte. — Der
Freiverkehr war leblos. Api 0400, Becker Stahl 45, Becker Kohle 54
Benz 40, Brown Boveri 68, Entrepriſe 9, Growag 56, Ufa 54,
Unter=
franken 68½. — In der zweiten Börſenſtunde wurde die Tendenz
all=
gemein feſter. Nachdem die Glattſtellungen vorüber waren, fanden
be=
reits, allerdings noch in geringem Umfange, neue Abſchlüſſe per Medio
März ſtatt, ſo daß teilweiſe die geſtrigen Abendkurfe überſchritten
wur=
den, doch war das Geſchäft auch jetzt nicht groß. Stürmiſch wurde aber
im Verlaufe die Nachfrage nach Pfandbriefen, die bei großen Umſätzen
gegen geſtern mittag 40 bis 50 Pfennige gewannen. Auch die türkiſchen
Renten ſchloſſen feſter. Der Schluß der Börſe war ſehr zuverſichtlich.
Tägliches Geld ſtieg auf 8 Prozent, Monatsgeld auf 8½ bis 9½ Proz.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, V. Februar.
An der heutigen Samstagsbörſe war das Geſchäft noch geringer als
dies ohnehin bei Wochenende der Fall zu ſein pflegt. Die Zurühaltung
der Spekulation wurde durch den neuen Vorſtoß Muſſolinis gegen
Deutſchland und die neueſte Wendung in der Völkerbundsfrage noch
be=
deutend verſtärkt. Außerdem kam aber wiederum für die Tendenz die
weitere Verflauung der New Yorker Börſe in Betracht. Von den
heu=
tigen Prämienerklärungen erwartete man ſchon anfangs keinen größeren
Einfluß auf die neue Kursbewegung, da die Regulierungen in der
Haupt=
ſache bereits durchgeführt ſein dürften. Infolge der abſoluten
Geſchäfts=
ſtille waren die erſten Kursnotierungen nicht einheitlich. Montanaktien
ſchwächten ſich bis zu 2 Prozent ab, während ſonſt die Haltung etwas
widerſtandsfähiger war. Während der erſten Stunde entwickelte ſich
gro=
ßer Betrieb am Kriegsanleihemarkt, der nunmehr von den ſchwachen
Händen bereinigt iſt und wieder als Spekulationsobfekt dient. Die
Kriegsanleihe zog bis auf 0,390 an. Dieſer Vorgang und der günſtige
Reichsbankausweis gab ſpäter der geſamten Börſe eine Stütze, ſo daß
die Tendenz nach dem unſicheren Beginn ſpäterhin freundlich wurde.
Ruſſiſche Werte blieben auch heute begehrt und zwar im Zuſammenhang
mit dem deutſchen Kreditabkommen und den Pariſer
Schuldenverhand=
lungen. Am Geldmarkt war erneutes Anziehen der Sätze zu verzeichnen.
Der Ausweis der Reichsbank vom 23. Februar zeigte eine
weitere Entlaſtung des Status der Bank. Die Beſtände an Wech
ſeln und Schecks nahmen um 54,7 auf 1266,1 Mill. Rm. ab; dabe
ſind in der Berichtswoche für 9,6 Mill. Rm. rediskontiert gewe
ſene Wechſel zurückgeliefert worden, wodurch ſich die Geſamt
ſumme der weiter begebenen Wechſel auf 508,7 Mill. Rm. er
mäßigte. Auch die Lombardbeſtände gingen um 4,2 auf 5,1 Mill
Rm. zurück, während die Effektenbeſtände mit 233,9 Mill. Rm
nahezu unverändert blieben. Die geſamte Kapitalanlage hat ſidh
demnach um 58,8 auf 1505,1 Mill. Rm. ermäßigt.
Der Zahlungsmittelumlauf hat ſich gleichfalls weiter ver
mindert. An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſam
men ſtrömten 165,7 Mill. Rm. in die Kaſſen der Bank zurück
und zwar verringerte ſich der Umlauf an Reichsbanknoten un
102,6 Mill. auf 2317,3 Mill. Rm. und der Umlauf an Renten
bankſcheinen um 63,1 Mill. auf 1235,5 Mill. Rm. Die
Beſtänd=
der Reichsbank an ſolchen Scheinen ſtiegen fomit auf 353,7 Mill
Rm. Die fremden Gelder nahmen, zum Teil im
Zuſammenhan=
mit den Zahlungsmittelrückflüſſen, um 130,0 Mill. auf 1002,/
Mill. Rm. zu.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen zeiger
eine Steigerung um zufammen 40,9 Mill. auf 1780,5 Mill. Rm.
und zwar ſind infolge Umwandlung von Devifen in Gold die
Goldbeſtände um 54,1 Mill. auf 1361,4 Mill. Rm. angewachſen
während die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 13,2 Mill
auf 419,2 Mill. Rm. abgenommen haben. Die Deckung der Noter
durch Gold allein hat ſich von 54 Prozent in der Vorwoche au
58,7 Prozent, die Deckung durch Gold und deckungsfähig
Deviſen von 71,9 Proz. auf 76,8 Proz. gebeſſert.
Allgemeine Elektrizitätsgeſellſchaft Berlin.
Aſchaffb. Zellſtof
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Bamag=Meguin".
Beri E. W. Vorzug.?
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohlen=Briketts
Bremer Vulkan. .
Bremer Wolle
Teutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen
Teutſck.=Nied. Tel
Teutſcke Erdöl ..."
Teutſche Petroleum
Tt. Kaliwerke
Tonnersmarckhütte
Tynamit Nobel.
lektr. Lieferung.
Farben=Ind. A.=G.
E. Friſter .. ... ..
Eaggenau Vorz..
Eelſenk Eußſtahl.
H. f. eleftr. UIntern.
Salle Maſchinen
Kan. Maſck.Cgeſi.
Kania Dampfſch. . . . .
125.12: Rütgerswerke 73.5 125.75 Sachſenwert. 53.— 48.— 48.— Sächſ Gußſtahl. 50.— 29.5 30.— Siem n Glas. 24.— 24.12 Ver Lauſitzer Gias. 123.* 129.— Volkitedter Porzell. 125.5 124.— Weſtf. E. Langendreer 38.— 44.— 45.— Wittener Gußſtahl 36.25 137.5 133.5 Wanderer=Werke. . . . 1113.5
27.
90.—
835
12.375
123.—
20.5
43.75
147.5
80.5
71.25
24.375
74.5
54.—
52.75
Deviſenmarkt.
Amſterbam=R.
Buenos-Aire?
Brüſſel=Anti
Tslo ....."
Kopenhagen
Stockholm ..
Telſingfors.
Italien ..."
London ..
New=York..
Paris. . . . . .
Schweiz...
Spanien
25. 2.
eld / Brie
167.93 163.40/57.35 163.37
19.355 19.295h,9 156 19 095
53.331 109. 24103.05 109.30
it2.43112-7itfs. 45 n2 74
10 55/ 19.6019.564 10.602
15.94 16.83/15.353 18.395
4.195/ 4.2051 4.195 1.205
53.10, 59.241 59.06 59 20
27. 2.
Leld/ Brie
1.771 1-714 N1715 Prag...."
9 39/ 91.B1/ 90 93 91.21/Japan ..... ..
B. 339 23. 4u0121. 338 20.430/Liſſabon ....."
15.30/ 15.42 15 15l
9.715189.M18/30.705 30 305/Kanada.
VienD.,Oſt.ab
Ludapeſt. . . . ..
Lio de Janeir=
Zulgarien
Belgrad.
Konſtantinopel
Lanzig ......"
Uthen
ruquah
In der H.V. der A.E.G. machte der Vorſitzende des Direktoriums
Geh. Rat Deutſch, über die allgemeine Wirtſchaftslage in Deutſchland
die Ausſichten der Elektrotechnik und die Geſchäftslage der A. E. G. län
gere Ausführungen. Die o. H.V. nahm den bei der A.E.G. bekannter
Verlauf. Unter Anerkennung der Tätigkeit der Verwaltung wurde au
Aktionärkreiſen eine Reihe von Anträgen, Wünſchen und Forderunger
geäußert. So wurde die Erhöhung der Dividende von 6 auf 8, vor
anderer Seite ſogar auf 10 Prozent verlangt mit der Begründung, da
der Wertpapierbeſtand heute wertvoller ſei als zur Zeit des Abſchluſſes
und daß die Steuern abgebaut würden. Auskunft wurde verlangt übe
das Verhältnis der Steuern zu den ſozialen Laſten, über das A.E. G.
Sparkapital, das in der Bilanz nicht beſonders aufgeführt werde, ſowi
über die beabſichtigte Art der Aufwertung der Vorkriegsſparguthaben
Beanſtandet wurde, daß bei einem Abbau von 2000 Angeſtellten der Vor
ſtand noch erweitert werde. Es wurde angefragt, in welchem Zahlen
verhältnis der Vorſtand zu den Angeſtellten und Arbeitern in der Vorkriegs
zeit geſtanden habe und wie es jetzt ſtehe. Weiter wurde angeregt, An
geſtellten und Arbeitern Gratifikationen zu zahlen. Die Lohnpolitik de
A. E. G. habe der Geſellſchaft nicht zum Vorteil gereicht. Wertvolle ge
lernte Arbeitskräfte ſeien der A.E.G. verloren gegangen. Da kein
formulierten Anträge vorlagen, ging die Verwaltung über all dieſe An
fragen und Wünſche ſtillſchweigend hinweg. Der Abſchluß wurde ge
nehmigt und der Verwaltung Entlaſtung erteilt, die Dividende au
6 Prozent, zahlbar am 1. März, feſtgeſetzt. Die der Reihe nach aus
ſcheidenden Aufſichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt und anſtell
des ausgeſchjedenen Bankiers Max M. Warburg Dir. Pferdmenges von
A. Schaffhauſenſchen Bankverein in Köln neu in den Aufſichtsrat ge
wählt. Anweſend waren 68 671 200 Rm. Stammaktien, 9 409.400 Rm
Vorzugsaktien A, 11 803 300 Rm. Vorzugsaktien B, insgeſanckh war ver
treten ein A.K. von 89 888900 Rm.
Maßnahmen des Reichsverkehrsminiſteriums
Berlin, 27. Februar.
Zur Milderung der wirtſchaftlichen Notlage der Bau= ſowie Schiff
bau= und Eiſeninduſtrie und zur Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit ha
auf Antrag des Reichsverkehrsminiſters der Reichshaushaltsausſchuß de=
Reichstages unter Zuſtimmung der ver inigten Reichsratsausſchüſſe de=
Reichsverkehrsminiſteriums die Ermächt gung erteilt, u. a. die nachbe
nannten im Haushaltsentwurf für 1926 vorgeſehenen neuen Bauausfüh
rungen im Vorgriff auf die Haushaltsmittel für 1926 ſofort in Angrif
zu nehmen: Sicherungsarbeiten an den alten Schleuſen des Kaiſer Wil
helm=Kanals, Beſchaffung dreier Motorſchlepper für den Kaiſer Wil
helm=Kanal, Beſchaffung eines Schwimmdrehkrans für das Hafenbauam
in Pillau, Verlängerung des oberen Trennungsdamms an der Stauſtuf
Groſchowitz, Wiederherſtellung des Leuchtturms Dorn
uch=
denſee, Beſchaffung von zwei ſeetüchtigen Motorbarkaſſen für die Lotſen
ſtationen Thieſſow und Barhöft, Verbeſſerung der oberen Havelwaſſer
ſtraße durch Baggerungen, Elbſtromregelung bei Niederwartha, Beſei
tigung von Untiefen vor der Mündung der alten Elbe, Einrichtung eine=
Liegehafens mit Tonnen und Bauhof bei Schulau (Unterelbe), Beſchaf
fung zweier Schleppdampfer für den Baggereibetrieb des Bauamts
Hamburg, Herſtellung von 12 Dammwärterhäuſern, Ausführung wei
terer Sicherheitsmaßnahmen am Ems=Weſer=Kanal, Vorarbeiten für die
Kanaliſierung der Weſer von Minden bis Bremen, Beſeitigung von
Bergſchäden an Ufern, Dämmen und Bauwerken des Rhein=Herne=
Ka=
nals und des Dortmund=Ems=Kanals, Herſtellung eines zweiten
Fahr=
waſſers im Rhein, oberhalb des Kammerecks, Maßnahmen zur
Erhal=
tung des Fahrwaſſers im Rhein bei Nackenheim und
Maßnahmen zur Erhaltung des Fahrwaſſers, im Rhein, unterhalb der
Eiſenbahnbrücke bei Worms.
r. Hrankfärter Karsberſchr vom Bi. brbradt Losb.
Staatspapiere
a) Deutſche
5% Reichsanleihe
4% Reichsanleihe
3½%0
Dollar=Schatzanw
K.=Schatzanw. 23
K.=Schatzanw. 24
4½% IVundV R.=
Schatz
4½%VI.-HX. „
4% D. Schutzgb. .
Sparprämienanl.
49 Preuß. Konſ.
3½%
3%0
49 Baden alt
3½%0 „
3% „ 1896
4½ Bayern ..
3½%, ..."
..
3% „
8-16% Heſf. unt. 28
...
49
..
3½%
30
4% Württ: alte
b) Sonſtige,
europäiſche
5% Bos. E.B 1914
5% „L. Inv. 1914
4½% 1898
4½% „ 1902
4%
5% Bulg. Taba
4½%0 Oſt. Staatsr.
v. 1913/
4½¾Oſt. Schatz. 141
0.384
0.32
49
R.4
7.6
0.220
0.37
0.36.
0.45
0.35
0.35
15
2.75
16.5
49 Oſt. Gol
41ſ%n Silberr.
4% „einh. R. (kon.)
3% Port. (Spz.) III
5% Rum. am. R.03
4½% Gold. 13.
*9o „ am.konv.
4½ „ am.05
4% Türk. (Adm./03
„ (Bagd.) II
„ (Bagd,)III
4% „ 1911 Boll.
4½% Ung. St. 1913
½% „ St. 1914
„ Goldr.
„ St. 10.
„ Kronr. .
„ Eiſ. Tor.
Außereuro=
päiſche
5% Mex.am. inn.
5% „ äuß. 99 ..
40 „ Gold. 04
3% „ konſ inn
4½% Irrigat.
5% Tamaulipas
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
6% Doll. Gold. 1932
Gold. 1935
8% Frl.=Hyp.=B.=
Goldpfdbr. R.1.
3% Frkf. Hyp.=Bk
Reihe 2
5%Fkf. Pfandbr. B.
„ Gold Reihe 2
Em. 8
3.13
5.25
11
15
77.75
15.9
15.35
5% Neck. AG. Gld23
89 Pfälz.=Hyp.=Bk.
8% Rh.=Hyp. Gd. 24
50 Rhein=Main=
Donau. Gold 23
Ohne
Zins=
berechnung
60 Bd.=Bd.=Hz. 2‟
5% Bdw. Kohl. 23
5% Fr. Pf.Bk. G. I
6% Großkr. Mannh
Kohl. 23
6‟ Heid. Holzw. 2
5% Heſſ. Brk.=Rog.
Roggan1. 23
60 Mannh. Stadt=
Kohl
0 Offenb. Holz
D Pfälziſche=Hpr
Bk. Gld
5% Pr. Kaliw..
50 Pr. Roggenw.
50 Rh. H. B. Gd. 24
5% Sächſ. Brk. 23.
Roggenw.2‟
5% Südd. Feſt=B. G
16
11.20
12.5
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hyp.=B...
Landeskr. Caſſel ..
Naſſau. Ldsb. ..
4.03
2.01
6.15
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Vereinsb.
Bahr Handelsb. .„
Bahr. Hyp. u. Wech
Frkf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bk.
Meining. Hyp.=Bk.
Pfälz.Hyp.=Bk.
Preuß. Pf br.=Bk.
Rhein Hyp.=B.
Südd Bodenkr.
Württ. Hyp.=B.. ..
10.25
9.25
9.40
11
9.1
8.85
88
9.15
8.35
Obligationen v.
Transportanſt.
4% Eliſ.=Bahn.
4% Galiz. Carl=
Lud.=B
5% Oſt. Südb. (L.)
2,6%0 Alte „
2.60 Neue
%Oſt. Staatsb. 83
Oſt. „ 1.b.8.E.
/„Oſt. „ 9. E.
Oſt „ 1885.
POſt. „ Erg. Netz
4% Rud. Silber.
4% Rud Salzkg.)
4½% Anat S.1
4½%Anat., S. II
4½%Anat., S.III
3‟ Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec.
4½%
Bank=Aktien
Allg. D.=Credit.
Bad. Bk. ....
Bk f. Brauind. .
Barmer Bankv.
Bay. Hyp.=.Wchſ.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bk
Deutſche Bank
Eff.u Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D Vereins=Bk. .
Disk.=Geſellſch. ..
Dresdener Bk.. . . .
Frankf, Br. .....
rr. Hhp.=Bk.
Frkf. Pfdbr.=Bk.
Gotha Grundkr. Bk.
Metallbank. .
Mitteld. Creditb.
Oſterr. Creditanſt.
Pfälz. Hyp.=Bk....
Reichsbank=Ant. . .
Rhein Creditbk. . . .
Rhein=Hyp.=Bk.
Südd. Disc.=Geſ.
Wiener Bankverein
83.5
101.25
6.75
73.75
55.5
94
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof (Vind./151.5
Schwarz=Storchen 81
Werger ..... . .. . 88
*
18.2
10.75
14.25
98.25
40.5
36
100.5
146
108.75
126.75
127
81
Berowerké=Akt.
Berzelius.
Bochum. Bergb.
Buderus.
Dt. Luxemburg. .
Eſchw. Bergw..
Gelſenkirch. Bgw.
Harp Bergb.
Ilſe Bergb.
„ Genußſchein.
Kali=Aſchersleb. .
Kali, Salzdetfurt.
Kali. Weſterregln
Klöcknerwerke.
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder
Oberbedarf
Obſchleſ. Eiſ. (Caro)
Otavi=Ant.
Phönix=Bergb.
Rhein Braunk.
Rhein. Stahlw..
Rombach. Hütte
A. Riebeck Montan
Tellus Bgb.
Ver. Laurabüitte..
31.5
83.5
451
87.5
140
89
107
104.75
80
119
Induſtrie=Akt.
119.75
116
72.5
Eichbaum(Mannh.
Henninger.
..
Löwenbr.=München
35.5
Akkum. Berlin..
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleher
A. E. G. Stamm
62A. E. G. Vzg.4.
5%A. E. G. Vzg. B
Amme Gieſecke
Aſchaff. Zellſtoff
Badenia (Weinh.)
Bad Maſch. Durl
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Meguin
Bahr. Spiegel.
Beck & Henkel ..
Bergmann El. . .
Bing Metall.
Brem.=Beſigh=Ol.
Cement Heidelb..
Cement Karlſtadt
Cement. Lothr. . .
Chem Albert..
Chem Brockh.
Chem. Milch.
Daimler Motoren..
Dt Eiſenhandel..
Deutſche Erdöl
D. G. u. Silb. Scheid.
Dingler Maſch.
Dresd. Schnellpr.
Dürrkopp.
Dürr. Ratingen
Dyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
Eiſenw L. Meher.
El Lieferung.
El. Licht= u. Kraft
Elſ. Bad Wolle.
Emag.
Email. Ulrich
Enzinger Werke..
39.5
96
77.5
67.75
65
73.75
44.2
91.75
90.25
6.5
80
41
30.5
34.5
16.9
10
85.5
100.5
30.25
79
Eßlinger Maſch:=
Ettlinger Spinn. ..
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr., Pirmaſens.
Farbenind. J. G.
Felten & Guillean
Feinmech. (Jetter
Feiſt, Sekt.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.=M., Pok. u. W.
Fuchs Waggon .."
Gunz. Ludw..
Geiling & Cie. ...
Germania Linol..
Gelſenk. Gußſt. .
Goldſchmidt, Th..
Gotha Waggon.
Greffenius
Gritzner. Maſch.
Grün & Bilfinge
Hafenmühle Frkf.
Hammerſen
Hanfw. Füſſen
Hartm & Braun.
Heyligenſtaedt. . .
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer
Hoch=Tiefbau
Holzmann
Holzverk. Ind.
Hydrom. Breslau
Inag
Junghans.
Kommg. Kaiſersl.
Karlsruher Maſch
Karſtadt N.
Klein. Sch. E Becker
Knorr, Heilbronn
Konſerv. Braun .
Krauß Lokom.
Lahmeher ... . .."
Lech. Augsburg ..
35.5
200
Meen Maite
Spicharz.
Lingel Schuhw..
Löhnberg. Mühle.
Ludwigsh. Walzm.
32
47.5
Lüdenſcheid Metall/ 61
24
66.25
32.5
6--
92
88
50
30.5
56.5
63
51
24
42
38
45
63.75
5.)
57
0.50
78.5
85
32.5
115
Zu. 25
60
43
42.25
83.5
Luther, Mühlenb. 65
Lux Induſtrie ... / 16
Mainkraft Höchſt
Metallgef. Frk
ier Dr. Päul. 12.
Miag. Mühlenb. 90.25
Noenus Stamm. . 34.75
Motorenf. Deutz
Motorenf „Oberurſ. 34
40.5
erſ. Fa
Neckarw. Eßlingen. 92
63.25
Peters Union
40
Pfälz. Näh, Ka
1
Philipps.
Porzellan Weſſ
Prometh. Fr
Nein Gebb. &Schall 47.5
Rhein. Elektr.
Rhein. Metall=Vz.= 19.5
Rückforth
Rütgerswerke
73.73
Schleußner
Schneid. & Hanau. / 96
Schnellpr Frank. 59
Schramm, Lackf.
Schrift Stempel /75
Schusker Elektr.. ..
Schuhf , Weſſel. .. 28
Schuhf. Herz ..."
Schuh. Leander..
Schultz Grünlack. 30
Seilind Wolff ... 30
Sichel & C... .....! 5.1
Siemens Glas
Siemens & Halske. 28.5
Südd Immob.
Thür elektr. Lief. .. 80
Uhren Furtwängl. 27
Mii
Ver.f. Chem. Ind.. .
Ver. d. Olfbr. Mann.
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bln.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg..
Ultramarin . . ..
Zellſtoff Berl. ....
Vogtl. Maſch. ...
Voigt & Haeffner
Volthom. Seil
Wanß & Freytag.
Wegelin Rußfbr. ..
Zellſt Waldhof
Zuckerf. Waghäuſel
Zuckerf. Frankenth.
Zuckerf. Heilbronn.
Zuckerf. Offſtein
Zuckerf. Rheingau
Zuckerf. Stuttgart.
68
Transport= und
Verſicherungs=Alt
838
62.75
A. Dt. Eiſenbahn..
Dt. Eiſenb.=Geſ.
El. Hochbahn=Berl.
Schantung E. B..
Südd. Eiſenb.=Geſ
Hapag
Nordd. Llohzd. . ...
Frk.. Allg. Verſ.
Frankona Rückv.
Darmſt. Werte
Bahnbedarf
Dampfk. Ro
Helvetia Kon
Gebr. Lutz.
Motorf. Darmſt.
Gebr. Roeder ....
Venulethc Ellenb,
53
65.5
2.85
99
131
128.75
3.
[ ← ][ ][ → ]mmmer 59
Sonntag, den 28. Februar 1926
Geite 21
in den ſüddeutſchen Waren=
und Produktenmärkten.
er Getreidemarkt nahm in dieſer Woche einen ruhigen Verlauf.
des Rückganges der amerikaniſchen Forderungen hat ſich die
Stim=
hier nicht in gleichem Umfange abgeſchwächt, weil ſich die
Forde=
a der zweiten Hand ſchon vorher durchſchnittlich unter den
Welt=
meiſen bewegten. Das Angebot in inländiſchem Weizen iſt
ſchwä=
eworden. Für gute mitteldeutſche Weizen aus Sachſen wurden,
it eif Mittelrhein, bis 28,25 Rmk. verlangt; andere mitteldeutſche
n waren zu 27,50—28,00 Rmk. angeboten. Man hat den Eindruck,
Ild etwas mehr Auslandsweizen gekauft werden muß, wie auch das
tgeſchäft in deutſchem Weizen aufgehört hat. Ab Stationen
ver=
man für die 100 Kilo badiſchen Weizen, ebenſo für Pfalz und
emberg 26,75 Rm., für bayeriſche Herkunft 26,25 Rm. Bei
Rog=
ellen ſich die amerikaniſchen Forderungen gegenwärtig zu hoch,
kann dieſe Ware jedoch in Poſten, die untergebracht werden ſollen,
England billiger als gegen direktes Angebot kaufen. Von
Inlands=
koſtete mitteldeutſcher Rogger 18,50—18,75 Rmk., kurheſſiſcher 18,25
50 Rmt., ſüddeutſcher 17,75—18,00 Rmk. und badiſcher 17,50—1800
mark. Im Laufe der Woche wurden ziemlich anſehnliche Poſten
en=Gerſte und auch ſonſtige Sommergerſte zu 18,00 Rmt. franko
ſchiff=Station nach dem Niederrhein verkauft. Angeblich iſt dieſe
für die Malzkaffeefabrikation beſtimmt. Man bezahlte für
Würt=
rger und fränkiſche Gerſte 18—19 Rmk., badiſche 20—21 Rmk., für
ſche 21—22 Rmk. ab Stationen. Oſtpreußiſche Gerſte wurde zu
Ink, eif Mannheim gehandelt. Der Markt in Braugerſte iſt
unver=
zit ruhig. Fehmarn=Braugerſte war mit 22,50 Rmk. eif Mannheim
ben. Einiges Geſchäft war dieſe Woche auch in däniſcher und in
üiſcher Gerſte. Saatgerſten blieben bei hohen Preiſen geſucht. In
war wieder wenig Geſchäft. Für einheimiſche Ware ſchwanken die
zwiſchen 17 und 18 Rmk. die 100 Kilo ab Station. Hafer zu
Saat=
n blieb gefragt und entwickelte ſich darin befriedigendes Geſchäft,
ntlich in anerkanntem Saatgut. Mais hatte nur kleines Geſchäft
325—18,75 Rmk. die 100 Kilo bahnfrei Mannheim bzw. für La
=Herkunft bei 7,70 Gulden einſchließlich Sack, tranſito eif Mann=
— Getreideeinfuhrſcheine lagen im Angebot. Es wurden abgegeben
pte Scheine mit 7,50, Scheine per Mitte April mit 6,50 und per
Mai mit 57/s Damno. Das Mehlgeſchäft war wegen der
fehlen=
zmöglichkeiten klein und ſchleppend. Im allgemeinen wurden die
e gehalten, nur vereinzelt kamen etwas billigere Angebote heraus.
Norddeutſchland lag wieder anſehnliches Angebot vor, doch gehen
orddeutſchen Offerten ſehr ſtark auseinander. Die ſüddeutſchen
en verlangten für die 100 Kilo mit Sack: Weizenmehl Spezial Null
0,50 Rmk., Roggenmehl 70prozentig 26,50 Rmt., 60 proz. 28 Rmk.
der Futtermittelmarkt lag angeſichts der Zurückhaltung
zerbraucher ſehr ruhig. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß die
ächſt erfolgende Oeffnung der Kartoffelmieten in Norddeutſchland
weiteren Preisdruck auf dieſem Gebiet ausüben könnte.
Futter=
wurde mit 15,00 Rmk. die 100 Kilo ab Bayern, Sortier=Gerſte mit
Rmk. franko Mannheim, amerikaniſche Futtergerſte mit 8,75 Guld.
otterdam=Antwerpen, Donaugerſte (66/75 Kilo mit 3 Proz. Beſatz,
0 Gulden, Parität Rotterdam=Antwerpen, angeboten. Weizenkleie
e 9,25—9,75 Rmk., Roggenkleie 9,00 Rmk., Weizenfuttermehl 11,00
1,50 Rmk., Roggenfuttermehl 11,00 Rmk. die 100 Kilo frei ſüddeut=
Station. Ferner verlangte man für Biertreber, prompt, mit Sack
Rmk., für Malzkeime, mit Sack, 12,50—13,00 Rmk.: ab Mäinchen
F1 Angebote für Malzkeime zu 8,50—9,00 Rmk. mit Sack vor. Für
enſchnitzel wurden 9,50—10,00 Rmk. loſe ab Fabrik verlangt; für
ſſefutter 9,00 Rmk. ab Mannheim bzw. 7,75 Rmk. ab Frankenthal.
Oelkuchenmarkt lag außerordentlich ruhig bei größter Zurückhaltung
eäufer. Die Preiſe ſind gegenüber der letzten Woche durchſchnittlich
twa 0,50 Rmk. die 100 Kilo billiger. Im Saatengeſchäft iſt die
umnachfrage gegenwärtig ſehr flott. Infolge der Geldknappheit
gt der Handel nur über mäßige Poſten, ſo daß man für die nächſte
mit einer gewiſſen Verknappung rechnen zu ſollen glaubt. Ab ſüd=
deutſchen Stationen verlangte man zuletzt für die 100 Kilo Provencer=
Lucerne 180—200, italieniſche 170—190, inländiſchen Rotklee 160—200,
nordfranzöſiſchen 170—190 italieniſchen 150—175, Eſparſette 65—70,
Wicken 28—30 und Natal=Saatmais 21—22 Rmk.
Am ſüddeutſchen Tabakmarkt gingen einige tauſend Zentner
1925er, von den Pflanzern einmal fermentierte Tabake, um, die für
Regie=
zwecke in Sandhofen, Plankſtadt und Ladenburg zu 33—36 Rmk. je ein
Zentner gekauft wurden. Im übrigen iſt der Abſatz an die Verarbeiter
im Hinblick darauf, daß das Geſchäft immer noch ſchleppend geht,
befrie=
digend. Vereinzelt finden immer wieder Abſchlüſſe ſtatt. Rippen immer
noch vernachläſſigt. Verzolltes Java=Schneidegut wurde zu 45,00 Rmk.
per Zentner und Kentucky=Tabak, verzollt, ebenfalls zu 45 Rmk. per
Zentner angeboten.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 27. Februar. Von den
nordameri=
kaniſchen Terminmärkten lagen auch heute erneut flaue Preismeldungen
vor, während Liverpool in ſeinen Anfangskurſen ziemlich ſtetig blieb.
Dei Umſatztätigkeit im Berliner Produktenhandel bleibt weiter ſehr
ge=
ring, beſonders in Weizen, da das Inlandsangebot prompter Ware
dauernd klein bleibt und daher die unverändert hoch gehaltenen
For=
derungen teilweiſe bewilligt werden müſſen. Auch in Roggen iſt das
Angebot etwas, kleiner geworden und verhältnismäßig feſt im Preiſe.
Gerſte verſtärkt angeboten, Hafer ruhig. Im Mehlhandel hat ſich das
Geſchäft wenig geändert. Im Lieferungshandel zeigte ſich für Weizen
ſtarke Deckungsfrage für die bevorſtehende Märzlieferung.
Erſt=
malig wurde heute Juli mit 277 gehandelt. Roggen per März auf
Realiſationen um 1 Mark auf 158 gedrückt. Mai mit 171 unverändert,
Juli 170. Privatdiskont kurze und lange Sicht 5 Prozent. Die
Nach=
börſe brachte nur noch für Spezialwerte einige Bewegung, ſonſt war
der Schluß bei ſtillem Geſchäft widerſtandsfähig. Deutſche Erdölaktien
zogen vorübergehend bis 2 Prozent an, da über eine hieſige
Privatbank=
firma größere Beträge gekauft wurden. Gerüchte über einen Abſchluß
in der Anglos=Perſian=Oil=Company um eine beachtenswerte Erhöhung
wurde uns von der Verwaltung als völlig falſch bezeichnet. Stöhr zogen
von 101 auf 104 und Rombacher bis 25½/g an. Im übrigen hörte man
nachbörslich: Harpener 106, Rheinſtahl 80, Phönix 753, Gelſenkirchen
87¾, Deutſch=Luxemburg 87½, Hapag 129½, Nordd. Lloyd 126½,
Kriegsanleihe 0,392½.
Mitgliederverſammlung des Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlenſyndikats.
In der Mitgliederverſammlung des Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Koh=
lenſyndikats in Eſſen wurde der Kokspreis durchgängig für die
wichtig=
ſten Sorten um rund 0.50 Mk. herabgeſetzt. In dem Marktbericht
über das Geſchäft im Januar heißt es u. a.: Bei allem guten Willen
iſt von der Zukunft eine Beſſerung zu erwarten. Wir müſſen jedoch
feſtſtellen, daß wir in unſerem Geſchäft den tiefſten Stand noch nicht
erreicht haben. Der Mehrbedarf des Winters hat aufgehört. Der
Frühjahrsbedarf auf dem Baumarkt tritt in dem erwarteten Umfange
nicht ein. Die Eiſenbahn macht Abbeſtellungen. Der Mehrabſatz
in=
folge des amerikaniſchen Streiks hat aufgehört. Das Ergebnis muß ein
weiteres Sinken des Abſatzes ſein, und ſchließlich werden die
Arbeiter=
entlaſſungen, die zurzeit noch durch die Feierſchichten hintangehalten
werden, wieder einen größeren Umfang annehmen.
Abkommen im Baugewerbe. Die Verhandlungen im Deutſchen
Baugewerbe zwecks Abſchluß eines neuen Reichstarifsvertrages haben
inſeweit ein Ergebnis erzielt, als eine Vereinbarung zuſtande
gekom=
men iſt, die dahin geht, ein zentrales Schiedsgericht zur
Regelung aller Lohnſtreitigkeiten und der damit im Zuſammenhang
ſtehenden Fragen zu bilden. Die Entſcheidungen dieſes Schiedsgerichts
ſind endgültig. Während der Dauer ſeines Beſtehens verpflichten ſich
beide Parteien, in allen durch dieſes Abkommen geregelten Fällen
jeg=
liche Kampfmaßnahmen zu unterlaſſen. Das Abkommen läuft bis zum
28. Februar 1927. Die Arbeiterverbände können jedoch bis zum 1. Sept.
1926 erklären, daß ſie eine Verlängerung des Abkommens über den
30. September 1926 nicht wünſchen.
Unveränderte Erwerbsloſenziffer in der erſten Februarhälfte.
Wäh=
rend der Monat Januar noch ein beträchtliches Anwachſen in der Zahl
der unterſtützten Erwerhsloſen gebracht hatte, iſt die Bahl in der erſten
Hälfte des Februar im weſentlichen unverändert geblieben. Die Zahl
der Hauptunterſtützungsempfänger betrug am 15. Februar 205900
gegenüber 2 031 000 am 1. Februar. Die Zahl der Zuſchlagsempfänger
(unterhaltungsberechtigten Angehörigen von
Hauptunterſtützungsempfän=
gern) hat ſich von 2 361 000 auf 2 332 000 verringert. Die Entwicklung
innerhalb der einzelnen Wirtſchaftszweige iſt noch ſehr ungleichmäßig.
Unverkennbar hat im Berichtszeitraum wie alljährlich der Bedarf nach
landwirtſchaftlichen Arbeitskräften eingeſetzt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York 77. Februar.
Weizen: Der Markt verkehrte heute in feſter Haltung auf erhöhte
Liverpool=Notierungen, kleinere Ankünfte und gebeſſerte heimiſche
Loko=
nachfrage. Auch aus Winnipeg lagen erhöhte Notierungen vor.
Mais: Der Markt verkehrte in feſter Haltung auf Deckungskäufe
der Baiſſiers und gebeſſerte heimiſche Lokonachfrage.
Hafer: Der Markt verkehrte in regelmäßiger Haltung.
Baumwolle: Der Markt begann in ſchwacher Haltung auf ermäßigte
Liverpooler Kabel und Verkäufe der Pflanzer. Später trat eine
Er=
holung ein auf Deckungskäufe der Wallſtreetſpekulation.
Kaffee: Der Markt verkehrte in ziemlich ſtetiger Haltung auf
er=
höhte Braſilpreiſe. Die Termine gewannen einige Punkte.
Zucker: Der Markt verkehrt in ſtetiger Haltung auf Käufe der
Wall=
ſtreetſpekulation und beſſere Kaufluſt der Raffinerien.
Kakay: Von der Feſtigkeit des Lokomarktes ausgehend, verkehrte der
Markt in ſtetiger Haltung. Später trat eine leichte Abſchwächung ein.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die A.=R.=Sitzung der Geſellſchaft für elektriſche Hoch= und
Unter=
grundbahnen, Berlin, die ſich mit dem Angebot der Stadt Berlin befaſſen
ſollte und für Ende dieſer Woche geplant war, iſt verſchoben worden und
wird im Laufe der nächſten Woche ſtattfinden.
Da die Kölner Fmihjahrsmeſſe, wie mitgeteilt, nicht abgehalten
wird, iſt die Frankfurter Meſſe im deutſchen Weſten und Süden wieder
der einzige Großmarkt. Sie wird vom 11. bis 14. April ſtattfinden.
Die Zollkommiſſion der franzöſiſchen Kammer nahm heute den
Re=
gierungsvorſchlag, die Einfuhrzölle um 30 Prozent zu erhöhen, an. Von
der Zollerhöhung ſollen Papier= und Zelluloſewaren ausgenommen ſein.
Die franzöſiſche Eiſenbahnverwaltung, die erſt vor kurzem in
Schott=
land 100 000 Tonnen Kohlen beſtellte, hat dieſer Tage einen weiteren
Auftrag zur Lieferung von 150 000 Tonnen Monmouthfhore=,
Anthrazit=
kohlen nach England vergeben.
Der ſchweizeriſche Bundesrat hat beſchloſſen, den Ausfuhrzoll auf
Eiſen= und Blechabfälle, Eiſendrehſpäne, Kernſchrott uſw., der 1,30 Rmk.
pro 100 Kilo beträgt, his auf weiteres zu ſiſtieren. Der Beſchluß tritt
am 1. März in Kraft.
Wie verlautet, nimmt man in amerikaniſchne Bankenkreiſen an, daß
die amerikaniſche Regierung gegen eine eventuelle Herausgabe einer
neuen deutſchen Kalianleihe in New York diesmal keinen Einſpruch
er=
heben düirfte.
Die zwiſchen amerikaniſchen Bankhäuſern und dem italieniſchen
Kreditinſtitut für öffentliche Kraftwerke geführten Verhandlungen zwecks
Aufnahme einer Anleihe von 20 Mill. Dollar ſind zum Abſchluß
ge=
kommen.
Die zur Zeichnung in New York aufgelegte 7proz. Anleihe der
italie=
niſchen Utalited Cy wurde bei einem Ausgabekurs von 93 ſtark
über=
zeichnet.
Auf vielſeitigen Wunſch Wiederholung
Mittwoch, den 3. März, abends 8 Uhr
Fürſtenſaal, Grafenſfraße
Nur für Damen!
Referentin: Die Schriftſtellerin Frau M. Sachs.
Wie erhält man ſich jung und geſund? Körper=, Schönheits= und
Geſundheitspflege auf natürlicher Baſis. Haarausfall, Urſache
des=
ſelben. Beſeitigung von Schönheitsfehlern. Wie beſeitigt man ohne
Geheimmitteln Korpulenz oder Magerkeit. Gattenliebe — Mutterſchaft.
— Nervoſität der Frauen.
Warum ſo viele Frauen vorzeitig altern? Die Sünden der Frau
gegen ihren eigenen Körper.
Frauenkrankheiten! Pflege und Behandlung in den Wechſeljahren.
Wie ſichern wir während der wirtſchaftlich ſchweren Zeitverhältniſſe
unſeren häuslichen Frieden, unſere Ehegemeinſchaft ?
Einlaß 7.30 Uhr. Beginn 8 Uhr. Ende 10 Uhr,
Karten nur an der Abendkaſſe von Mk. 1.—, 1.50, 2.—
Nur Damen über 16 Jahre haben Zutritt
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Kunſtexamen.
meldung für das Sommer=Halbjahr 1926 für bisherige Schüler vom 16. bi818. März
ſchließl. und für neue S hüler vom 9. bis 12. März einſchließl., vormittags von 9-11 Uhr.
Für verſpätete Anmeldung wird Anmeldegebühr erhoben. Das Sommerhalbjahr
beginnt am 14. April 1926.
DER DIREKTOR.
Aufrufg
(3065
Die Tapezier- und Polster-Innung Darmstadt richtet hiermit
20 die verehrl. Einwohner von Darmstadt die höfl. Bitte,
Stw2 vorzunehmende Tapezier- und Polsterarbeiten usw. bei
Ihren Tapeziermeistern jetzt vornehmen zu lassen, da z. Zt. auf
Sute u. saubere Ausführung mehr Sorgfalt verwendet werden kann.
Tapezier- und Polster-Janung Darmstadt
Methode Goué —9
Berl. IIInstr. Ztg.: „— die Einwohner des Städtchens zoger
es sehr. bald vor, von ihrem Apotheker Ratschläge an Stelle
der Medikamente zu empfangen. Dfe Heilung einer
ge-
lähmten Engländerin trug Conés Namen zum ersten Mal
über die Grenzen — — Tatsächlich gelangen ihm dabei
Dinge, die an die Wundergeschichten der Bibel erinnern.
ersonen, die gelühmt zu ihm geführt werden, beginnen
wieder mit dem Gebrauch ihrer Glieder. — Das Amüsanteste
ist, daß die also Geheilten oft selbst nicht an diesen plötz
ichen Umschwung glauben wollen — und sind beinahe
enttäuscht, weder bei ihrem nächsten Besuch noch später
jemals etwas davon konstatieren zu können.” — Der
be-
glaubigte Vertreter des Ilerrn Coué in Naucy, Herr Jean
Vital Benit, wird in einem Vortrag die Methode
aus-
einandersetzen und demonstrieren.
(*5719
3
Vorkrag am Mittwoch, den 3. März,
8 Uhr abends, im Mathildenhöhsaal
Dieburgerstraße 26.
Karten Hk. 4.—, 3.—, 2.— und 1.50 einschl. Steuer
bei Konzert-Arnold, Wilhelminenstr. 9 (Telephon 2560)
und an der Abendkasse.
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beit, zu äußerſt bi
ligen Preiſen
abzu=
geben.
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L. Menger, Tapezier
meiſter, Bismarckſtr 58,
Telephon 1608.
Volksbegehren: „Enteignung.
der Fürſtenvermögen‟.
Während der Zeit vom Donnerstag,
den 4. bis einſchl. Mittwoch, den
17. März 1fd. Js., Werktags von
11 Uhr vorm. bis 7 Uhr nachm. und
Sonntags von 10 Uhr vorm. bis 5
Uh=
nachm. (ununterbrochen), liegen die
Ein=
tragungsliſten für das obige
Volksbe=
gehren in der Turnhalle am Kapellplat
zur Eintragung offen.
Innerhalb dieſer Friſt kann dort jeder
männliche oder weibliche Einwohner, der
Reichsangehöriger iſt und bis zum Schluf
der Offenlage das 20. Lebensjahr
voll=
endet hat, ſich in die Liſten eintragen.
Ausgeſchloſſen von der Eintragung ſind
u. a. ſolche Perſonen, die in der
Aus=
übung des Stimmrechts behindert ſind
oder deren Stimmrecht ruht.
Eintragungsſcheine für Perſonen, die
während der ganzen Eintragungsftiſt
von Darmſtadt abweſend ſind, werden
in obigem Lokale ausgeſtellt.
Darmſtadt, den 25. Febr. 1926. (st3051
Der Oberbürgermeiſter.
Am Freitag, den 5. März ds.
Js., werden nachm. 4 Uhr im
Gaſt=
haus „Zur Stadt Erbach” aus Revier
Erbach, Forſtort: Holzfeld 3, Sauloch
und 3, Geisberg 3, öffentlich meiſtbietend
verſteigert:
etwa 90 rm Buchen=Scheit u. Prügel
50 „ Eichen=
150 „ Buchen=Kohlholz
90 „ Eichen=
„ 140 „ Kiefern=
500 St. Buchen=Aſtwellen
15 rm Buchen=Nutgröller.
Das mit A bezeichnete Holz kommt
(3064g
nicht zum Ausgebot.
Erbach i. O., den 25. Febr. 1926.
Gräfliches Forſtamt.
Verſteigerung der
Marktſtand=
plätze des Darmſtädter
Wochen=
marktes.
Am Montag, den 8. März ds.
Js., vorm. 9 Uhr, werden in der
Turn=
halle am Woogsplatz die ſtändigen
Markt=
ſtandplätze auf dem Marktplatz und
Schillerplatz für die Zeit vom 1. Apri
1926 bis Ende März 1927 öffentlich
meiſtbietend verſteigert. Der
Belegungs=
plan und die Verſteigerungsbedingungen
liegen bei dem ſtädtiſchen Marktmeiſte
Stadthaus, Zimmer 26) zur Einſich
offen. Der Zuſhlag wird erſt dann er
teilt, wenn der Nachweis der Zahlung des
Marktſtandgeldes aus den Vorjahren
er=
bracht iſt.
(st3052
Darmſtadt, den 23. Febr. 1926.
Der Oberbürgermeiſter.
Am Mittwoch, den 3. März ds.
Js., werden nachm. 3 Uhr im
Gaſt=
haus „Zu den drei Haſen” in
Michel=
ſtadt aus Revier Zell, Forſtorte
Stein=
ſchlag 1, Alter Stockſchlag 3, Haberich 1,
2a, 5, Heuberg 2, 18, 19, Zellerkopf 3, 5,
Dreimärker 2, 6, 7, 9, öffentlich
meiſt=
bietend verſteigert:
etwa 100 rm Buchen=Scheit u. Prügel
40 „ Eichen=
40 „ Kiefern=
200 „ Buchen=Kohlholz
150 „ Kiefern=
30 „ Fichten=
„ 20 „ Buchen=Nutzröller.
Das mit A bezeichnete Holz kommt
nicht zum Ausgebot.
(3063gi
Erbach i. O., den 25. Febr. 1926. Empf. Neuanfertig.,
Gräfliches Forſtamt.
Bekanntmachung.
Sonntag, der 28. Februar 1926, ſoll
in dieſem Jahre im ganzen Deutſchen
Reiche als Volkstrauertag begangen
werden. Die öffentlichen Gebäude
flag=
gen aus dieſem Anlaß auf Halbmaſt.
Ich bitte die Beſitzer der Privatgebäude,
in der gleiche Weiſe zu verfahren.
Weiter bitte ich alle Beteiligten, am
28, Februar 1926 die Kriegergräber zu
ſchmücken und auf ſonſtige
Krieger=
hrungen hinzuwirken.
(st3113
Darmſtadt, den 27. Febr. 1926.
Der Oberbürgermeiſter.
Konkursverkauf.
Die Reſtbeſtände aus der
Konkurs=
naſſe Dehn=Oeſer, darunter Modelle
ſowie Wäſche, Hüte, Stickereien, Spitzen
für Kleider und Wäſche uſw., werden zu
konkurrenzloſen Preiſen ab Montag,
d. 1. März 1926, vorm. 9 bis nachm.
6 Uhr, Kaſinoſtr. 12, III., ausverkauft.
Der Konkursverwalter:
Dr. H8. Hofmann III.
Rechtsanwalt.
(3126
La. Stenngors Serfteigerang.
Am Hamstag, den 6. März ds.
Js., werden nachm. 2 Uhr im
Gaſt=
haus „Zum Anker” in Stockheim aus
Revier Eulbach, Forſtorte: Kutſchenwege
11, 14. Steinmannshalde 7, 8,
Hütten=
ſchläge 2, 13b, 14a, 15a, Kreuzdelle 1, 7,
11, 12, 13, Mühlgrund 1b, 10, 14,
Heu=
matte 14a, 12, 25, 27, 30, Erbücherberg 2,
Vogelheerdſchlag 4, 5, 12,
Ueberzwercher=
berg 3, Mies 3, 5, Eſelskopf 1, 3a,
Sei=
lersbuch 6, Langetal 3, öffentlich
meiſt=
bietend verſteigert:
etwa 30 rm Buchen=Scheit u. Prügel
80 „ Eichen=
19 „ Birken=
3 „ S. Laubh.=,
80 „ Kiefern=
350 „ Fichten=
80 „ Buchen=Kohlholz
30 „ Eichen=
10 „ Birken=
34 „ S. Laubh.=,
100 „ Kiefern=
120 „ Fichten=
Eichen=Stockholz
70
Buchen=Nutzröller.
80 „ Birken=
„ 28
Eichen=Nutzſcheit.
Das mit A bezeichnete Holz kommt
nicht zum Ausgebot.
(3115g4
Erbach i. O., den 26. Febr. 1926.
Gräfliches Forſtamt.
Darmſtädter
Mode=, Sport= und
Strumpf=Strickerei
Hügelſtraße 20
Eingang Schützenſtr.
Reparat., fachmänn.
und billig. (3118a
Daunen
(Gans) Pfd. 9.50 ℳ;
Deckbett 130X180 cm
53.ℳ. Möbel=Bertrieb
Heerwagen, Große
Ochſengaſſe 10. (2716a
Anfang
Nummer 59
Sonntag, den 28. Februat 1926
Seſte
Dalast-Lichtspiele
Der 2. große Zille-Film:
DoiIte
SAkte! In den Hauptrollen: 8 Akte!
Aud Egede Nissen, Maly Delschaft,
Viktor Janson, Herm. Picha, Rosa Valetti,
AlfonsFryland, Kaiser-Heyl,ViktorPlagge
— Kölns Befreiungsstunde
Anfang 2/, Uhr
ORPHEt
die Maite sen jans!!
Wie werde ich schön?
Lachen verlüngt
Lachen ver schönt
— also vergessen Sie
einmal die Sorgen des All-
B T tags u. lachen Sie über
Prinzessin
Residenz-Theater
Fr. Lit.
Künſtl. Geſellſchaft
Donnerstag, 4. März,
7½ Uhr
im Mathildenhöhſaal
II. Vereinsabend
Pfarrer D. Gogarten
„Die roliglöse Frage‟
Karten zu 3 Mk. bis
0.50 Mk. bei
Buch=
handlg. Bergſtraeßer,
Rheinſtr. 6. (3097
eteeodc
Hiſtoriſcher
Verein.
Montag, den 1. März,
abends 6 Uhr (3112
Vortrag
des Herrn Geh. Rat
Prof. Dr. Kautzſch,
Frankfurt a. M.,
„Ueber den Meiſter
der Oſttelle des
Wormſer Domes”.
Lastttttttt
WWeldky,
dit
2r0
Je Darl
Sonntag, 7. März:
13. Wanderung
Abfahrt 6½ Uhr
pünktlich and.
Haupt=
poſt mit Poſtautos
Rückfahrt von
Linden=
fels mit Poſtautos.
Geſamtpreis 2,50 ℳ.
Löſung der Auto= u
Tiſchkarten bis
ſpäte=
ſtens Mittwoch 12Uhr
Näh. bei Bergmann,
Wilhelminenſtr. 19.
Die Operette von Jean Gilbert
—im ORPHEUM
Größter Erfolg! Mur noch wenige Tage!
Sonntagskarten: a) Kiosk am Schloß von vormittags
9 bis abends 6 Uhr. b) Verkehrsbüro v. 9—12 Uhr.
e) Orpheumskasse ab 3 Uhr.
(3095
,8 Uhr
10 Akte!
Der große Erfolg!
Das Residenz-Theater bringt wieder ein
unvergleichliches und bedeutendes Filmwerk. Es ist
der neue Friedericns Rex-Film:
Die Hühle von Konssouei
Dieses Mal ist es in erster Linie die Persönlichkeit des
Königs, die den Rah en des Filmwerks bildet, Otto
Gebühr verkörpert darin zum zweiten Male den alten
Fritz. Menschlicher und natürlicher tritt uns diesmal,
neben den großartigen Momenten des Königslebens die
Persönlichkeit Friedrich des Großen entgegen. Von den
übrigen Darstellern beanspruchen unser beson deres
Interesse Hanni Weiße als lustige Person, Olga
Tschechowa als Tänzerin Barbarina, Jakob Tiedke,
Georg Alexander und Wilhelm Dieterle. — Man
ver-
gesse nicht, weiche gewaltigen Fortschritte die
Kine-
matographie gemacht hat und Sie dürfen mit den
hochgespanntesten Erwartungen dieser Begebenheit im
Residenz-Theater entgegen sehen (3122
Großer Beitall bei offener Szene.
Jugendliche haben Zukritt!
Großes Orchester — 10 Akte.
Ankang 3, 5‟, und 8 Uhr
Peitſchengamaſchen
in Stoff und Leder
Marke eingeſtempelt.
(I Bin 881)
Klavierſtimmen
ſofort (704a
Arnold=Sohn
Eliſabethenſtr. 28
Tel. 2457 u. 975
Union- Theater
Das sehenswerte Riesenprogramm
Dar neueste Lubitachfllm:
Alol TTaden
Sittenroman in 6 Akton
Regie: Ernst Lubitsch
Hanptdarsteller:
Pauline Frederick, May Avey
Mary Preuost.
Als Einlage der II. Großfilm mit
MANAY
Die Liebesbriefe
der Baronin von 8.
Sensationsroman in 6 Akten.
Die neueste Wochenschau.
Anfang 2 Uhr.
(*5712
Landestheater.
Sonntag, 28 Februar
Großes Haus.
E15
Triſtan und Fſolde
von Richard Wagner
Anfang 5, Ende 10 Uhr
Preiſe: 1,20—12 Mk.
Klein,Haus. (V.312,
Vormittags 11½ Uhr
Gedenkfeier
füir die Gefallenen
des Weltkrieges
veranſtaltet vom
Volksbund für
Kriegsgräberfürſorge
Aberds 71 Uhr
Ende nach 9½ Uhr.
Zuſatzmiete II, 7
Jugend
Drama von
Max Halbe
Preiſe: 1—6 Mark
Theaterzettel für Sonntag, 28. Febru
(Ohne Gewähr)
„Triſtan und Jſolde‟
Perſonen:
Triſtan
Gotthelf Piſte
König Marke
Heinrich Hölz
Jſolde
Ch. Maſſenbur
Kurwenal
Johs Biſchof
Lev Barczinsk
Melot.
Brangäne
Anna Jacobs
Hirt
Rudolf Strzele
..
Steuermann . . .
Hans Ney
Junger Seemann . . . . Heinrich Sadle
Schiffsvolk, Ritter und Knappen,
„Jugend”
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HansBaumeiſ
Annchen, ſeine Nichte . Jeſſie Vihrog
Amandus, ihr jüngerer
Stiefbruder . . . . . . Friedrich Kinz
Kaplan Gregor von
Schigorski . . . . . Hans Schultze
Hans Hartwig, ein junger
Student . . Hans Schalla
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in der Seit vom J1. bis 27. Märs 1926 zu
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folgen. Friſterſtreckung nur gans ausnahmss
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geber uns baldgefälligſt von dem Abſchluſſe der
Bücher uſw. benachrichtigen zu wollen, damit
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Nummer 59
Sonntag, den 28. Februar 1926
Seite 23
Heilige Ketten.
Von Hanns Werner Langer.
(Nachdruck verboten
„Ich habe Sie liebgewonnen, Doktor. So alt wie Sie muß
mein . . . . ." Dann ſteht man alleine, unbeendet die Rede eines
väterlichen Menſchen und man fühlt, daß auch die Ketten ohne
Ende ſind. Ade, Meer! Ade, ſtummer Gruß an Ewigkeit und
Unendlichkeit! Ade, du alter, freudloſer Mann und — auf
Wiederſehen!
Aber der Doktor hatte ſich den Abſchied immer noch viel
leich=
ter vorgeſtellt, als er in Wahrheit über ihn kam. Vier Uhr
zwan=
zig ſollte der Zug nach Hamburg gehen. Der Doktor ſtand auf
dem Bahnſteig, doch er ſtieg nicht ein. Er ließ den Zug
abfah=
ren mit dem beglückenden Gefühl, nun noch ein paar Stunden
bleiben zu müſſen. Er ging nicht mehr zum Bahnhof. Am Abend
ſtand er auf dem Damm und ſchaute hinüber nach dem „Senator
Tamm”, der wieder Kohlen nahm. Schwarz war der Kohlenſtaub
und grau war das Meer. Zu früher Morgenſtunde des nächſten
Tages brachte ihn das Fährboot nach Brunsbüttelkoog. Und er
begann eine Wanderung durch Marſch und Geeſt, durch Klei und
Darg, über Buhnen und Deiche, in Dörfer und Städte der Nord=
und der Oſtſee. Er hatte gar keine Sehnſucht nach dem Staub
ſeiner Gelehrſamkeit. Die Spiele der Fiſcher= und Dörflerkinder
dünkten ihm eine Offenbarung von Lebensſeligkeit. Er hätte
Mitleidstränen über ſein eigenes, ſpielloſes. Daſein weinen
können.
Ein kleines Erlebnis in einem Dorf, das ihn wegen ſeiner
geſchichtlichen Erinnerungen einige Tage feſſelte und von wo er
Ausflüge in die Umgebung unternahm, ließ ſein inneres Ohr
das Klirren von Ketten hören und hieß ſeine Hände ſich emſig
an den Ketten vorwärts taſten. Aus den Gräbern ſchlingen ſich
Ketten zu den Lebendigen und Glied um Glied zieht ſie das
Leben ein. Und nun das Erlebnis.
Das Spiel der Kinder vor ſeinem Egſthof hatte ihn oft
ent=
zückt. Die Jungens und Mädels führten eine Art Volkstanz auf,
wozu ſie einmal ſchwermütige, einmal luſtige Weiſen ſangen.
Der Einn der einfachen Handlung entſprach ungefähr dem in
ſei=
ner Heimat geübten Dornröschenſpiel. Als er einige Tage ſpäter
von einem Abſtecher zurückkehrte, bemerkte er das Fehlen eines
Mädelchens. Zugleich feſſelte ihn aber auch der vollkommen
neu=
artige Tanz und der ihm unerklärliche Sinn des Spieles. Er
fragte die Kinder danach und erfuhr, daß Dortie in einen
Brun=
nen gefallen, ertrunken und begraben war. Die Kinder ſpielten
Dortjes Begräbnis. Es erſchütterte den Doktor derart, daß er
noch am Abend ſein Bündel ſchnürte und raſtlos weiter wanderte.
Bis er auf dem Holſten=Friedhof in Lübeck ſtand.
Fried=
höfe haben ihren eigenen Reiz für Lebensbejaher. Nicht, daß
ihn die Majeſtät des Todes ſonderlich erſchauern ließ, ſo doch
das erſchütternde Andenken vieler Tauſender in vielen
Landes=
teilen, das ſich nach dem einen kleinen Fleckchen mit Blumen oder
bunten Steinen richtet. Der Totengarten iſt der große Weiher,
in den alle lieben Gedanken, guten Vorſätze, bitteren Vorwürfe,
alle Ohnmachten und ruheloſen Nächte münden; auf dem die
ſchwarzen Schwäne ſchwimmen, die ihr Lebenslied ſingen in der
Minute, ehe ſie ſterben. Knien möchteſt du vor jedem Grab und
deine geiſtige Geſtaltung zwingt den teuren, dir ganz
unbekann=
ten Toten in eine Form. Du ſtreichelſt das blaſſe Antlitz; du koſt
den Vater irgendeines Menſchen, den du nicht kennſt und nie
kennen wirſt; du beugſt dich vor der fremden Mutter; du trauerſt
um den fremden Bruder und weinſt um die fremde Geliebte, als
wäre es ein eigen Stück aus deinem Leben. Du erhebſt dich
wieder und geheſt hinweg mit dem keuſchen Bewußtſein der
Ver=
tpandtſchaft zwiſchen Toten und Lebendigen. Waren die Augen
voller Tränen, nun ſind ſie voll heimlichen Lichts: Liebe zu
ſchen=
ken den Lebenden.
Ach, da ſtehſt du ſtille, da falten ſich deine Hände und der
Strom aller wilden Schmerzen bricht mit Leidenſchaft hervor,
Dein Blick kommt nicht los von dem kleinen Kreuz, auf dem
viel=
leicht geſchrieben ſteht: Hier ruht unſer Sonnenſchein, unſer
ein=
ziges, herziges Kind. Du ſieheſt die Pein einer Mutter, die ihren
Liebling hergeben muß, die vor der zerbrochenen Erfüllung ihres
Lebens ſteht und darf nicht wanken. Du ſieheſt das ſeidene
Haar, den bleichen Mund, die kleinen, ſpielenden Händchen. Alles
iſt Liebe, alles will Liebe und alles iſt tot. Du haderſt mit Gott
um den Leichnam, das heimliche Licht deiner Augen verdunkelt
anklagender Zorn. Schreite hinweg, an Gräbern von Alten und
Jungen, von Greiſen und Kindlein vorüber und ehe du zum
Tore gelangſt, warſt du Vater und Mutter, Geliebter und
Freund. Klagſt du den Herbſt an, weil er die Bäume entlaubt
und die Früchte entzweigt? Du fammelſt die Ernte und warteſt
mit Luſt auf den Frühling. So weißt du, wenn du den Garten
der Toten mit den Plätzen der Haſtenden vertauſchſt, daß Gott
ſeine große Ernte auch für dich bereitet hat und das kleinſte
Kind ein goldenes Glied an der Kette iſt, die dich mit dem
Schöpfer verbindet. Noch einmal wendeſt du den Schritt und
kehrſt in die Ruhe zurück, zu dem Grabe des herzigen, einzigen
Kindes. Du ſtreichſt über das Kreuz und gibſt die begrabene
Liebe den Lebenden.
Du erſtauneſt nicht, es überfällt dich nicht Schreck noch
Er=
ſchütterung, nein, du begrüßt es wie einen lieben Bekannten, das
Grab von des alten Mannes jüngſtem Sohn.
Der Doktor lieſt des Kreuzes Inſchrift, er murmelt die
Beichte, er ahnt das Flimmern des Orion, Ewigkeit und
Unend=
lichkeit weiten ſein Herz, und die große Ruhe des Todes heißt
auch ihn ganz ſtill ſein. Liegt hier zu ſeinen Füßen in ewigem
Schlaf ein Schiffsjunge, der Sohn eines Vaters, eine ertränkte
Hoffnung? Ketten ſind heilige Dinge und vom Grabe, wo ſie
verankert ſind, ſchwingen ſie hinaus in den Raum bis zu Gott.
Das Gedenken taſtet ſich ihnen nach. Es findet den alten Koch
mühſam die Kette Glied um Glied einziehend. Kürzer wird der
Streek, immer kürzer, bis dahin, wo Tod und Leben ſich eint.
Der Doktor bricht eimBweiglein vom Lebensbaume. Er ſteckt
es zu ſich, wie der Jäger den friſchen Bruch. Denn er hat die
Spur gefunden, die ihn nach den Worten des Alten führen wird:
von einem Grab zu einem Krankenlager und —? Gottes Wille
geſchehe!
Nun iſt er daheim. Weit hat er die Fenſter ſeiner
Gelehrten=
ſtube aufgeriſſen; lächelnd betrachtet er an ſeinen Wänden die
mancherlei verſporten Kupferſtiche, die würdige Köpfe der
Wiſſen=
ſchaft mehr oder weniger deutlich wiedergeben. Er nimmt ſie
behutſam aus ihrem Rahmen und verſchließt ſie tief in den
Bücherſchrank. Er hängt Bilder vom Meer auf, Wellen, Schiffe,
Himmel, Ewigkeit und Unendlichkeit.
Wir haben manchmal heimliche Wünſche. Wir möchten gern
ein Bild von dem oder jenem haben. Wir laſſen den Platz an
der Wand frei, an dem wir uns das Bild denken. Ach,
viel=
leicht!? Der Doktor machte es gerade ſo und ſah des alten Kochs
freundliches Geſicht im Geiſte auf ſeinen Schreibtiſch
herab=
blicken.
Mit der Forſchung ging es noch nicht ſo recht. Länger wie
eine Stunde hielt es der Doktor nicht auf dem Stuhle aus, dann
mußte er ſich wenigſtens ein paar Minuten im Garten ergehen.
ſagte er ab. Er erhielt ein Telegramm folgenden Inhalts:
Auf Einladung einer geographiſchen Geſellſchaft ſollte er
einen Vortrag über ſeine Fiſcherreife halten. Am Abend vorher
„Liege im Hafenkrankenhaus. Der letzte Mann.”
Der Doktor reiſte mit dem nächſten Schnellzug nach Norden
und ſaß folgenden Mittags am Bett des alten Kochs. Der
Schiffbruch hatte ſich ſehr einfach begeben. Der Koch war zufällig
der Einzige an Deck, als eine ſchwere Deining das Schiff unter
Waſſer drückte, umdrehte und begrub. Ein abgeriſſenes
Rettungs=
boot hielt den letzten Mann von „Senator Tamm” ſolange, bis
ein vorüberfahrender Trawler ihn auffiſchte. Rippenfell= und.
Lungenentzündung waren die Erinnerung daran. Der letzte
Mann von „Senator Tamm” ſchickte ſich an, ſeinen Kameraden
in die Ewigkeit nachzureiſen.
Ein hoher Schein von Freude verklärte das Antlitz des
Sterbenden, als der Doktor ſeine beiden Hände faßte und „Du‟
zu ihm ſagte, wie der Sohn zum Vater. Er ſchenkte ihm als
ſein Erbe ein kleines Bündel von gelegentlichen Aufzeichnungen
und das einzigſte Lichtbild, den letzten Mann als jungen
Voll=
matroſen darſtellend.
„Wenn Ketten nicht mehr klirren, Doktor, ſind ſie zu Ende.
Nun iſt mir leicht, Gott zieht mich zu ſich.”
Dann ſtarb er; und dann wurde er begraben. Viele Seeleute
folgten zur Gruft. Sie murmelten ihr Vaterunſer und gingen
pfeifend wieder an die Arbeit. Der Doktor aber war nicht
mit=
gezogen. Er ſaß im Sterbezimmer des alten Kochs und weinte.
Und nun hielt er den Vortrag nachträglich. Noch
durchzit=
tert von dem Erlebnis und dem liebevollen Gedenken an den
alten Koch ſprach er erſchütternd, Sehnſucht erweckend.: Sein
Erlebnis aber gab er richt preis. Still gingen die Leute nach
Hauſe. Kaum war der Doktor in ſeiner Gelehrtenſtube, als ihm
die Haushälterin eine Beſuchskarte abgab. Ein Mann in des
Doktors Alter ſtand vor ihm und ſchluchzte.
„Verzeihen Sie, mein Herr, daß ich zu ſo ſpäter Nachtſtunde
bei Ihnen eindringe. Ich habe Ihren Vortrag gehört! Ach, die
Neue ick eine ſtärkere Kette als Eiſen und Stahl!”
Der Doktor beruhigte ihn, bat ihn, ſich zu ſetzen und ließ ihn
ſich ausſprechen. Eine alltägliche Geſchichte. Der Sohn verläßt
den Vater, wird ſelbſt Vater und hat Söhne, an denen er mit
ganzer Liebe hängt. Da ſteigt das Geſchehene als Schreckgeſpenſt
vor ihm auf, er fühlt nun ſelbſt die Pein, die er ſeinem Vater
be=
reitet, er kniet vor ihr nieder und bettelt, an ihm vorüberzugehen.
In das aufgefurchte Herz ſtreut die wehmütige Liebe ihren
Samenfunken und der gehet auf.
Der Doktor war aufmerkſamer geworden. Er las die
Be=
ſuchskarte, er zog ſachte den Schreibtiſch auf, er beſtaunte das
Bild des letzten Mannes von „Senator Tamm”.
„Herr Doktor, ich bitte Sie, ich flehe Sie an, helfen Sie mir,
meinen Vater ſuchen. Oh, ich will wieder gut machen, was ich
geſündigt. Ich habe ſolche Angſt, daß meine Söhne auch .. . . .!
Wo iſt mein Vater?!”
Der Doktor ſchloß den hilflos Schluchzenden in ſeine Arme.
„Seien Sie ſtark! Armer Freund, Sie haben keinen Vater
mehr!”
Ketten ſind heilige Dinge. Als Geſchmeide, als Feſſeln, als
Sehnſucht. Und immer ſind ſie ſchwer, ob ſie Menſchenhand, ob
ſie Gottes Wille, ob ſie ein Traum oder das Schickſal fügte.
Ket=
ten der Reue, ach ſie ſind ſchwerer, denn alle Sonnen des Alls
und ſeliger ſind ſie, als Cherubim und Jeſusknabe. Sie führen
gerade hinauf zum Throne des Schöpfers, der dem Flehenden
gnädig verzeiht. Ketten über dem Meer, Ketten über den
Lan=
den, Ketten vom Himmel zur Erde und auch um dich, du bitter
weinendes Menſchenherz!
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