Darmstädter Tagblatt 1926


03. Februar 1926

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Ze wöchentlich 2 maligem Erſcheinen vom 4. Februa=
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Wöchentliche ikluſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 34
Mitttpoch, den 3. Februar 1926.
189. Jahrgang

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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr Streil uſw erliſcht
jede Verpſichtung auf Erfüllung der Anzelgen=
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Konkurs oder gerſchtiſcher Beltreſbung fällt ſeder
Nabatt weg. Bankionto: Deuſche Bank und Darme
ſtädter 8 Nationalbank.

ſinger

Von unſerer Berliner Redaktion.
Aus Kreiſen der Regierungsparteien wird uns geſchrieben:
Die vor wenigen Wochen eingeleiteten Verhandlungen zwiſchen
den Regierungsparteien über die Vermögensauseinanderſetzung
mit den ehemaligen Fürſtenhäuſern haben jetzt zu einer vortäu=
figen
Einigung geführt, die ihren Ausdruck in einem Kompro=
mißantrag
gefunden hat, der allerdings nicht als end=
gültig
und unabänderlich aufzufaſſen iſt, ſondern.
lediglich eine Unterlage für die Beratungen im Rechtsausſchuß
abgeben ſoll. Im Verlaufe der zahlreichen Beſprechungen ſtellte
ſich heraus, daß die Demokraten noch viel weiter gehen wollten,
während auf volksparteilicher Seite ſchon gegen dieſe Regelung
ſtarke Bedenken vorhanden waren. Trotzdem war auf allen
Seiten der feſte Wille vorhanden, möglichſt raſch die Vermögens=
auseinanderſetzung
in geregelte Bahnen zu bringen. Infolge=
beſſen
ſollen die Ausſchußberatungen möglichſt ſchnell ihrem
Ende entgegengeführt werden, ſodaß nach wenigen Wochen ſchon wurf eines Geſetzes über die vermögensrechtliche Auseinander=
der
Neichstag ſich mit der Angelegenheit wird beſchäftigen
können.
Heftig umſtritten war in erſter Linie die Zuſam=
menſetzung
des Sondergerichtes. Ein volkspartei=
mit
dem Sitz in Leipzig, wvollten ſich aber nicht darauf feſtlegen,
omdr. 3,0k demokratiſche Standkunkt iſt auch dementſprechend in dem Kom=
promiß
zum Ausdruck gekommen. Zentrum und Demokraten
waren vor allem Lagegen, daß eine Reihe bon Reichsgerichts=
käten
in das Gericht hineingenorimen werden ſollen. Von volks=
parteiliher
Seite wird aber bei der ſpäteren Behandlung dieſer
eine weſentliche Vereinfachung des ganzen Berfahrens verſpricht.
Auch über die Ernenuung der Mitglieder des Schiedsgerichtes
derrſchten ſtarke Meinungsverſchiedenheiten. Während zuerſt die den Parteien von ihm zu ſetzenden Friſt ein Vorſchlag nicht ge=
Regierung die Mitglieder erneunen ſollte, wurde ſpäter eine
Einigung dahingehend erzielt, daß der Reichspräſident die Er=
bennung
vollziehen ſolle.
Die Frage des Rechts und der Billigkeit bei
rfolgt iſt, dann kommt das Problem zur Erörterung, weiche lichen Litels oder insbeſondere in den Zeiten der abſoluten Mo=
Teile dieſer Vermögensmaſſe auf den Staat zu über= narchie auf Grund des Völker=, Staats= oder ſonſtigen öffentlichen
ragen ſind, da nach den modernen Nechtsbegriffen viel= Rechtes oder auf Grund von Gegenleiſtungen, die ſie nur kraft
wird es noch zu heftigen Käupfen kommen.
gelung ablehnten, vertraten ſie ſpäterhin jedoch den Standpunkt, gung erforderlich iſt.
daß die Rüchwirkung Anpendung finden müſſe. Ein anderer
ſollte. Dagegen wurde von volksparteilicher Seite entſchieden ſichtigen iſt, wie auch die Gewährleiſtung einer würdigen Lebens=
nach
ein beſtehender Schiedsvertrag, die An= verliehene oder zugeſicherte Gebrauchs= oder Nutzungsrechte follen
dern ſoll.
Kreiſen ganz verſchieden beurteilt. Es wird damit ge= zuseteilt wer en, die für die Aufwertung von hypothekariſh ge=
werden
. Die Einrichtung des Sondergerichtes iſt aber eine Ver= hypothekariſch nicht geſichert ſind.
Taſungsänderung, ſodaß eine Zweidrittelmehrheit im Reichs=
tag
erforderlich iſt. Die Freunde des Kompromiſſes rechnen nun oder Vergleich zugeſprochenen Kapitalien oder Renten bis zum
Danit, daß die Sozialdemokraten ſich dieſer Regelung nicht ab= Al
geneicgt zeigen und eine Reihe von Abgzordneten bei der ent= dürſuiſſe des bormals regierenden Hauſes der zu Bohltätigleils=
ſcheidenden
Abſtimnung aus dem Saal beordern werden. Auf oder Kulturzwecken verwendet werden ſollen. Die Verbringung
der andern Seite dagegen wird mit dieſer Möglichkeit nicht ge= gung des Landes zuläſſig.
rechnet, ſondern auf das ſozialdemokratiſchkommu=
niſtiſche
Enteignungsbündnis hingewieſeu, woduch,
wenn beide Parteien auch in Zukunft zuſammenhalten ſollten, oder teilweiſe einbehalten. Das Reichsſondengericht hat zunächſt
die Zweidrittelmnehrhsit nicht zuſtande komnnsnt wird. Neben einen gütlichen Ausgleich zu verſuchen. Iit übrigen beſtimmt
dieſen Arbeiten der Regierungsparteien läuft das Vollsbegehren ſein Verfahren nach eigenem Ermeſſen. Die für die ordentlichen
einher. Es iſt abzuwarten, ob die breite Maſſe des deutſchen Gerichte in bürgerlichen Rechtsſtreitigkeiten geltenden Vorſchriften
Volkes es nicht doch vorziehen wird, eine vermünftige Vermögens= ſollen entiprechend Anwendung finden.

auseinanderſetzung zu akzeptieren, anſtatt ſich auf kommmuniſttſche
Enteignungsprinzipien einzulaſſen, die für ſpätere Enteignungen
Tür und Tor öffnen und die Beſitzer, gleichgültig, ob es ſich um
ſchwerſte in Mitleidenſchaft ziehen können.

Sondergerichts für die
anderſetzung.

Berli, 2. Felhrugsr.
abfindung liegt jetzt im Wortlaut vor. Der Titel lautet Ent= platz herzuſtellen, ſcheiterten.
gierenden Fürſtenhäuſern.
licher Antrag, einen Zivilſenat, beim Reichszericht mit der Auseinanderfetzung zwiſchen den deutſchen Ländern und genötigt, ihre Maske als ſcheinbar unbeteiligte Zuſchauer fallen
Schiedsgerichtsbarkeit zu betrauen, verfiel der Ablehnung. Die den Mitgliedern der vormals regierenden. Fürſtenhäuſer ein, daß man in den letzten hier eingetroffenen japaniſchen Zetun=
Demokraten verlangten die Einrichtung eines Sondergerichtes Reichsſondergericht unter Vorſitz des Reichsgerichtsprä= gen aus der zweiten Hälfte des Dezember leſen kann, die Ent=
daß
dieſes Sondergericht zum Reichsgericht gehören ſolle. Der gericht entſcheidet in der Beſetzung von neun Mitgliedern. Den blicke, wo Tſchang Tſo Lin hoffnungslos dem Aufſtande ſeines
Vorſitz führt der Präſident des Reichsgerichts oder ein Senats=
ſident
ernennt den Stellb. Vorſitzenden und ſechs weitere Mit=
Gerichten oder Verwaltungsgerichten des Reiches oder der Län=
Augelegenheit aufs neue der Verſuch gemacht werden, eine An= der ſein. Zwei weitere Mitglieder werden auf Vorſchlag des gefährdet wären. Der algemeine Eindruck war, daß das Kriegs=
jahl
von Reichsgerichtsräten heranzuziehen, weil man ſich davon Landes und der anderen Partei vom Präſidenten des Reichs= die Initiative zu einem Vorgehen ergriffen hatte, das, wenn es
gerichtes berufen. Der Präſident des Reichsgerichts kann das
Mitglied nach freiem Ermeſſen berufen, wenn innerhalb einer
macht wird. Die neun Mitglieder ſind unabſetzbar.
gerichtes.
er Auseinanderſetzung mit den Fürſtenhäufern war ebenfalls Grund des Reichs, Land= und Gewohnheitsrechtes die Rechts= Moskau die Tricks durchſchaut habe, durch die die japaniſchen
Begeniſtand langwieriger Verhandlungen. Das Reichsſonder= und Eigentumsverhältniſſe feſt und nimmt die Aus=
zericht
wird nun zunächſt erſt einmal die Klärung der einanderſetzung nach Billigkeit auf Grund der Richtlinien des 8 5 Und es klang wie eine Drohung, wenn das ſowjetoffiziöſe Organ
Eigentumsverhältniſſe vornehmen müſſen. Für dieſe vor. Nach dieſen Nichtlinien ſoll berückſichtigt werden, ob die ein= die Möglichkeit an die Wand malte, daß ein zweiter Kuo Sun
Feſtſtellung kann nur das Recht maßgebend ſein. Wenn das zelnen Vermögensſtücke ſeinerzeit auf Grund eines pribatrecht= Ling über kurz oder lang das Werk des erſten vollenden und
ihrer Souveränität bewirken konnten, von den Fürſten erworben
ach Eigentum der Fürſten als Gigentum des Staates anzuſehen, worden ſind. Theater, Schlöſſer, Muſeen uſw. ſoll das Land auf ſchen Imperialismus, deſſen Propaganda in wenigen Jahren
ſt. Hier werden die Billigkeitserwägungen den Ausſchlag zu ſeinen Antrag in der Regel zum Eigentum erhalten. Ob und in weite Kreiſe in China zu einer äußerſt heftigen antimperigliſtie=
zeben
haben. Es muß bei dieſem Paſſus darauf hingewieſen, wieweit dafür eine Entſchädigung zu gewähren iſt, richtet ſich nach ſchen Bewegung zu elektrifizieren vermochte, nötigten, mit ähn=
verden
, daß er geeignet iſt, nicht unerhebliche Bedenken auszu= freiem Ermeſſen. Dabei ſoll berückſichtigt werden, ob dieſe Wente lichen Schritten in der Mandſchurei wenigſtens zu drohen, wie
öſen, und zwar dadurch, weil Gegenſtände, auf deren Beſitz ein bereits vor der Staatsumwälzung des Jahres 1918 der Oeffent= ſie Japan in der Südmandſchurei tatſächlich vollzog. Gewiß:
Land aus Gründen der Kultur oder Volksgeſundheit Wert legen lichkeit zugängig oder nutzbar gemacht waren, oder ob ſie im wenn zwei dasſelbe tun, ſo iſt es nicht dasſelbe, und ſelbſt die
muß, ohne Entſchädigung enteignet werden können. Auch hier ganzen oder teilweiſe veräußerlich ſind oder nicht, ob ein Nutzungs= engliſche Preſſe erkennt an, daß die Sowjetdiplomatie der Provo=
wert
vorhanden oder wie hoch er iſt und ob und welche Laſten kation Tſchang Tſo Lins nicht gut anders begegnen konnte, als
Eine reſtloſe Ginigung hat auch in der Frage mit der Erhaltung verbunden ſind. Für die Zuteilung von Land= es geſchehen iſt. Das äudert aber nichts daran, daß ſich auch
der Rückwirkung nicht erzielt werden können. Ein und Forſtbeſitz ſoll die Größe des Landes und ſeine ſtaatlichen Sowpjetrußland gezwungen geſehen hat, als bewaffnete Macht
Antrag verlangte, daß die bereits rehtskräftig erledigten Fälle Nowendigkeiten, wie Siedlungen, Stadterweiterungen uſmh, aus= gegenüber den iunerholitiſchen Vorgängen in Ching Farbe zu
ſchlaggebend in Betracht gezogen werden. Vermögensſtücke der bekennen und ſeine Abſicht zu verraten, gegebenenfalls gewaltſam
benfals in den Aufgabenkreis des Sondergelichtes fallen ſoll=, einen Partei ſind auf die andere zu übertragen, wenn dies zur Er= einzugreifen. Und darin, nicht in der friedlichen Beilegung des
ten. Während die Demokraten uriprünglich eine derartige Re= reichung eines billigen Ausgleiches oder einer billigen Entſchädi= Streites um die Oſtbahn, beruht die wahre Bedeutung des gan=
Die Richtlinien des § 5 ſehen weiter vor, daß bei der Be=
Antrag verlangte Neuaufrollung der erledigten meſſung der zuzuſprechenden Entſchädigung ſowohl die japaniſchen Imperialismus, ſondern einen eigenmächtigen und
Streitfälle, falls ein Land nachträglich Einſpruch erheben, wirtſchaftliche wie die finanzielle Lage beider Parteien zu berück= eigenwilligen konterrepolutionären chineſiſchen General, der
Stellung genonmen. Die Vertreter der D. By. verlangten, daß haltung für die Fürſten. Der wefentlich herabgedrückten Wirt= liebe in einen Krieg zu verwickeln ſuchte, um ſeine eigenen ehr=
dann
wenigſtens der Gegenſeite das gleiche Recſt eingeräumt ſchaftslage des deutſchen Volkes in der Nachkriegszeit ſoll eben= geizigen Pläne dadurch zu fördern. Zum Glück haben auch die
werden müſſe. Schließlich kam man auf einen Paſus ab, wo= fals Rechnung getragen werden. Von den Fürſten an Dritte maßgebenden Kreiſe in Tokio ihre Beſonnenheit nicht verloren.
rufung des Reichslondergerichtes nicht behin ſeigſeten Weiſe ſchergeſtill werden. Vei derAltfpertung Man, dert Kenlognt, wie ir Auickland, deiß Risz Eite uik
Die Ausſichten, der Annahme, dieſes Kom= pitglabfindungen wie für ueberlaſſung von Gebäuden und Grund= noch immer wachſenden Jutereſſengegenſätze in der Mandſchurei
dromiſſes durch den Reichstag werden in parlameutariſchen ſtücken an ein Land, dem die früher regierenden Fürſtenhäufer in die Haare geriete.
rechnet, daß ſich alle Varteien vom äußerſten rechten Flügel bis ſicherten Kaufgeldern maßgebenden geſetzlichen Beſtimmungen auch neuten einſten Zwiſchenfällen, ſo ſpricht ale Pahrſcheinlichteit da=
zu
den Demokraten letzten Endes auf dieſen Vorſchlag einigen dann Platz greifen, wenn die Anſprüche auf Kapitalabfindungen ſür, daß dem engliſchen Imperialismus zunächſt der Geduld=

eines ausgezahlten Kapitals ins Ausland iſt nur mit Genehmi=
Bei Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verpflichtung kann das
Land eine zu zahlende Rente oder ein zu zahlendes Kapital ganz

Von
Otto Corbach.
Seit Jahren beſteht zwiſchen den fremden Bankgruppen, die
Induſtrielle, Bankiers oder Grundbeſitzer, Landwirte, Handwer= in China rarbeiten, ein Abkommen, wonach weder öffentliche
ker und Gewerbetreibende handelt, für die Zukunft auf das noch private Körperſchaften in dem Rieſenreiche durch Anleihen
unterſtützt werden ſollen, über die man ſich nicht gemeinſam ver=
ſtändigte
. Die verheerenden Bürgerkriege, die ſich im Reich der
Mitte mit immer kürzeren Unterbrechungen ablöſen, haben die
Ohnmacht dieſer Finanzkontrolle in grotesken Formen offenbart.
Jeder der jeweils gegeneinander kämpfenden Marſchälle konnte
ſeine Unternehmungen nur ausführen, wenn er über geheime
fremde Hilfsquellen verfügte. Und je reichlicher dieſe Subſidien
floſſen, deſto mehr wurden die um die Alleinherrſchaft ringenden
8 chineſiſchen Parteien zu Exponenten der Intereſſengegenſätze
fremder Mächte und deſto mehr erwies ſich das internationale
* Finanzkonſortium in Peking als eine bloße Fiktion. Das raſche
Anwachſen des ſowjetruſſiſchen Einfluſſes gab den imperialiſti=
19
ſchen Staaten einen neuen ſtarken Impuls, ihr Preſtige in
chineſiſchen Militärkreiſen durch Begünſtigung des Waffen=
ſchmuggels
zu vermehren, aber ihre Bemühungen, unter dem
Drucke der gemeinſamen bolſchewiſtiſchen Gefahr, wenigſtens
Der Koupromißantrag der Regierungsparteien zur Fürſten= eine kapitaliſtiſche Einheitsfront auf dem chineſiſchen Kriegsſchau=
Was für jeden, der hinter die Kuliſſen dieſer Bürgerkriegs=
ſetzung
zwiſchen den deutſchen Ländern und den vormals re= tragikomödie zu blicken vermochte, längſt vorauszuſehen war, hat
nun angefangen, ſich zu vollziehen. Nacheinander ſehen ſich die
8 1 beſtimmt, daß für die vermögensrechtliche fremden Mächte, die hinter den chineſiſchen Kriegsparteien ſtehen,
zu laſſen. Japan mußte den Anfang machen. Es iſt bezeichnend,
ſidenten mit dem Eitz in Leipzig gebildet wird. Dieſes Sonder= ſendung neuer Truppen nach der Mandſchurei in dem Augen=
Generals Puo Sun Ling zu erliegen ſchien, habe auf die öffent=
präſident
beim Reichsgericht als Stelltertreter. Der Reichsprä= liche Meinung in Japan ſelbſt wie eine Senſation gewirkt.
Hatte doch das Auswärtige Amt in Tokio bis zum letzten Augen=
glieder
. Die notwendigen Stellvertreter müſſen Mitglieder von blick immer wieder verſichert, davon könne keine Nede ſein, ſo=
lange
Leben und Eigentum japaniſcher Bürger nicht tatſächlich
miniſterium ohne Wiſſen und Billigung des Auswärtigen Amtes
ſich auch in mäßigen Grenzen hielt, doch in der Mandſchurei
plötzlich wieder die ſcharfen Krallen aus den Samtpfoten des
japaniſchen Imperialismus hervortreten ließ. Wie durch ein
Wunder konnte ſich der zu Boden geſtreckte Nieſe Tſchang Tſo Lin
8 2regelt die ausſchließliche Zuſtändigkeit dieſes Reichsſonder= wieder erheben und zum tödlichen Schlage gegen den Rebellen
ausholen.
In einem heftigen gegen Japan gerichteten Artikel brachte
Nach 8 4 des Entwurſes ſtellt das Reichsſondergericht auf die Isweſtija underhohlen zum Ausdruck, wie gut man in
ſtrategiſchen Maßnahmen ein ſolches Wunder möglich machten.
dadurch die japaniſche Einmiſchung doch noch durchkreuzen werde.
Inzwiſchen haben ſich in der Mandſchurei Dinge ereignet,
die ausgerechnet Sowjetrußland, den Todfeind des kapitaliſti=
zen
Zwiſchenfalles. Beſonders bemerkenswert iſt dabei die ver=
änderte
Tonart der Sowjetpreſſe gegenüber Japan. Auf einmal
ſieht ſie in Tſchang Tſo Lin nicht mehr ein bloßes Werkzeug des
Rußland und Japan trotz beiderſeitiger entſchiedener Friedens=
von
Anſprüchen hat das Aufwertungsgeſetz mit der Maß= die augelſächſiſchen Mächte Vorteil daraus ziehen würden, wenn
gabe Anwendung zu finden, daß für Anſprüche aus Ka= man ſich ſo bald über die tatſächlich vorhandenen ſtarken und
Kommt es in der Mandſchurei in abſehbarer Zeit zu keinen
faden reißen und dieſer Gewaltakte begehen wird, die die java=
niſchen
und ruſſiſchen Sündenfälle völlig in den Schatten ſtellen
Der 8 6 beſagt, daß die den Fürſtenhäufern durch Spruch müſſen. Oder kann man im Ernſt daran glauben, daß man in
London dauernd den Schlag verwinden würde, den die ſeit
Monaten andauernde Boykottbewegung Kautons und Sarataus
Hongkong, dem ſtärkſten Stützpunkt des britiſchen Handels im
Fernen Oſten, verſetzt hat?. Die Hongkonger Handelskammer
kennzeichnete ſchon vor Wochen den Ernſt der Lage durch den
Stoßſeufzer: Kein Abſatz, kein Geſchäft in ſämtlichen Zweigen
des Handelsverkehrs. Baumwollene Stückgüter, Baumwollgarne,
Wolle, rohe Baumwolle, Metalle liegen ſtill. Die Küſtenſchiff=
fahrt
ruht oder arbeitet mit ſchweren Verluſten. Altberühmte
Handelshäufer können nur durch Stützungsaktionen der Ban=
ken
gehalten werden. Bisher hat ſich die Londoner Regierung
gegenüber den dringenden Anforderungen der Hongkonger Preſſe
und Kaufmannſchaft, der Bolſchewiſtenher,
ſchaft in Kanto ge=

[ ][  ][ ]

Geite 2
Mittwoch, den 3. Februar 1926

waltſam ein Ende zu bereiten, taub erwieſen. Die großen Geld=
mittel
, die die Hongkonger Kaufmannſchaft und das engliſche
Finanzkapital im Fernen Oſten überhaupt aufgewandt haben,
ui gegenrevolutionäre Bewegungen in der Provinz Kantung
und Putſchverſuche in Kanton ſelbſt zu unterſtützen, ſind im
wahren Sinne des Wortes umſonſt verpulvert worden. Und
alle Brandmarkung der maßgebenden Kuonmingtangführer in
Kanton als Bolſchewiſten hat nichts daran geändert, daß ihnen
nach wie vor von reichen Chineſen im Auslande, mit denen ſchon
Dr. Sun Yat Sen in beſtem Einvernehmen lebte, fortgeſetzt
große Geldmittel zufließen. Die Boylo4t gegen Hongkong ent=
ſpricht
einem allgemeinen nationalen Beſtreben Chinas, das
engliſche Handelsimperium von dem chineſiſchen Wirtſchafts=
organisinus
abzuſchnüren. Wenn man dieſem Treiben von Lon=
don
aus bisher untätig zugeſehen hat, ſo mag dabei die Hoff=
nung
auf kriegeriſche Verwicklungen in der Mandſchurei, die auf
alle Fälle die für die Zufuhr von Waffeu und Kriegsmaterial ſo
wichtige Seeverbindung zwiſchen Kanton und Wladiwoſtok unter=
brechen
würden, eine große Rolle geſpielt haben. Kein Mittel
fuggeſtiver Beeinfluſſung der öffentlichen Meinung ſowohl bei
den Chineſen wie bei den Japanern wird in nächſter Zeit auf
engliſcher Seite unverſucht bleiben, um immer neue Reibungen
zwiſchen China, Japan und Rußland zu verurſachen. Dieſer
Verhetzungsfeldzug wird vor allem auf ſowjetrufſiſcher Seite
nicht unerwidert bleiben. Eine fremde Macht wird ſich nach der
anderen politiſch zu demaskieren genötigt ſein, und die Gefahr
wächſt zuſehends, daß der Krieg der Marſchälle in China
ſchließlich in einen Krieg der vorläufig mit ihnen wie mit
Schachfiguren ſpielenden fremden Mächte um China umſchlägt.
Deutſch=franzöſiſche Induſtrie=
gemeinſchaft
?
Abneigung der Franzoſen.
* Paris, 2. Februar. (Prib.=Tel.)
Der frühere Kolonialminiſter und derzeitige Präſident der
franzöſiſchen Kolonialbank André Lebon beſpricht an leitender
Stelle in der Information die Bildung eines deutſch= franzö=
ſiſchen
Induſtriekarkells. Lebon verweiſt auf die deutſch= franzö=
ſiſchen
Wirtſchaftsverhandlungen und warnt vor einer allzu opti=
miſtiſchen
Auffaſſung über die Vorteile, die ſich aus einer Zu=
ſammenlegung
der Induſtrien der beiden Länder ergeben
können. Die Hauptſchwierigkeiten liegen in der Verſchiedenheit
ges Aufbaues der beiden Induſtrien. In franzöſiſchen in=
duſtriellen
Kreiſen herrſche ein ſtarfer Hang zu indididuellen Ab=
machungen
, die eine Konzentration außerordentlich erſchwerten.
Die Deutſchen dagegen neigten infolge ihres ſtark entwickelten
Kollektivgefühls zu einer induſtriellen Konzentratzon. Die daraus
reſultierende Verſchiedenheit der Produktionsbedingugen habe
entſprechende Rückwirkungen auf die Herſtellungs= und Transport=
preiſe
zur Folge. Die Zuſammenlegung der deutſchen mit fran=
zöſiſchen
Wirtſchaftsverbänden würde daher wegen der Ungleich=
heit
der Arbeitsbedingungen der beiden Induſtrien auf erhebliche
Schrierigkeiten ſtoßen. Zu der von deutſcher Seite vertretenen
Anſicht, daß ein Zuſammenſchluß der Induſtrieverbände auf einer
Geldaufwertung beruhen müſſe, ſei zu ſagen, daß die franzöſiſche
Juduſtrie kei Intereſſe an einer Währungsoperation habe, die
unbedingt den Verluſt zahlreicher auswärtiger Märkte und Ab=
jatzgebiete
nach ſich ziehen müßte.
Die Gedankengänge Lebons gipfeln in der Fefiſtelluig, daß
der Zuſammenſchluß der Induſtrien der beiden Länder nicht zu
einer Erſchließung neuer Arbeitsmärkte für Frankreich führen
könne und daher nicht dem Intereſſe Frankreichs entſtreche.
Frankreichs Induſtrie ſei nach dem Kriege in jeder Hinſicht
leiſtungsfähiger geworden. Der innere Abſatz ſei aber ſchon
allein durch den Tod vieler Verbraucher durch den Krieg zu=
ſammengeſchmolzen
. Dazu komme, daß die finanzielle Leiſtungs=
fähigkeit
verſchiedener ausländiſcher Abnehmer, wie Rußland und
China, durch die Umſturzbewegung ſehr erſchüttert ſei. Selbſt der
franzöſiſche Staat könne nicht die Mittel aufbringen, um ſein
Eiſenbahnnetz zu vergrößern, das in den letzten vier Jahven den
Verkehr von ſechszehn Jahren bewältigen mußte. Wo ſollen, ſo
fragt Lebon, die neuen Abſatzmärkte gefunden werden, von denen
man auf deutſcher Seite ſoviel Aufhebens macht? Und ſelbſt
wenn ſie gefunden werden, iſt die franzöſiſche Eiſenbahn eimer
Zunahme der zu befördernden Tonnage nicht gewachſen. (Der
Artikel iſt, wie in ſeiner Einführung geſagt wird, als eime Ant=
wort
an die Herren Deutſch und von Römer aufzufaſſen.)

Vom Tage

Nach den bisher getroffenen Dispoſitionen wird der Herr Reichs=
präſident
am 22. und 23. März Köln, Bonn und Krefeld beſuchen.
Zur Sitzung des Auswärtigen Ausſchuſſes ſind ſeitens der Rechts=
parteien
neue Auträge vorbereitet worden, die eine Ver=
ſchiebung
des Anmeldetermins für den Eintritt in den
Völkerbund bezwecken.
Wie der Jungdeutſche Orden mitteilt, iſt das Hochver=
ratsverfahren
gegen den Hochmeiſter Arthur Mahraun und den
Ordenskanzler Bornemann eingeſtellt worden.
Der franzöſiſche Botſchafter in London de Fleu=
riau
hatte am Sonntag nachmittag eine längere Unterredung
über die Vertagung der vorbereitenden Abrüſtungskonferenz
und die Stärke der Beſatzungstruppen im Rheinland.
In einer Verſammlung der engliſchen Liberalen Partei iſt Lloyd
George mit 17 gegen 7 Stimmen zum Vorſitzenden wieder=
gewählt
worden.
Die engliſche Regierung im Sudan hat eine Straf=
expedition
gegen die aufſtändiſchen Stämme der Nuba ent=
ſandt
, die in der Sahara vor einiger Zeit einen englandfreundlichen
Führer eines ihrer Stämme und ſeinen Sohn ermordet haben.
Auch der Vertreter Schwedens beim Völkerbund hat ſich
nunmehr dem Antrag auf Vertagung der Sitzung der vorbereiten=
den
Abrüſtungskommiſſion angeſchloſſen.
Nachdem geſtern Briand in der Kammer nochmals zur Um=
ſatzſteuer
geſprochen hatte, wurde mit erhobenen Händen der Ueber=
gang
zur Einzelberatung beſchloſſen.
In Kreiſen der ſchweizeriſchen Handelsdelegation rechnet man für
Ende Mai mit dem Abſchluß eines deutſch= ſchweizeri=
ſchen
Handelsvertrags.
Nach dem Popolo di Roma wird Muſſolini Anfang März der
tripolitaniſchen Kolonie einen offiziellen Beſuch abſtatten.
General Pangalos, der Diltator Griechenlands, hat eine
Verordnung erlaſſen, durch welche 20 000 Staatsbeamte
entlaſſen werden.

Staatsſekretär Kellogg hat dem Völkerbundsſekretariat mitgeteilt,
daß Amerika keine Einwände gegen die Vertagung der
vorbereitenden Abrüſtungskonferenz erhebe.
Zwiſchen den Vereinigten Staaten und der Türkei
wurde ein Zollproviſorium abgeſchloſſen, das vorerſt für
ſechs Monate Geltung haben ſoll. Während dieſer Zeit werden die
amerikaniſchen Einfuhrprodukte von einem Zuſatzzoll befreit.
Die amerikaniſche Schuldenfundierungskommiſſion hat die Vor=
ſchläge
der ſüdſlawiſchen Delegation zur Schuldenrege=
lung
abgelehnt. Die Zuſammenkunft der Delegierten beider Länder
iſt daher verſchoben worden.
Die Sowjetregierung hat beſchloſſen, daß der ruſſiſche Bot=
ſchafter
in Peking ſich nach Mukden begeben ſoll, um die Ver=
handlungen
mit Tſchangtſolin aufzunehmen.
VG

Die Einladungen zur Weltwirtſchaftskonferenz.
Genf, 2. Februar.
Nachdem zwiſchen dem Generalſekretariat des Völkerbundes
und dem Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes end=
lich
eine Verſtändigung über die Perſönlichkeiten der Arbeiter=
führer
erzielt worden iſt, die zu der vorbereitenden Wirtſchafts=
konferenz
eingeladen werden ſollen, ſind die Einladungen vom
Generalſekretär des Völkerbundes jetzt abgegangen. Eingeladen
wurden der Sekretär der Amſterdamer Gewerkſchaftsinternationale
Quedegeſt, der Präſident der engliſchen Trade Union Pugh und
der deutſche Geiverkſchaftler Eggert. Die ſchwediſche Regierung
hat ſich heute dem Antrag auf Verſchiebung des Termins des
Zuſammentretens der vorbereitenden Abrüſtungskonferenz an=
geſchloſſen
.
Das Urteil im Fememordprozeß.
Berlin, 2. Februar.
Heute abend verkündete der Vorſitzende nach faſt vierſtündiger
Beratung des Gerichtes folgendes Urteil:
1. Die Angeklagten Schirrmann, Stein und Aſchen=
kampff
wegen gemeinſchaftlichen Mordes zum Tode.
2. Den Angeklagten Benn wegen Anſtiftung zum Morde
zum Tode.
3. Den Angeklagten Schmidt wegen Beihilfe zu drei Jahren
Zuchthaus, worauf 14 Monate Unterſuchungshaft anzurechnen ſind.
4. Den Angeklagten Stetzelburg wegen Vergehens gegen
§ 139 Strafgeſetzbuch zu neun Monaten Gefängnis, auf die vier
Monate Unterſuchungshaft anzurechnen ſind.
5. Die Angeklagten Zeitler, Snethlage, Meder,
von Senden und Gutknecht werden freigeſprochen.
Die Koſten des Verfahrens, in den Fällen, wo Freiſprechung er=
folgt
, trägt die Staatskaſſe.

Johann Friedrich Struenſee.
Zur Aufführung von Hans Francks Tragödie Kanzler und
König am Donnerstag, den 4. Februar, im Großen Haus des
Hefſiſchen Landestheaters.
Johann Friedrich Struenſee, der 1737 in Halle geborene
deutſche Arzt und ſpätere däniſche Miniſter Graf von Struenſee,
iſt, ſeit die Geſchichte ſeines Erdenwandels den ſtoffhungrigen
Dramatikern bekannt wurde, wiederholt als Mittelpunkt von
Dramen verwendet worden, und heute noch geht kaum ein Jahr
vorüber, in dem nicht irgend ein Dichter die Dramatiſierung
ſeines bewegten Daſeins verſucht hätte. Von dieſen vielen Ver=
ſuchen
verblieb vorläufig lediglich ein Trauerſpiel Struenſee‟
von Michgel Beer, dem um 1820 vielgegebenen Schiller=Epigonen,
und ungefähr 20 Jahre darauf Heinrich Laubes gleichnamige
Tragödie.
Struenſees Leben iſt in der Tat ein beiſpielloſer Ablauf. In
35 Lebensjahren drängten ſich die Stationen ſeines Daſeins vom
Studenten der Medizin in Halle zum Stadtphyfikus in Altona,
vom Leibarzt und Begleiter der jungen Königs Chriſtian VII.
von Dänemark zum Rektor und Konferenzrat des Königs und
der Königin Karoline Mathilde, bis zum unumſchränkten Herr=
ſcher
und Kanzler über Dänemark und ſeinen jähen Tod auf
dem Schaffot.
Struenſee war der hochſtehende, aber typiſche Repräſentant
der Aufklärungszeit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts,
inſofern weit über die Spielereien der Philoſophen ſeiner Zeit
hinausragend, als er ihre Pläne und Philoſophien mit allen
Ritteln in die Tat umzuſetzen verſuchte. Während die meiſten
Dramatiker des 19. Jahrhunderts bei der ſentimentalen Schil=
derung
ſeines unbeſtrittenen Liebesverhältniſſes zur Königin
von Dänemark ſtehen blieben und den die damalige Zeit ſo ſehr
intereſſierenden Gegenſatz von Geiftes= und Geburtsadel ab=
wandelten
, hat Hans Franck in ſeinem Drama den Verſuch
gemacht, das Weſen der genialen Emporkömmlings und ſeine
Tragik zu verdeutlichen.
Der tragiſche Grundcharakter des Emporkömmlings iſt, daß
er, an die Kürze ſeines Daſens gebunden, der Entwicklung der
Dinge nicht Zeit laſſen kann. Struenſee iſt ein Beiſpiel dieſer
gehetzten Haſt des Daſeins, das mit einem Schlage das kahle
Gerüſt der Ideen mit lebendigem Leben bevölkern will und
deſſen einzige Schuld der Glaube an das Begehren der Menſch=
heit
nach verbeſſernder Veränderung iſt. Es iſt die tragiſche
Schuld des Weltverbeſſerers überhaupt, die Struenſees faſzinie=
rende
Perſönlichkeit umwittert. Auch er hat den Denkfehler aller
Empörer und Weltverbeſſerer gemacht, daß nämlich die Men=
ſchen
für Freiheit und das Schaffen glücklicherer Lebensverhält=
niſſe
dankbar ſind, Struenſee hat verſucht, mit einem Schlage

Jahrhunderte alte und durch die Gewohnheit den Menſchen
liebgewordene Einrichtungen zu ändern, in ſeinem Sinne zu
verbeſſern. Er hat mit einer Eile, die faſt tragikomiſch anmutet,
die Bauern befreien wollen, den Adel entrechten, einer ſo feſt=
gewurzelten
Inſtitution wie die Ehe ihrer Fundamente berauben
wollen, indem er die unehelichen in das gleiche Recht wie die
ehelichen Kinder einzuſetzen verſuchte. Seine Kabinettsbefehle,
die er ſogar ohne königliche Unterſchrift ausfertigen durfte, ſind
geradezu Muſterbeiſpiele jener doktrinären Denkungsart, die die
Sprungweite von der Idee zur Wirklichkeit zu kurz bemißt. Die
Vernunft von den Philoſophen ſeines Jahrhunderts als allein
maßgebende Göttin für die entthronten übrigen Götter einge=
ſetzt
, galt ihm als Richtſchnur. Ohne jede Einſicht, daß die ſo=
genannten
Imponderabilien ſchwerwiegender ſind als die beſten
Abſichten, diktierte er ſeine Dekrete, die insgeſamt vortrefflich
gemeint waren. Es iſt bezeichnend, daß er von allen denen,
denen er Freiheit bringen wollte, der Tyrannei bezichtigt wurde,
er, der doch verſucht hat, das Volk von jeglicher Art von Tyran=
nei
zu befreien. Sein Mnſter war Friedrich II. von Preußen,
nur leider nicht in jener Weltklugheit, die den großen König ver=
hinderte
, ſeinen Untertanen zuviel des Guten zuzumuten. So
ſtieß er mit ſeinen überſtürzten Reformen überall an. Die Ord=
nung
der Finanzen trug ihm den Haß aller Schmarotzer ein, die
Aufhebung der Frondienſte brachte den Adel um ſeine Erwerbs=
quelle
. Die Milderung der Strafgeſetze und Abſchaffung der
Folter ſchien an den geheiligten Grundſätzen der Juſtiz zu rüt=
teln
, die Auflockerung der Ehe verfeindete ihn vollends mit der
maßgebenden orthodoren Geiſtlichkei: Er, der allen nützen
wollte, hatte alle zum Feinde. Die Geſamtſtimmung des Landes,
deſſen Volk und Adel den Emporkömmlling haßte, brachte ihn
aufs Schaffot.
Es iſt ein Irrtum, zu glauben, daß die breiten Schichten
des Volkes denjenigen als Herrſcher lieben, der aus ihrer Mitte
emporgeſtiegen iſt. Das Volk, wie die Frauen, hegt tiefes Miß=
trauen
gegen alles, was aus ſeiner Tiefe kommt. Die Minder=
wertigkeitsgefühle
melden und äußern ſich im Haß gegen den=
jenigen
, der über die hinausgeſtiegen iſt, die ſich ſelber keine
Leiſtung zutrauen.
Willkommenen Anlaß, doch nur letzten Anlaß zu ſeinem
Sturz, boten ſeine Beziehungen zur Königin Karoline Mathilde.
Hier ſchien, und zwar nicht nur dem Adel, ſondern vor allem
dem Volke, der Gipfel der Anmaßung erklommen zu ſein. Eine
Verſchwörung, deren Ausführung ſtark an Theater=Kabalen er=
innert
, brachte ihn zu Fall. Man erzwang an einem Tage unter
Hinweis auf ſein Geſtändnis auch das Geſtändnis der Königin
und verurteilte ihn eines großen todestvürdigen Verbrechens
wegen zu grauſamer Hinrichtung. Am 28. April 1772 erfolgte
die Exekution. Erſt wurde ihm die rechte Hand, dann der Kopf
abgeſchlagen und ſein Leib noch zerſtückelt.

Nummer 34
Pefreiungsfeiern am uieverrhein.
Freude über den Abzug der Beſatzung.
Köln, 2. Februar,
Der Tag der Befreiungsfeier nahm in Bonn ſeien Abſchlug
mit einem Fackelzug der geſamten Bonner Studendenſchaft. Die
Studenten verſammelten ſich vor dem Schloß, wo Anſprachen ge=
halten
wurden, zogen dann durch die Stadt zur Univerſität, wo
der erſte Vorſitzende der Studentenſchaft der Univerſität ſowie
der Rektor Geheimrat Dyroff herzliche Worte fanden. Eine un=
überſehbare
Menſchenmenge hatte ſich auf dem Marktplatz em=
gefunden
, auf dem die Feier ihren Abſchluß fand. Dort wurden
die Fackeln zuſammengeworfen. Profeſſor Kaufmann hielt eme
kurze Anſprache, an die ſich ein Abſingen des Deutſchland=
liedes
ſchloß.
Auch in Siegburg wurde die Befretung von der franzöſiſchen
Beſatzung würdig begangen. Der etwa 400 Jahre alte Schützen=
verein
hatte die anderen Vereine zu einem gemeinſamen Fgckel=
zug
eingeladen, der ſich durch die Straßen der Stadt bewegte,
Am Niederrhein wurde der Befreiungstag in den einzelnen
Städten ein wahres Volksfeſt. Alle Städte wieſen reiche Be=
flaggung
auf, wobei beſonders das ſtarke Vorherrſchen der
ſchwarz=weiß=roten Fahnen in den von der belgiſchen Beſatzung
geräumten Gebieten auffiel. In jeder Stadt wurden Befreiungs=
feſtlichkeiten
mit Glockengeläute, Anſprachen, Fackelzug uſw. ab=
gehalten
, ſo in München=Gladbach, Mörs, Krefeld, Neuß uſw.
Auch im Bergiſchen Lande fanden geſtern überall Befreiungs=
feiern
ſtatt.
Dje Berlegung der Schutzpolizei ins befreite Gebiet.
Berlin, 2. Februar.
Nach dem Abzug der Beſatzungstruppen aus der Kölnet
Zone wird den preußiſchen Behörden mit der Durchführung der
für dieſen Zeitpunkt bereits vorbereiteten Maßnahmen hinſicht=
lich
der Aufſtellung von Schutzpolizeikräften im befreiten Gebiet
begonnen. Bekanntlich wird von dieſer Neuorganiſation auch
die Berliner Schutzpolizei betroffen, die 6½ Hundertſchaften an
das Gebiet des Niederrheins abgibt. Ihre Verteilung erfolgt
derart, daß Köln und Düſſeldorf je zwei Hundertſchaften, Mün=
chen
=Gladbach und Krefeld je eine erhalten. Daneben geben
auch andere preußiſche Gebietsteile Schutzpolizeiformatonen am
die befreite Kölner Zone ab. Endgegen einer Kölner Meldung,
die bereits für Freitag das Eintreffen der Berliner Hundert=
ſihaften
im Rheinland ankündigte, erfahren wir an hieſiger zu=
ſtändiger
Stelle, daß zu einem ſo frühen Termin die Ueberſiede=
lung
der Polizeikräfte nichſt möglich ſein wird. Vernmttlich dürſte
der Abmarſch der Berliner Hundertſchaften, die bereits endgültig
formiert ſind, im Laufe der nächſten Woche erfolgen. Sobald
die Berliner von dieſen 6½ Hundertſchaften geräumt ſind, wird
die Verlegung von 6 Hundertſchaften von Oſtpreußen nach Ber=
lin
erfolgen. Durch die Komandobehörde der Berliner Schutz=
polizei
werden beſondere organiſatoriſche und polizeitechniſche
Maßnahmen getroffen werden, um eine möglichſt ſchnelle Aus=
bildung
der oſtpreußiſchen Schutzpoliziſten im Polizeidienſte der
Großſtadt zu erzielen. Zu dieſem Zweck dürften innerhalb der
Berliner Schutzpolizei Umgruppierungen vorgenonmmen werden,
da ein geſchloſſener Einſatz der oſtpreußiſchen Bereitſchaft nicht in
Frage komt.
Die Ausgeftaltung des deutſchen Lustverkehrs.
Berlin, 2. Februar.
Im Laufe dieſer Woche hofft man in der neuen Einheitsluſt=
verkehrsgeſellſchaft
, der Deutſchen Lufthanſa, mit den vorbereiten=
den
Maßnahmen ſoweit fertig zu ſein, daß die Aufſtellung des
Streckennetzes für die am 1. April beginnende neue Luftverkehrs=
ſaiſon
in Angriff genommen werden kann. Zum erſten Male muß
dabei nun auch das befreite Gebiet am Niederrhein berückſichtigt
werden, das bisher nur durch eine engliſche Linie LondonKöln
für den Luftverkehr erſchloſſen war. Sicher iſt auf jeden Fall die
Einrichtung einer deutſchen Luftverkehrsſtrecke BeulinKöln,
nachdem bisher die an den Rhein führenden Linien in Eſſen
endeten oder von dort unter Umgehung des beſetzten Gebietes
nach Amſterdam weiterführten. Inwieweit es möglich ſein wird,
den Kölner Flughafen zu einer großen Anſchlußſtation für Flug=
ſtrecken
nach Brüſſel, Paris und London auszubauen, wird von
den Pariſer Luftfahrtverhandlungen abhängen. Ein für Deutſch=
land
befriedigendes Ergebnis dieſer Beſprechungen in Paris
dürfte dem Luftverkehr am Niederrhein zu einer beſonderen Be=
deutung
verhelfen.

Hans Franck hat die tragiſche Sendung Struenſees erfaßt,
in dem er das Verhältnis Struenſees zum Volke Dänemarks als
Grundlage ſeines Dramas benutzte. Er hat dieſem dumpfen, der
Segnungen widerſtrebendem Volke einen Repräſentanten gege=
ben
, den Matroſen Juel, dieſen einzigen, der unter den vielen
Widerſtrebenden ahnt, um was es geht. Es iſt das Drama vom
Volke, das ſeinen Meſſias kreuzigen läßt, aus dem Widerſtand
der liebgewordenen Gewohnheit heraus, nur weil er verane
dern wollte, was gut oder ſchlecht nun einmal beſtand und
darum allen heilig ſchien. Erſt, als Struenſee am Schaffot ſteht,
nicht mehr zu retten aus der Verſtrickung des Verhängniſſes,
ahnt die Maſſe, daß hier wieder einer in den Tod geſandt wird,
der gekommen war, ſie von ſich ſelber zu befreien. Als das Beil
fällt, bleibt nur eine Hoffnung, und ſie ſpricht Juel aus: Laßl
Eure höchſte Sorge ſein hinfort, das Euren Kindern, Euren
Kindeskindern hellere Augen wachſen als Euch! Daß, kommt Er
J. G.
wieder in geläuterter Geſtalt, ſie Ihn erkennen.

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Sollen wir im Ausland borgen ? Gemeinden
und induſtrielle Werke haben es getan, aber der Widerſpruch
der Gegner einer ſolchen Finanzpolitik iſt auch heute noch ſehl
ſtark. Insbeſondere hat die Reichsbank ſich gegen die Schuuldene
macherei der Länder und Städte gewendet und will nur wirälich
produktive Auslandsanleihen gelten laſſen. Hervorragende Fal
leute behaupten, daß die Auslandskredite nur die Löcher ſtopl
ten, welche durch Steuern und die Unrentabilität der Betriebe
in das Wirtſchaftsleben geriſſen würden. Einer ſo ſcharfen Vel=
urteilung
gegenüber weiſt Dr. Georg Tiſchert in einem ſachſun=
digen
Aufſatz des Februarheftes von Velhagens u. Klaſing=
Monatsheften darauf hin, daß die Auslandsanleihen neue A.
beitsgelegenheit in Deutſchland geſchaffen hätten. Auch läßt ſich
beweiſen, daß die Anleihen bisher keine inflationiſtiſche Wirkung
gehabt haben, obwohl die Vermehrung des Notenumlaufs teit
weiſe von den Auslandsanleihen, nämlich von der Umwandlnns
der Auslandsanleihen in deutſche Noten, ſtammt. Eine gewiſſe
preisinflationiſtiſche Tendenz iſt den Auslandsanleihen Gble
nicht abzuſprechen, denn ſie bringen eine Kredit= und Geldbe‟
wehrung. Aber jede Erweiterung des Kredits winkt preise
ſteigernd. Das hat man ſchon vor dem Kriege geſehen. Giu
Gutes haben die Auslandsanleihen bisher gehabt; ſie haben z."
Ausgleichung der paſſiven Handelsbilanz, wo die Einfuhr un
einige Milliarden über die Ausfuhr hinausging, beigeträge
Mit den Auslandsanleihen hat Deutſchland den Ueberſchuß
Einfuhr über die Au.fuhr beglichen. Auf die Dauer geht die
natürlich nicht. Deutſchland muß ſeinen Expoit ſteigern, AE
auch dazu verhelfen die Auskandsanleißen.

[ ][  ][ ]

Mittwoch, den 3. Fedruar 1926

Seite 3

Die Thronrede.
London, 2. Februar.
In feierlicher Weiſe wurde heute das engliſche Parlament
Thronrede ſagt zunächſt über das Verhältnis zwiſchen
Frage der internationalen Regelung der Arbeits= Polens. Was das territoriale Statut Weſteuropas anbetreffe.
Einladungen abzuſenden, um in einer in London abzuhaltenden
Konferenz über die Möglichkeit einer internationalen Regelung
der Arbeitsſtunden zu verhandeln. Hinſichtlich der Schwie=
alle
Parteien zur Verſöhnlichkeit und Eintracht auf und ermahnt
ſie, Handlungen zu unterlaſſen, durch die ein Wiederaufſchwung Der Abſchluß des türkiſch=ruſſiſchen Vertrages ſei ein überzeugen=
des
Handels und die Wohlfahrt des Landes beeinträchtigt wer=
den
würde. Ferner kündigt die Thronrede die Einbringung einer
Vorlage an, auf Grund deren die eingeführten landwirtſchaft= Italien, gegen Frankreich, England oder irgend einen anderen
und ferner, um einen Unterſchied zwiſchen den Erzeugniſſen des
britiſchen Reiches und denen des Auslandes zu ermöglichen.
Um 3 Uhr nachmittags trat das Unterhaus zur Beratung
über eine Gegenadreſſe zuſammen. Nachdem der Antragſteller
ſeine Adreſſe begründet hatte, erklärte Clynes für die Arbeiter=
partei
, die Thronrede trage der ſozialen und wirtſchaftlichen Lage
des Landes keine Rechnung. Lloyd George wies daraufhin,
daß der Pakt von Locarno, auf den der König hingewieſen habe,
von keinerlei Nutzen ſei, wenn ſich Europa nicht an die Löſung
des Abrüſtungsproblems heranmache. Er kritiſierte die Maß=
nahmen
der konſervativen Regierung, vor allem hinſichtlich der
Unterſtützung des Kohlenbergbaus. Baldwin erklärte, daß
der Zuſammentritt der Abrüſtungskonferenz bis März oder April
vertagt wurde. Dieſe Konferenz, zu der auch Rußland und
Deutſchland eingeladen ſeien, werde eine Tagung derjenigen Na=
tionen
ſein, deren Regierungen zur Durchführung der Abrüſtung heute vormittag im Paulinenhaus in Weſtend im Ater von
entſchloſſen ſeien. Die Regterung werde das Waſhingtoner Ar=
beitszeitabkommen
nicht ratifizieren bis ſie überzeugt ſei, daß
auch die anderen Induſtrieſtaaten zur Ratifizierung entſchloſſen
ſeien.
Die Regierungspartei tritt in der neuen Seſſion mit der
alten Stärke auf. Sie hat in den 14 Monaten nur eine Erſatz=
wahl
verloren, behält deshalb ihre Mehrheit von über 200 Stim=
men
. Die Arbeiterpartei als offizielle Oppoſition wird von
Clynes geführt, da Macdonald erſt Ende der Woche von ſeiner
indiſchen Reiſe zurückkehren wind. Beſonderes Intereſſe wird der
liberalen Partei zugewandt, die bei einer Mitgliederzahl von
Richtungen geſpalten iſt, nämlich die unbedingten Anhänger Lloyd bereitet zu haben, wegen Hochverrats, Vertrauensmißbrauchs
Georges, die radikale Gruppe, die für die Zuſammenarbeit mit
Konſervativen übergegangene. Sir Alfred Mond angehörte, der
mit dem Landreformplan Lloyd Georges nicht völlig einver=
ſtanden
iſt.
Cheiſilig=fozisler Parteijag in Wien. Vundeskanzler
Tamer gegen eine Koglitien mit den Sozialdemofraten.
EP. Wien, 2. Februar.
Der chriſtlich=ſoziale Parteitag iſt heute zuſammengetreten.
Der Parteiobmann, Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel, begrüßte
die verſchiedenen Delegierten, beſonders herzlich den zur Tagung
erſchienenen zweiten Vorſitzenden der Deutſchen Zentrumsparte:
Gerard, der ſeinerſeits denn Parteitag die Grüße des Juſtiz=
miniſters
Dr. Marx übeibrachte, Sodann erſtattete Bundes= Außenminiſterium und der Prager Sowjetvertretung verhandelt.
kanzler Dr. Namek das Neferat, über die politiſche Lage und
eine vorſichtige Reform des Mietrochtes.
* Hahnenkämpfe auf der Inſel Baki.
Von Dr. Philipp Krämer.
Am Freitag, den 5. Februar, abends 8 Uhr, ſpricht
Plauderei.
Als ich, gerade eben von der Südſee und ihren herrlichen
Inſeln kommend, wieder im lieben Darmſtadt anlangte, ſagte
man mir, daß in der Ausſtellung auf der Mathildenhöhe ein
Bild eines Wiener Malers hänge, das einen Hahnenkampf auf
geſchloſſen worden. Aber ich lenkte meine Schritte hin und kam einige Filme zu einer Aufnahme. Beim Entwickeln ſtelle ich
Lerade noch recht, als das Bild in eine Kiſte verpackt wurde, um dann freudig feſt, daß wenigſtens eine gelungen iſt.
den Weg nach Holland anzutreten, wohin es verkauft war. Ich
haltes auf Bali öfter zu Gaſt war, und beim holländiſchen Kon=
Entzücken der Sonnentage auf Bali umfing mich wieder. Ich. Fluß ſpielten. Sie warfen ſie ſich gegenſeitig jauchzend zu.
hatte in dem Paſſangrahan zu Kintamani übernachtet, in dem=
ſelben
Feldbett, in dem auch Clemenceau ſchlief, als er, der Tiger,
ſach nicht verbieten, auch wenn es vorkäme, daß beim Wetten
einer zuerſt ſein Geld, dann ſeine Lieblingsfrau, dann noch eine
Anzahl Frauen, zuletzt vielleicht ſogar, wenn der Taumel über
Spiel, dem die Frau fernbleibt. Die Frauen ſitzen weiter ab glaublich! und behauptet, daß der Film den Ruf ſeines Werkes
Nanege der kämpfenden Hähne. Sie habßen einen gefährlichen
D Sen Dbich am Sporn, werden aufeinanderlosgelaſſen und ſtechen

Die ruſſiſche Außenpolitik.
Vor Tiſch las mnan’s anders.
w. Paris, 2. Februar.
Botſchafter Rakowſki, der geſtern abend von Moskau
mit der Verleſung der Thronrede durch den König eröffnet. Die die Rückreiſe nach Paris angetreten hat, hat dem Moskauer Ver= ſekretärs Gaſparri, kommen, nicht zum Schweigen. Auch die
Großbritannien und der Türkei, daß man bemüht die bevorſtehenden ruſiſch=franzöſiſchen Wirtſchaftsverhandlun= dinal Ceretti, wird von der italieniſchen Preſſe, weitergegeben.
ſei, in freundſchaftlicher Weiſe die Frage der Frakgrenzen zu gen auch Erklärungen allgemein=politiſcher Art gegeben. Er Wie wir hören, ſind alle derartigen Nachrichten völlig irrig.
beſprechen und zu regeln. Hinſichtlich der bevorſtehenden Ab= ſagte, er ſehe keinen Grund, der die polniſch=ſowjetiſti= Soweit die franzöſiſche Meldung in Frage kommt, iſt wohl der
ſche Annäherung, die bereits angebahnt ſei, hindern Wunſch der Vater des Gedankens, denn Frankreich, das den
rüſtungskonferenz wird bemerkt, die engliſche Regierung könnte. Dies ſei nicht vom Opportunismus diktiert, ſondern
ſei der Anſicht, daß nach Annahne des Paktes von Locarno ein, durch tiefliegende Gründe, nämlich erſtens durch die geographiſche würde den Pariſſer Nuntius, der aus ſeiner großen Sympathie
weſentlicher Schritt in der Richtung allgemeiner Abrüſtung Lage und die internationale Politik, und zweitens durch die
unternommen werden könne. Die Thronrede geht weiter auf die wirtſchaftliche und beſonders die induſtrielle Vergangenheit
zeit ein. Die engliſche Regierung, ſo heißt es, ſei dabei, an die ſo werde Rußlands Verhalten durch die Verträge diktiert, die es vatore Romano gegen fasciſtiſche Preſſe hat die Zahl ſeiner
Regierungen Belgiens, Frankreichs, Deutſchlands und Italiens unterzeichnet habe, und im übrigen beruhe es auf dem Grundſatz Gegner vergrößert, in und außerhalb des Vatikans. Aber gerade
des Selbſtbeſtimmungsrechtes der Völker.
Was Elſaß=Lothringen anbetreffe, ſo habe er ent=
gegen
einer in Form und Inhalt unrichtigen Meldung einer
Moskauer, Zeitung niemals den von Deutſchland
rigkeiten im Kohlenbergbau fordert die Thronrede 1871 begangenen Gewaltakt gebilligt (1). gegen
den die internationale Arbeiterſchaft, ſtets proteſtiert habe (!
des Dementi der Gerüchte eines italieniſch=ruſſiſchen Vertrages
gegen die Türkei oder über einen türkiſch=ruſſiſchen Vertrag gegen druck einer Kriſis zwiſchen Vatilan und Regierung ausgelegt
lichen Erzeugniſſe und Fabrikwaren eine Bezeichnung erhalten Staat. Was die Abrüſtungskonferenz anbetreffe, ſo ſtelle er ſich
ſollen, um ſie von den inländiſchen Erzeugniſſen zu unterſcheiden dieſe nur auf der Grundlage der völligen Gleichheit aller betei=
ligten
Länder vor. Die Tatſache, daß die Vereinigten Staaten
ebenfalls daran teilnehmen, könne zur Herſtellung dauernder
Beziehungen zwiſchen der Sowjetunion und den Vereinigten lichen Fundament zu erhalten, in erſter Linie die Verantwvor=
Stagten beitragen.
Tſchitſcherin wünſcht Bankette.
Tſchitſcherin hat die diplomatiſchen Vertreter der Sowjet=
union
im Auslande angewieſen, ſich an allen Banketten der bür=
gerlichen
Regierungen zu beteiligen und ſelbſt in den ruſſiſchen
Geſandtſchaften zahlreiche Bankette zu geben. Bankette ſollen
vor allem in Paris und Berlin, Prag und Warſchau veranſtaltet
werden.
Suchomlinos 7
Berlin, 2. Februar.
Der frühere ruſſiſche Kriegsminiſter Suchomlinow iſt
78 Jahren geſtorben. Mit dem Tode Wladimir Alexandro=
witſch
Suchomlinows wird die erſte Kriegs= und Vorkriegszeit
wieder lebendig. War er es doch, der als Kriegsminiſter bereits
zu Beginn des Jahres 1914 in einer Unterredung mit dem Mit=
arbeiter
der Petersburger Börſenzeitung die vollſtändige Kriegs=
bereitſchaft
Rußlands betonte. Er hatte ferner zuſammen mit
dem damaligen Generalſtabschef Januſchkowitſch die Abſicht des
Zaren vereitelt, die begonnene Mobilmachung auf die dringenden
Aufforderungen Kaiſer Wilhelms hin rückgängig zu machen. 1848
geboren, trat Suchomlinow als 2Sjähriger in den Militärdienſt,
zeichnete ſich im ruſſch=türkiſchen Kriege aus und unterdrückte im
Jahre 1905 die Revolution mit blutiger Hand. Im Juni 1915
wurde Suchomlinow vom Zaren als Kriegsminiſter verabſchie=
weniger
als 50 von 615 Mitgliedern des Unterhauſes in drei det und unter der Beſchuldigung, den Krieg nicht genügend vor=
und Betruges zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. So
der Arbeiterpartei iſt und den rechten Flügel, dem der zu den ging Suchomlinow in die Petersburger Paulsfeſtung, bis ihm
das Chaos des Bolſchewiſtenumſturzes die Freiheit brachte. Er
reiſte ins Ausland und kam ſchließlich nach Berlin, wo er an
ſeinen Erinnerungen ſchrieb.
Vor der Anerkennung Rußlands durch die
Tſchechoſſowakei.
w. Prag, 2. Februar.
ſchen Nationaldemokraten gegen die de jurg=Anerkennung
Sowjetrußlands durch die ſofortige Herausgabe der Sprachen=
verordnung
überwunden werden. Ueber die Formalitäten der
Anerkennung Sowjetrußlands wird zwiſchen dem tſchechiſchen
In der deutſchen Oeffentlichkeit herrſcht über
ſprach gegen eine Koalition mit den Sozialdemokraten und für die Verquickung dieſer Anerkennung mit den gegen die Deutſchen und Handelslomern müſſen auch die Möglichkeit prüfen, für
gerichteten Sprachverordnungen Erregung.
lunden dauert. Die beiden Beſiter der Hähne inien nieder, des Aitels Liebesleben in der Naur..ene
ſtreicheln ihre Hähne, ermuntern ſie mit leiſem Wort und laſſen in der Natur, außerdem zur Abſtandnahme von jeder Verwen=
ſie
dann durch ein Gongzeichen aufeinander los. Aber vorher
ſind die Silbermünzen auf dem Kampfplatz geflogen. Man
wettet auf den vermutlich gewinnenden Hahn. Es iſt wie an
im Kleinen Haus Dr. Krämer über ſeine Erlebniſſe auf der Spielbank in Monaco. Im nächſten Augenblick ſchon liegt
der Inſel Bali zu Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen, einer der Hähne tot am Boden, ein dünner Blutfaden läuft ihm 1500 Reichsmark zugeſprochen, nachdem das Landgericht nur 500
Wir geben ihm gern das Wort zu einer kleinen aus der Bruſt. Die Beine ſtehen ſteif nach hinten. Kein Laut,
kein Zuruf ertönt, nur am Schluß ein leiſes Gemurmel. Jede
Aeußerung der Leidenſchaft iſt dem Balier, der ein geborener iſt ohne Erfolg geblieben. Der Titel einer Druckſchrift iſt
Ariſtokrat iſt, fremd. Die braunen Augen funkeln unheimlich.
Und ein wenig fürchtet man ſich, wenn man eben erſt in Bali an= lich und dazu beſtimmt iſt, ſie von anderen Druckſchriften zu
gekommen iſt und das Volk noch nicht kennt. Die Beleuchtung unterſcheiden.
Bali darſtellte. Die Ausſtellung war gerade einige Tage vorher unter dem gewaltigen Strohdach iſt ſchlecht. Dennoch wage ich
Man kann ganz Bali bereiſen, immer wird man die Män=
kannte
den Maler ſchon aus anderen Werken, denn im fürſtlichen ner finden, die vor ihren Häuſern ſitzen und ſtundenlang ihre dieſer merkwürdigen Zuwendung beſchäftigt. Nachtſitzungen des
Palaſt von Gjanjar auf Bali, in dem ich während meines Aufent= Hähne ſtreicheln. Als ich bei Klunkung die Männer beim Baden Parlaments ſind nämlich in Frankreich keine Seltenheit, und
im Fluß aufſuchte, um ihre typiſch=malgiſchen Körper, dieſe zwar finden dieſe ſowohl im Palais Bourbon als auch bisweilen
trolleur in Klungkung hingen Arbeiten von ihm. Und mit dem ſchlanken, biegſamen Leiber auf dem Film feſtzuhalten, über= in Verſailles ſtatt. Die Beamten, die dann natürlich auch die
Bild ſtand auf einmal Bali wieder vor meinen Augen, das ganze raſchte ich ſie, wie ſie ihre Hähne wuſchen und mit ihnen im Nachtſtunden beſchäftigt ſind, haben nun eine Sondervergütung
von ſeinen Taten Ruhe ſuchend nach Bali geeilt war, um dort Natur. Das Liebesleben in der Natur iſt ein ſchöner Titel. Palais Bourbon befinden ſich vier Gärtner, und unter den für
Vergeſſen und Schönheit zu genießen. Da teilte mir mein Die= Gar mauche Filmgeſellſchaſt hat darnach ſchon geliebäugelt. Doch die Parlamentsſitzungen in Verſailles Angeſtellten iſt ein Gärt=
uer
mit, in Singaradja ſei heute Hahnenkampf, wir ſollten hin= er gehört dem Schriftſteller Bölſche in Schreiberhau i. R., dem ner. Dieſe bezogen nun ganz ſelbſtverſtändlich die Sonderver=
fahren
. Er blinzelte mit den Augen. Er ſei zwar von der Re= Verfaſſer des mit dem genannten Titel bezeichneten bekannten gütung für Nachtſitzungen mit, obwohl ſie ja des Nachts infolge
gierung verboten, aber es geſchehe doch. So etwas laſſe ſich ein= Werkes. Und Wilhelm Bölſche ſchwärmt nicht für den Film. der Sitzungen nicht mehr zu tun haben. Dieſe Bezüge, die ſie in
Films ſtraften die ſo ſchön benamſten Filmgefellſchaften Kultur= nun geſperrt werden.
film und Humboldtfilm mit Verachtung. Sie fertigten ohne
ihn komme, ſeine Hand ſetze und ſie ſich gleich abhacken laſſe. Das Erlaubnis des rückſchrittlichen Bölſche einen Film und nann= klink hat, wie Londoner Blätter berichten, ein neues Drama
ſei Heldentum, und die Hölländer könnten es nicht unterdrücken, ten ihn Liebesleben in der Natur verfaßt im Anſchluß an Marie Victoire vollendet, das er für die engliſche Schauſpie=
Es ſeien ja nur wenige Weiße da, und die gingen ſelber gern Bölſches Liebesleben. Leider gibt es nun aber in Deutſchland lerin Nora Johnſton geſchrieben hat. Das Stück, das zuerſt in
hin. Und ſo kamen wir, auf geheimen Wegen durch die üppige Geſetze, die auch ſchriftſtelleriſche Arbeiten ſchützen die Jilm= engliſcher Ueberſetzung geſpielt werden ſoll, behandelt eine Epi=
Pracht der tropiſchen Wälder, über Bambusbrücken und durch geſellſchaften im Filmrauſch des Liebeslebens hatten das ſcheinbar; ſode aus der Zeit der franzöſiſchen Rebolution, und die Haupt=
reißende
Bäche ſchreitend, am Kampfplatz an. Nur Männer ſind ganz vergefſen. Aber es ſtellte ſich heraus: Bölſche hatte tatſächlich ſzene hat eine Gefängniszelle zum Schauplatz, in der der Held
hier verſammelt. Der Hahnenkampf iſt ein rein maskulines Klage erhoben von einem ideal geſinnten Schriftſteller kaum des Stückes ſein Leben für ſeine Nebenbuhler hingibt.
und verkaufen den Männern Siri, Reis Bananen und das ſüße berderbe, denn tatjächlich ſei der Film gar nicht nach ſeinem haben ſich die Zeit der Hochſaiſon ausgeſucht, um in den Streik
Zuckerrohr. Unter dem niedrigen Strohdach ſitzen im Halbkreis Werke gearbeitet. Und außerdem das iſt denn doch der zu treten, und haben dadurch die Hotelbeſitzer natürlich in eine
die Knaben und Männer. in der Mitte, wie im Zirkus, die Höhepunkt verlangt der Mann noch Schadenerſatz für die ſehr ſchwierige Lage gebracht. Aber ihnen wurde tatkräftige
vier bis fünf Worten.
gung durch die Benutzung v=
ſich
mit dem Sporn tot. Das Ganze iſt ein außerordentlich auf= ten die Filmgeſellſchaften die eine als Herſtellerin, die andere von Vichy übernahmen die Arbeiten in den Küchen, wo ſie mit
keibender, die Nerven kitzelnder Vorgang, der höchſten vier Se= als Vertreiberin des Films zur Unterlaſſung der Verwendung den nicht ſtreikenden Unterköchen zuſammenwirken.

Der Papſtund die Fastiſſen.
Kein Rücktritt Gasparris.
Rom, 2. Februar. (Priwb.=Tel.)
Die Nachrichten über einen Rücktritt des Kardinal= Staats=
treter
der Havas=Agentur gegenüber außer Erklärungen über franzöſiſche Notiz einer Nachfolge des Nuntiats in Paris, Kar=
Vatikan immer für ſeine politiſchen Ziete einſpannen möchte,
für Frankreich nie ein Hehl gemacht hat, ſehr gern auf dem
überaus einflußreichen Poſten des Staatsſekretärs wiſſen.
Die von Kardinal Gaſparri, geleitete Polemik Oſſer=
aus
dieſem Grunde kann von einem Wechſel im Staatsſekretariat
nicht die Rede ſein, denn ſolange politiſche Poleniken dauern
und deren Rückwirlungen ſpürbar ſind, befolgt der Vatikan die
traditionelle kluge Politik, durch keinen nach außen hin ſichtbaren
Akt, eine beſtimnnte Stellutug einzunehmen. Das Fundament
für den Staatsſekretär bleibt allein das Vertrauen des Pabſtes,
und dies genießt der Kardinal Gaſparri nach wie vor. Da die
Polenik des Oſſervatore Romano durchauts nicht als der Aus=
werden
hann, ſo könnte eine unmittelbare Folge dieſer Polemik
viel eher das Fallenlaſſen des politiſchen Sekretärs der fasciſti=
ſchen
Partei Faringcci durch Muſſolini ſein, der durch den un=
würdigen
Ton in ſeinem Cremoneſer Blatt, Regime Faseiſta
und durch die völlige Unfähigkeit, die Polemik auf ihnem ſach=
tung
für die daraufhin auch ſehr ſcharfe Antzort des Staats=
ſekretärs
trägt. Muſſolini würde damit freiere Hand haben,
ſeine kinchenfreundliche Politik fortzuſetzen, ohne Gefahr zu
laufen, daß die wohlüberlegte Reſerve des Vatikans immer
wieder zu einer angeblichen Kriſis umgefärbt würde.
Franzöſiſcher Proteſi beim Patikan.
Eine Mitteilung aus Konſtantinopel beſagt, daß dem fran=
zöſiſchen
Vertreter als Beſchützer der Katholiken im Orient am
31. Januar gelegentlich der Feier des Schutzpatrons, von ganz
Konſtantinopel die üblichen apoſtoliſchen Ehrenbezeugungen nicht
erwieſen worden ſind. Es ſei nicht das erſtemal, daß dieſer Vor=
gang
beobachtet würde und man frage ſich, was Monſignore
Notta, den Delegierten des Heiligen Stuhls, hierzu veranlaßt
habe. Notta, der Italiener ſei, erkläre ſein Vorgehen damit, daß
er keinen Auftrag aus Rom bekommen habe. Es hat nun den
Anſchein, daß damit der Zwiſchenfall nicht erledigt iſt und daß
die franzöſiſche Negierung beim Heiligen Stuhl anfragen wird,
warum ſein. Delegierter in Konſtantinopel die üblichen Ehren=
bezeugungen
dem Vertreter Frankreichs vorenthalten hat.
Eine rätſelhafte Botſchaft Muſſolinis.
Einiger Blätter befaſſen ſich mit einer von der Zeitſchrift
Gerarchia veröffentlichten Botſchaft Muſſolinis, die mit den
rätſelhaften Worten ſchließt: Man muß Vertrauen in die fas=
ciſtiſche
Revolution haben, die 1926 ihr napoleoniſches Jahr er=
halten
wird, Vertrauen in die italieniſche Regierung, die ihren
Platz in der Welt einzunehmen beginnt und imſtande iſt, dieſen
Platz zu erweitern, um ihn ſeiner vermehrten Macht anzupaſſen.
Wachſames und gerüſtetes Vertrauen, das iſt die Wegleitung
für 1926.
Die italienfeindlichen Kundgebungen und ihr Echo.
EP. Mailand, 2. Februar.
Die Fortſetzung der italienfeindlichen Bewegung in Deutſch=
land
beginnt die deutſchen Handels= und Induſtriekreiſe in
Italien zu beunruhigen, da ſie italieniſche Gegenmaßnahmen
befünchten. So hat der Präſident der deutſchen Kolonie von
Genua dem Präfekten jener Staodt einen Brief geſandt, in dem
Wie die Bohemia meldet, ſoll der Widerſtand der tſchechi= er die Propaganda gewiſſer deutſcher Blätter, mißbilligt und
erklärt, die deutſche Kolonie bedauere und verurteile den Feld=
zug
gegen Italien energiſch und habe die Intervention der zu=
ſtändigen
Behörden angerufen. Der römiſche Korreſpondent
der Serg ſchreibt, die italieniſche Regierung prüfe die gegen die
deutſche Boylottdrohung zu treffenden Maßnahmen und ſuche
neue Abſatzmärkte für den italieniſchen Export. Die Induſtrie=
die
deutſche Einfuhr Erſatz zu ſuchen.
dung des Namens Bölſche bei der Anpreiſung des Films, ſowie
jeder Behauptung, daß der Film im Anſchluß an das bekannte
Werk Liebesleben in der Natur hergeſtellt ſei. Als Scha=
denerſatz
wurden dem Kläger vom Kammergericht zu Berlin
Goldmark zuerkannt hatte. Die gegen dieſes Urteil von den
Filmgeſellſchaften beim Reichsgericht eingelegte Reviſion
die beſondere Bezeichnung der Schrift im Sinne dieſes Geſetzes,
Der Guropäer wird als fremder Eindringling empfunden, wenn die Bezeichnung freigewählt, neu und eigentüm=
C. K. Die Nachtarbeit der Parlamentsgärtner. Ganz Paris
lacht über die Extrabezahlung der Gärtner des Pariſer Palais
Bourbon und des Verſailler Schloſſes für eine Nachtarbeit, die
ſie nicht verrichten. Kürzlich hat ſich die Deputiertenkammer mit
für ſolche Nachtſitzungen gefordert, und es wurde ihnen auch
eine Extrabezahlung zugeſtanden, wenn die Sitzungen von 9 Uhr
* Unlauterer Wettbewerb mit dem Liebesleben in der abends bis 1 Uhr morgens ſtattfinden. Unter den Beamten des
Dieſen rückſchrittlichen Standpunkt in der großen Aera des aller Harmloſigkeit recht gern eingeſtrichen haben, ſollen ihnen
C. K. Ein neues Drama von Maeterklinck. Maurice Maeter=
C.K. Der Streik der Köche. Die Küchenchefs von Nizza
Nothilfe zuteil durch die Hotelbeſitzer von Vichy, wvo die Saiſon
Die Berliner Gerichte verhandeiten, berieten und verurteil= noch nicht begonnen hat, 23 Mitglieder des Hotelverbandes

[ ][  ][ ]

Seite 4

Die neuen Lehrpläne

Von Oberſtudiendirektor Altendorf.

III.
Unter den leitenden Gedanken, mit denen man an die Reform des
höheren Scztlſeſens herantrat, waren zwei, die ſich eine Seltenheit
bei der ſonſt ſo großen Meinungsverſchiedenheit in den Fachkreiſen
faſt allgemeiner Zuſtimmung erfreuten.
Zum erſten ſagte man, die Zahl der Einzelfächer, die an den An=
ſtalten
betrieben würden, ſei zu hoch, das führe zu einer verflachenden
Zerſplitterung, non multa, sed multum ſei insbeſondere bei der Arbeit
der höheren Schule zu beachten, die Reform müſſe deswegen hierin unter
allen Umſtänden eine Beſſerung durch eine Beſchränkung auf das Weſent=
liche
bringen. Die preußiſche Denkſchrift hat ſich die theoretiſche Grund=
lage
für dieſe Maßregel in der erwähnten Ablehnung des Zieles der
Allgemeinbildung und der Forderung der ſcharfen Ausprägung der
Sonderarten geſchaffen. Aber zu einer Verringerung der Fächerzahl iſt
die peußiſche Reform trotzdem nicht gekommen, im Gegenteil, in den
Oberklaſſen treten Philoſophie, Geographie und Biologie als neue
Fächer hinzu. Der heſſiſche Lehrplan geht in dieſer Hinſicht noch über
den preußiſchen hinaus, er bringt außerdem noch Staatsbürgerkunde als
neues Fach, abgeſehen von den unverbindlichen Fächern, die er neu vor=
ſieht
. Warum das? Offenbar in unbewußter Anerkennung des als irrig
bezeichneten Zieles der Allgemeinbildung.
Wir ſehen, ſo richtig und ſchön an ſich der Gedanke ſein mag: Be=
ſchränkter
Stoff und grüindliche Verarbeitung bildet die günſtigſte Grund=
lage
der Jugendbildung die verwickelten Verhältniſſe der modernen
Kultur mit ihren immer vielſeitiger gewordenen Einzelgebieten er=
fordern
zwangsläufig eine Anpaſſung im Lehrplan der höheren Schulen.
Man ſoll, was notwendig iſt, nicht beklagen. Wir kommen um die
größere ſtoffliche Zerſplitterung nicht herum. Wir müſſen die damit
verbundenen Schäden zu verhüten oder auszugleichen ſuchen. Was in
dieſer Hinſicht in den preußiſchen und heſſiſchen Regierungsſchriften als
Mittel der Vereinfachung empfohlen wird, iſt nicht neu, aber deswegen
nicht minder Beachtenswert: überall Beſchränkung des Lehrſtoffes auf
das Notwendigſte, nicht Vollſtändigkeit kann als Aufgabe betrachtet wer=
den
, ſondern Ausleſe des für die Gegenwart beſonders Wichtigen,
und eine wohlüberlegte Arbeitsteilung der Einzelfächer zum Zwecke
gegenſeitiger Unterſtützung, die Konzentration der Fächer zu einem
organiſchen Geſamtunterricht eine Aufgabe, die viel ſchwieriger, ja faſt
unerfüllbar erſcheint, weil ſie Lehrer erfordert, die nicht nur ihre eigenen
Fachgebiete beherrſchen dies an ſich ſchon eine ſchwere Aufgabe , ſon=
dern
auch einen tiefen Einblick in den Gehalt der übrigen Fächer beſitzen.
Dieſe an ſich mit Mißlichkeiten verbundene Notwendigkeit einer
weiteren Zerſplitterung des Lehrſtoffes hätte aber den Anlaß geben
ſollen, nur ſolche Fächer neu einzuführen, deren Einführung als un=
beſtritten
notwendig angeſehen werden mußte. Das kann man aber von
zweien der im heſſiſchen Lehrplan neu eingeführten Fächer nicht ſagen,
von Staatsbürgerkunde und Philoſophie. Das Wichtigſte aus dem Lehr=
ſtoff
der Staatsbürgerbunde iſt auch früher ſchon in Verbindung mit
anderen Unterrichtsfächern, insbeſondere mit der Geſchichte, an die
Schüler herangebracht worden. Und in ſolcher Verbindung konnte es
den Schülern lebendig gemacht werden. Aber die Darbietung des Stoffs
in eigenem Lehrfach und eigenen Lehrſtunden löſt dieſen Zuſammenhang
und verleitet zum Syſtematiſieren, was den Unterricht durr und trocken
macht und das Intereſſe eher erſchlägt als erweckt. So wird ganz gewiß
nicht das erreicht, was in dem heſſiſchen Lehrplan als die Hauptaufgabe
dieſes Unterrichts bezeichnet wird, die Erweckung einer tiefbegründeten
Staatsgefinnung. Aehnliches gilt für den philoſophiſchen Unterricht.
Auch auf dieſem Gebiete können Anregungen im Zuſammenhang mit den
übrigen Unterrichtsfächern von höchſtem erzieheriſchem Werte ſein, aber
auch hier birgt die Behandlung in einem eigenen Unterrichtsfach die
Gefahr der Syſtematiſierung, die in dieſem Fache noch verheerender
wirken muß als in der Staatsbürgerkunde. Eine Art Beſtätigung dieſer
Anſichten iſt im preußiſchen Lehrplan enthalten. Dort iſt die Staats=
bürgerkunde
kein eigenes Lehrfach und das Fach der Philoſophie heißt

Mlttwoch, den 3. Februar 1926

dort philofophiſche Lektüre, wodurch dieſem Unterricht ein erträglicher
Weg gewieſen iſt.
Zum zweiten war man ſich darin einderſtanden, daß die bisherige
Geſamtſtundenzahl des verbindlichen Unterrichts zu hoch ſei und daß
bei der kommenden Reform die Zahl 30 als Höchſtzahl des Wochenunter=
richtes
in einer Klaſſe keinesfalls überſchritten werden dürfe. Die preußi=
ſche
Reform hat mit der Durchführung dieſer Forderung einigermaßen
Ernſt gemacht. Aber wie ſieht es in dieſem Punkte bei der heſſiſchen aus?
Sie bringt keine Verringerung der bisherigen Stundenzahl, ſondern
vielmehr eine ganz beträchtliche Erhöhung! Dazu iſt außerdem ein un=
verbindlicher
Unterricht in einer vorher nicht vorhandenen Auswahl vor=
geſehen
. Die gliiklichen Schüler, die nun ihrem Bildungsdrang in er=
höhtem
Maße werden folgen können! Die unglücklichen infolge des Ab=
baus
ſchon überlaſteten Lehrer, die noch neue Laſten werden dazu über=
nehuten
müſſen, wenn nicht der Landtag ein Einſehen hat und eine ganze
Reihe neuer Stellen bewilligt oder was wahrſcheinlicher iſt nicht
ſo mancher neu vorgeſehene unverbindliche Unterricht nur auf dem
Papiere bleikt
Zum Schluß noch eins! Die preußiſchen amtlichen Schriften rufen
ſehr laut die pädagogiſchen Schlagworte mit, die zur Zeit, obwohl ſchon
halb oder dreiviertel verbraucht, noch im Schwange ſind und in der
Oeffentlichkeit einen gewiſſen Machtfaktor darſtellen. Die heſſiſchen Lehr=
pläne
tun es auch, wenn auch erfreulicherweiſe etwas gedämpfter. Die
Einheitsſchüutle darf natürlich nicht ſehlen, und der Gedanke der Arbeits=
ſchule
, in dem eine Oberflächenpädagogik wieder einmal zum wie=
vieltenmale
? das Wundermittel der einzig richtigen Jugendbildungs=
methode
gefunden zu haben glaubt, muß mitgepredigt werden. Aber es
iſt dielleich gut ſo. Je allgemeiner das Geſchrei wird, um ſo eher ver=
liert
man den Geſchmack daran.

(ine Statiſtik.
Wie viele Miniſter gibt es in Deutſchland?
Von unſerer Berliner Redaktion.
Wir haben im Reich wie in den einzelnen Ländern ſeit der
Revolution einen ſtarken Verbrauch an Regierungen gehabt und
obwohl der Miniſtertitel heute eigentlich nur eine Amtsbezeich=
nung
iſt, die mit der Amtsdauer verbunden iſt, behält doch jeder,
der einmal für kurze Zeit Miniſter war, dieſen Titel bei. Aus=
gerechnet
das demokratiſche Acht=Uhr=Abendblatt macht ſich das
etwas boshafte Vergnügen, einmal nachzurechnen, wie ſtark au
die einzelnen Parteien verteilt der Prozentſatz der Miniſterwürde
ausfällt. Da ergibt ſich denn, daß die Demokratiſche Partei mit
12 Miniſtern jeden Rekord ſchlägt. Auf den gegenwärtigen Frak=
tionsbeſtand
umgerechnet, würde jeder dritte demokratiſche Parla=
mentarier
ehemaliger Miniſter ſein. Nicht ganz ſo günſtig ſind
die Ausſichten beim Zentrum, das 12 Miniſter zählt, darunter
allein drei Kanzler. Immerhin kommt auf jeden fünften Abge=
ordneten
ein Miniſter. Bei den Sozialdemokraten dagegen erſt
auf jeden zehnten. Aehnlich iſt das Verhältnis bei der Deutſchen
Volkspartei. Die Deutſchnationalen, die bisher ja nur einmal
in der Reichsregierung vertreten waren, folgen in weitem Ab=
ſtand
. Wohlverſtanden gilt das nur für das Reich. Dazu kommt
noch die reſpektable Miniſterzahl in den Ländern. Preußen
ſtellt 12 ſozialdemokratiſche, 9 vom Zentrum, 7 demokratiſche und
5 volksparteiliche Miniſter. Dabei hat Preußen nur 7 Regierun=
gen
gehabt, während Bayern mit 10 Regierungen den 12 Reichs=
regierungen
ſehr nahe kommt. Insgeſamt gibt es ſeit 1918
79 Länderregierungen mit insgeſamt wohl rund 300 ehemaligen
Miniſtern. Der Verbrauch iſt ſo gewaltig, daß darin allein die
ſchärfſte Kritik des ganzen parlamentariſchen Syſtems enthalten
iſt, unter dem wir gegenwärtig leben.

Nummer 94
NN
Dei Sfteit um die deutſche Blone.
Ein neues Dokument: Warum die Flotte nicht zerſfört
werden ſollte. Frankreich verzichtet nicht auf die
U=Pootwaſfe.
Paris, 2. Februar.
Wie Havas mitteilt, veröffentlicht in einem Teil der heutigen
Ausgabe des Figaro der amerikaniſche Schriftſteller Morton
Bullerton ein bisher unbekannt gebliebenes Schriftſtück vom
2. April 1919, das im War College in Waſhington aufbewahrt
wird. Es behandelt die Frage der Zerſtörung der deut=
ſchen
Flotte und die der U=Boot=Waffe. In dem
Schriftſtück heißt es, England habe in weitſichtiger Klugheit die
Zerſtörung der deutſchen Flotte unter Gründen verlangt, denen
ſich Wilſon wirklich nicht hat widerſetzen können. Dieſer Vor=
ſchlag
, der von Wilſon grundfätzlich angenommen wurde, ſei von
dem damaligen franzöſiſchen Marineminiſter Leygues entſchieden
abgelehnt worden. Gleichzeitig ſei England für die Beſeitigung
des U=Boot=Krieges und für die Einfügung eines Artikels in
das Völkerbundsſtatut eingetreten, der den Bau von U=Bovten
künftig verbietet. Eines Tages habe der franzöſiſche Marine=
miniſter
den Beſuch der Vertreter der Vereinigten Staaten, Eng=
lands
, Italiens und Japans erhalten, die ihm ihre Einigung
über dieſen Punkt mitteilten und ihn baten, er möge ſich dem
ebenfalls anſchließen. Das habe Leygues lebhaft, entſchloſſen
und kategoriſch zu der Erklärung veranlaßt, keinesfalls werde
Frankreich dem Plan der vier Mächte beitreten. Sollten ſie dar=
auf
beſtehen, ſo würde Frankreich niemals auf ſeine
Handlungsfreiheit verzichten, die Nachteile
ſeiner geographiſchen Lage durch den ungehin=
derten
Bau von ſo vielen U=Booten zu beheben,
wie es ſie für ſeine eigene Verteidigung für
nötig hält. Die vier Mächte hätte dieſe Haltung peinlich be=
rührt
, ſie hätten aber auf ihren Plan verzichten müfſen. Dann
habe der franzöſiſche Marineminiſter leicht die Initiative er=
greifen
können, und Frankreich habe hierauf auf einer Teilung
der deutſchen Flotte unter die Alliierten beſtanden und ſein
Ziel erreicht.
Primo de Rivera über das ſponiſche Heer.
Barcelona, 2. Februtar.
In einer Rede vor den Offizieven der Garniſon erklärte
Primo de Ribera, die Marokkoarmee, ſei heute unzweifelhaft
ihrer Aufgabe gewahſen, aber infolge des Marokkokrieges ſei die
nationale Armee zerſtückelt und bedürfe einer neuen Organi=
ſation
. Er riet den Offizieren, ſich wicht von Ruheſtörern beein=
fluſſen
zu laſſen, die verſuchten, das Heer gegen die Begierung
aufzuhetzen. Gegen die militäriſchen Jundas werde er, wenn ſie
ihre Tätigkeit wieder aufnehmen ſollten, mit äußerſter Strenge
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Nummer 34

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Seite 5

Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 3. Februar.
*Herrngartenteich und Herrngartenberg.
Vor einigen Wochen hat an dieſer Stelle der Heſſiſche Bund für
Heimatſchutz ſich eingeſetzt für die Wiederherſtellung des Herrngartens
und des Herrngartenteiches. Er hat damit unzweifelhaft der Mehrzahl.
Her Bewohner unſerer Stadt aus der Seele geſprochen, denn es gibt auch
noch andere als materielle Intereſſen, und die Schmuckanlage iſt ſo eng
mit der Geſchichte Darmſtadts verknüpft, daß alles getan werden muß,
m ſie wieder in einen würdigen Zuſtand zu verſetzen. Da die Staats=
verwaltung
die Anlagen vernachläſſigte, die Stadt ſie aber mit der Ver=
pflichtung
übernommen hat, ſie wiederherzuſtellen und zu pflegen, ſo
beſteht jetzt eine berechtigte Hoffnung, daß der Herrngarten wieder ord=
mungsmäßig
unterhalten wird. Der Herrngarten ſpielt eine ſo hervor=
ragende
Rolle im Stadtbild, daß er deshalb eigentlich mehr als irgend
eine andere Anlage Darmſtadts gepflegt werden müßte.
Was den Darmſtädtern fetzt am meiſten am Herzen liegt, iſt die Wie=
derherſtellung
des Herrngartenteiches. Es werden durch ihn liebe Kinder=
erinnerungen
wachgerufen, als er noch mit Enten und Schwänen belebt
war, die von der Jugend gefüttert wurden. Die Wiederherſtellung des
Teiches iſt jedoch nicht ſo einfach, und die Löſung bietet mancherlei Pro=
bleme
. Zunächſt fragt man ſich, wo bleibt das Waſſer, das früher den
Heurngartenteich geſpeiſt hat? Dies geſchah durch eine Leitung vom
Woog her und durch die ſogen. Dreibrunnenleitung. Dieſe wird vom
Staat teilweiſe für den Marſtall verwendet, zum Teil aber auch von der
Stadt zur Speiſung des Löwenbrunnens auf dem Mathildenplatz. Die
Woogsleitung wird ſeit Errichtung der Hochſchulgebäude an der Schloß
gartenſtraße für Verſuche zur Papierherſtellung und für die Gerberei=
ciemie
in Anſpruch genommen. Der Staat hat alſo zum größten Teile
das Waſſer, das den Herrngartenteich füllte, jetzt mit Beſchlag belegt.
Das einfachſte Verfahren wäre nun, wenn man Leitungswaſſer nähme,
aber das iſt unmöglich, denn dieſes iſt in kaum ausreichender Weiſe als
Nutz= und Trinkwaſſer für die Bürgerſchaft vorhanden, ſodaß neue Quel=
len
erbohrt werden müſſen, und an eine derartige Verwendung nicht zu
denken iſt. Zur Zeit wird die Leitung von den Hochſchulgebänden aus
nach dem Herrngartenteich wiederhergeſtellt; die ſchadhaften kurzen Ton=
rohre
werden durch lange Eiſenrohre erſetzt, d. h. die ganze Leitung wird
erneuert. Es wird alſo demnächſt wieder ein Teil der früheren Waſſer=
mengen
dem Teich zugeleitet. Dieſer ſelbſt muß aber auch inſtand geſetzt
und ſeine Sohle gedichtet werden, denn ſonſt würde das zugeführte Waſ=
ſer
bald wieder verſickern. Eine ſolche Abdichtung wird erzielt durch
eine Letten= oder Lehmſchicht, ſowie, was hier wohl nicht in Frage
kommt, durch Dachpappe oder Aſphalt. Wie es heißt, würde bei einer
Verkleinerung des Herrngartenteichs das Waſſer der Dreibrunnenleitung
genügen, um dann allein den Teich ausreichend zu ſpeiſen. Auf jeden
Fall iſt nicht zu beſürchten, daß der Teich ganz verſchwindet, vielmehr
beſteht die Hoffnung, daß er wieder wie früher das Landſchaftsbild belebt.
Ueber das Schickſal des Herrngartenbergs iſt noch nichts bekannt
geworden. Die Vermutung, ſeine Erde könne in den Herngartenteich
geſchüttet werden, um ihn auszufüllen, hat keine Berechtigung mehr; aber
früher hieß es einmal, daß er abgetragen und die Erdmaſſen verwendet
werden ſollen, um den künftigen Ebertplatz einzuebnen. Es wäre höchſt
bedauerlich, wenn das geſchehe, denn der Berg gehört ebenfalls mit
zu dem alten, vertrauten Bilde des Herrngartens.

* Erngunt wurde am 28. Januar der Kanzleigehilfe bei dem Forſt=
amt
Beerfelden Otto Fink zu Beerfelden vom 1. Februar 1926 ab zum
Kanrzliſten
* Einherufung des Heſſiſchen Landtags. Präſident Adelung
hat das Plenum des Landtags für Mittwoch, den 10. Februar
d. J., nachmittags 3 Uhr, einberufen. Einziger Punkt der Tages=
ordnung
: Beratung der Anträge zum Wohnungsbauprogramm.

Heſſiſches Landestheater. Morgen Donnerstag beginnt der allge=
meine
Vorverkauf zu dem am Sonntag, 7. Februar, ſtattfindenden erſten
Wegener=Gaſtſpiel. Paul Wegener wird den Rittmeiſter in Strind=
bergs
Trauerſpiel Der Vater ſpielen. Die Preſſe ſchreibt über die
Darſteſlung des großen deutſchen Schauſpielers: Wegener iſt als Vater
von keinem zeitgenöſſiſchen Darſteller zu überbieten; bis ins kleinſte
blieb die Darſtellung wahr und lebendig
unbeſtritten der größte
deutſche Charafterſpieler.
Koſtümfeſt der Heſſenflieger. Im Hotel Traube wird bereits
offrig an der Deloration für das Koſtümfeſt gearbeitet. Die für dieſen
Zweck ſehr geeiggeten Räume werden nach den Ideen von Hartmuth
Pfeil ihr beſonderes Gepräge erhalten. Der Eingang Luiſenſtraße
wird in ein Veſtibüil umgewandelt, in den Parterre=Räumen öffnet die
Hölle ihre Pforten; in grotesker Aufmachung zeigt ſich die Teufelsküche
mit anfchließender traulicher Seftbude und Likörſtube. Die große
Treppe zu den oberen Räumlichkeiten wird zu einer Himmelstreppe
verwandelt und mit beſonderen Lichteffkten ausgeſtattet. Zur Beſteigung
dieſer Himmelsleiter und zum Durchſchreiten der Pforte des Himmels
erhält jeder Beſucher den Himmelsſchlüſfel in künſtleriſcher Aufmachung
ausgehändigt, der ihm gleichzeitig für den Abend als Ausweis dient.
m großen Saal des erſten Stockes wird der Himmel in herrlichem
Lichterglanz erſtrahlen, um ſchon durch ſeine dekorative Aufmachung
Stimmung und Freuden zu ſpenden. Dem großen Saale anſchließend
werden weitere 5 Räumlichkeiten dekorativ hergerichtet, um in lauſchigen
Eachen zur Gaſtlichkeit einzuladen.
Odenwadltlub, Ortsgruppe Darmſtadt. Sonntag, den 7. Februar,
findet die 12. Wanderung mit dem Endziel Brensbach ſtatt. Die
Wanderung beginnt in Ober=Ramſtadt und wird, nach den Mitteilungen
der Führer, ſehr genußreich werden und nicht anſtrengend ſein. Für
Verpflegung iſt geſorgt. (Näheres ſiehe Anzeige.

Verein für das Deutſchtum im Ausland. Der Bunte Ball
den die Frauenortsgruppe am 11. Februau in den Räumen der Ver=
einigten
Geſellſchaft veranſtaltet, übt, wie alle Veranſtaltungen des Ver=
eins
, eine ſtarke Anziehungskraft aus. Die Mitglieder haben inſofern
ein Vorrecht, als ſie zuerſt mit Karten bedacht werden und eine erhebliche
Preisermäßigung haben. Den Vorverkauf hat Konzert=Arnold über=
nommen
. Für den Bunten Ball ſind ernünſcht ſchöne Koſtüme, Geſell=
ſchaftsanzug
iſt zugelaſſen. Dirndlkleider ſind ebenſo ausgeſchloſſen wie
derbe Masken.

Melomanen=Maskenball. Am kommenden Sonntag findet 6,11 Uhr
dends in der Woogsplatz=Turnhalle der große Melomanen=Maskenball
katt. An dieſem Abend werden große Ueberraſchungen gebracht werden,
ſuch werden verſchiedene Redner erſcheinen. Es lohnt ſich, daß man ſich
arten im Vorverkauf löſt, da der Andrang an der Kaſſe ſehr groß zu
werden verſpricht. Alles Nähere iſt aus dem heutigen Inſerat zu erſehen.
Steuerabzug vom Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1925. Wir
beiſen auf die heutige Bekanntmachung der Finanzämter Darmſtadt=
Stadt Darmſtadt=Land und Langen hin, in der Näheres über die Ein=
eichung
von Belegen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn in dem
alenderjahr 1925 enthalten iſt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer machen
dir beſonders auf dieſe Aufforderung aufmerkſam.
RDV. Kulturzüge der Reichsbahn. Reichsbahn und Theater.
Die von den deutſchen Reichshahndirektionen unternommenen Sonntags=
Onderzuge, ſoweit ſie nach den Großſtädten geleitet werden, ermöglichen
en Teilnehmern der Sonderzüge, auch die Bildungsmöglichkeiten der
9roßſtadt auf ſich wirken zu laſſen. Der mit dem Sonderzuge An=
Dmmende lernt nicht nur das Stadtbild kennen, ſondern erhält zugleich
verkvolle Anvegungen in kultureller Hinſicht. Zum Beiſpiel hat die
eic sbalndirektion Kaſſel die Einrichtung der Sonntagsſonderzüge
Wonrch ausgeſtaltet, daß ſie die Teilnehmer vormittags durch die Muſeen
19 Sehenswürdigkeiten führen läßt und ihnen nachmittags eine Sonder=
Uſtellung des Kaſſeler Staatstheaters zeigt. Füir diefe Aufführung
teher die Reichsbahndirektion das ganze Theater; die Preiſe ermäßigen
ch dadurch für die Theaterkarten, die im voraus mit den Fahrkarten
Beheben werden, um 50 bis 60 Prozent. Auch für die Eintrittspreiſe in
e Muſeen werden Ermäßigungen erwirkt, ſo daß den Teiinehmern
* billiges Geld die Gelegenheit geboten iſt, ſich der Kulturgüter der
oßitadt zu erfreuen. Ein derartiger Kulturzug verkehrt z. B. am
* Vebruar von Marburg (Lahn), Seeſen und Höxter nach Kaſſel. Es
ücher ein, daß durch eine ſolche verbilligte Reiſemöglichkeit über Sonn
den Bewohnern der kleineren Städte ein außerordentlich wertvoller
Dienſt erwieſen wird.
LilD. Bevorſtehender Ablauf der Anmeldefriſt für die Aufwertung
Reichsanleihe. Die Friſt für die Anmeldung zum Umtauſch
eichsanleihen und der vom Reich üibernommenen Länderanleihen alten
Delbes und für die Anträge der Anleihealtbeſitzer auf Gewäyrung der
beſtzrechte läuft am 28, Februar ds. Js. ab. Die Anträge und An=
Stbungen ſind bei Banken, Sparkaſſen und Genoſſenſchaften einzurei=
L Line glatte Erledigung der Anmeldungen und Anträge iſt nur
Aich, wenn die Einreichung nicht auf die letzten Tage der Friſt

uger als 1000 R.=Mk. haben, erhalten eine Barabfindung. Eine
Nir Anträge auf Barabfindung läuft noch nicht. Die näheren
Deſcriſten über die Stellung der Anträge auf Barabfindung werden
ſt in einigen Wochen erlaſſen.

Ein Oenkmal für die Toien
des Großherzoglichen Artilleriekorps
1. Großherzoglich Heſſiſches Feldartillerie=Regiment Nr. 25 in Darmſtadt.
Der Offizier= und Regimentsverein ruft alle ehemaligen Regiments=
angehorigen
auf, den gefallenen Kameraden und dem lieben alten Artil=
leriekorps
ein würdiges Denkmal zu ſetzen.
Der zur Ausführung gelangende Entwurf ſtellt einen auf den Trim=
mern
ſeines zufammengeſchoſſenen Geſchützes ſtehenden Kanonier des
Regiments dar, der ſich mit der Handgranate in der Hand bis zum letz=
ten
Atemzuge verteidigt.
Das Denkmal ſoll alſo den ehrenvollen Kampf verſinnbildlichen, den
das ſtolze Regiment geführt hat, die ungebrochene Kraft und den Mur
zum Durchhalten. In dieſer Darſtellung liegt zugleich die ſchönſte Toten=
ehrung
unſerer getreuen Kameraden.
Dem Großherzoglichen Artilleriekorps
und ſeinen Toten
1460 1790 1920.
Es ſoll auf dem Sockel aus Odenwaldgranit ſtehen, auf dem auch
alle aus dem Regiment hervorgegangenen Formationen verewigt werden
ſollen.
Der ergreifend ſchöne Entwurf wurde geſchaffen von dem bekannten
Bildhauer Profeſſor R. Cauer=Darmſtadt; die Ausführung ſoll in Bronze
erfolgen.
Wenn die Mittel zuſammenkommen, ſoll das Denkmal bereits im
Sommer 1926 enthüllt werden.
Spenden werden erbeten an die Denkmalskaſſe des Feldartillerie=
Regiments 25, Poſtſcheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 20 444.
Wenn jeder alte 25er und die Kameraden der Reſerve=Formationen
ihr Scherflein beitragen, iſt nicht daran zu zweifeln, daß der Plan aus=
geführt
werden kann und daß den toten Kameraden des älteſten Feld=
artillerie
=Regiments der Armee ein unvergängliches Denkmal erſteht.
Bauſteine in Geſtalt von verſchiedenen Abbildungen des Entwurfs
zu 1., 2., 3. und 5. Mark ſind erhältlich beim Denkmalausſchuß
Darmſtadt, Hermannſtraße 41.

* Der Verband evgl.=kiechl. Frauenvereine in Heſſen veranſtaltet am
Donnerstag, den 4. Februar, nachmittags halb 4 Uhr pünktlich, im
Rummelbräu eine Frauenkonferenz. Der Direktor des Lan=
desvereins
für Innere Miſſion wird ſprechen über Die religiöſen und
ſozialen Aufgaben in unſeren Vereinen,
* Beſſunger Kirche. Die Bibelſtunde, die Herr Pfr. Pabſt
über den Philipperbrief hält, findet Mittwoch, abends 8 Uhr, im großen
Saale des Gemeindehauſes der Petrusgemeinde (Eichwieſenſtraße 8) ſtatt.
Reichsverband der abgebauten Beamten und Lehrer. Man ſchreibt
uns: Im Fürſtenſaal fand eine außergewöhnlich gut beſuchte Verſamm=
lung
ſtatt, wozu Vertreter der Parteien ſowie der Vorſitzende des
Landeskartells heſſiſcher Beamten eingeladen waren. Nach Eröffnung der
Verſammlung begrüßte der Vorſitzende die erſchienenen Vertreter und
erteilte dem Referenten, Herrn Oberpoſtſekretär Wetzel, Frankfurt, das
Wort. Dieſer ſchilderte in kurzen Zügen den Abbau und teilte mit, daß
Klage und Feſtſtellungsklage beim Oberlandesgericht Stuttgart bzw. beim
Reichsgericht eingereicht ſeien. Die Einſpruchsfriſt iſt ſomit für die Mit=
glieder
des Reichsverbandes verlängert. Er ermahnte alle noch Fern=
ſtehenden
, unverzüglch dem Verbande beizutreten, da die Klage nur für
Verbandsmitglieder geführt werde. Nach weiteren, von großer Sach=
kenntnis
zeugenden Ausführungen, ſthloß Herr Wetzel ſeine Rede unter
allſeitigem Beifall der Anweſenden. Sodann erklärte der Vertreter der
Deutſchen Volkspartei, daß ſeine Partei vollſtändig mit den Beſtrebun=
gen
des Verbandes einig gehe. Nachdem Herr Rektor Dr. Claß, Vor=
ſitzender
des Landeskartells heſſ. Beamten, ſich über die Stimmung der
Verſammlung orientiert hatte, ergriff er das Wort und dankte für die
Einladung. Er beleuchtete in trefflicher, von tiefſtem Mitgefühl zeugen=
der
Rede, die brutale Behandlung, die Regierung und Parlament ihren
alten treuen Beamten habe angedeihen laſſen. Eine ſolche Behandlung
ſtehe einzig in der Welt da. Er befinde ſich in einer Verſammlung von
Arbeitswilligen, die nicht arbeiten dürfen. Das Schrecklichſte für ihn ſei,
daß auf die alten deutſchen Begriffe Treue und Glauben nichts mehr ge=
geben
werde. Er bot dem Verband die volle Hilfe des Landeskartells an,
ebenſo ſtellte er ihm die heſſiſche Bundeszeitſchrift zur Verfügung und
empfahl die juriſtiſche Beratungsſtelle des Deutſchen Beamtenbundes in
Berlin. Ganz beſonders ermahnte er die Abgebauten, ihren Fach=
organiſationen
treu zu bleiben. Die Verſammlung dankte dem Redner
durch reichen Beifall. Möge die Verſammlung für die noch Fernſtehen=
den
eine ernſte Mahnung ſein, ſich im eigenen Intereſſe unverzüglich
dem Verband anzuſchließen, damit es dieſem möglich gemacht wird, die
verletzten Rechte der Abgebauten in vollem Umfange wieder herzuſtellen,
denn nur Einigkeit und Geſchloſſenheit machen ſtark.
Turngemeinde Brffungen 1865 e, V., Darmſtadt. Die Hauptver=
ſammlung
eröffnete der erſte Sprecher und begrüßte die zahlreich Er=
ſchienenen
. Echt deutſch waren ſeine Worte und tief gefühlt als deutſcher
Turner. Die Turner, beſonders die älteren, bedauern es aufrichtig, daß
der erſte Sprecher nächſtes Jahr aus ſeinem Amte ſcheiden will. Seine
Gründe ſind verſtändlich, wenn er daran denkt, einer füngeren Kraft
Platz zu machen. Seine trefflichen Ausführungen fanden ungeteilten
Beifall. Auch der Toten wurde gedacht und ihr Andenken durch Er=
heben
von den Sitzen geehrt. Die Berichterſtattung der einzelnen Aus=
ſchüſſe
gab einen Ueberblick über die vielſeitige Beſchäftigung in der
Turngemeinde. Der erſte Sprecher nahm Gelegenheit, Allen für die
geleiſtete Arbeit zu danken und verſäumte nicht, nochmals die aufopfernde
Tätigkeit einzelner Leiter hervorzuheben. Die Singmannſchaft er=
freute
die Anweſenden mit dem herrlichen Chor Wie ſoll ein deutſcher
Turner ſein Hierauf folgte die Ehrung einer Anzahl Turner für
langjährige Mitgliedſchaft, ſo z. B. Jaeger Chr., Behrmann Gg., für
50 Jahre Mitgliedſchaft, Jakob Jaeger, H. Heußner, Frdr. Gerich, Karl
Malzi, Geoxg Wenz, Jakob Volz, Fr. Schleckmann, Auguſt Krug, Ernſt
Schulz, Heinrich Stier und Auguſt Herbſt für 25 Jahre Mitgliedſchaft.
Jeder erhielt ein Diplom. Ferner konnte eine ganze Reihe Turnexinnen
und Turner als Sieger bei den einzelnen Wettkämpfen mit Diplom aus=
gezeichnet
werden. Die Rechnungsablage, klar und deutlich in ihrer
Aufſtellung, gab ein anſehnliches Bild über die Verwendung der Mittel
der T.G.B. Der Rechnungsprüfungs=Ausſchuß konnte bei ſo gewiſſen=
hafter
Arbeit unſeres Rechners leichten Herzens Entlaſtung beantragen.
Der Voranſchlag für 1926 bewegt ſich im Zahlenverkehr wie derienige von
1825. Die Wahlen waren gut vorbereitet, denn die Vorſtandsmitglieder
bis auf drei, hatten ihre Mitarbeit wieder zugeſagt. Als zweiter Spre=
cher
iſt Turner Wilhelm Hering einſtimmig gewählt worden. Rechner
wurde Auguſt Heil. Er bürgt mit ſeiner reichen Erfahrung für gewiſ=
ſenhafte
Rechnungsführung. Gegenrechner wurde Heinrich Heußner.
Nochmals ergriff der erſte Sprecher das Wort, und dankte dem
ſcheidenden Rechner. Turner Birkenſtock ſah ſich veranlaßt, dem Vorſtand
für ſeine mühevolle Arbeit zu danken, brachte ein dreifaches Gut Heil
aus und wünſchte weiter gedeihliches Zuſammenarbeiten.
Im Orpheum bringt Guſtav Bertram von heute ab ſeinen vielen
Freunden eine Faſchingsüberraſchung mit den ausgelaſſenen Pariſiana=
Stücken Beſuch im Bett und Lauf doch nicht immer nackt herum!
die in jeder Hinſicht amüfanten und pikanten Zugſ=ücke des Berliner
Theaters und des Theaters frangais. Außerdem werden unter Mit=
wirkung
des geſamten Perſonals mit den modernſten muſikaliſchen Schla=
gern
als auch mit Verſtärkung des Orcheſters durch Jazzband alle Re=
giſter
karnevaliſtiſchen Humors gezogen. Die Titel der neueſten Vor=
tragsſchlager
ſind aus der heutigen Anzeige erſichtlich. Den Beſuchern
des Orpheums dürften mit dieſen Veranſtaltungen überaus abwechſlungs=
reiche
und humorvolle Abende in Ausſicht ſtehen.
RDT Nachlöſen von Fahrkarten im Zuge. Wer im fahrenden Zuge
eine Fahrkarte nachlöſt, hat zu dem tarifmäßigen Preiſe einen Zu=
ſchlag
von 50 Pf., jedoch nicht mehr als den doppelten Preis der Fahr=
karte
, zu entrichten. Vorausſetzung iſt, daß der Fahrgaſt ſofort unauf=
gefordert
dem Schaffner meldet, er wolle über die Station, bis zu
der ſeine Fahrkarte gilt, hinausfahren, bzw. er wünſche eine höhere
Wagenklaſſe als diejenige, die ſeiner Fahrkarte entſpricht, bzw. er

geſehen werden, um etwa auftretende Härten auszugleichen; z. B. wenn
die Reiſenden mangels durchgehender Tariffätze eine Fahrkarte nicht
erhalten konnten; in ſolchen Fällen wird dem Reiſenden auf Ver=
langen
am Schalter ein roter Zettel ausgehändigt, der zur Nach=
löfung
ohne Zahlung eines Zuſchlages berechtigt.

Erkéitungen

merkt man zuerst an dem beginnenden Katarrhe. Sofortige Nasen-
spülengen
mit Chinosollösung. Gurgeln mit derselben oder Schnunfen
einer geringen Menge (1 Messerspitze) Chinosolpulver verhätet den
Katarrh im Entstehen. Wirkung sofort! Ein Röhrchen Chinoso,
enthaltend 60 Tabletten (Deziplättehen), für lange Zeit ansreichend.
Nk. 2. in allen Apotheken und Drogerien.
I.Hbg. 1774
Chinosolfabrik Aktiengesellschaft,Hamburg

*Amtsgericht I.
1. Der Maurermeiſter Hch. Herbert, geboren zu Groß=Zimmern.
wohnhaft in Darmſtadt, iſt der Zuwiderhandlung gegen die Preis=
treibereiverordnung
beſchuldigt. Er ſoll im Oktober 1925 zu Darmſtadt
für eine Leiſtung zur Befriedigung des täglichen Bedarfs eine Vergütung
gefordert haben, die unter Berückſichtigung der geſamten Verhältniſfe
einen übermäßigen Gewinn enthielt, indem er für die Vornahme von
Ausbeſſerungsarbeiten am Hauſe der Witwe Müller, Stiftſtraße 39 hier,
eine Vergütung von 183 Mk. forderte, während eine Vergütung von
höchſtens 72,35 Mk. angemeſſen war. Das Gericht erkannte nach Be=
weisaufnahme
(Vernehmung von Sachverſtändigen) anſtelle einer an
ſich verwirkten Gefängnisſtrafe von 10 Tagen auf Geldſtrafen von 100
Mk. und 100 Mk. und Einziehung des Uebergewinns von 80 Mk.
2. G. H. aus Pirmaſens und N. von Saarbrücken, beide in Eberſtadt
wohnhaft, ſind des Eigentumsvergehens angeklagt. H. ſoll ein auf Ab=
zahlung
von einem hieſigen Fahrradhändler gekauftes Herrenfahrrad ge=
meinſchaftlich
mit einem dritten Sch. unterſchlagen haben, N. es erworben
haben (Hehlerei). N. betont, er habe nicht gewußt, daß das Rad ge=
ſtohlen
geweſen ſei. Der Gendarmeriewachtmeiſter von Eberſtadt betont,
daß der am 5. September 1925 gezahlte Preis von 70 Mk. für das Rad
wohl billig, aber angeſichts der Geldknappheit doch verſtändlich ſei. Der
Fahrradhändler beſtreitet, daß das Rad wieder an ihn infolge Auf=
löſung
beſtandenen Vertrages zurickgegangen ſei. Der Amtsanwalt be=
antragt
gegen beide Angeklagte Freiſprechung, auf die auch
erkannt wird.
3. Wegen Ueberkneipens iſt der Beſitzer des Windſorcafés H. an=
geklagt
; er ſoll in der Nacht vom 14./15. April 1925 noch nach Feier=
abend
bis 4 Uhr früh Gäſte im Lokal geduldet haben. Er wendet ein,
daß er ſein Perſonal, alte Stammgäſte und den Violiniſten des Etabliſſe=
ments
bereits vor Lokalſchluß zu einem Glaſe Wein zu ſich eingeladen
habe. Zwei Stammgäſte beſtätigen ſowohl die vor Feierabend erfolgte
Einladung wie die koſtenloſe Bewirtung. Natürlich erfolgt Frei=
ſprechung
.
4. Ein hieſiger Kaufmann ſoll entgegen der Marktordnung und vor
der erlaubten Zeit vor der eigentlichen Markteröffnung zum Wieder=
verkauf
20 Häuptchen Endivienſalat gekauft haben. Er bezeichnet dieſe
Marktordnungsbeſtimmung als ein Ueberbleibſel aus der Kriegszeit, das
nur noch in Darmſtadt beibehalten werde. Den Salat habe er für ſeinen
Privathaushalt erworben. Der Amtsanwalt will die im Strafbefehl
angeſetzte Strafe von 15 Mk. auf 8 Mk. ermäßigen, die Entſcheidung
des Gerichts wird am 9. d3. Mts. verhüindet.
5. Ein Zuſammenſtoß eines Radfahrers mit einer Radfahrerin
bringt den Kaufmann H. vor Gericht. Der männliche Fahrer kam vom
Schloſſe her die Rheinſtraße herunter, er wollte ins Geſchäft in die
Eſchollbrückerſtraße, die jugendliche Fahrerin kam vom Juſtizpalaſt her
und wollte an der Merckſchen Apotheke über die Schienen fahren und
ſah auf dieſe. Der Angeklagte wirft ihr vor, ſie habe die Kurve zu kurz
genommen; er ſoll nach der Anklage freihändig gefahren ſein, die Fahre=
rin
fahrläſſig angefahren haben, ſo daß ſie zu Boden fiel und eine
Rippenquetſchung erlitt. Das Gericht ſpricht frei, weil es nach
der Beweisaufnahme die Urſache des Zuſammenſtoßes nicht für genügend
aufgeklärt hält.
6. Ein Altſtadtidyll bietet ſich in einer Anklage gegen zwei Be=
wohner
derſelben wegen Körperverletzung eines Händlers dar. Es hat
ſich im Oktober 1925 ſpät in der Nacht im Viertel InſelHinkelsgaſſe‟
abgeſpielt. Zeugen hörten nur, daß es klatſchte. Der Händler ſoll ſich
in der Wirtſchaft Zur Inſel ungebührlich benommen haben. Das ärzt=
liche
Zeugnis von Dr. Wißmann ſtellt blutunterlaufene Stellen an den
Weichteilen der linken Wange feſt. Das Urteil diktiert dem Ange=
klagten
K. B. 25 Mk. Geldſtrafe und ſpricht den Mitangeklagten
G. frei.
7. Gelegentlich eines Menſchenauflaufs, der durch einen Betrunkenen
im Bezirk des 7. Reviers entſtand, den die Polizei forttransportierte,
ſoll ſich die ledige E. Sch. der Beleidigung der Polizei ſchuldig gemacht
haben. Ungefähr 200 Perſonen hatten ſich angeſammelt. Die Angeklagte
nannte die Polizei Peiniger, den anweſenden Schupobeamten grüner
Hund; es war nach der Zeugenausſage eine Flut von Schimpfworten,
die ſich über die Beamten ergoß. Ein Zeuge beſtätigt auch, daß ſie nach
den Beamten geſpckt habe. Das Urteil ſpricht 75 Mk. Geld=.
ſtrafe aus mit Publikationsbefugnis an die beleidigten Beamten.

Leipziger Meſſe (27. Februar bis 4. März). Der Vorverkauf der
Fahrkarten für einfache Fahrt und Rückfahrkarten mit 14tägiger Gültig=
keit
zu ermäßigten. Preiſen hat begonnen. Neu eingeführt ſind
die Gutſcheine für Quartierkarten. Erhältlich und jede weitere Auskunft
im Lloyd=Reiſebureau, Rheinſtraße 17 (Fernſprecher 776). Geöffnet von
8 Uhr vorm. bis 7 Uhr nachmittags.
Kunſtnotizen.
dcher Warte, Künfder und fünfflertſche Derauſtaltungen, deren im Nachſiehenden d
geſthiebt. behält ſich die Redaktton ihr Arteil vor.
Einehiſtoriſche Einſegnung inder Dreifaltig=
keitskirche
zu Berlin. Zu Oſtern des Jahres 1830 fand in der
Dreifaltigkeitskirche durch Schleiermacher die feierliche Einſegnung Otto
v. Bismarcks ſtatt. Dieſe hiſtoriſche Begebenheit, ſowie die weitere Ent=
wicklung
des ſpäteren Reichskanzlers ſind in dem epochalen Monumental=
werk
Bismarck, ein Film der Deutſchen, der Bismarck=Film G.m.b.H.,
ebenſo eindrucksvoll wie lebenswahr feſtgehalten. Der Film, der ſich
abſolut frei von jeder Tendenz hält und nicht das Werk einer einzelnen
Partei, ſondern das des ganzen deutſchen Volkes darſtellt, läuft ab Frei=
tag
, den 5. Februar, im hieſigen Union= Theater.
* Reſidenz=Theater: Ein Lebensroman aus dem Berliner
Milieu ſchildert uns Das Fräulein vom Spittelmarkt, der
Lebensroman einer Stenotypiſtin, ein Film in 7 Akten, den jede Kontor=
angeſtellte
, jedes Ladenmädchen, überhaupt jede berufstätige Frau ſehen
muß. Hanni Reinwald ſpielt die Titelrolle. Der Regiſſeur Gg. Dam=
mann
hat die gefällige Handlung in hübſche und feſſelnde Bilder gebracht,
die jeder Beſucher mit ſpannendem Intereſſe verfolgen wird. Als zwei=
ten
Schlager fehen wir die 6aktige tragiſche Komödie Soſpielt das
Leben mit Erna Morena in der Hauptrolle. Ein ganz hervorragen=
der
Film, den niemand verſäumen darf, zumal er nur einige Tage läuft.
In Vorbereitung befindet ſich die große Ausſtattungsfilmoperette Das
Mädel von Pantecuculi‟. Dieſes Filmwerk wird für Darmſtadt ein
Ereignis werden, zumal erſte Berliner Operettenkräfte für die erforder=
lichen
Geſangseinlagen verpflichtet worden ſind.
Palaſt=Lichtſpiele: Ein Walzertraum (8 Akte)
nach der gleichnamigen Operette von Osk. Straus und der Hans Müller=
ſchen
Novelle Nux, der Prinzgemahl Manuſkript von Robert Lieb=
mann
und Norbert Falk. Leiſe, ganz leiſe klingts durch den Raum:
Liebliche Weiſen Walzertraum. Wer kennt nicht dieſe anheimelnden
Weiſen aus dem Walzertraum. Es waren beſſere Zeiten damals, als
dieſe Operette ihren Siegeszug über die ganze Welt antrat, jene ent=
zückende
Operette von O. Straus, deren weiche Walzermelodien ſich ins
Ohr ſchmeichelten, als hinge der Himmel wirklich voller Geigen. Wer
kennt nicht die Figuren des Walzertraum die unglücklich verliebte
Prinzeſſin, die feſche Kapellmeiſterin Franzi und den vor Heimweh kran=
ken
Prinzgemahl. Wer kennt nicht die alte Kaiſerſtadt an der Donau
in ihrer alten Herzlichkeit und ihrer verträumten Gemütlichkeit. Ihrem
luſtigen Treiben im Prater, ihrer ausgelaſſenen Fröhlichkeit beim Heuri=
gen
und die echte, urechte Wiener Stimmung. Seit langem hat man
nicht mehr im Kino eine ſo herzliche Freude erlebt, wie bei dieſem nach
dem alten lieben Wien geradezu noch friſch duftenden Luſtſpiel. Man=
ſpürt
auf Schritt und Tritt und in jeder Szene einen Hauch lieber Er=
innerungen
an ſchönere verfloſſene Tage des Wiener Waldes mit ſeinen
verliebten Geſchichten. Was dem Opus aber erſt die rechte Farbe gibt,
iſt die vortreffliche Darſtellung. Mady Chriſtians ſah man nie mit ſol=
cher
inneren Luſt am Spiel und mit ſo viel ſchalkhafter Drolerie. Willy
Fritſch, ihr Partner, iſt bald zu einem Filmhumoriſten der erſten Klaſſe
gediehen. Erfreulich, daß wir dem Ausland ſolche Vertreter des etwas
diskreteren und weniger amerikaniſchen Humors präſentieren können.
Auch Falkenſtein und Tiedtke helfen zu dem großen Erfolg, den dieſer
ausgezeichnete fröhliche Film überall davonträgt.
Lokale Veranſtaltungen.

Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als
e auf Anzeigen zu befrachten.
in keinem Falle
Beſprechung oder Kr

Auf den heute Mittwoch, den 3. Februar, abends 8 Uhr, im
denhöhſaale (Dieburger Straße 26) ſtattfindenden Vortrag des
logen Jean Benit über die weltberühmte Methode Coué‟
rmit nochmals hingewieſen. Karten bei Konzert=Arnold, Wilhel=
traße
9 (Tel. 2560) und an der Abendkaſſe.
Engliſcher Vortrag. Heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr
ch, hält Herr Lewis in der Ludwigs=Oberrealſchule ſeinen dritten
g über Bernard Shan
er Nat.=Soz. Deutſchen
Auf den Sprechaben
eiterpartei im Bürgerhof (Eliſabethenſtr. 2), 8.15 Uhr abends,
der Vortrag über Der Siegeszug des Finanzkapitals mit Hilfe
zialdemokratie gehalten wird, ſei nochmals hingewieſen.
Aus den Parteien.

chen Volkspartei. Am
igendgruppe der
Mittwoch (heute), 3. Februar, abends 8 Uhr, findet bei Sitte (Kaulſtraße
Nr. 15) die nächſte Zuſammenkunft der Jugendgruppe ſtatt. Es iſt dies
ein luſtiger Abend, zu dem auch Gäſte eingeführt werden können. Die
Mädels der Gruppe werden gebeten. Gebäck mitzubringen.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Mitiwoch, den 3. Februar 1926

Aus Heſſen.
*Kreistag des Kreiſes Bensheim.
Der neugewählte Kreistag hielt am 29. Januar 1926 unter Vorſitz
des Herrn Kreisdirektors Neinhart im Gartenſaal des Bahnhofshotels
ſeine 1. Sitzung ab. N Kreistagsmitglieder waren erſchienen, 3 Herren
fehlten krankheitshalber als entſchuldigt.
Nach Einführung und Verpflichtung der Kreistagsmitglieder fand
die Wahl der Mitglieder und Stellvertreter des Kreisausſchſſes ſtatt.
Es wurden gewählt von der ſozialdemokratiſchen Partei als Mitglieder
die Herren Beigeordneter Ofenloch in Bürſtadt und Geſchäftsführer
Roß=Bensheim, von der Zentrumspartei die Herren, Bürgermeiſter
Dr. Angermeier=Bensheim und Landwirt Chriſtian Metzner I. Lampert=
heim
, von der Deutſchen Volkspartei Herr Martin Jakob Kärcher II.,
Landwirt in Lamperrheim vom Bauernbund Herr Landtagsabgeordneter
Glaſer=Nordheim. Als Stellvertreter wurden gewählt von der ſozial=
demokratiſchen
Partei Herr Bürgermeiſter Keller, Lampertheim und
Herr Kammſchleifer Bernhardt Bensheim, von der Zentrumspartei
die Herren Landwirt Philipp Franz Holzner, Bensheim und Direktor
Joſef Klimm Lorſch, von der Deutſchen Volkspartei Herr Regierungs=
baurat
Keſſel, Bensheim und vom Bauernbund Herr Bürgermeiſter
Olf. Groß=Nohrheim.
Kreisdirektor Reinhart begrüßte in der darauf folgenden Verſamm=
lung
des Kreistags die erſchienenen Mitglieder. Es wurde hierauf in
die Erledigung der Tagesordnung eingetreten. Obwohl die Tagesordnung
nur einige Punkte enthielt, entſpann ſich bei den einzelnen Gegenſtän=
den
eine ſehr rege Debatte, durch die die Verhandlungen bis in die
Abendſtunden hinausgezogen wurden.
Die ſozialdemokratiſche und die kommmiſtiſche Kreistagsfraktion
haben eine Arbeitsgemeinſchaft unter der Bewagungsfreiheit, hrer ge=
trennten
Entſchließung gebildet und brachten ihren gefaßten Entſchluß
zur Kenntnis des Kreistags.
Das auf der Tagesordnung ſtehende Projekt der Ferngasverſorgung
nahm die meiſte Zeit der Verſammlung in Anſpruch. Alle Parteien

De Danfchen Eenin eed en en e Sit
Kreistags, Kreisdirektor Reinhart, und je einem Mitglied der vertre=
tenen
Parteien, die dann den Vorvertrag einer genauen Pwfung unter=
zogen
und einige Abänderungen an dem Inhalt desſelben vornahmen.
Bei den weiteren Verhandlungen ſtimmte dann der Kreistag einſtimmig
dem durch die Kommiſſion neu aufgeſtellten Vorvertrag zu und begrüßte
den Zuſammenſchluß der kommunglen Verbände zur Einführung einer
Ferngasverſorgung auf öffentlich rechtlicher Grundlage. Ueber den
zweiten Punkt der Tagesordnung Kreisſtraßenunterhaltungsvoran=
ſchlag
wurde ebenfalls recht lebhaft diskutiert. Die Kreisverwaltung
nahm die vielen Wünſche bezüglich Straßenherſtellung entgegen und ver=
ſprach
, überall da, wo es die Mittel ermöglichten, Abhilfe zu ſchaffen.
Daß nicht alle Wünſche in einem Jahre berückſichtigt werden können,
das ſah der Kreistag ſelbſt ein. Der durch den oberen Baubeamten
erläuterte Voranſchlag wurde darauf einſtimmig angenommen, ebenſo
der Voranſchlag über Ausführung verſchiedener Kleinpflaſterarbeiten,
und endlich bewilligte auch der Kreistan die Mittel für die Erweiterungs=
arbeiten
an der Winkelbachbrücke in Bensheim. Der Kreistag beſchloß
weiter, in Zukuſt vor Aufſtellung des Kreisſtraßenunterhaltungsvor=
anſchlags
durch den Kreisausſchuß eine Beſichtigung der Kreisſtraßen
vorzunehmen, um diejenigen Strecken herauszugreifen, die einer beſon=
deren
Unterhaltung bedürfen und in erſter Linie in den Unterhaltungs=
voranſchlag
aufzunehmen wären.
Die vorgenommene Wahl der Körkommiſſionsmitglieder der Be=
zirke
Bensheim und Lindenfels fand durch die Wiederwahl der ſeitherigen
Herren ohne Debatte ihre Erledigung. Es ſind hiernach gewählt, im
Körkommiſſionsbezirk Bensheim die Herren Altbürgermeiſter Glaſer,
Nordheim und Landwirt Franz Holzner, Bensheim als Mitglieder und
die Herren Landwirt Valentin Sieger, Gronau und Jakob Martin
Kärcher II., Lampertheim, als Erſatzmänner. Im Körkommiſſionsbezirk
Lindenfels, als Mitglieder die Herren Altbürgermeiſter Wolf in Kolm=
bach
und Bürgermeiſter Weidmann in Winterkaſten und als Erſatzmit=
glieder
die Herren Philipp Krichbaum, Laudenau ud Joh. Peter
Schneider III., Schlierbach.
Ein Antrag des Bauernbudes auf Herabſetzung der Tagegelder
der Kreistagsmitglieder fand nach kurzer Debatte ſeine Erledigung. Es
wurden bewilligt für Einheimiſche 800 und ſür Auswärtige 12,00 Mk.
ſowie Erſatz der Fahrtauslagen und Kilometer=Gebühr. Ein weiterer
Antrag des Bauernbundes auf Bewilligung eines Zuſchuſſes in Höhe von
20 Proz. für erſte Anſchaffung von Obſtbaumſpritzen für alle Gemein=
den
des Kreiſes wurde dem Kreisausſchuß zunächſt als Material über=
wieſen
.
Auf Anfrage aus Mitte der Verſammlung gab Herr Kreisdirektor
Reinhart noch Aufſchluß über den derzeitigen Stand des Bahnbauprojekts
Bensheim-Lindenfels.
Die Verſammlung konnte, nachdem weitere Anträge nicht mehr ge=
ſtellt
wurden, um 6 Uhr abends durch den Vorſitzenden geſchloſſen
werden.

Nummer 34

Griesheim, 1. Febr. Die hieſige Ortsgruppe des Landbundes
befaßte ſich in gutbeſuchter Verſammlung eingehend mit dem Projekt
der Riedentwäſſerung, ſoweit es unſere Gemarkung angeht. Nach reger
Ausſprache einigte man ſich auf nachſtehende Entſchließung: Die Bauern=
ſchaft
Griesheims ſteht keineswegs der geplanten Niedentwäſſerung feind=
lich
gegenüber. Die wirtſchaftliche Lage der Landwirtſchaft erlaubt es jedoch
nicht, zur Zeit eine Belaſtung in ſo hohen Ausmaßen zu übernehmen.
Das Werk liegt zweifellos im Intereſſe der Volksernährung. Der Staat
aber ſoll die Koſten übernehmen, zumal die Gewäſſer zumeiſt durch die
ugeeignete Regulierung früherer Jahre uns zugeführt werden.
* Pfungſtadt, 2. Febr. Bei der Beigeordnetenwahl, die
am Sonntag bei einer Wahlbeteiligung von 92 Prozent vor ſich ging,
wurde der ſeitherige Beigeordnete Weigel mit einer Mehrheit von 367
Stimmen wieder zum Beigeordneten gewählt. Weigel erhielt 2222 Stim=
men
, ſein Gegenkandidat Steinmetz 1855 Stimmen.
* Pfungſtadt, 2. Febr. Todesfall. Schloſſermeiſter Heinrich
Büttel 2. iſt im Alter von 77 Jahren nach einem arbeitsreichen Leben
und nach längerem Leiden geſtorben. Im hieſigen Frauenverein
wurde in der Generalverſammlung der ſeitherige Vorſtand einſtimmig
wiedergewählt. Zum Holzmachen haben ſich hier über 200 Arbeiter
gemeldet. Mit dem Holzfällen iſt zu Beginn, dieſer Woche begonnen
worden.
Oberramſtabt, 2. Febr. Odenwaldklub. Am kommenden
Samstag, 6. Februar, veranſtaltet die hieſige Ortsgruppe des Odenwald=
llubs
in dem neuerbauten großen Saalbau Suppes ihr Dekorations=
feſt
. Der Odenwaldklub verſteht ſeit jeher Feſte zu feiern. Auch diesmal
iſt für ein abwechſlungsreiches, flottes Programm geſorgt. Der allerwelt
bekannte Darmſtädter. Bienchen Bimmbernell=Dichter Robert Schneider
hat ſich ſelbſt in den Dienſt des Abends geſtellt. Er wird ſeinen Vor=
trag
Wert und Pflege der Mundart mit ſeinen Werken humorvoll
auszugeſtalten wiſſen. Freunde und Gönner des Odenwaldklubs ſind
herzlich willkommen.
* Babenhauſen, 1. Febr. Afrikaniſcher Großfilm. Unter
fehr ſtarker Beteiligung der Jugend von hier und der ganzen Umgebung
gab die Heſſiſche Bilderbühne am Samstag vormittag im Großen Saal=
bau
Deutſcher Hof den intereſſanten Großfilm Menſch und Tier im
Urwald. Acht Akte aus der Natur, dem Leben und Schaffen der Ein=
geborenen
zogen an den Augen der Kinder vorüber. Die Bilder ſind
aufgenommen von dem berühmten Afrikaforſcher Hans Schomburgk. Sie
bilden, rein photographiſch betrachtet, eine hervorragende Leiſtung, das
beſte wohl, was an deutſchen tropiſchen Aufnahmen bis jetzt gezeigt
wurde. Das Sehen dieſes gewaltigen Urwaldlaufbildes bot den Kin=
dern
eine Fülle von geographiſchem und naturwiſſenſchaftlichem An=
ſchauungsmaterial
. Der ſpontan einſetzende Beifall nach jedem Akt=
ſchluſſe
mag der Heſſiſchen Bilderbühne gezeigt haben, daß ſie auf dem
richtigen Wege iſt, der Jugend lehrreiche und den Unterricht befruchtende
Stunden geſchenkt zu haben. Wie wärs bei dem nächſten Wiederſehen mit
den Abenteuern der Biene Maja?
Hirſchhorn, 2. Febr. Waſſerſtand des Neckars. Am 1.
Februar: 1,68 Mtr., am 2. Februar: 1,55 Mtr.
Gernsheim, 2. Febr. Waſſerſtand des Rheins. Am 2.
Februar: 55 Zentimeter.

Die Gießener Hochſchulgeſellſchaft.
Hürzlich ging durch die Zeitungen ein Bericht über das Deutſche
Auslandsinſtitut in Stuttgart, in dem ausgeführt wurde, welche wert=
vollen
Auskünfte durch Auswandererberatung das Inſtitut in den ver=
floſſenen
Jahren geleiſtet, welche ſchweren Wunden der wirtſchaftliche
Niedergang neuerdings dem Auslandsinſtitut aber geſchlagen hat. Zahl=
reiche
zugeſagte Beiträge und Stiftungen ſind ausgeblieben. Weite
Kreiſe müſſen helfen, um durch die Bahl der Beiträge zu erſetzen, was
in hohen Summen jetzt nicht eingehen kann.
In der gleichen Lage wie da3 Auslandsinſtitut in Stuttgart befindet
ſich die Gießener Hochſchulgeſellſchaft die Geſellſchaft von Freunden
und Förderern der Univerſität Gießen.
Die Berechtigung, die Notwbendigkeit des Beſtehens der in ſchwerer
Zeit gegründeten Geſellſchaft iſt in Werbeſchriften, in Zeit ungsartikeln
und in der Gründungsſchrift dargelegt.
In einer Zuſchrift an die Geſellſchaft hat der Herr Staatspräſident
Ulrich die Bedeutung der Hochſchulgeſellſchaft für das Fortleben der
Landesuniverſität mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
Die Gießener Hochſchulgeſellſchaft iſt ein Produſt ihrer Zeit und
damit ihre Gründung für die Landesuniverſität als Notwendigkeit feſt=
geſtellt
. Ich kann nur wünſchen, daß es ihrer Hilfe gelingen möge,
das Intereſſe aller Freunde und Förderer der Landesuniverſität der=
art
zu wecken und zu erhalten, daß ſie den ſteigenden Anſprühen der
Wiſſenſchaft gerecht werden und vollauf genügen kann.
Hat die Gießener Hochſchulgeſellſchaft auch heute noch ihre Berech=
tigung
? Aber ſicher, mehr denn jel Der Staat bewilligt den Hoch=
ſchulen
, was er kann. Aber ſeine zur Verfügung ſtehenden Mittel ſind
beſchränkt. Eine Provinz, Rheinheſſen, iſt beſetztes Gebiet, das dem
Staat keine Erträge bringt, die anderen beiden Provinzen können die
Bedürfniſſe nicht in voller Höhe aufbringen.
Unſere Wirtſchaft einſchließlich des Verkehrs iſt nicht mehr frei.
Frei ſind nur noch unſere Geiſtesgüter, und die müſſen wir uns fpei er=
halten
; ſie bedeuten unſer Nationalvermögen, an dem wir keinen Ab=
trag
erleiden dürfen. Wir müſſen auf dem geiſtigen Gebiete unſeren
Ruf, unſere Führerſtellung bewahren, damit wir tüchtigen, gründlich
geſchulten Nachwuchs in allen Zweigen unſeres Geiſteslebens auch im
Wirtſchnftsleben haben, damit unſer geiſtiges Kapital Zinſen trägt.
Sonſt werden wir von dem kapitalkräftigſten Lande, von Nordamerika,
überfligelt. Viele Millionen ſtehen dort der wiſſenſchaftlichen Forſchung
zur Verfügung. Viele wiſſenſchaftlichen Arbeiten können auch ohne
größere Geldmittel nicht zu einem erſprießlichen Ende geführt werden.
Wie ſteht es nun mit den Mitteln der Hochſchulgeſellſchaft. In den
erſten Jahren ihres Beſtehens konnte ſie mit laufenden Beiträgen und
beſonders mit größeren einmaligen Ueberweiſungen namentlich aus
Induſtriekreiſen ein anſehnliches Kapital bilden, das aber leider ein
Opfer der Inflatton geworden iſt. Der Grundſtock iſt alſo hin. Wie es
heute mit der Induſtrie im allgemeinen ſteht, iſt bekannt; von der
Seite ſind eben keine großen Einnahmen zu erwarten. Es bleiben alſo
in der Hauptſache die Einkünfte aus den Mitgliedsbeiträgen. Wenn
man den 600 Mitgliedern der Gießener Hochſchulgeſellſchaft die Mitglie=
derzahlen
der Geſellſchaften von Marburg mit faſt 3000 von Hannover
mit 5000 und gar von Kiel mit faſt 9000 gegenüberſtellt, ſo iſt das Ergeb=
nis
für Gießen beſchämend. In den Zeiten der größten Not iſt auch
immer in Deutſchland die größte Opferbereitſchaft geweſen. Deshalb
muß jeder, der die Landesuniverſität beſucht hat, jeder, der einen Sohn
oder eine Tochter auf die Univerſität ſchickt, jeder, dem die Erhaltung
und die Freiheit unſerer Kulturgüter, die an der Landesuniverſität ge=
pflegt
und gefördert werden, am Herzen liegt, das kleine Opfer darbrin=
gen
und Mitglied der Gießener Hochſchulgeſellſchaft werden, zumal die
ordentliche Mitgliedſchaft ſchon mit 10 Mk., die außerordentliche mit
5 Mk. erworben werden karn. Anmeldungen und Einzahlungen ſind zu
richten an die Mitteldeutſche Kreditbank, Filiale Gießen, Konto der
Gießener Hochſchulgeſellſchaft.
Könie i. O., 1. Febr. In der Krone hielt die hieſige Orts=
gruppe
des Odenwaldklubs ihr Dekorierungsfeſt ab, mit dem gleich=
zeitig
der Familientag des Kur= und Verſchönerungsvereinz verbunden
iſt. Nach einem einleitenden Muſikſtück und einem gememſamen Lied
begrüßte der Vorſitzende die Mitglieder und Gäſte, unter ihnen den
Schriftführer des Hauptausſchuſſes. Herrn Dr. Götz=Darmſtadt, und gab
einen kurzen Nückblick über die Tätigkeit des Odenwaldklubs im ver=
gangenen
Jahr, die ſich nicht wur auf das Wandern beſchränkte, ſondern
ſich auch auf das wirtſchaftliche Gebiet (Zug= und Autoverbindung,
Hebung der Kur in Könia) erſtreckte. Alsdann richtete der Schriftführer
des Hauptausſchuſſes herzliche Worte der Begrüßung an die Anweſenden.
Er richtete an alle Anweſenden die Aufforderung, mitzuhelfen, den
Heimatgedanken im Odenwaldklub zu ſtärken und wies in dieſem Zu=
ſammenhang
auf das Vorbild, das uns der verdienſtvolle Vorſitzende,
Herr Rektor Schäfer gibt, him. Den Wanderrückblick erſtattete imn launiger
Weiſe Herr Otto Müller und die von ihm hervorgeholten Erinnerun=
gen
löſten oft ein fröhliches Lachen aus. Die Dekorierumg der 12 Damen
und Herren wurde von Herrn Rektor Schäfer vorgenommen, außerdem
wurden von ihm drei Herren für 30jährige Mitgliedſchaft mit dem be=
ſonderen
Ehrenzeichen ausgezeichnet. Dem Vorſitzenden ſelbſt heftete
das Hauptausſchußmitglied das goldene und das 30jahrige Denkzeichen
an die Bruſt. Herr Dr. Götz dankte auch hier dem unentwegten Käm=
pen
und Mitbegründer des Klubs für ſeine langjährige Mitarbeit.
Ein Geſangstrio, ausgeführt von den Herren Zink, Kunkelmann und
Zeltner, Volkstänze des Jungobenwaldklubs, einſtudiert von Fräulein
Schwöbel, am Klavier Herr Lehrer Hehl, Gedichte, vorgetragen von
Herrn Michael Mahla und muſikaliſche Darbietungen dev vorzüglichen
Kapelle Lehr=Kehrmann ſorgten für die nötige Abwechſlung des Abends.
Hetzbach, 2. Febr. Hier fand am letzten Sonntag bei Herrn
Bürgermeiſter Willenbücher eine Verſammlung der Landwirte
unſerer Gemeinde ſtatt, in der Herr Kunkel vom Landwirtſchaftsamt
Michelſtadt in klarer Weiſe das Weſen und die Vorteile der Feld=
bereinigung
für den landwirtſchaftlichen Betrieb darlegte. Die
Ausführungen des Herrn Kunkel fanden hohes Inteneſſe, und es it. zu
wünſchen, daß Hetzbach ſich recht bald zur Durchführumg der Feldbewei=
nigung
entſchließt.
Unter=Sensbach, 31. Jan. Im Saale des Fürſtemauer Hofes
fand eine Filmvorführung ſtatt, die von dem Verbande der heſſ. landw
Genoſſenſchaften veranſtaltet wurde. Der geräumige Saal war bis auf
den letzten Platz beſetzt. Faſt alle Mitglieder der Spar= und Darlehns=
kaſſe
mit ihren Familienangehärigen von Hebſtahl, Unter= und Ober=
Sensbach waren der Einladung gefolgt. Der Rendant der Spar= und
Darlehnskaſſe, Herr Lehrer Fiſcher=Hebſtahl leitete die Verſammlung
und wies in ſeiner Anſprache darauf hin, daß dieſe Filmporträge vor
allem der Belehrung der einzelnen Landwirte dienen ſollen. Herr Lan=
desökonomierat
Gilch hielt zunächſt einen außerordentlich praktiſchen
und inſtruktiven Vortrag über die Awwendung der Düngemittel. Nach
Vorführung des über tauſend Meter langen Filmes entwickelte ſich eine
außerordentlich lebhafte Ausſprache, an der ſich mehrere Genoſſenſchafts=
mitglieder
beteiligten. Insbeſondere wurde die richtige Anwendung der
künſtlichen Düngemittel unter beſonderer Berüickſichtigung der Verhält=
niſſe
m dem Sensbachtal eingehend erörtert. Herr Rendant Fiſcher ver=
wies
noch auf die Kunſtdüngertabelle für das Sensbachtal, die auf An=
regung
der Spar= und Darlehnskaſſe von der landw. Beratungsſtelle des
Verbandes in Darmſtadt aufgeſtellt wurde, die von den Mitgliedern
mit beſonderem Dank entgegengenommen wurden. Auch Nichtmitglieder
können dieſe Düngertabellen von der Spar= und Darlehnskaſſe gegen
Erſtattung der Selbſtkoſten haben. Der Vorſitzende dankte zum Schluſſe
dem Verbande für die Veranſtaltung an dieſem Abend, insbeſondere auch
Herrn Landesökonomierat Giſch. Er mahnte i eindringlichen Worten
die Mitglieder zu treuem Zuſammenhalten in der Genoſſenſchaft und
ſchloß gegen Mitternacht die Verſammlung, die ſehr anregend ver=
laufen
war.
* Aus dem Kreiſe Heppenheim, 2. Febr. Führerkurſe. Am
7. und 14. Februar findet in Mörlenbach ein Führerkurſus für die
Kommandanten und Abteilungsführer der freiwilligen und Pflichtfeuer=
wehren
ſtatt. Beſondere ſchriftliche Einladungen werden in den nächſten
Tagen an die Teilnehmer ergehen. Derſelbe Kurſus wird am 21. und
28. Februar in Hirſchhorn abgehalten.
* Viernheim, 2. Febr. Jagdverpachtung. Bei der am Sams=
tag
erfolgten Verpachtung der hieſigen Gemeindejagd, die etwa 1925 Hek=
tar
Jagdgebiet umfaßt, wurden für den erſten Bezirk 1330 Mk., für den
zweiten 1400 Mk. geboten, für den dritten Jagdbezirk wurde nicht ge=
boten
. Schließlich wurde die Geſamtjagd von dem Fabrikanten Clemm
in Mannheim=Waldhof für den jährlichen Pachtpreis von 4700 Mk. über=
nommen
.

Parlamentariſches.
* Das Wohnungsbauprogramm für 1926.
Im Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags wurde das Woh=
nungsbauprogramm
für 1926 nochmals beſprochen. Den Be=
ratungen
lag ein Antrag der Sozialdemokraten, der Demokraten und des
Zentrums zu Grunde, wonach der im Staatsvoranſchlag für 198 einge=
ſtellte
Betrag von 10 Millionen Mark zur Förderung des Wohnungs=
baues
möglichſt bis zu 15 Prozent der Friedensmiete erfaßt werden ſoll.
Jedenfalls aber ſoll der Mehrbetrag der Sonderſteuer, der ſich über den
im Voranſchlag vorgeſehenen Betrag hinaus ergibt, zur Förderung des
Wohnungsbaues verwendet werden. Die Vorbereitungen für ein zwei=
jähriges
Bauprogramm 1926/27 ſollen ſofort in Angriff genommen wer=
den
und die Staatsregierung wird ermächtigt, eine Anleihe zur Förde=
rung
des Wohnungsbaues aufzunehmen. Die ſtaatlichen und kommunglen
Steueranteile zur Förderung des Wohnungsbaues werden an einer
Stelle verwaltet. Aus allen an der Wohnungswirtſchaft intereſſierten
Kreiſen iſt ein paritätiſcher Ausſchuß zu bilden. Gemeinden kann im
Höchſtfalle bis 4 v. H. der Friedensmiete für 1926/27 Darlehensgeld ge=
währt
werden, wobei die Zuwendungen auf die anliegenden Baudar=
lehensmittel
angerechnet werden können. Außer dieſem Antrag lag dem
Ausſchuß folgende Entſchließung vor: Eine Rückzahlung kann nicht eher
gefordert werden, als die Feſtſtellung des rentierlichen Wertes auf die
Dauer möglich iſt. Die Nückzahlung hat in einem anteiligen Verhältnis
zu erfolgen, das ſich errechnet aus der endgültigen Feſtſetzung des auf die
Dauer zu ermittelnden rentierenden Wertes der ſtaatlich bezuſchußten
Bauten im Vergleich zu den tatſächlichen Baukoſten. Erreicht der ren=
tierliche
Wert den vollen Betrag der Baukoſten, dann iſt das Staatsdar=
lehen
in voller Höhe zurückzuzahlen. Die Staatsdarlehen ſind mit 2 Pro=
zent
zu verzinſen und mit 1 Prozent zu tilgen. Für die Jahre 1925/9
wird der Kapitaldienſt ausgeſetzt. Antrag und Entſchließung wurden
mit 8 gegen 5 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung angenommen. Im
Anſchluß an dieſe Verhandlungen wurde vom Ausſchuß einſtimmig ein
ſozialdemokratiſcher Antrag angenommen, worin die Regierung erſucht
wird, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß Grundſtücke für
Kleinwohnungen Gbis 75 Quadratmeter bewohnte Fläche) von der Grund=
erwerbsſteuer
und den Zuſchlägen befreit werden. Die Notgriatsgebüh=
ſoll
auf 0,8 Prozent ermäßigt werden. Meßbriefe und Lagepläne für
Kleinwohnungsbauten ſollen nur ein Drittel der Gebührenordnung
koſten, wenn das Grundſtück innerhalb des Jahres bebaut wird. Die üb=
rigen
Anträge zum Bauweſen werden für erledigt erklärt.
Der Finanzausſchuß ſetzte hierauf die Beratung des Staatsvoran=
ſchlags
für 1926 bei Kapitel 15 (Ruhegehalte) fort, das angenommen
wurde. Ebenfalls wurde Kap. 19, Staatspräſident, (mit 3 Stimmenent=
haltungen
) angenommen. Ein zu dieſem Kapitel geſtellter Antrag Dr.
Werner 1500 Mark Dienſtaufwandsgelder zu ſtreichen, wurde abgelehnt;
gleichfalls ein Antrag Dr. Leuchtgens=Glaſer, eine Reihe von Stellen auf
den Inhaber zu bewilligen. Zu Kabitel 20 (Staatsverlag), lag ein An=
trag
Heinſtadt=Blank vor, zu prüfen, ob es möglich ſei, die Darmſtädter
Zeitung auch zum Amtsverkündigungsblatt ſämtlicher Provinzen und
Kreiſe zu machen. Das Kapitel, einſchließlich des Antrags, wurde ge=
nehmigt
. Ferner wurden angenommen: Kap. 21 (Auswärtige und
Reichsverhältniſſe), Kap. 22 und 2 (Oberrechnungskammer und Verwal=
tungsgerichtshof
), Kap. 24 (Staatsarchiv), Kab. B (Rheinſchiffahrt), Kat.
26 Poſtgebühren), Kap. R Miniſterium des Innern). Kap. 28 ( Stell=
vertretungs
= und Aushilfskoſten). Zum letztgenannten Kapitel wurde ein
Antrag Widmann (Soz.) angenommen, den hierfür eingeſtellten Betrag
von 167 500 Mark auf 125 000 Mark zu ermäßigen und 6000 Mark für
einheitlichen Kohlenbezug zu ſtreichen. Weiter wurden genehmigt: Kap.
31 (Provinzialdirektion und Kreisämter), Kap. 34 (Arbeitshaus Dieburg),
Kap. 37 (Zentralſtelle für Landesſtatiſtik), Kap. 38 (Kirchen), Kap. 45
Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke), Kap. 45 ( Staatsunter=
ſtützungskaſſe
), Kap. 50 (Nichtſtaatliche Bauſachen) und Kap. 51 ( Hochbau=
weſen
). Einige zu den vorgenannten Kapiteln geſtellte Anträge ſind ab=
gelehnt
worden: bei der Abſtimmung über Kap. 38 (Kirchen) hatten ſich
die Sozialdemokraten der Stimme enthalten. Auch wurde die Regierung
bei Beratung dieſes Kapitels daran erinnert, ein Nechtsgutachten der jurſ=
ſtiſchen
Fakultät in Gießen über das Verhältnis zwiſchen Kirche und
Staat vorzulegen.
In der Dienstagsſitzung des Finanzausſchuſſes wurden die Beratun=
gen
bei Kap. 53 (Landesamt für das Bildungsweſen) fortgeſetzt. Ein An=
trag
Dr. Leuchtgens, die Stellen von 2 Miniſterialräten und 2 Oberräten
auf den Inhaber zu bewilligen, ſowie die entſprechende Zahl von Stellen
mittlerer und Unterbeamten zu ſtreichen, wurde mit 9 gegen 4 Stimmen
bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Ein Antrag Heinſtadt=Blank,
eine Stelle der Rechnungsräte ſowie der Finanz= oder Verwaltungs=
praktikanten
zu ſtreichen und die Inhaber auf andere Stellen zu ver=
ſetzen
, wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Das Kapitel ſelbſt
wurde angenommen. Kap. 54 (Stellvertretungen uſw.), Kap. 55 ( Poſt=
gebühren
) wurden genehmigt. Zu Kap. 58 (Schul=, Turn= und Sport=
weſen
) lag ein Antrag Dr. Keller vor, der die Ausbildung von Turm=
lehrern
und =Lehrerinnen durch einen gkademiſchen Turn= und Sport=
lehrer
will. Er wurde gegen drei Stimmen abgelehnt; das Kapitel ſelbſt
fand Annahme. Kap. 59 (Taubſtummenanſtalten) und 60 (Blindenanſtalt
in Friedberg) wurden genehmigt. Zu Kap, 61a lag ein Antrag Dr. Wer=
ner
, Dr. Leuchtgens und Dingeldetz vor zur Vereinfachung des Aufbau=
ſchulfyſtems
in Heſſen. Statt den bisherigen je 4 Aufbauſchulen ſollen
nur je eine für Knaben und Mädchen beſtehen. Der Antrag wurde mit
8 gegem 4 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Birnbaum will, daß in Alzeh,
Bensheim und Friedberg die Aufbauſchulen auch Mädchen zugänglich
ſind und daß an den Anſtalten Internate für Mädchen errichtet werden.
Der Antrag wurde in der Form angenommen, daß die Regierung die
Prüfung dieſer Vorſchläge vornehmen ſoll, und im übrigen genehmigt.
Ein Antrag Dr. Leuchtgens, die Aufbauſchule in Darmſtadt aufzuheben,
wurde abgelehnt. Kap. 61a wurde dann genehmigt. Kap. 89 ( Landes=
bibliotheh
) wurde genehmigt. Ein Antrag Birnbaum, 5000 Mark für
Aushilfskoſten uſw. zu bewilligen, wurde zurückgezogen, nachdem die
Regierung erklärt hatte, daß an anderer Stelle Mittel hierfür vorge=
ſehen
ſeien.
* Offenbach, 2. Febr. Zeitungsnachrichten zufolge wurden am ver=
gangenen
Samstag unſer Oberbürgermeiſter und Bürgermeiſter Rech in
den Provinzialausſchuß gewählt. Da Beigeordneter Eißnert dem Kreis=
ausſchuß
angehört, ſo iſt hier der gewiß ſeltene Fall zu verzeichnen, daß
die Hälfte einer Stadtverwaltung auch Mitglied des Kreis= oder Pro=
vinzialausſchuſſes
iſt. Es iſt nur recht und billig, daß in einer Zeit, in
der jeder Privatmann mit eigenen Sorgen überlaſtet iſt, eine Stadt, die
dem Provinzialausſchuß beſonders durch Geſuche um Erlaubnis zum
Betriebe einer Gaſtwirtſchaft fortwährend Verhandlungsſtoff liefert,
einen verhältnismäßig hohen Bruchteil zur Beſetzung des Provinzial=
ausſchuſſes
ſtellt, wenn ihre Verwaltung durch dieſe Uebernahme frei=
williger
und gemeinnütziger Arbeit auch nicht unweſentlich belaſtet wird.
Von den 6 Mitgliedern unſeres Kreisausſchuſſes wohnen 4 hier, von den
30 Kreistagsmitgliedern mehr als ein Drittel.
WSN. Rüſſelsheim, 2. Febr. NeueAufträgefürdie Opel=
werke
. Von den Opelwerben wird eine Beſſerung der Lage am Auto=
markt
gemeldet. Die Nachfrage nach 10 PS= und 4 PS=Perſonenwagen
ſteigt von Tag zu Tag, ſodaß mit einer baldigen Beſſerung der Geſchäfts=
lage
zu rechnen iſt, was ſich bereits auch auf dem Arbeitsmarkt im Groß=
Gerauer Bezirk ausgewirkt hat, wo die Erwerbsloſenziffer in der ver=
gangenen
Woche um 425 auf 6902 zurückgegangen iſt.
* Friedberg, 1. Febr. Der neugewählte Kreistag für den Kreis
Friedberg trat am 30. Januar unter dem Vorſitze von Herrn Kreisdirek=
tor
Gebhard zur erſten Sitzung zuſammen, ſämtliche 30 Mitglieder waren
anweſend, die 7 neu eingetretenen Abgeordneten wurden verpflichtet. Bei
der Wahl des Kreisausſchuſſes erhielt der ſozialdemokratiſche Wahlvor=
ſchlag
14 Stimmen, der Wahlvorſchlag der Deutſchnationalen Volkspar=
tei
und des Bauernbundes 15 Stimmen, ein weißer Stimmzettel wurde
abgegeben. Als Kreisausſchußmitglieder wurden gewählt: Schaub=
Büdesheim, Kroner=Vilbel, Judersleben=Friedberg (Soz.), v. Helmolte
Friedberg, Vorbach=Rodheim (Ontl. u. Bauernb.) und Schröder= Fried=
berg
(Ztr.) als Erſatzleute: Raute=Friedberg, Buß=Großkarben Wieder=
mannNauheim
(Soz.), Jöckel=Friedberg (Dnatl.), Ulrich=Friedberg
(Wirtſchaftsp.) und Dickler=Friedberg (D.V.). Der Antrag des kom=
muniſtiſchen
Mitgliedes Oppenheimer=Butzbach auf Wahl eines ſozial=
politiſchen
und Wohnungsausſchuſſes, wurde abgelehnt. Die Anträge auf
Milchverſorgung für die Kinder Erwerbsloſer und Uebernahme einiger
Bauſparkonten auf den Kreis, wurden dem Kreisausſchuß überwieſen.
Die Tagegelder werden auf zwei Drittel der ſeitherigen Sätze ermäßigt.
Der Beſchluß wird mit allen gegen die Stimme des Kommuniſten Oppen=
heimer
gefaßt.

Ktattenkaups Weinbraaden Likore
werden von den meisten Verbrauchem zu den allerbesten gerechnet
(STOLFENKAMP WEINBRENNEREL uTIKÖRFABRIK.DARMTTADT. TELFFON 20B5.

NeineNatnehrt
Sie können Fhre Ifd.
Zimmerarbeit, ſtets
fachgemäß u. billigſt
geg wöchentl. Raten=
zahlung
ausgeführt
haben. Material muß
geſtellt werd. Ang u.
K 39 Geſchſt. (*3101

[ ][  ][ ]

tshaus 2

Arua 94

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Ot4

Die Anfänge des Aboot=Krieges.
Zum 4. Februar.
Von Kapitänleutnant Joachim Lietzmann.
ais uns im Jahre 1914 der große Krieg die ſtärkſte Flotte
der Welt zum Gegner machte, ſtand unſere Ubootswaffe noch in
den erſten Anfängen ihrer Entwicklung. Weder aus Zeiten
früherer Kriege noch auf Grund von Friedensübungen lagen Er=
Fabrungen vor, die eine vorausſchquende Beurteilung der militä=
riſchen
Verwendungsmöglichkeiten von Unterſeebooten zuließen,
gund auch auf rein ſeemänniſchem Gebiet tappte man hinſichtlich
ihrer Leiſtungsfähigkeit noch völlig im Dunkeln.
So kam es, daß man ſich in den erſten Kriegstagen darauf
beſchränkte, die im übrigen noch nicht ſehr zahlreichen Boote zur
Entlaſtung der übrigen Hochſeeſtreitkräfte in den Vorpoſtendienſt
einzuſtellen. Die Inſel Helgoland als Stützpunkt, ſtanden ſie in
der Deutſchen Bucht auf der Wacht, ohne daß ihre damals aller=
dings
noch in ihnen ſchlummernde gewaltige Kampfkraft zur Ent=
faltung
kommen konnte.
Doch nicht lange währte dieſe Epiſode. Das Drängen nach
offenſiverer Betätigung, das zumal angeſichts des Ausbleibens
feindlicher Kampfhandlungen ſchon damals den Angriffsgeiſt un=
ſerer
Ubootskommandanten und =Beſatzungen kennzeichnete, und
der Umſtand, daß das Material ſich in dieſen erſten Tagen allen
kriegsmäßigen Beanſpruchungen vollauf gewachſen gezeigt hatte,
lenkten die Verwendung der Waffe bald in eine andere Richtung.
Es war ein kühner Entſchluß, der noch in der erſten Auguſt=
hälfte
zur Durchführung kam und zur Aufklärung gegen den
Feind eine breite Linie von nicht weniger als zehn Ubooten bis
zu den Gewäſſern zwiſchen den Shetlandsinſeln und der norwe=
giſchen
Küſte entſandte. Das Ergebnis rechtfertigte jedoch, wenn
auch keine militäriſchen Erfolge gegen feindliche Flottenkräfte er=
zielt
wurden, vollauf die in dieſe erſte Undernehmung größeven
Stils geſetzten Erwartungen. Fern der Heimat, auf offenem
Ozean und ohne die ſchützende Nähe eines Stützpunktes, hatten
die Boote perſonell und materiell faſt ausnahmslos die Fähr=
niſſe
der Witterung ſpielend bemeiſtert. Sie brachten neben wich=
tigen
Aufſchlüſſen über das bis dahin ungeblärte Verhalten des
Feindes eine Fülle von Erfahrungen zurück, deren Verwertung
ſie zu weiteren Offenſivſtößen in die Lage verſetzte, zugleich aber
auch die Einſchätzung dieſes Kampfmittels mit einem Schlage auf
eine völlig neue Grundlage ſtellte.
Die folgende Zeit kennzeichnete ſich durch Unternehmungen
vei militäriſcher Art, die zwar bei der erzwungenen Untätigkeit
der beiderſeitigen Schlachtflotten vielfach ergebnislos verliefen,
aber im Laufe der Zeit dennoch zu einer Reihe nennenswerter
Erfolge führten. So fielen nacheinander die engliſchen Kreuzer
Pathfindr, Hawke und Hermes, das Linienſchiff Formidable, das
Kanonenboot Niger und ein Unterſeeboot, ferner der ruſſiſche
Kreuzer Pallada den mit ebenſo großer Kühnheit wie zäher Tat=
kraft
durchgeführten Angriffen unſerer Uboote zum Opfer. Ihren
Höhepunkt aber fand dieſe Epiſode in der Verſenkung der briti=
ſchen
Kreuzer Creſſy, Hogue und Aboukir durch U. 9, Kapitän=
leutnant
Weddigen. In wenig mehr als einer Stunde fielen hier
40 000 Tonnen feindlichen Panzerkreuzermaterials durch ein klei=
nes
deutſches Uboot der Vernichtung anheim, ein ungeheuerliches,
ſelbft von den kühnſten Phantaſten kaum erträumtes Ereigmis
welches in England panikartige Beſtürzung, in der deutſchen
Heimat aber jubelnde Begeifterung hervorrief.
So trugen unſere Uboote die Offenſive bis an die Küſten
des Feindes und errangen vor den Toren ſeiner Häfen Erfolge,
denen er trotz ſeiner zahlenmäßigen Ueberlegenheit nichts Gleich=
wertiges
endgegenſtellen konnte. Gleichzeitig damit aber eröffnete

ſah unſerer Seekriegsführung die Ausſicht, den Geguer an ſeiner
empſindlichſten Stelle zu treffen. Wieder waren es die Uboots=
flottillen
ſelbſt, aus derem Mitte auf den erzielten Erfahrungen
füßend, die Anregung erging, die Kriegführung gleichermaßen
auch auf den feindlichen Handel auszudehnen. Nur ſo konnte viel=
leicht
die gegneriſche Schlachtflotte veranlaßt werden, ihre bis=
herige
Reſerve außerhalb des Zugriffs unſerer Geſchütze aufzu=
geben
, und nur ſo konnte der ſeit Kriegsbeginn durch Abſchnü=
rung
der Nordſee über das deutſche Volk verhängten Hunger=
blockade
entgegen getreten werden.
Es handelte ſich hierbei nicht um eine bloße Vergeltungsmaß=
nahme
gegenüber der fortgeſetzten Reihe geſchickt bemäntelter,
deshalb aber nicht minder ungeheuerlicher britiſcher Verſtöße ge=
gen
das Völkrrecht. Es war vielmehr unſer gutes Recht, ein
Recht, das, wenngleich mit anderen Mitteln, durch die Seekrieg=
führung
langer Jahrhunderte geheiligt und durch internationale
Vereinbarungen ausdrücklich anerkannt war. Dieſe ſachliche Tat=
ſache
iſt vielfach, und nicht zuletzt in willensſchwächender Weiſe
im deutſchen Volke ſelbſt, leidenſchaftlich beſtritten worden. Der
Umſtand jedoch, daß heute das genannte Recht nach überſtandener
Gefahr von unſeren einſtigen Gegnern für künftige Kriegsfälle in
vollem Umfange für ſich in Anſpruch genommen wird, mag auch
den hartnäckigſten Zweifler zum Nachdenken anregen.
Nur durch den uneingeſchränkten, auch auf den Handel aus=
gedehnten
Ubootskrieg waren wir in der Lage, unſeren erbittert=
ſten
Feind nachdrücklich zu treffen. Ja, dieſes Mittel wurde im
Laufe der Zeit zum alleinigen, welches das Schickſal zu unſeren
Gunſten wenden konnte. In vorahnender Erkenntnis dieſer
Dinge wurde ſchließlich zu Beginn des Jahres 1915 ſeitens der
maßgebenden Stellen den drängenden Vorſtellungen der Marine
ſtattgegeben. Am 4. Februar brachte der deutſche Reichsanzei=
ger
die nachſtehende Bekanntmachung, die zugleich den Regierun=
gen
aller Länder zuging:
1. Die Gewäſſer rings um Großbritannien und Irland ein=
ſchließlich
des geſamten Engliſchen Kanals werden hiermit als
Kriegsgebiet erklärt. Vom 18. Februar 1915 an wird jedes in
dieſem Kriegsgebiet angetroffene feindliche Kauffahrteiſchiff zer=
ſtört
werden, ohne daß es immer möglich ſein wird, die dabei der
Beſatzung und den Paſſagieren drohenden Gefahren abzu=
wenden
.
2. Auch neutrale Schiffe laufen im Kriegsgebiet Gefahr, da
es angeſichts des von der britiſchen Regierung angeordneten
Mäßbrauchs neutraler Flaggen und der Zufälligkeiten des See=
krieges
nicht immer vermieden werden kann, daß die auf feind=
liche
Schiffe berechneten Angriffe auch neutrale Schiffe treffen.
3. Die Schiffahrt nördlich um die Shetlandinſeln, in dem
öfülichen Gebiet der Nordſee und in einem Streifen vom minde=
ſtens
30 Seemeilen Breite entlang der holländiſchem Küfte, iſt
nicht gefährdet.
Damit war der Ubootshandelskrieg proklamiert. Die Ur=
ſachen
, weshalb der eingeſchlagene Weg nicht mit klarer Folge=
richtigkeit
durchgeführt wurde, ſollen hier nicht unterſucht wer=
den
. Darin aber, daß nach unzähligen, die aufopferungsvolle
Tätigkeit unſerer Boote auf das Schwerſte beeinträchtigenden
Hemmungen erſt zwei volle Jahre ſpäter der uneingeſchränkte U=
bootskrieg
einſetzen durfte, liegt eine tieſe Tragik. Sie wird auch
durch den Todesmut der braven Beſatzungen nicht gemildert,
denen es auch dann noch gelang, trotz der inzwiſchen gewaltig ent=
wickelten
Gegemwirkung Monget hindurch zeitweiſe mehr als eine
Million feindlicher Handelstonnage auf den Meeresgrund zu ver=
ſenken
. Wie nahe wir uns trotz des unwiederbringlichen Zeit=
verluſtes
am Ziel befunden haben, dürfte nach den zahlreichen
inzwiſchen erfolgten Veröffentlichungen unſerer Gegner hinläng=
lich
bekannt ſein.

Viele Jahre ſind nach jener für uns ſo ausſichtsreichen Pro=
klamation
vergangen. Das Meer hat ſich ſeitdem von neuem be=
lebt
. Die kleinen grauen Fahrzeuge aber, die einſt wie Könige
den Ozean beherrſchten, ſind nicht mehr. Nur die Stürme, die
unverändert heute wie damals die brandenden Wogen gegen das
rote Felſeneiland rollen, wiſſen noch das alte Lied zu ſingen, das
Lied von Trutz und Treue, vom Ruhme, aber auch von der bit=
teren
Not des Geſchlechtes, das vier Jahre hindurch auf allen
Meeren den ſchweren Kampf gegen die feindliche Welt wie gegen
die Naturgewalten ſo mannhaft durchgefochten hat.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 3. Febr. 33.30; Jugendstunde. X.,45: Hausorch:: Fefiz
Mendelssohu-Bartholdy (geb. 3. Febr. 1809). 1. Our. Die Hebriden‟
2. Zwei Lieder: 2) Suleika; b) O Jugend, o schöne Rosenzeit. 3. Opv.
Ruy Blas. 4. a) Gondellied; b) Frühlingslied a. d. Liedern ohne
Woxte für Klavier. 5. Our. Athalia‟. 6. Zwei Lieder: a) Das
erste Veilchen; b) Auf Flügeln des Gesangen. 7. Ouv. Die Heimkehr
aus der Fremde‟ 8. Sommernachtstraum, Our Annie Wiegand, Alt-
Flügel: Dr. Merten. X 56: Ubertragung von Hamburg: Funkheinzei-
manns
Kindertheater von Hans Bodenstedt. Lieder von C. Krüger. X
66.30: Ingenieur Ludwig: Neuzeitliche Klär- und Rückgewinnungs-
anlagen‟
X 6.307: Bücherstunde. X 77.30: Dr. Heinemann: Di
neue Gestalt der Fhilosophie der Gegenwart. I. Krisis‟ X 7.30; Vber-
tragung
aus dem Frankf. Opernhaus: Troubadour‟. Oper von Verdi.

Stuttgart.

Mittwoch, 3. Febr. 3: Jugendstunde (Elsa Pfeiffer Karl Köstlin). X
4.30: Rundfunkorch. (F. Mendelssohn-Bartholdy geb. 1809.) Hochzeits-
marsch
a. Sommernachtstraum Vier Lieder ohne Worte. Our.
Meeresstille und glückliche Fahrt. Andante z. d. Violinkonzert ( Konzert-
meister
Künstner). Suite a. Sommernachtstraum‟. Die Hebriden, Our.
Aus Werken von Carl Hauptmann (gest. 3. 2. 1921). X 6.30: Englisch. X
7: Unjr.-Prof. Dr. Weiße, Tübingen: Spanjen im Zeitalter der Gegen-
revolution
. X 7.30: Oberstleutnant von Stockmaver: Rückblick und Aus-
blick
auf die Sendetätigkeit der Funkfreunde. 8: Die schönsten Lust-
spiele
der Weltliteratur. Das rümische Theater Nachahmung der griech.
Komödie. Plautus und Terentius. (Vortr.: P. Enderling.) Anschl.:
Die Gefaugenen, Komödie von Plautus. Ubers von Lessing. Pers.:
Engazilus, ein Parasit (M. Heve); Hegio, ein Greis (K. Köstlin); Ein
Schließer (C. Seelow); Philoerates (E. Stockinger); Tyndaros (G. Ott);
Aristophantes (Ph. L. Mayring); Diener des Hegio (K. Albrecht); Philo-
Dolemos (H. Gaick); Stalagmus (H. Kurt). Anschl.: Tanzabend. Mitw.;
Maria Theresia Deimann: H. Werder; Jazzbandkapelle d. Philharm. Orok,
Chili Bom Bom. Marcheta. Arabiang. Ich und Du. Budenzauber.
Zigennerleben. Er soll dein Herr sein. Haremenacht. Meseritz. Koketteris.
Monna Vanna. Küß mich. Auf dem Maskenball, O, du himmelblauer
See. Oh Baby. Mach mich Ma Jong. Venczia. Ely. Hawai.

Berlin.

Miitwoch, 3. Febr, 7.50; Die Funkprinzessin erzühit: Die Bremör
Stadtmusikanten. Die Scholle. Die Sternthaler. Der Fuchs und die
Gänse- Der Zaunkönig. X 4.50: Funkkapelle. Bousa: Gladiatoren-
Marsch. Barbieri: Our. Perdita‟ Ralf: Ballet phant. Ohlsen: Estrella,
Böllermann: Variationen (Cello-Solo). Grieg: Norw, Brautzug. Bhode;
Mitternachtsspuk. Urbach: Musik Potp. X 6.46: Gartendir, Lesser:
Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde‟ + 7.15: Dr. Sacha:
Lockere Zähne‟ X 7.4: General Schlee-Pascha: Die graßarabisché
Frage‟ X 8.30: Hendelssohn-Abend. Mitw.: Josek Wolfsthal, Violine.
Einl. Worte (Siegm. Pisling). Vlolin-Konzert E-moll. Bchottlsche
Sinfonte, X 10.30: Tanzmusik,
Königswusterhauson, 8: Fr. Bohmitzi Die Berücksichtigung der waib-
lohen
Eigenart in den Mädohenschelen. X 3.30: Alftert und Fri.
van Eyzeren: Spanlsch für Anfänger, X 4: Prok, Lampei Allgemeind
Wirtsohaftsgeograplte, X 4.B: Frl. Anna v. Gerke: Die Frau alr Wirt-
schafterin
.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maup=

Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Strecſe
Vexantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußdienſt: Andreas Bauer
Veranwwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich m Darmſtadt.

Die heutige Nummer hat 16 Geiten.

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[ ][  ][ ]

Selfe 8

Nummer 34

Reich und Ausland
Reichskommers des Akademiſchen Turnbundes A. T. B.
Die Akademiſche Turnbundswoche fand ihren wirkungsvollen Höhe=
Bunkt in dem Reichskommers, der in der Berliner Philharmonie unter
Leitung von Profeſſor J. Heinrich, dem bekannten Führer der Jugend=
bewegung
, vevanſtaltet wurde. Zahlreiche Alte Herren und die große
Zahl der Aktiven, umrahmt von den Chargierten der 44 Bundes=
korporationen
aus dem ganzen Reich, Danzig und Deutſch=Oeſterreich,
hatten ſich in Erinnerung früherer ſchöner Tage eingefunden. Ebenſo
groß war die Zahl der Ehrengäſte, unter denen man bemerkte: Gou=
verneur
a. D. Exz. Schnee, Staatsminiſter a. D. Domiwikus, General=
leutnant
Exz. Laube, Miniſterialdirektor Daniels vom Reichsminiſterium
des Innern, Miniſterialrat Dr. Ottendorf vom Preußiſchen Volkswohl=
fahrtsminiſterium
, Geheimrat Prof. Dr. Dietrich Schäfer, Prof. Berger
von der Deutſchen Turnerſchaft, Rektoven und Senate der Berliner Hoch=
ſchulen
, Vertreter des Reichswehrmimiſteriums, der Heeres= und Marine=
leitung
und des Preußiſchen Kultusminiſteriums. Die Begrüßungsrede
hielt Cand. ing. Sauer als Vorſitzender des A. T. B. Reichskanzler
Dr. Luther hatte es ſich nicht nehmen laſſen, trotz ſeiner dienſtlichen
Ueberlaſtung, wenn auch zu ſpäter Stunde zu erſcheinen, um dem Kom=
mers
und dem A. T. B. ſeine Grüße zu überbringen und kurze Zeit im
Kreiſe ſeiner Bundesbrüder zu verleben. Stürmiſchen Beifall löſte die
von Univerſitätsprofeſſor Dr. Hübwer=Münſter gehaltene Feſtrede aus
der den jungen A. T. B.ern die Beſeelung des Staatsgedankens durch
Pflege deutſchen Volkstums im Sinne Jahns hinſtellte. Die praktiſche
Betätigung Jahnſchen Geiſtes zeigten die hervorragenden Freiübungen
der A. T. V.=Eiſelen ſowie die vorbildlichen Barren= und Reckübungen
der Bundesriege. Cand. ing. Raffelsberger vom Wiener A. T V.
ehrte in der Damenrede die deutſche Frau als Hütevin deutſchen Weſens,
beſonders in den Grenzlanden. Lange hielt die weihevoll=feſtliche Stim=
mung
die A. T. B.er mit ihren Gäſten zuſammen.
* Nicht aufgeklärter Mord.
S. Frankfurt. Vor einigen Tagen wurde in Höchſt die Leiche
des Küfers Knöll aus dem Waſſer gezogen, die mehrere Meſſerſtiche
und ſonſtige Verletzungen aufwies, ſo daß kein Zweifel darüber be=
ſdehen
konnte, daß Knöll einem Verbrechen zum Opfer gefallen war.
Die Nachforſchungen der Kriminalpolizet haben ergeben daß K. mit
einem größeren Geldbetrag anfangs Dezember nach Frankfurt bam, um
hier einige vergnügte Tage zu verleben. ,Knöll, der zuletzt in Beglei=
tung
einer Proſtituierten geſehen wurde, die aber über ſeinen Verbleib
michts weiß, iſt wahrſcheinlich in der Frankfurter Altſtadt Ver=
brechern
in die Hände gefallen, die ihn betrunken machten,
überfallen und dann beraubt haben. Die Leiche wurde dann in den Main
geworfen.
* Frankfurter Chronik.
S. Die Frankfurter Waſſerwerke werden in Zukunft auch die
Stadt Höchſt verſorgen, da dieſe ſonſt ein eignes Waſſerwerk bauen
müßte. Der Stadt Frankfurt entſtehen durch den Bau von Rohrleitungen
und Waſſermeſſern zunächſt Unkoſten von 700 000 Mark, die ſich aber durch
den mit Höchſt auf 50 Jahre abgeſchloſſenen Vertrag amortiſieren wer=
den
Die Zentrale für Werbe= und Ausſtellungsweſen plant für die
nächſte Zeit eine Ausſtellung, die Frankfurts Beziehungen zu
Amerika ſchildern ſollen. Die ſtädtiſche Vergnügungsſtener=
ſtelle
hatte von der Poſt eine Steuer von über 1000 Mark für die
Rundfahrten in Omnibuſſen verlangt. Der Magiſtrat iſt jetzt vom Ober=
verwaltungsgericht
mit dieſer Forderung abgewieſen worden.
Der Rechtskonſulent Roſenbaum war im Vorjahre wegen wieder=
holten
Betruges zu zwei Jahren Gefängwis verurteilt worden. R. hat
Berufung eingelegt und eine große Anzahl neuer Zeugen laden laſſen,
darunter auch zwei kaiſerliche Prinzen, zu denen er beſondere
Beziehungen gehabt haben will.
s. Die Betriebe von Hambitzer und Schaub, die unter Ge=
ſchäftsaufſicht
ſtehen, hatten zu einer Gläubigerverſammlung einberufen,
in der beſchloſſen wurde, an die Gläubiger eine Abſchlagszahlung von
33 Proz. in der nächſten Zeit zu verteilen. Die bisherigen Inhaber
ſcheiden aus der Firma aus, deren Lokalitäten für 66000 Mark an den
Hotelier Vierig vermietet wurden. Der Biſchof von Fulda
hat in Frankfurt ein neues Dekanat errichten laſſen. Zum erſten
Dechanten wurde Pfarrer Karl Becker ernannt. Die jugendlichen
Schloſſer Zimmermann und Neuner und der Bäcker Schneider wollten
ſich die Mittel zum Beſuch von Maskenbällen durch Einbwiche verſchaffen.
Sie wollten über Dächer und Luftſchächte in ein großes Pelzwarengeſchäft
eindringen, wurden aber von dem Hausmeiſter überraſcht und der Polizei
übergeben. Amtsgerichtsrat Dr. Goltermann=Idſtein wurde an
das Frankfurter Oberlandesgericht berufen. Bei Anruf der Feuerwehr
iſt hier dieſelbe Einrichtung wie bei den Ueberfallkommandos getroffen.
Es braucht ohne Nennung einer Nummer nur Feuerwehr in den Appa=
rat
gerufen zu werden, um ſofort mit der Meldeſtelle verbunden zu
werden.
Tagung des kurheſſiſchen Kommunallandtages.
WSN. Kaſſel. Der 53. Kommunallandtag für den Regierungsbe=
zirk
Kaſſel wurde nachmittags durch den Oberpräſidenten für Heſſen=
Naſſau Dr. Schwander eröffnet. Der Oberpräſident führte aus, daß
dieſer Landtag in eine ſchwere Zeit falle, die das ganze Wirtſchafts=
leben
, insbeſondere die Landwirtſchaft, mit Sorgen und Not erfülle.
Die Landwirtſchaft ſei beſonders deshalb ſchwer erfaßt worden, weil.
ſie von einer Unwetterkataſtrophe vor zwei Jahren noch Kredite abzu=
tragen
habe und auch jetzt durch Hochwaſſer ernſtlich geſchädigt worden
ſei. Trotzdem ſei zu danken, daß die Landwirtſchaft nicht in dem Maße
in unſerem Bezirk mitgenommen worden ſei, wie in anderen preußi=
ſchen
Landesteilen, wo zahlreiche Zwangsverſteigerungen den Ernſt der
Lage der Landwirtſchaft am deutlichſten bewieſen. Schwierig ſeien auch
die Verhältniſſe in der Induſtrie und Handel. Das große Heer der
Arbeitsloſen werde Gegenſtand ernſter Sorge des neuen Landtags ſein.
Inſofern ſei dem alten Landesausſchuß zu danken, daß er noch im In=
tereſſe
der Arbeitslofen große Mittel bereitgeſtellt habe, um Notſtands=
arbeiten
im Regierungsbezirk zur Ausführung zu bringen. Es handle
ſich hierbei um ſehr erhebliche Beträge, die der Ausſchuß übernommen
habe, und ſei an die Grenze der Leiſtungsfähigkeit gegangen worden.
Unter lebhaftem Beifall des Kommnallandtags gedachte der Ober=
präſident
der Befreiung von 2½ Millionen Deutſchen von der fremden
Beſatzung und entbot den Brüdern und Schweſtern am Rhein die Grüße
des Kommunallandtags.
In den darauf erfolgenden Wahlen wurde zum Präfidenten Land=
rat
a. D. Rittergutsbeſitzer v. Keudell=Eſchwege gewählt. Stellverteter
wurde Oberbürgermeiſter Antoni=Fulda. Die nächſte Sitzung des
Kommnnallandtags wird am Mittwoch, den 3. Febr. vorm. 9½ Uhr
ſtattfinden.
Direktor Karl Müller geſtorben.
Berlin. Direktor Karl Müller, Erſter Stellvertvetender Vor=
ſitzender
des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger (Herausgeber der deut=
ſchen
Tageszeitungen), Mitglied des Aufſichtsrats der Continental= Tele=
gvaphen
=Compagnie (Wolffs Telegraphiſches Büro), Vorſitzender des
Aufſichtsrats des Nachrichtenbüros des Vereins Deutſcher Zeitungsver=
leger
und der Handelsgeſellſchaft Deutſcher Zeitungsverleger, eine der
führenden Perſönlichkeiten des deutſchen Zeitungsweſens, iſt am Somn=
tag
abend in Wolfsgrund bei Altheide nach kurzem Krankenlager im
Alter von 63 Jahren am Herzſchlag verſchieden.
Zum Fall Komiſche Oper.
Berlin. Das Achtuhr=Abendblatt berichtet zu der Angele=
genheit
der Komiſchen Oper, die Verpachtungskommiſſion der Komiſchen
Oper verhandle gegenwärtig mit verſchiedenen Reflektanten über die
Verpachtung der Komiſchen Oper. Die Kommiſſion habe alle An=
gebote
auf Umſtellung der Komiſchen Oper in ein Lichtſpieltheater ab=
gelehnt
und berückſichtige nur Intereſſenten, bei denen die Garantie ge=
boten
wird, daß wenigſtens ein Teil des bisherigen Perſonals weiter
beſchäftigt wird. Eine Prüfung der Finanzverhältniſſe habe ergeben
daß ein Konkursverfahren völlig zwecklos ſein würde,
weil aller Wahrſcheinlichkeit nach das Gericht den Konkursantrag
mangels Maſſe ablehnen würde.
In einem Granatloch verhungert und erfroren.
Berlin. Auf dem Tegeler Schießplatz fanden Spaziergänger
die Leiche eines Mannes, der als ein 40 Jahre alter, aus Magdeburg
gebürtiger Arbeiter Otto Schäfer feſtgeſtellt wurde. Die Beſichtigung
der Leiche ergab, daß der Mann unterernährt war und infolge
der Schwäche in dem Unterſchlupf, zu dem ihm das Granatloch diente
unter der Einwirkung der Kälte geſtorben iſt.
Engliſche Anerkennung für das Rettungs,verk der Bremen.
London. Der Dampfer Bremen, der in der letzten Woche
den leider nicht voll erfolgreichen Verſuch machte, die Mannſchaft des
Dampfers Lariſtan zu retten, iſt am Montag morgen in
Queenstown angekommen. Die geretteten Mitglieder der Beſatzung ſind
voll Lobes über den Heldenmut der Offizieve und Mannſchaften der
Bremen. Ein Matroſe von der Mannſchaft des Lariſtan gab ſeiner
Bewunderung über die gute und freundliche Behandlung, die ihm die
Deutſchen an Bord der Bremen zuteil werden ließen, Ausdruck. Der=
Kapitän der Bremen wurde in Queenstown von den Spitzen der Be=
hörden
begrüßt, die ihm den Glückwunſch der Bevölkerung zu ſeiner
dlänzenden Leiſtung au

Mittwoch, den 3. Fedruar 4620

Im Flugzeug über den Ozean.
Die ſpaniſchen Flieger in Südamerika.
Paris, 2. Februar.
Die ſpaniſchem Flieger, die am Sonntag Südamerika erreich=
ten
, ſind um 6.30 Uhr abends (weſteuropäiſche Zeit) im Hafen
von Pernambuco gelandet. Nach dem hier aus Madrid einge=
troffenen
Funktelegramm ging die Fahrt zunächſt glatt vonſtatten.
Das Waſſerflugzeug war am Samstag bis gegen mittag in dau=
ernder
drahtloſer Verbindung mit einem der beiden Begleitſchiffe.
Ein wenig ſpäter weldete eine Depeſche des ſpaniſchen Konſuls
in Pernambuco, daß die Flieger mit der Inſel Fernando de
Noroha, die zwiſchen den Kap Verdiſchen Inſeln und Amerika
liegt, funkentelegraphiſch in Verbindung getreten waren. Dann
wurden die Nachrichtem weniger günſtig. Ein Telegramm mel=
dete
daß die Flieger gegen 8 Uhr abends bei der Inſel Fernando
de Noroha auf offener See niedergegangen ſeien und daß ſie
verſuchten, an die Inſel heranzukommen. Dieſe Nachricht wurde
ſpäter beſtätigt. Mojor Franco hatte aus Furcht, daß ſein Ben=
zinvorrat
nicht autsreichen wünde, zu landen beſchloſſen, um auf
der Inſel Fernando de Noroha dieſe Vorräte zu ergänzen. Vom
den Wellen hin= und hergeworfen, verbrachte die Mannſchaft die
ganze Nacht auf dem Waſſer. Auf die drahtloſen Rufe des Flug=
zeuges
hin machte ſich eines der Begleitſchiffe auf die Suche
nach dem Flugzeug, und konnte es am Sonntag vormittag fin=
den
. Mit größten Schſwierigkeiden gelang es, die Bremnſtoffvor=
räte
des Flugzeuges von dem Begleitſchiff aus zu ergänzen, ſo
daß der Weiterflug dann ſtattfinden konnte. Bei einem zweiten
Verſuch gelang der Start gegen 3 Uhr nachmittags ( weſteuro=
päiſche
Zeit). Der Reſt des Fluges verlief regelmäßig, und um
6,30 Uhr konnten die Flieger in Pernambuco landen.
DD. Paris. Zu der erfolgten Landung der ſpaniſchen Südamerika=
flieger
in Pernambuco wiſſen die Blätter noch zu berichten, daß das
Flugzeug bei der Landung im Hafen beinahe Schiffbruch erlitten hätte.
Eine rieſige Sturzwelle beſchädigte das Flugzeug ſehr ſchwer, die Flieger
mußten mit einem Motorboot an Land geſchafft werden. Der Apparat
bedarf einer eingehenden Reparatur. Die Flieger beabſichtigen, ihren
Flug über Rio de Janeiro nach Buenos Aires fortzuſetzen und von dort
über Chile, die Vereinigten Staaten und Kuba nach Spanien zurück=
zufliegen
.
Landung der ſpaniſchen Flieger in Braſilien.
Nach einer Meldung aus Pernambuco iſt der Fliegerwajor
Franco nach ſeiner Ankunft auf dem braſilianiſchen Boden nieder=
gekniet
und hat die Erde geküßt, um damit die ſymboliſche Geſte
von Chriſtoph Columbus nachzuahmen und zu verſtehen zu geben,
daß Europa jetzt mit Südamerika auf dem Luftwege verbunden
ſei. Bei der Ankunft des Fliegers läuteten 150 Glocken der Stadt
und mehrere Tauſend Bewohner, die ſich auf den Quais ver=
ſammelt
hatten, brachten ihm eine begeiſterte Ovation dar.

Stimmen ans dem Leſerkreiſe.

Gür M DeFſendlchngen miter dieſer üsberſchriff übernimmt die Redatfien keinstd D.
erstmertung; für ſie bleibt arf Grund des 6 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfong
der Oinſender verantwortſich.) Einſendungen, die nicht verwendet werden, fönnen micht
zurückgeſandt, die Ablebnung nicht beanlindet werden
Zur Notiz in Nr. 32 vom 1. d. M. Aufkäufer von Alter=
tümern
wird um Angabe der ſachverſtändigen Stellen gebeten, an die
man ſich um Nat wenden ſoll.

Briefkaſten.

Vierzig Perſonen an Fleiſchvergiftung erkrankt.
Berlin. In dem Dorfe Oberlaſzik in Oberſchleſien ſind
40 Perſonen an ſchwerer Fleiſchvergiftung erkrankt. Davon iſt eine Per=
ſon
bereits geſtorben. Mehrere andere befinden ſich in Lebens=
gefahr
. Eine polizeiliche Unterſuchung iſt im Gange.
Die Heilige Pforte von Sankt Peter wieder geſchloſſen.
* Rom. Am Montag abend wurden in Sankt Peter die letzten
Arbeiten zur Schließung der heiligen Pforte beendet. Wie erinnerlich,
fand die offizielle Zeremonie der Schließung am 24. Dezember ſtatt. Der
Papſt und hohe geiſtliche Würdenträger legten ſelbſt die erſten Ziegel
auf die Schwelle der Tür, die zuletzt der greiſe Leo XIII. 1900 geöffnet
und geſchloſſen hatte. Inzwiſchen haben die Sanpietrini man könnte
ſagen, die Gilde der batikaniſchen Bauarbeiter die ganze Füllung der
Tur mit den Ziegeln vermauert die römiſche Patrizier; Kirchen und
Orden geſtiftet haben und die in künſtleriſcher Ausführung den Namen
oder das Wappen der Schenker tragen. In der inneren Wand war ein
kleiner Raum für einen Schrein, der ein Geſchenk der Diözeſe Mailand
iſt, freigelaſſen. In dem Schrein wurden 106 goldene, ſilberne und
bronzene Medaillen, die anläßlich des Jubeljahres und des Pontifikats
Pius XI. geprägt ſind, verwahrt, und eine Urkunde, über die Zere=
monie
, die auch die Namen der 745 Spender der zur Schließung der
Pforte verwendeten Ziegel enthält. Dieſe Familien haben das Recht,
bei der Wiedereröffnung der Pforte 1950 dieſe Ziegel zurückzubitten.
Ein Nachſpiel zu dem Teufelsaustreibungen in Bombon.
DD. Paris. In Bordeaux hat geſtern nachmittag die Menge die
Wohnung der Führerin der Teufelaustreiber von Bombon zu ſtürmen
verſucht. Ueber 200 Perſonen drangen in die Beſitzung der Marie Mes=
min
ein. Die Anhänger der Frau Mesmin gaben Schreckſchüſſe ab, um
die Menge zurückzuhalten. Die Menge verſuchte, die Tür des Hauſes
einzuſchlagen, wobei eine der Teufelaustreiberinnen verletzt wurde. Der
Polizei gelang es ſchließlich, die Ruhe wiederherzuſtellen.
Große franzöſiſche Flottenmanöver im Kanal.
TU. Paris. Seit einigen Tagen ſind im Aermelkanal große fran=
zöſiſche
Flottenmanöver im Gange. Die vereinigte Kanal= und Nord=
ſeeflotten
haben den Hafen von Cherbourg angegriffen. Die Aufgabe
lautete dahin, unter Bekämpfung der Küſtenbatterie eine Landungs=
expedition
vorzunehmen. Die Operationen wurden durch ſchlechtes Wetter
behindert. In der Hauptſache, ſo führen die Blätter aus, ſei es dem
franzöſiſchen Oberkommando darauf angekommen, ſich von der Schwellig=
keit
der Nachrichtenübermittelung zu überzeugen. Das Ergebwis laſſe
jedoch zu wünſchen übrig. Insbefondere hätte der Brieftaubendienſt
völlig verſagt, ſodaß unverzüglich zur Einrichtung neuer Brieftauben=
ſtationen
geſchritten werde. Auch die Luft fklärung ſei nicht ganz ge=
glückt
. Als die Lenkluftſchiffe aus der Flughalle Montebourt eingeſetzt
werden ſollten, waren ſie nicht in manövrierfähigem Zuſtande. Am
10. und 11. Februar werden ſämtliche franzöſiſchen Kriegsgeſchwader
bei Cherbourg zu großen Manövern zuſammengezogen werden.
Franzöſiſche Truppenmeuterei in Syrien.
DD. Paris. Die kommuniſtiſche Humanité, weiß über die
Kämpfe der franzöſiſchen Truppen mit den Druſen zu melden, daß wäh=
rend
des Gefechts von Rachaya am 10. Januar zwei franzöſiſche Batail=
lone
gemeutert hätten. Im Verlaufe des viertägigen Kampfes, bei dem
ſich 1300 Drufen und 3800 franzöſiſche Soldaten gegenüber geſtanden
hätten, habe ſich das Bataillon, das das Fort Rachaya zu verteidigen ge=
habt
hätte, geweigert, den Kampf fortzuſetzen. Ein zweites Bataillon,
das in aller Eile von dem genannten Fort herbeigeholt worden ſei, habe
ſich dem Vorgehen des erſten Bataillons angeſchloſſen und die Waffen
fortgeworfen. Erſt nach drei Tagen ſei es dem franzöſiſchen Kommando
gelungen, friſche Truppen in Beirut zu landen und mit Hilfe von Gas=
bomben
den Kampf für ſich zu entſcheiden.
Ein Deutſcher beim Rettungswerk der Antinve ertrunken.
DD. London. Die von dem amerikaniſchen Dampfer Präſident
Rooſevelt geretteten Mannſchaften des britiſchen Frachtdampfers An=
tinoe
haben die furchtbarſten Schilderungen ihres Schickſals gegeben.
Vier Tage hat ihr kleines Schiff auf den Wellen getrieben, und nur mit
äußerſter Anſtrengung war es dem Präſident Rooſevelt gelungen, bei
fünfzehn bis zwanzig Meter hohen Wellen an die Antinoe heranzu=
kommen
. Die beiden Matroſen des Rooſevelt die Opfer des Rettungs=
werks
wurden, ſind der Deutſche Keitmann und der Finne Wirtamen.
Rettung aus Seenot.
New York. Ueber die Rettung der Mannſchaft des holländiſchen
Frachtdampfers Alkaide durch den Dampfer Weſtphalia der Ham=
burg
Amerika=Linie berichtet die Weſtphalia drahtlos: Schwere
Wellen gingen über das ganze Schiff. Die Deckgeländer, die vorderen
und hinteren Deckaufbauten und die Luckendeckel waren weggeſpült; die
Boote zertrümmert, das Deck ſelbſt ſchwer beſchädigt. Infolge des
ſchweren Sturmes war am Sonntag ein Verſuch zur Rettung der
Mannſchaft nicht möglich. Am Montag früh konnte ein Boot den Al=
kaide
erreichen und die geſamte Mannſchaft von 27 Mann auf einmal
übernehmen. Der Alkaide iſt in Brand geſteckt worden, um eine Ge=
fährdung
der Schiffahrt durch das treibende Wrack zu verhindern.
Mordprozeß in Kairo.
Kairo. Hier begann der eigens gebildete Gerichtshof, der ſich
aus dem früheren deutſchen Juſtizminiſter Heinze als Vorſitzender und
zwei deutſchen Richtern zuſammenſetzt, mit der Verhandlung gegen die
beiden der Ermordung des britiſchen Untertanen Gabriel Tewfik bey
Karam beſchuldigten Deutſchen. Die Anklage vertritt der deutſche
Generalſtaatsanwalt König,

Ein Abonnent. Auch der Vermieter kann ſich des Hausfriedens=
bruches
ſchuldig machen, wenn er unberechtigt in die Mietwohnung
eindringt.
Alter Abonnent in D. Für die Berechnung des Goldmarkbetrages
wird permutet, daß die Hypothek an dem Tage erworben iſt, am
dem ſie für den Gläubiger in das Grundbuch eingetragen iſt. Dieſer
Tag gilt alſo inſolange als Erwerbstag, als nicht der Erwerb zu
einem anderen Tage nachgewieſen wird. Die weitere Frage: zu wel=
chem
Betrage die Hypothek aufgewertet wird, kann erſt dann beantwor=
tet
werden, wenn der Zeitpunkt des Erwerbs der zweiten Hypothek
angegeben iſt.
Nach W. Es ſteht Ihnen frei, die Anmeldung bei jeder belie=
bigen
Sparkaſſe zu bewirken, am natürlichſten iſt dies aber doch die Kaſſe,
bei der ſ. Zt. die Anleihe gezeichnet wurde, zumal gerade ſie in der Lage
iſt, Ihnen den Altbeſitz zu beſcheinigen.
H. hier. Handelt es ſich bei dem Darlehen um eine Vermögensan=
lage
, was wir nicht wiſſen, ſo darf die Aufwertung 25 Proz. des Gold=
markbetrages
nicht überſteigen. Weiter fragt ſich, ob bei Annahme
der Rückzahlung der Gläubiger einen Vorbehalt gemacht hat oder
nicht, Schließlich die Frage: was war der Zweck der Darlehensaufnahme?
Dr. Fr. Es wird weſentlich davon abhängen, was Sie mit dem
Vermieter diesbezüglich vereinbart haben. Der Inhaber der Wohnung
wird verlangen können, daß der status quo wieder hergeſtellt wird. In
dieſen Dingen iſt es richtiger, vorher ſich zu vereinbaren, ſonſt ent=
ſtehen
Differenzen.
J. K. 100. Wenn Sie die Darlehen nicht in der Abſicht hingaben,
ſie dauernd oder länger verzinslich anzulegen, ſo entfällt der Begriff
der Vermögensanlage und die Darlehen ſind frei (ohne prozentuale
Beſchränkung) aufzuwerten. Ueber die Höhe der Aufwertung hat
mangels gütlicher Einigung das ordentliche Gericht (nicht die Aufwer=
tungsſtelle
) zu entſcheiden.
Rechthut. Zunächſt fragt ſich, ob der Aufwertungsbetrag ſchon
feſtſteht. Für Darlehenshypotheken ſteht er feſt. Der Zinsſatz iſt ab
1. Januar 1925 1,2 Proz., ab 1. Juli 1925 2½ Proz. Vom 1. Januar
1926 beträgt derſelbe 3 Proz, und vom 1. Januar 1928 5 Proz. Nur
wenn die Hypothek infolge Aufwertung kraft Rückwirkung wieder ein=
getragen
wird (alſo gelöſcht war), beginnt die Verzinſung erſt mit dem
Beginn des auf die Wiedereintragung folgenden Kalendervierteljahres.
J. H. Als Vermögensanlagen gelten nicht die Anſprüche aus
gegenſeitigen Verträgen wie dem hier in Rede ſtehenden. Das Auf=
wertungsgeſetz
trifft Ihren Fall nicht; es iſt nach Treu und Glauben
(ohne prozentuale Beſchränkung) aufzuwerten. Ueber die Höhe hat
das ordentliche Gericht mangels gütlicher Einigung zu entſcheiden.
Warten Sie ab, bis man mit Anſprüchen an Sie herantritt.
Nach Darmſtadt. Ein derardiges Verbot, ſelbſt wenn in einer beim
Mietvertragsabſchluß bekannt gegebenen Hausordnung niedergelegt,
dürfte u. E. Ihrer Handlungsweiſe, die aus einer Anſtandspflicht end=
ſpringt
, nicht entgegengehalten werden können.
J. S. Anſprüche, die auf Erbauseinanderſetzungen beruhen, gelten
nicht als Vermögensanlage und unterſtehen nicht dem Aufwertungs=
geſetz
. Ueber die Höhe der Aufwertung im Einzelfalle hat mangels
güitlicher Einigung der ordentliche Richter zu befinden. Sie werden ſich
am beſten an einen Anwalt an genanntem Platze wenden, zudem dieſem
ja auch die ordentlichen Verhältniſſe bekannt ſein dürften.
E. A. D. Gegenſtand des Patentſchutzes iſt der Erfindungsgedanke
der eine unkörperliche Sache darſtellt, Inhalt des Rechts iſt die aus=
ſchließliche
Nutzungsbefugnis, alſo eine eigentumsähnliche Befugnis, mit
einer ſich aus der Natur des Gegenſtandes ergebenden zeitlichen Be=
ſchränkung
. Da der Patentſchutz koſtſpielig und umſtändlich iſt, hat man
durch Geſetz vom 1. Juni 1891 einen vereinfachten und billigeren Schutz
für kleine Erfindungen eingeführt, für durch Modelle darſtellbare, alſo
körperliche Geſtaltungen von Gebrauchsgegenſtänden. Warenzeichen
(Schutzmarken) ſind Zeichen Bilder oder Wörter , die ein Geſchäfts=
mann
auf die von ihm hergeſtellten oder vertriebenen Waren anbringt,
um ſie als aus ſeinem Betrieb ſtammend zu kennzeichnen. Geſetz zum
Schutz der Warenbezeichnungen vom 12. Mai 1894. Wegen der drei
Rechtsmaterien verweiſen wir auf das Politiſche Handwvörterbuch von
Paul Herre, Leipzig 1923. Verlag K. F. Köhler, 2. Teil, S. 284 flgg.
und S. 948 flgg. Die Landesbibliothek beſitzt wohl dieſes Buch.
B. in H. Es wird wohl weſentlich auf die Faſſung der Ure
kunde ankommen. Iſt ein uneingeſchränkter Verzicht auf Aufwertungs=
anſprüche
klar ausgeſprochen, ſo wird eine Aufwertung überhaupt nicht
mehr in Frage kommen. Da es ſich im weſentlichen um die Auslegung
der gebrauchten Worte drehen wird, kann Weiteres allgemeiner Natur
dazu nicht geſagt werden.
J. B. in H. 1. Die Reſtkaufgeldforderung wurde im Jahre 1918
begründet, ſie iſt deshalb nach der dinglichen Seite mit 25 Prozent des
Goldmarkwertes, nach der perſönlichen Seite kann Aufwertung bis zu
100 Prozent des Goldmarkbetrags begehrt werden. Nach § 67 Abſ. 1
des Aufwertungsgeſetzes ſteht der Aufwertung nach den Vorſchriften eben
dieſes Geſetzes ein Vargleich nicht entgegen, wenn er in der Zeit
vom 15. Juni 1922 bis 14. Februar 1924 geſchloſſen iſt. Wäre neben
dem Vergleich auch ein Verzicht ausgeſprochen, ſo müßte dieſer Verzicht.
nach allgemeinen Rechtsgrundſätzen beurteilt werden. Es wird, um zu
einem entſprechenden Ergebnis zu kommen, weſentlich auf eine Aus=
legung
der im Okkober 1923 getroffenen Abmachung ankommen müſſen.
Wenn die Parteien klar zum Ausdruck gebracht haben, daß die Schuld
durch die Leiſtung vereinbarungsgemäß getilgt ſein ſolle, kann hinterher
Aufwertung nicht mehr verlangt werden. (R.G.3. Bd. 109 S. 11I.)
2. Das Aufwertungsgeſetz behandelt im zweiten Abſchmitt abſchlie
ßend die Aufwertung von Hypotheken (Darlehens= und Reſtkaufgeld=
hypotheken
.) § 62 behandelt ſonſtige Aufwertungsanſprüche anderer
als der in §§ 461 bezeichneten Art und hebt dann, in § 62, hervor,
daß Vermögensanlagen (ohne den Begriff zu definieren) 25 Prozent des
Goldmarkbetrages nicht überſteigen dürfen und zählt in 8 63 Abſ. 2 u. 3
nur auf, was nicht als Vermögensanlage gilt.
Geſchäftliches.
Wie lange trägt man ein Paar Schuhe?
Das hängt ganz davon ab, wie man ſie behandelt. Vor allem darf
wan zum Putzen keine minderwertige Schuhereme benutzen, welche daß
Leder angreift. Wer dagegen zur Schuhpflege die bekannte Schuhereme
Erdal verwendet, der wird finden, daß die Schuhe viel länger ſchon
bleiben als bisher. Deshalb gebrauchen auch die Hausfrauen in ganz
Deutſchland keine andere Schuhereme ſoviel wie Erdal mit dem
roten Froſch.
Unſerer heutigen Stadtauflage (ohne Poſt) liegt eine Beilage des
Union=Theaters Darmſtadt, Rheinſtraße 4, betr. Bismarck;
der Film der Deutſchen, bei.
Tageskalender für Mittwoch, den 3. Februar 1926.
Landestheater. Großes Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende nach 10½
Uhr, K 9 (Bühnenvolksbund): Carmen Kleines Haus, Anfang
7½ Uhr, Ende 10 Uhr (Gaſtſpiel des Rhein=Mainiſchen Künſtler=
theaters
): Die fünf Frankfurter Orpheum abends 8 Uhr:
Das Spielzeug der Marquiſe‟ Gaſtwirte Innung Heſ
ſen, abends 8 Uhr, im Städt. Saalbau: Stiftungsfeſt. Krieger=
dankbund
e. V. Ortsgruppe Darmſtadt, abends 8 Uhr, im großen
Saal der Stadtmiſſion, Mühlſtraße 24, Lichtbilder=Vortrag über: Ein
Vermächtnis unſerer gefallenen Kameraden aus dem Weltkrieg‟
Kinovorſtellungen: Umion=, Reſidenztheater, Palaſtlichtſpiele=
Verſteigerungskalender für Donnerstag, den 4. Februar 1926.
Brennholzverſteigerung vormittags 9 Uhr im Fürſtenſaalt,
Grafenſtraße 20. Brennholzverſteigerung aus bei
Meſſeler Wald vormittags 9½ Uhr; Zuſammenkunft auf der Straße
MeſſelEppertshauſen am Steinbruch. Verſteigerung ber
fallener Pfänder vormittags 91 Uhr im Städt Leihamh
Kirchſtraße 10.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Donnerstag, den 4. Februar 1926
nach der Wetterlage vom 2. Februar.
Die Wetterlage iſt weiterhin ſchnellen Veränderungen unterworſei.
Im Weſten liegt ein ausgedehntes Tiefdruckſyſtem, deſſen Ausläufer wei
öſtlich ausgreifen und die auch in unſerem Bezirk noch keine beſtändigs
Witterung aufkommen laſſen. Die Heſſ. Oeffentl. Wetderdienſtſtelle.

[ ][  ][ ]

Nummer 34

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Seite 9

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[ ][  ][ ]

Seite 10

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Nummer 34

Ooo Bettſtoffe

Gummiwaren- und Sanltätshaus,
Heinmüller’s Schulstr. Nr. 1 am Ludwigspl. (153a

Verbandwatte dde

Die glückliche Geburt eines
geſunden Mädchens zeigen hoch=
erfreut
an
Aug. Geduldig
und Frau.
Darmſtadt, 2. Februar 1926. (*3199

Für die uns anläßlich unſerer
Goldenen Hochzeit zu teil gewordenen
Glückwünſche und auch in reichem Maße
dargebrachten Geſchenke ſagen wir Allen
unſeren innigſten Dank.
(* 3157
Johannes Steiger u. Frau.

Die Eheleute Ludwig Nordt, Mauer=
ſtraße
9½, feiern heute das Feſt der
Silbernen Hochzeit. (es17s

Kameradſchaftl. Bereinigung
ehemal. Heſſ. Garde=Dragoner 23.
Hauptgruppe Darmſtadt.

Nach langen ſchweren Leiden
iſt unſer lieber, guter Kamerad

von uns gegangen.
Wir verlieren einen lieben,
treuen Kameraden, dem wir
dauerndes Andenken bewahren
Die Einäſcherung findet heute
Mittwoch, nachmittags 3½ Uhr,
Waldfriedhof ſtatt.
Die Vereinigung ſammelt ſich
mit Standarte und Muſik um
3½/, Uhr am Eingang.
Wir bitten um ſtarke Be=
teiligung
.
(*3162

Todes=Anzeige.
Geſtern abend iſt unſere liebe
Tante und Großtante
Fräulein
Liſette Eſcher
im faſt vollendeten 74. Lebensjahre
von ihrem Leiden erlöſt worden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Eſcher
Bloch
Schnetz
Auguſt Tramer.
Darmſtadt, den 2. Februar 1926.
Die Beerdigung findet Donners=
tag
, den 4. Februar, nachmittags
3 Uhr, auf dem alten Friedhof an
der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt,
(*3182)

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe überaus
herzlicher Teilnahme bei dem Heim=
gange
unſeres lieben, teuren Ent=
ſchlafenen

Karl
ſowie für die zahlreichen Blumen=
ſpenden
ſagen wir hiermit unſeren
innigſten Dank. Ganz beſonders
danken wir Herrn Pfarrer Goethe
für die troſtreichen Worte, außer=
dem
den Herren des Vorſtandes und
den Kameraden des Sportvereins 98,
ferner F.=C. Union, F.=C. Eintracht,
Sp.=V. Arheilgen für die Kranz=
niederlegung
, ſowie dem Solo=
Quartett des Heſſ. Landestheaters
für den ehrenden Trauergeſang.
Im Namen der tieftrauernd. Hinterbliebenen:
Franz Stephan und Familie.
Darmſtadt, den 2. Febr. 1926 (1768

Statt Karten.
Am 29. Januar iſt meine
herzensgute, treue Mutter nach
kurzem ſchweren Leiden ſanft
entſchlafen.
Paut Mneng.

Auf Wunſch der Verſtorbenen hat die
Einäſcherung in aller Stille ſiattge=
funden
.
Es wird gebeten, von Beileidsbeſuchen
Abſiand zu nehmen.

Dankſagung.
Allen, die uns ihre aufrichtige
Teilnahme bekundeten und unſerem
lieben Verſtorbenen die letzte Ehre
erwieſen, ſagen wir unſeren herz=
lichſten
Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:

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Nummer 34

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Seite 11

Sport, Spiel und Turnen.

Ausſchuß für Leibesübungen Darmſiadt.

In der Ausſchußſitzung gab der Vorſtand bekannt, daß der
Sportausſchuß und die Bäderdeputation der Stadtverordneten zu einem
Sportausſchuß zuſammengelegt wurden, dem 12 Stadtverordnete und 10
Vereinsvertreter angehören, ferner daß aus der erſten Beſatzungszone
Baracken zum Verkauf ſtehen, die ſich als Uebungsſtätten und Heime eig=
nen
. Dann wurde der Plan zur Einteilung des Exerzierplatzes zu Sport=
ud
Spielplätzen für Vereine und Schulen erläutert, der in großzügiger
Weife eine Feſthalle, Stadion, mehrere Plätze, Spielwieſe und Radbahn
vorſieht. Dieſe ſchöne Löſung kann nur nach und nach verwirklicht wer=
den
. Dabei wurde die allgemeine Lauheit und Verſtändnisloſigkeit wei=
ter
hieſiger Kreiſe dem Turnen und Sport gegenüber im Gegenſatz zu
anderen Städten betont. Es gelte, in der Preſſe darüber die Bürger=
ſchaft
wachzurütteln. Im Schwimmbad ſoll auf Veranlaſſung des Aerzte=
vereins
das Waſſer öfter erneuert werden. Ueber die Brauſen und Du=
ſchen
daſelbſt wird von den Schwimmvereinen wiederholt lebhaft geklagt.
Da ſei ein lächerlicher Sparbetrieb an Waſſer und es ſoll bei den maß=
gebenden
Stellen dagegen beſchwert werden. Berichtet wurde ferner
üüber Fragen des Sportabzeichens, über Veranſtaltung eines Werbefeſtes
für die deutſchen Kampfſpiele in Köln, eventuell Geldbeihilfen für die
Teilnehmer und eine beſondere Veranſtaltung hierfür; über die letzte
Sitzung des Landesausſchuſſes für Leibesübungen, über deſſen Zuſam=
menſetzung
; über die Ausſtellung Mutter und Kind mit ärztlichen Vor=
trägen
, über Turnen und Sport, ſowie über Sportberichterſtattung.

Leichtathletik.

Heſſen, Verein für Leibesübungen, Darmſtadt.
Von großem Einfluß auf die harmoniſche Entwicklung des Körpers

ſind die neuzeitlichen gymnaſtiſchen Uebungen. Sie dienen hauptſächlich
der Ausbildung des Rumpfes, der Hülle für die inneren Organe, und

ſchaffen den Ausgleich zur Betätigung bei verſchiedenen Spoxtarten, bei
denen die Rumpfteile nicht in gleichem Verhältnis wie die inneren Or=
gane
in Anſpruch genommen werden. Im Winter wenn ein regelrechtes
Ueben in einzelnen Sportzweigen nicht möglich iſt, ſollten die betreffen=
den
Ausübenden zur Erhaltung der Widerſtands= und Leiſtungsfähigkeit
ſich fleißig der Hallengymnaſtik unterziehen. Ohne Rückſiht auf die
Gleichmäßigkeit in der Bewegung und ohne Gedächtnisdrill dienen die
genannten Uebungen einzig und allein der Körperbildung zum Unter=
ſchied
von den turneriſchen Freſibungen, die außerdem zur Erzwingung
guter Körperhaltung und zur Förderung der Geſchicklichkeit ſowie als
Diſziplinübungen für den Turnbetrieb unentbehrlich ſind. Ebenſo un=
entbehrlich
ſollen die gymnaſtiſchen Uebungen für denr Sportler ſein,
In jedem gut geleiteten Sportverein iſt ein beſonderer Uebungsleiter
hierfür vorhanden und werden beſondere Uebungsſtunden für Gymnaſtik
angeſetzt. Auch Heſſen hat einen ſehr tichtigen Leiter hierfür in der
Perſon des Herrn Diplom=Sportlehrers Adamheit dahier gewonnen. Der=
ſelbe
erteilt ſeit einiger Zeit einer ſtattlichen Schar Sportler Unterricht
in der Turnhalle der Mornewegſchule. Beſondere Uebungsſtunden zur
Heranbildung von Uebungsleitern beginnen Ende dieſer Woche in der
Turnhalle der Liebigs=Oberrealſchale. Anmeldungen dazu werden ent=
gegengenommen
. Die Kraftſportabteilung iſt nunmehr im Beſitz von
Geräten und einer einwandfreien Ringmatte. Ihre Uebungsſtunden
finden in der Turnhalle der Mornewegſchule unter ſachkundiger Leitung
ſtatt.

Handball.

Deutſche Turnerſchaft Main=Rhein=Gan.
Große Ueberraſchungen brachte der letzte Sonntag. Griesheim ſiegte
mit 4:1 über Pfungſtadt, das mit jugendlichem Erſatz für Fey und
Koch ſpielte. Ein offener Kampf, der beide Parteien abwechſelnd im
Vorteil ſah. Pfungſtadt war nicht in der Lage, auch nur einen von acht
Freiwürfen zu verwandeln. Worfelden führte in Sprendlingen ſchon
nach 28 Minuten 3:1, als das Spiel abgebrochen wurde. Eberſtadt
legte die Beſſunger mit 6:0 hinein. Dieſes Reſultat entſpricht keines=
falls
dem Spielverlauf. Bei ausgeglichenem Feldſpiel konnte Eberſtadt
ſeine Ausſichten ausnützen, während Beſſungen acht Freiwürfe und einen
13=Meter ausließ. Bickenbach gewann mit viel Glück 1:0 gegen Seeheim.
Groß=Gerau erkitt ſeine erſte Niederlage gegen Wolfskehlen. Scharfer
ſpannender Kampf und verdienter Sieg von Wolfskehlen, das bis Halb=
zeit
durch zwei Fernſchüſſe klar in Führung lag. Eine Minute vor Schluß
fiel das Ehrentor für Groß=Gerau, deſſen Torwächter in Hochform war.
Beide Vereine ſtehen punktgleich an der Spitze der Tabelle. Ergeb=
niſſe
: PfungſtadtGriesheim 1:4 (0:2), SprendlingenWorfelden
1:3, EberſtadtBeſſungen 6:0 (3:0), BickenbachSeeheim 1:0 (1:0),
Langen IIBensheim 3:0 (1:0), WolfskehlenGroß=Gerau 2: 1 (2:0),
EgelsbachGriesheim II 2: 2 (1:2), Neu=IſenburgWalldorf 1 :2 (1:1).
Jugend: GernsheimTgſ. Griesheim 7:0 (4:0), Langen-Beſſungen
2:1 (0:0).

Fußball.
Sportverein HöchſtV.f.R. Erbach 1:2 (1:y.
Am vergangenen Sonntag trafen ſich obige Mannſchaften i Höchſt
zu dem fälligen Privat=Rückſpiel. Beide Mannſchaften hatten ſehr unter
den Bodenverhältniſſen zu leiden. Trotzdem Erbach mit 3 Mann Erſatz
antreten mußte, merkte man doch die Ueberlegenheit des V.f.R. In der
18. Minute ging Erbach durch ſeinen Halblinken in Führung und durch
ein Mißverſtändnis und auch, weil ein Spieler von Erbach nicht in den
Schmutz wollte, konnte Höhſt den Ausgleich erzwingen.
In der zweiten Halbzeit war V.f.R. durchweg tonangebend und ging
in der 35. Minute wieder in Führung, nachdem 3 Elfmeter verſchoſſen
worden waren. Im allgemeinen war es ein ſchönes Spiel, mur dürfte
das Publikum von Höchſt etwas mehr Ruhe wahren.

Kegeln.

Darmſtädter Keglerverbanb.
Die Bezirksſpiele des Süddeutſchen Gaues haben ihren Anfang ge=
nommen
. Der Gau iſt i 6 Bezirke eingeteilt. Darmſtadt zählt zum
3. Bezirk und vereinigt die Verbände Hanau, Fechenheim, Offenbach,
Aſchaffenburg und Darmſtadt. Jeder Verband hat eine 10erMannſchaft
zu ſtellen, von denen jeder 100 Kugeln in die Vollen abzuwerfen hat.
Die Spiele beſtehen in Vor= und Rückſpiel. Die Vorſpiele wurden in
Frankfurt a. M.=Riederwald am 24. und 31. Januar d. Js. zum Aus=
trage
gebracht.
Die Ergebniſſe ſind folgender
Offenbach 5153, Darmſtadt 5052, Aſchaffenburg 4951, Fechenheim
4875 und Hanau 4828.
Die Rückſpiele werden am 98. Februar ud 14. März d. Js. in
Homburg v. d. H. ausgetragen.

Am nächſten Sonntag wird im Kafſerſaal das diesjährige Senioren=
kegeln
ausgetragen. Hierzu haben die Kegler, die 50 Jahre und älter
ſind, Startberechtigung. Das Kegeln, bei dem die vier Beſten mit
Medaillen ausgezeichnet werden, hat immer lebhaftes Intereſſe erweckt
und wird auch in dieſem Jahre ſeine Anziehungskraft auswirken. Es
ſind von jedem Kegler 50 Kugeln in die Vollen abzuſchieben.

Fechten.
Die beutſchen Hochſchulmeiſterſchaften.
Das deutſche Hochſchulamt für Leibesübungen der Deutſchen Studen=
tenſchaft
ſchreibt die Meiſterſchaften auf Florett, Säbel und Degen zum
27. und 28. Februar nach Halle a. S. aus. Die Kämpfe werden in der
Univerſitäts=Turnhalle (Moritzburg) ausgetragen. Teilnahmeberechtigt
ſind alle Mitglieder der Deutſchen Studentenſchaft.

1925 wurden beine Hochſchulmeiſterſchaften ausgetragen. Verteidiger
der Titel ſind daher die Meiſter des Akademiſchen Olympia zu Marburg

1924. Verſchiedene Titel der Meiſter der immatrikulierten Studenten
werden offen ſein. Der Degenmeiſter Dr. Hoops=Roſtock wird bei den
Altakademikern mitfechten. Die Meiſterſchaft im Florett und Säbel hält
Thomae=Gießen. In der Klaſſe der Altakademiker iſt Dr. Prauſe=Leipzig
Meiſter im Florett und Säbel, während Krauſe=Hannover den Titel des
degenmeiſters hält.

Atbletik.

Athletik=Sportverein 1895 Darmſtadt.
Nachdem wir durch die Trennung der beiden Schwerathletik treiben=
den
Vereine gezwungen waren, über die Hälfte unſeres Materials, in
erſter Linie die Ringmatte abzugeben, geriet der Uebungsbetrieb etwas
ins Stocken, er konnte überhaupt nur einſeitig durchgeführt werden. Nun
iſt es uns aber durch das dankenswerte finanzielle Entgegenkommen
einiger Mitglieder ſowie der ſtaatlichen Behörde in kurzer Zeit gelungen,
unſer Material wieder derart zu ergänzen daß der Uebungsbetrieb
wieder voll und ganz aufgenommen werden kann. Es iſt ein Genuß
und eine Freude für jeden intereſſierten Sportsmann, auf der ſchönen,
neuen Ringmatte unſere Mitglieder ihre Kräfte gegenſeitig meſſen zu
ſehen. Und ſei hier an dieſer Stelle nochmals all denen gedankt, die uns
in ſo liebenswürdiger Weife unterſtützt haben. Neben unſeren Ringern
ſowie Stemmern möchten wir aber nicht unerwähnt laſſen unſere Box=
abteilung
. Dieſe hat ſich in letzter Zeit zu einer ganz beachtenswerten
Größe und Stärke emporgeſchwungen und zählt zurzeit 1618 aktive
Mitglieder. Bis fetzt ſind 8 Kreismeiſter aus ihnen hervorgegangen.
Ferner möchten wir noch auf unſere jüngſte Errungenſchaft hinweiſen,
nähmlich unſere Akrobatenriege, die durch fleißiges Training ſchon gute
Leiſtungen aufzuweiſen hat und ſich bei der erſten Veranſtaltung des
Vereins den Darmſtädter Sportanhängern vorſtellen wird. Der Verein
übt in der Ballonſchulturnhalle.

Radfahren.
Darmſtädter Biehele=Club 1883.

Auf perſönliche Einladung des Bundesvertreters Karl Noll ſtartete
anläßlich eines Werbeſaalſportfeſtes am letzten Sonntag die 1. Damen=
riege
des D.B.C. 83 unter Leitung ihres Fahrwartes Louis Hax in
Kirchham (Bez. Kaſſel).
Vor einem ausverkauften, ſportbegeiſterten Hauſe fuhren nachmit=
tags
und abends die Damen Frl. E. Wedekind M. Reinhardt, M.
Flach, G. Schmunk, L. Mahr, L. Nauheimer, R. Reinhardt und A.
Müller einen 8er=Koſtümreigen (außer Wettbewerb) in bekannter Auf=
machunng
und fehlerloſer, exakter Ausfühwing. Als äußeres Zeichen
vorzüiglicher Leiſtungen erhielten die beteiligten Damen je eine Ehren=
gabe
als bleibende Erinnerung.

Ringen.

Die Ringermannſchaft bes Kraftſportvereins 1910 Darm=
ſtadt
weilte em Sonntag in Pfungſtadt um dort den letzten
Kampf um die Gaumeiſterſchaft auszutragen. Sie gewann dieſen Kampf
12: 2. Die zwei Punkte, welche verloren gingen, reſultieren vom Feder=
gewicht
, in welchem der Kraftſportverein=Vertreter wegen Uebergewicht
nicht ſtarten konnte. Die Mannſchaft iſt jetzt endgültig Gaumeiſter. Sie
hat mit dem Erringen der Gaumeiſterſchaft eine beachtenswerte Leiſtung
vollbracht. Die Mannſchaft ſtand wie aus einem Guß, und einen aus
derſelben hervorzuheben, würde eine Zurückſetzung der anderen ſein. Der
Erſatz, welcher teilweiſe eingeſtellt werden mußte, hat vollauf befriedigt,
und hat den Beweis dafür erbracht, daß der Verein über genügend gute
Reſervekräfte verfügt. Es iſt erſtaunlich, wieviel gute Kräfte ſich um
das ehrenvolle Vereinspanier des Kraftſportvereins 1910 und deſſen an=
erkannten
alten Führer des Kraftſportes geſchart haben, um dieſe edle
Sportart hier wieder zur Geltung zu bringen. Der Vevein wird auch
deshalb in der nächſten Zeit mit ſtarken Gegnern in Verbindung treten,
um hier erſtklaſſige Kämpfe vorzuführen. Die Vorbereitungen zu dieſen
Kämpfen können Intereſſenten jederzeit beobachten, wenn ſie den
Uebungsſtunden des Vereins in der Turnhalle der Peſtalozziſchule bei=
wohnen
. Es wird dort aber nicht nur gerungen, ſondern auch das Ge=
wichtheben
und Boxen wird eifrig betrieben. Das Geſamtreſultat des
Kraftſportvereins 1910 um die Gaumeiſterſchaft iſt folgendes: gewonnen
wurden ſämtliche Kämpfe 16 Punkte. An Einzelkämpfen wurden ge=
wonnen
48 in 2 Stunden 20½ Minuden. Verloren wurden acht Kämpfe
Die Durchſchnittszeit für einen Sieg betrug demnach nicht ganz brei
Minuten. Dieſe Leiſtung kann die Mannſchaft wie die Vereinsleitung
nit Stolz erfüllen und beide könmen mit Ruhe den kommenden ſchweren
Kämpfen entgegenſehen.
Entſcheidungskampf um die Kreismeiſterſchaft des II. Kreiſes.

Vorwärts Groß=ZimmernSportvereinigung Frankfurt 86.
Vor ausverkauftem Hauſe fand obiges Treffen am vergangenen
Sonntag in Groß=Zimmern ſtatt. Um es vorweg zu nehmen, der Sieger
kann jetzt ſchon trotz der noch ausſtehenden Kämpfe als inoffizieller
Kreismeiſter bezeichnet werden, denn nach beiden Wertungen kann
Frankfurt die Zimmerer Mannſchaft nicht mehr einholen, iſt alſo Be=
zirkmeiſter
des I. Bezirkes, und ob die unbeſtändige Bingener Mann=
ſchaft
die durch die Disqualifikation von Oberſtein wohl Meiſter des
II. Bezirkes wird, das Zeug zum Siege bringt, wirklich ſtark be=
zweifelt
werden. Frankfurt kann komplett auf die Matte, während Groß=
Zimmern für Voll (Leichtgewicht) der etwas Uebergewicht mitbrachte,
in Weidner guten Erſatz gefunden hatte. Vor dem unparteiiſchen Herrn
Eckerl=Darmſtadt wickelten ſich die Kämpfe folgendermaßen ab. Im
Fliegengewicht kämpfte Jung=Frankfurt gegen Herbert=Groß=Zimmern.
Ein monotoner Standkampf, der keinen Gegner zum Erfolg kommen
ließ. Nach 20 Minuten unentſchieden. Im Bantamgewicht machte den
zweite deutſche Meiſter Ohl mit ſeinem Gegner Richtberg=Frankfurt
kurzen Prozeß und befördert ihn nach 20 Sekunden auf beide Schultern.
Gerber=Frankfurt hatte eine liebe Not mit dem Groß=Zimmerer Schönig
im Federgewicht, der ſich immer wieder aus den heikelſten Lagen heraus=
wand
. In der 15. Minute unterliegt Schönig dem Frankfurter durch
Armdurchzug. Im Leichtgewicht war Veil=Frankfurt der Beſſere und
wenn der Unparteiiſche am Schluſſe dieſes Kampfes ein Unentſchieden
verküindete, konnte Weidner=Groß=Zimmern ſehr zufrieden ſein. Das
Leichtmittelgewicht ſah zwei verſchiedene Syſteme. Der Frankfurter im=
ponierte
durch ſeine Ruhe, während ſein Gegner Ohl=Groß=Zimmern
das Temperament in eigener Verkörperung darſtellt. In bkonomiſcher
Beziehung war der Frankfurter unbedingt im Vorteil, denn ſolch ge=
waltiger
Kräfteverbrauch könnte Ohl nicht dreimal 20 Min. durchſtehen.
Unentſchieden lautet hier das Ergebnis. Im Schwer=Mittelgewicht
treffen ſich Buchak=Frankfurt und Fröhlich=Groß=Zimmern. Bei Buchgl,
dem Hüftſchwungſpezialiſten, flackerte noch manchmal der alte Kampf=
geiſt
auf, aber zum Siege wollte es nicht reichen. Fröhlich hätte eben=
ſogut
gewinnen können. Wieder ei Unentſchieden. Unter allgemeiner
Spannung betraten Bohlen=Frankfurt und Buchsbaum=Groß=Zimmern
die Matte, denn das Schwergewicht konnte für beide Teile die Entſchei=
dung
bringen. Buchsbaum ſicherte ſich zwei Geſichtspunkte und wird
Sieger. Endreſultat 86 für Groß=Zimmern. Vor dieſem Kampf
ſiegte die 2. Mannſchaft von Groß=Zimmern über Bergen mit dem hohen
verdienten Reſultat von 140.

Bekanntmachung
über die Einreichung von Belegen
über den Ste uerabzug vom Arbeits=
lohn
für das Kalenderjahr 1925.
Auf Grund der Verordnung des Herrn
Reichsminiſters der Finanzen über die
vereinfachte Einreichung der Belege über
den Steuerabzug vom Arbeitslohn für
das Kalenderjahr 1925 vom 19. Januar
1926 ſind bis ſpäteſtens 15. Februar
1926 bei dem Finanzamt einzureichen:
1. Lohnſteuer.Ueberweiſungsliſten
nebſt Beſcheinigungen von Ar=
beitgebern
(Behörden) über die
im Kalenderjahr 1925 einbehaltenen
Steuerabzugsbeträge derjenigen Ar=
beitnehmer
, die im Kalenderjahr 1925
während der ganzen Dauer der Be=
ſchäftigung
oder während eines Teils
derſelben in einer anderen Gemeinde
als in der Beſchäftigungsgemeinde
einen Wohnſitz oder ihren gewöhnlichen
Aufenthalt hatten.
Als Beſchäftigungsgemeinde gilt die
Gemeinde derjenigen Betriebsſtätte,
von der aus im Kalenderjahr 1925
der Arbeitslohn gezahlt worden iſt
und Steuerabzugsbeträge abzuführen
waren. Im Behördeverfahren iſt der
Sitz der zahlenden Kaſſe maßgebend.
Für jede Wohnſitzgemeinde iſt eine
beſondere Lohnſteuer= Ueberweiſungs=
liſte
auszuſchreiben. Beſitzt der Ar=
beitgeber
mehrere Betriebsſtätten, von
denen aus im Kalenderjahr 1925 Ar=
beitslohn
gezahlt wurde und Steuer=
abzugsbeträge
abzuführen waren, 10
und von jeder dieſer Betriebsſtätten
aus die Lohnſteuer=Ueberweiſungsliſten
beſonders auszuſchreiben.
Arbeitnehmer die während der
Dauer der Beſchäftigung im Deutſchen
Reich weder einen Wohnſitz noch ihren
gewöhnlichen Aufenthalt hatten, ſind
für ſich in einer gemeinſamen Lohn=
ſteuer
=Ueberweiſungsliſte zuſammen
aufzuführen;
2. Fehlanzeigen von den Arbeit=
gedern
(Behörden), die Ueberwei=
ſungsliſten
und Beſcheinigungen nach
Ztffer 1 nicht auszuſchreiben und ein=
zureichen
haben;
3. Steuerkarten und Einlagebogen
die zum Einkleben und Entwerten, von
Steuermarken verwendet worden ſinle
von den Arbeitnehmern, deren
Stenerabzug vom Arbeitslohn im Re‟

lenderjahr 1925 im Markenverfah=
ren
durchgeführt wurde. Zuſtändig
für die Ablieferung iſt das Finanzamt,
in deſſen Bezirk der Arbeitnehmer zur
Zeit der Ablieferung ſeinen Wohnſitz
oder ſeinen gewöhnlichenAufenthalt hat.
Auf die Verpflichtung zur Einſen=
dung
oder Uebergabe der Steuerkarten
und Einlagebogen haben die Arbeit=
geber
durch Anſchlag in den Arbeits=
und Geſchäftsräumen hinzuweiſen.
An Stelle des Arbeitnehmers kann
der Arbeitgeber die Einſendung oder
Uebergabe der Steuerkarten und Ein=
lagebogen
übernehmen. In dieſem
Falle ſind die Steuerkarten und Ein=
lagebogen
dem für den Arbeitgeber
zuſtändigen Finanzamt zu überſenden.
Die Vordrucke für die Lohnſteuer=
Ueberweiſungsliſten und Beſcheini=
gungen
(Ziffer 1) ſowie für die Fehl=
anzeigen
(Ziffer 2) ſind bei den unter=
zeichneten
Finanzämtern koſtenlos er=
hältlich
. Auch wird von dieſem jede
weitere Auskunft erteilt.
(1790
Darmſtadt, den 1. Febr. 1926.
Die Finanzämter:
Darmſtadt=Stadt, Darmſtadt=Land
und Langen.

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ſchriftl. Arbeiten. An=
gebote
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an die Geſchſt. (*3174

Wenn Sie glauben

daß ein teuer ausgeſtafteter Lihör beſſer
als ein aus Reichel=Eſſenzen ſelbſt herge=
ſteulter
iſt, ſo urteilen Sie nicht objektiv.
Nicht Ausſtakkung und Preis der innere
Werk enkſcheidet. In dieſer Erßenntnis
wurden jährlich Millionen überzeugt.
Reichel=Eſſenzen ſind der Exkrabt der
gleichen echten Urſtoffe, aus denen die
erſten Likörmarken beſiehen und ergeben
Originallihöre edelſter Ark. Die Selbſi=
bereikung
mit Reichel=Eſſenzen ve=ſchafft
Ihnen den uneingeſchränkten Genuß auch
der ſonſt koſtſpieligſten Lurusliköre. Erhältlich in Drogerien und Apokh.
echt aber nur mit Marke Lichtherz. Dr. Reichels Rezeptbüchlein daſelbd
umſonſt oder koſienfrei durch Ctto Heichel, Berlin 50, Eisenbahnstr. 4

[ ][  ][ ]

Nummer 34

AarmſtadterCagblatt

Aus der Kaliinduſtrie.

Von
Otto Uillrich, Berlin.
Die Hoffnungen auf einen Rekordabſatz gleich zu Beginn des
neuen Jahres haben ſich leider nicht erfüllt. Wir wieſen ſchon
in unſerem letzten Bericht darauf hin, daß vor allem die be=
drängte
Lage der deutſchen Landwirtſchaft einer
günſtigen Abſatzentwicklung, zum mindeſten vorderhand, im Wege
ſtehe, eine Lage, die auch durch die ebenfalls ſchon erwähnten
Verhandlungen des Deutſchen Kaliſyndikates mit dem Reich
über eine Ausfallbürgſchaft desſelben beim Frühjahrbezuge
charakteriſiert wird. Der Zweck der Verhandlungen iſt eine
langfriſtige Kreditſicherung der Kalibezüge
im Frühjahr, und zwar werden ſie von ſeiten des Deutſchen
Kaliſyndikates begründet mit der ſchwierigen Lage der deutſchen
Landwirtſchaft und dem hieraus zwangsläufig reſultierenden
großen Riſiko, das für die kalibeziehenden landwirtſchaftlichen
Förperſchaften, den pridaten Düngehandel und das Deutſche
Kaliſyndikat bei langfriſtiger Kreditgewährung beſteht. Der An=
trag
des Deutſchen Kaliſyndikates ſteht dabei, wie jetzt bekannt
geworden iſt, in innerer Verbindung mit einer Eingabe des
Reichsverbandes für den Handel landwirtſchaftlicher Erzeugniſſe
beim Reichsernährungsminiſterium, in der dieſer angeregt hat,
daß zwei Fünftel des Geſamtriſikos zu gleichen Teilen vom
Düngemittelhandel und von der Düngemittelinduſtrie getragen
werden ſollen, während die reſtlichen drei Fünftel vom Reiche
zu tragen wären. Die Entſcheidung über dieſen Vorſchlag, der
übrigens ſchon eine kleine Aenderung enthält gegenüber den
zuerſt gemachten Anregungen es war unſprünglich vorgeſchla=
gen
, daß nur 50 Prozent vom Reiche getragen werden ſollten
gegenüber jetzt 60 Prozent und je 25 Prozent gegenüber jetzt je
20 Prozent vom Düngemittelhandel und der Düngemittelindu=
ſtrie
liegt in den Händen des Haushaltsausſchuſſes des
Reichstages.
Die wenig erfreuliche Geſchäftslage in der deutſchen Kali=
induſtrie
wird außerdem aber auch gekennzeichnet durch bereits
erneut einſetzende Stillegungen und vor allem verbreitete Ein=
legung
von Feierſchichten, von denen beſonders verſtimmt haben
die Stillegungen im Gumpel=Konzern, bei dem etwa 1200 Mann
betroffen werden, und zwar wird beſonders in Mitleidenſchaft
gezogen Siegfried=Gieſen und Niedel mit je etwa 350 Mann,
denen Desdemona und Königshall=Hindenburg mit je etwa 250
Mann folgen. Die Urſache der Stillegungen und Feierſchichten
iſt lediglich in dem ſtockenden Abſatz zu erblicken, der ſich, bei
etwaigem Anhalten, erſt in der unmittelbaren Zukunft recht ver=
hängnisvoll
auswirken müßte, da ſchon in den letzten Monaten
des Jahres 1925 ſtarke Lagervorräte angeſammelt
worden ſind, und zwar auch durch den zum Schluß des Jahres
rückgängigen Abfatz, außerdem aber auch durch die ganz außer=
ordentlich
vermehrte Leiſtungsfähigkeit der Fa=
briken
, die auf den neueſten Stand der Technik gebracht wor=
den
ſind, rentabel alſo nur dann arbeiten, wenn ſie auch voll
ausgenutzt werden. Der Optimismus der Kaliinduſtriellen iſt,
an ſich ein erfreuliches Zeichen, trotz dieſer mißlichen Umſtände
keineswegs getrübt; denn ſie ſehen vor allem in dem auch zu
Beginn des Jahres weiter ſteigendem Auslands=
bedarf
ein durchaus die momentan ſchwierige Lage im Inne=
ren
kompenſierendes Moment. Wenn dieſe Meinung auch zu=
trifft
, ſo möchten wir doch hoffentlich unnötig! davor war=
nen
, bei ſolcher Gelegenheit die Bedeutung des Abſatzes im In=
lande
richtig einzuſchätzen zu verlernen; denn eine ſolche Ein=
ſtellung
würde ſich bitter rächen.
Der Abſatz, der urſprünglich für Januar mit mindeſtens
Million Doppelzentner Kali eingeſchätzt war, dürfte, ſicherem
Vernehmen nach, dieſe Zahl nicht erreichen, vielmehr aller Wahr=
ſcheinlichkeit
nach höchſtens rund 900 000 Doppelzentner betragen.
An unerledigten Aufträgen werden etwa 200 000 Doppelzentner
auf den Februar übernommen werden, ſo daß man für dieſen
Monat, unverbindlich natürlich, mit einem Verſand von zirka
1,2 Millionen Doppelzentnern rechnet womit der Abſatz der
erſten beiden Monate um rund 1,5 Millionen Doppelzentner hin=
ter
den vorjährigen Vergleichsmonaten zurückbleiben würde,
wenn er auch den Abſatz der erſten beiden Monate 1924, die noch
immer eine Berechtigung haben, zum Vergleich herangezogen zu
werden, um rund 1 Million Doppelzentner überſteigen würde.
Viel beſprochen wurde auch die Frage der Gründung
einer Kali=Transport=G. m. b. H., alſo einer Art Toch=
tergeſellſchaft
des Deutſchen Kaliſyndikates, die alle mit den
Auslandsgeſchäften des Syndikates zuſammenhängenden Trans=
portangelegenheiten
regeln ſolle, insbeſondere alſo den Trans=
port
von Kalierzeugniſſen von den Gruben zu den Seedampfer=
Anlegeplätzen, ferner den Umſchlag und die Beförderung bis zu
den einzelnen Abnahmeländern. Wie man hört, hat das Kali=
fyndikat
bereits, eine Seehafenkommiſſion in Ham=
burg
beſtellt, der Sachverſtändige für Eiſenbahn= und Fluß=
verfrachtung
und für Bauweſen angehören. Wo ſich der Sitz der
neuen Geſellſchaft befinden wird, ſteht noch keineswegs feſt, zu=
mal
dieſe Frage auch eng zuſammenhängt mit den Hafenplänen
des Syndikates, zu denen wieder die einzelnen Hafenbehörden
noch nicht endgültig Stellung genommen haben. Es intereſſieren
ſich, ſo kann man fagen, für die Kaliverfrachtungen die Häfen
der Städte Hamburg, vor allem Bremen, aber auch Harburg.
Die Verladungsmenge wird unverbindlich auf etwa 1½ bis
2 Millionen Tonnen pro Jahr geſchätzt. Wie und wann die
Frage auch gelöſt wird, es ſteht feſt, daß das Ergebnis der Ver=
handlungen
von weſentlicher Bedeutung ſowohl für die Kali=
induſtrie
als auch für die intereſſierten Hafenplätze ſein wird.
In der letzten Zeit wurden aus dem Auslande auffällig viel
Meldungen über die wertvollen polniſchen Kalivorkom=
men
verbreitet. Da leider immer wieder in einzelnen Ländern,
ſogar auch in Amerika wo Hooper den Kampf gegen die
Monopole des Auslandes weiter führt , Stimmen laut wer=
den
, die hieraus eine Hoffnung auf Beſeitigung der überragen=
den
Stellung der deutſchen Kaliinduſtrie herleiten wollen, ſo
muß erneut dieſer durchaus irrigen Auffaſſung entgegengetreten
werden. Zwar ſind die Kalivorkommen in Kaluſz und Stebnik
weder unbekannt noch unbedeutend, aber ſie ſind doch nur ſo,
daß, nach deutſchen Begriffen, je ein kleines bis mittleres Kali=
werk
darauf errichtet werden kann. Die Qualität der Rohſalze
iſt ebenfalls relativ gut, allerdings das Lager bei Kaluſz nicht
durchhaltend, ſo daß der Abbau ziemlich koſtſpielig werden
dürfte. Eine Gefahr für die deutſche Kaliinduſtrie hieraus ab=
zuleiten
, iſt jedenfalls durchaus abwegig; denn von einer ernſt=
haften
Konkurrenz kann nicht geſprochen werden, zumal auch die
frachtliche Lage ſehr ungeeignet iſt.

Frankfurter Effektenbörſe.

Frankfurt a. M., 2. Februar.
die heutige Börſe eröffnete in etwas ſchwächerer Haltung,
da die vielen Mitläufer der letzten Zeit ſich mehr und mehr auf ihre
ſchivebenden Engagements beſonnen haben und aus dieſem Grunde zu
größeren Entlaſtungen ſchritten. Die Montan=, Chemie= und Elektrizi=
tätswerte
verloren durchweg gegenüber den geſtrigen amtlichen Notierun=

Mittwoch, 3. Fedrum

gen 1 bis 2 Prozent, die ſich im Verlaufe nach einer vorübergehenden
leichten Erholung noch weiter ausbehnten. Die Schiffahrtswerte, die an
der geſtrigen Abendbörſe 3 Prozent ſchwächer waren, eröffneten heute
allerdings wieder gebeſſert, konnten dieſe Beſſerung aber nicht behaupten
und gingen ſpäter noch unter die geſtrigen Notierungen. Im Gegenſatz
zu der allgemeinen Stimmung waren ſpeziell die Motorenwerk
heute außerordentlich feſt auf die Berichte von den beabſichtigten Spe=
zialiſierungen
in der deutſchen Automobilinduſtrie. Adlerwerke, Daim
leu und Neckarsulmer gewannen daraufhin 3 bis 4 Prozent, bei Daimler
ſtieg im weiteren Verlauf der Kursgewinn ſogar bis 8 Prozent, konnte
aber auf dieſer Höhe nicht gehalten werden und gab ſpäter wieder 7
Prozent nach. Auch die meiſten der Maſchinenaktien gelvannen
1 bis 2 Prozent, wie heute überhaupt die kleineren Werte ſich befeſtigen
konnten. Erwähnenswert iſt ferner die ſtarke Steigerung für Theodor
Goldſchmidt, Eſſen, auf die Erklärung der Geſellſchaft, daß ſehr wahr=
ſcheinlich
mit einer Dividende für das abgelaufene Geſchäftsjahr gerech=
net
werden könne. Auch die Zuckeraktien konnten ſich auf die bekannten
Fuſionsabſichten weiter befeſtigen. Der Kaſſamarkt war überwiegend
feſt. Die Umſatztätigkeit war heute im allgemeinen erheblich geringer,
da angeſichts der Gewinnſicherungen ſeitens der Spekulation ſtarke Zu=
rückhaltung
beobachtet wurde. Gegen Schluß der Börſe wurde die
Abſchwächung noch größer und griff auf alle Gebiete, auch auf den An=
leihe
= und Pfandbriefmarkt über. Deutſche Anleihen waren ſchließlich
nach feſter Eröffnung nachgebend, während die Pfandbriefe wieder 10 bis
15 Pfennige nachgaben, nachdem ſie geſtern ſo außerordentlich große Ge=
winne
erzielt hatten. Auch die ausländiſchen Renten ſchloſſen ſich der
Abwärtsbewegung an, nur Ungarn blieben gut behauptet. An der
Nachbörſe wurde dann die Stimmung ausgeſprochen flau. Es
waren Gerüchte von einer großen Zahlungseinſtellung im Umlauf, die
immer feſtere Geſtalt annahmen. Es ſoll ſich um eine Berliner gut reno=
mierte
Seidenfirma handeln.
An der Abendbörſe konnte ſich die Stimmung wieder erholen,
nachdem die Schwierigkeiten bei der Berliner Seidenfirma ſich als lange
nicht ſo folgenſchwer herausgeſtellt haben. Zwar betragen die Paſſiven
5 Millionen Mark, aber dieſen ſtehen auch Aktiven von bedeutendem Um=
fange
gegenüber. Uebrigens teilt man in Frankfurt nicht die Befürch=
tungen
des Berliner Marktes hinſichtlich der vom Phönix beabſichtigten
Auslandsanleihe. Beſonders glaubt man nicht, daß dadurch das Zu=
ſtandekommen
des Montantruſts vereitelt werden könnte. Die niedrig=
ſten
Tageskurſe waren daher heute abend um 2 bis 3 Prozent gebeſſert.
Deutſch=Luxemburger 93,5, Gelſenkirchen 93,5, Mannesmann 80, Phönix
78, AEG. 97,5, J. G. der Farbeninduſtrie 129,5, Hapag 119,5, Norddeut=
ſcher
Lloyd 135,5.

Eine Amerikaanleihe der Phönix A.,G.
Berlin, 2. Februar,
Die Gerüchte über Verhandlungen der Phönix A.=G
Bergbau und Hüttenbetrieb mit dem Bankhaus Kuhn, Loen

u. Co., New York zwecks Gewährung einer Anleihe von
15 Millionen Dollar werden von Verwaltungsſeite be=
ſtätigt
. Solche Verhandlungen ſeien tatſächlich im Gang; wan
hoffe dieſelben Bedingungen zu erhalten wie bei der 25 Millionen=
Anleihe der RheinElbe=Union.
Eine ſiebenprozentige 4 Millionen Dollarapleihe hat der Bezirksver=
band
oberſchwäbiſcher Elektrizitätswerke mit Harriman abgeſchloſſen.

Berliner Effektenbörſe.

w. Berlin, 2. Februar.
Die Börſe ſtand im Zeichen von Gewinnrealiſierungen.
Die Erſchöpfung der Kaufluſt infolge Fehlens weiterer anregender Mo=
mente
und die angebliche Ueberladung mit Hauſſeengagements veran=
laßte
die Spekulation zu Glattſtellungen, was ſich nur unter ziemlich er=
heblichen
Rückgängen der beſonders ſpekulativ gehandelten Werte vollzog.
Außerdem machten ſich Gerüchte von einer größeren Zahlungseinſtellung
in der Warenbranche nachteilig geltend. Die Kursbewegung geſtaltete
ſich recht ungleichmäßig. Am Montanmarkt verloren Deutſch=
Luxemburger über 4, Gelſenkirchener annähernd 4, Harpener 3,5, Hoeſch
4,5, Köln=Neueſſen 5, Phönix 2,75 Prozent, während die oberſchleſiſchen
Werte ſich gut behaupteten und Oberſchleſiſcher Eiſenbedarf ſogar 1 Pro=
zent
gewinnen konnte. Auf den anderen Umſatzgebieten waren die Rüick=
ſchläge
weniger bedeutend und überwiegen nur vereinzelt 2 Prozent.
Th. Goldſchmidt konnten ſogar unter Schwankungen ziemlich 4 Prozent
gewinnen. Gut gehalten waren auch Waggonfabriksaktien; auch Ma=
ſchinenfabriksaktien
bewieſen gute Widerſtandskraft. Adlerwerke ge=
wannen
über 2 Prozent und die übrigen Werte konnten ſich auf geſtri=
gem
Stand behaupten oder büißten nur wenig ein. Von Metallwerten
gab Hirſch=Kupfer 3 Prozent nach. Die geſtern weſentlich geſtiegenen
Spritaktien gaben den kleineren Teil des Gewinns wieder her, dagegen
zeichneten ſich durch beſſere Kurſe Jul. Berger und Ph. Holzmann aus.
Die Spekulation wandte ſich vielfach dem Markte der deutſchen
Anleihen zu, für den man durch recht unwahrſcheinlich klingende
Gerüchte von Beſtrebungen für Gleichſtellung des Alt= und Neubeſitzes
Intereſſe zu erwecken ſuchte. Die anfangs geltenden höheren Kurſe
konnten ſich aber im Verlaufe nicht behaupten. Vorkriegshypotheken=
pfandbriefe
gaben nach den geſtrigen Steigerungen infolge von Realiſa=
tionen
4045 Pfg. nach, Goldpfandbriefe blieben feſt bei kleinen Beſſe=
rungen
bis ½ Prozent. Geld war leicht, Tagesgeld 78,5, Monatsgeld
89 Prozent.

Aſchaffb. Zellſlof
Augsb.=Nürnb. Maſch
Bamag=Meguin".
Berl. E. W. Verzug.
Berlin. KorlsruheInd
Braunkohlen=Briketts
Bremer Vulkan.
Bremer Wolle
Teutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Teutſck.=Nied. Tel.
Teutſche Erdöl ...
Teutſche Petroleum.
Tt. Kaliwerke.
Donnersmarckhütte.
Tynamit Nobel. ..
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Halle Maſchinen .. .."
Han. Maſck.Cgeſt.
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A. .1 g8. 75 68.75 Semoor Zement 151.5 197.5 Sirſch Kupfer. S8.5 86 5 30.5 1. Söſch Eiſen 93. 87 625 63.5 63. Hohenlohe Werke 13.5 14.25 68.5 67.75 Kahla Porzellan 51.5 53. 98. 97. Lindes Eismaſch. 124. 123.5 59.75 57. MLingel Schuhe.. 23. 21.5 96. 96. Linke & Kofmann 46. 46.5 40.75 42. L. Lvere & Co.. 144. 142. *2.75 52.25 S. Lorenz 86.75 87. 11. 11. Rdl. Kohle. 105.5 104.875 94.5 91.25 Nordd Gummi 76. 76. Trenſtein. 75.5 74. 126. 121.5 Rathgeber Wage 29.25 34.- 58.25 62. Rombacker Hütten 15 5 17.125 93.375 96.75 Roſitzer Zucker 64.5 87. 82. Rütgerswerke 75. 7425 129. Sachſenwerk. 60.125 59. 3.3 3.3 Sächſ. Gußſtahl. 55. 54.5 32.25 32. Siem n Glas 93.5 94.75 29.5 29. Ver. Lauſitzer Glas. 90. 91.625 1134.5 132,5 Volkſtedter Porzell. 29. 30. 101.5 103. Weſtſ. E. Langendreer 28. 29.5 56. Wittener Gußſtahl. 42.5 35.75 1155.25 Wanderer=Werke.. 93. 97.5

Deviſenmarkt.

Leipziger Frühjahrsmeſſe vom 28. Februar
bis 6. März.

Dem Verkehrsbureau der Induſtrie= und Handelskammer find Druch=
ſachen
und Anmeldebogen für die Leipziger Frühjahrsmeſſe zugegangen,
die auf Wunſch unentgeltlich den Intereſſenten zur Verfügung ſtehen.
Meſſeabzeichen ſind mit dazu gehöriger Ausweiskarte im Vorverkauf bis
einſchließlich 27. Februar im Verkehrsbureau der Induſtrie= und Handels=
kammer
zu Berlin C. 2, Kloſterſtraße 41, in der Geſchäftszeit von 103
Uhr, Samstags von 101 Uhr, käuflich erhältlich. Der Preis ermäßigt
ſich auf 3 Rmk., wenn das Abzeichen der Leipziger Herbſtmeſſe ſamt
unterſchriebener Ausweiskarte, beide mit derſelben Nummer verſehen, mit
in Zahlung gegeben werden.
Der deutſche Normenansſchuß iſt auf der Leipziger techniſchen Meſſe
eine gewohnte Erſcheinung geworden. Der Zweck ſeiner Meſſeausſtellung
iſt bekannt: allen an Normungsfragen Intereſſierten ſoll Gelegenheit
geboten werden, ſich über den Stand der Normungsarbeiten durch Ein=
ſicht
der Veröffentlichungen zu unterrichten und ſchwebende Fragen burch
perſönliche Ausſprache mit den Vertretern des Normenausſchuſſes zu
klären. Die Zahl derjenigen Firmen, die ſich die Vorreile der deutſchen
Normen für Fertigung und Betrieb zunutze machen, wächſt ſtändig. Ein
reger Beſuch aus dieſen Kreiſen dürfte der Meſſeausſtellung des Nor=
menausſchuſſes
gewiß ſein. Andererſeits zwingt die kritiſche Wirtſchafts=
lage
auch Induſtriezweige, die bisher ohne Normung auszukommen
glaubten, oder bei denen die Einführung der Normen beſondere Schwie=
rigkeiten
bereitet, wie zum Beiſpiel im Textilmaſchinenbau, nach Mitteln
zur Verringerung des Kreditbedarfs und zur Erhöhung der Wirtſchaft=
lichkeit
ihrer Arbeiten zu ſuchen. Eins von den Mitteln, die auf dieſem
Wege vorwärts helfen können, iſt unzweifelhaft die Normung. Die dies=
jährige
Meſſeausſtellung des Normenausſchuſſes in Halle 9, Stand 667,
bietet jedem die Möglichkeit, ſich von den Vorteilen zu überzeugen, die
wichtige Zweige des Maſchinenbaues in den letzten Jahren durch die
Normung erreicht haben. Gleichzeitig wird den Beſuchern Gelegenheit
gegeben, ſich auch über die Arbeiten aller übrigen Körperſchaften zu
unterrichten.

Wie die New Yorker Geſchäftsſtelle des Leipziger Meßamts kabelt,
haben ſich bis jetzt auf den Dampfern der Lloyd=, Hapag= und Cunard=
Linien ſchon 540 Amerikaner zum Beſuche der Leipziger Meſſe
eingeſchifft, ungerechnet die andere Schiffahrtslinien benutzenden
amerikaniſchen Meßbeſucher.

Amſterdam=R
Buenos=Aires
Brüſſel=Antw.
Lslo ......"
Kopenhagen.
Stockholm ..
Helſingfors ...
Italien".
London".
New=York.
Paris. . . .
Echweiz...
Spanien ..

1. 2.
Eeld /Brie
19.57 19.1
85.39/ 85.61
0.647 10.587
16.62/ 16.8

1538
80.91
59 32

15.
81.11

2. 1.
Geld / Brief
1.736 1.740/ 1.723/ 1.737 Prag..
03.67 163. 93h03.5: 103.83/ Kio de Janeiro
112.231 12.57/t12.31/ 12.59/Bulgarien.
0.547 10.584 Bclgrad..
20.30 7 20.45/20. 409 20.4S//Liſſabon ....." !
195 4.208/Danzig.
15 77 15 781Athen ..
80.84 81 04/Kanada..
59.371 59.23 59.37Uruguay.

1e8. 265 168.66/163.21 163.63/WienD.=Oſt.abgl 59 071 59 21
19.u75 19 115/Budapeſt.. . ...
65 39/ 85. 61/Japan ......"
46.B15 16.854/Konſtantinopel

1. 2.
Brier / Geld
12.41212.452112.712
5.8731 5.83
1.846 1.85
0.626/ 0.62 M 0.620
2.695 2.69
7.41 7.731 7.39
2.211 2.2211 2.215
21.225 21.275
80.52/ 81.1.
5.89 5 81l
4.188 1.11
4.315/ 4.325

2.
Geld
59.07
5.376
1.603
2 94
1225
90 921
5.65
4.18
7.3151

1.
Brie
59.21
12 452
5.336
1.863
1.64
2 955
7.41
2.226
21.275
81.12
5.91
4.188
4.325

Produktenberichte.

Frankfurter Produktenmarkt vom 2. Februar. Die Umſatztätig=
keit
auf dem hieſigen Produktenmarkt war heute gleich Nukl. Die
Preiſe erfuhren deshalb heute auch keine Veränderung: Weizen 27, Rog=
gen
17,7518, Sommergerſte 21,5023,50, Hafer 18,5021,50, Mais
19,5019,75, Weizenmehl 40,7541,25, Roggenmehl 2626,50, Weizen=
kleie
10,7511 und Roggenkleie 1111,25.
Berliner Produktenmarkt vom 2. Februar. Die Umſatztätigkeit an
der Berliner Produktenbörſe bleibt in durchaus engen Grenzen.
Die ermäßigten kangdiſchen Offerten, ſowie auch ſchwächere Mittagsnotie=
rungen
aus Liverpool waren wohl der Hauptanlaß, weshalb die geſtri=
gen
Schlußkurſe ſich heute nicht ganz behaupten konnten. Das Angebot
in Brotgetreide iſt recht mäßig, aber auch die Nachfrage nicht allzu um=
fangreich
. Der Lokomarkt eröffnete auf einem Niveau, das etwa eine
Mark niedriger lag. Im Lieferungsgeſchäft kam in Weizen nur eine
amtliche Notierung für Märzweizen zuſtande, und zwar mit 266 (minus
Mais ohne Intereſſe. Roggen mit 174 per März und 186 per
Mai je 1,5 Mark niedriger. Hafer nur in beſten Sorten abzuſetzen,
ſonſt ruhig, desgleichen Gerſte. Auch Futterartikel lagen ruhig.

Konkurſe und Geſchäftsaufſichten im Oberlandesgerichtsbezirk Daum=
ſtadt
. Offenbach a. M.: Paul Bettſack, Möbelhandlung, Af. 27. 2., GlV
17. 2., Prft. 17. 3.; Adam Winter II., Hauſen, Af. 27. 2., GüV. 17 2.
Prft. 17 3.; Lederwarenfabrik J. Georg Glaubrecht, Af. 27. 2., Pft.
21. 3. Mainz: Kaufmann Abraham Rath, Af. 10. 2., GlV. und Prft.
26. 2.; verſt. Cafétier Otto Reen, Af. 10. 2., GlV. und Prft. 2. 3.;
Friedrich Völker u. Co., Af. 15. 2., GlV. und Prft. 3. 3.; Fa. Wilhelm
Völker, Inſtallationsgeſchäft, Af. 15. 2., GlV und Prft. 3. 4.

Der Bericht der Reichspoſt über den Monat Dezember
entwirft ein ſehr ungünſtiges Bild der Lage; die Einahmen im
Dezember 1925 ſeien geringer geweſen als im gleichen Monat des
Vorjahres. Die finanzielle Lage der Reichspoſt ſei ſo angeſpannt,
daß man nur durch äußerſte Beſchränkung der Ausgaben einen
Fehlbetrag zu verhindern hoffe.
Beteiligung Preußens an der Braunkohleninduſtrie=A. G. Zukunſt.
Wie der Amtliche Preußiſche Prefſedienſt mitteilt, iſt die Aktienmehrheit
der Braunkohleninduſtrie=A. G. Zukunft (Biag) in Weisweiler (Bezirk
Aachen) von dem preußiſchen Staat erworben worden. Fir den Ankauf
waren elektrowirtſchaftliche Beweggreinde beſtimmend.
Um die Gründung der Automobilbank. Entgegen der Meldung eines
Berliner Abendblattes erfahren wir von zuverläſſiger Seite, daß die Ver=
handlungen
nicht ins Stocken geraten ſind. Da die Gründung auf
breiteſter Baſis erfolgen ſoll, beanſpruchen die Verhandlungen
naturgemäß längere Zeit. Doch rechnet man mit einer Konſtituierung
der Bank in wenigen Wochen.
Voigt u. Haeffner A.=G., Frankfurt a. M. Wie wir erfahren, eilt
die Mitteilung, wonach die Geſellſchaft für das abgelaufene Geſchäfts=
jahr
mindeſtens 8 Prozent Dividende verteilen werde, zum mindeſten den
Tatſachen voraus, da die Abſchlußarbeiten noch im Gange ſind. Der Ge=
ſchäftsgang
wird als zurzeit gut angeſehen.
Mansfeld, Geſ. für Bergbau und Hüttenb trieb, Eisleben. Der Ge=
ſchäftsgang
im verfloſſenen Jahr wird als günſtig bezeichnet und erlaubt
die Verteilung einer angemeſſenen Dividende von 68 Prozenk.
Vom Sichel=Konzern. Vom Sichel=Konzern erfahren wir, daß der
Aufſichtsrat in ſeiner heutigen Sitzung ſich von dem derzeitigen Stand
der Geſchäftsaufſicht befriedigt gezeigt habe. Ueber die gefaßten Beſchlüſſe
wurde jedoch keinerlei Mitteilung gemacht.

Amerikaniſche Kabelnachrichten.

New York, 2. Februar.
Weizen begann feſt im Einklang mit Liverpooler; dann trat eine
Abſchwächung auf Liquidationen ein; der Schluß war wieder feſter auf
höhere Notierungen aus Winnipeg.
Mais. Der Markt verlief erſt feſt, dann nachgebend auf günſtige
Wetterberichte und große Zufuhren.
Hafer lag ſtetig zu kaum veränderten Preiſen.
Baumwolle: Der Markt eröffnete in ziemlich abgeſchwächter Hab
tung. Die Termine ſchließen jedoch nahezu unverändert.
Kaffee: Kleine Ankünfte und erhöhte braſilianiſche Forderungen
trugen zu einer Befeſtigung des Marktes bei.
Zucker: Der Markt verkehrte in abgeſchwächter Haltung auf er
mäßigte kubaniſche Offerten und größere Ernteſchätzungen. Am Schlune
konnte eine Erholung eintveten.
Induſtrialiſierungspläne der Harriman=Gruppe in Polen. Nach
einer Meldung aus Kattowvitz hat die Harriman=Gruppe, welche bekannl=
lich
in den Unternehmungen Gieſches Erben in Oberſchleſien, hauptſaſn
ich in den Kohlenwerken und in den Zinkhüitten eine Beteiligung von
51 Prozent erworben hat, der polniſchen Regierung Vorſchläge betr. die
Erſchließung von neuen Erzgruben auf dem Gebiete des ehemaligen
Kongreß=Polen und Weſtgaliziens vorgelegt. Insbeſondere handelt es
ſich, wie der D.H.D. meldet, um die Förderung von Eiſenerzen ſowie
Bleierzen. Die Harrimangruppe hat ferner der polniſchen Regierung
einen Vorſchlag auf die Pachtung der ſtaatlichen Zinkgruben in Polniſch=
Oberſchleſien vorgelegt. Die Harrimangruppe beabſichtigt, hauptſächlich
in der Gegend von Czenſtochau und Olkuſz die dort befindlichen Natur=
ſchätze
, insbeſondere an Eiſenerzen, zu erſchließen. Auch in der Gegend
von Radom befinden ſich nicht ausgenutzte Kupfen und Bleiern

Keine neuen Millionenkredite an die Wirtſchaft.
w. Berlin, 1. Februar.
Zu der in der Preſſe verbreiteten Mitteilung über angeb=
liche
Millionenkreditean die Wirtſchaft aus öffent=
lichen
Mitteln iſt feſtzuſtellen, daß ſich das gegenwärtige Reichs=
kabinett
ſelbſtverſtändlich ebenſo wie das vorhergehende mit der
Frage beſchäftigt, wie der Wirtſchaft in der augenblicklichen ſchwie=
rigen
Lage Erleichterung gebracht werden kann. Es iſt aber
völlig ausgeſchloſſen, daß auch nur annähernd die genannten
phantaſtiſchen Summen zur Verfügung geſtellt werden
können. Es iſt insbeſondere auch zu bedenken, daß die zur Zeit
verfügbaren öffentlichen Mittel bereits in der Wirtſchaft arbeiten
und es ſich beſtenfalls darum handeln kann, dieſe Mittel in anderer
Weiſe als bisher der Wirtſchaft zuzuleiten. Ueberdies geht das
Reichskabinett, wie in der Regierugserklärung deutlich aus=
geſprochen
wurde, vor allen Dingen darauf aus, Steuerer=
leichterungen
herbeizuführen, wodurch ſich die für Kredit=
zwecke
zur Verfügung ſtehenden Mittel ſelbſwerſtändlich ven=
mindern
.

[ ][  ][ ]

Nummer 34

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Seite 43

Epropäiſche Staatspapieer 1. 2.
a) Deutſche
G% Reichsanleihe .. .. . . . . 0.262
....
9½8
..
Dolla=Gld=Anleihe d. 1935
groß Stückel
Dollar=Gld=Anl. per 1932/
große Stückel
Dollar=Schatzanweiſungen 98.80 98.9
Dtſch, Schtzanw. Klu. IIv. 231
Kluffy.24
4122 IV. u. V. Schatzanw.
44% UI.IZ,
47 D. Schutzgb. v. 08-11 u.13/ 7.16
v.14/ 7.15
Sparprämienanleihe ..... 0.138
Zwangsanleihe ..tanasa.
47 Preuß. Konſols ...../ 0.25
....! 0.27
3!.
......
4 % Bad. Anl. alte ......! 0.10
8½%r .... -/ 1.23
v. 1896 ...
4B Bahern=Anleihe ..) 0.25
5½%
8-16% Heſſen N. XxXfI
untilg, b. 28 .........
30

49 Geſſen unk. 1924,.....
D
4% alte .........."
3½% ........

....... ......
4% Württemberger alte .
b)Ausländiſche
6% Bosnien9.-E.=B.v. 1914
5½ L.=Inveſt.=Anl. 1914
W%-v.1898 ........ 1.6
4½% b. 1902 .........
.....!
4½
Si Bufas Fahzt wogs 1145
4½% Oſt. Staatsrente 1913
2.5
ab 1918 ....."
4½% Oſt. Schatzanweiſ.ſitfr.
v. 1914 ..... . . . . . . . . . . 15.5
4% Oſt. Goldrente .... . . 17.5
41g%Silberrente. . . . ..
42 einh. Rente (konv.

...... 0.265

9.26
6.95
6.96
0.175h
0.39
0.294
0.3

9.32:

30.5
u.22
0.27
C.26
0.3

2% Portugiel. (Spez./6.II
65% Rum. am Rente v. 08
419% Goldr. v. 18 ..../ 5.7
4% am. konp.. . . . . 1.5
am. v. 05 ......
4%

470 Türt, (Admin.) v. 1903
4% (Bagdad) Ser. 1
(Bagdad) Ser. II
4
47 v. 1911. Zollanl
4½% Ung. Staatsr. v. 1918

4½%
*
45
770

Staatsr.v.14
Goldrente .
Staatsr. v. 10
Kronenrente
(Eiſern Tor)Gl.

8.2
10.8
9.10
9.45
13.5
16.75
14.25
107,

Außereuropäiſche.
5% Mexik amor, innere ..!
konf äuß. v. 99 ..
60

4F Gold v. 04 ſtfr. 26
8% konſ. inner.
14.5
4½‟
Frrigationsanl. 33
57 Tamaulipas. Serie I.
Nach Sachwert verzinsliche
Schuldverſchreibun gen
Mit Zinsberechnung
6 ½ Dollar Goldanl. v. 1982
große Stückel
6% Doll ar Goldanl. v. 1935
große Stückel 90.25
2½ Frktr. Hyp.=Bl. Gold=
pfandbrle
R.1/ 86
47 Frkrft. Hyp.=Bk. Gold=
pfandbriei
Em. 3
5% Friſtr. Hyp.=Bk. Gold=
pfandbrie
, Em ?!
5% Neckar A.=G. Stuttgart
Goldanleihe von 19231
4 2 Pfälzer Hyp.=Bk.= Gold=
pfandbrief
von 24
22% Rhein Hyp. Bk. Gold=
z
andbrief von 24 .. 84
Rhein=Main=Donau=
Gold=Anleihe von 23.. . ./ 65

6 Großtraftwert Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23 ....."
6% Heidelberger Holzwertanl.
von 23
6%H. Braunk.=Rog.=Anl. v. 23
5% H. Roggenanleihe v. 1923
5% Mannh. Stadt= Kohlen=
wertanl
. v. 1923
20 Offenbach (M.) Holzwwert
anl. v. 1923 .............!
5% Pfälzer Hyp. Bank Gold=
Pfdbr. v. 24...
%0 Preuß. Kaliwert=Anleihe
5% Preuß. Roggenwert=Anl.
5% Rhein. Hypoth. Bk. Gold=
Pfdbr. v. 24...
5 2o Sächſ. Braunk.=Anl.v. 23,
Ser. Iu. II
...
52 Sächſiſche Roggenwertan=
leihe
von 23
SDIo
dd. Feſtwertbk. Goldobl.

Wgefeafgaft auf drlien, Suriftadt. Brankfarter Kardorricht Bom a. Frbrant Lond.

10.10
15.08

3.3
6.15

1.68

2. 2.
10

10.:
15½,

Borkriegs=Hypothekenbank
Pfandbriefe
Bay. Vereinsbank München.
Bay. Handelsbank München.
Bah. Hhyp. u. Bechſelbank..
Frankfurter Hypothef.=Bk..
Frankfurter Pfandbrief=Bk..
Hamb. Hypothek.=Ban ....
Meininger Hyv.=Bank .....!
Pfälziſche Hyp.=Ban ....
Preuß. Pfandbrief=Bk. .....
Rhein. Hypothl.=Bank ......!
Südd. Bodenkredit=Anſtalt ..
Vürttemberg. Hypoth.=Bank

Staatl oder provinz ja
garantiert
Heſſiſche Landes=Hyp.=Bank
Landeskreditanſtalt Caſſel...
1.65 Naſſauiſche Landesbank.

1. 2. 2. 2.

7.6
7.6
7.30
3.5
7.85
6.8
7.575
6.8
7.a40

5.8
5.50

Obligationen von
Transportanſtalten.
4% Eiilabethbahn, ſtfr.
42 Ga. Carl Ludw.=Bahn.
5% Oſt. Südb (Lomb.) ſtfr.
2,6% Alte Oſt. Südb. /Lomb.)
2.6% Neue Oſt Südb. (Lomb.)
4% Oſt. Staatsb. v. 1883.
3% Oſt Staatsb. 1.b.8.Em..
3% Oſt. Staatsb. 9 Em. .. . .!
8% Oſt. Staatsb. v. 1885 ...
13% Oſt. Staatsb. Erg. Netz .
4% Rudolfb 1. Silber ſtfr.
48 Rudolfbr. Salzkammerg.)
4½½ Anatolier Serie l.....
4½% Anatolier Serie II ...
4½% Anatolier Serie II...
13% Salonique Monaſtir. . ..
5% Tehuanteper ..........
4½% Tehuantepee ........"

1. 2.

2.25
1.8
11.25
11.3
11.25
5.5
17.6
17.5
17.5

1.65

11.25
21

2. 2.

1.6
11.25
11.25
11.25
5.5
17.42
URIo

Ai

6.4

7.9
8.55
9.15
13.25
16.9
14.4
14.25

Ret

Ohne Zinsberechnung
S %Baden=Baden=Holzwert
Anleihe von 23......."
6 %Badenm. Kohlnwranl. 23
S% Frkſtr. Pfandbrief=Bk.
Goldoh. IEm.

14.10
9.05

1.7

14.5
8.75

Zank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſt.
Badiſche Bank
Bank Brauinduſtrie.
Barmer Bankverein
Bah, Hyp.= u. Wechſelb.
Berl. Handelsgeſellſchaft
Kommerz= u. Privatbanf ..6
Darmſtädter u. Nationalbk. 6
Deutſche Bant
6
Deutſche Efi. u. Wechſelbk., 8
Deutſche Hyp.=Bk. Mein.
Deutſche Vereinsbant ....6
Disconto=Geſellſchaft ... ..0
Dresdener Bank .... . . . . . 6
Frankfurter Bank ...... ..0
Frrf. Hyp.=Bank .... ....."
Frankf. Pfandbrief=Br. ...
Gotha Grund kredit=Ban. ..
Metallbank
.....0
Mitteldeutſch. Creditbank ..6
Oſterr, Ereditanſtalt . ..
Pfälz. Hypoth.=Bank ..
Reichsbank=Ant.
Rhein Creditbant
Rhein Hypothekenbank .. .9
Südd. Disconto=Geſellſch. o
Wiener Banwerein..
Bergwerks=Aktien.
Berzelius
.
Bochumer Bergbau.... ..6
Buderus
..6
Dt. Luremburger ....... .0
Eſchweiler Bergwerks=Akt., . .
Gelſenkirchen Bergw.
Harpener Bergbau ..."
Fſe Bergban Stamm.. .. .9
NeBergbau Genußſcheine 6
Kaliwerke Aſchersleben ...0
Kailiwerke Salzdetfurt ..
Kaliwerke Weſteregeln ... .0
Klöcknerw. ab. Lthr.=Hüttele
Mannesmann Röhren ... .0
Mansfe der
..5

Oberbedarf
v
Oberſchle Eiſen(Caro).
Otavt M.nen u. Eb.=A,
Phönix Bergbau
Rhein Braunk. u. B=
Rhein. Stahlwerke
Rombacher Hütte
Stinnes Riebeck Montan
Tellus Bgb.= u. Hütten=Akt.6
Ver. Laurahütte.
Aktien induſtrieller
Unternehmungen.
Brauereien.
Eichbaum (Mannh. . ... ..
Henninger Kemp=Stern. . .6
Löwenbräu München .... .0
Mainzer Aktienbrauerei ...6
Schöfferhot (Binding) ....0
Schwarz=Storchen ...... .014
Verger

Geſch.
Jahr

Arkumulat. Berlin. .
T.4
Adler & Oppenheimer .
Ad erwerke (v Klehzer .0
.O
A. E. 6. Stamm.
6% A. E. G Vorzug Lit. 4 8
5% A. E. G. Vorzug Lit. 8 8
Amme Gisſecke & Konegen 6
Anglo=Continantal=Guanv.
Anilin=B.n. Treptow ...
Aſchaffenburger Zellſtoff O
Badenia (Beinheim)..
Bad. Anilin= u. Sodafabr. 6
Bad. Maſchf. Durlach ... . 0
Bad, Uhrenfahr. Furtwang. 6
Bamag=Meguin Berlin. O

*8
s0
333½,
20
18,
a0
200
60
100
100
50
100
150
80
2
120
100
831
160
20
J0e
500
40
100
100

100
79
20
700
6öc
700
1000
200
200
140
160
150
800
600
50
120
120
500
300
5oo
300
400
37.50
83.33/

400
800
13231,
1006
250
300
200
soo
250
a0
100
70
75
50
100
200
300
16
260
200
4u0
100

Divid. 1. 2. 2. 2.

8%
G.
RM 10
10%
108
8%o

o
0%
10%
820
0%
8%
Kr800

2oRM
30
1o%
92o
12RM
10.
5%

85o

87.5
39.25
7 .75
79.75
92.5
1a7
103
120.25
120.5
80.5
8o
80
114
114
58
73.5
81
96.75
98
74.5
127.5
85.5
76.5
8s
5.5

29.5
9s
47.25
98
231
97.25
115
110
82
120.5
142
73.5
83
78
51
a6
25
8o.5
139
75.75
16.25
9o
56
39

37.5
75.75
66.5
99.25
130
68.25
u30
112
17.5
30.*

88.5
34
86.75
79.75
922/g
140.5
403
120.75
119.2.
80.5
80.75
114.25
112.7.
59.75
74.5
85
86.25
95.5

90.5
45.75
92
131
92
1110
108
79
114
137.5
123
78.5
73.5
77.5
50
46
25
39
135
76.75
17
87.5
bb
39

54
99.75
1u7
195
82.75
95

Baſt Nürnberg ..... . .. ..O
Bahriſch Spiegel ........0
Beck & Henkel (Caſſeh ....6
Bergmann El. Werke ....O
Bing. Metallwerke ......0
Bremen=Beſigh=Olfabr. ...6
Fementwert Heibelberg ..0
Cementwert Karlſtadt ....6
Cementwerk Lothr. (Karls.)6
lehem. Werke Albert .... . .0
Chem. Brockh., Nd. Walluf. 0
Chem. Griesheim=Elektron 6
Chem. Fabrik Milch ......"
Chem. Weiler=ter=mer .. . .0
Daimler Motoren ..... . .6
Deutſch Eiſenhandel Verl.o
Deutſche Erdöl. . .. . . .. ..0
D. Gld.= u. Silberſcheideanſt. 6
Dingler, Bweibrücken . .. ..6
Dresdener Schnellpreffen .6
Dürrkopp (Stamm) . .... 8
Dürrwerke Ratingen .. ..0
Dhckerhofi & Bidm. Stammé
Eiſenwerl Kaiſerslautern
Eiſenwerk L. Meher, fr. .. 0
Elberfeld. Farbw.v. Baher O
6
Elettr Lieferungs=Geſ.
0
Elektr. Licht= u. Kraft ..
6
Elſäſſ. Bad.=Wolle
Emag, Frankfurt a. M. ..0
EEmail. EStanzw. ullrich .8
Enzinger Werke.
/Eßlinger Maſchinen
Eitlinger Spinnerei
..O
Faber Foh. Bleiſtift,
6
6
Faber & Schteicher
Fahr Gebr. Pirmaſens 6
Felten EGuillegume, Carls.6
Feinmechanik (Fetter ...4
Feiſt, Sektl, Frankf. M.e
Frankfurter Gas ......1..0
Frankfurter Hof ....... .."
Frkf.M. Pokorny & Bitteké
Fuchs Waggon Stamm ...e
Banz Ludw. Mainz .....0
Geiling e Eie.
..... .O
Bermania Linoleum
..6
Gelienkirchen Gußſtahl ...0
Boldſchm dt. Th. ....:..0
Botha Waggon ..........0
Breffenius Maſch. Stamme
Britzner, Maſchfbr. Durlacho
6
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Franff. (M.) 6
Hammerſen (Osnabräch 6
Hanfwerke Füſſen
.6
Hartm. EBraun, Frankf. .6
Seyligenſtaedt. Gießen .6
Hilvert Armaturenfbr. ..0
Hindrichs=Auffermann ....0
Hirſch Kupfer a Meff. ...0
boch= und Tiefbau .......6
ööchſter Farben ...... .. O
5olzmann Phil. ......0
Holzverk. Induſtr. ........."
Hydrometer Breslau .....0
Fnag
....
Funghans Stamm .. . . . 6
Kammgarnſp. Kaiſerslauternch

Geſch.
Jahr

Karlsruher Maſchinen ...."
39.5 Karſtadt R.

Rrein, Schanzlin & Becker
74.25 Manorr, Heilbronn ......
Nonſervenfabri! Braun ...
98.25 Krauß & Co., Lokom. . ....
rahmeher & Co. .........
128.5 Lech, Augsburg ........."
68.5 Lederw Rothe ........"
Lederwerte Spicharz ...."
128.5 Lingel Schuhw Erfurt ...
Löhnberger Mühle .......
112
17.5 Nudwigshaf. Walzmühle
36 1Südenſcheid Metallw.

60
160
50
200
1./ 50
./ 340
300
150
40
300
100
200
120
200
/ 50
80
aso
140
100
40
150
F0
80
32½.)
3'
209
200
8o
200
6o
100
100
140
80
100
300
120
80
50
200
100
25
33½
100
490
200
6o
5o
300
180
60
20
260
200
50
8o
120
150
2.
200
C6
80
3
140
120
50
40
80
50
15
50
15)
250
500
50
26
1682i
500
60

Diwid. 1. 2. 2. 2

2. soRMl 57.25 57.6

125

87

77

23

8%0
19%
800
1RM
J.Rm
5%

85

26.5
88
43
23.5
73.
92.5
3
130
36
130
34.5
40
93.75
90.75

88
103.25
0.16
1
70
33
200
75
46.75
38.5
52
77.5
69.75
35.5
0.48
20
128
26.9
G6.5
33
66
91
80
so

42
8?
48
130
57.25
57.5

62
67
33.5
110.5
29.5
58
41
81=
84.5
21

36.9
85
43.25
30
72.75
90
39.75
128.5
38
128.5
39
40
92
89.75

88.5
192

0.17:
28

52
24
76
67
35.75
0.49

Luther, M.= u. Mühlenbau
Luxſche Induſtrie
Mainkraftwerke Höchſt ....0
Metallgeſ. Frankfurt . .... O.
Mehzer. Dr. Paul ........0
Mrag. Mühlenb. Frkf. a. M.0
Moenue Stamm .. . . . . . .e
Motorenfabrik Deutz .....0
Motorenfabr Oberurſel .6
Reckarſulmer Fahrzeugw. 8
Neckarwerke Eßl. Stamm 6
Sleawerke Frankfurt a. M.0
Beters Union Frankf. a. M.6
Pfälz. Näh. Katzſer .... . 0
Philipps A..G. .. . . . . . . . . 6
Porzellan Weſiel.........6
Prometheus Frkf. M. . .e
Reiniger, Gebbert & Schall 6
Rhein. Elektr Stamm ....e
Rhein Metall=Vorzüge o
Rhenania Aachen ......"
Rückforth Stettin ........
Rütgerswerke .........."
Schleußner (Frankf. a. M.).O
Schneider & Hanau
Schnelpreſſen=Frankenthal 6
Schramm u. Megerle, Lackf.6/11
Schriftg Stempe Ffm. .O.
Schuckert Elektr. Nürnb.),e
Schuhfabr. Bemeis=Weſele
Schuhfabrt! Herz
Schuhf Leander. Offenb.,o
Schultz Grünlack. Rdöh. .8
Selinduſtrie Wolf.
....0
Sichel & Co. Mainz ......0
Siemens Eiektr. Betriebe Ol1
Siemens Glasinduſtrie ..0
Siemens & Halske.
Hl=
Süddeutſche Fmmobilien. K
Thür elektr. Lief.=G. Gotha O
nhrenfabrtk Furtwängler 6
Beithwerke in Sandbach O
Verein. f. Chem. Ind. Frrft. 6
Verein. d. Olfbr. Mannh. O
Verein. Faßfabrik. Caſſel 6
Ver. Gummif. Bin.=Frkft. 6
Verein. Pinſelf. Nürnberg 6
Verein Ultramarin ... . ..0
Verein. Bellſtoff Berliu e
Bogtl. Maſchinen
Voigt & Haeffner Stämme o
Bolthom. Seil
Banß & Freytag ...
3
Begelin Rußfabrit ......."
Zellſtoff Wa dhof Stamm
Zuckerfbr Waghäuſel .....6lz
Zuckerſbr Frankenthal e"
Zuckerfbr. Heilbronn .... olf
Zuckerfbr Offſtein .......9
Zuckerfbr. Rheingau ......0l=
Zuckerfbr. Stuttgart ...0

Transport= und
Berſicherungs=Aktien
Allg. Deutſche iſenbahn a
Deutſche Eiſenb=G. Fftm.
Elektr Hochbahn Verlin .
Schantung E. B .... !
Südd. Eiſenbahn=Geſ. ....6
ſHapag (Paketfahrt) ......"
Nordd. Llotzd ......... . "

24.5
21.5
44
85
49.75
56.25
E6.55
38
0.45
62.25
67
33.5
110
29.5
58.5

93.25
82.5.
A.
22
46.75
42.75

Frkft. Allg. Verſich.=Geſ.
Frankona Rück= u. Mitv.

Darmſtädter Ber
Bahnbedau
....
(Dampfkeſſel Rodberg
Gelvetia Konſervenfabr.
Gebr Luß
Mot orenfabrik Darmſtadt
Gebr. Noeder
Venuleth & Ellenberger ..

Geſch=
Jahr

23
60
40
300
140
120
350

Diviv.

1. 2. 2. 2.

8% 64

9.

02

4.30RM

10%
6
2 RM
On
2 RM
2RM
2 RM
2 RM

1000
1030 5%0
800
300
40 O

10%

62
44.75

*

14.5
45
S9.5
65.5
26.5
83.25
25.5
20.25

70
14
81.25
104
13
96
34.25

78
20
80.5
89.5
93.75
45.75
50.5
49
53.25
43.5

52
61.5

94
1231,
142

11s
2.40RM

4%
8%o

73.5
45
61
65.5
76.5
84.75

102.75:
57
78
50. 25
57.5
27.25
59.5
40
68
22.5
57
78
22
79. 25
91.
88
47.75
50
46.25
T 3.5
47.75
47.5

52

94
120,75
137

76

22.25
12

Annotierte Aktien

Ap

Beckerkohle ........,,...
Beckerſtahl ........."
Benz.."
Brown Boverie..
Deutſche Petroleum".
Diamond Shares
Großlrftw. Württ. (Growag)o
ſchrßirftw. Unterfr. ufra) .6
Krügersha !l Kali.
Fufo Film
..0

28
80
150

Zeichenerklärung: X Mark für eine Million nominal. M Mark
für eine Milliarde. Mark pro Stück. O Gold=Kurs

Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts
Dormſtadt und den Bekanntmachungen des

Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Brille. 1 gelbl. Perlen=
halskette
. 1 grüner Wollſchal mit gelb=
braunen
Streifen. 1 Paar graue Damen=
handſchuhe
mit grünweißen Stauchen. Ein
brauner wollgefütterter Herren= lacéhand=
ſchuh
. 1 Bund (7 Stück) Schlüſſel am
Ring. 1 breiter brauner Damenpelz mit
4 Schwänzchen, 1 graugeſtrichener Fenſter=
laden
. 1 blaue Hemdenbluſe und 1 Paar
blauwollene Gamaſchen. 1 Strickzeug
(graue Zipfelmütze). 1 Fahrrad. 1 braun.
Handtäſchchen mit Spiegel und Taſchen=
tuch
. 1 Treppenleiter. 1 Stoßkarren (ein
Arm ein Stück abgebrochen). 1 Müll=
eimer
, 1 kleine rote Doſe mit Mappen=
ſchlüſſel
. 1 graue Kinder=Zipfelmütze. Ein
großer neuer Schlüſſel. Zugelaufen:
ſchwarzer Hofhund mit braunen Abzeichen.
1 ſchwarzer Baſtard, 1 weißer Fox mit
ſchwarzen Abzeichen. 1 weißer Jagdhund
nit ſchwarzen Abzeichen

Eingetretener Verhältniſſe hal=
ber
wird die Feld= und Waldjagd
der Gemeinde Frankenhauſen
nicht, wie angegeben, Samstäg,
den 6. Februar ds. Js., ſondern
Samstag, den 13. Februar d3.
38., nachmittags 3 Uhr.
auf weitere ſechs Jahre in der
Wirtſchaft von Georg Krämer
öffentlich verpachtet.
(1754
Frankenhauſen, den 31. Jan. 1926.
Keſſ. Bürgermeiſterei Frankenhaufen.
Eeller.

Am Freitag, den 5. Februar 1926,
vormittags 9 Uhr anfangend, werden
im Roßdörfer Gemeindewald aus
den Abteilungen 6, 10 und 11 unter gün=
ſtigen
Zahlungsbedingungen verſteigert:
Eichen=Stämme: 3 Stück, IV. Klaſſe,
1,00 Feſtmeter.
Lärchen=Stämme: 2 Stück, V. Klaſſe,
0,40 Feſtmeter.
Kiefern=Stämme: 43 Stück, III. und
TV. Klaſſe, 18,77 Feſtmeter.
Fichten=Stämme: 198 Stück, Va und b
Klaſſe, 55,06 Feſtmeter.
Ficht.=Deebſtangen: 541 Stück, 31,32 im
Fichten=Reisſtangen: 259 Stück, 0,79im
Zuſammenkunft an der Kubig. (1791
Roßdorf, den 2. Februar 1926.
Geſſ. Bürgermeiſterei: Lorenz.

Am Samstag, den 6. Februar
ds. Js., werden nachmittags 2 Uhr im
Gaſthaus Zum Anker in Stockheim
aus Nevier Eulbach: Kutſchenwege 7,14.
Hüttenſchläge 2, Steinmannshalde
Vogelheerdſchlag 12, Heumatte 26, 27
29, 30, Seilersbuch 6, Eſelskopf 2, Salz=
lackenberg
2, öffentlich meiſtbietend ver=
ſteigert
:
Scheitholz: etwa 60 Rm. Buche,
20 Rm. Eiche, 30 Rm. Fichte.
Prügel: etwa 20 Rm. Buche, 10
Rm. Eiche und Birke, 20 Rm. Kiefer,
25 Rm. Fichte.
Kohlholz: etwa 150 Rm. Buche,
(1582sm
120 Rm. Nadelholz.
Das mit A bezeichnete Holz kommt
nicht zum Ausgebot.
Erbach, den 29. Januar 1926.
Gräfl. Forſtamt Erbach.

Am Donnerstag, den 4. Februar
1926, vormittags 10 Uhr, verſteigere
ich im Verſteigerungslokale Bleichſtr. 41,
Wirtſchaft Rummel, zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
1 Schuhmacherausputzmaſchine, 1 kom=
plettes
Speiſezimmer, 6 Meter Man=
telſtoff
, 1 Badezimmereinrichtung, 1
halbfertiger Bücherſchrank, 1 Grammo=
phon
mit Holzkaſten, 1 Guitarre, 1
Konzertlaute, 1 Oelgemälde, 1 Tafel=
ſervice
(45teilig), 1 Kaffeeſervice (15), 1 Ladentheke und ein Poſten
(1767
Möbeln.
Darmſtadt, den 2. Februar 1926.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher.

Jagd=Verpachtung.
Hamstag, den 13. Februar 1926,
nachmittags 1 Uhr, wird auf dem
Rathaus dahier die Gemeindejagd auf
weitere 6 Jahre verpachtet.
Die Gemarkurg umfaßt 328 ha und
iſt von den Stationen Hergershauſen
(Darmſtadt=Aſchaffenburg) u. Langſtadt
Hanau=Eberbach) in 10 Minuten zu
erreichen.
Harpertshauſen, den 1. Februar 1926.
Bürgermeiſterei Harpertshauſen.
Funck.
1789)

Käufe
Mie
Nußb.=Büfett
u. guterh. vollſtänd
Bett, evtl. auch Ein=
zelteile
, zu kauf
Angebote u. K 76
an die Geſchſt, (1788

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kauf. geſucht. Angeb.
K 53 Geſchſt. ( 3130

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Tennisſchläger
zu kaufen
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geb. m. Pr. ui. K 30
an die Geſchſt. (*30711

llenne die Kudde Heiasen-
Mer Kaden
erfahren Sie die Gründe der 7 Kursveränderungen
stets sofort aus dem täglich erscheinenden mit wert-
vollen
Beilegen ausgestetteten Börseninformationsblatt
Seug
Pee Kue
Berizgte
D Betdn de
Berlin G 2. An der Spandauer Brücke 10
Henlangen Sie Probenummenn!

Montag, den 8. Februar 1926,
nachmittags 3 Uhr, wird die Jagt
der Gemeinde
Ellenbach 333 ha
Eulsbach 80 ha
auf weitere 6 Jahre in der Wirtſchaft
von Heinrich Bauer zu Ellenbach öffentlich
verpachtet.
Ellenbach, 1. Februar 1926.
Heſſ. Bürgermeiſterei Ellenbach,
TV.1797)
Riebel.

Chaiſelongue,
Spieldoſe od. Dreh=
orgel
ſof zu kauf. geſ
Angebote unter K 41
Geſchäftsſtelle (*3119

Harmonium
aus Privatbeſit zu
kaufengeſucht Angeb
unter K 45 an die
Geſchäftsſtelle (*3106

Wer dort?
Hier V. Schatz.
Komme ſpf. u. kaufe
getrag. Kleider,
Federbetten,
Schuhe, Wäſche uſw.
V. Schatz
Darmſtadt. (1704imd
Tel. 1924. Schloßg. 23.

Malonalfen
kauft gegen Barzahl
Paut Marthey
Verlin=Steglitz, Kiſ=
ſingerſtr
. 7, (1V.1605

Juwelen R
Gold-
Silber-
gegenständeß

Perser
Teppiche
An- und Verkauf
Lartz- Aalt t
Pädagogstrasse 2
Aelteste.
Ankaufsstelle
am Platze
(456a1
K
AZiermarkt

Pferd mit Geſchirr,
leichte Rolle umſtän=
dehalb
. bill. z. verk.
Zu erfr. v. 12 Uhr
Soderſtr. 7

[ ][  ][ ]

Der prächtige deutsche Großfilm! Der Triumpf des deutschen Schaffens!

Nach der gleichnamigen Operette von Oscar Straus und der
Hans Müllerschen Novelle Mux, der Prinzgemahl‟
DARSTELLER:
Eberhard XXIII. von Flangenthurn
Rockhoff v. Hoffrock Inlins Falkenstein
Jacob Tiedtke Frl. von Kocckeritz . . Mathilde Sussin
Prinzessin Alix . . . . Mady Christians Franzi Steingraber. . . Kenſa Desnſi=
Peter Ferdinand . . . Carl Beckersachs
Steffi, Bassistin . . . . . Lydia Potechina
Nikolaus Graf Preyn . Willy Fritsch
Der Pikkolo . . . . . . . Hans Braugewetter

(1793

Er auf Liebespfaden mit Harold Lloyd Neueste Wochenschau

Seite 14

Mittwoch, den 3. Februar 1920

Heute Mitéwoch

aallostrLichtspiele

Kesidenz-Theafer
Vorletzter Tag!

Bag Frädlein

Die

SpitkeImarkt

Faschings-Sensation

UmionsThoaten

O Heute

Inwlderrufllch nur noch heute und morgen sehen Bie das
grosse Lustsplelprogramm Im U.-T.

Bat und Patachons Kampf

mit dem Prachen

Mittwoch, den 3. Februar und folgende Tage
Der gr. Serien-Erfolg des Intimen-Theaters, Berlin
und des Theatre Frangais, Paris:

Lebensroman einer Stenotypistin
In 7 Kapiteln

asuch im Bett

Lustspiel in 6 Akten

H. Lustsplel
Oheplock Aoimes H.

Lustsplel in 5 Akten.
m der Hauptrolle: Buster Kezton
entfesselt Lachstürme in aller Wekt.

Jugendliche haben Zutritk!

Has Lehen

Shimmy 6 Jazzband e Humor
Lauf goch nicht immer

3187

Anfang 31/, Uhr.

Letzte Abendvorstellung 8 Uhr

Harold Liogd als Ehekandidat

Trlanenwecha Neueste Rodenachau

Ab Freikag:

Der große Schlager
Las Rädel von Pontezugulf
Große Ausstattungsfilmoperette in 6 Akten
Unter persönlicher Mitwirkung erster
Berliner Operettenkräfte (1813

Elekfromophon Konzert

am Donnerstag, den 4. Februar, abends 8 Uhr
im Mozartſaal, Schulſtraße 8.
Im Programm:
Beeihoven, Mozart, Brahms, Wolf, Walter Rehberg,
Roth=Quartett, Rich. Tauber, Hch. Schlusmus u. a. m.
Eintritt frei.
1758
Einlaßkarten bei Chriſtſan Arnold, nur Ernſt= Kud=
wigſtraße
9 / Elektromophon=Alleinvertreter.

können In Maske mit Wisler
kommen und

Parisiana in 1 Akt von Georges Feydeau

Musikalische Schlager:
Die schöne Adrienne hat eine Hochantenne
Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren 6 Im
Rausche einer Nacht P Warum soll er nicht mit
ihr? 6 Für Dich & Es geht die Lu-lila & Leb‟
wohl Du schwarzbraunes Mägdelein & Grüß' mir
mein Wien & u. a. m.

erfreut, dem Alltag entrückt,
einlge Stunden

Hotel Traube, am Samstag,
den 6. Febr, abends 8 Uhr.
bls zum

Reue Reuuetänze der
Geschwister Socha T

SLOISM

Mitwirkende: Marga Peter, Lissy Chilia,
Guskav Bertram, Karl Walbröhl,
Alkred v. Krebs, Joachlm v. Ostau
Max Mikolzſ.
(1766

früh, Im Krelse lustlge
Engelchen und ausge-
Iassener Teufelchen, das

Leben Im

Tägl. Kartenverkauf: Verkehrsbüro, Ernst- Lud-
wigsplatz
, Hugo de Waal, Rheinstraße 14.

AIMM

Gewöhnliche Preise 1.00 bis 3.00

und in der Hölle zu

Kaufmänniſcher Perein
Darmſtadt &. B.

Heute, Mittwoch, abends s Uhr

R
K

mit Klaviervorträgen.
n. ſonſtiger angeneymer Unterhaltung
im Vereinslokal, Grafenſtraße 18.
Wir laden unſere Mitglieder hierzu
erg. ein und bitten um zahlr. Erſchetnen.
1812)
Des Vorſtand.
NBaGs findet Bücherausgabe ſtatt.

A
G

Sprechabend
der Nat.=Soz. Deutſchen Arbeiter=Partei
Freitag, den 5. Febr. 1926, abends 8¼ Uhr
im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2
Bortrag über:
Der Siegeszug des Finanzkapitals
mit Hilfe der Sozialdemokratie.
Freunde u. Gönner ſind herzlich eingeladen,
Eintritt frei. (:3114) Saal gehebt,

Plattdütſcher Bereen

to Hoop
Friedag, 5. Februaz, Klock s, B

genleßen.

nnwitten Saal grood Konzert
un Danz; alſo dee Danzbeen
Luoes
nöten ock mit

(1708

K

Pfd. 55 Pfg., empf. Secher
Seiſenſtocken Ncl., Ludpigshöhfr. 1.B 54

zu Sauerbraten u. dgl. mehr=
Buten
18 verwendbar empfiehl
Speiſe- Eſſt

Ph. Heleine, Wienerſtr. 65. Tel. 1234, (181t

1 kompl. Bett, neu,
und 1 Biedermeier=
Bettſtelle zu verk.
K. Roth, Magda=
lenenſtraße
11. (3076

Blumentiſch(., Eiſ.),
Zimmerkakteenhans,
4 Etagen, und roter
Plüſchſeſſelz.verkauf.
Br. Weg 23, I./e3129

Kce
Strümpſe angefert.
u. angeſtrickt Grafen=
ſtr
. 27, Vh. / I. (1654a

Rhein=
Ztr. 2

Schloß-Oafé

Rhein-
str
. 2

Schloß-Café-Ensemble‟
Leitung Kapellmeister L udwig Bünger
Mittwoch, 3. Februar 1926, nachm. 4 Uhr

Geſangverein Melomanen‟ Darmſtadt

Motto: Nor net brumme, es werd ſchun kumme.
Sonntag, den X. Februar 1926, abends 611 Uhr

Großes
Bonder-Konzert
Beethoven Mozart

Großen
GalarMaskenbaßt

Freitag, 5. Februar, abends 8 Uhr
Unterhaltungs-Konzert
unter Mitwirkung des ehem, württb. Hofschauspielers
Fritz Schlotthauer (Mainz).

Samstag, 6. Februar, abends 8½, Uhr
Großes Stimmungs-Konzert
Tanz
(1764
Tischbestellungen erbeten

in der Turnhalle am Boogsplatz
Kaffeebuden 4 Jazzkapelle 4 Likörbuden

Eintrittspreiſe für Nichtmitglieder 2 Mk, für Mitglieder 4 Mk.
Vorverkauf bei Herrn Friſeur Beek, Saalbauſtraße, Gaſtwirt
Wolf, Waldſtraße, und bei dem 1 Vorſitzenden, Herrn
Heinrich Winter, Kaupſtraße 7
(1747

aßbilder

in einer Stunde (245a
billig und gut.
Thiele Nachf.
nurBleichſtr. 9. Tel. 1912.

2 guterhaltene
Eisſchränke
zu verkaufen.
Steinmann
Pankratiusſt 2611 4312(

Im Muſikverein
findet am Faſtnachtmontag, den
15. Februar, der alljährliche Kinder=
kreppelkaffee
für die Mitglieder ſtatt.
Karien bei Herrn Baumann, Wilhel=
minenſtraße
17, bis ſpäteſtens Freitag,
den 12. Februar. (r310f

Mehteregkandn

gebraucht, von 600 an zu verkaufen. (2714
Klavier-Arnold,Elisabethenst.26

Oo000ooT

Ooooooodoooeee

Reſtaurant Sitt

Donnerstag, den 4. Februar

[ ][  ][ ]

Nummer 34

Mittwoch, den 3. Februar 1926

Seite 15

Schminke.

32)

Ein Roman im Rampenlicht.
Von Guido Kreutzer.
(Nachdruck verboten)

Faſt eines vollen Tages bedurfte es, um zu beſichtigen und
eine Wahl zu treffen. Aber dann fiel die Entſcheidung ſchnell. Und
Her Scheck, den ſie ſchrieb, machte ſie zur Beſitzerin einer Sechs=
zimmerwohnung
der Nymphenburger Straße am Stadtpark. Es
ſpar ein entzückend behagliches Neſtchen; ein Buen Rediro, von
Geſchmack, Kultur und Aeſthetik; teilweiſe koſtbar eingerichtet.
jund doch lag über allen Räumen mochte es Boudoir oder
Salon, Parlour=room oder Muſikzimner ſein eine pronon=
gierte
, fühlbar betonte Zurückhaltung; eine vornehme Schlicht=
heit
: eine Andeutung, daß man dieſe Aeußerlichkefiten nicht über=
ſchätzte
. Die Garage befand ſich in unmittelbarer Nähe. Der
Chauffeur war gleichfalls erträglich untergekommen. Von dem
Vorbeſitzer der Wohnung einem in ſein Vaterland zurück=
berufenen
Geſandtſchaftsattachs hatte Adda van Ruyt das gut
eingearbeitete Dienſtperſonal mitübernommen. Und nachdem ſie
den Räumen durch Kunſtgegenſtände und Stoffe, Teppiche, Bil=
der
und Bronzen, Draperien und wertvolle Reiſe=Erinnerungen
noch eine eigene, ganz perſönliche Note gegeben, fühlte ſie ſich
ſchnell heimiſch.
Nun endlich konnte ſie wieder an ihre Kunſt denken. Eben
jetzt ſprach ſie zu Klaus von Longartt davon.
Von morgen an kommt der Korrepetitor täglich eine Stunde.
Wie froh ich bin, daß die Zeit des Müßiganges, vorüber iſt!
Wochenlang bin ich nun ſchon in Berlin und habe noch keine
Note geſungen. Faſt mache ich mir Vorwürfe. Denn bedarf
ſtändigen Uebens, will man ſich nicht der Gefahr eines unerwar=
teten
Rückſchritts ausſetzen."
Dabei beſteht theoretiſch vorerſt doch überhaupt keine Mög=
lichkeit
, daß du in nächſter Zeit wirſt auftreten können, Adda?
Sie zog den Seidenſchal, den ſie über das Teagoſvn gelegt
hatte, enger um die Schultern.
Theoretiſch beſteht ſie noch unmer. Denn ſeit durch die Zei=
tungen
die Nachricht gegangen iſt, daß ich Differenzen mit dem
Thöater am Weidendamu habe und die Erfüllung des Ver=
trages
verweigere, ruft mich mein Agent Samotſchiner faſt täg=
lich
an und erzählt mir triumphierend, daß ſich ſchon wieder
irgendein Direktor bei ihin eingefunden habe: ob ich denn nicht
wenigſtens zu einem Eventualvertrag zu veranlaſſen ſei, der
automatiſch in Kraft träte, ſobald meine Beziehungen zum
Theater am Weidendamm' endgültig gelöſt wären.
Der Rittmeiſter ſchob ſkeptiſch die Brauen hoch.
Gan

Das kann ſich aber wohl noch lange hinziehen, was? Wenig=
ſtens
denk’ ich mir das ſo in meinem Laienderſtand.
Nein. Donnerstag über eine Woche fällt bereits die Ent=
ſcheidung
, die ja an ſich nur eine Fommalirät iſt. Gerade heute
vormittag erhielt ich die Terminzuſtellung vom Bühnen= Schieds=
gericht
. Mein Anwalt hat beſchleunigte Verhandlung durchgeſetzt
damit ich endlich wieder über mich verfügen kann. Denn ſolange
hin ich ja an meinen Vertrag gebunden."
Ja; das erwähnteſt du bereits.
Und in dieſem Zuſammemhang muß ich dir eine Frage vor=
legen
, Klaus. Seit heute vovmittag kämpfe ich mit mir, ob ich
es tum ſoll. Vielleicht begehe ich eine Indiskretion oder Takt=
loſigkeit
. Aber wir beide gehören doch ſo rückhaltlos zueinander,
daß zwiſchen uns Aufrichtigkeit und Klarheit bis ins Letzte herr=
ſchen
muß. Oder denkſt du anders darüber?
Hallo?! ... ſagte er; richtete ſich aus ſeinem Korbſeſſel
hoch und bog ſich vor . . . Wgs haſt du mit einem Male für
ein geſpanntes Geſicht?! Und ſeltſame Fragen ſtellſt du! Ich
denke naüürlich genau ſo. Das verſteht ſich doch am Rande. Seit
wir uns gefunden, hat ja jeder dem andern über ſein Leben und
ſeine Vergangenheit volle Rechenſchaft abgelegt. Weſentliches
blieb beſtimmt nicht unerwähnt. Wenn aber dennoch über irgend
etwas Unklarheit oder Zweifel herrſcht, dann haſt du ſogar die
Pflicht, mich zu fragen!
Sie nickte ihm leiſe zu.
Dann iſt es gut, Klaus. Dann werde ich es alſo tun.
In der Terminzuſtellung des Bühnen=Schiedsgerichts nämlich
ſind nicht wir die Namen der beiden Parteien, ſondern auch der
eventuellen Zeugen angegeben. Denn es iſt an ſich ein reguläres
Richtevkollegium, das ſich aus fe zwei Mitgliedern der Bühnen=
genoſſenſchaft
und des Bühnenvereins ſowie einem Berufsjuri=
ſten
als Obmann zuſammenſetzt.
Ja und?
A4s Vertreter der Gegenpartei iſt nun neben dem Direk=
tions
=Stellvertreter Alfred Lenſch auch ein Name genannt, über
dem ich naturgemäß ſtutzte: Hannelore Katharina Freiin von
Longartt, genannt Kitty Lernon. Du weißt, daß dieſe Kitty
Lerron in meinem Leben eine gewiſſe Rolle ſpielt. Nicht irgend=
wie
bedeutungsvoller Natur, immerhin jedoch als meine
Gegnerin.
Er war einen Schatten bleicher geworden. Strm ſtarrte
er ſie an.
Unter ſeiem ſeltſamen Blick ſprach ſie umwillkürlich haſtiger.
Du entſinnſt dich auch, daß ich dir gelegentlich von dieſer
Frau ſprach, die ich ſtets nur nach ihrem Bühnennamen kannte.
Ich habe ihr gegenüber niemals Feindſchaft oder auch nur And=
pathie
empfunden. Sie war mir eben völlig gleichgültig. Lieber
Gott eine Rivalität kam doch gar nicht in Frage. Während
meiner Südamerika=Tournee war ſie eine der jüngſten des En=
ſembles
und für kleine Parten vorgefehen. Sie beſaß unleugbar

Talent uud dazu einen ſchwer definuerbaren angeborenen
Charme. Dazu glücklichen Bühneninſtinkt. Man prophezeite ihr
eine Karriere. Deshalb bedauerte ich es eigentlich, als ſie in
Montevideo das Enſemble verließ. Ich kehrte zwei Jahre ſpäter
nach Deutſchland zurück, wo ſie mittlerweile die offizielle Geliebte
des Direktors Volkmar gewvorden war, den ſie anſcheinend voll=
kommen
beherrſchte. Davon hatte ich ſelbſtverſtändlich beine
Ahnung. Erſt die Rollenverteilung im Theater am Weiden=
damm
führte dann zu dieſem ſchroffen Gegenſatz, von dem dur
ja weißt.
Er ſchwieg noch immer.
Juzwiſchen übernahmn der Kommerzienrat Brook die Pach=
tung
des Hauſes. Und am Samstag ſtarb Vollmar. Die gegen=
wärtige
Situation iſt aus der Diſtanz unüberſichtlich. Ueberdies
widerſtrebt es mir, mich mit ihr mehr zu beſchäftigen als unum=
gänglich
nötig. Ich hätte eine gütliche Löſung neines Vertrages
gewiß ſehr begrüßt. Doch iſt ſie allem Anſchein nach unmöglich
und muß deshalb erzwungen werden. Und m ſage mir,
wenn du es kannſt und willſt: Wer iſt dieſe Hannelore Katha=
rina
Freiin von Longartt, gemannt Kitty Lerron?
Faſt im ſelben Moment andwortete er:
Meime Schweſter!
Sie wiederholte betreten:
Deine Schweſter?
Er ſaß zuſammengekauert und hatte die Fäuſte um die Leh=
nen
ſeines Seſſels gekrampft, daß die Kmöchel weiß aus der Haut
hervorſprangen.
Meine Schweſter jatvohl! Was ſtarrſt du mich mit ſo
großen Augen an? Wer ſollte es denn anders ſein als meine
Schweſter?! Ich wenigſtens wüßte niemanden ſonſt. Dir iſt es
offenbar nun mal beſtimmt, daß die Longartts ſich an dich kiam=
mern
und an deinem Eigentum und deinen Rechten vergreifen,
Erſt der Bruder dann die Schweſter. Par nobile fratrum!
Klaus was ſprichſt du da?! . . . bewehrte ſie aurf.
Die Wahrheit! hart und erbamungslos war ſeine
Stimme: Verachtung bog die Windel ſeiner Lippen Strpf=
ſinnige
, bittere nackte Wahrheit! Wir Nairen, die wir waren!
Da glaubten wir: Jeder hätte über ſein Leben dem andern
wirklich ſchon bis ins Letzte Rechenſchaft abgelegt. Ein Irrtum,
gnädige Frau!! Die Komplikationen kommen erſt. Das Schich=
ſal
bleibt von einer ſtupiden Konſequenz ud haut immer
daneben!
Die arabiſche Ampel, bie an gehämerter Nettzz von der
Deche herabhing, ſchwang leiſe im Abendwinde hin und her,
Ihre opaliſierenden Gläſer ließen über des Ritmeiſters Züge
blitzſchwell Licht und Schatten ſtreifen, als wechſle er umabläſſig
die Farbe. Geſpenſtiſch wirkte das.
(Fortſetzung folgt.)

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Nemendado, Schmuggler Eugen Vogt
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Der Film der Beutschen
A. Teil

Dieser im Jahre 1925 aufgenommene Film ist nicht zu verwechseln mit dem vor 12 Jahren
erschienenen, jetzt völlig veralteten Bismarck-Film

Der Bismarck-Film
ist
überparteilich

Der Bismarck-Film
ist nicht das Werk
einer
einzelnen Partei

Der Bismarck-Film
vermeidet das
politisch Trennende

Der Bismarck-Film
betont
das alle Deutsche
Einende

Phot. Karl Schenker, Berlin

Vom S. bis 11. Februar 1926 im
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Rheinstraße 46. Telephon 173 u. O6O,

ichspfg.
92 mm
eſchpfg.
ellame-
chemant

höheres
erliſcht
eigen=
Bei
ſehe
Darm

Naskabinett zugegen. Zu Beginn der Beratung beantragte
geordneter Stöcker (Kommuniſt) die Herſtellung der Oeffent=
9keit für die Ausſchußverhandlungen, was jedoch von der
ehrheit des Ausſchuſſes abgelehnt wurde. Darauf legte Reichs=
Benmniniſter Dr. Streſemann in ausführlicher Rede ſeine Stel=
ngnahme
zum Eintritt in den Völkerbund dar

Aufklärung der politiſchen Motive erfolgen. Nach längerer Debatte
wurde folgender Ant=ag zum Beſchluß erhoben: Der Vorſitzende wird
beauftragt, zwecks Beſchaffung des Materials mit den Miniſterien des
Reiches und der Länder in Verbindung zu treten und dem Ausſchuß
baldmöglichſt das herbeigeſchaffte Material vorzulegen, insbeſondere
die Akten über die rechtskräftigen Verurteilungen und eingeſtellten
Verfahren.

ihrer
iden?
benſo
nmen
klung
z an=
n
den
Die
ßeren
den;
als
Zezug
von
ſeitig,
Wie
Kir=
rchen
rchen=
inzip

ir die
Bei=
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die
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ſieben
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üßten
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tände

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des

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Der Bismarck-Film
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It zu
g ge=
Der Bismarck-Film
der
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Adolf
Ent=
rregt

des ganzen
ebun=
hliche

deutschen Volkes
vor=
ſtung

evan=
ch
iſt,
teien,
ußer=
9 die
laßen
giö=
Iks=
Die
auch
oder
nach=
ngen

und
aſſen,
rbeit
z der
Volk
ſie
g zu
den Seelen des Volkes. Sie benutzen reichlich das Mittel des
gedruckten Wortes. Und wenn dabei auch noch immer
manches mit unterläuft, was die Kritik nicht recht verträgt, ſo
iſt doch gerade in dieſer Hinſicht ein ſtarker Wandel, zu ver=
zeichnen
. Was der Evangeliſche Preßverband für Deutſchland
und mancher andere Preſſeverband leiſtet, das ſteht auf beträcht=

[ ][  ]

Seite 16

Mittwoch, den 3. Februar 1920

Nummer 34

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den deutschen Beschauer
Deutsche Zeitung
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Es ist wundervoll, wie
dieser Film mehr und mehr
die Wucht großen, histori-
schen
Geschehens drama-
tisch
gestaltet. Das Publikum
nahm den Film mit Be-
geisterung
auf.
Tägliche Rundschau
21. 12. 25

Hersteller:
Bismarck-Film ämhH

Verleih:
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