Darmstädter Tagblatt 1924


28. Oktober 1924

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zelnummer 10 Goldpfennige

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
A
Moigenzeitung der Landeshaupinavt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 300
Dienstag, den 28. Oftober 1924.
187. Jahrgang

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Rußland fordert Senugtuung von England.

* Vor den engliſchen Wahlen.
Ein überraſchendes Moment.
Von unſerem Londoner Korreſpondenten.
C.M. P., London, 25. Okt. (Durch Flugpoſt.)
Vier Tage vor den engliſchen Wahlen iſt noch eine über=
raſchende
Senſation eingetreten, welche alle bisherigen Kombina=
tionen
völlig nebelhaft erſcheinen läßt. Das britiſche Außenamt
hat an die hieſige Vertretung der Sowjetregierung eine gehar=
niſchte
Beſchwerde wegen der kommuniſtiſchen Propaganda in
Großbritannien gerichtet, wie ſie aus einem ſehr geheimen
Schreiben des Präſidiums des Exekutivkomitees der 3. Kommu=
niſtiſchen
(2) Internationale an das Zentralkomitee der briti=
ſchen
Kommuniſtiſchen Partei hervorgeht. Die Inſtruktion des
Exekutivkomitees iſt aus Moskau, den 15. September, datiert, alſo
zu einer Zeit, wo die Wogen wegen des engliſch=ruſſiſchen Ver=
trages
ſchon hoch gingen. Der Vertrag iſt in ausgedehnter Weiſe
zum Gegenſtand der Wahlpropaganda gemacht worden. Es konnie
aber nur höchſtes Befremden erregen, als dieſes Schriftſtück ge=
rade
jetzt vom Foreign Office ausgegeben wurde. Die Wirking
mußte unheilvoll ſein. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der lei=
tenden
Männer des Arbeiteramtes über dieſe wunderbare Ent=
wicklung
zu ſprechen, der mir bereitwilligſt mitteilte, was er
wußte:
Zunächſt herrſchen ſchwere Verdachtsgründe vor,
daß das Ganze eine Fälſchung iſt. Ich habe eine ganze
Anzahl von vertraulichen Schriftſtücken aus Moskau in der Hand
gehalten. Aber niemals waren ſie mit dem Vermer: Sehr ge=
heim
verſehen. Das war bisher nicht Sitte in Moslau. Aber
auch ſonſt enthält der Kopf nicht nur einen groben Fehler, ſon=
dern
auch ein Novum. Eine dritte Kommuniſtiſche Internatio=
nale
gibt es nicht. Die korrekte Bezeichnung iſt 3. Internatoi=
nale‟
. Ein ſolcher Fehler ſcheint für Moskau ausgeſchloſſen, vor
allem ſeitens des Exekutivkomitees. Bisher waren derartige In=
ſtruktionen
auch nicht mit einem Zuſatz Präſidium bezeichnet.
Auf Befragen hat auch der Londoner Vertreter der Sowjetregie=
rung
, Rakowski, erklärt, eine erſte Prüfung des Dokuments legt
die Auffaſſung nahe, daß es eine grobe Fälſchung iſt. Wie
ich erfahre, hat ein durch ſeine imperialiſtiſchen und anti= ſoziali=
ſtiſchen
Tendenzen bekanntes Blatt das Schriftſtück zuerſt in die
Hand bekommen und es dem F. O. vorgelegt. Macdonald war
garnicht in London. Haldane, der ihn vertritt, hat die Dokumente
auch nicht zu ſehen bekommen. Es iſt ganz zweifellos, daß die
Sehr geheime Inſtruktion in der Wahlpropaganda gegen uns
arbeiten wird. Wenn nicht Roskau noch vor dem 29. erklärt, daß
tatſächlich eine Fälſchung zorliegt. In der Zwiſchenzeit wer=
den
unſere Geguer wohl die ganze Angelegenheit nach Kräften
ausbeuten. Es iſt ja ſchließlich noch was anderes möglich. Das
Schriftſtück iſt, wenn es echt iſt, faſt ſieben Wochen alt. Es wäre
ja denkbar, daß es damals wohl aufgeſetzt, aber nicht abgeſandt
worden iſt. Daß es dann weiter in unrechte Hände kam und jetzt
zu unheilvollen Machenſthaften ausgenutzt werden ann.
Was die Wirkung dieſes Dokumentes anlangt, ſo läßt ſie ſich
allerdings noch nicht überſehen. Wer auch dahinterſteckt, er könnte
ſich verrechnet haben. Einmal iſt die Sache wirklich zu grob und
wenn Moskau etwas an der Arbeiterregierung gelegen iſt, können
die Moskauer garnichts Geſcheiteres tun, als ſchleunige Auf=
klärung
oder Entſchuldigung zu ſenden, ſolange die Kampagne
noch andauert. Die Anſicht der ganzen Preſſe geht dahin, daß
abgeſehen von der ganzen Anleihekontroverſe, man dieſe Ein=
miſchung
in die inneren Verhältniſſe nicht dulden könne.
Der Sinowjew=Brief.
Echt oder gefälſcht?

Rußlands Antwort.
Der Brief eine unverantwortliche Fälſchung.
Moskau, 27. Okt. (Wolff.) Litwinow hat an Rakowski
folgendes Telegramm gerichtet: Indem die Räteregierung auf
dem Boden ihrer wiederholten Erklärungen bleibt, wonach ſie für
die Schritte der Kommuniſtiſchen Internationale keine Verantwor=
tung
trägt, und indem ſie einſtweilen den Ton und die formelle
Seite der britiſchen Note außer acht läßt, iſt die Räteregierung in
der Lage und beeilt ſich in kategoriſcher Form zu erklären, daß der
angebliche Brief der Kommuniſtiſchen Inter=
nationale
, welcher zur Grundlage der erwähnten ultimativen
Note gedient hat, wie feſtgeſtellt wurde, eine unver ant=
wortliche
Fälſchung darſtellt und eine Verſchlechte=
rung
des zwiſchen der Sowjetunion und Groß=
britannien
ſich günſtig geſtaltenden Verhält=
niſſes
und eine Schädigung des engliſch= ruſſi=
ſchen
Vertrags bezwecke. Angeſichts der Verwendung
dieſer Fälſchung in einem offiziellen Dokument beſteht die Räte=
regierung
darauf, daß ſie eine entſprechende Genug=
tuung
erhalte, und daß die an der Fälſchung irgendwie
beteiligten offiziellen oder Privatperſonen zur Ver=
antwortung
gezogen werden. Um jedweden Zweifel an
dem Fälfchungscharakter des erwähnten Dokuments zu beſeitigen,
und angeſichts der ernſten Folgen, die die Fälſchung für beide
Staaten hätte nach ſich ziehen können, fordert die Räteregierung
kategoriſch und eindringlich, daß die Feſtſtellung der Tatſache, daß
der ſogenannte Brief der Kommuniſtiſchen Internationale eine
Fälſchung iſt, von einem unbefangenen Schiedsgericht ent=
ſchieden
werde.
Macdonald hält den Brief für echt.
London, 28. Okt. In ſeiner mit großem Intereſſe erwarteten
Rede in Cardiff gab Ramſay Macdonald ſeiner vollen Ueberzeugung
von der Echtheit des Briefes Sinowjews Ausdruck. Er erklärte, daß die
Wahlen mit einem Weſpenneſt, nämlich der Campbellaffäre, begonnen
hätten und daß ſie mit einem Weſpenneſt, nämlich dem ruſſiſchen Kom=
plott
, enden würden. Das Foreign Office habe den Brief Sinojews am
10. Oktober erhalten. Er ſelbſt habe am 16. Oktober durch den Man=
cheſter
Guardian von der Exiſtenz des Briefes Kenntnis erhalten. Wäh=
rend
die Unterſuchung über die Echtheit des Dokuments durch die Regie=
rung
geführt wurde, habe er bereits eine Antwort ausarbeiten laſſen.
Dieſe wurde am 21. Oktober abgeſandt. Ich habe ſie, erklärte Macdo=
nald
, etwas geändert und den erſten Entwurf dem Foreign Officee zu=
rückgeſchickt
. Ich dachte, daß mir das Foreign Office den Entwurf mit
den Beweiſen der Echtheit des Briefes zurückſenden wollte. Man hat
mir aber die Antwort nicht wieder zugehen laſſen, ſondern ſie veröffent=
licht
, ohne mich davon zu verſtändigen. Ich beklage mich nicht darüber,
da das Foreign Office und meine Kollegen wohl wußten, daß ich eine
kommuniſtiſche Propaganda in England nicht dulden würde. Ich halte
mich ſtreng an die geſchloſſenen Verträge und Abkommen. Ich bin über=
zeugt
, daß durch dieſe Angelegenheit unſere Partei keinen einzigen
Wehler einbüßen wird. Man kann der Regierung nicht Verſchleppung
vorwerfen, denn wir haben den Brief nach neun Tagen bekannt gegeben,
während die liberalen und konſervativen Regierungen in ähnlichen Fällen
Wochen verſtreichen ließen.
Schließlich ſprach Macdonald auch über die ruſſiſche Anleihe, indem
er behauptete, daß durch die Gewährung dieſer Anleihe mehr Garan=
tien
für die Verhütung der roten Revolution geſchaffen würden als
durch ihre Ablehnung.

London, 27. Okt. (Wolff.) In einem Schreiben an den
britiſchen Gewerkſchaftskongreß erklärt Sinowjew, daß der
ihm zugeſchriebene Brief eine grobe Fälſchung ſei und
augenſcheinlich ein Wahlmanöver darſtelle. Er erteile dem
Generalrat der britiſchen Gewerkſchaften die Erlaubnis, durch
eine beſondere Kommiſſion ſofort in Rußland Nachfor=
ſchungenüber
die Authentizität des Dokuments
anſtellen zu laſſen. Das Urteil dieſer Kommiſſion würde er als
endgültig annehmen.
Eine Erklärung der Arbeiterpartei.
TU. London, 27. Okt. Die Veröffentlichung des Briefes
Sinowjews und die Note des Auswärtigen Amts zu dieſer
Frage haben in dem engliſchen Wahlkampf wie eine Bombe ein=
geſchlagen
. Die Arbeiterpartei hat geſtern eine ausführliche Er=
klärung
zu dem Fall Sinowjew herausgegeben, deren wichtigſten
Punkte ſind:
1. Es wird beſtritten, daß das Kabinett den Brief veröffent=
licht
hat:
2. daß ein Beamter des Poſtamts den Brief abgefangen,
photographiert und weitergeſandt hat:
3. daß Inſtruktionen an die Kandidaten der Arbeiterpartei
über den Wahlkampf herausgegeben worden ſeien, wonach ſie
ſich einer Erörterung der Ruſſenfrage und des Ruſſenvertrages zu
enthalten hätten.
Der Premierminiſter wird, wie es heißt, erſt heute nachmit=
tag
Gelegenheit nehmen, ſich zu der Sache zu äußern. Amtliche
Miteilungen ſind noch nicht erfolgt, außer einigen auf amtliche
Stellen zurückgehende Meldungen der Zeitungen, wonach an der
Echtheit des Briefes nicht zu zweifeln iſt.
*

Daily Chronicle ſchreibt, die Note des Foreign Office an
Rußland ſei natürlich ein Regierungsakt geweſen, durch den jedes Mit=
glied
der Regierung gebunden ſei, es ſei denn, daß es zurücktrete. Als
Regierungsmitglieder hatten Henderſon, Clynes, Lord Thomſon, Pon=
ſonby
und die übrigen Miniſter den Sinowjew=Brief für echt erklärt. Als
Privatperſonen und Wahlredner aber hätten ſie eine andere Haltung ein=
genommen
.

Sinowiews Brief das Hauptthema der Preſſe.
London, 27. Okt. (Wolff.) Der Brief Sinowjews an
die britiſchen Kommuniſten bildet weiterhin das Hauptthema im
Wahlkampf und in der Preſſe. Der Times zufolge beſteht
Grund zu der Annahme, daß Sinowjews Brief bereits
einige Tage vor der Auflöſung des Parlaments am
Oktober im Beſitze des Foreign Office geweſen ſei. Das
Blatt hofft, daß die Sowjetantwortnote ſo behandelt werde, wie ſie es
verdiene. Macdonald werde zweifellos bei ſeiner heutigen Rede in
Cardiff darüber Erklärungen abgeben. Die wichtigſte Frage ſei, wie
lange Maedonald und ſeine Kollegen geglaubt hätten, daß Sinowjews
Brief echt ſei, und ihre Anſicht der Nation vorenthalten hätten.
Der Weſtminſter Gazette zufolge, verlautet in maßgeben=
den
Kreiſen, daß das Dokument dem Kabinett vorgelegen habe, als es
am 9. Okkober zuſammengetreten ſei und die Wahlen unerwarteterweiſe
vom 8. November auf einen für die Arbeiterpartei günſtigeren Tag,
nämlich auf den 29. Oktober, vorverlegt habe. Daraus könnte man
ſchließen, daß die Regierung die Wahlen noch vor der Veröffentlichung
des Dokuments habe vornehmen wollen.
Die Preß=Aſſoziation teilt zu den Erklärungen ſowohl
von britiſcher als auch ruſſiſcher kommuniſtiſcher Seite mit, daß das
Schreiben Sinowjews gefälſcht ſei. Die Regierung
im allgemeinen, das Foreign Office im beſonderen und Mac=
donald
perſönlich ſeien vollk mmen davon überzeugt ge=
weſen
, daß das Schreiben Sinowiews echt ſei. Bevor der
draſtiſche Schritt der Veröffentlichung beſchloſſen wurde, ſei bekannt
worden, daß die Agenten der Sowjetregierung angewieſen wurden, das
kompromittierende Dokument abzuleugnen. In dieſer Frage ſei es, wie
das ja auch der Proteſt der britiſchen Regierung hervorhebe, nicht mög=
lich
, zwiſchen der Sowjetregierung und der dritten Internationale zu
unterſcheiden.
Der Daily Expreß ſchreibt: Die politiſchen Folgen des
Zwiſchenfalls mit dem Sinowjew=Brief ſeien weitgehend. Wenn das
Dokument echt ſei, dann habe Macdonald den britiſch=ruſſiſchen Vertrag
vernichtet. Erweiſe es ſich als eine Fälſchung, dann habe Macdonald ſich
ſelbſt als Führer der Sozialiſten umgebracht. Auch ſeine begeiſtertſten
Anhänger würden es ihm niemals vergeben, wenn er ſeine Angrifſe auf
Rußland auf der Grundlage eines gefälſchten Dokuments am Borabend
der Wahl unternommen habe. Auf jeden Fall ſei der der Arbeiterparte
zugefügte Schaden unſchätzbar. Die Ausſichten zahlreicher ſozialiſtiſcher
Kandidaten, die vor der Sinowjew=Note allen Grund hatten, zu hoffen,
gewählt zu werden, ſeien außerordentlich gefährdet.

Wiener Brief.
Das neue Budget. Das Teuerungsproblem. Dr. Seipel
als Kulturkämpfer.
Von unſerem Wiener Korreſpondenten.

Dr. N. Wien, Ende Oktober.
Die Regierung hat in der erſten Herbſtſitzung des National=
rates
das Budget für das Jahr 1924 vorgelegt; das großange=
legte
Expoſé des Finanzminiſters Dr. Kienböck bei dieſem An=
laſſe
ermöglicht ſchon heute eine ſachliche Kritik des neuen Staats=
voranſchlages
. Bekanntlich hat die öſterreichiſche Regierung auf
Grund der Beſchlüſſe des Völkerbundes in der diesjährigen Gen=
fer
Septembertagung eine Reihe grundlegender Verpflichtungen
bezüglich ihres Budgets auf ſich genommen. Dieſen Verbindlich=
keiten
entſprechen die dem Nationalrate unterbreiteten Vorlagen
durchaus. Die ſtaatlichen Geſamtausgaben im Jahre 1925 er=
reichen
gerade die vom Völkerbund bewilligte Summe von 495
Millionen Goldkronen plus 50 Millionen für Inveſtitutionen.
Die Forderung des Völkerbundes nach einer kaufmänniſchen Be=
triebsführung
der Bundesbahnen erſcheint in weitgehendem
Maße erfüllt, da die Bundesbahnen im nächſten Jahre keinerlei
ſtaatlichen Betriebszuſchuß erhalten werden. Ebenſo trägt die
Regierung durch einige mit dem Budget im Zuſammenhange
ſtehenden Vorlagen dem Verlangen des Genfer Tribunals nach
einer Entlaſtung der ſchwer bedrängten öſterreichiſchen Privat=
wirtſchaft
durch verſchiedene Steuererleichterungen Rechnung;
die Banken= und Valutenumſatzſteuern verſchwinden faſt gänzlich,
die Konditionen der Finanzinſtitute gegenüber ihren Kunden
erfahren ab 1. November eine nicht unbeträchtliche Ermäßigung,
die Deviſenvorſchriften werden in kürzeſter Zeit den Forderungen
des internationalen Finanzverkehrs angepaßt werden. Beſon=
ders
erfreulich iſt die Herabminderung des ſtaatlichen Defizites
von 1100 Milliarden Kronen im laufenden Jahre auf 585 Milliar=
den
im Jahre 1925. Hierbei muß überdies betont werden, daß
dieſer Betrag keinen eigentlichen Paſſippoſten darſtellt, da aus
ihm produktive Inveſtitutionen gedeckt werden. Die erhebliche
Verminderung des ſtaatlichen Defizites iſt um ſo erfreulicher, als
ſie bei einer überaus vorſichtigen Taxierung der Staatseinnah=
men
, die infolge der ſchweren Wirtſchaftskriſe im Rückgange ſind,
erreicht werden konnte.
Dieſen Lichtſeiten des neuen Budgets ſtehen allerdings
einige ſehr bedenkliche Tatſachen gegenüber. Die geſamten Per=
ſonalausgaben
des öſterreichiſchen Staates werden im nächſten
Jahre die ungeheuere Ziffer von 8 Billionen Kronen erreichen.
Sie überſteigen den ganzen Völkerbundskredit, ja, ſind beinahe
ſo hoch wie der geſamte öſterreichiſche Notenumlauf. Beſonders
beunruhigend wirkt jedoch das Faktum, daß die Perſonallaſten
im vergangenen Jahre nur 6 Billionen betrugen, ſich alſo im
jetzigen Voranſchlag um ein Drittel vermehrt haben. Dieſe Stei=
gerung
erſcheint im erſten Moment abſolut unmöglich, da ja in
den letzten zwei Jahren mehr als 70 000 Staatsangeſtellte ab=
gebaut
wurden. Der ſcheinbare Widerſinn erklärt ſich größten=
teils
aus der ſchwindelnden Höhe des Penſionsaufwandes in der
geſamten Verwaltung, der, eben infolge des Abbaues, die un=
glaubliche
Ziffer von faſt 3 Billionen erreicht! Das abnormale
Ueberwiegen der Perſonalausgaben gegenüber allen anderen
Aufwendungen iſt das entſcheidende Charakteriſtikum des neuen
Budgets. Es zeigt ſich darin mit ſchräfſter Prägnanz die ſchwerſte
Gefahr, die gegenwärtig den öſterreichiſchen Staat und ſeine Be=
völkerung
bedroht: die unaufhaltſam fortſchreitende Teuerung,
die jede Kalkulation in der Staats= und Privatwirtſchaft zu zer=
trümmern
bedroht. Hiermit iſt auch der ſchwächſte Punkt des
Budgets bloßgelegt. Es kann alles in allem als befriedigend be=
zeichnet
werden, vorausgeſetzt, daß die ſtaatlichen Einnahmen
und Ausgaben keine weſentlich ungünſtigen Veränderungen er=
fahren
. Hierüber aber kann in der gegenwärtigen ſchweren Wirt=
ſchaftskriſe
auch bei großer Vorſicht des Urteils keine Prognoſe
geſtellt werden.
Das neue Budget ſollte naturgemäß die öffentliche Meinung
in intenſivſtem Maße beſchäftigen. Tatſächlich hat ſich jedoch das
Intereſſe der politiſchen Parteien und der geſamten Preſſe gerade
in den letzten Tagen mit Recht einem ganz unerwarteten, auf=
ſehenerregenden
Ereignis zugewandt, dem vehementen Vorſtoß
des Bundeskanzlers Dr. Seipel in dem ſchwierigen Problem des
öſterreichiſchen Schulweſens. Der Bundeskanzler erſchien vor
wenigen Tagen zum erſten Male ſeit ſeiner Geneſung im Wiener
Chriſtlich=Sozialen Parteirate und hielt eine programmatiſche
Rede, in der er, zum mindeſten als chriſtlich=ſozialer Partei=
führer
, die Herrſchaft der Kirche über die öſterreichiſche Schule
verlangte. Dieſe Forderung mußte der ganzen Sachlage nach
einen wahren Sturm von Zuſtimmung und vor allem!
Widerſpruch auslöſen, der auch ſofort einſetzte.

In Oeſterreich gilt ſchon ſeit dem Jahre 1869 das Reichs=
volksſchulgeſetz
, das die Herrſchaft der Kirche über die Schule
ndgültig gebrochen und das Prinzip des interkonfeſſionellen,
usſchließlich vom Staate geleiteten Unterrichtes verwirklicht hat.
Die Verfaſſung der öſterreichiſchen Republik vom Jahre 1920 ent=
ſält
keinerlei Neubeſtimmungen über das Schulweſen, die Ent=
ſcheidung
hierüber wurde vielmehr infolge der außerordentlichen
Zegenſätze zwiſchen den politiſchen Parteien einem beſonderen
rſt zu ſchaffenden Schulverfaſſungsgeſetz vorbehalten. In den
tzten Jahren wurde ein ſtändig erbitterter Kampf um die Neu=
rdnung
des Schulweſens geführt. Die Sozialdemokraten ſind
erſter Linie natürlich in dem von ihnen regierten Wien mit
illen Mitteln beſtrebt, den Einfluß der Kirche auf das Schul=
veſen
vollkommen auszuſchalten. Eine ähnliche Tendenz ſollten
igentlich auch die Großdeutſchen verfolgen, die programmatiſch
urchaus auf dem Standpunkt des Los von Rom! ſtehen; tat=
ächlich
verhielten ſie ſich jedoch in den letzten Jahren in dieſer
rage vollkommen paſſiv, da ſie durch ihr Regierungsbündnis
nit den Chriſtlich=Sozialen zu abſoluter Reſerve in der Schul=
age
gezwungen ſind. Die Chriſtlich=Sozialen dagegen haben ſeit
er Revolution den wachſenden ſozialdemokratiſchen Einfluß auf
as öſterreichiſche Schulweſen erbittert bekämpft, und gerade in
en letzten Monaten haben ſich die klerikalen Elemente in der
Lartei, die von dem mächtigen Wiener Kardinal Dr. Piffl be=
errſcht
weiden, für die volle Aufrechterhaltung des katholiſchen

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Seite 2.

Dieustag, den 28. Oktober 1924

Nummer 300

Schulprogramms, für die Herrſchaft der Kirche über die Schule,
wie ſie in der reaktionärſten Epoche Franz Joſephs während der
Jahre 1855 bis 1869 beſtand, mit allem Nachdruck eingeſetzt.
Der Bundeskanzler ſelbſt befindet ſich in der Frage des öſter=
reichiſchen
Schulproblems in einer ſchwierigen Situation. Als
Chef der chriſtlichſozial=großdeutſchen Regierung muß er von
jedem aktiven Vorgehen im Schulkampf abſehen, da ſonſt der Be
ſtand der Regierungskoalition unmittelbar bedroht wäre. Allein
Dr. Seipel iſt in erſter Linie katholiſcher Prieſter und er fühlte
ſich in dieſer Eigenſchaft als Führer der Chriſtlich=Sozialen Par=
tei
, in der eben in der letzten Zeit taktiſche Meinungsverſchie=
denheiten
bezüglich des Schulproblems auftauchten, zu einer ent=
ſchiedenen
Stellungnahme veranlaßt. Für die öſterreichiſche
öffentliche Meinung kann es allerdings keine künſtliche Differen=
zierung
zwiſchen dem Staatsmann und dem Prieſter Dr. Seipel
geben. Sie muß in ihm den verantwortlichen Regierungschef
erblicken und kann keinerlei Rückſicht auf ſein hohes geiſtliches
Amt nehmen. Dr Seipel ſelbſt dagegen fühlt ſich durchaus in
erſter Linie als Prieſter, dem das Gebot Roms höher ſteht als
jede Staatsraiſon.
Die Kulturkampfrede des Bundeskanzlers wurde ſelbſtver=
ſtändlich
von den Sozialdemokraten mit einem Entrüſtungs,
ſturm, von den Großdeutſchen mit verlegenem Stillſchweigen
beantwortet. Das Schulprogramm Dr. Seipels und der Chriſtlich=
Sozialen Partei, die Herrſchaft der Kirche über die Schule, wird
in Oeſterreich nach Menſchenermeſſen niemals verwirklicht wer=
den
. Man kann daher vom realpolitiſchen Standpunkt die Epi=
ſode
Dr. Seipel als Kulturkämpfer ſchon heute als erledigt
anſehen. Trotzdem muß ſie höchſtes Intereſſe erwecken, da ſie den
Charakter der Chriſtlich=Sozialen Partei, die noch immer gewal=
tige
Macht des öſterreichiſchen Klerus und ſchließlich die eigen=
artige
und bedeutende Perſönkichkeit des Bundeskanzlers mit be=
ſonderer
Klarheit aufzeigt.

Der Gegenſioß.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Die unentwegten Repu=
blikaner
und Demokraten ſehen den kommenden
Reichstagswahlen nicht ohne Sorge entgegen. Sie halten
ſich deshalb für verpflichtet, etwas zu tun, um ihre Staatsideale
zu fördern. Zu dem Zweck haben ſie jetzt den Gedanken in die
Debatte geworfen, daß Zentrum, Demokraten und So=
zialdemokraten
ein Wahlbündnis ſchließen ſollten
am liebſten in der Form einer Republikaniſchen
Union, die den Burgfrieden zwiſchen den drei Parteien pro=
klamieren
und eine Verbindung ihrer Reichsliſten vorſehen ſoll.
Am Aaltar dieſes Gedankens will ſogar die Republikaniſche Par=
tei
ihre eigene Kandidatenliſte opfern. Das hat nun allerdings
ſeinen befonderen Grund. Die Republikaniſche Partei, die nur
aus einigen Offizieren ohne Soldaten beſteht, hat von all den
Grüppchen der letzten Reichstagswahl die wenigſten Stimmen
aufgebracht und würde auch diesmal wohl kaum wieder Ausſicht
haben, einen einzelnen Kandidaten durchzubringen. Das Opfer
iſt alſo nicht beſonders groß. Es würde aber auch nichts helfen,
denn wir glauben nicht, daß bei den einzelnen Parteien viel Nei=
gung
für ein ſolches Wahlbündnis vorhanden wäre. Am eheſten
ſchon bei den Sozialdemokraten, obtvohl ſie ſich dadurch nach
links kompromittieren könnten, am wenigſten bei dem Zentrum.
Herr Dr. Marx hat es ja verſtanden, um alle
feſten Formulierungen herum zu gehen. Aber
er hat doch immerhin feſtgeſtellt, daß auch ein
Monarchiſt bei der Zentrumspartei Platz habe
Der geſamte rechte Flügel des Zentrums würde eine ſolche ein=
ſeitige
Bindung des Zentrums nach links mit Entrüſtung ab=
lehnen
, und auch die Demokraten haben ja ſchließlich kein Inter=
iſſe
daran, vernünftige Leute aus ihrer Partei herauszubringen.
Es wird alſo mit der Republikaniſchenaunion
vermutlich nichts werden.

Herriot über die Entwickelung des
Völkerbundsgedankens.
London, 27. Okt. (Wolff.) Herriot erklärte einem Vertreter
der Morning Poſt in Paris über die Entwicklung des Völker=
bundsgedankens
hinſichtlich der augenblicklichen Lage der inter
nationalen Angelegenheiten, der Völkerbund ſei der Mittelpunkt einer
neuen politiſchen internationalen Aktion, um den Frieden wieder herzu=
ſtellen
und normale Beziehungen zwiſchen den Völkern aufrecht zu erhal=
ten
. Die neuen Friedensideale müßten mit ebenſo viel Mut
und Eifer verteidigt werden wie die frühere Doktrin der Gewalt. Frank=
reich
wolle aber nicht der Betrogene ſeines eigenen guten Glaubens wer=
den
. Es ſei immer noch die exponierteſte unter allen Nationen. Seine
Geſchichte zeige die Gefahren, von denen es bedroht werden könnte. Ob=
gleich
alſo Frankreich auf der Hut ſein müßte, ſei es doch klar, daß es
einer der Hauptpfeiler des organiſierten Regimes des Friedens ſein
müßte. Es habe auch bereits ſeinen Wunſch nach Gerechtigkeit und Frie=
den
ziwiſchen den Nationen bewieſen. Andere müßten ſeinem Beiſpiele
folgen. Obgleich in Deutſchland der republikaniſche Geiſt gewiſſe Erfolge
davongetragen habe, was zu überſehen nicht gerecht ſein würde, ſo ſcheine
es doch, daß Deutſchland immer noch zwiſchen zwei Fragen ſchwanke. Es
ſei zu hoffen, daß ſich dasdemokratiſche Ideal als ſiegreich er=
weiſen
werde.

Vom Tage.
Bei der Wahl eines beſoldeten Stadtsrats in Flensburg ſiegten
die Vereinigten bürgerlichen Parteien mit überwältigen=
Mehrheit. Der bisherige Stadtrat Kaſtan erhielt 7004, der
zialdemokratiſche Gegenkandidat Dr. Lehmann 2982 Stimmen. Die
ahlbeteiligung betrug 25 Prozent.
Die neue Flughalle des Flughafens Koburg iſt feierlich
ngeweiht worden.
Namens der Reichsregierung hat der deutſche Generalkonſul in Genf
in Uebereinkommen über die internationale Ordnung der
Seehäfen unterzeichnet, das am 9. Dezember 1923 in Genf auf
der Internationalen Verkehrskonferenz ausgearbeitet wurde.
Bei der Fahnenweihe des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold
in Potsdam kam es zu Zuſammenſtößen zwiſchen den Teil=
nehmern
und Mitgliedern der rechtsſtehenden Parteien. Acht Perſonen
wuruden verletzt; zwanzig Perſonen wurden verhaftet.
Bei der Einweihung eines Denkmals in einem Vor=
ort
Breslaus für die im Weltkrieg Gefallenen kam es zwiſchen Stahl=
helmleuten
und Angehörigen des Reichsbanners Schwarz=Rot=
Gold zu blutigen Zuſammenſtößen, wobei es über zwanzig
Verletzte gab.
Der Reichspräſident bewilligte der Deutſchen Schil=
lerſtiftung
zur Unterſtützung deutſcher Dichter und Schriftſteller
eine jährlich wiederkehrende Zuwendung von 10000 Mark aus dem Dis=
poſitionsfonds
.
In Düſſeldorf fand unter ſtarker Beteiligung der rheiniſch=
weſtfäliſchen
Reichsbannergruppen die Bannerweihe der Orts=
ruppe
Düſſeldorf ſtatt. Hierbei kam es vor dem Apollo=
theater
zu Zuſammenſtößen zwiſchen den Reichsbannerleuten und
Kommuniſten, die die Polizei zum Eingreifen nötigten. Eine Reihe von
Kommuniſten wurde verhaftet.
Der Parteitag der V. S.P.D in Leipzig nahm nach teilweiſe ſehr
erregter Debatte am Sonntag einſtimmig Entſchließungen an, in denen
die Auflöſung des Sächſiſchen Landtags, Erlaß eines
Amneſtiegeſetzes und insbeſondere Begnadigung des früheren ſächſiſchen
Miniſterpräſidenten Dr. Zeigner gefordert werden.
Die Sowjetregierung hat eine Delegation nach Bel=
gien
entſandt, um mit den belgiſchen Induſtriellen zu verhandeln.
Dem Echo de Paris zufolge wird die franzöſiſche Regie=
rung
wahrſcheinlich am Dienstag offiziell die Sowjetregie=
rung
anerkennen.
Nach einer Meldung aus Angora ſind dort die Ratifikatians=
urkunden
des Friedens= und Freundſchaftsvertrags zwiſchen der
Türkei und Griechenland ausgetauſcht worden.
Zaglul Paſcha hat in der Vorwoche ſein Kabinett voll=
ſtändig
umgeſtaltet. Eine Meldung des Daily Expreß bezeichnet
die Stimmung in Aegypten als elektriſch geladen.
Der iriſche republikaniſche Führer de Valera wurde in London=
derry
wiederum verhaftet als er eine Anſprache an eine Verſamm=
lung
halten wollte. Ueber 250 Poliziſten waren anweſend.
Der Matin veröffentlicht ein aus engliſcher Quelle ſtammendes
Telegramm aus Waſhington, nach dem Präſident Coolidge in
ſeiner letzten Rede die Sowjets ſcharf kritiſiert und hinzu=
gefügt
haben ſoll, die amerikaniſche Regierung mißbillige die
ruſſiſche Regierung vollſtändig.
Das Luftſchiff Shenandoah hat nach Zurücklegung von 9000
Meilen auf ſeiner Fahrt zur pazifiſchen Küſte und zurück den Heimat=,
hafen Lakehurſt erreicht.
Meldungen aus Peking, zufolge hat Generl Feng=Ju= Hſi=
ang
mit ſeinen 40000 Mann Peking verlaſſen. Tſang=
Tſo=Lin fordert die Ausweiſung Pu=Pei=Fu. Er ſoll Tſchili
zu Verhandlungen nach Mukden eingeladen haben.
Kochs Politik der Halbheiten.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Hätte der Parteivor=
ſitzende
der Deutſchen Demokratiſchen Partei, Herr Koch, geahnt
daß der aus der Partei ausgetretene Abgeordnete Profeſſor
Gerland auf ſeinen öffentlichen Brief öffentlich antworten
und mit der Kochſchen Parteiführung in der ungeahnteſten Weiſe
abrechnen würde, Herr Koch hätte es unterlaſſen, dieſen Brief
zu ſchreiben. So muß er ſich nun heute, und zwar gerade im
Wahlkampf, ſagen laſſen, daß er es war, der nichts gegen die
Auswüchſe des Pazifismus innerhalb der Partei getan, daß die
Partei unter ſeiner Führung die Schöneich und Quidde uſw.
weiter geduldet hat. Ebenſo peinlich für Herrn Koch iſt auch
die Feſtſtellung Gerlands, daß das unter Kochs Mitleitung
ſtehende Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold den franzöſiſchen Pro=
feſſor
Baſch bei ſeiner provozierenden Hetzrede in Potsdam be=
ſchützte
und begeiſtert die Internationale anſtimmite. Herr Ger=
land
erinnert weiter an die unerhörten Angriffe aus der Partei
heraus gegen den Reichswehrminiſter Geßler und ſeine Amts=
führung
. Die Partei ſei nicht dagegen eingeſchritten mit der
Entrüſtung, die nötig geweſen wäre. In den Rahmen der Koch=
ſchen
Politik der Halbheiten wie Prof. Gerland es bezeichnet,
paßt auch ſein Nürnberger Verhalten hinein. Auf der Tagung
des bayeriſchen Landesausſchuſſes erklärte Herr Geßler nämlich
noch einmal, wie ſchon ſo oft, daß die Reichsregierung unbedingt
nach rechts erweitert werden müſſe. Dieſe Feſtſtellung habe aber
Herrn Koch abſolut nicht abgehalten, zu ſagen, daß zwiſchen ſei=
ner
und Herrn Geßlers Auffaſſung keine grundſätzlichen Mei=
nungsverſchiedenheiten
beſtünden.

Die Hamburger Wahlen.
Das Ergebnis.
Hamburg, 27. Okt. Die alte Bürgerſchaft ſetzte ſich
aus 69 Sozialdemokraten, 23. Demokraten, 31 Mitgliedern der
Deutſchen Volkspartei, 8 Deutſchnationalen, 17 Kommuniſten und
2 Mitgliedern des Zentrums zuſammen. Danach haben bei den
geſtrigen Wahlen verloren: die Demokraten 2 Sitze, die
Sozialdemokraten 16, die Deutſche Volkspartei 8; gewonnen
haben die Deutſchnationalen 10, die Kommuniſten 7, die National=
ſozialiſten
4, während des Zentrum ſeinen bisherigen Beſitzſtand
behauptete. Im Vergleich zu den letzten Reichstagswahlen er=
gibt
ſich allerdings ein anderes Bild. Am 4. Mai wurden ab=
gegeben
für die Demokraten 81 514, jetzt 70 500, für die Sozial=
demokraten
173 587, jetzt 173356, für die Deutſche Volkspartei
76 482, jetzt 74 604, für die Deutſchnationalen 122 004, jetzt 90 423,
für die Kommuniſten 114365, jetzt 78657, für die Völkiſchen
37 757, jetzt 13 580 Stimmen. Daraus ergibt ſich, daß gegenüber
der letzten Reichstagswahl die Deutſchnationalen,
Kommuniſten und Völkiſchen erheblich an Stim=
men
eingebüßt haben, während die Deutſche Volkspartei
und die Sozialdemokraten ungefähr ihren Beſtand bekaupten
konnten. Die Demokraten haben nur rund 11000 Stimmen ver=
loren
. In der neuen Bürgerſchaft werden nach dem bisher
vorliegenden Wahlergebnis die Demokraten und Sozialdemo=
kraten
nicht mehr über die abſolute Mehrheit verfügen.
* Eine Probe für die kommenden Reichstagswahlen ſollten
nach der Auffaſſung der Sozialdemokraten und Demokraten die
Wahlen zur Hamburger Bürgerſchaft ſein. Soweit es an ihnen
lag, hatte man denn auch alle erdenkbaren Vorbereitungen ge=
troffen
. Sie hatten ein ganzes Heer von Abgeordneten dorthin
entſandt und damit den Wettbewerb aller ſonſtigen Parteien ge=
ſchlagen
, verließen ſich wohl auch darauf, daß gerade die Ham=
burger
Verhältniſſe mit ihrer alten Neigung zur Republik den
linksſtehenden Parteien beſonders günſtig wären. Ob ſie aber
ganz im Innern ihres Herzens mit dem Ausgang zufrieden ſein
werden, möchten wir doch bezweifeln. Daß ſie nach außen hin
ſehr ſtolz tun werden, iſt ſelbſtverſtändlich,, ſchon weil ſie eine
pſychologiſche Wirkung auf die Maſſenflucht im eigenen Lager
erwarten. Im ſtillen Kämmerlein aber werden ſie ſich doch zu=
geben
müſſen, daß ſie nach dieſer Stichprobe ihre Hoffnungen
auf die Reichstagswahlen nicht allzu hoch ſchrauben dürfen.
Will man das Hamburger Ergebnis richtig auswerten, dann
ſtehen hierzu zwei Vergleichsmomente zur Verfügung; der ab=
ſolute
Vergleich gegen die letzten Bürgerſchaftswahlen vom Jahre
1921 und der relative gegen die letzten Reichstagswahlen vom
Mai d. J. Vom erſten Geſichtspunkt iſt zunächſt feſtzuſtellen, daß
die ſozialdemokratiſch=demokratiſche Mehrheit, die ſeit 1918 die
Geſchicke Hamburgs leitete, zerſchlagen worden iſt. Sie verfügte
über 92 von 160 Sitzen und kommt nur mit 75 zurück, hat alſo
17 Mandate verloren, von denen 16 auf die Sozialdemokraten
und 1 auf die Demokraten entfällt. Eine innere Umgruppierung
wird aber erſt wohl nach den Reichstagswahlen erfolgen, da alle
Parteien das Ergebnis dieſer und die neuen Kombinationen im
Reichstag abwarten wollen, ehe ſie ſich binden. Eine bürgerliche
Mehrheit wäre wohl möglich. Die Sozialdemokraten mit 75 und
die Kommuniſten mit 24 Sitzen ſtellen allerdings eine ſtarke
Minderheit dar, doch wenn man die kleinen Gruppen der Ge=
werbetreibenden
, des Mieterverbandes und der Wohnungs=
ſuchenden
mit den Demokraten in einen Block ſchließen könnte,
wäre eine vollkommene Aenderung des bisherigen Kurſes in
Hamburg gegeben. Es handelt ſich aber hier wohl nur um eine
theoretiſche Möglichkeit, weil die Hamburger Demokraten vor=
läufig
gar nicht daran denken, die Sozialdemokraten im Stich zu
laſſen. Aktuell iſt aber der Vergleich mit den Reichstagswahlen
vom 4. Mai, weil er Anhaltspunkte für den Ausfall der kommen=
menden
Reichstagswahlen abgibt. Da iſt zunächſt feſtzuſtellen,
daß die beiden extremen Flügel auf der äußerſten Rechten und
Linken ſehr ſtarke Verluſte zu tragen haben. Bei den Deutſch=
nationalen
nahezu die Hälfte, bei den Kommuniſten prozentual
nicht ganz ſo viel, immerhin aber doch 35 000 Stimmen. Wenn
die Deutſchnationalen gegenüber 1921 auch einen ſtarken Gewinn
zu verzeichnen haben, haben ſie doch gegenüber dem 4. Mai er=
heblich
verloren. Die Deutſche Volkspartei hat einen Teil ihres
Verluſtes vom Mai wieder ausgleichen können. Auch die Sozial=
demokraten
, die gegenüber 1921 eine ſchwere Niederlage erlitten,
ſtellen befriedigend feſt, daß ſie zugenommen haben. Eine auf=
fallende
Erſcheinung iſt die große Wahlmüdigkeit, und
zumal die Bürgerlichen müſſen ſich bemühen, ihre Wähler mobil
zu machen, die am Sonntag zu Hauſe blieben, damit die kom=
menden
Ergebniſſe günſtiger ausfallen.

* Wilhelm Raabe,
ein deutſcher Nothelfer.
Von Prof. Dr. phil. e. h. Karl Berger.
(Schluß.)
Wenn Raabes Vaterlandsgeſinnung auch nicht immer zu ſo
unmittelbarem Ausdruck kommt, ſo bleibt ſie doch die unverrück=
bare
Grundlage ſeines ganzen Schaffens. Deutſcher Adel wird
in der gleichnamigen Erzählung gefeiert, aber ein Adel, der ſich
nicht vom Stammbaum herſchreibt, ſondern auf der Geſinnung,
der Tüchtigkeit beruht und im Volksgemüt liegt. Adelige Naturen
dieſer Art erſcheinen bei Raabe in mannigfaltigſter Geſtaltung
Sie im einzelnen zu muſtern, dazu iſt bei ihrer unendlichen Fülle
hier nicht der Raum. Ihr gemeinſames Kennzeichen iſt bei aller
individuellen Verſchiedenheit heroiſche Begeiſterung, opferfreudige
Hingabe an das Ganze, an ein Höheres, was außer ihnen und
über ihnen iſt, ein Not und Tod überlegener Humor, der die
Kraft verleiht, alle Schwäche und Schwere des Daſeins zu tra=
gen
und ſich ſiegesgewiß über alles Widrige emporzuſchwingen.
Sie ſind es, nicht die Erfolganbeter, die Wiſſens= und Bildungs=
ſtolzen
, die Geldgierigen und Selbſtſüchtigen, die das neue
Deutſchland ſtärken und fördern werden. Nicht duldende Ge=
laſſenheit
predigt Wilhelm Raabe, im Gegenteil, der Menſch muß
ſich rühren: Wer die Arme ſinken läßt, der iſt überall verloren.
Wer aber jeden Schritt zum Grabe verteidigt und würdig auch
die letzten Höhen verlaſſen kann, um in die dunkle Tiefe hinab=
zuſteigen
, der hat gewonnen. Als Sieger ſchreitet er in die Gruft,
nicht wird er überwunden hinabſteigen. Wir lernen, wie Robert
Wolf in den Leuten aus dem Walde, das Leben meiſtern, wenn
wir acht auf die Gaſſen geben, die kleinen Dinge belächeln und
dahinter die großen ſuchen, aber auch über die Engen und Tiefen
hinaus nach den Sternen ſehen, nach dem Unvergänglichen
das in den großen Geſetzen des Himmels und in den Idealen des
menſchlichen Geiſtes ſich offenbart. Sozialer Druck und rohe Ge=
walt
, Leid und Enttäuſchung können dem ſieghaften Lebenskämp=
fer
nichts anhaben: ihm kann nichts geſchehen, er geht frei durch
den Schmutz und das Unrecht dieſer Welt, da er ſie im Herzen
überwunden hat.
Es iſt der alte deutſche Idealismus, für den Wilhelm Raabe
als für die wahre Lebensmacht eintritt. Die Widerſtände der
ftumpfen Welt, Haß, Neid und Gemeinheit, äußere Not und
Unterdrückung, phyſiſche Leiden und Schmerzen ſind nur dazu
da, daß ſich an ihnen der Geiſt in ſeiner Herrſcherkraft erprobe, in
ſeiner Siegeskraft bewähre. Auch der beſcheidenſte, geringſte
Menſch kann ſich, wie Hans Unwirrſch im Hungerpaſtor, zu die=

er wirklichen, inneren Freiheit erziehen. Dazu aber muß er, wie
dieſer, von wahrem Hunger erfüllt ſein, dem Hunger nach Licht,
nach Erkenntnis und Herzensvollendung, jenem geheimnisvollen
Bildungsſtreben, das in den Tiefen der deutſchen Volksſeele
wirkt. Denn nicht auf Beſitz und Wohlſtand an ſich beruht das
wahre Glück der Zeiten, der Völker wie der Einzelnen, ſondern
darauf, ob ſie großen Hunger nach irgend etwas haben, von dem
man gewiß iſt, daß es durch Hingabe und Tatkraft erobert wer=
den
kann. Wahrlich, ſo ſpricht Leonhard Hagebucher in Abu
Telfan, es iſt nicht allein der Helden und Könige Sache, zu
rufen: Sonne, ſtehe ſtill und leuchte der Vollendung unſerer
Siege! Auch der Schwächſte, der Aermſte, der Geringſte kann
den glanzvollen Stern über ſeinem Haupte und Herzen feſthalten,
bis alles vollbracht iſt. Und ein andermal: Wohl dem, der ſei=
nes
Menſchentums Kraft, Macht und Herrlichkeit kennt und fühlt
durch alle Adern und Fibern des Leibes und der Seele! Wohl
dem, der aus jeder Not und jeder Verdunkelung die Hand auf=
recken
kann mit dem Schrei: Ich lebe, denn das Ganze lebt über
mir und um mich!
In dieſes Bekenntnis zum Leben iſt eingeſchloſſen, daß ein
jeder bereit ſein müſſe, ſich für das Ganze zu opfern und ſeinen
Willen in dem allgemeinen aufgehen zu laſſen. Da gilt es, mit
dem Berliner Landwehrmann Schönow, der 1864 und 1866 mit=
kämpfte
, jroß und nicht an ſein innigſtes Portemonnä zu den=
ken
, das Privatglück zunächſt einmal beiſeite zu ſchieben (Villa
Schönow). Da heißt es, gleich der Heldin der Erzählung von
1813 Im Siegeskranze, das Liebſte und das eigene Leben dran=
zugeben
, oder wie Eva und Laura vom Kloſter Lugau die
ſchwer errungenen Anverlobten ohne Jammer und Klagen in
den Krieg 1870/71 ziehen zu laſſen. Dieſe opferfreudige Vater=
landsgeſinnung
hat dem zerſplitterten Deutſchland zur Einigung
verholfen, ſie hat auch in ſchlimmſter Zeit die davon erfüllten
Herzen nicht verzagen laſſen. Gegenüber den heldiſchen Trägern
ſolcher Geſinnung hat Raabe immer wieder die hemmenden, zer=
ſtörenden
Gegenkräfte verkörpert; elendes Strebertum, matt=
herzige
Kleingläubigkeit, ſelbſtgenügſames Philiſtertum, eigen=
brötleriſche
Sondertümelei. Er läßt keinen Zweifel darüber, daß
unſere kleinen Leute häufig kläglicher, kleinlicher, engherziger,
mürriſcher und unzufriedner ſind als irgend eine Menge, die e ne
andere Planetenſtelle bewohnt, aber er weiß auch, daß unſere
großen Leute dann und wann vielleicht wveitherziger ſind als die
irgendeines anderen Volkes. Am liebſten und voll Begeiſterung
ſegelt der Dichter mit der Tatenluſt, der Lebenshoffnung, der
ſtolzen Kühnheit hinaus ins Weite, aber er erfaßt gerade die
Kleinen und Geringen, die Mühſeligen und Beladenen, die Un=
ſcheinbaren
und Seltſamen mit ganz eigener Liebe und finde
unter dem zerſchliſſenſten Gewande das menſchliche Herz. So ſehr=
er
alles, was Philiſter heißt, mit Hieben ſatiriſchen Humors ge=

geißelt hat, entdeckt er doch auch unter dem erbeigentümlichen
deutſchen Zopf beſondere Werte. Wohin wir blicken heißt es in
Abu Telfan, zieht ſtets und überall der germaniſche Geiſt ein
Drittel ſeiner Kraft aus dem Philiſtertum und wird von dem
alten Rieſen, dem Gedanken, mit welchem er ringt, in den Lüften
ſchwebend erdrückt, wenn es ihm nicht gelingt, zur rechten Zeit
wieder den Boden, aus dem er erwuchs, zu berühren. Da wan=
deln
die Sonntagskinder anderer Völker, wie ſie heißen mögen:
Shakeſpeare, Milton, Byron; Dante, Arioſt, Taſſd; Rabelais,
Corneille, Moliere; ſie ſäen nicht, ſie ſpinnen nicht, und ſind doch
herrlicher gekleidet als Salomo in aller ſeiner Pracht: in dem
Lande aber zwiſchen den Vogeſen und der Weichſel herrſcht ein
ewiger Werkeltag, dampft es immerfort wie friſchgepflügter Acker
und trägt jeder Blitz, der aus den fruchtbaren Schwaden auf=
wärts
ſchlägt, einen Erdgeruch an ſich, welchen die Götter uns
endlich, endlich geſegnen mögen. Sie ſäen und ſie ſpinnen alle,
die hohen Männer, welche uns durch die Zeiten vorausſchreiten,
ſie kommen alle aus Nippenburg ſeinem der Philiſterorte), wie ſie
Namen haben: Luther, Goethe, Jean Paul, und ſie ſchämen ſich
ihres Herkommens auch keineswegs, zeigen gern ein behagliches
Verſtändnis für die Werkſtatt, die Schreibſtube und die Rats=
ſtube
; und ſelbſt Friedrich von Schiller, der doch von allen unſe=
ren
geiſtigen Heroen am ſchroffſten mit Nippenburg und Bums=
dorf
brach, fühlt doch von Zeit zu Zeit das herzliche Bedürfnis,
ſich von einem früheren Kanzlei= und Stammverwandten grüßen
und mit einem biedern Weiſcht an alte natürlich=vertrauliche
Verhältniſſe erinnern zu laſſen.
Selbſt im ureigenſten Bezirk rettungslos im Sumpf verlore=
ner
Spießbürger, im Dräumling, läßt uns der Dichter bei der
Schillerfeier vom Jahre 1859 einen höheren geiſtigen Aufſchwung
erleben: auch auf das Feſt der Bierphiliſter zu Paddenau fällt
ein Abglanz der großen deutſchen Bewegung, denn, wie der dem
nationalen Gefaſel aus Hamburg entflohene Großhändler
hören muß, ein ganzes Volk ſtürzt ſich heute in die lichte Wolke
der Schönheit, ein ganzes großes, edles Volk beſinnt ſich heute
auf das, was es iſt! Vergeblich ſucht es ſeinen Platz am Rats=
tiſch
der Nationen: er iſt von anderen Völkern beſetzt. Aber, ſo
ſchließt der begeiſterte Redner, wir werden Platz nehmen, wir
haben einen gewaltigen Hunger nach dem Faſten von ſo manchem
Jahrhundert. Ich verſichere Sie, wir werden das Verſäumte
nachholen. Uind wiederum Philiſter, kleine Krämer, Kleinſtäd=
ter
, Kleinſtaatler ſehen wir 1860 in Gutmanns Reiſen am
Werke der Gründung des Nationalvereins im Bunde mit Ben=
nigſen
und Miquel; während aber die Alten ſich über die Eini=
gung
im Sitzungsſaale umſonſt müde reden, gelingt einem jun=
gen
Paar die Einigung von Nord und Süd, indem ſie ſich zum
Bunde fürs Leben zuſammenſchließen; ein ſymboliſcher Akt, der,
wie im Deutſchen Adel und im Kloſter Lugau, die innere Einheitz

[ ][  ][ ]

Rummer 300.

Dienstag, den 28. Oktober 1924,

Seite 3.

Der Reichsparteitag des Zentrums.

Die Vorſtandstagung.
Brauns gegen Wirth.
Berlin, 27. Okt. Als Auftakt zu dem heute vormittag
9 Uhr begonnenen Reichsparteitag des Zentrums fanden den gan=
zen
Sonntag über Vorſtandsberatungen ſtatt. Im Laufe des Vor=
mittags
tagten der Neichspartei=Vorſtand und der Vorſtand der
preüßiſchen Zentrumsdartei. Nachmittags um 3 Uhr folgte eine
Sitzung dieſer beiden Inſtanzen mit den Provinzial=Vorſtänden
und den Generalſekretären. In beiden Sitzungen hielt der Partei=
vorſitzende
, Reichskanzler Marx, das Referat über die Politik der
Zentrumspartei, indem er vor allen Dingen die Ereigniſſe nach
dem 29. Auguſt beleuchtete. In der Diskuſſion der Nachmittags=
ſitzung
nahm beſonders Dr. Wirth das Wort zu einer großen
Rede, in der er die Haltung des linken Flügels der Zentrums=
fraktion
im Reichstag verteidigte. Reichsarbeitsminiſter
Dr. Braunsvertrat ebenſo ausführlich den Standpunkt
der Zentrumsmehrheit, daß die Deutſchnatio=
nalen
, nachdem ſie die Richtlinien des Kanzlers angenommen
und ſich für die Turchſührung des Londoner Paktes erklärt hät=
ten
, in die Regierunghätt en aufgenommen wer=
den
müſſen. 1. a. ſprach auch noch der Abgeordlicte Joſt.
Die Diskuſſion zog ſich bis in die Abendſtunden hin. Nachdcm die
Haltung der Partei in den letzten Wochen beſprochen worden war,
beſchäftigte man ſich tnit der Frage der Wahlvorbereitung und der
Stellung zum Reichsbanner Schwarz=Weiß=Rot.
Die Außen= und Innenpolitik.
Eine Kanzlerrede auf dem Parteitag.
Berlin 27. Okt. In einer großangelegten programmatiſchen
Rede auf dem Reichsparteitag des Zentrumskam der Reichs=
kanzler
Marx auch auf die deutſche Außenpolitik zu ſprechen. Er
führte, dabei u. a. aus:
Unſer Volk hat in ſeiner Not eine Miſſion. Es kann nicht die
Aufgabe der Menſchheit ſein, in gegenſeitigen Kriegen die ſeeliſche und
materielle Wohlfahrt der einzelnen Völker zu zerſtören. Es iſt Aufgabe
der Völkerbundsſtaaten, im gegenſeitigen Zuſammenwirken die wirtſchaft=
liche
und kulturelle Wohlfahrt zu fördern. In Erfüllung dieſer Miſſion
unſeres Volkes ſehen wir ungeheure Schwierigkeiten. Es gibt nur An=
ſätze
im Völkerleben zum Willen dauernder friedlicher Zuſammenarbeit.
Es iſt unſere Pflicht als Volk, dieſen ſchwachen Willen zu ſtärken. Unſer
Ziel iſt klar und unverwandt, und unſer Recht auf ein Leben als
Nation verlangt ein freies Deutſchland, frei von Ketten, und frei von
militäriſcher Bewachung, verlangt ein Großdeutſchland, in dem die ganze
deutſche Nation vereinigt iſt, verlangt ein Deutſchland mit Kolonien,
damit dieſes friedliche Deutſchland Abſatz= und Austauſchgebiet für Roh=
produkte
und Waren hat. Dieſes heilige Recht, als freie Nation zu leben,
haben wir nicht verwirkt.
Deutſchlands Alleinſchuld am Kriege iſt eine Mär.
Wir erſtreben die Befreiung von Schuldbekenntnis nur aus morali=
ſchen
Gründen. Es wäre eine unheilvolle Selbſttäuſchung, wenn wir an=
nehmen
wollten, der Nachweis, daß uns nicht die Alleinſchuld am Kriege
aufgebürdet werden kann, würde auch zur Folge haben, daß wir unſerer
Verpflichtungen aus dem Verſailler Vertrag ledig würden. Leider iſt
dieſer Irrtum weit verbreitet und, wie ich fürchte, der Hauptgrund dafür,
daß dieſe Frage mit ſolcher Leidenſchaft diskutiert wird. Wir ſtreben
nach Wahrheit, weil uns die moraliſche Laſt unerträglich erſcheint, die
man uns zu Unrecht auf unſere Schultern gelegt hat.
Der Weg zu dem Ziel, eine freie Nation zu werden,
iſt hart und dornenreich.
Wir haben materielle Opfer ſchwerſter Art in den letzten Jahren ge=
bracht
und werden ſie auf Grund des Londoner Vertrages, auch in Zu=
kunft
bringen. Wir haben die nationale Bedrückung im härteſten Maße
blutenden Herzens ertragen muſſen.
Die Annahme des Waffenſtillſtandes, des Verſailler
Friedensvertrages, des Londoner Ultimatums und
des Londoner Vertrages ſind für uns Etappen auf
dem Wege zur Freiheit.
Das deutſche Volk geht dieſen Weg in bewundernswertem Duldermut
und vom kühlen Verſtande geleitet. Das deutſche Volk iſt nicht einig über
dieſen Weg der endlichen Befreiung. Heiße Herzen ſchlagen, auch in
Deutſchland, die von heute auf morgen das deutſche Volk frei haben
wollen. Es iſt weniger Rache als eine Forderung des Rechts.
Einig iſt unſer deutſches Volk in dem Ziele der endgültigen Befreiung,
uneinig über den Weg zu dieſem Ziele. Aber
die Mehrheit des deutfchen Volkes wünſcht eine ruhige
und friedliche Entwicklung Deutſchlands, Europas
und der Welt, und ſo erſtrebt dieſe Mehrheit eine Ver=
ſtändigung
mit unferen früheren Gegnern, in der
Hoffnung, ſo nicht nur Deutſchland zu befreien, ſon=
dern
auch die friedliche Entwicklung Europas und der
Welt zu ſichern.

Der Kanzler kam dann auf die Reparationsfrage zu ſprechen, die nach
dem Abſchluß des Londoner Vertrages endlich die Bahn einer ruhigen
und leidenſchaftloſen Entwicklung gebracht, die aber mit dem Londoner
Vertrage noch nicht zum Abſchluß gekommen ſei. Der Vertrag berge in
ſich einen Teil, der zu Verbeſſerungen und zu vollkommeneren Löſungen
dränge. Die Abrüſtungsfrage ſei zurzeit nur einſeitig gelöſt. Die Sieger=
ſtaaten
hätten bei der fünften Völkerbundsverſammlung in Genf eben=
falls
den Willen zur Abrüſtung bekundet. Mögen ſie ans Werk gehen!
Deutſchland ſei zur lohalen Mitarbeit im Völkerbund bereit, auch wenn
dem mit dem Verſailler Vertrage geſchaffenen
Völkerbunde
noch mancherlei Unvollkommenheiten anhaften. Der Gedanke des Völker=
bundes
ſei ein echt chriſtlicher. Es ſei zu bedauern, wenn dieſer Gedanke
in den Kreiſen chriſtlicher Männer und Frauen nicht mit Wärme und
Würde behandelt werde, die er voll und ganz verdiene.
Auf die innere Politik übergehend, bezeichnete es der Kanzler als
Pflicht, ſich freudig zur Verfaſſung zu bekennen. Die demokratiſche Idee
der Volksgemeinſchaft ſtoße leider auf faſt unüberwindliche Schwierigkei=
ten
, und doch liege in dem Streben nach einer großen Volksgemeinſchaft
die große Aufgabe und das große Ziel der deutſchen inneren Politik. Das
Zentrum dürfte nicht grundſätzlich das politiſche Zuſammengehen mit
rechtsgerichteten Parteien verweigern, wenn dieſe nur vorbehaltlos die
Verfaſſung als rechtsverbindlich anerkennen. Es verwerfe aber auch eben=
ſowenig
grundſätzlich das Zuſammengehen mit der Sozialdemokratiſchen
Partei. Das gemeinſame Erſtreben politiſcher Ziele bedeute nicht irgend
welches Aufgeben weltanſchaulicher Grundſätze. Die Zentrumspartei
werde beſtrebt ſein, gerade den ſozial bedrückten Schichten wieder das
Gefühl menſchlicher und nationaler Wertſchätzung zu geben.
Ueber der weltanſchaulichen und ſozialen Gliederung,
die allzu leicht auseinanderführe, ſtehe der natürliche
Wille der deutſchen Nation, ein Volk zu ſein, ein deut=
ſches
Volk zu ſein und eine Schickſalsgemeinſchaft,
eine Volksgemeinſchaft zu werden.
Dieſen natürlichen Willen beeinträchtigen ſcheinbar Beſtrebungen, die
aus landsmannſchaftlichen Kreiſen; verpflanzten. Der Kanzler, warnte
davor, die Begriffe Zentralismus und Förderalismus zu Schlagworten
werden zu laſſen. Bismarck habe mit den gleichen Dingen zu kämpfen
gehabt. Er habe die Frage machtpolitiſch gelöſt. Wir müßten ver=
ſuchen
, ſie geſinnungspolitiſch zu löſen. Das Ziel ſei klar; es ſei nur in
einer natürlichen Gliederung in einem demoktratiſchen Deutſchland zu
erreichen. Schwarzrotgold ſei nicht die Verketzerung und Verkennung
von ſchwarzweißrot, ſondern ein Symbol für das politiſche Streben. Das
geſamte deutſche Volk in natürlicher Gliederung ohne Vormachtſtellung
eines einzelnen Teiles zuſammenzufaſſen.
Der Reichskanzler kam dann ausführlich auf die Wirtſchafts=
ziele
und die Finanzpolitik zu ſprechen. Die deutſche Regie=
rung
ſei zurzeit bemüht, durch den Abſchluß von Handelsverträgen der
deutſchen Volkswirtſchaft die ihr gebührende Stellung in der Weltwirt=
ſchaft
zu verſchaffen. Bei den Verhandlungen laſſe ſie ſich leiten von der
Ueberlegung, daß der
Export die oberſte Forderung für uns
ſei. Es ſei zurzeit noch ſtark umſtritten, ob der Schutz der nationalen
Arbeit am beſten durch Schutzzölle oder durch Freihandel mit Finanz=
zöllen
geſichert ſei. Die Frage bedürfe für die Zukunft ruhiger ſachlicher
Prüfung. Die Regierung ſei unter beſtimmten Vorausſetzungen ent=
ſchloſſen
, das Waſhingtoner Abkommen zu rati=
fizieren
. Die jetzige Regelung der Arbeitszeit dürfe nur als Notbehelf
angeſehen werden. Die dritte Steuernotverordnung habe die Eigen=
tumsanſprüche
eines großen Teiles des deutſchen Volkes vorläufig zurück=
geſtellt
. Es müſſe eine ernſte Sorge bleiben, zu überlegen, ob in ferner
Zukunft die Möglichkeit beſtehe, dieſe berechtigten Anſprüche zu befriedi=
gen
. Aufgabe der Politik bleibe es, neue Anſiedlungen zu ermöglichen.
Eine ernſte Sorge bleibe auch die Wohnungsfrage. An der Geſtaltung
eines neuen einheitlichen Arbeitsrechtes werde eifrig gearbeitet.
Im letzten Jahre habe die Balanzierung des Staatshaushaltes nur
durch ſteuerliche Eingriffe in die Erträgniſſe der deutſchen Wirtſchaft er=
folgen
können.
Die Steuerſchraube müſſe in Zukunft gelockert werden.
Eine andere Frage ſei es, ob nicht die Vereinfachung des Steuerſyſtems
und der Steuerverwaltung möglich ſei.
Nach den Ausführungen über unſere Kulturpolitik ſchloß der Kanz=
: Noch kämpft das deutſche Volk um ſeine Weltgeltung im Konzert der
Völker. Noch iſt ſein Staatsgebiet nicht frei von ausländiſcher Beſatzung;
noch iſt ſeine Wirtſchaft und ſeine Währung aufs äußerſte bedroht. Die
Pflicht der Selbſterhaltung, die dem Staatsweſen ebenſo wie den Einzel
nen als ſittliche und rechtliche Pflicht obliegt, zwingt uns zunächſt, für die
Wiederaufrichtung und Verſtärkung des Hauſes, ſelbſt zu ſorgen. Die
innere Einrichtung mag einſtweilen noch mangelhaft und verbeſſerungs=
bedürftig
bleiben. Noch immer handelt es ſich um das Leben und Ster=
ben
des deutſchen Volkes und um die Erhaltung der Einheit des Reiches.
Die in den letzten Jahren beobachtete
Politik der Verſtändigung und der Anbahnung ver=
trauensvoller
Zuſammenarbeit
mit den übrigen Staaten, auch mit denjenigen, mit denen wir im un=
ſeligen
Weltkriege die Waffen gekreuzt haben, hat unbeſtreitbare
Erfolge gezeitigt. Es wäre geradezu ein Verbrechen am deutſchen
Volke, würde dieſer Weg verlaſſen werden. Beim kommenden Wahl=
kampf
muß mit aller Entſchiedenheit die Bedeutung der Außen=
politik
in den Vordergrund geſtellt und eine Zuſammen=
ſetzung
des Reichstags erſtrebt werden, die die Fortſetzung dieſer Politik
gewährleiſtet.

des Volkes ſchon verkündet, als die äußere Einigung noch im=
mer
mißlingt. So konnte Raabe im Dezember 1892 anläßlich der
zweiten Auflage des Dräumlings mit Recht ſchreiben, ohne die
Feſtgenoſſen der Paddenauer Schillerfeier wäre die Aufrichtung
des neuen Deutſchen Reiches, zu der ſich die Familien Gutmann
und Blume in Koburg die Herzen und die Hände geboten hätten,
nicht ſo raſch zuſtande gekommen.
Und dieſes deutſche Volk glauben ſie unterkriegen zu kön=
nen
! läßt Raabe den jungen Gutmann aus der Fülle ſeines
zukunftsgewiſſen Herzens ausrufen. Wenn wir mit Raabe an
ewige Gewalten der deutſchen Volksſeele glauben, dürfen wir
auch mit ihm, trotz allem, auf die Zukunft eben dieſes Volkes
vertrauen. Aber wir müſſen auch die Waffen, die er uns zum
Lebenskampfe geboten hat, gebrauchen. Die Waffen Raabes,
ſo ſchließe ich mit Heinrich Spieros ſoeben erſchienener,
nicht genug zu empfehlender Biographie des Dichters *), die
Waffen Raabes ſtreiten mit uns gegen die Ketten von Verſailles,
gegen die Beſchmutzung des großen Erbes der Vergangenheit,
gegen jeden deutſchen Partikularismus, für die Einheit und Frei=
heit
Deutſchlands . . . Nun, da der Reichtum geſchwunden, die
Freiheit verloren, die Einheit wie in den Zeiten des ſchlimmſten
Fürſten= und Städtehaders bedroht iſt, tönt die warme, menſch=
liche
Stimme des weltweiten, erzdeutſchen Meiſters doppelt be=
weglich
, tränenlockend, ſchickſalmahnend in unſere Welt. Nie ſeit
Jahrhunderten ward es uns Deutſchen ſchwerer gemacht, frei
durchzugehen. Bei ihm können wir es immer wieder lernen, bei
ihm immer wieder auf dem Wege zu den letzten Tiefen menſch=
licher
Erkenntnis die blitzende Rüſtung gewinnen, in der uns
niemand etwas anhaben kann. Die Wirkſamkeit der Raabeſchen
Gebilde verbürgt uns und den Deutſchen fernſter Zeiten auch
die Kraft zur Freiheit und zur Erhebung.

*) Raabe. Leben Werk Wirkung. Von Heinrich
Spiero. Mit drei Bildniſſen und einer Briefnachbildung. Darm=
ſtadt
, Ernſt Hofmann u. Co. 1924. (Geiſteshelden, 73. Band.)

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Eine berühmte Goya=Sammlung unter
dem Hammer. Bei C. G. Boerner in Leipzig wird Mitte
November anläßlich der Verſteigerung alter Kupferſtiche aus
dem Britiſchen Muſeum und der Albertina und der Handzeich=
nungsſammlung
von Geheimrat A. Köſter, Leipzig, die berühm=
teſte
Sammlung der genialen Radierungen
Goyas mit ausgeboten, die aus dem Beſitz des verſtorbenen
Goya=Biographen Julius Hofmann in Wien ſtammt und das
ganze radierte Werk Goyas in brillanten Frühdrucken enthält.

* Luſtiger Abend‟ Guſtav Jacoby
im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters.
Wer geſunden, ſauberen Humor hören will, der höre
Guſtav Jakoby, ſchrieb einmal Die Zeit von dem Künſtler, der
geſtern abend meines Wiſſens zum erſten Male in Darmſtadt
einen Luſtigen Abend gab und damit durchſchlagenden Erfolg
hatte. Ich habe das Wort ſauberen unterſtrichen. Vielleicht iſt
es gerade das, was dieſen Künſtler vor vielen Artgenoſſen aus=
zeichnet
. Er iſt ein Künſtler und iſt Aeſthet, und er bleibt das
auch, wenn ſein Humor am tollſten, ausgelaſſenſten ſprudelt.
Man darf herzlich befreiend lachen und verliert niemals das Ge=
fühl
, einem kultivierten Künſtler zuzuhören.
Guſtav Jacobys Vortragskunſt iſt ſo vielſeitig wie ſein
Repertoire. Vom klaſſiſchen Humor, von Goethe, Schiller,
Heine reicht es über Presber, Liliencron, Schmitz, Wolzogen über
Reimann und Morgenſtern hinüber zu den Dialektdichtern aller
deutſchen Stände, um nach köſtlichen ſächſiſchen Satiren und auch
humoriſtiſchen Geſangsvorträgen dem deutſchen Michel liebens=
würdig
, aber eindrucksvoll die Wahrheit zu ſagen, gleichwie er
mit dem lebensbejahenden Halloh, wir leben noch! ſeinen
Abend begann.
So führte er ſeine nicht gerde ſo zahlreich wie zu Ringelnatz
erſchienenen Zuhörer durch alle Skalen deutſcher Humordichtun=
gen
und ließ wohl niemand unbefriedigt.
DI. St.

Bühnenchronik.
Die bekannte Schriftſtellerin Maria Doberenz=
Eberlein, Pirna, beging am 15. Oktober ihren 60. Geburts=
tag
. Arbeiten aus ihrer Feder, darunter der Roman Frau
Lene, erſchienen vor der Buchausgabe im Darmſt. Tagblatt,
Das ſtädtiſche Preſſeamt Köln meldet: Die in
auswärtigen Zeitungen über angebliche Kölnmüdigkeit, des
Kölner Schauſpielintendanten Guſtav Hartung verbreiteten
Nachrichten beruhen auf Erfindung. Herr Intendant Hartung
beabſichtigt nicht, ſeine Kölner Tätigkeit aufzugeben; auch hat er
mit keinerlei Schwierigkeiten zu kämpfen.
fm. Karlsruhe. Als Generalmuſikdirektor und Nachfol=
ger
Cortolezis iſt der bisherige Opernleiter in Nürnberg, Fer=
dinand
Wagner, zum Beginn der erſten Spielzeit an das
Badiſche Landestheater berufen worden. Ferdinand Wagner
hatte am 14. Juni d. J. am Landestheater Die Meiſterſinge:
von Nürnberg geleitet und einen ſehr ſtarken Erfolg damit
erzielt.

Der Wahlkampf in Bahzern.
Zwei Richtungen bei den Oemokraten.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 27. Okt.
Der geſtrige Sonntag ſah die Parteien in München an
der Arbeit zur Vorbereitung des Wahlkampfes.
Zu der Tagung des Landesausſchuſſes der Demokratiſchen
Partei waren Reichswehrminiſter Dr. Geßler, Reichswirt=
ſchaftsminiſter
Hamm und der Fraltionsvorſitzende der Deutſchen
Demokratiſchen Partei im Reichstag, der ehemalige Miniſter a. D.
Koch erſchienen. Wie in der ganzen Partei im Reich, ſo zeigten
ſich auch in Bayern, bei dieſer ſogar noch viel ſchärfer, die zwei
Richtungen, die die Partei zu zerſprengen drohen. Der
Reichswehrminiſter ſtellte ſich auf den Standpunkt: Der Fehler
im kaiſerlichen Deutſchland mit dem grundſätz=
lichen
Ausſchluß der Sozialdemokraten von
allen Regierungsgeſchäften dürfte im republi=
kanifchen
Deutſchland nicht wiederholt werden
mit dem grundſätzlichen Ausſchluß der Deutſch=
nationalen
. Auch ſonſt führte der Reichswehrminiſter als
Fehler an: die ſtarke Beteiligung der Demokratiſchen Partei am
Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold in Fällen, in denen die Partei
ſich keineswegs engagieren dürfe, wie z. B. bei dem Schutze, den
das Reichsbanner für die Pazifiſten gewährt habe.
Der Landesausſchuß ſuchte zwar mit einer Reſolution,
in der ſowohl der Reichstagsfraktion, als auch der Minderheit in
der Fraktion für ihre Haltung in der letzten Kriſe der Dank und
das Vertrauen ausgeſprochen wurde, die Meinungsgegen=
ſätze
nach außen zu überbrücken. Die Gegenſätze be=
ſtehen
aber noch fort, und es ſoll verſucht werden, in Bayern
den Wahlkampf mit der Parole zu führen, die Politik der
Mitte weiterzuführen ohne Bindung, weder nach rechts noch
nach links. Bei der Tagung ergab ſich, daß die Mahner vor einem
allzu ſcharfen Linkskurs die zahlenmäßig ſtärkeren, die Linksdemo=
kraten
als die im Worte am lauteſten waren.
Die Deutſchnationalen ſtellten neuerdings und end=
gültig
den Großadmiral von Tirpitz wiederum als Spitzen=
kandidaten
auf. Sie gehen in den Wahlkampf mit der An=
kündigung
, ſie wollten dem Unitarismus ein Ende machen, und
auf die Wiedererrichtung der Monarchie hinarbeiten.
Die Völkiſchen beſchloſſen, ſtrammere Zuſammenfaſſung
der Bewegung unter der Reichsführerſchaft von Ludendorff, Stra=
ßer
und Graefe, die auch für Bayern unbedingt Geltung haben
müſſe. Sie kündigen an, daß Sondergruppen, vor allem die
Gruppe Eſſer=Streicher als ausgeſchloſſen zu gelten haben, ſofern
ſie ſich der Unterordnungsformel nicht fügen.
Baheriſcher Proteſt gegen das Urteil im Conſul=Prozeß.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 27. Okt.
Amtlich wird mitgeteilt: In der Hauptverhandlung, die in der
vorigen Woche vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Re=
publik
gegen die Mitglieder der Organiſation Conſul wegen Ge=
heimbündelei
ſtattfand, iſt nach Preſſemitteilungen die Berufung
der Richter in einer Weiſe erfolgt, die mit dem Abkommen zwi=
ſchen
der Bayeriſchen Regierung und der Reichsregierung über
die Bildung des Süddeutſchen Senats am Staatsgerichtshof nicht
vereinbar zu ſein ſcheint. Die bayeriſche Regierung hat
unverzüglich die erforderlichen Schritte hiergegen bei der
Reichsregierung unternommen.
Von der Münchener Preſſe wird das Urteil faſt überein=
ſtimmend
als ein politiſches Urteil bezeichnet.
Des Rätſels Löſung.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Die Ente von der
deutſchnationalen Reichstagskandidatur des ehemaligen
Kronprinzen iſt ſehr raſch geſchlachtet worden. Wie ſie über=
haupt
erfunden werden konnte, darüber gibt es jetzt inſofern eine
Möglichkeit, als, wie wir hören, die Deutſchnationalen beabſich=
tigen
, den ehemaligen Generalſtabschef des Kronprinzen, Graf
von der Schulenburg, als militäriſchen Vertreter auf die
Reichsliſte zu ſetzen. Von der Schulenburg, der bei den letz=
ten
Wahlen in Mecklenburg in der zweiten Stelle kandidierte,
hat aber mit dem Kronprinzen ſeit längerer Zeit nichts mehr zu
tun. Er iſt deutſchnationaler Politiker geworden, ebenſo wie
General Gallwitz und manche andere. Seine Wahl be=
deutetaber
keinerleipolitiſche Bindungfürden
Kronprinzen.

*Was ſein kann zwiſchen Menſch und Heim.
So will ich es im Untertitel nennen das herrlich=friſche
Buch von Hofrat Dr. Alexander Koch: Das Schöne Heim das
ſoeben in zweiter verbeſſerter Ausgabe in ſeiner Verlagsanſtalt
erſchienen iſt. Es iſt ein Meiſterbuch des Wortes, und wenn man
es zu leſen beginnt, dann ſchwingt ſofort die Seele mit; es iſt ein
prächtiger Führer, zweckdienlich für jeden Schönheit ſuchenden
Menſchen. Alle Fragen nach Wie und Was, Vorgeſtern und
Geſtern, nach Jetzt, Morgen und Uebermorgen werden in dieſem
Belehrungswerk erſchöpfend beantwortet. Für jede Stimmung
kann ich wohl behaupten findet der Leſer einen Abſchnitt,
der ihm das ſpendet, was er ſich gerade gewünſcht hat.
Ich blättere in Ruhe, es iſt ½5 und in dreißig Minuten
kommen meine Gäſte. Auf Seite 32 leſe ich Der Teetiſch
unterzeichnet Kuno Graf Hardenberg. Es wird da um den Tee=
tiſch
herum ſehr fein und ſtilvoll ge=five o’clockſt, ſehr unterhaltend
und abwechſlungsreich . . . Tieftönig ſchlägt die Standuhr 5
und im Zimmer nebenan klingt es von der Kommode fünfmal
ſilberhell, und noch etwas weiter kuckuckt die Schwarzwälder Uhr.
Auf Seite 34 hat Herr Hofrat ſelbſt dafür ſo ſchöne Worte gefügt:
Die Uhr im Hauſe packende Worte in angenehmem
Rhythmus.
Wie manche entmutigte Seele findet ſich wieder durch dieſes
Buch zurecht. Und mancher entdeckt erſt an Hand dieſes Werkes
die Schönheiten ſeines Eigenheims. Ich bin auf Seite 42 ange=
langt
, hier beginnen Die Quellen des Behagens, von Kuno
Graf von Hardenberg, um auf Seite 44 von der Harmonie im
Wohnraum von Dr. Franz Servaes abgelöſt zu werden.
Und nun kommen meine Gäſte, denen ich dies wortfarbige
Buch zeigen werde. Es hat mich durch einige Seiten ſo wunder=
bar
angeregt, daß ich meinem Kreis erzählen werde, was ſein
Friedr. Wilh. Fuchs.
kann zwiſchen Menſch und Heim.

* Gefängnis zu vermieten .. . .! Während man überall über
die zunehmende Verwahrloſung aller Geſellſchafts= und Alters=
klaſſen
klagt und Weltanſchauungen an allen Enden auftauchen,
wie ſie die Römer vor ihrem Untergang hatten, bekommt der Op=
timismus
unvermittelt eine gewaltige Rückenſtärkung durch eine
öffentliche Bekanntmachung des Hochbauamtes des mecklenburgi=
ſchen
Städtchens Waren, die alſo lautet: Das Gefängnis des bis=
herigen
Amtsgerichtes Neukalen, ganz und hoch unterkellert, im
Erdgeſchoß eine Fünfzimmierwpohnung, in den Obergeſchoſſen acht
Zellen ſowie ein hochimmauerter Hof, ſoll verkauft, beziehungs=
eife
ganz eder getrennt vermictet werden. Glückliches Meck=
iburg
, daß du daran=hen lannft, deine Gefängniſſe abzubauen
Dar: 4zuale ch hnungsnot energiſch zu Leibe zu rücken,

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Nummer 300

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Sechs Jahre Tſchechoſlowakei.
Zum 28. Oktober 1924.
Von unſerem Korreſpondenten.
B. Prag, im Oktober.
In den ſogenannten Siegerſtaaten iſt ſeit dem Ende des
Weltkrieges eine Erſcheinung wahrzunehmen, die in unmittel=
barem
Zuſammenhange mit dem für dieſe Staaten günſtigen
Ausgange des Krieges ſteht: ſie feiern die Erinnerung an die für
ſie großen und wichtigen Ereigniſſe der Vergangenheit in beſon=
ders
feſtlicher Weiſe und benützen die Gelegenheit, Rückſchau zu
halten auf die Leiden und Frenden, von denen ſie betroffen wur=
den
und aus denen ſie auf kommende Zeiten zu ſchließen ver=
ſuchen
. Die deutſche Bevölkerung der Tſchechoſlowakei hat ſeit
der Gründung der Republik am 28. Oktober 1918 in beſonderem
Maße Gelegenheit gehabt, zu beobachten, mit welchem Aufwand
an Begeiſterung und Feſtesfreude von einem nach jahrhunderte=
langer
politiſcher Unſelbſtändigkeit zu unbeſchränkter Freiheit ge=
langten
Volke jeder, auch der geringſte Anlaß wahrgenommen
wurde, um das Erinnern an diejenigen wachzurufen, die in irgend
einen Zuſammenhang mit der Gründung der jungen Republik
gebracht werden können und die ſich Verdienſte um das tſchechiſche
Volk, um den tſchechiſchen Staat erwarben. Der Feſte Wogen
rauſchten oftmals ſchon in dieſen ſechs Jahren, die vergangen
ſind ſeit dem Tage, da vom Balkon eines Kaffeehauſes auf dem
Prager Wenzelsplatz ein tſchechiſcher Politiker die Worte: Oeſter=
reich
iſt nicht mehr! unter die tauſendköpfige Menge warf und
da über das tſchechiſche Volk ein Taumel kam, der bis heute noch
nicht ganz verſchwunden iſt und mit den hellen Klängen einer
erfolgreichen Vergangenheit die weniger erfreuliche Gegenwart
übertönt . . .
Sechs Jahre Tſchechoſlowakei! Für die dreieinhalb Millionen
Deutſchen, die der Verſailler Friedensvertrag zu Untertanen des
Präſidenten auf dem Prager Hradſchin gemacht hat, iſt dieſer
Tag der Erinnerung von freundlichen Empfindungen nicht ge=
tragen
. Sie ſtehen dem Jubel der Tſchechen, der alljährlich am
28. Oktober ſeinen Höhepunkt zu erreichen pflegt, eher ſchmerzlich
gegenüber, weil die Freude des Feſtes, das ſeine Wellen bis ins
entfernteſte deutſche Dörflein innerhalb der tſchechiſchen Staats=
grenzen
trägt, ihnen neu ins Gedächtnis zurückruft die Reihe der
Demütigungen, der Entrechtungen und Drangſalierungen, die ſie
ſeit den Umſturztagen des unglücklichen Jahres 1918 zu erdulden
hatten und die ſo ſyſtematiſch fortgeſetzt werden, daß die Hoff=
nung
auf ein Beſſerwerden der traurigen Verhältniſſe in dieſem
Staate immer kleiner, immer zaghafter wird. Der Deutſche in
Böhmen, Mähren und Schleſien, der am 28. Oktober in die
Freude der Tſchechen einſtimmt, iſt ein Heuchler,, denn bisher iſt
das Verhalten der Tſchechen der deutſchen Minderheit gegenüber
nicht dazu angetan geweſen, die Brücke der Verſtändigung zu
ſchlagen, dem tſchechiſchen Staatsgedanken auf deutſcher Seite
Sympathie zu erringen. Der 28. Oktober 1918 iſt der Tag, an
dem die Verelendung des deutſchen Volkes in Böhmen, Mähren

und Schleſien eingeſetzt hat; es iſt der Stichtag, von dem an die
tſchechoſlowakiſche Republik zwar die Aktiven, nicht aber auch die
Paſſiven des alten öſterreichiſchen Staates übernommen hat. Mil
liarden deutſchen Volksvermögens ſind dadurch verloren gegan=
gen
. Der 28. Oktober iſt aber auch der Tag, an dem die tſchecho=
ſlowakiſche
Regierung und das tſchechoſlowakiſche Parlament
hunderte von Gründen für die Nichteinlöſung der Kriegsanleihe
herangezogen haben; unſagbares Elend hat dieſe Regierung da=
mit
über die deutſche Bevölkerung des geſamten Staatsgebietes
gebracht, und tauſende von Menſchenleben ſind ihrer Weigerung,
die Kriegsanleihe zu honorieren oder zu einem annehmbaren
Schlüſſel umzutauſchen, zum Opfer gefallen.
Die Deutſchen in der Tſchechoſlowakei haben keine Urſache,
an dem Feſte der Selbſtändigmachung einer Republik mitzu=
wirken
, die für ſie zum Gefängnis geworden iſt. Sie befinden ſich
nach ſechs Jahren ſchwerſten Kampfes um primitivſte Menſchen=
rechte
immer noch in jenem Zuſtande der Rechtloſigkeit, in dem
neben ihnen nur noch die abgetrennten deutſchen Minderheiten
in Polen und Südtirol verharren; ſie ſind trotz ihrer eminenten
Bedeutung für die Wirtſchaft dieſes Staates mit den übrigen
Minderheiten Slowaken und Ungarn Bürger zweiter Güte
und, der Fiktion des tſchechiſchen Nationalſtaates entſprechend,
von der Teilnahme an der Verwaltung ausgeſchloſſen, weil ſie
einem beſiegten Volke angehören und inſolange nicht als zu=
verläſſige
Tſchechoſlowaken gelten werden, ſolange ſie ihr
Deutſchtum hochhalten und aus ihrer Sympathie für Deutſchland
kein Hehl machen.
Aber auch auf tſchechiſcher Seite iſt kein Anlaß, den Geburts=
tag
der Republik in ſo überlauter Weiſe zu feiern, wie dies heuer
wieder geſchieht. Nach wie vor iſt dieſer Staat von Kriſen durch=
ſchüttelt
; neuerdings ſind es die Slowaken, die ihre Forderung
nach Autonomie energiſcher als bisher erheben. Die Beſtrebungen
in der Slowakei erfüllen die Regierenden mit großer Beſorgnis,
weil ſie in ihnen den Herd weittragender revolutionärer Bewe=
gungen
erblicken. Die Slowaken wollen einen Statthalter in der
Slowakei, der weder Sklave noch Stiefellecker von Prag iſt
ſondern ein Vertrauensmann der ſlowakiſchen Nation, der in
nichts von Prag abhängig ſein darf, und mit gleicher Beſtimmtheit
fordern ſie ein ſlowakiſches Parlament. Ohne Erfüllung dieſer
Bedingungen werde es im ſlowakiſchen Winkel der Republik
nicht zur Ruhe kommen, und es werde im Intereſſe der Prager
Regierung ſelbſt liegen, dieſen Forderungen nachzugeben. Die
Nationaldemokraten in Prag verſuchen vergeblich, die Unruhe
zu verbergen, die die politiſchen Kreiſe wegen des ſlowakiſchen
Verſuchsballons erfaßt hat, und ebenſo vergeblich verſucht der
geſamte tſchechiſchnationale Blätterwald die wirtſchaftliche Lage
der Republik ſo roſig darzuſtellen, daß das Staatsvolk die Wahr=
heit
nicht erkenne: daß die Tſchechoſlowakei bisher zwar politiſch
mit zu den Siegern gehörte, aber wirtſchaftlich längſt
beſiegt iſt. Die Tſchechoſlowakei iſt heute Beſitzerin einer
Menge wertloſen Papiergeldes und eines vernichteten Mittel=,
Gewerbe=, Handels= und Beamtenſtandes, und an dieſer Tatſache
haben auch alle bisher unternommenen Verſuche nichts zu
ändern vermocht. Nimmt man dazu, daß auch innerhalb der
Parlamentsmehrheit eine Kriſe die andere ablöſt, ſo muß man
die Berechtigung der Inſzenierung von lärmenden Jubiläums=
feierlichkeiten
am 28. Oktober 1924 wohl anzweifeln.

Die deutſch=franzöſiſchen Handels=
Sertragsveryandlungen.
Aufhören der elſaß=lothringiſchen Zollkontingente.
Der Berichterſtatter des Echo de Paris meldet, der deutſche
Miniſter, mit dem er jüngſt geſprochen, habe ihm erklärt, Deutſch=
land
werde die elſaß=lothringiſchen Kontingente
für eine begrenzte Zeitdauer bewilligen unter
der Bedingung, daß die franzöſiſche Regierung einwillige, das
Ruhrgebiet am 15. Apirl zu räumen.
* Obwohl der Reichstag aufgelöſt iſt und die Regierung nur
noch als Geſchäftsminiſterium weiter beſteht, gehen die deutſch=
franzöſiſchen
Handelsvertragsverhandlungen
weiter. In den nächſten Tagen wird das Kabinett die Delega=
tion
mit neuen Vollmachten ausrüſten, daß jetzt eine Entſcheidung
über die bedeutendſte Frage der Handelsvertragsverhandlungen,
nämlich die elſaß=lothringiſchen Zollkontingente,
die Frankreich gerne fortgeſetzt ſehen möchte, gefällt werden wird.
Die deutſche Regierung fteht auf dem Standpunkt, daß die
Zollkontngente als politiſche Konzeſſion nicht
gegeben und auch deshalb nicht mit der Frage der
Räumung des Ruhrgebiets in Verbindung ge=
bracht
werden könnten, wie das von den Franzoſen beabſich=
tigt
iſt. Infolgedeſſen werden mit dem 10. Januar nächſten
Jahres alle Erleichterungen für Elaß= Lothrin=
gen
aufhören.
Wie wir weiter erfahren, trift es auch nicht zu, daß 60 Sach=
verſtändige
für die deutſch=franzöſiſchen Handelsvertragsverhand=
lungen
ernannt wurden. Die deutſche Delegation wird vielmehr
in der gleichen Zuſammenſetzung und Zahl wie bei den erſten
Verhandlungen am 5. November zur Fortſetzung der Verhand=
lungen
in Paris eintreffen.
* Ein wichtiger Punkt
in der Aufwertungsfrage.
Man ſchreibt uns:
Durch die Reichstagsauflöſung ſind die Arbeiten des Auf=
wertungsausſchuſſes
auf unbeſtimmte Zeit vertagt. Man kann
wohl damit rechnen, daß vor Januar bis Februar; nächſten
Jahres, eine Beratung in dieſen, für einen großen Teil der Be=
völkerung
lebenswichtigen Fragen, nicht ſtattfinden wird. Inzwi=
ſchen
gilt das Geſetz der 3. Steuernotverordnung ohne Abände=
rung
weiter. Die Sparkaſſen und Schuldnerverbände fordern ihre
Gläubiger durch Zeitungsanzeigen auf, ſchon jetzt Vereinbarungen
zu treffen und weiſen ausdrücklich darauf hin, daß der 31. Dezem=
ber
d J. als letzter Termin gilt. Die Hypothekengläubiger und
Sparer=Schutzverbände würden gut daran tun, bei den politiſchen
Parteien, welche für die Aufwertungsfrage in günſtigem Sinne
geſtimmt ſind, darauf hinzuwirken, bei der Reichsregierung vor=
ſtellig
zu werden, daß ſie durch Geſetzesbeſchluß den Termin für
die Anmeldung der Anſprüche verlängert. Reichsfinanzminiſter
Dr. Luther hat nämlich in einer der letzten Sitzungen des Auf=
wertungsausſchuſſes
darauf hingewieſen, daß Löſchungen und Ab=
änderungen
im Grundbuch rechtsverbindliche Handlungen ſind,
welche nachträglich nicht mehr rückgängig gemacht werden kön=
nen
. Eine vorzeitige Feſtlegung der Aufwertungsanſprüche nach
der 3. Steuernotverordnung könnte den Gläubigern unter dieſem
Geſichtspunkte zum Schaden gereichen.

Die glückliche Geburt
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zu hrer zweiten Tochter
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u. Frau Mathilde, geb. Becker

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Die glückliche Geburt eines
kräftigen Sonntagsmädel
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ſchweren Leiden durch einen ſanften
Tod zu erlöſen.
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Karl Flott
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Margarethe Flott. geb. Schott.
Ober=Ramſtadt, 28. Okt. 1924.
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mit Saphir Samstag
abend verloren. Der
Finder iſt erkannt u.
wird gebeten gegen
gute Belohnung
Friedrichſtr. 24, pt.,
abzugeb andernfalls
Anzeige erſtatte, (ruuo

Verloren
Manſchettenknopf
Granatſtern m. ſilb,
Faſſung. Da liebes
Andenken wird, ehrl
Finder um Rückgabe
gegen Finderlohn
gebeten Hainal,
Darmſtdt., Hoffmann=
ſtr
57, part. (31361

dem ehrlichen
Finder!
Auf dem Wege;
Grafenſtr. Haupt=
poſt
=Wilhelminenſtr.
Hügelſtr. Steinſtr.

Noten
A 50 R.=Markſch,
verloren.
Abzugeb. Fundbüro
Hügelſtraße, (*31357

[ ][  ][ ]

Nummer 300.

Aus der Landeshauptſiadt.
*
Darmſiadt, 28. Oktober.
Ernannt wurden: Am 13. Ottober Johanna Mühlfeld aus
Aſchaffenburg zur Köchin an der Landes=Heil= und Pflegeanſtalt Heppen=
heim
mit Wirtung vom 1. Oktober 1934 ab; am V. Oktober der Lehrer
Friedrich Löffler zu Offenbach zum Lehrer an der katholiſchen Volks=
ſchule
zu Bensheim, die Lehrerin im einſtweiligen Ruheſtand Katharina
Moufang zu Offenbach zur Lehrerin an der Volksſchule zu Offenbach,
beide mit Wirkung vom 1. November 1924 abz durch Entſchließung des
Landesamts für das Bildungsweſen die Studienreferendare Theodor
Duſeberg zu Gießen, Kurt Schollmayer zu Mainz, Dr. Heinrich
Fuhr zu Lich, Hans Kurz zu Gießen, Wilhelm Hach zu Gießen, Dr.
Joſeph Gießler zu Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 zu
Studienaſſeſſoren.
Zu beſetzen iſt die Stelle einer techniſchen Lehrerin für Handarbeit
und Haushaltung, womöglich auch Turnen, an der Schillerſchule zu
Friedberg.
Bei der Oberfinanzkaſſe werden die den Ruhegehalts= und Warte=
geldempfängern
ſowie den Hüuterbliebenen für November zuſtehenden
Bezüge am Mittwoch, den 2. Oktober, von 812 Uhr vormittags, aus=
bezahlt
.
Wählerliſte! Von der Stadtverwaltung wird uns mitge=
teilt
, daß die in dieſen Tagen den Wahlberechtigten zugeſtellten
Karten über ihre Aufnahme in die Wählerliſte für die zuerſt auf
den 16. November I. J. anberaumte Landtagswahl inhaltlich
volle Gültigkeit bezüglich der Doppelwahlen, (Landtags= und
Reichstagswahl) am 7. Dezember I. J. behalten. Für Wahl=
berechtigte
, die im Beſitze dieſer Karten ſind, beſteht bezüglich bei=
der
Wahlen kein Anlaß, die Wählerliſte, die nunmehr während
der Zeit vom 16. bis 23. November I. J. offen liegt, einzuſehen.
Profeffor Dr. Paul Brandt, der Redner der nächſten Huma=
niſtiſchen
Veranſtaltung, iſt geborener Saarbrücker. Er hat
in Heidelberg und Bonn klaſſiſche Philologie und Archäologie ſtudiert
und ſpäter 15 Jahre an dem von ihm aufgebauten Städtiſchen Gym
naſium in Bonn unterrichtet, wo unter ſeiner Leitung auch die Geſell=
ſchaft
für Literatur und Kunſt ſich einer hohen Blüte erfreute. Im
Jahre 1910 als Direktor des Prinz Georg=Gymnaſiums nach Düſſeldorf
berufen, hatte er den Aufbau dieſer Reformanſtalt faſt vollendet, als
der Krieg ausbrach, den er 1517 als Bataillonskommandeur in der
Front mitmachte. Nach ſeiner Verwundung übernahm er noch im
Jahre 1917 das Humaniſtiſche Burggymnaſium in Eſſen, von wo er ſich
1921 freiwillig in den Ruheſtand nach Bonn zurückzog, um ſeinen Stu=
dien
leben zu können. Sein Buch Sehen und Erkennen, das bereits
die fünſte Auflage erlebt hat, hat durch ſeine eigenartige Anlage und
Methoden den Namen des Gelehrten in weiten Kreiſen bekannt gemacht.
Die Stärke des Verfaſſers beſteht wohl hauptſächlich darin, daß er in
jahrzehntelangem Verkehr mit jugendlichen Kunſtfreunden gelernt hat,
in das Erfaſſen des Künſtleriſchen an den Kunſtwerken ſelbſt einzuführen.
Dabei hat er auch die lebende Kunſt ſtets mit Intereſſe verfolgt und
ſelbſt gegenüber ihren neueſten Phaſen einen objektiven Standpunkt
gewonnen. Dem Ueberſchwang der Gotiker gegenüber, die die antike
Kunſt und die von ihr abgeleiteten Richtungen am liebſten ganz aus den
Bildungserlebniſſen der Deutſchen ſtreichen möchten, ſteht er auf dem
Standpunkt, daß das organiſche Prinzip der antiken Kunſt gerade mit
ſeiner Nuhe und Harmonie für uns Deutſche ein ganz unentbehrliches
Heilmittel gegen fauſtiſche Verſtiegenheit und formale Verworrenheit
darſtellt und ſich als ſolches in der Geſchichte zu wiederholten Malen
bewährt hat. Das ihm für die deutſche Kunſt vorſchwebende Ideal iſt,
wie es am Schluß des genanten Buches heißt, daß ſie werde der tiefe
Ausdruck des deutſchen Lebensgefühls in geläuterter, letzten Endes von
der Antike abgeleiteter Form. Die Veranſtaltung findet am Frei=
tag
abend 8 Uhr im Feſtſaal des Gymnaſiums ſtatt.
C. Prpfeffor Ensgraber . Am B. d. M. ſtarb im 69. Lebensjahre
der Profeſſor i. N. am hieſigen Realgymnaſium. Leopold Ensgraber. Der
Dahingeſchiedene, aus Erbach im Rheingau gebürtig, war nach vollende=
tem
philologiſchen Studium in den heſſiſchen Staatsdienſt getret
etzen und
wurde zunächſt als Lehrer an der Realſchule in Wimpfen angeſtellt, von
wo er an das Darmſtädter Realgymnaſium verſetzt wurde, wo er lange
Jahre wirkte. Im Namen des Kirchenvorſtandes der St. Eliſabethen=
gemeinde
widmete Herr Profeſſor Dr. Lüchen dem Verſtorbenen am Grabe
einen warmen Nachruf, indem er ihn vornehmlich als Muſter katholiſcher
caritativer Arbeitsfreudigkeit hinſtellte und ſeiner Verdienſte um den
Spar= und Vorſchußverein der katholiſchen Gemeinde Darmſtadt gedachte,
deſſen Gründer und langjähriger Präſident er geweſen war. Herr Ober
ſchulrat Dr. Ritſert gab dem Verewigten im Namen des Lehrkörpers des
Realgymnaſiums das Zeugnis eines tüchtigen Lehrers, biederen Charak=
ters
und liebenswürdigen Kollegen, während ein Vertreter des Philolo=
gen
=Vereins in freundlichen Worten ſeines Mitgliedes gedachte. Erwähnt
ſei noch, daß der dahingeſchiedene langjähriger Präſident des Katholiken=
bereins
Darmſtadt war, um den er ſich große Verdienſte erworben hat.
Zugunſten des Kirchenbaufonds veranſtaltete der Katholiſche
Männer= und Arbeiterverein, am Sonntag im Konkordia=
faale
eine Wohltätigkeitsveranſtaltung, die einen ſehr guten Beſuch auf=
zuweiſen
hatte. Herr Ehrhardt begrüßte die Erſchienenen und mahnte
an die Opferwilligkeit, damit das große Werk, der Kirchenbau, bald zu
ſeiner Vollendung komme. Es gelangte dann die erſte Wiederholung
des von Mitglied A. Braun verfaßten Volksſtückes Der Mutter
Lied zur Aufführung. Das Volksſtück mit Geſang in einem Vorſpiel
und vier Akten gimg unter der Spielleitung des Herrn Fr. Ehrhardt in
Szene, und gaben ſich alle Mitwirkenden Mühe, ihr Beſtes zu leiſten,
was allen hoch anerkannt werden muß. Beſonders hervorgehoben ver=
dient
der 3. Akt: Zigeunerlager. Der Reigen war einſtudiert von Frl.
Wegerich. Von den Mitwirkenden ſeien die Hauptrollenträger genannt:
Herr Nohrer Waffenſchmied) Frl. Wegerich (Ehefrau des Schmieds).
Herr Ingebrand (Bürgermeiſter), Frl. Bott (Pflegetochter des Wald=
ſchmieds
), Herr Jakob Debus (als Sohn Jakob) und Herr Fr. Löffler
(als Bigeunerhauptmann).
* Kunſt und Keramik. Eine kürzlich ſtattgehabte Beſprechung
in Kunſt und Keramik brachte einmütig zum Ausdruck, daß es
nicht im Intereſſe des Darmſtädter Kunſtlebens ſei, die Räume
der Ausſtellung zu ſchließen. Es wurde die Anregung an Staat
und Stadt gegeben, durch Erleichterung gewiſſer Abgaben die
finanziellen Laſten zu verkleinern. Von ſeiten der Preſſe wurde
weitgehendſte Unterſtützung des Unternehmens zugeſagt und an=
geregt
, Anteilſcheine zum Preiſe von 20 Mark bereitzuſtel=
len
. Die Uebernahme eines Anteilſcheines ſchließt das Recht für
zwei Perſonen in ſich, ſämtliche Veranſtaltungen und Ausſtellun=
gen
von Kunſt und Keramik ohne beſonderes Entgelt zu beſuchen.
Weiterhin findet am Schluſſe jedes Geſchäftsjahres, möglichſt vor
Weihnachten, eine Verſteigerung von Kunſtwerken ſtatt, deren
Zahl auf je 10 Scheine einen Gewinn gewährleiſtet. Gs ergeht
nunmehr an die Preſſe die Bitte, dieſem Gedanken ihre Unter=
ſtützung
zu geben und durch regelmäßige Berichte über die Aus=
ſtellungen
das Intereſſe der Bürgerſchaft wachzuhalten. Einer
weiteren Anregung folgend werden nunmehr die Ausſtellungs=
räume
und der Verkaufsladen getrennt und ein eigener Eingang
für die Ausftellung geſchaffen. Die nächſte Ausſtellung
bringt umfaſſende Handarbeiten einer Koburger Frauengruppe,
weiterhin die neueſten Arbeiten von Ernſt Eimer, woran ſich
dann im Januar die große Mathias Grünewald=Ausſtellung an=
ſchließen
wird.
Qualitätsausſtellung des Heſſiſchen Künſtlerkartells. Die Quali=
tätsausſtellung
des Heſſiſchen Künſtlerkartells auf der Mathildenhöhe in
Darmſtadt begegnet einem regen Intereſſe, das jede Erwartung über=
trifft
. Am letzten Sonntag wurden 457 Beſucher gezählt, am letzten
Freitag 113 und am Donnerstag gegen 100. Dieſe Ziffern beweiſen
mehr als jegliche laute Propaganda das Niveau der Ausſtellung.
De

Dienstag, deu 28. Oktober 1924.

Seite 5.

Der Reſchebund der Kriegsbeſchödigten
und Kriegshinterbliebenen, Gau Heſſen
hielt am Samstag und Sonntag im Perkeo ſeinen erſten Gautag ab.
Am Samstag fand zunächſt eine eingehende Vorſtandsſitzung ſtatt, zu
der auch ein Vertreter des Bundesvorſtandes iu Berlin erſchienen war.
Es wurden Fragen interner Art behandelt. Um 4 Uhr eröffnete Gau=
vorſitzender
Seibert=Darmſtadt den Gautag. Anweſend waren 70
Delegierte, Vertreter des Miniſteriums des Innern, Regierungsrat Dr.
Schneider, Oberregierungsrat von Linkenheld (Hauptfürſorgeſtelle) für
das Landes=Arbeitsamt und Wirtſchaftsamt, Regierungsrat Dr. Heßler
(Hauptfürſorge), Direktor Schrauth vom Wohlfahrtsamt, im Namen der
Stadt in Vertretung des Beig. Delp, der ſpäter erſchien, von der amt=
lichen
Fürſorgeſtelle Darmſtadt, Verwaltungsinſpektor Schwörer, und
vom Verſorgungsgericht Verwaltungsinſpektor Ring. Weiter waren
anweſend Landtagsabgeordneter Storck für die Sozialdemokratiſche
Partei und ein Vertreter des Bauernbundes. Die übrigen Parteien
waren entſchuldigt. Die einzelnen Ehrengäſte überbrachten Grüße und
Wünſche der von ihnen vertretenen Behörden und Organiſationen.
Es folgte der Geſchäftsbericht des Gauleiters Momberger und
Kam. Wendler und für Oberheſſen Kam. Brenner. In eingehenden
Grörterungen wurde die geleiſtete Arbeit ſeit 1921 beſprochen und daraus
erſehen, daß Großes geleiſtet ward. Vertretungen vor dem Verſorgungs=
gericht
fanden an den drei Kammern Darmſtadt, Mainz und Gießen
7108 ſtatt, von denen im erſten Verfahren 22/75 gewonnen wurden. Wei=
ter
wurden erwähnt die Tätigkeit vor dem Gewerbegericht und ſonſtigen
Gerichtsbarkeiten. Das Jahr 1923 verurſachte der Organiſation ſchwere
Opfer, doch iſt bereits eine merkliche Beſſerung nach Eintritt ſtabiler
Verhältniſſe erzielt worden. Der Reichsbund zählt zurzeit in Heſſen
320 Ortsgruppen mit etwa 15 00 Mitgliedern. Der geſchäftliche Teil
wurde gegen 7 Uhr abgebrochen und auf Sonntag vertagt. Es ſchloß
ſich ein Kommers an.
Am Sonntag vormittag nahmen die Beratungen ihren Fortgang.
Gauvorſitzender Seibert begrüßte zunächſt die weiter erſchienenen Ehren=
gäſte
, Herrn Regierungsrat v. Laſſell vom Verſorgungsamt Darm=
ſtadt
, ſowie Herrn Regierungsbaumeiſter Runge. Sodann referierte
Kam. Ehring vom Bundesvorſtand in Berlin über Verſorgung und
Fürſorge und gab in eingehender Weiſe ein Bild über die früheren und
die jetzigen Verhältniſſe. Seine Ausführungen fanden lebhaſten Bei=
fall
. Kam. Link machte anſchließend nähere Ausführungen über die
beſonderen Wünſche und Forderungen der heſſiſchen Beamtenſchaft. Nach
kurzer Ausſprache erhielt das Wort Regierungsbaumeiſter Nunge über
das Siedlungs= und Heimſtättenweſen in Heſſen. Er führte in kurzen
Zügen die jetzigen Siedlungsverhältniſſe den Wohnungsmangel uſw. vor
Augen und gab Anregungen dahin, daß durch den Zuſammenſchluß aller
Intereſſenten erſtrebt werden müſſe, daß Reich und Länder Mittel ſchaf=
fen
, denn gerade hierdurch, durch Siedlung und Heimſtätten, könnte den
Kriegsopfern gebührend geholfen werden. Auch dieſes Referat fand auf=
merkſane
Zuhörer, die warmen Beifall ſpendeten.
Die weiteren Be=
ratungen
galten den eingegangenen Anträgen, Satzungsentwürfen,
Sozialpolitik, Organiſationsfragen u. a. m.
In der Nachmittagsſitzung wurde von verſchiedenen Seiten die zum
Teil erfolgte Mißachtung bei CEin= und Anſtellung von Schwerkriegs=
beſchädigten
innerhalb der Behörden einer ſtarken Kritik unterzogen.
Die Landtagsabgeordneten Delp, Storck und Steinhäuſer
(Offenbach) gaben kurze Erläuterungen über die abgeänderte Fürſorge=
pflichtverordnung
, die ſeitens des Reiches auf die Länder abgewälzt
wurde, und gaben Richtlinien, nie ſich die Organiſation zu verhalten
habe. Herr Oberregierungsrat Linkenheld als Vertreter des Lan=
des
=Arbeits= und Wirtſchaftsamts und zugleich als Vertreter der Haupt=
fürſorgeſtelle
Darmſtadt gab dem Mangel des Geſetzes in bezug auf Ver=
ſorgung
Ausdruck und unterzog das Verhalten einzelner Firmen und die
öffentliche Meinung einer Kritik. Herr Regierungsrat Dr. Schnei=
der
vom Miniſterium des Innern gab kurze Erläuterungen, über die
Handhabung der Einſtellung von Kriegsbeſchädigten, die im Beſitz von
Beamtenſcheinen uſw. ſind und in der Bewerberliſte vorgemerkt waren.
Aus der Diskuſſion wurden Anregungen laut, wie ſich die Organiſation
zu dieſen grundlegenden Fragen einſtellen ſoll. Die vorgelegten
Satzungen fanden einſtimmige Annahme. Die Anträge wurden ange=
nommen
, bzw. dem Gauporſtand als Material überwieſen. Die Wahl
des Vorſtandes ergab Wiederwahl des bewährten Vorſitzenden Sei=
bert
, 2. Vorſitzender Kautzmann, Wiederwahl der Kameraden
Schneider=Gießen und Wagner=Darmſtadt. Als Beiſitzer wur=
den
Kameraden aus allen drei Provinzen gewählt. Die Beſchäftsſtelle
in Mainz ſoll wieder eröffnet und das langjährige Mitglied der Orts=
gruppe
und Funktionär des Bezirks Heſſen zu deren Uebernahme be=
ſtellt
werden. Als nächſter Tagungsort wurde Mainz be=
ſtimmt
. In einer eingehenden Ausſprache gaben die Mitglieder und
Delegierten einmütig die Auffaſſung kund, daß auf der Tagung und
innerhalb der Organiſation Erſprießliches geleiſtet wurde. Der Von=
ſitzende
ſchloß die Tagung mit einem Hoch auf die älteſte und ſtärkſte Or=
ganiſation
der Kriegsbeſchädigten in Heſſen.
In den Dienſt des Abends hatten ſich geſtellt Geſangberein Froh=
ſinn
unter Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Stetefeld, Geſangverein
Männerquartett Beſſungen unter Leitung ſeines Dirigenten. Herrn
Stöchner, Herr Humoriſt Mechler und Mitglieder des Beamtenvereins
ehem. Militärmuſiker, Ortsgruppe Darmſtadt. Herr Wegerich vom
Landestheater war leider verhindert.

Deutſche Einheits=Kurzſchrift. Im Auftrag des Landesamts für
das Bildungsweſen werden am Mittwoch, 29. Oktober, abends 8 Uhr.
im Feſtſaal des Ludwig=Georgs=Gymnaſium (Eingang Karlſtraße) die
Herren Oberſtudiendirektor Pfaff und Regierungsrat Schaible
über die deutſche Einheits=Kurzſchrift ſprechen. Zu dem Vortrag iſt
jedermann eingeladen. Da künftig von allen mit Schreibwerk befaßten
Beamten die Kenntnis der Einheitsſtenographie verlangt werden muß,
ergeht die Einladung beſonders auch an die Behörden und Beamten.
Ebenſo freundlich iſt die Preſſe eingeladen.
Die Reichskurzſchrift. Am 17. Oktober d. J. iſt vom Reich unter
Zuſtimmung ſämtlicher Landesregierungen das amtliche Reichskurzſchrift=
ſyſtem
feſtgeſtellt und beſtätigt worden. Alle Behörden müſſen ſich nun=
mehr
im Dienſt alsbald auf das Einheitsſyſtem umſtellen. Später wird
auch in allen Schulen dieſes Syſtem als Pflichtfach eingeführt. In dem
neuen Einheitsſyſtem iſt das in der Praxis als Beſtes erkannte, vor
allem der beiden großen Shſteme Gabelsberger und Stolze=Schrey, ver=
einigt
. Es iſt vor allem eine größere Schveibflüchtigkeit erreicht worden,
die bei der Redeſchrift, die eben von einer Sachverſtändigenkommiſſion
ausgearbeitet wird, von beſonderer Bedeutung iſt. Auch der Privatwirt=
ſchaft
bringt es den Vorteil, daß künftig die Verwendung der Kurzſchrift
im Betrieb noch viel weiter ausgedehnt werden kann, da alles ſteno=
graphiſch
Feſtgehaltene von jedem Kundigen geleſen werden kann, was
heute bei Anwendung verſchiedener Syſteme unmöglich iſt. Der Nutzen
des Einheitsſyſtems wird ſich alſo in allen Zweigen, in denen Steno=
graphie
benutzt oder jetzt erſt eingeführt werden wird, ſehr ſpürbar wahr=
nehmen
laſſen. Es iſt deshalb ſehr zu begrüßen, daß jetzt die Steno=
graphievereinigung
Gabelsberger Darmſtadt, Eliſabethenſtraße 52, den
erſten Kurſus in der Einheitskurzſchrift am Donnerstag, den 30. Okto=
ber
, und Montag, den 3. November, beginnt. Allen Intereſſenten. An=
geſtellten
und Vorgeſetzten kann nur des Beſuch des Kurſes, zu dem
auch Anmeldungen noch in den erſten Stunden entgegengenommen wer=
den
, empfohlen werden.
Herabgeſetzte Tarife für Gas, Wafſer und Elektrizität wurden in
den Sitzungen der Aufſichtsräte der Berliner ſtädtiſchen Gas=
Waſſer= und Elektrizitätswerke A.G. beſchloſſen. Der Strompreis
wurde unter Beibehaltung der Grundgebühr von 18 Pfg. auf 16 Pfg.
für die Kilowattſtunde ermäßigt. Der Waſſerpreis wurde von
19 auf 17 Pfg. herabgeſetzt. Bei den Gaswerken wurde die Ge=
bühr
von 19 auf 16 Pfg. ermäßigt, und Konſumenten mit erheblichem
Verbrauch ein beſonderer Nabatt zugebilligt. Ferner wurde ein nach
Größe des Gasmeſſers geſtaffelter Mietſatz, ähnlich, wie er vor der In=
flation
beſtanden beſchloſſen. Die durch die Herabſetzung der geſamten
Werktarife der Bevölkerung erwachſene Erſparnis wird auf mindeſtens
8 Millionen Mk. pro Jahr veranſchlagt. Alles geſchah in der Abſicht,
die allgemeine Abbauaktion der Regierung auch von ſeiten der ſtädtiſchen
Betkliebe nach Kräften zu unterſtützen.

Orpheum.
Die Gaſtſpielzeit der Kölner Luſtſpiele unter der Direktion der
Herren Carl Schmitz und Joſef Weißweiler, die den Darm=
ſtädtern
die Kenntnis ſo manchen gefälligen und netten Luſtſpieles ver=
mittelte
, neigt ſich allmählich ihrem Ende zu. Der Schſvank in 3 Akten
Und ſie betrügt mich doch von Ludwig Gabit feſſelte die
Zuſchauer vom erſten Augenblick an. Die wirklich vorzügliche Darſtel=
lung
und das ſchmiſſige Spiel hätten allerdings einen noch beſſeren
Beſuch verdient. Das Stück bietet Herrn
r Bombenrolle
5ch.

nachufft ein eichich Gelegeſiet, uaden e delhlitet eleite.
Komik abzulegen. Aber ſie betrügt ihn wirklich und wahrhaftig nicht,
und der überſchlaue Herr und Gebieter wird in ſeinem eigenen Netz
gefangen, daß er nur ſo zappelt! Wohnungsamt und Irrenarzt, Ge=
richtsvollzieherin
und Filmdiva, alles tüchtig durcheiniander gerührt
und mit einem tüchtigen Schuß Pikanterie übergoſſen, hielt die Zuſchaues
in luſtiger Spannung bis zum Ende. Den Höhepunkt erreichte die aus=
gelaſſene
Stimmung auf der Bühne und im Zuſchauerraum am Schluß
des zweiten Aktes, als Joſef Weißweiler, der den Gerichtsvollzieher
mit unnachahmlicher Komik gab, den Fabrikanten Ciermann höchſt per=
ſönlich
pfändete und ſo wenigſtens vorläufig vor den liebenden Armen
der Gattin und der Freundin rettete. Martha Karl war die un=
getreue
und doch treue Gattin und markierte, ganz charmant. Bille
Weißweiler, gab eine temperamentvolle und raſſige Filmſchauſpie=
lerin
. Adele Weißweiler und Georg Jackmann ſtellten ein
feſches junges Liebespaar auf die Bühne, das ſich nach Ueberwindung
mancher Fährlichkeiten endlich kriegte. Helene Deter als tüchtige,
geſprächige Zimmervermieterin Witwve Pumpernickel, Herr Sommer
als gewalttätiger Erſatzmieter und die übrigen Mitwirkenden fügten ſich
dem Geſamtſpiel geſchickt ein. Das Programmheft zeigte ſich in neuem
ſchmucken Gewande in handlichem, kleinem Format mit buntem, moder=
nem
Titeldruck. Das kleine, aber gut beſetzte Orcheſter ſpielte unter
Obermuſikmeiſter Mickleys zielſicherer Leitung ſchwungvoll in den
Zwiſchenakten. Lebhafter Beifall lohnte die Darſteller für die heiteren
H.W.W.
Stunden, die ſie mit ihrer fröhlichen Kunſt bereiteten,

Beim Verſorgungsamt findet die Auszahlung der Pen=
ſionen
(nicht Kriegsbeſchädigtenrenten) am Mittwoch, den 29. 10.,
von 10 Uhr vormittags bis 12½ Uhr nachmittags und von 3 bis 5 Uhr
nachmittags ſtatt. Die am Donnerstag, den 30. Okt., nicht abgeholten
Perſionen werden am Freitag, den 31. Okt koſtenpflichtig zugeſandt.
Einreichung der Goldbilanzen und Zuventare für Steuerzwecke.
Mit dem 30. September 1924 iſt für die Mehrheit der Steuerpflichtigen,
die zur Führung von Handelsbüchern verpflichtet ſind, die Friſt zur=
Einreichung der handelsrechtlichen Goldmark=Eröffnungsbilanz oder
einer unter beſtimmten Vorausſetzungen an deren Stelle tretende Ver=
mögensaufſtellung
nach Art und Menge (Inventar) beim Finanzamt
abgelaufen. Nur Aktiengeſellſchaften, Kommanditgeſellſchaften auf Aktien,
Geſellſchaften mit beſchränkter Haftung und Verſicherungsvereine auf
Gegenſeitigkeit brauchen, ſofern ihr Geſchäftsjahr mit dem Kalenderjahr
übereinſtimmt, die bezeichneten Unterlagen erſt bis zum 30. November
1924 dem Finanzamt vorzulegen. Mit Rückſicht auf die Schwierigkeit
der Bilanzaufſtellung und die Unklarheit, die in den beteiligten Kreiſen
über die geltenden Einreichungsfriſten vielfach beſtanden hat, ſind die
Finanzämter durch einen Erlaß des Reichsminiſters der Finanzen an=
gewieſen
worden, von der Verhängung von Ordnungsſtrafen, wegen
Nichteinhaltung der Friſt, ſowie von der Erzwingung der Einreichung
durch Auflegung von Geldſtrafen zunächſt abzuſehen. Es empfiehlt ſich
jedoch für jeden Steuerpflichtigen, der bis zum 30. September d. Js.
ſeine Goldbilanz oder ein Inbentar dem Finanzamt noch nicht einge=
reicht
hat, obwohl er hierzu verpflichtet war beim Finanzamt einen
Antrag auf Verlängerung der Einreichungsfriſt zu ſtellen. Die Finanz=
ämter
ſind ermächtigt, derartigen Anträgen ſtattzugeben; in der Regell
wird das Finanzamt Friſtverlängerung bis ſpäteſtens 30. Nob. 1994
gewähren; in beſonders begründeten Ausnahmefällen iſt auch eine Er=
ſtreckung
der Friſt bis zum 31. Dezember 1924 möglich.
Zu dem Bericht über das 50jährige Jubiläum des Evangeliſchen
Kirchengeſangvereins iſt noch nachzutragen, daß Profeſſor D A. Mendels=
ſohn
dem Verein zu ſeinem Jubiläum eine Oſter=Motette gewid=
met
hat, und daß von der Zentralſtelle zur Förderung der Volksbildung
und Jugendpflege in Heſſen ein ſehr warm, gehaltenes Glückwunſch=
ſchreiben
eingelaufen war. Ein Familienabend der Chormitglieder und
ihrer Gäſte am Abend des Feſttages im Saale des Gemeindehauſes bei
wundervollen muſikaliſchen Darbietungen und Anſprachen ſchloß den
Feſtag würdig ab.
Vom Mieterverein wird uns geſchrieben: Wir machen unſere Mit=
glieder
ſchon jetzt darauf aufmerkſam, daß durch den Wegfall der Kreis=
umlage
, die bisher 6 Prozent betrug, die ſtädtiſche Grund=Sonderſteuer
ſich entſprechend ermäßigt und für die zweite Hälfte des Steuerjahres
19924 genau dem Betrage der ſtaatlichen Sonderſteuer entſpricht. Es
liegt ferner Veranlaſſung vor, die Mieter darauf hinzuweiſen, daß Fälle
vorgekommen ſind, in denen Vermieter die Sonderſteuer erſt im Auguſt
des Jahres angefordert und hierbei Verzugszinſen verlangten. Wir
empfehlen, in ſolchen Fällen die Verzugszinſen nicht zu zahlen. Auch
über die Berechnung des Waſſergeldes herrſcht vielfach Unklarheit. Wir
erſuchen deshalb wiederholt, in allen Fällen unſere Auskuftsſtelle,
Stiftſtraße 51, in welcher jeden Mittwoch abend von 68 Uhr
Auskunft durch einen Juriſten erteilt wird, in Anſpruch zu nehmen.
Die geringen Unfallrenten. Kürzlich haben wir aus berufener
Feder beachtliche Ausführungen über dieſen Gegenſtand gebracht. Wir
ſind heute in der Lage, das Nachſtehende anzufügen: Die Baheriſche
Volkspartei hat in einer Anfrage im Landtag auf die lächerlich gerin=
gen
Unfallrenten hingewieſen, die zum Teil für ein Vierteljahr
nur 1 Mk. betragen. Das bayeriſche Sozialminiſterium führt dieſen
Mißſtand darauf zurück, daß die Unfallrente nach der Reichsverſicherungs=
erdnung
nach dem Jahresarbeitsverdienſt berechnet wird, das der Ver=
letzte
während des letzten Jahres vor dem Unfall im Betriebe bezogen
hat. Es ſei klar, daß mit dem Fortſchreiten der Geldentwertung die
hiernach feſtgeſetzten Renten um ſo mehr entwertet wurden, je länger
der Unfall zurückliege. Es ſei jedoch ein Geſetzentwurf in Vorbereitung,
nach dem unter Beſeitigung des Zulagenſyſtems die landwirtſchaftlichen
Renten wieder auf Goldbaſis geſtellt werden ſollen. Damit würden
auch die letzten Härten verſchwinden, die ſich zurzeit für landwirtſchaft=
liche
Unternehmer aus der jetzigen Regelung noch ergeben können. Be=
züglich
der kritiſierten Höhe der Beiträge weiſt das Miniſterium darauf
hin, daß in der Inflationszeit die Beiträge, bis ſie zur Einhebung
kamen, entwertet worden ſeien. Die im Jahre 1924 eingehobenen Sum=
men
müſſen auch den Bedarf für 1993 decken.
Waſchmaſchine und Gasbügeleiſen. Am kommenden Freitag, den
31. Oktober, nachmittags von 3 Uhr ab, findet in den Näumen der
Städtiſchen Gasausſtellung, Ecke Eliſabethen= und Grafenſtraße, eine
praktiſche Vorführung von gasbeheizten Waſchmaſchinen und Gasbügel=
eiſen
ſtatt. Größte Sauberkeit und Sicherheit, größte Schnelligkeit und
dadurch bedingte Sparſamkeit zeichnen dieſes neuzeitliche Gas=Waſch=
und =Bügelverfahren aus. Unter Aufwendung verhältnismäßig ge=
ringer
Mehrkoſten werden den nicht mit Unrecht gefürchteten Waſchtagen
die unangnehmen Seiten ſchnell genommen. Es liegt deshalb nur im
Intereſſe aller Hausfrauen, die Vorführung zu beſuchen. (S. Anzeige.)
* Einbrecher=Akrobatenkunſtſtücke. Aus der verſchloſſenen Dachkammer
der ſtudentiſchen Wirtſchaftshilfe wurden eine graugrüne Jagdjoppe, eine
Jagdſtrickweſte und eine Windjacke geſtohlen. Der Dieb hat die Türe mit
dem neben der Türe verwahrten Schlüſſel geöffnet und ſich von innen
eingeſchloſſen, der Beſitzer, der zur fraglichen Zeit, von 78 Uhr abends,
in der Kammer zu tun hatte
te, fand die Türe verſchloſſen, holte Werkzeug
und öffnete gewaltſam. Der Dieb hatte inzwiſchen eine Waſchleine am
Fenſter befeſtigt und ſich daran in den Hof der Ballonſchule aus 16 Meter
Höhe herabgelaſſen. Er entkam. Sachdienliche Mitteilungen erbitet die
Kriminglpolizei, Zimmer 5.
Geſellſchaftsabend des L. B. D. und Modeſchau. Unſerem geſtri=
gen
Bericht iſt nachzutragen: Die ausgezeichneten Beleuchtungseffekte
bei beiden Vorführungen im Saalbau wurden durch die Firma Sall=
weh
u. Co., Grafenſtraße, erzielt.

VWTenn Sie eine Seife für Ihr Gesicht und Ihre Hände also eine Tolletteseife gebrauchen, dann
Wbedenken Sie bitte, daß man gute Seifen aus giten Materielien und schlechte Seifen aus schlechten
Materialien macht. Schlechte Materialien sind billig, gute Materialien sind teuer, RAF-Seife wird
aus feinsten Fetten und Hühnerei hergestellt. Wenn Sie Ihr Gesicht, Ihre Hände, Ihren Körper

mit Seife nicht nur reinigen, sondern pFlegen wollen,

dann wählen

Sie RAF-Seife.

Nicht auf den Preis, sondern auf die Zusammensetzung des Fabrikates kommt es an.
Die raffinierte Zusammensetzung und die Herstellung der Ray-Seife sind ein Geheimnis.

3

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Nummer 300.

Ein Jahr deutſcher Rundfunk.
Zum Geburtstag am 29, Oktober.
Seit einem Jahre nun liegt das Wunder der drahtloſen Unterhal=
tung
in unſeren Händen, tagtäglich können wir ſeinen Dienſt in Anſpruch
ehmen und immer wieder überraſcht uns dieſe Tatſache. Es war am
29. Oktober 1923, als zum erſten Male die Oeffentlichkeit mit der Rund=
funkunterhaltung
bekannt gemacht wurde. Die Stadt Berlin hatte den
Vorzug vor dem ganzen Reiche, denn hier hatte die Reichspoſtbehörde im
Vox=Hauſe in der Potsdamer Straße einen Sender für den Rundfunk
rbauen laſſen. Staatsſekretär Bredow hatte aus Studien im Aus=
lande
erkannt, daß auch für die deutſche Bevölkerung die Zeit gekommen
war, ihr die Rundfunkunterhaltung zugänglich zu machen. Nach zahl=
loſen
und koſtſpieligen Verſuchen in gemeinſamer Arbeit mit namhaften
Männern der Technik konnte man am 29. Oktober wohl gerüſtet vor die
Zuhörer treten. Das Eröffnungsprogramm für dieſen Tag hatte ein
kleines Format und war auch nur für das Zeitmaß einer Stunde es
war abends von 8 bis 9 Uhr zuſammengeſetzt. Auf Welle 400 lie
das Konzertprogramm, das 12 Nummern umfaßte, zu den Lauſchenden.
Um aus dem Geburtstagsprogramm ein paar Namen zu nennen, ſeien
erwähnt Adolf Lieban, Rudolf Deman, Otto Urack u. a. mehr; als Spre=
cher
fungierte der jetzige Direktor Knöpfke. Aber ſchon dieſer beſcheidene
Anfang zeigte, was für eine große Entwicklungsmöglichkeit hier verbor=
gen
lag. Nur ein paar Wochen behalf man ſich mit beſcheidenen Darbie=
tungen
, dann aber ging es mit Rieſenſchritten an den Ausbau der Tech=
nik
und der Propaganda. Schon der Januar 1924 brachte die Einfüh=
rung
des für zahlloſe Hörer ſo wichtigen Zeitſignals, ja man verſtieg ſich
ſogar zur Uebertragung der Operette Frasquita, räumte indeſſen auf
der anderen Seite dem ernſten und belehrenden Vortrag einen breiten
Platz ein. Miniſter damaliger Zeit, wie Stegerwald, Severing u. a.
namhafte Politiker erſchienen bereits am Mikrophon. Dann ging es aber
weiter bergauf, die Wiſſenſchaften aller Art meldeten ſich, denn ſie hatten
erkannt, daß von dieſer Plattform aus wirkungsvoll geſprochen werden
konnte. Inzwiſchen war man aber auch außerhalb der Sendefrage nicht
untätig geblieben, im Februar wurde das Funkkartell gegründet und
twas ſpäter erſchien der Verband der Reichsinduſtrie auf dem Plane.
Beide Gründungen waren zu begrüßen, denn nun zog man gemeinſame
Vege die für die Popularität der Rundfunkunterhaltung wirken ſollten.
Der Monat März brachte die Leipziger Sondermeſſe der Radioinduſtrie
und hiermit verbunden waren die erſten wohlgelungenen Verſuche, den
tundfunk auch hoch in den Lüften im Flugzeuge hören zu können. Das
Programm der Berliner Sendegeſellſchaft hatte inzwiſchen wieder eine
rweiterung erfahren, man brachte Sonderveranſtaltungen heraus, bei
denen u. a. die Namen Kirchhoff. Clewing, Kandl, van Endert prangten.
Solche Tage erfreuten ſich ganz beſonderer Gunſt im Kreiſe der Zuhörer.
Der Monat April verdient beſondere Beachtung, denn zum erſten Male
wurde durch Rundfunk eine zuverläſſige Verbreitung der Reſultate der
Reichstagswahlen erzielt. Aber noch immer vermochte man den Kreis der
Zuhörer nicht erweitern zu können, da die Lizenzgebühr allzu hoch lag.
In dieſe mißliche Situation griff Staatsſekretär Bredow verſtändnisvoll
in, denn die erſten Maitage brachten die Ermäßigung auf den Jahres=
ſatz
von 24 Mark. Jetzt kam neues Leben in die zeitliche Stoppung, die
Zahl der Hörer ſchnellte rapide in die Höhe und mit den eingehenden
Geldmitteln konnten neue Wege im Programm beſchritten werden. Die
Sommerzeit ließ man gern verſtreichen, aber der Anfang September lie
die Aufnahme des ſogenannten Wirtſchaftsdienſtes zu. Zu gleicher Zeit
tauchten auch die erſten Ideen für das Zuſtandekommen der deutſchen
Radioausſtellung auf, und, wie bekannt, wird dieſes Werk im Dezember
der Oeffentlichkeit übergeben werden. Der jetzige Monat Oktober war
wiederum ſehr reich in der Ausgeſtaltung des Programms. Die Sende=
ſpiele
wurden zum erſten Male mit großem Erfolge geboten, man rich=
tete
den Hochſchuldienſt ein und ſchließlich werden binnen kurzem die
ſonntäglichen Morgenfeiern ihren Anfang nehmen. Vergeſſen darf nicht
werden, daß auch die Polizeibehörden den Nutzen des Rundfunks erkannt
haben und ſich dieſer Einrichtungen ſchon ſeit vielen Wochen mit achtbaren
Erfolgen bedienen. Auch der Reklame iſt ein Platz eingeräumt worden,
ohne jedoch die Hörer beſonders ſtark in Anſpruch zu nehmen. Was nun
im Laufe des vergangenen Jahres in Berlin, geſchehen iſt, iſt in
chronologiſcher Folge auch in zehn anderen deutſchen Städten unternom=
men
worden, die gleichfalls über eine Sendeſtation verfügen. Man hat
die Verteilung der einzelnen Stationen ſo vorgenommen, daß jeweils
auch mit einfachen Hörapparaten eine klare Wahrnehmung des Gebote=
nen
möglich iſt, und wenn auch in den erſten Tagen der Rundfunkunter=
haltung
viele berechtigte Klagen laut wurden, ſo ſind die Beſchwerden
faſt völlig verſchwunden. Der Geburtstag der deutſchen Rundfunkunter=
haltung
wird von allen Sendeſtationen in würdiger Weiſe gefeiert wer=
den
, und es bleibt zu hoffen, daß das kommende Jahr weitere techniſche
Fortſchritte und einen recht ſtarken Zuſtrom an Hörern bringen möchte.
Lokale Veranſkaltungen.
Die blerunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritlk.
ReligiöſeVorträge. In den nächſten Wochen werden hier
Vorträge veranſtaltet von einer Bewegung, die eine kultiſche Erneuerung
des Chriſtentumes auf überkonfeſſioneller Grundlage anſtrebt und ſich
Chriſtengemeinſchaft nennt. Unter ihren führenden Per=
ſönlichkeiten
iſt wohl am bekannteſten der ehemalige Berliner evangeliſche
Pfarrer Lic. Dr. Friedrich Rittelmeyer. Die hieſigen Vorträge werden ge=
halten
von dem Leiter der Gemeinde Frankfurt a. M., Dr. Alfred Heiden=
reich
. Themen: Gegenwartsſchickſal und Sakrament: Die Myſterien der
Geburt und des Todes; Kultus und kultiſcher Lebensſtil. (Näheres ſiehe
Inſerat.)

Wichtiges Gerichtsurteil über Offizierspenſionen. Eine für viele
penſionierte ehemalige aktive Offiziere und deren Hinterbliebene ſehr
bedeutſame Entſcheidung hat der Große Senat des Reichsverſorgungs=
Gerichts getroffen. Ein am 9. 4. 20 verabſchiedeter Offizier, war als
Oberſt penſioniert worden. Er legte gegen den Penſionsbeſcheid Be=
ufung
beim Verſorgungsgericht ein und beanſpruchte die Penſion eines
Generalmajors, weil er im Kriege Brigade=Kommandeur geweſen war
und ihm auf Grund der Beſtimmungen des Offizier=Penſionsgeſetzes die
Penſion eines Generalmajors zuſtehe. Dieſe Penſion wurde ihm vom
Verſorgungsgericht auch zugeſprochen. Der Fiskus legte gegen dieſes
Urteil Rekurs ein. Da im vorliegenden Falle, in dem der Deutſche
Offizierbund die Vertretung des Penſionärs übernommen hatte, der
Senat des Reichsverſorgungsgerichts, der über den Rekurs zu entſchei=
den
hatte, zu einer anderen Auffaſſung gelangte, als früher andere
Senate in gleichgearteten Fällen, mußte die Entſcheidung des Großen
Senates angerufen werden. Dieſer hat den Rekurs des Fiskus zurück=
gewieſen
und damit die grundſätzliche Frage, ob die Penſion vom 1. 4. 20
ab lediglich nach dem Dienſtgrad oder auch unter Berückſichtigung einer
rüheren innegehabten höheren Dienſtſtelle zu bemeſſen iſt, in letzterem
Sinne entſchieden. Er hat ferner damit zum Ausdruck gebracht, daß die
7. Ergänzung des Beſoldungsgeſetzes, die in ihrem Artikel 8 die Berück=
ichtigung
der höheren Dienſtſtelle mit Wirkung vom 1. 10. 22. ab auf=
gehoben
hatte, rechtsunwirkſam iſt, ſoweit ſie wohlerworbene Rechte der
Offiziere verletzt. Es bleibt nun abzuwarten, ob der Fiskus jetzt die
allgemeine Bedeutung der vorliegenden Entſcheidung anerkannt und in
großzügiger Weiſe von Amtswegen die Umpenſionierung aller in Frage
kommenden Offizieren anordnet oder ob er durch erneute Einwände und
Hervorſuchen von Schwierigkeiten, die ſich angeblich bei der Durchfüh=
rung
einer ſolchen Umpenſionierung ergeben würden, die genannte Ent=
ſcheidung
unwirkſam zu machen verſucht und dadurch in dieſer Frage
weiterhin in gleicher Weiſe wohlerworbene Rechte der ehemaligen Offi
ziere verletzt, wie er es bisher getan hat und in der Srage der Kriegs=
verſorgung
ebenfalls tut. Bei eintretenden Schwierigkeiten wird den
Penſionären empfohlen, ſich an den Deutſchen Offizierbund zu wenden.
O
Heute abend Saalbau 8 Uhr
Gefahren der Berge‟
Sprengung der Starkenburg.

Morgen und übermorgen nochmals
Hottentot‟

(14162

Verlegung des Oktober=Marktes in Frankfurt a. M. Wie uns
mitgeteilt wird, findet der nächſte Pferdemarkt in Frankfurt nicht
am N., ſondern am 30. Oktober ſtatt. Es wird gebeten, dies ge=
fälligſt
beachten zu wollen.
Einteilung des Staatsgebietes in Forſtverwaltungsbezirke. Die
gemäß Artikel 1 des Forſtverwaltungsgeſetzes vom 16. November 192
erfolgte Einteilung iſt am 1. Oktober in Kraft getreten. Das Nähere iſt
aus dem Regierungsblatt Nr. 23 vom 24. Oktober zu erſehen.
Bezirksſchöffengericht. Kaufmann Friedrich Lampert von Elms=
hauſen
hat ſich wegen Unterſchlägung zu verantworten. Der am
14. Auguſt 1897 in Elmshauſen geborene verheiratete Angeklagte be=
findet
ſich nach Selbſtſtellung in Unterſuchungshaft ſeit 3. Oktober 1924.
Er lernte erſt das Steihauergeſchäft und kam dann als Techniker und
Kaufmann in das Büro der Firma Daſſel in Schönberg. Von Mitte
Januar bis Juli 1924 hat er als Angeſtellter der Firma ihm anver=
traute
Geldbeträge (Lohngelder) im Geſamtbetrage von 700 Goldmark
in fortgeſetzter Tathandlung unterſchlagen. Er will in ſchlechte. Ge=
ellſchaft
geraten ſein, die ihn zu Trinkereien verführte. Der Angeklagte,
der echte Reue zeigt, hatz die Schadensſumme mittlerweile gedeckt.
Der Staatsanwalt würdigt die Sachlage und beantragt eine Geldſtrafe
von 200 Mark, die durch die erlittene Unterſuchungshaft als gezahlt an=
zuſehen
wäre. Das Urteil lautet dem Antxag entſpre=
chend
. Es wird anerkannt und iſt rechtskräftig.

Nach 2 ½/ajähriger Pause
ab 1. Movember
wieder Harieté

Im

(14163

ORPHewI

* Schwurgericht.

Als zweite Sache der Tagung wird die Anklage gegen Joh. Ruh,
Fabrikarbeiter in Wies=Oppenheim wegen Totſchlagsverſuchs verhandelt.
Es ſind ſechs Zeugen und ein Sachverſtändiger geladen. Die Staats=
anwaltſchaft
vertritt Staatsanwalt Langenbach, die Verteidigung führt
Rechtsanwalt Neuſchäffer.
Ruh iſt angeklagt: 1, eine fremde bewegliche Sache, ein der Elſe
Dofflein in Darmſtadt gehöriges Fahrrad, in der Abſicht rechtswidriger
Zueignung weggenommen zu haben, wobei Angeſchuldigter bei Be=
ſehung
der Tat Waffen bei ſich führte; 2. um ſich bei Unternehmung
dieſer ſtrafbaren Handlung der Ergreifung auf friſcher Tat zu entziehen,
den Entſchluß, vorſätzlich einen Menſchen, den Gewerberat Specht, zu
töten, durch Handlungen, die einen Anfang der Ausführung des Ver=
brechens
enthalten, betätigt zu haben, indem er bei der nach der Tat
jegen ihn einſetzenden Verfolgung gegen Gewerberat Specht den ge=
ladenen
Revolver abdrückte; 3. andere mit der Begehung eines Ver=
brechens
, nämlich des Totſchießens, bedroht zu haben, indem er den ihn
verfolgenden Zeugen Kaufmann Kübler und Fuhrmann Buchwald den
geladenen Revolver entgegenhielt.
Die Taten ſind in Darmſtadt am 14. Juli 1924 vormittags verübt.
Der Angeklagte iſt ſeit 15. Juli 1924 in Unterſuchungshaft. Der Zeugin
Pianiſtin Elſe Dofflein wurde am 14. Juli aus dem Hauſe Waldſtr. 51
von Ruh ein Fahrrad geſtohlen, während ſie in der Nähe mit Gewerbe=
rat
Specht ein kurzes Geſpräch führte. Der Diebſtahl wurde von beiden
ofort gemerkt und ſetzten ſie dem Täter ſofort nach, um ihm das Fahr=
ead
wieder abzunehmen. Um ſich der Ergreifung zu entziehen, machte
Ruh von der mitgeführten Schußwaffe Gebrauch und ſchoß nach dem
Zeugen Specht. Specht hat ganz deutlich das Abknipſen des Revolvers
jehört und damals die Empfindung gehabt, daß Ruh ihn zweifellos zu=
ſammengeſchoſſen
hätte, wenn die Schußwaffe nicht verſagt hätte. Wie
Zeuge Specht nach der Feſtnahme des Ruh feſtgeſtellt hat, war der
Revolver ſcharf geladen. Im Verlauf der einſetzenden Verfolgung ſuchte
gleichfalls Kaufmann Wilh. Kübler, der gerade die Waldſtraße paſſierte,
auf den Lärm aufmerkſam gemacht, ſich dem Ruh entgegenzuſtellen.
Er ließ ihn jedoch laufen, da Ruh auch gegen ihn die Schußwaffe richtete.
Auch Zeuge Fuhrmann Buchwald hat ſich an der Verfolgung beteiligt.
Polizei=Wachtmeiſter Buſch hat den Ruh dann in der Landgraf=
Philipp=Anlage feſtgenommen. Der Angeklagte gibt an, er habe am
fraglichen Tage nach Alzey von Worms aus fahren wollen; er iſt aber
ſtatt nach Alzey hierher gefahren. Den Revolver hat Ruh in Worms
gekauft. Auf alle Vorgänge in Darmſtadt will er ſich nicht mehr er=
innern
können. Dem Zeugen Specht iſt bei der ganzen Sache die ver=
blüffende
, ja die unheimliche Ruhe des Angeklagten aufgefalle:. In
einer Ledermappe, die Ruh mit ſich führte, war ein Meiſel enthalten.
Der Sachverſtändige Amtsarzt Vix teilt mit, daß Ruh, nachdem
er einen Starkſtromunfall erlitten, in der Anſtalt in Alzey untergebracht
war zur Begutachtung. Ein Jahr ſpäter meldete ſich Ruh ſelbſt wieder
zur Aufnahme. In der Haft hat er ſpäter einen wohl nicht ernſt
zu nehmenden Selbſtmordverſuch gemacht. Die Begutachtung, die
damals ſtattfand, bezeichnet Ruh als Pſychopathen, auf den aber 8 51
R. St. G. keine Anwendung leide. Als Fabrikarbeiter hat Ruh die Stel=
lung
viel gewechſelt. Im Kriege iſt Ruh mehrmals eingezogen ge=
weſen
, aber bald wieder entlaſſen worden. Nach Anſicht des Sachver=
ſtändigen
iſt die Entlaſſung wegen Dienſtuntauglichkeit erfolgt. Auch
nach Friedensſchluß hat Ruh nicht eigentlich gearbeitet. Ruh ſteht unter
Wahn= und Verfolgungsideen, die aber nicht als echt erſcheinen; er wird
nicht beherrſcht von ihnen. Eine pſychopathiſche Veranlagung des Ruh
iſt feſtzuſtellen; er iſt aber in ſtrafrechtlicher Hinſicht für ſeine Hand=
lungen
verantwortlich.
Der Staatsanwalt hält zunächſt den bewaffneten Fahrraddiebſtahl
für voll erwieſen, ebenſo auch, daß Ruh, um ſich des Verfolgers Specht
zu entledigen, den Revolver auf ihn gerichtet habe, in deſſen Lauf ſich
ine Patrone ſchußfertig befand; nicht habe Ruh nur die Abſicht gehabt,
den Zeugen Specht zu bedrohen, er habe die Abſicht gehabt, den Zeugen
Specht über den Haufen zu ſchießen; nur die Patrone habe dabei
verſagt. Dieſer Tötungswillen wird auch durch das nachherige Verhalten
den anderen beiden Verfolgern gegenüber (Buchwald und Kübler) be=
ſtätigt
. Dieſen letzteren gegenüber komme nur eine Bedrohung mit
dem Verbrechen der Tötung in Frage. Der Staatsanwalt beantragt
eine Geſamtzuchthausſtrafe von 4 Jahren 3 Monaten und Einziehung
s Revolvers. Anrechnung von Unterſuchungshaft ſtellt er anheim.
Der Verteidiger hält entgegen der Annahme der Staatsanwaltſchaft den
Tatbeſtand des § 214 St. G.B. nicht für gegeben, eher ſei § 252 R. St. G.
anwendbar. So bleibt nach Anſicht der Verteidigung nur Verſuch des
Totſchlags übrig, der untauglich war. Eine ſachverſtändige Unterſuchung
des Revolvers und der Pgtrone habe nicht ſtattgefunden, alſo ſei eine
Klärung nach der techniſchen Seite nicht erfolgt. Auch Specht gegenüber
könne nur wegen Bedrohung auf Strafe erkannt werden. Mildernde
Umſtände ſeien wohl zuzubilligen.
Das Urteil des Gerichts verneinte Anwendung des 8 214 R. St. G.
und nahm nur Bedrohung an. Das Urteil lautet auf eine Geſamtſtrafe
von 2 Jahren 4 Monaten Zuchthaus, ohne Anrechnung der
Unterſuchungshaft.
Verordnung über den Gerichtsſtand in Strafſachen bei den Amts=
gerichten
Langen und Offenbach. Die am 22. Oktober 1923 erlaſſene Ver=
ordnung
tritt am 1. November 1924 außer Kraft. Dieſe Außerkraft=
ſetzung
berührt nicht die in den am 1. November 1924 bei dem Amts=
gericht
oder Schöffengericht Offenbach anhängigen Strafſachen begründete
Zuſtändigkeit.

V
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Rummer 300.

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Seite 7.

Aus Heſſen.
* Die Heſſenflieger in Gießen.
Gießen, 26. Okt. Ein wunderbares Fliegerwetter be=
gunſtigte
den heutigen Gießener Flugtag, ein ungeheurer
Wcenſchenandrang herrſchte vom frühen Morgen bis zum ſpäten
Abend in allen Teilen der Stadt und beſonders um den Flugplatz
dienner ſolchen Maſſenandrangs ſchätzten die Zahl der Menſchen, die ſich
um den Flugylatz als zahlende Beſucher und in einiger Entfernung
als Zaungäſte eingefunden hatten, auf 15 000 bis 25 000. Selbſt auf
Gebäuden und Dächern ſaßen Zuſchauer, ſo z. B. auf den hochgelegenen
neuen Kaſernen. Der Flugplatz auf den Wieſen hinter dem Gerichte
war nach den Ausſagen der Heſſenflieger ein außerordentlich günſtiger
nach Beſchaffenheit und Lage. Nur dem Junker=Paſſagierflugzeugführer
Lieb war angeblich der Boden auf den Wieſen etwas zu weich, ſodaß die
Paſſagierflüge unterbleiben mußten, was im Publikum lebhaft bedau=
ert
wurde, zumal zahlreiche Anmeldungen für Rundflüge gemeldet
waren. Um ſo aufmerkſamer wendete ſich die Schauluſt den Kleinflug=
zeugen
zu. Die Heſſenflieger ſollten nach dem Programm eigentlich
geſtern nachmittag eintreffen, aber der Regen am Samstag verhinderte
ihren Abflug und heute früh war der Nebel hinderlich, ſodaß Heck auf
D 477 heute früh 9 Uhr landete, Schäble, der notlanden mußte, um
Sie
11 Uhr und Katzenſtein erſt um 3 Uhr heute nachmittag eintraf.
wurden von der begeiſterten Menſchenmenge lebhaft begrüßt. Der heu=
tige
Vormittag war der Beſichtigung der Flugzeuge unter fachmänniſcher
Leitung gewidmet. Um 1 Uhr begannen die Flüge auf den Dietrich=
Gobiet=Sportflugzeugen, ausgeführt von dem Gewinner des Reichs=
präſidentenpreiſes
Heck, dem Gewinner des Höhenfluges beim Deutſchen
Luftwettbewerb Katzenſtein und dem Flieger Schäble. Die Kunſt= und
Schauflüge, die bis zur Dämmerung andauerten, zeigten die Piloten in
ihrem ganzen Können und ein dankbares Publikum ſpendete lebhaften
Beifall, der ſich zur Begeiſterung ſteigerte, als die Loopings und Sturz
flüge, das ſchraubenförmige Trudeln von den Flugkünſtlern ausgeführt
wurde. Katzenſtein machte ſich zuweilen einen Spaß daraus, plötzlich aus
ziemlicher Höhe niederzugehen um anſcheinend zu landen , dann
aber, nur einige Meter über der Menſchenmenge, wieder hochzuſteigen.
Da gabs manchen Schreckensſchrei. Den Höhepunkt der Veranſtaltung
bildete der wohlgelungene Fallſchirmabſprung, den Tuchner aus etwa
600 Meter Höhe mit dem Baegu=Fallſchirm ausführte, leider trieb ihn
der Wind etwas weit ab in der Richtung nach Wieſeck. Tuchner wurde
bei ſeinem Eintreffen lebhaft begrüßt. Von den vielen Flugluſtigen
kamen nur Wenige auf ihre Rechnung, die in den Sportflugzeugen den
Aufſtieg in die Luft wagten. Unter dieſen befand ſich als erſte Gießener
Dame Frau Weißbindermeiſter Löber. Die Sportleitung lag in den
bewährten Händen des Herrn Emil Schwarz=Darmſtadt, der durch die
Startmannſchaften aus Darmſtadt lebhaft unterſtützt wurde. Es war
eine wunderbare Leiſtung, welche die Heſſenflieger hier in Gießen ab=
legten
Lebhafte Anerkennung gebührt auch den Herren vom Gießener
Verkehrsverein und Luftfahrtverein, welche das Ganze vorzüglich organi
ſiert hatten, ſodaß die Darmſtädter Herren ihre volle Anerkennung aus=
ſprachen
. Erſt mit einbrechender Dunkelheit leerte ſich der Flugplatz,
eine wahre Völkerwanderung ergoß ſich in und durch die Stadt. Di
Gaſthäuſer waren überfüllt. Am Bahnhof herrſchte ein ſolcher Andrang
daß man ſich wundern muß, wie die Eiſenbahn dieſen Rieſenverkehr mei=
ſtern
konnte. Autos und Krafträder in Menge durcheilten die Stadt.
Am geſtrigen Abend veranſtalteten die beiden Gießener Vereine eine Be
grüßungsfeier. Stadtverordneter Winn bewillkommnete die Heſſenflie
ger, Regierungsrat Merk ſprach namens der Regierung, Bürgermeiſter
Krenzien namens der Stadt, Prof. Dr. König dankte den Fliegern für
ihre Bereitwilligkeit zum Flugtag, Kaufmann Göbel gedachte des Todes
Bölkes, zu deſſen Andenken ſich alle von den Sitzen erhoben. Morgen
beſichtigen die Schulen die Flugzeuge, außerdem finden noch Freiflüge
und Paſſagierflüge ſtatt.
Arheilgen, 27. Okt. Nachdem im inneren Ortsteil das elektriſche
Licht eingeführt wurde, ſollen nun auch zur beſſeren Beleuchtung unſerer
Gemeinde vorläufig die Hauptſtraßen mit elektriſchem Lichte verſehen
werden. Auch wurde in der letzten Gemeinderatsverſammlung auf Ver=
anlaſſung
der ſozialdemokratiſchen Fraktion durch Herrn Beigeordneten
Spengler die Ortsverwaltung beauftragt, mit der heſſiſchen Eiſenbahn=
aktiengeſellſchaft
in Unterhandlung zu treten zwecks Weiterführung der
elektriſchen Bahn bis zu unſerem Orte. Es iſt dies ein unbedingtes Er
fordernis für Arheilgen, da der weitaus größte Teil der hieſigen Arbei=
terſchaft
in der Landeshauptſtadt ſeine Arbeitsſtelle hat, eine große Schar
Schüler beſucht die dortigen Schulen und eine größere Zahl Beamte und
Privatangeſtellte haben dortſelbſt ihre Verwendung. Anlle dieſe Per=
ſonen
würden es mit Freuden begrüßen, wenn dies ſeit drei Jahren
entbehrte Verkehrsmittel wieder in Betrieb genommen würde, natürlich
nun mit elektriſcher Kraft. Ganz beſonders iſt nicht zu vergeſſen, daß es
alten, bzw. kränklichen Leuten eben faſt unmöglich iſt, in Darmſtadt Ge=
ſchäfte
zu beſorgen oder bei Gerichten oder Behörden zu erſcheinen. Die
Unterhandlungen hätten allerdings ſchon früher eingeleitet werden
müſſen; denn der Winter ſteht vor der Tür und die Bauleitung wird ihr
Laſt haben, daß vor Eintritt des Froſtes die Strecke bis zur Chemiſcher
Fabrik Merck vollendet und gefahren werden kann. Gerade für die kom=
mende
naſſe Jahreszeit wäre es unbedingt erforderlich, ein Perſonen=
beförderungsmittel
bis zu unſerer Gemeinde zu beſitzen. Nächſter
Sonntag findet hier Kirchweihe ſtatt, die beſonders von Daxmſtädtern ſo
gern und viel beſucht wurde. Wie wäre da die Elektriſche ſo erwünſcht
zumal bei zweifelhafter Witterung. Die Vorbereitungen für dieſes Lokal
feſt ſind in vollem Gange. Wirte, Bäcker, Metzger und ganz beſonders
anſere Hausfrauen haben alle Hände voll zu tun, um mit den Vorberei=
tungen
fertig zu werden. Für die Jugend, werden Karuſſell, Buden
und Verkaufsſtände aufgebaut und in mehreren Sälen werden gute
Muſikkapellen zum Tanze aufſpielen. Darum auf zur Arheilger Kerb.
Griesheim, 25. Okt. Wie verlautet, iſt damit zu rechnen, daß in
allet Kürze die Verſorgung unſerer Gemeinde mit Elektrizitä=
zur
Verwirklichung kommt. Herr Theuerkauf von der Allgemeinen Gas=
und Elektrizitätsgeſellſchaft in Bremen, welcher bekanntlich das alleinig
Recht der Verſorgung unſerer Gemeinde mit Gas und Elektrizität zu=
ſteht
, hat bei ſeinem letzten Hierſein erklärt, daß er die hierzu nötigen
Pläne ſofort ausarbeiten laſſe, und ſobald dieſelben die miniſterielle Ge=
nehmigung
erhalten haben, ſofort mit der Ausführung derſelben be=
ginnen
werde. Das Ortsnetz ſoll in drei Abſchnitten innerhalb zweier
Jahre gebaut werden. Im erſten Abſchnitt ſoll das Leitungsnetz in den
Straßen gebaut werden, die ſich der Umformerſtation, die ſich bekannt=
lich
im Bürgermeiſtereigebäude befindet, am nächſten liegen. In beſtimm=
ten
Zeiträumen kommen dann der zweite und dritte Abſchnitt zur Aus=
führung
. Als Gegenleiſtung verlangt die Firma die Verlängerung des
beſtehenden Vertrages um 10 Jahre, was vorausſichtlich keinem Wider=
ſpruch
in unſerer Gemeinde begegnet.
* Griesheim, 26. Okt. Auf dem hieſigen Truppenübungsplatz finden
in der kommenden Woche folgende Artillerie=Scharfſchießübungen ſtatt:
Donnerstag, 30. Oktober, vorm. von 812 Uhr, Freitag, 31. Oktober,
vorm. von 812 Uhr und nachm. von 26 Uhr.
2. Pfungſtadt, 26. Okt. Die Waldkartoffelernte wurde
unter die Erwerbslofen zum Selbſternten verteilt. Das Elektri=
zitätswerk
erhält eine Gleichrichter=Anlage, die die Stromſtärke in
Stunden ſtarker und ſchwacher Belaſtung regulieren ſoll.
Zur
Beſetzung zweier Lehrerſtellen hat der Gemeinderat die Lehrer
Winkler und Knoche, ſowie für eine Lehrerinnenſtelle die Schulverwal=
trin
Thierolf vorgeſchlagen.

* Eberſtabt, 26. Okt. Kabelarbeiten. An dem im Sommer ge=
legten
großen Kabelſtrang in der Heidelberger Durchgangs=Chauſſee wer.
den gegenwärtig die Verdichtungs= und Verbindungsarbeiten ausgeführt.
Es wird auch nachts daran gearbeitet.
Ober=Ramſtadt, 25. Okt. Hier hat in letzter Zeit wieder eine
Unſitte überhandgenommen, deren Bekämpfung nicht allein Sache
der Aufſichtsbeamten, ſondern auch aller Ortseinwohner ſein dürfte. Faſt
überall da, wo Feldwege in den Ort einmünden, aber auch in einzelnen
Ortsſtraßen ſelbſt, findet man oft ganz anſehnliche Partien Unrat, wie
Glasſcherben, Küchen= Gartenabfälle und dergleichen. Bilden ſolche Ab
lagerungen an und für ſich, beſonders für Auswärtige, gerade keine
Sehenswürdigkeiten und können ſie in deren Augen das Anſehen eines
Ortes von der Größe Ober=Ramſtadts gewiß nicht heben, ſo werden durch
ſie oft Kanaleinläufe und dergleichen verſtopft, und der Gemeinde und
damit allen Steuerzahlern erwachſen nicht unbeträchtliche Koſten. E=
wäre
angeſichts deſſen wohl an der Zeit, daß alle Einwohner auf der=
artige
unerlaubte Schuttablagerungen, ein Augenmerk richten und der
Ortsbehörde dabei betroffene Perſonen namhaft machen würden, denn
beim Gemeindeſteinbruch iſt eine Schuttabladeſtelle errichtet, die auch mit
kleinen Handwagen gut erreicht werden kann. Der Sportplatz
am Buchwald hat ſich längſt für größere Veranſtaltungen als un
zureichend erwieſen. Die Möglichkeit zur zweckentſprechenden Vergröße=
rung
iſt ſowohl nach dem Buchwaldweg, als auch nach der Bahnlinie zu
gegeben. Die Gemeinde läßt nun dieſe Vergrößerung vornehmen, und
ſollen bekanntlich die erwachſenen Koſten von den intereſſierten Sport=
vereinen
verzinſt und amortiſiert werden.
Die Grundbewe=
gungs
= und Planierarbeiten dürften bis zum Februar näch=
ſten
Jahres beendet ſein, und wird alsdann Ober=Ramſtadt einen allen
Bedürfniſſen Rechnung tragenden und wirklich ſchön gelegenen Sport=
platz
beſitzen.

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d: Groß=Umſtadt, 25. Okt. Der Männergeſangverein Frohſinn=
Lengfeld, der ſchon ſeit Jahren den Ruf als einer der beſtgeſchulten
Männerchöre hieſiger Gegend hat, veranſtaltete hier im Saal Zum
weißen Roß ein Volksliederkonzert, das ihm einen großen künſtleriſchen
Erfolg brachte. Das ſchöne Stimmenmaterial des Vereins kam unter de=
zielſicheren
Leitung ſeines Chormeiſters K. Grim=Darmſtadt, zu vorzüg=
licher
Geltung und es war für die, die den Verein von früher kannten
eine beſondere Freude, ihn hier auf dem Gebiete des ſchlichten Volksliede
zu hören, das von unſeren Männerchören noch viel mehr gepflegt werden
ſollte. Durch einige Baßlieder, vorgetragen von einem jungen Darm
ſtädter Sänger, Herrn Dittmar, deſſen gute Stimmittel bei weiterer
Ausbildung Schönes verſprechen, vor allem aber durch die künſtleriſchen
Violinvorträge des Herrn Fritz Kitz=Guſtavsburg Beethoven, Violin
konzert und der meiſterhaft vorgetragenen Stücke von Wilhelmy und
Kreißler fand das Programm eine wertvolle Bereicherung. Die
Damen, Frl. Wia Horn=Groß=Umſtadt und Frl. Kitz=Guſtavsburg, beglei=
teten
die Baßlieder bezw, die Violinvorträge diskret und exakt. Der ge=
miſchte
Chor des G.=V. Liederkranz=Groß=Umſtadt unter Leitung des
Herrn Hans May gab dem Abend durch zwei volkstümliche Lieder, in
denen die ſchönen Damenſtimmen des Chores zu beſonderer Geltung
kamen, eine willkommene Abrundung.
Linbenfels, 27. Okt. (Dienſtjubiläum.) Der Techniker
Friedrich Schmelzle, Kalkulator und Reiſevertreter bei der Firma Kreu=
zer
& Böhringer, Granit= und Syenitinduſtrie in Lindenfels, feierte vor
geſtern ſein 25jähr. Dienſtjubiläum. Seit 25 Jahren iſt Herr Schmelzl
ununterbrochen bei ſeiner Firma tätig und hat ſich in dieſer Zeit Dank
und Anerkennung ſeiner Arbeitgeber, die Freundſchaft ſeiner Kolleger
und die Achtung der Arbeiter erworben.
* Birkenau, 25. Okt. Strohverſteigerung. Wegen Ver=
weigerung
der Annahme von ſeiten des Beſtellers wurde von der Bahn=
verwaltung
ein Waggon Stroh öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Wem die Koſten zufallen, wird wohl das Gericht enkſcheiden müſſen.
* Birkenau, 26. Okt. Urgroßvater. Der Lehrerveteran i. R.,
Herr M. Gruber, dahier, wurde heute zum viertenmale Urgroß=
vater
, indem deſſen Enkelin, Frau Lehrer Franz Kohl, ihren Eheman
mit einem kräftigen Mädel beſchenkte. Mutter und Kind ſind wohl
und munter, und die beiden Urgroßeltern nicht minder. Das älteſte Ur
enkelchen zählt bereits 5 Jahre! Errichtung einer neuer
Fabrik. Die Mannheimer Hydroxydol=Geſellſchaft wird nächſtens in
der früheren Spenglerſchen Holzſchneiderei, Nebenbau der jetzigen
Gröſcheſchen Kammfabrik, eine chemiſche Fabrik m. b. H. Lack= und
Farbenentferner errichten. Die Geſchäftsſtelle befindet ſich in Mann
heim, Merzelſtraße. Dadurch wird wohl manchem hieſigen Einwohner
Arbeitsgelegenheit geboten werden, was bei den vielen Arbeitsloſen freu
digſt begrüßt wird.
Heppenheim, 26. Okt. Milchpantſcher. Wegen Milchfälſchung
wurde die Joh. Schäfer VIII. Ehefrau von hier vom Amtsgericht Lorſch
zu einer Gefängnisſtrafe von 3 Tagen und einer Geldſtrafe von 100 M.
verurteilt. Ferner wurde der Landwirt Joh. Georg Schäfer, von hier
wegen desſelben Vergehens zu einer Gefängnisſtrafe von einer Woche und
50 Mark Geldſtrafe verurteilt. Beide haben zudem die Koſten des Ver
fahrens, ſowie die Koſten der Veröffentlichung des Urteils im Kreisblatte
zu tragen. Eine harte, aber wohlverdiente Strfae!
+ Groß=Gerau, 25. Okt. Der Bauarbeiterſtreik und die
daraus entſtandenen Ausſperrungen bzw. Entlaſſungen haben die Arbeis=
lage
weſentlich verſchlechert. Ueber 300 Erwerbsloſe werden gegenwärtig
von den Kreisgemeinden mit Notſtandsarbeiten beſchäftigt. Außerden
herrſcht auch wieder Ueberfluß an landwirtſchaftlichen Arbeitein, da die
Hackfrüchteernte größtenteils erledigt iſt. Eine Delegation der Kreis=
baugenoſſenſchaft
verhandelte dieſer Tage in Darmſtadt mit den zu=
ſtändigen
Stellen.

X Dornheim b. Groß=Gerau, 25. Okt. Der Riedſängerbund
jagte dieſer Tage hier und beſchloß, im nächſten Jahre wieder ein Wer=
tungsſingen
abzuhalten. Dieſes ſoll im Mai 1925 in Dornheim ſtatt=
finden
. Ferner rurde beſchloſſen, dem Heſſiſchen Sängerbund beizu=
treten
.
Offenbach, 26. Okt. Automobilunglück bei Fried=
berg
. Bei einer Autofahrt nahe bei Friedberg in Heſſen berun
glückte der hieſige Metzgermeiſter Kaſimir Alt heute tödlich. Das
mit fünf Perſonen beſetzte Auto rannte gegen eine Telegraphen=
ſtange
, ſo daß ſich das Fahrzeug überſchlug. Zweit weitere Per=
ſonen
wurden ſchwer verletzt. Die Frau und der Sohn des
Metzgermeiſters blieben unverletzt.
Offenbach, 24. Okt. Geſtern fand hier eine amtliche Zu=
ſammenkunft
der evangeliſchen Religionslehrer
Offenbachs ſtatt, auf der Lehrer Hch. Fritz über Religionsunterricht
im Lichte der Arbeitsſchule ſprach. Der Vortrag, der von dem Leiter
der Verſammlung eine gründliche, gediegene und ſorgfältige Arbeit ge=
nannt
wurde, wich in bemerkenswerter Weiſe von dem ab was man
ſonſt über Arbeitsunterricht hört. Der Redner ſprach zunächſt den
Wunſch aus, die Parteien, die unſerer Schule durch die Reichsverfaſſung
den Arbeitsunterricht beſchert haben, hätten auch ſofort erklären müſſen,
ob ſie ſich dieſen Unterricht als beſonderes Lehrfach oder nur als Unter=
richtsgrundſatz
dachten. Die erziehungswiſſenſchaftliche Welt ſei ſich
heute darüber einig, daß Arbeitsunterricht nur Unterrichtsgrundſatz
ſein könne. Werkunterricht dürfe darunter nicht verſtanden werden. Da
ſei aber nichts neues. Neu ſei eigentlich nur das Wort Arbeitsunter=
richt
. Man verſtehe darunter das ſelbſttätige Erarbeiten der Unter
richtsgeſchehniſſe durch die Schüler, und das habe u. a. ſchon Dieſterweg
verlangt, der 1866 das Zeitliche ſegnete. Dieſterweg wollte ſchon die
Schüler durch Selbſttätigkeit zur Selbſtändigkeit führen. Es ſei an der
Zeit, gegen die Unterſchätzung und Herabwürdigung der bisherigen gei
ſtigen Arbeitsſchule, die man heute ſo gern und mit einem verächtlichen
nehmen. Es müſſe
Untertone als Lernſchule bezeichne, Stellung
deutſchlands die An=
darauf
hingewieſen werden, daß die Lernſchule
erkennung und Bewunderung der Welt bis zum Weltkrieg gefunden
habe. Der Geiſt des Schülers arbeite, auch wenn er äußerlich untätig ſei.
Was ihm lehrend geboten werde, werde innerlich und geiſtig verarbeitet,
Die Arbeit des Geiſtes und nicht nur die Arbeit der Hand ſei bildend.
Der Unterricht müſſe vor allem anſchaulich ſein, und er ſei es auch in
der Vergangenheit geweſen. Der Religionsunterricht ſei Arbeitsunter=
richt
, wenn er die Anſchauung pflege, das Gemüt bilde und betone
und auf das praktiſche Leben vorbereite. Der neue Lehrplan für den
Religionsunterricht ſei, von dieſen Geſichtspunkten aus geſehen, noch
ſehr verbeſſerungsfähig. Der Vortrag hatte, wie aus der beifälligen
Aufnahme hervorging, manchem der Zuhörer aus dem Herzen ge=
ſprochen
. In der Ausſprache meldeten ſich Anhänger und Gegner der
Anſicht des Redners zum Wort. Eine Anregung aus der Mitte der
Verſammlung, das Dekanat Offenbach möge die Religionsprüfungen ſo
lange einſtellen, bis eine andere Regelung dieſer Prüfungen zwiſcher
dem Landesbildungsamt und dem Landeskirchenamt vereinbart ſei, will
das Dekanat an ſeine vorgeſetzte Behörde weiterleiten.
* Gießen, 26. Okt. Unſere älteſte Einwohnerin Beat=
Martzog beging geſtern ihren 95. Geburtstag.
* Aus der Wetterau, 26. Okt. Goldene Hochzeit, feierte in
Nieder=Weiſel das Ehepaar Joh. Georg Bill 11. und in Oberſchmitten
an der Nidda das Ehepaar Konrad Ruppel. Ein ſchweres Un=
glück
ereignete ſich in Griedel; am ſchwerbeladenen Dickwurzwagen
rutſchte der Vorſteller herunter, auf dem Vater und Kind ſaßen. Beide
fielen herunter, wurden überfahren und erlitten Beinbrüche.
Alsfeld, 25. Okt. Unſere Stadt iſt in Aufregung, weil ber=
ſchiedene
Einwohner den Morder Adolf Steul aus Bellersheim geſehen
haben wollen, wie er per Rad abends durch die Stadt und benachbarte
Orte wanderte und nach Schlafgelegenheiten in Scheunen uſw. Umſchar
hielt. Den Landwirt Winkenſtern hat er deswegen angeſprochen und i.
dem nahen Eudorf will ihn der Heizer einer Dreſchmaſchine um 4 Uhr
morgens auf dem Rad geſehen haben.

* Heimatpflege und Dorfkirche.
Zu ihrer 7. Tagung hatte die Vereinigung der Freunde der Dorfkirche
aus dem ſüdlichen Oberheſſen für den 23. Oktober nach Nidda einge=
laden
. Vor ſechzig evangeliſchen Pfarrern und Lehrern Anhängern
der Bewegung, die ſich um die Monatsſchrift Die Dorfkirche gruppiert
ſprachen über die Notwendigkeit und die Geſtaltung der Heimat=
pflege
auf dem Lande der Oekonomierat Lembke=Berlin als
Geſchäftsführer des Deutſchen Vereins für ländliche Wohlfahrts= und
Heimatpflege, und der Gießener Bibliothekar und Vorkämpfer der Volks=
hochſchule
, Dr. Koch. Die packenden und von hohem ſittlichen Ernſt ge=
tragenen
Ausführungen der Redner ſetzten ſich eine Verlebendigung der
Dorfgemeinden und die Vertiefung der Heimatliebe in der Weckung von
ſeeliſchen und ewigen Werten zum Ziele. Nach Anſicht der Vortragenden
hebt dieſe Führung zu Gott allein aus der rein materiellen Betrachtung
der Heimat und ihrer Folgeerſcheinung, der Heimatloſigkeit der Gegen=
wart
heraus. Sie verdichtet aber auch das Heimaterleben zu dem Ver=
ſtändnis
für den umfaſſenden Vaterlandsgedanken. In der Nachmit=
tagsſitzung
wies Pfarrer Mahr aus Gießen in ſeinem Vortrag:
Heimatpflege und Kirche die Zuſammenhänge zwiſchen Kirche
und Volkstum nach und forderte die Einſtellung der dörflich=kirchlicher
Geſamtarbeit auf die Seele der Heimat. Mit einer ſehr regen Aus=
ſprache
, an der der Führer der Deutſchen Dorfkirchenbewegung, Dr. von
Lüpke= Iſenhagen hervorragenden Anteil nahm, ſchloß der Vorſitzende,
Dekan Seriba von Eichelsdorf, die Tagung.
Die Kirchenregierung hatte den Superintendenten der Provinz Ober=
heſſen
, in der die Dorfkirchenarbeit beſonders günſtige Aufnahme gefun=
den
hat, den Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen, als ihren Vertreter
zur Tagung entſandt.

Sienographenvereinigung Gabelsberger
Darmſiadt
Die dom Reich und den Ländern anerkannte und jetzt
vorgeſchriebene
Einheitskurzschrift
die das Erprobte der Syſteme Gabelsberger und Stolze=
Schrey vereinigt, iſt für jeden
Voxwärtsatrebenden
der Staats= und Privatwirtſchafi das
(14144 Im
Sprungbrett zum weiteren Erfolg.
Der erſte Kurs der Einheitskurzſchrift beginnt am Donners=
tag
, den 30. Oktbr. und Montag, den 3. Noobr., abends
8 Uhr in unſeren Unterrichtsräumen. Anmeldnng täg=
lich
von 49 Uhr und in den erſten Stunden.
Schreibmaſchinenunterricht täglich von 48 Uhr.
Stenographenvereinig. Gabelsberger, Darmſtadt, Eliſabethenſt. 52

Die Gefahren der Seife:
Runzelnbildung und Anſteckungsgefahr.
Sie ſind gewiß darübererſtaunt, daß wir den Begriff Ge=
fahr
mit Seife in Zuſammenhang bringen. Hier liegt aber tat=
ſächlich
eine nur wenigen bekannte Schädigung der geſamten Kul=
turmenſchheit
und eine Gefährdung der Geſundheit vor, auf die
bisher nur wenige Wiſſenſchaftler hingewieſen haben: Das ſtän=
dige
Auslaugen durch die Seifenwaſchungen auch die beſte
Toilette=Seife laugt aus bringt die Haut, um ihren beſten
Schutzſtoff, nämlich das von den Talgdrüſen ſtändig erzeugte
Hautfett. Der große Hygieniker Pettenkofer bewies einſt an ſich
ſelbſt, daß ein geſunder Magen ſogar Cholera=Bazillen vertragen
kann. Der Nachweis, daß die geſunde Haut jeder Infektion
ſtandhält und frei von Ausſchlag, trockenen und naſſen Flechten
(Bartflechten), Miteſſer und Pickel bleibt, kann jederzeit erbracht
werden. Wirklich einwandfreie Haut aber beſitzt unter der Ein=
wirkung
der üblichen Seifenwaſchungen kein Menſch. Nicht
genug kann vor dem nachträglichen Heraufbringen von
Cremes auf die Haut gewarnt werden, die infolge ihrer unge=
eigneten
Zufammenſetzung durch Porenverſchmierung Talg=
drüſen
und Hautatmung in ihrer Funktion ſchädigen, eventuell
auch ſonſt die Haut reizen.
Wie oft haben unſere Zeitgenoſſen ſich ſchon darüber den
Kopf zerbrochen, welches Geheimnis eine Kleopatra (geboren
68 v. Chr.) wohl anwandte, um noch in einem verhältnismäßig
hohen Alter zwei ſo ſtolze Herrennaturen, wie Cäſar und Anto=

nius durch ihren Liebreiz zu beſtricken. Von ihrem geheimnis=
vollen
Mittel beſagt eine aufgefundene Hieroglypheninſchrift

2h" 2
EE!( Ap-1

es mache die Haut dem Golde und Elfenbein ähnlich und wie
vom himmliſchen Sonnenglanz ſtrahlend‟. Wenn es gelänge,
dieſes Mittel zu finden, ſo könnten wir das Runzligwerden der
Haut und die äußerlichen Spuren des Alters verwiſchen und in
unſerem Ausſehen, ſolange die Sonne unſerem Erdenwallen
ſcheint, jung und friſch erſcheinen.
Dieſes Geheimnis iſt entdeckt und nicht nur das allein, es
iſt gleich ins Moderne überſetzt und ſo entwickelt worden, daf
nicht mehr die überaus zeitraubenden umſtändlichen Prozeduren
altägyptiſcher Schönheitspflege notwendig ſind, ſondern man kann
ſich gewiſſermaßen im Handum
5
drehen die richtige Hautpflege an= lF

gedeihen laſſen: Wir bleiben bei W
9
dem Kulturfaktor Seife, aber
OK-
nicht
mehr bei der uns unſeren
An
Hautſchutz das Hautfett rau
Saunke
1f3
benden Seife, ſondern der Horti= WAle XAI IE5
flor=Creme=Seife. Ein Ring fein=
ſter
fettreicher Toilette=Seife erhält bei unſerer Hortiflor=Creme=
Seife eine Achſe aus konzentrierter Creme mit einer genau be=
rechneten
Menge an einem eigenartig zuſammengeſetzten Haut=
funktionsfett
(eben das geheimnisvolle Mittel der Kleo
patra), welches das an den Porenausgängen durch Schmutz ver=
dickte
, und leicht entfernbare Fett unſerer Hautdrüſen erſetzt.

Dieſes Hautfunktionsfett ſchützt nicht nur unſere Haut bis zu
einem hohen Grade vor Anſteckung, ſondern es ſchützt auch vor
Erſchlaffung: Die Runzelnbildung wird verhindert, aber das
nicht allein ſelbſt vorhandene Falten, Krähenfüße, Runzeln,
unbewußt verurſacht durch alte Sünden in der Hautpflege, bringt
die Hortiflor=Creme=Seife zum Schwinden.
Ihr Reinlichkeitsbedürfnis darf nun nicht mehr zur Miß=
handlung
der Haut führen. Iſt Selbſtſchädigung aus bedauer=
lichem
Irrtum noch entſchuldbar, bewußte Selbſtſchädi=
gung
wäre eine Sünde wider die Haut, und das um ſo
mehr, als wir Sie mit dieſer bedeutenden Errungenſchäft der
Wiſſenſchaft, ohne daß Ihnen die geringſten Koſten entſtehen,
vertraut machen wollen.
Schreiben Sie noch heute eine Poſtkarte folgenden Inhalts:
An den Hortiflor=Vertrieb G. m. b. H., Berlin 256, Alexandrinen
ſtraße 26. Senden Sie mir ganz koſtenlos und portofrei ein
Probeſtück Hortiflor=Creme=Seife, das Büchlein Die Gefahren
der Seife und den Fragebogen, betreffend Preisbewerbung.
TTV.14149.
Ihre Unterſchrift und genaue Adreſſe.
Es werden Preiſe verteilt.
Wir haben die Akſicht, ein Büchlein über den Geruchs= und Schön=
heitsſinn
herauszugeben. An Verſuchsobjekten, die wir Ihnen nebſt
Fragebogen mitſenden, können S die Schärfe Ihres Geruchsſinns prü=
fen
. Für die Einſendung unſerer leicht ausfüllbaren Fragebogen wer=
den
Preiſe verteilt. Es kann nur für die beſtbeantworteten
ein Preis gewährt werden, und eine Verloſung findet nicht ſtatt. Dieſen
geſetzlich zuläſſigen Preisausſchreiben liegt lediglich kulturelles Beſtre=
ben
zugrunde.

[ ][  ][ ]

Reich und Ausland.
Hundert Jahre Phyſikaliſcher Verein Frankfurt.
S. Frankfurt. Die altberühmte Phyſikaliſche Geſellſchaft Frank=
furt
beging am Freitag in Anweſenheit namhafter Wiſſenſchaftler aus hafen jenes lang umſtrittene Projekt, deſſen Bau ſeit 40 Jahren ge=
dem
In= und Ausland, Vertretern der Miniſterien und anderer Behör=
den
das Feſt ſeines hundertjährigen Beſtehens. Nach der Feſtanſprache ſtädtiſchen und privaten Gebäude gab einen feſtlichen Rahmen.
des Vorſitzenden, Konſul Kotzenberg, wurden zu Ehrenmit=
liedern
ernannt: Prof. Boller=Frankfurt Prof, Bollin=Stockholm, Koſten nicht zur Ausführung kam, wurde nach Beendigung des Krieges
Prof. Born=Göttingen, Prof. Bredig=Karlsruhe, Prof. Dornow=Dabos, wegen der eintretenden Erwerbsloſigkeit wieder näher getreten. Die
Frankfurt, Dr. Berlach=Frankfurt, Prof. Hahn=Berlin, Prof. v. Laue=
Berlin, Prof. Landſtröm=Stockholm Prof. Traun=Heidelberg, Urſinius Sicherheitshafen zu bauen. Schon kurz nach Inangriffnahme der Ar=
und Dr. Voigt=Frankfurt, Dr. v. Weinberg=Frankfurt und Prof. Wind= lebhaft intereſſiert, und man beſchloß 1922, einen Induſtriehafen am
hau=Göttingen. Für das Kultusminiſterium betonte Staatsſekretär
Becker das harmoniſche Verhältnis zwiſchen Miniſterium und Verein. Süden der Stadt parallel dem Main in unmittelbarer Nähe des Stadt=
wärtigen
Geſell

und Kotzenberg verliehen wurden.
Kleine Frankfurter Chronik.
Die Arbeitsmarktlage in Frankfurt hat gegenüber der Vor= Eiſen= und Betonbau, u. a.
woche eine leichte Beſſerung erfahren. Die Geſamtzahl der Unter=
ſchloſſen
werden mußte. Als der franzöſiſche General ſprechen wollte, im Jahre 1921 die Lage der Stadt faſt verzweifelt war, ergab eine volks=
Nacht zum Freitag Großfener aus, bei dem ein ſehr beträchtlicher
aus der Nordendſtraße angelegt, die bereits verhaftet wurde. Generaſ=
wird
am 30. Oktober in Frankfurt abgehalten.
Freiwilliger Tod eines Wechſelfälſchers.
Mannheim. Am Donnerstag nachmittag kam ein 19 Jahre
Großfirma in Rheinau in Stellung war, auf eine hieſige Bank und
zeigte einen Wechſel über 4 755 Mark zwecks Diskontierung vor. Der
Wechſel wurde aber von dem Kaſſenbeamten beanſtandet, weil er ver=
ſchiedene
Merkmale der Fälſchung trug. Aus dieſem Grunde wurde bürgermeiſter, die ein Prunkſtück, der Edemetallfirmen Hanaus werden
der Vorzeiger in ein Zimmer gebracht und die ſowohl in Frage kom=
mende
Firma, als auch die Kriminalpolizei fernmündlich verſtändigt.
Noch ehe aber Letztere bei der Bank eintraf, hat der junge Mann ein
bei ſich geführtes Gift, vermutlich Zyankali, genommen, was derart
wirkte, daß der Tod alsbald eintrat. Die Leiche wurde nach dem hie=
ſigen
Friedhof verbracht.
Tagung des Badiſchen Verkehrsverbandes.
*fm. Karlsruhe. Dieſer Tage fand in Offenburg eine
Sitzung des Landesausſchuſſes des Badiſchen Verkehrsverbandes ſtatt,
in der eine Reihe bedeutſamer Fragen der Verkehrswerbung für das
badiſche Land, ſowie Fahrplan= und Tarifangelegenheiten erörtert wur=
Shudikus Rieger berichtete in längeren Ausführungen über die
den.
mannigfaltige und umfangreiche Tätigkeit des Verkehrsverbands, Gegen=
über
den immer wiederkehrenden Klagen über die deutſche Preſſe wegen
Förderung der Auslandsreiſen zum Nachteil der deutſchen Reiſegebiete
ausländiſchen Bahnen hingewieſen; von der Deutſchen Reichsbahn wird
ein ähnliches Vorgehen erwartet. Von einer abſichtlichen Begünſtigung
des Auslandes durch die deutſche Preſſe könne jedoch nicht geſprochen
werden. Gewünſcht wird die Wiedereinführung einer Fahrpreisermäßi=
gung
für Geſellſchaftsreiſen. Der Reiſeverkehr ſoll ferner durch Aus=
gabe
von Hotelgutſcheinen im In= und Ausland belebt werden. Die
damit ermöglichte Art der ſogenannten Akkordreiſen, die dem Reiſenden
zugleich mit der Fahrkarte auch die Hotelunterkunſt ſichert, ſtelle die
idealſte Form des Reiſens dar, weil ſie den Reiſenden aller Sorgen
über die Höhe der Koſten uſw. enthebt. Entſprechende Vereinbarungen
werden zugleich mit den Hotels in Baden abgeſchloſſen. Mit der Her=
ſtellung
der Freizügigkeit des Verkehrs durch Abſchaffung des Viſum=
zwanges
hat ſich der Badiſche Verkehrsverband wiederholt eingehend be=
faßt
. Weſentliche Erleichterungen ſtehen in Ausſicht, ebenſo die Rück=
gewinnung
des Verkehrs Holland=Schweiz=Italien. Ueber die Einfüh=
rung
des Grenzverkehrs mit Elſaß werden zur Zeit amtliche Verhand=
lungen
geführt. Zahlreich ſind die Fahrplanwünſche, die auch bon den
verſchiedenſten Vertretern der einzelnen Landesteile vorgebracht wur=
den
. Zur Belebung des Winterſportverkehrs ſollen beſondere Vorkeh=
rungen
getroffen werden. Eine telegraphiſche Entſchließung an die
Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahn in Berlin weiſt auf die
außerorbentliche Erbitterung der Bevölkerung im ſüdlichen Schwarzwald
him und erſucht um alsbaldige Eröffnung der fertiggeſtellten Bahnlinien
TitiſeeSebrugg. Die Vertretung Badens bei der Deutſchen Reichs=
bahn
A.G. wird gegenüber Württemberg und Bayern als völlig un=
befriedigend
erachtet, und es ſollen weitere entſprechende Schritte des=
halb
unternommen werden.
Ein Kampf mit einem Dieb.
Pirmaſens. Ein folgenſchweres Zuſammentreffen mit einem
Dieb hatte Mittwoch nachmittag der hieſige Kriminalkommiſſar Em=
merich
, als ihm in der Nähe des Elleſchen Steinbruchs ein Mann be=
gegnete
, der etwas unter dem Rock trug. Bei einer Viſitation des Ver=
dächtigen
entdeckte Emmerich ein großes Stück Fleiſch unter der Joppe.
Emmerich wollte nun den Mann, der ſich über die Herkuſt des Fleiſches
nicht ausweiſen konnte, verhaften. Dieſer wiederſetzte ſich jedoch und die
beiden kamen in ein Handgemenge, wobei ſie zu Boden fielen. In der
Notwehr gab Emmerich zwei Schüſſe auf den Unbekannten ab, wodurch
dieſer am Bein und im Geſicht verletzt wurde. Er wurde ins ſtädtiſche
Krankenhaus verbracht und geſtand dort beim Verhör ein, daß das Fleiſch
von einem auf dem Imsbacher Hof geſtohlenen Kalb herſtamme. Der
Täter welcher kein ſchwereren Verletzungen davontrug, iſt der BZjäh=
ige
Taglöhner Joſef Dom von Morſchweiler.
* Geſchichtsforſcher J. Fr. Hildenbrand geſtorben.
Speher a Rh. In Ludwigshafen am Rhein, wo er die letzten
Jahre ſeines Lebens zugebracht hatte, ſtarb dieſer Tage, 71jährig, der
bekannte Führer in der pfälziſchen Geſchichtsforſchung und frühere Gym=
naſialprofeſſor
J. Fr. Hildenbrand. In zahlreichen Aufſätzen in der
Tages= und Fachpreſſe, in Büchern und Denkſchriften ganz Südweſt=
deutſchlands
und in den Altertumszeitſchriften in Speyer und Franken=
thal
hat Hildenbrand ſich mit der Geſchichte der Pfalz, namentlich auch
ſchichte des Kloſters Lorſch bei Bensheim (zu dem früher zahlreiche pfäl=
gegeben
und ſich um die Geſchichte dieſer Gegenden große Verdienſte er=
worben
, wie dies auch bei der Beiſetzung in den Anſprachen der Herren
Muſeumsdirektor Dr. Sprater=Speher, Oberregierungsrat Staehler= tion entgegengewirkt.
Speher. Gymnaſialdirekter Prof. Dr. Roppenecker=Speher, Schriftleiter
Jung=Speher und Napt=Frankenthal zum Ausdruck kan. Die hohe De=, barkeit wird bezweifelt, es habe ſich aber ſchon häufig herausgeſtellt.
deutung ſeiner Perſönlichkeit kam auch dadurch zur Geltung, daß der
Regierungspräſident der Pfalz zur Beiſetzung erſchienen war, des=
Revolverheld.
Dresden. Am Donnerstag nachmittag erſchien im Laden des
Schloſſermeiſters Eichner in der Nicolaiſtraße ein junger Mann, der
ein Fahrrad zu kaufen anbot. Dem Schloſſermeiſter kam der Mann ver= zu beſſern. Im ganzen gäbe ſomit die Ernährungslage zu Beſorgniſſen
der Eingangsrür und flüchtete. Die Frau des Schloſſers, die ſich ihm Aufklärung ſich an ihn und ſein Miniſterium wenden möchte. Die
gegenüberſtellte, wurde durch einen Schuß in den Arm verletzt. Der
Verbrecher konnte am Stebhauienplatz geſtellt und verhaſtet werden, meidlich ſeien, wirkſam entgegenzutreten. Sie könne aber nicht berhin=
Es handelt ſich um den 21jährigen Molkereigehilfen Fritz Mietzſh. Der
Schloſſer wurde in hoffnungsloſem Zuſtand ins Krankenhaus gebracht, u

Eröffnung des SanauerMainhafens.
Hanau, 25. Oktober.
Hauau hatte geſtern ſeinen großen Tag, galt es doch, den Main=
plamt
war, dem Verkehr zu übergeben. Reicher Flaggenſchmuck der
Dem Projekt des Hafenbaues, das vor dem Kriege wegen zu hoher
Dr. Dubois=Frankfurt, Dr. Eckener=Friedrichshafen, Prof. Epſtein= ſtädtiſchen Körperſchaften entſchloſſen ſich Mitte 1920, vorerſt einen
beiten zeigte ſich, daß Induſtrie= und Handelskreiſe ſich für den Bau
gebietes zu errichten. Das Hafenbecken hat eine Länge von faſt 1000
Der Verein ſei ein Vorbild für geſchloſſenes Gemeinweſen und habe ſeine Metern und eine Breite von 64 Metern. Die Tiefe beträgt 2,70 Meter
Aufgabe Kulturträger innerhalb des Bürgertums zu ſein, vorbildlich und entſpricht der des kanaliſierten Mains. Auf der öſtlichen Seite iſt
gelöſt. Für die Stadt Frankfurt ſprach Stadtrat Prof. Ziehen, für eine Ufermauer in Länge von 190 Metern errichtet. Sie iſt auf Eiſen=
die
auswärtigen Akademien Geheimrat Krüger=Gießen, für die aus= betonpfähle fundiert, ſtromabwärts ſchließt ſich an dieſe Mauer längs
des freien Mains eine rund 360 Meter lange, gepflaſterte Böſchung an.
Das geſamte Hafengelände iſt 700 000 Quadratmeter groß; auf ihm
ägen laſſen, von denen die erſten den Herren Boller haben ſich ſchon eine große Zahl Induſtrie=, Transport= und Kohlen=
firmen
niedergelaſſen, u. a. Hugo Stinnes, Mathias Stinnes. Carl
Preſſer, Transport=Geſ. Rhenus, Transport=Geſ., Wahß u. Freytag,
Die Einweihung am Samstag vollzog ſich programmäßig. Um 12
ſtützungsempfänger hat um 400 abgenommen. Nur im Baugewerbe iſt Uhr fuhr ein Schiff, das zum erſten Male die neue Rheinflagge mit der
eine weitere Verſchlechterung eingetreten. Die Zahl der Arbeitsgeſuche Inſchrift In Gottes Namen trug, in den Haſen, indem es ein Band
betrug 12647. Die Zahl der Haubtunterſtützungsempfänger beträgt 5208, in den Stadtfarben rot=gelb durchſchnitt. In dieſem Augenblick brachte
In Frankfurt wird eine Herabſetzung der Straßenbahntarife der Oberbürgermeiſter der Stadt, Dr. Blaum, ein Hoch auf den
angeſtrebt, die bisher bis 2 Kilometer 15 Pf. koſteten, bis 5 Kilometer, neuen Hafen aus, in das die zahlreichen Gäſte, die längs der Kaimauer
20 Pf. und über 5 Kilometer 25 Pf. Im Schauſpielhaus wird am Aufſtellung genommen hatten, mit Begeiſterung einſtimmten. Die
2. November Toni Impekovens und Hans Reimanns Schwank Das eigentliche Feier fand in dem Lagerhaus der Firma Preſſer ſtatt, das
Ekel zur Uraufführung kommen. Am Freitag abend ſprachen die zu dieſem Akt feſtlich hergerichtet war. Der Oberbürgermeiſter über=
beiden
Friedensgeneräle Verraux und v. Schönaich im großen nahm den Hafen von dem Erbauer Stadtbaumeiſter Ehrich, und wies
Saale des Zoologiſchen Gartens, der wegen Ueberfüllung polizeilich ge= in längerer, intereſſanter Rede auf die Bedeutung des Hafens hin. Als
kam aus der Verſammlung der geſchmackloſe Zwiſchenruf Vive la France, wirtſchaftliche und wiſſenſchaftliche Prüfung, daß der Hafenbau zur Ge=
Es ſetzte ein kleiner Tumult ein, bei dem ſich der Ordnungsdienſt der ſundung der Verhältniſſe und Fortentwickelung der Stadt führen werde.
Reichsflage merkwürdig ſchlagfertig zeigte. Sonſt blieb der Abend ruhig Die günſtige Lage Hanaus als Knotenpunkt macht den neuen Hafen zur
und die beiden Generäle konnten ungehindert von ihrem Generalſtreik gegebenen Umſchlagſtelle für den Güterverkehr von Nord und Süd, von
ſprechen. Im Lager der Firma Adler in der Fahrgaſſe brach in der und nach Bayern. Dank der Wirtſchaftspolitik der Stadt iſt die Finan=
zierung
des Hafens durch die Anſiedlung von Induſtrie und großen
Schaden entſtanden iſt, da ganze Berge halbverkohlter Waren auf die Firmen ohne jede weitere Hilfe geſichert worden. Neben den wirtſchaft=
Straße geworfen werden mußten. Den Brand hatte eine Buchhalterin lichen Vorteilen hob der Redner auch die ſozialen hervor, die durch Ar=
beitsbeſchaffung
beſonders bedeutend ſind. Nach der Rede des Stadt=
konſul
Müller=Beeck, der ſich als Leiter des Reichswanderungs= oberhauptes, die mit viel Beifall aufgenommen wurde, gratulierte der
amtes viele Freunde erworben hat, feierte am Samstag ſeinen 70. Ge= Oberpräſident der Provinz Heſſen=Naſſau, Exzellenz Dr. Schwander.
burtstag. Müller=Beeck war im Auſtrage des Auswärtigen Amtes 26 Er gratulierte namens der preußiſchen Regierung und des preußiſchen
Jahre in Japan tätig. Der nächſte Frankfurter Pferdemarkt Handelsminiſters. Er bezeichnete Hanau als rühmenswertes Beiſpiel
für kühnen Fortſchritt in einer Zeit, in der die Lage der Städte beſon=
ders
ſchlecht geweſen ſei. Der Hafenbau werde weiter zur Beſſerung der
Verhältniſſe beitragen.
Namens der Stadtverordneten ſprach der Stadtverordnetenvorſteher,
alter Kaufmann aus Potsdam, wohnhaft in Schwetzingen, der bei einer Landgerichtspräſident Grimm, Glückwünſche aus. Für die Handels=
kammer
Frankfurt=Hanau gratulierte der Präſident der Kammer. Dei=
nes
, und betonte die nationale Bedeutung des Mainhafens. Er ſtiftete
im Auftrage der Hanauer Firmen eine goldene Amtskette für den Ober=
ſoll
. Sie iſt nach einem Entwurf des Direktors der hieſigen Zeichen=
akademie
, v. Leron, ausgeführt. Für die Reichsregierung ſprach
Landeskammerpräſident v. Laer, während Oberbürgermeiſter Dr.
Gläfſing=Darmſtadt die Glückwünſche des Deutſchen Städtebundes mitglieder bei, unterſtützt ſie durch einmalige Spenden! Beiträge werden
überbrachte, der dem Hafen beſonderes Intereſſe entgegenbringt. Ihm ſtraße 8. 1. Stock.
ſchloß ſich Profeſſor Salomon für den Induſtrie= und Handelstag an.
Der Feier ſchloß ſich eine Fahrt mittels Sonderzugs durch den Hafen an,
die den Gäſten die Ausdehnung des Hafengeländes vor Augen führte.
eingenommen, bei dem der Oberbürgermeiſter ein Glückwunſchtelegramm
des Reichspräſidenten verlas.
Den Feſttag beſchloß eine würdige Aufführung von Figaros Hoch=
zeit
im Hanauer Stadttheater. Eingeleitet wurde die Hafeneröffnung
durch einen muſikaliſchen Feſtakt am Freitag abend, bei dem das Frank=
furter
Symphonieorcheſter unter Leitung von Dr. Frank Limbert
neben dem Kammerſänger John Gläſer und dem Oratorienverein
wurde auf die vielfachen Reiſevergünſtigungen für Journaliſten auf den mitwirkte. Am Sonntag zeigte eine Ausſtellung von Gold= und Silber=
arbeiten
die Entwickelung des Hanauer Kunſtgewerbes. Eine Feſtfeier
für die Allgemeinheit, bei der dem Oberbürgermeiſter die Gratulation
von 5000 Turnern durch einen Staffellauf überbracht wurde, beſchloß
die Feierlichkeiten.
Der Ernährungsminiſter bei dem
Reichsverband der Hausfrauenvereine.
beſonderen Wert darauf lege, ſich vor dem Reichsverband Deutſcher
Hausfrauenvereine über die Ernährungslage äußern zu können, weil er oder mehrere Einkäufe zu beſorgen, wofür nach der Vorſtellung keine
halte. Die Ernährungslage wäre zweifellos recht unerfreulich, und be= doch zu den Katalogen, die faſt mit jeder Poſt aus allen Gegenden ins
ſonders fiele dabei ins Gewicht, daß die Preiſe in der letzten Zeit für Haus ſchneien, ſie beſtellt eben auswärts; das Geſchäft eutgeht der
einen großen Teil der Lebensmittel beträchtlich angezogen hätten. Er Darmſtädter Geſchäftswelt. Iſt einmal eine derartige Verbindung ange=
ſei
gar nicht willens, die Sachlage zu günſtig zu ſchildern und betrachte knüpſt, wird ſie beibehalten. Darum nochnals: Oeffnet die Verkaufs=
ſie
gewohnheitsgemäß eher mit peſſimiſtiſchem Blicke. Er müſſe aber räume in der Mittagszeit!
doch ſagen, daß die geſamte Ernährungslage eine weſentlich beſſere ſei,
als ſie vor einem Jahre bei Antritt ſeines Amtes geweſen wäre. Da=
mals
hatte beim Sturz der Mark niemand ermeſſen können, ob Deutſch=
land
in Wochen noch den Fehlbedarf an Ernährung aus dem Ausland zitätswerke die Herabſetzung des Kilowattſtundenpreiſes von 18 auf
würde kaufen können. Jetzt ſei im allgemeinen doch eine ſtabile Wäh= 16 Pfennige bekannt. Wir in Darmſtadt zahlen 50 Pfennige,
rung vorhanden, ſo daß, wenn nicht Unvorhergeſehenes ſich ereignen alſo mehr als das Dreifache.
würde, der Weltmarkt uns ohne weiteres offen ſtände. Die ungünſtigen
Preisverhältniſſe hingen in erſter Linie mit einer allgemeinen Er=
höhung
der Weltmarktpreiſe für Getreide, aber auch für andere Lebens=
mittel
zuſammen. Nachdem wir mit der deutſchen Wirtſchaft in die
Weltwirtſchaft eingegliedert ſeien, und das mußte geſchehen, wenn wir auf die geſundheitlichen Schäden von Waſchungen mit Toilette=Seife
überhaupt lebensfähig bleiben wollten, konnten die Inlandspreiſe nicht hingewieſen. An dieſer Stelle ſei in der Erwartung, daß ſich jeder Leſer
keine irgendwie geartete Regierung durchſetzen. Die Getreidepreiſe in ſondern auch ſtets mit ihr die jugendliche Friſche der Haut untergraben
Deutſchland ſeien daher der ſeit einigen Monaten einſetzenden ſtarken wird. Ein ganz eigenartiger und noch nie zuvor ausgeführter Gedanke
Hauſſe auf dem Weltmarkt gefolgt. Er bezöge ſich in dieſer Hinſicht hat dieſe Gefahren der Seife, die viel nachteiliger ſind, als hier ausge=
auf
ſeine Ausführungen in dem vor einigen Tagen von ihm gewährten führt werden kann, mit einem Schlage beſeitigt; beſonders zuſammen=
Interview. Die Lage wäre dadurch noch verſchärft worden, daß infolge geſetzte Toilette=Seife erhält eine Cremeachſe mit einem Hautfunktions=
der
ſpäten Ernte das Angebot von Inlandsgetreide vorerſt noch ganz fett von ganz ähnlicher Zuſammenſetzung wie unſe: natürliches Haut=
unbedeutend
ſei, weil die Landwirtſchaft nicht zum Dreſchen komme. Eu fett. Der Name dieſes Wunders modernſter wiſſenſchaftlicher For=
erwarte
jedoch, daß ſchon nach der allgemeinen außenpolitiſchen Lage ſchung iſt Hortiflor=Creme=Seife. Ein Probeſtück derſelben und das
und im Hinblick auf das erhöhte Angebot vom Auslande durch die nicht Büchlein Die Gefahren der Seife erhalten Sie koſtenlos und poſtfrei
in zu ferner Zeit auf dem Markte erſcheinenden Ernten der ſüdlichen vom Hortiflor=Vertrieb G. m. b. H. Berlin 2564, Alexandrinenſtr. 26.
Erdhälfte und vom Inlande durch den Ausdruſch der deutſchen Land=
wirtſchaft
die Getreidepreiſe ſich ſenken würden. Die Milchverſorgung
ſeien auch hier Preisſteigerungen in den letzten Wochen nicht ausgeblie= muster nach Anprobe und M1. Sie sparen nicht nur Stoff, sondern Sie
ben, die bei der ſchlechten Kaufkraft weiter Bevölkerungskreiſe die Ver= werden guch erstaunt sein, wie tadellos Ihre Kleidungsstücke sitzen und
ſorgung ſtark beeinträchtigten. Hier wie auch für die geſamte Er= wie einkach und zuverlässig sie sich mittels meiner Ma0-Schnittmuster
nährungslage müſſe der geminderten Kaufkraft nötigenfalls durch eine herstellen lassen. Ein Versuch wird Sie Aberzeugen.
ihren Zuſammenhängen mit der kurheſſiſchen Geſchichte und der Ge= enſprechende Hilfe zur Seite getreten werden. Im übrigen ſei zu hof=
fen
, daß wie alljährlich nach der Aufſtallung des Viehs eine Senkung der Friedr. Bachrach, Darmstadt, Elisabethenstr. 28.
ziſche Gemeinden zugeteilt waren) beſchäftigt, hat er wervolle Aufſchlüſſe. Milchpreiſe ſich ermöglichen laſſe. Die ſehr geſtiegenen Preiſe für aus=

ländiſche Kraftfuttermittel und das vielfach übliche ſpäte Eintreiben des
Viehs von den Weiden habe bisher einer Steigerung der Milchproduk= Landestheater, Großes Haus, abends 7½ Uhr (H 4): Die Jour=
Die Kartoffelverſorgung biete beſſere Hoffnungen, da wir mengen=
mäßig
wohl eine recht befriedigende Ernte haben werden. Die Halt=
daß
die um dieſe Zeit jährlich in dieſer Richtungen geäußerten Befürch=
tungen
nachher ſich als übertrieben erwieſen hätten. Die zurzeit noch 8 Uhr: 321. Sitzung. Union=, Reſidenz=Thegter, Palaſt=Lichtſpielet
gleichen zahlreiche bedeutende Perſönlichkeiten der Pfalz und ungebung, beſonders im Weſten ungünſtige Verſorgung und die dadurch bedingten Kinovorſtellungen,
exorbitanten Kartoffelpreiſe ſeien nach ihm gewordenen Nachrichten da=
rauf
zurückzuführen iſt, daß bisher der Transport nach dem Weſten noch
viel zu wünſchen übrig laſſe. Es werde alles geſchehen, um dieſe Lage
dächtig vor. Er beauftragte ſeine Frau in der Werkſtätte, die Kriminal= keinen Anlaß. Die in letzter Zeit in der Preſſe über Mißernte und der=
polizei
anzurufen und ſchloß dann ſelbſt die Ladentür ab. Darauf zog gleichen erſchienenen Artikel und Angſtſchreie wären nur geeignet,
der junge Mann plötzlich einen Revolver und feuerte 3 Schüſſe auf Eich= unnötige Beunruhigung und ein Steigen der Preiſe herbeizuführen. Er.
ner ab, der an Kopf. Hals und Bruſt getroffen bewußtlos und ſchwer bäte daher dringend, daß die Hausfrauen ſich von derartigen Tartaren=
verletzt
zuſammenbrach. Darauf zertrümmerte der Täter die Glasſcheibe nachrichten nicht beeinfluſſen ließen, und daß man gegebenenfalls zwecks
Reichsregierung würde auch alles tun, um Preisſteigerungen, die ver=
dern
, daß bei ſteigenden Preiſen der Rohprodukte infolge der Welt=
marktlage
auch die Kleinhandelspreiſe der Lebensmittel ſich erhöhten.

Wandbilder zur Unfallverhütung.
Das von der Reichsarbeitsverwaltung veranſtaltete Preisausſchreiben
für Wandbilder, die in den Betrieben den Wert der Arbeiterſchutz
vorrichtungen deutlich machen ſollen, hat rege Beteiligung gefunden.
Das Preisrichterkollegium, dem außer den Präſidenten der Reichs=
arbeitsverwaltung
und des Reichsverſicherungsamts Perſönlichkeiten aus
den Kreiſen der bildenden Kunſt, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer
ſowie der Berufsgenoſſenſchaften der Unfallverſicherung angehörten, hat
nunmehr ſeine Entſcheidung getroffen. Den 1. Preis von 1000 G.=Mck.
errang Max Wollin, Berlin=Weißenſee, Preiſe von je 500
G.=Mk. erhielten A. B. Henninger und Ahlers, Berlin, Prei=
ſe
von je 250 G.=Mk. Georg Lautfeld, Weimar, Hans Krieg,
Nürnberg, Hans Nolpe, Auerbath i. Heſſen, und O. Gawell,
Berlin=Friedenau. Ein zunächſt nicht vorgeſehener Sonderpreis konnte
W. Dreßler in Charlottenburg für ſeine künſtleriſch hervorragende
aber den geſtellten Aufgaben nicht entſprechende Arbeit zuerkannt wer=
den
. Des ferneren wurden wegen guter Plakatwirkung zum Ankauf
vorgeſehen eine Darſtellung von Panl Hinze, Neukölln, und eine ſolche
mit dem Motto: Paßt auf! für welche der Künſtler ſeinen Namen
anzugeben unterlaſſen hatte. Sämtliche eingereichten Entwürfe können
bis Ende Oktober in der ſtändigen Ausſtellung für Arbeiter=
wohlfahrt
in Charlottenburg, Fraunhoferſtraße 11/12,
wochentags zwviſchen 10 und 1 Uhr und Sonntags zwiſchen 11 und 3
Uhr beſichtigt werden. Es iſt beabſichtigt, eine Anzahl der eingeſandten
Entwürfe zur Vervielfältigung anzukaufen und im Reichsarbeitsblatt
als Beilagen zu veröffentlichen.
Die deutſche Geſellſchaft zur Rettung Schiffsbrüchiger
iſt, wie uns der Vorſitzende des Berliner Bezirksvereins, Exzellenz von
der Lehen, mitteilt, durch den Krieg und die ihm folgende Inflation
und Geldentwvertung in eine traurige finanzielle Lege geraten. Sie
teilt das Schickſal anderer gemeinnütziger Vereinigungen, die nahezu ihr
ganzes Vermögen und ihre finanziellen Reſerven verloren haben. Wie
bekannt, hat die im Jahre 1865 begründete Geſellſchaft die ganze deut=
ſche
Nord= und Oſtſeeküſte mit Rettungsſtationen, Rettungsbooten und
Raketenapparaten ausgerüſtet, die bei Strandungen an unſerer Küſte
die gefährdete Beſatzung der Schiffe dem ſicheren Tode in den Wellen ent=
reißen
. Seit Begründung der Geſellſchaft haben die braven Rettungs=
mannſchaften
, meiſt unter Einſetzung des eigenen Lebens, faſt 5000 Per=
ſonen
gerettet. Die Mittel zur Errichtung der Rettungsſtationen, zu
ihrer Inſtandhaltung und Verwaltung werden lediglich durch freie
Liebenstätigkeit der über ganz Deutſchland verbreiteten Mitglieder und
durch einmalige Spenden aufgebracht. Staatliche Unterſtützung hat die
Geſellſchaft niemals erbeten und erhalten. Obgleich ſich die Einnahmen
der Geſellſchaft während des Krieges und in der Nachkriegszeit bedeutend
verringert haben, konnte der Betrieb bisher einigermaßen aufrecht er=
halten
werden. Aber es fehlten die Mittel zum Bau dringend not=
wendiger
neuer Rettungsboote, beſonders von Motorrettungsbooten, zur
ordnungsmäßigen Inſtandhaltung der Nettungsapparate und zu einer
einigermaßen angemeſſenen Vergütung für das Perſonal. Die Anzahl
der Mitglieder der Geſellſchaft iſt von über 50 000 in der Vorkriegszeit
auf etwa 28 000, die des Bezirksvereins Berlin allein um rund 2500
herabgegengen. Die damit verbundenen großen finanziellen Ausfälle
konnten bisher durch hochherzige Spenden der Reedereien, der Groß=
banken
und Unfall=Verſicherungsgeſellſchaften einigermaßen ausgeglichen
werden. Wenn die Geſellſchaft aber ihren Aufgaben wieder voll gerecht
werden ſoll, dann bedarf ſie, da der Staat unter den heutigen Verhält=
niſſen
nicht eingreifen kann, der tatkräftigen Hilfe des ganzen deutſchen
Volkes. Eine ſolche wahrhaft gemeinnützige, menſchen=
freundliche
Unternehmung, die auf ſo hervor=
ragende
Leiſtungen zurückblicken kann, darf nicht
untergehen. An alle unſere Volksgenoſſen, insbeſondere an alle
Bewohner von Groß=Berli, richten wir die dringende herzliche Bitte:
tretet der Deutſchen Geſellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger als Mit=
entgegengenommen
bei der Geſchäftsſtelle in Berlin W. 8, Behren=
Verhaftung eines Defraudanten.
Berlin. Der 25jährige Bankbeamte Max Unger, der durch raf=
Nach der Fahrt wurde in den Näumen des Oſtbahnhofes ein Feſteſſen finiertes Scheckfälſchen der Bleichröderſchen Bank 120 000 Mark unter=
ſchlagen
hatte, iſt jetzt in Paris verhaftet worden. 30 000 Mark hatte er
bereits verjubelt, die übrigen 90 000 Mark wurden noch vorgefunden.
Unger wird an Deutſchland ausgeliefert werden.

Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Für dſe Veröffentlſchungen unter dieſer Aeberſchrift übernimmt die Redaltion keinerſel Ver=
mund
des 521 Abſ. 2
antwortung; für ſie bleibt au
2 des Preſſe
in vollem Umfange
Wech
ortlie
Einſendungen, die nick
der Einſender veranin
det werden, Uönnen nicht
zurückgeſandt, die Ablehnung nicht begrünzet werden.
Darmſtädter Geſchäftsleben.
Im Anſchluß an den vor einigen Wochen gebrachten Artikel ſei noch
folgendes erwähnt: Einige Geſchäfte haben bereits in letzter Zeit die
Offenhaltung ihrer Verkaufsräume während der Mittagszeit möglich ge=
macht
; ein größerer Teil von Geſchäften ſteht aber noch zurück. Wenn
jetzt z. B. der Ortsverein Darmſtädter Buchhändler unter der Ueber=
ſchrift
: Kauft am Platze! ſeine Mahnung unter Schilderung der Vor=
gänge
des Kaufs im Laden im Gegenſatz zur Beſtellung auf zugeſandte
Proſpekte ergehen läßt, ſo ſei nochmals erwidert: Oeffnet Euere Läden
In einer Verſammlung des Reichsverbandes Deutſcher zur Mittagszeit In nächſter Zeit beginnen die Vorſtellungen für das
Hausfrauenvereine im Reichswirtſchaftsvat nahm der Herr auswärtige Publikum, die ſogenannten Fremdenmieten am Landes=
Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft, Graf Kanitz, zu nach= theater Samstag nachmittags 3 Uhr . So manche Hausfrau, die
ſtehenden Ausführungen das Wort: Der Herr Miniſter betonte, daß er zum Pheaterbeſuche nach Darmſtadt fährt und zwiſchen 12 und 3 Uhr
dort ankommt, hat die Abſicht, vor Beginn der Theatervorſtellung einen
die Mitarbeit der Hausfrauen in dieſen Fragen für beſonders wertvoll Zeit mehr iſt. Wenn ſie verſchloſſene Läden findet, greift ſie ſchließlich
Ein Odenwälder Freund Darmſtadts.
In den Berliner Zeitungen machen die dortigen Städtiſchen Elektri=
Pr.

Geſche
Macht Seife alt? Prominente Mediziner haben immer wieder
mehr unabhängig von dem Weltmarkt gehalten werden. Das konnte dafür intereſſiert, darauf hingewieſen, daß nicht nur die Geſundheit,

ſei weſentlich beſſer als vor einem Jahre, auch mengenmäßig. Leider Weny Sie Zuschneiden meine Schnitt=

benutzen Sie nur
(14129

Tageskalender.
naliſten. Kleines Haus, abends 7½ Uhr (Zuſatzmiete 12): Die
neugierigen Frauen. Orpheum, abends 8 Uhr: Und ſie be=
trügt
mich doch. Verein ehem. Eleonoren= und
Frauen=Schülerinnen, abends 8½ Uhr: Jahresfeier.
Naturwiſſenſchaftlicher Verein Darmſtadt, abends

Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Mittwoch, 29. Oktober:
Noch immer bedeckt, weſtliche Winde, etwas milder, regneriſch.

Zauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politih und Wirtſchaft: Rudolf Maupe
zeran
vortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrchten: Mar Stroeſt
Verantwortlich
für Suort: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußd enſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.

Die heutige Nummer hat 13 Seiten

[ ][  ][ ]

Rummer 300.

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Sport, Spiel und Turnen.

Motorrad=Turnier.
Nochmalige Verloſung.
I
Da bei dem Motorrad=Turnier des Motorrad=Clubs Darmſtadt
E.V. im D.M.V. nur ein geringer Prozentſatz der Loſe, für die Ver=
loſung
eines Leichtmotorrades verkauft wurden und der Gewinn unter
die dem Klub verbliebenen Loſe gefallen iſt, wird eine nochmalige Ver=
loſung
beabſichtigt. Der Klub hat ein Intereſſe daran, daß das Motor=
rad
vom Publikum gewonnen wird. An dieſer nochmaligen Verloſung
ſollen die bereits verkauften Loſe ohne jeden Zuſchlag teilnehmen. Das
Nähere folgt demnächſt.
Fußball.
Aenderung der Pokalzwiſchenrunde?
. Wie wir erfahren, hat die Anordnung des Bundesſpielaus=
ſchuſſes
des DFB., in der Zwiſchenrunde um den Pokal des
DFB. den Berliner Verband gegen Süddeutſchland in Mann=
heim
und Norddeutſchland gegen Weſtdeutſchland in Kiel ſpielen
zu laſſen, keine Gegenliebe gefunden, was auch erklärlich iſt, wenn
man bedenkt, wie außerordentlich umſtändlich dieſe Anordnung
iſt. Die Berliner Mannſchaft hätte ungefähr 600 Km. die weſt=
deutſche
zirka 500 Km. zu fahren, um an ihre Beſtimmungsorte
zu gelangen. Viel einfacher wäre es, und würde dem DFB.
einige tauſend Mark an Koſten ſparen, wenn Berlin und Nord=
deutſchland
die kurze Fahrt nach Kiel, Weſtdeutſchland nach
Mannheim fahren würde. Der Verband Brandenburgiſcher Ball=
ſpielvereine
hat daher aus vorſtehenden Gründen beim Bundes=
ſpielausſchuß
einen entſprechenden Antrag eingereicht. Die nötige
Einſicht vorausgeſetzt, ſollte es dem Spielausſchuß nicht ſchwer
fallen, die beantragte Aenderung im Zwiſchenrundenprogramm
eintreten zu laſſen.
Schweden gegen Oeſterreich und Italien.
Schweden hat eine glänzende Fußball=Saiſon hinter ſich, die
beſte, die es jemals hatte. Alle internationalen Spiele wurden
gewonnen. Ausnahmen bildeten nur die Zwiſchenrunde gegen
die Schweiz im olympiſchen Turnier, die verloren ging, und das
erſte Spiel um den dritten Platz gegen Holland, das unentſchie=
den
endete. Die nächſten Aufgaben der ſchwediſchen Repräſen=
tativen
ſind Länderſpiele gegen Oeſterreich am 8. November in
Wien und gegen Italien am 16. November in Mailand. Viel=
leicht
kommt zwiſchendurch noch ein Kampf SchwedenSchweiz
zum Abſchluß. Folgende 21 Spieler aus Schweden werden an
der Expedition teilnehmen: Torhüter: Zander und Lindberg;
Verteidiger: E. Perſſon, O. Anderſſon, Krook, Alfredſſon; Läu
fer: Hanſſon, Sundberg, Klingſtröm, Helgeſſon, Friberg; Stür=
mer
: H. Dahl, Brommeſſon, Malm, Sleipner, Keller, Kock, Kau=
felt
, Rydell, Lundquiſt, C. Carlſſon.
Leichtathletik.
Anerkannte Schweizer Leichtathletik=Rekorde.
1
Das Athletikkomitee des S. F. A. V. hat in ſeiner letzten
Sitzung die während der abgelaufenen Saiſon aufgeſtellten
ſchweizeriſchen Höchſtleiſtungen wie folgt genehmigt: 200 Meter:
H. Hemmi, 22,3 Sek.; 400 Meter: J. Imbach, 48 Sek.; 800 Meter:
P. Martin, 1:52,6; 1500 Meter: W. Schärrer 3:55; 4 mal 100
Meter: Schweiz. Nationalſtaffel 42,2 Sek.; 4 mal 400 Meter:
Schweiz. Nationalſtaffel 3:31,4; 1500 Meter=Staffel: Schweiz.
Nationalſtaffel 3:25,8: Speerwerfen; H. Wipf 52,80 Meter
Kugelſtoßen: W. Nüeſch 13,34 Meter; Zehnkampf: E. Gerſpach
6743,53 Punkte. Auslandsrekord im Kugelſtoßen: W. Nüeſch
13,675 Meter. Die bisherigen Rekorde im Schleuderball und
Steinſtoßen wurden von der Rekordliſte abgeſetzt, da die
Uebungen im ſchweizeriſchen Meiſterſchaftsprogramm nicht mehr
figurieren.
Neuer deutſcher Rekord.
Die Rekordverſuche des deutſchen Gehmeiſters Siewert ( Neu=
köllner
Sportfreunde), die dieſer am Sonntag auf der Tegeler Chauſſee
unter offizieller Kontrolle unternahm, waren teilweiſe von Erfolg ge=
krönt
. Der Rekord im Zivanzigkilometergehen, den Herm. Müller=
Berlin mit 1:38:26 hält, wurde um 14 Sekunden verfehlt, dagegen er=
fuhr
der 25 Kilometer=Rekord im Gehen eine ganz weſentliche Verbeſſe=
rung
von 2:09:51,4 (Hermann Müller) auf 2:03:18,4. Es iſt jedoch frag=
lich
, ob die Leiſtung als Nekord anerkannt wird, da der V.B.A.V. nur
zwei vorſchriftsmäßige Uhren ſtatt der vorgeſchriebenen drei zur Stelle
hatte.
Kraftſport.
Kölner Klub für Kraftſport Meiſter im Mannſchaftsringen.
Der Rückkamnpf um die Deutſche Meiſterſchaft im Mannſchaftsringen
zwiſchen dem Kölner Klub für Kraftſport und dem S.C. Alt=Wedding=
Berlin ging am Sonntag in Köln vonſtatten, nachdem die erſte Be=
gegnung
in Berlin mit einem knappen 10:8=Siege des Berliner Vereins
ausgegangen war. Die Kölner Vertreter zeigten ſich in ihrem Heimat=
ort
diesmal von einer weſentlich beſſeren Seite und konnten den Rück=
kampf
zu einem überlegenen Siege von 13:4 geſtalten. Damit hat der
Kölner Klub für Kraftſport im Geſamtergebnis von 21:14 Punkten den
Sieg davongetragen.
Boxen.
Samſon/Körner gegen Cook am 6. November.
Für dieſen Boxkampf, der nicht nur im Inlande ungemein
intereſſiert, ſondern auch im Auslande große Beachtung findet,
ſind nunmehr die Verträge von beiden Kontrahenten unterzeich=
net
. Der Kampf findet ſelbſtverſtändlich in Deutſchlands ſchön=
ſtem
Ring, dem des Berliner Sportpalaſtes, ſtatt und iſt auf den
6. November angeſetzt worden.

Schwimmen.
Erſte reichsoffene Hallenſchwimmwettkämpfe der Darmſtädter Turner=
ſchaft
am 2. November d. J.
Die Darmſtädter Turnerſchaft (Stadtverband der der Deutſchen Tur=
nerſchaft
angehörenden Vereine) plant am 2. November d. J. im Städt.
Hallenbad zum erſten Male größere Hallenſchwimmwettkämpfe, und zwar
offen für die geſamte Deutſche Turnerſchaft. Zweck der Sache iſt es,
hier in Darmſtadt, in dem das Schwimmen in den letzten Jahren einen
beſonderen Aufſchwung genommen, zu zeigen, daß die Turner gleich=
falls
in der Lage ſind, auf dem Gebiete des Schwimmens, das ja ſchon
von altersher innerhalb der Deutſchen Turnerſchaft gepflegt wurde,
Gutes und Tüchtiges zu leiſten.
Die Veranſtaltung verſpricht groß und bedeutend zu werden, und
es wäre dies auch zu wünſchen. Bleibt es doch unumſtößliche Tatſache,
daß gerade hier in Darmſtadt die Turner dem Schwimmſport ſtets ihre
Aufmerkſamkeit gewidmet haben und in ihren Reihen die erſte Vereini=
gung
, die das Schwimmen als beſonderen Uebungszweig pflegte, ins
Leben gerufen haben und bald darauf ausgezeichnete Leiſtungen ſowohl
im Schwimmen als Kunſtſpringen vollbrachten. Man denke hier zurück
an die großzügige ſchwimmeriſche Veranſtaltung anläßlich der Ein=
weihung
des hieſigen Hallenbades. Auch die nachfolgenden Jahre bewie=
ſen
, daß die Turnerſchwimmer nicht müßig geblieben. Mehr und mehr
breitete ſich die Pflege des Schwimmens unter den Vereinen der Deut=
ſchen
Turnerſchaft, beſonders an Orten mit günſtigen Waſſerverhält=
niſſen
, aus, und gleichbedeutend hoben ſich die Leiſtungen. Es darf noch
erwähnt werden, daß der Mittelrheinkreis der Deutſchen Turnerſchaft,
dem die Darmſtädter Turner bekanntlich angehören, nicht allein in
Geräteturnen, ſondern auch im Schwimmen alsbald die führende Stel=
lung
einnahm.
Das abgelaufene Jahr hat uns nun wiederum den Beweis gebracht,
daß das Schwimmen in den Reihen der Turner einen weiteren Auf=
ſchwung
erlebte, und durch den Zuſammenſchluß der Deutſchen Schwim=
merſchaft
mit der Turnerſchaft iſt die Gewähr gegeben, daß die Organi=
ſation
des Schwimmens innerhalb der Turnerſchaft auf dem beſten Wege
iſt, ſich wiederum ſührende Stellung zu erwerben. Der Verlauf der
vielen ſchwimmeriſchen Veranſtaltungen und die vollbrachten, verſchie=
dentlich
hervorragenden Leiſtungen in ſämtlichen Turn=Gauen iſt ein
weiterer Beweis des eigenen Erſtarkens und des Vorhandenſeins großer
und erſtklaſſiger Konkurrenz, die überall auf den Plan treten kann.
Und nun bietet ſich hier Gelegenheit, eine ganze Reihe ausgezeich=
neter
Turnerſchwimmer aus den verſchiedenſten Stadten zu ſehen und
deren Leiſtungen aufmerkſam zu verfolgen.
Der Aufruf der Darmſtädter Turnerſchaft zur Beteiligung an den
Hallenſchwimmwettkämpfen am 2. November verhallte mit geſaltigem
Echo. Aus faſt allen deutſchen Gauen liefen Anfragen und Meldungen
ein, und das Intereſſe und die Beteiligung an dieſer Veranſtaltung iſt
recht bedeutend. Urſprünglich war eine große, zweitägige Veranſtaltung
geplant, die aber mit Rückſieht auf die allgemeinen knappen Verhältniſſe
wieder fallen gelaſſen wurde. Es finden deshalb alle Einzel= und
Staffelkämpfe ſowie Waſſerballſpiele für Jugendliche und Aeltere an
einem Tage ſtatt. Mühe, Arbeit und Koſten wurden nicht geſcheut, um
die Veranſtaltung zu einer großzügigen zu geſtalten.
28 Vereine mit rund 270 Meldungen das iſt ein ausgezeichnetes
Meldeergebnis für eine ſchwimmeriſche Veranſtaltung der Darmſtädter
Turner, beinahe am Schluſſe des Jahres und bei den jetzigen Verhält
niſſen. Werden alle Meldungen aufrecht erhalten und erfolgen nicht
in letzter Stunde noch Abſagen, dann dürften alle Kämpfe ſtärkſte Be=
ſetzung
aufweiſen und der Verlauf derſelben dürfte äußerſt ſpannend
werden. Die Vereine aus Stuttgart, Mannheim, Hanau, Aachen, Saar=
brücken
und Eintracht=Frankfurt werden alle mit ſtärkſter Mannſchaft
erſcheinen Eine beſondere Vorſchau hier zu geben, fällt äußerſt ſchwer.
Die Wettkämpfe beginnen vormittags 8½ Uhr, und zwar mit dem
Bruſtſchwimmen für Turner über 400 Meter, das acht Teilnehmer in
ſich vereint. Das Rennen iſt eine durchaus offene Sache, doch dürften
das Ende die Vertreter aus Mannheim und Stuttgart, denen ſich wohl
Ernſt Hüther=Darmſtadt zugeſellen wird, unter ſich ausmachen. Sämt=
liche
Jugendrennen des Vormittags, wie das Rücken=, Seite= Bruſt= und
Hühſchwimmen, ſowie das Jugendſpringen haben eine glänzende Be=
ſetzung
erfahren. Die Rennen werden wohl alle einen äußerſt inter=
eſſanten
Verlauf nehmen und knappſte Reſultate zeitigen. Unter den
Jugendſpringern befinden ſich einige recht talentvolle Springer und
Springerinnen, die ſehr gute Leiſtungen vollbringen werden. Das
Hanptſchwimmen für Turner über 200 Meter, das in je zwei Bahnen
Bruſt= Seite=, Rücken= und Hüh=Lage geſchwommen wird, ſtellt beſon
dere Anforderungen und Fertigkeiten an die Teilnehmer. Der Ausgan
iſt vollſtändig offen und dürfte äußerſt ſpannend werden. Auch das
Streckentauchen für Turner und Turnerinnen, das 17 Teilnehmer auf=
weiſt
, dürfte beſonders intereſſieren. Ob es wohl gelingen wird, 50
Meter mit Wende im Hallenbad zu tauchen? Das Hauptſpringen für
Turner und Turnerinnen wird uns wohl einen harten und zähen
Kampf bringen. Bekanntlich ſind die Turner für das Waſſerſpringen be=
ſonders
prädeſtiniert. Alle bekannten Springer, wie Liſtmann, Büch=
ner
, Hemmer, Damenfeld, ſämtlich aus Frankfurt, ſowie von Böhme=
Dresden, Jüngling=Darmſtadt und eine Anzahl weiterer hervorragender
Springer und Springerinnen werden ſich einen hartnäckigen Kampf um
die Punkte liefern und Zeugnis ablegen von dem hohen Stand des
Kunſtſpringens in der Deutſchen Turnerſchaft. Den Abſchluß der Kämpfe
des Vormittags bildet ein Jugendwaſſerballſpiel zwiſchen einer Mann=
ſchaft
der Turngemeinde Beſſungen und dem M. V.V. Stuttgart.
Der Nachmittag bringt um 3 Uhr als erſtes Rennen die Eröffnungs=
lagenſtaffel
für Turner 4X50 Meter. Es dürfte wohl die intereſſanteſte
Staffel des Tages ſein. Wir geben Stuttgart die Anwartſchaft auf den
erſten Platz, doch wird denſelben in der Mannſchaft der Turngeſellſchaft
Darmſtadt ein ernſter Gegner erwachſen. Das Hühſchwimmen für Tur=
ner
und Turnerinnen bringt 10 Teilnehmer an den Start. Es befinden
ſich darunter einige vorzügliche Schwimmer, ſo daß es ſchwer fällt, den
Sieger im voraus zu nennen. Die Bruſtſtaffel für Turnerjugend 3X50
Meter dürfte wohl einen Sieg Beſſungens bringen, deren Mannſchaft
drei gleich gute Bruſtſchwimmer in ſich vereint. Die Vereins=Beliebig=

Seite 9.

Staffel 5850 Meter dürſte ebenfalls vollkommen offen ſein, ſo daß viel=
leicht
mit dem knappſten aller Reſultate gerechnet werden kann. In der
Bruſtſtaffel für Turnerinnenjugend 3X50 Meter wäre wohl mit einem
Siege der Turngemeinde 1846 zu rechnen, wenn ihr nicht Hanau oder
Aachen das Leben ſauer machen wird. Das Rücken=, Seite= und Bruſt=
ſchwimmen
der Turnerinnen weiſt ebenfalls große Teilnehmerzählen
auf. Wer hierbei glückliche Siegerin wird, iſt nicht vorauszuſehen. Das
Bruſtſchwimmen für Turner wird ebenfalls ein bedeutendes Rennen
geben, indem ſich einige hervorragende Bruſtſchwimmer gegenüberſtehen.
Es folgen an Einzelrennen noch ein Seiteſchwimmen für Turner, in
dem Crich Leber von der Turngemeinde 1846 ſein Können unter Be
weis ſtellen kann, ein Rückenſchwimmen für Turner, eine Bruſtſtäffel
für Turner und Turnerinnen, eine Lagenſtaffel für Turnerjugend und
eine Schwellſtaffel. Auch dieſe Kämpfe verſprechen alle einen beſonders
ſpannenden Verlauf, deren Ergebniſſe knappſte Siege bringen werden
und deren Ausgang zum Teil noch von der Gewandtheit der Gegner
bei der Wende abhängt. Außer den Mehrkämpfen für Turner und Tur=
nerinnen
beendigen den Tag zwei Waſſerballſpiele von Mannſchaften des
M. T. V. Stuttgart, T.B. Stuttgart, T.= u. F.=Klub Hanau und Tv. 1846
Mannheim.
Dieſe knappe Vorſchau ſoll beweiſen, daß auch von den Turner=
ſchwimmern
dem Darmſtädter Publikum ausgezeichnete und hervor=
ragende
Kämpfe geboten werden können. Hoffentlich gelingt es den
Teilnehmern der Darmſtädter Vereine, aus der großen Zahl der Wett=
kämpfe
ebenfalls ſiegreich und ehrenvoll hervorzugehen. Der Beſuch
der Wettkämpfe dürfte äußerſt ſtark werden, und es empfiehlt ſich des=
halb
, ſich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu verſehen. Der Vorverkauf
beginnt ab Dienstag. Karten ſind erhältlich bei den hieſigen Turn=
vereinen
.
B.
Wandern
* Vergangenen Sonntag ſtellten ſich dem Führer der Wander=
abteilung
der Turngemeinde 1846 eine ganz ſtattliche Zah=
von
Turnerinnen und Turnern, darunter zu unſerer Freude auch meh=
rere
Frauen. Fröhlich ging es um 8 Uhr in den herrlichen Herbſtmorgen
hinein, dem Park entgegen Als die Sonne dann hervorbrach und ihre
Strahlen durch die goldig ſchimmernden Blätter der Bäume zur Erde
niederſandte, da jubelten die Herzen aller Teilnehmer auf, und die
Freude darüber machte ſich im Geſang fröhlicher Lieder Luft. Im Mörs=
bacher
Grund angekommen, fand ſich bald ein ſonniger Platz, auf wel=
chem
Frühſtücksraſt gehalten wurde. Wie herrlich ſchmeckte jedem der
Imbiß aus ſeinem Ruckſack in den warmen Sonnenſtrahlen, in denen
man ſich in einzelnen Gruppen gelagert hatte und dies Ende Oktober,
Weiter ging es dann dem Städtchen Dreieichenhain entge
die fröhliche Wanderſchar punkt 19 Uhr eintraf. Nach zweiſtündiger
Mittagspauſe im Gaſthaus. Zur Krone und Beſichtigung der Burg=
ruine
ging es weiter an Schloß Philippseich vorüber nach Meſſel. Hier
weilte die Turnerſchar bei Speiſe und Trank noch recht vergnügt bis
zum Abgang des Zuges beieinander. Die beteiligten Frauen aber, die
faſt ſtets an der Spitze marſchierten, beſtanden die ſechsſtündige Marſch=
zeit
ohne jede Anſtrengungen in wunderbarer Weiſe. Mögen ſich die
zu Hauſe gebliebenen jüngeren und älteren Mitglieder hieran ein nach=
ahmenswertes
Beiſpiel nehmen.
Pferdeſport.
Ein ſeltener Rekord,
Einen ſeltenen Rekord hat ein Rennpferd namens Gloa=
ming
zu verzeichnen, das in Auſtralien ſeinen Hafer verdient.
Gloaming ſtartete während ſeiner bisherigen Rennlaufbahn 60
mal, kehrte 50 mal als Sieger zur Wage zurück, war 9 mal pla=
ziert
und endete nur einmal im geſchlagenen Felde.

Rund=Funk=Programm.

Mittwoch, den 29. Oktober 1924:
Frankfurt a. M. (467 m). Wirtſchaftsmeldungen: Berliner und Hamburger Produkten
Vorbörſe), amerikaniſche Produkten (Anfangskurſe). 11.55 Uhr: Zeitangabe.
2 Uhr: Nachrichtendienſt. 4.10 Uhr
liche Produkten=
Virtſchaftsmeldungen:
ger Zucker und Nürnberger Hopfen
börſe, Hambura, Berlin, Köln, Magdebt
4.306 Uhr: Rundfunknachmittag in Muſik und Wort. 67 Uhr: Kinderſtunde für
kleine Kinder, veranſtaltet von der Märchentante. 7 Uhr: Die Abendankündi=
und kI.
7.30 Uhr: Vortragszyklus der philoſophiſchen Vereint
ng. Frankfur
Zehn
dozent P
ſter V
gnhr:
Descartes (Cartssi

gech
inut
he
Sprecher: Berl=
er
Spr
Soer
engli
School. 8.10 Uhr: Die Beſprechung (literariſ
Ceil).
8.30 Uhr: Italieniſe
Ouverturen: 1. Die diebiſche Elſter, Roſſini; 2. Die Italienerin in Algier, Noſſini
3. Semiramis, Roſſini; 4. Tanered, Roſſ
5. Mephiſtopl
Arr. Boito und ander
ausorcheſter unter Leitum
hrend
italieniſche Ouverturen. Au
as verſtärkte
von Herrn Dr. Merten von der Frankfurter Oper.
93o n
Nachrichtendienſt
9.40 Uhr:*Die
Havag, Sportbericht
teldung, Verkehrsnachrichten
Se
indigung: die Reklame? 9.50 Uhr: Füinf Minuten Technik. 9.55 Uhr:
Zeitvorbereitung. 9.56 Uhr: Drei Minuten der Hausfrau. 10 Uhr: Zeitangabe
1011 Uhr: Das Volkslied. Ein Zyklus. Vierter Abend; Italien. 1. Altitalieniſche
Kanzonetten (aus der Sammlung von Prof. H. Springer und Dr. E. Buhle). 2. Neapo=
litaniſche
Volkslieder (Aus de=
2c0 di Napoli). Ausführende: Fräulein Eliſabeth
Friedrich und Herr Kammerſän
n Gläſer (beide vom Frankfurter Opernhaus)
brotrian=Steinweg=Flügel: Herr Dr. Merten vom Frankfurter Opernhaus
Berlin (430, bzw. 500 m). 10 Uhr: Beri
über die Kleinhandelspreiſe der wichtigſten
Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. 10.15 Uhr: Erſte Bekanntgabe der neueſten
Tagesnachrichten, Wetterdienſt. 11.35 Uhr
Notierungen der Ber=
unkbörſe
(*
liner und Hamburger Produktenvorbörſe) ar
12.15 Uhr: Kurze
Welle 500
Tendenzbericht der Berliner Vorbörſe. 12.55 Uhr: Übermittlung
ſeitzeiche
1.05 Uhr: Zweite Bekanntgabe der neueſten T
rdienſt.
ſchrichten,
3 Uhr: Funkbörſe (die amt=
2.15 Uhr: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Börf
lichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten= und Viehbörſe; amtliche
Deviſen) auf Welle 500. 4 Uhr: Funkbörſe (Getreide eif. Hamburg; Berline
Kolonialwaren=Großhandelspreiſe) auf. Welle 500. 4.305.55 Uhr: Unter=
ſik
(Berliner Funkkapelle): 1. Die Himmel rühmen des Ewigen Größ
halt
*
n. 2. Huldigungsmarſch, E. Grieg. 3. Feſt=Ouverture, Lortzin
L.
4. Walters Preislied aus den Meiſterſingern von Nürnber
es=
Wagner. 5
feier, Weingartner. 6. Fan
1. Wagner.
aus der Oper Tannhäu
burtstagsſtändchen, P. L
zeid umſchlungen, Mil
Walzer. Joh. Strauß.
Reit
Blankenburg. Während de
uſen: Natſchläge,
Feſ
Haus
6Uhr: Die Funkprinzeſſin erzählt: Nordiſche Märchen von Gnomen un
ub, dem niemals bange war
Trollen. 1. Der Trollritt, Anna Wahlenberg. 2. Von
Zuhr: Ein Jahr deutſcher
Alfred Smedberg. Die Funkprinzeſſin, Adele Proesle
undfunk, Abertragung aus der Staatsoper. Unter den Linden. I. Teil: 1. Quver=
eiſchütz
Carl Maria von Weber: Dirigent: Generalmuſik=
ture
zu der Oper Der
direktor Erich Kleiber
2. Vorſpruch, verfaßt und geſprochen von Walter Bloem.
3. Anſprachen. 4. Ballade der Senta aus der Oper Der fliegende Holländer
Wagner. Geſungen von Barbara Kemp und dem Chor der Staatsoper., Dirigent:
Walzer (Balle
Prof. Dr. Max v. Schillings. 5. An der ſchönen blauen Don
20 Minuten Pauſe.
Johann Strauß. Dirigent; Kapellmeiſter Otto Urack a. G.
II. Teil: Vorſpiel und Feſtwieſe aus der Oper Die Meiſterſinger von Nürnberg
4. Wagner. Dirigent: Prof. Dr. Max von Schillings. Beſetzung der Hauptrollen:
Elfriebe
Hans Sachs Cornelius Bronsgeeſt. Walter v. Stolzing Biörn Talen. Eva
5
Marherr=Wagner, Beckmeſſer, Heinrich Schulz. Pogner, Otto Holgert
avid
Waldemar Henke. Magdalena, Ida v. Scheele=Müller. Anſchließend: Dritte Bekannt=
be
der neueſten Tagesnachrichten, Zeitanſage, Wetterdienſt, Sportnachrichten,
heater!
England (MEh
3.) London (365), 7.30 Uhr: Kammermuſikabend. Bournemouth
385), 8.30 fhr: Stadtkapelle. Mancheſter (375), 7 n1
berflöte
Die
B
Mozart). Aberdeen (495), 7. 30nhr: Hugh the Drove
augha
Diams),
vertragen von Edingburgh. Glasgow (420), 7.30 Uhr: Eine Nacht in Spanien.
Belfaſt 7.30 Uhr: Symphoniekonzer

Orf

Wer kritiſch das Gute ſucht
wird bei der OVERSTOLZ in der neuen grungoldenen
Packung eine Fülle von Wohlgeſchmacf und Aroma
entdecken, wie er ſie ſonſt nur bei teureren Rgaretten
Horzuffinden ge wohnt iſt. (. r wird der Gute dieſer
Haus Neuerburg=Zigarette zuliebe ſicherlich gern auf
eine luxuriöſe Ausftattung und ein übermäßig dickes
Format verzichten.
Haus Neuerburg.o. H.0

TRIER •KÖLN •HANBLR0 •DRESPFR.

[ ][  ][ ]

28. Oftober 1924

Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Konkursnachrichten aus dem Oberlandesge=
richtsbezirk
Frankfurt a. M. Im Oberlandesgerichtsbezirk
Konkurſe ergeben: Frankfurt a. M.: Boruemann u. Weitz, G. m. b. H.
Gr. Gallusſtr. 2., OffA. 10. 11., f. 2. 11., 1. GlV. 10. 11., Prſt. 2. 12.
St. Goarshauſen: Rheiniſche Holzhandels=Aktiengeſellſchaft, Af. 10. 11.,
GlV. 4. 11., Prft. 25. 11., OffA. 10. 11. St. Goarshauſen: G. Taube
u. Co., G. m. b. H., Prft. 28. 10. Frankfurt a. M.: P. Rothenheber,
Akt.=Geſ., Taunusſtr. 45/47, OffAl. 14. 11., Af. 16. 12., 1. GlV. 14. 11.,
Prft. 16. 12. Höchſt a. M.: Maſchinenbaugeſellſchaft Schleicher u. Hof=
mann
, G. m. b. H., Geſchäftsaufſicht aufgehoben.
Aufwertung von Vorzugsaktien in angemeſſe=
ner
Form. In der An clegenheit der Vorzugsaktien der Firma
Blohm u. Voß hat das zuſtändige Gericht erkannt, daß der Aufruf der
Vorzugsaktien richtig und die Aufwertung in angemeſſener Form vorzu=
nehmen
ſei.

(Erwerbsgeſellſchaften.

Keine Verbindungen der Firma Gebr. Him=
melsbach
A.=G. z eiburg mit Wirth und Fehrenbach.
Die Firma Gebrüder Himmelsbach A.=G., Freiburg im Breisgau, er=
ſucht
uns um Weitergabe folgender Mitteilung: In letzter Zeit wurden
von gewiſſen politiſchen Preſſen die Mitteilung verbreitet, daß die
früheren Reichskanzler Fehrenbach und Wirth in engen geſchäſt=
lichen
und verwandtſchaftlichen Verbindungen mit der Firma Gebrüder
Himmelsbach ſtehen. Demgegenüber macht die Firma Gebrüder Him=
melsbach
die Feſtſtellung, daß weder Fehrenbach noch Wirth im Auf=
ſichtsrat
dieſer Firma ſind noch waren und beide keinerlei verwandtſchaft=
liche
Beziehungen zur Familie Himmelsbach und keine geſchäftlichen zur
Firma Gebrüder Himmelsbach A.=G. je gehabt haben. Beide ſtehen
dieſer Firma völlig fern und haben keinerlei Einfluß auf deren Geſchäfts=
führung
. Was im übrigen die gegen die Firma Himmelsbach erhobenen
Vorwürfe betrifft, ſo wurde inzwiſchen gegen die Verleumder Klage ein=
*Wechſelkredite des Kaliſyndikats. Das Kaliſyndikat
hat mit Rückicht auf die ſchweren Ernteſchäden beſchloſſen, bei allen Auf=
trägen
, die ihm ab 16. Oktober zur prompten Lieferung zugehen, einen
dreimonatigen Wechſelkredit bis auf weiteres zu gewähren.
Warenmärkte.
w Amtliche Notierungen der Frankfurter Ge=
treide
=Börſe vom 27. Oktober. (Getreide, Hülſenfrüchte und Bier=
treber
ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack.) Preis
je 100 Kg. Weizen Wetterau 22,523,5, Noggen 2223, Sommergerſte
für Brauzwecke 2427,5. Dafer inländiſch 1922, Hafer ausländiſch
Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 3337, Noggenmehl 29,534, Weizen=
kleie
11,5, Roggenkleie 11, 25. Tendenz: ſlau.
* Frankfurter Viehmarkt. Der Auftrieb des Hauptmarktes
beſtand aus 1153 Rindern, darunter 23 Ochſen, 47 Bullen, 813 Färſen
und Kühen und 2 Freſſern; ferner aus 250 Kälbern, 309 Schafen und
3489 Schweinen. Notiert wurde der Zentner Lebendgewicht: Ochſen 37
bis 56, Bullen 38 bis 50, Färſen und Kühe 14 bis 54, Kälber 50 bis 76,
Schafe 42 bis 46, Merzſchafe 30, Schweine 70 bis 83 und Sauen und Eber
65 bis 75 Goldmark. Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine ruhig,
Schafe lebhaft gehandelt, bei Schweinen etwas Ueberſtand.
* Mannheimer Produktenbörſe. Die Geſchäftsſtille hat
auch geſtern angehalten, weil die zweite Hand immer noch damit beſchäf=
tigt
iſt, die in den letzten Wochen aufgekauften Waren in den Konſum
zu bringen. Die Mühlen haben unter dieſen Umſtänden keinen Anlaß,
zu größeren Kaufen von Brotgetreide zu ſchreiten. Die von einem
Münhener Plat gebrackte Mitteilung, daß in den Kreiſen des Mann=
heimer
Getreidehandels Schwierigkeiten wegen der Aufnahme von Do=
kunenten
eingetreten ſeien, entbehrt nach den von uns eingeholten Er=
kundigungen
jeder Vegründung. Dagegen iſt richtig, daß vielfach Dänd=
ler
, die nicht in der Lage geweſen waren, die herankommende Ware beim
Eintreffen zu bezahlen, dieſe vorher unter den Marktpreiſen wieder ab=
geſtoßen
haben. Im heutigen Verkehr verlangte man für die 100 Kilo
frei Waggon Mannheim: Weizen inländ, 24. ausländ, 26,529. Nog=
gen
inländ. 23, ausländ. 2425, Gerſte 27.529, Badiſche Gerſte ab Sta=
tionen
2626,5, Taubergerſte 2627, pfälziſche Gerſte 228 ab Statio=
nen
. Im Waggongeſchäſt koſteten ferner Hafer inländ, 18 521,5, aus=
länd
. 2124, Mais mit Sack 21,5. Das Mehlgeſchäft lag faſt umſatzlos.
Die Mühlenforderungen lauteten für Weizenmehl 37, für Roggenmehl 35.
Die zweite Hand bewegte ſich mit ihren Forderungen 34 Mk. unter
dieſen Preiſen. Im Durchſchnitt verlaugte man für Weizenmehl 3335,
für Roggenmehl 3132 Mk. die 100 Kilogramm.
Kolonial=
warenbörſe
. An der Kolonialwarenbörſe war die Tendenz feſt.
Es koſteten pro Kilo verzollt: Kaffee Santos 4,304,70, gewaſchen 5.10
bis 5,40; Tee gut 7,208,2. mittel 8,309 50, fein 9,6012 Mk.:
Kakao inländ. 1,501,90, holländ. 1,652. Mk.; Burmareis 0,42;
Weizengries 0.49: Hartweizengries 0,56; kriſtalliſierter Zucker 070.

Handelsblatt
verkauft: 201 Ochſen 2632 Mk. 104 Bullen 3680. 508 Kühe und Rin= Kölner 5tis Geld. Münchener 725 Geld und Nürnberger 6,25 Geld.
der 1454, 410 Kälber 6076, 198 Schafe 2236, 1816 Schweine 6482,
Frankfurt a. M. haben ſich in der Zeit vom 15. bis 21. Oktober folgende Ziegen 1030. Die Tendenz für Großvieh und Schweine war ruhig, Schluß und an der Nachbörſe faſt umſatzlos. Das ganze Intereſſe der
es ergab ſich Ueberſtand. Auch für Kälber war die Haltung ruhig, doch
wurde der Markt langſam geräumt.
* Mannheimer Pferdemar kt. Zum Pferdemarkt waren
zugeführt: 20 Wagenpferde, 154 Arbeitspferde, 45 Schlachtpferde. Pe=
zahlt
wurden pro Stück: Wagenpferde 12002100 Mk., Arbeitspferde 800
bis 2000, Schlachtpferde 50120. Die Tendenz war ruhig.
w Berliner Produktenmarkt. Zu Beginn fanden zu
den ſtark ermäßigten Preiſen nur vereinzelt Abſchlüſſe ſtatt. Für die Die Kursveränderungen hielten ſich unter dieſen Umſätzen in ſehr engen
zweiten Hand angenommen, ſo daß dieſe mehr als bisher auf Preis hielt
Forderungen weniger beachtet wurden. Das Inlandsangebot von Brot=
getreide
war ſehr knapp. Das Berliner Mehlgeſchäft iſt wie bisher ge=
ring
und ſchleppend geblieben. Die Nachfrage für Noggen erſtreckte ſich burger Käufe, die augenſcheinlich in der Erwartung erfolgten, daß die
in feiner Ware geſucht und war in weniger befriedigendek Ware ſchwer
verkäuflich. Für Hafer trat ſpäter etwas Intereſſe hervor.
Ffm. Süddeutſche Egelmetallkurſe. Am Montag wur=
den
in Pforzheim folgende Edelmetallpreiſe uotiert: Barrengold, das
Gramm 2811) Mk. (Geld), 282 Mk. (Brief), Platin, das Gramm 1470 etwas erhöhte Nachfrage. Am Debiſenmarkte hielt ſich die Nachfrage un=
Mk. (Geld), 14,90 Mk. (Brieß), Feinſielber, das Kilogramm 98,50 Mk.
denz: feſt. (Mitgeteilt von der Darmſtädter und Nationalbank, Filiale
Pforzheim). Am Samstag wurden in Stuttgart folgende Edelmetall=
preiſe
notiert: Feingold, das Gramm 2,81 Mk. (Geld), 2,83 Mk. Brief),
Platin, handelsübliche Ware, das Gramm 14.45 Mk. (Geld), 14,90 Mk.
Brief), Fein=Kornſilber, das Kilogramm 98 Mk. (Geld), 100 Mk. (Brief), Amſterdam=Rotterdam..
Silber in Barren, 1000/1000 f. das Kilogramm 97.50 Mk. (Geld), 99 Brüſſel Antwerpen ....
Mk. (Brief). Notierungen von 3 Uhr nachmittags. Tendenz: Silber feſt. C
Schmiermittelmarktbericht. Das Geſchäft hat ſich gut be=
lebt
. Es gehen vorzugsweiſe kältebeſtändige Automobilöle. Dies mag
darauf hinweiſen, daß man beginnt, den Bedarf für den Winter zu Italien ...
ſichern. Die Induſtie kauft ebenfalls zufriedenſtellend, wobei prompte
Lieferung Bedingung iſt.

ſe!

Nr. 299

Verzollt Unverzollt Naßdampf=Zylinderöle: Visk. 45/100 Flp. 240 z 885 4 6. 45ſ100 270/80 935 6.50 45100 280/90 9.88 7. 451100
Heißdampf=Zylinderöl: 0 290/300 13.35 10.50 56l1od ca, 320 0, 14.60 11.75 81100 330/335 3, 19.35 16.50 Amerik. filtr. Zylinderöl, Marke Continental‟ . ..." . , 12.85 10. Maſchinenöl=Raffinate: Bisk. 3650 Flp. 150/60 860 5.75 45i50 180 985 2. 4550 üb. 200 , 10.60 79E 5650 ca. 180 10.35 750 63i59 180 90 10.85 8. 78/50 üb. 200 0, 11.20 8.30 7850
230/40 11.60 8.75 89650 200 11.60 8.75 56150
Maſchinenöl=Deſtillate: 180 8.35 5.50 78i50 180 850 565 Maſchinenfett, hellgelb, unbeſchwert, Tropfp. 80/90 9.75 7.75 Amerik. Natur=Vaſeline, hellgelb, techniſch 12.30 9.50 pharmazeutiſch 14.90 11.50 weißlich, 31.40 28. weiß, 33.,65 30.25 ſchneeweiß 35.65 32.25 Amerik. Vaſelinöl, hellgelb, entſcheint 9.95 7. Meiſuk=Wiotoröl (kältebeſtändig) für Automobil= Rennwagen und Flugmotore, weiß z..... 170. 170.

alles per 100 kg netto, einſchl. Holzfaß, verzollt, bezw. unverzollt,
Lager Hamburg.

ab

Börſen.

* Frankfurter Börſe vom 27. Oktober 1924. (Eigener
Bericht.) Ueber den Verlauf der heutigen Börſe iſt wenig zu berichten.
Die Märkte zeigen dasſelbe Bild wie am Wochenendee, kleine Umſätze,
kaum veränderte Kurſe bei leichter Neigung zur Schwäche. Am deut=
ſchen
Nentenmarkt konnten ſich die im Freiverkehr genannten,
etwas erhöhten Kurſe nicht behaupten. Kriegsanleihe ſchwankte im Bör=
ſenverkehr
zwiſchen 465455460 Milliardenprozent, alte Pfandbriefe
werden unverändert mit 3,754 Billionenprozent genannt. Am Markt
der Vorkriegsanleihen fand ein Beſchluß des Stuttgarter Gemeinderates
Beachtung, wonach bereits ab 1. 7. 1924 eine Verzinſung der Stuttgarter
Stadtanleihen von zunächſt 1 Prozent eintreten ſoll. Stuttgarter Stadt=
anleihen
ſtiegen daraufhin bis 8ſg Billionenprozent. Auch die übrigen
Vorkriegsanleihen der Städte konnten ſich befeſtigen. Man hörte zum

* Mannheimer Schlachtviehmarkt. Zum Schlachtvieh= Börſenſchluß an dieſem Markte etwa folgende Kurſe: Frankfurter Stadt=
markt
waren zugefihrt und wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht anleihen 55 Geld, Mannheimer 5,5 Geld, Heidelberger 535 Geld,
Die Aktienmärkte und auch der Rentenmarkt lagen zum
Börſe konzentrierte ſich ausſchließlich auf die Vorkriegs=Städte=Anleihen.
Berliner Börſe. Da in den bekannten Urſachen für die
zurzeit au der Börſe herrſchende hochgradige Geſchäftsſtille keine Aende=
rung
eingetreten iſt, ſo blieb dieſe auch zu Beeginn der neuen Woche be=
ſtehen
. Auf keinem Umſatzgebiete, ſelbſt dem ſonſt eine Ausnahme bil=
denden
Anleihenmarkte, kam es zu Umſätzen von irgendwelcher Bedeeu=
tung
. Cs zeigte ſich ebenſo wenig belangreiches Angebot, wie Nachfrage.
Ausgebote der zweiten Gand zeigte ſich in Noggen und Weizen mehr In= Grenzen und erreichten nach oben und unten für Dibidendenpapiere nur
tereſſe, namentlich holländiſche Mühlen haben wieder mehr Material der in ganz wenigen Fällen, die aber mehr Zufälligkeiten zuzuſchreiben
waren, 1 Billion Prozent. Die Grundſtimmung war dabei im allge=
und die ermäßigten, aber immer noch zu hohen amerikaniſchen direkten, meinen als ziemlich feſt zu bezeichnen. Größeres Geſchäft verzeichneten
zeitweilig Südſee=Phosphataktien, die im freien Verkehr von 14 auf über
20 Billionen Prozent anziehen konnten. Maßgebend hierfür waren Ham=
in
der Hauptſache auf Lieferung in den nächſten Monaten. Gerſte blieb bevorſtehende größere Freigabe von deutſchem Eigentum in Japan auch
den Uktionären der Südſee=Phosphatgeſellſchaft in entſprechender Form
zugute kommen werde. Mit Ungeduld erwartet die Börſe die angeblich
bevorſtehende Entſcheidung in der Frage der Ermäßigung des Umſatz=
ſtempels
. Am Geldmarkt zeigte ſich im Zuſammenhang mit dem Ultimo
gefähr auf der üblichen Montagshöhe; etwas größer war ſie für hollän=
U3
(Geld), 99,25 Mk. (Brief). Notierungen von 11 Uhr vormittags. Ten= diſche Gulden, deren Kurs demzufolge etwas heraufgeſetzt wurde.
Oeviſenmarkt.


Aafe
Gel
Ge TNfe
Ve
2 169 Haf 778 20.18 ſtianig. ........ enhagen ........ Stockholm ..,z Helſingsfors ........... 11 1828. 1. M London. zzzzzi= 1884 18 New=Norck ............ Paris. ..............* hweiz ...........4 7 o panien.
......" 5634 vol ſterrabg.) ..
Wien (i. D. 19u5 Prag.
....f 12.4B ........
Budap voll Buenos=Aires. ......= 19. * 152 8 voll Bulgarien...= 304 1N. 306. voll Japan. ..... 18. von Rio de Faneiro ........ AK- 44. Belgrad.. ........... (in Liſſabon .......... . Z 1a 4e 18.
M Danzig .............. 75.44 75.25= 75.84 Konſtantinopel ........ 2.8 3 voll

Berliner Kurſe. EEigene telegraphiſche Meld
33
Sämrliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 0000

Aktiengeſ. für Anilinfr.
Aſchaffenburg
25
Ausgb.=Nürnl
ſch
erl=Anhalt. Maſchinen
Berl.fiElektr. W.vorzug.
Bismarckhütte.
raunkohlen=Briketts
Bremer Vulkan ......
Volle. ......
Chem. Hehden .......
Beiler ....."
Deutſch=Atlant. Tel.
che Maſchinen:.
deutſch=Niedld. Tel. .
Deutſche Erdöl ......
ſeutſche Petroleum. . .
N. Kaliwerkemu
tunition
ffen
Donnersmarckhütte.
Dnnamit Nobel. ...
Glberfelder Farben ...
Elektr. Lieferung .....
..."."
Vorz. . ....
daiem
..
Geſ,f eleſtr. unt
Halle Maſchinen .....
Han. Maſch Eags ..

1or
2. 2. P. 7 10. Hanſa Dampfſch. . . . . 9750 Hemo
nent .... zirich
r......." 15100 Höſch Eiſen 4100 Hohenlohe W.
jahla Porzellan ..... ndes Eismaſch. ... öM önfe. Scu4 Pa e ve u. Co. ... M 14250 dorenz ......
.. 15 eguin
*R 9 6400 Niederländiſa Nordd. Gummi. .. 10 nſtein.
...:
Aae .."
Nathgeber ?
... Rombacher Hütten . 142 550 100 Roſitzer.
Ocker ..= ...." 14625 achſe
.... 300 ſiſtahl ... jemens 8l.
....... 1 ale Eiſenhütte
.... ſitzer Glas. 700 Volſtedter Porzellan. 1. Eiſ. Landendreer, 000 tahl... 20000 5äü i Zanderer=Werke.. zl 6500

Frankenkurs in London:
Markkurs

86.40
49½

anbfu
Darmſtädter und Nationabanß, Konmandit=Geſelſchaft auf Atien.
Franxfürter Kursbericht vom 27. Oktoder 1924.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.

Europäiſche Staatspapiere.
g Deutſche.
5% Reichsanleihe ..........."
...........
3½% .."
1U5
Dollar=Goldanleihe per

1932.
Dollar=Schatzanweiſungen
4½RII
T. u. V. Schatzanweiſg.
4½8
475Dt. Schutzgebiet v.0.8-11u. 13
v. 14
Sparprämienanleihe ........."
Zwangsanleihe . .......
Preuß. Konſols .........
3½9
........
n
.....
4% Bad. Anl. unk. 1935......
81% r b. 1907.......
1896......
Bahern Anleihe .........
13
31.
Heſ. Dollar Goldmk.=Schatzant
rckz. 26
816% Heſſen Reihe XXXII.
untilg, b. 28 .=
3% beſſen unk. 1924 ........
3½% r .....:.....n
.........

42 Württember
er alte . ....

b) Ausländiſche.
2 Bosnien L. E.=B. v. 1914.
L.Inveſt.=Anl. v. 1914
4½2
1902 ........

11
52 Bulgar. Tabal
902.. ...
driech Monopol ...
41% Oſt. Staatsrente v. 1913
18.
.
ſt. Schatzanweiſ. ſtfr


eufe e el
42, Oſt. 6o
....."
ſo. einheitl. Rente ....=
5% Rum. am. Rente v. 03 ....
1.
41a% Goldrente v. 13
am. Goldrente konv.
42 am. b. 05 .

420 Türk. (Admig.) v. 190
4% Bagdad, Ser, 1
..
eelit e
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ....
1½
ſoldrente. ...."
*4
Staat:r. 10. ...=
%.. Kronenrente .....

Außereuropäkiſche.
5% Mexik. amort innere ...
onſ äuß. v. 99 ....
Gold v. 94, ſtfr. . .
konf. innen
4Bo
Frigati nsanlei
ze.
b70 Tamaulipas, Serie l......
Oblig. v. Trandportanſt.
42, Eliſabethbahn, ſtir.
43 Gal. Carl Ludw.=Bahn ...
52 Oſt. Südb. (Lomb.), ſtfr. ..

2.u. 3.0.I 24 1. 7. Alte Oſt. Südb. (Lomb.). . 269 Neue * 0.445 ſt. Staatsb. b. 1883 . ...
4 4 1.b.8. Em. . Mech
.. 8. 24. 38 Oſt. Staatsb. b. Erg. Net 9., 95 6 Rudolfb. (Salzkammerg.). K8 42 AngtolierI........ 32 Salon. Conſt. Fonktion.... 3 Salonique Monaſtir ..... 7.25 Tehuantepee. ........ 41%
........ * ic Nach Sachwert verzinsl. Schnldverſchreibungen. 099 % Badenw. Kohlenwrtanl. v. 27 10 10 2% Fft.
Pfandbr.=Bk. Goldobl. TEm. 158 1.58 Ffandbr.=Bk. Goldobl. 1.
raf.
N. 60.25 s 1212 1B Nannheim Kohlenwertanl b. 3 9 10.5: 10.s 6 Heſ.Braunk.=Rogg. An 3.35 ar A.=G. Stuttgart Gold
5% 5.5 M 2.6 2 5.75 52 Pfälze
Bank. Gold= 0. 5. 24
AA Wöite
5% Preuß. Kaliwert.? 1.4 Roggenwert=Anl. 2 Rhein, Hypot.=Bank Gold= fdbr. v. 24.
.. 1.65 1.65 K 5% Rhein=Main=Dona: Gold= anl. v. 23 .
..."" 252 2.5 Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23, ser Tu. II....
enm 5% Sächſ. Noggen 8.
2- z Süd. Feſtwertbl. Golbobl. 1i. 15 95 Bank=Aktien.
3. 25 Alg. Deutſche Freditanſt. . Bank
ſir Brauinduſtrie .
.... 70= Barmer Baniverein. *O Bayer, Hypothelen= u. Wechſelb 1.3 20, Berliner Handelsgeſellſchaft . Comm
z. und Privatbank. .. Darm
dter u. Nationalbank. Bo Deutſche Bank. Hebor
Deutſche Effekt. deutſche Hypot.=Bank Mein. Deutſche Vereinsbank ......= g 10, disconto=Geſelſchaft . ......!
9 Dresdener Bank....... Frankfurter Bank......... frankfurter Hypotheken=Bank Metallbank.
bor. 12. Mitteldeutſche Eredi
..: 8.
erreichiſche Creditanſtalt. 1. Reichsbank Ant.
....." Nhein. Creditbank
. ....... hein. Hupothekenbank. 172 üddeutſche Disconto=Geſellſch. Beſtbank. .....
....." * Biener Bankberein. ......... . 4 Bergwerks=Aktien. Berzelius
............." 5.48 . Bochumer Bergb. .......... Buderus.
........... 2 Dt. Lurembu
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.... 49 1.8 1.75 fſchweiler Berawerks
725 Gelſenkirche
Bergw. ....... ½. Harpener Bergbau .......... 79,73

T Tauſend M Milliouen Md Milliarden 0U ohne Umſatz X rationiert

Kaliwerke Aſchersleben ......"
Salzdetſurtg. .....
Zeſtereg In ..."
löchnerwerke (abg. Lothr.=Hütte
lannesmann Röhren. .......
ſelder .................
bedarf. ..............
Oberſchleſ. Eiſen Caro) ......
Otavi Mi
en u. Eb. Ant. . .
robau ..........."

ſhein. Stahlwerke ...........
tiebeck Montan ...........
ſombacher Hütte .
Fellus Bergb.= u. Hütten=Akt. .
Ver. Laurahütte ......
Aktien induſtr. Unternehmn g.
Brauereien.
Henninger Kemp =Stern .....
Löwenbräu München .........
Schöfferhof (Binding)........
Berger ...........fff..ff

Akkumulat. Berlin ...........
dler & Oppenheimer .......
Adlerwerke ſv. Kleher);.....=
A.E.8. Stamm.
....."
A. E.G. Vorzug Lit. 4 ....=
3o A.E. 9. Vorzug Lit.
ſecke & Konegen. ...
glo=Continental=Guanoe. ..
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Zadenis
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Nürnberg .............
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Metallwerke ......"."
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Griesheim E.
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Motoren.
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Dt. Gold= u.
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Dresdn, Schnellpreſſen ......
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Natinger (Dürr)...
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L. Meyer ir. ...
Elberfelder Farbw. v. Baher.
lberfelder Kupferzu. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs=Geſ. ......
Elektr, Licht und Kraft . ......"
Elfäfſ. Bad. Wolle.
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Eßlinger Maſchinen ........
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danz, Ludwig. Mainz ....=
Zeiling E Cie.
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midt, Th. ..
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Trauß & Co., Lokom. ......
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Sthuckrt elektr (Nürnveeg) ..

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1. 13. 4a 6. 15 28 19 3 0.80 0.800 ... 102 81 2. 12.75 35.0 I 2. 1. 27. 10. Schuhfav k: Berneis=Wsſſel ..." Schuhfubik Herz........ Schuhf. L ander. Offenbach :. chultz, Grünlack, Rdsh. .... ich Seilinduſtrie Wolf........... ichel & Co. Mainz
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... Benuleth & Ellenberger .... 3" 30

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Kabel Rhehdt .............
Krügershall Kali ..........
Metall Starkenburg .........
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Raſtutter Wagg
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Ind. Barmen (Tigg) ..
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13.

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1

[ ][  ][ ]

Nummer 300.

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Seite 11.

Lebenswogen.

13)

Roman von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

Ueber ſein Vollmondgeſicht glitt ein freundliches Grinſen,
mit ſeiner hellen Knabenſtimme, die in völligem Gegenſatz zu
ſeiner kugeligen Figur ſtand, ſagte er, den Staubwedel wie ein
Zepter hoch in der Rechten haltend:
Gleichwie der Türk auf ſeinen Raub,
So ſtürmt auf mich die Schönheit ein.
Raubt Herz und Ruhe mir, und bald
Wird hin auch mein Verſtand ſein!
Mizerl lachte, daß ſich die Grübchen in ihren roſigen Wangen
noch mehr vertieften: Haben’s überhaupt je anen Verſtand
ghabt? I glaub’s nit! Sie ſan a komiſcher Kerl, ſo was
gibt’s a nur in Berlin!
Glauben’s Mizerl, glauben’s, Sie bildſauberes Schatzerl,
Sie?" Kommen’s darob aus Wien, daß Sie mir das Köpferl
verdrehn? ſuchte Emmerich ihre Wiener Sprechart nachzuahmen.
Ja, verdraht ſan’s, Moppel, rief Mizerl, und net zu knapp,
wie man hier ſagt, Sie Tſchaperl, Sie! Und nicht zu knapp
möcht ich mal Ihr reizendes Figürl umſpannen, und Emme=
rich
verſuchte ſeinen Arm und ihre Taille zu legen.
Au, Potzwetter, und ſchnell zog er ſeine Hand zurück, denn
Mizerl hatte ihm den Staubwedel entriſſen und einen gehörigen
Klaps gegeben. Sie ſind ſchlagfertig, Fräulein Mizerl, aber
die Sorte von Weibsleuten lieb ich.
Was ſagn’s, Weibsleut? rief Mizerl zornig. Wo ſan

denn hier Weibsleut? Sie ſah ſich wie ſuchend um: Ich ſiech
kane Weibsleut! Aber i ſiech’ anen Trottel, an Faxenmacher,,
an damiſchen Hallawachel! Haben’s mi verſtand’n, Sie Trottel=
Moppel?
Natürlich hab’ ich Sie verſtanden, Sie Liebling, Sie ſchreien
ja, als ob Feuer wär!! Und ’s brennt doch nur in meinem
armen Herzen, aber lichterloh! Für Sie, Mizerl, für Sie! Paſſen’s
auf, wir werden doch noch ein Paar Mizerl=Moppel, das hat
der Himmel ſchon ſo zuſammengefügt, und Emmerich kniff
luſtig die Aeuglein zuſammen
Eh’r fallt der Wiener Steffel um und fließt die Donau
rückwärts, Sie gſpaßiges Manndl, ſagte Mizerl, deren Zorn
ſchnell verflogen war. Und nun ſtören’s mi net länger, die Tant
hat in der Küchel zu tuan, und i bin noch weit zurück mit meiner
Arbeit. Sie ſah auf die altertümliche Standuhr: Jeſſes,
Maria und Joſef, ’s iſt glei' halber acht, da heißt’s die Händ
rühr’n. Und hab’n nix zu tuan, als hier Maulaffen feil halt’n?
Tummeln’s Ihna!
Du ſchmellſt mir, Kind? Ich zürne nicht,
Gut ſteht auch Böſes deinem Mund!
Selkſt Bittres ſoll mir ſüß auf der
Rubinen Lippen Rand ſein!
deklamierte pathetiſch Emmerich, ſeine geleſene Weisheit in
den letzten Tagen jene Mirza Schaffys zum Beſten gebend.
Mizerl deckte emſig und geſchickt den Tiſch weiter, ein Wiener
Liedchen vor ſich hinſummend, Moppel korkte einige Flaſchen
auf, aus jeder ſich ein Glas einſchenkend, das er mit Kenner=
miene
leerte. Von dem Portwein, den es zur Suppe geben
ſollte, bot er eins Mizerl an: Mein holdes Fräulein, darf ich’s
wagen, Ihnen dieſes Gläschen anzutragen?"
Nix dürfen s wag’n, Se Flohbeutl Se, gehn’s ab mit Ihr’m

Glasl. Se wern ro des ſchöne Tiſchtuach verſchmiern, Se ber=
drahter
Dichtikus, Se!
Was brauſeſt du, wenn ich dir nah, gleich auf wie junger Wein?
Die Heftigkeit wird dein Gemüt von Sorgen nicht befrein.
Im Glaſe ſpiegle deinen Zorn, bis er ſich ganz gelegt,
Drum trink’ es aus: in Ruh nur kann dir ein Trunk gedeih’n!
und Moppel leerte das Glas mit einem Zug: 8 ging auf Ihr
Wohl, einziges Mizerl.
Nimmt der Menſch a Vernunft an? Son verzwickt’s
Hirngeſpinſt iſt mir mei Lebtag nit vorkomm’n rief Mizerl. In
Wean gibt’s ja a verruckte Leut, aber, wiſſen’s, da könnten’s
Ihna für Geld ſegin laſſin! Auch mit Ihnam Durſcht, heilige
Maria Taferl, hab’n 8 a Pumpſtation in Ihrm Bauch?
Mizerl, und Moppel dämpfte ſeine Stimme, kann ich
Ihnen ein Geheimnis anvertrauen? Können Sie’s auch bewah=
ren
? Es drückt mich ſchon lang, ich wollt’s Ihnen ſchon immer
ins Oehichen flüſtern . . ."
Mizerl ſah ihn geſpannt an.
Ich bin, ich bin , er hatte einen weinerlichen Ton ange=
nommen
, ich bin aber um Himmelswillen, Sie verraten mich
nicht ich bin . . . ein Flaſchenkind!
Was ſan’s a a Flaſchenkind?"
Ja, meine Mutter hat mich mit der Flaſche aufgezogen,
wiſſen s, nicht am Buſen der Natur, und da iſt mir eine gewiſſe
Vorliebe für die Flaſche geblieben. Ich bin mehr ein künſtliches
Kind!
Jetzt verſtand erſt Mizerl die Fopperei: A künſtliches Kind
ſan’s? rief ſie zornig. A Saufaus ſan’s, a unverbeſſerlicher
Hallodrian, an wampeter Sechter!
(Fortſetzung folgt.)

VCCCCCCCTTCCTTNTT
ETWAS BESONDERES FÜR
ALLIDERUNS KoTTomt
AAAAAASAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAlAAAAA

ips

130 cm, reine Wolle, gute, kräftige
Oualität in 6 Hauptfarben, solange
Vorrat . . . . . .. . . . . . Atr.

K

80.

(14175

A

ANZ

DARMSADT. LUDMIGSBL.
ECKE SCHULSTRASSE.

Mantch

Mit Mie
v. Lande a. g. Fam.,
ſucht Stelle m. ge=
ringer
Vergüt. zwecks
Erl. des Haushalts.
Beding.: Familienan=
an
Joh.
ſchluß. Ang.
Scherb. Bäckerei,
Nieder=Saulheim,
Rheinheſſen. (14074g0i
Frau ſ. nachm. Be=
ſchäft
. i. Haush., geht
a. z. Wartg. e. Kind.
Ang. u. E 14.
2
Geſchäftsſt (*2

Junger, ordentlicher
Schreiner
ſucht per ſof. Beſchäft.
irgend welcher Art
(mit Koſt u. Wohn.),
Bau= u. Möbelſchrei=
nerei
bevorzugt. An=
gebote
unt. P 11 an
die Geſchſt. (*31304

J. Mädch. f. Stellg.
ſprech. v. 104 U.
Darmſtadt, Soderſtr.
Nr. 62, II. (312

Mädchen
ſucht tagsüber Be=
ſchäft
, geht a. waſch.
u. putzen. Darmſtadt
Vädagogſtr. 2. (*31256

fene Stellen

Weiblich

Geſucht zum baldigen
Eintritt
1 Lehrmädchen
mit beſſerer Schul=
bildung
aus guter
Fimilie. (*31369id
Rud. Nick Nflg.,
W Nagel, Darmſtadt,
Ernſt Ludwigſtraßel6.

Junges tüichtiges
Mädchen
ſucht tagsüber Be=
ſchäftig
. i. Haushalt. / / geübte ( 31279
Ang. u. E 147 an d.
Geſchäftsſt . (*31
ſchäftigung. Gefl. An unter F 8 an die
die Geſchſt. (*31307
Tücht. Mädchen ſucht Suche zuverl Mädch,
Stelle als ( 31336 das etwas koch, kann,
für kleinen Haushalt.
Haushälterin Groß=Zimmern,
Angebote u. F 20 Angelſtr 66. (*31172gi
an die Geſchäftsſt ſesssetstte

Für Hakeln
und
Stricken
(Heimarbeit)
ſuchtſtunden= / Aulen
Frau weiſe Be= lgesucht. Angebote
fragen unt. P 9 an fGeschättsst. d. B1

Haushälterin
in allen Hausarb.
gleich tücht., perfekte
Köchin, im Weiß=
nähen
, Bügeln uſw.
bewand., in Kranken=
pflege
ausgebildet,
Anfang 30er, ſucht
am liebſten bei allein=
ſteh
. Herrn) ſofort od
ſpäter Stellung in
Darmſtadt oder näh.
Umgeb. Angeb. u.
23 Geſchſt. (*313,

Stellen ſuchen
perfekte Herrſchafts=
köchin
, Bei u. Kaffee=
köchin
, Büfettfräul.,
Haushälterin, Kind.
Gärtnerin, Säuglings=
ſchweſter
, jüng. Allein=
mädchen
für hier und
auswärts.
(*31348
Frau Dingeldein, ge=
werbsmäß
. Stellenbüro,
Darmſt. Eliſabethenſt.5
Telephon 3065.

Geübte Flickerin
empf. ſich. (*31262
Frau Waguer
Darmſt., Alexander=
ſtraße
11, 2. Stock.

Männlic

Jg. Kaufmann
ſ. Stellg. als Volontär.
Habe 3 Jahre in der
Eſenbr. gel. u. beſ. ½
Jahr die Handelsſch.
Angeb. unt. F 3 an
die Geſchſt. (231289

M
Madchen
eſucht, ganztägig,
f. Reinigungsarbeiten
im Laboratorium
Verſuchsanſtalt und
Unterſuchungsamt
Darmſtadt
Sandſtr. 36. (14130
Aesstttsste

Zuverl. Laufmädchen
für ſofort geſucht.
Darmſtadt
Mühlſtr. 74 I. (*31258

J., ehrl., tücht. Mäd=
chen
zu ält. Ehepaar
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Nummer 300.

Dienstag, den 28. Oktober 1924.

Seite 12.

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