zelnummer 10 Goldpfennige
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
A
Moigenzeitung der Landeshaupinavt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck jämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtanel.
Nummer 300
Dienstag, den 28. Oftober 1924.
187. Jahrgang
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Rußland fordert Senugtuung von England.
* Vor den engliſchen Wahlen.
Ein überraſchendes Moment.
Von unſerem Londoner Korreſpondenten.
C.M. P., London, 25. Okt. (Durch Flugpoſt.)
Vier Tage vor den engliſchen Wahlen iſt noch eine
über=
raſchende Senſation eingetreten, welche alle bisherigen
Kombina=
tionen völlig nebelhaft erſcheinen läßt. Das britiſche Außenamt
hat an die hieſige Vertretung der Sowjetregierung eine
gehar=
niſchte Beſchwerde wegen der kommuniſtiſchen Propaganda in
Großbritannien gerichtet, wie ſie aus einem „ſehr geheimen”
Schreiben des Präſidiums des Exekutivkomitees der 3. „
Kommu=
niſtiſchen” (2) Internationale an das Zentralkomitee der
briti=
ſchen Kommuniſtiſchen Partei hervorgeht. Die Inſtruktion des
Exekutivkomitees iſt aus Moskau, den 15. September, datiert, alſo
zu einer Zeit, wo die Wogen wegen des engliſch=ruſſiſchen
Ver=
trages ſchon hoch gingen. Der Vertrag iſt in ausgedehnter Weiſe
zum Gegenſtand der Wahlpropaganda gemacht worden. Es konnie
aber nur höchſtes Befremden erregen, als dieſes Schriftſtück
ge=
rade jetzt vom Foreign Office ausgegeben wurde. Die Wirking
mußte unheilvoll ſein. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der
lei=
tenden Männer des Arbeiteramtes über dieſe wunderbare
Ent=
wicklung zu ſprechen, der mir bereitwilligſt mitteilte, was er
wußte:
„Zunächſt herrſchen ſchwere Verdachtsgründe vor,
daß das Ganze eine Fälſchung iſt. Ich habe eine ganze
Anzahl von vertraulichen Schriftſtücken aus Moskau in der Hand
gehalten. Aber niemals waren ſie mit dem Vermer: „Sehr
ge=
heim” verſehen. Das war bisher nicht Sitte in Moslau. Aber
auch ſonſt enthält der Kopf nicht nur einen groben Fehler,
ſon=
dern auch ein Novum. Eine dritte „Kommuniſtiſche”
Internatio=
nale gibt es nicht. Die korrekte Bezeichnung iſt „3.
Internatoi=
nale‟. Ein ſolcher Fehler ſcheint für Moskau ausgeſchloſſen, vor
allem ſeitens des Exekutivkomitees. Bisher waren derartige
In=
ſtruktionen auch nicht mit einem Zuſatz Präſidium” bezeichnet.
Auf Befragen hat auch der Londoner Vertreter der
Sowjetregie=
rung, Rakowski, erklärt, eine erſte Prüfung des Dokuments legt
die Auffaſſung nahe, daß es eine grobe Fälſchung iſt. Wie
ich erfahre, hat ein durch ſeine imperialiſtiſchen und anti=
ſoziali=
ſtiſchen Tendenzen bekanntes Blatt das Schriftſtück zuerſt in die
Hand bekommen und es dem F. O. vorgelegt. Macdonald war
garnicht in London. Haldane, der ihn vertritt, hat die Dokumente
auch nicht zu ſehen bekommen. Es iſt ganz zweifellos, daß die
„Sehr geheime” Inſtruktion in der Wahlpropaganda gegen uns
arbeiten wird. Wenn nicht Roskau noch vor dem 29. erklärt, daß
tatſächlich eine Fälſchung zorliegt. In der Zwiſchenzeit
wer=
den unſere Geguer wohl die ganze Angelegenheit nach Kräften
ausbeuten. Es iſt ja ſchließlich noch was anderes möglich. Das
Schriftſtück iſt, wenn es echt iſt, faſt ſieben Wochen alt. Es wäre
ja denkbar, daß es damals wohl aufgeſetzt, aber nicht abgeſandt
worden iſt. Daß es dann weiter in unrechte Hände kam und jetzt
zu unheilvollen Machenſthaften ausgenutzt werden ann.”
Was die Wirkung dieſes Dokumentes anlangt, ſo läßt ſie ſich
allerdings noch nicht überſehen. Wer auch dahinterſteckt, er könnte
ſich verrechnet haben. Einmal iſt die Sache wirklich zu grob und
wenn Moskau etwas an der Arbeiterregierung gelegen iſt, können
die Moskauer garnichts Geſcheiteres tun, als ſchleunige
Auf=
klärung oder Entſchuldigung zu ſenden, ſolange die Kampagne
noch andauert. Die Anſicht der ganzen Preſſe geht dahin, daß
abgeſehen von der ganzen Anleihekontroverſe, man dieſe
Ein=
miſchung in die inneren Verhältniſſe nicht dulden könne.
Der Sinowjew=Brief.
Echt oder gefälſcht?
Rußlands Antwort.
„Der Brief eine unverantwortliche Fälſchung.
Moskau, 27. Okt. (Wolff.) Litwinow hat an Rakowski
folgendes Telegramm gerichtet: Indem die Räteregierung auf
dem Boden ihrer wiederholten Erklärungen bleibt, wonach ſie für
die Schritte der Kommuniſtiſchen Internationale keine
Verantwor=
tung trägt, und indem ſie einſtweilen den Ton und die formelle
Seite der britiſchen Note außer acht läßt, iſt die Räteregierung in
der Lage und beeilt ſich in kategoriſcher Form zu erklären, daß der
angebliche Brief der Kommuniſtiſchen
Inter=
nationale, welcher zur Grundlage der erwähnten ultimativen
Note gedient hat, wie feſtgeſtellt wurde, eine unver
ant=
wortliche Fälſchung darſtellt und eine
Verſchlechte=
rung des zwiſchen der Sowjetunion und
Groß=
britannien ſich günſtig geſtaltenden
Verhält=
niſſes und eine Schädigung des engliſch=
ruſſi=
ſchen Vertrags bezwecke. Angeſichts der Verwendung
dieſer Fälſchung in einem offiziellen Dokument beſteht die
Räte=
regierung darauf, daß ſie eine entſprechende
Genug=
tuung erhalte, und daß die an der Fälſchung irgendwie
beteiligten offiziellen oder Privatperſonen zur
Ver=
antwortung gezogen werden. Um jedweden Zweifel an
dem Fälfchungscharakter des erwähnten Dokuments zu beſeitigen,
und angeſichts der ernſten Folgen, die die Fälſchung für beide
Staaten hätte nach ſich ziehen können, fordert die Räteregierung
kategoriſch und eindringlich, daß die Feſtſtellung der Tatſache, daß
der ſogenannte Brief der Kommuniſtiſchen Internationale eine
Fälſchung iſt, von einem unbefangenen Schiedsgericht
ent=
ſchieden werde.
Macdonald hält den Brief für echt.
London, 28. Okt. In ſeiner mit großem Intereſſe erwarteten
Rede in Cardiff gab Ramſay Macdonald ſeiner vollen Ueberzeugung
von der Echtheit des Briefes Sinowjews Ausdruck. Er erklärte, daß die
Wahlen mit einem Weſpenneſt, nämlich der Campbellaffäre, begonnen
hätten und daß ſie mit einem Weſpenneſt, nämlich dem ruſſiſchen
Kom=
plott, enden würden. Das Foreign Office habe den Brief Sinojews am
10. Oktober erhalten. Er ſelbſt habe am 16. Oktober durch den
Man=
cheſter Guardian von der Exiſtenz des Briefes Kenntnis erhalten.
Wäh=
rend die Unterſuchung über die Echtheit des Dokuments durch die
Regie=
rung geführt wurde, habe er bereits eine Antwort ausarbeiten laſſen.
Dieſe wurde am 21. Oktober abgeſandt. Ich habe ſie, erklärte
Macdo=
nald, etwas geändert und den erſten Entwurf dem Foreign Officee
zu=
rückgeſchickt. Ich dachte, daß mir das Foreign Office den Entwurf mit
den Beweiſen der Echtheit des Briefes zurückſenden wollte. Man hat
mir aber die Antwort nicht wieder zugehen laſſen, ſondern ſie
veröffent=
licht, ohne mich davon zu verſtändigen. Ich beklage mich nicht darüber,
da das Foreign Office und meine Kollegen wohl wußten, daß ich eine
kommuniſtiſche Propaganda in England nicht dulden würde. Ich halte
mich ſtreng an die geſchloſſenen Verträge und Abkommen. Ich bin
über=
zeugt, daß durch dieſe Angelegenheit unſere Partei keinen einzigen
Wehler einbüßen wird. Man kann der Regierung nicht Verſchleppung
vorwerfen, denn wir haben den Brief nach neun Tagen bekannt gegeben,
während die liberalen und konſervativen Regierungen in ähnlichen Fällen
Wochen verſtreichen ließen.
Schließlich ſprach Macdonald auch über die ruſſiſche Anleihe, indem
er behauptete, daß durch die Gewährung dieſer Anleihe mehr
Garan=
tien für die Verhütung der roten Revolution geſchaffen würden als
durch ihre Ablehnung.
London, 27. Okt. (Wolff.) In einem Schreiben an den
britiſchen Gewerkſchaftskongreß erklärt Sinowjew, daß der
ihm zugeſchriebene Brief eine grobe Fälſchung ſei und
augenſcheinlich ein Wahlmanöver darſtelle. Er erteile dem
Generalrat der britiſchen Gewerkſchaften die Erlaubnis, durch
eine beſondere Kommiſſion ſofort in Rußland
Nachfor=
ſchungenüber die Authentizität des Dokuments
anſtellen zu laſſen. Das Urteil dieſer Kommiſſion würde er als
endgültig annehmen.
Eine Erklärung der Arbeiterpartei.
TU. London, 27. Okt. Die Veröffentlichung des Briefes
Sinowjews und die Note des Auswärtigen Amts zu dieſer
Frage haben in dem engliſchen Wahlkampf wie eine Bombe
ein=
geſchlagen. Die Arbeiterpartei hat geſtern eine ausführliche
Er=
klärung zu dem Fall Sinowjew herausgegeben, deren wichtigſten
Punkte ſind:
1. Es wird beſtritten, daß das Kabinett den Brief
veröffent=
licht hat:
2. daß ein Beamter des Poſtamts den Brief abgefangen,
photographiert und weitergeſandt hat:
3. daß Inſtruktionen an die Kandidaten der Arbeiterpartei
über den Wahlkampf herausgegeben worden ſeien, wonach ſie
ſich einer Erörterung der Ruſſenfrage und des Ruſſenvertrages zu
enthalten hätten.
Der Premierminiſter wird, wie es heißt, erſt heute
nachmit=
tag Gelegenheit nehmen, ſich zu der Sache zu äußern. Amtliche
Miteilungen ſind noch nicht erfolgt, außer einigen auf amtliche
Stellen zurückgehende Meldungen der Zeitungen, wonach an der
Echtheit des Briefes nicht zu zweifeln iſt.
*
„Daily Chronicle” ſchreibt, die Note des Foreign Office an
Rußland ſei natürlich ein Regierungsakt geweſen, durch den jedes
Mit=
glied der Regierung gebunden ſei, es ſei denn, daß es zurücktrete. Als
Regierungsmitglieder hatten Henderſon, Clynes, Lord Thomſon,
Pon=
ſonby und die übrigen Miniſter den Sinowjew=Brief für echt erklärt. Als
Privatperſonen und Wahlredner aber hätten ſie eine andere Haltung
ein=
genommen.
Sinowiews Brief das Hauptthema der Preſſe.
London, 27. Okt. (Wolff.) Der Brief Sinowjews an
die britiſchen Kommuniſten bildet weiterhin das Hauptthema im
Wahlkampf und in der Preſſe. Der „Times” zufolge beſteht
Grund zu der Annahme, daß Sinowjews Brief bereits
einige Tage vor der Auflöſung des Parlaments am
Oktober im Beſitze des Foreign Office geweſen ſei. Das
Blatt hofft, daß die Sowjetantwortnote ſo behandelt werde, wie ſie es
verdiene. Macdonald werde zweifellos bei ſeiner heutigen Rede in
Cardiff darüber Erklärungen abgeben. Die wichtigſte Frage ſei, wie
lange Maedonald und ſeine Kollegen geglaubt hätten, daß Sinowjews
Brief echt ſei, und ihre Anſicht der Nation vorenthalten hätten.
Der „Weſtminſter Gazette” zufolge, verlautet in
maßgeben=
den Kreiſen, daß das Dokument dem Kabinett vorgelegen habe, als es
am 9. Okkober zuſammengetreten ſei und die Wahlen unerwarteterweiſe
vom 8. November auf einen für die Arbeiterpartei günſtigeren Tag,
nämlich auf den 29. Oktober, vorverlegt habe. Daraus könnte man
ſchließen, daß die Regierung die Wahlen noch vor der Veröffentlichung
des Dokuments habe vornehmen wollen.
Die Preß=Aſſoziation” teilt zu den Erklärungen ſowohl
von britiſcher als auch ruſſiſcher kommuniſtiſcher Seite mit, daß das
Schreiben Sinowjews gefälſcht ſei. Die Regierung
im allgemeinen, das Foreign Office im beſonderen und
Mac=
donald perſönlich ſeien vollk mmen davon überzeugt
ge=
weſen, daß das Schreiben Sinowiews echt ſei. Bevor der
draſtiſche Schritt der Veröffentlichung beſchloſſen wurde, ſei bekannt
worden, daß die Agenten der Sowjetregierung angewieſen wurden, das
kompromittierende Dokument abzuleugnen. In dieſer Frage ſei es, wie
das ja auch der Proteſt der britiſchen Regierung hervorhebe, nicht
mög=
lich, zwiſchen der Sowjetregierung und der dritten Internationale zu
unterſcheiden.
Der „Daily Expreß” ſchreibt: Die politiſchen Folgen des
Zwiſchenfalls mit dem Sinowjew=Brief ſeien weitgehend. Wenn das
Dokument echt ſei, dann habe Macdonald den britiſch=ruſſiſchen Vertrag
vernichtet. Erweiſe es ſich als eine Fälſchung, dann habe Macdonald ſich
ſelbſt als Führer der Sozialiſten umgebracht. Auch ſeine begeiſtertſten
Anhänger würden es ihm niemals vergeben, wenn er ſeine Angrifſe auf
Rußland auf der Grundlage eines gefälſchten Dokuments am Borabend
der Wahl unternommen habe. Auf jeden Fall ſei der der Arbeiterparte
zugefügte Schaden unſchätzbar. Die Ausſichten zahlreicher ſozialiſtiſcher
Kandidaten, die vor der Sinowjew=Note allen Grund hatten, zu hoffen,
gewählt zu werden, ſeien außerordentlich gefährdet.
Wiener Brief.
Das neue Budget. — Das Teuerungsproblem. — Dr. Seipel
als Kulturkämpfer.
Von unſerem Wiener Korreſpondenten.
Dr. N. Wien, Ende Oktober.
Die Regierung hat in der erſten Herbſtſitzung des
National=
rates das Budget für das Jahr 1924 vorgelegt; das
großange=
legte Expoſé des Finanzminiſters Dr. Kienböck bei dieſem
An=
laſſe ermöglicht ſchon heute eine ſachliche Kritik des neuen
Staats=
voranſchlages. Bekanntlich hat die öſterreichiſche Regierung auf
Grund der Beſchlüſſe des Völkerbundes in der diesjährigen
Gen=
fer Septembertagung eine Reihe grundlegender Verpflichtungen
bezüglich ihres Budgets auf ſich genommen. Dieſen
Verbindlich=
keiten entſprechen die dem Nationalrate unterbreiteten Vorlagen
durchaus. Die ſtaatlichen Geſamtausgaben im Jahre 1925
er=
reichen gerade die vom Völkerbund bewilligte Summe von 495
Millionen Goldkronen plus 50 Millionen für Inveſtitutionen.
Die Forderung des Völkerbundes nach einer kaufmänniſchen
Be=
triebsführung der Bundesbahnen erſcheint in weitgehendem
Maße erfüllt, da die Bundesbahnen im nächſten Jahre keinerlei
ſtaatlichen Betriebszuſchuß erhalten werden. Ebenſo trägt die
Regierung durch einige mit dem Budget im Zuſammenhange
ſtehenden Vorlagen dem Verlangen des Genfer Tribunals nach
einer Entlaſtung der ſchwer bedrängten öſterreichiſchen
Privat=
wirtſchaft durch verſchiedene Steuererleichterungen Rechnung;
die Banken= und Valutenumſatzſteuern verſchwinden faſt gänzlich,
die Konditionen der Finanzinſtitute gegenüber ihren Kunden
erfahren ab 1. November eine nicht unbeträchtliche Ermäßigung,
die Deviſenvorſchriften werden in kürzeſter Zeit den Forderungen
des internationalen Finanzverkehrs angepaßt werden.
Beſon=
ders erfreulich iſt die Herabminderung des ſtaatlichen Defizites
von 1100 Milliarden Kronen im laufenden Jahre auf 585
Milliar=
den im Jahre 1925. Hierbei muß überdies betont werden, daß
dieſer Betrag keinen eigentlichen Paſſippoſten darſtellt, da aus
ihm produktive Inveſtitutionen gedeckt werden. Die erhebliche
Verminderung des ſtaatlichen Defizites iſt um ſo erfreulicher, als
ſie bei einer überaus vorſichtigen Taxierung der
Staatseinnah=
men, die infolge der ſchweren Wirtſchaftskriſe im Rückgange ſind,
erreicht werden konnte.
Dieſen Lichtſeiten des neuen Budgets ſtehen allerdings
einige ſehr bedenkliche Tatſachen gegenüber. Die geſamten
Per=
ſonalausgaben des öſterreichiſchen Staates werden im nächſten
Jahre die ungeheuere Ziffer von 8 Billionen Kronen erreichen.
Sie überſteigen den ganzen Völkerbundskredit, ja, ſind beinahe
ſo hoch wie der geſamte öſterreichiſche Notenumlauf. Beſonders
beunruhigend wirkt jedoch das Faktum, daß die Perſonallaſten
im vergangenen Jahre nur 6 Billionen betrugen, ſich alſo im
jetzigen Voranſchlag um ein Drittel vermehrt haben. Dieſe
Stei=
gerung erſcheint im erſten Moment abſolut unmöglich, da ja in
den letzten zwei Jahren mehr als 70 000 Staatsangeſtellte
ab=
gebaut wurden. Der ſcheinbare Widerſinn erklärt ſich
größten=
teils aus der ſchwindelnden Höhe des Penſionsaufwandes in der
geſamten Verwaltung, der, eben infolge des Abbaues, die
un=
glaubliche Ziffer von faſt 3 Billionen erreicht! Das abnormale
Ueberwiegen der Perſonalausgaben gegenüber allen anderen
Aufwendungen iſt das entſcheidende Charakteriſtikum des neuen
Budgets. Es zeigt ſich darin mit ſchräfſter Prägnanz die ſchwerſte
Gefahr, die gegenwärtig den öſterreichiſchen Staat und ſeine
Be=
völkerung bedroht: die unaufhaltſam fortſchreitende Teuerung,
die jede Kalkulation in der Staats= und Privatwirtſchaft zu
zer=
trümmern bedroht. Hiermit iſt auch der ſchwächſte Punkt des
Budgets bloßgelegt. Es kann alles in allem als befriedigend
be=
zeichnet werden, vorausgeſetzt, daß die ſtaatlichen Einnahmen
und Ausgaben keine weſentlich ungünſtigen Veränderungen
er=
fahren. Hierüber aber kann in der gegenwärtigen ſchweren
Wirt=
ſchaftskriſe auch bei großer Vorſicht des Urteils keine Prognoſe
geſtellt werden.
Das neue Budget ſollte naturgemäß die öffentliche Meinung
in intenſivſtem Maße beſchäftigen. Tatſächlich hat ſich jedoch das
Intereſſe der politiſchen Parteien und der geſamten Preſſe gerade
in den letzten Tagen mit Recht einem ganz unerwarteten,
auf=
ſehenerregenden Ereignis zugewandt, dem vehementen Vorſtoß
des Bundeskanzlers Dr. Seipel in dem ſchwierigen Problem des
öſterreichiſchen Schulweſens. Der Bundeskanzler erſchien vor
wenigen Tagen zum erſten Male ſeit ſeiner Geneſung im Wiener
Chriſtlich=Sozialen Parteirate und hielt eine programmatiſche
Rede, in der er, zum mindeſten als chriſtlich=ſozialer
Partei=
führer, die Herrſchaft der Kirche über die öſterreichiſche Schule
verlangte. Dieſe Forderung mußte der ganzen Sachlage nach
einen wahren Sturm von Zuſtimmung und — vor allem! —
Widerſpruch auslöſen, der auch ſofort einſetzte.
In Oeſterreich gilt ſchon ſeit dem Jahre 1869 das
Reichs=
volksſchulgeſetz, das die Herrſchaft der Kirche über die Schule
ndgültig gebrochen und das Prinzip des interkonfeſſionellen,
usſchließlich vom Staate geleiteten Unterrichtes verwirklicht hat.
Die Verfaſſung der öſterreichiſchen Republik vom Jahre 1920
ent=
ſält keinerlei Neubeſtimmungen über das Schulweſen, die
Ent=
ſcheidung hierüber wurde vielmehr infolge der außerordentlichen
Zegenſätze zwiſchen den politiſchen Parteien einem beſonderen
rſt zu ſchaffenden Schulverfaſſungsgeſetz vorbehalten. In den
tzten Jahren wurde ein ſtändig erbitterter Kampf um die
Neu=
rdnung des Schulweſens geführt. Die Sozialdemokraten ſind
erſter Linie natürlich in dem von ihnen regierten Wien mit
illen Mitteln beſtrebt, den Einfluß der Kirche auf das
Schul=
veſen vollkommen auszuſchalten. Eine ähnliche Tendenz ſollten
igentlich auch die Großdeutſchen verfolgen, die programmatiſch
urchaus auf dem Standpunkt des „Los von Rom!” ſtehen;
tat=
ächlich verhielten ſie ſich jedoch in den letzten Jahren in dieſer
rage vollkommen paſſiv, da ſie durch ihr Regierungsbündnis
nit den Chriſtlich=Sozialen zu abſoluter Reſerve in der
Schul=
age gezwungen ſind. Die Chriſtlich=Sozialen dagegen haben ſeit
er Revolution den wachſenden ſozialdemokratiſchen Einfluß auf
as öſterreichiſche Schulweſen erbittert bekämpft, und gerade in
en letzten Monaten haben ſich die klerikalen Elemente in der
Lartei, die von dem mächtigen Wiener Kardinal Dr. Piffl
be=
errſcht weiden, für die volle Aufrechterhaltung des katholiſchen
Seite 2.
Dieustag, den 28. Oktober 1924
Nummer 300
Schulprogramms, für die Herrſchaft der Kirche über die Schule,
wie ſie in der reaktionärſten Epoche Franz Joſephs während der
Jahre 1855 bis 1869 beſtand, mit allem Nachdruck eingeſetzt.
Der Bundeskanzler ſelbſt befindet ſich in der Frage des
öſter=
reichiſchen Schulproblems in einer ſchwierigen Situation. Als
Chef der chriſtlichſozial=großdeutſchen Regierung muß er von
jedem aktiven Vorgehen im Schulkampf abſehen, da ſonſt der Be
ſtand der Regierungskoalition unmittelbar bedroht wäre. Allein
Dr. Seipel iſt in erſter Linie katholiſcher Prieſter und er fühlte
ſich in dieſer Eigenſchaft als Führer der Chriſtlich=Sozialen
Par=
tei, in der eben in der letzten Zeit taktiſche
Meinungsverſchie=
denheiten bezüglich des Schulproblems auftauchten, zu einer
ent=
ſchiedenen Stellungnahme veranlaßt. Für die öſterreichiſche
öffentliche Meinung kann es allerdings keine künſtliche
Differen=
zierung zwiſchen dem Staatsmann und dem Prieſter Dr. Seipel
geben. Sie muß in ihm den verantwortlichen Regierungschef
erblicken und kann keinerlei Rückſicht auf ſein hohes geiſtliches
Amt nehmen. Dr Seipel ſelbſt dagegen fühlt ſich durchaus in
erſter Linie als Prieſter, dem das Gebot Roms höher ſteht als
jede Staatsraiſon.
Die Kulturkampfrede des Bundeskanzlers wurde
ſelbſtver=
ſtändlich von den Sozialdemokraten mit einem Entrüſtungs,
ſturm, von den Großdeutſchen mit verlegenem Stillſchweigen
beantwortet. Das Schulprogramm Dr. Seipels und der Chriſtlich=
Sozialen Partei, die Herrſchaft der Kirche über die Schule, wird
in Oeſterreich nach Menſchenermeſſen niemals verwirklicht
wer=
den. Man kann daher vom realpolitiſchen Standpunkt die
Epi=
ſode „Dr. Seipel als Kulturkämpfer” ſchon heute als erledigt
anſehen. Trotzdem muß ſie höchſtes Intereſſe erwecken, da ſie den
Charakter der Chriſtlich=Sozialen Partei, die noch immer
gewal=
tige Macht des öſterreichiſchen Klerus und ſchließlich die
eigen=
artige und bedeutende Perſönkichkeit des Bundeskanzlers mit
be=
ſonderer Klarheit aufzeigt.
Der Gegenſioß.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Die unentwegten
Repu=
blikaner und Demokraten ſehen den kommenden
Reichstagswahlen nicht ohne Sorge entgegen. Sie halten
ſich deshalb für verpflichtet, etwas zu tun, um ihre Staatsideale
zu fördern. Zu dem Zweck haben ſie jetzt den Gedanken in die
Debatte geworfen, daß Zentrum, Demokraten und
So=
zialdemokraten ein Wahlbündnis ſchließen ſollten
am liebſten in der Form einer „Republikaniſchen
Union”, die den Burgfrieden zwiſchen den drei Parteien
pro=
klamieren und eine Verbindung ihrer Reichsliſten vorſehen ſoll.
Am Aaltar dieſes Gedankens will ſogar die Republikaniſche
Par=
tei ihre eigene Kandidatenliſte opfern. Das hat nun allerdings
ſeinen befonderen Grund. Die Republikaniſche Partei, die nur
aus einigen Offizieren ohne Soldaten beſteht, hat von all den
Grüppchen der letzten Reichstagswahl die wenigſten Stimmen
aufgebracht und würde auch diesmal wohl kaum wieder Ausſicht
haben, einen einzelnen Kandidaten durchzubringen. Das Opfer
iſt alſo nicht beſonders groß. Es würde aber auch nichts helfen,
denn wir glauben nicht, daß bei den einzelnen Parteien viel
Nei=
gung für ein ſolches Wahlbündnis vorhanden wäre. Am eheſten
ſchon bei den Sozialdemokraten, obtvohl ſie ſich dadurch nach
links kompromittieren könnten, am wenigſten bei dem Zentrum.
Herr Dr. Marx hat es ja verſtanden, um alle
feſten Formulierungen herum zu gehen. Aber
er hat doch immerhin feſtgeſtellt, daß auch ein
Monarchiſt bei der Zentrumspartei Platz habe
Der geſamte rechte Flügel des Zentrums würde eine ſolche
ein=
ſeitige Bindung des Zentrums nach links mit Entrüſtung
ab=
lehnen, und auch die Demokraten haben ja ſchließlich kein
Inter=
iſſe daran, vernünftige Leute aus ihrer Partei herauszubringen.
Es wird alſo mit der Republikaniſchenaunion
vermutlich nichts werden.
Herriot über die Entwickelung des
Völkerbundsgedankens.
London, 27. Okt. (Wolff.) Herriot erklärte einem Vertreter
der „Morning Poſt” in Paris über die Entwicklung des
Völker=
bundsgedankens hinſichtlich der augenblicklichen Lage der inter
nationalen Angelegenheiten, der Völkerbund ſei der Mittelpunkt einer
neuen politiſchen internationalen Aktion, um den Frieden wieder
herzu=
ſtellen und normale Beziehungen zwiſchen den Völkern aufrecht zu
erhal=
ten. Die neuen Friedensideale müßten mit ebenſo viel Mut
und Eifer verteidigt werden wie die frühere Doktrin der Gewalt.
Frank=
reich wolle aber nicht der Betrogene ſeines eigenen guten Glaubens
wer=
den. Es ſei immer noch die exponierteſte unter allen Nationen. Seine
Geſchichte zeige die Gefahren, von denen es bedroht werden könnte.
Ob=
gleich alſo Frankreich auf der Hut ſein müßte, ſei es doch klar, daß es
einer der Hauptpfeiler des organiſierten Regimes des Friedens ſein
müßte. Es habe auch bereits ſeinen Wunſch nach Gerechtigkeit und
Frie=
den ziwiſchen den Nationen bewieſen. Andere müßten ſeinem Beiſpiele
folgen. Obgleich in Deutſchland der republikaniſche Geiſt gewiſſe Erfolge
davongetragen habe, was zu überſehen nicht gerecht ſein würde, ſo ſcheine
es doch, daß Deutſchland immer noch zwiſchen zwei Fragen ſchwanke. Es
ſei zu hoffen, daß ſich dasdemokratiſche Ideal als ſiegreich
er=
weiſen werde.
Vom Tage.
Bei der Wahl eines beſoldeten Stadtsrats in Flensburg ſiegten
die Vereinigten bürgerlichen Parteien mit überwältigen=
Mehrheit. Der bisherige Stadtrat Kaſtan erhielt 7004, der
zialdemokratiſche Gegenkandidat Dr. Lehmann 2982 Stimmen. Die
ahlbeteiligung betrug 25 Prozent.
Die neue Flughalle des Flughafens Koburg iſt feierlich
ngeweiht worden.
Namens der Reichsregierung hat der deutſche Generalkonſul in Genf
in Uebereinkommen über die internationale Ordnung der
Seehäfen unterzeichnet, das am 9. Dezember 1923 in Genf auf
der Internationalen Verkehrskonferenz ausgearbeitet wurde.
Bei der Fahnenweihe des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold
in Potsdam kam es zu Zuſammenſtößen zwiſchen den
Teil=
nehmern und Mitgliedern der rechtsſtehenden Parteien. Acht Perſonen
wuruden verletzt; zwanzig Perſonen wurden verhaftet.
Bei der Einweihung eines Denkmals in einem
Vor=
ort Breslaus für die im Weltkrieg Gefallenen kam es zwiſchen
Stahl=
helmleuten und Angehörigen des Reichsbanners Schwarz=Rot=
Gold zu blutigen Zuſammenſtößen, wobei es über zwanzig
Verletzte gab.
Der Reichspräſident bewilligte der Deutſchen
Schil=
lerſtiftung zur Unterſtützung deutſcher Dichter und Schriftſteller
eine jährlich wiederkehrende Zuwendung von 10000 Mark aus dem
Dis=
poſitionsfonds.
In Düſſeldorf fand unter ſtarker Beteiligung der
rheiniſch=
weſtfäliſchen Reichsbannergruppen die Bannerweihe der
Orts=
ruppe Düſſeldorf ſtatt. Hierbei kam es vor dem
Apollo=
theater zu Zuſammenſtößen zwiſchen den Reichsbannerleuten und
Kommuniſten, die die Polizei zum Eingreifen nötigten. Eine Reihe von
Kommuniſten wurde verhaftet.
Der Parteitag der V. S.P.D in Leipzig nahm nach teilweiſe ſehr
erregter Debatte am Sonntag einſtimmig Entſchließungen an, in denen
die Auflöſung des Sächſiſchen Landtags, Erlaß eines
Amneſtiegeſetzes und insbeſondere Begnadigung des früheren ſächſiſchen
Miniſterpräſidenten Dr. Zeigner gefordert werden.
Die Sowjetregierung hat eine Delegation nach
Bel=
gien entſandt, um mit den belgiſchen Induſtriellen zu verhandeln.
Dem Echo de Paris zufolge wird die franzöſiſche
Regie=
rung wahrſcheinlich am Dienstag offiziell die
Sowjetregie=
rung anerkennen.
Nach einer Meldung aus Angora ſind dort die
Ratifikatians=
urkunden des Friedens= und Freundſchaftsvertrags zwiſchen der
Türkei und Griechenland ausgetauſcht worden.
Zaglul Paſcha hat in der Vorwoche ſein Kabinett
voll=
ſtändig umgeſtaltet. Eine Meldung des Daily Expreß bezeichnet
die Stimmung in Aegypten als elektriſch geladen.
Der iriſche republikaniſche Führer de Valera wurde in
London=
derry wiederum verhaftet als er eine Anſprache an eine
Verſamm=
lung halten wollte. Ueber 250 Poliziſten waren anweſend.
Der Matin veröffentlicht ein aus engliſcher Quelle ſtammendes
Telegramm aus Waſhington, nach dem Präſident Coolidge in
ſeiner letzten Rede die Sowjets ſcharf kritiſiert und
hinzu=
gefügt haben ſoll, die amerikaniſche Regierung mißbillige die
ruſſiſche Regierung vollſtändig.
Das Luftſchiff „Shenandoah” hat nach Zurücklegung von 9000
Meilen auf ſeiner Fahrt zur pazifiſchen Küſte und zurück den Heimat=,
hafen Lakehurſt erreicht.
Meldungen aus Peking, zufolge hat Generl Feng=Ju=
Hſi=
ang mit ſeinen 40000 Mann Peking verlaſſen. Tſang=
Tſo=Lin fordert die Ausweiſung Pu=Pei=Fu. Er ſoll Tſchili
zu Verhandlungen nach Mukden eingeladen haben.
Kochs „Politik der Halbheiten.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Hätte der
Parteivor=
ſitzende der Deutſchen Demokratiſchen Partei, Herr Koch, geahnt
daß der aus der Partei ausgetretene Abgeordnete Profeſſor
Gerland auf ſeinen öffentlichen Brief öffentlich antworten
und mit der Kochſchen Parteiführung in der ungeahnteſten Weiſe
abrechnen würde, Herr Koch hätte es unterlaſſen, dieſen Brief
zu ſchreiben. So muß er ſich nun heute, und zwar gerade im
Wahlkampf, ſagen laſſen, daß er es war, der nichts gegen die
Auswüchſe des Pazifismus innerhalb der Partei getan, daß die
Partei unter ſeiner Führung die Schöneich und Quidde uſw.
weiter geduldet hat. Ebenſo peinlich für Herrn Koch iſt auch
die Feſtſtellung Gerlands, daß das unter Kochs Mitleitung
ſtehende Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold den franzöſiſchen
Pro=
feſſor Baſch bei ſeiner provozierenden Hetzrede in Potsdam
be=
ſchützte und begeiſtert die Internationale anſtimmite. Herr
Ger=
land erinnert weiter an die unerhörten Angriffe aus der Partei
heraus gegen den Reichswehrminiſter Geßler und ſeine
Amts=
führung. Die Partei ſei nicht dagegen eingeſchritten mit der
Entrüſtung, die nötig geweſen wäre. In den Rahmen der
Koch=
ſchen „Politik der Halbheiten” wie Prof. Gerland es bezeichnet,
paßt auch ſein Nürnberger Verhalten hinein. Auf der Tagung
des bayeriſchen Landesausſchuſſes erklärte Herr Geßler nämlich
noch einmal, wie ſchon ſo oft, daß die Reichsregierung unbedingt
nach rechts erweitert werden müſſe. Dieſe Feſtſtellung habe aber
Herrn Koch abſolut nicht abgehalten, zu ſagen, daß zwiſchen
ſei=
ner und Herrn Geßlers Auffaſſung keine grundſätzlichen
Mei=
nungsverſchiedenheiten beſtünden.
Die Hamburger Wahlen.
Das Ergebnis.
Hamburg, 27. Okt. Die alte Bürgerſchaft ſetzte ſich
aus 69 Sozialdemokraten, 23. Demokraten, 31 Mitgliedern der
Deutſchen Volkspartei, 8 Deutſchnationalen, 17 Kommuniſten und
2 Mitgliedern des Zentrums zuſammen. Danach haben bei den
geſtrigen Wahlen verloren: die Demokraten 2 Sitze, die
Sozialdemokraten 16, die Deutſche Volkspartei 8; gewonnen
haben die Deutſchnationalen 10, die Kommuniſten 7, die
National=
ſozialiſten 4, während des Zentrum ſeinen bisherigen Beſitzſtand
behauptete. Im Vergleich zu den letzten Reichstagswahlen
er=
gibt ſich allerdings ein anderes Bild. Am 4. Mai wurden
ab=
gegeben für die Demokraten 81 514, jetzt 70 500, für die
Sozial=
demokraten 173 587, jetzt 173356, für die Deutſche Volkspartei
76 482, jetzt 74 604, für die Deutſchnationalen 122 004, jetzt 90 423,
für die Kommuniſten 114365, jetzt 78657, für die Völkiſchen
37 757, jetzt 13 580 Stimmen. Daraus ergibt ſich, daß gegenüber
der letzten Reichstagswahl die Deutſchnationalen,
Kommuniſten und Völkiſchen erheblich an
Stim=
men eingebüßt haben, während die Deutſche Volkspartei
und die Sozialdemokraten ungefähr ihren Beſtand bekaupten
konnten. Die Demokraten haben nur rund 11000 Stimmen
ver=
loren. In der neuen Bürgerſchaft werden nach dem bisher
vorliegenden Wahlergebnis die Demokraten und
Sozialdemo=
kraten nicht mehr über die abſolute Mehrheit verfügen.
* Eine Probe für die kommenden Reichstagswahlen ſollten
nach der Auffaſſung der Sozialdemokraten und Demokraten die
Wahlen zur Hamburger Bürgerſchaft ſein. Soweit es an ihnen
lag, hatte man denn auch alle erdenkbaren Vorbereitungen
ge=
troffen. Sie hatten ein ganzes Heer von Abgeordneten dorthin
entſandt und damit den Wettbewerb aller ſonſtigen Parteien
ge=
ſchlagen, verließen ſich wohl auch darauf, daß gerade die
Ham=
burger Verhältniſſe mit ihrer alten Neigung zur Republik den
linksſtehenden Parteien beſonders günſtig wären. Ob ſie aber
ganz im Innern ihres Herzens mit dem Ausgang zufrieden ſein
werden, möchten wir doch bezweifeln. Daß ſie nach außen hin
ſehr ſtolz tun werden, iſt ſelbſtverſtändlich,, ſchon weil ſie eine
pſychologiſche Wirkung auf die Maſſenflucht im eigenen Lager
erwarten. Im ſtillen Kämmerlein aber werden ſie ſich doch
zu=
geben müſſen, daß ſie nach dieſer Stichprobe ihre Hoffnungen
auf die Reichstagswahlen nicht allzu hoch ſchrauben dürfen. —
Will man das Hamburger Ergebnis richtig auswerten, dann
ſtehen hierzu zwei Vergleichsmomente zur Verfügung; der
ab=
ſolute Vergleich gegen die letzten Bürgerſchaftswahlen vom Jahre
1921 und der relative gegen die letzten Reichstagswahlen vom
Mai d. J. Vom erſten Geſichtspunkt iſt zunächſt feſtzuſtellen, daß
die ſozialdemokratiſch=demokratiſche Mehrheit, die ſeit 1918 die
Geſchicke Hamburgs leitete, zerſchlagen worden iſt. Sie verfügte
über 92 von 160 Sitzen und kommt nur mit 75 zurück, hat alſo
17 Mandate verloren, von denen 16 auf die Sozialdemokraten
und 1 auf die Demokraten entfällt. Eine innere Umgruppierung
wird aber erſt wohl nach den Reichstagswahlen erfolgen, da alle
Parteien das Ergebnis dieſer und die neuen Kombinationen im
Reichstag abwarten wollen, ehe ſie ſich binden. Eine bürgerliche
Mehrheit wäre wohl möglich. Die Sozialdemokraten mit 75 und
die Kommuniſten mit 24 Sitzen ſtellen allerdings eine ſtarke
Minderheit dar, doch wenn man die kleinen Gruppen der
Ge=
werbetreibenden, des Mieterverbandes und der
Wohnungs=
ſuchenden mit den Demokraten in einen Block ſchließen könnte,
wäre eine vollkommene Aenderung des bisherigen Kurſes in
Hamburg gegeben. Es handelt ſich aber hier wohl nur um eine
theoretiſche Möglichkeit, weil die Hamburger Demokraten
vor=
läufig gar nicht daran denken, die Sozialdemokraten im Stich zu
laſſen. Aktuell iſt aber der Vergleich mit den Reichstagswahlen
vom 4. Mai, weil er Anhaltspunkte für den Ausfall der
kommen=
menden Reichstagswahlen abgibt. Da iſt zunächſt feſtzuſtellen,
daß die beiden extremen Flügel auf der äußerſten Rechten und
Linken ſehr ſtarke Verluſte zu tragen haben. Bei den
Deutſch=
nationalen nahezu die Hälfte, bei den Kommuniſten prozentual
nicht ganz ſo viel, immerhin aber doch 35 000 Stimmen. Wenn
die Deutſchnationalen gegenüber 1921 auch einen ſtarken Gewinn
zu verzeichnen haben, haben ſie doch gegenüber dem 4. Mai
er=
heblich verloren. Die Deutſche Volkspartei hat einen Teil ihres
Verluſtes vom Mai wieder ausgleichen können. Auch die
Sozial=
demokraten, die gegenüber 1921 eine ſchwere Niederlage erlitten,
ſtellen befriedigend feſt, daß ſie zugenommen haben. Eine
auf=
fallende Erſcheinung iſt die große Wahlmüdigkeit, und
zumal die Bürgerlichen müſſen ſich bemühen, ihre Wähler mobil
zu machen, die am Sonntag zu Hauſe blieben, damit die
kom=
menden Ergebniſſe günſtiger ausfallen.
* Wilhelm Raabe,
ein deutſcher Nothelfer.
Von Prof. Dr. phil. e. h. Karl Berger.
(Schluß.)
Wenn Raabes Vaterlandsgeſinnung auch nicht immer zu ſo
unmittelbarem Ausdruck kommt, ſo bleibt ſie doch die
unverrück=
bare Grundlage ſeines ganzen Schaffens. „Deutſcher Adel” wird
in der gleichnamigen Erzählung gefeiert, aber ein Adel, der ſich
nicht vom Stammbaum herſchreibt, ſondern auf der Geſinnung,
der Tüchtigkeit beruht und im Volksgemüt liegt. Adelige Naturen
dieſer Art erſcheinen bei Raabe in mannigfaltigſter Geſtaltung
Sie im einzelnen zu muſtern, dazu iſt bei ihrer unendlichen Fülle
hier nicht der Raum. Ihr gemeinſames Kennzeichen iſt bei aller
individuellen Verſchiedenheit heroiſche Begeiſterung, opferfreudige
Hingabe an das Ganze, an ein Höheres, was außer ihnen und
über ihnen iſt, ein Not und Tod überlegener Humor, der die
Kraft verleiht, alle Schwäche und Schwere des Daſeins zu
tra=
gen und ſich ſiegesgewiß über alles Widrige emporzuſchwingen.
Sie ſind es, nicht die Erfolganbeter, die Wiſſens= und
Bildungs=
ſtolzen, die Geldgierigen und Selbſtſüchtigen, die das neue
Deutſchland ſtärken und fördern werden. Nicht duldende
Ge=
laſſenheit predigt Wilhelm Raabe, im Gegenteil, der Menſch muß
ſich rühren: „Wer die Arme ſinken läßt, der iſt überall verloren.
Wer aber jeden Schritt zum Grabe verteidigt und würdig auch
die letzten Höhen verlaſſen kann, um in die dunkle Tiefe
hinab=
zuſteigen, der hat gewonnen. Als Sieger ſchreitet er in die Gruft,
nicht wird er überwunden hinabſteigen.” Wir lernen, wie Robert
Wolf in den „Leuten aus dem Walde”, das Leben meiſtern, wenn
wir acht auf die „Gaſſen” geben, die kleinen Dinge belächeln und
dahinter die großen ſuchen, aber auch über die Engen und Tiefen
hinaus nach den „Sternen” ſehen, nach dem Unvergänglichen
das in den großen Geſetzen des Himmels und in den Idealen des
menſchlichen Geiſtes ſich offenbart. Sozialer Druck und rohe
Ge=
walt, Leid und Enttäuſchung können dem ſieghaften
Lebenskämp=
fer nichts anhaben: ihm kann nichts geſchehen, er geht frei durch
den Schmutz und das Unrecht dieſer Welt, da er ſie im Herzen
überwunden hat.
Es iſt der alte deutſche Idealismus, für den Wilhelm Raabe
als für die wahre Lebensmacht eintritt. Die Widerſtände der
ftumpfen Welt, Haß, Neid und Gemeinheit, äußere Not und
Unterdrückung, phyſiſche Leiden und Schmerzen ſind nur dazu
da, daß ſich an ihnen der Geiſt in ſeiner Herrſcherkraft erprobe, in
ſeiner Siegeskraft bewähre. Auch der beſcheidenſte, geringſte
Menſch kann ſich, wie Hans Unwirrſch im „Hungerpaſtor”, zu die=
er wirklichen, inneren Freiheit erziehen. Dazu aber muß er, wie
dieſer, von wahrem Hunger erfüllt ſein, dem Hunger nach Licht,
nach Erkenntnis und Herzensvollendung, jenem geheimnisvollen
Bildungsſtreben, das in den Tiefen der deutſchen Volksſeele
wirkt. Denn nicht auf Beſitz und Wohlſtand an ſich beruht das
wahre Glück der Zeiten, der Völker wie der Einzelnen, ſondern
darauf, ob ſie großen Hunger nach irgend etwas haben, von dem
man gewiß iſt, daß es durch Hingabe und Tatkraft erobert
wer=
den kann. „Wahrlich,” ſo ſpricht Leonhard Hagebucher in „Abu
Telfan”, „es iſt nicht allein der Helden und Könige Sache, zu
rufen: Sonne, ſtehe ſtill und leuchte der Vollendung unſerer
Siege! Auch der Schwächſte, der Aermſte, der Geringſte kann
den glanzvollen Stern über ſeinem Haupte und Herzen feſthalten,
bis alles vollbracht iſt.” Und ein andermal: „Wohl dem, der
ſei=
nes Menſchentums Kraft, Macht und Herrlichkeit kennt und fühlt
durch alle Adern und Fibern des Leibes und der Seele! Wohl
dem, der aus jeder Not und jeder Verdunkelung die Hand
auf=
recken kann mit dem Schrei: Ich lebe, denn das Ganze lebt über
mir und um mich!“
In dieſes Bekenntnis zum Leben iſt eingeſchloſſen, daß ein
jeder bereit ſein müſſe, ſich für das Ganze zu opfern und ſeinen
Willen in dem allgemeinen aufgehen zu laſſen. Da gilt es, mit
dem Berliner Landwehrmann Schönow, der 1864 und 1866
mit=
kämpfte, „jroß” und nicht an ſein „innigſtes Portemonnä” zu
den=
ken, das „Privatglück” zunächſt einmal beiſeite zu ſchieben („Villa
Schönow”). Da heißt es, gleich der Heldin der Erzählung von
1813 „Im Siegeskranze”, das Liebſte und das eigene Leben
dran=
zugeben, oder wie Eva und Laura vom „Kloſter Lugau” die
ſchwer errungenen Anverlobten ohne Jammer und Klagen in
den Krieg 1870/71 ziehen zu laſſen. Dieſe opferfreudige
Vater=
landsgeſinnung hat dem zerſplitterten Deutſchland zur Einigung
verholfen, ſie hat auch in ſchlimmſter Zeit die davon erfüllten
Herzen nicht verzagen laſſen. Gegenüber den heldiſchen Trägern
ſolcher Geſinnung hat Raabe immer wieder die hemmenden,
zer=
ſtörenden Gegenkräfte verkörpert; elendes Strebertum,
matt=
herzige Kleingläubigkeit, ſelbſtgenügſames Philiſtertum,
eigen=
brötleriſche Sondertümelei. Er läßt keinen Zweifel darüber, daß
„unſere kleinen Leute häufig kläglicher, kleinlicher, engherziger,
mürriſcher und unzufriedner ſind als irgend eine Menge, die e ne
andere Planetenſtelle bewohnt”, aber er weiß auch, „daß unſere
großen Leute dann und wann vielleicht wveitherziger ſind als die
irgendeines anderen Volkes”. Am liebſten und voll Begeiſterung
ſegelt der Dichter mit der Tatenluſt, der Lebenshoffnung, der
ſtolzen Kühnheit hinaus ins Weite, aber er erfaßt gerade die
Kleinen und Geringen, die Mühſeligen und Beladenen, die
Un=
ſcheinbaren und Seltſamen mit ganz eigener Liebe und finde
unter dem zerſchliſſenſten Gewande das menſchliche Herz. So
ſehr=
er alles, was Philiſter heißt, mit Hieben ſatiriſchen Humors ge=
geißelt hat, entdeckt er doch auch unter dem erbeigentümlichen
deutſchen Zopf beſondere Werte. „Wohin wir blicken” heißt es in
„Abu Telfan”, „zieht ſtets und überall der germaniſche Geiſt ein
Drittel ſeiner Kraft aus dem Philiſtertum und wird von dem
alten Rieſen, dem Gedanken, mit welchem er ringt, in den Lüften
ſchwebend erdrückt, wenn es ihm nicht gelingt, zur rechten Zeit
wieder den Boden, aus dem er erwuchs, zu berühren. Da
wan=
deln die Sonntagskinder anderer Völker, wie ſie heißen mögen:
Shakeſpeare, Milton, Byron; Dante, Arioſt, Taſſd; Rabelais,
Corneille, Moliere; ſie ſäen nicht, ſie ſpinnen nicht, und ſind doch
herrlicher gekleidet als Salomo in aller ſeiner Pracht: in dem
Lande aber zwiſchen den Vogeſen und der Weichſel herrſcht ein
ewiger Werkeltag, dampft es immerfort wie friſchgepflügter Acker
und trägt jeder Blitz, der aus den fruchtbaren Schwaden
auf=
wärts ſchlägt, einen Erdgeruch an ſich, welchen die Götter uns
endlich, endlich geſegnen mögen. Sie ſäen und ſie ſpinnen alle,
die hohen Männer, welche uns durch die Zeiten vorausſchreiten,
ſie kommen alle aus Nippenburg ſeinem der Philiſterorte), wie ſie
Namen haben: Luther, Goethe, Jean Paul, und ſie ſchämen ſich
ihres Herkommens auch keineswegs, zeigen gern ein behagliches
Verſtändnis für die Werkſtatt, die Schreibſtube und die
Rats=
ſtube; und ſelbſt Friedrich von Schiller, der doch von allen
unſe=
ren geiſtigen Heroen am ſchroffſten mit Nippenburg und
Bums=
dorf brach, fühlt doch von Zeit zu Zeit das herzliche Bedürfnis,
ſich von einem früheren Kanzlei= und Stammverwandten grüßen
und mit einem biedern „Weiſcht” an alte natürlich=vertrauliche
Verhältniſſe erinnern zu laſſen.”
Selbſt im ureigenſten Bezirk rettungslos im Sumpf
verlore=
ner Spießbürger, im „Dräumling”, läßt uns der Dichter bei der
Schillerfeier vom Jahre 1859 einen höheren geiſtigen Aufſchwung
erleben: auch auf das Feſt der Bierphiliſter zu Paddenau fällt
ein Abglanz der großen deutſchen Bewegung, denn, wie der dem
„nationalen Gefaſel” aus Hamburg entflohene Großhändler
hören muß, „ein ganzes Volk ſtürzt ſich heute in die lichte Wolke
der Schönheit, ein ganzes großes, edles Volk beſinnt ſich heute
auf das, was es iſt!“ Vergeblich ſucht es ſeinen Platz am
Rats=
tiſch der Nationen: er iſt von anderen Völkern beſetzt. Aber, ſo
ſchließt der begeiſterte Redner, „wir werden Platz nehmen, wir
haben einen gewaltigen Hunger nach dem Faſten von ſo manchem
Jahrhundert. Ich verſichere Sie, wir werden das Verſäumte
nachholen”. Uind wiederum Philiſter, „kleine Krämer,
Kleinſtäd=
ter, Kleinſtaatler” ſehen wir 1860 in „Gutmanns Reiſen” am
Werke der Gründung des Nationalvereins im Bunde mit
Ben=
nigſen und Miquel; während aber die Alten ſich über die
Eini=
gung im Sitzungsſaale umſonſt müde reden, gelingt einem
jun=
gen Paar die Einigung von Nord und Süd, indem ſie ſich zum
Bunde fürs Leben zuſammenſchließen; ein ſymboliſcher Akt, der,
wie im Deutſchen Adel und im Kloſter Lugau, die innere Einheitz
Rummer 300.
Dienstag, den 28. Oktober 1924,
Seite 3.
Der Reichsparteitag des Zentrums.
Die Vorſtandstagung.
Brauns gegen Wirth.
Berlin, 27. Okt. Als Auftakt zu dem heute vormittag
9 Uhr begonnenen Reichsparteitag des Zentrums fanden den
gan=
zen Sonntag über Vorſtandsberatungen ſtatt. Im Laufe des
Vor=
mittags tagten der Neichspartei=Vorſtand und der Vorſtand der
preüßiſchen Zentrumsdartei. Nachmittags um 3 Uhr folgte eine
Sitzung dieſer beiden Inſtanzen mit den Provinzial=Vorſtänden
und den Generalſekretären. In beiden Sitzungen hielt der
Partei=
vorſitzende, Reichskanzler Marx, das Referat über die Politik der
Zentrumspartei, indem er vor allen Dingen die Ereigniſſe nach
dem 29. Auguſt beleuchtete. In der Diskuſſion der
Nachmittags=
ſitzung nahm beſonders Dr. Wirth das Wort zu einer großen
Rede, in der er die Haltung des linken Flügels der
Zentrums=
fraktion im Reichstag verteidigte. Reichsarbeitsminiſter
Dr. Braunsvertrat ebenſo ausführlich den Standpunkt
der Zentrumsmehrheit, daß die
Deutſchnatio=
nalen, nachdem ſie die Richtlinien des Kanzlers angenommen
und ſich für die Turchſührung des Londoner Paktes erklärt
hät=
ten, in die Regierunghätt en aufgenommen
wer=
den müſſen. 1. a. ſprach auch noch der Abgeordlicte Joſt.
Die Diskuſſion zog ſich bis in die Abendſtunden hin. Nachdcm die
Haltung der Partei in den letzten Wochen beſprochen worden war,
beſchäftigte man ſich tnit der Frage der Wahlvorbereitung und der
Stellung zum Reichsbanner Schwarz=Weiß=Rot.
Die Außen= und Innenpolitik.
Eine Kanzlerrede auf dem Parteitag.
Berlin 27. Okt. In einer großangelegten programmatiſchen
Rede auf dem Reichsparteitag des Zentrumskam der
Reichs=
kanzler Marx auch auf die deutſche Außenpolitik zu ſprechen. Er
führte, dabei u. a. aus:
Unſer Volk hat in ſeiner Not eine Miſſion. Es kann nicht die
Aufgabe der Menſchheit ſein, in gegenſeitigen Kriegen die ſeeliſche und
materielle Wohlfahrt der einzelnen Völker zu zerſtören. Es iſt Aufgabe
der Völkerbundsſtaaten, im gegenſeitigen Zuſammenwirken die
wirtſchaft=
liche und kulturelle Wohlfahrt zu fördern. In Erfüllung dieſer Miſſion
unſeres Volkes ſehen wir ungeheure Schwierigkeiten. Es gibt nur
An=
ſätze im Völkerleben zum Willen dauernder friedlicher Zuſammenarbeit.
Es iſt unſere Pflicht als Volk, dieſen ſchwachen Willen zu ſtärken. Unſer
Ziel iſt klar und unverwandt, und unſer Recht auf ein Leben als
Nation verlangt ein freies Deutſchland, frei von Ketten, und frei von
militäriſcher Bewachung, verlangt ein Großdeutſchland, in dem die ganze
deutſche Nation vereinigt iſt, verlangt ein Deutſchland mit Kolonien,
damit dieſes friedliche Deutſchland Abſatz= und Austauſchgebiet für
Roh=
produkte und Waren hat. Dieſes heilige Recht, als freie Nation zu leben,
haben wir nicht verwirkt.
Deutſchlands Alleinſchuld am Kriege iſt eine Mär.
Wir erſtreben die Befreiung von Schuldbekenntnis nur aus
morali=
ſchen Gründen. Es wäre eine unheilvolle Selbſttäuſchung, wenn wir
an=
nehmen wollten, der Nachweis, daß uns nicht die Alleinſchuld am Kriege
aufgebürdet werden kann, würde auch zur Folge haben, daß wir unſerer
Verpflichtungen aus dem Verſailler Vertrag ledig würden. Leider iſt
dieſer Irrtum weit verbreitet und, wie ich fürchte, der Hauptgrund dafür,
daß dieſe Frage mit ſolcher Leidenſchaft diskutiert wird. Wir ſtreben
nach Wahrheit, weil uns die moraliſche Laſt unerträglich erſcheint, die
man uns zu Unrecht auf unſere Schultern gelegt hat.
Der Weg zu dem Ziel, eine freie Nation zu werden,
iſt hart und dornenreich.
Wir haben materielle Opfer ſchwerſter Art in den letzten Jahren
ge=
bracht und werden ſie auf Grund des Londoner Vertrages, auch in
Zu=
kunft bringen. Wir haben die nationale Bedrückung im härteſten Maße
blutenden Herzens ertragen muſſen.
Die Annahme des Waffenſtillſtandes, des Verſailler
Friedensvertrages, des Londoner Ultimatums und
des Londoner Vertrages ſind für uns Etappen auf
dem Wege zur Freiheit.
Das deutſche Volk geht dieſen Weg in bewundernswertem Duldermut
und vom kühlen Verſtande geleitet. Das deutſche Volk iſt nicht einig über
dieſen Weg der endlichen Befreiung. Heiße Herzen ſchlagen, auch in
Deutſchland, die von heute auf morgen das deutſche Volk frei haben
wollen. Es iſt weniger Rache als eine Forderung des Rechts.
Einig iſt unſer deutſches Volk in dem Ziele der endgültigen Befreiung,
uneinig über den Weg zu dieſem Ziele. Aber
die Mehrheit des deutfchen Volkes wünſcht eine ruhige
und friedliche Entwicklung Deutſchlands, Europas
und der Welt, und ſo erſtrebt dieſe Mehrheit eine
Ver=
ſtändigung mit unferen früheren Gegnern, in der
Hoffnung, ſo nicht nur Deutſchland zu befreien,
ſon=
dern auch die friedliche Entwicklung Europas und der
Welt zu ſichern.
Der Kanzler kam dann auf die Reparationsfrage zu ſprechen, die nach
dem Abſchluß des Londoner Vertrages endlich die Bahn einer ruhigen
und leidenſchaftloſen Entwicklung gebracht, die aber mit dem Londoner
Vertrage noch nicht zum Abſchluß gekommen ſei. Der Vertrag berge in
ſich einen Teil, der zu Verbeſſerungen und zu vollkommeneren Löſungen
dränge. Die Abrüſtungsfrage ſei zurzeit nur einſeitig gelöſt. Die
Sieger=
ſtaaten hätten bei der fünften Völkerbundsverſammlung in Genf
eben=
falls den Willen zur Abrüſtung bekundet. Mögen ſie ans Werk gehen!
Deutſchland ſei zur lohalen Mitarbeit im Völkerbund bereit, auch wenn
dem mit dem Verſailler Vertrage geſchaffenen
Völkerbunde
noch mancherlei Unvollkommenheiten anhaften. Der Gedanke des
Völker=
bundes ſei ein echt chriſtlicher. Es ſei zu bedauern, wenn dieſer Gedanke
in den Kreiſen chriſtlicher Männer und Frauen nicht mit Wärme und
Würde behandelt werde, die er voll und ganz verdiene.
Auf die innere Politik übergehend, bezeichnete es der Kanzler als
Pflicht, ſich freudig zur Verfaſſung zu bekennen. Die demokratiſche Idee
der Volksgemeinſchaft ſtoße leider auf faſt unüberwindliche
Schwierigkei=
ten, und doch liege in dem Streben nach einer großen Volksgemeinſchaft
die große Aufgabe und das große Ziel der deutſchen inneren Politik. Das
Zentrum dürfte nicht grundſätzlich das politiſche Zuſammengehen mit
rechtsgerichteten Parteien verweigern, wenn dieſe nur vorbehaltlos die
Verfaſſung als rechtsverbindlich anerkennen. Es verwerfe aber auch
eben=
ſowenig grundſätzlich das Zuſammengehen mit der Sozialdemokratiſchen
Partei. Das gemeinſame Erſtreben politiſcher Ziele bedeute nicht irgend
welches Aufgeben weltanſchaulicher Grundſätze. Die Zentrumspartei
werde beſtrebt ſein, gerade den ſozial bedrückten Schichten wieder das
Gefühl menſchlicher und nationaler Wertſchätzung zu geben.
Ueber der weltanſchaulichen und ſozialen Gliederung,
die allzu leicht auseinanderführe, ſtehe der natürliche
Wille der deutſchen Nation, ein Volk zu ſein, ein
deut=
ſches Volk zu ſein und eine Schickſalsgemeinſchaft,
eine Volksgemeinſchaft zu werden.
Dieſen natürlichen Willen beeinträchtigen ſcheinbar Beſtrebungen, die
aus landsmannſchaftlichen Kreiſen; verpflanzten. Der Kanzler, warnte
davor, die Begriffe Zentralismus und Förderalismus zu Schlagworten
werden zu laſſen. Bismarck habe mit den gleichen Dingen zu kämpfen
gehabt. Er habe die Frage machtpolitiſch gelöſt. Wir müßten
ver=
ſuchen, ſie geſinnungspolitiſch zu löſen. Das Ziel ſei klar; es ſei nur in
einer natürlichen Gliederung in einem demoktratiſchen Deutſchland zu
erreichen. Schwarzrotgold ſei nicht die Verketzerung und Verkennung
von ſchwarzweißrot, ſondern ein Symbol für das politiſche Streben. Das
geſamte deutſche Volk in natürlicher Gliederung ohne Vormachtſtellung
eines einzelnen Teiles zuſammenzufaſſen.
Der Reichskanzler kam dann ausführlich auf die
Wirtſchafts=
ziele und die Finanzpolitik zu ſprechen. Die deutſche
Regie=
rung ſei zurzeit bemüht, durch den Abſchluß von Handelsverträgen der
deutſchen Volkswirtſchaft die ihr gebührende Stellung in der
Weltwirt=
ſchaft zu verſchaffen. Bei den Verhandlungen laſſe ſie ſich leiten von der
Ueberlegung, daß der
Export die oberſte Forderung für uns
ſei. Es ſei zurzeit noch ſtark umſtritten, ob der Schutz der nationalen
Arbeit am beſten durch Schutzzölle oder durch Freihandel mit
Finanz=
zöllen geſichert ſei. Die Frage bedürfe für die Zukunft ruhiger ſachlicher
Prüfung. Die Regierung ſei unter beſtimmten Vorausſetzungen
ent=
ſchloſſen, das Waſhingtoner Abkommen zu
rati=
fizieren. Die jetzige Regelung der Arbeitszeit dürfe nur als Notbehelf
angeſehen werden. Die dritte Steuernotverordnung habe die
Eigen=
tumsanſprüche eines großen Teiles des deutſchen Volkes vorläufig
zurück=
geſtellt. Es müſſe eine ernſte Sorge bleiben, zu überlegen, ob in ferner
Zukunft die Möglichkeit beſtehe, dieſe berechtigten Anſprüche zu
befriedi=
gen. Aufgabe der Politik bleibe es, neue Anſiedlungen zu ermöglichen.
Eine ernſte Sorge bleibe auch die Wohnungsfrage. An der Geſtaltung
eines neuen einheitlichen Arbeitsrechtes werde eifrig gearbeitet.
Im letzten Jahre habe die Balanzierung des Staatshaushaltes nur
durch ſteuerliche Eingriffe in die Erträgniſſe der deutſchen Wirtſchaft
er=
folgen können.
Die Steuerſchraube müſſe in Zukunft gelockert werden.
Eine andere Frage ſei es, ob nicht die Vereinfachung des Steuerſyſtems
und der Steuerverwaltung möglich ſei.
Nach den Ausführungen über unſere Kulturpolitik ſchloß der Kanz=
: Noch kämpft das deutſche Volk um ſeine Weltgeltung im Konzert der
Völker. Noch iſt ſein Staatsgebiet nicht frei von ausländiſcher Beſatzung;
noch iſt ſeine Wirtſchaft und ſeine Währung aufs äußerſte bedroht. Die
Pflicht der Selbſterhaltung, die dem Staatsweſen ebenſo wie den Einzel
nen als ſittliche und rechtliche Pflicht obliegt, zwingt uns zunächſt, für die
Wiederaufrichtung und Verſtärkung des Hauſes, ſelbſt zu ſorgen. Die
innere Einrichtung mag einſtweilen noch mangelhaft und
verbeſſerungs=
bedürftig bleiben. Noch immer handelt es ſich um das Leben und
Ster=
ben des deutſchen Volkes und um die Erhaltung der Einheit des Reiches.
Die in den letzten Jahren beobachtete
Politik der Verſtändigung und der Anbahnung
ver=
trauensvoller Zuſammenarbeit
mit den übrigen Staaten, auch mit denjenigen, mit denen wir im
un=
ſeligen Weltkriege die Waffen gekreuzt haben, hat unbeſtreitbare
Erfolge gezeitigt. Es wäre geradezu ein Verbrechen am deutſchen
Volke, würde dieſer Weg verlaſſen werden. Beim kommenden
Wahl=
kampf muß mit aller Entſchiedenheit die Bedeutung der
Außen=
politik in den Vordergrund geſtellt und eine
Zuſammen=
ſetzung des Reichstags erſtrebt werden, die die Fortſetzung dieſer Politik
gewährleiſtet.
des Volkes ſchon verkündet, als die äußere Einigung noch
im=
mer mißlingt. So konnte Raabe im Dezember 1892 anläßlich der
zweiten Auflage des „Dräumlings” mit Recht ſchreiben, ohne die
Feſtgenoſſen der Paddenauer Schillerfeier wäre die Aufrichtung
des neuen Deutſchen Reiches, zu der ſich die Familien Gutmann
und Blume in Koburg die Herzen und die Hände geboten hätten,
nicht ſo raſch zuſtande gekommen.
„Und dieſes deutſche Volk glauben ſie unterkriegen zu
kön=
nen!” läßt Raabe den jungen Gutmann aus der Fülle ſeines
zukunftsgewiſſen Herzens ausrufen. Wenn wir mit Raabe an
ewige Gewalten der deutſchen Volksſeele glauben, dürfen wir
auch mit ihm, trotz allem, auf die Zukunft eben dieſes Volkes
vertrauen. Aber wir müſſen auch die Waffen, die er uns zum
Lebenskampfe geboten hat, gebrauchen. „Die Waffen Raabes,
ſo ſchließe ich mit Heinrich Spieros ſoeben erſchienener,
nicht genug zu empfehlender Biographie des Dichters *), „die
Waffen Raabes ſtreiten mit uns gegen die Ketten von Verſailles,
gegen die Beſchmutzung des großen Erbes der Vergangenheit,
gegen jeden deutſchen Partikularismus, für die Einheit und
Frei=
heit Deutſchlands . . . Nun, da der Reichtum geſchwunden, die
Freiheit verloren, die Einheit wie in den Zeiten des ſchlimmſten
Fürſten= und Städtehaders bedroht iſt, tönt die warme,
menſch=
liche Stimme des weltweiten, erzdeutſchen Meiſters doppelt
be=
weglich, tränenlockend, ſchickſalmahnend in unſere Welt. Nie ſeit
Jahrhunderten ward es uns Deutſchen ſchwerer gemacht, frei
durchzugehen. Bei ihm können wir es immer wieder lernen, bei
ihm immer wieder auf dem Wege zu den letzten Tiefen
menſch=
licher Erkenntnis die blitzende Rüſtung gewinnen, in der uns
niemand etwas anhaben kann.‟ Die Wirkſamkeit der Raabeſchen
Gebilde verbürgt uns und den Deutſchen fernſter Zeiten auch
die Kraft zur Freiheit und zur Erhebung.
*) Raabe. Leben — Werk — Wirkung. Von Heinrich
Spiero. Mit drei Bildniſſen und einer Briefnachbildung.
Darm=
ſtadt, Ernſt Hofmann u. Co. 1924. (Geiſteshelden, 73. Band.)
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
— Eine berühmte Goya=Sammlung unter
dem Hammer. Bei C. G. Boerner in Leipzig wird Mitte
November anläßlich der Verſteigerung alter Kupferſtiche aus
dem Britiſchen Muſeum und der Albertina und der
Handzeich=
nungsſammlung von Geheimrat A. Köſter, Leipzig, die
berühm=
teſte Sammlung der genialen Radierungen
Goyas mit ausgeboten, die aus dem Beſitz des verſtorbenen
Goya=Biographen Julius Hofmann in Wien ſtammt und das
ganze radierte Werk Goyas in brillanten Frühdrucken enthält.
* „Luſtiger Abend‟ Guſtav Jacoby
im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters.
„Wer geſunden, ſauberen Humor hören will, der höre
Guſtav Jakoby”, ſchrieb einmal „Die Zeit” von dem Künſtler, der
geſtern abend meines Wiſſens zum erſten Male in Darmſtadt
einen „Luſtigen Abend” gab und damit durchſchlagenden Erfolg
hatte. Ich habe das Wort „ſauberen” unterſtrichen. Vielleicht iſt
es gerade das, was dieſen Künſtler vor vielen Artgenoſſen
aus=
zeichnet. Er iſt ein Künſtler und iſt Aeſthet, und er bleibt das
auch, wenn ſein Humor am tollſten, ausgelaſſenſten ſprudelt.
Man darf herzlich befreiend lachen und verliert niemals das
Ge=
fühl, einem kultivierten Künſtler zuzuhören.
Guſtav Jacobys Vortragskunſt iſt ſo vielſeitig wie ſein
Repertoire. Vom klaſſiſchen Humor, von Goethe, Schiller,
Heine reicht es über Presber, Liliencron, Schmitz, Wolzogen über
Reimann und Morgenſtern hinüber zu den Dialektdichtern aller
deutſchen Stände, um nach köſtlichen ſächſiſchen Satiren und auch
humoriſtiſchen Geſangsvorträgen dem deutſchen Michel
liebens=
würdig, aber eindrucksvoll die Wahrheit zu ſagen, gleichwie er
mit dem lebensbejahenden „Halloh, wir leben noch!” ſeinen
Abend begann.
So führte er ſeine nicht gerde ſo zahlreich wie zu Ringelnatz
erſchienenen Zuhörer durch alle Skalen deutſcher
Humordichtun=
gen und ließ wohl niemand unbefriedigt.
DI. St.
Bühnenchronik.
— Die bekannte Schriftſtellerin Maria Doberenz=
Eberlein, Pirna, beging am 15. Oktober ihren 60.
Geburts=
tag. Arbeiten aus ihrer Feder, darunter der Roman „Frau
Lene”, erſchienen vor der Buchausgabe im „Darmſt. Tagblatt”,
— Das ſtädtiſche Preſſeamt Köln meldet: Die in
auswärtigen Zeitungen über angebliche „Kölnmüdigkeit”, des
Kölner Schauſpielintendanten Guſtav Hartung verbreiteten
Nachrichten beruhen auf Erfindung. Herr Intendant Hartung
beabſichtigt nicht, ſeine Kölner Tätigkeit aufzugeben; auch hat er
mit keinerlei Schwierigkeiten zu kämpfen.
fm. Karlsruhe. Als Generalmuſikdirektor und
Nachfol=
ger Cortolezis iſt der bisherige Opernleiter in Nürnberg,
Fer=
dinand Wagner, zum Beginn der erſten Spielzeit an das
Badiſche Landestheater berufen worden. Ferdinand Wagner
hatte am 14. Juni d. J. am Landestheater „Die Meiſterſinge:
von Nürnberg” geleitet und einen ſehr ſtarken Erfolg damit
erzielt.
Der Wahlkampf in Bahzern.
Zwei Richtungen bei den Oemokraten.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 27. Okt.
Der geſtrige Sonntag ſah die Parteien in München an
der Arbeit zur Vorbereitung des Wahlkampfes.
Zu der Tagung des Landesausſchuſſes der Demokratiſchen
Partei waren Reichswehrminiſter Dr. Geßler,
Reichswirt=
ſchaftsminiſter Hamm und der Fraltionsvorſitzende der Deutſchen
Demokratiſchen Partei im Reichstag, der ehemalige Miniſter a. D.
Koch erſchienen. Wie in der ganzen Partei im Reich, ſo zeigten
ſich auch in Bayern, bei dieſer ſogar noch viel ſchärfer, die zwei
Richtungen, die die Partei zu zerſprengen drohen. Der
Reichswehrminiſter ſtellte ſich auf den Standpunkt: Der Fehler
im kaiſerlichen Deutſchland mit dem
grundſätz=
lichen Ausſchluß der Sozialdemokraten von
allen Regierungsgeſchäften dürfte im
republi=
kanifchen Deutſchland nicht wiederholt werden
mit dem grundſätzlichen Ausſchluß der
Deutſch=
nationalen. Auch ſonſt führte der Reichswehrminiſter als
Fehler an: die ſtarke Beteiligung der Demokratiſchen Partei am
Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold in Fällen, in denen die Partei
ſich keineswegs engagieren dürfe, wie z. B. bei dem Schutze, den
das Reichsbanner für die Pazifiſten gewährt habe.
Der Landesausſchuß ſuchte zwar mit einer Reſolution,
in der ſowohl der Reichstagsfraktion, als auch der Minderheit in
der Fraktion für ihre Haltung in der letzten Kriſe der Dank und
das Vertrauen ausgeſprochen wurde, die
Meinungsgegen=
ſätze nach außen zu überbrücken. Die Gegenſätze
be=
ſtehen aber noch fort, und es ſoll verſucht werden, in Bayern
den Wahlkampf mit der Parole zu führen, die Politik der
Mitte weiterzuführen ohne Bindung, weder nach rechts noch
nach links. Bei der Tagung ergab ſich, daß die Mahner vor einem
allzu ſcharfen Linkskurs die zahlenmäßig ſtärkeren, die
Linksdemo=
kraten als die im Worte am lauteſten waren.
Die Deutſchnationalen ſtellten neuerdings und
end=
gültig den Großadmiral von Tirpitz wiederum als
Spitzen=
kandidaten auf. Sie gehen in den Wahlkampf mit der
An=
kündigung, ſie wollten dem Unitarismus ein Ende machen, und
auf die Wiedererrichtung der Monarchie hinarbeiten.
Die Völkiſchen beſchloſſen, ſtrammere Zuſammenfaſſung
der Bewegung unter der Reichsführerſchaft von Ludendorff,
Stra=
ßer und Graefe, die auch für Bayern unbedingt Geltung haben
müſſe. Sie kündigen an, daß Sondergruppen, vor allem die
Gruppe Eſſer=Streicher als ausgeſchloſſen zu gelten haben, ſofern
ſie ſich der Unterordnungsformel nicht fügen.
Baheriſcher Proteſt gegen das Urteil im Conſul=Prozeß.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 27. Okt.
Amtlich wird mitgeteilt: In der Hauptverhandlung, die in der
vorigen Woche vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der
Re=
publik gegen die Mitglieder der Organiſation Conſul wegen
Ge=
heimbündelei ſtattfand, iſt nach Preſſemitteilungen die Berufung
der Richter in einer Weiſe erfolgt, die mit dem Abkommen
zwi=
ſchen der Bayeriſchen Regierung und der Reichsregierung über
die Bildung des Süddeutſchen Senats am Staatsgerichtshof nicht
vereinbar zu ſein ſcheint. Die bayeriſche Regierung hat
unverzüglich die erforderlichen Schritte hiergegen bei der
Reichsregierung unternommen.
Von der Münchener Preſſe wird das Urteil faſt
überein=
ſtimmend als ein politiſches Urteil bezeichnet.
Des Rätſels Löſung.
* Berlin, 27. Okt. (Priv.=Tel.) Die Ente von der
deutſchnationalen Reichstagskandidatur des ehemaligen
Kronprinzen iſt ſehr raſch geſchlachtet worden. Wie ſie
über=
haupt erfunden werden konnte, darüber gibt es jetzt inſofern eine
Möglichkeit, als, wie wir hören, die Deutſchnationalen
beabſich=
tigen, den ehemaligen Generalſtabschef des Kronprinzen, Graf
von der Schulenburg, als militäriſchen Vertreter auf die
Reichsliſte zu ſetzen. Von der Schulenburg, der bei den
letz=
ten Wahlen in Mecklenburg in der zweiten Stelle kandidierte,
hat aber mit dem Kronprinzen ſeit längerer Zeit nichts mehr zu
tun. Er iſt deutſchnationaler Politiker geworden, ebenſo wie
General Gallwitz und manche andere. Seine Wahl
be=
deutetaber keinerleipolitiſche Bindungfürden
Kronprinzen.
*Was ſein kann zwiſchen Menſch und Heim.
So will ich es im Untertitel nennen — das herrlich=friſche
Buch von Hofrat Dr. Alexander Koch: „Das Schöne Heim” das
ſoeben in zweiter verbeſſerter Ausgabe in ſeiner Verlagsanſtalt
erſchienen iſt. Es iſt ein Meiſterbuch des Wortes, und wenn man
es zu leſen beginnt, dann ſchwingt ſofort die Seele mit; es iſt ein
prächtiger Führer, zweckdienlich für jeden Schönheit ſuchenden
Menſchen. Alle Fragen nach Wie und Was, Vorgeſtern und
Geſtern, nach Jetzt, Morgen und Uebermorgen werden in dieſem
Belehrungswerk erſchöpfend beantwortet. Für jede Stimmung
kann ich wohl behaupten — findet der Leſer einen Abſchnitt,
der ihm das ſpendet, was er ſich gerade gewünſcht hat.
Ich blättere in Ruhe, es iſt ½5 und in dreißig Minuten
kommen meine Gäſte. Auf Seite 32 leſe ich „Der Teetiſch”
unterzeichnet Kuno Graf Hardenberg. Es wird da um den
Tee=
tiſch herum ſehr fein und ſtilvoll ge=five o’clockſt, ſehr unterhaltend
und abwechſlungsreich . . . Tieftönig ſchlägt die Standuhr 5 —
und im Zimmer nebenan klingt es von der Kommode fünfmal
ſilberhell, und noch etwas weiter kuckuckt die Schwarzwälder Uhr.
Auf Seite 34 hat Herr Hofrat ſelbſt dafür ſo ſchöne Worte gefügt:
„Die Uhr im Hauſe” — packende Worte in angenehmem
Rhythmus.
Wie manche entmutigte Seele findet ſich wieder durch dieſes
Buch zurecht. Und mancher entdeckt erſt an Hand dieſes Werkes
die Schönheiten ſeines Eigenheims. Ich bin auf Seite 42
ange=
langt, hier beginnen „Die Quellen des Behagens”, von Kuno
Graf von Hardenberg, um auf Seite 44 von der „Harmonie im
Wohnraum” von Dr. Franz Servaes abgelöſt zu werden.
Und nun kommen meine Gäſte, denen ich dies wortfarbige
Buch zeigen werde. Es hat mich durch einige Seiten ſo
wunder=
bar angeregt, daß ich meinem Kreis erzählen werde, was ſein
Friedr. Wilh. Fuchs.
kann zwiſchen Menſch und Heim.
* Gefängnis zu vermieten .. . .! Während man überall über
die zunehmende Verwahrloſung aller Geſellſchafts= und
Alters=
klaſſen klagt und Weltanſchauungen an allen Enden auftauchen,
wie ſie die Römer vor ihrem Untergang hatten, bekommt der
Op=
timismus unvermittelt eine gewaltige Rückenſtärkung durch eine
öffentliche Bekanntmachung des Hochbauamtes des
mecklenburgi=
ſchen Städtchens Waren, die alſo lautet: Das Gefängnis des
bis=
herigen Amtsgerichtes Neukalen, ganz und hoch unterkellert, im
Erdgeſchoß eine Fünfzimmierwpohnung, in den Obergeſchoſſen acht
Zellen ſowie ein hochimmauerter Hof, ſoll verkauft,
beziehungs=
eife ganz eder getrennt vermictet werden. — Glückliches
Meck=
iburg, daß du daran=hen lannft, deine Gefängniſſe abzubauen
Dar: 4zuale ch hnungsnot energiſch zu Leibe zu rücken,
Seite 4.
Nummer 300
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Sechs Jahre Tſchechoſlowakei.
Zum 28. Oktober 1924.
Von unſerem Korreſpondenten.
B. Prag, im Oktober.
In den ſogenannten Siegerſtaaten iſt ſeit dem Ende des
Weltkrieges eine Erſcheinung wahrzunehmen, die in
unmittel=
barem Zuſammenhange mit dem für dieſe Staaten günſtigen
Ausgange des Krieges ſteht: ſie feiern die Erinnerung an die für
ſie großen und wichtigen Ereigniſſe der Vergangenheit in
beſon=
ders feſtlicher Weiſe und benützen die Gelegenheit, Rückſchau zu
halten auf die Leiden und Frenden, von denen ſie betroffen
wur=
den und aus denen ſie auf kommende Zeiten zu ſchließen
ver=
ſuchen. Die deutſche Bevölkerung der Tſchechoſlowakei hat ſeit
der Gründung der Republik am 28. Oktober 1918 in beſonderem
Maße Gelegenheit gehabt, zu beobachten, mit welchem Aufwand
an Begeiſterung und Feſtesfreude von einem nach
jahrhunderte=
langer politiſcher Unſelbſtändigkeit zu unbeſchränkter Freiheit
ge=
langten Volke jeder, auch der geringſte Anlaß wahrgenommen
wurde, um das Erinnern an diejenigen wachzurufen, die in irgend
einen Zuſammenhang mit der Gründung der jungen Republik
gebracht werden können und die ſich Verdienſte um das tſchechiſche
Volk, um den tſchechiſchen Staat erwarben. Der Feſte Wogen
rauſchten oftmals ſchon in dieſen ſechs Jahren, die vergangen
ſind ſeit dem Tage, da vom Balkon eines Kaffeehauſes auf dem
Prager Wenzelsplatz ein tſchechiſcher Politiker die Worte: „
Oeſter=
reich iſt nicht mehr!” unter die tauſendköpfige Menge warf und
da über das tſchechiſche Volk ein Taumel kam, der bis heute noch
nicht ganz verſchwunden iſt und mit den hellen Klängen einer
erfolgreichen Vergangenheit die weniger erfreuliche Gegenwart
übertönt . . .
Sechs Jahre Tſchechoſlowakei! Für die dreieinhalb Millionen
Deutſchen, die der Verſailler Friedensvertrag zu Untertanen des
Präſidenten auf dem Prager Hradſchin gemacht hat, iſt dieſer
Tag der Erinnerung von freundlichen Empfindungen nicht
ge=
tragen. Sie ſtehen dem Jubel der Tſchechen, der alljährlich am
28. Oktober ſeinen Höhepunkt zu erreichen pflegt, eher ſchmerzlich
gegenüber, weil die Freude des Feſtes, das ſeine Wellen bis ins
entfernteſte deutſche Dörflein innerhalb der tſchechiſchen
Staats=
grenzen trägt, ihnen neu ins Gedächtnis zurückruft die Reihe der
Demütigungen, der Entrechtungen und Drangſalierungen, die ſie
ſeit den Umſturztagen des unglücklichen Jahres 1918 zu erdulden
hatten und die ſo ſyſtematiſch fortgeſetzt werden, daß die
Hoff=
nung auf ein Beſſerwerden der traurigen Verhältniſſe in dieſem
Staate immer kleiner, immer zaghafter wird. Der Deutſche in
Böhmen, Mähren und Schleſien, der am 28. Oktober in die
Freude der Tſchechen einſtimmt, iſt ein Heuchler,, denn bisher iſt
das Verhalten der Tſchechen der deutſchen Minderheit gegenüber
nicht dazu angetan geweſen, die Brücke der Verſtändigung zu
ſchlagen, dem tſchechiſchen Staatsgedanken auf deutſcher Seite
Sympathie zu erringen. Der 28. Oktober 1918 iſt der Tag, an
dem die Verelendung des deutſchen Volkes in Böhmen, Mähren
und Schleſien eingeſetzt hat; es iſt der Stichtag, von dem an die
tſchechoſlowakiſche Republik zwar die Aktiven, nicht aber auch die
Paſſiven des alten öſterreichiſchen Staates übernommen hat. Mil
liarden deutſchen Volksvermögens ſind dadurch verloren
gegan=
gen. Der 28. Oktober iſt aber auch der Tag, an dem die
tſchecho=
ſlowakiſche Regierung und das tſchechoſlowakiſche Parlament
hunderte von Gründen für die Nichteinlöſung der Kriegsanleihe
herangezogen haben; unſagbares Elend hat dieſe Regierung
da=
mit über die deutſche Bevölkerung des geſamten Staatsgebietes
gebracht, und tauſende von Menſchenleben ſind ihrer Weigerung,
die Kriegsanleihe zu honorieren oder zu einem annehmbaren
Schlüſſel umzutauſchen, zum Opfer gefallen.
Die Deutſchen in der Tſchechoſlowakei haben keine Urſache,
an dem Feſte der Selbſtändigmachung einer Republik
mitzu=
wirken, die für ſie zum Gefängnis geworden iſt. Sie befinden ſich
nach ſechs Jahren ſchwerſten Kampfes um primitivſte
Menſchen=
rechte immer noch in jenem Zuſtande der Rechtloſigkeit, in dem
neben ihnen nur noch die abgetrennten deutſchen Minderheiten
in Polen und Südtirol verharren; ſie ſind trotz ihrer eminenten
Bedeutung für die Wirtſchaft dieſes Staates mit den übrigen
Minderheiten — Slowaken und Ungarn — Bürger zweiter Güte
und, der Fiktion des tſchechiſchen Nationalſtaates entſprechend,
von der Teilnahme an der Verwaltung ausgeſchloſſen, weil ſie
einem „beſiegten Volke” angehören und inſolange nicht als
zu=
verläſſige „Tſchechoſlowaken” gelten werden, ſolange ſie ihr
Deutſchtum hochhalten und aus ihrer Sympathie für Deutſchland
kein Hehl machen.
Aber auch auf tſchechiſcher Seite iſt kein Anlaß, den
Geburts=
tag der Republik in ſo überlauter Weiſe zu feiern, wie dies heuer
wieder geſchieht. Nach wie vor iſt dieſer Staat von Kriſen
durch=
ſchüttelt; neuerdings ſind es die Slowaken, die ihre Forderung
nach Autonomie energiſcher als bisher erheben. Die Beſtrebungen
in der Slowakei erfüllen die Regierenden mit großer Beſorgnis,
weil ſie in ihnen den Herd weittragender revolutionärer
Bewe=
gungen erblicken. Die Slowaken wollen einen Statthalter in der
Slowakei, der „weder Sklave noch Stiefellecker von Prag” iſt
ſondern ein Vertrauensmann der ſlowakiſchen Nation, der in
nichts von Prag abhängig ſein darf, und mit gleicher Beſtimmtheit
fordern ſie ein ſlowakiſches Parlament. Ohne Erfüllung dieſer
Bedingungen werde es im ſlowakiſchen Winkel der Republik
nicht zur Ruhe kommen, und es werde im Intereſſe der Prager
Regierung ſelbſt liegen, dieſen Forderungen nachzugeben. Die
Nationaldemokraten in Prag verſuchen vergeblich, die Unruhe
zu verbergen, die die politiſchen Kreiſe wegen des ſlowakiſchen
„Verſuchsballons” erfaßt hat, und ebenſo vergeblich verſucht der
geſamte tſchechiſchnationale Blätterwald die wirtſchaftliche Lage
der Republik ſo roſig darzuſtellen, daß das Staatsvolk die
Wahr=
heit nicht erkenne: daß die Tſchechoſlowakei bisher zwar politiſch
mit zu den „Siegern” gehörte, aber wirtſchaftlich längſt
beſiegt iſt. Die Tſchechoſlowakei iſt heute Beſitzerin einer
Menge wertloſen Papiergeldes und eines vernichteten Mittel=,
Gewerbe=, Handels= und Beamtenſtandes, und an dieſer Tatſache
haben auch alle bisher unternommenen Verſuche nichts zu
ändern vermocht. Nimmt man dazu, daß auch innerhalb der
Parlamentsmehrheit eine Kriſe die andere ablöſt, ſo muß man
die Berechtigung der Inſzenierung von lärmenden
Jubiläums=
feierlichkeiten am 28. Oktober 1924 wohl anzweifeln.
Die deutſch=franzöſiſchen Handels=
Sertragsveryandlungen.
Aufhören der elſaß=lothringiſchen Zollkontingente.
Der Berichterſtatter des „Echo de Paris” meldet, der deutſche
Miniſter, mit dem er jüngſt geſprochen, habe ihm erklärt,
Deutſch=
land werde die elſaß=lothringiſchen Kontingente
für eine begrenzte Zeitdauer bewilligen unter
der Bedingung, daß die franzöſiſche Regierung einwillige, das
Ruhrgebiet am 15. Apirl zu räumen.
* Obwohl der Reichstag aufgelöſt iſt und die Regierung nur
noch als Geſchäftsminiſterium weiter beſteht, gehen die
deutſch=
franzöſiſchen Handelsvertragsverhandlungen
weiter. In den nächſten Tagen wird das Kabinett die
Delega=
tion mit neuen Vollmachten ausrüſten, daß jetzt eine Entſcheidung
über die bedeutendſte Frage der Handelsvertragsverhandlungen,
nämlich die elſaß=lothringiſchen Zollkontingente,
die Frankreich gerne fortgeſetzt ſehen möchte, gefällt werden wird.
Die deutſche Regierung fteht auf dem Standpunkt, daß die
Zollkontngente als politiſche Konzeſſion nicht
gegeben und auch deshalb nicht mit der Frage der
Räumung des Ruhrgebiets in Verbindung
ge=
bracht werden könnten, wie das von den Franzoſen
beabſich=
tigt iſt. Infolgedeſſen werden mit dem 10. Januar nächſten
Jahres alle Erleichterungen für Elaß=
Lothrin=
gen aufhören.
Wie wir weiter erfahren, trift es auch nicht zu, daß 60
Sach=
verſtändige für die deutſch=franzöſiſchen
Handelsvertragsverhand=
lungen ernannt wurden. Die deutſche Delegation wird vielmehr
in der gleichen Zuſammenſetzung und Zahl wie bei den erſten
Verhandlungen am 5. November zur Fortſetzung der
Verhand=
lungen in Paris eintreffen.
* Ein wichtiger Punkt
in der Aufwertungsfrage.
Man ſchreibt uns:
Durch die Reichstagsauflöſung ſind die Arbeiten des
Auf=
wertungsausſchuſſes auf unbeſtimmte Zeit vertagt. Man kann
wohl damit rechnen, daß vor Januar bis Februar; nächſten
Jahres, eine Beratung in dieſen, für einen großen Teil der
Be=
völkerung lebenswichtigen Fragen, nicht ſtattfinden wird.
Inzwi=
ſchen gilt das Geſetz der 3. Steuernotverordnung ohne
Abände=
rung weiter. Die Sparkaſſen und Schuldnerverbände fordern ihre
Gläubiger durch Zeitungsanzeigen auf, ſchon jetzt Vereinbarungen
zu treffen und weiſen ausdrücklich darauf hin, daß der 31.
Dezem=
ber d J. als letzter Termin gilt. Die Hypothekengläubiger und
Sparer=Schutzverbände würden gut daran tun, bei den politiſchen
Parteien, welche für die Aufwertungsfrage in günſtigem Sinne
geſtimmt ſind, darauf hinzuwirken, bei der Reichsregierung
vor=
ſtellig zu werden, daß ſie durch Geſetzesbeſchluß den Termin für
die Anmeldung der Anſprüche verlängert. Reichsfinanzminiſter
Dr. Luther hat nämlich in einer der letzten Sitzungen des
Auf=
wertungsausſchuſſes darauf hingewieſen, daß Löſchungen und
Ab=
änderungen im Grundbuch rechtsverbindliche Handlungen ſind,
welche nachträglich nicht mehr rückgängig gemacht werden
kön=
nen. Eine vorzeitige Feſtlegung der Aufwertungsanſprüche nach
der 3. Steuernotverordnung könnte den Gläubigern unter dieſem
Geſichtspunkte zum Schaden gereichen.
Die glückliche Geburt
1fü
zu „hrer zweiten Tochter
zeigen an
Oipl.=Ing. E. Schütze
u. Frau Mathilde, geb. Becker
Arr
Die glückliche Geburt eines
kräftigen Sonntagsmädel
zeigen hochertreut an
Thomas Eiſinger u. Frau
Arheilgerſtraße 2
A5.3
Otto Müller
Spediteur
Lina Müller
geb. Krämer
VERMAHLTE
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Beerfurth
Darmstadt
Karlstr. 47
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Ich erkläre hiermit meine Berlobung
mit Herrn Hans Friedrich Dingeld ein
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Lilli Strohl=Puder
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Todes=Anzeige.
Verwandten und Freunden
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mit die ſchmer liche Mitteilung, daß
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ſchweren Leiden durch einen ſanften
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Die trauernden Hinterbliebenen:
Karl Flott
Katharina Flott. geb. Neubert
Margarethe Flott. geb. Schott.
Ober=Ramſtadt, 28. Okt. 1924.
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nachmittag 3 Uhr ſtatt. (14124
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ſagen wir auf dieſem Wege unſeren innigſten Dank.
Namens der trauernden Hinterbliebenen.
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Oper bis Ecke Mühl=
Erbacherſtr. Inhalt
ca. 15 ℳ, 2
Taſchen=
tücher, Fahrkarte Ob.=
Ramſtadt=Dſtdr.=Oſt.
Abzugeb geg Be ohn.
Ob.=Ramſtadt,
Darm=
ſtädterſtr 47, (14123
Brillant=
nadel
mit Saphir Samstag
abend verloren. Der
Finder iſt erkannt u.
wird gebeten gegen
gute Belohnung
Friedrichſtr. 24, pt.,
abzugeb andernfalls
Anzeige erſtatte, (ruuo
Verloren
Manſchettenknopf
Granatſtern m. ſilb,
Faſſung. Da liebes
Andenken wird, ehrl
Finder um Rückgabe
gegen Finderlohn
gebeten Hainal,
Darmſtdt.,
Hoffmann=
ſtr 57, part. (31361
dem ehrlichen
Finder!
Auf dem Wege;
Grafenſtr. —
Haupt=
poſt=Wilhelminenſtr.
Hügelſtr. —— Steinſtr.
Noten
A 50 R.=Markſch,
verloren.
Abzugeb. Fundbüro
Hügelſtraße, (*31357
Nummer 300.
Aus der Landeshauptſiadt.
*
Darmſiadt, 28. Oktober.
— Ernannt wurden: Am 13. Ottober Johanna Mühlfeld aus
Aſchaffenburg zur Köchin an der Landes=Heil= und Pflegeanſtalt
Heppen=
heim mit Wirtung vom 1. Oktober 1934 ab; am V. Oktober der Lehrer
Friedrich Löffler zu Offenbach zum Lehrer an der katholiſchen
Volks=
ſchule zu Bensheim, die Lehrerin im einſtweiligen Ruheſtand Katharina
Moufang zu Offenbach zur Lehrerin an der Volksſchule zu Offenbach,
beide mit Wirkung vom 1. November 1924 abz durch Entſchließung des
Landesamts für das Bildungsweſen die Studienreferendare Theodor
Duſeberg zu Gießen, Kurt Schollmayer zu Mainz, Dr. Heinrich
Fuhr zu Lich, Hans Kurz zu Gießen, Wilhelm Hach zu Gießen, Dr.
Joſeph Gießler zu Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 zu
Studienaſſeſſoren.
— Zu beſetzen iſt die Stelle einer techniſchen Lehrerin für Handarbeit
und Haushaltung, womöglich auch Turnen, an der Schillerſchule zu
Friedberg.
— Bei der Oberfinanzkaſſe werden die den Ruhegehalts= und
Warte=
geldempfängern ſowie den Hüuterbliebenen für November zuſtehenden
Bezüge am Mittwoch, den 2. Oktober, von 8—12 Uhr vormittags,
aus=
bezahlt.
Wählerliſte! Von der Stadtverwaltung wird uns
mitge=
teilt, daß die in dieſen Tagen den Wahlberechtigten zugeſtellten
Karten über ihre Aufnahme in die Wählerliſte für die zuerſt auf
den 16. November I. J. anberaumte Landtagswahl inhaltlich
volle Gültigkeit bezüglich der Doppelwahlen, (Landtags= und
Reichstagswahl) am 7. Dezember I. J. behalten. Für
Wahl=
berechtigte, die im Beſitze dieſer Karten ſind, beſteht bezüglich
bei=
der Wahlen kein Anlaß, die Wählerliſte, die nunmehr während
der Zeit vom 16. bis 23. November I. J. offen liegt, einzuſehen.
— Profeffor Dr. Paul Brandt, der Redner der nächſten
Huma=
niſtiſchen Veranſtaltung, iſt geborener Saarbrücker. Er hat
in Heidelberg und Bonn klaſſiſche Philologie und Archäologie ſtudiert
und ſpäter 15 Jahre an dem von ihm aufgebauten Städtiſchen Gym
naſium in Bonn unterrichtet, wo unter ſeiner Leitung auch die „
Geſell=
ſchaft für Literatur und Kunſt” ſich einer hohen Blüte erfreute. Im
Jahre 1910 als Direktor des Prinz Georg=Gymnaſiums nach Düſſeldorf
berufen, hatte er den Aufbau dieſer Reformanſtalt faſt vollendet, als
der Krieg ausbrach, den er 15—17 als Bataillonskommandeur in der
Front mitmachte. Nach ſeiner Verwundung übernahm er noch im
Jahre 1917 das Humaniſtiſche Burggymnaſium in Eſſen, von wo er ſich
1921 freiwillig in den Ruheſtand nach Bonn zurückzog, um ſeinen
Stu=
dien leben zu können. Sein Buch „Sehen und Erkennen”, das bereits
die fünſte Auflage erlebt hat, hat durch ſeine eigenartige Anlage und
Methoden den Namen des Gelehrten in weiten Kreiſen bekannt gemacht.
Die Stärke des Verfaſſers beſteht wohl hauptſächlich darin, daß er in
jahrzehntelangem Verkehr mit jugendlichen Kunſtfreunden gelernt hat,
in das Erfaſſen des Künſtleriſchen an den Kunſtwerken ſelbſt einzuführen.
Dabei hat er auch die lebende Kunſt ſtets mit Intereſſe verfolgt und
ſelbſt gegenüber ihren neueſten Phaſen einen objektiven Standpunkt
gewonnen. Dem Ueberſchwang der „Gotiker” gegenüber, die die antike
Kunſt und die von ihr abgeleiteten Richtungen am liebſten ganz aus den
Bildungserlebniſſen der Deutſchen ſtreichen möchten, ſteht er auf dem
Standpunkt, daß das organiſche Prinzip der antiken Kunſt gerade mit
ſeiner Nuhe und Harmonie für uns Deutſche ein ganz unentbehrliches
Heilmittel gegen fauſtiſche Verſtiegenheit und formale Verworrenheit
darſtellt und ſich als ſolches in der Geſchichte zu wiederholten Malen
bewährt hat. Das ihm für die deutſche Kunſt vorſchwebende Ideal iſt,
wie es am Schluß des genanten Buches heißt, daß ſie werde „der tiefe
Ausdruck des deutſchen Lebensgefühls in geläuterter, letzten Endes von
der Antike abgeleiteter Form”. — Die Veranſtaltung findet am
Frei=
tag abend 8 Uhr im Feſtſaal des Gymnaſiums ſtatt.
C. Prpfeffor Ensgraber †. Am B. d. M. ſtarb im 69. Lebensjahre
der Profeſſor i. N. am hieſigen Realgymnaſium. Leopold Ensgraber. Der
Dahingeſchiedene, aus Erbach im Rheingau gebürtig, war nach
vollende=
tem philologiſchen Studium in den heſſiſchen Staatsdienſt getret
etzen und
wurde zunächſt als Lehrer an der Realſchule in Wimpfen angeſtellt, von
wo er an das Darmſtädter Realgymnaſium verſetzt wurde, wo er lange
Jahre wirkte. Im Namen des Kirchenvorſtandes der St.
Eliſabethen=
gemeinde widmete Herr Profeſſor Dr. Lüchen dem Verſtorbenen am Grabe
einen warmen Nachruf, indem er ihn vornehmlich als Muſter katholiſcher
caritativer Arbeitsfreudigkeit hinſtellte und ſeiner Verdienſte um den
Spar= und Vorſchußverein der katholiſchen Gemeinde Darmſtadt gedachte,
deſſen Gründer und langjähriger Präſident er geweſen war. Herr Ober
ſchulrat Dr. Ritſert gab dem Verewigten im Namen des Lehrkörpers des
Realgymnaſiums das Zeugnis eines tüchtigen Lehrers, biederen
Charak=
ters und liebenswürdigen Kollegen, während ein Vertreter des
Philolo=
gen=Vereins in freundlichen Worten ſeines Mitgliedes gedachte. Erwähnt
ſei noch, daß der dahingeſchiedene langjähriger Präſident des
Katholiken=
bereins Darmſtadt war, um den er ſich große Verdienſte erworben hat.
— Zugunſten des Kirchenbaufonds veranſtaltete der Katholiſche
Männer= und Arbeiterverein, am Sonntag im
Konkordia=
faale eine Wohltätigkeitsveranſtaltung, die einen ſehr guten Beſuch
auf=
zuweiſen hatte. Herr Ehrhardt begrüßte die Erſchienenen und mahnte
an die Opferwilligkeit, damit das große Werk, der Kirchenbau, bald zu
ſeiner Vollendung komme. Es gelangte dann die erſte Wiederholung
des von Mitglied A. Braun verfaßten Volksſtückes „Der Mutter
Lied” zur Aufführung. Das Volksſtück mit Geſang in einem Vorſpiel
und vier Akten gimg unter der Spielleitung des Herrn Fr. Ehrhardt in
Szene, und gaben ſich alle Mitwirkenden Mühe, ihr Beſtes zu leiſten,
was allen hoch anerkannt werden muß. Beſonders hervorgehoben
ver=
dient der 3. Akt: Zigeunerlager. Der Reigen war einſtudiert von Frl.
Wegerich. Von den Mitwirkenden ſeien die Hauptrollenträger genannt:
Herr Nohrer Waffenſchmied) Frl. Wegerich (Ehefrau des Schmieds).
Herr Ingebrand (Bürgermeiſter), Frl. Bott (Pflegetochter des
Wald=
ſchmieds), Herr Jakob Debus (als Sohn Jakob) und Herr Fr. Löffler
(als Bigeunerhauptmann).
* Kunſt und Keramik. Eine kürzlich ſtattgehabte Beſprechung
in Kunſt und Keramik brachte einmütig zum Ausdruck, daß es
nicht im Intereſſe des Darmſtädter Kunſtlebens ſei, die Räume
der Ausſtellung zu ſchließen. Es wurde die Anregung an Staat
und Stadt gegeben, durch Erleichterung gewiſſer Abgaben die
finanziellen Laſten zu verkleinern. Von ſeiten der Preſſe wurde
weitgehendſte Unterſtützung des Unternehmens zugeſagt und
an=
geregt, Anteilſcheine zum Preiſe von 20 Mark
bereitzuſtel=
len. Die Uebernahme eines Anteilſcheines ſchließt das Recht für
zwei Perſonen in ſich, ſämtliche Veranſtaltungen und
Ausſtellun=
gen von Kunſt und Keramik ohne beſonderes Entgelt zu beſuchen.
Weiterhin findet am Schluſſe jedes Geſchäftsjahres, möglichſt vor
Weihnachten, eine Verſteigerung von Kunſtwerken ſtatt, deren
Zahl auf je 10 Scheine einen Gewinn gewährleiſtet. Gs ergeht
nunmehr an die Preſſe die Bitte, dieſem Gedanken ihre
Unter=
ſtützung zu geben und durch regelmäßige Berichte über die
Aus=
ſtellungen das Intereſſe der Bürgerſchaft wachzuhalten. Einer
weiteren Anregung folgend werden nunmehr die
Ausſtellungs=
räume und der Verkaufsladen getrennt und ein eigener Eingang
für die Ausftellung geſchaffen. — Die nächſte Ausſtellung
bringt umfaſſende Handarbeiten einer Koburger Frauengruppe,
weiterhin die neueſten Arbeiten von Ernſt Eimer, woran ſich
dann im Januar die große Mathias Grünewald=Ausſtellung
an=
ſchließen wird.
— Qualitätsausſtellung des Heſſiſchen Künſtlerkartells. Die
Quali=
tätsausſtellung des Heſſiſchen Künſtlerkartells auf der Mathildenhöhe in
Darmſtadt begegnet einem regen Intereſſe, das jede Erwartung
über=
trifft. Am letzten Sonntag wurden 457 Beſucher gezählt, am letzten
Freitag 113 und am Donnerstag gegen 100. Dieſe Ziffern beweiſen
mehr als jegliche laute Propaganda das Niveau der Ausſtellung.
De
Dienstag, deu 28. Oktober 1924.
Seite 5.
Der Reſchebund der Kriegsbeſchödigten
und Kriegshinterbliebenen, Gau Heſſen
hielt am Samstag und Sonntag im Perkeo ſeinen erſten Gautag ab.
Am Samstag fand zunächſt eine eingehende Vorſtandsſitzung ſtatt, zu
der auch ein Vertreter des Bundesvorſtandes iu Berlin erſchienen war.
Es wurden Fragen interner Art behandelt. Um 4 Uhr eröffnete
Gau=
vorſitzender Seibert=Darmſtadt den Gautag. Anweſend waren 70
Delegierte, Vertreter des Miniſteriums des Innern, Regierungsrat Dr.
Schneider, Oberregierungsrat von Linkenheld (Hauptfürſorgeſtelle) für
das Landes=Arbeitsamt und Wirtſchaftsamt, Regierungsrat Dr. Heßler
(Hauptfürſorge), Direktor Schrauth vom Wohlfahrtsamt, im Namen der
Stadt in Vertretung des Beig. Delp, der ſpäter erſchien, von der
amt=
lichen Fürſorgeſtelle Darmſtadt, Verwaltungsinſpektor Schwörer, und
vom Verſorgungsgericht Verwaltungsinſpektor Ring. Weiter waren
anweſend Landtagsabgeordneter Storck für die Sozialdemokratiſche
Partei und ein Vertreter des Bauernbundes. Die übrigen Parteien
waren entſchuldigt. Die einzelnen Ehrengäſte überbrachten Grüße und
Wünſche der von ihnen vertretenen Behörden und Organiſationen.
Es folgte der Geſchäftsbericht des Gauleiters Momberger und
Kam. Wendler und für Oberheſſen Kam. Brenner. In eingehenden
Grörterungen wurde die geleiſtete Arbeit ſeit 1921 beſprochen und daraus
erſehen, daß Großes geleiſtet ward. Vertretungen vor dem
Verſorgungs=
gericht fanden an den drei Kammern Darmſtadt, Mainz und Gießen
7108 ſtatt, von denen im erſten Verfahren 22/75 gewonnen wurden.
Wei=
ter wurden erwähnt die Tätigkeit vor dem Gewerbegericht und ſonſtigen
Gerichtsbarkeiten. Das Jahr 1923 verurſachte der Organiſation ſchwere
Opfer, doch iſt bereits eine merkliche Beſſerung nach Eintritt ſtabiler
Verhältniſſe erzielt worden. Der Reichsbund zählt zurzeit in Heſſen
320 Ortsgruppen mit etwa 15 00 Mitgliedern. Der geſchäftliche Teil
wurde gegen 7 Uhr abgebrochen und auf Sonntag vertagt. Es ſchloß
ſich ein Kommers an.
Am Sonntag vormittag nahmen die Beratungen ihren Fortgang.
Gauvorſitzender Seibert begrüßte zunächſt die weiter erſchienenen
Ehren=
gäſte, Herrn Regierungsrat v. Laſſell vom Verſorgungsamt
Darm=
ſtadt, ſowie Herrn Regierungsbaumeiſter Runge. Sodann referierte
Kam. Ehring vom Bundesvorſtand in Berlin über „Verſorgung und
Fürſorge” und gab in eingehender Weiſe ein Bild über die früheren und
die jetzigen Verhältniſſe. Seine Ausführungen fanden lebhaſten
Bei=
fall. Kam. Link machte anſchließend nähere Ausführungen über die
beſonderen Wünſche und Forderungen der heſſiſchen Beamtenſchaft. Nach
kurzer Ausſprache erhielt das Wort Regierungsbaumeiſter Nunge über
das Siedlungs= und Heimſtättenweſen in Heſſen. Er führte in kurzen
Zügen die jetzigen Siedlungsverhältniſſe den Wohnungsmangel uſw. vor
Augen und gab Anregungen dahin, daß durch den Zuſammenſchluß aller
Intereſſenten erſtrebt werden müſſe, daß Reich und Länder Mittel
ſchaf=
fen, denn gerade hierdurch, durch Siedlung und Heimſtätten, könnte den
Kriegsopfern gebührend geholfen werden. Auch dieſes Referat fand
auf=
merkſane Zuhörer, die warmen Beifall ſpendeten.
Die weiteren
Be=
ratungen galten den eingegangenen Anträgen, Satzungsentwürfen,
Sozialpolitik, Organiſationsfragen u. a. m.
In der Nachmittagsſitzung wurde von verſchiedenen Seiten die zum
Teil erfolgte Mißachtung bei CEin= und Anſtellung von
Schwerkriegs=
beſchädigten innerhalb der Behörden einer ſtarken Kritik unterzogen.
Die Landtagsabgeordneten Delp, Storck und Steinhäuſer
(Offenbach) gaben kurze Erläuterungen über die abgeänderte
Fürſorge=
pflichtverordnung, die ſeitens des Reiches auf die Länder abgewälzt
wurde, und gaben Richtlinien, nie ſich die Organiſation zu verhalten
habe. Herr Oberregierungsrat Linkenheld als Vertreter des
Lan=
des=Arbeits= und Wirtſchaftsamts und zugleich als Vertreter der
Haupt=
fürſorgeſtelle Darmſtadt gab dem Mangel des Geſetzes in bezug auf
Ver=
ſorgung Ausdruck und unterzog das Verhalten einzelner Firmen und die
öffentliche Meinung einer Kritik. Herr Regierungsrat Dr.
Schnei=
der vom Miniſterium des Innern gab kurze Erläuterungen, über die
Handhabung der Einſtellung von Kriegsbeſchädigten, die im Beſitz von
Beamtenſcheinen uſw. ſind und in der Bewerberliſte vorgemerkt waren.
Aus der Diskuſſion wurden Anregungen laut, wie ſich die Organiſation
zu dieſen grundlegenden Fragen einſtellen ſoll. — Die vorgelegten
Satzungen fanden einſtimmige Annahme. Die Anträge wurden
ange=
nommen, bzw. dem Gauporſtand als Material überwieſen. Die Wahl
des Vorſtandes ergab Wiederwahl des bewährten Vorſitzenden
Sei=
bert, 2. Vorſitzender Kautzmann, Wiederwahl der Kameraden
Schneider=Gießen und Wagner=Darmſtadt. Als Beiſitzer
wur=
den Kameraden aus allen drei Provinzen gewählt. Die Beſchäftsſtelle
in Mainz ſoll wieder eröffnet und das langjährige Mitglied der
Orts=
gruppe und Funktionär des Bezirks Heſſen zu deren Uebernahme
be=
ſtellt werden. Als nächſter Tagungsort wurde Mainz
be=
ſtimmt. In einer eingehenden Ausſprache gaben die Mitglieder und
Delegierten einmütig die Auffaſſung kund, daß auf der Tagung und
innerhalb der Organiſation Erſprießliches geleiſtet wurde. Der
Von=
ſitzende ſchloß die Tagung mit einem Hoch auf die älteſte und ſtärkſte
Or=
ganiſation der Kriegsbeſchädigten in Heſſen.
In den Dienſt des Abends hatten ſich geſtellt Geſangberein
Froh=
ſinn unter Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Stetefeld, Geſangverein
Männerquartett Beſſungen unter Leitung ſeines Dirigenten. Herrn
Stöchner, Herr Humoriſt Mechler und Mitglieder des Beamtenvereins
ehem. Militärmuſiker, Ortsgruppe Darmſtadt. Herr Wegerich vom
Landestheater war leider verhindert.
— Deutſche Einheits=Kurzſchrift. Im Auftrag des Landesamts für
das Bildungsweſen werden am Mittwoch, 29. Oktober, abends 8 Uhr.
im Feſtſaal des Ludwig=Georgs=Gymnaſium (Eingang Karlſtraße) die
Herren Oberſtudiendirektor Pfaff und Regierungsrat Schaible
über die deutſche Einheits=Kurzſchrift ſprechen. Zu dem Vortrag iſt
jedermann eingeladen. Da künftig von allen mit Schreibwerk befaßten
Beamten die Kenntnis der Einheitsſtenographie verlangt werden muß,
ergeht die Einladung beſonders auch an die Behörden und Beamten.
Ebenſo freundlich iſt die Preſſe eingeladen.
Die Reichskurzſchrift. Am 17. Oktober d. J. iſt vom Reich unter
Zuſtimmung ſämtlicher Landesregierungen das amtliche
Reichskurzſchrift=
ſyſtem feſtgeſtellt und beſtätigt worden. Alle Behörden müſſen ſich
nun=
mehr im Dienſt alsbald auf das Einheitsſyſtem umſtellen. Später wird
auch in allen Schulen dieſes Syſtem als Pflichtfach eingeführt. In dem
neuen Einheitsſyſtem iſt das in der Praxis als Beſtes erkannte, vor
allem der beiden großen Shſteme Gabelsberger und Stolze=Schrey,
ver=
einigt. Es iſt vor allem eine größere Schveibflüchtigkeit erreicht worden,
die bei der Redeſchrift, die eben von einer Sachverſtändigenkommiſſion
ausgearbeitet wird, von beſonderer Bedeutung iſt. Auch der
Privatwirt=
ſchaft bringt es den Vorteil, daß künftig die Verwendung der Kurzſchrift
im Betrieb noch viel weiter ausgedehnt werden kann, da alles
ſteno=
graphiſch Feſtgehaltene von jedem Kundigen geleſen werden kann, was
heute bei Anwendung verſchiedener Syſteme unmöglich iſt. Der Nutzen
des Einheitsſyſtems wird ſich alſo in allen Zweigen, in denen
Steno=
graphie benutzt oder jetzt erſt eingeführt werden wird, ſehr ſpürbar
wahr=
nehmen laſſen. Es iſt deshalb ſehr zu begrüßen, daß jetzt die
Steno=
graphievereinigung Gabelsberger Darmſtadt, Eliſabethenſtraße 52, den
erſten Kurſus in der Einheitskurzſchrift am Donnerstag, den 30.
Okto=
ber, und Montag, den 3. November, beginnt. Allen Intereſſenten.
An=
geſtellten und Vorgeſetzten kann nur des Beſuch des Kurſes, zu dem
auch Anmeldungen noch in den erſten Stunden entgegengenommen
wer=
den, empfohlen werden.
Herabgeſetzte Tarife für Gas, Wafſer und Elektrizität wurden in
den Sitzungen der Aufſichtsräte der Berliner ſtädtiſchen Gas=
Waſſer= und Elektrizitätswerke A.G. beſchloſſen. Der Strompreis
wurde unter Beibehaltung der Grundgebühr von 18 Pfg. auf 16 Pfg.
für die Kilowattſtunde ermäßigt. Der Waſſerpreis wurde von
19 auf 17 Pfg. herabgeſetzt. Bei den Gaswerken wurde die
Ge=
bühr von 19 auf 16 Pfg. ermäßigt, und Konſumenten mit erheblichem
Verbrauch ein beſonderer Nabatt zugebilligt. Ferner wurde ein nach
Größe des Gasmeſſers geſtaffelter Mietſatz, ähnlich, wie er vor der
In=
flation beſtanden beſchloſſen. Die durch die Herabſetzung der geſamten
Werktarife der Bevölkerung erwachſene Erſparnis wird auf mindeſtens
8 Millionen Mk. pro Jahr veranſchlagt. Alles geſchah in der Abſicht,
die allgemeine Abbauaktion der Regierung auch von ſeiten der ſtädtiſchen
Betkliebe nach Kräften zu unterſtützen.
Orpheum.
Die Gaſtſpielzeit der „Kölner Luſtſpiele” unter der Direktion der
Herren Carl Schmitz und Joſef Weißweiler, die den
Darm=
ſtädtern die Kenntnis ſo manchen gefälligen und netten Luſtſpieles
ver=
mittelte, neigt ſich allmählich ihrem Ende zu. Der Schſvank in 3 Akten
„Und ſie betrügt mich doch” von Ludwig Gabit feſſelte die
Zuſchauer vom erſten Augenblick an. Die wirklich vorzügliche
Darſtel=
lung und das ſchmiſſige Spiel hätten allerdings einen noch beſſeren
Beſuch verdient. Das Stück bietet Herrn
r Bombenrolle
5ch.
nachufft ein eichich Gelegeſiet, uaden e delhlitet eleite.
Komik abzulegen. Aber ſie betrügt ihn wirklich und wahrhaftig nicht,
und der überſchlaue Herr und Gebieter wird in ſeinem eigenen Netz
gefangen, daß er nur ſo zappelt! Wohnungsamt und Irrenarzt,
Ge=
richtsvollzieherin und Filmdiva, alles tüchtig durcheiniander gerührt
und mit einem tüchtigen Schuß Pikanterie übergoſſen, hielt die Zuſchaues
in luſtiger Spannung bis zum Ende. Den Höhepunkt erreichte die
aus=
gelaſſene Stimmung auf der Bühne und im Zuſchauerraum am Schluß
des zweiten Aktes, als Joſef Weißweiler, der den Gerichtsvollzieher
mit unnachahmlicher Komik gab, den Fabrikanten Ciermann höchſt
per=
ſönlich pfändete und ſo wenigſtens vorläufig vor den liebenden Armen
der Gattin und der Freundin rettete. Martha Karl war die
un=
getreue und doch treue Gattin und „markierte”, ganz charmant. Bille
Weißweiler, gab eine temperamentvolle und raſſige
Filmſchauſpie=
lerin. Adele Weißweiler und Georg Jackmann ſtellten ein
feſches junges Liebespaar auf die Bühne, das ſich nach Ueberwindung
mancher Fährlichkeiten endlich kriegte. Helene Deter als tüchtige,
geſprächige Zimmervermieterin Witwve Pumpernickel, Herr Sommer
als gewalttätiger Erſatzmieter und die übrigen Mitwirkenden fügten ſich
dem Geſamtſpiel geſchickt ein. — Das Programmheft zeigte ſich in neuem
ſchmucken Gewande in handlichem, kleinem Format mit buntem,
moder=
nem Titeldruck. Das kleine, aber gut beſetzte Orcheſter ſpielte unter
Obermuſikmeiſter Mickleys zielſicherer Leitung ſchwungvoll in den
Zwiſchenakten. Lebhafter Beifall lohnte die Darſteller für die heiteren
H.W.W.
Stunden, die ſie mit ihrer fröhlichen Kunſt bereiteten,
— Beim Verſorgungsamt findet die Auszahlung der
Pen=
ſionen (nicht Kriegsbeſchädigtenrenten) am Mittwoch, den 29. 10.,
von 10 Uhr vormittags bis 12½ Uhr nachmittags und von 3 bis 5 Uhr
nachmittags ſtatt. Die am Donnerstag, den 30. Okt., nicht abgeholten
Perſionen werden am Freitag, den 31. Okt koſtenpflichtig zugeſandt.
Einreichung der Goldbilanzen und Zuventare für Steuerzwecke.
Mit dem 30. September 1924 iſt für die Mehrheit der Steuerpflichtigen,
die zur Führung von Handelsbüchern verpflichtet ſind, die Friſt zur=
Einreichung der handelsrechtlichen Goldmark=Eröffnungsbilanz oder
einer unter beſtimmten Vorausſetzungen an deren Stelle tretende
Ver=
mögensaufſtellung nach Art und Menge (Inventar) beim Finanzamt
abgelaufen. Nur Aktiengeſellſchaften, Kommanditgeſellſchaften auf Aktien,
Geſellſchaften mit beſchränkter Haftung und Verſicherungsvereine auf
Gegenſeitigkeit brauchen, ſofern ihr Geſchäftsjahr mit dem Kalenderjahr
übereinſtimmt, die bezeichneten Unterlagen erſt bis zum 30. November
1924 dem Finanzamt vorzulegen. Mit Rückſicht auf die Schwierigkeit
der Bilanzaufſtellung und die Unklarheit, die in den beteiligten Kreiſen
über die geltenden Einreichungsfriſten vielfach beſtanden hat, ſind die
Finanzämter durch einen Erlaß des Reichsminiſters der Finanzen
an=
gewieſen worden, von der Verhängung von Ordnungsſtrafen, wegen
Nichteinhaltung der Friſt, ſowie von der Erzwingung der Einreichung
durch Auflegung von Geldſtrafen zunächſt abzuſehen. Es empfiehlt ſich
jedoch für jeden Steuerpflichtigen, der bis zum 30. September d. Js.
ſeine Goldbilanz oder ein Inbentar dem Finanzamt noch nicht
einge=
reicht hat, obwohl er hierzu verpflichtet war beim Finanzamt einen
Antrag auf Verlängerung der Einreichungsfriſt zu ſtellen. Die
Finanz=
ämter ſind ermächtigt, derartigen Anträgen ſtattzugeben; in der Regell
wird das Finanzamt Friſtverlängerung bis ſpäteſtens 30. Nob. 1994
gewähren; in beſonders begründeten Ausnahmefällen iſt auch eine
Er=
ſtreckung der Friſt bis zum 31. Dezember 1924 möglich.
— Zu dem Bericht über das 50jährige Jubiläum des Evangeliſchen
Kirchengeſangvereins iſt noch nachzutragen, daß Profeſſor D A.
Mendels=
ſohn dem Verein zu ſeinem Jubiläum eine Oſter=Motette
gewid=
met hat, und daß von der Zentralſtelle zur Förderung der Volksbildung
und Jugendpflege in Heſſen ein ſehr warm, gehaltenes
Glückwunſch=
ſchreiben eingelaufen war. Ein Familienabend der Chormitglieder und
ihrer Gäſte am Abend des Feſttages im Saale des Gemeindehauſes bei
wundervollen muſikaliſchen Darbietungen und Anſprachen ſchloß den
Feſtag würdig ab.
— Vom Mieterverein wird uns geſchrieben: Wir machen unſere
Mit=
glieder ſchon jetzt darauf aufmerkſam, daß durch den Wegfall der
Kreis=
umlage, die bisher 6 Prozent betrug, die ſtädtiſche Grund=Sonderſteuer
ſich entſprechend ermäßigt und für die zweite Hälfte des Steuerjahres
19924 genau dem Betrage der ſtaatlichen Sonderſteuer entſpricht. Es
liegt ferner Veranlaſſung vor, die Mieter darauf hinzuweiſen, daß Fälle
vorgekommen ſind, in denen Vermieter die Sonderſteuer erſt im Auguſt
des Jahres angefordert und hierbei Verzugszinſen verlangten. Wir
empfehlen, in ſolchen Fällen die Verzugszinſen nicht zu zahlen. Auch
über die Berechnung des Waſſergeldes herrſcht vielfach Unklarheit. Wir
erſuchen deshalb wiederholt, in allen Fällen unſere Auskuftsſtelle,
Stiftſtraße 51, in welcher jeden Mittwoch abend von 6—8 Uhr
Auskunft durch einen Juriſten erteilt wird, in Anſpruch zu nehmen.
— Die geringen Unfallrenten. Kürzlich haben wir aus berufener
Feder beachtliche Ausführungen über dieſen Gegenſtand gebracht. Wir
ſind heute in der Lage, das Nachſtehende anzufügen: „Die Baheriſche
Volkspartei hat in einer Anfrage im Landtag auf die lächerlich
gerin=
gen Unfallrenten hingewieſen, die zum Teil für ein Vierteljahr
nur 1 Mk. betragen. Das bayeriſche Sozialminiſterium führt dieſen
Mißſtand darauf zurück, daß die Unfallrente nach der
Reichsverſicherungs=
erdnung nach dem Jahresarbeitsverdienſt berechnet wird, das der
Ver=
letzte während des letzten Jahres vor dem Unfall im Betriebe bezogen
hat. Es ſei klar, daß mit dem Fortſchreiten der Geldentwertung die
hiernach feſtgeſetzten Renten um ſo mehr entwertet wurden, je länger
der Unfall zurückliege. Es ſei jedoch ein Geſetzentwurf in Vorbereitung,
nach dem unter Beſeitigung des Zulagenſyſtems die landwirtſchaftlichen
Renten wieder auf Goldbaſis geſtellt werden ſollen. Damit würden
auch die letzten Härten verſchwinden, die ſich zurzeit für
landwirtſchaft=
liche Unternehmer aus der jetzigen Regelung noch ergeben können.
Be=
züglich der kritiſierten Höhe der Beiträge weiſt das Miniſterium darauf
hin, daß in der Inflationszeit die Beiträge, bis ſie zur Einhebung
kamen, entwertet worden ſeien. Die im Jahre 1924 eingehobenen
Sum=
men müſſen auch den Bedarf für 1993 decken.
Waſchmaſchine und Gasbügeleiſen. Am kommenden Freitag, den
31. Oktober, nachmittags von 3 Uhr ab, findet in den Näumen der
Städtiſchen Gasausſtellung, Ecke Eliſabethen= und Grafenſtraße, eine
praktiſche Vorführung von gasbeheizten Waſchmaſchinen und
Gasbügel=
eiſen ſtatt. Größte Sauberkeit und Sicherheit, größte Schnelligkeit und
dadurch bedingte Sparſamkeit zeichnen dieſes neuzeitliche Gas=Waſch=
und =Bügelverfahren aus. Unter Aufwendung verhältnismäßig
ge=
ringer Mehrkoſten werden den nicht mit Unrecht gefürchteten Waſchtagen
die unangnehmen Seiten ſchnell genommen. Es liegt deshalb nur im
Intereſſe aller Hausfrauen, die Vorführung zu beſuchen. (S. Anzeige.)
* Einbrecher=Akrobatenkunſtſtücke. Aus der verſchloſſenen Dachkammer
der ſtudentiſchen Wirtſchaftshilfe wurden eine graugrüne Jagdjoppe, eine
Jagdſtrickweſte und eine Windjacke geſtohlen. Der Dieb hat die Türe mit
dem neben der Türe verwahrten Schlüſſel geöffnet und ſich von innen
eingeſchloſſen, der Beſitzer, der zur fraglichen Zeit, von 7—8 Uhr abends,
in der Kammer zu tun hatte
te, fand die Türe verſchloſſen, holte Werkzeug
und öffnete gewaltſam. Der Dieb hatte inzwiſchen eine Waſchleine am
Fenſter befeſtigt und ſich daran in den Hof der Ballonſchule aus 16 Meter
Höhe herabgelaſſen. Er entkam. Sachdienliche Mitteilungen erbitet die
Kriminglpolizei, Zimmer 5.
— Geſellſchaftsabend des L. B. D. und Modeſchau. Unſerem
geſtri=
gen Bericht iſt nachzutragen: Die ausgezeichneten Beleuchtungseffekte
bei beiden Vorführungen im Saalbau wurden durch die Firma
Sall=
weh u. Co., Grafenſtraße, erzielt.
VWTenn Sie eine Seife für Ihr Gesicht und Ihre Hände — also eine Tolletteseife — gebrauchen, dann
Wbedenken Sie bitte, daß man gute Seifen aus giten Materielien und schlechte Seifen aus schlechten
Materialien macht. — Schlechte Materialien sind billig, gute Materialien sind teuer, RAF-Seife wird
aus feinsten Fetten und Hühnerei hergestellt. Wenn Sie Ihr Gesicht, Ihre Hände, Ihren Körper
mit Seife nicht nur reinigen, sondern pFlegen wollen,
dann wählen
Sie RAF-Seife.
Nicht auf den Preis, sondern auf die Zusammensetzung des Fabrikates kommt es an.
Die raffinierte Zusammensetzung und die Herstellung der Ray-Seife sind ein Geheimnis.
3
[ ← ][ ][ → ]Seite 6.
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Nummer 300.
Ein Jahr deutſcher Rundfunk.
Zum Geburtstag am 29, Oktober.
Seit einem Jahre nun liegt das Wunder der drahtloſen
Unterhal=
tung in unſeren Händen, tagtäglich können wir ſeinen Dienſt in Anſpruch
ehmen und immer wieder überraſcht uns dieſe Tatſache. Es war am
29. Oktober 1923, als zum erſten Male die Oeffentlichkeit mit der
Rund=
funkunterhaltung bekannt gemacht wurde. Die Stadt Berlin hatte den
Vorzug vor dem ganzen Reiche, denn hier hatte die Reichspoſtbehörde im
Vox=Hauſe in der Potsdamer Straße einen Sender für den Rundfunk
rbauen laſſen. Staatsſekretär Bredow hatte aus Studien im
Aus=
lande erkannt, daß auch für die deutſche Bevölkerung die Zeit gekommen
war, ihr die Rundfunkunterhaltung zugänglich zu machen. Nach
zahl=
loſen und koſtſpieligen Verſuchen in gemeinſamer Arbeit mit namhaften
Männern der Technik konnte man am 29. Oktober wohl gerüſtet vor die
Zuhörer treten. Das Eröffnungsprogramm für dieſen Tag hatte ein
kleines Format und war auch nur für das Zeitmaß einer Stunde — es
war abends von 8 bis 9 Uhr — zuſammengeſetzt. Auf Welle 400 lie
das Konzertprogramm, das 12 Nummern umfaßte, zu den Lauſchenden.
Um aus dem Geburtstagsprogramm ein paar Namen zu nennen, ſeien
erwähnt Adolf Lieban, Rudolf Deman, Otto Urack u. a. mehr; als
Spre=
cher fungierte der jetzige Direktor Knöpfke. Aber ſchon dieſer beſcheidene
Anfang zeigte, was für eine große Entwicklungsmöglichkeit hier
verbor=
gen lag. Nur ein paar Wochen behalf man ſich mit beſcheidenen
Darbie=
tungen, dann aber ging es mit Rieſenſchritten an den Ausbau der
Tech=
nik und der Propaganda. Schon der Januar 1924 brachte die
Einfüh=
rung des für zahlloſe Hörer ſo wichtigen Zeitſignals, ja man verſtieg ſich
ſogar zur Uebertragung der Operette „Frasquita”, räumte indeſſen auf
der anderen Seite dem ernſten und belehrenden Vortrag einen breiten
Platz ein. Miniſter damaliger Zeit, wie Stegerwald, Severing u. a.
namhafte Politiker erſchienen bereits am Mikrophon. Dann ging es aber
weiter bergauf, die Wiſſenſchaften aller Art meldeten ſich, denn ſie hatten
erkannt, daß von dieſer Plattform aus wirkungsvoll geſprochen werden
konnte. Inzwiſchen war man aber auch außerhalb der Sendefrage nicht
untätig geblieben, im Februar wurde das Funkkartell gegründet und
twas ſpäter erſchien der Verband der Reichsinduſtrie auf dem Plane.
Beide Gründungen waren zu begrüßen, denn nun zog man gemeinſame
Vege die für die Popularität der Rundfunkunterhaltung wirken ſollten.
Der Monat März brachte die Leipziger Sondermeſſe der Radioinduſtrie
und hiermit verbunden waren die erſten wohlgelungenen Verſuche, den
tundfunk auch hoch in den Lüften im Flugzeuge hören zu können. Das
Programm der Berliner Sendegeſellſchaft hatte inzwiſchen wieder eine
rweiterung erfahren, man brachte Sonderveranſtaltungen heraus, bei
denen u. a. die Namen Kirchhoff. Clewing, Kandl, van Endert prangten.
Solche Tage erfreuten ſich ganz beſonderer Gunſt im Kreiſe der Zuhörer.
Der Monat April verdient beſondere Beachtung, denn zum erſten Male
wurde durch Rundfunk eine zuverläſſige Verbreitung der Reſultate der
Reichstagswahlen erzielt. Aber noch immer vermochte man den Kreis der
Zuhörer nicht erweitern zu können, da die Lizenzgebühr allzu hoch lag.
In dieſe mißliche Situation griff Staatsſekretär Bredow verſtändnisvoll
in, denn die erſten Maitage brachten die Ermäßigung auf den
Jahres=
ſatz von 24 Mark. Jetzt kam neues Leben in die zeitliche Stoppung, die
Zahl der Hörer ſchnellte rapide in die Höhe und mit den eingehenden
Geldmitteln konnten neue Wege im Programm beſchritten werden. Die
Sommerzeit ließ man gern verſtreichen, aber der Anfang September lie
die Aufnahme des ſogenannten Wirtſchaftsdienſtes zu. Zu gleicher Zeit
tauchten auch die erſten Ideen für das Zuſtandekommen der deutſchen
Radioausſtellung auf, und, wie bekannt, wird dieſes Werk im Dezember
der Oeffentlichkeit übergeben werden. Der jetzige Monat Oktober war
wiederum ſehr reich in der Ausgeſtaltung des Programms. Die
Sende=
ſpiele wurden zum erſten Male mit großem Erfolge geboten, man
rich=
tete den Hochſchuldienſt ein und ſchließlich werden binnen kurzem die
ſonntäglichen Morgenfeiern ihren Anfang nehmen. Vergeſſen darf nicht
werden, daß auch die Polizeibehörden den Nutzen des Rundfunks erkannt
haben und ſich dieſer Einrichtungen ſchon ſeit vielen Wochen mit achtbaren
Erfolgen bedienen. Auch der Reklame iſt ein Platz eingeräumt worden,
ohne jedoch die Hörer beſonders ſtark in Anſpruch zu nehmen. Was nun
im Laufe des vergangenen Jahres in Berlin, geſchehen iſt, iſt in
chronologiſcher Folge auch in zehn anderen deutſchen Städten
unternom=
men worden, die gleichfalls über eine Sendeſtation verfügen. Man hat
die Verteilung der einzelnen Stationen ſo vorgenommen, daß jeweils
auch mit einfachen Hörapparaten eine klare Wahrnehmung des
Gebote=
nen möglich iſt, und wenn auch in den erſten Tagen der
Rundfunkunter=
haltung viele berechtigte Klagen laut wurden, ſo ſind die Beſchwerden
faſt völlig verſchwunden. Der Geburtstag der deutſchen
Rundfunkunter=
haltung wird von allen Sendeſtationen in würdiger Weiſe gefeiert
wer=
den, und es bleibt zu hoffen, daß das kommende Jahr weitere techniſche
Fortſchritte und einen recht ſtarken Zuſtrom an Hörern bringen möchte.
Lokale Veranſkaltungen.
Die blerunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritlk.
—ReligiöſeVorträge. In den nächſten Wochen werden hier
Vorträge veranſtaltet von einer Bewegung, die eine kultiſche Erneuerung
des Chriſtentumes auf überkonfeſſioneller Grundlage anſtrebt und ſich
Chriſtengemeinſchaft nennt. Unter ihren führenden
Per=
ſönlichkeiten iſt wohl am bekannteſten der ehemalige Berliner evangeliſche
Pfarrer Lic. Dr. Friedrich Rittelmeyer. Die hieſigen Vorträge werden
ge=
halten von dem Leiter der Gemeinde Frankfurt a. M., Dr. Alfred
Heiden=
reich. Themen: Gegenwartsſchickſal und Sakrament: Die Myſterien der
Geburt und des Todes; Kultus und kultiſcher Lebensſtil. (Näheres ſiehe
Inſerat.)
— Wichtiges Gerichtsurteil über Offizierspenſionen. Eine für viele
penſionierte ehemalige aktive Offiziere und deren Hinterbliebene ſehr
bedeutſame Entſcheidung hat der Große Senat des Reichsverſorgungs=
Gerichts getroffen. Ein am 9. 4. 20 verabſchiedeter Offizier, war als
Oberſt penſioniert worden. Er legte gegen den Penſionsbeſcheid
Be=
ufung beim Verſorgungsgericht ein und beanſpruchte die Penſion eines
Generalmajors, weil er im Kriege Brigade=Kommandeur geweſen war
und ihm auf Grund der Beſtimmungen des Offizier=Penſionsgeſetzes die
Penſion eines Generalmajors zuſtehe. Dieſe Penſion wurde ihm vom
Verſorgungsgericht auch zugeſprochen. Der Fiskus legte gegen dieſes
Urteil Rekurs ein. Da im vorliegenden Falle, in dem der Deutſche
Offizierbund die Vertretung des Penſionärs übernommen hatte, der
Senat des Reichsverſorgungsgerichts, der über den Rekurs zu
entſchei=
den hatte, zu einer anderen Auffaſſung gelangte, als früher andere
Senate in gleichgearteten Fällen, mußte die Entſcheidung des Großen
Senates angerufen werden. Dieſer hat den Rekurs des Fiskus
zurück=
gewieſen und damit die grundſätzliche Frage, ob die Penſion vom 1. 4. 20
ab lediglich nach dem Dienſtgrad oder auch unter Berückſichtigung einer
rüheren innegehabten höheren Dienſtſtelle zu bemeſſen iſt, in letzterem
Sinne entſchieden. Er hat ferner damit zum Ausdruck gebracht, daß die
7. Ergänzung des Beſoldungsgeſetzes, die in ihrem Artikel 8 die
Berück=
ichtigung der höheren Dienſtſtelle mit Wirkung vom 1. 10. 22. ab
auf=
gehoben hatte, rechtsunwirkſam iſt, ſoweit ſie wohlerworbene Rechte der
Offiziere verletzt. Es bleibt nun abzuwarten, ob der Fiskus jetzt die
allgemeine Bedeutung der vorliegenden Entſcheidung anerkannt und in
großzügiger Weiſe von Amtswegen die Umpenſionierung aller in Frage
kommenden Offizieren anordnet oder ob er durch erneute Einwände und
Hervorſuchen von Schwierigkeiten, die ſich angeblich bei der
Durchfüh=
rung einer ſolchen Umpenſionierung ergeben würden, die genannte
Ent=
ſcheidung unwirkſam zu machen verſucht und dadurch in dieſer Frage
weiterhin in gleicher Weiſe wohlerworbene Rechte der ehemaligen Offi
ziere verletzt, wie er es bisher getan hat und in der Srage der
Kriegs=
verſorgung ebenfalls tut. Bei eintretenden Schwierigkeiten wird den
Penſionären empfohlen, ſich an den Deutſchen Offizierbund zu wenden.
O
Heute abend Saalbau 8 Uhr
„Gefahren der Berge‟
Sprengung der Starkenburg.
Morgen und übermorgen nochmals
„Hottentot‟
(14162
— Verlegung des Oktober=Marktes in Frankfurt a. M. Wie uns
mitgeteilt wird, findet der nächſte Pferdemarkt in Frankfurt nicht
am N., ſondern am 30. Oktober ſtatt. Es wird gebeten, dies
ge=
fälligſt beachten zu wollen.
— Einteilung des Staatsgebietes in Forſtverwaltungsbezirke. Die
gemäß Artikel 1 des Forſtverwaltungsgeſetzes vom 16. November 192
erfolgte Einteilung iſt am 1. Oktober in Kraft getreten. Das Nähere iſt
aus dem Regierungsblatt Nr. 23 vom 24. Oktober zu erſehen.
Bezirksſchöffengericht. Kaufmann Friedrich Lampert von
Elms=
hauſen hat ſich wegen Unterſchlägung zu verantworten. Der am
14. Auguſt 1897 in Elmshauſen geborene verheiratete Angeklagte
be=
findet ſich nach Selbſtſtellung in Unterſuchungshaft ſeit 3. Oktober 1924.
Er lernte erſt das Steihauergeſchäft und kam dann als Techniker und
Kaufmann in das Büro der Firma Daſſel in Schönberg. Von Mitte
Januar bis Juli 1924 hat er als Angeſtellter der Firma ihm
anver=
traute Geldbeträge (Lohngelder) im Geſamtbetrage von 700 Goldmark
in fortgeſetzter Tathandlung unterſchlagen. Er will in ſchlechte.
Ge=
ellſchaft geraten ſein, die ihn zu Trinkereien verführte. Der Angeklagte,
der echte Reue zeigt, hatz die Schadensſumme mittlerweile gedeckt.
Der Staatsanwalt würdigt die Sachlage und beantragt eine Geldſtrafe
von 200 Mark, die durch die erlittene Unterſuchungshaft als gezahlt
an=
zuſehen wäre. Das Urteil lautet dem Antxag
entſpre=
chend. Es wird anerkannt und iſt rechtskräftig.
Nach 2 ½/ajähriger Pause
ab 1. Movember
wieder Harieté
Im
(14163
ORPHewI
* Schwurgericht.
Als zweite Sache der Tagung wird die Anklage gegen Joh. Ruh,
Fabrikarbeiter in Wies=Oppenheim wegen Totſchlagsverſuchs verhandelt.
Es ſind ſechs Zeugen und ein Sachverſtändiger geladen. Die
Staats=
anwaltſchaft vertritt Staatsanwalt Langenbach, die Verteidigung führt
Rechtsanwalt Neuſchäffer.
Ruh iſt angeklagt: 1, eine fremde bewegliche Sache, ein der Elſe
Dofflein in Darmſtadt gehöriges Fahrrad, in der Abſicht rechtswidriger
Zueignung weggenommen zu haben, wobei Angeſchuldigter bei
Be=
ſehung der Tat Waffen bei ſich führte; 2. um ſich bei Unternehmung
dieſer ſtrafbaren Handlung der Ergreifung auf friſcher Tat zu entziehen,
den Entſchluß, vorſätzlich einen Menſchen, den Gewerberat Specht, zu
töten, durch Handlungen, die einen Anfang der Ausführung des
Ver=
brechens enthalten, betätigt zu haben, indem er bei der nach der Tat
jegen ihn einſetzenden Verfolgung gegen Gewerberat Specht den
ge=
ladenen Revolver abdrückte; 3. andere mit der Begehung eines
Ver=
brechens, nämlich des Totſchießens, bedroht zu haben, indem er den ihn
verfolgenden Zeugen Kaufmann Kübler und Fuhrmann Buchwald den
geladenen Revolver entgegenhielt.
Die Taten ſind in Darmſtadt am 14. Juli 1924 vormittags verübt.
Der Angeklagte iſt ſeit 15. Juli 1924 in Unterſuchungshaft. Der Zeugin
Pianiſtin Elſe Dofflein wurde am 14. Juli aus dem Hauſe Waldſtr. 51
von Ruh ein Fahrrad geſtohlen, während ſie in der Nähe mit
Gewerbe=
rat Specht ein kurzes Geſpräch führte. Der Diebſtahl wurde von beiden
ofort gemerkt und ſetzten ſie dem Täter ſofort nach, um ihm das
Fahr=
ead wieder abzunehmen. Um ſich der Ergreifung zu entziehen, machte
Ruh von der mitgeführten Schußwaffe Gebrauch und ſchoß nach dem
Zeugen Specht. Specht hat ganz deutlich das Abknipſen des Revolvers
jehört und damals die Empfindung gehabt, daß Ruh ihn zweifellos
zu=
ſammengeſchoſſen hätte, wenn die Schußwaffe nicht verſagt hätte. Wie
Zeuge Specht nach der Feſtnahme des Ruh feſtgeſtellt hat, war der
Revolver ſcharf geladen. Im Verlauf der einſetzenden Verfolgung ſuchte
gleichfalls Kaufmann Wilh. Kübler, der gerade die Waldſtraße paſſierte,
auf den Lärm aufmerkſam gemacht, ſich dem Ruh entgegenzuſtellen.
Er ließ ihn jedoch laufen, da Ruh auch gegen ihn die Schußwaffe richtete.
Auch Zeuge Fuhrmann Buchwald hat ſich an der Verfolgung beteiligt.
Polizei=Wachtmeiſter Buſch hat den Ruh dann in der Landgraf=
Philipp=Anlage feſtgenommen. Der Angeklagte gibt an, er habe am
fraglichen Tage nach Alzey von Worms aus fahren wollen; er iſt aber
ſtatt nach Alzey hierher gefahren. Den Revolver hat Ruh in Worms
gekauft. Auf alle Vorgänge in Darmſtadt will er ſich nicht mehr
er=
innern können. Dem Zeugen Specht iſt bei der ganzen Sache die
ver=
blüffende, ja die unheimliche Ruhe des Angeklagten aufgefalle:. In
einer Ledermappe, die Ruh mit ſich führte, war ein Meiſel enthalten.
Der Sachverſtändige Amtsarzt Vix teilt mit, daß Ruh, nachdem
er einen Starkſtromunfall erlitten, in der Anſtalt in Alzey untergebracht
war zur Begutachtung. Ein Jahr ſpäter meldete ſich Ruh ſelbſt wieder
zur Aufnahme. In der Haft hat er ſpäter einen — wohl nicht ernſt
zu nehmenden — Selbſtmordverſuch gemacht. Die Begutachtung, die
damals ſtattfand, bezeichnet Ruh als Pſychopathen, auf den aber 8 51
R. St. G. keine Anwendung leide. Als Fabrikarbeiter hat Ruh die
Stel=
lung viel gewechſelt. Im Kriege iſt Ruh mehrmals eingezogen
ge=
weſen, aber bald wieder entlaſſen worden. Nach Anſicht des
Sachver=
ſtändigen iſt die Entlaſſung wegen Dienſtuntauglichkeit erfolgt. Auch
nach Friedensſchluß hat Ruh nicht eigentlich gearbeitet. Ruh ſteht unter
Wahn= und Verfolgungsideen, die aber nicht als echt erſcheinen; er wird
nicht beherrſcht von ihnen. Eine pſychopathiſche Veranlagung des Ruh
iſt feſtzuſtellen; er iſt aber in ſtrafrechtlicher Hinſicht für ſeine
Hand=
lungen verantwortlich.
Der Staatsanwalt hält zunächſt den bewaffneten Fahrraddiebſtahl
für voll erwieſen, ebenſo auch, daß Ruh, um ſich des Verfolgers Specht
zu entledigen, den Revolver auf ihn gerichtet habe, in deſſen Lauf ſich
ine Patrone ſchußfertig befand; nicht habe Ruh nur die Abſicht gehabt,
den Zeugen Specht zu bedrohen, er habe die Abſicht gehabt, den Zeugen
Specht über den Haufen zu ſchießen; „nur die Patrone habe dabei
verſagt. Dieſer Tötungswillen wird auch durch das nachherige Verhalten
den anderen beiden Verfolgern gegenüber (Buchwald und Kübler)
be=
ſtätigt. Dieſen letzteren gegenüber komme nur eine Bedrohung mit
dem Verbrechen der Tötung in Frage. Der Staatsanwalt beantragt
eine Geſamtzuchthausſtrafe von 4 Jahren 3 Monaten und Einziehung
s Revolvers. Anrechnung von Unterſuchungshaft ſtellt er anheim.
Der Verteidiger hält entgegen der Annahme der Staatsanwaltſchaft den
Tatbeſtand des § 214 St. G.B. nicht für gegeben, eher ſei § 252 R. St. G.
anwendbar. So bleibt nach Anſicht der Verteidigung nur Verſuch des
Totſchlags übrig, der untauglich war. Eine ſachverſtändige Unterſuchung
des Revolvers und der Pgtrone habe nicht ſtattgefunden, alſo ſei eine
Klärung nach der techniſchen Seite nicht erfolgt. Auch Specht gegenüber
könne nur wegen Bedrohung auf Strafe erkannt werden. Mildernde
Umſtände ſeien wohl zuzubilligen.
Das Urteil des Gerichts verneinte Anwendung des 8 214 R. St. G.
und nahm nur Bedrohung an. Das Urteil lautet auf eine Geſamtſtrafe
von 2 Jahren 4 Monaten Zuchthaus, ohne Anrechnung der
Unterſuchungshaft.
— Verordnung über den Gerichtsſtand in Strafſachen bei den
Amts=
gerichten Langen und Offenbach. Die am 22. Oktober 1923 erlaſſene
Ver=
ordnung tritt am 1. November 1924 außer Kraft. Dieſe
Außerkraft=
ſetzung berührt nicht die in den am 1. November 1924 bei dem
Amts=
gericht oder Schöffengericht Offenbach anhängigen Strafſachen begründete
Zuſtändigkeit.
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8180idz [ ← ][ ][ → ]
Rummer 300.
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Seite 7.
Aus Heſſen.
* Die Heſſenflieger in Gießen.
Gießen, 26. Okt. Ein wunderbares Fliegerwetter
be=
gunſtigte den heutigen Gießener Flugtag, ein ungeheurer
Wcenſchenandrang herrſchte vom frühen Morgen bis zum ſpäten
Abend in allen Teilen der Stadt und beſonders um den Flugplatz
dienner ſolchen Maſſenandrangs ſchätzten die Zahl der Menſchen, die ſich
um den Flugylatz als zahlende Beſucher und — in einiger Entfernung —
als Zaungäſte eingefunden hatten, auf 15 000 bis 25 000. Selbſt auf
Gebäuden und Dächern ſaßen Zuſchauer, ſo z. B. auf den hochgelegenen
neuen Kaſernen. Der Flugplatz auf den Wieſen hinter dem Gerichte
war nach den Ausſagen der Heſſenflieger ein außerordentlich günſtiger
nach Beſchaffenheit und Lage. Nur dem Junker=Paſſagierflugzeugführer
Lieb war angeblich der Boden auf den Wieſen etwas zu weich, ſodaß die
Paſſagierflüge unterbleiben mußten, was im Publikum lebhaft
bedau=
ert wurde, zumal zahlreiche Anmeldungen für Rundflüge gemeldet
waren. Um ſo aufmerkſamer wendete ſich die Schauluſt den
Kleinflug=
zeugen zu. Die Heſſenflieger ſollten nach dem Programm eigentlich
geſtern nachmittag eintreffen, aber der Regen am Samstag verhinderte
ihren Abflug und heute früh war der Nebel hinderlich, ſodaß Heck auf
D 477 heute früh 9 Uhr landete, Schäble, der notlanden mußte, um
Sie
11 Uhr und Katzenſtein erſt um 3 Uhr heute nachmittag eintraf.
wurden von der begeiſterten Menſchenmenge lebhaft begrüßt. Der
heu=
tige Vormittag war der Beſichtigung der Flugzeuge unter fachmänniſcher
Leitung gewidmet. Um 1 Uhr begannen die Flüge auf den Dietrich=
Gobiet=Sportflugzeugen, ausgeführt von dem Gewinner des
Reichs=
präſidentenpreiſes Heck, dem Gewinner des Höhenfluges beim Deutſchen
Luftwettbewerb Katzenſtein und dem Flieger Schäble. Die Kunſt= und
Schauflüge, die bis zur Dämmerung andauerten, zeigten die Piloten in
ihrem ganzen Können und ein dankbares Publikum ſpendete lebhaften
Beifall, der ſich zur Begeiſterung ſteigerte, als die Loopings und Sturz
flüge, das ſchraubenförmige Trudeln von den Flugkünſtlern ausgeführt
wurde. Katzenſtein machte ſich zuweilen einen Spaß daraus, plötzlich aus
ziemlicher Höhe niederzugehen — um anſcheinend zu landen —, dann
aber, nur einige Meter über der Menſchenmenge, wieder hochzuſteigen.
Da gabs manchen Schreckensſchrei. Den Höhepunkt der Veranſtaltung
bildete der wohlgelungene Fallſchirmabſprung, den Tuchner aus etwa
600 Meter Höhe mit dem Baegu=Fallſchirm ausführte, leider trieb ihn
der Wind etwas weit ab in der Richtung nach Wieſeck. Tuchner wurde
bei ſeinem Eintreffen lebhaft begrüßt. Von den vielen Flugluſtigen
kamen nur Wenige auf ihre Rechnung, die in den Sportflugzeugen den
Aufſtieg in die Luft wagten. Unter dieſen befand ſich als erſte Gießener
Dame Frau Weißbindermeiſter Löber. Die Sportleitung lag in den
bewährten Händen des Herrn Emil Schwarz=Darmſtadt, der durch die
Startmannſchaften aus Darmſtadt lebhaft unterſtützt wurde. Es war
eine wunderbare Leiſtung, welche die Heſſenflieger hier in Gießen
ab=
legten Lebhafte Anerkennung gebührt auch den Herren vom Gießener
Verkehrsverein und Luftfahrtverein, welche das Ganze vorzüglich organi
ſiert hatten, ſodaß die Darmſtädter Herren ihre volle Anerkennung
aus=
ſprachen. Erſt mit einbrechender Dunkelheit leerte ſich der Flugplatz,
eine wahre Völkerwanderung ergoß ſich in und durch die Stadt. Di
Gaſthäuſer waren überfüllt. Am Bahnhof herrſchte ein ſolcher Andrang
daß man ſich wundern muß, wie die Eiſenbahn dieſen Rieſenverkehr
mei=
ſtern konnte. Autos und Krafträder in Menge durcheilten die Stadt. —
Am geſtrigen Abend veranſtalteten die beiden Gießener Vereine eine Be
grüßungsfeier. Stadtverordneter Winn bewillkommnete die Heſſenflie
ger, Regierungsrat Merk ſprach namens der Regierung, Bürgermeiſter
Krenzien namens der Stadt, Prof. Dr. König dankte den Fliegern für
ihre Bereitwilligkeit zum Flugtag, Kaufmann Göbel gedachte des Todes
Bölkes, zu deſſen Andenken ſich alle von den Sitzen erhoben. Morgen
beſichtigen die Schulen die Flugzeuge, außerdem finden noch Freiflüge
und Paſſagierflüge ſtatt.
— Arheilgen, 27. Okt. Nachdem im inneren Ortsteil das elektriſche
Licht eingeführt wurde, ſollen nun auch zur beſſeren Beleuchtung unſerer
Gemeinde vorläufig die Hauptſtraßen mit elektriſchem Lichte verſehen
werden. Auch wurde in der letzten Gemeinderatsverſammlung auf
Ver=
anlaſſung der ſozialdemokratiſchen Fraktion durch Herrn Beigeordneten
Spengler die Ortsverwaltung beauftragt, mit der heſſiſchen
Eiſenbahn=
aktiengeſellſchaft in Unterhandlung zu treten zwecks Weiterführung der
elektriſchen Bahn bis zu unſerem Orte. Es iſt dies ein unbedingtes Er
fordernis für Arheilgen, da der weitaus größte Teil der hieſigen
Arbei=
terſchaft in der Landeshauptſtadt ſeine Arbeitsſtelle hat, eine große Schar
Schüler beſucht die dortigen Schulen und eine größere Zahl Beamte und
Privatangeſtellte haben dortſelbſt ihre Verwendung. Anlle dieſe
Per=
ſonen würden es mit Freuden begrüßen, wenn dies ſeit drei Jahren
entbehrte Verkehrsmittel wieder in Betrieb genommen würde, natürlich
nun mit elektriſcher Kraft. Ganz beſonders iſt nicht zu vergeſſen, daß es
alten, bzw. kränklichen Leuten eben faſt unmöglich iſt, in Darmſtadt
Ge=
ſchäfte zu beſorgen oder bei Gerichten oder Behörden zu erſcheinen. Die
Unterhandlungen hätten allerdings ſchon früher eingeleitet werden
müſſen; denn der Winter ſteht vor der Tür und die Bauleitung wird ihr
Laſt haben, daß vor Eintritt des Froſtes die Strecke bis zur Chemiſcher
Fabrik Merck vollendet und gefahren werden kann. Gerade für die
kom=
mende naſſe Jahreszeit wäre es unbedingt erforderlich, ein
Perſonen=
beförderungsmittel bis zu unſerer Gemeinde zu beſitzen. — Nächſter
Sonntag findet hier Kirchweihe ſtatt, die beſonders von Daxmſtädtern ſo
gern und viel beſucht wurde. Wie wäre da die „Elektriſche” ſo erwünſcht
zumal bei zweifelhafter Witterung. Die Vorbereitungen für dieſes Lokal
feſt ſind in vollem Gange. Wirte, Bäcker, Metzger und ganz beſonders
anſere Hausfrauen haben alle Hände voll zu tun, um mit den
Vorberei=
tungen fertig zu werden. Für die Jugend, werden Karuſſell, Buden
und Verkaufsſtände aufgebaut und in mehreren Sälen werden gute
Muſikkapellen zum Tanze aufſpielen. Darum auf zur „Arheilger Kerb”.
Griesheim, 25. Okt. Wie verlautet, iſt damit zu rechnen, daß in
allet Kürze die Verſorgung unſerer Gemeinde mit
Elektrizitä=
zur Verwirklichung kommt. Herr Theuerkauf von der Allgemeinen Gas=
und Elektrizitätsgeſellſchaft in Bremen, welcher bekanntlich das alleinig
Recht der Verſorgung unſerer Gemeinde mit Gas und Elektrizität
zu=
ſteht, hat bei ſeinem letzten Hierſein erklärt, daß er die hierzu nötigen
Pläne ſofort ausarbeiten laſſe, und ſobald dieſelben die miniſterielle
Ge=
nehmigung erhalten haben, ſofort mit der Ausführung derſelben
be=
ginnen werde. Das Ortsnetz ſoll in drei Abſchnitten innerhalb zweier
Jahre gebaut werden. Im erſten Abſchnitt ſoll das Leitungsnetz in den
Straßen gebaut werden, die ſich der Umformerſtation, die ſich
bekannt=
lich im Bürgermeiſtereigebäude befindet, am nächſten liegen. In
beſtimm=
ten Zeiträumen kommen dann der zweite und dritte Abſchnitt zur
Aus=
führung. Als Gegenleiſtung verlangt die Firma die Verlängerung des
beſtehenden Vertrages um 10 Jahre, was vorausſichtlich keinem
Wider=
ſpruch in unſerer Gemeinde begegnet.
* Griesheim, 26. Okt. Auf dem hieſigen Truppenübungsplatz finden
in der kommenden Woche folgende Artillerie=Scharfſchießübungen ſtatt:
Donnerstag, 30. Oktober, vorm. von 8—12 Uhr, Freitag, 31. Oktober,
vorm. von 8—12 Uhr und nachm. von 2—6 Uhr.
2. Pfungſtadt, 26. Okt. Die Waldkartoffelernte wurde
unter die Erwerbslofen zum Selbſternten verteilt. — Das
Elektri=
zitätswerk erhält eine Gleichrichter=Anlage, die die Stromſtärke in
Stunden ſtarker und ſchwacher Belaſtung regulieren ſoll.
Zur
Beſetzung zweier Lehrerſtellen hat der Gemeinderat die Lehrer
Winkler und Knoche, ſowie für eine Lehrerinnenſtelle die
Schulverwal=
trin Thierolf vorgeſchlagen.
* Eberſtabt, 26. Okt. Kabelarbeiten. An dem im Sommer
ge=
legten großen Kabelſtrang in der Heidelberger Durchgangs=Chauſſee wer.
den gegenwärtig die Verdichtungs= und Verbindungsarbeiten ausgeführt.
Es wird auch nachts daran gearbeitet.
Ober=Ramſtadt, 25. Okt. Hier hat in letzter Zeit wieder eine
Unſitte überhandgenommen, deren Bekämpfung nicht allein Sache
der Aufſichtsbeamten, ſondern auch aller Ortseinwohner ſein dürfte. Faſt
überall da, wo Feldwege in den Ort einmünden, aber auch in einzelnen
Ortsſtraßen ſelbſt, findet man oft ganz anſehnliche Partien Unrat, wie
Glasſcherben, Küchen= Gartenabfälle und dergleichen. Bilden ſolche Ab
lagerungen an und für ſich, beſonders für Auswärtige, gerade keine
Sehenswürdigkeiten und können ſie in deren Augen das Anſehen eines
Ortes von der Größe Ober=Ramſtadts gewiß nicht heben, ſo werden durch
ſie oft Kanaleinläufe und dergleichen verſtopft, und der Gemeinde — und
damit allen Steuerzahlern — erwachſen nicht unbeträchtliche Koſten.
E=
wäre angeſichts deſſen wohl an der Zeit, daß alle Einwohner auf
der=
artige unerlaubte Schuttablagerungen, ein Augenmerk richten und der
Ortsbehörde dabei betroffene Perſonen namhaft machen würden, denn
beim Gemeindeſteinbruch iſt eine Schuttabladeſtelle errichtet, die auch mit
kleinen Handwagen gut erreicht werden kann. — Der Sportplatz
am Buchwald hat ſich längſt für größere Veranſtaltungen als un
zureichend erwieſen. Die Möglichkeit zur zweckentſprechenden
Vergröße=
rung iſt ſowohl nach dem Buchwaldweg, als auch nach der Bahnlinie zu
gegeben. Die Gemeinde läßt nun dieſe Vergrößerung vornehmen, und
ſollen bekanntlich die erwachſenen Koſten von den intereſſierten
Sport=
vereinen verzinſt und amortiſiert werden.”
Die
Grundbewe=
gungs= und Planierarbeiten dürften bis zum Februar
näch=
ſten Jahres beendet ſein, und wird alsdann Ober=Ramſtadt einen allen
Bedürfniſſen Rechnung tragenden und wirklich ſchön gelegenen
Sport=
platz beſitzen.
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d: Groß=Umſtadt, 25. Okt. Der Männergeſangverein „Frohſinn”=
Lengfeld, der ſchon ſeit Jahren den Ruf als einer der beſtgeſchulten
Männerchöre hieſiger Gegend hat, veranſtaltete hier im Saal „Zum
weißen Roß” ein Volksliederkonzert, das ihm einen großen künſtleriſchen
Erfolg brachte. Das ſchöne Stimmenmaterial des Vereins kam unter
de=
zielſicheren Leitung ſeines Chormeiſters K. Grim=Darmſtadt, zu
vorzüg=
licher Geltung und es war für die, die den Verein von früher kannten
eine beſondere Freude, ihn hier auf dem Gebiete des ſchlichten Volksliede
zu hören, das von unſeren Männerchören noch viel mehr gepflegt werden
ſollte. — Durch einige Baßlieder, vorgetragen von einem jungen Darm
ſtädter Sänger, Herrn Dittmar, deſſen gute Stimmittel bei weiterer
Ausbildung Schönes verſprechen, vor allem aber durch die künſtleriſchen
Violinvorträge des Herrn Fritz Kitz=Guſtavsburg — Beethoven, Violin
konzert und der meiſterhaft vorgetragenen Stücke von Wilhelmy und
Kreißler — fand das Programm eine wertvolle Bereicherung. — Die
Damen, Frl. Wia Horn=Groß=Umſtadt und Frl. Kitz=Guſtavsburg,
beglei=
teten die Baßlieder bezw, die Violinvorträge diskret und exakt. Der
ge=
miſchte Chor des G.=V. Liederkranz=Groß=Umſtadt unter Leitung des
Herrn Hans May gab dem Abend durch zwei volkstümliche Lieder, in
denen die ſchönen Damenſtimmen des Chores zu beſonderer Geltung
kamen, eine willkommene Abrundung.
— Linbenfels, 27. Okt. (Dienſtjubiläum.) Der Techniker
Friedrich Schmelzle, Kalkulator und Reiſevertreter bei der Firma
Kreu=
zer & Böhringer, Granit= und Syenitinduſtrie in Lindenfels, feierte vor
geſtern ſein 25jähr. Dienſtjubiläum. Seit 25 Jahren iſt Herr Schmelzl
ununterbrochen bei ſeiner Firma tätig und hat ſich in dieſer Zeit Dank
und Anerkennung ſeiner Arbeitgeber, die Freundſchaft ſeiner Kolleger
und die Achtung der Arbeiter erworben.
* Birkenau, 25. Okt. Strohverſteigerung. Wegen
Ver=
weigerung der Annahme von ſeiten des Beſtellers wurde von der
Bahn=
verwaltung ein Waggon Stroh öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Wem die Koſten zufallen, wird wohl das Gericht enkſcheiden müſſen.
* Birkenau, 26. Okt. Urgroßvater. Der Lehrerveteran i. R.,
Herr M. Gruber, dahier, wurde heute zum viertenmale
Urgroß=
vater, indem deſſen Enkelin, Frau Lehrer Franz Kohl, ihren Eheman
mit einem kräftigen „Mädel” beſchenkte. Mutter und Kind ſind wohl
und munter, und die beiden Urgroßeltern nicht minder. Das älteſte Ur
enkelchen zählt bereits 5 Jahre! — Errichtung einer neuer
Fabrik. Die Mannheimer „Hydroxydol=Geſellſchaft” wird nächſtens in
der früheren Spenglerſchen Holzſchneiderei, Nebenbau der jetzigen
„Gröſcheſchen Kammfabrik”, eine chemiſche Fabrik m. b. H. — Lack= und
Farbenentferner — errichten. Die Geſchäftsſtelle befindet ſich in Mann
heim, Merzelſtraße. Dadurch wird wohl manchem hieſigen Einwohner
Arbeitsgelegenheit geboten werden, was bei den vielen Arbeitsloſen freu
digſt begrüßt wird.
Heppenheim, 26. Okt. Milchpantſcher. Wegen Milchfälſchung
wurde die Joh. Schäfer VIII. Ehefrau von hier vom Amtsgericht Lorſch
zu einer Gefängnisſtrafe von 3 Tagen und einer Geldſtrafe von 100 M.
verurteilt. Ferner wurde der Landwirt Joh. Georg Schäfer, von hier
wegen desſelben Vergehens zu einer Gefängnisſtrafe von einer Woche und
50 Mark Geldſtrafe verurteilt. Beide haben zudem die Koſten des Ver
fahrens, ſowie die Koſten der Veröffentlichung des Urteils im Kreisblatte
zu tragen. Eine harte, aber wohlverdiente Strfae!
+ Groß=Gerau, 25. Okt. Der Bauarbeiterſtreik und die
daraus entſtandenen Ausſperrungen bzw. Entlaſſungen haben die
Arbeis=
lage weſentlich verſchlechert. Ueber 300 Erwerbsloſe werden gegenwärtig
von den Kreisgemeinden mit Notſtandsarbeiten beſchäftigt. Außerden
herrſcht auch wieder Ueberfluß an landwirtſchaftlichen Arbeitein, da die
Hackfrüchteernte größtenteils erledigt iſt. — Eine Delegation der
Kreis=
baugenoſſenſchaft verhandelte dieſer Tage in Darmſtadt mit den
zu=
ſtändigen Stellen.
X Dornheim b. Groß=Gerau, 25. Okt. Der Riedſängerbund
jagte dieſer Tage hier und beſchloß, im nächſten Jahre wieder ein
Wer=
tungsſingen abzuhalten. Dieſes ſoll im Mai 1925 in Dornheim
ſtatt=
finden. Ferner rurde beſchloſſen, dem Heſſiſchen Sängerbund
beizu=
treten.
Offenbach, 26. Okt. Automobilunglück bei
Fried=
berg. Bei einer Autofahrt nahe bei Friedberg in Heſſen berun
glückte der hieſige Metzgermeiſter Kaſimir Alt heute tödlich. Das
mit fünf Perſonen beſetzte Auto rannte gegen eine
Telegraphen=
ſtange, ſo daß ſich das Fahrzeug überſchlug. Zweit weitere
Per=
ſonen wurden ſchwer verletzt. Die Frau und der Sohn des
Metzgermeiſters blieben unverletzt.
Offenbach, 24. Okt. Geſtern fand hier eine amtliche
Zu=
ſammenkunft der evangeliſchen Religionslehrer
Offenbachs ſtatt, auf der Lehrer Hch. Fritz über „Religionsunterricht
im Lichte der Arbeitsſchule” ſprach. Der Vortrag, der von dem Leiter
der Verſammlung eine gründliche, gediegene und ſorgfältige Arbeit
ge=
nannt wurde, wich in bemerkenswerter Weiſe von dem ab was man
ſonſt über „Arbeitsunterricht” hört. Der Redner ſprach zunächſt den
Wunſch aus, die Parteien, die unſerer Schule durch die Reichsverfaſſung
den Arbeitsunterricht beſchert haben, hätten auch ſofort erklären müſſen,
ob ſie ſich dieſen Unterricht als beſonderes Lehrfach oder nur als
Unter=
richtsgrundſatz dachten. Die erziehungswiſſenſchaftliche Welt ſei ſich
heute darüber einig, daß Arbeitsunterricht „nur Unterrichtsgrundſatz
ſein könne. Werkunterricht dürfe darunter nicht verſtanden werden. Da
ſei aber nichts neues. Neu ſei eigentlich nur das Wort „
Arbeitsunter=
richt”. Man verſtehe darunter das ſelbſttätige Erarbeiten der Unter
richtsgeſchehniſſe durch die Schüler, und das habe u. a. ſchon Dieſterweg
verlangt, der 1866 das Zeitliche ſegnete. Dieſterweg wollte ſchon die
Schüler durch Selbſttätigkeit zur Selbſtändigkeit führen. Es ſei an der
Zeit, gegen die Unterſchätzung und Herabwürdigung der bisherigen gei
ſtigen Arbeitsſchule, die man heute ſo gern und mit einem verächtlichen
nehmen. Es müſſe
Untertone als Lernſchule bezeichne, Stellung
deutſchlands die
An=
darauf hingewieſen werden, daß die „Lernſchule
erkennung und Bewunderung der Welt bis zum Weltkrieg gefunden
habe. Der Geiſt des Schülers arbeite, auch wenn er äußerlich untätig ſei.
Was ihm lehrend geboten werde, werde innerlich und geiſtig verarbeitet,
Die Arbeit des Geiſtes und nicht nur die Arbeit der Hand ſei bildend.
Der Unterricht müſſe vor allem anſchaulich ſein, und er ſei es auch in
der Vergangenheit geweſen. Der Religionsunterricht ſei
Arbeitsunter=
richt, wenn er die Anſchauung pflege, das Gemüt bilde und betone
und auf das praktiſche Leben vorbereite. Der neue Lehrplan für den
Religionsunterricht ſei, von dieſen Geſichtspunkten aus geſehen, noch
ſehr verbeſſerungsfähig. Der Vortrag hatte, wie aus der beifälligen
Aufnahme hervorging, manchem der Zuhörer aus dem Herzen
ge=
ſprochen. In der Ausſprache meldeten ſich Anhänger und Gegner der
Anſicht des Redners zum Wort. Eine Anregung aus der Mitte der
Verſammlung, das Dekanat Offenbach möge die Religionsprüfungen ſo
lange einſtellen, bis eine andere Regelung dieſer Prüfungen zwiſcher
dem Landesbildungsamt und dem Landeskirchenamt vereinbart ſei, will
das Dekanat an ſeine vorgeſetzte Behörde weiterleiten.
* Gießen, 26. Okt. Unſere älteſte Einwohnerin Beat=
Martzog beging geſtern ihren 95. Geburtstag.
* Aus der Wetterau, 26. Okt. Goldene Hochzeit, feierte in
Nieder=Weiſel das Ehepaar Joh. Georg Bill 11. und in Oberſchmitten
an der Nidda das Ehepaar Konrad Ruppel. — Ein ſchweres
Un=
glück ereignete ſich in Griedel; am ſchwerbeladenen Dickwurzwagen
rutſchte der Vorſteller herunter, auf dem Vater und Kind ſaßen. Beide
fielen herunter, wurden überfahren und erlitten Beinbrüche.
Alsfeld, 25. Okt. Unſere Stadt iſt in Aufregung, weil
ber=
ſchiedene Einwohner den Morder Adolf Steul aus Bellersheim geſehen
haben wollen, wie er per Rad abends durch die Stadt und benachbarte
Orte wanderte und nach Schlafgelegenheiten in Scheunen uſw. Umſchar
hielt. Den Landwirt Winkenſtern hat er deswegen angeſprochen und i.
dem nahen Eudorf will ihn der Heizer einer Dreſchmaſchine um 4 Uhr
morgens auf dem Rad geſehen haben.
* Heimatpflege und Dorfkirche.
Zu ihrer 7. Tagung hatte die Vereinigung der Freunde der Dorfkirche
aus dem ſüdlichen Oberheſſen für den 23. Oktober nach Nidda
einge=
laden. Vor ſechzig evangeliſchen Pfarrern und Lehrern — Anhängern
der Bewegung, die ſich um die Monatsſchrift „Die Dorfkirche” gruppiert
— ſprachen über die Notwendigkeit und die Geſtaltung der
Heimat=
pflege auf dem Lande der Oekonomierat Lembke=Berlin als
Geſchäftsführer des Deutſchen Vereins für ländliche Wohlfahrts= und
Heimatpflege, und der Gießener Bibliothekar und Vorkämpfer der
Volks=
hochſchule, Dr. Koch. Die packenden und von hohem ſittlichen Ernſt
ge=
tragenen Ausführungen der Redner ſetzten ſich eine Verlebendigung der
Dorfgemeinden und die Vertiefung der Heimatliebe in der Weckung von
ſeeliſchen und ewigen Werten zum Ziele. Nach Anſicht der Vortragenden
hebt dieſe Führung zu Gott allein aus der rein materiellen Betrachtung
der Heimat und ihrer Folgeerſcheinung, der Heimatloſigkeit der
Gegen=
wart heraus. Sie verdichtet aber auch das Heimaterleben zu dem
Ver=
ſtändnis für den umfaſſenden Vaterlandsgedanken. — In der
Nachmit=
tagsſitzung wies Pfarrer Mahr aus Gießen in ſeinem Vortrag:
„Heimatpflege und Kirche” die Zuſammenhänge zwiſchen Kirche
und Volkstum nach und forderte die Einſtellung der dörflich=kirchlicher
Geſamtarbeit auf die Seele der Heimat. Mit einer ſehr regen
Aus=
ſprache, an der der Führer der Deutſchen Dorfkirchenbewegung, Dr. von
Lüpke= Iſenhagen hervorragenden Anteil nahm, ſchloß der Vorſitzende,
Dekan Seriba von Eichelsdorf, die Tagung.
Die Kirchenregierung hatte den Superintendenten der Provinz
Ober=
heſſen, in der die Dorfkirchenarbeit beſonders günſtige Aufnahme
gefun=
den hat, den Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen, als ihren Vertreter
zur Tagung entſandt.
Sienographenvereinigung Gabelsberger
— Darmſiadt —
Die dom Reich und den Ländern anerkannte und jetzt
vorgeſchriebene
Einheitskurzschrift
die das Erprobte der Syſteme Gabelsberger und Stolze=
Schrey vereinigt, iſt für jeden
Voxwärtsatrebenden
der Staats= und Privatwirtſchafi das
(14144 Im
Sprungbrett zum weiteren Erfolg.
Der erſte Kurs der Einheitskurzſchrift beginnt am
Donners=
tag, den 30. Oktbr. und Montag, den 3. Noobr., abends
8 Uhr in unſeren Unterrichtsräumen. — Anmeldnng
täg=
lich von 4—9 Uhr und in den erſten Stunden.
Schreibmaſchinenunterricht täglich von 4—8 Uhr.
Stenographenvereinig. Gabelsberger, Darmſtadt, Eliſabethenſt. 52
Die Gefahren der Seife:
Runzelnbildung und Anſteckungsgefahr.
Sie ſind gewiß darübererſtaunt, daß wir den Begriff „
Ge=
fahr” mit Seife in Zuſammenhang bringen. Hier liegt aber
tat=
ſächlich eine nur wenigen bekannte Schädigung der geſamten
Kul=
turmenſchheit und eine Gefährdung der Geſundheit vor, auf die
bisher nur wenige Wiſſenſchaftler hingewieſen haben: Das
ſtän=
dige Auslaugen durch die Seifenwaſchungen — auch die beſte
Toilette=Seife laugt aus — bringt die Haut, um ihren beſten
Schutzſtoff, nämlich das von den Talgdrüſen ſtändig erzeugte
Hautfett. Der große Hygieniker Pettenkofer bewies einſt an ſich
ſelbſt, daß ein geſunder Magen ſogar Cholera=Bazillen vertragen
kann. Der Nachweis, daß die geſunde Haut jeder Infektion
ſtandhält und frei von Ausſchlag, trockenen und naſſen Flechten
(Bartflechten), Miteſſer und Pickel bleibt, kann jederzeit erbracht
werden. Wirklich einwandfreie Haut aber beſitzt unter der
Ein=
wirkung der üblichen Seifenwaſchungen kein Menſch. Nicht
genug kann vor dem nachträglichen Heraufbringen von
Cremes auf die Haut gewarnt werden, die infolge ihrer
unge=
eigneten Zufammenſetzung durch Porenverſchmierung
Talg=
drüſen und Hautatmung in ihrer Funktion ſchädigen, eventuell
auch ſonſt die Haut reizen.
Wie oft haben unſere Zeitgenoſſen ſich ſchon darüber den
Kopf zerbrochen, welches Geheimnis eine Kleopatra (geboren
68 v. Chr.) wohl anwandte, um noch in einem verhältnismäßig
hohen Alter zwei ſo ſtolze Herrennaturen, wie Cäſar und Anto=
nius durch ihren Liebreiz zu beſtricken. Von ihrem
geheimnis=
vollen Mittel beſagt eine aufgefundene Hieroglypheninſchrift
2h" 2
EE!( Ap-1
„es mache die Haut dem Golde und Elfenbein ähnlich und wie
vom himmliſchen Sonnenglanz ſtrahlend‟. Wenn es gelänge,
dieſes Mittel zu finden, ſo könnten wir das Runzligwerden der
Haut und die äußerlichen Spuren des Alters verwiſchen und in
unſerem Ausſehen, ſolange die Sonne unſerem Erdenwallen
ſcheint, jung und friſch erſcheinen.
Dieſes Geheimnis iſt entdeckt und nicht nur das allein, es
iſt gleich ins Moderne überſetzt und ſo entwickelt worden, daf
nicht mehr die überaus zeitraubenden umſtändlichen Prozeduren
altägyptiſcher Schönheitspflege notwendig ſind, ſondern man kann
ſich gewiſſermaßen im Handum
5
drehen die richtige Hautpflege an= lF
gedeihen laſſen: Wir bleiben bei W
9
dem Kulturfaktor „Seife”, aber
OK-
nicht mehr bei der uns unſeren
An
Hautſchutz — das Hautfett — rau
Saunke
1f3
benden Seife, ſondern der Horti= WA—le XAI IE5
flor=Creme=Seife. Ein Ring
fein=
ſter fettreicher Toilette=Seife erhält bei unſerer Hortiflor=Creme=
Seife eine Achſe aus konzentrierter Creme mit einer genau
be=
rechneten Menge an einem eigenartig zuſammengeſetzten
Haut=
funktionsfett (eben das geheimnisvolle Mittel der Kleo
patra), welches das an den Porenausgängen durch Schmutz
ver=
dickte, und leicht entfernbare Fett unſerer Hautdrüſen erſetzt.
Dieſes Hautfunktionsfett ſchützt nicht nur unſere Haut bis zu
einem hohen Grade vor Anſteckung, ſondern es ſchützt auch vor
Erſchlaffung: Die Runzelnbildung wird verhindert, aber das
nicht allein — ſelbſt vorhandene Falten, Krähenfüße, Runzeln,
unbewußt verurſacht durch alte Sünden in der Hautpflege, bringt
die Hortiflor=Creme=Seife zum Schwinden.
Ihr Reinlichkeitsbedürfnis darf nun nicht mehr zur
Miß=
handlung der Haut führen. Iſt Selbſtſchädigung aus
bedauer=
lichem Irrtum noch entſchuldbar, bewußte
Selbſtſchädi=
gung wäre eine Sünde wider die Haut, und das um ſo
mehr, als wir Sie mit dieſer bedeutenden Errungenſchäft der
Wiſſenſchaft, ohne daß Ihnen die geringſten Koſten entſtehen,
vertraut machen wollen.
Schreiben Sie noch heute eine Poſtkarte folgenden Inhalts:
An den Hortiflor=Vertrieb G. m. b. H., Berlin 256, Alexandrinen
ſtraße 26. Senden Sie mir ganz koſtenlos und portofrei ein
Probeſtück Hortiflor=Creme=Seife, das Büchlein „Die Gefahren
der Seife” und den Fragebogen, betreffend Preisbewerbung.
TTV.14149.
Ihre Unterſchrift und genaue Adreſſe.
Es werden Preiſe verteilt.
Wir haben die Akſicht, ein Büchlein über den Geruchs= und
Schön=
heitsſinn herauszugeben. An Verſuchsobjekten, die wir Ihnen nebſt
Fragebogen mitſenden, können S die Schärfe Ihres Geruchsſinns
prü=
fen. Für die Einſendung unſerer leicht ausfüllbaren Fragebogen
wer=
den Preiſe verteilt. Es kann nur für die beſtbeantworteten
ein Preis gewährt werden, und eine Verloſung findet nicht ſtatt. Dieſen
geſetzlich zuläſſigen Preisausſchreiben liegt lediglich kulturelles
Beſtre=
ben zugrunde.
Reich und Ausland.
Hundert Jahre Phyſikaliſcher Verein Frankfurt.
S. Frankfurt. Die altberühmte Phyſikaliſche Geſellſchaft
Frank=
furt beging am Freitag in Anweſenheit namhafter Wiſſenſchaftler aus hafen jenes lang umſtrittene Projekt, deſſen Bau ſeit 40 Jahren
ge=
dem In= und Ausland, Vertretern der Miniſterien und anderer
Behör=
den das Feſt ſeines hundertjährigen Beſtehens. Nach der Feſtanſprache ſtädtiſchen und privaten Gebäude gab einen feſtlichen Rahmen.
des Vorſitzenden, Konſul Kotzenberg, wurden zu
Ehrenmit=
liedern ernannt: Prof. Boller=Frankfurt Prof, Bollin=Stockholm, Koſten nicht zur Ausführung kam, wurde nach Beendigung des Krieges
Prof. Born=Göttingen, Prof. Bredig=Karlsruhe, Prof. Dornow=Dabos, wegen der eintretenden Erwerbsloſigkeit wieder näher getreten. Die
Frankfurt, Dr. Berlach=Frankfurt, Prof. Hahn=Berlin, Prof. v. Laue=
Berlin, Prof. Landſtröm=Stockholm Prof. Traun=Heidelberg, Urſinius Sicherheitshafen zu bauen. Schon kurz nach Inangriffnahme der Ar=
und Dr. Voigt=Frankfurt, Dr. v. Weinberg=Frankfurt und Prof. Wind= lebhaft intereſſiert, und man beſchloß 1922, einen Induſtriehafen am
hau=Göttingen. Für das Kultusminiſterium betonte Staatsſekretär
Becker das harmoniſche Verhältnis zwiſchen Miniſterium und Verein. Süden der Stadt parallel dem Main in unmittelbarer Nähe des
Stadt=
wärtigen Geſell
und Kotzenberg verliehen wurden.
Kleine Frankfurter Chronik.
Die Arbeitsmarktlage in Frankfurt hat gegenüber der Vor= Eiſen= und Betonbau, u. a.
woche eine leichte Beſſerung erfahren. Die Geſamtzahl der
Unter=
ſchloſſen werden mußte. Als der franzöſiſche General ſprechen wollte, im Jahre 1921 die Lage der Stadt faſt verzweifelt war, ergab eine volks=
Nacht zum Freitag Großfener aus, bei dem ein ſehr beträchtlicher
aus der Nordendſtraße angelegt, die bereits verhaftet wurde. —
Generaſ=
wird am 30. Oktober in Frankfurt abgehalten.
Freiwilliger Tod eines Wechſelfälſchers.
Mannheim. Am Donnerstag nachmittag kam ein 19 Jahre
Großfirma in Rheinau in Stellung war, auf eine hieſige Bank und
zeigte einen Wechſel über 4 755 Mark zwecks Diskontierung vor. Der
Wechſel wurde aber von dem Kaſſenbeamten beanſtandet, weil er
ver=
ſchiedene Merkmale der Fälſchung trug. Aus dieſem Grunde wurde bürgermeiſter, die ein Prunkſtück, der Edemetallfirmen Hanaus werden
der Vorzeiger in ein Zimmer gebracht und die ſowohl in Frage
kom=
mende Firma, als auch die Kriminalpolizei fernmündlich verſtändigt.
Noch ehe aber Letztere bei der Bank eintraf, hat der junge Mann ein
bei ſich geführtes Gift, vermutlich Zyankali, genommen, was derart
wirkte, daß der Tod alsbald eintrat. Die Leiche wurde nach dem
hie=
ſigen Friedhof verbracht.
Tagung des Badiſchen Verkehrsverbandes.
*fm. Karlsruhe. Dieſer Tage fand in Offenburg eine
Sitzung des Landesausſchuſſes des Badiſchen Verkehrsverbandes ſtatt,
in der eine Reihe bedeutſamer Fragen der Verkehrswerbung für das
badiſche Land, ſowie Fahrplan= und Tarifangelegenheiten erörtert wur=
Shudikus Rieger berichtete in längeren Ausführungen über die
den.
mannigfaltige und umfangreiche Tätigkeit des Verkehrsverbands,
Gegen=
über den immer wiederkehrenden Klagen über die deutſche Preſſe wegen
Förderung der Auslandsreiſen zum Nachteil der deutſchen Reiſegebiete
ausländiſchen Bahnen hingewieſen; von der Deutſchen Reichsbahn wird
ein ähnliches Vorgehen erwartet. Von einer abſichtlichen Begünſtigung
des Auslandes durch die deutſche Preſſe könne jedoch nicht geſprochen
werden. Gewünſcht wird die Wiedereinführung einer
Fahrpreisermäßi=
gung für Geſellſchaftsreiſen. Der Reiſeverkehr ſoll ferner durch
Aus=
gabe von Hotelgutſcheinen im In= und Ausland belebt werden. Die
damit ermöglichte Art der ſogenannten Akkordreiſen, die dem Reiſenden
zugleich mit der Fahrkarte auch die Hotelunterkunſt ſichert, ſtelle die
idealſte Form des Reiſens dar, weil ſie den Reiſenden aller Sorgen
über die Höhe der Koſten uſw. enthebt. Entſprechende Vereinbarungen
werden zugleich mit den Hotels in Baden abgeſchloſſen. Mit der
Her=
ſtellung der Freizügigkeit des Verkehrs durch Abſchaffung des
Viſum=
zwanges hat ſich der Badiſche Verkehrsverband wiederholt eingehend
be=
faßt. Weſentliche Erleichterungen ſtehen in Ausſicht, ebenſo die
Rück=
gewinnung des Verkehrs Holland=Schweiz=Italien. Ueber die
Einfüh=
rung des Grenzverkehrs mit Elſaß werden zur Zeit amtliche
Verhand=
lungen geführt. Zahlreich ſind die Fahrplanwünſche, die auch bon den
verſchiedenſten Vertretern der einzelnen Landesteile vorgebracht
wur=
den. Zur Belebung des Winterſportverkehrs ſollen beſondere
Vorkeh=
rungen getroffen werden. Eine telegraphiſche Entſchließung an die
Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahn in Berlin weiſt auf die
außerorbentliche Erbitterung der Bevölkerung im ſüdlichen Schwarzwald
him und erſucht um alsbaldige Eröffnung der fertiggeſtellten Bahnlinien
Titiſee—Sebrugg. Die Vertretung Badens bei der Deutſchen
Reichs=
bahn A.G. wird gegenüber Württemberg und Bayern als völlig
un=
befriedigend erachtet, und es ſollen weitere entſprechende Schritte
des=
halb unternommen werden.
Ein Kampf mit einem Dieb.
Pirmaſens. Ein folgenſchweres Zuſammentreffen mit einem
Dieb hatte Mittwoch nachmittag der hieſige Kriminalkommiſſar
Em=
merich, als ihm in der Nähe des Elleſchen Steinbruchs ein Mann
be=
gegnete, der etwas unter dem Rock trug. Bei einer Viſitation des
Ver=
dächtigen entdeckte Emmerich ein großes Stück Fleiſch unter der Joppe.
Emmerich wollte nun den Mann, der ſich über die Herkuſt des Fleiſches
nicht ausweiſen konnte, verhaften. Dieſer wiederſetzte ſich jedoch und die
beiden kamen in ein Handgemenge, wobei ſie zu Boden fielen. In der
Notwehr gab Emmerich zwei Schüſſe auf den Unbekannten ab, wodurch
dieſer am Bein und im Geſicht verletzt wurde. Er wurde ins ſtädtiſche
Krankenhaus verbracht und geſtand dort beim Verhör ein, daß das Fleiſch
von einem auf dem Imsbacher Hof geſtohlenen Kalb herſtamme. Der
Täter welcher kein ſchwereren Verletzungen davontrug, iſt der
BZjäh=
ige Taglöhner Joſef Dom von Morſchweiler.
* Geſchichtsforſcher J. Fr. Hildenbrand geſtorben.
Speher a Rh. In Ludwigshafen am Rhein, wo er die letzten
Jahre ſeines Lebens zugebracht hatte, ſtarb dieſer Tage, 71jährig, der
bekannte Führer in der pfälziſchen Geſchichtsforſchung und frühere
Gym=
naſialprofeſſor J. Fr. Hildenbrand. In zahlreichen Aufſätzen in der
Tages= und Fachpreſſe, in Büchern und Denkſchriften ganz
Südweſt=
deutſchlands und in den Altertumszeitſchriften in Speyer und
Franken=
thal hat Hildenbrand ſich mit der Geſchichte der Pfalz, namentlich auch
ſchichte des Kloſters Lorſch bei Bensheim (zu dem früher zahlreiche
pfäl=
gegeben und ſich um die Geſchichte dieſer Gegenden große Verdienſte
er=
worben, wie dies auch bei der Beiſetzung in den Anſprachen der Herren
Muſeumsdirektor Dr. Sprater=Speher, Oberregierungsrat Staehler= tion entgegengewirkt.
Speher. Gymnaſialdirekter Prof. Dr. Roppenecker=Speher, Schriftleiter
Jung=Speher und Napt=Frankenthal zum Ausdruck kan. Die hohe De=, barkeit wird bezweifelt, es habe ſich aber ſchon häufig herausgeſtellt.
deutung ſeiner Perſönlichkeit kam auch dadurch zur Geltung, daß der
Regierungspräſident der Pfalz zur Beiſetzung erſchienen war, des=
Revolverheld.
Dresden. Am Donnerstag nachmittag erſchien im Laden des
Schloſſermeiſters Eichner in der Nicolaiſtraße ein junger Mann, der
ein Fahrrad zu kaufen anbot. Dem Schloſſermeiſter kam der Mann ver= zu beſſern. Im ganzen gäbe ſomit die Ernährungslage zu Beſorgniſſen
der Eingangsrür und flüchtete. Die Frau des Schloſſers, die ſich ihm Aufklärung ſich an ihn und ſein Miniſterium wenden möchte. Die
gegenüberſtellte, wurde durch einen Schuß in den Arm verletzt. Der
Verbrecher konnte am Stebhauienplatz geſtellt und verhaſtet werden, meidlich ſeien, wirkſam entgegenzutreten. Sie könne aber nicht berhin=
Es handelt ſich um den 21jährigen Molkereigehilfen Fritz Mietzſh. Der
Schloſſer wurde in hoffnungsloſem Zuſtand ins Krankenhaus gebracht, u
Eröffnung des SanauerMainhafens.
Hanau, 25. Oktober.
Hauau hatte geſtern ſeinen großen Tag, galt es doch, den
Main=
plamt war, dem Verkehr zu übergeben. Reicher Flaggenſchmuck der
Dem Projekt des Hafenbaues, das vor dem Kriege wegen zu hoher
Dr. Dubois=Frankfurt, Dr. Eckener=Friedrichshafen, Prof. Epſtein= ſtädtiſchen Körperſchaften entſchloſſen ſich Mitte 1920, vorerſt einen
beiten zeigte ſich, daß Induſtrie= und Handelskreiſe ſich für den Bau
gebietes zu errichten. Das Hafenbecken hat eine Länge von faſt 1000
Der Verein ſei ein Vorbild für geſchloſſenes Gemeinweſen und habe ſeine Metern und eine Breite von 64 Metern. Die Tiefe beträgt 2,70 Meter
Aufgabe Kulturträger innerhalb des Bürgertums zu ſein, vorbildlich und entſpricht der des kanaliſierten Mains. Auf der öſtlichen Seite iſt
gelöſt. Für die Stadt Frankfurt ſprach Stadtrat Prof. Ziehen, für eine Ufermauer in Länge von 190 Metern errichtet. Sie iſt auf
Eiſen=
die auswärtigen Akademien Geheimrat Krüger=Gießen, für die aus= betonpfähle fundiert, ſtromabwärts ſchließt ſich an dieſe Mauer längs
des freien Mains eine rund 360 Meter lange, gepflaſterte Böſchung an.
Das geſamte Hafengelände iſt 700 000 Quadratmeter groß; auf ihm
ägen laſſen, von denen die erſten den Herren Boller haben ſich ſchon eine große Zahl Induſtrie=, Transport= und
Kohlen=
firmen niedergelaſſen, u. a. Hugo Stinnes, Mathias Stinnes. Carl
Preſſer, Transport=Geſ. Rhenus, Transport=Geſ., Wahß u. Freytag,
Die Einweihung am Samstag vollzog ſich programmäßig. Um 12
ſtützungsempfänger hat um 400 abgenommen. Nur im Baugewerbe iſt Uhr fuhr ein Schiff, das zum erſten Male die neue Rheinflagge mit der
eine weitere Verſchlechterung eingetreten. Die Zahl der Arbeitsgeſuche Inſchrift „In Gottes Namen” trug, in den Haſen, indem es ein Band
betrug 12647. Die Zahl der Haubtunterſtützungsempfänger beträgt 5208, in den Stadtfarben rot=gelb durchſchnitt. In dieſem Augenblick brachte
— In Frankfurt wird eine Herabſetzung der Straßenbahntarife der Oberbürgermeiſter der Stadt, Dr. Blaum, ein Hoch auf den
angeſtrebt, die bisher bis 2 Kilometer 15 Pf. koſteten, bis 5 Kilometer, neuen Hafen aus, in das die zahlreichen Gäſte, die längs der Kaimauer
20 Pf. und über 5 Kilometer 25 Pf. — Im Schauſpielhaus wird am Aufſtellung genommen hatten, mit Begeiſterung einſtimmten. Die
2. November Toni Impekovens und Hans Reimanns Schwank „Das eigentliche Feier fand in dem Lagerhaus der Firma Preſſer ſtatt, das
Ekel” zur Uraufführung kommen. — Am Freitag abend ſprachen die zu dieſem Akt feſtlich hergerichtet war. Der Oberbürgermeiſter
über=
beiden „Friedensgeneräle” Verraux und v. Schönaich im großen nahm den Hafen von dem Erbauer Stadtbaumeiſter Ehrich, und wies
Saale des Zoologiſchen Gartens, der wegen Ueberfüllung polizeilich ge= in längerer, intereſſanter Rede auf die Bedeutung des Hafens hin. Als
kam aus der Verſammlung der geſchmackloſe Zwiſchenruf Vive la France, wirtſchaftliche und wiſſenſchaftliche Prüfung, daß der Hafenbau zur Ge=
Es ſetzte ein kleiner Tumult ein, bei dem ſich der Ordnungsdienſt der ſundung der Verhältniſſe und Fortentwickelung der Stadt führen werde.
Reichsflage merkwürdig ſchlagfertig zeigte. Sonſt blieb der Abend ruhig Die günſtige Lage Hanaus als Knotenpunkt macht den neuen Hafen zur
und die beiden Generäle konnten ungehindert von ihrem Generalſtreik gegebenen Umſchlagſtelle für den Güterverkehr von Nord und Süd, von
ſprechen. — Im Lager der Firma Adler in der Fahrgaſſe brach in der und nach Bayern. Dank der Wirtſchaftspolitik der Stadt iſt die
Finan=
zierung des Hafens durch die Anſiedlung von Induſtrie und großen
Schaden entſtanden iſt, da ganze Berge halbverkohlter Waren auf die Firmen ohne jede weitere Hilfe geſichert worden. Neben den wirtſchaft=
Straße geworfen werden mußten. Den Brand hatte eine Buchhalterin lichen Vorteilen hob der Redner auch die ſozialen hervor, die durch
Ar=
beitsbeſchaffung beſonders bedeutend ſind. Nach der Rede des
Stadt=
konſul Müller=Beeck, der ſich als Leiter des Reichswanderungs= oberhauptes, die mit viel Beifall aufgenommen wurde, gratulierte der
amtes viele Freunde erworben hat, feierte am Samstag ſeinen 70. Ge= Oberpräſident der Provinz Heſſen=Naſſau, Exzellenz Dr. Schwander.
burtstag. Müller=Beeck war im Auſtrage des Auswärtigen Amtes 26 Er gratulierte namens der preußiſchen Regierung und des preußiſchen
Jahre in Japan tätig. — Der nächſte Frankfurter Pferdemarkt Handelsminiſters. Er bezeichnete Hanau als rühmenswertes Beiſpiel
für kühnen Fortſchritt in einer Zeit, in der die Lage der Städte
beſon=
ders ſchlecht geweſen ſei. Der Hafenbau werde weiter zur Beſſerung der
Verhältniſſe beitragen.
Namens der Stadtverordneten ſprach der Stadtverordnetenvorſteher,
alter Kaufmann aus Potsdam, wohnhaft in Schwetzingen, der bei einer Landgerichtspräſident Grimm, Glückwünſche aus. Für die
Handels=
kammer Frankfurt=Hanau gratulierte der Präſident der Kammer.
Dei=
nes, und betonte die nationale Bedeutung des Mainhafens. Er ſtiftete
im Auftrage der Hanauer Firmen eine goldene Amtskette für den
Ober=
ſoll. Sie iſt nach einem Entwurf des Direktors der hieſigen
Zeichen=
akademie, v. Leron, ausgeführt. Für die Reichsregierung ſprach
Landeskammerpräſident v. Laer, während Oberbürgermeiſter Dr.
Gläfſing=Darmſtadt die Glückwünſche des Deutſchen Städtebundes mitglieder bei, unterſtützt ſie durch einmalige Spenden! Beiträge werden
überbrachte, der dem Hafen beſonderes Intereſſe entgegenbringt. Ihm ſtraße 8. 1. Stock.
ſchloß ſich Profeſſor Salomon für den Induſtrie= und Handelstag an.
Der Feier ſchloß ſich eine Fahrt mittels Sonderzugs durch den Hafen an,
die den Gäſten die Ausdehnung des Hafengeländes vor Augen führte.
eingenommen, bei dem der Oberbürgermeiſter ein Glückwunſchtelegramm
des Reichspräſidenten verlas.
Den Feſttag beſchloß eine würdige Aufführung von „Figaros
Hoch=
zeit” im Hanauer Stadttheater. Eingeleitet wurde die Hafeneröffnung
durch einen muſikaliſchen Feſtakt am Freitag abend, bei dem das
Frank=
furter Symphonieorcheſter unter Leitung von Dr. Frank Limbert
neben dem Kammerſänger John Gläſer und dem Oratorienverein
wurde auf die vielfachen Reiſevergünſtigungen für Journaliſten auf den mitwirkte. Am Sonntag zeigte eine Ausſtellung von Gold= und
Silber=
arbeiten die Entwickelung des Hanauer Kunſtgewerbes. Eine Feſtfeier
für die Allgemeinheit, bei der dem Oberbürgermeiſter die Gratulation
von 5000 Turnern durch einen Staffellauf überbracht wurde, beſchloß
die Feierlichkeiten.
Der Ernährungsminiſter bei dem
Reichsverband der Hausfrauenvereine.
beſonderen Wert darauf lege, ſich vor dem Reichsverband Deutſcher
Hausfrauenvereine über die Ernährungslage äußern zu können, weil er oder mehrere Einkäufe zu beſorgen, wofür nach der Vorſtellung keine
halte. Die Ernährungslage wäre zweifellos recht unerfreulich, und be= doch zu den Katalogen, die faſt mit jeder Poſt aus allen Gegenden ins
ſonders fiele dabei ins Gewicht, daß die Preiſe in der letzten Zeit für Haus ſchneien, ſie beſtellt eben auswärts; das Geſchäft eutgeht der
einen großen Teil der Lebensmittel beträchtlich angezogen hätten. Er Darmſtädter Geſchäftswelt. Iſt einmal eine derartige Verbindung
ange=
ſei gar nicht willens, die Sachlage zu günſtig zu ſchildern und betrachte knüpſt, wird ſie beibehalten. Darum nochnals: „Oeffnet die
Verkaufs=
ſie gewohnheitsgemäß eher mit peſſimiſtiſchem Blicke. Er müſſe aber räume in der Mittagszeit!”
doch ſagen, daß die geſamte Ernährungslage eine weſentlich beſſere ſei,
als ſie vor einem Jahre bei Antritt ſeines Amtes geweſen wäre.
Da=
mals hatte beim Sturz der Mark niemand ermeſſen können, ob
Deutſch=
land in Wochen noch den Fehlbedarf an Ernährung aus dem Ausland zitätswerke die Herabſetzung des Kilowattſtundenpreiſes von 18 auf
würde kaufen können. Jetzt ſei im allgemeinen doch eine ſtabile Wäh= 16 Pfennige bekannt. Wir in Darmſtadt zahlen 50 Pfennige,
rung vorhanden, ſo daß, wenn nicht Unvorhergeſehenes ſich ereignen alſo mehr als das Dreifache.
würde, der Weltmarkt uns ohne weiteres offen ſtände. Die ungünſtigen
Preisverhältniſſe hingen in erſter Linie mit einer allgemeinen
Er=
höhung der Weltmarktpreiſe für Getreide, aber auch für andere
Lebens=
mittel zuſammen. Nachdem wir mit der deutſchen Wirtſchaft in die
Weltwirtſchaft eingegliedert ſeien, und das mußte geſchehen, wenn wir auf die geſundheitlichen Schäden von Waſchungen mit Toilette=Seife
überhaupt lebensfähig bleiben wollten, konnten die Inlandspreiſe nicht hingewieſen. An dieſer Stelle ſei in der Erwartung, daß ſich jeder Leſer
keine irgendwie geartete Regierung durchſetzen. Die Getreidepreiſe in ſondern auch ſtets mit ihr die jugendliche Friſche der Haut untergraben
Deutſchland ſeien daher der ſeit einigen Monaten einſetzenden ſtarken wird. Ein ganz eigenartiger und noch nie zuvor ausgeführter Gedanke
Hauſſe auf dem Weltmarkt gefolgt. Er bezöge ſich in dieſer Hinſicht hat dieſe Gefahren der Seife, die viel nachteiliger ſind, als hier
ausge=
auf ſeine Ausführungen in dem vor einigen Tagen von ihm gewährten führt werden kann, mit einem Schlage beſeitigt; beſonders zuſammen=
Interview. Die Lage wäre dadurch noch verſchärft worden, daß infolge geſetzte Toilette=Seife erhält eine Cremeachſe mit einem
Hautfunktions=
der ſpäten Ernte das Angebot von Inlandsgetreide vorerſt noch ganz fett von ganz ähnlicher Zuſammenſetzung wie unſe: natürliches
Haut=
unbedeutend ſei, weil die Landwirtſchaft nicht zum Dreſchen komme. Eu fett. Der Name dieſes Wunders modernſter wiſſenſchaftlicher
For=
erwarte jedoch, daß ſchon nach der allgemeinen außenpolitiſchen Lage ſchung iſt Hortiflor=Creme=Seife. Ein Probeſtück derſelben und das
und im Hinblick auf das erhöhte Angebot vom Auslande durch die nicht Büchlein „Die Gefahren der Seife” erhalten Sie koſtenlos und poſtfrei
in zu ferner Zeit auf dem Markte erſcheinenden Ernten der ſüdlichen vom Hortiflor=Vertrieb G. m. b. H. Berlin 2564, Alexandrinenſtr. 26.
Erdhälfte und vom Inlande durch den Ausdruſch der deutſchen
Land=
wirtſchaft die Getreidepreiſe ſich ſenken würden. Die Milchverſorgung
ſeien auch hier Preisſteigerungen in den letzten Wochen nicht ausgeblie= muster nach Anprobe und M1aß. Sie sparen nicht nur Stoff, sondern Sie
ben, die bei der ſchlechten Kaufkraft weiter Bevölkerungskreiſe die Ver= werden guch erstaunt sein, wie tadellos Ihre Kleidungsstücke sitzen und
ſorgung ſtark beeinträchtigten. Hier wie auch für die geſamte Er= wie einkach und zuverlässig sie sich mittels meiner Ma0-Schnittmuster
nährungslage müſſe der geminderten Kaufkraft nötigenfalls durch eine herstellen lassen. Ein Versuch wird Sie Aberzeugen.
ihren Zuſammenhängen mit der kurheſſiſchen Geſchichte und der Ge= enſprechende Hilfe zur Seite getreten werden. Im übrigen ſei zu
hof=
fen, daß wie alljährlich nach der Aufſtallung des Viehs eine Senkung der Friedr. Bachrach, Darmstadt, Elisabethenstr. 28.
ziſche Gemeinden zugeteilt waren) beſchäftigt, hat er wervolle Aufſchlüſſe. Milchpreiſe ſich ermöglichen laſſe. Die ſehr geſtiegenen Preiſe für aus=
——
ländiſche Kraftfuttermittel und das vielfach übliche ſpäte Eintreiben des
Viehs von den Weiden habe bisher einer Steigerung der Milchproduk= Landestheater, Großes Haus, abends 7½ Uhr (H 4): „Die Jour=
Die Kartoffelverſorgung biete beſſere Hoffnungen, da wir
mengen=
mäßig wohl eine recht befriedigende Ernte haben werden. Die
Halt=
daß die um dieſe Zeit jährlich in dieſer Richtungen geäußerten
Befürch=
tungen nachher ſich als übertrieben erwieſen hätten. Die zurzeit noch 8 Uhr: 321. Sitzung. — Union=, Reſidenz=Thegter, Palaſt=Lichtſpielet
gleichen zahlreiche bedeutende Perſönlichkeiten der Pfalz und ungebung, beſonders im Weſten ungünſtige Verſorgung und die dadurch bedingten Kinovorſtellungen,
exorbitanten Kartoffelpreiſe ſeien nach ihm gewordenen Nachrichten
da=
rauf zurückzuführen iſt, daß bisher der Transport nach dem Weſten noch
viel zu wünſchen übrig laſſe. Es werde alles geſchehen, um dieſe Lage
dächtig vor. Er beauftragte ſeine Frau in der Werkſtätte, die Kriminal= keinen Anlaß. Die in letzter Zeit in der Preſſe über Mißernte und
der=
polizei anzurufen und ſchloß dann ſelbſt die Ladentür ab. Darauf zog gleichen erſchienenen Artikel und Angſtſchreie wären nur geeignet,
der junge Mann plötzlich einen Revolver und feuerte 3 Schüſſe auf Eich= unnötige Beunruhigung und ein Steigen der Preiſe herbeizuführen. Er.
ner ab, der an Kopf. Hals und Bruſt getroffen bewußtlos und ſchwer bäte daher dringend, daß die Hausfrauen ſich von derartigen
Tartaren=
verletzt zuſammenbrach. Darauf zertrümmerte der Täter die Glasſcheibe nachrichten nicht beeinfluſſen ließen, und daß man gegebenenfalls zwecks
Reichsregierung würde auch alles tun, um Preisſteigerungen, die
ver=
dern, daß bei ſteigenden Preiſen der Rohprodukte infolge der
Welt=
marktlage auch die Kleinhandelspreiſe der Lebensmittel ſich erhöhten.
Wandbilder zur Unfallverhütung.
Das von der Reichsarbeitsverwaltung veranſtaltete Preisausſchreiben
für Wandbilder, die in den Betrieben den Wert der Arbeiterſchutz
vorrichtungen deutlich machen ſollen, hat rege Beteiligung gefunden.
Das Preisrichterkollegium, dem außer den Präſidenten der
Reichs=
arbeitsverwaltung und des Reichsverſicherungsamts Perſönlichkeiten aus
den Kreiſen der bildenden Kunſt, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer
ſowie der Berufsgenoſſenſchaften der Unfallverſicherung angehörten, hat
nunmehr ſeine Entſcheidung getroffen. Den 1. Preis von 1000 G.=Mck.
errang Max Wollin, Berlin=Weißenſee, Preiſe von je 500
G.=Mk. erhielten A. B. Henninger und Ahlers, Berlin,
Prei=
ſe von je 250 G.=Mk. Georg Lautfeld, Weimar, Hans Krieg,
Nürnberg, Hans Nolpe, Auerbath i. Heſſen, und O. Gawell,
Berlin=Friedenau. Ein zunächſt nicht vorgeſehener Sonderpreis konnte
W. Dreßler in Charlottenburg für ſeine künſtleriſch hervorragende
aber den geſtellten Aufgaben nicht entſprechende Arbeit zuerkannt
wer=
den. Des ferneren wurden wegen guter Plakatwirkung zum Ankauf
vorgeſehen eine Darſtellung von Panl Hinze, Neukölln, und eine ſolche
mit dem Motto: „Paßt auf!” für welche der Künſtler ſeinen Namen
anzugeben unterlaſſen hatte. Sämtliche eingereichten Entwürfe können
bis Ende Oktober in der ſtändigen Ausſtellung für
Arbeiter=
wohlfahrt in Charlottenburg, Fraunhoferſtraße 11/12,
wochentags zwviſchen 10 und 1 Uhr und Sonntags zwiſchen 11 und 3
Uhr beſichtigt werden. Es iſt beabſichtigt, eine Anzahl der eingeſandten
Entwürfe zur Vervielfältigung anzukaufen und im Reichsarbeitsblatt
als Beilagen zu veröffentlichen.
Die deutſche Geſellſchaft zur Rettung Schiffsbrüchiger
iſt, wie uns der Vorſitzende des Berliner Bezirksvereins, Exzellenz von
der Lehen, mitteilt, durch den Krieg und die ihm folgende Inflation
und Geldentwvertung in eine traurige finanzielle Lege geraten. Sie
teilt das Schickſal anderer gemeinnütziger Vereinigungen, die nahezu ihr
ganzes Vermögen und ihre finanziellen Reſerven verloren haben. Wie
bekannt, hat die im Jahre 1865 begründete Geſellſchaft die ganze
deut=
ſche Nord= und Oſtſeeküſte mit Rettungsſtationen, Rettungsbooten und
Raketenapparaten ausgerüſtet, die bei Strandungen an unſerer Küſte
die gefährdete Beſatzung der Schiffe dem ſicheren Tode in den Wellen
ent=
reißen. Seit Begründung der Geſellſchaft haben die braven
Rettungs=
mannſchaften, meiſt unter Einſetzung des eigenen Lebens, faſt 5000
Per=
ſonen gerettet. Die Mittel zur Errichtung der Rettungsſtationen, zu
ihrer Inſtandhaltung und Verwaltung werden lediglich durch freie
Liebenstätigkeit der über ganz Deutſchland verbreiteten Mitglieder und
durch einmalige Spenden aufgebracht. Staatliche Unterſtützung hat die
Geſellſchaft niemals erbeten und erhalten. Obgleich ſich die Einnahmen
der Geſellſchaft während des Krieges und in der Nachkriegszeit bedeutend
verringert haben, konnte der Betrieb bisher einigermaßen aufrecht
er=
halten werden. Aber es fehlten die Mittel zum Bau dringend
not=
wendiger neuer Rettungsboote, beſonders von Motorrettungsbooten, zur
ordnungsmäßigen Inſtandhaltung der Nettungsapparate und zu einer
einigermaßen angemeſſenen Vergütung für das Perſonal. Die Anzahl
der Mitglieder der Geſellſchaft iſt von über 50 000 in der Vorkriegszeit
auf etwa 28 000, die des Bezirksvereins Berlin allein um rund 2500
herabgegengen. Die damit verbundenen großen finanziellen Ausfälle
konnten bisher durch hochherzige Spenden der Reedereien, der
Groß=
banken und Unfall=Verſicherungsgeſellſchaften einigermaßen ausgeglichen
werden. Wenn die Geſellſchaft aber ihren Aufgaben wieder voll gerecht
werden ſoll, dann bedarf ſie, da der Staat unter den heutigen
Verhält=
niſſen nicht eingreifen kann, der tatkräftigen Hilfe des ganzen deutſchen
Volkes. Eine ſolche wahrhaft gemeinnützige,
menſchen=
freundliche Unternehmung, die auf ſo
hervor=
ragende Leiſtungen zurückblicken kann, darf nicht
untergehen. An alle unſere Volksgenoſſen, insbeſondere an alle
Bewohner von Groß=Berli, richten wir die dringende herzliche Bitte:
tretet der „Deutſchen Geſellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger” als
Mit=
entgegengenommen bei der Geſchäftsſtelle in Berlin W. 8, Behren=
Verhaftung eines Defraudanten.
Berlin. Der 25jährige Bankbeamte Max Unger, der durch raf=
Nach der Fahrt wurde in den Näumen des Oſtbahnhofes ein Feſteſſen finiertes Scheckfälſchen der Bleichröderſchen Bank 120 000 Mark
unter=
ſchlagen hatte, iſt jetzt in Paris verhaftet worden. 30 000 Mark hatte er
bereits verjubelt, die übrigen 90 000 Mark wurden noch vorgefunden.
Unger wird an Deutſchland ausgeliefert werden.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Für dſe Veröffentlſchungen unter dieſer Aeberſchrift übernimmt die Redaltion keinerſel
Ver=
mund des 521 Abſ. 2
antwortung; für ſie bleibt au
2 des Preſſe
in vollem Umfange
Wech
ortlie
— Einſendungen, die nick
der Einſender veranin
det werden, Uönnen nicht
zurückgeſandt, die Ablehnung nicht begrünzet werden.
Darmſtädter Geſchäftsleben.
Im Anſchluß an den vor einigen Wochen gebrachten Artikel ſei noch
folgendes erwähnt: Einige Geſchäfte haben bereits in letzter Zeit die
Offenhaltung ihrer Verkaufsräume während der Mittagszeit möglich
ge=
macht; ein größerer Teil von Geſchäften ſteht aber noch zurück. Wenn
jetzt z. B. der Ortsverein Darmſtädter Buchhändler unter der
Ueber=
ſchrift: „Kauft am Platze!” ſeine Mahnung unter Schilderung der
Vor=
gänge des Kaufs im Laden im Gegenſatz zur Beſtellung auf zugeſandte
Proſpekte ergehen läßt, ſo ſei nochmals erwidert: Oeffnet Euere Läden
In einer Verſammlung des Reichsverbandes Deutſcher zur Mittagszeit” In nächſter Zeit beginnen die Vorſtellungen für das
Hausfrauenvereine im Reichswirtſchaftsvat nahm der Herr auswärtige Publikum, die ſogenannten Fremdenmieten am Landes=
Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft, Graf Kanitz, zu nach= theater — Samstag nachmittags 3 Uhr —. So manche Hausfrau, die
ſtehenden Ausführungen das Wort: Der Herr Miniſter betonte, daß er zum Pheaterbeſuche nach Darmſtadt fährt und zwiſchen 12 und 3 Uhr
dort ankommt, hat die Abſicht, vor Beginn der Theatervorſtellung einen
die Mitarbeit der Hausfrauen in dieſen Fragen für beſonders wertvoll Zeit mehr iſt. Wenn ſie verſchloſſene Läden findet, greift ſie ſchließlich
Ein Odenwälder Freund Darmſtadts.
In den Berliner Zeitungen machen die dortigen Städtiſchen Elektri=
Pr.
Geſche
Macht Seife alt? Prominente Mediziner haben immer wieder
mehr unabhängig von dem Weltmarkt gehalten werden. Das konnte dafür intereſſiert, darauf hingewieſen, daß nicht nur die Geſundheit,
ſei weſentlich beſſer als vor einem Jahre, auch mengenmäßig. Leider Weny Sie Zuschneiden meine Schnitt=
benutzen Sie nur
(14129
Tageskalender.
naliſten”. — Kleines Haus, abends 7½ Uhr (Zuſatzmiete 12): „Die
neugierigen Frauen”. — Orpheum, abends 8 Uhr: „Und ſie
be=
trügt mich doch”. — Verein ehem. Eleonoren= und
Frauen=Schülerinnen, abends 8½ Uhr: Jahresfeier.
Naturwiſſenſchaftlicher Verein Darmſtadt, abends
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Mittwoch, 29. Oktober:
Noch immer bedeckt, weſtliche Winde, etwas milder, regneriſch.
Zauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politih und Wirtſchaft: Rudolf Maupe
zeran
vortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrchten: Mar Stroeſt
Verantwortlich
für Suort: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußd enſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 13 Seiten
[ ← ][ ][ → ]Rummer 300.
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Sport, Spiel und Turnen.
Motorrad=Turnier.
Nochmalige Verloſung.
I
Da bei dem Motorrad=Turnier des Motorrad=Clubs Darmſtadt
E.V. im D.M.V. nur ein geringer Prozentſatz der Loſe, für die
Ver=
loſung eines Leichtmotorrades verkauft wurden und der Gewinn unter
die dem Klub verbliebenen Loſe gefallen iſt, wird eine nochmalige
Ver=
loſung beabſichtigt. Der Klub hat ein Intereſſe daran, daß das
Motor=
rad vom Publikum gewonnen wird. An dieſer nochmaligen Verloſung
ſollen die bereits verkauften Loſe ohne jeden Zuſchlag teilnehmen. Das
Nähere folgt demnächſt.
Fußball.
Aenderung der Pokalzwiſchenrunde?
. Wie wir erfahren, hat die Anordnung des
Bundesſpielaus=
ſchuſſes des DFB., in der Zwiſchenrunde um den Pokal des
DFB. den Berliner Verband gegen Süddeutſchland in
Mann=
heim und Norddeutſchland gegen Weſtdeutſchland in Kiel ſpielen
zu laſſen, keine Gegenliebe gefunden, was auch erklärlich iſt, wenn
man bedenkt, wie außerordentlich umſtändlich dieſe Anordnung
iſt. Die Berliner Mannſchaft hätte ungefähr 600 Km. die
weſt=
deutſche zirka 500 Km. zu fahren, um an ihre Beſtimmungsorte
zu gelangen. Viel einfacher wäre es, und würde dem DFB.
einige tauſend Mark an Koſten ſparen, wenn Berlin und
Nord=
deutſchland die kurze Fahrt nach Kiel, Weſtdeutſchland nach
Mannheim fahren würde. Der Verband Brandenburgiſcher
Ball=
ſpielvereine hat daher aus vorſtehenden Gründen beim
Bundes=
ſpielausſchuß einen entſprechenden Antrag eingereicht. Die nötige
Einſicht vorausgeſetzt, ſollte es dem Spielausſchuß nicht ſchwer
fallen, die beantragte Aenderung im Zwiſchenrundenprogramm
eintreten zu laſſen.
Schweden gegen Oeſterreich und Italien.
Schweden hat eine glänzende Fußball=Saiſon hinter ſich, die
beſte, die es jemals hatte. Alle internationalen Spiele wurden
gewonnen. Ausnahmen bildeten nur die Zwiſchenrunde gegen
die Schweiz im olympiſchen Turnier, die verloren ging, und das
erſte Spiel um den dritten Platz gegen Holland, das
unentſchie=
den endete. Die nächſten Aufgaben der ſchwediſchen
Repräſen=
tativen ſind Länderſpiele gegen Oeſterreich am 8. November in
Wien und gegen Italien am 16. November in Mailand.
Viel=
leicht kommt zwiſchendurch noch ein Kampf Schweden—Schweiz
zum Abſchluß. Folgende 21 Spieler aus Schweden werden an
der Expedition teilnehmen: Torhüter: Zander und Lindberg;
Verteidiger: E. Perſſon, O. Anderſſon, Krook, Alfredſſon; Läu
fer: Hanſſon, Sundberg, Klingſtröm, Helgeſſon, Friberg;
Stür=
mer: H. Dahl, Brommeſſon, Malm, Sleipner, Keller, Kock,
Kau=
felt, Rydell, Lundquiſt, C. Carlſſon.
Leichtathletik.
Anerkannte Schweizer Leichtathletik=Rekorde.
1
Das Athletikkomitee des S. F. A. V. hat in ſeiner letzten
Sitzung die während der abgelaufenen Saiſon aufgeſtellten
ſchweizeriſchen Höchſtleiſtungen wie folgt genehmigt: 200 Meter:
H. Hemmi, 22,3 Sek.; 400 Meter: J. Imbach, 48 Sek.; 800 Meter:
P. Martin, 1:52,6; 1500 Meter: W. Schärrer 3:55; 4 mal 100
Meter: Schweiz. Nationalſtaffel 42,2 Sek.; 4 mal 400 Meter:
Schweiz. Nationalſtaffel 3:31,4; 1500 Meter=Staffel: Schweiz.
Nationalſtaffel 3:25,8: Speerwerfen; H. Wipf 52,80 Meter
Kugelſtoßen: W. Nüeſch 13,34 Meter; Zehnkampf: E. Gerſpach
6743,53 Punkte. — Auslandsrekord im Kugelſtoßen: W. Nüeſch
13,675 Meter. — Die bisherigen Rekorde im Schleuderball und
Steinſtoßen wurden von der Rekordliſte abgeſetzt, da die
Uebungen im ſchweizeriſchen Meiſterſchaftsprogramm nicht mehr
figurieren.
Neuer deutſcher Rekord.
Die Rekordverſuche des deutſchen Gehmeiſters Siewert (
Neu=
köllner Sportfreunde), die dieſer am Sonntag auf der Tegeler Chauſſee
unter offizieller Kontrolle unternahm, waren teilweiſe von Erfolg
ge=
krönt. Der Rekord im Zivanzigkilometergehen, den Herm. Müller=
Berlin mit 1:38:26 hält, wurde um 14 Sekunden verfehlt, dagegen
er=
fuhr der 25 Kilometer=Rekord im Gehen eine ganz weſentliche
Verbeſſe=
rung von 2:09:51,4 (Hermann Müller) auf 2:03:18,4. Es iſt jedoch
frag=
lich, ob die Leiſtung als Nekord anerkannt wird, da der V.B.A.V. nur
zwei vorſchriftsmäßige Uhren ſtatt der vorgeſchriebenen drei zur Stelle
hatte.
Kraftſport.
Kölner Klub für Kraftſport — Meiſter im Mannſchaftsringen.
Der Rückkamnpf um die Deutſche Meiſterſchaft im Mannſchaftsringen
zwiſchen dem Kölner Klub für Kraftſport und dem S.C. Alt=Wedding=
Berlin ging am Sonntag in Köln vonſtatten, nachdem die erſte
Be=
gegnung in Berlin mit einem knappen 10:8=Siege des Berliner Vereins
ausgegangen war. Die Kölner Vertreter zeigten ſich in ihrem
Heimat=
ort diesmal von einer weſentlich beſſeren Seite und konnten den
Rück=
kampf zu einem überlegenen Siege von 13:4 geſtalten. Damit hat der
Kölner Klub für Kraftſport im Geſamtergebnis von 21:14 Punkten den
Sieg davongetragen.
Boxen.
Samſon/Körner gegen Cook am 6. November.
Für dieſen Boxkampf, der nicht nur im Inlande ungemein
intereſſiert, ſondern auch im Auslande große Beachtung findet,
ſind nunmehr die Verträge von beiden Kontrahenten
unterzeich=
net. Der Kampf findet ſelbſtverſtändlich in Deutſchlands
ſchön=
ſtem Ring, dem des Berliner Sportpalaſtes, ſtatt und iſt auf den
6. November angeſetzt worden.
Schwimmen.
Erſte reichsoffene Hallenſchwimmwettkämpfe der Darmſtädter
Turner=
ſchaft am 2. November d. J.
Die Darmſtädter Turnerſchaft (Stadtverband der der Deutſchen
Tur=
nerſchaft angehörenden Vereine) plant am 2. November d. J. im Städt.
Hallenbad zum erſten Male größere Hallenſchwimmwettkämpfe, und zwar
offen für die geſamte Deutſche Turnerſchaft. Zweck der Sache iſt es,
hier in Darmſtadt, in dem das Schwimmen in den letzten Jahren einen
beſonderen Aufſchwung genommen, zu zeigen, daß die Turner
gleich=
falls in der Lage ſind, auf dem Gebiete des Schwimmens, das ja ſchon
von altersher innerhalb der Deutſchen Turnerſchaft gepflegt wurde,
Gutes und Tüchtiges zu leiſten.
Die Veranſtaltung verſpricht groß und bedeutend zu werden, und
es wäre dies auch zu wünſchen. Bleibt es doch unumſtößliche Tatſache,
daß gerade hier in Darmſtadt die Turner dem Schwimmſport ſtets ihre
Aufmerkſamkeit gewidmet haben und in ihren Reihen die erſte
Vereini=
gung, die das Schwimmen als beſonderen Uebungszweig pflegte, ins
Leben gerufen haben und bald darauf ausgezeichnete Leiſtungen ſowohl
im Schwimmen als Kunſtſpringen vollbrachten. Man denke hier zurück
an die großzügige ſchwimmeriſche Veranſtaltung anläßlich der
Ein=
weihung des hieſigen Hallenbades. Auch die nachfolgenden Jahre
bewie=
ſen, daß die Turnerſchwimmer nicht müßig geblieben. Mehr und mehr
breitete ſich die Pflege des Schwimmens unter den Vereinen der
Deut=
ſchen Turnerſchaft, beſonders an Orten mit günſtigen
Waſſerverhält=
niſſen, aus, und gleichbedeutend hoben ſich die Leiſtungen. Es darf noch
erwähnt werden, daß der Mittelrheinkreis der Deutſchen Turnerſchaft,
dem die Darmſtädter Turner bekanntlich angehören, nicht allein in
Geräteturnen, ſondern auch im Schwimmen alsbald die führende
Stel=
lung einnahm.
Das abgelaufene Jahr hat uns nun wiederum den Beweis gebracht,
daß das Schwimmen in den Reihen der Turner einen weiteren
Auf=
ſchwung erlebte, und durch den Zuſammenſchluß der Deutſchen
Schwim=
merſchaft mit der Turnerſchaft iſt die Gewähr gegeben, daß die
Organi=
ſation des Schwimmens innerhalb der Turnerſchaft auf dem beſten Wege
iſt, ſich wiederum ſührende Stellung zu erwerben. Der Verlauf der
vielen ſchwimmeriſchen Veranſtaltungen und die vollbrachten,
verſchie=
dentlich hervorragenden Leiſtungen in ſämtlichen Turn=Gauen iſt ein
weiterer Beweis des eigenen Erſtarkens und des Vorhandenſeins großer
und erſtklaſſiger Konkurrenz, die überall auf den Plan treten kann.
Und nun bietet ſich hier Gelegenheit, eine ganze Reihe
ausgezeich=
neter Turnerſchwimmer aus den verſchiedenſten Stadten zu ſehen und
deren Leiſtungen aufmerkſam zu verfolgen.
Der Aufruf der Darmſtädter Turnerſchaft zur Beteiligung an den
Hallenſchwimmwettkämpfen am 2. November verhallte mit geſaltigem
Echo. Aus faſt allen deutſchen Gauen liefen Anfragen und Meldungen
ein, und das Intereſſe und die Beteiligung an dieſer Veranſtaltung iſt
recht bedeutend. Urſprünglich war eine große, zweitägige Veranſtaltung
geplant, die aber mit Rückſieht auf die allgemeinen knappen Verhältniſſe
wieder fallen gelaſſen wurde. Es finden deshalb alle Einzel= und
Staffelkämpfe ſowie Waſſerballſpiele für Jugendliche und Aeltere an
einem Tage ſtatt. Mühe, Arbeit und Koſten wurden nicht geſcheut, um
die Veranſtaltung zu einer großzügigen zu geſtalten.
28 Vereine mit rund 270 Meldungen — das iſt ein ausgezeichnetes
Meldeergebnis für eine ſchwimmeriſche Veranſtaltung der Darmſtädter
Turner, beinahe am Schluſſe des Jahres und bei den jetzigen Verhält
niſſen. Werden alle Meldungen aufrecht erhalten und erfolgen nicht
in letzter Stunde noch Abſagen, dann dürften alle Kämpfe ſtärkſte
Be=
ſetzung aufweiſen und der Verlauf derſelben dürfte äußerſt ſpannend
werden. Die Vereine aus Stuttgart, Mannheim, Hanau, Aachen,
Saar=
brücken und Eintracht=Frankfurt werden alle mit ſtärkſter Mannſchaft
erſcheinen Eine beſondere Vorſchau hier zu geben, fällt äußerſt ſchwer.
Die Wettkämpfe beginnen vormittags 8½ Uhr, und zwar mit dem
Bruſtſchwimmen für Turner über 400 Meter, das acht Teilnehmer in
ſich vereint. Das Rennen iſt eine durchaus offene Sache, doch dürften
das Ende die Vertreter aus Mannheim und Stuttgart, denen ſich wohl
Ernſt Hüther=Darmſtadt zugeſellen wird, unter ſich ausmachen.
Sämt=
liche Jugendrennen des Vormittags, wie das Rücken=, Seite= Bruſt= und
Hühſchwimmen, ſowie das Jugendſpringen haben eine glänzende
Be=
ſetzung erfahren. Die Rennen werden wohl alle einen äußerſt
inter=
eſſanten Verlauf nehmen und knappſte Reſultate zeitigen. Unter den
Jugendſpringern befinden ſich einige recht talentvolle Springer und
Springerinnen, die ſehr gute Leiſtungen vollbringen werden. Das
Hanptſchwimmen für Turner über 200 Meter, das in je zwei Bahnen
Bruſt= Seite=, Rücken= und Hüh=Lage geſchwommen wird, ſtellt beſon
dere Anforderungen und Fertigkeiten an die Teilnehmer. Der Ausgan
iſt vollſtändig offen und dürfte äußerſt ſpannend werden. Auch das
Streckentauchen für Turner und Turnerinnen, das 17 Teilnehmer
auf=
weiſt, dürfte beſonders intereſſieren. Ob es wohl gelingen wird, 50
Meter mit Wende im Hallenbad zu tauchen? Das Hauptſpringen für
Turner und Turnerinnen wird uns wohl einen harten und zähen
Kampf bringen. Bekanntlich ſind die Turner für das Waſſerſpringen
be=
ſonders prädeſtiniert. Alle bekannten Springer, wie Liſtmann,
Büch=
ner, Hemmer, Damenfeld, ſämtlich aus Frankfurt, ſowie von Böhme=
Dresden, Jüngling=Darmſtadt und eine Anzahl weiterer hervorragender
Springer und Springerinnen werden ſich einen hartnäckigen Kampf um
die Punkte liefern und Zeugnis ablegen von dem hohen Stand des
Kunſtſpringens in der Deutſchen Turnerſchaft. Den Abſchluß der Kämpfe
des Vormittags bildet ein Jugendwaſſerballſpiel zwiſchen einer
Mann=
ſchaft der Turngemeinde Beſſungen und dem M. V.V. Stuttgart.
Der Nachmittag bringt um 3 Uhr als erſtes Rennen die
Eröffnungs=
lagenſtaffel für Turner 4X50 Meter. Es dürfte wohl die intereſſanteſte
Staffel des Tages ſein. Wir geben Stuttgart die Anwartſchaft auf den
erſten Platz, doch wird denſelben in der Mannſchaft der Turngeſellſchaft
Darmſtadt ein ernſter Gegner erwachſen. Das Hühſchwimmen für
Tur=
ner und Turnerinnen bringt 10 Teilnehmer an den Start. Es befinden
ſich darunter einige vorzügliche Schwimmer, ſo daß es ſchwer fällt, den
Sieger im voraus zu nennen. Die Bruſtſtaffel für Turnerjugend 3X50
Meter dürfte wohl einen Sieg Beſſungens bringen, deren Mannſchaft
drei gleich gute Bruſtſchwimmer in ſich vereint. Die Vereins=Beliebig=
Seite 9.
Staffel 5850 Meter dürſte ebenfalls vollkommen offen ſein, ſo daß
viel=
leicht mit dem knappſten aller Reſultate gerechnet werden kann. In der
Bruſtſtaffel für Turnerinnenjugend 3X50 Meter wäre wohl mit einem
Siege der Turngemeinde 1846 zu rechnen, wenn ihr nicht Hanau oder
Aachen das Leben ſauer machen wird. Das Rücken=, Seite= und
Bruſt=
ſchwimmen der Turnerinnen weiſt ebenfalls große Teilnehmerzählen
auf. Wer hierbei glückliche Siegerin wird, iſt nicht vorauszuſehen. Das
Bruſtſchwimmen für Turner wird ebenfalls ein bedeutendes Rennen
geben, indem ſich einige hervorragende Bruſtſchwimmer gegenüberſtehen.
Es folgen an Einzelrennen noch ein Seiteſchwimmen für Turner, in
dem Crich Leber von der Turngemeinde 1846 ſein Können unter Be
weis ſtellen kann, ein Rückenſchwimmen für Turner, eine Bruſtſtäffel
für Turner und Turnerinnen, eine Lagenſtaffel für Turnerjugend und
eine Schwellſtaffel. Auch dieſe Kämpfe verſprechen alle einen beſonders
ſpannenden Verlauf, deren Ergebniſſe knappſte Siege bringen werden
und deren Ausgang zum Teil noch von der Gewandtheit der Gegner
bei der Wende abhängt. Außer den Mehrkämpfen für Turner und
Tur=
nerinnen beendigen den Tag zwei Waſſerballſpiele von Mannſchaften des
M. T. V. Stuttgart, T.B. Stuttgart, T.= u. F.=Klub Hanau und Tv. 1846
Mannheim.
Dieſe knappe Vorſchau ſoll beweiſen, daß auch von den
Turner=
ſchwimmern dem Darmſtädter Publikum ausgezeichnete und
hervor=
ragende Kämpfe geboten werden können. Hoffentlich gelingt es den
Teilnehmern der Darmſtädter Vereine, aus der großen Zahl der
Wett=
kämpfe ebenfalls ſiegreich und ehrenvoll hervorzugehen. Der Beſuch
der Wettkämpfe dürfte äußerſt ſtark werden, und es empfiehlt ſich
des=
halb, ſich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu verſehen. Der Vorverkauf
beginnt ab Dienstag. Karten ſind erhältlich bei den hieſigen
Turn=
vereinen.
B.
Wandern
* Vergangenen Sonntag ſtellten ſich dem Führer der
Wander=
abteilung der Turngemeinde 1846 eine ganz ſtattliche
Zah=
von Turnerinnen und Turnern, darunter zu unſerer Freude auch
meh=
rere Frauen. Fröhlich ging es um 8 Uhr in den herrlichen Herbſtmorgen
hinein, dem Park entgegen Als die Sonne dann hervorbrach und ihre
Strahlen durch die goldig ſchimmernden Blätter der Bäume zur Erde
niederſandte, da jubelten die Herzen aller Teilnehmer auf, und die
Freude darüber machte ſich im Geſang fröhlicher Lieder Luft. Im
Mörs=
bacher Grund angekommen, fand ſich bald ein ſonniger Platz, auf
wel=
chem Frühſtücksraſt gehalten wurde. Wie herrlich ſchmeckte jedem der
Imbiß aus ſeinem Ruckſack in den warmen Sonnenſtrahlen, in denen
man ſich in einzelnen Gruppen gelagert hatte — und dies Ende Oktober,
Weiter ging es dann dem Städtchen Dreieichenhain entge
die fröhliche Wanderſchar punkt 19 Uhr eintraf. Nach zweiſtündiger
Mittagspauſe im Gaſthaus. Zur Krone” und Beſichtigung der
Burg=
ruine ging es weiter an Schloß Philippseich vorüber nach Meſſel. Hier
weilte die Turnerſchar bei Speiſe und Trank noch recht vergnügt bis
zum Abgang des Zuges beieinander. Die beteiligten Frauen aber, die
faſt ſtets an der Spitze marſchierten, beſtanden die ſechsſtündige
Marſch=
zeit ohne jede Anſtrengungen in wunderbarer Weiſe. Mögen ſich die
zu Hauſe gebliebenen jüngeren und älteren Mitglieder hieran ein
nach=
ahmenswertes Beiſpiel nehmen.
Pferdeſport.
Ein ſeltener Rekord,
Einen ſeltenen Rekord hat ein Rennpferd namens „
Gloa=
ming” zu verzeichnen, das in Auſtralien ſeinen Hafer verdient.
Gloaming ſtartete während ſeiner bisherigen Rennlaufbahn 60
mal, kehrte 50 mal als Sieger zur Wage zurück, war 9 mal
pla=
ziert und endete nur einmal im geſchlagenen Felde.
Rund=Funk=Programm.
Mittwoch, den 29. Oktober 1924:
Frankfurt a. M. (467 m). Wirtſchaftsmeldungen: Berliner und Hamburger Produkten
Vorbörſe), amerikaniſche Produkten (Anfangskurſe). — 11.55 Uhr: Zeitangabe.
2 Uhr: Nachrichtendienſt. — 4.10 Uhr
liche Produkten=
Virtſchaftsmeldungen:
ger Zucker und Nürnberger Hopfen —
börſe, Hambura, Berlin, Köln, Magdebt
4.30—6 Uhr: Rundfunknachmittag in Muſik und Wort. — 6—7 Uhr: Kinderſtunde für
kleine Kinder, veranſtaltet von der Märchentante. —7 Uhr: Die Abendankündi=
und kI.
7.30 Uhr: Vortragszyklus der philoſophiſchen Vereint
ng. Frankfur
Zehn
dozent P
ſter V
gnhr:
Descartes (Cartssi
gech
inut
he
Sprecher:
Berl=
er Spr
Soer
engli
School. — 8.10 Uhr: Die Beſprechung (literariſ
Ceil).
8.30 Uhr: Italieniſe
Ouverturen: 1. Die diebiſche Elſter, Roſſini; 2. Die Italienerin in Algier, Noſſini
3. Semiramis, Roſſini; 4. Tanered, Roſſ
5. Mephiſtopl
Arr. Boito und ander
ausorcheſter unter Leitum
hrend
italieniſche Ouverturen. Au
as verſtärkte
von Herrn Dr. Merten von der Frankfurter Oper.
93o n
Nachrichtendienſt
9.40 Uhr:*Die
Havag, Sportbericht
teldung, Verkehrsnachrichten
Se
indigung: — die Reklame? — 9.50 Uhr: Füinf Minuten Technik. — 9.55 Uhr:
Zeitvorbereitung. — 9.56 Uhr: Drei Minuten der Hausfrau. — 10 Uhr: Zeitangabe —
10—11 Uhr: Das Volkslied. Ein Zyklus. Vierter Abend; Italien. 1. Altitalieniſche
Kanzonetten (aus der Sammlung von Prof. H. Springer und Dr. E. Buhle). 2.
Neapo=
litaniſche Volkslieder (Aus de=
2c0 di Napoli”). Ausführende: Fräulein Eliſabeth
Friedrich und Herr Kammerſän
n Gläſer (beide vom Frankfurter Opernhaus)—
brotrian=Steinweg=Flügel: Herr Dr. Merten vom Frankfurter Opernhaus
Berlin (430, bzw. 500 m). 10 Uhr: Beri
über die Kleinhandelspreiſe der wichtigſten
Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. — 10.15 Uhr: Erſte Bekanntgabe der neueſten
Tagesnachrichten, Wetterdienſt. — 11.35 Uhr
Notierungen der
Ber=
unkbörſe (*
liner und Hamburger Produktenvorbörſe) ar
— 12.15 Uhr: Kurze
Welle 500
Tendenzbericht der Berliner Vorbörſe. — 12.55 Uhr: Übermittlung
ſeitzeiche
— 1.05 Uhr: Zweite Bekanntgabe der neueſten T
rdienſt. —
ſchrichten,
3 Uhr: Funkbörſe (die amt=
2.15 Uhr: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Börf
lichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten= und Viehbörſe; amtliche
Deviſen) auf Welle 500. — 4 Uhr: Funkbörſe (Getreide eif. Hamburg; Berline
Kolonialwaren=Großhandelspreiſe) auf. Welle 500. — 4.30—5.55 Uhr:
Unter=
ſik (Berliner Funkkapelle): 1. Die Himmel rühmen des Ewigen Größ
halt
*
n. 2. Huldigungsmarſch, E. Grieg. 3. Feſt=Ouverture, Lortzin
L.
4. Walters Preislied aus den „Meiſterſingern von Nürnber
es=
Wagner. 5
feier, Weingartner. 6. Fan
1. Wagner.
aus der Oper „Tannhäu
burtstagsſtändchen, P. L
zeid umſchlungen, Mil
Walzer. Joh. Strauß.
Reit
Blankenburg. Während de
uſen: „Natſchläge, fü
Feſ
Haus
6Uhr: Die Funkprinzeſſin erzählt: Nordiſche Märchen von Gnomen un
ub, dem niemals bange war
Trollen. 1. Der Trollritt, Anna Wahlenberg. 2. Von
—Zuhr: „Ein Jahr deutſcher
Alfred Smedberg. Die Funkprinzeſſin, Adele Proesle
undfunk”, Abertragung aus der Staatsoper. Unter den Linden. I. Teil: 1.
Quver=
eiſchütz” Carl Maria von Weber: Dirigent:
Generalmuſik=
ture zu der Oper „Der
direktor Erich Kleiber
2. Vorſpruch, verfaßt und geſprochen von Walter Bloem.
3. Anſprachen. 4. Ballade der Senta aus der Oper „Der fliegende Holländer”
Wagner. Geſungen von Barbara Kemp und dem Chor der Staatsoper., Dirigent:
Walzer (Balle
Prof. Dr. Max v. Schillings. 5. An der ſchönen blauen Don
20 Minuten Pauſe.
Johann Strauß. Dirigent; Kapellmeiſter Otto Urack a. G.
II. Teil: Vorſpiel und Feſtwieſe aus der Oper „Die Meiſterſinger von Nürnberg
4. Wagner. Dirigent: Prof. Dr. Max von Schillings. Beſetzung der Hauptrollen:
Elfriebe
Hans Sachs Cornelius Bronsgeeſt. Walter v. Stolzing Biörn Talen. Eva
5
Marherr=Wagner, Beckmeſſer, Heinrich Schulz. Pogner, Otto Holgert
avid
Waldemar Henke. Magdalena, Ida v. Scheele=Müller. Anſchließend: Dritte
Bekannt=
be der neueſten Tagesnachrichten, Zeitanſage, Wetterdienſt, Sportnachrichten,
heater!
England (MEh
3.) London (365), 7.30 Uhr: Kammermuſikabend. — Bournemouth
385), 8.30 fhr: Stadtkapelle. — Mancheſter (375), 7 n1
berflöte
„Die
B
Mozart). — Aberdeen (495), 7. 30nhr: „Hugh the Drove
augha
Diams),
vertragen von Edingburgh. — Glasgow (420), 7.30 Uhr: Eine Nacht in Spanien. —
Belfaſt 7.30 Uhr: Symphoniekonzer
Orf
Wer kritiſch das Gute ſucht
wird bei der OVERSTOLZ in der neuen grungoldenen
Packung eine Fülle von Wohlgeſchmacf und Aroma
entdecken, wie er ſie ſonſt nur bei teureren Rgaretten
Horzuffinden ge wohnt iſt. (. r wird der Gute dieſer
Haus Neuerburg=Zigarette zuliebe ſicherlich gern auf
eine luxuriöſe Ausftattung und ein übermäßig dickes
Format verzichten.
Haus Neuerburg.o. H.0
TRIER •KÖLN •HANBLR0 •DRESPFR.
[ ← ][ ][ → ]
28. Oftober 1924
Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Konkursnachrichten aus dem
Oberlandesge=
richtsbezirk Frankfurt a. M. Im Oberlandesgerichtsbezirk
Konkurſe ergeben: Frankfurt a. M.: Boruemann u. Weitz, G. m. b. H.
Gr. Gallusſtr. 2., OffA. 10. 11., f. 2. 11., 1. GlV. 10. 11., Prſt. 2. 12.
St. Goarshauſen: Rheiniſche Holzhandels=Aktiengeſellſchaft, Af. 10. 11.,
GlV. 4. 11., Prft. 25. 11., OffA. 10. 11. St. Goarshauſen: G. Taube
u. Co., G. m. b. H., Prft. 28. 10. Frankfurt a. M.: P. Rothenheber,
Akt.=Geſ., Taunusſtr. 45/47, OffAl. 14. 11., Af. 16. 12., 1. GlV. 14. 11.,
Prft. 16. 12. Höchſt a. M.: Maſchinenbaugeſellſchaft Schleicher u.
Hof=
mann, G. m. b. H., Geſchäftsaufſicht aufgehoben.
—Aufwertung von Vorzugsaktien in
angemeſſe=
ner Form. In der An clegenheit der Vorzugsaktien der Firma
Blohm u. Voß hat das zuſtändige Gericht erkannt, daß der Aufruf der
Vorzugsaktien richtig und die Aufwertung in angemeſſener Form
vorzu=
nehmen ſei.
(Erwerbsgeſellſchaften.
— Keine Verbindungen der Firma Gebr.
Him=
melsbach A.=G. z eiburg mit Wirth und Fehrenbach.
Die Firma Gebrüder Himmelsbach A.=G., Freiburg im Breisgau,
er=
ſucht uns um Weitergabe folgender Mitteilung: In letzter Zeit wurden
von gewiſſen politiſchen Preſſen die Mitteilung verbreitet, daß die
früheren Reichskanzler Fehrenbach und Wirth in engen
geſchäſt=
lichen und verwandtſchaftlichen Verbindungen mit der Firma Gebrüder
Himmelsbach ſtehen. Demgegenüber macht die Firma Gebrüder
Him=
melsbach die Feſtſtellung, daß weder Fehrenbach noch Wirth im
Auf=
ſichtsrat dieſer Firma ſind noch waren und beide keinerlei
verwandtſchaft=
liche Beziehungen zur Familie Himmelsbach und keine geſchäftlichen zur
Firma Gebrüder Himmelsbach A.=G. je gehabt haben. Beide ſtehen
dieſer Firma völlig fern und haben keinerlei Einfluß auf deren
Geſchäfts=
führung. Was im übrigen die gegen die Firma Himmelsbach erhobenen
Vorwürfe betrifft, ſo wurde inzwiſchen gegen die Verleumder Klage ein=
*Wechſelkredite des Kaliſyndikats. Das Kaliſyndikat
hat mit Rückicht auf die ſchweren Ernteſchäden beſchloſſen, bei allen
Auf=
trägen, die ihm ab 16. Oktober zur prompten Lieferung zugehen, einen
dreimonatigen Wechſelkredit bis auf weiteres zu gewähren.
Warenmärkte.
—w Amtliche Notierungen der Frankfurter
Ge=
treide=Börſe vom 27. Oktober. (Getreide, Hülſenfrüchte und
Bier=
treber ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack.) Preis
je 100 Kg. Weizen Wetterau 22,5—23,5, Noggen 22—23, Sommergerſte
für Brauzwecke 24—27,5. Dafer inländiſch 19—22, Hafer ausländiſch —
Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 33—37, Noggenmehl 29,5—34,
Weizen=
kleie 11,5, Roggenkleie 11, 25. — Tendenz: ſlau.
* Frankfurter Viehmarkt. Der Auftrieb des Hauptmarktes
beſtand aus 1153 Rindern, darunter 23 Ochſen, 47 Bullen, 813 Färſen
und Kühen und 2 Freſſern; ferner aus 250 Kälbern, 309 Schafen und
3489 Schweinen. Notiert wurde der Zentner Lebendgewicht: Ochſen 37
bis 56, Bullen 38 bis 50, Färſen und Kühe 14 bis 54, Kälber 50 bis 76,
Schafe 42 bis 46, Merzſchafe 30, Schweine 70 bis 83 und Sauen und Eber
65 bis 75 Goldmark. Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine ruhig,
Schafe lebhaft gehandelt, bei Schweinen etwas Ueberſtand.
* Mannheimer Produktenbörſe. Die Geſchäftsſtille hat
auch geſtern angehalten, weil die zweite Hand immer noch damit
beſchäf=
tigt iſt, die in den letzten Wochen aufgekauften Waren in den Konſum
zu bringen. Die Mühlen haben unter dieſen Umſtänden keinen Anlaß,
zu größeren Kaufen von Brotgetreide zu ſchreiten. Die von einem
Münhener Plat” gebrackte Mitteilung, daß in den Kreiſen des
Mann=
heimer Getreidehandels Schwierigkeiten wegen der Aufnahme von
Do=
kunenten eingetreten ſeien, entbehrt nach den von uns eingeholten
Er=
kundigungen jeder Vegründung. Dagegen iſt richtig, daß vielfach
Dänd=
ler, die nicht in der Lage geweſen waren, die herankommende Ware beim
Eintreffen zu bezahlen, dieſe vorher unter den Marktpreiſen wieder
ab=
geſtoßen haben. Im heutigen Verkehr verlangte man für die 100 Kilo
frei Waggon Mannheim: Weizen inländ, 24. ausländ, 26,5—29.
Nog=
gen inländ. 23, ausländ. 24—25, Gerſte 27.5—29, Badiſche Gerſte ab
Sta=
tionen 26—26,5, Taubergerſte 26—27, pfälziſche Gerſte 2—28 ab
Statio=
nen. Im Waggongeſchäſt koſteten ferner Hafer inländ, 18 5—21,5,
aus=
länd. 21—24, Mais mit Sack 21,5. Das Mehlgeſchäft lag faſt umſatzlos.
Die Mühlenforderungen lauteten für Weizenmehl 37, für Roggenmehl 35.
Die zweite Hand bewegte ſich mit ihren Forderungen 3—4 Mk. unter
dieſen Preiſen. Im Durchſchnitt verlaugte man für Weizenmehl 33—35,
für Roggenmehl 31—32 Mk. die 100 Kilogramm.
Kolonial=
warenbörſe. An der Kolonialwarenbörſe war die Tendenz feſt.
Es koſteten pro Kilo verzollt: Kaffee Santos 4,30—4,70, gewaſchen 5.10
bis 5,40; Tee gut 7,20—8,2. mittel 8,30—9 50, fein 9,60—12 Mk.:
Kakao inländ. 1,50—1,90, holländ. 1,65—2. Mk.; Burmareis 0,42;
Weizengries 0.49: Hartweizengries 0,56; kriſtalliſierter Zucker 070.
Handelsblatt
verkauft: 201 Ochſen 26—32 Mk. 104 Bullen 36—80. 508 Kühe und Rin= Kölner 5tis Geld. Münchener 725 Geld und Nürnberger 6,25 Geld. —
der 14—54, 410 Kälber 60—76, 198 Schafe 22—36, 1816 Schweine 64—82,
Frankfurt a. M. haben ſich in der Zeit vom 15. bis 21. Oktober folgende Ziegen 10—30. — Die Tendenz für Großvieh und Schweine war ruhig, Schluß und an der Nachbörſe faſt umſatzlos. Das ganze Intereſſe der
es ergab ſich Ueberſtand. Auch für Kälber war die Haltung ruhig, doch
wurde der Markt langſam geräumt.
* Mannheimer Pferdemar kt. Zum Pferdemarkt waren
zugeführt: 20 Wagenpferde, 154 Arbeitspferde, 45 Schlachtpferde.
Pe=
zahlt wurden pro Stück: Wagenpferde 1200—2100 Mk., Arbeitspferde 800
bis 2000, Schlachtpferde 50—120. — Die Tendenz war ruhig.
—w Berliner Produktenmarkt. Zu Beginn fanden zu
den ſtark ermäßigten Preiſen nur vereinzelt Abſchlüſſe ſtatt. Für die Die Kursveränderungen hielten ſich unter dieſen Umſätzen in ſehr engen
zweiten Hand angenommen, ſo daß dieſe mehr als bisher auf Preis hielt
Forderungen weniger beachtet wurden. Das Inlandsangebot von
Brot=
getreide war ſehr knapp. Das Berliner Mehlgeſchäft iſt wie bisher
ge=
ring und ſchleppend geblieben. Die Nachfrage für Noggen erſtreckte ſich burger Käufe, die augenſcheinlich in der Erwartung erfolgten, daß die
in feiner Ware geſucht und war in weniger befriedigendek Ware ſchwer
verkäuflich. Für Hafer trat ſpäter etwas Intereſſe hervor.
Ffm. Süddeutſche Egelmetallkurſe. Am Montag
wur=
den in Pforzheim folgende Edelmetallpreiſe uotiert: Barrengold, das
Gramm 2811) Mk. (Geld), 282 Mk. (Brief), Platin, das Gramm 1470 etwas erhöhte Nachfrage. Am Debiſenmarkte hielt ſich die Nachfrage un=
Mk. (Geld), 14,90 Mk. (Brieß), Feinſielber, das Kilogramm 98,50 Mk.
denz: feſt. (Mitgeteilt von der Darmſtädter und Nationalbank, Filiale
Pforzheim). — Am Samstag wurden in Stuttgart folgende
Edelmetall=
preiſe notiert: Feingold, das Gramm 2,81 Mk. (Geld), 2,83 Mk. Brief),
Platin, handelsübliche Ware, das Gramm 14.45 Mk. (Geld), 14,90 Mk.
Brief), Fein=Kornſilber, das Kilogramm 98 Mk. (Geld), 100 Mk. (Brief), Amſterdam=Rotterdam..
Silber in Barren, 1000/1000 f. das Kilogramm 97.50 Mk. (Geld), 99 Brüſſel Antwerpen ....
Mk. (Brief). Notierungen von 3 Uhr nachmittags. Tendenz: Silber feſt. C
Schmiermittelmarktbericht. Das Geſchäft hat ſich gut
be=
lebt. Es gehen vorzugsweiſe kältebeſtändige Automobilöle. Dies mag
darauf hinweiſen, daß man beginnt, den Bedarf für den Winter zu Italien ...
ſichern. Die Induſtie kauft ebenfalls zufriedenſtellend, wobei prompte
Lieferung Bedingung iſt.
ſe!
Nr. 299
Verzollt Unverzollt Naßdampf=Zylinderöle: Visk. 4—5/100 Flp. 240 z 885 4 6. 4—5ſ100 270/80 „ 935 6.50 4—5100 280/90 „ 9.88 7.— „ 4—51100Heißdampf=Zylinderöl: 0 „ 290/300 13.35 10.50 „ 5—6l1od ca, 320 0, 14.60 „ 11.75 81100 330/335 3, 19.35 16.50 Amerik. filtr. Zylinderöl, Marke „Continental‟ . ..." . , 12.85 10.— Maſchinenöl=Raffinate: Bisk. —3650 Flp. 150/60 860 5.75 „ 4—5i50 „ 180 985 2. 4—550 üb. 200 , 10.60 79E 5—650 ca. 180 10.35 750 6—3i59 180 90 10.85 8.— 7—8/50 „ üb. 200 0, 11.20 8.30 7—850
230/40 11.60 „8.75 8—9650 200 11.60 „ 8.75 „ 5—6150
Maſchinenöl=Deſtillate: 180 8.35 5.50 7—8i50 180 „ 850 565 Maſchinenfett, hellgelb, unbeſchwert, Tropfp. 80/90 9.75 7.75 Amerik. Natur=Vaſeline, hellgelb, techniſch 12.30 9.50 pharmazeutiſch 14.90 11.50 weißlich, 31.40 28.— weiß, 33.,65 30.25 ſchneeweiß „35.65 „ 32.25 Amerik. Vaſelinöl, hellgelb, entſcheint „ 9.95 7. Meiſuk=Wiotoröl (kältebeſtändig) für Automobil= Rennwagen und Flugmotore, weiß z..... ℳ 170.— ℳ 170.—
alles per 100 kg netto, einſchl. Holzfaß, verzollt, bezw. unverzollt,
Lager Hamburg.
ab
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 27. Oktober 1924. (Eigener
Bericht.) Ueber den Verlauf der heutigen Börſe iſt wenig zu berichten.
Die Märkte zeigen dasſelbe Bild wie am Wochenendee, kleine Umſätze,
kaum veränderte Kurſe bei leichter Neigung zur Schwäche. Am
deut=
ſchen Nentenmarkt konnten ſich die im Freiverkehr genannten,
etwas erhöhten Kurſe nicht behaupten. Kriegsanleihe ſchwankte im
Bör=
ſenverkehr zwiſchen 465—455—460 Milliardenprozent, alte Pfandbriefe
werden unverändert mit 3,75—4 Billionenprozent genannt. Am Markt
der Vorkriegsanleihen fand ein Beſchluß des Stuttgarter Gemeinderates
Beachtung, wonach bereits ab 1. 7. 1924 eine Verzinſung der Stuttgarter
Stadtanleihen von zunächſt 1 Prozent eintreten ſoll. Stuttgarter
Stadt=
anleihen ſtiegen daraufhin bis 8ſg Billionenprozent. Auch die übrigen
Vorkriegsanleihen der Städte konnten ſich befeſtigen. Man hörte zum
* Mannheimer Schlachtviehmarkt. Zum Schlachtvieh= Börſenſchluß an dieſem Markte etwa folgende Kurſe: Frankfurter
Stadt=
markt waren zugefihrt und wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht anleihen 55 Geld, Mannheimer 5,5 Geld, Heidelberger 535 Geld,
Die Aktienmärkte und auch der Rentenmarkt lagen zum
Börſe konzentrierte ſich ausſchließlich auf die Vorkriegs=Städte=Anleihen.
Berliner Börſe. Da in den bekannten Urſachen für die
zurzeit au der Börſe herrſchende hochgradige Geſchäftsſtille keine
Aende=
rung eingetreten iſt, ſo blieb dieſe auch zu Beeginn der neuen Woche
be=
ſtehen. Auf keinem Umſatzgebiete, ſelbſt dem ſonſt eine Ausnahme
bil=
denden Anleihenmarkte, kam es zu Umſätzen von irgendwelcher
Bedeeu=
tung. Cs zeigte ſich ebenſo wenig belangreiches Angebot, wie Nachfrage.
Ausgebote der zweiten Gand zeigte ſich in Noggen und Weizen mehr In= Grenzen und erreichten nach oben und unten für Dibidendenpapiere nur
tereſſe, namentlich holländiſche Mühlen haben wieder mehr Material der in ganz wenigen Fällen, die aber mehr Zufälligkeiten zuzuſchreiben
waren, 1 Billion Prozent. Die Grundſtimmung war dabei im allge=
und die ermäßigten, aber immer noch zu hohen amerikaniſchen direkten, meinen als ziemlich feſt zu bezeichnen. Größeres Geſchäft verzeichneten
zeitweilig Südſee=Phosphataktien, die im freien Verkehr von 14 auf über
20 Billionen Prozent anziehen konnten. Maßgebend hierfür waren
Ham=
in der Hauptſache auf Lieferung in den nächſten Monaten. Gerſte blieb bevorſtehende größere Freigabe von deutſchem Eigentum in Japan auch
den Uktionären der Südſee=Phosphatgeſellſchaft in entſprechender Form
zugute kommen werde. Mit Ungeduld erwartet die Börſe die angeblich
bevorſtehende Entſcheidung in der Frage der Ermäßigung des
Umſatz=
ſtempels. Am Geldmarkt zeigte ſich im Zuſammenhang mit dem Ultimo
gefähr auf der üblichen Montagshöhe; etwas größer war ſie für hollän=
U3
(Geld), 99,25 Mk. (Brief). Notierungen von 11 Uhr vormittags. Ten= diſche Gulden, deren Kurs demzufolge etwas heraufgeſetzt wurde.
Oeviſenmarkt.
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......" 5634— vol ſterrabg.) ..
Wien (i. D. 19u5 Prag.
....f 12.4B ........
Budap voll Buenos=Aires. ......= 19. * 152 8 voll Bulgarien...= 304 1N. 306. voll Japan. ..... 18. von Rio de Faneiro ........ AK- 44. Belgrad.. ........... (in Liſſabon .......... . Z 1a 4e 18.
M Danzig .............. 75.44 75.25= 75.84 Konſtantinopel ........ 2.8— 3— voll
Berliner Kurſe. EEigene telegraphiſche Meld
33
Sämrliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 0000
Aktiengeſ. für Anilinfr.
Aſchaffenburg
25
Ausgb.=Nürnl
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erl=Anhalt. Maſchinen
Berl.fiElektr. W.vorzug.
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Bremer Vulkan ......
Volle. ......
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Deutſch=Atlant. Tel.
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deutſch=Niedld. Tel. .
Deutſche Erdöl ......
ſeutſche Petroleum. . .
N. Kaliwerkemu
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Donnersmarckhütte.
Dnnamit Nobel. ...
Glberfelder Farben ...
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Vorz. . ....
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Geſ,f eleſtr. unt
Halle Maſchinen .....
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Frankenkurs in London:
Markkurs „ „
86.40
49½
anbfu
Darmſtädter und Nationabanß, Konmandit=Geſelſchaft auf Atien.
Franxfürter Kursbericht vom 27. Oktoder 1924.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.
Europäiſche Staatspapiere.
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5% Reichsanleihe ..........."
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Dollar=Goldanleihe per
1932.
Dollar=Schatzanweiſungen
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T. u. V. Schatzanweiſg.
4½8
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v. 14
Sparprämienanleihe ........."
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Preuß. Konſols .........
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81% „r b. 1907.......
1896......
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13
31.
Heſ. Dollar Goldmk.=Schatzant
rckz. 26
8—16% Heſſen Reihe XXXII.
untilg, b. 28 .=
3% beſſen unk. 1924 ........
3½% r .....:.....n
.........
42 Württember
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b) Ausländiſche.
2 Bosnien L. E.=B. v. 1914.
L.Inveſt.=Anl. v. 1914
4½2
„ 1902 ........
11
52 Bulgar. Tabal
902.. ...
driech Monopol ...
41% Oſt. Staatsrente v. 1913
18.
.
ſt. Schatzanweiſ. ſtfr
eufe e el
42, Oſt. 6o
....."
ſo. „ einheitl. Rente ....=
5% Rum. am. Rente v. 03 ....
1.
41a% — Goldrente v. 13
am. Goldrente konv.
42 „ am. b. 05 .
420 Türk. (Admig.) v. 190
4% — Bagdad, Ser, 1
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4½% Ung. Staatsr. v. 14 ....
1½
ſoldrente. ...."
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Staat:r. 10. ...=
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Außereuropäkiſche.
5% Mexik. amort innere ...
onſ äuß. v. 99 ....
Gold v. 94, ſtfr. . .
konf. innen
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Frigati nsanlei
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b70 Tamaulipas, Serie l......
Oblig. v. Trandportanſt.
42, Eliſabethbahn, ſtir.
43 Gal. Carl Ludw.=Bahn ...
52 Oſt. Südb. (Lomb.), ſtfr. ..
4 4 1.b.8. Em. . Mech
.. — 8. 24. 38 Oſt. Staatsb. b. Erg. Net 9., 95 6 Rudolfb. (Salzkammerg.). K8 42 AngtolierI........ 32 Salon. Conſt. Fonktion.... 3 Salonique Monaſtir ..... 7.25 Tehuantepee. ........ 41%
........ — * „ic Nach Sachwert verzinsl. Schnldverſchreibungen. 099 „% Badenw. Kohlenwrtanl. v. 27 10 10 2% Fft.
Pfandbr.=Bk. Goldobl. TEm. 158 1.58 Ffandbr.=Bk. Goldobl. 1.
raf.
„N. 60.25 s 1212 1B Nannheim Kohlenwertanl b. 3 —9 10.5: 10.s — — 6 Heſ.Braunk.=Rogg. An 3.35 ar A.=G. Stuttgart Gold
5% 5.5 M 2.6 — 2 5.75 52 Pfälze
Bank. Gold= 0. „5. 24
AA Wöite
5% Preuß. Kaliwert.? 1.4 Roggenwert=Anl. 2 Rhein, Hypot.=Bank Gold= fdbr. v. 24.
.. 1.65 1.65 K 5% Rhein=Main=Dona: Gold= anl. v. 23 .
..."" 252 2.5 Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23, — ser Tu. II....
enm 5% Sächſ. Noggen 8.
2- z Süd. Feſtwertbl. Golbobl. 1i. 15 95 Bank=Aktien. —
3. 25 Alg. Deutſche Freditanſt. . Bank
ſir Brauinduſtrie .
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z. und Privatbank. .. Darm
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Deutſche Effekt. deutſche Hypot.=Bank Mein. Deutſche Vereinsbank ......= g 10, disconto=Geſelſchaft . ......!
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..: 8.
erreichiſche Creditanſtalt. 1. Reichsbank Ant.
....." Nhein. Creditbank
. ....... hein. Hupothekenbank. — 172 üddeutſche Disconto=Geſellſch. Beſtbank. .....
....." * Biener Bankberein. ......... . 4 Bergwerks=Aktien. Berzelius
............." 5.48 . Bochumer Bergb. .......... Buderus.
........... 2 Dt. Lurembu
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.... 49 1.8 1.75 fſchweiler Berawerks
725 Gelſenkirche
Bergw. ....... ½. Harpener Bergbau .......... 79,73
T Tauſend M— Milliouen Md — Milliarden 0U —ohne Umſatz X —rationiert
Kaliwerke Aſchersleben ......"
Salzdetſurtg. .....
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löchnerwerke (abg. Lothr.=Hütte
lannesmann Röhren. .......
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Oberſchleſ. Eiſen Caro) ......
Otavi Mi
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ſhein. Stahlwerke ...........
tiebeck Montan ...........
ſombacher Hütte .
Fellus Bergb.= u. Hütten=Akt. .
Ver. Laurahütte ......
Aktien induſtr. Unternehmn g.
Brauereien.
Henninger Kemp =Stern .....
Löwenbräu München .........
Schöfferhof (Binding)........
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Akkumulat. Berlin ...........
dler & Oppenheimer .......
Adlerwerke ſv. Kleher);.....=
A.E.8. Stamm.
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A. E.G. Vorzug Lit. 4 ....=
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Dresdn, Schnellpreſſen ......
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Elektr. Lieferungs=Geſ. ......
Elektr, Licht und Kraft . ......"
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1
[ ← ][ ][ → ]Nummer 300.
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Seite 11.
Lebenswogen.
13)
Roman von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Ueber ſein Vollmondgeſicht glitt ein freundliches Grinſen,
mit ſeiner hellen Knabenſtimme, die in völligem Gegenſatz zu
ſeiner kugeligen Figur ſtand, ſagte er, den Staubwedel wie ein
Zepter hoch in der Rechten haltend:
„Gleichwie der Türk auf ſeinen Raub,
So ſtürmt auf mich die Schönheit ein.
Raubt Herz und Ruhe mir, und bald
Wird hin auch mein Verſtand ſein!“
Mizerl lachte, daß ſich die Grübchen in ihren roſigen Wangen
noch mehr vertieften: „Haben’s überhaupt je anen Verſtand
ghabt? I glaub’s nit! Sie ſan a komiſcher Kerl, ſo was
gibt’s a nur in Berlin!”
„Glauben’s Mizerl, glauben’s, Sie bildſauberes Schatzerl,
Sie?" Kommen’s darob aus Wien, daß Sie mir das Köpferl
verdrehn?” ſuchte Emmerich ihre Wiener Sprechart nachzuahmen.
„Ja, verdraht ſan’s, Moppel, rief Mizerl, „und net zu knapp,
wie man hier ſagt, Sie Tſchaperl, Sie! „Und nicht zu knapp
möcht ich mal Ihr reizendes Figürl umſpannen,” und
Emme=
rich verſuchte ſeinen Arm und ihre Taille zu legen.
„Au, Potzwetter,” und ſchnell zog er ſeine Hand zurück, denn
Mizerl hatte ihm den Staubwedel entriſſen und einen gehörigen
Klaps gegeben. „Sie ſind ſchlagfertig, Fräulein Mizerl, aber
die Sorte von Weibsleuten lieb ich.”
„Was ſagn’s, Weibsleut?” rief Mizerl zornig. „Wo ſan
denn hier Weibsleut?‟ Sie ſah ſich wie ſuchend um: „Ich ſiech”
kane Weibsleut! Aber i ſiech’ anen Trottel, an” Faxenmacher,,
an damiſchen Hallawachel! Haben’s mi verſtand’n, Sie Trottel=
Moppel?
„Natürlich hab’ ich Sie verſtanden, Sie Liebling, Sie ſchreien
ja, als ob Feuer wär!! Und ’s brennt doch nur in meinem
armen Herzen, aber lichterloh! Für Sie, Mizerl, für Sie! Paſſen’s
auf, wir werden doch noch ein Paar — Mizerl=Moppel, das hat
der Himmel ſchon ſo zuſammengefügt,” und Emmerich kniff
luſtig die Aeuglein zuſammen
„Eh’r fallt der Wiener Steffel um und fließt die Donau
rückwärts, Sie gſpaßiges Manndl, ſagte Mizerl, deren Zorn
ſchnell verflogen war. „Und nun ſtören’s mi net länger, die Tant”
hat in der Küchel zu tuan, und i bin noch weit zurück mit meiner
Arbeit.” Sie ſah auf die altertümliche Standuhr: „Jeſſes,
Maria und Joſef, ’s iſt glei' halber acht, da heißt’s die Händ
rühr’n. Und hab’n nix zu tuan, als hier Maulaffen feil halt’n?
Tummeln’s Ihna!”
„Du ſchmellſt mir, Kind? Ich zürne nicht,
Gut ſteht auch Böſes deinem Mund!
Selkſt Bittres ſoll mir ſüß auf der
Rubinen Lippen Rand ſein!
deklamierte pathetiſch Emmerich, ſeine geleſene Weisheit — in
den letzten Tagen jene Mirza Schaffys — zum Beſten gebend.
Mizerl deckte emſig und geſchickt den Tiſch weiter, ein Wiener
Liedchen vor ſich hinſummend, Moppel korkte einige Flaſchen
auf, aus jeder ſich ein Glas einſchenkend, das er mit
Kenner=
miene leerte. Von dem Portwein, den es zur Suppe geben
ſollte, bot er eins Mizerl an: „Mein holdes Fräulein, darf ich’s
wagen, Ihnen dieſes Gläschen anzutragen?"
„Nix dürfen s wag’n, Se Flohbeutl Se, gehn’s ab mit Ihr’m
Glasl. Se wern ro des ſchöne Tiſchtuach verſchmiern, Se
ber=
drahter Dichtikus, Se!”
„Was brauſeſt du, wenn ich dir nah, gleich auf wie junger Wein?
Die Heftigkeit wird dein Gemüt von Sorgen nicht befrein.
Im Glaſe ſpiegle deinen Zorn, bis er ſich ganz gelegt,
Drum trink’ es aus: in Ruh nur kann dir ein Trunk gedeih’n!“
und Moppel leerte das Glas mit einem Zug: „8 ging auf Ihr
Wohl, einziges Mizerl.”
„Nimmt der Menſch a Vernunft an? Son verzwickt’s
Hirngeſpinſt iſt mir mei Lebtag nit vorkomm’n” rief Mizerl. „In
Wean gibt’s ja a verruckte Leut, aber, wiſſen’s, da könnten’s
Ihna für Geld ſegin laſſin! Auch mit Ihnam Durſcht, heilige
Maria Taferl, hab’n 8 a Pumpſtation in Ihrm Bauch?”
„Mizerl”, und Moppel dämpfte ſeine Stimme, „kann ich
Ihnen ein Geheimnis anvertrauen? Können Sie’s auch
bewah=
ren? Es drückt mich ſchon lang, ich wollt’s Ihnen ſchon immer
ins Oehichen flüſtern . . ."
Mizerl ſah ihn geſpannt an.
„Ich bin, ich bin —”, er hatte einen weinerlichen Ton
ange=
nommen, „ich bin — aber um Himmelswillen, Sie verraten mich
nicht — ich bin . . . ein Flaſchenkind!”
„Was ſan’s — a — a — Flaſchenkind?"
„Ja, meine Mutter hat mich mit der Flaſche aufgezogen,
wiſſen s, nicht am Buſen der Natur, und da iſt mir eine gewiſſe
Vorliebe für die Flaſche geblieben. Ich bin mehr ein künſtliches
Kind!“
„Jetzt verſtand erſt Mizerl die Fopperei: „A künſtliches Kind
ſan’s?” rief ſie zornig. „A Saufaus ſan’s, a unverbeſſerlicher
Hallodrian, an wampeter Sechter!”
(Fortſetzung folgt.)
VCCCCCCCTTCCTTNTT
ETWAS BESONDERES FÜR
ALLIDERUNS KoTTomt
AAAAAASAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAlAAAAA
ips
130 cm, reine Wolle, gute, kräftige
Oualität in 6 Hauptfarben, solange
Vorrat . . . . . .. . . . . . Atr.
K
80.
(14175
A
ANZ
DARMSADT. LUDMIGSBL.
ECKE SCHULSTRASSE.
Mantch
Mit Mie
v. Lande a. g. Fam.,
ſucht Stelle m.
ge=
ringer Vergüt. zwecks
Erl. des Haushalts.
Beding.:
Familienan=
an Joh.
ſchluß. Ang.
Scherb. Bäckerei,
Nieder=Saulheim,
Rheinheſſen. (14074g0i
Frau ſ. nachm.
Be=
ſchäft. i. Haush., geht
a. z. Wartg. e. Kind.
Ang. u. E 14.
2
Geſchäftsſt (*2
Junger, ordentlicher
Schreiner
ſucht per ſof. Beſchäft.
irgend welcher Art
(mit Koſt u. Wohn.),
Bau= u.
Möbelſchrei=
nerei bevorzugt.
An=
gebote unt. P 11 an
die Geſchſt. (*31304
J. Mädch. f. Stellg.
ſprech. v. 10—4 U.
Darmſtadt, Soderſtr.
Nr. 62, II. (312
Mädchen
ſucht tagsüber
Be=
ſchäft, geht a. waſch.
u. putzen. Darmſtadt
Vädagogſtr. 2. (*31256
fene Stellen
Weiblich
Geſucht zum baldigen
Eintritt
1 Lehrmädchen
mit beſſerer
Schul=
bildung aus guter
Fimilie. (*31369id
Rud. Nick Nflg.,
W Nagel, Darmſtadt,
Ernſt Ludwigſtraßel6.
Junges tüichtiges
Mädchen
ſucht tagsüber
Be=
ſchäftig. i. Haushalt. / / geübte ( 31279
Ang. u. E 147 an d.
Geſchäftsſt . (*31
ſchäftigung. Gefl. An unter F 8 an die
die Geſchſt. (*31307
Tücht. Mädchen ſucht Suche zuverl Mädch,
Stelle als ( 31336 das etwas koch, kann,
für kleinen Haushalt.
Haushälterin Groß=Zimmern,
Angebote u. F 20 Angelſtr 66. (*31172gi
an die Geſchäftsſt ſesssetstte
Für Hakeln
und
Stricken
(Heimarbeit)
ſuchtſtunden= / Aulen
Frau weiſe Be= lgesucht. Angebote
fragen unt. P 9 an fGeschättsst. d. B1
Haushälterin
in allen Hausarb.
gleich tücht., perfekte
Köchin, im
Weiß=
nähen, Bügeln uſw.
bewand., in
Kranken=
pflege ausgebildet,
Anfang 30er, ſucht
am liebſten bei
allein=
ſteh. Herrn) ſofort od
ſpäter Stellung in
Darmſtadt oder näh.
Umgeb. Angeb. u.
23 Geſchſt. (*313,
Stellen ſuchen
perfekte
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Darmſtadt, diin 27. Okt. 1924.
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Der Pferdemarkt in
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Rafkldft w.
findet nicht am 27. Okt., sondern am
30. Oktoben
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Waſſer=Verſand der Gemeindeheilquellen durch die
Brunnenverwaltung Bad Soden a. T., G. m. b. H.
Nummer 300.
Dienstag, den 28. Oktober 1924.
Seite 12.
Residenz-
Theaten
„Die Tragödie einer Liebesnacht”
Ernst Reicher + Stuart Webbs
neuestes Abenteuer in 6 Akten
Die malauische Dsckonke
„Er”” als Straßenschreck 3 Akte mit Harold Elovd
Ein Sitten-Abentenererfilm in 6 Akten. In der Hauptrolle:
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Palast-Lichtspiele
Smn Hnkreinäcnk
Mu Taulen
Abenteuer-Sittenfilm in 5 Akten
nach dem Roman „Homo sum”
von Walker Scott
In der HAUPTROLLE:
Hanna Ralph
Die kleine Sünde
Eln Frauenschicksal
in 5 spannenden Akten, (14122imd
Stadt-Theater
Mainz
Teleph. Nr. 268 Kasse Nr. 2817
Donnerstag, 30. Oktober, Freitag,
den 31. Oktober und Samstag,
den 1. November 1924,
abends 8 Uhr (Mz.14170
„SCHLAGOBERS‟
Ein heiteres Tanzspiel in 8 Bildern
von Richard-Strauß.
In den Hauptrollen:
Amf Schwaninger-Zürich (z. Zt Gast
in der Staatsoper in Berlin) Jril
Gadescow, Metropolitan-Opera (New
Fork) Inszenierung: Max Semmler
Entwurf der Dekorationen u. Kostüme:
Emil Pirchan, Staatsoper Berlin,
Preise der Plätzei
Mittel- und Ecklogen, Balkon 1. u. 2.
Reihe Mitte, 1. Sperrsitz Mk. 12.-, Balk.
2. Reihe Seite u. 3. Sperrsitz Mk. 10 —
Seitenlogen Mk. 9.—, 2. Sperrsitz Mk.
11.—, 1. Parterre u. 2. Rang 1. Reihe
Mk 8.—, 2. Parterre u. 2. Rang 2. Reihe
Mitte Mk. 7.—, 3. Parterre Mk. 6.—,
2. Rang, 2. u. 3. Reihe Seite u. 3. Rang
—3. R. Mitte Mk. 5.—, 3 Rang übrige
Plätze Mk. 3.—, Galerie 1. Reihe Mk. 2.-
Galerie 2.—6. Reihe Mk. 1.—.
Gelegenheit zur Rückfahrt jet gegeben.
F. Ha. Da.
Tabak s
Grobſchnit
(rein Ueberſee)
250 Gramm
60 Pfg. —
Fr. Hartmann
Grafenſtr. 20
(Fürſtenſaal)