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Nummer 288
Donnerstag, den 16. Oftober 1924. 187. Jahrgang
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Darm=
ſtädter 8 Nationalbant.
Ds0 n Hen.
K
Tautay
Patiden
*
Der Triumphflug des 3. R. 3
„3. R. 3” iſt am Mittwoch um 3 Uhr 11 Min. mitteleurop.
ſ.t in Lakehurſt gelandet, nachdem er um 5.25 Uhr morgens das
ge ikaniſche Feſtland erreicht hatte. Sein Flug zur
Landungs=
zü ging über Boſton, Newport und New York, überall von der
bi ſterten Menge lebhaft begrüßt und mit lebhaftem
Glück=
unſchtelegrammen auf drahtloſem Wege empfangen, ſo daß Dr.
Verer ſich ſchließlich genötigt ſah, in einem Funkſpruch um Zu=
„khältung zu bitten. Als der in den Straßen New Yorks
ver=
in ielten Menſchenmenge tönten fortwährend jubelnde
Will=
koniensrufe zum Luftſchiff empor, das in ſtrahlendem
Sonnen=
ſeir ſilbernglänzend in langſamer Fahrt längere Zeit über der
Eiitt kreiſte, um dann direkten Kurs auf Lakehurſt zu nehmen.
Mit ſeinem Ozeanflug hat der deutſche Luftkreuzer alle in ihn
denten Erwartungen bei weitem übertroffen. Noch kurz vor
Arrtt der Fahrt fehlte es nicht an warnenden Stimmen, beſon=
5s aus Amerika, die eine Gefahr vor allem in der Tatſache
er=
ſEten, daß man den Flug zu dieſer vorgeſchrittenen Jahreszeit
eym wollte. Die Männer des „3. R. 3” waren jedoch von ihrem
Ar' ſo feſt überzeugt, daß ſie ſich nicht beirren ließen. Der
Er=
ſtz chat ihnen recht gegeben. „Z. R. 3” hat auf ſeiner Fahrt
Ee günſtige Wetterlage gehabt. Er hat auf dem Weltmeer
fort=
yend Stürme ſchwerſter Art überwunden, und trotz allem iſt
eigllungen, das Schiff wohlbehalten von Kontinent zu
Konti=
sit; zu bringen. „Z. R. 3” hat mit dieſer Leiſtung einen
Welt=
ſarw aufgeſtellt, der nicht leicht zu überbieten ſein wird, und
de Tat iſt ein glänzender Beweis für die Schöpferkraft der
dtthen Induſtrie, trotz allem Ungemach der letzten Jahre.
7u ununterbrochener Fahrt hat das Luftſchiff von
Fried=
hiswafen bis Lakehurſt in 80½ Stunden rund 9000 Kilometer
virgelegt.
Die erſte Etappe von Friedrichshafen bis zur Gironde=
Auwung betrug 1100 Kilometer, der Seeweg rund 7000
Kilo=
he:,, und auf ſeinem letzten Fahrtabſchnitt hatte der Luftkreuzer
vornehrere hundert Kilometer zu durchmeſſen. Nächſtehend ſind
die Flugzeiten des „3. R. 3"
eri wichtigſten Abſchnitten aufgeführt:
riedrichshafen—Gironde=Mündung: 1100 Kilometer in
trnden, Geſchwindigkeit 120 Kilometer;
ironde=Mündung — Kap Ortegal: 900 Kilometer in 6 Stun=
Beſchwindigkeit 150 Kilometer;
ap Ortegal — Azoren — Sao Miguel: 1800. Kilometer in
Stunden, Geſchwindigkeit 125 Kilometer;
ao Miguel — Fayal: 380 Kilometer in 3½ Stunden, Ge=
Kirdigkeit 108 Kilometer;
ordweſtkurs T (Fayal bis 41 Grad Nord, 30 Grad Weſt):
ſtilometer in 16 Stunden, Geſchwindigkeit 43,5 Kilometer;
2Seſtkurs (41 Grad Nord, 36 Grad Weſt bis 41 Grad Nord,
nad Weſt): 850 Kilometer in 6½ Stunden, Geſchwindigkeit
19Kälometer;
Mordweſtkurs II (41 Grad Nord, 45 Grad Weſt bis 43 Grad
A0o, 49 Grad Weſt): 420 Kilometer in 3 Stunden,
Geſchwindig=
kR140 Kilometer;
Ofſtkurs auf Kap Sable (43 Grad Nord, 49 Grad Weſt bis
9½ Sable): 1700 Kilometer in 12½ Stunden, Geſchwindigkeit
1sKälometer;
indigkeit 98 Kilometer;
Awſton — New York: 350 Kilometer in 3 Stunden, Geſchwin=
Eit 117 Kilometer.
Tei Betrachtung der Durchſchnittsgeſchwindigkeit erkennt
mn ſofort, daß das Luftſchiff günſtige und ungünſtige Winde
Abi hat. Beſonders arg war ohne Zweifel die Fahrt von der der City drängte ſich Kopf an Kopf die Meuſchenmenge. Von
Fahrtleitung veranlaßte, dem Tief zu entfliehen und
gunchzuſchlüpfen.
er Aktionsradius des Luftkreuzers iſt jedoch mit dieſer
Lei=
rioch nicht erſchöpft, da der Brennſtoffvorrat an Vord für
u 200 Betriebsſtunden reicht. Das Schiff könnte daher über ausnahmslos ſenſationelle Ausführungen der Atlantikfahrt des
gEnäre. Für den künſtigen europäiſch=amerikaniſchen Luft= die Präſidentenwahlen treten dagegen zurück. „World” ſchreibt:
ſa ligl rtsdienſt mit Starrluftſchiffen iſt die Fahrt des „3. N. 3” „Vom Heck des Zeppelins wird die deutſche Flagge wehen und
E enbracht, daß ein mit den letzten Hilfsmitteln, der Technik ſchauen. New York wird im frühen Sonnenlicht und mitten im
fümeren Herbſtſtürme auf dem Ozean nicht zu ſcheuen braucht. ihren knatternden Maſchinen London und Paris erzittern ließen.”
Duscheoretiker haben bisher dringend davor gewarnt, den
Mireflug im Nordkurs einzuſchlagen, da die Wirbel um Neu= Glänzende Leiſtung der Maybach=Motoren.
ſiſhaid ſelbſt von großen Ozeandampfern gefürchtet ſind. Das
ellenluftſchiff hat jedoch trotz Nebel und Sturm gerade in der
nsctien. Die Möglichkeit der Funkpeilung zu jeder Stunde des in Friedrichshafen:
Trus, die Goerzſchen Apparate, die Wirbel der Stürme mit faſt
uPAublicher Präziſion vorherſagen, geben dem Führer jederzeit. Motore, die bereits über ſechzig Stunden ohne jegliche Stürung
di4 ia glichkeit, gefährlichen Tiefdruckgebieten aus dem Wege zu laufen. Eckener,
„Z. N. 3” hat den Einwand dieſer Theoretiker widerlegt,
dahine Fahrt über den Ozean nur in den Sommermonaten ſpruch, der an Dr. Dürr von Dr. Arnſtein gerichtet iſt, und in
maſch ſei. Dieſer Flug iſt alles andere als eine Schönwetter= dem es heißt: „Herzliche Glückwünſche zur Prachtleiſtung
Kkunent zu Kontinent um ein gewaltiges Stück vorwärts.
Der größte deutſche Weltrekord.
9000 Kilometer in 80 Stunden zurückgelegt.
Z. R. 3 über New Jork.
Begeiſierung bei den Amerikanern.
New York, 15. Okt. „Z. R. 3” iſt 1.55 Uhr nachm. über
Bright Street; er hat die 350 Kilometer lange Strecke New York— „B. R. 3” iſt um 3.11 Uhr in Lakehurſt
Waſhington in dieſer Zeit zurückgelegt, was einer
Stunden=
geſchwindigkeit von 110 Kilometern entſpricht.
Friedrichshafen, 15. Okt. „Z. R. 3” iſt um 1,29 in
New York angekommen. Nach einem im Laufe des Vormittags
eingetroffenen Funkſpruch wird er Waſhington und Philadelphia
beſuchen und wird um 4 Uhr in Lakehurſt eintreffen.
Die Motoren ſind alle im Stand.
TU. New York, 15. Okt. Die Amerikaner ſind von dem
Flug des „Z. R. 3” begeiſtert. Unaufhörlich wurden, ſeit ſich das
Luftſchiff auf dem Feſtland befand, Glückwunſchbotſchaften in die
Luft geſunkt. Kapitän Dr. Eckener ſah ſich genötigt, einen
Funk=
ſpruch an die begeiſterten Amerikaner aufzugeben, in dem er ſagt:
„Ich bitte die Glückwunſchtelegramme zurückzuhalten, ich muß
mit den Handelsmarinefunkſtellen arbeiten.” Aus der Menge, die
in New York die Straßen und Plätze füllte, tönten jubelnde
Will=
kommenrufe zu dem Luftſchiff empor, das im ſtrahlenden
Sonnen=
ſchein ſilbern glänzend in langſamer Fahrt über New York
kreuzte. „Z. R. 3” überflog die Stadt zunächſt in ganzer Länge,
wandte ſich dann in weſtlicher Richtung nach Battery und ging
ſchließlich ganz tief auf die Wolkenkratzer der Innenſtadt herab.
ten Kurs nach Lakehurſt nahm.
New York, 15. Okt. (Funkſpruch.) „Z. R. 3” hat 2.20 Uhr
mitteleuropäiſche Zeit die Freiheitsſtatue überflogen. Das
Luft=
ſchiff nimmt direkten Kurs auf Lakehurſt. Bei der Fahrt über
den Hudſonfluß wurde „3. R. 3” durch Dampferſirenen begrüßt.
Nach den aus New York vorliegenden Funknachrichten iſt
York mit echt amerikaniſcher Begeiſterung begrüßt worden. Seine
Ankunft — nach amerikaniſcher Zeit war es in den früheſten
Mor=
genſtunden — wurde von den Fabriken und den im Hafen
liegen=
den Schiffen mit Sirenengeheul angekündigt, das eine zahlloſe
Menſcheumenge auf Straßen und Dächer trieb. Die Menge brach
in begeiſterte Hochrufe aus und ſchwenkte die Hüte, als das
Luft=
ſchiff, von mehreren Flugzeugen begleitet, niedrig über die Stadt
hinwegfuhr.
Gleiche Huldigungen wurden dem Luftſchiff auch in Boſton
und in Providence zuteil. Das Luftſchiff fuhr ſo niedrig, daß
man die Lichter der Gondel deutlich ſehen konnte. Ueber
Provi=
dence befand ſich das Schiff um 4.48 Uhr vormittags
amerika=
niſche Zeit. Das Geräuſch der Motoren, des in geringer Höhe
ſchwebenden Luftkreuzers veranlaßte Tauſende, auf die Straße
zu ſtürzen oder auf die Dächer zu klettern, um das Luftſchiff zu
ſehen. Die Mannſchaft war deutlich erkennbar.
Der Flug über New York.
* New York, 15. Okt. (Priv.=Tel.) Um 8 Uhr früh
über=
flog „3. R. 3”, von Boſton kommend, die Freiheitsſtatue, um
ſich dann dem Houdſon=Fluß zuzuwenden. Majeſtätiſch kreuzte
4ap Sable bis Boſton: 540 Kilometer in 5½ Stunden, Ge= es dann über dem Hafen und entlang der Landſtrecke der
Man=
hattan=Inſel. Im Hafen entboten Tauſende von Schiffen dem
deutſchen König der Luft ihre Grüße, indem ſie die
Schiffs=
pfeifen ertönen ließen. In einer großen Schleife nahm dann das
Schiff direkten Kurs auf das Woolworth=Building. Die
Be=
geiſterung der Maſſen kannte keine Grenzen. In allen Straßen
Fayal bis Poſition 41 Grad Nord 38 Grad Weſt. Hier allen Dächern und Höfen her grüßte Tücherſchwenken und immer
Das Luftſchiff einen ſchweren Südweſtſturm zu überſtehen, wieder erneut ausbrechende Kundgebungen für die deutſche
Leiſtung, die den Luftrieſen geſchaffen hatte. Nach einer einhalb=
*hen den beiden Tief um Grönland und ſüdlich Neufundland ſtündigen Triumphfahrt über der Nieſenſtadt nahm „3. N. 3‟
Kurs nach Lakehurſt.
New York, 15. Okt. Die New Yorker Blätter bringen
rewaltige Leiſtung hinaus noch eine Strecke von 2000 bis „3. R. 3‟. Den deutſchen Leiſtungen wird uneingeſchränkte
Be=
iNilometer durchfahren, ehe ſein Brennſtoffvorrat ausgegan= wunderung gezollt. Selbſt der Erfolg der deutſchen Anleihe und
Eeſſinhaftlich von höchſter Bedeutung. Namentlich iſt der Be= aus den Paſſagiergondeln werden deutſche Mannſchaften heraus=
BSues Luftſchiff die von der Schiffahrt außerordentlich ge= Frieden das Ebenbild der Kriegszeppeline erblicken, die mit
Dr. Eckener ſandte, wie uns die Funkſtelle Friedrichshafen
De Ses Atlantiſchen Ozeans direkten Kurs auf ſein Ziel ge= telegraphiſch mitteilt, folgenden Funkſpruch an Direktor Maybach
Herzlichen Glückwunſch zur hervorragenden Leiſtung Ihrer
Die Zeppelinwerft in Friedrichshafen erhielt einen
Funk=
fan// geweſen und er bringt das Projekt des Luftdienſtes von des „3. N. 3”, der vergangene Nacht ſchwere Wetter
ſpie=
lend meiſterte.”
Glücklich geſandet.
Lakehurſt, 15. Okt. (Funkſpruch.)
glatt gelandet.
Berlin 15. Okt. 10 Uhr (M.E.3.) hat „Z. R. 3” Boſton
erreicht. Er funkt: Maſchinen und Schiff in Ordnung. An Bord
alles wohl.
Die Fahrt bis nach New York hat genau 79 Stunden
und 23 Minuten gedauert.
Die Landung in Lakehurſi.
Aus Waſhington wird gemeldet, daß die offizielle
Perſön=
lichkeit, die Dr. Eckener begrüßte, Präfident Coolidge ſelbſt
geweſen ſei. Er gab den Befehl zur Landung. Das Luftſchiff
zog gerade aus über den Flugplatz bis zur äußerſten Ecke des
Landungsplatzes, wo es ſich herumdrehte und dann das Feld in
weiter Entfernung umflog. Es drehte dann den Bug gegen den
Wind und ſenkte ſich nieder. Die Landung ging glatt
von ſtatten.
Als Dr. Eckener unter dem ungeheuren Jubel der
Anweſen=
den aus der Kabine ſtieg, erklärte er, es ſei ein neuer Welt=
Die begeiſterte Menge winkte Abſchied, als dann „3. N. 3” direr= rekord, ein 5000 Meilenflug. Er fuhr dann fort, der
erſte Teil unſerer Reiſe war ſchön. Der letzte Teil vollzog ſich
bei ſchwerem Wetter. Von Dienstag 4 Uhr bis heute 5 Uhr
hatten wir gegen, das Wetter zu kämpfen. Wir hatten eine
Schnelligkeit von 55 bis 60 Meilen pro Stunde. Wir änderten
den Kurs von der direkten Linie, als wir von den Azoren nach
Lakehurſt waren, weil wir fanden, daß wir ſonſt in ein Tief
„3. R. 3” während ſeines Fluges über den Mittelpunkt von New gerieten. Am Mittwoch machten wir zeitweiſe nur noch 45
Mei=
len pro Stunde. Wir ſteuerten nach Neuſchottland bei
ſüdöſt=
lichem Wind, nahmen dann ſchnelle Fahrt längs der Küſte, wo
wir zwiſchen den Kreuzern „Milwaukee”, und „Detroit”,
hin=
durchflogen, ohne einen zu ſehen. Günſtiger Wind trieb uns
nach Lakehurſt, nachdem wir Boſton, dann New York mit einer
durchſchnittlichen Geſchwindigkeit von 90 Meilen paſſierten, und
ſo, meine Herren, ſind wir nun hier.
Eine Boiſchaft Dr. Eckeners an das
amerikaniſche Volk.
New York, 15. Okt. Während der Zeppelin über New
York kreiſte, wurde ein Fallſchirm abgeworfen, an dem ein kleiner,
an den News=Service adreſſierter, Poſtſack gebunden war. Dieſer
wurde von dem Finder prompt an das Büro des genannten
ame=
rikaniſchen Nachrichtendienſtes abgeliefert. In dem Poſtſack
be=
fand ſich eine Botſchaft Dr. Eckeners an die
Bevöl=
kerung New Yorks und an das amerikaniſche
Volk. Die Botſchaft, die heute noch in den Nachmittagsblättern
veröffentlicht wurde, lautete wie folgt:
„New York, wir grüßen Dich! Angeſichts der Silhuetten
die=
ſer herrlichen Nieſenſtadt neigen wir den Bug unſeres
Luftſchif=
fes und grüßen das ganze amerikaniſche Volk mit aufrichtiger
Freude. Wir hegen die zuverſichtliche Hoffnung, daß unſere
Fahrt über den Ozean eine Epoche freundſchaftlicher
und fruchtbarer Zuſammenarbeit zwiſchen
un=
ſeren beiden Völkern anbahnen wird. Eine Epoche
gemeinſamer Weiterentwicklung des
unſterb=
lichen Werkes des Grafen Zeppelin, des Eroberers
der Lüfte. In dieſem Sinne wollen wir Hand in Hand an
der Aufgabe arbeiten, durch Ueberbrückung von Zeit
und Naum die Nationen immermehr
miteinan=
der zu verbinden. Der Kommandant und die Mannſchaft
des „Z. R. 3” übermitteln durch den internationalen News=
Ser=
vice der Bevölkerung von New York und dem ganzen
amerikani=
ſchen Volk ihre beſten Wünſche und Grüße.”
Die Botſchaft Präſident Coolidges.
Präſident Coolidge richtete an Dr. Eckener folgende Botſchaft:
„Gratuliere Ihnen zu der erfolgreichen transatlantiſchen
Reiſe des großen Luftſchiffes, das Sie aus Deutſchland nach den
Vereinigten Staaten geführt haben. Die Reiſe iſt nicht nur ein
aufregendes Erlebnis und glänzendes Abenteuer, ſie iſt weit
mehr als ein epochaler Erfolg, weil ſie, wie nie zuvor, die
Mög=
lichkeit von ſehr weiten Fernflügen mit Luftſchiffen des „
Leichter=
als=Luft”=Syſtems dargetan und auch deren Fähigkeit erwieſen
hat, bedeutende Frachtmengen und eine große Anzahl von
Fahr=
gäſten mitzuführen. Die Geſchicklichkeit und
Tüchtig=
keit der deutſchen Techniker im Bau ſo wunderbarer
Flugzeuge und Ihre Geſchicklichkeit, das Luftfahrzeug ſo
erfolgreich ohne Unterbrechung und Zwiſchenfall von
Friedrichs=
hafen nach Lakehurſt zu führen, iſt ein Ergebnis von
weltweitem Jutereſſe. Mir und dem amerikaniſchen
Volke iſt es eine große Genugtuung, daß die
fried=
lichen Beziehungen zwiſchen Deutſchland und den
Ver=
einigten Staaten wieder voll hergeſtellt ſind und daß
dieſes große Luftſchiff den erſten direkten Flug zwiſchen
Deutſch=
land und Amerika glücklich vollendet hat. Ich hoffe, daß Ihr
Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ein angenehmer ſein
wird und daß die wertvollen Dienſte, die Sie mit der
Ueberfüh=
rung des Luftſchiffes geleiſtet haben, Sie Ihr ganzes Leben lang
rfüllen werden.”
mit Stol.
Seite 2.
Donnerstag, deu 16. Oktober 1924,
Nummer 283.
Glücktpunſchtelegramme.
Eine Kundgebung des Heſſiſchen Landtags.
Darmſtadt, 15. Okt. Während der heutigen Sitzung des
Heſſiſchen Landtags rihtete Präſident Adelung die
nach=
ſtehende Anſprache an die Abgeordneten: Soeben kommt die
Mel=
dung, daß das große Unternehmen,, das die ganze Welt in
Span=
nung hielt, gelungen iſt. (Lebhafter Beifall.) Das deutſche
Zep=
pelinluftſchiff hat auf ſeinem Flug über das Weltmeer Amerika
erreicht. (Bravo.) Es überfliegt ſoeben die großen Städte der
Oſtküſte. Es handelt ſich hier um einen bedeutenden Abſchnitt
in der Geſchichte der Menſchheit. (Beifall.) Der Menſchengeiſt
hat einen großen Triumph errungen über die Kräfte der Natur.
Uns erfüllt es mit beſonderem Stolz und beſonderer Freude, daß
es deutſcher Erfindungsgeiſt und deutſche Tatkraft waren, die
dieſes gewaltige Werk zum Gelingen brachten, das allen
Men=
ſchen zum Segen gereichen wird. (Lebhafte Zuſtimmung.) Ich
bin überzeugt, in einmütigem Sinne des Hauſes zu handeln,
wenn ich den kühnen Pionieren der Technik die ſtolze Freude und
die herzlichen Wünſche des Heſſiſchen Landtags zum Ausdruck
bringe. (Stürmiſcher Beifall.)
An den Führer des Luftſchiffes Dr. Eckener wurde
nach=
ſtehendes Telegramm geſandt:
Dr. Eckener, „3. R. 3‟, Lakehurſt (U. S. A.).
Heſſiſcher Landtag hat mit begeiſterter Freude ſoeben Kunde
von der glücklich vollbrachten Großtat der Ueberquerung des
Atlantik aufgenommen. Heſſiſche Volksvertretung ſendet namens
des Heſſenlandes Ihnen und all Ihren Mitarbeitern, den kühnen
Pionieren deutſchen Geiſtes und deutſcher Technik, Dank und
Grüße. Möge neues Glück aufblühen aus Ihrem Werke für die
Menſchheit.
Der Präſident des Heſſiſchen Landtags:
Adelung.
Vom Tage.
Infolge des Teilſtreiks, der, wie von Arbeitgeberſeite erklärt wird,
unter Tarifbruch erfolgt iſt, ſind die Bauarbeiter von Heſſen
und Hefſen=Naſſau ausgeſperrt worden. Die
Ausſper=
rung wird ſpäteſtens ab 17. Oktober erfolgen.
Zu der Bluttat in Weiher bei Kulmbach wird gemeldet,
daß der Verdacht, ſeine Eltern und Geſchwiſter ermordet zu haben, auf
den 16jährigen Sohn gefallen iſt. Er wurde verhaftet und
nach Kulmbach eingeliefert.
Wie wir von zuſtändiger Seite hören, wird ab 17. Oktober die neue
Grenze des beſetzten Gebietes über die Linie
Neckling=
hauſen—Herne-Bochum laufen. Die Eiſenbahninſpektion der
Regie, die bisher in Dortmund lag, wird nach Herne verlegt.
Das Telegramm des Reichspräſidenten.
Berlin, 15. Okt. Der Reichspräſident hat an Dr.
Eckener folgendes Telegramm gerichtet:
„Nach glücklicher Ozeanfahrt und Landung in den
Vereinig=
ten Staaten von Nordamerika beglückwünſche ich mit dem ganzen
deutſchen Volk und meiner Regierung Sie und die tapfere
Be=
ſatzung Ihres Luftſchiffes aufs Herzlichſte. Ihre Fahrt wird
als Großtat in der Geſchichte fortleben. Möge
„Z. R. 3” auch auf ſeinen weiteren Fahrten Künder
deut=
ſchen Könnens ſein, möge er ſeinem Zwecke, den freien und
friedlichen Wettbewerb aller Völker zu fördern, mit beſtem Erfolg
dienen. (gez.) Ebert, Reichspräſident.”
Glückwunſchtelegramm
der Württembergiſchen Staatsregierung.
Stuttgart, 15. Okt. Aus Anlaß der glücklichen Landung des
„Z. R. 3” in Amerika hat die württembergiſche
Staats=
regierung ein Glückwunſchtelegramm an den Zeppelinbau in
Fried=
richshafen geſandt, in dem ſie dem deutſchen Erfindergeiſt, deutſchev
Technik und deutſchem Wagemut herzlichſte Glückwünſche übermittelt.
Württemberg gedenke heute beſonders mit großem Stolz ſeines großen
toten Sohnes, des Grafen Zeppelin, und der Männer, die in ſeinem
Geiſte weitergearbeitet und ſein Werk glücklich über das Meer gebracht
haben. Schließlich wendet ſich das Telegramm gegen die Niederreißung
der Friedrichshafener Luftwerftanlagen.
Die Baheriſche Regierung an die Zeppelinwerft.
München, 15. Okt. Die bayeriſche Regierung richtete folgendes
Glückwunfchtelegramm an die Zeppelinwerft:
„Die bayeriſche Regierung gibt ihrer ſtolzen Freude über die
glück=
liche Ozeanüberquerung von „Z. R. 3” Ausdruck und ſendet die
wärm=
ften Glückwünſche für alle Beteiligten zu dieſer bewunderungsvollen
Bewährung deutſchen Könnens.”
Glückwunſchtelegramm der Parteien.
Berlin, 15. Okt. Die deutſchnationale Reichstagsfraktion
hat an die Zeppelinwerft in Friedrichshafen, anläßlich der
glück=
lichen Ueberfahrt des „Z. R. 3” nach Amerika, ein
warmgehalte=
nes Glückwunſchtelegramm gerichtet. Auch die demokratiſche und
die Zentrumsfraktion haben ein Glückwunſchtelegramm
abge=
ſchickt.
Flug des 3. R. 3 nach dem Nordpol
Der deutſchen Univerſitätsprofeſſor Dr. Gumbel aus Heidelberg
wird vom 20. bis 28. Oktober eine Vortragsreiſe durch Frank=
reich unternehmen, die das Gegenſtück derjenigen von Ferdinande
Bouiſſon, Victor Biuſſon und von Prof. Baſch iſt.
Nach dem Matin ſoll die deutſche Regierung Frankreich
wegen des Todes des Dichters Anatole, France ihr Beileid
ausgeſprochen haben.
Aus dem im Jahre 1917 von einem deutſchen Unterſeeboot an der
iriſchen Küſte verſenkten engliſchen Dampfer „Laurentic”
ſind 3160 Goldbarren im Werte von 4 750 000 Pfund Sterling
gehoben worden. 27 Goldbarren konnten nicht vorgefunden werden.
Wie die Chicago Tribune berichtet, trifft Pierpont Morgan, in
Paris ein. Der Beſuch wird mit den
Anleiheverhandlun=
gen in Verbindung gebracht.
Die belgiſche Regierung wird ein Graubuch über die
Londoner Konferenz für die Durchführung des Dawesplanes
veröffent=
lichen.
Das belgiſche Kabinett trat unter dem Vorſitz von
Theu=
nis zuſammen, um ſich mit dem Expoſé Hymans über die
Außenpolitik zu befaſſen.
Die Norwegiſche Handelsbank hat ihre Zahlungen
eingeſtellt.
Geſtern wurde Branting vom König empfangen, um mit
ihm negen der Kabinettsbildung, zu verhandeln.
Das Kabinett Davidowitſch hat geſtern
demiſſio=
niert. Damit iſt die geplante Zuſammenkunft zwiſchen dem
jugo=
ſlawiſchen Außenminiſter Marinkowitſch und Muſſolini vorerſt
unmög=
lich gemacht.
Die Moskauer Zentralexekutive verhandelte über die Frage einer
Zentraliſierung der Verwaltung in Georgien, da
dieſe durch die Revolution dargetan ſei. Weiter wandte jie ſich gegen
die Völkerbundsaktion und den Vorſitzenden der Kommiſſien für
Geor=
gien, den Finnländer Enkel. Für Rußland gübe es keine
georgiſche Frage.
In Moskau iſt eine Delegation aus Schiwa eingetroffen, um wegen
der Bildung einer Zentralaſiatiſchen Republik zu
verhandeln.
Die Eröffnung der italieniſchen Nammer iſt von
Muſſolini für den 18. November und die des Senats einige
Tage ſpäter vorgeſchlagen.
Reuter meldet aus Nome (Alaska): Der Kapitän des amerikaniſchen
Schoners „Herman” hat die Flagge der Vereinigten
Staa=
ten auf der Inſel Herald in der Nähe der Wrangel= Inſel
gehißt.
Senator Brandegee, einer der bekannteſten Führer der
republi=
kaniſchen Partei Amerikas und erbitterter Völkerbundsgegner, hat letzte
Nacht Selbſtmord begangen.
Gegen die Zerſtörung der
Zeppelinwerft.
Aufruf des Deutſchen Induſtrie= und Handelstages.
„Der Vorſtand des Deutſchen Induſtrie= und Handelstages gibt
ſeiner Freude und ſtolzer Genugtuung darüber Ausdruck, daß es
deutſchem Wiſſen, und deutſcher Tatkraft gelungen iſt, in dem neuen
Zeppelin Z. R. 3 ein Werk höchſter techniſcher Vollendung herzuſtellen
und das Luftſchiff glücklich auf amerikaniſchem Boden landen zu laſſen
Der Vorſtand ſericht die beſtimmte Erwartung aus, daß die
Wer=
ſtätten, in denen ſolche bahnbrechende Tat gefördert wurde, nicht
der Zerſtörung anheimfallen, ſondern auch in Zukunft dem
Zwecke dienen mögen, durch Vervollkommnung dieſes neuen
Verkehrz=
mittels das Ziel der friedlichen Vereinigung der Völker
und der gemeinſamen Arbeit am Wiederaufbau Eurovaz
und damit der Weltwirtſchaft zu verwirklichen.”
Eine Anfrage im Reichstag.
Berlin, 15. Okt. Im Reichstag iſt folgende Anfrage der
Deutſchnationalen Volkspartei eingegangen:
„Nach neueſten Meldungen will Frankreich auf Grund längſt
überholter Beſtimmungen des Verſailler Vertrages die Zen
ſtörung der Friedrichshafener Zeppelinwerft, der Schuppen und
Modelle verlangen. Die Erfüllung der franzöſiſchen Forderung
würde nicht nur eines der größten Kulturwerke nutz= und
zweck=
los vernichten, ſie wäre auch gleichbedeutend mit einer Kapital=
und Materialzerſchlagung, deren Sinnloſigkeit in der
gegenwär=
tigen weltpolitiſchen Lage beſonders kraſſ hervortritt. Zudem
können im heutigen Stadium des Großflugzeugbaues
Zeppi=
line nicht mehr als Kriegsfahrzeuge angeſehen werden. Sie
dienen den großen Intereſſen des Verkehrs und
der Wirtſchaft. Das Zeitalter des Weltluftven
kehrs hat begonnen und es kann weder die
Widerſtands=
kraft deutſcher Ingenieure, noch die Qualitätsarbeit deutſcher
Arbeiter entbehren. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun,
um Deutſchland die Zeppelinwerft zu erhalten und zugleich eme
Milderung der engherzigen interalliierten
Luftverkehrsbeſtm=
mungen zu erreichen?
Der Jubel in Friedrichshafen. — Anteil der
Schweiz an der deutſchen Freude.
Berlin 15. Okt. Aus New York wird gemeldet:
Marine=
ſekretär Sir Wilbur wird vorſchlagen, daß das Luftſchiff
den Flug nach dem Nordpol unternimmt. Die „
She=
nandvah” bleibt fürserſte in San Diego und wartet
günftiges Wetter ab, bevor ſie nach Norden weiterfliegt, nach San
Francisco und Seattle.
* Friedrichshafen, 15. Okt. (Priv.=Tel.) Die
Nach=
richt von der glücklichen Landung des Zeppelins in Amerika hat
Friedrichshafen in einen wahren Freudentaumel verſetzt. In
wenigen Minuten waren die Häuſer mit Fahnen in den Landes=
und Reichsfarben geſchmückt. Aus vielen Fenſtern grüßten bunte
Wimpel, die im Jagdhafen liegenden Segelboote ſetzten ebenfalls
Flaggen, die im großen Hafen liegenden Boote ließen ihre
Sire=
nen minutenlang ertönen. Von der Landespolizei wurde ein
Freudenſalut von 126 Schüſſen abgefeuert. Zu ebenſolchen
Freu=
denkundgebungen kam es auch in der der Luftſchiffwerft
benach=
barten, aus Mitteln der Zeppelinſpende erbauten
Arbeiterſied=
lung Zeppelindorf. Spontan wurde unter den Arbeitern und
Beamten der Werft der Beſchluß gefaßt, dem Erbauer des
„Z. R. 3‟, Direktor Dr. Dürr und dem Chefkonſtrukteur Dr.
Arn=
ſtein eine Huldigung in Geſtalt eines Fackelzuges zu bereiten,
der ſich in den Abendſtunden zur Wohnung Dr. Arnſteins und
der Villa Dr. Dürrs unter Vorantritt der ſtädtiſchen Muſikkapelle
bewegte.
Die Gemeindevertretungen der Friedrichshafen
gegenüber=
liegenden ſchweizeriſchen Orte und benachbarten Städte haben
auf die Nachricht von der Landung des „Z. R. 3” alsbald in den
wärmſten Worten gehaltene Glückwunſchtelegramme an die
Werk=
leitung gerichtet.
Berlin, 15. Okt. Angeſichts der jetzt wieder akut
werden=
den Forderungen der Entente auf Zerſtörung der Zeppelinwerſt
und Aufrechterhaltung der Luftfahrtbeſtimmungen des Verſailler
Vertrags empfiehlt es ſich, auf folgende Entſchließung des
kürz=
lich abgehaltenen 23. Weltfriedenskongreſſes hinzuweiſen. Der
Kongreß erſucht den Völkerbund, mit allem Nachdruck dahin zu
wirken, daß der zivile Luftverkehr ſowie der damit
zuſammen=
hängende Bau von entſprechenden Luftfahrzeugen international
geregelt wird. Der Kongreß erblickt eine nicht zu unterſchätzende
ziviliſatoriſche, kulturelle und handelspolitiſche Gefahr, in den
bis jetzt beſtehenden Hemmungen. Dieſe können um ſo eher
auſ=
gehoben werden, als die militäriſchen Geſichtspunkte, von denen
ſie bedingt wurden, durch die Militärkontrolle des Völkerbundes
lluſoriſch gemacht werden.
Der Reichsverband der deutſchen Induſtrie
die Zeppelin=Werft.
„Der Reichsverband der deutſchen Induſtrie ſpricht im Namen/
ihm angeſchloſſenen Induſtrien der Zeppelin=Geſellſchaft in
Frielndt=
hafen ſeinen Glückwunſch zum erſten erfolgreichen Ueberſeeflug)”
Z. R. 3 aus. Die Leiſtung, die in der Konſtruktion dieſes Luftſchifſtz
und ſeiner Fahrt liegt, iſt die Frurcht unermüdlicher Arbeit des Geiſt
und der Hände aller derjenigen deutſchen Männer, die zum Gelingn
dieſes Werkes beigetragen haben. Dieſe Arbeit wurde geleiſtet in zühe
ſtem Kampf unſeres Vaterlandes um ſeine ſtaatliche und kulturelle Eye
ſtenz. Sie wurde vollführt unbeirrt von jeder Gefahr. Die
Ameriſc=
fahrt des Zeppelins iſt für das deutſche Volk ein Wahrzeichen dafür, daß
keine materielle Not uns den Mut zum Schaffen und die Kraft zu
füh=
render Mitarbeit am kulturellen und techniſchen Fortſchritt nehmen
kann. Zugleich iſt dieſe Fahrt eine Mahnung an uns, daß wir nicht
durch Reden und Geſten, ſondern nur durch Arbeit und Leiſtungen aus
unſerer Lage herauskommen können. Wenn wir dieſe Mahnung
be=
herzigen, ſo iſt auch die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft für und
und unſere Kinder berechtigt. Mit Bewunderung und Ehrerbietung
danken wir den Männern, die das Schiff mit ſicherer Hand führten.”
Reichsverband der deutſchen Induſtrie,
Für das Präſidium:
Dr. Sorge.
Dr. Sieger.
* Konzert.
F.N. Als Ereignis wurde das erſte Akademiekonzert
der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt gefeiert, die
Turnhalle am Woogsplatz war gut beſucht, und alles jubelte dem
Buſch=Quartett zu. Vertreten doch die Herren Adolf Buſch,
Andreaſſon, Doktor und Grimmer die Kunſt von Weltruf und
Weltbedeutung, die in dem verarmten Deutſchland im Gegenſatz
zu früher immer ſeltener in mittelgroße Städte wie Darmſtadt
Abſtecher macht. Daß dies für uns eine Verarmung bedeutet, iſt
ſelbſtverſtändlich, denn uns fehlen dann leicht die Maßſtäbe, um
unſere heimiſche Kunſt von höherer Warte aus zu beurteilen.
Es kam zum Vortrag das D=Moll=Streichquartett von
Bu=
ſoni, ein hier erſtmalig gehörtes Werk in klaſſiſcher Form, in dem
ſich die beiden Gegenſätze in Buſoni, der Sinn für italieniſchen
Klangreiz und — hier beſonders vorherrſchend — für bachiſche
Kontrapunktik und beethoveniſche Form glücklich verſchmelzen.
Einem feſtgefügten, faſt ſpröden erſten Satz folgt ein
romanzen=
artiges Andante. Im Trio des forſchen Scherzo herrſcht
beſon=
dere Klangfreudigkeit. Der Schlußſatz verarbeitet nach langſamer
Einleitung das luſtige Thema auf mannigfaltige Weiſe. Es
folg=
ten Mozarts B=Dur=Quartett (Werk 458) und Beethovens erſtes
aus Opus 59, wohl das populärſte der Quartette aus ſeiner
mitt=
leren, eigentlich klaſſiſchen Lebensperiode.
Es bedarf keiner beſonderen Erwähnung, daß alle Werke
künſtleriſch und techniſch ſo geſpielt wurden, daß im Mitgenießen
ein Gedanke an Kritik nicht aufkam. Die Abtönung der
Inſtru=
mente an Stellen, wo ſich mehrere Linien durchdringen und in
ihrer Weſentlichkeit ablöſen, das innere Erfaſſen ihrer Bedeutung
an ſich und in bezug auf das ganze Werk wirkt in ſolcher
Vollen=
dung ſtets wie eine Offenbarung und läßt in längſt bekannten
Werken wieder hundertfach Neues auferſtehen.
Möge dieſer Beginn der Akademiekonzerte von guter
Vor=
bedeutung für die Folgezeit ſein. Schade nur, daß ſich in der
Turnhalle akuſtiſche Mängel fühlbar machen und die bekannten
Störungen durch die Kegelbahn, die im Kleinen Haus nicht
vor=
handen waren, aber auch wieder beſonders ſchmerzlich das
Feh=
len eines richtigen Konzertſaales in Darmſtadt zum Bewußtſein
bringen.
* Mannheimer Theater.
Das Mannheimer Nationaltheater iſt eine der Bühnen,
die am meiſten unter dem Niedergang des Kunſtintereſſes und unter
finanzieller Nor gelitten haben. Dazu kam eine Mißwirtſchaft in der
Leitung, die es notwendig machte, daß man den letzten Intendanten
Dr. Kraetzer, einen Mann, der vorher in Darmſtadt ſchon „gegangen
worden war”, als Dilletanten entlarven und von ſeinem Vertrag
ent=
binden mußte. Eine Garde ehrſamer Handwerker und Parteibonzen
operierte mit der ſogenannten Theaterkommiſſion heldenhaft für den
Sieg des Kitſchs, bis ſich das Publikum energiſch aufraffte und auch die
Preſſe gründliche Reinigung forderte.
Francesco Sioli, der neue Intendant, hat ein ſchweres Amt
übernommen. Er muß einen Bau, an dem aber auch nicht ein Balken,
iſt, der nicht morſch wäre, von Grund auf nach und nach ausbeſſern und
erneuern. Die techniſchen Mängel (das einzig mögliche
Theaterge=
bäude iſt ein alter Schwitzkaſten), die teilweiſe Unzulänglichkeiten im
Enſemble und das Desintereſſement des Publikums fordern einen
har=
ten Nacken. Daß Sioli Ausſicht auf Erfolg hat, zeigen die Ergebniſſe,
welche bis jetzt zu verzeichnen ſind.
Die neue Saiſon brachte die Uraufführung eines grotesken Spiels
„Der Druckfehler” von Herbert Kranz, das in einer geſchickten
Darſtellung (mit deme begabten Gaugl als Fuſſel) doch nicht ſeine
Mängel verleugnete. Sioli inſzenierte mit viel Verſtändnis den
„Perikles” von Shakeſpeare und, für Mannheim überraſchend neue
Wege in der Operngeſtaltung einſchlagend, ſehr erfolgreich „Fidelio”
von Beethoven. Eugen Felber verhalf dem Publikum mit der
Inſ=
zenierung der „Kolportage” von Georg Kaiſer zu köſtlichem
Amüſſement, während der Oberregiſſeur des Schauſpiels, Arthur
Holz, mit hausbackener Regie „Edelwild”, ein nur in
märchenhaf=
ter Aufmachung erfolreiches lyriſches Spiel des badiſchen Dichters Emil
Gört, über die Bretter ſtolpern ließ. Die Situation konnte in
Minu=
ten nur das köſtliche Spiel von Ernſt Langheinz retten. Der neue
Oberregiſſeur der neuen Oper, Richard Meher=Walden ſetzte ein
ur=
altes, heiteres Operchen „La conteſſina” (Die junge Gräfin) von
Florian Leopold Gaßmann in Szene, das zugleich ſeine
reichsdeut=
ſche Uraufführung erlebte. Es war — nach bald 200 Jahren —
reichlich Zeit. Die Darſtellung war entzückend, ein erfriſchendes
Bon=
bon. Aber es ſind ſeit der Geburt dieſer netten Sache beſſere Texte
verfaßt und beſſere Muſiken komponiert worden. — Alles in Allem:
Ein guter Anfang. Endlich ein Verſuch, dem ſeltſamen Publikum dieſer
Stadt ein Programm aufzurollen, in dem ſteht: „Wir bringen euch,
was ihr wollt”.
Guſtav Richter.
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
nationalen Erſatz wohl nicht von der ſtärkſten Seite. Die Leonoren ?
gab einen erlöſenden Auftakt, dem die unorientierte Eroika und di
bedeutend ſicherer gezeichnete Fünfte folgte. Der verſtärkte Orcheſter
körper gehorchte trotzdem ſchon mit erfreulicher Präziſion. Es war ei
feiner Beethoven, doch ohne die natürlich kongeniale Selbſtverſtändlichk
keit der Tempi und Dynamik, wie ſie als Typus einem vorſchwebt.
Im Stadttheater gab es mit der Gluckſchen Alkeſte eine hucß
tige Neueinſtudierung in konzentrierter Faſſung. Von konzertmabic
nüchterner, den inneren Geſchehniſſen und ihrer ſeeliſchen Belaſtungen
vorwiegend Aufmerkſamkeit ſchenkenden Struktur, begnügte ſich oe
Szene (Dr. Becker) mit primitiven Andeutungen des Schauplabes
(Bühnenbilder Th. Schlonski): Säulen und Kuben. Dazwiſchel
Alkeſtes tragiſch menſchliches Schickſal, von Frau Schützendorf
Eh=
eindrucksvoll geſtaltet. Leider ſehr opernhaft neben ihr Schömme”
als Admetos. Der Chor in ſeiner dominierenden Aufgabe hielt ſich
gut. Am Pult betreute R. Orthmann die Partitur hingebend ünd
ſachkundig. Es gab einen vollen Klang. Ein wirkliches Ereignis de
deutete ferner das Auftreten der römiſchen Sänger mit ihrer
Nu=
ſchweigend zu würdigenden Geſangskunſt paläſtriniſcher Formwelt, Ule
die in dieſem Wintere ſcheinbar beſonders rege Geſellſchaft der Muſle
freunde bot in einem Buſoni=Gedächtnisabend intereſſante Einblicke.
die geiſtig eingeſtellte, dom göttlichen Funken jedoch nur indiren "
wärmte Kunſt des Dahingeſchiedenen. Der Berliner Geiger Kule‟
kampf neben E. Weiß erweckten mit feinem Gelingen die heiue
Welt zu erkennendem Leben.
„Das Heilige Reich der Deutſchen.” Unter
die=
ſem Titel gibt der Philoſoph Leopold Ziegler ein neues, groß
angelegtes Werk (drei Bücher in zwei Bänden) im Otto Reichl
Verlag zu Darmſtadt heraus. Es wird nach Angabe des
Ver=
lags Anfang November erſcheinen, und wir behalten uns vor,
unſeren Leſern ausführlich darüber zu berichten, ſobald es
vorliegt.
* Aus dem Düſſeldorfer Muſikleben. Faſt ein Jahr
hat unſere Stadt gekreiſt, um nach unliebſamen Epiſoden 4 la Schuricht
nun doch nur ein Proviſorium mit Prof. Schneevogt zur Welt
zu bringen. Keine Löſung natürlich im Sinne intenſiver, um Weſen
und Wollen ſich mühenden Kulturarbeit eines großen Gemeinweſens.
Gaſtkonzerte können das allein nicht ſchaffen. Eine
anregungs=
fähige Perſönlichkeit muß im Mittelpunkte aller muſikaliſchen
Bewegungen ſtehen, wenn ſie wie eine Quelle Ströme fruchtbaren
Wir=
kens entlaſſen ſoll. Fühlt ſich der neue Mann mehr als Gaſt, denn als
Gärtner, wird mehr denn ein mehr oder minder reicher Kranz von
Gaſt=
geſchenken nicht abfallen. Der erſte Beethovenabend zeigte den inter=
— Das Oktoberheft von Velhagen u. Klaſinge
Monatsheften erfüllt alle Hoffnungen, die das Werbeheft im Oee
tember erweckte. Wieder iſt eine Reihe künſtleriſch reich illuſtrierter 20l
ſätze aus den verſchiedenſten Wiſſensgebieten vorhanden: Die Inle
Brioni, die Perle des adriatiſchen Meeres, wird in vorzüglichen Fa.”
bildern vorgeführt, geſchildert von einem begeiſterten Stammgaſt dee
intereſſanten Eilands, dem Grazer Dichter Dr. Ernſt Deeſey. Der Dſte‟
tor des Berliner Zoologiſchen Gartens, Prof. Dr. Ludwig Heck, belenek
et den Jagd= und Tiermaler Karl Wagner und ſein
Wer=
nach der künſtleriſchen und wiſſenſchaftlichen Seite. Die in ſorgfältige.
Mehrfarbendruck beigegebenen Bilder fügen ſich zu einer kleinen Mcl.”
graphie zuſammen. Dem Berliner Meiſter Arthur Kamp
dem jungen Sechzigjährigen, widmet Prof. Dr. Singer eine anrege!.,
Studie, in der er ihn beſonders als Zeichner behandelt. Die Kunſt der Le
zählung iſt durch Clara Viebig und den jungen Expreſſionite”
Paul Zech vertreten. Joſeph Winckler hat eine neue Folge köſtlich.
Schwänke vom Tollen Bomberg geſammelt, die er hier zum erſtei
mal veröffentlicht. Auf ernſten vaterländiſchen Ton ſind die vorzüglich"
Beiträge „Rettet die Ehre!” vom Bremer Hofprediger Hartwich !i
„Stephan und der Weltpoſtverein” von Exzellenz Gieſeke geſtimmt. Ur..
den Berliner Bühnenſommer berichtet, durch flotte Farbſkizzen und 2"
derzeichnungen von namhaften Künſtlern unterſtützt, der Herausbe‟”
der Hefte, Paul Oskar Höcker. Aus dem „Reich der fünf Linien” erza.”
Dr. Guſtav Manz, von Brahms, Mottl, Wagner und zahlreichen ande."
großen Muſikern, mit denen ihn das Schickſal zuſammengeführt hat. D
ſonders reich und farbig wirken die Kunſtbeilagen dieſes Likob..
heftes: Gemälde von Jank, Pellar, Hommel, Jettmar, Volkmana, Bele
ner, Winternitz, Bato u. a. zeitgenöſſiſchen Künſtlern finden eine...
ginalgetreue Wiedergabe. Der Reichtum und die Gediegenheit von Se
hagen u. Klaſings Monatsheften ſind noch immer unerreicht und Alluehe.
ahmlich geblieben.
*
2
im
Vich
orzt
Fet
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Mummer 288.
Donnerstag, den 16. Oktober 1924.
Seite 3.
Die Reparationsanleihe.
„In Amerika und England überzeichnet.
Mew York 15. Okt. In der öffentlichen Meinung
Ameri=
watte Deutſchland geſtern einen großen Tag durch das
Zu=
ſinientreffen der Siegesfahrt des „Z. R. 3”, die Auflegung der
chen Anleihe und die Gründung des
Induſtrieanleiheſyndi=
für Deutſchland. Die deutſche Anleihe iſt
fünf=
überzeichnet worden. Die Morgangruppe wird einen
*gewinn von 1½ Prozent der Anleiheſumme haben. Das
enwikat für die Anleihe umfaßt 1100 Bankfirmen und iſt
iden=
t5y mit jenem, das ſeinerzeit die große franzöſiſch=engliſche
egsanleihe finanzierte. Nur das Bankhaus Speher, das ſich
— Morgan überworfen hat, fehlt in dem Konſortium.
Die New Yorker Bankiers betrachten die Reparationsanleihe
iänen Senſationserfolg für Deutſchland. Wahrſcheinlich werde
d Sörſe die Anleihe zunächſt zum Kurſe von 93 bis 97 handeln,
ſse dann auf einen Kurs von 94 bis 96 zu ſtabiliſieren. Die
Tahe hätte ebenſogut zum Kurſe von 96 ausgegeben werden
n. Die zum Verkauf gelangenden Stücke kämen in feſte
ige, da die Deutſchamerikaner die Anleihe jetzt als Anlage
Meuften.
ondon, 15. Okt. (Wolff.) Die Zeichnung auf die Deutſche
ſieſhe iſt heute um 1 Uhr geſchloſſen worden. Der engliſche
ſteck iſt mehr als gedeckt.
Stockholm, 15. Okt. (Wolff.) Der von den vier ſchwe=
1ſi Großbanken dem Publikum angebotene Teil der
interna=
hhu en Anleihe für Deutſchland, in Höhe von 16 Millionen
uewiſchen Kronen, wurde in einer halben Stunde voll
gezeich=
v‟.Die bis 11.30 Uhr vormittags eingegangenen Zeichnungen
bſeen den geſamten von Schweden übernommenen Anteil in
bie von 23,74 Millionen Kronen.
Die Lage in Schanghai.
Ueberfall auf das Franzoſenviertel.
Aondon, 15. Okt. (Europapreß) Nach einer Meldung
au Schanghai haben 1000 Soldaten, die von der Front
ug ver Stadt zurückgedrängt worden waren, verſucht, in
gi Franzoſenviertel von Schanghai
einzu=
dirnggen. Sie wurden aber von der franzöſiſchen Wache, die
mrlkaſchinengewehren ausgerüſtet war, daran verhindert. Die
Gſelen verzichteten darauf auf ihr Vorhaben, ohne daß es zur
Abuerung eines einzigen Schuſſes gekommen war.
In der Nachricht heißt es weiter, die Chineſen
beſchul=
di zu ſich gegenſeitig der Feigheit. Ein Kampf habe ſich
zwi=
ſaße Enen entſponnen, in deſſen Verlauf eine große Anzahl
vurk erſonen getötet worden ſei. Die Ueberlebenden ſeien
ab —nn in die verſchiedenen Stadtviertel eingefallen und
hät=
tamueſe vollſtändig geplündert. Nach der Meldung ſollen
dirſäichte zur Verteidigung ihrer Staatsangehörigen
Trup=
pir haben landen laſſen.
2ze ausländiſchen Viertel ſind überall
verbarri=
koai rt. Außerdem werden Vorbereitungen getroffen, um
nuhe afalls noch mehr Marinetruppen auszuſchiffen.
Beſchießung eines Zuges.
ondon, 15. Okt. (Europapreß. Aus Schanghai wird
Udet, daß die Truppen der Provinz Kingſu auf einen Zug
zen haben, in dem ſich der engliſche Polizeikommiſſar von
nihai, Bilton, und der Generaldirektor der Schanghai—
g=Bahn, Jonſon, befanden. Beide waren auf dem
Bß mach Kwin=San, um Shi Sieh=Yuan wegen der
Maßnah=
mmz—m Schutz der ausländiſchen Kolonie in Schanghai zu be=
Japan warnt China.
ndon, 14. Okt. Reuter meldet aus Tokio: Die
ja=
iiche Regierung ließ durch ihre Geſandten in Peking und
Mrten eine Note überreichen, in der Japan ſeine
Neutrali=
tärterklärung wiederholt, aber die Aufmerkſamkeit auf die
Tcrtze lenkt, daß Hunderttauſende von japaniſchen Untertanen
umviele Unternehmer in den bedrohten Gebieten der
Mand=
ſch i und Mongolei leben. Daß Japans Sicherheit abhängig
ſei in der Aufrechterhaltung der Ordnung und Geſetzgebung in
dier Bebieten, und daß Japans Rechte und Intereſſen geachtet
umdufchätzt werden, ſei von höchſter Wichtigkeit.
Das „Spiel” get weites.
Auflöſung des Reichstags oder der Erweiterung der Regierung
Wieder vertagt.
eingehend beſprochen wurde. In der Kabinettsſitzung
Von unſerer Berliner Nedaktion.
Auch der Mittwoch hat die ſehnlich erwartete Entſcheidung
noch nicht gekracht. Als es nämlich wieder einmal ſo weit war,
daß ein Ausweichen zur Unmöglichkeit wurde, kam ein
Ver=
tagungsantrag den Verzögerungstaktikern zu Hilfe, und alle Welt
atmete auf, daß nun am Donnerstag das Spiel weitergehen
konnte. Um die Vorgänge kurz zu rekapitulieren, haben am
Mittwoch nachmittag die Demotraten die Verantwortung, die
ihnen das Zentrum zuſchieben wollte, abgelehnt und erklärt, daß
ſie mit den Deutſchnationalen nicht in die Regierung
hinein=
gehen könnten, allerdings in einer Form, die allerhand.
Deu=
tungsverſuche offenließ, indem ſie ſich auf den Standpunkt ſtellten,
daß ſie nur die Verantwortung für eine Regierung gemeinſam
mit den Deutſchnationalen nicht übernehmen könnten. Eine
In=
terpellation, die darüber den übrigen Parteien gegeben wurde,
ging dahin, daß die Demokraten nicht ihren Miniſter als
Fach=
miniſter im Kabinett laſſen würden, daß ſie aber auch keine
Oppo=
ſition um jeden Preis machen, ſondern das Kabinett nach ſeinen
Handlungen beurteilen würden, d. h. auf deutſch, daß ſie bis auf
wpeiteres das Kabinett indirekt zu unterſtützen bereit wären. Es
handelte ſich nun darum, wie das Zentrum nun darauf reagieren
würde, indem es nun eintweder ſein halbes Entgegenkommen
den Deutſchnationalen gegenüber zurückzog oder den Zuſatz
ſei=
ner letzten Entſchließung, der die Beteiligung der Demokraten
verlangte, wieder ſtrich. Im Anſchluß daran ſollten dann die
Parteiführer vom Kanzler empfangen werden, um die Bilanz
der bisherigen Beratungen zu ziehen.
Beides iſt aber nicht geſchehen. Angeblich mit Rückſicht
darauf, daß der Kanzler zu übermüdet ſei, um den
Verhandlun=
gen noch weiter folgen zu können. Auch das Zentrum will ſich
jetzt erſt am Donnerstag morgen über ſeine weiteren Abſichten klar
werden. Wie die Dinge fallen werden, darüber gehen die
Mein=
ungen ſehr weit auseinander. Der Wirthſche Flügel hat neue
Hoffnungen geſchöpft. Er glaubt, ſich durchſetzen zu können, weil
jetzt das Zentrum vor die Frage geſtellt iſt, ob es mit den
Deutſchnationalen, der Bayeriſchen Volkspartei und der
Deut=
ſchen Volkspartei eine ausgeſprochene Rechtsregierung bilden
will. Es iſt ſchwer zu ſagen, nach welcher Richtung die
Mehr=
heit fallen wird.
Deshalb taucht auch neuerdings der Gedanke auf, daß
ſchließlich doch das Kabinett in ſeiner gegenwärtigen
Zuſammen=
ſetzung vor den Reichstag treten und ſich in offener Feldſchlacht
ſtellen werde. Dieſe Möglichkeit iſt aber bisher von der
Deut=
ſchen Volkspartei abgelehnt worden, weil das Ergebnis ſein
müßte, daß das Kabinett ſchließlich über eine im Rahmen der
großen politiſchen Fragen nebenſächliche Angelegenheit fallen
könnte. Auch Herr Dr. Marx iſt noch am Dienstag der gleichen
Auffaſſung geweſen. Man geht alſo auch in den Donnerstag
mit völliger Ungewißheit hinein, vielleicht mit der leiſen
Hoff=
nung, daß die auf allen Seiten vorhandene Abneigung gegen
Neuwahlen ſchließlich doch etwas Poſitives zuſtande bringen
werde, und da die Verantwortung nun doch einmal auf dem
Zentrum liegt, ſcheint der Fraktionsvorſtand wenigſtens
ent=
ſchloſſen zu ſein, einer Regierungsbildung auch ohne die
Demo=
kraten zuzuſtimmen.
Die Fraktion der Deutſchen Volkspartei ging geſtern nach
einer Sitzung um 247 Uhr auseinander, ohne einen Beſchluß
ge=
faßt zu haben. Die nächſte Sitzung findet Donnerstag vormittag
11 Uhr ſtatt.
Die Haltung des Zentrums.
Berlin, 15. Okt. Als weſentdicher Grund für die
Ver=
tagung der Zentrumsfraktion iſt angegeben, daß Reichskanzler
Dr. Marx im Hinblick auf die vielen Verhandlungen, die er im
Laufe des heutigen Tages geführt hat, nicht in der Lage ſei, ein
ausführliches politiſches Referat zu halten. Aus
parlamentari=
ſchen Kreiſen erfahren wir ergänzend, daß man in zuverläſſigen
Kreiſen die Lage für ſoweit geklärt halte, daß die Entſcheidung
zu Gunſten eines Regierungseintritts der Deutſchnationalen als
gefallen betrachtet werden könne. Im Laufe des heutigen Tages
fand auch in der Vorſtandsſitzung der
Zentrums=
fraktion eine eingehende Beſprechung zwiſchen dem
Zentrumsvorſtand und Dr. Marx ſtatt, in der ebenſowenig, wie
in der vorhergehenden Kabinettsſitzung die Frage einer etwaigen
war die Frage der Auflöſung als nicht akut betrachtet
worden. Die Zentrumsfraktion tritt morgen früh 11 Uhr erneut
zuſammen, ebenſo die Fraktion der Deutſchen Volkspartei. In der
Fraktionsſitzung der Deutſchnationalen kam zum Ausdruck, daß
die Fraktion keine Veranlaſſung hätte, ihre Haltung zu ändern.
Sie will die Entſcheidung der anderen Fraktionen abwarten.
Die Demokraten drängen auf Reichstags=Entſcheid.
Berlin, 15. Okt. (Wolff.) Die demokratiſche Fraktion hat
mit übergroßer Mehrheit folgende Entſchließung gefaßt: Die
demokratiſche Fraktion hält daran feſt, daß die gegenwärtige Kriſe
ohne Not heraufbeſchworen wurde, und daß ſchwerwiegende
Gründe der Außen= und Innenpolitik die Beibehaltung der
jetzi=
gen Regierung erfordern. Die Regierung hat die Pflicht, ſich
vom Reichstag die Zuſtimmung für die Fortführung der
bishe=
rigen Außen= und Innenpolitik geben zu laſſen, und darf erſt
dann abtreten, falls wider Erwarten der Reichstag ſie dazu
zwingt. Entſprechend ihren bisherigen Beſchlüſſen, vermag die
Fraktion eine einſeitige Erweiterung der Regierung nach rechts
nicht mit ihrer Verantwortung zu decken.
Der Reichsvorſtand der Demokratiſchen Partei iſt zum
Diens=
tag, den 21. Oktober, nach Berlin zuſamenberufen.
Die Deutſchnationalen zur Lage.
Berlin 15. Okt. Die Deutſchnationale Reichstagsfraktion
gab um 8½ Uhr folgendes Communiqué heraus: Die
Deutſch=
nationale Reichstagsfraktion hielt heute nachmittag um 5 Uhr eine
Sitzung ab, in der die politiſche Lage erörtert wurde. Sie hat
keine Veranlaſſung, zu einer erneuten Beſchlußfaſſung zu kommen.
Die Kabinettsſitzung vom Mittwoch.
Berlin, 15. Okt. Die heutige Miniſterbeſprechung,
die um 12 Uhr begann, war kurz nach 2 Uhr zu Ende. Einziger
Gegenſtand der Tagesordnung war die innerpolitiſche
Lage, über die der Reichskanzler Bericht erſtattete und über die
eine Ausſprache ſtattfand.
Die Kriſe im Ruhrbergbau.
Bildung von Kommiſſionen.
Dortmund, 15. Okt. An der am Montag und Dienstag
veranſtalteten Beſprechung über die Lage im Ruhrbergbau
nah=
men Vertreter des Reichsarbeitsminifteriums, des preußiſchen
Handelsminiſteriums, des Reichskohlenkommiſſars, der
Reichs=
eiſenbahnbehörden, des Oberbergamts, der Provinzialregierung,
der beteiligten Kommunalbehörden, des Zechenverbands und der
vier Bergarbeiterverbände teil. Zur Linderung der Frage der
Abſatzkriſe ſagte die Reichseiſenbahndirektion zu, bei der
dem=
nüchſt erfolgenden Uebernahme der Negiebahn den
Brikett=
bezug zu ſteigern und eventuell die Bahnfrachten
her=
abzuſetzen, um die deutſche Kohle gegenüber der engliſchen
in Norddeutſchland konkurrenzfähig zu machen. In der Frage
der Selbſtkoſten wurde eine Kommiſſion aus je drei Vertretern
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter dem Vorſitz eines
Ver=
treters des Reichskohlenrates gebildet, die die Aufgabe hat, die
Selbſtkoſtenberechnung der einzelnen Zechen zu kontrollieren und
feſtzuſtellen, ob und in welchem Umfange die ſtillgelegten Zechen
noch abbauwürdig ſind. Zur Löſung der anderen Fragen wurde
die Bildung engerer Kommiſſionen vorgeſchlagen, in
denen ſämtliche Körperſchaften vertreten ſein ſollen.
Der Arbeitgeberverband der Nord=Weſt=Gruppe der Eiſen=
und Stahlinduſtrie hat den am 10. Oktober gefällten
Schieds=
ſpruch über die Lohnforderungen der Metallarbeiterverbände
abgelehnt.
FDichter=Handſchriften der Münchener
Stadt=Bibliothef.
künchen hat an der Spitze ſeiner Stadtbibliothek einen im
Birürweſen reich erfahren und um die Hebung und
Erweite=
rurnoar ſtädtiſchen Bücherei wohlverdienten Mann, den
Stadt=
ratzlimns Ludwig Held. Er, ehedem als Schriftſteller und
Reli=
gig käloſoph ein Bücherwurm und Schreibſtubenmenſch, iſt
durdie Woge des Umſturzes in die Politik hinaus und in den
St=ceitt hineingetragen worden. Aber er hat — jenſeits der
Paem — im ſtillen Hafen der Stadtbibliothek einen
Wirkungs=
krekgffunden, der ſeinen Neigungen, Begabungen und
Wün=
ſcheufſer entſpricht. Seinem raſtloſen Bemühen um Mehrung
dess ju tiſchen Bücherbeſitzes und Erweiterung auch des
biblio=
theäl ſchhen Geſichtskreiſes iſt es zu danken, daß Münchens
Stadt=
bib; hek nun eine Sammlung beſitzt, die den Beſtand an
Druck=
wer wöchſt intereſſant ergänzt: eine Sammlung moderner
Dich=
ter=)dſchriften. Das ſind nun nicht etwa kleine Brief=
Manu=
ſtri ader bedeutungsloſe Autographen — nein, es handelt ſich
hieeiwer Hauptſache um die Niederſchriften mehr oder minder
umuf gi icher Werke, die heute ſchon mehr oder minder bekannt
od4 enühmt ſind. Thomas Manns „Fiorenza”=Handſchrift, von
Mänsulbe eine Novelle und das Drama „Das tauſendjährige
Rek‟, Meroe” von W. v. Scholz ſeien aus der Maſſe des
Inter=
ſſeſ n herausgehoben. Alle Manuſkripte ſind in Halbpergament
gers im und tragen ine Anzahl leerer Bogen, auf die einmal
dies bans= und Schaffensgeſchichte des betreffenden Dichters
ge=
ſchiren werden ſoll.
e iſt der Grundſtock zu einem Werke gelegt, das erſt
ſpä=
ter mGenerationen Früchte tragen wird. Im Manuſkript lebt,
andre als im nüchternen, von fremden Händen gedruckten und
her=ſich teten Buche, der lebendige Odem des Schöpfers. Auch
liegx; der Aufmachung des Manuſkriptes, in der Schrift, den
nin, der Ausdruck hier erlaubt iſt — „Regie=Bemerkungen”
dess effaſſers ſo viel pſychologiſch Intereſſantes, daß aus den
beſegelenen Blättein die Perſönlichkeit des Dichters oder
Ge=
lehim wisweilen in zwingender Deutlichkeit wieder aufſteigt. —
Ab/Rawn uns Zeitgenoſſen beſchleicht ein eigenartiges Gefühl,
wermuär den Dichter hier ſozuſagen bei der Arbeit belauſchen.
Ernurd uns menſchlich vertrauter, wir ſpüren ſein Herz, den
Bluutlng ſeines Werkes, und nehmen vor allem teil an der
Qumdes Schaffens und der Seligkeit der Vollendung. Da ſind
zurm e ſpiel die Halbeſchen Handſchriften: knorrige Zeichen von
barau: Form, gleichſam in einem heiligen Schöpferzorn über
dass av ier geworfen. Ein rüheloſer Former, nie zufrieden mit
demuhſchaffenen, vernichtete er mit harten Strichen die erſten
Nie=
der tiſten, verbeſſerte, fügte ein, merzte wieder aus. Und wenn
wirsfließlich am Ende des Dramas das Wort „Vorhang” leſen
und die Datierung der Vollendungsſtunde, dann hören wir
ordentlich den Seufzer der Erlöſung, mit dem die aufs äußerſte
angeſpannten Nerven und ſchöpferiſchen Energien ihre
Entſpan=
nung fanden. — Thomas Manns Handſchrift iſt ſpitz und ſchmal.
Man ahnt die geſtreckten, kultivierten, wohlgepflegten Finger, die
ſie produzieren. Er wählt für ſeine Niederſchrift nicht koſtbares
Bütten — einfache, quadratiſch aufgeteilte Kanzleibogen tun hier
den gleichen Dienſt. Obwohl wir uns hier offenſichtlich der erſten
Faſſung — die auch die endgültige wurde — gegenüberſehen,
fin=
den wir wenig Korrekturen. Nur hier und da wählte die
glät=
tende Feilarbeit den nach Klang und Gehalt treffenderen
Aus=
druck. Intereſſant iſt die Handſchrift eines Romans von Kurt
Martens: „Der Alp von Zerled.” Sie beginnt mit einer
ausführ=
lichen Analyſe des Stoffes, läßt genaue Charakteriſtiken folgen,
bringt alsdann Kapitel= und Stoffeinteilung, eine genaue
Ge=
ländeſkizze mit Zeichnungen, Umriſſe beſonders wichtiger Szenen
und läßt dann erſt den eigentlichen Roman — in einer nur für
den Verfaſſer zu leſenden Schrift — folgen. Martens Schrift
flieht offenſichtlich vor dem Anſturm der Gedanken. Seine Zeilen
ſind wie Truppen, die ſo ſchnell voranſtürmen, daß man den
ein=
zelnen Soldaten nicht erkennen kann.
Muſterbücher liefert Korfiz Holm, der bekannte
Romanſchrift=
ſteller. In zwei Lexikonbänden ſtellt ſich die Handſchrift ſeines
letzten Romans vor, als „Herz iſt Trumpf” bekannt, damals aber
noch „Der ſtarke Mann” betitelt. Große, edle lateiniſche
Buch=
ſtaben, das Format füllend wie ein Porträt Hodlers, deuten auf
Form und Ruhe einer überlegenen Geſtaltung. Naiv iſt die
Schrift der unglücklichen Lena Chriſt, mit der Bayern und das
deutſche Schrifttum eines ſeiner urſprünglichen Talente zu zeitig
verloren hat. Ihr Roman „Mathias Bichler” iſt wie ein
Schul=
mädeldiktat geſchrieben, ohne Striche und Korrelturen. Man hört
ordentlich das Dahinrieſeln des Talentbrunnens. In zwei
No=
vellen=Niederſchriften zeigt ſich A. de Noras kalligraphiſch edle
Hand. Man bewundert die äſthetiſchen Neize dieſes Bleiſtift=
Manuſkripts. Zierlich, und trotz der rückſichtsloſen Feilarbeit
leicht leſerlich iſt Georg Hirſchfelds Dramen=Manuſkript „Hoſea”.
Er widmet es der Stadtbibliothek nicht ohne bitteren Hinweis auf
das Schickſal ſeiner Uraufführung, bei der das Werk am geringen
Verſtändnis ſeiner Zuſchauer Schiffbruch erlitt.
Zwei dicke Bände, Briefpapier, mit langen, faſt liegenden
Buchſtabenreihen bedeckt, ohne jede Verbeſſerung, füllen Anna
Croiſſant=Nuſts Roman „Felſenbrunnen”. Man ſieht den gütigen
fraulichen Kopf der fränkiſchen Dichterin am Schreibtiſche über
das Papier gebeugt. Hier iſt alles Gleichmaß, Sicherheit und jene
innere Heiterkeit, die der beſte Nährboden für das Schaffen iſt.
Alexander von Gleichen=Rußwurms Handſchriften zeugen in
ihrem Ebenmaß und Klarheit für dieſen klaren und reinlichen,
klugen und geſchmackvollen Kulturſchriftler. Von Hermann Bahr
finden wir zwei Aufſätze, Zeitungsbeiträge mit allerlei
Druck=
vermerken. Die Schrift iſt klein, mädchenhaft zierlich. Das Manu=
ſkript der Arthur Kutſcherſchen Wedekind=Biographie, eine große
kunſthiſtoriſche Arbeit Wilhelm Hauſenſteins und die
ſtenogra=
phiſche Niederſchrift von Holzapfels „Geſchichte des
Franziskaner=
ordens” ſind Hauptſtücke des wiſſenſchaftlichen Teiles der
Sammlung.
Intereſſant iſt es auch, die äußere Beſchaffenheit der
Hand=
ſchriften zu vergleichen. Der eine benutzt erleſene Büttenpapiere,
der andere fügt rückſeitig beſchriebene Korreſpondenzen zum
Buche. Ein dritter ſchreibt ſeinen Roman in Taſchenbücher im
Duodezformat. Vermerke über Entſtehungszeit — ein
Dramen=
manuſkript weiſt ſogar die Entſtehungs minuten jeder
einzel=
nen Szene auf —, Mitteilungen über Drucklegung, Honorar
u. a. m. ergänzen die Niederſchrift des eigentlichen Werkes. R. R.
„Aus Skizzenbüchern bekannter Meiſter”
herausgegeben von Dr. J. A. Beringer beim Stuttgarter
Kunſt=
verlag G. m. b. H., Stuttgart.
Unter dieſem Kollektivtitel bringt der genannte Verlag bisher der
Allgemeinheit nicht zugänglich geweſene Skizzen aus den
Skizzen=
büchern anerkannter Künſtler. Als erſter Band erſcheint Skizzenbuch 1
von unſerem Altmeiſter Hans Thoma, der am 2. Oktober ſeinen
85. Geburstag beging. Es iſt ein überaus glücklicher Gedanke des
Ver=
lags, durch dieſe Sammlung dem kunſtliebenden und verſtändigen
Publi=
kum das ſo wertvolle Material zu erſchließen, das den beſten Ueberblick
über das Werden der einzelnen Künſtler gewährt. Dieſe Skizzenbücher
ſind die Wegwveiſer ſowohl zu den Wurzeln des künſtleriſchen Schaffens
wie zu den Gipfeln der abgeſchloſſenen Werke. In den Skizzen leuchtet
erſtmals der künſtleriſche Gedanke in ſeiner Unmittelbarkeit und
Ur=
ſprünglichkeit auf. Skizzenblätter ſind die nachdrücklichſten Zeugniſſe
des Form= und Farbwillens eines Meiſters. In ihrer zeitlichen
Aufein=
anderfolge zeigen ſie nicht bloß die Entwicklung eines Werkes, ſondern
auch den Werdegang der Geſtaltungskräfte und des Ausdruckswillens
der Künſtler. Sie ſind die Maßſtäbe ſeines künſtleriſchen Willens und
Könnens. Dies umſomehr bei einem Künſtler wie Hans Thoma,
der ſich ſelbſt einen geborenen Nealiſten nennt. Er iſt aber auch einer
der vergeiſtigteſten Künſtler aller Zeiten geworden, indem er aus
un=
mittelbarer Lebensnähe in die kosmetiſchen Fernen, aus unbedingter
Sachlichkeit zur durchſeelten und ans Herz greifenden Kunſt führte. So
iſt er ein Deuter der Kunſt unſeres Volkes, ein Künder unſerer
Volks=
ſeele geworden. Sein Schaffen iſt der Ausdruck deutſchen Weſens in
ſeinen lauterſten Bekundungen, Volksſprache und Weltſprache zugleich
Skizzen in hervorragender Fakſimilenachbildung läßt
Anhand von
uns der erſte Band die Jahre 1856—1868 des Künſtlers mit erleben.
Der textliche Teil des Buches von Herrn Dr. J. A. Beringer führt uns
durch dieſe Entwicklungsjahre und gibt intereſſanten Aufſchluß über das
Werden und Geſtalten des Künſtlers. Die hervorragende Wiedergabe
der einzelnen Skizzen auf beſtem holzfreiem Papier, ſowie die originelle
Form als Skizzenbuch in geſchmackvollem Einband zeigen, daß der
Ver=
lag eine dem Künſtler würdige Neuerſcheinung geſchaffen hat, die als
eine wertvolle Ergänzung der Künſtlerliteratur bezeichnet und jedem
beſtens empfohlen werden kann. Wer Freude an der Kunſt, oder gar
ſelbſt künſtleriſche Veranlagu g beſitzt, dem wird dieſe Sammlung eine
reiche Fundgrube des Schauens und Erlebens ſein.
Umſchau in Vorderaſien.
Ein Blick auf die Gliederung Vorderaſiens, wie
Nachkriegs=
verträge ſie zurecht geſchneidert haben, genügt, um ſich auch von
den Gegenſätzlichkeiten ein Bild zu machen, die ſich neuerdings
wieder in den Vordergrund drängen. Beteiligt ſind an den
Strei=
tigkeiten vornehmlich England, die Türkei, Frankreich, Rußland
und Amerika. Mit Ausnahme des letzteren ſind die genannten
Staaten territorial intereſſiert. Wie weit außer der Türkei zu
Recht, — darin gerade gipfeln die Probleme. Am ſchwierigſten
iſt gegenwärtig zweifellos Englands Lage, deſſen imperialiſtiſchen
Beſtrebungen nicht nur in Vorderaſien, ſondern auch in
Aegyp=
ten, Indien und in Afghaniſtan Widerſtände erwachſen. In
ſei=
nen diplomatiſchen Ränken ſchreckt es ſelbſt vor deren letzten
Kon=
ſequenz, dem Aufeinanderhetzen verwandter Stämme, nicht
zu=
rück. Ein augenfälliges Beiſpiel hierfür waren die letzten Kämpfe
zwiſchen der Hedſchas und den Wahabiten in Arabien. Englands
Kriegsziele in Vorderaſien richteten ſich auf die Ausbreitung
ſei=
nes politiſchen und hauptſächlich wirtſchaftlichen Einfluſſes. Es
brauchte einen Landweg vom Mittelländiſchen Meer bis zum
Perſiſchen Golf. Die Unzufriedenheit der arabiſchen Stämme
mit den zentraliſtiſchen Tendenzen Konſtantinopels kamen ihm
hier zuſtatten, es begünſtigte einzelne Stammesführer, erhob ſie
zu Königen, ſicherte ihnen große Rechte zu und unterſtützte ſie
mit Geld. Zum Zweck der Schwächung der Vaſallen ſpielte es
ſie dann gegeneinander aus. Heute iſt die arabiſche Brücke im
Bau. Nicht überall aber glückt ihm ſein Spiel.
In Aegypten lehnt man ſich „zunächſt diplomatiſch”
gegen die engliſche Vorherrſchaft auf. Und ſo groß des engliſchen
Premiers Verſprechungen waren, keine kolonialen Abenteuer
zu=
zulaſſen, ſo ſchroff ſteht er jetzt im Gegenſatz zu Aegypten. Deſſen
Forderungen ſind bekanntlich die Entfernung engliſcher
Trup=
pen, die Aufhebung aller Bevormundung und die Unterſtellung
des Suezkanals unter den Schutz des Völkerbundes. Der
Gegen=
ſatz iſt hier nicht ohne weitere Verwicklungen denkbar, die um ſo
drückender werden dürften, als die ägyptiſche Bevölkerung auch
nationa: erwacht. Im aſiatiſchen Fragenkomplex tritt das
er=
wachende Nationalbewußtſein, der unter engliſcher Oberhoheit
ſtehenden Völker immer deutlicher zutage. Was in unſeren
Regionen Skatabende und Kränzchen ſind, das ſind bei den
In=
dern z. B. Zuſammenkünfte, auf denen gemeinſchaftlich Waren
zur Verdrängung der engliſchen Konkurrenz hergeſtellt werden.
Der Befreiungskampf beſchränkt ſich nicht auf Volksreden und
Straßenkämpfe, wie ſie erſt jetzt wieder in Burma
vorgekom=
men ſind, ſondern greift zu praktiſchen wirtſchaftlichen Mitteln.
Englands Expanſion illuſtriert in ſehr draſtiſcher Weiſe ſeine
Vorherrſchaft auf dem perſiſchen Markt. Während es vor
dem Krieg an der perſiſchen Einfuhr mit 25 Prozent beteiligt war
und Rußland mit 75 Prozent, beſteht heute genau das
Gegen=
teil. Auch in die Politik Perſiens greift England über. Alles das
mit dem Ziel, die Kette der wirtſchaftlichen Einflußſpären zu
ſchließen, um dann in ganz Vorderaſien die Vorherrſchaft an ſich
zu reißen und die Türkei nach Möglichkeit zurückzudrängen.
Von Perſien her erſtrecken ſich Englands Anſprüche auch auf
das gegenwärtig im Mittelpunkt ſtehende Moſſul=Gebiet,
deſſen reiche und vielumſtrittene Petroleumvorkommen den
Zankapfel bilden. Ein Sohn des von den Engländern im
Stich gelaſſenen Hedſchas=Königs iſt im Irak (Meſopotamien)
Herrſcher von Englands Gnaden. Von Bagdad aus wird nun
ver=
ſucht, die Oelvorkommen ſüdlich von Moſſul politiſch=
adminiſtra=
tiv zu erfaſſen, von Perſien aus durch die Anglo=Perſian=Oil Co.
Das Schickſal des Wilajets Moſſul ſelbſt liegt in der Hand des
Völkerbundes, dem die Türkei kein Zutrauen ſchenkt, weil ſie
be=
fürchtet, die ſtrittige Frage könnte im engliſchen oder franzöſiſchen
Sinne entſchieden werden. Um ſich jedoch den Beſitz Moſſuls zu
ſichern, hat ſie vor vierzehn Tagen die wichtigeren Teile des
Wilajets beſetzt, ſehr zum Aerger naturgemäß des Mandat=
In=
habers England. Wirtſchafts=geographiſch und in nationaler
Hin=
ſicht gehört Moſſul zur Türkei. Die Zahl der dort wohnenden
Araber iſt verſchwindend klein, dagegen machen die Kurden einen
erheblichen Teil der Bevölkerung aus. So iſt es auch zu erklären,
daß Kurdiſtan für die Türkei mit den Waffen einzugreifen bereit
iſt. Auch wenn England nur die Oberhoheit in dieſem Gebiet
verliert, bleibt die Wirtſchaftsfrage doch ſchwer lösbar, weil außer
anderen auch Rechtsanſprüche der Nachfolger Abdul Hamids
vor=
liegen, der die beſten Oelvorkommen ſeiner Zeit in ſeine
Zivil=
liſte hat einreihen laſſen. Mit Frankreich dürfte ſich England in
der Moſſul=Frage verſtändigen, nicht ſo leicht aber mit Amerika.
Einer der größten Gegner Englands in Vorderaſien, der Sowjet=
Staat, ſieht der Entwicklung der Dinge zunächſt paſſiv zu, da es
ihm um die Londoner Anleihe zu tun iſt.
Um die Beſetzung Moſſuls durch die Türkei iſt zwiſchen den
beteiligten Seiten ein Notenwechſel entſtanden, der mit der
türki=
ſchen Note vom Samstag wohl kaum ſchon ſeinen Abſchluß
ge=
funden hat. Wie aus London mitgeteilt wird, befriedigt die
tür=
kiſche Antwort dort nicht, jedoch wäre es verfrüht, anzunehmen,
daß England nun ſofort entſprechende Truppenverſchiebungen
vom Suez=Kanal her vornimmt. Die Angelegenheit beanſprucht
folglich weiteres Intereſſe.
Einnahme von Mekka durch die Wahabiten.
Kairo, 15. Okt. (Wolff.) Die Behörden in den Grenzbezirken
erhielten die Nachricht, daß die Wahabiten auf Akaba
vor=
rücken werden. Die ägyptiſche Regierung ergreift die erforderlichen
Vorſichtsmaßnahmen.
Die Wahabiten ſind in Mekka eingerückt. Die Lage iſt
ruhig.
Spaniſche Verſtärkungen für Marokko.
Madrid, 15. Okt. Ein amtlicher Bericht meldet größere
Kämpfe im Gebiet von Laraſch, deren Ausgang noch unbekannt
iſt. Durch königliche Verordnung wurden die Reſervejahrgänge der
letzten drei Jahre einberufen.
Wie der Chicago Tribune aus Madrid gemeldet wird, hat der
König die Mobiliſierung der Jahresklaſſen 1920, 1921
und 1922 angeordnct. Die Mobiliſierung ſoll das ſpaniſche Heer auf
eine Million Mann bringen, um weitere Verſtärkungen nach
Marokko ſenden zu können.
Man teilt offiziell mit, daß General Aizpuru von ſeinem Poſten
als Oberkommiſſar in Marokko zurückgetreten iſt.
Die Moſſulfrage.
Eine engliſche Note.
London 15. Okt. (Europapreß.) Das Foreign Offiene
ztelle 10
veröffentlicht eine Note, in der der Empfang der türkiſchen Ant= auf die zwei engliſchen Noten in der Moſſulfrage beſtätigr
wird. In der Note heißt es, daß zwiſchen den beiden Regierun.
gen vor allem eine Meinungsverſchiedenheit darüber beſtehe,
was=
unter dem status auo zu verſtehen ſei. Es bleibe darum letztenn
Endes dem Völkerbundsrat zu überlaſſen, in dieſer Hinſichn Fdeiut
einen Entſcheid zu treffen. Dem türkiſchen Geſandten in Londorn amal i de
ſei mitgeteilt worden, daß die engliſche Regierung keinen Ein= dagegen erhebe, dieſe Frage dem türkiſchen Vorſchlag
ent=
ſprechend, dem Völkerbundsrat zu unterbreiten. Dabei müſſe
aber Vorausſetzung ſein, daß in der Zwiſchenzeit die Truppen
weder auf der einen noch auf der anderen Seite vorrücken.
Die Spannung dauert an.
Paris 15. Okt. Havas meldet aus Angora, die Situg= ſei unverändert. Die Spannung dauere an; aber von der
Frakgrenze werde kein Zwiſchenfall gemeldet. Die Ent= der Lage hänge von der engliſchen Antwort auf dieg
türkiſche Note vom 10. Oktober und von der Entſcheidung den
türkiſchen Nationalverſammlung ab. Der türkiſche Kommiſſan
für das Kriegsweſen habe erklärt, daß es unmöglich ſei, die ſc.
geſchaffene Situation auf diplomatiſchem Wege zu regeln. Aber.
ſo fügt er hinzu, die Türkei habe die notwendigen Maßnahmem
getroffen, um allen Eventualitäten zu begegnen und werde, wenn,
ſie angegriffen werde, ihre Pflicht tun.
Auch England ruft den Völkerbund an.
Reuter meldet aus Konſtantinopel: Eine unbeſtätigte
Mel=
dung aus Angora beſagt, daß der türkiſche Befehlshaber an dern
türkiſch=meſopotamiſchen Grenze über militäriſche
Tätig=
keit auf britiſcher Seite berichtet.
Genf, 15. Okt. (Wolff.) Der engliſche Premierminiſtern
hat heute den Generalſekretär des Völkerbundes tele= erſucht, ſofort den Völkerbundsraty
einzuberufen, damit dieſer die
Meinungsverſchie=
denheiten zwiſchen der engliſchen und der türkiſchen
Regie=
rung über die Auslegung des Entſcheides des
Völ=
kerbundsrats vom 30. September 1924 unterſuchen kann, undo
zwar über den Paſſus, demzufolge bis zu einer endgültigen:
Grenzfeſtſetzung der status guo im Grenzgebiet vonn
Irak aufrecht erhalten werden ſoll.
Der Generalſekretär hat das Telegramm Macdo= ſofort dem gegenwärtigen Ratspräſidenten Hymangs
zugeſtellt.
Der in dem Telegramm der engliſchen Regierung erwähnte:
Gegenſatz zwiſchen der Türkei und England
be=
ſteht darin, daß nach türkiſcher Aufaſſung die am 30. September
1924 beſtehenden Grenzverhältniſſe als status quo zu gelten
ha=
ben, während nach engliſcher Auffaſſung die Feſtſetzungen des
Vertrages von Lauſanne maßgebend bleiben.
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Donnerstag, den 16. Oktober 1924.
Seite 5.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 16. Oktober.
Oas Städtiſche Hallenſchwimmbad.
„edermann wöchentlich ein Bad”, in dieſe Mindeſtforderung ſollte
ſr einſtimmen, heutzutage, in der Zeit äußerſter körperlicher und
miwer Anſpannung. Es iſt für das allgemeine Volkswohl von ganz
hrttender Wichtigkeit, daß es jedem ermöglicht wird, mindeſtens
ein=
ch en der Woche zu beden. Das regelmäßige Bad iſt mit an erſter
Els zu nennen, wenn es gilt, einen Weg zur Erhaltung und
För=
ng der Geſundheit zu finden. Daß aber noch bei ſchweren und
ſhe—ſten Erkrankungen die verſchiedenſten Bäderformen auch als
Heil=
ſna- zur Anwendung kommen, weiß wohl jeder und beweiſt auch der
heSStand der Heilbadewiſſenſchaft. Für die Hautpflege, Regelung des
efavechſels, Anregung der Herz=, Lungen= und Nierentätigkeit iſt
Bad von größtem Wert. Kurzum auf die geſamten Lebensvorgänge
das Bad wohltätige Wirkungen aus. Schon der rege Betrieb in
m Woog während des Sommers zeigte und zeigte immer mehr,
für viele das Baden zur Lebensnotwendigkeit geworden iſt. Um ſo
— und dankbarer ſollten wir hier in Darmſtadt ſein, auch den gan=
Winter über eine ſo zweckmäßige und muſtergültige Badeeinrichtung
tſitzen wie unſer Hallenſchwimmbad. Zum eigenſten Wohle ſollte
jeder ausgiebigen Gebrauch von unſerem Hallenſchwimmbad
hrn. Darum ergeht der Ruf an alle: Benutzt mehr das
Hallen=
ummbad und macht ausgiebigſten Gebrauch ron dieſer ſegensreichen
:htung unſerer Stadt.
Die Unionhandelsgeſellſchaft A. G. in Darmſtadt hat dem
kelbürgermeiſter der Stadt Darmſtadt 1000 Mark aus ihrem
7:wewinn für 1923 für wohltätige Zwecke zur Verfügung
ge=
t Möge das edle Beiſpiel Nachahmung finden.
Heſſiſches Landestheater. Heute findet der II. Beethovenabend
Violine und Klavier (Drumm=Roſenſtock) ſtatt. Vortragsfolge:
Erce d-dur op. 12, Sonate k-dur op. 24, Sonate cmoll op. 30 (ſ. Anz.).
Aang 8 Uhr.
— Heſſiſches Landestheater. Ende Oktober werden an einem
9ei d im Kleinen Haus des Landestheaters drei Einakter zum
enmal gegeben, und zwar: „Der Heiratsantrag” von
5 chow, „Das Poſtamt” von Tagore und die Komödie
riſt an allem ſchuld”. Im Großen Haus folgt in den
er Novembertagen die Neueinſtudierung von Ibſens Schau=
„Der Volksfeind”. Zur gleichen Zeit wird die
Wal=
iſtein=Trilogie für Mitte November vorbereitet.
— Die Heſſiſche Landeswanderbühne, die im vorigen Jahre infolge
Fkuhrkampfes ihre Arbeit unterbrechen mußte, hat nunmehr ihre
Zitkeit wieder aufgenommen. Sie veranſtaltet am Samstag, den
M4iktober, nachmittags 3 Uhr im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landes=
Ut rs eine Feſtvorſtellung. Zur Aufführung gelangt „Roſe Bernd”,
Ezſpiel in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Am gleichen Tage
fin=
arne Sitzung der Vereinigung der deutſchen gemeinnützigen Landes=
Wanderbühnen in Darmſtadt ſtatt. Die Leiter der kulturellen
Augerbühnen Deutſchlands werden im Anſchluß an dieſe Sitzung der
Storſtellung der Heſſiſchen Landeswanderbühne beiwohnen.
— Die Vereinigung der Freunde des Humaniſtiſchen Gymnaſiums
Uhre Leſeabende wieder aufgenommen. Nachdem ſchon vor
9 Berbſtferien Herr Studienrat Dr. Malzan an ſechs Abenden
ng wählte Briefe des jüngeren Plinius behandelt und dadurch
a Teilnehmern einen feſſelnden Einblick in das geſellſchaftliche und
uuſche Leben der römiſchen Kaiſerzeit vermittelt hat, wird nunmehr
r Profeſſor Dr. Rudolf Becker, einige Stücke aus dem
unver=
ſichen Geſchichtswerk des Thukydides überſetzen und erklären.
k. erholte Anfragen veranlaſſen uns zu dem Hinweis, daß an dieſen
Lwchen außer der ſchulmä en Kenntnis der alten Sprachen, die
ſigens ruhig etwas verbla,= ſein darf, keine beſondere ſprachliche
twkeit und keine erklärende Mitarbeit von den Teilnehmern
ver=
wird. Die Bücher werden geſtellt. Die Leſeabende finden
Mitt=
s abends von halb 2 bis halb 10 Uhr im Leſezimmer des
Ludwig=
bs=Gymnaſium ſtatt.
— Bund der Lichtfreunde. Der Jugendring veranſtältet
Sams=
den 18. Oktober, abends 8 Uhr, im Saal des „Feierabend”, Stift=
51, einen Lichtbildervortrag „Zur Sonne empor”; Sprecher
2Tax Weber. Der Vortrag, der in Mannheim außerordentlich ſtar=
Unklang gefunden hat, will erzählen vom Weſen neuer Körperlich=
und neuen Seins. Karten im Vorverkauf zu 1 Mk. für Erwachſene
d50 Pfg. für die Jugendlichen im „Haus der Jugend”, bei Saeng
AEſtraße), in der Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule und im Verkehrs=
Fexu.
— Kriegerkameradſchaft Hafſia. Im Fürſtenſaal tagte die
Landes=
twe Heſſen der im Reichskriegerbund „Kyffhäuſer” zuſammen
ge=
ſon enen Kriegsbeſchädigten und Kriegshinterbliebenen unter Leitung
* Vorſitzenden, Lehrer Ihrig aus Rothenberg. Alle Bezirke hatten
ktu eter entſandt. Außerdem waren auf Einladung Vertreter der
tuttfürſorgeſtelle, des Verſorgungsgerichts und des Verſorgungsamtes
trrxſtadt erſchienen, denen der Vorſitzende für ihre Teilnahme wärm=
DDank ausſprach. Vom Neichskriegerbund Kyffhäuſer war Herr
er erſchienen. Die Verhandlungen erſtreckten ſich auf
Organiſations=
zai, die Durchführung des Verſorgungsgeſetzes, worüber Herr
Ritter=
ſchönmattenwag referierte, den Ausbau der Verſorgungsgeſetze und
auauzungswahlen zum Vorſtand. Zur Teilnahme an der
Reichskonfe=
in Berlin am 26. Oktober wurden zwei Vertreter gewählt. Die
Pkrandlungen nahmen einen ſehr anregenden Verlauf.
Das Zirkusunternehmen Boigt hat geſtern auf dem
Schwimmbad=
z ſeine Vorſtellungen mit ausgezeichnetem Erfolg begonnen. Die
Eſtungen des Unternehmens ſind beſonders auf artiſtiſchem Gebiete
erſt=
ſo daß der Beſuch empfohlen werden kann. Wir kommen auf die
fihrungen zurück.
Abbau des Preisprüfungsweſens. Der Reichswirtſchaftsminiſter
den Abbau der ſtaatlichen und kommunalen Preisprüfungsſtellen
umd hat ſich zu dieſem Zwecke mit einem Rundſchreiben an die
ein=
mar Länderegierungen gewandt. Wie weit von den
Länderregierun=
gelbſt dieſem Abbaugedanken näher getreten werden kann, hängt von
allgemeinen Wirtſchaftslage und der Preisgeſtaltung ab, welch
letz=
gerade in letzter Zeit eine ſtark aufſteigende Tendenz gezeigt hat.
alledem haben bereits mehreer Städte von ſich heraus an eine
Ver=
ſthung der Geſchäftsführung der Preisprüfungsſtellen gedacht. So
t die Stadt Darmſtadt durch die am 1. Oktober ds. Js. vollzogene
Laſiederung der Preisprüfungsſtelle an die allgemeine ſtädt.
Haupt=
maltung und durch die damit in Zuſammenhang ſtehende Verlegung
ſir=, auch für den ganzen Landkreis tätigen Dienſtſtelle nach dem
(uthaus, eine weſentliche Herabminderung der im Voranſchlag für
4 vorgeſehenen perſönlichen Ausgaben, da durch das Ausſcheiden des
herigen Leiters der Preisprüfungsſtelle nunmehr die
Geſchäftsfüh=
einem bei der Stadt Darmſtadt angeſtellten Beamten zu ſeiner
erigen Tätigkeit mitübertragen und ſo das Gehalt des ſeitherigen
ſ wäftsführers eingeſpart werden konnte.
* Tagung der Arbeitsnachweiſe Heffens. In Frankfurt tagte auf
tanlaſſung des Landesamtes für Arbeitsvermittlung in Heſſen.
Heſſen=
ſſau und Waldeck eine Konferenz der Vorſitzenden der öffentlichen
bnitsnachweiſe in dieſen und den anliegenden Wirtſchaftsgebieten.
Ergebnis der Konferenz wurde in folgender Entſchließung
ammengefaßt: Die ſchleunigſte Verabſchiedung eines
Arbeitsloſen=
eſtherungsgeſetzes durch die geſetzgebenden Körperſchaften des Neiches
zwvingende Notwendigkeit. Bis zu dieſem Zeitpunkt kann nur die
iahnsgefahrengemeinſchaft als eine befriedigende Zwiſchenregelung
an=
iehen werden, wenn ſie durch dezentraliſierte Beitragseinziehung den
furderniſſen der Praxis angepaßt wird. Solange die preußiſche
Ge=
hrrengemeinſchaft noch in Kraft iſt, muß für den Bezirk Frankfurt a. M.
rovinzielle Ausgleichsſtelle außer der Provinz Heſſen=Naſſau auch
Freiſtaaten Heſſen und Waldeck umfaſſen.
— Aus der Beſſunger Bücherhalle. Ausleihetage von Büchern ſind
Dienstag und Freitag, von nachmittags halb 5 bis 6 Uhr.
— Ludwigsoberrealſchule. Am Freitag, den 17. Oktober abends
8 Uhr wird im Phyſikſaale der Ludwigsoberrealſchule Herr Prof. Dr.
Richter einen Vortrag über „Allerhand Intereſſantes vom Luftdruck”
halten. Die geringe Eintrittsgebühr von 50 Pfg. kommt der
phyſika=
liſchen Lehrmittelſammlung zugute.
— Die Kohlenproduktion in Heſſen. Die monatliche Statiſtik der
Kohlenproduktion im Volksſtaat Heſſen weiſt für den Monat
Sep=
tember 1924 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden
gefördert 38 335 To., verkauft wurden davon 13037 To; der größte Teil
der Rohkohle wurde weiterverarbeitet oder zur weiteren Verarbeitung
beſtimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben
Schwelerei=
produkten erzeugt: 1675 To. Braunkohlenbrikketts, 604 To.
Naßpreß=
ſteine. Unter Berückſichtigung der aus den Vormonaten übernommenen
Beſtände, ſowie des Abſatzes und Selbſtverbrauchs verblieben am
Mo=
natsſchluß abſatzfähig: 12 916 To. Rohkohlen, 3164 To. Briketts 4319
To. Naßpreßſteine, zuſammen 20 399 To. Braunkohlen und
Braun=
kohlenprodukte im Geſamtwerte von 167 760 Goldmark.
— Thomas von Aquin=Feier. Man ſchreibt uns: Am 7. März 1924
waren 650 Jahre dahingegangen, ſeit Thomas von Aquino, einer der
größten Gelehrten des Mittelalters, die Augen für immer geſchloſſen hat.
Da in dieſem Jahre das Kantjubiläum im Vordergrund des Intereſſes
ſtand, iſt man bis jetzt achtlos an dieſem großen mittelalterlichen Denker
und Syſtematiker vorübergegangen. Und doch ſollte der Mann nicht
ver=
geſſen werden, der Jahrhunderte hindurch auf das Geiſtesleben des
Abendlandes beſtimmend eingewirkt hat, und deſſen Grundſätze auch
heute noch die criſtliche Philoſophie weſentlich beherrſchen. So hat
ſich die hieſige Vereinigung katholiſcher Akademiker entſchloſſen, am
Sonntag, den 9. November ds. Js. eine Feſtfeier zu Ehren des
großen Gelehrten und heiligmäßigen Mannes zu veranſtalten. Am
Morgen dieſes Tages findet in der St. Ludwigskirche ein von dem
Herrn Biſchof von Mainz zelebriertes feierliches Pontiſikal=Amt ſtatt,
das der Kirchengeſangverein St. Ludwig durch den Vortrag der „Miſſa
brevis” von Oslando Laſſo verherrlichen wird. Am Nachmittag um
3 Uhr wird in der Turnhalle am Woogsplatz eine Feier ſtattfinden, bei
welcher der als Thomas=Forſcher bekannte Profeſſor Behn=Bonn ſprechen
wird über: „Die Problematik der gegenwärtigen Philoſophie und die
Löſung durch den heiligen Thomas von Aguino.‟ Ebenſo wird der als
Kanzelredner weithin gefeierte P. Dionyſius Ortſiefer, O. Fr. M., reden
über: „Thomas von Aquino und die Forderungen des Ethos der
Gegen=
wart.‟ Dieſe beiden Vorträge werden zeigen, daß uns der Aquingte
gerade in unſerer Zeit außerordentlich viel zu ſagen hat. Die Vorträge
werden umrahmt ſein von Chören des Kirchengeſangvereins St. Ludwig,
die Thomas’ſche Hymnen in Vertonungen von Bruckner und Regner zu
Gehör bringen. — Einzelheiten werden noch bekannt gegeben.
— Großes Tanzturnier. Am Samstag, den 18. Oktober, abends
8 Uhr, findet im Städtiſchen Saalbau (nicht, wie urſprünglich
keab=
ſichtigt, in der Räumen der Vereinigten Geſellſchaft, die aus techniſchen
Gründen nicht zur Verfügung ſtehen) ein großes Tanzturnier,
veran=
ſtalret vom Darmſtädter Blau=Gold=Klub, Mitglied des Reichsverbands
für Tanzſport ſtatt. Ausgetanzt werden nach den Turnierregeln des
Reichsverbandes einer Meiſterſchaft von Darmſtadt — Turniertänze in
der C=Klaſſe: Fox, Walzer, One Steo, Ausſcheidung: Fox, in der B=
Klaſſe: Fox, Samba, Boſton, Ausſcheidung: Tango — und eine Rhein=
Main=Stafette — Turniertänze in der C=Klaſſe; wie oben, in der B=
Klaſſe: Fox, Paſodoble. Tango, Ausſcheidung: Boſton, in der 4=Klaſſe:
Fox, Blues, Tango, Ausſcheidung: Five Steb. Startberechtigt ſind:
Mitglieder des Maingaues und des Gaues Baden des Reichsverbands,
in der C=Klaſſe der Meiſterſchaft von Darmſtadt uch Augateurtänzer
der Darmſtädter Geſellſchaft. Wertvolle Ehrenpreiſe ſtehen zur
Ver=
fügung. Die Turniermuſik wird ausgeführt von der Tanzkapelle The
Sheaks, Mannheim und der Blau=Gold=Tanzſport=Kapelle.
Startmel=
dungen bis zum 17. Oktober nachts 12 Uhr an Herrn Aſſeſſor Sachs,
Neckarſtraße 6. Mit dem Turnier verbunden iſt eine Modeſchau erſter
Darmſtädter Firmen, an der ſich C. Schürmann’s Nachf. Speiers
Schuhwarenhaus und Johanna Becker (Hüte) beteiligen werden. Ihre
Mitwirkung haben ferner zugeſagt: die erſte Solotänzeriu des
Landes=
theaters, Frl. Wera Donalies und die Solotänzerinnen Frl. Martin
und Meller, ebenfalls vom Heſſiſchen Landestheater. Anſchließend:
Ball. Kartenvorverkauf beim Muſikhaus Arnold. Wilhelminenſt aße,
und Grammophonhaus Jaeger, Georgenſtr. (Vergl. die Anzeigen und
Plakatſäulen.)
— Orpheum. Die Kölner Komiker Schmitz=
Weiß=
weiler bringen zur Zeit den höchſt originellen Schwank „
Zwangs=
einquartierung” zur Aufführung. Das Spiel mit ſeinen
er=
götzlichen Verwicklungen und oftmals draſtiſchen Wendungen iſt
neue=
ren Datums, hat Arnold und Bach zu Verfaſſern, die beiden Männer,
die die „Spaniſche Fliege” und die „Vertagte Nacht” erſannen. In
Hamburg, in Bremen und in der Reichshauptſtadt hat die „
Zwangs=
einquartierung” Hunderte von Aufführungen erlebt, was für die
Origi=
nalität des Inhalts ſpricht. Arnold und Bach haben das Kühnſte und
Tollſte zuſammenſpintiſiert und einen Schwank geſchaffen, der das
Anſehens wert iſt. Vorbedingung iſt natürlich eine routinierte und
dis=
ziplinierte Schauſpielerſchar, um den Schwank erfolgreich durchzuführen.
Weißweiler und Schmitz haben es verſtanden, aus der Sache etwas zu
machen. Es kam eine gute Aufführung zuſtande, die ihre Hauptſtütze
in Carl Schmitz als Kommiſſionsrat Schwalbe fand. Seine gediegene
Darſtellung ſein unvergleichlich trocken=komiſches Mienenſpiel und ſein
prächtiger Köllſcher Dialekt riefen wahre Lachſtürme hervor. Nicht
min=
der komiſch wirkte die groteske Figur des Dieners Karl. den Joſef
Weißweiler unübertrefflich mimte. Wer die beiden Kölſchen Typen
Tünnes und Schäl nicht kennen ſollte, der ſehe ſich Schmitz und
Weiß=
weiler an! Die übrigen Darſteller, Heinz Noßkothen, Otto Sommer,
Adele Weißweiler, Georg Tackmann, Billa Weißweiler, Helene Deter,
Marie Schmitz und Martha Karl waren ohne Ausnahme ebenfalls gut
in ihren Rollen. Der überaus herzliche Beifall nach jedem Akt und am
Schluß zeugte von dem herzlichen Dank des Publikums. Wer an Dalles,
an Liebeskummer oder an ſonſtigen Gebrechen krankt, der ſehe ſich
die=
ſen Schwvank an — er lacht ſich geſund! — „Zwangseinquartierung”
wird nur noch bis Freitag gegeben.
* Bezirksſchöffengericht. 1. Der Buchhalter Fritz Wilde von
Tor=
gau, verwittwet, iſt unter Freiſprechung von der Anklage der
Unter=
ſchlagung vom Bezirksſchöffengericht im 1. Rechtszuge am 30. Mai 1924
wegen Betrugs im Rückfalle zu 2 Jahren Zuchthaus und 100
Gold=
mark Geldſtrafe unter Anrechnung der Unterſuchungshaft verurteilt.
Wilde iſt 7mal wegen Betrugs vorbeſtraft. Er hat auch hier in
Darm=
ſtadt Schwindeleien verübt und iſt ſeit 1919 ohne feſten Wohnſitz. Dem
Kaufmann Ludwig Beher, hier, ſtellte er ſich in abgetragenem Anzug
als ehemaliger Kriegskamerad vor, er ſei ausgewieſener Flüchtling und
in Geldverlegenheit. Durch ſeine Beziehungen zur Flüchtlingsſtelle habe
er Leute an der Hand, um Winterkarteoffeln zu bekommen, von König
i. D. könne er Lebensmittel (beſonders Schmalz) verſchaffen; er erzählte
auch, ſeine Frau werde in Wiesbaden von den Franzoſen feſtgehalten,
jetzt werde er ihre Möbel freibekommen. Auf dieſe Art verſtand er es,
Geld herauszubekommen. Der Zeuge Gg. Uhrig, hier, gab ihm 1923
700 000 Mk. für Nachtquartier freiwillig und half ihm aus, ſoweit es in
ſeinen Kräften ſtand, mit Geld, Eſſen und auch mit Wäſcheſtücken. Wildes
frühere Tätigkeit als Bankbeamter veranlaßte ihn, ſich um eine Stelle
bei einer hieſigen Großbank zu bewerben, als früherer Bankbeamter
glaubte er auch billig Aktien eines Holzverwertungsunternehmens
be=
ſchaffen zu können. Die Handlungsweiſe gegenüber Uhrig iſt um ſo
verwerflicher, als dieſer ſelbſt ausgewieſen war und ſich in Not und
einer Notwohnung befand. Uhrig gegenüber gab Wilde an, mit ſeiner
Tochter in der Taunusſtraße, hier, eine Wohnung zu haben. Frau Uhrig
vertröſtete er auf die Ankunft ſeiner Frau. Frau Gimbel nahm Wilde.
in der Meinung, er ſei in geordneten Verhältniſſen, mit der angeblichen
Stieftochter während 8 Tagen als Mieter auf. Wilde hat nach den
poli=
zeilichen Ermittlungen, nachdem er die einzelnen Geſchädigten
hereinge=
legt hatte, Darmſtadt fluchtartig verlaſſen. Auf den hieſigen
Flücht=
lingsſtellen fand ſich ſein Name nicht notiert. Der Sachverſtändige,
Amsarzt Dr. Vix bezeichnet Wilde als Pſhchopathen, der körperlich
Spuren einer überſtandenen Lues zeigt, auf den aber 8 51 St.G. B. nicht
anwendbar erſcheint. Wilde iſt nach dem Gutachten für ſeine
Tathand=
lungen ſtrafrechtlich verantwortlich. — Der Staatsanwalt geißelt
insbe=
ſondere das Verhalten des Wilde gegenüber den Eheleuten Uhrig, die
raffinierte Ausbeutung der Mitmenſchen, die ſich als ſtrafrechtlicher
Be=
trug qualifizieren, dem Angeklagten mildernde Umſtände zuzubilligen,
die er mit ſeiner Berufung erſtrebe, erſcheine unſozial, weshalb
Ver=
werfung der Berufung beantragt wird. — Urteil: 1 Jahr 6 Monate
Gefängnis unter Annahme mildernder Umſtände auf Grund des
Sach=
verſtändigengutachtens.
* Vortrag über „Große Aufgaben in der
Abſinenzbewegung”.
Im Hauſe der Jugend, Stiftſtraße 45, hielt vor einer gut
beſuchten Verſammlung Herr Abemarie ein Referat über
das Thema: „Große Aufgaben in der Abſtinenzbewegung.” Nach
einer kurzen einleitenden Begrüßungsanſprache des Vorſitzenden
Herrn Dr. Vidal, in der er insbeſondere auf die nunmehr
er=
folgte zentrale Organiſation, der heſſiſchen Abſtinenzbewegung
hinwies, führte Herr Avemarie etwa folgendes aus: Die Heſſiſche
Landeshauptſtelle gegen den Alkoholismus Darmſtadt trat dieſes
Jahr als Zentralſtelle ins Leben und umfaßt alle heſſiſchen
Abſti=
nenzvereine. Die Landeshauptſtelle hat große Ziele, die der
Red=
ner des Näheren anführt, insbeſondere iſt Fühlung mit den
Be=
hörden zu nehmen, die Jugend iſt durch die Lehrer in Schulen
und durch beſonderen Wanderunterricht für die
Abſtinenz=
bewegung zu gewinnen und iſt für dieſen Wanderunterricht
zu=
nächſt Fräulein Lene aus Mainz gewonnen, die ihre Tätigkeit in
Darmſtadts näherer Umgebung aufnehmen ſoll. Des weiteren
wurden mit Herrn Stadtſchulrat Löſch Verhandlungen über
Jugendaufklärung gepflogen, der ſeine vollſte Unterſtützung
zu=
geſagt hatte und auch ſeit mehreren Jahrzehnten in dieſer
Rich=
tung tätig war. Ferner wurde auf Beeinfluſſung der Kinder
durch Flugblätter und Zeitſchriften hingewieſen. Weiter wurde
im Latfe des Vortrags die Wichtigkeit der Preſſe, des Kinos, des
Radios, der Religion und der Reklame für die Abſtinenzbewegung
erwähnt. Eine Fülle von Aufgaben hat ſich die
Landeshaupt=
ſtelle gegen den Alkoholismus geſtellt. Mit einigen typiſchen
Bil=
dern aus großen Heilanſtalten beſchloß der Vortragende ſein
Referat. Nach den kurzen Schlußworten des Herrn Dr. Vidal
ſchloß ſich eine Diskuſſion an, die wegen der regen Beteiligung
bis ½11 Uhr dauerte. In dieſer wurde hauptſächlich vor
Zer=
ſplitterung gewarnt und ein zielbewußtes Verfolgen einzelner
wichtiger Aufgaben empfohlen. Im übrigen beſchränkten ſich die
Redner auf Vorſchläge und Kritiken der in dem Vortrag
gegebe=
nen Anregungen.
O.
— Gewinnauszug zur 24./250. Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſen=
Lotterie. 1. Klaſſe, 2. Tag, 11. Oktober, Vormittags=Ziehung: 1
Ge=
winn zu 100 000 Rmk. Nr. 305329. 1 Gewinn zu 5000 Rmk. Nr. 41089,
3 Gewinne zu 2000 Rmk. Nrn. 13319 117281 215488, 1 Gewinn zu 1000
Rmk. Nr. 8108, 6 Gewinne zu 800 Rmk. Nrn. 63122 197945 200094 237303
244347 283460, 13 Gewinne zu 500 Nmk. Nrn. 1476 36117 38875 47803
51098 100117 121483 121705 143389 186284 186868 235699 299406, 26
Ge=
winne zu 200 Nmk. Nrn. 2079 14659 35162 36514 40062 68102 69185
69418 88457 88416 98031 112254 121006 121427 126362 131898 155134
176780 177443 177944 181250 219654 260087 275123 281596 298896.
Nach=
mittagsziehung. 2 Gewinne zu 10 000 Rmk. Nr. 3667 197171. 1 Gewinn
zu 5000 Rmk. Nr. 78522, 2 Gewinne zu 3000 Rmk. Nrn. 168222 279948,
2 Gewinne zu 2000 Rmk. Nrn. 13482 139000, 2 Gewinne zu 1000 Nmk.
Nrn. 112259 222306, 7 Gewinne zu 800 Rmk. Nrn. 34428 74171 116806
139221 233721 861374 311334, 13 Gewinne zu 500 Rmk. Nrn. 4550 5309
10237 25415 55517 79867 88210 208537 234871 237642 253239 309987
319633, 21 Gewinne zu 200 Rmk. Nrn. 3893 15435 17093 23379 29363
70717 84942 134655 140247 141293 148583 171174 172389 173543 175567
184231 216598 246933 260316 284408 314787. (Ohne Gewähr.)
Lokale Veranſtaltungen.
Die blerunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
m keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritil.
— Volkshochſchule Darmſtadt. In der Volkshochſchule
be=
ginnen am Montag, den 20. Oktober die Vorträge von Engelbert Graf,
Stuttgart, über: Wirtſchaftsgeographie. Sie erſtrecken ſich bis zum 24.
Okober und ſinden jeweils abends 8 Uhr im Saal 326 der Techniſchen
Hochſchule ſtatt. Die einzelnen Themen ſind folgende: Einleitung: Weſen
und Bedeutung der Wirtſchaftsgeographie. 1. Die Erde als
Kultur=
raum des Menſchen. 2. Eine Inventur der wichtigſten
Nahrungsmit=
tel und induſtriellen Rohſtoffe auf wirtſchaftsgeograbhiſcher Grundlage.
(Getreide Baumwolle, Salze, Kohle, Erze.) 3. Die
wirtſchaftsgeogra=
phiſche Lage der Produktionsſtätten und ihre Auswirkung. — Bei dem
ſteigenden Einfluſſe der Weltwirtſchaſt auf die Geſtaltung der
Lebens=
haltung des einzelnen Menſchen dürfte dieſe Woche wohl allgemeinem
Intereſſe begegnen. Karten der ganzen Woche zu 1,50 Mk. für
Mit=
glieder und zu 2 Mk. für Nichtmitglieder der Volkshochſchule ſind in der
Geſchäftsſtelle, Mathildenplatz 17, Hof rechts, 1. St., zu haben.
— Erlebniſſe und Abenteuer in Spanien und
Afrika. Auch der zweite Teil iſt ein in ſich abgeſchloſſener Vortrag,
ſo daß wir auch alle die einladen, die den erſten Teil nicht gehört haben.
Darüber ſchrieb das Darmſtädter Tagblatt, Nr. 262, unter anderem
fol=
gendes: . . . Zu wünſchen wäre aber, daß der nächſte Vortrag, der
vor=
ausſichtlich am 18. Oktober ſtattſinden wird, ebenſo zahlreich beſucht
wird, wie der heutige, und zwar nicht nur in anbetracht des Zweckes —
der Erbauung einer Jugendburg fließt der Reinertrag zu —, ſondern
auuch wegen der wirklich belehrenden und lebensfriſchen Schilderung des
Vortragenden. Der Zweck des Nerother Bundes, ſeinen Anhängern
nicht nur das engere Vaterland und deſſen Schönheiten zu zeigen, nicht
nur die Ideale der Naturſchönheit den jungen Herzen zu erſchließen,
ſondern auch eine fürs Leben bleibende Arbeit zu liefern, in der
Er=
bauung einer Heimſtätte für die deutſche Jugend, einer Jugendburg,
daneben deutſche Art, frei von Parteizwecken zu pflegen, läßt wünſchen,
daß dieſer Bund allſeitige rege Unterſtützung und Verſtändnis finden
möge. (Näheres ſiehe Anzeige.)
— Singmannſchaft der Turngemeinde 1846. Das
diesjährige Herbſtkonzert der Turngemeinde findet im großen Saal
der Turnhalle am Samstag, den 8. November 1924, ſtatt. Hierzu iſt
ein auserwähltes Programm aufgeſtellt, das in künſtleriſcher Hinſicht
be=
ſondere Beachtung gefunden hat. Es iſt hierzu die Opernſängerin Frau
Gercke vom Heſſiſchen Landestheater, ſowie Herr Konzertmeiſter
Schnur=
buſch gewonnen, der ſowohl als Soliſt als auch mit ſeinem Quartett
mit=
wirken wird. Ein Rezitator iſt in der Perſon des Herrn Bögel vom Heſſ.
Landestheater gewonnen worden. Den muſikaliſchen Teil beſorgt die
ver=
ſtärkte Hauskapelle, die durch ihre guten Leiſtungen bekannt iſt. Den
übrigen Teil des Programmes füllt die Singmannſchaft aus, die mit
größtenteils neuen Chören aufwarten wird. Die Eintrittspreiſe ſind
in mäßigen Grenzen gehalten und im Vorverkauf bei dem Hausmeiſter
der Turngemeinde, ſowie bei Parfümeriegeſchäft Müller. Rheinſtraße,
Klavierhandlung Arnold, Wilhelminenſtraße ſowie
Muſikalienhand=
lung Arnold in der Ernſt=Ludwigſtraße zu erhalten.
— Reichsbund der Kinderreichen zum Schutze der
Familie E. V. Ortsaruppe Darmſtadt. Auf die am Freitag
ſtattfin=
dende Generalverſammlung im Feierabendſaal, Stiftsſtraße, ſei nochmals
hingewvieſen, mit der Bitte um recht zahlreiches Erſcheinen der
Mitglieder, indem in dieſer Verſammlung ein — Wendepunkt unſerer
Bewegung liegt. Siehe heutige Anzeige.)
— Kav.=Verein Darmſtadt. Die Mitglieder werden
ge=
beten, ſich an der Sonntag, den 19. Oktober 1994, ſtattfindenden
Stan=
dartenweihe des Vereins ehemaliger Leib=Dragoner 24, Gießen, zahlreich
zu beteiligen. Fahrgeld wird zum Teil vergütet.
Aus den Parteien.
— Bei der Veröffentlichung der Kandidaten in
geſtriger Nummer betreffend die Deutſch=Demokratiſche
Par=
tei, muß die letzte Zeile lauten: Dr. Büchner und Thun=
Lauter=
bach (Heſſen).
Deutſchnationale Landtagskandidaten für
Ober=
heſſen. Die Deutſchnationalen beabſichtigen, für Oberheſſen folgende
Landtagskandidaten aufzuſtellen: 1. Reichs= und Landtagsabg.
Wer=
ner=Butzbach; 2. Bürgermeiſter Vieſſel=Griedel, Vorſitzender des
Landjugendbundes; 3. Dr. Lenz=Gießen, Vorſitzender der
vaterlän=
diſchen Verbände Oberheſſens.
in Kinderarzt schreibt: „Um alle Schädlichkeiten aus dem Munde fernzuhalten und möglichst gleich-
½zeitig antiseptisch einwirken zu können, genügt das Bürsten mit reinem Wasser nicht, sondern
es bedarf des Zusatzes eines Mundwassers, das vor allem ungiftig und doch keimtötend wirkt, dabei
aber, was für Kinder von großer Bedeutung ist, auch gut schmeckt. Diesen Anforderungen genügt im
vollsten Maße das Odol, das sowohl morgens wie ganz besonders abends dem Wasser zugesetzt werden soll.‟*)
*) „Aus praktische Winke zur Erndhrung und Pflege der Kinder in gesunden und kranken Tagen” von Dr. F. Thcodor, Königsberg 1. Pr.
Seite 6.
Donnerstag, den 16. Oktober 1924,
Rummer 288.
Heſſiſcher Landtag.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1924.
Präſident Adelung eröffnet die Sitzung um 10 Uhr.
Am Regierungstiſch: Staatspräſident Ulrich und mehrere
Mini=
ſterialräte.
Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet der kommuniſtiſche Abg.
Dr. Greiner eine Anfrage an die Regierung wegen der Bezüge, die
der ehemalige Großherzog vom heſſiſchen Staate erhält.
Miniſterialdirektor Schäfer erwidert auf dieſe Anfrage mit einer
Schilderung der Verhandlungen, die wegen der vermögensrechtlichen
Auseinanderſetzung zwiſchen dem heſſiſchen Staate und dem ehemaligen
Großherzog geführt worden ſind. Die Bezüge des ehemaligen
Großher=
zogs regulierten ſich nach den Beamtengehältern, zurzeit (ſeit Juni)
er=
halte der ehemalige Großherzog vom heſſiſchen Staate monatlich
6257 Mark.
Als erſter Punkt auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung ſteht
eine Negierungsmitteilung über die Rechtsverhältniſſe des Patronats.
In dieſer, von dem Miniſterium des Innern ausgehenden Mitteilung
wird zunächſt dargelegt, daß nach Art. 63. Abſatz 2, der heſſiſchen
Ver=
faſſung beſtimmt die Aufhebung oder Ablöſung der Privatpatronate
durch beſonderes Geſetz bis ſpäteſtens 31. Dezember 1924 erfolgen müſſe.
Die Privatpatronate umfaßten Schul= und Kirchenpatronate. Zur
Außerkraftſetzung des Schulpatronats ſei bereits in Artikel 63, Abſatz 3
der Verfaſſung eine Beſtimmung getroffen, während der Kirchenpatronat
nicht beſonders in der Verfaſſung erwähnt ſei. Weiter wird nun in
längeren Darlegungen erklärt, daß bei den Vorarbeiten, die zur
Auf=
ſtellung eines Geſetzentwurfs über die Rechtsverhältniſſe des Patronats
im Miniſterium des Innern bereits inzwiſchen weit gediehen ſeien,
Zweifel darüber entſtanden wären, ob der Kirchenpatronat überhaupt
zum Gegenſtand einer landesgeſetzlichen Regelung gemacht werden könne.
Dieſe Zweifel gründeten ſich auf die Beſtimmungen des Artikels 137,
Abſatz 1 und 3 der Reichsverfaſſung, wonach die Kirche keine Staatskirche
iſt und ihre Angelegenheiten innerhalb der Schranken des für alle
gel=
tenden Geſetzes regelt. Eine zweifelsfreie Klärung dieſer Frage hätte
bisher nicht erreicht werden können. Das Miniſterium des Innern
wolle im Einvernehmen mit dem Juſtizminiſterium eine Stellungnahme
des Reichsminiſteriums des Innern herbeiführen. Man könne aber nicht
damit rechnen, daß dieſe Entſcheidung zu einem Zeitpunkt vorliege, daß
der vorliegende Geſetzentwurf bis zum 31. Dezember ſoweit
fertigge=
ſtellt und parlamentariſch erledigt ſei, daß er bis zum 31. Dezember
1924 in Kraft treten könne.
Abg. Sturmfels (Soz.) erſtattet über den gegenwärtigen Stand
der Angelegenheit mündlichen Bericht.
Abg. D. Dr. Diehl (Deutſchnatl.) beklagt ſich, daß durch den
ge=
genwärtigen Zuſtand eine große Rechtsunſicherheit herrſche. Die evang.
Kirche habe bei der Regelung dieſer ſchwierigen Frage das größte
Ent=
gegenkommen gezeigt.
Abg. Reiber (Dem.) fordert, daß mit ſofortiger Wirkung kein
Inhaber eines Schulpatronats ſeine Präſentationspflicht mehr
aus=
üben dürfe.
Abg. D. Dr. Diehl (Deutſchnatl.) weiſt dieſe Forderung
nach=
drücklich zurück; es ſei gegen jedes Rechtsgefühl, wenn man dem
In=
haber eines Rechts, deſſen Ausübung verbiete. Solange das
Patronats=
recht beſtehe, müſſe man auch die Ausübung zulaſſen.
Das Haus nimmt ſodann in Form einer Abſtimmung (mit
einmü=
tiger Annahme) Kenntnis von der Regierungsmitteilung.
Um die budgetmäßigen Grundlagen für die Fertigſtellung.
Weiter=
führung und Neuerrichtung von Bauten zu ſchaffen, hat die Regierung
dem Landtag eine Vorlage zugehen laſſen. Es handelt ſich um Bauten
der Jahre 1924 und 1925, für die rund 4½ Millionen Mark
ange=
ſetzt ſind. Das Haus ſtimmt der Vorlage zu.
Es werden hierauf mehrere kleine Vorlagen in Uebereinſtimmung
mit den Ausſchußanträgen erledigt. Bei Beratung der Vorlage über
den Kleidergeldzuſchuß für Kriminalkommiſſare bringt
Abg. Dingeldey (D. V. P.) die Tatſache zur Sprache, daß bei der
Polizei das Kleidergeld in monatlichen Raten überwieſen werde, damit
könnten dieſe ſich gar nichts anſchaffen.
Staatspräſident Ulrich erklärt dies als nicht im Sinne der
Be=
ſtimmungen liegend; er werde veranlaſſen, daß dieſes Verfahren
ein=
geſtellt werde.
Um 11 Uhr tritt eine Pauſe ein. In den erneut aufgenommenen
Verhandlungen richtet Abg. Dr. Werner (Deutſchnatl.) eine kleine
Anfrage an die Regierung, in der Auskunft über das Fällen von
Wäl=
dern auf heſſiſchem Boden durch den Himmelbach=Konzern gefordert wird.
(Dem Himmelbach=Konzern, dem angeblich auch der ehemalige
Reichs=
kanzler Dr. Wirth naheſtehen ſoll, wird in der Oeffentlichkeit
vorge=
worfen, daß er im Auftrage der Franzoſen während des Ruhrkampfes
ganze Wälder im beſetzten Gebiet gefällt habe.)
Miniſterialdirektor Schäfer erwidert, daß die heſſiſche Regierung
bereit ſei, Erhebungen im Sinne der Anfrage anzuſtellen; das
Ergeb=
nis werde dem Hauſe mitgeteilt.
Unterdeſſen iſt die Nachricht von der Ankunft des Zeppelin=
Luftſchiffs in Amerika eingetroffen. Präſident Adelung
unter=
bricht deshalb die Verhandlungen und feiert das Ereignis in einer
kur=
zen Anſprache, die an anderer Stelle unſeres Blattes wiedergegeben iſt.
Bei der bald darauf aufgenommenen Beratung des Antrags, der
Abgg. Hofmann=Seligenſtadt und Gen. über die Brotpreiſe
entſpinnt ſich eine längere Ausſprache, an der ſich Abgeordnete
ver=
ſchiedener Parteien beteiligen. Als Abg. Engelmann (Soz.)
län=
gere Zeit redete, ertönten aus dem Hauſe Zwiſchenrufe: Wahlrede!
Allgemein wird Klage geführt über die Höhe der Preiſe und auch
be=
anſtandet, daß bisher vom Reich, vom Staat oder den
Preisprüfungs=
ſtellen ſo gut wie nichts geſchehen ſei.
Der Antrag des Ausſchuſſes, der eine Nachprüfung der
Brotpreis=
kalkulation und eine verſchärfte Nahrungsmittelkontrolle vorſchlägt,
wird einſtimmig angenommen.
Nunmehr wird die Beratung der Regierungsvorlage über den
Ent=
wurf eines Geſetzes zur Abänderung des Landtagswahl=
geſetzes vom 16. März 1921 und die Anträge hierzu, in Angriff
genommen.
Abg. Nuß (Ztr.) erſtattet Bericht über die Geſetzesänderungen.
Es handelt ſich darum, das heſſiſche Wahlgeſetz dem Reichswahlrecht
an=
zugleichen. Der Redner erläutert die wichtigſten Geſetzesbeſtimmungen,
Bemerkenswert iſt, daß Kautelen geſchaffen wurden, damit nicht
Miß=
brauch von kleineren Perſonengruppen getrieben wird bei Aufſtellung
der Vorſchlagsliſten. Es wird die Hinterlegung von 200 Goldmark
ver=
langt. Ein Antrag Dr. Werner (Deutſchnatl.) auf Verringerung der
Landtagsmandate iſt vom Ausſchuß abgelehnt worden; die Prüfung
ieſes Verlangens ſei eine Aufgabe, des kommenden Landtags. Ein
Wahlvorſchlag bedarf der Unterſchrift von 500 Wählern; entſprechend
dem Reichswahlrecht wurde eine Beſtimmung aufgenommen, daß 50
Un=
terſchriften genügen, wenn glaubhaft gemacht wird, daß 500 Wähler
hinter ihnen ſtehen.
Abg. Kaul (Soz) e tattet Bericht über die Stellungnahme des
zuſtändigen Ausſchuſſes zu den einzelnen Anträgen.
Abg. Dr. Werner (Deutſchnatl.) erhebt Einſpruch dagegen, daß
ſein Antrag auf den nächſten Landtag verwieſen wird. Andere größere
deutſche Bundesſtaaten hätten weniger Abgeordnete, als Heſſen. Er
verlangt namentliche Abſtimmung über ſeinen Antrag.
Die Abgg. Kaul (Soz.) und Nuß (Ztr.) geben im Namen ihrer
Parteien Erklärungen gegen den Antrag Dr. Werner ab.
Staatsprä=
ſident Ulrich erklärt, die Regierung werde aus ſich heraus keine
Vor=
lage in dieſer Angelegenheit dem Hauſe unterbreiten. Abg. Frau Roth
(Komm.) fordert aus Erſparnisgründen eine Verringerung der
Mandate.
Zunächſt wird über die Regierungsvorlage abgeſtimmt und dieſe in
erſter und zweiter Leſung angenommen.
Da der Antrag Dr. Werner auf namentliche Abſtimmung einer
qualifizierten Mehrheit bedarf, d. h. es müſſen zwei Drittel der
Mit=
glieder des Hauſes anweſend ſein, dieſe Zahl aber nicht mehr
vorhan=
den iſt, ſo wird auf Wunſch des Antragſtellers die Abſtimmung erſt
morgen ſtattfinden.
Schluß der Beratungen um 1½ Uhr. — Nächſte Sitzung:
Don=
nerstag, 9½ Uhr.
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* Wann wird eine Reſikaufgeldforderung zur
Ver=
mögensanlage im Sinne des Art. 18 1 der III.
Steuer=
notverordnung vom 14. Februar 1924?
Beim Erwerb von Grundſtücken pflegt die Leiſtung des
verein=
barten Kaufpreiſes zu einem Teil durch die Uebernahme der auf dem
Grundſtück laſtenden Hypothekenſchulden und zum anderen Teil durch
eine Barzahlung bewirkt zu werden.” In der Regel wird bei der
Eini=
gung vereinbart, welche Hypotheken abgelöſt werden müſſen, welche
beſtehen bleiben können und eine Anzahl auf die zu leiſtende
Barzah=
lung gemacht. Der Reſt dieſer Barzahlung, das Reſtkaufgeld oder der
Reſtkaufſchilling pflegt bei oder nach der Auflaſſung erlegt zu werden.
Häufig genug wird der Verkäufer ſich dazu verſtehen, das
Reſtkauf=
geld auch über den Termin der Auflaſſung hinaus zu ſtunden. Das
wird vor allem dann der Fall ſein, wenn er einen ſolventen
Kauflieb=
haber gefunden hat, der bereit iſt, ihm im Gegenſatz zu Anderen einen
höheren Kaufpreis zu bezahlen, der aber nicht ſofort über genügend
flüſſige Mittel verfügt. Wenn in einem ſolchen Falle der Verkäufer
den Reſtkaufſchilling mit vereinbarter zwei= oder mehrmonatiger
Kün=
digung auf Zinſen ſtundet, ſich eine Sicherheitshypothek eintragen läßt,
oder ſchließlich auch den Betrag des Reſtkaufſchillings in ein Darlehen
umwandelt, ſo iſt das eigentlich im gemeinen Sinne des Wortes eine
Vermögensanlage. Denn es kann doch kaum ein Zweifel darüber
be=
ſtehen, daß jede nutzbare Verwertung eines Kapitalvermögens, ſomit
alſo auch die zeitweilige Feſtlegung gegen Zinsgenuß, praktiſch eben
eine Vermögensanlage bedeutet.
Wenn der Geſetzgeber mit § 7 Nr. 3, der erſten Verordnung zur
Durchführung des Artikel 1, der 3. Steuernotverordnung vom 1. Mai
1924 (ſiehe Reichsgeſetzblatt Nr. 34, Seite 431) dem Reſtkaufgeld
gegen=
über den durch Hypotheken geſicherten Forderungen eine Sonderſtellung
zuweiſt, ſo mochte er ſich dabei von der Erwägung leiten laſſen, daß
dieſe Art der Vermögensanlage in den meiſten Fällen keine freiwillige
geweſen ſein mag. Denn wie es bei dem Immobilien= und
Grund=
ſtücksgeſchäft eben einmal iſt, ſo würden nur ſehr wenige Käufe und
Verkäufe zuſtande kommen, wenn ſtets die volle Barzahlung gefordert
würde und der Verkäufer ſich nicht zur Stundung eines Reſtkaufgeldes
verſtehen könnte. Man wird deshalb für die meiſten Fälle des
Immo=
biliengeſchäfts mit Recht behaupten dürfen, daß es dem Verkäufer mit
einer derartigen Stundung oder auch Darlehensgewährung keineswegs
um eine Vermögens=Anlage zu tun war, ſondern daß er in dieſer
Hin=
ſicht inſofern nicht ganz frei war, als eine Verweigerung dieſes Ent=
gegenkommens möglicherweiſe das Zuſtandekommen des
Verkaufsos=
ſchäftes gefährdet haben würde.
In dieſem Sinne erſcheint es berſtändlich, wenn dem durch
Hyvo=
thek geſicherten Reſtkaufſchilling gegenüber anderen durch
Huvo=
thek geſicherten Forderungen hinſichtlich der Aufwertung eine Sonder=
ſtellung eingeräumt wird, obſchon auch eine ſolche Feſtlegung von
Kapitalvermögen ohne Zweifel eine Vermögensanlage iſt.
Weſentlich anders aber dürften die Verhältniſſe liegea, wenn ein
weiterer Verkauf ſtattfindet, wobei der zweite Verkäufer mit den auf
dem Grundſtück liegenden Laſten auch die durch Sicherungshypothek
ge=
ſicherte Reſtkaufgeldforderung des urſprünglichen Verkäufers
mitüber=
nimmt.
Der urſprüngliche Verkäufer hat nun gar kein Intereſſe mehr m
dem Zuſtandekommen des weiteren Verkaufes. Er iſt vollkommen frei
in ſeinen Entſchlüſſen und kann, wenn es ihm nicht paßt, daß das
Grundſtück wieder in andere Hände übergeht, die Sicherungshypothek
kündigen und ſich jetzt ſeinen Reſtkaufſchilling auszahlen laſſen. Tut
er das aber nicht, ſo bekundet er doch wohl damit, daß ihm die bisherige
Vermögensanlage genügt und daß er keine Veranlaſſung ſieht, ſie zu
ändern. In dieſem Falle hat aber der urſprüngliche Reſtkaufſchilling
ſeinen Charakter als Reſtkaufſchilling ohne Zweifel verloren und iſt
zur reinen Vermögensanlage geworden.
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Hypothekenſchulden, von denen man ihm ſagt, daß ſie ſtehen bleiben
können, übernehmen, eine Anzahlung auf die vereinbarte Barzahlung
machen und ſich möglicherweiſe den noch ſchuldigen Reſt der Barzahlung
wieder als Reſtkaufgeld ſtunden laſſen.
Es kann vorkommen, daß ein Verkäufer ein Grundſtück übernimmi,
auf dem bereits zwei oder drei Sicherheitshypotheken laſten, die alle
aus früheren Reſtkaufgeldforderungen herrühren. Es kann ſowohl nach
dem Sprachgebrauch als auch nach dem Vorgang des Kaufgeſchäftes,
ſowie nach dem unbehinderten freien Willen dieſer
Hypothekengläu=
biger kaum ein Zweifel darüber beſtehen, daß die aus früheren
Reſt=
kaufgeldern herrührenden und beim Beſitzwechſel freiwillig belaſſenen
Hypotheken reine Vermögensanlagen im Sinne des § 1 Artikel 1, der
3. Steuernotverordnung ſind und den dafür vorgeſehenen
Aufwertungs=
ſätzen unterliegen. Das Geſetz ſayt nichts Gegenteiliges darüber aus.
Denn daraus, daß das Geſetz mit 8 7, Nr. 3, der 1. Verordnung zur
Durchführung des Artikel 1, der 3. Steuernotverordnung ausſpricht,
daß nur den Reſtkaufgeldforderungen eine Sonderſtellung eingeräumt
werden ſolle, die „nach dem 31. Dezember 1918 begründet worden
ſind”, kann nicht gefolgert werden, daß dieſe Sonde ſtellung nun auc
durch Hypotheken geſicherten Forderungen eingeräumt werden ſolle,
die aus früheren Reſtkaufgeldforderungen der Vorverkäufer
hervor=
gegangen ſind.
Es tut not, daß im Intereſſe unſerer darniederliegenden
Wirt=
ſchaft da einmal gründlich Klarheit geſchaffen wird, wenn nicht neue
bedenkliche Verwirrungen entſtehen ſollen. Denn, was die Annahme,
daß die Sonderſtellung in der Aufwertung auch in den früheren
Reſi=
kaufforderungen begründeten Hypotheken zugebilligt werden ſoll und
wenn dazu noch die Formel angewendet wird, die heute in verſchiedenen
Köpfen unter dem fälſchlichen Namen der „Beſtſchen Formel” ſpußt,
ſo käme man zu ganz irrſinnigen Reſultaten.
Ich habe für einen mir vorliegenden Fall eines Grundſtückes, auf
dem drei aus früheren Reſtkaufgeldforderungen begründeten Hypothe
ken laſten, unter Anwendung der „Beſtſchen Formel” errechnet, daß
der Eigentümer, deſſen Grundſtück heute 150 000 Goldmark gewertet
wird, an Aufwertungen auf dieſem Wege 165 000 Goldmark, alſa
16 500 Goldmark über den Wert zu zahlen haben würde!!!
Nicht mit Unrecht werfen uns die Ausländer vor, daß wir immer
noch nicht glauben wollen, daß wir praktiſch eben doch einen ſehr
gro=
ßen Krieg verloren haben. Und daß wir darum alle ſehr arm gewon
den ſind. Es liegt nicht in der Macht des Geſetzgebers, uns das
Ver=
lorene wiederzugeben. Das kann er auch nicht mit der Aufwertung
zerronnener Werte. Alles, was der Geſetzgeber tun kann, iſt, daß er
ſich nach Kräften um eine gerechte Verteilung der Verluſte bemüht. Daß
es nicht eben faſt unbelaſteten Schultern ſolche gibt, die die Laſt nicht
mehr zu tragen vermögen.
Da es aber immer wieder Welche geben wird, die heutige
wirt=
ſchaftliche Notwendigkeiten nicht einſehen können oder wollen, ſo ſollte
für eine Klarheit des Geſetzestextes Sorge getragen werden, die
geeig=
net iſt, uferloſe Illuſionen gründlich zu zerſtören.
Das iſt ganz beſonders in der Aufwertungsfrage nötig. Wer ben
mag, ſich klar vor Augen zu halten, welche Konſequenzen daraus
ent=
ſtehen würden, wenn auch den aus früheren Reſtkaufgeldforderungen
begründeten Hypotheken die genannte Sonderſtellung eingeräumt
wer=
den ſollte, anſtatt, daß man dieſe als das, was ſie tatſächlich ſind, ub
Vermögensanlagen betrachtet, wird kaum mehr einen Zweifel dande
haben, daß hier eine gründliche Klärung dringendes Gebot iſt.
Die nächſte Folge wäre wohl die, daß man natürlich dem Iym
Käufer nicht all die aus früheren Reſtkaufgeldforderungen nm
et=
ſpringenden Aufwertungen aufhalſen könnte. Er hat ja auch miits
hypothekariſch geſicherte Forderungen übernommen, die in Papiermant
gewertet wurden. Mindeſtens verbliebe ihm in ſolchem Falle ein
Regreßrecht auf frühere Eigentümer. Wer vermöchte dann dieſen gordi
ſchen Knoten zu löſen?
ſruummer 288.
Donnerstag, den 16. Oktober 1924.
Seite 2.
Aus Heſſen.
= Arheilgen, 14. Okt. Unter gütiger Mitwirkung des „G. D. G.*
n ges Geſangvereins „Frohſinn”, hier, hält auch die Ortsgruppe
Geu gen vom Reichsbund der Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen
nl.. d. M. (Samstag) im Gaſthaus „Zum goldenen Löwen”, einen
Rifienabend ab. Beide Vereine haben ſich den Kriegsopfern in
ſerZwerter Weiſe ohne Entgelt zur Verfügung geſtellt. Die „
Ge=
y—ft Fröhlichkeit” beabſichtigt, i Bälde auch etwas zu Gunſten des
Krbundes zu unternehmen.
— Eberſtadt, 14. Okt. Der Ortsausſchuß für Volksbildung
19Jugendpflege hat in ſeiner letzten Sitzung beſhloſſen, ſeine
Ctwarbeit demnächſt aufzunehmen. Beabſichtigt iſt, am Mittwoch,
7Aktober, mit einem Volkshochſchulkurſus zu beginnen, der eine
Fſt tzung des vorjährigen Kurſus über „Soziologie” darſtellen ſoll.
6 en auf 6 Abende berechneten Kurſus iſt als Redner wiederum
b: Dr. Mann, Dozent der Volkshochſchule Darmſtadt, gewonnen
bm. Er wird das Thema: „Der Menſch als geſellſchaftliches We=
Sehandeln. Die ſechs Abende laufen von genanntem Tage ab
1b oerden allwöchentlich Mittwochs in der Georgsſchule (unten links)
purden. Das Hörgeld für den ganzen Kurſus beträgt pro Perſon
0 —k und kann in 2 Raten entrichtet werden. Anmeldungen nimmt
1 .4wrſitzende des Ausſchuſſes, Herr Lehrer Becker, ſchon jetzt und am
(Sfarungsabend entgegen. — In der Sitzung des Ausſchuſſes wurde
v der Beitritt zum Rhein=Ma iſchen Verband für Volksbildung
1hnmnkfurt a. M., zur Volkshochſchule Darmſtadt und zum Heſſiſchen
A1—rkino als körperſchaftliches Mitglied einſtimmig beſchloſſen. Die
Abs ibliothek wird inſoweit eine Ergänzung erfahren, als die in den
en Jahren entſtandenene Lücken durch Neuanſchaffungen beſeitigt
zuer ſollen. Mit der Ausgabe von Büchern wird Anfangs November
hnuen werden.
Pfungſtadt, 14. Okt. Die Amtsräume der Bürgermeiſterei
zAder Stadtkaſſe befinden ſich ſeit Begim dieſer Woche, nachdem der
1ſuan des Rathauſes beendet iſt, wieder im Nathaus.
Mieder=Ramſtadt, 13. Okt. Den Reigen der Herbſt= und Winter=
Ainnaltungen der hieſigen Vereine eröffnete am geſtrigen Abend der
Gſrzverein Eintracht” mit ſeinem Herbſtkonzert. Der
gſumige Saal des Gaſthauſes „Zur Poſt” war dicht beſetzt, ein Be=
ABdafür, daß die hieſige Einwohnerſchaft den Konzertveranſtaltungen
gte: Intereſſe entgegenbringt, und daß der Verein mit ſeinen
all=
ülig wiederkehrenden gleichartigen Veranſtaltungen auf dem
rich=
tin Wege iſt. Die einzelnen Darbietungen waren vorzüglich. In
1 Ellen Kiesling=Darmſtadt (Sopran) hatte der Verein eine
Ab ggewonnen, mit der er Ehre einlegte. Die Künſtlerin ſang mit
Ghr Empfindung und viel Innigkeit, ihre Stimme gab willig alles
AFtas die oftmals ſchweren Partien verlangten. Nicht weniger
vor=
keite war Herr Wundenberg=Darmſtadt (Bariton). Abſolute Klang=
Nahjit und Reinheit kennzeichnete ſeine vorgetragenen Solis. Herr
7ᛋI=Darmſtadt (Rezitation) entpuppte ſich als großer Vortrags=
1h.—. Er verſtand es meiſterhaft, ſich die Gunſt des Publikums zu
engen. Herr Stroh hier (Violine) leiſtete wieder ganz
außer=
gufxliches, er holte aus ſeinem Inſtrument gar manche Feinheit
A nu. In Herrn Fritz Thöt hier war ein abſolut ſicherer, ſein
ſtunent beherrſchender Begleiter gewonnen. Der Chor löſte un=
Sh— Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Kehr=Darmſtadt, ſeine
Abane mit beſtem Gelingen. Ganz beſonders angeſprochen haben
154öre: „Roſe von Burgund”, von Simmermacher, „Abendſtänd=
E. ivon Schiebold, „Luſtiger Geſelle”, von Schmidt und Guter
Efm” von Fiſcher. Das zahlreich erſchienene Publikum lohnte die
Abürrungen mit verdientem, reichem Beifall.
Dber=Ramſtadt, 13. Okt. Die Witterungsungunſt des
Sſnmners hatte in dieſem Jahre früher als ſonſt die Landwirte
g1:. Kartoffelernte getrieben, fürchteten ſie doch auch dabei wieder
Ab wem vorausgegangenen Sommerwetter ähnelnden Herbſt. So
Hnlie Kartoffelernte ſchon jetzt, von einzelnen Nachzüglern abgeſehen,
cEyndet betrachtet werden. Das Ernteergebnis bezeichnet man als
alnäßig, denn die durch die Näſſe eingetretene Fäulnis brachte oft
e rSlichen Ausfall. Als Preis für Speiſekartoffeln werden zurzeit
A/ſeak für den Zentner ab Keller genannt. Mit der Herbſtausſaat
ge zwiſchenzeitlich begonnen. — Die Untererhebſtelle fordert zur
9 urg des 4. Zieles der ſtaatlichen Sonderſteuer vom bebauten
Ckribeſitz bis 18 d. M. auf. — Mittwoch, den 15. d. M., abends
7Uhr, findet eine Gemeinderatsſitzung ſtatt. — Das im vorigen
Iſteihier erbaute Gendarmeriewohnhaus wurde kürzlich vollendet und
Wwe: Woche von Gendarmerie=Oberwachtmeiſter Jäger und
Wachtmei=
ſt½szeinmann bezogen. — Nach den Herbſtferien wird Montag, den
Ab.—=rober der Schulbetrieb hier wieder aufgenommen.
Ernſthofen, 16. Okt. Noch iſt in unſerem Kirchſpiel unſer ſchön
9 u enes Dekanats=Miſſionsfeſt, das wir am 21. September feierten,
byaftr Erinnerung, und ſchon kann der ev. Kirchenvorſtand wie=
BSzu, einem Feſtag einladen; nächſten Sonntag, den 19. Oktober,
1 Der Superintendent der Provinz Starkenburg, Herr Geheimrat
192: Floering, in unſerer Kirche eine ordentliche
Kirchen=
ſſination abhalten. Um halb 10 Uhr iſt Viſitationsgottesdienſt,
e: der Herr Superintendent eine Anſprache halten wird; um ½2
Bi. Jugendgottesdienſt.
—Groß=Umſtadt, 14. Okt. In einer ſehr ſtark beſuchten
Verſamm=
hbhes Vereins ehemaliger Schüler der landwirtſchaftlichen Schule,
½ ſorach Herr Direktor Haug über „Neuzeitliche Düngungsfragen”.
Nk ginem kurzen Rückblick über die Entwicklung des Düngerweſens
Aut der Redner, daß zur Erreichung des Zieles, Höchſterträge
ern=
tisz können, nicht einſeitig vorgegangen werden dürfe. Alle
Maß=
witex des Landwirts in Bezug auf Bodenbearbeitung, Saat, Saatgut,
Pße und Erntemethoden müßten auf gleiche Stufe mit der Düngung
grt werden. Vor allen Dingen ſei es notwendig, die Böden beim
zz uüigen Landwirtſchaftsamt auf den Kalk= bzw. Säuregehalt
unter=
f.czu laſſen, damit in dem Boden die Vorbedingungen für die
Wirk=
ſo wi der künſtlichen Düngemittel geſchaffen werden könnten. Es ſeien
muzhlreiche Verſuche auf dem Felde notwendig, um die Frage der
Aberdung des Kalkes als Düngemittel voll zu klären. Die Aufgabe
9klandwirtes ſei es in der jetzigen Zeit, ſo intenſiv wie nur möglich
zz iutſchaften denn der deutſche Boden miſſe das deutſche Volk ganz
einyen können. — An den mit Beifall aufgenommenen Vortrag
ſ1Sſui ſich Verhandlungen über Satzungsänderungen an. Der
Vor=
ſᛋb wurde derart erweitert, daß Herr Direktor Haug als Vorſitzender
gultt wurde und die Lehrer der Schule dem Vorſtand angehören.
Zhe= nächſten Verſammlung am Sonntag, den 9. November,
üdre endgültige Faſſung der Satzungen beſchloſſen werden. —
An=
fiKfrnd an dieſe Verſammlung tagte im „Weißen Roß” der Verband
Abzegenzuchtvereine des Kreiſes Dieburg, wobei es ſich um die
Neu=
uu mines Verbandsvorſitzenden für den ausſcheidenden, nach Büdingen
abwektor des dortigen Landwirtſchaftsamtes verſetzten Herrn
Land=
w.cftsrat Grimm handelte. Herr Direktor Haug teilte mit,
daß das Landwirtſchaftsamt nach wie vor es als eine ſeiner
vornehm=
ſten Aufgaben betrachte, den mittleren und kleinen Beſitzern mit Rat
und Tat beizuſtehen und insbeſondere die Zucht der Kuh des kleinen
Mannes zu fördern. Trotzdem für den ausſcheidenden Herrn Grimm
infolge des Beamtenabbaues ein Erſatz nicht zur Verfügung ſtehe, werde
das Landwirtſchaftsamt es ſich doch angelegen ſein laſſen, die
För=
derungsarbeit im gleichen Umfang wie bisher weiter zu betreiben und
ſtelle zu dieſem Zweck die ſchon früher bewährte Arbeitskraft des Herrn
Landwirtſchaftsrat Strack dem Verband zur Verfügung. Dieſe
Mit=
teilung wurde mit großem Beifall aufgenommen und Herr Strack
ein=
ſtimmig zum Verbandsvorſitzenden gewählt. In beiden Verſammlungen
verabſchiedete ſich Herr Direktor Grimm und allerorts wurde ſeiner
Tätigkeit in warmen Worten des Dankes gedacht.
Neuſtadt i. Odw., 14. Okt. Am Samstag, den 18. d. M., abends,
wird im „Breuberger Hof” der Film „Mit dem
Auswanderer=
ſchiff nach Südamerika” gezeigt. Bilder aus der Hafenſtadt
Hamburg, aus dem Betrieb einer großen Reederei leiten den erſten Teil
ein. Der Film wird unterſtützt durch die fachmänniſchen Ausführungen
des bekannten Vortragsredners der Hamburg—Südamerikaniſchen
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft Kapt. Herbert.
* Heppenheim, Bergſtr., 13. Okt. Geſtern fand hier die aus allen
Teilen des Landes gut beſuchte Generalverſammlung der
Hauptgenoſſenſchaft der heſſiſchen Bauernvereine
ſtatt. Einleitend beleuchtete der Vorſitzende des Aufſichtsrates, Herr
Rechtsanwalt Dr. Lotz=Mainz, die wirtſchaftliche und kulturelle Lage
des Bauernſtandes und wies auf die Notwendigkeit des
genoſſenſchaft=
lichen Zuſammenſchluſſes hin. Herr Genoſſenſchaftsdirektor Klimm=
Lorſch gab in längeren, eingehenden Ausführungen erſchöpfende
Aus=
kunft über die günſtigen Kreditmöglichkeiten, die der Landwirtſchaft für
die Beſchaffung von Saatgut und Düngemitteln durch die vom Reich
zu dieſem Zwecke zur Verfügung geſtellten Gelder ſich bieten. Es können
Darlehen für die Saatgutbeſchaffung zu 6 Prozent, für die
Düngerbe=
ſchaffung zu 8 Prozent gewährt werden. Der vom Vorſitzenden
verle=
ſene Reviſionsbericht des Aufſichtsrats konnte über die Geſchäftsführung
der Hauptgenoſſenſchafts=Geſchäftsſtelle nur das beſte Zeugnis
ausſtel=
len. Der Reviſionsbericht ſowohl, wie die anſchließend bekanntgegebenen
Bilanzen vom 30. Juni 1923, 31. Dezember 1923 und 30. Juni 1924
wurden genehmigt. Der günſtige Stand der letzten Halbjahrbilanz
wurde mit beſonderer Befriedigung aufgenommen. Bei einem
Geſamt=
umſatz von über 3 Millionen Goldmark konnte, ungeachtet der billigen
Weitergabe der Waren an die einzelnen Genoſſenſchaften — alſo unter
Herabſetzung des Zwiſchengewinns auf das möglichſt niedrige Maß —
ein Reingewinn von 8469 Mark erzielt werden. Mit Rückſicht auf den
verhältnismäßig günſtigen geldlichen Stand der Hauptgenoſſenſchaſt
ſchlug der Aufſichtsrat eine 20proz. Aufwertung der Geſchäftsanteile
und der von den Genoſſen der Genoſſenſchaft gewährten Anleihen vor.
Die aufgewerteten Beträge werden im erſten Jahr mit 1 Proz. und in
den folgenden Jahren zu je 1 Proz. erhöhtem Zinsſatz verzinſt.
Be=
dingung für die Aufwertung iſt, daß die Genoſſen bis 1. Januar 1932
Mitglieder der Genoſſenſchaft bleiben und ihre Darlehen nicht vor
die=
ſem Zeitpunkt zurückverlangen. Die Aufwertung fand ſelbſtverſtändlich
allgemein freudige Zuſtimmung und nachdrücklich wurde von
verſchie=
denen Teilnehmern der Wunſch ausgeſprochen, daß auch die öffentlichen
Sparkaſſen und Banken dem von der Hauptgenoſſenſchaft der heſſiſchen
Bauernvereine gegebenen Beiſpiel bald nachfolgen möchten. — Im
weiteren wurde der Vorſtand ermächtigt, fremde Kredite bis zu 1 Mile
lion Goldmark in Anſpruch zu nehmen. Der den einzelnen
Genoſſen=
ſchaften zu gewährende Kredit wurde auf 20 000 Goldmark, und der den
einzelnen Genoſſenſchaftsmitgliedern zu gewährende Kredit auf 3000
Goldmark feſtgeſetzt. Der einzelne Genoſſenſchaftsanteil beträgt 100
Gold=
mark. Die Haftſumme der Genoſſen wurde von 1000 Goldmark auf
500 Goldmark herabgeſetzt. — Ein Zehntel des Geſchäftsanteils — alſo
10 Mark — iſt bis zum 1. Januar 1925 einzuzahlen. Die hiernach
not=
wendigen Satzungsänderungen wurden genehmigt. Bei der hierauf
vorgenommenen Ergänzungswahl werden die ausſcheidenden
Mitglie=
der des Aufſichtsrates wieder und Herr Leonh. Schorck=Hadenrod neu
gewählt. Mit einem trefflichen Schlußwort ſchloß der Vorſitzende die
m jeder Hinſicht anregend verlaufene und hoffentlich auch
fruchtbrin=
gende Verſammlung.
1M. OOPfg.
kostet nach folgendem Rezept ein selbstgebackener
Manche Hausfrau weiß vielleicht gar nicht, ein wie billiges,
nahrhaftes und wohlschmeckendes Nahrungsmittel sie damit
auf den Tisch bringen kann
Br.velker SBchokelädenkäcnen
.. „ 040 6 Eier 4 0.12. . .. 079 500 g Weizenmehl". „ 0.20 1 Päckchen Dr. Oetkers Vanillin-=Zucker 0.06 1 Päckchon Dr. Oetker’s „Backin” „0.08 8 EGlöttel voll Kakao * „015 1 kleine Tasse Milch oder Rahm * * O04 N 196
Die Butter rühre zu Sehne, gib Zucker,
Zubereſtung. Eigelb, Vanillin-Zucker, Mehl, dieses mit
dem Backin gemischt, Milch daran und zuletzt den Schnee der
6 Eiweiß. — Teile die Masse, menge unter die eine Hälfte den
Kakao, ralle den Teich abwechselnd in die gekettete Form und
II,K11507) backe den Kuchen 1 bis 1/, Stunden.
Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn
vergriften, durch Postkarte gratis und franko von
Dr. A. Oetker, Nährmittelfabrik, Bielefeld
*) Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen.
Aus bem Neckartal, 13, Okt. Zum Bergfried der Burg
Schwalbenneſt bei Neckarſteinach führt eine alte Holztreppe an der
äußeren Seite bis zur halben Höhe. Das Geländer iſt aber morſch
und höchſt ſchadhaft, ſo daß es ſehr gefährlich iſt, ſich darauf zu ſtützen.
Es wäre deshalb ſehr zu wünſchen, das zerbrechliche Geländer alsbald
zu erneuern, ehe ein Unglück geſchieht, oder den Turm ganz zu ſperren.
* Erzhauſen, 13. Okt. Der Zweigverein Darmſtadt der Guſtav=
Adolf=Stiftung feierte hier ſein Jahresfeſt mit Feſtgottesdienſt
und Nachfeier. Die Feſtpredigt hielt Herr Stadtpfarrer Vogel von
Darmſtadt, der es verſtand, mit zündenden Worten die Herzen der
großen Hörerſchar für die Sache des Vereins zu begeiſtern. Dann ſprach
der Prälat der Landeskirche, Herr D. Dr. Diehl, der der Gemeinde
ein Bild Erzhauſens aus der Reformationszeit vor Augen führte, das
tiefen Eindruck auf alle machte. Alsdann hielt Herr Dekan. Weiß
gerber von Meſſel noch eine zu Herzen gehende Anſprache.
Dazwi=
ſchen ſang die Feſtgemeinde das Lutherlied. Den Gottesdienſt eröffnete
und ſchloß nach dem Gebet herrlicher Chorgeſang des
Kirchengeſang=
vereins der Schloßkirche und der Stadtkapelle Darmſtadt. — Bei der
Nachfeier im Saale zur Krone, der dichtgefüllt war, ſprachen noch die
Herren Studienrat Dr. Zimmermann= Darmſtadt als Vertreter
des Hauptvereins der Guſtav=Adolf=Stiftung in Heſſen und als
Schrift=
führer des Zweigvereins Darmſtadt. Er gab in halbſtündiger, ungemein
friſcher und anſchaulicher Rede ein Bild von der großen Not unſerer
evangeliſchen Glaubensbrüder in der Diaſpora, beſonders in den
abge=
trennten Gebieten; ſodann ſprach Herr Stadtpfarrer Zimmermann=
Darmſtadt herzliche Worte zu der Gemeinde Erzhauſen, die er längere
Zeit als Spezialvikar von Wishauſen aus verwaltet hatte. Die
Nach=
feier wurde belebt und gehoben durch erſtklaſſige Geſangsdarbietungen
von ſeiten des Darmſtädter Kirchengeſangvereins und der hieſigen
Män=
nergeſangvereine „Sängerluſt”, „Sängerbund” und „Germania‟. Das
Schluß= und Dankeswort ſprach der Vorſitzende des Zweigvereins
Darm=
ſtadt, Herr Stadtpfarrer Vogel. Alsdann ſchloß der Ortspfarrer das
wohlgelungene Feſt. — Die beträchtliche Kollekte kommt der Diaſpora=
Gemeinde Hüttenfeld bei Viernheim zugute.
* Erzhauſen, 15. Okt. Der hieſige Obſt= und Gartenbauverein
ver=
anſtaltete nach langer Unterbrechung wiedermal eine Ausſtellung
von Obſt= und Gartenbauerzeugniſſen. Untergebracht
war die Ausſtellung in dem großen Saale der Ludwigshalle. Die
Be=
teiligung war recht gut. Die ausgeſtellten Früchte, insbeſondere auch
die reichlich ausgeſtellten Obſt= und Gemüſekonſerven fanden allgemein.
reichen Anklang und ungeteiltes Lob der Preisrichter. Der
Ausſtellungs=
beſuch war recht gut. Für ſehr geeignet und zweckmäßig wurde die
Ver=
fammlung angeſehen, in der Herr Obſtbauinſpektor Behne vom
Land=
wirtſchaftskammer=Ausſchuß in Darmſtadt über den Zweck dieſer
Aus=
ſtellung, über den Wert der ausgeſtellten Obſtſorten und über die
Ein=
führung beſſerer und Entfernung minderwertiger Sorten ſprach.
Geld=
preiſe wurden geſtiſtet vom Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß, vom
Kreisobſtbauverband und von der Gemeinde. Bei Eröffnung der
Ver=
ſammlung ſprach der Vorſitzende des Vereins den Preisſtiftern den
Dank des Vorſtandes aus und den erſtgenannten beiden Stellen auch
für die dem Verein ſonſt noch zu Teil gewordene Unterſtützung. Nach der
Verſammlung fand in dem hellerleuchteten Ausſtellungsſaale die
Preis=
verteilung ſtatt. Die ganze Veranſtaltung nahm ſomit einen feſtlichen
und beſonders auch zweckdienlichen Verlauf.
X Walldorf, 14. Okt. Der Gemeinderat beſchäftigte ſich in
ſeiner letzten Sitzung faſt ausſchließlich mit Baudarlehen= und
Woh=
nungsangelegenheiten. Die Gemeinde erhielt von der Heſſiſchen
Landes=
bank 15 000 Mk. die an die Banluſtigen zu den üblichen Bedingungen
verteilt werden ſollen.
N Offenbach, 14. Okt. Im Auftrage der Deutſchvölkiſchen
Freiheitspartei ſprach geſtern hier der Reichstagsabgeordnete
Blume über die Aufwertung der Kriegsanleihen und der
Sparkaſſenguthaben. Die Verſammlung war nur mäßig
beſucht, da man ein Eintrittsgeld von einer Mark erhob, das natürlich
nur die Gäſte in der Verſammlung zu entrichten hatten, denn die meiſt
jugendlichen und durch die Geldentwertung kaum geſchädigten Mitglieder
der Freiheitspartei waren frei. Der Redner begründete in knapp
ein=
ſtündigem Vortrage die Forderungen, die ſeine Partei in der
Aufwer=
tungsfrage vertritt: 1. Es werden nur die Anleiheſtücke aufgewertet, die
ſich noch im Beſitze der einſtigen Zeichner befinden. 2. Die
Anleihe=
ſtücke werden voll aufgewertet. 3. Es wird von den Anleihen eine
Vermögensſteuer erhoben die Vermögen von Anleihen bis
10000 Mark freiläßt, ſich nach oben aber bis zu dem Höchſtſatze von
80 v. H. ſtaffelt. 4. Die aufgewerteten Anleihen werden nicht verzinſt,
ſondern in etwa 20 Jahren in gleichen Raten zurückgezahlt. An der
Ausſprache beteiligten ſich Bürgermeiſter Porth und Stadtverordneter
Joſt im Sinne des Schutzverbandes der
Hypotheken=
gläubiger und Sparer. Die Ausſprache wurde um 10 Uhr
ab=
gebrochen, da der Redner des Abends Mitglied des
Aufwertungs=
ausſchuſſes des Reichstages iſt und am Schluſſe der Verſammlung
ſofort zur heutigen Sitzung des Ausſchuſſes nach Berlin abreiſen mußte.
+ Offenbach, 14. Okt. Haſenwürger. In der Nacht zum
Montag ſind auf dem Geflügelhof des hieſigen Kleintierzuchtvereins in
der Flutſtraße 21 Stallhaſen abgewürgt worden.
* Gießen, 14. Okt. Reichsbahnpräſident Lohſe, Leiter der
Reichs=
bahndirektion Trier, der ſeit ſeiner Vertreibung hier weilte, iſt zum
Präſidenten der Reichsbahndirektion in Stettin ernannt worden. Hier
fand bei ſeiner Abreiſe eine Abſchiedsfeier ſtatt.
* Butzbach, 14. Okt. Die heſſiſche Landeswanderbühne
hat im „Heſſiſchen Hof” ihre Aufführung begonnen mit Kotzebues
Luſt=
ſpiel. Die deutſchen Kleinſtädter‟. Der Beſuch war gut und das
reizende Stückchen erntete lebhaften Beifall.
* Mücke, 12. Okt. Eine in der ganzen Gegend bekannte
Perſönlich=
keit, Philipp Philippi, der ſeit Entſtehung das Poſtamt Mücke
ge=
leitet hat, iſt im hohen Alter von 80 Jahren geſtorben.
* Wetzlar, 13. Okt. Die Jägertage fanden heute ihren
Ab=
ſchluß durch einen großen Abſchiedskommers im Schützengarten. Dabei
konzertierte die Muſikkapelle des 3. Battl. des Inf.=Reg. Nr. 17,
Gos=
lar. Hauptmann Sixt von Arnim und Bürgermeiſter Kuhn ſprachen
herzliche Worte des Abſchieds. Die Märſche und Muſikſtücke der
Ka=
pelle ernteten lebhaften Beifall. Am heutigen Tage weilten noch ſehr
viele Jäger und Gäſte, beſonders aus dem beſetzten Rheinland, hier.
Man ſah ihnen an, wie wohl ihnen der ungezwungene Aufenthalt in
unſerer Stadt tat. Ueber die Geſchichte der 8. Rheiniſchen Jäger ſei
noch bemerkt: Das Battl. wurde gegründet am 3. Oktober 1815, die
Gründungsordre iſt von Paris datiert. Das Battl. kämpfte 1866 bei
Königsgrätz und ſtand faſt vor Wien, 1870 erſtürmte es das Gehöft St.
Hubert bei Grabelotte, nahm an der Einſchließung von Metz teil und
rückte ſchließlich nach St. Quentin und Amiens. 1877 ſiedelte das
Bataillon nach Zabern über, 1888 fand in unſerer Stadt an den
Pfingſt=
tagen der erſte rheiniſche Jägertag ſtatt. Nahezu 60 Jahre hat das
Bataillon hier in Garniſon gelegen.
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Seite 8.
Donnerstag, den 10. Oktober 1924
Rummer 288
Reich und Aus(and.
45. ordentlicher Zentralverbandstag der deutſchen
Haus= und Grundbeſitzervereine in Karlsruhe.
fm. Karlsruhe, 13. Okt. (Eigenbericht.) Vom 10. Oktober
bis heute hielt der Zentralverband deutſcher Haus= und
Grundbeſitzer=
vereine, dem 2000 Vereine mit rund 500 000 Mitgliedern angehören
ſeinen 45. ordentlichen Verbandstag hier ab. Der Verband iſt die
be=
rufene Organiſation des geſamten deutſchen Haus= und Grundbeſitzes,
der, rein volfswirtſchaftlich betrachtet, die wichtigſte Grundlage des
Staatsweſens überhaupt bildet. Der Geſamtvorſtand nahm zunächſt
Stellung zur Reichsvermögensſteuer. Es wurde beſchloſſen, dem
Reichs=
finanzminiſterium folgende Erklärung zugehen zu laſſen:
1. Der ſtädtiſche Hausbeſitz wird von der Verpflichtung zur Tragung
der Vermögensſteuer inſolange befreit, als er nicht durch eine
Aen=
derung der Geſetzgebung über Mietzinsbildung zur Leiſtung dieſer
Steuer tragfähig gemacht iſt. — 2. Bei bebauten Grundſtücken, die
Wohn=
zwecken zu dienen beſtimmt ſind, beträgt der Aufſchlag, ſoweit es ſich
um Mietwohngrundſtücke handelt, 80 Prozent des Wehrbeitragswertes.
(S 24, Abſ. 1.) Die Landesfinanzämter können für ihren Bezirk oder
für Teile ihres Bezirks nach Lage der örtlichen Verhältniſſe Abſchläge
bis zum Höchſtſatz von 90 Prozent des Wehrbeitragswertes zulaſſen.
(§ 24, Abg. 2.) — 3. Die Sonderbelaſrung gewerblich genutzter
Grund=
ſtücke, die nicht zum Betriebsvermögen gehören, (§ 25. Abſ. 1) und für
die nur die geſetzliche Miete gezahlt wird, wird aufgehoben. — 4. Die
teilweiſe Sonderbelaſtung der verſchiedenen Zwecken dienenden
Grund=
ſtüicke wird aufgehoben. (S 28). — 5. Die Klaſſifizierung der
Villen=
grundſtücke in drei Kategorien nach Maßgabe des Wehrbeitragswerts
wird aufgehoben. (§ 23.) — 6. Der Abzug aller auf Goldmark
umge=
ſtellten dinglich geſicherten und anderen Schulden muß geſtatret werden.
In der Begründung zu dieſer Stellungnahme heißt es u. a.:
Der weitaus größte Teil des ſtädtiſchen Hausbeſitzes hat außer dem
Hauſe kein anderes Vermögen; ſoweit ſonſtiges Vermögen in
Wert=
papieren vorhanden war, iſt dieſes der Geldentwertung zum Opfer
ge=
fallen. Die jahrelange Zwangswirtſchaft hat den Hausbeſitz zum
Aus=
bluten gebracht. Der Ertrag aus dem im Hauſe angelegten Vermögen
wird durch die Mietzinsſteuer (Geldentwertungsausgleichsabgabe)
ab=
forbiert. Die Miete wird zum überwiegenden Teil durch Objektſteuern
aufgezehrt; der reſtliche Teil, inſoweit er auf Betriebs= und
Inſtand=
ſetzungskoſten entfällt, iſt lediglich durchlaufender Poſten und zum
er=
heblichen Teil (Inſtandſetzungszuſchlag) an einen beſtimmten
Verwen=
dungszweck gebunden und unter Kontrolle geſtellt. Der geringe
Bruch=
teil der Miete für Verwaltung wird durch die hierdurch entſtehenden
Koſten aufgebraucht.‟ Die Miete iſt in ihrer Totalität ſo knapp
be=
meſſen, daß vielfach darüber hinaus Zubußen zu leiſten ſind. Der
Hausbeſitz kann die Steuer auch nicht aus der Subſtanz beſtreiten, weil
er nicht Teile des Hauſes veräußern und das Objekt auch wegen der
un=
klaren Hypothekenverhältniſſe und der Abneigung zur Geldanlage in
Hypotheken nicht hypothekariſieren kann. Mit dem Hinweis auf § 108
der R. A.O. iſt dem Hausbeſitz nicht gedient. Die Finanzämter ſind durch
die reichsrechtlichen Vollzugsvorſchriften lediglich befugt,
Steuernach=
läſſe bis zu 30 Mark zu verfügen, darüber hinaus ſind die
Landes=
finanzämter zuſtändig, welche die Einzelfälle unmöglich zu beurteilen
und ſachgemäß zu erledigen im Stande ſind. Der deutſche Hausbeſitz
erklärt ſich zur Tragung der Vermögensſteuer jederzeit bereit, ſobald
er zur Leiſtung derſelben in Form einer ausreichenden Miete tragfähig
gemacht iſt.
Zur dritten Steuernotverordnung ſtellte der Geſamtvorſtand für
die Lagungsverhandlungen folgende Leitſätze auf:
1. Die in der Dritten Steuernotverordnung vorgeſchriebene
ſtaat=
liche Mietpreisbildung ſetzt die ſeit Einführung der
Wohnungszwangs=
wirtſchaft beſtehende Ertragsloſigkeit der Hauswirtſchaft fort. Sie
ſchal=
tet dadurch in einer durch bedenkliche Kapitalnot und hohe Zinsſätze
ge=
kennzeichneten Zeit die Mobiliſierung des in den Häuſern inveſtierten
Eigen= und Fremdkapitals aus, entzieht dieſes dem allgemeinen
Kreis=
lauf der Wirtſchaft und verhindert ſeine Nutzbarmachung für die
Be=
lebung der Neubautätigkeit und der Wirtſchaft.
2. Die auf Grund der Dritten Steuernotverordnung von den
Län=
dern eingeführte Mietzins= bezw. Hauszinsſteuer wird von dem
organi=
ſierten deutſchen Hausbeſitz abgelehnt. Ihre grundſätzliche Beſeitigung
wird gefordert: 1. aus kulturellen Geſichtspunkten: Die Wohnung iſt ein
unentbehrliches Bedarfs= und Kulturgut und muß daher fiskaliſcher
Ausnützung entzogen bleiben; 2. ſteuerpolitiſchen Geſichtspunkten:
a) die Mietzinsſteuer zieht Mieter und Hausbeſitzer in unterſchiedlicher
Weiſe zur Tragung der Steuerlaſt heran, da das Verhältnis des
Grund=
euerveranlagungswertes der Häuſer zu den Friedensmieten bei den
einzelnen Grundſtücken völlig verſchieden iſt; b) die Mietzinsſteuer iſt
im weſentlichen eine Sonderbeſteuerung der Hausbeſitzer und heutigen
Mieter; 3. ſozialen Geſichtspunkten: a) auch bei gleich teurer Wohnung
wirkt ſich der Anteil der Mietzinsſteuer an dem Einkommen der Mieter
verſchieden aus; b) die Mietzinsſteuer belaſtet die von ihr erfaßten
Schichten der Bevölkerung, gleichviel ob Erwerbsfähigkeit oder
Er=
werbsunfähigkeit, Vermögen oder Unvermögen vorliegt. 4. finanz= und
bauwirtſchaftlichen Geſichtspunkten: a) das Aufkommen der
Hauszins=
ſteuer ſteht in verſchiedenen Ländern in keinem Verhältnis zu den
Er=
hebungs=, Veranlagungs= und Verwaltungskoſten; b) ſie hindert in
er=
heblichem Umfange den organiſierten Kapitalbildungsprozeß durch
Vor=
wegbeſteuerung des kapitalbildenden Elements der eigentlichen Miete;
c) durch Teilwegnahme des Steueraufkommens für allgemeine
Wohl=
fahrtsausgaben in einer Reihe von Ländern iſt eine nenuenswerte
For=
derung der Bautätigkeit aus Mitteln der Mietzinsſteuer nicht
eingetre=
ten; 4) die Mietzinsſteuer gibt den Gemeinden und den Staaten die
Handhabe zur Stärkung der gemeindlichen und privaten Baubetriebe
ſozialiſtiſcher Richtung und fördert die Tendenz, die
Zwangswirtſchafts=
beſtimmungen auf die mit öffentlichen Mitteln erſtellten Neubauten
aus=
zudehnen. 5. hauswirtſchaftlichen Geſichtspunkten: a) infolge der
Vor=
zugsſtellung der Mietzinsſteuer in der 3. Steuernotverordnung im
Rah=
men der Mietpreisbildung wird die Zubilligung der für die Abgeltung
der Wohnungslaſten Inſtandſetzung und Inſtandhaltung der Häuſer
wirtſchaftlich notwendige Miete verhindert; b) die dem Hausbeſitzer als
ausſchließlichen Steuerſchuldner auferlegte Haftung auch für die von
dem Mieter nicht gezahlten Mietzinsſteueranteile zwingt den
Haus=
beſitzer zu erheblichen Zubußen und ſetzt ihn der Willkür der
Steuer=
behörden, Pfändungen und Zwangsvollſtreckungen aus. Andererſeits
bedeutet die Haftung des Hausbeſitzers, daß der Staat und die Gemeinde
das Odium, gegen zahlungsunfähige Mieter zur Herbeiholung des
Steueranteils vorzugehen, von ſich auf den Hausbeſitzer abwälzen.
Als nächſter Redner ſprach der Vorſitzende des Badiſchen
Haus=
beſitzerverbandes, Herr Landtagsabgeordneter v. Au=Mannheim, u. a.:
Der Hausbeſitz hat große Opfer im Intereſſe des Staatswohls gebracht.
Aber der herzliche Empfang wird gezeigt haben, daß der deutſche
Haus=
beſitzer beſſer iſt als ſein Ruf. Für das Wohl der Wirtſchaft iſt Freiheit
das erſte Erfordernis. Das Baugewerbe iſt das Schlüſſelgewerbe für
Induſtrie und Wirtſchaft. Aber die kranken Teile müſſen beſeitigt
wer=
den. Oberbürgermeiſter Finter hat als echter Deutſcher auf die
Zuver=
ſicht hingewieſen, die uns trotz aller Trauer bei der Ueberfahrt des
„R. Z. 3” bewegt. Ich möchte nur wünſchen, daß wir mit dem
Zeppe=
lin auch alles Ungeſunde mit hinüberſenden könnten. Wenn unſer
deut=
ſches Volk die Führung wieder erhält die uns hinführt zur Freiheit im
Wirtſchaftsleben, dann werden auch wir nicht zurückſtehen, weiterhin
Opfer zu bringen im Intereſſe des ganzen Volkes. Der Redner ſchloß
mit den Worten: „Deutſcher Geiſt und deutſche Tüchtigkeit kehren
wie=
der, aber das dritte möge auch hinzukommen, das iſt: deutſche
Gerechtig=
keit. Mit dem deutſchen Hausbeſitz möge die Geſundung des geſamten
deutſchen Wirtſchaftslebens erfolgen.” — Lebhafter Beifall dankte dem
Redner für ſeine Worte.
K
v. allen Hautunreinigkeiten u.
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schlägen, wie Blütchen, Mitesser, Finnen,
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strasse 21. In Leeheim: Georg Cisinger.
Kleine Frankfurter Chronik.
Der frühere Oberbürgermeiſter. Dr. Voigt hat ſich durch ein
Schreiben endgültig von der Stadtverordnetenverſammlung
verabſchie=
det. — Die Stadtverordnetenverſammlung hat ſich eine neue
Ge=
ſchäftsordnung gegeben, die ſich denen des Reichstages und
preu=
ßiſchen Landtages anpaßt. — Für den Handel mit Milch iſt künftig
nur die Zahlung einer einmaligen Gebühr von 50 Mark erforderlich. —
Im Stadtwald hat ſich ein Autounfall ereignet, bei dem der Sohn
des Generalkonſul Diener aus dem Wagen geſchleudert wurde und
einen Schädelbruch erlitt. Ein Mitfahrer mußte mit mehreren
Rippen=
brüchen ins Krankenhaus gebracht werden. — Die Räume eines
Buch=
machers wurden wegen Verletzung der Rennbeſtimmungen polizeilich
geſchloſſen. — Ein Hausbeſitzer, der einen Laden für 2000 Mark
jährlich vermietet hatte, der nur 1000 Mark im Frieden gekoſtet hatte,
wurde wegen Leiſtungswuchers zu 100 Mark Geldſtrafe
verur=
teilt. Das Gericht nahm dabei Nückſicht auf den Hausbeſitzer, der
un=
beſcholten und ſchon betagt iſt, es ergibt ſich aber aus dem Urteil, daß
auch die Mieter der Nachprüfung durch das Wuchergericht
unterlie=
gen. — Die Gehälter der Angeſtellten ſind in Frankfurt immer noch
nicht geregelt und die nAgeſtellten werden jetzt das geſetzliche
Schlich=
tungsverfahren durchführen.
* Eröffnung des Hanauer Mainhafens.
Hanau. Die Eröffnung des Hanauer Mainhafens findet, am
Samstag, den 25. d. M., ſtatt. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten ſind
Einladungen an Reichs=, Landes= und Kommunalbehörden, ſowie an
die verſchiedenen Induſtrien in großer Zahl ergangen, von denen bisher
120 Vertreter ihren Beſuch zugeſagt haben. Die Feier wird durch eine
muſikaliſche Veranſtaltung am Vorabend eingeleitet werden. Am
Sams=
tag findet in den Räumen des Lagerhauſes Preſſer u. Co. der
eigent=
liche Feſtakt ſtatt, an ihn ſchließt ſich eine Fahrt mittels Sonderzug durch
die Hafenanlagen an, der ein Feſteſſen in den Räumen des
Bahnhofs=
ſaales folgt. Am Abend wird im hieſigen Stadttheater eine
Feſtvor=
ſtellung von Mozarts „Figaro” den Feſtakt beſchließen. Am Sonntag iſt
eine Feier für die breiteren Schichten in Ausſicht genommen, an der ſich
ſämtliche Geſang=, Turn= und Sportvereine beteiligen werden. Der
künſtleriſche Entwurf des Programms ſtammt von Zeichenlehrer Ullrich
und zeigt die hiſtoriſchen Türme und Dächer der Stadt. Außerdem
ge=
langt eine Feſtſchrift zur Verteilung, die mit reichem Bildermaterial
verſehen, einen Ueberblick über die Entwicklung der Stadt gibt.
An=
läßlich der Einweihung werden die Bebauungspläne des Hafengeländes
zur Ausſtellung kommen, in denen erſtmalig verſucht werden ſoll, ein
einheitliches Induſtrieſtadtbild, zu ſchaffen. Außerdem findet eine
Aus=
ſtellung von Gold= und Silberwaren ſtatt, die die hiſtoriſche Entwicklung
der Hanauer Edelmetallinduſtrie in den letzten 150 Jahren zeigen wird.
Neuerdings hat auch die Rhenus=Transportſchiffahrtsgeſellſchaft 120
Me=
ter der Kaimauer erworben. Die Fachzeitſchriften „Der Rhein” und die
„Fachzeitſchrift für Binnenſchiffahrt” werden in ausführlichen Artikeln
auf die Bedelitung des Hafens hinweiſen, der für die Stadt eine neue
Entwicklung bedeutet.
Lisbeth Dill im Auto verunglückt.
fm. Karlsruhe. (Eigenbericht.) Die bekannte
Romanſchriftſtel=
lerin Lisbeth. Dill hat geſtern einen glücklicherweiſe noch gut
abgelau=
fenen Automobilunfall erlitten. Sie befand ſich in Heidelberg und fuhr,
da ſie den letzten Zug nach Mannheim nicht mehr erreichte, mit
Rechts=
anwalt Dr. Lindeck und deſſen Frau im Kraftwagen nach Mannheim.
Infolge dichten Nebels fuhr der Wagen auf einen Landſtraßenſtein und
wurde in den Graben geſchleudert. Das Auto wurde erheblich
beſchä=
digt. Die Inſaſſen erlitten leichte Verletzungen. Ein ſpäter an der
Un=
glücksſtelle vorbeifahrendes Auto nahm die Verunglückten mit nach
Berlin.
Rektoratsübergabe an der Berliner Univerſität.
Berlin. Die Rektoratsübergabe an der Berliner Univerſität
fand geſtern mittag in der gewohnten feierlichen Form ſtatt. Unter den
Teilnehmern befanden ſich auch der preußiſche Miniſter für Volksbildung,
Kunſt und Wiſſenſchaft, Dr. Boelitz, und Vertreter anderer
Behör=
den. Der ſcheidende Rektor, Prof. Dr. Roethe, erſtattete zunächſt den
Jahresbericht. Hiernach belief ſich die Zahl der Studenten bei Beginn
des letzten Winterſemeſters auf 10 500 belegende Hörer gegen 7771 beim
Ende des Sommerſemeſters. Des weiteren erklärte Prof. Dr. Roethe,
daß zukünftig nur noch ſolche Werkſtudenten als ordentliche Hörer
zuge=
laſſen werden, die höchſtens Stunden am Tage beruflich tätig ſind. Den
zahlreichen Spendern von Unterſtützungen aller Art in Oeſterreich,
Schweden, Norwegen, Finnland, Spanien uſw. ſprach der ſcheidende
Rektor ſeinen wärmſten Dank aus. Nachdem alsdann der neue Rektor
Geh. Konſiſtorialrat Prof. Dr. Karl, ſeinen lateiniſchen Eid geleiſtet
und das Abzeichen ſeiner Würde übernommen hatte, hielt er ſeine
An=
trittsrede über das Thema: „Wodurch hat das Chriſtentum über die
alte Welt geſiegt?”
Der Friedenspreis des Großkaufmanns Filene.
Die Preisträger des von dem Boſtoner Großkaufmann A. Filene
geſtifteten Friedenspreiſes werden nunmehr veröffentlicht: Abweichend
von der urſprünglichen Anordnung iſt der erſte Preis von 5000 Dollar
auf zwei als gleichrertig anerkannte Arbeiten verteilt worden. Der
dritte Preis iſt zuſammen mit den Troſtpreiſen zwiſchen 35 verſchiedenen
Arbeiten mit je 100 Dollar aufgeteilt worden. Es entfallen hiernach
ein halber erſter Preis von 2500 Dollar an Dr. E. David. Mitglied
des Reichstages, zur Zeit reichsdeutſcher Geſandter in Darmſtadt,
ebenfalls 2500 Dollar als halber erſter Preis auf Dr. W. Riedner,
Staatsbibliothekar in Solln bei München, ein zweiter Preis von 1500
Dollar an Dr. G. Jodleder=Berlin=Steglitz. Unter den 35 Gewinnern
von Troſtpreiſen in Höhc von je 100 Dollar ſind zu erwähnen:
Staats=
miniſter a. D. Freiherr von Schönaich (Reinfeld), Reichsminiſter a. D.
Dr. Dernburg=Berlin, Miniſterpräſident a. D. Graf Lerchenfeld=
Berlin, Negierungsrat H. Bachmann=Ludwigshafen, Dr. Rudolf Wörner=
Frankfurt a. M. und Chefredakteur, G. Bernhard=Berlin. Das
Preisrichterkollegium, deſſen Präſident der frühere Außenminiſter Dr.
Simons war, mußte 4223 Arbeiten prüfen. Der mit dem erſten Preis
gekrönte Dr. David fordert die Löſung der Reparationsfrage auf Grund
des Sachverſtändigengutachtens. Notowendig ſei ferner die
Ausſchal=
tung egoiſtiſcher Wirtſchaftsintereſſen aus der Politik und trotz der
vor=
handenen Gegenſätze die Bildung einer vordereuropäiſchen
Wirtſchafts=
gemeinſchaft in Form eines Zweckverbandes, der die törichten
Zollgren=
zen einer veralteten Kleinſtaaterei zum Opfer fallen könnten. Die
Völkerberuhigung könnte nur durch irgend eine Art von Sicherheitspakt
geſchaffen werden. Damit hänge die Frage der Abrüſtung zuſammen,
die endlich mit Hilfe des Völkerbundes durchgeführt werden müſſe. In
dieſen müſſe Deutſchland eintreten, damit es die Möglichkeit zur
ſchieds=
gerichtlichen eBilegung von Konflikten habe und das Recht durch
Wirt=
ſchaftsblockade durchſetzen kann. Weitgehende Demokratiſierung ſei dazu
notwendig, wie ſie in der interparlamentariſchen Union begonnen ſei,
die ihre Arbeiten in Genf konzentrieren müſſe. Dieſe Gedanken, unter
denen auch der Plan der Vereinigten Staaten von Europa behandelt
wird, kehren auch in anderen Arbeiten wieder.
Hervorragend tüchtig — aber ein Deutſcher.
D.A.I. In Kowno lebte ein reichsdeutſcher Arzt, Dr.
Weſter=
mann, der während drei Jahren ſich in einer großen Praxis eine
ungeheure Beliebtheit erworben hatte. Zwar beſaß er das ruſſiſche
und auch das deutſche Staatsprüfungsdiplom und wollte ſich vor zwei
Jahren auch der litauiſchen Staatsprüfung unterziehen, doch mußte er
mitten in der Arbeit abbrechen, weil ihm das Staats=
Sanitätsdeparte=
ment erklärte, daß er auch nach beſtandenem Examen als
Reichsdeutſcher keine Praxis in Litauen ausüben
dürfe. Er reorganiſierte dann das Kinderheim Lapſchelis
ſo vorzüglich, daß die Sterblichkeit in dem Heim von 9 auf 3 Prozent
ſank. Als einem hervorragenden Spezialiſten hätte man ihm ſehr wohl
dem Geſetz nach die Praxis erlauben können, die verantwortlickſem
Stellen waren aber dafür nicht zu haben. Das Sanitätsdepartement
hat ihm die vorläufige Genehmigung zur Praxis
ent=
zogen, ſo daß der außerordentlich fähige deutſche Arzt jetzt Litauen
verließ, um ſich in Memel niederzulaſſen. So berichtet die „
Litaui=
ſche Rundſchau‟! Ein Kommentar iſt wohl überflüſſig.
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brauch werden Sie merken, wie Ihr Geſich
wieder zart und blütenrein wirb. Koſtenſreie 2
Beratung und Kosmetiſches Hausiexrikon
gegen Rückporto. Exterikultur=Kolberg. —
Die Haff=Krankheit in Danzig.
Danzig. Wie wir erfahren, iſt in den Ortſchaften Jungfer, Stuha
und Beyer die ſogenannte Haffkrankheit feſtgeſtellt worden. In Jungfer
iſt ſie am ſtärkſten aufgetreten, wo bisher auch ein Todesfall zu
verzeich=
nen iſt. Von amtlicher Danziger Stelle wird die Nachricht über das
Auftreten der Haffkrankheit beſtätigt.
Dampfer=Zuſammenſtoß.
Stockholm. Der 6000 To. große Dampfer „Fafner”, mit einer
Holzladung von Finnland nach Memel unterwegs, iſt auf der Höhe von
Stockholm auf ein Segelſchiff aufgerannt. Beide Schiffe erlitten
ſehr ſchwere Beſchädigungen. Der Dampfer „Fafner” konnte einen
ſchwediſchen Hafen anlaufen.
Der Vergleich in der Caſtiglioni=Affäre.
Wien. Ueber die Einzelheiten des Abkommens zwiſchen der
Depoſitenbank und Caſtiglioni berichtet die „Stunde‟: Die an der
Depoſitenbank intereſfierten Großbanken und die Vertreter der
Ge=
ſchäftsaufſicht gelangten im Verlaufe der Verhandlungen zu der Anſicht.
daß ſie an Caſtiglioni für die Periode ſeiner Tätigkeit bei der
Devo=
ſitenbank keine berechtigten Anſprüche ſtellen könnten, da die Bank zur
Zeit, als Caſtiglioni ausſchied, aktiv war. Dagegen erklärte
Caſtig=
lioni, daß er ſich für das bekannte Spiritusgeſetz der Depoſitenbo
inſofern verantwortlich fühle, daß er dem damaligen Direktor der
Deßo=
ſitenbank Neumann ſpäter die Stellung eines Generalbevollmächtigten
in ſeinem eigenen Hauſe eingeräumt habe. Nach dieſer Erklärung
er=
klärten ſich die Banken und die Geſchäftsaufſicht bereit die
Angelegen=
heit des Spiritusgeſetzes auszuſchalten und die Befriedigung der
Fon=
derungen der Mitglieder des Spiritusſyndikats an Caſtiglioni dieſen
ſelbſt zu überlaſſen. Man einigte ſich auf eine nachträgliche Zahlung
Caſtiglionis im Betrage von 15 Milliarden Kronen. Schließlich haben
die Großbanken Caſtiglioni anheimgeſtellt, ſich mit dem
Spiritusgroß=
induſtriellen Auguſt Lederer zu einigen und den von dieſem
ange=
ſtrengten Prozeß durchzuführen, wobei die Anſprüche Lederers als ein
Erpreſſungsverſuch an Caſtiglioni gewertet wurden. An dem
Zuſtande=
kommen des Vergleichs habe der Referent des parlamentariſchen
Aus=
ſchuſſes für die Unterſuchung der Bankzuſammenbrüche, Nationalrat
Dr. Heinrich Mataja ein beſonderes Verdienſt, da er immer wieder
be=
tonte, daß eine Verſchleppung der Affäre Caſtiglioni zu einer
allgemei=
nen Vertrauenskriſis gegen Oeſterreich im In= und Auslande führen
müſſe. Die Abendblätter begrüßen den getroffenen Ausgleich und hegen
die Hoffnung, daß das ausländiſche Kapital nach Liquidierung der
Affäre Caſtiglioni wieder an öſterreichiſchen Unternehmungen Intereſſe
gewinnen werde. Wie die „Neue Freie Preſſe” meldet, ſchweben
gegen=
wärtig Verhandlungen wegen Beſchaffung eines Kredites von 500000
Pfund Sterling für das Haus Caſtiglioni.
Ein ganzer Schützenverein verhaftet.
D.4.I. In Neubeſchenowa iſt em ganzer Schützenverein,
beſtehend aus 58 Schützen, verhaftet worden. Er wollte beim
ſonntäg=
lichen Empfang des apoſtoliſchen Adminiſtrators dem geiſtlichen
Ober=
hirten ſeine Referenz erweiſen und rückte mit Genehmigung des
zu=
ſtändigen Oberſtuhlrichters in ſeinen altertümlichen Uniformen
aus=
die jenen der früheren öſterreichiſchen Feldartillerie etwas ähneln, ſo
wie er es ſeit jeher und auch unter rumäniſcher Herrſchaft des öfteren
tat. Da verhaftete man kurzerhand den geſamten
Verein" brachte ihn nach Temesvar zum Diviſionskommando
und ſchaffte ihn in eine Kaſerne, weil die nörige Erlaubnis der
Mili=
tärbehörde nicht eingeholt worden ſei. Die Deutſche Volksgemeinſcheſt
und die Kirchenbehörde nahmen ſich ſofort des Falles an,
intervenier=
ten beim Diviſionskommando, fuhren auch zu dem in einem
benachbar=
ten Bade zum Kurgebrauch weilenden Kommandeur und erſuchten vor
allen Dingen, daß man von der Abſicht, den ganzen Schützenverem zur
weiteren Vernehmung nach Hermannſtadt zu ſenden und ſo 53
brave und tüchtige deutſche Landwirte mitten in der Zeit ſchweren
Herbſtarbeiten auf lange Zeit ihrer Arbeit und ihrer Familie
fernhal=
te, Abſtand nehme. Eine peinliche Angelegenheit, bei der die
rumäni=
ſche Militärbehörde eine nicht allzu rühmliche Rolle ſpielte, wenn ſie
auch natürlich nach einem hoch notpeinlichen Verhör und nach
Konfis=
zierung der ſtaatsgefährlichen Uniformen die braven deutſchen Bquern
wieder freigeben mußte.
Der Welthöhenrekord.
Paris. E3 beſtätigt ſich, daß der Flieger Calliuo am letzten
Freitag den Welthöhenrekord geſchlagen hat, indem er 11800 Meten
erreichte. Der bisherige Rekord von 11 140 Metern wurde von dem
franzöſiſchen Flieger Sadi Lecointe erreicht.
Todesurteile gegen deutſche Offiziere.
Paris. Das Kriegsgericht des 20. Armeekorps in Nanch hot
wieder deutſche Offiziere in Abweſenheit zum Tode verurteilt. Es
han=
delt ſich um den Brigadegeneral Klauß, den Diviſionsgenexal von
Berrer, den Hauptmann Guichard vom Infanterie=Regiment 170
Oberſt Hucke von demſelben Regiment, Hauptmann Fritz und
Leut=
nant Schröder vom Infanterieregiment Nr. 60. Zum Tode wurde
außerdem Feldwebel Sonnen vom Inf.=Regt. 137 verurteilt. Ferner
wurden General Danner zu 20 Jahren Zuchthaus, Oberſt Krehenberg
vom Inf.=Regt. 132 zu 5 Jahren Zuchthaus und Major Krim vom
Landwehr=Negiment 99 zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Major
Lack=
mann vom Inf.=Regt. 17 wurde freigeſprochen. Die Vorunterſuchung
dauerte ein Jahr. Insgeſamt waren 100 Zeugen geladen. Den
Ange=
klagten wird zur Laſt gelegt, am 24. Auguſt 1914 in Gebweiler Befell
erteilt zu haben, 100 Ziviliſten zu erſchießen.
Hornhaut, Schwielen und Warzen
beſeitigt ſchnell.
ſicher, ſchmeri
Aerztlich empfoblen. Millionenfach
be=
währt. — In Apotheken und Drogerien erbältlich. — Gegen
Fuß=
ſchweiß, Brennen und Wundlaufen Kukirol=Fußbad.
und gefahrlos Kukinol
Engel=Apotheke Dr. E. Merck: Drogerien: Anton Fiſcher,
Frankfurter=
ſtraße 14; Ehr Schwinn, Rheinſtraße; G. Hübner, Karlſtraße 56. (V,12651
Geſchäftliches.
Im Butterland Holland wird bekanntlich auch viel
Mar=
garine konſumiert; man hat dort Qualitäten in den Handel gebrache,
die von feinſter Butter kaum zu unterſcheiden ſind und ſich deshalb die
Gunſt der Bevölkerung im Sturm erobert haben. Neuerdings wird eine
ſolche Margarine auch in Deutſchland unter der Marke „Schwan im
Blauband” hergeſtellt, welche durch ihre vorzügliche Beſchaffenheit
tal=
ächlich überraſcht. Ein Verſuch kann deshalb nur dringend empfohlen
werden.
Unſerer heutigen Geſamtauflage liegt ein Proſpekt des Induſtrie
verlags Spaeth u. Linde, Berlin C. 2, Königſtr. 52, bei, auf den wie=
(I Bln. 134B
unſere verehrlichen Leſer aufmerkſam machen.
Tageskalender.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende nach 10 Uhe
(C 3, & 2): „Die echten Sedemunds”. — Kleines Haus, Anfang 8 Uhh=
Ende 9½ Uhr: Zweiter Beethoven=Abend. — Orpheum, abends
8 Uhr: „Zwangseinquartierung”. — Union=, Reſidenz=Theater, Palalle
Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Freitag, 17. Oktober:
Noch vorwiegend heiter, trocken, dunſtig; in höheren Lagen Nigchl
roſtgefahr.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe
Vexantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußd enſt: Andreas Bauer
Verantwortlich ſür den Inſeralenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Zummer hat 24 Seiten
[ ← ][ ][ → ]Mummer 288.
Donnerstag, den 16. Oktober 1924,
Spoth Oher und Tarnen.
Seite 9.
Turnen.
Turngemeinde Darmſtadt 1846.
Seit vielen Jahrzehnten findet in der Woogsplatz=Turngemeinde im
ellbſt jeden Jahres eine Leiſtungsprüfung der Turnzöglinge in
Ge=
ilx eines Wettkampfes ſtatt. In dieſem Jahre wird dieſer Wettkampf
v nächſten Sonntag, den 19. ds. Mts., vormittags 9 Uhr beginnend,
Ser großen Turnhalle abgehalten. Der Wettkampf wird in dieſem
an re als Zehnkampf ausgetragen und zwar beſteht er aus ſieben
Ueb=
gen an den Geräten Reck, Barren und Pferd und drei volkstümlichen
rungen. Die Uebungen an den Geräten ſind teils vorgeſchrieben und
9s Kürübungen (ſelbſtgewählt). Die Uebungen im Volksturnen ſind
ſeieſem Jahre: 100=Meter=Lauf, Weitſprung und Kugelſtoßen, 10 Pfd.
Uebungen im Volksturnen werden auf dem Sportplatz am
Tinanz=
vorgenommen. Um der recht verſchiedenen Turnfertigkeit der
Turn=
inge Rechnung zu tragen, wird in drei Schwierigkeitsſtufen geturnt.
Der Wettkampf wird recht intereſſant werden. Es wird für jeden
und der Jugend eine Freude ſein, die Turnerjugend bei der Arbeit
ziehen. Auf dieſem Wege ſeien die Behörden, die Eltern der
Turn=
jinge, die Turnfreunde der Brudervereine, wie auch die Mitglieder
r: T. G.D. 1846 herzlichſt als Zuſchauer beim Zöglingswetturnen
ein=
ab en. Abends 8 Uhr wird im Tie=Saal die Siegerverkündigung
vorge=
mmen werden. Hierbei werden Vorträge der Singmannſchaft, des
isgeſters und gemeinſchaftliche Lieder für eine echt turneriſche
Stim=
mrg ſorgen. Auch zu dieſer Siegerverkündigung ſind alle die
Vorge=
wniten herzlichſt eingeladen.
H. M.
Zirngemeinde Beſſungen 1865 e. V., Darmſtadt, Wanderabteilung.
FAm Sonntag, den 19. Oktober I. J., findet die diesjährige 7.
Wan=
rung ſtatt. Zwei alte Turn= und Wanderbrüder, Frz. Schulz und
EMeß, wollen diesmal den Teilnehmern die Schönheiten des
Oden=
aloes zeigen. Die beiden Führer, alte Odenwaldkenner, haben für
Wanderung den Weg Lengfeld, Otzberg, Hummetroth,
Böllſtei=
rb öh, Kirch=Brombach, König, Darmſtadt gewählt, in der Annahme,
manchem Teilnehmer die Gegend noch unbekannt iſt. Man muß
boch anerkennen, daß ſolche alte Kämpen ſich zur Verfügung ſtellen.
anuim, Turner und Tunerinnen, zeigt, daß ihr Intereſſe an eurer
garen Heimat habt, und beteiligt euch zahlreich, ihr kommt auf eure
cnung. — Die Zuſammenkunft iſt am Oſtbahnhof, von wo um 8 Uhr
rai. die Abfahrt nach Lengfeld erfolgt. Die Teilnehmer werden
er=
ch.:, pünktlich zu erſcheinen und Sonntagsfahrkarten 4. Klaſſe nach
ig i. O. zu löſen. Die Marſchzeit beträgt 5½ Stunden;
Ruckſack=
rfflegung iſt vorgeſehen.
Kegeln.
Darmſtädter Keglerverbanb.
Was Verbandspreiskegeln endigte am verfloſſenen Sbnntag und
ᛋt folgendes Reſultat: 1. Preis: Kegelbruder Seibert (Haſſia),
(Golz mit 5 Kgl. 2. Preis: Kegelbr. Thümmel (K. K. 1911), 39 H.
K. 3. Preis: Kegelbr. Hahn (Kranz) 37 H. m. 5 K. 4. Preis:
vLlbr. Wilbert (K. K. 1911), 37 H. m. 5 K. 5. Preis: Kegelbr.
Lau=
ſtchläger (Um ihr Buwe), 37 H. m. 5 K. 6. Ziggel (Haſſia) 37 H. m.
7. Schild (Einzelmitgl.), 37 H. m. 5. K. 8. Bangert (Kranz), 37
zu. 5 K. 9. Reinhard jr. (Molly), 37 H. m. 5. K. 10. Dörr (Kranz),
t. m. 5 K. 11. Hübner (Waiſenpumpe), 36 H. m. 5 K. 12. Reichert
mölfer), 36 H. m. 5 K. 13. Widemann (Lokälchen), 36 H. m. 5 K.
EErbes (K. K. 1911), 36 H. m. 5 K. 15. Müller (Waiſenp.), 35 H. m.
16. Reinhard ſen. (Molly), 35 H. m. 5. K. 17. Harres (Waiſen=
Se), 35 H. m. 5 K. 18. Schönefeld (Um ihr Buwe), 35 H. m. 5 K.
Ftipper (K. K. 1911), 35 H. m. 5. K. 20. Schüßler (Haſſia), 35 H. m.
R Die Preiſe, welche aus wertvollen Gegenſtänden beſtanden,
wur=
acm Abend im Weißen Saal des Kaiſerſaales verausgabt.
Gleichzei=
wurden die Kegelbrüder Schieferdecker (Zwölfer), Hornung (Johan=
und Schinnerl (Zwölfer), die bei dem Seniorenkegeln die beſte
lusahl errangen, durch Ueberreichung von Medaillen geehrt. Ferner
re dem ſiegenden Klub „Haſſia”, der beim Wanderpreiskegeln in der
fuunger Turnhalle ſich an die Spitze geſetzt hat, der ſilberne Pokal
Er eicht.
Flugſport.
Ein Rekord Martens” in Italien.
Mailand, 15. Okt. (Europapreß.) Nach einer Meldung des
Secolo hat der deutſche Segelflieger Martens bei ſeinem geſtrigen 29
Kilometer=Flug in Richtung nach Vicenſa, obgleich er zur vorzeitigen
Landung gezwungen war, den Weltrekord des motorloſen Fernfluges
geſchlagen. Zuletzt hatte der franzöſiſche Leutnant Thoret am 26. Auguſt
1923 18 Kilometer und 100 Meter zurückgelegt.
Unfall des deutſchen Gegelfliegers Martens.
Mailand 16. Okt. (Europapreß.) Der deutſche Segelflieger
Martens ſtieg geſtern von einer 1400 Meter über dem Meer gelegenen
Anhöhe der Hochebene von Aſſiago zu einem Fluge nach Vicenſa auf,
wohin er eine Botſchaft des Bürgermeiſters von Aſſiago überbringen
ſollte. Der Aufſtieg ging glatt von ſtatten, aber infolge ungenügend
ſtarken Windes mußte Martens nach 18 Minuten in Dueville, 11
Kilo=
meter von Vicenſa entfernt, niedergehen. Beim Landen ſtieß das
Segelflugzeug „Moritz” gegen einen Baum und wurde vollſtändig
zertrümmert. Martens kam mit Abſchürfungen davon.
Briefkaſſen.
M. 86. Art. I § 12 der 3. St. N.V. vom 14. Februar 1924 beſagt:
„Soweit die Aufwertung von Anſprüchen aus Vermögensanlagen
an=
derer als der im § 1 Abſ. 2 bezeichneten Art verlangt werden kann, darf
ſie das im § 2 vorgeſehene Maß nicht überſteigen.” Mithin käme eine
Aufwertung auf 15 v. H. des Goldmarkbetrages in Betracht. — Sie
haben zunächſt gar keine Schritte zu tun. Wir raten, die geſetzliche
Regelung, die im Fluſſe iſt, abzuwarten.
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Freitag, den 17. Oktober 1924.
Frankfurt a. M. (467 m). 11.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Berliner und Hamburger
Produkten (Vorbörſe), amerikaniſche Produkten (Anfangskurſe). — 11.55 Uhr:
Zeit=
angabe. — 12 Uhr: Nachrichtendienſt. — 4.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Amtliche
Probuktenbörſe, Hamburg, Verlin, Köln, Magdeburger Jucker und Nürnberger
Hopfen — Deviſenkurſe. — 4.30—6 Uhr: Rundfunknachmittag in Muſik und Wort.
— 6—6.30 Uhr: Die Leſeſtunde. Romane der Weltliteratur. Soll und Haben von
Guſtav Frehtag. — 7.30 Uhr: Vortrag der Firma Hermann Gutzeit: „Deutſchlands
Weinbauorte und Weinbergsanlagen”. — 8 Uhr: Die Beſprechung II (
Unterhaltungs=
teil). — 8.30 Uhr: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus=Langer. — 9.30 Uhr:
Nachrichten=
dienſt, Wettermeldung, Sportbericht. — 9.50 Nhr: 5 Minuten Technik. — 0.56 Uhr:
Zeitvorbereitung. — 9.56 Uhr: 3 Minuten der Hausfrau. — 10 Uhr: Zeitangabe. —
10—11 Uhr: Luſtſpielabend. 1. Ein Hochzeitsabend, Peter Nanſen. Perſonen:
Johann: Gerd Fricke, Klara: Erna Reigbert, Marie Dienſtmädchen: Lola Mebius,
ſämtlich vom Neuen Theater, Frankfurt a. M. 2. Heiratsantrag, ein Scherz, Anton
Tſchechow, Perſonen: Stepan Stepanowitſch Tſchubufow: F. W. Kaiſer, Natalie
Stepanowna, ſeine Tochter: Erna Reigbert, Jwan Waſſilſitſch Lomow: Gerd Fricke,
ſämtlich vom Neuen Theater, Frankfurt — Muſikaliſche Begleitung: Ein
Kammer=
orcheſter.
Berlin (430 bzw. 500 m). 10 Uhr: Bericht über die Kleinhandelspreiſe der wichtigſten
Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. — 10,15 Nhr: Erſte Bekanntgabe der neueſten
Tagesnachrichten. — 11,35 Uhr: Funkbörſe (die Notierungen der Berliner und
Ham=
burger Produktenvorbörſe). — 12,15 Nihr: Kurzer Tendenzbericht der Verliner
Vor=
börſe. — 12,55 fhr: Ubermittlung des Zeitzeichens. — 1,05 Uhr: Zweite Bekanntgabe
der neueſten Tagesnachrichten, Wetterdienſt. — 2,15 Uhr: Kurzer Tendenzbericht
der Berliner Börſe. — 3 Uhr: Funkbörſe (die amtlichen Notierungen der Berliner
und Hamburger Produkten= und Viehbörſe; amtliche Deviſen). — 4 Uhr: Funkbörſe
(Getreide eif. Hamburg; Berliner Kolonialwaren=Großhandelspreiſe). 4,30—4,30 Uhr:
Unterhaltungsmuſik (Berliner Funkkapelle): 1. Gavotte Tendre, Ganne, 2. Ouvertüre
zu „Maritana”, Wallace, 3. Donauweibchen, Walzer, Joh. Strauß, 4. Introduktion
und Arie des Lenski aus der Oper „Eugen Onegin”, Tſchaikowskif, 5. Erinnerung an
Capri, Serenade, Becce, 6. Fantaſie aus der Oper „Rigoletto”, Verdi, 7. Loin du bal,
Gillet, 8. Liebestod, Valse boston, Stolz, 9. Potpourri aus der Oper „Der luſtige
Krieg”, Joh. Strauß, 10. Victoriamarſch, Fr. v. Blon. Während der Pauſen: „
Rat=
ſchläge fürs Haus”. — 7 Uhr: Wege zum Wiſſen: „Von Puſchkin bis Tolſtoi”. — 6,30
Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Hans Bollmann: „Der Sport an den deutſchen
Hoch=
ſchulen. — 7,45 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. phil. Leyhauſen, Leiter des Sprechchors
an der Univerſität Berlin: „Sprechkunſt und Sprechchor”. — 8,30—10 Uhr:
Bolks=
liederabend, ausgeführt vom Berliner Mandolinen= und Lautenorcheſter (E. B. 1896),
und vom Mandolinenklub „Sonate‟ 1907. Dirigent: Karl Henze. 1.
Bolkslieder=
reigen, zuſammengeſtellt von Henze, 2. Jetzt gang i ans Brünnele, 3. Nun lebt wohl,
du kleine Gaſſe, nach Silcher, 4. Teure Heimat, Kromer, 5. Leiſe flehen meine Lieder,
Serenade, Schubert, 6. Paraphraſe über das Lied: „Sei gegrüßt, du mein ſchönes
Sorrent”, Waldmann=Heins, 7. Paraphraſe über das Volkslied „Die Königskinder”
Henze, 8. Aus der Jugendzeit, Rathke, 9. Home sweet home, engliſches Volkslied,
10. II marenare (Der Matroſe), italieniſches Volkslied, 11. La bella paloma (Die
ſchöne Taube), ſpaniſches Volkslied 12. Flößer kommen ſingend auf der Wolga:
„Hell ſcheint der Mond”, ruſſiſches Volkslied. Anſchließend; Dritte Bekanntgabe der
neueſten Tagesnachrichten, Zeitanſage, Wetterdienſt, Sportnachrichten, Theaterdienſt.
England (MEZ.), Bournemouth (385), 7.30 Uhr: Jahrestag: Stationsgeburtstag. —
Mancheſter (376), 7.30 Uhr: Chopin: Komponiſtenabend. — Belfaſt 7.30 Uhr:
Teilkonzert der Belfaſter Philharmoniſchen Geſellſchaft, übertragen von der Ulſter Hall.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Die Annehmlichkeiten der Steuerzahler.
Ich wollte mich um das Schickſal eines Stundungsgeſuchs betreff3
Grundſteuer des Kreiſes uſw. bei der Stadtkaſſe erkundigen und wurde
von da an das Finanzamt, Infanteriekaſerne Alexanderſtraße, Zimmer
Nr. 46, verwieſen. Nun hatte ich Sonderſteuer zu bezahlen, und bei
dieſer Gelegenheit wollte ich auf dem beſ. Zimmer die Auskunft holen.
Ein ausgehängtes Plakat kündigte aber an, daß kein Amtstag ſei. Ich
merkte mir leider die angegebenen Amtstage nicht und ging geſtern aufs
Geratewohl wieder hin und, o Pech, es war wieder kein Amtstag; die
Türe war aber auf, und ſo erlaubte ich mir einzutreten. Ich ging zu
dem Beamten, der die Angelegenheit behandelt, und ſagte, ich wollte
nur eine kleine Auskunft haben. „Es iſt kein Amtstag”, wurde mir
erwidert. Ich ſagte nochmals, es handele ſich nur um eine kurze
Aus=
kunft, darauf als Antwort: „Und wenn ich Ihnen aber die Auskunft
verweigere?” Gut, ſagte ich, Sie verweigern alſo die Auskunft? „Ja,
grundſätzlich.” Ich mußte alſo unverrichteter Sache wieder fortgehen.
Ich frage nun, iſt dieſes Verhalten im Sinne der Steuerbehörde?
Dem betr. Beamten geht es ſcheinbar recht gut, jedenfalls hat er keine
Ahnung, wie der der freien Wirtſchaft Angehörende zu jeder Zeit und
tets liebenswürdig zu Rede und Auskunft bereit ſein muß. Sind
Be=
amte wie der hier in Betracht kommende, für den Verkehr mit dem
Publikum geeignet?; ſie tragen in die Sorgen des ſteuerzahlenden
Publikums nur noch größere Verbitterung hinein.
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bewährt ſind
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Iire Einſpritzung, vollſtändig ohne Berufsſtörung.
Zur Behandlung kommen:
iſtren-, Schenkel=, Hoden=, Nabel= und Bauchbrüche,
Sprechſtunden in Darmſtadt:
Freitag, den 17. Oktober, nachm. 5—7 Uhr
Samstag, den 18. Oktober, vorm. 9—1 Uhr
Hotel Prinz Heinrich.
Dr. med. H. T. Mever, prakt. Arzt
Hamburg, Schauenburgerſtraße 4.
Rch litt an einem fauſtgroßen Leiſtenbruch, der durch Ihre
2thwode völlig ausgeheilt wurde. Während der Kur wurde ich
enmer Weiſe behindert, meine Arbeiten als Landwirt weiter
veexrichten, meinen beſten Dank.
Eérainkofen,
Mobert Stütz.
Ech litt an einem walnußgroßen Leiſtenbruch. Durch die
ſtwwde des Herrn Dr. Meher iſt derſelbe völlig ausgeheilt. Ich
ſe xeine Beſchwerden mehr. Ich war früher operiert, die
Ope=
son: hatte nicht gehalten. Ich ſage Herrn Dr. Meyer meinen
den Dank.
Nie. Bauer.
dagelsbach i. Odw.
Häermit beſcheinige ich Ihnen, daß ich trotz ſchwerer Arbeit
Fe; Leiſtenbrüche in nur 12 Wochen zur Ausheilung gebracht
ſe. Ich ſpreche Ihnen meinen verbindlichſten Dank aus und
mus eigener Ueberzeugung Ihre Heilmethode nur jedermann
ſenss empfehlen.
(13207gid
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Telephon 574
Alexanderstrasso 19
Telephon 574
bei
Gustav Wacker, Darmstadt, Soderstr. 14, Tel. 1146.
Warnung!
Die überhandnehmenden Strom=
Dieb=
ſtähle zwingen uns, von nun an gegen
diejenigen Stromabnehmer, welche gegen
das Strom=Diebſtahlsgeſetz vom 9. April
1900 verſtoßen, mit aller Schärfe
vorzu=
gehen. Abnehmer, die ſich in
widerrecht=
licher Weiſe an unſeren plombierten
Einrichtungen zu ſchaffen machen und
verſuchen, dieſelben zu umgehen oder zu
beſchädigen, werden ſofort und
unnach=
ſichtlich zur Anzeige gebracht. Außerdem
werden dieſelben von dem dauernden
Strombezug ausgeſchloſſen. (13430
Darmſtadt, den 15. Oktober 1924.
Heſſ. Eiſenbahn=A.=G.
Behanntmachung.
Eintrag in das Handelsregiſter, Abt.
A. am 30. Sept. 1924: Firma
Katha=
rina Schäfer zu Groß=Umſtadt.
In=
haberin: Wilhelm Schäfer Ehefrau
Katha=
rina, geb. Heuſel daſelbſt.
Geſchäfts=
zweig: Landesprodukten, Perſonenbeför=
(13403
derung, Transportgeſchäft.
Heſſ. Amtsgericht Groß=Umſtadt.
Am Freitag, den 17. Okt. 1924,
nachmittags 1½, Uhr, verſteigere ich
im Hauſe Hügelſtraße 27:
6 Ztr. Rauchtabak
in Paketchen zu 100 Gramm
50 Mille Zigaretten
öffentlich zwangsweiſe geg. Barzahlung.
Tabak und Zigaretten kommen in
leinen und großen Quantums zum
(13428
Ausgebot.
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 16. Okt. 1924.
Portner
Gerichtsvollzieher.
Seite 10.
Donnerstag, den 16. Oktober 1924,
Rummer 288.
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Meiſterſchaft / Nennungsſchluß: 17. Oktober 1924.
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16. Oktober 1924
wlitik, Wirtſchaft, Soziologie, Recht=
und Staatswiſenſchaften.
i tiſches Handwörterbuch. Herausgegeben von Prof. Dr. Paul Herre
ter Mitwirkung von Dr. K. Jagow. 2 Bände in Lexikon=Format.
„eipzig 1923, K. F. Koehler, Verlag.
Ws zeugt von Deutſchlands ungebrochenem Geiſt, daß die
Heraus=
eines ſolchen Werkes in ſo ſchwerer Zeit möglich iſt. Das P. H.
jindet lexikaliſche Form mit aufſatzmäßiger Belehrung, trägt
prak=
hen Geſichtspunkten weitgehend Rechnung, erſtreckt ſich auf Politik
weiteſtem Sinne und zieht alle Fragen ſtaatlichen Daſeins und
öffent=
dari Lebens in Betracht. Etwa 5000 einzelne, nach Stichworten
ge=
wete Beiträge ſind von faſt 200 Politikern, Männern der Wiſſenſchaft und
tan Fachleuten geliefert worden. Das Werk verfolgt ſein Ziel aaf
eEhließlich wiſſenſchaftlicher Grundlage, es dient keiner Richtung oder
wei. In erſter Linie ſind die deutſchen Verhältniſſe berückſichtigt,
wird auch das Ausland in großem Umfange herangezogen.
Aus=
j iche Artikel behandeln Geſchichte und politiſche Struktur der
ein=
inn Staaten. Aus dem übrigen Stoff ſoll nur hervorgehoben werden:
nben über Perſönlichkeiten und Organiſationen der internationalen
—ik, Heerweſen, Wirtſchaft Handel und Verkehr, Preſſe, Rechtsweſen,
ſirr und Sozialpolitik. Man kann wohl behaupten, daß das Werk
ſe vorhandene Lücke ausfüllt, ſein Erſcheinen iſt deshalb beſonders
rSoll, weil der Weltkrieg in faſt allen Staaten völlig veränderte
rhältniſſe geſchaffen hat, in denen das deutſche Volk, wie jeder ein=
Deutſche, lernen muß, ſich zurechtzufinden. Das Werk umfaßt
2000 Seiten, mehrfarbige Karten und reiches ſtatiſtiſches Material
ſ Seigegeben, der Druck iſt überſichtlich, das holzfreie Papier entſpricht
1 Snſprüchen, die vor dem Weltkrieg an ein ſolches Werk
geſtellt=
irb en.
ſruß der Sozialpolitik. Von Dr. se. pol. Ludwig Heyde, a. o.
hrmorarprofeſſor an der Univerſitat Roſtock, M. d. w. R.W.R.
ui. 4. verbeſſerte und ergänzte Auflage. 1923. Verlag von Quelle
MMeyer in Leipzig.
Im Jahre 1920 erſchien die 1. Auflage des Werkes, nach drei
Jah=
wird ſchon eine Doppelauflage (3. und 4.) nötig. Es zeigt ſich alſo,
iäußerlich genommen, eine ſtarke Nachfrage, die naturgemäß aus
n=reiſe der Studierenden kommt. Der Zweck auch der neuen
Auf=
fiſt der gleiche geblieben. Der als Herausgeber der angeſehenen
enſchrift Soziale Praxis und Archiv für Volkswohlfahrt” bekannte
ffſſer will in Geſchichte und heutigen Stand der deutſchen Sozial=
.Xeinführen. Zu begrüßen iſt, daß die Darſtellung ſich nicht
as Reich beſchränkt, vielmehr auch das freundnachbarliche
Deutſch=
reich in den Kreis der Erörterung einbezieht. Der 2. Abſchnitt:
B Dder Geſchichte der Sozialpolitik und insbeſondere die Aeren Ber=
Poſadowsky, Bethmann=Delbrück, ſind mit Objektivität und doch
„Tich überzeugender Kraft vor Augen geführt. Auch die Doppel=
L.
ege wird dem Buche neue Leſer werbend zuführen.
2lAhtung von Arbeitsſtreitigkeiten. Nach der Verordnung vom
Oktober 1923 und den Ausführungsbeſtimmungen hierzu nebſt
nSängen. Von Rechtsanwalt Fritz Pick und Regierungsrat Dr.
7urtin Weigert. Preis geb. Mk. 3.—. (Verlag von Reimar Hobbing
Berlin SW. 61, Grotzbeerenſtraße 17.)
wurch die neue Verordnung iſt das Schlichtungsverfahren ganz neu
aelt worden, insbeſondere durch die Schaffung von Arbeitsgerichten.
Sörliegende Kommentar gibt eine Darſtellung der grundlegenden
länderungen und erörtert ſodann eingehend und ſyſtematiſch die
Ver=
ngen unter Hinweis auf die Unterſchiede der neuen Regelung
grüiber der früheren. Beigegeben ſind ferner alle in den betreffenden
le*dnungen angezogenen Beſtimmungen des Gewerbe= und Kauf=
„Sgerichts, des Betriebsrätegeſetzes, der Landarbeitsordnung, des
Zverſorgungsgeſetzes ſowie ein Verzeichnis der Schlichter und
2hterbezirke. Ein außerordentlich praktiſcher Führer für alle, die
ehörden, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer mit Arbeitsſtreitigkeiten.
haben.
krä dnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923. Mit allen
richlägigen Beſtimmungen der Anordnung über die Regelung der
eitszeit gewerblicher Arbeiter (Verordnung über die Regelung der
rheitszeit der Angeſtellten) Reichsgewerbeordnung und ſonſtigen Ge=
* erläutert von Dr. Friedrich Syrup, Präſident der
Reichsarbeits=
emvaltung. Im Anhang graphiſche Darſtellungen der Wechſelſchicht,
eFimmungen des Schlichtungsweſens. Preis geb. Mk. 4.50. (
Ver=
von Neimar Hobbing in Berlin, SW. 61, Großbeerenſtraße 17.
(*3 iſt für den Praktiker ſowie für den Arbeitgeber und
Arbeit=
ayr außerordentlich ſchwierig zu überſehen, was eigentlich auf dem
Eice der Arbeitszeitgeſetzgebung tatſächlich rechtlich in Geltung iſt,
D Sie Verordnung vom Dezember beruht auf den
Demobilmachungs=
derhenungen über den Achtſtundentag uſw. ſowie auf verſchiedenen
geoen Arbeiterſchutzbeſtimmungen. Aus dieſen verſchiedenen
Veu=
aumigen gibt der vorliegende Kommentar des maßgebenden
Fach=
mns eine ſyſtematiſche klare Zuſammenſtellung der jetzt geltenden Be=
Emingen und beantwortet eingehend und zweifelsfrei alle für die
* in Betracht kommenden Fragen, wie z. B.: Für welchen Kreis
ſetrieben, von Arbeitern und Angeſtellten gelten die
Arbeitszeit=
iften? Wo und wie weit iſt Ueberarbeit zuläſſig? Die Regelung
auſen und die Berückſichtigung von Arbeitsbereitſchaft werden
klar gelegt, wie die Fälle, in denen der Arbeitgeber ſich ſtrafbar
Die genaue Kenntnis aller dieſer Vorſchriften iſt unbedingt
er=
ſeTich, weil freien Vereinbarungen zwiſchen Arbeitgebern und
Arbeit=
unmn Spielraum gelaſſen wird. Eine höchſt intereſſante Beigabe
hien, die graphiſchen Darſtellungen der Wechſelſchicht. Nicht nur für
mi Betracht kommenden Behörden uſw. ſondern auch für jeden
Teygeber und Arbeitnehmer kann dieſes Buch, das der erſte
ſyſte=
unſche und grundlegende Kommentar iſt, als unentbehrliches Handbuch
ſen: empfohlen werden.
Aexander von Gleichen=Rußwurm: „Reichtum” ſeine Geltung
um ſein Geſetz. (Verlag Gebrüder Enoch Hamburg.) Ein
los aktuelles Buch. Von Geltung und Geſetz des Reichstums, der
logie ſeiner Träger und dem Wandel ſeiner Erſcheinung ſpricht
en=Nußwurms neueſtes Werk, das in großem, gewaltigem
Ueber=
de—as Reich des Gottes Plutus von Kröſus bis zu den amerikaniſchen
Yimdären der Gegenwart erfaßt. Der Verfaſſer geht von dem Satz
Das Meiſtern der Zahl iſt eine der geheimnisvollſten
Meiſter=
die der Menſch errungen hat, und es behielt ſtets etwas
11
riſch Mächtiges, auch als es aus der prieſterlichen Geheimwiſſenſchaft
ülbäglichen Gebrauch übergegangen war. Doch nie war der Reich=
1bſſe abenteuerlich wie heute, ſo unſicher, aufregend, gehetzt, voll
un=
blifher Wagniſſe! Wir kennen in Europa 2 gewaltige Bewegungen, die
doch gelingen, einigen jener fremden großen Geſtalten näher zu
tre=
ten, und durch die düſtere Wolkennacht, die über dem Geſchehen hängt,
bricht es doch wie goldenes Licht, ein blendender Strahl der Hoffnung,
ein Ahnen des Werdens des Zukünftigen, das beglückende Vorgefühl,
daß nach dem Zuſammenſturz der Antike in den beruhigten Völkern
diesſeits und jenſeits der Alpen und der Meere das reine und frohe
Menſchtum doch einſt wieder aufleben, ſich wieder darſtellen muß und
wird: das Griechentum, wie es ſich der Deutſche denkt; der humane
Menſch im humanen Staat. Denn die deutſchen Völker, die da zu
Atti=
las Zeit die Welt zertrümmern, dieſelben werden im Stande ſein, ſie
auch wieder aufzubauen. Die Lehrlinge der antiken Kultur ſind
die=
ſelben wie ihre Zerſtörer. In ihnen und durch ſie werden einſt die
verſchütteten Ideale ſich verjüngen: „Die Welt wird neu im
Lenz=
ſturm der Germanen.”
Schöne Literatur.
Ager Werte auf phyſiſchem wie materiellem Gebiet erſchüttert und
mit alle Formen lang beſtehender Wirtſchaft und ſozialer Gliederung
hoht. Dieſer Kampf iſt mit kraftvoller Linienführung geſchildert.
Charakterbilder Spätroms und die Entſtehung des modernen
koms. Von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Th. Birt. 3, vermehrte Aufl.
=efiten. Verl. von Quelle u. Meher in Leipzig. 1923. — In neuer Aufl.
10 has Buch des bekannten Marburger Gelehrten vor uns, in dem er
1chmdervoller Plaſtik das Sterben einer Welt darſtellt. Die Cäſaren
eramiſchen Imperiums ziehen an uns vorüber, erfaßt mit feinſtem
Honogiſchen Verſtändnis. „Der Schwierigkeit meines Unternehmens”
offführt der Verfaſſer einleitend aus — „bin ich mir wohl bewußt;
1h s iſt nicht zu leugnen: Die Spätzeit Roms ſteht vielen fern, und
er ſich die Geſchichte des Altertums dem Mittelalter nähert, um
emder mutet ſie uns an. Die älteren Größen, ein Miltiades und
iies, ein Scipio und Julius Cäſar ſtehen unſerem Gefühl nahe
in ihnen merken wir bei aller Zeitenferne doch den echten
Herz=
ſ5s tund ein natürliches Menſchentum; wir können ihr Erleben mit
hen:. Diocletian und Conſtantin wirken für den flüchtigen Betrachter
Aumd herzles wie große Theatermaſchinen, die das Fatum über die
Ane ſchiebt, ja, wie die Larve der Meduſe. Sie ſind das Geſchöpf
Zeit. Es iſt eine Zeit, in der alle Heiterkeit, alles Lachen, alle
einh eit vergeht. Rohe Gewalt, Deſpotie, Hohn und Verachtung,
ſchrrei und Angſtſchrei, Entſetzen, heißes Gebet, gellender Kirchen=
DDas iſt alles, was wir vernehmen. Nauch und Qualm,
Feuer=
fliegende Aſche, hüllt Himmel und Erde ein. Durch das
ſchein=
idloſe Grau dieſer Welt ſehen wir Menſchen und Völker
freud=
hetzt in atemloſem Kampf um Sein und Nichtſein. Dazu das
Uſteſterben und all das andere verſpritzte Blut, das Wüten mit
Nichenleben als Staatsmaxime, ein Grauen ſelbſt für den, der an
ſaſſenopfern und an dem Morden des Weltkrieges, den wir in die=
Zihren erlebten, ſein Herz berhärtet hat. Gleichwohl ſoll es uns
Magiſche Unterweiſungen des edlen und hochgelehrten Philoſophi und
Medici Philippi Theoxhraſti Bombaſti von Hohenheim,
Paracel=
ſus genannt. Wolkenwandererverlag. Kartoniert 20 Mk.
Der junge Wolkenwandererverlag ſcheint ganz beſonders glücklich
zu ſein im Aufſpüren vergrabener und doch ſchon lange geſuchter
lite=
rariſcher Schätze. So legt er außer dem Abdruck der Originalhandſchrift
der „Chronika eines fahrenden Schülers” von Cl. Brentano noch vor in
einem im mittleren Grad der Breitkopf=Fraktur, ſchwarz und rot, auf
beſtem Papier vorbildlich gedruckten Buche die bis jetzt unbekannten
„Magiſchen Unterweiſungen des Paracelſus‟. Die mediziniſchen und
naturwiſſenſchaftlichen Werke des Paracelſus ſind heute in guten
Aus=
gaben allgemein zugänglich, der okkultiſtiſche Charakter ſeiner
Weltan=
ſchauung, die kabbaliſtiſchen Neigungen dieſes grunddeutſchen Gelehrten,
der trotz dieſer in der Zeit liegendene geiſtigen Strömungen doch auf
der anderene Seite das enge ſcholaſtiſche Wiſſen ſeinere Zeitgenoſſen weit
überragt, bekannt. Auch Beſchwörungsformeln der Geiſterwelt aus der
mittelalterlichen Literatur kennen wir. Daß aber Franz Spunda in
der Handſchriftenſammlung einer öſterreichiſchen Bibliothek durch
Zu=
fall gerade die „Magiſchen Unterweiſungen des Paracelſus”
aufzu=
ſpüren vermochte, iſt ein außergewöhnlicher Glücksfund. Wir
gegen=
über ſolchen Anweiſungen an die Geiſterwelt ungläubig, vielleicht allzu
ungläubig gewordenen Zeitgenoſſen eines nur empiriſch=
naturwiſſen=
ſchaftlich gerichteten Zeitalters, das letzten Endes doch auf den geiſtigen
Grundlagen, wie ſie Paracelſus und andere geſchaffen haben, ruht,
entdecken in dieſem Geheimbuch des Paracelſus zu unſerem
Er=
ſtaunen, doch noch etwas mehr als nur bloße Neugierde, nur
Aberglaube oder gar unedle Abſicht, den engen und
gefähr=
lichen Zugang in die uns verſchloſſene überſinnliche Welt
auf=
zuſpüren: man könnte nämlich die „Magiſchen Unterweiſungen”
ebenſogut eine Diätetik der Ethik nennen: denn nur der reine
Leib und nur die reine Seele finden den Weg zum geiſtigen Sein. So
nehmen wir denn die „Magiſchen Unterweiſungen” nicht als ein
alber=
nes Jauberbuch, ſondern als ein Gleichnis, daß nur die Reinheit des
eigenen Lebens die Materie zu lauterem Golde zu wandeln vermag. ez.
Graf Franz zu Erbach und ſeine Schöpfungen. Von Karl Morneweg,
(Verlag der „Litera” A.=G. Darmſtadt.)
Aus dem uralten Geſchlecht der Grafen zu Erbach tritt Graf Franz
als einer der bedeutendſten Menſchen ſeines Geſchlechts und ſeiner Zeit
hervor. Wenn Karl Morneweg es unternommen hat, über den Graſen
Franz zu Erbach, dem in der Literatur ſchon mehrfach dauernde
Denk=
mäler erbaut wurden, ein neues Buch zu ſchreiben, ſo geſchah es nach
ſeinem Vorwort, nicht um die vorangegangenen Werke wie Dieffenbach,
und Liſzt entbehrlich zu machen, ſondern um zur Vervollſtändigung der
Lebensgeſchichte des Grafen beigetragen zu haben. Das iſt ſicher
ge=
lungen, aber es iſt doch nicht eine umfaſſende Charakteriſtik des Werkes,
das bei aller Gedrängtheit des Inhalts doch erheblich mehr gibt, als
einen Beitrag zu vorhandenem. Der Autor beginnt mit der Aufſtellung
und kurzen Charakteriſierung des Grafen, behandelt dann Geburt und
Erziehung, Reiſen, die Regierung, das perſönliche und offizielle Leben
des Grafen, ſeine Sammlungen, alles das, was er planmäßig und
ziel=
bewußt förderte, wie Landwirtſchaft, Jagd, Wildpark, Kirchen und
Schulen; ein beſonderes Kapitel iſt dem Eulbacher Markt gewidmet, ein
weiteres dem Ritterſaal und der Einhardtskapelle in Michelſtadt u. v. a.
Die letzten Lebensjahre und der Tod des Grafen, eine Beſprechung ſeiner
Schöpfungen, deren Erhaltung und Erweiterung durch des Grafen
Nach=
folger bilden die Schlußkapitel, durch die in Anklängen an die neueſte
Zeit eine Brücke geſchlagen wird aus der Vergangenheit zur Gegenwart.
M. St.
Richtiges Leben. Von Raoul H. Francé. (R. Voigtländers Verlag Leipzig.)
Dieſes wohl köſtlichſte Buch des bekannten Philoſophen zeigt, daß
drei magiſche Worte der Schlüſſel zu richtigem Leben ſind: Geſetz —
Einordnung — Ausgleich. — 5 Gebote ſtellt der Denker auf: richtig
arbeiten, richtig ruhen, richtig lieben, richtig Natur und richtig Kunſt
genießen. Ohne Wiſſen aber keine Erfüllung, kein Glück, keine
Vollen=
dung. Hier iſt der Weg geöffnet, jedem Wollenden ins Land ſeiner
Möglichkeiten, ſeines Erfolges.
Das weiße Hexlein. Romantiſche Erzählung von Fritz Berger.
Fräulein Durchlaucht. Ein Berliner Künſtlerroman von Agnes Schöbel=
(Dom=Verlag, Berlin.)
In dieſen beiden Werken legt der Dom=Verlag zwei Beiträge zur
guten Erzählerliteratur auf den Büchermarkt, die inhaltlich wie auch
im äußeren Gewande den gebotenen Durchſchnitt weit überragen. „Das
weiße Hexlein” iſt ein geiſtesarmes Geſchöpf, von berückender Schönheit,
das das Unglück hat, im Mittelalter gelebt zu haben, da man von
ge=
wiſſer Seite gegen Hexen und allem, was mit ihnen zuſammenhängt,
wütete, da Scheiterhaufen die Lande durchzogen und der Brandgeruch
von Holz und verbrannten Menſchenleibern, die religiöſem Irrwahn
zum Opfer fielen, die deutſchen Lande durchzog. Auch „das weiße
Hex=
lein” ſollte in ſeiner blonden Schönheit mönchiſchem Sadismus zum
Opfer fallen, führte aber erfolgreichen Kampf gegen die Verfolger, bis
es mit ſeinem Liebſten dennoch ſchließlich den Tod in den blauen Fluten
fand und ſo wenigſtens dem Feuer entkam. Kernig, humorvoll, mit
einem ganz leichten ſentimentalen Einſchlag geſchrieben, iſt das Buch
voller Spannung und feſſelt bis zum Schluß, beſonders durch die fein
gezeichnete Charakteriſtik der Hauptperſon und ihrer Zeit.
Fräulein Durchlaucht iſt ein Künſtlerroman aus Berlin. Es iſt
erfüllt von Humor, einem feinen phantaſtiſchen Schönheitsſinn und den
Wirklichkeitswerten des alten Berlin, ſowie ſeiner großen Künſtler,
Reinhold Begas, lebendig und packend gezeichnet, tritt handelnd auf,
Menzel lernen wir kennen, Paul Meyerheim und deſſen Frau, Haaſe,
Ludwieg Pietſch und viele andere treten in den Vordergrund des
Ge=
ſchehens, das den Lebens= und Werdegang der erſten Barfußtänzerin
wiederſpiegelt, die aus dem Volke ſtammend ſich ihre Reinheit wahrt
und von maßloſem Ehrgeiz beſeelt es zur großen Künſtlerin,
vorüber=
gehend auch zur Gattin eines Prinzen bringt, bis ſie an der Seite eines
begabten Künſtlers das Glück ihres Lebens findet. Der Roman iſt aus=
M. St.
gezeichnet geſchrieben, ſpannend und anregend.
*
Die neue Zola=Ausgabe. (Kurt Wolf=Verlag, München.)
Aus der einzigen berechtigten deutſchen Geſamtausgabe der
Zola=
romane, die mehrfach Gegenſtand der Beſprechung in unſerem Blatte
waren, liegen jetzt aus der Reihe der „Rongon Macquart” vier weitere
Bände vor, die ſich den erſten in Buzug auf Ausſtattung und Druck
würdig anſchließen und die Geſamtausgabe zu einer dem deutſchen
Buch=
verlag und =Druck würdigen geſtalten. Es liegen vor: „Der
Zuſammen=
bruch”, die ausgezeichnet geſchriebene Geſchichte des Krieges 70/71, ferner
„Am häuslichen Herd” „Germinal” und „Das Paradies der Damen”.
Es liegen alſo jetzt insgeſamt 15 Bände vor, die die Geſchichte einer
Familie unter dem zweiten Kaiſerreich behandeln. Auf den Inhalt der
Romane hier einzugehen, erübrigt ſich, es genüge die Feſtſtellung, daß die
Ueberſetzung ausgezeichnet durch Franz Franzius vorgenommen wurde.
M. St.
Das Gold im Meer. Roman von Ernſt Klein. (Verlag Dr. Eyſler u.
Co., A.=G., Berlin.)
Technik und Phantaſie vereinigen ſich in dieſem ſenſationellen
Ro=
man zu einem gigantiſchen Liebeswerk. Das Gold, der Tyrann der
Menſchheit, ſoll durch ſich ſelbſt beſiegt werden, indem es in unerhörter
Fülle über die Menſchheit ausgegoſſen wird. Aber der erhoffte Segen
derwandelt ſich in Fluch und der Menſchheitsbeglücker — ein deutſcher
Profeſſor — erlebt das Schickſal aller Idealiſten: daß es keine Erlöſung
für die Menſchheit gibt. Mit ungeheuerem Schwung iſt hier eine
ſpan=
nende Handlung zu einem feſſelnden ernſten Buch geſtaltet.
Jugendſchriften, Bilderbücher.
Ein neues Kinderbuch: „Geh’ ins Gäßchen ein.” Ein luſtiges
Lepo=
rello=Bilderbuch mit fünffarbigen Bildern von Marianne Finckh und
vielen ſpaſſigen Neckreimen. (Curt Steinitz=Verlag, München, Preis
50 Pfennig.)
Mit dem flott und originell von Marianne Finckh illuſtrierten,
in einem hübſch handlichen Karton ſteckenden, aufklappbaren
Kinder=
büchlein hat der Curt Steinitz=Verlag, München einen guten Griff getan.
„123456789, Geh’ ins Gäßchen ein” iſt die Einleitung zu einem
Beſuche aller der Wunderdinge, die ſo ein Gäßchen birgt und deren
farbige Aufzeichnungen mit erläuternden Worten den Kindern nicht nur
Lernſtoff gibt, ſondern ihnen auch Vergnügen bereitet. Die Rückſeite der
Blätter des preiswerten Geſchenkes für die Kleinen — es koſtet nur
50 Pfg. — iſt mit guten alten und leicht einprägſamen Verſen als
Be=
reicherung dieſes hübſchen und lohnenden Spazierganges bedeckt.
Der Knabe des Tell. Von Jeremias Gotthelf. (Verlag von Levy und
Müller in Stuttgart.)
Dieſes neueſte Glied in der Kette „Lieblingsbücher der Jugend”‟
dürfte dieſes Prädikat in jeder Beziehung verdienen. Die Darſtellung
Jeremias Gotthelf’s ſchlicht und eindrucksvoll in der Sprache, die er von
Tell ſelbſt gibt, iſt unendlich mehr, als was der Titel ſagt, iſt ein kurzer
Abriß aus dem Freiheitskampfe eines Volkes, das ganz auf ſich geſtellt
aus eigener Kraft ſich der Tyrannenmacht entledigte. Jeder deutſche
Knabe ſollte dieſes Buch leſen.
Bildende Kunſt, Theater, Muſik.
Das gaſtliche Haus. Von Heinrich Mann, Komödie in drei Akten. (
Ver=
lag Gunther Langes in München. Preis geh. 3.—, geb. 4.— Mk.)
„Das gaſtliche Haus”, die erſte Komödie, die Heinrich Mann ſeit
ſeinem vielgeſpielten „Varietee” geſchrieben hat, iſt ein abendfüllendes
Stück mit acht durchweg reizvollen Rollen, einer ſpannenden Handlung,
grotesken und ſenſationellen Auftritten. Die Komödie iſt vorausſichtlich
überaus bühnenwirkſam. Die neue Komödie iſt zeitſatiriſch, eine
ver=
tiefte ſchwermütig=komiſche Satire auf die heutige Geſellſchaftsſchichtung.
Die Buchausgabe des „Gaſtlichen Hauſes” iſt dazu da, daß man ſpäter
fragt: „Und dieſes Stück wurde nicht aufgeführt?”
Der ewige Weg. Ein Spiel vom Leben und vom Tode. 5 Handlungen
und ein Vorſpiel von Heinrich Leis. (Verlag der Bücherſtube am
Muſeum, Wiesbaden.)
Aus der Fülle der neuen Bühnendichtungen ragt dieſes Spiel zum
mindeſten inſofern herror, als es friſch und mit gutem Verſuch des
Er=
kennenwollens das Leben anpackt. In alle Geſellſchaftsklaſſen greift der
Verfaſſer hinein, in allen findet er irgend etwas, das ihn zu ſeinem Ziel
führt, das er in der Liebe ſieht, „Die Liebe führt, die Liebe ueiſt das
Ziel, in ihr vollendet ſichs: das letzte Schaun, der helle Weg zu Licht
und Sternentor. — Wohin die Sehnſucht führt, der ewige Weg. M. St.
Der Querſchnitt. B=ründet von Alfred Flechtlein. Herausgeber H. von
Wedderkopf. Qu rſchnitt=Verlag A.=G., Frankfurt a. M.,
Schiller=
ſtraße 15.)
Aus dem Inhalt des vorliegenden Heftes: Alexander Tairoff, Gegen
den Naturalismus; A. Flechtheim/Oberbereiter, Herold R. v. Schaukal,
Die ſpaniſche Hofreitſchule in Wien; Erik Satie, Jgor Strawinsky;
Paul Guillaume, The Barnes Foundation; H. v. Wedderkap, Das große
Kölner Tapetenfeſt, Daniderff, Je cherche aprés Titine Shimmy); Miés
van der Rohe, Baukunſt und Zeitwille; Anton Kuh, Kaiſer Joſeph II.
und ſeine Geliebte; Ezra Pound, Le Prix Nobel; Erika Glaeßner, Wie
ich wurde; Gedichte von Block, Herr, Herrmann=Neiße u. a.,
Margi=
nalien und 92 Abbildungen, darunter zahlreiche Bildniſſe.
Sternenhimmel. Von Max Brod. (Kurt Wolf=Verlag, München.)
In dieſem Werk unterbreitet Karl Brod ſein Künſtlertagebuch der
Oeffentlichkeit, in dem er ſeine Muſik= und Theatererlebniſſe
nieder=
gelegt hat. Er verbreitet ſich in Darlegungen über die deutſche und
tchechiſche Muſik, behandelt verſchiedene künſtleriſche Perſönlichkeiten in
gleicher Weiſe, wie Janacek, Schönberg, die Maſſaric, Palmberg, Capek
und andere mehr, ſpricht dann über Gerhart Hauptmanns
Traum=
typus, Moiſſis Hamlet, bringt eine ſehr intereſſante Kritik über „Schluck
und Jau” und zahlreiche andere im literariſchen Meinungsſtreit hin=
und herſchwankende Bühnenwerke und vieles andere. Ein reichhaltiges
und wertvolles Werk, das all denen, die Max Brod ſchätzen, willkommen
ſein dürfte.
Orplid. Literariſche Monatsſchrift in Sonderheften. Herausgabe von
Dr. Martin Bockenbach, Eugen Kuner=Verlag, Leipzig, Königſtraße 3.
Aus dem Inhalt des folgenden Heftes: Liſa Tetzner, Die literariſchen
Wegbereiter der Jugendbewegung; Robert Groſche, Die literariſche
Schöpfung der Jugendbewegung, ferner Beiträge von R. J. Sorge,
Jakob Kneip, Kurt Heynicke, Hermann Heſſe, Walter Flex, Franz
Herwig, Ernſt Toller, Kurt Kläber, Max Mohr, Otto Brües, Fr. Joh.
Weinrich, Aenne Gauſebeck, Joſef Wittig, Romano Guardini, Gottfried
Haſenkamp, Thomas Michels O. S. B., Jgnatz Gentges, Hans
Benz=
mann, Binz, Schaukal.
Eine Evangelienharmonie. Von Hans Benzmann. (Verlag Ernſt
Olden=
burg, Leipzig, Querſtraße 17.)
Ein intereſſantes und feſſelndes Buch, trotz des merkwürdigen
In=
halts. Merkwürdig nicht inbezug auf die Wahl, ſondern in Bezug auf
die Art, wie der Autor Dinge ernſteſten Heiligſeins in einer
ſchwung=
vollen Dichtform lyriſch behandelt. In ca. 80 Einzeldichtungen ſind
Abſchnitte aus den Evangelien, Gleichniſſe und Erzählungen aus dem
Alten und Neuen Teſtament in einzelnen Gedichten wuchtiger und tief
empfundener Sprache behandelt. So kehrt das Leben des Heilands und
der Maria in dieſen Gedichten wieder, die Wüſte in inniger Beziehung
zu dem Ewigem und ſeinen alt= und neuteſtamentlichen Propheten
er=
ſteht lebendig, dann die Paſſion in wundervollen Dichtungen und vieles
M. St.
andere.
Buchanzeigen
Paradies, Albert Trentini: eine Tragödie. Georg Callwey,
München. Geh. Mk. 5.—, geb. 6
Goldmarkbilanzen, Prof. Dr. H. Rheinſtrom. Richard Pflaum
A.=G., München. Preis broſch. Mk. 2.
Das Dramatiſche Theater: eine Monatsſchrift für Theater, Literatur
und Künſte. Herausgegeben von F. A. Angermaher und Paul Zech,
Einzelh. Mk. 1.50. Vierteljährlich Mk. 4.50.
Kunſtwart, Begr. Ferd. Avenarius. Heft 8. Mai 1924. Preis
d. Einzelhefte Mk. —60.
Kopſtock Dichtungen, Kunſtwart Bücherei, Band 1. — Klopſtock
Meſſias, Kunſtwart Bücherei, Band 2. Herausgegeben E. K.
Fiſcher, München. Kunſtwart=Verlag Georg D. W. Callwey.
Die Drahtzieher, ein Blick hinter die Kuliſſen des ſeparatiſtiſchen
Theaters am Rhein. Dokumente und Tatſachen. Herausgegeben von
Rhenanus. Verlag für Preſſe, Wirtſchaft und Politik G. m. b. H.,
Berlin=Charlottenburg. Preis Mk. 2.—
Fata Morgaua, Friedr. de la Motte=Fougus. — Die
Irr=
lichter, Marie Peterſen. —— Der Vorzugsſchüler, Marie von
Ebner=Eſchenbach. — Von Jenſeits des Meeres, Hinzelmeier,
Theodor Storm. Preis Mk. 1.50. Verlag von Gebr. Pgetel,
Berlin.
Die Königin des dunklen Sees, Joſef Viera. Enßlin u. Laiblins
Verlagsbuchhandlung, Reutlingen.
Die Beſtie im Menſchen, Zola. Kurt Wolff, Verlag, München.
Die franzöſiſchen Dokumente zur Sicherheitsfrage, mit Geleitwort von
Hermann Onken. Deutſche Verlagsgeſellſchaft für Politik und
Geſchichte m. b. H., Berlin. In Pappe gebunden Mk. 10.—
Die Antenne, Dromm u. Goßmann. Dr. Erich Huth G. m. b. H.
Berlin SW 48, Wilhelmſtraße 130/32. Heft 2.
Deutſche Kunſt und Art, E. K. Fiſcher. Von den Künſten als Ausdruck
der Zeiten. Sibyllen=Verlag, Dresden.
Der Prozeß des Müllers Arnold, Franz Adam Beyerlein,
Deutſcher Verlag G. m. b. H., Leipzig. Preis Mk. —50,
Der rote Terror in Rußland 1918—1923, S.=P. Melgunow. Verlag
Olga Digkow u. Co., Berlin.
Europäiſche Geſpräche. Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik.
Juli/Aug. 1924. Nr. 4. Preis Mk. 1.20.
Schubart’s Leben und Geſinnungen von ihm ſelbſt im Kerker aufgeſetzt.
Antäus Roman. Verlag Lübeck. Preis Mk. 4.—
Eine Vorleſung Kants über Ethik, Paul Menzer. Pan Verlag,
Rolf Heiſe, Berlin. Preis broſch. Mk. 8.—, geb. Mk. 9.50
16. Oftober 1924
* Vom ſüddeutſchen Holzmarkt.
Von unſerem Sonderberichterſtatter.
Karlsruhe, 13. Oktober.
Die im September zu beobachtende geringe Beſſerung der
Nach=
frage und des Abſatzes ſcheint nun wieder verebben zu ſollen;
denn wie ſchon in der Vorwoche war das Geſchäft ziemlich
luſt=
los. Man ſcheint nun auch in den maßgebenden Kreiſen der
holzverarbeitenden Induſtrie und der Sägemüller die
Ueber=
zeugung gewonnen zu haben, daß für die Folgezeit die
augen=
blickliche Lage als die „normale” wird angenommen werden
müſſen. Allerdings ſtehen wir vor dem Beginn größerer
Ver=
ſteigerungen, die gegen Ende des Monats einſetzen und ſich über
die nächſten Monate hinausziehen werden. Enttäuſcht wurden
die Hoffnungen, die man auf den Londoner Pakt ſetzte; denn
weder hört man etwas von dem Beginn größerer
Reparations=
lieferungen, noch von der Belebung des rheiniſch=weſtfäliſchen
Ge=
ſchäfts. Im Gegenteil ſchwächt ſich das Geſchäft immer mehr
ab, wo man ſich angeſichts der zahlreichen tſchechoſlowakiſchen
Offerten nicht mit den von den ſüddeutſchen Erzeugern und
Händlern verlangten Preiſen befreunden will. Selbſt für
Gru=
benholz ſcheint wenig Begehr vorhanden, oder doch nur in
ge=
ringerem Maße für ſchwächere Dimenſionen. Nun ſetzt man
ſeine Hoffnungen auf die Ergebniſſe der Pariſer
Wirtſchaftskon=
ferenz zwiſchen Deutſchland und Frankreich einerſeits und
ande=
rerſeits auf die Handelsvertragsverhandlungen mit Belgien.
Doch auch hier wird man ſich mit Geduld wappnen müſſen, da
die Fortſetzung der Verhandlungen auf Anfang November
ver=
tagt wurde, wenn ſich ihre Ergebniſſe überhaupt für den
deut=
ſchen Holzhandel in nennenswertem Maße auswirken ſollten.
Zu erſtreben iſt eine Regelung der Zollſätze für deutſche
Holz=
fabrikate, die deren Einfuhr, beſonders nach dem Saargebiet und
nach Elſaß=Lothringen, ermöglicht, die früher zwei wichtige
Abſatzgebiete für die deutſche Holzinduſtrie waren.
Auf dem Nadelſtammholzmarkt blieb auch das
An=
gebot in der vorigen Woche in dem gewohnten Rahmen.
Zu=
meiſt hatte man es noch mit freihändigen Abgaben zu tun, wobei
in Baden und Württemberg wieder höhere Prozentſätze als in
Bayern erzielt wurden. Während hier die Abſchlüſſe kaum die
Landesgrundpreiſe erreichten, erzielten badiſche und
württember=
giſche Forſten im Durchſchnitt 105 bis 110 Prozent der
Landes=
grundpreiſe. Ein badiſches Forſtamt hatte Tannennutzholz zu
105 Prozent veranſchlagt und verweigerte dann die Abgabe, als befeſtigt.
es nur Gebote von 90—95 Prozent erhielt. Im allgemeinen
ſcheinen ſich die Händler vom Einkauf zurückzuhalten, da ſie bei
den geforderten und den von ihnen zu erzielenden Preiſen keine
Verdienſtmöglichkeit erſehen.
Auf dem Nadelpapierholzmarkt wagen ſich ſeit
einiger Zeit auch die Papier= und Zellſtoffabriken wieder etwas
mehr auf den Plan, nachdem ſie lange Zeit hindurch den
Händ=
lern das Feld überlaſſen hatten. Letztere hatten namentlich nach
Frankreich und der Schweiz, beſonders aus Schwarzwälder
Fäl=
lungen, verfrachtet. Nachdem aber die Schweiz die
Einfuhrbedin=
gungen ſtark verſchärfte, iſt der Export deutſcher Ware nach
dor=
ten faſt gänzlich unterbunden. Nadelpapierholz notierte letzthin
für 1. Kl. 12 Mk., 2. Kl. 10 Mk., 3. Kl. 8 Mk. je Rm., Preiſe, die
wohl durchweg überſchritten werden dürften. Tſchechoflowakiſche
Angebote bewegten ſich zwiſchen 95—100 Kr. je Rm. ausfuhrfrei
ohne deutſchen Eingangszoll.
Am Brettermarkt war die Lage unverändert, auch
weiterhin beſteht kaum ein richtiger Marktpreis. Brennholz
iſt wegen der Verbilligung von Kohlen und Briketts und dem
reichen Angebot in dieſen Brennſtoffen wenig begehrt und iſt
nur allmählich unterzubringen. — Auch der Verkehr mit
Aus=
landshölzern iſt bei etwas feſterer Haltung ruhig. Der
Be=
darf wird infolge der Geldknappheit nur in kleinem Umfange
gedeckt.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
— Die Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag
14. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen
Reichs=
amtes iſt infolge Nachgebens der Preiſe von Getreide, Fleiſch, Zucker
odoetatt
gegenüber dem Stande vom 7. Oktober (133,7) um 1,1 Prozent auf 132,2 hörte man Kriegsanleihe mit 590 bis 595 Mb. Prozent. Türkenwente
zurückgegangen. Von den Hauptgruppen ſanken Lebensmittel von 133 waren etwas leichter. Zolltürken 10 Billionen Prozent Brief. Der
auf 130,7 oder um 1,7 Prozent, davon die Gruppe Getreide und Kar= Aktienmarkt blieb geſchäftslos.
toffeln von 124,6 auf 122 oder um 2,1 Prozent, wogegen Induſtrieſtoffe
von 134,8 auf 135,1 oder um 0,2 Prozent anzogen. Die Gruppe Kohle die Schwächung der Börſe und für die ſich daraus ergebende Zurück=
und Eiſen iſt mit 121,9 unverändert. Inlandswaren gaben von 128,2
auf 126,4 oder um 1,8 Prozent nach. Einfuhrwaren ſtiegen von 160,9
auf 161,5 oder um 0,4 Prozent.
hebung aller beſtehenden Verordnungen über Preistreiberei und die
damit zuſammenhängenden Gegenſtände (Handelsbeſchränkung,
Preis=
dieſer Maßnahme mit der gegenwärtigen Notlage der Wirtſchaft und
jener Ausnahmegeſetze ergibt. Er weiſt darauf hin, daß nach erfolgter Notierungen nicht mehr ſtattfinden können. Entſprechend der Gering=
Stabiliſierung der Währung angeſichts des Ueberwiegens des Waren= fügigkeit der Umſätze hielten ſich die Kursveränderungen auf allen
angebots über die Nachfrage jede Berechtigung, welche jene Verordnun= Märkten wieder in engen Grenzen, und nur einige wenige Papiere, wie
dürfen, entfallen iſt.
von Lloyds Regiſter veröffentlichten Ziffern über den Weltſchiffbau laſ= verloren, als infolge der drückenden Geſchäftsſtille die Neigung zum
Ab=
ſen erkennen, daß die Kohlenfeuerung durch die Delfeuerung immer bröckeln der Kurſe überwog. In der Flüſſigkeit des Geldmarktes hut
weiter zurückgedrängt wird. Ende September belief ſich die im Bau ſich nichts verändert.
befindliche, mit Oelfeuerung ausgerüſtete Tonnage auf insgeſamt 939,899
Bruttoregiſtertonnen, während die auf Kiel liegende Dampfertonnage
ſich auf 1 621 569 Br.=Reg=To bezifferte. Mehr als ein Drittel des
Weltſchiffbaues entfällt alſo auf Motorſchiffe.
Banken.
— Die Geldbewegung bei der Reichshauptkaſſe. Kopenhagen .........."
Nach einer Ueberſicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkaſſe Stockholm ..... . . . ."
vom 1.—10. Oktober betrug die Summe der Einzahlungen 146 336 633 Italien zuusfuuffrrrf
und die Summer der Auszahlungen 195 000 004 Goldmark. Im Stand London.
der Rentenmarkſchuld (aus Begebung von Rentenmarkſchatzwechſeln) war New=Norck ...."
für den gleichen Zeitraum eine Zunahme von 23 990 000 Goldmark zu
verzeichnen.
Warenmärkte.
w. Frankfurter Getreide börſe vom 15. Okt. Amt= Buenos=Aires.. ... . . . . .
liche Notierungen (Preiſe je 100 Kilo): Weizen Wetterau 24—25, Rog= Bulgarien............."
gen 23,75—24,75, Sommergerſte für Brauzwecke 25—28,50, Hafer inl. Japan ..............."
20—23, Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 35,50—38,50, Roggenmehl 34,50 Nio de Janeiro .......
bis 37, Weizenkleie 12,50—12,75, Roggenkleie 12,25—12,50. Tendenz: Liſſabon
w. Berliner Produktenmarkt. Nachdem ſchon während Konſtantinopel ....
des geſtrigen Nachmittags im freien Verkehr die Produktennotierungen
wegen hoher amerikaniſcher Preiſe ſcharf angezogen hatten, hielten im
heutigen Verkehr die hohen Preiſe ſtand, und die Haltung war auch
weiterhin feſt. Für amerikaniſchen Noggen beſtand, beſonders für
De=
zemberlieferung, ſtarke Nachfrage. Allmählich vermehrte ſich das An= Aſchaffenburg. Zellſtoff
gebot darin, ſo daß aus erſter Hand einige Umſätze ſtattfinden. Später Ausgb.=Nürnb. Maſch.
wurden die Offerten aus zweiter Hand etwas größer mit der Wirkung, Berl.f.Elektr. W.vorzug.
daß die Geſchäftslage unſicher wurde. Immerhin hielten ſich die Preiſe Bismarchütte . .....
aber doch merklich über dem geſtrigen Stande. Die Verkaufsneigung Braunkohlen=Briketts.
im Inland war recht gering. Das Mehlgeſchäſt war ſehr ruhig und Bremer Bulkan ......
bot weder für Noggen noch für Weizen Anregung. Ausländiſche
Offer=
ten in letzterem führten wegen der billigeren zweithändigen Forderun= Chem, Hehden .......
gen wenig zum Geſchäft. Hafer war beſonders für ſchnelle Lieferung Deutſch=Atlant. Tel...
gefragt. Gerſte und Futtermittel hatten wieder ein ruhiges Geſchäft.
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 15. Oktober, (Eigener Bericht.)
Auf das günſtige Ergebnis der Reparationsanleihe hin und auf einer Dynamit Nobel .„„„„ Beurteilung der außenpolitiſchen Lage war die Spekulation im Elberfelder Farben .= Frühverkehr ſowohl am Aktienmarkt als auch am Rentenmarkt Elektr. Lieferung .....
zu Meinungskäufen geſchritten, unter deren Einfluß die Kurſe einheit= R. Friſter ...........
lich anziehen konnten. Bei Börſenbeginn machte ſich aber infolge der
ſich zuſpitzenden inneren Verhältniſſe überall Realiſationsneigung
be=
merkbar, und die Stimmung flaute am Rentenmarkt ſichtlich ab. Kriegs= Halle Maſchinen „„.
anleihe, die vorbörslich bis 620 Md. Prozent gehandelt war, kam mit Han. Maſch.=Egeſt.
602½ Md. Prozent zur erſten Notiz und gab bis 585 Md. Prozent nach.
Gegen Schluß und an der Nachbörſe trat eine Erholung auf 595 bis
600 Md. Proxent ein. 3½proz. Preußiſche Konſols hörte man zu Schluß
mit 1.150 Md. Prozent gegenüber dem Höchſtkurſe von 1,2 Md. Prozent.
Der Aktienmarkt erwies ſich als widerſtandsfähiger. Kursveränderungen,
die im Verlauf eintraten, waren unbedeutend. Spät an der Nachbörſe
Nr. 288
w. Berliner Börſenſtimmungsbild. Bezeichnend für
haltung und Unluſt iſt die Tatſache, daß die Nachrichten über den ſtarken
Zeichnungserfolg der deutſchen Anleihe in Amerika, die glänzend
ver=
laufene Rekordfahrt des „L. 3. 126” und nicht zuletzt die Gründung des
Induſtrie=Anleihe=Shndikats in Amerika keinerlei kursmäßige Auswir=
* Der Hanſabund für Aufhebung der Preistrei= kung gehabt haben. Die Börſe reagiert in ihrem geſchwächten Zuſtand
bereigeſetzgebung. Der Hanſabund hat an den Reichzwirt= mehr auf ungünſtige Beeinfluſſung. Infolge der Verworrenheit der
ſchaftsminiſter eine Eingabe gerichtet, in welcher er die umgehende Auf= innerpolitiſchen Lage, die bei dem Durcheinander der Nachrichten über
die Haltung der Parteien eine Auflöſung des Reichstags zurzeit als
nicht außer dem Bereich der Möglichkeit liegend erſcheinen läßt, hielt
aushang uſw.) fordert. Der Hanſabund begründet die Notwendigkeit die Zurückhaltung der Spekulation auf allen Gebieten und demzufolge
die hochgradige Geſchäftsſtille an. Bezeichnend dafür iſt auch, daß die
und Entwicklungshemmung, welche ſich für dieſe aus der Beibehaltung Anzahl der Papiere langſam größer wird, für die mangels Umſätze
gen in verfloſſenen Zeiten vielleicht für ſich hatten in Anſpruch nehmen Hochbahn, Charlottenburger Waſſerwerke=Aktien und einige
Montan=
wverte machten eine gewiſſe Ausnahme. Für heimiſche Anleihen zeigte
ſich anfangs etwas mehr Unternehmungsluſt, ſo daß ſich deren Kursſtand
BR. Die Entwicklung des Motorſchiffbaues. Die mäßig heben konnte. Die Beſſerungen gingen aber ſpäter auch hier
Oeviſenmarkt.
Amſterdam=Rotterdam.
Brüſſel=Antwerpen ....."
Chriſtignia. . ..........
Helſingsfors ..........."
...
...
Paris.
Schweiz
Spanien.......
Wien (i. D.=Oſterr.abg.). .
Prag ....
Budapeſt. .......
Belgrad..
....
Danzig .............
Brief
Geld tober
Brief
Geld 1644 165.26 16444 165.25 20.19— 20.29— 20.17— 20.27— 59.65 59.96 59.55 59.85 73.42 73.78 72.57 72.93 111.47 102.03 111.37 111.93 10.55— 10.61— 10.53— 10.59— 18.32— 18.42— 18.33— 18.43— 18.8— 18.92— 18.845 18.935 4.19 4.21 4.19 4.21 21.90— 22.11— 21.96— 22.08— 80.30— 80.70— 80.35— 80.73— 56.16— 56.44— 56.26 56.54 5.915 5.945 5.915 5.945 12.48— 12.54— 12.48— 12.54— 5.48— 5.50— 5.475 5.485 1.52— 1.53— 1.55— 156— 3.07— 3.09— 3.06— 3.08— 1.625 1.635 1.625 1.635 0.465 0.475 0.465 0.475 5.985 6.015 5.985 5.925 75.21. 75.59— 2.26— 2.28— 2.26— 2.28—
Berliner Kurſe. (Eigene telegraphiſche Meldung.)
Sämtliche Bahlen verſtehen ſich mit 1000 000 000
Aktiengeſ. für Anilinfr.
Berl.=Anhalt=Maſchinen
„ Wolle. ......."
„ Weiler ......."
Deutſche Maſchinen ...
Deutſch=Niedld. Tel.. ..
Deutſche Erdöl .......
Deutſche Betroleum..
Dt. Kaliwerke .......
Ot. Waffen u. Munition
Donnersmarckhütte.
Gagegnau Vorz.. . . . .
Gelſenk. Gußſtahl. . . ..
Geſ. f. eleltr. Untern..
e
voll
voll
voll
voll
voll
voll
voll
voll
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voll
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voll
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voll
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voll
voll
voll
voll
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M
18000
Frankenkurs in London: 86.12
18‟8
Markkurs „
Die Notier 14. 10. 15. 10. 6.5 Gi, 4.3 43 9.6 95 9.75 —
10.25 Rl= 60.25 60 10.5
— 2.6 —
3.3 —
3.45 4.85 5.5 2.6 1.45 1.46 155 10 1.8 1.8 — 1.3 1.9 23.2 z 4”. W 8.75 10.1. 102 3.,6 3.6 3.9 4.3 0.300 0.300 12.25 12.25 6.75 6.8 1.6 1.4 4.7 4.6 13.25 13.5 1.65 17 0.317 0.315 53‟ 55.25 2.3 2.3 83 83 0. 180 0.180 0.225 0.235 5.35 5.35 9.75 ge 52. 81.75 80 55.5 55.5 807 80
Frankfurter Kursbericht vom 15. Oktober 1924.
Europäiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
......
5% Reichsanleihe . ..
.
„.......
3½%
.......
Dollar=Goldanleihe per 1935 ..
1932..
Dollar=Schatzanweiſungen ....
4½% IV. u. V. Schatzanweiſg.
4½% HI.—IK.
4¾Dt. Schutzgebiet v. 0.8-11u. 13
v. 14
Sparprämienanleihe .. . . . . . . .
"
Zwangsanleihe .....
42 Preuß. Konſols ..........
3½%
........
4½ Bad. Anl. unk. 1935.. . . . . .
3½% „ „ v. 1907.......
3% — „ v. 1896..... ..
48 Bahern Anleihe ........."
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rcz. 26 ......
8—16% Heſſen Reihe XXXfI.
untilg, b. 28 .............."
42 Heſſen unk. 1924 ........."
3½%.
.....
„......"
........
42 Württemberger alte ......"
b)Ausländiſche.
5% Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½% 1902 ......."
....
5% Bulgar. Tabak 1902.......
13 % Griech. Monopol .......
4½% Oſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918
4½%0 Oſt. Schatzanweiſ, ſtfr.
.........
b. 1914
420 Oſt. Goldrente ......
48 einheitl. Rente ....."
5% Rum. am. Rente v. 03 ...
4½% „ Goldrente v. 13
4% „ am. Goldrente konv.
4% „ am. b. 05
— 88.5
—
6.1 6.1 1= 0.451. 0.45 12 Md 11.5 M0 1 — 1.1375 1.1625 1.0625 1.125 1.4 — — 1.3
— 1.56 1.45 2.425 7 M 7 M 0.65 0.6 1.1 1.15 1.25 1.25 1.5 5.5 5.5 4.5 4.5 2.25
— 9.75 3.3 * 20
490 Türk. (Admin.) v. 1903..
8 Bagbad) Ser. 1 ..
."
„ II..
49 b. 1911, Zollänl. ..
4½% ung. Staatsr. v. 14 ....
Goldrente ......."
Staatsr. v. 10 .. ..
Kronenrente
POio
Außereuropäiſche.
5% Mexik. amort. innere
„ konſ. äuß. v. 99 ...
18
—
„ Gold v. 04, ſtfr. . .
konf. inner.
Bergwerks=Aktien.
„ Frrigationsanleihe , 27
5% Tamaulipas, SeseI..
Berzelius
15
....
Bochumer Bergb. ..........
Buderus. ......
„.
Oblig. v. Transportanſt.
Dt. Luxemburger ..
49 Eliſabethbahn, ſtfr.
1.55
1.75 Eſchweiler Bergwerks=Akt. .
z Gal. Carl Ludw.=Bahn..
Gelſenkirchen Bergw. .......
5½ Oſt. Südb. (Lomb.), ſtfr. .
Harpener Bergbau .........
T— Tauſenb M— Milliouen Md — Milliarden 0U —ohne Umſatz X —rationiert
2,6% Alte Oſt. Südb. (Lomb.). .
2,6% Neue „
4% Oſt. Staatsb. v. 1883 .....
1.b.8.Em. . . .
„ „ 9. Em. .....
v. 1885 ...."
% Oſt. Staatsb. b. Erg. Netz..
6 Rudolfb. (Salzkammerg.)..
% Anatolier I..........."
3% Salon. Conſt. Jonktion . . ..
3% Salonique Monaſtir ....."
5% Tehuantepee. . . . . . . . . . . .."
4½%
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwrtanl. v. 23
5% Fſtr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
IEm. ......
5% Fſtr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
II. Em.. . . . . . . . . . . . . . . . .. .
6% Großkraftwerk. Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23 ......
6% Heſſ.Braunk.=Rogg. Anl.v. 23
5% Neckar A.=G. Stuttgart Gold
anl. v. 23 ......."
52 Pfälzer Hyp. Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24 ......"
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
„ Roggenwert=Anl. . .
5% Rhein. Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 ......"
5%o Rhein=Main=Donau
Gold=
anl. v. 23............."
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23,
Ser. T u. II....."
5% Sächſ. Roggenwertanl.v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl.
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſt.. . . . . .
Bank für Brauinduſtrie .......
Barmer Bankverein ......."
Baher, Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft
Commerz= und Privatbank
Darmſtädter u. Nationalbank. .
Deutſche Bank".
Deutſche Effekt. u. Wechſelbank
Deutſche Hhpot.=Bank Mein. ..
Deutſche Vereinsbank ........
Disconto=Geſellſchaft . ........
Dresdener Bank..
Frankfurter Bank.
....
Frankfurter Hypotheken=Bank.
Metallbank.
...
Mitteldeutſche Creditbank.
Oſterreichiſche Creditanſtalt. . .
15 Reichsbank=Ant.
Nhein. Creditbank.
Rhein. Hypothekenbank.
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank ...........
Wiener Bankverein ......
Kaliwerke Aſchersleben .. . . . .
„ Salzdetfurth. . .....
Weſteregeln .......
Klöcknerwerke (abg. Lothr.=Hütte
Mannesmann Röhren........"
Mansfelder ................."
Oberbedarf ....... . . . . . ....."
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ......."
Otavi Minen u. Eb.=Ant. .. . . .
Phönix Bergbau ........ ... . ."
Rhein. Stahlwerke .... . . . . . .."
Riebeck Montan ............."
Rombacher Hütte . .........
Tellus Bergb.= u. Hütten=Akt.. .
Ver, Laurahütte ..
Aktien induſtr. Unternehmu g
Brauereien.
Henninger Kemp:=Stern .. . . .
Löwenbräu München ........."
Schöfferhof (Binding) ........"
Verger ...
Akkumulat. Berlin .. . . . .. . ..
Adler & Oppenheimer ......."
Adlerwerke (v. Kleher)........
A. E. G. Stamm ... . . . . ..
6%0 A. E. G. Vorzug Lit. 4 ..
5% A. E. G. Vorzug Lit. B
5% A. E. G. Vorzug Lit. B.....
Amme Gieſecke & Konegen.. ...
Anglo=Continental=Guano ....
Anilin Bln.=Treptow ........"
Aſchaffenburger Zellſtoff .....
Badenia (Weinheim)
Badiſche Anilin= u. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach .....
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen.
Baldur Piano .............."
Baſt Nürnberg ..............
Bahriſch, Spiegel ............
Beck & Henkel CCaſſel)........
Bergmann El. Werke .... .. . ..
Bing. Metallwerke ........."
Brockhues, Nieder=Walluf .....
Cementwerk Heidelberg. ....!
Karlſtadt ..
Lothringen (Metz)
Chem. Werke Albert ......"
Griesheim Elektron ...
Fabrik Milch.
...."
Weiler ter=me=.
Daimler Motoren.
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
Deutſche Erdöl .....
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt.
Dingler, Zweibrücken ......."
Dresdnr Schnellpreſſen ......
Dürkoppwerk (Stamm)...."
Düſſeld. Ratinger (Dürr)....
Dyckerhoff & Widm. Stamm..
Eiſenwerk Kaiferslautern.
L. Meher jr. ...
Elberfelder Farbw. v. Baher. . .
Elberfelder Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs=Geſ......
Elektr. Licht und Kraft . ......."
Elſäſſ. Bad. Wolle .........."
Emag, Frankfurt a. M........
Email. E Stanzw. Ullrich.....
Enzinger Werke ............."
Eßlinger Maſchinen .........."
Ettlinger Spinnerei .........."
Faber Joh. Bleiſtift ......
— 34.3
— 16½- — 2.4 2.45 5.1 40.5 39.5 39,5 21 21.5 17. 2 8.05 8.25 2.8 2.8 2.55 2.5 4), 4.25 10 9.75 16.75 18.5 19 0.7 0.700 19.25 19.25 15 15.3 14.5 15.1 18 1.8 5.5 — 77. 2.65 12.4 2.7 2.31 45 465 18 39.5 17.3 1 10.5 10.25 15 16.5 2.95 2.95 — 5.5 37.5 14.4 14.4 5.4 5.4 2 13.5 2.3 2.3 3.75 3.8 1.2 12 1.35 174 17 1.2 1.1 13.3 13.5 7.5 6.1 1z 0.340 0.34 3.5 3.7 8.5 8.5 6.3 6.3 80 12.9 141
Faber & Schleicher ...... .. . ..
Fahr, Gebr. Pirmaſens .......
Felten & Guilleaume, Carlsw.
Feinmechanik (Jetter)
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M.
Frankfurter Gas ..
Frankfurter Hof ..........."
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittek.
Fuchs, Waggon Stamm .. .. . ."
Ganz, Ludwig, Mainz ........
Geiling & Cie............. . ..
Germania Linoleum ........
Gelſenkirchen Gußſtahl ........
Goldſchmidt, Th. ........"
Gotha Waggon .............
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach.
Grün & Bilfinger ...........
Hammerſen (Osnabrück) ......
Hanfwerke Füſſen .........."
Heddernheimer Kupfer ......"
Heyligenſtaedt, Gießen ......."
Hilpert, Armaturenf. . .. . . . . . .
Hindrichs=Auffermann ......."
Hirſch Kupfer u. Meſſ........
Hoch= und Tiefbau ..........."
Höchſter Farben .............
Holzmann, Phil. . . .. . . . . . . . .
Holzverk.=Induſtr. ....... . ..
Hydrometer Breslau .........
Inag ....... ......
.....
Junghans Stamm..
.
Karlsruher Maſchinen.
....
Karſtadt, N. ...............
Klein, Schanzlin & Becker ....
Knorr, Heilbronn ............
Kolb & Schüle, Spinn. ... . . ..
Konſervenfabrik Braun .....
Krauß & Co., Lokom. .
.
Lahmeher & Co. ............"
Lech, Augsburg ..........."
Lederw. Rothe .............."
Lederwerke Spicharz ......."
Lingel. Schuhw Erfurt .......
Löhnberger Mühle ..........
Lüdenſcheid Metallw. .......
Luther, Maſch.= u. Mühlenbau..
Lux’ſche Induſtrie ........."
Mainkraftwerke Höchſt........
Meguin, Butzbach ..........."
Metallgeſ. Fikft. ...........
Meher, Dr. Paul ........."
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M.
Moenus Stamm ... . . . . ...
Motoreniabrik Deutz ........"
Motorenfabrik Oberurſel .....
Neckarſulmer Fahrzeugwerke. .
Neckarwerke Eßl. Stamm...."
Oleuwerke Frankfurt a. M. ..
Peters Union Frankfurt a. M.,
Pfälz. Nähm., Kayſer ......."
Philipps A.=H. ............"
Pprzellan Weiſſel ........."
Reiniger, Gebbert & Schall..
Rhein. Elektr. Stamm. . . . .
Rhein. Metall Vorzüge .......
Rhenania, Aachen .........."
Riedinger, Maſchinen ........
Rückforth, Stettin ......."
Rütgerswerke ..............
Sleußner (Frankfurta. M.) ...
Schnei der & Hanau ....."
Schnellpreſſen Frankenthal ..
Schramm Lackfabrik.
Schriftgiezerei Stempel, Ff.n.,
Schuckert Flektr (Nürnbeeg)..
Schuhfav ik Bernels=Weſſel .."
Schuhfabrik Herz ..........."
Schuhf. Leander, Offenbach ...
Schultz, Grünlack, Rdsh. ......
Seilinduſtrie Wolff..........."
Sichel & Co., Mainz ..........
Siemens Elektr. Betriebe .....
Siemens Glasinduſtrie ......."
Siemens & Halske ...........
Stöckicht=Offenbach=Gummi ...
Süddeutſche Immobilien ....
Thüring, elektr. Lief.=Geſ., Gotha
uhrenfabrik Furtwängler ......
Beithwerke in Sandbach .."
Verein f. Chem Induſtrie Frkft
Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
„ Faßfabriken Caſſel ....
Gummifabr. Bln.=Frkft.
„ Pinſelfabr. Nürnberg ..
„ Ultramarin . . . . . . . . . . ."
„ Zellſtoff, Berlin .......
Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Vogtländ. Maſch. Stämme .. ..
Voigt & Haeffner Stämme . . . .
Voltohm, Seil ......"
...
Bahß & Frehtag.
Wegelin Rußfabrik . . . . ..
Zelſtoff Waldhof Stamm... .
Zuckerfabr. Waghäuſel .......
Frankenthal ......
Heilbronn ........"
Offſtein ........."
Rheingau ........
Stuttgart ... .. . ..
Transport=Aktien.
Deutſche Eiſenb.=Geſ. Fftm. . .
Schantung E. B. ...........
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ...
Hapag (Paketfahrt) ..........
Nordd. Llohzd .....
Bahnbedarf...... . ...
Dampfkeſſel Rodberg .....
Helvetia Konſervenfabrik" .
Gebr. Lutz...............
Motorenfabrik Darmſtadt . .
Gebr. Roeder ............
Venuleth & Ellenberger ..
*
Und
*
5.1
0.075
3.2
9.5
3.25
2,6
12.75
2.9
3.05
54.25 535
1*
1. 10.
it
33
20.5
7
30
Nnnotierte Aktien.
Api ...."
Beckerkohle. . ...
Beckerſtahl .....
Benz..... . . . . . .
Brown Boveri ..
Chem, Andreae ...
Deutſche Petroleum
Diamond Shares.
..:
...
Entrepriſe ...
Falkonwerke ................"
Großkraftw. Württbg. (Growag)
Unterfranken (ufra) ........."
Hanſa Lloyd .... .. ..........
Hero Conſerven .............
Holſatiawerke, Altona ........
Kabel Rhendt ...............
Krügershall Kali ............
Metall Starkenburg .........."
Otto & Quanz ..............
Raſtatter Waggon ...........
Textil=Ind. Barmen (Tiag) ...
........
Ufa Film .. ..
14
1.2
15.2
0.170
205
7.
1.1
15.75
am
u5
un
[ ← ][ ][ → ]Anmmer 288.
Donſierstag, den 16. Oktober 1924.
Seite 13.
Lebenswogen.
Roman von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.
1. Kapitel.
Herr Danilewſki aus Moskau.
Der alte Diener, dem man ſeine ruſſiſche Abkunft deutlich
nec, wie dies auch aus dem harten Klang ſeines ſchlechten
Lu ſch hervorging, hatte Wolf von Korf auf dem Flur empfangen
„u ihn in einen Salon geführt, mit der Bitte, ſich wenige
Mi=
neri gedulden zu wollen. Das Zimmer wies die gewohnte
Eiceinrichtung auf, mit dem rotſammetüberzogenen Sofa und
d Dazugehörigen Seſſeln um den Tiſch, dem Pfeilerſpiegel
zwi=
ſirden beiden Fenſtern, die auf eine Seitenſtraße der Linden
ha isgingen, einigen älteren Oelbildern in vergilbten
Gold=
riren, Rhein= und Schweizer Landſchaften darſtellend, einem
Greibſekretär, der ſichtlich nur ſelten gebraucht wurde, dem
üb=
ſien, etwas abgetretenen Teppich, einem Büchergeſtell mit
aller=
n Zeitſchriften, alles ſo, wie man es in einem guten,
alt=
führten Familienhotel, das nur ſelten von Durchreiſenden
ucht wird, gewohnt iſt. Ein ſchöner Stutzflügel nahe dem
z Fenſter freilich gehörte nicht zur Einrichtung, er war
jeden=
von dem Bewohner gemietet worden, der alſo hier wohl
re Zeit zu bleiben gedachte und der, nach den Noten, die
eut auf der ſchön geſtickten ſeidenen Decke umherlagen, ein
Zumd ernſter, klaſſiſcher Muſik ſein mußte.
„Herr Oanilewſki, wer mag nur Herr Danilewſki aus Mos=
: ein?” fragte ſich zum ſoundſovielten Male Wolf, ohne eine
ſwort darauf zu finden. Er hatte ja früher, in Kurland, wo
eitne Jugend und die Univerſitätsferien verlebt, viele Ruſſen
feuen gelernt, aber er konnte ſich auf keinen namens Danilewſki
hinien. Und den alten Diener, der ihn empfangen und hier
hemigeführt, wollte er auch nicht fragen, der war ebenſo höflich
Tühl, aus guter Schule, die jede Geſchwätzigkeit ausſchloß.
Cervenigen Tagen hatte Wolf den einſtigen ruſſiſchen
Geheim=
uſeplin getroffen und mit ihm in einem Café am
Kurfürſten=
him ein Stündchen verplaudert; er war ein=Studienfreund
ſ’s Vaters geweſen und hatte mehrfach zum Beſuch auf dem
hellichen Gut unweit Mitau geweilt. Wolf mußte ihm viel
b. ich berichten, wie er in München, wo er ſein letztes Semeſter
ſierte, vom Krieg überraſcht wurde, in das deutſche Heer
ein=
aitten war, den ganzen Feldzug im Weſten mitgemacht hatte,
zeimal verwundet wurde, wie er dann nach dem
Zuſammen=
be gehört, daß die Letten das väterliche Gut ausgeraubt, das
Sloß niedergebrannt, ſeinen Vater ermordert hätten — er war
hnatlos geworden, auf ſich allein angewieſen. Der Geheimrat
hia, teilnahmsvoll zugehört, ſich die Adreſſe Wolfs geben laſſen
w ihn geſtern mit wenigen Zeilen gebeten, ſich heute nach=
OalPGLS
mittag 4 Uhr im angegebenen Hotel bei Herrn Danilewſki zu
melden, der mit ihm allerhand beſprechen wollte; von dem
Be=
treffend n hatte damals der Geheimrat, der überhaupt wenig
von ſich erzählt und auch nicht davon, was ihn nach Berlin
geführt, wo ja allerdings unzählige Ruſſen wohnten, nichts
geſprod n.
„Hrr Danilewſki aus Moskau,” wiederholte nochmals Wolf,
„was 1 ag er von mir wollen?. Woher kennt er den Geheimrat
Replin, der in Petersburg eine hohe Stellung eingenommen und
ſich ſei ſi Ver ehrskreis ſorgſam ausgeſucht? Vielleicht eine
Ber=
lin e 2 kanntſchaft? Wohlhabend muß ja dieſer Herr aus
Mos=
kau ſein, daß er ſich in dieſem gewiß nicht billigen Hotel häuslich
niedergelaſſen, daß er ſich einen eigenen Diener — und einen ſo
vornehmen hält, daß er ſich einen teuren Flügel gemietet. Nun,
das Rätſel wird ſich ja bald löſen!“
Die Tür des benachbarten Zimmers öffnete ſich im gleichen
Augenblick, ein Herr erſchien, von großer, ſtattlicher Figur, mit
grauem Backenbart, die Augen klar und forſchend blickend, im
bleichen Geſicht die Spuren ſchwerer Krankheit oder ſchweren
Leids. Er trat auf Wolf zu, in etwas gemeſſener Haltung, aber
ihm die Hand reichend und ihn mit freundlichen Worten"
be=
grüßend: „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Herr Baron, ich
kannte gut Ihren Vater, der ja auch ein Freund meines lieben
Replin geweſen. Bitte, nehmen Sie Platz, ich möchte mancherlei
und recht Wichtiges mit Ihnen beſprechen. Ja, ſo,” er ſtrich mit
der ſchmalen weißen Hand über die Stirn, „Exzellenz Replin hat
Ihnen wohl gar nichts geſagt — Sie kennen mich nicht,” und
es lag wie eine Frage darin, „Sie müſſen ja wiſſen, wer Sie
zu ſich gebeten.”
Er ſtand auf und entnahm einem verſchloſſenen Schubfach
des Sekretärs einen Briefumſchlag, ſich Wolf gegenüber
nieder=
laſſend. Aus dem Umſchlag überreichte er Wolf ein Dokument
und eine Kabinettphotographie, die einen General in großer
Uni=
form mit vielen Ordenszeichen darſtellte.
Wolf betrachtete das Bild, dann ſein Gegenüber, er erhob
ſich ſchnell: „Kaiſerliche Hoheit —
Der Großfürſt machte eine Handbewegung: „Bitte, nehmen
Sie wieder Platz und nichts von Titeln und Würden. Ich bin
der Großkaufmann Danilewfski aus Moskau und bitte Sie, mich
als ſolchen zu betrachten.”
Er blickte zu Boden, als beſinne er ſich auf die Fortſetzung
ſeiner Worte, dann ſah er freimütig in das offene Geſicht Wolfs,
dem er, einer plötzlichen Eingebung folgend, nochmals die Hand
reichte: „Wirklich, ich freue mich, lieber Baron, daß Sie
gekom=
men ſind. Sie wiſſen, daß ich des öfteren mit Ihrem Vater
zu=
ſammen war, beſonders früher, als wir beide jung geweſen —
er war ein Jahr mein Adjutant.”
„Jawohl, Kaiſerliche — jawohl,” erwiderte Wolf, „er hat
mir oft von Ew. von Ihnen erzählt, und daß Ew. —, daß
Sie ihm einſt das Leben gerettet.”
„Ach ſo, ja, das iſt lange her, bei einer Bärenjagd in
Finn=
land, nicht der Rede wert, ein kleines Denkzeichen trage ich noch
hier,” und er wies mit leichtem Lächeln auf eine Narbe, die ſich
halbmondförmig unterhalb des Daumens der linken Hand
hin=
zog. „Und Sie, lieber Baron,” fuhr er warmen Tones fort,
„haben auch viel Bitteres erlitten? Ihr armer Vater —
o Gott, dieſer ſchreckliche Krieg, mit dem ich nie einverſtanden
geweſen und vor dem ich immer gewarnt, welch ein Unglück,
welch unſelige Folgen hat er über die Welt, über uns alle
ge=
bracht! Auch ich habe Schreckliches durchgemacht, ehe ich, wie
durch ein Wunder, aus Sibirien entkommen, und ich habe
Un=
ſagbares verloren!‟ Er legte die Hand über die Augen, dann,
als er ſie ſinken ließ, richtete er den Kopf energiſch in die Höhe.
„Davon ſpäter.” meinte er, „erzählen Sie mir von ſich — doch
nein, warum die Wunden aufwühlen, mir hat ja Replin
man=
ches berichtet. Ihr armer Vater, deſſen Ende ich tief beklage,
hatte ſich, wenn ich mich recht beſinne, zum zweiten Male
ver=
heiratet? Lebt Ihre Mutter noch?
„Nein Kaiſerl — nein, ſie ſtarb kurz vor dem Kriege und
brauchte nicht mehr all das Schreckliche zu erleben.”
„Wohl ihr! Und Sie haben noch Geſchwiſter?”
„Ich hatte noch zwei Brüder. Sie ſind gefallen. — Sie
ſtan=
den in einem finniſchen Regiment. Von meiner Stiefſchweſter,
aus der zweiten Ehe meines Vaters, habe ich nie wieder etwas
gehört, ich weiß nicht, ob ſie lebt oder tot iſt. .
„War ſie nicht während des Krieges auf Ihrem väterlichen
Gut?”
„Nein, beim Ausbruch des Feldzuges weilte ſie, die
Vier=
zehnjährige, in einer Penſion in Petersburg. Mein Vater ließ
ſie dort, weil er ſie da ſicherer untergebracht glaubte, wie auf
un=
ſerem Gut. Mein Vater kannte die Letten, er hatte ſchon böſe
Erfahrungen mit ihnen beim letzten Aufſtand gemacht, ſeine
Be=
fürchtungen ſollten ſich erfüllen in furchtbarer Weiſe. . „Ich weiß
nicht, was aus meiner Schweſter, die ich lange Jahre nicht
ge=
ſehen, geworden iſt; die wenigen Nachforſchungen, die ich
ange=
ſtellt, waren ergebnislos — es ging ja damals, nach dem Kriege,
alles drunter und drüber."
„Ja, drunter und drüber,” wiederholte der Großfürſt
ſchmerzlich, „Sie Aermſter, und nun ſind Sie ganz allein, iſt
nichts von Ihrem Gut, Ihrem Vermögen gerettet worden?”
„Nein, nichts, oder doch ſo viel wie nichts ... Aber wenn man
nur einen einzigen von ſeiner Familie noch hätte,” ſetzte Wolf
mit tiefer Traurigkeit hinzu, „auf alles andere würde man gerne
verzichten!“
„Gern verzichten,” wiederholte der Großfürſt leiſe, „ja gern
verzichten!“ —
Eine Pauſe entſtand. Jeder der beiden war mit ſeinen
Ge=
danken beſchäftigt, mit wehmütigen Erinnerungen, mit Rückblicken
auf vergangene und ſchönere Zeiten, die ſich hell von der trüben
Gegenwart abhoben.
(Fortſetzung folgt.)
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