Darmstädter Tagblatt 1924


24. August 1924

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G
zuithter 15 Goldgfennige

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Hefſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeskauttſtadt
Wöchentliche iAuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesfpiegel in Bils und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmft. Tagbl. geſtattet.
187. Jahrgang
Sonntag, den 24. Auguſt 1924.
Nummer 235

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Rabatt weg. Bankkonto: Deutſche Banf und Darm=
ſtädter
8 Nationalbank.

O

Bellellere.
Da plitiſch

Der Reichsfanzler einpfiehlt Annahme der Londoner Beſchtüſſe.
ing
Annahmet

RegierungserFlärung.

Von unſerer Berliner Redaktion.
2 Reichstag hat heute den großen Tag gehabt, der geſtern
grch . Obſtruktion der Kommuniſten und dielleicht auch durch
e geſchickte Führung ſeines Präſidenten verhindert wor=
Die Kommuniſten machten zu Beginn auch heute
ſiedee ffallend auf ſich aufmerkſam, aber der Lärm legte ſich
uch .. Der Kanzler konnte ſeine Rede beginnen. Was Herr
arx Hauſe ſagte, iſt an ſich nicht neu. Im weſentlichen
nterxe) er noch einmal die Verantwortung, die auf den Ab=
ord
n laſtet, jetzt, wo ſie eine Entſcheidung treffen ſollen.
anzsiht war es dem Kanzler nicht, ſich durchzuſetzen. Seine
Porty uigen vielmehr häufig in dem Schwarm der Zwiſchen=
fe
r. Auch der Reichsfinanzminiſter Dr. Luther mußte
ſh. & hiedentlich Unterbrechungen durch die Oppoſition ge=
lleny
ſen. Aber ſchließlich waren ſeine Ausführungen doch
h S beinahe trockenen Sachlichkeit, ſo daß ſachlich dagegen
ſichtsi tichhaltiges vorzubringen war. Das Bild, das Dr.
ürthse on unſeren Staatsfinanzen und unſerer Wirtſchaft ent=
arf
, * ſicherlich nicht zu ſchwarz gehalten, und doch ſtand
hinz Das Geſpenſt der Situation, die eintreten würde, wenn
LZoner Vereinbarungen nicht angenommen werden.
A8 atlich temperamentvoller war natürlich die Rede des
ſeichsg zenminiſters Dr. Streſemann. Er entwickelte noch ein=
um
ſtarken, breiten Strichen den Gang der Londoner Ver=
indlle
en. Er ſchilderte die ſchweren Kämpfe namentlich nach
r d ſchen Seite hin, und der Beifall, der ihn am Ende
hnte! igte, daß ſeine Ausführungen einen ſtarken Eindruck
f ds Haus gemacht hatten. Vielleicht nicht auf das ganze
uts, en die Oppoſition warf ſich zu oft zwiſchen ſeine Rede,
Edaßs Bild ſich mehr verſchob, als es vom deutſchen Stand=
inkt
t. gut iſt. Denn dadurch wurde der Reichsaußenminiſter
n 4 herein in eine Verteidigung des Dawes=Gutachtens
SMert
d de Tondoner Konferenz hineingedrängt, während es nach.
ßen u, doch ſicherlich nützlicher geweſen wäre, wenn er über
Swahl
dehen Grenzpfähle hinaus, noch einmal hätte unter=
eichel
önnen, wie ſchwer die kommende Belaſtung für
eutſoſ rd ſein wird und mit welchem ſchweren Herzen das
utſchh olk hierzu ſeine Zuſtimmung gibt. Immerhin bekam
1s Ho doch einen ſtarken Eindruck von dem ſchweren Kampf,
in d4 utſche Delegation und namentlich der Außenminiſter
Lona: geführt hat.
Ar! imenden Montag werden nun die Parteien zu Worte
mmon Vorausſichtlich dürften die Regierungsparteien ſich
f eiz urze Erklärung beſchränken, während die Oppoſition
f eixi atsgiebige Debatte noch nicht zu verzichten ſcheint. Ob
zu Auflöſung des Reichstages kommen wird, was in der
utige? Norgenpreſſe noch beinahe ziemlich ſicher angenommen
urde Doch immerhin fraglich. Nicht etwa, weil die Regierung
O Rut zu dieſer äußerſten Maßnahme aufbringen würde,
dern eil offenbar unter der Hand doch noch Vermittlungs=
den
=onnen werden. Es mehren ſich die Stimmen aus dem
ſetzten Zebiet, die ſtark auf eine Annahme drängen, und auch
di ders rtſchnationalen Fraktion dürften eine Reihe von Kund=
uing
) ihrer Parteifreunde aus dem Weſten vorliegen, die
W ruck bringen, daß man es im beſetzten Gebiet ſchwer
ſtelzl rwürde, wenn die Deutſchnationalen das Erreichte
jeder ſtören würden. Vielleicht iſt dieſer Druck aus dem
Seſtenn einzige Möglichkeit, doch noch eine Kompromißformel
fins) die auch für die Deutſchnationalen tragbar iſt. Man
z. B. denken, daß der Reichstag noch einmal in einer
jarun en Entſchließung die deutſchen Bedenken gegen den
ondoc Pakt und namentlich aus nur allzu berechtigtem Miß=
ſaueny
gen alle franzöſiſchen Verſprechungen zuſammenfaßt,
id. d auf dieſer Baſis, auch die Deutſchnationalen bereit
dären ! nigſtens dem Eiſenbahngeſetz, auf das es für die
wvei=2: el=Mehrheit ankommt, ihre Zuſtimmung zu geben,
imal / auch von ihnen anerkannt wird, daß mit dem Ver=
win
:! Der Regie und mit der Beſeitigung der 4000 Eiſen=
aihnerkr
der deutſchen Delegation auf dieſem Gebiet ein ein=
andf
-‟‟ Erfolg erzielt worden iſt. Ob ein derartiger Löſungs=
rſuckb
einem Erfolg führt, das muß man allerdings zunächſt
au Eten. Vorſichtigerweiſe läßt ſich im übrigen nur feſt=
die
Situation nicht mehr ganz ſo hoffnungslos zu
ſch),wie noch geſtern.

EEine Gewiſſensfrage.
Sei ehnung größte Gefahr für ganz Deutſchland.

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* Berlin, 23. Ang. (Eigener Bericht.)
tnd Tribünen ſind gut beſetzt. Am Regierungstiſch:
er Marx Reichsaußenminiſter Dr. Streſe=
Reichsarbeitsminiſter Dr. Branns, Reichsernäh=
ker
Graf Kanitz, Reichswirtſchaftsminiſter Hamm.
mmuniſtiſche Abg. Schwarz befindet ſich nicht im
ant Wallraf eröffnet die Sitzung um 10,20 Uhr
klärung, der Abg. Dr. Schwarz, den er auf Grund
S 28 da Reichsverfaſſung kraft des ihm zuſtehenden
3 ausgeſchloſſen habe, habe einen ſchriftlichen Ein=
Treicht. Der Präſident verlieſt den bereits bekannten
es Einſpruchs. Er fügt hinzu, der Einſpruch ſtehe
auf der Tagesordnung, er bitte aber um das Ein=
des
Hauſes, ihn noch auf die Tagesordnung zu
zwar an die zweite Stelle, (iſnruhe bei den Kom=
Darauf erhält

Reichskanzler Dr. Marz.
das Wort zur Erklärung der Regierung. Sofort ſetzen wieder
die Rufe der Kommuniſten ein: Amneſtie, Herr Reichskanzler!
Zuchthauskanzler! Der Reichskanzler beginnt trotzdem ſeine
Rede, worauf die Kommuniſten ſofort verſtummen. Reichs=
kanzler
Dr. Marx:
Die Reichsregierung tritt vor ſie hin, um Ihnen das Er=
gebnis
der Londoner Konferenz vorzulegen und Ihre Zuſtim=
mung
zu erlangen. Die Mehrheit des Hauſes hat die Erklärung
der Regierung bewilligt, daß das Gutachten der Sachverſtän=
digen
eine geeignete Grundlage für die Löſung der Reparations=
frage
ſei. Die ſchweren Bedenken gegen das Gutachten ſind von
mir nie verkannt worden. Unſere heutige Beſchlußfaſſung hat
eine weitergehende Bedeutung als jene, die das Gutachten als
Grundlage zur Löſung des Reparationsproblems annehmen.
Jetzt handelt es ſich um tiefgehende organiſatoriſche Aende=
rungen
im Deutſchen Reiche, die in einem Punkt ſogar eine
Abweichung von den Verfaſſungsbeſtimmungen erfordern.
Die Reichsregierung wird ſich angelegen ſein laſſen, das ganze
Material eingehend darzulegen und allen Parteien Rede und
Antwort zu ſtehen. Wir rühmen uns nicht eines Erfolges, den
wir in London errungen hätten. Wir ſind uns bewußt, daß
die Arbeit, die wir in London zu vollbringen hatten, nicht derart
war, daß ſie große Erfolge hätte davontragen können. Das
Gutachten der Sachterſtändigen iſt für das deutſche Volk in
ſeinem innerſten Weſen ebenſo wenig erfreulich wie der Ver=
ſailler
Vertrag.
Weder der Verſailler Vertrag noch der Sachverſtändigen=
Bericht als ſolcher werden wohl von irgend jemand in
Deutſchland als eine Wohltat für das deutſche Volk ange=
ſehen
werden.
Unſere Aufgabe beſtand nur darin, Milderungen zu erſtreben,
und ich glaube feſtſtellen zu dürfen, daß die deutſche Delegation
in London in keinem Falle eine Verſchlechterung gegenüber dem
jetzigen Zuſtand, in mancher Hinſicht aber eine Verbeſſerung
erreicht hat. Wir haben uns keinen Augenblick beſonnen, mit
Entſchiedenheit und Offenheit die deutſchen Bedenken und Aus=
ſtellungen
an den Beſchlüſſen der Alliierten vorzubringen. Zum
erſten Male ſeit Beendigung des Krieges haben wir als Gleich=
berechtigte
gehandelt. Ein großer Teil unſerer Gegenvorſchläge
wurde als berechtigt anerkannt. Es iſt mir ein Bedürfnis, auch
hier die objektive und unparteiiſche Leitung der Konferenz durch
den engliſchen Miniſterpräſidenten anzuerkennen, und ich lege
Wert auf die Feſtſtellung, daß der Vorwurf, es ſei uns ein
Ultimatum geſtellt oder ein Diktat vorgelegt worden, durchaus
unbegründet iſt.
Die Londoner Beſchlüſſe ſtellen gegen den bisherigen Zu=
ſtand
einen Fortſchritt dar.
Wie dem ganzen deutſchen Volk, ſo lag auch der deutſchen Dele=
gation
in London vor allem die Sorge am Herzen, deutſches
Land von der Beſatzung durch fremde Truppen zu befreien.
Wenn unſere Bemühungen nicht das erſtrebte Ergebnis
gezeitigt haben, ſo iſt das in erſter Linie dem Umſtand zu=
zuſchreiben
, daß den Parteien in London nach vielen Rich=
tungen
hin die Hände gebunden waren und ſich Faktoren
in den politiſchen Verhandlungen geltend machten, die ſich
ſtärker erwieſen, als der Verſtändigungswille der Führer,
in erſter Linie das Problem der interalliierten Schulden.
Auf der Londoner Konferenz hat zum erſten
Male ſeit Kriegsende wieder ein Geiſt der Ver=
ſtändigung
und der ernſthafte Wille zur friedlichen Rege=
lung
der traurigen Kriegshinterlaſſenſchaft geherrſcht. Dieſer
Geiſt und dieſer Wille haben ſich angeſichts der immer noch vor=
handenen
Widerſtände noch nicht reſtlos durchgeſetzt. Aber
durfte die deutſche Delegation durch ſtarres
Feſthalten am deutſchen Rechsſtandpunkt, durch
eine Alles= oder Nichts=Politik die offenkun=
dig
ſich anbahnende Verſtändigung hindern,
durch Unnachgiebigkeit ſich erneut als Stören=
fried
hinſtellen laſſen? Die deutſche Delegation war
nach Ausſchöpfung aller zur Verfügung ſtehenden Mittel
einmütig der Ueberzeugung, daß eine Ablehnung der
franzöſiſch=belgiſchen Zugeſtändniſſe in
der Näumungsfrage auf abſehbare Zeit nicht eine
Beſſerung ſondern eine Verſchlechterung der Ver=
hältniſſe
in den beſetzten Gebieten verurſacht
haben würde und daß zugleich auch die durch das Gutachten
und die Londoner Konferenz erſtrebte erträgliche Löſung
der Reparationsfrage in unabſehbare Ferne gerückt wäre.
Die Verantwortung dafür haben wir nicht übernehmen können.
Wirhaben von den Miniſterpräſidenten Frank=
reichs
und Belgiens, die bedingungsloſe Zu=
ſage
, daß das Ruhrgebiet ſpäteſtens am 15. Au=
guſt
1925 geräumt ſein wird. Wir erhalten weiter
vom Miniſterpräſidenten Herriot das Ver=
ſprechen
, daß die Räumung des Ruhrgebietes
viel ſchneller durchgeführt werden ſoll, wenn
die Verſtändigung zwiſchen Deutſchland und
Frankreich weiter fortgeſchritten ſei. Zum Be=
weiſe
ſeiner ehrlichen Abſicht, gab Herriot am
Tage nach Unterzeichnung des Londoner Paktes den Befehl zur
Räumung der Zone Dortmund, Hörde, Lünen. In der gleichen
Zeit ſollen auch die nach dem 11. Januar 1923 außerhalb des
Ruhrgebietes beſetzten Ortſchaften und Länderſtreifen rheinauf=
wärts
und rheinabwärts geräumt werden. Dadurch werden
rund 900 000 Deutſche ſofort von der fremden Beſatzung frei.
Weiter haben wir von Frankreich, Belgien und England die
Zuſage, daß die Sanktionsgebiete von Düſſel=
darf
, Duisburg und Rühraxt ſpäteſtens am Tage der

Ruhrräumung frei ſein werden. Daß die deutſche Regierung
die ſo getrofſene Regelung der Räumungsfrage nicht als end=
gültig
anſieht, es vielmehr als ihre Aufgabe betrachtet, die in
Ausſicht geſtellte ſchneile und vollſtändige Räumung des Ruhr=
gebietes
zu erreichen, iſt ſelbſtverſtändlich, und ich hoffe, daß eine
befriedigende Regelung der Räumungsfrage vielleicht bald er=
zielt
werden wird, wenn auf Grund der Londoner Beſchlüſſe
eine Regelung des Reparationsproblems und eine Befriedigung
Europas eingeleitet iſt. Indem ich Ihnen das Geſamte zur An=
nahme
empfehle, möchte ich abſchließen, einen Gedanken aus=
ſprechend
, der bei Ihren Entſchließungen eine gebührende Be=
rückſichtigung
finden muß. Es iſt der Gedanke an die ernſte
Alternative, vor der wir ſtehen:
Welche Folgen haben wir für unſer Volk und unſere heimat=
liche
Wirtſchaft zu erwarten, wenn die in London erzielte
Regelung nicht zur Wirklichkeit wird, ſondern der gegen=
wärtige
Zuſtand auf unbeſtimmte Dquer fortbeſteht?
Auch die Umſtellung der amerikaniſchen Politik, die ſich unter
dem Banner des Dawesgutachtens wieder zur aktiven Mitar=
beit
an den europäiſchen Problemen entſchloſſen hat, droht zu
ſcheitern, wenn das Gutachten ſelber von einem der Hauptbetei=
ligten
in Europa abgelehnt wird. Auf dieſe Gefahren hinzu=
weifen
und an alle Parteien die ernſte Mahnung zu richten, ſich
der Verantwortung der zu treffenden Entſcheidung bewußt zu
ſein, halte ich für meine höchſte vaterländiſche Pflicht.
Wer es verantworten zu können glaubt, die
Durchführung der Londoner Vereinbarung zu
verhindern, hat die ernſte, heilige Pflicht,
einen anderen Weg zu weiſen, der unſer Volk
aus feiner wirtſchaftlichen und finanziellen
Not herausführen kann und uns die Befrejung
des beſetzten deutſchen Landes ſichert. Dieſer
Weg muß aber gleich beſchritten werden können und kurz ſein,
fonſt wird er Deutſchland ins Verderben führen, denn
eine Ablehnung des Londoner Vertrages bedeutet zunächſt
jedenfalls die Zerſtörung all der Hoffnungen, die das
deutſche Volk und etwa unſere Brüder im beſetzten Gebiet
hegen.
Induſtrie und Landwirtſchaft werden noch mehr unter der
Kreditnot zu leiden haben, ob auch unſere bisher mühſam ge=
haltene
Währung nicht neuem Verfall entgegenſchreitet, iſt eine
bange Frage.
Die Zunahme der Arbeitsloſigkeit aber iſt eine
ſichere Folge. Der furchtbare militäriſche Druck
twird auf dem beſetzten Gebiet unvermindert weiter laſten.
Hunderte gefangener Deutſcher, die ſich für ihr Va=
terland
eingeſetzt haben, werden weiter in den Gefäng=
niſſen
ſchmachten. Vielen Tauſenden von Aus=
gewieſenen
wird die Nückkehr in die Heimat weiter
verwehrt bleiben.
Die Entſcheidung des Reichstags wird für Deutſchland
Segen oder Fluch bedeuten.
Das ganze deutſche Volk, die ganze Welt richten ihren Blick
auf uns. Das beſetzte Gebiet, dem unſere heißeſten Wünſche
gelten, hat ſeinen Willen kundgetan, ſeine Hoffnung iſt erwacht,
ſie darf nicht betrogen werden.
Die Rede des Reichskanzlers wurde wiederholt durch Ge=
lächter
und höhniſche Zwiſchenrufe der Kommu=
niſten
und auch einigen Deutſchnationalen unterbrochen, na=
mentlich
an den Stellen, wo von Deutſchlands nationaler Würde
und von Deutſchlands Souveränität die Rede iſt. Auch die
Rufe Zuchthauskanzler wiederholten ſich. Der Schluß
der Rede rief bei der Mehrheit lebhaften Beifall
hervor, der von den Kommuniſten mit Pfuirufen beantwortet
wurde. Die Deutſchnationalen enthielten ſich
jeglicher Kundgebung.
Als nunmehr.
Reichsfinanzminiſter Dr. Luther
die Rednertribüne betrat, rufen ihm die Kommuniſten zu:
Oberſchieber‟. Da er ſich nicht vernehmlich machen kann,
ſo ruft der Finanzminiſter den Kommuniſten erregt zu: Ihnen
ſcheint die Wahrheit außerordentlich unangenehm zu ſein‟. Die
Zwiſchenrufe der Kommuniſten werden darauf nur noch lauter.
Präſident Wallraf verwarnt die Rufer und erklärt, das Land
habe ein Recht, und ebenſo der Reichstag, die Aufſtellung der
Regierung zu hören. Der Abg. Eppſtein (Kom.) erhält für einen
beleidigenden Zwiſchenruf einen Ordnungsruf. Endlich kann der
Miniſter beginnen:
Reichsfinanzminiſter Dr. Luther führt aus: Ich will
vor Ihnen die Tatſachen darlegen, die Sie in den Stand ſetzen
ſollen, zu ſehen, was wäre, wenn wir dem Londoner Abkommen
nicht zugeſtimmt hätten.
Unſere geſamte Wirtſchaft befindet ſich in einer furchtbaren
Kriſe.
Ein guter Gradmeſſer für den Zuſtand des Wirtſchafts=
lebens
iſt die Bewegung der Arbeitsloſigkeit. Seit dem Januar
hat dieſe erheblich zugenommen. Nahezu 60 Prozent, ſogar in=
nerhalb
der letzten zwei Monate, in denen ſonſt regelmäßig die
Erwerbsloſenzahl abgenommen hat, wegen des erheblichen Be=
darfs
der Landwirtſchaft an Hilfskräften. Im Ruhrgebiet ſind
heute ſchon rund 20 000 Kohlenarheiter erwerbslos. Dieſer Zug

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

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gege
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teile

der Erwerbsloſigkeit geht durch unſere ganze Bilanz. In der
erſten Hälfte des vergangenen Vierteljahres haben wir, einen
Einfuhrüberſchuß von einer Milliarde, ſechshundert Millionen
gehabt. Unſere Ausfuhr hat ſich in all dieſen Monaten nicht
weſentlich verändert. In der Einfuhr ſind beſonders ſtark die
Rohſtoffe und Halbfabrikate zurückgegangen. Das Reich wird
ſogar in der Lage ſein, für eine begrenzte Uebergangszeit die er=
wartete
Anleihe zu bevorſchuſſen, nachdem es ihm gelungen war,
ſeine laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.
Etwas ganz anderes aber iſt die Frage, wie ſich die finan=
zielle
Lage geſtaltet im Falle einer Ablehnung des Lon=
doner
Abkommens.
Das Reich hat bei Stabiliſierung der Mark ſeine dringenden
Verpflichtungen erfüllt, allerdings jetzt, nachdem es durch die
Notgeldgeſetzgebung des Winters auch einen ſehr erheblichen
Betrag an ſich berechtigter Zahlungen teils eingeſtellt, teils aus=
geſetzt
hat. Außerdem hat das Reich bis heute eine Goldanleihe
von 570 Millionen herausgegeben. Auf der anderen Seite hat
das Reich einen erheblichen Betrag einmaliger Einnahmen ge=
habt
, die nicht wiederkehren, wie den Kredit von rund einer Mil=
liarde
, ſowie den Gewinn von hundertachtzehi Millionen aus
der Prägung von Silbermünzen, ebenſo eine einmalige Steuer=
einnahme
in erheblichem Umfange, zuſammen etwa 330 Millio=
nen
. Hierzu kommen die Beträge der Abſchlußzahlungen auf
die Einkommenſteuer für 1922/1923 mit ungefähr 175 Millionen.
Die ganze Summe von zuſammen mindeſtens 1,6 Milliarden
iſt bis auf einen kleinen Reſt verbraucht. Wir haben alſo ſeit
der Stabiliſierung keineswegs allein von laufenden Einnahmen
gelebt. Nun hat ſeit einigen Monaten, im Zuſammenhang mit
der Not unſerer Wirtſchaft, die Steuerfähigkeit offenſichtlich ab=
genommen
, und der Reichsfinanzminiſter hat möglichſt weiteſt=
gehende
Rückſichtnahme auf die Wirtſchaft des Einzelnen an=
geordnet
.
In der Wirtſchaft hat ſich, zum Teil unter Führung großer
Wirtſchaftsverbände, eine Bewegung entwickelt, die grundſätzlich
Hinausſchiebung von Steuerterminen oder allgemeinen Nachlaß
erſtrebt. Daß ſogar Fälle vorgekommen ſind, in denen zum
Steuerſtreik aufgefordert wurde, will ich hier nur erwähnen, nicht
ohne hinzuzufügen, daß gegen ſolche Erſcheinungen ſelbſtver=
ſtändlich
mit der größten Schärfe des Geſetzes eingeſchritten macher für weitere langfriſtige ausländiſche
wird. Jedenfalls muß man aber aus allem ſchließen, daß in der
deutſchen Bevölkerung durchaus die objektiven und die ſubjek=
zialen
Unterſtützungsbeträge ſtehen die ſchwerſten Bedenken ent=
mit
ſteigenden Ausgaben zu rechnen.
verzichten würden.
Die Wirtſchaft des beſetzten Gebiets kann die Micum=
wird
die Regierung eingreifen müſſen, und wenn die Mittel benswürdigen Bedingungen endlich den Wiederaufſtieg beginnen
dazu nicht vorhanden ſein werden, ſo wird ein vollkommener wird.
wirtſchaftlicher und ſozialer Zuſammenbruch
dem Ruhrgebiet drohen und damit die größte Ge=
fahr
für ganz Deutſchland. Unſerer Wirtſchaft fehlt,
wie allgemein bekannt, der Kredit. Bei Nichtannahme der
Abmachungen würde die Kreditnot unvermeidlich ſtärker ſteigen. Hierauf erhielt
Die Kreditpolitik der Reichsbank müßte erheb=
lich
eingeſchränkt werden. Auch das Vertrauen zur
Rentenmark würde leiden und die Reichsbank würde
ihr Hauptaugenmerk darauf richten müſſen, den Kurs der Ren= das Wort. Er wandte ſich gegen die äußerſte Rechte
tenmark zu halten. Der Plan, durch Umgründung der Renten= und wies darauf hin, daß gerade von jener Seite immer behaup=
bank
die hunderte von Millionen kurzfriſtiger landwirtſchaftlicher tet worden ſei, die Franzoſen dächten gar nicht daran, das
Kredite in längfriſtige zu verwandeln, würde gegenftandslos. Die Ruhrgebiet zu räumen. Herriot, der ſich verpflichtet hatte, über
zahlreichen,in Deutſchland laufenden kurzfriſtigen ausländiſchen die Räumungsfrage nicht zu verhandeln, habe dieſes ſchließlich
dingungen verlängert werden. Die Verſchärfung der der Londoner Verhandlungen beweiſe aber, daß Deutſchland
Ich wage es nicht einmal auszumalen, welche politiſchen
Folgen das haben würde. Der Ausweg aus der Kredit=
not
durch eine neue Inflation iſt durchaus unmöglich. Wir
Geld machen. Die Folgerung aus dem von mir Entwickel=
ten
liegt für mich auf der Hand. Trotz aller Bedenken
zwingt uns der geſamte Zuſtand unſerer Wirtſchaft zur
Annahme der Londoner Abmachungen.
und die deutſche Geſamtregierung geleitet worden. Durch das liche Vorteile in der Räumungsfrage gebracht.
Londoner Abkommen hören Rhein und Ruhr auf, Reparations= Die Rechte bezeichne auf der einen Seite Herrn Herriot als einen
ſicher, daß nur bei Annahme der Londoner Abs der anderen Seite ſtellen ſie ihn wieder als einen harmlos=
machungen
unſerer Wirtſchaft Erleichterungen, friedlichen Menſchen hin, der aus einer Ablehnung des Dawes=
verſchafft
werden können, nach denen ſie mit Recht verlangt, Gutachtens gar keine Konſequenzen ziehen würde. Wenn auch
lichen und ſozialen Notwendigkeiten und ein fühlbarer Abbau hang zwiſchen handelspolitiſchen Wünſchen Frankreichs und der
der Eiſenbahntarife.

Nummer

Vom Tage.

Deſ Reichspräſident hat den deutſchen Mitglie=
dern
des Organiſationskomitees für die Reichsbank, die
Induſtrieobligationen und die Reichsbahn im Namen des Reiches An=
erkennung
und Dank ausgeſprochen.
Die demokratiſche Reichstagsfraktion hat folgenden Geſetz=
entwurf
eingebracht: 8 1. Der 11. Auguſt wird zum Na=
tionalfeiertag
beſtimmt. 8 2. Die Ausführung des Geſetzes wird
der Reichsregierung übertragen.
Der Derniere Heure zufolge wird die militäriſche Räu=
mung
von Dortmund in der erſte Hälfte des Monats
September erfolgen. Im Laufe der erſten Hälfte des Monats
September wird ferner der belgiſche Zollpoſten auf der
Lippebrücke gegenüber Weſel zurückgezogen werden.
Miniſterpräſident Herriot hat Anordnungen gegeben, daß der
Prozeß gegen die Kommuniſten im Rheinland, der am
28. Auguſt in Wiesbaden zur Verhandlung kommen ſollte, auf un=
beſtimmte
Zeit vertagt wird.
Nach einer Meldung aus Eſſen ſind die nnch St. Martin de
beportierten Ruhrgefangenen, etwa 30 an der Zahl, nach Saar=
brücken
, verbracht worden; einer von ihnen, ein Monteur Hugo
Klitter aus Eſſen, der am 11. Juli 1923 wegen Spionage zu zehn
Jahren Zuchthaus verurteilt worden iſt, iſt bereits freigelaſſen
worden und in die Heimat zurückgekehrt.
Der Handels= und Induſtriebeirat der rheiniſchen
Zentrumspartei hat dem Vorſitzenden der Zentrumsfraktion, Abg. Feh=
renbach
, gedrahtet, daß er die Annahme der Londoner Ab=
machung
für eine notwendige und unerläßliche Maßreger
halte.
Der Regierungsrat im Auswärtigen Amt, Preſſeabteilung der
Reichsregierung, Hans Saller iſt zum vortragenden Legations=
rat
ernannt worden.
Neapel iſt ſeit den Vorgängen am letzten Sonntag noch nicht
zur Ruhe gekommen. Es ereigneten ſich wieder Zuſammen=
ſtöße
zwiſchen der Oppoſition und Faſziſten. Die Behörden verſtärkten
heute die Sicherheitsmaßnahmen.

Die 800 Millionen=Anleihe wird Schritt=
Kredite zu tragbaren Bedingungen ſein. Die
tiven Vorausſetzungen für eine Geſamtſteigerung der Steuerbe= Unterzeichnung der Anleihe konnten wir natürlich nicht aus Lon=
laſtung
fehlen. Die ſachlichen Grundlagen für ein längeres don mitbringen, aber die Feſtſtellung iſt erreicht, daß beim Nicht=
Durchhalten ſind unter den jetzigen Verhältniſſen nicht gegeben. zuſtandekommen der Anleihe für Deutfchland keine Verpflichtung
Einer erneuten Herabſetzung der Beamtengehälter und der ſo= zur Ausführung der Londoner Abmachungen beſteht. Außerdem
gegen. Die Ausgabe=Droſſelungen bei den Sachreſſorts dürften haben die alliierten Regierungen von ſich aus den Wunſch prokla=
auch
nicht immer aufrecht zu erhalten ſein. Es wäre zweifellos miert, daß der Anleiheplan zur Wirklichkeit wird, und auch die
erforderlichen praktiſchen Schritte getan, womit ſie eine politiſche
Ich kann mir nicht vorſtellen, daß bei einem Abbruch der Verantwortung für das Zuſtandekommen der Anleihe mit über=
Verhandlungen die Beſatzungsmächte auf eine Fortſetzung nommen haben. Nach allem erſcheint mir der Weg der Zuſtim=
der
Gewaltpolitik zur Auspreſſung der deutſchen Wirtſchaft mung unvermeidlich. Ich wage der Hoffnung Ausdruck zu ge=
ben
, daß das deutſche Volk, wenn es zähe arbeitet und tapfer
verträge nicht mehr weiter tragen. Infolgedeſſen ſpart, auf der Grundlage des Londoner Abkommens unter le=
Abgeſehen von einigen Zwiſchenrufen, konnte der Reichs=
finanzminiſter
in Ruhe ſprechen. Zum Schluß ſpendeten ihm die
Mittelparteien lebhaften Beifall.

Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
Kredite würden entweder nicht, oder nicht zu den gleichen Be= doch mit Zuſtimmung ſeines Miniſterrates getan. Der Verlauf
Kreditnot bedeutet weitere Arbeitsloſigkeit, nicht einfach die Ruhrräumung erreichen konnte, wenn es ſie
Schließlich muß der Zeitpunkt kommen, daß Reich, Länder und verlangte. (Lärm bei den Nationalſozialiſten und Rufe: Vor=
Gemeinden ihre einfachen Aufgaben nicht mehr erfüllen können, her haben Sie anders geſprochen.) Ich habe im Auswärtigen
Ausſchuß ſchon vorher geſagt, daß die ſofortige Räumung kaum
zu erreichen ſein werde. Wir würden darauf dringen, daß ſie in
einer Friſt erfolgt, die nicht nach Jahren, ſondern nach Monaten
köunen nicht zum zweiten Male in Deutſchland künſtlich zählt. Der Miniſter ſchildert dann, von nationalſozialiſtiſchen
Zwiſchenrufen unterbrochen, den
Verlauf der Verhandlungen über die Ruhrräumung.
Im Vergleich zu dem urſprünglichen franzöſiſchen Standpunkt
Durch dieſe Erwägung iſt die deutſche Delegation in London in der Näumungsfrage habe London doch ſehr weſent=
provinz
zu ſein. Die Laſten ſind gewiß groß, aber es iſt auch Mann, deſſen Räumungsverſprechungen nicht zu trauen ſei, auf
nämlich die Anpaſſung unſeres Steuerſyſtems an die wirtſchaft= nicht formell, ſo habe doch tatſächlich ein gewiſſer Zuſammen=
Räumungsfrage beſtanden.

Die deutſche Delegation habe London verlaſſen, uhr
in handelspolitiſchen Fragen irgendwie zu binden
war für Deutſchland ſicher beſſer, in bezug auf den
termin der militäriſchen Räumung etwas nachzugeben.
für die künftigen wirtſchaftlichen Verhandlungen die Tr
vorher aus der Hand zu geben.
(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Es iſt in 8
erreicht worden, daß die Friſt für die Räumung 6 bis
früher läuft, als die übrigen Friſten. (Zuruf eines
niſten: Das iſt ja fabelhaft!) Das iſt nicht fabell
das wird von denjenigen im beſetzten Gebiet gewürd
für die 6 bis 8 Wochen eine Rolle ſpielen. (Lebhaf
mung in der Mitte.) Wenn von der Rechten geſagt
Gerechtigkeit hätte die ſofortige Räumung erfordert
das ſeltſam im Munde von Leuten, die ſonſt immer
daß ſich die Entwickelung der Geſchichte nicht nach Theo
dern nach den realen Machtverhältniſſen richte. (Sehr
der Mehrheit.)
Herriot wollte uns durch die ſofortige Räumung von
burg und Appenweier einen ſichtbaren Beweis ſeines
Willens geben, und er hat ſein Wort gehalten. Das
erkennen, nehme ich keinen Anſtand.
(Lärm bei den Nationalſozialiſten, Beifall bei der 9
Wir können die auswärtige Politik nicht immer ſo treil
wir den Gegner als wortbrüchigen Schuft bezeichnen.
bei der Mehrheit.) Die Rechte hat immer behauptet,
werde immer am Poincarismus feſthalten. (Sehr richtig
Der Londoner Pakt iſt jedenfalls kein A
des Poincarismus. (Widerſpruch rechts, Beifall
Mehrheit.) Daß der 15. Auguſt 1925 der allerletzte Te
die militäriſche Ruhrräumung iſt, daran beſteht gar ke
(Rufe rechts: Abwatten!) Sie (nach rechts) geben ie
ten in Frankreich das beſte Material. (Sehr wahr!
Mehrheit.)
Der Kampf um die Befreiung unſerer Gebiete iſt mit
don nicht beendet, ſondern er hat damit begonner
(Lebhafte Zuſtimmung bei den Deutſchnationalen.) Die
Regierung betrachtet es als ihre Pflicht, auf eine Be
gung der Räumung hinzuwirken. Sie handelt damit n
im Einvernehmen mit dem bekannten Brief Macdonal
dern auch mit den Erklärungen Herriots. Es
falſch, zu behaupten, das Ruhrgebiet
noch ein volles Jahr beſetzt. Es iſt ein unbeſt:
Erfolg, daß ein ganz beſtimmter Endtermin für die B.
erreicht worden iſt. Von den Leuten, die das erreicht
ſollte man nicht mit den Worten der Pommerſchen Ta,
ſagen: Los von den Landesverrätern! (Entrüſtun
gebungen der Mehrheit.)
Die Machtbefugniſſe der Reparationskommiſſion, unter
Deutſchland ſo ſchwer gelitten hat, ſind ſeit London dur
verändert
(Frankreich hat damit nicht mehr die entſcheidende M
Die Zuziehung des Amerikaners iſt deshalb für u
von Bedeutung, weil der Gläubigerſtaat Amerika auch
ſchaftliches Intereſſe hat an dem Wohlergehen ſeines Ech
Deutſchland. (Zuſtimmung.) In der Sanktions
ſind weſentliche Erleichterungen fürur
langt worden. Ein großer Fortſchritt iſt die Lurd
des Schiedsgerichts für alle dieſe Fragen. Das iſtdo
ganz anderer Geiſt, als der Geiſt des 9ik
unter dem wir bisher gelitten haben. Deut
befindet ſich gegenwärtig in einer Vertrauenskriſe des K
Deutſchlands Wirtſchaftsinſtrument iſt zum Glück duche
takt, aber es laufen jetzt in der Wirtſchaft 1,5 Millarden
mark als kurzfriſtige Kredite, die durchaus von der Ele=
des
Gutachtens abhängen. Die Mitglieder des Nchsver
det deutſchen Induſtrie, die politiſch meiſt weit rahtz ſiher
ben ſich gewiß nicht aus Gefühlsgründen für das AMueaß
ten ausgeſprochen, ſondern weil der Verſtand es ihneſ
Das Ruhrgebiet hört damit auf, das Reparationsgehiet 31
(Rufe rechts: Ganz Deutſchland wird Reparationsprohnz
und das ſoll ſo ſein. Deutſchland hat die Pflicht, für die
rationslaſten zu haften, es darf das nicht der Bevölleru
beſetzten Gebietes überlaſſen. Mit Zuſtimmung der
wollte ſchon das Kabinett Cuno aus der Spezialchll
Ruhrgebiets eine Generalſchuld des Deutſchen Reiches 1
Zum Segen des beſetzten Gebiets haben wir das jent
(Lebhafter Beifall!)
Von Verſailles bis London war ein weiter Aeß
Demütigung. London iſt nicht der Schluß. Es war
Anfang einer neuen Entwicklung, deren Ziel der Bei
einer Aera der Verſtändigung der Völker iſt.
(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit. Zwiſchenrufe .
äußerſten Rechten und Linken.)
Präſident Wallraf ſtellt feſt, daß damit der erſte PI
Tagesordnung erledigt ſei.
Es folgt dann noch die Beratung des Einſpruchs dee *
Schwarz (Kom.) gegen ſeine Ausſchließung.
Der Einſpruch des Abg. Schwarz wird darauf, gegen oe
der Kommuniſten, abgelehnt. (Lärm bei den Kommunſten
Nächſte Sitzung Montag, 12 Uhr. Erſte und zweſte
der Gutachtengeſetze. Schluß nach 1 Uhr.
w

*Gammerſpielzeit Bruno Harprecht.
Kleines Haus. Samstag, 23. Auguſt.
Das Glück im Winkel.
Schauſpiel von H. Sudermann.
Sommertheater iſt Sommertheater, aber Frau Horn=
Harprecht iſt doch eine zu ſcharmante Schauſpielerin, als daß
ſie Sudermanns Glück im Winkel zu ihrer Abſchieds= Vorſtel=
lung
wählten ſollte. Es gibt ſo viele ſchöne Rollen, die der
liebenswürdigen Begabung von Frau Horn entſprechen und
die ſie in einem fympathiſcheren Rahmen zeigen würden, als es
der arg veraltete Sudermann iſt. Ich denke an das Rollen=
gebiet
von Leopoldine Konſtantin, in dem ſich auch Frau Horns
Eigenart am ſchönſten entfalten dürfte.
Suderman hat Das Glück im Winkel als ein durch=
aus
ernſtes Schauſpiel aufgefaßt und geſchrieben. Der theatra=
liſche
Zug ſeiner Geſtalten und die Unglaubwürdigkeit der
Situationen kam in der geſtrigen Aufführung dadurch zum
Ausdruck, daß ganze Szenen in den beiden erſten Aufzügen von
freudigem Lachen der Zuſchauer begleitet wurden; namentlich
die Kraftausbrüche des Freiherrn von Röcknitz=Harprecht wur=
den
mit lauter Heiterkeit aufgenommen. Der Schritt vom Er=
habenen
zum Lächerlichen iſt getan. Hierin liegt die klarſte Be=
urteilung
des Falles.
Das hindert nicht, anzuerkennen, daß ſpeziell Frau Horn
der Rolle der unglücklichen Frau Wiedemann durchaus ge=
recht
wurde; die Töne verhaltenen Leides, wie ſie die Ausſprache
mit dem Gatten brachte, ließen die Schwäche des Stückes für
den Augenblick vergeſſen. Bruno Harprechts Junker
Röcknitz ſchwankte zwiſchen Schwank und Schauſpiel; zwei Akte
Schwank, ein Akt Schauſpiel. Eine ſympathiſche Friſche und
Natürlichkeit des Spiels bekundete Eva Biſchoff in der Rolle
der jungen, blinden Helene, wie auch Robert Fitz als Lehrer
Dang den rechten Ton traf. Lily Runge ſprach die Worte
der blaſſen Frau Betina, Franz Sauer verkörperte den Rek=
tor
Wiedemann, den Ritter von der traurigen Geſtalt, der ſei=
ner
Frau zum Weggange bei Nacht und Nebel das Tor offen
läßt. Frau Horn wurde am Schluſſe mit Beifall und Blumen
geſeiert.

*Herders Heimat eine geweihte Stätte
Zu ſeinem 180. Geburtstag, 25. Auguſt.
Geweihte Stätten hat man die Orte genannt, an denen
die größten Geiſter geboren wurden oder geſtorben ſind, im
Leben gewandelt ſind und gewirkt haben, denn nirgends ſonſt iſt
das Weſen dieſer abgeſchiedenen Genien noch ſo lebendig, und
es iſt ein Zug berechtigter Pietät, wenn man nach Marbach oder
Frankfurt a. M. zu Schillers oder Goethes Geburtshaus pilgert,
wenn man nach Weimar oder Bayreuth wallfahrtet. Unter die=
ſen
geweihten Stätten fehlt aber ein Ort, der wie wenige andere,
einen ergreifenden Eindruck, eine unvergeßliche Stimmung ver=
mittelt
. Es iſt die ſtille Kirchſtraße in dem oſtpreußiſchen Städt=
chen
Mohrungen, in der Herders Geburtshaus liegt. Es iſt
begreiflich, daß dieſer Erdenfleck, der am äußerſten Nordoſten
unſeres Vaterlandes fernab von der großen Straße der Reiſen=
den
liegt, ſo wenig gekannt, ſo wenig gewürdigt iſt. Aber nir=
gends
ſonſt, nicht in dem ſtattlichen Wohnhaus Herders in Wei=
mar
, nicht an ſeiner Grabſtätte, offenbart ſich uns ſo unmittel=
bar
das tiefſte Weſen dieſes genialen Mannes, wie in der melan=
choliſchen
Landſchaft der alten Ordensſtadt, wie im Schatten des
mächtigen Gotteshauſes, in dem das junge Genie zuerſt ſeine
Schwingen regte. Blicken wir bei der 180. Wiederkehr ſeines Ge=
burtstages
nach dieſem engen Winkel Preußens, von dem aus
der weltweiteſte Geiſt unſeres Schriftums ſich zum Sonnenflug
der Gedanken aufſchwang. Die Kleinſte im dürren Land hat
Herder ſeine Vaterſtadt genannt. Da liegt die 1302 gegründete
Stadt, noch heute von turmbewehrter Mauer umgeben, deren
alte Kirche mit dem mächtigen Turm noch als Wahrzeichen gro=
ßer
Verganger heit aufragt. Hier, ganz nahe der Kirche, in einem
ſchmalen Häuschen, das dem Vater Herders, dem Lehrer und
Küſter, gehörte, iſt Johann Gottfried in der letzten Stunde des
25. Auguſt 1744 geboren worden. Schon lange ſteht an Stelle
dieſes alten Geburtshauſes, das vor mehr als 100 Jahren ab=
gebrochen
wurde, ein neuer Bau, und an dieſem wurde zu Her=
ders
130. Geburtstag die Gedächtnistafel angebracht mit der
etwas wunderlichen Inſchrift: Johann Gottfried Herder wurde
in dieſem Hauſe geboren d. 26. Anguſt 1744 und ſtarb als Prä=
ſident
des Oberkonſiſtorii zu Weimar am 18. Dezember 1803.
Ihm, dem gediegenen Schriftſteller, Dichter, Philoſophen und
Orientaliſten, zum Andenken und der Jugend zu Mehrungen
zur Nacheiferung. Dem Hauſe gegenüber auf dem kleinen
Herderplatz, dem alten Pfarrgarten, hebt ſich ernſt von einem
Kranz duikler Tannen das Herderdenkmal ab, das aus Bei=

trägen der Verehrer Herders und durch die Freigehichl.
rich Wilhelms IV. geſchaffen wurde: eine Granitſäule.
von W. Wolff modellierten erzenen Koloſſalbüſte Herde.
Es iſt ein tiefes Symbol, daß der Geiſt, der zuerſt d.
heuere Fülle der Weltgeſchichte im Ganzen umfaſſen, de.
ſammenhänge der Länder und Völker über dem weiteh.
ſpüren ſollte, aus ſolcher Enge entſtanden iſt. Das G04
dieſer ehrwürdige gotiſche Bau, der eine geſchloſſene *
ſich iſt, weitete ſich ihm zu einer überirdiſchen Welt M
ihn zum Theologen, der er bei aller Weite ſeines Vile
Denkens ſtets geblieben iſt. Aber der dunkle Schaten de
der über ſeinem Geburtshaus lag, breitete ſich zugleich 4
ſein Leben; die ſchwermütige Landſchaft ſeiner Heſlt.
ſeinem Werk den Stempel auf, und etwas Gehehlit.
engtes haftete ihm bei all ſeiner Sehnſucht nach Ai
Licht an. Mag er auch nie wieder, nachdem er da dirche.
Fuß gefaßt und hohen Ruhm gewonnen, nach dei. 2
zurückgekehrt ſein: im tiefſten wurzelte er in der Heiſhlt.
die Erinnerungen an die Jugend, bald ſchwerwls.
bald finſter=unheimlich, tauchen überall in ſeinen Scht
Die Trümmer des ritterlichen Schloſſes, der 09le
Turm zauberten ihm das Mittelalter vor; vom Se.L
die Geiſter des Waſſers mit ihren dämoniſchen Krall.
Natur eiklang ihm die Stimme der Dichtung. IOS
auf, ſchreibt er ſpäter in einem Brief an ſeine Bral.
ich mich nichts als Szenen der Empfindſamteit 10l
oder eines einſamen Gedankentraumes, der meiſtens
des Ehrgeizes belebt wurde, die man in einen Rihd.
Ich dachte frühe, frühe riß ich mich los von der mehie.
ſellſchaft und ſah im Waſſer eine neue Welt hange.
um einſam mit der Frühlingsblume zu ſprchen. L
ſtundenlang mit mir ſelbſt. So lauſcht er in deihl e
Baumes, mit einem Buch in der Hand, dem Geſahde.
heißt es in einem Lebensbild, das aus ſeinen Erſhle.
ſammengeſtellt wurde. So macht er, wie oſt, ſei
weg um den Mohrunger See und durch das Berd.
chen. Es war eine Landſchaft voll Anmutzg voſl. i
Wäldchens erblickte man den See mit ſeiner Jnſe. d
des Sees erhob ſich die Stadt mit ihrer Riche 1.
Schloß im Vordergrunde, umrahmt von niedrie.
terraſſenförmig aufteigenden Gärten. Mihſan, Noce
arme Küſtersſohn mit dem ungeheueren Wiſſensdurt
Feſſeln dieſer Mohrungen Kleinwelt befreien: ober ſe=
Knaben auch Kräfte, die den Mann zu ſeinent he
Lebenswerk befähigten,

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

Seit: 3.

Jumi 235.

gsho der Rechtfertigungsreden.

Be ger Preſſe zur Regierungserklärung.
erlii 23. Aug. Die Regierungserklärungen in der heutigen
tagsfr-) werden bisher nur von einem Teil der Berliner
blätte ſprochen.
Dr liner Lokalanzeiger ſagt, daß es Marx nicht
en ſes tvas zu Gunſten des Londoner Abkommens zu ſagen.
ie R= des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann übergehend,
s Bl.) als Peinlichſtes bleibt zurück, das bedrückende Gefühl ob
gonurn s optimiſtiſchen Wärme, womit er einen großen, ja
idende eil ſeiner Rede zu einem Plaidoher machte für Her=
ſaad
Du glands Schickſal auf die Gutmütigkeit dieſes zweifelhaf=
darkule
D auf ſeine treuen Augen geſtellt ſein läßt. Die Zeit
daicht Jahren, nicht nach Monaten, nicht nach Wochen ſon=
nur
ry Tagen, die verfloſſen ſind, ſeitdem dieſer an ſich ſehr
iſche beneidenswerte Optimismus Herrn Streſemanns ihn
ns zuu etztenmale furchtbar betrogen hat.
Itſche Zeitung erklärt es für überflüſſig, ihre
ignah= gegen die Reden der Miniſter noch einmal kundzutun
u. Die drei Reden zeigen klar und deutlich die Einſtellung
Rec ngsmänner und ihrer Gefolgſchaft. Eine unüberbrück=
ft
it dieſe Weltanſchauung von der unſrigen. Dort ſtehen
ute, ſen Glauben an das deutſche Volk verloren oder noch
s beſ haben. Bei uns ſtehen die, die in der augenblicklichen

ſinen riſchen Moment ſehen, die an die Verantwortung den=
de
maru ht nur den Lebenden, ſondern auch den kommenden Ge=
ern
ar üüber hat.

Suzzeitung ſchreibt, Herr Marx kennt nur den
n g. nur Verſtändigungswillen und Verſöhnungsbereit=

Es geſagt werden, wir ſchämen uns der gegenwärtigen
n R1 ung.
S liner Tageblatt ſtellt feſt, daß die drei Dele=
auf
1. Londoner Konferenz mit ihren Rechtfertigungsreden
zuten e gehabt haben, und daß das Echo im Lande nicht aus=
wir

Dſiſche Zeitung weiſt auf den ſtarken Beifall am
ſe der de des Reichsaußenminiſters Streſemann hin, findet das
Verkyn der Deutſchnationalen auffallend und erklärt ſchließ=
ie
Re rngserklärungen und die beiden Reden, mit denen das
tt da ndoner Werk vertrat und verteidigte, waren erfüllt von
Geiſt r Verantwortung, den die ſogenannte nationale Oppo=
ſtark
E ermiſſen laſſen.

Briand für Herriot. Fabry kritiſiert die Aufgabe der Ruhr. Dubois übt Kritik an der
Verminderung der Rechte der Repko.

Reichs=Oiſziplin.

erm bi dem Reich, was des Reiches iſt.
ſi zu terprs; nit Held klärt den Landtag über die Haltung der
mn iſchenn gierung bezüglich der Londoner Ergebniſſe auf.
ſanunif; und Völkiſcher Block verſagen der Regierung das
auens ſm. Die übrigen Parteien, einſchließlich der
chnatr: Len, verzichten auf jede Erklärung. Abſtimmung
am Dienstag.
Dra l ericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 23. Auguſt.
er 38 Genausſchuß, den der baheriſche Landtag für die
der 22 tagsferien eingeſetzt hat, wurde heute zuſammen=
en
, umt h von dem Miniſterpräſidenten Dr. Held über die
ner Handlungen auf Grund der Miniſterkonferenz in
n und f Grund des Berichtes des bayeriſchen Mitgliedes
deu u m Delegation unterichten zu laſſen und ſeinerſeits
r Hc g der bayeriſchen Regierung im Reichsrat ſein
n abs0 ben. Dr. Held erklärte das Ergebnis von
don s wenig erfreulich. Wie der bayeriſche
eter 5 er deutſchen Delegation iſt auch er der Anſicht,
nehriitte erreicht werden können, wenn eine
2: tik eingeſchlagen worden wäre. Ehe man aber
m düü en Ergebnis, das übrigens auch als recht bedenk=
zeichb
werden könne, Nein ſagen wollte, müßte man
Beſſü, dafür ſetzen können. Deshalb habe die baye=
e
R- erung, wenn auch nicht freudig, durch ihren
eter F Reichsrat die Stimme für Unterzeichnung
Abkonry’s abgeben laſſen. Die unerträgliche Lage der
hen B ſchaft, die durch Kredite friſches Blut bekommen
vor irn aber die Stimmen, die auch nach Bayern aus
ganzero ſetzten Gebiet gekommen ſeien, hätten dabei den
ben. Dem im Zuſammenhang mit dem Dawes=
hten
X uden Geſetzentwurf über die Eiſen=
n
. Bahern nicht zuſtimmen können, weil die=
intwurke
wiederholt zugeſagte Wahrung der bayeriſchen
in : n einer eigenen Verwaltung nicht erfülle. Aber
für da Nein gegen das Geſetz konnte ſich die bayeriſche
gerung i en der Gefährdung des Ganzen nicht entſchließen.
baheri i. Regierung habe damit dem Reich gegeben,
das R zurStundebrauche, und habe Bayerns
te füf bätere, geänderte Verhältniſſe und Zeiten ge=
rt
. ie Vertreter der Kommuniſten und des Völkiſchen
s ſpro, ſich gegen dieſe Haltung der Regierung aus und
gten i.i as Vertrauensvotum. Die übrigen Parteien, ein=
ßlich
2 Deutſchnationalen, verzichteten einſtimmig auf jeg=
Erklä5 g. Die Abſtimmung über die Haltung der
erung arde auf Dienstag nächſter Woche verſchoben.
ſt kein, 1eifel, daß die Regierung, mit Ausnahme der Kom=
iſten
u. Völkiſchen alle Parteien für ihre Stimmabgabe
ſeichsrr uf ihrer Seite finden wird.

Paris, 23. Aug. (Europapreß.) Die geſtrige Kammerſitzung /
dauerte bis heute morgen 2.10 Uhr. Die Kammer hat beſchloſſen, die

Debatte heute, Samstag, vormittags 10 Uhr, fortzuſetzen.
Briand erklärte, daß die interalliierte Militärkontrolle ſolange
funktioniert habe, als die Ruhr noch nicht beſetzt worden ſei.
Infolge der Ruhrbeſetzung ſei die Einigkeit unter den Alliierten
geſtört worden.
Es habe ſich wieder einmal ergeben, daß Frankreich eine Niederlage
erlitten habe, als es ſich in der Welt iſoliert habe. Die Iſolierung be=
deute
eine Gewaltpolitik. Eine Gewaltmaßnahme löſe aber eine andere
aus, und ſo gelange man in ein Räderwerk der Gewalt hinein, von
dem gerade das ermüdete Europa nichts mehr wiſſen wolle. Er be=
glückwünſche
vor allem die Regierung, daß ſie die Sicherheitsfrage nicht
aus dem Auge verliert und es verſtanden habe, daß, um die Sicher=
heitsfrage
zu löſen, die Iſolierung Frankreichs in der Welt aufhören
müſſe. Aus dieſem Grunde werde er für die Regierung ſtimmen.
Der frühere Kolonialminiſter Fabry kritiſierte die Aufgabe der
Ruhr. Er wies darauf hin, daß Frankreich als einzige
Sicherheitsgarantie
nur noch den Rhein haben werde. Bevor man dieſe letzte Garantie
aufgebe, muß man ſich verſicher, im Austauſch nicht irgend etwas
Wertloſes entgegenzunehmen. Aus dieſem Grunde müſſe der Garantie=
vertrag
, der vom Völkerbund vorbereitet werde, mit größter Sorgfalt
geprüft werden. Es ſei ein Fehler, wenn man erkläre, die Nuhr dürfe
nicht als Sicherheitspfand betrachtet werden; nachdem England und
Amerika den in Verſailles 1919 abgeſchloſſenen Garantiedertrag nicht
ratifiziert hätten, habe Frankreich Anrecht auf ein gleichartiges, ergän=
zendes
Sicherheitspfand gehabt.
Zum Schluß ergriff Herriot das Wort. Er erklärte, daß Na=
poleon
beſiegt, worden ſei, weil er die elementarſte Politik nicht ein=
geſehen
habe, wonach
ein beſiegtes Volk zum mindeſten das Recht habe, zu leben.
Die Regierung werde im Namen der demokratiſchen Elemente des Lan=
des
wachſam ſein. Sie werde die Entwaffnung des alten Deutſchland
überwachen, das zugrundegehen müſſe, um dem neuen Deutſchland Platz
zu machen. (Starker Beifall.) Herriot erklärte er ſei bereit, die Si=
cherheitsfrage
in der Kammer diskutieren zu laſſen, wenn die Kammer
dieſe wünſche.
In der Kammerſitzung von Samstag vormittag hat der frühere Prä=
ſident
der Rebarationskommiſſion Leon Dubois die Interpellations=
debatte
fortgeſetzt. Der Abgeordnete kritiſierte vor allem die Vermin=
derung
der Kompetenzen der Reparationskommiſſion. Herriot habe in
London auf alles verzichtet, ohne im Austauſch etwas Ernſthaftes er=
halten
zu haben.
Herriot erwiderte ſofort auf dieſen Vorwurf, daß die Londoner
Konferenz den Zahlungsplan von 1921 nicht berührt habe. Dieſer bleibe
aufrecht. Wenn die Redner beſtändig von den Rechten der Reparations=
kommiſſion
ſprächen, ſo vergeſſe man, daß
die Reparationskommiſſion bis jetzt faſt nur theoretiſchen Charakter
gehabt habe. Trotz der Rechte der Reparationskommiſſion habe
Frankreich faſt nichts an Reparationen erhalten. Das franzöſiſche
Volk aber ſei der Theorie ſatt. Es wolle flüſſige Geldev. Die
Londoner Konferenz bringe aber Frankreich bedeutende Vorteile auf
dem Gebiet der Sachleiſtungen.
Der Abg. Dubvis erwidert, daß es ſich dabei lediglich um Ver=
ſprechungen
handele. Er will auch nicht gelten laſſen, daß die Repa=
rationskommiſſion
es bis jetzt verpaßt habe, von Deutſchland Geld zu
erhalten.
Die Reparationskommifſion habe Gelder erhalten. Dieſe Gelder
ſeien aber für die Beſetzungskoſten verwendet worden.
Dieſes Eingeſtändnis wird von der Linken mit höhniſchen Rufen
und ſtarkem Lärm aufgenommen, worauf Dubois die Rednertribüne
mit Proteſt verläßt.
Die Sitzung wird auf ſechs Minuten unterbrochen.
Nach ihrer Wiederaufnahme ſetzt Dubois auf Erſuchen Herriots
ſeine Ausführungen fort. Er kritiſierte die neuen Beſtimmungen für
die Sachleiſtungen und die Ueberweiſungen. Die bisherigen Beſtim=
mungen
ſeien weit einfacher geweſen.
Herriot ſtellte feſt, daß die Sachleiſtungen durch das Londoner Ab=
kommen
über den Termin hinaus fortgeſetzt werden. Das ſei ein gar
weſentlicher Vorteil beſonders für die franzöſiſche Farbwareninduſtrie.
Um ſich davon zu überzeugen, genüge es, die engliſchen Preſſekommen=
tare
der letzten Tage zu leſen.
Wenn man überhaupt etwas von Deutſchland erhalte, ſo werde das
nur ſehr ſpät erfolgen. Er möchte darum die Regierung vor den Fol=
gen
der Londoner Beſchlüſſe warnen.
Die Sitzung wird darauf auf den Nachmittag vertagt.
In der Nachmittagsſitzung der Kammer ergriff der frühere Wieder=
aufbauminiſter
Raibel das Wort. Er proteſtierte gegen die Ueber=
ſtürzung
, mit der man die Kammer die Londoner Beſchlüſſe beraten
laſſen wolle. Es genüge nicht, zu ſchreien Es lebe der Frieden! um
den Krieg zu beſchwören. Das Verdienſt um den Dawesplan komme im
übrigen der Regierung Poincaré zu. Die gegenwärtige Regierung
könne für ſich nur das Londoner Abkommen beanſpruchen. Die gegen=
wärtige
Regierung habe auf die Ruhrbeſetzung ver=
zichtet
, und zwar ſowohl auf die wirtſchaftliche als
auch auf die militäriſche.
Herriot erwiderte: Erinnern Sie ſich an das Wort, das
Frankreich gegeben hatte. Ein gegebenes Wort muß doch
gehalten werden.
Es ſtehe dem Redner, der der vergangenen Regierung angehört
habe, ſehr ſchlecht an, die Londoner Beſchlüſſe zu kritiſieren, die doch

nur die logiſche Folge des von der Regierung Poincaré angenommenen
Dawesplanes ſeien. Die franzöſiſchen Unterhändler in London
brauchten auch nicht Lehren von einem Miniſter zu empfangen, der im
Jahre 1922 das franzöſiſche Sachleiſtungsguthaben im Betrage von 750
Millionen Franken hintertrieben habe, während doch z. B. ein kleines
Land wie Serbien es verſtanden habe, ſeinen Anteil voll zu erhalten.
Gleichermaßen habe er die Wiesbadener Abkommen hintertrieben.
Dieſe Zurechtweiſung wird von den Regierungsparteien mit brauſen=
dem
Beifall aufgenommen.
Reibel erklärt zum Schluß, daß er gegen die Regierung ſtimmen
werde.
Der nationale Abg. Louis Marin zweifelt daran, daß Deutſch=
land
in einigen Jahren die Bevormundung ſeiner Eiſenbahn, ſeines
Budgets und ſeiner Bank kaum noch dulden werde. Er kritiſiert ferner,
daß Herriot im Austauſch gegen die Ruhrräumung nicht wenigſtens
Vorteile in der Frage der Kriegsſchulden geſichert habe. Herriot habe
hier eine nicht wiederkehrende Gelegenheit verpaßt. Er kritiſiert auch
die Aufgabe von Düſſeldorf, Ruhrort und Duisburg. Die Aufgabe dieſer
drei Städte ſei nicht gerechtfertigt, da ſogar Lloyd George ſeine Zuſtim=
mung
für die Beſetzung gegeben habe.
Herriot veranlaßt darauf den General Deſticker, der als Re=
gierungskommiſſar
den Sitzungen beiwohnte und als großer Freund des
Marſchall Foch bekannt iſt, die Meinung Marſchall Fochs über die Ruhr
als Sicherheitspfand bekannt zu geben. Der General beſtätigt, daß
Marſchall Foch nicht der Anſicht ſei, die Beſetzung der Ruhr müffe aus
Sicherheitsgründen aufrecht erhalten werden. Foch ſei einer Räumung
der Ruhr nicht abgeneigt und er befürworte ſogar eine progreſſive
Näumung des linken Rheinufers, ſofern die militäriſchen Beſtimmungen
des Verſailler Vertrages erfüllt würden.
Der Senat hat geſtern mit 232:32 Stimmen das Majorz=Syſtem
bei den Kammerwahlen mit einigen kleinen Aenderungen angenommen.
Die Zoligrenze.
Fortfall der Zollgrenze zwiſchen beſetztem
und unbeſetztem Gebiet.
In der Oeffentlichkeit beſteht noch Unklarheit darüber, wie nach den
Beſtimmungen des Londoner Paktes die Aufhebung der Zollgrenze
zwiſchen beſetztem und unbeſetztem Gebiet geregelt iſt. Dieſe Unklarheit
iſt vermehrt worden durch die unrichtigen Auskünfte einzelner franzöſi=
ſcher
oder belgiſcher Beſatzungsbehörden.
Hierzu weiſt der Reichsverband der Deutſchen Induſtrie auf folgen=
des
hin: Die Beſtimmungen des Londoner Paktes über die Aufhebung
der Zollarenze zwiſchen beſetztem und unbeſetztem Gebiet ſetzen voraus,
daß die Reparationskommiſſion feſtgeſtellt hat,
daß die für die Ingangſetzung des Planes erforderlichen deutſchen
Geſetze in der von ihr gebilligten Faſſung verkündet worden ſind;
ferner, daß der Generalagent der Reparationszahlungen ſeine Ob=
liegenheiten
aufgenommen hat. (Anlage III Artikel 3 Ziffer 2 des
Londoner Paktes.)
Dieſe Feſtſtellung ſollte die Reparationskommiſſion ſpäteſtens am
15. Auguſt 1924 durch beſonderen Beſchluß vornehmen. Da die Lon=
doner
Beratungen länger gedauert haben, als bei Abfaſſung dieſer
Vorſchrift angenommen wurde, iſt im Schlußprotokoll der Londoner
Konferenz beſtimmt worden, daß dieſer Zeitpunkt wie übrigens alle
Termine der Anlage III des Londoner Paktes um 17 Tage hinaus=
geſchoben
wird. Die Feſtſtellung der Reparationskommiſſion würde hier=
nach
fpäteſtens 17 Tage nach dem 15. Auguſt, d. h. am 1. September
1924, zu erfolgen haben.
Von dieſem Zeitpunkte ab laufen die Friſten für die Aufhebung
der Zollgrenze zwiſchen beſetztem und unbeſetztem Gebiet, und zwar in
folgender Weiſe: Acht Tage nach dieſer Feſtſtellung wird die Erhebung
von Abgaben aufhören, alſo etwa am 9. September 1924.
Zwanzig Tage nach dieſer Feſtſtellung und wenn möglich, früher,
müſſen die franzöſiſch=belgiſchen Behörden alle ſonſtigen Hemmungen
des Warenverkehrs an der Zollgrenze zwiſchen beſetztem und unbeſetz=
tem
Gebiet beſeitigen. Hierzu gehört insbeſondere die Regelung der
Zulaufsbewilligungen und Ablaufsbewilligungen zwiſchen beſetztem und
unbeſetztem Gebiet. Ferner ſind ſie verpflichtet, zu dieſem Zeitpunkte
für alle im beſetzten Gebiet erhobenen Abgaben ausſchließlich die im
unbeſetzten Gebiet geltenden Geſetze und Tarife anzuwenden, insbeſon=
dere
alſo den deutſchen Zolltarif. Dieſe Verpflichtungen würden ſpäte=
ſtens
etwa am 21. September 1924 fällig werden.
Im übrigen iſt vorgeſehen, daß die Durchführung dieſer Vorſchriften
durch techniſche Konferenzen geregelt wird, die zwiſchen Vertretern der
franzöſiſch=belgiſchen Behörden und den deutſchen Behörden ſtattfinden
werden. Dieſe Konferenzen ſollen demnächſt in Koblenz und Düſſeldorf
zuſammentreten.
Beratungen des Zentrums.
Berlin, 23. Aug. Die Zentrumsfraktion, die gleichfalls
nach der Sitzung des Reichstags zu einer Fraktionsſitzung zu=
ſammentrat
, erörterte unter dem Vorſitz des Abg. v. Guérard
die Zollvorlage, die Geſetze zur Durchführung der Londoner Ab=
machungen
und die Maßnahmen, die zu ergreifen wären, falls
ſich für dieſe Geſetze keine Zweidrittel=Mehrheit ergeben ſollte.
Beſchlüſfe wurden heute nicht gefaßt.


in diei
viel uru
weitve
izliches‟
ungen
veraturzl
hat, jci
Die 22
t, wie

wennyt
halten R
Die hol
7 Marsl
ſig ergil!
19 übereii!
irme ettt!
Wan zu 56


Das Mars=Gebeimnis.
Tagen ſteht der Mars in größter Erdnähe, und
ttene Marsproblem wird überall lebhaft erörtert.
itete Anſicht, daß auf dem Mars tieriſches oder
ben gedeiht, läßt ſich nach den neueren Unter=
t
mehr aufrecht erhalten, weil die tiefe Mars=
man
auf Grund folgender Ueberlegungen gefun=
Leben töten muß:
eratur der Oberfläche eines Planeten läßt ſich
berühmte ſchwediſche Forſcher Spante Arrhenius
dem lex chen Werk Der Lebenslauf der Planeten ( Aka=
iſche
22. gsgeſellſchaft m. b. H., Leipzig) ausführt, berech=
der
Lufthülle keine Wärme zurückhaltenden Gaſe
ächlichſten derartigen Gaſe ſind der Waſſerdampf,
en Me in der Marsatmoſphäre äußerſt geringfügig iſt,
die K2 enſäure, die wahrſcheinlich ebenfalls nur ganz
pach vei ten ſein kann. Solche Rechnungen hat zuerſt
iſtianſes)- Kopenhagen ausgeführt. Er hat die Sonnen=
ſtante
, iſt der Energiegehalt einer Sonnenbeſtrahlung,
eine Aöl e lang auf eine ſenkrecht gegen ſie gerichtete Fläche
einemyl radratzentimeter in der mittleren Entfernung der
de von Sonne fällt, gleich 2,5 Kalorien angenommen. Auf
rägt unter entſprechenden Verhältniſſen die Ener=
der
Sc rbeſtrahlung nur 1,1 Kalorien. Die Oberfläche er=
rmt
ſich5 Tange, bis ſie ſelbſt ſo viel Wärme in den kalten
6 um aus) Hlt, als ſie von der Sonne empfängt. Die Rech=
rie
mittlere Temperatur von 37 Grad für die
/ize Maxy erfläche. Die Gebiete, für die die Sonne im Zenith
ſtſt könny, wenn keine Wärme von ihnen fortgeleitet wäre,
Mittel / Tag und Nacht etwa + 8 Grad erreichen, um die
ſittagszers öglicherweiſe etwas mehr. Wahrſcheinlich aber
enmt es kaum bis zum Gefrierpunkt, weil die Wärme von
leichtb)i glichen Luft ſchnell entführt wird. Die oben an=
ſebene
r 2xe Temperatur von 37 Grad ſtimmt im ganzen
iht gut r: Tampbells Beobachtungen auf dem Mount Whit=
Neuer; riaue Beſtimmungen der Stärke der Sonnenſtrah=
inig
von A ot zeigen, daß die obige Schätzung der Sonnen=
O Prozent zu hoch iſt. Rechnet man die Sonnen=
ſtante z nd 2 Kälorien, was etwas zu hoch iſt, ſo kommt
rad unter Null für die mittlere Temperatur auf
m Mars) äe äquatorialen Gebiete können eine mittlere Tem=

veratur von 8 Grad erreichen und zur Mittagszeit auf einige
Grad über Null kommen. An den Polen hingegen, wo die Sonne
monatelang über dem Horizont ſteht, könnte die Temperatur
höher, bis + 8 Grad, ſteigen, wenn keine Wärme durch Luft=
ſtrömungen
weggeführt würde. Selbſtverſtändlich geſchieht das,
und die Temperatur wird wohl ziemlich in der Nähe des Ge=
frierpunktes
bleiben. Man kann ſich daher leicht vorſtellen, daß
an den Marspolen irgendwelche niedrigen Gewächſe ( Schnee=
algen
u. dgl.) während des kurzen Hochſommers ſich entwickeln
könnten.
Bis jetzt nahmen Lowell, Very und andere 10 Grad als
die mittlere Temperatur auf dem Mars an, weil große Mengen
wärmeſchützender Gaſe in der Marsatmoſphäre vorausgeſetzt
werden. Dieſe Vorausſetzung iſt nicht mehr zuläſſig, ſie iſt es
ebenſowenig, wie der Glaube an eine hohe Temperatur auf dem
Mars. Wahrſcheinlich iſt die mittlere Temperatur des Mars
ebenſo wie diejenige der Erde, etwa 10 Grad höher, als die eben
erwähnten Rechnungen ergeben. Sie wird etwa 40 Grad be=
tragen
, da die ſehr klare Marsluft alle Sonnenſtrahlen durch=
läßt
und ſich jedenfalls weder Waſſerdampf noch vielleicht auch
Kohlenſäure oder andere Wärnie enthaltenden Gaſe in derſelben
befinden. Die mittlere Sommertemperatur am Marsäquator
düfte ungefähr 13 Grad höher ſein als die mittlere Temperatur
des ganzen Planeten. Das entſpräche ziemlich den irdiſchen Ver=
hältniſſen
, indem hier die höchſte mittlere Temperatur am Aequa=
tor
im Juli 27 Grad beträgt bei einem Mittel von 16 Grad ſür
die ganze Erde.
Wir müſſen alſo unſere Anſicht vom Mars gänzlich um=
ändern
. Der Glaube, daß Lebeweſen auf dem Mars exiſtieren
können, iſt in das Reich der Träume zu verweiſen. Demzufolge
fällt auch die Theorie von den Marskanälen, die vernunftbegabte
Weſen gebaut haben ſollen, in ſich zuſammen.

bandwickel. Die Beine ſelbſt boten einen grauenhaften Anblick.
Offenbar litt der Aermſte in höchſtem Maße an freſſenden Ge=
ſchwüren
oder offenen Adern. Auf jeden Fall zeigten beide
Beine ungefähr in der Mitte je eine langgeſtreckte Wunde von
gefährlichſtem Ausſehen, weit offen, mit bläulich=ſchwarzen Rän=
dern
, tief vereitert. Die Adern liefen von ihnen aus, gleich auf=
getriebenen
, bis zum Platzen prallen Regenwürmern. Die
Wunden waren mit einem dünnen Gazeſchleier bedeckt, deſſen
eine Ecke jedoch der Wind umgeſchlagen zu haben ſchien, ſo daß
keinem der Paſſanten der Anblick und damit notgedrungen das
Opfer eines Obolus erſpart blieb.
Ich kam mit meinem Freunde, dem Chirurgen vorüber. Auch
ich konnte mich nicht enthalten, einen Groſchen zu zücken, wäh=
rend
mein Freund den abſonderlichen Fall mit kurzem, fachkun=
digen
Blick ſtreifte. Der Groſchen war ſchon in den Hut ge=
trudelt
, als mein Freund ſtehen blieb und ſich dem Unglücklichen
zuwandte. Was haben Sie denn da für eine dolle Sache?
Sie ſehen ja, mein Herr, war die klägliche Antwort, und über
das Stoppelfeld der Wange lief wahrhaftig eine Träne, wie nie
Glycerineneres echter über die Leinwand des Kinos gelaufen iſt,
das iſt nun der Dank des Vaterlands, kein Verdienſt, keine
Rente, kein Krankengeld nur ein bißchen Sonnenſchein kann
ich mir kaufen, der ſoll ja gut ſein für . Er vollendet
nicht er war ſchon auf und davon. Mein Freund hatte ſich
niedergebückt, um die Wunden näher in Augenſchein zu nehmen
und die aufgetriebenen Adern zu betaſten. Er kam nicht dazu.
Mit der Geſchicklichkeit eines Akrobaten war der Mann, direkt
aus ſeiner Sitzlage geſtartet. Meinem Freunde blieb nur etwas
ekliger bläulicher Schmutz am Finger hängen. Beſte Fett=
ſchminke
!, ſagte er gleichmütig und wiſchte ſeinen Finger an
einem alten Straßenbahnbillet ab.

*Berliner Brief.

Die Heilung.
Er lag am Eingang zu dem ſtark frequentierten Unter=
grundbahnhof
. Ein Bild des Jammers. Monotones, von äch=
zenden
Wehlauten unterbrochenes Wimmern klang mitleidhei=
ſchend
in die Ohren der Borübergehenden. Ab und an, wenn
gar zu ſchneidend der Schmerz das Geſicht zur Grimaſſe ver=
zerrte
, bedeckte er es ſchayhaſt mit der einen Hand, indes die
andere unentwegt den Hut hielt Die Unte chenkel waren ent=
blößt
, neben ihnen lagen zizei
blutgetränkte Ver=

* Ein amerikaniſches Kunſtarchiv. Die Tochter des vor
einigen Jahren verſtorbenen Großinduſtriellen und Sammlers
Frick, Miß Helen Clay Frick, hat jetzt die von ihr mit größter
Liebe und Hingebung zuſammengebrachte Nachſchlagebücherei für
Kunſt, die bereits zirka 40 000 Illuſtrationen und 12 000 Bücher
und Kataloge umfaßt, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht.
Sie hat für die Bücherei einen beſonderen Anbau an das ehe=
malige
muſeumartige Wohnhaus ihres Vaters errichten laſſen,
das ſpäter mit all ſeinen großartigen Kunſtſchätzen der Stadt
Newv York zufallen wird. Die Nachſchlagebücherei umfaßt die
Kunſt vom 12. Jahrhundert an bis zur Gegenwart und ſtellt ſich
der gegenwärtig freilich noch viel umfänglicheren des Sir Robert
und der Lady Witt in London würdig an die Seite.

[ ][  ][ ]

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Freier
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zit

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

Nummer

Die Perhandlungen im Auswärtigen Ausſchuß.

Berlin, 23. Aug. Der Auswärtige Ausſchuß ſetzte heute nach=
mittag
ſeine Beratungen über die Gutachtengeſetze fort. Zu dem
Entwurf eines Privatnotenbankgeſetzes
erklärte Reichswirtſchaftsminiſter Hamm auf Befragen, die Reichsbank
und die Reichsregierung könnten dem Wunſche auf Zulaſſung von Pri=
vatbanknoten
im Betrage von 20 Mark nicht entſprechen. Die frühere
Mindeſtgrenze von 100 Mark ſei ſchon auf 50 Mark herabgeſetzt worden.
Noch weiter könne nicht, herabgegangen werden, wenn nicht die mühſam
erreichte Währungsordnung gefährdet werden ſolle. Ohne weitere De=
batte
wurde dann die Vorlage angenommen. Hierauf kam
die Vorlage über die Liquidierung des Umlaufes der Rentenbankſcheine
zur Beratung. Abg. Dietrich (Dntl.) bemängelte die Haltung des
Reichsbankpräſidenten, der offenbar kein großer Freund der Rentenmark
ſei. Die Deutſchnationalen müßten die Vorlage ablehnen. Die Drohung
des Reichsbankpräſidenten mit Einſchränkung des landwirtſchaftlichen
Kredites bei Ablehnung des Dawesgutachtens ſei wirtſchaftlich nicht be=
gründet
und könne nur als politiſche Revanchedrohung aufgefaßt wer=
den
. Ein Vertreter des Reichsbankpräſidiums erwiderte, die Wünſche
des Vorredners könnten nicht berückſichtigt werden, weil man an das
Sachverſtändigengutachten gebunden ſei.
Abg. Graf Lerchenfeld (B. V.=P.) regt an, daß durch einen
beſonderen Geſetzentwurf eine Anzahl von Kreditanſtalten zu ſchaffen
ſei, die vor allen Dingen das Kreditbedürfnis des mittelbäuerlichen Be=
ſitzes
befriedigen könnten.
Abg. Dr. Bredt (Wirtſch.=P.) wünſcht die Schaffung einer Kredit=
hilfe
auch für Kleingewerbe und Handwerk, auf derſelben Grundlage,
der Rentenbank, wie für die Landwirtſchaft geſchaffen werden ſolle,
Reichswirtſchaftsminiſter Hamm
erwidert auf weitere Bemerkungen des Abg. Dietrich (Dntl.), das Geſetz,
das den landwirtſchaftlichen Kreditbedürftigen Rechnung tragen ſolle, ſei
noch in Vorbereitung. In dieſem Agrarbankgeſetz werde auch für gleich=
mäßige
Berückſichtigung der Landwirtſchaft in allen Gebieten des Reiches
im Sinne der Wünſche des Grafen Lerchenfeld volle Vorſorge getroffen.
Das Wirtſchaftsminiſterium werde ſich bemühen, gleichzeitig auch eine
Kreditſtärkung des Handwerkes zu erreichen. Was der Reichs=
bankpräfident
über die Folgen einer Ablehnung
des Gutachtens für die Wirtſchaft ſagte, ſei keine
Drohung. Die Ausführungen des Reichsbankpräſidenten ſagten
nichts anderes, als was die beteiligten Kreife ſich ſelbſt in ihrem Ge=
wiſſen
ſagen müßten.
Der Geſetzentwurf wurde ohne weitere Ausſprache erledigt.
geſetzes. Hierauf wurde die
Beratung des Geſetzentwurfes über die Londoner Konferenz
fortgeſetzt bei den Transferabmachungen der Anlage II.
Abg. Dr. Reichert (Dntl.) führte aus, die über den Transfer ge=
troffenen
Abmachungen ſeien noch ungünſtiger als die Vorſchläge des
Reparationsgutachtens. Das Schiedsgericht iſt hier keine Minderung der Ordonnanzen der Rheinlandkommiſſion.
Gefahr der Ueberfremdung.
Reichsfinanzminiſter Dr. Luther, führte auf die verſchiedenen
Fragen der Abgeordneten aus: Das Sachlieferungsproblem iſt zweifel=
los
das ernſteſte des ganzen Gutachtens in währungs= und wirtſchafts=
politiſcher
Beziehung. Es wäre weder ein Gutachten noch ein Londoner
Pakt zuſtande gekommen, wenn man die Sachlieferungen nicht zugeſtan=
den
hätte. Unſere Aufgabe in London war es, nicht die Sachlieferungen
abzulehnen, ſondern die Gefahren, die ſie bilden, nach Möglichkeit zu
mildern. Der Schiedsgerichtsgedanke, der die ganze Londoner Konferenz
durchzog, iſt auch hier wirkſam geworden. Dr. Luther ſprach dann noch
eingehend über die Regelung der Transferfrage.
Es kamen dann die in Anlage III des Gutachtens behändelten
Fragen der
Amneſtie und Räumung
zur Sprache. Auf eine Frage des Abg. Dr. Hoetzſch (Dntl.) erklärte
der Reichsfinanzminiſter, das ganze Werk des Gutachtens und alle damit
zuſammenhängenden Geſetzesvorlagen können, natürlich nur in Kraft
treten, wenn die Anleihe zuſtande kommt. Dr. Hoetzſch erklärte es für
notwendig, dieſe Bedingung auch in den Geſetzen auszuſprechen.
Abg. Stöcker (Komm.) weiſt darauf hin, daß bei Annahme der
Geſetze die Kommuniſten den verfaſſungsmäßig zuläſſigen Einſpruch
gegen ihre Verkündigung erheben würden. Dann müßten die Geſetze

einem Volksentſcheid unterworfen werden, wenn die Regierung ſie nicht
für dringlich erklärt. Der Redner fragt die Regierung, ob ſie auf die
Dringlichkeitserklärung verzichten wolle.
Geſandter Dr. Ritter erklärt, ohne einen Kabinettsbeſchluß dieſe
Frage nicht beantworten zu können. Eine Verzögerung der Verkün=
digung
würde aber dazu führen, daß auch alle Friſten für die Ruhr=
räumung
uſw. entſprechend hinausgeſchoben werden.
Auf Befragen des Abg. Stöcker wurde von der Regierung er=
klärt
, daß
die Zollüberwachung an der Weſtgrenze
wieder den deutſchen Zollbeamten übertragen werde. Die aus Anlaß
des paſſiven Widerſtandes von der Rheinlandkommiſſion erlaſſenen
Spezialverordnungen würden generell aufgehoben werden. Bezüglich
der übrigen Verordnungen ſei zugeſagt worden, daß die Rheinlandkom=
miſſion
zu einer Berichtigung veranlaßt werde. Die in Deutſchland
aufgehobenen Abgaben, Kohlenſteuer uſw. ſollen im beſetzten Gebiet
nicht weiter erhoben werden. Die übrigen Abgaben werden nach dem
deutſchen Tarif erhoben werden.
Zur Amneſtiefrage fragt Abg. Repp (Dntl.), wie es mit dem
Weiterbeſtehen der Militärgerichtsbarkeit
im beſetzten Gebiet ſei und ob nicht auf dieſe Weiſe die durch die Am=
neſtie
geleerten Gefängniſſe mit neuen Opfern gefüllt werden könnten.
Die Frage der Rückkehr der Ausgewieſenen ſei nicht klar genug geregelt.
Haben ſich Frankreich und Belgien verpflichtet, neue Ausweiſungen
nicht mehr vorzunehmen?
Frau Gohlke fragt die Regierung, ob die harten Zuchthausſtrafen
von franzöſiſchen und deutſchen Gerichten im beſetzten Ruhrgebiet ver=
urteilter
Kommuniſten gleichfalls unter die Amneſtie fallen und ebenſo
der große Hochverratsprozeß der jetzt gegen die ehemalige Zentrale der
Kommuniſten ſchwebe. Die Sozialdemokraten könnten die von ihnen er=
wartete
Reichstagsauflöſung auch dann erreichen, wenn die Deutſch=
nationalen
in letzter Stunde umfallen.
Abg. Graf Verchenfeld vermißt gleichfalls eine
Garantie gegen weitere Beſtrafungen und Ausweiſungen
bei Fortdauer der militäriſchen Beſetzung um ein Jahr,
Abg. Haas (Ztr.) bezweifelt, daß durch den Wortlaut des Lon=
doner
Paktes tatſächlich die ungeſtörte Ausführung der deutſchen Ge=
richtsbarkeit
geſichert ſei. Die Rücknahme der Ausweiſungen gelte nur
für die nach dem 1. Januar 1923 Verfolgten. Die Abmachungen über
Ausweiſungen ſeien zweifellos zu allgemein gehalten. Die deutſche
Regierung müſſe darauf dringen, daß die lokalen franzöſiſchen Stellen
Ebenſo ohne Ausſprache der Entwurf eines Münz= die entgegen ihrer Regierungsanweiſung die Separatiſten beſchützt habe,
erſetzt werden.
Abg. Sollmann (Soz.) ſchließt ſich den Bedenken des Vor=
redners
an
Abg. Stöcker (Kom.) fragt, ob eine größere Achtung vor der
Preſſefreiheit im beſetzten Gebiet durchgeſetzt worden ſei.
Abg. Dr. Spahn=Köln (dntl.) wünſcht eine Nachprüfung aller
Reichskanzler Dr. Marx
ging zunächſt auf die Frage der Ausweiſungen ein. In der Durch=
führung
der Abmachungen werden ſich ſicherlich viele Schwierigkeiten er=
geben
, die bei den Londoner Verhandlungen nicht vorauszuſehen wa=
ren
. Es kommt alles auf den Geiſt, den Willen und die Geſinnung der
Ausführenden an. Es iſt uns zugeſagt worden, daß über dieſe Frage
von Regierung zu Regierung verhandelt werden ſoll. Es werden auch
die Ordonnanzen vor 1923 geprüft werden. Das alles geſchieht natür=
lich
nur, wenn die vorgelegten Geſetze angenommen werden. Die
deutſche Verwaltungs= und Juſtizhoheit wird nach den Abmachungen in
vollem Umfange wieder hergeſtellt. Der Reichskanzler richtet zum
Schluſſe an die Oppoſitionsparteien die dringende Mahnung, durch die
Art ihres Kampfes gegen das Gutachten nicht die Atmoſphäre der Ver=
ſöhnung
unter den Nationen zu zerſtören, wie ſie ſich in London in
erfreulicher Weiſe gezeigt habe.
Abg Breitſcheidt (Soz.) erklärt, die von der Sozialdemokratie
in der Kritik geübte Zurückhaltung ſei nicht ſo zu erklären, als ob ſie mit
allen Einzelheiten einverſtanden wäre. Die Amneſtie gelte ebenſo für
die Kommuniſten, wie für die Angehörigen aller übrigen Parteien.
Die Regierung ſollte den Begriff, des politiſchen Verbrechens möglichſt
weit faſſen. Aus freien Stücken ſollte ſie die Amneſtie auch für das
übrige Deutfchland ausſprechen.

Nach den Erklärungen Breitſcheids nahm Mimniſterialr.
das Wort, der erwiderte, ein formelles Abkommen über
Verhandlungen der Beſatzungsarmee konnte in London
werden weil Deutſchland dadurch ja im Gegenſatz zu
tretenen Rechtsſtandpunkt die Ruhrbeſetzung als leg
würde. Eine mittelbare Sicherung böte die Beſtimmung.
Gerichtsbarkeit wieder in normaler Weiſe arbeiten ſolle
vorlage umfaſſe alle politiſchen Verbrechen und Vergehr
ſetzten Gebiet begangen worden ſind, nicht etwa nur ſeh
antiſeparatiſtiſche Handlungen. Ein Agarement brauche
kehrenden höheren Beamten nicht eingeholt zu werden.
Abg. v. Graefe (Natſoz.) erkennt an, daß der Reich
lich von dem ehrlichen Friedenswillen der gegenwärtige
Frankreichs und Englands überzeugt ſei. Die National
gen von einer ganz anderen Beurteilung der Menſchen
Situationen aus. Sie könnten die furchtbaren Erfahrung
nicht vergeſſen. Wenn das Gutachten dennoch angen
ſollte und zu der Durchhaltekraft meiner ehemalig

nalen Freunde habe ich recht wenig Vertrauen (Heiterkei
es für den Reichskanzler bei ſeinen Verhandlungen nur
ſein, wenn er auf unſere nationale Oppoſition verweiſe,
Abg. Frau Gohlke verlangt nochmals von der Re.
wort auf die Frage der allgemeinen Amneſtie. Sie rie
gegen die Sozialiſten und tritt für eine Koalition Deutf
land ein.
Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann erklärt zu
der Kommuniſten: Es iſt eine etwas ſtarke Zumutung, wven
Fraktion alle ihre Kräfte einſetzt, um ein Abkommen zu
gen, aber gleichzeitig von der Regierung verlangt, daß
der Annahme nicht nur Konſequenzen aus der Annahme
ſich dazu ſchon vorher verpflichtet. Wir werden der Frag
nähertreten, wenn das Londoner Abkommen angenommer
Amneſtiegeſetz würde dann natürlich eine volle unpareiſg
nach allen Seiten bringen und auch Perſönlichkeiten treff
ganz anderem Boden als die Kommuniſten ſtehen. Eine
Abg. Zapf (Dtſch. Vpt.) beantwortet der Miniſter dahit
Meinungsverſchiedenheiten über die Ordonnanzen dem
vorgelegt werden können.
Abg. Dr. Spahn=Köln (Dntl.) wendet ſich gegen ein
kungen des Abg. Graefe und meint: Wenn Sie wiſſen woll
uns verhalten, müſſen Sie ſich noch einige Stunden
(Heiterkeit.)
Abg. Dr. Spahn (Zentr.) dankt der deutſchen Delegati
Arbeit und ſtellt einige Fragen über die Form der künftige
lungen, die vom Reichskanzler beantwortet wurden.
Damit iſt die Anlage III erledigt.
Am Schluſſe der Beratungen fragt der Abg. Freytag
hofen (Ontl.), warum die Regierung nicht ebenſo wie das
geſetz auch das Mantelgeſetz über die Londoner Vere
in der Erläuterung ausdrücklich als verfaſſungs
bezeichnet habe. Eine Verfaſſungsänderung ſei zweife
Uebertragung der Zölle und Steuerhoheit auf einen ausländ
miſſar enthalten.
Miniſterialdirektor Gauß erklärt dazu, juriſtiſchſe
gierung überhaupt nicht verpflichtet, deng
Pakt als ſolchen dem Reichstag vorzulegen. rmume
das nur aus dem Zweckmäßigkeitsgrund getan, daß nicht ei m benſ
ſchnitte des Abkommens als Geſetzentwürfe vorgelegt zu we . 9
chen. Die Unterzeichnung des Londoner Paktes als ſolcher mm
der Reichsregierung an ſich ohne parlamentariſche Mitwrk m
nommen werden.
Gegen 8 Uhr abends war das Mantelgeſetz über das Lor mde
kommen erledigt. Nächſte Sitzung Sonntag morgen, 10 Uh zF ſtali
Tagesordnung ſteht die Induſtriebelaſtung und das Eiſenbal
Ein Mörder Erzbergers identiſzie
Budapeſt, 23. Aug. (Europapreß.) Heute
wurde der in polizeilichem Gewahrſam befindliche hein !. Elt
ſter mit den vom Offenburger Unterſuchungsrichter na ſiehe
rtri
peſt entſandten deutſchen Kriminalbeamten konfranlert. Aiber
Gegenüberſtellung wurde feſtgeſtellt, daß Heinrich Fo. ſchile
dem an der Ermordung Erzbergers beteiligten Kauſmak ne
rich Schulz identiſch iſt. Das Ergebnis der Kuſtona4
in hieſigen politiſchen Kreiſen ungeheures Aufehen enee
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7. (IV,8102

Bekanntmachung.
Die ſeitherigen Inhaber der Firma
Darmſtädter Speditions= und Lagerhaus,
W. Schwinn und A. Reſch in Darmſtadt,
haben ſich durch gerichtliche Vereinbarung
vom 22. Auguſt 1924 dahin geeinigt, daß
ihre ſeitherige gemeinſame Firma aufge=
löſt
wird und daß jeder Inhaber jetzt für
ſich allein ein Geſchäft gleicher Art betreibt.
Zum Zwecke der Auseinanderſetzung
haben die genannten Inhaber unter ſich
eine Verteilung ihrer ſeitherigen Kund=
ſchaft
vorgenommen.
Ich betreibe mein Unternehmen nun
unter der Firma
(*24283
Wilhelm Schwinn, Spedition
und Möbeltransport.
Meine Geſchäfts= und Lagerräume be=
finden
ſich wie ſeither Kirſchenallee Nr. 86,
mein Telephonanſchluß iſt unverändert
Rummer 3180.
Ich empfehle mich dem verehrlichen
Publikum für Speditionsgeſchäfte und
Möbeltransporte aller Art.

Wilhelm Schwinn
Spedition und Möbeltransport
Kirſchenallee Nr. 86 Teleph. Nr. 3180.

Telephon 736
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5. 300 Kokosfett
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8. 1000 Bohnen
9. 1000 Erbſen
10. 500 Linſen
Kakao
11. 100
geſchälte
12. 300
ceil

300
300
1000
500
1000
18. 1500
19. 1500 Meliszick

grüne

gerſ

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Die Lieferungsbedinand g
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g. 1
Goddelau, den 22.
Direktio
P ASr

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

Seite 5.

Rum r 235.

gas der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 24. Auguſt.

E-nt wurden: am 28. April 1924 der Lehrer Wilh. Welde
Gau=2 heim zum Lehrer an der Volksſchule zu Nieder=Ingel=
, K Bingen; am 14. Auguſt 1924 die Polizeiwachtmeiſter auf
be G-. Wilhelm aus Siegen mit Wirkung vom 1. Auguſt
Lude) Frank aus Steinbach (Kreis Erbach) mit Wirkung vom
eptemn zu Polizeiwachtmeiſtern.

der Do if Een ochider 3i Mkuaf zain Gicher Rit
Era t iſt eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an
Volks8 e zu Rodheim im Kreiſe Gießen. Dienſtwohnung iſt
dandern
Scy erſpielzeit Bruno Harprecht. Eliſabeth Horn ſpielt

de zum en Male vor dem Darmſtädter Publikum um 7½ Uhr in
ermar Schauſpiel Das Glück im Winkel und um 10½
in L/r Schmidts Luſtſpiel Nur ein Traum‟. Die Nacht=
ellungg
bet zu kleinen Preiſen ſtatt. Die letzte Woche der dies=
gen
merſpielzeit bringt morgen Montag noch ein köſtliches
ſpiel der guten, alten Zeit: Die ſelige Exzellenz.
in 2 etzten Jahren Komteß Guckerl Goldfiſche und Bal=
a
dess nigs war, iſt für dieſe Spielzeit dieſes reizende Werk
olf P rs und Leo Walter Steins, für das nochmals das geſamte
onal, verſtärkt durch Gäſte, aufgeboten werden mußte. Von
Hautu en ſeien nur erwähnt: Bruno Harprecht, der auch
Res ührt, Frieda Eichelsheim als Gaſt, H. Hiltrop, Eva
ff. 2 Sauer, Robert Fitz, Paul Peterſen als Gaſt und Hans
ſelder e Aufführung, die nach allen Richtungen hin ausgezeich=
zu
we verſpricht, beginnt um 8 Uhr.
n=Uraufführung im Kleinen Haus. Die Direktion Bruno
pres im Kleinen Haus bringt uns noch am vorletzten Tage
Seit die Uraufführung des Schwanks Das Schützen=
von
. Rüthlein und Hans Peters. Hch. Rüthlein dürfte
ſein armſtädter Lokalpoſſen Der Glasſchrank. Die Brief=
23 illa u. a. m. für Darmſtadt keine unbekannte Perſönlich=
ſein
. der iſt durch die große Ueberlaſtung des Perſonals nur
einzigi ufführung möglich, und es iſt daher der Leitung des
merth =8 hoch zu bewerten, daß ſie trotzdem die Uraufführung
usbrir ind dadurch unſeren bekannten Darmſtädter Lokaldichter
ſandess ter zu Worte kommen läßt.
Ge e=Ausſtellung. Im Kunſtſalon H. Sonnthal, Eliſa=
mnſtraßs
,, iſt zurzeit eine Kollektion von ſechs Gemälden von Erich
rcke nchen ausgeſtellt. Die Motive entſtammen dem Stubaier
et ſom Imgebung der Starkenburger Hütte und dürften für die
flieder hieſigen Alpenvereins von beſonderem Intereſſe ſein.
ferner 5. vier neue Arbeiten, Landſchaftsmotive, von Marcell
hter, nennen.
StSi he Akademie für Tonkunſt. Im Laufe der letzten Jahre
die Erung gelehrt, daß ein gediegener Klaſſenunterricht ſich
er ſchr3 ger geſtaltet, da die richtige Klaſſenzuſammenſetzung durch
verſchre artigen Nachmittagsunterricht in den Schulen unmöglich
Der ſenunterricht in der Muſik hat aber nur dann Erfolg,
dreif f gleicher Stufe ſtehende Schüler zuſammen
rrichter rden. Aus den oben angegebenen Gründen iſt eine der=
Zuſz enſetzung nicht mehr zu erreichen. Um aber den Schü=
er
S ifchen Akademie für Tonkunſt nach wie vor eine gediegene
alifche) sbildung zu gewährleiſten, hat ſich die Leitung der An=
entſcha
r, ab 1. September d. Js. den Klaſſenunterricht aufzu=
n
und dr Schülern im Hauptinſtrument Einzelunterricht
len zuzi en. Der Klaſſenunterricht bleibt nur für den theore=
en
terricht beſtehen. Dadurch, daß in Zukunft jeder
r ei=fr unterrichtet wird, iſt ein ihm perſönlich zukommender
rricht Ɨhrleiſtet. Auch laſſen ſich auf dieſe Art etwaige Wünſche
iltern u dezug auf die Auswahl oder eines Wechſels der Lehrkraft
bers chtigen. Durch dieſe Neueinrichtung hat ſich der ganze
eb de ſtalt naturgemäß verteuert; es mußte deshalb ab 1. Sep=
eine
entſprechende Schulgelderhöhung eintreten. Jeder
ded bteilung für Dilettanten erhält in Zukunft wöchentlich
tundn f ſeinem Inſtrument (Einzelunterricht) und eine Stunde
ſches aterricht (in Klaſſen). Der theoretiſche Unterricht iſt ſo
ſaut, ;. er den Schülern nach vollendetem Studium eine allge=
ſikav•
Bildung bietet. Das Sekretariat der Städtiſchen
F öffnet wochentäglich von 812½ Uhr vorm., und nach=
boc
6½ Uhr. Die Sprechſtunden des Direktors ſind vor=
voro
12½ Uhr; für die Eltern der Schüter und Neuanmel=
nacl
tags von 45 Uhr (außer Samstags).
Schru ſchädigte Beamtenſchein=Inhaber. Man ſchreibt uns:
gaben. : lich ven einer Anfrage des Reichstagsabgeordneten Thiel
3 Re= rbeitsminiſterium unter dem obigen Titel Kenntnis. Die
ort de‟ A.M. iſt inzwiſchen eingegangen. Danach ſind beſondere
hrungr timmungen von den für die Unterbringung von Schwer=
gtem
: nehmlich in Betracht kommenden Stellen (Poſt und
jahn) ( + zu erwarten, da der Reichsminiſter des Innern ent=
nde
rdſätze erlaſſen und bekanntgegeben hat (Reich=geſetzblatt
Seiri 72 ff.). Für die Zahlung der einmaligen Entſchädigung
Rückh des Beamtenſcheins uſw. gilt die Verordnung vom
tober 3 (N. G.Bl. 1923 Teil I S. 1050). Sie findet nur An=
g
ay Zerſorgungsanwärter, die entweder aufgrund
rſon:n Jauverordnung vom 27. Okt. 1923 ohne Wartegeld oder
alt 1. aſſen worden ſind oder beim Inkrafttreten dieſer Ver=
(38 ). 23) bei einer Behörde vorgemerkt waren, ſowie auf
n do Zehrmacht, ſoweit ſie nicht nach dem 2. Teil des Wehr=
Sgeſetzes verſorgt werden, die mit dem Anſpruch auf den
nſtſoſ, nach dem 31. März 1923 entlaſſen ſind und bis zum
noch entlaſſen werden. Die ſich hiernach ergebenden
ſing) egenſtand von Verhandlungen mit dem Reichsarbeits=
jumm
e Ergebnis muß abgewartet werden. Nach dieſer Ant=
d
ao rur die Verſorgungsanwärter, die ſich den Anſpruch auf
123jähriger Dienſtzeit vertraglich erdient haben, die
=en. Die Reichsregierung, die in der beſten Abſicht
uel offenbar, daß mit der Gewährung der einmaligen
zuu gegen Rückgabe des Scheins demjenigen Verſorgungs=
ach
ſeinem Ausſcheiden aus dem Heeresdienſt keine An=
finkl
uf andere Weiſe hinreichend geholfen werden muß. Nun
leider Tatſache, daß der Verſorgungsanwärter, der den
gegest e Abfindung zurückgibt, damit ſeinen Anſpruch an den
kol Und was ſchließlich den Hinweis auf Unterſtützungs=
der
Verordnung vom 30. Okt. 1923 betrifft, ſo iſt ſchon
af hingewieſen worden, daß faſt alle Geſuche von Ver=
un wegen fehlender Mittel abgelehnt werden. Wir
offri rnd wünſchen, daß Herr Reichstagsabgeordneter Thiel
tion, die ſchon immer für die wohlerworbenen Rechte
Banwärter eingetreten iſt, auch bei den demnächſtigen
lun über dieſe Angelegenheit, im Reichstage ſeinen ganzen
gelI macht zugunſten dieſer Schwerbeſchädigten.
Vorx ufwertungsausſchuffe. Nach einem ſozialdemokratiſchen
ſol) utſchädigungsberecktigt ſein diejenigen phyſiſchen und
onen, die bis 31. Dezember 1920 im Beſitz von auf

ark tenden Forderungen aus Hypotheken, Obligationen,
St- und Kommunglanleihen, Sparkaſſeneinlagen, Lebens=
ungr
Oer Penſionskaſſen waren. Die Aufwertung der Hypo=
1. 25 Prozent erhöht, auch für diefenigen Forderungen,
1922 zurückgezahlt wurden. Für die erſten 15 Prozent
bleiben die Beſtimmungen der 3. St.N.V. in Kraft.
Prozent fließen in Sozialfonds. In Sozialfonds fließt
ag der neu einzuführenden Vermögenszuwachsſteuer.
gen der Sozialfonds werden den Lebensverſicherungs=
* ons= und Sparkaſſen Beiträge gewährt zu dem aus=
eck
der Aufwertung der Forderungen der Verſicherten
Die Aufwertung findet zunächſt in einer Höhe von 15
ſta=t Die Mittel der Fonds werden in erſter Linie verwandt
Aufverr3 der Beträge bis 5000 Mark bei denjenigen Perſonen,
Einkau en 3000 Mark nicht überſchreitet. Die über dieſen Be=
verbler
3 en Mittel der Sozialfonds werden in erſter Linie ver=
t
zur hung der ſozialen Renten des deutſchen Volkes. Dieſe
vedl den Unterausſchuß beſchäftigen, der nach Erledigung
der erwes=Gutachten zuſammenhängenden Fragen durch den
ſ./ Arbeiten beginnen wird.
er 3 tralverband deutſcher Kriegsbeſchädigter, Kriegsteilneh=
Shinterbliebener, Ortsgruppe Darmſtadt, ſcheibt uns:
Denen es nicht vergönnt war, in Steiermark geweſen zu
en Lind
tet. /Belegenheit, auf dem Sommerfeſt im Nummelbräu eini=
9 Idigt zu werden. Alle Mitglieder, ſowie Freunde und
eins werden gebeten, mit ihren Kindern recht zehlreich

heines) Mäheres ſiehe heutige Anzeige.)
Neuzu eerſonenzug. Ab 25. Auguſt d. J wird an Werktagen,
ein neuer Perſonenzug 3. bis 4. Klaſſe zwiſchen Darm=
roß
=Zimmern wie folgt regelmäßig befördert: Darmſtadt
* nachm., Darmſtadt Nord ab 6.03 Uhr nachm., D77!

r nachm., Groß=Zimmern an 6.48 Uhr nachm.

Die Tagung des Landesverbandes des Heſſiſchen Einzelhandels.

In den Tagen vom 23.25. Auguſt tagt in Darmſtadt der Landes=
verband
des Heſſiſchen Einzelhandels. Aus Anlaß des Verbandstags iſt
eine reichhaltige Feſtſchrift erſchienen, in der der Vorſitzende des
Landesverbandes, Herr Wilhelm Kalbfuß, den Teilnehmern
den nachſtehenden Willkommengruß entbietet:
Zum erſten Male ſeit 1914 tritt der Landesverband des Heſſiſchen
Einzelhandels zu einer Tagung zuſammen. Schwer hat der Krieg und
die Nachkriegszeit auch auf unſerer Handelsorganiſation gelaſtet, und
nur mit unendlichen Mühen war es möglich, auf den Trümmern des
alten Heſſiſchen Detailliſten=Vereins die neue Organiſation aufzubauen.
Nicht nur wirtſchaftliche Gründe haben Schuld daran, daß unſer Ver=
band
ſich nicht ſo ſchnell entwickeln konnte, als dies bei anderen Landes=
verbänden
geſchehen war. Die für eine Organiſation nicht beſonders
günſtige Lage unſeres engeren Vaterlandes, der Umſtand, daß ein Teil
davon vom Feinde beſetzt iſt, ſind die Urſachen, warum auch heute noch
nicht alle Kreiſe des heſſiſchen Einzelhandels zuſammengeſchloſſen ſind.
Und trotzdem eine erfreuliche Entwicklung! Mehr als 2000 Kollegen
ſind in unſerem Verband vereint. Sie haben erkannt, daß nur durch
Zuſammenhalten und Zuſammenarbeiten Erfolge erzielt werden können,
daß der Einzelne ſich heute mit ſeinen Wünſchen und Forderungen nicht
mehr durchſetzen kann.
Unſer Stand hat infolge der bekannten handelsfeindlichen Geſetz=
gebung
unendlich zu leiden gehabt. Wenn es heute etwas beſſer gewor=
den
iſt, wenn immer mehr von jenen Geſetzen aufgehoben werden, die
für die Kriegszeit notwendig waren, wenn die Reichs= und Landesregie=
rungen
mehr wie früher ſich der Mitarbeit der Führer unſeres Standes
bedienen, ſo vedanken wir dies allein der Macht unſerer Reichs= und
Landesorganiſatienen.
Die Tagung in Darmſtadt ſoll einen Ueberblick gewähren über das,
wvas erreicht wurde, ſoll aber auch Anregung geben zu neuer unermüd=
licher
Arbeit.
Aber wir wollen nicht in einſeitiger, engherziger Weiſe nur unſerm
Stande dienen. Auch wir ſind nur ein Glied in der großen Kette der
deutſchen Wirtſchaft. Und die deutſche Wirtſchaft zu fördern und zu
ſtärken, das muß Wunſch und Wille aller Angehörigen unſeres Standes
ſein. Denn nur bei einer ſtarken geſunden Wirtſchaft dürfen wir auf
eine Geſundung und ein Wiederaufblühen unſeres deutſchen Vaterlands
hoffen.
Dieſen Gedanken zu fördern, dafür zu arbeiten, iſt die vornehmſte
Aufgabe unſerer Organiſation! Und ihm ſoll auch die Tagung des Heſſi=
ſchen
Landesverbands dienen.
In dieſem Sinne heiße ich e Kollegen und Freunde herzlichſt
willkommen!"
Mit dem Verbandstag iſt eine
Handelsſchau 1924
im Beſſunger Orangeriegarten verbunden, die geſtern
vormittag in Gegenwart geladener Herren feierlich eröffnet wurde. Als
Vertreter der Staatsbehörden wohnte Provinzialdirektor Dr. Kranz=
bühler
, als Vertreter der Stadt Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing
der Eröffnungsfeier bei. Die Herren verſammelten ſich zunächſt in dem
ſchönen, farbenfrohen. Zelt der Firma Kathreiners Malzkaffee. Von
hier aus begab ſich die Verſammlung in die erſte Halle im Orangerie=
haus
, wo Herr Theodor Stemmer jun. als Vorſitzender der Aus=
ſtellungsleitung
die Herren herzlichſt willkommen hieß. Er führte u. a.
aus:
Nach 10jähriger Pauſe, hervorgerufen durch Kriegs= und Nach=
kriegszeit
, hält der Landesverband des Heſſiſchen Einzelhandels wieder
eine Hauptverſammlung ab, und es wurde der Wunſch laut, dieſe
Tagung mit einer Warenſchau zu verbinden. Es war nicht leicht, alle
die Schwierigkeiten, die ſich dem Plan entgegenſtellten, zu überwinden,
denn die meiſten Firmen waren ausſtellungsmüde, und dazu kam die
ſchwere wirtſchaftliche Lage infolge der Geldknappheit. Wenn es trotz=
dem
gelungen iſt, 45 Ausſteller hierher zu bringen, ſo war dies wohl
nur dadurch möglich, daß das Vertrauen in die hieſige Organiſation des
Einzelhandels alle dieſe Bedenken in den Hintergrund haben treten
laſſen. Das Hauptargument, dem wir immer wieder begegneten, war
die irrige Auffaſſung, daß die großen Ausſtellungen der Lebensmittel=
branche
dieſes Jahres, in München und Köln, eigentlich genügen müß=
ten
. Demgegenüber haben wir feſtgeſtellt, daß von den uns angeſchloſ=
ſenen
1200 Lebensmittelgeſchäften in München nur 5 und in Köln viel=
leicht
10 vertreten waren. Wir haben aber als Organiſation die Pflicht,
auch den übrigen 1195 Mitgliedern Gelegenheit zu geben, ſich an Hand
einer Warenſchau davon zu überzeugen, daß die deutſche Nahrungs=
mittelinduſtrie
die Beeinträchtigungen der Kriegswirtſchaft und der
Nachkriegszeit überwunden hat und heute wieder auf der früheren Höhe
in bezug auf Qualität ſteht. Aber noch ein anderes Intereſſe haben
wir vertreten, und das iſt das Intereſſe unſerer Heimatſtadt und unſe=
res
Heimatlandes! Zuerſt ſchwebte uns vor, nur heſſiſche Induſtrie zu
der Handelsſchau zuzulaſſen, aber leider iſt der Plan an den Beſetzungs=
ſchwierigkeiten
geſcheitert.
Leider ſtanden uns für die Ausſtellung keine beſſer ausgebauten
Räumlichkeiten zur Verfügung und haben wir viel Arbeit und große
Koſten in dieſe Räume ſtecken müſſen. Aber dank dem Entgegenkommen
der Oberförſterei Beſſungen und der Beamten iſt es uns gelungen, das
Bild ſchön zu geſtalten. Hoffentlich hat der Staat bald die Mittel, um
dieſen Garten wieder zu dem zu machen, was er einſt war, nämlich zu
einer Perle von Darmſtadt. Vielleicht trägt auch unſere Ausſtellung
dazu bei, daß das Intereſſe in der Bevölkerung und bei den Behörden
für dieſen ſchönen Platz wieder geweckt wird.

Wenn ich Ihnen ſage, daß alles, was hier aufgebaut iſt, in drei
Tagen geſchaffen wurde, dann verſtehen Sie, daß es mich drängt, den
Darmſtädter Handwerkern und beſonders den künſtleriſchen Geſtaltern
eines großen Teils, dem Architekten Soeder, meinen Dank auszuſprechen.
Und ſo hoffen wir, daß alle die Mühe und Arbeit, ſowohl der Aus=
ſteller
wie auch des Verbandes, nicht vergebens waren, ſondern durch
das Intereſſe des Publikums und der Geſchäftswelt belohnt werden.
Ich bitte den Herrn Oberbürgermeiſter, die Ausſtellung zu eröffnen.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſprach namens der Stadtver=
waltung
herzlichſten Dank für die freundlichen Begrüßungsworte aus
und gab ſeiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß es möglich war, die
ſchöne und wertvolle Ausſtellung in der kurzen Zeit von drei Tagen
fertigzuſtellen. Dieſe Leiſtung ſpreche tatſächlich außerordentlich über=
zeugend
für das Darmſtädter Handwerk. Redner erinnerte an die Gar=
tenbau
=Ausſtellung im Jahre 1906, die damals ſo recht gezeigt habe, ein
wie hervorragendes Ausſtellungsgelände der Orangeriegarten für Darm=
ſtadt
darſtellt. Wenn der ſeit damals ſchon beſtehende Plan, den
Orangeriegarten und die dazu gehörigen Gebäude zu einem ſtändigen
Ausſtellungsplatz für Darmſtadt herzurichten, bis heute noch nicht ver=
wirklicht
werden konnte, ſo ſei das ſelbſtverſtändlich außerordentlich zu
bedauern, doch trage di. Stadtverwaltung keine Schuld daran, ebenſo=
wenig
wie an der Tatſache, daß die vor zwei Jahren geplante Gewerbe=
ausſtellung
nicht zuſtande kommen konnte. Die Ungunſt der Verhältniſſe
habe dieſen Plan ins Waſſer fallen laſſen. Er ſchließe ſich der Hoffnung
an, daß es in abſehbarer Zeit gelingen möge, dieſen Plan nunmehr in
irgend einer Form zu verwirklichen. Für die Stadtverwaltung könne er
die Verſicherung abgeben, daß ſie alles tun werde, was ſie zur Verwirk=
lichung
als ihre Pflicht betrachte. Es müſſe unbedingt erreicht werden,
daß hier auf einem außerordentlich ſchönen und geeigneten Terrain
künftig alljährlich eine Ausſtellung ſtattfindet, was für Darmſtadts Zu=
kunft
von außerordentlicher Bedeutung wäre. Redner ſchloß mit dem
Wunſch und der Hoffnung, daß der Handelsſtand, auch der heſſiſche, wie=
der
aufblühen möge. Er wünſchte den Teilnehmern an dem Unter=
nehmen
, daß alle Hoffnungen, die daran geknüpft werden, in Erfüllung
gehen mögen, und erklärte die Ausſtellung ſodann für eröffnet.
An den Eröffnungsakt ſchloß ſich der
Rundgang
unter Führung der Ausſtellungsleitung, der nicht nur außerordentlich
Intereſſantes und Sehenswertes bot, ſondern auch vielfach Gelegenheit
zur Einnahme von Koſtproben, ſoweit es ſich um die Genußmittelfabri=
kation
handelte. Es handelt ſich ausſchließlich um eine Ausſtellung von
Fabrikanten, die zum Teil große Opfer an Geld und Arbeit gebracht
haben, ſo daß das geſamte Bild der Ausſtellung nicht nur ſchön und
geſchmackvoll iſt, ſondern auch eindringlichſt zum Beſchauer ſpricht. Be=
ſonders
wirkungsvoll ſind die Stände verſchiedener Schokolade= Kaffee=
und Teefirmen, ferner die der Maggi=Geſellſchaft, der Helvetia A. G.,
der Kognakbrennerei Scharlachberg, der Firma Stoltenkamp G. m. b. H.,
die u. a. einen ſchmackhaften milden Likör unter dem Namen Bienche
Bimbernell neu in den Handel bringt. Ausgeſtellt haben ferner: Adler=
werke
; Margarinefabrik Frankfurt a. M.; Gebr. Bauer, Malzkaffee=
fabrik
, Eberſtadt; Gebr. Bickelhaupt, Papierwarenfabrik. Eberſtadt;
Bütel, Zündholzfabrik, Pfungſtadt; Cehovis, Nährmittelfabrik, Mün=
chen
; J. J. Diefenbach, Eſſig= und Likörfabrik, Darmſtadt; W. Edel,
Malzkaffeefabrik, Hähnlein; Effax, Schuheremefabrik, Bensheim; Fauth
A.=G., Nährmittelfabrik, Dotzheim bei Wiesbaden; Frank Söhne, Malz=
kaffeefabrik
, Ludwigsburg; Henkel u. Co., Waſchmittelfabrik, Düſſeldorf;
W. Henſel, Teigwarenfabrik, Weinheim; Heſſ. Papierinduſtrie, Darmſtadt;
J. Hildbrand, G. m. b. H., Malzkaffeefabrik Pfungſtadt; Dr. Hofmann
A.=G., chemiſche Fabrik, Auerbach; Jakobi A.=G., Seifenfabrik., Darm=
ſtadt
; Kathreiner G. m. b. H., Malzkaffeefabrik, Berlin; C. G. Kiebe,
Papierwarenfabrik, Eberſtadt; Gg. Korbus, Sauerkrautfabrik. Darm=
ſtadt
: May Söhne, Seifenfabrik, Groß=Zimmern; Pfeiffer u. Diller,
Kaffeeeſſenzfabrik, Horchheim; Radolfwerke, Teigwarenfabrik. Radolf=
zell
; Roetherdruck G. m. b. H., Buchdruckerei und Verlag, Darmſtadt;
J. Ronnefeldt, Teeimport, Frankfurt; Speher u. Grund, Eſſigeſſenz=
fabrik
, Frankfurt: Spor, Schokoladenfabrik. Barleben bei Magdeburg;
Sunlicht A.=G., Seifenfabrik Mannheim; Teigwarenfabrik A.=G. Hom=
burg
v. d. H.; Harry Trüller, Keeksfabrik, Celle; Vorndran, Bureau=
einrichtungen
, Frankfurt; A. Weinberg, Schokoladenfabrik, Herford.
Nach dem Rundgang verſammelten ſich die Teilnehmer in dem Re=
ſtaurationszelt
, deſſen Bewirtſchaftung Herr Schnellbacher über=
nommen
hat. Hier wurde ein einfaches Frühſtück geboten. Herr Pro=
vinzialdirektor
Dr. Kranzbühler nahm hierbei Gelegenheit, im
Namen der eingeladenen Gäſte herzlichſt für die Einladung zu danken
und ſich des Auftrags der zuſtändigen Miniſterien zu entledigen, ihr
Fernbleiben zu entſchuldigen wegen dringender dienſtlicher Abhaltung.
In launigen Worten ſprach der Redner dann namens der Gäſte die An=
erkennung
und den Dank für das Geſchaute und Genoſſene aus, und
gratulierte den Veranſtaltern zu dem Mut, den ſie bewieſen haben, in
einer ſo ungünſtigen Zeit, ſowvohl was die Witterung und die geſamte wirt=
ſchaftliche
Lage anbelangt, ein derartiges Unternehmen zu wagen. Daß
es beſtens gelungen iſt, hat der Rundgang bewieſen. Er hat gleich=
zeitig
den Beweis abgelegt für den außerordentlich hohen Stand der
einſchlägigen heſſiſchen und außerheſſiſchen Gewerbe. Mit einem Hoch
auf den heſſiſchen Einzelhandel ſchloß der Redner.
Von 3 Uhr nachmittags war die Ausſtellung für die Allgemeinheit
geöffnet und war während des ganzen Nachmittags erfreulich zahlreich
beſucht.

* Zur Warnung! Ein Beſucher des Waldfriedhofes teilt
uns mit, daß er geſtern, nach Ueberſchreiten der Sperre, trotz
Vorzeigen ſeines Paſſes, von einem franzöſiſchen Ziviliſten an=
gehalten
wurde, der in barſchem Ton ſeine Brieftaſche zu
ſehen wünſchte, und auf die Weigerung des Paſſanten ſich als
franzöſiſcher Poliziſt legitimierte. Der betreffende Paſſant
mußte mit auf die Wachtſtube gehen, wo er peinlichſt befragt
viſion unterzogen wurden.
Chriſtusreligion im Unterſchied von der außerchriſtlichen Religioſität
dargeboten werden. Als Nedner ſind gewonnen: Prof. D. Matthes übrigen Eintrittskarten, für die zur Deckung der Unkoſten 25 Pfg.
über Chriſtusreligion und philoſophiſche Religion, Lehrer Helmreich
Helden chriſtlicher Liebe‟. Geheimerat Prof. D. v. Schubert=Heidelberg
hat für denſelben Tag einen weiteren Vortrag über den Einfluß der
Chriſtusreligion auf Goethes Frühentwickelung in Ausſicht geſtellt. Am
Dienstag, den 16., und Mittwoch, den 17. September, finden vor= und
nachmittags wiſſenſchaftliche Ausſprache und Austauſch von Gedanken
und Erfahrungen im Kreiſe derer ſtatt, die ſich für die Vertretung der
chriſtlichen Wahrheit im Geiſtesleben der Gegenwart intereſſieren.
Aenderung der Erwerbslofenfürſorge. Am 2. September tritt
ein Geſetz in Kraft, das § 21 der Verordnung vom 16. Februar 1924
folgende Faſſung gibt: Als Grundlohn gilt das Doppelte des Betrags,
den der Erwerbsloſe als Erwerbsloſenunterſtützung für ſeine Perſon
erhielte, wenn er nicht erkrankt wäre. Die Leiſtungen der Krankenkaſſe
beſtimmen ſich nach den Vorſchriften der RVD. Das Krankengeld darf
werbsloſe für ſeine Perſon erhielte, wenn er nicht erkrankt wäre. Streit
über Beiträge und Leiſtungen wird im Verfahren nach der RVO. ent= und mit ſeltenem Geſchick für eine würdige Aufmachung geſorgt; die
ſchieden.
Deutſche Jugendherbergen, Zweigausſchuß Odenwald.
Die Loſe der großen Warenlotterie zum Beſten der deutſchen Jugend=
herbergen
finden guten Abſatz. Darum empfehlen wir, ſich bald mit Schwerin, Breslau, Liegnitz, Dresden, Oldenburg, Wilh=lmshaven,
Lofen zu verſehen. Die Käufer unterſtützen damit nicht nur die gute
winne zu erlangen. Ein Teil des Hauptgewinnes, das Speiſezimmer Mainſtadt im geſegneten Frankenland bieket, wie vor allem durch die
der Dreizimmerwohnung, iſt im Möbelhaus Alter, Eliſabethenſtraße,
ausgeſtellt. Weitere Gewinne, wie ein Faltboot, ein Motorrad und viele
mann, Rheinſtraße. Die Verkaufsſtellen, die durch Aushang gelber
Plakate kenntlich gemacht ſind, ſind in der geſtrigen Anzeige bekannt=
gegeben
worden. Weitere Verkaufsſtellen befinden ſich noch in der Papier=
handlung
. Weiß an der Techniſchen Hochſchule und in der Papier=
handlung
Lina Paul an der Johanneskirche.
8 Bezirksſchöffengericht. Der Arbeiter Fritz Uhl von Ober= Nam=
ſtadt
ſteht unter der Anklage der fahrläſſigen Tötung. Ihm wird zur beiden allgemein politiſchen Vorträge, die ſich mit der Stellunynayme
Laſt gelegt, durch Handlungen, die auf Abtreibung abzielten, den Tod
eines Mädchens (ſeiner Braut Marg. Rauſch), mit der er Umgang hatte, der weiblichen Abgeordneten in allen Parteien und die Pläne der Auf=
fahrläſſig
herbeigeführt zu haben. Das Mädchen hat erſt im Kranken=
hauſe
dem behandelnden Perſonal gegenüber zögernd Mitteilungen ge=
ſtreitet
. Die Oeffentlichkeit wird für die Dauer der Verhandlung aus=
geſchloſſen
. Das Urteil lautet auf Freiſprechung. Das freiſpre=
chende
Urteil gründet ſich hauptſächlich auf das Gutachten des Herrn
Dr. Schneider, der ſich dahin ausſprach, daß die gemachten Eingriffe und Verhärtung des Parteilebens von ſeiten der Frauen entgegenwir=
eine
gewiſſe Sachkenntnis vorausſetzen und verraten, deren Vorhanden=
ſein
bei dem Angeklagten fehlt.

Zwangsanleihe. Wie uns von der hieſigen Reichsbankſtelle mit=
geteilt
wird, können die gezeichneten Zwangsanleiheſtücke bei den
Stellen, wo ſie ſeinerzeit gezeichnet worden ſind, von den Inter=
eſſenten
abgeholt werden.
Aus den Parteien.
Deutſche Volkspartei. Am Freitag, den 29. Auguſt,
wurde und ſeine geſamten Briefſchaften einer eingehenden Re= abends, ſpricht im Fürſtenſaal (Grafenſtraße) der Vorſitzende unſerer
hieſigen Ortsgruppe, Abg. Dingeldey, über Unſere Stellung
Eine evangeliſche Weltanſchquungswoche ſoll in Darmſtadt in zur Londoner Konferenz‟. Es handelt ſich dabei um eine
den Tagen vom 15. bis 19. September veranſtaltet werden. Am Abend Mitgliederverſammlung, doch ſoll Freunden der Partei, auch wenn ſie
jedes dieſer Tage wird ein Vortrag über die Eigenart der evangeliſchen noch nicht eingeſchrieben ſind, aufgrund einer Einführung durch Partei=
mitglieder
die Teilnahme ermöglicht ſein. Karten hierfür, ſowie alle
erhoben werden (für Minderbemittelte unentgeltlich) auf der Partei=
über
Chriſtusreligion und Religionsunterricht, Pfarrer Hickel über geſchäftsſtelle, Wilhelminenſtraße 5. Wir wiſſen, daß der angekündigte
Vortrag gerade jetzt, in den Tagen bedeutungsvollſter Entſcheidungen,
über Chriſtusreligion und deutſche Religion. Profeſſor v. Schubert in unſeren Mitgliederkreiſen größtem Intereſſe begegnen wird. Wir
bitten alle Parteifreunde dringend, ſich umgehend mit Eintrittskarten
verſorgen und eifrig für den Beſuch des Vortrags werben zu wollen.
Tagung des Geſchäftsführenden Ausſchuſſes der
D. V. P. Der Geſchäftsführende Ausſchuß der Deutſchen Volkspartei,
Landesverband Heſſen, iſt für Sonntag, 31. Auguſt, zu einer Tagung
nach Darmſtadt einberufen worden.
Deutfch=Demokratiſche Partei. Eine ſtattliche An=
zahl
Frauen hatte ſich am Donnerstag zu einer behaglichen Teeſtunde
im Parteilokal zuſammengefunden und nahm mit lebhaftem Intereſſe
den Bericht über die Reichsfrauentagung in Würzburg entgegen. Die
unermüdliche und verdienſtrolle Vorſitzende der hieſigen Frauengruppe,
Frl. Rahaus, ſchilderte den allgemeinen Rahmen und Verlauf der
jedoch nicht höher ſein als die Erwerbsloſenunterſtützung, die der Er= Tagung, nachdem ſie die Organiſation des Reichsfrauenausſchuſſes klar=
gelegt
hatte. Die Würzburger Damen hatten mit großer Hingebung
Berliner Geſchäftsſtelle hatte ein reiches, feſſelndes Programm aufge=
ſtellt
, ſo daß die überaus zahlreichen Delegierten aus Nord, Süd, Oſt
und Weſt ſoga Tilſit, Königsberg i. Oſtpr., Marienburg i. Weſtpr.,
Oldenburg, Bremen, Lübeck, Aachen uſw. waren vertreten ſich reich
Sache, ſondern haben auch Gelegenheit, für wenig Geld wertvolle Ge= belohnt fühlten ſowohl durch die mancherlei Anregungen, die die ſchöne
geiſtige und ſeeliſche Bereicherung, die in einem mehrtägigen Ausſpre=
chen
mit Geſinnungsgenoſſen gewonnen wird. Frl. Poepper=
andere
kleine Gegenſtände, ſtehen im Schaufenſter des Sporthauſes Adel= ling referiete über den Vortrag von Frau Miniſterialrat Dr. Gertrud
Bäumer: Schule und Elternhaus in der gegenwärtigen pädagogiſchen
Bewegung. Sie hob beſonders hervor, mit welchem Eifer man ſich in
Preußen über die Frage der Gemeinſchaftsſchule und der Elternbeiräte
auseinanderſetzt, brachte auch die in Würzburg angenommene Reſolution
zur Verleſung, die ſich für die dem.=republikaniſche Verfaſſung, gegen
den Antiſemitismus ausſpricht. Frau Buckſath berichtete über die
der Frauen zur Geſamtpartei befaßten. Die Tatſache des Rückganges
ſtellung von beſonderen Frauenliſten, die ſogar ſchon bei einigen Stedt=
verordnetenwahlen
Möglichkeit geworden ſind, machen die Stellung=
macht
, ſo daß wohl ebjektiv die Tat feſtſteht, die der Beſchuldigte be= nahm zu dieſem Problem zur Pflicht jeder denkenden Politikerin.
Politiſche Erziehung, politiſche Begeiſterung, intenſives Mitleben der
Frauen, Mut zur Eigeninitiative, Opferbereitſchaft, Pflichtgefühl, das
ſind die Haupterforderniſſe, die der drohenden Verarmung, Verengung
ken müſſen. Beteiligung an beſonderen Frauenliſten müſſen die demo=
Fratiſchen Frquen ablehnen.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Anguſt 1924.

meſie.
nehmi
Bedin
Selb
häl
ſtaltur
Zeit
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Freier
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Heſiſcher
Schuhmachermeiſter=Verband.

In den Tagen des 23. bis 25. Auguſt hält der Heſſiſche Schuhmacher=
meiſterVerband
in Darmſtadt ſeine 9, ordentliche Tagung ab. Mit dem Von unſerem nach Butzbach entſandten Sonder=
Verbandstag iſt eine Fachausſtellung im Städtiſchen Saalbau verbun=
berichterſtatter
.
den, die am geſtrigen Samstag, um 11½ Uhr, eröffnet wurde. Der
heutige Sonntag wird geſchäftlichen Beratungen gewidmet ſein, und am
s In Butzbach fand am 23. Auguſt vor einem engeren Kreis ſtützungsſätze für den Monat Auguſt betragen: für Inbal
morgigen Montag wird ein allgemeiner Schuhmachtertag abgehalten, von Intereſſenten die Vorführung einer hochbedeutſamen techniſchen tersrentenempfänger 7.60 Witwenrentenempfänger
Die Fachausſtellung im Städtiſchen Saalbau bietet auch vieles, was Neuerung ſtatt, die geeignet iſt, in der Braunkohlen=Bergwerksinduſtrie rentenempfänger 4.50 . An der Aleinrentner=Fürſorg
für die Allgemeinheit von Intereſſe iſt, ſo daß ſich ein Beſuch ſehr lohnt, große Umwälzungen hervorzurufen. Es handelt ſich um die prattiſche
Der große Saal iſt ſehr geſchmackvoll hergerichtet, reich mit Lannengrün, Durchführung der Brikettierung der bisher unbrikettierbaren Blätter=
Girlanden und Fahnen geſchmückt. An der Brüſtung der Galerien ſind, kohle des Weſterwaldes und des Odenwaldes. Die Firma Reform dant. Wilhelm Koch 3. iſt zum Brandmeiſter ernannt

Aus Heſſen.
Briketierung der Blätterkohle des Oden=
waldes
und des Weſſewaldes.

Numnzs

werbsloſen beträgt zurzeit 273, darunter 272 männliche ui
Witwe. Die wöchentlichen Unterſtützungsſätze betragen.
ledige, männliche Perſonen über 21 Jahre 6.12 , unte

ein; Proben von Leder uſw., die größeren Raum erfordern, ſind in amtlich geſchütztes Verfahren erfunden, mittels deſſen, wie der heutige,
einem Veſtibül vor der Garderobe untergebracht. Was die Ausſtellung in allen Teilen erfolgreich verlaufene Demonſtrationsverſuch bewies, es
ſehenswert macht, ſind nicht allein die handgefertigten Stiefel und endlich gelungen iſt, auch die bisher für unbrikettierbar gehaltene Braun=
Spezialarbeiten für Sportzwecke und für verſchiedene Berufe, Ferner und im Weſterwald vorkommt, zu brikettieren.
ſind zu ſehen Schäfte, Schuhpflegemittel (Schuhereme uſw.) und Schuh=
macher
=Bedarfsartikel.
für Arbeit und Wirtſchaft, Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſowie deutſchland; die Heſſiſche obere Bergbehörde hatte einen Vertreter ent=
der
Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft.
und Gedanken über die Ausſtellung niedergelegt ſeien, die allgemeine einer, wenn auch beſchränkten Oeffentlichkeit, nicht herangezogen worden,
Billigung fanden und die auch in dieſer Ausſtellung verwirklicht ſeien, mit Ausnahme des Darmſtädter Tagblattes.
Dieſe habe den Zweck, nicht allein den Fachleuten, ſondern auch dem
tigen Zeit das Schuhmachergewerbe zu leiſten imſtande ſei. Keines=
ſein
, ſondern das Schuhmacherhandwerk wolle nur in friedlichem Wett= 20 Jahren mit einem Meiſter und zehn Arbeitern in Dillingen a. d.
bewerb ſeine Leiſtungsfähigkeit dartun.
Anſprache darauf aufmerkſam, daß ſeit Beſtehen des Heſſiſchen Schuh= Bahnhof im Werk, das Areal einer kleinen Stadt bedeckt und in der
unterbreite er zum erſten Male die Leiſtungen ſeiner Mitglieder dem der Kohle, mit Ausnahme der chemiſchen Prozeſſe, auch nur irgendwie
Urteil der Oeffentlichkeit. Die Kriegszeit habe ſchwer auf dem Schuh=

Handwerksembleme angebracht. Die Stände nehmen den ganzen Saal Brikett G. m. b. H. in Köln (Michgelsſtraße 24) hat ein patent= verpflichtet worden.
Hausſchuhe, die in großer Zahl vertreten ſind, ſondern beſonders die kohle, wie ſie als Blätterkohle in Deutſchland beſonders im Odenwald
Die Vorführung wurde bei der Firma Meguin A. G. in Butz=
bach
veranſtaltet, die ihre vorzüglich eingerichtete Verſuchsaaſtalt zur
Zur Eröffnung der Ausſtellung hatten ſich viele geladene Gäſte ein= Verfügung geſtellt hatte. Eingeladen und erſchienen waren Intereſſen= blattern aufgetreten. Anläßlich der Einführung
gefunden, darunter Herr Oberregierungsrat Karcher vom Miniſterium ten, vor allem natürlich auch Berawerksbeſitzer, aus Südweſt= und Weſt= Lichtes feierte dieſer Tage die kleine Gemeinde Hebſte
mehrere Stadtverordnete, ferner Vertreter der Handwerkskammer und ſandt, ebenſo die Verwaltung der Braunkohlengrube Prinz von Otto Kaſtell aus Mainz, ein Stündchen gebracht, der ſich
Heſſen bei Darmſtadt. Der Staatskommiſſar für die wirtſchaftliche
Der 1. Vorſitzende des Heſſiſchen Schuhmachermeiſter=Verbandes, Demobilmachung in Heſſen, der ſchon den bisherigen Verſuchen lebhaf=
Herr Wilhelm Weber=Darmſtadt, hieß in einer Begrüßungsanſprache tes Intereſſe entgegenbrachte, haite ſich infolge anderweitiger dienſtlicher, nur drei Beine hat; ein Vorderbein fehlt, ſonſt iſt das Vi
die Anweſenden willkommen und erwähnte ein Schreiben des Ober= Ingnſpruchnahme entſchuldigt. Nicht vertreten war, obwohl eingeladen,
bürgermeiſters aus Anlaß der Tagung, worin einige Betrachtungen die Stadt Darmſtadt. Die Preſſe war zu dieſem erſten Verſuch vor
Generaldirektor Dr. Möhring von den Meguinwerken begrüßte
großen Publikum einmal vor Augen zu führen, was in der gegenwär= im Namen der gaſtgebenden Geſellſchaft die Erſchienenen und gab einen
wegs ſolle dieſe Ausſtellung eine Kampfanſage an die Schuhinduſtrie kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Meguin=Werke, die vor Burſche ſtürzte von einem Tenngerüſt und zog ſich neben
Saar zur Fabrikation gelochter Bleche gegründet und 1919 nach Butz=
bach
verlegt, ſich in verhältnismäßig kurzer Zeit zu dem gewaltigen Be= + Groß=Gerau, 22. Aug. Der Städt. Voranſch
Diretor Schüttler von der Handwerkskammer machte in einer trieb entwickelt haben, der heute bei Butzbach, mit eigenem kleinen iſt nunmehr von dem Stadtvorſtand genehmigt worden.
machermeiſter=Verbandes dies ſeine erſte Fachausſtellung iſt; damit Fabrikation aller Maſchinen, die mit der Gewinnung und Verarbeitung
machergewerbe gelaſtet, gleichwohl ſei erreicht worden, daß jetzt wieder zuſammenhängen, führend iſt und wegweiſend wirkt. Dr. Möhring
Qualitätsarbeit geleiſtet wird. Ganz beſonders laſſe das die Maß= wies auf die Wichtigkeit der Brikettierung für die Eiſenbahnen, den
Hausbrand und Kleinverbrauch und darauf hin, daß die bisher ver=
Handarbeit erkennen, die auf der Ausſtellung zu ſehen iſt. Der Redner
ſprach in ſeinen weiteren Ausführung von der Bedeutung des Schuh= wandten Bindemittel, wie Hartpech. Zelluloſe, Abfallſtoffe aus der
machergewerbes, das ein Kulturfaktor ſei; ferner redete er einem fried= Gemiſchen Induſtrie teils zu teuer ſeien, teils in der Praxis verſagt
lichen Zuſammenarbeiten mit der Schuhwareninduſtrie das Wort, dantte hätten. Für die Meguin=A.G. als Maſchinenfabrik ſei die Aufgabe
der Stadt und den verſchiedenen Korporationen für die geſtifteten gegeben, eine möglichſt praktiſche und gute Brikettierungsmaſchine zu
Ehrenpreiſe und ſchloß mit den Worten aus Wagners Meiſterſingern; bauen, im übrigen ſei es erforderlich, ein billiges und überall zu erhal=
tendes
Bindemittel zu finden. Oh. dies gelungen ſei, möge der heutige
Ehret Eure deutſchen Meiſter / Dann bannt Ihr gute Geiſter!
Im Anſchluß an die Eröffnungsanſprachen folgte ein Rundgang, Demonſtrationsverſuch zeigen. Hierauf wurden in der Verſuchsanſtalt
bei dem die einzelnen Stände mit lebhaftem Intereſſe beſichtigt wurden, der Meguin=Werke die einzelnen Verſuche vorgenommen. Die Leitung
Wir laſſen hier ein Verzeichnis der Ausſteller folgen; hatte der techniſche Verater der Neform Brikett G.m.b.H. Herr Zivil=
Franz Adlberger, Sportſchuhfabrik, Neckarſteinach: Berg=, Ski= und ingenieur Reinicke; weitere Erläuterungen gab der Geſchäftsführer
Jagdſtiefel; Atlas=Kleinmaſchinen= und Chemikalien=Vertrieb Edmund der Firma, Herr Wenner. Es wurde dann mit den verſchiedenen
Stein, Frankfurt a. M.: Ago=Preſſen und Chemikalien; Paul Bayer, Braunkohlenſorten rperiert; erſt mit der Darmſtädter Kohle
Darmſtadt, Eliſabethenſtraße 37: Leder= Schäfte, Schuhmacher=Bedarfs= von der Grube Prinz von Heſſen), dann mit Weſterwälder und mit
artikel, ſowie Schuhwaren=Handarbeit (die Firma hat kürzlich ihr 95= Wölfersheimer Kohle, ſchließlich auch mit Braunkohlen=Halbkoks. Trotz
jähriges Jubiläum begangen); K. Birkenſtock, Schuheinlagenfabrik, des großen Waſſergehalts der einzelnen Kohlenſorten und obwohl die
Friedberg i. H.: Schuheinlagen, Ferſenkiſſen; Joſef Broß, Lenzkirch: Brikettmaſchine, die für den Verſuch nicht beſonders beſtimmt und her=
Handgefertigte Stiefel: Eberhard Cuntze, Köln=Ehrenfeld: Schuhputz= gerichtet war, wurden die Briketts verlenartig wie an einer Schnur
mittel; S. Dillenburger, Frankfurt: Schuhbedarfsartikel; Eri=Geſell= herausgepreßt und die Stücke abgebrochen, ſo daß am Anfang und
ſchaft, Göpingen: Schuhpflegemittel; Heinrich Otto Faber u. Co, Ende eines jeden Stückes keine Bruchſtellen blieben. Der Verſuch gelang
Frankfurt a. M.: Sportſchuhe; Gebr. Ganzhorn, Werkzeugfabrik, Sin= in allen Fällen vollkommen. Die Stücke kamen in einer den bekannten
delfingen: Schuhmacherwerkzeuge; Auguſt Glöckner, Worms: Gummi= Eiformbriketts ähnlichen Form aus der Maſchine heraus, erwieſen ſich
ſohlen und Abſätze, Turnſchuhe, Gummiſchuhe; Hauneck G. m. b. H., als hart und vollgepreßt, unempfindlich gegen Druck und Stoß und
Teufel=Schuhmaſchinenvertrieb= G.mb.b., Maſchinenfabrik, Hünfeld: ſollen nach Angabe der Firma mindeſtens drei Jahre lang haltbar ſein.
Schuhmaſchinen; Fritz Heinzmann, Schuhfabrik, Mönchweiler; Fertige Nach dem Erkalten wurden die Briketts dann noch lackiert. Bei der
Schuhe; Richard Heß, Verkzeugfabrik, Magſtadt: Werkzeuge, Hilfs= Darmſtädter Braunkohle gelang die Brikettierung beſonders gut. Das
maſchinen; Joſef Höfels, Sonthofen: Allgäuer Sportſtiefel: Junker Mittel, das der pulveriſierten Braunkohle, bevor ſie in den Vermiſch=
u
. Ruh=Werke A.G., Karlsruhe: Handledernähmaſchine; M. Katz, hier= ungsraum der Brikettierungsmaſchine eingefüllt wird, beigemiſcht wird,
Collodin=Freihandpreſſen, Lederwalze, Schuhmachermaſchine, Leder= und iſt teils feſt, teils flüſſig. In ſeiner chemiſchen Zuſammenſetzung iſt es
Schuhmacherbedarfsartikel: Theodor Keller, Frankfurt: Verkeo=Straßen= natürlich Geheimnis der herſtellenden Firma. Es wird der Menge der
ſtiefel und Hausſchuhe Alfons Koch, Sümmern: Schuhe einſchließlich zu brikettiereden Kohle mit 48 Prozent beigemiſcht und iſt in ſeiner
Schäfte; Richard Krauſe Berlin: Maßarbeit: Eugen Lang, Singenz Zuſammenſetzung verſchieden je nach der Struktur der Kohle und je was bisher nötig war, da ſich die Gemeinde faſt nit 0t
Berg= und Skiſchuhe; Johannes Lupp Söhne, Tuttlingen; Schuhmacher= nachdem, ob lange oder kurze Flamme verlangt wird.
Bedarfsartikel, Werkzeuge und Stanzmeſſer; Jak. Marx, Groß=Gerau:
Die Verſuche der Firma haben bewieſen, daß die Brikettierung
Leder Schuhmacherartikel und Schuhmachermaſchinen; Fr. Metklein, von Kohle mit einem Waſſergehalt bis zu 30 Prozent möglich iſt. Fach=
Neutlingen: Schuhmaſchinen: Franz Müller u. Sohn, Lederwaren= leute ſind übrigens der Anſicht, daß die Darmſtädter bzw. die Oden= willigte die Gewährung einer einmaligen Unterſtützung
fabrik, Oberurſel: Lederſchuhriemen; J. u. S. Nußbaum, Frankfurt; wälder Braunkohle am beſten zu brikettieren iſt. Amtlich iſt feſtgeſtellt ten und Angeſtellten der Beſoldungsgruppen 13, da bereit
Schuhwaren; Karl Oetzel, Frankfurt: Hax=glebepreſſen, Hax=Leder= worden, daß die brikettierte Weſterwälder Blätterkohle einen Heizwert
färber, Rudol=Kitt; Osra, Chem. Fabrik, G.m. b. H., Frankfurt; von 4557 Kalorien, alſo erheblich mehr als die rheiniſche Braunkohle, erfolgt ſei. Den Familien mit 3 und mehr Kindern ſolen 6
Nuos, Schuhputzmittel und Schuhmacherbedarfsartikel; Pfälzer hat. Der Heizwert der Darmſtädter Braunkohle iſt demjenigen der
Gummigeſellſchaft m. b. H., Mannheim: Gummiabſätze, Gummiſohlen. Weſterwälder aber mindeſtens gleichzuſetzen. Die volkswirtſchaftlich Ledigen 25 Mk. Eine Forderung der ſtädtiſchen Arbeſter
Turnſchuhe und Hausſchuhe: Chriſtian Rohe, Darmſtadt: Schäfte, Leder große Bedeutung der Vorführung liegt darin, daß es bisher nur ge=
und Schuhbedarfsartikel; Roth u. Co. Heilbronn: Filzſchnallenſtiefel, lungen war, diejenige Braunkohle zu brikettieren, die wie z. B. die Löhne um 30 Prozent höher ſeien als hier, während die 2
Kinderſtiefel, Ober= und Bodenleder; Sächſiſche Klebſtoffwerke G.m. b. rheiniſche und mitteldeutſche, bituminös genug iſt. Bei dem neuen Ver= bedeutend billiger ſeien. Mit einem Betrage von 600 Mk. tre
H., Pirna: ,Bärenkleber, Aſolin=Kitt, waſſerfeſter Lederkitt, Kappen= fahren mit Hilfe der patentamtlich bereits geſchützten Bindemittel der
ſteife Aſolin, Eska=Teerfilz uſw.; Siebenborn u. Co. Hannover= Reform Briket G.m.b.H. iſt es nun möglich, die ſogen, Lignit= und und Lahngebiet. G. m. b. H., bei. Auf Antrag der Lom
Frankfurt: Ausputzpräparate, Schuhkreme, Wachſe und Schuhmacher= Blätterkohle zu brikettieren, und auch den Kohlengrus, der bis jetzt
bedarfsartikel; K. Siegel, Maſchinenfabrik, Zuffenhauſen: Kombinierte wertlos war und zur Haldenaufſchüttung verwendet wurde. So wird ſteckte Angriffe der Kommuniſten gegen die Wohnungskonn
Fräß= und Ausputzmaſchinen: Friedr. Soeder. Darmſtadt: Schuhwaren, jetzt die reſtloſe Aufſchließung der Odenwälder und der Weſterwälder, den energiſch zurückgewieſen und ein Antrag zur Beſchaffult
Strümpfe, Kreme; Süddeutſche Schuhkremefabrik Herm. Joſeph u. Co., Braunkohle möglich ſein. Eine Anlage, die zur täglichen Fabrikation
Darmſtadt: Chem=techn. Produkte, Schuhkreme und Lederfett, Ledee= von etwa 50 Tonnen ausreicht (Brikettierungsmaſchine einſchließlich För= ſtandslos abgewieſen.
appreturen Marke Hermanda, 9. Schigur, Berlin: Herren= und derungsanlage von und zum Waggon) wird etwa 2530 000 Goldmark
Damenſchuhe, Metalleinlagen; Paul Steinbach, Ebersbach: Fußheil= koſten. Falls die Kohlen ſtark waſſerhaltig ſind und eine Trocknung ſchiffahrtsverkehrs. Die Köln=Düſſeldorfer A9ei
artikel; Siegfried Strauß u. Co., Kreuznach: Schuhwaren; Gebr. durch Luftrocknung nicht genügt, ſondern eine Trocknung durch Trom=
Teufel, Spezialmaſchinenfabrik für Ausputzmaſchinen, Zuffenhauſen; mel vorgenommen werden muß, wird ſich der Anſchaffungspreis um
Schuhmaſchinen; Julius Ullmann, Lahr: Schuhbedarfsartikel, Leder, etwa 5000 Goldmark erhöhen. Nach den Berechnungen der Firma dürſte wieder eingeſtellt.
Maſchinen Vereinigte Leder= und Schuhfabrik G.mb.H., Wiesloch: ſich die Anſchaffung mit Rückſicht auf den geringen Preis des neuen
Schuhe und Leder; Auguſt Wagner, Heidelberg: Schuhkreme Urbin. Bindemittels innerhalb ganz kurzer Zeit rentieren und bezahlt machen, hen befinden ſich in den Weinbergen des Winzers horg,
Lederappretur, uſw.; Ludwig Waldſchmidt, Darmſtadt: Schuhmacher= Die Nentahilitätsberechnung wird ſich ſelbſtverſtändlich je nach den Ver= ſich um Frühburgunder. Auch die ſogen, Portugieſer Are
maſchine und Schäfteſteppmaſchine; Gg. Ph. Veber, Darmſtadt: Leder hältniſſen des betreffenden Betriebs (Grube, Gaswerk, Fabrik) ſehr ver=
und Schäfte.
ſchieden geſtalten können.
Maß= und ortopädiſche Arbeiten haben ausgeſtellt:
Für Darmſtadt hat das neue Verfahren eine beſondere Bedeutung
A. Ackermann, Karl Benn, M. Biſchoff Andreas Bohn, Hans Brunner,
9. Daubenfeld. Ad. Ealy. Fritz Joſef. Ernſt Früh, Hch. Gahl. A. Holler, dadurch, daß die Stillegung der Braunkohlengrube Prinz von Heſſen abſichtigt, im Winterhalbjahr vier Lehrfilme vorzuſhen
Joſ. Guber, Alois Kittl, Wilh. Kohle, H. Krauskopf, J. Lotz, Th. Moll, in bedrohliche Nähe gerückt iſt und vielleicht durch die Anwendung der
Adam Nelge, Karl Rothe, L. Nuß, Adam Schönberger, Emil Späth, Brikettierung abgewendet werden kann. Jedenfalls ſollten die zuſtändi=
Georg Späth. Phil. Stephan, G. Voltz. Georg Wiederhold, Karl Wurm gen Inſtanzen die ganze Frage einer ſehr ſorgfältigen Prüfung unter= ſind von der Bildſtelle im Zentral=Inſtitut zu Berlin al.
in Darmſtadt; Wilh. Blaum=beßloch, Jakob Brinkmann=Auerbach Karl ziehen. Zur Zeit ſind die Kohlen nicht knapp, wenn aber infolge der
Buck=Weſthofen, Heinrich Fülberth=Neuſtadt i. Odw., Nob. Funke=Mainz, Reparationslieferungen und der neuen Auslandskredite eine Belebung Die deutſche Nordſee und die Tierwelt der Nordſe=
Gg. Geiſinger=Höchſt i. Odw., Gg. Göbel=Ober=Ramſtadt, Jakob Ham= unſerer Induſtrie einſetzt und dieſe mehr Kohlen konſumiert, dann dürſte
mann=Erfelden, Jokab Haupt=Offenbach a. M. Heinr. Heinz=Erzhauſen, die Nachfrage nach Braunkohlenbrikets bei Induſtrie und für den jagt. Sie verſendet ein Rundſchreiben, wonach 9.,
Leonh. Hofmann=Viernheim, Jof, Hofſtätter=Worms, Karl Hunzinger= Hausbrand ſtark anſteigen.
Pfungſtadt, Georg Krämer=Meſſel. Lutz=Lengfeld. Heinrich Martine=
Ein gemeinſames Mittageſſen vereinte in Butzbach den größten höht wird. Kleine Beamte und Arbeiter werden da vo9
Gorzheim Heinr. Neubauer=Offenbach a. M. Ludwig Ort=Eberſtadt, Teil der Erſchienenen. Hierbei wurde der Dank an die Firma Meguin aus den höheren Schulen nehmen müſſen. Sie ſind dann 1.
Eduard Ott=Heidesheim, K. Otto=Pfungſtadt. Math. Joſ. Nachor=Seli= für die Bereitſtellung ihrer vorbildlichen Verſuchsanlage und an die die Neichen da. Das ſieht nicht aus wie Freie Bahn dem
genſtadt, Reininger=Ober=Modau, Richter=Offenbach a. M., Karl Scheu= Reform Brikett G.m.h. H. für die hochintereſſante und volkswirtſchaft=
Ober=Ramſtadt, Heinr, Siebert, Steiger, Voigt u. Sohn, F. Winkler= lich vielverſprechende Vorführung in herzlichen Worten zum Ausdruck auf dem Hoherodskopf geht ihrer Vollendung entgegen, oe
Offenbach a. M., Paul Ullrich=Rüſſelsheim, Gg. Wendel=Worms, gebracht.

Wiemer u. Sohn, Nieder=Ramſtadt.
A.B. Verband heſſiſcher Zimmermeiſter. In einer kürzlich in Frank=
furt
a. M. abgehaltenen außerordentlich gut beſuchten Verſammlung
des Verbandes heſſiſcher Zimmermeiſter wurde beſchloſſen, den Ver=
bandsſitz
von Darmſtadt nach Mainz zu verlegen. Die Geſchiftsfüh=
rung
hat die Zimmermeiſterinnung Mainz übernommen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſchelnenden Nofizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu befrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krik.
W Der Katholiken=Verein veranſtaltet am Sonntag, den
31. Auguſt, gemeinſam mit dem katholiſchen Kirchengeſangderein St.
Ludwig und dem katholiſchen Kaufmänniſchen Verein Konſtantig ein
Familienfeſt, verbunden mit Konzert, Preiskegeln, Kinderbeluſtigungen
und darauffolgendem Tanz. Der Beginn iſt auf 4 Uhr angeſetzt. Das
Programm liegt in guten Händen, und werden den Mitgliedern einige
genußreiche Stunden geboten ſein. Der Eintritt iſt nur gegen Vor=
zeigung
einer perſönlichen Einladung, die noch folgen wird, geſtattet.
Kunſtnotizen.
Ueber Werte, Künſiler und künſtieriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwähnung
geſchiebt, behält ſich die Redakion ibr Urteil vor.
Berg des Schickſals kommt! Das Berliner Achtuhr=
Abendblatt ſchreibt über dieſen wundervollen Film: Atemberaubende
Kietterleiſtungen, die an Tollkühnheit und totverachtendem Wagemut
alle Trickſenſationen des Harold Lloyd im Wolkenkratzer=Film weit
hinter ſich laſſen, wechſehn in raſcher Folge mit Naturaufnahmen von
ſo erhabener Schönheit und ſo erleſenem Stimmungszauber, daß das
Auge wie berauſcht ſich richt ſatt ſehen kann an dieſer herrlich=wilden
Tiroler Felswelt, die ſo unbezwinglich ſcheint, und die doch der üb
glementare Naturgewalten triumphierende Menſch ſich unterwirft.

m= Griesheim, 21. Aug. Statiſtiſches. Die 9e
3.72z, für verh, männl. Perſonen über 21 J. 8.22, für V
1 Kind 9,72 . mit 2 Kindern 11.22 . mit 3 Kindern.
4 Kindern 14.22 . mit 5 Kindern 15.72 , mit 6 Kinf
für Witwen über 21 Jahre 5.58 desck. mit 1 Kind
des weitere Kind 1,50 mehr. Die Sozialrentnerfürſo
95 Perſonen in Anſpruch genommen, darunter: Empfäng
den= und Altersrente 62. Witwenrente 8, Waiſenrente 3.
Empfänger teil. Die Unterſtützung für den Monat Auguſt
König i. O., B. Aug. Neuer Feuerweh
* Michelſtadt i. O., B3. Aug. Die Beigeordn
findet am kommenden Sonntag ſtatt. Es kandidieren dr=
für
die Demokraten der Glaſermeiſter Heinrich Pfaff.
ſtehenden Parteien Gemeinderat Ludwig Groll 2. und
demokratie Landtagsabgeordneter Karl Neff.
8 Erboch i. O., 23. Aug. Schweinerotlauf
und Affhöllerbach ausgebrochen. In Unter=Gerſprenz ſind.
tiges Lichtfeſt. Dabei wurde dem anweſenden Jagdpächt
Hinſicht um die Sache verdient gemacht hat. Vor ei
brachte in Steinbuch ein Mutterſchwein ein Ferkel
und munter.
Schöllenbach i. O., 23. Aug. Gedenkſtein.
für die Gefallenen unſeres Ortes einſchließlich der Na
Kailbach ſoll hier errichtet werden. Die Einweihung duü
Oktober vor ſich gehen.
3 Erfelden a. Rh., B. Aug. Unfallchronik.
letzung eine Gehirnerſchütterung zu. Ein drei Jahre
chen fiel aus dem Bett und brach das Gelenk des linten
Einnahme und Ausgabe mit 426 263,50 Mk. ab. Es iſt
einer Umlage von 178000 Mk. vorgeſehen, deren Ausſch
Gemeinderat mit Ausnahme der Stimmen der Kommuniſt
turde. Die Erhebung der Umlage erfolgt in ſechs Ziele
erhoben werden: Sonderſteuer vom bebauten Grundbeſitz
100. 20 Pfg. von den bebauten Grundſtücken und der
Pfg. von den land=, forſtwirtſchaftlich oder gärtneriſch ben=
ſtücken
, 2 Pfg. pro 1000 Mk. des gewerblichen Betriebslab
Bürgermeiſter iſt ermächtigt worden, einen weiteren Vee
von 5000 Mk. für die Bezirksſparkaſſe zu unterzeichnen.
Groß=Gerau, 2. Aug. Falſchgeld. In der letz
hier mehrfach gefälſchte 1= und 2=Billionenſcheine aufgete
aber mit Leichtigkeit von den echten unterſcheiden laſſen, d
ſchlechte Nachahmungen handelt. Beſonders die 2Billo
auf ſehr plumpe Weiſe gefälſcht.
X Kelſterbach a. M., 22. Aug. Stromſtörung.
ſchlags in die elektriſche Leitung lag geſtern abend ganz K
um 10 Uhr im Dunkeln. Selbſt die für dieſen Aber
Gemeinderatsſitzung mußte deswegen ausfallen.
8 Langen, 21. Aug. Soziale Fürſorge. An
bemittelte wird auf Beſchluß des Gemeinderates Gas zu eir
ten Preiſe abgegeben. Ferner erhalten 92 Perſonen Br
billigeren Preiſe, da die Gemeinde hierzu einen Zuſchuß li
Offenbach, 23. Aug. Morgen, 24. Auguſt, ſind es 40
in dem Stadtteil Bürgel evangeliſcher Gottes
halten wird. Bürgel gehörte bis zum Jahre 1908 zum 9.
Mainz und kam dann zum Fürſtentum Iſenburg, mit dem
ſen einverleibt wurde. Die erſten evangeliſchen Einwohner
Offenbach eingepfarrt. Als das benachbarte Bieber 189
liſche Kirche erhielt, fanden die Evangeliſchen dort ihre See
Jahre 1884 erhielt die Gemeinde eine Kleinkinderſchule, 1
gottesdienſtlicher Verſammlungsraum dienen mußte. Der
liſche Pfarrer in Bürgel zog 1896 auf. Die evangeliſche K
1903 erbaut. Seit 1. April 1930 bildet die Bürgeler Ge
7. Offenbacher Kirchengemeinde. Von da ab brauchte ſe
ſtützung des Guſtav=Adolf=Vereins nicht mehr in Anſteruch
Fabrikarbeitern bildete.
* Mainz, B. Aug. In der Stadtverordnetenteſunflut.
als, weiterer Stellvertreter für den Vorſitzenden des euſher
Herr Verwaltungsinſpektor Hellwig beſtellt. Der Funzu
ren umliegenden Städten eine Unterſtützung an dieſe Gu
mit 2 Kindern 50 Mk. und den übrigen 40 Mk. gewäht n
folgen. Es wurden Beiſpiele angeführt, wonach z. 9.

Pfungſtadt, 23. Aug. Torfverſteigerung. Bei der letz=
ten
Torfverſteigerung wurden von den zur Verfügung ſtehenden 200 000

Mainz zur Gemeinnützigen Möbelverſorgung für das 99e
Partei wurde die Wohnungskommiſſion von 11 auf 12 Size *
nungen durch eine vorzunehmende Wohnungskontrolle mude
X Mainz, 23. Aug. Einſchränkung des P
geſellſchaft hat mit Rückſicht auf die vorgeſchrittene Jahrszei
mäßigen Verkehr der Abendfahrt von Mainz nach Bungen
* Nieder=Olm (Rheinh.) 23. Aug. Die erſtenreif
ihrer Reife entgegen.
* Gießen, 21. Aug. Nach Beendigung der Inflation ht
Lehrfilmarchiv ſeine Vortragstätigkeit wieder aufgenomme
Herbſt bis Weihnachten und zwei von Neujahr bis Oſterſ=
giſcher
Lehrfilm ſoll mit einem geographiſchen abwechſeln=
richtlichen
Wert hin geprüft. Zunächſt ſind in Ausſicht
* Gießen, 21. Aug. Die Oberrealſchule hat durch ein 9.
den Eltern der Schüler einen nicht geringen Shte
Schulgeld für einen Schüler monatlich auf 12=
O Ulrichſtein Vogelsberg), 8. Ang. Die 3uge1d
günſtige Sommerwetter eine Verzögerung der Arbeiten 3u.
Immerhin werden die Schreiner= und Zimmerarbeiten 1o.
Tage in Anſpruch nehmen.
* Alsfeld, 23. Aug. Groß iſt die Zahl der Liebezn

kohlenbriketts zurückzuführen.

iſt auf das ſtarke und verhältnismäßig billige Angebot von Braun= gegeben, die Zahl der Tagesportionen ſtand zeitweiſe

Stück Torf nur zirka 10 000 Stück verkauft. Für 1000 Stück wurden im letzten Jahre an die wirtſchaftlich Schwachen geleiſtet.
4 Mk. gelöſt. Den Reſt des Torfes ſoll zum Preiſe von ebenfalls 4 Mk. Volksküche, welche im Weinhaus vom 98. Nobenbe
für je 1000 Stück abgeſetzt werden. Die geringe Nachfrage nach Torf gen Wochen beſtand, hat insgeſamt 18 300 Portionen Mic=
Arbeiten wurden ehrenamtlich verrichtet. Vertzolle 2e
Volksküche leiſteten der Bauernbund, der Kreisberein Als
wirtſchaft des Kreiſes und viele einzelne Gemeinden. d
der Frauenverein zu Eifa. Große Mengen Gemüſe, durd
Dörrfleiſch. Eier, Butter, Mehl, Erbſen, Del. Frucht 1ſce
Neu-Eindand
den Dörfern, des Kreiſes geſammelt. In den Schulen
ſchwächliche Kinder Milchfrühſtücke verteilt. An Bed
Lebensmittel und Heizmaterial zur Verteilung, kinderreig
hielten Kleidungsſtücke. Die heimattreuen Alsfelder
ſandten dauernd beträchtliche Unterſtützungen. Veſohdet=
Deutſch=Amerikaner, die reichlich Liebesgaben und beſieh
Inzudstoffenete.
ſandten.
* Vom Weſtabhang des Vogelsberges, 21. Auc e,
nur anerkannt erstklassig bewährte Fabrikate
des unaufhörlichen Regenwetters ſiod
billigste Preise reelle fachm. Bedienung
ſo da
recht übel. Auf den Wieſentälern der Nida, Nider u.
der Wetter ſteht ſchon tage=, ja wochenlang das Vaſſe.
Adressen bester Schneider, weiche die bei mir gekauften
erſäuſt. Auch in den Furchen der tiefgelegenen Kutze sch
Stoffe verarbelten, WVerden Nachgeniesen
fach Waſſer Kartoffelkrankheiten, wie Mehltau und
ſind die Folgen. Da es faſt empfindlich kalt iſt, entwickeit fi
Etagengeschäft
nur langſam, die Süße fehlt, das Steinobſt platzt aub.
hängt faulend an den Bäumen. Am ſchlimmſten iſt cher 9e
die Getreideernte. Kaum iſt der Landwirt auf dem Ach.
fällt ein Platzregen, der jede Arbeit unmöglich machte
Richard Lune
die Frucht auf den Aeckern, die Körner begiunen
wachſen oder faulen infolge des langen Liegens; die
udw
sse 9,I., gege Der der Marktpassage
treten, und ſchnellſtes Einbringen loſize Zrjugend not
R
Schaden nicht noch größer wisd.
elephen 3084
Gegründet 1901 tosei

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Rötier 235.

Darmſtädter Tagblatt, Sonutag, deit 24. Anguſt 1924,

Aru

Norwegiſcher Reiſebrief.
Voc unſerem nach Norwegen entſandten
Sonderberichterſtatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Drontheim, Ende Juli.
Eit ſelbſtverſtändlich, daß es dem Ferienwanderer in
iem ſide gefällt, wo ihm, dank einer klug durchdachten und
lig chgeführten Verbindung von Eiſenbahn, Schiff und
ttom), die ſchönſten und machtvollſten Reize der Natur:
erge zu 3000 Meter, mit ewigem Schnee und Eis bedeckt,
etſchh die bis zur Meereshöhe heruntergehen, Tauſende von
end /Waſſerfällen, aus ſchwindelnden Höhen, ungezählte
orde it dem Aufblick an ſenkrecht aufſteigenden, himmel=
ſtreE
en Felswänden, nur ſo auf dem Präſentierteller dar=
bote
= erden. Wo die Verpflegung ſo den Hunger eines hal=
in
2 bannen kann. Schließlich kann man das alles an=
rsw
. denn auch mit größeren Opfern und Anſtrengungen,
ſch hwt. Aber Norwegen bietet mehr, und darum wurde es
bei ders wert.

mi i. en 1½ Millionen Tonnen einen Wert von 1½ Mil= induſtriellen vollzählig anweſend waren.
rden oldkronen repräſentieren, und die Namen der 1253
S des Zölkerbund laut wurde.
De/ he wird mit leichter Mühe überall verſtanden; die hundert Metzger gehen. Wie die Frankfurter Preſſe mitteilt, ſollen
Ar!.
ſerdirü, haben die Autos ein nicht zu verachtendes Tempo, einem ſo ſenſationell angekündigten Maſſen=Wucherſtrafverfahren ſein.
d es bt derer relativ viele, denn in Norwegen entſiel im
hre bereits auf 184 Einwohner ein Auto, während ſich
malsl ch 660 Deutſche in eines teilen mußten. Aber Nor=
gen
I. nur etwas über 2½ Millionen Einwohner, die ſich
32 radratkilometer, alſo auf ein Gebiet, größer wie Groß=
itanmu
und Irland zuſammen, verteilen. Norwegen iſt das
dürü en beſiedelte Land Europas, und es erſtreckt ſich mit
endeſr einem Drittel ſeiner Fläche über den Polarkreis
ch NZ hinaus. Und die nördliche Lage bedingt, trotz des
fſtrar s, die Ruhe der Bewohner. Ich habe in den kangen
ſocheny nes Aufenthalts keinen Streit geſehen. Ja, ſelbſt die
rlamey riſchen Kämpfe, die doch in Deutſchland und auch
derstt: die Erregung bis zur Siedehitze ſteigern können, voll=
gen
in Kriſtiania mit einer ſtaunenswerten Gelaſſenheit.
wwi e den Verhandlungen über die Regierungsvorlage,
treffers ie Aufhebung des Alkoholverbotes im Storthing bei,
unrn elbar zur Regierungskriſe und zum Rücktritt der
ſechtsr; cung Berge führten. Jede Partei vertrat in Ruhe
ten S Hpunkt, jeder Redner konnte ſein Sprüchlein bis zu
ide ſeſ= und man höre und ſtaune kein Zwiſchenruf
urde Nicht aus Intereſſeloſigkeit, denn das beſchluß=
hige
2 3 war bei der Sache. Man verſicherte mir daß dieſe
elbſtdi lin auf Tradition beruhe, die ſich auch auf die Kom=
uniſte
2) ſtreckt. Man ſollte ihre deutſchen parlamentariſchen
adaubli er zu ihnen in die Lehre ſchicken.
Amru iſten aber erfreute mich das ſtarke nationale Gefühl,
s diei rize, wenn auch kleine Nation erfüllt, und dem ſich
lbſt do ſTehrzahl der Kommuniſten nicht entziehen kann, ge=
hweige
) rin die Sozialdemokraten. Das ganze Volk iſt ſtolz
ſein; nabhängigkeit, die es ſich gegenüber Dänemark und
ſchweds riach jahrhundertelangem Ringen ertrotzt hat. Es
klami z ſelbſtbewußt ſeine alten Rechte auf Grönland und
1.=Inſeln, die ihm bei der Trennung von Dänemark
zerlorer ingen. Freudige Genugtuung erweckte die endlich
runge/ Souveränität über Spitzbergen. Weite Kreiſe ſuchen
gar m Leidenſchaft die däniſch=norwegiſche Landesſprache
urch d5 lte norwegiſche zu erſetzen. Für die Aenderung des
lamen uer Hauptſtadt Kriſtiania, der auf den däniſchen =
ig
Chel in IV. zurückgeht und an die däniſche Herrſchaft er=
inert
, ie alte Bezeichnung Oslo fand ſich ſofort eine ſtarke
Nehrheen Storthing. Vom 1. Januar 1925 ab wird die Stadt
dieder len alten Namen tragen. Und Spitzbergen, das ſei=
en
Neſr ſeinem zweiten Entdecker, dem Holländer Wilhelm
Zarent i, aus dem Jahre 1596 verdankt, wird ſich bald.
Svalb=) nennen müſſen, wie es bereits 1194 in isländiſchen
Irkunds) geheißen.
Ma)rag dieſe Umtaufungen als etwas kleinlich empfinden,
ber ſie) D doch als Symptome einer ſtarken nationalen Welle
u wer= Und wir Deutſche könnten froh ſein, wenn wir heute
ür un ) nationalen Belange eine ſolch relativ ſtarke Mehrheit
m eigel Volke hätten, wie das kleine Norwegen.
Tr.7 er demokratiſchen Verfaſſung iſt der König der Expo=
tent
de/ ation und auch die Erinnerung an Kaiſer Wilhelm,
gra., Freund des norwegiſchen Volkes, iſt immer noch nicht
verblaß3 Der Kronprinz Olav, der ſoeben ſein 21. Jahr erreicht
hat un M kindig geworden iſt, iſt der Liebling des Volkes, das
ſtolz iſt), die demokratiſche Geſinnung und die ſportliche Tüch=
tigkeit
Königsſohnes.
Imi em Punkt hat aber die Mehrheit des ſtimmberechtig=
ſen
Vu) über das Ziel hinausgeſchoſſen. Sie glaubte, die
Alkohoko rnenz durchführen zu können. Aber das Alkoholver=
bot
muſ, ſich aus außenwirtſchaftlichen Gründen eine Durch=
löcheru
u rach der anderen gefallen laſſen, und die natürliche
Beſchaf eit der Landesgrenzen, die mit den zahlloſen Fjor=
den
eini Enge von 20 000 Kilometern die Hälfte des Erd=
umfang
) m Aequator erreichen, macht die wirkſame Be=
kämpfm
) Des Alkoholſchmuggels unmöglich. Es wird noch
einige dauern, bis ſich dieſe Ueberzeugung durchgeſetzt hat
die /.ytsregierung des Miniſters Berge iſt bei ihrem Ver=

Das 9. deutſche Sänger=Bundesfeſit.
* Hannover, 23. Aug. (Priv.=Tel.) Ganz Hannover
ſteht im Zeichen des 9. deutſchen Sänger=Bundesfeſtes. Seit
heute früh laufen ununterbrochen die Sonderzüge in Hannover
ein, um die Scharen der Sänger aus allen deutſchen Gauen in
die Feſtſtadt zu bringen. Am Bahnhof wurden die ankommen=
den
Vereine mit ihren Bannern und Fahnen von Herolden mit
ſchmetternden Fanfaren begrüßt. Dann ging der Weg durch
die Straßen der Stadt, die reichen Feſtſchmuck aufwieſen. Auf
dem Marktplatz am alten Rathaus fand die erſte offizielle Be=
grüßung
der Vereine durch Redner des Feſtausſchuſſes ſtatt.
Nachmittags 4 Uhr 30 fand im Kuppelſaal der Stadthalle das
große Begrüßungskonzert durch den Verband niederſächſiſcher
Männergeſangvereine ſtatt. Im Laufe des Abends werden die
Miniſter Dr. Jarres und Dr. Boelitz erwartet.
Aus Frankfurt.
AE. Der Reigen der Kongreſſe und ſonſtigen Veranſtaltungen will
in Frankfurt jetzt gar nicht abreißen. Kaum ſind die Kindertage
verklungen, die einen für die heutigen Verhältniſſe nicht unweſentlichen
M wird als Deutſcher tatſächlich mit offenen Armen auf= Ueberſchuß von 30 000 Mark zugunſten der Notgemeinſchaft
nom) . Paß= und Zollreviſion, die bösartigen Schikanen Kinderhilfe ergeben haben, ſo tritt der Feſtherold ſchon wieder mit einer
ur N:1=iegszeit, werden hier mit einer vornehmen Handbe= andern Ankündigung vor die Oeffentlichkeit: Frankfurt, ſowohl die Be=
gun
s Bagatelle abgetan. Man wird als Gaſt des Landes hörden wie die geſamte Preſſe von rechts bis links, begrüßt den geſtern
mit einem Deutſchen Abend im Palmengarten einſetzenden Deut=
han
bereitwillig betreut und belehrt, man fühlt ſich nach ſchen Angeſtelltentag des Gewerkſchaftsbundes der
nigel tunden wohl, ſo wohl, wie in Deutſchland vor dem Angeſtellten, den Rechtsnachfolger des Verbandes Deutſcher Hand=
iege
- Tach dem Reiſegepäck ſtreckt ſich keine unberechtigte lungsgehilfen Leipzig und des Hamburger 1858er Kaufmänniſchen
uind r aus. Von Uebervorteilung iſt keine Rede, ſelbſt der Vereins, die politiſch neutrale Einheitsorganiſation der kaufmänniſchen,
l=Le, ſo heißt zur Abwechſelung hier der Auto=Chauffeur, techniſchen und intellektuellen Angeſtellten (beſonders auch des Apotheker=
iſt ir fgefordert ſeine Tabelle vor, wonach ihn die Entwer= verbandes. Die Tagung dauert vom 22. bis 26. Auguſt. Sie ſoll vor
ig 2 Krone zu einer Mehrforderung von 10 Prozent be= den Toren des beſetzten Gebietes, aus dem viele Gäſte anweſend ſind
ghtigr/ u Norwegen ſcheint man den Krieg vergeſſen zu ha= wie auch aus allen andern deutſchen Gauen, ein Bekenntnis zum
ur u ill auch nichts von ihm hören. Man war neutral, die Deutſchtum darſtellen und der Behandlung der großen ſozialen und
hiffes tßte man in den Entente=Dienſt ſtellen, weil einem wirtſchaftlichen Fragen der Zeit gewidmet ſein. Parallel damit läuft
eine Feier mehr lokaler Bedeutung, die aber für Darmſtadt inſofern
iſt O Tebensmittel= und Kohlenzufuhr geſperrt wurde. Nur auch von Intereſſe iſt, als einer ihrer Ehrengäſte der ehemalige Groß=
erne
3 minen bitten in den weſtlichen Seeſtädten mit einer herzog Ernſt Ludwig von Heſſen iſt: das 25jährige Jubiläum
hmi in Aufſchrift um ein Opfer für die Kriegshinterblie= des Frankfurter Automobilklubs, zu deſſen ſportlichen Ver=
nen
, .o im Leſeſaal des Reichstages in Kriſtiania bergen anſtaltungen am Samstag und Sonntag als Auftakt eine interne Feier
abier Lupferplatten die Namen der 832 verſenkten Schiffe, ſtattfand, auf der unſere hervorragenden ſüdweſtdeutſchen Automobil=
Die von uns kürzlich angekündigte Milchprozeßpolonaiſe
rweg en Seeleute, die in ihrem Berufe den Tod gefunden, hat jetzt durch einen weiteren Prozeß ein vorzeitiges Ende ge=
rweo
weiß jetzt, warum die Entente den Krieg geführt hat funden. Einer der angeklagten Milchhändler legte gegen ſeine Verurtei=
d wuder ſogenannte Völkerbund für die kleinen Staaten in lung wegen Preiswuchers Berufung ein. Die landwirtſchaftlichen Sach=
verſtändigen
, insbeſondere der Vorſitzende der heſſiſchen Landwirtſchafts=
nem
1ſoße birgt. Im norwegiſchen Storthing war es, wo kammer, Oekonomierat Henſel=Dotzenrod, traten für den An=
ubſt
a der linken bürgerlichen Seite der Ruf nach Austritt geklagten ein, zumal der ſeinerzeitige Verkaufspreis im März ebenſo
hoch geweſen ſei wie der der Milchverſorgungs=A.=G. Die Strafkammer
Tra der ſtarken Verwandtſchaft der deutſchen und norwegi= erkannte denn auch auf Freiſprechung, womit die noch ſchweben=
en
S che hört man ſich aber nur ſchwer in ſie hinein; doch den Verfahren ebenfalls ihre Erledigung finden. Ebenſo wird es
einem Maſſen=Preis=Wucher=Verfahren gegenüber
eutſche prache gehört in den mittleren und höheren Schulen dieſe Strafverfahren auf Grund der von der Polizei gemachten Preis=
im
Witfach. Norwegiſche Zeitungen verſteht der Deutſche feſtſtellungen anhängig ſein. Die Metzgerinnung verwahrt ſich aber ener=
Enell, i beim gedruckten Wort ſpringt die Aehnlichkeit ſofort, giſch gegen dieſe Darſtellung in der hieſigen Preſſe und teilt mit, daß es
ſich lediglich um Feſtſtellungen der Polizei im Einvernehmen mit der
Umu elch eine vornehme Ruhe herrſcht in dieſem Lande! Preiskommiſſion der Metzger handle, es könne alſo keine Rede von

Immer noch Ausweiſungen.
Wiesbaden. Vom Militärpolizeigericht ſind 51 Perſonen aus
dem unbeſetzten Gebiet zu Geldſtrafen=bis zu 50 Mark verurteilt wor=
den
, weil ſie ohne genügende Ausweispapiere angetroffen worden waren.
Das gleiche Gericht verurteilte einen Franz Thomas aus Höchſt a. M.
wegen Waffenbeſitzes zu zwei Monaten Gefängnis. Die Rheinland=
kommiſſion
hat aus dem beſetzten Gebiet wiederum zwei Perſonen aus=
gewieſen
.
Die ſüdamerikaniſche Lebensmittelhilfe für Deutſchland.
Hamburg. Die Hilfsorganiſationen zugunſten der Notleidenden
in Deutſchland, die ſich in Argentinien, Uruguah und Chile gebildet
haben, haben bis jetzt Lebensmittel im Geſamtgewicht von 304 375 Kg.
aus Argentinien, 61 853 Kg. aus Uruguay und 122 481 Kg. aus Chile
jach Deutſchland zum Verſand gebracht. Während die argentiniſche
Lebensmittelſpende für Deutſchland aus Milch und Talg beſtand, wurde
von Uruguay vor allen Dingen Cornedbeef und Fett überwieſen; die
chileniſche Spende ſetzte ſich außer aus Mehl aus Erbſen, Bohnen und
anderen Hülſenfrüchten zuſammen. Alle Kreiſe, die in Fühlung mit
privater Wohlfahrtspflege ſtehen, wiſſen, welch großes Elend überall in
Deutſchland herrſcht, und mit Dankbarkeit wird darum den argentiniſchen,
uruguayiſchen und chileniſchen Gaben gedacht, deren Spender auch weiter
ihre Stammesbrüder helfend unterſtützen.
Ein hiſtoriſches Schloß unter dem Hammer.
Das altberühmte Schloß Balkow (Weſternberger Kreis) wird dem=
nächſt
öffentlich verſteigert werden. Das Schloß iſt im 13. Jahrhundert
von den Johanniter=Rittern erbaut worden. Friedrich der Große hat
das Schloß nach der Schlacht bei Kunersdorf für den General von
Tauentzien umbauen laſſen und dem General geſchenkt. Im Laufe der
letzten Jahrhunderte hat das Schloß verſchiedentlich den Beſitzer gewech=
ſelt
. Augenblicklich gehört es einem Kaufmann, der aus finanziellen
Gründen gezwungen iſt, den Beſitz zu verkaufen.
Eine neue Luftlinie in Belgiſch=Kongo.
Brüſſel. In Belgiſch=Kongo wird in den nächſten Tagen eine
Luftlinie LeopoldvilleEliſabethville eröffnet und ein regelmäßiger
Paſſagier=, Poſt= und Warenverkehr eingerichtet werden. Die 1900 Km.
lange Strecke kann nun in zwei Tagen zurückgelegt werden, während bis
jetzt dazu, auf dem gewöhnlichen Landwege, 45 Tage nötig waren.
Match zwiſchen Pferd und Läufer.
London. Das Sechstagerennen zwiſchen dem Berufsläufer
Hart und dem Pferd Big Ben hat im Kriſtallpalaſt von Lydenham be=
gonnen
. Beide Konkurrenten haben pro Tag 10 Stunden zurückzu=
legen
; wer die größere Strecke zurücklegt, iſt Sieger und gewinnt den
Einſatz von 300 Pfund Sterling. Am erſten Tage hat Hart, der bereits
59 Jahre alt iſt, ſchon einen großen Vorſprung über ſeinen vierbeinigen
Konkurrenten erzielt, indem er 124 Km. zurücklegte, während das Pferd
nur 109 Km. totaliſierte.
Waldbrände in Finnland.
Stockholm. In den letzten Tagen wüteten in Finnland aus=
gedehnte
. Waldbrände, die auch mehrere Dörfer bedrohten. Das Feuer
konnte bis jetzt, trotzdem Militär und eine große Anzahl Feuerwehr=
korps
zu ſeiner Bekämpfung entſandt wurden, nicht gelöſcht werden.

WeSa ionen derſalfe eanin Dierlilie Seätee
fehler rnich aber weder auf dem Lande noch auf dem Meer
geſtört.,) wrwegen iſt mir wert geworden ich habe dem Lande
und ſe3, Bewohnern zu danken.

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Geſchäftliches.
Das Motorpferd. Wir berichteten vor einigen Tagen von
der Probefahrt eines Traktors der Motorenwerke Mannheim vorm.
Benz auf die Spitze des Königſtuhls mit 100 Zentnern An=
hängelaſt
. Wir haben dazu noch folgendes in Erfahrung gebracht:
Die Prüfungsfahrten von Zugmaſchinen, welche vor einigen Wochen auf
dem Klingenteichwege mit 76 Zetnern ſtattfanden, veranlaßten die Moto=
renwerke
Mannheim A.=G. zu gleichen Verſuchen mit ihrem Motor=
pferd
, einer Zugmaſchine mit Dieſelantrieb von 1518 P.S. und 100
Zentnern Anhängelaſt. Nach einwandfreier Probefahrt auf dem 13
Prozent ſteigenden Klingenteichwege wurden die Verſuche weiter aus=
gedehnt
und führten am 25. Juli und im Beiſein von Sachverſtändigen
am 26. Juli bis auf die Spitze des Königſtuhls. Die Fahrt muß als
beſondere Leiſtung angeſprochen werden, da bei durch ſtändigen ſtrömen=
den
Regen aufgeweichten Boden Steigungsverhält=
niſſe
von 46 bis 18 Prozent zu überwinden waren.

Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion keinerlei Ver=
antwortung
; für ſie bleibt auf Grund des 5 21 Abſ. 2 des preſſegeſetzes in vollem Umfange
der Einſender verantwortich.) Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückgeſandi, die Ablehnung nicht begründet werden.
Das Syſtem derOrtszuſchläge.
Vor drei Wochen nahm der Kreistag des Kreiſes Darmſtadt wie
bereits berichtet einen Antrag des Kreistagsmitgliedes, Oberpoſtſekre=
tär
Völſing=Ober=Ramſtadt, einſtimmig an, der die ungerechtfertigte Ein=
teilung
in willkürliche Ortsklaſſen und Sonderzuſchläge zum Gegenſtand
hatte. Auf den diesbezüglichen Antrag des Kreisamtes Darmſtadt hat
jetzt das Miniſterium der Finanzen folgenden Beſcheid gegeben:
Für die Einteilung der Wohnorte in Ortsklaſſen ſind die von der
Reichsregierung getroffenen Anordnungen maßgebend. Es kann damit
gerechnet werden, daß noch im Laufe des Jahres 1924 das bisherige
Syſtem der Ortszuſchläge geändert und für dieſe ein Wohnungsgeld ge=
ſetzt
wird. Welche Grundſätze für die Feſtſetzung des Wohnungsgeldes
Anwendung finden werden, iſt zurzeit noch nicht bekannt. Augenblick=
lich
finden dafür ſtatiſtiſche Erhebungen ſtatt. Anträge auf Beſeitigung
oder Verringerung der Ortsklaſſen und der ört’ichen Sonderzuſchläge
ſind von hier ſchon öfters geſtellt worden. Ein dahingehender noch=
maliger
Antrag verſpricht keinerlei Erfolg.
Hoffentlich gibt es für die Landbeamten, die ſich jetzt mehrere 100
Mark ſchlechter ſtellen als die Stadtbeamten gleicher Art, bei der Ein=
führung
des Wohnungsgeldes endlich eine Gerechtigkeit. Begründete
Anträge und Wünſche ohne Zahl ſind genug geſtellt worden. Unſere
berechtigten Wünſche ſind jetzt jedem bekannt.

Darmſtädter Stadtanleihen. Bis jetzt iſt in den
Zeitungen wegen der Aufwertung immer nur von den Vorkriegs=
Anleihen die Rede geweſen. Im Sommer 1923 wurde eine neue An=
leihe
zur Zeichnung aufgelegt. In dem betreffenden Proſpekt war die
Einführung der Anleihe bei der Börſe zugeſagt; Einzahlungen ſind er=
folgt
, auch die Stücke geliefert. Wenn auch die Einzahlungen in ſogen.
Papiermark bewirkt wurden, haben die Beträge für die Stadt doch einen
Wert gehabt. Wie ſteht es nun mit dieſer Anleihe bezüglich einer
Aufwertung? Die Inhaber der Stücke, die ſeinerzeit auf Treu und
Glauben ihr Geld der Stadt zur Verfügung geſtellt haben, müſſen doch
eher oder ſpäter entſchädigt werden. Ein Zeichner der Anleihe.

Etwas über die Vorgärten.
Wenn Darmſtadt nicht nur als Kunſtſtadt, ſondern auch als Stadr
des guten Geſchmacks gelten ſoll, lohnt es ſich wohl, das Augenmerk
auch einmal auf die Vorgärten zu lenken. Die meiſten derſelben ſind
während des Krieges zu Unkrautſtätten geworden und bieten einen gar
troſtloſen Anblick. Früher beſtand wohl in Darmſtadt ein Preisaus=
ſchreiben
für die ſchönſten Blumenfenſter, Balkone und Vorgärten, aber
warum muß es denn immer dieſer Preis=Anregungen bedürfen, wenn
es gilt, das Straßenbild verſchönern zuz helfen? Wenn ſo ein Vorgärt=
chen
im Herbſt mit Dünger, der ja auf der Straße liegt, umgegraben
wird, iſt es leicht, im Frühjahr nach nochmaligem leichtem Umgraben
oder Hacken Blumenſamen einzuſäen, denn Blumen, Blumen ſollen in
die Vorgärten! Unſere Samenhandlungen könnten ſicher Blumenſorti=
mente
zu billigem Preis zuſammenſtellen. Setzlinge von vielen Blumen
gibt es auch auf dem Markt zu erſchwinglichen Preiſen zu kaufen. Am
beſten wirken alle Staudengewächſe. Als Einrahmung der Rabatten
ſind wunderbar Veilchen. In der Wenckſtraße ſind einige Vorgärten,
die im Frühjahr durch ihre Veilchenpracht und den Duft jeden Vorüber=
gehenden
erfreuen. Wunderſchön ſind auch manche Gärtchen, ganz als
Roſengärtchen angelegt; in der Blütezeit ein herrlicher Anblick für jeden.
Das Vorgärtchen Ecke Gutenberg=Lichtenbergſtraße, Jahr um Jahr
ſchön und ſauber wie ein Schmuckkäſtchen, lenkt ſofort die Aufmerkſam=
keit
auf ſich. Wenn im Vorgarten ein ſo reich behangener Birnbaum
ſteht wie in der Taunusſtraße, wer möchte einen ſolchen Vorgarten wohl
nicht ſein eigen nennen?
Ein einzelner Baum, der die Wohnungen verdunkelt und im Gärt=
chen
ſelbſt nichts als Unkraut aufkommen läßt, kann nicht als ſchön gel=
ten
. Ein Obſtbaum, als Spalier an der Sommerſeite des Hauſes ge=
zogen
, wird immer das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. In
der Hauptſache ſollten aber nur Blumen in die Vorgärten kommen. Vor
allen Dingen ſollte energiſch dafür geſorgt werden, daß die Bäume und
Sträucher der Vorgärten ſo verſchnitten werden, daß man mit einem
Regenſchirm darunter gehen kann. Dieſem Uebelſtand begegnet man
in allen Stadtteilen.
Finden meine Anregungen Beachtung und hört endlich das Ver=
kritzeln
und Bemalen der Häuſer durch unnütze Hände auf, ſo dürſte
ein kleiner Schritt vorwärts getan ſein, um Darmſtadt als freundliche,
ſaubere Stadt gelten zu laſſen.
F.B.

wöchentlich kostet eine Kopfwäsche mit dem seit Jahrzehnten glänzend
bewährten Schaumpon mit dem schwarzen Kopf‟. Diesen kleinen
Betrag kann wohl jeder Einsichtige für die Pflege seines
Haares erübrigen. Waschungen mit Schaumpon be-
freien
Haar und Kopfhaut von allen Unreinlichkeiten und
sind die wichtigste Bedingung für eine naturgemäße
Haarpflege. Verlangen Sie beim Einkauf ausdrücklich
Schaumpon Marke Schwarzkopf‟
mit der bekannten Schutzmarke,,SchwarzerKopf. Weisen
Sie Nachahmungen oder als ebensogut angepriesene Fabrikate zurück.

Montag, den 25. Auguſt 1924.

Frankfurt a. M. (467 m). 11.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen.
11.55 Uhr: Zeitangabe. 12 Uhr: Nachrichtendienſt. 4.10 Uhr:
Wirtſchaftsmeldungen. 4.306 Uhr: Rundfunknachmittag in
Muſik und Wort. 7.30 Uhr= Vortrag von Herrn Kriminal= Ober=
inſpektor
Hader (Polizeipräſidium Frankfurt a. M.): Rundfunk und
Kriminaliſtik. 8 Uhr: Vortrag von Herrn Ad. Stahl: Nückblick
auf die Hans=Sachs=Spiele. 8.30 Uhr: Kammermuſik der Bläſer.
1. Klavierquintett für Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier,
Spohr. 2. Lieder mit Begleitung der Klarinette, Spohr. 3. Kla=
vierquintett
(für Oboe, Klarinette Fagott, Horn und Klavier), W.
Gieſeking. Mitwirkende: Frau Elſe Liebhold, Geſang; die Frank=
furter
=Bläſer=Vereinigung, die Herren: Naumann (Flöte) Hönſch
(Sboe), Liebhold (Klarinette), Ruge (Horn), Türk (Fagott). Am
Grotrian=Steinweg=Flügel: Dr. Merten. 9.30 Uhr: Narichten=
dienſt
, Wettermeldung, Sportbericht und Tagesbericht des Rhön= Se=
gelflug
=Wettbewerbs. 9.50 Uhr: Fünf Minuten Technik.
9,55 Uhr: Zeitvorbereitung. 9,56 Uhr: Drei Minuten der Haus=
frau
. 10 Uhr: Zeitangabe. 1011 Uhr: Volkslieder ver=
ſchiedener
Völker, vom Orcheſter geſpielt.
Berlin (430 bzw. 500 m). 10 Uhr: Bericht über die Kleinhandelspreiſe
der wichtigſten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. 10.15
Uhr: Erſte Bekanntgabe der neueſten Tagesnachrichten. 12.15 Uhr:
Kurzer Tendenzbericht der Berliner Vorbörſe. 12,55 Uhr:
Uebermittlung des Zeitzeichens. 1.05 Uhr: Zweite Bekanntgabe
der neueſten Tagesnachrichten. 2.15 Uhr: Kurzer Tendenz=
bericht
der Berliner Börſe. 5.307.00 Uhr: Unterhaltungs=
muſik
(Berliner Funk=Kapelle). 7.30 Uhr: Sprachunterricht
(Engliſch). 8.10 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Hans Philipp
Weitz: Aus des Handwerks Jugendzeit (nach vompejaniſchen Aus=
grabungen
), 2. Teil. 910 Uhr: Liebe alte Lieder. Mitwir=
kende
: Traute Lieb, Rezitation. Max Kuttner, Geſang. Das Horn=
quartett
des Orcheſters der Staatsoper. Einführende Worte und Be=
gleitung
am Steinwah=Flügel: Dr. Felix Günther. Anſchließend:
Dritte Bekanntgabe der neueſten Tagesnachrichten, Zeitangabe, Wet=
terdienſt
, Sportnachrichten.
London (365 m). 8 Uhr MEZ.: The Blackſmith’s Serenade und
Stücke von Dickens.

Mateue
Landestheater, Kleines Haus Sommerſpierlzeit Bruno Harp=
recht
, abends 7½ Uhr: Abſchied E. Horn, Sudermannabend, Glück
im Winkel abends 10½ Uhr: Nur ein Traum. Union=, Reſidenz=
Theater, Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen. Herrngarten,
ab 11 Uhr: Promenadekonzert. Gaſthaus Zum Goldnen
Löwen, Traiſa: Kirchweihfeſt. Behrens=Hufnagel,
Traiſa: Kirchweihfeſt. Kühler Grund, Zum Anker, Zur
goldnen Krone in Jugenheim: Kirchweihfeſt. Café Aſtoria:
Konzert.

Mf
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: i. V. Andreas Bauer
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſ=
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann.
Verantwortlich für den Schlußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle

Die heutige Nummer hat 16 Seiten

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Freier
Satzes
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Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Anguſt 1924

Nummer

Familiennachrichtett
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Slse mit Herrn Dr.=Ing. Paul // Slse Pauly beehre ich mich er=
Schlosser beehren wir uns ers gebenst anzuseigen
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Slse, geb. Doerken
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Eſſe, geb. Werner
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Teilnahme bei dem Hinſcheiden un=
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ſagen wir allen Verwandten und Be=
kannten
ſowie Herrn Pfarrer Draudt
für die troſtreichen Worte am Grabe,
herzlichen Dank.
(10646
Gundernhauſen, den 23. Auguſt 1924.
Die trauernden Hinterbliebenen.

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ſagen wir unſeren innigſt. Dank.
Darmſtadt, 22. Aug. 1924.
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Bei einer Segelfahrt an der Küste Siziliens ist Frau Schnatterich nach Werdallih.
worden, und, nachdem ihre Barke untergegangen war, als großer Fettfleck a0l
geblieben. Da Korpulenz im Orient als höchste Schönheit gilt, s0 wird sie von elle."t
Senussen als ganz besondere Rarität seiner Sammlung wohlgeformter Frauen eihle""
sie ihn mit Kukirol von seinen überlebensgroßen Hühneraugen befreit hat, zu Selle
erhoben. Sie darf ihm täglich die Füße mit Kukirol-Fußbad behandeln, und 42 3ie Iit
mehr schmerzen, brennen und schmitzen, so gestaltet sich die Ehe mit dem Ateh Rict
Jussuf ben Hassan sehr harmonisch. Besonders angenehm empfindet er es, 446 Sch Fche.
langem Reiten das qualvolle Brennen der Fußsohlen nicht mehr bemerklich maeit, 10l.
ae ene
Müste keine Drogerien und Apotheken gibt, so läßt er durch Frau Schnatterich eile
Rukirol-Hühneraugen-Pflaster und Kuktrol-Eußbad in der Kukirol-Fabrik Groß-Sde P die zu
erläßt ein Gebot, daß ihm kein Mann seines Stammes mehr mit Hühneraugel
treten dürfe. Einige Tage nach Empfang liegt die Wüste voller abgefallener Riesehht.
die Frauen seines klarems schätzen das Kukirol-Fusbad mehr, als alle köstlichen Salle."

Frau Schnatterieh aber mird in Trlpolis bleiben und nimmt hiermit von den schchel Se.
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im Alter von faſt 78 Jahren.
Darmſtadt, 23. Auguſt 1924.
Die trauernden Hinterbliebenen
Matilde Kolb, geb. Achard
Paul Kolb
Eliſe Kolb
Hellmuth Kolb
Erich Kolb.
(*24266

beſeit.
Lräfzursau ſchnelt
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Die Beerdigung findet ſtatt am Montag, den 25. Auguff,
nachm. 3 Uhr, vom Portal des alten Friedhofs.

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[ ][  ][ ]

imer 235.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

Seite 9.

Sport, Spiel und Turnen.
Der Sport des Sonntags.
Motorſport.

T ichtigſten Entſcheidungen auf dem grünen Raſen werden zur=
it
77 Taden=Baden abgehalten. Der zweite Tag der inter=
tior
; Rennwoche in Iffezheim bringt als bedeutendſte Prüfung das
ugu rtſchari=Erinnerungs=Rennen im Werte von 40000 Mark, das
der Derbydiſtanz von 2400 Meter führt. Hier bsſitzen Oſtrea und
undir) iiſere derzeit beſten Dreijährigen, ein Engagement, doch er=
ſeint
mehr als zwefielhaft, ob ſie hier ſchon wieder herausgebracht
rde in ihrer Abweſenheit muß Pelide, der lange Zeit pauſiert hat,
zt avieder im Vollbeſitz ſeiner Kräfte iſt, eine erſte Chance haben.
on Dd ursländiſchen Pferden Midland, Akadekos, Banduſia und Scar=
ino
, / fre der Letztere, ein Halbbruder des beſten älteren italieniſchen
Jerdes copas, ein ernſtes Wort bei der Entſcheidung mitſprechen.
eben em ſollten Hornbori, Falſum, Habicht und Barde die ſchärf=
nGe
für Pelide abgeben. Der Große Preis von Magdeburg
er Meter ſcheint eine reife Frucht für Pikdame zu ſein, die nur
aunn er und Chriſtel gegen ſich hat. Die Berliner Turfgemeinde
ſuß ſiesmal mit der reichlich mageren Strausberger Koſt
gnücy Horſt=Emſcher iſt der Treffpunkt der weſtdeutſchen
nng /rde, in Bremen und Kolberg wechſeln Voll= und Halbblut=
inen
) finter Reihenfolge. Der Traberſport wird in Altona=
ihrerr
München=Daglfing und Pfarrkirchen gepflegt. Rad=
or
y bietet die Berliner Olympiabahn ein großes Programm.
wa lieger, darunter unſere Beſten, wie Lorenz, Rütt, Mayer,
abe, rr, Arend gehen an den Start. Die drei Dauerrennen wer=
vo
wvanow, Bauer, Stellbrink, Schubert und Wegmann beſtrit=
. itere Radrennen ſind in Dortmund und Breslau vorgeſehen.
G Preis von Kopenhagen führt eine Reihe internationaler
Zößer Fliegerſport zuſammen. Auf ſtraßenſportlichem
bietes en wir folgende Bundesveranſtaltungen hervor: Rund um
Sogau 3 Km.), Rund um Luckenwalde (175 Km.), Rund ums Mün=
land
2,5 Km.), Quer durchs Bayriſche Hochland (205 Km.), Gro=
Frlelchten
Jr=ie=Preis der Stadt Barmen (135 Km.), Großer Göricke=
leis
* remen (100 Km.) und der Silberpokal vom Rhein, ein 100
omec Tannſchaftsfahren in Köln. Im Automobil= und
oto o dſport muß die klaſſiſche Bergprüfungsfahrt auf dem
belbei ei Ilmenau (Thür.) an erſter Stelle genannt werden, die
AI
e ſeh tte Beſetzung aufweiſt. Auf der 3,3 Km. langen Bergſtrecke
eine Höhenunterſchied von 260 Meter wird in allen Klaſſen erbit=
um
Sieg gekämpft werden. Die internationalen Schnelligkeits=
Her Inſel Fanö (Dänemark), an denen vorausſichtlich auch
ſchinen teilnehmen, ſollen am Sonntag abgeſchloſſen werden.
Geferlin des ADAC. hat auf der Trabrennbahn Mariendorf
e gr Veranſtaltung angeſetzt, die Motorrad= und Kleinauto=
nen
2 eine Flugzeugverfolgung bringt. Gut beſetzte Motorrad=
nren
u gehen in Chemnitz und Köln vor ſich. Der Fußball=
ort
vorläufig noch im Zeichen der Geſellſchaftsſpiele. Von be=
derem
itereſſe iſt die Begegnung des 1. F.=C.=Nürnberg mit
arta=2. Die Spielvergg. Fürth tritt gegen Wacker=München in
ttgari r, der VfR.=Mannheim gegen den Düſſeldorfer BV. 04.
Mas haften von Stettin und Magdeburg ſowie Rotterdam und
Atmurr iefern ſich Städteſpiele. In der Leichtathletik iſt
inte s onale Feſt des SC.=Charlottenburg im Deutſchen Stadion
del8-LAſch diei ilnahme zahlreicher guter Ausländer zu einem großen Er=
tis
go =den. Geſpannt darf man allgemein ſein, wie ſich unſer
er ben gegen ſo ſchnelle Leute wie Carr und Porritt halten
O gr es ihm, im 100 Meter=Lauf auch dieſe beiden inter=
istad

onalel rößen aus dem Felde zu ſchlagen, dann wird man in aller
no e ehr aufhorchen, als es ſchon bei ſeinem jüngſten Siege über
rchiſwſrd Paddock geſchehen war. Gute nationale Beſetzung aus
Te: des Reiches hat das Feſt des SC.=Schleſien in Breslau ge=
en
. in Duisburg und Münſter ſind leichtathletiſche Wettkämpfe
eſehed Die Ruderer und Schwimmer haben nach Er=
gung
9. Meiſterſchaften kein großes Betätigungsfeld mehr. Die
auest rbſt=Regatta auf dem Langen See iſt recht gut beſetzt und
richtt=reſſante Kämpfe, doch ſind nur die Einheimiſchen unter ſich.
deſſ) Mannheim und Bingen kommt der Ruderſport gleichfalls
Jort+ wimmſportlich beanſpruchen die Kämpfe in Berkin, Eſſen,
ermy Königsberg und M.=Gladbach kaum mehr als lokales
reſſe.2 In Salzbrunn (Schleſien) wird ein Golf= Ländeu=
ipf
itſchland=Ungarn, der am Freitag begonnen wurde, zu
gefrf Für Ungarn ſpielen v. Gyur, Kowich, Dr. Kovach, Lauber
Zar Satvany, für Deutſchland H. Samek, Gerb, Reinicke und

Krähbergrennen.
Wie jedes Jahr, ſo veranſtaltet der Heſſiſche Automobil=Klub auch
heuer wieder im Odenwald ſein Krähbergrennen für Automobile und
Motorräder. Zum erſten Male iſt damit eine ſogenannte Straßlen=
fahrt
(eine ganz neue, ſehr intereſſante Art automobilſportlichen Wett=
bewerbs
) verbunden, für welche Ihre Erlaucht Frau Gräfin zu Erbach=
Erbach einen wundervollen Ehrenpreis gegeben hat.
Die Ausſchreibungen für das Rennen und die Strahlenfahrt folgen
demnächſt.
Das Sekretariat des Heſſiſchen Automobil==Klubs, ſowie der 1. Vor=
ſitzende
desſelben, Landwehrſtraße Nr, 36, Tel. 139, erteilen jetzt ſchon
Auskunft.
Der Termin, an welchem die Vexanſtaltungen ſtattfinden, iſt der
4. und 5. Oktober 1924.
Mannheimer Herbſt=Pferderennen.
Die jetzt beendete Aufmachung ſämtlicher Nennungen für das
Mannheimer Herbſtmeeting hat das erfreuliche Reſultat ergeben, daß
genau wie zum Julimeeting 257 Pferde engagiert ſind. Zum Mai=
rennen
wurden für 192 Pferde=Nennungen abgegeben, alſo ein ausg: zeich=
netes
Intereſſe der Ställe für die Mannheimer Bahn und ihr Pro=
gramm
. Aus Norddeutſchland nannten 28 Trainer, aus München 8, aus
dem Rheinland 9, aus Frankfurt und Nachharſchaft 6. Daß unter dieſer
überaus ſtarken Beteiligung das beſte Flach und Hindernismaterial ent=
halten
iſt, bedarf keiner beſonderen Erläuterung; es genügen dafür die
Namen Horalek, Streit, Schläfke, Thiede, Johnſon, Richter, Noſak,
Winkler, Long, Reinicke, Hoffmann, Henkel v. Herder, v. Zobeltitz, v.
Moßner, Becker, Hecke, Seiffert, Wondruſch, Reith, Hatz, Barleben, Baum=
gärtner
, Trollſen, Janſen, Baumeiſter, Printen, Mätzig, Seibert
John u. a. m.
Wandern.
Deutſcher Wandertag in Hersfeld.
Der alljährliche Wandertag des Verbandes deutſcher Ge=
birgs
= und Wandervereine, der im vorigen Jahre der un=
ſicheren
Geldverhältniſſe wegen ausfallen mußte, wird ſeine Vertreter
vom 6.8. September in Hersfeld vereinigen. Neben den geſchäft=
lichen
Angelegenheiten wird auch noch reichlich Zeit ſein, ſich dem Feſt=
orte
, der durch ſein Alter und ſeine intereſſanten Baudenkmäler leb=
haftes
Intereſſe erwecken dürfte, zu widmen. Eine Führung durch die
mittelalterliche Stadt, ein Beſuch der gewaltigen Stiftsruine, die eine
der ſchönſten Kirchenruinen Deutſchlands iſt, Konzerte in dem prächtigen
Kurpark und in der Stiftsruine, Spaziergänge in der näheren und lpei=
teren
Umgebung ſind vorgeſehen. Für die Führung durch die Stifts=
ruine
hat ſich in dankenswerter Weiſe Prof. Dr. Vonderan=Fulda zur
Verfügung geſtellt. Er wird auch über ſeine intereſſanten Ausgrabun=
gen
in der Ruine berichten. So dürfte der Wandertag ſeinen Teilneh=
mern
viel Schönes und Intereſſantes bieten. Anmeldungen ſind an
Konrad Vockrodt, Hersfeld, Seilerweg, zu richten,

Flugſport.

Frankfurter Fliegertag am 6. und 7. September 1924.
Im Anſchluß an die vom 2. bis 5. September ſtattfindende Tagung
der wiſſenſchaftlichen Geſellſchaft für Luftfahrt wird auf dem Flugplatz
Rebſtock am 6. und 7. September ds. Js. ein Frankfurter
Fliegertag veranſtaltet. Die Veranſtaltung erfolgt zur Unter=
ſtützung
des deutſchen Flugweſens, unter Förderung der Stadt Frankfurt
veranſtaltet vom: Frankfurter Verein für Luftfahrt, Frankfurter Aero=
Club E. V., Frankfurter Modell= und Segelflugverein, unter Mitwir=
kung
: der Südweſtdeutſchen Luftverkehrs A.=G., der Wirtſchaftsdepu=
tation
der Stadt Frankfurt a. M. und des Frankfurter Motorradklubs
(D.M. V.)
Die Feſtveranſtaltung iſt mit Schau= und Rundflügen verbunden.
Außer den Rundflügen in den Junkers=Ganz=Metall=Verkehrs= Limou=
ſinen
der Südweſtdeutſchen Luftverkehrs A.=G., werden von den Leicht=
flugzeugen
der Dietrich=Gobiet=Werke Caſſel der Udet=Werke=München
und des Stahlwerkes Mark Brandenburg Schau=, Kunſt= und Sturz=
flüge
verſchiedenſter Art vorgeführt. Auch iſt beabſichtigt, von den Leicht=
flugzeugen
Fallſchirmabſtürze ſtattfinden zu laſſen. Neben Freiballon=
aufſtiegen
mit anſchließender Verfoglung durch Motorräder ſowie der
Vorführung von Flugzeugmodellen mit Preisverteilung werden auch die
Rhönſegelflugzeuge auf dem Flugplatz zur Vorführung kommen. Herbſt=
und Modeſchauen werden die Veranſtaltung auf dem Flugplatz Rebſtock
ergänzen, welcher für die beiden Nachmittage für jeden Durchgangsver=
kehr
geſperrt wird.

Fußball.
Verein für Raſenſpiele E. V., Darmſtadt.
1a. Jgdm. V. f. R.1a. Jgdm. Union=Darmſtadt, 2 Uhr, Rennbahn,
1b. Jgdm. V. f. R.1b. Jgdm. V. f. R. Mannheim in Mannheim.
2a. Jgdm. V. f. R.1. Jgdm. V. f. B. Ober=Ramſtadt, 2 Uhr,
Exerzierplatz.
2b. Jgdm. V. f. R.1. Jgdm. Sportverein Roßdorf in Roßdorf,
1a. Schlm. V. f. R.1a. Schlm. Germania 94 Frankfurt a. M.,
10 Uhr, Exerzierplatz.
1b. Schlm. V. f. R.1. Schlm. Sportverein Roßdorf in Roßdorf.
Das Spiel Union-V. f. R., 1. Jugendmannſchaften, beginnt
nicht, wie irrtümlich angegeben, um 12 Uhr, ſondern um 2 Uhr auf
der Rennbahn.
DentſchlandSchweden.
Die für den vierten Fußball=Länderkampf Deutſch=
land
Schweden am 31. Auguſt im Deutſchen Stadion zu Ber=
lin
vorgeſehene deutſche Mannſchaft hat eine Aenderung erfahren.
Riſſe, Schumann und Harder ſind aus dem Gebilde herausgenommen
worden. Für Riſſe ſpielt Vache in der Verteidigung, den Läuferpoſten
von Schumann nimmt Lang ein. Auf den Mittelſtürmerpoſten tritt
Hartmann für Harder, wührend Kirſey den urſprünglich für Hartmann
vorgeſehenen Poſten halblinks einnimmt. Die Mannſchaft zeigt nun=
mehr
folgendes Bild: Kuhnt (Berlin); Bache (Berlin), Müller ( Ham=
burg
); Eſchenlohr, Lux (Berlin), Lang (Hamburg); Leip, Reißmann
(Dresden), Hartmann (Hamburg), Kirſey (Berlin), Paulſen (Leipzig).
Erſatz: Riſſe (Hamburg), Feier (Berlin).

Länderkampf DeutſchlandSchweiz.
Eine neue Abſage.
Zu dem am 31. Auguſt in Düſſeldorf ſtattfindenden Leichtathletik=
Länderkampf iſt durch Startverweigerung Peltzers eine Mannſchafts=
änderung
notwendig geworden. Der Stettiner wurde im Einvernehmen
mit dem Beſtdeutſchen Spielverband durch Ufer=Bonn erſetzt. Die
gleichzeitig erfolgte Suspendierung Peltzers ſcheint ihre Wirkung nicht
verfehlt zu haben, denn der deutſche Mittelſtreckenmeiſter hat ſich darauf=
hin
jetzt Ler DSB. zur Verfügung geſteut. Eine Entſcheidung, ob auf
Peltzer zurückgegriffen wird, iſt noch nicht gefallen, ebenſo bleibt die
Suspendierung bis auf weiteres noch beſtehen. Auch der deutſche Mei=
ſter
im Speerwerfen, Lüdecke=Verlin, hat die DSB. im Stich gelaſſen.
Der Berliner, der ſich auf der Reiſe nach Vergen (Norwegen) befindet,
hat ausgerechnet vom Fährſchiff Saßnitz=Trelleborg die DSB.
wiſſen laſſen, daß er wegen geſchäftlicher Ueberlaſtung am Länderkampf
nicht teilnehmen kann. Auch dieſe Angelegenheit wird die DSB. noch be=
ſchäftigen
. Fürwahr ein trauriges Zeichen für die ſportliche Geſin=
nung
einiger Größen. Wie wir erfahren, iſt Lüdecke, durch Salmon=
Frankfurt a. M. erſetzt worden.
Schwimmen.
Einen neuen Weltrekord
ſtellte das amerikaniſche Schwimmwunder Johnny Weißmüller
anläßlich der Wettkämpfe im Wiener Dianabad im 100 Meter=
Freiſtilſchwimmen auf. Er verbeſſerte ſeinen erſt kürzlich in
Amſterdam mit 58,2 Sek. aufgeſtellten Weltrekord um /o0 Sekunden auf
57,8 Sekunden. Den zweiten Platz hinter dem Amerikaner beſetzte
Hilmar=Magdeburg in 1:08,6. Auch im 200 Meter=Freiſtilſchwimmen
ſiegte Weißmüller, überlegen in 2:24,8, dem in reſpektvollem Abſtande
Gieſecke=Magdeburg in 2:46 als Nächſter folgte. Der Amerikaner Krüger
legte in 1:19,6 auf das 100 Meter=Rückenſchwimmen Beſchlag, während
Deutſchland in der Länderſtaffel über 6 mal 33½z Meter gegen die in
1:52,5 ſiegenden öſterreichiſchen Vertreter knapp (1:53) unterlag. Die
Waſſerballmannſchaften von Hellas=Magdeburg und W.A.F.=Wien
trennten ſich 2:2 unentſchieden, nachdem der Kampf bis zum Wechſel
torlos verlaufen war.
Länderkampf DeutſchlandUngarn.
Der fünf Wettbewerbe umfaſſende Schwimmerkampf Deutſchland
Ungarn in Budapeſt iſt von den Ungarn mit 4:1 gewonnen worden, die
am zweiten Tage in allen drei Konkurrenzen ſiegreich blieben. In den
beiden letzten Staffeln lagen die Deutſchen bis zum dritten Mann ſtets in
Führung aber der Schlußmann Rademacher konnte gegen den unga=
riſchen
Rekordmann Baraby nicht beſtehen, der ſeine am erſten Tage
aufgeſtellte Beſtzeit über 100 Meter von 1:02,8 auf 1:02,2 verbeſſern
konnte. Die Zeiten waren: 4mal 66½ Meter Staffel: Ungarn 3:00,6,
Deutſchland 3:01,6; 4mal 100 Meter Staffel: Ungarn 4:185, Deutſch=
land
4:19. Im Waſſerballſpiel ſiegten die Ungarn mit 3:2. Nademacher
im Tor verhinderte eine größere Niederlage.

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Nr. 33, Sonntäg, 24. Auguſt 1924

Darmſtädter Tagblatt

Die Ehe von morgen
A er großen und grundlegenden Erkenntnis, daß auch
EKur eine der vielen Funktionsformen des Lebens iſt
Schriftſtellerin und Dichterin Annie Francé=
grr
= in dem Büchlein Die Ehe von morgen (Band 2
BrZücherei, 1924, R. Voigtländer=Leipzig) eine kurze Pſy=
Slogi-) O Phyſiologie der Ehe auf. Mit dem zitierten Grund=
ſtelh
ſich auf den Boden der Bioslehre, die ihrerſeits ſelbſt
* d beglückenden Gemeinſchaft Annie Harrars mit dem
iloſen und Naturforſcher Raoul Francé entſtammende,
tiale nizeption einer einheitlichen und organiſchen Lebens=
taltriſt
. Klarlegung der biologiſchen Bedingtheiten, oder
ſer SIt: Unbedingtheiten für alle Lebensäußerungen iſt der
und der Bioslehre, der dann auch der zitierte Fundamen=
ſatz
ſeiner nur ſcheinbar materialiſtiſchen Tendenz voll=
mmer
itſpricht. Auf ſolcherweiſe unverrückbar feſtgelegten
ndariken baut dann der plasmatiſche der den phyſio=
iſches
atſachen ſich bewußt und zielklar ein= und damit zu=
ich
x ordnende Geiſt das Gebäude des Lebens und der
rſönet it auf. Es iſt ein kluger, befreiender, tapferer Geiſt,
hiers Eheproblem ins Auge faßt, doppelt wertvoll, weil
gefSi che Verkettung der Ideologie der Ehe mit den bru=
en
22 chlichkeiten europäiſcher Kultur mutig in den Vor=
grunt
=ſtellt wird. Wie weit und tief die Verfaſſerin die Ge=
Irdun1 er Ehe durch unſere überzüchtete Kultur erfaßt, zei=
die
fenden Abdrücke, die wir mit Genehmigung des Ver=
UAles d. (Buche entnehmen.
Diesrpergeſchmeidigkeit der Südſeeinſulanerin iſt für ihren
unn X tig. Denn ſie muß oft die ſteilen und hohen Stämme
Paky beſteigen, um Kokosnüſſe herabzuholen. Tut ſie es
ct odc rnn ſie es nicht, ſo wird er deshalb vielleicht hungern
ſſen. . 2 Bewohnerinnen der Pampas müſſen treffliche Rei=
nneri
n, was wieder beſondere Anpaſſung des Körper=
tes
& uisſetzt. Die kleinen Perlenfiſcherinnen der Ceylon=
ſch
=d anen und tauchen ſeit Generationen wie Fiſche. Wür=
ann
iachl und hnen Herz= und Lungenkrankheiten an der Tages=
nung
rr, ſo vermöchten ſie dieſem gefährlichen und anſtren=
iden
uife nicht mehr nachzugehen und das Eheglück der
layifof. Männer wäre auf lange hinaus vernichtet.
So rigt ſich in einem unbeſchreiblich reichen Wechſel, bald
Preiste
E2 äuche, bald durch Lebensweiſe, dann wieder durch
ueifläizlte u, immer noch nachwirkende Traditionen ein ganzer
ve örperlichen, ſeeliſchen und geiſtigen Anpaſſungen um
Prcin Ehe. Und alle münden ſie darin, das Leben beſſer,
192
Zemn haft dauernder und angenehmer, die Fortpflanzung
ſe= ur! orgenloſer zu geſtalten. Keines will unglücklich wer=
keiru
ill Nachteile eintauſchen, alle wollen ſie Freude am
ammu in, Glück der Nachkommenſchaft haben. Leicht ſcheint
bei i. Primitiven, den Unwiſſenden, den noch ganz in den
thmry krer heimiſchen Natur Eingeordneten zu ſein. Denn
ſteherr einfachen Notwendigkeiten des Lebens wie ſchlichte
gütät Bötter und lenken die Menſchen nach den Erforder=
en
des eibes. Keine Schwierigkeit, keine ſeeliſchen Konflikte,
Eir; chung materieller und ſozialer Zwiſtigkeiten ſtiften
jetracl nd Enttäuſchung. Unverwirrt und klar wie Leben
Todo auch die Liebe, die Zeugung, das Zuſammenwohnen
die teilung der Tätigkeit, welche dem Mann als dem
erlicht ärkeren Jagd und Fiſchfang, Hausbau und Krieg
ißt u dem behenderen, geſchickteren und ausdauernderen
be L 9wirtſchaft, Haushalt, Kindererziehung und die zahl=
en
Kuz rtigkeiten des Schmuck= und Luxusbedürfniſſes.
Aber; das iſt ſchwer, unſagbar ſchwer in Europa, wo
lturew: mehr denn zweitauſend Jahren wie ein ungeheurer
herbenn übereinander gehäuft ſind, und wo von all dem
eweſenen nd Längſtvergangenen noch hunderte Geſpenſter in
erem +, unſeren Sitten und Gewohnheiten, unſeren Rech=
ichten
tückiſch und wie heimliche Störenfriede um=
Sglaube, daß es nicht zuviel geſagt iſt, dies alles ſo
murn ei, daß hier die grundlegende Urſache geſucht wer=
mußi
arum Europa (und ebenſo Amerika, da dieſe Tor=
ten
uru ämpfe und Belaſtungen vollzählig mit dem Strom
ſerer 2 edler in ſich aufnahm) jener Kontinent iſt, der die
iſten Licklichen, weil unzuſammengehörigen Ehen aufzu=
iſen
hal /icht nur iſt der Lebensraum des einzelnen hier von
ſer ſchrr =hen und oft durch ihre Qualität noch verſchlimmer=
Uebse ölkerung bedrängt, nicht nur drohen alle Beſtien
ſoziav Frage ſich Augenblick um Augenblick von den Feſ=
des
ates und der Geſellſchaft loszureißen, nicht nur iſt
allen iten der Horizont von Kriegskataſtrophen wie von
barzeru ſichern verdüſtert geweſen und die fortwährende
rſtörug der Naturverhältniſſe verhängte Mißernten und

Bodenerſchöpfung und Hungersnöte nein, auch all das Vor=
beigelebte
von der Lex Carolina bis zu den Vorſchriften früh=
chriſtlicher
Fanatiker miſcht ſich als feindſelige Phantome in un=
ſere
Gegenwart.
Wenn alſo in den einfachen Lebensformen wilder Völker
die Ehe nur eine weitere Einordnung in die natürliche und noch
heute von keiner menſchlichen Disharmonie geſtörte Umwelt be=
deutet
, ſo kann in Europa der Sinn der Ehe nur Ausgleich
heißen. Ausgleich mit Heute und Geſtern, Ausgleich mit den
ſozialen Nöten, Ausgleich mit Vererbung und Krankheiten, Aus=
gleich
mit Uebervölkerung und Naturausrottung. Ausgleich auch
mit den Religionen, den ethiſchen und ſtaatlichen Prinzipien,
Ausgleich mit Raſſenvermiſchung und Familienideen.
Das alles fordert unſere Umwelt von uns. Das alles heißt
für uns Vorbereitung zur Vermählung, zur Entſcheidung über
die Nachkommenſchaft, über Leidenſchaften und Zuneigung, über
die körperliche und geiſtige Einheit, die wir uns von einer wah=
ren
Ehe wünſchen.
*Verſteigerte Frauen.
Die kürzlichen Vorfälle von der Verſteigerung einer Braut in
der Schweiz und einer rumäniſchen Frau, die ihr Ehemann für
drei Flaſchen Bier abtrat, zeigen, daß die uns ſo merkwürdig an=
mutende
Verauktionierung von Frauen noch immer vorkommt, In
England, iſt es noch bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts
üblich geweſen, ſich einer läſtigen Ehegattin auf dieſe ebenſo
praktiſche wie einfache Weiſe zu entledigen. Dieſer Volksbrauch
wurde von den ärmeren Klaſſen Englands als ein unerlaubtes
Mittel angeſehen, um ſich nach gütlicher Uebereinkunft von der
Frau zu trennen. Wie in einem Londoner Blatt berichtet wird,
war dieſe Anſchauung fo tief im Volke eingewurzelt, daß das
ſtrenge Verbot des öffentlichen Verkaufs von Frauen allgemeine
Entrüſtung und Aufſtände in einzelnen Dörfern heryorrief
1882 verkaufte noch ein Gatte zu Alfreton in Derbyſhire ſeine
Frau für den überaus billigen Preis von einem Glas Ale. Ein
anderer ſchlug 1887 in Sheffield ſeine beſſere Hälfte an den
Meiſtbietenden für 5 sh los. Es beſteht allgemein die Anſicht,
daß ein ſolches Vorgehen geſetzmäßig ſei, wenn der Mann bei der
Auktion ſeiner Frau eine Schlinge um den Hals legt. Im Jahre
1887 führte auf dieſe Weiſe ein Schlächter ſein Eheweib auf den
Markt von Smithfield und verkaufte ſie an einen Schweine=
treiber
für drei Guineen und eine Krone. Eine Zeitung jener
Tage berichtet darüber: Wie wir hören, werden die Frauen
jetzt bald bei Chriſtios (dem bekannten Londoner Verſteigerungs=
haus
) verſteigert werden. Die Preiſe ſind auf dem Markt von
Smithfield ſehr geſtiegen und man zahlt jetzt ſtatt einer halben
Guinee 3 und eine halbe. 1802 wurde ein gemiſchtes Angebot,
beſtehend aus einer Frau, einem Kind und einigen Möbelſtücken,
in Derbyſhire für 11 Schilling zugeſchlagen, und in den nächſten
10 Jahren wurden in allen Teilen Englands Ehefrauen verſtei=
gert
für Preiſe, die zwiſchen 4 sh und einem Glas Punſch und
einem halben sh nebſt einem Pfund Tabak wechſelten. Eine
dieſer verkauften Frauen wird beſchrieben als zwiſchen 20 und
25 Jahr alt, ſtattlich, aber ein Mannweib; eine andere wird an=
geprieſen
mit der Bemerkung: Lieſt Romane und melkt Kühe‟
doch geſteht der verauktionierende Gatte offen ein, daß ſie ſchreck=
lich
zankſüchtig ſei. Trotzdem fand dieſe gebildete Panthippe
einen Käufer, der 1 Pfund und einen Neufundländer für ſie an=
legte
. Ein Mann, der ſeine Frau für 5 Guineen verſteigerte, gab
ihr in der Freude über das gute Geſchäft eine Guinee, damit ſie
ſich neue Kleider kaufen könne, und ließ dann in der benachbarten
Stadt die Glocken läuten, um das Ereignis gebührend zu feiern.

Ein wirklich brauchbarer Brennſtoffſparer
Immer noch ſind die Kohlen ſehr teuer und das Gas nicht
nur teuer, ſondern ſchlecht. Die Notwendigkeit, im Haushalt zu
ſparen, beſteht heute mehr denn je und wird in abſehbarer Zeit
für die Hausfrau beſtehen bleiben. Der Heiz= und Brennſtoff.
leibt Winter und Sommer in Wohnung und Küche eine der
ſchwerſten drückenden Sorgen, und gerade auf dieſem Gebiete
ſind ja noch eine ganze Reihe von neuen Erfindungen prophe=
zeit
worden, die alle mehr oder weniger Erſparniſſe gewähr=
leiſten
ſollen, von denen aber nur ſehr wenige wirkliche Erfolge
aufzuweiſen hatten. Nunmehr hatten wir Gelegenheit, eine
Neuerung auf dieſem Gebiete in wochenlanger Benutzung ſelbſt
zu erproben und geſtehen, daß das Reſultat geradezu über=
raſchend
war. Nicht nur inbezug auf die tatſächlich, erreichte
Sparſamkeit, ſondern in erſter Linie auch in der Erzielung eines
beſſeren Brandes in Herd und Ofen. Uns liegen praktiſche Er=
fahrungen
von über vier Wochen täglichen Gebrauchs vor, die
tatſächlich überraſchten, und man beſtätigt uns die gleichen Er=
fahrungen
auch in ganz großen Haushaltungen (Wirtſchaft,
Meierei uſw.) Dieſe Brennſtoffſparer=Neuheit iſt als Roſtkorb
mit verſtellbarem Einlegeroſt (G.=M.=Sch.) von der Zentral=
Luftheizungsgeſellſchaft m. b. H., Ludwigshafen=
Darmſtadt nach langjährigen Erfahrungen und ſorgfältigen
Ausproben konſtruiert und koſtet neun Mark das Stück.
Nach jetzt vielfach betätigten Benutzungen dieſes Roſtkorbes,
der mit einfachſten Mitteln und ohne weſentliche Aenderung des
Feuerbettes an Stelle des vorhandenen alten Flachroſtes einge=
ſetzt
werden kann, bezeugen die ganz hervorragenden Erfolge,
daß dieſe weſentliche Neuheit infolge Verkürzung der Koch=,
Brat=, Back= oder auch Ofenanheizungszeiten, ſowie durch ſtun=
denlang
anhaltende Gluten und Wärmeaufſpeicherungen uſw.,
etwa 50 Prozent Brennſtoff erſpart und geradezu verblüffende
Einfachheit in der Bedienung und Ausnützung der geſamten
Herdplatte mit Nebeneinrichtungen gewährleiſtet. Rauchbeläſti=
gungen
und Rückſtände von unverbrannten Brennmaterialien
ſind ausgeſchloſſen.
Dieſer Sparer iſt jetzt vielfach erprobt worden und alle Ver=
ſuche
beſtätigen die Wahrheit des Geſagten.
Der Einſatz des Sparroſtes garantiert mindeſtens die
Hälfte weniger Brennmaterialanſchaffungen jeder Art, wie in
früheren Wintern, ſo daß ſich die Anſchaffungskoſten des Roſtes
ſofort erſparen; ganz abgeſehen von den ſonſtigen vielen An=
nehmlichkeiten
und langjähriger Haltbarkeit dieſer Anlage,
Dieſe Neuheit hat ſich nicht nur in Kochherden und Oefen uſw.
ganz vorzüglich bewährt, ſondern iſt auch äußerſt ſparſam für
Zentralheizungen und Retorten ze. jeden Syſtemes. Beratun=
gen
erfolgen unverbindlich und unentgeltlich.
Zeitgloſſen
Von Heinz Scharpf.
Zehn Seiten Konverſationslexikon ergeben noch immer ein
Schaf, aber drei Schlagworte genügen für einen Leithammel.
*
Es gibt Menſchen, die ſchweigen ſo lange auf uns ein, bis
ſie alles aus uns herausgelockt haben.
Leicht iſt es, Freiheit zu predigen. Schwer, zur Freiheit zu
erziehen. Unmöglich, in Freiheit zu leben.
Ich habe im Leben nicht zwei Menſchen gefunden, die ſich
völlig gleich waren, und nicht einen, den nicht einmal die Luſt
angewandelt hätte, Millionen gleich zu machen.
Alles Geſcheite iſt ſchon gedacht worden, aber alles Dumme
noch nicht genügend erprobt.
Menſchen ſind vielleicht gleich zu machen Götter nie.
Von Dummköpfen bewundert werden, iſt noch lange kein
Grund, an ſich zu verzweifeln. Man hüte ſich nur, die Bewun=
derer
für keine Dummköpfe zu halten.
Den ungeſchliffenſten Leuten hängt immer die geſchliffenſte
Zunge aus dem Maul.
Schrecklich, dieſe Titulaturen heutzutage. Früher ſagte man
zu einem einfach: Sie Kamel! aber heute genügt kaum mehr:
Sie Oberkamel!"

zur turgeſchichte des Pagenhaars

Man/ ceibt uns: Bekauntlich mehren ſich die Damenköpfe
it abgei ttenen Haaren, und es wird prophezeit, daß dieſer
de diöikunft gehöre. Einſtweilen trägt alles, was zum
geater rt oder angeſchaut ſein will, Artiſtinnen und natür=
h
auch &. Halbwelt, den Pudelkopf. Wie iſt dieſe Mode
itſtandes‟ Vor dem Kriege ſah man ſolche Köpfe nur bei den
einen 2 hen in den romaniſchen Ländern, z. B. in Ita=
Grund war ſehr unäſthetiſch: Die romaniſchen
aul und ſchmutzig. Das kurzgeſchnittene Haar hatte
Daß die Mütter ſchneller mit dem Kämmen fertig
. ein Ordnen des Haares, Zöpfeflechten und der=
nötig
war. Außerdem, und das war die Haupt=
ichte
es eine leichtere Bekämpfung des in romani=
ä
hni ſo verbreiteten Ungeziefers, der Kopfläuſe uſw.
ſpätsi. Alter überwog dann bei den Mädchen die weib=
de
Eite), und ſie ließen die Haare wachſen.
im ge machten ſich dieſelben Gründe in den romani=
hen
Lär) r, vor allem auch im Lande der Mode, in Frank=
eich
, aypei den erwachſenen Mädchen und den Frauen
eltend. des Ungeziefers auf be ueme Weiſe Herr zu wer=
en
, mac) rnian aus der Not eine Tugend und ſtempelte das
urze Ha Jas= Produkt der Faulheit und Unſauberkeit, k. H.
ur MoSd iter dem ſchönen Namen des Pagenhaares, wie
s die Pr des Mittelalters und auch noch ſpäter tatſächlich
ſetragen / en.
die Entſtehungsgeſchichte des Pagenhaares, iſt,
iſt auch dieſe Friſur. Nomeo kann nicht mehr,
o unpoe
vie von / rranchem Maler verherrlicht, das lange, bis zu ihm
herabwaln e Haar ſeiner auf dem Balkon ſtehenden Julia
Schwärmerei von den herrlichen Flechten der Ge=
Netz der fliegenden Locken iſt vorbei. Und was
Hoſtel Paulus ſagen, wenn er jetzt wieder unter
träte. Heißt es doch in dem erſten Brief an die
11. Pers 6, daß es übel ſteht, wenn ein Weib

verſchnittene Haare habe oder beſchoren ſei, und Vers 15, daß es
dem Weibe eine Ehre iſt, lange Haare zu zeugen; denn das
Haar ſei ihr von der Natur als Decke gegeben.
Ueberhaupt: Die Natur! Und nicht zum Wenigſten:
Der Naturtrieb! Ob ſich die Männer doch nicht auch in Zu=
kunft
mehr zu den von Natur mit ſchönen langen Haaren
begabten Frauen hingezogen fühlen werden, wie es ſeit Adam
var? Erinnere ich mich doch, erſt kürzlich wieder in großen
franzöſiſchen Blättern Heiratsgeſuche geleſen zu haben, die mit
den Worten ſchloſſen: Si pas bonne chevelure, inutile‟! Und
das im Lande der Mode, in Frankreich! Die törichten deutſchen
Frauen, die die welſche Mode nachäffen, werden ſich alſo erſt
ihre Haare abſchneiden und dann wieder ſtehen laſſen, wenn die
Franzöſinnen ihre Erfahrungen gemacht haben. Jedenfalls
iſt der Pagenkopf ein Kind romaniſcher Trägheit und Un=
ſauberkeit
. Eine deutſche Frau ſollte das nicht mitmachen.
* Lebenskampf
Von A. B.
Nacht iſt es, grauenerregend heult der Wind. Die alten
Bäume im Park des St.=Moritz=Hoſpitals biegen ſich vor ſeiner
Wucht und krachend ſtürzen die dürren Aeſte zu Boden. Ein
ſchwertönend, gigantiſches Lied. Im Krankenhaus ſelbſt herrſcht
große Stille. Nur im Seitenflügel brennt ein abgedunkeltes Licht.
Hier kämpft ein junges Menſchenleben mit dem Tode. Mit weit=
geöffneten
Augen, fiebrig=heißen Wangen, die Hände krampfhaft
in die Decke gepreßt, liegt da ein in der Blüte der Jugend ſtehen=
des
Mädchen. Wild kommt es von ihren Lippen: Horch
horch wie er tobt, der ſchaurige Tod! Mich will er holen.
Nein ich gehe nicht mit! Leben o ſüßes Leben, du biſt
ſo ſchön! Ich will noch leben, ich will mich freuen an dir!
Hörſt du es, Tod? Ich will leben!
Erſchöpft ſinkt die Kranke in ſich zuſammen. Die Schweſter
legt kühlende Aufſchläge auf die heiße Stirn und ſucht die Patien=
tin
zu heuuhigen.

Plötzlich ſtürzt draußen im Garten ein Baumrieſe unter
fürchterlichem Geächze zuſammen, der Wind heult zum Ohren=
zerreißen
. Mit lautem Aufſchrei ſitzt die Kranke in ihrem Bett.
Schweſter, Schweſter, hilf mir, er kommt! Siehſt du ihn, wie er
zur Tür hereinkommt? O, wie er lächelt, wie er ſich freut übe=
die
Beute, die er jetzt machen willl! O nein, ich gehe nicht mi=
ihm
, ich will leben! Hörſt du es, Tod? Ich will leben leben
leben!
Ruhig, mein Kind, das iſt der Wind, der ſo heult. Nieman)
iſt im Zimmer, beruhigt die Schweſter.
O, du ſiehſt ihn nicht, hier ſteht er ja, jetzt kommt er auf
mich zu! Unruhig wirft ſich die Kranke hin und her. Geh fort,
du garſtiger Tod! Jetzt will er mich packen. Nein, nein, du
kriegſt mich nicht! Schnell wirft ſie ſich auf die andere Seite.
Verzweifelnd ruft es aber ſogleich: O, nun hat er mich doch
gepackt! Wie kalt iſt deine Hand, Tod. Laß mich los laß
mich los laß mich los! Zuerſt zornig, dann kommt es ganz
flehentlich heraus: Laß mich doch los! Darauf verlaſſen ſie die
Kräfte und Stille herrſcht im Zimmer.
Auch draußen läßt der gewaltige Kampf der Natur langſam
nach. Nach einer Weile öffnet die Sterbende die blutleeren Lippen
und flüſtert: Tod, lieber Tod, iſt es wahr, was du mir eben
erzählt haſt? Wenn ich nicht mehr hier auf dieſer Erde bin
komme ich dann wirklich dahin, wo Friede iſt? Iſt das wahr,
Tod? Komme ich zu meinen Eltern ins himmliſche Paradies?
Tod, ei, dann bis du ja gar nicht grauſam. Ich gehe mir dir.
O, was höre ich da? Verklärt ſchaut ſie an die Decke. O,
wie ſchön! Welch ſchöne Muſik was für ein
Glanz. Der Himmel iſt ja offen. Die Engel kommen herab=
geflogen
. O zu mir kommen ſie! Mich holen ſie! Tod
ich darf ja heim! Beglückt und ſelig kommt
dies von ihren Lippen, dann ſchließen ſie ſich für immer.
Stille iſt nun eingekehrt. Auch draußen iſt das gewaltige
Naturſpiel vorüber. Mit einem Ruck haben ſich die Wolken ver=
teilt
und voll und klar leuchtet der Mond in das kleine Kranken=
zimmer
und zeigt der Dahingeſchiedenen den Weg zur ewigen
Heimat.

[ ][  ][ ]


mae
teile
lun

4Das herbſtliche StraßenkleidltSchwarz=weiß, die Uebergangsmode

Das Sommerkleid wird zunächſt durch das Mantelkleid ab=
gelöft
, das ſich weiter dauernder Beliebtheit erfreut und einen
feſten Platz im Garderobenſchrank jeder Frau geſichert hat. Ihm
kommt die ſchlanke, loſe Hemdform beſonders zuſtatten, die trotz
welliger Falbeln und Schrägblenden, trotz ein= und aufgeſetzter
Pliſſeeteile ihren geradlinigen Charakter bewahrt. Durch ge=
muſterten
Stoff, anders gekönten Duigetin oder Ledertuch,
ſchmale und breite Treſſe, Stepperei und Bieſen werden eigen=
artige
Schnittformen beſonders hervorgehoben, oder die lange
Fläche eines Kleides aus Rippen= oder Velourſtoff in Querlinie
unterbrochen. Das ſo ſehr beliebte Karomuſter beſchränkt ſich
auf Säumchen=, Knopf=, und Ligierſchmuck. Bei Mantel= wie
bei Jackenkleidern herrſcht noch die tiefe Gürtellinie vor, die auch
für ſtärkere Figuren die bisher vorteilhafteſte Kleidform bildete.
Eine grundſätzliche Veränderung der Linie, wie ein Saiſon=
wechſel
gern mit ſich bringt, iſt daher ein gewagtes Experiment
und ohne die ſchlanke loſe Silhouette zu verlieren, verſucht man
durch ſtarkes Hinaufrücken eine neue Note zu ſchaffen, die teils
an den Direktiven=, teils an den Empireſtil erinnert. Ob ſich
dieſe wohl für jugendlich ſchlanke Geſtalten reizvolle Neuheit
durchſetzen wird, bleibt abzuwarten.
Tief gegürtet iſt das auch für ältere Namen geeignete Man=
telkleid
aus nußbraunem Gabardin, Abb. 8136, das eine durch=
laufende
, nach links übergreifende Vorderbahn zeigt. Der rück=
wärtige
Rockteil aus Futterſtoff wird durch loſe fallende Ober=
ſtoffteile
überdeckt, deren obere mit einem Vorſtoß aus gemuſter=
ter
Seite umrandet iſt. Kragen und Gürtel aus gleichem Stoff
ergeben im übrigen den belebenden Ausputz des einfachen Klei=
des
. Erf.: etwa 3,75 Meter Stoff, 120 Zentimeter breit, 25 Zenti=
meter
Seide, 50 Zentimeter breit. Beher=Schnitte für 92, 104,
112 und 120 Zentimeter Oberweite.
Schwarze Treſſeneinfaſſung betont die Schnittform der Rock=
falbeln
und Aermelanſatzteile des hübſchen Mantelkleides aus
dunkelblauem Wollrips, Abb. 7317. Durch Abnäher an beiden
Achſeln iſt das Kleid der Figur angepaßt. Es wird ſeitlich durch
Bindeſchluß zuſammengehalten. Erf.: etwa 5 Meter Stoff, 120
Zentimeter breit. Beher=Schnitte für 84 und 92 Zentimeter
Oberweite.
An dem Hemdkleid aus mittelgrauem Gabardin, Abb. 7400,
iſt durch quergeſetzte, leicht eingehaltene Treſſe und Kettenſtich=
reihen
die glatte Hemdform wohluend unterbrochen. Durch Dop=
pelknöpfe
zuſammengehalten, öffnen ſich die vorderen Ränder
über einem Latz aus weißem Krepp=Georgette, mit dem der Vor=
ſtoß
an den Aermeln übereinſtimmt. Erf.: etwa 3,50 Meter Stoff,
130 Zentimeter breit. Beher=Schnitte für 92 Zentimeter Ober=
weite
.
Karierter, weicher Wollſtoff findet eine geſchmackvolle Ver=
arbeitung
in dem Mantelkkeid, Abb. 8000. Seitlich eingenähte
Falten geben dem durchgehend geſchnittenen Kleide, eine gute
Linie. Dem rechten vorderen Rande, der durch einen Knopf ge=
halten
wird, ſowie den Aermeln iſt eine zackige Preßfalbel aus
weißem Schleierſtoff eingeheftet. Erforderlich: etwa 3 Meter
Stoff, 130 Zentimeter breit. Beyer=Schnitte für 92 Zentimeter
Oberweite.
Wie an Abb. 7841 gezeigt iſt, liebt man es noch immer, ein
Kleid durch einen kleinen Umhang in Pelerinenform zu vervoll=
ſtändigen
. Für unſere Vorlage war feiner, weicher Wollpopeline
verwendet. Das Kleid iſt hinten durchgehend geſchnitten und
auf der Vorderbahn aus Futterſtoff mit drei breiten Preßſal=
beln
bedeckt. Mit dieſen ſtimmt der Umhang überein, für den
ein 3 Meter weites, gerades Stück oben in eine beſtickte Blende
gefaßt iſt, die ſich vorn als Bindeband fortſetzt. Erf.: etwa 5.50
Meter Stoff, 120 Zentimeter breit. Beher=Schnitte für 92 Zenti=
meter
Oberweite.
Durch ſchmale Stoffblenden gehaltene Preßfaltenſtreifen er=
geben
die moderne Garnitur des Jackenkleides, Abb. 8138, aus
marineblauem Gabardin. Die in tiefer Gürtellinie mehrmals
gereihte Jacke tritt breit bis zum linksſeitigen Bindeſchluß über,
harmonierend mit dem Einbahnenrock. Erf.: etwa 4,50 Meter
Stoff, 130. Zentimeter breit. Beher=Schnitte für 88, 96 und 104
Zentimeter Oberweite.
Wo keine Schnittverkaufsſtelle am Ort, ſind alle Schnitte zu
beziehen durch die bekannten Beher=Schnitte‟, Leipzig, Rathaus=
ring
13.

Spricht man ſchon vom Herbſt? Wie voreilig doch die Mode
iſt! Noch voreiliger als ihre ſchönen Vertreterinnen, die Frauen,
die ſich noch gar nicht gern von ihren hellen Kleidern, Hüten und
Sonnenſchirmen trennen wollen. Immerhin iſt es gut, ſich auf
Unabwendbares langſam vorzubereiten, und dieſes Unabwend=
bare
, iſt der Herbſt und mit ihm die ſchwarz=weiße Mode.
Schwarz=weiß iſt immer kleidſam, immer originell Weniger
ſtreng als das klaſſiſche Koſtüm iſt das dreiteilige, das auf un=
ſerer
Abbildung aus ſchwarzem Wollſtoff iſt und aus Rock, Jacke
und weißem, mit ſchwarzen Knöpfen verzierten Jumper beſteht.
Das dreiteilige Koſtüm hat den Sommer glücklich überſtanden

Elegantes Nachmittagskleid, Koſtüm aus ſchwarzem Wollſtoff;
aus ſchwarzem Crepe Georgette
weiß abgeſetzt.
mit weißem eingeſetzen
Dazu weißer Wollſweater
Vorderteil
mit ſchwarzen Knöpfen.
und ſegelt mit den beſten Ausſichten auf weitere große Erfolge
in den Herbſt hinein. Der Grad ſeiner Eleganz hängt natürlich
von der Wahl des Stöffe und der Anwendung ſeiner Garnie=
rung
ab. Der weiße Wollvorſtoß, der Saum und Seidenteile
des Rockes, Aufſchläge, Gürtel und Taſchen umrandet, iſt durch
den unvermutet kraſſen Gegenſatz zu der ſchwarzen Wolle ganz
beſonders wirkſam.
Sehr viel eleganter dient es doch auch nachmittäglichen
Zwecken iſt das Kleid aus ſchwarzem Crepe=Georgette, bei
dem die moderne gegenſätzliche Note durch ein Vorderteil aus
weißem Crepe=Georgette erreicht wird. Der Verſuch, die Taille
wieder etwa zu heben, wird durch eine aparte Drapierung ge=
macht
, doch ſind wir vom Direktoireſtil, der am Modehorizont
auftaucht, noch ziemlich weit entfernt. Intereſſant iſt es, daß die
Mode den großen Hut wieder zu Ehren bringen willll. Be=
ſonders
für nachmittags und abends. Man hat ſich die kleine,
jungenhafte Glocke doch etwas übergeſehen und will ihren bubi=
haften
Charakter durch den Glorienſchein, den ſchwarzer Samt
um ein Frauenantlitz legt, erſetzen,
Renate Ramm.

NeueModeſtoffe für
Spätſommer und Frühher
So vielſeitig, wie die Sommerſtoffe nach Webart un
ſterung waren, werden auch die ſtärkeren Spätſommer und
herbſtſtoffe erſcheinen. Für Kleider einfachen Genres: für
ßen= und einfache Nachmittagskleider, werden außeror?
viel geſtreifte Stoffe mit feinem Nadelſtreif in den verſcl
ſten Farben angeboten. Höchſt originell wirken Streife
mit darüber gebreitetem, phantaſtiſchem Muſter, in vorw
orientaliſchem Geſchmack und ebenſolchen Farbenzuſamm
lungen. Marocains mit neuen Zeichnungen und Muſert
farbig garniert, werden ſcharfe Konkurrenten in Ripsjoffe!
Ripsmouline, der letztere teilweiſe ſtark kontraſtierend), cha
rend, erhalten, Cotele und Burberry, werden neben Gahar
weichem Tuch und einem ungemein ſchmiegſam, aſtzleſtend
lendem Kaſchmir, für dieſe Art Kleider zur Verfügung
während für die Uebergangsmäntel, Moos=, Matallſe
äußerſt reizvolles Gewebe, neben ausgeſprochenem Niſher
namentlich das vornehmer Genre vertreten wird. Für die
ſommer= und Frühherbſt=Abendkleider bietet die Mode 0.
glänzende Kunſtſeidenſtoffe, die in Verbindung mſt r
Pelzbeſatz, entzückende Neuheiten ergeben.
Die Farben Blau, zart Sand= und Lehmfarbig, Bra
allen Schattierungen, ein ſtumpfes Mandelgrün, für die T
Mattziegelrot, für die Frau in mittleren Jahren Na
Schwarz=weiß, und ein ſtumpfes Blaugrün, werden ute!
anderen Farben vorherrſchen. In ganz auffallender Wei)
die erſt vor kurzem ſtark in Aufnahme, gekommene 904
Strohgelb auch im Frühherbſt noch von der Mode bevorzus
den. Ja, es ſcheint, als plane ſie noch allerlei Ueberroſch.
mit dieſer ihrer augenblicklichen Modefarbe, die vom ſo be
pliſſierten= oder Faltenrock, mit dazu paſſender oder auc
ſtändig abſtechender loſen Sakkojacke, ſich auch auf das C1
Nachmittagskleid: das große und kleine Geſellſchaftskled.
dehnen verſpricht. Ja, ſogar ſchon wärmende Abendhüllen
viertellange, weite Mäntel, mit Schulter= oder langer hu
rine, weite, faltenreiche, bis auf oder über den Rockſaum 1.
Abendcapes, mit übereinanderfallenden Glockenvolauté ooe
wenigſtens deren Abſeite, fein pliſſiert, graziös gebufft 1
reiht, am koſtbaren Modell ſogar von Spitzenfalbela Al=
Eva M=
chen
, ausgeſtattet.
Ei

4Der zeitgemäße Hausſ
ueber Spanferkel. Auguſt und September Iio.
den Genuß des Spanferkels die beſte Zeit. Seine Aube
auf der Tafel geſtaltet die Mahlzeit zu einem beſonder.
Die gewöhnlichſte und vielleicht auch die beſte Weiſe Ner. 24
tung gibt La Reyniere in ſeiner Gaſtronomie folgell.
an: Nachdem man das Spanferkel in kochendem Voll.
brüht hat und ihm ein ſchönes Stück Butter mit Schlt
Zivollen, Gewürznelken, geſpickten Zwiebeln uſw. i I.
geſteckt hat, zieht man es auf den Bratſpieß und lab.
dem Feuer, gleich einem mannbaren Mädchen, keinen As
aus den Augen. Sich bildende Bratenblaſen betzubl.
ſorglich mit einem Stück Butter und übergießt 22 ſol
mit dem eigenen abfließenden Safte, damit es eine
bekommt. Will man das niedliche Tierchen aber noch Pe.
reiten, dann füllt man die Leibeshöhle mit einer Füle.
haclten eigenen Lerer, abgekochtem Speck, Trüffeln. S
nons, feinen Kapern, gehackten Sardellen, feinen Krölte.
kenpfeffer und Salz (am beſten Seeſalz wegen des Ni.
ſchmacks). Sobald der junge Freund dieſe zubor 1..
Farce im Leibe hat, bindet man ihn mit Bindiode.
ihn dann in der Pfanne. Er kommt zur Tafel, .
ſcharf=ſüßlichen Orangenſoße.
Beim Schlagen von Eiweiß erhält, vo
den nötigen Stand des Schnees, wenn man zum Schle.
ſtatt des üblichen Porzellan= oder Tontopfes einel. L.
Aluminium verwendet. Dann dem Eiweiß etwſs. O
und erſt langſam und ſchließlich immer ſchneler ichlcs.
Maſſe ſo ſteif iſt, daß man ſie mit dem Meſſer ſchneiden kot.
Eine einfache Art des Eierkonſerhi.
zuvor mit einem in Eſig getauchten Läppchen gereih.
und zum Abtöten etwa anhaftender Bakterien in eine we.
Löſung von übermanganſaurem Kali gelegten Sict L
vor gut durchleuchtet, in ein fauberes Gefäß ben Oics. 2
lan oder Steingut geſchichtet, worauf man ſie mit O.
aus 10 Liter lauwarmem, wieder abgekühltem Waſſe
gam Natronwaſſerglas (Drogerie erhältlich) üherdeb.
von der Flüſſigkeit bedeckt ſind. Mit Pobier pechl.
ſich die Eier in dieſer Flüſſigkeit ½34 Jahr unverooe
im Geſchmack und laſſen ſich auch kochen.

[ ][  ][ ]

2 nmer 235.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

Seite 13.

Sandags=Noochmiddags=Bedrachdunge.
bin bloß froh, daß die Vorſehung net uff den Gedanke
kum is un hodd mich zu=eme Vereins= odder Verbandsvor=
ſitze
geſtembelt, dann nemlich die Sorje hedde mich heechſt=
wak
inlich vollichſter um de Verſtand gebracht. Seidem’s
nem modern geworrn is, die Veraſtaldunge unner freiem
Hinz abzuhalde, do hodd ſo e Vorſtand außer all dene an=
nerr
ywierichkeide, als da ſind: Erlaubnis, Ehrendame, Fahne
un iche, Danzzeddel, Muſick, Feſtbrodäckder, Feſteſſe, Feſt=
redde/
eſtziech un was waaß ich noch vor Feſtdeiwelszeich, ohne
dem heid unner kaane Umſtende mehr abgeht alſo do
ZhodS• Vereinsvorſtand noch mit=eme Faggdohr zu rächne, der
zwo letzte Moment die ganz Veraſtaldung iwwern Haufe
werf) ut. Un deß is des Wädder.
deß Wädder in dem Summer unſeres Mißvergniechens,
wo f rn jedem aanslinge Dag die ſemtliche vier Johreszeide
mit ihre ſchlächte Agewohnheide e Rangdewuh gäwe, alſo
Geß E, ſo en arme Vereinsvorſtand an de Rand vun Heppen=
heim
rge. Sogar de Schwimmvereine, die wo doch im Allge=
mein
- s Naſſe gewehnd ſin, dene war deß zuletzt e bißche zu=
biel
, ſie hawwe deshalb äxdra die Badhofe fiddern un im=
bräſc
en loſſe. Die Billjedeer un Kondrolleer am große Woog
ziehe, ar langſam Worzzel, un ich for mei Daal bin nor froh,
oaß 2 ääche net aach noch vun unne kimmt, dann ich wißt in
em waaß Godd net mehr, wie ich noch de Schärm halde ſoll.
Alſo mit dene Vera’ſtaldunge

unner freiem Himmel, deß hodd
Dißjohr ſei Nauwe un, wie ge=
ſagd
, ich bin deßhalb meim
Schickſal vun Herze dankbar, daß
ich net de Willäm Kalbfuß bin.
Nemlich ich hab mer ſage loſſe,
der hedd in ſeine Eichenſchaft
als Vorſitzender vum heſſ. Aan=
zelhannel
die ganz Woch kaa Aag
vun ſeim Brifadbaromeder ge=
dha
un hedd deßhalb in ganer
Duhruffde Mackbrunne geguckt,
ob der net iwwerlaafd odder
gar uff= un devoſchwimmt un
haamdickicherweis ſein Standord
verennerd, ohne ſich lang an den
ſtädtiſche Mackblatzverſcheene=
rungsbebauungsblan
zu kehrn.
Nemlich dodraus hedd=er ge=
ſchloſſe
, de Herr Kalbfuß, daß
ſich dann aach bei ſo=ere imbro=
fiſierde
Sinnflud de Orrangerie=
gadde
net mehr an die Ab=
nachuru
un Bollezeivorſchrifde halde dhut, ſundern eifach uff
Land aft geht, mit allem, was drum un dra henkt. Un
ſo wei nadierlich Eſſich gewäſe mit dere Handels=
cham
inſſtauſendnoihnhuhndärrtfieärrund=
wari
h (1924, des is geſchriwwe nooch de neie Orddegra=
ieh
, B3 vo die Owwerpoſtdiräcktzion Darmſtadt for de Fern=
rächrz
hr erausgäwwe hodd; ich kumm noch druff zu redde!).
Na) n’s korz zu mache, mit dere imbrofiſierde Sinnflud
ar’s de Mackbrunnebaromeder ſteht noch uff dem alte
llatz, Drrangſcheriegadde aach, un ſo konnd die Handels=
hau
K.!, geſtern morjend in meim Beiſei feierlichſt ereffend
ſärrn. war mit reichlicher Verſpedung, weil de Herr Owwer=
orjemm
r ſo lang hodd uff ſich warde loſſe, awwer deß is
n nett Sel genumme worrn, dann er hodd als Ausſtellungs=
bjäckd
d Sunn mitgebracht, die ſtädtiſch Sunn, un des war
ach wie verth. Wann: jemand bezweifelt, mei Zwangsmiedern
immti f ihrn Dienſteid, dann die war aach debei, die Na=
ſern
. 7. die nimmt, wann fe freigehalde wärrd un wann’s nis
bes rtlich alles uff ihrn Dienſteid. Die Koſtbrowern,
habs ich, die hodd ſich do geſtern widder emal gud gedha
hods it=eme Eifer verſucht, als kreegd ſe’s uff Aggord
Awwer ich will net vorgreife, ſundern im=
ſch
=/ Reih nooch.
Alſ.) er e klaa bische ſei Aage uffgemacht hodd, die Woch,
is nn ie e verſchlofener Laabfroſch dorch’s Städtche gehibbt,
wS, alſo deß blaßblaue, vergißmeinnichtfarwiche Blaggad
fgefall) i, mit dem ullgiſche Kaafmannsſtift druff, der wo e
ſicht yt wie de Dood vun Ibbern, jedenfalls weil er ver=
e
hoo rvas er eichentlich in die Dudd eneiwieche ſoll; odder
er 7 grad dodriwwer klar is worrn, daß er valleicht doch
gan u. richdiche Räbräſſendand is for ſo e großziechich Ver=
ſtalduru
Zum Glick hodd’s wenichſtens unne dra geſtanne,
demu aggad, um was ſich’s eichentlich hannelt. Un drotz=
m
is nir jedenfalls ſo gange wie noch viele annern, die
o vunu n Blaggad uff die Veraſtaldung geſchloſſe hawwe,
mit 1 che gemiſchde Gefiehle bin ich gäſterd enausgeſtiw=
delt
in . Orrangſcheriegadde. Wie geſagd, der Ooſe= Kaaf=
annsſrſt
hodd mer wie e beeſer Alb uff de Bruſt geläche un
b uffs Schlimmſte gefaßt gemacht.
s +. halb ſo wild. Die Handelsſchau is nemlich nis
jehr urz wenicher wie e richdichgehend Ausſtellung. Un zwar
ndlich C e Ausſtellung, in däre wos aam net ſchlächt
verrd. deß will bei dene Ausſtellunge, die wo ſunſt hier
raſſiernyf unn was haaße. Un es is aach net bloß e gewehnlich
lusſtelle-) ſundern es is, um mich uff gud Deitſch auszudricke,
Add=' tzion brima Ranges. Dodermit kann Darm=
ſadt
wr mal Brulljes mache un de Herr Vorſtand vun de
urbladiſteverbendler, der hedd’s gor net needich ge=
ſaſ
ſcheide zu ſchreiwe Handelsſchau Darmſtadt ſun=
ruhig
ſchreiwe derfe: Ha=Scha=Da!. Deß weer
lich uff aans erauskumme, awwer es hedd doch er=

heblich großmogeliſcher ausgeſähe. Awwer no, ſo ſin mer hald
emal, mir Darmſtädter, wann mer werklich emal mit ebbes de
dicke Willäm maggiern kenne, ausgerächend dann ſin mer be=
ſcheide
.
Alſo die Handelsſchau die is vorablich e Ausſtellung vun
Kononial=, Läwens= un Genußmiddel. un Sie
brauche net glei zu erſchrecke un in de Angſt an Wageſchmier zu
denke, die wo mer fälſchlich als Marmelade bezeichne dhut,
odder an nadurrein Kunſtbudder, die wo ſich in=eme Afall vun
Greeßewahn als ächde Margarine uffſpielt, odder an Nidro=
Glizerien, deß wo mer in de Verzweiflung als Weinbrand in
ſich eneiſchidde muß, odder an alte Seegrasmaddratze, die wo
mer ſo ſchluckſeſiefe als ſchineeſiſche Tee verkonſumierd, odder
an eigedrickt Beddſtroh, deß wo aam als Sauerkraud uffge=
ſchwäzzd
wärrd, odder an ächte Bohnekaffee, der wo ſich hinne=
nooch
als gebrennd Geeleriewebrieh endpubbt, odder an Spag=
geddi
aus Babierkordel, odder an en Zemendbrabſch, der wo
aam als Eiernudel ſärwierd wärrd, odder an ächte iwwer=
ſeeiſche
Buchelaab=Kanaſter, un wie all die viele un ſcheene
Läwens= un Genußmiddel ſchrecklichen Agedenkens aus de
Kriegs= un Noochkriegszeid benamſt warn. Die Zeid is goddſei=
dank
vabei, wos gehaaße hodd Gold gab ich fier Eiſen un
Babbedeckel fier Led=
der
un Ich kenne
keine Baddeien mehr,
ich kenne nur noch
Marmulade‟. Die
fragwärdiche un err=
fiehrende
. Wahlſprich
ſin genslich iwwer=
wunde
, un for de hei=
diche
Kaafmannsſtand
gild als Dewieſe od=
der
ſozuſage als Feld=
geſchrei
widder der
alte dreie Wahlſpruch
Vom Guden das
Beſte odder Nur
der Gehalt macht’s
odder Gud, viel un
M billich‟. Deß ſin
Hfdd-ad
imn hie Wahlſprich,
die wo ſich ſchließlich bei jeder aſtendiche Fa enagelung ſähe
loſſe kenne, weil mer ſich nemlich dodrunner aach was vor=
ſtelle
kann.
Awwer, un deß is grad des, wo’s in dem Fall druff akimmt,
nemlich mer wärrd in dere Läwens= un Genußmiddel= Handels=
ſchau
=Ausſtellung net bloß mit ſcheene Sprich abgeſpeiſt, ſundern
mer kann ſich ringsdicherum ſadd eſſe un drinke. Un wie ge=
ſagd
: alles for nix! Es embfiehlt ſich bloß, daß mer ſich Deller
un Löffel un Gawwel mitbringd; am beſte is e Kochgeſchärr un
e Kriegsbeſteck, wo de Löf=
fel
un die Gawwel ge=
wiſſermaße
als ſiameſiſche
Zwilling gleich anennaner
gewachſe ſin; un dann val=
leicht
noch e klag Schnabs=
gläsche
(un wann’s bloß e
Värrdelche hellt!), un e
Kaffeekobbche, un en Ruck=
ſack
. Mit dere Ausriſtung
kann mer’s dodraus im
Orrangeriegadde ruhig mit
ſemtliche Weldmeiſter=
ſchaftsmetzelſuppe
=
Schambinjongs ufſnemme
un kann ſich vun ganer
Baddallie in die anner
ſtärtze, ohne daß mer
pauſiern muß. Gäſterd
bei de Eiweihung, do hawwe deß nadierlich die verſchiedene
Ehrengäſt noch net gewißt, un wann mir’s die klaa Krawutſch
vun=eme Sindiguß net verrode hedd, do weer ich nadierlich aach
mit leere Hend an dene Koſtbrowepaffeljong um die Brenn erum=

gange un hedd worde miſſe, bis aaner odder die anner ferdich
war. Dann die hawwe ſich Zeid genumme zum verſuche! Un
beſunners beim Stoltenkamb do hadde verſchiedene Herrn de
Geſchmack aſch weid hinne .. . . Kunſtſtick! Nemlich äwe
der Stoltenkamb, der hodd mich, ausgerächend mich, uff
Flaſche gezoge un behaubt vun mir, ich weer e Ligehr un aus de
feinſte Kraiter zuſammegeſetzt (hodd der e Ahnung!) un ich
weer deshalb des Ligehr for den väſtenndiche Genießer, un
mei lieblicher Duft deht noch lang noochſchmecke, un beſun=
ners
nooch em Eſſe dhet ich des Wohlbefinde hewe, dhet die
Läwensfreude ſteigern, de Geiſt areeche un die Geſellichkeit

fördern, weßwäche ich net bloß bei de Herrn beliebt weer,
ſundern aach im Kreiſe ſcheener Frauen. Alſo wann deßkaa
Injuhriebeleidichung is, dann mecht ich emol wiſſe, wie aa aus=
ſieht
, die wo aa is. Kann ich wos defor, daß ich ſo en a ziegliche
Name hab, der wo ſich im Digläckt gornet widdergäwwe leßt?
Un brauch mer deß aam vorzuſchmeiße? No, in de erſte Raaſch
wollt ich nadielich dem Schnabbsbrenner an de Krage, awwer
do hodd mich aaner vum Ehrenausſchuß uff die Seid genumme
un ſeegt, deß weer net bees gemaant un deß weer doch ſozuſage
als e Ehrung uffzufaſſen.
No, iwwer die Ehrung war ich mit Recht einichermaße per=
bläx
; noch verbläxerer war awwer mei Zwangsmiedern, dann wie
die geſähe hodd, wie ſich die Menſchheid um mich reiſt, do hadd
ſe mer widdermal die Freundſchaft gekindicht un hodd geſagd,
mit Leid, die wo en Schnabsname hedde, mißt ſe de Verkehr ab=
bräche
, un wann de Herr Owwer un die annern Spitze beim
Verſuche aach kaa Mien, verzoge hedde, es gebt grad genug
Leid, dene wo ich ſchun im Maage lieje dhet ohne
Schnabs. Dodermid is ſe eniwwer geſchuſſeld zum Schallachbärch
un hodd ſich an Klagne eigewickelt. Wobei ſich’s noch net emal
genau feſtſtelle leßt, wieviel Portzione Nudel, Bulljong, Kaffee,
Tee un Konnſärfe, als ſe, im Rooches un vor lauder Angſt, ſie
kem zu korz, in ſich eneigewärcht hodd, deß habgieriche Geſteck,
des verhuzzelte. Jedenfalls, wie ich ſe de Awend näwer dem
Webſtuhl gefunne hab, den wo ſe in ihre Verwirrung for en
Radioabberad ageguckt hodd, do war’s heechſte Zeid, daß es
duſter worrn is. Ich war ſelbſt net mehr ganz ſicher uff de Baa
vun dem viele gucke un ſo no un mei Mudder ſeelich
hodd immer geſagt, wann’s am ſcheenſte weer ſollt mer haamgeh.
Un deß hawwe mer aach gemacht, wobei mer noch uffgefalle is,
daß die Karlsſtraß vun Dag zu Dag ſchmäler wärrd, un die
Haiſer immer äxbräſſioniſtiſcher.
Alſo wann Se heid enausmache, in de Orrangſcheriegadde
uff die Handelsſchau vergeſſe Se des Kochgeſchärr net, un die
ſiameſiſche Zwilling, un e Schnabsgläsche, meeglichſt net greeßer
wie e Schobbedibbche. Awwer ſorje Se immer defor, daß die
Ausriſtung in de Famillje bleibt, was Se nemlich aus de Hand
gäwe, ſin Se los un dann kenne Se in de Mond gucke, odder
meinswäche aach in de Mars, was in dem Fall uff aans eraus
kimmt.
Zuſammefaſſend un gewiſſermaße als Reſumee, odder als
Nutza wendung, odder meintswäche als Bauernreechel kann ich
vun dere Handelsſchau=Läwens=un=Genußmiddel=Geſchmacks=
Ausſtellung doch ſage: alſo es unnerliggd net dem geringſte
Zweifel, daß unſer Induſtriefawrigaddzion un alles, was dode=
mit
verwandt odder verſchwächert is, widder uff de Heeh is. Un
wer als noch glaabt, die Darmſtädter Aanzelhennler kennde nis
uff die Baa ſtelle, un weern mit ihrm Geſchmack noch drei Stund
hinner Fui Deiwel dehaam, dem is net zu helfe der ſoll halt
in Goddesname nooch Frankfort geh, wenn er ſei drei Drumbel
los werrn will. Und der, der wo die Woch im Bladd ſo ſchich=
dern
gefragd hodd, ob’ hier noch Kinſtler gebd, der ſoll ſich die
Ausſtellung agucke, un do wärd er die ſunnerbar Erfahrung
mache, daß es hier noch Kinſtler un Kunſthandwerker gibd,
die wo aus em Nix eraus was Muſtergildiches hiebringe, ohne
daß mern ſo vun owwe runner Ziel un Richdung gibd un
zwar innerhalb zwag Dag! Deß ſoll dene mal aaner nooch=
mache
! Unnern annern Umſtend hedd mer do drei Monad dezu
gebraucht.
Korz un gud, de Willäm Kalbfuß kann mitſamſt ſeine ganze
Handelsſchau=Ausſchißler uff ſeine Loorbiern ausruhe; un wann
de Heer Owwerborjemaaſter die Stadtſunn widder mitgenumme
ſollt hawwe, die Ausſtellung brauch mer deßhalb net ärdra
deggadiern zu loſſe, mag’s rächene wie’s will, die geht net
ei! Jedenfalls, mich bringe in de nechſte acht Dag do kaa zehe
Gail mehr eraus, mehr kann ich gornet verdiene. Un weer mich
zu ſpreche winſcht, ſoll in de Orrangeriegadde kumme de
Stoltekamp un de Schallachbärch wiſſe Beſcheid
Bienche Bimmbeinell.
Pöſtſchkribbdumm: Jetzt hedd ich im Eifer beinoh
vergeſſe, daß gäſterd noch e Ausſtellung eigeweiht is worrn,
un zwar die Schuhmacherei=Fachausſtellung im Saalbau.
Märkwärdicherweis hodd mich der Feſtausſchuß dodezu net
eigelade. Hab ich die Herrn vun de Schuſter=Innung valleicht
emol verkrummbelt? Meines Wiſſens net. Jedenfalls hawwe
ſe gemaand, ich dhet vun ihrm Fach doch nir verſteh (als wann
mer aach alles deß verſteh mißt, wo dezu mer bflichtgemäß ſein
Semfd gäwwe muß!). Awwer do ſin die Herrn doch e bißche
ſchief gewiggelt, jawohl Abſatz mit Stifde, grad in ihrm
Fach bin ich dehaam, wenn aach net ſo gud, wie de Hans Sachs.
Nemlich vor alle Dinge bin ich vun Geburd aus ſchun e Bäch, driddens behaubde derſchiedene Leid, mei Geiſt un mei
Witz, den wo ich alle Sunndag uff die Menſchheid losloſſe dhet,
der weer ſo zeh wie Wiener Babb; annern dodegäche ſage
widder, ich dhet Manchen e paar ameſſe, die dhete ſitze, un
mei unſichtbare Nieſter weern de Staat all; noch annern ſage
mer nooch, ich weer e bidderbees Schaffdeſtebbern un e ganz
egelhafd Drahtziehern, un wann ich aan verſohle dhet, kennt
er ſich net mehr ſähe loſſe unner de Leid; ſogar die klagne Kinner
rufe mer nooch: , ſie hodd die Zugſtiwwel a, Bächknolle
dra, Bächknolle dra! Awwer deß is mer alles ganz egal, die
Haubtſach is, daß mei Kundſchaft mit meine Arweid zufridde is,
ſunſt kemt net ganz Darmſtadt ausgerächend zu mir, wann ſe
de Stiwwel drickt
Vun de Schuhmacher=Fachausſtellung uff’s Summertheater
zu kumme, is allerdings e bische en gewagder Saldo mordal.
Awwer vun de Schuſter uff die Poete, deß is kaa Kunſtſtick.
Un ſo därf ich, wann mer kaaner was uffgebunne hodd, heid

meine Drawande am Blatz!

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Darmſtädter Tagblatt

Handelsblatt

24 Auguſt 19247

Nachgeben der Reichsregierung in der
Aufwertungsfrage.

In den Verhandlungen des Aufwertungsausſchuſſes iſt am
19. d. M. eine bedeutſame Wendung eingetreten. Der Vor=
ſitzende
Dr. Steiniger (Deutſchnatl.) brachte einen formellen An=
trag
auf Aufhebung der 3. Steuernotverordnung ein (ſ. unten)),
während das Zentrum, das ſich bis jetzt zurückhaltend gezeigt
hatte, einen Antrag vorlegte, aus dem hervorgeht, daß auch die
Vertreter der ſtärkſten Regierungspartei eine Aenderung der
3. Steuernotverordnung fordern. Zur intenſiven Förderung
einer Neuregelung der Aufwertungsbeſtimmungen hat der Aus=
ſchuß
, wie wir bereits am Donnerstag mitteilten, einen Unter=
ausſchuß
eingeſetzt und ihm für dieſe Arbeiten feſt umriſſene
Richtlinien vorgeſchrieben. Unter dem Eindruck der oben er=
wähnten
und nächſtehend veröffentlichten Anträge hat dann auch
die Reichsregierung ihren Widerſtand gegen eine Neuordnung
der Aufwertungsbeſtimmungen aufgegeben. Miniſter Dr. Luther
und Staatsſekretär Joel haben unſerer Mitteilung vom Don=
nerstag
zufolge im Aufwertungsausſchuß entſprechende Erklä=
rungen
abgegeben, wobei erſterer ſich etwa wie folgt äußerte:
Er begrüße die Einſetzung des Unterausſchuſſes und ſei bereit,
deſſen Arbeiten nach Kräften zu fördern.

Dem Unterausſchuß, der unmittelbar nach den Reichstags=
beratungen
über das Londoner Abkommen zuſammentreten wird,
gehören an: Dr. Steiniger Deutſchnatl.), Vorſitzender, Dr.
Schetter und Dr. Fleiſcher (Ztr.), Profeſſor Dr. Bredt
(Wirtſchaftspartei), Dr. Dernburg (Dem.), Dr. Hilfer=
ding
(Soz.). Zur Aufwertung liegen folgende Anträge vor:
Antrag Dr. Steiniger (Deutſchnatl.):
1. Die dritte Steuernotverordnung wird mit dem
30. September 1924 mit rückwirkender Kraft aufgehoben.

Für den etwaigen Entwurf neuer Vorfchriften über die von ihr
geregelten Rechtsverhältniſſe wird die Beachrung folgender Geſichts=

punkte erwartet:

a) Die durch die Verordnung beſeitigten oder beeinträchtigten
Rechte ſind wieder herzuſtellen und in ihrer Wirkſamkeit
nur ſo weit zu beſchränken, als dies mit der Rückſicht einerſeits auf
Treu und Glauben, andererſeits auf die Billigkeit, insbeſondere die
wirtſchaftliche Lage der Gläubiger und Schuldner
verträglich erſcheint;
b) in erſter Linie iſt darauf Bedacht zu nehmen, daß für die wie=
derherzuſtellenden
Schuldverpflichtungen ein Zinſendienſt auf=
genommen
wird, deſſen Umfang für das Reich alljähr=
lich
feſtgeſtellt werden mag und auch im übrigen verſchieden
bemeſſen werden kann. Der Rentendienſt des Neiches (§ 42)
und die Verpflichtungen der Gemeinden für ihre Spau=

kaſſen, ſowie aus den aufgenommenen Anleihen ſind grundſätzlich
in vollem Umfang wiederherzuſtellen.
c), auf möglichſt raſche Wiederbelebung des öffentlichen Vertrauens
und beſchleunigte Klarſtellung der Grundſtücksbelaſtung iſt ebenſoſehr
Bedacht zu nehmen, wie darauf, daß die laufenden Verpflichtungen der
Grundſtückzeigentümer aus den Grundſtücksverträgen erfüllt werden
können.
Antrag Dr. Fleiſcher (Ztr.):
1. Artikel 1 der dritten Steuernotverordnung vom 14. Febr. 1924
(Reichsgeſetzblatt I S. 74) wird dahin abgeändert, daß für An=
ſprüche
aus Rechtsverhältniſſen, die vor dem Inkrafttreten dieſer Ver=
ordnung
begründet ſind, die Zahlung einer beſtimmten, in Reichswäh=

Handel und Wandel in Heſſen.

* Die Zahl der Konkurſe im Bezirk der Handels=
kammer
Darmſtadt hat im Juli Ifd. Js. die gleiche Höhe behal=
ten
, wie im vergangenen Monat, nämlich 4. Die meiſten der in Konkurs
geratenen Firmen ſind erſt während der Nachkriegs= oder Inflations=
zeit
gegründet worden. Das Geſchäftskapital iſt nicht ſehr bedeutend.
Es war daher für ſie beſonders ſchwer, über die jetzige Ebbe am Geld=
markt
hinwegzukommen. Falls im laufenden Monat keine weitere Ver=
ſchlechterung
der allgemeinen Wirtſchaftslage eintritt, dürfte mit einem
Rückgang der Zahlungseinſtellungen zu rechnen ſein. Auch die Zahl
der Geſchäftsaufſichten hat im Juli keine Steigerung gegen
den Vormonat erfahren. Verhängt wurde auf Antrag die Aufſicht
über 4 Firmen. Obwohl es ſich auch hier um jüngere Unternehmen
handelt, ſo befinden ſich doch darunter ſehr rührige Werke, die gezeigt
haben, daß ſie Gutes zu leiſten in der Lage ſind. Es iſt zu hoffen, daß
ſie über die jetzige Kriſe ſchnell hinwegkommen und den Betrieb voll
aufnehmen können. Die dadurch bewirkte Entlaſtung des Arbeitsmark=
tes
kann dieſer ſehr vertragen. Doch muß vorerſt abgewartet werden,
wie ſich die Londoner Ergebniſſe und die eingeleiteten Anleiheverhand=
lungen
auf die innere Kaufkraft und den Geldverkehr auswirken. .
Heſſiſche Staatsanleihen. Die auffällige Steigerung
der Kurſe der 2ſta 9 Heſſiſchen Staatsanleihe, die in den letzten Tagen
zu beobachten geweſen iſt, veranlaßt, wie die B. B. Z3. zu berichten
weiß, das heſſiſche Finanzminiſterium zu der Mitteilung, daß der Staat
dieſer Kursbewegung vollſtändig fernſteht. Irgend eine reale Unterlage
für eine Höherbewertung beſteht nach Meinung des Miniſteriums in
keiner Weiſe. Dagegen ſind, wie das heſſiſch Finanzminiſterium meint,
Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß von intereſſierter Seite aus mi rein
ſpekulativer Abſicht dieſe Bewegung künſtlich in Szene geſetzt worden iſt.
6prozentige Holzwertanleihe der Stadt Of=
fenbach
a. M. v. 1923. Der für die Verzinſung der Anleihe vom
1. Oktober 1923 bis 1. Oktober 1924 maßgebende Holzpreis iſt einer Be=
kanntmachung
der Bürgermeiſterei zufolge auf 32 Goldmark pro Feſt=
meter
feſtgeſtellt worden. Für den am 1. Oktober 1924 fälligen 2. Zins=
ſchein
werden daher bezahlt: bei 1 Feſtmeter 2 Goldmark, bei ½ Feſt=
meter
1 Goldmark, bei ¼ Feſtmeter 0.50 Goldmark.

Wirtſchaft des Auslandes.

E.P. Die ſchweizeriſchen Bundesbahnen.
triebseinnahmenüberſchuß der ſchweizeriſchen Bundesbahnen
Juli betrug 14 875 000 Fr., der Betriebsüberſchuß über die erf
nate d. J. beträgt 72 208 613 Fr., d. h. bereits 16 Millione
als in derſelben Periode des Vorjahres.
* Die franzöſiſchen Einfuhren. Die franzüf
fuhren in den erſten 7 Monaten 1924 betrugen 22 R2632000
5 680 940 000 Fr. mehr als im Vorjahr. Die Ausfuhr beli
24 296 013 000 Franken, d. h. 7 734 789 000 mehr als im Vor
Gewicht nach betrug die Einfuhr 33 551 406 Tonnen oder
mehr als im Vorjahr, die Ausfuhr 16 034 628 T. oder 2 739
als 1923.
BR. 7680 Millionen Pfund Sterling
Staatsſchuld. Aus einem vom britiſchen Schatzamt ſoebe
gegebenen Blaubuch geht hervor, daß ſich die geſamte
Großbritanniens am 31. März auf 7 680 623 355 Pfund
zifferte. Davon entfielen 6 554 810 014 Pfund Sterling au
Schuld und 1 125 813 339 Pfund Sterling auf die äußere Sch=
der
inneren Staatsſchuld ſind 5 561 100 193 Pfund Sterling
fundiert.

Die Halle. Eine neue Tageszeitung für Lebens
Landesprobukte. Ab 15. Auguſt erſcheint in Gebr. Richters

anſtalr, Erfurt, eine Tageszeitung für Lebensmittel und Lande
die neben intereſſanten Fachartikeln einen umfaſſenden Nachri

über alle Produkten= und Lebensmittelmärkte des In= und
bringt.

Warenmärkie.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

rung ausgedrückten Geldſumme zum Gegenſtand haben und bei denen
es ſich um Vermögensanlagen handelt, die durch den Währungsverfall
entwertet find, der Zinſendienſt in Höhe von 0,5 v. H. des
Goldwertes der Forderung am Tage der Begrün=
dung
des Schuldverhältniſſes für das Jahr am
1. Januar 1925 mit der Maßgabe beginnt, daß an dieſem Tage
die Zinſen ab 1, Julf 1924 gezahlt werden. Weitere rückſtändige Zinſen
ſind als erlaſſen zu betrachten. Der Zinsſatz ſteigert ſich ab 1. 1.
1926 um je 0,1 v.H. für das Jahr bis zum Höchſtſatz von 1 v.H. Bei
mündelſicheren Anlagen ſteigert ſich der Zinsſatz um 0.1 v. H. jährlich bis
zum Höchſtſatz von 1,5 v.H. Vereinbarungen höherer Zinſen zwiſchen
Gläubiger und Schuldner ſind zuläſſig. Als Vermögensanlagen gelten
die im Artikel 1 8 1 Abſ. 2 bezeichneten Anſprüche.
2. Die Zahlung der gemäß vorſtehender Beſtimmungen verzinſten
Hauptſchuld kann nicht vor dem 1. Januar 1932 verlangt wer=
den
. Der zu zahlende Betrag berechnet ſich nach den Grundſätzen, die
für die Kapitaliſierung einer Nente maßgebend ſind (das 25fache des
Höchſtzinsſatzes). Durch Geſetz wird beſtimmt, unter welchen Voraus=
ſetzungen
Gläubiger und Schuldner eine frühere Zahlung der Schuld
verlangen können.
3. In § 12 Abſatz 2 iſt folgender Satz anzufügen: Ferner werden
Anſprüche aus familien= und erbrechtlichen Auseinanderſetzungen nicht
als Vermögensanlagen angeſehen, auch wenn ſie nicht in wiederkehren=
den
Leiſtungen beſtehen und durch Hypothek geſichert ſind.
II.
1. Für die Anleihen des Reichs und der Länder,
die vor dem Inkrafttreten dieſer Verordnung aufgenommen worden
ſind und auf Reichsmark lauten, wird der Zinſendienſt zunächſt in
Höhevon 0,5 v. H. des Nennwertes für das Jahr am 1. Jan. 1925
mit der Maßgabe wieder aufgenommen, daß an dieſem Tage die Zinſen
ab 1. Juli 1924 gezahlt werden. Dies gilt nur für Schuldverſchrei=
bungen
und Schuldbuchforderungen, ſowie für ſolche Anleihen, bei denen
nicht eine Verpflichtung zur Rückzahlung der ganzen Anleihe innerhalb
zweier Jahre nach der Aufnahme der Anleihe beſteht. Dieſe Vorſchrif=
ten
gelten auch für Gemeinden und Gemeindeverbände,
ſoweit nicht durch Reichsgeſetz ein anderes beſtimmt wird. In Einzel=
fällen
kann die oberſte Landesbehörde, falls beſondere Vevhältniſſe vor=
liegen
, für die Anlage einer Gemeinde oder eines Gemeindeverbands eine
Regelung treffen, die von den vorſtehenden Vorſchriften abweicht. Die
Reichsregierung kann mit Zuſtimmung des Reichsrats die für Gemein=
den
geltenden Vorſchriften auf die Anleihen öffentlich= recht=
licher
Körperſchaften und Anſtalten, ſowie auf die in
8 41 des Hypothekenbankgeſetzes bezeichneten Schuldver=
ſchreibungen
für anwendbar erklären. Weitere rückſtändige Zinſen aus
der Zeit vor dem 1. Juli 1994 ſind als erlaſſen zu betrachten. Eine
Einlöſung der Hauptſchuld kann bis auf weiteres vom
Gläubiger nicht gefordert werden.
2. Die in Ziffer 1 vorgeſehenen Zinſen ſind auch denjenigen zu
zahlen, die ihre Anleiheſtücke bis zum Nennwert von 20 000 Mark auf
Grund der Verordnung der Reichsregierung vom 19. Mai 1923 zurück=
gegeben
haben. Die Finanzämter ſind anzuweiſen, bedürftigen
Kleinrentnern die Steuer zu erlaſſen, die ſich aus der
Umwertung der Reichs= und Staatsanleihen ergeben. Sollte die Natu=
ralrückgabe
der Anleiheſtücke techniſch unmögkich oder aus ſonſtigen
Gründen untunlich ſein, ſo ſind dieſe Perſonen in angemeſſener Weiſe
zu entſchädigen. Inwieweit die Träger der Sozialverſicherung für die
früher in ihrem Beſitz geweſenen, während der Inflationszeit im Jahre
1923 veräußerten Anleiheſtücke hierbei zu berückſichtigen ſind, bleibt einer
beſonderen Regelung vorbehalten.
Antrag Dr. Düringer (Dtſch. Vpt.):
Einen Unterausſchuß einzuſetzen, der die dem Ausſchuſſe vorgeleg=
ten
Anträge nach folgenden Geſichtspunkten nachzuprüfen hat:
1. Inwiefern iſt eine Verzinſung der öffentlichen An=
leihen
(Reich, Länder, Gemeinden) und der Vermögensanlagen der
3. St. N.V. möglich.
2. Inwieweit iſt eine Erhöhung des Umwertungs=
ſatzes
(15 Proz.) bei den Vermögensanlagen der 3. St. N.V. möglich.
3. Inwieweit iſt eine Rückwirkung der Aufwertungs=
vorſchriften
möglich.
4. Was hat zu geſchehen, um im Gegenſatz zur 3. St.N.V. eine
gleichartige Behandlung, aller Gläubiger herbeizu=
führen
?
Um nrch einmal auf die Erklärungen des Reichsfinanz=
miniſters
(ſiehe oben) zur Einſetzung des Unterausſchuſſes zu=
rückzukommen
, ſo iſt feſtzuſtellen, daß dieſe keine ſachliche
Stellungnahme enthält. Weite Kreiſe des Hypotheken=
gläubiger
= und Sparerſchutzverbandes erblicken darin jedoch ein
Nachgeben der Regierung und glauben, daß die Regie=
rung
mit dieſer Erklärung nunmehr ihren grundſätzlichen
Widerſtand gegen jede Neuaufrollung der Aufwertungs=
frage
aufgegeben habe,

* Stand der Geſchäftsaufſichten. Der Zentralverband
des Deutſchen Großhandels e. V., Berlin W. 8, Budapeſter Straße 21,
der am 20. 8. ſeine fünfte Liſte der unter Geſchäftsaufſicht ſtehenden
Firmen herausgegeben hat, teilt uns aus dieſer mit, daß die Zahl der
bisher unter Geſchäftsaufſicht Geſtellten heute 2870 beträgt, von denen
bis jetzt 579 wieder aufgehoben worden ſind. Die Zunahme ſowohl
wie auch die Abnahme der Geſchäftsaufſichten war innerhalb der letz=
ten
zwei Wochen weſentlich geringer als in der gleich langen Vorperiode.
Zulaſſung wertbeſtändiger Wertpapiere zur
Beleihung bei der Reichsbank. Das Reichsbankdirektorium
hat beſchloſſen die nachſtehend aufgeführten wertbeſtändigen Wert=
papiere
zur Beleihung bei der Reichsbank zuzulaſſen. 5proz. Gold=
hypothekenpfandbriefe
der Bayeriſchen Handelsbank in München, Reihe
15, 5proz. Roggenpfandbriefe der Bayeriſchen Hypotheken= und Wech=
ſelbank
in München, 6proz. Goldhypothekenpfandbriefe der Baheriſchen
Hypotheken= und Wechſelbank in München 5proz. Goldpfandbriefe der
Bayeriſchen Vereinsbank in München, Serie 112, 5proz. Roggen=
Kommunalſchuldverſchreibungen der Braunſchweig=Hannoverſchen= Hypo=
thekenbank
in Hannover, 8proz. Goldhypothekenpfandbriefe Reihe 1 der
Deutſchen Genoſſenſchaftshypothekenbank A.=G. in Berlin, 10proz. Gold=
hypothekenpfandbriefe
Reihe 2 ber Deutſchen Genoſſenſchaftshypotheken=
bank
A.=G. in Berlin, 10proz. Feingold=Pfandbriefe des Erbländiſchen
Ritterſchaftlichen Creditvereins in Sachſen, 5proz. Goldhypothekenpfand=
briefe
der Pfälziſchen Hypothekenbank in Ludwigshafen, 6proz. Gold=
pfandbriefe
der Preußiſchen Zentral=Stadtſchaft in Berlin, 8proz. Gold=
pfandbriefe
der Preußiſchen Zentral=Stadtſchaft in Berlin, 10proz.
Goldpfandbriefe der Preußiſchen Zentral=Stadtſchaft in Berlin, 5proz.
Goldpfandbriefe der Rheiniſchen Hypothekenbank in Mannheim, 5proz.
Roggen=Kommunalſchuldverſchreibungen von 1923 der Rhein.= Weſtfäli=
ſchen
Bodenkreditbank in Köln, 5proz. Goldpfandbriefe von 1923 der
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Bodenkreditbank in Köln, 5proz. Gold= Kommu=
nalverſchreibungen
von 1923 der Rheiniſch=Weſtfäliſchen Bodenkredit=
bank
in Köln, 10proz. Gold=Kommunalſchuldverſchreibungen von 1994
der Rheiniſch=Weſtfäliſchen Bodenkreditbank in Köln, 5proz. Goldhypo=
thekenpfandbriefe
Reihe 1 und 2 der Sächſiſchen Bodenkreditanſtalt, in
Dresden, 6proz. Goldhypothekenpfandbriefe Reihe 1 der Süddeutſchen
Bodenkreditbank in München.

* Von den ſüddeutſchen Waren= und Prof
märkten. Am Getreidemarkt waren die Vorgänge an den
bezw. nordamerikaniſchen Märkten für die Tendenz ausſchl
Von den amerikaniſchen Märkten wurden zunächſt feſtere Kur
der, doch trat in den folgenden Tagen, ſpeziell gegen Wochener
dem Druck umfangreicher Zufuhren eine Abſchwächung zuta
meiſte Intereſſe fanden wieder die Angebote in Hard=Winterwv
billiger zu beſchaffen iſt als andere Provenienzen. Die F.
lauteten für die 100 Kg. Hardwinter zweite Auguſtverſchiffung
für ſeeſchwimmende Ware auf 14,25 hfl. eif. Rotterdam.
15,75, desgl. II 15,40, desgl. III 15, 79 Kg. Barletta Ruſſo
79 Kg. Roſafé 14,55 hfl. eif. Rotterdam. Weſtern=Noggen 10,
Roggen, ſeeſchwimmend, 11,10 hfl. eif Rotterdam. Gerſte hatte
haften Markt. Ruſſiſche Gerſte 63/64 Kg. ſchwer, verladeberei=
terdam
, war zu 12,85, 67/68 Kg. ſchwere Donauware zu 12,80
100 Kg. eif. Rotterdam offeriert. In Hafer lagen Angebot
Weſtern=Hafer II, ſeeſchwimmend, zu 11,50, Plata=Hafer 46/4
9,359,45 und Plata=Clipped=Hafer, Naturalgewicht 52 Kg. 9,7
100 Kg. eif. Rotterdam. Mais blieb gefragt, man zahlte für i=
dam
disponiblen Platamais 9,8510 und für ſeeſchwimmen
9,859,90 hfl. für die 100 Kg. eif. Rotterdam.

Das Geſchäft in Inlandsgetreide war lebhafter al
Vorwoche und es wurden bedeutende Umſätze getätigt. Die
über die einheimiſche Ernte lauten nicht befriedigend. In der
näheren Umgegend iſt die Kornfrucht im allgemeinen gut in d
nen gekommen, während in rauheren und höher gelegenen Geg?
Kornferucht teils geſchnitten am Bod liegt und infolge des Rege
ſtark gelitten hat. Die an der Börſe gezeigen Muſter der dies
Ernte enttäuſchen hinſichtlich der Beſchaffenheit. Intereſſe
für gute, geſunde, trockene Waxe.
Die Getreidepreiſe im hieſigen Verkehr lauteten zuletzt
100 Kg. waggonfrei Mannheim für Weizen, inländiſcher, 2323
ländiſcher 2527,50, Roggen, inländſicher, 1818,25, ausländi
Gerſte 21,5024, Hafer 19,5020, Mais 18,5018,75 GM.,
Am Mehlmarkte richtete ſich die Preisbewegung ne
Brotgetreideofferten. Da die letzteren anfangs der Woche höl
teten, ſo ging der Mehlpreis für Weizenmehl, Vaſis Nul, bs
GM., wurde dann aber auf 34 GM. von den Mühlen emäß
der zweiten Hand wurden anfangs der Woche 34, Ende der M
GM. gefordert. Das Hauptgeſchäft wickelte ſich wiederm mt
diſchem Weizenmehl ab, und zwar wurde argentiniſches Weizine
31 GM. für die 100 Kg. waggonfrei Mannheim umgeſet. Eſe
Konkurrenz für die ſüddeutſchen Mühlen iſt in den elfäſſiſchen in

Auflöſung der Außenhandalsſtelle der Me= zöſiſchen Weizenmehlen entſtanden. Die Offerten aus dem
tallwirtſchaft. Die Außenhandelsſtelle der Metallwirtſchaft, der aus Frankreich ſtellen ſich infolge der von der franzöſiſchen ge
bereits ſeit längerer Zeit die Befugnis zur Erteilung von Ein= und bewilligten Ausfuhrprämie weſentlich niedriger, als das Fahnia.
Ausfuhrbewilligungen entzogen iſt, wird nunmehr durch die in dieſen Mühlen. Für elſäſſiſches und franzöſiſches Weizenmehl, 8o
Tagen im Reichsanzeiger zur Veröffentlichung kommende Verordnung werden 7,507.80 Dollar für die 100 Kg. frei Grenzſtationn ge
des Reichswirtſchaftsminiſters endgültig aufgelöſt. Soweit Waren aus dem Nordamerikaniſche Patentmehle fanden zu 34 GM. die 100 Gh. 1
Zuſtändigkeitsgebiet dieſer Außenhandelsſtelle noch dem Ein= oder Aus= frei Mannheim Aufnahme. In Noggenmehl intereſſeren, in de
fuhrverbot unterliegen, iſt für Ein= und Ausfuhrbewilligungen der ſache die ſchleſiſchen und norddeutſchen Fabrikate. Für ſchleſch
Reichskommiſſar für Aus= und Einfuhrbewilligungen zuſtändig.
* Geſchäft sbelebung in der Damenkonfektion. Kg. bezahlt.
Nach einer ſeit mehreren Monaten anhaltenden allgemeinen Geſchäfts=
ſtockung
zeigt ſich gegenwärtig wieder eine Belebung in der Damen= Nachfrage, beſonders für Kleie und Futtermehle. Aleie eio)
konfektion. Namentlich die Damenmäntelfabriken erhielten anläßlich der bis 11,50 GM., Weizenfuttermehl 14,2514,50, Nachmehl d-
jetzt
in Berlin ſtattfindenden Durchreiſe einen ſehr zahlreichen für je 100 Kg. frei Waggon Mühle. Trockenſchnitzel auf Lieſe

Einkäuferbeſuch. Nachdem ſich der Einzelhandel ſo lange von den Dis= toberNovemberDezember ſind zu 10,5011 GM. ab öuc
poſitionen für Herbſt und Winter zurückgehalten hat, ſtellt ſich nun= ſtationen angeboten. Rapskuchen werden mit 12,50 und Lehlit

mehr, wo der Beginn der neuen Saiſon nahe bevorſteht, die Notwendig=
keit
der Beſchaffung von Neuheiten um ſo dringender ein. Aus allen
Teilen des Reichs kam die Kundſchaft nach Berlin, um die neuen Mode=
erſcheinungen
kennen zu lernen und Beſtellungen zu machen. Es ward
mit großer Vorſicht gekauft und die ſonſt um dieſe Zeit erteilten Nieſen=
orders
blieben diesmal aus. Indeſſen ergaben die vielen mittleren
und kleinen Abſchlüſſe einen Auftragsbeſtand insgeſamt, der die
Damenmäntelkonfektion für die nächſte Zeit beſchäftigt. Da die Lager=
beſuche
ſich noch fortſetzen werden, dürfte es an Arbeit nicht fehlen. In
Anbetracht der geſchwächten Kaufkraft des Publikums wurden aus=
nahmslos
billige Mäntel aus Velours und Eskimo beſtellt. Die dafür
kalkulierten Preiſe wurden allgemein als zu hoch von den Käufern ab=
gelehnt
, ſo daß ſich die Konfektion gezwungen ſah, die Forderungen bis
auf die Selbſtkoſten zu ermäßigen, um zu Abſchlüſſen zu kommen. Die
Notwendigkeit dazu liegt in den bedeutenden Stoffvorräten der Damen=
konfektion
, die außer den ſchon vorhandenen Geweben noch bedeutende
Mengen von den Tuchfabriken zu erwarten hat. Bekanntlich mußten
auf Anordnung der Deutſchen Tuchkonvention die Webereien,
die ihr faſt ſämtſich angehören, jede Annullierung oder Minderung der
gegebenen Aufträge zurückweiſen. So iſt denn die Damenkonfektion
gezwungen, die Stoffe abzunehmen. Um ſie verwerten und bezahlen
zu können, müſſen dieſe Waren verarbeitet werden, und ſo hat man ſich
entſchloſſen, ohne jeden Nutzen die Aufträge der Einkäufer anzunehmen.
Allerdings iſt die Mäntelkonfektion der Meinung, daß ſchon Anfang
Oktober infolge der ſpäten und unzureichenden Dispoſitionen der Ab=
nehmer
ine Knappheit an Stoffen und daher auch an Damen=
mänteln
eintreten wird, die dann zu einer weſentlichen Preiser=
höhung
führen muß. Bemerkenswert iſt die augenblickliche außer=
ordentlich
rege Nachfrage nach waſſerdichten Damenregenmänteln noch
für den Sommer. Sie werden von allen Seiten dringend verlangt, und
die Damenkonfektion konnte den größten Teil ihrer Vorräte abſtoßen.

genmehl, 70prozentige Ausmahlung, wurden 2323,50 GM, füt
Für Futtermittel beſtand, auch in dieſer Woche

22 GM. die 100 Kg. ab Oelfabrikſtationen genannt. Nauhſte

Erwerbsgeſeliſchaften.

* Rheiniſche Automobilbau A.=G., Deutſche Ge=
ſellſchaft
für die Lizenz E. Bugatti (Rabag) Mann=
heim
=Düſſeldorf. In der Generalverſammlung wurden durch
5 Aktionäre 19 190 Stamm= und 5000 Vorzugsaktien vertreten. Die Vor=
ſchläge
der Verwaltung fanden einſtimmig glatte Erledigung. Vorſtand
und Aufſichtsrat wurde Entlaſtung erteilt und der rechnungsmäßige
Ueberſchuß von 1,521 Bill. Mark auf neue Rechnung vorgetragen. Der
Vorſitzende des Aufſichtsrates, Generaldirektor Rud. Funke=Düſſeldorf
machte über den gegenwärtigen Stand der Automobilinduſtrie bemerkens=
werte
Ausführungen, denen wir u. a. entnehmen: Die Lage der deut=
ſchen
Automobilinduſtrie iſt heutzutage durch den ſcharfen. Wettbewerb
des Auslandes eine gerade traurige. Man könnte zwar den Wettbewerb
mit dem Auslande wohl aufnehmen, wenn man nicht gar zu ſehr von
den Einzelteilfabrikanten, die die Vergaſer, elektriſchen Anlagen, Näder,
Bereifungen uſw. herſtellen, abhängig wäre. Dieſe Einzelteilfabrikanten
betreiben eine Preispolitik, die den Abſatz nach dem Auslande ganz un=
möglich
macht. Es iſt ſchon viel darüber geſchrieben und geſprochen
worden, ob die Grenze für die Auslandsware geöffnet wird. Im be=
ſetzten
Gebiet wurden die ausländiſchen Waren hereingelaſſen. Da hat
ſich die Tatſache ergeben, daß die Konkurrenz nicht groß war. Die
Qualität der deutſchen Ware iſt eben doch ſo hervorragend, daß die
Deutſchen immer wieder die deutſchen Waren bevorzugen. Wenn die
Grenze geöffnet wird für Einzelteilfabrikate, dann ſtünde die Automobil=
induſtrie
beſſer da. Was die Bugattiwagen betreffe, fo habe man auch
aus der Preſſe erſehen, daß die Wagen mit erſten Preiſen aus den
Rennen hervorgingen.: Der Wagen ſei ſehr beliebt, aber die Kundſchaft
wünſche, daß man ſich den Auslandspreiſen anpaſſe. Der Ablatz ſei des=
halb
ſehr erſchwertz=

unveränderten Markt.
Für Malz beſtand ſtärkere Nachfrage für letztjährige Ve
gegen die diesjährigen Malze weniger verlangt werden. Die P=.
la. Ware ſtellen ſich auf 4244 GM., mittlere Sorten auf. 3
und geringere Quglitäten auf 3536 GM. die 100. Kg. 0b Nc.
ſtationen.
Für alte Hopfen, beſtand weiter lebhaftes Interelſe
Preiſe ſind auf 250300 GM. geſtiegen. Anregend wirkten de
über unbefriedigenden Ausfall der diesjährigen Ernte. Dieſe*
ſowohl quantitativ als auch qualitativ bei weitem nicht ſo gu.
wie man urſprünglich angenommen hatte, da der langanhaleno.
recht nachteilig war. In den Ortſchaften Forſt, Weiher, Rirtcce
hauſen, Walldorf, St. Leon und Railingen wurden Käufe vol
der Händler gemacht und für gute Ware wurden 280 GM, ſüt de
ner angelegt.
Hülſenfrüchte lagen ſehr ruhig, doch haben die Pre
flußt durch die ſchlechten Ausſichten für die diesjährige Ernte, C.
Von Delſaaten hatte Raps ſehr feſten Markt und d.
ſind gegenüber der Vorwoche um 1,52 auf 35,5036 G9, De
bahnfrei Mannheim geſtiegen.
Im Tabakhandel hat ſich das Geſchäft in der
Woche etwas gehoben. An verſchiedenen Gundi= und Herbſino=
auf
der Haardt gingen größere Quantitäten, von den Pſl.
fermentierte Tabake, in Hände der Händler über. Die Beſe
der Rauchtabakfabrikation hat ſich in den letzten 14 Tagen Eio
und infolgedeſſen treten die Verarbeiter am Inlandsmarkt, A.
als Käufer auf. Die Berichte über den auf dem Felde ſteg,
lauten bis jetzt günſtig, doch wäre trockenes Wetter erwühlie.
dieſe Pflanze ſonſt Schaden erleiden wird.
Börſen.

* Frankfurter Börſe. Wochenbericht in dei
bis 23. Auguſt 1994. (Eigener Bericht.) Die Tatſache,
doner Konferenz nunmehr zu einem poſitiven Ergebnis 0
kam an der Börſe nicht ſo ſtark zur Auswirkung, wie ho
wartet hatte, da die baldige Durchführung des Dabeshio
unklaren innerpolitiſchen Verhältniſſen Deutſchlands vod
als geſichert angeſehen werden kann. Immerhin war
zu Beginn der Berichtswoche im allgemeinen recht feſt, 10
Aktienmärkte hatten anſehnliche Kursſteigerungen auſd=
erſter
Linie gilt das von den weſtlichen Montanwerten,

wirtſchaftliche Näumung des Nuhrgebiets die Befreiung vo.

ren Belaſtung bedeuten würde. Daneben waren auch gerdhe.
vorzugt, für die man ſich aus der nunmehr erfolgten. 2
zwiſchen den elſäſſchen und deutſchen Werken eine ſtat.

bung verſpricht. Die Haltung der Aktienmärkte wit
Verlauf der Woche ſchwankend. Die Befürchtung, daß
löſung des Reichstags kommen könnte, veranlaßte die Spel
fach zur Löſung ihrer Engagements. Auch das Aus
und da zu Gewinnregliſationen geſchritten zu ſein. 2

hielten ſich die Kursrückgänge jedoch in mäßigen Grel
Ende der Woche konnte ſich wieder eine leichte Erholi.
Weſentlich größer als an den Aktienmärkten waren de.
am Markte der inländiſchen Nenten. Hier ſetzte zuhh.
Rückgang der Kurſe ein, da Nachrichten von verſched.
Ausſichten für eine Aufvertung ſehr gering erſcheine.
feſtigte ſich ſpäter die Tendenz unter vielachen ſtare g
wieder und der Markt verließt am Ende der Woche 2.
feſter Haltung=

[ ][  ][ ]

Nätter 235.

Darmſtädter Dagblatt, Sonntag, den 24. Auguſt 1924.

S-it=

Das deutſche Herz.

Roman von Adolf Schmitthenner.
(Nachdruxk verboten.)

kacht brach ein, als Hans ſeine Mutter vom Pferde hob.
rw. /bgeſprungen, um ſeinem Vater mit dieſem Ritterdienſt
vor. rimen. Während die Knechte die Gäule in Empfang
hmey ilte der Schloßhüter mit einem Lichte die Treppe her=
iter
. ſtand unter der Türe und ſchützte mit der hohlen Hand
e Fr re vor dem Zug.
iſt geſchehen? fragte Urſula erſchrocken. Du ſiehſt
gann rſtört aus.
S inme Poſt! erwiderte der alte Mann, und Tränen tra=
rihr
die Augen
F ich machte eine abwehrende Gebärde und fragte: War
nanzü er?
Sja. Eine reiſende Frau war drunten im Dorf. Sie
mhsi in einer Kutſche, die ausſah wie der Zwilling von der
rrim er, und fuhr gegen Gundelsheim weiter. Ihr müßt
beglet ſein. Kaum war ſie fort, ſo kam der Bote mit der
eſen richt. Er wartet drinnen.
Sich die Dame aufgehalten?
Tten im Dorfe, ja. Aber wißt Ihr denn ſchon, was der
Muf, te a cht hat? Er hat es doch niemand geſagt als uns.
W hat die Frau drunten im Dorf getan?
S at nachgefragt nach
Y= teiter! Komm! Ich will dich allein ſprechen."
AH twißt Ihr denn
Fr ich ging raſch voraus. Der alte Mann folgte vorſich=
mir
ni flackernden Licht.
RäFfte. J3 erſteh’ den Herrn nicht, murrte er. Was geht ihn
n fr en Weibsbild ihr Sohn an? Wär’ er nicht ins Heu,
wär, nicht verbrannt. Aber warum hat ſie nicht ihren
ords: 4 em umgedreht dem Rheine zu, um ihre Enkeltochter zu
hen, Urſa? Ich glaube, daß ſie weiß, was dort geſche=
iſt
:
SSeiß ſie von Urſa? fragte Hans.
Des ushalter blieb, ſtehen und wollte antworten. Da kam
ſulg Treppe herauf. Sie hatte gehört, was der Alte vor
hinw ummt hatte, und fragte ahnungsvoll:
Jai einſt du mit deiner böſen Poſt nicht die Schlacht, die
Prar eſchehen iſt!
Aoldas geht Euch Prag an? Dort habt Ihr keinen Le=
18hoffeo keinen Hausvogt. Aber in Oppenheim
WAſt dort geſchehen? rief Hans.
Da vholl von oben Friedrichs ſcharfe Stimme: Daniel!
Urſf und Hans fanden den Boten am Tiſche ſitzend. Er

ſchob Teller und Glas zurück, ſtand auf, kaute und ſchluckte eine
Weile, dann trat er der Herrin ein paar Schritte entgegen und
ſagte mit der Miene und im Tone eines Leichenbitters ſeinen
Bericht her.
Spaniſches Fußvolk war mit bielen Stücken vor Oppenheim

Jedes der drei hing ſeinen Gedanken nach. Hans ſchaute
in das Licht und dachte an Urſa. Mit der ganzen Selbſtſucht der
Jugend ordnete er das Gehörte um den Mittelpunkt ſeines Ver=
langens
. Urſa im Heerlager zu wiſſen war ihm weniger bitter,
als ſie ſich als Gattin des früheren Torwarts zu denken. Ich

gezogen. Die Bürger hatten ſich einige Tage gewehrt, da ſie hoff= gönne ſie lieber einem tapferen Soldaten als dem Knollfinken,
ten, durch die evangeliſchen Bundestruppen entſetzt zu werden, ſagte er zu ſich und nagte an der ſchmalen Unterlippe. Wenn es
Als aber die erſten feurigen Kugeln in die Stadt fielen, verglich auch an jedem Tag ein anderer wäre! Nun weiß ich doch, wie ich

ſich der Rat mit dem Feinde. Spinola ſagte der Stadt Sicher=
heit
der Perſon, des Eigentums und der Religion zu und ver=
bürgte
die Gerechtſame der Bürgerſchaft; darauf huldigte der Rat
dem Kaiſer und nahm eine ſpaniſche Beſatzung in die Stadt auf.
Die Welſchen ſeien zuerſt manierlich geweſen. Bald aber ſeien
Klagen an den Rat gekommen. Am häufigſten und lauteſten habe
der Vogt im Hirſchhornſchen Lehenshof lamentiert und Be=
ſchwerde
über Beſchwerde auf der Kanzlei vorgetragen. Er ſei
dadurch dem Rate überläſtig geworden. Den welſchen Offizieren
aber, die ſeinetwegen viel Unmuß gehabt, ſich aber trotzdem, und
zwar um ſeiner Frauen willen, täglich im Lehenhof umgetrieben
hätten, ſei er verhaßt geweſen. In einer Nacht ſei ein Trupp in
ſein Haus eingebrochen: os es die Soldaten auf Geld und Koſt=
barkeiten
oder auf das Weib des Vogts abgeſehen gehabt hätten,
wiſſe man nicht gewiß. Hannes habe ſich ihnen männlich gegen=
übergeſtellt
und habe den wilden Burſchen den Eintritt in ſeines
Herrn Eigentum mit einer langen Rede und einem langen Spieß
gewehrt. Die Eindringlinge hätten ſich weder um das eine noch
um das andere gekümmert. Da ſeien die einquartierten Sol=
daten
von Urſa zu Hilfe gerufen worden. Sie hätten ihrem
Hauswirt wacker beigeſtanden und es ſei zu einem Kampf in den
Stuben und im Hof, gekommen. Die Räuber ſeien hinausge=
drängt
worden, aber unter dem Hoftor habe ſich ein Offizier um=
gedreht
und dem Vogt, der allen voran geſtanden hätte, die
Hellebarde in die Bruſt geſtoßen, ſodaß er tot hintenüber gefal=
ſen
ſei.
Und Urſa?
Die Welſchen ſind auf ſie toll wie auf alle weißen und blon=
den
Weiber. Die Kompagnie, der die Uebeltäter angehören es
ſind Neapolitaner, und die Spanier mögen ſie nicht leiden , ſind
zur Strafe aus der Stadt in das Lager, das auf dem andern
Rheinufer aufgeſchlagen iſt, gelegt worden. Mit ihr iſt des toten
Burgvogts Weib verſchwunden. Ob ſie gewaltſam mitgeführt
worden oder ob ſie freiwillig mitgegangen iſt, das weiß man
nicht gewiß.
Friedrich, der während der Erzählung des Boten eingetreten
war, erkundigte ſich noch, wie es mit ſeinem Eigentum ſtehe. Als
er beruhigenden Beſcheid empfangen hatte, winkte er dem Boten,
er ſolle verſchwinden, und trat ans Fenſter.

ſie ehrlich finden und gewinnen kann: im Bezirk des Trommel=
ſchlags
und unter der wehenden Fahne.
Auch Urfula dachte an die Witwe des Vogtes. Sie konnte
ſich eines Gefühls der Erleichterung nicht erwehren, ſo aufrichtig
ſie ſich deſſen ſchämte. Sie hatte bisher mit Sorgen daran ge=
dacht
, wie leicht es ihrem Sohne fei, ſich in das Hirſchhornſche
Haus zu Oppenheim einzulegen, und es grauſte ihr bei der Vor=
ſtellung
, wieviei Häßliches und Sündliches daraus entſpringen
würde. Jetzt iſt ſie geworden, wozu ihre Natur ſie beſtimmt hat.
Finden ſie ſich einmal wo in der Welt, dann iſt ihr Wille frei.
Sie verweilte einen Augenblick bei dieſem Gedanken. Aber ſo=
fort
errötete ſie und ſchalt ſich ſchlecht, und es quollen ihr die Trä=
nen
auf über Urſas Geſchick, und ſie klagte ſich an, daß ſch in
ihren Gedanken und Wünſchen dieſe Wendung von Urſas Leben
vorausgebildet habe.
(Fortſetzung folgt.)

Nearfteit5
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ausgelaufene Farben

entfernt

entfärbe

beseitigt E

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Jagden, und herrl. Naturschönheiten
zeigt der Film.
Der reichliche Wildbestand wurde
auf freier Wildbahn aufgenommen.
In den Hauptrollen: (*24338g0
Lia Eibenschütz, Charlotte Ander
Rudolf Forster, Heinrich Schrofh

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Lustspiel in 2 Akten mit Gerhard Dammann.

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