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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAluſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Originäl=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 209
Dienstag, den 29. Juli 1924.
187. Jahrgang
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(1 Dollar — 4.20 Mar). — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlſcher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto: Deutſche Bank und Darme
ſtädter 8 Nationalbank.
Um die (inladung Deutſchlands.
der Geſamteindruck: Noch keinerlei Löſung. — Ankunft der Deutſchen gegen Wochenende.
ſuch die Repko wird eingeladen. — Herſtellung eines Ookuments als Diskuſſions=Grundlage.
Der Rat der Fünf entſcheidet.
die Einladung Deutſchlands hinausgeſchoben.
S. London, 28. Juli. Die heutige Vollſitzung der
onferenz hat beſchlofſen, die Einladung an
eutſchland den fünf Delegationsführern, dem Rat der
anf, zu überlaſſen. Maßgebend für die Entſcheidung
r, daß eine Einigungüberden Zeitpunkt der
Ein=
dung vor Beginn der Vollſitzung der Konferenz nicht
er=
elt werden konnte. Nach Auffaſſung in ſehr gut unterrichte=
Kreiſen bezweifelt man, daß unter dieſen Umſtänden die
Ein=
ung an Deutſchland noch heute beſchloſſen werden wird.
nerika wünſcht die Anweſenheit deutſcher Vertreter.
London, 28. Juli. (Wolff.) Die Times berichtet aus
ſhington, in amtlichen amerikaniſchen Kreiſen
iſche die Anſicht, daß der Augenblick gekommen ſei,
die Anweſenheit deutſcher Vertreter in
ndon die Lage erleichtern könnte. Coolidges
An=
ſei die, daß der Dawesplan der einzig beſtehende Plan ſei,
irgendwelche Hoffnung auf ein Uebereinkommen unter den
Betracht kommenden Nationen biete und daß, wenn
irgend=
he gegenſeitigen Zugeſtändniſſe für ſeine integrale Annahme
notwendig erächtet würden, dieſe Zugeſtändniſſe gemacht
den müßten und auch gemacht würden. Die nach Amerika
ngten Berichte beſagten, daß die Stärke der gemäßigten Par=
* Deutſchlands, die zwiſchen den Nationaliſten und
Kommu=
n ſtänden, als zweifelhaft zu betrachten ſei. Wenn man
zei=
könnte, daß das Eintreten dieſer gemäßigten Parteien für
Dawesplan als das einzige Mittel, um Deutſchland und
opa zu retten, genügend Unterſtützung erhalte, würde
jeg=
s Zögern in Amerika verſchwinden und die Weigerung
rkreichs, mit den anderen Nationen gleichen Schritt zu halten,
m Lande ſchließlich jede amerikaniſche Sympathie
ent=
den.
Ein amerikaniſcher Kompromißvorſchlag.
SD. London, 28. Juli. Der amerikaniſche Beobachter,
ſt Logan, hat der erſten Kommiſſion heute
vormit=
einen Vorſchlag unterbreitet, der ſich auf nachſtehende
kte bezieht: Die deutſche Regierung und die Repko werden
reter ernennen, die ſich mit den Bankiers in Verbindung
Ir und zuſammen die Bedingungen für die 800
Millionen=
ihe beſtimmen. Die franzöſiſchen Sachverſtän=
Aen haben ſich grundſätzlich mit dem
Vor=
ag einverſtanden erklärt. Von engliſcher Seite be=
Aift ihn aber der Schatzkanzler Snowden. Die erſte
Kom=
on iſt heute nachmittag 3 Uhr zu einer neuen Sitzung zu=
Anengetreten und wird über dieſen Vorſchlag weiter ver=
Aeln.
Die Polkſitzung am Montag.
1SD. London, 28. Juli. Die heutige Vollſitzung der
Kon=
z nahm zunächſt die amtliche Ernennung des erweiterten
A tiſchen Ausſchuſſes vor, worin jetzt Belgien, Großbritannien,
ikreich, Italien und Japan vertreten ſind, ſowie ein Reprä=
Dint der Vereinigten Staaten mit beratender Funktion. Als=
9 wurde der Bericht des urſprünglich Kleinen Ausſchuſſes
Tegengenommen und gebilligt. Im Zuſammenhang damit
1e die Einladung Deutſchlands erörtert, aber
2igehend entſchieden, die Einladung nicht ſofort ab=
Senden, ſondern erſt etwas ſpäter im Laufe
ſer Woche. Der Beſchluß, Deutſchland einzuladen, iſt
Zh grundſätzlich gefaßt worden. Ehe aber die
Kon=
zarbeiten nicht genügend gefördert ſind, wird es für
zweck=
zehalten, die deutſchen Vertreter herzubitten. Gleichzeitig iſt
2 dem Eintreffen der deutſchen Delegation auch die Ankunft
Reparationskommiſſion vorgeſehen. Das iſt eine
2iſch ſchwierige Aufgabe, da jede Regierung, um irgend=
2ſen Mißverſtändniſſen vorzubeugen, ihren Vertreter in der
rationskommiſſion einzeln auffordern muß, nach London zu
ten. Es wird für den Tag der Ankunft der Deut=
An, die nun für die zweite Hälfte der Woche
erwar=
vird, die Herſtellung eines Dokumentes erwartet, das der
ibung am Mittwoch überreicht werden ſoll und als
Diskuſ=
grundlage zu dienen hätte. Es wird aber an maßgebender
e betont, daß dieſes Dokument der deutſchen Delegation
in der Art eines Ultimatums vorgelegt wer=
Yſol.
Bis jetzt keine greifbaren Ergebniſſe.
Lndon, 28. Juli. Reuter erfährt: Unmittelbar nach der
irenz zwiſchen den Delegationsführern trat die britiſche
Sdelegation zu einer Beſprechung zuſammen. Die allge=
Anſicht in britiſchen Kreiſen geht, ſoweit offiziell bekannt,
daß die Lage keineweſentliche Veränderung
Aren hat. Seit Freitag iſt nach offizieller Keuntnis kei=
Si Löſung der von den Bankiers gewünſchten Sicher=
Sfrage aufgetaucht. Die Frage der militäriſchen
mung des Ruhrgebietes liegt außerhalb des Rah=
N2 der Konferenz. Die Eiſenbahnfrage iſt
Eie vor dieſelbe, da England und Frankreich ihren
Igen Standpunkt genau feſtgelegt haben, bildet aber nicht
Auptproblem. Der Geſamteindruck der Konferenz geht nach
2 Dayin, daß alle Beteiligten ihr Beſtes tun, und daß nie=
De Perantwortung für ein Mißlingen auf ſich nehmen will.
Kommiſſionsergebniſſe.
Die 14 Punkte der Juriſten.
London 28. Juli. (Wolff.) Der diplomatiſche
Bericht=
erſtatter des „Daily Telegraph” ſchreibt, der Bericht des vierten
Komitees der Konferenz, beſtehend aus Cecil Horft und
Froma=
geot, ſei von beſonderem Intereſſe. Der Bericht ſetzt ſich aus zwei
Teilen zuſammen, die „Erwägungen” und „Verfahren”
über=
ſchrieben ſind, und enthält 14 Artikel.
Artikel 1 weiſt darauf hin, daß der Verſailler
Ver=
trag keine Beſtimmung enthält, die die Alliierten
er=
mächtige, in die innere Souveränität
Deutſch=
lands oder in die Methoden, durch die Deutſchland
Repara=
tionszahlungen leiften ſoll, einzugreifen. Der Artikel
ent=
hält eine Bezugnahme auf Clemenceaus Antwort auf die deutſche
Bemerkung im Juni 1919, worin erklärt wurde, daß die Alliierten
ſich im weſentlichen verpflichten, ſich jeder Einmiſchung in die
inneren wirtſchaftlichen Verhältniſſe Deutſchlands zu enthalten;
dieſe Bezugnahme erſtrecke ſich auch auf die übrigen Artikel.
Artikel 2 ſtellt die Obliegenheiten der
Repara=
tionskommiſſion unter dem Friedensvertrag auf, wie die
Feſtſetzung des Geſamtbetrages der deutſchen Verpflichtungen,
das Gehör, das den Deutſchen gewährt werden ſoll, und die
Aus=
legung der Reparationsteile des Vertrages und ſeiner Anhänge.
(Artikel 233, 234, 240, verſchiedene Artikel im Anhang 2 des
Tei=
les 8 des Friedensvertrages ſeien im Zuſammenhang damit
er=
wähnt.)
Artikel 3 gibt zu, daß die Kommiſſion nicht befugt iſt,
beſon=
dere Zahlungsmethoden aufzuerlegen, daß ſie keine
Befug=
niſſe habe, von Deutſchland eine beſondere innere
Geſetz=
gebung oder beſondere Methoden für die Einziehung von
Steu=
ern zu verlangen.
Artikel 4 bemerkt, daß in dieſer Hinſicht der Dawesplan
vollkommen vom Friedensvertrag verſchieden
iſt, da er die Annahme gewiſſer Geſetze durch
Deutſch=
land vorſchreibe, die eine äußere Kontrolle für
be=
ſondere deutſche Staatseinkünfte bedeuten, ohne eine
Beeinträch=
tigung der allgemein im Artikel 248 des Friedensvertrages
ent=
haltenen Beſtimmungen, und Deutſchland neue finanzielle
Ver=
pflichtungen auferlegt, wie die Aushändigung der Eiſenbahn=
und Induſtrie=Effekten.
Artikel 6 erklärt, daß zahlreiche im Dawesplan
ent=
haltene Teile außerhalb des
Friedensvertra=
ges liegen, die dem Vertrag nicht widerſprechen,
daß ſie aber die Ergreifung von Maßnahmen in
Uebereinſtim=
mung mit dem Vertrag erfordern.
Artikel 7, der Teil 2 des Juriſtenberichts eröffnet, ſetzt das
Verfahren auseinander, das für die Durchführung des
Dawesplanes angewendet werden müßte, ohne dem
Ver=
trag zuwiderzuhandeln.
Artikel 8 bringt zum Ausdruck, daß es Maßnahmen gebe,
die von Deutſchland getroffen werden müſſen, um ſeine
Ver=
pflichtungen durchzuführen. Weitere Maßnahmen, die von den
Alliierten gegenüber Deutſchland getroffen werden müßten, und
ſchließlich Maßnahmen, die Gegenſtand von Vereinbarungen
unter den alliierten Regierungen bilden würden.
Artikel 9 weiſt darauf hin, daß die erſte Kategorie von
Maß=
nahmen Gegenſtand eines Uebereinkommens zwiſchen
Deutſchland und der Reparationskommiſſion
ſein werde.
Artikel 10 betont andererſeits, daß die
Wiederherſtel=
lung der fiskaliſchen und wirtſchaftlichen
Sou=
veränität Deutſchlands nicht Sache der
Repara=
tionskommiſſion iſt. Er betont, daß es nicht die
Repa=
rationskommiſſion war, die deutſches Gebiet, das Ruhrgebiet,
be=
ſetzte, und daß es nicht die Reparationskommiſſion iſt, die der
Räumung dieſes Gebietes zuſtimmen müßte, und unterſcheidet
drei Faktoren in der Vereinbarung über den letzteren
Punkt, die Räumung des Ruhrgebietes: 1.
Beſetzungs=
mächte, 2. alliierten Mächte, die ſich verpflichten, das
Dawesüber=
einkommen durchzuführen, und 3. Deutſchland. Daher betont
die=
ſer Artikel die Notwendigkeit einer Vereinbarung zwiſchen den
Regierungen der Alliierten und der deutſchen Regierung.
Artikel 11 führt die Maßnahmen an, die eine
Verein=
barung unter den alliierten Regierungen
erfor=
dern würden. Es beſtehe die Frage der Sanktionen und die
Frage der gegenſeitigen Auslegung von 8 17 und 8 18 Anhang II
des Vertrages. Wenn die franzöſiſche Theſe ſtimmt, würde jede
Beſchränkung der Befugniſſe, Sanktionen zu verhängen,
Abwei=
chungen vom Vertrage nach ſich ziehen. Daher müßten die
Alli=
ierten unter ſich ſelbſt über das
Sanktionsver=
fahren übereinkommen.
Artikel 12, der die tatſächliche britiſche Antwort auf Artikel 11
darſtellt, betont, daß trotz allem die deutſche Regierung
eine Partei ſei, die an der Frage der Sanktionen
beteiligt ſei, und daß die Anleihe nur auf das Vertrauen der
Geldgeber unter der Bedingung fußen könne, daß das
Geſchäfts=
leben Deutſchlands in Zukunft nicht durch dieſe oder jene Macht
gefährdet werde. Dieſer Artikel hebt auch hervor, daß jedes
interalliierte Abkommen über Sanktionen der
deutſchen Regierung mitgeteilt werden müſſe,
um zu ermöglichen, ihre Anleihe mit den Bankiers zu vereinbaren.
Artikel 13 faßt die vorherigen Empfehlungen bezüglich der
drei Uebereinkommen zuſammen, die entworfen werden ſollen,
und ſchlägt vor, daß ein einziges Protokoll und das
Schlußproto=
koll von der Konferenz angenommen und von ihrem Vorſitzenden
unterzeichnet werden ſoll.
Artikel 14 erklärt, daß der Abſchluß des Abkommens mit
Deutſchland eine Einladung ſowohl an die
Reparationskommiſ=
ſion als auch an die deutſche Regierung nach ſich ziehen würde,
um das Abkommen zu beraten, das zwiſchen der
Reparations=
kommiſſion, der deutſchen Regierung und der alliierten
Regie=
rungen abgeſchloſſen werden ſoll.
* Vor der Abreiſe.
In den verſchiedenen Reichsminiſterien trifft man mit
Hoch=
druck alle Vorbereitungen, um die deutſche Delegation für die
Reiſe fertig zu machen und ihr vor allen Dingen die ſachlichen
und ſtatiſtiſchen Unterlagen in die Hand zu geben, deren ſie bei
den Verhandlungen in London bedarf. Nach den letzten in
Ber=
lin eingelaufenen Nachrichten ſcheint es ſo, als ob Herriot
dem engliſchen Druck nachgegeben hätte und einer
Kompromißlöſung zugeſtimmt hat, die wenigſtens in
einigen Punkten dem deutſchen
Mindeſtpro=
gramm entſpricht. Selbſt wenn ſich dies aber beſtätigen
ſollte, ohne daß ſofort ein Kanonenſchuß aus Paris kommt und
dies vorläufig noch recht nebelhafte Gebilde zerſtört, ſind damit
noch lange nicht alle Schwierigkeiten behoben. Der eigentliche
Kampf beginnt erſt dann, wenn die deutſche Delegation in
Lon=
don eintrifft und nun in zäher Arbeit verſuchen muß, ihre
For=
derungen Stück für Stück durchzuſetzen,
voraus=
ſichtlich nicht in öffentlichen Sitzungen, nicht einmal in
Komitee=
ſitzungen. Es wird damit zu rechnen ſein, daß die eigentlichen
Entſcheidungen im allerengſten Kreiſe, hinter vierfach
verſchloſſe=
nen Türen fallen, damit die Vertreter der einzelnen Länder die
Möglichkeit haben, offen aus ſich herauszugehen, ohne deshalb
gleich auf jedes Wort feſtgelegt zu werden. Deshalb wird wohl
auch die große Konferenzſitzung, an welcher ſchon einmal
Deut=
ſche teilnahmen, mehr ein Schauſpiel für das Publikum ſein,
während der ernſte Waffengang, in dem die Klingen gekreuzt
werden, erſt ſpäter ſtattfindet. Ob deutſche Vertreter in die
be=
reits beſtehenden Kommiſſionen entſandt werden, um dort unter
Vortrag unſerer Wünſche noch einmal die ganzen Probleme
durchzukauen, ob neue Kommiſſionen gebildet werden, das alles
ſind Fragen, über die man vorläufig noch vollkommen im
Dun=
keln tappt. Zurzeit ſcheint noch niemand recht zu wiſſen, wie das
praktiſche Zuſammenſpiel ſich vollzieht. Die deutſche Delegation
wird aber jedenfalls daran feſthalten, daß ſie ihre Unterſchrift
nur dann geben kann, wenn ſich das Erreichte in den Grenzen
hält, die in der Erklärung der Regierungsparteien bei der letzten
Reichstagsdebatte gekennzeichnet ſind.
Es war uns aufgefallen, daß der Reichskanzler ſich
gegen=
über dieſen Programmpunkten namens der Reichsregierung ſehr
zurückhaltend äußerte. Wie wir nachträglich feſtſtellen können, iſt
Herrn Dr. Marx dabei ein Verſehen unterlaufen. Die Erklärung,
die er namens der Regierung abzugeben hatte, war weſentlich
beſtimmter gehalten und ſprach ſich dahin aus, daß das
Reichs=
kabinett feſt entſchloſſen ſei, dieſes Programm
durchzuſetzen. Ein Programm alſo, das nicht allein die
bkonomiſche und militäriſche Räumung des
ge=
ſamten Einbruchsgebietes umfaßt, ſondern auch in
irgendeiner Form die Aufrollung der
Kriegsſchuld=
lüge bedeutet. Daraus ergeben ſich für die Taktik der deutſchen
Regierung beſtimmte Anhaltspunkte. Doch dieſe ſchon vor der
Abreiſe zu betonen, iſt unzweckmäßig, weil ſonſt der Eindruck
ent=
ſtehen könnte, als ob beſtimmte Gegenwirkungen und von
ſozial=
demokratiſcher und linksdemokratiſcher Seite her Maßnahmen
Einfluß gewinnen könnten, die ſich auch mit eine verwaſchenen
Zuſage in der Richtung der militäriſchen Räumung einverſtanden
erklären wollten. Das Reichskabinett wird da nicht folgen
können. Es hat ſich am 9. Juli einſtimmig darin
feſtgelegt, daß es eine Unterſchrift unter ein Londoner
Pro=
tokoll nicht leiſten könne, wenn es die volle Sicherheit für die
militäriſche Räumung des geſamten, über den Verſailler
Ver=
trag hinaus beſetzten Gebietes nicht erhält, und hat auch den
Ententeregierungen dieſen Beſchluß amtlich zur Kenntnis
ge=
bracht. Ein Zurück kann es hier nicht mehr geben
wird es auch, ſoweit wir die Dinge hier beurteilen können, nicht
geben. Aber in den Schoß werden der deutſchen Delegation die
Erfolge nicht fallen. Es wird einer geſchickten Taktik und einer
ſtarken Nervenkraft bedürfen, um zuletzt ſoweit zu kommen, daß
das knüftige Londoner Protokoll auch den deutſchen Intereſſen
gerecht wird.
Neue Kompromißverhandlungen.
Ein „Ultimatum” Poincarés an Herriot?
London, 28. Juli. „Daiky Mail” meldet zu dem
Kom=
promiß zwiſchen Macdonald und Herriot, dieſem
Uebereinkommen ſei ein unformelles Ultimatum
Poincarés an Herriot vorausgegangen, in dem Herriot
darauf hingewieſen worden ſei, daß er den hartnäckigſten
Wider=
ſtand zu erwarten habe, wenn er unter anderem nicht die
folgen=
den drei Bedingungen annehme:
1. Deutſchland ſoll nicht gleichberechtigt zur Konferenz
zuge=
laſſen werden.
2. Der Grundſatz der Durchſetzung des deutſchen
Eiſenbahn=
perſonals im Rheinlande mit alliierten Eiſenbahnern ſoll
aufrecht erhalten werden.
3. Für die wirtſchaftliche Räumung des Ruhrgebietes, ſollen
keine endgültigen Zeitpunkte feſtgelegt werden.
Nach einer Londoner Meldung ſind die Grundlagen
für das Kompromiß zwiſchen Herriot und
Mac=
donald folgende:
1. Deutſchland wird in der heutigen Vollſitzung der
Kon=
ferenz unter den Bedingungen völliger Gleichberechtigung und
unter Zuſicherung völliger Diskuſſionsfreiheit eingeladen, mit
den Alliierten über die Aufſetzung des Protokolls zur
Wieder=
herſtellung der wirtſchaftlichen und finanziellen Einheit des
Rei=
ches zu verhandeln.
2. In dieſem Protokoll zwiſchen Deutſchland und den
Alli=
ierten und in einem beſonderen Protokoll der Alliierten unter ſich
gibt Frankreich bindende Erklärungen über die beabſichtigte
voll=
ſtändige Räumung des Ruhrgebietes ab.
3. England verpflichtet ſich, die Bankiers, zu veranlaſſen,
ſich mit der erſten Theunisſchen Faſſung, verbunden mit den
Empfehlungen des erſten Ausſchuſſes, in der am Montag
ver=
öffentlichten amtlichen Auffaſſung (alſo mit Ausnahme des 8 4)
als Garantie für die Anleihe zufrieden zu geben, wenn
Frank=
reich durch die an Termine gebundene Räumung des
Ruhr=
gebietes und Deutſchland durch ſeine in freier Verhandlung
ge=
gebene Zuſicherung zum Dawesplan die notwendigen Garantien
für die Ausſcheidung der beiden Streitfragen (deutſche
Nicht=
erfüllung und militäriſche Gewaltanwendung als Mittel zur
Er=
zwingung von Reparatiohszaſlungen) geleiſtet haben.
II auck
zu ſein
aubens
ges.
ecker
n mit
lautet,
utſchen
einzö
vürde
tſchen
rbaues
ſeite 2.
i Haee
Boffnungen und Sorgen in England.
Von unſerem Korreſpondenten.
London, 27. Juli. (Durch Flugpoſt.)
Die Stimmung in der engliſchen Preſſe war geſtern recht
aus den Artikeln und Berichten der großen Blätter. Aber dieſe auf dieſen Strecken geſperrt wird.
Bilder wechſeln kaleidoſkopiſch von Tag zu Tag, ſowie auch nur
ein Stocken oder irgend eine noch ſo unbedeutende Schwierigkeit
in den Kommiſſionsberatungen verlautbart. Auf das dau= bevor.
ernde Moment, die Stimmung in den in Betracht kommenden
eine feſte Haltung bemerkbar gemacht hat. Man hat die Sache v. Bergen teil.
nun einmal in die Hand genommen, und was an England und
„Wir mögen den Gedanken gar nicht erwägen, daß all dieſes
ein engliſcher Freund. „Ich laſſe mir meinen Optimismus nicht worden ſind, da keine Partei ſich zu Konzeſſionen verſtehen wollte.
rauben. Wir haben ſchon ſchwierigere, wenn auch ſelten ſo
fol=
genſchwere Lagen durchgemacht. Wir ſtehen ja nicht allein,
ſon=
dern in allen den Hauptfragen Schulter an Schulter mit unſeren
Freunden von jenſeits des Atlantic”.
Und das iſt ja die eigentliche Signatur der Lage, nur daß
in beiden Ländern. Dieſer Dreibund iſt es ja, der Herriot die wie des ruſſiſchpolniſchen Eiſenbahnabkommens vollzogen.
meiſten Kopfſchmerzen und denen in Paris den bitterſten Groll
in der er ſich befindet, die Tatſache, daß er gar nicht ſo viel
weiter zurück kann. Und das iſt auch für Englands
Premier=
miniſter die Quelle ſchwerer Sorge. Er darf Herriots Fall unter
reden. „Er kämpft für drei Regierungen”, lautet ein
journali=
ſtiſches Schlagwort. Zwar trifft es auf ſeine eigene nicht zu,
denn man kann nur mit ſtillem Neid beobachten, daß es hier in
nurder nationale Gedanke vorherrſcht. Und ſo iſt auch
ohne jede Bedeutung. — Das Schlimmſte wäre ein Vertagung,
denn man ſagt ſich, daß Deutſchland, beſonders mit allen
Mi=
eumlaſten, eine längere Verhandlungspauſe kaum durchhalten
könnte. Damit würde der ganze Dawesplan fallen. „Und er Nach Nachrichten, die dem amerikaniſchen Staatsdepartement
zuge=
ſoll nicht fallen”, ſagt England—Amerika. „Darum muß man
auch eine deutſche Delegation hier haben”, ſagt England— Die Stadt iſt von den Regierungstruppen beſetzt worden.
Amerika.
Ein politiſches Ergebnis.
SD. London, 28. Juli. Das Hauptergebnis der heutigen
Vollſitzung iſt ein theoretiſches. Die gleichberechtigte
Einladung Deutſchlands iſt grundſätzlich
ge=
billigt worden. Das iſt ein politiſches Ergebnis, das zwar
augenblicklich nicht viel bedeutet, das aber als wichtig bezeichnet
werden darf. Im übrigen wird die Lage nicht als ſehr
peſſi=
miſtiſch bezeichnet. Der Schwerpunkt der Lage iſt gewiſſermaßen
jetzt wieder bei den Amerikanern, die den Verſuch einer
Vermit=
telungsaktion machen. Auf amerikaniſcher Seite hegt man die
Hoffnung, daß alles zu einem guten Ende führen kann. Es kann
nicht verſchwiegen werden, daß in England eine gewiſſe
Unter=
ſtrömung ſich bemerkbar macht, die gegen die Beteiligung an der
deutſchen Anleihe Stimmung macht. Der gewaltige Einfluß der
Daily Mail und der ihr angehörenden Blätter iſt nicht zu
ver=
kennen. Rein ſtimmungsgemäß ausgedrückt, entſpricht die
heu=
tige Sitzung der äußeren Wetterlage. Ein wolkenbruchartiger
Regen geht über die Stadt nieder. Die Witterungsſchwankungen
ſind in dieſem Sommer größer als je zuvor. Die Politiker ſind
naturgemäß ebenſo, wie auch die übrige Menſchheit, dadurch
deprimiert.
Snowden zur Räumung des Ruhrgebietes.
London, 28. Juli. Der vom engliſchen Schatzkanzler
Snowden informierte Berichterſtatter des Daily Herald
ſchreibt: Poincars hatte ein gegen Frankreich tief eingewurzeltes
Mißtrauen in der ganzen Welt hinterlaſſen. Gibt es nun Mittel
und Wege, durch die uns Frankreich davon überzeugen kann, daß
es mit Poincaré zugleich auch den Poincarismus preisgegeben
hat? Dieſes Mittel beſteht in der militäriſchen Räumung des
Ruhrgebietes, und das iſt der Prüfſtein der neuen franzöſiſchen
Politik. Wenn Herriot erklärt, daß er bereit iſt, das Ruhrgebiet
binnen ſechs Monaten von franzöſiſchen Truppen zu räumen und
die franzöſiſchen Truppen zu den im Friedensvertrag feſtgeſetzten
Terminen aus dem Rheinland zurückzuziehen, und er ferner
be=
reit iſt, eine Klauſel dieſes Inhalts in das Protokoll
aufzuneh=
men, dann wird er mehr getan haben, als irgend eine Formel
zu leiſten. Dann vermag man die Welt davon zu überzeugen,
daß der Poincarismus der Vergangenheit angehört.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
Vom Tage.
Die baheriſche Regierung hat als ihren Vertveter in der
beutſchen Delegation für die Londoner Konferenz den
Staats=
rat Dr. Schmelzle vom Miniſterium des Aeußern beſtimmt.
Maxau und Neureuth vom Ciſenbahnzug aus verſpottet worden ſein
ſollten, hat die franzöſiſche Militärbehörde die Schließung
der Fenſter in den Zügen zwiſchen Maxau und Knielingen und von licht weitere Einzelheiten über ſeine geſtrige Mitteilung, daß Ma
mäßig, und auch heute klang noch ein erheblich peſſimiſtiſcher Ton Karlsruhe-Mühlburg—Neureuth angeordnet, andernfalls der Verkehr nald Herriot die Zuſtimmung zu den franzöſiſchen Forderungen in
Löfung des deutſch=raffiſchen Konflikts unmittelbar habe. Der Brief ſei kurz und im geſchäftlichen Tone gehalten. Er
In der deutſchen evangeliſchen Kirche Roms fand am Sonntag fordert worden ſeien, der Augenblick gekommen ſei, um die Frage
Regierungsſtellen, ſind dieſe kleinen Barometerſchwankungen vormittag eine Gedächtnisfeier für die deutſchen Gefal= militäriſchen Näumung der Nuhr aufzuwerfen. Dieſe Näumung kon
ohne Einfluß. Und es iſt erfreulich, wie ſich hier von Beginn henen ſtatt. An der Feier nahmen auch der deutſche Botſchafter beim, ein Mittel ſein, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen. M
Quirinal Frhr. v. Neurath und der deutſche Botzſchafter beim Vatkan donald erſuchte Herriot und Theunis, ihm mitzuteilen, wann ſie
Es iſt jetzt wiederum dayon die Rede, daß Hughes auch
Ber=
den eigentlichen Allierten, Amerika liegt, wird ſie mit echt zäher, lin beſuchen wird. Die Ausführung des Berliner Reiſeblans dürſte nach London zurückfihrte, ſollen Herriot und Theunis folgendes erk
echt angelſächſiſcher Hartnäckigkeit zum Ende geführt werden. — aber davon abhängen, wie die Beſuche in Paris und Brüſſel verlaufen, haben:
Aus Budapeſt wird gemeldet, daß die ſeit längerer Zeit in Prag
unendliche Mühen und Arbeiten, dieſes geſchickte Steuern durch ſtattfindenden Verhandlungen wegen eines Handelsvevtrag es Belgien und Deutſchland an. Die Frage der militäriſchen Näum
alle dieſe Klippen vergeblich geweſen ſein ſoll”, ſagte mir heute zwiſchen Ungarn und der Tſchechoflowabei, abgebrochen kann nicht offiziell auf der Konferenz aufgeworfen werden.
Der jugoflawiſche König hat den Führer des
Oppoſitions=
blocks Davtdovie mit der Bildung eines Konzentrations=
und vom König beſtätigt.
mein Bekannter den dritten Freund vergeſſen hat, die Hochfinanz deutſch=polniſchen Abkommens in der Okkupationsfrage, ſo= Amerikaner ſcheinen daran zu denken, Frankreich Kredite für die
Am Sonntag nacht wurde der Redakteur der in Sofia er= gedacht, das mehr als irgend eine andere Macht an der volſtändi
erregt. Man verkennt hier keinen Augenblick die ſchwierige Lage, ſcheinenden ruſſiſchen Zeitung „Nuß” namens Kalikow von unbe= Näumung der Nuhr intereſſiert ſei. Cs würde ſich um wirtſchaftl
kannten Tätern von der Straße aus in dem Augenblick erſchoſſen, 10. Januar 193 abgeſchloſſen werden ſoll. Der Frage, der militäriſe
als er gerabe zu Bett gehen wollte.
Staatsſekretär Hughes iſt geſtern abend auf dem Pariſer Bis jetzt ſeien die Konferenzarbeiten durch zwei Fragen behindert n
keinen Umſtänden zulaſſen, ebenſowenig wie einen Regierungs= Nordbahnhof angekommen, und von dem amerikaniſchen den, nämlich die Frage der politiſchen Garantien, die von den Banti
wechſel in Berlin, von ſeinem eigenen hohen Amte gar nicht zu. Botſchafter Herreck, dem franzöſiſchen Juſtizminiſter Renauld, dem Gene= für die Zuſtimmung zur Anleihe gefordert werden, und die Frage
ralſekretär Herriot und einigen höheren Begmten des Qugi DOrſay ſtrategiſchen Eiſenbahnen, die deshalb aufgeworfen wurde, um das
empfangen worden.
Der Leiter der Ruſſiſchen Staatsbank Scheinmann, der Führer die militäriſche Räumung der Nuhr zuſtande käme, würden dieſe Fra
der auswärtigen Politik keine Angriffe gibt, daß bei allen der ruſſiſchen Delegation in London, und ſein Privatſekretär haben ſich gleichzeitig geloſt. Der Rückzug der franzöſiſch=belgiſchen Truppen wü
geſtern auf dem Flugblatz Königsberg nach Moskau eingeſchifft. die Befürchtungen der Finanzleute und England aufheben. Es w
die Reihe ſeiner Parlamentsniederlagen in der inneren Politik Als die Witwe des ermordeten amerikaniſchen Bige= nur nötig, auf den rheiniſchen Eiſenbahnen franzöſiſch=belgiſche Eiſ
konſuls Imbris in Teheran zuſammen mit dem Arzt der amerika= bahner zu belaſſen, wie es gegenwärtig unerläßlich ſei. Niemand wi
niſchen Miſſion und deſſen Fran im Auto fuhr, wurde ſie von einem mehr das Bedürfnis empfinden, das Recht des Völkerbundes für die F
jungen Mann überfallen.
gangen ſind, haben die Aufſtändiſchen Sao Paolo geräumt.
„Runmer 209.
Das Haudtäindernie der Kufeten
Die militäriſche Räumung des Ruhrgebiete
Da angeblich franzöſiſche Soldaten bei ihren Uebungen zwiſchen Eine Anfrage Maedonalds und die Antwort Theunis” und Herriot
Paris, 28. Juli. (Europapreß.) Der Petit Pariſien veröf
Sanktionenfrage in Ausſicht geſtellt habe, falls Frankreich die Ruhr
verzüglich militäriſch räume. Macdonald hat dieſen Vorſchlag in ein
Wie von zuſtändiger Stelle in Moskau mitgeteilt wird, ſteht die Briefe gemacht, den er am Samstag an Herriot und an Theunis ge
kläre, daß mit Rückſicht auf die Garantien, die von den Bankiers
Ruhr militäriſch zu räumen gedenken.
Im Zuge, der Macdonald, Herriot und Theunis von Witheh
1. die militäriſche Seite der Ruhrbeſetzung geht nur Frankre
2. die franzöſiſche und die belgiſche Regierung können in keir
Falle der militäriſchen Näumung der Nuhr zuſtimmen, ohne durch
gleichwertige Vorteile zu erlangen. Sowohl auf engliſcher als f.
zöſiſcher Seite aber habe man die Frage geſtellt, was für Vorteile Fre
kabinetts beauftragt. Das Kabinett iſt bereits zuſammengeſtellt, reich für die Näumung der Ruhr gewährt werden könnten. Maedon
und ſeine Kollegen hätten begriffen, daß die engliſchen Angebote ſich
Der polniſche Miniſterrat hat die Ratifizierung des der Nichtung der Sicherheit Frankreichs orientieren müßten.
biliſierung der Währung zu gewähren. Man habe auch an Deutſchle
Vorteile bei der Diskuſſion des Handelsvertrages handeln, der
Näumung der Nuhr lege man gegenwärtig die größte Bedeutung
ſatzungskorps in der Ruhr zu beſchützen. Wenn eine Annäherung u
ſtellung eventueller Verfehlungen Deutſchlands in Frage zu ſtellen.
„Wieviel?”
Perufung der Reparationskommifſion nach London?
London, 28. Juli. (Wolff.) Der Times zufolge wird
be=
abſichtigt, die Reparationskommiſſion nach London zu berufen,
um mit ihren Mitgliedern den Dawesplan zu erörtern. Aller
Wahrſcheinlichkeit nach würden die Mitglieder der
Reparations=
kommiſſion morgen oder ſpäteſtens am Mittwoch vollzählig in
London erſcheinen. Die Anzeichen, daß die Frage der
militäri=
ſchen Räumung des Ruhrgebietes vielleicht auch ernſtlich von
dieſer Konferenz behandelt werde, hätten eine gewiſſe
Beunruhi=
gung in franzöſiſchen Kreiſen erzeugt. Macdonald habe Herriot
vorgeſchlagen, daß die militäriſche Näumung des Ruhrgebiets
ſpäteſtens innerhalb 5 Mongten nach der Anwendung des
Dawes=
blgnes vollendet ſein ſoll.
Die franzöſiſche Preſſe für Kompromiſſe.
* Paris, 28. Juli. (Prib.=Tel.) Die bisherigen
Kom=
mentare, die die heutigen Blätter den Londoner Mitteilungen
widmen, zeigen, daß die überraſchend gekommene Wendung der
Dinge hier, von der grundſätzlichen Oppoſition der um Poincaré
geſcharten Nationaliſten abgeſehen, auf weit weniger Widerſtand
zu ſtoßen ſcheint, als nach der jüngſten Entwicklung
anzuneh=
men war. Sogar der Matin erklärt ſich im Großen und Ganzen
einverſtanden mit der in Ausſicht genommenen Regelung, die
Frankreich nicht nur Sicherheit, ſondern auch die Sanierung
ſei=
ner Finanzen garantiere, und die ſich auf die Formel
zuſammen=
faſſen laſſe, daß die großen angelſächſiſchen Mächte
eine formelle Garantie für den Frieden und die
wirtſchaftlich=finanzielle Gefundung Europas
übernehmen. Eine der Vorausſetzungen dafür ſei, daß die
Oppoſition die ſyſtematiſche Hetze gegen Herriot einſtelle.
Not=
wendig ſei ferner, daß Macdonald ſich diesmal nicht auf
plato=
niſche Verhandlungen beſchränke, ſondern, daß er ſeinem
Ange=
bot die Form konkreter Vorſchläge gebe. Weiter verlangt das
Blatt, daß es direkten Verhandlungen zwiſchen Berlin und
Lon=
don und Paris vorbehalten iſt, die Kompenſationen, die
Frank=
reich von Deutſchland fordern müſſe und die vor allem in
deut=
ſchen Zugeſtändniſſen bei dem bevorſtehenden Abſchluß eines
Handelsvertrages beſtehen müßten, zu regeln.
Paris, 28. Juli. (Europapreß.) Der „Petit Pariſie
veröffentlicht einen Brief des Direktors des „Homme libr
Lautier, Abgeordneter und Mitglied der Kommiſſion, für
auswärtigen Angelegenheiten der Kammer, der ſich ſeit Begi
der Konferenz in London befindet. Lautier ſchlägt vor d
Frankreich die Ruhr im Januar 1925 räume, d. h. gleichzeitigr
der Näumung Kölns durch die Engländer. Es ſei unangebra
nach der Räumung Kölns die franzöſiſchen Truppen in
Nuhr zu belaſſen, da die Beſetzung ſich wie ein Keil in deutſch
Gebiet hineinſchieben würde, wodurch die Truppen im Fa
eines Konflikts tatſächlicher Gefahr ausgeſetzt wären. Wenn al
die Frage der militäriſchen Näumung der Ruhra
geworfen werde, ſo mußte vor allem die Frage geſtellt werde
was Frankreich als Gegenleiſtung erhalte
werde?.
Frankreichs Abſichten auf das
rReiniſch=
weſifäliſche Eiſenbahnnetz.
Ein Ausfalltor für ſpätere Sanktion/!
Berlin, 28. Juli. In der Frage der von Frankreich g
forderten Belaſſung von 4000 franzöſiſchen und belgiſchen Giſe
bahnern in dem rheiniſch=weſtfäliſchen Eiſenbahnnetz gingen d
B. Z. von beſonderer Seite Ausführungen zu, wonach ſich 4
franzöſiſchen Militärs bei dieſem mit Hartnäckigkeit verfolgt
Plane den Weg und die Möglichkeit der Rückehr offenhalten wo
len. Es handele ſich bei dem franzöſiſchen Plan um eine
ſchickt erſonnene Zange, die immer zur Hand wäre und mit d
die Politik der Bedrückung gegen Deutſchland weiter verſu
werden könnte. Frankreich wolle ganz beſtimmte ſtrategiſche
nien dauernd in ſeiner Kontrolle behalten und ſich ſo ein Au
falltor ſchaffen, das neue Sanktionen in jeder Hinſicht für Frar
reich erleichtern würde. Es handelte ſich alſo nicht bloß um ei
techniſche Eiſenbahnangelegenheit, ſondern um eine politiſe
Frage allererſten Nanges. Das franzöſiſche Verlangen ſei d
draſtiſchſte Schlag gegen das Gutachten, denn die franzöſiſch
Militärs wollen die Befreiung der Ruhr und die wirtſchaftlie
und finanzielle Einheit des deutſchen Gebietes durch dieſen ſe
weit ausholenden Vorſchlag hemmen und bei gegebener Gelege
heit wieder beſeitigen. Es ſei alſo bei allen Faktoren, die d
Befriedung Europas wollen, äußerſtes Mißtrauen und äußerſt
Widerſtand gegen den franzöſiſchen Vorſchlag am Platze,
Georg Chriſtoph Lichtenberg
und Darmſaodt.
Von
Dr. Hermann Bräuning=Oktavio.
Unter den Heſſen=Darmſtädtern, die ſeit dem 18. Jahrhundert
als Sterne erſter Größe am Himmel deutſchen Geiſteslebens
glänzen, verdient Georg Chriſtoph Lichtenberg (1742—1799)
beſondere Beachtung; denn beim Blättern in ſeinen zahlreichen
Briefen, die ſeit 1904 in drei Bänden”) vorliegen, erfüllt es uns
immer mit Stolz, aus der Feder eines ſo berühmten Mannes
zu leſen, wie gern er bis ins hohe Alter ſeiner Heimat mit einer
auch für Einzelheiten lebendigen Erinnerung gedachte.
Natürlich verpflichtet das uns, die Nachfahren. Zwar haben
wir in Darmſtadt eine Lichtenbergſtraße; aber wer weiß, daß ſie
das Andenken an den großen Eſſahiſten wach halten will? Und
wenns wer rät, ſo rät er falſch, wenn er anglog ſchließt, der
Mercks=, glias Meß=Platz ſei ſo zu Ehren Johann Heinrich Mercks
genannt. Man ſage deshalb Georg Chriſtoph Lichtenberg=Straße,
geſtatte natürlich den überbeſchäftigten Leuten, Lichtenbergſtraße
zu ſagen. Auch ſollte man der Anregung meiner Eingabe von
1909 ſtattgeben und eine Straße nach Fohann Heinrich Merck
be=
nennen; eine Helferich Peter Stürz=Anlage zu ſchaffen, wäre
ebenſo verdienſtlich, wie bei Straßenbenennungen außer an
Darmſtädter Bürgermeiſter und Stadtverordnete auch an die
große Landgräfin zu denken, deren Grabmal im Herrngarten in
einem geradezu beſchämenden Zuſtand iſt, wenn es nicht
nach=
gerade Sitte wäre, ſehenswerte Stätten aus dem 18. Jahrhundert
ſo 3 la Fürſtenlager verkommen zu laſſen!
Man kann die Vergangenheit pflegen, indem man einen
Ratskeller aufmacht oder bei Tonkünſtlern und Bibliophilen
und 28 anderen Vereinen pro Woche die ſtereotype, falſche Formel
Merck” — Mephiſtopheles geduldig wiederholt. Vergangenheit
läßt ſich auch dergeſtalt pflegen, daß wir unſeren großen Söhnen
nicht nur Denkmäler ſetzen”), ſondern den Mut aufbringen, ihren
Geiſt zu bejahen und im Sinne ihrer Forderung zu leben.
Wer nur einen Hauch von Bienchen Bimmbernells Phantaſie
verſpürt, ſtelle ſich vor: die großen Männer ſteigen eines Tages
aus dem Grabe, obwohl das nach Leſſings „Hamburgiſcher
Dra=
maturgie‟ (11. Stück) eine ſchwere Entgleiſung wäre, und geraten
in eine Verwaltungskommiſſiong= oder Stadtparlanientsſitzung.
sgegeben bon Albert Lektzfig un ſind Carl Schüddekopf.
MFein Deukmal, ſo.
ſtenlerg, Büche
Hhme e e ren
dann ... .! Selbſt der Ruf nach der Feuerwehr wäre
um=
ſonſt!. Wenn dagegen der Geiſt jener großen Männer lebendig
wäre, wirkte und die beſcheidenen Weisheiten der
Gegenwarts=
politiker bei ihren Beratungen und Beſchlüſſen inſpirierte, wie
anders müßte ſo mancher Beſchluß ausfallen.
Wenn die Stadt die Geder für das Ratskellerprojekt
irgend=
woher auftreibt, ſo hätten ſich die beſcheidenen Mittel für eine
verantwortungsvolle Heimatpflege, etwa in der
vorbild=
lichen Art der Stadt Hildesheim, vorausgeſetzt, daß man „ſowas”
will, gewiß auch aufbringen laſſen.
Doch wir beſcheiden uns; ſo wir das nötige Kleingeld haben,
werden wir Alt=Darmſtädter Bilder im
Rathaus=
keller betrachten können, und mancher weinfröhliche Zecher
wird ſeine Beſuche im Ratskeller damit entſchuldigen können, daß
er praktiſche Heimatkunde treibe! Indeſſen werden
Marktplatz=
projekt, Herrngartenprojekt, Woogsprojekt, Hotelprojekt,
Palais=
projekt uſw. uſw. langſam reifen und uns Zeit laſſen, mit
Lich=
tenberg mal an Alt=Darmſtadt zu denken!
Wie ſehr Lichtenberg in Erinnerungen an Darmſtadt lebte,
ſagt uns ein Brief aus dem Jahr 1793 an ſeinen Schulfreund, den
ſpäteren Darmſtädter Superintendenten Chriſtian Heinrich
Zim=
mermann!: „Träum ich mich hin zu Dir in Deines Herrn
Vaters Haus in der Schloßgaſſe, o dann höre ich das Glockenſpiel:
O Menſch, bewein dein Sünden groß, und ich
be=
weine die Flucht jenes güldnen Alters unſers Lebens jener Tage
und Stunden in Deiner Geſellſchaft, die mir das Gold unſers
Königs nicht aufwiegen könnte; ich höre das Feyer=Geläute am
heiligen Chriſt=Abend und den heiligen, unvergeßlichen Klang der
großen Glocke. Welch ein Zug eröffnet ſich da vor meiner
Phantaſie von Freunden und Geſpielen unſerer Jugend! — So
und in dieſer Stimmung habe ich Deinen neulichen herrlichen
Brief geleſen und wieder geleſen und durchgeträumt, mit einer
unbeſchreiblichen Empfindung, die ich Wehmuth nennen möchte,
wenn ſie nicht ſo viel Reitzendes für mich hätte.” Auch als
Heſ=
ſen in den Koglitionskriegen zu leiden hatte, weilen ſeine
Ge=
danken in der Heimat; ſo ſchreibt er 1796 an denſelben: „Wie oft
hab ich an Dich, an Dein Bickenbach und Seeheim, an
Darm=
ſtadt und an die Schloßgaſſe gedacht! Du warſt immer die
Per=
ſon, die ſich meine Phantaſie wählte, wenn ich die Angſt und alles
Leiden, das mein armes Vaterland betroffen haben muß, meinem
Herzen ſo nahe als möglich legen wollte . . . Schwebt Ihr denn
da draußen noch immer zwiſchen Furcht und Hoffnung?. Wir
fangen leiderl jetzt erſt recht an zu ſchweben. Sein Bruder, der
Geheime Tribunalrgt Friedrich Ehriſtian Lichten”
2 1770-1800 Pfarrer int Bickenbach, ſeit 1892 in Darmſtadt.
TI84. 10 Veter, der Geheime.—
rich Auguſt Lichtenberg (1755—1822) hielten, ihn auf de
Laufenden, ſo daß er 1797 an ſeinen Freund und Verleg
Dieterich ſchrieb: „Die Franzoſen betragen ſich nach de
Frieden ſvon Campo Formiol in den kleinen Staaten Deutſe
lands ſehr ſchlecht, ja ſie haben ſogar in einigen Darmſtädtiſche
Aemtern die alten Grauſamkeiten wieder ausgeübt, und ih
Forderungen ſind unüberſchwänglich.”
Als 1784 der Anatom S. Th. Sömmering von Caſſel na
Mainz überſiedeln wollte, warnte Lichtenberg unter Berufun
auf ſeinen Darmſtädter Bruder und das Sprichwort „Main
ein Schalk volk arger Liſt” empfahl aber „ja im
Frü=
ling Darmſtadt und die himmliſche Bergſtraße zu b
ſuchen.
Darmſtadt war Lichtenberg aus der Schulzeit bekannt; be
ſeinen Lehrern erwähnt er den Stadtſchulmeiſter Johanne
Keim (7 1796), als er 1785 ſeinem „lieben Herm G
vatter” und Schulfreund, dem Pfarrer Amelung, für d
angetragene Patenſchaſt dankt: „Und meinem kleinen Pathche
zeigen Sie dieſen Brief; vielleicht erinnert ſie ſich dereinſt, de
ihr vor Freude halb bethörter HErr (8. T.) Pathe mit zwehe
lei Dinte geſchrieben hat und ein G. gemacht hat, das ſeit 175
in keinem ſeiner MSS angetroffen werden wird, ein wahres un
kum. Einen qößeren Beweiß, daß einen die Freude faſt kindiſ
macht, konte ich Ihnen nicht geben als dieſes G., das mich Kei
Keim ehemals lehrte.”
Sein „Herz erhebt ſich”, wenn er in den ſchönen Adreß
kalendern die Beſetzungen der Aemter bis auf die Mädchet
Schulmeiſter durchlieſt und zuweilen einen Duzbruder darunte
erblickt; da kommt ihm auch der Wunſch, die alten Schul
kameraden”) einmal zuſammenzutrommeln: „Hätte ich ſ.
viel Vermögen als mancher meines Gleichen Schulden hat, 1
ließe ich einmal eine Inditation im Frankfurter) Riſtrett
an alle ergehen und lüde ſie auf die Pfingſtferien nach Göttinge
ein; was das für eine Seeligkeit ſeyn müßtel zumal wenn jed‟
ſeine Reichsinſignien mitbringen müßte, Educations Beſen, Le
ſten, Hobel, Schurtzfell, Darmſtädtiſche Lturgie, Choralbud
Kurtzgewehr. Rhabarber, die Klyſtierſprütze nicht zu vergeſſenpp
Das Pädagog, deſſen Bänke gleich ihm Stürz, Mere
Liebig, Gerpinus gedrückt haben, gehörte ebenſo wie Glocken
ſpiel und Schuknechts Exereierhaus zu ienen Baute
Darmſtadts, denen die Neiſebeſchreibungen des fIII. Jchr
hunderts ein Sternchen 3 la Baedecker beigeſetzt hätten, wen
dieſe löbliche Art der Charakterieſierung damals ſchon eriſtie
4 Vgl. auch den Brief bom 4. AII. 1785. wo er gelegentlich der Nack
richt vom Tode ſeines Jungendfreundes Ernſt Wachter ſchne Schfteweste
den charafteriſſert.
niwwer 299.
Daemſtädter Tngblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
S Entſchädigung für die Hinterbiiebenen beim
Serputſch abgelehnt. Eine Urkiärang Hitlers.
drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
+ München, 28. Juli.
er Finanzausſchuß des Bayeriſchen Landtages behandelte
ßo den völkiſchen Antrag auf Entſchädigung der
Hinterbliebe=
cer am 9. November vorigen Jahres Gefallenen. Der
Refe=
e Abg. Funke von der Bayeriſchen Volkspartei, erklärte, durch
Bitsurteil ſei feſtgeſtellt, daß es ſich bei den Vorgängen am
vember um Hochverrat gehandelt habe und daß es deshalb
kä irkes Stück wäre, demſelben Staat, gegen den ſich die
Unter=
e ung richttte, zuzumuten, daß er auch noch Entſchädigung
Der Regierungsvertreter beſchränfte ſich lediglich auf die
*ellung der rechtlichen Grundlagen, ohne zu dem Antrag ſelbſt
Sing zu nehmen. Nach kurzer Ausſprache, die ausſchließlich
by ölliſchen Rednern geführt wurde, lehnte der Ausſchuß den
bulig gegen die Stimmen der Völkiſchen ab.
zitler, Weber und Kriebel veröffentlichen in der Preſſe eine
rung, daß ihnen das von dem Abg. Schäffer erwähnte
At=
sprogramm, ſowie der Brief über Herrn von Kahr
It bekannt geweſen ſei und deshalb auch auf ihre Hal=
Ey und Einſtellung gegen die Regierung und das
Generalkom=
yriat keinerlei Einfluß hat ausüben können. Der Adreſſat
Slktionsprogramms, Dr. von Scheubner=Richter, ſei wohl Ge=
9sführer der politiſchen Leitung des Kampfbundes geweſen,
habe die endgültige Entſcheidung über irgendwelche politiſche
tte ausſchließlich bei der politiſchen Führung gelegen. Die
dem Abg. Schäffer auf Grund der gemachten „Enthüllungen”
enen Schlüſſe ſeien daher falſch und unhaltbar.
Sachverſtändigenarbeit im Rufwertungs=
Ausſchuß.
erlin, 28. Juli. Im Aufwertungsausſchuß des Reichstags wurde
kontag die Vernehmung von Sachverſtändigen fortgeſetzt.
Geheim=
on Ravené als Vertreter des Zentralverbandes des deutſchen
jandels ſtellte ſich im weſentlichen auf den vom Reichsverband der
hen Induſtrie eingenommenen Standpunkt. Der Großhandel
ht nicht die Aufhebung der dritten Steuernotverordnung. Er würde
ſehr bedenklich halten, wenn in der Aufwertung darüber
hinaus=
gen werden ſollte. Für den Zentralverband des deutſchen
Bank=
jankiergewerbes ſchloß ſich Rechtsanwalt Dr. v. Harger dem
Gut=
der Induſtrie und des Großhandels an.
m weiteren Verlauf der Sitzung erklärte Geheimrat Schult vom
nd der Hypothekenbanken, die Wirtſchaft habe ſich mit den durch
itte Steuernotverordnung geſchaffenen Tatſachen abgefunden.
err von Pechmann äußerte ſich dann des längeren über die
ltniſſe in Bahern. Der Sachverſtändige für die Lebensverſicherun=
Beheimrat Rießer, hielt gleichfalls eine Neuregelung der
Auf=
ng über die dritte Steuernotverordnung hinaus für bedenklich. Es
dann die Vernehmung des Stadtrats Humar=München für den
alverband der Haus= und Grundbeſitzer ſtatt. Humar hält die
Steuernotverordnung nicht als Grundlage für eine Beruhigung
dei ublikums und der Wirtſchaft genügend, da ſie keine Rückſicht auf die
51 heken= und Pfandbriefgläubiger, auf die Hausbeſitzer, das
Bau=
w4. die Arbeitsloſen und die Inſtandſetzung der Häuſer nehme. In
el rage der Aufwertung ſtehe der Hausbeſitz auf dem Standpunkt, daß
ery öhere Aufwertung als 15 Prozent unter beſtimmten
Vorausſetzun=
ge agbar ſei. — Der Ausſchuß trat dann in eine Mittagspauſe ein.
m Verlauf der Nachmittagsſitzung wurde, als Vertreter des
Bun=
eutſcher Mietervereine Rechtsanwalt Groß=Dresden vernommen.
erklärte, die Aufwertung bedeute für die Wirtſchaft eine neue Zin=
Stund müßte eine neue Inflation herbeiführen. Als Vertreter des
chen Gewerkſchaftsbundes betonte Gewerkſchaftsſekretär Herſchel,
ewerkſchaft käme aus praktiſchen Gründen zu einer Ablehnung der
ertung. Wenn aber dennoch aufgewertet werden müßte, ſo müßten
illem die kleinen Sparer berückſichtigt werden. Landrat
Heine=
esleben vom Hypothekengläubiger= und Sparerſchutzverband machte
Jorſchlag, den Aufwertungsſatz auf Vermögen und Sparanleihe auf
rozent zu bemeſſen. Für Schuldfordeungen bis 5000 Mark ſollen
ermögen zum 1. Januar 1925 geſperrt werden. Für die übrigen
Eum 1. Januar 19927. Die Verzinſung ſoll in dieſem Jahre 2
Pro=
im nächſten Jahre 3 Prozent betragen. Von 1926 ab ſollen
ver=
gemäße Zinſen gezahlt werden. Die öffentlichen Anleihen ſollen vom
tober 1924 ab mit 1 Prozent verzinſt werden. —
Oberlandesgerichts=
dent Beſt=Darmſtadt gab dann noch einige Erklärungen zu
S von ihm verfaßten Geſetzentwurf, der von den
Gläubigerſchutzver=
en vertreten wird. Dieſer Entwurf will den Umwertungsſatz nicht
itlich feſtlegen, ſondern nach den wirtſchaftlichen Verhältniſſen des
Sldners begründen. Nach weiteren Sachverſtändigen=Vernehmungen
A gte ſich der Ausſchuß. Die nächſte Sitzung ſoll vor
Zuſam=
ritt des Reichstagsplenums, ſpäteſtens aber in 14 Tagen,
ſtatt=
n. Es ſollen dann die Vorſchläge der Fraktionen beraten werden,
Di die Rückäußerung der Regierung und die Gutachten der Sachver=
1 digen berückſichtigt werden ſollen.
e. 1783 machte Lichtenberg auf die Wendeltreppe im
tück iſt als man dort glaubt und weiß” und verlangt genaue
ße (vgl. Briefe, Bd. II, S. 77/78). Und als er im April 1788
langes Schweigen in einem Briefe an Amelung damit
ent=
ldigt, er habe den „vergangenen Winter ſo ſehr rheumatiſirt,
ntalgiſirt, tuſirt, ja ſogar einmal podagriſirt und was ich gar
ausgingen, da bittet er den Freund: „Kommen beſſere Zeiten,
will ich an Abtragung des Capitals wenigſtens denken, ich
eite wenigſtens jetzt ernſtlich an beſſeren Zeiten, und habe vor
a 12 Tagen würklich den Anfang mit Anlegung einer
Kegel=
n gemacht in einem Garten, der faſt ſo weit von meiner
Woh=
ig liegt, als ehemals der Galgen von der Piuh=Gaſſe), oder
Ifft, dieſen Sommer über meine Zuckererbſen ſelbſt entzwey
ge.
In ſeinen Briefen häufen ſich die Anſpielungen auf
Darm=
dt: in Hannover gefällt es ihm, daß „er auf gut
Darm=
tiſch einen angenehmen Wald ſehr nahe bey hat”. Von
ade heißt es, „der Ort iſt kleiner als Darmſtadt . . . und
zt ſo weit von der Elbe als Beſſungen von Darmſtadt .
Hafen iſt ein Gebäude, das das Baumhaus genannt wird,
einer Galerie oben auf dem Dache, worauf zuverläſſig einer
ſchönſten Proſpekte in Deutſchland nach dem einſtimmigen
ugnis aller Reiſenden iſt .. . Ich glaube, ein
empfind=
mer Darmſtädter ſAuguſt 1773), den man mit
verbun=
ten Augen dahin brächte und ſie auf jenem Dache öffnete,
irde . . . Zuckungen bekommen.”
Darmſtädter Gebräuche und Darmſtädter Spezialitäten
fin=
n gebührende Anerkennung in den Briefen. Als ihm
Sömmer=
ig 1795 „Bemerkungen über die Guillotine‟
late, beranlaßte ihn die Erinnerung an die Art, wie man in
armſtadt Ochſen ſchlachtete, zu folgender Aeußerung:
eir iſt eingefallen, ſollte nicht eine Durchſchneidung des
Rücken=
urks doch allem Bewußtſein ein Ende machen? In Darmſtadt
tete man ehemals die Ochſen ſo, daß man ihren Kopf an die
De zog, hiernach ſtieß ihnen der Metzger ein kleines Meſſer in
S Genick, in dem Augenblick fiel das Tier zur Erde und regte
2 nicht mehr. Freylich fing es, ſobald ihm nachher die großen
terien am Halſe durchſchnitten wurden, wieder ſehr an zu
zap=
n. Ich glaube aber gewiß, wenn man das Tier ſo gelaſſen
„tie, ſo wäre es ohne alle Bewegung geſtorben.”
(Eine de
Denk
2 Pgedagoggaffe.
Keine Ferienkinder nach Frankreich.
Antrag auf Unterſtützung der Ausreiſe erholungsbedürftiger
Kinder nach Frankreich geſtellt. Hierzu wird von zuſtändiger
ſidenten, im Gegenſatz zu ſeinen Vorgängern, deutſchen Kindern
in Frankreich die Einreiſe zu geſtatten. Wenn daraufhin von
anderer Seite die Unterbringung von deutſchen Kindern in
Frankreich angeregt worden wäre, würde die deutſche Regierung
die übliche Unterſtützung dieſer Reiſe nicht verſagen. Im
vor=
gandiſtiſchen Akt der kommuniſtiſchen Internationalen
Arbeiter=
hilfe. Die Internationale Arbeiterhilfe betreibt dieſe Hilfe
lediglich aus politiſchen Gründen zum Zwecke der
kommuniſti=
ſchen Propaganda. Das Material der Arbeiterhilfe ſagt
wört=
lich darüber folgendes: „Die Vertreter der kommuniſtiſchen
Par=
teien und Organiſationen und die Kommuniſtiſche Partei ſind
dafür verantwortlich, daß die politiſch=propagandiſtiſche Arbeit
der Arbeiterhilfe abſolut den Direktiven der kommuniſtiſchen
In=
ternationale entſpricht.” — Ein führendes Mitglied der
Exeku=
tive, die ruſſiſche „Kamenewa” erklärt: „Keinen Augenblick hat
Sowjetrußland daran gedacht, daß die Hilfe in materieller
Hin=
ſicht eine einſchneidende Bedeutung haben könnte. Es handelt
ſich in erſter Linie um die moraliſch=politiſche Bedeutung. Es
iſt eines der taktiſchen Mittel, um an die breiten Schichten des
Proletariates heranzukommen”. Und in einer Parteientſchließung
der Internationalen Arbeiterhilfe in Berlin heißt es: „Ned) den
neuen politiſchen Ereigniſſen muß die Arbeiterhilfe noch mehr
als in früheren Monaten politiſche propagandiſtiſche Arbeiten
durchführen und iſt daher abſolut als Parteiapparat zu
betrach=
ten.” Bezeichnend iſt auch, daß die Vereinigte
Sozialdemokra=
tiſche Partei Deutſchlands auf ihrem letzten Parteitage
beſchloſ=
ſen hat, daß kein Sozialdemokrat Mitglied der Arbeiterhilfe ſein
dürfe. Ebenſo haben die holländiſchen ſozialiſtiſchen
Gewerk=
ſchaften verboten, Mitglied der Arbeiterhilfe zu ſein. Aus
die=
ſem Grunde hatte die Reichsregierung beſchloſſen, dem
Zentral=
komitee der Internationalen Arbeiterhilfe in Berlin auf das
Ge=
ſuch mitzuteilen, daß ſie nicht in der Lage ſei, die von den
Koni=
muniſten beabſichtigte Unterbringung deutſcher Kinder in
Frank=
reich durch eine entſprechende Maßnahme zu unterſtützen. Es
handelt ſich bei dieſem Plan um eine politiſche Aktion, mit der
man den reinen Zweck der Kinderhilfe nicht belaſten dürfe.
Die Lohnabſtufungsverhandlungen in Eſſen geſcheitert.
Eſſen, 28. Juli. Die heute Vormittag unter dem Vorſitz
des Reichs= und Staatskommiſſars Mehlich anberaumten
Ver=
handlungen zwiſchen dem Zechenverband und den
ſtufung für die ſogenannten ſüdlichen Randzechen wurden nach
kurzer Ausſprache zwiſchen den Parteien als ergebnislos
abgebrochen.
Die Bandenkämpfe an der
jugoſlaviſch=
bulgariſchen Grenze.
gehen weiter. Bei dem Dorfe Totorova fand zwiſchen
jugoſla=
wiſchen Grenzwächtern und der Bande des bulgariſchen
Banden=
chefs Michailow ein Gefecht ſtatt. Hierbei verloren die
Jugo=
ſlawen 2 Tote. Vieviel Tote auf der anderen Seite waren, konnte
nicht feſtgeſtellt werden, da die Bande dieſe mit ſich ſchleppte. Der
Führer Michailow ſoll ſich unter den Gefallenen befinden.
Maſſenausweiſungen in Rumänien.
Bukgreſt, 28. Inli. (Europapreß.) Auf Grund des
ver=
ſchärften Belagerungszuſtandes wurden geſtern an Galatz,
Bra=
ila, Jaſſy und Kiſchinew Maſſenverhaftungen unter
den führenden Gewerkſchaftsmännern
vorgenom=
men. Insgeſamt ſollen 1500 der Verhafteten auf Grund des
Geſetzes aus dem Jahre 1875 über die Grenze geſchoben werden.
In Kiſchinew wurde ein Arbeiterheim ſequeſtriert und das
Ver=
mögen der Gewerkſchaften zugunſten des Staates für verfallen
erklärt. In Siebenbürgen wurde ein Anzahl
Induſtrieunterneh=
mungen, deren Arbeiter ſich in Lohnkämpfen befanden,
mili=
tariſiert.
Trauben”), die ſchon Klopſtock in Mercks Garten
mun=
edagog aufmerkſam, die „in der That ein größeres Mei= deten, und eine Ladung „mürber Weck” wünſchte ſich
Lich=
tenberg wiederholt; er wollte in Büchern und Mettwürſten
zah=
len. 1790 beſtellte er ſich expreß von Darmſtadt Sämereien,
3 Zapfen Mais, ½ Pfund vom beſten Schnittkohl=Samen, dito
Remſchkeel und 1 Pfund vom ſchönſten Speltz; denn „man
läßt hier Speltzenmehl von Franckfurt kommen, aber viele Leute
t einmal ohne zu zittern ſchreiben mag, vermuthlich hämo= haben ſo wenig Speltz wachſen geſehen, als Du und ich den
irt”, ſo daß ſeine Briefſchulden ſehr weit über ſein Vermögen Brotbaum.” Am 21. Juni dankt er für die Sendung und
be=
merkt: „Künftigen Sonntag eſſe ich von dem Schnittkohl; es
würde ſchon eher geſchehen ſeyn, wenn mir die Erdflöhe nicht
zuvorgekommen wären.
Als Feinſchmecker wußte Lichtenberg, daß Darmſtädter
Wildſäue einen feiſten Braten auch an Königlicher Tafel
ab=
geben. Als im Winter 1785 ſein Kolleg wieder durch die An=
1 Armeſünderſtübchen. Auch eine Flinte hab ich mir ange= weſenheit königlicher Prinzen ausgezeichnet wurde, gedachte er
dieſe durch einen „wilden Schweinskopf in Gelée zu überraſchen.
ſchießen und zu verderben; voriges Jahr thaten es die Sper= Durch ſeinen Vetter wurden der Herr Oberteich=Inſpektor
Reu=
ling und Herr Küchenmeiſter Struve in Bewegung geſetzt,
damit der Schweinskopf „ſo groß als möglich und ſo gut als
möglich zurecht gemacht ſey” und Lichtenberg bat, „nichts was
mit Gelde möglich gemacht werden kann zu ſcheuen, ſelbſt außer
den weſentlichen Koſten, reichliche Trinkgelder an die Behörde
nicht ausgenommen”.
Man wird Lichtenbergs Bemühungen ganz würdigen, wenn
man die Stelle des Briefs nachlieſt, die etwas von dem Glanz
des berühmten Collegs des Ober=Ramſtädter Paſtorsbuben
ahnen läßt; er ſchreibt da an ſeinen Vetter: „Du weißt, daß wir
jetzt drey Königliche Printzen Hier haben, die beyden älteſten
Ernſt und Auguſt wohnen mit mir unter einem Dach, der jüngſte
Adolphus aber in dem ſogenannten Büttnerſchen Hauſe . . . In
der Franckfurter Zeitung wurden einmal, ihre Lehrer genannt.
Da ich bey der erſten Anordnung ihrer Stunden eben nicht damit
prahlte, ſo bin ich aus jener Liſte herausgeblieben; aber Leß und
ich ſind die eintzigen, die ihnen 6 Stunden wöchentlich geben ...
ich bin der eintzige, zu dem ſie 2mal mit ihren 6 Hoffmeiſtern in
das Hauß kommen, und der eintzige, der ſeine Collegia engliſch
lieſt . . . Es ſind alle drey, zumal der älteſte die ſchönſten
Jun=
gen, die Du Dir denken kannſt, und in ihrem Hoſenband Orden
ſehen ſie himmliſch aus. Von Anfang waren ſie außerordentlich
wild und ausgelaſſen, wahre junge Engländer, jetzt gibt es ſich
und ſie lieben Göttingen außerordentlich . . . Ich habe alſo
die=
ſen Winter in der Phyſie 3 königliche Prinzen und Ritter des
D Ueber die Wirkung des warmen Spätjahrs 1779 im
Darmſtädti=
ſchen, als es völlig reife Trauben, Kirſchen und genießbare
Aepfel von einer Fmeiten Blüte gab, pal. Briefe I. S. 338 und 838 2 Pgl. Briefe I, 8 132/183.
Genf, 28. Juli. Die deutſche Regierung ließ heute
dem Völkerbundsſekretariat eine Denkſchrift überreichen, in
Berlin, 28. Juli. Das Zentralkomitee für die inter= der der deutſche Standpunkt zu dem von der letzten
Völkerhunds=
nationale Arbeiterhilfe hat bekanntlich bei der Reichsregierung verfamnlung ausgearbeiteten Garantiepakt, d. h. eines
Vertrages über gegenſeitige Unterſtützung dargelegt wird.
Ver=
faſſer der Denkſchrift ſind namhafte deutſche juriſtiſche Perſönlich=
Stelle folgendes bemerkt: An ſich begrüßt die Reichsregierung kelten. — Die deutſche Regierung war ſeinerzeit, wie alle
ande=
den entgegenkommenden Beſchluß des franzöſiſchen Miniſterprä= ren Regierungen, zur Stellungnayme zum Garantiepakt=Eniwurf
gufgefordert worden.
Amerifaniſche Note an Berſien.
London, 28. Juli. Reuter meldet aus Waſhington: Die
liegenden Falle handelt es ſich aber um einen rein politiſch propa= amerikaniſche Regierung wird in den nächſten Tagen an die
perſiſche Regierung eine Note richten. In dieſer wird gegen die
Ermordung des Konſulatsangeſtellten in Teheran proteſtiert und
es werden Maßnahmen verlangt, um derartige Fäll efür die
Zu=
kunft zu verhindern. Außerdem wird eine Entſchädigung für die
Familie des Ermordeten gefordert und verlangt, daß Perſien
ſich offiziell entſchuldigt. Die Note enthält eine feierliche
War=
nung, daß eine Wiederholung derartiger Fälle ernſtliche Folgen
haben würde. Es verlautbart weiter, daß heute abend ein
ame=
rikaniſches Schiff abgefahren iſt, um die Leiche des Ermordeten
abzuholen. Die Koſten des Transportes werden von der
perſi=
ſchen Regierung getragen werden.
Ein amerikaniſches Amortiſierungsprogramm.
Paris 28. Juli. (Wolff.) Nach einer Meldung der „
Chi=
cago Tribune” aus Waſhington, ſoll das Schatzamt ſich mit
Plänen tragen, die Amortiſierung der
interalliier=
ten Schulden, abgeſehen von der engliſchen, binnen 30
Jah=
ren durchzuführen, ohne daß Frankreich und Italien überhaupt
etwas zu zahlen hätten. Dieſes Amortiſierungsprogramm ſei
auf der Annahme aufgebaut, daß alle Kriege während des
an=
gegebenen Zeitraums, die nur eine neue Verſchuldung zur Folge
hätten, ausgeſchloſſen ſeien, und daß andererſeits der Kongreß
keine Einwendungen erhebe dagegen, daß ein erheblich höherer
Betrag, als der vom Geſetz vorgeſchriebene, für die jährlichen
Tilgungsraten von amerikaniſcher Seite aufgebracht werde.
Zum Matteotti=Prozeß.
Rom, 28. Juli. (Europapreß.) Die Erklärung des „Popolo”
daß die Unterſuchung des Matteotti=Mordes vor nichts Halt
machen werde, wurde vom faſziſtiſchen „Impero” als
Anſpie=
lung auf Muſſolini aufgefaßt und hat eine Entgegnung
hervorgerufen, die allgemein durch ihre Heftigkeit Aufſehen
er=
regt. Das Blatt findet auch wieder ſehr ſcharfe Worte gegen die
ausländiſche Preſſe, vor allem die franzöſiſche Linkspreſſe, die
unter anderem die Frage ſtelle, wann denn Muſſolini verhaftet
werde.
Rom, 28. Juli. (Europapreß.) Farinazzi ſetzt in ſei=
Bergarbeiterverbänden über die Frage der Lohnab= nem Blatte „Cremona Nuova” die Enthüllungen gegen
Roſſi fort. Es wird ein Brief veröffentlicht, den der Führer
der Faſziſten in Paris, Graf Pellati, im Juni an Farinazzi
ge=
richtet hat, und zwar nach dem Morde. Danach teilte Pellati mit,
daß er zu ſeiner Ueberraſchung geleſen habe, Roſſi ſei am Mai in
Paris geweſen, Roſſi habe es aber nicht für nötig gehalten, mit
den faſziſtiſchen Kreiſen Fühlung zu nehmen. Dagegen habe er,
wie ihm authentiſch berichtet worden ſei, mit den aktivſten
Faſziſtengegnern Fühlung genommen.
Rom, 28. Juli (Europapreß.) An der Ermordung
Matte=
ottis ſollen, wie bereits früher gemeldet, im ganzen ſieben
Per=
ſonen unmittelbar beteiligt geweſen ſein. Sechs davon waren
bisher bekannt. Am Samstag wurde nun gegen den ſiebenten,
namens Filippo Panzeri, Haftbefehl erlaſſen.
Rom, 28. Juli. (Europapreß.) Der „Oſſervatore Romano”,
deſſen faſziſtenfreundliche Haltung bekannt iſt, nimmt gegen
Farinazzi Stellung und fordert, daß der Matteotti=Prozeß
von allen politiſchen Geſichtspunkten bereift werde. Auch der
„Nouvo Paeſe” das Blatt der faſziſtiſchen Gewerkſchaften,
wen=
det ſich gegen Farinazzi, den er beſchuldigt, durch ſeine
Behaup=
tungen auch Muſſolini in den Prozeß hineinzuziehen. Es ſei
un=
verſtändlich, daß Faſziſtengegner ein Intereſſe daran haben
ſoll=
ten, durch die Vermittelung Roſſis einen Mann der Oppoſition
zu beſeitigen. — Auch das „Giornale d’Italia” erklärt, die
Be=
ſchuldigungen Farinazzis gegen Roſſi ſtünden auf zu ſchwachen
Füßen, als daß ſie vorläufig ernſt genommen werden könnten.
blauen Hoſenbandes, einen Prinzen von Anhalt, einen Grafen
Broglie aus Paris, Neveu des großen Generals, einen Grafen
Walmoden, 2 Profeſſoren, einen aus Lauſanne und einen aus
Edinburg, außer dieſen noch 4 Engländer und einen Pariſer
jungen Herrn.”
Am 10. Februar 1786 erfolgt das Dankſchreiben: „Den
Schweinskopf habe ich an der Prinzen Tafel ſelbſt mitgenoſſen.
Sie haben mir ſogar mit Händedrücken dafür gedankt, und kaum
war ich zu Hauſe, ſo erhielt ich auf einem ſchweren ſilbernen
Teller, mit einem ebenſo ſchweren übergeſtürzt, noch einige
Schnit=
ten nebſt 2 Bouteillen Portwein, dergleichen hier im gantzen
Lande von der Güte gar nicht zu Kaufe iſt, zu beliebigem
Ge=
brauch. Die Sache iſt alſogerade ſo eingeſchlagen,
wie ich dachte und wünſchte.”
Wie Lichtenberg reiſende Engländer, Bekannte und Freunde
(ſo Dieterich, Sömmerring, Wilhelm v. Humboldt) nach
Darm=
ſtadt emtfahl und ihrer guten Aufnahme bei ſeinen
Verwand=
ten ſicher war, ſo war er ſehr darauf bedacht, ſich junger
Stu=
dierender aus Darmſtadt und angeſehener Darmſtädter,
wie Wencks und Hoepfners (1791) bei ihrem Aufenthalt in
Göttingen anzunehmen. Beſonders bemüht war er, dem
Inge=
nieur Hauptmann und ſpäteren Oberbaudirektor Johann
Helf=
rich v. Müller (1746—1830), dem Erfinder einer
Rechen=
maſchine, die er in Begleitung des Kammerrats Philipp
Engel Klipſtein (1747—1808) im Juni 1784 i Göttingen
zeigen wollte, den Weg zur Göttinger Geſellſchaft der
Wiſſen=
ſchaften zu ebnen.)
Am engſten aber fühlte er ſich durch die Patenſchaften
bei den Kindern ſeines Vetters Lichtenberg und ſeines
Schul=
freundes Amelung mit der Heimat verbunden; da bringt er in
ſeinen Briefen ſehr philoſophiſche Betrachtungen über die
„Beſtimmung des Hintern bis ins 10 Jahr” (Briefe II, S. 256)
an und ſetzt ſich mit der Religion auseinander. Und dieſe
„Predigt” können auch wir uns gefallen laſſen: „Es wird am
Ende alles klar werden und gut ſeyn, wenn wir nur einander
lieben und jeder mit geübtem Verſtand ſo viel gutes zu thun
ſucht, als er vermag. Wenn ich je eine Predigt drucken laſſen
ſollte, ſo wäre es gewiß über das große Vermögen, das jeder
Menſch, er ſey wer er wolle, beſitzt, gutes zu thun, ohne etwas
wegzuwerfen. Alle Stände in der Welt verkennen hierin ihre
Wichtigkeit. Ein jeder, er ſey wer er wolle, iſt ein Prinz in
die=
ſem Stück in ſeiner Lage. Der Hencker hole unſer Daſeyn
hie=
nieden, wenn nur allei der Kahſer wohlthun könnte. Das iſt
das Geſetz und die Propheten. Mich dünkt in jede Predigt müſſe
hiervon etwas hinein.”
II au
zu ſei
aubens
ges.
n m
lautet
utſch.
einzö.
ie,
vürde,
ttſchen
ibaues
Seite 4,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
Nummer 26
* Die unterbliebene Reiſe
Muſſolini’s nach London.
Von unſerem römiſchen Korreſpondenten.
Rom, im Juli.
Der Hauptgrund, warum Muſſolini nicht ſelbſt nach London
ging, was in Anbetracht der Wichtigkeit der Konferenz wohl
er=
wogen wurde, iſt in den gegenwärtigen innerpolitiſchen
Verhält=
niſſen des Landes zu ſuchen.
Eine heftige politiſche Kriſis hatte nach der Ermordung des
Abgeordneten Matteotti alle Parteien und Richtungen in
Auf=
regung gebracht. Es war ſo etwas wie Reaktion, was ſich da in
der Preſſe und den Tagesordnungen Luft machte gegen den
moraliſchen Druck, den der Faſzismus ausübte, eine Reaktion
die bei den Umſtürzlern zum Sturm anſchwoll, während ſie bei
den Gemäßigten den Wunſch nach Reviſton erzeugte.
Auf das Verbrechen an Matteotti hatte die antinationale
Regierungsotpoſition eine Spekulation großen Stils aufgebaut.
Dies zwang die Regierung Muſſolinis zur Abwehr, und dazu
er=
griff ſie die bekannten Maßnahmen zur Einſchränkung der
Preſſe=
freiheit. Zugleich verzichtete Muſſolini auf ſeine geplante Reiſe
nach London, um zu verhindern, daß es in Rom zwiſchen den
Extremiſten zum Konflikt käme.
Intereſſant iſt die Betrachtung der jüngſten Vorgänge in
den Parteien der Sozialiſten, der Popolaren und der Demokraten.
Die Partei der Popolaren, beherrſcht von dem Prieſter Don
Sturzo, iſt im Begriff, ſich mit der ſozialiſtiſchen Partei unter
dem Juden Turati zu einigen. Und im Hauſe Don Sturzos
fanden bereits vertrauliche Zuſammenkünfte ſtatt zwiſchen
die=
ſem, Turati und den Häuptern der Demokraten, Amendola und
de Ceſaro. Dieſe beiden letzteren ſind außerdem Freimauter,
was bei der unermüdlichen politiſchen Tätigkeit der italieniſchen
Freimaurerei beſonders wichtig iſt.
Der Zuſammenſchluß ſo widerſpruchsvoller und
ungleich=
artiger Elemente verdient nähere Beleuchtung. Wieſo kommt es,
ſo fragt man ſich, daß ſich die Popolaren mit den Sozialiſten
und Demokraten vereinigen? Die „Heiligen” mit den „Teufeln”?
Dazu kommt noch, daß bekanntlich die Demokraten und
Sozia=
liſten von den Freimaurerlogen des Palazzo Giuſtiniani (
fran=
zöſiſcher Großorient) beeinflußt und unterſtützt werden. Sollte
man annehmen müſſen, daß die Kirche ſelbſt den Freimauxern
zum Unterſchlupf dient? All das verſteht man beſſer, wenn man
bedenkt, was die Partei der Popolaren eigentlich iſt. Dieſe
Par=
tei, obgleich direkt geleitet von einem Prieſter, iſt häufig und ganz
offen vom Vatikan desavouiert worden, weil ſie den Heiligen
Stuhl oft in peinliche Situationen gebracht hat. Dieſe Partei
hat nicht das geringſte zu tun mit den katholiſchen
Zentrums=
parteien anderer Länder und ganz beſonders nicht mit der
deut=
ſchen Zentrumspartei und der Bayeriſchen Volkspartei. Jenen
Parteien von klaſſiſchem Typus entſpricht viel eher die italieniſche
Partei „Aſſociazione Cattolica Italiana” (italieniſche katholiſche
Geſellſchaft), die aber gar keine Partei im eigentlichen Sinne des
Wortes iſt, da ſie ſich nicht politiſch betätigt; ſie verfügt über eine
ungeheuere moraliſche Kraft und wird vom Heiligen Stuhl
ge=
fördert und unterſtützt, da alle geſunden Strömungen des
italie=
niſchen Katholizismus zu ihr gehören und Männer von großem
Verdienſt, wie Ceſare Vava, der derzeitige Wirtſchaftsminiſter, und
Filippo Meda, der ſein Mandat niedergelegt hat, um nicht mehr
zur Partei Don Sturzos zu gehören.
In der Tat iſt die Partei der Popolaren nichts anderes als
eine umſtürzleriſche Partei weißer Farbe, und nicht weniger
ſchädlich wie die roten. Beweis dafür ſei die Tatſache, daß der
Heilige Stuhl durch Kardinal Gaſparri und die „Aſſociazione
Italiana Cattolica” dieſe Partei wiederholt desavouiert haben
und ſelbſt den Kultminiſter davor warnten, ihr Unterſtützung
an=
gedeihen zu laſſen.
Bedenkt man dies alles, ſo iſt leicht zu begreifen, wie dieſe
Zuſammenrottung von Juden, Freimaurern und weltfremden
Träumern, als die man die Angehörigen der Popolarenpartei
anſehen muß, die ſich da unter den Auſpizien der Freimaurer des
Palazzo Giuſtiniani, die in engſtem Kontakt ſtehen mit dem
fran=
zöſiſchen Geſandten Barrere, vollzieht, alle politiſchen Kräfte
Ita=
liens zu einer auf das Wohl der Geſamtheit abzielenden
natio=
nalen Reaktion aufruft.
Die politiſche Lage, die ſich auf Grund dieſer Vorgänge
herausbildet, iſt zweifellos ſehr ernſt. Man wird ſich nun nicht
mehr wundern, daß der, in deſſen Perſon ſich zunächſt der
Faſzis=
mus verkörpert, darauf verzichtete, außer Landes zu gehen und
hier blieb, um dieſer gegen ihn gerichteten dreifachen Spitze die
Stirn zu bieten. Das Land, die liberalen und katholiſchen
Par=
teien wiſſen ihm dafür voll Vertrauen Dank.
Die Militärdienſipflicht in Polen.
Warſchau, 28. Juli. (Wolff.) Nach dem neuen Geſetz
über die allgemeine Militärdienſtpflicht dauert die Dienſtpflicht
bei allen Waffengattungen mit Ausnahme der Kavallerie und
Artillerie, bei welchen ſie zwei Jahre und einen Monat dauert,
zwei Jahre. Der Reſerve gehören alle Männer bis zum 40., dem
Landſturm bis zum 50. Lebensjahre an. Die Dienſtpflicht
be=
ginnt mit dem 1. Januar des Jahres, in welchem der
Stellungs=
pflichtige das 21. Lebensjahr beendet. Bei Kriegsausbruch
be=
ginnt die Rekrutierung mit dem 19. Lebensjahre.
Ausländiſche Spezialiſten für Angora.
Paris, 28. Juli. Havas meldet aus Angora, daß das
In=
nenminiſterium die Abſicht habe, 12 ausländiſche
Spe=
zialiſten zu engagieren, darunter einen Italiener für
die ſtädtiſchen Betriebe von Angora, drei Oeſterreicher für den
Sicherheitsdienſt, fünf Deutſche für Poſt= und
Tele=
graph, zwei Belgier als Standesbeamte und einen Engländer
als Mitglied der Aufſichtsbehörde für den öffentlichen Unterricht
Für das Gymnaſium Galatha Serail ſollen vom Kommiſſar für
den öffentlichen Unterricht neunzehn Profeſſoren engagiert
werden.
Millionen=Unterſchlagunge
bei der Micum.
Micumbeamte im franzöſiſchen Unterſuchungsgefän g
Berlin, 28. Juli. Wie aus Mainz gemeldet wird,
eine Anzahl Beamter der Beſatzungsbehörde in das fran.
Unterſuchungsgefängnis eingeliefert. Von gut unterri
Seite wird mitgeteilt, daß es ſich um Beamte der M
handelt. Bei der Micum ſeien umfangreiche Unter
gungen aufgedeckt worden, die von unteren Beamten
den Direktoren begangen worden ſind. Die Beſtechunger
Unterſchlagungen datieren ſchon ſeit Sommer 1923 und die
ſchlagene Summe beläuft ſich auf viele Millionen. Eine
der Beſchuldigten ſei flüchtig. Die Verhafteten haben berei
Geſtändnis abgelegt.
Eine Beſtätigung dieſer Meldung von anderer Seite
bisher noch nicht vor.
Abbruch der Micum=Verhandlungen. Wie
aufnahme am Donnerstag.
* Eſſen, 28. Juli. (Priv.=Tel.) Die geſtrigen Ver
lungen der Sechſerkommiſſion mit der Micum wurden nach
ſtündiger Dauer abgebrochen, da die geringen Zugeſt
niſſe der Micum der verſchobenen wirtſchaftli
Lage, ſowie auch der zunehmenden Feierſchichten in
ner Weiſe Rechnungtragen. Die Verhandlungen
nach Fühlungnahme mit der Regierung am Donnerstag
ſetzt werden.
Der engliſch=ruſſiſche Handelsvertrag.
London 28. Juli. (Europa=Preß.) Man beſtätigt
der engliſch=ruſſiſche Handelsvertrag Rußland das Recht
wird, 10 Millionen Pfund Sterling, die von der zariſtiſcher
gierung in der Bank von England deponiert worden ſind,
langen. Dieſe Beſtimmung wird in Finanzkreiſen der City
kritiſiert. Es wird behauptet, daß Finanzleute der Regi
eine Eingabe geſandt hätten, worin gefordert wird, die gen
Beſtimmung durch Sachverſtändige der Krone prüfen zu
bevor ſie angenommen wird. Finanzleute erklären, daß,
dies genannte Depot Rußland gutgeſchrieben werden ſoll,
es vor allem für die Bezahlung der ruſſiſchen Staatsſchu
England zu verwenden. Die Regierungskreiſe ſtellen die
liche Beſtimmung nicht in Abrede. Ponſonby hat aber heu
Unterhaus erklärt, daß der Handelsvertrag noch vor End
Seſſion im Parlament zur Beſprechung kommen werde, und
er nicht unterſchrieben werde, bevor er vom Parlament g
migt worden ſei.
Die glückliche Geburt
eines kräftigen Jungen
zeigen an
Bernhard Mag u. Frau
Grete, geb. Oreſſel
(*21648
Unſer ſtrammer Sonntagsjunge
Jogchim Adalbert
iſt angekommen
Darmſtadt, den 27. Juli 4924
Guſtav Rieſe und Frau
Alice, geb. Bong
Heidelbergerſtraße 124, pt.
(*21656
A
Für die anläßlich unſerer
Ver=
lobung erwieſene
Aufmerkſam=
keiten danken herzlichſt
Elſe Löhr
Otto Hucke
(*21599
AH3
Todes=Anzeige.
Am 23. d8. Mts. verſchied
infolge eines Unglücksfalles mein
lieber Gatte, unſer Vater, Sohn,
Bruder, Schwiegerſohn,
Schwa=
ger und Onkel
Darmſtadt, Vorsdorf.
28. Juli 1924.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Greta Hirzinger.
Die Beiſetzung fand in aller
Stille ſtatt. (*21591
Unſer lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Onkel u. Neffe
Herr Bauunternehmer
MrMtaus Koi.
iſt heute vormittag 4½ Uhr im 68. Lebensjahre, verſehen mit
den heil. Sterbeſakramenten, in die Ewigkeit abgerufen worden.
Der Tod war ihm eine Erlöſung von ſeinem ſchweren Leiden.
Darmſtadt, Worms, Baſel, Dresden, 28. Juli 1924.
Steinſtraße 33.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. Juli, nachm. 3 Uhr,
auf dem Waldfriedhof in Darmſtadt ſtatt.
Von Kondolenzbeſuchen wolle man abſehen. (9642
Statt beſonderer Anzeige.
Unſere liebe Mutter
Schwie=
germutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau
geb. Söder
iſt Sonntag nachmittag 3 Uhr
nach kurzem, ſchwerem Leiden
im 74. Lebensjahre ſanft
ent=
ſchlafen.
Darmſtadt, den 28. Juli 1924.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Friedrich Gottmann
Familie Vilh. Beißgerber.
Die Beerdigung findet Mittwoch
nachmittag 2 Uhr auf dem alten
Friedhofe ſtatt. (*21684
Todes=Anzeige.
Allen Freunden und
Bekann=
ten die traurige Mitteilung, daß
meine innigſtgeliebte Frau und
treuſorgende Mutter unſeres
Kin=
des, meine liebe Tochter, unſere
Schweſter, Schwägerin und Tante
Sophie Ruppert
geb. Euny
heute im Alter von 37 Jahren
ſanft entſchlafen iſt
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Ruppert
Familie Cuny
Heubach (Heſſen).
(9656
Die Beerdigung findet Mittwoch
den 30. Juli, nachm. 2 Uhr, ſtatt.
Wegen Umſtellung auf Autobetrie
löſen wir unſeren Fuhrpark au
Es ſtehen zum Verkauf:
2 zweiſpänner Federrollen
1 einſpänner Federrolle,
Kaſtenwagen,
1 Pferd, verſchied. Geſchirre
Intereſſenten wollen ſich meldenbe
Süddeutsche
Glaswerke G. m. b.H
Darmſtadt, Weiterſtädterſtr. 9
Britets gefert in ur fa.50
Fr. Schubkegel
Landwehrſtr. 19.
Fernruf
N. 8. U.
Greif Zu
Damen= und
Herrenräder
eingetroffen. Prei
billigſt. Vertretung
für Darmſtadt (9603=
Benz& Comp.
Grafenſtraße 20/2
Erbbegräbnis
auf dem alten Fried
hof an der Nieder
Ramſtädterſtr. abzu
Anfragen u E 73.
d. Geſchäftsſt. (*21s011
Schneiderin
billigſt
Friedrichſtr. 16, I.
Todes=Anzeige.
Heute abend 6½ Uhr entſchlief
ſanft nach langem ſchweren mit
großer Geduld ertragenem Leiden,
tohlverſehen mit den heil,
Sterbe=
ſakramenten, unſer innigſtgeliebter,
unvergeßlicher Vater,
Schwieger=
vater, Großvater, Schwager und
Onkel
Her Ker
Mr erutg Tang
Werkhelfer i. R.
im Alter von faſt 72 Jahren,
Darmſtadt, 27. Juli 1924.
Liebfrauenſtr. 90.
In tiefer Trauer:
Familie A. Ullrich
Familie Menz
Familie Schott
Familie Sproß.
Die Beerdigung findet Mittwoch,
den 30. Juli, nachm. 3½ Uhr, vom
Portale d. Waldfriedhofes aus ſtatt.
Zuſammenkunft um 3 Uhr an der
Brücke.
(*21699
Alle angeſammelten
verkaufen wir zu ſehr billigen Preiſen
Beſichtigen Sie bitte unſer diesbezügliches Schaufenſter
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Ludwigſtraße 12
[ ← ][ ][ → ] Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 29. Juli.
— Ernannt wurde am 24. Juli der Lehrer Karl Müller zu
Scha=
benbach zum Lehrer an der Vogksſchule zu Haarhauſen im Kreis Alsfeld.
Die Anordnung des Landeskirchenrats, betreffend das
Trauer=
geläute am nächſten Sonntag, die wir am letzten Samstag
veröffentlich=
ten, bezieht ſich nur auf das unbeſetzte Gebiet.
— Bei Einzahlungen auf Zahlkarten und
Rentenmarkpoſt=
anweiſungen ſowie bei Einlöſung von Nachnahmen und
Poſt=
aufträgen, die auf Rentenmark lauten, werden von den
Poſt=
anſtalten fortan bis auf weiteres Beträge bis 50 Rentenmark für
jede einzelne Zahlkarte oder Rentenmarkpoſtanweiſung auch in
Reichsbanknoten oder anderen Zahlungsmitteln, die zu
Zahlun=
gen an Poſtkaſſen zugelaſſen ſind, entgegengenommen.
— Gartenbauverein Darmſtadt. Die Mitglieder des Vereins werden
auf die heutige Anzeige hingewieſen, wonach die Erhebung der 1. Rate
der Pachtgelder für 1924 am Freitag und Samstag dieſer Woche,
nach=
mittags von 4—7 Uhr, in der Knabenarbeitsanſtalt (Stiftſtraße 20)
ſtatt=
findet. Für die an dieſen Tagen nicht zur Zahlung kommenden
Pacht=
beträge wird bei der Erhebung durch den Vereinsdiener ein Zuſchlag
von 50 Pfg. bzw. 1 Mk. in Anſatz kommen.
Verdächtig. Am Samstag, den 19. Juli, wurde in dem
Laden=
geſchäft eines hieſigen Bäckermeiſters ein Paket, das ſechs Breecheshoſen
enthält, von einem jungen unbekannten Mann abgegeben, der es
ſpäter=
hin wieder abholen wollte. Der Ueberbringer dieſes Pakets iſt aber
bis heute nicht wieder erſchienen, was zur Vermutung Anlaß gibt, daß
das Paket mit Inhalt entwendet worden iſt. Evtl. Geſchädigte oder
Eigentümer wollen ſich auf Zimmer 1 des Polizeiamts —
Kriminalab=
teilung —, Hügelſtraße hier, melden.
Warnung vor Schwindlern. Laut Mitteilungen aus der deutſchen
Preſſe hätten ſich gewiſſe Agenturen gegründet, um zwiſchen den
Beſatzungsbehörden und den Perſonen, die eine Einreiſeerlaubnis zu
erhalten wünſchen, gegen Bezahlung Vermittlerdienſte zu leiſten. Das
Publikum wird darauf aufmerkſam gemacht, daß erſtens ſolche Agenturen
von den Befatzungsbehörden keineswegs anerkannt worden ſind; 2. kein
beſonderes Vorrecht denjenigen Perſonen gewährt wird, die ihre Geſuche
durch dieſe Agenturen einreichen laſſen; 3. die zur Ausſtellung des Paſſes
zu entrichtende Gebühr durch die Verordnungen der Rheinlandkommiſſion
feſtgeſtellt wird und daß keine beſondere Gebühr von den
Beſatzungsbe=
hörden zwecks Beſchleunigung der Paßausſtellung gefordert werden kann.
— Treue Freunde. Am Samstag abend fuhren von Eberſtadt nach
Darmſtadt zwei Männer im wilden Tempo heimwärts. Radfahrer und
Paſſanten regten ſich auf, und ſchließlich ſchritt auch die Polizei zur
Feſt=
ſtellung des Namens von dem Fuhrmann. Dieſer widerſetzte ſich jedoch
und mußte zur Polizei geſchafft werden. Pferd und Wagen ſollten zu
einem Knecht gebracht werden, der es nach Griesheim verbringe. Der
Fahrtgenoſſe lenkte jedoch das Fuhrwerk nach Meſſel und wollte es dort
verkaufen. Man ſchöpfte Verdacht, verſtändigte die Polizei, die dort den
guten Freund in Empfang nahm.
— Ein ſchwerer Einbruch wurde in der Hochſtraße verübt. Den
Tätern, die unerkannt entkamen, fielen Wertgegenſtände in die Hände.
— So wie in dieſem Falle haben es die Einbrecher auf Wohnungen
ab=
geſehen, wo die Rolläden herabgelaſſen ſind rder durch ſonſtige Anzeichen
darauf zu ſchließen iſt, daß die Bewohner verreiſt ſind. Das Publikum
ſei auf dieſe Fälle beſonders hingewieſen. Es empfiehlt ſich, durch
Mit=
bewohner derartige Merkmale beſeitigen zu laſſen, beſonders während
der Reiſezeit.
— Selbſtmordverſuch. Ein junges Mädchen ſtürzte ſich in
ſelbſt=
mörderiſcher Abſicht in den Woog. Es gelang Paſſanten, die Lebensmüde
zu retten und ins Krankenhaus bringen zu laſſen.
— Ein Schwindler verſetzte in der letzten Zeit hauptſächlich
Geſchäfts=
leute dadurch in nicht geringe Aufregung, daß er ſie von einem
dem=
nächſt auf ihr Geſchäft geplanten Einbruch in Kenntnis ſete. Es war
ihm dabei natürlich nur um die Erlangung von Geſchenken zu tun, was
ihm in vielen Fällen glückte. Es gelang der Kriminalpolizei, den Täter
zu ermitteln und hinter Schloß und Riegel zu bringen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die biernnier erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu befrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Chriſtlicher Verein Junger Männer
Darm=
ſtadt e. V., Alexanderſtraße 22 (Infanterie=Kaſerne), 1. Hof links.
Heute Dienstag iſt unſer alter Freund, Herr Reichsjugendſekretär Willy
Stoeltzner, wieder für einige Stunden in unſerer Mitte. Wir
bit=
ten alle Mitglieder, pünktlich 8 Uhr abends im Heim zu ſein.
— Vereinigte Poſaunenchöre von Darmſtadt und
Umegbung. Für das am 24. Auguſt d. Js. in Bad Homburg vor
der Hohe geplante große Poſaunenfeſt ſind die vorbereitenden Arbeiten
zum Abſchluß gelangt. Das Feſt verſpricht in jeder Beziehung alle
bis=
herigen zu übertreffen. Die Morgenmuſik der verſchiedenen Chöre an
den verſchiedenſten Plätzen, Turmblaſen, der Feſtgottesdienſt in der
herr=
lichen Erlöſerkirche in der Nähe des Schloſſes; dann das große geiſtliche
Maſſenkonzert auf der Kurhaus=Terraſſe, wo Tauſende, darunter Leute
aus aller Herren Länder, Gelegenheit haben werden, den
Poſaunenklän=
gen zu lauſchen. Die Nachfeier iſt in dem idhlliſch gelegenen Hirſchgarten
(inmitten der prachtvollen Waldungen) am Fuße unſerer herrlichen
Tau=
nusberge. Das Poſaunenfeſt iſt offiziell in das Kurprogramm
aufge=
nommen. — Die Vereinigten Poſaunenchöre von Darmſtadt und
Um=
gebung verſammeln ſich unter Meiſter Sturmfels” Leitung an den
kom=
menden drei Samstagen, den 2., 9. und 16. Auguſt, zu gemeinſamem
Proben in dem zentral gelegenen Evangeliſchen Vereinshaus Darmſtadt,
Mühlſtraße 24, pünktlich abends 8 Uhr.
— Heute abend 8 Uhr findet im „Kaffee Fürſt Bismarck”
anläßlich des 100. Konzertabends unter der Leitung von Herrn
Kapellmeiſter Melchior ein Konzert mit erweitertem feinen
Feſtpro=
gramm ſtatt. (Vgl. Anzeige.)
Ie
* Zur Frage der Aufwertung
der Sparkaſſenguthaben.
ſchreibt Bürgermeiſter Steinbüchel=Süchteln (Rhld.) in „Z. für
Kom.=W.”: „Allenthalben werden ſchon in den
Stadtverordnetenver=
ſammlungen Anträge auf weitergehende (als in 3. St.N.V. vorgeſehen),
ſogar auf volle Aufwertung durch die Städte geſtellt. Dieſe Anträge
machen angeſichts der bevorſtehenden Wahlen ſicherlich einen guten
Ein=
druck; ſie können aber die harte und unerbittliche Tatſache nicht aus der
Welt ſchaffen, daß den Städten zu der vollen Aufwertung, die z. B. in
Bochum 40—50, in Dortmund gar 150 Millionen Goldmark erfordern
würden, keine Mittel zur Verfügung ſtehen und neben den ſonſtigen
Bedürfniſſen einfach nicht aufgebracht werden können. Zu einer
frei=
willigen Aufwertung hat ſich als eine der erſten, vielleicht ſogar als erſte
die Stadt Waldenburg i. Schl. entſchloſſen, die vor dem Kriege über
einen Einlagenbeſtand von mehr als 13 Millionen Mark verfügte, der
bis Ende 1919 auf 36 Millionen Mk. angewachſen war und zur Zeit
59 Billionen Mark, das ſind ganze 59 Goldmark, beträgt. Da der
ſtädti=
ſchen Sparkaſſe Waldenburg zu einer vollen Aufwertung die Mittel
fehlen, hat ſie ſich zu einer Aufwertung entſchloſſen, die einerſeits noch
innerhalb der der Sparkaſſe zur Verfügung
ſtehen=
den finanziellen Möglichkeiten liegt, andererſeits den
Sparern aber den Beweis liefert, daß die Sparkaſſe bereit iſt, innerhalb
der Grenzen ihrer Leiſtungsfähigkeit alles zu tun, um den den Sparern
entſtandenen Schaden auszugleichen. Ein weiterer Ausgleich ſoll nach
Maßgabe verfügbarer Mittel erfolgen, eine etwa ſpäter erfolgende geſetz
liche Aufwertung auf die freiwillig erfolgte angerechnet werden. Die
Mittel zur Aufwertung in Höhe von 10 300 Goldmark werden aus dem
eigenen Vermögen der Sparkaſſe genommen. Die noch vorzunehmende
KälleerüfstbISHHdTCK
Anläßlich des roo. Konzerts seit Eröffnung
meines Kaffeehauses findet
Dienstag, den 29. Juli 1924
ab abends 8 Uhr
GroßesSonderKonzert
statt. / Leitung Kapellmeister W. Melchior.
Spielfolge:
(9650
I. Teil
1. II Guarany . . . . . .
. Gouies
2. Kaiser-Walzer . . . . . . . . Johann Strauß
3. Ouvertüre zu „
Sommernachts-
traum‟ . . . . . . . . . . . . Mendelssohn
4, Fantasie aus „Herodias‟ . . . . Massenet
II. Teil
5. Ouvertüre zu „Tannhäuser‟ Wagner
6. Szenes de la Czarda Nr. 4 (Violin-
Solo) . . . . . . . . . . . . . Hubay
7. Große Suite aus der Musik' zu
Rosenkavalier . . . . . . . . Rich. Strauß
8. Großes Potpourri aus „Lustige
Witwe‟ . . . . . . . . . . . Lehrä
9. Ungarische Rhapsodie Nr. 12 „Liszt
(bearbeitet von Joachim)
zweiten Kalendervierteljahr erzielten Einlagenzuwachs 80 Millionen
zent, für den im dritten Kalendervierteljahr erzielten Einlagenzu
1 Million Prozent und für den im vierten Kalendervierteljahr e=
Einlagenzuwachs 100 Prozent an Zieſen gewährt werden. Weitere
ſen werden für 1923 nicht zugeſchrieben. Die Aufwertung fin
Papiermark ſtatt. Spareinlagen von weniger als 10 Mark bleibe
der Aufwertung ausgeſchloſſen, ſofern es ſich nicht um Mündelfparb,
oder Kriegswaiſenſparbücher handelt.”
Liebeswerk des Nationalen Lutheriſchen Kenzit
in Amerika.
Man ſchreibt uns: In dieſen Tagen ſcheidet Herr Profeſſor
Benze, der bis jetzt als Vertreter des Nationalen Lutheriſchen K.
zils von Amerika in Deutſchland geweilt hat, aus Leipzig, wo er zule
ſeinen Wohnſitz genommen hatte, um wieder ſein theologiſches
Lehr=
in Philadelphia aufzunehmen. Seine Wirkſamkeit in Moskau und
Leipzig zur Unterſtützung der notleidenden ruſſiſchen und deutſchen
Glau=
bensgenoſſen konnte viel Nor lindern. Brachte doch das im Nationalen
Lutheriſchen Konzil zuſammengeſchloſſene amerikaniſche Luthertum viel
100 000 Dollars und ungezählte Lebensmittelkiſten für ſein europäiſches
Liebeswerk zuſammen. Auch wir in Heſſen durften von ſeiner Hilf
manches verſpüren. Ein Hilfsausſchuß in Darmſtadt konnte durch
Ver=
mittelung der Pfarrämter Geldgaben, Lebensmittelkiſten und
Kleider=
pakete in etwa 90 der lutheriſchen Gemeinden unſeres Landes übermit
teln. Und vor allem erhielten unſere Anſtalten der Inneren Miſſion,
denen ja beſonders der letzte Winter ſchwere Zeiten brachte, namhaft
Unterſtützung. Mit herzlichem Dank ſchauen wir auf all dieſe Hilfe,
wir erfahren durften. In der Geſchichte der deutſchen Nok ſtrahlt mit
hellem Licht das brüderliche Eintreten unſerer Glaubensgenoſſen
dem Weltmeer, die gern dem Heimatland der Reformation einen Teil
ihrer Schuld abtragen wollten. Durch dies Liebeswerk haben ſich neue
Fäden zwiſchen dem Luthertum der ganzen Welt geſponnen, die in dem
großen lutheriſchen Weltkonvent, der im vorigen Auguſt in Eiſenach
ſtattgefunden hat, ihren ſichtbaren Ausdruck fanden, und die wohl auch
jetzt, wo die akute Kriſe des Währungsverfalls vorübergegangen zu ſein
ſcheint, als Ausfluß einer übernationalen Gemeinſchaft des Glaubens
und der Liebe weiter beſtehen werden.
Aufwertung bon Hypotheken und Darlehen ſoll die Mitte für eine
wei=
tere Aufwertung der Spareinlagen für 1923 ergeben. Die Aufwertung
der Sparguthaben erfolgt in Waldenburg ſo, daß aufgewertet werden
die am 31. Dezember 1919 vorhanden geweſenen Guthaben eiit Wirkung
vom 1. Januar 1920 um 500 Prozent, die ſich hiernach für 31. Dezember
1920 ergebenden Spareinlagen ab 1. Januar 1921 um 50 Prozent, vom
1. Januar 1922 ab um 150 Prozent, und die hiernach für 31. Dezember
1922 ſich ergebenden Spareinlagen vom 1. Januar 1923 um 3000 Prozent.
Eine nachträgliche Berechnung von Zinſen für die aufgewerteten
Be=
träge findet nicht ſtatt. Für 1923 erfolgt die Aufwertung in der Weiſe
daß für den Ende 1922 unter Berückſichtigung der Aufwertung der
Vor=
jahre errechneten Einlagebeſtand und den im erſten Kalendervierteljah:
1923 erzielten Einlagenzuwachs 100 Millionen Prozent, für den im
Zum Schutze des deutſchen Weinbaues.
* Die Reichstagsabgeordneten der Deutſchen Volkspartei Dr. Becker
(Heſſen) und Hepp haben mit Unterſtützung von Abgeordneten der
Weinbaugebiete aus allen bürgerlichen Parteien folgende
Interpellation
eingebracht:
„Die ſeit langem ſchwebenden Handelsvertragsverhandlungen mit
Spanien ſcheinen ihrem Abſchluß nahe zu ſein. Gerüchtweiſe verlautet,
daß es dabei den ſpaniſchen Unterhändlern gelungen ſei, die deutſchen
Vertreter zu weitgehendem Nachgeben auf dem Gebiete der Weinzöll
zu bewegen. Eine Herabſetzung des Zolles für ſpaniſche Weine, die
weitgehende Zollermäßigung für andere Weine zur Folge haben würde,
müßte indes zu einer ſchweren Schädigung des geſamten deutſchen
Weinbaues, vor allem aber zum Ruin des deutſchen Rotweinbaues
führen und iſt deshalb auf das ſchärfſte zu bekämpfen.
Beruht das vorſtehende Gerücht auf Wahrheit?
Will die Reichsregierung ihre Vertreter bei den ſpaniſchen
Han=
delsvertragsverhandlungen ſofort anweiſen, im Intereſſe der Erhaltung
des deutſchen Weinbaues keinerlei Nachgeben auf dem Gebiete der
Weinzölle zu machen?”
Wer die dermalige ungeheuere Nor des deutſchen Weinbaus kennt
für den bedarf die Interpellation keiner beſondaren Begründung; hoffent
lich findet ſie die Unterſtützung aller Parteien des Reichstags.
Aus den Parteien.
— Deutſche Volkspartei. Der Beziuksverein Nord d
Deutſchen Volkspartei hielt in der Reſtauration Schnellbächer (Ec
Frankfurter= und Pallaswieſenſtraße) ſeine Monatsverſammlung ab
aus allen Berufsgruppen ſehr gut beſucht war. Es wurden mehre
Angelegenheiten erörtert, die für den nördlichen Stadtteil von ar
Bedeutung ſind. Insbeſondere wurde über die neue Straßenbahn
in der Frankfurter Straße geſprochen, deren Vorarbeiten jetzt ſo
wei=
ledigt ſind, daß wohl bald mit dem Ausbau begonnen werden kann.
Bahn wird zunächſt vom Juſtizpalaſt bis zur Gemarkungsgrenze
legt. Die Frage der Halteſtellen fand dahin ihre Klärung, daß
Straßenbahnverwaltung angeregt werden ſoll, dieſelben Halteſtell
zurichten, wie ſie früher bei der Süddeutſchen Bahngeſellſchaft beſ.
haben. Es ſind dies: Juſtizpalaſt, Pallaswieſenſtraße, Schlachtho
Nordbahnhof, Merckſche Fabrik. Einen breiten Raum in den Beſpre
ungen nahm auch die Erſchließung des Martinsviertels ein, eine d
bewohnte Gegend der Stadt, bevölkert hauptſächlich von Arbeitern,
klei=
nen Geſchäftsleuten, Angeſtellten und Beamten. Dieſe verlangen ein
Verkehrsverbindung nach dem Hauptbahnhof. Um den Wünſhen de
Martinsviertels entgegenzukommen, wurde auf ein altes Profekt hir
wieſen, die Straßenbahn über die Liebfrauenſtraße bis zum Riegerplatz
weiterzuführen. Die Bewohner des Martinsviertels hätten dann di
Möglichkeit auf der Straßenbahnlinie „Pallaswieſenſtraße=Liebigſtraße=
Bismarckſtraße den Hauptbahnhof zu erreichen. Ohne Zweifel würde de
Verkehr auf dieſer Linie eine ſtarke Zunahme erfahren, wenn die V
bindung bis in das Martinsviertel hinein hergeſtellt wäre. Im weit
ren Verlauf des Abends wurde lebhaft Klage geführt über die Ve
wahrloſung des Herrngartens, die Staubentwicklung auf der
Frank=
furter Straße an heißen Tagen. Auch wurde der Wunſch ausgeſprochen
daß die Beleuchtung der Straßen verbeſſert werde. Auf Veranlaſſ
des Vorſitzenden, Stadtverordneten Ittmann, wurden auch politiſe
Fragen erörtert, im Vordergrund der Ausſprache ſtanden hier die Lan
tagswahlen, die im November ſtattfinden.
*Sommerſpielzeit Bruno Harprecht.
Die vertagte Nacht.
Schwank von Franz Arnold und Ernſt Bach.
Die „Spaniſche Fliege” iſt übertroffen. Sie iſt in ihrer
Wir=
kung geſchlagen von ihren eigenen Erzeugern durch ein neues
„Werk”. Weder die Autoren noch wohl auch die Leitung des
Sommertheaters dürfen erwarten, daß man der „Vertagten
Nacht” eine literariſche Kritik zuteil werden läßt. Es darf ohne
weiteres vorausgeſetzt werden, daß bei der Schilderung auch
dieſes Schwankes es den Autoren nicht darauf ankam, die
Bühnenliteratur zu bereichern, ſondern nur darauf, ein
Unterhaltung ſuchendes Publikum einige Stunden hindurch zu
amüſieren. Dieſe Abſicht wird allerdings reſtlos erreicht. Der
dreiaktige Schwank „Die vertagte Nacht” iſt eine derartige Fülle
von komiſchen und grotesken Zwiſchenfällen, Verwechſelungen,
Wandlungs= und Entkleidungsſzenen, daß man uns nicht
zu=
muten kann, den Inhalt zu erzählen oder die Handlung zu
ſchildern. Es würde dies auch ſicher nicht im Intereſſe der
Be=
ſucher liegen, denn wenn die Pointe vorweg genommen, verliert
das Stück auch ſeine äußere Wirkung. Wer einmal lachen will
(bei der Erſtaufführung tobte das Haus) und wer über
der=
artig leichte und ſeichte Situationskomik lachen kann, dem iſt
der Beſuch dringend zu empfehlen. Es iſt ſicherlich der ſtärkſte
Lacherfolg der Saiſon.
Die Aufführung dieſes Stückes, das ſowohl Harprechts
Eigenart wie auch den Anforderungen eines
Sommertheater=
publikums beſonders liegt, war derart gut, daß man wohl ſagen
kann, die aufgewandte Arbeit wäre einer beſſeren Sache würdig
geweſen. Uebrigens ſoll man an derartigen Schwänken nicht viel
herumkritiſieren. Es genügt, feſtzuſtellen, daß ſie das Publikum
reſtlos befriedigen und das Haus füllen".
Bruno Harprecht ſpielte die Hauptrolle in dieſer „
Ver=
tagten Nacht” als Getreide=, Futter= und Melaſſehändler en gros,
er ſpielte ſie mit der ganzen Routine, über die er verfügt und die
ihm heute in der erſten Reihe der deutſchen Humoriſten der
Büh=
nen einen ſicheren Platz anweiſt. Er weiß jeder Situation das
Letzte zu geben und jede Pointe doppelt und dreifach zu
unter=
ſtreichen, d. h. herauszuarbeiten, ohne dadurch irgendwie auf=
Oringlich zu wirken, und hierin liegt im Grunde die Größe ſeiner
Kunſt. Franz Sauer fand ſich in der derbkomiſchen Rolle des
Onkels aus Pillkallen mit außerordentlicher Gewandtheit zurecht
und bewies, daß er auch in derber Komik ſeinen Mann ſtellen
kann gleich wie in ernſten Charakterrollen. Die zahlreichen
ande=
ren Rollen waren ſehr geſchickt beſetzt. Wir nennen Frieda
Eichelsheim Claire Hoffmann. Eva Biſchoff, Hetta
Biltrop und Mariela Baumann. Auch Lilli Runge und
Heimgart Müller ſeien nicht vergeſſen. Von den männlichen
Darſtellern ſeien beſonders erwähnt Gert Bernowski, der
einen ſchneidigen jungen Lebemann auf die Bühne ſtellte und
auch warme Töne fand, wo ſie angebracht waren, und Robert
Fitz, der das Unglückswurm von unſchuldig=ſchuldigem
Ehe=
mann und Eheverbrecher ſehr glaubhaft verkörperte. Sauers
Regie ſorgte für das notwendige flotte Zuſammenſpiel und hatte
den Schwank entſprechend ausgeſtattet.
Die Henkersmahlzeit.
Ein Kriminalfall in 3 Bildern von Hans Bachwitz.
Die als Nachtvorſtellung wiederholte Aufführung der „
Hen=
kersmahlzeit” (die an dieſer Stelle noch nicht Erwähnung fand)
war ſchlecht beſucht. Das iſt im Grunde bedauerlich, denn dieſer
Kriminalfall iſt, das muß ohne weiteres zugegeben werden, ſehr
ſpannend und ſtark intereſſierend, auch bühnenwirkſam bearbeitet.
Einer ernſten literariſchen Kritik hält auch dieſes Stück nicht
ſtand, wenngleich es ohne Zweifel eine immerhin literariſche
Arbeit darſtellt. Sie wird beeinträchtigt durch die überraſchende
und in keiner Weiſe bedingte Löſung der den Zuſchauer in
ſtärkſte Spannug verſetzenden Handlung, die geradezu grotesk
wirkt, und zwar in einem Moment, wo ihre Löſung in ganz
anderer Weiſe durchaus ernſt genommen, faſt ausgeſprochen iſt,
nämlich dadurch, daß zum Schluß die Darſteller ihre Perücken
heruntereißen und die ganze Angelegenheit als eine Art „
Film=
probe” erklären,
Die „Henkersmahlzeit” findet ſtatt in einem Chambre sépare
eines vornehmen Hotels und erhält ihr beſonderes
Charakteriſti=
kum durch die blutrote Farbe, die ſogar die Speiſenfolge und die
Getränke beherrſcht. Eingenommen wird die Henkersmahlzeit
von einem einſtweilen Unbekannten, der ſeine Geliebte mit einer
Rodin=Figur erſchlagen hat und dafür am anderen Morgen
hin=
gerichtet werden ſoll. In dieſes Chambre séparé verirrt ſich die
Geliebte des Präſidenten des Appellationsgerichtes, der das
Todesurteil verfügte. Nach langem, ſpannendem und durchaus
nicht unpſhchologiſchem Dialog rettet die Präſidentenfreundin
den zum Tode Verurteilten, der ſich dann allerdings als Herzog
entpuppt und nur in ſeinen Wahnvorſtellungen ſich für den zum
Tode Verurteilten hält. In Wirklichkeit beging die Tat ſein
Adjutant, der den Herzog mit ſeiner Geliebten überraſchte. Ob
ſich dies tatſächlich ſo verhält oder ob der geiſteskranke Herzog
auch das nur in ſeinen Wahnvorſtellungen erzählt, bleibt unklar,
Möglich, daß der Autor ſebſt ſich darüber nicht klar war.
Jeden=
falls iſt das Stück, vorausgeſetzt eine gleich gute Aufführung, wie
ſie ihm hier zuteil wurde, von ſtärkſter Wirkung, die eigentlich
durch den grotesken Schluß verliert.
Die Aufführung, das wurde bereits geſagt, war
ausgezeich=
net. Hier ſpielte Gert Bernowsky den Herzog in Geſte nnd
Bewegung ebenſo glaubhaft wie er ſpät
bruch darſtellte. Hetta Hiltrop, ſeine Gegenſpielerin (das
Präſidentenliebchen), ſpielte ihre Rolle ſehr pikant, auch
Koſtüm und Maske, jedoch litt die Darſtellung hin und wied
unter ſicher vermeidbaren dilettantiſchen Einſchlägen. Brung=
Harprecht gab den Präſidenten würdig und überlegen, Rol
Fitz den „Mann im Gehrock” geheimnisvoll mit einem leichten
Einſchlag des Humoriſtiſchen. Regie und Ausſtattung waren gut.
— Kommuniften im Tierreich. Jeder Menſch weiß, daß es
eine Bienenkönigin gibt. Man denkt dabei, daß ſie über ein Volk
von Arbeiterinnen herrſcht, das ihr dient, ihr folgt und in allen
Dingen zu Willen iſt. Es iſt ja auch ſo, aber wohl in ganz
an=
derem Sinne, als die meiſten es ſich denken. Das ganze
Bienen=
volk bildet eine Einheit. Wenn draußen die Natur im Frühjahr
anfängt, ihre Blüten zu entfalten, und die erwärmende Sonne
dem Volke, alſo der Königin, und ihren Arbeiterinnen, neuen
Lebensmut und neue Lebenskraft zuführt, fliegen die
Arbeits=
bienen aus, bringen das erſte friſche Grünfutter und ernähren
daraus ihre Königin ſo reichlich, daß ſie, ob ſie will oder nicht
in die Eierlage eintritt. Nun allerdings fordert ſie von ſich aus
von den Arbeiterinnen immer neue Futtermengen und legt mit
jedem Ei den Arbeiterinnen neue Arbeit auf. Bald ſteigert ſich
die Zahl der Eier auf täglich 1000, 2000 Stück und mehr. Das
Wohlbefinden der Königin wird die Pflicht der Arbeiter, und
der Arbeitserfolg treibt die Pflicht der Königin. Wir ſehen es,
wie ſie alle zuſammen um einen Gedanken bemüht ſind: Aufbau
ihres Volkes. Das Volk iſt Lebensquelle und Lebensſchu
Arbeitsziel und Grundlage der Arbeitsmöglichkeit. Jede
einzeln muß zugrunde gehen, wenn ſie aus dem Zuſammenhar
geriſſen wird. Jede Biene einzeln ſetzt ihr Leben ein, um mit
dem Stich ihres Stachels Feinde fernzuhalten, mögen ſie heißen
wie ſie wollen. Hat eine Biene in der Natur Nahrung und Arbeit
gefunden, ſo gibt ſie davon ſofort bei der Heimkehr den anderen
Flugbienen Kenntnis und ladet ſie ein, derſelben Arbeitsftelle
zuzueilen und Nahrung für das Volk einzuholen, und alle treten
ſie in eine Aufgabe ein. Nach den verſchiedenen Lebensaltern
haben ſie zwei verſchiedene Lebensaufgaben, entſprechend ihren
körperlichen Fähigkeiten und der allmählichen Heranreifung ihrer
Kräfte. Alle wachſen ſie ſchließlich zu Flugbienen heran, und all
ſterben ſie dann denſelben Tod: nach vier bis ſechs Wochen
flei=
ßigen Arbeitens haben ſie ſich aufgearbeitet, aufgeopfert für d
Schweſtern, und mit den Schweſtern für das Volk. Keine Biene
hat etwas für ſich allein, alles gehört allen. Es denkt auch keine
Biene daran, etwas für ſich allein haben zu können. Selbſtſucht
gibt es nicht. Die Grundlage ihres Kommunismus iſt
Gemein=
famkeit des Vaterlandes, Gemeinſamkeit der Pflicht. — Ob es
einmal eine Zeit geben wird, in der die Menſchen in ſittlicher
Kraft ſich zu einer ſolchen Höhe aufſchwingen werden, wie dieſ
nge haben?
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
Ramier 209.
Aus Heſſen.
* Roßdorf, 28. Juli. Gemeinderatsbericht. 1. Der
Wald=
ſirtſchaftsplan für das Wirtſchaftsjahr 1925 wurde von dem
Bürger=
meiſter vorgetragen und außer einer Abänderung bei den Ausgaben
ge=
mehmigt. 2. Die Genehmigung der Verpachtung des Ladens im Café
Ernſt Ludwig wird zurückgeſtellt und dem Pächter aufgegeben, noch zwei
Bedingungen zu erfüllen. 3. Die Gemeinde tritt der Baugenoſſenſchaft
„Selbſthilfe” in Roßdorf als Mitglied bei. 4. Der Leichenfuhrmann
er=
hält nunmehr als Vergütung pro Fuhre 8 Gm. 5. Für Grabenaushub
von dem Mühlbach durch die Feuerwieſen wird den Erwerbsloſen pro
Quadratmeter eine Sondervergütung von 3 Pfg. genehmigt. 6. Der
Ge=
meinde= und Waldvorarbeiter erhalten nunmehr zu ihrem Stundenlohn
noch 6 Pfg. als Geſchirrgeld., 7. Nach den Beſtimmungen des Reichsrats
über die Vergnügungsſteuer wurden ſeither pro Quadratmeter
Veran=
ſtaltungsfläche 10 Pfg. erhoben. Dieſer Betrag hat ſich im Laufe der
Zeit als zu niedrig erwieſen. Der Gemeinderat beſchließt daher
Erheb=
ung dieſer Steuer in Höhe von 50 Pfg. pro Quadratmeter. Für die im
Freien gelegenen Teile der Veranſtaltungsfläche wird die Hälfte dieſes
Satzes erhoben. 8. Der Johann Friedrich Schwan iſt geiſtig
minder=
wertig und faſt arbeitsunfähig. Seine Aufnahme in eine Pflegeanſtalt
hat ſich als dringend notwendig erwieſen. Der Gemeinderat beſchließt in
dieſem Sinne und zwar ſoll Schwan in die Provinzialpflegeanſtalt in
Eberſtadt aufgenommen werden.
* Ober=Ramſtadt, 26. Juli. Nationaler
Geſangswett=
ſtreit im Odenwald. Unſer gaftliches Odenwaldſtädtchen, das erſt
kürzlich das 43. Gauturnfeſt des Main=Rheingaues der Deutſchen
Tur=
nerſchaft bei enorm ſtarker Beteiligung der Gauvereine in ſo
glänzen=
der Weiſe durchgeführt, ſo daß ihm allſeits ungeteilte Anerkennung
ge=
zullt wurde, rüſtet ſich für das Jahr 1925 zu einem großen „
Natio=
nalen Geſangs=Wettſtreit. Das Doppel=Quartett „
Concor=
dia”, rühmlichſt bekannt von vielen Wettſtreiten und ausgezeichnet mit
einer großen Zahl von 1. und Ehrenpreiſen, begeht ſein Wjähriges
Stiftungsfeſt verbunden mit Fahnenweihe und Geſangswettſtreit. Es iſt
ſelbſtverſtändlich, daß auch dieſes Feſt in großzügiger Weiſe arrangiert
und durchgeführt, den Sangesbrüdern genußreiche Stunden und
an=
genehme Erinnerungen, den Siegern innere Befriedigung bieten wird.
Die ſchöne Lage des Feſtortes, in nächſter Nähe von Darmſtadt (
unbe=
ſetztes Gebiet), wird vorausfichtlich eine große Anzahl ſangesfroher
Gäſte anlocken, denen, nebenbei bemerkt, auch viele prächtige Preiſe
win=
ken. Die Veranſtaltung finder Mitte Juni nächſten Jahres ſtatt.
* Von der Bergſtraße, 27. Juli. Geſtorben. Der Landwirt
Kaſpar Trill in Ladenburg, dem vor etwa zwei Wochen beim
Hüten ſeines Feldes des Nachts von einem Unbekannten der Schädel
ein=
geſchlagen wurde, iſt nun ſeinen Verletzungen erlegen, ohne daß er das
Bewußtſein wieder erlangt hatte. Alle Nachforſchungen nach dem
ruch=
loſen däter blieben bis heute ohne Erfolg.
r. Auerbach, 27. Juli. Kriegerdenkmal. Schon lange trägt
man ſich in der Gemeinde mit dem Wunſche, den Gefallenen in dem
Wektkriege ein Denkmal zu errichten. Nun hat der Kriegerverein die
Angelegenheit in die Hände genommen und will dieſe Ehrenſache mit
allen Kräften zur Ausführung bringen. Heute haben Vereinsmitglieder
mit einer Hausſammlung von freiwilligen Gaben in der Gemeinde
be=
gonnen. Da die Einwohnerſchaft als ſelbſtverſtändliche Pflicht erachtet,
die gefallenen Helden auf dieſe Weiſe zu ehren, ſo hofft man, daß die
Sammlung einen recht namhaften Betrag liefern werde. Auch von
aus=
wärts wohnenden Auerbachern und Freunden unſeres Ortes werden
Zuwendungen für den hochedlen Zweck entgegen genommen. Der
Krieger=
verein iſt gerne bereit, Gaben entgegenzunehmen.
U. Auerbach, 26. Juni. Radſport Auerbach. Seit der vor
drei Wochen ſtattgefundenen Gründung des Vereins ſind demſelben
zahlreiche neue Mitglieder beigetreten, ſodaß der Verein nunmehr
be=
abſichtigt, demnächſt mit Fahrübungen zu beginnen. Es iſt auch eine
Abteilung für Jugendliche und Familienmitglieder angegliedert und iſt
beſonders die Jugend eingeladen, beizutreten und von der ihr hier billig
gegebenen Gelegenheit, ſich im Radfahren auszubilden, Gebrauch zu
machen. Eintrittsgeld und Beitrag ſind minimal, die gebotenen
Vor=
teile gegenüber ſehr groß. Näheres hierüber iſt bei dem Vorſitzenden,
Herrn Architekt Meckel, Auerbach, ſowie bei Mitglied Greve,
Buchhand=
lung, Auerbach, zu erfahren, die auch die Anmeldungen entgegen
neh=
men. Es iſt ferner beabſichtigt, zur Werbung und Veranſchaulichung
es im Radſport ruhenden Künſtleriſchen und Schönen am 7.
Septem=
r im Schweizerſaal des Hotel „Zur Krone” ein Werbetag, verbunden
t Vorführungen des Darmſtädter Nachbarvereins abzuhalten. Eine
ößere Anzahl geübte Fahrer und Fahrerinnen wird hier im
Reigen=
gren und allen anderen Künſten ihr Beſtes bieten. Möge der Tag
* Beſeitigung der Vorurteile dienen, die über den Radſport noch viel=
fach beſtehen. Der Verein dient nicht dazu, die Fahrer durch
über=
mäßige Strapazen, wilde Rennen, verbunden mit Staubſchlucken bei
Gluthitze abzuquälen, ſondern er will ihnen das Edle und Schöne im
Radſport zum Bewußtſein, ſie die Kunſt des Radfahrens lehren und
ihnen in Wanderfahrten die Schönheiten unſeres engeren und weiteren
Heimatlandes vor Augen führen. Mögen noch recht viele die
Gelegen=
heit benutzen und dem Verein beitreten. Vereinsabend jeden Freitag
8½ Uhr im Gaſthaus „Zur Bergſtraße‟ (Chr. Weigold.)
* Aus dem Weſchnitztal, 28. Juli. Brotpreiserhöhung.
Kaum hat der Mehlpreis etwas angezogen, und die Bäcker des
Weſch=
nitztales und des Ueberwaldes können nicht umhin, den Preis für den
Vierpfünder Laib Brot von 55 Pfg. auf 60 Pfg. zu erhöhen. Der
Preis für Weißbrot und Wecke bleibt vorläufig weiter beſtehen.
* Aus dem Weſchnitztal, 28. Juli. Bienenzucht. Unſere
„Bienenväter” machen eben verdrießliche Geſichter: Die Bienenkäſten ſind
vollgepfropft mit Bienen, aber die Honigzellen leer, ſo daß man nun —
mitten im Sommer — zur Notfütterung greifen muß, und dies
trotz des ſeitherigen ſchönen Wetters. Aber der Grund liegt darin, daß
ſowohl die reichen Akazien= und die noch reicheren Lindenblüten von den
Bienen wegen der furchtbaren Trockpung nicht ausgenützt werden
konn=
ten, da ſie nicht „honigten‟ Die Bienenzüchter erklären, daß ſie ein
ſchlechteres Bienenjahr noch nicht mitgemacht hätten. Ein Glück war es
übrigens noch, daß die Raps= und Apfelbaumblüte wenigſtens auf kurze
Zeit ausgenützt werden konnte, ſo daß es möglich war, den Vienenvölkern
etwas Honig zu entnehmen. — Auch aus dem Schwarzwalde
kom=
men bittere Klagen über die diesjährige Mißernte, wo auf vielen
Bienen=
ſtänden bis heute noch keine Ernte erzielt wurde. Seit 35 Jahren ſeien
die Honigjahre nicht ſo mager geweſen, als in dieſem Jahre. Die
dorti=
gen Imker ſetzen ihre einzige Hoffnung auf die Herbſttracht, die anfangs
Auguſt einſetzen ſoll.
* Birkenau, 27. Juli. Zimmerbrand. Die verfloſſene Nacht
wurden die hieſigen Einwohner durch Feueralarm aus dem Schlafe
er=
weckt und alsbald rollte die Feuerſpritze an den Brandplatz. In dem
Schlafzimmer eines in den 80er Jahren ſtehenden Witwers war Feuer
ausgebrochen, wahrſcheinlich entſtanden durch eine brennende Zigarre.
Zum Glück konnte durch die Feuerwehr das Feuer auf ſeinen Herd
be=
ſchränkt bleiben, doch war das Bett, der Nachttiſch und anderes Geräte
dem Brand zum Opfer gefallen. Wie ein Wunder erſcheint es aber, daß
der alte Mann unverſehrt den Flammen entkam.
9. Aus Offenbach, 26. Juli, wird uns geſchrieben: Der ſeltene Fall,
daß eine angeordnete Geſchäftsaufſicht durch Verſchulden
der Schuldnerin wieder aufgehoben wird, iſt hier zu verzeichnen.
Ueber das Vermögen von Ihlefeld und Blechner war Geſchäftsaufſicht
angeordnet. Die Firma hat aber nicht binnen einem Monat einen den
Erforderniſſen genügenden Antrag auf Eröffnung des
Vergleichs=
verfahrens geſtellt. Der wiederholt angeforderte
Gerichts=
koſtenvorſchuß wurde ebenfalls nicht bezahlt. Auf Grund der
Ver=
ordnung vom 14. 6. 24 wurde deshalb vom Amtsgericht die
Geſchäfts=
aufſicht wieder aufgehoben.
— Trebur, 28. Juli. Für die hieſige Kirche werden jetzt auch
neue Glocken angeſchafft, das Geld iſt durch freiwillige Spenden und
gegen Gutſcheine im Ort geſammelt worden. 3 Glocken ſind bei dem
Glockengießer Rinker in Sinn beſtellt. — Die Kirchweihe wird in dieſem
Jahre am 10. und 11. Auguſt abgehalten. — Der hieſige Deutſche
Männergeſangverein beteiligt ſich am 30. und 31. Auguſt bei
dem Feſt des Geſangvereins Germania in Nauheim am Kritikſingen.
k. Gießen, 27. Juli. Der landwirtſchaftliche Bezirksverein für den
Kreis Gießen hielt heute eine ſtark beſuchte Verſammlung im Hotel
Hugfeld ab unter dem Vorſitze des Landtagsabgeordneten Fenchel=
Ober=
hörgern. Der wichtige Punkt der Tagesordnung war die
Steuer=
frage. Von allen Seiten wurde betont und feſtgeſtellt, daß es den
Landwirten nicht mehr möglich ſei, die hohen Steuern aufzubringen, ja
daß kleine Bauern bereits ſchon Vieh haben verkaufen muſſen, um die
unerhörten Steuern zuſammenbringen zu können. Wenn es ſo weiter
ginge, würden manche Aecker veräußern müſſen. Es könne eines Tages
zum Steuerſtreik kommen. — Ertränkt hat ſich in der Lahn
ein 21jähriges Mädchen. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.
— Rüffelsheim a. M., 28. Juli. Gemeindefeſtplatz. Der
Gemeinderat hat die Errichtung eines Gemeindefeſtplatzes, der zugleich
als Sportplatz dienen ſoll, beſchloſſen. Die nötigen Vorarbeiten ſind
einem engeren Ausſchuß übertragen worden.
S Biſchofsheim, 28. Juli. Die Feld= und
Gartendieb=
ſtähle haben in der letzten Zeit außerordentlich zugenommen, ohne
daß es in den meiſten Fällen gelungen wäre, der Täter habhaft zu
wer=
den. Nur in einem Falle konnte eine Frau, die in einem Schrebergarten
ſtahl, auf friſcher Tat ertappt werden. Noch verwerflicher iſt aber ein
Racheakt in einem Garten, wobei aus 13 jungen Gemüſepflanzen das
Herz herausgeſchnitten wurde.
9. Aus Starkenburg, 26. Juli. Durch den Abbau im Schulweſen
ſind die Ausſichten auch für Lehrerinnen ſehr ungünſtig
ge=
worden. Den Anwärtern, die zu Oſtern die Ausbildungsanſtalt
ver=
ließen, wurde deshalb empfohlen, zunächſt dem Unterricht erfahrener
Lehrer und Lehrerinnen beizuwohnen, und ſich dabei auch ſelbſt im
Unterrichten recht fleißig zu üben. Schon nach einem Jahre ſoll ihnen
dann bei Bewährung ausnahmsweiſe geſtattet ſein, ſich der
Schlußprüfung für das Lehramt an Hochſchulen zu unterziehen. Es
bleibt ihnen dann unbenommen, bis zu ihrer Verwendung im
Staats=
dienſt im Wirtſchaftslehen ein Unterkommen zu ſuchen. Die
gegenwärtige Zeit erinnert an die Ausſichten im Lehrerberuf in den
neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals mußten
die Anwärter ebenfalls monatelang und einzeln ſelbſt ein Jahr lang
warten, ehe ſie in dem Berufe, für den ſie ſich vorgebildet hatten,
Ver=
wendung finden konnten.
Mainz, 25. Juli. Immer wieder Paßvergehen. 57
Perſonen u. a. aus Frankfurt a. M., Düſſeldorf, Hannover, Berlin,
Groß=Auheim, Plauen, Altenkirchen, Schwetzingen, Mannheim, Gießen,
Bielefeld, Barmen, Emden, Braunſchweig, Neckarſteinach, Konſtanz,
Hanau, Bensheim und Amſterdam, die im beſetzten Gebiet ohne
vor=
ſchriftsmäßige Päſſe angehalten worden waren, erhielten vom
fran=
zöſiſchen Militärpolizeigericht Geldſtrafen bis 250 Goldmark. 3 weitere
Perſonen wurden deshalb zu je 5 Tagen Gefängnis und einer zu 20
Tagen Gefängnis verurteilt.
e. Lang=Göns, 27. Juli. Das Verbandsfeſt der
oberheſ=
ſiſchen Poſaunenchöre fand heute unter ſehr ſtarker
Beteili=
gung aus allen Teilen der Provinz und den benachbarten preußiſchen
Orten ſtatt. Sogar der Poſaunenchor aus Stockhauſen bei Lauterbach,
Unterſeibertenrod, Ober=Ohmen und Bobenhauſen bei Ulrichſtein,
Wet=
terfeld und Ruppertsburg, Kreis Schotten, waren erſchienen. Von den
näherwohnenden Chören ſeien erwähnt: Friedberg, Großen=Linden,
Klein=Linden, Heuchelheim, Leihgeſtern, Mockſtadt, Bersrod und
Gam=
bach. Insgeſamt waren 17 Vereine mit 270 Bläſern zur Hauptprobe
eingetreten. Um 10 Uhr fand auf dem geräumigen Kirchenplatz der
Feſtgottesdienſt ſtatt, den der Maſſenchor der Poſaunenbläſer mit
„Die Himmel erzählen die Ehre Gotts” aus Haydens Schöpfung
eröff=
nete. Den Altardienſt verſah der Ortsgeiſtliche. Nach dem Geſang der
Gemeinde hielt Miſſionsinſpektor Pfarrer Held=Wiesbaden die
Feſt=
predigt über die bibliſche Erzählung „Der Kämmerer aus dem
Mohren=
lande‟. Er gab Beſpieile aus ſeiner Miſſionstätigkeit vor dem Kriege
bekannt, ſchilderte die Bekehrung von Mohammedanern und teilte mit,
daß England neuerdings ſeine Kolonien wieder der deutſchen
Miſſions=
tätigkeit geöffnet habe. Mit dem Maſſenchor der Bläſer „Auf, ihr
Brüder laßt uns wallen” fand der Feſtgottesdienſt ſeinen Abſchluß. Um
2 Uhr wurde ein Feſtzug der 17 Vereine aufgeſtellt, nach dem Umzug
durchs Dorf fand auf dem Kirchenplatz die Nachfeier ſtatt, welche
un=
gemein ſtark beſucht war aus der geſamten Umgegend. Pfarrer Schäfer=
Darmſtadt, früher Miſſionar in Aegypten, ſchildert ſein Wirken unter
den Mohammedanern. Dieſe ſeien für die Miſſion ſehr empfänglich
ge=
weſen, und da jetzt das Miſſionsfeld wieder geöffnet ſei, dürfe man die
Gewinnung der Mohammedaner nicht vernachläſſigen. Der
Verbands=
vorſitzende Pfarrer Fritſch=Ruppertsburg ſprach über Weſen und
Auf=
gaben der Poſaunenchöre. Im Auftrage des Prälaten D. Dr. Diehl=
Darmſtadt überbrachte. Dekan Gußmann=Kirchberg die Grüße und
Wünſche der Kirchenbehörde. Mit dem gemeinſamen Geſang: „Nun
danket alle Gott” ſchloß das Feſt. Die Kollekten, die ſich an beide
Gottesdienſte ſchloſſen, ſind für die Miſſion bei den Mohammedanern
beſtimmt. Lobend ſei die Goſtfreundſchaft der Einwohnerſchaft
hervor=
gehoben, die die zahlreichen Feſtgäſte in ihren Häuſern bewirteten.
k. Lauterbach, 28. Juli. Eine ſchwere Veruntreuung
be=
ging der Knecht eines Geſchäftsmannes aus dem benachbarten
Angers=
bach. Sein Herr vertraute ihm eine bedeutende Summe an, mit der er
das Holzgeld bei einer hieſigen Firma bezahlen ſollte. Der Knecht
ſtellte ſein Fuhrwerk vor eine Wirtſchaft, traf einen Freund, und beide
machten eine große Zeche. Beide beſchloſſen, Lauterbach zu verlaſſen und
begaben ſich in mehrere Geſchäfte, um ſich für die Reiſe auszuſtatten.
Als ſie verſuchten, das Pferd zu verkaufen, ſchöpfte man Verdacht,
wo=
rauf beide das Fuhrwerk im Stich ließen und verſchwanden.
e. Grebenau bei Alsfeld, 28. Juli. Die diesjährige Heidelbeerernte
iſt ſo ergiebig wie kaum vorher. Täglich wandern ganze Scharen
Kin=
der und Erwachſene in die Waldungen, ja viele treffen mit der Bahn
ein. Mit Körben, Eimern und Töpfen beladen gehts vormittags an die
Arbeit und abends treffen die Leute wieder ſchwer beladen ein. Für die
minderbemittelte Bevölkerung iſt die Zeit der Heidelbeerernt eine gute
Einnahmequelle. Auf der Bahnſtation werden faſt täglich ganze Wagen
verſandt.
* Holzheim, 28. Juli. Ein getreuer Hirte iſt der Schäfer
Wilhelm Sauer, der ſeit 54 Jahren in unſerer Gemeinde die Schafe hütet.
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Seite 7.
in Rußland.
Von Johannes Schleunig.
I.
Leſen der Briefe und Berichte und beim Anhören der
Erzäh=
lungen von Augenzeugen aufzwingt, wie ein ekles Geſpenſt
ganze Jammer eines Jahrzehntes ſcheint ſich zu einer letzten, ſo viel durchgemacht hat, wie ſie, lernt auf Erdenhoffnungen
furchtbaren Kataſtrophe zuſammenzuballen. Beim Leſen der verzichten. Während die Kinder blind in die Welt hineinziehen,
Berichte über die neu hereingel ochene Hungersnot in Rußland
ſtockt dem Kenner der dortigen Verhältniſſe der Atem. Die Bil= rüſten die anderen zur Auswanderung nach Amerika, um nur
der der ſich ſtets ſteigernden Leiden aus den letzten zehn Jahren auch hier ein Erwachen mit Schrecken geben. Amerika denkt
Seele. .. . Man ſieht den deutſchen Bauer in Rußland vor ſich, Quote iſt längſt überzogen. Und wo ſollte das viele Geld
her=
der durch den Krieg aus ſeinem friedlichen, raſtloſen Arbeiten
verſchuldeten Verfolgung preisgegeben zu werden, die Tauſen= zu bringen? Aber es gibt noch eine andere Gruppe in unſeren
widerſtandsfähigen Reſt ausſtrecken.
Und dann ſieht man den Hunger.
III.
Die Hungerkataſtrophe und die Panik unter den Bauern,
Die neue Hungeriataſttophe und die großen Flüchtlingskarawanen werden in der
Sowjet=
preſſe zugegeben. Man vergleiche die Auszüge aus
kommuni=
ſtiſchen Blättern, die wir an anderer Stelle bringen. Dabei
wird uns verſichert, daß es der „Arbeiter= und
Bauernregie=
rung” gelingen werde, Herr der Lage zu bleiben; die
Kopflo=
ſigkeit der Bauern ſei ungerechtfertigt, es ſei Brot genug in
Rußland, um dem Hungerſterben vorzubeugen. Die Bauern
Alles in uns ſträubt ſich dagegen, an das Furchtbare zu glau= laſſen dieſe Mahnungen unbeachtet. Aehnlich klangen
Ver=
ben, das gegenwärtig in Rußland wieder zur Tatſache wird, ſprechungen auch 1920. Die Tatſache, daß in Sibirien die Men=
Man mächte die grauenvolle Erkenntnis, die ſich einem beim ſchen ſeit Monaten Hungers ſterben, ſtraft die Verſprechungen
Lüge.
Die Bauern wollen fort. Sie glauben keinen
von ſich abſchütteln, um wieder frei atmen zu können. Der Verſprechungen mehr. Sie glauben an kein irdiſches Glück. Wer
von dem Ort des Todesgrauens hinwegzukommen. Es wird
drängen ſich einem in erdrückender Vielgeſtaltigkeit vor die nicht daran, die Leute in ſein Land zu laſſen. Die ruſſiſche
und Schaffen herausgeriſſen wird, um einer gewiſſenloſen, un= kommen, das nötig wäre, um die Hunderttauſende übers Meer
deutſchen Kolonien, die an Zahl nicht gering iſt. Es ſind
die=
den Gut und Leben gekoſtet hat. Man ſieht Revoluton und jenigen, die die Zeit der Drangſale für vollendet anſehen und
Bürgerkrieg die blutigen Hände nach dem wetterfeſten und die Vorzeichen des Weltunterganges für erfüllt. Sie haben die
prophezeiten Greuel der Verwüſtung erlebt und das frevelhafte
Tier geſehen, das die Religion vernichten will und unerhörteſte
Den Hunger von 1920/21 der ſich aus den über unſer Gottesläſterungen ausſtößt an heiliger Stätte. Sie haben die
Völkchen hintobenden Stürmen und Wettern in grauenvoller apokalyptiſchen Reiter mit leibhaftigen Augen über die Erde
Größe emporreckt, um alle anderen Schrecken in dem gellenden, jagen ſehen, ſie haben Tod und Verderben und Jammer über
Schrei nach einem Biſſen Brot aufzulöſen. . . . Den ſchwarzen, ſich ergehen laſſen „eine Zeit und etliche Zeiten und noch eine
Reiter aus der Apokalypſe ſieht man über die zerquälten Men= Zeit”. Nun muß das Ende da ſein. Mit Geſängen auf den
ſchen hinraſen. Höhniſch ſchwankt die Wage in ſeiner Hand. Die Lippen und im Tanzſchritt gehen ſie heraus auf die Straßen,
letzte Lebensgier aufpeitſchend hallt der dumpfe, tieriſche Ruf große Scharen, alt und jung, in religiöſer Ekſtaſe, und
erwar=
über die Maſſen hin: „Ein Maß Weizen um einen Groſchen ten die Wiederkunft Chriſti und damit das Ende aller irdi=
und drei Maß Gerſte um einen Groſchen!” Man ſieht wieder, ſchen Dinge. Sie laſſen die Sowjetpreſſe höhnen, ſie laſſen ſich
die tauſende Kinderaugen brechen, weil ſie ihre zitternden, abge= beſchimpfen, ſie ſind im Geiſte über den Dingen der Zeit. Sie
magerten Händchen vergeblich nach einem Biſſen Brot aus= haben zu viel und zu tief gelitten, um nicht letzten Troſt in
ſtrecken. Man ſieht die aufgetürmten Hungerleichen auf unſe= ihrem vielgeſchmähten Jenſeitsglauben zu finden. —
ren deutſchen Friedhöfen, zu denen täglich neue Dutzende hin=
TV.
ausgetragen werden, die nicht eingeſcharrt werden können, weil
Als vor vier Jahren die Schreckenskunde von dem
Hunger=
die entkräfteten Hände der noch Lebenden nicht imſtande ſind,
ſterben in Rußland durch die Welt ging, rüſteten ſich überall
den gefrorenen Boden rechtzeitig aufzugraben.
Man hatte dieſe Bilder des Todes und Entſetzens bereits Tauſende von Händen, um Hilfe zu bringen. Auch durch
zurückgedrängt durch ſolche neu ſchaffenden Lebens; denn die Deutſchland gellte der Ruf: „Brüder in Not!” — und die Sam=
Ueberlebenden, die zum großen Teil durch die ausländiſchen mel= und Hilfsarbeit begann. Während Hunderttauſende un=
Hilfsorganiſationen gerettet worden waren, gingen mit einer ſerer Brüder grauenvollen Tod fanden konnten andere Hun=
Zähigkeit und Hingabe an die Schaffung neuer Lebensmöglich= derttauſende durch die ausländiſche Hilfe gerettet werden....
Werden ſich diesmal wieder Hände und Herzen öffnen,
wer=
keiten, daß ſelbſt die aſiatiſche Zerſtörungsſucht für Augenblicke
ſtaunend innehielt. Schritt für Schritt ſehen wir in den Jahren den ſich Wege finden, auf denen Hilfe gebracht werden kann?
1922/23 unſere deutſchen Bauern die Not zurückdrängen, in Uebermütig und abweiſend klingt noch die Sowjetpreſſe — ſie
hartem Ringen, denn im Hintergrund erhebt ſie, ſprungbereit, will allein fertig werden. Aber das iſt eine der vielen
bekann=
ſtändig ihr drohendes Haupt. Aber doch ſoweit, daß die Men= ten, ſchönen Geſten, mit denen man das Ausland über Nußland
ſchen den Glauben nähren können; wir werden ihrer ſchon aufklärt. Wie wünſchten wir, daß die Sowjetpreſſe Recht be=
Herr werden, wenn wir Geduld und Ausdauer genug haben. hielte. Trotzdem muß die Samariterhilfe vorbereitet werden.
So ſpannen ſich Männer zuſammen vor den Pflug, um die Sie wird, wenn ſie genügend zu bieten hat, doch nicht dauernd
Saat in die Erde zu bringen. Die Nachbarn, denen von ihrem zurückgewieſen werden können.
Jedenfalls dürfen wir nicht untätig dem Sterben unſerer
einſtigen reichen Viehbeſtand noch eine Kuh übrig geblieben iſt,
ſpannen ihre Tiere zuſammen, legen ſich ſelbſt noch in die Sie= Volksgenoſſen in Rußland zuſehen. Die rettende Bruderhand
len — und Furche um Furche wird gezogen. Gruppen= muß ſich nach dem Untergeheneden ausſtrecken. Eine
Notge=
weiſe ſtehen die Frauen und graben und harken, damit wei= meinſchaft aller Deutſchen, denen die Not der Brüder ans Herz
tere Saatkörner den Boden fänden, aus denen heraus ſie Frucht greift, muß zur Hilfeleiſtung gebildet werden. Die Front
da=
treiben können. Sie erfüllen buchſtäblich, das Verſprechen, das für wird ſich über die Staatsgrenzen hinaus finden. Aller
ſie im Frühjahr 1921 gegeben hatten: „Gebt uns rechtzeitig Kleinglaube muß überwunden werden. Ein Bruderſtamm, der
Saatkorn, und wir bringens in die Erde, ſelbſt wenn wir das ſich ſo tapfer behauptet und durchgeſetzt hat, darf nicht allein
Erdreich mit unſeren Fingernägeln aufkratzen müßten‟. Ein gelaſſen werden in dieſer bitteren Todesnot. Die Brüder der
Bild rührenden, unbeſiegbaren Lebenswillens. Gabs auch noch ganzen Welt müſſen im Geiſt an ſeiner Seele ſein. Dann
wer=
tauſend äußere und innere Nöte — man ging noch faſt halbnackt den ſich auch die Tore für wirkliche Hilfe öffnen.
Unpolitiſche Tagesſchau.
infolge des Kleidermangels und mußte die Häuſer, verfallen
laſſen, weil es an Baumaterial fehlte, die Kinder verwahrloſten,
der Kampf gegen die Religion tobte — aber man durfte doch
hoffen.
II.
Da kommt plötzlich die Schreckensnachricht von der neuen
Hungerkataſtrophe.
Alles Wehren und Sträuben hilft nichts. Wir müſſen den
Tatſachen ins Geſicht ſehen. Der Leidensweg unſerer Brüder
in Rußland iſt noch nicht zu Ende. Was wir in der letzten
Zeit erlebten, war nur eine Atempauſe vor dem neuen
ſchwe=
ren Abſchnitt ihrer via dolorosa. Denn ganz wie im Sommer
1920 iſt bei dem öffentlichen Eingeſtändnis der Hungersnot
durch die Bolſchewiſten die Not in einigen Gebieten ſchon ſo
weit vorgeſchritten, daß Tauſende rettungslos zugrunde gehen
müſſen, bevor Hilfe gebracht werden kann. Wir erfahren
plötz=
lich, daß in dem früher ſo brotreichen Sibirien die Menſchen
ſeit dem Frühling dieſes Jahres Hungers ſterben, daß
Tau=
ſende — Männer, Frauen und Kinder — in wilder Flucht vor
dem grauenvollen Hungertode unterwegs ſind. Unterwegs —
wohin? Die deutſchen Koloniſten zu ihren Brüdern an der
Wolga. Ihre mit mageren Pferden beſpannten Wagen ſind mit
Kindern und Habſeligkeiten beladen und bewegen ſich langſam
auf einem Tauſende von Kilometern langen Weg durch
Hun=
gergebiete. . . . Die Unglücklichen! Sie ahnen nicht, daß das
ganze, mit einer kommuniſtiſchen Republik beglückte deutſche
Bolgagebiet von einer ähnlichen Kataſtrophe heimgeſucht
wor=
den iſt, wie ſie ſelbſt, und daß durch die dortigen Dörfer das
Entſetzen vor dem Hunger hinraſt, die armen Menſchen zum
Verſchleudern ihres hungrigen Viehes und ihrer ſonſtigen Habe
zwingt, und ſie wieder, wie 1920, auf die Flucht treibt. . . . Wie
1320 iſt die Hungerbevölkerung in Rußland in vollem Gang. und nach Eindrücken des Rolladens und der Fenſterſcheibe in die Woh=
Reich und Ausland.
Aus Frankfurt a. M.
Polizeiliche Maßnahmen gegen die
Radfahrer=
unſitten. Die ſeit einiger Zeit ſich auch auf dem Lande mehrenden
Unfälle im Radfahrverkehr gaben dem Landwirtſchaftsminiſter
Veran=
laſſung, in einer Verordnung darauf hinzuweiſen, daß der
Beleuchtungs=
zwang der Fahrräder wieder eingeführt iſt. Auch wendet der Miniſter
ſich in der Verordnung gegen das üblich gewordene Schnellfahren auf den
Straßen. Der Regierungspräſident in Wiesbaden hat in einer
Ver=
fügung an die Polizeibehörden des Bezirks dieſen Erlaß noch ergänzt
und die Polizeibehörden angewieſen, ſtreng gegen die Auswüchſe im
Fahrradverkehr einzuſchreiten. Beſonders weiſt er auf den um ſich
grei=
fenden Unfug des Mitnehmens einer weiteren Perſon auf dem Fahrrad
ſelbſt auf ſteilen Straßen hin. Die Fahrräder mit einem Sitz ſind
durch=
weg nicht für eine Belaſtung von zwei Perſonen berechnet, ſo daß häufig
die ſo benutzten Fahrräder zuſammenbrechen. Schon viele Perſonen ſind
dadurch zu Schaden gekommen. Als einen weiteren gemeingefährlichen
Unfug erwähnt der Regierungspräſident die Unſitte des ſogenannten
freihändigen Fahrens auf belebten und abſchüſſigen Straßen. Gegen dieſe
Handlungen, die eine große Gefahr nicht nur für den Fahrer ſelbſt,
ſon=
dern auch für den Fußgänger bedeuten und auch öffentliches Aergernis
erregen, kann nicht ſcharf genug eingeſchritten werden. Da die
Polizei=
beamten angewieſen ſind, auf die erwähnten Unſitten ein beſonderes
Augenmerk zu richten, und unnachſichtlich Strafanzeigen gegebenenfalls
vorzulegen, wird die radfahrende Bevölkerung vor der Begehung dieſer
Unſitten gewarnt.
Feſtgenommener Einſteigdieb. Feſtgenommen wurde
der als Einſteigdieb bekannte 20 Jahre alte Otto Lachmund. In der
Nacht zum 24. Juli hatte er in der Eſchersheimer Landſtraße einen
Ein=
bruch ausgeführt, indem er vom Vorgarten aus den Balkon erkletterte
Wie damals kopf= und planlos, nur von der Angſt geleitet. Aus nung eingedrungen war.
Sibirien bewegen ſich die Hungerkarawanen nach dem
europäi=
ſchen Rußland, von hier nach Sibirien, vom Wolgagebiet,
be=
ſonders aus dem Zarizyner Gebiet — die deutſche Herrnhuter
Kolonie Sarepta iſt mit Vernichtung bedroht —
wolgaab=
wärts in den Nordkaukaſus; aus dem Nordkaukaſus der Wolga
zu, gen Norden. . . . Aus der ſonſt ſo fruchtbaren. Halbinſel
Krim dringen erſchütternde Hilferufe unſerer „Brüder. Ihre
Aecker liegen ſchwarz; die Sonne brennt in tropiſcher Glut auf
ſie nieder. — Auch aus dem Odeſſaer Gebiet kommt bange
Klage, ebenſo aus Transkaukaſien, Gegenden, wo es früher
(ausgenommen 1921) niemals Hungersnot gegeben hat. In
ſieberhafter Angſt treiben die Menſchen ihr Vieh auf den Markt,
ihr Vieh, das ſie im Laufe der beiden letzten Jahre, vielfach erſt
vor wenigen Monaten, zu rieſigen Preiſen gekauft hatten. Jahre
hindurch mußten ſie Tag und Nacht ſchuften, um endlich,
end=
lich wieder eine Kuh, ein Pferd oder ein paar Ochſen kaufen zu
können. Wie glücklich waren ſie, als ſie dieſelben vor kurzem in
ihre notdürftig hergeſtellten Ställe führen konnten. Und nun
tkeiben ſie dasſlbe Vieh in Angſt und Verzweiflung wieder
zu=
rück auf den Markt und verkaufen es zu Spottpreiſen, um dafür
wenigſtens ein paar Pud desſelben Korns wieder zu kaufen,
das ſie vor Monatsfriſt verſchleudern mußten.
Es iſt, als ob die ganze Hölle auf unſere unglücklichen
Landsleute losgelaſſen wäre, die Hölle, die den apokalyptiſchen
Reitern folgt, um das Verderben zu vollenden. . .
Attentatsverſuche auf Eiſenbahnzüge.
Berlin. Am Freitag vormittag wurde auf der Eiſenbahnſtrecke
Berlin—Görlitz zwiſchen den Bahnhöfen Brand und Schöneweide ein
Attentat auf den Görlitz-Berliner D=Zug verübt. Die
unbe=
kannten Täter hatten einige Betohblöcke und Wellblech losgeriſſen und
Kilometerſteine auf der einen Seite des Gleiſes aufgebaut und dieſe mit
Wellblech und Dachpappe überdeckt. Auf dieſe Weiſe ſollte der Zug zum
Entgleiſen gebracht werden. Ein die Stelle paſſierender Güterzug
ſchleifte die Steine etwa zehn Meter weit fort und fuhr darüber hinweg,
ohne zu entgleiſen, da die Steine nur auf einer Schienenſeite lagen.
Der kurz danach die gleiche Stelle paſſierende D=Zug wäre jedoch
zweifel=
los ſeiner großen Geſchwindigkeit wegen entgleiſt, wenn der Führer das
Hindernis nicht rechtzeitig bemerkt und geiſtesgegenwärtig den Zug zum
Stehen gebracht hätte. Die Täter konnten bisher noch nicht ermittelt
werden. — Ein weiteres ſchweres Eiſenbahnunglück konnte am Sonntag
abend bei Bieſenthal in der Mark vereitelt werden. Der
Lokomotid=
führer eines Güterzuges entdeckte, daß auf einer Schiene ein etwa
35 Zentimeter großes Stück herausgebrochen war. Der kurze Zeit
ſpäter die Stelle paſſierende D=Zug konnte durch einen Streckenwärter,
der dem herannahenden Zug entgegenlief, noch im letzten Augenblick
zum Halten gebracht worden.
Ein ſchweres Grubenunglück.
Hamborn. Das Preußiſche Landesbergamt teilt mit, daß ſich
am Montag nachmittag 2 Uhr auf der Zeche 4 der Gewerkſchaft Friedrich
Thyſſen in Hamborn durch das Reißen eines Förderſeils ein ſchweres
Unglück ereignet hat. In dem einen abſtürzenden Korb befanden ſich
ſechs Arbeiter, die bei dem Abſturz den Tod gefunden haben.
Wie aus Paſewalk berichtet wird, ereignete ſich zwiſchen Paſewalk
und Belling wieder einmal ein
Auto=Unfall.
Diesmal wurde der Kraftwagen des Ullſtein=Verlages, der die
Oſtſee=
bäder Swinemünde und Heringsdorf mit den Berliner Morgenblättern
beliefert, von dem Unheil ereilt. Der Chauffeur ſteuerte ſeinen Wagen
zu nahe an den Wegrand, ſtreifte ſtark zwei Bäume und rannte mit
voller Wucht gegen einen dritten. Gleich bei dem erſten Anprall wurde
der mitfahrende Mechaniker Ringa aus Berlin, der ſeine ſchwerkranke
Frau in Swinemünde beſuchen wollte, derart auf die Straße
geſchleu=
dert, daß er tot liegen blieb. Ein zweiter Mitreiſender, ein Potsdamer
Schüler, erlitt leichtere Verletzungen; der Wagenlenker zog ſich einen
Bruch des linken Schienbeins zu und wurde ins Krankenhaus
einge=
liefert. —
In Berlin, das Auto= und Motorrad=Unfälle ſchon zu den
unaus=
bleiblichen Tagesereigniſſen rechnet, hat ſich ein beſonders übel
verlaufe=
ner Motorrad=Zuſammenſtoß abgeſpielt. An einer Straßenkreuzung
rannte das mit dem 21jährigen Redakteur Walter und dem Kaufmann
Rockſelſchalk, beide aus Roſenthal, beſetzte Motorrad gegen ein zweites
Rad, das von dem 38jährigen Schloſſer Hendeis aus Waidmannsluft
ge=
ſteuert wurde und ein Fräulein Schuermann aus Niederſchönhauſen
mit=
führte. Sämtliche vier Perſonen wurden bei dem wuchtigen
Zuſammen=
prall in mächtigem Bogen auf das Straßenpflaſter geſchleudert und zum
Teil lebensgefährlich verletzt. So endete die Motorradfahrt dieſer vier
„Vergnügungsfahrer” im St. Dominikusſtift in Reinickendorf. —
Aus London wird gemeldet, daß ein mit Ausflüglern voll
beſetz=
ter Zug auf der Station Limeſt mit einer Lokomotive zuſammenſtieß
wobei 1 Paſſagier getötet und 18 mehr oder minder ſchwer verletzt
wurden.
Antwerpen ſchließt ſich dem Beiſpiel Londons und anderer
Hafenſtädte an: die Stadt ſoll den Forderungen des neuzeitlichen
Rieſen=
verkehrs angepaßt werden. Hier handelt es ſich zunächſt um den
Bau einer Hängebrücke über die Schelde,
in ähnlichen Ausmaßen wie die weltberühmte amerikaniſche Brooklyn=
Brücke. Ein derartiger Brückenweg würde natürlich den Hafen
bedeu=
tend entlaſten. Nach dem Plan, der bereits vollſtändig ausgearbeitet
vor=
liegt, beträgt ihre Länge 2300 Meter die Breite an den Endpunkten 15
und mittſeits ſogar 25 Meter, die Höhe über dem Strom nicht weniger
als 60 Meter. Dieſe Rieſenbrücke ſoll nicht nur dem Perſonen=, ſondern
auch dem Eiſenbahn= und Wagenverkehr dienen, und deshalb ſind vier
mächtige Laſtaufzüge vorgeſehen. Die Koſten werden durch Bodenankäufe
noch erheblich erhöht werden, ſo daß ein Geſamtkoſtenaufwand noch nicht
feſtgeſtellt werden kann. Es iſt weiter noch nicht feſtgeſetzt, ob der Staat
oder die Privatinduſtrie zur Beſtreitung der Ausgaben herangezogen
werden ſoll. Letzten Endes wird auch in dieſes „Unpolitiſche” der
Aus=
gang der Londoner Konferenz ſeine Schatten werfen.
Die praktiſchen Verſuche, die die Kieler Firma Neufeldt und Kuhnke
in der Bucht von Einſiedel am Oberen Walchenſee mit verbeſſerten
Tauchpanzern ausgeführt hat, haben mit einem glänzenden Erfolg
ge=
endet. Die neuen Tiefſeetauchapparate ermöglichten eine
Taucharbeit in 160 Meter Tiefe.
Das iſt das Doppelte und Dreifache deſſen, was bisher mit
Tauch=
apparaten möglich war. Bei den Verſuchen am Walchenſee geſchah der
Aufſtieg aus 160 Meter Tiefe in viereinhalb Minuten. In dieſer Tiefe
herrſchte völlige Dunkelheit und die Panzertaucher mußten ſich auf dem
Grunde, der aus zähem Mergel beſtand, forttaſten. An ſonnenhellen
Tagen drang das Tageslicht bis etwa 140 Meter Tiefe ein, ſo daß dort
noch eine Sicht auf etwa 50 Zentimeter möglich war und in etwa 100
Meter Tiefe reichte die Sehweite auf 3 bis 4 Meter. Ein weiterr
Vor=
teil der Kieler Tauchpanzer, die als ein neues Zeugnis deutſchen Fleißes
und deutſcher Erfindungskraft gelten können, iſt der, daß auch nicht
be=
rufsmäßig ausgebildete Taucher in die Tiefe ſteigen können. So arbeitete.
der Oberingenieur von der Heiden in einer Tiefe von 107 Metern.
Der Bau einer Funkſtation auf dem Herzogſtand.
München. Die Funkſtation auf dem Herzogſtand befindet ſich
bereits ſeit 2 Jahren im Bau und geht jetzt ihrer Vollendung entgegen.
Sie wird die größte Station dieſer Art der Welt, da der Herzogſtand
ſelbſt mit ſeinen über 1700 Meter Höhe den mächtigen Maſt der
Funken=
anlage bildet, die mit etwa 100 Kilometer arbeiten wird, wodurch eine
funkentelegraphiſche Verſtändigung mit der ganzen Welt erreicht wird.
Der Brand im Olympia.
Wien. Am Montag wurde der ehemalige Zirkusdirektor Martin
Heibz unter dem dringenden Verdacht verhaftet, an dem verheerenden
Brand, der geſtern nacht den Zirkus Olympia eingeäſchert hat, ſchuld zu
ſein. Es kann zwar als ſicher gelten, daß Direktor Heibz nicht ſelbſt als
Brandſtifter in Betracht kommt, weil er zu gleichen Zeit in einem
Gaſt=
haus weilte. Dagegen iſt der Verdacht aufgetaucht, daß er durch
Mittels=
perſonen den Brand legen ließ. Als Brandſtifter werden der entlaſſene
Nachtwächter Mellweck ſowie der entlaſſene Arbeiter Sefzik verdächtigt.
Der Zirkus war mit 300 Millionen und das Inventar mit 120 Millionen
verſichert.
Faſziſtiſcher Ueberfall auf ein Auto der rufſiſchen Gefandtſchaft.
Rom. Das Auto der ruſſiſchen Geſandtſchaft wurde in der Nähe
von Albano von einer Gruppe Faſziſten aufgehalten, die die kleine Fahne
mit dem Wappen der Sowjets, die am Vorderteil des Autos befeſtigt
war, gewaltſam entfernte. Die Faſziſten wurden kurz darauf verhaftet
und es wird gegen ſie ein ſtrenges Verfahren eingeleitet werden.
Feuersbrunſt in Saloniki.
Athen. Saloniki wurde in der Nacht vom Sonntag auf Montag
durch eine große Feuersbrunſt heimgeſucht. Das ganze Stadtviertel
Bardare iſt niedergebrannt. Mehrere Tabakfabriken ſind vernichtet.
Der Schaden beträgt viele Millionen Dollar.
Eine engliſche Strandtragödie.
An der engliſchen Küſte ereignete ſich eine Strandtragödie mit
töd=
lichem Ausgang. Eine große Anzahl von Frauen und Kindern ſaß am
Strande, als eine große Welle kam und die Ufer überſpülte. Sie wurde
hervorgerufen durch die vorüberfahrenden Rieſendampfer „Berengaria”
und „Majeſtie‟. Die Welle kam ſo unerwartet, daß niemand Zeit hatte,
ſich in Sicherheit zu bringen. Einige Fiſcher eilten zum Strande, um
wenigſtens zu verhüten, daß die Kinder von der zurückflutenden See
da=
vongeſpült werden. Dieſem Zufalle iſt es zu verdanken, daß ſie gerettet
wurden. Aber ungefähr 40 Perſonen waren vollſtändig durchnäßt, und
Stühle, Kinderwagen, Schuhe und Kleider waren weggewaſchen. Später
konnten ganze Körbe voll Kleider und anderer Requiſiten aufgefiſcht
wer=
den. Aber zwei Menſchenopfer hat die Tragödie doch gekoſtet. Zwei
Fiſcher, die gerade aus dem Waſſer waren, als die Welle heranbrauſte,
wurden umgeworfen und ertranken. Ihre Leichen konnten noch nicht
geborgen werden.
Der heutigen Geſamtauflage unſeres Blattes liegt ein Proſpekt der
Zeitſchrift „Hummel”, Verlag Horſtmann, Hamburg, bei.
(TV.9621
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Mittwoch, den 30. Juli:
Zunächſt wolkig, dann etwas aufklarend. Winde aus weſtlicher
Rich=
tung, ſpäter wieder kühler unter langſamem Nachlaſſen der Regenfälle.
Tageskalender.
Landestheater, Kleines Haus, Sommerſpielzeit Bruno Harprecht,
abends halb 8 uhr: „Vertagte Nacht”. — Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.
Haupſchrifleitung: 1. D. Nax Streeſe
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: i. V. Andreas Bauer
Verantwortlich für Feuilleton und Heſiſche Nachrichten: Max Streeſe
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für den Schlußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſera enteil: i. V. Ad. Fleiſchmann
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten
DT
R6
Den
schmecken delikat,
kurze Kochzeit!
Sorten; Eiernudeln, Grünkern, Erhs, Erbs mit
Speck, Pilz, Königin, Reis, Kartoffel.
V. 8275 Tapioka echt usw. überali zu haben.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
Rummer 209.
Spuh, Sher und Tarnen.
Schießſport.
Schötzengeſellſchaft „Weidmaunsheil” Darmſtadt. (Mitglied des Hefſiſchen
Schießſport=Verbandes.)
Punkt 9 Uhr ertönte der Böllerſchuß. — Der erſte Vorſitzende, Phil.
Ganß, begrüßte die Anweſenden mit einer zielbewußten Anſprache und
eröffnete ſomit das Verbands= und Werbeſchießen mit einem dreifachen
„Gut Schuß”. — Alle Achtung der Oberleitung, — in ſportlich, techniſch
und organiſatoriſcher Hinſicht —, lag ſie auch hier wieder in den ſchon ſo
pft bewährten Händen des erſten Vorſitzenden und wollen wir, ohne
be=
ſondere Hervorhebung, es den Vorarbeiten gemäß, als gerechtfertigt
be=
zeichnen; diene es jedem Verbandsverein als Vorbild. — Was den
Schießſtand anlangt, ſo iſt er nur als techniſch vollkommen zu
bezeich=
nen und dürfen wir nicht unerwähnt laſſen, daß es auch hier nur dem
Organiſationstalent der Vorſtandsmitglieder gelungen iſt, ſolches zu
b=
werkſtelligen; ebenſo hat ſich Schützenbruder Karl Metz durch die neu
an=
gelegte Lichtanlage ein bleibendes Denkmal errichtet. — Alles rollt ſich
pünktlich ab. — Unter den Preiſen befinden ſich ſchöne, geſchmackvolle
und praktiſche Gegenſtände neben wertvollen Gemälden, die im
Ver=
einslokal ausgeſtellt ſind. — Nach dem Schießen des vorgeſtrigen Tages
zu urteilen, ſind die bereits beſtehenden Reſultate erſtklaſſig und harren
ihres Ausgangs. —
Die Sieger im Klaſſenſchießen:
1. Klaſſe: 1. Preis Michel, Joh., (Jägerblut); 2. Wenz, Chr.,
(Diana); 3. Schork, Jak., (Weidmannsheil); 4. Gunder, Gg., (
Weid=
mannsheil); 5. Steger, A., (Wildſchütz); 6. Gieg, W., (Tell); 7.
Schwe=
bach, H., (Diana); 8. Schmidt, Heinr., (Weidmannsheil).
2. Klaſſe: 1. Preis Weitzel, A., (Wildſchütz); 2. Georg, Theo, (
Weid=
mannsheil); 3. Fiedler, Chr., (Weidmannsheil); 4. Schnatz, A., (
Wild=
ſchütz); 5. Greim, L., (Weidmannsheil); 6. Zörgiebel, P., (Tell); 7. Lich,
Wilh., (Weidmannsheil); 8. Mangold, J., (Weidmannsheil).
3. Klaſſe: 1. Preis Friedrich, L., (Weidmannsheil); 2. Peter, A.,
(Weidmannsheil); 3. Girſtenbrei, P., (Tell); 4. Kahl, Wilh., (
Weid=
mannsheil); 5. Röth, K., (Weidmannsheil); 6. Juſt, W., (Tell); 7. Metz,
K., (Weidmannsheil); 8. Ganß, Peter, (Weidmannsheil).
Dank gebührt dem Preisgericht für die korrekte Anerkennung der
Ringzahl. Es ſei ihm an dieſer Stelle gedacht. — „Gut Schuß” zum
Gruppenſchießen.
Sch.
Radfahren.
41. Bundestag mit Sportwoche des Bundes Deutſcher Radfahrer.
„Die Bannerſchleife” iſt in den Farben der Stadt
Frank=
furt a. M., weiß=rot, gehalten und mit feinſter Handſtickerei verziert.
Entworfen von der Süddeutſchen Kunſtwerkſtätte für Textilveredlung,
ſtellt ſie ein Kunſtwerk dar und dürfte dank ihrer hevorragend
künſt=
leriſchen Ausſtattung den gleichen Beifall finden wie die Schleife des
28. Bundestages 1911 in Frankfurt a. M. „Die verſilberte
Me=
daille” wird den Wanderfahrern des Bundes Deutſcher
Rad=
fahrer verliehen und wurde von den Stempelwerken, Frankfurt a. M.
geſtiftet.
Die Feſtleitung wird am Freitag, den 1. Auguſt, abends 8 Uhr,
im Zoologiſchen Garten die zahlreichen Gäſte des Bundesfeſtes mit ihren
Damen willkommen heißen. Die Frankfurter radfahrende Jugend, und
dazu gehört ja der überwiegende Teil der Frankfurter Jugend, wird
ein beſonderes Schauſpiel bieten: ein Lampionzug der radfahrenden
Jugend wird ſich vom Feſthallengelände durch die Hauptſtraßen
Frank=
furts zum Zoo bewegen. Alles, was jung iſt und Rad fährt, ganz gleich,
ob es einem Verein angehört oder nicht, wird ſich an dieſer
Demon=
ſtration für das Rad, dieſem Siegeszuge des Rades, der gleichzeitig
eine Ehrung der Gäſte bedeutet, beteiligen. Die Frankfurter Jugend
wird aufgefordert, ſich am Freitag, den 1. Auguſt, abends 8 Uhr, jeder
mit ſeinem Rade, auf dem Feſthallengelände zur Bildung des
Lampion=
zuges zu verſammeln. Jeder Teilnehmer erhält ein Lampion, welches
mit dem Bundesabzeichen geſchmückt iſt. Vereinsbanner und
Trans=
parents werden im Zug mitgeführt, ſund unter den Klängen einer
Muſik=
kapelle, welche den Zug eröffnet, wird der Lampionzug der Frankfurter
radfahrenden Jugend zum Zoo ziehen, um die Gäſte zu begrüßen.
Während der Dauer des Bundesfeſtes der Deutſchen Radfahrer
werden Rundflüge über Frankfurt a. M. veranſtaltet, in der Zeit
von 6—11 Uhr vormittags und von 5 Uhr nachmittags bis zum
Ein=
tritt der Dunkelheit.
Waſſerſport.
Motorſport.
Kußball.
Aus dem internationalen Fußball=Lager.
Ueber das Berufsſpielertum in Mitteleuropa ſchweben zurzeit
ein=
gehende Verhandlungen zwiſchen den großen Vereinen von Prag, Wien
und Budapeſt zur eventuellen Gründung einer Profeſſionalliga,
be=
ſtehend aus den großen Vereinen dieſer Städte. In das Projekt
einbe=
zogen würden für Prag Sparta, Slavia, Viktoria=Zizkow, für Wien
„Amateure‟, Rapid, Sportklub, Hakoah, WAF., für Budapeſt MTK.,
FTC. und UTE. Die tſchechiſchen Vereine haben ſich bis zum 10. Auguſt
endgültig über ihre Anſichten zu entſcheiden. — Der Ungariſche Verband
mußte in den letzten Wochen wieder untätig zuſehen, wie die beſten
Spie=
ler ins Ausland verzogen. Hirzer, Opata, Eiſenhoffer, alles glänzende
Vertreter ihrer Kunſt, ſind verzogen und vor einigen Tagen iſt ſogar
eine ganze Stürmerlinie, diejenige des VAC. in Polen, dem Neuland
fußballeriſcher Tätigkeit zurückgeblieben. Auf Antrag des MTK.
wurde nun beſchloſſen, eine ſechsmonatige Sperre über die betreffenden
Spieler zu verhängen.
Nord—Süd=Expreßfahrt.
Der deutſche Motorradfahrerverband veranſtaltet am 16.—17. Auguſt
eine Zuverläſſigkeitsfahrt über rund 300 Kilometer. Infolge
Schwierig=
keiten, welche die baheriſchen Behörden der Durchfahrt durch bayeriſches
Gebiet machten, mußte das Ziel von München nach Frankfurt a. M.
verlegt werden. Am 16. Auguſt ſtarten die Klein= und Leicht=Krafträder
und die Seitenwagen=Kategorie nicht über 650 Kubikzentimeter in
Leip=
ig, während die Motorräder über 250—1000 Kubikzentimeter von
Ham=
ug aus die Reiſe nach Frankfurt a. M. antreten. Die Strecke Leipzig
Frankfurt a. M. iſt 417,4 Kilometer, die Strecke Hamburg=
Frank=
t a. M. 917,6 Kilometer lang. Kontrollen ſind in Perleberg, Berlin,
Leipzig, Erfurt und Lauterbach.
Boxen.
Vom internationalen Boxſport.
Ueber den Boxkampf Tunney=Carpentier liegen nunmehr genaue
Nachrichten vor. Die Meldung, wonach Carpentier bereits in der
drit=
ten Runde erledigt war, iſt dahingehend richtig zu ſtellen, daß das
Tref=
fen über die vollen 15 Runden ging, in welchen Tunney größtenteils
überlegen war und glatt nach Punkten gewann. Ein von Carpentiers
Manager Descamps inſzenierter Krawall zugunſten ſeines Schützlings
endete mit dem Hinauswurf dieſes tüchtigen Geſchäftsmannes. Die mit
rieſiger Spannung erwartete Begegnung zwiſchen den beiden
ausgezeich=
neten Schwergewichtlern Tom Gibbons=Amerika und Jack Bloomfield=
England geht nunmehr beſtimmt am 9. Auguſt, 4 Uhr nachmittags im
Wembleyſtadion bei London vor ſich. Zwiſchen dem Argentinier Luis
Angel Firpo und dem amerikaniſchen Neger Harry Wills iſt ein Kampf
abgeſchloſſen worden, deſſen genaues Datum in den nächſten Tagen
be=
kannt gegeben wird.
Mainzer Regatta des Süddeutſchen Ruderverbandes.
Begrüßungs=Vierer: 1. Rv. „Vorwärts”=Offenbach 6:26,
2. Mainzer R. C. 03 6:26,2, 3. Mainzer R.C. Fortuna 6:39, 4.
Offen=
bacher R. C. Germania 6:42,5.
Anfänger=Vierer: 1. R. C. Naſſovia=Hochheim 6:42, 2.
Main=
zer N. C. 03 6:50, 3. Kaſteler R. C. Germania 6:52.
Vierer ohne Steuermann: Mainzer Ruderklub Fortung
ging in 6:52 allein über die Bahn.
Junior=Vierer: 1. Kaſteler R. C. Germania 6:30,2, 2.
Waſ=
ſerſportverein Ludwigshafen 6:37,8, 3. Mainzer R.C. Fortuna 6:49,
3. Frankfurter R. C. Alemannia.
Junior=Einer: 1. O. Elbrecht (Frankfurter Rv. Undine),
2. E. Schäfer (Frankfurter Rv. Undine).
Jungmann=Vierer: 1. Waſſerſportv. Vorwärts=Mannheim,
6:48, 2. Kaſteler R.C. Germania 6:52,4, 3. Frankfurter Rv. Undine
6:54, 4. Ruderklub Naſſovia=Hochheim, Frankfurter Ruderklub Germania
aufgegeben.
2. Senior=Vierer: 1. Rv. Vorwärts=Offenbach 6:46, allein
über die Bahn.
Junior=Achter: 1. Waſſerſportv. Ludwigshafen 6:54,
Frank=
furter Rv. Undine bei 400 Meter aufgegeben.
Schüler=Vierer (1500 Meter): 1. Mainzer, R. C. Fortuna 3:40,
2. Mainzer R.C. 03 3:42, 3. Waſſerſportverein Ludwigshafen 3:42,2,
4. Ruderklub Naſſovig=Hochheim 3:46,2.
1. Senior=Vierer: 1. Mainzer R.C. 03 6:42,2, 2. Mainzer
R. C. Fortuna 6:52,2.
Alt=Herren=Vierer: 1. Kaſteler R.C. Germania 4:40,
2. Mainzer R. C. 03 4:54,3.
2. Achter: 1. Kaſteler Ruderklub Germania 6:11, allein über
die Bahn.
3. Senior=Vierer: 1. Offenbacher R.C. Germania 6:24,
2. Frankfurter Ruderklub Alemannia 6:36.
Ermunterungs=Vierer: 1. Mainzer R.C. 03 6:46, 2.
Ka=
ſteler R.C. Germania 6:46,2, 3. Ruderklub Naſſovia=Hochheim 6: 53,
4. Frankfurter Rv. Undine 6:54, 5. Frankfurter R.C. Alemannia 6:54,4,
6. Mainzer Ruderklub Fortung 6:57.
1. Achter (Wanderpreis des Mainzer Rv.): 1. Mainzer
Nuder=
klub Fortung 5:37,2, 2. Mainzer Ruderklub 03 5:43.
Von Berlin nach dem Skagerrak im Paddelboot.
Drei Mitglieder des Bundes Deutſcher Wanderpaddler, E. Köhler,
W. Wollnow (Berlin) und W. Gipſer=Halle ſtarten am 30. Juli, 7 Uhr
abends, von der Abtei Treptow bei Berlin in Stahl=Fiſch=Kafaks zu
einer Wanderfahrt nach Kap Skagen an der Nordſpitze Dänemarks. Der
Weg führt havel= und elbabwärts durch den Elbe=Travekanal an der
Oſtküſte Dänemarks entlang. Die Fahrt ſoll am 7. September in
Ska=
gen beendet ſein. Man darf geſpannt ſein, ob das geſteckte Ziel in der
berechneten Zeit erreicht wird.
Turnen.
— 80. Feldbergturnen. Die Bergfeſte der deutſchen Turner
ſind uralt. Sie ſtellten, ſchon lange bevor der moderne Wettkampf ſich
Bahn brach, Höhepunkte turneriſchen Lebens dar, zu denen aus nah und
fern alt und jung herbeiſtrömten, um ſelbſt die Kraft im Kampfe zu
meſſen oder den Wettſtreit der anderen zu bewundern. Das älteſte
deut=
ſche Bergfeſt, das auf eine große geſchichtliche Vergangenheit
zurück=
blicken kann, iſt das Feldbergturnfeſt, das alljährlich auf dem Feldberg
im Taunus ſtattfindet. In dieſem Jahre gelangt es am 24. Auguſt zum
80. Male zum Austrag. Allerdings nicht auf dem Feldberg ſelbſt,
ſon=
dern auf dem früheren Truppenübungplatz bei Bad Homburg. Es iſt
auch in dieſem Jahre mit einer Rieſenbeteiligung zu rechnen.
Zu den Reunen in Reinheim und Eulbach (27. Juli)
gehen uns folgende Berichtigungen bezw. Ergänzungen zu:
Reinheim. Eignungsprüfung für Geſpanne (Zweiſpänner):
Franz Kafſenberger, Dilshofen, 1. Preis; Rittmeiſter Löſch, 2. Preis.
Eulbach. Zweiſpänner Kutſchwagen; Franz Kaffenberger (
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pen), 2. Preis.
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Darmſtadt, den 25. Juli 1924.
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Telephon 1924,
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Die ſäumigen Holzkäufer werden zur
Abfuhr bis nunmehr ſpäteſtens
16. Auguſt aufgefordert, ſelbſtredend
ach Einlöſung ihres Abfuhrſcheins. Bis
dahin nicht abgefahrenes Holz darf, der
dann beginnenden Wegherſtellungen
wegen, erſt bei gefrorenen Wegen
abgefahren werden; es ſitzt auf Gefahr
der Säumigen im Wald.
(9627
Darmſtadt, den 26. Juli 1924.
Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoox.
Rummer 209,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924,
Seite 9.
Landwirtſchaft, Sartenbau, Kleintierzucht und Siedlungsweſen
Die Kartoffel in Gefahr.
Vel”
Dr. Hermann Legewin.
Kaum iſt der Erreger der verheerenden Maul= und
Klauen=
ſeuche entdeckt, kaum hat man ſich zu der Hoffnung
durchgerun=
gen, daß in abſehbarer Zeit, ein wirklich erfolgreiches
Be=
kämpfungsmittel der vernichtenden Ninder= und
Schweinekrank=
heit Einhalt gebieten wird, ſchon taucht eine andere Gefahr auf,
die weit ſchädlicher, weit einſchneidender in unſeren ganzen
landwirtſchaftlichen Betrieb eingreifen kann. Der wie kaum ein
anderes Inſekt gefürchtete Kartoffel= oder Koloradokäfer hat den
heimatlichen Boden Amerikas überſchritten. Als blinder
Paſſa=
gier hat er ſich in die Frachtdampfer eingeſchmuggelt und hat
zunächſt einmal in Frankreich feſten Fuß gefaßt. Kraft ſeiner
ſchier ins Unbegrenzte, gehenden Vermehrungstätigkeit hat er
ſich dort im Laufe eines Jahres über 28 Oepartements
verbrei=
tet, d. h. einem Viertel des ganzen Landes, und es beſteht die
größte Gefahr, daß er ſelbſt, vor allen Dingen aber vermittels
der Eiſenbahnen, nach Oſten, nach Deutſchland, vordringen
werde.
Die Weibchen des Koloradokäfers legen ſchubweiſe an der
Unterſeite der Kartoffelblätter Hunderte, von Eiern ab (ein
Weibchen bis etwa 1700), aus denen dann nach ungefähr vier
A Käfer, B Larve, O Puppe. D Eier.
bis acht Tagen die jungen Lärbchen ausſchlüpfen, die bis etwa
zwölf Millimeter groß werden und die Blätter mit nie zu
ſtillen=
dem Appetit zuerſt von der Mitte, ſpäter vom Nande aus an=
und abfreſſen. Nach dreiwöchiger Larvenzeit kriecht die Larve
20 Zentimeter tief in die Erde und verwandelt ſich dort in eine
mennigrote Puppe, die 11 Tage nötig hat zum ſich zu dem
fer=
igen Kartoffelkäfer (Oeptinotarsa dexunlinata), der in die
Familie der Blattkäfer gehört, zu entwickeln. Dieſer lebt
eben=
ſalls von der Kartoffelpflanze, deren Blätter er ſtets vom Rande
us anfrißt. Nach ein paar Tagen findct die Begattung ſtatt,
die Eierablage beginnt wieder und eine zweite Generation, die
noch in demſelben Jahre erſcheinen wird, iſt ins Leben gerufen.
In Amerika kommen drei und mehr Generationen vor, in
un=
ſeren Breiten dürften mehr als zwei wohl kaum Regel ſein.
Der Schaden, der durch Larve und Käfer hervorgerufen wird.
die die Pflanze völlig kahl freſſen, ehe ſie die nächſte in Angriff
nehmen, iſt bei der enormen Fruchtbarkeit auch ſo ſchon
unge=
heuer. Aus Frankreich wird gemeldet, daß Felder, die im
April befallen wurden, bereits im Mai vollſtändig kahlgefreſſen
waren. Nicht einmal die Stengel wurden von den Käfern
ver=
chont. Von einer Ernte iſt dann natürlich nicht mehr zu reden.
Im Sommer findet man ſtets alle Stadien des Käfers. Im
Herbſt graben ſich die ausgewachſenen und noch nicht zu alten
Tiere in den Boden bis in eine Tiefe von 50—70 Zentimetern
und beginnen im Frühjahr ihr Zerſtörungswerk von neuem.
Der Koloradokäfer iſt durchſchnittlich 1 Zentimeter lang,
von ovaler Geſtalt und rotgelber Färbung. Der Rücken iſt ſtark
gewölbt. Die letzten Fühlerglieder ſind verdickt, die Füße ſind
ſchwarz. Ganz beſonders auffallend ſind je 5 ſchwarze
Längs=
ſtreifen auf jeder der gelben Flügeldecken. Die Larven ſind
ebenfalls 1 Zentimeter lang, von anfangs blei=, ſpäter
orange=
roter Färbung. Die beiden Körperſeiten ſind mit ſchwarzen
„Wärzchen” in je einer Reihe beſetzt.
Um ein Ausbreiten des Schädlings zu verhindern, ſollte ſich
jeder dazu verpflichtet halten, der Ortsbehörde ſofort Meldung
von ſeinem Vorkommen zu machen. Er ſchicke außerdem die
gefundenen Käfer, oder Larven uſw. zwecks Unterſuchung zur
nächſten Pflanzenſchule, landwirtſchaftlichen Hochſchule oder zur
Biologiſchen Reichsanſtalt Berlin=Dahlem.
Erfolgreich zu bekämpfen iſt der Schädling 1. durch
ſyſte=
matiſches Abſammeln, in allen Entwicklungsſtadien; 2. durch
Vernichtung der befallenen Pflanzen, durch Ausreißen,
Begie=
ßen mit Rohbenzol, und Vergraben: 3. durch Umpflügen des
Ackers, dabei ſind alle zutage geförderten Schädlinge ſogleich
aufzuleſen und zu verbrennen; 4. durch Bodendesinfektion mit
Nohbenzol oder Schwefelkohlenſtoff.
Spätſagten für Ende Juli.
Auch die Beete, die nach der Ernte der Früherbſen und
anderer Frühgemüſe gegen Ende Juli und Anfang Auguſt
frei=
werden, kann man noch für eine zweite Tracht herrichten. Bei
rechtzeitiger Ausſaat iſt die vollſtändige Entwicklung einiger
Gartengewächſe bis zum Herbſt ſicher. An erſter Stelle ſtehen
die Speiſerüben, von denen es frühe und ſpäte, runde und
lange, weißſchalige, gelb= und ſchwarzſchalige Sorten gibt. Sie
verdienen viel mehr angebaut zu werden als allgemein geſchieht.
Am beſten gedeihen ſie auf Boden, der vor einem oder zwei
Jah=
ren gedüngt und inzwiſchen mit anderen Gemüſearten bebaut
wurde. Auf zu fettem wachſen ſie zu ſehr ins Kraut und
erzeu=
gen ſo weniger große Rüben. Die günſtige Entwicklung zu
ihrem Gedeihen bietet ein lehmig=ſandiger Boden. Der Samen
iſt dünn gleich an Ort und Stelle zu ſäen und zu dicht ſtehende
ſind auszujäten, damit die ſtehenbleibenden mehr Platz
gewin=
nen. Die früheren Sorten, wie Mairübe, weiße amerikaniſche,
rotköpfige, Schneeball u. a. bedürfen eines gegenſeitigen
Abſtan=
des von etwa 10 Zentimeter, die ſpäten Sorten, wie Bortfelder
lange gelbe, gelbe runde Herbſt, runde und lange ſchwarze u. a.
eines ſolchen von 15 bis 20 Zentimeter. Die ſpäten Sorten,
ins=
beſondere die lange weiße und runde weiße Herbſt= und
Stoppel=
rübe, werden in Gegenden mit Sandboden ſehr viel in friſch
umgebrochener Getreideſtoppel angebaut, ebenſo auch die
Tel=
tower Rübe, die nur eine Abart der Speiſerübe iſt.
Die Speiſerüben ſind gegen, ſchwächere Herbſtfröſte nicht
empfindlich und können daher bis November im Freien gelaſſen
werden. Sie laſſen ſich, außer in Kellern, auch in Gruben und
Mieten für den Winter aufbewahren.
Die Kerbelrübe liefert ein feines Gemüſe, gibt aber
keine hohen Ernteerträge, läßt ſich dagegen an verſchiedenſten
Stellen im Garten anbauen und auch an ſolchen, wo andere
Ge=
mitſearten weniger gut gedeihen, ſo unter anderm auch noch unter
Bäumen, an Hängen, zwiſchen lichtem Gebüſch uſw. Der Samen
behält ſeine Keimkraft nur kurze Zeit, weshalb nur friſch
geern=
teter zu ſäen iſt. Solchen gibt es gewöhnlich im Auguſt ſchon.
Er kann breitwürfig und auch in Reihen geſät werden. Die
Pflanzen ſind auf 6 bis 10 Zentimeter Abſtand zu verdünnen.
Außer Reinhalten von unkraut bedarf die Kerbelrübe keiner
anderweitgen Pflege. Die Ernte beginnt, wenn ihr Kraut im
Abſterben begriffen iſt oder ganz kurz nachher. Die Rüben ſind
in einem trockenen Keller, in trockenen Sand gebettet,
aufzube=
wahren und gegen Mäuſe zu ſchützen.
Nahrhaften Boden liebt der Spinat. Auf reich mit
Stall=
miſt gedüngtem Land wird er am zarteſten, doch verwende man
möglichſt verrotteten Dung. Für Spätſommer= und
Herbſtver=
brauch ſät man Spinat im Juli—Auguſt, für den Winter und
bis Frühjahr im September oder auch Oktober. Allzu ſpät geſät
wintert er leicht aus. Auf die Erträge iſt die Bodenfeuchtigkeit
von großem Einfluß, doch iſt im Spätherbſt nur wenig oder gar
nicht zu gießen. Meiſtens ſind kühle Lagen geeigneter als ſehr
ſonnige. Der Samen iſt in Reihen zu ſäen, die einen
gegenſeiti=
gen Abſtand von 20 bis 30 Zentimeter haben. Er kann ziemlich
dicht in die mit einer Hacke gezogene Furche geſtreut werden.
Bei Ausſaaten im Herbſt ſind die lang= oder ſpitzblätterigen
Sorten zu empfehlen. Beim Einernten ſind die Herzblätter zu
ſchonen. Kräftigen Boden liebt auch der Mangold oder
Beiß=
kohl. Man ſät ihn zum Schnitt in Reihen und lichtet die
Pflan=
zen auf einen Abſtand von 15 bis 20 Zentimeter. Außer den
Blättern laſſen ſich auch die Blätterſtiele und Blattrippen für
Speiſezwecke benutzen. Wenn es ſich hauptſächlich um das
Ge=
winnen der beiden letzten handelt, muß der Abſtand größer ſein.
Hacken und Gießen, tragen viel, zum Gedeihen bei. Wie der
Schnittmangold oder Spinat wird auch der Schnittkohl
reihenweiſe geſät und liefert vielfach ſchon im Herbſt, ſonſt im
Frühjahr ein wohlſchmeckendes Gemüſe. Rapünzchen oder
Feldſalat wird jetzt zum Herbſt breitwürfig an Ort und
Stelle ins Freie geſät und liefert beinahe ohne Pflege, einen
friſchen und geſunden Salat im Winter und Frühjahr. In der
Regel werden zu ſeinem Anbau leergewordene Frühgemüſebeete
benutzt, um auf ihnen noch eine Ernte zu erhalten. Wird im
Juli geſät und bei trockenem Weter mit Gießen beigeſtanden, ſo
gibt es im Herbſt ſchon große Pflanzen. Die größten ſind immer
zuerſt auszuſtechen; die kleineren wachſen nach dem Frühjahr zu
ſchnell nach. Zum Schluß, ſei noch die Zuckerwurzel
er=
wähnt, die man von Auguſt an bis zum Herbſt breitwürfig oder
in Reihen ausſät und bis zum Aufgehen öfters gießt. Die
Rei=
hen ſind gegen 20 Zentimeter und die Pflanzen 15 bis 20
Zen=
timeter weit voneinander zu halten. Zur Pflege gehören
Be=
hacken, Begießen und Reinhalten der Beete von Unkraut. Sie
erfriert nicht im Winter.
Obſt= und Gemüſegarten im Auguſit.
Der rührige Kleingärtner beſtellt auch im Auguſt die
abge=
ernteten Beete von neuem. Er hat die Wahl zwiſchen
Kultu=
ren, die ihm noch im Herbſt Früchte liefern, und ſolchen, die
über=
wintern. Für die diesjährige Ernte kommen natürlich nur
Ge=
müſe mit beſonders kurzer Wachstumzeit in Frage, wie Spinat,
Radies, Monatsrettich, Herbſtrüben, Kopf= und Feldſalat. Um
im nächſten Frühjahr rechtzeitig friſches Gemüſe zu haben, ſät
man Mohrrüben und Mangold; auch Peterſilie und
Schwarz=
wurzeln werden vorteilhaft ſchon jetzt ausgeſät. Ende Auguſt
laſſen ſich ferner neue Saatbeete mit Rotkohl=, Weißkohl= und
Wirſingſamen beſtellen, die im nächſten Jahre frühe Setzlinge
liefern. Das ſollten indeſſen nur ſolche Gartenbeſitzer tun, die
ſich auch im Winter um ihre Pflanzen kümmern können und
wollen. Gepflanzt wird vor allen Dingen Grünkohl (
Blätter=
kohl oder Braunkohl), aber auch noch Roſenkohl und frühe
Sor=
ten von Kohlrabi werden noch erntereif. Bei dieſen ſpäten
Pflanzungen ſetzt man die Pflanzen enger als im Frühjahr, da
ſie ſich weniger ſtark entwickeln. Ferner werden in dieſem
Mo=
nat neue Perlzwiebeln gelegt.
Das tägliche Gießen und Beſpritzen, das Behacken und
Jäten des Gemüſelandes iſt regelmäßig fortzuſetzen. Auf den
Spargelbeeten reißen wir die krummgewachſenen Triebe heraus,
um ſie zu verbrennen. Sie beherbergen die Maden der
Spar=
gelfliege. An den Tomaten entfernt man die jetzt ſich noch
bil=
denden Blütenknoſpen, da die daraus entſtehenden Früchte doch
nicht mehr reifen. Beim Abpflücken der grünen Bohnen
ver=
meide man, an den Pflanzen gewaltſam zu ziehen oder zu
rei=
ßen. Dadurch lockert man leicht die empfindlichen Wurzeln
oder ſchüttelt die Blüten ab und ſchädigt den Ertrag. Am beſten
kneipt man die Bohnen mit den Nägeln, des Daumens, des
Zeige= und Mittelfingers ab. Gut iſt es, die brauchbaren
Boh=
nen alle zwei Tage abzunehmen. Dadurch werden die
Pflan=
zen zu weiterem Blütenanſatz angeregt. Wenn an den
Früh=
kartoffeln das Laub abſtirbt, wird das ganze Stück abgeerntet
und ſofort neu beſtellt. Die Zwiebeln, Perlzwiebeln,
Schalot=
ten uſw. nimmt man aus der Erde heraus, ſobald das Kraut
abwelkt. An den Kohlpflanzen ſuche man von der Unterſeite
der Blätter die Eierhäufchen des Kohlweißlings ab. Die
Spar=
gel=, Gurken=, Porree= und Selleriebeete erhalten öfter flüſſigen
Dung. Ausdauernde Würzkräuter, die ſchon mehrere Jahre
auf demſelben Platze geſtanden haben, werden zurückgeſchnitten,
zerteilt und verpflanzt.
Die nun abgetragenen Erdbeerbeete ſind von ſchlechten
Blättern zu reinigen und gut aufzulockern. Gleichzeitig
ſchnei=
det man die Ranken ab und verſieht den Boden mit einem
kräf=
tigen Dungguß. Neue Erdbeerbeete können angelegt werden.
Im Obſtgarten verlangen die fruchtbeladenen Bäume und
Büſche gründliche Bewäſſerung. Mit Jauchegaben ſei man
jetzt zurückhaltend, ſie regen den Trieb aufs neue an, das
neu=
gebildete Holz reift aber bis zum Winter nicht mehr aus und
leidet dann durch den Froſt. Frühes Kernobſt ſoll man nicht
am Baum ganz reif werden laſſen, ſondern einige Tage früher
pflücken und ſofort kühl lagern. Das Fallobſt iſt täglich
aufzu=
leſen und bald zu verwenden, damit die Obſtmaden nicht
aus=
kriechen und ſich weiter entwickeln. An den Formobſtbäumen
werden die Leittriebe angeheftet und die Seitentriebe entſpitzt.
Die im Juni und Juli um die Stäme gelegten Fanggürtel aus
Wellpape oder Strohſeilen ſind jetzt durchzuſehen und alle
Ma=
den und Raupen, die ſich darunter feſtgeſetzt haben, zu
vertil=
gen. Es können auch jetzt noch ſolche Madenfallen angebracht
werden, wo es noch nicht geſchehen iſt. Früchteſchwere Aeſte
ſind, um das Abbrechen zu verhindern, mit Stützen zu verſehen.
An den Himbeer= und Brombeerſträuchern ſchneidet man
die abgetragenen Fruchtruten und die zu dicht ſtehenden Zweige
aus und läßt nur die kräftigſten Triebe ſtehen; eine Gabe von
flüſſigem Dünger begünſtigt die Entwicklung guter
Frucht=
knoſpen für das nächſte Jahr.
Säurebehandlung von Keimlingen.
Es iſt wohl wenig bekannt, daß faſt alle Säuren eine günſtige
und beſchleunigende Wirkung auf das Keimen unſerer
Kultur=
pflanzen ausüben. Am ſtärkſten wirken, Zitronenſäure,
Apfel=
ſäure, Weinſäure, Oxalſäure, Eſſigſäure, Salzſäure und
Schwe=
felſäure. Verſchiedene Samen werden durch die einzelnen
Säu=
ren verſchieden beeinflußt. Beiſpielsweiſe wirkt Weinſäure, die
den Ernteertrag des Kürbis verdreifacht, auf Tomatenſamen
weniger günſtig als Oxalſäure. Auf die angewandte Menge
kommt es natürlich auch an. Die günſtigſte Wirkung üben
ge=
wöhnlich Löſungen von 05—5 Prozent. Das Eintauchen der
Körner in Säurelöſung vor dem Säen genügt, dem Korn
ge=
nügend Säure für die ſpätere Entwicklung mitzugeben.
* Von der Eierkonſervierung.
Bisher wurden die Eier meiſt erſt im Auguſt und September
eingelegt und konſerviert, um die Einlagerungszeit möglichſt
ab=
zukürzen, weil eben die Eier, nach den alten
Konſervierungs=
methoden nicht recht lange brauchbar waren. Jetzt ſind Mittel
gefunden, die die Eier auf bedeutend längere Zeit hinaus friſch
erhalten, und es kann mit der Einlagerung bereits im Juli
begonnen werden. Zum Konſervieren ſind natürlich nur ganz
friſche Eier zu verwenden, und dieſe ſind vor der Einlagerung
Stück für Stück mit dem Eierprüfer zu durchleuchten, um alle,
die Riſſe oder dunkle Stellen im Innern zeigen, oder ſonſt nicht
vollkommen einwandfrei ſind, von der Einlagerung auszuſchließen.
Von den alten Methoden iſt das Einlegen der Eier in
Kalk=
waſſer am bekannteſten. Für je 100 Eier benötigt man 3½ Kilo
friſch gebrannten Kalk, dem man 100—120 Gramm Kochſalz
zu=
ſetzt. Nachdem der Kalk gelöſcht iſt, legt man die gut gereinigten
Eier vorſichtig in das für die Einlagerung beſtimmte Gefäß und
gießt den dünnflüſſig gemachten Kalk auf die Eier, ſodaß ſie
voll=
kommen bedeckt ſind. So halten ſich die Eier vier bis ſechs
Mo=
nate und können zu Kochzwecken, je nach Bedarf, verwendet
wer=
den. Als ſogenannte Trink= oder Speiſeeier in rohem oder
ge=
kochtem Zuſtand können dieſe Eier indes nicht verwendet werden,
weil ſich der Kalkgeſchmack dem Ei immer mitgeteilt hat.
Die Aufbewahrung der Eier in einer Waſſerglaslöſung iſt
ſchon beſſer, und hat ſich beſonders deshalb viele Anhänger
er=
obert, weil der Geſchmack des Eies nicht wie beim Kalk
beein=
flußt wird. Auf ein Liter Waſſerglas nimmt man 20 Liter
ab=
gekochtes Waſſer, rührt die Miſchung gut durch und gießt ſie in
erkaltetem Zuſtand über die vorſichtig im Konſervierungsgefäß
eingelagerten Eier, baß dieſe vollkommen mit der Löſung
über=
deckt ſind. In einer Waſſerglaslöſung können die Eier reichlich
6 Mongte gelagert werden, ohne von ihrem Wohlgeſchmack
weſentlich zu verlieren. Sollen Waſſerglaseier gekocht werden,
iſt es notwendig, daß die Schale vor dem Kochen mit einer Nadel
mehrere Male durchſtochen wird. Das Waſſerglas verſtopft die
Poren, was zur Folge hat, daß die Eier ohne Nadelſtiche beim
Kochen leicht platzen.
Das Beſtreichen der Eier mit Fett und die Aufbewahrung
in einem kühlen Raum hat ſich ebenfalls ſehr gut bewährt, kommt
aber gegenwärtig nicht in Frage. Bei dieſer Art der
Konſervie=
rung iſt beſonders darauf zu ſehen, daß nur Fette verwendet
werden, die nicht dem Ranzigwerden unterliegen. Vaſeline hat
ſich am beſten bewährt.
Ein beſonders gutes und bewährtes Konſervierungsmittel,
zumal für Trink= und Speiſeeier, iſt Dextrin. Ganz friſche Eier
werden mit einer weichen Bürſte in lauwarmem Waſſer
gerei=
nigt, daß durchaus kein Schmutz an ihnen haften bleibt. Sind
die Eier vollkommen abgetrocknet, ſo werden ſie in eine dünne
warme Dextrinlöſung getaucht; zu dieſer Arbeit biegt man ſich
aus Draht einen Löffel, auf welchem die Eier in die Löſung
ge=
taucht werden können. Nach dem Eintauchen in die Löſung läßt
man die Eier auf einem Draht wieder trocknen und taucht ſie
nochmals in die Löſung, damit auf der Eiſchale keine Fehlſtellen
im Ueberzug entſtehen oder zurückbleiben können. Unbehingt
nötig iſt es hier, daß die Eier auf einem Drahtgitter getrocknet
werden, weil ſie auf Holz, Pappe, überhaupt auf glatten Flächem
ankleben und beim Abnehmen zerbrechen würden. Die ſo
behan=
delten Eier müſſen natürlich möglichſt kühl bei geſunder Luft
auf=
bewahrt und wie die friſchen Eier von Zeit zu Zeit gewendet
werden, damit ſich die Hagelſchnüre nicht dehnen und der Dotter
nicht an der Schale feſttleßen kann. Dieſe Eier behalten den
auten Geſchmack und die friſche Farbe des Dotters und ſind nach
Monaten nicht von friſchen Eiern zu unterſcheiden. Daß die Eier
konſerviert waren, iſt ihnen nicht mehr anzuſehen, da der
Ueber=
zug wenig ſichtbar iſt und beim Kochen vollkommen verſchwindet.
Die mehr oder minder großen Mißerfolge bei der
Eierkon=
ſervierung im großen und kleinen ſind entweder auf mangelhafte
oder unvorſichtige Einlagerung der Eier in die Gefäße
zurück=
zuführen, wobei die Eier noch nachträglich Druck= oder
Bruch=
ſchäden erleiden, oder auf zu wenig kühlen Aufbewahrungsraum.
Blattkakteen als Bienenweide.
Für den Imker ſind die großblütigen Phyllokteen nicht allein
Zierpflanzen, ſie liefern ſeinen Bienen reiche Ernten an Pollen
und werden deshalb von ihnen mit beſonderer Vorliebe beſucht.
Dieſe Blattkakteen verlangen wenig Pflege und ſind leicht aus
Stecklingen zu ziehen. Die meiſten Sorten ſind dankbare Blüher,
Ihre wunderſchönen Blumen erreichen einen Durchmeſſer bis zu
30 Zentimeter. Im Sommer brauchen ſie einen Stand im
Gar=
ten im leichten Halbſchatten, im Winter einen Platz am Fenſter,
ſei es auch nur nach Norden gelegen, am beſten in einem kühlen
Zimmer. Hier gießt man ſie ganz ſelten. Stehen ſie in einem
warmen Zimmer, gibt man etwa alle acht Tage Waſſer. Von
Mitte März an müſſen ſie öfters gegoſſen werden, je nach Bedarf.
Zu den früh und reich blühenden und zugleich
wohlriechen=
den Sorten der Blattkakteen gehören u. a. Ph. Aurora boréale,
deſſen kupferig orangefarbene Blüte in der Mitte hellviolett iſt
und mit 20 Zentimeter großer, immer weißer Blüte, die im
Durchmeſſer 23 Zentimeter mißt. Eine ſehr feine Blüte von 23
Zentimetern hat der helfleiſchfarbige, roſa terrakottafarbig
ſchat=
tierte Phhllokaktus Coya.
Die Blüte von Ph. Quillabamba erreicht durchweg 26
Zen=
timeter, ſie iſt dunkelorange terrakottafarben, mit leichter lila
Ueberfarbe getönt, der Grund iſt violett. Nicht viel kleiner iſt
die Blüte von Ph. Eliſabeth. Die äußerſten Blütenblätter ſind
goldbronzefarben, die mittleren zitronengelb. Die Mitte iſt
weiß, gelb gerandet. Sehr vornehm wirkt Ph. Martha b. Zeſchau,
deren 18 Zentimeter große Blüte gelblich=grünlich=weiß gefärbt
iſt. Eine ſehr große Blüte von 28 Zentimetern Durchmeſſer hat
Ph. Lou Serner, ſie iſt weiß, nur die äußerſten Blütenblätter
ſind ſchwefelgelb. Die größte Blüte von 30 Zentimetern
Durch=
meſſer hat der in der Mitte milchweiß und außen gelb bis
gold=
bronzefarben blühende Phylloegetus Landſchaftsmaler Serner.
Ebenfalls eine ſchöne große Blüte zeigt der Ph. Jenny v.
Gare=
zinski. Dieſe iſt 25 Zentimeter groß und blüht hellviolett mit
Drangeterrakottafarbe. Ferner ſind hier noch zu nennen Ph.
Guednehi, die weiße Blüte hat einen Durchmeſſer von 22
Zenti=
meter. Die Frucht hat die Größe eines kleinen Pfirſichs und iſt.
wie alle Blattkaktusfrüchte, genießbar und von eigenartigem
Ge=
ſchmack. Auch der gelbblühende Ph. Wrayi hat einen Dunchmeſſer
von 23 Zentimeter. Dieſe beiden letztgenannten blühen aber erſt
als ältere Pflanzen reich.
Von nicht wohlriechenden Sorten ſei als beſonders
reich=
blühend noch erwähnt der Ph. Friedrich Schlumberger. Die Blüte
iſt 20 Zentimeter groß, blendend violett mit breiten
Purpurſtrei=
fen. Auch Ph. Louis Courant iſt mit ſeinen zahlreichen 18
Zen=
timetern großen zinnoberroten Blüten eine auffallende
Erſchei=
nung. Eine ſehr große, 26 Zentimeter Durchmeſſer haltende rote
Blüte hat auch Ph. Globule orange.
Die Aufbewahrung reifer Tomaten.
Reife Tomaten laſſen ſich lange Zeit zum Gebrauch in der
Küche aufheben und wie friſche verwerten, wenn man die
fehler=
loſen Früchte in einen neuen Steintopf packt und mit Salzwaſſer
begießt. Auf zwei Liter weiches, abgekochtes Waſſer 100 Gramm
Salz. Der Topf wird mit Papier zugebunden und die Früchte
je nach Bedarf herausgenommen. Die Tomaten müſſen immer
vom Salzwaſſer bedeckt ſein. Schwimmen ſie oben auf, ſo müſſen
ſie durch einen Porzellanteller, oder ein rundes Brettchen von
Buchenholz, das in den Topf paßt, beſchwert werden.
Darmſtädter Tagblatt
meiſtie.
mehmiſ
Ernſt
Bedin
„Selbl
hält n
von
Quad=
meind
noch 6
über
ſtaltm
Zeit
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Freier
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hat ſie
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jerſt
Kaſpe
loſen
Weſt
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allen
mit
gonn
Sam
wärt
Zuw
beſo
mach
teile
Her
lung
men
Handelsbia
Handel und Wandel in Heſſen.
* Aufhebung von Geſchäftsaufſichten. Die
Ge=
ſchäftsaufſicht über das Vermögen der Lederwerke Martin
Zim=
mer zu Offenbach a. M. wurde, nachdem der in dem Vergleichstermin
vom 5. Juli angenommene Zwangsausgleich durch rechtskräftigen
Be=
ſchluß beſtätigt iſt, wieder aufgehoben. — Die Geſchäftsaufſicht über
das Vermögen der Firma Nathan Lind zu Offenbach a. M. wurde
auf Antrag des Schuldners wieder aufgehoben.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Die Schwierigkeiten in der Kohlenabſatzfrage.
Die Beſprechungen über die im Eſſener Kohlenſyndikat aufgetretenen
Schwierigkeiten führten noch keinen Ausgleich der verſchiedenen
Anſich=
ten über die Organiſation des Handels herbei. Am 30. Juli wird ein
Zuſammentritt der Organiſation der Ruhrkohlen=A.=G. erfolgen, um
über die vorliegenden Fragen Beſchluß zu faſſen. Es iſt zu erwarten,
daß dem jetzigen ſchlechten Abſatz durch einen Beſchluß über eine
ent=
ſprechende Einſchränkung der Förderung Rechnung getragen wird.
— Verſchärfung der Kriſe im oberpfälziſchen
Bergbau= und Hüttenbetrieb. Wie aus München berichtet
wird, haben die ſchwebenden Arbeitsſtreitigkeiten im Bereich der
ober=
pfälziſchen Bergbau= und Hüttenbetriebe eine Verſchärfung erfahren. Die
Verwaltungen der Luitpold= und Maxhütte haben, nachdem ihre
An=
träge auf eine etwa ſiebzehnprozentige Lohnherabſetzung durch
Schieds=
ſpruch abgelehnt worden, der Arbeiterſchaft nunmehr zum 1. Auguſt
gekündigt. Neue Verhandlungen in der Angelegenheit, die zur Zeit
beim Sozialminiſterium geführt werden, waren bisher ergebnislos.
Erwerbsgeſellſchaften.
* Die Weinzentrale A.=G. in Stuttgart (
Zweignie=
derlaſſungen in Freiburg, Ulm und Mannheim) verſendet ihren
Ge=
ſchäftsbericht, nebſt Papiermarkbilanz und der
Goldmarkeröffnungs=
bilanz auf 1. Januar 1924. Nach der Papiermarkbilanz war im
Rech=
nungsjahr 1923 ein Ueberſchuß von 231 530 Billionen. Die
Goldmark=
eröffnungsbilanz weiſt in Aktiva und Paſſiva den Betrag von
1662 458,49 ℳ aus. Die Aktiven ſetzen ſich zuſammen aus: 7476,32 ℳ
Kaſſenbeſtand, 48 989,29 ℳ Außenſtänden, 266 777,43 ℳ
Warenvorrä=
ten, 27 111,70 ℳ Effekten, 61 991,60 ℳ Lagerfäſſern, 72 712,15 ℳ
Transportfäſſern, 65 000 ℳ Fuhrpark, 48 000 ℳ Gerätſchaften und
1064 000 ℳ Liegenſchaften in Stuttgart, Freiburg, Ulm und
Mann=
heim. Auf der Paſſivſeite ſteht das Aktienkapital mit 1 200 000 ℳ,
Kreditoren mit 126 821,74 ℳ, Steuern 16 23,39 ℳ, Bankſchulden
12 974,90 ℳ, Hypotheken 136 550 ℳ und ein Reſervefond von 169 908,46
Mark. Die Goldmarkeröffnungsbilanz iſt aufgeſtellt unter
Zugrunde=
legung des der am 6. Auguſt ſtattfindenden Generalverſammlung von
der Verwaltung zu unterbreitenden Vorſchlages der Herabſtempelung
der Aktien auf 20 Goldmark. Die Ausſichten für das laufende
Ge=
ſchäftsjahr bezeichnet der Geſchäftsbericht als nicht ungünſtig und
glaubt, durch die vorſichtige Aufſtellung der Bilanz die Schwierigkeiten
überwinden zu können.
Barenmärkte.
w. Amtliche Notierungen der Frankfurter Börſe,
Abteilung Getreide, vom 28, Juli. (Getreide,
Hülſen=
früchte und Biertreber ohne Sack; Weizenmehl, Roggenmehl und
Kleie mit Sack.) Preis je 100 Kilogramm. Weizen, Wetterau 20.50
bis 21, Roggen 17.50—18.00, Sommergerſte für Brauzwecke 18.00—
18.50, Hafer, inländiſch 18.00—18.50, ausländiſch —, Weizenmehl, ſüdd.
Sepezial 0 31.50—33.00, Roggenmehl 25.50—26.00, Weizen= und
Rog=
genkleie 10.25—10.75. Tendenz: feſter.
* Frankfurter Viehmarkt. Der Auftrieb zum Hauptmarkt
beſtand aus 1155 Rindern, darunter 298 Ochſen, 57 Bullen, 797 Färſen
und Kühen und 5 Freſſern, ferner aus 637 Kälbern, 214 Schafen und 3526
Schweinen. Notiert wurden pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen 33—54,
Bullen 34—42, Färſen und Kühe 15—32, Kälber 25—56, Schafe 30—40,
Schweine 60—70. Marktverlauf: Rinder und Schweine rege, Kleinvieh
ruhig, in Schweinen etwas Ueberſtand.
* Mannheimer Produktenbörſe. An der
Produkten=
börſe herrſchte feſte Haltung vor bei kleinem Geſchäft. Die Mühlen
halten im Einkauf zurück. Sie haben den Preis für Weizenmehl
Spezial 0 auf 33—33,5 Mark die 100 Kilogramm erhöht, müßten aber
bei Weizeneinkäufen zum heutigen Preis nach ihrer Angabe mit 34 bis
34,5 Mark kalkulieren. Für Roggenmehl, worin faſt kein Geſchäft iſt,
wurde 26,5—27 Mark verlangt. Die Forderungen lauten ſonſt für je
100 Kilogramm waggonfrei Mannheim: Weizen (inländiſcher) 21—22,5
Mark, ausländiſcher 24—27, Roggen, inländiſcher 17,5, ausländiſcher
18—18,5 Mark. Gerſte 17,25—17,5 Mark, Hafer 17,25—18 Mark. An
der Kolonialwarenbörſe herrſchte feſte Tendenz. Verlangt wurden je
100 Kilogramm verzollt: Kaffee Santos 3,6—4,2, desgleichen gewaſchen
4,8—6,10, Tee, gut 6—7, mittel 7—8, fein 8—11, Kakao, holl. 1,50, inl.
1,30, Reis Burma 0,35, Weizengrieß 0,42, Hartweizengrieß 0,52, Zucker
kriſtalliſiert 0,80.
* Mannheimer Schlachtviehmarkt. Die Zufuhr zum
Mannheimer Viehmarkt betrug und es wurden je 50 Kilogramm
Lebend=
gewicht gehandelt: 1 Ochſen 2—46 Gm., 21 Bullen 2—36, 583
Kühe und Rinder 10—48, 673 Kälber 30—46, 62 Schafe 16—28, 1525
Schweine 56—69 Gm. Zum Pferdemarkt wurden zugeführt und je Stück
gehandelt: 78 Arbeitspferde 400—1200 Mark, 18 Schlachtpferde 30 bis
80 Gm.. Marktverlauf: mit Großvieh und Schweinen mittelmäßig,
langſam geräumt, mit Kälbern mitelmäßig langſam, ausverkauft, mit
Pferden ruhig.
w. Berliner Produktenbericht. Am Produktenmarkt
zogen die Getreidepreiſe weſentlich an infolge fortdauernder Nachfrage
für den Export, beſonders nach der Tſchechoflowakei. Bevorzugt wurde
Weizen, wofür auch die neue Steigerung Amerikas günſtig einwirkte.
Roggen war weniger angeboten und wurde in den Forderungen höher
gehalten. Das Mehlgeſchäft hat ſich, bei ſtärker hervortretender
Kauf=
neigung, belebt. Sehr feſte Stimmung herrſchte auch für Gerſte.
Win=
tergerſte wurde viel für den Export von der Induſtrie begehrt. Hafer
war vom Konſum und Export geſucht, dagegen knapp angeboten.
Fut=
terartikel und Oelſaaten hatten gleichfalls gute Haltung.
t. Nürnberger Hopfenmarkt. Die Zufuhr auf dem
letz=
ten Hopfenmarkt am Montag betrug 30 Ballen, der Umſatz ebenfalls
30 Ballen bei etwas erhöhten Preiſen. Markthopfen von verſchiedener
Herkunft im Rahmen von 200—250 Mark.
* Vom Holzmarkt. Unſer fachmänniſcher Mitarbeiter
ſchreibt uns Der ſtarken Verkaufsneigung ſehr vieler
Sägewerksbe=
ſitzer, namentlich derjenigen, die Verpflichtungen aus noch laufenden
Stundungswechſeln für Rohholzkäufe zu erfüllen haben, ſteht eine nur
geringe Kaufluſt im geldarmen Platzholzhandel gegenüber. Es wird
immer klarer, daß die Verminderung des Betriebskapitals durch den
laufenden Verbrauch, ohne gleichzeitige Verdienſtmöglichkeiten,
all=
mählich zu einer Einſchränkung vieler Unternehmungen am deutſchen
Holzmarkt führen muß. Die Sägewerke werden — das iſt ſchon jetzt
ſicher — teilweiſe ſehr viel weniger Rohholz kaufen können, als 1923,
mancher Betrieb wird überhaupt ſtilliegen, zumal an die Uebernahme
von Lohnſchnitten nur ſelten zu denken ſein wird. Beruhigend wirken
in Preußen die von amtlichen Stellen gegebenen Verſicherungen, daß
die Wiederbegrünung größerer, von der Forleule angegriffener
Wald=
flächen zu erwarten iſt und der Anfall an Fraßhölzern nicht ſo
erheb=
lich werden wird, wie man zunächſt annahm. Eine Kommiſſion an
deren Spitze der preußiſche Landforſtmeiſter Gernlein ſteht, wird ſich
mit der Frage des Abtriebes in den Eulenfraßrevieren beſchäftigen,
ebenſo mit der Löſung der Frage, welche Beſtände, die nicht unbedingt
abgeholzt werden müſſen, zu erhalten ſind. — In
Süddeutſch=
land fällt die außerordentliche Verſchiedenartigkeit der
Preisforder=
ungen für Nadelſchnitthölzer auf. Es ergeben ſich Unterſchiede von
20 bis 25 Mark je Kubikmeter. Trotz billiger Forderungen, denen die
Nöte der Zeit anhaften, kommen nur kleine Umſätze zuſtande.
Eid Wuch ereſlied de heleie ien We Geie e e eie
nalen Märkte, beſonders des engliſchen, ſind weniger befriedigend
geworden. Nach einer Meldung aus Schweden haben neuerdings auch
die dortigen Sägewerke unter Abfatzſchwierigkeiten zu leiden.
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 28. Juli. (Eigener Bericht.)
Die vorliegenden Nachrichten aus London laſſen erhoffen, daß die
heu=
tige Vollſitzung ein für den weiteren Fortgang der Konferenz
günſti=
ges Reſultat zeitigen werde. Es ſcheint, daß in den letzten drei
Ta=
gen, ſowohl in den Unterauſchüſſen, wie auch hinter den Kuliſſen, mit
Erfolg verhandelt wurde, und man iſt vielfach der Anſicht, daß
er=
riot Konzeſſionen gemacht hat, bzw. machen will. Der
Geſchäftsver=
kehr an der heutigen Börſe zeigte infolgedeſſen eine weitere Belebung,
und man konnte ſeit langem wieder einmal an den Kurstafeln eine
größere Anzahl von Pluszeichen feſtſtellen. An den Aktienmärkten war
im beſonderen größeres Geſchäft in Chemiewerten zu verzeichnen, aber
auch für eine Menge anderer Werte, wie A. E. G., Rombacher Hütte
und Holzmann, zeigte ſich ſehr lebhaftes Kaufintereſſe. Letztere
wur=
den in größeren Poſten aus dem Markt genommen, angeblich in der
Hauptſache für Hamburger und Berliner Rechnung. Maßgebend für
die heutige feſte Tendenz waren auch ausländiſche Käufe, die bei
ver=
ſchiedenen Firmen in größerer Anzahl vorlagen. Die ſtärkſte
Bele=
bung zeigte wiederum der Markt der deutſchen Anleihen. Während
hier, im Gegenſatz zu den letzten Wochen, Kriegsanleihe ziemlich
zu=
rücktrat, war zeitweiſe das Geſchäft in 3½proz. Preuß, Conſols ſehr
umfangreich. Sie wurden vorbörslich mit 740 gehandelt und ſchließen,
nach Glattſtellungen der Spekulation mit zirka 690. Das Intereſſe
wendet ſich neuerdings auch ſtärker den Agio= und Pari=
Schatzanwei=
ſungen zu, die heute mit 220 notiert waren und die gegenüber der
Kriegsanleihe, eigentlich ungerechtfertigter Weiſe, um ein Drittel
nied=
riger ſtehen. Groß war auch das Intereſſe für Türken=Renten die
namhaft anziehen konnten, und im Zuſammenhang damit für „Türk.
Coupons. Bemerkenswert blieb noch nach wie vor die Feſtigkeit für
Canada Shares, die mit 28,5 umgeſetzt wurden. Auch für Ruſſen
er=
hielt ſich das Intereſſe, beſonders für Ruſſenbankaktien. Die Börſe
ſchließt nachvorübergehender kleiner Abſchwächung ſehr feſt.
29. Juli 1924 Nr. 20
w Berliner Börſenbericht. Die Feſtſtellung des Reich
bankpräſidenten in der letzten Zentralausſchußſitzung der
Reichsba=
daß die Situation am Goldmarkt ſich etwas gebeſſert habe und die
ſage einer Erleichterung der Kreditbefriedigung, ſowie ferner
freundlichere Beurteilung der politiſchen Lage infolge der für ſick
angeſehenen Zuſtimmung Frankreichs zur Räumung des Ruhrgebiet
bildeten für den heutigen Börſenverkehr ſtark anregende Momen
Auf allen Gebieten regte ſich anſehnliche Kaufluſt und die
Aufwär=
bewegung der Kurſe kam allgemein in Fluß. Montanwerte wurd
noch beſonders durch die wieder auftretenden Gerüchte günſtig beei
flußt, wonach bei den Deutſch=Luxemburgern und Gelſenkirchen ein vo
teilhaftes Umtäuſchverhältnis der Aktien bei der Umſtellung auf Go
baſis zu erwarten ſei. Die ſchweren Werte des Montanmarktes
wannen infolgedeſſen meiſt 11. bis 2 Bill. Proz. Glöcknerwerte ſt,
ten ſich im Verlaufe um 7 Bill. Proz. höher. — Beſonderes Intere
wandte ſich auch den Farbwerken zu, wie man namentlich für die
treffenden Unternehmungen nach dem Inkrafttreten des Dawes=Gr
achtens lohnende Beſchäftigung erwarten zu können glaubt. Von M
ſchinenfabrikation litten Berlin=Karlsruher Induſtrie und Löwe
fangs, nach der vorangegangenen letztwöchigen Steigerung, unter
winnrealiſierungen. Schiffahrtsaktien wurden auf Hamburger
regungen viel gekauſt. Bevorzugt waren Deutſch=Auſtraliſche, Ha
burger Paketfahrt und Cosmos. Bankaktien waren nur mäßig geb
ſert. Auf dem Anleihemarkt wurden beſonders Preußiſche Konſols
trächtlich in die Höhe geſetzt. Kriegsanleihe konnten die Anfangsnot
rungen von 320 nicht behaupten. Das Geſchäft flaute im Verlauf
was ab, die zuverſichtliche Stimmung blieb aber in volle Umfang
ſtehen.
Oeviſenmarkt.
eRe Brie Amſterdam=Rotterdam .. 160.30 161.00 160.00 160.80 Brüſſel=Antwerpen ....." 19.20 19.30 19.20 19.30 Chriſtiania. . . . . . . . . . . . . 55.96 56.24 56.36 56.64 voll Kopenhagen
.. 67.83 68. 17 67.73 68.07 Stockholm . . 111 47 112.03 111.47 11203 Helſingfors 10.47— 10.53— 10.47— 10.53— Italien. 18.10— 18.0— 18.10— 18.20— London 18.45— 18.54— 18.43— 18.52— New=York 4.19 4.21 4.19 4.21 Paris.. 21 50— 21.50 — 21.40— 21.50 — Schweiz 77.06 77.44 77.06 77.44— Spanien 55.61 55.89 55.61 55.89 Wien (i. D.=Sſterr. abg.). 5.91— 5.93— 5.91— 5.93 — zu Prag .. 12.45— 12.51— 12.445 12.505 voll Budapeſt. 5. 215 5.235 5.29 — 5.31— voll Buenos=Aires. 1.345 1.355 1.345 1.355 voll Bulgarien. 3.01 3.03— 3.01— 3.03 — Japan 17065 1.715 1.705 1.715 vol. Rio de Janeiro: 0.385 0.395 0.385 9.395 voll Belgrad. 4.33 4.95— 4.94— 4.96— voll Liſſabon. 11.27 11.33 11.27 11.33 voll Danzig". 73.79 74 15 73.67 74.08 voll
Berliner Kurſe. (Eigene telegr. Meldung,)
Aktiengeſ. für Anilinfr. Ue5 6. 7.12200 Hanſa Dampfſch. . . 25. 7.
8:00 26. 7. AſchaffenburgerZellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch.. 16500 Hemoor Zement . 34500 19000 1000 Hirſch Kupfer 17210 Berl.=Anhalt=Maſchinen Höſch Eiſen Berl. f. Elektr. W. vorzug. W Hohenlohe Mü Bismarckhütte .. . ... Kahla Porzellat 6610 Braunkohlen=Briketts B000 21250 Lindes Eismaſch. 5900 Bremer Vulkan ..
Wolle..
Chem. Heyden.. 41000
70000 42259
7u509 Lingel Schuh
Linke u. Hofmann 1750
9800 2300 2900 L. Loewe u. C 56625 Weiler 10000 12250 C. Lorenz 3300 Deutſch=Atlant. Tel. 9000 102,0 Meguin 900 1000 Deutſche Maſchinen 4250 4875 Niederländiſche Koh 29300 33 Deutſch=Niedld. Tel. 14500 Nordd. Gummi 0225 Deutſche Erdöl. 33500 36000 Orenſtein. 12525 Deutſche Petroleum Rathgeber Waggon. 340) Dt. Kaliwerke 26500 29600 Rombacher Hütten. 11700 Dt. Waffen u. Munitio 74625 75000 Roſitzer Zucker 24739 Donnersmarckhütte. 62750 70000 Rütgerswerke 11875 Dynamit Nobel. 5800 6500 Sachſenwerk 900
14750 Elberfelder Farben.. 11400 1340) Sächſiſche Gußſtahl Elektr. Lieferung .. 11000 12100 Siemens Glas 11500 R. Friſter
Gaggenau Vorz. 3000
6875 3000
7008 1 Steaua Roman=
Ver. Lauſitzer Glas. Gelſenk. Gußſtahl 10000 10000 Volkſtedter Porzellan. 4200 Geſ. f. elektr. Untern. 14100 1500 Weſtf. Eiſ. Langendreei 1500 Halle Maſchinen.
Han. Maſch.=Ege 8500 8909 Wittener Gußſtahl 28000 At 39500 Wanderer=Werke 6609 6754
Frankenkurs in London:
Markkurs „ „
85.85
18.50
Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.
Frankfurter Kursbericht vom 28. Juli 1924
42
750 T
G,6
0,55
25, 7.
Enropckiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe ..........."
.
„
8½½
........"
Dollar=Goldanleihe per 1935 ..
„ 1932..
Dollar=Schatzanweiſungen ...."
4½% IV. u. V. Schatzanweiſg.
4½% HI.—IX.
42 Dt. Schutzgebiet v. 0,8-11u.13
v. 14 2,75
Sparprämienanleihe ... . . . . . . 0,191
Zwangsanleihe ...... .. . . . . . . 11,80d
4%0 Preuß. Konſols ......... 6.59
„....... 0a1e
3½%
......... 0,650
47 Bab. Anl. unk. 1935 ..... ,375
3½% „ v. 1907 ....... 0,6
1896 ....... 0. 780
8%
4% Bahern Anleihe ........."
......."
8½
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatanw.
rch. 26 ........... .."
8—16% Heſſen Reihe XXXHI.
untigb. b. 28.. . .. . . . . . . ...
4½ Heſſen unk. 1924.. . . . . . . .. 0,65
3½% ........... . . ....."
„.................
3%
48 Württemberger alte ...... 0,5
b)Ausländiſche.
5% Bosnien L.-E.=B. v. 1914..
5% L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½ „ v.1902 ........"
......
4½
5% Bulgar. Tabak 1902..... ..
U/,% Griech. Monopol .....
4½% Oeſt. Staatsrente v. 1913
1,6
ab 1918 ........"
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914 .............."
4% Oeſt. Goldrente ........."
47 einheitl. Rente ...... 0,55
6% Rum. am. Rente v. 03 ....
4½% Goldrente v. 13 .... 21
4% „ am. Goldrente konv.
4% „ am. v. 05 ........."
4% Türk. (Admin.) v. 1903.... 5,6
4½ „ (Bagdad) Ser. T..
„II..
49
4½ „ v. 1911, Bollanl. ..."
4½% Ung. Staatsr. b. 14 ...
4% „ Goldrente ........ 4,75
4½ „ Staatsr. v. 10 ...."
Kronenrente ......
4%
Außereuropäiſche.
6% Mexik. amoxt. innere . .. . ..
5% „ konſ. äuß. v. 99.....
4½ „ Gols v. 04, ſtfr. . . . .
8% „ konſ. inner. ....."
4½% Frrigationsanleihe
52 Tamaulipas, Serie l.....
Oblig. v. Transportanſt.
4% Eliſabethbahn ſtſr. . . . . . . . .
4% Gal. Carl Ludwv.=Bahn. ...
6½ Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr. ..
T— Tauſend M— Millionen M4 — Riliarden AU
26. 7.
0.3175
0.820
0228
29
0 200
12.5 Mc
0,68
0. 700
0. 600
0.830
0.810
42
650 7
U65d
0,62
0.625
2.3
6.95
1.9
2,6% Alte Oeſt. Südb. (Lomb.
2,6%Neue
480 Oeſt. Staatsb. v. 1883 ...."
1. b. 8. Em..
3% Oeſt.
9. Em. ....
v. 1885 ..."
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
4% Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
4½” Anatolier I............"
32 Salon. Conſt. Jonclion ..."
3% Salonique Monaſtir ......"
50 Tehuantepec. . . . . . . . . . . ..
.
...
4½%
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwrtanl. v. 23
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
I. Em. . . . . . . . .
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
II. Em. . . . . . . . . . . . . . . . . . ."
6 % Großkraftwerk Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23 .. .....
6% Heſſ.Braunk.=Rogg. Anl. v. 23
5½Neckar A.=G. Stuttgart
Gold=
anl. b. 23... . .... ......"
5% Pfälzer Hyp.=Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24.. .. . . . ... .. . ..
50 Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
5% „ Roggenwert=Anl. . .
5% Rhein, Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 ...........
5% Rhein=Main=Donau
Gold=
anl. v. 23 .............."
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23
Ser. T u. II............."
5% Sächſ. Roggenwertanl. v. 23
5% Südd, Feſtwertbk. Goldobl,
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . .
Bank für Brauinduſtrie ......"
Barmer Bankverein. .. . . . . . .
Baher Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft ..."
Commerz= und Privatbank ..."
Darmſtädter u. Nationalbank ..
Deutſche Bank ............."
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein.. ..
Deutſche Vereinsbank ........
Disconto=Geſellſchaft . . . . . ... ."
Dresdner Bank. . . . . .. . . . . ..
Frankfurter Bank ..........."
„ Hypotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mitteldeutſche Creditbank. . . . . .
Oeſterreichiſche Creditanſtalt . ..
Reichsbank=Ant. . . . . . . ... . . ..
Rhein. Creditban ..........."
„ Hypothekenbank .....
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank ..................."
Wiener Bankverein........"
Bergwerkö=Aktien.
Berzelius .................."
Bochamer Bergb. .. .. . . . . . . .
Buderus.... ..... . .. . . .. . ..
Dt. Luxemburger .........."
Eſchweiler Bergwerks=Akt. . . . ."
Gelſenkirchen Bergwv. ......"
6.9 6,85 1 Harpeier Bergbau.. ........"
28 7.
2,2
Kaliwerke Aſchersleben.
Salzdetfurth ... . ."
Weſteregeln ......"
glöcknerwerke (abg. Lothr. Hütte)
Mannesmann Nöhren ........
Mansfelder ................."
Oberbedarf ................."
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ......"
Otavi Minen u. Eb.=Ant. ... .
Phönix Bergbau ............"
Rhein. Stahlwerke ....... ....
Riebeck Montan.. . . . . . . . . . . ..
Rombacher Hütte .. . . . . . . . . . ."
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. . .
Ver, Laurahütte . . . . . . .
Aktien induſtr. Unternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . . .
Löwenbräu München ........"
Schöfferhof (Binding)........"
.....
Werger .
81
109
24.9
775
25,25
R.75
22)
21
33,5 34,5
11,9
13½
175
1,8
Pf. 5o
2,.25
1.37
25
1,4
31,5
13,35
12
0.230
8.75
5,2
1,5
2,91
13,4
1.9
9.3)
3971,
171
0250
0.250
57,5
ohne Umſst X —rakoniert.
Akkumulat. Berlin ..........."
Adler & Oppenheimer ......."
Adlerwerke (v. Rleher) ......."
A. E. G. Stamm. . . . . . . . .
6% „ „„ Vorzug Lit.A ..."
5%0 „ „„ Vorzug Lit. B...
Amme Gieſecke & Konegen ...."
Anglo=Continental=Guano ... .."
Anilin Bln.=Treptow.. . . . . . . .
Aſchaffenburger Zellſtoff .....
Badenia (Weinheim)........."
Babiſche Anilin= n. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ........"
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen ..
Baldur Piano...............
Baſt Nürnberg .............."
Bahriſch. Spiegel............"
Beck & Henkel Caſſel) .......
Bergmann El. Werke ..... .. . .
Bing. Metallwerke ..........."
Brockhues, Nieder=Walluf... .."
Cementwerk Heidelberg. . .. ...
Karlſtadt . . . . . . . .
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert. . . . . . . . . .
„ Griesheim Elektron ...."
„ Fabrik Milch .........."
Weiler=ter=mer ........"
Daimler Motoren ...........
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
Deutſche Erdöl .............."
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt.
Dingler, Zweibrücken ........"
Dresdener Schnellpreſſen ...."
Dürkoppwerk (Stamm) ......"
Düſſeld. Natinger (Dürr) ....."
Dhckerhof & Widm. Stamm ...
Eiſenwerk Kaiſerslautern .....
L. Meher fr. ......
Elberfelder Farbw. v. Bayer
Kupfer= u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs.=Geſ. ......
Licht und Kraft .......
Eſäff. Bad. Wolle. . ..........
Emag, Frankfurt a. M... . ....
Email. & Stanzw. Ullrich ....
Enzinger Werke .......... ..."
* Eßlinger Maſchinen ..........
Ettlingen Spinnerei ........"
Saber. Joh., Blsiſtift ........
21.5
35, 75
12
29
10½½=
17.95
0.,760
13.5
11,2
9,25
1,8.
3,75
4,5
1.95
11
1.85
8,875
6,73
285
30,25
12
8.5
23
13,8
2,2
24
1,95
(,.390
0,950
117/
0,550
11,4
7.25
4,75
0.225
2,1
14,2
2,6
2.9
22
03
11
13,5
0,550
11.9
4,75
3.
9,5
875
Faber & Schleicher ....."
Fahr, Gebr., Pirmaſens ....."
Felten & Guilleaume, Carlswv...
Feinmechank (Jetter). ... . . .. ."
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M.
Frankfurter Gas.......... .. .
Frankfurter Hof ..........."
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittek.
Fuchs, Waggon Stamm .. . . ."
Banz. Ludwig. Mainz ......."
Geiling E Cie..............."
Germania Linoleum .. . .. . . .."
Gelenkirchen Gußſtahl .. ....."
Goldſchmidt, Th. ........ ...."
Gotha Waggon .... ........."
Breffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach..
Grün & Bifinger ..........."
Hammerſen (Osnabrück) ......"
Hanfwerke Füſſen ..........."
Heddernheimer Kupfer ......."
Heyligenſtaedt, Gießen ......."
Hilpert Armaturenf. . . . . . . . ..
Hindrichs=Auffermann. . .. .. .."
Hirſch Kupfer u. Meſſ. .... . . .
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. ............"
Holzverk.=Induſtr. .. .... . ...."
Hydrometer Breslau ........"
Fnag ......................
Junghans Stamm.. . . . . . . . . .
Farlsruher Maſchinen ........"
Karſtadt R. . .... ...........
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Heilbronn ............"
Kolb & Schüle Spinn.. ... . ..
Konſervenfabrik Braun ......"
Krauß & Co., Lokom. . . . . . . . .
Lahmeyer & Co. ............"
Lech, Augsburg ............."
Lederw. Rothe .............."
Lederwerke Spicharz ........"
Lingel, Schuhw. Erfurt ......
Löhnberger Mühle ..........
Lüdenſcheid Metallv. ........"
Luther, Maſch.=u Müh enbau..
Lux’ſche Induſtrie ..........."
Rainkraftwerke Höchſt .......
Meguin, Butzbach ..........."
Metallgeſ. Frkft. . . . . . . . .. . ..
Meyer, Dr. Paul ..........."
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm .. . . . ..
Motorenfabrik Deuz........."
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Reckarſulmer Fahrzeugwerke. ..
Neckarwerke Eßl. Stamm . . . . .
Oleawerke Frankfurt a. M.....
Beters Union Frankfurt a. M.
Pfälz. Nähm., Kahſer ........"
Philipps A.=G. ......."
Porzellan Weſſel............
Reiniger, Gebbert & Schall...
Rhein. Elektr. Stamm . . . . . . . .
Metall Vorzüge . . . . . . .
Rhenania, Aachen ...........
Riedinger, Maſchinen ........
Rückforth, Stettin ...........
Rütgerswerke ...............
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau...... . . . .
Schnellpreſſen Frankenthal. . .
Schramm Lackfabrik. . .. . . . . . .
Schriftgießerei Stempel, Ffm.
Schuckert Elektr. (Nürnberg) ..
1875
12,5
1.2
10,5
2.
0.675
9.350
0,500
9,4
9,4
4,75
129
10.,75
2,2
0 750
0. 410
Schuhfabrik Berneis=Weſſel".
Schuhfabrik Herz.........."
Schuhf. Leander Offenbach
Schultz, Grünlack, Rdsh.... . .
Seilinduſtrie Wolff ......."
Sichel & Co. Mainz ......"
Siemens Elektr. Betriebe ..
Siemens Glasinduſtrie .....
Siemens & Halske.. .......
Stöckicht=Offenbach=Gummi.
0,5501 Süddeutſche Immobilien ....."
25.
,5
2,2
1.6
0,510
4,05
125
0.500
1,739
2
9,9 Thüring. elektr. Lief.-Geſ., Gotha
2
Ahrenfabrik Furtwängler
0,8 Beithwerke in Sandbach
1,8 Verein f. Chem. Induſtr. Frkft.
1,35 Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
15,5
Faßfabriken Caſſel ....
Gummifabr. Bln.=Frkf..
9,75
„ Pinſelfabr. Nürnberg ..
10
„ Ultramarin .. .. ... . . .."
Zellſtoff, Berlin .......
2,1 I Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Stämme . ...
3,7 Voigt & Haeffner Stämme ...
18,25 1 Boltohm, Seil.............
2,05 Wahß & Frehtag. . . . . . .. .. .."
18
Wegelin Nußfabrik ......
Zellſtoff Waldhof Stamm.
Zuckerfabr. Waghäuſel..
(
Frankenthal
Heilbronn..
.:
Offſtein ...
Rheingau.
1,8:
Stuttgart.
Transport=Aktien.
7.2
0.3004 Deutſche Eiſenb.=Geſ. Fftm.
Schantung E. B............"
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ..
Hapag (Paketfahrt) ..........
3.
Nordd. Llohd..........."
Darmſtädter Werte.
Bahnbedarf............"
Dampfkeiſel Rodberg....."
Helvetia Konſervenfabrik..
Gebr. Lutz..............
Motorenbfarik Darmſtadt
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Venuleth & Ellenberger
Annotierte Aktien.
21
Api .. . . . . . . . .. . . . . . . .. . ...."
10.25 Beckerkohle ..................
Beckerſtahl .. .. .. .... . . .... .
4,1
Benz........ ........
Brown Boveri......"
1.15 Chem. Andrege ............."
1,4 Deutſche Petroleum .. . . . . . ...
4,3 Diamond Shares ............"
6,4
Entrepriſe .................."
1,65 4 Falconwerke ................"
Großkraftw. Württemb. ( Grovag!
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10,5 Hero Conſerven ............."
0.5361 Holſatiawerke, Altona .. . . . . . .
12,5 1 Kabel Rhesdt.............."
19
Krügershall Kali ............"
Metall Starkenburg ........."
3,25 1 Otto & Quanz.... .. . . . . . .. .."
3,2 Raſtatter Waggon ..........."
5,8 Textil=Ind. Barmen (Tiag)...."
34
Ufa Film ..... .. ..... .. . ....
105
17,4
28,5
267.
11,5
76
5üe
[ ← ][ ][ → ]Rummer 209.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Juli 1924.
Seite
Das deutſche Herz.
Roman von Adolf Schmitthenner.
(Nachdruck verboten.)
)
Friedrich kreuzte die Arme über der Bruſt, ſchaute feſt auf
ie Mauer und begann:
„Verwilderte Geſichter haben in meine Kindheit
hinein=
eſchaut und haben ſie ſchreckhaft gemacht. Es ſind meine
heime und die Vettern meines ſo frühe verſtorbenen Vaters.
ſtit Grauen, denke ich an ihre Zuſammenkünfte auf Schloß
wingenberg oder hier in Hirſchhorn. Sie waren alle durch
runk und Unzucht verdorben, und in ihren verwüſteten Leibern
daren die Seelen bösartig geworden. Nur eines war bei ihnen
ſt loben: ſie hielten zuſammen wie Stahl und Eiſen, ſie
ſorg=
u mit ererbter Klugheit für die Mehrung des Beſitzes, und
Auf efſchenetenlien en de eich ue dein e ele
nander Abſchied nahmen, dann war der letzte Ruf: „
Hirſch=
orn auf ewig!”
„Aber freilich mit der ewigen Dauer unſers Geſchlechtes
ihes ſcheu aus. Sie waren alle verſeucht bis ins Mark der
nochen, ihre Frauen trugen ihnen keine Kinder oder ſehr
ge=
rechliche, aus deren Augen der Tod ſchaute. Ich war der
nzige, der erſtarkte und gedieh. Daß ich anders wurde als ſie,
erdanke ich ihrer Kraftloſigkeit und Gleichgültigkeit. Niemand
on ihnen nahm ſich meiner an. Dem Namen nach war ich bei
einem Oheim Ludwig, aber in Wirklichkeit wuchs ich auf bei
en Knechten und Jägern und in den Meierhöfen bei den
Bau=
n, roh, aber unverdorben und friſch und geſund. Der
Vor=
hr des jetzigen Pfarrers von Hirſchhorn, ein gottſeliger und
uger Mann, nahm ſich meiner verwahrloſten Jugend an. Er
rgte ſür einen wackeren Hofmeiſter, der mich auf die
Hoch=
hule begleitete, und ihm verdanke ich es auch, daß der treueſte
reund meines ſeligen Vaters, Eberhard von Sternenfels, von
einer Vereinſamung erfuhr, mich in ſein Haus Kürnbach lud
id mich zu ehrenfeſter, ritterlicher Geſinnung erzog.
„Wenn die Männer meiner Sippe ihre Feſte feierten, mußte
immer her, wo ich auch weilen mochte, und mußte
mittrin=
n aus dem großen goldenen Pokal, den Kaiſer Karl der
ierte unſerm Hauſe ſchenkte, und mitrufen: Hirſchhorn auf
oig!” Mit Schauder denke ich an die greulichen Dinge, die
eine jungen Augen mit anſchauen mußten. Sie wurden mit
ier gewiſſen Feierlichkeit und in einer Art von ſcheußlicher
Andacht begangen, in einer widerlichen Miſchung von
Heimlich=
keit und Schamloſigkeit. Die böſe Seele bei dieſen
Zuſammen=
küuften war mein Oheim Hans. Er hieß der tolle Hirſchhorn,
hatte aber große Gewalt über die andern Geſellen, denn er war
voller wunderlicher Einfälle, und man ſchrieb ihm den Beſitz
übernatürlicher Kenntniſſe zu. Er war in Welſchland geweſen
und hatte von dort allerlei Laſter und allerlei Aberglauben
heimgebracht. Sein gewöhnlicher Wohnort war Heidelberg.
Dort trieb er mit Gleichgeſinnten geheime Dinge und ſteckte oft
zuſammen mit meiner Großmutter, der Beußerin von
Ingel=
heim, die damals Schloßfrau in Handſchuhsheim war. Sie
ſaßen miteinander über alten Zauberbüchern und fragten die
Sterne über die Zukunft und weisſagten aus dem Spiegel und
aus dem Kriſtall und trieben allerhand Künſte, die vor Gott ein
Frevel ſind und wegen deren die Hexen brennen müſſen. Was
die beiden miteinander ausgeheckt hatten, das brachte dann der
tolle Hans mit geheimnisvoller Miene in die Verſammlung der
Sippe, und in der Regel wurde dann irgendeine Abſcheulichkeit
verübt.”
„Es war Anno 1589. Ich war gerade auf Schloß
Zwingen=
berg. Da kam Nikolaus und beſchied mich nach Hirſchhorn zum
Geſchlechtstage. Nikolaus redete auf dem Wege kein Wort. Mein
Oheim Ludwig hatte ſich kurz vorher zum zweitenmal vermählt.
Er iſt der Erbauer des neuen Hauſes auf Burg Hirſchhorn. Der
Bau war gerade fertig geworden, und alle Hirſchhorn waren
zuſammengekommen, die neue Wohnung zu weihen. Als wir
ankamen, hörte ich von den Knechten, daß die Gäſte ſchon ſeit
drei Wochen auf der Burg weilten und daß ein ſtetes Zu= und
Abreiten ſtattgefunden habe. Einmal ſeien ſie alle miteinander
morgens früh weggeritten und ſeien erſt in der Dunkelheit
wieder zurückgekommen. Ich fand meine Verwandten im
Ritter=
ſaal beieinander. Nur Männer waren da. Sie waren voll
Un=
ruhe und in düſterer Haſt, flüſterten zuſammen, gingen einzeln
oder zu zweien hinaus und herein und tranken häufig von dem
Wein, der in Kannen auf dem Kredenztiſch und auf den
Fenſter=
bänken ſtand. Der telle Hans war aufgeregt und feierlich.
Seine langen, weißen Haare flatterten ihm um den Kopf, und
in ſeinen wirren Augen brannte eine düſtere Glut. Sie gaben
mir viel Wein zu trinken und nötigten mich, als ich nimmer
trinken wollte, ſo daß mir ſchließlich der Kopf rauchte. Auf einen
Wink des tollen Hans ſtanden ſie alle auf. Mein Oheim
Lud=
wig nahm mich an der Hand und führte mich in die Mitte des
Saales. Sie ſtellten ſich um mich her. Hans als der älteſte der
Sippe erklärte mich für einen vollbürtigen Geſchlechtsgenoſſen.
Ein Schwert wurde mir umgegürtet. Der goldene Pokal ging
in der Runde und jeder rief: „Hirſchhorn auf ewig.‟ Dann
wurden ſo viele Lichter angezündet, als Leute da waren. Jeder
nahm eine brennende Kerze und wir gingen in die Schloßkapelle.
Jeder ſtellte ſein brennendes Licht auf den Altar. Außer den
Geſchlechtsgenoſſen waren noch Nikolaus dabei und ein junger,
mir unbekannter Mann, der einen Maurersſchurz umgebunden
hatte und eine Kelle im Gürtel trug. Hinter dem Altar aber
ſtand eine gefeſſelte Frau. Ihr Geſicht war totenbleich und
voller Angſt. Sie hatte deine Augen, Urſula, und deine Brauen.
Ich mußte ſie immer anſchauen und nach ihr hinhorchen. Sie
weinte leiſe vor ſich hin. Und nun kniete der tolle Hans vor
dem Altar nieder und legte die Schwurfinger auf das
Evan=
gelienbuch und ſchwor einen greulichen Eid, daß er über das,
was jetzt geſchehe, bis an ſein Ende gegen jedermann, der nichts
davon wiſſe, ſchweigen werde. Dann knieten die andern nieder
und leiſteten denſelben Schwur. Ich war der letzte der Sippe,
dann ſchwuren Nikolaus und der Maurer. Wir kehrten darauf
wieder in den Saal zurück bis auf den tollen Hans und den
Maurer. Dieſe beiden nahmen das Weib in ihre Mitte und
gingen in das neue Haus. Wir andern warteten. Keiner blieb
auf ſeinem Sitze, keiner redete ein Wort. Sie liefen
aneinan=
der vorbei, ergriffen die Becher und tranken und ſchauten ſich an
mit hohlen, verſtörten Augen. Nach einer geraumen Weile
kam der tolle Hans. Er ſah geiſterbleich aus. Auf ſeinen Wink
ging mein Oheim Ludwig ohne ein Wort zu ſagen mit ihm
aus dem Saal. Die andern ſchauten ihm ſtarren Blickes nach.
Es dauerte nicht lange, ſo kam Oheim Ludwig zurück. Auch er
war bleich wie ein Geſpenſt; die Haare ſchienen ſich ihm zu
ſträuben. Er ſagte dem Nächſtälteſten ein Wort und ſtürzte
einen Becher Weins in die Kehle. So ging und kam einer nach
dem andern. Haſtig gingen ſie, verſtört kamen ſie. Wer
zurück=
gekommen war, trank Wein und ſaß ſtumm und ſtier auf der
Bank oder auf einem Seſſel. Zuletzt wurde ich gerufen.
Niko=
laus begleitete mich. Der Weg war mit Kerzen beleuchtet, die
auf dem Boden ſtanden. Nikolaus führte mich in die Kemenate
und öffnete hier dieſe Türe. Vor dieſer Wand hier ſtanden der
tolle Hans und der Maurer. Die Wand war in Ellbogenweite
friſch gemauert, ein Kübel voll Mörtel ſtand vor dem Boden.
In der Mauer war noch eine Lücke für einen einzigen Stein.
Oheim Hans gab mir dieſen Stein in die Hand, wies mir das
Loch und befahl mir, den Stein hineinzuſchieben. Ich wollte
es raſch tun, da hörte ich aus der Mauer heraus, ein leiſes
Wimmern. Entſetzt warf ich den Stein aus der Hand und
wollte entrinnen. Der tolle Hans ergriff mich an der Schulter,
kehrte mich der Wand zu und reichte mir einen Becher. „Trink!
ſagte er. Ich trank, und es flimmerten mir die Augen. „Sprich
nach, was ich dir vorſage!” raunte er mir zu. Es waren
latei=
niſche Worte.
(Fortſetzung folgt.)
ihemalige Frauen
ülerin mit Handels=
8, bereits 1 Jahr
Stenotypiſtintät.,
ht Stellg. als
Ee=
tärin od. dgl., evt
Boiontärin. Ang, u.
84 Geſchſt. *21619
tenotypiſtin
her auf
Anwalts=
bbeſchäftigt, ſucht
ellung bei mäßigen
haltsanſpr. Ang. u.
25 Geſchäftsſt. /*u0z0
eiſere Frau
9t Heimarbeit im
hen. Angeb, unter
11 Geſchäftsſt. (
nge, ehrliche und
arbeitsfreudige
eamtenfrau
ht Stelle in einem
ſchäft oder
frauen=
en Haushalt. Gefl.
g. u. P. 94 Geſchſt./*
elt., unabh. Frau,
rtücht. i. Haush. u.
hen, ſ. Stelle als
ushälterin, geht auch
Kind. Zu erfr. bei
iuJäger,Luiſenkt. 34, (
Uelteres geb.
Frän=
n ſucht
Wirkungs=
is b. ält. Dame od.
n. auch halbe Tage.
g.u. P 105 Gſchſt. ”
lteres anſtändiges
ädchen ſucht Stellg.
ig. unt. E 100 an
Geſchſt. (*21666
jubere Frau ſucht
rufſtelle.
Ange=
te unt. E 102 an
Geſchſt. (*21682
Behe Waſchen und
utzen. (*21597
inggaſſe 23, Stb. I
ſſ. Mädchen ſucht
eſchäft, tagsüb. im
uush. Blumenthal=
61, Hth. pt. (*21668
Männlich
1d. Kaufmann
rh., Anf. d. 30er J.,
anzſich. Buchhalt.,
ch für Reiſe, Lager
Exped. geign., ſucht,
abgebaut, per 1.
iguſt Stellg. ( 21659
Angebote u. R 95
die Geſchäftsſt.
undg. Kattler
ucht Stellung.
ürde auch in
ver=
andtem „Gewerbe
rübergeh. arbeiten
Angebote u. E 90
eſchäftsſt. (*21644
Berheir. Mann
ct Stelle als
Ein=
ſierer oder
Büro=
ener.
(*21688
agdalenenſtr. 6, I.
Sffene Stellen g
Weiblich
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e als Sicherheit für das Kapital und den Dienſt der Anleihe
n ſollen, dafür freigeben könnten, und nicht ſelbſt zu der
endigen Vereinbarung gelangten. Sobald dies erfolgt ſei,
nicht vorher, werde es der Kommiſſion möglich ſein, die
ent=
ſenden notwendigen Vereinbarungen zu erwägen.
kaum hatte Logan ſeine Erklärung beendet, als ſich Theunis
um zu erklären, daß die Worte, die die Kommiſſion ſoeben
„t habe, amerikaniſche Logik, amerikaniſche Vernunft und
ikaniſchen kaufmänniſchen Geiſt darſtellten. Theunis
e dieſe Gelegenheit für ein engeres
Zuſammen=
ken zwiſchen Europa und Amerika nicht
vorbei=
laſſen.
Dem Berichterſtatter des „Daily Telegraph” zufolge gingen
merweiſe weder die engliſchen noch die franzöſiſchen
Ver=
auf den amerikaniſchen Vorſchlag ein. Die Franzoſen
en ſo gut wie ſtill und ſprachen ſpäter von der
Einbrin=
geiner neuen eigenen Formel.
Von den Engländern brachte Snowden zum Ausdruck,
der amerikaniſche Vorſchlag eine ſorgfältige Prüfung
erfor=
bevor er ſich binden könnte. Er müßte ſich erſt mit ſeinen
gen beſprechen. Darauf kam man überein, daß das Komitee
3 Uhr wieder zuſammentreten ſollte und in der Zwiſchenzeit
in ſeinen Vorſchlag konkret ausarbeiten ſollte.
Linungsverſchiedenheiten zwiſchen Belgien
und Frankreich in der Räumangsfrage.
IU. Paris, 29. Juli. Der Matin ſtellt in einer
Be=
hung der Londoner Verhandlungen feſt, daß Belgien in der
ſe der militäriſchen Räumung des Ruhrgebietes nicht den
Oſiſchen Standpunkt vertrete. Theunis nehme auf die poli=
Lage ſeines Landes Rückſicht; auf jeden Fall ſei er einer
ſetzung der Beſetzung abgeneigt. Auch innerhalb der fran=
Den Delegation machen ſich verſchiedene Richtungen
be=
bar
franzöſiſcher Vorſchlag in Ausarbeitung.
Paris, 29. Juli. (Wolff.) Der Londoner Berichterſtatter
Petit Pariſien meldet über die Lage von geſtern abend,
imtlichen Delegationen ſei die Hoffnung zum Ausdruck
ge=
nen, bis Ende der Woche zu einer Verſtändigung
un=
den Alliierten zu gelangen. Man habe in dieſer
ehung ſtark auf den Vorfchlag gerechnet, den die
fran=
iche Delegation heute ausarbeitet und am Mitt=
9 der Konferenz unterbreiten ſoll. Was den
alt dieſer neuen Formel anlangt, ſo wahre man
natür=
unbedingte Diskretion. Trotzdem glaubt der Berichterſtatter
Iiſen, Laß die fragliche Formel von allen denen, die bis
von der belgiſchen oder amerikaniſchen Delegation vorge=
Hen wurden, inſofern völlig abweiche, als ſie die Arbeiten
Okutten Kommiſſion (Sachlieferungen und Konvertierung)
.!
Delegartof einertr Botſchruß irär in. imatiee fien Beh--
Konzeſſionen in der Frage der Sachleiſtungen
auf=
rechterhalten will. Es ſoll ſich auch hier, wie in der Frage
der Militärkontrolle, um ein Austauſchgeſchäft handeln,
wobei die bisher in den Vordergrund geſtellten Hauptprinzipien
und Vertragsrechte, fallen gelaſſen werden.
Herriot verwickelt ſich in Widerſprüche.
Paris, 29. Juli. (Europapreß.) Der Londoner
Korre=
ſpondent des Intranſigeant teilt mit, daß der japaniſche
Bot=
ſchafter Hayaſhi nach der heutigen Sitzung der Delegationsführer
erklärte, es ſei ſonderbar, daß Herriot in der
Vergan=
genheit die Beſetzung der Ruhr bekämpft habe
und heute bei der Zumutung, daß Frankreich ſich
ver=
pflichten ſoll, nicht wieder in die Ruhr
zurückzu=
kehren, wie ein Löwe brüllt.
Kſeinarbeit in den Komitees.
SD. London, 29. Juli. Das erſte Komitee tritt morgen
vormittag halb zehn Uhr wieder zuſammen und es iſt möglich,
jedoch noch nicht ſicher, daß auch im erſten Komitee der neue
franzöſiſche Plan zur Beratung vorgelegt werden wird. Um
halb elf Uhr tritt gleichfalls das dritte Komitee zuſammen in
ſeine Beratungen ein und aller Wahrſcheinlichkeit nach auch die
juriſtiſche Kommiſſion. Nachmittags werden jedoch die großen
Fünf eine gemeinſame Beſprechung haben.
Zu der von der Daily Mail eingeleiteten Bewegung gegen
eine britiſche Anleihe an Deutſchland wird von zuſtändiger
Stelle erklärt, daß dieſe, ſowie der geſtern im Unterhaus
unter=
breitete Proteſt überhaupt keinerlei Beachtung geſunden habe und
ihm daher keinerlei Bedeutung beizumeſſen ſei. Auf keinen
Fall könne ein ſolcher Proteſt das Vertrauen an eine Anleihe an
Deutſchland erſchüttern.
Vorausſichtlicher Konferenz=Abſchluß
Ende der nächſien Woche.
London, 29. Juli. Wie Reuter erfährt, kann nach Anſicht
eingeweihter Kreiſe der gegenwärtige Stand der Konferenz
als hoffnungsvoll bezeichnet werden. Man hofft, daß die
Konferenz Ende nächſter Woche zu einem erfolgreichen
Ab=
ſchluß kommt. Was die Einladung an Deutſchland betrifft, ſo
iſt darüber noch nichts bekannt. Sie wird erfolgen, wenn die
Hauptdelegierten den Zeitpunkt für gekommen erachten. Dagegen
find Schritte ergriffen worden zur Einladung der
Repara=
tionskommiſſion nach London. Die amerikaniſchen und
anderen Vorſchläge gewinnen jetzt feſte Geſtalt. Das 1.
Komi=
tee wird morgen zuſammentreten, ſobald man den ſkizzierten
Plan für annehmbar hält. Die Frage der militäriſchen
Räumung iſt überhaupt noch nicht zur Sprache gekommen,
ſondern ſoll außerhalb des Verhandlungsrahmens diskutiert
werden.
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innerpolitiſche Oppoſition, auf die ſich unſere
Sozial=
ten einſtellen, ſchlägt mehr als erforderlich und auch nütz=
1s Außenpolitiſche über. So iſt es gekommen, daß Reichs=
Marx gegen den Wunſch ſeiner Miniſterkollegen nach
geht, nur weil die Sozialdemokratie den Kampf gegen
chsaußenminiſter Dr. Streſemann mit großem Ziel vor=
und ſich zu dieſem Zweck ſogar Telegramme aus Paris
rgen laſſen, die von einem Mißtrauen der franzöſiſchen
ng gegen den deutſchen Außenminiſter ſprechen.
neues Angriffsfeld hat ſich der „Vorwärts” jetzt im
Völ=
geſucht. Er behauptet, daß Macdonald ſeinen eigenen
ensmann nach Berlin geſchickt hätte, um Deutſchlands.
ne in den Völkerbund für den Herbſt vorzubereiten, daß
8 Auswärtige Amt zu unerfüllbare Forderungen geſtellt
d daran die ganze Miſſion geſcheitert ſei. Wenn es
rich=
ſollte, ſo würden wir das für eine außenpolitiſche Tat
hal=
r glauben aber nicht, daß dieſe ganzen Zuſammenhänge
Nach unſerer Kenntnis hat vor vier Wochen die
eng=
jegierung eine offizielle Anfrage nach Berlin gelangen
vie wir uns zu einem Eintritt in den Völkerbund ſtellten.
abinett hat aber beſchloſſen, die Beantwortung ſolange
uſchieben, bis das Ergebnis von London ſich überſehen
eil natürlich von einer anderen Einſtellung Deutſchlands
ente gegenüber mancherlei von unſerer Grundauffaſſung
lkerbund gegenüber abhängt. Die Hauptfrage aber, daran
h nichts ändern, bleibt immer die gleiche, daß wir an
en Eintritt in den Völkerbund drei
Vor=
tzungen knüpfen:
verlangen einen ſtändigen Sitz im Völker=
Zrat.
lehnen jede Neuverpflichtung auf den Ver=
Friedensvertrag ab.
verlangen, daß der Völkerbund wenigſtens
Staaten von Europa umfaßt, wozu eine
Ein=
ig an Rußland erforderlich iſt.
nn wir in dieſen drei Punkten Entgegenkommen finden,
y über unſeren Eintritt reden. Wir glauben aber weiter,
ſe Frage gar nicht mehr aktuell iſt, weil auch Macdonald
er die Widerſtände in Frankreich getäuſcht hat, ſo daß
lands Eintritt in den Völkerbund in dieſem Jahre
über=
wohl nicht mehr in Frage kommt. Ein gewiſſes
Zuſam=
ſeiten hat ſich ja angebahnt. Auf der letzten Sitzung wurde
rſchlag über militäriſche Abrüſtung angenommen, der
ur=
ich einer engliſchen Anregung entſprach, aber unter
fran=
n Einwirkungen in das Gegenteil verkehrt wurde. Dieſer
Entwurf iſt auch der deutſchen Regierung mit der Bitte um eine
Rückäußerung übermittelt worden. Die Aeußerung iſt inzwiſchen
erfolgt und liegt bereits in Genf vor. Auch da handelt es ſich
freilich nur um ein gkademiſches Problem, weil England
be=
reits heftig abgewinkt hat und dieſen Genfer Kompromiß
nicht mitmachen will. Es ſcheint aber, als ob Macdonald
darüber hinaus die Abſicht habe, zu der Sitzung des
Völkerbun=
des nach Genf perſönlich zu fahren, um dort die militäriſche
Siche=
rung des Rheinlandes auf Grund des Verſailler Vertrages auf
eine andere Grundlage zu ſtellen, etwa in der Form, daß das
Mandat der alliierten Mächte zur militäriſchen Beſetzung des
Rheinlandes dem Völkerbund anvertaut wird. Auch darüber
hinaus wird Näheres erſt zu ſagen ſein nach dem Abſchluß der
Londoner Verhandlungen.
Vorläufig hält England daran feſt, daß die erſte Zone
am 10. Januar kommenden Jahres geräumt wird, und
zwar zugunſten Deutſchlands geräumt wird, ſo daß
Köln wiederfrei würde. England will dann aber nicht
etwa ſeine Truppen zurückziehen, ſondern denkt daran,
be=
ſtimmte Gebiete der zweit en Zone, die jetzt von
den Franzoſen belegt ſind, zu beſetzen, ſo daß,
wenn dieſe Dinge ſpruchreif werden, Koblenz künftighin
eine engliſche Beſatzung haben würde.
Der Völkerbunds=Garantiepakt von
Deutſchland abgeleßnt.
TU. Genf, 29. Juli. Die deutſche Antwort auf die
Mittei=
lung des Völkerbundes bezüglich des Entwurfes einer
gegen=
ſeitigen Garantiepaktes, die am Montag hier eingetroffen iſt, wird
vorausſichtlich Donnerstag veröffentlicht werden. Die
Andeutun=
gen ergeben, daß die deutſche Antwort zum Schluß kommt,
den Vertrag abzulehnen, da er keinen Fortſchritt
gegen=
über dem Völkerbundsſtatut bedeutet.
Frankreichs Perteidigungsrat nimmt den
Garantiepaft des Völkerbundes an.
* Paris, 29. Juli. (Priv.=Tel.) Im Zuſammenhang mit
der engliſchen Zurückweiſung des vom Völkerbund
vorgeſchlage=
nen Garantiepaktes bemerkt der Matin: Die Entſcheidung der
franzöſiſchen Regierung würde im Prinzip zu Gunſten einer
An=
nahme des Paktes ohne Vorbehalt ſein, ſowie Vorſchläge für
ſeine Anwendung enthalten. Das Blatt fährt weiter fort, daß
das von dem nationalen „Verteidigungsrat” ernannte Komitee
zur Prüfung der Angelegenheit einſtimmig den
Völkerbundsvor=
ſchlag annahm. Die franzöſiſche Antwort an den Völkerbund
werde vorausſichtlich im kommenden Monat abgeſandt werden.
Seite 12.
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kauf=
männiſcher Ehre übereinſtimmt. Und ſo denkt jeder von
Ihnen. Ich hielt es für meine Pflicht, dies heute hier
öffent=
lich zu erklären.”
„Bravo! Bravo!”
Severin Henderſen ſchwieg und ſah mit ſcharfem Blick
zu einigen Vertreter,
Preſſe hinüber, die
Sitzung beiwohnten.
Er war eine hohe,
Geſtalt mit buſchigen9
brauen und einem ei
Geſicht, der Senator S
Henderſen, der Vorſi
und Alterspräſident
„Vereinigung Hamk
Großkaufleute”, wie
dieſe Genoſſenſchaft
bedeutender Firmen,
denen die meiſten
Urſprung ſtolz bis
Tage der Hanſa
führten, beſcheiden n
Selbſt der Reporter
ſtark radikalen Zeitung
offenbarer Feindſeligke
kaſtiſch zu den Worte
lächelt hatte, hielt der
dieſer Augen nie aus und
ſich dem Eindruck dieſe
ſönlichleit nicht entzi
Senator Henderſen
mit leiſerer Stimme
„Ich habe Ihnen no
geſchäftliche Mitteilu
machen, daß ich die
Millionen wertbeſtär
Geldes, die wir, trotz u
eigenen Sorgen und u
Verpflichtungen Har
gegenüber, gemeinſch
für die notleidenden 5
Berlins geſammelt
durch meinen Sohn St
uach Berlin geſchickt
Ich habe die Ehre, die
tung des Vorſtande
„Roten Kreuzes” übe
Empfang des Gelde
den Akten zu geben.”
Wieder unterbrachen Bravorufe den Redner, der
noch kurz hinzufügte: „Ich ſchließe die Sitzung.”
Senator Hilmar Bohlenau, ein kleiner, dicker, behä
Herr ſprang auf.
„Ich denke, wir trinken im Ratskeller noch ein
Wein zuſammen. Es gibt auch noch allerhand zu beſpr
Nicht wahr, Herr Senator, Sie kommen mit?”
Die ſteife Zurückhaltung, die ſtets in dem Weſen
alten Senators lag, hinderte ſogar ſeine näheren Geſch
freunde, einen vertraulichen Ton anzuſhlagen.
Auf Severin Henderſens Antlitz lag ein ganz
Anflug des Lächelns.
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meine Grundſätze und ich halte es auch mit der
augen=
chen Lage meiner Firma nicht für vereinbar, am
Wein=
zu ſitzen. Auf Wiederſehen, meine Herren!”
r verbeugte ſich kurz, nahm den Hut und ging. Als
je Tür hinter ihm geſchloſſen, lachte Senator Markus
b auf und ſchlug Bohlenau auf die Schulter.
Da haſt Du Deine Rüge!”
ſohlenau lachte auch, wenn auch etwas gezwungen:
Ein alier Geizkragen iſt er — wenn der es nicht kann!”
r war perſönlich wenig beliebt, Herr Severin
Hender=
obgleich jeder vor ſeiner unerſchütterlichen Lauterkeit
Achtung hatte. Er wehrte ſich gegen jeden neuen
n der Lebensführung, er hielt mit ſtarrer Energie daran
auch im äußeren die gediegene Einfachheit früherer
Ge=
ter zu wahren. Selbſt ſchon ein Siebziger, führte er
der faſt gleichaltrigen, leidenden Gattin in dem alten
zierhauſe, an dem kein Pult geändert worden, ſeit er
Vater das Haus übernommen, ein Leben der
Zurück=
enheit.
ur einen gab es, der es gewagt hatte, ihm zu trotzen.
war Stephan Henderſen, ſein Sohn.
reilich, ſie ſahen einander nur im Geſchäft. Nie
ver=
er Vater dem Sohne, daß er es vorgezogen, draußen
r Außenalſter eine moderne Villa zu beziehen, daß er
oßes Haus führte und ſein Leben genoß — am
wenig=
verzieh er es ihm daß er Irene Dieterici, die ſchöne
er des Profeſſors Dieterici, zu ſeiner Frau gemacht hatte.
den Willen des Vaters. Wie hätte er jemals ſeine
nmung dazu gegeben, daß eine Schauſpielerin die Frau
Sohnes werden durfte! Seit vier Jahrhunderten war
ts die Tochter eines gleichalten Handelshauſes, die der
Henderſen den Erben gebären durfte. Auch ſeine
war eine Tochter des Magnus Wörland aus Danz’g
n und ſeine Mutter eine van Oldervalden aus
Am=
m. Daher die großen Verbindungen, die ſeine Firma
Danzig und durch das Haus Oldervalden nach
Suma=
nterhielt.
ber Stephan ſetzte ihn vor eine vollendete Tat und
an Henderſen war ein fleißiger Menſch trotz ſeiner oft
ſäumenden Lebensfreude, ein guter Kaufmann.
as hatte der Senator erkannt und — noch nie hatte
enderſen ſeinen Sohn enterbt. Seinen einzigen Sohn!
ber es war ein Bruch zwiſchen ihnen, und der Alte
i noch ſtiller und in ſich ſelbſt verbiſſener.
ährend die anderen Herren, die wohl wußten, welches
n und Uebergewicht der greiſe Herr beſaß, und ihn
gen gern heut als Sprecher geſehen vergnügt dem
Iler zuſchritten, ging Severin Henderſen langſam und
einem Hauſe zu. Es lag in einer der alten Straßen
ieß mit der Hinterfront an ein Fleet. Ein
alters=
wuchtiger Bau mit Höfen und Gewölben und
düſte=
üros, in die erſt Stephan elektriſches Licht gebracht
der Tür empfing den Senior der alte Pförtner, der,
lter als ſein Herr, ſchon unter dem Vater als
Lauf=
gedient hatte.
in Herr aus Berlin erwartet den Herrn Senator.”
lonnte nicht Prokuriſt Laubegaſt?”
r wünſcht den Herrn Senator perſönlich zu ſprechen.”
aben Sie eine Karte?‟
r Alte nahm ſie aus der Taſche.
r. Wilhelm Schlüter? Kenne ich nicht.”
r ſcheint etwas wichtiges zu haben, Herr Senator, er
eine Stunde im Privatkontor.”
ut.”
Herr Severin Henderſen ging nicht gleich in den
Privat=
raum, er ſchritt durch die Kontore und warf einen ſtummen
Blick über die arbeitenden Herren.
Unwillkürlich war auch das leiſe Flüſtern verſtummt.
Sie hatten den jungen Stephan lieber, die Herren!“
Prokuriſt Laubegaſt: ein ſorgfältig, aber einfach
gekleide=
ter Vierziger, der ſtets ernſt und ſehr ſtreng zu dem Perſonal
war, kam ihm entgegen. Der Senior hielt etwas auf dieſen
fleißigen, ordentlichen Mann.
„Etwas Neues Laubegaſt?”
„Nicht viel. Nur — Klas Overkamp hat aus Genua
eine Karte geſchickt.”
Ein Schatten war über des Senators Stirn geflogen.
„Gut, daß er wenigſtens Wort hielt. Vielleicht macht
Oldervalden einen anſtändigen Menſchen aus ihm.”
Er nickte dem Prokuriſten zu und trat in das
Privat=
kontor. Ein gewölbter Raum mit gediegener
Eichen=
täfelung bis an die Decke, die in verborgenen
Geheim=
ſchränken die geheimen Akten des Handelshauſes enthielt.
Schwere Eichenmöbel, dicke, alte Teppiche. Der ernſte
Kom=
fort vergangener Tage. Ein Fenſter, das gewöhnlich mit
grüner Seide verhängt war, geſtattete dem Chef von hier
aus die Büroräume zu überſehen.
Ein ſchlanker älterer Herr im grauen Spitzbart trat ihm
entgegen. Der Handelsherr warf noch einmal einen Blick
auf die Karte.
„Sie wünſchen mich zu ſprechen, Herr Dr. Schlüter?”
Der Gaſt ſah ihn an und ſagte:
„Kriminalkommiſſar Dr. Schlüter aus Berlin.”
Henderſen warf ihm einen fragenden Blick zu und deutete
auf einen Stuhl.
„Bitte, Herr Kommiſſar.”
Schlüter nahm ſeine Brieftaſche heraus.
„Ich bitte Sie, mir einige Fragen zu beantworten.”
„Bitte.
Sie ſaßen einander gegenüber; die Tiſchlampe mit ihrem
grünen Schirm warf einen Schein auf des Senators Geſicht.
„Nicht wahr, die Hamburger Herren hatten die
Liebens=
würdigkeit, eine Summe von drei Millionen Mark in
ſoge=
nannten „Goldſchätzen” für die notleidenden Kinder Berlins
zu ſpenden.”
„Allerdings.”
„Wiſſen Sie, wer der Herr war, der dieſes Geld
über=
brachte?‟
„Mein Sohn.”
„Iſt dieſer Herr Ihr Sohn?”
Der Kommiſſar gab dem Kaufmann eine Photographie,
und dieſer wurde unruhig.
„Allerdings, dies iſt mein Sohn Stephan. Iſt ihm etwa
ein Unglück geſchehen?”
„Einen Augenblick. Darf ich Sie bitten, mir zu ſagen,
was das iſt?“
Er reichte ein kleines Blatt hinüber.
Der Senator lächelte.
„Natürlich eine Goldſchatzanweiſung im Wert eines
Dollars.”
„Wollen Sie dieſelbe genau anſehen? Es iſt eine
ge=
fälſchte Note.”
Der Senator zuckte zuſammen ,dann war er wieder
voll=
kommen ruhig, trat an den großen Schreibtiſch, nahm von
dieſem eine Lupe und unterſuchte den Schein.
„Sie haben recht, das iſt eine gefalſchte Note, aber ich
begreife nicht.”
Dr. Schlüter ſtand neben ihm.
„Wiſſen Sie eine Erklärung dafür, wie es kommt, daß
Ihr Sohn” — er ließ das „Herr” fort, — „die ganze
Summe in ſolchen gefälſchten Noten bezahlte.”
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Pf. die Woche. Wer den „Hummel” liest, bleibt gesund!
als Behörde beſondere deutſche Werte und Einkünfte,
als Sicherheit für das Kapital und den Dienſt der Anleihe
die ſollen, dafür freigeben könnten, und nicht ſelbſt zu der
noſndigen Vereinbarung gelangten. Sobald dies erfolgt ſei,
b licht vorher, werde es der Kommiffion möglich ſein, die ent=
Pxenden notwendigen Vereinbarungen zu erwägen.
aum hatte Logan ſeine Erklärung beendet, als ſich Theunis
erl, um zu erklären, daß die Worte, die die Kommiſſion ſoeben
ge!t habe, amerikaniſche Logik, amerikaniſche Vernunft und
ar kaniſchen kaufmänniſchen Geiſt darſtellten. Theunis
w.. dieſe Gelegenheit für ein engeres
Zuſammen=
wiien zwiſchen Europa und Amerika nicht
vorbei=
ge laſſen.
dem Berichterſtatter des „Daily Telegraph” zufolge gingen
ſelmerweiſe weder die engliſchen noch die franzöſiſchen
Ver=
ir! auf den amerikaniſchen Vorſchlag ein. Die Franzoſen
en ſo gut wie ſtill und ſprachen ſpäter von der
Einbrin=
geiner neuen eigenen Formel.
Son den Engländern brachte Snowden zum Ausdruck,
24der amerikaniſche Vorſchlag eine ſorgfältige Prüfung erfor=
26 bevor er ſich binden könnte. Er müßte ſich erſt mit ſeinen
gen beſprechen. Darauf kam man überein, daß das Komitee
11 Uhr wieder zuſammentreten ſollte und in der Zwiſchenzeit
n ſeinen Vorſchlag konkret ausarbeiten ſollte.
Inungsverſchiedenheiten zwiſchen Belgien
Ind Frankreich in der Räumungsfrage.
U. Paris, 29. Juli. Der Matin ſtellt in einer
Be=
ung der Londoner Verhandlungen feſt, daß Belgien in der
e der militäriſchen Räumung des Ruhrgebietes nicht den
öſiſchen Standpunkt vertrete. Theunis nehme auf die poli=
Lage ſeines Landes Rückſicht; auf jeden Fall ſei er einer
ebung der Beſetzung abgeneigt. Auch innerhalb der
fran=
hen Delegation machen ſich verſchiedene Richtungen be=
RT)ar.
S franzöſiſcher Vorſchlag in Ausarbeitung.
Paris, 29. Juli. (Wolff.) Der Londoner Berichterſtatter
2SPetit Pariſien meldet über die Lage von geſtern abend,
irI mtlichen Delegationen ſei die Hoffnung zum Ausdruck ge=
Sfen, bis Ende der Woche zu einer Verſtändigung
un=
den Alliierten zu gelangen. Man habe in dieſer
Shung ſtark auf den Vorſchlag gerechnet, den die
fran=
ce Delegation heute ausarbeitet und am Mitt=
)der Konferenz unterbreiten ſoll. Was den
Iilt dieſer neuen Formel anlangt, ſo wahre man natür=
IE inbedingte Diskretion. Trotzdem glaubt der Berichterſtatter
Aiſſen, Laß die fragliche Formel von allen denen, die bis
bon der belgiſchen oder amerikaniſchen Delegation
vorge=
hen wurden, inſofern völlig abweiche, als ſie die Arbeiten
dritten Kommiſſion (Sachlieferungen und Konvertierung)
Delegarcon einem Vorſichtag nur in Auskäuſch gegen gewr,,-
Konzeſſionen in der Frage der Sachleiſtungen
auf=
rechterhalten will. Es ſoll ſich auch hier, wie in der Frage
der Militärkontrolle, um ein Austauſchgeſchäft handeln,
wobei die bisher in den Vordergrund geſtellten Hauptprinzipien
und Vertragsrechte, fallen gelaſſen werden.
Herriot verwickelt ſich in Widerſprüche.
Paris, 29. Juli. (Europapreß.) Der Londoner
Korre=
ſpondent des Intranſigeant teilt mit, daß der japaniſche
Bot=
ſchafter Hayaſhi nach der heutigen Sitzung der Delegationsführer
erklärte, es ſei ſonderbar, daß Herriot in der
Vergan=
genheit die Beſetzung der Ruhr bekämpft habe
und heute bei der Zumutung, daß Frankreich ſich
ver=
pflichten ſoll, nicht wieder in die Ruhr
zurückzu=
kehren, wie ein Löwe brüllt.
Kſeinarbeit in den Komitees.
SD. London, 29. Juli. Das erſte Komitee tritt morgen
vormittag halb zehn Uhr wieder zuſammen und es iſt möglich,
jedoch noch nicht ſicher, daß auch im erſten Komitee der neue
franzöſiſche Plan zur Beratung vorgelegt werden wird. Um
halb elf Uhr tritt gleichfalls das dritte Komitee zuſammen in
ſeine Beratungen ein und aller Wahrſcheinlichkeit nach auch die
juriſtiſche Kommiſſion. Nachmittags werden jedoch die großen
Fünf eine gemeinſame Beſprechung haben.
Zu der von der Daily Mail eingeleiteten Bewegung gegen
eine britiſche Anleihe an Deutſchland wird von zuſtändiger
Stelle erklärt, daß dieſe, ſowie der geſtern im Unterhaus
unter=
breitete Proteſt überhaupt keinerlei Beachtung geſunden habe und
ihm daher keinerlei Bedeutung beizumeſſen ſei. Auf keinen
Fall könne ein ſolcher Proteſt das Vertrauen an eine Anleihe an
Deutſchland erſchüttern.
Vorausſichtlicher Konferenz=Abſchluß
Ende der nächſien Woche.
London, 29. Juli. Wie Reuter erfährt, kann nach Anſicht
eingeweihter Kreiſe der gegenwärtige Stand der Konferenz
als hoffnungsvoll bezeichnet werden. Man hofft, daß die
Konferenz Ende nächſter Woche zu einem erfolgreichen
Ab=
ſchluß kommt. Was die Einladung an Deutſchland betrifft, ſo
iſt darüber noch nichts bekannt. Sie wird erfolgen, wenn die
Hauptdelegierten den Zeitpunkt für gekommen erachten. Dagegen
ſind Schritte ergriffen worden zur Einladung der
Repara=
tionskommiſſion nach London. Die amerikaniſchen und
anderen Vorſchläge gewinnen jetzt feſte Geſtalt. Das 1.
Komi=
tee wird morgen zuſammentreten, ſobald man den ſkizzierten
Plan für annehmbar hält. Die Frage der militäriſchen
Räumung iſt überhaupt noch nicht zur Sprache gekommen,
ſondern ſoll außerhalb des Verhandlungsrahmens diskutiert
ſperden.
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Konkurs oder gerichtiſcher Beſtreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Bankkonto: Deutſche Bank und Darme
ſtädier 8 Nationaldank.
eutſchland und der Völkerbund.
Von unſerer Berliner Redaktion.
innerpolitiſche Oppoſition, auf die ſich unſere
Sozial=
ten einſtellen, ſchlägt mehr als erforderlich und auch
nütz=
ns Außenpolitiſche über. So iſt es gekommen, daß Reichs=
Marx gegen den Wunſch ſeiner Miniſterkollegen nach
geht, nur weil die Sozialdemokratie den Kampf gegen
chsaußenminiſter Dr. Streſemann mit großem Ziel vor=
und ſich zu dieſem Zweck ſogar Telegramme aus Paris
rgen laſſen, die von einem Mißtrauen der franzöſiſchen
ng gegen den deutſchen Außenminiſter ſprechen.
neues Angriffsfeld hat ſich der „Vorwärts” jetzt im
Völ=
geſucht. Er behauptet, daß Macdonald ſeinen eigenen
ensmann nach Berlin geſchickt hätte, um Deutſchlands.
ne in den Völkerbund für den Herbſt vorzubereiten, daß
8 Auswärtige Amt zu unerfüllbare Forderungen geſtellt
d daran die ganze Miſſion geſcheitert ſei. Wenn es
rich=
ſollte, ſo würden wir das für eine außenpolitiſche Tat
hal=
r glauben aber nicht, daß dieſe ganzen Zuſammenhänge
Nach unſerer Kenntnis hat vor vier Wochen die
eng=
jegierung eine offizielle Anfrage nach Berlin gelangen
vie wir uns zu einem Eintritt in den Völkerbund ſtellten.
abinett hat aber beſchloſſen, die Beantwortung ſolange
uſchieben, bis das Ergebnis von London ſich überſehen
eil natürlich von einer anderen Einſtellung Deutſchlands
ente gegenüber mancherlei von unſerer Grundauffaſſung
lkerbund gegenüber abhängt. Die Hauptfrage aber, daran
ch nichts ändern, bleibt immer die gleiche, daß wir an
en Eintritt in den Völkerbund drei
Vor=
tzungen knüpfen:
verlangen einen ſtändigen Sitz im Völker=
Zrat.
lehnen jede Neuverpflichtung auf den Ver=
Friedensvertrag ab.
r verlangen, daß der Völkerbund wenigſtens
Staaten von Europa umfaßt, wozu eine
Ein=
ig an Rußland erforderlich iſt.
nn wir in dieſen drei Punkten Entgegenkommen finden,
9 über unſeren Eintritt reden. Wir glauben aber weiter,
ſe Frage gar nicht mehr aktuell iſt, weil auch Macdonald
er die Widerſtände in Frankreich getäuſcht hat, ſo daß
lands Eintritt in den Völkerbund in dieſem Jahre
über=
wohl nicht mehr in Frage kommt. Ein gewiſſes
Zuſam=
ſeiten hat ſich ja angebahnt. Auf der letzten Sitzung wurde
rſchlag über militäriſche Abrüſtung angenommen, der
ur=
ich einer engliſchen Anregung entſprach, aber unter
fran=
n Einwirkungen in das Gegenteil verkehrt wurde. Dieſer
Entwurf iſt auch der deutſchen Regierung mit der Bitte um eine
Rückäußerung übermittelt worden. Die Aeußerung iſt inzwiſchen
erfolgt und liegt bereits in Genf vor. Auch da handelt es ſich
freilich nur um ein akademiſches Problem, weil England
be=
reits heftig abgewinkt hat und dieſen Genfer Kompromiß
nicht mitmachen will. Es ſcheint aber, als ob Macdonald
darüber hinaus die Abſicht habe, zu der Sitzung des
Völkerbun=
des nach Genf perſönlich zu fahren, um doxt die militäriſche
Siche=
rung des Rheinlandes auf Grund des Verſailler Vertrages auf
eine andere Grundlage zu ſtellen, etwa in der Form, daß das
Mandat der alliierten Mächte zur militäriſchen Beſetzung des
Rheinlandes dem Völkerbund anvertaut wird. Auch darüber
hinaus wird Näheres erſt zu ſagen ſein nach dem Abſchluß der
Londoner Verhandlungen.
Vorläufig hält England daran feſt, daß die erſte Zone
am 10. Januar kommenden Jahres geräumt wird, und
zwar zugunſten Deutſchlands geräumt wird, ſo daß
Kölnwiederfrei würde. England will dann aber nicht
etwa ſeine Truppen zurückziehen, ſondern denkt daran,
be=
ſtimmte Gebiete der zweit en Zone, die jetzt von
den Franzoſen belegt ſind, zu beſetzen, ſo daß,
wenn dieſe Dinge ſpruchreif werden, Koblenz künftighin
eine engliſche Beſatzung haben würde.
Der Völkerbunds=Gaxantiepakt von
Deutſchland abgeleßnt.
TU. Genf, 29. Juli. Die deutſche Antwort auf die
Mittei=
lung des Völkerbundes bezüglich des Entwurfes einer
gegen=
ſeitigen Garantiepaktes, die am Montag hier eingetroffen iſt, wird
vorausſichtlich Donnerstag veröffentlicht werden. Die
Andeutun=
gen ergeben, daß die deutſche Antwort zum Schluß kommt,
den Vertrag abzulehnen, da er keinen Fortſchritt
gegen=
über dem Völkerbundsſtatut bedeutet.
Frankreichs Verteidigungsrat nimmt den
Garantiepakt des Völkerbundes an.
* Paris, 29. Juli. (Priv.=Tel.) Im Zuſammenhang mit
der engliſchen Zurückweiſung des vom Völkerbund
vorgeſchlage=
nen Garantiepaktes bemerkt der Matin: Die Entſcheidung der
franzöſiſchen Regierung würde im Prinzip zu Gunſten einer
An=
nahme des Paktes ohne Vorbehalt ſein, ſowie Vorſchläge für
ſeine Anwendung enthalten. Das Blatt fährt weiter fort, daß
das von dem nationalen „Verteidigungsrat” ernannte Komitee
zur Prüfung der Angelegenheit einſtimmig den
Völkerbundsvor=
ſchlag annahm. Die franzöſiſche Antwort an den Völkerbund
werde vorausſichtlich im kommenden Monat abgeſandt werden.
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Der Senator fuhr auf.
„Das iſt nicht wahr.”
Dr. Schlüter blieb ernſt und ruhig.
„Es iſt wahr. Der Schatzmeiſter des Vereins, der das
Gold von Ihrem Sohn übernahm ſchloß es an jenem Tage
in ſeinen Geldſchrank. Erſt am nächſten Morgen öffnete er
dieſen wieder und trug das Geld zur Bank. Dort wurde
ſofort feſtgeſtellt, daß alle Scheine gefälſcht ſind.”
Der Senator ſagte mit ſchneidender Stimme.
„Ich muß Sie bitten, Ihre Worte ſorgfältiger zu wägen.
Es iſt ſelbſtverſtändlich vollkommen ausgeſchloſſen, daß mein
Sohn auch nur einen Falſchſchein in ſeiner Hand hatte.
Schlüter blieb ganz ruhig.
„Das wäre ſehr möglich, wenn wir nicht bei der 9
haftung Ihres Sohnes noch einen weiteren Poſten ſol
Falſchſcheine in ſeinem Beſitz gefunden hätten.”
Einen, Augenlick ſchien der Senator von einer pl
ihn ſcharf an, ohne ihm zu helfen. Severin Henderſen
Wenn dieſe Scheine unecht
jener Nacht vertauſcht.”
waren, dann ſind ſie alſo in
lichen Schwäche überwältigt zu werden. Dr. Schlüter
kam ſich wieder in Gewalt.
„Mein Sohn iſt verhaftet?”
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1 a 130000
1,100000
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250 22500
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Auswärtige Aufträge werden prompt ausgeführt.
Der Hamburgische Staat garantiert die Auszahlung
aller Gewinne an sämtliche Spieler im In- und
Auslande.
20753 4 157, 140, 127, 100
97, 75, 67, 37 2680050
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Senden Sie mir
. Los à Rentenmark.
Auftrage umgehend erbeten, spätestens bis zum 5. August
an die staatlich konzessionierte Lotteriekollekte von
Hamburg 36—
Heinr, Goothusen, Dammtorstr. 14
Postscheckkonto Hamburg 287 72.
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Ernst-Ludwigstr. 19
Fernsprecher 241.
Mittwoch, den 30, Jul
A. Braunwarth
Ernſt Ludwigſtr. 3 —
(9645
Bonnerstag, den 31. Huf
Freitag, den 1. August
Samstag, den 2. August
Alte Strickjachen
hat preiswert abzugeben
— Auf Wunſch Teilzahlung —
Friedr. Eigenbrodt, Tapeziermſtr.
Herdweg 18. (B.9636 Fernruf 1692.
verkaufe ich die während des Frühjahrs sich angesammelten
Reste und Restbestände:
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Gardinenstückware, Mulle, Rollostoffe,
Halbstores, Tüll- und Madras-Garnituren
Leinen-Dekorationen, Möbel- und
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rationsstoffe, Läufer- und Teppichstoffe,
ferner Restpaare von Steppdecken,
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vorlagen, sowie Tisch- und Diwandecken
und einen größeren Posten Teppiche
in verschiedenen Größen
werden zu modernen Strickweſten nmge
arbeitet. Zerriſſene Strümpfe werden ta
dellos repariert. In Halbſchuhen zu tragen
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